<h2>SubmittedText<h2><p>Bei der Übertragung und der Verteilung von Strom im Netz entstehen aus physikalischen Gründen Verluste. Sie sind auf Widerstände wie Leitungen und Transformatoren zurückzuführen und materialisieren sich hauptsächlich in der Abgabe von Wärme an die Umwelt. Faktoren wie Netzlast, Distanz zwischen Ort der Produktion und Ort des Verbrauchs, Aussentemperatur oder der Zustand der Schaltanlagen im Netz beeinflussen das Ausmass der Verluste. Mit der Erneuerung von Infrastrukturen und betrieblichen Massnahmen lassen sich die Verluste verringern.</p><p>Darum bitte ich den Bundesrat um Antwort auf folgende Fragen:</p><p>1. Ist der Prozentsatz, den die Verluste im Schweizer Stromübertragungs- und -verteilnetz an der Gesamtstromproduktion ausmachen, bekannt und wie viel Strom entspricht er?</p><p>2. Wie verteilen sich diese Verluste auf Hoch-, Mittel- und Niedrigspannungsnetze?</p><p>3. Wie gross ist das Potenzial zur Verringerung der Verluste der Stromübertragungs- und -verteilnetze in der Schweiz? Ist bekannt, wie viel Energie auf diese Weise gespart werden könnte? Sollte dazu nicht eine Studie durchgeführt werden?</p><p>4. Welches Potenzial haben neben den Massnahmen zur Verringerung der Verluste andere Massnahmen zur Dekarbonisierung der Netze wie der Einsatz von weniger SF6-Gas in den Schaltanlagen, betriebliche Massnahmen, Überwachung mit Drohnen statt mit Helikoptern usw.?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Netzverluste entstehen durch Widerstände wie Leitungen oder Transformatoren und werden in Form von Wärme an die Umwelt abgegeben. Faktoren wie Netzlast, Aussentemperatur oder Schaltzustände beeinflussen die Höhe der Verluste. Erdkabel aus Kupfer verzeichnen im Gegensatz zu Freileitungen aus einer Kupfer-Aluminium-Legierung nur minimale Verluste.</p><p></p><table width="432.3pt"><tr><td width="72.8pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>Netze</p></td><td width="167.3pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>Länge Freileitungen</p></td><td width="181.4pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>Länge Erdkabel</p></td></tr><tr><td width="72.8pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>NE1 (HHS)</p></td><td width="167.3pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>6650 km (99 %) </p></td><td width="181.4pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>67,2 km (1 %)</p></td></tr><tr><td width="72.8pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>NE3 (HS)</p></td><td width="167.3pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>6658 km (77,2 %)</p></td><td width="181.4pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>1968 km (22,8 %)</p></td></tr><tr><td width="72.8pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>NE5 (MS)</p></td><td width="167.3pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>8818 km (18,5 %)</p></td><td width="181.4pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>36 428 km (81,5 %)</p></td></tr><tr><td width="72.8pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>NE7 (NS)</p></td><td width="167.3pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>6972 km (7,9 %)</p></td><td width="181.4pt" colspan="0" rowspan="0" valign="center"><p>81 264 km (92,1 %)</p></td></tr></table><p></p><p>1. Im Jahr 2020 beliefen sich die Verluste im Stromnetz auf 7 Prozent des Bruttoenergieverbrauchs der Schweiz, was einer Energiemenge von 4190 GWh entspricht.</p><p>2. Trotz ihrer fortschrittlichen Verkabelung entsteht ein grosser Teil der Verluste in den Verteilnetzen, da diese 89,7 Prozent aller Netze ausmachen.</p><p>3. Das grösste Potenzial zur Verringerung der Verluste weisen die Freileitungen auf. Ihr Anteil an den Netzen beläuft sich jedoch auf weniger als 10 Prozent. Aus wirtschaftlichen Gründen sind nur 1 Prozent der NE1 und 22,8 Prozent der NE3 verkabelt. Die Verteilnetzbetreiber (VNB) werden zur Verkabelung angehalten, wenn die Mehrkosten für die Erdkabel nicht mehr als doppelt so hoch wie die Kosten für eine Freileitung sind. Der Bundesrat hat das Recht, auf dem Verordnungsweg den zulässigen Mehrkostenfaktor auf das Dreifache einer Freileitung anzuheben.</p><p>Bei den Verteilnetzen der Ebenen 5 und 7 ist das Potenzial zur Verringerung der Verluste sehr gering, da ein Grossteil dieser Netze bereits verkabelt ist. Da also in allen Netzen praktisch kein Verringerungspotenzial vorhanden ist, ist die Durchführung einer Studie wenig sinnvoll.</p><p>4. Die Strombranche führt die SF6-Datenerhebung über den Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) weiter. Dazu wurde die Erfassungsplattform im Jahr 2020 komplett erneuert. Eine von Swissmem erarbeitete und vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) anerkannte Lösung ermöglicht es, der gesetzlichen Meldepflicht über die SF6-Mengen nachzukommen. Ausserdem berichten Energieversorgungsunternehmen (EVU) im Rahmen einer Branchenvereinbarung über ihre Emissionen und verpflichten sich, ihre Emissionen schrittweise zu reduzieren. Der gemeinsame Emissionsplafond für alle EVU sowie für Hersteller von Schalt- und Transformationsanlagen in der Schweiz wurde für den Zeitraum 2021 bis 2025 auf 1 Tonne pro Jahr gesenkt. Dazu sollen SF6-haltige Geräte und Anlagen, wenn nach dem Stand der Technik möglich, durch alternative Technologien ersetzt werden. Ausführlichere Informationen können in der freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung auf der Website des BAFU nachgelesen werden. Mehrere Hersteller bieten bereits SF6-freie Schalt- und Transformationsanlagen an. So wurde beispielsweise in Zernez die erste klimafreundliche SF6-freie Schaltanlage in Betrieb genommen.</p><p>Die EVU setzen ihr Engagement mit zahlreichen Massnahmen zur Dekarbonisierung ihrer Betriebsverfahren fort. Dazu gehören die Dekarbonisierung von Fahrzeugflotten, die Digitalisierung der Netze, der Einsatz von intelligenten Zählern und die Darstellung von Arbeitsplätzen in 3-D, wodurch viele Geschäftsreisen vermieden werden können. EVU in mittleren und grossen Städten setzen zudem vermehrt auf energieeffiziente und CO2-neutrale Anlagen, um städtische Fernwärmenetze zu betreiben und so Gasnetze zu ersetzen.</p><p>Die derzeit auf dem Markt erhältlichen professionellen Drohnen mit begrenzter Reichweite eignen sich nicht für die Überwachung oder die präventive Wartung von Hoch- und Mittelspannungsnetzen oder Hochdruck-Gasnetzen über grosse Distanzen und meist in steilem Gelände. Die Drohnentechnologie entwickelt sich aber äusserst schnell und ermöglicht den Einsatz neuer, sehr leistungsfähiger Anwendungen auf lokaler Ebene.</p>  Antwort des Bundesrates.