Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Mai 2019 (810 19 5) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Änderung der Beistandschaft mit Wechsel der Mandatsperson Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____, Beschwerdegegner Betreff Änderung der Beistandschaft mit Wechsel der Ma ndatsperson (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 3. Januar 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. D.____, geboren 2004, ist der gemeinsame Sohn von A.____ und C.____. Die Kindseltern sind geschieden und die Mutter hat die all einige Obhut über D.____. Mit Entscheid der Vormundschaftsbehörde E.____ (damaliger Wohnsitz de r Kindsmutter) vom 30. März 2009 wurde eine Erziehungsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB für die Begleitung des Besuchsrechts von D.____ und seinem Vater errichtet. Mit Beschluss vom 26. April 2011 übernahm die Vormundschaftsbehörde Basel-Stadt die Besuchsrechtsbeistandschaft. Aufgrund des erneuten Wohnsitzwechsels von A.____ nach F.____ wurde mit Entscheid vom 23. Mai 2013 die Erziehungsbeistandschaft von der Kinde s- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) übernommen. B. Am 15. Juni 2018 reichte das Heilpädagogische Zentr um Basel-Landschaft bei der KESB eine Gefährdungsmeldung betreffend D.____ ein. C. Aufgrund der Gefährdungsmeldung erteilte die KESB den Sozialen Diensten G.____ (seit Mai 2018 Wohnsitz der Kindsmutter) einen Abklärung sauftrag betreffend D.____. Mit Eingabe vom 21. November 2018 wurde der Abklärungsbericht eingereicht. D. Die KESB informierte mit Schreiben vom 26. Novemb er 2018 die Eltern von D.____ über die Ergebnisse der Abklärung und über den beabsichtigten Entscheid in der Sache. Die Eltern erhielten die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen. E. Mit Entscheid der KESB vom 3. Januar 2019 wurde e ine neue Erziehungsbeiständin für D.____ ernannt. Die Beistandschaft wurde erweitert und umfasst neu gestützt auf Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB die folgenden Aufgaben: D.____ und seine Eltern beratend zu unterstützen (lit. a); für die Eltern, D.____ und die Schule als Ansprechperson zur Verfügung zu stehen und D.____ im Hinblick auf die weitere Schul- un d Ausbildung zu unterstützen (lit. b); eine einvernehmliche Umsetzung des persönlichen Verkehrs zwi schen dem Vater und D.____ zu fördern (lit. c). Die bisherige Beiständin wurde au fgefordert, ihren Schlussbericht einzureichen. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. F. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe v om 10. Januar 2019 Beschwerde bei der KESB. Mit Schreiben vom 11. Januar 2019 überw ies die KESB die Eingabe von A.____ zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht Basel-Landschaf t, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). G. Mit der Überweisung der Beschwerde an das Kantonsgeri cht am 11. Januar 2019 liess sich die Vorinstanz gleichzeitig vernehmen und schliesst a uf Abweisung derselben. Zur Begründung wird hauptsächlich vorgebracht, dass die Schul e eine Gefährdungsmeldung eingereicht habe, welcher man habe nachgehen müssen. D a es immer wieder zu schulischen Problemen bei D.____ gekommen sei, liege es in seine m Interesse, die Beistandschaft beizubehalten. H. Die Beschwerdeführerin reichte am 6. Februar 2019 ihr Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mitsamt Belegen ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Verfügung vom 13. Februar 2019 wurde der Fal l der Kammer zur Beurteilung über- wiesen und festgehalten, dass das Urteil schriftlich eröff net werde. Ferner wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. De- zember 1907 in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB kan n gegen Entscheide der Kindesschutz- behörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Zuständiges Gericht im Sinne dieser Regelung ist nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über di e Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 das Kantonsgericht, Abt eilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht. Das Verfahren richtet sich vorab nach den Ar t. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwe ndbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befu gt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehe n (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefoch tenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als direkte Verfahrensbeteiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachv erhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die be stehende Erziehungsbeistandschaft zu Recht auf die schulischen Belange von D.____ ausgedehnt und auf eine Aufhebung der Bei- standschaft verzichtet hat. 3.1 Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerde im Wesentlichen damit, dass D.____ aufgrund seiner schulischen Verbesserung (regelmässi ger Schulbesuch und gute No- ten) keine Beistandschaft mehr benötige. Seine anfäng lichen Probleme in der alten Schule (Mobbing) würden am neuen Ort in G.____ nicht mehr bestehen. 3.2 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid dahingeh end, dass der Abklärungsbericht in Bezug auf die Schulsituation zu einem positiven Ergebn is gekommen und keine Gefährdung von D.____ erkannt worden sei. Die Zusammenarbeit mit dem Schulsystem sei jedoch schwie- rig und die früheren Probleme könnten sich jederzeit w iederholen. Das würde wieder eine Ge- fährdung darstellen. Die Beiständin solle deshalb für die Eltern, D.____ und die Schule als An- sprechperson zur Verfügung stehen. Damit könnten frühzeitig Missverständnisse verhindert und die Familie unterstützt werden. 4.1 Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB ist die KESB dazu verpfli chtet, bei einer Gefährdung des Kindeswohls die geeigneten Massnahmen zum Schutze des Kin des zu ergreifen, wenn die El- tern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder dazu auss erstande sind. Erfordern es die Ver- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hältnisse, ernennt die KESB dem Kind gestützt auf Art. 308 Abs. 1 ZGB einen Beistand, der die Eltern in ihrer Sorge um das Kind mit Rat und Tat u nterstützt. Gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB können dem Beistand besondere Befugnisse, insbesondere die Überwachung des persönlichen Verkehrs, übertragen werden. 4.2 Für die Ernennung eines Beistands wird gemäss Art. 308 Abs. 1 ZGB vorausgesetzt, dass die Verhältnisse den Einsatz eines solchen erforder n. Das heisst, es braucht zunächst eine rechtsrelevante Gefährdung des Kindeswohls und imp liziert gleichzeitig, dass die Mass- nahme alle Aspekte der Verhältnismässigkeit berücksichtigen muss (YVO BIDERBOST , in: Breit- schmid/Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Fami- lienrecht inkl. Kindes- und Erwachsenenschutz [Handkomment ar], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, N 3 zu Art. 308). Der Begriff des Kindeswohls e ntzieht sich einer genauen Definition, vielmehr sind zu dessen Beurteilung sämtliche Umstände im Einzelfall zu beachten. Unter Ge- fährdung wird im Allgemeinen die objektiv fassbare Gefa hr einer Beeinträchtigung des körperli- chen, sittlichen oder geistigen Wohls verstanden. Diese mu ss – wenn auch regelmässig prog- nostische Elemente miteinzubeziehen sind – einigermassen konkret sein (B IDERBOST , a.a.O., N 9 zu Art. 307). Unerheblich ist, auf welche Ursachen di e Gefährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen oder in einem Fehlverhalten de s Kindes, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. Desgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Ge- fährdung trifft. (vgl. C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, N 27.10 ff.; Urteil des Bundesgerichts 5A_701/2011 vom 12. März 2012 E. 4.2.1, in: FamPra.ch 2012, S. 821). 5.1 Der Gefährdungsmeldung des Heilpädagogischen Zentr ums Basel-Landschaft vom 15. Juni 2018 ist zu entnehmen, dass D.____ seit dem 9. A pril 2018 eine Sonderschul- Diagnose habe und aus diesem Grund die Integrationsklasse der Sekundarschule H.____ be- suche. D.____s bisherige Schulzeit sei von auffallend häu figem Schulabsentismus geprägt und dies habe in Kombination mit seiner leicht unterdurchsc hnittlichen kognitiven Leistungsfähigkeit dazu geführt, dass er schulisch selbst mit individuellen Le rnzielen massiv überfordert sei. Die Schulabsenzen seien immer noch ein Thema und würden ei n grosses Problem darstellen. Die Schule befürchte, dass das Problem erneut mit einem Sch ulwechsel umgangen werde. Im Be- richt der Heilpädagogin über die Schnupperzeit von D.__ __ in der Integrationsklasse der Se- kundarschule H.____ vom 20. April 2018 wird festgehalten, dass D.____ mehrere Tage nicht in die Schule gekommen und an anderen Tagen 35 Minuten bis 3 Stunden zu spät erschienen sei. Das Abmelden bei der Heilpädagogin habe nicht funktioniert. Die Beschwerdeführerin begründe die Absenzen bzw. das Zuspätkommen von D.____ damit, dass sie ihn nicht wecken bzw. nicht aus dem Bett bekommen könne. Im E-Mail-Verkehr zwischen d er Abteilung Sonderpädagogik des Amts für Volksschulen Basel-Landschaft und der Heilpädag ogin bzw. dem Leiter des Heil- pädagogischen Zentrums vom 13. Juni 2018 wird unter and erem festgestellt, dass D.____ in keinem Fach wirklich beurteilbar sei, da er bis auf zwei P rüfungen, welche ungenügend gewe- sen seien, alle versäumt habe und er den Schulstoff mit den vielen Absenzen nicht habe aufho- len können. D.____ habe zwar an diversen Lektionen te ilgenommen, habe sich jedoch nur mi- nim aktiv daran beteiligen können, weil ihm das Vorwisse n gefehlt habe. Die Heilpädagogin bedaure diese schulische Entwicklung von D.____, da sie ih n für einen freundlichen und zu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gänglichen Schüler halte, welcher sich motiviert gezeigt u nd einen guten Kontakt zu den ande- ren Schülern gehabt habe. Mit E-Mail der Abteilung Sonderpädagogik vom 1. Juni 2018 wurde die Beschwerdeführerin darauf hingewiesen, dass D.____ den Unterricht in der Integrations- klasse in H.____ bis zu den Sommerferien möglichst lückenlo s zu besuchen und sie der Se- kundarschule G.____ mitzuteilen habe, dass D.____ defin itiv nach den Sommerferien dort in die Kleinklasse eintreten werde. Im Anschluss an dieses E -Mail wurde D.____ mit drei aufei- nanderfolgenden Arztzeugnissen bis Ende Juni bzw. bis Ende Schuljahr krankgeschrieben (Arztzeugnis des Universitäts-Kinderspitals beider Basel v om 3. Juni 2018, Arztzeugnis von Dr. med. I.____ vom 5. Juni 2018, Arztzeugnis von Dr. med. J.____ vom 8. Juni 2018). 5.2 Zu den aktuellen Entwicklungen führt die abklärende Sozialarbeiterin der Gemeinde G.____ in ihrem Bericht vom 21. November 2018 aus, dass D.____ in G.____ grundsätzlich gut gestartet sei. Nach anfänglichen Schwierigkeiten komme er auch pünktlich zur Schule und sei- ne Leistungen seien besser geworden. Die Mutter habe zwi schenzeitlich ihr Einverständnis für eine IV-Testung von D.____ gegeben und sehe ebenfalls eine positive Entwicklung bei D.____. 5.3.1 Die Gefährdungsmeldung des Heilpädagogischen Zent rums Basel-Landschaft vom 15. Juni 2018 beschreibt die schulische Situation von D._ ___ vom Frühling 2018 bis zu den Sommerferien und zeichnet eine problembeladene Struk tur rund um die Beschulung von D.____. Die Rückmeldungen aus seiner neuen Schule in G._ ___ lassen jedoch auf eine Ver- besserung und Beruhigung der Schulsituation schliessen. D.____ scheint es dem vorstehenden Bericht zufolge besser zu gehen und er habe sich in sein em neuen Schulalltag eingelebt. Den vorliegenden Akten ist jedoch zu entnehmen, dass die Prob leme rund um die Beschulung von D.____ schon länger bestehen. Während seines ersten Pri marschuljahres in Basel seien seine vielen Verspätungen und seine zum Teil unabgemeldeten, krankheitsbedingten Absenzen auf- gefallen. Dies habe sich an der neuen Schule in F.____ gebessert (vgl. Verlaufsbericht der da- maligen Beiständin für die Zeit vom 26. April 2011 bi s 4. Dezember 2012). Im Oktober 2013 sei D.____ in der Schule erneut durch Absenzen aufgefallen und es sei zu Mobbingsituationen ge- kommen. In Zusammenarbeit mit dem Schulpsychologischen Di enst (SPD) habe erreicht wer- den können, dass D.____ von der Regelklasse in eine Klei nklasse habe wechseln können, was zu einer Stabilisierung der Situation geführt habe (vg l. Rechenschaftsbericht der damaligen Beiständin für die Zeit vom 23. Mai 2013 bis 29. Febr uar 2016). Ende 2015 habe D.____ zu- nehmend Zwangshandlungen gezeigt (Reinlichkeitszwang) un d sei aufgrund dessen für einige Zeit krankgeschrieben worden. Aufgrund der Zwänge und Absenzen in der Schule habe D.____ nicht mehr in seine Klasse zurückkehren können und es habe eine lange Zeit keine geeignete Beschulungsmöglichkeit für ihn bestanden. Im August 2016 sei er in eine Fremdsprachenklasse in F.____ eingeteilt worden (vgl. Verlaufsgutachten de r Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) vom 9. Dezember 2016, S. 11). In der Schul e in F.____ sei es des Öfteren zu Schwierigkeiten gekommen, was schliesslich zum Eintritt in die Integrationsklasse der 1. Se- kundarklasse in H.____ geführt habe. Seit August 2018 besucht D.____ die 2. Sekundarklasse Niveau A in G.____ (vgl. Bericht der Sozialarbeiterin vom 21. November 2018). 5.3.2 Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, ist di e schulische Laufbahn von D.____ geprägt von Klassen- und Schulwechseln. Es ist immer wiede r zu längeren Schulabsenzen und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Krankschreibungen gekommen, was eine stabile schulische Entwicklung von D.____ verhindert und zu Wissens- bzw. Lernlücken geführt hat. Gute Phasen wurden immer wieder durch negati- ve abgelöst, es gab bisher keine Beruhigung der Situation und es konnte sich keine nachhaltige Stabilität im schulischen Alltag von D.____ einstellen. Aktuell scheint sich D.____ in der Schule wohl zu fühlen, er komme pünktlich zum Unterricht und er ziele bessere Leistungen. Unabhän- gig davon empfehlen beide psychiatrischen Fachpersonen vo n D.____, dass weiterhin eine Ansprechperson für die Beschwerdeführerin und die Schule zur Verfügung stehen sollte, um zu begleiten und zu vermitteln. Die Psychiaterin, welche D. ____ bis im Juni 2018 betreut hat, hat bei ihm eine Zwangserkrankung festgestellt, welche ab hängig sei von seinen Befindlichkeiten. Sie schätze das System als eher fragil ein, weshalb ein R ückfall jederzeit ausgelöst werden könne. Der Psychiater, welcher D.____ seit Juli 2018 be handelt, führt aus, dass sich die Zwangserkrankung aktuell nicht manifestiere und D.____ gute Fortschritte gemacht habe. Er gehe pünktlich zur Schule, seine Leistungen hätten sich verbessert und er pflege Kontakte zu Mitschülern. Der Psychiater erachte es aber als wichtig, dass weiterhin eine Ansprechperson für die Mutter und die Schule zur Verfügung stehe, um die Situation zu begleiten und zu vermitteln. Aufgrund der Probleme mit der Schule in F.____ sei d as Vertrauen der Mutter in die Schule nachhaltig erschüttert und D.____ habe aufgrund der Klassenwechsel grosse schulische Lü- cken (vgl. Bericht der Beiständin vom 21. November 2018). In erster Linie muss sichergestellt werden, dass D.____ seine Lernrückstände aufholen und wi eder eine grundsätzlich positive Einstellung zur Schule aufbauen und insbesondere erhalten kann. Um die positive Entwicklung, welche sich erst seit dem Schulwechsel im August 2018 lang sam eingestellt hat, nicht zu ge- fährden und diese vielmehr zu manifestieren, drängt sich die Beibehaltung der Beistandschaft in schulischen Belangen auf. So erhält die Beschwerdeführer in die Möglichkeit, ihr Vertrauen in das Schulsystem wieder zu erlangen und gleichzeitig au f Unterstützung zurückzugreifen, falls dies nötig sein sollte. Bleibt die momentane schulische Situation weiterhin stabil, ist von der Vorinstanz zu prüfen, ob von einer Beistandschaft in sch ulischen Belangen abgesehen werden kann. Dessen ungeachtet ist es zum jetzigen Zeitpunkt richti g und verhältnismässig, zur Ver- meidung einer weiteren Gefährdung des Wohles von D.__ __ die aufgebaute Beistandschaft in Bezug auf die schulischen Belange aufrechtzuerhalten. Nach dem Gesagten ist die Beschwer- de in diesem Punkt abzuweisen. 6.1 In Bezug auf die Besuchsrechtsbeistandschaft macht di e Beschwerdeführerin geltend, dass zurzeit kein Kontakt mehr zwischen D.____ und seinem Vater bestehe, was D.____s Wil- len entspreche. Aus diesen Gründen erachtet die Beschwerdeführerin eine Beistandschaft nicht mehr für nötig. 6.2 Die Vorinstanz führt in ihrem Entscheid dagegen a us, die Beistandschaft in Bezug auf den persönlichen Kontakt zwischen dem Vater und D.____ k önne aus rechtlichen Gründen nicht aufgehoben werden. Zwar würde kein Kontakt mehr zwischen dem Vater und D.____ be- stehen, die Beistandschaft sei jedoch damals nach intensiv en Abklärungen gestützt auf ein psychologisches Gutachten im Scheidungsurteil bestätigt worde n. Die Voraussetzungen zur Änderung dieser Massnahme seien zurzeit nicht gegeben, da der Kontaktabbruch aus Sicht der Vorinstanz nicht zu unterstützen sei und die zugrundel iegenden Probleme sich nicht geändert hätten. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB kann die Kindesschutzbehör de der Beiständin besondere Befugnisse übertragen, namentlich die Vertretung des K indes bei der Wahrung seines Unter- haltsanspruchs und anderer Rechte und die Überwachung des persönlichen Verkehrs. Werden dem Beistand besondere Befugnisse übertragen, ist der Inhalt des Auftrags von der anordnen- den Stelle präzise festzulegen (BGE 118 II 242 E. 2.d) . Als besondere Befugnis kann dem Bei- stand die Überwachung des persönlichen Verkehrs übertr agen werden. Die Besuchsrechts- überwachung bzw. die Begleitung oder Beratung bezügli ch sonstiger Kontakte ist anzuordnen, wo erhebliche, das Kindeswohl gefährdende Auseinanderse tzungen im Umfeld des Besuchs- rechts zu befürchten sind. Der Beistand hat im Rahmen d er gerichtlich oder behördlich verbind- lich festgelegten Besuchsordnung die für einen reibung slosen Verlauf der einzelnen Besuche nötigen Modalitäten so festzusetzen, dass Spannungen abgebaut, negative Beeinflussungen vermieden und die Beteiligten bei Problemen beraten werden; eine gewisse Flexibilität aller Beteiligten ist für den Erfolg notwendig (P ETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, 5. Aufl., Basel 2014, N 4 zu Art. 308, m.w.H.). 6.4 Aus den Akten ergibt sich, dass mit Protokoll der dam aligen Vormundschaftsbehörde E.____ vom 30. März 2009 eine Erziehungsbeistandschaft n ach Art. 308 Abs. 2 ZGB für D.____ errichtet wurde. Die Beistandschaft hatte den Zweck, das Besuchsrecht zwischen D.____ und seinem Vater aufzubauen und zu begleiten. Bei jedem Wohnortswechsel der Be- schwerdeführerin wurde die Erziehungsbeistandschaft von der jeweils zuständigen KESB über- nommen und weitergeführt. Die damalige Erziehungsbeist ändin hielt in ihrem Verlaufsbericht vom 4. Dezember 2012 fest, dass die Eltern von D.____ sehr zerstritten und nicht in der Lage seien, miteinander zu kommunizieren. Aus diesem Grund wü rden sie die Besuche auch nicht alleine regeln können. Es sei erforderlich, dass die Beist ändin bei Fragen des Besuchsrechts zwischen den Eltern vermittle. Es komme auch immer wiede r vor, dass die Eltern D.____ als Boten für verletzende Botschaften für den jeweils ande ren benützen würden. Die zuständige Beiständin hält in ihrem Rechenschaftsbericht vom 8. März 2016 zu der Besuchsrechtssituation fest, dass die Eltern von D.____ ein sehr angespanntes Verhältnis zueinander hätten und ihre fehlende Kommunikationsfähigkeit gebe immer wieder Anlass für Fehleinschätzungen und Missverständnisse, was sich letztlich belastend auf das gesamte Familiensystem auswirke. Oh- ne Mitwirkung des involvierten Helfersystems würde es de n Eltern nicht gelingen, sich zu eini- gen. Solange D.____ zwischen den Interessen der Eltern stehe, sei er der psychischen Belas- tung von Seiten der Eltern ausgesetzt. D.____ stehe in einem dauernden Loyalitätskonflikt und könne so zu keinem Elternteil eine unbeschwerte Beziehung aufbauen. Um ganzheitlich auf die Bedürfnisse und Belange von D.____ einzugehen, die El tern mit Rat und Tat zu unterstützen, erachtete es die Beiständin als zwingend, die Besuchsrechts beistandschaft fortzusetzen. Im Gutachten der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel v om 9. Dezember 2016, welches im zivilrechtlichen Verfahren betreffend Abänderung des Scheidungsurteils in Auftrag gegeben wurde, haben die Gutachter aufgrund der Vorgeschichte empfohlen, unterstützende Massnah- men im Sinne des Kindeswohls beizubehalten. In ihrem Re chenschaftsbericht vom 31. August 2018 wird von der damals zuständigen Beiständin festgehal ten, dass D.____ seit Juli 2017 kei- nen Kontakt mehr zu seinem Vater habe. Er sage dem Kind svater jeweils, dass er keine Lust habe, oder erfinde Ausreden. Die Beschwerdeführerin wü rde einen Kontakt zwischen D.____ und seinem Vater hingegen begrüssen, da sie den Vater als wichtig erachte. Ein gemeinsames Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gespräch zwischen den Kindseltern habe seit langem nicht stattgefunden. Nach Angaben der Beiständin hätten im Einverständnis aller damals keine weiteren Besuche mehr stattgefunden. 6.5 Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass die bisherige Durchführung des Besuchsrechts nicht einfach gewesen ist und eine direkte Kommunikation zwischen den Eltern grundsätzlich nicht stattgefunden hat. D.____ hat sich in einem Loyalitätskonflikt befunden und schliesslich den Kontakt zu seinem Vater ganz abgebrochen. Vorliegend sind somit im Zusam- menhang mit dem Besuchsrecht eindeutig Defizite insbeso ndere in der Kommunikationsfähig- keit und allenfalls beim Kooperationswillen der Kindse ltern dargelegt, was die Notwendigkeit einer Unterstützung zur Durchführung des Besuchsrechts aufzeigt. Die Beiständin führt in ihrem Bericht vom 21. November 2018 sodann aus, dass aus Sich t der Beschwerdeführerin nichts gegen eine Wiederaufnahme des Besuchsrechts spreche und auch D.____ Interesse dafür sig- nalisiere, die Besuche bei seinem Vater wieder aufzunehm en. Dem Bericht ist ebenfalls zu ent- nehmen, dass auch der Kindsvater an einer Wiederaufnahm e der Besuche interessiert sei, da- für jedoch Unterstützung wünsche. Alle Beteiligten zeigen demzufolge grundsätzlich ihre Bereit- schaft, die Kontaktaufnahme zwischen D.____ und seinem Va ter zu unterstützen. Der momen- tane Unterbruch des Besuchsrechts sollte somit wenn immer möglich aufgehoben und der Kon- takt zwischen Vater und Sohn wieder aufgebaut werden, z umal die sich im Besuchs- wie auch im Sorgerecht ausdrückende Beziehung des Kindes zu beide n Elternteilen wichtig ist und bei dessen Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spie len kann (BGE 130 III 585 E. 2.2.2; 131 III 209 E. 4). Beide Elternteile haben aus diesem Gr und mit Blick auf das Wohl des Kindes die Pflicht, eine gute Beziehung zum jeweils anderen zu fördern. Der hauptbetreuende Elternteil hat das Kind beispielsweise positiv auf Besuche oder Kontakte beim oder mit dem anderen Eltern- teil vorzubereiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_505 /2013 vom 20. August 2013 E. 6.3). Die Besuchswochenenden bei seinem Vater waren für D.__ __ nicht immer einfach, zumal der Vater in der Vergangenheit nicht in der Lage gewesen ist, die Entwicklungen und die Schwierig- keiten von D.____ realitätsnah einzuschätzen und die Zwa ngsstörung zu erkennen. Die Wie- deraufnahme des Kontaktrechts ist aus diesem Grund sor gfältig zu planen und allenfalls schrittweise umzusetzen nach den Bedürfnissen von D.____. Als Vorbereitung für diesen Schritt wird die Beiständin gemäss dem Entscheid der Vor instanz beauftragt, eine einvernehm- liche Umsetzung des persönlichen Verkehrs zwischen Vater und Sohn zu fördern. Die Beistän- din hat somit D.____ sowie die Kindseltern darin zu unterstützen, dass Kontakte zwischen Vater und Sohn künftig möglich werden, das Kindeswohl gewahr t und die Interessen von D.____ in angemessenem Rahmen geschützt werden. Ziel ist somit, de n persönlichen Kontakt zwischen D.____ und seinem Vater wiederherzustellen. Zeigt sich , dass eine Beistandschaft zur Beglei- tung des Kontaktaufbaus nicht mehr nötig ist oder allen falls auf freiwilliger Basis erfolgen kann, hat die Vorinstanz (auf Antrag der Beiständin) eine An passung bzw. Aufhebung dieser Mass- nahme zu prüfen. Um D.____ vor einem Loyalitätskonfli kt und einer Kindswohlgefährdung zu schützen, ist es hingegen für die ersten Gespräche und den Aufbau der Besuche rechtens und verhältnismässig, die bestehende Beistandschaft gestützt au f Art. 308 Abs. 2 ZGB beizubehal- ten. Die Beschwerde ist demzufolge auch in diesem Punkt abzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz di e bestehende Erziehungsbei- standschaft zu Recht auf die schulischen Belange von D.__ __ ausgedehnt und auf eine Aufhe- bung der Beistandschaft verzichtet hat. Die Beschwerde ist somit vollumfänglich abzuweisen. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- sind demnach der Beschwerdef ührerin aufzuerlegen. Zufolge Bewilli- gung der unentgeltlichen Prozessführung für das Verfahr en vor Kantonsgericht gehen die Ver- fahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. Die Parteikosten sin d gestützt auf § 21 Abs. 2 VPO wettzuschlagen. 7.2 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin