<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 83 S.387</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">387</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>83</b></span> <span class="ft2"><b>Feststellungsverfügung. Untersuchungsgrundsatz (§ 20 VRPG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Unzulässigkeit einer Feststellungsverfügung bei unzumutbaren Nach-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teilen für den Verfügungsadressaten (Erw. I/3).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Nach gescheiterten Vergleichsverhandlungen gilt der Untersuchungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>grundsatz vollumfänglich (Erw. II/2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 24. Oktober 2001 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen M. AG und Einwohnergemeinde Z. gegen Entscheid des Baudeparte-</span><br/> <span class="ft3">ments</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. 3. a) Der Gemeinderat Z. hat im angefochtenen Beschluss</span><br/> <span class="ft1">vom 4. Dezember 1996 mit dispositiver Wirkung ausgeführt, wie er</span><br/> <span class="ft1">für das Jahr 1996 und die folgenden Jahre die von der M. AG zu</span><br/> <span class="ft1">bezahlenden Abwassergebühren berechnen werde, nämlich nach Ein-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">388</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wohnergleichwerten, jeweils aufgrund der definitiven Zahlen der</span><br/> <span class="ft1">Vorjahre. Damit hat der Gemeinderat eine Art Feststellungsverfü-</span><br/> <span class="ft1">gung erlassen, die über die eigentliche Gebührenhöhe noch keine</span><br/> <span class="ft1">(vollstreckbare) Aussage machte, aber entschied, wie die Gebühr be-</span><br/> <span class="ft1">rechnet wird.</span><br/> <span class="ft1">b) Eine Feststellungsverfügung ist dann zu erlassen, wenn ein</span><br/> <span class="ft1">schützenswertes Interesse an der Feststellung des Bestehens oder</span><br/> <span class="ft1">Nichtbestehens eines konkreten öffentlich-rechtlichen Rechtsverhält-</span><br/> <span class="ft1">nisses besteht (Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern</span><br/> <span class="ft1">1983, S. 144) und keine öffentlichen oder privaten Interessen entge-</span><br/> <span class="ft1">genstehen (Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkon-</span><br/> <span class="ft1">trollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtspflege [Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG], Diss. Zürich</span><br/> <span class="ft1">1998, § 38 N 27). (...) Eine Feststellungsverfügung ist erst dann un-</span><br/> <span class="ft1">zulässig, wenn sie für den betroffenen Privaten unzumutbare Nach-</span><br/> <span class="ft1">teile mit sich brächte (vgl. AGVE 2001 82 384).</span><br/> <span class="ft1">Die Feststellungsverfügung des Gemeinderates legte für 1996</span><br/> <span class="ft1">und die zukünftigen Jahre den Modus der Gebührenfestsetzung fest.</span><br/> <span class="ft1">Die Formulierung liess unklar, für welchen Zeitraum die Berechnung</span><br/> <span class="ft1">verbindlich festgelegt werden sollte. Die Behörde hätte sich unter</span><br/> <span class="ft1">Umständen Jahre später auf ihre rechtskräftige Feststellungsverfü-</span><br/> <span class="ft1">gung berufen und die M. AG auf die Geltendmachung des unrichti-</span><br/> <span class="ft1">gen Rechnungsnachvollzugs beschränken können; Anpassungen</span><br/> <span class="ft1">hätte die M. AG nur dann mit Bestimmtheit durchsetzen können,</span><br/> <span class="ft1">wenn sich der der Feststellungsverfügung zugrunde liegende Sach-</span><br/> <span class="ft1">verhalt verändert hätte (zum Beispiel Modernisierung der ARA).</span><br/> <span class="ft1">Diese Einschränkung der Anfechtungsmöglichkeit auf unbestimmte</span><br/> <span class="ft1">Zeit hinaus bedeutete für die M. AG als Gebührenschuldnerin einen</span><br/> <span class="ft1">erheblichen Nachteil, zumal sie die zukünftige Entwicklung der Ge-</span><br/> <span class="ft1">bührenhöhe bei der neuen Berechnungsart nur beschränkt vorausse-</span><br/> <span class="ft1">hen konnte. Der Erlass einer unbefristeten formellen Feststellungs-</span><br/> <span class="ft1">verfügung erscheint deshalb im vorliegenden Fall als unzulässig. Die</span><br/> <span class="ft1">durchaus verständliche Absicht des Gemeinderates wäre auch mit</span><br/> <span class="ft1">einer Abgabenverfügung für 1996, verbunden mit dem Hinweis in</span><br/> <span class="ft1">den Erwägungen, welcher Berechnungsmodus in Zukunft vorgese-</span><br/> <span class="ft1">hen sei, erreichbar gewesen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">II. 2. a) Die Gemeinde Z. beanstandet des Weiteren, dass das</span><br/> <span class="ft1">Baudepartement die Zugeständnisse der Parteien im Laufe der vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanzlichen Vergleichsbemühungen als Einigung in diesen Punkten</span><br/> <span class="ft1">behandelte und dem Entscheid ohne weitere Prüfung zugrunde legte.</span><br/> <span class="ft1">b) Zugeständnisse, wie sie im Rahmen von Vergleichsgesprä-</span><br/> <span class="ft1">chen gemacht werden, dürfen schon aus der Überlegung heraus, dass</span><br/> <span class="ft1">andernfalls sinnvolle Vergleichsgespräche überhaupt nicht mehr ge-</span><br/> <span class="ft1">führt werden könnten, im Fall des Scheiterns nicht dem nachfolgen-</span><br/> <span class="ft1">den Urteil zugrunde gelegt werden. Ein Vergleich charakterisiert sich</span><br/> <span class="ft1">darüber hinaus in aller Regel als Folge des gegenseitigen Nachge-</span><br/> <span class="ft1">bens in einem oder mehreren Punkten und dies in einem Ausmass,</span><br/> <span class="ft1">welches den Parteien im Rahmen einer Gesamtbetrachtung als ak-</span><br/> <span class="ft1">zeptabel erscheint; damit ist aber nichts darüber ausgesagt, ob die</span><br/> <span class="ft1">Position, die einer vergleichsweisen Lösung zuliebe aufgegeben</span><br/> <span class="ft1">wird, zu Recht bestand oder nicht.</span><br/> <span class="ft1">Scheitert ein Vergleich, gilt die Untersuchungsmaxime (§ 20</span><br/> <span class="ft1">VRPG); die Behörden prüfen den Sachverhalt von Amtes wegen,</span><br/> <span class="ft1">ohne an die Sachverhaltsdarstellung und die Beweisanträge der Par-</span><br/> <span class="ft1">teien gebunden zu sein. Festzustellen ist der rechtserhebliche und</span><br/> <span class="ft1">entscheidwesentliche Sachverhalt. Die Behörde darf eine Tatsache</span><br/> <span class="ft1">erst als bewiesen ansehen, wenn sie sich von deren Vorhandensein</span><br/> <span class="ft1">überzeugt hat, das heisst, dass selbst unbestritten gebliebene Tatsa-</span><br/> <span class="ft1">chen überprüft werden müssen, wenn sich Zweifel an deren Richtig-</span><br/> <span class="ft1">keit aufdrängen. § 20 VRPG verpflichtet die Behörden auch, auf den</span><br/> <span class="ft1">festgestellten Sachverhalt die zutreffenden Rechtssätze anzuwenden</span><br/> <span class="ft1">und die sich daraus ergebenden Rechtsfolgen zu ziehen. Dabei ist die</span><br/> <span class="ft1">Behörde weder an die Rechtserörterungen der Parteien noch an die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsauffassung der Vorinstanz und noch viel weniger an überein-</span><br/> <span class="ft1">stimmende Parteianträge gebunden.</span><br/> <span class="ft1">An dieser notwendigen Prüfung fehlt es im vorliegenden Fall in</span><br/> <span class="ft1">grossen Teilen vollständig (verwiesen sei hier beispielsweise auf die</span><br/> <span class="ft1">von der Vorinstanz angenommene Einigung betreffend der gesetzli-</span><br/> <span class="ft1">chen Grundlage für die Abgabenerhebung); als Folge davon ist der</span><br/> <span class="ft1">Entscheid auch ungenügend begründet. Er ist deshalb aufzuheben.</span><br/></div> </div> </body> </html>