B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7446/2018 U r t e i l v o m 1 4 . O k t o b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen, Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 29. November 2018 / N (…). E-7446/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga- ben am 15. Dezember 2015. Am 29. Mai 2016 reiste er in die Schweiz ein und suchte am folgenden Tag um Asyl nach. Dabei gab er an, er sei am (…) geboren und demnach minderjährig. B. Am 9. Juni 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Dabei gab der Beschwerdeführer an, er stamme aus dem Dorf B._______, Subzoba C._______, Zoba D._______. Dort habe er zusammen mit seinen Eltern und sieben Geschwistern gelebt. Er sei neun Jahre zur Schule gegangen; die neunte Klasse habe er jedoch nicht abgeschlossen. Zu seinen Asylgründen führte er aus, er habe seine (…) in E._______ be- suchen wollen, als er verhaftet worden sei. Er sei verdächtigt worden, ille- gal ausreisen zu wollen. Vom (…) 2015 bis am (…) 2015 sei er inhaftiert gewesen. Er sei entlassen worden, da seine Mutter (…) zum Gefängnis gebracht habe, mit welchen er seine Minderjährigkeit habe beweisen kön- nen. Nach seine r Entlassung aus dem Gefängnis habe er wied er zur Schule gehen wollen. Dies sei jedoch aufgrund seiner (…) Abwesenheit nicht möglich gewesen. Bis zu seiner Ausreise habe er seinen Eltern in der Landwirtschaft geholfen. C. Am 11. August 2016 gab der Beschwerdeführer eine Taufurkunde und ei- nen Impfausweis – beides im Original – sowie die Identitätskarten seiner Eltern – jeweils in Kopie – mit Übersetzung zu den Akten. D. Am 5. Dezember 2016 hörte die Vorinstanz den Beschwerdeführer im Bei- sein seiner Vertrauensperson einlässlich zu seinen Asylgründen an. Dabei führte der Beschwerdeführer aus, auf dem Weg zu seiner (…) sei er an einer (…) in E._______ verhaftet und zur Polizeistation gebracht wor- den. Am nächsten Tag sei er nach F._______ ins Gefängnis verlegt wor- den. Er sei verdächtigt worden, illegal ausreisen zu wollen. Er sei verhört, geschlagen und misshandelt worden. In seiner Zelle seien 280 Gefangene gewesen. Es sei sehr heiss und dr eckig gewesen. Sie hätten Kopflä use gehabt. Es habe zu wenig Schlafplät ze gegeben, weshalb sie hätten im- provisieren müssen. In der Zelle sei es immer dunkel gewesen. Sie hätten E-7446/2018 Seite 3 nicht miteinander sprechen dürfen. Sie seien von zwei «Capos» kontrolliert und immer wieder geschlagen worden. Auch von den Wächtern seien sie geschlagen worden. Weil es in der Zelle zu eng gewesen sei und viele Insassen Atemprobleme gehabt hätten, habe es eine gewalttätige Ausei- nandersetzung gegeben. Die Wächter seien gekommen und hätten einige Insassen in der «Otto»-Position gefesselt und draussen an der Sonne lie- gen lassen. Nach (…) Monaten hätten seine Eltern (…) zum Gefängnis gebracht. Mit diesen habe er seine Minderjährigkeit belegen können, wo- rauf er freigelassen worden sei. Er habe ein Dokument unterschreiben müssen und einen Haftschein erhalten. Nach der Freilassung habe er die Schule aufgrund seiner (…) Abwesenheit nicht mehr besuchen dürfen. Aus Angst, bei einer Razzia aufgegriffen und in den Militärdienst eingezogen zu werden, habe er sich in der Einöde versteckt gehalten. Zwei Monate nach der Entlassung aus der Haft sei er schliesslich ausgereist. E. Mit Verfügung vom 29. November 2018 verneinte die Vorinstanz die Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, ver- fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. F. Mit Eingabe vom 28. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuer- kennen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling anzuer- kennen und vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Verfügung auf- zuheben und zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subsubeventualiter sei er gemäss Art. 83 AIG als Ausländer vorläufig auf- zunehmen. Prozessual sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu ge- währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. G. Mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2019 forderte die Instruktionsrichte- rin den Beschwerdeführer auf, bis zum 18. Januar 2019 eine Fürsorgebe- stätigung einzureichen. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer am 14. Januar 2019 fristgerecht nach. E-7446/2018 Seite 4 H. Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. I. In der Vernehmlassung vom 30. Januar 2019 hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. J. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 5. Februar 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah- ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom- men worden. 2. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwal tungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde- führer ist als Ver fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. E-7446/2018 Seite 5 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes und der Begründungspflicht. Diese Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vor - instanzlichen Verfügung zu bewirken. 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei- nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 4.3 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter- lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Unvollständig ist die Sachverhaltsfest- stellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für die Entschei- dung wese ntlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/ HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff.). 4.4 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, d ie Vorinstanz habe sich nur in ungenügendem Mas s an die verfahrensrechtlingen Vorgaben für minderjährige Asylsuchende gemäss BVGE 2014/30 gehalten. Zwar sei die Befragerin (recte: der Befrager) um ein gutes Gesprächsklima bemüht gewesen. Die gesamte Anhörung habe indes fast fünf Stunden gedauert, wobei lediglich zwei 15-minütige Pausen eingelegt worden seien. Auch die Hilfswerksvertretung habe dieses Vorgehen beanstandet. Bei einem (…)- jährigen Asylsuchenden, welcher traumatisierende Verfolgungsmomente E-7446/2018 Seite 6 geltend mache, könne bei einer fünfstündigen Anhörung mit zwei Pausen nicht von einer korrekten Sachverhalt serhebung ausgegangen werden. Ferner habe die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt, indem sie sein jugendliches Alter bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit nicht berücksichtigt habe. Die Verneinung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen sei grösstenteils aufgrund von angeblichen Widersprüchen oder unlogischen Vorbringen er- folgt, wobei die Argumentation der Vorinstanz teilweise spitzfindig und kon- struiert wirke. 4.5 4.5.1 Dem Protokoll der Anhörung lässt sich entnehmen, dass der Befrager den Beschwerdeführer zu Beginn der Anhörung darauf aufmerksam ge- macht hat, er solle mitteilen, wenn er etwas nicht verstehe, eine Pause wolle oder wenn sonst etwas sei, weswegen er s ich nicht wohlfühle (vgl. A21/24 F3). Nach etwas mehr als einer Stunde wurde eine 15-minütige Pause eingelegt. In der Folge machte der Befrager den Beschwerdeführer wiederum darauf aufmerksam, dass er jederzeit sagen könne, wenn er müde werde oder auf die Toilette müsse (vgl. a.a.O. S. 9). Im weiteren Ver- lauf der Anhörung wurde der Beschwerdeführer gefragt, «ob es noch gehe», worauf dieser antwortete, er sei nicht müde (vgl. a.a.O. F147). Dem Protokoll der Anhörung lässt sich weiter entneh men, dass sich der Be- schwerdeführer und die Teilnehmer – ausser die zur Durchführung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerksvertretung – vor der Rücküber- setzung geeinigt haben, nur eine kurze Pause und keine Mittagspause zu machen (vgl. a.a.O. S. 21) . Dem Unterschriftenblatt der Hil fswerksvertre- tung lässt sich entnehmen, dass die Vertrauensperson des Beschwerde- führers dagegen war, eine längere Pause einzulegen, da sie am Nachmit- tag noch einen Termin hatte und der Beschwerdeführer vor Ende der An- hörung nichts essen werde. Demnach ist festzustellen, dass die Vertrauensperson des Beschwerde- führers, welche in seinem Interesse und zu seiner Unterstützung anwesend war, namentlich gegen eine längere Pause war. Der Beschwerdeführer sei- nerseits hat keine Einwände dagegen erhoben. Der Befrager hat den Be- schwerdeführer sodann mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass er mitteilen solle, falls er eine Pause benötige. Von dieser Möglichkeit hat der Beschwerdeführer auch vor der Rückübersetzung keinen Gebrauch ge- macht. Ferner lassen sich dem Protokoll keine Anhaltspunkte entnehmen, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen wäre, der Anhörung zu folgen und die Fragen zu beantworten. Auch die Hilfswerksvertretung E-7446/2018 Seite 7 hat nichts Entsprechendes festgehalten. Schliesslich wurde der Beschwer- deführer am Schluss der Anhörung gefragt, ob er alles habe sagen können, was für sein Asylgesuch relevant sei (vgl. a.a.O. F 165). Es ist demnach nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz den speziellen Verfahrensgaran- tien für unbegleitete Minderjährige nicht nachgekommen ist. Der Sachver- halt ist als vollständig erstellt zu betrachten, zumal der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe kein neues Sachverhaltselement vorbringt. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ist zu verneinen. 4.5.2 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung der Begründungs- pflicht. Die Vorinstanz habe sein jugendliches Alter nicht berücksichtigt und ihre Argumentation sei spitzfindig sowie konstruiert. Dazu ist festzuhalten, dass diese Fragen nicht die Begründungspflicht betreffen, sondern die ma- terielle Würdigung. Aus der angefochtenen Verfügung geht nachvollziehbar hervor, aufgrund welcher Überlegungen die Vorinstanz Zweifel an der In- haftierung des Beschwerdeführers hat, mithin das Kern vorbringen des Asylgesuchs als nicht glaubhaft erachtet. Dem Beschwerdeführer war es denn auch möglich, sich ein Bild über die Tragwei te des Entscheides zu machen und diesen sachgerecht anzufechten , wie die vorliegende Be- schwerde zeigt. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt nicht vor. 4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör, namentlich den Untersu- chungsgrundsatz und die Begründungspflicht, nicht verletzt hat. Die Rügen erweisen sich demnach als unbegründet, weshalb keine Veranlassung be- steht, die Sache aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende Subeventualantrag ist abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die E-7446/2018 Seite 8 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfäl schte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2). 6. 6.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG standhalten. Es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, glaubhaft zu machen, we- gen des Verdachts, das Land illegal verlassen zu wollen, inhaftiert worden zu sein. Seine Aussagen würden diverse Widersprüche und Ungereimthei- ten aufweisen. In der BzP habe er zunächst angegeben, vom (…) bis zum (…) 2015 in Haft gewesen zu sein. Später habe er ausgeführt, er sei vom (…) 2015 bis zum (…) 2015 inhaftiert gewesen und gleichzeitig habe er behauptet, es seien (…) Monate gewesen. Anlässlich der Anhörung habe er demgegenüber vorgebracht, er sei vom (…) 2015 bis zum (…) 2015 im Gefängnis gewesen. Ferner habe er angegeben, zum Zeitpunkt der Ver- haftung in der neunten Klasse gewesen zu sein. Er habe jedoch keine An- gaben dazu machen können, wie lange er schon in der neunten Klasse gewesen sei, als er inhaftiert worden sei. Stattdessen sei er der Frage aus- gewichen und habe gemeint, er habe gerade Schulferien gehabt. Er habe auch nicht gew usst, wann das Schuljahr beginne und ende sowie wann Schulferien seien. Solche Angaben wären jedoch von einer Person zu er- warten gewesen, welche neun Jahre die Schule besucht hat. Betreffend die Haftentlassung habe sich der Beschwerdeführer ferner wi- dersprüchlich geäussert. In der BzP habe er angegeben, seine Eltern hät- ten mit dem Gefängnisdirektor Kontakt aufgenommen, worauf er – der Be- schwerdeführer – unter Vorlage von (…) freigelassen worden sei. Anläss- lich der Anhörung habe er zunächst nicht konkret ausführen könne n, wie seine Eltern von seiner Inhaftierung erfa hren hätten. Er habe auch nicht gewusst, wen sie gefragt hätten, um von der Inhaftierung zu erfahren. Kurz E-7446/2018 Seite 9 darauf habe er angegeben, ein (…) arbeite als (…) und habe ihn eine Wo- che nach seiner In haftierung im Gefängnis besucht, worauf er die Eltern informiert habe. Betreffend den Zeitraum nach der Haftentlassung bis zu seiner Ausreise habe der Beschwerdeführer in der BzP angegeben, er sei zu Hause gewe- sen und habe seinen Eltern in der Landwirtschaft geholfen. Anlässlich der Anhörung habe er zunächst ausgeführt, er habe sich aus Angst, bei einer Razzia im Dorf aufgegriffen zu werden, die meiste Zeit in die Einöde zu- rückgezogen. Später in der Anhörung habe er angegeben, er habe sich mit Personen im Quartier unterhalten. Eines Tages hätten sie sich über die il- legale Ausreise ausgetauscht. Auf die Diskrepanz dieser Aussagen ange- sprochen, habe er ausgeführt, er habe sich nachts in der Einöde versteckt und sei tagsüber zu Hause gewesen. Dies erscheine indes nicht logisch, zumal Razzien auch tagsüber stattfinden würden. Die Schilderung des Beschwerdeführers zum angeblichen Gefängnisauf- enthalt vermittle darüber hinaus nicht den Eindruck eines persönlichen Er- lebnisses. Er habe zwar einige Aspekte, welche in eritreischen Gefängnis- sen durchaus an der Tagesordnung sei n dürften, genannt, wie beispiels- weise die Schläge, die Hitze, der Dreck, die Läuse oder die Schlafsituation. Dennoch beschränke sich seine Erzählung im Wesentlichen auf eine Auf- zählung gewisser angeblicher Erfahrungen ohne persönlichen Bezug. Sol- che Angaben könnten auch leicht von einer unbeteiligten Person nacher- zählt werden. Beispielweise habe er geltend gemacht, geschlagen worden zu sein, ohne aber die jeweiligen Umstände dieser Malträtierungen in sub- stantiierter Weise darzulegen. Seine Schilderungen zur Zeit in Haft seien oberflächlich, schemenhaft und würden nicht auf persönl ich Erlebtes hin- deuten, weshalb von einer konstruierten Geschichte auszugehen sei. Schliesslich sei die illegale Ausreise – ungeachtet der Glaubhaftigkeit – nicht asylrelevant. Andere Anknüpfungspunkte, welche den Beschwerde- führer in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er- scheinen lassen würden, seien nicht ersichtlich. 6.2 In der Rechtsmitteleingabe rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 7 und Art. 3 AsylG. Die Begründung der Vorinstanz stütze sich grösstenteils auf vermeintliche Widersprüche zwischen BzP und Anhörung. Ihre Ausführungen, wonach er sich bezüglich der Haftdauer und des Schul- besuchs widersprochen habe, sei en klar aktenwidrig. Seine Vorbringen seien unter Berücksichtigung des Länderkontexts und angesichts seiner E-7446/2018 Seite 10 Minderjährigkeit ausges prochen substantiiert ausgefallen. Insbesondere zum Gefängnisaufenthalt habe er zahlreiche, umfassend e und detaillierte Angaben machen könne n, die klar auf Selbsterlebtes hindeuten würden. Die Schilderung der improvisierten Schlafmöglichkeiten und diejenigen zu den beiden «Capos» seien ausgesprochen lebensnah. Ferner habe er aus- geführt, wie er in der sogenannten «Otto» -Position gefesselt worden sei. Auch seine Haftentlassung habe er detailliert beschrieben. Zudem habe er die Zeit nach seiner Haftentlassung mit Details und Realkennzeichen ver- sehen beschrieben. Er sei Wehrdienstverweigerer, da er sich durch Verste- cken den Behörden entzogen habe. 6.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, soweit der Beschwer- deführer geltend mache, das SEM habe im Rahmen der Prüfung der Glaubhaftigkeit seine Minderjährigkeit nicht berücksichtigt, sei festzuhal- ten, dass sich seine substanzlosen, teils widersprüchlichen und auswei- chenden Aussagen nicht einzig mit der Minderjährigkeit begründen liessen. Viel eher würden seine Aussagen darauf hindeuten, dass er seine Vorbrin- gen nicht selbst erlebt habe. 7. 7.1 In Übereinstimmung mit den Ausführungen des Beschwerdeführers gilt es bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit zu berücksichtigen, dass die Befra- gung zur Person hinsichtlich der Asylvorbringen lediglich einen summari- schen Charakter aufweist, weshalb gemäss ständiger Rechtsprechung den dort protokollierten Aussagen grundsätzlich nur ein beschränkter Beweis- wert zukommt. Widersprüche dürfen daher für die Beurteilung der Glaub- haftigkeit nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen der Be- fragung in wesentlichen Punkten von den Asylvorbringen in den späteren Aussagen in der Anhörung diametral abweichen oder wenn bestimmte Er- eignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe ge- nannt werden, nicht bereits in der Befragung zumindest ansatzweise er- wähnt wurden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D -4295/2017 vom 9. Ja- nuar 2019 E. 6.1.2 m.w.H; Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3). Vor diesem Hintergrund ist dem Beschwerdeführer beizupflichten, dass die Ausführungen der Vorinstanz, wonach seine Aussagen betreffend den Zeit- punkt der Haft widersprüchlich seien, nicht zutreffen . Dem Protokoll der BzP lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer zunächst ausführte, er sei vom (…) 2015 bis zum (…) 2015 inhaftiert gewesen. An anderer Stelle gab er an, er sei vom (…) 2015 bis zum (…) 2015 inhaftiert gewesen. E-7446/2018 Seite 11 Dabei betonte er mehrmals, er sei (…) Monate in Haft gewesen. In diesem Zusammenhang hielt der Befrager zu Handen des Protokolls fest, der Be- schwerdeführer habe Mühe mit Zahlen und merke gar nicht, dass er unter- schiedliche Angaben mache. Im Rahmen der Rückübersetzung erklärte der Beschwerdeführer denn auch von sich aus , die protokollierten Daten seien nicht korrekt. Er sei vom (…) 2015 bis zum (…) 2015 in Haft gewesen (vgl. A7/13 Ziff. 1.06). Anlässlich der Anhörung gab er in Übereinstimmung mit den Aussagen in der BzP zu Protokoll, er sei am (…) 2015 verhaftet und am (…) 2015 freigelassen worden, mithin (…) Monate inhaftiert gewe- sen zu sein. Ein Widerspruch lässt sich demnach nicht erkennen. 7.2 Von entscheidender Bedeutung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ist vorliegend indessen die fehlende Substanz in den Aussagen des Be- schwerdeführers. Seine freien Ausführungen zur Inhaftierung sind zwar re- lativ lang ausgefallen und der Beschwerdeführer erwähnte einige Details wie sie in eritreischen Gefängnissen üblich sein dürften, wie beispielsweise die Hitze, der Dreck, die Läuse, die Platzverhältnisse und die Fesselung in der «Otto»-Position. Seine Äusserungen beschränken sich jedoch auf de- tailarme und wiederholende Sätze (vgl. A21/24 F50, F78, F84). Schilderun- gen von Emotion en und persönlicher Betroffenheit fehlen gänzlich. So führte der Beschwerdeführer jeweils aus, es sei unerträglich und schlimm gewesen (vgl. a.a.O. F50 und F167). Auch seine Aussagen zu seinem Ver- hältnis zu den beiden «Capos» blieben substanzlos und insbesondere ohne persönliche Betroffenheit (vgl. a.a.O. F90 ff.). Damit vermag der Be- schwerdeführer die Inhaftierung nicht in lebensnaher Weise zu schildern . Insgesamt entsteht nicht der Eindruck, der Beschwerdeführer berichte von Selbsterlebtem. Sodann konnte er weder zum Inhalt des Formulars, wel- ches er bei seiner Entlassung unterzeichnet hat, noch zum Haftschein, wel- chen er erhalten hat, detaillierte Angaben machen (vgl. a.a.O. F103 f. und F111 ff.) Weiter bleibt unklar, ob der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Verhaftung die neunte Klasse bereits abgeschlossen hatte. In der BzP gab er an, er habe die neunte Klasse nicht ab geschlossen (vgl. A7/13 Ziff.1.17.04). In der Anhörung führte er aus, im (…) 2015 sei er in der neun- ten Klasse gewesen. Im (…) 2015 habe er Schulferien gehabt (vgl. A21/24 F156 f.). Auf die Frage, wann das Schuljahr in Eritrea beginne und ende, antwortete er im (…). Er könne sich jetzt nicht daran erinnern; er habe keine Ahnung (vgl. a.a.O. F23). Gemäss den Aussagen anlässlich der Anhörung hätte der Beschwerdeführer demnach die neunte Klasse im Zeitpunkt sei- ner Inhaftierung bereits abgeschlossen gehabt. Sodann erstaunt, dass er als Schüler nicht angeben kann, wann das Schuljahr in Eritrea beginnt und endet. E-7446/2018 Seite 12 7.3 Ferner ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass sich der Beschwer - deführer zum Zeitraum zwischen der Haftentlassung und der Ausreise unvereinbar geäussert hat. Um Wiederholungen zu vermeiden kann dies- bezüglich auf die zutreffende n Ausführungen in der angefocht enen Ver- fügung verwiesen werden. Sodann erscheint nicht nachvollziehbar, wes - halb sich der Beschwerdeführer aus Angst vor einer Razzia lediglich nachts in der Einöde versteckt hat, zumal es sich bei einer Razzia definitions - gemäss um eine unangekündigte und überraschend durchgeführte Aktion handelt, die zeitlich kaum zum vornherein hätte eingeordnet beziehungs- weise eingegrenzt werden können. Auch nicht nachvollziehbar ist, warum die eritreischen Behörden den Beschwerdeführer aus der Haft hätten entlassen sollen, um ihn dann dennoch weiter zu suchen. Sodann hat der Beschwerdeführer verneint, ein Aufgebot für den Militärdienst erhalten zu haben oder sonst wie in Kontakt mit den Militärbehörden gestanden zu sein (vgl. A21/24 F57). Auch nach seiner Ausreise sei nichts mehr passiert (vgl. A13/9 Ziff. 7.01). Entgegen der in der Rechtsmittele ingabe vertretenen Ansicht kann er demnach nicht als Dienstverweigerer angesehen werden. Die blosse Möglichkeit, dass er in den eritreischen Nationaldienst ein - gezogen wird, ist asylrechtlich nicht relevant. Es handelt sich dabei nicht um eine Massnahme, die aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten Motiven erfolgt (vgl. Urteil des BVGer D -7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 5.1 [als Referenzurteil publiziert]). 7.4 Schliesslich hat die Vorinstanz in der Vernehmlassung zutreffend aus- geführt, dass sich die substanzlosen und teils widersprüchlichen Aussagen nicht einzig mit der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers begründen lassen. Im Übrigen stand der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Anhörung kurz vor Erreichen der Volljährigkeit. 7.5 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea bestehen- de oder ihm drohende asylrelevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. E-7446/2018 Seite 13 8. 8.1 Bezüglich der illegalen Ausreise ist festzuhalten, dass das Bundesver- waltungsgericht im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenz- urteil publiziert) zum Schluss gelangte, dass im Kontext von Eritrea die il- legale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht mehr ausreiche. Vielmehr bedürfe es hierzu zusätzlicher Anknüpfungs- punkte, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Be- hörden als missliebige Person erscheinen lasse und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl. a.a.O. E. 5.1). 8.2 Aufgrund dieser Praxisänderung kann auf weitere Ausführungen zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich der il- legalen Ausreise verzichtet werden. Der Beschwerdeführer weist neben der illegalen Ausreise keine relevanten zusätzlichen Anknüpfungspunkte für eine S chärfung seines Profils auf. Eine Furcht vor einer zukünftigen flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung wegen illegaler Ausreise erweist sich somit als unbegründet. 8.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 9. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, E-7446/2018 Seite 14 wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Eritrea ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 10.4 10.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Koordinationsentscheid BVGE 2018 VI/4 mit der Frage befasst, ob der Vollzug der Wegweisung auch angesichts einer drohenden Einziehung in den eritreischen National- dienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AIG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AIG) qualifiziert werden könne. Beides hat das Gericht mit den folgenden Erwä- gungen bejaht: 10.4.2 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, Nationaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus- übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse gegenüber der betreffenden Person durch den eritreischen Staat bezeichnet werden. Zudem kann, E-7446/2018 Seite 15 auch wenn der Nationaldienst formal nicht befristet ist und sich teilweise über Jahre erstreckt, nicht von jenem dauerhaften Zustand ausgegangen werden, der für die Annahme von Leibeigenschaft vorausgesetzt wäre. Beim eritreischen Nationaldienst handelt es sich demnach weder um Skla- verei noch um Leibeigenschaft im Sinn von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1 insbes. 6.1.4). 10.4.3 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner Zweckentfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte Wirtschaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Na- tionaldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht als "übliche Bürgerpflicht" im Sinn von Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstan- den werden. Die Bedingungen im Nationaldienst sind folglich grundsätzlich als Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Ein- schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestim- mung ihres essen ziellen Inhalts berauben würde. Eine solche Situation liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der niedri- gen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe wäh- rend der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.5). 10.4.4 In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Koordinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund der Verhältnisse im Nationaldienst oder im Zusammenhang mit einer allfälligen Inhaftierung – beispielsweise aufgrund einer illegalen Aus- reise – eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. Auch in diesem Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Eritrea Misshandlun- gen und sexuelle Übergriffe während der Dienstzeit oder im Fall einer In- haftierung nicht derart flächendeckend sind, dass jede nach Eritrea zurück- kehrende dienstpflichtige Person dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein ernsthaftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl. a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.6 und E. 6.1.8). 10.4.5 Nach dem vorstehend Ausgeführten stehen einerseits das Verbot der Sklaverei und de r Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) dem Vollzug E-7446/2018 Seite 16 der Wegweisung des Beschwerdeführers auch bei einer anstehenden Ein- ziehung in den Nationaldienst nicht entgegen. Andererseits ist aufgrund der verfügbaren Quellen auch nicht davon auszugehen, es bestehe ge nerell das ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs - und Pflichtarbeit während des Nationaldiensts (Art. 4 Abs. 2 EMRK). 10.5 Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, der Beschwerdeführer müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotene Strafe oder Behandlung befürchten. Auch die problematische allgemeine Menschenrechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungs - vollzug zum heutigen Zeitpunkt praxisgemäss nicht als unzulässig erschei- nen. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich da- mit – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun- gen – als zulässig. 10.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 10.6.1 Gemäss Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise ei- ner generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Be- reichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwie- rig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zu- gang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfang- reichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevöl- kerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung aus- gegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Fakto- ren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D -2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 10.6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im bereits zitierten Grund- satzurteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 auch mit der Frage befasst, ob E-7446/2018 Seite 17 der Vollzug der Wegweisung im Falle einer drohenden Einziehung in den eritreischen Nationaldienst als zumutbar zu qualifizieren ist. Es stellte fest, dass der drohende Einzug in den eritreischen Nationaldienst mangels einer hinreichend konkreten Gefährdung nicht generell zur Feststellung der Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG führt (vgl. a.a.O. E. 6.2). 10.6.3 Zur Zumutbarkeit der Wegweisung führte die Vorinstanz in der an- gefochtenen Verfügung aus, in Eritrea herrsche weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, welche zu einer generellen Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führen würde. Auch in individueller Hinsicht sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Er sei jung, gesund und verfüge in Eritrea über ein familiäres Beziehungsnetz, womit eine gesicherte Wohnsituation und eine Existenzgrundlage vorhanden sei. Er sei in der Lage gewesen, (…) US-Dollar für die Reise in die Schweiz aufzubringen. Es sei demnach davon auszugehen, dass seine Familie über entsprechende finanzielle Mittel verfüge, was sich auf eine Rückkehr be- günstigend auswirken dürfte. 10.6.4 Das Gericht schliess t sich vollumfänglich den zutreffenden Erwä- gungen der Vorinstanz zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an, zu- mal der Beschwerdeführer diesen in der Rechtsmitteleingabe nichts entge- gensetzt. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zumutbar. 10.7 Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea ist zurzeit gen erell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerde- führer, bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für e ine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG). 10.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisung svollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). E-7446/2018 Seite 18 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, d en rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde und keine massgebende Veränderung der finanziellen Verhältnisse ersicht- lich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-7446/2018 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin Versand: