S2 24 12 URTEIL VOM 17. SEPTEMBER 2024 Kantonsgericht Wallis Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Besetzung: Michael Steiner , Präsident; Candido Prada und Dr. Thierry Schnyder , Kantonsrichter; Petra Stoffel, Gerichtsschreiberin in Sachen X _________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Schneeber- ger, Bern gegen SCHWEIZERISCHE UNFALLVERSICHERUNG (SUVA), Beschwerdegegnerin (Kausalzusammenhang, unfallähnliche Körperverletzung) Beschwerde gegen den Entscheid vom 19. Dezember 2023 - 2 - Verfahren A. Der 1974 geborene Beschwerdeführer war bei der S UVA obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert, als er am 12. Januar 2023 über ein Fahrrad stolperte und auf beide Knie stürzte. Die gleichen- tags im Notfall erfolgte Abklärung führte zur Diagnose einer Kniekontusion beidseits nach Sturz (Akten der Beschwerdegegnerin act. 37). Eine MRT der Kniegelenke ergab am 31. Januar 2023 eine subtotale vordere Kreuzbandruptur links sowie einen Status nach vorderer Kreuzbandersatzplastik ohne Reruptur rechts (act. 34 und 36). Die SUVA anerkannte den Berufsunfall und sprach die gesetzlichen Leistungen zu. Nach einem protrahierenden Verlauf legte sie die Akten ihrem beratenden Facharzt für Chirurgie vor (act. 39). B. Mit Verfügung vom 26. April 2023 stellte die SUVA den Anspruch auf Versicherungs- leistungen per 2. Mai 2023 ein (act. 40). Der Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall vom 12. Januar 2023 eingestellt hätte, sei gemäss medizinischer Beurteilung spätestens nach 3 Monaten erreicht gewesen. Die erhobene Einsprache wies die SUVA nach einer versicherungsmedizinischen Beurteilung mit Entscheid vom 19. Dezember 2023 ab (act. 68 und 73). C. Dagegen wurde am 30. Januar 2024 Beschwerde bei der sozialversicherungsrecht- lichen Abteilung des Kantonsgerichts Wallis erhoben. Der Beschwerdeführer beantragte, die Kreuzbandruptur links sei als durch das Ereignis vom 12. Januar 2023 verursacht anzuerkennen. Der behandelnde Facharzt habe mit neuem Bericht erhebliche Zweifel an den Feststellungen des ve rsicherungsmedizinischen Facharztes erweckt, indem er dessen Schlussfolgerungen bezüglich Gelenkerguss, Trauma intraartikulär sowie Mus- kelkompensation widerlege. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei daher davon aus- zugehen, dass er am 12. Januar 2023 die fragliche VKB-Ruptur links erlitten habe. Der Beschwerdegegnerin sei sodann der Entlastungsbeweis mit dem internen Bericht nicht gelungen. In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. März 2024 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Es sei weder die Läsion des vorderen Kreuzbandes links durch den Unfall vom 12. Januar 2023 verursacht worden noch eine Leistungspflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG gegeben. Diese Schlussfolgerungen stützte sie auf einen neu eingeholten Bericht des versicherungsinternen Facharztes, wonach es aufgrund der am Unfalltag erhobenen klinischen Befunde und der unfallzeitnah erfolgten MRT-Abklärung - 3 - nicht zu strukturellen Veränderungen gekommen sei. Eine am 31. Januar 2023 zur Dar- stellung gelangende Signalauffälligkeit sei als Vorzustand zu werten. Im zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Am 19. August 2024 wurde der Schriftenwechsel abgeschlossen. Auf die weiteren Vorbringen wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 UVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Unfallversiche- rung anwendbar, soweit das UVG nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt. Das an- gerufene Gericht ist örtlich und sachlich zuständig (Art. 58 ATSG i.V.m. Art. 1 Abs. 2 RVG und Art. 81a VVRG, Art. 7 Abs. 2 RPflG). Der Beschwerdeführer ist durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Auf- hebung (Art. 59 ATSG), weshalb auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 60 ATSG, Art. 61 lit. b ATSG). 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für das Ereignis vom 12. Januar 2023 zu Recht per 2. Mai 2023 eingestellt hat. 3. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nicht- berufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt , soweit das Gesetz nichts anders be- stimmt. Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt der Unfallversicherer sodann seine Leistungen auch bei den folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführend sind: a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen und h. Trommelfellve rletzungen. Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 146 V 51 E. 7) 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi- schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schad en (Krankheit, Invalidität, Tod) - 4 - ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kau- salzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Wei se beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die e ingetretene gesundheitli- che Störung entfiele (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, je mit Hinweisen; Bundes- gerichtsurteil 8C_305/2022 vom 13. April 2023 E. 3.1). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein na- türlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung be- ziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweis- würdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen). 3.3 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewie- sen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens dar- stellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen be- ruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zu- stand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Ver lauf eines krankhaften Vorzustan- des auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Da- hinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten U rsachen eines Gesundheits- schadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammen- hang gegeben ist – nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Be- weisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und - 5 - sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Bundesgerichts urteile 8C_600/2021 vom 3. März 2022 E. 3.2 und 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2, je mit Hinweisen). Mit dem Erreichen des Status quo sine vel ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder er- reicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbrin- gen (Bundesgerichtsurteil 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen). In Bezug auf unfallähnliche Körperschädigungen hat das Bundesgericht in B GE 146 V 51 E. 8.6 festgehalten, dass für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2 UVG kein äussere r Faktor und damit kein unfallähnliches sinnfälliges Ereignis oder eine allgemein gestei- gerte Gefahrenlage mehr vorausgesetzt ist. Insoweit führt grundsätzlich bereits die Tat- sache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG genannte Körperschädigung vorliegt, nun- mehr zur Vermutung, es handle sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Indessen ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwen- digkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs - und erkrankungsbedingten Ursache einer Lis- tenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. 3.4 Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. dessen Wegfallen ist in erster Linie mit den Angaben medizinischer Fachpersonen zu führen. Dabei ist zu be- achten, dass ärztliche Auskünfte, die allein auf der Argumentation beruhen, die gesund- heitlichen Beeinträchtigungen seien erst nach dem Unfall aufgetreten, beweisrechtlich nicht zu verwerten sind (Bundesgerichtsurteil 8C_241/2020 vom 29. Mai 2020 E. 3). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist sodann entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Be- urteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Ex- perten begründet sind (BGE 137 V 210 E. 1.2.1, 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Bundesgerichtsurteil 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1). Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsin- terner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvoll- ziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zu- verlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das Anstellungsverhältnis einer ver- sicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf - 6 - mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Sol l ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versi- cherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh- men (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7). Auf Aktenberichte kann abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentli chen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63; Bundesgerichtsurteil 8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 4. 4.1 Die Beschwerdegegnerin beruft sich in ihren Schlussfolgerungen auf die medizini- schen Feststellungen der Vertrauensärzte. Danach sei es am Unfalltag zu einer beidsei- tigen Kniekontusion aus Standhöhe gekommen. In Zusammenschau aller verfügbaren Informationen und im Licht der publizierten Evidenz hab e dieses Geschehen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu strukturellen Verletzungen geführt. 4.2 Der Beschwerdeführer legt demgegenüber dar, gestützt auf die Beurteilung seines behandelnden Facharztes könne mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen wer- den, dass er sich am 12. Januar 2023 eine VKB -Ruptur zugezogen habe. Die M RT- Aufnahmen des linken Knies zeigten eine Flüssigkeitskollektion intraartikulär, insbeson- dere auch im Bereich der Notch, wo das rupturierte vordere Kreuzband liege, sowie Zei- chen einer rupturierten Baker-Zyste, was für eine im Verlauf abnehmende Ergussbildung spreche, was bei Beschwerdefreiheit vor dem Unfall vom 12. Januar 2023 klar für eine frische Verletzung spreche. Weiter ergänzt der Beschwerdeführer, die festgestellte Lis- tenverletzung erfordere den Entlastungsbeweis, den die Beschwerdegegnerin nicht habe erbringen können. 5. 5.1 Anlässlich der notfallmässigen Erstkonsultation vom 12. Januar 2023 wurde die Diagnose einer Kniekontusion beidseits nach Sturz gestellt. Der Patient sei am Morgen über ein Velo gestürzt und auf beide Knie gefallen. Seitdem habe er heftige Schmerzen. Das linke Knie sei ohne Schwellung, die Haut sei intakt, der gesamte Kniebereich sei druckdolent und das Heben des gestreckten Beines sei möglich. Ergänzend wurde fest- gehalten: «Keine mediale oder laterale Aufklappbarkeit, kein Schubladenphänomen, Steinmann 1 Schmerzen bei Aussenrotation, jedoch keine Blockierung des Gelenks, - 7 - pDMS intakt » (act. 37). Die gleichentags durchgeführten röntgenologischen Untersu- chungen beider Kniegelenke lieferten keinen Hinweis auf eine frische ossäre Läsion (act. 36). 5.2 Die MRT-Untersuchung vom 31. Januar 2023 ergab eine subtotale Ruptur des vor- deren Kreuzbandes, wobei der Befund wie folgt lautete: «Regelrechte Artik ulation des Kniegelenks. Glatte und regelmässige Gelenk- und Knorpelflächen mit unauffälliger Sig- nalgebung. Partielle Diskontinuität des vorderen Kreuzbandes. Intakte Abbildung des hinteren Kreuzbandes sowie des übrigen Sehnen- und Bandapparates. Ebenfalls intakte Abbildung des Innen- und Aussenmeniskus. Unauffällige Signalgebung des subkutanen und muskulären Weichteilmantels» (act. 35). 5.3 Der erstkonsultierende Facharzt für Orthopädie und Traumatologie , Dr. A _________, hielt in seinem Bericht vom 1. M ärz 2023 (act. 33) fest, der Patient habe einen Sturz auf beide Knie geschildert, wobei er in Bezug auf das linke Knie Schmerzen und knackende Geräusche beschreibe. Gemäss diesem Facharzt standen nach kernspintomografischer Diagnostik am linken Kniegelenk Kriterien einer subtotalen Kreuzbandläsion im Vordergrund. Es liege eine Partialruptur des linken vorderen Kreuz- bandes, aktuell ohne objektivierbare höhergradige Instabilitäten vor. Befundmässig stellte er unauffällige Kniegelenkskonturen beidseits fest. Es lagen keine Ergussbildun- gen, keine Meniskuszeichen, keine Bewegungseinschränkungen und keine Instabilitäten hinsichtlich der Seitenbänder vor. Mit dem Rolimeter mass er an beiden Kniegelenken ventrale Auslenkungen von etwa 8 mm. Der Lachman -Test war am l inken Kniegelenk negativ. 5.4 Der für eine Zweitmeinung konsultierte Facharzt für orthopädische Chirurgie, Dr. B _________, kam in seiner Beurteilung vom 4. April 2023 (act. 27) zum Schluss, es handle sich um eine klinisch vollständige vordere Kreuzbandl äsion links bei positivem Lachman-Test und einem fraglich angedeuteten positivem Pivot-Shift-Test (eher positiv, was für eine vollständige vordere Kreuzbandruptur spreche). Im Übrigen seien das Alignment Knie und DMS beidseits intakt. Die Oberschenkelmuskulatur links sei im Ver- gleich zu rechts etwas atroph. Beidseits könne kein intraartikulärer Kniegelenkerguss gesichtet werden. Bei der aktiven und weniger bei der passiven Bewegung komme es zu einem unklaren Tremor. 5.5 Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin, Dr. C _________, Facharzt für ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, nannte in seiner Ak- tenbeurteilung vom 26. April 2023 (act. 39) als Vorzustand eine partielle VKB -Ruptur - 8 - Knie links und einen Status nach VKB-Ersatzplastik Knie rechts 2016. Es sei beim Sturz aus Standhöhe zu einer beidseitigen Kniekontusion gekommen, wobei ein Ausheilen in- nert 3 Monaten mit Erreichen des Status quo sine geschehe. Der Unfall habe zu keinen strukturellen Läsionen geführt. Dabei berief er sic h auf die MRT -Aufnahmen. In seiner ausführlichen Aktenbeurteilung vom 13. November 2023 (act. 68) ergänzte er, anhand der vorliegenden Bildgebung könne er eine vollständige VKB-Ruptur nachvollziehen. Da aber bei einem erheblichen mechanischen Impact auf di e Knie zu erwartende indirekte Anzeichen fehlen würden und auch der genannte Unfallmechanismus nicht dazu geeig- net gewesen sei, ein Kreuzband rupturieren zu lassen bzw. VKB-Rupturen muskulär kompensiert werden könnten, sei davon auszugehen, dass die VKB -Ruptur als alt und vorbestehend zu werten sei. 5.6 Dr. B _________ führte in seiner Stellungnahme vom 18. Januar 2024 (Beschwer- debeilage 3) aus, die Argumentation des Kreisarztes von einem kompensatorischen Muskelaufbau zur aktiven Kniestabilität könne er unterstützen. Die Befunderhebung vom 4. April 2024 zeige jedoch das Gegenteil, da im Seitenvergleich eine leichte Atrophie der Oberschenkelmuskulatur links bestehe. Auch sei der Lachman-Test eindeutig positiv ge- wesen. Schliesslich seien auf dem MR T-Bild Flüssigkeitskollektionen medio-dorsal als Hinweis auf einen Erguss sichtbar, was zwingend auf ein Trauma hinweise. Es treffe aber zu, dass in der MRT keine Kontusionszeichen im Bereich der Patella und der prä- patellaren Weichteile beidseits beschrieben worden seien. Schliesslich müsse bei einer Indikation zur MR T-Untersuchung die klinische Diagnose einer Kontusion hinterfragt werden. 5.7 Der in Folge von der Beschwerdegegnerin beigezogene Facharzt PD Dr. D _________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be- wegungsapparates, nahm am 23. Februar 2024 zu den Ausführungen des behandeln- den Arztes Stellung (Beilage der Beschwerdeantwort). Das im Knie befindliche vordere Kreuzband sei ein wesentliches anatomisches Element für die Stabilität des Gelenks. Eine Ruptur führe somit funktionell zu einer Instabilität, was subjektiv als Gefühl der Un- sicherheit wahrgenommen werde. Der Versicherte habe aber zeitnah starke Schmerzen als führend angegeben und es seien in den zeitnahen Berichten auch keine Hi nweise auf eine Instabilität vorhanden. Dr. B _________ schildere am 4. April 2023 eine Insta- bilität fraglicher Natur und eine allfällig subjektiv nur gering ausgeprägte Unsicherheit . Beides könne lediglich als mögliche Folge einer Kreuzbandruptur bewertet werden. Schmerz könne auch eine Erklärung für die beobachtete leichte Atrophie der Oberschen-- 9 - kelmuskulatur liefern. Hierzu sei zu bemerken, dass dies offenbar ein rein inspektori- scher Eindruck sei, der nicht durch Umfangmessungen objektiviert werde und der als Befund in keinem weiteren ärztlichen Dokument Erwähnung finde. Die grundsätzliche Untersuchbarkeit der Gelenke unmittelbar nach dem Trauma im Spital spreche gegen gravierende Schädigungen und die spezifisch zu den Menisken, Seiten- und Kreuzbän- dern erhobenen Befunde würden eine Verletzung dieser Strukturen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Der linkseitige Befund «Steinmann 1 Schmerzen bei Aussenrotationen» sei von de n nachfolgend untersuchten Fachärzten nicht be stätigt worden. Die weiteren Angaben (keine Schwellung, Haut intakt) würden einen Normalbe- fund beschreiben. Auch in der MRT seien keine Kontusionszeichen im Bereich der Pa- tella und der präpatellaren Weichteile beidseits beschrieben worden . Das Postulat von Dr. B _________, auf dem MRT-Bild seien auch Flüssigkeitskollektionen als Hinweis auf einen Erguss beschrieben, finde in dem Befundbericht des Radiologen keine Erwäh- nung. PD Dr. D _________ legte weiter dar, aufgrund eigener Einschätzung seien me- dio-dorsal Signalveränderungen i m Ansatzbereich des bekannten auffälligen vorderen Kreuzbandes zu erkennen . Die Flüssigkeit im suprapatellaren Recessus oberhalb der Kniescheibe und vor dem Oberschenkelknochen sei als Ausdruck eines geringen Ergus- ses und Reizzustandes zu werten. Einen Beleg, dass dieser Befund auf ein Trauma int- raartikulär zwingend hinweise, bleibe der orthopädische Chirurg schuldig. In der Literatur sei es unstrittig, das sich kernspintomografisch Ödeme in den gelenknahen Knochen als Folge einer kreuzbandverletzenden Gewalteinwirkung darstellen, welche bei ihrem Auf- treten als indirekte pathognomonische Zeichen für eine vordere Kreuzbandruptur beach- tet würden. Mit der bildgebenden Untersuchung vom 31. Januar 2023 würden jedoch entsprechende Befunde nicht zur Darstellung gelangen. Ohne Zweifel weise das vordere Kreuzband am 31. Januar 2023 eine Signalauffälligkeit auf , deren Interpretation durch die Fachpersonen unterschiedlich ausfalle. Während Dr. B _________ von einer voll- ständigen Ruptur des vorderen Kreuzbandes ausgehe , würden der Radiologe und Dr. A _________ von einer Partialruptur sprechen. Die verfügbaren Beschreibungen des Unfallherganges könnten als nur sehr fragliche, aber mögliche Ursache für eine Verlet- zung des vorderen Kreuzbandes bewertet w erden. Eine Verdrehu ng des Gelenkes liesse sodann zeitnah entsprechende klinische Befunde erwarten, die aber mit der Un- tersuchung am Unfalltag ausgeschlossen w orden seien. In Zusammenschau aller ver- fügbaren Informationen und im Lichte der publizierten Evidenz habe ein Geschehen vom 12. Januar 2023 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu strukturellen Verletzun- gen geführt. Eine bildgebend am 31. Januar 2023 zur Darstellung gelangte Signalauffäl-- 10 - ligkeit des vorderen Kreuzbandes sei somit als überwiegend wahrscheinlicher Vorzu- stand zu werten. Ohne Eintritt struktureller Verletzungen hätten Unfallfolgen mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit 8-12 nach Geschehen nicht mehr vorgelegen. 5.8 Nach erneuter Konsultation der MRI-Bilder und der Berichtigung hinsichtlich des am 7. Juni 2023 eingereichten MRI-Bildes nahm Dr. B _________ mit Bericht vom 3. Mai 2024 erneut Stellung (Beilage der Replik). Die MRT-Aufnahmen des linken Knies zeigten eine Flüssigkeitskollektion intraartikulär, insbesondere auch im Bereich der Notch, wo das rupturierte vordere Kreuzband liege, sowie Zeichen einer rupturierten Baker-Zyste, was für eine im Verlauf abnehmende Ergussbildung spreche . Schliesslich seien keine Beweise für eine vorbestehende Kreuzbandruptur vorhanden, was bei Beschwerdefrei- heit vor dem Unfall vom 12. Januar 2023 klar für eine frische Verletzung spreche. 5.9 PD Dr. D _________ führte am 9. Juli 2024 (Beilage der Duplik) aus, der Befund vom 31. Januar 2023 demonstriere eine nur geringe Flüssigkeitsansammlung, was für ein Hämarthros ausgespr ochen untypisch wäre. Es würden auch keine Zeichen einer rupturierten Baker-Zyste vom Arzt der Radiologie beschr ieben. Dazu sei auszuführen, dass primär ursächlich für die Entstehung einer solchen Zyste Schäden des Gelenks seien, die mit einem chronischen Erguss einhergingen und die infolge erhöhten Gelenk- innendrucks zur Zystenbildung führen würden. Dies erfordere also einen länger währen- den, vorbestehenden pathologischen Zustand und stütze gerade nicht die Argumenta- tion von Dr. B _________. 6. 6.1 Der Ereignishergang wurde in der Unfallmeldung dahingehend beschrieben, dass der Beschwerdeführer beim Transportieren von Fahrrädern über ein solches gestürzt war. Anlässlich der notfallmässigen Erstkonsultation wurde festgehalten, der Beschwer- deführer sei am Morgen bei der Arbeit über ein Velo, das er in der Hand gehabt habe, gestürzt und auf beiden Knien aufgekommen. Sowohl der erstkonsultierte als auch der um eine Zweitmeinung beigezogene Facharzt berichten von einem Sturzereignis mit an- schliessender Schmerzexazerbation in beiden Knien. Ob es sich lediglich um ein Ereig- nis ganz untergeordneter respektive harmlose r Art handelte oder allenfalls nicht doch eine Bewegung mit unphysiologischer Belastung (verdrehen) – wie vom Beschwerde- führer nachträglich behauptet – stattgefunden haben könnte, lässt sich nicht abschlies- send beurteilen. Diesbezüglich ist jedoch festzuhalten, dass bei sich widersprechenden Angaben des Versicherten auf die Beweismaxime abzustellen ist, wonach die sogenann- ten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverläs- siger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen - 11 - Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2 mit Hinweisen ). Somit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit er- stellt, dass der Beschwerdeführer beim Transportieren von Fahrrädern über ein solches stürzte, auf beiden Knien aufkam und einen einschiessenden Schmerz in beiden Knie- gelenken verspürte. Dies stellt zweifelsfrei ein Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG dar. 6.2 Während die beratenden Ärzte der Beschwerdegegnerin die vordere Kreuz- bandruptur links bei einem Sturz aus Standhöhe als vorwiegend auf degenerative Ver- änderungen zurückgehende Verletzung ansahen und die Unfallfolgen für das Beschwer- debild nach 8-12 Wochen keine Rolle mehr spielten, ging der behandelnde Facharzt Dr. B _________ von einer ausschliesslich auf das Ereignis vom 12. Januar 2023 zu- rückzuführenden Verletzung aus. Die beratenden Ärzte der Besch werdegegnerin be- gründeten ihre Einschätzung damit, der fragliche Ereignishergang sei nicht geeignet, eine frische Kreuzbandruptur zu verursachen . Die Erst- und MRT-Untersuchung im Januar 2023 würden auch keine traumatischen Veränderungen im Sinne von Weichteil- schwellungen, Gelenkerguss, Hämatomen, Bone bruise, Frakturen oder strukturellen Läsionen zeigen, was für eine Vorschädigung spreche. Der erstkonsultierende Facharzt habe weiter am 27. Februar 2023 keine objektivierbaren Instabilitäten im Bereich beider Kniegelenke festgestellt und es seien am Unfalltag Schmerzen beklagt, jedoch nicht In- stabilitätsbefunde erhoben worden, was mit einer frischen Läsion am Unfalltag nicht ver- einbar sei. Auch die klinischen Befunde mit seitengleich ventraler Auslenkung und links- seitigem, negativem Lachman-Test würden gegen eine Instabilität sprechen. Die von Dr. B _________ auf dem MRT-Bild als Hinweise auf einen Erguss beschriebene Flüs- sigkeitskollektionen würden einerseits in dem Befundbericht des Radiologen keine Er- wähnung finden. Andererseits weise das MRT-Bild vom 31. Januar 2023 eine Signalauf- fälligkeit auf. In Achtung der klinischen Befunde und der Lehrmeinung, wonach alleine aufgrund der Bildgebung ein e Beurteilung unfallkausaler oder degenerativer Zustände nicht möglich sei, habe sich der Versicherte beim Ereignis vom 12. Januar 2023 keine frische strukturelle Schädigung zugezogen. Auch zum Umstand, dass der Beschwerde- führer trotz bestehender Vorschädigung beschwerdefrei gewesen sei, legen die bera- tenden Fachärzte g laubhaft dar, ein kompensatorisch wirkender Muskelaufbau könne zur aktiven Kniestabilität beitragen, was Dr. B _________ als Erklärung ausdrücklich auch anerkenne. Schliesslich sei die leichte Atrophie nicht objektivierbar und hätte auch schmerzbedingt sein können. - 12 - PD Dr. D _________ vermag sodann das von Dr. B _________ vorgebrachte Argument der Indikation zur MRT-Untersuchung sowie zur Baker-Zyste zu entkräften. Diesbezüg- lich ist auf seine Ausführungen zu verweisen. Insoweit der behandelnde Facharzt erklärt, es seien keine Befunderhebung en vor dem Unfallereignis für eine vordere Kreuz- bandruptur vorhanden, was für deren Ruptur am 12. Januar 2023 spreche , erschöpft sich dessen Argumentation im Wesentlichen in der Formel «post hoc ergo propter hoc». Ärztliche Auskünfte, die allein auf dieser Argumentation beruhen, sind jedoch beweis- rechtlich nicht zu verwerten. Als behandelnder Facharzt steht schliesslich Dr. B _________ ähnlich einem Hausarzt in einem Vertrauensverhältnis zum Versicher- ten, weshalb seine Beurteilung mit Zurückhaltung zu würdigen ist. 6.3 Nach dem Gesagten durfte die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Berichte ihrer beratenden Ärzte abstellen. Eine weitere medizinische Abklärung, wie vom Beschwer- deführer beantragt, ist nicht angezeigt und der entsprechende Antrag wird abgewiesen. Das Gericht hat ausserdem sämtliche Akten des Versicherers sowie alle eingereichten und hinterlegten Belege zu den Akten genommen. Das urteilende Gericht hat sich auf- grund dieser Beweise seine Überzeugung gebildet und geht zweifelsfrei davon aus, dass von der anbegehrten Parteibefragung auch keine neuen, entscheidrelevanten Erkennt- nisse zu erwarten sind bzw. seine Überzeugung durch diese nicht geändert wird, zumal sich der Beschwerdeführer im Rahmen des Verfahrens schriftlich äussern konnte. Dem- zufolge wird der vom Beschwerdeführer diesbezüglich gestellte Beweismittelantrag in antizipierter Beweiswürdigung ebenfalls abgewiesen. Es kann demnach als erstellt gelten, dass es beim Unfall vom 12. Januar 2023 lediglich zu ei ner Kontusion mit vorübergehender Verschlimmerung eines Vorzustandes kam. Entgegen den Darlegungen des Beschwerdeführers erbrachte die Beschwerdegegnerin somit den Nachweis dafür, dass das Ereignis vom 12. Januar 2023 keine Teilursache für die Ruptur des v orderen Kreuzbandes bildete. Damit ist gleichzeitig erstellt, dass diese Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG vorwiegend, d.h. zu mehr als 50% auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Der Beschwerdegegnerin ist der Entlas- tungsbeweis gelungen, w eshalb sie auch von der Leistungspflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG befreit ist. 7. Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt. - 13 - 8. 8.1 Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. fbis ATSG). 8.2 Da der Beschwerdeführer unterliegt, entfällt eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Den im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde obsiegenden Behörden oder mit öffentlich -rechtlichen Aufgab en betrauten Organisationen darf in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen werden (BGE 126 V 143 E. 4; Art. 91 Abs. 3 VVRG). Das Kantonsgericht erkennt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Kosten erhoben noch Parteientschädigungen ausgerichtet. Sitten, 17. September 2024