<h2>SubmittedText<h2><p>Im vergangenen Oktober veröffentlichte die Eidgenössische Ernährungskommission (EEK) einen Bericht zu den gesundheitlichen Aspekten des Fleischkonsums. Dabei kam sie rein aufgrund der statistischen Analyse von diversen Ernährungsstudien zum Schluss, dass für rotes Fleisch und vor allem für Fleischprodukte (verarbeitetes Fleisch) gesundheitlich negative Langzeitwirkungen bestünden. Konkret aufgeführt wurden negative Effekte auf die Sterblichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Formen von Krebs wie Dickdarm- oder Speiseröhrenkrebs sowie Diabetes Typ 2. Die Verfasser des Berichtes konnten dabei keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und den genannten gesundheitlich nachteiligen Wirkungen nachweisen. Vielmehr wurden die möglichen Ursache-Wirkungs-Mechanismen als reine Hypothese, d. h. ohne eindeutigen Nachweis, aufgezeigt. Auch wurden die genannten Risiken jeweils nur in relativer Form angegeben, was eine Abschätzung ihrer absoluten Höhe und damit ihrer tatsächlichen Bedeutung verunmöglicht. Erstaunlich ist zudem, dass die in anderen Studien nachgewiesenen positiven Effekte des Fleischkonsums auf das Vorkommen von Allergien bzw. psychischen Krankheiten unerwähnt blieben. Hinzu kommt, dass im Bericht auch die positiven Wirkungen der in Fleisch vorkommenden Inhaltsstoffe nur unvollständig bzw. nur am Rande wiedergegeben wurden.</p><p>Ich bitte den Bundesrat daher, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche wissenschaftliche Relevanz legt er dem Bericht der EEK zugrunde?</p><p>2. Wie beurteilt er die Tatsache, dass für Erwachsene im Alter von 35 bis 70 Jahren die EEK alleine auf der Basis von statistischen Zusammenhängen schlussfolgert, dass die Empfehlungen zum Verzehr von unverarbeitetem rotem Fleisch eine Beschränkung beinhalten und derjenige von verarbeitetem rotem Fleisch noch einschränkender empfohlen werden sollte?</p><p>3. Wer hat der EEK konkret den Auftrag für die Erstellung des Berichtes zu den gesundheitlichen Aspekten des Fleischkonsums erteilt?</p><p>4. Welche Vollkosten (brutto, netto) hat die Erstellung des Berichtes durch die EEK verursacht?</p><p>5. Gedenkt er, die Empfehlungen der EEK zur Einschränkung des Konsums von rotem Fleisch aufzunehmen? Falls ja, wie will er diese umsetzen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Ziel der Schweizer Ernährungsstrategie ist unter anderem, den Konsumentinnen und Konsumenten verständliche Informationen zur Verfügung zu stellen, damit sie eine bewusste und gesunde Wahl treffen können. Die Basis für solche Informationen über eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung sind aktuelle Analysen und Bewertungen von wissenschaftlichen Studien, wie dies im vorliegenden Fall von der Eidgenössischen Ernährungskommission (EEK) für den Bereich Fleischkonsum gemacht wurde. Ob und wie die Informationen zur gesunden und abwechslungsreichen Ernährung beachtet werden, liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen.</p><p>1. Die EEK hat die aktuellen wissenschaftlichen Studien zu den gesundheitlichen Vor- und Nachteilen des Fleischkonsums gesammelt und ausgewertet. Die Studien aus verschiedenen Ländern decken Untersuchungen bei über 5 Millionen Personen ab, deren Gesundheitszustand teilweise über mehr als 20 Jahre verfolgt wurde. Der Bericht ist eine gute Grundlage, um die aktuellen Ernährungsempfehlungen zu überprüfen und allenfalls zu aktualisieren.</p><p>2. Die im Bericht der EEK zitierten Studien wurden in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. In den Studien wurden allgemein gebräuchliche statistische Methoden angewendet. In der Ernährungsepidemiologie werden die Auswirkungen des Ernährungsverhaltens einer Bevölkerungsgruppe auf den Gesundheitszustand beobachtet und ausgewertet. So wird zum Beispiel das Auftreten einer Krankheit (z. B. Herzinfarkt) bei der Gruppe mit dem höchsten Fleischkonsum verglichen mit dem Auftreten derselben Krankheit bei der Gruppe mit dem tiefsten Fleischkonsum. Dadurch kann erfasst werden, um wie viel grösser das Risiko für diese Krankheit ist, wenn mehr Fleisch gegessen wird. Diese wissenschaftlichen Methoden sind allgemein anerkannt und werden in vielen Bereichen erfolgreich angewendet.</p><p>3. Der Auftrag für den Bericht wurde von der Abteilung Lebensmittelsicherheit des Bundesamtes für Gesundheit erteilt, die heute Teil des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ist. Das BLV erteilt der EEK pro Jahr ein bis zwei Aufträge für das Erstellen eines wissenschaftlichen Berichtes, um sicherzustellen, dass die vom BLV und von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) erarbeiteten und veröffentlichten Ernährungsempfehlungen jederzeit auf dem neuesten Stand der Wissenschaft basieren. Die Berichte der EEK können auf folgender Webseite eingesehen werden: <a href="http://www.blv.admin.ch/themen/04679/05108/05869/index.html?lang=de">http://www.blv.admin.ch/themen/04679/05108/05869/index.html?lang=de</a>.</p><p>4. Die Kosten für den Bericht beliefen sich auf 6250 Franken.</p><p>5. Das zuständige BLV wird prüfen, ob und wie die heute gültigen Ernährungsempfehlungen anzupassen sind. Die im Bericht präsentierten Erkenntnisse, d. h., dass aus Sicht einer bestmöglichen Gesundheit ein reduzierter Fleischkonsum und eine grosse Zurückhaltung bei verarbeitetem Fleisch zu empfehlen sind, sind nicht vollständig neu. Schon heute wird mittels der Lebensmittelpyramide des BLV und der SGE empfohlen, nicht öfters als zwei- bis dreimal pro Woche Fleisch zu essen, und es ist den Konsumentinnen und Konsumenten allgemein bekannt, dass ein übermässiger Konsum von Fleischprodukten (verarbeitetes Fleisch) aus Sicht der Gesundheit nicht zu empfehlen ist. Die Empfehlungen müssen also aufgrund des EEK-Berichtes nicht grundsätzlich überarbeitet werden, kleinere Anpassungen können aber nicht ausgeschlossen werden. Auch in unseren Nachbarländern werden ähnliche Ernährungsempfehlungen an die Bevölkerung abgegeben, die insbesondere vom übermässigen Konsum von fettreichen Fleischprodukten abraten.</p>  Antwort des Bundesrates.