<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 12 S.52</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">52</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>12</b></span> <span class="ft2"><b>§§ 112, 113 lit. c und 114 Abs. 1 ZPO.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Nichtbestätigung bzw. der Widerruf des gemeinsamen Scheidungsbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gehrens gemäss Art. 111 und 112 ZGB stellt keinen Klagerückzug im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Sinne von § 114 Abs. 1 ZPO dar, weshalb die Kostenverteilung gestützt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf § 112 resp. 113 lit. c ZPO und nicht gestützt auf § 114 Abs. 1 ZPO</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vorzunehmen ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 5. Dezember</span><br/> <span class="ft3">2000 in Sachen M. K. gegen H. J. K.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">53</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Gemäss § 112 Abs. 1 ZPO sind die Gerichts- und Parteiko-</span><br/> <span class="ft1">sten in der Regel der unterliegenden Partei aufzuerlegen. Von der Re-</span><br/> <span class="ft1">gel des § 112 Abs. 1 ZPO kann in personen-, familien- und erbrecht-</span><br/> <span class="ft1">lichen Streitigkeiten sowie in anderen Streitsachen zwischen Ver-</span><br/> <span class="ft1">wandten und Verschwägerten abgewichen werden (§ 113 lit. c ZPO).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 114 Abs. 1 ZPO sind die Kosten bei Rückzug der Klage</span><br/> <span class="ft1">dem Kläger, bei Anerkennung der Klage dem Beklagten aufzuerle-</span><br/> <span class="ft1">gen.</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss Art. 111 und 112 ZGB steht es den Parteien frei,</span><br/> <span class="ft1">nach Ablauf der zweimonatigen Bedenkzeit seit der Anhörung</span><br/> <span class="ft1">schriftlich ihren Scheidungswillen zu bestätigen oder davon Umgang</span><br/> <span class="ft1">zu nehmen. Sowohl das Scheidungsbegehren als auch die Vereinba-</span><br/> <span class="ft1">rung sind bis zur Bestätigungserklärung gemäss Art. 111 Abs. 2 ZGB</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich frei widerrufbar (Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">neuen Scheidungsrecht, Zürich 1999, N 48 f. zu Art. 111 ZGB). Es</span><br/> <span class="ft1">handelt sich somit im vorliegenden Fall um einen Widerruf des ge-</span><br/> <span class="ft1">meinsamen Scheidungsbegehrens und nicht um einen Klagerückzug.</span><br/> <span class="ft1">Folge des Widerrufs ist ein bedingter Endentscheid im Sinne von Art.</span><br/> <span class="ft1">113 ZGB. Danach kann es zu einem Wechsel von der Klage auf ge-</span><br/> <span class="ft1">meinsames Begehren zur Scheidungsklage nach Art. 113 ZGB kom-</span><br/> <span class="ft1">men, falls die Voraussetzungen für eine einvernehmliche Scheidung</span><br/> <span class="ft1">nicht vorliegen (Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 48 zu Art. 111 ZGB</span><br/> <span class="ft1">und N 5 zu Art. 113 ZGB).</span><br/> <span class="ft1">c) Aufgrund des Gesagten ist die Kostenverteilung gestützt auf</span><br/> <span class="ft1">§ 112 respektive 113 lit. c ZPO und nicht gestützt auf § 114 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">ZPO vorzunehmen. Praxisgemäss wird in Ehestreitsachen bei "Ab-</span><br/> <span class="ft1">weisung einer Scheidungsklage" in der Regel die hälftige Aufteilung</span><br/> <span class="ft1">der Verfahrenskosten vorgenommen, um eine Wiedervereinigung zu</span><br/> <span class="ft1">erleichtern (Bühler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargauischen</span><br/> <span class="ft1">Zivilprozessordnung, Aarau/Frankfurt am Main/ Salzburg 1998, N 9</span><br/> <span class="ft1">zu § 113 ZPO). Im vorliegenden Verfahren zeigt sich anhand der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">54</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Stellungnahmen der Parteien in vermehrtem Masse, dass die Verfah-</span><br/> <span class="ft1">renskosten den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen sind, da auf die</span><br/> <span class="ft1">nach altem Recht eingereichte Scheidungsklage der Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft1">ner in der Antwort Abweisung der Scheidungsklage beantragte. Erst</span><br/> <span class="ft1">nach dem Rechtsschriftenwechsel einigten sich die Parteien auf ein</span><br/> <span class="ft1">gemeinsames Begehren, welches dann aber wiederum von der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin nicht bestätigt wurde. Auch daraus erscheint die</span><br/> <span class="ft1">Anwendung von § 113 lit. c ZPO als angemessen.</span><br/> <span class="ft1">d) Dem materiellen Recht kann keine Regelung zur Kostenfolge</span><br/> <span class="ft1">im Falle des Ausbleibens der Bestätigung bzw. des Widerrufs von</span><br/> <span class="ft1">Scheidungswille und Vereinbarung gemäss Art. 111 f. ZGB entnom-</span><br/> <span class="ft1">men werden. Im Kommentar Sutter/Freiburghaus wird jedoch zutref-</span><br/> <span class="ft1">fend ausgeführt, dass ein Ehegatte das Recht hat, den Scheidungswil-</span><br/> <span class="ft1">len zu bestätigen oder nicht zu bestätigen, weshalb er dafür nicht ein-</span><br/> <span class="ft1">seitig mit Kosten belastet werden darf. Eine anderweitige Entschei-</span><br/> <span class="ft1">dung würde dem Grundsatz der freien Widerrufbarkeit von Schei-</span><br/> <span class="ft1">dungswillen und Vereinbarung widersprechen (Sutter/Freiburghaus,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., N 55 zu Art. 111 ZGB).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>