Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 12. Februar 2019 (460 18 233) ____________________________________________________________________ Strafrecht Qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz / Strafzumessung und Landesverweisung Nach Art. 31 Abs. 1 VZAE sind bei der Beurteilung, ob ein schwerwiegender persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vorliegt , insbesondere zu berücksichtigen die Integration, die Familienverhältnisse, die finanziel len Verhältnisse, die Dauer der Anwesen- heit in der Schweiz, der Gesundheitszustand und die Möglichkeiten für eine Wiedereingliede- rung im Herkunftsstaat (E. 4.1b). Von einem Härtefall ist dann auszugehen, wenn die Lan- desverweisung insgesamt zu einem derart gravierenden Ein griff führen würde, dass für den Betroffenen ein Verlassen der Schweiz eine nicht hinnehmbare Härte darstellte (E. 4.1c). Aus Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV lässt sich kein Anspruch auf Aufenthalt im schweizerischen Staatsgebiet ableiten, um im Sinne eines grenzüberschreitenden "Raumes Basel" der neuen Familie in Frankreich möglichst nahe zu sein (E. 4.2b). Im Hinblick auf den Grad der Integra- tion in der Schweiz ist unabhängig von der Aufenthalt sdauer zu prüfen, ob der Betroffene in sprachlicher, sozialer, kultureller und persönlicher Hin sicht oder aufgrund weiterer Aspekte verwurzelt ist (E. 4.2c). Im vorliegenden Fall ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung festzu- halten, dass die Landesverweisung nicht zu einem derart gravierenden Eingriff führen würde, dass für den Beschuldigten ein Verlassen der Schweiz ein e nicht hinnehmbare persönliche Härte darstellte. In Anbetracht dieses Fazits erübrigt es sich, das private Interesse an einem Verbleib in der Schweiz dem öffentlichen Interesse a n einem Verlassen der Schweiz gegen- überzustellen. Selbst wenn jedoch eine solche Interesse nabwägung vorzunehmen wäre, würde diese angesichts der dem Beschuldigten zur Last ge legten qualifizierten Widerhand- lung gegen das Betäubungsmittelgesetz, welche mit vorli egendem Urteil mit einer hypotheti- schen unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren sanktio niert wird, sowie aufgrund der feh- lenden besonderen persönlichen und familiären Bindun gen des Betroffenen zur Schweiz ohne Weiteres zu dessen Ungunsten ausfallen (E. 4.2d). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), Richterin Helena Hess, Richter Markus Mattle, Richter Dominique Steiner; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung BM/OK, Rheinstrasse 27, Postfach, 4410 Liestal, Anklagebehörde und Berufungsklägerin gegen A.____ , vertreten durch Advokat Gioele Ballarino, Blumenrain 20, Postfach 1228, 4001 Basel, Beschuldigter B.____ , vertreten durch Rechtsanwältin Désirée Stutz, Zeller Dettwiler Advokatur & Notariat, Wasserturmplatz 3, 4410 Liestal, Beschuldigter Gegenstand Mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungs- mittelgesetz (Berufung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung BM/OK, gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 6. April 2018) A.a Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 6. Ap ril 2018 wurde der Beschuldigte A.____ der mehrfachen mengenmässig qualifizierten Wider handlung gegen das Betäubungs- mittelgesetz schuldig erklärt und – unter Anrechnung der vom 5. Juni 2017 bis zum 6. April 2018 in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 306 Tagen – zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstra fe von 27 Monaten verurteilt, davon 13,5 Monate unbedingt, bei einer Probezeit von drei Jahren für den bedingten Teil der Strafe; dies in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a BetmG, Art. 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. In Anwendung von Art. 66a Abs. 2 StGB wurde von einer Landesverweisung abgesehen. Das Honorar des amtlichen Ve rteidigers in der Höhe von Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 22'092.35 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) wu rde aus der Gerichtskasse entrich- tet, wobei A.____ verpflichtet wurde, dem Staat die K osten der amtlichen Verteidigung zurück- zuzahlen und dieser die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Hono- rar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhäl tnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Sodann hatte A.____ in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrens- kosten von insgesamt CHF 10'852.60 zu tragen, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 5'052.60, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von CHF 1'800.-- sowie der Gerichtsgebühr von CHF 4'000.--, wobei die eingezogen en Vermögenswerte von CHF 108.90 an die Kosten angerechnet wurden. A.b Mit nämlichem Urteil wurde der Beschuldigte B.____ d er mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig erklärt und – unter Anrechnung der vom 5. Juni 2017 bis zum 6. April 2018 in Untersuchungsh aft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 306 Tagen – zu einer Fr eiheitsstrafe von 27 Monaten verurteilt; dies in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a BetmG sowie Art. 51 StGB. Des Weite- ren wurde B.____ in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 li t. o StGB für die Dauer von zehn Jahren des Landes verwiesen. Das Honorar der amtlichen Verteidi gerin in der Höhe von CHF 13'059.80 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) wu rde aus der Gerichtskasse entrich- tet, wobei B.____ verpflichtet wurde, dem Staat die K osten der amtlichen Verteidigung zurück- zuzahlen und dieser die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Hono- rar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhäl tnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Schliesslich hatte B.____ in Anwendun g von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfah- renskosten von insgesamt CHF 10'313.15 zu tragen, bestehend aus den Kosten des Vorverfah- rens von CHF 5'963.15, den Kosten des Zwangsmassnahmenger ichts von CHF 350.-- sowie der Gerichtsgebühr von CHF 4'000.--. Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgen- den Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. B. Gegen das Urteil des Strafgerichts vom 6. April 2018 me ldete die Staatsanwaltschaft Ba- sel-Landschaft, Hauptabteilung BM/OK, mit Schreiben vo m 19. April 2018 die Berufung an. In ihrer Berufungserklärung vom 16. Juli 2018 brachte sie sodann die folgenden Rechtsbegehren vor: Es sei der Beschuldigte A.____ in teilweiser Abänd erung von Ziffer 1 des angefochtenen Urteils zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren zu verurteilen, ausserdem sei der Ge- nannte in Abänderung von Ziffer 2 des angefochtenen U rteils für die Dauer von zehn Jahren Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Landes zu verweisen. Des Weiteren sei der Beschuld igte B.____ in teilweiser Abänderung von Ziffer 3 des angefochtenen Urteils zu einer Freihei tsstrafe von vier Jahren zu verurteilen. In ihrer Berufungsbegründung vom 28. September 2018 hie lt die Staatsanwaltschaft an ihren be- reits in der Berufungserklärung gestellten Rechtsbegehren fest. C. Demgegenüber beantragte der Beschuldigte A.____ in seiner Berufungsantwort vom 15. November 2018, es sei das angefochtene Urteil in Ab weisung der Berufung der Staatsan- waltschaft sowie unter o/e Kostenfolge vollumfänglich zu bestätigen. Im Sinne eines Verfahren- santrags wurde zudem begehrt, es sei dem Beschuldigten die umgehende Versetzung in den offenen Strafvollzug zu bewilligen. D. Ebenso begehrte der Beschuldigte B.____ in seiner Ber ufungsantwort vom 15. November 2018, es sei die Berufung unter o/e Entschädigungsfolge vollumfänglich abzuweisen. E. Mit verfahrensleitenden Verfügungen des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 17. August 2018 und 21. August 2018 wu rde den beiden Beschuldigten die amtliche Verteidigung bewilligt, in Bezug auf den Be schuldigten A.____ verknüpft mit einem Wechsel des Verteidigers. Mit weiterer Verfügung vom 3. Oktober 2018 wurde festgestellt, dass die Verlegung des Beschuldigten A.____ in den offenen Strafvollzug nicht unterstützt wird. Schliesslich wurde mit Verfügung vom 30. November 2018 der Verfahrensantrag des Beschul- digten A.____, es sei ihm die umgehende Versetzung in den offenen Strafvollzug zu bewilligen, abgewiesen. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung sind der Besch uldigte A.____ mit seinem Rechtsvertreter Gioele Ballarino, der Beschuldigte B.__ __ mit seiner Rechtsvertreterin Désirée Stutz sowie Ramona Grabenstätter als Vertreterin der St aatsanwaltschaft anwesend. Auf die von den Anwesenden getätigten Ausführungen wird wiederum, soweit erforderlich, in den nach- folgenden Erwägungen eingegangen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 Die Zuständigkeit der Fünferkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung des vo rliegenden Rechtsmittels ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit lit. b EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen U rteile erstinstanzlicher Gerichte, mit de- nen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worde n ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverl etzungen, einschliesslich Überschrei- tung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverh altes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in alle n angefochtenen Punkten umfassend über- prüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 A bs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Be- rufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen se it Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgeri cht innert 20 Tagen seit der Zustel- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufung serklärung einzureichen. Die Legitimati- on der Staatsanwaltschaft wird in Art. 381 Abs. 1 StPO normiert. Nachdem in casu das Urteil des Strafgerichts vom 6. April 2018 ein taugliches Anfech tungsobjekt darstellt, die Staatsan- waltschaft berufungslegitimiert ist, zulässige Rügen erhe bt und die Rechtsmittelfristen gewahrt hat sowie der Erklärungspflicht nachgekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf deren Berufung einzutreten. 1.2 Da lediglich die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel ergriffen hat und dieses ausschliess- lich gegen das Strafmass bezüglich beiden Beschuldigten so wie die nicht ausgesprochene Landesverweisung hinsichtlich des Beschuldigten A.____ rich tet, sind in Anwendung von Art. 404 Abs. 1 StPO nur noch diese Punkte Gegenstand d es Berufungsverfahrens. Nicht mehr zu beurteilen sind damit namentlich die Verurteilungen wegen mehrfacher mengenmässig quali- fizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgeset z (A.____) bzw. wegen mengenmäs- sig qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (B.____), die gegen B.____ ausgesprochene zehnjährige Landesverweisung sowie die Erkenntnisse bezüglich Einziehung und Kostentragung. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Ausführungen der Parteien (…) 3. Strafzumessung 3.1.1 Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerf lichkeit des Handelns, den Beweg- gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wi e weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage gewesen ist, die Ge fährdung oder Verletzung zu vermei- den (Abs. 2). Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für meh- rere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn d as Gericht zu der Strafe der schwersten Straf- tat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstm ass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das gesetzlich e Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). 3.1.2 Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der objektiven Tatschwere das Verschul- den zu bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung f estzuhalten hat – im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernde und welche verschuldenserhöh ende Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatv erschuldens zu gelangen (BGE 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschie- denen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht a uf Umstände ausdrücklich ein- gehen, die es – ohne dass dies ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von geringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen o der Prozenten anzugeben, wie es die ein- zelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings hat das Ge- richt das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesa mteinschätzung des Tatverschul- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dens im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer). In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe, die diesem Versch ulden entspricht, innerhalb des zur Ver- fügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Die so erm ittelte Strafe kann dann gegebenen- falls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Tä terkomponenten verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7). Die tat- und täterangemessene Str afe ist grundsätzlich innerhalb des or- dentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden S trafbestimmung festzusetzen. Die- ser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr we it gefasst worden, um sämtlichen kon- kreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer a uch in der Praxis verbreiteten Auffas- sung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses ne uen Rahmens die Strafe nach den übli- chen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. Der ordentli che Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Für die Bildung einer Gesamtstrafe hat das Gericht in einem ersten Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und sodann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und strafmindernden Umstände, innerhalb dieses Strafra hmens festzusetzen. Bei der Bestim- mung des Strafrahmens für die schwerste Straftat ist von der abstrakten Strafandrohung aus- zugehen. In einem zweiten Schritt hat das Gericht diese Einsatzstrafe unter Einbezug der ande- ren Straftaten zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei es wiederum den jeweiligen Umstän- den Rechnung zu tragen hat. Die Bildung einer Gesamt strafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verh ängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Geld- und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Das Gericht kann somit auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm- verstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde. Dass die an zuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (B GE 142 IV 265 E. 2.3.2; 138 IV 120 E. 5.2). Im Übrigen drängt das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung vermehrt darauf, dass die Formulierung des Verschuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2; vgl. auch BGer 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.1 Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung in Bezug auf den Beschuldigten A.____ fordert die Staatsanwaltschaft, es sei eine Gesamtstrafe von 54 Monaten bzw. viereinhalb Jahren Frei- heitsstrafe auszufällen. Demgegenüber erachtet der Be schuldigte die erstinstanzlich teilbedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 27 Monaten, wovon 1 3,5 Monate unbedingt, bei einer Pro- bezeit von drei Jahren für den bedingt ausgesprochenen Teil der Strafe, als korrekt. Gemäss Art. 408 StPO fällt die Berufungsinstanz ein neues Urt eil, welches das erstinstanzliche ersetzt. Dabei hat sie die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen fe stzusetzen und muss sich nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzelnen Straf zumessungsfaktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). Im vor liegenden Fall ist der Beschuldigte A.____ gestützt auf das Urteil des Strafgerichts vom 6. Ap ril 2018 und den vorliegenden Ent- scheid der mehrfachen mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmit- telgesetz nach Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. a BetmG schuldig zu erklären. Dabei liegt der ordentliche Strafrahmen bei einer Freiheitsstrafe zwischen 1 Jahr und 20 Jahren, allen- falls verbunden mit einer Geldstrafe. Die Deliktsmehrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmens, ist aber inne rhalb des ordentlichen Rahmens straf- schärfend zu gewichten. 3.2.2 Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kanton sgericht für die Bildung einer Gesamtstrafe nunmehr in einem ersten Schritt den Straf rahmen – ausgehend von der abstrak- ten Strafandrohung – für die schwerste Straftat zu be stimmen und sodann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und str afmindernden Umstände, innerhalb die- ses Strafrahmens festzusetzen. In casu sind beide zu würdig enden Fälle unter den Tatbestand der mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen da s Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. a BetmG zu subsumieren, womit auch beide Fälle die gleiche Strafdrohung aufweisen. Allerdings zeichnet si ch Fall 1 nur schon aufgrund der massiv höheren Betäubungsmittelmenge durch einen grösseren Unr echtsgehalt aus, weshalb dieses Delikt die schwerere Straftat darstellt und damit für die Festsetzung der Einsatzstrafe heranzu- ziehen ist. Bei der konkreten Festlegung der Einsatzstrafe ist auf der Seite der objektiven Tat- komponenten erheblich verschuldenserhöhend die grosse Me nge der geschmuggelten Betäu- bungsmittel im Umfang von 1'965 Gramm reinem Kokain zu würdigen, womit der von der Praxis definierte Grenzwert von 18 Gramm reinem Kokain, welcher zur Annahme einer mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmitte lgesetz führt, um das Hundertfache überschritten worden ist. Mit der Einfuhr dieser Menge an Betäubungsmitteln ist zweifellos eine Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht grosse Gefahr für die öffentliche Gesundheit geschaffen worden. Zutreffend ist zwar, dass der Betäubungsmittelmenge keine vorrangige Bedeutung zukommt, dennoch stellt sie einen wichti- gen Strafzumessungsfaktor dar (vgl. BGer 6B_1366/2016 vom 6. Juni 2017 E. 4.5). Wenngleich die Strafe in erster Linie nicht nach der Gefährlich keit der Drogen, sondern insbesondere nach dem Verschulden des Täters zu bemessen ist (vgl. BGer 6B_164 /2013 vom 11. April 2013 E. 4), kommen der Betäubungsmittelmenge und der hier archischen Stellung des Täters beim Drogenhandel wesentliches Gewicht zu (vgl. BGer 6B_712/ 2011 vom 19. März 2012 E. 3.3). In casu haftet der konkreten Menge an Betäubungsmitteln ta tsächlich insofern etwas Zufälliges an, als der Beschuldigte A.____ aufgrund seiner unterg eordneten Stellung in der Organisation hierauf mutmasslich keinen wesentlichen Einfluss gehabt hat und möglicherweise auch nicht über den genauen Umfang im Bilde gewesen ist. Anzulast en ist ihm aber, dass es ihm offenbar schlichtweg egal gewesen ist, um welche Menge es tatsächl ich gegangen ist, womit er sich konkludent einverstanden erklärt hat, eine beliebige Me nge an gesundheitsgefährdenden Stof- fen in die Schweiz zu bringen, was einen massiven Versto ss gegen die hiesige Rechtsordnung darstellt. Zu Ungunsten des Beschuldigten ist weiter zu werten, dass die Betäubungsmittel nicht bloss an Endabnehmer verteilt worden, sondern mit dessen Hilfe in die Schweiz geschmuggelt worden sind, womit er einen wesentlichen Tatbeitrag im internationalen Drogengeschäft geleis- tet hat. Zwar ist der Beschuldigte A.____ in der Orga nisation eher auf einer unteren Hierarchie- stufe anzusiedeln. Allerdings geht dessen Argument, wonac h er keine tragende Rolle innege- habt habe, da ihm selbst keine Betäubungsmittel anvert raut worden seien und er letztlich auch nicht für die tatsächliche Einfuhr in die Schweiz zustän dig gewesen sei, fehl. Würde man dieser Ansicht folgen, würde dies in der Konsequenz dazu führe n, dass dem jeweiligen Drogenkurier, d.h. derjenigen Person, welche die Betäubungsmittel konkret vom einen Ort zum anderen transportiert, eine tragende Rolle zuzusprechen wäre . Entgegen dieser Auffassung ist es aller- dings gerichtsnotorisch, dass sich die Drogenkuriere hiera rchisch betrachtet grundsätzlich auf der untersten Stufe bewegen, da sie – abgesehen von de r gesundheitlichen Gefahr beim Dro- gentransport im Körper – das mit Abstand grösste Risiko tragen, erwischt zu werden. Vorlie- gend besteht kein Zweifel, dass der Beschuldigte A.___ _ dem Beschuldigten B.____ hierar- chisch übergeordnet gewesen ist, was sich gerade dadurch ma nifestiert, dass er selbst keine Drogen in die Schweiz geschmuggelt und sein persönliches Risiko zusätzlich dadurch minimiert hat, dass er sich beim Grenzübertritt nicht im betreffenden Fahrzeug aufgehalten hat. Entgegen den Depositionen des Beschuldigten A.____ hat dieser sehr wohl einen wesentlichen Tatbeitrag geleistet, indem er zusammen mit seiner Partnerin den mit den örtlichen Begebenheiten nicht Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vertrauten Beschuldigten B.____ in Frankreich abgeholt und ihn mitsamt den Betäubungsmit- teln bei X.____ über die Grenze in die Schweiz gebrach t hat, bis sie in Y.____ angehalten wor- den sind. Ohne das Zutun des Beschuldigten A.____ und dessen profunden Ortskenntnissen wäre das fragliche Delikt in dieser Form nicht oder zum indest nur erschwert möglich gewesen. In diesem Zusammenhang hat der Beschuldigte durch seine Vorgehensweise – indem er am Morgen des 5. Juni 2017, eines Feiertages, um ca. 06:00 Uhr zuerst zu Fuss den Grenzüber- gang X.____ überquert und sich dabei versichert hat, da ss keine Grenzwache zugegen gewe- sen ist, und danach die Situation erneut auf der Höhe der Tramhaltestelle W.____strasse ge- prüft hat, bevor er seine Lebenspartnerin telefonisch avisiert hat, welche schliesslich zusammen mit dem Beschuldigten B.____ und den Betäubungsmittel n die Grenze passiert und den Be- schuldigten A.____ am Z.____platz wieder aufgeladen ha t – eine beachtliche Planung, Vorbe- reitung und Umsicht manifestiert, was ein gehöriges Mass a n krimineller Energie erkennen lässt. Bei der Bewertung der subjektiven Tatschwere ist fe stzustellen, dass dem Beschuldigten hinsichtlich des inkriminierten Tatbestandes eine direktvors ätzliche Willensrichtung anzulasten ist. Ausserdem ist ihm vorzuwerfen, dass er seine Wohnsitu ation in der Schweiz bewusst aus- genützt hat, um den internationalen Drogenhandel zu fördern. Nachdem er bereits seit Jahren von der öffentlichen Hand in der Schweiz mit namhaften Beträgen unterstützt wird, kann er auch nicht ernsthaft geltend machen, in einer Notlage gewesen zu sein. Nicht zu folgen ist hin- gegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft, wonach sich die finanziell besser gestellte Situa- tion des Beschuldigten A.____ im Vergleich zu derjenigen des Beschuldigten B.____ verschul- denserhöhend auszuwirken habe. Vielmehr ist es aktenmässig erstellt, dass der Beschuldigte A.____ seit Jahren Sozialbeiträge bezieht und gemäss Auszu g aus dem Betreibungsregister des Kantons X.____ vom 23. Juni 2017 43 Verlustscheine im Gesamtbetrag von CHF 128'836.05 ausweist (act. 59 f.). Abgesehen davon er scheint es als widersprüchlich, dem Beschuldigten einerseits im Zusammenhang mit der Stra fzumessung verschuldenserhöhend vorzuhalten, dass er sich in einer besser gestellten Situ ation befunden habe, andererseits je- doch im Zusammenhang mit der Landesverweisung die exakt gleiche finanzielle Lage als Zei- chen der fehlenden Integration zu werten. Nichts abzul eiten vermag die Staatsanwaltschaft fer- ner aus dem von ihr erwähnten Strafzumessungsmodell (vgl . THOMAS FINGERHUTH / STEPHAN SCHLEGEL / OLIVER JUCKER , Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz, 3. Auflage, Zürich 2016). Derartige Strafmasstabellen binden das Gericht nicht und können lediglich als unverbindliche Richtlinien dienen (BGer 6B_662/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2.4). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht In Würdigung aller tatbezogenen Umstände erachtet da s Kantonsgericht im Ergebnis das Ver- schulden in Bezug auf den Tatbestand der mengenmässig qu alifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Fall 1 als mittelschwer, an der unteren Grenze liegend. Dies hat in Anbetracht des abstrakten Strafrahmens zur Folge, d ass dem vorgängig definierten Ver- schulden entsprechend im Sinne eines Zwischenergebnisses eine angemessene Einsatzstrafe im Bereich von 36 Monaten bzw. drei Jahren Freiheitsstrafe resultiert. 3.2.3 In einem zweiten Schritt hat das Kantonsgericht diese Einsatzstrafe von drei Jahren Frei- heitsstrafe unter Einbezug der weiteren Straftat zu e iner Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei es wiederum den jeweiligen Umständen Rechnung zu tragen hat. Im Hinblick auf die zweite men- genmässig qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäub ungsmittelgesetz ist das Asperations- prinzip bereits angesichts des abstrakten Strafrahmens (Fre iheitsstrafe nicht unter einem Jahr) fraglos anwendbar. Diesbezüglich erachtet das Kantonsge richt das Tatverschulden eher als leicht. Auf der Seite der objektiven Tatkomponenten i st ebenfalls verschuldenserhöhend zu würdigen, dass der Beschuldigte mit 30,1 Gramm reinem Kokain den von der Praxis definierten Grenzwert von 18 Gramm reinem Kokain, welcher zur Anna hme einer mengenmässig qualifi- zierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz f ührt, wiederum überschritten hat, vorliegend jedoch nur in einigermassen geringfügigem A usmass. Hinzu kommt, dass der kon- kreten Menge an Betäubungsmitteln weniger Zufälliges anhaftet als im Fall 1, da der Beschul- digte der Kurierin das Kokain persönlich übergeben hat . Demgegenüber ist im Fall 2 das Be- täubungsmittel nicht vom Beschuldigten in die Schweiz ve rbracht, sondern lediglich hier weiter- gegeben worden. Bezüglich der Hierarchiestufe des Besc huldigten lässt sich den Akten wenig entnehmen. Es ist aber davon auszugehen, dass er wieder um auf unterer, freilich nicht unters- ter Ebene agiert hat und zumindest C.____ übergeordn et gewesen ist. Anzumerken ist, dass der Beschuldigte im Fall 1 argumentiert hat, er habe keine tragende Rolle innegehabt, da ihm selbst keine Betäubungsmittel anvertraut worden seien. W ürde man dieser Ansicht folgen, müsste man feststellen, dass er im Fall 2 offenbar eine tragende Rolle bekleidet hat, da ihm ohne Frage Betäubungsmittel anvertraut worden sind. A llerdings erscheint nüchtern betrachtet der Beschuldigte im Fall 2 aufgrund seiner Aufgabe als eher ersetzbar als er es im Fall 1 gewe- sen ist. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere bestehen w iederum keine Zweifel, dass dem Beschuldigten A.____ auch in diesem Fall eine direktvor sätzliche Willensrichtung ohne Vorlie- gen einer Notlage anzulasten ist. Gestützt auf diese Au sführungen rechtfertigt sich unter dem Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Titel der Asperation eine Straferhöhung im Umfang von sechs Monaten bzw. einem halben Jahr Freiheitsstrafe. 3.2.4 Diese Gesamtstrafe von 42 Monaten bzw. dreieinhalb Ja hren Freiheitsstrafe ist grund- sätzlich in einem letzten Schritt aufgrund der besonderen Täterkomponenten, welche in casu für alle Straftaten gleichermassen gelten, anzupassen. Alle rdings ist in diesem Zusammenhang unter Verweis auf die Ausführungen der Vorinstanz (E. II.3.1 S. 25 f.) festzustellen, dass die Faktoren Vorleben, persönliche Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren als neutral zu werten sind. So ist bekannt, dass der Besc huldigte 1968 in V.____ als Einzelkind von Bauern geboren ist, dort aufgewachsen ist und die P rimar- sowie einen Teil der Sekundar- schule besucht hat. Nach einem ca. dreimonatigen Aufen thalt in Frankreich ist er im Mai 1998 in die Schweiz gekommen, wobei er bis im Mai 2006 mit seiner Ehefrau zusammengelebt hat, welche er ebenfalls im Mai 1998 geheiratet hat. Aus di eser Ehe ist seine 1998 geborene Toch- ter hervorgegangen. Nach der Scheidung hat er seine he utige Lebenspartnerin kennengelernt, mit welcher er drei gemeinsame minderjährige Kinder hat. Seit der Beschuldigte in der Schweiz ist, hat er ohne Ausbildung zunächst bei der N.____ SA und der P.____ SA sowie später als Taxifahrer gearbeitet. Zwischendurch ist er über länger e Phasen hinweg arbeitslos gewesen und hat namhafte Beträge der Arbeitslosenkasse sowie der Sozialhilfe bezogen. Gemäss einem Auszug aus dem Betreibungsregister des Kantons X.____ vom 23. Juni 2017 weist der Be- schuldigte 43 Verlustscheine im Gesamtbetrag von CHF 128' 836.05 aus. Des Weiteren hat der Beschuldigte gesundheitliche Probleme, namentlich leid et er an Diabetes. Vorstrafen hat der Beschuldigte keine, was neutral zu werten ist. Reue und Einsicht hat er keine gezeigt, was ebenfalls nicht ins Gewicht fällt. Genauso wenig ist da s erst im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung aufgrund der erdrückenden Beweislage e rfolgte Teilgeständnis zu seinen Gunsten zu werten. Eine besondere Strafempfindlichkeit , welche praxisgemäss nur bei ausser- gewöhnlichen Umständen zu bejahen ist (vgl. H ANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 1 50 zu Art. 47 StGB, mit Hinweisen), ist nicht zu erkennen. Nach diesen Erwägungen drängt sich auf grund der besonderen Täterkom- ponenten keine weitere Anpassung der tatbezogenen Gesam tstrafe auf. Im Ergebnis ist somit eine tat- und täterangemessene Strafe von dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen. Bei diesem Strafmass ist der bedingte Strafvollzug bereits au s formellen Gründen ausgeschlossen. Einer Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft bzw. des vorzeitigen Strafvollzugs steht nach Art. 51 StGB hingegen nichts im Wege. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demzufolge ist in teilweiser Gutheissung der diesbezügl ichen Berufung der Staatsanwaltschaft sowie in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils A.____ der mehrfachen mengenmässig qua- lifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelg esetz schuldig zu erklären und – unter Anrechnung der vom 5. Juni 2017 bis zum 12. Februar 2 019 in Untersuchungshaft bzw. im vor- zeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 618 Tagen – zu einer unbedingten Frei- heitsstrafe von dreieinhalb Jahren zu verurteilen. 3.3.1 Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung in Bezug auf den Beschuldigten B.____ fordert die Staatsanwaltschaft, es sei eine Gesamtstrafe von 48 Monaten bzw. vier Jahren Freiheits- strafe auszufällen. Demgegenüber erachtet der Beschuldi gte die erstinstanzlich unbedingt aus- gesprochene Freiheitsstrafe von 27 Monaten als korrekt. W iederum gemäss Art. 408 StPO fällt die Berufungsinstanz ein neues Urteil, welches das erstin stanzliche ersetzt. Im vorliegenden Fall ist der Beschuldigte B.____ gestützt auf das Urteil des Strafgerichts vom 6. April 2018 und den vorliegenden Entscheid der mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäu- bungsmittelgesetz nach Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mi t Abs. 2 lit. a BetmG schuldig zu erklä- ren. Dabei liegt der ordentliche Strafrahmen bei ei ner Freiheitsstrafe zwischen 1 Jahr und 20 Jahren, allenfalls verbunden mit einer Geldstrafe. 3.3.2 Auf der Seite der objektiven Tatkomponenten ist erheb lich verschuldenserhöhend die grosse Menge der geschmuggelten Betäubungsmittel im Umf ang von 1'965 Gramm reinem Kokain zu würdigen, womit der von der Praxis definiert e Grenzwert von 18 Gramm reinem Ko- kain, welcher zur Annahme einer mengenmässig qualifizier ten Widerhandlung gegen das Be- täubungsmittelgesetz führt, um das Hundertfache überschri tten worden ist. Mit der Einfuhr die- ser Menge an Betäubungsmitteln ist zweifellos eine grosse Gefahr für die öffentliche Gesund- heit geschaffen worden. Zutreffend ist zwar, dass der Be täubungsmittelmenge keine vorrangige Bedeutung zukommt, dennoch stellt sie einen wichtigen S trafzumessungsfaktor dar (vgl. BGer 6B_1366/2016 vom 6. Juni 2017 E. 4.5). Wenngleich die Strafe in erster Linie nicht nach der Gefährlichkeit der Drogen, sondern insbesondere nach dem Verschulden des Täters zu bemes- sen ist (vgl. BGer 6B_164/2013 vom 11. April 2013 E. 4) , kommen der Betäubungsmittelmenge und der hierarchischen Stellung des Täters beim Drogenh andel wesentliches Gewicht zu (vgl. BGer 6B_712/2011 vom 19. März 2012 E. 3.3). In casu ha ftet der konkreten Menge an Betäu- bungsmitteln tatsächlich insofern etwas Zufälliges an, al s der Beschuldigte B.____ aufgrund Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht seiner untergeordneten Stellung in der Organisation hierauf mutmasslich keinen wesentlichen Einfluss gehabt hat. Anzulasten ist ihm aber, dass er im Gegensatz zum Beschuldigten A.____ gewusst haben muss, dass es um eine erhebliche Menge an D rogen gegangen ist, zumal er in diesem Bereich über einschlägige Erfahrungen verfügt und immerhin die überaus umfangreiche Anzahl von 320 Fingerlingen am sowie im Körper transp ortiert hat. Seine Behauptung vor dem Kantonsgericht, er habe nicht gewusst, dass es dabei um D rogen gegangen sei (Protokoll KG S. 8), stellt angesichts dieser Umstände offensichtlich ei ne Schutzbehauptung dar. Zu Unguns- ten des Beschuldigten ist weiter zu werten, dass die Bet äubungsmittel nicht bloss an Endab- nehmer verteilt worden, sondern von ihm persönlich in die Schweiz geschmuggelt worden sind, womit er einen wesentlichen Tatbeitrag im internation alen Drogengeschäft geleistet hat. Aller- dings ist der Beschuldigte in der Organisation eher a uf einer unteren Hierarchiestufe anzusie- deln. Dass er zudem dem Beschuldigten A.____ hierarchisch untergeordnet gewesen ist, wird dadurch manifestiert, dass er es gewesen ist, welcher die Drogen am und im Körper in die Schweiz geschmuggelt hat, wodurch er ein nicht zu untersch ätzendes gesundheitliches Risiko auf sich genommen hat. Bei der Bewertung der subjekt iven Tatschwere ist auch hier festzustel- len, dass dem Beschuldigten hinsichtlich des inkriminiert en Tatbestandes eine direktvorsätzli- che Willensrichtung anzulasten ist. Wenngleich er im Vergleich zum Beschuldigten A.____ nicht durch die schweizerische Sozialhilfe abgesichert gewesen ist, stellen die Arbeitslosigkeit des Beschuldigten B.____ in T.____ und die Grösse seiner F amilie in S.____ selbstredend keine gültigen Gründe dar, um dergestalt eine Notlage anzu nehmen, dass dieser keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat, als zu Erwerbszwecken Drogen in d ie Schweiz zu schmuggeln. Auch beim Beschuldigten B.____ vermag schliesslich die S taatsanwaltschaft aus dem von ihr erwähnten Strafzumessungsmodell nichts abzuleiten. In Würdigung aller tatbezogenen Umstände erachtet da s Kantonsgericht im Ergebnis das Ver- schulden in Bezug auf den Tatbestand der mengenmässig qu alifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz als mittelschwer, an der unteren Grenze liegend. Dies hat in Anbe- tracht des abstrakten Strafrahmens zur Folge, dass dem vorgängig definierten Verschulden entsprechend im Sinne eines Zwischenergebnisses eine an gemessene Einsatzstrafe im Be- reich von 33 Monaten Freiheitsstrafe resultiert. 3.3.3 Diese Strafe von 33 Monaten Freiheitsstrafe ist in ein em weiteren Schritt aufgrund der besonderen Täterkomponenten anzupassen. In Bezug auf die massgeblichen Faktoren Vorle- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben, persönliche Verhältnisse, Nachtatverhalten und Ve rhalten im Strafverfahren ist unter Ver- weis auf die Ausführungen der Vorinstanz (E. II.3.2 S . 27 ff.) zusammenfassend festzuhalten, dass der Beschuldigte 1982 in S.____ geboren und dort zusammen mit drei Schwestern bei seinen Eltern aufgewachsen ist und dabei die Primarschul e besucht hat. Nach dem Tod seines Vaters hat er offenbar mit 15 Jahren dessen Rolle über nommen. Seit 2005 oder 2006 lebt er in T.____, wo er nach eigenen Angaben auch eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung besitzt. Bei diversen Arbeiten in T.____, unter anderem in einem F reizeitpark sowie bei der Caritas, hat er zwischen € 400.-- und € 700.-- pro Monat verdient. Aufgrund der wirtschaftlic hen Situation in T.____ hat er seit dem Jahre 2015 keine Stelle mehr ge funden, was auch der Grund sein soll, weshalb er in die Schweiz gekommen ist. Der Beschuldigte gibt an, weder über Vermögen zu verfügen noch Schulden zu haben. Gesundheitliche Beein trächtigungen werden nicht genannt. B.____ ist verheiratet und hat anscheinend vier Kinder, welche zusammen mit ihrer Mutter in S.____ leben. Dies alles ist neutral zu werten. Negat iv ins Gewicht fällt demgegenüber, dass der Beschuldigte einschlägig vorbestraft ist (act. 157 f. ). So ist er mit Strafbefehl des Untersu- chungsamtes St. Gallen vom 30. April 2016 wegen mehrf acher Widerhandlung gegen das Be- täubungsmittelgesetz nach Art. 19 Abs. 1 BetmG zu eine r unbedingten Freiheitsstrafe von 60 Tagen, unter Anrechnung der Untersuchungshaft von zwei Tagen, verurteilt worden (act. 281 ff.). Demgegenüber ist die Vorstrafe des Str afbefehlsrichters Basel-Stadt vom 16. Mai 2008 mittlerweile von Amtes wegen aus dem Strafregiste r entfernt und darf dem Beschuldigten gemäss Art. 369 Abs. 3 und Abs. 7 StGB nicht mehr entg egengehalten werden. Dass B.____ nunmehr mit vorliegendem Urteil wiederum und dieses Ma l sogar wegen qualifizierter Wider- handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. a BetmG zu verurteilen ist, belegt zweifellos seine ausg eprägte Unbelehrbarkeit, was straferhö- hend zu berücksichtigen ist. Diesbezüglich macht er geltend, ihm sei der Ernst der Lage gar nie vor Augen geführt worden. Aus den Akten ergibt sich all erdings, dass ihm der fragliche Strafbe- fehl der Staatsanwaltschaft St. Gallen vom 30. April 2 016 am selben Tag persönlich ausgehän- digt worden ist (act. 285), dass er zwei Tage in Unters uchungshaft verbracht hat sowie dass seine Einvernahme als Beschuldigter vom 29. April 2016 durch die Stadtpolizei St. Gallen unter Beizug eines Dolmetschers stattgefunden hat (act. 299 f f.). Soweit der Beschuldigte unter die- sen Umständen seine Situation nicht ernst genommen haben sollte, hat er sich die Folgen ohne Zweifel selbst zuzuschreiben. Abgesehen davon wird von ihm in seiner Rechtsschrift die bereits vom Strafgericht angesichts der einschlägigen Vorstrafen angeordnete Straferhöhung um drei Monate als durchaus korrekt wahrgenommen. Ferner ist festzustellen, dass B.____ weder Reue Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht noch Einsicht gezeigt hat, was jedoch nicht ins Gewicht f ällt. Genauso wenig ist das aufgrund der erdrückenden Beweislage erfolgte Teilgeständnis zu seinen Gunsten zu werten. Eine be- sondere Strafempfindlichkeit, welche praxisgemäss nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen ist (vgl. W IPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 150 zu Art. 47 StGB, mit Hinweisen), ist nicht zu erkennen. Nach diesen Erwägungen drängt sich auf grund der besonderen Täterkom- ponenten im Hinblick auf die einschlägige Vorstrafe eine Anpassung der tatbezogenen Strafe im Sinne einer Erhöhung um drei Monate auf. Im Ergebnis ist somit eine tat- und täterangemes- sene Strafe von 36 Monaten bzw. drei Jahren Freiheitsst rafe festzusetzen. Bei diesem Straf- mass wäre der teilbedingte Strafvollzug nach Art. 43 Abs. 1 StGB theoretisch möglich. Voraus- setzung hierfür ist allerdings, dass keine ungünstige Prog nose vorliegen darf. In diese Beurtei- lung miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aus- sichten seiner Bewährung zulassen (R OLAND M. SCHNEIDER / ROY GARRÉ , in: Basler Kommen- tar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 11 f. zu Art. 43 StGB, mit zahlreichen Hinweisen). In diesem Zusammenhang hat bereits die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, dass der in der Schweiz einschlägig vorbestrafte Beschuldigte durch d ie vorliegende Tat seine Unbelehr- barkeit und seinen Willen, seine Drogendelinquenz in noch gravierenderem Umfang fortzuset- zen, manifestiert hat, weshalb von einer schlechten Progn ose auszugehen und dementspre- chend die Strafe unbedingt auszusprechen ist. Dies wird i m Übrigen von B.____ erst gar nicht bemängelt. Einer Anrechnung der ausgestandenen Unters uchungshaft bzw. des vorzeitigen Strafvollzugs steht nach Art. 51 StGB hingegen nichts im Wege. Demzufolge ist in teilweiser Gutheissung der diesbezügl ichen Berufung der Staatsanwaltschaft sowie in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils B.____ der mengenmässig qualifizierten Wi- derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig z u erklären und – unter Anrechnung der vom 5. Juni 2017 bis zum 12. Februar 2019 in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Straf- vollzug verbrachten Zeit von insgesamt 618 Tagen – zu ei ner unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren zu verurteilen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Landesverweisung 4.1 a) Gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB verweist das G ericht den Ausländer, der wegen einer Widerhandlung gegen Art. 19 Abs. 2 oder Art. 2 0 Abs. 2 BetmG verurteilt wird, unabhän- gig von der Höhe der Strafe für fünf bis 15 Jahre aus der Schweiz. In Anwendung von Abs. 2 von Art. 66a StGB kann das Gericht ausnahmsweise von eine r Landesverweisung absehen, wenn diese für den Ausländer einen schweren persönlich en Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüb er den privaten Interessen des Aus- länders am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. D abei ist der besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind. b) Dem Gesetz sind keine Hinweise zu entnehmen, wie die D auer der obligatorischen Lan- desverweisung zu bemessen ist. Den Gerichten kommt dabei auf den ersten Blick grundsätzlich ein weites Ermessen zu. Aufgrund der formalen Ausgestaltung der Landesverweisung als ande- re Massnahme hat deren Dauer zunächst dem verfassungsmässige n Grundsatz der Verhält- nismässigkeit zu entsprechen. Sodann ist die Dauer wegen i hres Strafcharakters auch unter Berücksichtigung der allgemeinen Strafzumessungskriterien nach Art. 47 StGB nach dem Ver- schulden des Täters zu bemessen (M ATTHIAS ZURBRÜGG / CONSTANTIN HRUSCHKA , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 2 7 ff. zu Art. 66a StGB, mit Hinweisen). Bei der Härtefallprüfung sind die Bindungen der Person an die Schweiz zu berücksichtigen, na- mentlich ob sie in der Schweiz geboren ist sowie die Ze itdauer, während der sie in der Schweiz aufgewachsen ist. Besteht ein sich aus dem Völkerrecht er gebendes Bleibe- und Aufenthalts- recht, ist keine Abwägungsentscheidung im Sinne der Här tefallklausel zu treffen, was als un- echter Härtefall bezeichnet wird. Insbesondere ist von ei ner Landesverweisung zwingend abzu- sehen, wenn die Person im Entscheidungszeitpunkt ein Auf enthaltsrecht nach Art. 8 EMRK hat (ZURBRÜGG / HRUSCHKA , a.a.O., N 38 ff. und N 97 ff. zu Art. 66a StGB, m it Hinweisen; anderer Ansicht MARC BUSSLINGER / PETER UEBERSAX , Härtefallklausel und migrationsrechtliche Auswir- kungen der Landesverweisung, pläyoyer 5/16, E. 6.5.2 S. 102 f., mit Hinweisen). Beim echten Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB ist hing egen immer eine Interessenabwägung durchzuführen und zu prüfen, ob ein solcher vorliegt u nd die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung nicht überwiegen. Kriterien für die Annahme eines schweren persönlichen Härtefalls sind in Art. 31 VZAE aufgelistet. In der Le hre besteht Einigkeit, dass diese Kriterien Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch für die Prüfung des Härtefalles bei der Landesverweisung von besonderer Bedeutung sein sollen (ZURBRÜGG / HRUSCHKA , a.a.O., N 116 ff. zu Art. 66a StGB, mit Hinweisen ). Nach Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE) sind bei der Beurteilung, ob ein schwerwiegende r persönlicher Härtefall vorliegt, insbe- sondere zu berücksichtigen die Integration, die Familienverhältnisse, die finanziellen Verhältnis- se, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der Gesun dheitszustand und die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat. c) Ob ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt, ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu eruieren. Dabei sind sämtliche härtefallbegründenden Aspekte zu berücksichtigen und zu bewerten. Von einem Härtefall ist dann auszugehen, wenn die Landesverweisung insgesamt zu einem derart gravierenden Eingriff führen würde, dass für den Betroffenen ein Verlassen der Schweiz eine nicht hinnehmbare Härte darstellte. Erst w enn feststeht, dass die Landesverwei- sung einen schweren persönlichen Härtefall bewirken wü rde, ist in einem zweiten Schritt das private Interesse an einem Verbleib in der Schweiz dem ö ffentlichen Interesse an einem Ver- lassen der Schweiz gegenüberzustellen. Resultiert dara us ein überwiegendes öffentliches Inte- resse, muss die Landesverweisung verhängt werden. Von ein er Landesverweisung darf also nur dann abgesehen werden, wenn das öffentliche Intere sse kleiner oder gleich gross ist wie das private Interesse. Das private Interesse ist umso höhe r zu veranschlagen, je länger ein Be- troffener in der Schweiz lebt, je gravierender die Ausw irkungen auf das Familienleben sind, je schwieriger sich die Reintegration im Heimatland gestalt et, je wahrscheinlicher eine positive Persönlichkeitsentwicklung zunichte gemacht wird und je w ahrscheinlicher eine Resozialisie- rung im Heimatland scheitern wird. Bei der Bestimmung des öffentlichen Interesses kommen unter anderem folgende Aspekte in Frage: die ausgefällte Strafe, die Art der begangenen Delik- te, die Rückfallgefahr und die wiederholte Straffäll igkeit, insbesondere nach verbüsster Frei- heitsstrafe oder nach migrationsrechtlicher Verwarnung. Ausgangspunkt für die Bemessung des öffentlichen Interesses ist die Höhe der ausgefällten Freiheitsstrafe, wobei dieses höher zu ver- anschlagen ist, wenn der Betroffene beispielsweise in gravierender Weise durch Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz die Gesundheit vieler Menschen gefährdet hat (BUSSLINGER / UEBERSAX , a.a.O., E. 6.5 S. 102 f., mit Hinweisen). Dabei ist die Härtefallklausel streng anzu- wenden: Es darf nicht leichthin von einem Härtefall ausgegangen werden, da der Strafrichter nach dem ausdrücklichen Gesetzeswortlaut nur ausnahmsweise von der Landesverweisung absehen kann (BUSSLINGER / UEBERSAX , a.a.O., E. 6.1.1 S. 97). Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht d) Auch nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Ganzen BGer 6B_659/2018 vom 20. September 2018 E. 3.3.3 ff.) kann die Beurteilung de s Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB kriteriengeleitet nach der Bestimmung über den sc hwerwiegenden persönlichen Härtefall in Art. 31 Abs. 1 VZAE vorgenommen werden (BGer 6B_371/2018 vom 21. August 2018 E. 2.5; 6B_706/2018 vom 7. August 2018 E. 2.2-2.5). Näher zu prüfen sind dabei folgende Kriterien: die Integration in der Schweiz, die Resozialisierungsch ancen im Herkunftsland, die medizini- sche Versorgung, die familiäre Bindung in der Schweiz s owie eine Interessenabwägung. Die EMRK verschafft keinen Anspruch auf Einreise und Aufent halt oder auf einen besonderen Auf- enthaltstitel. Sie hindert die Konventionsstaaten nicht daran, die Anwesenheit auf ihrem Staats- gebiet zu regeln und den Aufenthalt ausländischer Person en unter Beachtung überwiegender Interessen des Familien- und Privatlebens gegebenenfall s auch wieder zu beenden. Das ent- sprechende, in Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte R echt ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Be- ziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsber echtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres möglich bzw. zumutbar wäre , ihr Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 144 II 1 E. 6.1). Der Anspruch gilt im Übrigen nicht absolut. Liegt eine aufent- haltsbeendende oder -verweigernde Massnahme im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, erweist sich diese als zulässig, falls sie gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht und zu dessen Realisierung in einer demo- kratischen Gesellschaft notwendig erscheint (BGE 142 II 35 E. 6.1). Gemäss Praxis des EGMR überwiegt bei Betäubungsmitteldelikten regelmässig das öffentliche Interesse an der Beendi- gung eines Aufenthalts, falls keine besonderen persönlich en oder familiären Bindungen im Auf- enthaltsstaat bestehen (BGer 6B_659/2018 vom 20. Sept ember 2018 E. 3.4; BGE 139 I 16 E. 2.2.2). Nach der Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK ist der Aspekt des Familienlebens eine Frage der tatsächlich gelebten familiären Situation, wobei auch die finanziellen Interessen eine Rolle spielen, so die Zahlung von Kinderalimenten. Zum gesc hützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehe gatten mit ihren minderjährigen Kindern. In den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallen aber auch and ere familiäre Verhältnisse, sofern eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht (BGE 144 II 1 E. 6.1; BGer 6B_659/2018 vom 20. September 2018 E. 3.4; 6B_612/2 018 vom 22. August 2018 E. 2.2). Bei Straftaten von Ausländern gegen das Betäubungsmittelge setz hat sich das Bundesgericht hin- sichtlich der Ausweisung zwecks Verhinderung neuer Straftat en zur Gewährleistung der öffent- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Sicherheit stets rigoros gezeigt ("sempre mostrato p articolarmente rigoroso"); diese Strenge bekräftigt der Gesetzgeber mit Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB (BGer 6B_371/2018 vom 21. August 2018 E. 3.3; vgl. auch Art. 121 Abs. 3 lit. a BV). 4.2 a) In casu hat das Strafgericht bezüglich des Beschuldigte n B.____ eine Landesverweisung in der Höhe von zehn Jahren ausgesprochen, in Bezug auf den Beschuldigten A.____ hingegen auf eine solche verzichtet, nachdem es das Vorliegen ei nes persönlichen Härtefalles unter Ver- weis auf dessen Familienleben bejaht und sodann im Rah men der Interessenabwägung die privaten Interessen am Verbleib in der Schweiz höher gewichtet hat als die öffentlichen Fernhal- teinteressen. Diese Konklusion hinsichtlich des Beschuldigten A.____ teilt das Kantonsgericht nicht, was sich wie folgt begründet: Zunächst ist festzustellen, dass der Beschuldigte mit dem in diesem Punkt nicht angefochtenen Urteil der Vorinstanz w egen mehrfacher mengenmässig qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmitte lgesetz verurteilt worden ist. Wenn- gleich das zweite beurteilte Delikt angesichts des vor der Inkraftsetzung der Bestimmung über die Landesverweisung am 1. Oktober 2016 liegenden Tatzeitpunktes (25. April 2016) in concre- to nicht zu berücksichtigen ist, verbleibt eine mengenmä ssig qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG, wofür der Beschuldigte mit heutigem Urteil hypothetisch mit einer Einsatzstraf e von drei Jahren Freiheitsstrafe bestraft wird. Diese Verurteilung stellt eine Katalogtat für eine obligatorische Landesverweisung nach Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB dar, weshalb der Beschuldigte grundsätzlich für fünf bis 15 Jahre aus der Schweiz zu verweisen ist. Hiervon abzusehen ist in An wendung von Abs. 2 von Art. 66a StGB nur, wenn erstens die Landesverweisung für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und zweitens die öffentlichen Interessen daran gegenüber den priva- ten Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Art. 66a Abs. 2 Satz 2 StGB, wonach der besonderen Situation von Ausl ändern Rechnung zu tragen ist, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind, spielt vorliegend von vornherein keine Rolle. b) Fraglich ist also, ob beim Beschuldigten A.____ aufgru nd einer Landesverweisung ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegen würde und in diesem Zusammenhang, ob in einem ersten Schritt das durch Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV gesc hützte Recht durch eine staatliche Entfernungsmassnahme tangiert wird. Wie vorstehend dar gelegt, ist praxisgemäss die Frage des Familienlebens eine Frage der tatsächlich gelebten familiären Situation, wobei zum ge- Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht schützten Familienkreis in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern gehört. Diesbezüglich ist festzustellen, dass der Beschuldigte A.____ nicht über hinreichend starke persönliche oder fa miliäre Bindungen – oder allgemein gesprochen über berufliche oder soziale Beziehungen von nicht bloss rudimentärer Intensität – in der Schweiz verfügt, die bei einer Wegweisung unter dem Titel des Privat- oder des Familien- lebens nachhaltig betroffen würden. Zwar ist der Besch uldigte in der Schweiz verheiratet gewe- sen, diese Ehe ist aber bereits am 12. Mai 2006 geschie den worden (Protokoll KG S. 3). Des Weiteren ist die dieser Beziehung entspringende Tochte r I.____ (geboren 1998) nunmehr über 20 Jahre alt, womit sie nicht mehr dem primär geschützte n Familienkreis angehört. Dieser Um- stand führt zwar nicht zu einer generellen Nichtanwendba rkeit von Art. 8 EMRK, nachdem in dessen Schutzbereich auch andere familiäre Verhältnisse fallen, allerdings werden die Hürden hierzu erhöht. In diesem Kontext ist zu konstatieren, da ss der Beschuldigte weder dargelegt geschweige denn bewiesen hat, dass zu seiner volljähri gen Tochter aus erster Ehe eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung bestehen würde. Vielmehr hat er vor Strafgericht zu- gestanden, keinen grossen Kontakt zu ihr zu pflegen (act. S 187). Gleichermassen hat er offen- bar noch Kontakt zu seiner Ex-Ehefrau, führt mit diese r aber keine unter den Begriff des Famili- enlebens zu subsumierende Beziehung (Protokoll KG S. 3). Tatsache ist sodann, dass der Be- schuldigte A.____ ein Familienleben mit J.____, einer V.____ischen Staatsangehörigen, und deren vier (davon drei gemeinsamen) minderjährigen Kin dern (geboren 2008, 2011 und 2014) führt; allerdings leben diese Personen in K.____ und somit in Frankreich und verfügen zweifel- los nicht über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der S chweiz. Mit dieser Familie verbringt er offensichtlich viel Zeit, dies aber vornehmlich wenn nich t gar ausschliesslich in K____. Obwohl der Beschuldigte angibt, seine Partnerin und die Kind er lebten nur während der Schulzeit in Frankreich und seien an den Wochenenden und in den Ferien bei ihm in der Schweiz (Protokoll KG S. 4), entspricht dies nach der Aktenlage klarerwei se nicht den Tatsachen. So hat die Poli- zei Basel-Landschaft, Spezialisierter Ermittlungsdienst , in einem Bericht vom 12. Juni 2017 (act. 879) festgehalten, anlässlich einer Hausdurchsuchun g beim Beschuldigten vom 6. Juni 2017 habe sie in der fraglichen Zweizimmerwohnung ein Bett und eine Ansammlung von diver- sen Kleidern und Koffern gefunden, jeweils prall gefü llt mit mehrheitlich männlicher Kleidung. Unter diesen Kleidern hätten sich jedoch keine Kinder kleider befunden. Auch sei der Beschul- digte gebeten worden, persönliche Kleidung für die Un tersuchungshaft mitzunehmen, worauf dieser mitgeteilt habe, dass er in dieser Wohnung keine passenden Kleider habe. Dies lässt zweifelsohne darauf schliessen, dass sich der Lebensmittel punkt des Beschuldigten schon seit Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht geraumer Zeit nicht mehr in X.____ bzw. der Schweiz b efunden hat. Diese Erkenntnis wird zu- sätzlich gestützt durch die fotografisch dokumentierte Uno rdnung in der fraglichen Wohnung (act. 883-907) sowie die Deposition des Beschuldigten, e r könne sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal in seiner Wohnung an der L.____strasse 38 in X.____ gewesen sei (Einvernah- me durch die Polizei Basel-Landschaft, Spezialisierter E rmittlungsdienst, vom 19. Juni 2017; act. 1289). Im Gegensatz zur Vorinstanz lässt sich nach Ansi cht des Kantonsgerichts auch kein Anspruch auf Aufenthalt im schweizerischen Staatsgebiet ableiten, um im Sinne eines grenz- überschreitenden "Raumes Basel" der neuen Familie in Fr ankreich möglichst nahe zu sein. Ferner ist die Frage, ob der Beschuldigte in Anwendun g von Art. 8 EMRK angesichts seiner in K.____ lebenden Familie eine Aufenthaltsgenehmigung für Frankreich bekommt, nicht in antizi- pierter Würdigung vorwegzunehmen, sondern ausschliesslich von den dortigen Behörden zu entscheiden. Überdies ist, sollte der Beschuldigte aufg rund seiner gestützt auf die strafrechtli- che Verurteilung erfolgten Wegweisung aus der Schweiz keinen Aufenthaltstitel in Frankreich erhalten, kein Grund ersichtlich, weshalb seine Partne rin mitsamt den (gemeinsamen) Kindern dem Beschuldigten nicht nach V.____ folgen könnte, handelt es sich doch hierbei ausnahmslos um V.____ische Staatsangehörige. Im Resultat ist für da s Kantonsgericht in Abweichung zu den Erkenntnissen der Vorinstanz nicht ersichtlich, dass das nach Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht auf Familienleben des Beschuldigten du rch eine Landesverweisung betroffen wäre. c) Folglich ist weiter zu prüfen, ob die Aspekte Integrat ion, finanzielle Verhältnisse, Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, Gesundheitszustand und di e Möglichkeiten für eine Wieder- eingliederung im Herkunftsstaat zu einer besonderen per sönlichen Härte führen. Das Strafge- richt geht davon aus, dass insgesamt von einer mehr ode r weniger gelungenen Integration des Beschuldigten in der Schweiz gesprochen werden könne. D ieser Ansicht vermag das Kantons- gericht nicht zu folgen. Im Hinblick auf den Grad der I ntegration in der Schweiz ist unabhängig von der Aufenthaltsdauer zu prüfen, ob der Betroffen e in sprachlicher, sozialer, kultureller und persönlicher Hinsicht oder aufgrund weiterer Aspekte der art verwurzelt ist, dass ein Verlassen der Schweiz eine nicht hinzunehmende Härte bedeuten wü rde (vgl. B USSLINGER / UEBERSAX , a.a.O., E. 6.4.5 S. 102). Dies ist ohne Weiteres zu ve rneinen. Zwar lebt der Beschuldigte seit dem 8. Mai 1998 und damit seit über 20 Jahren in de r Schweiz, wobei er hier auch über eine Niederlassungsbewilligung C verfügt. Entscheidend ist je doch, dass es bei der Anwesenheit nicht bloss um die schlichte Dauer geht, sondern vielmehr um die Qualität des Gelebten. In die- Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht sem Zusammenhang ist zu konstatieren, dass keinerlei Verw urzelung des Beschuldigten in der Schweiz erkennbar ist, weder in sprachlicher, sozialer, kultureller noch in persönlicher Hinsicht. Namentlich ist der Beschuldigte trotz über 20-jährigem Aufenthalt in X.____ nach wie vor der deutschen Sprache kaum mächtig. Mit der französischen Sprache spricht er zwar eine der Lan- dessprachen der Schweiz, dies weist aber keinesfalls auf e ine gelungene Integration hin, son- dern ist der blossen Tatsache geschuldet, dass Französisch auch eine der Landessprachen von V.____ darstellt. Des Weiteren ergibt sich aus den Akten , dass sich der Beschuldigte trotz feh- lender Vorstrafen keineswegs positiv entwickelt hat. Konkre t ist er gemäss dem Auszug aus dem individuellen Konto der Ausgleichskasse X.____ zwischen 2006 und 2016 insgesamt 74 Monate und damit mehr als sechs Jahre arbeitslos oder nich t erwerbstätig gewesen. Infolge- dessen hat er hohe Summen an Arbeitslosenentschädigunge n und Unterstützungsleistungen der Sozialhilfe bezogen (act. 69 f.). Darüber hinaus ist das insgesamt vom Beschuldigten er- wirtschaftete Einkommen nur gering gewesen und hat beis pielsweise im Jahr 2016 ganze CHF 14'810.-- betragen (act. A 7). Ferner lässt sich dem Rapport des Migrationsamtes X.____ vom 19. November 2009 entnehmen, dass der Beschuldigte beruflich und wirtschaftlich nicht integriert sei (act. A 45 ff.). Mit Schreiben des Migrationsamtes X.____ vom 26. Februar 2010 ist in der Folge festgehalten worden, dass der Beschuldigt e seinen finanziellen Pflichten nicht nachkomme, weshalb der Widerruf der Niederlassungsbewil ligung in Aussicht gestellt worden ist. Gleichzeitig ist explizit erwartet worden, dass der Beschuldigte als Sozialhilfebezüger keine neuen Schulden mehr mache (act. A 87 ff.). Ungeachtet dessen hat dieser seine Schulden in massivem Umfang gesteigert. So haben sich die 14 im Jahre 2009 bestehenden Verlustscheine in der Gesamtsumme von CHF 31'377.70 (act. A 53) bis zu m Auszug aus dem Betreibungsre- gister des Kantons X.____ vom 23. Juni 2017 auf mittle rweile 43 Verlustscheine im Gesamtbe- trag von CHF 128'836.05 (act. 59 f.) erhöht. Folglich ist festzustellen, dass sich der Beschuldig- te immer weniger in der Lage befindet, wirtschaftlich für sich selbst – geschweige denn für seine wachsende Familie – sorgen zu können und demnach in imm er grösserem Masse vom Staat finanziell unterstützt werden muss. Sodann sind weder kul turelle, persönliche noch anderweiti- ge Aspekte ersichtlich, welche auf eine irgendwie gear tete innige Beziehung zur Schweiz hin- weisen würden. In Bezug auf die Resozialisierungschancen im Herkunftsla nd ist in grundsätzlicher Weise zu konstatieren, dass Reintegrationshindernisse nicht leichthin anzunehmen sind. Immerhin muten sich viele freiwillig Migrierende zu, in einem neuen La nd Fuss zu fassen, ohne dass sie die Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sprache beherrschen oder auf ein enges Beziehungsnetz zu rückgreifen können. Dass dies straffällig gewordenen Ausländern, die des Landes verwie sen werden sollen und in ihr Heimat- land zurückkehren müssen, nicht ebenso zumutbar sein soll, erschiene als inkonsequent (vgl. BUSSLINGER / UEBERSAX , a.a.O., E. 6.4.5 S. 102). Bezogen auf vorliegenden Fall steht fest, dass der 1968 in V.____ geborene und dort aufgewachse ne Beschuldigte nach einem kurzen Aufenthalt in Frankreich im Mai 1998 und demnach erst mit rund 30 Jahren in die Schweiz ge- kommen ist. Damit hat er den grösseren Teil seines Leb ens und vor allem auch die prägenden Jahre der Kindheit und der Jugend in seiner Heimat verb racht. Zudem spricht er Französisch und einen V.____ischen Dialekt (act. 45). Überdies pfleg t er gemäss seinen eigenen Aussagen offenbar regelmässig Kontakt zu seinem Heimatland via I nternet (Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 8. August 2017; act. 45) bzw. komm uniziert er mit Personen aus V.____, welche er über Facebook kennengelernt hat (act . S 185). Hinweise, dass dem Be- schuldigten eine Resozialisierung in V.____ nicht möglich oder gar unzumutbar sein sollte, exis- tieren keine. Die vom Beschuldigten vorgebrachte und einer Rückreise nach V.____ angeblich entgegenstehende Homosexualität findet – obwohl er ke inen Grund hätte, seine sexuelle Orien- tierung in der Schweiz über 20 Jahre hinweg zu verbergen – nicht nur keinerlei Stütze in sämtli- chen straf- und migrationsrechtlichen Akten, sondern muss angesichts der Tatsache, wonach der Beschuldigte seit seiner Einreise in die Schweiz im Mai 1998 bis zum Mai 2006 verheiratet gewesen ist, aus erster Ehe eine inzwischen volljährige T ochter hat und nun wieder mit einer Frau zusammenlebt, mit welcher er drei gemeinsame Ki nder mit den Jahrgängen 2008, 2011 und 2014 hat, als geradezu abwegig bezeichnet werden. Zu klären bleibt schliesslich noch, ob der Gesundheitszusta nd des Beschuldigten geeignet ist, dafür zu sorgen, dass die Landesverweisung zu einer beson deren persönlichen Härte führen würde. Zu dieser Frage hat das Bundesgericht in gene reller Weise festgehalten (vgl. zum Gan- zen BGE 139 II 393 E. 6), der blosse Umstand, dass das G esundheits- oder Sozialversiche- rungswesen in einem anderen Staat nicht mit jenem in d er Schweiz vergleichbar ist und die hiesige medizinische Versorgung einem höheren Standard entspricht, hat nicht bereits die Un- zumutbarkeit einer Rückkehr in die früheren Verhältnisse zur Folge (BGer 2C_833/2011 vom 6. Juni 2012 E. 3.3.2; BGE 128 II 200 E. 5.3). Es ha ndelt sich hierbei um keinen wichtigen per- sönlichen Grund, der einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen würde. In einem weiteren Leitentscheid (vgl. BGE 137 II 305 E. 4.3) hat das Bundesgericht im Hinblick auf die dort geltend gemachten gesundheitlichen Probleme darauf hingewiesen, dass wegen sol- Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher nur dann auf eine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll zugs geschlossen werden dürfte, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimat land fehlte und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährlichen Beeinträchtigung des Gesundheitszustands führen wür- de. Es geht dabei um jene medizinische Versorgung, die zu r Gewährleistung einer menschen- würdigen Existenz absolut notwendig erscheint und ohne d ie eine erhebliche Verschlechterung der Gesundheitslage einträte. In Bezug auf die konkret e Situation in V.____ hat das Bundes- verwaltungsgericht in einem Urteil vom 16. Februar 20 09 (E-6840/2007) in E. 6.3.3 dargelegt, dass V.____ im Vergleich zu anderen afrikanischen Staate n über ein relativ gut ausgebautes Gesundheitssystem verfügt und es ausreichend Apotheken gibt, die alle wichtigen Medikamen- te führen. In casu ist hinsichtlich der gesundheitlichen Situation des Beschuldigten den Akten zu entnehmen, dass sich dieser seit dem 8. Juni 2016 in med izinischer Behandlung befindet und am 13. Juni 2017 einer Operation im Bauchzentrum des S t. Claraspitals in Basel hätte unter- ziehen sollen. Geplant gewesen sei ein laparoskopischer Magenbypass sowie eine gleichzeitige Cholezystektomie (Gallenblasenentfernung) bei ausgepr ägter Adipositas mit einem BMI von 44,4 kg/m2. Diese Operation sei grundsätzlich nicht dringlich, sondern entspreche einem elektiv planbaren Eingriff. Aufgrund des ausgeprägten Diabet es mellitus sowie des relevanten Über- gewichts sei die Operation aber grundsätzlich zeitnah zu empfehlen (act. 121). In concreto ist festzustellen, dass der Beschuldigte zwar gesundheitliche Probleme hat, namentlich leidet er an Diabetes. Hierbei handelt es sich allerdings um eine K rankheit, welche gut behandelbar ist (wie dies vom Beschuldigten anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigt worden ist; act. S 187), und zwar sowohl in der Schweiz wie auch in V.____. Dass der Bezug von Medika- menten in V.____ im Vergleich zur Schweiz mit einem bes onderen (finanziellen und zeitlichen) Aufwand verbunden ist, mag zutreffend sein, erscheint aber irrelevant. Entscheidend ist, dass er möglich ist und demnach die Rückkehr ins Heimatland nicht zu einer raschen und lebensge- fährlichen Beeinträchtigung des Gesundheitszustands des Be schuldigten führt. Etwaige Unan- nehmlichkeiten bei der medizinischen Versorgung in V.____ , welche im Übrigen auch die nicht straffällig gewordenen Landsleute des Beschuldigten bet reffen, hat sich dieser mit seinem strafbaren Verhalten selbst zuzuschreiben. Beim geplante n Magenbypass sowie bei der beab- sichtigten Gallenblasenentfernung liegen offenbar keine medizinisch indizierten Dringlichkeiten vor. Sollte sich dies in absehbarer Zukunft ändern, ist es dem Beschuldigten nicht verwehrt, sich den notwendigen Operationen rechtzeitig vor seiner Ausweisung zu unterziehen. Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht d) Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung unter Berücksichtigu ng sämtlicher massgeblicher Aspekte ist gestützt auf die vorgängigen Erwägungen zusammenfassend festzuhalten, dass die Landesverweisung nicht zu einem derart gravierenden Eing riff führen würde, dass für den Be- schuldigten ein Verlassen der Schweiz eine nicht hinnehmb are persönliche Härte darstellte. In Anbetracht dieses Fazits erübrigt es sich sodann, das private Interesse an einem Verbleib in der Schweiz dem öffentlichen Interesse an einem Verlasse n der Schweiz gegenüberzustellen, da die Interessenabwägung als kumulative Voraussetzung für ein Absehen von der obligatori- schen Landesverweisung erst dann vorzunehmen ist, wenn in einem ersten Schritt das Vorlie- gen eines schweren persönlichen Härtefalls bejaht worden ist. Selbst wenn jedoch eine solche Interessenabwägung vorzunehmen wäre, würde diese angesic hts der dem Beschuldigten zur Last gelegten qualifizierten Widerhandlung gegen das B etäubungsmittelgesetz, welche mit vor- liegendem Urteil mit einer hypothetischen unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren sanktio- niert wird, sowie aufgrund der fehlenden besonderen persönlichen und familiären Bindungen des Betroffenen zur Schweiz ohne Weiteres zu dessen Ung unsten ausfallen. Dies gilt umso mehr, als nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung bei Betäubungsmitteldelikten regelmäs- sig das öffentliche Interesse an der Beendigung eines A ufenthalts überwiegt (BGer 6B_659/2018 vom 20. September 2018 E. 3.4; BGE 139 I 16 E. 2.2.2) bzw. sich das Bundesge- richt bei Straftaten von Ausländern gegen das Betäubun gsmittelgesetz hinsichtlich der Auswei- sung zwecks Verhinderung neuer Straftaten zur Gewährleist ung der öffentlichen Sicherheit stets rigoros gezeigt hat (BGer 6B_371/2018 vom 21. Aug ust 2018 E. 3.3). Infolgedessen ist in casu die Härtefallklausel nach Art. 66a Abs. 2 StGB nicht anwendbar, weshalb der Beschuldigte gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB obligatorisch für fünf bis 15 Jahre des Landes zu verwei- sen ist. Wie bereits vorgängig dargelegt, ist die Höhe der Landesverweisung unter Würdigung der allgemeinen Strafzumessungskriterien nach Art. 47 S tGB nach dem Verschulden des Tä- ters zu bemessen, wobei auch der Grundsatz der Verhältn ismässigkeit zu beachten ist. Bereits im Rahmen der Strafzumessung hat das Kantonsgericht d as Verschulden von A.____ in Bezug auf die inkriminierte Tat als mittelschwer, im unteren Bereich liegend, qualifiziert. Berücksichtigt worden sind dabei insbesondere die grosse Menge von knapp zwei Kilogramm reinem Kokain, womit der von der Praxis definierte Grenzwert von 18 Gr amm reinem Kokain, welcher zur An- nahme einer mengenmässig qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz führt, um das Hundertfache überschritten worden ist. Mi t der Einfuhr dieser Menge an Betäu- bungsmitteln ist zweifellos eine grosse Gefahr für die ö ffentliche Gesundheit geschaffen wor- den. Schärfend kommt hinzu, dass die Betäubungsmittel n icht bloss an Endabnehmer verteilt, Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondern mit Hilfe des Beschuldigten in die Schweiz geschmu ggelt worden sind. Dieser hat da- bei seine profunden Ortskenntnisse genutzt, indem er den Beschuldigten B.____ in Frankreich abgeholt und ihn an seinem eigenen Wohnort in X.___ _ – notabene im Fahrzeug seiner Lebenspartnerin – über die Grenze gebracht hat. Ohne das Zutun des Beschuldigten A.____ wäre das fragliche Delikt in dieser Form nicht oder zum indest nur erschwert möglich gewesen. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte nicht auf der unterst en Hierarchiestufe anzusiedeln ist, ansonsten nämlich er die Drogen am sowie im Körper gesch muggelt hätte und nicht der Be- schuldigte B.____. Dem Beschuldigten ebenfalls negativ anzulasten ist, dass er das Delikt di- rektvorsätzlich begangen hat. Nachdem er schliesslich bereit s seit Jahren von der öffentlichen Hand in der Schweiz mit namhaften Beträgen unterstütz t wird, kann er auch nicht ernsthaft gel- tend machen, in einer Notlage gewesen zu sein. Nach d iesen Darlegungen erachtet es das Kantonsgericht als angemessen, die Landesverweisung im mit tleren Bereich des gesetzlich Vorgesehenen – mithin bei zehn Jahren – anzusiedeln, wie dies im Übrigen die Vorinstanz be- reits bezüglich des Beschuldigten B.____ getan hat. Gemäss diesen Erwägungen ist in diesbezüglicher Gutheissun g der Berufung der Staatsan- waltschaft und demnach in Abänderung des angefochtenen Urteils gegenüber dem Beschuldig- ten A.____ eine Landesverweisung im Umfang von zehn Jahren auszusprechen. 5. Kostenfolge (…) Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 6. April 2018, auszugsweise lautend: "I. 1. A.____ wird der mehrfachen mengenmässig qualifizier ten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 5. Juni 2017 bis 6. April 2018 in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verb rach- ten Zeit von insgesamt 306 Tagen, verurteilt zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe vo n 27 Mona- ten, davon 13,5 Monate unbedingt, bei einer Probeze it von 3 Jahren für den bedingten Teil der Strafe, in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a Bet mG, Art. 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StG B und Art. 51 StGB. 2. In Bezug auf A.____ wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 2 StGB von einer Landesverweisung abgesehen. II. 3. B.____ wird der mengenmässig qualifizierten Widerhan dlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 5. Juni 2017 bis 6. April 2018 in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verb rach- ten Zeit von insgesamt 306 Tagen, zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten verurteilt, in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a Be tmG und Art. 51 StGB. Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. B.____ wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für die Dauer von 10 Jahren des Landes verwiesen. III. (…) IV. (…) V. (…)". wird in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsanwaltsch aft in den Ziffern 1, 2 und 3 wie folgt geändert : I. 1. A.____ wird der mehrfachen mengenmässig qualifiziert en Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 5. Juni 2017 bis zum 12. Februar 2019 in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 618 Tagen , verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren , in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a Bet mG, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. 2. A.____ wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für die Dauer von 10 Jahren des Landes verwiesen . II. 3. B.____ wird der mengenmässig qualifizierten Widerhand lung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 5. Juni 2017 bis zum 12. Februar 2019 in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von insgesamt 618 Tagen , verurteilt Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren , in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a Bet mG und Art. 51 StGB. Im Übrigen wird das angefochtene Urteil bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von insgesamt CHF 20'000.-- (beinhaltend sowohl die Geric htsgebühr als auch Auslagen) gehen im Umfang von CHF 10'000.-- zu Lasten des Beschuldigten A.____, im Umfang von CHF 3'334.-- zu Lasten des Beschuldigten B.____ sowie schliesslich im Umfang von CHF 6'666.-- zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver- treter des Beschuldigten A.____, Advokat Gioele Ballar ino, für das Berufungsverfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 5' 649.75 (inklusive Auslagen und CHF 403.95 Mehrwertsteuer) aus d er Ge- richtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte A.____ ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung im Umfang von zwei Dritteln (= CHF 3'766.50) an den Kanton verpflichtet, sobald e s seine wirt- schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird der Rechtsver- treterin des Beschuldigten B.____, Rechtsanwältin Désirée Stutz, für das Berufungsverfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 5'014.30 (inklusive Auslagen und CHF 358.50 Mehrwertsteuer) aus d er Ge- richtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte B.____ ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung im hälftigen Umfang (= CHF 2' 507.15) an Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Kanton verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen V erhältnis- se erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann