B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-1369/2012 U r t e i l v o m 1 9 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richter Jean-Daniel Dubey, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien 1. R._______, 2. S._______, beide vertreten durch lic. iur. Michael Bessler, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf B._______ und T._______. C-1369/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 9. November 2011 beantragten B._______ (geb. 1988, im Folgenden: Gesuchstellerin/Eingeladene) und T._______ (geb. 1990, im Folgenden: Gesuchsteller/Eingeladener) – ein aus Sri Lanka stam mendes Geschwis- terpaar – bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo ein Schengenv i- sum für die Dauer von 15 Tagen. Als Zweck der beabsichtigten Reise g a- ben sie an, ihre im Kanton St. Gallen wohnhafte Verwandte R ._______ und deren Ehemann S ._______ (im Folgenden: die Gastgeber bzw. B e- schwerdeführer) besuchen und bei dieser Gelegenheit noch einmal ihre hospitalisierte und schwer erkrankte 74 -jährige Grossmutter (recte: Grosstante) sehen zu wollen. Zuvor hatten die Gastgeber entsprechende Einladungsschreiben an die Schweizer Botschaft gerichtet. B. Die schweizerische Vertretung in Colombo verweigerte am 15. November 2011 die Visumerteilung mit der Begründung, es bestünden berechtigte Zweifel an der bekundeten Absicht der Gesuchsteller, nach Ablauf des Vi- sums den Schengenraum wieder fristgerecht zu verlassen. C. Gegen diesen Entscheid liessen die Gastgeber durch ihren Rechtsvertre- ter am 15. Dezember 2011 beim Bundesamt für Migration (BFM) Einspra- che erheben. D. Nachdem die Migrationsbehörde des Kantons St. Gallen bei den Gastge- bern ergänzende Auskünfte eingeholt und an das BFM weitergeleitet ha t- te, wies die Vorinstanz die Einsprache am 3. Februar 2012 ab. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besu chsaufenthalt könne nicht als gesichert betrachtet werden. D ie Gesuchsteller stamm ten aus einer Region, aus welcher als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herr - schenden Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungs druck fest - zustellen sei. Die Eingeladenen seien jung, unverheiratet, kinderlos, und erzielten nur ein geringes Erwerbseinkommen. Im Weitern falle auf, dass sie bei der Schweizervertretung Visa für 15 Aufenthaltstage, bei ihren A r- beitgebern indessen einen dreimonatigen Urlaub beantragt hätten. Es sei daher davon auszugehen, dass ihnen im Heimatland weder besondere berufliche Verpflichtungen noch familiäre Verantwortlichkeiten oblägen, C-1369/2012 Seite 3 die gegebenenfalls Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr bieten kön n- ten. E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 8. März 2012 beantragen die Beschwerd e- führer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzl i- chen Verfügung und die Erteilung von dreimonatigen Besuchervisa an die Gesuchsteller. Eventualiter sei diesen ein Visum mit räumlich auf d ie Schweiz beschränkter Gültigkeit zu erteilen. Dabei lassen sie im Wesen t- lichen vorbringen, die Gesuchsteller hätten in erster Linie ihrer schwer e r- krankten Grossmutter einen letzten Besuch abstatten wollen. Nachdem diese jedoch im Dezember 2011 verstorbe n sei, wolle die Familie nun im Gedenken an die Grossmutter zusammen kommen und Abschied ne h- men. Die Gesuchsteller stammten aus der engeren Region Jaffna, welche in den letzten Jahren im Gegensatz zu anderen tamilisch besiedelten Gebieten in Sri Lanka nicht direkt vom Bürgerkrieg betroffen gewesen sei. Sie lebten in einem Eigenheim und verfügten beide über eine feste A n- stellung mit gutem Einkommen. Die Vorinstanz gehe demnach zu Unrecht davon aus, die Wiederausreise der Eingeladenen nach einem Besuch s- aufenthalt wäre nicht gesichert. Der Eingabe waren Unterlagen aus dem vorinstanzlichen Verfahren be i- gelegt. F. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Mai 2012 spricht sich die Vorinstanz für die Abweisung der Beschwerde aus und hält im Weitern fest, die G e- suchsteller stammten aus dem Norden von Sri Lanka. Erfahrungsgemäss sei das Risiko einer nicht fristgerechten Rückkehr in diesen Teil des La n- des nach wie vor als hoch einzustufen, wie von der Schweizer Vertretung in Colombo regelmässig durchgeführte Rückkehrkontrollen ergeben hät- ten. Die beiden Geschwister seien sehr jung, würden noch keine Verant- wortung für eine eigene Familie tragen und hätten noch keine Auslandrei- se unternommen. In Anbetracht ihres Lohnes, welcher von der Auslan d- vertretung als vergleichsweise gering eingestuft werde, der ständigen Reisebereitschaft sowie der (von den Arbeitgebern) in Aussicht gestellten Möglichkeit einer dreimonatigen Beurlaubung könne in casu auch nicht von aussergewöhnlichen beruflichen Verpflichtungen ausgegangen we r- den. C-1369/2012 Seite 4 G. In ihrer Replik vom 21. Juni 2012 halten die Beschwerdeführer unter Vo r- lage weiterer Beweismittel an ihren Anträgen und deren Begründung vol l- umfänglich fest. Im Weitern bringen sie vor, die Vorinstanz halte es offe n- bar für opportun, wegen "einiger Personen", die i n der Schweiz ein Asy l- gesuch gestellt hätten, die gesamte Bevölkerung aus dem Norden Sri Lankas gegenüber anderen Bewohnern des Landes zu benachteiligen und einer strengeren Visapraxis zu unterstellen. Sie hätten Anspruch dar- auf, dass sie ihr Familienleben pflegen könnten und die Gesuchsteller als Besuch in der Schweiz empfangen dürften, um zusammen eine A b- schiedsfeier für die gemeinsame, in St. Gallen verstorbene Grossmutter durchzuführen. H. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Besch werden gegen Ver- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfü gungen des BFM, mit denen die Erteilung ein es Schengenvisums zu Be - suchszwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun - desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge - richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführer sind gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be - schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). C-1369/2012 Seite 5 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 mit Hinwe i- sen). 3. Der angefochtenen Verfügung liegen die Gesuche von zwei srilankischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen bzw. 15 -tägigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die G e- suchsteller nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen be- rufen können und die beab sichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Auslände r- gesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausfü h- rungsverordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen- Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der genannten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausl änderrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das S chengen-Recht C-1369/2012 Seite 6 schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli - che Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitglie d- staaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. V i- sum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI/TOBIAS D. MEYER, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkomme n- tar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt ber echtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines V isums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti - gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi- gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfü r über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 üb er einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informat i- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausg eschrieben sein und ke i- ne Gefahr für die öffentliche Ordnung, die in nere Sicherheit, die öffentl i-C-1369/2012 Seite 7 che Gesundheit oder die internationalen Bezie hungen eines Mitglie d- staats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer- ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drit t- staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Ge fahr einer rechtswid- rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi- cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusamme n- hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den ge samten Schengen-Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler V erpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschrän k- ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex) . Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Vorau s- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Die Vorinstanz verweigerte die Erteilung de r beantragten Schengen- visa mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wiederau s- reise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 5.2 Wie oben erwähnt, unterlieg en die Gesuchsteller als srilankische Staatsangehörige der Vi sumspflicht (Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einre i-C-1369/2012 Seite 8 sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesiche r- ten Wiederausreise im Vordergrund, welche die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Lage im Heimatland sowie der persönlichen Verhältnisse der Gesuchsteller anzweifelt. Dazu lassen sich in der Regel keine gesiche r- ten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.3 Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Bes u- cherin oder des Besuchers ergeben. Die Wirtschaft Sri La nkas befindet sich im Aufschwung. Im Jahr 2011 b e- lief sich das reale Wirtschaftswachstum auf 8,3 Prozent, das stärkste Wirtschaftswachstum seit 32 Jahren; für 2012 wurde aufgrund notwend i- ger fiskalpolitischer Massnahmen immerhin ein Wachstum von 7 Prozent veranschlagt. Die Arbeitslosigkeit nahm von 4,9 Prozent im Jahr 2010 auf 4,2 Prozent im Jahr 2011 ab, wobei diese Zahlen die Nordprovinz nicht berücksichtigen. Problematisch ist demgegenüber die Jugendarbeitsl o- sigkeit, die sich auf ca. 19 Prozent beläuft ( Quelle: Deutsches Auswärti- ges Amt, http://www.auswaertiges -amt.de, Länderinformationen > Sri Lanka > Wirtschaft, Stand November 2012, besucht im März 2013). Die innenpolitische Situation des Landes wird in erster Linie durch die Werte der singhalesischen M ehrheit bestimmt. Der im Mai 2009 zu Ende g e- gangene Bürgerkrieg hat die Diskussion um eine politische Lösung für den ethnischen Konflikt zwischen den Singhalesen und der sich diskrim i- niert fühlenden tamilischen Minderheit wieder entfacht. Eine solche L ö- sung zeichnet sich allerdings nicht so bald ab, da eine Aufarbeitung des Konflikts und seiner Ursachen bisher nicht stattgefunden hat. Die Siche r- heit von Personen tamilischer Ethnie ist vor allem im Norden und Osten des Landes immer noch gefährdet; Tamilen si nd aber auch in Colombo Übergriffen von Polizei und Sicherheitskräften ausgesetzt (Quelle: Schweizerische Flüchtlingshilfe, http://www.fluechtlingshilfe.ch > He r- kunftsländer > Asien – Pazifik > Sri Lanka > Sri Lanka: Aktuelle Situation, Update von Adrian Schuster, 15. November 2012; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-128/2011 vom 31. Januar 2013 E. 6.1). Vor diesem Hintergrund besteht vielfach ein Wunsch zur Auswanderung, welcher sich besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Person en manifestiert. Ein im Ausland bereits bestehendes, minimales soziales B e- ziehungsnetz aus Verwandten oder Freunden ist zudem ein wichtiges Element, das den Entscheid auszuwandern, erleichtern kann. Es gilt nach C-1369/2012 Seite 9 Möglichkeit zu verhindern, dass Gesuchstelle r ihre Anwesenheit in der Schweiz – entgegen ihrer ursprünglichen Absichtserklärung – dazu nut- zen, ein Asylgesuch einzureichen oder die fristgerechte Wiederausreise auf andere Weise zu umgehen. Die schwierige Lage der tamilischen Min- derheit spiegelt sich i m Übrigen in der schweizerischen Asylstatistik wi e- der. Ihr zufolge stellten Personen aus Sri Lanka noch im Jahr 2010 mit 939 Gesuchen die drittgrösste Gruppe von Asylsuchenden ; im Jahr 2011 halbierte sich die Zahl der Gesuche auf 470, um im Jahr 2012 wiede r leicht anzusteigen auf 494 Gesuche. Ende 2012 befanden sich immerhin noch 3560 Personen aus Sri Lanka im Asylprozess (Quelle: Bundesamt für Migration, http://www.bfm.admin.ch > Dokumentation > Zahlen und Fakten > Asylstatistik > Jahresstatistiken > Komme ntierte Asylstatistik 2010 S. 3 und Kommentierte Asylstatistik 2011 S. 4 sowie > Asylstatistik 2012). 5.4 Auf Beschwerdeebene wird in diesem Zusammenhang vorgebracht, die Berufung auf die Zuwanderung aus der Herkunftsregion der G e- suchsteller sowie der Hinweis auf die in mehreren Fällen gemachten E r- fahrungen sei zu pauschalisiert. So gehe es nicht an, wegen einiger Pe r- sonen, die (mit einem Schengenvisum zu Besuchsaufenthalten in die Schweiz eingereist seien und) hierzulande ein Asylgesuch gestellt hätten, die gesamte Bevölkerung aus dem Norden Sri Lankas gegenüber and e- ren Bewohnern des Landes zu benachteiligen und einer strengeren V i- sumpraxis zu unterstellen. Dazu ist klarzustellen, dass es in der Tat zu schematisch und nicht haltbar wäre, generell und ohne spez ifische Anhaltspunkte, ausschliesslich au f- grund der allgemeinen Lage im Herkunftsland bzw. in der Herkunftsregion auf eine nicht hinreichend gesicherte Wiederausreise zu schliessen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung können jedoch aus der allgemeinen L a- ge im Herkunftsland und der Zuwanderungssituation Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten Wiederausreise gewonnen werden. So können insbesondere Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch und/oder wirtschaftlich vergleichs- weise ungünstigen Verhältnissen darauf hindeuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zei t- lich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 5.5 Bei der Risikoanalyse sind jedoch nicht nur sol ch allgemeine U m- stände und Erfahrungen, sondern auch, wie erwähnt, sämtliche Gesichts- punkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt ei ner g e-C-1369/2012 Seite 10 suchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine beson dere be- rufliche, gesellschaftliche od er familiäre Verantwortung, kann die ser Um- stand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederaus reise be- günstigen. So besteht denn auch für srilankische Staatsangehörige aus den Nord- oder Ostprovinzen durchaus die Möglichkeit, eine Einreiseb e- willigung zu erhalten, sofern deren persönliche Verhältnisse auf eine frist- gerechte Rückkehr ins Heimatland schliessen lassen. Andererseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen h a- ben, das Risiko für ein ausländerrecht lich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Die aus dem Norden Sri Lankas (Provinz Jaffna) und somit fraglos aus einem Krisengebiet (vgl. etwa die Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts C -8834/2010 und C -8885/2010 vom 21. Juni 2011 E. 8.1, C-3149/2009 vom 15. Februar 2010 E. 7.1 sowie insbesondere BVGE 2008/2 E. 7ff. mit weiteren Hinweisen) stammenden Eingeladenen sind 25- bzw. 23-jährig. Beide sind unverheiratet, kinderlos und noch nie ins Ausland gereist. Im Weitern fällt auf, dass die Gesuchsteller in ihren V i- sagesuchen als Dauer des geplanten Aufenthalts lediglich 15 Tage ange- geben haben, obwohl sie sich zuvor von ihren Arbeitgebern für drei M o- nate beurlauben liessen. Gegenüber der kantonal en Migrationsbehörde erklärte die Gastgeberin denn auch explizit, ihre Gäste planten, drei M o- nate in der Schweiz zu bleiben. Entsprechend liessen die Beschwerd e- führer für ihre Gäste je ein dreimonatiges Einreisevisum beantragen. Demgegenüber kann ihr Einwand, sie hätten für ihre Gäste lediglich eine Reiseversicherung für einen Monat abgeschlossen, schon deshalb nicht ausschlaggebend sein, weil sich solche Versicherungen bei Bedarf pro b- lemlos verlängern l assen. Den Gesuchstellern dürften somit im Heimat- land keine familiären Verantwortlichkeiten oder beruflichen Verpflichtu n- gen (vgl. auch E. 6.2 hienach) obliegen, die besondere Gewähr für eine Rückkehr nach Sri Lanka bieten könnten. Tritt hinzu, dass in Situationen angespannter wirtschaftlicher und/oder politscher Verhältnisse selbst z u- rückbleibende nahe Angehörige regelmässig nicht verlässlich davon a b- halten können, den Entschluss für eine Emigration zu fällen. 6.2 Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse bieten keine besondere G e- währ für eine Wiederausreise. Aus den Akten ergibt sich, dass die G e- suchstellerin seit mittlerweile vier Jahren als Lehrerin und ihr Bruder, mit welchem sie zusammen in die Schweiz reisen möchte, seit 2008 als C-1369/2012 Seite 11 Computer-Instruktor angestellt sind. Gemäss den eingereichten Arbeit s- bestätigungen soll Letzterer ein monatliches Gehalt von 15'000 srilank i- schen Rupien, seine Schwester von 10'000 Rupien beziehen, was dem Gegenwert von ungefähr 110 CHF bzw. 75 CHF entspricht. Damit dürften die Eingeladenen – entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh rer – kaum in wirtschaftlich günstigen und privilegierten Verhältnissen leben, die sie verlässlich von einer Emigration abzuhalten vermöchten, zumal sämtliche mit dem Besuchsaufenthalt verbundene Kosten nicht von ihnen selber, sondern vollumfänglich von de n Gastgebern übernommen würden (vgl. Ziff. 33 der Einreisegesuche). Vor diesem Hintergrund müssen die Beteu- erungen auf Beschwerdeebene, wonach genügend Garantien für eine fristgerechte Wiederausreise vorhanden seien, als nicht ausschlagg e- bend bezeichnet werden. Dies umso weniger, als die von der Schweize r- vertretung geäusserten Zweifel am Aufenthaltszweck, die von den B e- schwerdeführern im Verlaufe des Verfahrens nicht ausgeräumt werden konnten, als durchaus begründet erscheinen. 6.3 Vor dem allgemeinen und persö nlichen Hintergrund konnte die Vorin- stanz demnach willkürfrei davon ausgehen, dass keine hinreichende G e- währ für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Eing e- ladenen nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Einschätzung vermögen auch die gegenteiligen Zusicherungen der Gastgeber nichts zu ändern. Als solche können sie mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse finanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufen t- halt, nicht aber für ein bestimmte s Tun oder Unterlassen ihr er Gäste ein- stehen (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Die Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise kann insbesondere nicht durch die Leistung einer finanziellen Sicherstellung oder Kaution, welche die B e- schwerdeführer anbieten, ersetzt werden. 7. Es bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Ausstellung eines V i- sums mit räumlich beschränkter Gültigkeit, wie im Eventualbegehren b e- antragt, vorliegen (vgl. E. 4. 5). Ein solches kann – wie erwähnt – erteilt werden, wenn ein Mitgliedstaat es aus humanitären Gründen, aus Grü n- den des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtu n- gen für erforderlich hält, von den allgemeinen Einreisevoraussetzungen abzuweichen (vgl. E. 4.2 – 4.4). Vorliegend kommt als völkerrechtliche Verpflichtung Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grun d-C-1369/2012 Seite 12 freiheiten (EMRK, SR 0.101) in Frage (vgl. Urteile des Bundesverwa l- tungsgerichts C 3859/2012 vom 4. Januar 2013 E. 7 und C 5587/2010 vom 13. Juli 2012 E. 9.2 und E. 9. 3). Der Anspruch auf Schutz des Fami- lienlebens kommt in erster Linie den Mitgliedern der Kernfamilie (d.h. den Eltern und ihren minderjährigen Kindern) zu; allerdings können auch a n- dere verwandtschaftliche Beziehungen unter dem Schutz dieser Garantie stehen (vgl. JENS MEYER-LADEWIG, EMRK Handkommentar, 3. Aufl., B a- den-Baden 2011, N 48 50 zu Art. 8; JULIANE PÄTZOLD, in: Ka r- penstein/Mayer, EMRK Kommentar, München 2012, N 50 zu Art. 8). In casu erscheint jedoch die familiäre Beziehung der Beschwerdeführer zu den Eingeladenen , bei denen es sich um die Kinder der Cousine der Gastgeberin handeln soll, nicht derart eng, dass der Schutzbereich des Familienlebens tangiert wäre. Insofern verletzt die Schweiz ihre völke r- rechtlichen Verpflichtungen nicht, wenn sie den Gesuchstellern die Ei n- reise in die Schweiz nicht gestattet. Durch diese Verweigerung wird der persönliche Kontakt zwischen den Beschwerdeführern und den Eingel a- denen nicht verunmöglicht, da die Beschwerdeführerin laut eigenen A n- gaben ihre (entfernten) Verw andten in der Vergangenheit schon "viele Male" im Herkunftsstaat treffen konnte (vgl. den von ihr ausgefüllten ka n- tonalen Fragebogen) und überdies die modernen Kommunikationsmittel das fehlende direkte Beisammensein zu kompensieren vermögen. Der Wunsch der Betroffenen, eine gemeinsame Abschiedsfeier für die Ende 2011 in St. Gallen verstorbene Grossmutter bzw. Grosstante durchzufü h- ren, ist zwar verständlich, kann jedoch nach dem Gesagten nicht en t- scheidwesentlich sein. Insgesamt können die geltend gemachten privaten Interessen im vorli e- genden Fall das öffentliche Interesse an der Einhaltung der Einreisevo r- schriften nicht überwiegen. Die Ausstellung von Visa mit räumlich b e- schränkter Gültigkeit aufgrund von völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz kommt daher nicht in Frage. Auch sind keine humanitären Grün- de ersichtlich, welche die Ausstellung solcher Visa erlauben würden. 8. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerd e ist daher abzuweisen. 9. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens werden die unterliegenden Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahren s-C-1369/2012 Seite 13 kosten sind auf Fr. 800. - festzusetzen (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden den Beschwerdeführern auf- erlegt. Sie werden mit dem am 16. April 2012 geleisteten Kostenvo r- schuss gleicher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. ZEMIS […] und […] retour) – das Migrationsamt des Kantons St. Gallen Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: