Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Juni 2023 (810 23 98) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Vorsorgliche Platzierung in einer geschlossenen Institution / Entzug des Aufenthaltsbe- stimmungsrechts / Anordnung einer Kindsvertretung / fehlendes altersadäquates Wohn- und Betreuungsangebot sowie Delinquenz Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtssch reiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Jessica Baltzer, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beigeladene Betreff Vorsorgliche Platzierung in der geschlossenen In stitution Durchgangs- station D.____ / Entzug Aufenthaltsbestimmungsrecht / Anordnung Kindsvertretung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 24. April 2023) A. A.____ (geb. XX.XX.2009) ist das Kind der unverhei rateten Kindseltern C.____ und E.____. C.____ ist die sorgeberechtigte Mutter von A._ ___ und F.____ (geb. 2012). Zum Kindsvater von A.____ besteht kein Kontakt. Mit Beschluss v om 29. Juni 2010 entzog die Vor- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht mundschaftsbehörde G.____ (Vormundschaftsbehörde) der K indsmutter die elterliche Obhut über ihren Sohn A.____ und platzierte ihn im Kinderh aus H.____ (Kinderhaus). Mit Beschluss vom 24. August 2010 errichtete die Vormundschaftsbehörde für A.____ eine Erziehungsbei- standschaft und ernannte I.____ als Beiständin. Seit März 2012 war die Kindsmutter berechtigt, A.____ von Freitagabend bis Sonntagabend zu sich nehmen. B. Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenschutzbehörde ( KESB) J.____ vom 28. Juni 2013 wurde das Besuchsrecht der Kindsmutter bis zum 30. Se ptember 2013 insofern einge- schränkt, als sie ihren Sohn für Übernachtungen nicht mehr zu sich nach Hause nehmen durfte. Sie wurde berechtigt, ihren Sohn jeweils am Mittwoch- und Samstagnachmittag zu sich zu nehmen. Zudem wurde die Kindsmutter angewiesen, beim Bezirksgericht K.____ ein Annähe- rungsverbot gegen L.____, den Vater von F.____, zu erw irken. Zur Begründung wurde ausge- führt, dass A.____ wenige Tage zuvor von L.____ mehrf ach in den Bauch geschlagen und auf der Notfallstation des Universitäts-Kinderspitals beider B asel (UKBB) untersucht worden sei. Die Kindsmutter habe mit Unterstützung der Beiständin e ine Strafanzeige gegen L.____ erstat- tet und ein Annäherungsverbot gegen ihn erwirkt (vgl. Verfügung des Bezirksgerichts K.____ vom 2. September 2013). Ab 1. Oktober 2013 wurde das B esuchsrecht der Kindsmutter wieder erweitert (vgl. Entscheid der KESB J.____ vom 1. Oktober 2013). C. Mit Entscheid der KESB J.____ vom 14. Oktober 2015 w urde der Entzug des Aufent- haltsbestimmungsrechts der Kindsmutter über A.____ auf gehoben, wobei er freiwillig im Kin- derhaus platziert blieb. D. Ende Juli 2020 musste A.____ altersbedingt neu plat ziert werden und trat in die Wohn- gruppe M.____ in N.____ ein. Ende September 2021 wechselte er ins Durchgangsheim O.____ in N.____, da es ihm in der Wohngruppe M.____ aufgr und der strengen Regeln nicht gefallen hatte. Seit dem 8. Juli 2022 befindet er sich im Rahm en der freiwilligen Platzierung Kinderheim P.____ (Kinderheim). E. Nach dem Umzug der Kindsmutter nach Q.____ übernahm die KESB B.____ die be- stehenden Kindesschutzmassnahmen per 1. September 2021 (En tscheid der KESB B.____ vom 5. Juli 2021). Als Beiständin wurde R.____, Manda tsführung S.____ GmbH, ernannt. Am 28. Januar 2022 wurde neu T.____, Mandatsführung S._ ___ GmbH, als Mandatsträgerin ein- gesetzt. F. Mitte August 2022 ist A.____ in die Sekundarschule B.____ (Sekundarschule) einge- treten. G. Mit Schreiben vom 6. Februar 2023 machte das Kinde rheim eine Gefährdungsmeldung bei der Vorinstanz. Darin wurde ausgeführt, dass A.___ _ in den ersten sechs Monaten ver- schiedene Auffälligkeiten wie Unzuverlässigkeit in Bezug auf die vereinbarten Rückkehrzeiten gezeigt habe. A.____ habe zu Beginn des Aufenthalts an den Wochenenden zunächst eine Nacht und anschliessend zwei Nächte bei seiner Mutter verbr ingen dürfen, wobei unbekannt geblieben sei, was er an den Wochenenden bei der Mut ter gemacht habe. Es gebe jedoch Hin- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht weise darauf, dass A.____ mit Personen unterwegs sei, wel che ihm nicht guttun würden. Nach den Weihnachtsferien habe A.____ berichtet, dass er, s ein jüngerer Bruder und ein älterer Be- gleiter sich im Rotlichtmilieu aufgehalten hätten. Die Kindsmutter sei nicht zu Hause gewesen und der jüngere Bruder habe Weihnachten alleine zu Ha use verbracht, während er unterwegs gewesen sei. Aufgrund dieses Vorfalls sowie weiterer Ere ignisse habe die Heimleitung ent- schieden, dass A.____ nicht mehr bei seiner Mutter überna chten dürfe, sondern stattdessen Tagesbesuche erfolgen sollten. Im Dezember 2022 sei es zu einem Gespräch zwischen A.____ und einer Person des Jugenddienstes der Polizei gekomme n, da A.____ wiederholt beim Dieb- stahl erwischt worden sei. Zudem habe es einen weiteren Vorfall gegeben, bei welchem die Polizei involviert gewesen sei. Im Januar 2023 habe das Kinderheim eine Anzeige gegen A.____ machen müssen, nachdem er aus dem Büro und dem sich darin befindenden Safe über Fr. 1'000.-- gestohlen habe. Im Anschluss an diesen Vor fall sei A.____ die ganze Woche nicht zu den vereinbarten Zeiten ins Kinderheim zurückgekehr t. Das Wochenende vom 27. - 29. Ja- nuar 2023 hätte er als Konsequenz des Diebstahls im Ki nderheim bleiben sollen. Er sei dann jedoch untergetaucht. Auch am darauffolgenden Wochen ende sei er erst am Sonntagabend zurückgekehrt. Obwohl die Mutter Kenntnis davon gehabt habe, dass keine Übernachtungen bei ihr stattfinden sollten, habe sie solche zugelassen. A.____ habe geäussert, dass er das Kinderheim verlassen möchte und alles dafür tun werde. Er habe die Aussage gemacht, dass er einmal ins Gefängnis kommen möchte, weil man dort psychi sch stark werde. Aufgrund der ge- schilderten Vorkommnisse erfolge die vorliegende Gefähr dungsmeldung. Es sei nicht möglich, mit der Kindsmutter bzw. unter den gegebenen Umständen mit A.____ konstruktiv zusammen- zuarbeiten, und es bestehe eine akute Gefährdung seines W ohls. Aus diesem Grund werde beantragt, einen Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts der Kindsmutter zu prüfen. H. Mit Schreiben vom 13. März 2023 stellte die Beiständ in einen Antrag auf Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts der Kindsmutter über A.____ sowie die Platzierung in die Durchgangsstation D.____. Sie führte ergänzend zu ihrem Zwischenbericht vom 27. Februar 2023 aus, dass das Kinderheim erneut beklaut worden un d es zu einer Anzeige seitens des Kinderheims gekommen sei, wobei A.____ verdächtigt werd e. Aus diesem Grund habe der Heimleiter entschieden, dass A.____ das Heim sofort ver lassen müsse. Damit sei auch die ur- sprünglich geplante Timeout-Platzierung mit anschliessend er Rückplatzierung ins Kinderheim dahingefallen. A.____ wohne deshalb bei seiner Mutter und gehe von dort aus in die Schule, wobei er sich in einem separaten Lernsetting befinde u nd nicht mehr Teil der Klasse der Se- kundarschule sei. Mit den bestehenden Kindesschutzmassnahme n könne die bestehende Kin- deswohlgefährdung nicht mehr abgewendet werden. I. Die Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft (Jugendanwalt schaft) übermittelte der Vorinstanz am 31. März 2023 eine Fotodokumentation über die Wohnverhältnisse bei der Kindsmutter. J. Mit Entscheid der KESB B.____ vom 24. April 2023 wu rde der Kindsmutter das Auf- enthaltsbestimmungsrecht über ihren Sohn entzogen (Disp ositiv-Ziffer 1) und er vorsorglich per sofort für die Dauer von mindestens vier Monaten, längste ns bis zum Abschluss der Abklärun- gen betreffend eine geeignete Anschlusslösung, in der g eschlossenen Durchgangsstation Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____ platziert (Dispositiv-Ziffer 2). Die Leitung der Durchgangsstation D.____ wurde ermäch- tigt, A.____ im Fall einer akuten Krisensituation vorüb ergehend für 24 Stunden in einer Voll- zugsanstalt (Jugendabteilung) unterzubringen und bet reuen zu lassen. Es wurde angeordnet, dass die KESB umgehend über eine solche Massnahme in Ken ntnis zu setzen sei (Dispositiv- Ziffer 3) und ein Austritt oder eine Umplatzierung au s dieser Institution nur mit ausdrücklicher Bewilligung der KESB erfolgen könne (Dispositiv-Ziffer 4). Für A.____ wurde eine Kindsvertre- tung angeordnet (Dispositiv-Ziffer 5) und als Vertrete rin Jessica Baltzer, Advokatin in Basel, eingesetzt mit dem Auftrag, die Interessen von A.____ im Zusammenhang mit seiner Unterbrin- gung zu vertreten (Dispositiv-Ziffer 6). Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wurde verzichtet (Dispositiv-Ziffer 7). Gleichentags wurde A.____ von der Vorinstanz im Beisein seiner Kindsver- treterin angehört und im Anschluss von der Polizei Base l-Landschaft (Polizei) ins Durchgangs- heim D.____ verbracht (Festnahmeverfügung Polizei vom 24. April 2023). K. Am 26. April 2023 fand die Anhörung der Kindsmutt er statt. L. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Je ssica Baltzer, mit Eingabe vom 2. Mai 2023 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), und beantragt, es seien die Ziffern 1 - 4 des Entscheids der KESB B.____ vom 24. April 2023 aufzuheben und er sei zurück in die Fürsorge seiner Mutter zu entlassen. Eventualiter seien die Ziffern 1 - 4 des Entscheids der KESB B.____ vom 24. April 2023 aufzu- heben und die Angelegenheit sei zur Neubeurteilung a n die Vorinstanz zurückzuweisen. Unter o/e-Kostenfolge zulasten der Vorinstanz, wobei ihm event ualiter die unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung zu gewähren sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt er, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen; es seien die Akten der Vorinstanz bei- zuziehen und es sei eine Kindsanhörung durchzuführen. De r Beschwerdeführer moniert zu- sammengefasst, dass keine Kindswohlgefährdung vorliege und die gewünschten Ziele auch mit milderen Massnahmen erreicht werden könnten. Die streng en gesetzlichen Voraussetzungen für eine vorsorgliche Platzierung seien nicht erfüllt und die angeordnete Massnahme erweise sich somit als unverhältnismässig. M. Mit Verfügung vom 3. Mai 2023 wurde der Verfahre nsantrag des Beschwerdeführers auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung superprovisorisch abgewiesen und es wurde eine Kindsanhörung angeordnet. N. In Ihrer Vernehmlassung vom 12. Mai 2023 beantrag t die Vorinstanz die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. O. Die Kindsanhörung wurde am 15. Mai 2023 durchgefü hrt und das Protokoll den Verfah- rensbeteiligten mit Verfügung vom 17. Mai 2023 zugestellt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. De- zember 1907 in Verbindung mit Art. 314 Abs.1 ZGB kann gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gerich t erhoben werden. Beim angefochtenen Entscheid, welcher die Anordnung vorsorglicher Massnahmen zum Gegenstand hat, handelt es sich um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zu- ständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Streitsach e liegt in Anwendung von § 66 Abs. 2 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches [EG ZGB] vom 16. November 2006 i.V.m. § 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der präsidierenden Pe rson. Nach Art. 314b Abs. 2 ZGB ist ein urteilsfähiges Kind im Falle der Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung berech- tigt, selber das Gericht anzurufen. Diese Bestimmung e ntspricht der gestützt auf die Wahrung höchstpersönlicher Rechte des urteilsfähigen Kindes entwi ckelten Praxis des Bundesgerichts zur Prozessfähigkeit Minderjähriger (KURT AFFOLTER -FRINGELI /URS VOGEL , in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht , Bern 2016, N 157 zu Art. 310/314b ZGB). Der Beschwerdeführer ist somit zur Erhebung der vorliegenden Beschwer- de berechtigt und die Beschwerdelegitimation ist zu be jahen. Da auch die weiteren Prozessvo- raussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Nach Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachve rhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid gest ützt auf die Gefährdungsmel- dung des Kinderheims vom 6. Februar 2023 und den Antrag der Beiständin vom 13. März 2023, dass A.____ seit seinem Austritt aus dem Kinderheim wed er eine kindsgerechte Wohnmöglich- keit noch eine altersadäquate Betreuung habe. Bei de r Jugendanwaltschaft sei ein Verfahren hängig und es werde vermutet, dass A.____ auch Drogen konsumiere. Das aktuelle Verhalten und der Umgang mit älteren, delinquenten Personen ge fährde das Kindswohl massiv. Die Kindsmutter zeige sich wenig einsichtig und verhalte sich gegenüber den involvierten Fachper- sonen nicht kooperativ. Sie suche die Schuld an der nega tiven Entwicklung ihres Sohnes beim Kinderheim und der Beiständin. Die Platzierungen im freiwilligen Rahmen seien alle gescheitert und die Einzimmerwohnung der Kindsmutter, welche sich g emäss Fotodokumentation in einem desolaten Zustand befinde, sei keine geeignete Wohnm öglichkeit für den 14-jährigen Jugendli- chen. A.____ benötige eine Umgebung mit klaren Regeln und Strukturen, um einer weiteren kindswohlgefährdenden Entwicklung entgegenwirken zu können. Die Kindsmutter sei dazu nicht in der Lage. Um ein Untertauchen von A.____ zu verhi ndern und da die bisherigen Platzierun- gen im offenen Rahmen gescheitert seien, sei eine Unter bringung mit umfassender Abklärung im geschlossenen Rahmen angezeigt und verhältnismässig, um der massiven Gefährdung der Entwicklung von A.____ entgegenzuwirken und ihn vor sich s elbst zu schützen. In der Durch- gangsstation D.____ könne eine psychodiagnostische und soziale Abklärung im geschlossenen Rahmen durchgeführt werden. Das Angebot umfasse unter a nderem eine Krisenintervention, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Überprüfung und Erarbeitung von Ressourcen sowie Fa milien- und Angehörigenarbeit und sei somit geeignet, um A.____ den zurzeit notwendigen Rahmen und die erforderliche Abklä- rung zu bieten. A.____ solle sich im geschlossenen Setti ng mit sich und seinen Problemen auseinandersetzen und eine neue Perspektive entwickeln k önnen. Das Ziel dieser Unterbrin- gung sei die Erarbeitung einer geeigneten, längerfristigen Anschlusslösung. Da das Kinderheim nicht bereit sei, A.____ wiederaufzunehmen, und das W ohnen bei der Kindsmutter keine kindswohlschützende Lösung sei, könne der massiven Gefährdung von A.____ nur durch einen umgehenden Eintritt in die Durchgangsstation D.____ b egegnet werden, weshalb die aufschie- bende Wirkung einer Beschwerde nicht wiederhergestellt werden könne. 3.2 Der Beschwerdeführer wehrt sich vehement dagegen, dass vorliegend eine Kinds- wohlgefährdung gegeben sei, und stellt sich auf den S tandpunkt, dass die angeordnete vor- sorgliche Massnahme unverhältnismässig und demzufolge gesetzeswidrig sei. Zur Begründung führt er zunächst aus, er habe sich im Kinderheim nicht mehr wohlgefühlt und deshalb bei sei- ner Mutter "Unterschlupf" gesucht. Er bestreite nicht, im Kinderheim Geld entwendet zu haben. Es sei nachvollziehbar, dass das Kinderheim mit seiner Del inquenz zu kämpfen gehabt habe, es würden aber keine weiteren Gründe dargelegt, weshal b er im Heim nicht mehr tragbar ge- wesen sei. E contrario müsse folglich davon ausgegangen werden, dass er in Bezug auf seinen Alltag mit den anderen Kindern sozial kompetent sei bzw. sich an Regeln halte. Auch seitens der Schule sei eine positive Rückmeldung zu verzeichnen. So sei er im August 2022 gut gestar- tet und habe sich gut in die neue Klasse einfügen könne n. Er habe sich auch in der Schule ver- bessert. Es sei ihm bewusst, dass er die obligatorische S chule abschliessen müsse und es sei sein Ziel, nach der Schule eine Lehre zu absolvieren. Se ine Phase der Delinquenz habe sich auf einen äusserst kurzen Zeitraum beschränkt. Das erste Delikt habe er am 28. Dezember 2022 begangen, wobei es sich um einen geringfügigen La dendiebstahl gehandelt habe. Das letzte Delikt sei am 4./5. März 2023 verübt worden. Solange er bei seiner Mutter gewohnt habe, habe er keine Delikte begangen. Die Delinquenz sei auf seine schlechte Verfassung während dem Aufenthalt im Kinderheim zurückzuführen gewesen. E r habe erkannt, dass er diesbezüg- lich auf dem falschen Weg sei. Zudem beschäftige sich die Jugendanwaltschaft intensiv mit ihm, sodass zukünftige Delinquenz verhindert werden könn te. Hinsichtlich des Vorwurfs des Umgangs mit den "falschen Personen" falle auf, dass die Vorinstanz sich hierbei auf Mutmas- sungen des Kinderheims und nicht auf Fakten stütze. Er ha be die Vermögensdelikte alleine ausgeführt und würde auch sonst nicht mit delinquente n Jugendlichen verkehren. Er konsumie- re im Übrigen auch keine Betäubungsmittel, was zwischenz eitlich mit dem anlässlich des Ein- tritts in die Durchgangsstation D.____ durchgeführten Dr ogentest belegt sei. In Bezug auf die Frage der kindsgerechten Wohnsituation bzw. altersadäqua ten Betreuung sei festzuhalten, dass seine Mutter nicht nur viel arbeiten müsse, sondern auch, dass es ihr gesundheitlich nicht gut gehe. Sie habe ihn kurzfristig bei sich aufgenommen, sehe jedoch grundsätzlich ein, dass er Unterstützung brauche. Sie möchte ihn aber lieber be i sich bzw. in der Nähe haben als in der geschlossenen Institution in D.____. Er selber wolle die öffentliche Schule weiter besuchen und ersuche um eine Rückplatzierung nach Hause bzw. in eine offene Institution. Er könne sich bei- spielsweise vorstellen, wieder zurück ins Durchgangsheim O .____ zu gehen. Ihn beunruhige überdies die gesundheitliche Situation seiner Mutter. D iese habe ihm gegenüber mehrfach er- wähnt, nicht mehr lange zu leben, wobei ihm nicht beka nnt sei, auf welchen Umstand dies zu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rückzuführen sei. Er wolle deshalb möglichst viel Zeit mit ihr verbringen. Aufgrund der hohen Arbeitsauslastung der Mutter, deren gesundheitlichen Beschwerden sowie schlechter finanziel- ler Situation habe sie kaum Gelegenheit, ihn zu besuc hen. Der aktuellen desolaten Wohnsitua- tion der Mutter könne mit Unterstützung (wie Spitex, Putzhilfe etc.) begegnet werden. Er sei gewillt, in ein weiteres Heim einzutreten, solange di eses offen sei und er von seiner Mutter re- gelmässig besucht werden könne. Die Platzierung im Durchgangsstation D.____ sei nicht erfor- derlich und es handle sich nicht um eine geeignete Institution. 3.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, d ass ein Unwohlsein im Kinderheim keine Rechtfertigung für die ausgeübte Delinquenz darst ellen könne. Es sei vielmehr eine ge- wisse Dreistigkeit im Verhalten des Beschwerdeführers zu erkennen, indem er wiederholt ins Kinderheim eingebrochen sei und einen Tresor entwen det habe. Am Wochenende vom 28. April bis 1. Mai 2023 hätten sich zwei Männer bei dessen jüngerem Bruder gemeldet und ihn bedroht. Sie hätten ihn dazu gebracht, für sie etw as aus der Wohnung der Kindsmutter zu holen, woraufhin sie selber dort eingedrungen seien und Kleider, Geld und anderes gestohlen hätten. Dieser Vorfall zeige auf, dass der Beschwerdef ührer mit seinen kriminellen Handlungen auch seinen jüngeren Bruder in Gefahr gebracht habe bzw. bringe, und belege im Übrigen, dass der Beschwerdeführer mit älteren delinquenten Per sonen verkehre. Vor diesem Hinter- grund sei die Behauptung des Beschwerdeführers, er sei n icht mehr delinquent gewesen, seit er bei seiner Mutter gewohnt habe, zweifelhaft. Der B eschwerdeführer habe sodann mit der Jugendanwaltschaft vereinbart, während den Frühlingsfe rien an fünf Tagen eine persönliche Arbeitsleistung zu erbringen, wobei er bereits nach einem Tag unentschuldigt ferngeblieben sei. Dieses Verhalten entspreche den im Bericht der Sekundarschule geäusserten Wahrnehmungen und Ausführungen. Der Beschwerdeführer zeige sich vorde rgründig einsichtig und absprache- fähig, doch sein Handeln, welches als manipulativ besch rieben werde, decke sich nicht mit sei- nen Beteuerungen. Seine Entwicklung in den vergangenen Monaten sei ausserordentlich be- sorgniserregend. Die Unterbringung in einer geschlosse nen Institution ohne vorgängige Infor- mation stelle einen massiven Eingriff dar, jedoch auc h die einzige Möglichkeit, ihn effizient vor weiteren Gefahren zu schützen. Wenn der Beschwerdeführe r davon ausgehe, ohne weiteres wieder am Regelunterricht teilnehmen zu können, so verke nne er die Realität. Dem Bericht der Sekundarschule lasse sich entnehmen, dass seine schulische Entwicklung trotz intensiver Be- mühungen durch Heil- und Sozialpädagogen gefährdet se i. A.____ habe seit klein auf in Hei- men fremdbetreut werden müssen, weil die Kindsmutter aufgrund ihrer Defizite dazu nicht in der Lage gewesen sei. Die Kindsmutter verfüge aufgrund ihre r Erziehungsdefizite, ihrer hohen Ar- beitsauslastung sowie ihrer angeschlagenen Gesundheit nicht über die Ressourcen, ihren 14- jährigen Sohn altersadäquat zu betreuen. Die vorüberg ehende geschlossene Platzierung von A.____ solle einerseits dazu dienen, ihn im Sinne ein es Timeouts vor sich selbst zu schützen und ihn aus seinem negativen gefährlichen Umfeld hera uszunehmen. Andererseits solle dieser Aufenthalt genutzt werden, um eine umfassende Abklärun g durchzuführen, welche Anschluss- lösung und weiteren Massnahmen A.____ für eine positive Entwicklung benötige. Die Durch- gangsstation D.____ sei auf solche Abklärungsaufenthalte spezialisiert. 3.4 Anlässlich der Kindsanhörung vom 15. Mai 2023 füh rte A.____ aus, dass er sich gut eingelebt habe. Er halte sich bis jetzt an alle Regeln. Seine Mutter habe ihn bereits besucht und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit dem Bruder habe er via Stationstelefon gesprochen . Sein "Masterplan" sei, dass er nach Hause entlassen werde und bis zu den Sommerferien bei seiner Mutter wohne. Während er bei der Mutter lebe, würde er in einer Pflegefamilie schn uppern gehen. Er würde dann in die Se- kundarschule U.____ gehen wollen. Die Jugendanwaltschaft habe ihm heute am Telefon jedoch gesagt, dass es eine Warteliste für Pflegefamilien gebe . In den kommenden Sommerferien möchte er während 4 Wochen 5 Stunden am Tag im McDonal d's arbeiten, um ein Taschengeld zu verdienen. Das gestohlene Geld habe er nicht mehr. Davon habe er Lacoste Kleider gekauft. Er habe damit in einem Video geprahlt, was dazu gefüh rt habe, dass zwei Kollegen bei ihm da- heim vorbeigegangen seien, als die Mutter abwesend und nur sein Bruder zu Hause gewesen sei. Sie hätten seinen Bruder bedroht und alle noch o riginal verpackten Kleider mitgenommen. In den Frühlingsferien habe er einen Arbeitseinsatz in der Küche der Psychiatrie gehabt. Er sei einen Tag hingegangen, dann aber unentschuldigt nicht mehr erschienen, was ein Fehler ge- wesen sei. Er habe sich verändert und aus seinen Fehlern gelernt. Die Delinquenz bereue er, denn darum sei er hier gelandet. Er wolle seinen Mast erplan verwirklichen und im Baselbiet in die Schule gehen. Er würde sich auch für eine ambulan te Therapie anmelden, denn er sehe ein, dass er Unterstützung brauche. Wenn er im Heim blei ben müsste, würde er sich damit ab- finden. 4.1 Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ist gemäss Ar t. 445 Abs. 1 ZGB zustän- dig, die für die Dauer des Verfahrens notwendigen vorso rglichen Massnahmen zu treffen. Sie kann insbesondere eine Massnahme des Kindesschutzes vorsorgli ch anordnen. Vorsorgliche Massnahmen müssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, da ss der ordentliche, spätere Ent- scheid nicht abgewartet werden kann, ohne einen erhebl ichen Nachteil für die betroffene Per- son in Kauf zu nehmen (vgl. CHRISTOPH HÄFELI , Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, 3. Aufla- ge, Bern 2021, Rz. 826). Sie ergehen gestützt auf eine bloss summarische Prüfung der Sach- und Rechtslage, wobei für deren Anordnung das Beweisma ss der Glaubhaftmachung genügt (vgl. L UCA MARANTA , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Z ivilgesetzbuch, 7. Auflage, Basel 2022, N 11 zu Art. 445 ZGB). 4.2 In materieller Hinsicht ist von Art. 310 Abs. 1 Z GB auszugehen, wonach die Kindes- schutzbehörde, wenn einer Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann, dieses den Eltern wegzunehmen und in angemessener Weise unte rzubringen hat. Die Gefährdung muss darin liegen, dass das Kind in der elterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geistige und sittliche Entf altung nötig wäre. Unerheblich ist, auf welche Ursachen die Gefährdung zurückzuführen ist: sie könn en in den Anlagen oder in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern oder der weiter en Umgebung liegen. Desgleichen spielt keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefä hrdung trifft. Massgebend sind die Ver- hältnisse im Zeitpunkt der Entziehung. Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg v ersprechende Massnahme anzuordnen (Proportionalität); diese sollen elterliche Bemühunge n nicht ersetzen, sondern ergänzen (Kom- plementarität). Der Entzug der elterlichen Obhut ist d aher nur zulässig, wenn andere Massnah- men ohne Erfolg geblieben sind oder von vornherein als ungenügend erscheinen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_561/2013 vom 10. Januar 2014 E. 7.2). Eine Kindswohlgefährdung kann sich unter anderem bei Unfähigkeit der Eltern ergeben, sich adäquat um das Kind zu kümmern, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht weil sie durch persönliche Probleme übermässig absorbiert oder weil sie allgemein überfordert sind (vgl. HÄFELI , a.a.O., Rz. 1095). 5.1 In der Gefährdungsmeldung des Kinderheims wurde ausgeführt, dass A.____ keine altersadäquate Betreuung geniesse, wenn er die Zeit be i seiner Mutter verbringe. So habe er sich zusammen mit seinem jüngeren Bruder etwa im Rotlichtmilieu aufgehalten. Zudem verkeh- re A.____ mit älteren delinquenten Personen. Dies hab e dazu geführt, dass A.____ schon mehrfach Diebstähle begangen habe, unter anderem im Kinderheim. A.____ trage die Konse- quenzen für sein Verhalten nicht und sei dem Kinderhe im ganz ferngeblieben oder zurückge- kehrt, wenn es ihm gepasst habe, ohne sich an Abmachungen zu halten. Überdies sei die Wohnsituation bei der Kindsmutter nicht kindsgerecht, was mit der Fotodokumentation der Poli- zei untermauert sei. Es sei weder eine Zusammenarbeit mit der Kindsmutter noch mit A.____ möglich gewesen, weshalb der akuten Kindswohlgefährdung mit den damaligen Kindesschutz- massnahmen nicht habe begegnet werden können. Die Beiständin führte in ihrem Bericht eben- falls aus, dass der akuten Kindswohlgefährdung aufgrund der fehlenden Kooperationsbereit- schaft der Kindsmutter und A.____ mit den bestehenden M assnahmen nicht begegnet werden könne (vgl. Antrag der Beiständin vom 24. Februar 2023 S. 7). 5.2 Dem Bericht der Sekundarschule vom 8. Mai 2023 kann entnommen werden, dass A.____ bereits nach wenigen Wochen ein sozial auffäll iges Verhalten gezeigt und seitens der Klassenlehrerin, des Heilpädagogen und Sozialpädagogen im Rahmen des Klassensettings enge Begleitung erhalten habe. Der Heilpädagoge hab e sich ab der ersten Schulwoche regel- mässig Zeit genommen, um mit A.____ dessen Verhalten z u reflektieren oder gemeinsame Er- ledigungen zu tätigen. A.____ sei regelmässig zu spät g ekommen, habe seine Hausaufgaben nicht erledigt, nach Ausflüchten gesucht und häufig ge logen. A.____ sei primär dadurch aufge- fallen, dass er sich aufgrund seiner sprachlichen Eloquenz und kognitiven Fähigkeiten schein- bar auf Gespräche und Begleitungen eingelassen habe, je doch kaum richtig fassbar gewesen sei (scheinkooperatives Verhalten). Eine tragfähige päda gogische Beziehung zu ihm aufzubau- en, sei keiner der Fachpersonen gelungen. Die Kooperation zwischen der Schule und dem Kin- derheim habe mindestens wöchentlich stattgefunden. Zudem habe sich die Schule auch mit der Beiständin ausgetauscht. Ab Ende Januar 2023 sei es nich t mehr möglich gewesen, A.____ im regulären Rahmen zu beschulen. Die Fehltage hätten si ch gehäuft, A.____ sei nur noch ge- kommen, wenn er Lust dazu gehabt habe. Schliesslich sei es z u mehreren Zwischenfällen ge- kommen, welche dazu geführt hätten, dass A.____ vom Schulheim habe abgeholt werden müs- sen. Die Sekundarschule habe deshalb beschlossen, A.____ vom 8. Februar 2023 bis zum 24. April 2023 im internen Timeout zu beschulen. Am 1 5. Februar 2023 sei aufgrund mehrerer Verstösse gegen die Schulhausordnung seitens des Klassenteams ein Verweis ausgesprochen worden. Im Timeout habe sich die Situation nach den F asnachtsferien zugespitzt. A.____ habe sich an einen Sozialpädagogen gewandt und diesem von se inen kriminellen Tätigkeiten berich- tet. In diesem Zeitraum sei es zudem zu verschiedenen S chlägereien an beiden Standorten der Sekundarschule gekommen. 5.3 Aus den Akten ergibt sich somit, dass A.____ sich an k eine Abmachungen mehr gehal- ten hat, sich in einem negativen und nicht altersadäqu aten Umfeld bewegt hat, schulabstinent Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht war und sogar straffällig geworden ist. Gestützt auf di e Akten kann festgehalten werden, dass A.____ klare Strukturen und Unterstützung braucht. Die negativen Ereignisse haben sich in den letzten Monaten gehäuft und eine Zusammenarbeit auf freiwilliger Basis war nicht mehr möglich (vgl. Bericht der Beiständin vom 24. Februar 2023, S. 2 und 9). Die Kindsmutter entzieht sich ihrer Verantwortung und dadurch muss A.____ keine Kon sequenzen für sein Fehlverhalten tra- gen. Vielmehr hat auch er sich der Verantwortung entz ogen, indem er gar nicht oder nicht zu den vereinbarten Zeiten ins Kinderheim zurückgekehrt ist. Da die Platzierung freiwillig war, war das Kinderheim auf eine kooperative Zusammenarbeit mi t den Beteiligten angewiesen, was offenkundig nicht mehr der Fall war. Das Kinderheim erachtete das Kindswohl im Rahmen der bestehenden Kindesschutzmassnahmen daher als gefährdet. A llein mit der Beistandschaft konnte der Negativspirale, in der sich A.____ befunden h at, nicht begegnet werden. Die Kinds- mutter weist aktenkundig seit vielen Jahren deutliche Er ziehungsdefizite auf und eine Zusam- menarbeit erwies sich aus verschiedenen Gründen als nicht möglich. Bei den Fachpersonen ist sogar der Eindruck entstanden, als würde die Kindsmutter ihren Sohn eher darin unterstützen, den eingeschlagenen kindswohlgefährdenden Weg weiterzug ehen (vgl. Gefährdungsmeldung des Kinderheims vom 6. Februar 2023, Bericht Beiständi n vom 24. Februar 2023 S. 8 f.). Als die Leitung des Kinderheims beschlossen hatte, dass A.___ _ dieses sofort verlassen müsse, wohnte A.____ bei seiner Mutter. Die Wohnung befindet sich allerdings in einem äusserst deso- laten Zustand (vgl. Fotodokumentation der Polizei), sod ass diese als möglicher vorübergehen- der Aufenthaltsort von A.____ von vornherein weggefall en ist bzw. wegfällt. Aufgrund der Ar- beitsauslastung und der gesundheitlichen Beeinträchtigu ngen der Kindsmutter ist diese oft ab- wesend und bietet A.____ nicht die erforderliche Unterstützung und Struktur im Alltag. Vielmehr scheint sie der Ansicht zu sein, dass er aufgrund seines Al ters und seiner Selbständigkeit kei- nen Betreuungsbedarf aufweise und sie seine Fehltritt e durch finanzielle Abgeltung beheben könne (vgl. Anhörungsprotokoll der Kindsmutter vom 26. April 2023 S. 1 und 2). Den Akten lässt sich kein Hinweis entnehmen, dass die Kindsmutter oder A. ____ für eine Zusammenarbeit be- reit gewesen wären oder sie konkrete Abmachungen oder S trategien besprochen hätten, um der aktuellen Gefährdung von A.____ Rechnung zu tragen . Nach dem Gesagten ist erstellt, dass eine akute Kindswohlgefährdung vorlag und A.____ umgehend aus den bestehenden freiwilligen Strukturen herausgenommen werden musste, um diesen vor sich selbst zu schüt- zen. Durch die räumliche und behördlich angeordnete Pla tzierung erhält A.____ klare Struktu- ren und ein altersadäquates Wohn- und Betreuungsangebo t. Die Unterbringung bezweckt, eine umfassende Abklärung zu tätigen, um A.____s Bedürfnisse genau zu erfassen und ihm eine passende Anschlusslösung zu organisieren. Die Vorinstanz w ar verpflichtet, vorübergehend geeignete Massnahmen zum Schutz des Kindswohls von A.____ zu treffen. Mit anderen Wor- ten machte die zugespitzte Situation ein sofortiges behördliches Eingreifen erforderlich. 5.4 Fraglich ist weiter, ob ihm nach den Umständen nicht anders hätte geholfen werden können und ob die Platzierung in der Durchgangsstation D .____ die mildeste Erfolg verspre- chende Massnahme darstellt. Der Beschwerdeführer macht gel tend, dass eine offene und nä- her bei seiner Mutter gelegene Institution ausreichend gewesen wäre. Mit der Vorinstanz und gestützt auf die Akten ist jedoch festzuhalten, dass es in der Vergangenheit jeweils bei den Be- teuerungen des Beschwerdeführers geblieben ist, ohne dass sie sich in seinem Verhalten mani- festiert hätten. Auch im Zusammenhang mit der vorliegen den Behauptung, eine offene Institu-Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tion wäre ausreichend gewesen, bringt der Beschwerdef ührer nichts vor, was auf seine Koope- rationsbereitschaft schliessen lassen würde. Im Gegenteil fällt aufgrund der aktenkundigen feh- lenden Absprachefähigkeit des Beschwerdeführers sowie de r in der Vergangenheit gescheiter- ten offenen Platzierungen eine offene Institution vor liegend ausser Betracht. Ebenso wenig kommt ein Aufenthalt bei der Kindsmutter in Frage, we il die Wohnsituation gestützt auf die ent- sprechende Fotodokumentation untragbar ist. Ohnehin wär e A.____ dort nicht kindsgerecht betreut worden. Wenn der Beschwerdeführer diesbezüglich geltend macht, die Wohnsituation der Kindsmutter könne mit Unterstützung verbessert werden, übersieht er, dass von einem Auf- enthalt bei der Kindsmutter auch zufolge der fehlenden und dringend angezeigten Betreuung durch sie hätte abgesehen werden müssen. Zu beachten i st ferner, dass das ursprünglich ge- plante Timeout mit anschliessender Rückplatzierung ins Ki nderheim von der sich zuspitzenden und erneut verschlimmernden Situation im Kinderheim ü berholt wurde, weswegen mit einer provisorischen Notfallplatzierung bzw. unter den gegeben en Umständen mit einer geschlosse- nen Platzierung nicht zugewartet werden konnte. Insofer n ist mit der Vorinstanz davon auszu- gehen, dass eine andere Massnahme schon von vornherein als ungenügend betrachtet werden musste, um den angestrebten Zweck zu erreichen. 5.5 Die vorsorgliche Platzierung erlaubt die notwendig e sofortige Entlastung der Situation sowie die Möglichkeit der Selbstreflektion durch neue Be ziehungsangebote. Würde die vorlie- gend angeordnete Platzierung vorzeitig aufgehoben, ist eine erhebliche Zunahme der Gefähr- dungsmomente zu befürchten. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ist nicht anzuneh- men, dass eine Abklärung des Bedarfs von A.____ ambula nt oder in einer offenen Institution geschehen könnte. Seine gegenteiligen Beteuerungen lassen sich nicht auf ein entsprechendes Verhalten abstützen. Demzufolge erweist sich die vorsor gliche Platzierung für die Dauer der Abklärung in der Durchgangsstation D.____ sowohl zum Z eitpunkt der Platzierung als auch gegenwärtig als erforderlich. 5.6 Schliesslich ist noch die Eignung des Unterbringungsor ts zu prüfen. Die Eignung der Anstalt beurteilt sich unter dem Blickwinkel der spezifisch kindesrechtlichen Gefährdungslage und ist zu bejahen, wenn die betreffende Anstalt dem eingewiesenen Kind Hilfe bei der Lösung seiner Probleme zu leisten vermag, so dass Aussicht besteht , seine Entwicklung in geordnete Bahnen zu lenken (Urteil des Bundesgerichts 5C.258/2006 vom 22. Dezember 2006 E. 3.1). Der Beschwerdeführer stellt die grundsätzliche Geeigneth eit des Unterbringungsorts nicht in Abrede. Die Durchgangsstation D.____ ist eine nach aussen geschlossen geführte Institution für männliche Jugendliche der stationären Jugendhilfe und des Straf- und Massnahmenvollzugs des Kantons X.____ im Alter von 13 und 18 Jahren, wob ei ein Platz für Kinder in Untersu- chungshaft reserviert ist. Die Durchgangsstation erstellt Abklärungen und Massnahmeempfeh- lungen und das Angebot umfasst auch Krisenintervention en. Es werden Ressourcen überprüft und erarbeitet und es wird auch Familien- und Angehör igenarbeit geleistet. Der Unterbrin- gungsort erweist sich somit im Hinblick auf die Problematik des Beschwerdeführers als geeignet für dessen Unterbringung und die Erreichung des Aufent haltszwecks. Der Beschwerdeführer hat sich dort gemäss eigener Aussage gut eingelebt und werde sich damit abfinden, wenn er in der Durchgangsstation D.____ bleiben müsse. Die Kindsmut ter hat A.____ in der Durchgangs- station bereits besuchen können (vgl. Kindsanhörung vom 15. Mai 2023). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Nach dem Gesagten erweisen sich der vorsorglich angeo rdnete Entzug des Aufent- haltsbestimmungsrechts und die damit verbundene Platzierung des Beschwerdeführers gestützt auf die gebotene summarische Würdigung der Sach- und R echtslage als verhältnismässig und angemessen. Angesichts der Schwere des damit verbunden en Eingriffs in die Persönlichkeits- rechte des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz die weit eren Abklärungen umgehend vorzu- nehmen und alsdann den Hauptentscheid zu treffen. Die Beschwerde ist demnach vollumfäng- lich abzuweisen. Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch um Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos. 7. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- de m Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da die Verfahrenskosten aufgrund der gesetzlichen Unterhal tspflicht der Eltern (Art. 277 ZGB) zu deren Lasten gehen, ist sein Antrag auf unentgeltliche Prozessführung obsolet. Die beigeladene Kindsmutter hat weder den einverlangten Kostenvorschuss g eleistet noch ein Gesuch um un- entgeltliche Prozessführung gestellt. Demzufolge sind di e Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 800.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und gehen aufgrund der Unterstüt- zungspflicht der beigeladenen Kindsmutter zu deren Lasten. Die Parteikosten sind wettzuschla- gen (§ 21 VPO). Die Rechtsvertreterin wurde von der Vo rinstanz mit Entscheid 24. April 2023 als Kindsvertreterin gemäss Art. 314a bis ZGB in Zusammenhang mit dem Kindesschutzverfah- ren eingesetzt. Sie wird eine Mandatsentschädigung, we lche auch die Bemühungen im Rah- men des vorliegenden Beschwerdeverfahrens mitumfasst, be i der Vorinstanz geltend machen können (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassu ngs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 12. Mai 2021 [810 21 1] E. 8.1; KGE VV vom 7 . August 2020 [810 20 111] E. 7.1). Der Antrag auf unentgeltliche Verbeiständung ist dementsprechend gegenstandslos. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und gehen aufgrund der Unterstützungspflicht der beigeladenen Kindsmutter zu deren Lasten. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin