Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Juli 2021 (725 20 471 / 180) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen Beurteilung zumindest in Bezug auf den Zeitpunkt der Leistungseinstellung. Rückweisung an die Vo- rinstanz zur weiteren Abklärung. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiberin Jeannine Gass Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1983 geborene A.____ ist seit dem 1. Februar 2015 in einem 100 % Pensum bei der B.____ GmbH in Z.____ als Magaziner angestellt und a ufgrund dieses Arbeitsverhältnisses obligatorisch bei der Suva gegen die Folgen von Unfä llen und Berufskrankheiten versichert. Gemäss der Bagatellunfall-Meldung des Arbeitgebers vom 17. Januar 2020 bzw. der Scha- denmeldung vom 8. April 2020 verletzte sich A.____ am 28. November 2019 am Finger durch eine falsche Bewegung beim Anpacken einer Kiste. Gemäss eigenhändig ausgefülltem Frage- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bogen der Suva vom 21. April 2020 stürzte A.____ beim schnellen Hochlaufen der Treppe in- folge eines Fehltritts mit der linken Hand nach vorne. In der Folge erbrachte die Suva die ge- setzlichen Versicherungsleistungen (Taggelder und Heilbehandlung). B. Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 stellte die Suva ih re Leistungen per 14. April 2020 ein, mit der Begründung, dass gemäss Beurteilung der Kreisä rztin Dr. med. C.____, FMH Allgemei- ne Innere Medizin, vom 11. Mai 2020 die darüber hinaus bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankhafter Natur seien und der Status quo ante spätes- tens am 29. Februar 2020 erreicht sei. In teilweiser Gutheissung der dagegen erhobenen Ein- sprache des Beschwerdeführers vom 9. Juni 2020 sprach di e Suva dem Versicherten mit Ent- scheid vom 5. November 2020 die gesetzlichen Leistungen bis am 19. Mai 2020 zu. C. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 7. Dezember 2020 (Poststempel) Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte er, es seien ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung die gesetzlichen Leistungen über den 19. Mai 2020 hinaus zu zusprechen. Eventualiter seien die erforderlichen Abklärungen durchzuführen; unter o/e-Kostenfolge. D. In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Dezember 2020 beantragte die Suva die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bun desgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten ist demnach einzutreten. 2. In materieller Hinsicht strittig und zu prüfen ist, ob die Suva zu Recht ihre Leistungs- pflicht ab dem 19. Mai 2020 abgelehnt hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Die Leistungspflicht eines Unfallver- sicherers gemäss UVG setzt dabei voraus, dass zwischen dem ver sicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und ein adäquat er Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 10. März 2020, 8C_627/2019, E. 3.2). Dabei spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich or- ganisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2). 3.2 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetre ten gedacht werden kann. Es genügt, wenn das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedin gungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchti gt hat, der Unfall also nicht weggedacht werden kann, ohne dass die eingetretene gesundheitli che Störung entfiele (BGE 142 V 438 E. 1, 129 V 181 E. 3.1; vgl. auch Urteil des Bundesg erichts vom 6. Juni 2018, 8C_813/2017, E. 3.2, in: SVR 2018 UV Nr. 42 S. 151). Das Vorliege n eines natürlichen Kausalzusammen- hangs ist eine Tatfrage und muss daher mit dem im Sozi alversicherungsrecht üblichen Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiese n werden (BGE 119 V 338 E. 1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 21. Januar 2020, 8C_ 623/2019, E. 2.1.2). Hierfür reicht es jedoch nicht aus, wenn – im Sinne der Formel “post ho c ergo propter hoc“ – die Schädigung schon dann als durch einen Unfall verursacht angesehen würde, weil sie nach diesem aufgetre- ten ist (BGE 119 V 341 E. 2b/bb; vgl. auch Urteile de s Bundesgerichts vom 29. Mai 2020, 8C_241/2020, E. 3, vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.2.3.1, in: SVR 2016 UV Nr. 18 S. 57, und vom 9. November 2009, 8C_626/2009, E. 3.2, in: SVR 2010 UV Nr. 10 S. 41). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren u nd der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten d er Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicheru ngsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und − im Be schwerdefall − das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht gilt, soweit das Gesetz nicht et was Abweichendes vorsieht, der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b). Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Vorauss etzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes we gen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Wird auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses oder eine s unfallähnlichen Ereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt − die blo sse Möglichkeit genügt nicht −, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b mit Hinweis; Urteile des Bundesgerichts vom 31. Januar 2011, 8C_709/2010, E. 2.2 und vom 20. Februar 2007, U 346/05, E. 2.2, je mit weiteren Hinweisen). 5.1 Zur Beurteilung medizinischer Sachverhalte ist das Ge richt auf ärztliches Fachwissen angewiesen (BGE 132 V 93 E. 4). Es hat die medizinische n Unterlagen nach dem für den Sozi- alversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweisw ürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. o hne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeu tet, dass das Sozialversiche- rungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und da- nach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlage n eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohn e das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizini- sche These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztb erichtes ist demnach entschei- dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntn is der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 und 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherung sträger alleine nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BG E 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht gering e Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenhe it sind folgende medizinische Unterla- gen von Relevanz: 6.2.1 Dr. med. D.____, FMH Radiologie, stellte aufgr und der Magnetresonanztomographie (MRT) vom 4. Februar 2020 eine unauffällige Darstellu ng des Karpometacarpalgelenks (Dau- mensattelgelenks; CMC) ohne Knochenkontusionszonen bei sch lanker Kapsel und schlanken Bändern sowie ein regelrechtes Metacarpophalangealgelen k (Fingergrundgelenk; MCP) ohne Läsionen im ulnaren oder radialen Kollateralband fest. Soweit das Skapho-trapezio-trapezoidale (STT) Gelenk noch abgebildet gewesen sei, habe sich die ses regelrecht mit kleiner subchond- raler Zyste im distalen Os naviculare gezeigt. Beim im Daumen-Protokoll nur partiell angeschnit- tenen Handgelenk sei weder ein abgrenzbarer Erguss noch ein Knochenmarksödem im Berei- che der Carpalia ersichtlich gewesen. 6.2.2 Im Sprechstundenbericht von Dr. med. E.____, FMH Chirurgie und Handchirurgie, vom 19. Februar 2020 wurde im Nachgang zur Sprechstunde vo m 14. Februar 2020 der Verdacht auf eine Tendovaginitis de Quervain und eine Läsion d er palmaren Platte des MCP I links nach Distorsionstrauma geäussert, was sich allerdings bei der Ul traschalluntersuchung vom 19. Feb- ruar 2020 nicht habe bestätigen lassen. Die linke Hand habe sich bei der Befundaufnahme in- spektorisch unauffällig gezeigt, wobei eine Druckdolenz über dem ersten Strecksehnenfach und leicht auch in der Tabatière sowie in der Basis der Met acarpale I und palmar über dem MCP- Gelenk feststellbar gewesen sei. Das MCP sei seitlich stabil ohne Schmerzprovokation, das Interphalangealgelenk (IP-Gelenk) indolent, das Sattel gelenk leicht dolent gewesen, wobei der Grinding-Test (im Gegensatz zum Eichhoff- und Finkelstei n-Test) negativ ausgefallen sei. Wei- tere Druckdolenzen seien nicht feststellbar gewesen und d er Watson-Test sei ebenfalls negativ ausgefallen. Auf der am 14. Februar 2020 veranlassten Röntgenaufnahme des linken Handge- lenks hätten sich keine Hinweise für ossäre Läsionen abgezei chnet. Die knöchernen Strukturen des distalen linken Unterarms sowie der Carpalia und Metacarpalia der linken Hand hätten sich unauffällig präsentiert, ohne Nachweis einer frischen ossären Verletzung. Die Computertomgra- fie (CT) des linken Handgelenks vom gleichen Tag habe ke ine Hinweise für Scapholdfrakturen oder ossäre Läsionen der Carpalia oder der proximalen Metacarpalia ausgewiesen. Die CT ha- be nebst einer zystischen randsklerosierten Läsion im distale n Scaphoidpol keine höhergradi- gen degenerativen Veränderungen oder objektivierbare Weichteilschwellungen ausgewiesen. 6.2.3 Der Sprechstundenbericht vom 21. April 2020 führ te als Diagnose einen Verdacht auf Instabilität des CMC I Gelenks links nach Sturz auf beid e Handgelenke im November 2019 so- wie eine Instabilität des MCP I Gelenks palmar beidseits auf. Trotz Ruhigstellung in der Hand- gelenksmanschette mit Daumeneinschluss und Reduktion der Ar beitstätigkeit auf Büroarbeit habe sich keine Besserung gezeigt. Die linke Hand habe eine eindeutige Druckdolenz über dem CMC l Gelenkspalt aufgewiesen und das Gelenk sei im Vergleich zur Gegenseite etwas instabi- ler und die Mobilisation des Gelenkes schmerzhaft gewesen . Auch der Finkelstein-Test habe sich als etwas schmerzhaft erwiesen, jedoch sei keine Druckd olenz über dem ersten Streck- sehnenfach mehr feststellbar gewesen. Aufgrund der Befun de sei eine chronifizierte Reizung des CMC I Gelenks – möglicherweise durch die Instabilitä t bedingt – vermutet worden. In Folge sei eine Infiltration des Gelenkes mit Kortison empfohlen und durchgeführt worden. Im Falle der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Exazerbation der Schmerzen trotz Infiltration des Gele nks sei eine chirurgische Intervention zu diskutieren. 6.2.4 Gemäss dem am 27. April 2020 ausgestellten Arztzeu gnis von Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, sei bei der Erstbehandlung vom 28. November 2019 eine Kontusion des Digitus I an der linken Hand nach einem Sturz beim Treppensteigen auf beide Hände fest- gestellt worden. Als Therapie sei die Ruhigstellung der Hand angeordnet worden. 6.2.5 Am 28. April 2020 nahm Kreisärztin Dr. C.____ zur Unfallkausalität Stellung und ver- neinte diese mit der Begründung, dass keine objektivierba ren strukturellen Läsionen in den konventionellen MRT, CT und Sonographie nachgewiesen worden seien. Die randsklerosierte Zyste subchondral im Os naviculare sei ein Hinweis für einen langandauernden Prozess im Sinne eines Vorschadens und die Tendovaginitis de Quer vain im Sinne einer Fehl- oder Über- belastung zu verstehen. Zusammengefasst habe das Unfallereignis vom 28. November 2019 zu einer vorübergehenden Verschlimmerung geführt, wobei die anhaltenden Beschwerden bei feh- lenden objektivierbaren Strukturen spätestens nach 12 Wochen nicht mehr unfallkausal seien. 6.2.6 Im Auftrag der Suva erstellte Dr. C.____ unter Berücksichtigung der bis zu diesem Zeit- punkt vorliegenden medizinischen Unterlagen am 11. Mai 2020 eine kreisärztliche Beurteilung. Darin führte sie aus, dass sich in keiner der durchgeführ ten Untersuchungen objektivierbare strukturelle Läsionen hätten nachweisen lassen. Die subchondrale Zyste im distalen Os navicu- lare, welche in der kernspintomographischen Untersuchu ng als Nebenbefund resultiert habe, stelle keine strukturelle Läsion dar. Da diese Zone ebe nfalls eine randsklerosierte Zone aufwei- se, dürfe überwiegend wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Zyste deutlich älteren Datums handle. Der Verdacht vom 14. F ebruar 2020 der Orthopädie am Kan- tonsspital Y.____ auf eine Tendovaginitis de Quervain habe sich mittels Ultraschalluntersu- chung vom 19. Februar 2020 nicht bestätigen lassen. In Bezug auf den ebenfalls am selben Datum geäusserten Verdacht einer Läsion der palmaren Pl atte MCP I links hätten sich weder MR-tomographisch noch ultraschallgesteuert Nachweise f inden lassen. Des Weiteren fehle es an Angaben zum möglichen Ursprung des in der Verlaufsko ntrolle vom 20. April 2020 geäus- serten Verdachts auf eine Instabilität am CMC I Gelenk links, die vermutungsweise durch eine chronifizierte Reizung des CMC I Gelenks ausgelöst worden sei. Aus versicherungsmedizini- scher Sicht habe das Schadenereignis mit Kontusion zu ein er vorübergehenden Verschlimme- rung geführt, ohne objektivierbare strukturelle Läsion en zu hinterlassen. Spätestens nach zwölf Wochen seien anhaltenden Beschwerden nicht mehr als unfallkausal einzustufen. 6.2.7 In der Sprechstunde vom 3. Juni 2020 wurde soda nn weiterhin eine Instabilität mit Schmerzen bei der Beweglichkeit im CMC I und im MCP l festgestellt. Beim Pinch-Griff sei eine Hyperextension im MP-Gelenk ersichtlich, zudem sei dieser nur unter Schmerzen möglich ge- wesen. Mit lediglich Büroarbeiten und Tragen einer Sch iene sei der Beschwerdeführer beinahe beschwerdefrei gewesen, ohne Schiene seien die Beschwerden im Bereich des CMC I Gelenks jedoch sofort wieder aufgetreten. Entsprechend sei ei ne Wilson-Extensionsosteotomie mit Bandplastik nach Brunelli sowie die Refixation der palmaren Platte beschlossen worden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.8 Am 18. August 2020 wurde die geplante Operati on sodann durch Dr. E.____ vorge- nommen. Als Diagnose wurde im Operationsbericht vom 19. August 2020 festgehalten, dass eine postoperative Instabilität im CMC I Gelenk nach e inem Sturz im November 2019 sowie eine palmare Instabilität im MCP I Gelenk vorliege. I nitial habe eine Fraktur mittels CT ausge- schlossen werden können. 6.2.9 Infolge Einsprache des Beschwerdeführers wurde Dr. C.____ erneut von der Suva be- auftragt – unter Berücksichtigung des Operationsberichts vom 19. August 2020 – eine Beurtei- lung der Unfallkausalität und der Einwände des Besch werdeführers vorzunehmen. In ihrer Be- urteilung vom 7. Oktober 2020 hielt sie fest, dass dem O perationsbericht zu entnehmen sei, dass weder die palmare Platte noch die Ligamente am C MC I Gelenk versehrt gewesen seien. Es sei nicht explizit beschrieben, dass etwelche Struktu ren verletzt gewesen seien und die palmare Platte sei auch nicht als elongiert beschrieben worden. Aufgrund der Tatsache, dass keine Pathologie nachgewiesen sei, müsse davon ausgegange n werden, dass es beim Scha- denereignis nicht zu einer richtunggebenden Verschlimmerung gekommen sei. Insbesondere sei auf den unklaren Unfallhergang hinzuwe isen. Auch wenn der finalen Darstel- lung des Beschwerdeführers gefolgt werden würde, blieb e es im Detail unklar, wie es bei dem geschilderten Unfallereignis zu einer Distorsion im CMC I Gelenk gekommen sei, so sei es doch ziemlich unwahrscheinlich, dass man sich bei einem Sturz auf beide Hände nach vorne isoliert den linken Daumen verdrehen könne. Bezugnehmend auf die beschriebene Zyste im Os navicular e sei festzuhalten, dass diese für die Operationsindikation völlig unerheblich sei und de s Weiteren nicht mehr erläutert werden müsse, sei sie doch unfallfremd aufgrund der im CT nach gewiesenen Sklerosierung vorbeste- hend und weise lediglich einen vorbestehenden degenerat iven Zustand auf. Aufgrund der feh- lenden Hinweise von objektivierbaren strukturellen Läsionen, die weder bildgebend noch intrao- perativ vorhanden seien, sei nach wie vor mit überwieg ender Wahrscheinlichkeit von einer vo- rübergehenden Verschlimmerung eines vorbestehenden Zustan des infolge Abnutzung oder Degeneration auszugehen. 6.2.10 Mit Bericht vom 11. Dezember 2020 diagnostizie rte Dr. med. G.____, FMH Chirurgie und Handchirurgie, ein Kontusions-/Distorsionstrauma der linken Hand nach Unfallereignis vom 28. November 2019. Des Weiteren hielt er fest, dass sich b ei der Erstkonsultation in der Hand- chirurgie am 14. Februar 2020, drei Monate posttrauma tisch, eine diffuse chronifizierte Schmerzsymptomatik des gesamten Daumens mit initialklinisch em Hinweis auf eine Sehnen- entzündung gezeigt habe. Nach Ausschluss einer Tendova ginitis de Quervain hätten sich bei der Folgekonsultation hauptsächlich Schmerzen im CMC I Gelenk gezeigt. Bei der damaligen Untersuchung sei eine auffällige Instabilität des CMC I Gelenks sowie eine Instabilität im MCP I Gelenk aufgefallen. Da die weitere konservative Therapi e mit Ruhigstellung keine Besserung gebracht habe, sei eine operative Stabilisierung beide r Gelenke durchgeführt worden. Postope- rativ nach Abheilung habe sich dann eine komplette Beschw erdefreiheit gezeigt, so dass der Patient die linke Hand wieder unter maximaler Belastu ng benützen könne. Soweit in der MRT vom 4. Februar 2020 eine kleine subchondrale Zyste im O s naviculare festgestellt worden sei, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei zu bemerken, dass diese Zyste möglicherweise eine Folge einer beginnend degenerativen Veränderung im STT-Gelenk darstellen dürfte. Im vorlie genden Fall sei jedoch nicht das STT- Gelenk, sondern das weiter distal liegende CMC I Gele nk symptomatisch. In dieser Untersu- chung sei aber ein kleiner Gelenkserguss im CMC I sowie auch im MCP I zu sehen. Ausserdem scheine die palmare Platte verdickt. Zudem sei der MCP I Knochen nach dorsal subluxiert, was auf eine Bandinsuffizienz zurückzuführen sei. Dies könne a ls posttraumatische Zeichen gewer- tet werden. Zu erwähnen sei im Weiteren, dass der liga mentäre Apparat des CMC I Gelenks sehr eingeschränkt beurteilbar sei und dass eine Unters uchung, welche mehrere Wochen post- traumatisch erfolgt sei, mit einer deutlichen Verminder ung der Aussagekraft zu beurteilen sei. Die Beurteilung der palmaren Platte MCP I mittels Ul traschall-Untersuchung habe im Untersu- chungszeitpunkt keine Ruptur gezeigt. Ein Status nach Rupt ur mit Vernarbung oder eine Elongation seien im Ultraschall schlecht abgrenzbar. Bei Erhaltung der Kontinuität der palmaren Platte und Gelenksstellung in Hyperextension sei eine Elo ngation jedoch die logische Folge. Letztlich sei darauf hinzuweisen, dass Dr. C.____ als Fach ärztin für Allgemeine Medizin und zertifizierte Versicherungsmedizinerin zwar eine langjähr ige Erfahrung habe, aber leider keine handchirurgische Ausbildung. Daher sei eine fachspezifische Begutachtung bei einem Facharzt für Handchirurgie zur definitiven Beurteilung der Unfallkausalität wärmstens zu empfehlen. 6.2.11 Dr. med. H.____, FMH Orthopädische Chirurgie u nd Traumatologie, nahm mit Bericht vom 19. Januar 2021 im Auftrag der Suva Stellung zur U nfallkausalität der Beschwerden und hielt fest, dass schon die anamnestischen Angaben zum Unfa llhergang widersprüchlich seien. So sei zunächst in der Bagatell-Unfallmeldung angegeben worden, dass es beim Anpacken einer Kiste zu Schmerzen eines Fingers der rechten Hand gekommen sei. In weiteren Berichten werde von einem Sturz auf beide Hände berichtet. Bei d er CT-Untersuchung sei ein Sturz auf die linke Hand angegeben worden, während im Arztbericht des Kantonsspitals vom 14. Februar 2020 wiederum ein Sturz auf beide Hände vermerkt sei. Letztlich liege noch eine schriftliche Schilderung mit Unterschrift des Versicherten vor, nach welcher er beim schnellen Hochlaufen der Treppe eine Stufe verpasst habe und auf die linke Hand nach vorne gestützt sei. Bis am 16. März 2020 habe er sodann zu 100 % weitergearbeitet un d sei danach zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Als Unfallfolgen mache der Versicherte eine Schädigung der palmaren Platte am MCP I Gelenk links sowie eine Instabilität des CMC I Gelenks links gel tend, wobei zu beachten sei, dass zur Schädigung der palmaren Platte eine erhebliche Gewalt einwirkung mit axialer Krafteinleitung und Hyperextension des Gelenks notwendig sei. Zudem ge he die Schädigung mit deutlichen Schmerzen nebst einer Schwellung und einer sichtbaren G elenkdeformität einher. Selbst nach einer stabilen Luxation mit Zerrung respektive Dehnung der palmaren Platte komme es zu einer dorsalen Luxation, die radiologisch nachweisbar sei. Kli nisch liesse sich eine Instabilität des MCP I Gelenks unfallnah aufgrund massiver Schmerzen nicht prüfen. Nach Rückgang der Schmerzen fände sich häufig eine Überstreckbarkeit des Ge lenks. Im vorliegenden Fall sei ra- diologisch eine absolute Gelenkkongruenz festgestellt worden. Auch im MRT fänden sich keine Hinweise auf eine Schädigung der kapsulären Strukturen, der Bänder oder der palmaren Platte. Ödematöse Veränderungen der Strukturen seien ebenfalls nicht ersichtlich. Bemerkenswert sei, dass Dr. E.____ in ihren Befunden weder eine Überstreckbarkeit noch eine Instabilität des MCP Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht I Gelenks dokumentiert habe. Das Gelenk werde sogar im Be richt vom 14. Februar 2020 radi- oulnar und als stabil ohne Schmerzprovokation beschrieben . Gleichzeitig sei aber im Bericht vom 21. April 2020 eine Instabilität im MCP I beidsei ts als Diagnose angegeben. Die von Dr. E.____ durchgeführten Tests (Finkelstein-, Eichhoff- und Grinding-Test) würden zudem nicht der Diagnostik einer MCP I Instabilität, sondern der Überprüfung von Arthrose im Dau- mensattelgelenk bzw. der Überprüfung einer Sehnenscheid enentzündung dienen. Es sei dem- nach weder klinisch noch radiologisch eine Instabilität im MCP I Gelenk gesichert. Dass eine Hyperextension des MCP I Gelenks beim Pinch-Test stattgefu nden habe, sei ausgesprochen unwahrscheinlich, so stabilisiere die Daumenbeugesehne d as MCP I Gelenk beim Pinch-Griff, so dass es nicht zu einer Hyperextension kommen könne. Im Operationsbericht vom 19. August 2020 fände sich zude m keine Stellungnahme von Dr. E.____ zum intraoperativen Befund am MCP I. Es seien weder Schädigungen der palmaren Platte, noch eine Luxationsmöglichkeit des Daumengrund gliedes dorsal beschrieben. Dr. E.____ habe lediglich einen Knochenanker eingebra cht, woraus sich eine Verletzung der palmaren Platte allerdings nicht herleiten lasse. Die durchgeführte Extensionsosteotomie nach Wilson sei in der medizinischen Fachliteratur zur Beha ndlung einer Rhizarthrose im Stadium I zur Verbesserung der Abduktionsfähigkeit propagiert, ni cht jedoch zur Behandlung einer unfall- bedingten Instabilität des CMC I Gelenks. Zudem müsste n sich bei einer unfallbedingten Insta- bilität des Daumensattelgelenks sowohl bildgebend als auch intraoperativ zumindest Lockerun- gen, Dehnungen oder Teilzerreissungen der stabilisiere nden Bänder um das Gelenk herum darstellen. In der Bildgebung (MRT, Röntgen, CT und Ultraschall) habe sich aber eine unauffäl- lige Darstellung des CMC I Gelenks ohne Knochenkontusio nszonen bei schlanker Kapsel und schlanken Bändern gezeigt. Auch im Operationsbericht habe sich keine Schilderung über den Zustand der Bänder am CMC I Gelenk finden lassen. Eine solche sei aber angebracht gewe- sen, angesichts der unauffälligen radiologischen Befunde. Zusammenfassend seien in der vorliegenden Bildgebung ke ine richtunggebenden strukturellen Unfallfolgen an den Gelenken oder am Kapselbandappar at nachgewiesen. Die Subluxation der Grundphalanx gegenüber dem Kopf des ersten Mittelhandkn ochens wie auch die Hyperexten- sionsmöglichkeit bei Pinch-Griff könne – wie die Instabi lität des Daumensattelgelenks als Unfall- folge – nicht nachvollzogen werden. Aus diesen Gründen kö nne die durchgeführte Operation nicht in einen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereign is gebracht werden. Es müsse von einer vorübergehenden Verschlimmerung im Sinne einer Distorsion des Daumens ausgegan- gen werden. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurte ilung des medizinischen Sachver- halts in erster Linie auf die Ergebnisse, zu denen di e Kreisärztin Dr. C.____ in ihren Beurteilun- gen vom 11. Mai 2020 und 7. Oktober 2020 gelangt war . Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerden in der linken Hand des Versicherten nic ht überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 28. November 2019 zurückzuführen seien. 7.2 Dieser Einschätzung hält der Versicherte in seiner B eschwerde zunächst entgegen, dass die Abklärungen bezüglich des Anspruchs auf Leistunge n der Unfallversicherung nicht Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vollständig sowie in Verletzung des Bundesrechts vorgenomm en worden seien. Die Suva habe sich im Einspracheentscheid zu Unrecht auf die Ansichten d er nicht unabhängigen Kreisärztin, welche die Ansicht vertrete, dass das betroffene linke Ha ndgelenk bereits vor Eintritt des Scha- denereignisses vorgeschädigt gewesen sei, gestützt. Weit er weist der Versicherte darauf hin, dass Dr. C.____ in ihrem Bericht vom 7. Oktober 2020 so wohl die subchondrale Zyste als Hin- weis auf einen degenerativen Vorzustand als auch das Un fallereignis vom 28. November 2019 für die Operationsindikation ausschliesse, womit es fragli ch erscheine, worauf sie die Operati- onsindikation stütze. Ferner sei nicht erstellt, dass die Zyste bereits vor dem Unfall bestanden habe, wurde sie doch erst in der MRT knapp 10 Wochen n ach dem Unfallereignis festgestellt. Diesbezüglich hätten vor dem Unfallereignis keinerlei Beschwerden vorgelegen. Soweit die Kreisärztin feststelle, dass Angaben zum möglichen Ursprun g der Instabilität am CMC I Gelenk links in den Akten nicht ersichtlich seien, hätte dies dur ch die Suva weiter abgeklärt werden müssen. Weiter sei festzuhalten, dass die Suva ihre Leistungspflicht anfänglich anerkannt habe. Ist die Unfallkausalität durch die Unfallversicherung einm al mit der erforderlichen Wahrschein- lichkeit nachgewiesen und anerkannt worden, entfalle d ie Leistungspflicht des Unfallversiche- rers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche un d adäquate Ursache des Gesundheits- schadens darstelle und dieser somit nur noch und ausschliessl ich auf unfallfremden Ursachen beruhe. Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung des Un falls für den Gesundheitsschaden müsse wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang mit dem im Sozialversi- cherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwieg enden Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen werden. Damit macht er sinngemäss geltend, dass der Wegfall der Kausalität gestützt auf das unvollständige Aktengutachten von Dr. C.____ n icht mit dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit habe nachgewiesen werden könn en. Die geschuldeten Leistungen seien daher über das Datum des 19. Mai 2020 hinaus auszurichten. 8.1 Die Beurteilungen von Dr. C.____ und Dr. H.____ vermögen die Rechtmässigkeit der Leistungseinstellung per 19. Mai 2020 nicht zweifelsfrei zu belegen. 8.2 Zunächst ist festzuhalten, dass es sich bei den Suva-E inschätzungen der Kreisärztin Dr. C.____ wie auch des Versicherungsmediziners Dr. H.__ __ um reine Aktenbeurteilungen handelt, also keine persönlichen Untersuchungen vorgen ommen worden sind. Dies im Gegen- satz zur Orthopädie des Kantonsspitals, deren Ärzte und Ärztinnen den Beschwerdeführer nicht nur mehrfach untersucht, sondern ihn auch am 18. Augus t 2020 operiert haben, mit der Folge, dass gerade durch diese Operation eine Beschwerdefreihei t erreicht werden konnte. Zwar kön- nen reine Aktengutachten für Kausalitätsfragen rechts prechungsgemäss an sich genügend sein, sofern sie eine zuverlässige Beurteilung des massgeb enden Sachverhalts zulassen, dies ist vorliegend allerdings nicht der Fall. Während Dr. E.____ primär aufgrund ihrer klinischen Ab klärungen die Beschwerden des Be- schwerdeführers erfasste und gestützt auf die anhaltende Beschwerdepersistenz eine Operati- on am 18. August 2020 als indiziert erachtete, negiere n die Suva-Mediziner diese klinischen Befunde, insbesondere die festgestellte Instabilität d er Gelenke, und gehen aufgrund von theo- retischen Annahmen hinsichtlich der Rehabilitationsdaue r davon aus, dass in Anbetracht der bildgebenden Befunden ab dem 14. April 2020 bereits keine Kausalität zum Unfall mehr gege- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben sei und die Leistungen mit Verfügung vom 19. Mai 2 020 einzustellen seien. In Bezug auf die klinischen Befunde beschränkt sich Dr. C.____ in ihrer Beurteilung vom 11. Mai 2020 da- rauf, dass das Kantonsspital keine Angaben zum möglichen Ursprung der Instabilität im CMC I Gelenk mache, ungeachtet der noch bestehenden Beschwerden des Beschwerdeführers. Dies- bezüglich ist zunächst festzuhalten, dass die Suva im Rah men des Untersuchungsgrundsatzes eine Abklärungspflicht trifft und sie diesbezüglich mittels Nachfrage hätte abklären müssen, was als Ursache in Betracht käme, anstatt diese Befunde als irrelevant anzusehen. Der Ansicht von Dr. H.____, dass die bildgebenden Befunde unauffällig seien und eine Instabili- tät im MCP I Gelenk weder klinisch noch radiologisch gesi chert sei und daher von der vorlie- genden Bildgebung keine richtunggebenden strukturellen Unfallfolgen an den Gelenken oder am Kapselbandapparat nachgewiesen seien, ist zu entgegn en, dass das Kantonsspital bereits in der Stellungnahme vom 11. Dezember 2020 auf die b eschränkte Aussagekraft der bildge- benden Befunde hinwies, da diese schliesslich mehr als zwe i Monate nach dem Unfall erhoben wurden. Schliesslich arbeitete der Beschwerdeführer zun ächst nach dem Unfall weiter als Ma- gaziner, bis er dann aufgrund seiner Beschwerden in eine Schonarbeit wechseln musste. So wurde auch die Arbeitsunfähigkeit erst ab dem 16. Mä rz 2020 attestiert. Sind allenfalls die bild- gebenden Dokumente aufgrund des Zeitablaufs nicht derar t aussagekräftig, wie es die Suva annimmt, so stehen wiederum die klinischen Befunde des Kantonsspitals im Vordergrund. Wird das Einstelldatum vom 19. Mai 2020 mit den Abklärungen im Kantonsspital verglichen, fällt auf, dass aus dem Sprechstundenbericht vom 21. April 202 0 hervorgeht, dass sich trotz Ruhig- stellung in der Handgelenksmanschette und Reduktion der Arbeitstätigkeit von der Magaziner- Tätigkeit auf Büroarbeit noch keine Besserung eingestellt hatte und der Beschwerdeführer nach wie vor Schmerzen verspürte. Infolgedessen wurde eine Infiltration mit Kortison durchgeführt und der Verdacht auf eine chronifizierte Reizung des C MC I Gelenks durch die Instabilität ge- äussert. Vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass d as Einstelldatum vom 19. Mai 2020 (Verfügungsdatum) in die Zeit fiel, in der die Besch werden des Beschwerdeführers akut waren und mittels Kortisoninfiltration behandelt werden mussten. Anlass zu weiteren Zweifeln ergibt sich aus dem Umstan d, dass Dr. H.____ die Möglichkeit ei- ner Kausalität des Unfalls für die noch bestehenden Beschwerden im Zeitpunkt der Leistungs- einstellung und die Notwendigkeit der am 18. August 20 20 durchgeführten Operation verneint, ohne sich dabei mit einer möglichen Teilursächlichkeit d es Unfalls auseinanderzusetzen. Führt man sich den Sprechstundenbericht vom 21. April 2020 vor Augen, fällt auf, dass der gesund- heitliche Zustand des Beschwerdeführers bis zum Zeitpunkt d er Leistungseinstellung – und darüber hinaus – symptomatisch war, sodass fraglich ist, o b tatsächlich jegliche Kausalität des Unfalls nicht mehr gegeben war. Gemäss strenger bundesge richtlicher Rechtsprechung muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbed ingten Ursachen eines Gesundheits- schadens mit dem üblichen Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfal- les genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufh ebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürli- cher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der ve rsicherten Person, sondern beim Un- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht fallversicherer (Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 2020, 8C_669/2019, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). Durch die fehlende Auseinandersetzung mit einer allfälligen noch bestehenden Teilkausalität zwischen dem Unfall und den im Zeitpunkt der Leistungseinstellung noch beste- henden Beschwerden des Beschwerdeführers sowie der Frag e, ob die Operation auch ohne Unfall überhaupt bzw. im gleichen Zeitpunkt notwendig gewesen wäre, lässt sich die streitige Kausalitätsfrage nicht abschliessend beurteilen. Aufgrund dieser Befunde, welche von der Suva bei der En tscheidfindung nicht berücksichtigt wurden, steht die Rechtmässigkeit der Einstellung per 19. Mai 2020 zumindest nicht zweifelsfrei fest. Selbst wenn mit der Suva lediglich von einer Ver schlimmerung des Vorzustandes ausge- gangen würde, erscheint die Einstellung der Leistungen während der Behandlungsphase, in der sich die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers erst einstellte, als überaus fraglich. 8.3 Soweit Dr. H.____ zudem anführt, dass der Unfallhe rgang nicht geklärt sei, und daraus ableitet, dass die Unfallbeschreibung über die Zeitdau er der Untersuchungen zu Gunsten des Beschwerdeführers abgeändert worden sei, ist dem entg egenzuhalten, dass die Bagatell- Unfallmeldung sowie die Beschriebe in den ärztlichen Ber ichten jeweils von Drittpersonen ver- fasst wurden. Als direkte Aussage des Beschwerdeführers lie gt eine schriftliche Erklärung vom 21. April 2020 vor, in der festgehalten wird, dass de r Beschwerdeführer beim schnellen Hoch- laufen einer Treppe eine Stufe verpasst habe und mit der linken Hand nach vorne gestützt sei. Mit Anruf vom 28. April 2020 bestätigte er dies, klä rte das Missverständnis über die unter- schiedlichen Angaben zum Unfallereignis auf und erklärte , er habe gemeint, er müsse melden, bei welchen Tätigkeiten die Schmerzen auftreten wür den. Die Angaben zum Unfallereignis, welche der Beschwerdeführer angab, stimmen somit überein . Hinzu kommt, dass der Be- schwerdeführer bereits am Unfalltag vom 28. November 201 9 gegenüber seiner Ärztin von ei- nem Sturz auf beide Hände sprach. Demnach sind keine U nklarheiten beim Unfallhergang an- zunehmen. 8.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass vorliegend Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit zumindest in Bezug auf den Zeitpunkt d er Leistungseinstellung der von der Beschwerdegegnerin als massgeblich erachteten versicherungsi nternen Beurteilung der Kreis- ärztin Dr. C.____ und der orthopädisch-chirurgischen Be urteilung durch Dr. H.____ bestehen. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 5.2 hiervor) kann bei d iesem Beweisergebnis nicht auf die betreffende versicherungsinterne Beurteilung abgestellt werden. Der angefochtene Einsprache- entscheid ist deshalb aufzuheben. Im Hinblick auf das we itere Vorgehen gilt es zu berücksichti- gen, dass die Suva den medizinischen Sachverhalt bisher le diglich versicherungsintern durch Dr. C.____ und Dr. H.____ hat beurteilen lassen. Häl t man sich zum einen die Komplexität des Beschwerdebildes des Versicherten und zum andern die sich aus dem Untersuchungsgrund- satz ergebende Pflicht des Versicherungsträgers, den rec htserheblichen (medizinischen) Sach- verhalt vollständig festzustellen (vgl. Art. 43 Abs. 1 AT SG), vor Augen, so müssen die von der Suva im Verwaltungsverfahren getroffenen Abklärungen letztlich als nicht ausreichend bezeich- net werden. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, die Angelegenheit an die Suva zurück- zuweisen. Diese wird nunmehr ein versicherungsexternes G utachten mit fachärztlichen Unter- suchungen einzuholen haben. Darin wird abzuklären sein, an welchen somatischen Unfallfolgen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherte leidet und ob hinsichtlich dieser somati schen Unfallfolgen der medizinische Endzustand per 19. Mai 2020 bereits erreicht war. Anschliessend wird die Suva gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den Leistungsanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 g ültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sei n. Es sind demnach für das vorliegen- de Verfahren keine Kosten zu erheben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Eine Parteientschädigung kann d er ganz oder teilweise obsiegenden Partei gemäss § 21 VPO nur für den Beizug eines Anwalt s beziehungsweise einer Anwältin zugesprochen werden. Da der Beschwerdeführer im vorliegen den Beschwerdeverfahren nicht anwaltlich vertreten war, wird ihm keine Parteientschädigung zugesprochen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtliche n Angelegenheiten an das Bundesge- richt zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschli essen. Selbständig eröffnete Zwi- schenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit B eschwerde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gut heissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 A bs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versiche- rungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuver fügung nicht um einen Endent- scheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von A rt. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materiell e Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Suva vom 5. November 2020 au fgehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinn e der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vor instanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht