<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 79 S.379</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">379</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>79</b></span> <span class="ft2"><b>Ausschaffungshaft; Kognition des Haftrichters, die Zumutbarkeit des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Vollzugs der Ausschaffung zu prüfen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gegenstand des Haftüberprüfungsverfahrens bildet ausschliesslich die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtmässigkeit und Angemessenheit der Ausschaffungshaft, nicht aber</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Rechtmässigkeit der Weg- oder Ausweisung selbst (Erw. II./2.2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">11. August 2006 in Sachen Migrationsamt des Kantons Aargau gegen R.K.</span><br/> <span class="ft3">betreffend Haftüberprüfung (1-HA.2006.34).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 2.2. Gemäss Art. 13c Abs. 5 lit. a ANAG ist die Haft zu</span><br/> <span class="ft1">beenden, wenn der Haftgrund entfällt oder sich erweist, dass der</span><br/> <span class="ft1">Vollzug der Weg- oder Ausweisung aus rechtlichen oder tatsächli-</span><br/> <span class="ft1">chen Gründen undurchführbar ist. Dabei ist massgebend, ob die Aus-</span><br/> <span class="ft1">schaffung mit hinreichender Wahrscheinlichkeit innert absehbarer</span><br/> <span class="ft1">Zeit möglich sein wird oder nicht. Die Haft gilt gemäss Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richt dann als unverhältnismässig, und damit unzulässig, wenn trif-</span><br/> <span class="ft1">tige Gründe für die Undurchführbarkeit des Vollzugs sprechen oder</span><br/> <span class="ft1">praktisch feststeht, dass er sich innert vernünftiger Frist kaum wird</span><br/> <span class="ft1">realisieren lassen (vgl. BGE 2A.322/2004 vom 5. Juli 2004, E.2.1).</span><br/> <span class="ft1">Der Gesuchsgegner macht geltend, sein Leben wäre bei einer</span><br/> <span class="ft1">Rückreise ins Heimatland ernsthaft gefährdet. Aus diesem Grund sei</span><br/> <span class="ft1">die Wegweisung aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen nicht</span><br/> <span class="ft1">durchführbar. Im Weiteren habe er von den Abklärungen des BFM</span><br/> <span class="ft1">betreffend die Zumutbarkeit seiner Rückkehr ins Heimatland keine</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis gehabt. Er wisse daher nicht, gestützt auf welche Informa-</span><br/> <span class="ft1">tionen das BFM die Zumutbarkeit seiner Rückkehr bejaht habe und</span><br/> <span class="ft1">habe nie dazu Stellung nehmen können. Dies verletze jedoch den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">380</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Grundsatz des rechtlichen Gehörs. Aus diesen Gründen sei er unver-</span><br/> <span class="ft1">züglich aus der Haft zu entlassen.</span><br/> <span class="ft1">Dem kann nicht gefolgt werden. Gegenstand des Haftüberprü-</span><br/> <span class="ft1">fungsverfahrens bildet ausschliesslich die Rechtmässigkeit und</span><br/> <span class="ft1">Angemessenheit der Ausschaffungshaft (vgl. Art. 13c Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">ANAG), nicht aber die Rechtmässigkeit der Weg- oder Ausweisung</span><br/> <span class="ft1">selbst (BGE 121 II 59, E.2b, S. 61). Die Ausschaffungshaft darf in-</span><br/> <span class="ft1">des nur dann angeordnet oder aufrechterhalten werden, wenn der</span><br/> <span class="ft1">Vollzug der Wegweisung nicht aus rechtlichen oder tatsächlichen</span><br/> <span class="ft1">Gründen undurchführbar ist (Art. 13c Abs. 5 lit. a ANAG). Rechtli-</span><br/> <span class="ft1">che Gründe, welche die Undurchführbarkeit des Vollzugs einer Weg-</span><br/> <span class="ft1">weisung bewirken, sind namentlich das Gebot des Non-Refoulement</span><br/> <span class="ft1">oder die Unzumutbarkeit des Vollzugs, weil der Ausländer im Hei-</span><br/> <span class="ft1">matstaat einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre (vgl. Art. 14a</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 und 4 ANAG). Diese Fragen sind jedoch in erster Linie im</span><br/> <span class="ft1">Wegweisungs- bzw. im entsprechenden ausländerrechtlichen Verfah-</span><br/> <span class="ft1">ren zu prüfen. Zwar können nachträglich eingetretene Umstände</span><br/> <span class="ft1">dazu führen, dass die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in</span><br/> <span class="ft1">Frage gestellt ist. Ein Einschreiten des Haftrichters im Haftüberprü-</span><br/> <span class="ft1">fungsverfahren rechtfertigt sich aber ausschliesslich bei augenfälliger</span><br/> <span class="ft1">Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit der Rückschaffung (vgl.</span><br/> <span class="ft1">BGE 121 II 59, E.2b, S. 61; unveröffentlichter Entscheid des Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgerichts vom 24. Juni 1996, 2A.309/1996, E.4b/aa.).</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend gibt es keinerlei Anhaltspunkte, dass der Vollzug der</span><br/> <span class="ft1">Wegweisung unzumutbar wäre. Es liegt im Gegenteil eine Mitteilung</span><br/> <span class="ft1">der United Nations Mission in Kosovo (UNMIK) vor, dass gegen die</span><br/> <span class="ft1">Rückführung des (namentlich erwähnten) Gesuchsgegners keine</span><br/> <span class="ft1">Einwände bestehen. Somit muss eine allfällig bestehende Verletzung</span><br/> <span class="ft1">des Non-Refoulement-Prinzips im vorliegenden Verfahren unbeacht-</span><br/> <span class="ft1">lich bleiben (vgl. Urteil des Rekursgerichts vom 30. April 1999,</span><br/> <span class="ft1">HA.99.000013, E.2d/aa).</span><br/> <span class="ft1">Es bleibt dem Gesuchsgegner indes unbenommen, bei den Asyl-</span><br/> <span class="ft1">behörden ein Gesuch um Wiedererwägung des Wegweisungsent-</span><br/> <span class="ft1">scheides zu stellen. Fällt das BFM oder die ARK in einem Wiederer-</span><br/> <span class="ft1">wägungs- oder Revisionsverfahren einen materiellen Entscheid über</span><br/> <span class="ft1">die Wegweisung, ist die Frage der Verletzung des Non-Refoulement-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">381</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Prinzips in dem betreffenden Verfahren zu prüfen. Tritt die angeru-</span><br/> <span class="ft1">fene Instanz auf das Gesuch nicht ein oder weist sie es ab, bleibt es</span><br/> <span class="ft1">beim bereits gefällten Wegweisungsentscheid des BFF vom 28. Au-</span><br/> <span class="ft1">gust 2002. In diesem Falle wird es Sache des Gesuchstellers sein,</span><br/> <span class="ft1">eine allfällige Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips kurz vor</span><br/> <span class="ft1">der Rückschaffung des Gesuchsgegners noch einmal zuprüfen.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem in solchen Fällen in der Regel keine separate Verfügung er-</span><br/> <span class="ft1">lassen wird, besteht für den Gesuchsgegner wohl einzig die Möglich-</span><br/> <span class="ft1">keit, beim Migrationsamt auf einige Tage vor der Ausschaffung eine</span><br/> <span class="ft1">Feststellungsverfügung zu beantragen, in welcher die Nichtverlet-</span><br/> <span class="ft1">zung des Non-Refoulement-Prinzips festgehalten wird. Erachtet der</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsgegner in diesem Zeitpunkt die Verfügung als nicht zutref-</span><br/> <span class="ft1">fend, kann er diese immer noch auf dem ordentlichen Einsprache-</span><br/> <span class="ft1">bzw. Beschwerdeweg anfechten.</span><br/> <span class="ft1">Selbst wenn der Gesuchsgegner beim BFM ein Wiedererwä-</span><br/> <span class="ft1">gungs- oder Revisionsgesuch einreichen sollte, unterbricht dies die</span><br/> <span class="ft1">angeordnete Haft nicht. Zur Zeit ist diesbezüglich davon auszugehen,</span><br/> <span class="ft1">dass das entsprechende Verfahren gegebenenfalls innert der maximal</span><br/> <span class="ft1">zulässigen Haftdauer abgeschlossen werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Anzeichen, welche an der Ausschaffungsmöglichkeit in tatsäch-</span><br/> <span class="ft1">licher Hinsicht Zweifel aufkommen lassen würden, sind auch nicht</span><br/> <span class="ft1">ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten liegt zum jetzigen Zeitpunkt kein Haftbe-</span><br/> <span class="ft1">endigungsgrund im Sinne von Art. 13c Abs. 5 lit. a ANAG vor und</span><br/> <span class="ft1">die Wegweisung ist aus rechtlichen sowie tatsächlichen Gründen</span><br/> <span class="ft1">durchführbar.</span><br/></div> </div> </body> </html>