<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 41 S.143</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">143</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Strassenverkehrsrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>41</b></span> <span class="ft2"><b>Vorsorglicher Führerausweisentzug; Gutachterkosten; Kostenvorschuss.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Der vorsorgliche Sicherungsentzug ist ein Zwischenentscheid, welcher</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mittels Verwaltungsgerichtsbeschwerde angefochten werden kann</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. I/1/b/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Der vorsorgliche Sicherungsentzug kann nicht losgelöst vom eigentli-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>chen Entzugsverfahren verfügt werden. Es muss ein Endentscheid</b></span><br/> <span class="ft2"><b>folgen (Erw. II/2/a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Im Entzugsverfahren stellen Gutachterkosten Verfahrenskosten dar</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/2/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Auf das Begehren um Fortsetzung des Verfahrens betreffend Siche-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungsentzug ist auch dann einzutreten, wenn der vorsorgliche Führer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ausweisentzug in Rechtskraft erwachsen ist (Erw. II/2/c).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Keine Kostenvorschusspflicht für Gutachterkosten bei Gewährung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der unentgeltlichen Rechtspflege (Erw. II/3/a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Zulässigkeit der Androhung von Säumnisfolgen bei Verweigerung der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bezahlung des Kostenvorschusses (Erw. II/3/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>In besonderen Fällen, bei denen eine Begutachtung unumgänglich er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>scheint, der Betroffene jedoch die Leistung des Kostenvorschusses</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verweigert, kann das Gutachten unter Verzicht auf einen Kostenvor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schuss in Auftrag gegeben werden (Erw. II/3/c).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Das Kriterium der Nichtaussichtslosigkeit ist im nichtstreitigen Siche-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungsentzugsverfahren erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Einreichung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege noch offen ist, ob das</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verfahren</b></span> <span class="ft2"><b>auch</b></span> <span class="ft2"><b>wirklich</b></span> <span class="ft2"><b>zu</b></span> <span class="ft2"><b>einem</b></span> <span class="ft2"><b>Entzug</b></span> <span class="ft2"><b>führen</b></span> <span class="ft2"><b>wird</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/5/c/bb).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">144</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 5. Juni 2002 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">E.F. gegen den Entscheid des Departements des Innern.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">I. 1. b) bb) Das Strassenverkehrsamt hat dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft5">mit Verfügung vom 7. Mai 1997 den Führerausweis gestützt auf</span><br/> <span class="ft5">Art. 16 Abs. 1 SVG sowie Art. 35 Abs. 3 und Art. 36 Abs. 1 VZV</span><br/> <span class="ft5">"bis zur Abklärung von Ausschlussgründen auf unbestimmte Zeit"</span><br/> <span class="ft5">entzogen. Es handelte sich dabei unbestrittenermassen um eine vor-</span><br/> <span class="ft5">läufige Massnahme bis zum definitiven Entscheid über einen allfälli-</span><br/> <span class="ft5">gen Sicherungsentzug. Das Verfahren wurde daraufhin nicht fortge-</span><br/> <span class="ft5">setzt und blieb gleichsam "in der Schwebe", weil sich der Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer - mit der Begründung, er könne die Kosten für das Gut-</span><br/> <span class="ft5">achten nicht aufbringen - der in Ziff. 2 der Verfügung angeordneten</span><br/> <span class="ft5">fachärztlichen Begutachtung nicht unterzog.</span><br/> <span class="ft5">Auf das Begehren des Beschwerdeführers um Fortsetzung des</span><br/> <span class="ft5">Verfahrens (Verzicht auf Kostenvorschuss für das fachärztliche Gut-</span><br/> <span class="ft5">achten) trat das Strassenverkehrsamt nicht ein. Eine gegen diese Ver-</span><br/> <span class="ft5">fügung gerichtete Beschwerde wurde vom Departement des Innern</span><br/> <span class="ft5">abgewiesen. Dieser (Zwischen-) Entscheid stellt für den Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer einen tatsächlichen Nachteil dar, wirkt sich doch der vor-</span><br/> <span class="ft5">sorgliche Entzug des Führerausweises und das Belassen des Verfah-</span><br/> <span class="ft5">rens im "Schwebezustand" für ihn faktisch wie ein definitiver Siche-</span><br/> <span class="ft5">rungsentzug aus (vgl. AGVE 1991, S. 195 f.; 1982, S. 214 f.). Das</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht ist somit für die vorliegende Beschwerde sach-</span><br/> <span class="ft5">lich zuständig.</span><br/> <span class="ft5">2. (...)</span><br/> <span class="ft5">3. (...)</span><br/> <span class="ft5">II. 1. a) Hauptgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet</span><br/> <span class="ft5">das Begehren des Beschwerdeführers um Fortsetzung des Admini-</span><br/> <span class="ft5">strativverfahrens betreffend Sicherungsentzug des Führerausweises.</span><br/> <span class="ft5">Der Beschwerdeführer macht geltend, der Führerausweis sei ihm mit</span><br/> <span class="ft5">Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 7. Mai 1997 im Sinne</span><br/> <span class="ft5">einer vorläufigen Sicherungsmassnahme entzogen worden. Dieses</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">145</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Verfahren sei jedoch nie ordentlich beendet worden. Dies sei nicht</span><br/> <span class="ft5">zulässig. Gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung sei das</span><br/> <span class="ft5">Administrativverfahren mit einem formellen Entscheid zu beenden,</span><br/> <span class="ft5">auch wenn der Betroffene einen solchen Antrag nicht stelle. Der</span><br/> <span class="ft5">Sicherungsentzug eines Führerausweises stelle einen schweren</span><br/> <span class="ft5">Eingriff in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen dar. Bevor die</span><br/> <span class="ft5">Administrativbehörde einen solchen Entzug ausspreche, habe sie von</span><br/> <span class="ft5">Amtes wegen und in jedem Falle den Sachverhalt baldmöglichst</span><br/> <span class="ft5">abzuklären. Die Fortführung und Beendigung des Verfahrens dürfe</span><br/> <span class="ft5">nicht von der Leistung eines Kostenvorschusses für das fachärztliche</span><br/> <span class="ft5">Gutachten</span> <span class="ft5">abhängig</span> <span class="ft5">gemacht</span> <span class="ft5">werden;</span> <span class="ft5">solches</span> <span class="ft5">würde</span> <span class="ft5">eine</span><br/> <span class="ft5">Rechtsverweigerung darstellen. Der Beschwerdeführer beruft sich</span><br/> <span class="ft5">auch auf § 22 KV, wonach alle Bürger Anspruch auf faire Behand-</span><br/> <span class="ft5">lung durch die Behörden haben und ihnen wegen Unbeholfenheit</span><br/> <span class="ft5">oder Prozessarmut kein Nachteil entstehen darf.</span><br/> <span class="ft5">b) Das Strassenverkehrsamt nahm das Begehren des Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführers um Fortsetzung des Verfahrens als Begehren um</span><br/> <span class="ft5">"Wiederwägung resp. Widerruf resp. Wiederaufnahme" entgegen und</span><br/> <span class="ft5">trat darauf nicht ein. Zur Begründung führte es an, der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führer habe die Verfügung vom 7. Mai 1997 nicht angefochten. Er</span><br/> <span class="ft5">hätte sein Begehren im Rahmen einer Beschwerde gegen jene Verfü-</span><br/> <span class="ft5">gung geltend machen müssen. Mangels Anfechtung sei die Verfü-</span><br/> <span class="ft5">gung vom 7. Mai 1997 in Rechtskraft erwachsen. Gründe für eine</span><br/> <span class="ft5">Wiedererwägung lägen nicht vor. Der Rechtsbehelf der Widererwä-</span><br/> <span class="ft5">gung dürfe nicht dazu dienen, eine unterlassene förmliche Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerde zu ersetzen. Im vorliegenden Verfahren wies das Stras-</span><br/> <span class="ft5">senverkehrsamt darauf hin, dass zwischen dem vorsorglichen Siche-</span><br/> <span class="ft5">rungsentzug am 7. Mai 1997 und der angefochtenen Verfügung vom</span><br/> <span class="ft5">7. August 1997 lediglich eine kurze Zeitspanne verflossen sei.</span><br/> <span class="ft5">c) Das Departement des Innern begründete die Zulässigkeit des</span><br/> <span class="ft5">Zuwartens mit dem definitiven Entscheid damit, dass die Durchfüh-</span><br/> <span class="ft5">rung der angeordneten ärztlichen Untersuchung angesichts der gege-</span><br/> <span class="ft5">benen hohen Wahrscheinlichkeit eines Ausschlussgrundes im alleini-</span><br/> <span class="ft5">gen Interesse des Beschwerdeführers gelegen habe. Die Entzugsbe-</span><br/> <span class="ft5">hörde sei nicht zur Vornahme weiterer Massnahmen verpflichtet</span><br/> <span class="ft5">gewesen, um dem Beschwerdeführer wieder eine Zulassung zum</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">146</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Verkehr zu ermöglichen. Entsprechend dem Verursacherprinzip und</span><br/> <span class="ft5">seinem alleinigen Interesse an der Sache folge, dass dem Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer grundsätzlich die Kosten des ärztlichen Gutachtens vor-</span><br/> <span class="ft5">schussweise auferlegt werden könnten. Unter Berufung auf den Bun-</span><br/> <span class="ft5">desgerichtsentscheid</span> <span class="ft5">vom</span> <span class="ft5">25. März</span> <span class="ft5">1997</span> <span class="ft5">in</span> <span class="ft5">Sachen</span> <span class="ft5">A.M.</span><br/> <span class="ft5">(2A.408/1996) führte das Departement des Innern zudem aus, dass</span><br/> <span class="ft5">der Vorschuss des Arzthonorars nicht zu den Verfahrenskosten zu</span><br/> <span class="ft5">zählen sei; dies ergebe sich aus der Rechtsnatur des Führerausweises</span><br/> <span class="ft5">als einer polizeilichen Bewilligung.</span><br/> <span class="ft5">2. a) Gemäss Art. 17 Abs. 1</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft5">SVG (i.V.m. Art. 14 Abs. 2 lit. b,</span><br/> <span class="ft5">c und d SVG) wird der Führerausweis auf unbestimmte Zeit ent-</span><br/> <span class="ft5">zogen, wenn der Führer wegen Trunksucht oder anderer Suchtkrank-</span><br/> <span class="ft5">heiten, aus charakterlichen oder anderen Gründen nicht geeignet ist,</span><br/> <span class="ft5">ein Motorfahrzeug zu führen (Sicherungsentzug). Bis zur Abklärung</span><br/> <span class="ft5">von Ausschlussgründen kann der Fahrausweis sofort vorsorglich ent-</span><br/> <span class="ft5">zogen werden (Art. 35 Abs. 3 VZV). Der vorsorgliche Ausweisent-</span><br/> <span class="ft5">zug kann nicht losgelöst vom eigentlichen Entzugsverfahren verfügt</span><br/> <span class="ft5">werden, sondern erfolgt im Rahmen eines Sicherungsentzugs. Der</span><br/> <span class="ft5">auf Art. 35 Abs. 3 VZV gestützte Führerausweisentzug stellt eine</span><br/> <span class="ft5">vorsorgliche Massnahme zur Sicherstellung der gefährdeten Interes-</span><br/> <span class="ft5">sen der Verkehrssicherheit bis zum Abschluss des Hauptverfahrens</span><br/> <span class="ft5">dar und ist damit eine Zwischenverfügung (vgl. hiezu auch</span><br/> <span class="ft5">BGE 122 II 359 ff.). Weil die Anordnung des vorsorglichen Führer-</span><br/> <span class="ft5">ausweisentzugs eine <i>vorläufige</i> Massnahme darstellt, muss dieser ein</span><br/> <span class="ft5">Endentscheid über die definitive Durchführung des Sicherungsentzu-</span><br/> <span class="ft5">gs oder über den Verzicht auf einen Sicherungsentzug folgen (BGE</span><br/> <span class="ft5">125 II 396). Dabei entspricht eine Praxis, bei der solche vorsorgli-</span><br/> <span class="ft5">chen Massnahmen über längere Zeit aufrechterhalten werden, nicht</span><br/> <span class="ft5">den gesetzlichen Bestimmungen (AGVE 2000, S. 126).</span><br/> <span class="ft5">b) Das Departement des Innern ist der Auffassung, im vorlie-</span><br/> <span class="ft5">genden Verfahren stellten die Gutachterkosten keine Verfahrenskos-</span><br/> <span class="ft5">ten dar. Es beruft sich dabei auf den Bundesgerichtsentscheid vom</span><br/> <span class="ft5">25. März 1997 in Sachen A.M. (2A.408/1996). In jenem Entscheid</span><br/> <span class="ft5">ging es um die Wiedererteilung des Führerausweises nach einem</span><br/> <span class="ft5">bereits definitiv verfügten Sicherungsentzug. Das Wiedererteilungs-</span><br/> <span class="ft5">verfahren hat in jedem Fall vom Betroffenen auszugehen. In seinem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Gesuch hat der Gesuchsteller nachzuweisen, dass der Eignungs-</span><br/> <span class="ft5">mangel, der zum Entzug des Führerausweises führte, nicht mehr</span><br/> <span class="ft5">gegeben ist und er die Voraussetzungen zum Führen einer be-</span><br/> <span class="ft5">stimmten Kategorie von Fahrzeugen wieder erfüllt. Den Gesuchstel-</span><br/> <span class="ft5">ler trifft die Beweisführungslast. Der Nachweis der neuerlichen Fahr-</span><br/> <span class="ft5">tauglichkeit, die einen Anspruch auf Erteilung des Führerausweises</span><br/> <span class="ft5">begründet, ist somit Bestandteil der Substantiierung des Gesuchs.</span><br/> <span class="ft5">Beim Wiedererteilungsverfahren fallen somit die Kosten für die Er-</span><br/> <span class="ft5">stellung eines ärztlichen Gutachtens als mit der Substantiierungs-</span><br/> <span class="ft5">pflicht zusammenhängende Parteikosten vor Einleitung des Admi-</span><br/> <span class="ft5">nistrativverfahrens an und sind demgemäss keine Verfahrenskosten</span><br/> <span class="ft5">(René Schaffhauser, Grundriss des Schweizerischen Strassenver-</span><br/> <span class="ft5">kehrsrechts, Bd. III: Die Administrativmassnahmen, Bern 1995,</span><br/> <span class="ft5">Rz. 2222; erwähnter BGE vom 25. März 1997, S. 7).</span><br/> <span class="ft5">Beim vorliegenden Fall handelt es sich jedoch - im Unterschied</span><br/> <span class="ft5">zum</span> <span class="ft5">angeführten</span> <span class="ft5">Bundesgerichtsentscheid</span> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">nicht</span> <span class="ft5">um</span> <span class="ft5">ein</span><br/> <span class="ft5">Wiedererteilungsverfahren, sondern um ein Entzugsverfahren. Dieses</span><br/> <span class="ft5">wird vollständig von der Offizialmaxime beherrscht, wonach die Ver-</span><br/> <span class="ft5">waltungsbehörde die Herrschaft über die Einleitung eines Verfahrens</span><br/> <span class="ft5">hat (Schaffhauser, a.a.O., Rz. 2647). Sofern an der Fahreignung eines</span><br/> <span class="ft5">stark alkoholisierten Fahrzeuglenkers ernstliche Zweifel bestehen,</span><br/> <span class="ft5">muss die Entzugsbehörde zwingend einen Sicherungsentzug ins</span><br/> <span class="ft5">Auge fassen (BGE 126 II 185 f.; 125 II 400). Sodann gilt der</span><br/> <span class="ft5">Untersuchungsgrundsatz, wonach der Sachverhalt von Amtes wegen</span><br/> <span class="ft5">zu ermitteln ist (Schaffhauser, a.a.O., Rz. 2649). Die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft5">behörde hat deshalb von Amtes wegen die persönlichen Verhältnisse</span><br/> <span class="ft5">des Betroffenen abzuklären und in der Regel ein ärztliches Gutachten</span><br/> <span class="ft5">einzuholen (BGE 127 II 125; 125 II 400; 104 Ib 48; vgl. § 20 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">VRPG). Die damit verbundenen Kosten fallen erst nach Anhebung</span><br/> <span class="ft5">des Verfahrens durch die Verwaltungsbehörde an und bilden deshalb</span><br/> <span class="ft5">Verfahrenskosten.</span><br/> <span class="ft5">Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sind deshalb im vor-</span><br/> <span class="ft5">liegenden Verfahren die Gutachterkosten zu den Verfahrenskosten zu</span><br/> <span class="ft5">zählen.</span><br/> <span class="ft5">c) Das Strassenverkehrsamt berief sich darauf, dass der Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer die Verfügung vom 7. Mai 1997 nicht angefochten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">148</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">habe, wodurch diese rechtskräftig geworden sei. Es weigerte sich</span><br/> <span class="ft5">deshalb, auf das Begehren des Beschwerdeführers um Fortsetzung</span><br/> <span class="ft5">des Verfahrens einzutreten.</span><br/> <span class="ft5">aa) In diesem Zusammenhang stellt sich vorab die Frage, wie</span><br/> <span class="ft5">Ziff. 2 jener Verfügung auszulegen sei.</span><br/> <span class="ft5">Das Strassenverkehrsamt hat den Beschwerdeführer mit Verfü-</span><br/> <span class="ft5">gung vom 7. Mai 1997 zur Bezahlung von Fr. 700.-- auf das Konto</span><br/> <span class="ft5">des ärztlichen Gutachters aufgefordert und festgehalten, dass diese</span><br/> <span class="ft5">Kosten "zu seinen Lasten" gehen würden (Ziff. 2). Bezüglich Verfah-</span><br/> <span class="ft5">renskosten wurde in der gleichen Verfügung festgehalten, dass über</span><br/> <span class="ft5">diese erst bei Erlass der definitiven Verfügung entschieden werde</span><br/> <span class="ft5">(Ziff. 5). Vom Wortlaut scheinen diese beiden Bestimmungen einen</span><br/> <span class="ft5">Widerspruch zu enthalten: Während mit der ersten Bestimmung</span><br/> <span class="ft5">(Ziff. 2) - wörtlich verstanden - bereits Kosten verlegt wurden, ist</span><br/> <span class="ft5">mit der zweiten Bestimmung (Ziff. 5) die Kostenverlegung auf den</span><br/> <span class="ft5">Endentscheid hin aufgeschoben worden. Daher und weil die Gut-</span><br/> <span class="ft5">achterkosten wie bereits ausgeführt zu den Verfahrenskosten gehö-</span><br/> <span class="ft5">ren, kann Ziffer 2 nur so ausgelegt werden, dass dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führer lediglich die Pflicht zur Leistung eines Kostenvorschusses für</span><br/> <span class="ft5">das Gutachten auferlegt, jedoch noch nicht über die endgültige Kos-</span><br/> <span class="ft5">tentragungspflicht hinsichtlich derselben entschieden wurde. Diese</span><br/> <span class="ft5">Auslegung drängt sich auch deshalb auf, weil das Strassenverkehrs-</span><br/> <span class="ft5">amt den genauen Kostenbetrag für das Gutachten jeweils erst nach</span><br/> <span class="ft5">Rechnungsstellung durch den Gutachter kennt; aus diesem Grund</span><br/> <span class="ft5">wurde in der fraglichen Ziff. 2 ausdrücklich festgehalten, die Kosten</span><br/> <span class="ft5">würden "derzeit" Fr. 700.-- betragen.</span><br/> <span class="ft5">Da Ziff. 2 der Verfügung vom 7. Mai 1997 als Verpflichtung zur</span><br/> <span class="ft5">Bezahlung eines Kostenvorschusses verstanden werden muss,</span><br/> <span class="ft5">handelt es sich dabei um eine prozessleitende Anordnung, welche</span><br/> <span class="ft5">jederzeit abänderbar ist (vgl. Michael Merker, Rechtsmittel, Klage</span><br/> <span class="ft5">und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über</span><br/> <span class="ft5">die Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38 - 72 VRPG,</span><br/> <span class="ft5">Zürich 1998, § 44 N 41). In Rechtskraft erwachsen ist einzig der</span><br/> <span class="ft5">vorsorgliche Entzug des Führerausweises.</span><br/> <span class="ft5">bb) Der Beschwerdeführer hat mit seiner Eingabe lediglich</span><br/> <span class="ft5">verlangt, dass das Strassenverkehrsamt auf die Leistung des ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">149</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">langten Kostenvorschusses verzichte und das Verfahren betreffend</span><br/> <span class="ft5">Sicherungsentzug fortsetze. Die Aufhebung des rechtskräftig ange-</span><br/> <span class="ft5">ordneten vorsorglichen Sicherungsentzugs wurde nicht verlangt.</span><br/> <span class="ft5">Auch gegen die Anordnung, sich ärztlich begutachten zu lassen, hatte</span><br/> <span class="ft5">der Beschwerdeführer keine Einwände. Da es sich bei der Ver-</span><br/> <span class="ft5">pflichtung zur Leistung eines Kostenvorschusses lediglich um eine</span><br/> <span class="ft5">jederzeit abänderbare prozessleitende Anordnung handelte, war es</span><br/> <span class="ft5">nicht zulässig, dass sich das Strassenverkehrsamt in diesem Punkt</span><br/> <span class="ft5">einfach auf die Rechtskraft seiner Verfügung vom 7. Mai 1997 berief</span><br/> <span class="ft5">und sich mit dieser Begründung weigerte, auf das Begehren des Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführers um Fortsetzung des Verfahrens einzutreten.</span><br/> <span class="ft5">3. Aus den dargelegten Erwägungen (siehe vorne Erw. 2) ergibt</span><br/> <span class="ft5">sich, dass das richtige Vorgehen auf das Gesuch des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führers vom 21. Juli 1997 hin folgendermassen gewesen wäre:</span><br/> <span class="ft5">a) Grundsätzlich hätte das Strassenverkehrsamt auf das Begeh-</span><br/> <span class="ft5">ren um Fortsetzung des Sicherungsentzugsverfahrens eintreten und</span><br/> <span class="ft5">zuerst das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege</span><br/> <span class="ft5">behandeln müssen. Im Falle einer Gewährung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft5">Rechtspflege - aufgrund der Prüfung der diesbezüglichen Vorausset-</span><br/> <span class="ft5">zungen (Mittellosigkeit und Nichtaussichtslosigkeit) - hätte das</span><br/> <span class="ft5">Strassenverkehrsamt seine Verfügung vom 7. Mai 1997 in Ziff. 2 ab-</span><br/> <span class="ft5">ändern, d.h. die Kostenvorschusspflicht aufheben und die Durchfüh-</span><br/> <span class="ft5">rung einer ärztlichen Begutachtung des Beschwerdeführers unter</span><br/> <span class="ft5">Verzicht auf die Leistung eines Kostenvorschusses anordnen müssen.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">b) Falls jedoch das Strassenverkehrsamt bei der Prüfung des</span><br/> <span class="ft5">Gesuchs um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege zum</span><br/> <span class="ft5">Schluss gekommen wäre, diese könne nicht gewährt werden, hätte es</span><br/> <span class="ft5">in einer weiteren Verfügung dem Beschwerdeführer für die Bezah-</span><br/> <span class="ft5">lung des Kostenvorschusses eine Frist ansetzen und die Verfügung</span><br/> <span class="ft5">mit der Androhung verbinden können, dass bei Nichtbezahlung des</span><br/> <span class="ft5">Vorschusses innert der angesetzten Frist ohne Vorliegen eines Gut-</span><br/> <span class="ft5">achtens über den definitiven Sicherungsentzug entschieden werde.</span><br/> <span class="ft5">Zwar prüfen die Behörden den Sachverhalt unter Beachtung der Vor-</span><br/> <span class="ft5">bringen der Beteiligten von Amtes wegen und stellen die hiezu not-</span><br/> <span class="ft5">wendigen Ermittlungen an (Untersuchungsgrundsatz [§ 20 Abs. 1</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">150</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">VRPG]; vgl. vorne Erw. 2/b). Den Beteiligten obliegt jedoch eine</span><br/> <span class="ft5">Mitwirkungspflicht (§ 21 VRPG). Es muss deshalb grundsätzlich</span><br/> <span class="ft5">zulässig sein, einem Betroffenen, der die Bezahlung des Kostenvor-</span><br/> <span class="ft5">schusses für das Gutachten oder die Mitwirkung bei der Erstellung</span><br/> <span class="ft5">des Gutachtens verweigert, Säumnisfolgen anzudrohen. Auch das</span><br/> <span class="ft5">Bundesgericht erachtet ein solches Vorgehen als zulässig (vgl. den</span><br/> <span class="ft5">erwähnten Bundesgerichtsentscheid vom 25. März 1997, Erw. 2/b).</span><br/> <span class="ft5">c) In besonderen Fällen, bei denen eine Begutachtung unum-</span><br/> <span class="ft5">gänglich erscheint, der Betroffene jedoch die Leistung des Kosten-</span><br/> <span class="ft5">vorschusses verweigert, kann das Strassenverkehrsamt das Gutachten</span><br/> <span class="ft5">auch selber - unter Verzicht auf einen Kostenvorschuss - in Auftrag</span><br/> <span class="ft5">geben. Dies ergibt sich aus der im Sicherungsentzugsverfahren</span><br/> <span class="ft5">herrschenden Offizial- und Untersuchungsmaxime (vgl. Alfred Kölz</span><br/> <span class="ft5">/ Jürg Bosshart / Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft5">pflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, § 15 N 9</span><br/> <span class="ft5">und § 7 N 29).</span><br/> <span class="ft5">4. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Stras-</span><br/> <span class="ft5">senverkehrsamt im vorliegenden Fall verpflichtet gewesen wäre, das</span><br/> <span class="ft5">Verfahren betreffend Sicherungsentzug in der dargelegten Weisen</span><br/> <span class="ft5">(vorne Erw. 3/a) fortzusetzen und nach Eingang des Gutachtens mit</span><br/> <span class="ft5">einer definitiven Verfügung abzuschliessen. Die Beschwerde ist des-</span><br/> <span class="ft5">halb diesbezüglich gutzuheissen und die Sache zur Fortsetzung des</span><br/> <span class="ft5">Verfahrens an das Strassenverkehrsamt zurückzuweisen.</span><br/> <span class="ft5">5. a) Der Beschwerdeführer rügt ferner, die Vorinstanzen hätten</span><br/> <span class="ft5">ihm ungerechtfertigterweise die Bewilligung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft5">Rechtspflege versagt, obwohl das Verfahren nicht aussichtslos und</span><br/> <span class="ft5">der Beschwerdeführer prozessarm sei. Das Strassenverkehrsamt</span><br/> <span class="ft5">lehnte das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege</span><br/> <span class="ft5">wegen Aussichtlosigkeit und unter Hinweis auf die sehr einfache</span><br/> <span class="ft5">Rechtslage ab. Das Departement des Innern erklärte, bei den Gut-</span><br/> <span class="ft5">achterkosten handle es sich nicht um Verfahrenskosten, weshalb</span><br/> <span class="ft5">dafür das Armenrecht nicht beansprucht werden könne.</span><br/> <span class="ft5">b) aa) Die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltli-</span><br/> <span class="ft5">chen Rechtspflege für die Verfahrenskosten sind die Mittellosigkeit</span><br/> <span class="ft5">des Beschwerdeführers und die Nichtaussichtslosigkeit der Rechts-</span><br/> <span class="ft5">begehren. Bei den Gutachterkosten handelt es sich im vorliegenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Fall - wie bereits dargelegt wurde (siehe vorne Erw. 2/b) - um Ver-</span><br/> <span class="ft5">fahrenskosten.</span><br/> <span class="ft5">bb) Für die unentgeltliche Verbeiständung bildet die in § 35</span><br/> <span class="ft5">Abs. 3 VRPG umschriebene Notwendigkeit der Verbeiständung</span><br/> <span class="ft5">durch einen Anwalt eine zusätzliche Voraussetzung (vgl. zum Gan-</span><br/> <span class="ft5">zen AGVE 1998, S. 437 ff. mit Hinweisen). In seiner neueren Recht-</span><br/> <span class="ft5">sprechung hat das Bundesgericht den verfassungsmässigen Anspruch</span><br/> <span class="ft5">auf unentgeltliche Rechtspflege in besonderen Fällen auch für das</span><br/> <span class="ft5">nichtstreitige Verwaltungsverfahren bejaht und festgehalten, dass</span><br/> <span class="ft5">grundsätzlich jedes staatliche Verfahren, in welches der Ge-</span><br/> <span class="ft5">suchsteller einbezogen werde oder dessen er zur Wahrung seiner</span><br/> <span class="ft5">Rechte bedürfe, der unentgeltlichen Rechtspflege zugänglich sei</span><br/> <span class="ft5">(erwähnter BGE vom 25. März 1997 mit Hinweisen [siehe vorne</span><br/> <span class="ft5">Erw. 2/b]).</span> <span class="ft5">Nach</span> <span class="ft5">bundesgerichtlicher</span> <span class="ft5">Rechtsprechung schliesst</span><br/> <span class="ft5">sodann die Geltung der Offizialmaxime die unentgeltliche Verbei-</span><br/> <span class="ft5">ständung nicht aus (BGE 125 V 34 f. mit Hinweisen). Für die Beur-</span><br/> <span class="ft5">teilung eines Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege ist grund-</span><br/> <span class="ft5">sätzlich auf den Zeitpunkt abzustellen, in dem das Gesuch gestellt</span><br/> <span class="ft5">wird (BGE 124 I 307).</span><br/> <span class="ft5">c) aa) Die Mittellosigkeit des Beschwerdeführers steht ausser</span><br/> <span class="ft5">Frage; auch die Vorinstanzen sind von dieser Annahme ausgegangen.</span><br/> <span class="ft5">bb) Zu prüfen ist ferner das Kriterium der Nichtaussichtslosig-</span><br/> <span class="ft5">keit.</span><br/> <span class="ft5">aaa) Vorab ist festzuhalten, dass die Nichtgewährung der unent-</span><br/> <span class="ft5">geltlichen Rechtspflege nicht damit begründet werden kann, dass das</span><br/> <span class="ft5">Hauptbegehren des Beschwerdeführers um Fortsetzung des Verfah-</span><br/> <span class="ft5">rens von vornherein aussichtslos war. Das Strassenverkehrsamt war</span><br/> <span class="ft5">verpflichtet, das Sicherungsentzugsverfahren fortzusetzen und durch</span><br/> <span class="ft5">einen definitiven Entscheid abzuschliessen (siehe vorne Erw. 1/b und</span><br/> <span class="ft5">4).</span><br/> <span class="ft5">bbb) Als aussichtslos sind nach der Rechtsprechung Prozess-</span><br/> <span class="ft5">begehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich</span><br/> <span class="ft5">geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernst-</span><br/> <span class="ft5">haft bezeichnet werden können. Dagegen hat ein Begehren nicht als</span><br/> <span class="ft5">aussichtslos zu gelten, wenn Gewinnaussichten und Verlustgefahren</span><br/> <span class="ft5">sich ungefähr die Waage halten oder sie nur wenig geringer sind als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">152</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">diese. Massgebend ist dabei, ob eine Partei, die über die nötigen</span><br/> <span class="ft5">finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu ei-</span><br/> <span class="ft5">nem Prozess entschliessen oder davon absehen würde (AGVE 1998,</span><br/> <span class="ft5">S. 438). Diese Umschreibung ist allerdings auf streitige Verfahren</span><br/> <span class="ft5">zugeschnitten, bei denen es dem Beschwerdeführer anheimgestellt</span><br/> <span class="ft5">wird, ob er eine Verfügung anfechten will oder nicht, während im</span><br/> <span class="ft5">vorliegenden nichtstreitigen Verfahren die Administrativbehörde das</span><br/> <span class="ft5">Verfahren von Amtes wegen einleitet und der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft5">ohne seinen Willen einbezogen wird. Das Kriterium der Nichtaus-</span><br/> <span class="ft5">sichtslosigkeit ist in einem solchen Verfahren betreffend Siche-</span><br/> <span class="ft5">rungsentzug des Führerausweises erfüllt, wenn im Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft5">Einreichung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege noch offen</span><br/> <span class="ft5">ist, ob das Verfahren auch wirklich zu einem Entzug führen wird.</span><br/> <span class="ft5">Im vorliegenden Fall wurde das Gesuch vor Erstellung des Gut-</span><br/> <span class="ft5">achtens gestellt; in einem Zeitpunkt, als noch nicht ärztlich abgeklärt</span><br/> <span class="ft5">war, ob beim Beschwerdeführer wirklich eine Trunksucht vorliegt.</span><br/> <span class="ft5">Zwar bestanden erhebliche Indizien für das Vorliegen einer</span><br/> <span class="ft5">Trunksucht (was zur Anordnung des vorsorglichen Entzugs und der</span><br/> <span class="ft5">Erstellung eines Gutachtens führte). Der Verfahrensausgang war aber</span><br/> <span class="ft5">insofern offen, als der definitive Entzug von einem ärztlichen Gut-</span><br/> <span class="ft5">achten abhängig gemacht wurde. Damit war das Verfahren für den</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführer "nicht aussichtslos" in dem Sinne, dass die Admi-</span><br/> <span class="ft5">nistrativbehörde auf Grund des Gutachtens zum Schluss kommen</span><br/> <span class="ft5">konnte, eine Trunksucht liege - entgegen den vorhandenen Indizien -</span><br/> <span class="ft5">nicht vor.</span><br/> <span class="ft5">cc) Die Rechtslage in einem Verfahren betreffend Sicherungs-</span><br/> <span class="ft5">entzug ist zumindest im erstinstanzlichen Verfahren in der Regel</span><br/> <span class="ft5">nicht derart kompliziert, dass die Bestellung eines unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft5">Rechtsvertreters gerechtfertigt erscheint. Im vorliegenden Fall zog</span><br/> <span class="ft5">der Beschwerdeführer eine Anwältin bei, weil er wünschte, dass das</span><br/> <span class="ft5">Strassenverkehrsamt das Entzugsverfahren fortsetze, sich aber fi-</span><br/> <span class="ft5">nanziell nicht in der Lage sah, den für die Erstellung des Gutachtens</span><br/> <span class="ft5">(und damit für die Fortsetzung des Verfahrens) verlangten Kosten-</span><br/> <span class="ft5">vorschuss zu bezahlen. Angesichts dieser ungewöhnlichen Rechts-</span><br/> <span class="ft5">lage erscheint die unentgeltliche Verbeiständung des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft5">rers im Sicherungsentzugsverfahren (Hauptverfahren) jedenfalls bis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">153</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">zum Zeitpunkt des heutigen Urteils, mit welchem das Strassenver-</span><br/> <span class="ft5">kehrsamt zur Fortsetzung dieses Verfahrens verpflichtet wird, ge-</span><br/> <span class="ft5">rechtfertigt. Auch die Anwältin des Beschwerdeführers ist dieser</span><br/> <span class="ft5">Meinung; sie verlangt die unentgeltliche Verbeiständung nicht für die</span><br/> <span class="ft5">ganze Zeit bis zum Abschluss des Hauptverfahrens, sondern nur so-</span><br/> <span class="ft5">lange bis sichergestellt ist, dass das Strassenverkehrsamt das Ver-</span><br/> <span class="ft5">fahren fortsetzt.</span><br/></div> </div> </body> </html>