Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. März 2019 (720 18 398 / 63) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter verneint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1956 geborene A.____ war zuletzt von Septemb er 2008 bis Februar 2009 im Res- taurant B.____ in X.____ als Service-Mitarbeiterin angestellt. Am 7. Dezember 2009 meldete sie sich unter Hinweis auf persistierende Kopfschme rzen mit Bewegungseinschränkung nach einem HWS-Trauma bei der Eidgenössischen Invalidenv ersicherung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge zog die IV-Stelle des Kantons Base l-Landschaft (IV-Stelle) die Akten der Un- fallversicherung C.____ bei. Nach weiteren Abklärungen der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sprach sie A.____ mit Verfügung vom 1. März 2012 aufgrund eines Invaliditäts- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht grads von 50 % rückwirkend ab 1. Juni 2010 eine halbe Re nte zu. Das Gesuch von A.____ um Erhöhung der Rente vom 11. Mai 2016 wies die zuständige IV-Stelle Y.____ mit Verfügung vom 23. September 2016 ab. Ein weiteres Gesuch um Renten erhöhung vom 19. Mai 2017 wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Dezember 2018 abermals ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 7. Dezember 2018 Einspra che (recte: Beschwerde) bei der IV-Stelle, welche am 12. Dezember 2018 zuständigke itshalber ans Kantonsgericht weiter- geleitet wurde. Darin beantragte sie sinngemäss, es sei die Verfügung vom 5. Dezember 2018 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Angelegenheit erneut abzuklären. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass e ine signifikante Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten sei. Am 28. Dezember 2018 ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. C. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Januar 2019 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 28. Januar 2019 wurde der Beschw erdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und auf die Erhebung eine Kostenvor- schusses verzichtet. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Strit tig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle das von der Versicherten gestellte Begehren um Erhöhung de s Rentenanspruchs zu Recht abge- wiesen hat. Massgebend für diese Beurteilung sind die ta tsächlichen Verhältnisse bis zum Er- lass der angefochtenen Verfügung vom 5. Dezember 2018. 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). E rwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegl ichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu be rücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % beste ht Anspruch auf eine Viertelsren- te, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % au f eine halbe Rente, bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads b ildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 13 2 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hin- weisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheiden d, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Inva- lidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jen em externer medizinischer Sachver- ständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgem ässen Anforderungen an ein ärztli- ches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und di e Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings ist hinsichtlich des Be- weiswerts zu differenzieren: Stützt sich der angefochtene E ntscheid ausschliesslich auf versi- cherungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die R AD-Berichte gehören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der är ztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 9C_627/2015, E. 2 mit weiteren Hin- weisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüge rin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre- chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen V erhältnissen, die geeignet ist, den Invali- ditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustande s, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan- des erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mi t Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich geb liebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen a uf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03, E. 2.2.3). 4.2 Wird die Frage nach einer anspruchsrelevanten Verä nderung des Sachverhalts im Sinne einer revisionsbegründenden erheblichen Veränderung bejaht, ist der Invaliditätsgrad auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestell ten Sachverhalts neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln (BGE 141 V 9 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte rechtskräftige Ver fügung, welche auf einer materiellen Prü- fung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts abklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruhte (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2010, 9C_438/2009, E. 1 mit Hinweisen). Vorliegend bestätigte die IV-Stelle Y.____ mit Verfügung vom 23. September 2016 das Vorliegen eines unveränder- ten Gesundheitszustands und damit die Weiterausrichtung der bisherigen Leistungen. Dieser Verfügung gingen lediglich Berichte der behandelnden Ärzte sowie eine RAD-Beurteilung vo- raus, was als entscheidwesentlicher Referenzsachverhalt nicht genügt. Zu prüfen ist daher, ob sich die konkreten Verhältnisse seit der ursprünglichen, a uf einem Invaliditätsgrad von 50 % beruhenden Rentenverfügung der Beschwerdegegnerin vom 1. März 2012 bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 5. Dezember 2018 wesentlich verändert haben. 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welch e sich für den Entscheid als zentral erweisen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache am 1. März 2012 stützte sich die Beschwerdegegnerin auf das von der Unfallversicherung in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten des Begutachtungsinstituts D.____ vom 8. März 2 011. Das Ärzteteam diagnostizier- te ein chronisches cervikocephales Schmerzsyndrom mit Begleitsymptomatik von Schwindelbe- schwerden und kognitiven Störungen, einen Status nach Ve rkehrsunfall am 19. Februar 2009 mit atlanto-axialer Rotationsluxation mit Impressionsfra ktur C2 Massa lateralis rechts und Ab- rissfraktur Gelenkscondylus C0 links, milder traumatischer Hi rnverletzung, undislozierter Fibu- laköpfchenfraktur links, AC-Luxation Typ Tossy 1 rechts und Ri ppenfraktur rechts, akzentuierte histrionische Persönlichkeitszüge, eine nicht näher bez eichnete somatoforme Störung, eine emotionale Vernachlässigung als Kind, ein Herauslösen aus dem Elternhaus als Kind mit bro- ken home, einen Status nach Problemen in der Ehe mit G ewalterfahrung, degenerative Verän- derungen der Halswirbelsäule (HWS) mit Diskushernie C 4/5 rechts, Einengung Foramen C5 und Uncovertebralarthrosen, ein chronisches Lumboverteb ralsyndrom mit medianer Dis- kusprotrusion L1/2, eine Osteochondrose L4/L5 und eine D iskusprotrusion L5/S1, ein chroni- scher Nikotinabusus sowie einen Status nach Hystektomie und nach Appendektomie. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit kamen die Gutachter zum Schlu ss, dass aus organischer Sicht keine wesentliche Einschränkung auszumachen sei. Die Versicherte se i aber aus psychischen Grün- den im Umfang von 50 % in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. 6.3 Im Rahmen der am 19. Mai 2017 eingeleiteten Ren tenrevision holte die IV-Stelle beim behandelnden Arzt Dr. med. E.____, FMH Allgemeine In nere Medizin, einen Bericht ein. Am 20. November 2017 diagnostizierte er mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD; Erstdiagnose 2017), e in Lungenemphysem, einen Sta- tus nach einem schweren Schädel/Hirntrauma im Jahr 2009 und einen Verdacht auf eine neuro- tische Depression (Erstdiagnose 2017), differentialdiagno stisch ein Psychotrauma. Die Versi- cherte sei vollständig arbeitsunfähig. 6.4 Im Bericht vom 6. April 2018 beschrieb Dr. E.____ eine zunehmende Gangunsicher- heit, Schwindel und Stürze bei zumindest subjektiv zunehmender Konzentrationsschwäche. 6.5 Dr. med. Hans F.____, FMH Neurologie, diagnostizi erte am 13. Juni 2018 ein schwe- res Schädelhirntrauma (2009) mit leichter bis mittelschwe rer neuropsychologischer Funktions- störung, atlanto-axialer Rotationsluxation mit Impressio nsfraktur C2 der Massa lateralis rechts, Abrissfraktur des Gelenkskondylus C0 links, posttraumatischer neurogener Insuffizienz des analen Sphinkters, anhaltenden neuropsychologischen Auffälligkeiten, objektivierbarem zentral- vestibulärem Schwindel und mit persistierendem Cervicalsyndr om, eine dislozierte Fibulaköpf- chenfraktur links sowie eine Fraktur der ersten Rippe, eine AC-Luxation Tossy 1 rechts, ein Verdacht auf ein leichtes cerebelläres Syndrom und auf eine Rotatorenmanschettenläsion rechts, ein COPD, eine Kardia-Insuffizienz mit Reflux, e ine diskrete Inguinalhernie rechts mit Hernioplastik und eine Status nach Mammaraffung 2013. Im Rahmen der klinisch- neurologischen Untersuchung falle neben der akzentuiert en Persönlichkeitsstruktur die neuro- kognitive Normabweichung auf, die neuropsychologisch genau erfasst werden müsste. Organ- neurologisch sei ein zentral-bedingter Schwindel nachweis bar, dessen Ursache offen sei. Die Befunde würden die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte in erheb- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichem Mass einschränken. Eine genaue Einschätzung sei jedo ch nur auf der Basis einer er- neuten ausführlichen Begutachtung möglich. Eine solche sei angezeigt. 6.6 Am 19. Oktober 2018 hielt Dr. med. G.____, Fachar zt für Allgemeinmedizin und Ar- beitsmedizin, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, fest, dass aufgrund des Berichts von Dr. F.____ eine Verschlechterung des Gesundheitszusta ndes nachvollziehbar sei. Eine Schulterproblematik rechts könne in der Tätigkeit als Serviceangestellte deutlich beeinträchti- gend sein. Zudem fielen der nun ausgewiesene zentral-ve stibuläre Schwindel und ein mögli- ches leichtes cerebelläres Syndrom ins Gewicht. Der neuro logische Befund habe sich seit der Begutachtung 2011 eindeutig verschlechtert. Der breits purig-ataktische Gang, der massiv ver- kürzte Einbeinstand und der ataktische Knie-Hackenversuch sei en damals nicht beschrieben worden. Die Ursache der Verschlechterung sei unklar. Die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Service-Mitarbeiterin sei aufgrund der nun fachärztlich dokumentierten Zunahme der Schwin- delproblematik deutlich beeinträchtigt. In der Gesamtsch au der vorliegenden Diagnosen sei die angestammte Tätigkeit der Versicherten nicht mehr zumu tbar. Eine angepasste, vorwiegend sitzende Tätigkeit sei aber unverändert zu 50 % möglich. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stellte bei der Beurteilun g des aktuellen Gesundheitszustan- des vollumfänglich auf die Einschätzung ihres RAD-Arztes Dr. G.____ vom 19. Oktober 2018 ab. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Vergleich zur ursprünglichen Rentenzusprache im Jahr 2012 verschlechtert habe und ihr die bisherige Tätigkeit als Service-Mitarbeiterin nicht meh r zumutbar sei. Angepasste Verweistätig- keiten seien aber weiterhin zu 50 % zumutbar. 7.2 Wie in Erwägung 3.4 hiervor ausgeführt, sind an d ie Beweiswürdigung strenge Anfor- derungen zu stellen, wenn sich der Entscheid lediglich a uf versicherungsinterne Einschätzun- gen stützt. Diesbezüglich sind bereits bei geringen Zweife ln an der Zuverlässigkeit und Schlüs- sigkeit der (versicherungs-)ärztlichen Feststellungen ergän zende Abklärungen vorzunehmen. Vorliegend führte der RAD-Arzt Dr. G.____ unter Berücksichtigung des neurologischen Berichts von Dr. F.____ vom 13. Juni 2018 nachvollziehbar aus, da ss sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit der Begutachtung im Jahr 2011 verschlech tert habe und ihr (heute) die ange- stammte Tätigkeit als Serviceangestellte aufgrund der Sc hulterbeschwerden, des ausgewiese- nen zentral-vestibulären Schwindels sowie des möglichen leichten cerebellären Syndroms nicht mehr möglich sei. Diese Beurteilung leuchtet ein, wesh alb die Vorinstanz zu Recht darauf ab- gestellt hat. Damit ist mit überwiegender Wahrscheinli chkeit eine nachhaltige und erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der Begutacht ung im Jahr 2017 ausgewiesen, was Anlass zur Rentenrevision im Sinne von Art. 17 Abs. 1 A TSG gibt. Folglich ist der Invalidi- tätsgrad neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln (vgl. E. 4.2 hier- vor). 8.1 Wenn die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 5. De zember 2018 bei der Beurteilung der Invalidität gestützt auf die Beurteilung des RAD davon ausgeht, dass der Versicherten weiterhin angepasste Tätigkeiten im Umfang von 50 % möglich und zumutbar seien, kann ihr indes nicht ohne Weiteres beigepflichtet werden. Zu prüfen ist viel mehr, ob die Beschwerdeführerin nach Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht allgemeiner Lebenserfahrung in einem als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt noch als vermittelbar gelten und die ihr vom RAD attestierte R estarbeitsfähigkeit erwerblich verwerten kann. 8.2 Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarke it der Restarbeitsfähigkeit darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von Art. 16 ATSG dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt prak- tisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistisch em Entgegenkommen eines durch- schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden e iner entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG; heute Bundesgericht, Sozialrechtliche Abte ilungen] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarkts nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot u nd der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von sein er Struktur her einen Fächer ver- schiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezü glich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtli ch des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4 mit Hinweisen). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; AHI 1998 S. 291 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der von der versicherten Person auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehen- den Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objekti ven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). Für die Inval iditätsbemessung ist hingegen nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkret en Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verb liebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 287 E. 3b, I 198/97). 8.3 Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ei n invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die e iner versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen An spruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (Urteile des Bundesgerichts vom 9. Juli 2015, 9 C_118/2015, E. 2.1 und vom 10. Mai 2013, 9C_954/2012, E. 2). 8.4 Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, d as verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern ist durch die Umstände des Einzelfalls bedingt. Massgebend können Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und sei ner Folgen, der absehbare Um- stellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruk- tur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbild ung, beruflicher Werdegang oder An- wendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten B ereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1). Somit hängt die Verwertbarkeit nicht zuletzt d avon ab, welcher Zeitraum der versicher- ten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor all em auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2). Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer ( Teil-) Erwerbstätigkeit abzustellen (BGE 138 V 457 E. 3.3). Dieses ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüg- lich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 457 E. 3.4). 8.5.1 Wie oben (vgl. E. 7.2 hiervor) ausgeführt, erla ubt die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. G.____ vom 19. Oktober 2018 eine zuverlässige Beur teilung des aktuellen Gesundheitszu- stands der Beschwerdeführerin. Für die Frage der Rente nberechtigung ist demnach die Ver- wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ab 19. Oktober 2018 entscheidend. Im massgeblichen Zeit- punkt war die am 17. März 1956 geborene Versicherte 62 Jahre und 7 Monate alt. Bis zum Er- reichen des AHV-Alters verblieb nur noch eine kurze Aktivit ätsdauer von 17 Monaten. Zu be- achten ist, dass die Beschwerdeführerin keine Berufsausbil dung absolvierte und seit dem Ab- schluss der obligatorischen Schulzeit ausschliesslich als Service-Mitarbeiterin tätig war. Sie hat somit während des grössten Teils ihres Berufslebens eine kö rperlich belastende Tätigkeit aus- geübt, die sie heute laut übereinstimmender Auffassung aller beteiligter Ärzte aus gesundheitli- chen Gründen nicht mehr verrichten kann. Selbst wenn ge mäss der Einschätzung des RAD- Arztes Dr. G.____ vom 19. Oktober 2018 angenommen würd e, dass ihr weiterhin angepasste Tätigkeiten im Rahmen eines 50 % Pensums zumutbar wäre n, ist altersbedingt, aufgrund mini- maler (Aus-)Bildung, der langjährigen Arbeitsabstinen z und der multiplen, die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränkenden gesundheitlichen Beschwerden vo n einer geringen Anpassungsfä- higkeit an eine neue Tätigkeit auszugehen. Unter den konkreten Umständen wäre die Arbeits- kraft der Versicherten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmar kt realistischerweise nicht mehr nachgefragt worden, weshalb die Restarbeitsfähigkeit spätestens im Zeitpunkt der RAD- Beurteilung am 19. Oktober 2018 nicht mehr verwertbar war. Dies führt zu einem Anspruch auf eine ganze Rente. 8.5.2 Dagegen fehlen Angaben für die vorangegangene Zeit. So ist aufgrund der medizini- schen Unterlagen nicht hinreichend geklärt, wann sich der Gesundheitszustand der Beschwer- deführerin erheblich verschlechtert hatte resp. seit wann ihr die bisherige Tätigkeit aus gesund- heitlichen Gründen nicht mehr möglich war. Da es die I V-Stelle unterliess, die diesbezüglich nötigen Abklärungen zu veranlassen, und es nicht die Aufg abe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte medizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückwei- sung an die Vorinstanz nichts entgegen. Diese wird angeha lten, den Verlauf des Gesundheits- zustandes der Versicherten und der daraus resultierenden Arbeitsfähigkeit abklären zu lassen. Anschliessend wird sie gestützt auf die Ergebnisse der Akte nergänzung über den Leistungsan- spruch, insbesondere den Beginn der ganzen Rente, neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. In der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft getretene n Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten neuerdings auch den unterli egenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei. D ie ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt. Eine Parteientschädigung wird bei der nicht anwaltlich vertretenen Be- schwerdeführerin nicht ausgerichtet. 10.1 Gemäss Art. 90 BGG ist die Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfah ren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwisch enentscheide über die Zustän- digkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bede utenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde ( Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei ein em Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehre- ren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) bean twortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 5. Dezember 2018 aufgehoben und festges tellt wird, dass die Beschwerdeführerin spätestens ab Oktober 2018 Ansp ruch auf eine ganze Rente hat. Für den Rentenanspruch ab M ai 2017 bis September 2018 wird die Angelegenheit zur weiteren A bklärung im Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfü gung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. http://www.bl.ch/kantonsgericht