Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 30. Mai 2018 (810 17 339) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Kostenverlegung bei Verzicht auf Errichtung von Kindesschutzmassnahmen Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Yves Thommen , Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Monika Fehlmann , Rechtsanwältin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz Betreff Verzicht auf die Errichtung von Kindesschut zmassnahmen / Kostenver- legung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 19. Oktober 2017) A. D.____ (geb. 2002) ist die Tochter von A.____. M it Schreiben vom 14. November 2016 reichte die Sekundarschule D.____ bei der Kindes- u nd Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) eine Gefährdungsmeldung betreffend D.____ ei n. Darin wurde auf den Suizid des Va- ters noch in der Primarschulzeit verwiesen und ausg eführt, dass D.____ seit Beginn der Se- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht kundarschule in der Klasse sehr auffällig sei und unter stetigen Stimmungsschwankungen leide. Sie fehle oft im Unterricht oder komme viel zu spät. D. ____ habe der Klassenlehrperson mitge- teilt, dass es ihr sehr schlecht gehe und sie unbedingt Hi lfe brauche. Es hätten zudem Gesprä- che mit der Schulsozialarbeiterin stattgefunden und di e Schule habe vier Termine bei der Kin- der- und Jugendpsychiatrischen Klinik organisiert. B. Am 18. November 2016 erteilte die KESB dem Kinde sschutzdienst E.____ (KSDE) einen Abklärungsauftrag gemäss Art. 446 Abs. 2 ZGB. De r KSDB wurde beauftragt, die Situati- on abzuklären, bei Bedarf Lösungen zu entwickeln und umzusetzen und, soweit nötig, geeigne- te Massnahmen vorzuschlagen. C. Mit Schreiben der KESB vom 21. November 2016 wurde A.____ über die Eröffnung eines Verfahrens informiert und darauf hingewiesen, d ass dieses grundsätzlich gebührenpflich- tig sei. D. Am 28. Februar 2017 erstattete der KSDE seinen Be richt zuhanden der KESB. E. Am 1. März 2017 zog A.____ mit D.____ und ihrem vol ljährigen Bruder nach F.____ (AG). F. Mit E-Mail vom 21. März 2017 richtete die Schulleit erin des Oberstufenzentrums G.____ in H.____ (AG) eine Gefährdungsmeldung an die KESB. Sie führte aus, dass D.____ an einer psychischen Störung zu leiden scheine, welche gro sse Verwirrung auslöse. Man sehe dringenden Handlungsbedarf. G. Am 26. September 2017 erstattete der KSDE nach Du rchführung weiterer Abklärungen einen aktualisierten Bericht mit der Empfehlung an die KESB, das Verfahren einzustellen. H. Am 19. Oktober 2017 entschied die KESB, dass auf di e Errichtung von Kindesschutz- massnahmen für D.____ verzichtet werde (Ziff. 1). Die V erfahrenskosten der KESB wurden auf Fr. 2'645.-- festgelegt und in der Höhe von Fr. 1'32 3.50 der Kindsmutter auferlegt (Ziff. 2). Zur Begründung wurde ausgeführt, dass mit Hilfe der involvie rten Fachpersonen die notwendigen und geeigneten Massnahmen zur Unterstützung von D.____ e rgriffen worden seien und sie auch weiterhin psychiatrisch begleitet werde. Die Gebü hr sei entsprechend dem Aufwand von Fr. 630.-- (KESB) und Fr. 1'995.-- (Abklärung) sowie den Auslagen von Fr. 20.-- festzusetzen. Aufgrund der belasteten Familiensituation werde auf die Hälfte der Verfahrenskosten verzichtet. I. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Dr. Monika Fehlmann, Rechts- anwältin, mit Eingabe vom 20. Dezember 2017 Beschwerd e beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Sie stellt das Rechtsb egehren, es sei Ziff. 2 des Ent- scheids der KESB vom 19. Oktober 2017 aufzuheben und stat tdessen sei zu erkennen, dass der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten auferlegt werden könnten, eventualiter, dass auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten sei; dies unter o/e-Kostenfolge. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. In ihrer Vernehmlassung vom 24. Januar 2018 stellt di e KESB das Rechtsbegehren, es sei die Beschwerde unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. K. Mit Verfügung vom 13. Februar 2018 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. L. Am 19. Februar 2018 reichte die Rechtsvertreterin de r Beschwerdeführerin ihre Hono- rarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 3 14 Abs. 1 ZGB kann gegen Ent- scheide der Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Zu- ständiges Gericht im Sinne dieser Bestimmung ist nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Ein- führung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 das Kantonsgericht, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Das Verfahren ri chtet sich vorab nach Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Gemäss Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände rung des angefochtenen Ent- scheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als V erfahrensbeteiligte ohne weiteres zur Beschwerde legitimiert. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Vorinsta nz der Beschwerdeführerin zu Recht Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'323.50 auferlegt hat. 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst, dass es für d ie Kostenauferlegung an einer genügenden gesetzlichen Grundlage fehle. Gemäss § 20 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensge- setzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 in Ve rbindung mit § 69 Abs. 4 des Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB ) vom 16. November 2006 könnten die Verfahrenskosten einer Partei nur unter bestimmte n Voraussetzungen auferlegt werden, welche im vorliegenden Fall nicht erfüllt seien. Im Wei teren ergebe sich der Umstand, dass die Eltern abgabepflichtig seien, nicht aus einem Gesetz im f ormellen Sinn. Vielmehr liege mit § 6 Abs. 2 bis der Verordnung über die Gebühren zum Zivilrecht (GebV ) vom 8. Januar 1991 einzig eine Verordnungsbestimmung vor, welche den Kreis der Abgabepflichtigen regle. Mit § 6 Abs. 2 bis GebV werde die Kostentragungspflicht zudem auf Person en ausgeweitet, welche in § 20 Abs. 2 VwVG BL nicht genannt würden. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Vorinstanz entgegnet im Wesentlichen, dass die Üb ernahme der Kosten von Kin- desschutzmassnahmen Teil der Unterhaltspflicht der Elter n sei (Art. 276 Abs. 2 ZGB). Für Ver- richtungen und Verfügungen, wie sie im ZGB und im EG ZGB vorgesehen seien, würden ge- mäss § 158 EG ZGB Aufwandgebühren erhoben. Die Höhe d er Gebühren im Kindes- und Er- wachsenenschutzrecht richte sich im Einzelnen nach § 17 Ge bV. Die Gebühr umfasse jeweils den Aufwand für Abklärungen, Beratungen, Verhandlung en, die Ausfertigung des Aktes etc. (§ 2 Abs. 1 GebV). Bei der Gebührenverordnung handl e es sich im Verhältnis zum Verwal- tungsverfahrensgesetz um eine lex specialis und das erstinstanzliche Verfahren im Bereich des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts sei somit nicht kostenlos. 3.3.1 Die Verpflichtung zu einer öffentlich-rechtlich en Geldleistung bedarf einer formell- gesetzlichen Grundlage, welche die Leistungspflicht mi ndestens in den Grundzügen festlegt (Art. 127 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerische n Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999). Delegiert der Gesetzgeber die Kompetenz zur Festlegung einer Abgabe an eine nachgeordnete Behörde, so muss er zumindest den Kreis de r Abgabepflichtigen, den Gegen- stand und die Bemessungsgrundlage selber festlegen (vg l. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER / FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St. Ga llen 2016, N 2795 ff.; BGE 134 I 179 E. 6.1; BGE 132 II 371 E. 2.1; BGE 13 0 I 113 E. 2.2; BGE 128 I 317 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). Die Rechtsprechung hat die Vorgaben bet reffend die Bemessung der Abgaben bei gewissen Arten von Kausalabgaben gelockert, wo das Ma ss der Abgabe durch überprüfba- re verfassungsrechtliche Prinzipien (Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip) begrenzt wird und nicht allein der Gesetzesvorbehalt diese Schutzfunktion erfüllt (vgl. H ÄFELIN /M ÜLLER /UHLMANN , a.a.O., N 2806; BGE 141 V 509 E. 7.1.1; BGE 135 I 1 30 E. 7.2; BGE 134 I 179 E. 6.1; jeweils mit Hinweisen). 3.3.2 Das basellandschaftliche Recht regelt in § 158 Abs. 1 EG ZGB, dass für Verrichtungen und Verfügungen, wie sie im ZGB und in diesem Gesetz vo rgesehen sind, Aufwandgebühren erhoben werden. Gestützt auf die in § 158 Abs. 3 EG Z GB enthaltene Delegationsnorm hat der Regierungsrat eine Gebührenverordnung erlassen, welche die Gebührenerhebung für Bewilli- gungen und Verrichtungen durch die kantonalen und kom munalen Amtsstellen, wie sie im schweizerischen und kantonalen Zivilrecht vorgesehen sind, r egelt (§ 1 GebV). Die Gebühr ist das Entgelt für einen Geschäftsakt und alle damit notwen dig zusammenhängenden Tätigkeiten wie Abklärungen, Beratungen, Verhandlungen, Ausferti gung des Aktes sowie die notwendigen Mitteilungen (§ 2 Abs. 1 GebV). Gemäss § 5 Abs. 1 lit. c GebV wird bei Verfahren, die von Am- tes wegen einzuleiten sind, und bei denen von der Ano rdnung von Massnahmen abgesehen wird, eine Gebühr entsprechend dem Arbeitsaufwand erhoben. 3.3.3 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, i m vorliegenden Fall seien die Voraus- setzungen von § 20 Abs. 2 VwVG BL nicht erfüllt, kann ih r nicht gefolgt werden. Wie dargelegt (E. 3.3.2 hiervor), richtet sich die Kostenauferlegung im Verfahren vor der KESB nach § 158 Abs. 1 EG ZGB in Verbindung mit den Bestimmungen der GebV, welche als lex specialis der Regelung von § 20 Abs. 2 VwVG BL vorgehen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.4 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ergibt sich aus dem Gesetz im for- mellen Sinn auch der Kreis der Abgabepflichtigen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde vollzieht die Aufgaben, die ihr das Bundesrecht und das kantonale Recht zuweisen. Sie erfüllt die Aufgaben der Beratung, der Abklärung sowie der Regelung von Rechten und Pflichten (§ 62 Abs. 2 EG ZGB). Die Abklärung umfasst insbesondere den rechtlichen und sozialarbeiterischen Bereich, wobei auch die kommunalen Sozialdienste mit s ozialarbeiterischen Abklärungen be- auftragt werden können (§ 62 Abs. 3 EG ZGB). Aus § 158 Abs. 1 EG ZGB geht hervor, dass für die im ZGB und in diesem Gesetz vorgesehenen Verrichtun gen und Verfügungen – und damit auch für den in Kindesschutzverfahren entstehenden Aufwa nd – Gebühren erhoben werden können. Daraus erhellt, dass nicht sämtliche Kosten diese r Verfahren zu Lasten des Staats ge- hen. Durch den Umstand, dass sich das Kindesschutzverfahren r egelmässig zwischen der KESB und den Kindseltern als einzigen direkten Verfahr ensbeteiligten abspielt, muss diesen somit von vornherein klar sein, dass sie selbst grundsätzlich für die Kosten des Kindesschutz- verfahrens einzustehen haben. Die Regelung von § 158 A bs. 1 EG ZGB kann somit in guten Treuen nicht anders verstanden werden, als dass in Kindes schutzverfahren die Gebühren von den Eltern der betroffenen Kinder zu entrichten sind (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_192/2012 vom 7. Juni 2012 E. 2.3; Praxis des Kantonsge richts Graubünden [PKG] 2015 Nr. 23 S. 152). Dem entspricht, dass auf die ausdrücklich e Erwähnung des Abgabesubjekts verzichtet werden kann, wenn sich dieses "von selbst ergibt " (vgl. MICHAEL BEUSCH , in: Häner/ Rüssli/Schwarzenbach [Hrsg.], Kommentar zur Zürcher Kanto nsverfassung, N 15 Fn. 39 zu Art. 126). Die Rüge der Beschwerdeführerin, die Koste nauferlegung beruhe auf einer ungenü- genden gesetzlichen Grundlage, erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet. 4.1 Die Beschwerdeführerin macht weiter – für den Fal l, dass das Erfordernis der gesetzli- chen Grundlage bejaht werde – geltend, die Kosten fü r die Abklärungen des KSDE seien als überhöht zu qualifizieren. Namentlich hätten die frag lichen Abklärungen nicht einen Wert von Fr. 1'995.-- und die Festsetzung der Abklärungskosten i n dieser Höhe verletze das Äquivalenz- prinzip. Soweit aus der Begründung des Entscheids hervorge he, habe der KSDE Gespräche mit der Betroffenen und der Kindsmutter geführt und zwei Abklärungsberichte geschrieben. Die Betroffene habe nach dem Suizid des Vaters die Psychothera pie bei den Universitären Psychi- atrischen Kliniken (UPK) Basel wieder aufgenommen und si ch nach dem Wohnsitzwechsel in den Kanton Aargau im Juli 2017 freiwillig in den Ki nder- und Jugendpsychiatrischen Dienst (KJPD) Aargau zu einem stationären Aufenthalt begeben. Nach dem Austritt sei eine ambulante Therapie bei Dr. med. I.____ in J.____ organisiert wo rden. In der Zwischenzeit sei die Betroffe- ne in eine stationäre Therapie in der Psychiatrischen Kl inik K.____ eingetreten. Diese Prob- lemlösungen seien ohne die Mitwirkung des KSDE erfolgt. 4.2 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung zusa mmengefasst aus, dass im Rahmen der Abklärungen durch den KSDE diverse Gespräche mit de r Lehrerin, dem Time-Out Basel- land, der früheren behandelnden Psychologin der Kinde r- und Jugendpsychiatrie Baselland (Poliklinik L.____), Frau M.____, sowie der Psychologin der UPK Basel, Frau N.____, geführt worden seien. Der erste Abklärungsbericht vom 28. Febr uar 2017 habe mit der Empfehlung geendet, vorerst eine Vertrauensperson einzusetzen. Die KESB habe entschieden, das Verfah- ren nach dem Umzug der Beschwerdeführerin in den Kanton Aargau noch nicht abzuschliessen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und den KSDE zu beauftragen, die Integration von D._ ___ in der Sekundarschule in H.____ zu begleiten, sie weiter zu beobachten und wenn nötig, b ei Freiwilligkeit, geeignete Unterstützun- gen umzusetzen. In der Folge habe die Schulleiterin d er Schule in H.____, Frau O.____, der KESB über D.____ und das ausweichende Familiensystem beri chtet und mitgeteilt, man sei in grosser Sorge um D.____. Der weiterführende Auftrag z ur Abklärung und Begleitung von D.____ durch den KSDE am neuen Wohn- und Schulort sei somit eine notwendige und geeig- nete Vorkehr gewesen, um die Lebenssituation von D.____ einschätzen und beurteilen zu kön- nen. Die Möglichkeit, nach Abschluss der Abklärung per 26. September 2017 (Eingang zweiter Bericht) das Verfahren der KESB ohne Massnahmen abschlie ssen zu können, sei Folge der engen Begleitung durch den KSDE gewesen. Insgesamt se ien im vorliegenden Fall die geltend gemachten 19.4 Stunden für die Abklärung des KSDE ang esichts der komplexen Ausgangssi- tuation und der erforderlichen umfangreichen Gespräche angemessen und notwendig gewesen. 4.3.1 Das Äquivalenzprinzip konkretisiert das Verhältnismässig keitsprinzip und das Willkür- verbot für den Bereich der Kausalabgaben (Art. 5 Abs. 2 und Art. 8 BV); es bestimmt, dass eine Gebühr nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis zum ob jektiven Wert der Leistung stehen darf und sich in vernünftigen Grenzen halten muss. Der Wert der Leistung bemisst sich entwe- der nach dem wirtschaftlichen Nutzen, den sie dem Bürger verschafft (nutzenorientierte Be- trachtung aus der Optik des Leistungsempfängers) oder nach dem Kostenaufwand der konkre- ten Inanspruchnahme im Verhältnis zum gesamten Aufwand des betreffenden Verwaltungs- zweigs (aufwandorientierte Betrachtung aus der Optik des Leistungserbringers). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit bzw. Äquivalenz ist selbst eine geset zes- oder reglementskonforme Gebühr dann herabzusetzen, wenn die an sich reguläre An wendung des Tarifs im Ergebnis zu einer nicht mehr vertretbaren Abgabenhöhe führt (vgl. BGE 141 V 509 E. 7.1.2 mit Hinweisen). 4.3.2 Im Rahmen der Ausarbeitung der beiden Berichte des KSDE vom 28. Februar 2017 und 26. September 2017 führte der zuständige Sozialarb eiter mehrere Gespräche und Telefo- nate mit der Beschwerdeführerin und D.____ und holte diverse telefonische Stellungnahmen bei Drittpersonen ein. Die Berichte basieren mithin au f einer umfassenden Sachverhaltsabklä- rung. Sie sind sorgfältig begründet und konnten der K ESB als fundierte und nachvollziehbare Grundlage dienen für die Beurteilung der Frage, ob im vorliegenden Fall geeignete Massnah- men zum Schutz des Kindes (Art. 307 ZGB) zu treffen war en. Der im Zusammenhang mit der Erstellung der Berichte ausgewiesene Aufwand von 19.4 Stunden bzw. der darauf entfallende Gebührenanteil von Fr. 1'995.-- erweist sich vor diesem Hintergrund – mit Blick auf die umfang- reichen Abklärungen des KSDE – ohne weiteres als gerechtf ertigt und ist nicht zu beanstanden. Dass sich die Gesamthöhe der Gebühr von Fr. 2'625.-- (zzgl . Auslagen von Fr. 20.--) innerhalb des in § 17 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 GebV gesetzten Rahme ns bewegt, wird von der Beschwerdefüh- rerin zu Recht nicht bestritten. Von einer Verletzung de s Äquivalenzprinzips kann nach dem Gesagten nicht gesprochen werden und die entsprechende Rüge erweist sich als unbegründet. 5.1 Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, d ass die KESB bei richtiger Er- messensausübung gemäss § 17a Abs. 3 GebV ganz auf eine Kost enauferlegung hätte verzich- ten müssen. Namentlich stehe im vorliegenden Fall der Suizid des Kindsvaters im Jahr 2012 einer Gebührenerhebung entgegen. Der Umstand des Suizi ds sei als äusserer Faktor zu wer- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten, welcher geeignet sei, psychische Störungen bei der Betroffenen auszulösen oder zu ver- stärken. Unter diesen Umständen erweise sich die Gebühren erhebung als besonders stossend und geradezu als unbillig. 5.2 Nach § 17a Abs. 3 GebV ist auf die Geltendmachung einer Gebühr zu verzichten, so- fern deren Erhebung unter Würdigung der gesamten Umst ände als unbillig oder stossend er- scheint. Bei dieser Regelung handelt es sich um ein Korr ektiv zu Handen des Rechtsanwen- ders, um in denjenigen Fällen von einer Gebührenerheb ung absehen zu können, in welchen sich eine solche unter dem Gesichtspunkt des Gebots willkür freier Rechtsanwendung (Art. 9 BV) nicht halten liesse. Wann die Voraussetzungen von § 17a Abs. 3 GebV erfüllt sind, ist je- weils im Einzelfall aufgrund einer Gesamtwürdigung zu b eurteilen. Von einer unbilligen und stossenden Gebührenerhebung ist nach der kantonalen Pr axis insbesondere dann auszuge- hen, wenn nie eine Gefährdung des Kindswohls vorlag un d dieser Umstand im Zeitpunkt der Verfahrenseinleitung durch die betreffende Behörde zu mindest eine ernsthaft zu berücksichti- gende Möglichkeit darstellte. Die Auferlegung einer G ebühr erwiese sich diesfalls als unbillig respektive stossend, weil ein – allenfalls aufwändiges – Verfahren trotz erkennbarerweise nicht ausreichenden Anhaltspunkten für eine Kindswohlgefähr dung durchgeführt worden wäre (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 26. Juni 2013 [810 13 22] E. 4.2). Beim Entscheid, ob auf die Geltendmachung einer Gebühr gestützt auf § 17a Abs. 3 GebV aus Gründen der Billig keit zu verzichten ist, steht der KESB ein Ermessensspielraum zu, in welchen das Kantonsgericht nur mit Zurückhaltung eingreift. 5.3.1 Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, bestanden im vorliegenden Fall ausreichende Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung. Die Gefä hrdungsmeldung der Sekundarschule E.____ vom 14. November 2016 erfolgte erst, nachdem zahlreiche von der Schule initiierte Massnahmen, namentlich Gespräche mit der Schulsozialarbei terin, eine psychologische Abklä- rung im Spital L.____ sowie ein verordnetes "Time-Out " im Juni 2016 keine Verbesserung der schulischen und persönlichen Situation von D.____ gebra cht hatten und sich diese wiederholt hilfesuchend an ihre Klassenlehrperson gewandt hatte. Die KESB sah sich vor diesem Hinter- grund zu Recht veranlasst, ein Kindesschutzverfahren zu erö ffnen und den KSDE mit den er- forderlichen Abklärungen zu betrauen. Dies gilt auch in Bezug auf die zusätzlichen Abklärungen des KSDE nach dem Umzug der Beschwerdeführerin in den Kanton Aargau, welche sich nicht zuletzt mit Blick auf die (neuerliche) Gefährdungsmeldun g des Oberstufenzentrums G.____ vom 21. März 2017 als geboten erwiesen. 5.3.2 Aus welchen Gründen eine Kindesschutzmassnahme in B etracht gezogen wird und welches beispielsweise die Ursachen für eine psychische Störu ng sind, kann im Zusammen- hang mit der Frage der Kostenauferlegung grundsätzlic h keine Rolle spielen. Der Umstand, dass psychische Probleme von Betroffenen mit äusseren Umstän den – vorliegend dem Suizid des Kindsvaters – in einem Zusammenhang stehen, führt a ls solches somit nicht automatisch dazu, dass in diesen Fällen eine Gebührenerhebung als b esonders stossend oder unbillig an- zusehen wäre. Im vorliegenden Fall durfte die KESB im Rahmen des ihr zustehenden Ermes- sens zulässigerweise davon absehen, der Beschwerdeführerin die Gebühren gestützt auf § 17a Abs. 3 GebV vollumfänglich zu erlassen. Die Vorinstanz t rug der belasteten Familiensituation Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beschwerdeführerin insoweit angemessen Rechnung, als sie gestützt auf § 6 Abs. 2 bis GebV auf die Hälfte der Verfahrenskosten verzichtete. Di e Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet und ist damit vollumfänglich abzuweisen. 6. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise un terliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- sind ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber