Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 31. Mai 2017 (810 16 69) ___________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / Voraussetzungen des nachehelichen Härtefalls Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess, Beat Walther , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Vedat Erduran , Recht s- anwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung (RRB Nr. 208 vom 23. Februar 2016) A. Die türkische Staatsangehörige A.____, geboren 1 987, heiratete am 30. Dezember 2010 den im Kanton Basel-Landschaft geborenen, türkischen Staatsangehörigen B.____, gebo- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren 1982. A.____ reiste am 5. August 2011 im Rahmen d es Familiennachzugs in die Schweiz ein. B. Am 1. Januar 2012 verliess A.____ in Begleitung ihr er Schwester, ihres Schwagers sowie einer Bekannten die eheliche Wohnung und begab sich zunächst ins Frauenhaus in C.____. Am 2. Januar 2012 suchte A.____ D.____, Fachärztin FMH für Allgemeinmedizin, auf. C. Am 2. Januar 2012 sprach der Ehemann beim Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM) vor und teilte mit, dass er sich aufgrund der ehelichen Probleme scheiden lassen möchte. In diesem Zusammenhang reichte er ein Arztzeugnis ein, g emäss welchem er von seiner Ehe- frau tätlich angegriffen worden sein soll. D. Aufgrund einer depressiven Symptomatik und akuten psych osozialen Belastungssitua- tion trat A.____ in die E.____ in F.____ ein. Sie b efand sich vom 4. Januar 2012 bis zum 11. Dezember 2012 in stationärer Behandlung. Ab Novem ber 2012 wurde sie als Tagespatien- tin teilstationär behandelt, wobei es vom 23. Dezember 2012 bis zum 3. Januar 2013 und vom 21. bis zum 28. Februar 2013 aufgrund suizidaler Krisen zu vollstationären Kurzaufenthalten kam. Ferner erfolgte vom 1. Oktober 2013 bis zum 28. N ovember 2013 ein weiterer stationärer Aufenthalt. Seit Dezember 2013 befindet sich A.____ in ambulanter Psychotherapie. E. Am 2. April 2012 zeigte A.____, vertreten durch Ve dat Erduran, Rechtsanwalt in Sargans, den Ehemann wegen einfacher Körperverletzun g, Tätlichkeiten, Nötigung, Beschimp- fung, Drohung und sexueller Nötigung (häuslicher Gewalt) bei der Polizei Basel-Landschaft an. F. Gemäss Urteil des Gerichtspräsidenten des Bezirksgerichts F.____ vom 3. April 2012 haben die Ehegatten am 1. Januar 2012 das Getrenntleben aufgenommen. G. A.____ wurde vom 1. Mai 2012 bis zum 30. August 201 4 von der Sozialhilfebehörde F.____ mit insgesamt Fr. 111'172.60 unterstützt (vgl. Schreiben der Stadt F.____ vom 3. Dezember 2014). H. Im Rahmen des Untersuchungsverfahrens gegen den Ehema nn holte die Staatsan- waltschaft Basel-Landschaft am 6. Juni 2012 eine amtliche Erkundigung bei der E.____ ein. I. Mit Urteil des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vo m 8. April 2014 wurde die Ehe von A.____ und B.____ auf gemeinsames Begehren geschied en. Daraufhin ersuchte B.____ das AfM mit Schreiben vom 22. Mai 2014, A.____ aus der Schweiz wegzuweisen. J. A.____ arbeitet seit dem 26. Juni 2014 als Produkti onsassistentin bei der G.____ AG in H.____ (vgl. befristeter Arbeitsvertrag der I.____ Gmb H vom 26. Juni 2014; unbefristeter Ar- beitsvertrag der I.____ GmbH vom 26. September 2014). K. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (Urteil des Strafgerichts) vom 3. Juni 2015 wurde B.____ von der Anklage der mehrfachen sexue llen Nötigung, der mehrfachen, teil- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht weise versuchten Vergewaltigung, der schweren Körperverl etzung, der mehrfachen einfachen qualifizierten Körperverletzung, der Aussetzung, der mehrfachen, teilweise versuchten Nöti- gung, eventualiter der mehrfachen Freiheitsberaubung , der mehrfachen Drohung sowie der mehrfachen Beschimpfung freigesprochen. Das Verfahren betreffend mehrfache Tätlichkeiten wurde aufgrund des Eintritts der Verjährung eingestellt. L. Am 6. August 2015 wurde A.____ das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Nichtver- längerung der Aufenthaltsbewilligung gewährt, welche s sie mit Schreiben vom 11. September 2015 wahrnahm. M. Am 26. Oktober 2015 verfügte das AfM die Nichtverläng erung der Aufenthaltsbewilli- gung von A.____ und ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz an. N. Mit Beschluss Nr. 208 vom 23. Februar 2016 wies der Re gierungsrat des Kantons Ba- sel-Landschaft (Regierungsrat) die dagegen von A.____ erhobene Beschwerde ab. O. Gegen diesen Beschluss erhob A.____, nach wie vor ver treten durch Rechtsanwalt Vedat Erduran, am 7. März 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), und beantragt die Aufhebung des ange- fochtenen Entscheids und die Verlängerung ihrer Aufent haltsbewilligung. Alles unter o/e- Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche Rechtspfle ge zu gewähren sei. Die Beschwerdebe- gründung reichte sie am 9. Mai 2016 ein. P. Mit präsidialer Verfügung vom 7. April 2016 wurde das Gesuch um unentgeltliche Pro- zessführung und Verbeiständung abgewiesen. Q. In seiner Vernehmlassung vom 27. Mai 2016 beantragt der Beschwerdegegner die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. R. Mit präsidialer Verfügung vom 13. Juni 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Weiter wurde B.____ als Auskunftsperson zur Parteiverhandlung geladen. S. An der Parteiverhandlung vom 14. Dezember 2016 na hmen die Beschwerdeführerin und ihr Rechtsvertreter, der Beschwerdegegner sowie B. ____ als Auskunftsperson teil. Das Verfahren wurde vom Kantonsgericht zwecks Vornahme weit erer Beweisabklärungen im Zu- sammenhang mit der geltend gemachten häuslichen Gewalt ausgestellt. T. Mit präsidialer Verfügung vom 21. Dezember 2016 wu rde eine zweite Parteiverhand- lung angeordnet, und es wurden als Auskunftspersonen zusä tzlich J.____, K.____ sowie L.____ und M.____ geladen. U. Gestützt auf das ärztliche Zeugnis von N.____ vom 14. F ebruar 2017 wurde J.____ mit präsidialer Verfügung vom 24. März 2017 von der Teilna hme an der Parteiverhandlung vom Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 31. Mai 2017 dispensiert. Sie hat einen schriftlichen F ragenkatalog des Gerichts beantwortet, welcher den Verfahrensbeteiligten zugestellt wurde. V. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Beschw erdeführerin und ihr Rechtsver- treter, der Beschwerdegegner sowie K.____, L.____ un d M.____ als Auskunftspersonen teil. Die Parteien halten an ihren Anträgen und Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdige s Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Als Adressatin des angefochtenen Entscheids weist die Beschwerdeführe- rin ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung auf . Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen r echtsfehlerhaft ausgeübt hat. Ferner kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unri chtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Ka ntonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin und die damit einhergehende Wegwei- sung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzt ode r wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [Ausländergesetz, AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). D ie zuständige kantonale Behörde ent- scheidet gemäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Ver- träge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Z ulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilli- gung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht , es sei denn, das AuG oder völker- rechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; MARC SPESCHA , in: Spescha/ Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Auflage, Zürich 2015, N 1 ff. zu Art. 3 AuG; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer recht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Vorab kann festgehalten werden, dass zwischen der Sch weiz und der Türkei keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, welche der Besch werdeführerin einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz gewähren würde. Demnach sin d, vorbehältlich anderer völker- rechtlicher Verträge, die Bestimmungen des AuG anwendbar. 4.3.1 Vorliegend steht unbestrittenermassen einzig ein A ufenthaltsanspruch gestützt auf einen nachehelichen Härtefall gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG im Raum (Beschwerdebegrün- dung vom 9. Mai 2016, S. 6). Nach Auflösung der Ehe o der der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteil ung und Verlängerung der Aufenthaltsbe- willigung nach den Artikeln 42 und 43 weiter, wenn w ichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Wichtige persönliche Gründe nach Absatz 1 Buchstabe b können namentlich vorli egen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG). Die Aufzählung der wichtigen Gründe ist nicht abschliessend. Ein nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten Umstände eine erhebliche Int ensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssitu ation nach dem Dahinfallen der abge- leiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (v gl. S PESCHA , a.a.O., N 7 ff. zu Art. 50 AuG). Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit ge dauert und wurden keine engen Beziehun- gen zur Schweiz geknüpft, lässt sich der Anspruch auf wei teren Verbleib in der Schweiz nicht begründen, wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme bereitet (BGE 139 II 393 E. 6). 4.3.2 Häusliche Gewalt bedeutet systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kon- trolle auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige od er eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits (vgl. Urteile des Bundesgeri chts 2C_293/2017 vom 30. Mai 2017 E. 3.1 und 2C_73/2013 vom 3. April 2014 E. 2). Dabei ist jede Form ehelicher bzw. häuslicher Gewalt, sei es körperlicher oder psychischer Natur, ernst z u nehmen (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2), wobei die physische und psychische Zwangsausübung un d deren Auswirkungen von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität sein müssen. Auch p sychische bzw. sozioökonomi- sche Druckausübung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrige n, Drohen oder Einsperren kann einen für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an unzulässiger Oppression erreichen. Es muss feststehen, dass die eheliche Gewalt die betroffene Person so stark zu belasten droht, dass ihr die Fortführung der ehe lichen Gemeinschaft nicht länger zu- gemutet werden kann. Nicht jede unglückliche, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung in einer Beziehung begründet indessen bereits einen nacheheli- chen Härtefall und ein weiteres Anwesenheitsrecht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_73/2013 vom 3. April 2014 E. 2). Die anhaltende, erniedrigende Behandlung muss derart schwerwiegen, dass von der betroffenen Person bei Berücksichtigung sämtlic her Umstände vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie einzig aus bewilligun gsrechtlichen Gründen die Ehe auf- rechterhält und in einer ihre Menschenwürde und Persönl ichkeit verneinenden Beziehung ver- harrt. Eine glaubhaft gemachte oppressionsbedingte Auf hebung der Hausgemeinschaft soll für die betroffene Person keine ausländerrechtlichen Nachtei le zur Folge haben, wenn sie durch das Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit ernsthaft gef ährdet wäre und ihr eine Fortführung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der ehelichen Gemeinschaft bei objektiver Betrachtungswe ise nicht mehr zugemutet werden kann (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.2 m.w.H.). 4.4 Das Vorliegen eines wichtigen persönlichen Grundes im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 50 Abs. 2 AuG ist von der betroffenen Perso n in geeigneter Weise glaubhaft zu ma- chen, wobei diese eine weitreichende Mitwirkungspflicht trifft (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.3). Als Beweismittel für häusliche Gewalt kommen Arztberichte, psyc hologische oder psychiatrische Gutachten, Berichte von Fachstellen wie Frauenhäusern oder Opferhilfestellen, Polizeirapporte oder Zeugenaussagen in Frage (Art. 77 Abs. 5, 6 und 6 bis der Verordnung über Zulassung, Auf- enthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2 007, vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_451/2014 vom 24. Dezember 2014 E. 6.2). Allgemein gehaltene Behauptungen oder Hin- weise auf punktuelle Spannungen genügen nicht; wird h äusliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet, muss vielmehr die Systematik der Mi sshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende subjektive Belastu ng objektiv nachvollziehbar konkreti- siert und beweismässig unterlegt werden. Dasselbe gilt, so weit damit verbunden geltend ge- macht werden soll, bei einer Rückkehr erweise sich die sozi ale Wiedereingliederung als stark gefährdet. Auch hier genügen allgemeine Hinweise nicht ; die befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände glaubh aft erscheinen (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.4). 4.5 Im streitgegenständlichen Entscheid führte der Beschw erdegegner aus, die Beschwer- deführerin erhebe massive Vorwürfe gegen ihren ehemali gen Ehemann, indem sie geltend mache, sie sei von ihm mehrfach geschlagen, genötigt und beschimpft worden und Opfer sexueller Gewalt geworden (vgl. Regierungsratsbeschluss Nr. 0208 vom 23. Februar 2016, S. 4 in fine). Die vorgebrachten Vorwürfe hätten Gegenstand eines ordentlichen Strafverfahrens ge- bildet, in welchem umfassend Beweise erhoben worden se ien. Das Strafverfahren habe in ei- nem umfassenden Freispruch geendet, wobei das Verfahren betreffend mehrfache Beschimp- fung und Tätlichkeiten zufolge Verjährung eingestellt w orden sei (vgl. Regierungsratsbeschluss Nr. 0208 vom 23. Februar 2016, S. 5). Der Beschwerdeg egner legt weiter dar, keine Anhalts- punkte zu erkennen, welche ein Abweichen von den im Stra fverfahren getroffenen Sachver- haltsfeststellungen gebiete. Zu berücksichtigen sei all erdings, dass die erhobenen Vorwürfe im Verwaltungsverfahren lediglich glaubhaft gemacht werde n müssten (vgl. Regierungsratsbe- schluss Nr. 0208 vom 23. Februar 2016, S. 6). Die Beschwe rdeführerin sei am 1. Januar 2012 (im Beisein ihrer Schwester und ihres Schwagers) ins Frauenhaus in C.____ gegangen, von wo sie aufgrund ihres körperlichen und psychischen Zustands in die E.____ überwiesen worden sei. Die Hausärztin habe im Arztzeugnis vom 2. Januar 2012 bestätigt, dass die Beschwerde- führerin Hämatome an Oberarm, Oberschenkel und Untersch enkel sowie eine leichte Schwel- lung am Haaransatz aufgewiesen habe. Die E.____ habe eine posttraumatische Belastungsstö- rung diagnostiziert, deren Ursache eindeutig auf das vo n physischer und psychischer Gewalt gekennzeichnete eheliche Zusammenleben zurückzuführen sei. Demgegenüber würden die zahlreichen Feststellungen des Strafgerichts an der gelte nd gemachten häuslichen Gewalt Zweifel aufkommen lassen: So seien zusammenfassend kaum objektive Beweise vorhanden, welche die Darstellungen der Beschwerdeführerin stützen w ürden und es sei ihr demzufolge nicht gelungen, die häusliche Gewalt glaubhaft zu mach en (vgl. Regierungsratsbeschluss Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nr. 0208 vom 23. Februar 2016, S. 6 und 7). Die Nich tverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweise sich somit als angemessen und verhältnismässig. 4.6 Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, sie sei Opfer schwerer häuslicher Gewalt geworden. Das AfM sei auf die eingereichten Arztberichte kaum eingegangen, sondern habe sich darauf beschränkt, die Vo rwürfe häuslicher Gewalt unter Hin- weis auf den strafrechtlichen Freispruch zu entkräften. Sie habe eine posttraumatische Belas- tungsstörung erlitten, befinde sich nun seit fast vier Jah ren in psychiatrischer Behandlung und nehme täglich Psychopharmaka ein. Entgegen der Ansicht d es Beschwerdegegners habe sie keine Gelegenheit gehabt, ihre Situation aussenstehende n Personen zu schildern, weil sie ers- tens kein Wort deutsch gesprochen habe und zweitens die Kontakte mit der Polizei oder Ärzten jeweils im Beisein des Ehemannes bzw. seiner Familie statt gefunden hätten. Im Unterschied zum Strafverfahren, wo der volle Beweis zu erbringen sei , reiche im Verwaltungsverfahren das Beweismass der Glaubhaftmachung aus, weshalb nicht allei ne auf die Feststellungen des Strafgerichts abgestellt werden dürfe. Es seien mehrere Fachpersonen zum Ergebnis gelangt, dass sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leide, welche auf die in der Ehe aus- geübte häusliche Gewalt zurückzuführen sei. Die Feststellungen des Beschwerdegegners seien insbesondere aktenwidrig, soweit ausgeführt werde, die Beschwerdeführerin habe den Grossteil des ehelichen Zusammenlebens alleine mit ihrem Ehemann verbracht, welcher jedoch einer Arbeit nachgegangen sei und sie deshalb nicht ständig habe überwachen können (Beschwer- debegründung vom 9. Mai 2016, S. 8). Aufgrund der e rlebten häuslichen Gewalt sei ihr eine Fortsetzung des ehelichen Zusammenlebens nicht zuzumuten gewesen und es sei ihr daher ein Bleiberecht aufgrund erlebter ehelicher Gewalt einzuräumen. 4.7 Das Strafgericht hat in seinem Urteil vom 3. Juni 20 15 festgehalten, die Beschwerde- führerin habe sehr weitgehende und zahlreich begang ene Übergriffe seitens des Ehemannes und dessen Eltern geschildert, wie sie in der Gerichtspraxi s in dieser Schwere selten anzutref- fen seien. Dabei sei der Eindruck einer Tendenz zur über mässigen Belastung entstanden, was auf einen fehlenden Realbezug hinweisen könne. So seie n bei näherer Betrachtung dieser Aussagen denn auch Inkonsistenzen, logische Lücken und Wi dersprüche zu erkennen gewe- sen (Urteil des Strafgerichts vom 3. Juni 2015, S. 24): So hätten beispielsweise die Angaben zur Häufigkeit der sexuellen Übergriffe stark variiert . Dabei habe es sich angeblich um gröbste Vergewaltigung und sexuelle Nötigung gehandelt, die mit starken Blutungen verbunden gewe- sen und gemäss gewissen Angaben bis zu drei- bis viermal wöch entlich begangen worden seien. Die Beschwerdeführerin habe diese angeblichen Üb ergriffe jedoch in sehr pauschaler Weise geschildert. Zeitliche und sachliche Einordnungen sowie detaillierte Handlungsabläufe seien den Aussagen kaum zu entnehmen gewesen, obwohl von den behaupteten Tatzeitpunk- ten bis zu den Befragungen kein langer Zeitraum verstrich en sei und die Erinnerung noch vor- handen gewesen sei müsste (Urteil des Strafgerichts vom 3. Juni 2015, S. 24 in fine). Auch die Darstellungen der Beschwerdeführerin, wonach sie gleich sam wie eine Gefangene in der ehe- lichen Wohnung festgehalten worden sei, seien widerspr üchlich gewesen und teilweise anhand von Beweiserhebungen widerlegt worden (Urteil des Stra fgerichts vom 3. Juni 2015, S. 25). Es habe genügend Möglichkeiten gegeben, Hilfe zu holen. Die Polizei sei nämlich nicht nur am 1. Januar 2012 ausgerückt, sondern auch am 14. Septem ber 2011 wegen eines (angeblich) Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht verbalen Streites zur Wohnung der Beschwerdeführerin g efahren. Ferner habe die Beschwer- deführerin elf Lektionen eines Deutschkurses besucht, anlässl ich welchen sie sich habe ver- ständigen und Hilfe hätte anfordern können (Urteil de s Strafgerichts vom 3. Juni 2015, S. 25). Im Übrigen ergebe sich aus gewissen Therapieberichten so wie auch in Anbetracht ihrer Reak- tion auf Nachfragen der Verteidigung in der Einverna hme vom 12. Juli 2012, dass die Be- schwerdeführerin durchaus in der Lage sei, fordernd auf zutreten und von ihrem Naturell her keineswegs derart hilflos zu sein scheine, wie der Anklage vorwurf suggeriere (Urteil des Straf- gerichts vom 3. Juni 2015, S. 25). Ferner habe die Besch werdeführerin im November 2011 un- bestrittenermassen die Möglichkeit gehabt, in die Türkei zu reisen, was sie jedoch nicht gewollt habe. Eine zweite Reise sei für Januar 2012 vorgesehen gewesen, welche sie ebenfalls nicht habe antreten wollen, was angesichts der behaupteten sc hweren Vorwürfe überhaupt nicht nachvollziehbar sei. Auch die Aussagen der ersten Ex-Ehe frau würden den Ex-Ehemann eher entlasten. So habe O.____ das Verhalten der Ex-Schwiegermutter ihr gegenüber zwar auch als sehr dominant und autoritär beschrieben – diese habe i hr namentlich verboten zu telefonieren – und auch den Alkoholkonsum des Ex-Ehemannes als problemat isch beschrieben. Doch ver- neinte sie, von ihrem Ex-Ehemann je in irgendeiner For m geschlagen oder beschimpft worden zu sein. Wenn sich der Ex-Ehemann in der ersten Ehe völli g gewaltfrei verhalten habe, erschei- ne es unwahrscheinlich, dass er dann in der zweiten Ehe syste matisch und über Monate hin- weg Gewalt angewandt haben soll. Erfahrungsgemäss sei ei ne Neigung zu gewalttätigem Ver- halten in Paarbeziehungen typischerweise in der Persönli chkeit begründet und zeige sich im Verlaufe der Zeit regelmässig über mehrere Paarbeziehu ngen hinweg (Urteil des Strafgerichts vom 3. Juni 2015, S. 29). 4.8 Gemäss Austrittsbericht der E.____ vom 10. Februar 2 014 hätten die Gespräche auf- grund der fehlenden Deutschkenntnisse ausschliesslich mit ein er Dolmetscherin stattgefunden. Die Beschwerdeführerin habe sich in den Gesprächen sehr instabil gezeigt, viel geweint und sei sehr fixiert auf den Kontakt mit ihrem Ex-Ehemann gewes en, welcher von ihm zu Beginn der Hospitalisation verweigert worden sei. Sie habe geschil dert, dass sie darunter gelitten habe, dass die Schwiegereltern ihres Ex-Ehemannes in der gemein samen Wohnung mit ihnen gelebt hätten, und sie nicht alleine mit ihrem Ex-Ehemann hab e zusammenwohnen können. Die Be- schwerdeführerin habe sich jedoch zunehmend ambivalent gezeigt und vermehrt von häuslicher Gewalt durch ihren Ehemann und von der negativen Beein flussung durch die Schwiegereltern berichtet. Im Verlauf der Therapie sei ihr Verhalten sehr undurchsichtig geworden. In den thera- peutischen Gesprächen sei ein guter Kontakt möglich gewe sen, wenn auch teilweise durch Affektlabilität und Rückzug erschwert. Inhaltlich sei es um die Aufarbeitung der jüngsten Ver- gangenheit gegangen, wobei sich immer mehr das Bild e ines komplexen körperlichen und psy- chischen Missbrauchs durch den Ehemann und dessen Familie abgezeichnet habe (Austrittsbe- richt der E.____ vom 10. Februar 2014, S. 2). Auch we nn immer wieder emotionale Einbrüche mit latenter Suizidalität aufgetreten seien, habe die Beschwerdeführerin Ende Jahr in eine eige- ne Wohnung austreten und von dort aus ihre Arbeit weit erführen können (Austrittsbericht der E.____ vom 10. Februar 2014, S. 3). Dem Bericht von P.____, Psychotherapeutin FSP, vom 11. J anuar 2016 kann entnommen wer- den, dass sich die Beschwerdeführerin sei Februar 2012 (zu nächst stationär in der E.____, an- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schliessend ambulant) bei ihr in Behandlung befindet. Sie macht Ausführungen zur im vorlie- genden Verfahren zum Tragen kommenden Mitwirkungspfli cht, indem sie erklärt, die Be- schwerdeführerin habe keine Möglichkeit gehabt, ihre Si tuation zu kommunizieren und es gebe auch keine psychopathologischen Gründe, die Aussagen der Beschwerdeführerin zum Aus- mass von Gewalt und Erniedrigung in Frage zu stellen. In diesem Zusammenhang wendet sie sich insbesondere gegen den vom Strafgericht erwähnten allfälligen Realbezug (vgl. E. 4.7 hiervor): Einen solchen habe sie während ihrer langen stationären Behandlung nicht feststellen können, vielmehr würden vorübergehende Verzerrungen zu r Symptomatik von posttraumati- schen Belastungsstörungen gehören (S. 1 f.). Eine Falschb ezichtigung des Ex-Ehemannes mit dem Zweck, in der Schweiz bleiben zu können, sei nach ih rer Auffassung auszuschliessen (Be- richt P.____, Psychotherapeutin FSP, vom 11. Januar 2016, S. 2). 4.9 Anlässlich der ersten Parteiverhandlung vom 14. Dezember 2016 reichte die Be- schwerdeführerin den Verlaufsbericht von P.____, Psychoth erapeutin FSP, vom 8. Dezember 2016 ein. Daraus ging hervor, dass sich die Beschwerdefüh rerin weiterhin in psychotherapeuti- scher Behandlung befinde und sich ihr Zustand leicht stabi lisiert habe, wobei ihre Stimmung durchgängig als leicht depressiv zu beschreiben sei (S. 1). Im Rahmen der gerichtlichen Befra- gung konnten zahlreiche Widersprüche in den Aussagen der Beschwerdeführerin und ihres früheren Ehemannes festgestellt werden, weshalb das Ver fahren zwecks Vornahme weiterer Beweisabklärungen ausgestellt wurde. An der heutigen Parteiverhandlung führt K.____ (Cousi n des Ex-Ehemannes) aus, die Behaup- tung der Beschwerdeführerin (Protokoll der Parteiverha ndlung vom 14. Dezember 2016, S. 8), wonach er sie kontrolliert habe, sei unzutreffend. Er h abe im betreffenden Zeitraum gearbeitet und sei demzufolge nicht ständig zu Hause gewesen. Er ha be auch nie einen Auftrag erhalten, die Beschwerdeführerin zu überwachen (vgl. Protokoll d er Parteiverhandlung vom 31. Mai 2017, S. 2). Die Behauptung der Beschwerdeführerin, wonach sie bei Abwesenheit des Ex- Ehemannes aufgrund der Überwachung durch dessen Cousin keine Möglichkeit gehabt habe, aus der Wohnung zu fliehen, wurde somit im Rahmen der heutigen Befragung entkräftet. Was die Behauptung des Ex-Ehemannes betrifft, L.____ und M .____ könnten bestätigen, dass sich die Beschwerdeführerin frei habe bewegen können, so st ellte sich bei der Befragung dieses Ehepaars heraus, dass kein näherer Kontakt zur Beschwerde führerin bestand, weil M.____ immer gearbeitet habe (vgl. Protokoll der Parteiverhandlung vom 31. Mai 2017, S. 3 f.). Der Ex- Ehemann behauptete anlässlich der ersten Parteiverhandl ung ferner, die Beschwerdeführerin sei mit der Nachbarin J.____ einkaufen gegangen und habe auch anderweitig Zeit mit ihr ver- bracht (Protokoll der Parteiverhandlung vom 14. Dezembe r 2016, S. 9 f.), was diese im Rah- men ihrer schriftlichen Stellungnahme vom 17. März 2017 insoweit bestätigte, als sie die Be- schwerdeführerin zweimal gesehen habe. Seither pflege si e keinen Kontakt mehr zu ihr. Auch nach den heutigen Befragungen der weiteren Auskunftsp ersonen konnte nicht erhärtet werden, dass die Beschwerdeführerin – entsprechend ihrer Behaupt ung – quasi als Gefangene ohne jegliche Fluchtmöglichkeit gehalten wurde, vielmehr ble iben erhebliche Zweifel hinsichtlich der behaupteten häuslichen Gewalt bestehen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.10 Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass es in der Ehe zwischen der Be- schwerdeführerin und ihrem Ex-Ehemann zu teilweise laut starken Streitigkeiten gekommen ist und in diesem Zusammenhang die Polizei gerufen werde n musste (vgl. Urteil des Strafgerichts vom 3. Juni 2015, S. 22). Gemäss den Angaben beider Ex-Ehegatten sei ihre Ehe bereits weni- ge Wochen nach dem Zuzug der Beschwerdeführerin in die gemeinsame Wohnung belastet gewesen: Nach Ansicht des Ex-Ehemannes hätten sich die ehe lichen Differenzen vornehmlich auf Alltagsprobleme beschränkt (Protokoll der Parteiv erhandlung vom 14. Dezember 2016, S. 8). Die Beschwerdeführerin führt anlässlich der ersten Parteiverhandlung aus, die ehelichen Schwierigkeiten hätten angefangen, nachdem die Schwi egermutter sie in der gemeinsamen Wohnung besucht habe. Ferner sei es während des fünfmon atigen Zusammenlebens neben wiederholten Tätlichkeiten und Körperverletzungen zu massiven Übergriffen gekommen (Proto- koll der Parteiverhandlung vom 14. Dezember 2016, S. 4 und 5). Gleichzeitig erklärt sie, die Schwiegereltern hätten ihr im November 2011 ein Flug ticket gekauft, sie habe jedoch nicht in die Türkei reisen wollen. Sie habe ihren Eltern unte r den gegebenen Umständen nicht begeg- nen können, weil der Ruf im Dorf sehr wichtig sei (Prot okoll der Parteiverhandlung vom 14. Dezember 2016, S. 5). Angesichts der Schwere der von der Beschwerdeführerin erhobenen Vorwürfe ist für das Gericht nicht nachvollziehbar, weshal b die Beschwerdeführerin ihre bereits gebuchte Reise in die Türkei nicht angetreten hat. De s Weiteren hat das Gericht an den Partei- verhandlungen den Eindruck gewonnen, dass die Beschwerdef ührerin durchaus fordernd auf- treten kann (Protokoll der Parteiverhandlung vom 14. D ezember 2016, S. 6). Darüber hinaus hat sich anlässlich der zweiten Parteiverhandlung herausge stellt, dass die Beschwerdeführerin ihren früheren Ehemann im Zusammenhang mit Streitig keiten betreffend dessen Alkoholkon- sum offenbar nicht habe in Ruhe lassen wollen und es in der Folge zu verbalen Streitigkeiten gekommen sei (vgl. Protokoll der Parteiverhandlung v om 31. Mai 2017, S. 6). Vor dem Hinter- grund, dass die Beschwerdeführerin angeblich schwerste häusliche Gewalt erlebt haben soll, ist auch dieses Verhalten für das Gericht nicht nachvollzie hbar. Die vorstehenden Ausführungen zeichnen gerade nicht das Bild einer hilflosen Person. Z usammenfassend wirkte das von der Beschwerdeführerin beschriebene angebliche Martyrium in der Ehe deshalb nicht glaubhaft. Wie bereits das Strafgericht festgehalten hat, erscheint es angesichts der im Raum stehenden Vorwürfe auch nicht glaubhaft, dass sich die Beschwerdeführerin an keine zeitlichen oder sach- lichen Einordnungen mehr erinnern könne. Die diesbezüg lichen Schilderungen seitens der Be- schwerdeführerin an der Parteiverhandlung vom 14. Dez ember 2016 waren widersprüchlich und teilweise nur schwer fassbar (Protokoll der Parteiver handlung vom 14. Dezember 2016, S. 5 und 6). D.____, Fachärztin Allgemeine Medizin FMH, stellte in ihrem Bericht vom 2. Januar 2012 zwar fest, dass die Beschwerdeführerin ein Hämatom am Oberarm, zwei am Ober- und Unterschenkel sowie eine leichte Schwellung am Haaransa tz aufwies. Hinweise für eine tiefere Verletzung der Gelenke oder der inneren Organe hätte n aber nicht bestanden. In diesem Zu- sammenhang ist wiederum mit dem Strafgericht festzuhalt en, dass es wenig plausibel er- scheint, dass keine schwereren Verletzungen festgestellt wurden, wenn die Beschwerdeführerin doch behauptet, bis zum Schluss Opfer schwerster körperlich er Übergriffe gewesen zu sein. Weiter kann festgestellt werden, dass sämtliche Arztberich te ausschliesslich auf den Schilde- rungen der Beschwerdeführerin beruhen und keine eigenen (ärztlichen) Feststellungen über die behauptete häusliche Gewalt enthalten. Die im Rahmen des strafrechtlichen Verfahrens getätig- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Aussagen der ersten Ex-Ehefrau zeigten zwar auf, dass gewisse Kongruenzen zwischen den Darstellungen der ersten und der zweiten Ex-Ehefra u bestehen (etwa Verbot zu telefonie- ren und Dominanz der Schwiegermutter). Die erste Ex-Ehefrau habe jedoch gemäss ihrer eige- nen Aussage keine Gewalt in der Ehe erlebt (Urteil des Strafgerichts vom 3. Juni 2015, S. 19 f.). Es darf daher mit dem Strafgericht angenommen werden, dass es unwahrscheinlich ist, dass der Ex-Ehemann in seiner zweiten Ehe systematisch und dera rt gravierend Gewalt ausgeübt hat. Aufgrund des Hergangs der Ereignisse ist vielmehr da von auszugehen, dass die Ehe schon nach wenigen Wochen in der Schweiz in eine Krise ger aten und das Funktionieren der Ehe letztlich an diesen Konflikten, welche sich offenbar aufgrund der Präsenz und Dominanz der Eltern des Ex-Ehemannes zuspitzten, gescheitert ist. Zusammenfassend sind jedoch keine objektivierten Hinweise ersichtlich, welche auf eine hä usliche Gewalt schliessen lassen. Viel- mehr basieren die diesbezüglichen Behauptungen allesamt auf den nicht belegten Aussagen der Beschwerdeführerin. Diese vermögen nicht die Inte nsität im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG zu erreichen. Es ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung verneint hat. 5. Demnach bleibt zu prüfen, ob die soziale Wiedereing liederung der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Türkei stark gefährdet wäre. Dabei ist massgebend, ob die persön- liche, berufliche und familiäre Eingliederung der bet roffenen ausländischen Person bei einer Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hä tte, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre und – aus welchen Gründen auch immer – vorgezogen würde. Wie bereits ausgeführt, setzt ein persönlicher, nachehelicher Härtefall aufgrund der gesamten Um- stände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der a bgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (vgl. BGE 139 II 393 E. 6). Hat der Aufenthalt der ausländischen Person nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Bezi ehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich der Anspruch auf einen weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme bereitet (BGE 138 II 229 E. 3.1). Vorliegend ist nicht ersichtlich, und wird von der Beschwerdeführerin auch nich t geltend gemacht, dass ihre Wie- dereingliederung im Herkunftsstaat im Sinne von Art. 5 0 Abs. 1 lit. b AuG i.v.m. Art. 50 Abs. 2 AuG stark gefährdet sei (vgl. E. 7.3 hiernach). Die Be schwerdeführerin verfügt demnach über keinen Rechtsanspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. 6. Eine Verlängerung oder Nichtverlängerung der Aufen thaltsbewilligung liegt somit im Ermessen der Behörden, wobei dieses pflichtgemäss auszuüben ist (Art. 33 Abs. 3 AuG, vgl. ANDREAS ZÜND /LADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer- recht, Eine umfassende Darstellung der Rechtsstellung von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz, Basel 2009, N 8.44). Die Vorinstanzen haben dabei die öffentlichen Interessen an einer Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung de n dadurch beeinträchtigten privaten Interessen der Beschwerdeführerin gegenüberzustellen sowie auch den Grad der Integration im Rahmen einer umfassenden Interessenabwägung zu prüfen. Im angefochtenen Entscheid des Beschwerdegegners wurden die massgeblichen Kriterien un ter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Einzelfalles geprüft, und der Entscheid wu rde nachvollziehbar begründet. Eine rechtsfehlerhafte Ermessensbetätigung ist in diesem Zus ammenhang nicht ersichtlich und wird Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Eine weitergehende inhaltliche An- gemessenheitskontrolle ist dem Kantonsgericht nicht gestat tet (vgl. E. 2). Es ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass es der Beschwerdegegner abgele hnt hat, der Beschwerdeführerin die Aufenthaltsbewilligung ermessensweise zu verlängern. 7.1 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob die N ichtverlängerung der Aufenthaltsbewil- ligung und die damit verbundene Wegweisung (vgl. Art . 64 Abs. 1 lit. c AuG) gestützt auf eine umfassende Güterabwägung verhältnismässig erscheinen (Art. 96 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.2.1; BENJAMIN SCHINDLER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Auslände- rinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 10 ff. zu Art. 96 AuG). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und pr ivaten Interessen sorgfältig gegen- einander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, N 3 zu Art. 51 AuG). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten In teressen an der Erteilung der Bewilli- gung und der öffentlichen Interessen an deren Verweige rung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig e rweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). 7.2.1 Als zulässiges öffentliches Interesse fällt dabei gr undsätzlich das Durchsetzen der Einwanderungspolitik in Betracht. Die Schweiz verfolgt gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums in Fragen der Aufenthaltsberechti gung eine restriktive Politik. Eine sol- che rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes Ve rhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, auf die Schaffung gü nstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz bereits ansässigen Ausl änder und die Verbesserung der Ar- beitsmarktstruktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung (BGE 137 I 247 E. 4.2.1; BGE 135 I 153 E. 2.2.1). 7.2.2 Es steht ausser Frage, dass eine Wegweisung für di e Erreichung der fremdenpolizeili- chen Ziele eine geeignete Massnahme ist. Ausländer, dere n Aufenthaltszweck weggefallen ist, haben die Schweiz unter bestimmten Umständen zu verlassen . Dieses fremdenpolizeiliche Ziel kann im vorliegenden Fall auch nicht durch eine weniger einschneidende Massnahme erreicht werden. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung erweisen sich auch als erforderlich, um das öffentliche Interesse durchzusetzen. 7.3 Diesem öffentlichen Interesse sind die privaten Int eressen der Beschwerdeführerin gegenüberzustellen. Entscheidend ist stets das Gesamtbild e ines jeden Einzelfalles, welches anhand von sämtlichen der massgeblichen Kriterien zu beur teilen ist (BGE 139 I 145 E. 2.4). Die Beschwerdeführerin ist erst im Alter von knapp 24 Jahren in die Schweiz gekommen und wurde in ihrer Heimat sozialisiert; sie hat dort ihre persönlichkeitsprägenden Jugendjahre ver- bracht. Zwischenzeitlich lebt sie seit mehr als fünf Jahren in der Schweiz, was nicht massge- blich zu ihren Gunsten ins Gewicht fallen kann. In de r Schweiz wohnen lediglich weit entfernte Verwandte, zu denen offenbar kein Kontakt besteht. Di e Beschwerdeführerin hat verschiedene Deutschkurse besucht. Von 2012 bis Mitte 2014 bezog sie Sozialhilfe. Seither arbeitete sie und seit dem 1. Januar 2016 verfügt sie über eine unbefristete Anstellung als Produktionsassistentin Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Arbeitsvertrag G.____ AG vom 18. Dezember 2015). Au ch wenn ihre beruflichen Anstrengun- gen positiv zu beurteilen sind, ist dennoch zu bemerken, d ass die Beschwerdeführerin keine besonders qualifizierte Tätigkeit ausübt, die aus wir tschaftlicher oder arbeitsmarktlicher Sicht eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gebiet en würde. Hinsichtlich der Zumutbarkeit einer Rückkehr in die Türkei ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin keine über- durchschnittlichen Schwierigkeiten zu gewärtigen haben wird. Mit den dortigen Verhältnissen ist sie bestens vertraut. Sie ist dort geboren und aufgewachsen. Die Primarschule bis zur Oberstu- fe hat sie gemäss eigener Angabe in ihrem Heimatdorf und zwei Jahre Studium an der Universi- tät in Q.____ absolviert. Sie verfügt über eine abgesch lossene Ausbildung als Buchhalterin und war vor ihrer Einreise in die Schweiz als solche bei einem Immobilienmakler in der Türkei ange- stellt. Zudem leben die Eltern und ein Bruder im Hei matland, welche sie bei ihrer Rückkehr un- terstützen könnten. Muss die Beschwerdeführerin die Schweiz verlassen, wird auch die aktuelle psychotherapeutische Therapie abgebrochen. Eine solche kö nnte sie jedoch in ihrem Heimat- land weiterführen (Länderanalyse der Schweizerischen Flüch tlingshilfe [SFH-Länderanalyse], Türkei: Pflegebetreuung und psychiatrische Behandlungen vo m 28. November 2013) und somit besteht eine hinreichende medizinische Versorgung im Hei matland der Beschwerdeführerin. Demzufolge ist eine Rückkehr der heute knapp 30 Jahre alten und kinderlosen Beschwerdefüh- rerin zumutbar und der streitgegenständliche Entscheid er weist sich demzufolge als verhältnis- mässig. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Ab s. 1 VPO ist das verwaltungs- gerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenp flichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden na ch § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer legt. Vorliegend sind die Verfah- renskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 2'500.-- der unterlegenen Beschwerdeführerin aufzu- erlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der H öhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Demzufolge hat die Beschwerdeführerin restliche Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'100.-- zu bezahlen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. Die Beschwerdefü hrerin hat dem- zufolge restliche Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'100.-- zu bezah- len. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde am 14. September 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Ver- fahrensnummer 2C_771/2017) erhoben.