B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2848/2018 U r t e i l v o m 1 4 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Monika Böckle, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 13. April 2018 / N (…). D-2848/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie, gelangte eigenen Angaben zufolge am 14. November 2015 in die Schweiz, wo er am 15. November 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Am 23. November 2015 wurde er zu sei- ner Person und zum Reiseweg befragt (Befragung zur Person [BzP]). Ge- mäss Aktennotiz der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliche Akten act. A6) wurde diese Befragung aufgrund der enorm hohen Belegung im EVZ stark ver- kürzt durchgeführt, weshalb die Gesuchsgründe nicht erfragt wurden. B. Am 19. August 2016 ersuchte die damalige Rechtsvertreterin des Be- schwerdeführers im Verfahren seines Partners unter anderem um Koordi- nation der beiden Verfahren (vgl. vorinstanzliche Akten N … act. A20). C. C.a Mit Eingabe vom 14. September 2016 informierte die damalige Rechtsver- treterin die Vorinstanz darüber, dass sie das Mandat des Beschwerdefüh- rers übernommen habe. Gleichzeitig ersuchte sie um einen Kantonswech- sel in den Kanton C._______ sowie um Zusammenlegung der Verfahren des Beschwerdeführers und seines Partners. Dabei wurde ausgeführt, die beiden seien seit langem ein Paar. Sie hätten sich in Syrien kennengelernt und verliebt. Die Beziehung hätten sie vor den Familien geheim gehalten. Sie seien gemeinsam aus Syrien ausgereist und hätten sich bis zur unter- schiedlichen Kantonszuweisung immer zusammen aufgehalten. Auch jetzt stünden sie in stetem Kontakt. Bei ihren BzP hätten sich die beiden nicht getraut, ihre Homosexualität offenzulegen. Der Partner des Beschwerde- führers habe zudem angegeben, mit einer Frau verlobt zu sein. Zu dieser Angabe sei er von seiner Familie aufgefordert worden, damit diese Frau später einmal nachgezogen werden könne. Der Beschwerdeführer und sein Partner würden eine gelebte Familiengemeinschaft im Sinne von Art. 8 EMRK bilden und eine eheähnliche Beziehung führen. Sie seien gegen ihren Willen in unterschiedlichen Kanton en untergebracht worden. Die räumliche Trennung bedeute für sie eine enorme Belastung. Sie möchte n deshalb gemeinsam im Kanton C._______ leben. Sie würden eine andau- ernde, gefestigte Partnerschaft führen und könnten sich vorstellen, sich künftig in der Schweiz als Partner eintragen zu lassen. Allerdings würden D-2848/2018 Seite 3 sie sich davor fürchten, dass die Familie des Partners des Beschwerdefüh- rers davon erfahren könnte. Als Beweismittel wurden mehrere Fotografien eingereicht, die das Paar zusammen zeigen. C.b Mit Schreiben vom 21. September 2016 informierte die Vorinstanz den Be- schwerdeführer darüber, dass sein Gesuch um Kantonswechsel an die be- troffenen Kantone weitergeleitet werde. Das SEM gehe aufgrund einer vor- frageweisen Prüfung davon aus, dass weder ein Anspruch auf Einheit der Familie noch eine schwerwiegende Gefährdung vorliege. Der Beschwer- deführer und sein Partner würden nicht unter den Familienbegriff im Sinne von Art. 1a Bst. e der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) fallen, da sie ihre Partnerschaft (noch) nicht hätten eintragen las- sen und gleichgeschlechtliche Paar nicht unter den Begriff des Konkubi- nats fallen würden. C.c Während sich der Kanton D._______ am 22. September 2016 mit dem Kantonswechsel einverstanden erklärte, beantragte der Kanton C._______ mit Schreiben vom 26. September 2016 die Abweisung des Gesuchs. Als Begründung wurde angeführt, es würden vorliegend keine ausserordentli- chen Gründe geltend gemacht und es gebe keinen Grundsatz auf Einheit der Familie, der eine Gutheissung rechtfertigen würde. C.d Am 29. September 2016 nahm der Beschwerdeführer zu m Schreiben der Vorinstanz Stellung und führte an, es treffe zwar zu, dass er und sein Part- ner nicht unter den Begriff des Konkubinats fallen, jedoch sei in Art. 1a Bst. e AsylV 1 nicht von Konkubinat die Rede, sondern von in dauernder ehe- ähnlicher Gemeinschaft zusammenlebenden Personen, welche Ehegatten gleichgestellt werden. Ob eine solche eheähnliche Beziehung vorliege, sei unter Würdigung aller massgebenden Umstände des Zusammenlebens zu beurteilen. Stelle man sich auf den Standpunkt, in einer dauerhaften Be- ziehung stehende homosexuelle Paare würden nicht unter den Begriff der eheähnlichen Gemeinschaft fallen und somit nicht dem Grundsatz der Ein- heit der Familie unterstellt, wäre dies eine ungerechtfertigte Diskriminie- rung und ein Verstoss gegen Art. 8 Abs. 2 BV. Ferner falle ihre Beziehung unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK. Schliesslich würden sie sich derzeit beim Zivilstandsamt K._______ über die Voraussetzungen des Vor- bereitungsverfahrens für die eingetragene Partnerschaft erkundigen. Da D-2848/2018 Seite 4 der Beschwerdeführer keine syrische Identitätskarte besitze, sei dies nicht ganz einfach. C.e Am 28. Oktober 2016 informiert der Beschwerdeführer die Vorinstanz dar- über, dass das Vorbereitungsverfahren für die Eintragung der Partner- schaft inzwischen eingeleitet worden sei. C.f Mit Verfügung vom 22. Dezember 2016 lehnte das SEM das Kantonswech- selgesuch vom 14. September 2016 ab. Zur Begründung führte die Vo- rinstanz im Wesentlichen an, der Beschwerdeführer und sein Partner wür- den zwar unter den Familienbegriff im Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV 1 fallen, allerdings sei ihre Beziehung nicht als gefestigt und mit Blick auf den Kantonswechsel anspruchsbegründende Lebensgemeinschaft zu qualifi- zieren. So hätten sie keine konkrete Beziehungsdauer genannt, gemäss Aktenlage stehe jedoch fest, dass sie i m Heimatland nicht in einem ge- meinsamen Haushalt zusammenlebten, sondern mit Familienangehörigen zusammenwohnten. Es könne auch angenommen werden, dass sie in fi- nanzieller Hinsicht – soweit notwendig – innerfamiliär unterstützt worden seien. Somit würden keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass bereits im Heimatland eine gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit vorgelegen habe. Andere konkrete gegenseitige Verpflichtungen und Unterstützungen, welche über freundschaftliche Dienste hinausgehen, seien nicht bekannt. Anzuerkennen gelte, dass das Paar zumindest die gemeinsame Herkunft und die gemeinsame Flucht als Schicksalsgemeinschaft teilte. Dies ver- möge jedoch nicht zu rechtfertigen, dass die Beziehung eine bereits ü ber eine Liebes- und Freundschaftsbeziehung hinausgehende Qualität erreicht hätte. Es könne somit festgehalten werden, dass sie das Bestehen einer schützenswerten gefestigten Lebensgemeinschaft nicht hinreichend dar- gelegt hätten. Daran würde auch die Einleitung eines Vorbereitungsverfah- rens zur Eintragung der Partnerschaft nichts ändern. Ihnen könne zugemu- tet werden, den Ausgang des laufenden Vorbereitungsverfahrens in ihren aktuellen Zuweisungskantonen abzuwarten. Dem Einwand der Rechtsver- tretung, wonach das Paar gegenüber einem heterosexuellen Paar bei einer Verweigerung des Kantonswechsels fortgesetzt diskriminiert würde, könne nicht gefolgt werden, zumal die Kriterien für die Anerkennung einer gefes- tigten Lebensgemeinschaft bei einem heterosexuellen Paar gleichermas- sen anzuwenden seien. Da das Paar im Heimatland nicht zusammengelebt habe, werde ihm durch die Verweigerung des Kantonswechsels nicht die Weiterführung einer bisher gelebten Wohngemeinschaft verwehrt. Somit D-2848/2018 Seite 5 setze der Kantonswechsel die Zustimmung beider betroffener Kantone vo- raus, welche nicht vorliege. Das Gesuch sei somit abzuweisen. C.g Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 5. Januar 2017 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Allerdings zog er seine Be- schwerde am 21. September 2017 zurück, nachdem ihm von der Vo- rinstanz mitgeteilt worden war, er könne erst angehört werden, wenn das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht abgeschlossen sei. Er ziehe das Voranschreiten seines Asylverfahrens vor. Die Beschwerde wurde so- mit mit Entscheid vom 26. September 2017 abgeschrieben. D. Am 30. Oktober 2017 wurde der Beschwerdeführer eingehend angehört. Dabei machte er zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen gel- tend, er stamme aus E._______ und F._______, habe die Schule nur wäh- rend drei Jahren besucht und sei deshalb Analphabet. Im Jahr 2011 sei er per Dekret Nr. 49 als Ajnabi syrischer Staatsbürger geworden. In der Folge sei er medizinisch untersucht und in F._______ rekrutiert worden. Dem Mi- litärbüchlein kann jedoch entnommen werden, dass er gemäss Dekret Nr. 149 vom Militärdienst und vom Reservedienst befreit worden sei. In den Jahren 2013 und 2014 sei er mehrmals illegal in die Türkei und in den Li- banon gereist, um dort zu arbeiten. Ende 2013 habe er seinen Neffen in den Irak begleitet, weil dieser im Militärdienst bei der YPG (Volksverteidi- gungseinheit, bewaffnete kurdische Miliz in Syrien) verletzt worden sei. Er sei nach seinen Auslandaufenthalten jeweils nach E._______ zurückge- kehrt. Dort sei er von den YPG aufgefordert worden, für sie in den Krieg zu ziehen und festgehalten worden. Nach fünf Tagen sei ihm die Flucht mit Hilfe eines Bekannten gelungen. Als er sich in der Folge in der Türkei auf- gehalten habe, sei er bei Nachbarn und dann bei sich zuh ause gesucht worden. Bei einer Rückkehr nach Syrien befürchte er, für die Regierung oder für andere Milizen in den Krieg ziehen zu müssen. Ferner machte der Beschwerdeführer geltend, er führe seit 2013 eine Be- ziehung zu einem Mann, welche er in Syrien nic ht habe leben können. Er habe sich deshalb mit diesem zusammen entschieden, aus Syrien auszu- reisen, um an einem anderen Ort gemeinsam leben zu können. Ein Freund, G._______, habe aufgrund eines Telefonats von dieser Beziehung erfah- ren. Er habe die beiden in der Folge mit Kleinigkeiten erpresst und es habe D-2848/2018 Seite 6 die Gefahr bestanden, dass er die Beziehung beziehungsweise die Homo- sexualität des Beschwerdeführers und seines Partners verraten könnte, was im syrischen Kontext den Tod bedeutet hätte. E. Mit Eingabe vom 14. Februar 2018 ersuchte der Beschwerdeführer um Ein- bezug in das Familienasyl seines Partners und erkundigte sich nach dem Verfahrensstand. Dabei erklärte er, nachdem das Bezirksgericht Zofingen mit Entscheid vom 25. Oktober 2017 seinen Personenstand festg estellt habe, sei es ihm nun möglich, seine Partnerschaft mit seinem langjährigen Partner eintragen zu lassen. Entsprechende Schritte seien im Gange, je- doch fürchte sich insbesondere sein Partner enorm davor, dass seine Fa- milie durch die Eintragung von seiner Beziehung erfahren könnte. Aufgrund dieser Angst habe der Partner mittlerweile einen Wechsel in den Kanton H._______ beantragt, welcher ihm bewilligt worden sei. So könne er dem Beschwerdeführer etwas näher sein. Für einen Wechsel in den Kanton D._______ habe ihm der Mut gefehlt, da dies für seine Familie nicht ver- ständlich gewesen wäre, in H._______ habe er einen Cousin, bei dem er zurzeit wohne. Der Beschwerdeführer und sein Partner würden fast ihre ganze freie Zeit miteinander verbringen. Die Beziehung sei in der Schweiz weitergewachsen und es sei ihr Wunsch, sich baldmöglichst auch rechtlich aneinander zu binden. Die Beziehung falle unter den Familienbegriff im Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV 1, weshalb nebst seinen eigenen Asylgrün- den der Einbezug des Beschwerdeführers in das Asyl seines Lebenspart- ners gemäss Art. 51 AsylG (SR 142.31) zu prüfen sei. F. Am 20. März 2018 informierte der Beschwerdeführer die Vorinstanz dar- über, dass das Verfahren zur Eintragung seiner Partnerschaft nun offiziell eingeleitet worden sei. G. Mit Verfügung vom 13. April 2018 – eröffnet am 16. April 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es aufgrund Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an. H. Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Mai 2018 Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung D-2848/2018 Seite 7 der vorinstanzlichen Verfügung, die Gutheissung des Asylgesuchs, even- tualiter die Gewährung von Familienasyl gemäss Art. 51 AsylG, subeven- tualiter die Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz sowie in pro- zessualer Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung, unter Verzicht auf Erhebung ei- nes Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichte er das Ergebnis der Ak- tenprüfung im Vorverfahren für die Begründung der eingetragenen Partner- schaft / Abweisung des Gesuchs vom 10. April 2017, den Entscheid des Bezirksgerichts Zofingen vom 25. Oktober 2017, das Schreiben des Zivil- standsamts H._______ an den Beschwerdeführer und seinen Partner vom 19. März 2018 sowie ein Schreiben des Zivilstandsamts vom 3. April 2018 zu den Akten. I. Mit Zwischenverfügung vom 23 . Mai 2018 stellte die Instruktionsrichterin den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers während des Verfahrens fest. Gleichzeitig hiess sie die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung gut, setzte Frau lic. iur. Monika Böckle, C._______, als amtliche Rechtsbeiständin ein und setzte der Vo- rinstanz Frist zur Vernehmlassung. J. Mit Eingabe vom 28. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von I._______, Queeramnesty Schweiz, vom 18. Mai 2018 zu den Akten. K. Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2018 hielt das SEM an seiner Verfügung vollumfänglich fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. L. Am 9. Juli 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein und zog den Beschwerdeeventualantrag, ihm sei Familienasyl gemäss Art. 51 AsylG zu gewähren, zurück. M. Mit Eingabe vom 17. September 2018 reichte der Beschwerdeführer einen Arbeitsvertrag per 1. Juli 2020 sowie eine Auskunft der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 18. Februar 2020: Syrien: Si- tuation von homosexuellen Personen zu den Akten. D-2848/2018 Seite 8 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 D-2848/2018 Seite 9 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend eine mögliche Rekrutierung durch die YPG seien unglaubhaft. So habe er im Laufe des Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschiedliche A ngaben gemacht. Grundsätzlich könnten Widersprüche aufgrund des summarischen Charakters der BzP nur dann herangezogen werden, wenn sie von klaren Aussagen im späte- ren Verfahrenslauf diametral abweichen. Der Beschwerdeführer habe sein Asylgesuch damit begründet, er sei in E._______ von kurdischen Milizen gesucht worden. Dabei habe er anlässlich der BzP von einer Mitnahme seitens der PKK (kurdische Arbeiterpartei) und einer Festhaltung von fünf Tagen geredet. In der Anhörung dagegen habe er explizit ausgeschlossen, jemals mit der PKK etwas zu tun gehabt zu haben, es handle sich bei den kurdischen Milizen, die ihn festgehalten hätten, um die YPG. Diese Aus- sage erstaune, da er zu einem früheren Zeitpunkt in der Anhörung bloss von einer hypothetischen Festnahmemö glichkeit durch die YPG gespro- chen und einen Kontakt mit der YPG klar verneint habe. Auch wenn er in den Protokollen widerspruchsfrei von einer Festhaltung von fünf Tagen be- richtet habe, so seien die Umstände und die zögerlichen Aussagen in der Anhörung kl ar als unglaubhaft zu taxieren. Dass er möglicherweise nur über eine sehr geringe Schulbildung verfüge, vermöge an dieser Einschät- zung nichts zu ändern. Im Weiteren sei seinen Aussagen zu entnehmen, dass er in den Jahren 2013 und 2014 mehrmals im Ausland (Libanon, Tür- kei, Irak) gewesen sei, wobei er nach Herbst 2014 bis zu seiner Ausreise im Herbst 2015 in E._______ gelebt habe. Die fünftägige Festhaltung habe sich vor seinem Aufenthalt in der Türkei im Jahr 2013 ereignet, wobei er danach immer wieder in E._______ gewesen sei. Dieses Verhalten sei kaum mit einer tatsächlich behördlich gesuchten Person vereinbar. Seine Aussagen zur Verfolgung durch die YPG seien somit unlogisch und daher D-2848/2018 Seite 10 nicht glaubhaft. Eine allfällige Verfolgung durch die YPG sei sodann auc h nicht ausreise- und damit asylrelevant, da er nach seinen A uslandaufent- halten immer wieder nach Syrien zurückgekehrt und sich vor seiner A us- reise mehrere Monate in E._______ aufgehalten habe, ohne dass es zu einem (weiteren) Vorfall gekommen wäre. Es könne weder in zeitlicher noch in sachlicher Hinsicht ein genügend enger Zusammenhang zwischen den geltend gemachten Asylgründen und der Ausreise erkannt werden. Ferner habe er zur Begründung seines Asylgesuchs vorgebracht, er fürchte, für das Regime in Damaskus in den Krieg ziehen zu müssen. Dem von ihm abgegebenen Dienstbüchlein sei jedoch zu entnehmen, dass er aufgrund eines Dekrets vom Dienst oder Reservedienst befreit worden sei. Diese Tatsache entziehe seiner subjektiven Furcht vor einem Einzug in den Militärdienst jegliche objektive Grundlage. Er sei nicht militärdienstpflichtig und demnach kein Wehrdienstverweigerer. Schliesslich habe er sein Asyl- gesuch mit seiner homosexuellen Beziehung begründet. Aufgrund des lo- sen Charakters dieser Beziehung in Syrien sei nicht davon auszugehen, dass diese damals überhaupt bekannt gewesen sei. Zwar habe er ange- geben, ein Freund habe davon erfahren, aber offenbar habe dieser sie nicht verraten. Er würde denn auch in der Schweiz nicht mit seinem Partner zusammenleben und das Verfahren zur Anerkennung der Partnerschaft sei weder abgeschlossen noch kurz vor dem Abschluss. Es bestehe zumin- dest zum Zeitpunkt des Asylentscheides somit keine objektiv begründete Furcht, dass die syrischen Behörden, sofern sie überhaupt dazu fähig wä- ren, ihn in der Schweiz als homosexuelle Person identifizieren würden und ihm bei einer Rückkehr aus diesem Grund Nachteile entstehen könnten. Seine Vorbringen seien somit nicht asylrelevant. Im Weiteren führte die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer könne auch nicht unter dem Titel Familienasyl aufgrund seiner Partnerschaft Asyl er- halten. So habe das SEM das Gesuch um Kantonswechsel abgewiesen, da die Lebensgemeinschaft als nicht gefestigt taxiert worden sei. Darüber hinaus hätten konkrete Pläne zur Eintragung der Partnerschaft analog ei- ner Bekanntmachung einer Hochzeit gefehlt. Finanzielle Mittel zur gegen- seitigen Unterstützung hätten ebenso gefehlt. Der Kantonswechsel des Partners in den Kanton H._______ vermöge daran ebenfalls nichts zu än- dern, lebe doch der Beschwerdeführer im Kanton D._______. Ein Wechsel in den Kanton D._______ sei als gefährlich bezeichnet worden. Seine Ein- gabe würde keine Angaben zu einer tatsächlich gelebten Schicksalsge- meinschaft enthalten. Die L ebensgemeinschaft des Beschwerdeführers mit seinem Partner könne (noch) nicht als gefestigt taxiert werden, weshalb die Bedingungen für das Familienasyl nicht gegeben seien. D-2848/2018 Seite 11 4.2 Dem wurde in der Beschwerde im Wesentlichen entgegengehalten, Homosexualität sei in Syrien illegal und werde gemäss Art. 520 des syri- schen Strafgesetzbuches mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. Der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Anhörung erklärt, dass ein Freund seines Lebenspartners namens G._______ von der Beziehung erfahr en habe. Damit dieser niemandem davon erzählte, hätten sie fortan alles ge- macht, was G._______ wollte. Wenn er beispielsweise eine Schachtel Zi- garetten haben wollte, hätten sie ihm diese gekauft. Anlässlich der Bespre- chung mit der Rechtsvertretung hätten d er Beschwerdeführer und sein Partner weiter ausgeführt, dass G._______ manchmal in den Laden des Lebenspartners gekommen sei und habe anfangen wollen, lau t mit ihm über den Beschwerdefü hrer zu sprechen. Der Lebenspartner habe ihm dann jeweils sofort gegeben, was er wollte. Meistens habe er Geld für Zi- garetten oder für kleine Reisen gewollt. G._______ habe das Paar nie di- rekt bedroht, durch sein Verhalten habe er sie aber dazu gebracht, dass sie ihm alles gegeben hätten, was er wollte. Die beiden seien in ständiger Sorge darum gewesen, dass er sie verraten könnte. Aktuell stünden sie nicht im Kontakt mit G._______, hätten aber über Bekannte gehört, dass sich dieser noch in Syrien aufhalte. Bei einer Rückkehr wären sie sodann noch viel erpressbarer, da die Per sonen in ihrem Bekanntenkreis davon ausgehen würden, in Europa würden alle reich und hätten bei einer Rück- kehr viel Geld. Sie hätten deshalb eine begründete Furcht davor, dass G._______ sie bei einer Rückkehr weiter erpressen und bei Nichterfüllung seiner Bedingungen ihre Homosexualität offenlegen könnte, worauf sie Re- pressionen seitens des syrischen Staates wie auch ihrer Familien zu be- fürchten hätten. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz habe der Be- schwerdeführer in Syrien mehr als nur eine lose Beziehung zu seinem Part- ner geführt. Bereits seit Ende 2012, Anfang 2013 hätten sie eine intime Beziehung geführt, welche sie vor ihren Familien aus kulturell bedingten Gründen geheim gehalten hätten. In E._______ hätten sie sich jeden Tag getroffen und so viel Zeit wie möglich miteinander verbracht. Zwar hätten sie nicht zusammen wohnen können, der Beschwerdeführer habe seinen Partner aber täglich in dessen Wohnung oder Laden aufgesucht. Dieser habe im Haus seiner Eltern, aber einer eigenen Wohnu ng gewohnt. Aus- serdem verfüge die Famil ie des Lebenspartner s über ein Haus in J._______, wo sie sich auch immer wieder getroffen hätten. Ab und zu hät- ten sie dort im Geheimen eine Nacht zusammen verbracht. Das Ge heim- halten der Beziehung h abe zu einer starken Bindung zw ischen ihnen ge- führt. Nur unter sich hätten sie sich selbst sein können. Ein offizielles Zu- sammenleben wäre in Syrien kulturell bedingt nicht möglich. Es sei deshalb D-2848/2018 Seite 12 davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Homose- xualität und der grossen Gefahr, dass diese durch G._______ bekannt ge- macht werde, eine individuelle, konkrete, subjektiv und objektiv begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Benachteiligungen habe. Er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu erteilen. Betreffend Erteilung von Familienasyl führte der Beschwerdeführer aus, er führe eine langjährige Beziehung mit seinem Partner. So habe er bei seiner Anhörung geltend gemacht, dass sie aus Syrien ausge reist seien, um zu- sammenleben zu können. Sie teilten die gemeinsame Herkunft, ihre ge- heim gehaltene Beziehung in Syrien und ihre gemeinsame Flucht als Schicksalsgemeinschaft, womit die Beziehung bereits eine Qualität er- reicht habe, die über eine Liebes - und Freundschaftsbeziehung hinaus- gehe. Dass sie in Syrien aus kulturellen Gründen nicht hätten zusammen- leben können, könne nicht als Hinweis auf eine nur lose Beziehung gewer- tet werden. Auch in der Schweiz hätten sie bis anhin nicht zusammenwoh- nen können, da sie unterschiedlichen Kantonen zugeteilt worden seien und ein entsprechendes Kantonswechselgesuch abgewiesen worden sei. Dem Lebenspartner sei ein Kantonswechsel in den Kanton H._______ bewilligt worden, wobei er erklärt habe, warum er keinen Kantonswechs el in den Kanton D._______ habe beantragen können. Er verfüge in H._______ über Familienangehörige, welche über die Beziehung nicht informiert seien. Er sowie der Beschwerdeführer hätten begründete Furcht vor Re- pressionen, sollte ihre Beziehung der Familie des Lebenspartners bekannt werden. Ferner hätten sie bereits am 4. Oktober 2016 ihr Gesuch um Vor- bereitung der Eintragung der Partnerschaft beim Zivilstandsamt der Stadt K._______ eingereicht. Aufgrund mangelnder Papiere sei dieses jedoch sehr langwierig. Da der Partner inzwischen im Kanton H._______ wohne, hätten sie beim Zivilstandsamt der Stadt H._______ ein neues Gesuch ein- reichen müssen, was im März 2018 geschehen sei. Das Paar habe durch sein Handeln seit seiner ersten Gesucheinreichung zur Eintragung seiner Partnerschaft am 4. Oktober 2016 wiederholt und intensiv zum Ausdruck gebracht, dass es seine Partnerschaft eintragen lassen möchte, um sich auch rechtlich aneinander zu binden. Zusammenfassend könne festgehal- ten werden, dass im Rahmen einer Gesam twürdigung bei der Beziehung des Beschwerdeführers und seines Partners vom Bestehen ei ner schüt- zenswerten gefestigten Lebensgemeinschaft im Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV 1 und Art. 8 EMRK auszugehen sei. Aus diesem Grund sei der Be- schwerdeführer eventualiter in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl sei-D-2848/2018 Seite 13 nes Lebenspartners einzubeziehen. Subeventualiter sei die Sache zur er- neuten Beurteilung unter Berücksichtigung sämtlicher Bemühungen der Eintragung ihrer Partnerschaft an die Vorinstanz zurückzuweisen. 4.3 Dem eingereichten Bericht von I._______, Queeramnesty Schweiz, ist zu entnehmen, dass er den Beschwerdeführer und seinen Partner durch seine Arbeit seit Dezember 2017 als homosexuelles Paar kenne. Das Paar gehöre zu den vielen ihm bekannten Fällen, in denen homosexuelle Paare im Asylverfahren nicht gleichgestellt und die Gesuche beider Asylsuchen- der trotz ihrer Partnerschaft g etrennt voneinander behandelt würden. Der Partner des Beschwerdeführers sei mittlerweile zu einem Angehörigen in H._______ gezogen. Eine Situation, die sich für ihn jedoch als überaus schwierig und psychologisch extrem belastend herausstelle, da er dort de facto über keine Privatsphäre verfüge, Bedrohungen ausgesetzt sei und grosse Angst habe, dass das Bekanntwerden seiner sexuellen Ori entie- rung und Beziehung zum Beschwerdeführer zu einer konkreten Gefähr- dung durch seine Angehörigen führen könnte. So müsse er weiterhin ein verstecktes Leben führen und könne nicht, wie er und der Beschwerdefüh- rer es sich vorgestellt hätten, in Sicherheit als Paar zusammenleben. Die getrennten Lebensumstände der beiden würden sich unmittelbar durch ihre Ungleichbehandlung als ein einer eheähnlichen Gemeinschaft leben- des homosexuelles Paar gegenüber heterosexuellen Paaren im hiesigen Asylverfahren ergeben. Als gleichgeschlechtliches Paar hätten sie sich im Heimatland versteckt halten müssen und nicht zusammenleben können. Diese Situation ziehe sich nun in der Schweiz bedauerlicherweise fort. 4.4 Anlässlich ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, die Be- schwerdeschrift enthalte in Bezug auf die originäre Flüchtlingseigenschaft weder neue erhebliche Tatsachen noch neue Beweismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könne. Betreffend Familienasyl sei festzuhalten, dass das Verfahren um Eintrag der Partnerschaft noch immer hängig sei. Hinweise auf einen positiven Abschluss würden nicht vorliegen. Ausserdem sei dem SEM nicht klar, warum der Partner des Be- schwerdeführers nicht einen Kantonswechsel in den Kanton D._______ angestrebt habe, als Merkmal dafür, dass eine nach Aussen wirksame ge- lebte Beziehung angestrebt werde. Es sei dem Beschwerdeführer jedoch unbenommen, bei einem erfolgten Eintrag als Lebenspartner erneut um Familienasyl nach Art. 51 AsylG zu ersuchen. 4.5 Anlässlich seiner Replik vom 9. Juli 2018 erklärte der Beschwerdefüh- rer, er habe sich inzwischen von seinem Partner getrennt. Er habe es nicht D-2848/2018 Seite 14 mehr länger ausgehalten, getrennt von ihm zu leben und nicht als Paar anerkannt zu werden. Seit ihrer Einreise in die Schweiz im November 2015 sei es ihnen nicht möglich zusammenzuleben. Er wolle dies nicht mehr län- ger ertragen. Er habe das Gesuch um Eintragung der Partnerschaft zu- rückgezogen. Entsprechend werde auch das Gesuch um Erteilung von Fa- milienasyl zurückgezogen. 4.6 Anlässlich seiner Eingabe vom 17. September 2020 legte der Be- schwerdeführer dar, er treffe sich nun wieder regelmässig mit seinem Part- ner. Er lebe seine Homosexualität in der Schweiz aktiv aus. Gemäss der beiliegenden Länderanalyse der SFH habe die Gefährdung von LGBTIQ - Personen in Syrien seit dem Ausbruch des Krieges 2011 zugenommen. Die Gewalt gehe von den nächsten Familienangehörigen und der erweiterten Familie, von der Gesellschaft im Allgemeinen, von den syrischen Behörden und von bewaffneten Gruppen aus. UNHCR hebe in seinen Erwägung en zu internationalem Schutz im Hinblick auf Menschen, die aus Syrien flie- hen, hervor, es dürfe nicht ausser Acht gelassen werden, dass von Perso- nen, deren sexuelle Orientie rung und/oder geschlechtliche Identität nicht den traditionellen Vorstellungen entsprechen, nicht erwartet werden könne, dass sie ihre Identität verschleiern, um einer Verfolgung zu entgehen. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer machte zunächst geltend, er fürchte in Syrien von der YPG oder von der syrischen Armee zum bewaffneten Kampf re- krutiert zu werden. Diesbezüglich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die entsprechenden Vorbringen nicht asylrelevant sind. So hat sich der Be- schwerdeführer gemäss eigenen Aussagen nach der geltend gemachten fünftägigen Festhaltung noch verschiedene Male und zuletzt während eini- ger Monate vor seiner definitiven Ausreise aus Syrien in E._______ aufge- halten, ohne dass es zu weiteren Vorfällen gekommen wäre. Es fehlt somit am Kausalzusammenhang zwischen der geltend gemachten Festnahme und der Ausreise. Auch die Ausführungen der Vorinstanz, wonach er keine objektive Grundlage für seine Furcht vor einem Einzug in den Militärdienst habe, sind zu stützen. So lässt sich seinem Dienstbüchlein entnehmen, dass er aufgrund eines Dekrets vom Dienst oder Reservedienst befreit wor- den sei. Da er somit nicht militärdienstpflichtig ist, kann er sich nicht auf eine allfällige Wehrdienstverweigerung stützen. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass selbst bei einer bestehenden Dienstpflicht der Um- stand, dass der Beschwerdeführer sich vor einem zukünftigen Einzug in den Militärdienst fürchtet, gemäss ständiger Praxis keine Furcht vor a syl- relevanter Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen vermag. Von D-2848/2018 Seite 15 einer Prüfung der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen und einer Auseinan- dersetzung mit der vorinstanzlichen Begründung diesbezüglich kann man- gels Notwendigkeit vorliegend abgesehen werden. 5.2 5.2.1 Weiter begründete der Beschwerdeführer sein Asylgesuch mit seiner homosexuellen Beziehung. Das SEM zweifelt weder in der angefochtenen Verfügung noch in der Vernehmlassung an der Glaubhaftigkeit dieses Vor- bringens, sondern verneint die Asylrelevanz, da weder die Beziehung noch die Homosexualität des Beschwerdeführers in seiner Heimat bekannt seien. Auch das Bundesverwaltungsgericht sieht keine Veranlassung an den konsistenten und substantiierten Vorbringen des Beschwerdeführers zu zweifeln. Sowohl er wie auch sein Partner machten anlässlich ihrer An- hörungen geltend, in Syrien im Geheimen eine intime Beziehung geführt zu haben. Beide führten explizit aus, die Tatsache, dass sie nicht hätten zusammenleben können beziehungsweise dass sie ihre Beziehung hätten geheimhalten müssen, sei ein Ausreisegrund gewesen (vgl. act. A44 F57: «aus diesem Grund reisten wir aus Syrien aus» beziehungsweise betref- fend den Lebenspartner N (…) act. A42 F9: «Einerseits verliess ich Syrien wegen meines Freundes L._______, andererseits wegen des Krieges in Syrien»). Auch am Schluss der Anhörung des Beschwerdeführers wird klar, was für eine wichtige Rolle dieser Punkt für ihn spielt, bat er doch darum, ihn bei einem allfälligen negativen Ausgang des Verfahrens nicht nach Sy- rien, sondern in ein anderes Land zu schicken, da er in seiner Heimat nicht mit seinem Freund zusammenleben könne (vgl. act. A44 F178). 5.2.2 Die Homosexualität lässt sich als Verfolgungsmotiv in ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts unter der in Art. 3 AsylG erwähnten „sozialen Gruppe “ erfassen (vgl. Referenzurteil des BVGer D-6539/2018 vom 2. April 2019 E. 7.2 m.w.H.). Es bleibt somit zu prüfen, ob der psychische Druck aufgrund der Notwendigkeit der Geheimhaltung seiner Beziehung sowie die Angst vor den mit einem Outing verbundenen Konsequenzen als eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 2 Abs. 1 AsylG zu qualifizieren ist. 5.2.3 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernst- hafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise sol- che befürchten muss. Die Nachteil e müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG kann D-2848/2018 Seite 16 von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerken- nung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in ei- nem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangs- punkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimat- staat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1.1; 2010/28 E. 3.3.1.1; 2010/57 E. 2; 2008/12 E. 5, jeweils m.w.H.). 5.2.4 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in abseh barer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu- kunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleich- barer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht her- vorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer ob- jektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andererseits durch das von der betroffenen Person b ereits Erlebte und das Wissen um Kon- sequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 m.w.H.). 5.2.5 5.2.5.1 Nachfolgend ist die aktuelle Situation von homosexuellen Personen in Syrien näher zu beleuchten. Dafür wurden insbesondere folgende Quel- len verwendet (aufgelistet in alphabetischer Reihenfolge nach Herausge- berschaft und Chronologie, jeweils zuletzt abgerufen am 01.10.2020): - Australian Government, Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT), DFAT Thematic Report on Conditions in Syria, 23. October 2017, S. 15 <https://www.ecoi.net/en/file/local/1419346/4792_ 1512563422_country-information-report-syria.pdf>; D-2848/2018 Seite 17 - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Informationszentrum Asyl und Migration, Geschlechtsspezifische Verfolgung in ausgewählten Herkunftsländern, April 2010, S. 197 <https://www.ecoi.net/en/file/lo- cal/1337215/4232_1412928833_deutschland-bundesamt-fuer-migra- tion-und-fluechtlinge-geschlechtsspezifische-verfolgung-in-ausge- waehlten-herkunftslaendern-april-2010.pdf>; - Human Rights Watch [HRW], Audacity in Adversity, LGBT Activism in the Middle East and North Africa, April 2018, S. 7 <https://www.hrw.org/sites/default/files/report_pdf/lgbt_mena0418_ web_0.pdf>; - International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association [ILGA], Lucas Ramon Mendos, State -Sponsored Homophobia 2019, März 2019, S. 475 f. <https://ilga.org/downloads/ILGA_State_Spon- sored_Homphobia_2019. pdf>; - Pink News, Comment: What life is really like for gay Syrians, 16. Juni 2011 <https://www.pinknews.co.uk/2011/06/16/comment -what-life-is- really-like-for-gay-syrians/>; - Slate, Etre gay en Syrie, 9. Dezember 2013 <http://www.slate.fr/story/80939/syrie-homosexualite>; - UCLA, School of Law, All Survivors Project, “Destroyed from within ”, Sexual violence against men and boys in Syria and Turkey, September 2018, S. 21 f. <https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/re- sources/ASP_Syria_ Report.pdf>; - United Nations High Commissioner for Refugees [UNHCR], Interna- tional Protection Considerations with Regard to People Fleeing the Syr- ian Arab Republic, Update V, November 2017, S. 65 f. <https://www.ref- world.org/pdfid/59f365034.pdf>; - UNHCR, Sexual Violence against Men and Boys, In the Syria Crisis, Oktober 2017, S. 27 ff. <https://www.ecoi.net/en/file/lo- cal/1418197/1930_1511268557_5a128e814.pdf>; - United States Department of victims State, Bureau of Democracy, Country Reports on Human Rights Practices for 2018, Syria 2018 Hu- man Rights Report, S. 66 <https://www.state.gov/wp -content/up- loads/2019/03/SYRIA-2018.pdf>. D-2848/2018 Seite 18 5.2.5.2 In Syrien ist «widernatürlicher Geschlechtsverkehr» gemäss Art. 520 des syrischen Strafgesetzbuches aus dem Jahr 1949 verbote n und wird mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Diese Gesetzesbestimmung, die genderneutral formuliert ist, erfasst gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen, selbst wenn diese in gegenseitigem Einverständnis unter Er- wachsenen und im Privatbereich erfolge n. Obwohl es in jüngster Zeit zu keinen Verurteilungen mehr unter diesem Titel gekommen ist, haben Be- richten von Nichtregierungsorganisationen zufolge die Gerichte seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 dutzende Angehörige der Ge- meinschaft der LGB TIQ in diskriminierender Weise basierend auf vagen Anschuldigungen, wie dem «Missbrauch sozialer Werte», verfolgt. So kam es vermehrt zu Verhaftungen wegen Handels und Konsums illegaler Dro- gen sowie Organisierens von «obszönen» Veranstaltungen. Lokale Medien und Nichtregierungsorganisationen berichteten zudem von Fällen, in de- nen (Pro-)Regierungskräfte Anklagen wegen Homosexualität als Vorwand benutzten, um Zivilisten festzunehmen, zu foltern und zu töten. Die Häufig- keit solcher Vorfälle ist jedoch schwierig einzuschätzen, da die Polizei ihre Gründe für Verhaftungen nur selten mitteilt und die Opfer aus Angst vor gesellschaftlicher Diskriminierung zögern, solche Missbräuche anzuzei- gen. 5.2.5.3 Während die syrische Gesetzgebung gleichgeschlechtliche Bezie- hungen faktisch kriminalisiert, schaffen soziale, kulturelle und religiöse Ein- stellungen in der Gesellschaft darüber hinaus ein feindliches Umfeld für Angehörige der LGBTI-Gemeinschaft. Bereits vor dem sogenannten Ara- bischen Frühling wurde die Lage der Homosexuellen in Syrien als schwie- rigste in der Region bezeichnet. Der Zugang zu Schutzstrukturen ist auf- grund ihrer Stigmatisierung stark eingeschränkt. Aktivistinnen und Aktivis- ten, die sich für die Rechte von Personen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen einsetzen, werden bedroht. Der bewaffnete Konflikt hat das bereits bestehende Diskriminierungsproblem zudem zusätzlich verschärft. LGBTIQ-Personen werden nicht nur durch die Konfliktparteien verfolgt, sondern sie erleben auch (sexuellen) Missbrauch und Ausbe utung durch verschiedene zahlreiche andere Akteure. LGBTI Q-Personen berichteten aus erster Hand über willkürliche Haft, Vergewaltigungen, Entführungen und sexuellem Missbrauch, erzwungenem Oralverkehr, Schläge auf die Genitalien und Vergewaltigungsdrohunge n durch die Polizei, bewaffnete Streitkräfte, andere Flüchtlinge, Taxifahrer, Nachbarn und Vermieter. Ins- besondere extremistische bewaffnete Gruppierungen, wie der sogenannte Islamische Staat (IS) und die al -Nusra-Front (syrischer Zweig der al - Qaida), gehen mit einem hohen Mass an Brutalität und Grausamkeit gegen D-2848/2018 Seite 19 LGBTIQ-Personen vor. In den von ihnen vormals kontrollierten Gebieten wurden Männer, die beschuldigt wurden, sich auf einvernehmliche gleich- geschlechtliche sexuelle Handlungen eingelassen zu haben, durch illegi- time Gerichte zum Tode verurteilt. Zu den Hinrichtungsmethoden gehören unter anderem Verbrennen bei lebendigem Leib, Enthauptung, Steinigung, Erschiessen oder das Stossen von mehrstöckigen Gebäuden. Um die Be- völkerung einzuschüchtern, wird der Vorwurf der Homosexualität über Lautsprecher verkündet und Videos der Exekutionen weiterverbreitet. Die genannten Gruppierungen besitzen aktuell zwar keine Territorialhoheit mehr, nach wie vor kommt es aber zu solchen Taten von Personen, die ihre islamistische Gesinnung weiterverfolgen, auch wenn ihre Organisation nicht mehr die Hoheit über das jeweilige Gebiet ausübt. 5.2.5.4 Viele Homosexuelle erfahren ausserdem in ihrer Familie und der Gemeinschaft starke Ablehnung. Diese äussert sich in Form von Ausgren- zung über Gewalt bis hin zu Morddrohungen und sogenannten «Ehrenver- brechen». Beleidigungen Homosexueller ebenso wie Witze und Flüche über sie sind weit verbreitet. Familien, welche die sexuelle Orientierung ihres Kindes akzeptieren, werden von der Gesellschaft geächtet. Ein ei- gentliches «Coming-out» ist unmöglich. Es gibt auch Fälle, in denen die eigene Familie Homosexuelle absichtlich an islamistische Gruppierungen verraten hat, um sie «töten zu lassen», oder sie von Familienmitgliedern zum Verlassen des Landes getrieben oder mit dem Tod bedroht wurden, um die Familienehre «rein» zu halten. 5.2.5.5 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass es in Syrien seit dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts unmöglich ist, offen als homosexuelle Person zu leben. Bei einem Outing der Homosexualität drohen sowohl von Seiten der Behörden und anderen bewaffneten Gruppierungen als auch der Familie ernsthafte Nachteile, welche ausgeprägte Diskriminierungen, direkte Gewalt und sogar Tötungen umfassen können. Die drohenden Ver- folgungsmassnahmen vermögen aufgrund der Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit im Einzelfall die Schwelle der Intensität der ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu erreichen. 5.2.6 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass die sexuelle Ori- entierung des Beschwerdeführers nicht bekannt gewesen sei, weshalb zum Zeitpunkt des Entscheides keine objektiv begründete Furcht bestehe, dass die syrischen Behörden, sofern sie überhaupt dazu fähig wären, ihn in der Schweiz als homosexuelle Person identifizieren würden und ihm bei einer Rückkehr aus diesem Grund Nachteile entstehen könnten. Zwar D-2848/2018 Seite 20 habe er angegeben, ein Freund habe davon erfahren, aber offenbar habe dieser sie nicht verraten. Diese Argumentation greift zu kurz. Es stellt sich die Frage, inwieweit von einer Person vernünftigerweise erwartet werden kann, die drohende Verfolgung ohne Beanspruchung des Flüchtlingsschut- zes durch Änderung ihres eigenen Verhaltens abzuwenden. So ist genauer zu beleuchten, ob die Tatsache, dass der Beschwerdeführer sich einer Ver- folgungsgefahr durch diskretes Verhalten entziehen müsste, indem er seine sexuelle Orientierung unterdrückt und sich entgegen seiner Überzeu- gung gemäss gesellschaftlich akzeptierten Normen verhält, als unerträgli- cher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu qualifizieren ist. 5.2.7 Die Annahme, das Verheimlichen einer persönlichen Überzeugung beziehungsweise einer mit der Persönlichkeit untrennbar verknüpften Ei- genschaft – wie dies die sexuelle Orientierung ist – bewirke einen unerträg- lichen psychischen Druck, setzt voraus, dass die betroffene Person in ei- nem Umfeld zu leben gezwungen ist, in welchem sie Gefahr läuft, dass eben diese Überzeugung oder Eigenschaft entdeckt, denunziert und sank- tioniert wird. Je grösser die Gefahr ist, durch eine unbedachte Geste oder Äusserung entdeckt zu werden, und je gravierender die staatliche oder pri- vate Sanktionierung im Falle der Entdeckung ausfällt, desto eher ist davon auszugehen, die betroffene Person stehe unter einem psychisch unerträg- lichen Druck, weil sie gezwungen ist, ihre Persönlichkeit zu verleugnen und ein Doppelleben zu führen, um nicht entdeckt zu werden. Die Tatsache, dass eine Person darauf angewiesen ist, durch diskretes Verhalten einer Verfolgung auszuweichen, spricht gerade dafür, d ass eine begründete Furcht vorliegt. So könnte dieses Verhalten in letzter Konsequenz bei schwerwiegenden drohenden Verfolgungsmassnahmen dazu führen, dass eine Person nicht als Flüchtling anerkannt wird, da sie sich äusserst zu- rückhaltend gezeigt hat, um Verfolgungsmassnahmen zu entgehen. Im Umkehrschluss würde dies zudem bedeuten, dass eine Person, welche sich bislang diskret verhalten hatte, zuerst outen und schliesslich die dem- entsprechenden Verfolgungsmassnahmen gewärtigen müsste, bevor sie allenfalls ausreisen und als Flüchtling anerkannt werden könnte. Personen so zu einem gesellschaftskonformen Verhalten anzuhalten würde ferner bedeuten, dass sie sich dem in ihrem Heimatstaat „üblichen“ Unrecht fügen sollten (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6539/2018 vom 2. Ap- ril 2019 E. 8.2, als Referenzurteil publiziert). 5.2.8 Die Verheimlichung von Homosexualität in Syrien kann somit unter Umständen einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 D-2848/2018 Seite 21 Abs. 2 AsylG insbesondere aufgrund der ständigen Gefahr der (unfreiwilli- gen) Entdeckung, der gesellschaftlichen Repression und Marginalisierung, der fehlenden Unterstützung des Familienverbandes sowie der Angst vor Bestrafung durch die Behörden oder sogar Ermordung durch islamistische Gruppierungen verursachen. Indessen ist dieser Druck in subjektiver Hin- sicht jeweils im Einzelfall zu prüfen. 5.2.9 Wie vorstehend ausgeführt, erscheint es glaubhaft, dass der Be- schwerdeführer bereits mehrere Jahre vor seiner Ausreise eine Beziehung mit seinem Partner führte. Weiter legte er dar, ein Freund seines Partners habe mitbekommen, dass sie mehr als enge Freunde sind und habe sie in der Folge wiederholt damit unter Druck gesetzt. Es geht aus den Aussagen des Beschwerdeführers hervor, dass ihn das Geheimhalten seiner Bezie- hung und seiner sexuellen Orientierung sowie die Angst vor möglichen Konsequenzen stark unter Druck gesetzt haben. Nachdem ein Freund sei- nes Partners von der Beziehung Wind bekommen hatte und dieses Wissen ausnutzte, musste er in ständiger Angst leben, dass seine Beziehung und damit seine Homosexualität ans Licht kommen könnte. Auch die diesbe- züglichen Ausführungen erscheinen glaubhaft. Zwar ist davon auszuge- hen, dass weder die Familie des Beschwerdeführers noch jene seines Partners von deren sexuellen Orientierung Kenntnis haben. Die Ausführun- gen des Paares, wonach ein offenes Leben ihrer homosexuellen Bezie- hung schlicht nicht möglich sei, erscheinen im syrischen Kontext jedoch ebenfalls als nachvollziehbar. Die Angst vor der Entdeckung wird umso ein- drücklicher durch das Verhalten des Beschwerdeführers und insbesondere seines Partners in der Schweiz, welches nach wie vor von der Furcht do- miniert wird, die Familie des Partners könnte von dessen Homosexualität erfahren. Das Verhalten des Beschwerdeführers und s eines Partners spricht für das Vorliegen eines unerträglichen ps ychischen Drucks, wel- chen diese erlitten haben, da sie ihre sexuelle Orientierung sowie ihre Be- ziehung und damit eine mit ihrer Persönlichkeit untrennbar verknüpfte Ei- genschaft verheimlichen und in ständiger Angst leben musste n, entdeckt zu werden. So brachte der Beschwerdeführer dies einerseits in der Anhö- rung als einen Grund für die Ausreise an. Ferner äusserte er an verschie- denen Stellen, wie wichtig ihm das Zusammenleben mit seinem Partner sei und wie belastend das Geheimhalten der Beziehung und damit seiner se- xuellen Orientierung für ihn sei . Auch brachte er klar zum Ausdruck, mit was für Konsequenzen er bei einer Entdeckung i n seinem Heimatland rechnen müsste (vgl. bspw. nach F177: «Ich möchte Sie ganz höflich bitten, dass Sie mir einen schnellen Entscheid schreiben. Ich habe nie Freude in meinem Leben gehabt und ich bin sehr müde»; F179: «Wir haben in Syrien D-2848/2018 Seite 22 sowas nicht. Die Menschen können es nicht begreifen, dass so ein Leben existieren würde, dass ein Mann mit einem Mann zusammenlebt. Sie brin- gen diese Menschen um»). Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass der temporäre Unterbruch der Partnerschaft an diesen Ausführungen nichts zu ändern vermag, einerseits da die Beziehung gemäss Aussagen des Beschwerdeführers inzwischen wieder aufgenommen wurde und an- dererseits da der Stand der Beziehung weder an der Homosexualität des Beschwerdeführers noch an der dadurch begründeten Flucht etwas ändert. 5.2.10 Dieser vorliegend berechtigten Todesangst, die im syrischen Kon- text nach dem Gesagten nicht nur gegenüber der Familie sondern nach- vollziehbar auch gegenüber weiterer Akteure bestand, misst das SEM in seinen Erwägungen zu wenig Gewic ht bei und es verkennt, dass in casu das Verstecken und Unterdrücken der sexuellen Orientierung als Folge der andauernden Angst vor dem Outing in Berücksichtigung der oben gezeich- neten Situation von Homosexuellen in Syrien einem unerträglichen psychi- schen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. Da die be- fürchteten Nachteile sowohl von den syrischen Behörden als auch von pri- vaten Dritten ausgehen, ist eine innerstaatliche Fluchtalternative nicht ge- geben. 5.3 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass d er Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Da den Akten keine Hinweise zu entnehmen sind, die auf das Vorliegen von Ausschluss- gründen (Art. 53 AsylG) hindeuten, ist ihm in der Schweiz Asyl zu gewäh- ren (Art. 49 AsylG). Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die ange- fochtene Verfügung vom 13. April 2018 aufzuheben und das SEM anzu- weisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 7. Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An- wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. D-2848/2018 Seite 23 Es wurde mit der Beschwerde eine Kostennote in der Höhe von Fr. 1'180.– eingereicht, welche den Verfahrensumständen als angemessen erscheint. In der Folge reichte die Rechtsbeiständin vier weitere Eingaben zu den Ak- ten. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist dem- nach auf insgesamt Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. Die Parteientschädigung umfasst keinen Mehrwertste uerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE. (Dispositiv nächste Seite) D-2848/2018 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung vom 13. April 2018 wird aufgehoben, der Beschwerdeführer als Flüchtling anerkannt und das SEM angewiesen, ihm Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2'000.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Aglaja Schinzel