B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2767/2014 U r t e i l v o m 7 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des BFM vom 13. Mai 2014 / N (…). D-2767/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer gelangte am 20. August 2000 erstmals in die Schweiz und suchte um Asyl nach. Dieses Gesuch wurde mit Verfügung des BFM vom 11. September 2001 abgelehnt. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. B. Am 17. Oktober 2005 stellte der Beschwerdeführer erneut ein Asylg e- such, welches das BFM mit Verfügung vom 15. Juni 2007 ablehnte. Eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wurde durch Ur teil des Bundesverwaltungsgerichts D-4902/2007 vom 21. Januar 2008 abgewi e- sen. C. Auf ein am 19. Januar 2008 gestelltes drittes Asylgesuch trat das BFM wegen Nichtbezahlung des Gebührenvorschusses mit Verfügung vom 23. April 2008 nicht ein. Auf eine dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Entscheid des Bundesverwaltungsge richts D-3460/2008 vom 1. Juli 2008 nicht eingetreten, da der Kostenvorschuss nicht geleistet wurde. D. Am 19. Juni 2012 stellte der Beschwerdeführer ein viertes Asylgesuch und berief sich dabei unter Einreichung diverser Fotos und einer Mitgli e- derkarte der Demokratischen Vereinigung für Flüchtlinge (DVF) auf eine Intensivierung seiner exilpolitischen Aktivitäten. E. Mit Eingaben vom 25. Juli 2013 respektive 12. Dezember 2013 wurden weitere Beweismittel eingereicht. F. Mit Verfügung vom 13. Mai 2014 (Eröffnung am 14. Mai 2014) trat das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Infolge Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs wurde jedoch eine vorläufige Aufnahme angeordnet. G. Mit Eingabe vom 21. Mai 2014 focht der Beschwerdeführer diese Verf ü- gung beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte die Aufhebung D-2767/2014 Seite 3 der Dispositivziffer 1 der angefochtenen Verfügung, verbunden mit der Anweisung an die Vorinstanz, auf das Asylgesuch einzutreten. H. Mit Zwischenverfügung vom 26. Mai 2014 wurde der Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses aufgefordert. Während laufender Frist ersuchte er am 10. Juni 2014 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und reichte eine Fürsorgebestätigung zu den Akten. Mit Zwischenverfügung vom 13. Juni 2014 wurde dieses Ersuchen gutg e- heissen und die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. I. In seiner Vernehmlassung vom 20. Juni 2014 hielt das BFM an seinen bisherigen Ausführungen fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 24. Juni 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG , dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Be - schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein D-2767/2014 Seite 4 schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Der Prozessgegenstand beschränkt sich auf den Nichteintreten s- punkt, zumal die Wegweisung sowie die vorläufige Aufnahme nicht ang e- fochten wurden. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens ) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG wurde per 1. Februar 2014 aufgehoben. Gemäss den Übergangsbestimmungen gilt b ei Wiedererwägungs - und Mehrfachgesuchen für die am 1. Februar 2014 hängigen Verfahren – und somit auch im vorliegenden Fall – jedoch noch bisheriges Recht (vgl. Abs. 2 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 zum AsylG, AS 2013 4387). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über prüfen, ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzl ich auf die Frage beschränkt , ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5 S. 116). Demnach enthält sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen materiellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entsche i- dung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73 m.w.H.). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein viertes Gesuch damit, dass er sich seit September 2005 in der DVF engagiere. Auch in jüngster Zeit h a- be er an zahlreichen Aktionen gegen das iranische Regime teilgeno m- men. Anlässlich dieser Demonstrationen seien Fotos erstellt worden, die im Internet aufgeschaltet worden seien. Er sei mittlerweile Kantonsve r- antwortlicher der DVF für den Kanton (…) und arbeite in dieser Funktion eng mit dem Exekutivkomitee der DVF zusammen. Im Zuge der Umstü r-D-2767/2014 Seite 5 ze in Ägypten und Tunesien hätten die iranischen Behörden ihr Vorgehen gegen Regimekritiker verschärft, was aus Berichten verschiedener Me n- schenrechtsorganisationen he rvorgehe. Die iranische Regierung habe kürzlich eine sogenannte " Cyber Police Unit" geschaffen, welche mit der Überwachung der Verbreitung von Spionage und Aufruf über das Internet betraut worden sei. Im Februar 2011 sei das Upper Tribunal des Vereinig- ten Königreiches zum Schluss gekommen, dass die iranischen Behörden gezielt und systematisch Teilnehmer an exilpolitischen Kundgebungen zu identifizieren versuchen würden. Das gelte selbst für Demonstrationstei l- nehmer, welche aus opportunistischen Gründen akti v würden. Zu de m- selben Ergebnis sei der Europäische Gericht shof für Menschenrechte (EGMR) gelangt und auch der UN-Anti-Folterausschuss habe in einem ein DVF -Mitglied betreffenden Entscheid die gravierende Mensche n- rechtslage im Iran unterstrichen. Die Schw eizerische Flüchtlingshilfe (SFH) habe in ihrer Analyse vom 16. November 2010 festgehalten, dass politische Aktivitäten für regimefeindliche Organisationen strafbar seien und öffentliche Demonstrationen behördlich observiert würden. Die dabei erstellten Fo tografien würden am Flughafen zur Identifizierung von im Ausland lebenden Iranern verwendet. Am 18. August 2011 habe die SFH von zwei abgewiesenen Asylbewerbern berichtet, die im Ausland an D e- monstrationen teilgenommen hätten und im Iran erheblich verfolgt worden seien. Bereits die illegale Ausreise und das Stellen eines Asylgesuchs würden ausreichen, um bestraft zu werden. Rückkehrende Asylbewerber würden festgehalten und befragt. Würden dabei regimeschädliche Aktivi- täten zum Vorschein kommen, würden sie entsprechend bestraft. G e- mäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei auf Ges u- che wie das vorliegende in der Regel einzutreten. Es sei davon auszug e- hen, dass die iranischen Behörden von den Aktivitäten des Beschwerd e- führers Kenntnis hätten. Sp ätestens anlässlich der Verhöre bei einer Rückkehr würden sie davon erfahren, und der Beschwerdeführer hätte mit einer harten Bestrafung zu rechnen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer folgende Dokumente ein: - eine Zusammenstellung seiner exilpolitischen Aktivitäten; - eine Kopie seiner Mitgliederkarte der DVF; - zwei Fotos und ein Flugblatt einer Demonstration in X._______ vom (…) 2008; - zwei Fotos und zwei Flugblätter einer Kundgebung vom (…) 2008 in Y ._______; D-2767/2014 Seite 6 - zwei Fotos und ein Flugblatt einer Veranstaltung vom (…) 2009 in Y ._______; - ein Foto einer Protestaktion gegen die Wiederwahl Ahmadine d- schads vom (…) 2009 in Z._______; - zwei Fotos, zwei Flugblätter sowie eine Videoaufnahme einer Kundgebung vom (…) 2012 in Z._______; - zwei Fotos sowie zwei Flugblätter einer Demonstration vom (…) 2012 in Z._______; - zwei Fotos sowie ein arabisches und ein deutsches Flugblatt einer Demonstration in Y ._______ vom (…) 2012; - zwei Fotos sowie zwei Flugblätter einer Demonstration vom (…) 2012 in Y ._______; - zwei Fotos sowie zwei Flugblätter einer Kundgebung in Z._______ vom (…) 2012; - zwei Fotos sowie zwei Flugblätter einer Demonstration in Z._______ vom (…) 2012; - zwei Fotos und zwei Flugblätter einer Kundgebung vom (…) 2012 in Z._______; - zwei Fo tos sowie ein Flugblatt eine r Demonstration in X._______ am (…) 2012; - zwei Fotos und ein Flugblatt einer Kundgebung vom (…) 2012 in X._______; - zwei Fotos und ein Flugblatt einer Kundgebung vom (…) 2013; - zwei Fotos sowie ein Flugblatt ein er Demonstration in Z._______ vom (…) 2013; - zwei Fotos und drei Flugblätter einer Kundgebung in Z._______ vom (…) 2013; - ein Foto und ein Flugblatt einer Unterschriftensammlung in W._______ vom (…) 2013 (das Foto sei auch in der Monatszei t- schrift der DVF [nachfolgend: Monatszeitung] , die online abrufbar sei, abgedruckt worden); - zwei Fotos und zwei Flugblätter einer Kundgebung vom (…) 2013 in Z._______; D-2767/2014 Seite 7 - zwei Fotos und zwei Flugblätter einer Kundgebung vom (…) 2013 in X._______; - die (…) 2013 Ausgab e der Monatszeit ung, in welcher der B e- schwerdeführer mit vollständigem Namen und Telefonnummer als Repräsentant der DVF für den Kanton (…) genannt werde, - ein Bestätigungsschreiben des Präsidenten der DVF vom (…) 2013. 4.2 Das BFM begründete seine Verfügung d amit, dass aufgrund der u m- fangreichen Eingaben des Beschwerdeführers der Sachverhalt als erstellt gelten könne, wodurch eine Anhörung des Beschwerdeführers nicht a n- gezeigt sei. Obwohl bekannt sei, dass die iranischen Behörden die polit i- schen Aktivitäten ih rer Staatsangehörigen im Ausland überwachen wür- den, gehe die Praxis der schweizerischen Asylbehörden davon aus, dass sich die Überwachungsbemühungen auf Personen konzentrieren würden, die aufgrund ihrer Tätigkeit und Funktion als ersthafte und potentiell g e- fährliche Regimegegner wahrgenommen würden . Darunter fielen etwa Personen in exponierter Kaderstellung von politisch tätigen Exilorganis a- tionen. An dieser Einschätzung hätten die Umstürze in Nordafrika und in der arabischen Welt seit dem Jahre 2011 nichts geändert. Ferner vermö- ge das blosse Einreichen eines Asylgesuchs keine subjektiven Nac h- fluchtgründe zu setzen. Aus den eingereichten Beweismitteln ergebe sich offenkundig kein derart herausragendes Profil, welches den Beschwerd e- führer als konkrete Bedrohu ng für das iranische Regime erscheinen lies- se. Die Aktivitäten des Beschwerdeführers (einfache Teilnahme an D e- monstrationen und Mitgliedschaft in einer exilpolitischen Vereinigung) seien vergleichbar mit denjenigen einer Vielzahl von Iranern in der Schweiz, wodurch er sich nicht von diesen abhebe. Den eingereichten Beweismitteln sei nicht zu entnehmen, dass er sich an den Demonstrat i- onen besonders und über das Mass der anderen Teilnehmer hinaus e x- poniere oder eine in der Öffentlichkeit herausgehobene Führun gsposition innehabe. Er werde auf den Bildern auch nicht namentlich erwähnt. Es sei daher nicht nachvollziehbar, inwiefern die blosse Erkennbarkeit auf den Fotos zu einem Bekanntwerden seiner Identität führe sollte. Schliess- lich werde er auch auf den einge reichten Flugblättern nicht namentlich erwähnt. An dieser Einschätzung vermöge auch die Funktion als An- sprechperson der DVF für den Kanton (…) nichts zu ändern, da sich di e- se Funktion auf parteiinterne Aufgaben beschränke und er sich dadurch öffentlich nicht stark exponiere. Im Übrigen habe der Name ausser in der in Papierform eingereichten Monatszeitung der DVF auf der Homepage der Vereinigung nicht gefunden werden können. Die exilpolitischen Aktivi-D-2767/2014 Seite 8 täten seien daher nicht geeignet, ihn als eine Person mit klar definierten oppositionspolitischen Vorstellungen und persönlichem Agitationspotenzi- al erscheinen zu lassen, welche zu einer Gefahr für das iranische Regime werden könnte. Bei einer Rückkehr würde ihm daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine fl üchtlingsrechtliche Verfolgung drohen, zumal davon ausgegangen werden könne, dass er vor seiner Ausreise im Iran nicht behördlich verfolgt worden sei und nicht als staatsgefährdender P o- litaktivist fichiert gewesen sei. 4.3 Diesen Ausführungen wurde in der Besc hwerdeschrift entgegnet, dass die Prüfung, ob Hinweise vorliegen würden, die geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, unter Berücksichtigung des lände r- spezifischen und personenbezogenen Kontexts in konkreter Einzelfallprü- fung zu erfolgen ha be. Dabei komme ein gegenüber der Glaubhaftm a- chung reduziertes Beweismass zur Anwendung. Bereits die veränderte Menschenrechtslage im Iran würde eine genauere Prüfung des Gesuchs gebieten. So gehe auch das Bundesverwaltungsgericht in seiner Rech t- sprechung davon aus, dass sich die Sicherheitslage für iranische R e- gimekritiker vor dem Hintergrund der Wahlen 2009 massiv verschlechtert habe und die staatliche Überwachung von Dissidenten im Ausland unter Einsatz modernster Technologie intensiviert worden sei. Der Beschwerde- führer habe sein exilpolitisches Engagement seit Abschluss des letzten Verfahrens nicht nur in quantitativer, sondern auch in qualitativer Hinsicht gesteigert. So ergebe sich aus den eingereichten Fotos das Bild eines engagierten Aktivisten und die Bilder seien im Internet und eines davon in der Monatszeitschrift der DVF veröffentlicht worden. Er sei überdies Ka n- tonsverantwortlicher der DVF und in dieser Funktion in der Monatszeitung mit Name sowie Telefonnummer genannt. Entgegen der Ansicht des BFM seien diese Angaben im Internet unter (…) abrufbar. Gemäss Bestät i- gungsschreiben des Präsidenten der DVF sei er ein sehr aktives Mitglied. In den monatlich stattfindenden Sitzungen der Kantonsverantwortlichen zusammen mit dem E xekutivkomitee bringe der Beschwerdeführer seine Meinung ein und bestimme mit, zu welchen Themen sich die Vereinigung äussere und wie sie öffentlich in Erscheinung trete. Er stehe dabei im e n- gen Kontakt mit dem Exekutivkomitee und den übrigen Kantonsveran t- wortlichen und sei Ansprechperson für die Mitglieder im Kanton (…). Da- durch nehme er eine wichtige Stellung innerhalb der DVF ein und sei durch seine namentliche Nennung in der Monatszeitschrift stark öffentlich exponiert. Es könne davon ausgegangen werden , dass die iranischen Behörden im Zuge der intensivierten Überwachung Kenntnis vom B e- schwerdeführer und seiner Tätigkeit erlangt hätten. D-2767/2014 Seite 9 Als Beweismittel wurden die Ausgaben (…) 2014 sowie die (…) 2013 der Monatszeitung eingereicht, in welche n der Beschwerdeführer jeweils als Kantonsverantwortlicher aufgeführt ist. 5. 5.1 Gemäss aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG wird auf ein Asylgesuch unter anderem dann nicht eingetreten , wenn die asylsuchende Person in der Schweiz bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat , ausser es gebe Hinweise, in der Zwischenzeit seien Ereignisse eingetreten, die g e- eignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. Bei dieser Prüfung sind nur Ereignisse als rele vant zu erkennen, welche die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen ve r- mögen, wobei die diesbezüglichen Hinweise jedoch nur einem tiefen B e- weismass genügen müssen, damit ein Nichteintretensentscheid in A n- wendung von aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG ausser Betracht fällt (vgl. dazu BVGE 2009/53 E. 4.2). 5.2 Der Beschwerdeführer hat in der Schweiz bereits drei Asylverfahren erfolglos durchlaufen (vgl. dazu die Ausführungen im Sachverhalt A bis C). Das formelle Erfordernis des Nichteintretensgrundes ist damit erfüllt. 5.3 Es bleibt zu prüfen, ob Hinweise vorliegen, wonach seit Abschluss des dritten Asylverfahrens – mithin seit dem 1. Juli 2008 – bedeutsame Ereignisse eingetreten sind, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu begründen, oder die für die Gewährung des vorübergehenden Schutzes relevant sind. 5.4 Dabei erweisen sich die Ausführungen in der Beschwerdeschrift im Ergebnis weitgehend als zutreffend. Im Rahmen einer einzelfallbezog e- nen Würdigung des länder - und personenspe zifischen Kontexts ist das Vorliegen von Hinweisen, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, zu bejahen. So weist der Beschwerdeführer zu Recht auf e i- ne seit Abschluss des drit ten Asylverfahrens eingetretene Verschärfung der Lage für exilpolitisch aktive Asylbewerber hin. Obwohl in Überei n- stimmung mit der Ansicht der Vorinstanz, die durch zahlreiche Fotos d o- kumentierte Teilnahme an Demonstrationen als massentypisches Verha l- ten zu erachten ist, welches für sich alleine zur Begründung subje ktiver Nachfluchtgründe nicht ausreicht, hat der Beschwerdeführer durch seine Funktion als Kantonsverantwortlicher eine zusätzliche Komponente g e-D-2767/2014 Seite 10 setzt, welche sein exilpolitisches Engagement auch in qualitativer Weise verändert haben könnte. Ungeachtet der Frage, ob das Verhalten des Beschwerdeführers bei genauerer Prüfung die Flüchtlingseigenschaft zu begründen vermag, kann das Vorliegen von nicht zum Vornherein als haltlos zu qualifizierenden Hinweisen auf zwischenzeitlich eingetretene Ereignisse, welche geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begrü n- den, nicht verneint werden. Deshalb fällt die Möglichkeit, in Anwendung von aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG einen Nichteintretensentscheid zu tre f- fen, ausser Betracht (vgl. dazu das in einem ähnlichen Fall ergangene Ur- teil D-4690/2013 vom 8. April 2014 E. 4.3). 5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz wegen Vorliegens von Hinweisen auf Verfolgung zu Unrecht auf das erneute Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 19. Juni 2012 in Anwendung von aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nicht eingetreten ist. Damit hat das BFM Bundesrecht verletzt. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, die angefochtene Verf ü- gung vom 13. Mai 2014 in Bezug auf die Dispositivziffer 1 (Nichteintreten auf das Asylgesuch) aufzuheben und die Sa che im Sinne der Erwägu n- gen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 7. Dem rechtlich verbeiständeten Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Re g- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschäd i- gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspr e- chen. Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu zi e- henden Bemessungsfaktoren (Art. 9-11 und 13 VGKE) i st dem Be - schwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 875.– (inkl. Auslagen und allfällige Mehrwertsteuer) zuzu- sprechen. D-2767/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Ziffer 1 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 13. Mai 2014 wird aufgehoben und die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 875.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: