Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 5. April 2017 (810 16 234) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Regelung der Obhut Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerd eführerin , vertreten durch Stefanie Mathys -Währer , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner Betreff Regelung des Aufenthaltsbestimmungsrechts (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 17. Juni 2016) A. D.____, geboren am XX.XX.2004, ist der Sohn von A.____ und C.____. Die Kindsel- tern leben seit über elf Jahren getrennt. Gemäss Ve rfügung der Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde B.____ (KESB) vom 18. Mai 2015 wurde das gemeinsame Sorgerecht über D.____ beiden Eltern per 1. Juni 2015 zugesprochen. Bis dahin hatte die Kindsmutter das allei- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nige elterliche Sorgerecht über D.____. Mit Entscheid vom 17. August 2015 stellte die KESB fest, dass die Eltern von D.____ sich dahingehend geein igt hätten, dass D.____ bis auf weite- res unter die Obhut des Kindsvaters gestellt werde. D.__ __ wohnt seit Juli 2015 bei seinem Vater und dessen langjährigen Lebensgefährtin E.____ sowie seiner Halbschwester F.____ (geboren am XX.XX.2007; Tochter des Beschwerdegegners und von E.____) und dem Sohn von E.____, G.____ (geboren am XX.XX.2004), in H.___ _ im Kanton I.____. Am 7. Januar 2016 verfügte die KESB, dass D.____ mit seinem und dem Einverständnis der Eltern bis auf weiteres unter der Obhut des Kindsvaters verbleibe. B. Mit Entscheid vom 17. Juni 2016 stellte die KESB fest , dass das Aufenthaltsbestim- mungsrecht gemäss Art. 301a Abs. 1 des Schweizerischen Zivil gesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 über D.____ definitiv beim Kindsvat er verbleibe. Die KESB verfügte weiter, dass das Besuchsrecht zwischen D.____ und seiner Mutter im jetzigen Rahmen bzw. nach ent- sprechender Vereinbarung der Parteien weitergeführt w erde. Bei Problemen in Bezug auf das Besuchsrecht sei die KESB zu informieren. Der Beistand von D.____, J.____, wurde angewie- sen, regelmässigen persönlichen Kontakt mit D.____ zu pfle gen. Die KESB behielt sich vor, weitere Untersuchungen bezüglich Personen im näheren Umfeld von D.____ vorzunehmen. Einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Über die Verfahrenskosten werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. C. Mit Eingabe vom 14. Juli 2016 erhob die Kindsmutter , vertreten durch Stefanie Mathys- Währer, Advokatin, beim Kantonsgericht, Abteilung Ver fassungs- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht), Beschwerde. Sie beantragte, es sei der a ngefochtene Entscheid aufzuheben; es sei der Mutter das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D._ ___ zu erteilen und die Rückführung von D.____ zu seiner Mutter in die Wege zu leiten; e s sei dem Vater ein angemessenes Be- suchs- und Ferienrecht zu erteilen. Eventualiter sei di e Vorinstanz anzuweisen, eine kinderpsy- chologische Abklärung betreffend D.____ in die Wege zu leiten und eine Untersuchung “bezüg- lich der Personen von D.____ vorzunehmen“. Ebenso sei sie anzuweisen, die Erziehungsfähig- keit des Vaters durch eine Fachperson beurteilen zu lassen. Sodann seien die Ergebnisse die- ser Abklärung der Beschwerdeführerin vorzulegen, ihr das rechtliche Gehör zu erteilen und neu zu entscheiden; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Vorinstanz. Es sei der Beschwerde- führerin die unentgeltliche Prozessführung und Verbei ständung zu gewähren. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht stellte sie den Antrag, es sei D.____ per sofort bei der Mutter zu platzieren und der Schulbesuch im Schulkreis des Wohnorts der Mutter zu organisieren. Mit präsidialer Verfügung vom 28. Juli 2016 wies das Ka ntonsgericht den Verfahrensantrag der Beschwerdeführerin betreffend Erlass vorsorglicher Massnahmen ab. In seiner beim Kantonsgericht am 18. August 2016 einge gangenen Stellungnahme beantragte der Kindsvater sinngemäss die Abweisung der Beschwerde un d teilte mit, D.____ wünsche, vom Kantonsgericht angehört zu werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die KESB beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 8. Se ptember 2016 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne, unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. Am 7. November 2016 wurde das Verfahren unter Verwei s auf die Vorverhandlung vom 7. November 2016 bis zum 31. Dezember 2016 oder bis zum Widerruf durch einen der Beteilig- ten sistiert. Anlässlich der am 7. November 2016 im Beisei n der Beschwerdeführerin und ihrer Rechtsvertreterin sowie dem Beschwerdegegner und K.___ _, Präsident der KESB, durchge- führten Vorverhandlung konnte keine Einigung erzielt werden. D. Mit Präsidialverfügung vom 17. Januar 2017 wurde der Fall der Kammer zur Beurtei- lung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen. De s Weiteren wurde verfügt, dass die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner persönlich zur Parteiverhandlung zu erschei- nen hätten. Als Auskunftsperson wurde der Beistand von D .____ geladen. Er wurde überdies aufgefordert, dem Kantonsgericht einen kurzen schriftli chen Bericht über die aktuelle Situation von D.____ einzureichen. Das Gesuch der Beschwerdeführer in um unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung mit Stefanie Mathys-Währer, Advokatin, wurde bewilligt. Die KESB reichte dem Kantonsgericht das Protokoll betre ffend den Besuch der KESB vom 9. Februar 2017 beim Kindsvater, bei D.____ und bei E .____ ein. Am 6. März 2017 ging beim Kantonsgericht der Bericht des Beistandes von D.____ vom 2. März 2017 über die Situation von D.____ ein. Mit Verfügung vom 3. März 2017 wurde die Anhörung von D.____ durch das Gerichtspräsidium auf den 22. März 2017 angesetzt. Mit E-Mail vom 3. März 2017 teilte die Kindsmutter der KESB mit, dass D.____ sie am Tag zu- vor weinend angerufen habe, weil es in der Familie E. ____/C.____ erneut zu häuslicher Gewalt gekommen sei. Aus den Akten geht hervor, dass am späten Abend des 2. März 2017 D.____ einen Streit zwischen seinem Vater und E.____ gehört u nd E.____ nach dem Streit leicht aus der Nase geblutet hat. D.____ rief daraufhin seine M utter an. Die Kindsmutter meldete dies an- schliessend der Polizei, worauf zwei Polizisten zu der Familie E.____/C.____ geschickt wurden. Am 14. März 2017 (siehe Protokoll vom 14. März 2017) bes uchte die KESB D.____ in H.____. D.____ erläuterte beim Besuch, beim Kindsvater bleiben zu wollen. Mit Eingabe vom 20. März 2017 stellte die Beschwerdefü hrerin die Anträge, es sei D.____ per sofort bei der Mutter zu platzieren. Es seien die “Akte n des Polizeieinsatzes bei C.____ vom 2./3. März 2017 bei der Kantonspolizei I.____“ von Amtes wegen beizuziehen. Der Kindsvater nahm mit am 20. März 2017 beim Kantonsg ericht eingegangener Eingabe un- aufgefordert zum vorliegenden Fall Stellung und hielt unter anderem fest, dass die Polizei am 2. März 2017 keine Anzeige gegen ihn erstattet habe, D.____ weiterhin bei ihm leben wolle, die Beschwerdeführerin sehr unzuverlässig und unkooperativ sei sowie Letztgenannte D.____ nicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gut betreut habe. Bei ihm habe D.____ eine Familie und eine gut funktionierende Betreuung, und D.____ habe sich in der Schule gut eingelebt. Am 22. März 2017 fand die Anhörung von D.____ statt, a n welcher D.____ klar und dezidiert erklärte, bei seinem Vater und dessen Familie leben zu wollen. E. An der heutigen Parteiverhandlung haben die Beschwe rdeführerin und ihre Rechtsver- treterin, der Beschwerdegegner, K.____ als Vertreter der Vorinstanz und J.____ als Auskunfts- person teilgenommen. Die Parteien halten an ihren be reits in den Rechtsschriften gestellten Anträgen fest. Auf die Ausführungen der Parteien, von D.____ und dessen Beistand in den ver- schiedenen Eingaben sowie auf diejenigen in der heutig en Verhandlung, wird soweit erforder- lich, in den Urteilserwägungen eingegangen. Die KESB reicht dem Gericht an der Verhandlung das Protokoll des Besuchs der KESB beim Kindsvater und D.____ vom 22. März 2017 ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide d er Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Au fgrund von Art. 440 Abs. 3 ZGB fallen aber auch die Entscheide der Kindesschutzbehörd e darunter (vgl. DANIEL STECK , in: Gei- ser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Art. 360 - 456 ZGB und Art. 14, 14a SchlT ZGB, Basel 2012, Rz 17 ff. zu Art. 450 ZGB). Gestützt auf Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 und § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einfüh- rung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 200 6 ist die Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft für die Beurteilung der vorliegen- den Angelegenheit zuständig. Die Beschwerdeführerin i st gemäss Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Beschwerde legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB in Verbindung mit § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde ein- zutreten. 1.2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwer de Rechtsverletzungen (lit. a), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach verhalts (lit. b) sowie die Unangemes- senheit (lit. c) gerügt werden. Dem Kantonsgericht komm t bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2.1. Die KESB hat mit Entscheid vom 17. Juni 2016 verf ügt, dass das Aufenthaltsbestim- mungsrecht gemäss Art. 301a Abs. 1 ZGB über D.____ definitiv beim Vater verbleibe. 2.2. Am 1. Juli 2014 trat die Revision des ZGB zur elte rlichen Sorge in Kraft. Durch die neuen Bestimmungen wurde die gemeinsame elterliche Sor ge unabhängig vom Zivilstand der Eltern zum Regelfall. Gemäss dem im Rahmen dieser Revision am 1. Juli 2014 in Kraft getrete- nen Art. 301a Abs. 1 ZGB schliesst die elterliche Sorge das Recht ein, den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen. Dieser Absatz stellt klar, dass das neue Aufenthaltsbestimmungsrecht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht untrennbar mit der elterlichen Sorge verbunden ist (Botschaft zu einer Änderung des Schweize- rischen Zivilgesetzbuches [Elterliche Sorge] vom 16. Novemb er 2011, Bundesblatt [BBl] 2011 S. 9077 ff. und 9107). Eine Zuweisung des Aufenthalt sbestimmungsrechts bei gemeinsamer elterlicher Sorge an einen Elternteil ist damit nicht mehr möglich (vgl. zum bisherigen Recht BGE 136 III 35 ff.). Zulässig ist nur noch die Zuweisung der Obhut, welche neu die Befugnis umfasst, mit dem minderjährigen Kind in häuslicher Gem einschaft zu leben und für seine tägli- che Betreuung und Erziehung zu sorgen (bisher faktische Obhut). Vorbehalten ist der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts als Schutzmassnahme wegen Ki ndeswohlgefährdung ge- mäss Art. 310 ZGB (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456 ZGB [Basler Kommentar], 5. Aufl., Basel 2014, Rz 13 zu Art. Art. 301a ZGB). Das Aufenthaltsbestimmungsrecht kann somit nach neuem Recht nur noch im Fall der Kindeswohlgefährdung von der elt erlichen Sorge abgetrennt werden, eine Zuweisung an einen Elternteil bei gemeinsamer elterl icher Sorge ist ausgeschlossen. Folglich steht bei gemeinsamer elterlicher Sorge neu das Aufenth altsbestimmungsrecht beiden Eltern zu, auch wenn das Kind unter der Obhut nur eines Elt ernteils steht (S CHWENZER /C OTTIER , a.a.O., Rz 6a zu Art. 296 ZGB). Gemäss Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Kindesschutzbehörde das Kind den Eltern oder, wenn es sich bei Dritten befinde t, diesen wegzunehmen und in angemes- sener Weise unterzubringen, wenn der Gefährdung des Ki ndes nicht anders begegnet werden kann. 2.3. Hier liegt – was von der KESB übrigens weder beh auptet noch begründet wird – kein Fall von Art. 310 ZGB vor. Damit kommt die Regel zur An wendung, wonach die Zuweisung des Aufenthaltsbestimmungsrechts bei gemeinsamer Sorge an einen Elternteil nicht möglich ist. 2.4. Gemäss Begründung im angefochtenen Entscheid stand z u Recht in keiner Weise zur Diskussion, der Kindsmutter die elterliche Sorge zu entzieh en. Damit ist auch die Zuweisung des Aufenthaltsbestimmungsrechts über D.____ lediglich an den Vater nicht möglich. Die Be- gründung im angefochtenen Entscheid lässt damit nur d en Schluss zu, dass die Obhut und nicht das Aufenthaltsbestimmungsrecht geregelt werden soll te. Demzufolge kann Ziffer 1 des angefochtenen Entscheids der Vorinstanz nur so verstanden we rden, dass die KESB verfügt hat, die Obhut über D.____ verbleibe definitiv beim Vater. 3.1. Wie oben ausgeführt, liegt vorliegend kein Anwend ungsfall von Art. 301a Abs. 1 ZGB vor. Anwendbar ist vielmehr Art. 298d Abs. 2 ZGB. 3.2. Nach Art. 298d Abs. 1 ZGB regelt die Kindesschutzbe hörde auf Begehren eines Eltern- teils, des Kindes oder von Amtes wegen die Zuteilung der elterlichen Sorge neu, wenn dies we- gen wesentlicher Änderung der Verhältnisse zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist. Gemäss Art. 298d Abs. 2 ZGB kann sich die Kindesschutzbehörde auf die Regelung der Obhut, des per- sönlichen Verkehrs oder der Betreuungsanteile beschränken. Die Neuregelung der elterlichen Sorge ist nur möglich bei wesentlicher Änderung der Verhält- nisse und zur Wahrung des Kindeswohls. Ob eine wesentliche Veränderung vorliegt, beurteilt sich aufgrund sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls (Urteile des Bundesgerichts Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5C.34/2006 vom 27. Juni 2006 E. 1.1 mit Hinweis auf A rt. 134 Abs. 1 ZGB; 5A_310/2013 vom 18. Juni 2013 E. 2 mit Hinweis auf den Art. 298a Abs. 2 ZGB in der bis zum 31. Dezember 2013 geltenden Fassung). Die Beurteilung im Lichte des Kind eswohls entspricht derjenigen bei der Regelung des Sorgerechts im Rahmen von Art. 298b ZGB od er in eherechtlichen Verfahren nach Art. 298 ZGB (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_ 310/2013 vom 18. Juni 2013). Die Neu- regelung der Obhut setzt ebenfalls veränderte Verhält nisse voraus und muss zur Wahrung des Kindeswohls notwendig sein (SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., Rz 2 und 5 zu Art. 298d ZGB). 3.3. D.____ lebt seit Juli 2015 bei seinem Vater und dessen Lebenspartnerin. Die KESB verfügte mit Entscheid vom 17. August 2015 und mit Entsch eid vom 7. Januar 2016, dass D.____ bis auf weiteres unter der Obhut des Kindsvaters v erbleibe. Die erste Verfügung war im Einverständnis der Kindeseltern, die zweite Verfügung im Einverständnis der Kindseltern und von D.____ erlassen worden. In der Zwischenzeit hat die Beschwerdeführerin den Antrag ge- stellt, D.____ sei unter ihre Obhut zu stellen und D.__ __ hat sinngemäss den Wunsch geäus- sert, nicht mehr unter die Obhut der Mutter gestellt zu werden. Der Wegfall der Einverständnis- se der Kindsmutter und von D.____ sind im vorliegenden F all als wesentliche Änderung der Verhältnisse zu qualifizieren. Des Weiteren war bis anhin die Obhut “lediglich“ “bis auf weiteres“ geregelt, so dass eine Neubeurteilung der Situation i mplizit auch bereits angekündigt worden war. 4.1. Zu prüfen ist als Nächstes, ob eine allfällige Rückp latzierung von D.____ zur Mutter oder der Verbleib von D.____ unter der Obhut des Kind svaters dem Kindeswohl besser ent- spricht (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 5A_229/2016 vom 29. April 2016 E. 4). 4.2. Das Kindeswohl hat zum Inhalt die nach den konkreten Umständen optimalen Verhält- nisse für die altersgerechte Entfaltung des Kindes in ge istig-psychischer, körperlicher und so- zialer Hinsicht zu ermöglichen (J OHANNES REICH , in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.], Handkommen- tar zum Schweizer Privatrecht, Personen und Familienrech t, 3. Aufl., Zürich 2016, Rz 3 zu Art. 252 ZGB). Bei der Zuteilung des Kindes ist den Bedürfnissen der Ki nder entsprechend ihrem Alter, ihren Neigungen und ihrem Anspruch auf elterliche Fürsorgli chkeit, Zuwendung und Erziehung best- möglich zu entsprechen. Als massgebliche Gesichtspunkte stehe n dabei im Vordergrund die persönlichen Beziehungen der Eltern zu den Kindern, ihr e erzieherischen Fähigkeiten und ihre Bereitschaft, die Kinder in eigener Obhut zu haben un d sie weitgehend persönlich zu betreuen und zu pflegen. Zudem ist dem Bedürfnis der Kinder nac h der für eine harmonische Entfaltung in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht notwen digen Stabilität der Verhältnisse Rech- nung zu tragen (BGE 114 II 200 E. 3 S. 201 f.; 112 II 381 E. 3 S. 382 f.). Bei ungefähr gleicher Erziehungs- und Betreuungsfähigkeit beider Eltern komm t dem letztgenannten Kriterium be- sonderes Gewicht zu (Urteil des Bundesgerichts 5A_246/20 10 vom 9. Juli 2010 E. 4.1). Die Interessen der Eltern haben gegenüber dem Kindeswohl in den Hintergrund zu treten. Ausser Betracht bleiben emotionale Widerstände des einen Elt ernteils gegenüber dem anderen. Gleichwohl ist das Verhältnis zwischen den Eltern bei der Zuteilung der elterlichen Sorge bzw. Obhut von Bedeutung, ist doch im Zweifelsfall demjeni gen Elternteil der Vorzug zu geben, des- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen Bereitschaft grösser ist, dem Kind den Kontakt zum an deren Elternteil zu ermöglichen (Ur- teile des Bundesgerichts 5A_310/2013 vom 18. Juni 2013 E. 4.2; 5A_375/2008 vom 11. August 2008 E. 2). Zu berücksichtigen ist ferner die Stabilität , welche die Weiterführung der bisherigen Regelung für das Kind gegebenenfalls mit sich bringt. W eitere Gesichtspunkte sind die Mög- lichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu betreuen, da s Alter des Kindes, seine Beziehungen zu (Halb- oder Stief-) Geschwistern und seine Einbettun g in ein weiteres soziales Umfeld (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_46/2015 vom 26. Mai 2015 E. 4.4.2 und 4.4.5; 5A_345/2014 vom 4. August 2014 E. 4.2). Auch dem Wunsch des Kindes ist Beachtung zu schenken (BGE 142 III 616 E. 4.3). 5.1. D.____ wird am 15. August 2017 13 Jahre alt. Er wohnt seit Juli 2015 und somit seit knapp zwei Jahren bei seinem Vater und seiner langjähr igen Lebensgefährtin E.____ sowie seiner neunjährigen Halbschwester F.____ und dem Sohn von E.____, G.____, in H.____ im Kanton I.____. L.____, die Tochter von E.____, lebt seit 2014 bei ihrem Vater im Kanton M.____, besucht aber jedes zweite Wochenende die Familie in H.____. Der Beschwerdegegner und E.____ sind seit elf Jahren ein Paar. Der Beschwerd egegner arbeitet Vollzeit bei der N.____ AG in O.____ (Holzverarbeitung) als Stapelfahr er, E.____ arbeitet Teilzeit. Grundsätz- lich arbeitet die Lebensgefährtin des Beschwerdegegners in der Zeit, in der die Kinder in der Schule sind, und betreut in der übrigen Zeit die Kind er. G.____ ist ein halbes Jahr älter als D.____. Aus den verschiedenen Anhörungen und Akten geht hervor, dass D.____ ein gutes Verhältnis zu seiner Halbschwester und den zwei Kindern von E.____ hat. Vor allem mit G.____ versteht er sich gut und unternimmt viel mit ihm. D.____ hatte schulische Probleme. Er hat im Schuljahr 2015/2016 die 4. Klasse wiederholt. Jetzt ist er in der 5. Klasse und fühlt sich in sei- ner Klasse wohl. Seine schulischen Leistungen sind gut. Er ist Klassensprecher und Torwart in der Hockeymannschaft. Anlässlich der Anhörung vor dem Vizeg erichtspräsidenten hat er aus- geführt, dass er sich bei schulischen Fragen an E.____ ode r G.____, der zwei Klassen weiter als er sei, wenden könne. D.____ hat anlässlich der An hörung dezidiert ausgesagt, dass er bei seinem Vater bleiben wolle. Er fühle sich dort wohl. G emäss den verschiedenen Verfügungen und Schriften der KESB äussert sich D.____ seit mindeste ns dem 12. Mai 2016 dahingehend, bei seinem Vater bleiben zu wollen. D.____ erklärt a nlässlich der Anhörung vor dem Vizepräsi- denten, seit einem Jahr immer wieder zu sagen, dass er be i seinem Vater bleiben wolle. D.____s Beistand erklärt hingegen anlässlich der heutige n Verhandlung, dass D.____ ihm ge- genüber erst am letzten Gespräch vor einem Monat zum er sten Mal klar mitgeteilt habe, beim Vater bleiben zu wollen. Vorher habe er sich dahingeh end geäussert, dass er zur Mutter zu- rückkehre, sobald sie wieder gesund sei. Sowohl der Vertr eter der KESB als der Beistand sa- gen aus, dass D.____ in der letzten Zeit viel reifer geworden sei. 5.2. Aus den Akten aber auch aufgrund der Äusserungen d es Beschwerdegegners geht hervor, dass der Beschwerdegegner und E.____ zum Teil he ftig streiten. Gemäss den Aussa- gen des Beschwerdegegners beruhige sich die Situation j eweils schnell wieder. Der Beschwer- degegner führt anlässlich der heutigen Verhandlung au f Frage aus, zwischendurch einmal ein Bier zu trinken, mehr aber nicht. Hätte er wirklich Alko holprobleme, könne er seine Arbeit auch nicht ausführen und er würde wohl nicht seit Jahren bei m gleichen Arbeitgeber arbeiten. Der Beschwerdegegner erläutert, dass er sich an das Sozialbera tungszentrum gewandt habe, um Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dort allenfalls eine Therapie zu machen. Er stelle sich e ine Therapie mit Tieren vor. Er wolle “Sachen“ aus seiner Kindheit verarbeiten zum Wohle sein er Befindlichkeit. Er habe nicht das Gefühl, dass die Probleme aus seiner Kindheit sich negat iv auf die Erziehung bzw. Beziehung mit seinen Kindern und denen von E.____ auswirken würd en. Der Beschwerdegegner erklärt auch, es sei äusserst mühsam, dass die Kindsmutter oft kurz fristig ihre Pläne bezüglich Abhol- und Bringzeit von D.____ und bezüglich Ferien etc. ände re bzw. nicht mitteile, und dass er im- mer wieder Sachen hinterher rennen müsse, wie z.B. de r Identitätskarte von D.____ (vgl. z.B. Schreiben von J.____ an Beschwerdeführerin vom 21. Oktober 2015) oder anderen Unterlagen. Sie seien eine fünfköpfige Familie bzw. wenn L.____ d a sei, eine sechsköpfige Familie. Es er- fordere viel Organisation die Arbeit, die Verpflichtungen der Kinder und alles Übrige unter einen Hut zu bringen. Es erfordere zusätzlich viel Nerven, Kraf t und Organisationsaufwand, wenn die Kindsmutter dann kurzfristig ihre Pläne ändere. 5.3. Anlässlich der heutigen Verhandlung hat der Beist and ausgeführt, seiner Beurteilung nach würden Indizien vorliegen, dass der Beschwerdegegner an einem Alkoholproblem leide. Er befürchte, jenes, was bekannt sei, sei nur die Spitze des Eisbergs. Er erläutert aber, dass es sich dabei um Indizien handle und dass er aufgrund seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit mit Alkoholkranken vorbelastet sei. Ausserdem befürchte er, zw ischen E.____ und dem Beschwer- degegner bestehe eine Co-Abhängigkeit. Das Verhältnis zwischen dem Beschwerdegegner und E.____ habe auch Folgen auf die Kinder. Der Beistand führt anlässlich der Parteiverhandlung auch aus, beim Kindsvater schon “viele Schwankungen“ erle bt zu haben, bei der Kindsmutter hingegen nicht. Des Weiteren könne der Beschwerdegegne r auch sehr heftig reagieren, der Beschwerdegegner habe ihm auch schon gedroht. 5.4. Der Vertreter der KESB führt an der Verhandlun g aus, er habe die Familie des Be- schwerdegegners schon ein paar Mal besucht. Der Beschwerde gegner könne vielleicht auf- brausend sein, er sei aber keinesfalls ein Schlägertyp und E.____ fürchte sich nicht vor ihm und könne klar ihre Meinung kundtun und dafür einstehen. 5.5. Die Kindsmutter erklärt anlässlich der Parteiverhand lung, dass sie vor zwei Jahren gesundheitliche Probleme gehabt habe. Dies sei der Gr und gewesen, weshalb sie damit ein- verstanden gewesen sei, dass D.____ bei ihrem Vater wohne. Nun gehe es ihr aber wieder gut. Sie habe bis Februar 2017 eine Therapie bei einem Psych iater gemacht. Sie sei vorher in einer Klinik gewesen. Sie habe eine Erschöpfungsdepression geh abt. Es sei viel passiert in jener Zeit, auch sei es ihrer Mutter sehr schlecht gegangen. Sie führt weiter aus, arbeitslos zu sein, eine 50%- Stelle zu suchen und bei der Regionalen Ar beitsvermittlungszentrum (RAV) ange- meldet zu sein. Sollte sie eine Stelle finden, würde die Betreuung von D.____ zusätzlich von ihren Eltern und durch den Mittagtisch sichergestellt sei n. Sie habe keinen Führerschein, des- halb müsse sie immer jemanden fragen, der D.____ von u nd nach H.____ fahre. Sie hole D.____ am Freitag ab und bringe ihn am Sonntag zurück. Auf Frage antwortet sie, dass sie zur Zeit nicht kiffe. Das hätte sie sich auch nie leisten könn en, bei der Arbeit die sie gemacht habe. Sie habe 3,5 Jahren mit Drogensüchtigen zusammen gearbeitet. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6. Die Beschwerdeführerin hat seit dem 1. November 2015 einen Vertretungsbeistand mit der Aufgabe, die Beschwerdeführerin in administrativen und finanziellen Angelegenheiten zu unterstützen. Gemäss Schreiben von Dr. med. P.____, Facha rzt Psychiatrie und Psychothera- pie, vom 7. Juni 2016 nahm die Beschwerdeführerin seit dem 12. Januar 2016 regelmässig bei ihm Konsultationstermine wahr. Er beurteilte die Besc hwerdeführerin in seinem Schreiben als voll erziehungsfähig. Eine moderate Familienbegleitun g zur Unterstützung zu Beginn nach der Rückkehr ihres Sohnes erachtete er aber dennoch als sinnvol l. Gemäss heutiger Aussage der Beschwerdeführerin war sie bis Februar 2017 in psychiatr ischer Behandlung. Verschiedene Unterlagen in den Akten legen den Schluss nahe, dass die Beschwerdeführerin bezüglich Be- suchstermine, aber auch anderer Angelegenheiten nicht immer zuverlässig ist. So konnte D.____ die Besuchswochenenden bei seiner Mutter eine Zeit lang nicht in ihrer Wohnung wahr- nehmen, weil ihr der Strom abgestellt worden war, da sie die Rechnung nicht bezahlt hatte (sie- he Protokoll der Anhörung vom 9. Dezember 2015 durch die KESB). Aus diesem Grund fanden die Besuche in jener Zeit bei der in der Zwischenzeit ve rstorbenen Patentante von D.____ (die Schwester der Beschwerdeführerin) statt, zu der D.____ ein enges Verhältnis hatte. Aufgrund der Akten ist anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin zumindest zeitweise gekifft hat (Proto- koll der Anhörung vom 17. Juli 2015), daran ändert auch die heutige Ausführung der Beschwer- deführerin nichts. D.____ hat anlässlich der Anhörung bestätigt, dass die Kindsmutter kiffe. Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin in d er Vergangenheit sicherlich bis zu ei- nem gewissen Grad überfordert gewesen ist (Protokoll der Anhörung vom 17. Juli 2015 der KESB). So geht aus den Akten hervor, dass sie die Behandl ung des Ohrs von D.____ vernach- lässigt hat (siehe z.B. Protokoll der Anhörung vom 17. Ju li 2015 der KESB). Aufgrund der Ver- fahrensakten und der Äusserungen der Beschwerdeführer anlässlich der heutigen Verhandlung ist zu schliessen, dass es der Beschwerdeführerin gesundheit lich wieder gut oder zumindest wieder besser geht. 5.7. Aus den verschiedenen Aussagen von D.____ geht hervo r, dass er beide Elternteile sehr gerne hat und zu beiden Kontakt haben will (vgl. z.B. Bericht des Beistandes vom 2. März 2017). Des Weiteren ist unbestritten, dass D.____ ein seh r enges Verhältnis zu E.____ hat, welche auch sehr gut zu D.____ schaut (vgl. auch Beric ht des Beistandes vom 2. März 2017). D.____ lebt seit knapp zwei Jahren in H.____. Der Kind svater und E.____ sind berufstätig. D.____ hat sich in seiner Klasse gut eingelebt, hat gro sse schulische Fortschritte gemacht (vgl. z.B. Bericht des Beistandes vom 29. Januar 2016) – wobei i hm die Wiederholung der Klasse sicherlich zu Gute gekommen ist –, er erbringt gute schu lische Leistungen und spielt Hockey in einer Mannschaft. Er ist in der Schule und im Sport g ut integriert. D.____ ist im letzten Jahr rei- fer geworden und hat den Wunsch geäussert, bei seinem Vater leben zu wollen. Obwohl für ihn ganz klar und wichtig ist, weiterhin die Besuchswochenenden bei seiner Mutter zu verbringen. Der Kindsvater und E.____ sind seit elf Jahren liiert. Aufgrund der Akten ist davon auszugehen, dass es vorgekommen ist, dass der Beschwerdegegner gegenübe r E.____ tätlich geworden ist (schubsen, Fusstritt, vgl. auch Protokoll der Anhörung vom 4. Februar 2016 der KESB; Ent- scheid der KESB vom 5. Februar 2014) und der Beschwerde gegner gewisse Alkoholprobleme hat (vgl. z.B. Protokoll der Anhörung vom 4. Februar 2016 der KESB). Die Handgreiflichkeiten scheinen, ohne sie zu bagatellisieren, ein gewisses Mass nicht zu überschreiten und haben sich nie gegen die Kinder gerichtet. Aufgrund der Akten ist davon auszugehen, dass die Frage, ob Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Kindsvater und E.____ sich trennen würden, mehrmals im Raum gestanden hat. Dennoch ist festzuhalten, dass die Beziehung schon seit elf Jahre n andauert, zur Zeit immer noch be- steht und bei keiner Beziehung eine Garantie auf Beständigkeit besteht. 5.8. Nach dem Vorfall vom 2. März 2017 hat die Beschwer deführerin den Antrag gestellt, dass die Akten des Polizeieinsatzes vom 2./3. März 2017 bei der Kantonspolizei I.____ einge- holt werden sollen. Wie aus den Akten hervorgeht, han delte es sich um eine Auseinanderset- zung zwischen dem Beschwerdegegner und E.____. Auf Veranlassung der Beschwerdeführerin besuchte die Polizei die Familie des Beschwerdegegners. E ine Anzeige erfolgte nicht. Die KESB hat daraufhin D.____ am 14. März 2017 angehört. D.____ erklärte, es gehe ihm besser als nach dem Vorfall. Er wünsche beim Vater zu bleiben und “die Konflikte mit der Familie aus- arbeiten“. Im Protokoll der KESB über die Anhörung v on D.____ am 22. März 2017 bestätigt D.____, nie von seinem Vater geschlagen worden zu sein. Seine Mutter habe ihn hingegen schon getreten oder geschlagen (siehe z.B. Journal von J.__ __ vom 18. August 2014, in dem von seltenen Ohrfeigen die Rede ist). Aufgrund der Ver fahrensakten (siehe auch E-Mail der Beschwerdeführerin vom 3. März 2017 an die KESB) ist davon auszugehen, dass aus den Poli- zeiakten höchstens zu schliessen wäre, dass an jenem Abend z usätzlich zum verbalen Streit der Beschwerdegegner handgreiflich gegenüber E.____ geworden ist und E.____ leicht aus der Nase geblutet habe. Damit würde sich aus den Polizeiakten nichts ergeben, was nicht bereits aus den Akten geschlossen werden kann, weshalb auf die Be iziehung der Polizeiakten verzich- tet wird und der entsprechende Antrag der Beschwerdeführerin abgelehnt wird. 5.9. Die Beschwerdeführerin hat D.____ die ersten el f Lebensjahren betreut. Die Kindsmut- ter ist zur Zeit arbeitslos und auf Stellensuche. Sie ist in einer Beziehung. Gemäss D.____ mag er den neuen Partner der Mutter. Die Mutter war längere Zeit in psychiatrischer Behandlung (bis Februar 2017) und vorher offenbar bis Ende 2015 in ei ner Klinik. Gemäss ihren eigenen Anga- ben geht es ihr gesundheitlich wieder gut. Aufgrund der Akten scheint die Mutter gewisse Nach- lässigkeiten in der Erziehung von D.____ begangen zu hab en. So scheint sie z.B. das Problem mit dem Ohr von D.____ nicht pflichtgemäss behandelt haben zu lassen. Es ist in den Akten an verschiedener Stelle zu lesen, dass sie D.____ bei den Hau saufgaben nicht geholfen, nicht viel mit ihm unternommen und ihm manchmal auch das Essen nich t zubereitet hat (vgl. z.B. Proto- koll der KESB der Anhörung von D.____ vom 15. Juli 2015 ). Des Weiteren ist aufgrund der Ak- ten davon auszugehen, dass sie des Öfteren nicht zuverlässi g gewesen ist, so z.B. in Bezug auf die Planung von Besuchswochenenden, Ferien, Beibrin gung von Dokumenten, Bezahlung ihrer Stromrechnung. Aus dem Journal von J.____ vom 18. August 2014 geht hervor, dass es zwischen der Kindsmutter und ihrem damaligen Freund imm er wieder laute Streitereien gege- ben hat. Zudem ist die Patentante (Schwester der Beschw erdeführerin), welche die Beschwer- deführerin bei der Betreuung von D.____ sehr unterstü tzte, leider zwischenzeitlich verstorben. Es ist zwar davon auszugehen, dass ein Teil der Probleme der Beschwerdeführerin Folge ihrer gesundheitlichen Situation und ihrer damit einhergeh enden Überforderung war. Wie die Situati- on heute wäre, bleibt jedoch offen. 5.10. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass aufg rund der gesamten Umstände es für D.____ zumutbar wäre, sowohl bei der Mutter als a uch beim Vater zu wohnen. Bei beiden Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Elternteilen zeigen sich gewisse Probleme, jedoch scheinen beide Elternteile ihre elterlichen Pflichten genügend wahrnehmen zu können. Eine Rückkehr von D.____ zur Mutter würde be- deuten, dass D.____ innerhalb von zwei Jahren wieder au s der gewohnten Umgebung und der Schule herausgerissen würde, er nicht mehr mit seiner H albschwester und G.____, welcher für ihn wie ein Stiefbruder ist, und mit E.____, welche eine wichtige Rolle für D.____ innehat, sowie mit seinem Vater den Alltag teilen könnte. Ausserdem i st auch der Wunsch von D.____, beim Vater zu bleiben, aufgrund seiner Reife und seines Alters bei der Entscheidung zu berücksichti- gen. Aus den verschiedenen Unterlagen und Akten kann auch geschlossen werden, dass D.____ nicht bewusst von einem der Elternteile manipuliert wird, so dass sein Wunsch auch als sein eigener gewertet werden kann. In Anbetracht der Kontinuität, welche die Weiterführung der bisherigen Regelung für D.____ mit sich bringt, seiner Beziehung zu seiner Halbschwester und zu G.____, welcher für ihn wie ein Stiefbruder ist, und der guten Integration in der Schule und in seiner Sportmannschaft sowie des entsprechenden Wunsches von D.____ ist die Obhut beim Vater zu belassen. Die Beschwerde ist demzufolge abzuwei sen. Sollte sich die Situation beim Vater unter anderem in Bezug auf allfällige Alkoholp robleme und allfällige Gewalttätigkeit ver- ändern, so wäre die Situation neu zu prüfen. Bei diese m Verfahrensausgang und aufgrund des Zeitablaufs ist der Antrag der Beschwerdeführerin vom 20. März 2017, D.____ per sofort bei der Mutter zu platzieren, obsolet. 6.1. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. 6.2. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsg ericht kostenpflichtig. Vorlie- gend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1‘800.-- der unterliegenden Be- schwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung de r unentgeltlichen Rechtspflege sind die Verfahrenskosten der Gerichtskasse zu überbinden. 6.3. Die Parteikosten sind nach § 21 Abs. 1 VPO wettzusch lagen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin macht in ihrer Honorarnote vom 16. Februar 2017 einen Zeitaufwand für die Zeit vom 13. Juni 2016 bis zum 16. Februar 2017 vo n 17.25 Stunden und Auslagen in der Höhe von Fr. 83.50 geltend. Da die Rechtsvertreterin trotz ausdrücklicher Aufforderung in der Verfügung vom 17. Januar 2017 keine detaillierte Honorarnote eingereicht hat, dem Kantonsge- richt somit keine Überprüfung des getätigten Zeitaufwan ds möglich ist, verzichtet das Kantons- gericht ermessensweise auf die Hinzurechnung von getäti gtem Zeitaufwand ab dem 16. Febru- ar 2017 und erachtet den in der Honorarnote vom 16. Februar 2017 geltend gemachten Auf- wand von 17.25 Stunden für das gesamte kantonsgerichtli che Verfahren als angemessen. Zu- folge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ist der Rechtsvertreterin der Beschwerdefüh- rerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘816.20 (17. 25 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 83.50 und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtskasse auszurichten. 6.4. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘800.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar i n der Höhe von Fr. 3‘816.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin