<h2>SubmittedText<h2><p>Weite Kreise der Landwirtschaft und der Tierärzteschaft verlangen eine nationale Strategie zur Ausrottung der  Infektion der  Bovinen Virus Diarrhoe (BVD) in der Rinderpopulation in der Schweiz. Sie sind enttäuscht darüber, dass in der laufenden Änderung der Tierseuchenverordnung keine diesbezüglichen Vorschriften in die Vernehmlassung geschickt wurden.</p><p>In verschiedenen europäischen Ländern bestehen bereits heute Programme zur Bekämpfung der BVD, wodurch in absehbarer Zeit von neuem Handelshemmnisse bzw. Mehrkosten beim Export von schweizerischen Zuchtrindern auftreten könnten. Die im Institut für Veterinär-Virologie der Universität Bern erarbeiteten diagnostischen Methoden und Kenntnisse bieten eine sichere wissenschaftliche Grundlage für eine nationale Bekämpfungsstrategie.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Wie begründet er den Verzicht einer staatlichen Bekämpfung der BVD auf nationaler Ebene?</p><p>2. Sind ihm die durch die BVD verursachten wirtschaftlichen Schäden sowie der Mehreinsatz von Antibiotika in der Kälbermast bekannt?</p><p>3. Anerkennt er grundsätzlich die wissenschaftlichen, diagnostischen und strukturellen Voraussetzungen als ausreichend, um eine nationale Bekämpfung in die Wege zu leiten?</p><p>4. Kennt er die bestehenden Programme zur Bekämpfung der BVD in den Mitgliedstaaten der EU?</p><p>5. Wie teuer waren diese Programme in der EU und wie setzen sich die Kosten zusammen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Bovine Virus Diarrhoe, kurz BVD genannt, ist eine durch ein Virus verursachte Durchfallerkrankung der Rinder, welche seit langem bekannt ist. Neben Durchfall kann das Virus zu Lungenentzündungen, Aborten, Missbildungen, zur Geburt lebensschwacher Kälber und zu vermindertem Wachstum führen. Zudem gibt es eine tödlich verlaufende Schleimhautform, die Mucosal Disease, welche bei den so genannten Virusträgern ausbrechen kann.</p><p>Der Bund unterstützt seit Mitte der Neunzigerjahre Forschungsarbeiten an der Universität Bern über Auftreten, Diagnose, Verlauf und Kosten dieser Krankheit in der Schweiz. Auf der Grundlage dieser Studien wurden zusammen mit dem Bundesamt für Veterinärwesen verschiedene auf unser Land zugeschnittene Bekämpfungsstrategien entwickelt.</p><p>Im Tierseuchengesetz vom 1. Juli 1966 (SR 916.40) hat der Gesetzgeber dem Bundesrat diverse Aufträge erteilt, wie er mit Tierseuchen umzugehen hat. Danach werden Seuchen ausgerottet, wenn ein gesundheitliches oder wirtschaftliches Bedürfnis besteht und das Ziel mit einem vertretbaren Aufwand erreicht werden kann, oder sie werden bekämpft, um gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen möglichst gering zu halten. Eine Seuche wird überwacht, sofern im Hinblick auf eine allfällige Bekämpfung oder Ausrottung epidemiologische Daten gesammelt werden sollen.</p><p>Im Frühjahr 2001 ist die Mucosal Disease als zu überwachende Seuche in die eidgenössische Tierseuchenverordnung vom 27. Juni 1995 (SR 916.401) aufgenommen worden. Die seither eingehenden Meldungen liefern eine breite Datenbasis zum Auftreten dieser Krankheit in der Schweiz.</p><p>Die einzelnen Fragen können folgendermassen beantwortet werden:</p><p>1. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass der einzelne Tierhalter seine Tiere nur mit sehr grossem Aufwand vor BVD schützen kann. Die betroffenen Kreise befürworten daher eine national koordinierte Bekämpfung dieser Krankheit. Ein solches Ausrottungsprogramm würde jedoch grosse finanzielle und personelle Ressourcen sowohl vom Bund als auch von den Kantonen fordern. Das Vernehmlassungsverfahren über eine allfällige Verordnungsänderung soll dazu die Entscheidungsgrundlage liefern.</p><p>2. BVD verursacht in der Schweiz jedes Jahr direkte Kosten zwischen 6 und 12 Millionen Franken. Die indirekten Kosten, wie sie z. B. durch den Einsatz von Medikamenten entstehen, sind in diesen Berechnungen nicht enthalten. Im Vergleich zu vielen im Ausland publizierten Zahlen mögen diese Verluste als gering erscheinen, sie basieren aber auf einer fundierten Kosten- und Nutzenanalyse, wie sie bisher in keinem anderen Land in dieser Tiefe durchgeführt wurde.</p><p>3. Es steht heute ein detaillierter Bekämpfungsplan zur Verfügung, der sich auf wissenschaftliche und diagnostische Kenntnisse abstützt und eine erfolgreiche Ausrottung der Krankheit verspricht. Dieses Konzept zeigt die grossen administrativen, organisatorischen und finanziellen Aufwendungen auf, welche über den Zeitraum mehrerer Jahre von Bund und Kantonen geleistet werden müssten.</p><p>Es ist ein ehrgeiziges Projekt, welches erst angegangen werden könnte, wenn diese Mittel zur Verfügung stehen würden. Eine allfällige Budgetierung könnte erst nach Vorliegen einer entsprechenden Verordnungsänderung vorgenommen werden. Zudem müssten alle Beteiligten vorhergehend über die Krankheit und deren Auswirkungen informiert sein, da nur durch die aktive Unterstützung eines jeden Einzelnen der Erfolg garantiert werden kann.</p><p>4. Mit dem Wunsch, die durch BVD bedingten Verluste zu vermindern, haben Norwegen und Schweden 1993 unter der Initiative der Zuchtverbände mit der landesweiten Bekämpfung von BVD begonnen. Durch gezieltes Ausmerzen der Virusträger konnte das BVD-Virus dort kontinuierlich zurückgedrängt werden. Ähnliche Programme laufen seit Ende der Neunzigerjahre auch in den Niederlanden und in Teilen Österreichs und Deutschlands.</p><p>In der Europäischen Union gibt es vorläufig keine Richtlinien, die sich zur Bekämpfung der BVD aussprechen. Es wurde aber auf Forschungsebene ein thematisches Netzwerk zur Kontrolle von BVD geschaffen, an dem sich auch die Schweiz beteiligt. Ziel dieses Netzwerkes ist es, die jeweiligen Forschungsarbeiten und Ausrottungsprogramme in den einzelnen Ländern zu koordinieren und damit allen beteiligten Staaten die notwendigen Grundlagen für eine aktive Bekämpfung zu liefern.</p><p>5. Die im Ausland zur Ausrottung der Krankheit angewandten Methoden sind nicht ohne weiteres auf unser Land übertragbar. Berechnungen haben z. B. gezeigt, dass in der Schweiz unter Berücksichtigung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses das Bekämpfungsmodell nach skandinavischem Vorbild wirtschaftlich nicht zu verantworten wäre. Für die Schweiz wurde daher ein preisgünstigeres, aber nicht weniger effizientes System, das auf den Erkenntnissen neuester Forschungsergebnisse beruht, ausgearbeitet. Das heute vorhandene Konzept geht davon aus, dass die Bekämpfung in den ersten zehn Jahren insgesamt etwa 55 Millionen Franken kosten würde. Über die Kosten der Bekämpfung im Ausland liegen dem Bundesrat bis heute keine gesicherten Angaben vor.</p>  Antwort des Bundesrates.