Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Oktober 2021 (720 21 4 / 279) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bestätigung der revisionsweisen Einstellung der Anspruchsberechtigung aufgrund einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Jeannine Gass Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1962 geborene A.____ meldete sich erstmals im September 2000 bei der Eidgenös- sischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Mit Verfügung vom 12. Au- gust 2004 wurde ihr sodann von der IV-Stelle Basel-La ndschaft (IV-Stelle) rückwirkend für den Zeitraum vom 1. August 2000 bis 30. September 2002 ein e ganze IV-Rente zugesprochen. Am 17. Juni 2005 erfolgte eine erneute Anmeldung zum Leistungsbezug. Aufgrund eines ermittelten IV-Grads von 46 % sprach ihr die IV-Stelle ab 1. Juni 20 04 eine Viertelsrente, ab 1. Juni 2006 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine ganze Rente und ab 1. Dezember 2006 erneut ein e Viertelsrente zu. Mit Entscheid vom 4. April 2008 (720 07 319 / 110) bestätigte das Kant onsgericht Basel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht) den Anspruch auf eine Viertelsrente. Mit Mitteilung vom 17. Januar 2014 wurde der Anspruch auf eine Viertelsr ente im Rahmen einer Revision des Rentenanspruchs infolge umfassender medizinischer Begut achtung vom 13. Dezember 2013 erneut bestätigt. A.2 Mit Erhöhungsgesuch vom 15. Mai 2017 beantragte A.____ eine ganze Rente ab Januar 2017 aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Na chdem die IV-Stelle ein bidisziplinäres Fachgutachten (psychiatrisch und rheumatologisch) eingeholt hatte, kam sie mit Verfügung vom 20. November 2020 zum Schluss, dass sich der Gesundheitszustand von A.____ erheblich ver- bessert habe und die Beschwerdeführerin lediglich noch aufgrund ihrer somatischen (rheumato- logischen) Beschwerden zu 20 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Demnach sei der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine IV-Rente per Ende Dezember 2020 einzustellen. B. Hiergegen erhob A.____ am 5. Januar 2021 Beschwerd e beim Kantonsgericht mit dem Begehren, die Verfügung der IV-Stelle vom 20. Novemb er 2020 sei unter Zusprechung einer mindestens halben Invalidenrente vollumfänglich aufzuh eben. Eventualiter sei die Angelegen- heit an die Vorinstanz zurückzuweisen, um ein unabhängi ges psychiatrisches Gutachten erstel- len zu lassen und gestützt darauf neu zu verfügen. Fer ner sei die aufschiebende Wirkung der vorliegenden Beschwerde wiederherzustellen und die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh- ren; alles unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Stellungnahme vom 27. Januar 2021 zum Antrag auf Wiederherstellung der auf- schiebenden Wirkung beantragte die IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs. Mit Verfügung vom 2. Februar 2021 wies das Kantonsgericht den Verfahre nsantrag der Beschwerdeführerin auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab. D. In ihrer Vernehmlassung vom 4. März 2021 schloss die IV -Stelle zudem auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Schreiben vom 19. März 2021 zog A.____ das Gesu ch um Bewilligung der unent- geltlichen Prozessführung zurück. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 5. Januar 2021 ist demnach einzutreten. 2. Zu prüfen ist, ob und allenfalls in welcher Höhe di e Beschwerdeführerin Anspruch auf eine IV-Rente hat. Massgebend ist dabei jener Sachverha lt, wie er sich bis zum Erlass der an- gefochtenen Verfügung vom 20. November 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet recht- sprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Übe rprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49, E. 1 .2, 130 V 396, E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294, E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – so- gar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294, E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindesten s 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15, E. 3.2) mit den Unterva rianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310, E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsfähig oder arbeitsun fähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilde n die ärztlichen Stellungnahmen eine wichti- ge Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, a lso der Frage, welche andere Erwerbstä- tigkeit als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der ve rsicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden kann (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen E ntscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverha ltes genügt den Beweisanforderun- gen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsd arstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste wür digt (BGE 138 V 218 E. 6 mit diversen Hinweisen). Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat das Gericht von Amtes we- gen die notwendigen Beweise zu erheben. Eine Beweisla st besteht nur in dem Sinne, dass im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jen er Partei ausfällt, die aus dem unbe- wiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des U ntersuchungsgrundsatzes aufgrund Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die hohe Wahrschein- lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BG E 117 V 263 E. 3b). Das schweizeri- sche Sozialversicherungsrecht kennt demnach keinen Grundsat z, wonach die Versicherungs- organe im Zweifel zu Gunsten der Versicherten zu entschei den haben. Ein Anspruch auf Leis- tungen besteht nur, wenn die Voraussetzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind (ZAK 1983 S. 259). 4.3 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse hat das Gericht die ihm von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellenden Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei lung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf di e andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist en tscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinweisen). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung au fzustellen. So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zw ingende Gründe" von den Ein- schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufg abe es ist, seine Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ei nen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Gutachten externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG ei ngeholt wurden und den Anforderun- gen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweiswert zuerkennen, solange "nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der E xpertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.). Schliesslich lässt es die Natur des Beguta chtungsauftrags eines amtlich bestell- ten fachmedizinischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E . 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b), ein Administrativ- oder Ger ichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn and ere Ärzte zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Ma i 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil beispielsweise die behandelnden Ärzte wichtige - un d nicht rein subjektiver ärztlicher Inter- pretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzu- setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Ans pruchs (Viertelsrente, halbe Rente, Dreiviertelsrente, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2 IVG) auswirkt (vgl. BGE 134 V 131 E. 3). Ein Re- visionsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in de n persönlichen Verhältnissen der versi- cherten Person, wozu namentlich der Gesundheitszustand ge hört. Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologisch e Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann som it nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden. Umgekehrt ist – bei an sich gleich geblie- benem Gesundheitszustand – eine Angewöhnung oder Anpass ung an die Behinderung, welche zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führt, revisio nsrechtlich von Bedeutung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen). Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, w enn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheb lich verändert haben. Ein Revisi- onsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemes- sung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs einge- treten ist (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). 5.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens zurückzuführen (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Liegt dagegen ein Revisionsgrund vor, ist der Rente nanspruch in rechtlicher und tat- sächlicher Hinsicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindun g an frühere Beurteilungen be- steht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgeri chts vom 18. August 2018, 8C_145/2018, E. 3.2). 5.4 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtl ichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Die Feststellung üb er eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist genügend unterm auert, wenn die ärztlichen Sachver- ständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.2 mit Hinweis). 5.5 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrads bildet die letzte (der versicherten Pe rson eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3). Vorliegend stellte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 17. Januar 2014 infolge einer materiellen Überprüfung des Rentenanspruchs fest, dass nach wie vor ein Anspruch auf eine Viertelsren te bestehe. Auf Gesuch der Be- schwerdeführerin vom 15. Mai 2017 hin leitete die IV- Stelle erneut ein Rentenrevisionsverfah- ren ein. Es folgte eine einlässliche materielle Prüfun g des Rentenanspruchs mit einer vertieften Abklärung des medizinischen Sachverhalts. Nach Vornahme me dizinischer Abklärungen stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom 20. November 2020 fes t, dass die Beschwerdeführerin auf- grund eines verbleibenden IV-Grads von 20 % keinen Anspruch mehr auf eine Rente der Invali- denversicherung habe. Da die Beschwerdeführerin von eine r Verschlechterung des Gesund- heitszustands ab Mai 2017 ausging, sind vorliegend die Mitteilung vom 17. Januar 2014 und die Verfügung vom 20. November 2020 zu vergleichen, denn la ut Art. 74 ter lit. f der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 19 61 bedarf es keiner Verfügung, wenn die IV-Rente nach einer von Amtes wegen durchgeführt en Revision weiter ausgerichtet wird, sofern keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verh ältnisse festgestellt wird, was hier der Fall war. Eine solche Mitteilung ist, wenn keine Verfü gung verlangt worden ist (Art. 74 quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hinweis). 6. Das Administrativverfahren wie auch der kantonale S ozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht von Amtes wege n für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei nlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7.1 Zur Beurteilung der strittigen Frage sind im Wesen tlichen nachfolgende medizinische Unterlagen zu berücksichtigen. 7.2.1 Die IV-Stelle stützte die ursprüngliche Rentenzusp rache vom 17. Januar 2014 auf die Ausführungen im bidisziplinären Gutachten von Dr. med. B.____, FMH Innere Medizin und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rheumatologie, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie un d Psychotherapie, vom 13. Dezem- ber 2013 (Folgegutachten nach polydisziplinärer Begutachtung vom 30. Dezember 2009). 7.2.1.1 Im polydisziplinären Gutachten vom 30. Dezembe r 2009 wurde die Beschwerde- führerin sowohl internistisch, rheumatologisch, neurol ogisch als auch psychosomatisch unter- sucht. Gestützt auf die bereits vorhandene Aktenlage sow ie auf die Ergebnisse der persönli- chen Untersuchungen wurden als Diagnosen mit Einfluss au f die Arbeitsfähigkeit (1) eine chro- nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, (2) ein chronisches de- pressives Syndrom seit 1995, aktuell leichte depressive Episode, (3) chronische Lumbalgien mit möglicher lumboradikulärer Schmerzsymptomatik bei Status nach Fenestrierung L4/5 links bei kaudal luxierter Diskushernie sowie (4) chronische Zervikob rachialgien linksbetont mit pseudo- radikulärer Ausstrahlung in den linken Arm festgestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit wurden noch (1) ein Karpaltunnelsyndrom links, (2) ein Verdacht auf eine De Quervain- Tendovaginitis im linken Daumen, (3) leichte Senk-Spre izfüsse, (4) Migräne ohne Aura, (5) Ak- tenanamnestisch ein Asthma bronchiale, (6) ein aktenanamnestisch Verdacht auf eine generali- sierte Angststörung sowie (7) ein aktenanamnestischer Stat us nach zwei Gebärmutteroperatio- nen festgehalten. Bei den Untersuchungen habe die Explorandin berichtet, dass sie Schmerzen im Lumbalbereich wie auch im Zervikalbereich verspüre und über Parästhesien im Bereich der unteren sowie oberen Extremitäten geklagt habe. Bezüglich des allergischen Asthma bronchiale seien die Angaben hinsichtlich der auslösenden Allergene auffallend unscharf gewesen. Das Vorliegen einer depressiven Erkrankung sei von der Explor andin jedoch nicht erwähnt worden. Auffallend sei, dass sich die Explorandin zum Untersuchun gstermin auffallend nachlässig ge- kleidet habe (völlig zerknittertes T-Shirt, zerrissenes U nterhemd sowie grössere Staubflocken im Haar), was als Verdeutlichungstendenz zu interpretie ren sei. Bei der psychosomatischen Begutachtung sei aufgefallen, dass die Explorandin die gestellten Fragen nur mit offensichtli- chem Widerwillen und ausweichend beantwortet habe. Es h ätten keine Konzentrations-, Auf- fassungs- oder Gedächtnisstörungen bestanden. Psychomotori sch sei die Explorandin ruhig, der Antrieb unauffällig und die Stimmung indifferen t bis leicht depressiv gedrückt gewesen. Im Affekt sei sie dysphorisch gereizt und nicht schwingungsfä hig aufgetreten. Inhaltlich habe sich in den geordneten, formalen Gedankengängen kein Anhal t für Wahngedanken, Halluzinationen oder Ich-Störungen finden lassen. Zwangsgedanken und Z wangshandlungen seien im Gegen- satz zu einem früheren Bericht nicht erhebbar gewesen und die Explorandin sei auch bereits seit einem Jahr nicht mehr in psychiatrischer Behandlung. Aufgrund der fehlenden Kooperation der Explorandin hätten die in einem Vorgutachten gest ellten Verdachtsdiagnosen einer genera- lisierten Angststörung und einer Zwangsstörung weder best ätigt noch verworfen werden kön- nen. Die Kriterien einer mittelgradigen depressiven E pisode seien nicht mehr erfüllt gewesen, daher sei noch von einer leicht ausgeprägten depressiven Episode auszugehen. Der Verdacht auf nicht-organische Faktoren der chronischen Schmerzkrankh eit sei nicht klar bestätigt wor- den. Aufgrund des Vorhandenseins objektivierbarer somati scher Befunde sei daher nicht die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung, sondern die einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu stellen. 7.2.1.2 In Bezug auf die psychische Gesundheitsbeeinträcht igung wurde im Gutachten vom 13. Dezember 2013 von Dr. C.____ aufgrund der Unte rsuchung vom 9. August 2013 als Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezi divierende depressive Störung gegen- wärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom, unt er spezifischer, psychiatrischer Behandlung und Psychopharmakotherapie sowie eine anhalt ende somatoforme Schmerzstö- rung festgehalten. Während der Exploration sei die V ersicherte in einer weinerlich depressiven Grundstimmung, streckenweise auch dysphorisch und inhaltlich eingeengt gewesen. Die Explo- randin habe während der Untersuchung fast durchgehend depressiv gewirkt, wobei zu Beginn und gegen Schluss der Exploration eine Weinerlichkeit bestanden habe. Subjektiv seien Ge- dächtnisstörungen und eine Reduktion der Konzentratio nsfähigkeit beklagt worden, allerdings sei ein Abfall der Aufmerksamkeit während der dreistünd igen Untersuchung nicht beobachtbar gewesen. Nebst der ausgeprägten Schmerzsymptomatik habe d ie Explorandin an Schlafstö- rungen, einer ständigen Tagesmüdigkeit und Erschöpfbarke it gelitten. Trotz der geklagten Be- schwerden habe nach wie vor ein geregelter Tagesablauf m it erheblich eingeschränkter Aktivi- tät bestanden. Im Laufe der Exploration habe es verschiedene Hinweise für eine Verdeutlichung gegeben, so sei die Weinerlichkeit nur zu Beginn bei den ersten Fragen und ihren proaktiven Hinweisen auf ihre Gefühle aufgetreten. Die zeitlich knappe Orientierung und die auffällige Ver- langsamung der Diadochokinese habe im Kontrast zu den üb rigen Bewegungen gestanden. Das Unvermögen die Schmetterlingsfigur zu machen habe zu dem fast grotesk gewirkt. Das völlige Versagen im Rechentest und im Merkfähigkeitstest im Gegensatz zu den übrigen Ant- worten hätten an der Authentizität der Resultate zwei feln lassen und weder zu einer depressi- onsbedingten Einschränkung noch zu einer Demenz im klini schen Sinne gepasst. Die Explo- randin habe berichtet, dass sie keine Kolleginnen habe und sozial nicht gut eingebettet sei. Sie hege einen regelmässigen Kontakt zu ihren Töchtern und ihrer Cousine, mache aber selten Besuche. Mitglied in einem Verein oder einer Organisa tion sei sie nicht. Sie koche, aber nicht täglich, lese Bücher, auch wenn sie nicht lange lesen kön ne und schaue Fernseher, aber nie die Nachrichten. Hobbies habe sie im Übrigen keine. Sp aziergänge mache sie nur selten. Sie mache keine Ausflüge. Im Haushalt mache sie kaum etwas s elber, sie helfe lediglich mit Klei- nigkeiten. Ihre Stimmung beschreibe sie selbst als schwan kend, richtig gut gehe es ihr nie. Sie fühle sich innerlich oft unruhig, angespannt oder ner vös und reizbar. Manchmal sei sie auch ängstlich, leide an Panikattacken und Angstzuständen. Von psychiatrischer Seite her sei es im Vergleich zum Vorgutachten vom 30. Dezember 2009 zu e iner leichten Verschlechterung des Krankheitsbildes gekommen. Daher sei die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit leicht höher als im Vorgutachten zu beurteilen. Es sei allerdings darau f hinzuweisen, dass – unter adäquater Therapie der depressiven Erkrankung – der Gesundheitszust and der Explorandin besserungs- fähig sei. 7.2.2 Infolge des erneuten Leistungsbegehrens wurde die Versicherte mit Schreiben vom 16. Mai 2017 dazu aufgefordert, durch Einreichen ärzt licher Unterlagen darzulegen, dass sich der Gesundheitszustand massgeblich verschlechtert hat. De r in der Folge eingereichte Bericht von Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin, vom 14. Juni 2 017 hält diesbezüglich fest, dass die Versicherte seit dem 26. April 2017 von Frau E.____, P sychologin und Psychotherapeutin FSP, psychologisch betreut werde und eine Arbeitsunfähigkeit v on 100 % für jegliche Tätigkeiten be- stehe. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.3 Am 24. August 2017 erfolgte sodann eine psychiat rische Stellungnahme vom RAD-Arzt Dr. med. F.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera pie, zum Bericht des Hausarztes Dr. D.____ vom 14. Juni 2017. Darin wurde festgehalte n, dass eine gesundheitliche Ver- schlechterung nicht nachgewiesen sei, weil sich der Ber icht des Hausarztes einzig auf die sub- jektiven Angaben der versicherten Person stütze und die Angaben des Hausarztes darüber hin- aus nur rudimentär seien. Damit bestehe keine Vorlage, worauf eine Beurteilung einer eventuel- len Verschlechterung abgestellt werden könne. 7.2.4 Dr. D.____ und Frau E.____ hielten in ihrem B ericht vom 24. September 2017 fest, dass der Gesundheitszustand der Versicherten sich zunehmend v erschlechtert habe. Sie fühle sich sowohl körperlich als auch psychisch sehr angeschlagen. Bere its nach jeder geringen Anstren- gung sei sie sehr müde und erschöpft. Aufgrund von Kraft-, Energie- und Lustlosigkeit wie auch Müdigkeit habe sie sich sozial sehr zurückgezogen. Sie leid e unter Konzentrations-, Aufmerk- samkeits- und Antriebslos- sowie Freudlosigkeit. Aufgrund ihrer körperlichen Beschwerden sei sie nicht flexibel genug eine Arbeit aufzunehmen. Weg en ihrer Rückenschmerzen könne sie weder lange sitzen noch stehen. Ein Gespräch könne sie nicht lange aushalten oder sich länger konzentrieren. Aufgrund ihrer körperlichen und psychischen Beschwerden sei die Versicherte erheblich beeinträchtigt, weswegen von einer 100%igen A rbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen sei. 7.2.5 In einer erneuten psychiatrischen Stellungnahme vo n Dr. F.____ vom 14. Oktober 2017 zum Bericht von Dr. D.____ und Frau E.____ vom 24. S eptember 2017 bezüglich einer festge- stellten Depression mittleren Grades wurde ausgeführt, dass kein Behandlungssetting im enge- ren Sinne bestehe. Weder die Sitzungsfrequenz (eher n iederfrequent), noch die Pharmakothe- rapie (es bestehe keine aktuelle Antidepressiva Verordnun g) würden für eine zu behandelnde Depression sprechen. Ein mittlerer Stärkegrad der Depressi on könne dem Brief nicht (ICD-10- konform) entnommen werden. Die im Weiteren attestiert e volle Arbeitsunfähigkeit könne eben- falls nicht nachvollzogen werden. Eine relevante Verbess erung des Gesundheitszustandes könne nicht ausgeschlossen werden. 7.2.6 Am 7. Mai 2018 wurde die Beschwerdeführerin zun ächst von Dr. med. G.____, FMH Rheumatologie, rheumatologisch untersucht, wobei als Diagnose mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit chronische unspezifische Kreuzschmerzen diagnostiziert wurden, welche zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % führen würd en. Am 15. Juni 2018 wurde die Be- schwerdeführerin sodann von Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, psychiat- risch begutachtet, wobei aus psychiatrischer Sicht keine Kra nkheit mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit diagnostiziert wurde. Die Explorandin habe einen gepflegten Eindruck gemacht. Sie habe ohne sichtbare Behinderung den Untersuchungsr aum betreten und während der 1.75 Stunden dauernden Untersuchung mehrmals die Sitzposition gewechselt, wobei sie Schmerzen in der lumbalen Wirbelsäule angedeutet habe. Die Ve rsicherte habe spontan viel, ungehindert und bewusstseinsklar gesprochen und in ihren Angaben jeweils weit ausgeholt, während sie auf die gestellten Fragen jedoch nicht immer direkt einge gangen sei. Zeitweise habe sie bezüglich gewisser Fragen ein ausweichendes Verhalten gezeigt. Di e Stimmung sei während des Ge- sprächs ausgeglichen gewesen, wobei die Explorandin auch hin und wieder gelächelt habe. Der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gedankengang sei in formaler Hinsicht weder gehemmt, v erlangsamt, noch an Ideen verarmt, jedoch auf die geklagten Beschwerden eingeengt gewesen. Die Beschwerdeschilderungen sei- en oft vage, diffus und wenig fassbar gewesen, wobei si ch Dramatisierungstendenzen und In- konsistenzen hätten erkennen lassen. Konzentrations-, Au fmerksamkeits-, Auffassungsstörun- gen oder Ermüdungszeichen hätten klinisch jedoch nicht festgestellt werden können. Anlässlich der Untersuchung lasse sich ein Schmerzsyndrom mit andauernd en Schmerzen mittelgradiger bis erheblicher Intensität im Bereiche des Nackens, der A rme und Beine sowie des gesamten Rückens und der Sprunggelenke beidseitig sowie allgemein im ganzen Körper nachweisen. Diese würden gemäss Angaben der Versicherten seit über 20 Jahren bestehen. In diagnosti- scher Hinsicht sei daher von einer anhaltenden somatofor men Schmerzstörung auszugehen. In diesem Kontext sei allerdings zu erwähnen, dass die psycho soziale Funktionsfähigkeit der Ex- plorandin in der Beziehung mit ihrem Ehemann, mit de n Kindern, den Enkeln, aber auch zwei langjährigen Freundinnen und den Freundinnen und Ko lleginnen des Vereins I.____ sowie in der Beziehung mit ihren drei Geschwistern als intakt zu beurteilen sei. Die Versicherte begebe sich gerne in den Verein I.____ wo sie sich jeweils eine halbe bis zwei Stunden aufhalte, gehe gerne in ein nahegelegenes Café und habe auch einen Hobbyraum gemietet, den sie nutze um sich mit ihrer Familie zu treffen und zusammen zu kochen und zu essen. Des Weiteren sei fest- zuhalten, dass sie auch die Haushaltsarbeiten erledigen kö nne, wobei sie diesbezüglich von ihren Töchtern und einer Raumpflegerin unterstützt wer de. Ihre Arbeitsfähigkeit beurteile sie selbst aufgrund ihrer Kraftlosigkeit als nicht mehr gegeb en, wobei sie ihre Schmerzen trotz mehrmaligem Nachfragen jedoch nicht erwähnt habe. De s Weiteren würden sich anamnestisch die Symptome der zeitweise gereizten, selten aggressiven, häufig traurigen und manchmal fröh- lichen Stimmung, der häufigen Müdigkeit, der unterschiedlichen Energie, der schmerzbedingten Durchschlafstörung und der Vergesslichkeit entnehmen lassen. Diese Symptome würden die zur Diagnosestellung einer depressiven Episode notwendigen Kriterien allerdings nicht erfüllen. Insbesondere würden sich keine andauernd bedrückt-traurig e oder gereizt aggressive Stim- mung, keine andauernde verminderte Energie sowie keine Freud-, Lust- oder Interesselosigkeit nachweisen lassen. Es sei zudem darauf hinzuweisen, dass die Angaben der Versicherten nicht konsistent seien und diverse Widersprüche aufweisen würde n. Auch eine Konzentrationsbeein- trächtigung sei nicht zu verzeichnen So sei die Versicherte während der ganzen Untersuchung stets sehr konzentriert gewesen. Im Vergleich mit den Befunden des psychiatrischen Gutach- tens von Dr. C.____ vom 15. August 2013 sei es zu einer deutlichen Verbesserung gekommen. So beklage sich die Versicherte auch nicht mehr über Pan ikattacken, Schreckhaftigkeit oder ihre Weinerlichkeit zuhause. Im Gegenteil berichte sie, dass sie sehr gerne mit ihren Kindern und Enkelkindern zusammen sei und die Zeit mit ihnen ihr Freude bereite. Insgesamt lasse sich keine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in alle n vergleichbaren Lebensberei- chen feststellen. Behandlungsanamnestisch lasse sich zwar ei n ausgewiesener Leidensdruck feststellen, allerdings bestehe bei der Gesprächsbehan dlung bei Frau E.____ eine lediglich un- regelmässige und niedrige Sitzungsfrequenz. Zudem sei keine medikamentöse antidepressive Behandlung verordnet worden. Letztere beiden Faktoren dürften als Hinweis dafür zu betrach- ten sein, dass sich eine Depression nicht mehr objektiviere n lasse. Auch verfüge die Versicher- te über Ressourcen, insbesondere die intakte psychosoziale Funktionsfähigkeit. Im Gegensatz zum Bericht von Frau E.____ sei ein sozialer Rückzug nicht mehr erkennbar. Darüber hinaus lese sie Bücher, auch wenn sie jeweils nicht längere Zeit lesen könne, sei an Aktualitäten inte- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ressiert und schaue die Nachrichten. Gemäss Ratingbogen M ini-ICF-App könne aus rein psy- chiatrischer Sicht das Fähigkeitsniveau nicht als relevant eingeschränkt beurteilt werden. Auf- grund der Tatsache, dass sich keine Depression mehr diagnostizieren lasse, könne aus psychi- atrischer Sicht auch keine Einschränkung der Arbeitsfähig keit oder Verminderung der Leis- tungsfähigkeit mehr begründet werden. Die Beschwerden der somatoformen Schmerzstörung hätten ebenfalls keinen Einfluss auf die Arbeitsfähig keit unter Mitberücksichtigung der erwähn- ten Faktoren und Ressourcen. Da sich – aufgrund des fehl enden Verlaufsbeschriebs in den vorhergehenden Berichten – keine verlässlichen Aussagen üb er den Zeitpunkt der Verbesse- rung machen liessen, sei ab dem Untersuchungsdatum von der Gültigkeit der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Obwohl sich aus psychiatrisc her Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen lasse, könne die Versichert e von der weiteren Fortführung der be- stehenden Gespräche bei ihrer Psychologin profitieren. Eine psychopharmakologische Behand- lung sei nicht als indiziert zu betrachten, dennoch könn e die Schlafqualität durch die Verord- nung eines sedierenden Antidepressivums zwecks Schmerzmodulation verbessert werden. 7.2.7 Das medizinische Gutachten vom 17. bzw. 24. Juli 2 018 wurde sodann dem RAD zur Prüfung vorgelegt. Dr. F.____ hielt mit Stellungnahm e vom 20. Oktober 2018 fest, dass das Gutachten als fachkorrekt und nachvollziehbar einzustufen se i und kein weiterer Abklärungsbe- darf bestehe. 7.2.8 Zum Einwand der Beschwerdeführerin, dass keine Te stungen durchgeführt worden sei- en und die Untersuchung lediglich 1.75 Stunden gedaue rt habe, erfolgte am 29. Mai 2019 eine erneute Stellungnahme durch Dr. F.____. Die Einwände der Versicherten hätten demnach nur bedingt medizinischen Charakter und seien ärztlich weder attestiert noch bestätigt worden. Die verlangte Zusatzdiagnostik, welche auch einen testpsycholog ischen Fragebogen beinhalte, sei weder obligatorisch, noch habe sie bestimmenden Charakt er. Im Weiteren könne es für die Aussagekraft eines Gutachtens nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommen. Daher lasse sich ein genereller Zeitraum für eine Untersuchung nicht verbindlich angeben. 7.2.9 Im Arztbericht „Berufliche Integration/Rente“ vom 2. April 2020 von Dr. D.____ und J.____, Eidg. anerkannter Psychotherapeut, wurden als D iagnosen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, g egenwärtig mittelgradiger Episode mit somatischem Syndrom, eine generalisierte Angststörung, ei ne psychosoziale Belastungsstö- rung, ein chronisches Panvertrebralsyndrom mit Status na ch Fenestrierung/Dekompression Lendenwirbelkörper (LWK) 4/5 und chronischem Zervikobrach ialsyndrom und chronischer Coc- cygodynie, chronische Fussschmerzen beidseitig, chronische Gon algie beidseitig unklarer Ätio- logie, eine chronische Migräne, eine chronische Epicondyl itis links, zunehmende Vergesslich- keit mit intermittierendem Schwindel unklarer Ätiologi e sowie Asthma bronchiale festgestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine D iabetes Mellitus, eine arterielle Hyperto- nie, eine Adipositas Grad I, ein Status nach Eradikatio n bei HP-Gastritis, eine Laktoseintole- ranz, eine Dyslipidämie sowie ein Eisen- Vitamin B12- und Vitamin D-Mangel diagnostiziert. Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der erhebl ichen psychischen und körperlichen Be- schwerden als sehr ungünstig einzustufen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.10 Gemäss dem Verlaufsbericht von Dr. D.____ vom 1 1. September 2020 fühle sich die Versicherte körperlich als auch psychisch sehr angeschlagen. Nach jeder Anstrengung sei sie sehr müde und erschöpft. Aufgrund der Kraft-, Energie- und Lustlosigkeit wie auch der Müdig- keit habe sie sich sozial sehr zurückgezogen und leide an Ko nzentrations-, Aufmerksamkeits- und Antriebslosigkeit. 7.2.11 In seiner Stellungnahme vom 17. November 2020 hält Dr. K.____, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, bezüglich dem Bericht von Dr. D.__ __ vom April 2020 und dem Verlaufs- bericht vom September 2020 fest, dass eine plötzliche Zu nahme von psychiatrischen Diagno- sen bei der seit 2011 in der Praxis bekannten Versicherten auffallen würde. So würden akzentu- ierte Persönlichkeitszüge wie auch eine generalisierte Angststörung und eine psychosoziale Belastungsstörung angegeben. Allerdings sei die Bedeu tung dieser Diagnosen aufgrund der fehlenden Begründung nicht ersichtlich. Auch könne nicht anhand der übrigen Angaben in den Berichten auf die Bedeutung der Diagnosen geschlossen werden. Im Weiteren würden die An- gaben zur Sitzungsfrequenz (monatlich) nicht auf eine hohe Krankheitslast oder einen erhöhten Leidensdruck schliessen lassen. Am Gutachten vom August 2018 sei demnach festzuhalten. 8.1 Die IV-Stelle stützte ihre Verfügung vom 20. Nove mber 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf die Ausführungen im bidisziplinären Gutachten der Dres. H.____ und G.____ vom 17. bzw. 24. Juli 2018. Im ent- scheidrelevanten Zeitpunkt vom 20. November 2020 ging si e daher davon aus, dass aus rheu- matologischer Sicht weiterhin von einer verminderten Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule aus- gegangen werden müsse, welche bis anhin eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 % in einer adaptierten Tätigkeit begründet habe. Es würde n keine objektiven Befunde bestehen, die eine Änderung dieser Beurteilung rechtfertigen würde n. Aus psychiatrischer Sicht könne sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit oder Verminder ung der Leistungsfähigkeit mehr be- gründen lassen, da die bestehenden Restbeschwerden von Seiten der anhaltenden somato- formen Schmerzstörung – unter Mitberücksichtigung sämtlich er relevanter Faktoren – keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten und sich eine Depression nicht mehr diagnostizieren lasse. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ä rzte, die aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. 8.2 Diese beweisrechtlichen Vorgaben erfüllt zunächst da s rheumatologische Teilgutachten von Dr. G.____ vom 17. Juli 2018. Dieses weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.3 hi ervor) – für die streitigen Belange um- fassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksich tigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zu- sammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situa tion ein, setzt sich mit den vorhan- denen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und ist in den Schlussfolgerun- gen überzeugend. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in rheuma- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht tologischer Hinsicht auf die Ergebnisse abstellte, zu welch en Dr. G.____ gelangte. Diese Beur- teilung des rheumatologischen Gesundheitszustands wird auch von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten. 8.3 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen s odann den psychiatrischen Gutach- tensteil nicht in Zweifel zu ziehen. Zunächst ist festzu halten, dass Dr. H.____ das psychiatri- sche Teilgutachten in Kenntnis der Vorakten und nach Erhebung einer ausführlichen Anamnese erstellt hat. Zudem untersuchte er die Beschwerdeführer in eingehend und berücksichtigte die von ihr geklagten Beschwerden. Soweit die Beschwerdefüh rerin beanstandet, dass keine Tes- tungen durchgeführt wurden, ist anzumerken, dass der Umst and, dass keine speziellen Tests durchgeführt wurden, nicht dazu führt, dass nicht mehr auf das Gutachten abgestellt werden kann. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kommt dem schematischen testmässigen Erfassen der Psychopathologie nach bestimmten Skalen, di e auf den Angaben und Einschät- zungen der versicherten Person selbst beruhen, bei der p sychiatrischen Exploration höchstens ergänzende Funktion zu. Entscheidend ist die klinische Unte rsuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des B undesgerichts vom 3. Juni 2008, 9C_531/2007, E. 2.2.4 mit Verweis auf Urteil vom 9. August 2006, I 391/06, E. 3.2.2). Auch mit der Rüge, dass die psychiatrische Untersuchung led iglich 1.75 Stunden gedauert ha- be, vermag die Beschwerdeführerin keine Zweifel an der Zuverlässigkeit des psychiatrischen Teilgutachtens zu begründen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts lässt sich ein ge- nereller Zeitrahmen für eine psychiatrische Untersuchung n icht verbindlich angeben. Der Zeit- aufwand für eine solche Untersuchung schwankt in weiten Grenzen, je nach Fragestellung und zu beurteilender Psychopathologie (Urteil des Bundesgeri chts vom 13. Juni 2006, I 58/06, E. 2.1). Was die traurige Tatsache anbelangt, dass der Ehemann der Versicherten zwischenzeitlich verstorben ist, so genügt die Tatsache alleine nicht, um die psychiatrische Diagnose in Frage zu stellen oder zu überprüfen. Dazu müssten weitere konkrete medizinische Hinweise auf eine dadurch bestehende gesundheitliche Einschränkung vorgebrach t werden. Diesbezüglich liegen allerdings keinerlei ärztliche Berichte vor, weswegen ni cht von einer Verschlechterung der zwi- schenzeitlich remittierten depressiven Erkrankung auszugehen ist. Insbesondere der Verlaufsbericht von Dr. D.____ vom 11. September 2020 vermag nicht zu überzeugen, zumal der Bericht einzig auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin beruht und Beschwerdeerhebung gleichlautend ist, wie im Bericht vom 24. September 2017. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin entspri cht das psychiatrische Gutachten von Dr. H.____ vom 24. Juli 2018 auch inhaltlich den vorgenannten bundesgerichtlichen Vorga- ben an einen beweistauglichen medizinischen Bericht, wesh alb darauf abgestellt werden kann. Das Gutachten hat weder formale noch inhaltliche Mänge l, ist umfassend und beruht auf allsei- tigen Untersuchungen. Es leuchtet auch bezüglich den medizinischen Zusammenhängen bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ist in sich schlüssig. Abweichende ärztliche Einschätzungen wurden in die Beurteilung des Gesundhei tszustands einbezogen. Auf eine de- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht taillierte Auseinandersetzung mit abweichenden ärztlich en (psychiatrischen) Einschätzungen – von Frau E.____ und Dr. D.____ – konnte Dr. H.____ v erzichten, da diese weder Befunde noch einen Verlauf enthalten und lediglich auf den subjekt iven Angaben der Beschwerdeführerin be- ruhen. 8.4 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen kann auf d as bidisziplinäre Gutachten vom 17. bzw. 24. Juli 2018 abgestellt werden. 9. Gestützt auf das psychiatrische Teilgutachten von Dr. H. ____ vom 24. Juli 2018 und die nachfolgenden Ausführungen ist festzustellen, dass sich d er Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin relevant verbessert hat. Während im Gutachten vom 13. Dezember 2013 noch eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelschwere Episode diagnostiziert wurde, konnte bei der Untersuchung vom 15. Juni 2018 keine Krankheit mit Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit mehr diagnostiziert wer- den. So konnte die Beschwerdeführerin bei Dr. H.____ den Untersuchungsraum zunächst ohne sichtbare Behinderung betreten, während bei Dr. C.___ _ noch eine auffällige Verlangsamung der Diadochokinese (im Kontrast zu den übrigen Bewegun gen) festgestellt werden konnte. Die Stimmung der Beschwerdeführerin war im Vergleich zur U ntersuchung im 2013 ausgeglichener und im Gegensatz zur durchgehend weinerlich depressiven Grundstimmung mit inhaltlicher Einengung konnte die Explorandin bei der Untersuchun g im Jahr 2018 lächeln und viel und un- gehindert sowie bewusstseinsklar erzählen, wobei keine a ndauernd bedrückt-traurige oder ge- reizt aggressive Stimmung, keine andauernde verminderte Energie sowie keine Freud-, Lust- oder Interesselosigkeit mehr festgestellt werden konnte. Einzig die gedankliche Einengung auf die geklagten Beschwerden bestand nach wie vor. Während im Jahr 2013 noch ein sozialer Rückzug stattfand , indem die Beschwerdeführerin er- klärte, dass sie keine Kolleginnen habe und sozial nicht gut eingebettet sei, keinem Verein an- gehöre und keine Besuche tätige und keine Nachrichten schaue, hat sich die psychosoziale Funktionsfähigkeit fünf Jahre später wesentlich verände rt. So pflegt die Beschwerdeführerin gute Kontakte zu langjährigen Freundinnen und Kollegi nnen des Vereins I.____, begibt sich auch mehrmals wöchentlich zum Verein I.____, wo sie sich jeweils eine halbe bis zwei Stunden aufhaltet, schaut die Nachrichten und besucht gerne ein naheliegendes Café. Auch hat sie mitt- lerweile einen Hobbyraum gemietet um dort ihre Famil ie zu treffen und zusammen zu kochen. Zudem können die Haushaltsarbeiten mittlerweile wied er selbstständig erledigt werden, zwar wird sie noch von ihren Töchtern und einer Raumpflegeri n unterstützt, dennoch zeigt sich eine wesentliche Verbesserung zum Jahr 2013 in dem sie angab, im Haushalt kaum etwas selbst zu machen und lediglich Kleinigkeiten selbstständig erledi gen zu können. Im Gegensatz zu frühe- ren Begutachtungen beklagt sich die Beschwerdeführerin bei der Untersuchung bei Dr. H.____ auch nicht mehr über Panikattacken, Schreckhaftigkeit u nd Angstzustände. Zudem sei die Sit- zungsfrequenz bei der behandelnden Therapeutin Frau E.____ unregelmässig und niedrig und es besteht – im Gegensatz zu früher – aktuell keine Notw endigkeit einer medikamentösen anti- depressiven Behandlung. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Insgesamt zeigt sich eine wesentliche Verbesserung der psycho sozialen Funktionsfähigkeit, erhöhte Ressourcen und eine erhebliche Verbesserung des p sychischen Gesundheitszustan- des, die auch durch die späteren Berichte von Dr. D.__ __ nicht in Zweifel gezogen wird. Die Schlussfolgerungen von Dr. H.____, wonach bei der Besc hwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigke it vorliegt, erscheint in Anbetracht der Untersuchung vom 15. Juni 2018 bei der weder schwerwieg enden Psychopathologien noch psychiatrische Komorbiditäten oder gleichmässige Einschränkun gen des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen festgestellt werde n konnten und im Vergleich zum Gut- achten vom 13. Dezember 2013 sowie auch in Anbetracht der weiteren bis zur Verfügung vom 20. November 2020 erstellten ärztlichen Berichte plausibel. 10. Letztlich beanstandet die Beschwerdeführerin die E rmittlung des Invalideneinkommens ohne Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs. 10.1 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage vo n statistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche u nd berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 146 V 19 E. 4.1, 142 V 181 E. 1.3, 124 V 322 E. 3b/aa). So drängt sich ein Abzug aufgrund funktioneller Ein- schränkungen dann auf, wenn sie ihrer Natur nach nicht ohne Weiteres mit den Anforderungen vereinbar sind, wie sie sich aus den gewöhnlichen betriebl ichen Abläufen in einer leidensange- passten Tätigkeit ergeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2008, 9C_119/2008, E. 2.3.1). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherwei se nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 79 E. 5b/aa; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 13. August 2020, 9C_226/2020, E. 5.1). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25% nicht übersteigen (BGE 146 V 20 E. 4.1, 135 V 302 E. 5.3, 126 V 80 E. 5b/bb). Das Gericht darf dabei sein Ermessen nicht oh ne triftigen Grund an die Stelle desje- nigen der Verwaltung setzen. Es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender ersc heinen lassen (BGE 126 V 81 E 6, 123 V 152 E. 2). 10.2 Die Beschwerdeführerin führ an, dass sie im Vergle ich zu anderen Arbeitstätigen ein höheres Krankheitsrisiko habe, was aus Sicht eines Arbeitgebers ihren Wert als Arbeitnehmerin mindere und folglich dazu führe, dass eine tiefere Ent löhnung in Kauf genommen werden müs- se. Dabei verkennt sie, dass ein Krankheitsrisiko allein noch keinen leidensbedingten Abzug zu begründen vermag. Des Weiteren wurde bereits der ges undheitlich bedingte erhöhte Pausen- bedarf bei der zumutbaren Pensumhöhe von 80 % berücksich tigt. Ein darüberhinausgehender weiterer Abzug wegen Müdigkeit und Konzentrationsmäng el ist nicht angezeigt, da dies bereits mit der Reduktion des zumutbaren Pensums abgegolten wurde. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11. Letztlich muss in diesem Zusammenhang auf die bund esgerichtliche Rechtsprechung verwiesen werden, wonach bei Personen, deren Rente revi sionsweise herabgesetzt oder auf- gehoben werden soll, nach mindestens 15 Jahren Bezugsda uer oder wenn sie das 55. Alters- jahr zurückgelegt haben, in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen sind, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspo- tenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwer blich zu verwerten. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbstein- gliederung erwerblich zu verwerten (vgl. zum Ganzen BGE 145 V 209 E. 5.1). Vorliegend war die 1962 geborene Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Renteneinstellung über 55 Jahre alt und bezog seit dem 1. Juni 2004 eine Rente der Invalidenversicherung. Die von der Rechtsprechung verlangten besonderen Voraussetzungen (Vo llendung des 55. Altersjahres oder Rentenbezugsdauer von mindestens 15 Jahren, vgl. Ur teil des Bundesgerichts vom 15. September 2021, 8C_198/2021, E. 10.1) sind somit erfüllt. Indes ist ihr seit Juni 2004 (mit Ausnahme des Zeitraums Juni 2006 bis Dezember 2006 e ine körperlich leicht bis mittelschwer belastende Tätigkeit im Umfang von 60 %, entsprechen d 5 Stunden am Tag, durchgehend zu- mutbar (vgl. MEDAS Gutachten vom 21. März 2006, S. 8). Trotzdem hat die Beschwerdeführe- rin – auch in Kenntnis des Zumutbarkeitsprofils gemäss MED AS Gutachten vom 21. März 2006 – aufgrund ihrer subjektiven Krankheitsüberzeugung wed er Anstrengungen unternommen, wie- der eine Teilzeitstelle aufzunehmen, noch hat sie die IV -Stelle um Gewährung von Eingliede- rungsmassnahmen ersucht. Mit Blick darauf ist die langjähr ige Abstinenz vom Arbeitsmarkt nicht invaliditätsbedingt. Mithin ist ein Anspruch auf Abklärung bzw. Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen vor der Rentenaufhebung zu ver neinen (vgl. Urteile des Bundes- gerichts vom 19. Juni 2015, 9C_819/2014, E. 4 und vom 27. Juni 2014, 9C_752/2013, E. 4.3). 12. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 6 9 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leist ungen vor dem kantonalen Versiche- rungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.- - festgelegt. Bei Fällen wie dem vorlie- genden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwa nd entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorli egend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist keine Parteientschädigung zuzusprechen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht