Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. April 2019 (720 19 10 / 86) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Nicola Moser, Ad- vokat, LEXPARTNERS, Kirchplatz 16, Postfach 916, 4132 Muttenz gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1960 geborene A.____ hatte sich im Jahr 1993 ein erstes Mal bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet. Nach Einholung eines poly- disziplinären Gutachtens lehnte die IV-Stelle Basel -Landschaft das Gesuch mit Verfügung vom 19. Oktober 1994 ab. Im August 2008 meldete sich A. ____ erneut zum Leistungsbezug an, wo- rauf die IV-Stelle wiederum ein polydisziplinäres G utachten erstellen liess. Gestützt auf dessen Ergebnisse lehnte die IV-Stelle einen Leistungsansp ruch der Versicherten mit Verfügung vom 5. März 2010 ab. Mit Eingabe vom 9. Mai 2016 stellt e A.____ unter Hinweis auf verschiedene Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht körperliche und psychische Gesundheitsbeeinträchtigungen ein drittes Leistungsgesuch. Nach Vornahme medizinischer und erwerblicher Abklärungen erm ittelte die IV-Stelle bei der Versi- cherten ab 3. März 2015 (Ablauf des Wartejahres) einen Invaliditätsgrad von 50 %. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach die IV-Stelle A.____ nach durchgef ührtem Vorbescheidverfahren rück- wirkend ab 1. November 2016 eine halbe Rente zu, wobe i die Rentenzusprache in Form von zwei Verfügungen erfolgte: In der ersten Verfügung vom 19. November 2018 setze die IV-Stelle die laufende Rente ab 1. Dezember 2018 fest und in der zweiten Verfügung vom 10. Dezember 2018 entschied sie über den Anspruch im Zeitraum vom 1. N ovember 2016 bis 30. November 2018. In Bezug auf den Rentenbeginn wies die IV-Stell e die Versicherte darauf hin, dass der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis- tungsanspruchs entstehe. Ihre Anmeldung sei am 11. Mai 2016 eingegangen, weshalb die hal- be Rente erst ab 1. November 2016 ausgerichtet werden könne. B. Gegen die beiden Verfügungen vom 19. November 2018 und 10. Dezember 2018 er- hob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Nicola Moser, am 7. Januar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht). Darin beantragte sie, es seien die angefochtenen Verfügungen aufzuheben und es sei ihr mit Wirkung ab 1. November 2016 durchgehend eine ganze Rente, eventualiter eine Dreiviertelsrente, auszurichten. Sub- eventualiter sei die Angelegenheit zur neuen Beurteilu ng ihres Leistungsvermögens an die Be- schwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge, w obei ihr die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter zu bewilligen sei- en. C. Mit Verfügung vom 10. Januar 2019 bewilligte das K antonsgericht der Beschwerdefüh- rerin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Nicola Moser als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Februar 2019 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 7. Januar 2019 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5.1 Im Zuge der Neuanmeldung der Versicherten vom 9. M ai 2016 gab die IV-Stelle zur Abklärung des aktuellen Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bei der academy of swiss insurance medicine (asim) ein rhe umatologisches/psychiatrisches Gutachten in Auftrag, das am 22. Juni 21017 erstattet wurde. Darin hielten die beteiligten Fach- ärzte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit fest: (1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, teilchronifiziert, mit somatischen Be- schwerden (ICD-10 F33.1); (2) eine Traumafolgestörung bei berichtetem sexuellem Missbrauch in der Kindheit sowie physischer, psychischer und sexueller Traumatisierung im Erwachsenen- alter, ohne dass die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer anhalten- den Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung erfüllt wä ren; (3) eine chronische Schmerz- störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41); (4) ein chronisches lum- bovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5) mit Claudi catio spinalis sive radicularis L3 beidseits (ICD-10 M51.1) mit/bei (4.1) multietage-de generativen Veränderungen der LWS auf Höhe L3/4 und (4.2) thorakovertebraler Komponente bei bilateraler myotendinotischer Verspan- nung der paravertebralen Muskulatur ohne Zeichen einer lokalen segmentalen Dysfunktion der BWS; (5) ein myotendinotisches, zervikovertebrales Schmerzsynd rom (ICD-10 M54.2) mit/bei (5.1) kernspintomographisch beidseits höhergradigen Foraminalstenosen C5/6 und C6/7 wegen Osteochondrose mit schon deutlichen Unkovertebral- und b eginnenden Spondylarthrosen und dadurch möglicher Beeinträchtigung der Wurzel C6 oder C7 beidseits sowie (5.2) klinisch feh- lenden Hinweisen auf zervikale Radikulopathie oder Myel opathie. Als Leiden ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden (1) eine beginnende Retropatellararthrose (ICD-10 M22.4) und eine beginnende mediale Gonarthrose rechtsbetont (IC D-10 M15.0), (2) Senkfüsse (ICD-10 M22.6) und (3) eine beginnende Polyarthrose der Hände (ICD-10 M15.0) diagnostiziert. In ihrer Beurteilung hielten die Gutachter fest, aus rheumatologischer Hinsicht habe sich der Zustand der Lendenwirbelsäule im Vergleich zur letzten Begutachtung 2009 verschlechtert. Im zervikalen Bereich sei die Situation seit 2009 im Wesen tlichen unverändert. Die tägliche Schmerzbelastung könne nachvollzogen werden. Im Vorderg rund stünden im Nackenbereich die myotendinotischen Verspannungen der paravertebralen Muskulatur. Die degenerativen Veränderungen im Bereich der Kniegelenke seien im Ze itpunkt der Untersuchung noch asymp- tomatisch gewesen. Das Ausmass der somatisch geklagten Beschw erden sei teilweise im Rahmen der rheumatologischen Diagnosen begründbar, ge he aber auch deutlich darüber hin- aus, was im Rahmen der psychiatrischen Komorbidität zu verste hen sei. Aus psychiatrischer Sicht sei nachvollziehbar, dass die Traumatisierung durc h sexuelle und physische Gewalt er- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht folgt sei, welche die Grundlage für die Bindungsstörung und im Verlauf auch für die Entwicklung der chronischen Schmerzstörung sowie für eine rezidiviere nde Depression gelegt habe. Die attestierten abhängigen asthenischen Persönlichkeitszüge seien nachvollziehbar. Eine Persön- lichkeitsstörung habe nicht sicher diagnostiziert werden kön nen. Erkennbar seien aber Persön- lichkeitszüge, die den Umgang mit depressiven Störungen und Schmerzstörungen in erhebli- cher Weise negativ beeinflussen und aufrechterhalten würden. Die Kriterien für eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren seien erfüllt. Aufgrund der Depres- sion habe die Explorandin Schwierigkeiten, ihren Allt ag zu strukturieren und nachhaltig eine Leistung zu erbringen. Dazu komme eine grundlegende Bi ndungsstörung, die den Aufbau von vertraulichen Verhältnissen erschwere. Die drei psychiatri schen Diagnosen würden sich in un- günstiger Weise gegenseitig verstärken. Aus psychiatrischer Si cht sei die Restarbeitsfähigkeit der Versicherten nur dann realisierbar, wenn ausreichend e Rekonvaleszenz-Phasen gewähr- leistet seien. Im Vordergrund stehe die Bindungsstörung , welche die Explorandin über lange Zeit habe kompensieren können, die aber mit Zunahme de s depressiven Syndroms an Bedeu- tung gewonnen habe. Insgesamt seien die Ressourcen der Versicherten limitiert. Die geklagten Beschwerden seien grösstenteils objektivierbar, stünden tei lweise aber in Zusammenhang mit der chronischen Schmerzstörung. Eine Simulation oder Ag gravation sei aber nicht feststellbar. In psychiatrischer Hinsicht sei glaubhaft, dass die gesundhe itliche Verschlechterung durch die Zunahme des depressiven Syndroms seit 2014 erfolgt sei. S either habe sich keine wesentliche Besserung des Gesundheitszustands abgezeichnet. In der ur sprünglichen Tätigkeit als Char- cuterie-Verkäuferin und in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als selbständige Wirtin sei die Versi- cherte bleibend vollständig arbeitsunfähig. In einer angepassten körperlich leichten Tätigkeit bestehe aus gesamtmedizinischer Sicht seit März 2014 ein e 50 %-ige Arbeitsfähigkeit. Eine solche Tätigkeit dürfe weder das repetitive Heben, Tra gen oder Stossen von Lasten über 10 kg noch die Einnahme von monotonen Körperhaltungen, na mentlich eine vorgeneigte Körperhal- tung, beinhalten. Zudem sollte sie nach Möglichkeit al ternierend im Stehen, Gehen oder Sitzen verrichtet werden können. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in den angefochtenen Ver fügungen vom 19. November 2018 und 10. Dezember 2018 bei der Beurteilung des Gesundh eitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse dieses bidisziplinären asim-Gutachtens vom 22. Juni 2017. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Ve rsicherte seit März 2014 in einer leidensadaptierten Tätigkeit noch im Umfang von 50 % arbeitsfähig sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten e xterner Fachärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchu ngen sowie nach Einsicht in die Ak- ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien ge- gen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Ind izien liegen hier keine vor. Das bi- disziplinäre asim-Gutachten vom 22. Juni 2017 weist diesbezüglich weder formale noch inhaltli- che Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verla ngt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten a bgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beu rteilung der aktuellen medizini- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen ab weichenden ärztlichen Einschätzun- gen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 6. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin sind nicht ge eignet, das vorstehende Beweis- ergebnis in Frage zu stellen. 6.1 Die Beschwerdeführerin erhebt vorab den formalen Einwand, es sei fraglich, ob der psychiatrische asim-Gutachter über einen Facharzttitel in Psyc hiatrie verfüge. Laut den Anga- ben im Gutachten ist der Verfasser des psychiatrischen Teil -Gutachtens, Dr. med. B.____, Facharzt für Nervenheilkunde. Die medizinischen Fachgebie te "Neurologie" und "Psychiatrie und Psychotherapie" waren in Deutschland lange zusamme ngefasst als "Nervenheilkunde" (https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org [08 .05.2019]: Begriffserklärung: Nerven- heilkunde und Nervenarzt). Bei einem deutschen Facharzt f ür Nervenheilkunde handelt es sich demnach um einen Facharzt für Psychiatrie, der gleichzei tig auch Facharzt für Neurologie ist. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist vor liegend deshalb davon auszugehen, dass das psychiatrische Teil-Gutachten regelgerecht von einem Facharzt für Psychiatrie erstellt wurde. 6.2 Die Beschwerdeführerin wendet sodann ein, das asim -Gutachten leide insofern an einem formalen Mangel, als es lediglich auf Untersuchun gen in den Fachdisziplinen Psychiatrie und Rheumatologie beruhe. Da sie einen Schlaganfall erlitten habe und an einer Darmfunkti- onsstörung leide, hätten aber auch Begutachtungen in d en Fachbereichen Neurologie und Gastroenterologie durchgeführt werden müssen. Es trifft zu, dass im Bericht der Klinik C.____ vom 31. Juli 2015 bei der Versicherten als Diagnose - unt er anderem - ein „Verdacht auf transi- torisch ischämische Attacke (TIA) am 09.07.2015“ genannt wi rd. Diesbezüglich ist jedoch fest- zuhalten, dass es sich lediglich um eine anamnestische Verd achtsdiagnose handelt, die nie gesichert wurde und offensichtlich ohne andauernde Folg en blieb. Jedenfalls ist anzunehmen, dass der asim-Gutachter Dr. B.____, der auch Facharzt für Neurologie ist, entsprechende Auf- fälligkeiten bemerkt und im Gutachten festgehalten hät te. Es ist deshalb davon auszugehen, dass im Zeitpunkt der Begutachtung keine Hinweise auf ei ne aktuelle neurologische Problema- tik vorlagen, sodass sich eine gutachterliche Abklärung in d ieser Fachdisziplin nicht aufdrängte. Was die von der Versicherten angesprochene Darmproblemat ik betrifft, zeigt sich, dass diese den asim-Gutachtern bekannt war, erwähnen diese doch, dass bei der Explorandin wegen einer Diverticulitis des Colons descendens letztmals im Juni 2009 eine Nachresektion des proximalen Rectums vorgenommen worden sei. Der Bericht der Klini k C.____ vom 31. Juli 2015 hält unter den Diagnosen einen Status nach Diverticulitis fest, was impliziert, dass die Versicherte in die- sem Zeitpunkt nicht mehr an einer Diverticulitis litt. Dazu kommt, dass die Beschwerdeführerin gegenüber den beiden asim-Gutachtern im Rahmen der je weiligen Anamnesen keine Darm- probleme geltend machte. Es ist daher anzunehmen, dass im Zeitpunkt der Begutachtung keine namhaften entsprechenden Beschwerden bestanden. Die Vo rnahme einer zusätzlichen gastro- enterologischen Begutachtung war demnach nicht angezeigt. 6.3.1 Inhaltlich kritisiert die Beschwerdeführerin vor a llem die Zumutbarkeitsbeurteilung der Gutachter. Im psychiatrischen Teil-Gutachten würden zwar au sführlich ihre massiven Ein- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schränkungen beschrieben, nichtsdestotrotz werde ihr aber lediglich eine 50 %-ige Arbeitsunfä- higkeit attestiert, was nicht nachvollziehbar sei und vo m psychiatrischen Gutachter auch nicht begründet werde. Dazu komme, dass sie laut den behandel nden Ärzten auch in Verweistätig- keiten vollständig arbeitsunfähig sei. Die asim-Gutachter gingen aber dennoch von einer 50 %- igen Arbeitsfähigkeit aus, ohne diesen Widerspruch aufzu lösen. Es trifft zu, dass der behan- delnde Psychiater Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psycho therapie FMH, und der Hausarzt Dr. med. E.____, Allgemeine Medizin FMH, die Versicher te seit längerem als vollständig ar- beitsunfähig erachten. Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin setzt sich der psychi- atrische asim-Gutachter aber sehr wohl mit den Einschätzungen des behandelnden Psychiaters auseinander. Er stimmt in diagnostischer Hinsicht weitg ehend mit ihm überein, er erachtet je- doch im Gegensatz zu Dr. D.____ die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung als nicht erfüllt, wobei er schlüssig darlegt, weshalb die betreffende Dia gnose bei der Versicherten nicht vor- liegt. Was die abweichenden Einschätzungen der funktione llen Auswirkungen der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen betrifft, so erklärt der Gutachter diese mit der unterschiedlichen Einschätzung des Schweregrades der Symptomatik. Insofern ist die unterschiedliche gutachter- liche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit entgegen der A uffassung der Beschwerdeführerin hin- reichend - und auch nachvollziehbar - begründet. 6.3.2 Im Weiteren moniert die Beschwerdeführerin, da ss im rheumatologischen Teil- Gutachten zwar eine Verschlechterung des Zustands der Lendenwirbelsäule seit der Begutach- tung durch die Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH (AB I) im Jahr 2009 beschrieben werde, trotzdem werde ihr aber aus rheumatologischer Sicht nac h wie vor lediglich eine 20 %-ige Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigke it attestiert. Dies sei umso weniger nachvollziehbar, als sich auch die Schmerzsituation seit der letzten Begutachtung verschärft habe. Schliesslich überzeuge auch die gesamtmedizinische Z umutbarkeitsbeurteilung nicht, da die Gutachter nicht darlegen würden, weshalb die aus psychischen Gründen bestehende Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit durch die rheumatologi schen Leiden nicht zusätzlich beein- trächtigt werde. Zum ersten Einwand der angeblich unver änderten rheumatologischen Zumut- barkeitsbeurteilung trotz eingetretener Verschlechterung ist festzuhalten, dass im ABI- Gutachten vom 13. Oktober 2009 entgegen der Behauptun g der Beschwerdeführerin noch kei- ne 20 %-ige Arbeitsunfähigkeit aus rheumatologischer Si cht attestiert worden war. Vielmehr gingen die ABI-Gutachter aus rheumatologischer Sicht n och von einer vollständigen Arbeitsfä- higkeit in einer angepassten Tätigkeit aus. Insofern ha t das aktuelle asim-Gutachten im Rah- men der Zumutbarkeitsbeurteilung der aus rheumatologischer Sicht beschriebenen Verschlech- terung sehr wohl Rechnung getragen. Im Weiteren ist d ie Tatsache, dass die asim-Gutachter anlässlich der bidisziplinären Konsensbeurteilung die aus psychiatrischer und aus rheumatolo- gischer Optik erhobenen Arbeitsunfähigkeiten nicht addi tiv veranschlagten, nicht zu beanstan- den. Die Gutachter zeigen schlüssig auf, dass die geringe re rheumatologische Arbeitsunfähig- keit von 20 % in der höheren, aus psychiatrischer Sicht a ttestierten 50 %-igen Arbeitsunfähig- keit aufgeht. 6.4 Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdef ührerin sodann mit der Rüge, die IV-Stelle habe es unterlassen, mit ihr ein Arbeit straining durchzuführen. Sie muss sich dies- bezüglich entgegen halten lassen, dass sie im Rahmen de s Verwaltungsverfahrens keine Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht reitschaft zur Durchführung beruflicher Massnahmen geäuss ert hatte. So gab sie etwa gegen- über dem rheumatologischen asim-Gutachter an (vgl. S. 15 des Teil-Gutachtens), sie erachte sich seit Jahren nicht mehr als arbeitsfähig und sie sei de shalb nicht bereit, sich in einer berufli- chen Tätigkeit wieder eingliedern zu lassen. In Anbet racht dieser Haltung ist die fehlende Durchführung beruflicher Massnahmen seitens der IV-Stelle nicht zu beanstanden. 6.5 Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren geltend, die ihr gutachterlich attestierte Restarbeitsfähigkeit von 50 % sei angesichts ihres Alters nicht mehr verwertbar. 6.5.1 Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die e iner versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen An spruch auf eine ganze Invalidenrente begründet. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermö- gen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Ein zelfalls ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und sei ner Folgen, der absehbare Um- stellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruk- tur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbild ung, beruflicher Werdegang oder An- wendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). 6.5.2 Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkei t auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitr aum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen all fälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Wie das Bundesgericht im Entscheid 138 V 457 ff. präzisiert hat, ist für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter zu beantworten ist, nicht etwa auf den Zeitpunkt des Ve rfügungserlasses, sondern auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit abzustellen (E. 3.3 des genannten Urteils). Vorliegend verschaffte das von der Verwaltung eingeholte bidisziplinäre asim-Gutachten vom 22. Juni 2017, welches nach dem oben G esagten (vgl. E. 5.2 hiervor) die massgebende medizinische Grundlage für die angefochtenen Verfügungen bildete, abschlies- sende Klarheit darüber, dass bzw. in welchem Umfang der Versicherten die Ausübung einer Erwerbstätigkeit aus medizinischer Sicht zumutbar ist. Im g enannten Zeitpunkt, in welchem demnach über die Verwertbarkeit der verbliebenen Erwer bsfähigkeit entschieden werden konn- te, war die Beschwerdeführerin etwas mehr als 56 ½ Jahre alt. Bis zum Erreichen des AHV- Alters verblieb ihr somit noch eine Aktivitätsdauer von kn app 7 ½ Jahren. Vor diesem Hinter- grund und im Lichte der relativ hohen Hürden, welche das Bundesgericht für die Unverwertbar- keit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen entwickelt hat (vgl. etwa die im Urteil M. vom 10. September 2013, 8C_345/2013, wiedergegebene Kas uistik), kann klarerweise nicht gesagt werden, dass der Beschwerdeführerin die Verwertung der ihr gutachterlich attestierten Restar- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsfähigkeit altersbedingt nicht mehr möglich sei. Da rüber hinaus ist die Restarbeitsfähigkeit mit 50 % zu hoch und das Anforderungsprofil zu wenig eingeschränkt, als dass - unabhängig vom Alter der Versicherten - von einer praktischen Unverw ertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausgegangen werden müsste. 7.1 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hi ervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgr und eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen. Die IV-Stelle hat in den angefochtenen Verfü gungen vom 19. November 2018 und 10. Dezember 2018 den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Da die Versicher- te aktuell keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und keine hi nreichend verlässlichen und verwertba- ren Lohnangaben zu den früher ausgeübten Tätigkeiten vorliegen, hat die IV-Stelle sowohl das Invaliden- als auch Valideneinkommen zu Recht unter Be izug der Tabellenlöhne der Schweize- rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für St atistik ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b /aa). Dabei hat sie anhand der Gegen- überstellung des Valideneinkommens von Fr. 54'062.-- un d des zumutbaren Invalideneinkom- mens von Fr. 27‘031.-- einen Invaliditätsgrad von 50 % ermittelt. 7.2 Der vorinstanzliche Einkommensvergleich wird von der V ersicherten lediglich in einem Punkt beanstandet. Sie macht für den Fall, dass von eine r Verwertbarkeit ihrer Restarbeitsfä- higkeit ausgegangen werde (vgl. dazu E. 6.5 hiervor), geltend, dass ihr die IV-Stelle bei der Er- mittlung des zumutbaren Invalideneinkommens einen Abzug von 20 - 25 % vom Tabellenlohn hätte gewähren müssen. 7.3.1 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich ber ücksichtigt, dass versicherte Per- sonen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Sch werarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur n och beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht errei- chen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugela ssene Abzug entwickelte sich in der Fol- ge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, w obei die Rechtsprechung dem Um- stand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes h aben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür be- stehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehr erer dieser Merkmale ihre gesund- heitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem al lgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmun g der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das I nvalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insg esamt auf höchstens 25 % des Tabel- lenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2; vgl. z um Ganzen auch BGE 126 V 80 E. 5b/bb und cc). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.2 Vorliegend hat die IV-Stelle in den angefochte nen Verfügungen keinen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen. Demgegenüber erachtet die Beschwerdeführerin in ihrem Fall die Gewährung eines 20 - 25%-igen Abzugs vom Tabellenlohn als angezeigt. Entgegen der Auffas- sung der Versicherten lässt sich in ihrem Fall ein Abzug im geforderten Umfang nicht rechtferti- gen. Die vorhandenen Einschränkungen sind mit der Anna hme einer 50 %-igen Leistungsein- busse bei der Ausübung eines Ganztagespensums schon in erheblichem Masse berücksichtigt. Sodann nehmen sowohl die Bedeutung des Alters als auch diejenige der Dienstjahre der Versi- cherten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, we shalb diese Faktoren bei Tätigkeiten, die dem Kompetenzniveau 1 der Tätigkeit gemäss LSE 2014 (“e infache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art“) entsprechen, in der Regel kei nen Anlass zu einem (weiteren) Abzug vom Tabellenlohn geben (vgl. BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Wi e es sich damit verhält, kann letztlich aber offen bleiben. Wenn man der Versicherten einen Abzug vom Tabellenlohn gewähren wür- de, so könnte ihr in Würdigung aller relevanten Umstä nde ein solcher von maximal 10 % zuge- standen werden. Aus einem entsprechenden Abzug würde ei n Invaliditätsgrad von 55 % resul- tieren. 8. Sowohl bei einem Invaliditätsgrad von 50 % als au ch bei einem solchen von 55 % be- steht ein Anspruch auf eine halbe Rente. Die IV-Stelle sprach der Versicherten deshalb in den angefochtenen Verfügungen vom 19. November 2018 und 10. Dezember 2018 zu Recht eine halbe Rente zu. Ebenfalls nicht zu beanstanden ist der von der IV-Stelle festgesetzte Renten- beginn. Die Wartejahr endete zwar am 3. März 2015, ge mäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch aber frühestens nach Ablauf von sechs Mon aten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Da die Anmeldung der Versicherten am 11. Mai 2016 bei der IV-Stelle eingegangen war, sprach die IV-Stelle der Beschwerdefüh rerin die halbe Rente korrekterweise erst mit Wirkung ab 1. November 2016 zu. Aus dem Gesagte n folgt zusammenfassend, dass sich die gegen die angefochtenen Verfügungen vom 19. N ovember 2018 und 10. Dezember 2018 erhobene Beschwerde als unbegründet erweist, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgele gt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen si nd. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 10. Januar 2019 die une ntgeltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorlä ufig auf die Gerichtskasse genom- men. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 10 . Januar 2019 die unentgeltliche Ver- beiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwer deführerin hat in seiner Honorarnote vom 18. Februar 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 15,25 Stunden und Auslagen von Fr. 452.30 geltend gemacht. Während die ausgewiesenen Auslagen zu keinen Beanstandungen Anlass geben, muss der geltend gemachte Z eitaufwand als zu hoch bezeich- net werden. Der vorliegende Prozess gab weder in tatsäc hlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu überdurchschnittlich aufwändigen Erörterungen Anlass, w eshalb sich insbesondere der für die Redaktion der Beschwerde ausgewiesene Zeitaufwand von 14 Stunden und 10 Minuten als übermässig erweist. Diese Position der Honorarrechnung i st daher zu kürzen, wobei es sich - unter Berücksichtigung der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen - rechtfertigt, den für die Redaktion der Beschwerde entschädigungsberechtigten Zeitaufwand auf 10 Stunden fest- zusetzen. Das Honorar des Rechtsvertreters der Versicherten ist daher vorliegend auf der Basis eines insgesamt als angemessen erachteten Zeitaufwandes v on 11 Stunden und 5 Minuten (10 Stunden für die Redaktion der Beschwerde zuzüglich d er übrige ausgewiesene Aufwand von 1 Stunde und 5 Minuten) festzusetzen. Dem Rechtsvertr eter des Versicherten ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘874.45 (11 Stunden un d 5 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Ausla- gen von Fr. 452.30 + 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘874.45 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht