<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2023.00630</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=223816&amp;W10_KEY=13045535&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2023.00630</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 07.02.2024</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Erteilung einer Bewilligung zum erwerbslosen Aufenthalt</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Die 91-jährige Beschwerdeführerin hat nach dem Erdbeben in der Türkei ihre Wohnung und ihr Hab und Gut verloren, infolgedessen sie zu ihren Verwandten in die Schweiz gereist ist. Sie ersucht um eine Rentnerbewilligung oder eine Härtefallbewilligung.] Die Beschwerdeführerin kann mangels eines Abhängigkeitsverhältnisses keinen Anwesenheitsanspruch aus dem Recht auf Achtung des Familienlebens ableiten (E. 2). Die Beschwerdeführerin hat während 14 Jahren in der Schweiz gelebt, was eine besondere persönliche Beziehung zur Schweiz vermuten lässt. Ob diese Beziehung tatsächlich (noch) besteht, kann offengelassen werden, da sie nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt (E. 4). Es ist jedoch aufgrund der Gesamtumstände von einem schwerwiegenden persönlichen Härtefall auszugehen. Das Migrationsamt ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin â unter Vorbehalt der Zustimmung durch das SEM â eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (E. 5). Gutheissung der Beschwerde. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=65077" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2023.00630</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">7. Februar 2024</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, Verwaltungsrichterin Viviane Sobotich, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Linda <br/> Rindlisbacher. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend Erteilung einer Bewilligung zum erwerbslosen Aufenthalt,</span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt1">A, geboren 1932, StaatsangehÃ¶rige der TÃ¼rkei, lebte vom 1. Juni 1999 bis am 4. Juni 2013 in der Schweiz. Ihre beiden SÃ¶hne und ihre sieben Enkelkinder leben ebenfalls in der Schweiz. Im Juni 2013 kehrte sie in ihr Heimatland zurÃ¼ck. Am 9. MÃ¤rz 2023 reiste A mit einem bis 4. Juni 2023 gÃ¼ltigen Schengen-Visum in die Schweiz ein. Am 3. Mai 2023 ersuchte sie um VerlÃ¤ngerung des Schengen-Visums. Das Visum wurde bis am 5. August 2023 verlÃ¤ngert. Sie wohnt bei ihrem Sohn C (geb. 1952) in ZÃ¼rich. Am 27. Juli 2023 ersuchte A um Bewilligung der erwerbslosen Wohnsitznahme im Kanton D und um Erstreckung des Visums bis zum Entscheid darÃ¼ber. Mit VerfÃ¼gung vom 4. August 2023 wies das Migrationsamt das Gesuch um Bewilligung der erwerbslosen Wohnsitznahme als Rentnerin ab, wies A aus der Schweiz weg und setzte ihr Frist zum Verlassen des schweizerischen Staatsgebiets bis am 14. August 2023.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Sachverhalt1">Einen hiergegen erhobenen Rekurs wies die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion mit Entscheid vom 19. September 2023 ab und setzte ihr eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz bis am 30. November 2023.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 20. Oktober 2023 beantragte A dem Verwaltungsgericht die Aufhebung des Entscheids der Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion und Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung und Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an die Vorinstanz zurÃ¼ckzuweisen. Subeventualiter sei das Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen einer HÃ¤rtefallprÃ¼fung an die Vorinstanz oder das Migrationsamt zurÃ¼ckzuweisen. In formeller Hinsicht beantragte sie die Erteilung der aufschiebenden Wirkung, alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen.</p> <p class="Urteilstext">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 24. Oktober 2023 trat der AbteilungsprÃ¤sident auf das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung zufolge Gegenstandslosigkeit nicht ein und ordnete an, dass bis zum Entscheid Ã¼ber das Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen alle Vollziehungsvorkehrungen zu unterbleiben haben. Gleichzeitig forderte er A auf, wegen ihres Wohnsitzes im Ausland eine Kaution zu leisten. Die Kaution wurde fristgerecht geleistet.</p> <p class="Urteilstext">Die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion verzichtete auf Vernehmlassung; das Migrationsamt reichte keine Beschwerdeantwort ein.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung1">Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen einschliesslich Ermessensmissbrauch, ErmessensÃ¼ber- und -unterschreitungen und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden, nicht aber die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheids (§ 50 Abs. 1 in Verbindung mit § 20 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b><span>Aus dem in Art. 8 Abs. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) garantierten <a id="_Hlk158213288">Recht auf Achtung des Familienlebens </a>ergibt sich ein Anwesenheitsanspruch fÃ¼r eine auslÃ¤ndische Person, wenn sie nahe Verwandte mit einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat und die familiÃ¤re Beziehung tatsÃ¤chlich gelebt wird (BGE 130 II 281 E. 3.1, 127 II 60 E. 1d/aa). Im Unterschied zu den Mitgliedern der Kernfamilie, welche aufgrund eines gemeinsamen Lebensplans (Ehe bzw. KindsverhÃ¤ltnis) grundsÃ¤tzlich zusammengehÃ¶ren und demzufolge gestÃ¼tzt auf Art. 8 Abs. 1 EMRK einen Anspruch auf ZusammenfÃ¼hrung (landesrechtlich umgesetzt in Art. 42 ff. </span>des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 [AIG, SR 142.20]<span>) geltend machen kÃ¶nnen, muss beim erweiterten Familien­begriff eine besonders enge Beziehung bestehen, damit im Fall der Verweigerung des Aufenthaltsrechts Ã¼berhaupt von einem Eingriff in das Familienleben gesprochen werden kann (BGr, 30. MÃ¤rz 2017, 2C_867/2016, E. 2.2, auch zum Folgenden). Erforderlich ist eine UnterstÃ¼tzungsbedÃ¼rftigkeit, welcher nur die betreffenden (anwesenheitsberechtigten) AngehÃ¶rigen entsprechen kÃ¶nnen (BGr, 5. Dezember 2013, 2C_546/2013, E. 4.1). Bei anderer Betrachtungsweise wÃ¼rde faktisch ein voraussetzungsloser Anspruch auf Familiennachzug von AngehÃ¶rigen ausserhalb der Kernfamilie resultieren, der mit Art. 42 ff. AIG gerade ausgeschlossen werden sollte. Die Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern fÃ¤llt somit nur unter den Schutz von Art. 8 Abs. 1 EMRK, wenn sie aufgrund der bestehenden AbhÃ¤ngigkeit besonders eng ist. Ein besonderes AbhÃ¤ngigkeitsverhÃ¤ltnis kann insbesondere aus Betreuungs- oder PflegebedÃ¼rfnissen resultieren wie bei kÃ¶rperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten, die die Betreuung durch ein hier lebendes erwachsenes Kind als unabdingbar erscheinen lassen (BGr, 5. Dezember 2013, 2C_546/2013, E. 4.3). </span>Der Umstand, dass es im Heimatland des nachzuziehenden Elternteils aufgrund kultureller Unterschiede kaum Betreuungsangebote wie Alters- oder Pflegeheime gibt, verpflichtet die Schweiz zudem nicht, ihr Einwanderungssystem den BrÃ¤uchen des Heimatlandes anzupassen (BGr, 27. Mai 2021, 2C_396/2021, E. 4.3). Ausserdem mÃ¼ssen die nachzuziehende Person oder ihre AngehÃ¶rigen â sofern die Betreuung in der Schweiz nicht bereits aus anderen GrÃ¼nden unabdingbar ist â nachweisen, dass sie sich konkret, aber erfolglos, um die Organisation einer Betreuung im Heimatland bemÃ¼ht haben (BGr, 16. November 2021, 2C_279/2021, E. 4.2). </p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt vor, dass ihr Wohnhaus beim Erdbeben vom 6. Februar 2023 zerstÃ¶rt worden sei und sie ihr gesamtes Hab und Gut verloren habe. Sie gehe aus gesundheitlichen GrÃ¼nden am Stock und kÃ¶nne nicht mehr allein aus dem Haus gehen. Sie sei auf die Hilfe von jemandem angewiesen, der stÃ¤ndig bei ihr lebe und die tÃ¤glichen Verrichtungen, wie Einkaufen, Kochen, Putzen etc., Ã¼bernehme. In der TÃ¼rkei gebe es keine Spitex und auch kein ausgebildetes Pflege- und UnterstÃ¼tzungsregime wie in der Schweiz. Die alten Leute seien auf die Betreuung durch ihre Familie vor Ort angewiesen. Sie verfÃ¼ge nicht Ã¼ber die Mittel, den Wiederaufbau der Wohnung zu finanzieren oder eine eigene Wohnung in einem anderen Landesteil zu mieten. Bis zum Erdbeben hÃ¤tte fast immer eines ihrer Kinder oder Enkelkinder bei ihr gelebt und fÃ¼r sie gesorgt. Die Vorinstanz habe das Recht auf Familienleben verletzt, indem sie diese Frage keiner PrÃ¼fung unterzogen habe. GemÃ¤ss Rechtsprechung des Bundesgerichts wÃ¼rde eine Verweigerung einer Bewilligungserteilung an im Ausland lebende Eltern von in der Schweiz lebenden Kinder eine Verletzung des Grundsatzes der Achtung des Familienlebens darstellen. </span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Entgegen dem Einwand der BeschwerdefÃ¼hrerin hat die Vorinstanz einen Anwesenheitsanspruch gestÃ¼tzt auf Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV geprÃ¼ft. Sie hielt diesbezÃ¼glich zutreffend fest, dass zwar nachvollziehbar sei, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin bei ihren Verwandten in der Schweiz leben mÃ¶chte, jedoch eine enge Beziehung noch kein besonderes AbhÃ¤ngigkeitsverhÃ¤ltnis im Sinne von Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV begrÃ¼nde. Ihre Kinder und Enkelkinder kÃ¶nnten sie auch in der TÃ¼rkei finanziell unterstÃ¼tzen und weiterhin dort besuchen. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe weder nachgewiesen, an einer schwerwiegenden Erkrankung zu leiden, noch, pflege- oder betreuungsbedÃ¼rftig zu sein. Diese WÃ¼rdigung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Ein besonderes AbhÃ¤ngigkeitsverhÃ¤ltnis im Sinne der oben (vgl. E. 2.1 hiervor) wiedergegebenen Rechtsprechung ist nicht leichthin anzunehmen. Der BeschwerdefÃ¼hrerin gelingt es nicht, ein bestehendes AbhÃ¤ngigkeitsverhÃ¤ltnis, welches durch die Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung vereitelt wÃ¼rde, zu belegen. <span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist 91 Jahre alt und lebte bis zum Erdbeben vom 6. Februar 2023 in ihrer eigenen Wohnung in F. Sie</span> reiste im MÃ¤rz 2023 mit einem Besuchervisum in die Schweiz ein und lebt seither bei einem ihrer SÃ¶hne. Das aktuelle Zusammenleben und die geltend gemachte Betreuungssituation zwischen der BeschwerdefÃ¼hrerin und ihrem Sohn ist einzig darauf zurÃ¼ckzufÃ¼hren, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin durch ihre Einreise mit einem Besuchervisum und anschliessende Wohnsitznahme in der Schweiz vollendete Tatsachen geschaffen hat. Dies kann jedoch bei der rechtlichen Beurteilung des Aufenthaltsanspruchs keine BerÃ¼cksichtigung finden (VGr, 22. Dezember 2022, VB.2022.00600, E. 2.3; BGr, 23. Juni 2017, 2C_5/2017, E. 3.5; 10. November 2016, 2C_131/2016, E. 4.5). Auch das Vorliegen eines Pflege- und BetreuungsbedÃ¼rfnisses genÃ¼gt fÃ¼r sich genommen nicht; die BeschwerdefÃ¼hrerin hat nicht nachgewiesen, dass die betreffende Pflege- und Betreuungsleistung unabdingbar von den in der Schweiz anwesenheitsberechtigten AngehÃ¶rigen erbracht werden muss und sie sich vergeblich um die Organisation einer Betreuung im Heimatland bemÃ¼ht hÃ¤tte. Es liegt somit <span>kein besonderes AbhÃ¤ngigkeitsverhÃ¤ltnis im Sinne der Rechtsprechung vor, womit die Beziehung zwischen der BeschwerdefÃ¼hrerin und ihren hier lebenden Verwandten nicht in den Schutzbereich von Art. 8 Abs. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV fÃ¤llt. </span>Die Vorinstanz hat sodann zutreffend erwogen, dass keine anderen staatsvertraglichen oder landesrechtlichen RechtsansprÃ¼che auf die anbegehrte Aufenthaltsbewilligung bestÃ¼nden.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>GemÃ¤ss Art. 28 des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG) kÃ¶nnen nicht mehr erwerbstÃ¤tige Personen zum dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz zugelassen werden, wenn sie ein vom Bundesrat festgelegtes Mindestalter erreicht haben (lit. a), besondere persÃ¶nliche Beziehungen zur Schweiz besitzen (lit. b) und Ã¼ber die notwendigen finanziellen Mittel verfÃ¼gen (lit. c). Das Mindestalter betrÃ¤gt gemÃ¤ss Art. 25 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 Ã¼ber Zulassung, Aufenthalt und ErwerbstÃ¤tigkeit (VZAE) 55 Jahre. Besondere persÃ¶nliche Beziehungen liegen nach Art. 25 Abs. 2 VZAE insbesondere vor, wenn lÃ¤ngere frÃ¼here Aufenthalte in der Schweiz, namentlich Ferien, Ausbildung oder ErwerbstÃ¤tigkeit, nachgewiesen werden (lit. a) oder enge Beziehungen zu nahen Verwandten in der Schweiz bestehen (lit. b).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>PraxisgemÃ¤ss liegen <a id="_Hlk158213558">besondere persÃ¶nliche Beziehungen </a>im Sinne von Art. 28 lit. b AIG nur vor, wenn Beziehungen soziokultureller oder persÃ¶nlicher Art zur Schweiz vorhanden sind wie beispielsweise Verbindungen zum Ã¶rtlichen Gemeinwesen, Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen oder direkte Kontakte mit der einheimischen BevÃ¶lkerung. Hingegen genÃ¼gen allein Beziehungen zu hier lebenden Verwandten, wirtschaftliche Beziehungen oder Grundeigentum in der Schweiz nicht (VGr, 18. MÃ¤rz 2021, VB.2020.00727, E. 3.2, 6. Dezember 2017, VB.2017.00574, E. 2.2; vgl. BVGr, 17. Februar 2014, C-1156/2012, E. 10.1 f., und 14. September 2012, C-797/2011, E. 9.1, insbesondere 9.1.7). Hierdurch soll der Gefahr der AbhÃ¤ngigkeit oder sozialen Isolation begegnet und der zu erwartende Integrationserfolg sichergestellt werden (VGr, 11. Juli 2018, VB.2018.00338, E. 2.3.1).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Hinreichend finanzielle Mittel sind gemÃ¤ss Art. 25 Abs. 4 VZAE vorhanden, wenn diese den Betrag Ã¼bersteigen, welche Schweizer StaatsangehÃ¶rige und allenfalls deren FamilienangehÃ¶rige zum Bezug von ErgÃ¤nzungsleistungen nach dem Bundesgesetz Ã¼ber ErgÃ¤nzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung vom 6. Oktober 2006 (ELG) berechtigen wÃ¼rden. Die finanziellen Mittel (Renten, VermÃ¶gen) mÃ¼ssen mit grosser Sicherheit bis ans Lebensende ausreichen, sodass das Risiko einer FÃ¼rsorgeabhÃ¤ngigkeit als vernachlÃ¤ssigbar klein einzuschÃ¤tzen ist. Versprechen und selbst schriftliche GarantieerklÃ¤rungen von in der Schweiz lebenden Verwandten der Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller, fÃ¼r deren Lebensunterhalt aufzukommen, kÃ¶nnen diese Sicherheit wegen ihrer fraglichen Durchsetzbarkeit nicht in jedem Fall vermitteln. Die VerfÃ¼gbarkeit von allfÃ¤lligen finanziellen Mitteln von Dritten muss in vergleichbarem Mass sichergestellt sein wie eigene Mittel (z.<span> </span>B. Bankgarantie). Auch die GewÃ¤hrung von Kost und Logis durch AngehÃ¶rige stellt eine UnterstÃ¼tzungsleistung Dritter dar, welche ausserhalb der VerwandtenunterstÃ¼tzungspflicht freiwillig erfolgt und in der Regel nicht dauerhaft sichergestellt werden kann. Deshalb kÃ¶nnen diese Leistungen in der Regel nur dann berÃ¼cksichtigt werden, wenn sie â z.<span> </span>B. durch die EinrÃ¤umung eines lebenslangen Wohnrechts â auch rechtlich abgesichert sind (VGr, 6. Dezember 2017, VB.2017.00574, E. 2.5).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.4 </b>Wenn Rentnerinnen und Rentner ungenÃ¼gende eigene finanzielle Mittel haben, sind die qualitativen Anforderungen an die UnterstÃ¼tzungsleistungen durch Dritte entsprechend hÃ¶her (BVGr, 10. Dezember 2012, C-6310/2009, E. 4 und 9.3.3; Weisungen AIG, Ziff. 5.3). Nicht zuletzt dient das Erfordernis hinreichender (eigener) finanzieller Mittel auch der Vermeidung von finanziellen AbhÃ¤ngigkeiten, weshalb eine reine Drittfinanzierung des hiesigen Aufenthalts durch Verwandte problematisch erscheint. Weiter verhindert das Erfordernis hinreichender finanzieller Mittel auch, dass zum Aufenthalt zugelassene Rentnerinnen und Rentner nach Aufbrauchen der vorhandenen Mittel vor die Wahl gestellt werden, das Land zu verlassen oder unter dem Existenzminimum leben zu mÃ¼ssen, mit all den negativen und desintegrierenden Wirkungen, die dies mit sich bringt (VGr, 24. Oktober 2018, VB.2018.00496, E. 3.4.1; VGr, 11. Juli 2018, VB.2018.00338, E. 2.4.1). Anders als im Anwendungsbereich des FreizÃ¼gigkeitsabkommens vom 21. Juni 1999 (FZA) reicht eine Finanzierung mittels Drittmitteln nur aus, wenn die Finanzierung dauerhaft sichergestellt ist (vgl. Weisungen AIG, Ziff. 5.3; kritisch hierzu Spescha in: Spescha et al., Art. 28 AIG N. 4; vgl. zur weniger strengen freizÃ¼gigkeitsrechtlichen Regelung auch BGE 135 II 265 E. 3.3).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.5 </b>Art. 28 AIG vermittelt selbst bei ErfÃ¼llung sÃ¤mtlicher Voraussetzungen keinen Anspruch auf Bewilligungserteilung. Der Entscheid darÃ¼ber steht vielmehr im pflichtgemÃ¤ssen Ermessen der BehÃ¶rden, der nach den Kriterien gemÃ¤ss Art. 96 AIG zu treffen ist (VGr, 6. Dezember 2017, VB.2017.00574, E. 2.2 mit Hinweis). Dabei sind insbesondere die Ã¶ffentlichen Interessen und die persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnisse sowie die Integration der AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤nder zu berÃ¼cksichtigen (Art. 96 Abs. 1 AIG).</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist 91 Jahre alt und Ã¼berschreitet damit das vom Bundesrat festgelegte Mindestalter. Sie hat wÃ¤hrend rund 14 Jahren (von Juni 1999 bis Juni 2013) in der Schweiz gelebt. In Ãbereinstimmung mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass bei einem Aufenthalt von 14 Jahren besondere persÃ¶nliche Beziehungen zu vermuten sind. Ob die BeschwerdefÃ¼hrerin in dieser Zeit ausserhalb ihrer Familie tatsÃ¤chlich Beziehungen zur Schweiz i.<span> </span>S.<span> </span>v. Art. 28 lit. b AIG gepflegt hat und ob sie diese immer noch pflegt, was konkret geprÃ¼ft werden mÃ¼sste, kann jedoch mit der Vorinstanz offengelassen werden. Die Vorinstanz gelangte im angefochtenen Entscheid zutreffend zum Schluss, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht Ã¼ber ausreichend finanzielle Mittel im Sinne von Art. 25 Abs. 4 VZAE verfÃ¼gt. Zur BegrÃ¼ndung hielt sie fest, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin jÃ¤hrliche Einnahmen von mindestens Fr. 26'736.- (Fr. 2'228.- pro Monat; ohne Beitrag fÃ¼r die Miete) benÃ¶tige, um den Lebensunterhalt in der Schweiz zu sichern. Die anerkannten Ausgaben pro Jahr fÃ¼r eine alleinstehende Person wÃ¼rde sich aus einem Betrag von Fr. 20'100.- fÃ¼r den allgemeinen Lebensbedarf, aus einem Pauschalbetrag fÃ¼r die obligatorische Krankenversicherung von Fr. 6'636.- pro Person und einem Beitrag an die Miete zusammensetzen (Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 und lit. b sowie Art. 10 Abs. 3 lit. d ELG i.<span> </span>V.<span> </span>m. Art. 16d Verordnung Ã¼ber die ErgÃ¤nzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung vom 15. Januar 1971 [ELV] und Art. 3 lit. c Verordnung des EidgenÃ¶ssischen Departements fÃ¼r Inneres Ã¼ber die DurchschnittsprÃ¤mien 2023 der Krankenversicherung fÃ¼r die Berechnung der ErgÃ¤nzungsleistungen und der ÃberbrÃ¼ckungsleistungen fÃ¼r Ã¤ltere Arbeitslose vom 19. Oktober 2022 [DurchschnittsprÃ¤mienverordnung]). DemgegenÃ¼ber verfÃ¼ge die BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¼ber Einnahmen aus einer Rente von monatlich Fr. 200.-; VermÃ¶gen habe sie keines. Sie sei folglich berechtigt, ErgÃ¤nzungsleistungen zu beziehen. Die VerpflichtungserklÃ¤rung ihres Sohnes vom 28. Februar 2023, wonach er bis zu einem Betrag von Fr. 30'000.- fÃ¼r die von der BeschwerdefÃ¼hrerin verursachten Kosten aufkommen wÃ¼rde, sei lediglich fÃ¼r einen Aufenthalt von drei Monaten abgegeben worden. Die rechtsgeschÃ¤ftliche Verpflichtung, fÃ¼r den Lebensunterhalt einer anderen Person aufzukommen, kÃ¶nne nur fÃ¼r eine beschrÃ¤nkte Dauer rechtliche Verbindlichkeit erhalten. Damit sei nicht hinreichend sichergestellt, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin bis zu ihrem Lebensende Ã¼ber genÃ¼gend finanzielle Mittel verfÃ¼ge und keine Sozialhilfe oder ErgÃ¤nzungsleistungen benÃ¶tigen werde. Es sei Ã¼berdies nicht belegt, dass ihr Sohn in besonders gÃ¼nstigen VerhÃ¤ltnissen lebe, welche eine VerwandtenunterstÃ¼tzungspflicht nach Art. 328 Abs. 1 ZGB begrÃ¼nden wÃ¼rde. Dies treffe bei einem Zweipersonenhaushalt mit einem monatlichen Einkommen von mindestens Fr. 15'000.- zu.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt dagegen vor, dass sowohl die beiden SÃ¶hne als auch die Enkelkinder klar zum Ausdruck gebracht hÃ¤tten, dass sie ohne jegliche Befristung fÃ¼r den Unterhalt der Mutter bzw. der Grossmutter aufkommen wÃ¼rden. Es handle sich hierbei um zwei SÃ¶hne und sieben erwachsene Enkelkinder mit eigenem Einkommen und VermÃ¶gen. Alleine der Sohn, bei welchem die BeschwerdefÃ¼hrerin lebe, verfÃ¼ge Ã¼ber ImmobilienvermÃ¶gen in der Stadt D sowie in E in der HÃ¶he eines Verkehrswertes von Ã¼ber Fr. 3 Mio. Daneben sei er EigentÃ¼mer eines Unternehmens und habe weiteres flÃ¼ssiges VermÃ¶gen (Bankanlagen etc.).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Die Vorinstanz errechnete nach Massgabe der SKOS-Richtlinien einen monatlichen Bedarf von Fr. 2'228.-, dem Einnahmen von insgesamt Fr. 200.- aus einer Rente gegenÃ¼berstÃ¼nden. Dies ergibt einen monatlichen Fehlbetrag von Fr. 2'028.-. Die Vorinstanz ist deshalb zu Recht zum Schluss gelangt, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht Ã¼ber hinreichend Mittel verfÃ¼gt, um fÃ¼r ihren Lebensunterhalt in der Schweiz eigenstÃ¤ndig aufkommen zu kÃ¶nnen. Die BeschwerdefÃ¼hrerin wohnt aktuell mietfrei bei einem ihrer SÃ¶hne. Dieser und zwei weitere Familienmitglieder haben am 2. bzw. am 4. Oktober 2023 eine VerpflichtungserklÃ¤rung unterzeichnet, wonach sie fÃ¼r die BeschwerdefÃ¼hrerin wÃ¤hrend ihrer Anwesenheit aufkommen wÃ¼rden, sollte sie hierzu nicht in der Lage sein. Die UnterstÃ¼tzung durch die hier lebenden Verwandten erscheint unter den UmstÃ¤nden des Falles zwar nicht bloss als vorgeschoben, sondern als glaubhaft, jedoch kÃ¶nnten die Zusagen, fÃ¼r die Lebenshaltungskosten der BeschwerdefÃ¼hrerin aufzukommen, jederzeit widerrufen werden und ist die Finanzierung des Lebensunterhalts der BeschwerdefÃ¼hrerin damit nicht gesichert. GemÃ¤ss Art. 328 Abs. 1 ZGB ist zur UnterstÃ¼tzung von Verwandten in auf- und absteigender Linie nur verpflichtet, wer in gÃ¼nstigen VerhÃ¤ltnissen lebt. Von gÃ¼nstigen VerhÃ¤ltnissen ist gemÃ¤ss Praxishilfe SKOS 2021 zur Berechnung der VerwandtenunterstÃ¼tzung bei einem Zweipersonenhaushalt mit einem Einkommen von Fr. 15'000.- pro Monat auszugehen. Wie die Vorinstanz jedoch zutreffend festgestellt hat, trifft dies auf die hier lebenden Verwandten der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht zu. Der Sohn und seine Ehefrau erwirtschaften gemÃ¤ss Steuerunterlagen ein Jahreseinkommen von Fr. 90'300.-, was einen Verdienst von Fr. 7'525.- pro Monat ausmacht. Was das VermÃ¶gen betrifft, ist Folgendes festzuhalten: GemÃ¤ss Praxishilfe SKOS, Berechnung der VerwandtenunterstÃ¼tzung, wird jener Anteil des VermÃ¶gens berÃ¼cksichtigt, dessen Verzehr nach Abzug eines Freibetrags und unter WÃ¼rdigung des Alters der verwandten Person als zumutbar scheint (Umwandlungsquote). Die Vorinstanz hat die Berechnung korrekt vorgenommen. Entgegen dem Einwand der BeschwerdefÃ¼hrerin ist auf den VermÃ¶genswert in der SteuererklÃ¤rung abzustÃ¼tzen. Der geltend gemachte Verkehrswert der Liegenschaft von drei Millionen wurde in keiner Art und Weise belegt. Es ist deshalb bei ihrem Sohn und dessen Ehefrau von einem monatlichen Einkommen von Fr. 9'262.50 auszugehen (VermÃ¶gen gemÃ¤ss SteuererklÃ¤rung von Fr. 917'000.-, Freibetrag von Fr. 500'000.- und VermÃ¶gensverzehr von 1/20, Fr. 1'737.50 pro Monat). Der Sohn und seine Ehefrau erreichen somit die gÃ¼nstigen VerhÃ¤ltnisse nicht. Die Vorinstanz ist deshalb zu Recht zum Schluss gelangt, dass es sich nicht rechtfertigt, der BeschwerdefÃ¼hrerin nach pflichtgemÃ¤ssem Ermessen eine Bewilligung nach Art. 28 AIG zu erteilen. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Es bleibt zu prÃ¼fen, ob ein schwerwiegender persÃ¶nlicher HÃ¤rtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG vorliegt.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b><span>Bei Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG handelt es sich um eine Ausnahmebestimmung. Die auslÃ¤ndische Person muss sich in einer persÃ¶nlichen Notlage befinden; ihre Lebens- und </span>Daseinsbedingungen<span> mÃ¼ssen gemessen am durchschnittlichen Schicksal von AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤ndern in gesteigertem Mass infrage gestellt sein bzw. die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung einen schweren Nachteil zur Folge haben (VGR, 11. Mai 2021, VB.2021.00010, E. 4.2; VGr, 23. Januar 2020, VB.2019.00564, E. 5.2). </span>Die Anerkennung eines persÃ¶nlichen HÃ¤rtefalls setzt jedoch nicht voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz der einzige mÃ¶gliche Ausweg aus der Notlage darstellt. Umgekehrt begrÃ¼ndet allein die Tatsache, dass die auslÃ¤ndische Person sich seit lÃ¤ngerer Zeit in der Schweiz aufhÃ¤lt, hier sozial und beruflich gut integriert ist und ihr Verhalten zu keinen Klagen Anlass gegeben hat, fÃ¼r sich allein keinen schwerwiegenden persÃ¶nlichen HÃ¤rtefall. Die Beziehung der Gesuchstellenden zur Schweiz muss darÃ¼ber hinaus vielmehr so eng sein, dass man von ihnen nicht verlangen kann, in einem anderen Land â insbesondere im Heimatland â zu leben (zum Ganzen VGr, 20. MÃ¤rz 2019, VB.2019.00123, E. 6.1; vgl. ferner BGr, 14. Dezember 2021, 2C_483/2021, E. 8.1.1). <span>Dabei sind im Rahmen der Beurteilung, ob eine Aufenthaltsbewilligung wegen eines schwerwiegenden persÃ¶nlichen HÃ¤rtefalls im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG zu erteilen ist, nach Art. 31 Abs. 1 der Verordnung Ã¼ber Zulassung, Aufenthalt und ErwerbstÃ¤tigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE) und Art. 58a Abs. 1 AIG namentlich die Integration der gesuchstellenden Person (in Verbindung mit Art. 77a ff. VZAE), die FamilienverhÃ¤ltnisse, die finanziellen VerhÃ¤ltnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der Gesundheitszustand und die MÃ¶glichkeiten fÃ¼r eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat zu berÃ¼cksichtigen. FÃ¼r die Bejahung eines HÃ¤rtefalls mÃ¼ssen die Kriterien nach Art. 31 Abs. 1 VZAE nicht kumulativ erfÃ¼llt sein, vielmehr ist eine GesamtwÃ¼rdigung aller UmstÃ¤nde vorzunehmen (VGr, 22. Juni 2021, VB.2020.00797, E. 4.3.2).</span> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Die Vorinstanz hat das Vorliegen eines <a id="_Hlk158213758">schwerwiegenden persÃ¶nlichen HÃ¤rtefalls </a>verneint. Zur BegrÃ¼ndung fÃ¼hrte sie aus, dass die Lebens- und Daseinsbedingungen der BeschwerdefÃ¼hrerin gemessen am durchschnittlichen Schicksal von tÃ¼rkischen StaatsangehÃ¶rigen im Rentenalter im Erdbebengebiet nicht in gesteigertem Mass infrage gestellt seien. Im Vergleich zum Durchschnitt der BevÃ¶lkerung in der TÃ¼rkei bzw. F sei die BeschwerdefÃ¼hrerin insofern privilegiert, als ihre in der Schweiz lebenden Nachkommen sie finanziell unterstÃ¼tzen kÃ¶nnten. Ihr Schicksal sei vergleichbar mit dem zahlreicher anderer in der TÃ¼rkei lebender Personen, deren Kinder und weitere FamilienangehÃ¶rige im Ausland lebten. Die Vorinstanz hat bei der Beurteilung, ob ein HÃ¤rtefall vorliegt, jedoch zu Unrecht nicht alle UmstÃ¤nde berÃ¼cksichtigt, die im Falle der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Vorliegen eines HÃ¤rtefalls sprechen. So hat die Vorinstanz ausser Acht gelassen, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin wÃ¤hrend vierzehn Jahren in der Schweiz gelebt hat und nach dieser Aufenthaltsdauer nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung von einer engen Beziehung zur Schweiz ausgegangen werden kann (Art. 8 EMRK [Recht auf Privatleben]; vgl. <span>BGE 149 I 66 E. 4.6</span>). Sodann verfÃ¼gt sie in der Schweiz Ã¼ber ein grosses familiÃ¤res Netz. Ihre zwei SÃ¶hne und sieben Enkelkinder leben hier. DemgegenÃ¼ber bestehen gewichtige Hindernisse, die einer Wiedereingliederung im Heimatland entgegenstehen. Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist nach dem verheerenden Erdbeben unmittelbar in die Schweiz zu ihren Verwandten geflÃ¼chtet. Aufgrund des Naturereignisses hat sie ihre Wohnung, ihr ganzes Hab und Gut und das sich dort befindende soziale Netz verloren. Die Gemeinde F wurde gemÃ¤ss Medienberichten fast vollstÃ¤ndig durch das Erdbeben zerstÃ¶rt und befindet sich nach wie vor im Wiederaufbau. Es fehlt an der nÃ¶tigen Infrastruktur (Strom, Wasser, Heizung etc.) und es gibt praktisch keine bewohnbaren Wohnungen (vgl. statt vieler Artikel der NZZ vom 2. Februar 2024, "In F harzt es mit dem Wiederaufbau", S. 6). Es besteht deshalb auch kein sozialer Empfangsraum von Nachbarn mehr, die sie bei der Ankunft unterstÃ¼tzen kÃ¶nnten. Eine RÃ¼ckkehr nach F erscheint ihr daher nicht zumutbar. Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist aufgrund ihres hohen Alters offensichtlich auf die Hilfe und UnterstÃ¼tzung Dritter angewiesen. Es kann deshalb im vorliegend zu beurteilenden Fall nicht ausser Acht gelassen werden, dass fÃ¼r eine RÃ¼ckkehr erschwerte UmstÃ¤nde vorliegen, zumal sie bei einer RÃ¼ckkehr in ihr Heimatland nicht an ihr altes Leben anknÃ¼pfen kÃ¶nnte und im Alter von 91 Jahren an einem anderen Ort komplett neu anfangen mÃ¼sste. Die Wiedereingliederung in ihrem Heimatland erscheint unter BerÃ¼cksichtigung aller UmstÃ¤nde trotz der finanziellen UnterstÃ¼tzung durch ihre Kinder und Enkel als ausgesprochen schwierig. All diese Aspekte hat die Vorinstanz bei der ErmessensausÃ¼bung bezÃ¼glich des Vorliegens eines persÃ¶nlichen HÃ¤rtefalls im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG nicht berÃ¼cksichtigt und damit ihr Ermessen rechtsverletzend ausgeÃ¼bt (vgl. Marco Donatsch in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014, § 50 N. 26). Die Verweigerung der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung erweist sich als unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig und es rechtfertigt sich in dieser speziellen Konstellation die Erteilung einer HÃ¤rtefallbewilligung. Die Erteilung einer HÃ¤rtefallbewilligung nach Art. 30 AIG liegt im pflichtgemÃ¤ssen Ermessen der BehÃ¶rde (VGr, 18. Dezember 2019, VB.2019.00738, E. 2.2) und steht gemÃ¤ss Art. 5 lit. d der Verordnung des EJPD Ã¼ber das auslÃ¤nderrechtliche Zustimmungsverfahren vom 13. August 2015 (ZV-EJPD) unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Staatssekretariat fÃ¼r Migration (SEM).</p> <p class="Urteilstext">Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. <a id="_Hlk158213976">Das</a><span> Migrationsamt ist gestÃ¼tzt auf Art. 30 AIG anzuweisen, der BeschwerdefÃ¼hrerin â unter Vorbehalt der Zustimmung durch das SEM â eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 65a VRG). Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Rekurs- und Beschwerdeverfahren eine EntschÃ¤digung zu bezahlen (§ 17 Abs. 2 lit. a und b VRG).</span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. <span>Das Migrationsamt wird angewiesen, der BeschwerdefÃ¼hrerin unter Vorbehalt der Zustimmung des Staatssekretariats fÃ¼r Migration (SEM) eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.</span></span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- (Mehrwertsteuer inbegriffen) zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Kosten des Rekursverfahrens, bestehend aus einer StaatsgebÃ¼hr von Fr. 1'200.- sowie den AusfertigungsgebÃ¼hren von Fr. 135.-, werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. <span>Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></span></p> <p class="Einzug2"><span>6. <span>Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- (Mehrwertsteuer inbegriffen) zu bezahlen.</span></span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>8. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) die Sicherheitsdirektion;<br/> c) das Staatssekretariat fÃ¼r Migration (SEM);<br/> d) die Kasse des Verwaltungsgerichts (zur RÃ¼ckerstattung der Kaution).</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>