Interpellation Braunschweig 1864 N 16 décembre 1983 Heute wäre dies verfrüht, da eine Beurteilung der bis zum erwähnten Termin erwarteten Resultate hiefür Vorausset- zung ist. Obschon die Bewilligungsverfahren für die Versuchsboh- rungen der MAGRA mehr Zeit gebraucht haben als ursprünglich angenommen wurde, ist das nicht ein Haupt- grund für Schwierigkeiten für eine termingerechte Einrei- chung des Projektes «Gewähr». Die Durchführung der Son- dierarbeiten und deren Auswertung, aber auch die Vorberei- tungen für weitere Gesuche für vorbereitende Handlungen, erfordern einen grösseren Zeitbedarf als ursprünglich vor- gesehen. 4. Die Verordnung über vorbereitende Handlungen vom 24. Oktober 1979 (SR 732.012) regelt das Bewilligungsver- fahren im Detail. Dieses hat sich besonders deshalb als aufwendig erwiesen, weil die Kantone, aber auch die Gemeinden und die betroffene Bevölkerung, sich sehr aktiv an der Meinungsbildung beteiligt haben (z. B. wurden von einer kantonalen Stelle über 70 Auflagen formuliert). Eine wesentliche Vereinfachung des Verfahrens müsste zwangs- läufig die Mitwirkungsmöglichkeiten der direktbetroffenen Öffentlichkeit einschränken. 5. Der Einsatz einer Technologie, die grossen Nutzen bringt, erfordert auch die Bereitschaft, die sich ergebenden Konsequenzen zu ziehen und den erwachsenden Verpflich- tungen nachzukommen. Der Bundesrat ist der Überzeu- gung, dass diese Einsicht in unserer Bevölkerung vorhan- den ist. Die NAGRA sollte in der Lage sein, ihre Projekte zur sicheren Entsorgung der aus der Nutzung der Kernenergie entstehenden radioaktiven Abfälle zu realisieren. Zur Erfül- lung dieser Aufgabe muss ein Endlager dort gebaut werden können, wo die grösste Sicherheit gegeben ist. Lokaler Widerstand kann nicht für die Bewilligung vorbereitender Handlungen oder für eine Standortwahl entscheidend sein. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf unsere Ant- wort vom 26. Oktober 1983 auf die Interpellation Keller. Der Bundesrat ist bereit, notfalls von dem in Artikel 10 des Bundesbeschlusses zum Atomgesetz vom 6. Oktober 1978 festgehaltenen Enteignungsrecht Gebrauch zu machen. Le président: L'auteur de l'interpellation est partiellement satisfait. #ST# 83.582 Interpellation Braunschweig NATO. Nachrüstungsbeschluss und die Schweiz La Suisse et les mesures de l'OTAN visant au rétablissement de l'équilibre des forces en Europe Wortlaut der Interpellation vom 28. September 1983 Wenn die INF-Verhandlungen in Genf (Mittelstreckenrake- ten) in den nächsten Wochen nicht Ergebnisse zeitigen werden, muss mit der Aufstellung von 464 Marschflugkör- pern und 108 Pershing-ll-Raketen in fünf NATO-Staaten noch in diesem Jahr gerechnet werden. Gleichzeitig liegt der Verdacht auf der Sowjetunion, dass sie die Zahl der SS- 20-Raketen laufend erhöht. 1. Teilt der Bundesrat Bedenken und Beunruhigung zahlrei- cher Schweizerinnen und Schweizer über diese neuen Etap- pen des Rüstungswettlaufes in Europa, die mit grösster Wahrscheinlichkeit zu neuen Windungen der verhängnisvol- len Spiralen, zunächst im Osten, dann wieder im Westen, führen werden? 2. Teilt der Bundesrat die Meinung, dass die Schweiz von dieser verheerenden Entwicklung nicht nur indirekt, son- dern auch direkt in Mitleidenschaft gezogen wird? Raketen- stellungen würden weniger als 100 Kilometer von der Schweizer-Grenze entfernt aufgestellt, je 36 Pershing-ll in Schwäbisch-Gmünd, in Neu-Ulm und voraussichtlich in Heilbronn. Angesichts der Verkürzung der Vorwarnzeit auf rund vier Minuten und angesichts des grossen und gegen- seitigen Misstrauens könnten Pershing-ll schneller als befürchtet Zielscheibe eines sowjetischen Präventivschla- ges werden. 3. Läge es nicht auch im Interesse unseres Landes, dass vorerst die Aufstellung der NATO-Mittelstreckenwaffen ver- schoben und gleichzeitig die Sowjetunion beim Worte ihrer verschiedenen Abrüstungsvorschläge genommen wird, die Zahl der SS-20-Raketenstellungen schon in einer Über- gangszeit zu verringern? Könnte die Schweiz die entspre- chenden Verschiebungsvorschläge von Staaten, Staatsmän- nern und Kirchen unterstützen, um mitzuhelfen, in letzter Minute doch noch positive Ergebnisse, oder wenigstens eine Zwischenlösung, zu erreichen? 4. Die Schweiz muss sich nach dem teilweise erfolgreichen Abschluss der KSZE-Konferenz ohnehin auf die europäische Abrüstungskonferenz in Stockholm 1984 materiell und kon- kret vorbereiten. Könnte sie schon heute - bei aller Zurück- haltung, die neutralitätspolitisch geboten ist - ihrer Haltung gewisse Prinzipien zu Grunde legen, zum Beispiel kleine Schritte auf beiden Seiten im Sinne vertrauensbildender Massnahmen; Einbezug französischer und englischer Mit- telstreckenwaffen in die Verhandlungen; Verzicht auf Ersteinsatz von Mittelstreckenwaffen, auf Wiederherstellung der Erstschlagkapazität oder auf Tendenz zur militärischen Überlegenheit? 5. Hält der Bundesrat sein Angebot aufrecht, zusammen mit anderen Staaten im Bereich der Verifikation von vertrauens- bildenden Rüstungskontroll- und Abrüstungsmassnahmen (schweizerische Dokumente zur Abrüstung 1978/1982) mit- zuwirken? Wird oder könnte dies ein Gegenstand der nächstjährigen Europaabrüstungskonferenz in Schweden sein? Rüstungskontroll-, Überwachungs- und Abrüstungs- massnahmen müssen, sollen sie wirksam werden, auch die Produktion und die Forschung umfassen. Ist der Bundesrat vorbereitet, wenn er dazu aufgerufen wird oder seine guten Dienste anbietet? Texte de l'interpellation du 28 septembre 1983 Si les négociations soviéto-américaines de Genève (missiles à moyenne portée) ne produisent aucun résultat au cours de ces prochaines semaines, il faut s'attendre au déploiement de 464 missiles de croisière et de 108 Pershing II dans cinq Etats membres de l'OTAN cette année encore. L'URSS de son côté est suspectée d'augmenter constamment le nom- bre de ses fusées SS-20. 1. Le Conseil fédéral partage-t-il la perplexité et l'inquiétude de nombreux Suisses face à cette nouvelle étape de la course aux armements en Europe, qui, selon toute vraisem- blance, va entraîner une nouvelle surenchère à l'Est d'abord, à l'Ouest ensuite? 2. Le Conseil fédéral n'est-il pas d'avis que les consé- quences de cette escalade dévastatrice seront non seule- ment indirectes, mais encore directes pour notre pays? Des bases équipées de 36 Pershing II chacune sont prévues à Schwäbisch-Gmünd, à Neu-Ulm et probablement à Heil- bronn, soit à moins de 100 kilomètres de la frontière suisse. Vu la réduction à 4 minutes du temps d'alarme et la méfiance profonde qui règne dans les deux camps, les Pershing II pourraient devenir la cible d'une attaque préven- tive de l'URSS plus vite que prévu. 3. Ne serait-il pas également dans l'intérêt de notre pays que le déploiement des missiles à moyenne portée de l'OTAN soit différé pour l'instant et que l'on prenne l'URSS au mot quand, dans ses diverses propositions de désarme- ment, elle promet de réduire le nombre des bases de SS-20 en premier temps? La Suisse pourrait-elle appuyer les pro- positions d'ajournement de l'installation de missiles de l'OTAN émanant d'Etats, d'hommes politiques et des Eglises16. Dezember 1983 N 1865 Interpellation Braunschweig afin de contribuer à produire des résultats positifs, en der- nière minute au moins, ou, à défaut, à trouver une solution intermédiaire? 4. Après le succès de la CSCE, la Suisse doit de toute façon se préparer de manière très concrète à la Conférence euro- péenne sur le désarmement qui se tiendra à Stockholm en 1984. Pourrait-elle dès aujourd'hui - avec toute la réserve que lui impose sa neutralité - faire dépendre sa position de l'observation et règles de comportement: par exemple appli- cation par les deux camps d'une politique «des petits pas» qui rétablisse le climat de confiance, inclusion des missiles à moyenne portée français et britanniques dans les négocia- tions, renonciation à l'usage offensif des missiles à moyenne portée, au rétablissement d'une force de frappe suffisante pour permettre de passer à l'offensive, ainsi qu'à la supré- matie militaire? 5. Le Conseil fédéral maintient-il l'offre qu'il a faite de collaborer avec d'autres Etats afin de contrôler l'application des mesures de limitation des armements et de désarme- ment propres à inspirer la confiance (document suisse sur le désarmement de 1978 et 1982)? Ce contrôle sera-t-il, ou pourrait-il être mis à l'ordre du jour de la Conférence euro- péenne sur le désarmement qui se tiendra l'an prochain en Suède? Les mesures de limitation des armements, de supervision et de désarmement, doivent, pour être efficaces, englober éga- lement la production et la recherche. Le Conseil fédéral est- il préparé pour le cas où on ferait appel à lui où qu'il proposerait ses bons offices? Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Bäumlin, Borei, Christinat, Deneys, Euler, (Gerwig), Hubacher, Leuenberger, (Loetscher), Longet, Mauch, (Morel), Morf, Nauer, Neukomm, Ott, Pitteloud, (Reiniger), Renschler, Robbiani, Ruffy, Schmid, Stappung (24) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates Rapport écrit du Conseil fédéral Die Grundgedanken des Bundesrates in Sachen Abrüstung sind in den Dokumenten dargelegt, welche die Schweiz 1978 und 1982 den ausserordentlichen UNO-Generalver- sammlungen für Abrüstung unterbreitet hat, sowie in der schriftlichen Antwort auf die Anfrage der Gruppe PdA/PSA/ POCH vom I.Juni 1981 zugunsten der Abrüstungs- und Friedenspolitik. Darin gab der Bundesrat seiner Besorgnis über das Wettrüsten Ausdruck. Diese Besorgnis ist nicht neu, denn schon am Ende des letzten Jahrhunderts nahm die Schweiz an den Verhandlun- gen teil, die zu der Haager Landkriegsordnung von 1907 geführt hat. Seither hat der Bundesrat seine Tätigkeit im Bereich der Abrüstung und zugunsten des Friedens beharr- lich fortgesetzt. So sind praktisch alle multilateralen Ver- träge, die seit dem Zweiten Weltkrieg in diesem Bereich abgeschlossen wurden, von der Schweiz unterzeichnet und ratifiziert worden. Unser Land setzt übrigens seine Bemü- hungen fort, die Methoden friedlicher Streitschlichtung zu verstärken, auszuweiten und zu ergänzen, und es wird im März 1984 in Athen an einem neuen Expertentreffen der KSZE zu diesem Thema teilnehmen. Die Tatsache, dass die Sowjetunion seit 1977 Raketen mit grösserer Sprengkraft, Treffsicherheit und Reichweite, die SS-20, in Stellung bringt, hat die NATO veranlasst, die Auf- stellung amerikanischer Mittelstreckenraketen in einigen Mitgliedstaaten vorzusehen. Diese Massnahme wurde schon im Dezember 1979 beschlossen, sollte jedoch erst ab Ende 1983 zur Anwendung kommen, falls zu diesem Zeit- punkt die in Genf stattfindenden amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenwaffen (INF) zu keiner Einigung geführt haben. Leider ist diese Situation nun eingetroffen. pie Schweiz gab immer ihrer Hoffnung Ausdruck, dass diese Verhandlungen zum Ziefführen. Auch heute noch ist es ihr Wunsch, dass die Gespräche wieder aufgenommen werden und dazu beitragen, das Gleichgewicht der Kräfte, welches die beiden Bündnisse herzustellen und zu erhalten versu- chen, auf möglichst tiefem Niveau zu erreichen. In Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Militärdepar- tement bereitet das Departement für Auswärtige Angelegen- heiten aktiv die Beteiligung der Schweiz an der Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Massnahmen und Abrüstung in Europa (KAE) vor, die vom 17. Januar 1984 an in Stockholm tagen wird. Diese Konferenz, die im Rahmen der KSZE einberufen wurde, ist ein herausragendes Ereignis: - einerseits, weil erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ein Abrüstungsforum mit den USA und Kanada - doch ohne Albanien - alle Staaten Europas und nicht nur Mitglieder der Militärblöcke versammeln wird mit dem Ziel, konkrete militä- rische Massnahmen für Sicherheit in Europa auszuarbeiten; - andererseits deshalb, weil das Mandat dieser Konferenz vorsieht, dass zunächst Vertrauen und Sicherheit wiederher- gestellt werden müssen, bevor man zur eigentlichen Abrü- stung schreiten kann; diese Konzeption liegt ganz auf der Linie der Schweiz. Denn wir gehen davon aus, dass es falsch wäre, über die Abrüstung zu verhandeln, bevor die unent- behrlichen politischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Die KAE spielt sich daher in zwei Phasen ab: Die erste gilt der Entwicklung und Annahme Vertrauens- und sicherheits- bildender Massnahmen im militärischen Bereich; die zweite könnte dann zu eigentlichen Abrüstungsschritten überge- hen. Übrigens sollten die Kernwaffen nicht Gegenstand der ersten Konferenzphase sein, die nächstes Jahr beginnt; diese wird sich auf das konventionelle Rüstungspotential beschränken. Eine verbindliche Aussage über die Massnah- men, die wir in Stockholm unterstützen oder vorschlagen wollen, wäre noch verfrüht. Diesbezüglich pflegen wir lau- fend Kontakte mit den anderen Teilnehmerstaaten aus Ost und West, insbesondere mit den neutralen und nicht-pakt- gebundenen Ländern. In Stockholm wird sich die Schweiz unter anderem von folgenden Grundsätzen leiten lassen: Die Vertrauens- und sicherheitsbildenden Massnahmen sind für uns nur annehmbar, wenn sie a. nicht im Widerspruch zur dauernden und bewaffneten Neutralität der Schweiz und zu den Grundsätzen ihrer Gesamtverteidigungskonzeption stehen; b. mit den vier Kriterien des Madrider Schlussdokumentes vereinbar, d. h. ganz Europa umfassend, militärisch bedeut- sam, politisch verbindlich und von angemessenen Formen der Verifikation begleitet sind; c. die Sicherheit in Europa und damit der Schweiz erhöhen, indem sie die Gefahr eines Überraschungsangriffes vermin- dern und langfristig dazu beitragen, ein Kräftegleichgewicht auf tiefstmöglichem Niveau herzustellen. Der Bundesrat ist nach wie vor bereit, die Frage einer allfälligen Mitwirkung der Schweiz an im Rahmen der KAE entwickelten Verifikationsmassnahmen zu prüfen. Die sich bietenden Möglichkeiten sind sorgfältig abzuwägen und bedürfen in jedem konkreten Fall einer vertieften Prüfung der politischen, militärischen und technischen Gegeben- heiten. Le président: L'interpellateur demande la discussion. Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion 49 Stimmen Dagegen 48 Stimmen Diskussion verschoben - Discussion renvoyée 235-NSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Braunschweig NATO. Nachrüstungsbeschluss und die Schweiz Interpellation Braunschweig La Suisse et les mesures de l'OTAN visant au rétablissement de l'équilibre des forces en Europe In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1983 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 12 Séance Seduta Geschäftsnummer 83.582 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 16.12.1983 - 08:00 Date Data Seite 1864-1865 Page Pagina Ref. No 20 012 098 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.