<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 51 S.295</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">295</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>51</b></span> <span class="ft3"><b>Formelle Anforderungen an eine Beschwerde; Unterschrift.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Unterschrift muss in räumlicher und zeitlicher Hinsicht nicht mit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>der Ausfertigung und dem Text zusammenfallen, solange der Bezug</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zur Beschwerdeschrift sichergestellt und die Identifikation gewähr-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>leistet ist (Erw. 2.1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Wird auf eine Beschwerde eines Laien, welche die genannten Vor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>aussetzungen erfüllt, nicht eingetreten, liegt überspitzter Formalis-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mus vor (Erw. 2.3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 13. Februar 2008 in Sa-</span><br/> <span class="ft6">chen V.T. gegen das Bezirksamt Brugg (WBE.2007.350).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 39 Abs. 1 VRPG sind Beschwerden schriftlich bei der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeinstanz einzureichen. Die Schriftlichkeit umfasst auch</span><br/> <span class="ft8">die Notwendigkeit einer eigenhändigen Unterschrift, obwohl das</span><br/> <span class="ft8">Gesetz dies nicht explizit verlangt (AGVE 1996, S. 386). Die Unter-</span><br/> <span class="ft8">zeichnung der Rechtsmittelschrift dient vorab der Identifikation der</span><br/> <span class="ft8">handelnden Person. Durch die Unterschrift anerkennt der Erklärende</span><br/> <span class="ft8">seinen Willen und dem Umfang seiner Willenserklärung, d.h. zum</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeantrag und zur Begründung (vgl. BGE 119 III 6). Die</span><br/> <span class="ft8">Unterschrift muss in räumlicher und zeitlicher Hinsicht nicht mit der</span><br/> <span class="ft8">Ausfertigung und dem Text zusammenfallen, solange der Bezug zur</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeschrift sichergestellt und die Identifikation gewährleistet</span><br/> <span class="ft8">ist (Bruno Schmidlin, in: Berner Kommentar, Band VI/1, Bern 1986,</span><br/> <span class="ft8">Art. 13 OR, N 5). Die Unterschrift braucht deshalb nicht unterhalb</span><br/> <span class="ft8">des Textes platziert werden. Nach der Rechtsprechung genügt es,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">296</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">wenn sie beispielsweise auf der Rückseite des Briefumschlages steht,</span><br/> <span class="ft8">der die entsprechende Erklärung enthält (AGVE 1985, S. 472 m.H.).</span><br/> <span class="ft8">Nach Merker muss die Unterschrift den Beschwerdetext abdecken,</span><br/> <span class="ft8">weshalb sie zu Beginn des Schriftsatzes oder auf einem separaten</span><br/> <span class="ft8">Schreiben in der Regel nicht genüge, es sei denn, der Bezug zur Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerde sei ohne weiteres ersichtlich (Michael Merker, Rechts-</span><br/> <span class="ft8">mittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen</span><br/> <span class="ft8">Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar zu den §§ 38-</span><br/> <span class="ft8">72 VRPG], Diss. Zürich 1998, § 39 N 3).</span><br/> <span class="ft8">2.2.</span><br/> <span class="ft8">Genügt die Beschwerdeschrift den formellen Anforderungen</span><br/> <span class="ft8">nicht, ist eine angemessene Frist zur Verbesserung anzusetzen, unter</span><br/> <span class="ft8">Androhung des Nichteintretens bei Unterlassung (§</span> <span class="ft8">39 Abs.</span> <span class="ft8">3</span><br/> <span class="ft8">VRPG).</span><br/> <span class="ft8">2.3.</span><br/> <span class="ft8">Der Beschwerdeführer hat seine Beschwerde vom 12. Septem-</span><br/> <span class="ft8">ber 2007 nicht unterzeichnet. Die Vorinstanz hat daher zu Recht in</span><br/> <span class="ft8">Anwendung von § 39 VRPG dem Beschwerdeführer eine Nachfrist</span><br/> <span class="ft8">angesetzt. In seiner Eingabe vom 11. Oktober 2007 hat es der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer unterlassen, eine unterzeichnete Kopie der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeschrift nachzureichen. Indessen hat er die von der Vorin-</span><br/> <span class="ft8">stanz mit gleicher Verfügung verlangten Unterlagen eingereicht und</span><br/> <span class="ft8">das Begleitschreiben zu dieser Eingabe unterzeichnet. Diese Unter-</span><br/> <span class="ft8">schrift nimmt Bezug auf die Verfügung vom 13. September 2007 und</span><br/> <span class="ft8">damit auf das Beschwerdeverfahren, welches mit der Beschwerde</span><br/> <span class="ft8">vom 12. September 2007 eingeleitet wurde. Ein Zusammenhang die-</span><br/> <span class="ft8">ser Eingabe zur Beschwerde ist damit erstellt (siehe oben Erw. 2.1).</span><br/> <span class="ft8">Zwar fehlt die formale Unterschrift unter dem Beschwerdetext, weil</span><br/> <span class="ft8">der Beschwerdeführer es versäumt hat, die unterzeichnete Kopie ein-</span><br/> <span class="ft8">zureichen. Indessen kann über die Identität des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft8">ebenso wenig Zweifel bestehen wie über seinen Willen, die Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeanträge und ihre Begründung in der Beschwerdeschrift auf-</span><br/> <span class="ft8">recht zu halten. Die mit dem Formerfordernis bezweckte Rechts-</span><br/> <span class="ft8">sicherheit und die Schaffung klarer Verhältnisse für das Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">verfahren sind damit gewährleistet. (...). Das aus dem Rechtsverwei-</span><br/> <span class="ft8">gerungsverbot bzw. dem Gebot von Treu und Glauben (Art. 9 und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">297</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Art. 29 Abs. 1 BV) nach der Praxis des Bundesgerichtes abgeleitete</span><br/> <span class="ft8">Verbot des überspitzten Formalismus richtet sich gegen eine pro-</span><br/> <span class="ft8">zessuale Formstrenge, die als exzessiv erscheint, durch kein schutz-</span><br/> <span class="ft8">würdiges Interesse gerechtfertigt ist, zum blossen Selbstzweck wird</span><br/> <span class="ft8">und die Verwirklichung des materiellen Rechts in unhaltbarer Weise</span><br/> <span class="ft8">erschwert oder gar verhindert. Überspitzter Formalismus kann so-</span><br/> <span class="ft8">wohl in den angewendeten Formvorschriften des kantonalen Rechtes</span><br/> <span class="ft8">liegen als auch in den daran geknüpften Rechtsfolgen (BGE 127 I 31</span><br/> <span class="ft8">E. 2a/bb S. 34; 125 I 166 E. 3a S. 170; 121 I 177 E. 2b/aa S. 179 f.;</span><br/> <span class="ft8">119 Ia 4 E. 2a S. 6, je mit Hinweisen). Aus dem unterzeichneten Be-</span><br/> <span class="ft8">gleitbrief, mit welchem der Beschwerdeführer die mit der Instrukti-</span><br/> <span class="ft8">onsverfügung verlangten Unterlagen einreichte, ergibt sich zwanglos,</span><br/> <span class="ft8">dass er die Beschwerde aufrecht hielt und seine Beschwerdeschrift</span><br/> <span class="ft8">bestätigte. Indem die Vorinstanz auf die Beschwerde eines Laien</span><br/> <span class="ft8">nicht eingetreten ist, weil er seiner Eingabe ein unterzeichnetes</span><br/> <span class="ft8">Exemplar seiner Beschwerdeschrift nicht beigelegt hat, erweist sich</span><br/> <span class="ft8">der Entscheid als überspitzt formalistisch und widerspricht auch dem</span><br/> <span class="ft8">Grundsatz von Treu und Glauben (§ 3 Abs. 2 Satz 1 VRPG).</span><br/></div> </div> </body> </html>