B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-4748/2019 U r t e i l v o m 20 J a n u a r 2 0 2 1 Besetzung Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Raphaël Gani, Richterin Sonja Bossart Meier, Gerichtsschreiberin Susanne Raas. Parteien X._______ GmbH, …, vertreten durch Roman Zeller, Advokat, und MLaw David Grimm, Advokat, …, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Zollverwaltung (EZV), Oberzolldirektion (OZD) Dienstbereich Grundlagen, Dienst Beschwerdewesen, Taubenstrasse 16, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsverkehr. A-4748/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die X._______ GmbH, welche [im Jahr] 2018 ins Handelsregister einge- tragen wurde, hat ihren Sitz […]. Sie bezweckt unter anderem die Bewirt- schaftung von landwirtschaftlichen Flächen und den Handel mit landwirt- schaftlichen Produkten und Hilfsstoffen . Gesellschafter sind gemäss On- line-Handelsregisterauszug A._______, B._______ und C._______. A._______ (wohnhaft in [der Schweiz]) ist zugleich einzelzeichnungsbe- rechtigter Vorsitzender der Geschäftsleitung; B._______ und C._______ (beide deutsche Staatsangehörige und wohnhaft in [Deutschland]) sind als Geschäftsführer kollektivzeichnungsberechtigt (Online-Handelsregister- auszug; letztmals abgerufen am 7. Dezember 2020). B. B.a Ende April 2018 reichte die X._______ GmbH bei der Vorinstanz erst- mals einen Antrag für die abgabenbefreite Wareneinfuhr im Rahmen des landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsverkehrs (LBV) mittels am 28. April 2018 unterzeichneter Erstanmeldung ein, welche von der Eidgenössischen Zollverwaltung, Zollkreisdirektion Basel , am 17. Mai 2018 abgelehnt wurde. B.b Am 8. Juni 2018 reichte die X._______ GmbH gegen den ablehnen- den Bescheid der Zollkreisdirektion eine Beschwerde bei der Eidgenössi- schen Zollverwaltung, Oberzolldirektion (OZD; nachfolgend auch: Vorinstanz), ein, welche sie jedoch am 30. Juli 2018 wieder zurückzog. C. C.a Am 11. April 2019 beantragte die Beschwerdeführerin unter Beilage ergänzender Unterlagen erneut eine Bewilligung für die abgabenbefreite Wareneinfuhr im Rahmen des LBV. C.b Auch diesen Antrag wies die Zollkreisdirektion I (ehemals Zollkreisdi- rektion Basel) mit Verfügung vom 26. April 2019 ab. Sie begründete dies insbesondere damit, die Bewirtschaftung der ausländischen Parzellen er- folge nicht von einem operativ tätigen Landwirtschaftsbetrieb im schweize- rischen Zollgebiet aus; die Gründung einer juristischen Person zum alleini- gen Zweck der abgabenfreien Einfuhr von Waren im Rahmen des LBV wi- derspreche dem Sinn und Zweck sowie der Entstehungsgeschichte des LBV. A-4748/2019 Seite 3 C.c Gegen diese Verfügung reichte die X._______ GmbH am 30. April 2020 Beschwerde bei der OZD ein. Sie begründete ihre Beschwerde ins- besondere damit, dass sie die von der Zollverwaltung verlang ten Nach- weise eingereicht habe. Sie sei als Landwirtschaftsbetrieb tätig. Auch sei es gängig und verbreitet, dass Arbeiten durch landwirtschaftliche Lohnun- ternehmen ausgeführt würden. Mit Schreiben vom 16. Mai 2019 verwies die Beschwerdeführerin auf die von der EZV publizierte Richtlinie 16 -07 «Grenzzonenverkehr» und hielt nochmals fest, dass sie die Bedingungen erfülle. C.d Die OZD wies diese Beschwerde mit Beschwerdeentscheid vom 25. Juli 2019 ab. Sie begründete dies insbesondere damit, dass sich am Sitz der X._______ GmbH in Basel kein landwirtschaftlicher Betrieb be- finde. Weiter seien die Gesellschafter der Pächterin identisch mit den Ver- pächtern der Parzellen, so dass fraglich sei, ob von einem echten Pacht- verhältnis und v on einer selbständigen Bewirtschaftung durch die X._______ GmbH ausgegangen werden könne. Diese sei ein Konstrukt zur Umgehung der Einfuhrabgaben auf den im Ausland produzierten land- wirtschaftlichen Erzeugnissen. D. Gegen diese Verfügung reichte die X._______ GmbH (nachfolgend: Be- schwerdeführerin) am 16. September 2019 Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht ein. Sie beantragt, den angefochtenen Entscheid aufzuhe- ben und die Bewilligung für die abgabenbefreite Einfuhr von landwirtschaft- lichen Erzeugnissen im Rahmen des LBV zu erteilen, eventualiter die Sa- che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen  unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Sie hält dafür, die Bedingungen für die bean- tragte Bewilligung zu erfüllen. Ihr Sitz sowie das Ökonomiegebäude befän- den sich innerhalb der relevanten Grenzzone. Sie bewirtschafte die Par- zellen selber, nämlich zum grossen Teil (höchstpersönlich) durch die Ge- sellschafter, zum Teil auch durch landwirtschaftliche Lohnunternehmen. Ihre Organe bewirtschafteten die Flächen auf ihr (der Beschwerdeführerin) Nutzen und Risiko. Als juristische Person sei sie von ihren Gesellschaftern separat zu behandeln und könne nicht mit diesen gleichgestellt werden. E. In ihrer Vernehmlassung vom 31. Oktober 2019 beantragt die Vorinstanz die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. A-4748/2019 Seite 4 Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten sowie die Akten wird  soweit dies für den Entscheid wesentlich ist  im Rahmen der fol- genden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021; Art. 31 des Bundesgeset- zes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht [VGG, SR 173.32]). Die Beschwerdeführerin ficht einen Beschwerdeentscheid der OZD betreffend Nichterteilung der Bewilligung für die abgabenbefreite Wa- reneinfuhr im Rahmen des LBV an. Dabei handelt es sich um eine solche Verfügung. Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung dieser Be- schwerde sachlich und funktionell zuständig (Art. 116 Abs. 4 des Zollgeset- zes vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0] ; Art. 32 VGG e contrario sowie Art. 31 i.V.m. Art. 33 Bst. d VGG). 1.2 Soweit das VGG nicht s anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheides und hat ein Interesse an dessen Änderung. Sie ist somit zur Beschwerde- erhebung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde wurde im Üb- rigen form- und fristgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver- letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG). 1.5 1.5.1 Völkerrechtliche Verträge im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Bst. a des Wie- ner Übereinkommens vom 23. Mai 1969 über das Recht der Verträge (SR 0.111; auch bezeichnet als Wiener Übereinkommen oder Vertrags- rechtskonvention, nachfolgend: VRK; in Kraft getreten für die Schweiz am 6. Juni 1990) sind gemäss den Auslegungsregeln der VRK auszulegen. A-4748/2019 Seite 5 Weil die VRK im Bereich der Auslegungsregeln Völkergewohnheitsrecht kodifiziert hat, können diese Regeln auch für Abkommen angewendet wer- den, welche vor Inkrafttreten der VR K geschlossen wurden (BGE 138 II 524 E. 3.1) bzw. von Staaten angewendet werden, welche die VRK nicht ratifiziert haben (BGE 146 II 150 E. 5.3.1; Urteile des BVGer A-3670/2019 vom 23. Oktober 2020 E. 3.1, A-2244/2017 vom 27. Februar 2018 E. 1.3.1). 1.5.2 Den Ausgangspunkt der Auslegung bildet der Wortlaut der vertr agli- chen Bestimmung (Art. 31 Abs. 1 VRK; OLIVER DÖRR, in: Dörr/Schmalen- bach [Hrsg.], Vienna Convention on the Law of Treaties, 2012, Art. 31 N. 38; JEAN-MARC SOREL, in: Corten/Klein [Hrsg.], Les Conventions de Vi- enne sur le droit des traités, Bd. 2, 2006, Art. 31 VRK N. 8; MARK E. VILLI- GER, Commentary on the 1969 Vienna Convention on the Law of Treaties, 2009, Art. 31 N. 30). Der Text der Vertragsbestimmung ist aus sich selbst heraus gemäss seiner gew öhnlichen Bedeutung in Übereinstimmung mit ihrem Zusammenhang, dem Ziel und Zweck des Vertrags und nach Treu und Glauben zu interpretieren (BGE 145 II 339 E. 4.4.2, 144 II 130 E. 8.2.1; BVGE 2019 VII/3 E. 6.4, 2018 IV/6 E. 3.6.2), es sei denn, die Parteien hät- ten nach Art. 31 Abs. 4 VRK vereinbart, einem Ausdruck einen besonderen Sinn beizugeben (BGE 132 V 423 E. 9.5.1; BVGE 2010/7 E. 3.5.1; Urteile des BVGer A -1951/2017 vom 22. August 2018 E. 3.2.2 und 3.2.4, A-6547/2017 vom 12. Dezember 2018 E. 3). Auf die weiteren Bestimmun- gen zur Auslegung muss hier nicht eingegangen werden. 2. 2.1 Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden, sind zollpflichtig und müssen nach dem ZG sowie nach dem Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) veranlagt, werden (Grundsatz der allgemeinen Zollpflicht, vgl. Art. 7 ZG). Ausnahmen vom Grundsatz der all- gemeinen Zollpflicht müssen sich aus Staatsverträgen, besonderen Geset- zesbestimmungen sowie Verordnungen des Bundesrates, die sich auf das ZTG abstützen, ergeben (Art. 1 Abs. 2 ZTG; vgl. Urteil des BGer 2C_53/2011 vom 2. Mai 2011 E. 2.1; BVGE 2019 I/5 E. 3.2.1; Urteile des BVGer A-4966/2018 vom 26. Oktober 2020 E. 3.1, A-2733/2019 vom 9. Oktober 2020 E. 2.1, A-5576/2018 vom 5. Dezember 2019 E. 4.1). Art. 2 Abs. 1 ZG behält völkerrechtliche Verträge vor. A-4748/2019 Seite 6 2.2 2.2.1 Das schweizerisch-deutsche Abkommen vom 5. Februar 1958 über den Grenz- und Durchgangsverkehr (SR 0.631.256.9 13.61; nachfolgend: Abkommen CH-DE) enthält in Art. 2 Regelungen zum LBV. Nach dessen Abs. 1 können Grenzbewohner, die ihre Wohn- und Wirtschaftsgebäude in der Zollgrenzzone des einen Staates haben, sofern sie von diesen aus in der Zollgrenzzone des andern Staates gelegene Grundstücke bewirtschaf- ten, im Rahmen der Bewirtschaftung dieser Grundstücke frei von Ein- und Ausgangsabgaben näher genannte Waren zum endgültigen oder vorüber- gehenden Verbleib ein - und ausführen. Art. 2 Abs. 2 Abkommen CH-DE hält überdies fest, dass auch die angrenzenden Bundesländer, Kantone und Gemeinden sowie sonstige juristische Personen, deren Sitz und Wirt- schaftsgebäude sich in der anstossenden Zollgrenzzone befinden und de- ren Verwaltung in dieser Zollgrenzzone geführt wird, diese Vergünstigun- gen geniessen. 2.2.2 Gemäss dieser Regelung können so mit neben natürlichen auch ju- ristische Personen vom LBV profitieren, sofern sich ihr Sitz, das Wirt- schaftsgebäude und die Verwaltung in der Zollgrenzzone des einen Staa- tes befinden und sie von diesen aus in der Zollgrenzzone des andern Staa- tes gelegene Grundstücke bewirtschaften. G emäss dem klaren Wortlaut der Bestimmung müssen diese Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein. 2.2.3 Als Zollgrenzzonen gelten gemäss Art. 1 Abs. 1 Sätze 2 und 3 Ab- kommen CH-DE die beiderseitigen Gebietsstreifen, die sich entlang der gemeinsamen Zollgrenze und am Bodensee entlang den Ufern auf eine Tiefe von 10 km erstrecken, wobei durch besondere örtliche Verhältnisse bedingte Abweichungen bis zu einer Gesamtzonentiefe von 20 km vorbe- halten bleiben. 2.2.4 Im Abkommen CH-DE wird explizit festgehalten, dass die Grenzbe- wohner (selbst) die Grundstücke in der Zollgrenzzone des anderen Staates bewirtschaften (Art. 2 Abs. 1 Abkommen CH -DE; vgl. für das interne schweizerische Recht aber E. 2.3.1 und 2.3.3 f.). 2.2.5 Art. 25 Abs. 2 des Abkommens CH-DE hält fest, dass die Zollbehör- den der beiden Staaten – nötigenfalls im gegenseitigen Einvernehmen – die erforderlichen Überwachungs- und Sicherheitsmassnahmen anordnen, um eine missbräuchliche Ausnützung der in diesem Abkommen vorgese- henen Erleichterungen zu verhindern. A-4748/2019 Seite 7 2.3 Im nationalen Recht, welches jedoch hinter das Völkerrecht zurückzu- treten hat (E. 2.1), erteilt Art. 8 Abs. 2 Bst. j in Verbindung mit Art. 43 ZG dem Bundesrat (unter anderem) die Kompetenz, Waren des Grenzzonen- verkehrs für zollfrei zu erklären, was der Bundesrat mit Erlass von Art. 23 der Zollverordnung vom 1. November 2006 (ZV, SR 631.01) auch getan hat. 2.3.1 Damit eine Tätigkeit als LBV qualifiziert wird und folglich die entspre- chenden Einfuhren zollbefreit sind, müssen kumulativ grundsätzlich und soweit vorliegend relevant folgende Voraussetzungen erfüllt sein (vgl. zum Ganzen: Art. 8 Abs. 2 Bst. j und Art. 43 ZG i.V.m. Art. 23 ZV; vgl. Urteil des BGer 2C_53/2011 vom 2. Mai 2011 E. 2.3; Urteile des BVGer A-1234/2017 vom 17. April 2019 E. 2.4.2, A-4988/2016 vom 17. August 2017 E. 3.5.1, A-4158/2016 vom 4. April 2017 E. 3.1.3; ROLF WÜTHRICH, in: Kocher/Cla- vadetscher [Hrsg.], Zollgesetz, 2009, Art. 43 N. 8 ff.): – diejenige Person, die Anspruch auf Zollbefreiung erhebt, muss ih- ren Wohnsitz in der schweizerischen Grenzzone haben, – sie muss Eigentümerin, Nutzniesserin oder Pächterin des betref- fenden Grundstücks sein, – sie muss dieses Grundstück selber bewirtschaften, – sie muss die Ernteerträge selber einführen oder durch Angestellte einführen lassen, – bei den einzuführenden Ernteerträgen muss es sich um rohe Bo- denerzeugnisse handeln, – das Grundstück, von welchem die einzuführenden Bodenerzeug- nisse stammen, muss in der ausländischen Grenzzone liegen; die Grenzzone erstreckt sich auf beiden Seiten der Zollgrenze auf ei- nen Gebietsstreifen von 10 Kilometern. 2.3.2 Aus der Entstehungsgeschichte der Befreiungsvorschrift für den LBV ergibt sich, dass der Gesetzgeber damit die Benachteiligung von Landwir- ten vermeiden wollte, die beidseitig der oft zufällig verlaufenden Zollgrenze Land bewirtschaften. Um Missbräuche zu verhindern, wurde die Privilegie- rung schon mit der Gesetzesrevision von 1924/25 erneut davon abhängig gemacht, dass die im Ausland gelegenen Grundstücke tatsächlich durch den schweizerischen Eigentümer, Nutzniesser oder Pächter bewirtschaftet werden (vgl. Botschaft vom 4. Januar 1924 betreffend die Revision des Bundesgesetzes über das Zollwesen vom 28. Juni 1893, in: BBl 1924 I 21, S. 29 vgl. auch S. 31). Die Zollfreiheit im Rahmen des landwirtschaftlichen A-4748/2019 Seite 8 Bewirtschaftungsverkehrs ist daher nach der konstanten Rechtsprechung einschränkend zu verstehen und nur denjenigen Eigentümern, Nutznies- sern und Pächtern vorbehalten, die diese Grundstücke selber bewirtschaf- ten (Urteile des BVGer A-4988/2016 vom 17. August 2017 E. 3.5.2, A-4158/2016 vom 4. April 2017 E. 3.1.4). 2.3.3 Bewirtschafter ist, wer einen landwirtschaftlichen Betrieb auf eigene Rechnung und Gefahr führt, das heisst, die zur Bewirtschaftung nötigen Anordnungen trifft, die Kosten trägt und einen allfälligen Gewinn oder Ver- lust realisiert. Für die Qualifikation als Bewirtschafter nicht schädlich ist, wenn Angestellte die Grundstücke für den Bewirtschafter besorgen (Urteile des BVGer A-4988/2016 vom 17. August 2017 E. 3.5.3, A-2925/2010 vom 25. November 2010 E. 2.3.1; WÜTHRICH, a.a.O., Art. 43 N. 11). 2.3.4 Der Bewirtschafter hat die Grundstücke nicht nur selber zu bewirt- schaften, sondern die Ware auch selber oder durch seine Angestellten ein- zuführen (Art. 23 Abs. 6 Bst. a und c ZV; WÜTHRICH, a.a.O., Art. 43 N. 10). Nach der Praxis der Zollverwaltung ist die Einfuhr auch dann durch die bewirtschaftende Person erfolgt, wenn sie durch einen Mitarbeitenden oder Beauftragten vorgenommen wurde (vgl. Richtlinie 16 -07 der EZV vom 1. April 2018 , Grenzzonenverkehr , Ziff. 4.1.3; Urt eil des BVGer A-4988/2016 vom 17. August 2017 E. 3.5.4). 2.4 Art. 2 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezem- ber 1907 (ZGB, SR 210; vgl. auch Art. 5 Abs. 3 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) ge- währt offenbarem Rechtsmissbrauch keinen Rechtsschutz. Das Verbot des Rechtsmissbrauchs steht der Inanspruchnahme eines Rechtsinstituts zu Zwecken, welche dieses nicht schützen will, entgegen, und lässt scheinba- res Recht weichen, wo offenbares Unrecht geschaffen würde (BGE 125 III 257 E. 2c). Wann ein solcher Missbrauch vorliegt, ist anhand der konkreten Umstände des Einzelfalles zu bestimmen, wobei die von der Lehre und Rechtsprechung entwickelten Fallgruppen des Rechtsmissbrauchs zu be- achten sind (BGE 140 III 491 E. 4.2.4, 135 III 162 E. 3.3.1; Urteil des BVGer A-3424/2016 vom 7. September 2017 E. 7.1; vgl. auch BGE 144 II 49 E. 2.2, 142 II 206 E. 2.3 und 2.5). In Bezug auf die Gründung von juristischen Personen kann Rechtsmiss- brauch vorliegen, wenn diese in zweckwidriger Weise verwendet wird oder wenn die selbständige Persönlichkeit der juristischen Person dazu benutzt wird, dass die dahinterstehenden natürlichen Personen i hre rechtlichen A-4748/2019 Seite 9 oder vertraglichen Pflichten nicht erfüllen. In einem solchen Fall wird die rechtliche Selbständigkeit der juristischen Person nicht beachtet (Durch- griff; vgl. BGE 144 III 541 E. 8.3.2). Das Abkommen CH-DE enthält im Übrigen ebenfalls den Grundsatz, dass eine missbräuchliche Inanspruchnahme der darin vorgesehenen Erleichte- rungen nicht geschützt werden soll (vgl. E. 2.2.5). 3. 3.1 3.1.1 Im vorliegenden Verfahren ist primär das Abkommen CH -DE an- wendbar und die nationale Gesetzgebung nur subsidiär ( vgl. E. 2.1). Da- von gehen auch die Verfahrensbeteiligten aus. Allerdings können die na- tionalen Bestimmungen herangezogen werden, soweit das Abkommen CH-DE dafür Raum lässt, insbesondere, um dieses zu konkretisieren. 3.1.2 Es ist davon auszugehen, dass die der Beschwerdeführerin verpach- teten Grundstücke nicht unterverpachtet wurden. Derlei ergibt sich auch nicht aus den Akten. Das sehen (mittlerweile) auch die Verfahrensbeteilig- ten so. 3.1.3 Unbestritten ist weiter, dass gemäss dem hier anwendbaren Abkom- men CH-DE auch eine juristische Person grundsätzlich befugt ist, den LBV in Anspruch zu nehmen. Dies hält das Abkommen ausdrücklich fest (E. 2.2.1 f.). 3.2 Zu klären ist vorliegend jedoch, ob die Beschwerdeführerin sämtliche Bedingungen für die Gewährung der abgabe nbefreiten Wareneinfuhr im Rahmen des LBV erfüllt. Zunächst werden nachfolgend die Parteivorbrin- gen dargestellt (E. 3.2.1 und E. 3.2.2). Daran anschliessend ist die ge- nannte Frage zu beurteilen, ob die Bedingungen , gemäss denen der Be- schwerdeführerin die Bewilligung für die abgabenbefreite Wareneinfuhr im Rahmen des LBV erteilt werden kann, erfüllt sind oder nicht (E. 3.3). 3.2.1 Die Vorinstanz macht geltend, dass sich am inländischen, in der Grenzzone befindlichen Sitz der Beschwerdeführerin in […] kein landwirt- schaftlicher Betrieb befinde. Das Abkommen CH-DE bestimme für juristi- sche und natürliche Personen, dass in der inländischen Grenzzone Bewirt- schaftungsgebäude vorhanden seien und diese auch für die Bewirtschaf- tung der Felder eingesetzt werden müssten. Selbstredend müsse das Wirt- schaftsgebäude Teil des Landwirtschaftsbetriebes sein. Mit anderen Wor-A-4748/2019 Seite 10 ten sei im Wirtschaftsgebäude der Maschinenpark des Betriebes einge- stellt und werde die Ernte gelagert. Die Bewirtschaftung der ausländischen Grundstücke müsse aus der Schweiz erfolgen. Zwar habe die Beschwer- deführerin von der D._______ AG, [Adresse]  wo sich der Sitz letzterer Gesellschaft befinde  mit Mietvertrag vom 20. Juni 2018 einen «Werkhof und ein Ökonomiegebäude zur Mitbenutzung und teilweise exklusiver Nut- zung» angemietet, jedoch hätte dort bei einem Augenschein kein Hinweis gefunden werden können , der auf einen landwirtschaftl ichen Betrieb schliessen liesse. Es handle sich um ein Gebäude, welches zur Lagerung von Wein genutzt werde. So hätten keine für einen landwirtschaftlichen Be- trieb notwendige Infrastruktur, Maschinen oder Gerätschaften festgestellt werden können, weder für den Acker- noch für den Gemüse- oder Rebbau. Des Weiteren seien auch keine Hilfsmittel wie Düngemittel, Pflanzen- schutzmittel, Pflanzen oder Saatgut auf dem Areal festgestellt worden. Zu- dem stelle sich die Frage, wo dieselben untergebracht werden könnten, da der Platz hierzu offensichtlich fehle. Die D._______ AG sei eine Aktienge- sellschaft, welche die Bewirtschaftung vo n Reben, Produktion von und Handel mit Wein, Weinkelterung und Lohnarbeiten für Dritte zum Zweck habe. Ihr Verwaltungsratspräsident, C._______, sei auch Gesellschafter der Beschwerdeführerin. Da kein Wirtschaftsgebäude im erforderlichen Sinn vorhanden sei, sei davon auszugehen, dass die Bewirtschaftung der in der ausländischen Grenzzone gelegenen Parzellen ausschliesslich vom Ausland aus erfolge, und nicht – wie in den rechtlichen Bestimmungen ge- fordert – vom inländischen Zollgebiet aus. Die Beschwerdeführerin sei an- lässlich ihres Antrages im Jahr 2018 der Ansicht gewesen, keine Wirt- schaftsgebäude zu benötigen, da alle Arbeiten an Lohnunternehmer ver- geben werden sollten. Die Gebäude seien schliesslich erst zugemietet wor- den, nachdem ein erster Antrag für den landwirtschaftlichen Bewirtschaf- tungsverkehr im Jahr 2018 von der Zollkreisdirektion abgelehnt worden sei, da die Beschwerdeführerin kein Wirtschaftsgebäude in der inländischen Grenzzone genutzt habe bzw. habe vorweisen können. Mit Verweis auf die bundesverwaltungsgerichtliche Rechtsprechung hält die Vorinstanz fest, es sei zwar nicht zu beanstanden, wenn die Angestell- ten der Beschwerdeführerin bei der Bewirtschaftung der Grundstücke mit- helfen würden. Davon zu unterscheiden sei jedoch die Situation, in der der Verpächter bzw. dessen Angestellte Aufgaben bei der Bearbeitung der Fel- der übernähmen. Eine allfällige Bewirtschaftung durch einen inländischen Lohnunternehmer stehe dieser Anforderung nicht entgegen. Ausländische Lohnunternehmer jedoch, die im vorliegenden Fall eingesetzt werden soll-A-4748/2019 Seite 11 ten, erfüllten diese Bedingung grundsätzlich nicht. Eine solche Vorgehens- weise würde klar dem Sinn und Zweck des Abkommens widersprechen. Es sei keineswegs die Intention des Gesetzgebers , dass die grundsätzliche Abgabepflicht von Einfuhren umgangen werden könne, indem durch «Be- auftragung des Verpächters» zur Bewirtschaftung der Felder faktisch deren Verpachtung wieder rückgängig gemacht werde. Aufgrund der Konstella- tion, wonach die Gesellschafter der Pächterin identisch seien mit den Ver- pächtern der Parzellen, erscheine es fraglich, ob mit Blick auf den LBV von einem echten Pachtverhältnis ausgegangen werden könne. Es stelle sich die Frage, ob die, Beschwerdeführerin Pächterin und selbständige Bewirt- schafterin der Grundstücke im Sinn der genannten Abgabenbefreiungsvor- schriften sei. Von einer selbständigen Bewirtschaftung durch die Be- schwerdeführerin könne nicht ausgegangen werden. Sie (die Vorinstanz) erachte es als unglaubwürdig, dass das Gebäude und der Werkhof an der [Adresse] für die Bewirtschaftung der in der ausländi- schen Grenzzone gelegenen Felder genutzt würden. Vielmehr mache es den Anschein, dass das Gebäude nur aus fiktiven und nicht aus operativen Gründen gemietet worden sei und somit die Bewirtschaftung der ausländi- schen Felder nicht aus der Schweiz erfolge. Der Gesellschafter, dank dem die Beschwerdeführerin den Sitz in der schweizerischen Grenzzone be- gründe, sei A._______. Dieser sei gemäss dem Handelsregisteramt Zürich Mitarbeiter der Firma E._______ AG, [Ort]. Diese Gesellschaft bezwecke die Erbringung von Dienstleistungen im EDV -Bereich. Ein beruflicher Be- zug von A._______ zur Landwirtschaft sei nicht ersichtlich. Daraus erhelle, dass das vorliegende Konstrukt (die Beschwerdeführerin) zum Ziel habe, den beiden deutschen Gesellschaftern (Landwirten mit Landwirtschaftsbe- trieben in der deutschen Grenzzone) die zollfreie Einfuhr ihrer Landwirt- schaftsprodukte zu ermöglichen. 3.2.2 Die Beschwerdeführerin führt zur Begründung ihrer Position insbe- sondere aus, L andwirtschaftsbetriebe würden nicht der Kleinbauernidylle entsprechen. Es sei weltfremd, dass der Bauer seine Erzeugnisse jeden Abend zurückbringe und in der Abkommensbestimmung auch nicht vorge- sehen. Es sei davon auszugehen, dass Landwirte, welche über Felder im Ausland verfügten, auch Ökonomiegebäude, Ställe, Unterstände und der- gleichen im Ausland nutzten. Der Sitz sowie das Ökonomiegebäude der Beschwerdeführerin befänden sich innerhalb der relevanten Grenzzone. Die ausländischen Grundstücke würden von den Gesell schaftern teils selbst, teils jedoch, wie die Vorinstanz richtig festhalte, auch von landwirt- schaftlichen Lohnunternehmen bewirtschaftet. Die Vergabe von Arbeiten A-4748/2019 Seite 12 an landwirtschaftliche Lohnunternehmen sei heute gang und gäbe. Dadurch verliere der Landwirt letztlich auch nicht seinen Status. Heute werde nicht einmal mehr verlangt, dass der Landwirt persönlich bei seinen Betriebsgebäuden wohnen müsse. In rechtlicher Hinsicht bringt die Beschwerdeführerin vor, das Abkommen CH-DE sei anwendbar, nicht die schweizerische Zollgesetzgebung, die oh- nehin völkerrechtliche Verträge vorbehalte. Gemäss diesem Abkommen seien auch juristische Personen zur Zollbefreiung zugelassen. Bei diesen müsse genügen, dass sowohl der Gesellschafts sitz als auch die Wirt- schaftsgebäude in der relevanten Grenzzone lägen. Eine juristische Per- son könne die Felder nicht selber bewirtschaften. Sie brauche hierzu na- türliche Personen, wie Gesellschafter, Angestellte oder beauftragte Dritte (hier Lohnunternehmen). Damit könne nicht vorausgesetzt werden, dass die Parzellen auf der anderen Grenzseite selbst bewirtschaftet würden. Oh- nehin bewirtschafte sie (die Beschwerdeführerin) die Parzellen selber. Im vorliegenden Fall erfolge die Bearbeitung zum grossen Teil (höchstpersön- lich) durch die Gesellsc hafter, zum Teil auch durch landwirtschaftliche Lohnunternehmen. Dies müsse bei juristischen Personen genügen. Ihre Organe bewirtschafteten die Flächen auf ihr (der Beschwerdeführerin) Nut- zen und Risiko. Weiter bri ngt die Beschwerdeführerin vor, d ie Vorinstanz verkenne die Rechtspersönlichkeit einer juristischen Person. Sie (die Be- schwerdeführerin) sei eine GmbH. Eine solche könne als juristische Per- son eigene Rechte und Pflichten eingehen und gelte als eigenständiges Rechtssubjekt. Sie sei von ihren Gesellschaftern separat zu behandeln und könne nicht mit diesen gleichgestellt werden. Die Beschwerdeführerin sei deshalb auch mit den Verpächtern nicht identisch. Davon abgesehen, dass bereits schon ihre Gesellschafter nicht mit den Verpächtern identisch seien, stelle die Beschwerdeführerin als juristische Person eine eigenständige Rechtseinheit dar und könne nicht mit natürlichen dritten Personen gleich- gestellt werden. Schliesslich hält die Beschwerdeführerin dafür, an der Adresse in […] bestehe ein Ökonomiegebäude mit Lagerplätzen sowie Un- terständen für landwirtschaftliche Maschinen und Traktoren etc. Daneben befänden sich noch Büroräumlichkeiten, wie sie ebenfalls auf jedem Land- wirtschaftsbetrieb zu finden seien, an dieser Adresse. A-4748/2019 Seite 13 3.3 3.3.1 Wie bereits zuvor festgehalten (E. 2.2.1 f. und 2.2.4) ergibt sich aus dem Abkommen CH-DE, dass die Person, welche in der Grenzzone des einen Landes ihren Sitz, ihr Wirtschaftsgebäude und ihre Verwaltung hat, selbst das Grundstück in der Grenzzone des anderen Staates bewirtschaf- ten muss. Das Abkommen CH-DE äussert sich nicht explizit dazu, ob es zulässig ist, dass sie dies durch ihre Angestellten erledigen lässt . Dies ergibt sich aber implizit daraus, dass auch juristische Personen den LBV in Anspruch nehmen können. Aus dem nationalen Recht ergibt sich ebenfalls, dass dies zugelassen wird (E. 2.3.3). Vorliegend ist darauf nicht weiter ein- zugehen, zumal diese Erleichterung unumstritten ist. 3.3.2 Notwendig ist auch, dass die Bewirtschaftung der landwirtschaftli- chen Grundstücke im anderen Staat (vorliegend in Deutschland) von der Zollgrenzzone des einen Staates (vorliegend der Schweiz) ihren Ausgang nimmt, wobei das Wirtschaftsgebäude, wie sich aus Art. 2 Abs. 1 Abkom- men CH-DE ergibt, tatsächlich genutzt werden muss (E. 2.2.1). Ob dabei eine tägliche Rückkehr zum Wirtschaftsgebäude (in der Schweiz) notwen- dig ist, ist dem Abkommen CH-DE nicht zu entnehmen. Nicht zulässig ist aber auf jeden Fall, dass die Bewirtschaftung ausschliesslich durch Perso- nen erfolgt, die nicht vom Wirtschaftsgebäude aus starten und dieses auch im Verlauf des Tages nicht verwenden bzw. anfahren. Vorliegend ist dieses Erfordernis nicht erfüllt: 3.3.2.1 Einerseits erklärt die Beschwerdeführerin selbst, die Arbeit vor al- lem durch ihre in Deutschland wohnenden Gesellschafter sowie durch Lohnunternehmen erledigen zu lassen. Die Gesellschafter sowie die Ange- stellten der Lohnunternehmen werden sich täglich von ihrem Wohn- bzw. Standort in Deutschland aus auf die in Deutschland liegenden Felder der Beschwerdeführerin begeben und gerade nicht vom Wirtschaftsgebäude der Beschwerdeführerin aus starten. Ebenso wenig legt die Beschwerde- führerin dar, dass diese Personen das Wirtschaftsgebäude im Verlauf des Tages anfahren und verwenden. 3.3.2.2 Andererseits gibt es gemäss den nicht substantiiert bestrittenen Feststellungen der Vorinstanz, die diese mittels Fotos belegt, beim Wirt- schaftsgebäude der Beschwerdeführerin gar nicht genügende Unterstände oder Lagerräume, und keine landwirtschaftlichen Gerätschaften, so dass dieses Gebäude tatsächlich nicht als «Ausgangszentrum» für die Bewirt- schaftung der in Deutschland gelegenen Grundstücke dienen kann. Es A-4748/2019 Seite 14 kann insgesamt auf die überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz ver- wiesen werden. 3.3.3 Hinzu kommt Folgendes: Dass das Wirtschaftsgebäude gemäss dem Abkommen CH-DE als jener Ort gilt, von dem aus die Grundstücke in tat- sächlicher Hinsicht und nicht nur verwaltungsmässig bewirtschaftet wer- den, ergibt sich daraus, dass dieses Abkommen ausdrücklich festhält, dass sich bei juristischen Personen deren Sitz und deren Wirtschaftsgebäude sowie der Ort, an dem die Verwaltung geführt wird, in der Zollgrenzzone befinden müssen (E. 2.2.2). Dabei können diese drei Eigenschaften durch- aus am selben Ort gegeben sein. Sitz und Ort der Verwaltung genügen jedoch nicht. Da es im vorliegenden Fall jenem Gebäude, welches als Wirt- schaftsgebäude gemietet wurde, an entsprechendem Platz und landwirt- schaftlichen Gerätschaften mangelt (E. 3.3.2.2), kann dieses Gebäude nicht als Wirtschaftsgebäude im Sinne des Abkommens CH-DE angese- hen werden. Ob dort eine Verwaltungstätigkeit ausgeübt wird, ist nicht al- lein entscheidend. 3.3.4 Damit mangelt es vorliegend bereits an zwei Voraussetzungen, ge- mäss denen der Beschwerdeführerin die abgabenbefreite Wareneinfuhr im Rahmen des LBV bewilligt werden könnte, nämlich am tatsächlichen Be- stehen eines Wirtschaftsgebäudes sowie am Umstand, dass das Grund- stück in der Grenzzone des andern Staates (Deutschland) tatsächlich von der Grenzzone des einen Staates (Schweiz) aus bewirtschaftet wird. 3.3.5 Die Vorinstanz hat damit der Beschwerdeführerin zu Recht die Bewil- ligung für die abgabenbefreite Wareneinfuhr im Rahmen des LBV versagt. 3.4 Der Vollständigkeit halber bleibt noch auf die Frage einzugehen, ob das Vorgehen der Gesellschafter der Beschwerdeführerin als rechtsmiss- bräuchlich zu betrachten wäre (E. 2.4). In der vorliegenden Konstellation wohnen zwei der drei Gesellschafter der Beschwerdeführerin in […] (Deutschland). Dort bzw. in der unmittelbaren Umgebung liegen auch die bewirtschafteten Grundstücke, die diesen Ge- sellschaftern gehören. Ohne GmbH hätten die beiden Gesellschafter von vornherein keinen Anspruch auf LBV. Der einzige schweizerische Gesell- schafter, an dessen Wohnadresse sich auch der Sitz der GmbH befindet, weist unbestrittenermassen keinen Bezug zur Landwirtschaft auf und ist insbesondere nicht in der Landwirtschaft tätig. Er scheint vor allem darum Gesellschafter und insbesondere Vorsitzender der Geschäftsleitung zu A-4748/2019 Seite 15 sein, weil gemäss Art. 814 Abs. 3 Satz 1 und 2 OR die GmbH durch eine Person, die Wohnsitz in der Schweiz hat, vertreten werden können muss, wobei diese Person Geschäftsführerin oder Direktorin sein muss. Das von der Gesellschaft gemietete Wirtschaftsgebäude gehört einer Gesellschaft, deren Verwaltungsratspräsident gleichzeitig Gesellschafter der Beschwer- deführerin ist. Es ist nicht ersichtlich, zu welchem Zweck sich diese drei Personen zusammenschliessen und eine GmbH gründen sollten, wenn nicht zu jenem, ihren beiden deutschen Gesellschaftern die abgabe nbe- freite Einfuhr ihrer landwirtschaftlichen Produkte aus Deutschland in die Schweiz zu ermöglichen. Dazu wird eine juristische Person in der Zoll- grenzzone der Schweiz kreiert (die Beschwerdeführerin), die dann von ih- ren beiden deutschen Gesellschaftern deren landwirtschaftliche Grundstü- cke in Deutschland pachtet und diese von ebendiesen Gesellschaftern be- wirtschaften lassen will. Wird nun noch der Umstand berücksichtigt – der sich im Übrigen bereits zuvor a ls wesentlich erwiesen hat (E. 3.3.2 und 3.3.4) –, dass die Grundstücke tatsächlich von Deutschland aus bewirt- schaftet werden und in der Schweiz höchstens eine Verwaltun gstätigkeit ausgeübt wird, wird nochmals deutlicher, dass vordringlicher Zweck der Beschwerdeführerin ist, dass die beiden in Deutschland wohnenden Ge- sellschafter den LBV in Anspruch nehmen können, so dass die Gesell- schafter für die Einfuhr ihrer landwirtschaftlichen Produkte von Deutsch- land in die Schweiz keine Zollabgaben entrichten müssen. Ein solches Vor- gehen stellt eine missbräuchliche Inanspruchnahme der Erleichterungen gemäss der Regel des LBV bzw. faktisch eine Umgehung der Zollabgaben dar. Folge dieser Einschätzung ist, dass die juristische Person, hier die Be- schwerdeführerin, als ni cht bestehend betrachtet wird, der Sachverhalt also in Bezug auf die hier fraglichen Einfuhrabgaben bzw. die Frage, ob die abgabenbefreite Einfuhr im Rahmen des LBV zu gewähren ist, so beurteilt wird, als ob die juristische Person nicht gegründet worden wä re. Es wird durch die juristische Person direkt auf die natürlichen Personen «durchge- griffen» (E. 2.4). Weder den beiden deutschen Gesellschaftern selbst noch dem schweizerischen Gesellschafter könnte die abgabenbefreite E infuhr der landwirtschaftlichen Produkte bewilligt werden. Damit führt der Rechts- missbrauch dazu, dass auch der Beschwerdeführerin die abgabenbefreite Wareneinfuhr im Rahmen des LBV selbst dann nicht bewilligt werden könnte, wenn sich – was vorliegend nicht der Fall ist – am Wirtschaftsge- bäude Einrichtungen befinden würden, die als genügend zu betrachten wä- ren. A-4748/2019 Seite 16 4. 4.1 Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten, die auf Fr. 2'000.-- fest- zusetzen sind, der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. 4.2 Der Beschwerdeführerin ist ebenso wie der Vorinstanz keine Parteient- schädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario und Art. 7 Abs. 3 VGKE). (Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.) A-4748/2019 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Der von dieser in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel Riedo Susanne Raas A-4748/2019 Seite 18 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Fr ist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver- tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange- fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde- führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: