<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 60 S.296</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">296</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>60</b></span> <span class="ft2"><b>Gewinnungskosten des selbstständig Erwerbstätigen (§ 36 Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Prämien für die freiwilige Unfallversicherung von selbstständig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Erwerbstätigen sind als geschäftsmässig begründeter Aufwand zum</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abzug zuzulassen (Praxisänderung).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Offen bleibt, ob der Abzug auf den für unselbstständig Erwerbstätige</b></span><br/> <span class="ft2"><b>maximal versicherbaren Verdienst zu limitieren ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">23. Februar 2006 in Sachen J. + S.F., 3-RV.2005.50214/K 0121</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. Der Rekurrent ist Inhaber der Einzelfirma Z. Er schloss für</span><br/> <span class="ft1">sich eine Unfallversicherung mit folgenden Leistungen ab: ein Tag-</span><br/> <span class="ft1">geld von Fr. 250.-- während zwei Jahren, eine Invalidenrente von</span><br/> <span class="ft1">jährlich Fr. 50'000.-- (nach einer Wartezeit von zwei Jahren) und ein</span><br/> <span class="ft1">Invaliditätskapital von Fr. 100'000.--. Im Jahr 2003 bezahlte er dafür</span><br/> <span class="ft1">eine Prämie von Fr. 2'109.--. Für seine im Betrieb mitarbeitende Ehe-</span><br/> <span class="ft1">frau wurde eine Unfallversicherung abgeschlossen, mit der ein Tag-</span><br/> <span class="ft1">geld von Fr. 70.-- während zwei Jahren und ein Invaliditätskapital</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 40'000.-- versichert wurden. Die Prämie beträgt Fr. 268.90</span><br/> <span class="ft1">pro Jahr.</span><br/> <span class="ft1">2.2 Die Vorinstanz anerkannte die Prämien nicht als geschäfts-</span><br/> <span class="ft1">mässig begründeten Aufwand, und rechnete die Beträge auf. Zur Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung wurde auf die Rechtsprechung des Steuerrekursgerichtes</span><br/> <span class="ft1">zur Abzugsfähigkeit von Unfallversicherungsprämien von selbst-</span><br/> <span class="ft1">ständig Erwerbenden verwiesen (RGE vom 27. Mai 2004 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">P. + S.O.):</span><br/> <span class="ft7">,,b) Gemäss § 36 Abs. 1 StG werden bei selbstständig Erwerbenden</span><br/> <span class="ft7">die geschäfts- oder berufsmässig begründeten Kosten von den steuer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">297</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">baren Einkünften abgezogen. Demgegenüber sind die Aufwendungen</span><br/> <span class="ft7">für den Unterhalt der steuerpflichtigen Person und ihrer Familie nicht</span><br/> <span class="ft7">abzugsberechtigt (§ 41 lit. a StG). Von diesem Grundsatz macht § 40</span><br/> <span class="ft7">lit. g StG eine Ausnahme, indem ,,als Pauschalbetrag für Einlagen,</span><br/> <span class="ft7">Prämien und Beiträge für die Lebens-, die Kranken- und die nicht un-</span><br/> <span class="ft7">ter lit. f fallende (d.h. nicht obligatorische) Unfallversicherung (...)</span><br/> <span class="ft7">Fr. 4'000.-- für verheiratete Personen abgezogen werden (...)".</span><br/> <span class="ft7">Soweit Aufwendungen eines Betriebes für Versicherungsansprüche zu</span><br/> <span class="ft7">Gunsten des Betriebsinhabers (Einzelfirmeninhaber oder Teilhaber</span><br/> <span class="ft7">von Personengesellschaften) in Frage stehen, ist ein Abzug gemäss</span><br/> <span class="ft7">§ 36 Abs. 1 StG nicht zulässig. Solche Aufwendungen können ledig-</span><br/> <span class="ft7">lich im Rahmen von § 40 lit. g StG vom Reineinkommen in Abzug ge-</span><br/> <span class="ft7">bracht werden. Diese Regel erfährt indessen eine Ausnahme, soweit</span><br/> <span class="ft7">der Abschluss einer Versicherung für den selbstständig Erwerbenden</span><br/> <span class="ft7">vorwiegend betrieblich bedingt ist. Das trifft insbesondere zu, wenn</span><br/> <span class="ft7">die Berufsausübung mit besonderen Unfallrisiken verbunden ist und</span><br/> <span class="ft7">der selbstständig Erwerbende eine Unfallversicherung abschliesst, um</span><br/> <span class="ft7">für sich selbst die wirtschaftlichen Folgen des Gefahreneintritts abzu-</span><br/> <span class="ft7">wenden. Die Kosten einer solchen Versicherung sind, soweit sie für</span><br/> <span class="ft7">Arbeitnehmer üblich ist, Gewinnungskosten und daher nicht dem Pri-</span><br/> <span class="ft7">vataufwand zuzurechnen. Gleichfalls als betrieblich bedingt, d.h. für</span><br/> <span class="ft7">die Erzielung des Erwerbseinkommens erforderlich, wird eine Versi-</span><br/> <span class="ft7">cherung betrachtet, welche ausschliesslich zur Absicherung von Ge-</span><br/> <span class="ft7">schäftsschulden gegenüber Gläubigern dient, wenn eine allfällige Ver-</span><br/> <span class="ft7">sicherungsleistung unmittelbar und zwingend dem Geschäft bzw. des-</span><br/> <span class="ft7">sen Gläubigern zukommt (so namentlich, wenn sie verpfändet ist) und</span><br/> <span class="ft7">nicht dem Unternehmer persönlich. Dagegen stellen die Prämien für</span><br/> <span class="ft7">eine Krankentaggeld-Versicherung beim Betriebsinhaber gemäss stän-</span><br/> <span class="ft7">diger Rechtsprechung keinen geschäftsmässig begründeten Aufwand</span><br/> <span class="ft7">dar (VGE vom 29. April 1998 in Sachen J.M.; RGE vom 20. Februar</span><br/> <span class="ft7">2003 in Sachen D. + M.B.</span> <span class="ft8">[mit Hinweisen]; gleicher Meinung</span><br/> <span class="ft7">W. Maute/ M.Steiner/A. Rufener, Steuern und Versicherungen, 2. Auf-</span><br/> <span class="ft7">lage, Muri 1999, S. 223 f.; anderer Meinung: M. Reich/M. Züger, in:</span><br/> <span class="ft7">Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht I/2a, Basel 2000,</span><br/> <span class="ft7">Art. 27 DBG N 22; Konferenz Staatlicher Steuerbeamter, Harmonisie-</span><br/> <span class="ft7">rung des Unternehmenssteuerrechts, Muri 1995, S. 39, die die Prä-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">298</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">mien für die freiwillige Unfallversicherung eines selbstständig Erwer-</span><br/> <span class="ft7">benden in dem Umfang als Geschäftsaufwand zum Abzug zulassen</span><br/> <span class="ft7">wollen, in dem dieser für die Prämien seiner Arbeitnehmer aufkommt;</span><br/> <span class="ft7">im Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 40 StG N 125</span><br/> <span class="ft7">wird ausgeführt, UVG-Prämien selbstständig erwerbender Personen</span><br/> <span class="ft7">seien steuerlich absetzbar, dagegen würden Krankentaggeldversiche-</span><br/> <span class="ft7">rungszahlungen steuerlich aufgerechnet. Dabei wird auf den RGE</span><br/> <span class="ft7">vom 26. September 2002 in Sachen A. + G.W. verwiesen. Im zitierten</span><br/> <span class="ft7">Entscheid wird aber lediglich ausgeführt, dass Prämien für Kranken-</span><br/> <span class="ft7">taggeld-Versicherungen beim Betriebsinhaber gemäss ständiger Praxis</span><br/> <span class="ft7">keinen geschäftsmässig begründeten Aufwand darstellen)."</span><br/> <span class="ft1">Gestützt darauf wurde festgehalten, der Rekurrent übe keinen</span><br/> <span class="ft1">unfallgefährdeten Beruf aus und die Versicherung diene nicht der</span><br/> <span class="ft1">Absicherung geschäftlicher Kredite. Die Prämien seien daher nicht</span><br/> <span class="ft1">zum Abzug zuzulassen.</span><br/> <span class="ft1">2.3. Im Merkblatt ,,Besteuerung freie Vorsorge Säule 3b" des</span><br/> <span class="ft1">Kantonalen Steueramtes vom 30. September 2001, S. 12, wird fol-</span><br/> <span class="ft1">gendes ausgeführt:</span><br/> <span class="ft7">,,In Weiterführung der bisherigen Praxis werden die Prämien für die</span><br/> <span class="ft7">freiwillige UVG-Versicherung der Betriebsinhaberin oder des Be-</span><br/> <span class="ft7">triebsinhabers als geschäftsmässig begründeter Aufwand zum Abzug</span><br/> <span class="ft7">zugelassen. Damit soll eine Ungleichbehandlung gegenüber der un-</span><br/> <span class="ft7">selbstständigen Erwerbstätigkeit vermieden werden.</span><span class="ft1">"</span><br/> <span class="ft1">2.4. Das Verwaltungsgericht hat sich zuletzt mit VGE vom</span><br/> <span class="ft1">16. Dezember 2004 in Sachen R. + M.G. (= AGVE 2004 S. 124) zur</span><br/> <span class="ft1">Abzugsfähigkeit von Unfallversicherungsprämien als Geschäftsauf-</span><br/> <span class="ft1">wand durch selbstständig Erwerbende geäussert:</span><br/> <span class="ft7">,,b) Weshalb der Anspruch auf rechtsgleiche Behandlung (Art. 8</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 BV) dazu führen soll, dass die Unfallversicherungsprämien</span><br/> <span class="ft7">von Selbstständigerwerbenden vollumfänglich zum Abzug zuzulassen</span><br/> <span class="ft7">sind, wird durch die Befürworter nicht eingehend begründet, sondern</span><br/> <span class="ft7">einzig auf die bereits erwähnte Publikation ,,Harmonisierung des Un-</span><br/> <span class="ft7">ternehmenssteuerrechts" gestützt. Eine so weit gehende Abzugsmög-</span><br/> <span class="ft7">lichkeit ist abzulehnen. Allenfalls liesse sich erwägen, aus Gründen</span><br/> <span class="ft7">der Rechtsgleichheit die Prämien der Selbstständigerwerbenden für</span><br/> <span class="ft7">den im Rahmen der obligatorischen Unfallversicherung maximal ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">299</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">sicherbaren Verdienst von zur Zeit Fr. 106'800.-- im Jahr bzw.</span><br/> <span class="ft7">Fr. 293.-- im Tag (Art. 22 Abs. 1 UVV in der Fassung vom</span><br/> <span class="ft7">28. September 1998) als abzugsfähig anzuerkennen; auf Seiten der un-</span><br/> <span class="ft7">selbstständig Erwerbenden ist kein Sachverhalt ersichtlich, der als Ba-</span><br/> <span class="ft7">sis für noch höhere Abzüge bei Selbstständigerwerbenden - auf</span><br/> <span class="ft7">Grundlage eines Gleichbehandlungsanspruches - dienen könnte. Wie</span><br/> <span class="ft7">sich im folgenden zeigt, kann diese Frage aber vorliegend offen blei-</span><br/> <span class="ft7">ben."</span><br/> <span class="ft1">2.5. Der Rechtsdienst des Kantonalen Steueramtes hält in der</span><br/> <span class="ft1">Vernehmlassung fest, die zitierte Stelle im Merkblatt ,,Besteuerung</span><br/> <span class="ft1">freie Vorsorge Säule 3b" zeige die aktuelle Praxis des Kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Steueramtes in korrekter Weise auf. Zudem sei in Erfahrung gebracht</span><br/> <span class="ft1">worden, dass im Laufe des Jahres 2006 von der Schweizerischen</span><br/> <span class="ft1">Steuerkonferenz zu Handen der Kantone eine Praxisempfehlung ver-</span><br/> <span class="ft1">abschiedet werden soll, die sich mit der vorliegenden Problematik</span><br/> <span class="ft1">befasse. Demnach sollen die Prämien für die freiwilligen UVG-Ver-</span><br/> <span class="ft1">sicherungen von Betriebsinhabern als geschäftsmässig begründete</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen zum Abzug zugelassen werden. Damit werde dem in</span><br/> <span class="ft1">VGE vom 16. Dezember 2004 angesprochenen Rechtsgleichheitsge-</span><br/> <span class="ft1">danken Rechnung getragen. Es wird daher die Gutheissung des Re-</span><br/> <span class="ft1">kurses beantragt.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1. Verwaltungsgericht und Steuerrekursgericht betrachten es</span><br/> <span class="ft1">in langjähriger, konstanter Praxis auch vor dem Hintergrund der Of-</span><br/> <span class="ft1">fizialmaxime als zulässig, übereinstimmenden Anträgen der Betei-</span><br/> <span class="ft1">ligten zur Erledigung des Verfahrens stattzugeben, sofern sich diese -</span><br/> <span class="ft1">nach einer summarischen Prüfung - als gesetzmässig erweisen und</span><br/> <span class="ft1">allfällige Zugeständnisse der Beteiligten innerhalb des Spielraumes</span><br/> <span class="ft1">bleiben, den das Gesetz ohnehin gewährt (RGE vom 10. April 2003</span><br/> <span class="ft1">in Sachen E. + L.W.; VGE vom 27. Februar 1996 in Sachen E. +</span><br/> <span class="ft1">M.N.).</span><br/> <span class="ft1">3.2. Nach Ansicht des Steuerrekursgerichtes ist den Ansichten</span><br/> <span class="ft1">der Parteien zuzustimmen und die bisherige Rechtsprechung aufzu-</span><br/> <span class="ft1">geben. Die Prämien für die freiwillige Unfallversicherung von</span><br/> <span class="ft1">selbstständig Erwerbenden sind als geschäftsmässig begründeter</span><br/> <span class="ft1">Aufwand zum Abzug zuzulassen. Damit wird eine Gleichbehandlung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">300</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mit den unselbstständig Erwerbstätigen erreicht. Da die versicherte</span><br/> <span class="ft1">Leistung des Rekurrenten unter dem für unselbstständig Erwerbstä-</span><br/> <span class="ft1">tige maximal versicherbaren Verdienst liegt, kann offen bleiben, ob</span><br/> <span class="ft1">die vom Verwaltungsgericht vorgeschlagene Limitierung (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2.4.) zu berücksichtigen ist.</span><br/> <span class="ft1">Die Unfallversicherungsprämien der mitarbeitenden Ehefrau</span><br/> <span class="ft1">sind damit ebenfalls als geschäftsmässig begründeter Aufwand zu</span><br/> <span class="ft1">gewähren.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>