Kantonsgericht Schwyz Urteil vom 28. April 2020 STK 2019 8 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin lic. iur. Daniela Pérez-Steiner, Kantonsrichter lic. iur. Walter Züger, Bettina Krienbühl, Dr. Stephan Zurfluh und Walter Christen, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen A.________, Beschuldigter und Berufungsführer, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, gegen Staatsanwaltschaft March, Postfach 162, Rathausplatz 1, 8853 Lachen, Anklagebehörde und Berufungsgegnerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________, betreffend qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln, vorsätzliches Fahren in fahrunfähigem Zustand, grobe Verletzung der Verkehrsregeln, Übertretung des BetmG (Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts March vom 24. September 2018, SGO 2018 10);- hat die Strafkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben: A. Aufgrund von Meldungen, ein Lenker eines silbrigen BMW mit italieni- schen Kontrollschildern überhole auf der Autobahn A 3 in Richtung Zürich mehrere Fahrzeuge rechts auf dem Pannenstreifen sowie zwischen auf der Normal- und der Überholspur fahrenden Fahrzeugen hindurch, warteten zwei Beamte der Kantonspolizei Zürich am Sonntag, 16. Juli 2017 in Wollerau auf das verdächtige Fahrzeug. Nachdem dieses Fahrzeug sie passierte, folgten die Beamten dem Wagen. Sie beobachteten unter anderem ein Rechtsüber- holmanöver und zogen das Fahrzeug aus dem Verkehr. Dessen Lenker nah- men sie um 19.00 Uhr in Polizeihaft (U-act. 4.1.01). Der Beschuldigte räumte mehrfaches Rechtsüberholen, etwa beim Einfahren auf die Autobahn auf dem Pannenstreifen ein, bestritt aber, waghalsig bzw. in einem Slalom bzw. zwi- schen Autos hindurch überholt zu haben. Er wurde am 22. August 2017 aus der Untersuchungshaft entlassen (U-act. 4.1.20). B. Am 29. Mai 2018 klagte die Staatsanwaltschaft March den Beschuldig- ten beim Bezirksgericht March der mehrfachen qualifizierten, eventualiter gro- ben Verletzung von Verkehrsregeln in vier durch Zeugen beschriebenen Vor- fällen waghalsigen Überholens bzw. Rechtsüberholens mit übersetzter Ge- schwindigkeit vor der Polizeikontrolle und der groben Verletzung von Ver- kehrsregeln in dem durch die Polizei auf Video erfassten Vorfall sowie des Fahrens in fahrunfähigem Zustand und der Übertretung des Betäubungsmit- telgesetzes an. C. Das Bezirksgericht erkannte mit Urteil vom 24. September 2018: 1. Der Beschuldigte A.________ ist schuldig 1.1 der mehrfachen qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsre- geln durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln (waghalsiges Überholen) im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 1 SVG, Art. 12 Abs.1 VRV, Art. 36 Abs. 3 und 5 VRV;Kantonsgericht Schwyz 3 1.2 des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Motorfahrzeug, qualifizierte Atemalkohol- oder Blutalkoholkonzentration) im Sinne von Art. 91 Abs. 2 Bst. a SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG, Art. 55 Abs. 6 SVG, Art. 2 Abs. 1 VRV und Art. 2 Verordnung der Bundesversammlung über Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr; 1.3 der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln durch Rechtsüberholen und Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 5 VRV, Art. 8 Abs. 3 VRV, Art. 12 Abs. 1 VRV, Art. 36 Abs. 5 VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV; 1.4 der Übertretung des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 24 Monaten, davon 6 Monate unbedingt, wovon 37 Tage als durch Untersuchungshaft geleistet angerechnet werden und einer Busse von Fr. 100.00 (ersatzweise 1 Tag Freiheitsstrafe). 3. Die Probezeit für den bedingt vollziehbaren Teil der Freiheitsstrafe beträgt 3 Jahre. Die Busse ist zu bezahlen. 4. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 11. Mai 2017 bei einer Probezeit von 2 Jahren bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 90.00 wird widerrufen. 5. Die Verfahrenskosten […] betragen Fr. 29'173.95. 6. Die Verfahrenskosten von Fr. 29'173.95 werden im Umfang von Fr. 27'913.95 dem Beschuldigten und im Übrigen (= Fr. 1 '260.00) der Bezirksgerichtskasse überbunden. 7. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, RA B.________, wird (einstweilen) durch die Gerichtskasse mit Fr. 11'824.20 (inkl. Auslagen und MwSt.) entschädigt. Vorbehalten bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten nach Art. 135 Abs. 4 StPO. 8./9. [Rechtsmittel und Mitteilung]. D. Mit Berufung vom 19. Februar 2019 beantragte der Beschuldigte, Dispo- sitivziffern 1.1 und 1.3 sowie 2 und 3 des Urteils des Bezirksgerichts March vom 24. September 2018 vollumfänglich aufzuheben und ihn der einfachen groben Verletzung der Verkehrsregel, eventualiter der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig zu sprechen und mit einer bei einer Kantonsgericht Schwyz 4 Probezeit von drei Jahren bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten und einer Busse von Fr. 100.00 zu bestrafen, wobei 37 Tage Untersuchungshaft anzu- rechnen seien. Zudem stellte er den Beweisantrag, ein Gutachten über eine allfällige verminderte Schuldfähigkeit des zum Tatzeitpunkt unter Alkohol- und Kokaineinfluss stehenden Beschuldigten einzuholen. Die zunächst angesetzte mündliche Berufungsverhandlung wurde zufolge Unerreichbarkeit des Be- schuldigten abzitiert und im Einverständnis der Verteidigung (KG-act. 16) ein schriftliches Verfahren durchgeführt. In der schriftlichen Berufungsbegründung vom 7. Januar 2020 hielt die Verteidigung an den Anträgen fest (KG-act. 20). Die Staatsanwaltschaft beantwortete die Berufung am 7. Februar 2020 und beantragte, sie abzuweisen (KG-act. 22). Dazu nahm die Verteidigung am 19. Februar 2020 nochmals Stellung (KG-act. 24);- in Erwägung: 1. Unangefochten und rechtskräftig sind die erstinstanzlichen Schuld- sprüche des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (angef. Urteil Dispositivziff. 1.2) und der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (Ziff.1.4). Dagegen ist der Nachweis und die Qualifikation der groben bzw. qualifizierten Verletzungen von Verkehrsregeln (Ziff. 1.1 und 1.3) angefochten. Dabei geht es um folgende fünf angeklagten Vorfälle (wobei die Vorfälle 1-4 durch Anklageziffer 1 bzw. Dispositivziffer 1.1 des angefochtenen Urteils und der Vorfall 5 durch Anklageziffer 3 bzw. Dispositivziffer 1.3 erfasst sind): - Erstens soll der Beschuldigte unmittelbar nach der Autobahneinfahrt Glarus Nord in Bilten (Autobahnkilometer 155.500, U-act. 8.1.13 S. 2) mindes- tens ca. 20 Personenwagen, die mit ca. 100-110 km/h fuhren, auf dem Pan- nenstreifen mit einer Geschwindigkeit von ca. 140 km/h rechts überholt haben (Zeugnis D.________).Kantonsgericht Schwyz 5 - Zweitens soll der Beschuldigte kurze Zeit später um ca. 16.30 Uhr im Bereich der Autobahnkilometer 156-154 zwischen zwei um ca. eine halbe Wagenlänge versetzt nebeneinander fahrenden Personenwagen und weitere zehn versetzt fahrende Fahrzeuge slalomartig links bzw. rechts überholt ha- ben (Zeugnis E.________). - Drittens soll der Beschuldigte um ca. 16.35 Uhr bei Autobahnkilometer 148-147 mindestens ca. 20 auf der Normal- und der Überholspur mit ca. 80 km/h bzw. ca. 120-130 km/h fahrenden Personenwagen mit einer Ge- schwindigkeit von ca. 160-170 km/h rechts auf dem Pannenstreifen überholt haben (Zeugnis F.________). - Viertens soll der Beschuldigte auf der Höhe der ehemaligen Zürcher-Zie- geleien in Tuggen (Autobahnkilometer 146.630, U-act. 8.1.13 S. 2) von der Überholspur herkommend über die Normalspur auf den Pannenstreifen fah- rend einen zum Überholen ansetzenden Personenwagen und ein Motorfahr- zeug mit Wohnwagenanhänger rechts mit einer Geschwindigkeit von ca. 140 km/h überholt haben (Zeugnis G.________; vgl. etwa U-act. 8.1.15). - Fünftens soll der Beschuldigte schliesslich nach dem Kilometer 128 (vgl. U-act. 8.1.01 S. 3) auf der Überholspur einem Personenwagen zu nahe aufgefahren sein und diesen in der Folge ohne zu blinken auf der Normalspur rechts überholt und zurückschwenkend auf die Überholspur einem weiteren Wagen mit einer Geschwindigkeit von ca. 120 km/h auf weniger als 15 m auf- gefahren sein (Polizeivideo, U-act. 8.1.03). Der Beschuldigte betrachtet alle Vorfälle einheitlich als eine Widerhandlung und beantragt dafür der einfachen und nur eventualiter der mehrfachen gro- ben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig gesprochen und bestraft zu werden. In einem separaten Eventualantrag ver- langt er wegen der ersten vier Vorfälle der einfachen qualifizierten Verletzung Kantonsgericht Schwyz 6 der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 3 SVG und bezüglich des fünften Vorfalls der einfachen groben Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig gesprochen zu werden. 2. Vorliegend löst sich das Geschehen anhand der Örtlichkeiten und den Berichten von Zeugen bzw. einer Videoaufnahme in abgrenzbare Tathandlun- gen auf. Die fünf Vorfälle fügen sich nicht zu einer einheitlichen, den Tatbe- stand der groben oder qualifizierten Verletzung von Verkehrsregeln erfüllen- den Handlung zusammen (vgl. Popp, FS Riklin, 2007, S. 189 f.). Der Beschul- digte überholte bzw. gefährdete gemäss den konkret angeklagten Sachverhal- ten nicht andauernd auf die gleiche Weise andere Fahrzeuge. So fuhr er etwa nicht über die ganze Strecke von Bilten nach Wädenswil auf dem Pannenstrei- fen. Dass er sich von Anfang an einfach zu einer rowdyhaften Fahrt ent- schloss, behauptete er nie und wäre abgesehen davon nach der Rechtspre- chung nicht allein massgebend (BGE 126 IV 141 E. 1; BGE 133 IV 256 E. 4.5.3; auch nach Ackermann, BSK, 4. A. 2019, Art. 49 StGB N 46 f. sind zusätzlich zu einem Gesamtvorsatz objektive Nahekriterien erforderlich). Im Übrigen ging die Vorinstanz aufgrund der unterschiedlichen Umstände jeden- falls in Bezug auf die ersten drei angeklagten Vorfälle und den letzten fünften Vorfall zutreffend davon aus, dass der Beschuldigte die Situationen jeweils anders beurteilen und sein Handeln neu ausrichten konnte bzw. musste (an- gef. Urteil E. 2.6). Insoweit ist deshalb nach Ursachen und Wirkungen der auch zeitlich auseinanderfallenden Ereignisse nicht von einer „natürlichen“ Handlungseinheit (vgl. dazu auch BEK 2019 155 vom 10. März 2020 E. 2.b m.H.), sondern von voneinander unabhängigen Gefahrenlagen auszugehen, welche zudem nicht durch eine bestimmte Zweckverfolgung (z.B. Flucht vor Polizei) vereinheitlicht betrachtet werden können. Jeder der fünf Vorfälle bildet zwar eine Handlungseinheit. Miteinander schaffen sie jedoch eine Tatmehr- heit, in welcher sie nicht zu einer Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 3 SVG kumuliert werden dürfen (Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. A. 2015, Art. 90 SVG N 120) und durch die die Strafzumessung (dazu unten Kantonsgericht Schwyz 7 E. 4.b) nicht deutlich präjudiziert wird (vgl. Ackermann, ebd. N 45 in fine; Popp, a.a.O., S. 196 f.). Hingegen sind vorliegend die Vorfälle für sich nicht wieder in mehrfache Tatsequenzen derart aufzuteilen, dass etwa jedes Rechtsüberholen eines Fahrzeuges auf dem Pannenstreifen separat als Ver- letzung der Verkehrsregeln zu prüfen wäre. Innerhalb der einzelnen Vor- kommnisse ist jeweils von einem andauernden Handeln des Beschuldigten bzw. einem einheitlichen Geschehen auszugehen (diesbezüglich nicht ganz klar das angef. Urteil in E. 2.5.3 in fine ist in Mehrzahl von Verkehrsregelver- letzungen die Rede, hingegen in der Einzahl in E. 2.5.4), in welchem insge- samt betrachtet sich die Umstände zu einer Qualifikation nach Art. 90 Abs. 3 SVG kumulieren lassen (vgl. Weissenberger, ebd. und N 178). Aus diesem Grunde ist es in tatsächlicher Hinsicht wie angeklagt nicht erforderlich, für je- den Vorfall eine genaue Anzahl von überholten Fahrzeugen zu eruieren, wie das die auf „jedes überholte Fahrzeug“ Bezug nehmenden Erwägungen der Vorinstanz nahelegen könnten (ebd. E. 2.6). Diese Betrachtungsweise hindert es aber nicht, den fünften Vorfall in Idealkonkurrenz hinsichtlich der angeklag- ten Vorwürfe der Geschwindigkeitsüberschreitung, des Nichteinhaltens von Abständen sowie des verbotenen Rechtsüberholens zu beurteilen und allen- falls zu bestrafen. Sie fallen nicht in unechter Konkurrenz zu einer Einheitstat zusammen (Ackermann, ebd. N 47 in fine) und werden nicht zu einer krassen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG kombiniert (dazu Weissenberger, a.a.O., Art. 90 SVG N 178). 3. Die Vorinstanz legte im angefochtenen Urteil sorgfältig die Gründe dar, aufgrund welcher sie die in den ersten vier Vorfällen angeklagten Verkehrsre- gelverletzungen (Anklageziffer 1) in tatsächlicher Hinsicht dem Beschuldigten zuordnete und als erstellt erachtete. Darauf kann vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO, angef. Urteil S. 8 ff. E. 1 und im Übrigen vgl. unten lit. b und d). Im Berufungsverfahren leitet der Beschuldigte aus dem Umstand, dass im fünften auf dem Polizeivideo festgehaltenen Vorfall kein derart hohes Ver- kehrsaufkommen herrschte, wie laut Zeugenaussagen bei den Vorfällen 1, 3 Kantonsgericht Schwyz 8 und 4 (Überholen auf dem Pannenstreifen), dass die Angaben der Zeugen über die Geschwindigkeiten, Abstände und Anzahl überholter Fahrzeuge nicht glaubhaft, sondern übertrieben wären. Indes trifft diese Argumentation nicht zu. Allein der Umstand, dass vier Zeugen konstant und übereinstimmend ein zumindest ziemlich hohes Verkehrsaufkommen bzw. dichten Verkehr angeben (U-act. 8.1.16 Nr. 3, 10 und 12 sowie U-act. 10.1.05 Nr. 6; U-act. 8.1.09 Nr. 3 sowie U-act. 10.1.04 Nr. 15; U-act, 8.1.09 Nr. 3 sowie U-act, 10.1.03 Nr. 6; U-act. 8.1.14 Nr. 3 und 12 sowie U-act. 10.1.06 Nr. 6), spricht dafür, dass die- se Aussagen glaubhaft sind, zumal der fünfte Vorfall wie die Staatsanwalt- schaft zutreffend ausführt, sich auf einem späteren Autobahnabschnitt ereig- nete, dessen Verkehrsverhältnisse nicht ohne Weiteres mit den Abschnitten zu vergleichen sind, auf welchen sich die anderen vier, durch Zeugen beob- achteten Vorfälle abspielten. Im Übrigen gab der Beschuldigte selber zu, nor- mal 160 bzw. 170 km/h und beim letzten Vorfall noch schneller gefahren zu sein (U-act. 10.1.08 Nr. 5, 16 und 27 f.). Weiter räumte er auch ein, dass er beim ersten Vorfall schon gegen zehn Fahrzeuge überholt haben könnte (ebd. Nr. 19), und beim zweiten Vorfall zwei Fahrzeuge rechts überholt habe (ebd. Nr. 21). Schliesslich bestritt er nicht, mehrfach länger auf dem Pannenstreifen mit grossem Tempo überholt zu haben (ebd. Nr. 24). Insoweit ist nicht mehr weiter auf die Kritik der Verteidigung im Berufungsverfahren einzugehen, wo- nach der Einwand, dass vom linken Fahrersitz nicht länger sichtbar sei, son- dern nur vermutet werden könnte, wie viele Fahrzeuge rechts überholt würden (vgl. immerhin unten lit. c). Es ist in tatsächlicher Hinsicht schon aufgrund der Zugaben des Beschuldigten erwiesen, dass er mehrfach, mithin zumindest beim ersten und dritten Vorfall, mit hohem Tempo länger auf dem Pannen- streifen eine unbestimmte Anzahl von Fahrzeugen überholte. Vor der rechtli- chen Beurteilung der ersten vier Vorfälle sowie des im Berufungsverfahren beweismässig und rechtlich nicht mehr bestrittenen fünften Vorfalls braucht hier in tatsächlicher Hinsicht daher nicht mehr weiter auf die erstinstanzlichen Feststellungen eingegangen zu werden. Soweit die Verteidigung die Täter- schaft des Beschuldigten im zweiten und vierten Vorfall infrage stellt und im Kantonsgericht Schwyz 9 Zusammenhang mit der Qualifikation der Verletzungen der Verkehrsregeln rügt, die Zeugen hätten übertrieben, ist darauf in rechtlicher Hinsicht nachfol- gend zurückzukommen (entsprechend den ersten vier Vorfällen unten lit. a-d). Es bleibt schliesslich festzuhalten, dass der Beschuldigte das Überholen auf dem Pannenstreifen selber als gefährlich einstufte, weil dieser Hilfsstreifen nur im Notfall gebraucht werde (U-act. 4.1.03 Nr. 18). a) Die Vorinstanz ging gestützt auf die Anklage davon aus, dass der Be- schuldigte unmittelbar nach der Autobahneinfahrt Bilten bei dichtem Verkehr auf dem Pannenstreifen der Autobahn eine unbestimmte Anzahl von Fahr- zeugen mit einem Abstand von einem Meter mit einer Geschwindigkeit von ca. 140 km/h überholte. Dass er mindestens ca. 20 Personenwagen rechts überholte ist indes nicht bewiesen. aa) Nach Art. 90 Abs. 3 SVG macht sich strafbar, wer durch vorsätzliche (vgl. dazu unten lit. bb) Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risi- ko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen. Die Bestimmung umschreibt das höchste der drei Qualifika- tionsniveaus von Art. 90 SVG (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 90 SVG N 106), die nach dem Leitkriterium des Gefährlichkeitsgrades der entspre- chenden Verkehrsregelverletzung mehr imaginär als verlässlich abgrenzbar sind, wobei alle Tatbestandsvarianten weder Sach- oder Personenschäden noch konkrete Gefährdungen voraussetzen (vgl. Fiolka, BSK, Art. 90 SVG N 6 ff., 52 und 122). Das nach Art. 90 Abs. 3 SVG geforderte Risiko muss sich auf einen Unfall mit Todesopfern oder Schwerverletzten beziehen und somit ein qualifiziertes Ausmass erreichen. Der Erfolgseintritt muss vergleichsweise naheliegen; gefordert ist ein "hohes" Risiko. Damit wird zum Ausdruck ge- bracht, dass es sich um eine höhere als die in Art. 90 Abs. 2 SVG geforderte "ernstliche" Gefahr handeln muss. Diese muss analog der Lebensgefährdung Kantonsgericht Schwyz 10 nach Art. 129 StGB unmittelbar, nicht jedoch unausweichlich sein. Da bereits die erhöhte abstrakte Gefahr im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG die nahelie- gende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung voraussetzt, ist für die Erfül- lung von Abs. 3 die besonders naheliegende Möglichkeit einer konkreten Ge- fährdung zu verlangen. Die allgemeine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr kann in Anlehnung an Art. 90 Abs. 2 SVG nur genügen, wenn auf- grund besonderer Umstände, wie Tageszeit, Verkehrsdichte, Sichtverhältnisse usw. der Eintritt einer konkreten Gefahr oder gar einer Verletzung besonders nahelag und es letztlich nur vom Zufall abhing, dass sich diese nicht verwirk- licht hat (zum Ganzen BGer 6B_931/2019 vom 17. Januar 2020 m.H.). Der Begriff der elementaren Verkehrsregel ist nicht enger zu definieren als in Art. 90 Abs. 2 SVG; massgebend ist die Intensität und das Ausmass der mit ihrer Verletzung geschaffenen Gefährdung und die Nähe ihrer Verwirklichung im Sinne einer Beeinträchtigung erheblicher Rechtsgüter, nämlich der allge- meinen Verkehrssicherheit namentlich im Bezug auf die in schwerwiegender Weise gefährdeten Individualrechtsgüter von Leib und Leben (Weissenberger, a.a.O., Art. 90 SVG N 117 i.V.m. 110 und 124 ff.). Vorliegend verletzt weder die angeklagte Geschwindigkeit von ca. 140 km/h noch, wenn überhaupt, der seitliche Abstand von einem Meter zu den rechtsüberholten Fahrzeugen (Art. 34 Abs. 4 SVG) eine Verkehrsregel grob, geschweige denn krass. Auch das blosse Rechtsüberholen (Art. 35 Abs. 1 SVG) gilt nach ständiger, jedoch schon in Bezug auf die Abgrenzung zu Art. 90 Abs. 1 SVG kritisierter Rechtsprechung nur als grobe Verletzung einer Verkehrsregel. Die angeklagte Waghalsigkeit des Überholens kann daher nur in der Kombination mit dem Rechtsüberholen einer unbestimmten Anzahl von Fahrzeugen bei zumindest ziemlich (vgl. oben vor lit. a) hohem Verkehrsauf- kommen auf dem Pannenstreifen in einem, die erhöhte Gefahr eines Kontroll- verlustes in sich bergenden, hohen Tempo bzw. Geschwindigkeitsunterschied von ca. 30 km/h sowie in unangefochten fahrunfähigem Zustand liegen (wie es die Vorinstanz darstellte, angef. Urteil E. 2.5.2 ausführlich). Das ist nicht zu Kantonsgericht Schwyz 11 beanstanden, ist doch grundsätzlich schon das verhältnismässig langsame Rechtsvorbeifahren auf dem Pannenstreifen eine grobe Verkehrsregelverlet- zung (BGer 6B_227/2015 vom 23. Juli 2015 E. 1.3 m.H.), weil die Mehrheit der Lenker nicht damit rechnet, da der Pannenstreifen grundsätzlich für Not- halte reserviert ist (Art. 36 Abs. 3 VRV). Umso weniger rechnen mit einer Ge- schwindigkeit von 100 bis 110 km/h auf der Normalspur fahrende Fahrzeug- lenker damit, mit ca. 140 km/h oder eingestandenermassen noch höherem Tempo auf dem Pannenstreifen rechts überholt zu werden. Ein solches Fahr- manöver birgt gleichermassen einen umso höheren Überraschungseffekt und Gefahr ungleich gravierenderer Unfallfolgen in sich. Dadurch brachte der Be- schuldigte die rechtsüberholten Fahrzeuge und deren Insassen dem Eintritt konkreter Gefahr für Leib und Leben besonders nahe, weil er über eine länge- re Strecke bewusst in alkoholisiertem Zustand an mehreren Fahrzeugen auf eine Art und Weise vorbeifuhr, dass niemand den unmittelbaren Eintritt des Erfolges im Falle der Nichtbeherrschung irgendeines der beteiligten Fahrzeu- ge noch hätte mit einer bewussten Reaktion abwehren können. bb) Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz bezüglich der Verletzung einer elementaren Verkehrsregel und der Risikoverwirklichung, wobei Eventu- alvorsatz genügt. Also ist nur die Inkaufnahme der Risikoverwirklichung, indes weder ein Gefährdungsvorsatz noch der Vorsatz, einen bestimmten Erfolg herbeizuführen, vorausgesetzt (BGer 6B_931/2019 vom 17. Januar 2020 E. 1.4; BGer 6B_486/2018 vom 5. September 2019 E. 2.1 m.H.; BGer 6B_636/2019 vom 12. August 2019 E. 1.1.2 m.H.). Deshalb geht die Forderung der Verteidigung fehl, es sei der Nachweis eines Entscheides ge- gen das geschützte Rechtsgut zu erbringen, um das bloss fahrlässige Ver- trauen des Beschuldigten darauf auszuschliessen zu können, die ihm bekann- te Gefahr werde sich nicht verwirklichen. Mit dem Argument der Selbstgefähr- dung kann zudem nicht unbesehen Vorsatz ausgeschlossen werden, denn sonst käme der Vorsatz voraussetzende Tatbestand der krassen Verletzung von Verkehrsregeln nach Art. 90 Abs. 3 SVG kaum je zur Anwendung (so Kantonsgericht Schwyz 12 auch BGer 6B_636/2019 vom 12. August 2019 E. 1.2.2). Nachdem die Vertei- digung nicht bestreitet, dass auch der Beschuldigte einräumte, „gewagte Manöver“ ausgeführt zu haben, ist erstellt, dass er zumindest die Verwirkli- chung des Risikos für möglich hielt und in Kauf nahm (Art. 12 Abs. 2 StGB). Allein schon aufgrund der Höhe der auf dem Pannenstreifen gefahrenen Ge- schwindigkeit musste der Beschuldigte das Risiko für sich, die Insassen des von ihm gelenkten Personenwagens sowie die Insassen der dermassen schnell rechtsüberholten Fahrzeuge erkannt und in Kauf genommen haben. Dass er jeglichen Kontrollverlust Dritter durch eigenes Fahrkönnen quasi „un- schädlich“ zu machen in der Lage wäre, davon konnte er nicht überzeugt ge- wesen sein. b) Die Verteidigung bestreitet im Berufungsverfahren, dass der zweite Vor- fall dem Beschuldigten zugeordnet werden könne. Allein der Umstand, dass der Beschuldigte das Hindurchfahren zwischen zwei Fahrzeugen und das Sla- lomfahren zwischen weiteren Fahrzeugen im Unterschied zu dem Rechtsü- berholen auf dem Pannenstreifen bis am Schluss bestritt, macht diese Bestrei- tung nicht glaubhaft, zumal er zu Beginn der Untersuchungen nur zwei Rechtsüberholmanöver und erst mit der Zeit zugab, längere Strecken auf dem Pannenstreifen überholt zu haben. Aufgrund der zeitlichen und örtlichen Übereinstimmungen mit den anderen Vorfällen und den Angaben des Zeugen, dass es sich beim Täterfahrzeug um einen silbernen BMW handelte (U-act. 8.1.10 Nr. 3), bestehen keine praktischen Zweifel, dass auch dieser Vorfall dem Beschuldigten zuzuordnen ist. Im Übrigen sind die Angaben des Zeugen und mithin der angeklagte zweite Vorfall betreffend das Hindurchfah- ren durch zwei um eine halbe Wagenlänge versetzte Fahrzeuge und das durch den Zeugen beobachtete weitere Slalomfahren im Berufungsverfahren abgesehen vom schon behandelten Verkehrsaufkommen (vgl. oben vor lit. a) unbestritten. Kantonsgericht Schwyz 13 aa) Die vorinstanzliche Bejahung des objektiven Tatbestandes (dazu vgl. oben lit. a/aa) einer krassen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG bleibt unbestritten, so dass auf die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden kann (angef. Urteil E. 2.5.3). Hinzuzufügen bleibt, dass in diesem Fall die konkrete Gefahr eines Unfalles nicht nur be- sonders nahelag, sondern eingetreten war, weil der Zeuge dem vom Beschul- digten gelenkten Fahrzeug auf den Pannenstreifen ausweichen musste (U-act. 8.1.10 Nr. 4 sowie U-act. 10.1.04 Nr. 6, 10 ff. und 17 ff.). bb) Dagegen hält die Verteidigung den subjektiven Tatbestand durch die Vorinstanz nicht hinreichend begründet. Der subjektive Tatbestand müsste sich nicht nur auf das hohe Risiko eines Unfalles beziehen, sondern insbe- sondere auf das hohe Risiko von Schwerverletzten und Todesopfern. Indes deckt sich bei den gefahrenen hohen Geschwindigkeiten das Unfallrisiko mit dem Risiko von Schwerverletzten und Toten. Der subjektive Tatbestand erfor- dert überdies wie gesagt weder einen Gefährdungsvorsatz noch den Vorsatz, einen bestimmten Erfolg herbeizuführen (vgl. oben lit. a/bb), weshalb die Ein- wände der Verteidigung auch bei diesem Vorfall fehlgehen. Die Erwägung der Vorinstanz, der Beschuldigte habe das hohe Risiko eines Unfalls zumindest in Kauf genommen, trifft umso mehr zu, als nicht nur die slalomartige Fahrweise des Beschuldigten auf diesem Streckenabschnitt, sondern auch das Hindurch- fahren zwischen zwei nur um eine halbe Wagenlänge versetzt fahrenden Au- tos in subjektiver Hinsicht die Annahme, dass der Beschuldigte sich ange- sichts dieser Fahrweise wissentlich und willentlich für das tatbestandsmässige Risiko entschieden haben muss, sich geradezu aufdrängt. Wäre selbst in ei- nem solchen Fall dem wiederholten Selbstgefährdungsargument der Verteidi- gung zu folgen, wäre eine Anwendung von Art. 90 Abs. 3 SVG kaum vorstell- bar (s. wiederum oben lit. a/bb). Kantonsgericht Schwyz 14 c) Beim dritten Vorfall ist ohne Weiteres erstellt, dass der Beschuldigte wie beim ersten Vorfall bei dichtem Verkehr über eine längere Strecke auf dem Pannenstreifen eine unbestimmte Anzahl von Fahrzeugen rechts überholte, zumal der Zeuge das Rechtsüberholen mehrerer Fahrzeuge auf dem Pannen- streifen schon im Rückspiegel und zudem in einem VW-Bus T2 aus einer er- höhten Position auch nach vorne beobachten konnte (U-act. 8.1.09 Nr. 3, vgl. auch U-act. 10.1.03 Nr. 6 ff.). Der Beschuldigte überholte auch hier rechts auf dem Pannenstreifen mit einem Geschwindigkeitsunterschied von um die 30 km/h und mehr. Ferner bringt die Verteidigung gegen den vorinstanzlichen Schuldspruch wegen krasser Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG (angef. Urteil E. 2.5.4 f.) in objektiver und subjektiver Hinsicht die bereits oben beim ersten Vorfall behandelten Argumente vor, deren Erwägung hier nicht nochmals zu wiederholen ist (vgl. oben lit. a und b). d) Auch der Zeuge des vierten Vorfalles beschrieb den Wagen als silbrig oder hellgrau (U-act. 8.1.14 Nr. 4), weshalb aufgrund der zeitlichen und örtli- chen Übereinstimmungen im Ablauf der verschiedenen Vorfälle und der Art und Weise der Fahrweise keine praktischen Zweifel daran bestehen, dass der vierte Vorfall dem Beschuldigten ebenfalls zugeordnet werden kann (vgl. dazu auch oben lit. b), auch wenn der Zeuge davon ausgeht, das von ihm beobachtete Fahrzeug habe kein Stufenheck aufgewiesen. Dass der Beschul- digte zunächst den zu einem Überholmanöver ansetzenden Zeugen rechts auf der Normalspur überholte, um dann das auf der Normalspur befindliche Fahr- zeug mit einem Wohnwagenanhänger auf dem Pannenstreifen zu überholen, ist im Berufungsverfahren im Übrigen abgesehen von den behandelten Infra- gestellungen der Angaben zur Verkehrsdichte und zu den gefahrenen Ge- schwindigkeiten unbestritten geblieben. Im Unterschied zum ersten und dritten Vorfall überholte der Beschuldigte hier keine unbestimmte Anzahl von Fahrzeugen, sondern eines auf der Normal- spur und ein weiteres auf dem Pannenstreifen. Als Hauptmoment für das be-Kantonsgericht Schwyz 15 sondere Naheliegen einer konkreten Gefahr nennt die Vorinstanz den Um- stand, dass der Spurenwechsel des Beschuldigten auf den Pannenstreifen abrupt erfolgte, was belegen würde, dass der Beschuldigte „in keinster Weise“ in vorausschauender Art und Weise gefahren sei. Indes beurteilte der Zeuge die Situation anders (U-act. 8.1.14 Nr. 13): Wie empfand ich das? Da muss ich etwas ausholen. Es erstaunte mich, dass sich meine Frau auf diesen Zeugenaufruf meldete. Ich empfand es nicht als sonderlich schlimm. Für mich war das eine alltägliche Situation, dass man auf der rechten Seite überholt wird. Ich beurteile die Situation so, als Nichtverkehrsexperte, er kam wohl zu schnell und wollte nicht noch einen „Schlifi“ hinter dem Wohnwagen ziehen, so blieb ihm nur das Ausweichen auf den Pannenstreifen. Verstehen sie mich nicht falsch, ich möchte den Lenker nicht in Schutz nehmen, ich kenn den Lenker nicht, weder verwandt noch verschwägert.“ Er empfand die Situation nicht als sehr gravierend (ebd. Nr. 18), weil er sich das Rechtsüberholen von einem längeren Aufenthalt in Florida her gewohnt war (U-act. 10.1.07). Den Aussagen des Zeugen lässt sich aber nicht entneh- men, dass der Beschuldigte auf den Pannenstreifen ausweichen musste, weil er nicht mehr hätte hinter dem Fahrzeug mit dem Wohnwagenanhänger ab- bremsen können. Vielmehr konnte er nicht mehr auf die Überholspur gelangen (U-act. 10.1.06 Nr. 7). Deshalb lässt sich dem Beschuldigten nicht nachwei- sen, dass er so wenig vorausschauend fuhr, dass er nicht einmal mehr auf der Normalspur bremsen und die Situation nur noch mit einem Ausweichen auf den Pannenstreifen „retten“ konnte. Dennoch lag auch in diesem Fall eine konkrete Gefahr besonders nahe, weil die wenigsten Fahrzeugführer, die auf den Schweizer Autobahnen unterwegs sind, Erfahrungen mit dem Rechts- Überholt-Werden haben. Mithin liegt auch hier objektiv eine krasse Verkehrs- regelverletzung vor, weil der Beschuldigte hier ebenfalls mit einem Geschwin- digkeitsunterschied von mindestens rund 30 km/h zwei Fahrzeuge rechts überholte und dabei einmal den Pannenstreifen benutzte. In subjektiver Hin- sicht kann auf das oben Ausgeführte verwiesen werden (lit. a und b je bb).Kantonsgericht Schwyz 16 e) Die Beurteilung des fünften Vorfalles durch die Vorinstanz ist im Beru- fungsverfahren abgesehen von der oben bejahten Idealkonkurrenz des Über- holens, der Geschwindigkeitsüberschreitung und des Nichteinhaltens des Ab- standes (vgl. oben E. 2 in fine) unbestritten geblieben, weshalb darauf verwie- sen werden kann bzw. somit nicht weiter eingegangen werden muss (an- gef. Urteil E. 4, Art. 82 Abs. 4 bzw. Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO). 4. Die Vorinstanz stellte fest, dass die von der Verteidigung geltend ge- machte verminderte Schuldfähigkeit nicht ersichtlich sei und die beim Be- schuldigten vorgelegene Atemalkoholkonzentration weit unter dem Wert, bei welchem auf verminderte Schuldfähigkeit geschlossen werden könnte, lag. Zudem lasse die unfallfreie Fahrt des Beschuldigten ohnehin keinen anderen Schluss zu (angef. Urteil E. 2.7). Im Berufungsverfahren macht der Beschul- digte geltend, die Vorinstanz hätte berücksichtigen müssen, dass der Misch- konsum von Alkohol (nicht zurückrechenbare 0.93 ‰, U-act. 11.1.02 f.) und Kokain (49 mg, U-act. 11.1.03) zu einer schwerwiegenden Verschärfung der Beeinträchtigung des Handlungsvermögens beim Beschuldigten geführt habe. Die Vorinstanz habe deshalb Art. 19 Abs. 2 StGB falsch angewendet und es sei ein Gutachten einzuholen. a) War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 19 Abs. 2 StGB). Besteht ernsthafter Anlass, an der Schuld- fähigkeit des Täters zu zweifeln, so ordnet die Untersuchungsbehörde oder das Gericht die sachverständige Begutachtung durch einen Sachverständigen an (Art. 20 StGB). Indes ist offensichtlich, dass kein ernsthafter Anlass be- stand, an der Schuldfähigkeit des Beschuldigten zu zweifeln. Zum einen geht die Verteidigung mit keinem Wort auf die korrekte Schlussfolgerung der Vor- instanz ein, wonach die Unfallfreiheit der gewagten Manöver des Beschuldig- ten keinen anderen Schluss zulasse, dass keine verminderte Schuldfähigkeit vorlag. Dies unterstreicht die Staatsanwaltschaft zutreffend damit, dass die Kantonsgericht Schwyz 17 Fahrweise des Beschuldigten ein derart hohes Mass an Konzentration erfor- derte, welches er nur bei normaler Einsichts- und Steuerungsfähigkeit aufbrin- gen konnte. Zum andern ist mit der Staatsanwaltschaft davon auszugehen, dass sowohl der Alkohol- als auch der Kokainwert nicht besonders hoch la- gen. Diese Werte gaben mithin keinen Anlass zu Zweifeln an der Schuldfähig- keit. Unterschiedliche polizeiliche und ärztliche Einschätzungen über den Zu- stand eines Verdächtigen sind nicht geradezu ungewöhnlich und müssen da- her noch nicht Zweifel an der Schuldfähigkeit erwecken. Schliesslich war der Beschuldigte selber erstaunt, dass am Sonntag das am Tag zuvor eingenom- mene Kokain noch im Blut nachweisbar war. Dessen Einfluss spürte er aber nicht mehr bzw. er fühlte sich ruhig und glücklich (U-act. 10.1.08 Nr. 6 ff. und 14). Aus diesen Gründen haben sowohl die Vorinstanz als auch die Untersu- chungsbehörden kein Gutachten zur Schuldfähigkeit einholen müssen. b) Nachdem die Schuldsprüche der Vorinstanz vorliegend zu bestätigen sind, ist im Rahmen der Strafzumessung nicht mehr auf die von der Verteidi- gung behaupteten Unsicherheiten in den Zeugenaussagen zurückzukommen. Es ist den bestätigten Schuldsprüchen und nicht diesen oben verworfenen Unsicherheiten Rechnung zu tragen. Zutreffend ist die Vorinstanz als schwerste Tat vom zweiten Vorfall ausgegangen, in welchem eine konkrete Gefährdung vorlag, da der Zeuge einen Unfall nur mit einem Ausweichen auf den Pannenstreifen vermeiden konnte. Dafür setzte sie bei einem insgesamt nicht mehr als leicht eingestuften Tatverschulden eine Einsatzstrafe von 14 Monaten fest. Dieses Strafmass erscheint indes angesichts des Strafrah- mens bis zu vier Jahren zu gering. Bei einem mittleren Tatverschulden würde angesichts der Mindeststrafe von einem Jahr vielmehr eine Einsatzstrafe von um die zwei Jahre auf der Hand liegen, welche aufgrund der Tatmehrheit zu- dem, wenn auch – wie die Vorinstanz richtig annahm (angef. Urteil E. 6.4 S. 39) – nur beschränkt (vgl. oben E. 2) zu erhöhen wäre. Ferner geht die Rü- ge der Verteidigung im Berufungsverfahren fehl, die Vorinstanz hätte das ta- dellose Verhalten des Beschuldigten während des gesamten Strafverfahrens Kantonsgericht Schwyz 18 nicht berücksichtigt. Vielmehr nahm diese richtig an, das Verhalten des Be- schuldigten sei nicht tadellos gewesen, weil er vieles verharmlose und unein- sichtig sei (vgl. angef. Urteil E. 6.4 S. 40), wobei das Untertauchen während des Berufungsverfahrens gewiss nicht als Beweis tadellosen Verhaltens gel- ten kann. Abgesehen von diesen Bemerkungen kann im Übrigen auf die Strafzumessung der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO), zu- mal mangels Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft die angefochtene Strafe im Rechtsmittelverfahren nicht zum Nachteil des Beschuldigten erhöht werden darf (Art. 391 Abs. 2 StPO). c) Nach Ansicht der Verteidigung reicht allein die Tatsache, dass der Be- schuldigte zwei Monate zuvor einen Strafbefehl wegen Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit erhielt und die Zeugenaussagen als übertrieben erachtet, bei Weitem nicht aus, um die Vermutung einer positiven Zukunfts- prognose auszuhebeln. Der Beschuldigte sei keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und besitze kein Auto sowie für einige Jahre auch keinen Führer- ausweis mehr. Überhaupt nicht berücksichtigt seien zudem die Wirkungen der 37 Tage Untersuchungshaft. aa) Die teilbedingte Strafe kommt im überschneidenden Anwendungsbe- reich von einem bis zwei Jahren Freiheitsstrafe zur Anwendung, wenn eine vollbedingte Strafe aus spezialpräventiver Sicht nicht ausreichend ist und der Aufschub wenigstens eines Teils der Strafe erfordert, dass der andere Teil vollzogen wird, wobei ein Rückfall keinen objektiven Ausschlussgrund für eine bedingte Strafe darstellt, jedoch die teilbedingte Strafe auch bei begründeter Aussicht auf Bewährung möglich sein muss (BGE 144 IV 277). bb) Vorliegend hatte die Vorinstanz angesichts einer knapp zwei Monate vor den hier zu beurteilenden Taten ausgefällte Vorstrafe betreffend eine Über- schreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 41 km/h aus guten Gründen in spezialpräventiver Sicht Bedenken, dass eine vollbe-Kantonsgericht Schwyz 19 dingte Strafe ausreichend sei. Diese Einschätzung sah sie zudem richtiger- weise auch in subjektiver Hinsicht aufgrund der als ausgeprägt beschriebenen Einsichtslosigkeit des Beschuldigten bestätigt. Zudem erhielt sie den Eindruck, dass auch die erstandenen 37 Tage Untersuchungshaft an der Einsichtslosig- keit nichts zu ändern vermochten (angef. Urteil E. 7.2). Es kann mithin keine Rede davon sein, dass die Vorinstanz die Wirkung der Untersuchungshaft nicht berücksichtigte. Vielmehr musste sie deren Wirkungslosigkeit feststellen und es ist wenig nachvollziehbar, dass die Verteidigung den Umstand der Un- erreichbarkeit des Beschuldigten seit Juni 2019 als Argument dafür aufführt, dass allein die Aussicht, nochmals ins Gefängnis gehen zu müssen, bereits genügend Wirkung gezeigt hätte. Es ist doch vielmehr so, dass der Beschul- digte mit seinem nachrichtenlosen Untertauchen klare Anweisungen der Staatsanwaltschaft bei der Haftentlassung ignorierte (vgl. U-act. 10.1.08 Nr. 33 f.) und damit sich nicht einmal dem von ihm eingeleiteten Berufungsver- fahren stellt. Auf den Vollzug der Freiheitsstrafe verzichtete mithin die Vor- instanz zu Recht nicht ganz und ordnete auch für den bedingten Teil der Stra- fe eine nicht angefochtene dreijährige Probezeit an. d) Der Widerruf der bedingten Geldvorstrafe gemäss Dispositivziffer 4 des angefochtenen Urteils ist nicht angefochten und rechtskräftig. 5. Mithin ist die Berufung abzuweisen und das angefochtene Urteil zu bestätigen. Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschuldigte die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 3‘500.00 (inkl. Kosten der Anklagevertretung von Fr. 1‘000.00; vgl. KG-act. 22 Ziff. 9 ohne nähere Begründung für unüblich hohe Kosten von Fr. 2‘000.00) zu tragen und ist betreffend Verteidigungsent- schädigung ein vollständiger Rückzahlungsvorbehalt gerechtfertigt. Auf die im Berufungsverfahren eingereichte Kostennote über Fr. 6‘108.05 (KG-act. 20/1) kann zur Festsetzung der Verteidigungsvergütung nicht abgestellt werden (§ 6 GebTRA). Zum einen enthält sie nicht notwendigen Aufwand (z.B. Begrün- dung der Berufungserklärung, zeitintensiven Telefonkontakte mit dem Be-Kantonsgericht Schwyz 20 schuldigten, indes nicht die erfolglosen telefonischen Kontaktierungs- bemühungen). Zum anderen erscheint der Aufwand für die im Wesentlichen auf den erstinstanzlichen Vortrag aufgebauten Berufungsbegründung zu gross, konnte der zeitliche Aufwand für die Bezüge auf das angefochtene Ur- teil trotz der Deliktsmehrheit doch beschränkt werden. Es rechtfertigt sich da- her nicht, eine Entschädigung im Bereich der Hälfte des Tarifrahmens von Fr. 300.00 bis Fr. 12‘000.00 zuzusprechen (vgl. §§ 2 und 13 lit. c GebTRA);-Kantonsgericht Schwyz 21 erkannt: 1. Die Berufung wird abgewiesen und das angefochtene Urteil bestätigt. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 3‘500.00 (inkl. für die An- klagevertretung Fr. 1‘000.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 3. Der amtliche Verteidiger wird für das Berufungsverfahren aus der Kan- tonsgerichtskasse pauschal mit Fr. 5‘000.00 (inkl. Auslagen und MWST) entschädigt. Vorbehalten bleibt die vollständige Rückzahlung durch den Beschuldigten nach Art. 135 Abs. 4 StPO. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 5. Zufertigung an die amtliche Verteidigung (2/R), die Staatsanwaltschaft March (1/A), die Oberstaatsanwaltschaft (1/R) und die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten), das Amt für Justizvollzug (1/R, zum Vollzug und Inkasso), die KOST (mit Formular) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der Strafkammer Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Der Gerichtsschreiber Versand 30. April 2020 kau