Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Februar 2016 (720 15 243 /41) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die angefochtene Verfügung beruht auf unzureichenden medizinischen Abklärungser- gebnissen. Rückweisung an die Vorinstanz. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Adv o- kat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1962 geborene A.____ war zuletzt vom 27. Ju ni 1986 bis 30. November 1997 bei der B.____ als Betriebsmitarbeiter angestellt. Am 6. Juli 1998 meldete er sich bei der Eidgenös- sischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Le istungen an. Nachdem die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt und zudem Eingliederungsmassnahmen durchgeführt hatte, ermittelte sie beim Versicherten einen Invaliditätsgrad von 63%. Gestützt auf dieses Ergeb nis sprach sie A.____ mit Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. April 2001 rückwirkend ab 1. Mai 1998 eine halbe Re nte zu. Im Rahmen eines Revisionsver- fahrens aufgrund der 4. IVG-Revision wurde die Rente m it Verfügung vom 12. März 2004 rück- wirkend ab 1. April 2004 auf eine Dreiviertelsrente erhöht. A.2 Am 25. Mai 2007 und 11. August 2011 teilte die I V-Stelle A.____ mit, dass er weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente habe. A.3 Am 4. April 2012 wurde eine weitere Rentenrevisi on von Amtes wegen eingeleitet. Ge- stützt auf ihre Abklärungen gelangte die IV-Stelle zur Auffassung, dass sich der Gesundheits- zustand von A.____ verbessert habe und der neu ermittelt e Invaliditätsgrad lediglich noch 30% betrage. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens hob sie deshalb die laufende Dreivier- telsrente von A.____ mit Verfügung vom 10. Juni 2015 auf das Ende des der Zustellung folgen- den Monats auf. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Nicolas Roulet, am 15. Juli 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte, in Aufhebung der Verfügung vom 10. Juni 2 015 sei die Beschwerdegegnerin zu ver- pflichten, ihm weiterhin eine Dreiviertelsrente zuzuspr echen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und zur neuen En tscheidung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Anord- nung eines Obergutachtens, die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwer- de und die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfle ge mit Advokat Dr. Roulet als Rechtsver- treter. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der Entscheid auf unzureichenden Abklärungen beruhe und die Voraussetzungen für eine Rentenrevision nicht erfüllt seien. C. Am 19. August 2015 wurde dem Beschwerdeführer für d as vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Dr. Roulet als Rechtsvertreter bewilligt. D. Mit Verfügung vom 24. August 2015 wurde der Verfah rensantrag des Beschwerdefüh- rers um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 14. September 2015 schlo ss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. F. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels (Replik vo m 16. November 2015/Duplik vom 30. November 2015) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes übe r die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 15. Juli 2015 ist einzutreten . 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefoch tenen Verfügung vom 10. Juni 2015 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG ). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalidi tätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; RUDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grund- figur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaf fhauser/Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 5.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet dabei die letzte (der versichert en Person eröffnete) rechtskräftige Verfü- gung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rente nanspruchs mit rechtskonformer Sach- verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eine s Einkommensvergleichs (bei An- haltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen A uswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 7 5 ff. E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV- Stelle dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 6. April 2001 rückwirkend ab 1. Mai 1998 eine halbe Rente zu, die dann infolge der 4. IVG-Revision mit Verfügung vom 12. März 2004 eine Dreiviertelsrente erhöht wurde. Im April 2012 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein Renten- revisionsverfahren ein und holte bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemei ne Innere Medizin, ein bidisziplinäres Gutachten ein. Nach Durchführung des Einkommensvergleic hs stellte die IV-Stelle mit Verfü- gung vom 10. Juni 2015 die bisher ausgerichtete Dreivier telsrente aufgrund eines rentenaus- schliessenden IV-Grads von nunmehr noch 30% ein. Somit beurteilt sich die Frage, ob bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 10. Juni 2015 allenfalls eine Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisi onsweise Aufhebung der bis anhin aus- gerichteten Dreiviertelsrente rechtfertigt, durch Vergle ich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen (auf einer vollständigen materiellen Anspruchsprüfung beruhenden) Renten- verfügung vom 6. April 2001 bestanden hat. 6. Im Folgenden ist demnach zunächst zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsfähigkeit des Versicherten tatsächlich, wie von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht, seit der Rentenzusprache in anspruchserheblicher Wei- se verbessert hat. 6.1 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 6.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit einer versicher ten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Ger icht – auf Unterlagen angewiesen, die vor- ab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind . Deren Aufgabe ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 132 V 99 f. mit weiteren Hinweisen). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stell ungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumut- barerweise noch verrichtet werden können (vgl. ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Fra nz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 6.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/9 9, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfa hrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potenti- ellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht verg essen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen läng eren Zeitraum abdeckende und umfas- sende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft we rtvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Beha ndlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsg utachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die beh andelnden Ärzte zu anderslauten- den Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und n icht rein subjektiver ärztlicher Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un- gewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts v om 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.5 Im Urteil vom 29. August 2011, 9C_418/2010, hat das Bundesgericht ergänzend zusätz- liche Besonderheiten festgehalten, die es in Revisionsf ällen (im Sinne des Art. 17 ATSG) bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen Sachverhaltes zu beachten gilt: 6.5.1 Da die Feststellung einer revisionsbegründenden V eränderung durch eine Gegenüber- stellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes erfolgt (vgl. E. 5.1 f. hiervor), bildet Gegenstand des Beweises das Vorhandensein einer entscheidungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Gutachten zu entnehmenden – Tatsac hen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und dessen funktionelle Auswirku ngen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit sie tatsächlich einen Unterschied auf der Seinsebene zum früheren Zustand wiedergibt. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachten s hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erheblich e Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständige n, nachvollziehbaren und schlüssigen me- dizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich d ie (von einer früheren abweichende) Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspri cht, inwiefern eine effektive Verände- rung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbeha lten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich ve rändert haben (Urteil des Bundes- gerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). 6.5.2 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrecht lichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bl oss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in i hrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Eine verlässliche Abgr enzung der tatsächlich eingetre- tenen von der nur angenommenen Veränderung ist als er forderliche Beweisgrundlage nicht erreicht, wenn bloss nominelle Differenzen diagnostische r Art bestehen. Die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretenen tatsächlichen Änderung ist hingegen genügend untermauert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunk- te in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbe itsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnosti- schen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben. Ein Sachverständiger kann jedoch die betreffende Entwicklung regelmässig nicht aus eigener Wahrnehmung beschreiben (ausser er sei schon als Vorgutacht er tätig gewesen). Daher ist es erforderlich, dass er sich, soweit verfügbar, mit den Fakt en fundiert auseinandersetzt, wie sie sich aus den für den früheren Entscheid massgebenden medizinischen Vorakten ergeben. Dem Gutachten, welches die medizinischen Vorakten unzureichend berücksichtigt, fehlt daher die erforderliche Überzeugungs- und Beweiskraft selbst dann, wenn die Schlussfolgerungen, wel- che auf der Grundlage der vom Sachverständigen selber e rhobenen Befundtatsachen gezogen worden sind, an sich einleuchten und vom Rechtsanwender prüfend nachvollzogen werden können. Diesem Beweiswertkriterium kommt hinsichtlich der Entscheidungsgrundlagen in Revi- sionsfällen – mit Blick auf deren vergleichende Natur – eine besondere Bedeutung zu. Diese spezifischen Anforderungen müssen sich denn auch im Rahmen der Fragestellung zuhanden des Gutachters niederschlagen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). 6.5.3 Je mehr medizinisches Ermessen bei der Stellung e iner Diagnose und der ärztlichen Einschätzung der Funktionseinschränkungen im Spiel ist, de sto wichtiger ist es, den gutachtli- chen Befund einer Veränderung möglichst solide auf klini sche Feststellungen, gutachterliche Verhaltensbeobachtungen und anamnestische Daten zu stüt zen und diese Elemente in Bezie- hung zu den medizinischen Vorakten und den dort gesetzt en Anknüpfungstatsachen zu brin- gen. Nur so kann dem Gutachten hinreichend zuverlässig entnommen werden, dass die in den Schlussfolgerungen beschriebene Differenz nicht wesentli ch einer unterschiedlichen Wertung zuzuschreiben ist. Auf der anderen Seite darf die Notwe ndigkeit, eine bloss andere Beurteilung nicht als Anlass einer materiellen Revision gelten zu lasse n, nicht dazu führen, dass die Anfor- derungen an den Nachweis einer Veränderung so hoch ang esetzt werden, dass die ursprüngli- che Festlegung praktisch perpetuiert wird. Dies gilt insbe sondere für psychiatrische Beurteilun- gen, bei denen praktisch immer ein Spielraum besteht, innerhalb dessen verschiedene medizi- nische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Hier können die Beurteilungen nicht i mmer lückenlos mit Tatsachenschilde- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen unterlegt werden. Bei einer stark ermessensgepr ägten Einschätzung, die weniger auf Messung und anderweitig normierter Feststellung als auf interpretationsbedürftigen Befundtat- sachen beruht, kann etwa eine Auseinandersetzung mit der Genese des Gesundheitsschadens, den das Krankheitsgeschehen unterhaltenden Faktoren, für den Nachweis einer tatsächlichen Veränderung besondere Bedeutung erlangen (Urteil de s Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.4 mit weiteren Hinweisen; vgl. au ch Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2013, 9C_698/2012, E. 2.2). 7. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 8.1 In der ursprünglichen Verfügung vom 6. April 2001, mit der dem Beschwerdeführer auf- grund eines IV-Grads von 63% ab 1. Mai 1998 eine halbe Rente zugesprochen wurde, stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitsz ustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf das von ihr veranlasste polydisziplinäre Gut achten der E____GmbH vom 27. Oktober 2000. Darin wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende soma- toforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit depressiver Sym ptomatik, ein chronisches zer- vikocephales Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.0) und ein chronisch es unspezifisches thorako- lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5 und M54.6) diagnostiziert. In psychiatrischer Hinsicht sei aufgrund des anhaltenden quälenden Schmerze s, der somatisch nicht in dieser Weise erklärt werden könne, von einer Somatisierungsstö rung auszugehen. Im Rahmen dieser Störung würden immer wieder depressive Verstimmungen a uftreten, was der Versicherte vor allem im Rahmen einer enormen Müdigkeit, Konzentrat ionsschwierigkeiten und Vergesslichkeit bemerke. Vermutlich gelinge es dem Versicherten nicht, die emotionalen Belastungen adäquat zu verarbeiten und er reagiere mit körperlichen Beschwerden. Diese hätten ein die Leistungsfä- higkeit einschränkendes Mass erreicht. Aufgrund der depres siven Symptomatik und des Schmerzsyndroms bestünde aus psychiatrischer Sicht eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit von 50%. Der aktuelle rheumatologische Status zeige eine Wirbelsäulenfehlhaltung und eine muskuläre Dysbalance im zervikalen Bereich. Insgesamt sei die Wirbelsäule in allen Ebenen praktisch vollständig frei beweglich. Hinweise für ein residuelles oder aktuelles zervikoradikulä- res oder lumboradikuläres Schmerz- oder Ausfallsyndrom be stünden nicht. Für körperlich schwer belastende Tätigkeiten bestünde aus somatischer Sich t seit dem 21. Juni 1997 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten seien im Umfang von 50% zumutbar. Für körperlich leichte Tätigkeiten sei d er Versicherte voll arbeitsfähig. Auf- grund der depressiven Symptomatik und des Schmerzsyndroms bestünde aber eine Einschrän- kung der Leistungsfähigkeit von 50%. 8.2 Im Rahmen der im April 2012 eingeleiteten Rente nrevision beauftragte die IV-Stelle Dres. C.____ und D.____ mit einem bidisziplinären Guta chten. Am 7. Mai 2013 diagnostizierte Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der rheumatologische Gutachter mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches, über- wiegend unspezifisches generalisiertes Schmerzsyndrom (ICD- 10 R52.9), ein chronisches cer- vico- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom ohne Hinweise a uf eine radikuläre Reizsymp- tomatik und eine Schmerzchronifizierung mit Schmerzauswei tung und Schmerzfehlverarbei- tung. Im Rahmen der aktuellen rheumatologischen Begutachtung zeige sich ein im Vordergrund stehendes, insgesamt unspezifisches generalisiertes Schmerzsyndrom. Der Versicherte berich- te über diffuse Beschwerden, vorwiegend ausgehend vom Na cken- und Schultergürtelbereich sowie vom Kreuzbereich mit diffuser Schmerzausstrahlung. Die klinische Untersuchung zeige eine überwiegend freie Beweglichkeit des gesamten Achsenskeletts mit gut erhaltener Funktion der Lendenwirbelsäule (LWS) und eine vollständig freie Halswirbelsäule (HWS). Die angegebe- nen diffusen Gelenkschmerzen und Gelenkschwellungen könnten nicht objektiviert werden. Sämtliche Gelenke seien frei und in ihrer Funktion une ingeschränkt. Hinweise für eine entzünd- lich rheumatologische Krankheit seien nicht ersichtlich. Aus psychiatrischer Sicht bestünde eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), d ifferentialdiagnostisch eine Schmerzfehlentwicklung mit körperlichen und psychischen Fakto ren (ICD-10 F45.41). In der Untersuchung zeige sich ein psychopathologisch unauffälli ger Explorand. Er leide weiterhin unter einem Schmerzsyndrom, welches aus somatischer Sicht n icht hinreichend nachvollzogen werden könne. Hinweise auf eine dauerhafte oder gra vierende affektive Störung liessen sich nicht finden, weswegen diesbezüglich von einer Besserung des Gesundheitszustandes auszu- gehen sei. Eine Störung der kognitiven Funktionen zeige sich ebenfalls nicht. Rein psychiatrisch stünde aktuell einzig die Schmerzproblematik im Vordergr und. Dem Versicherten sei nun eine leichte bis höchstens mittelschwere Tätigkeit ganztags zumu tbar. Aufgrund des jahrelangen Verlaufs sei aber anzunehmen, dass eine gewisse Verlangsamung und ein erhöhter Pausenbe- darf bestünden. Die Leistungsfähigkeit sei demnach ab U ntersuchungsdatum im Umfang von 20% eingeschränkt. In der Konsenzbeurteilung wurde f estgehalten, dass dem Versicherten nunmehr eine angepasste Tätigkeit zumutbar sei, wobei e ine Einschränkung der Leistungsfä- higkeit von 30% bestünde. 8.3 Am 21. Oktober 2014, 19. Dezember 2014 und 8. Ja nuar 2015 wurde der Versicherte im Spital F.____ neuropsychologisch und medizinisch untersuch t. Im Bericht vom 10. Februar 2015 wurden eine nicht-quantifizierbare neuropsychologi sche Störung, ein chronisches Schmerzsyndrom bei aktenanamnestisch bekannter somatoformer Schmerzstörung, eine leich- te depressive Episode und ein Vitamin D-Mangel diagnost iziert. Im Rahmen der ausführlichen neuropsychologischen Untersuchung hätten sich – mit Ausna hme des Arbeitstempos – deutli- che Defizite in allen geprüften kognitiven Bereichen gez eigt. Die Beeinträchtigungen im verbal episodischen Gedächtnis würden einer Abrufstörung entspre chen. Das kognitive Ausfallprofil sei tendenziell eher als fronto-subkortikal zu klassifizieren. Das Antwortverhalten im angewand- ten Beschwerdevalidierungstest sei als auffällig zu wert en. Zusammen mit den Verhaltensbe- obachtungen und den Anzeichen von Diskrepanzen könne eine unbewusste Symptomverdeutli- chung oder ein bewusstes aggravierendes Verhalten nicht g anz ausgeschlossen werden, wes- halb die Validität der Ergebnisse nicht zweifelsfrei g egeben sei. Zum Untersuchungszeitpunkt hätten sich zudem Hinweise auf eine leichte depressive Episode ergeben, welche die kognitiven Defizite zusätzlich akzentuieren könnten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.4 Am 19. März 2015 hielt der behandelnde Arzt Dr. m ed. G.____, FMH Physikalische Me- dizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, – unter Hinweis auf eine MRI Untersuchung der LWS und der Iliosakralgelenke (ISG) vom 2. Dezember 201 4 – fest, dass sich seit der bidiszip- linären Begutachtung im Mai 2013 neue Aspekte ergeben hätten. So bestünden zunehmend kognitive Defizite bei Verdacht auf eine frontotempora le Demenz und ein lumboradikuläres Reizsyndrom L4 beidseits bei breitbasiger medialer und b ilateraler Discushernie mit discogener Einengung des Recessus und Neuroforamina sowie eine Kompression der L4-Wurzel beidseits. Aufgrund der Änderung der Gesamtsituation würde sich eine erneute interdisziplinäre Begut- achtung rechtfertigen. 8.5 In seinem Bericht vom 1. April 2015 führte der Dr. med. H.____, Facharzt für Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, aus dass der Bericht des Spitals F. ____ vom 10. Februar 2015 zwar um- fassend und ausführlich sei. In Bezug auf das vorliegend e psychiatrische Gutachten liefere es indes keine neuen Erkenntnisse. Das bidisziplinäre Gutach ten der Dres. C.____ und D.____ vom 7. Mai 2013 habe deshalb weiterhin Bestand. 9.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des aktuellen medizinischen Sachverhalts und bei ihrem Entscheid über die Frage, ob seit der ur sprünglichen Rentenzusprache eine we- sentliche Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwer deführers eingetreten ist, voll- umfänglich auf die Ergebnisse des bisdisziplinären Guta chtens der Dres. C.____ und D.____ vom 7. Mai 2013. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand seit der Rentenzusprache am 6. April 2001 verbessert habe und au s gesamtmedizinischer Sicht eine ganztägige leichte bis selten mittelschwere wechselbela stende Tätigkeit ohne repetitive Bewe- gungsmuster und Zwangshaltungen mit einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 30% zumutbar sei. 9.2.1 Wie bereits in Erwägung 6.5 hiervor ausgeführt, gelten bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen Sachverhalts in Revisionsfällen besondere Anforderungen an die Be- weistauglichkeit. Beweisthema dieser Gutachten ist nicht b loss die Feststellung des aktuellen Gesundheitszustands und seiner funktionellen Auswirkungen , sondern insbesondere auch der Vergleich dieses Befunds mit dem früheren Gesundheitszusta nd. Spricht sich ein solches Gut- achten nicht hinreichend darüber aus, inwiefern eine ef fektive Veränderung des Gesundheits- zustands stattgefunden hat, mangelt es ihm in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweis- wert. Namentlich in psychiatrischer Hinsicht wirft die gu tachterliche Einschätzung von Dr. C.____ diesbezüglich Fragen auf. Zunächst ist au fgrund der ärztlichen Beurteilungen unbe- stritten, dass im Wesentlichen die psychischen Beeinträchti gungen ausschlaggebend sind für die Einschränkung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit de s Beschwerdeführers. So wurde im Rahmen der Abklärung zur ursprünglichen Rentenzusprach e von der E____GmbH mit Gutach- ten vom 27. Oktober 2000 die Diagnose einer anhaltend en somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit depressiver Symptomatik gestellt und die Beeinträchtigung der Leistungsfä- higkeit mit dem Schmerzsyndrom und der depressiven Symptom atik begründet. Im Verlaufs- gutachten von Dr. C.____ vom 7. Mai 2013 wurde die Diagnose der somatoformen Schmerzstö- rung (ICD-10 F45.4) sowie deren Auswirkungen auf die Funktions- und Arbeitsfähigkeit des Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführers bestätigt. Die ursprünglich beschriebene depressive Symptomatik wird aber einzig mit dem Hinweis auf fehlende Anhaltspunkte, ohn e nähere Begründung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und dessen funktionelle Auswirku ngen verneint, was den Verdacht nahelegt, dass es sich bei der aktuellen Einschätzung in erster Linie um eine neue, von der Vergangenheit unabhängige Würdigung des Gesundheitszust ands des Beschwerdeführers handelt. Damit ist aber eine erhebliche Änderung des m edizinischen Sachverhalts nicht hinrei- chend erstellt, wird doch im psychiatrischen Gutachten nich t aufgezeigt, welche konkreten Ge- sichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregr ads der Störung geführt haben. Ausserdem ist die Beurteilung der Leistungsfähigkeit wi dersprüchlich, da die psychische be- dingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit einmal mit 20% (Ziff. 4.7) und einmal mit 30% (Ziff. 7) angegeben wurde. Die Schlussfolgerungen sind damit wid ersprüchlich bzw. mangels Begrün- dung nicht nachvollziehbar. 9.2.2 Überdies bestehen mit Blick auf den Bericht des Spi tals F.____ vom 10. Februar 2015 erhebliche Diskrepanzen. Während Dr. C.____ in seinem G utachten vom 7. Mai 2013 weder eine Störung der kognitiven Funktionen noch eine affektive Symptomatik fand, wurde im Bericht des Spitals F.____ vom 10. Februar 2015 – nach umfassen der und auf mehreren Untersuchun- gen beruhender Abklärung – festgestellt, dass der Versich erte u.a. eine nicht-quantifizierbare neuropsychologische Störung und eine leichte depressive Episode aufweise. Entgegen der Auf- fassung des RAD kann bei diesen Befunden nicht gesagt wer den, der Bericht des Spitals F.____ vom 10. Februar 2015 liefere keine wesentlichen neuen die Arbeitsfähigkeit beeinflus- senden Erkenntnisse. Auch wenn im Untersuchungsbericht vom 10. Februar 2015 darauf hin- gewiesen wurde, dass eine unbewusste Symptomverdeutlichun g oder ein bewusstes aggravie- rendes Verhalten des Versicherten nicht ausgeschlossen werden könne und deshalb die Validi- tät der Ergebnisse nicht zweifelsfrei gegeben sei, lasse n die Erkenntnisse aus der neurologi- schen und neuropsychologischen Untersuchung dennoch unüberwindbare Zweifel an der Beur- teilung von Dr. C.____ aufkommen. So kann aufgrund der Erkenntnisse im Bericht des Spitals F.____ vom 10. Februar 2015 nicht ausgeschlossen werd en, dass aktuell eine schwerwiegen- dere psychische Störung vorliegen könnte als Dr. C.____ angenommen hat. 9.3 Auch in somatischer Hinsicht ist die Sachlage nicht hi nreichend geklärt. Während Dr. D.____ keine Hinweise auf radikuläre Reizsymptomati k fand, stellte der Facharzt Dr. G.____ in seinem aktuellen Bericht vom 19. März 2015 – unter Hinweis auf eine MRI Unter- suchung der LWS und der ISG vom 2. Dezember 2014 – fest, dass sich seit der bidisziplinären Begutachtung im Mai 2013 neue Aspekte ergeben hätten. So bestünde in somatischer Hinsicht ein lumboradikuläres Reizsyndrom L4 beidseits bei breitba siger medialer und bilateraler Dis- cushernie mit discogener Einengung des Recessus und Neuroformina sowie einer Kompression der L4-Wurzel beidseits. Aufgrund dieses aktuellen rhe umatologischen Berichts ist nicht auszu- schliessen, dass sich der Gesundheitszustand resp. die Leistungsfähigkeit des Beschwerdefüh- rers seit der Begutachtung durch Dr. D.____ am 17. Apr il 2013 bis zu der gut zwei Jahre da- nach erlassenen Verfügung vom 10. Juni 2015 massgeblich verändert haben könnte. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.4 Insgesamt ist festzuhalten, dass die Einschätzung im bid isziplinären Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 7. Mai 2013 den Anforder ungen an die Beweiskraft nicht zu ge- nügen vermag. So wie sich die Aktenlage präsentiert, ist der massgebende medizinische Sach- verhalt im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG nicht ausreich end abgeklärt, weshalb die Frage, ob sich der Gesundheitszustand und der Grad der Arbeitsfäh igkeit des Versicherten seit der Ren- tenzusprache im April 2001 tatsächlich in anspruchserheb licher Weise verbessert hat, nicht abschliessend beurteilt werden kann. Folglich ist der re chtserhebliche Sachverhalt durch geeig- nete weitere medizinische Abklärungen zu vervollständige n. Nach dem Gesagten steht fest, dass die angefochtene Verfügung vom 10. Juni 2015 auf u nzureichenden medizinischen Abklä- rungsergebnissen beruht und demzufolge aufzuheben ist. 10. Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kö nnen die Sozialversicherungsge- richte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streit sache zur neuen Begutachtung an die Ver- waltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein Gerichtsgut- achten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahr en anderweitig erhobenen Sachver- halt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürftig häl t oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. E ine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge- klärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 ff. E. 4.4.1 ff.). Im vorliegenden Verfahren sprach sich das der Verfügung zugrunde geleg te Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 7. Mai 2013 bloss ungenügend über eine massgebliche Veränderung des Gesund- heitszustands aus. Zudem hat die IV-Stelle die bestehend en Widersprüche zwischen den ver- schiedenen aktenmässig belegten ärztlichen Auffassungen nicht durch objektiv begründete Ar- gumente entkräftet. Da es die Vorinstanz unterlassen hat, die diesbezüglich nötigen (weiteren) Abklärungen zu veranlassen, und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwal- tungsverfahren versäumte medizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgegen. Die Vorinstanz wird ange halten, die medizinische Sachlage umfassend abklären zu lassen. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 11.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weite ren Vorgehen im Sinne der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-S telle zurück, so gilt in prozessualer Hin- sicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsi egende und die IV-Stelle als unter- liegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 11.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht inte- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 11.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. D er in der Honorarnote vom 6. Januar 2016 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Z eitaufwand von 7 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rech tsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewie senen Auslagen in der Höhe von Fr. 74.25. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Part eientschädigung von Fr. 1‘970.20 (7 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 74.25 zuzüg lich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 12.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifüh- ren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit ode r Kosten für ein weitläufiges Beweisver- fahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). N ach der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an de n Versicherungsträger zur Ak- tenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 12.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung vom 10. Juni 2015 aufgehoben und die Angelegenheit zu r erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zu rückgewie- sen wird. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 1'970.20 (inkl. Ausla gen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht