200 24 272 IV ISD/SCC/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 27. August 2024 Verwaltungsrichter Isliker, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichter Jakob Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero A.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 12. März 2024 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 2 Sachverhalt: A. Der im Jahr 2000 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerde- führer) wurde erstmals im November 2012 von seinen Eltern bei der IV- Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung für Minderjährige angemeldet (Akten der IVB [act. II] 2). Mit Verfügung vom 14. März 2013 lehnte die IVB medizinische Massnahmen ab, da kein versichertes Geburtsgebrechen vorliege (act. II 11). Am 1. August 2016 trat der Versicherte eine Lehrstelle als ... EFZ bei der B.________ AG an (vgl. act. II 12/4 Ziff. 4.3, 20). Im November 2017 meldeten ihn seine Eltern bei der IVB unter Hinweis auf eine Colitis ulcerosa zum Bezug von beruflichen Massnahmen an (act. II 12). Nachdem der Versicherte sich zur Wiederholung des 2. Lehrjahres entschieden hatte, wies die IVB einen Anspruch auf berufliche Massnahmen ab (act. II 30). Am 5. August 2022 meldete sich der Versicherte erneut bei der IVB an und nannte als Leiden seit März 2022 bestehende Kopfschmerzen (act. II 31). Die IVB holte beim Hausarzt Dr. med. C.________, Facharzt für Allgemei- ne Innere Medizin (act. II 45), und beim Spital D.________ (act. II 46) me- dizinische Berichte sowie die Akten bei der E.________ ein (act. II 54.1- 54.4, 68.1-68.7) und verneinte mit Verfügung vom 14. Februar 2023 einen Anspruch auf Leistungen der IV (act. II 56). Damit war der Versicherte nicht einverstanden und machte eine durchgehende Verschlechterung seit Mitte November 2022 geltend (act. II 58). In der Folge kam die IVB auf ihre Ver- fügung zurück (act. II 57, 59/1, 71) und holte weitere medizinische Berichte (act. II 86, 89 f.) sowie weitere Akten der E.________ (act. II 91.1-91.3) ein. Weiter veranlasste sie eine Untersuchung durch Dr. med. F.________, Fachärztin für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD; Untersu- chungsbericht vom 25. Januar 2024 [act. II 116]). Gestützt darauf stellte die IVB dem Versicherten mit Vorbescheid vom 30. Januar 2024 (act. II 117) die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht und bestätigte dies mit Verfügung vom 12. März 2024 (act. II 118).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 3 B. Am 11. April 2024 erhob der Versicherte beim Verwaltungsgericht des Kan- tons Bern Beschwerde. Er beantragt sinngemäss, die angefochtene Verfü- gung vom 12. März 2024 sei aufzuheben und ihm sei eine Invalidenrente von 50 % einer ganzen Rente zuzusprechen. Am 8. Mai 2024 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht des Hausarz- tes Dr. med. C.________ vom 8. April 2024 (Beschwerdeakten [act. I] 2), einen Bericht des Spitals D.________, vom 16. August 2023 (act. I 3) so- wie einen Bericht des Spitals D.________, vom 14. Juli 2023 (act. I 4) ein. Diese Unterlagen wurden der Beschwerdegegnerin mit prozessleitender Verfügung vom 14. Mai 2024 zur Kenntnis gebracht. Mit Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2024 schliesst die Beschwerdegegne- rin auf Abweisung der Beschwerde. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 4 über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 12. März 2024 (act. II 118). Darin verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Leistungen der IV. Beschwerdeweise beantragt der Beschwerdeführer ein- zig die Zusprache einer Rente und stellt keine Anträge zu anderen Sach- oder Geldleistungen der IV. Streitig und zu prüfen ist vorliegend demnach einzig der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 5 Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un- fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem ande- ren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 2.2Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Ren- te, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Ein- gliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1 bis und 1 ter nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1bis IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Ren- tenanspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50 bis 69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditätsgrad (Art. 28b Abs. 2 IVG), bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28b Abs. 3 IVG). Bei einem Invaliditätsgrad zwischen 40 und 49 % gelten die prozentualen An- teile nach Massgabe von Art. 28b Abs. 4 IVG. 2.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV Nr. 54 S. 181 E. 2.3).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 6 3. 3.1Im Rahmen der vormaligen Anmeldung zum Leistungsbezug vom November 2017 (act. II 12) prüfte die Beschwerdegegnerin einzig einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und lehnte solche mit Verfügung vom 4. Juli 2018 ab (act. II 30). Insoweit ist vorliegend die Anmeldung von August 2022 (act. II 31) hinsichtlich des einzig streitigen Rentenanspruchs (vgl. E. 1.2 hiervor) umfassend und unbesehen revisionsrechtlicher Ge- sichtspunkte zu prüfen (Rz. 1009 und 3002 des Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], Stand: 1. Januar 2022; Ent- scheid des Bundesgerichts [BGer] vom 3. Januar 2022, 9C_556/2021, E. 5.1 f.). 3.2Den Akten ist bezüglich des medizinischen Sachverhalts im We- sentlichen das Folgende zu entnehmen: 3.2.1Im Bericht vom 4. Januar 2022 diagnostizierte Prof. Dr. med. G.________, Facharzt für Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medi- zin, eine Colitis ulcerosa unter Adalimumab-Therapie. Die Schleimhaut sei völlig unauffällig ohne Hinweis für erhöhte Entzündungsaktivität von Seiten der Grunderkrankung. Es fänden sich erstgradige Hämorrhoiden, die mög- licherweise die Blutungsursache darstellten (act. II 69/2). Im Bericht vom 6. Juni 2023 führte Prof. Dr. med. G.________ aus, dem Beschwerdeführer sei es über eine lange Zeitperiode sehr gut gegangen. Inzwischen sei es jedoch zu einer Erhöhung der Stuhlfrequenz gekommen, deren Grund immer noch nicht ganz klar sei. Um eine Nahrungsmittelintole- ranz auszuschliessen werde der Beschwerdeführer eine Kartoffel-Reis-Diät machen und dann einzelne Nahrungsmittel hinzufügen. Von Seiten des Labors gebe es keine grossen Auffälligkeiten. Insgesamt sei es unwahr- scheinlich, dass die hohe Stuhlfrequenz durch einen Schub zustande ge- kommen sei (act. II 85/2). 3.2.2Im Bericht vom 14. Juli 2023 diagnostizierte Dr. med. H.________, Fachärztin für Neurologie, Spital D.________, einen streng linksseitigen Kopfschmerz mit Flimmersehen unklarer Ätiologie und eine Colitis ulcerosa ED 09/2007. Die Kopfschmerzen seien auch nach Beginn mit Gabapentin unverändert täglich vorhanden (numerische Rating-Skala [NRS] 5-6) mit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 7 jeweils ein bis zwei Exazerbationen tagsüber und zwei- bis dreimal nachts von durchschnittlich 20 bis 30 Minuten Dauer, ohne begleitende trigemino- autonome Symptome. Es bestehe aufgrund der Schmerzen ein Medika- mentenübergebrauch mit täglicher Einnahme von Novalgin und Dafalgan. Die ätiologische Zuordnung bleibe zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin unklar. Aufgrund der häufigen nächtlichen Schmerzexazerbationen und auch we- gen der Colitis ulcerosa bestehe eine Durchschlafinsomnie, weswegen der Beschwerdeführer viele Krankheitstage habe. Aus neurologischer Sicht sei aufgrund der anhaltenden Schmerzattacken die Arbeitsfähigkeit aktuell nicht gegeben (act. II 89/2 f.). 3.2.3Im Bericht vom 27. Juli 2023 führte Prof. Dr. med. G.________ aus, eine Nahrungsmittel-Exklusions-Diät habe keinen Hinweis für eine Nah- rungsmittel-Intoleranz gebracht. Laborchemisch gebe es keinen Hinweis für erhöhte Entzündungszeichen. Auch der Rest des Labors sei nicht konklusiv gewesen. Somit bleibe es spekulativ, ob die Erhöhung der Stuhlfrequenz im Rahmen einer infektiösen oder einer funktionellen Ursache sei. Generell sei das Calprotectin im Stuhl tief, dass heisse unter 30, sodass davon aus- zugehen sei, dass beim Beschwerdeführer keine erhöhte Krankheitsakti- vität vorliege (act. II 92). 3.2.4Im Bericht vom 16. August 2023 diagnostizierten Dr. med. I.________, Facharzt für Anästhesiologie, und Assistenzärztin J.________, Spital D.________, im Rahmen einer ambulanten Schmerzstunde chroni- sche unklare linksseitige Kopfschmerzen und als Nebendiagnosen eine Colitis ulcerosa sowie einen Status nach rezidivierenden Synkopen DD orthostatisch-vasovagale Synkopen 08/2020, mit unauffälliger kardiologi- scher, neurologischer und HNO-ärztlicher Abklärung. Der Beschwerdefüh- rer sei von der Neurologie zu einer Infiltration des Nervus occipitalis major bei chronischen linksseitigen Kopfschmerzen zugewiesen worden. Obwohl die Symptomatik an einen Cluster-Kopfschmerz denken lasse, sei die Prä- sentation ohne autonome Symptomatik eher untypisch. Neben einem dumpfen Dauerschmerz bestünden jeweils kurzdauernde Exazerbationen mehrmals täglich sowie ein- bis zweimal pro Nacht. Eine Blockade des Nervus occipitalis major könne hier potentiell eine Linderung bringen. Die Intervention sei komplikationslos durchgeführt worden (act. II 105/4).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 8 3.2.5Im Bericht vom 12. September 2023 führte der Hausarzt Dr. med. C.________ aus, der Gesundheitszustand sei stationär. Es sei kein Therapieerfolg eingetreten. Der Beschwerdeführer sei seit dem 9. Juni 2023 zu 100 % arbeitsunfähig (act. II 105/1 ff.). 3.2.6Die RAD-Neurologin Dr. med. F.________ diagnostizierte im Unter- suchungsbericht vom 25. Januar 2024 Kopfschmerzen ungeklärter Genese (streng linksseitige Kopfschmerzen mit Flimmersehen und bilaterale drü- ckende Kopfschmerzen) und eine Colitis ulcerosa (ED 2007), unter medi- kamentöser Therapie. In der Beurteilung hielt sie fest, beim jetzt 23-jährigen Beschwerdeführer sei es im März 2022 zum Auftreten akuter Kopfschmerzen gekommen. Trotz umfangreicher neurologischer Diagnostik habe die Genese der Kopfschmerzen nicht geklärt werden können. Bei der Exploration am 24. Januar 2024 habe der Beschwerdeführer unverändert neben einem Dauerkopfschmerz, welche eine leichte bis mittlere Intensität habe, streng linksseitige Kopfschmerzattacken (VAS 8), welche auch in den Nachtstunden aufträten, angegeben. Andere Begleitsymptome wie Augenrötung, Naselaufen und/oder einseitiges Schwitzen seien verneint worden. Eine Vielzahl von verschiedenen medikamentösen und anderen Therapien habe zu keiner Verbesserung der Schmerzsituation geführt, weswegen der Beschwerdeführer aktuell die fachärztliche Behandlung ab- gebrochen habe. Er versuche zurechtzukommen und habe im Dezember 2023 eine neue berufliche Tätigkeit aufgenommen, die er aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen als sehr fordernd empfinde. Bei der durchgeführten neurologischen Untersuchung habe sich erwartungs- gemäss ein unauffälliger Befund gezeigt. Zum Untersuchungszeitpunkt hätten beim Beschwerdeführer trotz angegebener Kopfschmerzen keine wesentlichen Einschränkungen bestanden. So sei er in der Lage gewesen, dem Gespräch ruhig und konzentriert zu folgen und präzise Auskunft zu geben. Insgesamt sei der Leidensdruck gering erschienen und auch am Ende der Untersuchung habe der Beschwerdeführer nicht müde oder an- gestrengt gewirkt (act. II 116/6). Die gestellten Diagnosen würden keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit recht- fertigen. Möglich sei das tageweise Auftreten von Fehltagen bei Kopf- schmerzen (act. II 116/7 Ziff. 2). Der Beschwerdeführer sei in der Lage, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 9 8.5 Stunden an 5 Tagen in der Woche tätig zu sein. Dabei bestehe eine Leistungsminderung von 10 % (Arbeitsunfähigkeit 10 %/Arbeitsfähigkeit 90 %; act. II 116/7 Ziff. 3). Ihm sei eine vollschichtige, leichte bis mittel- schwere, wechselbelastende Tätigkeit mit einer Leistungseinbusse von 10 % wegen vermehrten Pausen zumutbar. Nicht empfehlenswert seien reine Bildschirmarbeit, der Einsatz an einem Hitzearbeitsplatz, an Maschi- nen, die das Tragen eines Schutzhelms voraussetzten, im Lärmbereich oder unter Atemschutz. Ungünstig seien Arbeiten, bei denen absehbar Überstunden anfallen oder besondere Anforderungen an die Konzentrati- onsfähigkeit gestellt würden. Zu vermeiden seien darüber hinaus Schichta- rbeit sowie Steuer- und Überwachungstätigkeiten (act. II 116/7 Ziff. 4). 3.2.7Im Bericht vom 8. April 2024 führte der Hausarzt Dr. med. C.________ aus, der Beschwerdeführer sei seit Dezember 2023 als ... für eine ... tätig. Anfänglich habe er zwei Tage im Home-Office arbei- ten können. Da aufgrund der Diagnose mehr und mehr Fehlstunden zu- sammengekommen seien, könne er nur noch einen Tag im Home-Office arbeiten und müsse bei Abwesenheiten sofort ein ärztliches Arbeitsun- fähigkeitszeugnis vorweisen. Das Beschwerdebild habe sich insgesamt nicht geändert. Er habe sein Fernstudium im Bereich ... aufgrund seiner Krankheit pausieren müssen. Er sei aus medizinischer Sicht nicht zu 100 % arbeitsfähig (act. I 2). 3.3 3.3.1Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 10 3.3.2Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be- gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354; SVR 2022 UV Nr. 3 S. 8 E. 3.2). Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichbaren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2018 IV Nr. 4 S. 12 E. 3.2, 2009 IV Nr. 53 S. 165 E. 3.3.2). Eine von anderen mit der ver- sicherten Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung vermag die Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten eines Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial ausein- anderzusetzen und eine eigenständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abgestellt werden kann, ist eine im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsverfahren zu klärende Frage der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110). 3.3.3In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll jedoch das Ge- richt der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3). Dies gilt nicht nur für den allgemein praktizierenden Hausarzt, sondern ebenso für den behandelnden Spezial- arzt und erst recht für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz zunächst bedingungslos zu akzeptieren (Entscheid des Eid- genössischen Versicherungsgerichts [heute: BGer] vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4). 3.4 3.4.1In gastroenterologischer Hinsicht besteht bezüglich der Colitis ulce- rosa (auch Morbus Crohn; ICD-10 K51.0; ED 2007; unter medikamentöser Dauertherapie; act. II 92) gestützt auf die fachärztlichen Berichte von Prof. Dr. med. G.________ im hier massgebenden Beurteilungszeitraum kein Hinweis für eine längerfristig erhöhte Krankheitsaktivität, aufgrund de- rer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine anspruchsrelevante Ein-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 11 schränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit anzunehmen wäre; eine entsprechende Arbeitsunfähigkeit wurde durch den behandelnden Facharzt denn auch nicht attestiert (vgl. act. II 69/2 f., 85/2, 92; siehe auch act. II 99). 3.4.2Der RAD-Untersuchungsbericht vom 25. Januar 2024 (act. II 116) erfüllt sowohl hinsichtlich der fachärztlichen Qualifikationen der RAD-Ärztin Dr. med. F.________ (vgl. E. 3.3.2 hiervor) als auch im Übrigen die beweis- rechtlichen Anforderungen an einen versicherungsinternen Untersu- chungsbericht i.S.v. Art. 49 Abs. 2 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201; vgl. dazu BGE 135 V 254 E. 3.3). Der RAD-Untersuchungsbericht vom 25. Januar 2024 erfüllt dem- nach die Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (vgl. E. 3.3.1 f. hier- vor): Der RAD-Ärztin lagen die vollständigen Akten des gesamten neurolo- gischen, schmerztherapeutischen und hausärztlichen Behandlungsverlaufs vor, sie hatte Kenntnis von den vom Beschwerdeführer vorgebrachten Be- schwerden (act. II 116/1 ff.) und setzte sich damit nachvollziehbar begrün- det auseinander. Gestützt darauf sowie auf eine umfassende klinische Un- tersuchung (vgl. etwa Entscheid des BGer vom 7. Juni 2021, 8C_138/2021, E. 4.2) legte sie überzeugend begründet dar, dass im Zusammenhang mit den ab März 2022 aufgetretenen chronischen Kopfschmerzen keine über eine 10%ige Leistungsminderung hinausgehende quantitative Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit besteht. Im Rahmen dieser Beurteilung trug die RAD-Ärztin den subjektiven Beschwerden hinreichend Rechnung und legte diesbezüglich dar, dass klinisch trotz der während der Exploration angege- benen Kopfschmerzen weder eine massgebliche Einschränkung noch eine erhöhte Ermüdung bzw. Anstrengung festzustellen war und auch mit Blick auf den bereits im Juni 2023 vom Beschwerdeführer vollzogenen fachärzt- lichen Therapieabbruch (vgl. act. II 115) lediglich ein geringer Leidensdruck anzunehmen ist. 3.4.3Den übrigen medizinischen Akten sind keine wesentlichen Aspekte zu entnehmen, die im Rahmen der RAD-ärztlichen Untersuchung uner- kannt oder unzureichend gewürdigt worden wären. Sie vermögen daher keine (auch nur geringen) Zweifel am RAD-ärztlichen Untersuchungsbe- richt zu wecken. So erfolgte durch die behandelnden Fachärzte eine weit- reichende diagnostische Abklärung sowie die Erprobung einer Vielzahl von Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 12 Medikamenten und Therapien (vgl. act. II 45 [diverse], 66/13, 86/3), wobei trotz Ausschluss etlicher ätiopathogenetisch möglicher Ursachen weder eine sichere diagnostische Einordnung der Kopfschmerzen noch eine klar wirksame Therapie gefunden werden konnte. Die diagnostische Zuordnung ist im vorliegenden Kontext indes nicht entscheidend, denn für die Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit (E. 2.1 hiervor) ist nicht die Diagnose, sondern die daraus resultierenden funktionellen Einschränkungen entscheidend (vgl. Entscheid des BGer vom 20. April 2022, 8C_803/2021, E. 5.3.1). Die erst im späteren Therapieverlauf attestierte Arbeitsunfähigkeit (vgl. act. Il 89) erfolgte offenkundig vor dem Hintergrund der Therapieumstellung und ohne Differenzierung bzw. weitergehende Begründung. Sie ist damit nicht nach- vollziehbar und steht daher der durch den RAD beschriebenen Arbeits- fähigkeit im zeitlichen Verlauf nicht entgegen. Dasselbe gilt für die vom Hausarzt, Dr. med. C.________, pauschal und im Wesentlichen gestützt auf die nicht weiter plausibilisierten Angaben des Beschwerdeführers (vgl. BGE 140 V 290 E. 3.3.2 S. 297) attestierte hochgradige bzw. vollständige Arbeitsunfähigkeit, auch für Zeiträume, in denen der Beschwerdeführer wieder einer (vollschichtigen) Erwerbstätigkeit nachging. Aus dem letzten – nach Erlass der angefochtenen Verfügung erstellten – Bericht vom 8. April 2024 (act. I 2) geht zudem ein advokatorisches Auftreten des Hausarztes hervor, weshalb dessen Ausführungen aus diesem Grund ohnehin nur sehr begrenzter Beweiswert zukommen (Entscheid des BGer vom 18. Dezem- ber 2019, 8C_695/2019, E. 4.3 mit Hinweis). Insgesamt hat die Verwaltung damit den medizinischen Sachverhalt hinrei- chend abgeklärt. Weitergehende Erhebungen, insbesondere ein versiche- rungsexternes neurologisches Gutachten (vgl. dazu act. I 2/2), sind vorlie- gend nicht erforderlich, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist (BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4). 3.4.4Gestützt auf den beweiskräftigen Untersuchungsbericht des RAD vom 25. Januar 2024 (act. II 116) ist erstellt, dass bis auf eine 10%ige Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit zufolge des erhöhten Pausenbedarfs keine weitergehende objektivierbare (quantitative) Einschränkung der Ar- beits- und Leistungsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen besteht. Im Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 13 Rahmen dieser Einschränkungen respektive des medizinischen Zumutbar- keitsprofils (act. II 116/7) sind sowohl die erlernte Tätigkeit als ... EFZ (act. Il 39/1, 102) als auch die aktuell ausgeübte Tätigkeit als ... (act. II 110/3 f.) bzw. eine anderweitige den Fähigkeiten und Neigungen des Beschwerde- führers entsprechende Tätigkeit vollschichtig mit einer Leistungsminderung von 10 % zumutbar. Damit bestehen weder eine durchschnittliche Arbeits- unfähigkeit von mindestens 40 % während eines Jahres (sogenanntes Wartejahr; Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und auch kein zumindest 40%iger Inva- liditätsgrad (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG; vgl. E. 2.2 hiervor). Mithin besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente. 3.5Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 12. März 2024 (act. II 118) nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen. 4. 4.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab- hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule- gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden ent- sprechend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Be- zahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe entnommen. 4.2Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr- schluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Aug. 2024, IV/24/272, Seite 14 Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - A.________ - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.