<h2>SubmittedText<h2><p>Das Rauchen oder das Inhalieren von durch E-Zigaretten (Electronic Nicotine Delivery Systems, ENDS) abgegebenen Aerosolen, die das Lungengewebe reizen, sind erhebliche Risikofaktoren für zahlreiche Krankheiten, auch für Covid-19-Infektionen. Der Konsum von Tabak und Nikotin wird im Rahmen der Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (non-communicable diseases, NCD) als einer der wichtigsten Risikofaktoren für NCD hervorgehoben. Viele NCD sind wiederum Risikofaktoren für Covid-19.</p><p>Genaue Daten zur Prävalenz von Covid-19 bei den verschiedenen Typen von Raucherinnen und Rauchern scheinen in der Schweiz nicht verfügbar zu sein.</p><p>Schon zu Beginn der Coronakrise wurden nicht belegte und gefährliche Hypothesen, dass Nikotin gegen Covid-19 schützen könnte, von der Presse aufgegriffen. Hinter diesen Hypothesen, die seither weitgehend entkräftet wurden, schien sich der Einfluss der Tabakindustrie zu verbergen. Aktuellere Studien weisen bei Raucherinnen und Rauchern auf ein erhöhtes Infektionsrisiko sowie problematische Folgen einer Infektion hin. Bei jungen Konsumentinnen und Konsumenten von E-Zigaretten soll das Infektionsrisiko fünf- bis siebenmal höher sein.</p><p>Die Information über die Risiken des Tabakkonsums scheint bei der Prävention von Covid-19 nebensächlich geblieben zu sein, vor allem was die Risiken des Rauchens von Wasserpfeifen betrifft.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie hoch ist der Anteil der Konsumentinnen und Konsumenten von Tabak und anderen nikotinhaltigen Produkten (ENDS), einschliesslich ehemaliger Konsumentinnen und Konsumenten, an der Zahl der Infektionen, Hospitalisationen, Intensivpflegebedürftigen und Toten infolge von Covid-19?</p><p>2. Wie hoch ist der Anteil der Personen mit NCD an der Zahl der an Covid-19 Erkrankten?</p><p>3. Beabsichtigt der Bundesrat, die Daten zu vervollständigen, falls diese Zahlen nicht vorliegen sollten?</p><p>4. Was tut der Bundesrat, um die Konsumentinnen und Konsumenten von Tabakprodukten oder ENDS besser über das erhöhte Gesundheitsrisiko im Zusammenhang mit Covid-19, das der Konsum solcher Produkte mit sich bringt, zu informieren?</p><p>5. Was tut der Bundesrat, um die Bevölkerung über das Übertragungsrisiko beim Passivrauchen oder beim passiven Konsum von durch ENDS erzeugten Aerosolen zu informieren und diesem vorzubeugen?</p><p>6. Beabsichtigt der Bundesrat, Massnahmen zur Beschränkung des Wasserpfeifenkonsums zu ergreifen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1., 2. und 3. Dem Bundesrat liegen Daten über das Auftreten bestimmter Krankheitsbilder bei hospitalisierten und verstorbenen Personen vor, die positiv auf Covid-19 getestet wurden. Per 15.12.2020 lagen für 91 Prozent aller seit Pandemiebeginn hospitalisierten Personen vollständige Daten zu Vorerkrankungen vor. Von diesen 14 640 Personen wiesen laut den in den klinischen Berichten erfassten Daten 14 Prozent keine Vorerkrankung auf, und 86 Prozent litten an mindestens einer Vorerkrankung. Die drei am häufigsten genannten Vorerkrankungen waren Bluthochdruck (52 %), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (39 %) und Diabetes (25 %). Per 15.12.2020 litten von den 5455 Menschen, die seit Pandemiebeginn verstorben sind und zu denen vollständige Daten vorliegen, 97 Prozent an einer Vorerkrankung, hauptsächlich Bluthochdruck (63 %), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (61 %) und Diabetes (26 %).</p><p>Daten zum Tabakkonsum werden seit dem 16.4.2020 bei hospitalisierten Personen und seit dem 11.5.2020 bei verstorbenen Personen erhoben. Von den 10 298 hospitalisierten Personen, zu denen Daten vorliegen, gaben 9 Prozent an zu rauchen, 53 Prozent rauchten nicht, und bei 38 Prozent ist der Status unbekannt. Von den 2731 verstorbenen Personen, zu denen Daten vorliegen, waren 4 Prozent Raucherinnen und Raucher, 26 Prozent rauchten nicht, und bei den restlichen 70 Prozent ist der Status unbekannt. Angesichts der vielen Fälle, bei denen der Status unbekannt ist, lassen diese Daten keine Rückschlüsse zu. Die Schädlichkeit des Tabakkonsums und dessen Auswirkungen auf das Immunsystem sind jedoch bekannt, und vorliegende Studien zeigen, dass Rauchende ein höheres Risiko haben, eine schwere Form von Covid-19 zu entwickeln.</p><p>Der Konsum von Produkten wie E-Zigaretten wird vom Bundesrat nicht überprüft, und es ist auch nicht geplant, dies zu tun.</p><p>4. und 5. Der Bundesrat informiert die Bevölkerung regelmässig über die Hygiene- und Verhaltensregeln, die man einhalten muss, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, sowie über die durch das Virus besonders gefährdeten Personengruppen. Dazu stützt er sich auf die vorliegenden wissenschaftlichen Daten und passt seine Empfehlungen bei Bedarf an. Informationen zu den Risiken des Tabakkonsums in Bezug auf Covid-19 sind auf der Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu finden. Auf die Risiken, die mit dem Konsum von E-Zigaretten verbunden sind, wird jedoch aufgrund der noch schwachen wissenschaftlichen Evidenz zu diesem Thema nicht eingegangen.</p><p>Was die Verbreitung des Virus über Zigarettenrauch oder Aerosole aus Produkten wie E-Zigaretten betrifft, so ist davon auszugehen, dass die aktuellen Empfehlungen zum Social Distancing und zum Tragen von Masken bereits eine Infektion auf diesem Weg verhindern. Eine spezifische Kommunikation ist daher nicht erforderlich.</p><p>6. Im Rahmen der Bekämpfung des Coronavirus gelten die auf der Website des BAG veröffentlichten Hygiene- und Verhaltensempfehlungen für die gesamte Bevölkerung, also auch für Konsumentinnen und Konsumenten von Wasserpfeifen. In diesem Zusammenhang wird natürlich davon abgeraten, eine Wasserpfeife mit dem gleichen Mundstück mit anderen zu teilen. Zudem werden, wie bereits erwähnt, die Risiken des Tabakkonsums in Bezug auf Covid-19 auf der Website des BAG thematisiert. Dabei wird auch empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören. Spezifische Massnahmen zur Eindämmung des Konsums solcher Produkte sind nicht vorgesehen.</p>  Antwort des Bundesrates.