Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 14. April 2015 (460 14 218) ____________________________________________________________________ Strafrecht Fahrlässige schwere Körperverletzung etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref. ), Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Stefan Hofer, Lange Gasse 90, 4052 Basel, Privatklägerin gegen B.____ , vertreten durch Advokat Bruno Muggli, Hauptstrasse 53, Postfach 564, 4127 Birsfelden, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand fahrlässige schwere Körperverletzung etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtsvizepräs idiums Basel- Landschaft vom 23. Juni 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel-L andschaft vom 23. Juni 2014 wurde B.____ der fahrlässigen schweren Körperverletzung, der mehrfachen Verletzung der Verkehrs- regeln sowie der Verletzung der Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer und -führerinnen schuldig erklä rt und zu einer bedingt vollziehbaren Geld- strafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 120. ‒, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 400. ‒ verurteilt. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen ausgesproche n (Ziffer 1 des Urteilsdispositivs). Demge- genüber wurde B.____ von der Anklage des Führens ei nes nicht betriebssicheren Fahrzeugs freigesprochen (Ziffer 2). Im Weiteren wurde entsch ieden, dass der Privatklägerin das be- schlagnahmte Fahrrad nach Rechtskraft unter Aufhebu ng der Beschlagnahme zurückgegeben wird (Ziffer 3). Ferner wurde die unbezifferte Scha denersatzforderung der Privatklägerin dem Grundsatz nach gutgeheissen und im Übrigen (betreffend Schadenshöhe sowie Haftungsquote) auf den Zivilweg verwiesen. Zudem wurde der Beurtei lte dazu verurteilt, der Privatklägerin ge- mäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in Höh e von CHF 12‘134.75 für die notwendigen anwaltlichen Aufwendungen zu bezahlen ( Ziffer 4). Schliesslich bestimmte der Vorderrichter in Ziffer 5 des Urteilsdispositivs, d ass dem Beurteilten in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten auferlegt werden, bestehend aus den Kosten des Vorverfah- rens von CHF 13‘964. ‒, den Expertisekosten des gerichtlichen Verfahrens in der Höhe von CHF 1‘635.80 sowie der Gerichtsgebühr von CHF 4‘000. ‒. B. Gegen dieses Urteil hat B.____, vertreten durch Ad vokat Bruno Muggli, mit Eingabe vom 30. Juni 2014 die Berufung angemeldet. Mit Schreibe n vom 1. Oktober 2014 hat der Beschul- digte die Berufungserklärung eingereicht. Mit Beruf ungsbegründung vom 16. Dezember 2014 stellte er folgende Anträge: "1. Es wird beantragt, den Angeklagten mit Ausnahme der Nichtsicherung der Ladung in allen anderen Punkten unter o/e Kostenfolge zu L asten des Staates freizuspre- chen und ihn mit einer maximalen Busse von CHF 300.‒ zu belegen. 2. Gemäss diesem Verfahrensausgang seien die ordentlic hen und ausserordentli- chen Kosten vollumfänglich zulasten des Staates zu nehmen. 3. Der Zivilanspruch der Geschädigten A.____ sei abzuweisen. " C. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft ihrerseits liess mit Berufungsantwort vom 15. Januar 2015 beantragen, die Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel-Landschaft vom 23. Juni 2014 sei abzuweisen u nd das angefochtene Urteil vollumfäng- lich zu bestätigen. D. Mit Berufungsantwort vom 16. Januar 2015 stellte d ie Privatklägerin A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Stefan Hofer, das Begehren, es s ei das Urteil des Vorderrichters zu bestä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tigen, soweit es den Schuldspruch wegen fahrlässige r schwerer Körperverletzung betrifft. Zu- dem sei ihr für die Vertretung im Verfahren vor dem Kantonsgericht eine angemessene Par- Parteientschädigung zuzusprechen. E. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügung en des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurde mit Verfügung vom 22. Oktober 2014 festge- stellt, dass die Staatsanwaltschaft und die Privatk lägerin weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben. Mit Verfügung vom 19. Januar 2015 wurden die Beweisan- träge des Beschuldigten, es sei ein Augenschein sow ie eine Unfallrekonstruktion vor Ort durchzuführen, abgewiesen. Zudem wurden mit gleiche r Verfügung der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft zur kantonsgerichtlichen Hauptve rhandlung geladen. Der Privatklägerin wurde das Erscheinen vor dem Berufungsgericht ins Ermessen gestellt. F. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem K antonsgericht, Abteilung Strafrecht, erscheinen der Beschuldigte mit Advokat Bruno Muggl i, für die Privatklägerin Dr. Marco Cheva- lier in substitutionsweiser Vertretung für Rechtsan walt Stefan Hofer sowie Staatsanwältin C.____. Auf die Aussagen des Beschuldigten sowie auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgesch lossen worden ist. Es können Rechtsver- letzungen, die unvollständige oder unrichtige Fests tellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungs gericht das Urteil in allen angefochte- nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Ge- richt innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils sc hriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit de r Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Das B erufungsgericht überprüft das erstinstanzli- che Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 4 04 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, zur Berufung legitimiert. Vo rliegend wird das Urteil der Strafgerichtsvi- zepräsidiums Basel-Landschaft vom 23. Juni 2014 ang efochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Nachdem der Beschuldig te fristgerecht die Berufung angemeldet hat, wurde ihm das vorinstanzliche Urteil in der Fo lge am 23. September 2014 schriftlich be- gründet eröffnet. Mit Berufungserklärung vom 1. Okt ober 2014 hat der Beschuldigte die Rechtsmittelfrist gewahrt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts, Abteilung Strafrecht, als Berufungs- gericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung e rgibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Da sämtliche Formalien erfüllt sind, ist auf die vorliegende Berufung ohne Weiteres einzutreten. II. Materielles A. Allgemeines Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 8 2 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des i n Frage stehenden Sachverhalts auf die Be- gründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dies er beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente ei nzugehen, die erst im Rechtsmittelverfah- ren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). Der Einfachheit halber folgt das Kantonsgericht, wi e bereits die Berufungsbegründung, grund- sätzlich dem Aufbau des angefochtenen Urteils. Nach folgend werden die Einwände des Berufungsklägers gegen das vorinstanzliche Urteil im Einzelnen beurteilt. Im Sinne einer einleitenden Bemerkung ist auf den G rundsatz der freien Beweiswürdigung hin- zuweisen, der in Art. 10 Abs. 2 StPO gesetzlich ver ankert ist. Danach würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Weder die Anzahl noch die Art der Beweismittel ist massgebend , sondern allein deren Stichhaltigkeit. Es besteht keine Rangfolge der Beweise (vgl. C HRISTOF RIEDO /G ERHARD FIOLKA /M ARCEL ALEXANDER NIGGLI , Strafprozessrecht sowie Rechtshilfe in Strafsache n, 2011, S. 37 N 234; WOLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 25). B. Beweisantrag Der Beschuldigte wiederholt vor den Schranken des K antonsgerichts seinen in der Berufungs- erklärung vom 1. Oktober 2014 und in der Berufungsb egründung vom 16. Dezember 2014 gestellten Antrag, wonach ein Augenschein sowie eine Unfallrekonstruktion vor Ort durchzufüh- ren seien. Das betreffende Begehren wurde bereits m it verfahrensleitender Verfügung vom 19. Januar 2015 unter Verweis auf das eingeschränkte Be weisverfahren vor Kantonsgericht (vgl. Art. 389 Abs. 1 StPO) abgelehnt. Auf die dortige au sführliche Begründung kann vorliegend voll- umfänglich verwiesen werden. Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände ist mithin nicht zu erwarten, dass durch ein Nachstellen des Unfallv erlaufs vor Ort zuverlässige Rückschlüsse auf den relevanten Geschehensablauf, der nunmehr üb er vier Jahre zurückliegt, gewonnen werden könnten, zumal der Beschuldigte den Unfallan hänger Ende November 2010 (act. 457 ff.) sowie den am Unfall beteiligten Personenwagen Ende 2011 (act. 689 ff.) verkauft hat, so dass eine wirklichkeitsnahe Unfallrekonstruktion ohne die tatsächlich beteiligten Fahrzeuge zum Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vornherein nicht mehr als möglich erscheint. Folger ichtig wird der Beweisantrag des Beschul- digten auch von der Dreierkammer des Kantonsgerichts abgewiesen. C. Die angefochtenen Schuldsprüche im Einzelnen 1. Fahrlässige schwere Körperverletzung (Art. 125 Abs. 2 StGB) a) Am 12. Oktober 2010 ereignete sich um ca. 15:55 Uhr in Birsfelden auf der Mutten- zerstrasse ein Verkehrsunfall. Der Beschuldigte fuh r als Lenker des Personenwagens Land Rover RangeRover 4.6i, BL _____, in Birsfelden auf der Muttenzerstrasse. Am Fahrzeug ange- hängt war der Sachentransportanhänger Jotha ATC 3500V, BL X.____, welcher gesamthaft ca. 41 cm breiter war als der Personenwagen. Der Beschu ldigte beabsichtigte, bei der Kreuzung Muttenzerstrasse/Hauptstrasse/Hardstrasse/Rheinfelderstrasse nach rechts in die Rheinfelder- strasse einzubiegen. Dabei übersah er die 16-jährig e Velofahrerin A.____ und erfasste diese mit dem rechten Seitenspiegel des Personenwagens, w odurch sie stürzte und anschliessend vom Anhänger des Beschuldigten überrollt wurde. A._ ___ erlitt bei diesem Unfall diverse, teil- weise lebensgefährliche Verletzungen (eine Milzrupt ur IV. Grades, eine Verletzung des Darmbeinstachels, eine Flüssigkeitsansammlung in de r Pleurarhöhle, eine Kreuzbeinlängsfrak- tur, einen Knochenbruch des linken Schulterblattes, eine Prellung über der linken Augenhöhle und diverse Hautabschürfungen). Ohne notfallmässige ärztliche Behandlung wäre sie gestor- ben. Neben den körperlichen Verletzungen hatte der Unfall auch die Verschlimmerung einer schon bestehenden Depression zur Folge (act. 423 ff., 705 f., 709). b) Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhal t gestützt auf die Zeugeneinver- nahmen von D.____ vom 18. Januar 2011 (act. 391 ff. ), vom 3. Oktober 2011 (act. 597 ff.) sowie vom 18. Juni 2014 vor den Schranken des Strafgerichts (act. 1183 ff.), sodann die Exper- tisen von Dr.-Ing. Heinz Burg vom 17. Oktober 2012 (act. 777 ff.) und vom 6. Februar 2013 (act. 859 ff.), wobei der Sachverständige seine Darlegung en anlässlich der vorinstanzlichen Haupt- verhandlung vom 18. Juni 2014 zusätzlich in mündlic her Form darlegte (act. 1179 ff.), als erstellt. In rechtlicher Hinsicht sprach das Strafg ericht den Beschuldigten wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB schuldig. c) Wie bereits vor Strafgericht ist im Berufungsv erfahren unbestritten, dass der Beschuldig- te mit seinem Fahrzeug samt Anhänger die in der Ank lageschrift beschriebene Strecke fuhr (an der Kreuzung Muttenzerstrasse/Birseckstrasse von de r Muttenzerstrasse herkommend rechts auf die Muttenzerstrasse, siehe Lageplan act. 785) und mit der Privatklägerin, die mit ihrem Fahrrad unterwegs war, kollidierte. Dabei berührte der rechte Aussenspiegel des Fahrzeugs des Beschuldigten die Privatklägerin im Bereich ihr es linken Oberarms, wodurch ihr Fahrrad nach rechts abdrehte und die Privatklägerin nach li nks stürzte. Umstritten ist hingegen, welche Route die Privatklägerin wählte, bevor es zur Kolli sion kam, wobei hier gemäss Aktenlage drei Möglichkeiten zur Diskussion stehen. Die Privatkläg erin kann an der Kreuzung Muttenzerstras- se/Birseckstrasse von der Muttenzerstrasse rechts a uf die Muttenzerstrasse gefahren sein, sie kann an besagter Kreuzung den Nebenweg der Muttenze rstrasse genommen haben oder sie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann auf dem Trottoir gefahren und unmittelbar auf der Höhe des Kollisionspunktes vom Trottoir auf die Muttenzerstrasse gefahren sein (siehe Übersichtskarten und Fotos act. 785 f., 803, 813, 839 f., 853 f.). d) Die Vorinstanz kam in Beachtung des strafproze ssualen Grundsatzes "in dubio pro reo" zum Schluss, dass die Privatklägerin den Verbindung sweg genommen habe. Der Vorderrichter argumentiert, der gerichtliche Gutachter Dr.-Ing. H einz Burg führe zusammengefasst aus, dass er den Fahrweg über das Trottoir zwar nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschliessen könne, gleichzeitig lege er aber nach vollziehbar dar, dass die objektive Spuren- lage diese Variante technisch als nicht möglich erscheinen lasse. Weiter habe die Privatklägerin von Anfang an glaubhaft ausgesagt, dass sie an der Kreuzung auf die Muttenzerstrasse gefah- ren sei, eventuell über den dortigen Nebenweg. Der Zeuge D.____ habe ebenfalls glaubhaft zu Protokoll gegeben, er habe gesehen, dass die Privat klägerin an der Kreuzung auf die Mutten- zerstrasse gefahren sei. Er sei sich sicher, dass s ie nicht über das Trottoir gefahren sei. Bezüglich der Aussage des Beschuldigten, wonach die Privatklägerin über das Trottoir gefahren sein soll, sei überdies zu beachten, dass der Besch uldigte keinesfalls behaupte, er habe dies gesehen. Vielmehr schliesse er dies lediglich aus d em Umstand, dass er die Privatklägerin eben nicht gesehen habe. Sodann sei nicht zuletzt a nzumerken, dass sich das Trottoir an der fraglichen Stelle nicht gerade als "Abkürzung" anbi ete. Es sei in keiner Weise ersichtlich, wieso die Privatklägerin den Weg über das Trottoir hätte wählen sollen, biete dieser Weg doch eher weniger Platz und müsste sie dort auf allfällige Fu ssgänger Rücksicht nehmen. Den Nebenweg an der Kreuzung zu benutzen, biete sich hingegen förmlich an. In Würdigung dieser Beweislage blieben keine vernünftigen Zweifel daran, dass die Privatklägerin nicht über das Trottoir und vom Trottoir auf die Muttenzerstrasse, sondern – wi e in der Anklageschrift beschrieben – auf der Muttenzerstrasse gefahren sei. e) Demgegenüber stellt sich der Beschuldigte – wi e bereits vor Strafgericht – auf den Standpunkt, die Privatklägerin sei zunächst auf dem Trottoir und erst unmittelbar auf Höhe der Kollisionsstelle von diesem auf die Muttenzerstrass e hinausgefahren, weshalb es zum Unfall gekommen sei. Der Zeuge D.____ habe offenbar nur in sularische Erinnerungen. Dies spreche dafür, dass er den Vorfall eben ganzheitlich nicht effektiv gesehen und sich in der Wahrneh- mung dann ein Bild zurechtgelegt habe, welches mit dem wahren Geschehen nicht viel zu tun habe. Grundsätzlich seien sich die Gutachter einig, dass theoretisch die Version des Angeklag- ten möglich wäre. Dr.-Ing. Heinz Burg halte sie in seinem ersten Gutachten für sehr unwahrscheinlich, was aber nicht näher erläutert we rde, äussere sich in seinem zweiten Gut- achten zur Beweiskraft nicht mehr und habe schliess lich an der Hauptverhandlung dieses "sehr unwahrscheinlich" hinsichtlich des Fahrens über das Trottoir nicht mehr gelten lassen. Damit fehle die notwendige Beweiskraft, um die Version de s Angeklagten rechtsgenüglich auszu- schliessen. Es sei daran zu erinnern, dass die Frag e des Kollisionspunktes offen bleiben müsse, da sich die verschiedenen Beweise widerspräc hen. Auch die Frage der Geschwindig- keit habe wegen der fehlenden Rekonstruktion nicht geklärt werden können. Wenn sich der Geschehensablauf nicht mit genügender Sicherheit na chweisen lasse, dann könne auch nicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit der notwendigen Wahrscheinlichkeit die Vermeidb arkeit des Unfalles nachgewiesen wer- den, so dass der Angeklagte nach Art. 10 Abs. 3 StPO freigesprochen werden müsse. f) Die Vorinstanz ging nach Überzeugung der strafrech tlichen Abteilung des Kantonsge- richts mit zutreffender und ausführlicher Begründun g in Beachtung des strafprozessualen Grundsatzes "in dubio pro reo" davon aus, dass die Privatklägerin den Verbindungsweg ge- nommen habe, weswegen vorab vollumfänglich auf deren Erwägungen verwiesen werden kann (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 7–10). Sie hat sich mit den Einwendungen des Verteidigers detail- liert auseinandergesetzt und diese allesamt mit übe rzeugenden Argumenten verworfen. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann deshalb zunächst in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO auf die Ausführungen des vorinstanzlichen Urteils v erwiesen werden. Die nachfolgenden Erwä- gungen verstehen sich als teilweise ergänzend und sollen die wesentlichen Punkte noch einmal hervorheben. g) Bezüglich der in casu entscheidenden Frage, welch en Weg die Privatklägerin A.____ vor dem Unfall wählte, sagte diese konstant aus, sie sei nicht über das Trottoir, sondern auf der Muttenzerstrasse in Richtung der Kreuzung gefahren. Es sei höchstens möglich gewesen, dass sie auf der Höhe der Liegenschaft Muttenzerstrasse 7 (Denner AG) den Verbindungsweg ge- nommen habe (vgl. die wiedergegebenen Aussagen im P olizeibericht vom 25. Oktober 2010, act. 245; Einvernahme vom 18. Januar 2011 als Ausku nftsperson, act. 409; Befragung vom 25. Oktober 2011 als Auskunftsperson, act. 619). h) D.____ gab in den Befragungen vom 18. Januar 2011 und 3. Oktober 2011 als Zeuge zu Protokoll, der Beschuldigte sei von der Birsecks trasse gekommen (act. 395, 603). Dieselbe Aussage machte D.____ als Zeuge am 18. Juni 2014 vo r Strafgericht (act. 1185). Er gab insge- samt nicht weniger als drei Mal als Zeuge zu Protok oll, die Privatklägerin sei aus der Muttenzerstrasse eingebogen und normal auf der rech ten Seite der Muttenzerstrasse gefahren und nicht über das Trottoir gekommen; entsprechend seien sie nebeneinander gefahren, die Privatklägerin auf der rechten Strassenseite und de r Beschuldigte links davon (Einvernahme vom 18. Januar 2011, act. 393 ff.; Befragung vom 3. Oktober 2011, act. 599; Einvernahme am 18. Juni 2014 vor Strafgericht, act. 1187). Der Zeu ge war sich dabei ausdrücklich sicher (Befra- gung vom 3. Oktober 2011: "absolut sicher", act. 59 9). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sagte der Zeuge, er sei sicher, we il er das Gefühl gehabt habe, dass die Privatklägerin vorsichtig und unsicher um die Ecke bei den Haifischzähnen gefahren sei (act. 1187). i) Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung würdigt der Richter Gutachten frei. Aus diesem Grund und weil die Beweiswürdigung zu de n nicht delegierbaren Aufgaben des Richters gehört, ist dieser an die Stellungnahme de s Sachverständigen nicht gebunden. Aller- dings ist ein Abweichen vom Gutachten ausschliessli ch aus triftigen, sachlich vertretbaren Gründen zulässig. Im Zentrum steht dabei insbesonde re die Prüfung der Fragen, ob das Gut- achten auf nachvollziehbaren Begründungen beruht od er ob es widersprüchlich ist, ob es auf dem aktuellen Stand der Tatsachenkenntnis und der W issenschaft basiert und schliesslich, ob Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht in diesem nicht bzw. nur in ungenügender Weise auf wesentliche unterschiedliche Auffassun- gen in Lehre und Praxis hingewiesen wird (vgl. BGE 128 I 86; A NDREAS DONATSCH /C HRISTIAN SCHWARZENEGGER /W OLFGANG WOHLERS , Strafprozessrecht, 2. Aufl. 2014, S. 166 f.). j) Der gerichtliche Sachverständige Dr.-Ing. Heinz B urg kam in seiner Expertise vom 17. Oktober 2012 zusammengefasst zum Schluss, dass es als "sehr unwahrscheinlich" ange- sehen werden müsse, dass die Privatklägerin vom Tro ttoir aus auf die Strasse gefahren sei (act. 807) und hielt daran auch im ergänzenden Guta chten vom 6. Februar 2013 explizit fest (act. 871). Der Experte bestätigte seine Haltung am 18. Juni 2014 ein drittes Mal vor den Schranken des Strafgerichts (act. 1179 ff.). Seine Darlegungen erscheinen als schlüssig und widerspruchsfrei. Zudem hat er in sachlich nachvollziehbarer Weise die Einwände des Beschul- digten im ergänzenden Gutachten verworfen. k) Bezüglich des Gutachtens von Dr. Ulrich Löhle ist zunächst zu erwähnen, dass es sich hierbei um ein Privatgutachten handelt. Als solches hat es nicht den gleichen Stellenwert wie eine Expertise, die von der Untersuchungsbehörde od er vom Gericht eingeholt wird. Nach der konstanten Praxis des Bundesgerichts bilden Privatg utachten bloss Bestandteil der Parteivor- bringen; die Qualität von Beweismitteln kommt ihnen nicht zu (vgl. BGE 135 III 670, E. 3.3.1; 132 III 83, E. 3.4; je mit Hinweisen). Ein Parteigu tachten ist bloss geeignet, die Erstellung eines (zusätzlichen) Gutachtens zu rechtfertigen oder darzulegen, dass das gerichtliche oder amtliche Gutachten mangelhaft oder nicht schlüssig ist (vgl. BGer 6B_272/2012 vom 29. Oktober 2012, E. 2.3, und 6B_48/2009 vom 11. Juni 2009, E. 4.2 mi t Hinweisen; T HOMAS FINGERHUTH , BGE- Praxis II/2014, in: forumpoenale 6/2014, S. 364). l) Im vom Beschuldigten in Auftrag gegebenen Guta chten vom 8. Januar 2013 führt Dr. Ulrich Löhle aus, es sei in Übereinstimmung mit der Expertise von Dr.-Ing. Heinz Burg mög- lich, dass die Privatklägerin sowohl von der Mutten zerstrasse als auch über die Nebenstrasse nach rechts eingebogen sei. Die Variante, dass die Privatklägerin vom Trottoir gekommen sei, lasse sich aber nicht mit letzter Sicherheit aussch liessen (act. 835). Zur Annahme eines Sach- verhalts ist ein derart hoher Beweisgrad jedoch gar nicht erforderlich. Vielmehr genügt hierfür die persönliche Überzeugung des Richters gemäss Art . 10 Abs. 2 StPO, welche auf einer ge- wissenhaften Prüfung aufgebaut und mindestens objek tiviert und nachvollziehbar sein muss (vgl. hierzu obenstehend II.A und II.C.i sowie weit ergehend T HOMAS HOFER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). m) Schliesslich ist vorliegend auffällig, dass de r Beschuldigte gar nicht in überzeugendem, positiv-affirmativem Sinne behauptet, die Privatklä gerin sei über das Trottoir gefahren. Diese Variante schliesst er vielmehr bloss indirekt aus d em Umstand, dass er sie nicht bereits früher gesehen habe (act. 647, 1177). n) Zusammenfassend stehen somit hinsichtlich der von der Privatklägerin befahrenen Stre- cke den fundierten, schlüssigen und widerspruchsfre ien Ausführungen von Dr.-Ing. Heinz Burg sowie den mehrfach zu Protokoll gegebenen Aussagen des Zeugen D.____, welche zudem mit Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht denjenigen der Privatklägerin übereinstimmen, lediglich die Feststellung im Privatgutachten von Dr. Ulrich Löhle, dass die Privatklägerin vom Trott oir gekommen sei, lasse sich nicht mit letzter Sicherheit ausschliessen, sowie die blosse Annahme des Beschuldigten, die Privatklägerin sei wohl über das Trottoir gekommen, entgegen. In Würdigung dieser klaren Beweislage bleiben für die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts keine vernünftigen Zweifel, dass die Privatklä- gerin – wie von der Vorinstanz festgestellt und in der Anklageschrift beschrieben – nicht über das Trottoir und vom Trottoir auf die Muttenzerstrasse, sondern auf der Muttenzerstrasse gefah- ren ist. Das von der Vorinstanz festgestellte Beweisergebnis gilt demnach als erstellt. o) Die rechtliche Würdigung des Vorderrichters, we lche die Tat des Beschuldigten unter Art. 125 Abs. 2 StGB subsumiert hat, wurde vom Besc huldigten für den Fall der Bestätigung des vorinstanzlich festgestellten Sachverhalts nich t gerügt. Sie bedarf keiner Ergänzung, er- weist sich in allen Teilen als korrekt und ist somit zu bestätigen (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 27; Art. 82 Abs. 4 StPO). Demgemäss ist der Beschuldigte der fahrlässigen schweren Körperverlet- zung schuldig zu sprechen, die Berufung in diesem P unkt abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil (inklusive des Entscheids bezüglich der Zivi lforderungen gemäss Dispositiv-Ziffer 4) zu bestätigen. 2. Unnötige Abgabe von Warnsignalen (Art. 90 Ziffer 1 SVG, Art. 40 SVG, Art. 29 Abs. 1 VRV) a) Des Weiteren richtet sich die Berufung des Bes chuldigten gegen den Schuldspruch we- gen unnötiger Abgabe von Warnsignalen (Art. 90 Ziff er 1 SVG, Art. 40 SVG, Art. 29 Abs. 1 VRV). Der Beschuldigte wendet hier – wie bereits be i der Vorinstanz – im Wesentlichen ein, das Einschalten der gelben Gefahrenlichter sei angesich ts der verwendeten Fahrzeugkombination angebracht und gemäss polizeilicher Praxis, welche auf sämtlichen Strassen bei entsprechen- der Gefahrenlage Geltung beanspruche, auch ohne ausdrückliche Anordnung erlaubt gewesen. Es sei nicht zu verkennen, dass es sich um einen Au snahmetransport mit einem gewissen Ge- fahrenpotenzial gehandelt habe. Angesichts der Prax is der Polizei Basel-Landschaft dürfe aufgrund des gesunden Menschenverstandes das Einsch alten des gelben Gefahrenlichts nicht strafbar sein, zumal das Einschalten das Gefahrenpotential reduziere und nicht etwa erhöhe. b) Gemäss Art. 40 SVG sind unnötige und übermässig e Warnsignale zu unterlassen. Diese Anforderungen werden in der Verkehrsregelnverordnun g (VRV; SR 741.11) konkretisiert. Art. 29 Abs. 1 VRV sieht vor, dass Signale nur abgegeben werden dürfen, wenn dies die Sicherheit des Verkehrs erfordert, was ausdrücklich auch für gelbe Gefahrenlichter nach Art. 110 Abs. 3 lit. b VTS gilt. Gemäss Art. 110 Abs. 3 VTS werden solch e Lichter nur mit Bewilligung der Zulas- sungsbehörde und durch Eintrag im Fahrzeugausweis zugelassen. In casu waren gelbe Gefahrenlichter mit der ausdrüc klichen und unmissverständlichen Ein- schränkung, wonach das Einschalten dieser Lichter nur beim Abschleppen auf Autobahnen und Autostrassen sowie auf Anordnung der Polizei gestat tet ist, durch den Eintrag im Fahrzeugaus- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht weis zugelassen (act. 885, 939). Vorliegend ist – w ie bereits die Vorinstanz festgestellt hat – keine der genannten Voraussetzungen erfüllt: Der Be schuldigte war weder zwecks Abschlep- pen auf einer Hochleistungsstrasse unterwegs noch l ag eine ausdrückliche polizeiliche Anordnung vor. In diesem Zusammenhang kann der Besc huldigte – entgegen seines Einwands – nichts zu seinen Gunsten aus dem vom Verteidiger eingereichten E-Mail vom 25. April 2013 von E.____, Leiter der Hauptabteilung Verkehrssiche rheit der Polizei Basel-Landschaft (act. 1131 ff.), ableiten. Denn darin wird bezüglich der polizeilichen Anwendungspraxis zu Art. 110 Abs. 3 lit. b VTS ausgeführt, dass Abschleppdienste beim Heranfahren an eine Unfallstelle auf Hochleistungsstrassen unmittelbar vor der Ankunft d ie gelben Gefahrenlichter einschalten und diese meistens bis zum Verlassen der Unfallstelle e ingeschaltet bleiben. Eine direkte Anwei- sung der Polizei erfolge in diesen Fällen nicht. Im Gegensatz zum Vorbringen des Beschuldigten wird im betreffenden Schreiben indess en nicht ausgeführt, dass diese Praxis entsprechende Geltung auf sämtlichen Strassen beans pruchen könne. Vielmehr nimmt das betreffende E-Mail des Leiters der Hauptabteilung V erkehrssicherheit der Polizei Basel- Landschaft vom 25. April 2013 bezüglich der Anwendu ngspraxis zu Art. 110 Abs. 3 lit. b VTS jeweils ausdrücklich auf Hochleistungsstrassen Bezug. Nach dem Ausgeführten steht demnach fest, dass vorliegend weder eine polizeiliche Anord nung noch eine polizeiliche Praxis, auf wel- che sich der Beschuldigte stützen könnte, ersichtli ch sind. Somit ist festzustellen, dass der Beschuldigte durch sein Verhalten gegen Art. 29 Abs . 1 VRV verstossen hat, weswegen der vorinstanzliche Schuldspruch hinsichtlich der einfa chen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG zu bestätigen ist. 3. Verletzung von ARV 1 (Art. 21 Abs. 2 lit. c ARV 1) a) Schliesslich wendet sich der Beschuldigte gege n den Schuldspruch bezüglich einer Ver- letzung der Verordnung vom 19. Juni 1995 über die A rbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer (Chauffeurverordnung ARV 1; SR 822.221). b) Die Vorinstanz führt zur Begründung ihres Schul dspruchs aus, gemäss Verzeigung der Polizei Basel-Landschaft vom 28. März 2012 könne de r vorliegend zu beurteilende Vorgang zwar von der Ausnahmeregelung von Art. 4 Abs. 1 lit. f ARV 1 erfasst werden. Zum Zwecke der Klärung von Unfällen müsse aber gemäss Art. 100 Abs . 1 lit. c VTS auch in diesem Falle ein Einlegeblatt eingelegt und der Fahrtschreiber bedie nt werden. Mit Stellungnahme vom 14. Mai 2012 sei von der Polizei Basel-Landschaft sodann be richtigend ausgeführt worden, dass der vorliegende Vorgang doch als normaler gewerblicher Sachentransport zu qualifizieren sei und die ARV 1 folglich in vollem Umfang zur Anwendung g elange. Es lasse sich demnach der Ar- gumentation der Polizei Basel-Landschaft folgend fe sthalten, dass der Beschuldigte den Fahrtschreiber vorliegend hätte bedienen müssen, se i es lediglich zur Aufklärung von Unfällen. Weil er dies nicht getan habe, sei der Beschuldigte gemäss Art. 21 Abs. 2 lit. c VRV1 (recte ARV 1) schuldig zu sprechen. c) Gemäss Art. 21 Abs. 2 lit. c ARV 1 wird mit Bus se bestraft, wer den Fahrtschreiber nicht in Betrieb hält, nicht richtig bedient oder die Auf zeichnungen verfälscht. Der persönliche und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sachliche Geltungsbereich der ARV 1 ergibt sich aus Art. 3 ARV 1, wobei die diesbezüglichen Ausnahmen in Art. 4 ARV 1 normiert werden. Gemäss A rt. 4 Abs. 1 lit. f ARV 1 gilt die Verord- nung ausdrücklich nicht für die Führer und Führerinnen von Fahrzeugen, die für die Pannenhilfe speziell ausgerüstet sind und innerhalb eines Umkre ises von 100 km um ihren Standort einge- setzt werden. Der Beschuldigte verwendete am 22. Fe bruar 2012 einen für die Pannenhilfe speziell ausgestatteten Abschlepplastwagen mit Ladekran (Mercedes Atego, BL Y.____) in Mut- tenz auf der Rheinfelderstrasse und somit klar inne rhalb des vorgeschriebenen Radius von 100 km um den Standort (act. 879 ff.). Aufgrund des ers tellten Sachverhalts sind folglich die Voraussetzungen von Art. 4 Abs. 1 lit. f ARV 1 als erfüllt anzusehen. Wie der Beschuldigte zu Recht geltend macht, ist Art. 100 Abs. 1 lit. c VTS in casu nicht anwendbar – auch nicht zur Klä- rung von Unfällen –, da es sich bei Art. 4 Abs. 1 l it. f ARV 1 im Vergleich zu den Regeln der VTS um eine lex specialis handelt. Art. 4 Abs. 1 li t. f ARV 1 kann mithin nicht durch einen weni- ger spezifischen, ebenfalls auf Verordnungsstufe st ehenden Rechtserlass ausgehebelt werden, ansonsten die betreffende Ausnahmeregelung als zwec klos erscheinen würde. Unfalleinsätze sind zudem oft nicht planbar, sodass die betreffend e Ausnahmeregelung grundsätzlich auch von der Sache her als sinnvoll erscheint. Die Inter pretation der Polizei Basel-Landschaft, dass es sich vorliegend um einen normal gewerblichen Sac hentransport gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. h ARV 1 gehandelt habe, vermag in Bezug auf die Bedie nung des Fahrtenschreibers nicht zu überzeugen, da die Polizei Basel-Landschaft in ihre m Schreiben vom 14. Mai 2012 festhält, dass die ARV 1 in vollem Umfange zur Anwendung komm e (vgl. act. 939), was naturgemäss die Ausnahmeregelung von Art. 4 Abs. 1 lit. f ARV 1 mitumfasst. Folgerichtig ist der Beschuldig- te vom Vorwurf der Verletzung der Verordnung vom 19 . Juni 1995 über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer freizusprechen. 4. Fazit Zusammenfassend ist der Beschuldigte demnach der fa hrlässigen schweren Körperverletzung (Art. 125 Abs. 2 StGB) sowie der mehrfachen Verletz ung der Verkehrsregeln (Art. 90 Ziffer 1 SVG, Art. 40 SVG, Art. 29 Abs. 1 VRV) schuldig zu s prechen. Demgegenüber ist er vom Vor- wurf der Verletzung der Verordnung über die Arbeits - und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer und -führerinnen (Art. 21 Abs. 2 lit. c ARV 1) freizusprechen. III. Strafzumessung a) Der Beschuldigte hat die Strafzumessung für de n Fall der Bestätigung des Schuld- spruchs wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzun g durch das Kantonsgericht nicht gerügt. Die seitens der Vorinstanz vorgenommene Strafzumessung gemäss S. 23–28 des betreffenden Urteils erscheint als sachlich, objektiv und nachvo llziehbar. Es kann daher zunächst auf die be- treffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden, welche die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts grundsätzlich als zutreffend erachtet (Art. 82 Abs. 4 StPO). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Anders als die Vorinstanz ist die strafrechtlic he Abteilung des Kantonsgerichts allerdings nicht der Auffassung, der Beschuldigte habe keine E insicht in sein Fehlverhalten gezeigt. Viel- mehr ergibt sich aus den Akten, dass der Beschuldig te zwar während des gesamten Strafverfahrens seine strafrechtliche Schuld bestri tten hat, aber stets dazu stand, eine natürli- che Ursache für den Unfall der Privatklägerin geset zt zu haben. Er hat sich überdies bei der Privatklägerin entschuldigt, ihr Blumen geschickt und mehrfach ihr gegenüber geäussert, es tue ihm leid (vgl. act. 631, 1197). Zu korrigieren ist das vorinstanzliche Urteil zudem dahingehend, dass der Beschuldigte lediglich hinsichtlich des St rafmandats des Bezirksamtes Brugg vom 3. August 2006 (act. 4.1) als vorbestraft gilt. Demgeg enüber wurde mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 28. April 2011 bloss eine Übertretu ngsbusse von CHF 100. ‒ ausgesprochen (act. 23 f.), was zu keinem Eintrag im Strafregiste r führte. Ein solcher ist bei Übertretungen ge- mäss Art. 3 Abs. 1 lit. c Ziffer 1 VOSTRA-Verordnung (SR 331) i.V.m. Art. 366 Abs. 2 lit. a StGB erst ab einem Bussenbetrag von CHF 5‘000. ‒ vorzunehmen. c) Diese relevierten Abweichungen vom erstinstanz lichen Urteil wirken sich jedoch vorlie- gend nur geringfügig zu Gunsten des Beschuldigten a us, da gemäss Vorinstanz die Täterkomponenten im Vergleich zu den Tatkomponenten zutreffenderweise nicht stark ins Ge- wicht gefallen sind und sich im Ergebnis bloss mini m zu Lasten des Beschuldigten ausgewirkt haben. Zudem ging die Vorinstanz in Bezug auf die f ahrlässige schwere Körperverletzung nur von einem leichten Verschulden des Beschuldigten au s. Die von der Vorinstanz ausgesproche- ne bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 1 20. ‒ bei einer Probezeit von 2 Jahren erscheint daher auch unter Berücksichtigung der vor erwähnten Umstände dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. Bezüglich der Bussenhöhe gilt es zu berücksichtigen , dass im Vergleich zum Urteil der Vorinstanz zufolge Freispruchs der Schuldspruch bez üglich Widerhandlung gegen die ARV 1 wegfällt. Die vom Vorderrichter ausgefällte Busse vom CHF 400. ‒ ist deshalb auf CHF 200. ‒ zu reduzieren. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse (Art. 106 Abs. 2 StGB) ist auf 2 Tage festzusetzen. IV. Kosten a) Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Die Berufung ist vorliegend in einem sehr geringen Umfang – nämlich einzig hinsichtlich der Verletzung der Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrz eugführer und -führerinnen – teilweise gutzuheissen. Im Übrigen ist die Berufung vollumfän glich abzuweisen. In Anbetracht dieses Verfahrensausgangs gehen die ordentlichen Kosten de s Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 6'300. ‒, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 6'000. ‒ sowie Auslagen von CHF 300. ‒, zu Lasten des Berufungsklägers. Zudem ist diesem fü r das Berufungsverfahren keine Partei- entschädigung auszurichten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Des Weiteren hat der Beschuldigte der Privatklä gerin für das zweitinstanzliche Verfah- ren eine Entschädigung zu bezahlen. Anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht reicht Advokat Dr. Marco Chevalier in substitutions weiser Vertretung für Rechtsanwalt Stefan Hofer eine Honorarnote vom 13. April 2015 ein, welc he einen Aufwand von 29 Stunden (ohne kantonsgerichtliche Hauptverhandlung und Anfahrtswe g) ausweist. Dieser Aufwand erscheint im Hinblick auf die im vorliegenden Verfahren notwe ndigen und angemessenen Arbeiten als Vertreter der Privatklägerin als deutlich zu hoch, zumal in casu keine schwierigen Rechtserläu- terungen oder Ähnliches erforderlich waren und die Privatklägerin mit Eingabe vom 16. Januar 2015 lediglich eine äusserst kurze Stellungnahme (2.5 Se iten) zur Berufungsbegründung vom 16. Dezember 2014 eingereicht hat. Dementsprechend ist der geltend gemachte Aufwand auf angemessene 15 Stunden zu reduzieren, woraus sich e ine vom Beschuldigten an die Privatklä- gerin für das zweitinstanzliche Verfahren auszurich tende Entschädigung in Höhe von CHF 3‘806.55 (inklusive CHF 74.60 Auslagen sowie CHF 28 1.95 Mehrwertsteuer) für die notwendi- gen anwaltlichen Aufwendungen ergibt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel-Landschaft vom 23. Juni 2014, auszugsweise lautend: "1. B.____ wird der fahrlässigen schweren Körperverle tzung, der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln sowie der Verletzung der Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der b erufsmässi- gen Motorfahrzeugführer und -führerinnen schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 120.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 400.-- verurteilt, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse trit t an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen, in Anwendung von Art. 125 Abs. 2 StGB, Art. 90 Ziff . 1 SVG (i.V.m. Art. 40 SVG, Art. 29 Abs. 1 VRV sowie Art. 30 Abs. 2 SVG), Art. 21 Abs. 2 lit. c ARV1 (i.V.m. Art. 14 Ab s. 1 ARV1 und Art. 100 Abs. 1 lit. c VTS), Art. 42 Abs. 1 StGB, A rt. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 106 Abs. 2 StGB. 2. Der Beschuldigte wird von der Anklage des Führ ens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs freigesprochen. 3. Das beschlagnahmte Fahrrad wird nach Rechtskra ft unter Aufhe- bung der Beschlagnahme der Privatklägerin zurückgegeben. 4. Die unbezifferte Schadenersatzforderung der Pr ivatklägerin wird dem Grundsatz nach gutgeheissen und im Übrigen (bet reffend Schadenshöhe sowie Haftungsquote) auf den Zivilweg verwiesen. Der Beurteilte wird dazu verurteilt, der Privatkläg erin gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in Höhe von Fr. 12‘134.75 für die notwendigen anwaltlichen Aufw endungen zu bezahlen." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuld igten in den Ziffern 1 und 2 wie folgt geändert: Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. B.____ wird der fahrlässigen schweren Körpe rverletzung sowie der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln schuld ig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 120.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 200.-- verurteilt, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse trit t an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen , in Anwendung von Art. 125 Abs. 2 StGB, Art. 90 Ziff . 1 SVG (i.V.m. Art. 40 SVG, Art. 29 Abs. 1 VRV sowie Art. 30 Abs. 2 SVG), Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art . 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 106 Abs. 2 StGB. 2. Der Beschuldigte wird von der Anklage des Füh rens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs sowie der Verletzung der Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen M otorfahr- zeugführer und -führerinnen freigesprochen. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. II. a) Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfah rens in der Höhe von CHF 6'300. ‒, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 6'000. ‒ sowie Auslagen von CHF 300. ‒, werden dem Beschuldigten auferlegt. b) Dem Beschuldigten wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. c) Der Beschuldigte wird dazu verurteilt, der Priva tklägerin für das zweitin- stanzliche Verfahren eine Entschädigung in Höhe von CHF 3‘806.55 (inklusive CHF 281.95 Mehrwertsteuer) für die notwendigen anwa ltlichen Aufwendungen zu bezahlen.