<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">163</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>30</b></span> <span class="ft3"><b>Inanspruchnahme von Grund und Boden durch Fernmeldeeinrichtungen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>In Fahrbahnschächten platzierte Geräte, welche die optischen Signale aus</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Glasfaserkabeln in ein elektromagnetisches Signal für die Weitergabe an</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Kupferkabel umwandeln (sog. optisch-elektrische Umwandler), bilden</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">164</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>Leitungsbestandteil im Sinne von Art. 35 Abs. 1 FMG. Demnach sind die-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>se Geräte bzw. deren Platzierung in Fahrbahnschächten zu bewilligen, so-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fern der Gemeingebrauch der Strasse durch den Einbau und den an-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schliessenden Betrieb nicht beeinträchtigt wird. Das Bundesrecht regelt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die Bewilligungsvoraussetzungen im Anwendungsbereich von Art. 35</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Abs. 1 FMG abschliessend. Für abweichendes kantonales Recht bleibt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kein Raum.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 7. April</span><br/> <span class="ft4">2017, i.S. A. AG gegen Regierungsrat (WBE.2016.424)</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende</span><br/> <span class="ft1">2020 bzw. bis Ende 2023 85 % bzw. 95 % der Schweizer Bevölke-</span><br/> <span class="ft1">rung mit Ultrabreitband zu erschliessen. Zu diesem Zweck bedient</span><br/> <span class="ft1">sie sich Glasfasertechnologien unterschiedlicher Ausbaustufen. Der</span><br/> <span class="ft1">Vollausbau bis in die Wohnung der Kunden ("Fiber to the home"</span><br/> <span class="ft1">[FTTH]), ist die teuerste Variante, die vor allem in den Städten, in</span><br/> <span class="ft1">Kooperation mit lokalen Betreibern oder Energieversorgungsunter-</span><br/> <span class="ft1">nehmen angewandt wird. Die Technologie "Fiber to the building"</span><br/> <span class="ft1">(FTTB), bei welcher die Glasfaserkabel bis zum Hausanschlusskas-</span><br/> <span class="ft1">ten im Gebäude gezogen werden, findet vor allem bei Mehrfamilien-</span><br/> <span class="ft1">häusern mit mehr als 12 Wohnungen Anwendung. Die Technologie</span><br/> <span class="ft1">"Fiber to the Street" (FTTS) schliesslich beinhaltet, dass bis zu</span><br/> <span class="ft1">einem Schacht in der Strasse, der sich nicht mehr als 200 m von den</span><br/> <span class="ft1">Kunden entfernt befindet, Glasfaserkabel verlegt werden, während</span><br/> <span class="ft1">die Hausanschlüsse weiterhin aus Kupferleitungen bestehen. Die</span><br/> <span class="ft1">Verbindung zwischen Glasfaserkabel und Kupferleitung geschieht</span><br/> <span class="ft1">über einen sog. optisch-elektrischen Umwandler (MicroCAN [nach-</span><br/> <span class="ft1">folgend: µCAN]), der das optische Signal aus den Glasfaserkabeln in</span><br/> <span class="ft1">ein elektromagnetisches Signal umwandelt. Für die Platzierung die-</span><br/> <span class="ft1">ser µCANs sind vorbestehende Infrastrukturelemente, u.a. mit Erd-</span><br/> <span class="ft1">reich und Betonabdeckplatten überdeckte, bisher für die Spleissung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">165</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Kupferkabel des Stamm- oder Feederkabels mit dem Drop- oder</span><br/> <span class="ft1">Verteilnetz verwendete Plattenschächte (PS) im Strassenraum vorge-</span><br/> <span class="ft1">sehen. Um die Zugänglichkeit zu den µCANs zu erleichtern, möchte</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin die Plattenschächte bis auf das Fahr-</span><br/> <span class="ft1">bahnniveau anheben und dann mit verschraubten, ebenerdigen, recht-</span><br/> <span class="ft1">eckigen Schachtdeckeln mit einem Ausmass von 0,85 x 1,86 m ver-</span><br/> <span class="ft1">schliessen. Auf diese Weise wäre gewährleistet, dass nicht bei jedem</span><br/> <span class="ft1">Zugriff auf die Leitungen oder die dazugehörigen Ausrüstungs-</span><br/> <span class="ft1">elemente der Strassenbelag mittels Grabarbeiten aufgebrochen wer-</span><br/> <span class="ft1">den muss. Die Schachtdeckel würden ihrerseits von einem Beton-</span><br/> <span class="ft1">kranz von 1,4 m oder 1,9 m Breite und 1,9 m oder 2,4 m Länge um-</span><br/> <span class="ft1">fasst. Nach dem beschriebenen Umbau wird die gesamte Konstruk-</span><br/> <span class="ft1">tion als Kleineinstiegsschacht (KES) bezeichnet. Aufgrund seiner be-</span><br/> <span class="ft1">schränkten Höhe (1,1 bis 1,3 m) kann in einem KES nur bei offenem</span><br/> <span class="ft1">Schachtdeckel gearbeitet werden; dies im Gegensatz zum begeh-</span><br/> <span class="ft1">baren Einstiegsschacht (ES) mit einer lichten Höhe von in der Regel</span><br/> <span class="ft1">mindestens 1,8 m, in den durch eine runde Deckelöffnung mit einem</span><br/> <span class="ft1">Durchmesser von 60 cm hineingestiegen wird.</span><br/> <span class="ft1">In B. hat die Beschwerdeführerin vier sich in der Kantonsstras-</span><br/> <span class="ft1">se (...) befindliche Plattenschächte ohne Wissen und Zustimmung</span><br/> <span class="ft1">der kantonalen Behörden zu KES umgebaut. Die µCANs sind derzeit</span><br/> <span class="ft1">noch nicht installiert. Zwei der umgebauten Schächte sind im Geh-</span><br/> <span class="ft1">wegbereich situiert, die anderen beiden im Fahrbahnbereich. Die Ab-</span><br/> <span class="ft1">teilung Tiefbau des BVU befürchtet, dass sich die Letzteren nachtei-</span><br/> <span class="ft1">lig auf den Verkehrsfluss, die Verkehrssicherheit und die Lärment-</span><br/> <span class="ft1">wicklung auswirken. Diese Befürchtung deckt sich mit dem Inhalt</span><br/> <span class="ft1">eines Schreibens der Konferenz der Kantonsingenieure an die Anbie-</span><br/> <span class="ft1">terinnen von Fernmeldediensten vom 27. Januar 2015, wonach gross-</span><br/> <span class="ft1">flächige Abdeckungen von Plattenschächten in Fahrbahnen aus den</span><br/> <span class="ft1">genannten Gründen abgelehnt werden.</span><br/> <span class="ft1">Infolgedessen hat die Abteilung Tiefbau die Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin zur Einreichung eines nachträglichen Gesuchs für den Umbau des</span><br/> <span class="ft1">bei der Einmündung des C.-Wegs in die D.-Strasse (...) situierten</span><br/> <span class="ft1">Schachts aufgefordert und die Erteilung der Bewilligung anschlies-</span><br/> <span class="ft1">send verweigert. Als Alternative zum Rückbau sieht die Verfügung</span><br/> <span class="ft1">der Abteilung Tiefbau den Umbau zu einem Einstiegsschacht mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">166</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">runder Abdeckung oder die Verlegung des KES in den Gehwegbe-</span><br/> <span class="ft1">reich vor.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Geht es um den Bau und Betrieb von Leitungen für Fernmelde-</span><br/> <span class="ft1">dienste unter Inanspruchnahme von Boden im Gemeingebrauch (wie</span><br/> <span class="ft1">Strassen, Fusswege, öffentliche Plätze, Flüsse, Seen sowie Ufer), be-</span><br/> <span class="ft1">urteilen sich die Bewilligungsvoraussetzungen abschliessend nach</span><br/> <span class="ft1">Bundesrecht, nämlich nach Art. 35 FMG; für die Anwendung (wider-</span><br/> <span class="ft1">sprechenden) kantonalen Rechts, insbesondere der §§ 103 ff. BauG,</span><br/> <span class="ft1">bleibt in diesem Fall kein Raum (M</span><span class="ft4">ARKUS</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft4">ÜSSLI</span><span class="ft1">, Nutzung öffentli-</span><br/> <span class="ft1">cher Sachen für die Verlegung von Leitungen, in: ZBl 102/2001,</span><br/> <span class="ft1">S. 360; J</span><span class="ft4">ÜRG</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft4">UF</span><span class="ft1">, Infrastrukturbauten [§ 21], in: P</span><span class="ft4">ETER</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft4">ÜNCH</span><span class="ft1">/P</span><span class="ft4">E</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft4">TER</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft4">ARLEN</span><span class="ft1">/T</span><span class="ft4">HOMAS</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft4">EISER</span> <span class="ft1">[Hrsg.], Handbücher für die Anwalts-</span><br/> <span class="ft1">praxis</span> <span class="ft1">IV,</span> <span class="ft1">Beraten</span> <span class="ft1">und</span> <span class="ft1">Prozessieren</span> <span class="ft1">in</span> <span class="ft1">Bausachen,</span><br/> <span class="ft1">Basel/Genf/München 1998, S. 918 f.). Die gegenteilige Auffassung</span><br/> <span class="ft1">der Vorinstanz, wonach die §§ 103 ff. BauG anstelle von Art. 35</span><br/> <span class="ft1">FMG anwendbar seien, wenn eine Strasse (durch die Verlegung von</span><br/> <span class="ft1">Leitungen) in einem über den Gemeingebrauch hinausgehenden</span><br/> <span class="ft1">Mass beansprucht werde, kann nicht geteilt werden. Die Inanspruch-</span><br/> <span class="ft1">nahme von Boden im Gemeingebrauch für den Bau und Betrieb von</span><br/> <span class="ft1">Leitungen für Fernmeldedienste stellt regelmässig einen gesteigerten</span><br/> <span class="ft1">Gemeingebrauch bzw. sogar eine Sondernutzung dar (vgl. § 47</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. a BauV; R</span><span class="ft4">ÜSSLI</span><span class="ft1">, a.a.O., S. 359 f.; H</span><span class="ft4">ANS</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft4">UDOLF</span><br/> <span class="ft1">T</span><span class="ft4">RÜEB</span><span class="ft1">/S</span><span class="ft4">AMUEL</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft4">LAUS</span><span class="ft1">, Telekommunikationswegerechte in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz, in: T</span><span class="ft4">HOMAS</span> <span class="ft1">H</span><span class="ft4">OEREN</span> <span class="ft1">[Hrsg.], Handbuch Wegerechte und</span><br/> <span class="ft1">Telekommunikation, München 2007, S. 403, Rz. 16). Ohne gestei-</span><br/> <span class="ft1">gerten Gemeingebrauch / Sondernutzung bestünde keine Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungspflicht. Bei der Bewilligung zur Benutzung von Boden im Ge-</span><br/> <span class="ft1">meingebrauch zur Verlegung von Leitungen für Fernmeldedienste</span><br/> <span class="ft1">handelt es sich wie bei der Bewilligung zum gesteigerten Gemeinge-</span><br/> <span class="ft1">brauch um eine Bewilligung sui generis. Sie dient insbesondere der</span><br/> <span class="ft1">Koordination der verschiedenen Aktivitäten auf öffentlichem Grund</span><br/> <span class="ft1">und Boden. Im Unterschied zur Bewilligung zum gesteigerten Ge-</span><br/> <span class="ft1">meingebrauch und zur Sondernutzungskonzession besteht Anspruch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">167</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">auf Erteilung der Bewilligung. Insoweit deckt sich diese Bewilligung</span><br/> <span class="ft1">mit der Polizeierlaubnis, bei der man ebenfalls einen Rechtsanspruch</span><br/> <span class="ft1">auf Erteilung besitzt, wenn die gesetzlich festgelegten Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft1">gen erfüllt sind (R</span><span class="ft4">ÜSSLI</span><span class="ft1">, a.a.O., S. 360).</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz liegt demnach falsch mit ihrer Auffassung, es</span><br/> <span class="ft1">spiele keine Rolle, ob die sog. µCANs Leitungsbestandteil sind oder</span><br/> <span class="ft1">nicht. Bilden die µCANs (zusammen mit den Schächten, in die sie</span><br/> <span class="ft1">eingebaut werden sollen) Leitungsbestandteil, ist für die Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsfähigkeit allein Art. 35 FMG massgebend. Dieser besagt, dass</span><br/> <span class="ft1">die Eigentümerinnen und Eigentümer von Boden im Gemeinge-</span><br/> <span class="ft1">brauch verpflichtet sind, den Anbieterinnen von Fernmeldediensten</span><br/> <span class="ft1">die Benutzung dieses Bodens für den Bau und Betrieb von Leitungen</span><br/> <span class="ft1">und öffentlichen Sprechstellen zu bewilligen, sofern diese Einrich-</span><br/> <span class="ft1">tungen den Gemeingebrauch nicht beeinträchtigen (Abs. 1). Falls</span><br/> <span class="ft1">also die von der Beschwerdeführerin zu KES umgebauten Schächte</span><br/> <span class="ft1">im Fahrbahnbereich und die darin installierten µCANs den Gemein-</span><br/> <span class="ft1">gebrauch einer Strasse nicht beeinträchtigen, müsste die Bewilligung</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 35 Abs. 1 FMG erteilt werden (T</span><span class="ft4">RÜEB</span><span class="ft1">/K</span><span class="ft4">LAUS</span><span class="ft1">, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 404, Rz. 20). Eine Anwendung von § 103 Abs. 2 BauG (Bedürf-</span><br/> <span class="ft1">nisnachweis; keine schwerwiegende Nachteile für die Strasse und</span><br/> <span class="ft1">den Verkehr) wäre wegen der derogatorischen Kraft des Bundes-</span><br/> <span class="ft1">rechts (Art. 49 Abs. 1 BV) ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz erwog, der Wortlaut von Art. 35 Abs. 1 FMG be-</span><br/> <span class="ft1">ziehe sich lediglich auf "Leitungen". Geräte und andere zur fernmel-</span><br/> <span class="ft1">detechnischen Übertragung von Informationen bestimmte Einrich-</span><br/> <span class="ft1">tungen, die zusammen mit den Leitungen unter den Oberbegriff der</span><br/> <span class="ft1">"Fernmeldeanlagen" fielen (Art. 3 lit. d FMG), würden darin nicht</span><br/> <span class="ft1">erwähnt. Aus dem Wortlaut von Art. 35 Abs. 1 FMG könnte man da-</span><br/> <span class="ft1">her schliessen, dass diese Bestimmung nicht für die Installation von</span><br/> <span class="ft1">µCANs (in zu KES umgebauten Schächten) gelte. Eine solche Wort-</span><br/> <span class="ft1">lautauslegung würde jedoch zu kurz greifen; denn beim Erlass der</span><br/> <span class="ft1">Norm sei diese Technik dem Gesetzgeber noch nicht bekannt gewe-</span><br/> <span class="ft1">sen. Da der Gesetzeswortlaut den aktuellen technischen Entwicklun-</span><br/> <span class="ft1">gen (allenfalls) nicht entspreche, sei im Rahmen einer teleologischen</span><br/> <span class="ft1">Auslegung nach dem Sinn und Zweck von Art. 35 Abs. 1 FMG zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">168</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fragen. In diesem Zusammenhang falle auf, dass bei der</span><br/> <span class="ft1">Gesetzesrevision vom 24. März 2006 darauf verzichtet worden sei,</span><br/> <span class="ft1">den Geltungsbereich von Art. 35 Abs. 1 FMG explizit auf den da-</span><br/> <span class="ft1">mals neu eingeführten Begriff "Kabelkanalisationen" (Art. 3 lit. e</span><span class="ft6"><sup>ter</sup></span><br/> <span class="ft1">FMG) auszudehnen. Es könne jedoch ausgeschlossen werden, dass</span><br/> <span class="ft1">der Gesetzgeber nur Leitungen, nicht aber unterirdische Rohre für</span><br/> <span class="ft1">den Einzug von Leitungen (Kabelkanalisationen) von der Regelung</span><br/> <span class="ft1">in Art. 35 Abs. 1 FMG habe profitieren lassen wollen. Der Gesetzge-</span><br/> <span class="ft1">ber habe wohl bewusst darauf verzichtet, in Art. 35 Abs. 1 FMG ne-</span><br/> <span class="ft1">ben den Leitungen auch alle anderen Einrichtungen zu erwähnen,</span><br/> <span class="ft1">welche für den Bau und Betrieb von Leitungen benötigt würden, weil</span><br/> <span class="ft1">er es als selbstverständlich erachtet habe, dass dafür ebenfalls Boden</span><br/> <span class="ft1">im Gemeingebrauch in Anspruch genommen werden dürfe. Niemand</span><br/> <span class="ft1">zweifle beispielsweise daran, dass die in Art. 35 Abs. 1 FMG eben-</span><br/> <span class="ft1">falls nicht explizit genannten Zugangsschächte, die für den Bau und</span><br/> <span class="ft1">Betrieb von Leitungen benötigt würden, in öffentlichen Strassen in-</span><br/> <span class="ft1">stalliert werden dürften, sofern sie den Gemeingebrauch nicht beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigten. Ob in öffentlichen Strassen bestehende Plattenschächte</span><br/> <span class="ft1">in KES mit Flächenabdeckung umgebaut und neue Zugangsschächte</span><br/> <span class="ft1">mit grossflächiger Abdeckung auf Fahrbahnniveau erstellt werden</span><br/> <span class="ft1">dürften, und ob die Installation von µCANs in solchen Schächten be-</span><br/> <span class="ft1">willigungsfähig sei, hänge also davon ab, ob diese Massnahmen für</span><br/> <span class="ft1">den Bau und Betrieb von Leitungen erforderlich seien und den Ge-</span><br/> <span class="ft1">meingebrauch nicht beeinträchtigten.</span><br/> <span class="ft1">In der Folge äusserte sich die Vorinstanz nicht eindeutig zur</span><br/> <span class="ft1">Frage, ob µCANs aus ihrer Sicht von Art. 35 Abs. 1 FMG erfasste</span><br/> <span class="ft1">Leitungsbestandteile sind. Zum einen stellte sie fest, dass µCANs zu-</span><br/> <span class="ft1">sammen mit den dafür erforderlichen Zugangsschächten grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich als technisch notwendige und damit von der Regelung in Art. 35</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 FMG profitierende Leitungsbestandteile zu betrachten seien.</span><br/> <span class="ft1">Relativierend fügte sie jedoch an, dass am Ende von vieladrigen</span><br/> <span class="ft1">Sammelleitungen, wo nur noch einzelne Kupferkabel zu den einzel-</span><br/> <span class="ft1">nen Abonnenten geführt würden, eher von Quartierverteilgeräten</span><br/> <span class="ft1">auszugehen sei, deren Platzierung am Strassenrand oder auch ausser-</span><br/> <span class="ft1">halb der Strassenparzelle zumutbar sei.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">169</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Diese Differenzierung ist weder hinreichend klar noch vermag</span><br/> <span class="ft1">sie zu überzeugen. Entweder man gesteht den µCANs als technische</span><br/> <span class="ft1">Verbindungselemente zwischen Glasfaserkabeln und Kupferleitun-</span><br/> <span class="ft1">gen den Charakter als Leitungsbestandteil zu und wendet konsequent</span><br/> <span class="ft1">Art. 35 Abs. 1 FMG mit den darin formulierten Bewilligungsvoraus-</span><br/> <span class="ft1">setzungen an, oder man behandelt die µCANs nicht als Leitungsbe-</span><br/> <span class="ft1">standteil im Sinne von Art. 35 Abs. 1 FMG und bewilligt sie nach</span><br/> <span class="ft1">Massgabe des kantonalen Rechts. In den Erwägungen 2.4 und 2.5</span><br/> <span class="ft1">des angefochtenen Entscheids wird zum Teil nicht sauber zwischen</span><br/> <span class="ft1">der Frage nach dem sachlichen Geltungsbereich von Art. 35 FMG</span><br/> <span class="ft1">und den dort statuierten Bewilligungsvoraussetzungen getrennt.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Mit der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">griff der "Leitung" im Sinne von Art. 35 FMG in einem weiten Sinne</span><br/> <span class="ft1">zu verstehen ist, mithin nicht eng ausgelegt werden darf. Mit der Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung in Art. 35 FMG wird nämlich bezweckt, Behinderungen des</span><br/> <span class="ft1">Netzausbaus durch kantonale und kommunale Partikularitäten zu</span><br/> <span class="ft1">verhindern. Der Weiterausbau des Telekommunikationsnetzes wird</span><br/> <span class="ft1">in der Botschaft des Bundesrates zum revidierten Fernmeldegesetz</span><br/> <span class="ft1">vom 10. Juni 1996 (in: BBl 1996 III, S. 1405 ff.) als im Gesamtinte-</span><br/> <span class="ft1">resse liegendes Ziel definiert, das weiter vorangetrieben werden soll</span><br/> <span class="ft1">(S. 1438). Es liegt auf der Hand, dass der Netzausbau nicht - wie be-</span><br/> <span class="ft1">absichtigt - vorangetrieben werden kann, wenn nur die Leitungen als</span><br/> <span class="ft1">solche, nicht aber dazugehörige Einrichtungen/Geräte wie Wartungs-</span><br/> <span class="ft1">schächte oder Verbindungselemente zwischen Glasfaser- und Kup-</span><br/> <span class="ft1">ferleitungen unter den Leitungsbegriff des Art. 35 Abs. 1 FMG fal-</span><br/> <span class="ft1">len. Das würde zu dem von der Beschwerdeführerin auf S. 10 ihrer</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichtsbeschwerde skizzierten unhaltbaren Zustand füh-</span><br/> <span class="ft1">ren, dass die Kabel selber im Boden im Gemeingebrauch verlegt</span><br/> <span class="ft1">werden dürfen, während die für die Verbindung von Glasfaser- und</span><br/> <span class="ft1">Kupferkabeln unabdingbaren µCANs unter Umständen ausserhalb</span><br/> <span class="ft1">des Bodens im Gemeingebrauch installiert werden müssten. Der Lei-</span><br/> <span class="ft1">tungsbau würde auf diese Weise erheblich erschwert, wenn nicht gar</span><br/> <span class="ft1">verunmöglicht, was dem Sinn und Zweck von Art. 35 FMG eindeutig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">170</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zuwiderläuft. Demnach ist auf einen funktionalen Leitungsbegriff ab-</span><br/> <span class="ft1">zustellen, der all diejenigen Anlageteile umfasst, die für die Über-</span><br/> <span class="ft1">mittlung der Signale auf dem Glasfaser- und Kupferkabelnetz der</span><br/> <span class="ft1">Fernmeldedienstanbieterinnen benötigt werden.</span><br/> <span class="ft1">Entsprechend schrieb der Bundesrat in einer Stellungnahme</span><br/> <span class="ft1">vom 14. Juni 2002 auf eine parlamentarische Interpellation von Na-</span><br/> <span class="ft1">tionalrat Yves Christen vom 22. März 2002, der Ausdruck "Leitun-</span><br/> <span class="ft1">gen" im Sinne von Art. 35 FMG sei grosszügig zu interpretieren und</span><br/> <span class="ft1">umfasse alles, was in technischer Hinsicht einen unentbehrlichen, in-</span><br/> <span class="ft1">tegrierenden Bestandteil einer Leitung darstelle, insbesondere ein-</span><br/> <span class="ft1">schliesslich der Kabelschächte, der Entwässerungskanäle und der</span><br/> <span class="ft1">Lüftungsanlagen (Interpellation Nr. 02.3162 vom 22. März 2002,</span><br/> <span class="ft1">einsehbar auf www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/ge-</span><br/> <span class="ft1">schaeft?/AffairID= 20023162). Auch in der Lehre wird ein gleicher-</span><br/> <span class="ft1">massen weit zu verstehender Leitungsbegriff postuliert (P</span><span class="ft4">IERRE</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft1">Y</span><span class="ft4">VES</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft4">UNTER</span><span class="ft1">, Les infrastructures, in: R</span><span class="ft4">OLF</span> <span class="ft1">H.</span> <span class="ft1">W</span><span class="ft4">EBER</span> <span class="ft1">[Hrsg.],</span><br/> <span class="ft1">Neues Fernmelderecht - Erste Orientierung, Zürich 1998, S. 51 ff.,</span><br/> <span class="ft1">S. 56 f.; O</span><span class="ft4">TTO</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft4">ERBER</span><span class="ft1">, Die Benützung öffentlichen Bodens für Tele-</span><br/> <span class="ft1">grafen und Telefonlinien, in: Technisches Bulletin PTT, 1952,</span><br/> <span class="ft1">S. 252 ff., S. 252; H</span><span class="ft4">ANS</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft4">UDOLF</span> <span class="ft1">T</span><span class="ft4">RÜEB</span><span class="ft1">, Der Bau von Fernmelde-</span><br/> <span class="ft1">anlagen, in: Schweizerische Baurechtstagung [BRT] 2001, S. 105 f.).</span><br/> <span class="ft1">2.3.3.</span><br/> <span class="ft1">In Anbetracht dessen, dass es für die Umwandlung der opti-</span><br/> <span class="ft1">schen Signale aus den Glasfaserkabeln in elektromagnetische Signale</span><br/> <span class="ft1">für die Kupferleitungen zwingend Transformatoren bedarf, steht un-</span><br/> <span class="ft1">zweifelhaft fest, dass die von der Beschwerdeführerin hierfür ver-</span><br/> <span class="ft1">wendeten µCANs nach dem oben Gesagten Bestandteil der Leitun-</span><br/> <span class="ft1">gen im Sinne von Art. 35 FMG bilden. Dasselbe gilt für die Zugangs-</span><br/> <span class="ft1">schächte, in welche die µCANs platziert werden müssen, und zwar</span><br/> <span class="ft1">unabhängig davon, welche Bauart diese Schächte aufweisen. Die</span><br/> <span class="ft1">Bauart hat bestenfalls Einfluss auf die Bewilligungsfähigkeit, die -</span><br/> <span class="ft1">wie bereits dargelegt - ausschliesslich nach der Fernmeldegesetzge-</span><br/> <span class="ft1">bung zu beurteilen ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>