200 23 14 FZ SCP/GET/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 10. Januar 2023 Verwaltungsrichter Schütz Gerichtsschreiber Germann A.________ Beschwerdeführer gegen B.________ Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 12. Dezember 2022 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, FZ/23/14, Seite 2 Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. Mit Einspracheentscheid vom 12. Dezember 2022 bestätigte die B.________ (nachfolgend B.________) die mit Verfügung vom 29. Sep- tember 2022 erfolgte Rückforderung von im Zeitraum von September 2020 bis Januar 2022 an A.________ (nachfolgend Versicherter) er- brachter Familienzulagen im Betrag von Fr. 7'580.--. 2. Mit Eingabe vom 6. Januar 2023 macht der Versicherte unter dem Titel "Erlassungsgesuch Kinderzulagen […]" geltend, es sei zu prüfen, ob die (zurückgeforderten) Kinderzulagen nicht mit jenen, die der Kanton Solo- thurn in der Zeit vom September 2020 bis Januar 2022 hätte entrichten sollen, verrechnet werden (17 x Fr. 400.--, ausmachend Fr. 6’800.--) und die restlichen Fr. 680.-- erlassen werden könnten. 3. Prozessvoraussetzungen (Sachurteilsvoraussetzungen) sind die pro- zessrechtlichen Erfordernisse, die vorhanden sein müssen, damit der Richter zur Begründetheit oder Unbegründetheit der Rechtsbegehren Stellung beziehen kann. Die Zuständigkeitsordnung ist Sache des Ge- setzes. Sie ist zwingender Natur. Ob die Sachurteilsvoraussetzungen vorliegen, ist als Rechtsfrage von der entscheidenden Instanz von Am- tes wegen zu prüfen (BGE 134 V 269 E. 2.2 i.f. S. 271 f. mit Hinweis; vgl. zum Ganzen FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 71 ff.). Zu den Prozessvoraussetzungen in Rechtsmittelverfah- ren gehören u.a. das Vorliegen eines Anfechtungsobjekts sowie die funktionelle Zuständigkeit der Behörde (vgl. MICHEL DAUM, in: HERZOG/DAUM [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 20a N. 34). Fehlt es daran respektive sind die Prozess- bzw. Sachurteilsvoraussetzungen (von Beginn weg) nicht gegeben, wird auf das Rechtsmittel nicht eingetreten (vgl. DAUM, a.a.O., N. 43). 4. Die Eingabe des Versicherten vom 6. Januar 2023 richtet sich nicht gegen die Rückforderung als solche bzw. den Einspracheentscheid der B.________ vom 12. Dezember 2022, womit kein Beschwerdewille vor- liegt. Demgegenüber stellt der Versicherte ausdrücklich ein Gesuch um Tilgung der Rückforderung durch Verrechnung mit den Ansprüchen der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, FZ/23/14, Seite 3 Ehefrau auf Familienzulagen und soweit dies nicht bzw. nicht restlos (Differenzzahlung) möglich sein sollte, ein Erlassgesuch. 5. Insoweit liegt vorliegend keine Verfügung bzw. kein Einspracheent- scheid und damit kein Anfechtungsobjekt vor, womit das angerufene Gericht für die materielle Behandlung der mit Eingabe vom 6. Januar 2023 beantragten Verrechnung von Familienzulagen bzw. des bean- tragten Erlasses der Rückforderung funktionell nicht zuständig ist (vgl. E. 3 vorne). 6. Die Eingabe des Versicherten vom 6. Januar 2023 ist demnach samt den Akten zuständigkeitshalber zur weiteren Behandlung an die B.________ weiterzuleiten (Art. 58 Abs. 3 ATSG). 7. Nach dem Dargelegten ist auf die Eingabe vom 6. Januar 2023 nicht einzutreten. Ein Schriftenwechsel ist unter diesen Umständen nicht durchzuführen (Art. 69 Abs. 1 i.V.m. Art. 83 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21] e contrario). 8. Für diesen kostenlosen Entscheid ist der Einzelrichter zuständig (Art. 57 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]). Parteientschädigungen werden nicht zugesprochen. Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Auf die Eingabe vom 6. Januar 2023 wird nicht eingetreten. 2. Die Akten werden von Amtes wegen an die B.________ weitergeleitet im Sinne der Erwägungen. 3. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch werden Parteien- tschädigungen zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Jan. 2023, FZ/23/14, Seite 4 4. Zu eröffnen (R): - A.________ - B.________ - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.