A bteilung III C -796/2006 {T 0/2} U rteil vom 27. A pril 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterinnen Avenati-C arpani und Beutler; G erichtsschreiberin Kaufm ann. W ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für S._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie thailändische Staatsangehörige S._______ (im Folgenden: G esuchstellerin) beantragte am 4. M ai 2006 bei der Schw eizerischen Bot- schaft in Bangkok ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem Freund W ._______ (im Folgenden: G astgeber bzw . Be- schw erdeführer) in W eesen (SG ). D ie Schw eizer Vertretung überw ies das G esuch der Vorinstanz zur Prüfung und zum Entscheid. B. N achdem das Ausländeram t des Kantons St. G allen beim G astgeber w ei- tere Auskünfte eingeholt hatte, verw eigerte die Vorinstanz in einer Verfü- gung vom 1. Juni 2007 die nachgesuche Einreisebew illigung. D ies im W e- sentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W ieder- ausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland sow ie der persönlichen Verhältnisse der G esuchstellerin nicht als gesichert betrachtet w erden. C . M it Beschw erde vom 15. Juni 2006 beantragte der G astgeber beim dam als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) im - plizit, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und der G esuchstelle- rin sei die gew ünschte Einreisebew illigung zu erteilen. Zur Begründung brachte er im W esentlichen vor, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise der G esuchstelle- rin sei nicht gesichert. D iese habe enge Beziehungen zu ihrem H eim at- land, ihrer Fam ilie und ihren Freunden. Sie sei finanziell unabhängig und habe eine Arbeitsstelle, die sie nicht verlieren w olle. Zudem sei ihre M utter schw er krank, und sie w ürde schon aus diesem G runde w ieder in ihre H ei- m at zurückkehren. Sie hätten im M ärz 2005 m iteinander Bekanntschaft ge- schlossen und er habe die G esuchstellerin seither dreim al, im Juli und im N ovem ber 2005 sow ie im M ai 2006 w ieder besucht. Beim geplanten Auf- enthalt in der Schw eiz gehe es nun darum , dass die G esuchstellerin auch seine Fam ilie und sein U m feld kennen lernen könne. Sie hätten zudem nur so die M öglichkeit, einm al längere Zeit zusam m en zu verbringen. Auf die- se und w eitere Vorbringen sow ie auf die zusam m en m it der Beschw erde eingereichten U nterlagen w ird, sow eit entscheidsw esentlich, in den Erw ä- gungen eingegangen. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 19. Juli 2006 die Abw eisung der Beschw erde. D ie G esuchstellerin stam m e aus einer R egi- on, aus der als Folge der dort herrschenden w irtschaftlichen und soziokul- turellen Verhältnisse ein starker Zuw anderungsdruck zu verzeichnen sei. D ie Behörden sähen sich deshalb gezw ungen, eine grundsätzlich restrikti- ve Visum spolitik zu verfolgen. D as R isiko einer nicht fristgerechten bzw . anstandslosen W iederausreise sei nur dann zu relativieren, w enn einem G ast in der H eim at besondere fam iliäre, berufliche oder gesellschaftliche Verpflichtungen oblägen. Von solchen Verpflichtungen könne vorliegend nicht ausgegangen w erden. D ie G esuchstellerin sei jung, ledig und kinder- los. D ie Ausführungen in der Beschw erdeschrift bezüglich Erw erbstätigkeit 3 und bindender Beziehungen zu nahen Fam ilienangehörigen erreichten zu- dem die erforderliche Intensität nicht. E. In einer R eplik vom 18. August 2006 hält der Beschw erdeführer an seinem R echtsbegehren und an dessen Begründung fest. Er und die G esuch- stellerin pflegten eine intensive Beziehung. Sie hätten täglich Kontakt via E-M ail und Telefon und planten eine gem einsam e Zukunft. Allerdings w oll- ten sie nicht überstürzt heiraten. N ur im R ahm en des geplanten Besuchs- aufenthalts der G esuchstellerin in der Schw eiz hätten sie die M öglichkeit, sich noch besser kennen zu lernen. Auf diese und auf w eitere Vorbringen und die in diesem Zusam m enhang eingereichten Bew eism ittel w ird, sow eit entscheidsw esentlich, in den Erw ägungen eingegegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw al- tungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sow eit dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as U rteil des Bundesverw altungsgerichts ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, 4 Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin bedarf aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass eines Visum s. D ie Vorinstanz verw eigerte die Er- teilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 D ie Asienkrise von 1997 liess auch die W irtschaft Thailands schrum pfen, dem Land gelang allerdings schnell der U m schw ung hin zu neuem W irt- schaftsw achstum . Seit 2005 sind die W achstum sw erte w ieder leicht rück- läufig. H auptträger des W achstum s 2005 w aren, gestützt durch um fangrei- che Konjunkturprogram m e der R egierung, der Export und öffentliche In- vestitionen, die den privaten Verbrauch als W achstum sm otor klar abgelöst haben (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand: O ktober 2006). D ie grundsätzlich erm utigenden w irtschaftlichen Entw icklungen können aber nicht über die Tatsache hinw egtäuschen, dass (vor allem in landw irt- schaftlich geprägten Teilen des Landes) nach w ie vor breite Bevölkerungs- schichten von vergleichsw eise schw ierigen ökonom ischen und sozialen Lebensbedingungen betroffen sind. D as Bruttoinlandprodukt pro Kopf der Bevölkerung betrug im Jahre 2005 nur gerade 2'628 U SD . Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die versuchen, ins Ausland zu gelangen, um sich dort unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz sichern zu können. D er Trend zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Freunden bereits ein m i- nim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland besteht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulassungsregelung nicht 5 selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim m ungen. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G e- suchstellerin im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durch- aus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m - gekehrt m uss bei G esuchstellern, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem denpolizeilich nicht vor- schriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchs- aufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 5. 5.1 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine 28-jährige, ledige Frau. Konkrete Verpflichtungen ihrem fam iliären oder sozialen U m feld gegen- über sind keine zu erkennen. Im U m stand allein, dass die G esuchstellerin in ihrer H eim at Fam ilienangehörige und Freunde hat, ist jedenfalls nicht schon eine Besonderheit auszum achen, die G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise zu bieten verm öchte. In diesem Zusam - m enhang w urde in der Beschw erde geltend gem acht, die M utter der G e- suchstellerin sei schw er krank. N ähere oder aktuelle Inform ationen dazu liegen allerdings keine vor, und es w urde auch nicht vorgebracht, dass die M utter auf eine spezielle Betreuung durch die G esuchstellerin angew iesen w äre. 5.2 In beruflicher H insicht ist festzustellen, dass die G esuchstellerin seit Janu- ar 2002 in einem privaten H aushalt als H ausangestellte und Kinderbe- treuerin arbeitet und dabei ein m onatliches Einkom m en von 9'500 Baht (357 C H F; W echselkurs vom 18.4.2007) erzielt, dies gem äss Bescheini- gung des Arbeitgebers. Letzterer bestätigt in einem w eiteren D okum ent, dass die G esuchstellerin nach einem dreim onatigen Auslandaufenthalt ihre Arbeit bei ihm w ieder aufnehm en könnte. D ie solcherm assen dargelegten beruflichen Verhältnisse w eisen zw ar eine gew isse Konstanz auf, m it- telfristig oder gar langfristig dürfte ihnen aber keine Stabilität anhaften. D enn es versteht sich von selbst, dass die Bedürfnisse eines Arbeitgebers gerade im Zusam m enhang m it der Kinderbetreuung sehr rasch ändern können. Allein aus einer solchen Anstellung kann jedenfalls noch nicht auf U m stände geschlossen w erden, die verlässlich von einer Em igration abzu- halten verm öchten. D ie vom Beschw erdeführer betonte starke Bindung der G esuchstellerin an die von ihr betreuten Kinder m uss schon deshalb relati- viert w erden, w eil die G esuchstellerin ihrem Arbeitsplatz nicht etw a nur für einen kurzen Besuch, sondern gleich für ganze drei M onate fernbleiben w ill. 5.3 Insgesam t sind vorliegend in den Verhältnissen vor O rt keine Verpflichtun- gen zu erkennen, w elche die G esuchstellerin nachhaltig davon abhalten könnten, ins Ausland zu em igrieren. D em gegenüber besteht offenbar ein starker Bezug zum Beschw erdeführer und dam it zur Schw eiz. Vor dem aufgezeigten allgem einen und persönlichen H intergrund durfte die Vorin-6 stanz dem nach davon ausgehen, dass keine hinreichende G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise der G esuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. 5.4 D er Beschw erdeführer betont zw ar die Seriosität der Beziehung und seine Absicht, für eine strikte Einhaltung der Besuchsm odalitäten besorgt zu sein. An seiner Integrität und seinem guten W illen ist sicherlich nicht zu zw eifeln. Bei der R isikoeinschätzung sind aber nicht so sehr die Verhält- nisse des G astgebers, als vielm ehr diejenigen des G astes von Bedeutung. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken, nicht aber für ein bestim m tes Verhalten seines G astes in rechtlich oder auch nur faktisch durchsetzbarer W eise garantieren. Letztlich bleibt es dem G ast selbst an- heim gestellt, ob er sich an die deklarierten Vorgaben hält oder nicht. 6. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt. Sie sind durch den am 4. Juli 2006 geleisteten Kostenvorschuss ge- deckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 229 073 m it separater Post) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: A. Trom m er D . Kaufm ann Versand am :