<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 122 S.499</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">499</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>122</b></span> <span class="ft2"><b>Ursprünglicher Beitragsplan nach §§ 34/35 BauG.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Für die Auflage eines Beitragsplans ist nicht notwendig, dass sich die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auszubauende oder zu übernehmende Strasse bereits im Gemeinde-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>eigentum befindet. Entscheidend ist einzig, dass sie nach dem Projekt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Öffentlichkeit oder zumindest den Beitragsverpflichteten zum</b></span><br/> <span class="ft2"><b>uneingeschränkten Gebrauch zur Verfügung steht (Erw. 3.2.1. ff.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die gestützt auf den Beitragsplan erhältlich gemachten Gelder sind</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zweckgebunden, also für den Bau bzw. den Erwerb der betreffenden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Strasse, einzusetzen. Andernfalls stünde jenen Grundeigentümern,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die einen Beitrag geleistet haben, ein Rückforderungsanspruch gegen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Gemeinde zu (Erw. 3.2.4.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft4">28. Mai 2002 in Sachen Ehegatten K. gegen Einwohnergemeinde H.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.2.1. Mit dem Eigentum an Grundstücken geht grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">eine umfassende Herrschaft darüber einher (Peter Tuor / Bernhard</span><br/> <span class="ft1">Schnyder / Jörg Schmid, Das schweizerische Zivilgesetzbuch,</span><br/> <span class="ft1">11. Auflage, Zürich 1995, S. 593 f.). Gebaut werden darf nur vom Ei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">500</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gentümer (Öffentlichrechtliche Körperschaft, Anstalt oder Stiftung</span><br/> <span class="ft1">bzw. dem Privaten) selbst oder ausnahmsweise mit dessen Einwilli-</span><br/> <span class="ft1">gung. Die erstellte Baute gehört früher (Art. 667 und 671 ff. des</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210] vom 10. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 1907) oder später (im Fall eines Baurechts; vgl. Art. 675 und</span><br/> <span class="ft1">779 ff. ZGB) infolge des sachenrechtlichen Akzessionsprinzips dem</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer. Entsprechend hat für den Bau einer Strasse durch</span><br/> <span class="ft1">das Gemeinwesen regelmässig vorgängig der notwendige Rechtser-</span><br/> <span class="ft1">werb stattzufinden.</span><br/> <span class="ft1">3.2.2. Im Rahmen der Erschliessungspflicht nach § 33 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">des Gesetzes über Raumplanung, Umweltschutz und Bauwesen</span><br/> <span class="ft1">(BauG; SAR 713.100) vom 19. Januar 1993 ist die Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">baupflichtig. Grundeigentümer können im Rahmen eines entspre-</span><br/> <span class="ft1">chenden Sondernutzungsplanes mit Bewilligung des Gemeinderates</span><br/> <span class="ft1">die geplanten Erschliessungsanlagen (z.B. Strassen) auch schon vor</span><br/> <span class="ft1">dem Zeitpunkt erstellen, den die Gemeinde in ihrem Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft1">programm (§ 33 Abs. 2 BauG) dafür vorgesehen hat (Vorfinanzie-</span><br/> <span class="ft1">rung gemäss § 37 Abs. 1 BauG). Die Gemeinde muss die vorfinan-</span><br/> <span class="ft1">zierten Erschliessungsanlagen spätestens zu dem Zeitpunkt über-</span><br/> <span class="ft1">nehmen, den das Erschliessungsprogramm für den Bau vorsieht (§ 37</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG). Hat noch kein Privater die Erschliessung vorgängig</span><br/> <span class="ft1">realisiert, muss die Gemeinde dies im vorgesehenen Zeitpunkt ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Erschliessungsprogramm tun (vgl. § 33 BauG; ...).</span><br/> <span class="ft1">Handlungspflicht und -willen der Gemeinde bedingen die</span><br/> <span class="ft1">spätestens gleichzeitige Sicherung der Finanzierung der geplanten</span><br/> <span class="ft1">bzw. zu übernehmenden Strasse. Dafür muss und darf der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">rat einen Beitragsplan ausarbeiten und auflegen (§§ 34 Abs. 1 und 37</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG). Bei Neuanlagen ist die kombinierte Auflage von</span><br/> <span class="ft1">Rechtserwerb, Projekt und Beitragsplan verbreitet und - mit dem</span><br/> <span class="ft1">Risiko der gegenseitigen Abhängigkeiten - zulässig.</span><br/> <span class="ft1">Die Eigentumsfrage spielt somit nur und erst dann eine Rolle,</span><br/> <span class="ft1">wenn es um den tatsächlichen Eingriff, also die Erstellung der Baute,</span><br/> <span class="ft1">geht.</span><br/> <span class="ft1">3.2.3. Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass für die</span><br/> <span class="ft1">Auflage eines Beitragsplans nicht vorauszusetzen ist, dass sich die</span><br/> <span class="ft1">auszubauende oder zu übernehmende Strasse bereits im Gemeinde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">501</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">eigentum befindet. Wesentlich ist einzig, dass die betreffende Strasse</span><br/> <span class="ft1">nach dem Projekt der Öffentlichkeit bzw. zumindest den Beitrags-</span><br/> <span class="ft1">verpflichteten zum uneingeschränkten Gebrauch zur Verfügung steht.</span><br/> <span class="ft1">Nur darin liegt ja der beitragsauslösende Sondervorteil. Konsequen-</span><br/> <span class="ft1">terweise muss daher sogar die Beitragserhebung für eine Privatstras-</span><br/> <span class="ft1">se im Gemeingebrauch bzw. für eine Privatstrasse mit einem hohen</span><br/> <span class="ft1">Anteil öffentlicher Nutzung zulässig sein, da sonst mit derartigen</span><br/> <span class="ft1">Konstruktionen die bestehende Beitragserhebungspflicht (§ 34 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BauG) ausgehebelt werden könnte (vgl. im Übrigen den von den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführern selbst vorgebrachten Hinweis auf § 87 Abs. 4</span><br/> <span class="ft1">BauG [...]).</span><br/> <span class="ft1">Die Berechtigung, Beiträge zu erheben, hängt mit anderen</span><br/> <span class="ft1">Worten in keiner Weise von der sachenrechtlichen Berechtigung am</span><br/> <span class="ft1">für das Erschliessungsprojekt beanspruchten Land ab.</span><br/> <span class="ft1">3.2.4. Selbstredend müssen die gestützt auf den Beitragsplan</span><br/> <span class="ft1">erhältlich gemachten Gelder zweckgebunden, also für den Bau bzw.</span><br/> <span class="ft1">den Erwerb der betreffenden Strasse, eingesetzt werden. Falls dies -</span><br/> <span class="ft1">wider Erwarten und Erfahrung - nicht geschehen sollte, stünde jenen</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümern, die einen Beitrag geleistet haben, ein Rückforde-</span><br/> <span class="ft1">rungsanspruch gegen die Gemeinde zu. Dieser wäre wohl analog der</span><br/> <span class="ft1">zivilrechtlichen ungerechtfertigten Bereicherung (condictio causa</span><br/> <span class="ft1">data causa non secuta; Art. 62 ff. des Bundesgesetzes betreffend die</span><br/> <span class="ft1">Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil:</span><br/> <span class="ft1">Obligationenrecht; SR 220; OR] vom 30. März 1911) mit verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichtlicher Klage (§ 60 Ziffer 3 des Gesetzes über die Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsrechtspflege [VRPG; SAR 271.100] vom 9. Juli 1968)</span><br/> <span class="ft1">durchzusetzen (...).</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend bestehen jedoch keinerlei Indizien dafür, dass ir-</span><br/> <span class="ft1">gendeine Zweckentfremdung der Strassenbaubeiträge beabsichtigt</span><br/> <span class="ft1">wäre. Im Gegenteil liegt mit dem Vorvertrag eine - zumindest öffent-</span><br/> <span class="ft1">lich-rechtlich - durchsetzbare (§ 37 Abs. 3 BauG) Absichtserklärung</span><br/> <span class="ft1">hinsichtlich der Strassenübernahme durch die Gemeinde vor. Die</span><br/> <span class="ft1">Strassenparzellen und der für den Ausbau nötige Teil der Parzelle X.</span><br/> <span class="ft1">sollen denn auch gemäss Stellungnahme (...) noch vor Baubeginn in</span><br/> <span class="ft1">das Eigentum der Gemeinde übergehen (...).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>