Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. August 2016 (725 16 25) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen, als die Angelegenheit zur weiteren Ab- klärung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Der Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis kann gestützt auf die medizinische Ak- tenlage weder bejaht noch verneint werden. Gestützt auf den im vorliegenden Urteil fest- gelegten Unfallhergang sowie auf das einzuholende medizinische Gutachten hat die Be- schwerdegegnerin neu über den Leistungsanspruch des Versicherten zu verfügen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves Thommen, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien Visana AG , Weltpoststrasse 19 , 3015 Bern , Beschwerdeführerin gegen AXA Versicherungen AG , General Guisan -Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Beigeladener A.____ Betreff Leistungen betr. A.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1963 geborene A.____ war bei der AXA Versicher ungen AG (AXA) obligatorisch unfallversichert, als er am 1. September 2014 einen Unf all erlitt, indem er am Yachthafen in X.____ beim Aussteigen aus einem Segelboot stürzte. Der erstbehandelnde Arzt, Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte am 17. September 2014 eine Ole- cranonfraktur rechts sowie eine transmurale Supra- und Infraspinatussehnenruptur rechts. Mit Verfügung vom 2. Juli 2015 teilte die AXA dem Versicher ten mit, dass die Schulterproblematik rechts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in eine m natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 1. September 2014 stehe. Eine von der obligatorischen Krankenversiche- rung des Versicherten, der Visana AG (Visana), dagegen erhobene Einsprache wurde mit Ent- scheid vom 10. Dezember 2015 abgewiesen. B. Hiergegen erhob die Visana am 26. Januar 2016 Besc hwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin bean- tragte sie, der Einspracheentscheid vom 10. Dezember 201 5 sowie die dem Entscheid zugrun- deliegende Verfügung vom 2. Juli 2015 seien aufzuhebe n. Es sei festzustellen, dass die Be- schwerdegegnerin die unfallversicherungsrechtlichen Leistun gen im Zusammenhang mit der rechten Schulter zu erbringen habe. Die Beschwerdegegnerin sei zu verurteilen, der Beschwer- deführerin die von ihr im Rahmen ihrer Vorleistungspf licht erbrachten Leistungen zurückzuer- statten. Eventualiter beantragte die Visana, die Beschw erdegegnerin sei zu verurteilen, die Ab- klärungskosten (Unfalldiagnostik) im Zusammenhang mit de n Schulterbeschwerden rechts im Sinne von Art. 45 Abs. 1 ATSG zu übernehmen; alles unt er entsprechenden Kosten- und Ent- schädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur B egründung brachte die Visana im Wesentlichen vor, dass der natürliche Kausalzusammenhan g zwischen dem Ereignis vom 1. September 2014 und den Schulterbeschwerden gegeben sei. Selbst wenn dieser nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden könnte, könne aufgrund der medizini- schen Aktenlage ebenso nicht davon gesprochen werden, da ss es mit dem erforderlichen Be- weisgrad erstellt sei, dass die Beschwerden ausschliesslich au f unfallfremde Faktoren zurück- gingen. Unter diesen Umständen sei von einer gegeben en natürlichen (Teil-)Kausalität auszu- gehen. C. In ihrer Beschwerdeantwort vom 13. April 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie i m Wesentlichen aus, dass das Ereig- nis vom 1. September 2014 höchstens zur vorübergehenden ( schmerzhaften) „Aktivierung“ ei- nes bestehenden Vorzustandes, nicht aber zum Sehnenriss selbst geführt habe, weshalb sie zu Recht eine Leistungspflicht in diesem Zusammenhang abgelehnt habe. D. Der versicherte A.____ hat kein Rechtsmittel ergriffen . Da er jedoch vom vorliegenden Verfahren ohne weiteres betroffen ist, lud das Kantons gericht ihn mit Verfügung vom 15. April 2016 zum Verfahren bei und gab ihm die Gelegenheit, eine Stellungnahme zu den Eingaben der Parteien einzureichen. In seiner Stellungnahme vom 15. Juni 2016 beantragte der Beigela- dene sinngemäss die Gutheissung der Beschwerde der Visana. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Bevor die Rechtsmittelinstanz eine materielle Beur teilung der Streitsache vornimmt, hat sie von Amtes wegen zu prüfen, ob die Sachurteilsvorausset zungen erfüllt sind. Zu diesen ge- hört nebst anderem auch die Frage der Aktivlegitimation der Beschwerde führenden Partei. Vor- liegend hat nicht die versicherte Person, sondern deren o bligatorischer Krankenversicherer, die Visana, Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der AXA vom 10. Dezember 2015 einge- reicht. Gemäss Art. 49 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 hat ein Versich erungsträger eine Verfügung, wel- che die Leistungspflicht eines anderen Trägers berührt, diesem ebenfalls zu eröffnen. Der be- troffene Versicherungsträger kann dieselben Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person. Vorliegend umstritten ist der Einspracheentscheid der AXA vom 10. Dezember 2015, mit wel- chem diese ihre Leistungspflicht für das Ereignis vom 1. September 2014 abgelehnt hat. Er- wächst dieser Einspracheentscheid in Rechtskraft, hat der obligatorische Krankenversicherer für die finanziellen Folgen der gesundheitlichen Beei nträchtigungen der versicherten Person aufzukommen. Die Beschwerdeführerin ist demnach durch den Einspracheentscheid der AXA ohne weiteres im Sinne von Art. 49 Abs. 4 ATSG berührt und demnach im vorliegenden Verfah- ren aktivlegitimiert. 1.2 Auf das Rechtsbegehren 3 der Beschwerde vom 26. Ja nuar 2016 kann nicht eingetreten werden. Die Beschwerdeführerin beantragt darin, die Beschwerdegegnerin sei zu verurteilen, ihr die von ihr im Rahmen ihrer Vorleistungspflicht erbrachten Leistungen zurückzuerstatten. Da eine allfällige Rückleistungspflicht aber im angefochten en Einspracheentscheid vom 10. Dezember 2015 überhaupt nicht thematisiert wurde, bildet diese Frage nicht Streitgegen- stand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Im Übrigen ist auf die beim örtlich wie sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegneri n zu Recht die Übernahme von Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 1. September 2014 abgelehnt hat. 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unf allversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfo lgen (Heilbehandlung). Dabei hat der Unfallversicherer die Pflegeleistungen so lange zu erbringen, als davon eine namhafte Bes- serung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (Ar t. 19 Abs.1 Satz 1 UVG). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilwei se arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses be trägt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 3.2 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, n icht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper. 3.3 Für alle diese Leistungen hat der Unfallversichere r nur unter der Voraussetzung aufzu- kommen, dass zwischen den geltend gemachten Beschwerden u nd der seinerzeit beim versi- cherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein nat ürlicher Kausalzusammenhang besteht (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst ände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder ni cht als in der gleichen Weise beziehungs- weise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschrei- bung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenh angs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesund heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis im Sinne einer Teilursache zusam men mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Pe rson beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitli- che Störung entfiele (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 337 E. 1 mit weiteren Hinweisen). 3.4 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, li egt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (S ozialversicherungsrecht - Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Bewe is des Wegfalls des Kausalzusammen- hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Bewei s zu verlangen, dass kein Gesund- heitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nu n bei voller Gesundheit sei. Ent- scheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil P . des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 4.1 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer g esundheitlichen Störung ein na- türlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage , über welche die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Geri cht – im Rahmen der ihr obliegenden Be- weiswürdigung zu befinden hat. Dabei hat sie ihren Ent scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. dazu BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiter en Hinweisen). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanford erungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die von allen mögli chen Geschehensabläufen als die wahr- scheinlichste gewürdigt wird (vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a und 208 E. 6b). 4.2 Der Sozialversicherungsprozess wird vom Untersuchungsgrun dsatz beherrscht (Art. 61 lit. c ATSG). Das Sozialversicherungsgericht hat danach von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt nicht uneingeschränkt. Er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a; 121 V 210 E. 6c je mit Hinweisen). Im Übr igen schliesst der Untersuchungsgrund- satz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begri ffsnotwendig aus. Im Sozialversiche- rungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zuungunsten der Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (U LRICH MEYER -BLASER , Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, in: Basler Juristische Mitteilungen [B JM] 1989, S. 32). Diese Beweisregel greift Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahme n des Untersuchungsgrundsatzes auf dem Weg der Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwie- gende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit z u entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b; ULRICH MEYER -BLASER , a.a.O., S. 32). 4.3 Was speziell den Unfallbeweis anbelangt, sind die ei nzelnen Umstände des Unfallge- schehens von der Leistungsansprecherin bzw. vom Leistungsans precher glaubhaft zu machen. Zur Glaubhaftmachung eines Unfallereignisses müssen über d as konkrete Geschehen genaue und möglichst detaillierte Angaben namhaft gemacht werden, aufgrund derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein klares Bild zu machen und diese in objek- tiver Weise abzuschätzen (vgl. Urteile des Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) vom 25. N ovember 2004, U 209/04, vom 15. September 2004, U 234/04 sowie vom 19. Mai 2004, U 236/03). Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang ist auf die Beweismaxime hinzuwei- sen, wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der erste n Stunde" in der Regel unbefan- gener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nach- träglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder and erer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe d er Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens grö sseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47 mit Hinwei- sen; Urteil des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E . 3.1). Der Grundsatz, wonach die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ersten Aussagen nach einem schädigenden Ereignis in der Regel unbefangener und zuverläs- siger sind als spätere Darstellungen, stellt eine im Rahm en der freien Beweiswürdigung zu be- rücksichtigende Entscheidungshilfe dar. Sie kann nur zur A nwendung gelangen, wenn von zu- sätzlichen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarte n sind (RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546 f., U 236/03 E. 3.3.4; Urteil des Bundesgerich ts vom 14. November 2013, 8C_696/2013, E. 2). 5. Umstritten ist, ob zwischen dem Unfallereignis vom 1. September 2014 und den Schul- terbeschwerden ein Kausalzusammenhang gegeben ist. Wesen tlich für die Beantwortung der Frage, ob die Rotatorenmanschettenruptur auf das besagt e Ereignis zurückzuführen ist, ist der Unfallhergang. Diesbezüglich sind sich die Parteien nicht einig. 5.1 Die AXA stützte sich in der Verfügung vom 2. Juli 2 015 sowie im Einspracheentscheid vom 10. Dezember 2015 auf die Beschreibung des Unfallh erganges in der Unfallmeldung vom 8. Oktober 2014. Darin wurde festgehalten, dass der Ve rsicherte „beim Verlassen des Schiffs ausgerutscht und halb auf den Betonsteg und halb ins W asser gestürzt“ sei. Als beteiligte Per- sonen bzw. Zeugen wurden C.____ und D.____ aufgeführt . Beim betroffenen Körperteil wurde der rechte Arm, bei der Art der Schädigung ein Elle nbruch sowie Muskel- und Sehnenverlet- zungen angegeben. Entgegen der Auffassung der Beschwerde gegnerin ist die Unfallmeldung nicht vom Versicherten selber, sondern von der „E.____ AG“ unterzeichnet. 5.2 Die Visana hingegen ging vom detaillierteren Unf allbeschrieb durch Dr. B.____ aus. Dr. B.____ berichtete der AXA am 18. Mai 2015, der U nfall habe sich nicht so zugetragen, wie er in der beiliegenden Stellungnahme festgehalten se i. Der Patient habe aus einem Segelschiff auf einen Betonsteg absteigen wollen. Dabei habe er si ch an der Reling festgehalten und sei vorübergehend mit beiden Füssen auf dem Anker der Yach t gestanden. Er sei dann ausge- rutscht, während dem er sich mit dem rechten Arm an der Schiffsreling festgehalten habe. Da- bei sei es zu einem erheblichen Zug im Bereiche des recht en Schultergelenkes gekommen, was durchaus zu einer Ruptur von Sehnen der Rotatorenma nschette führen könne. Der den Versicherten operierende Orthopäde sei dann auch aufgru nd des Arthro-MRI-Befundes mit ei- nem vollständigen Abriss der Supra- und der Infraspinat ussehne ohne erkennbare Muskelatro- phie oder Verfettung davon ausgegangen, dass es zu eine r frischen Ruptur gekommen sei. Deswegen habe er sich dazu entschlossen, die seiner Ansicht nach erst wenige Wochen zu- rückliegende Ruptur operativ anzugehen. 5.3 Der Versicherte führte in seiner Stellungnahme vom 15. Juni 2016 zum Unfallhergang unter anderem aus, dass er sich für die Morgentoilette zu den Duschanlagen im Yachthafen habe begeben wollen. Ihr Boot sei Bug voran an einem Betonsteg gelegen. Mit dem Necessaire und dem Badetuch unter dem linken Arm sei er mit beiden Beinen über die Reling gestiegen, an der er sich mit der rechten Hand festgehalten habe. Um vom Boot auf den Steg hinunterzustei- gen, habe er den linken Fuss auf den Anker gesetzt und mit dem rechten Bein nachher auf den Steg absteigen wollen. In jenem Moment sei er mit de m linken Fuss vom Anker gerutscht und wie ein Kartoffelsack in die Tiefe gestürzt. Er habe zwar erst noch versucht, sich mit der rechten Hand weiter an der Reling zu halten, um so den Stur z noch zu vermeiden, habe das aber bei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht seinem Gewicht von damals über 100 kg nur einen kurzen Au genblick geschafft. Immerhin ha- be dies dazu geführt, dass er nicht mit dem Rücken auf de r Kante des Betonstegs aufgeschla- gen, sondern auf den Brustkorb gefallen sei, die Bei ne im Wasser. In einer ersten Selbstdiag- nose sei er zum Schluss gekommen, dass wohl nichts gebroche n sei und er sich auch sonst keine gravierenderen Verletzungen zugezogen habe. Grosse Schmerzen habe er nur in der rechten Schulter gehabt. Den rechten Arm habe er nicht mehr hochheben können. Des Weite- ren führte der Versicherte aus, dass er der Meinung sei, dass die Unfallbeschreibung, die er bei der Unfallmeldung abgegeben habe, zwar kurz sei, den S achverhalt aber absolut richtig wie- dergeben würde. 5.4 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin sind die detaillierteren Ausführungen des Hausarztes und des Versicherten betreffend das Unfallge schehen durchaus glaubwürdig. Diese genaueren Schilderungen schliessen die kurze Version der Beschreibung des Unfallher- ganges in der Unfallmeldung auch nicht aus bzw. widersprechen dieser nicht. Mit dem Versicherten ist festzustellen, dass die Beschrei bung in der Unfallmeldung zwar kurz ist, aber den Sachverhalt richtig widergibt. Der detaillierte Unfallbeschrieb illustriert sodann auch ein adäquat normales Verhalten einer in einer solchen Situation befindlichen Person. Es er- scheint gleichermassen sinnvoll und gewöhnlich, dass man sich beim Absteigen von einem Boot an der Reling festhält und einen Fuss auf den Anke r stellt, um auf den Steg zu gelangen. Weiter entspricht es einem intuitiven bzw. reflexartige n Verhalten, dass man sich festhält oder zumindest festzuhalten versucht, wenn man zu stürzen droht. Des Weiteren ist an dieser Stelle festzuhalten, dass der Versicherte selber keine Beschwerde gegen die Leistungsablehnung der AXA erhoben und sich anscheinend mit der Leistungser- bringung durch seine Krankenkasse zufrieden gegeben hat. Dies lässt seine Unfallbeschrei- bung in der Stellungnahme vom 15. Juni 2016 umso glau bwürdiger erscheinen. Insgesamt sind die Ausführungen von Dr. B.____ und dem Versicherten nachvollziehbar und detailliert begrün- det, weshalb darauf abzustellen ist. Anzumerken bleibt, dass die Beschwerdegegnerin es unter lassen hat, den Unfallhergang ge- nauer abzuklären. In der ursprünglichen Unfallmeldung sind sogar zwei Personen aufgelistet, welche beim Unfall anwesend waren und als Zeugen hätte n befragt werden können. Die Be- schwerdegegnerin hat sich jedoch mit dem kurzen Unfallbesch rieb begnügt und keine weiter- gehenden Abklärungen durchgeführt. 5.5 Aus dem Gesagten folgt, dass für die Frage, ob zwisch en den Schulterbeschwerden und dem Unfall vom 1. September 2014 ein natürlicher Kausa lzusammenhang vorliegt, von der de- taillierten Version des Unfallherganges gemäss den Aussagen des Versicherten (vgl. E. 5.2, 5.3 sowie 5.4 hiervor) auszugehen ist. 6. Zur Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen a ngewiesen, die ihr vorab von Ärztin- nen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 1 22 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hin- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht weisen). Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen na ch dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinwei- sen). Widersprechen sich medizinische Berichte, darf das G ericht den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Grü nde anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abste llt (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 7. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Versichert en und der Frage der Kausali- tät zwischen dem Unfallereignis vom 1. September 2014 und den Beschwerden im Bereich der rechten Schulter liegen im Wesentlichen folgende medizinischen Unterlagen vor: 7.1 Am 9. Oktober 2014 berichtete Dr. med. F.____, F MH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, von seiner Sprech stunde vom 30. September 2014. Als Diagnosen stellte er eine Olecranonfraktur rechts vom 1. September 2014, wahrscheinlich einen Status nach Fraktur der Grundphalanx der 5. Zehe links ebenso vom 1. September 2014, einen Verdacht auf eine Ruptur der Supra- und partiell der Infraspinatussehne links, einen stabi- len Zustand nach Behandlung eines Adenokarzinoms des C olon descendens (Erstdiagnose 2009), eine arterielle Hypertonie, einen Diabetes me llitus Typ II sowie einen Status nach Niko- tinabusus fest. Zur Anamnese hielt Dr. F.____ fest, der Patient sei am 1. September 2014 beim Heruntersteigen von seinem Boot gestürzt, wobei er in erster Linie mit seinem rechten Ellbogen aufgeschlagen sei (wahrscheinlich auch mit dem rechten F uss). Abgesehen von einem lokalen Hämatom sei der Versicherte erstaunlich beschwerdearm gew esen. Auch jetzt verspüre dieser bei gewissen belastenden Bewegungen eine mässige Schmerzh aftigkeit im Bereich des Ole- cranons. Nebenbefundlich habe er bemerkt, dass gewisse Bew egungen im Bereich der Schul- ter mit Schmerzen im Oberarm verbunden seien. Unter dem Abschnitt Befund führte Dr. F.____ auf, dass im Bereich der rechten Schulter eine vollumf änglich freie Beweglichkeit, aber eine deutliche Kraftminderung der Aussenrotation im Verglei ch zur Gegenseite vorliege. Inspekto- risch und palpatorisch zeige sich eine muskuläre Atrophie des Infraspinatus im Vergleich zur linken Seite. Palpatorisch vermute er eine Lücke im Bere ich des posterioren Supraspinatus- übergangs zur Infraspinatussehne. Des Weiteren hielt Dr. F.____ fest, dass beim ausgespro- chen indolenten Patienten auch eine frischere Rotator enmanschettenruptur durchaus möglich Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. Anhand der MR-Untersuchung sollte er beurteilen k önnen, ob es sich um eine frische oder ältere Läsion handle. 7.2 Am 7. Oktober 2014 wurde eine MR-Arthrographie des rechten Schultergelenks durch- geführt. Dr. med. G.____, FMH Radiologie, hielt unt er dem Abschnitt „Klinische Angaben“ Fol- gendes fest: „Sturz am 1. September 2014. DD frische ode r ältere Supra-/Infraspinatus-Läsion? Muskelzustand?“. In seiner Beurteilung führte Dr. G.____ einen vollständigen Abriss der Supra- spinatus- und der Infraspinatussehne mit Retraktion, keine Muskelatrophie oder Verfettung, eine Tendinopathie der Subscapularissehne mit kleiner P artialruptur, eine intakte lange Bi- zepssehne mit leicht subluxiertem Verlauf sowie eine Läsion im Bereich des inferioren Labrums auf. 7.3 Am 21. Oktober 2014 berichtete Dr. B.____, dass der Versicherte am 17. September 2014 bei ihm erstmals behandelt worden sei. Für den U nfallhergang und die Beschwerden ver- wies er auf den Operationsbericht. Als Befunde hielt e r eine Olecranonfraktur rechts sowie eine grosse Rotatorenmanschettenläsion im Bereiche der rechte n Seite; Röntgenbefund: Leicht dislozierte Olecranonfraktur rechts fest. In der MRI-Unter suchung zeige sich eine transmurale Supra-Infraspinatussehnenruptur rechtsseitig. Als vorläufige Diagnose stellte er eine Olecranon- fraktur rechts und eine transmurale Supra- und Infrasp inatussehnenruptur rechts fest. Ausser- dem gab Dr. B.____ an, dass der Unfall für die aktuel len Beschwerden ursächlich sei und der Patient vorher keine Beschwerden gehabt habe. 7.4 Im Operationsbericht vom 11. November 2014 hielt Dr. F.____ als Diagnose eine irrepa- rable Ruptur der Supra- und partiell der Infraspina tussehne rechts sowie eine Partialruptur der langen Bizepssehne rechts vom 1. September 2014 fest. Dr. F.____ führte aus, beim Sturz auf dem Schiff vom 1. September 2014 habe sich der Patient neben einer Olecranon-Querfraktur auch eine ausgedehnte Supra- und Infraspinatussehnenr uptur zugezogen. Der sehr indolente Versicherte habe zunächst keine Schulterpathologie, abgesehen von einer gewissen Aussenro- tationsschwäche, bemerkt. So sei die Olecranonfraktur auc h erst einen Monat nach Fraktur di- agnostiziert und entsprechend sekundär versorgt worden. Klinisch und im MRI bestehe eine ausgedehnte sehr weit retrahierte Supra- und Infrasp inatussehnenruptur mit bisher fehlender fettiger Degeneration des Muskels. Klinisch zeige sich eine erstaunlich gut erhaltene Beweg- lichkeit mit aber deutlich verminderter Aussenrotationskra ft. Dr. F.____ führte ausserdem aus, dass nur milde degenerative Veränderungen bei teilweise aufgefasertem Labrum glenoidale vor allem superior vorlägen. 7.5 Am 10. Februar 2015 berichtete Dr. med. H.____, FMH Chirurgie, beratender Arzt der AXA, aufgrund der klinischen Untersuchungsbefunde, der MRI-Beurteilung vom 7. Oktober 2014 und der intraoperativen Beschreibung vom 11. November 2014, seien die Befunde im Be- reich der rechten Schulter vorbestehend. Durch den Auf schlag am Ellbogen sei es zur wenig dislozierten Olecranonfraktur rechts gekommen. Bei fehlen dem bone bruise am Humeruskopf sei eine axiale Traumatisierung der rechten Schulter ausgeschlossen. Weitere Befunde, welche für die überwiegend wahrscheinlich vorbestehende Rotato renmanschettenläsion rechts sprä- chen, seien folgende: Die irreparable Situation zweie inhalb Monate nach dem Ereignis (bei fri- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht scher RM-Läsion hätten sich die Muskeln mobilisieren lassen ); die ausgedehnte sehr weit ret- rahierte Supra- und Infraspinatussehne; die fehlende Pseudoparalyse im rechten Schulterge- lenk (wie sie bei einer frischen Läsion vorhanden gewesen wäre); die gut kompensierte Beweg- lichkeit im rechten Schultergelenk (vollumfänglich freie Beweglichkeit, aber deutliche Kraftver- minderung der Aussenrotation); die inspektorisch und palp atorisch muskuläre Atrophie des Inf- raspinatus im Vergleich zur linken Seite (und dies vier Wochen nach dem Ereignis); der Hume- ruskopfhochstand rechts; bei direkter Krafteinwirkung vom rechten Ellbogen zur Schulter wäre die Olecranonfraktur stärker disloziert gewesen. 7.6 Am 9. Juni 2015 erstellte Dr. F.____ eine Stellu ngnahme zu Handen der AXA und hielt unter anderem fest, obschon axiale Stauchungskräfte bei frischen traumatischen ausgedehnten Rotatorenmanschettenrupturen vorlägen, sei in der MRI-D iagnostik nur selten ein ausgedehn- tes bone bruise zu erkennen. Das sogenannte bone bruise s ei in der Regel dann zu erkennen, wenn die Rotatorenmanschette bei der Verletzung intak t bleibe, das heisse, dass die Stau- chungskräfte am Tuberculum majus stärker aufträten als die rupturierenden Kräfte an der Rota- torenmanschette. Des Weiteren hielt Dr. F.____ fest, b ei sehr frischen, sehr ausgedehnten Ro- tatorenmanschettenrupturen (sog. Zweisehnen-Ruptur) komme es typischerweise zu einer sehr schnellen, sehr weiten Retraktion. Bei entsprechender Ko nstitution könne es durchaus vor- kommen, dass die Rupturstümpfe sich nicht mehr genügend mobilisieren liessen, obschon der Muskel noch nicht fettig degenerativ verändert sei. Zud em führte Dr. F.____ aus, dass der Ver- sicherte ein ausgesprochen indolenter Patient sei. So habe er seiner Olecranonfraktur aufgrund fehlender Schmerzen praktisch keine Beachtung geschenkt. Unmittelbar nach dem Unfallereig- nis habe der Patient den Arm aktiv nicht anheben können und gleichzeitig die Kontusion des rechten Ellbogens sowie mässige Schmerzen im Bereiche des Vorfusses links bemerkt. Somit habe die Pseudoparalyse im frischen Stadium durchaus v orgelegen. Ausserdem führte Dr. F.____ aus, vier Wochen nach Unfallgeschehen könne dur chaus eine klinische muskuläre Atrophie sichtbar und palpierbar sein. Für eine fetti ge degenerative Veränderung des Muskels brauche es hingegen mindestens sechs Monate. Bei sehr aus gedehnten traumatischen Rotato- renmanschetten-Läsionen könne es bereits früh zu einem Hu meruskopf-Hochstand kommen. Zusammenfassend hielt Dr. F.____ fest, die aufgeführten Begründungen seien aus seiner Sicht nicht korrekt und erlaubten somit nicht die Schlussfolg erung, dass die ausgedehnte Verletzung der Supra- und Infraspinatussehne vorbestehend gewesen se i. Abschliessend müsse ebenfalls festgehalten werden, dass der Patient gemäss eigenen An gaben vor der genannten Verletzung über eine vollumfängliche Kraft im Bereich der rechten Schulter verfügt habe. So habe er auch keinerlei Probleme gehabt, mit vollem Krafteinsatz sein em Curling-Sport nachzugehen. Die in- tensive Wischbewegung, welche beim Curling praktiziert w erde, erfordere zum Beispiel eine kräftige, intakt funktionierende Rotatorenmanschetten-Muskulatur. 7.7 Am 8. Dezember 2015 nahm Dr. med. I.____, FMH C hirurgie, beratender Arzt der AXA, Stellung zur Frage der Unfallkausalität und hielt unt er anderem fest, dass die rechtsseitige Ole- cranonfraktur und die Fraktur der Grundphalanx der G rosszehe mit praktischer Sicherheit in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfaller eignis vom 1. September 2014 stün- den. Im Bereiche des rechten Schultergelenks bestünden mit überwiegender Wahrscheinlich- keit krankhaft degenerative Vorzustände der Supraspinatuss ehne und der Infraspinatussehne Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie der Bizepssehne. Wäre der Befund, wie er sich im MRI vom 7. Oktober 2014 und anläss- lich des Eingriffs vom 11. November 2014 dargestellt hab e, auf den Unfall zurückzuführen, so hätte mit praktischer Sicherheit initial eine Pseudop aralyse der rechten Schulter bestanden. Dies sei eindeutig nicht der Fall gewesen. Gegen eine f rische Unfallkausalität sprächen auch die starke Retraktion der gerissenen Supraspinatussehne un d das Vorliegen eines Humerus- kopfhochstandes. Demgegenüber spreche das Alter des Versich erten eher für ein degenerati- ves Geschehen. Ein Humeruskopfhochstand, wie hier vorlieg end, sei erst nach drei bis sechs Monaten nach einer Supraspinatussehnenruptur zu erwar ten. Dasselbe gelte für die massive Retraktion des proximalen Supraspinatussehnenstumpfes. Da ss Ende September eine weitge- hend freie Beweglichkeit des rechten Schultergelenks best anden habe, spreche ebenfalls ge- gen das Vorliegen einer unfallbedingten Supra- und I nfraspinatussehnenruptur. Dr. I.____ hielt fest, dass die Schultersituation überwiegend wahrscheinlich bezüglich Unfallkausalität ausge- schlossen werden könne. 7.8 Med. pract. J.____, FMH Arbeitsmedizin, Vertrauensa rzt der Visana, nahm am 21. Ja- nuar 2016 eine vertrauensärztliche Beurteilung vor. Er hielt unter anderem fest, dass für eine frische und nicht degenerativ bedingte Sehnenruptur de r Operationsbericht der Klinik Hirslan- den vom 13. November 2014 spreche, in welchem nur mild e degenerative Veränderungen fest- gestellt und die Rupturen unfallkausal beurteilt worde n seien (Diagnose: Ruptur vom 1. September 2014). Diese Beurteilung durch einen seh r erfahrenen Operateur, der in einem spezialisierten Schulterzentrum tätig sei, schätze er deut lich gewichtiger ein, als eine theoreti- sche Aktenbeurteilung durch den Arzt der Unfallversicher ung. Auch die MR-Arthrographie des Schultergelenks vom 7. Oktober 2014 unterstreiche, dass keine Muskelatrophie oder Verfettung vorliege, welche einen Hinweis auf einen langsamen, at rophischen Verlauf mit krankheitsbe- dingter Ruptur geben würde. Selbst wenn altersbedingt – wofür es aber keinerlei Hinweise gebe – eine Degeneration vorgelegen hätte, so wäre der S turz sicherlich nicht als Gelegenheitsursa- che zu werten. Vielmehr handle es sich hierbei um ein Unfallereignis mit hoher physikalischer Belastung des Bewegungsapparates, was sich auch an den übrigen erlittenen Verletzungen zeige. Es wäre somit für diesen Fall eine Teilkausalität zu postulieren, welche ebenfalls eine Leistungspflicht der Unfallversicherung auslösen würde. Zu sammenfassend sei für ihn in den strittigen Punkten die Unfallkausalität weiterhin und zumindest als Teilkausalität mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit gegeben. 7.9 Am 5. April 2016 nahm Dr. I.____ erneut Stellun g und führte aus, dass er generell an seiner Beurteilung vom 8. Dezember 2015 festhalte, won ach die erhobene Schulterpathologie rechts nur mit dem Beweisgrad der Möglichkeit in einen natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 1. September 2014 zu stellen sei. G egen eine Unfallkausalität der Schulter- pathologie spreche die fehlende initiale Pseudoparalyse , der Humeruskopfhochstand und die ungewöhnlich massive Sehnenretraktion bereits einen Monat nach dem Ereignis sowie die irre- parable Situation infolge Unmöglichkeit der Mobilisati on der Sehnenstümpfe. Weiter würden auch die subchondrale Zystenbilung im Ansatzbereich der Supraspinatussehne am Tuberculum majus sowie die prä- und postoperativ im Verlauf gut ko mpensierte Beweglichkeit des rechten Schultergelenks dagegen sprechen. Eher gegen eine krank haft degenerative Schulterpatholo- gie spreche hingegen die fehlende zu erwartende fettig e Degeneration der muskulären Anteile Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Rotatorenmanschette. Dr. I.____ hielt ausserdem fe st, dass die rechtsseitige Olecranon- fraktur mit Sicherheit unfallkausal ausgewiesen sei. Diesbezüglich sei noch darauf hinzuweisen, dass eine solche Fraktur fast ausschliesslich durch eine direkte Kontusion entstehe. Es sei also davon auszugehen, dass der Versicherte den Ellbogen angeschlagen habe. 8.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurte ilung des medizinischen Sachver- halts bzw. der Frage nach der Unfallkausalität vollumfäng lich auf die Ausführungen ihrer bera- tenden Ärzte, Dres. H.____ und I.____ (vgl. E. 7.5, 7. 7 und 7.9 hiervor). Sie ging demzufolge davon aus, dass die Schulterbeschwerden des Versicherten m it überwiegender Wahrschein- lichkeit nicht auf das Unfallereignis vom 1. September 2 014 zurückzuführen seien. Diese vo- rinstanzliche Beweiswürdigung ist aus nachfolgenden Gründ en zu beanstanden. Nach der Rechtsprechung kommt dem Bericht eines versicherungsintern en Arztes nicht derselbe Be- weiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fach- personen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Ein sol cher Bericht ist aber soweit zu berück- sichtigen, als keine – auch nur geringe – Zweifel an d er Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorliegend beste ht jedoch Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen der Dres. H.____ und I.____ zu zweifeln. 8.2 Zunächst ist festzuhalten, dass die Ausführungen und Schlussfolgerungen der Dres. H.____ und I.____ im Widerspruch stehen zu denjen igen der Dres. B.____, F.____ und J.____, auf die sich die Beschwerdeführerin stützte. Unter anderem strittig ist die Frage, ob der Versicherte nach dem Unfall an einer Pseudoparaly- se gelitten hat oder nicht. Dazu ist festzuhalten, dass eine solche – entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin – wohl vorgelegen hat. Zwar i st eine Pseudoparalyse zu Beginn nicht ausdrücklich durch die behandelnden Ärzte festgestellt wor den, doch Dr. F.____ hat immerhin eine gewisse Aussenrotationsschwäche festgehalten und erwähnt, dass der Patient seinen Arm unmittelbar nach dem Unfallereignis nicht habe hochhebe n können. Beim ausgesprochen indo- lenten Versicherten habe damit eine Pseudoparalyse durch aus vorgelegen (vgl. insbesondere E. 7.6 hiervor). Auch der Versicherte selber beschrieb i n seiner glaubwürdigen Stellungnahme vom 15. Juni 2016, dass er nach dem Sturz grosse Schmerzen in der rechten Schulter gehabt habe und den rechten Arm nicht mehr habe hochheben können (vgl. E. 5.3 hiervor). Des Weiteren kann mit der Beschwerdeführerin festgeste llt werden, dass ein unfallbedingter „Riss“ der Rotatorenmanschette dadurch erklärt werden kö nnte, dass der Versicherte sich mit dem rechten Arm an der Reling festgehalten hat bzw. ve rsucht hat, sich festzuhalten, als er stürzte. Ausserdem hielt Dr. F.____ fest, dass lediglich milde de generative Veränderungen vorlägen (vgl. E. 7.4 hiervor). In der MR-Arthrographie vom 7. Oktober 2014 zeigten sich zudem weder eine Muskelverfettung noch eine Atrophie (vgl. E. 7.2 hiervor). Schliesslich ist festzuhalten, dass der Versicherte vor dem Unfallereignis keine Beschwerden in der rechten Schulter hatte, obwohl er stets viel Sport betrieben hat. Insbesondere wies Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. F.____ darauf hin, dass der Patient regelmässig Cur ling gespielt habe, was einen vollen Krafteinsatz der Rotatorenmanschetten-Muskulatur erfordere (vgl. E. 7.6 hiervor). 8.3 Hingegen ist mit der Beschwerdegegnerin festzustell en, dass auch gewisse Anhalts- punkte für ein vorbestehendes Problem an der rechten Schulter vorliegen. Beispielsweise fehlte beim Versicherten ein sogenanntes bone bruise, das heisst e in posttraumatisches Knochen- marködem. Des Weiteren sprechen sowohl die starke Retraktion der Sehnen als auch der frühe Humeruskopf-Hochstand eher für eine degenerative Verän derung als für eine unfallbedingte Verletzung (vgl. E. 7.5, 7.7 und 7.9 hiervor). 8.4 Aus dem bereits Gesagten folgt, dass gestützt auf di e medizinische Aktenlage sowohl Anhaltspunkte für als auch solche gegen einen Kausalzus ammenhang zwischen dem Unfaller- eignis vom 1. September 2014 und den Schulterbeschwerden des Versicherten ersichtlich sind. Die Beschwerdeführerin stützte sich auf diejenigen medizi nischen Fachpersonen, welche den Unfall als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als kausa l für die Schulterproblematik betrach- ten (Dres. B.____, F.____ und J.____). Demgegenüber st ützte sich die Beschwerdegegnerin auf diejenigen medizinischen Unterlagen, welche degener ative Veränderungen und somit eine Krankheit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als kausa l für die Rotatorenmanschettenruptur ansehen (Dres. H.____ und I.____). Die Ärzte führen vorliegend einen umfangreichen medizin ischen Diskurs über die Argumente, welche für bzw. gegen eine Unfallkausalität der Schulter beschwerden sprechen. Eine Ausei- nandersetzung mit den Gegenargumenten der jeweils and eren Seite findet jedoch nicht vertieft statt. Das Gericht verfügt in medizinischer Hinsicht übe r zu wenig Sachverstand, als dass es sich aufgrund der medizinischen Aktenlage mit überwiege nder Wahrscheinlichkeit für die eine oder die andere Auffassung aussprechen könnte. Unter d iesen Umständen erscheint der medi- zinische Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt. Deswegen r echtfertigt es sich, die Angelegen- heit an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese ein me dizinisches Gutachten eines versi- cherungsunabhängigen Experten einholt. Dieses hat sich ausführlich mit den Argumenten für und gegen eine Unfallkausalität auseinanderzusetzen, die Argumente zu gewichten und schliesslich nachvollziehbar zu begründen, welche Schlussfolg erung daraus gezogen werden muss. Das Gutachten hat die Frage der Unfallkausalität gestützt auf den vom Gericht festgeleg- ten Unfallhergang (vgl. E. 5.5 hiervor) zu beantworten. 8.5 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die S ozialversicherungsgerichte zwar nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsach e an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst die n ötigen Abklärungen vorzunehmen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gut- achtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Admin istrativexpertise in einem rechtserhebli- chen Punkt nicht beweiskräftig ist (vgl. BGE 137 V 263 E. 4.4.1 ff.). Da die Beschwerdegegnerin vorliegend nicht alle notwendigen Abklärungen betreffend die Unfallkausalität vorgenommen hat und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, i m Verwaltungsverfahren versäumte Ab- klärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Besc hwerdegegnerin auch unter Be- rücksichtigung der zitierten Rechtsprechung des Bundesgeri chts nichts entgegen. Demzufolge Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist die Angelegenheit in Aufhebung des angefochtenen E inspracheentscheids vom 10. Dezem- ber 2015 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese hat weitere medizinische Abklä- rungen in Bezug auf die Unfallkausalität der geklagten Schulterbeschwerden in Form eines ex- ternen Gutachtens vorzunehmen. 9. Daraus folgt zusammenfassend, dass der Kausalzusammenha ng zwischen den geklag- ten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 1. September 2014 gestützt auf die medizinische Aktenlage weder bejaht noch verneint werden kann. Die Beschwerde ist deswegen in dem Sin- ne gutzuheissen, als die Angelegenheit zur weiteren Abkl ärung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen ist. Gestützt auf den hiervor festgelegten Unfall hergang sowie auf das einzuholende medi- zinische Gutachten hat die Beschwerdegegnerin neu über d en Leistungsanspruch des Versi- cherten zu verfügen. 10.1 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. 10.2 Es bleibt anzumerken, dass das Rechtsbegehren 4 der Beschwerdeführerin, die Be- schwerdegegnerin sei zu verurteilen, die Abklärungskosten (Unfalldiagnostik) im Zusammen- hang mit den Schulterbeschwerden rechts im Sinne von Ar t. 45 Abs. 1 ATSG zu übernehmen, an dieser Stelle nicht behandelt werden kann. Die Besc hwerdegegnerin hat über den Leis- tungsanspruch des Versicherten sowie auch über die Frag e der Abklärungskosten nach Vorlie- gen der medizinischen Expertise neu zu verfügen. 11. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiell- rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit auf die Beschwerde eingetreten werden kann, wird diese inso- fern gutgeheissen, als der Einspracheentscheid vom 10. De zember 2015 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren A bklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Besch werdegeg- nerin zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht