200 18 747 IV LOU/RUM/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 11. Dezember 2019 Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Fuhrer, Verwaltungsrichter Knapp Gerichtsschreiber Rüfenacht A.________ vertreten durch B.________ AG, Rechtsanwalt C.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 11. September 2018 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1964 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) meldete sich am 25. März 2015 bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwer- degegnerin) zum Bezug von IV-Leistungen an (Antwortbeilagen [AB] 3). Nach Einholung medizinischer und erwerblicher Unterlagen gewährte die IVB Massnahmen im Hinblick auf den Erhalt des Arbeitsplatzes (AB 27, 33) und erteilte namentlich Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining bei ihrem Arbeitgeber vom 2. November 2015 bis 1. Februar 2016 (AB 35). Im Dezember 2016 gewährte die IVB ein weiteres Belastbarkeitstraining in der Abklärungsstelle M.________ vom 5. Dezember 2016 bis 5. März 2017 (AB 62, 82/2 ff.). In der Folge veranlasste die IVB eine bidisziplinäre (rheu- matologische und psychiatrische) Begutachtung; die entsprechenden Gut- achten samt bidisziplinärer Einschätzung wurden am 1. Juni 2018 erstattet (AB 136.1, 136.2, 137.1). Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (AB 138, 144) und Einholung einer Stellungnahme des Regionalen Ärztli- chen Dienstes der IV-Stellen (RAD) vom 23. August 2018 (AB 147) wies die IVB mit Verfügung vom 11. September 2018 das Leistungsgesuch ab (AB 148). B. Mit Eingabe vom 11. Oktober 2018 erhob die Versicherte, vertreten durch B.________ AG, lic. iur. D.________, Beschwerde. Sie beantragt, die Ver- fügung vom 11. September 2018 sei aufzuheben und der Beschwerdefüh- rerin seien die gesetzlich geschuldeten Leistungen auszurichten. Ein Ge- richtsgutachten sei in Auftrag zu geben. Eventuell sei die Streitsache zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen Beurteilung bzw. Ver- fügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Mit Beschwerdeantwort vom 12. November 2018 beantragt die Beschwer- degegnerin die Abweisung der Beschwerde.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 3 Mit Eingabe vom 26. November 2018 reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren Arztbericht ein (Beschwerdebeilage [BB] 4), der der Beschwerde- gegnerin mit prozessleitender Verfügung vom 27. November 2018 zur all- fälligen Stellungnahme zugestellt wurde. Am 7. Dezember 2018 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf weitere Be- merkungen und hielt an der beantragten Abweisung fest. Mit Schreiben vom 22. November 2019 zeigte B.________, Rechtsanwalt C.________, an, dass er die Fallführung von Frau Kollegin D.________ übernommen habe. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver- waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok- tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist ge- geben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs- rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer- de einzutreten.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 4 1.2Angefochten ist die Verfügung vom 11. September 2018 (AB 148). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf IV-Leistungen. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden kön- nen auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizini- sche Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeein- trächtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 5 Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berück- sichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsscha- dens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver- werten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitge- hend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versicherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehen- den ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesell- schaft tragbar ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.2). 2.3Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnah- men, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den An- spruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreivier- telsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsren- te. 2.4Um den Leistungsanspruch beurteilen zu können, ist die Verwal- tung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weite- ren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 6 Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das So- zialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhän- gig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi- dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, oh- ne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3. 3.1In medizinischer Hinsicht ergibt sich aus den Akten im Wesentli- chen Folgendes: 3.1.1Im Bericht vom 23. Februar 2017 der Orthopädie E.________ wur- den ein Status nach Hüft-Totalprothesen-Revision vom 23. Februar 2016, neurogene Schmerzkomponenten des Ischiadikus links und eine myofaszi- ale Komponente der Abduktoren links aufgeführt. Man sei bei diesem äus- serst unbefriedigenden Verlauf mit dem Latein ein wenig am Ende. Die an- giologische Abklärung habe keinerlei pathologischen Befund erbracht. Alle bisherigen therapeutischen Massnahmen und Abklärungen hätten die Si- tuation nicht nennenswert positiv beeinflussen können (AB 81/5). 3.1.2Im Arztbericht vom 28. Juni 2017 hielt Dr. med. F.________, Fach- ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, keine (psychiatrischen) Diagno- sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Unter Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte sie im Wesentlichen eine länger- dauernde depressive Reaktion (ICD-10 F43.21), Probleme mit Berufstätig- keit und Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56) und Anpassungsprobleme bei Ver- änderung der Lebensumstände bzw. Existenzängste (ICD-10 Z60.0) auf. Die depressive Verstimmung sei als Reaktion auf die chronischen Schmer-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 7 zen, die andauernde Arbeitsunfähigkeit und die damit verbundenen finanzi- ellen Schwierigkeiten anzusehen. Je nach somatischem Verlauf sei die Be- schwerdeführerin von psychiatrischer Seite her auf ihrem angestammten Beruf arbeitstauglich (AB 108/2 ff.). 3.1.3Im Bericht vom 29. Januar 2018 des Spitals G.________ wurden als Diagnosen Polyarthralgien im Rahmen einer chronischen Schmerz- krankheit, eine somatoforme Schmerzkrankheit, eine Depression sowie ei- ne Coxarthrose beidseits, eine substituierte Hypothyreose und eine Penicil- lin-Allergie aufgeführt. Aktuell betätige sich die Beschwerdeführerin weiter- hin in der Freiwilligenarbeit im Altersheim mit therapeutischem Zweck (ehe- maliger Arbeitgeber). Die psychosoziale Situation sei weiterhin sehr belas- tend. Basierend auf der ärztlichen Dokumentation habe der Beschwerde- führerin und der behandelnden Psychiaterin erklärt werden müssen, dass rheumatologisch eine Arbeitsunfähigkeit nicht begründbar sei. Im Rahmen des Gesamtkontextes und der psychischen Labilität mit rascher psychisch- bedingter Überforderung sei eine Arbeitsunfähigkeit gegenüber der IV nur psychiatrisch begründbar (AB 129). 3.1.4Im rheumatologischen Gutachten vom 1. Juni 2018 führte Dr. med. H.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatolo- gie, im Wesentlichen folgende Diagnosen auf (AB 136.1/11): Mit langdauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 1) Keine Ohne langdauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 2) Chronisches, generalisiertes Schmerzsyndrom 3) Coxathrosen 4) Panvertebralsyndrom mit spondylogener Ausstrahlung 5) Fingerpolyarthrose 6) Senk- und Spreizfüsse 7) Übergewicht mit Body-Mass-Index von 27.2 kg/m 2 8) Anamnestisch Reizmagen-Syndrom Insgesamt seien die geklagten Beschwerden bezüglich Umfang und Inten- sität partiell objektivierbar, mithin auf somatisch-pathologische Befunde zu- rückzuführen. Aus somatisch-rheumatologischer Sicht könne weder für die derzeit noch ausgeübte Tätigkeit im … noch in der früheren Tätigkeit als ... eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden. Für Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 8 beide Tätigkeiten, welche während Jahren parallel ausgeübt worden seien, bestünden zeitlich limitierte Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nach dem Velosturz vom 17. September 2014 (recte: 7. September 2014 [AB 4.3]) für maximal zwei bis drei Wochen, nach der ersten Hüftoperation links vom 13. Februar 2015 für maximal drei Monate und nach der zweiten Hüftoperation links vom 23. Februar 2016 für maximal zwei Monate (AB 136.1/18 ff.). Im psychiatrischen Gutachten vom 1. Juni 2018 hielt Dr. med. I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen fest (AB 137.1/13): Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Keine Ohne langdauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) Längere depressive Reaktion (November 2016 bis November 2017; ICD-10 F43.21) Familiäre Schwierigkeiten (ICD-10 Z63) Finanzielle Probleme (ICD-10 Z59) Aus psychiatrischer bzw. psychosomatischer Sicht könne keine funktionelle Auswirkung festgestellt werden. Die anhaltende somatoforme Schmerz- störung sei nicht dermassen ausgeprägt, dass dadurch die Funktionen an- dauernd eingeschränkt würden. Dies habe auch bezüglich der depressiven Reaktion gegolten. Es bestünden ungünstige krankheitsfremde Faktoren (AB 137.1/13 ff., 137.2/4 Ziff. 4.3). Es liege kein psychisches bzw. psycho- somatisches Leiden vor, das die Beschwerdeführerin im … oder bei … an- haltend einschränken würde. Sie sei vermutlich für kurze Zeit während be- sonderes starken Lebensproblemen partiell arbeitsunfähig gewesen. Es ha- be sich dabei aber nicht um eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit gehandelt. Die bisher ausgeführten Arbeiten seien aus psychiatrischer Sicht ange- passt gewesen (AB 137.1/18 f.). In der bidisziplinären Gesamtbeurteilung vom 1. Juni 2018 hielten die Dres. med. H.________ und I.________ schliesslich fest, da weder aus rheuma- tologischer bzw. somatischer noch aus psychiatrischer Sicht anhaltende Phasen von Arbeitsunfähigkeit bestanden hätten, gebe es im Längsverlauf keine Arbeitsunfähigkeit festzuhalten (AB 137.2/5 Ziff. 4.9).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 9 3.1.5Im Bericht vom 10. August 2018 hielt Dr. med. F.________ fest, ihres Erachtens weise das psychiatrische Gutachten sowohl in formaler wie inhaltlicher Hinsicht gravierende Mängel auf. Hauptkritikpunkte seien das Fehlen wesentlicher differentialdiagnostischer Überlegungen, einer konklu- siven Begründung der Diagnose, einer plausiblen und nachvollziehbaren Darstellung des Funktionsniveaus. Als seit 2016 kontinuierlich behandelnde Psychiaterin würden folgende Diagnosen gestellt: Chronische Schmerz- störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), ab- hängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7). Gestützt auf einen erhobe- nen Mini-ICF-APP (Funktionsniveau) ergebe sich zum jetzigen Stand der Therapie eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % (AB 144/3-5). 3.1.6 Im Bericht vom 23. August 2018 hielt der RAD-Arzt, Dr. med. J.________, Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie (D), fest, auch die behandelnde Psychiaterin begründe ihre Einschätzung nicht dezi- diert. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, weshalb die sozialen Anpas- sungsschwierigkeiten nach Mini-ICF-APP in einer derart ausgeprägten Form vorliegen sollten, wie dies angegeben werde. Zumindest ergebe sich solches nicht aus dem klinischen Eindruck und den berichteten sozialen Interaktionen. Zusammenfassend könne an der im bidisziplinären Gutach- ten der Dres. med. H.________ und I.________ festgehaltenen Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit festgehalten werden (AB 147/5 f). 3.1.7Dem im vorliegenden Verfahren eingereichten Bericht vom 15. No- vember 2018 des Spitals G.________ ist zu entnehmen, dass die Situation weiterhin äusserst unzufrieden bleibe mit weinerlicher, massiv schmerzge- plagter und depressiv verstimmter Beschwerdeführerin. So erscheine eine Arbeitsunfähigkeit kaum realisierbar (BB 4). 3.2Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 10 Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.3Die beiden Gutachten der Dres. med. H.________ und I.________ samt bidisziplinärer Gesamtbeurteilung vom 1. Juni 2018 (AB 136.1, 137.1, 137.2) sind umfassend, beruhen auf genügenden anamnestischen Erhe- bungen (vgl. dazu betreffend das psychiatrische Gutachten auch E. 3.4.2 hiernach) sowie eigenen fachärztlichen Untersuchungen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden und wurden in Kenntnis der gesamten Vorak- ten erstellt. Die Gutachter haben die Befundlage sorgfältig erhoben, die von ihnen gestellten Diagnosen und deren Einschätzung der Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit widerspruchsfrei und nachvollziehbar begründet. Dabei ori- entierten sich die Experten – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung (S. 3 Ziff. 2) – auch an den normativen Vorgaben gemäss BGE 143 V 418 und BGE 141 V 281 (strukturiertes Beweisverfahren; zur Ent- behrlichkeit der Indikatorenprüfung im vorliegenden Fall vgl. E. 3.4.2 [am Schluss] hiernach). Das Gutachten, welches die vom Bundesgericht an den Beweiswert von solchen gestellten Anforderungen erfüllt (vgl. E. 3.2 hier- vor), erbringt somit vollen Beweis. 3.4Im Einzelnen ist dazu Folgendes festzuhalten: 3.4.1Am 13. Februar 2015 wurde der Beschwerdeführerin in der Or- thopädie E.________ bei einer stark symptomatischen Coxarthrose links mit belastungs- und bewegungsabhängigen Schmerzen eine Hüfttotalpro- these implantiert (AB 13/6). Der peri- und postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos, bildgebend zeigten sich regelrechte Stellungsver- hältnisse (AB 13/4). Gemäss rheumatologischem Gutachten von Dr. med. H.________ kam es jedoch ab Sommer 2015 zu einer Schmerzauswie- tung, mithin zu einer Diskrepanz zwischen den geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden (AB 136.1/16 f.). Diese Entwicklung lässt sich anhand der echtzeitlichen Berichte der Orthopädie E.________ gut nachvollziehen. Bereits im Bericht vom 9. Juli 2015 war von „unge- wöhnlichen Hüftschmerzen nach Einlage einer Hüfttotalprothese links“ die Rede (AB 26/2). Im Bericht vom 30. Juli 2015 wurde eine „Ausweitung der Schmerzen über den ganzen Körper“ festgehalten (AB 32/2). Eine in der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 11 Folge zusätzlich durchgeführte bildgebende Untersuchung der Lendenwir- belsäule ergab keine pathologischen Befunde (AB 53/47). Eine weitere bildgebende Untersuchung der Hüftgelenke im Dezember 2015 zeigte wei- terhin regelrechte Stellungsverhältnisse der Prothese (AB 53/39, 53/33). Dennoch wurde in der Folge bei persistierender, jedoch unklarer Ursache der Beschwerdesymptomatik, trotz bildgebend korrekter Prothese (AB 53/25), am 23. Februar 2016 eine Revisionsoperation durchgeführt. Anlässlich dieser bestätigte sich eine festsitzende Prothese (AB 53/24), im Übrigen verlief auch diese Operation komplikationslos (AB 48/2). Die weite- ren klinischen und bildgebenden Untersuchungen der Hüfte und der Wir- belsäule ergaben in der Folge – bis auf muskuläre Verspannungen und einer Reizung der Ansatztendinopathie der Abduktoren (AB 55/2) – keine organisch-pathologische Erklärung der Schmerzen (AB 53/10, 71/2), auch eine zusätzliche angiologische Abklärung einer allfälligen Gefässerkran- kung ergab keinerlei Befunde (AB 81/5). Im Rahmen einer rheumatologi- schen Untersuchung durch die K.________ AG im April und Mai 2017 wur- de zwar zusätzlich eine Coxarthrose rechts festgestellt, die gemäss Anga- be des behandelnden Arztes jedoch nicht aktiviert war (AB 85/1, 96/2). Die ausserdem aufgrund von Beschwerden im Bereich der Handgelenke, El- lenbogengelenke und im Bereich des Grosszehengrundgelenks links disku- tierte seronegative, asymmetrische Polyarthritis (AB 96/1) bestätigte sich im Verlauf nicht. Der behandelnde Rheumatologe vermutete daher das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung (AB 103/1), was im psych- iatrischen Gutachten vom Juni 2018 grundsätzlich, wenn auch in einem die Arbeitsfähigkeit nicht tangierendem Ausmass, bestätigt wurde (AB 137.1/13 f.; vgl. E. 3.4.2 hiernach). Im Bericht vom 28. August 2017 des Spitals G.________ über eine stationäre Abklärung im August 2017 (AB 124/1) wurde bezüglich des Verlaufs zusammenfassend festgehalten, dass die geklagten Beschwerden auf der Basis von Anamnese, der klini- schen, laborchemischen und bildmorphologischen Befunde am ehesten im Rahmen einer multifaktoriellen Genese interpretiert würden; sie seien auf- grund von degenerativen Veränderungen (im Bereich von AC-Gelenk, lan- ger Bizepssehne, Grosszehengrundgelenk beidseits), einer ausgeprägten Valgus-Deformität der Füsse sowie im Rahmen einer sekundären Schmer- zausweitung bei Schmerzchronifizierung und depressiver Stimmungslage erklärbar (AB 124/2; vgl. zu den psychiatrischen Diagnosen aber E. 3.4.2 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 12 hiernach). Im Verlaufsbericht vom 29. Januar 2018 des Spitals G.________ wurde schliesslich festgehalten, dass rein rheumatologisch eine Arbeits- fähigkeit nicht begründbar sei (AB 129/3). Diese Einschätzung deckt sich mit derjenigen im rheumatologischen Gutachten von Dr. med. H.________ vom Juni 2018. Gemäss den schlüssigen und überzeugenden dortigen Angaben führt die gutachterlich erhobene klinische Befundlage (AB 136- 1/12-18), welche mit derjenigen der behandelnden Ärzte weitgehend über- einstimmt, zu keiner Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit (AB 136.1/19). Ebenfalls kein klinisch-relevanter Befund vermochte der Gutachter in allgemein-internistischer Hinsicht festzuhalten; namentlich ist die Situation betreffend der Schilddrüse unter Hormontherapie stabil (AB 136.1/18, 53/18 f.). Soweit die geklagten Beschwerden nicht objekti- viert, d.h. nicht auf somatisch-pathologische Befunde, zurückgeführt wer- den können, wurde (aus somatischer Sicht) zu Recht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit postuliert (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285 und E. 2.2. hiervor). Die gemäss Dr. med. H.________ begründeten kurzfristigen Ar- beitsunfähigkeiten nach dem Unfall vom 7. September 2014 und nach den operativen Eingriffen im Februar 2015 und im Februar 2016 von jeweils nur einigen Wochen bzw. maximal drei Monaten (AB 136.1/19 Ziff. 8.1.4) errei- chen die invalidenversicherungsrechtlich im Hinblick auf eine Rentenleis- tung geforderte Dauer nicht (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG, Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV; SR 831.201]). Eine relevante somatische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist somit nicht erstellt. Daran ändert schliesslich auch der im Gerichtsverfahren eingereichte Verlaufsbericht vom 15. November 2018 des Spitals G.________ nichts, zumal er im Vergleich zu den Vorbe- richten vom 28. August 2017 (AB 124) sowie 29. Januar 2018 (AB 129) nach wie vor zu keiner Klärung bzw. anderweitigen Einschätzung der Schmerzsituation führt, sondern bloss vage und nur mit Bezug auf die sub- jektive Wahrnehmung durch die Beschwerdeführerin von einer kaum reali- sierbaren Arbeitsfähigkeit spricht (BB 4). 3.4.2Aus psychiatrischer Sicht bestehen aufgrund der nachvollziehba- ren Ausführungen von Dr. med. I.________ ebenfalls keine funktionellen Einschränkungen. Zwar wiesen einige Befunde auf das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung hin (AB 137.1/14), diese ist gemäss dem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 13 Experten bezüglich ihres Schweregrades aber nicht derart ausgeprägt, dass sie die Beschwerdeführerin relevant einschränken würde (AB 137.2/4 Ziff.4.3). Gleiches gilt gemäss Gutachten betreffend der diagnostizierten leichtgradigen depressiven Reaktion in der Zeit vom November 2016 bis November 2017 aufgrund von belastenden Lebensumständen (Tod der Mutter, finanzielle Probleme; AB 137.1/13, 137.2/4 Ziff. 4.3). Bestätigt wird dies auf der Basis der im Gutachten beschriebenen Befundlage auch durch den RAD-Arzt, Dr. med. J.________, in dessen Stellungnahme vom 23. August 2018 (AB 147/5 f.). Im Übrigen haben solche Verstimmungen zufolge von psychosozialen oder soziokulturellen Faktoren inbesondere bei (wie hier) gleichzeitigem Fehlen einer ausgeprägten krankheitswertigen psychischen Störung invalidenversicherungsrechtlich ohnehin unberück- sichtigt zu bleiben (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Die gutachterliche Einschätzung steht sodann im Einklang mit dem Vorbericht der behandelnden Psychiaterin, Dr. med. F.________, vom 28. Juni 2017. Auch sie postulierte damals keine Diagnosen mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (namentlich keine somatoforme Schmerz- störung), sondern hauptsächlich eine längerdauernde depressive Reaktion, wobei sie die Beschwerdeführerin von psychiatrischer Seite her ausdrück- lich als arbeitstauglich erklärte (AB 108/5 Ziff. 1.7). Unter diesen Umstän- den überzeugt ihr später im Rahmen des Vorbescheidverfahrens an die Rechtsschutzversicherung der Beschwerdeführerin adressierter Bericht vom 10. August 2018 (AB 144/3-5) und namentlich die darin am psychiatri- schen Gutachten ausgeübte Kritik nicht. Zunächst begründet die behan- delnde Psychiaterin darin nicht, weshalb sie – anders als noch im Juni 2017 – diagnostisch nunmehr von einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und von einer abhängigen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) insgesamt mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60 % ausgeht (AB 144/5). Die Schmerzproblematik mit somatisch weitgehend nicht erklärbaren Schmer- zen lag seit Mitte 2015 vor (vgl. E. 3.4.1 hiervor), wurde von der behan- delnden Psychiaterin im Juni 2017 jedoch nur im Rahmen der diagnosti- zierten depressiven Reaktion ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit the- matisiert (AB 108/4 Ziff. 1.7 [unten]). Auch vermochte sie damals keine Per- sönlichkeitsstörung festzustellen (AB 108/2 Ziff. 1.1). Dass gut ein Jahr später eine solche vorliegen soll (AB 144/5), überzeugt nicht (so auch Dr. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 14 med. J.________; AB 147/5), weil die Diagnose einer Persönlichkeitss- törung nach den diagnostischen Kriterien den Nachweis voraussetzt, dass diese stabil, von langer Dauer ist und im späten Kindesalter oder der Ado- leszenz begonnen hat (DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT/ SCHULTE-MARKWORT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kap. V [F], Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis, 6. Aufl. 2016, S. 163 G4). Eine Persönlichkeitsstörung hätte also durchgehend, namentlich be- reits im Bericht der behandelnden Psychiaterin vom Juni 2017 (AB 108/2 ff.) als auch im Gutachten von Dr. med. I.________ vom Juni 2018 festgestellt werden müssen, was nicht der Fall ist (AB 137.1/13). Schliesslich ist der weiteren im Bericht vom 10. August 2018 vorgetragenen Kritik der behandelnden Ärztin entgegenzuhalten, dass der psychiatrische Gutachter die Beschwerdeführerin einlässlich befragt hat, ihm die umfas- send dokumentierte medizinische Vorgeschichte (IV-Akten) – inklusive des Berichts der behandelnden Psychiaterin vom Juni 2017 – vorgelegen hatte und er sich dazu im Rahmen seiner Beurteilung geäussert hat (AB 137.1/3- 10, 137.1/13 f., 137.1/17). Praxisgemäss ist im Rahmen einer psychiatri- schen Begutachtung die klinische Untersuchung in Kenntnis der Anamnese entscheidend; eine Fremdanamnese und (schriftliche oder mündliche) Aus- künfte der behandelnden Arztpersonen sind jedoch nicht zwingend erfor- derlich (SVR 2019 IV Nr. 41 S. 134 E. 5.2.2.1). Schliesslich hat sich der Experte, entgegen der Kritik der behandelnden Ärztin, zur Befundlage (AB 137.1/11 f.) und zu den Ressourcen der Beschwerdeführerin, nament- lich zu ihrem sozialen Umfeld, geäussert (AB 137.1/15 Ziff. 7.1, 137.1/16 Ziff. 7.3) und die entsprechenden Feststellungen in die Diskussion der Ar- beits- und Leistungsfähigkeit mit einbezogen (AB 137.1/18). Dass die Ver- sicherte über genügende intakte persönliche Ressourcen verfügt, wird vom RAD-Arzt, Dr. med. J.________, bestätigt (AB 147/6). Der Bericht der be- handelnden Ärztin vom August 2018 vermag das Gutachten von Dr. med. I.________ somit nicht in Zweifel zu ziehen – was auch der RAD-Arzt, Dr. med. J.________ festgehalten hat (AB 147/5 f.) –; dies insbesondere nach- dem sie – wie erwähnt – ein Jahr zuvor selbst eine mit dem Gutachten im Wesentlichen übereinstimmende psychiatrische Einschätzung postuliert hatte. Gleiches gilt im Übrigen bezüglich des in den Akten liegenden Be- richts von Dr. med. L.________, der im Rahmen einer einzelnen Konsulta- tion vom 18. Juli 2016 eine mittelschwere depressive Episode, exazerbiert Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 15 durch den Tod der Mutter am 2. Juli 2016, festgehalten hatte (AB 127/2). Eine entsprechende längerdauernde depressive Episode wurde in der Fol- ge jedoch weder von (der ab November 2016 behandelnden) Dr. med. F.________ (AB 108/2) noch im psychiatrischen Gutachten (AB 137.1/13) bestätigt. Gestützt auf das voll beweiskräftige Gutachten von Dr. med. I.________ ist in psychiatrischer Hinsicht keine Einschränkung der Arbeits- und Leistungs- fähigkeit erstellt (AB 137.1/19), womit auf weitergehende Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2017 ALV Nr. 6 S. 18 E. 4.2). Zudem bleibt bei diesem Beweisergebnis die sog. Indikatoren- prüfung (im Rahmen des strukturieren Beweisverfahrens) – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung – entbehrlich (BGE 145 V 215 E. 7 S. 228). 3.4.3Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen. 4. 4.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah- lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent- nommen. 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführer in keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2019, IV/18/747, Seite 16 Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - B.________ AG z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.