B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2736/2021 U r t e i l v o m 1 . J u l i 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichter Lorenz Noli, mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry; Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Advokatur- büro, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwä- gungsentscheid); Verfügung des SEM vom 3. Mai 2021 / N (…). E-2736/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer stellte am 22. April 2017 in der Schweiz ein Asylge- such am Flughafen B._______. Gleichentags verfügte das SEM die Ver- weigerung der Einreise und die Zuweisung des Beschwerdeführers in den Transitbereich als einstweiligen Aufenthaltsort für das Verfahren. Mit Ver- fügung vom 11. Mai 2017 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bstn. c und e AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung des Beschwe rdeführers in den Drittstaat C._______ und den Vollzug an. Mit Urteil E -2838/2017 vom 8. Juni 2017 wies das Bundesverwaltungsgericht eine dagegen erhobene Beschwerde vollumfänglich als offensichtlich unbegründet ab, nachdem es mit Urteil E- 2886/2017 vom 1. Juni 2017 zwischenzeitlich auch ein Ausstandsbegeh- ren des Beschwerdeführers abgewiesen hatte. Zwei am 14. Juni 2017 ge- gen die Urteile E-2838/2017 und E-2886/2017 eingereichte Revisionsge- suche wies das B undesverwaltungsgericht mit Urteilen E-3364/2017 und E-3365/2017 je vom 24. Juli 2017 ebenso ab. Seit dem 20. Juni 2017 ist zudem beim UNO Ausschuss gegen Folter (Committee Against Torture, CAT) eine Beschwerde gegen die Schweiz wegen Verletzung von Art. 3 des Übereinkommens gegen Folter und an- dere graus ame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe vom 10. Dezember 1984 (FoK, SR 0.105) hängig. Auf Ersuchen des CAT hin setzte das SEM den Vollzug der Wegweisung am 4. Juli 2017 vor- sorglich aus. Am 5. Juli 2017 wurde der Beschwerdeführer aus de r Aus- schaffungshaft entlassen und reiste in der Folge in die Schweiz ein. Ein Gesuch des Beschwerdeführers vom 19. Juli 2017 um Eröffnung eines materiellen Asylverfahrens schrieb das SEM am 14. August 2017 formlos ab. Eine weitere Eingabe des Beschwerdeführers vom 11. September 2017 nahm das SEM als Wiedererwägungsgesuch entgegen und wies dieses mit Verfügung vom 25. September 2017 ab; gleichzeitig erklärte es seine Verfügung vom 11. Mai 2017 zwar als rechtskräftig und vollstreckbar, je- doch unter Feststellung, dass der Vollzug der Wegweisung bis zum Urteil des CAT sistiert bleibe. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 25. Oktober 2017 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E - 6041/2017 vom 6. März 2018 vollumfänglich ab. Auf ein gegen dieses Ur- teil gerichtetes Revisionsgesuch trat das Bundesverwaltungsgericht mit Ur- teil E-3750/2018 vom 10. Juli 2018 nicht ein; die Eingabe wurde als mut- willig und rechtsmissbräuchlich erkannt. E-2736/2021 Seite 3 B. Mit schriftlicher Eingabe an das SEM vom 2. März 2021 stellte der Be- schwerdeführer ein «neues Asylgesuch». Darin machte er geltend, er habe aufgrund einer zwischenzeitlichen Veränderung der Sachlage (mehrjähri- ger geduldeter, aber ungeregelter Aufenthalt in der Schweiz; Rückkehr sei- ner Familienangehörigen von C._______ nach Sri Lanka ; drohende Ket- tenrückschiebung von C._______ nach Sri Lanka) Anspruch auf Eröffnung eines materiellen Asylverfahrens und auf Anerkennung als Flüchtling (Flüchtling nach Art. 3 AsylG und der FK bzw. «refugee in orbit»). Es sei – analog zur Zw eijahresregelung in Dublin -Verfahren – die Pflicht der Schweiz, nunmehr seine Zuständigkeit für die Prüfung des Asylgesuchs anzuerkennen und damit den Schwebezustand, der durch die Verfügung vom 11. Mai 2017 (festgestellte Zuständigkeit Indiens in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c und e AsylG) herbeigeführt worden sei, zu beenden; dieser Schwebezustand sei völkerrechtlich, rechtsstaatlich und menschlich unhaltbar. Für den detaillierten Inhalt des Gesuchs und der vorgelegten Beweismittel wird auf die Akten verwiesen. C. Am 31. März 2021 setzte das SEM den Vollzug der Wegweisung aufgrund des eingereichten «Wiedererwägungsgesuchs» vom 2. März 2021 einst- weilen aus. D. Mit Schreiben an das SEM vom 7. April 2021 wehrte sich der Beschwerde- führer gegen die Qualifikation als Wiedererwägungsgesuch. Es handle sich vielmehr um ein Asylgesuch, dies auch mit Verweis darauf, dass bisher nie ein Asylverfahren für ihn in der Schweiz durchgeführt worden sei, sondern es existierten nur Nichteintretensentscheide, respektive Bestätigungen die- ser Entscheide. Dementsprechend sei ihm nun mitzuteilen, dass in der Schweiz ein offizielles Asylverfahren eröffnet sei und es seien umgehend die notwendigen Schritte (insb. Befragung bzw. Anhörung) zur Prüfung sei- ner Asylgründe einzuleiten. E. Mit Verfügung vom 3. Mai 2021 – eröffnet am 11. Mai 2021 – hielt das SEM an der Rechtsnatur der Eingabe vom 2. März 2021 als Wiedererwägungs- gesuch fest und wies dieses unter Erhebung einer Gebühr von Fr. 600.– ab. Seine Verfügung vom 11. Mai 2017 erklärte das SEM als rechtskräftig, E-2736/2021 Seite 4 den Vollzug der Wegweisung jedoch als für die Dauer des Verfahrens vor dem CAT weiterhin sistiert. Die Anträge betreffend Durchführung eines ma- teriellen Asylverfahrens im Inland und Durchführung einer Anhörung lehnte es ab. Für die Begründung wird, soweit wesentlich, auf die nachfolgenden Erwä- gungen und im Übrigen auf die Akten verwiesen. F. Gegen diese Verfügung hat der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Juni 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben. Darin beantragt er deren Aufhebung und die Rückweisung der Sache an die Vo- rinstanz, eventualiter die Feststellung der Zuständigkeit der Schweiz für die Beurteilung des Asylgesuchs und die Anweisung an das SEM zur Durch- führung eines materiellen Asylverfahrens sowie subeventualiter die Ge- währung von Asyl unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft. In pro- zessualer Hinsicht beantragt er die unverzügliche Bekanntgabe der mit der Behandlung der Sache betrauten Gerichtspersonen und die Bekanntgabe ihrer zufälligen Auswahl, andernfalls die objektiven Kriterien ihrer Auswahl mitzuteilen seien. Auf die Begründung und die vorgelegten Beweismittel wird, soweit wesent- lich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen. G. Am 11. Juni 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. H. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht einen- teils am 11. Juni 2021 in elektronischer Form und andernteils am 14. Juni 2021 in physischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 6 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den E-2736/2021 Seite 5 Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie- dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprü ngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Der Beschwerdeführer beantragt die Bekanntgabe der mit der Behandlung der Sache betrauten Gerichtspersonen und die Bekanntgabe ihrer zufälli- gen Auswahl, andernfalls die objektiven Kriterien ihrer Auswahl mitzuteilen seien. Die mit der Sache betrauten und allesamt zufällig ausgewählten Gerichts- personen gehen aus dem Rubrum des vorliegenden Urteils hervor. Die ur- sprünglich als Drittrichterin vorgesehene Zweitrichterin trat dabei regle- mentsgemäss an die Stelle der ursprünglich vorgesehenen, aber abwesen- den Zweitrichterin. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu- ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa- risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). E-2736/2021 Seite 6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs- gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange- fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi- onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begrün den (zum soge- nannten "qualifizierten Wiedererwägungsgesuch " vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Ein weiterer Anwendungsbereich der Wiedererwägung be- trifft die Konstellation, dass die abzuändernde Verfügung beim Bundesver- waltungsgericht angefochten und durch dieses materiell beurt eilt wurde, die Revision des Urteils aber ausgeschlossen ist, weil die geltend gemach- ten Tatsachen und/oder Beweismittel nach dem Urteil entstanden sind (vgl. Art. 123 Abs. 2 Bst. a [in fine] BGG). Für solche Fälle hat das Bundesver- waltungsgericht im Grundsatzentscheid BVGE 2013/22 (vgl. dort E. 12.3) den Rechtsweg via ein beim SEM einzureichendes Wiedererwägungsge- such ermöglicht. 6. 6.1 Strittig ist zunächst die Rechtsnatur beziehungsweise die rechtliche Qualifikation der Eingabe vom 2. März 2021. Diese Frage ist vorab zu klä- ren, da die sich aus der Beantwortung ergebenden verfahrensrechtlichen und materiellen Konsequenzen erheblich sind: Zur Rechtsnatur der Eingabe hält das SEM in der angefochtenen Verfü- gung fest, die Qualifikation einer Eingabe richte sich nach ihrem Inhalt, nicht nach ihrer Bezeichnung. Mit seinen Vorbringen (insb. lange Landes- abwesenheit aus C._______ und Ausreise der Ehefrau und Kinder aus C._______) mache der Beschwerdeführer sinngemäss nach dem letzten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. März 2018 eingetretene Wegweisungsvollzugshindernisse geltend, weshalb es sich vorliegend um ein einfaches Wiedererwägungsgesuch im Sinne von Art. 111 b AsylG E-2736/2021 Seite 7 handle. Dies gelte auch betreffend die geltend gemachte Furcht vor einer Rückschiebung von C._______ nach Sri Lanka, denn hierbei sei ebenfalls zu prüfen, ob sich seit dem besagten Urteil eine rechtserhebliche Änderung dieser Gefahr ergeben habe und sich daraus eine Zuständigkeit der Schweiz zur Prüfung des Asylgesuchs ableiten lasse. Es handle sich somit um ein einfaches Wiedererwägungsgesuch gemäss Art. 111 b AsylG und werde vom SEM als solches anhand genommen. 6.2 6.2.1 Der Beschwerdeführer vertritt (gemäss seiner Eingabe an das SEM vom 2. März 2021, seinem Schreiben an das SEM vom 7. April 2021 und dem Inhalt der vorliegenden Beschwerde) die konsequente Auffassung, dass bisher nie ein Asylverfahren für ihn in der Schweiz durchgeführt wor- den sei, sondern nur Nichteintretensentscheide infolge der Zuständigkeit des Drittstaats C._______, respektive Bestätigungen dieser Entscheide vorlägen. Dementsprechend seien nun ein offizielles ordentliches Asylver- fahren zu eröffnen und umgehend die notwendigen Schritte (Befragung bzw. Anhörung) zur Prüfung seiner Asylgründe einzuleiten. Dieser Auffassung ist zunächst entschieden entgegenzutreten: Am 22. Ap- ril 2017 hat der Beschwerdeführer bereits ein Asylgesuch gestellt und die- ses ist seit dem materiellen Urteil E-2838/2017 vom 8. Juni 2017, mit dem die angefochtene Verfügung vom 11. Mai 2017 geschützt wurde, rechts- kräftig abgeschlossen. Diese Rechtskraft hielt auch mittels ausserordentli- chen Rechtsmitteln unternommenen Angriffsversuchen stand. Dass es sich bei dieser Verfügung vom 11. Mai 2017 um einen zumindest teilweise formellen Entscheid handelt (Nichteintreten auf das Asylgesuch), ändert an dieser Rechtsauffassung eines bereits rechtskräftig abgeschlossenen ers- ten Asylverfahrens nichts. Dabei ist auch klarzustellen, dass die Nichtein- tretenstatbestände von Art. 31a Abs. 1 Bstn. c und e AsylG im Gegensatz zum D ublin-Nichteintretenstatbestand von Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG nicht auf einer Regelung betreffend die Zuständigkeit eines anderen Staa- tes für die Durchführung des Asylverfahrens beruhen. Das SEM hat sich beziehungsweise die Schweiz vielmehr al s für die Behandlung des am 22. April 2017 eingeleiteten Asylverfahrens zuständig erachtet . Dies scheint der Beschwerdeführer zu verkennen (vgl. z.B. Beschwerde S. 3 und 16 [dort v.a. Fettdrucke]). E-2736/2021 Seite 8 Mithin ergibt sich als Zwischenergebnis, dass, sollte es sich bei der Ein- gabe vom 2. März 2021 um ein Asylgesuch handeln, dieses als Mehrfach- asylgesuch zu qualifizieren und nach Massgabe von Art. 111 c AsylG zu behandeln wäre. 6.2.2 Von entscheidender Bedeutung für die Bestimmung der Rechtsnatur der Eingabe vom 2. März 2021 ist vorliegend der Umstand, dass der Be- schwerdeführer diese unmissverständlich als «neues Asylgesuch» be- zeichnet, k onsequenterweise an das SEM ger ichtet und mit seinem be- hauptungsgemässen Anspruch auf Anerkennung als Flüchtling (Flüchtling nach Art. 3 AsylG, nach der FK bzw. i.S. eines «refugee in orbit») begründet hat. Er hat weder ein explizites Wiedererwägungsgesuch mit Nennung ei- ner wiedererwägungsweise aufzuhebenden Verfügung gestellt noch durch das SEM oder das Bundesverwaltungsgericht zu beurteilend e Revisions- tatbestände nach VwVG oder BGG angerufen. Vielmehr hat er sich mit sei- nem Schreiben an das SEM vom 7. April 2021, mithin vor Erlass der ange- fochtenen Verfügung, noch ausdrücklich gegen die vom SEM kommuni- zierte Anhandnahme seines Gesuchs als Wie dererwägungsgesuch ge- wehrt und an der Qualifikation als Asylgesuch festgehalten. Diese Auffas- sung bekräftigt er im Übrigen auch in der vorliegenden Beschwerde (vgl. Beschwerdeanträge Ziff. 3 [in fine] und 4 sowie die gesamte Beschwer- debegründung). Im Übrigen wird im neuen Asylgesuch auch nicht geltend gemacht, für den Fall der Unzuständigkeit des SEM werde um Überwei- sung der Sache an das Bundesverwaltungsgericht ersucht. Im Verfahren wird der Beschwerdeführer durch einen professionellen und seit Jahrzehn- ten auf Asylrecht spezialisierten Rechtsanwalt vertreten, der vor den Asylbehörden bereits mit unzähligen ordentlichen und ausserordentlichen Gesuchen, Rechtsmitteln und Rechtsbehelfen aufgetreten ist. Insbeson- dere auch für den rubrizierten Beschwerdeführer hat er mehrere Eingaben bei verschiedenen Behörden auf verschiedenen Stufen gemacht und di- verse Verfahren eingeleitet. Ein Versehen bei der Bezeichnung der Ein- gabe oder der anzurufenden Behörde oder bei der Einschlagung des Ver- fahrens- und Rechtsweges kann daher vorliegend ausgeschlossen wer- den. Eine Person kann nun aber nicht gezwungen werden, Partei in einem Verfahren zu werden, das sie explizit nicht zu iniziieren beabsichtigte. Ge- nauso wenig könnte eine Person gezwungen werden, Partei in einem Ver- fahren vor einer Behörde zu werden, die sie explizit nicht anzurufen beab- sichtigt (vgl. hierzu Art. 9 Abs. 2 V wVG). Gelangt das SEM somit zur Auf- fassung, es sei zwar für die Eingabe vom 2. März 2021 zuständig, jedoch handle es sich nicht um ein Asyl -, sondern um ein Wiedererwägungsge-E-2736/2021 Seite 9 such, hätte es dies in einem – freilich wiederum anfechtbaren – Nichtein- tretensentscheid auf das Asylgesuch festzustellen, anstatt das Gesuch un- ter anderem Titel und nach anderen materiellen und formellen Gesetzes- grundlagen materiell zu behandeln . Einen solchen Nichteintretensent- scheid hat es somit selbst dann zu erlassen, wenn es von der Qualifikation als Wiedererwägungsgesuch überzeugt ist und hierfür objektiv nachvoll- ziehbare Gründe bestehen. Sollte das SEM hingegen nunmehr zur Auffas- sung gelangen, beim «neuen Asylgesuch» vom 2. März 2021 handle es sich tatsächlich um ein solches, wäre dieses wie oben gesehen nach Mas- sgabe von Art. 111c AsylG zu beurteilen, wobei entsprechend dem Geset- zestext weder ein Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1-3 AsylG oder eine formlose Abschreibung des Gesuchs anstelle einer materiellen Behandlung ausgeschlossen noch die Durchführung einer Anhörung zwin- gend wäre. Das Bundesverwaltungsgericht äussert sich im Übrigen im vorliegenden Verfahren grundsätzlich (noch) nicht darüber, ob objektiv bessere Gründe für die Annahme eines Wiedererwägungsgesuch gegenüber der Annahme eines multiplen Asylgesuchs bestehen. Immerhin stellen sich für das Bun- desverwaltungsgericht aber die Fragen, weshalb das SEM bei Annahme eines Wiedererwägungsgesuchs zum einen die Eintretensvorauss etzung der Wahrung der nach Art. 111 b AsylG geforderten 30 -tägigen Einrei- chungsfrist ab Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes nicht geprüft hat und weshalb es zum andern die Verfahrensmaterie auf den Vollzug der Wegweisung reduziert hat, wo doch im «Asylgesuch» ein Anspruch auf An- erkennung als Flüchtling geltend gemacht wird. 6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM mit seiner Auffassung, wonach es zwar für die Eingabe vom 2. März 2021 zuständig sei, es sich dabei jedoch nicht wie betitelt um ein Asyl-, sondern um ein Wiedererwä- gungsgesuch handle, vorliegend auf das «neue Asylgesuch» nicht hätte eintreten müssen. Die Behandlung der Eingabe unter dem Prozedurtyp Wiedererwägung (statt Asylgesuch) ist vorliegend selbst dann bundes- rechtswidrig, wenn sich diese Qualifikation als zutreffend erweisen sollte. Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Sache geht zur Neubeurteilung zurück an das SEM. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). E-2736/2021 Seite 10 7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendi- gen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die von der Vori nstanz auszurichtende Parteientschädigung wird in Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berücksichti- gung der massgeblichen Bemessungsfaktoren demnach von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 1'000.– festgelegt. Darin ist berücksichtigt, dass die Kas- sation der angefochtenen Verfügung hauptsächlich in einer Rechtsanwen- dung von Amtes wegen durch das Bundesverwaltungsgericht und nur ne- bensächlich im Inhalt der Beschwerde begründet liegt. (Dispositiv nächste Seite) E-2736/2021 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und d ie Beschwerde wird insoweit gutgeheissen. 2. Die Sache geht zur Neubeurteilung zurück an das SEM. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'000.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Urs David Versand: