Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 11. April 2017 (470 17 4) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Dieter Gysin, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung WK, Rheinstrasse 27, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin B.____ , Privatkläger Gegenstand Verfahrenseinstellung (Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung WK, vom 28. Dezember 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen eines Strafverfahrens gegen A.____ betref fend die Straftatbestände der mehrfachen Veruntreuung, der qualifizierten ungetre uen Geschäftsbesorgung, des betrügeri- schen Konkurses, der mehrfachen Urkundenfälschung, der mehrfachen Erschleichung einer Falschbeurkundung, des betrügerischen Missbrauchs e iner Datenverarbeitungsanlage, der mehrfachen üblen Nachrede und der unbefugten Aufnah me von Gesprächen verfügte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, in Bezug auf die Vorwürfe der Sach- entziehung und Unterdrückung von Urkunden zum Nacht eil von B.____, begangen am 20. No- vember 2010, mit Datum vom 28. Dezember 2016 Folgendes: "1. Das Strafverfahren wird in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO eingestellt. 2. Die Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen . 3. Die Kosten des eingestellten Verfahrensteils b estehend aus - Kosten Staatsanwaltschaft CHF 100.00 - Gebühr Einstellungsverfügung (inkl. Porto) CHF 200.00 in der Höhe von insgesamt CHF 300.00 gehen gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO zu Lasten der b eschuldigten Person. 4. Der beschuldigten Person werden gemäss Art. 43 0 Abs. 1 lit. a StPO keine Ent- schädigung und keine Genugtuung zugesprochen. 5. Über die Entschädigung der amtlichen Verteidig ung wird im Rahmen des restlichen Verfahrens entschieden." Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der nachf olgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. B. Gegen diese Einstellungsverfügung erhob A.____ mit Eingabe vom 9. Januar 2017 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, und stellte dabei folgen- de Rechtsbegehren: Es sei die angefochtene Verfügun g betreffend Sachentziehung und Unter- drückung von Urkunden zum Nachteil von B.____ teilw eise aufzuheben, und es seien der be- schuldigten Person in Abänderung von Dispositiv-Zif fer 3 keine Kosten aufzuerlegen (Ziff. 1). Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die Untersuchung zu ergänzen (Ziff. 2); Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht dies alles unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Ziff. 3). Ausserdem sei der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren di e amtliche Verteidigung zu bewilligen (Ziff. 4). Im Sinne von Verfahrensanträgen wurde be gehrt, zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung sei auf die Erhebung eines Kostenvorsc husses zu verzichten (Ziff. 1), gegenüber allfälligen Stellungnahmen der Beschwerdegegnerin o der des Beschuldigten (recte: des Privat- klägers) sei ihr das Replikrecht einzuräumen (Ziff. 2), und das vorliegende Beschwerdeverfah- ren sei mit den gleichentags erhobenen Beschwerden gegen die separaten Einstellungsverfü- gungen der Staatsanwaltschaft vom 28. Dezember 2016 betreffend Unterlassung der Buchfüh- rung und Unterdrückung von Urkunden zum Nachteil de r C.____ AG, betreffend Sachentzie- hung zum Nachteil von D.____ sowie betreffend Verun treuung zum Nachteil von E.____ zu vereinigen (Ziff. 3). C. In ihrer Stellungnahme vom 23. Januar 2017 begehrt e die Staatsanwaltschaft Folgendes: Der Verfahrensantrag auf Vereinigung der vier Besch werdeverfahren sei gutzuheissen (Ziff. 1), der Antrag auf teilweise Aufhebung der angefochtene n Einstellungsverfügung hinsichtlich der Auferlegung der Kosten sei abzuweisen (Ziff. 2), un d der Eventualantrag auf Ergänzung der Untersuchung sei abzuweisen (Ziff. 3). D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 26. Januar 2 017 wurde festgestellt, dass der Pri- vatkläger auf die Einreichung einer fakultativen Stellungnahme verzichtete. E. Mit Datum vom 6. Februar 2017 reichte die Beschwer deführerin ihre replizierende Stel- lungnahme ein, in welcher sie die Gutheissung der b ereits in ihrer Beschwerde vorgebrachten Anträge begehrte. F. Schliesslich reichte auch die Staatsanwaltschaft m it Schreiben vom 8. Februar 2017 ihre duplizierende Stellungnahme ein und verwies dabei a uf ihre Beschwerdeantwort vom 23. Janu- ar 2017. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts, Abteilung Strafrecht, als Be- schwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Be schwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StP O. Nach Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulä ssig gegen die Verfügungen und die Verfah- renshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, ein- schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Erme ssens, Rechtsverweigerung und Rechts- verzögerung (lit. a); die unvollständige oder unric htige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). Nach Art. 322 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich oder münd lich eröffnete Entscheide innert zehn Ta- gen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeins tanz einzureichen. Die Legitimation der Beschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels schl iesslich wird in Art. 382 Abs. 1 StPO sowie Art. 322 Abs. 2 StPO normiert. Nachdem die angefoch tene Verfügung ein taugliches Anfech- tungsobjekt darstellt, die Beschuldigte beschwerdel egitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Beg ründungspflicht nachgekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die Beschwerde einzutreten. 2.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung des an gefochtenen Entscheids im Wesentli- chen aus, B.____ habe am 19. Juli 2011 gegen die Be schuldigte Strafanzeige wegen Sachent- ziehung und Unterdrückung von Urkunden eingereicht, weil er die ihr übergebenen Buchhal- tungsunterlagen zur Erstellung einer Steuererklärung trotz Aufforderung nicht mehr zurückerhal- ten habe. Da den zur Anzeige gebrachten Handlungen neben den übrigen der Beschuldigten zur Last gelegten Taten für die Festsetzung der zu erwartenden Strafe keine wesentliche Be- deutung zukomme, sei gestützt auf Art. 8 Abs. 2 lit . a StPO von einer Strafverfolgung abzuse- hen, weshalb das Verfahren gestützt auf Art. 319 Ab s. 1 lit. e StPO einzustellen sei. Indem die Beschuldigte die von B.____ erhaltenen Unterlagen t rotz Aufforderung nicht zurückgegeben habe, habe sie gegen zivilrechtliche Pflichten verstossen, so insbesondere gegen die in Art. 936 ZGB aufgeführte Herausgabepflicht. Damit habe sie s chuldhaft die Einleitung des Untersu- chungsverfahrens bewirkt, weshalb ihr die Verfahren skosten gestützt auf Art. 426 Abs. 2 StPO aufzuerlegen seien. Ergänzend dazu legt die Staatsa nwaltschaft in ihrer Beschwerdeantwort Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dar, bei der Beschwerdeführerin habe zwar eine mitt elschwere Abhängigkeit von Opioiden be- standen, diese habe aber keine Konsequenz auf die S chuldfähigkeit gehabt. Des Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass der Eigentümer einer Sache diese gemäss Art. 641 ZGB von jedem, der sie ihm vorenthalte, herausverlangen könne. Da die Beschwerdeführerin die Unterlagen trotz Aufforderung nicht zurückgegeben habe, habe s ie offensichtlich gegen zivilrechtliche Pflichten verstossen. In der angefochtenen Verfügun g sei festgehalten, dass die Beschwerde- führerin insbesondere, d.h. nicht nur, gegen die in Art. 936 ZGB stipulierte Herausgabepflicht verstossen habe. Auch wenn Art. 936 ZGB im vorliege nden Fall nicht anwendbar sein sollte, habe die Beschwerdeführerin dennoch gegen zivilrechtliche Pflichten verstossen. 2.2 Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin im Wesentl ichen der Ansicht, sie habe kei- neswegs rechtswidrig und schuldhaft das Verfahren b ewirkt. So beziehe sich die in Art. 936 ZGB statuierte Herausgabepflicht bloss auf bösgläub igen Erwerb einer beweglichen Sache. Da es vorliegend um Buchhaltungsunterlagen gehe, die z ur Erstellung einer Steuererklärung frei- willig an die Beschwerdeführerin übergeben worden s eien, könne von einem bösgläubigen Er- werb aber keine Rede sein. Ein zivilrechtlich vorwe rfbares Verhalten ihrerseits liege somit nicht vor. Zudem sei zu beachten, dass sie im fraglichen Zeitraum schwer opiatabhängig gewesen sei, weshalb allfällige Unregelmässigkeiten bei der Rückgabe der Buchhaltungsunterlagen durch ihre Suchterkrankung und die dadurch bedingte n Einschränkungen verursacht worden seien. Sie treffe deshalb zumindest subjektiv kein zivilrechtliches Verschulden, soweit sie nicht sogar gänzlich urteilsunfähig gewesen sei. Eventual iter sei die Sache jedenfalls aufgrund der nicht erfolgten Berücksichtigung der Erkrankung zur Ergänzung der Untersuchung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen, wobei aufgrund der Teilrechtskraft der nur im Kostenpunkt angefochtenen Einstellungsverfügung die Kognition d er Vorinstanz bei der Neubeurteilung auf den angefochtenen Teil beschränkt sei. In ihrer rep lizierenden Stellungnahme führt die Be- schwerdeführerin aus, die Staatsanwaltschaft begrün de das zivilrechtliche Verschulden mit ei- nem Gutachten, welches von der Hypothese ausgehe, d ie vorgeworfenen Straftaten seien tat- sächlich begangen worden, obwohl die sachverhaltsmä ssige und strafrechtliche Würdigung allein dem Strafgericht obliege. Schliesslich sei u ngeachtet einer allfällig verspäteten Rückgabe der Steuerunterlagen festzuhalten, dass aufgrund ei ner unzulässigen strafrechtlichen Vorverur- teilung und zufolge mangelnden zivilrechtlichen Ver schuldens eine Kostenauflage nicht in Be- tracht komme. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. e StPO verfügt d ie Staatsanwaltschaft die vollständige oder teilweise Einstellung des Verfahrens, wenn nac h gesetzlicher Vorschrift auf Strafverfol- gung oder Bestrafung verzichtet werden kann. Nach A rt. 8 Abs. 2 lit. a StPO sehen Staatsan- waltschaft und Gerichte von einer Strafverfolgung ab, wenn der Straftat neben den anderen der beschuldigten Person zur Last gelegten Taten für di e Festsetzung der zu erwartenden Strafe oder Massnahme keine wesentliche Bedeutung zukommt und sofern nicht überwiegende Inte- ressen der Privatklägerschaft entgegenstehen. Im vo rliegenden Fall wird von der Beschwerde- führerin die Verfahrenseinstellung selbst nicht ger ügt, bemängelt wird hingegen, dass sie ge- mäss Art. 426 Abs. 2 StPO zur Übernahme der auf den eingestellten Verfahrensteil anfallenden Kosten verpflichtet worden ist. Die in BGE 116 Ia 1 62 entwickelten Grundsätze hat das Bun- desgericht auch nach Inkrafttreten der StPO in der Anwendung von Art. 426 Abs. 2 StPO un- verändert bestätigt. Demnach ist es mit Verfassung und Konvention vereinbar, einer nicht verur- teilten beschuldigten Person die Kosten zu überbind en, wenn sie in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise gegen eine geschriebene oder ungeschriebene V erhaltensnorm, die aus der gesamten schweizerischen Rechtsordnung stammen kann, klar ve rstossen und dadurch das Strafverfah- ren veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat. Die Kostenauflage darf sich in tatsäch- licher Hinsicht nur auf unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen. Zwi- schen dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten und den durch die Untersuchung entstandenen Kosten muss ein Kausalzusammenhang bestehen. Einen Verstoss gegen Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK stellt es hingegen dar, in der Begründung des Entscheids, mit dem eine Ver- fahrenseinstellung erfolgt und der beschuldigten Pe rson Kosten auferlegt werden, dieser direkt oder indirekt vorzuwerfen, sie habe sich strafbar g emacht bzw. es treffe sie ein strafrechtliches Verschulden (THOMAS DOMEISEN , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozess ordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 29, N 34 und N 37 zu Art. 426 StPO, mit Hinweisen). Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO soll es den Strafverfolgungsbehörden er möglichen, sich auf die wesentlichen Aspek- te eines Falles zu konzentrieren und auf vertiefte Abklärungen zu verzichten, wenn selbst die Verurteilung wegen einer Tat auf das Urteil im Erge bnis keinen nennenswerten Einfluss hätte. Die Bestimmung zielt darauf ab, die Strafverfolgung sbehörden von aufwendigen Ermittlungen zu entlasten, die sich aller Voraussicht nach im Er gebnis des Verfahrens nicht niederschlagen würden. Der Anwendung dieser Bestimmung liegt somit kein Werturteil über die Strafwürdigkeit der betreffenden Handlung oder die Angemessenheit d er Sanktion zugrunde, sondern letztlich ökonomisches Kalkül (G ERHARD FIOLKA / CHRISTOF RIEDO , in: Basler Kommentar, Schweizeri- sche Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 65 zu Art. 8 StPO, mit Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Im vorliegenden Fall begründet die Staatsanwaltsch aft die Kostenauflage mit einem Verstoss der Beschuldigten gegen die in Art. 936 (A bs. 1) ZGB statuierte Herausgabepflicht. Danach kann, wer den Besitz einer beweglichen Sache nicht in gutem Glauben erworben hat, von dem früheren Besitzer jederzeit auf Herausgabe belangt werden. Die Beschwerdeführerin legt in diesem Zusammenhang allerdings zu Recht dar , dass es sich bei der genannten Be- stimmung lediglich um den bösgläubigen Erwerb einer beweglichen Sache handelt, weshalb deren Anwendbarkeit zweifelhaft erscheint, nachdem in concreto die zur Diskussion stehenden Buchhaltungsunterlagen der Beschwerdeführerin zur E rstellung einer Steuererklärung freiwillig übergeben worden sind. Dies ist jedoch insofern nic ht von entscheidender Bedeutung, als die Beschuldigte zweifellos dem unbeschränkten Eigentum sanspruch des Privatklägers nach Art. 641 ZGB zuwidergehandelt hat. Gestützt auf Art . 641 ZGB kann, wer Eigentümer einer Sa- che ist, in den Schranken der Rechtsordnung über sie nach seinem Belieben verfügen (Abs. 1). Er hat das Recht, sie von jedem, der sie ihm vorent hält, herauszuverlangen und jede unge- rechtfertigte Einwirkung abzuwehren (Abs. 2). Gestü tzt auf die Akten ist erstellt und wird folge- richtig von der Beschwerdeführerin auch nicht bestr itten, dass der Privatkläger der Beschuldig- ten Unterlagen zur Erstellung der Steuererklärung 2 009 sowie zur Führung der Buchhaltung ab 1. Januar 2011 übergeben und zu einem späteren Zeit punkt deren Herausgabe gefordert hat, ohne dass die Beschuldigte dem Ansinnen nachgekomme n wäre (act. AA 10.02.032 f., 65.02.077). Mit diesem Verhalten hat die Beschwerde führerin in zivilrechtlich vorwerfbarer Wei- se klar gegen die schweizerische Rechtsordnung vers tossen. Hinzu kommt, dass die Beschul- digte nicht nur dingliche Rechte des Privatklägers verletzt hat, sondern auch ihre aus dem Auf- tragsverhältnis entstandenen Pflichten. So haftet d ie Beschwerdeführerin nach Art. 398 Abs. 2 OR dem Auftraggeber für getreue und sorgfältige Aus führung des ihr übertragenen Geschäfts, wobei zur Treuepflicht unter anderem die vertragsge mässe Verwendung der zur Auftragsaus- führung überlassenen Gegenstände sowie die Rechensc haftsablegungs- und Herausgabe- pflicht gemäss Art. 400 Abs. 1 OR – wonach der Beau ftragte schuldig ist, auf Verlangen jeder- zeit über seine Geschäftsführung Rechenschaft abzulegen und alles, was ihm infolge derselben aus irgendeinem Grund zugekommen ist, zu erstatten – gehört (R OLF . H. WEBER , in: Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 6. Auflage, Basel 2 015, N 10 zu Art. 398 OR). Infolgedessen ist zu konstatieren, dass die Beschwerdeführerin da s Strafverfahren veranlasst hat, weshalb ihr gestützt auf Art. 426 Abs. 2 StPO zu Recht die Kost en für den eingestellten Verfahrensteil auf- erlegt worden sind. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Übrigen wird der Beschwerdeführerin mit der Kost enauflage entgegen ihrer Ansicht auch kein strafrechtlich relevanter Vorwurf gemacht, da erstens dem Einstellungsgrund von Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO per se kein Werturteil über die Strafwürdigkeit der betreffenden Handlung zu- grunde liegt, und zweitens die Staatsanwaltschaft i n der angefochtenen Einstellungsverfügung lediglich dargelegt hat, dass den zur Anzeige gebra chten Handlungen neben den übrigen ihr zur Last gelegten Taten von vornherein keine wesent liche Bedeutung zukomme, unabhängig davon, ob diese strafbar sind oder nicht. Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Staatsanwal tschaft begründe das zivilrechtliche Ver- schulden mit einem Gutachten, welches von der Hypot hese ausgehe, die vorgeworfenen Straf- taten seien tatsächlich begangen worden, obwohl die sachverhaltsmässige und strafrechtliche Würdigung allein dem Strafgericht obliege, zielt insofern ins Leere, als sie selbst geltend macht, allfällige Unregelmässigkeiten bei der Rückgabe der Buchhaltungsunterlagen seien durch ihre Suchterkrankung verursacht worden. Abgesehen davon stellt der Gutachter lediglich fest, dass zwischen den allfälligen Taten der Beschuldigten un d deren Opioidabhängigkeit kein Zusam- menhang hergeleitet werden könne, ohne dass hieraus aber ein Vorwurf im strafrechtlichen Sinn abgeleitet wird. Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Opioidabhängigkeit und damit zusammenhängend einer allenfalls fehlenden Urteilsf ähigkeit hat schliesslich der medizinische Sachverständige Dr. med. K.____, leitender Arzt der ambulanten Dienste der Luzerner Psychi- atrie, in seinem forensisch-psychiatrischen Gutacht en vom 22. August 2013 (S. 73 ff.) festge- halten, dass die Beschuldigte zwar unter einer Abhä ngigkeit von Opioiden gelitten habe, die Auswirkungen und die Schwere dieser Störung aber ni cht sehr ausgeprägt gewesen seien. In- folgedessen seien weder ihre Einsichtsfähigkeit noc h die Fähigkeit, gemäss dieser Einsicht zu handeln, beeinträchtigt gewesen (act. PD A.____ 01. 25.118 ff.). In seinem forensisch- psychiatrischen Ergänzungsgutachten vom 17. Novembe r 2014 (S. 11) führt Dr. K.____ in teil- weiser Korrektur seiner Darlegungen aus, diverse vo n der Beschuldigten dargelegten Sympto- me sprächen für ein nicht unerhebliches bzw. mittel schweres Ausmass der Opioidabhängigkeit, in Bestätigung seiner früheren Feststellungen habe dies aber keine Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit gehabt, da aus forensisch-psychiatr ischer Sicht nach wie vor kein Zusammen- hang zwischen den ihr vorgeworfenen Delikten und de r Abhängigkeit herstellbar sei (act. PD Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ 01.25.988 ff.). Angesichts der Tatsache, won ach der medizinische Sachverständige sowohl in seinem forensisch-psychiatrischen Gutacht en als auch in seinem forensisch- psychiatrischen Ergänzungsgutachten unmissverständl ich festgestellt hat, dass die Opioidab- hängigkeit im Hinblick auf die vorgeworfenen Delikt e – bei welchen es unter anderem um die Straftatbestände der mehrfachen Veruntreuung, der q ualifizierten ungetreuen Geschäftsbesor- gung, des betrügerischen Konkurses, der mehrfachen Urkundenfälschung, der mehrfachen Er- schleichung einer Falschbeurkundung und des betrüge rischen Missbrauchs einer Datenverar- beitungsanlage geht – keine Auswirkungen auf die Sc huldfähigkeit gehabt hat, ist für das Kan- tonsgericht nicht ersichtlich, inwiefern die Urteil sfähigkeit der Beschwerdeführerin in Bezug auf die unterlassene simple Rückgabe der Buchhaltungsun terlagen eingeschränkt gewesen sein soll. Gemäss diesen Erwägungen ist die Beschwerde der Bes chuldigten vom 9. Januar 2017 in Be- stätigung der angefochtenen Verfügung der Staatsanw altschaft vom 28. Dezember 2016 abzu- weisen. 4. Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich nach Art. 428 Abs. 1 StPO, die or- dentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der H öhe von CHF 1'050.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000.-- sowie Auslagen von CHF 50.- -) der Beschwerdeführerin aufzuerle- gen. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsvertreter der Beschuldig- ten, Advokat Dieter Gysin, ein pauschales Honorar i n der Höhe von CHF 540.-- (inklusive Aus- lagen und CHF 40.-- Mehrwertsteuer) zu Lasten des S taates ausgerichtet, wobei die Beschul- digte zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlich en Verteidigung an den Kanton verpflich- tet ist, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahren s in der Höhe von insgesamt CHF 1'050.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000.-- sowie Auslagen von CHF 50.--) gehen zu Lasten der B eschwerdefüh- rerin. 3. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver- treter der Beschwerdeführerin, Advokat Dieter Gysin , ein pauschales Honorar in der Höhe von CHF 540.-- (inklusive Ausla gen und CHF 40.-- Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Die Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädig ung der amtlichen Verteidigung an den Kanton verpflichtet, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann