B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6335/2014 U r t e i l v o m 9 . J u l i 2 0 1 5 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richterin Ruth Beutler, Gerichtsschreiberin Giulia Santangelo. Parteien S._______, vertreten durch lic. iur. Johann Burri, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot. C-6335/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, kosovarischer Staatsangehöriger, ist im Jahr 1981 in der Schweiz geboren. In der Folge lebte er bis zu seinem 10. Lebensjahr in der heutigen Republik Kosovo, gelangte im Rahmen des Familiennach- zugs im Jahr 1992 in die Schweiz und war seither im Besitze einer Nieder- lassungsbewilligung. B. Der Beschwerdeführer hat in der Vergangenheit wiederholt zu Klagen An- lass gegeben. Er wurde wie folgt bestraft:  mit Urteil X._______ vom 21. Mai 2003 wegen Vergehen s gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz sowie wegen Hehlerei zu einer bedingten Gefängnis-strafe von 40 Tagen, bei einer Probezeit von zwei Jahren.  mit Urteil Y ._______ vom 3. Oktober 2005 wegen Verstosses gegen das Waffengesetz zu einer Busse von Fr. 50.-.  mit Urteil Z._______ vom 16. November 2015 wegen mehrfachen Diebstahlversuchs, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfa- chen Hausfriedensbruchs zu einer bedingten Gefängnisstrafe von drei Monaten, bei einer Probezeit von drei Jahren und einer Busse von Fr. 500.-. Sodann wurde ihm mit Verfügungen vom 30. Oktober 2003 und vom 15. Juni 2004 des T._______ der Führerausweis jeweils f ür drei Monate entzogen. C. Gestützt auf diesen Sachverhalt wurde der Beschwerdeführer am 11. April 2006 von der Migrationsbehörde U._______ (im Folgenden: Mig- rationsbehörde) verwarnt und es wurden ihm, sollte sein Verhalten erneut zu Klagen Anlass geben, s chwerer wiegende fremdenpolizeiliche Mass- nahmen in Aussicht gestellt. D. Am 24. Januar 2007 ehelichte der Beschwerdeführer eine in der Schweiz niedergelassene Landsfrau, welche am 17. Juli 2008 ihr erstes gemeinsa- mes Kind gebar. C-6335/2014 Seite 3 E. Mit Urteil vom 9. Juli 2012 wurde der Beschwerdeführer vom V._______ (im Folgenden : Strafgericht) wegen Verbrechens und Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz, wegen Begünstigung und wegen Vergehens gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von 60 Monaten verurteilt. Nachdem er zwei Drittel seiner Strafe abgesessen hatte, wurde der Be- schwerdeführer am 26. März 2014 bedingt aus dem Strafvollzug entlassen. F. In ihrem Schreiben vom 2. Oktober 2013 teilte die Migrationsbehörde dem Beschwerdeführer mit, dass erwog en werde , die Niederlassungsbewilli- gung zu widerrufen, sowie dass nach seiner rechtskräftigen Wegweisung beim Bundesamt für Migration BFM (heute: Staatssekretariat für Migration SEM) ein Einreiseverbot beantragt werde, und gewährte ihm das rechtliche Gehör. Am 2. D ezember 2013 reichte der Beschwerdeführer seine Stel- lungnahme ein. In der Folge verfügte die Migrationsbehörde am 13. De- zember 2013 den Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwer- deführers, wies diesen aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug an (zuletzt bestätigt mit Urteil des BGer 2C_749/2014 vom 15. September 2014). Am 10. Oktober 2014 reiste der Beschwerdeführer aus der Schweiz aus. Gleichentags wurde ihm das gegen ihn am 30. September 2014 ver- fügte Einreiseverbot, gültig ab 1. November 2014 bis 31. Oktober 2024 er- öffnet. G. Mit Beschwerde gegen die vorgenannte Verfügung liess der Beschwerde- führer am 30. Oktober 2014 eine Befristung des Einreiseverbots bis 31. Oktober 2019 beantragen. H. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 9. Januar 2015 auf Abweisung der Beschwerde. I. Im Rahmen seines Replikrechts liess der Beschwerdeführer am 10. März 2015 mitteilen, dass seine weiterhin in der Schweiz wohnhafte Ehefrau schwanger sei und der errechnete Geburtstermin auf den 11. Juli 2015 falle. C-6335/2014 Seite 4 J. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM bzw. SEM, mit denen ein Einreiseverbot im Sinne von Art. 67 AuG verhängt wird, unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz, soweit das Verwaltungsge- richtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist - und formgerecht einge- reichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Streit- sache endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder ab weisen. Massge- bend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 3. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die Ausschreibung des Einreiseverbots im SIS angeordnet. Wird gegen eine Person, die nicht das C-6335/2014 Seite 5 Bürgerrecht eines EU-Mitgliedstaates besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird diese nach Massgabe der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 u. Art. 24 SIS-II-VO [ABl. L 381/4 vom 28. Dezember 2006, in Kraft seit 9. April 2013, vgl. Beschluss des Rates 2013/158/EU vom 7. März 2013 [Abl. L 87/10 vom 27. März 2013 ] i.V.m. Art. 52 Abs. 1 SIS -II-VO). Damit wird dem Betroffenen grundsätzlich die Einreise in das Hoheitsgebiet aller Schengen-Mitgliedstaaten verboten (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. d sowie Art. 13 Abs. 1 Schengener Grenzkodex [SGK, Abl. L 105 /1 vom 13. April 2006]). Die Mitgliedstaaten können einer solchen Person aus wichtigen Gründen oder aufgrund internationaler Verpflichtungen die Einreise in ihr Hoheitsge- biet gestatten bzw. ihr ein Schengen-Visum mit räumlich beschränkter Gül- tigkeit ausstellen (vgl. Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK; Art. 25 Abs. 1 Bst. a [ii] Visakodex, Abl. L 243/1 vom 15. September 2009). 4. 4.1 Gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG kann die Vorinstanz gegen auslän- dische Personen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden, ein Ein- reiseverbot verfügen. Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchs- tens fünf Jahren verfügt, kann aber für eine längere Dauer angeordnet wer- den, wenn von der ausländischen Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht (Art. 67 Abs. 3 AuG). Das Bundesverwaltungsgericht hat in BVGE 2014/20 unlängst e ntschieden, dass nunmehr sämtliche Einr eiseverbote, welche d ie Vorinstanz gestützt auf Art. 67 Abs. 1 und 2 AuG verfügt, auf eine bestimmte Dauer zu befristen sind. Die Verbotsdauer kann dabei fünf Jahre überschreiten und bis maxi- mal 15 Jahre betragen (im Wiederholungsfall 20 Jahre). Aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen kann von der Verhängung eines Einrei- severbots abgesehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorüberge- hend aufgehoben werden (Art. 67 Abs. 5 AuG). 4.2 Das Einreiseverbot ist keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten, sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf- fentlichen Sicherheit und Ordnung (siehe Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [im Folgenden: Botschaft] BB l 2002 3813). Die öffentliche Sicherh eit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamt- heit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die Unver- letzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3809; vgl. auch SCHWEIZER ET AL., in: Sicherheits- C-6335/2014 Seite 6 und Ordnungsrecht des Bundes, SBVR Bd. III/1, 2008, Teil B, Rz. 12 und 13 m.H.). In diesem Sinne liegt nach Art. 80 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet werden (Bst. a) oder wenn öffentlich-rechtliche o- der privatrechtliche Verpflichtungen nicht erfüllt werden (Bst. b). Bestand ein solches Verhalten in der Vergangenheit, so wird die Gefahr entspre- chender künftiger Störunge n von Gesetzes wegen vermutet (vgl. Bot- schaft, a.a.O. S. 3760; vgl. auch Urteil des BVGer C-6127/2013 vom 7. Oktober 2014 E. 3.1 m.H.). 5. 5.1 Das BFM führt zur Begründung des Einreiseverbots aus, der Be- schwerdeführer habe in der Vergangenheit immer wieder zu massiven Kla- gen Anlass gegeben . Zu betonen sei dabei die Verurteilung vom 9. Juli 2012 durch das Strafgericht (vgl. Sachverhalt E.), worauf die Niederlas- sungsbewilligung widerrufen und der Beschwerdeführer rechtskräftig aus der Schweiz weggewiesen worden sei. Die Delikte stellten einen schweren Verstoss gegen die Gesetzgebung dar, womit eine schwer wiegende Ge- fährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG einhergehe. Aufgrund des bisherigen Verhaltens sei sodann eine Fernhaltemassnahem von zehn Jahren, zur Vermeidung künftiger De- likte, angezeigt. Auch unter Berücksichtigung der Stellungnahme im Rah- men des rechtlichen Gehörs erweise sich die Massnahme als verhältnis- mässig und gerechtfertigt. In Bezug auf die familiären Verhältnisse bestehe allenfalls die Möglichkeit, aus wichtigen Gründen mittels Gesuch die zeit- weilige Suspension des Einreiseverbots zu beantragen. 5.2 Der Beschwerdeführer lässt dagegen vorbringen, nach seiner Entlas- sung aus dem Strafvollzug sei er wieder zu seiner Frau und seiner Tochter gezogen und er habe b is zur rechtskräftigen Wegweisung als Taxifahrer gearbeitet. Angesichts seines Fehlverhaltens in der Vergangenheit be- stehe durchaus ein öffentliches Interesse an der Fernhaltung. Der Straf- vollzug sei auf seine strafrechtliche Resozialisierung angelegt gewesen, er habe sich mit den begangenen Taten auseinandergesetzt und sei aufgrund einer guten Legalprognose bedingt aus dem Strafvollzug entlassen w or- den. Zum heutigen Zeitpunkt sei nicht mehr von einer grossen Gefahr für die öffentliche Sicherheit sondern von einem sehr geringen Restrisiko aus- zugehen. Seit seiner Entlassung aus dem Strafvollzug habe er sich über- dies wohlverhalten. Die f amiliäre Beziehung zu seiner in der Schweiz C-6335/2014 Seite 7 wohnhaften Frau und der Tochter sei intakt. Mit dem baldigen Eintritt der Tochter in die Primarschule werde künftig ein Familienleben nur in erheb- lich eingeschränktem Rahmen geführt werden können. Alternative Kom- munikationsmittel stellten keine genügende n Mittel dar, um die familiäre Gemeinschaft zu leben. Auf diese Weise liesse sich die Vater-Kind-Bezie- hung nur schwer aufrechterhalten und die eheliche Beziehung würde schwer belastet. Die beantragte Reduktion auf fünf Jahre gebe ihm die Möglichkeit, sein künftiges Wohlverhalten unter Beweis zu stellen. 5.3 Der Beschwerdeführer hat in den J ahren 2008 bis 2010 insgesamt 4'863 Gramm Heroingemisch bzw. 691.14 Gram m reines Heroin für Fr. 180.- bzw. Fr. 120.- je fünf Gramm Heroingemisch zum Weiterverkauf verkauft, wodurch er einen Gesamtumsatz von Fr. 122'712.- erzielte. Damit hat der Beschwerdeführer augenscheinlich eine erhebliche Menge Heroin in Umlauf gebracht und auf diese Weise die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr gebracht (Urteil des Strafgerichts S. 20 f.; vgl. zur Gefährdung vieler Menschen BGE 120 IV 334, E. 2a). 5.4 Ausländische Straftäter, die durch Verbreitung harter Drogen die Ge- sundheit anderer gefährden oder beeinträchtigen, sind während einer ge- wissen Zeit von der Schweiz fernzuhalten. Damit soll der weiteren Ausbrei- tung des verbotenen Handels mit Betäubungsmitteln entgegengewirkt wer- den. Aufgrund der Zunahme solcher Taten ist zum Schutz der Allgemein- heit durch eine kontinuierliche und strenge Verwaltungspraxis zu verdeut- lichen, dass schwere Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelge- setz mit langjährigen Fernhaltemassnahmen geahndet werden. Der Schutz der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit ist dabei durch Abschreckung nicht nur des jeweiligen Straftäters, sondern auch anderer potenzieller Rechtsbrecher weitest möglich zu gewährleisten (vgl. BGE 131 II 352 E. 4.3.1 S. 359 f. mit Hinweis; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C- 5265/2013 vom 22. Oktober 2014 E. 5.4 mit Hinweis). Das Verhalten des Beschwerdeführers war umso verwerflicher, als er über mehrere Jahre im Betäubungsmittelhandel tätig war. Mithin gene rierte er mit dem Betäubungsmittelverkauf zumindest ein beträchtliches Nebenein- kommen, soweit er überhaupt noch hauptberuflich tätig war, zumal in die- ser Zeit weder er noch seine Ehefrau einer existenzsichernden Erwerbstä- tigkeit nachgingen. Seinen Taten lagen folglich rein finanzielle Interessen zugrunde, war er doch selber nicht drogenabhängig. Durch seine straf- rechtliche Verurteilung zu 60 Monaten Gefängnis hat der Beschwerdefüh- rer die praxisgemässe Grenze einer längerfristigen Freiheitsstrafe um ein C-6335/2014 Seite 8 Vielfaches überschritten (vgl. dazu BGE 139 I 31 E. 2.1). Zudem impliziert die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren in frem- denpolizeilicher bzw. administrativrechtlicher Perspektive in jedem Fall ei- nen sehr schweren Verstoss gegen die schweizerische Rechtsordnung (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.4). Dem Urteil des Strafgerichts vom 9. Juli 2012 kann überdies entnommen werden, dass der Beschwerdeführer im Dro- genhandel eine n amhafte Position inne hatte und in der Hierarchie ganz oben fungierte, was ihm ermöglichte im Hintergrund zu wirken und den von der Aufdeckungsgefahr riskanten Endverkauf zu meiden. Zudem hatte er in seinem Fahrzeug einen schussbereiten und jederzeit greif- und einsetz- baren Revolver eingebaut, was seine kriminelle Energie und Gefährlichkeit zusätzlich deutlich macht. 5.5 Nichts zu seinen Gunsten kann der Beschwerdeführer aus seinem Ver- halten in der Zeit nach der Tat ableiten. Eine gute Führung des Strafgefan- genen im Strafvollzug wird generell erwartet und lässt angesichts der dort vorhandenen, verhältnismässig engmaschigen Betreuung keine verlässli- chen Rückschlüsse auf das künftige Verhalten in Freiheit zu. Hinzu kommt, dass für Legalprognosen in fremdenpolizeilicher Hinsicht mit Blick auf das im Vordergrund stehende Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicher- heit ein strengerer Beurteilungsmassstab zum Tragen kommt als im straf- rechtlichen Sanktionenrecht (vgl. Urteil des BGer 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 2.3 mit Hinweis). 5.6 Die Voraussetzungen für ein Einreiseverbot gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG sind somit erfüllt. 6. Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des Ermes- sens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältnismässig- keit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine wer- tende Abwägung vorzunehmen zwischen dem öffentlichen Interesse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beeinträchtigten privaten Interessen des Betroffenen andererseits. Die Stellung der verletz- ten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidri- gen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelaste- ten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen (vgl. statt vieler HÄ- FELIN /MÜLLER/UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz. 613 ff.). C-6335/2014 Seite 9 6.1 Im vorliegenden Fall ist d as öffentliche Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers evident. Mit Blick auf die Dauer der verhängten Massnahme von Belang erscheint, dass das Verschulden des Beschwer- deführers in Bezug auf seine Verurteilung vom 9. Juli 2012 als insgesamt schwer qualifiziert wurde und er aus rein egoistischen Motiven bereit war, durch Drogenhandel die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen erhebli- chen Gefahren auszusetzen. Der Beschwerdeführer ist bereits vor seiner Verurteilung vom 9. Juli 2012 wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt gera- ten, was unter anderem eine ausländerrechtliche Verwarnung nach sich zog (vgl. E. C.). Offensichtlich unbeeindruckt von den vorangehenden Sanktionierungen, der drohenden Gefahr des Verlusts eines jeglichen Auf- enthaltsrechts in der Schweiz und der damit verbundenen Folge einer über einen längeren Zeitraum dauernden Trennung von seiner Familie, hat sich der Beschwerdeführer erneut bewusst gegen die Respektierung der hiesi- gen Rechtsordnung entschieden und währe nd Jahren skrupellos und be- rechnend in erheblichem und schwerstwiegende m Ausmass gegen das Gesetz verstossen . Sein Fehlverhalten wiegt aus präventivpolizeilicher Sicht ausserordentlich schwer. Unter dem spezifischen Aspekt des Auslän- derrechts muss er daher über Jahre hinweg als Risikofaktor für die öffent- liche Sicherheit und Ordnung betrachtet werden. Was die Dauer seines Wohlverhaltens betrifft, so kann die seit seiner letzten Verurteilung vergan- gene Zeit als nicht derart lang bezeichnet werden, dass von einer grundle- genden Änderung des Beschwerdeführers ausgegangen werden kann. Daran ändert auch seine bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug nach drei Jahren und vier Monaten nichts, stellt eine solche doch den Regelfall dar. 6.2 An persönlichen Interessen bringt der Beschwerdeführer vor, dass durch das Einreiseverbot die familiäre Beziehung zu Ehefrau und Tochter sowie des noch ungeborenen Kindes künftig nur erheblich eingeschränkt gelebt werden könne. Moderne Kommunikationsmittel stellten keinen ge- nügenden Ersatz für die familiäre Gemeinschaft dar. 6.3 Zu prüfen ist in diesem Zusammenhang, ob das über die Verweigerung eines jeglichen Aufenthaltsrechts hinausgehende, durch das Einreisever- bot zusätzlich bewirkte Erschwernis mit Blick auf das Kindeswohl vor Art. 8 Ziff. 1 EMRK standhält. Die Wirkungen des Einreiseverbots bestehen nicht darin, dem Beschwerdeführer während der Geltungsdauer der Mass- nahme Besuchsaufenthalte in der Schweiz schlicht zu untersagen. Viel- mehr besteht – wie vom Beschwerdeführer richtig erkannt – die Möglich- keit, aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen mittels Gesuch die C-6335/2014 Seite 10 zeitweilige Suspension der Fernhaltemassnahme zu beantragen. Die sich daraus ergebende Einschränkung von Besuchsauf enthalten wird durch das öffentliche Interesse an der Fernhaltung gedeckt und ist vo m Be- schwerdeführer hinzunehmen. Es besteht sodann für die Familie die Mög- lichkeit, den Beschwerdeführer in der Heimat zu besuchen. Familiäre Kon- takte können daher zu einem bedeutenden Teil auch auf diese Weise ge- pflegt werden. Denn das verfassungs- und konventionsrechtlich garantierte Recht auf Achtung des Familienlebens vermittelt keinen Anspruch auf freie Wahl des für das Familienleben am geeignetsten erscheinenden Ortes (vgl. BGE 137 I 247 E. 4.1.1 m.H.). 6.4 Das Kindeswohl ist bei allen Massnahmen ein vorrangig zu berücksich- tigender Gesichtspunkt (Art. 3 Abs. 1 KRK; vgl. STEFANIE SCHMAHL, Kin- derrechtskonvention mit Zusatzprotokollen, Handkommentar, 2013, Art. 3 N. 7). Kinder, deren Eltern sich in verschiedenen Staaten aufhalten, haben ein Recht auf regelmässige persönliche Beziehungen und unmittelbaren Kontakt zu beiden Elternteilen, soweit nicht aussergewöhnliche Umstände vorliegen (Art. 10 Abs. 2 KRK; SCHMAHL, a.a.O., Art. 10 N. 6 ff.; vgl. auch Art. 8 EMRK und Art. 11 BV; nicht einschlägig ist in casu Art. 9 Abs. 3 KRK, der den Fortbestand familiärer Kontakte im Trennungsfall gewährleistet, vgl. SCHMAHL, a.a.O., Art. 9 N. 9 ff.; Botschaft betreffend den Beitritt der Schweiz zum Übereinkommen von 1989 über die Rechte des Kindes vom 29. Juni 1994 [nf.: Botschaft KRK], BBl 1994 V 1 ff., 32 f.; BGE 139 I 315 E. 2.4). Das Wohl des Kindes wurde allerdings in Art. 3 Abs. 1 KRK bewusst als «ein» und nicht als «der» (einzige) Gesichtspunkt bezeichnet, der vor- rangig zu berücksichtigen ist (SCHMAHL, a.a.O., Art. 3 N. 7). Das Kindesin- teresse, mit beiden Elternteilen Kontakte pflegen zu können, ist im Rahmen der Interessenabwägung ein vorrangig zu berücksichtigender Faktor, aber dennoch ein Faktor unter anderen (insb. Schutz der Öffentlichkeit vor Straf- tätern); ihm kommt kein absoluter Vorrang zu (vgl. mit Bezug auf Art. 8 EMRK Urteil des BGer 2C_298/2012 vom 5. April 2012 E. 2.2.3; ANDREAS ZÜND/THOMAS HUGI YAR, Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schwei- zerischen Ausländerrecht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, in: EuGRZ 40/2014 S. 1 ff. N. 46). Sodann vermittelt Art. 10 Abs. 2 KRK dem Beschwerdeführer auch kein Recht, in die Schweiz einreisen zu dürfen (vgl. SCHMAHL, a.a.O., Art. 10 N. 8). 6.5 Aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers ist davon auszu- gehen, dass die Ehegatten nach wie vor ein künftiges Zusammenleben der Familie in der Schweiz anstreben. Diese Wahl der Eltern führt dazu, dass C-6335/2014 Seite 11 die Kinder während der Dauer der Fernhaltemassnahme nur einen einge- schränkten unmittelbaren Kontakt zu ihrem Vater haben werden. Die Pflege direkter Kontakte kann mit Besuchen der Familie im Kosovo und – Wohlverhalten des Beschwerdeführers vorausgesetzt – befristeten Sus- pensionen, auf deren Möglichkeit auch die Vorinstanz hingewiesen hat, er- folgen. Sodann hat das Bundesgericht bereits festgestellt, dass es für die Ehegattin und für die Tochter, angesichts der Schwere der vom Beschwer- deführer begangenen Straftaten sowie der we iteren persönlichen Um- stände, grundsätzlich zumutbar wäre, in den Kosovo zurückzukehren (vgl. Urteil 2C_749/2014 vom 15. September 2014 E. 3.2), was die Dringlichkeit des privaten Interesses an einem Familienleben in der Schweiz bedeutend relativiert. Dass die Kernfamilie des Beschwerdeführers, namentlich seine Ehefrau die Tochter und das ungeborene Kind in der Schweiz leben und die familiären Beziehungen offenbar intakt sind, steht daher der Verhän- gung eines zehnjährigen Einreiseverbots nicht entgegen. 6.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass angesichts der festgestellten schwerwiegenden Gefahr für besonders hochwertige Rechtsgüter ein aus- geprägtes öffentliches Fernhalteinteresse am Erlass eines Einreiseverbots von längerer Dauer besteht. Die privaten Interessen der Ehefrau und ins- besondere der Tochter sowie des noch ungeborenen Kindes, die ihr Fami- lienleben während der Dauer des Einreiseverbots nur in eingeschränktem Rahmen pflegen können , vermögen die öffentlichen Interessen an der zehnjährigen Fernhaltemassnahme nicht in Frage zu stellen. In Würdigung der gesamten Umstände stellt daher das verhängte Einreiseverbot sowohl vom Grundsatz her als auch in seiner Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutze der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar. 7. Das von der Vorinstanz auf zehn Jahre bemessene Einreiseverbot ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer die Kos- ten des Beschwerdeverfahrens aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21.Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs -gericht [VGKE, SR 173.320.2]). C-6335/2014 Seite 12 Dispositiv Seite 13 C-6335/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 1'000.- werden dem Beschwerde- führer auferlegt und dem am 11. Dezember 2014 geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'000.- entnommen. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (…) – die Migrationsbehörde U._______ Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Teuscher Giulia Santangelo Versand: