<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 63 S.309</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">309</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>63</b></span> <span class="ft2"><b>Grundstückgewinnsteuer; Steueraufschub bei Ersatzbeschaffung (§ 98</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ein Steueraufschub infolge Ersatzbeschaffung kann nur gewährt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werden, wenn sowohl das veräusserte als auch das ersatzbeschaffte</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">310</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>Objekt dauernd und ausschliesslich selbst zu Wohnzwecken genutzt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wurde bzw. wird und für die Zeit des Selbstbewohnens dieser Lie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>genschaften von der den Steueraufschub beanspruchenden Person</b></span><br/> <span class="ft2"><b>deren Eigenmietwert versteuert wird.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">15. November 2006 in Sachen R.E., 3-RV.2006.55/K 9285</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. Mit Kaufvertrag vom 22. August 1997 kaufte der Rekurrent</span><br/> <span class="ft1">von A.H. die Liegenschaft GB Sch. Nr. 930 zum Preis von pauschal</span><br/> <span class="ft1">Fr. 300'000.--. Mit Kaufvertrag vom 24. September/1. Oktober 2002</span><br/> <span class="ft1">verkaufte er diese Liegenschaft für pauschal Fr. 420'000.-- an die X.</span><br/> <span class="ft1">2.2. Mit Verfügung vom 11. August 2005 veranlagte die Steuer-</span><br/> <span class="ft1">kommission Sch. den Rekurrenten zu einem steuerbaren Grundstück-</span><br/> <span class="ft1">gewinn von Fr. 69'196.-- (Veräusserungserlös Fr. 420'000.-- ./. Er-</span><br/> <span class="ft1">werbspreis Fr. 300'000.-- ./. Aufwendungen Fr. 50'804.--), was bei</span><br/> <span class="ft1">einer massgebenden Besitzesdauer von 6 Jahren und einem Steuer-</span><br/> <span class="ft1">satz von 30 % einen Steuerbetrag von Fr. 20'758.-- ergab. Der Rekur-</span><br/> <span class="ft1">rent beantragt einen Steueraufschub infolge Ersatzbeschaffung (Bau</span><br/> <span class="ft1">des heute von ihm selbstbewohnten Einfamilienhauses in D.) im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von § 98 StG. Die Vorinstanz hat keinen Steueraufschub ge-</span><br/> <span class="ft1">währt, weil der Rekurrent seit dem 1. April 1989 bis zum Wegzug</span><br/> <span class="ft1">nach D. in S. angemeldet war und keine Absicht des dauernden Ver-</span><br/> <span class="ft1">bleibens in der Liegenschaft in Sch. bestanden habe.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1. Gewinne aus der Veräusserung von im Kanton gelegenen</span><br/> <span class="ft1">Grundstücken oder Anteilen an solchen unterliegen der Grundstück-</span><br/> <span class="ft1">gewinnsteuer (§ 95 StG). Die Grundstückgewinnsteuer wird auf Be-</span><br/> <span class="ft1">gehren der steuerpflichtigen Person aufgeschoben bei Veräusserung</span><br/> <span class="ft1">einer dauernd und ausschliesslich selbst genutzten Wohnliegenschaft</span><br/> <span class="ft1">(Einfamilienhaus, Eigentumswohnung oder Beteiligung mit Sonder-</span><br/> <span class="ft1">nutzungsrecht), soweit der dabei erzielte Erlös innert 1 Jahr vor oder</span><br/> <span class="ft1">3 Jahren nach der Veräusserung zum Erwerb oder zum Bau einer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">311</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gleich genutzten Ersatzliegenschaft in der Schweiz verwendet wird</span><br/> <span class="ft1">(§ 98 Abs. 1 StG).</span><br/> <span class="ft1">3.2. Der Steueraufschub infolge Ersatzbeschaffung setzt u.a.</span><br/> <span class="ft1">voraus, dass sowohl das veräusserte als auch das ersatzbeschaffte</span><br/> <span class="ft1">Objekt dauernd und ausschliesslich selbst zu Wohnzwecken genutzt</span><br/> <span class="ft1">wurde bzw. wird. Selbstgenutzt ist eine Wohnliegenschaft, wenn sie</span><br/> <span class="ft1">deren Eigentümer(in) allein oder zusammen mit einer Partne-</span><br/> <span class="ft1">rin/einem Partner oder der eigenen Familie tatsächlich selber be-</span><br/> <span class="ft1">wohnt. In der Literatur und Rechtsprechung wird die Meinung ver-</span><br/> <span class="ft1">treten, dass der Steuerpflichtige am Ort der ,,alten" und der ,,neuen"</span><br/> <span class="ft1">Liegenschaft seinen zivil- bzw. steuerrechtlichen Wohnsitz gehabt</span><br/> <span class="ft1">haben bzw. haben muss (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Muri-Bern 2004, § 98 StG N 6; F. Richner/W. Frei/</span><br/> <span class="ft1">S. Kaufmann/H.U. Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher</span><br/> <span class="ft1">Steuergesetz, 2. Auflage, Zürich 2006, § 216 N 324 und 331 f.;</span><br/> <span class="ft1">StE 2002 B 42.38 Nr. 21; vgl. auch Luzerner Steuerbuch, Bd. 3, Wei-</span><br/> <span class="ft1">sungen GGStG, § 4 Abs. 1 Ziff. 7 N 44 ff.). Das Selbstbewohnen</span><br/> <span class="ft1">beider Liegenschaften berechtigt aber noch nicht zur Gewährung ei-</span><br/> <span class="ft1">nes Steueraufschubs. Weil gemäss § 30 Abs. 1 lit. b StG der Mietwert</span><br/> <span class="ft1">von Liegenschaften oder Liegenschaftsteilen, die der steuer-</span><br/> <span class="ft1">pflichtigen Person auf Grund von Eigentum oder eines unentgeltli-</span><br/> <span class="ft1">chen Nutzungsrechts für den Eigengebrauch zur Verfügung stehen,</span><br/> <span class="ft1">steuerbar ist, setzt die Gewährung eines Steueraufschubs gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 98 StG immer auch voraus, dass für die Zeit des Selbstbewohnens</span><br/> <span class="ft1">der Eigenmietwert der selbstbewohnten Liegenschaft von der den</span><br/> <span class="ft1">Steueraufschub beanspruchenden Person versteuert wird.</span><br/> <span class="ft1">3.3. Der Rekurrent war gemäss den unbestritten gebliebenen</span><br/> <span class="ft1">Angaben der Vorinstanz seit dem 1. April 1989 in S. angemeldet.</span><br/> <span class="ft1">Dort hatte er seither eine Wohnung am G.-weg 3 gemietet, welche er</span><br/> <span class="ft1">per 30. September 2005 kündigte, da er ab Herbst 2005 sein neu er-</span><br/> <span class="ft1">stelltes Haus in D. bewohnt (vgl. ,,Kündigung der Mietwohnung"</span><br/> <span class="ft1">vom 20. Juni 2005). Der Rekurrent wurde seit dem Zuzug in S. bis</span><br/> <span class="ft1">zu seinem Wegzug nach D. immer in S. besteuert, ohne dass er je da-</span><br/> <span class="ft1">gegen opponiert hätte. Diese Tatsachen sprechen für einen ständigen</span><br/> <span class="ft1">Wohnsitz des Rekurrenten in S. und gegen ein Selbstbewohnen der</span><br/> <span class="ft1">Liegenschaft in Sch.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">312</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent wendet dagegen ein, er habe ab März 2002 das</span><br/> <span class="ft1">Erdgeschoss seiner Liegenschaft in Sch. bewohnt, mit der Absicht,</span><br/> <span class="ft1">nach Beendigung des Umbaus das ganze Zweifamilienhaus zu bezie-</span><br/> <span class="ft1">hen, sein Büro in S. in das Obergeschoss zu zügeln und erst dann die</span><br/> <span class="ft1">Schriften in Sch. zu hinterlegen. Selbst wenn das zutreffen sollte,</span><br/> <span class="ft1">was offen gelassen werden kann, könnte dem Rekurrenten betreffend</span><br/> <span class="ft1">dem Verkauf der Liegenschaft in Sch. kein Steueraufschub gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 98 StG gewährt werden, denn er hat es unterlassen, in der Steuerer-</span><br/> <span class="ft1">klärung 2002 für den Zeitraum, in welchem er angeblich die Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaft in Sch. selbstbewohnte, einen Eigenmietwert zu deklarieren</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Wegleitung zur Steuererklärung 2002, Ziff. 6.1 [Eigenmietwert</span><br/> <span class="ft1">Eigenheim]) bzw. die Veranlagungsbehörde um die Festsetzung eines</span><br/> <span class="ft1">Eigenmietwertes zu ersuchen, weil mit der Neuschätzung vom</span><br/> <span class="ft1">8. Januar 1999 (wegen damals fehlendem Selbstbewohnen) kein Ei-</span><br/> <span class="ft1">genmietwert eröffnet wurde. Da der Rekurrent dies unterlassen hat</span><br/> <span class="ft1">(was ein weiteres Indiz gegen ein Selbstbewohnen ist), wurde bei</span><br/> <span class="ft1">ihm im Jahr 2002 für die Liegenschaft in Sch. kein Eigenmietwert</span><br/> <span class="ft1">besteuert. Bei den vom Rekurrenten im Jahr 2002 (fälschlicherweise</span><br/> <span class="ft1">als Eigenmietwert) deklarierten Fr. 7'200.-- handelt es sich um die</span><br/> <span class="ft1">jährlichen Mietzinseinnahmen für die vermietete 3 ½-Zimmerwoh-</span><br/> <span class="ft1">nung, welche sich in der fraglichen Liegenschaft in Sch. befunden</span><br/> <span class="ft1">hat (vgl. dazu den ,,Fragebogen für vermietete Liegenschaften" vom</span><br/> <span class="ft1">22. Mai 1998 sowie das ,,Liegenschaftsverzeichnis" der Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gungsperiode 1999/2000, in welchem der Rekurrent die Fr. 7'200.--</span><br/> <span class="ft1">[bzw. für das Erwerbsjahr 1997 anteilig Fr. 2'400.--] korrekt als</span><br/> <span class="ft1">,,Mietzinseinnahmen Liegenschaft" deklarierte). Sie wurden von der</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz richtigerweise als Mietzinseinnahmen besteuert.</span><br/> <span class="ft1">3.4. Zusammenfassend kommt das Steuerrekursgericht zum</span><br/> <span class="ft1">Schluss, dass dem Rekurrenten kein Steueraufschub im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">§ 98 StG zu gewähren ist, weil die Liegenschaft in Sch. infolge feh-</span><br/> <span class="ft1">lender Deklaration und Besteuerung eines Eigenmietwertes aus steu-</span><br/> <span class="ft1">errechtlicher Sicht nicht als selbstbewohnt gilt.</span><br/></div> </div> </body> </html>