<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 39 S.131</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">131</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Schulrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>39</b></span> <span class="ft2"><b>Anspruch auf Schulgeld für den Besuch einer höheren Fachschule?</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Für Kantonseinwohner besteht lediglich am Inselspital in Bern die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Möglichkeit, die Ausbildung zum Ernährungsberater SRK ohne Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zahlung von Schulgeldern zu absolvieren.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Ein Anspruch auf unentgeltlichen Besuch oder auf Leistung von</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Schulgeld für die Schule für Ernährungsberatung in Zürich besteht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 14. November 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen W. gegen den Kanton Aargau.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1. a) Die Klägerin strebt eine Ausbildung zur Ernährungsberate-</span><br/> <span class="ft5">rin an. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) regelt, fördert und</span><br/> <span class="ft5">überwacht im Auftrag der Sanitätsdirektorenkonferenz (SDK) ver-</span><br/> <span class="ft5">schiedene nichtärztliche Berufsausbildungen im Gesundheitswesen,</span><br/> <span class="ft5">so auch die Ausbildung zur Ernährungsberaterin. Gemäss Ziff. 7.1.2.</span><br/> <span class="ft5">der Bestimmungen des SRK für die Ausbildung der Ernährungsbe-</span><br/> <span class="ft5">raterinnen und Ernährungsberater vom 18. Februar 1998 (revidiert</span><br/> <span class="ft5">am 29. Mai 2001) handelt es sich dabei um eine Diplomausbildung</span><br/> <span class="ft5">an einer Höheren Fachschule, wobei es denkbar ist, dass die Ausbil-</span><br/> <span class="ft5">dung zum Ernährungsberater in naher Zukunft auch im Rahmen ei-</span><br/> <span class="ft5">ner Fachhochschulausbildung unter Anpassung der dreijährigen</span><br/> <span class="ft5">Ausbildungsdauer angeboten wird. Ausbildungsstätten für Ernäh-</span><br/> <span class="ft5">rungsberater mit einem vom SRK definitiv anerkannten Programm</span><br/> <span class="ft5">gibt es in Bern, Genf und Zürich.</span><br/> <span class="ft5">b) Auf Grund des Auftrages gemäss § 41 Abs. 4 KV, die Aus-</span><br/> <span class="ft5">und Weiterbildung des Medizinalpersonals zu unterstützen, sowie</span><br/> <span class="ft5">§ 13 des Gesetzes über den Bau, Ausbau und Betrieb sowie die Fi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">132</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">nanzierung</span> <span class="ft5">der</span> <span class="ft5">Spitäler</span> <span class="ft5">und</span> <span class="ft5">Krankenheime</span> <span class="ft5">(Spitalgesetz;</span><br/> <span class="ft5">SAR 331.100) vom 19. Oktober 1971 hat der Grosse Rat des Kan-</span><br/> <span class="ft5">tons Aargau den Regierungsrat mit Beschluss vom 3. September</span><br/> <span class="ft5">1991 ermächtigt, interkantonale Verträge über Schulen für Spitalbe-</span><br/> <span class="ft5">rufe im Sinne des Mustervertrages mit den Kantonen Bern, Basel-</span><br/> <span class="ft5">Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und Luzern abzuschliessen. Ge-</span><br/> <span class="ft5">stützt auf diese Ermächtigung hat der Kanton Aargau in der Folge</span><br/> <span class="ft5">bilaterale Verträge abgeschlossen. Mit Beschluss vom 19. Dezember</span><br/> <span class="ft5">2000 hat der Grosse Rat des Kantons Aargau den Regierungsrat er-</span><br/> <span class="ft5">mächtigt, dem Regionalen Schulabkommen über die Finanzierung</span><br/> <span class="ft5">der Aus- und Weiterbildung für Gesundheitsberufe (Regionales</span><br/> <span class="ft5">Schulabkommen im Gesundheitswesen der Nordwestschweiz) der</span><br/> <span class="ft5">Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Luzern und</span><br/> <span class="ft5">Solothurn beizutreten, welches die gestützt auf den Grossratsbe-</span><br/> <span class="ft5">schluss vom 3. September 1991 vorgenommenen, einzelnen bilate-</span><br/> <span class="ft5">ralen Verträge ablöst. Laut Art. 7 dieses Abkommens, welches seit</span><br/> <span class="ft5">dem 1. Januar 2001 in Kraft ist, haben Lernende aus den Abkom-</span><br/> <span class="ft5">menskantonen für den Besuch einer Schule oder Ausbildungsein-</span><br/> <span class="ft5">richtung gemäss Schulliste kein Schulgeld zu entrichten. In Anhang I</span><br/> <span class="ft5">wird in der Schulliste unter dem Stichwort Kanton Bern die dreijäh-</span><br/> <span class="ft5">rige Ausbildung zur Ernährungsberaterin aufgeführt. Die Klägerin</span><br/> <span class="ft5">hat somit gemäss diesem Abkommen die Möglichkeit, den Beruf der</span><br/> <span class="ft5">Ernährungsberaterin am Inselspital in Bern zu erlernen, wobei dies-</span><br/> <span class="ft5">falls für sie keine Schulgelder anfallen.</span><br/> <span class="ft5">c) Die Klägerin strebt jedoch eine dreijährige Ausbildung zur</span><br/> <span class="ft5">Ernährungsberaterin an der Schule für Ernährungsberatung in Zürich</span><br/> <span class="ft5">an. Sie verlangt, dass die Schulkosten für den Besuch der Schule für</span><br/> <span class="ft5">Ernährungsberatung in Zürich mindestens im Umfang der Kosten,</span><br/> <span class="ft5">wie sie vom Beklagten für den Besuch der Schule für Ernährungsbe-</span><br/> <span class="ft5">ratung in Bern geleistet würden, zu bezahlen seien. Gegenstand der</span><br/> <span class="ft5">Klage ist somit der Anspruch der Klägerin auf Übernahme des</span><br/> <span class="ft5">Schulgeldes für den Besuch der Schule in Zürich ab September 2002.</span><br/> <span class="ft5">d) Der Beklagte macht geltend, Zweck des Regionalen Schul-</span><br/> <span class="ft5">abkommens im Gesundheitswesen sei die Gewährleistung guter Aus-</span><br/> <span class="ft5">und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Einwohnerinnen und Ein-</span><br/> <span class="ft5">wohner der Vertragskantone bei wirtschaftlichem Einsatz der vor-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">133</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">handenen Mittel sowie die optimale Ausnützung der Schulen und</span><br/> <span class="ft5">Ausbildungseinrichtungen in den Vertragskantonen. Auf Grund des</span><br/> <span class="ft5">relativ weiten Ermessensspielraums gemäss § 41 Abs. 4 KV aber</span><br/> <span class="ft5">auch nach § 13 des Spitalgesetzes sei klar, dass es in der Zuständig-</span><br/> <span class="ft5">keit des Kantons liegen müsse, zu entscheiden, welche Ausbildungs-</span><br/> <span class="ft5">angebote in welchem Ausmass im Bereich Gesundheitsberufe ange-</span><br/> <span class="ft5">boten oder unterstützt werden sollen.</span><br/> <span class="ft5">e) Gemäss § 1 Abs. 2 lit. d und § 7 des Gesetzes über die Ge-</span><br/> <span class="ft5">setzessammlungen und das Amtsblatt (PuG; SAR 150.500) vom</span><br/> <span class="ft5">30. August 1994 sind die mit anderen Kantonen geschlossenen,</span><br/> <span class="ft5">rechtsetzenden Verträge in der Aargauischen Gesetzessammlung zu</span><br/> <span class="ft5">veröffentlichen. Die Publikation eines Erlasses in der amtlichen Ge-</span><br/> <span class="ft5">setzessammlung ist in der Regel Voraussetzung für sein Inkrafttreten</span><br/> <span class="ft5">und seine Verbindlichkeit (BGE 125 I 186). § 10 Abs. 1 PuG be-</span><br/> <span class="ft5">stimmt, dass Erlasse und Verträge Einzelpersonen nur verpflichten,</span><br/> <span class="ft5">wenn sie nach diesem Gesetz bekannt gemacht worden sind. Das</span><br/> <span class="ft5">obengenannte Regionale Schulabkommen im Gesundheitswesen</span><br/> <span class="ft5">wurde nicht in der AGS veröffentlicht. Da das Abkommen der Klä-</span><br/> <span class="ft5">gerin keine Pflichten auferlegt, vielmehr ein Recht auf eine Ausbil-</span><br/> <span class="ft5">dung einräumt - wenn auch nur in Bern -, ist dessen fehlende Publi-</span><br/> <span class="ft5">kation im vorliegenden Fall ohne Belang.</span><br/> <span class="ft5">Im Folgenden gilt zu prüfen, auf welche Rechtsgrundlagen sich</span><br/> <span class="ft5">die Forderung der Klägerin stützen lässt und ob der Beklagte gestützt</span><br/> <span class="ft5">auf das Regionale Schulabkommen im Gesundheitswesen die Zah-</span><br/> <span class="ft5">lung des Schulgeldes für die Schule in Zürich zu Recht verweigert</span><br/> <span class="ft5">hat.</span><br/> <span class="ft5">2. a) Art. 13 Abs. 2 lit. b des Internationalen Paktes über wirt-</span><br/> <span class="ft5">schaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UNO-Pakt I) vom</span><br/> <span class="ft5">16. Dezember 1966, für die Schweiz in Kraft seit 18. September</span><br/> <span class="ft5">1992, bestimmt, dass die verschiedenen Formen des höheren Schul-</span><br/> <span class="ft5">wesens einschliesslich des höheren Fach- und Berufsschulwesens auf</span><br/> <span class="ft5">jede geeignete Weise, insbesondere durch allmähliche Einführung</span><br/> <span class="ft5">der Unentgeltlichkeit, allgemein verfügbar und jedermann zugäng-</span><br/> <span class="ft5">lich gemacht werden müssen. Das Bundesgericht hat diese Bestim-</span><br/> <span class="ft5">mung als nicht justiziabel bezeichnet (BGE 120 Ia 13; BGE 126 I</span><br/> <span class="ft5">240). Das Völkerrecht gibt daher keinen individuellen Anspruch auf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">134</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Befreiung von Studiengebühren oder auf staatliche Leistungen (BGE</span><br/> <span class="ft5">126 I 242 f.).</span><br/> <span class="ft5">b) Art. 41 Abs. 1 lit. f BV formuliert als Sozialziel, dass sich der</span><br/> <span class="ft5">Bund und die Kantone dafür einsetzen, dass Kinder und Jugendliche</span><br/> <span class="ft5">sowie Personen im erwerbsfähigen Alter sich nach ihren Fähigkeiten</span><br/> <span class="ft5">aus- und weiterbilden können. Aus diesem Sozialziel kann jedoch</span><br/> <span class="ft5">kein unmittelbarer Anspruch auf staatliche Leistung abgeleitet</span><br/> <span class="ft5">werden (Art. 41 Abs. 4 BV).</span><br/> <span class="ft5">c) Die Ausbildung zur Ernährungsberaterin fällt weder in den</span><br/> <span class="ft5">Regelungsbereich des geltenden Bundesgesetzes über die Berufsbil-</span><br/> <span class="ft5">dung (Art. 1 Abs. 3 BBG) noch handelt es sich um eine Ausbildung</span><br/> <span class="ft5">im Sinne des Bundesgesetzes über die Fachhochschulen (FHSG;</span><br/> <span class="ft5">SR 414.71) vom 6. Oktober 1995 (Art. 1 Abs. 1 FHSG), weshalb die</span><br/> <span class="ft5">Forderung der Klägerin auch nicht auf bundesrechtliche Vorschriften</span><br/> <span class="ft5">abgestützt werden kann. Zwar wurde mit Art. 63 Abs. 1 BV dem</span><br/> <span class="ft5">Bund neu die Kompetenz über die Berufe der Bereiche Gesundheit,</span><br/> <span class="ft5">Soziales und Kunst übertragen. Die notwendigen gesetzlichen</span><br/> <span class="ft5">Grundlagen werden jedoch erst mit Inkrafttreten des neuen Berufs-</span><br/> <span class="ft5">bildungsgesetzes und des revidierten Fachhochschulgesetzes - vor-</span><br/> <span class="ft5">aussichtlich im Jahr 2004 - zur Verfügung stehen. Im Moment ist im</span><br/> <span class="ft5">Bereich Gesundheit noch von der Zuständigkeit der Kantone auszu-</span><br/> <span class="ft5">gehen, so dass mögliche Grundlagen im kantonalen Recht zu eruie-</span><br/> <span class="ft5">ren sind.</span><br/> <span class="ft5">d) aa) Im dritten Abschnitt der Kantonsverfassung des Kantons</span><br/> <span class="ft5">Aargau werden unter den §§ 25-58 KV die öffentlichen Aufgaben</span><br/> <span class="ft5">geregelt. Unter dem Titel A. Allgemeines finden sich drei Bestim-</span><br/> <span class="ft5">mungen (§§ 25-27 KV), die in Bezug auf die einzelnen Sachaufga-</span><br/> <span class="ft5">ben (§§ 28-58 KV) eine übergreifende Geltung aufweisen (Kurt</span><br/> <span class="ft5">Eichenberger, Verfassung des Kantons Aargau, Textausgabe mit</span><br/> <span class="ft5">Kommentar, Aarau/Frankfurt a.M./Salzburg 1986, Vorbemerkungen</span><br/> <span class="ft5">zum Unterabschnitt A). § 25 Abs. 2 lit. a KV lautet:</span><br/> <span class="ft3">"In Beachtung der Verantwortung des Einzelnen trifft er (der Staat, Anmer-</span><br/> <span class="ft3">kung des Verfassers) im Rahmen seiner Gesetzgebungsbefugnisse und des</span><br/> <span class="ft3">Bundesrechts Vorkehren, damit jedermann sich nach seinen Fähigkeiten und</span><br/> <span class="ft3">Neigungen bilden und weiterbilden kann."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">135</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Da § 25 KV als übergreifende Norm für die §§ 28 - 58 KV</span><br/> <span class="ft5">keine sozialen Grundrechte (Sozialrechte) und damit im Bildungsbe-</span><br/> <span class="ft5">reich keine Ansprüche der bedachten Person begründet, kann die</span><br/> <span class="ft5">Klägerin gestützt auf § 25 KV keinerlei Ansprüche geltend machen</span><br/> <span class="ft5">(Eichenberger, a.a.O., § 25 N 8 und 20).</span><br/> <span class="ft5">bb) § 34 Abs. 1 KV statuiert den Grundsatz der Unentgeltlich-</span><br/> <span class="ft5">keit des Unterrichts an öffentlichen Schulen des Kantons. Gemäss</span><br/> <span class="ft5">Art. 1 lit. a des Regionalen Schulabkommens im Gesundheitswesen</span><br/> <span class="ft5">sind die schulischen Angebote innerhalb des Abkommens als Ange-</span><br/> <span class="ft5">bote der Region zu betrachten. Indem der Kanton Aargau es Lernen-</span><br/> <span class="ft5">den aus dem Kanton Aargau ermöglicht, die dreijährige Ausbildung</span><br/> <span class="ft5">zur Ernährungsberaterin im Kanton Bern ohne Entrichtung eines</span><br/> <span class="ft5">Schulgeldes zu absolvieren, wird dieser Grundsatz beachtet. Dass die</span><br/> <span class="ft5">auszubildende Person den Unterrichtsort frei wählen kann und darf,</span><br/> <span class="ft5">oder dass dieser am Wohnort oder in günstiger Nähe zu diesem zu</span><br/> <span class="ft5">liegen hat, wird nicht statuiert. Ein anderer Gesichtspunkt ergibt sich</span><br/> <span class="ft5">diesbezüglich bloss dann, wenn ein Schulobligatorium zur Diskus-</span><br/> <span class="ft5">sion steht. So hat die Rechtsprechung zu § 34 Abs. 1 KV erkannt,</span><br/> <span class="ft5">dass der Grundsatz der Unentgeltlichkeit beispielsweise für Kinder</span><br/> <span class="ft5">und Jugendliche mit Aufenthalt im Kanton Aargau gemäss § 6</span><br/> <span class="ft5">SchulG in der Regel in den öffentlichen Schulen der Wohngemeinde</span><br/> <span class="ft5">oder des Schulkreises, zu dem die Wohngemeinde gehört, zu erfüllen</span><br/> <span class="ft5">ist. Nach dem klaren Wortlaut der vorerwähnten Normen bezieht sich</span><br/> <span class="ft5">das Kriterium der Unentgeltlichkeit ausschliesslich auf den Besuch</span><br/> <span class="ft5">öffentlicher Schulen am Wohnort des schulpflichtigen Kindes. Die</span><br/> <span class="ft5">Unentgeltlichkeit ist dabei das notwendige Gegenstück zur öffentli-</span><br/> <span class="ft5">chen Primarschulpflicht, denn anders könnte das Schulobligatorium</span><br/> <span class="ft5">nicht wirksam durchgesetzt werden (AGVE 2001, S. 135. f).</span><br/> <span class="ft5">cc) aaa) Bei der Ausbildung zur Ernährungsberaterin handelt es</span><br/> <span class="ft5">sich um eine Höhere Fachschulausbildung (siehe vorne, Erw. 1/a).</span><br/> <span class="ft5">Im Bereich von Ausbildungen an Fachschulen gilt im Kanton Aargau</span><br/> <span class="ft5">gemäss § 1 des Dekrets über die Beiträge für Ausbildungen an aus-</span><br/> <span class="ft5">serkantonalen Fachschulen (SAR 473.110) vom 10. April 1984, dass</span><br/> <span class="ft5">der Kanton für Studierende mit Wohnsitz im Kanton Aargau, die</span><br/> <span class="ft5">ausserkantonale Fachschulen besuchen, Beiträge an das Schulgeld</span><br/> <span class="ft5">leistet, sofern</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">136</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">a) im Kanton keine gleichwertige Ausbildungsmöglichkeit</span><br/> <span class="ft5">besteht oder der Schulweg nicht zumutbar ist und</span><br/> <span class="ft5">b) es sich um eine mehrsemestrige Ausbildung mit einem</span><br/> <span class="ft5">öffentlich-rechtlich anerkannten Abschluss handelt.</span><br/> <span class="ft5">Beitragsberechtigt sind insbesondere Ausbildungen an</span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">Musikakademien und Konservatorien,</span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">Kunstgewerbeschulen,</span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">Schulen für soziale Arbeit und heilpädagogische Ausbil-</span><br/> <span class="ft5">dungen,</span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">Höheren Technischen Lehranstalten und Höheren Wirt-</span><br/> <span class="ft5">schafts- und Verwaltungsschulen.</span><br/> <span class="ft5">Dabei bestimmt der Regierungsrat die beitragsberechtigten</span><br/> <span class="ft5">Ausbildungen und Schulen sowie deren Einzugsgebiete, wobei er die</span><br/> <span class="ft5">Leistung von Schulgeldbeiträgen davon abhängig machen kann, ob</span><br/> <span class="ft5">der Sitzkanton der Fachschule für seine Schüler an aargauischen</span><br/> <span class="ft5">Fachschulen Beiträge leistet.</span><br/> <span class="ft5">bbb) § 1 der Verordnung über Beiträge für Ausbildungen an</span><br/> <span class="ft5">ausserkantonalen Fachschulen (Fachschulverordnung; SAR 473.111)</span><br/> <span class="ft5">vom 3. September 1984 lautet:</span><br/> <span class="ft3">"Der Regierungsrat legt jährlich mit Inkrafttreten auf den 1. September die</span><br/> <span class="ft3">beitragsberechtigten Ausbildungen und Schulen sowie deren Einzugsgebiete</span><br/> <span class="ft3">fest, beschliesst über die Anerkennung der Ausbildungsausweise und be-</span><br/> <span class="ft3">stimmt die Höhe der Beiträge. Dieser Beschluss wird in der Aargauischen</span><br/> <span class="ft3">Gesetzessammlung publiziert."</span><br/> <span class="ft5">Im Regierungsbeschluss über Beiträge für Ausbildungen an</span><br/> <span class="ft5">ausserkantonalen Fachschulen vom 2. Mai 2001 (AGS 2001, S. 135)</span><br/> <span class="ft5">wird keine Schule für Ernährungsberatung erwähnt.</span><br/> <span class="ft5">dd) Zusammenfassend ergibt sich, dass sich ein Anspruch der</span><br/> <span class="ft5">Klägerin auf Bezahlung des Schulgeldes durch die kantonalen ge-</span><br/> <span class="ft5">setzlichen Bestimmungen oder die Verfassung nicht begründen lässt.</span><br/> <span class="ft5">e) Wie bereits erwähnt, strebt die Klägerin eine dreijährige</span><br/> <span class="ft5">Ausbildung zur Ernährungsberaterin an. Als Zulassungsvorausset-</span><br/> <span class="ft5">zung für diese Ausbildung wird mindestens eine abgeschlossene</span><br/> <span class="ft5">Sekundarstufe II verlangt (vgl. Ziff. 7.1.2. der Bestimmungen des</span><br/> <span class="ft5">SRK für die Ausbildung der Ernährungsberater, Revision vom</span><br/> <span class="ft5">29. Mai 2001). Es handelt sich somit um eine ausseruniversitäre</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">137</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Ausbildung auf der Tertiärstufe. Im Bereich der tertiären Fachschu-</span><br/> <span class="ft5">len (exkl. Universitäten und Fachhochschulen) ist die Interkantonale</span><br/> <span class="ft5">Fachschulvereinbarung (FSV; SAR 400.530) vom 27. August 1998</span><br/> <span class="ft5">(in Kraft seit 1. August 2000) zu beachten. Art. 2 Abs. 1 lit. a FSV</span><br/> <span class="ft5">bestimmt, dass die Vereinbarungskantone in einer Liste festhalten,</span><br/> <span class="ft5">welche Schulen und Studiengänge sie als Standortkanton für den</span><br/> <span class="ft5">interkantonalen Zugang anbieten. Auf dieser Liste ist keine der drei</span><br/> <span class="ft5">Schulen für Ernährungsberatung aufgeführt, weshalb aus diesem Ab-</span><br/> <span class="ft5">kommen ebenfalls kein Anspruch auf Übernahme des Schulgeldes</span><br/> <span class="ft5">für die Schule für Ernährungsberatung in Zürich abgeleitet werden</span><br/> <span class="ft5">kann. Ebensowenig kann ein Anspruch aus dem Regionalen Schul-</span><br/> <span class="ft5">abkommen (RSA 2000; SAR 400.300) vom 17. Mai 2000 abgeleitet</span><br/> <span class="ft5">werden, da gemäss Art. 4 Abs. 1 RSA 2000 Schulen im medizini-</span><br/> <span class="ft5">schen Bereich nicht unter das Abkommen fallen.</span><br/> <span class="ft5">f) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Übernahme des</span><br/> <span class="ft5">Schulgeldes für die Ausbildung zur Ernährungsberaterin abschlies-</span><br/> <span class="ft5">send im Regionalen Schulabkommen im Gesundheitswesen der</span><br/> <span class="ft5">Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Luzern und</span><br/> <span class="ft5">Solothurn geregelt ist und dieses Abkommen einzig Anspruch auf</span><br/> <span class="ft5">Übernahme des Schulgeldes für die Ausbildung an der Ernährungs-</span><br/> <span class="ft5">beratungsschule in Bern gibt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>