B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1861/2015 U r t e i l v o m 2 1 . O k t o b e r 2 0 1 5 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Hans Peter Roth, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 19. Februar 2015 / N (…). E-1861/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Mutter des Beschwerdeführers suchte erstmals mit Schreiben an die Schweizerische Botschaft in Colombo vom 16. Juni 2007 um Bewilli- gung der Einreise in die Schweiz und Gewährung von Asyl für sich und ihre (damals minderjährigen) Kinder. Mit Verfügung vom 14. März 2008 lehnte die Vorinstanz die Gesuche ab. A.b Nachdem der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben am 14. Mai 2012 mit einem Visum , das er zur Teilnahme an de r Beerdigung seines Vaters erhalten hatte, in die Schweiz eingereist war, ersuchte er am 4. Juni 2012 um Asyl . Das damalige Bundesamt für Migration (BFM, seit Anfang 2015: SEM) lehnte sein Asylgesuch mit Verfügung vom 28. März 2013 ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Die dagegen am 3. Mai 2013 erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-2494/2013 vom 14. Mai 2013 ab. A.c Mit Verfügung vom 25. September 2013 suspendierte die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug und hob die angesetzte Ausreisefrist auf. A.d A.d.a Am 17. Juli 2014 teilte das BFM dem Beschwerdeführer mit, das Vollzugsmoratorium für Sri Lanka sei aufgehoben worden. Es räumte ihm die Gelegenheit ein mitzuteilen, ob die Lageentwicklung in Sri Lanka für ihn allenfalls neue Gefährdungselemente nach sich gezogen habe, und auf Aspekte hinzuweisen, welche gegen die Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sprechen würden. A.d.b Am 28. Juli 2014 nahm der Beschwerdeführer Stellung zu einem Wegweisungsvollzug und verwies auf ein angeblich vom 4. Dezember 2013 datierendes Wiedererwägungsgesuch. A.d.c Sein damaliger (und aktueller) Rechtsvertreters reichte am 5. August 2014 eine Kopie des vom 4. Dezember 2013 datierten und nicht unter- schriebenen Wiedererwägungsgesuchs beim BFM ein mit der Erläuterung, es sei seinerzeit vom Beschwerdeführer fälschlicherweise weder unter- schrieben noch eingereicht worden, und wies darauf hin, dessen Inhalt sei für das erweiterte Asylverfahren relevant und die dortigen Vorbringen seien zu berücksichtigen. Gleichzeitig erklärte er, sein Vertretungsmandat sei "für das erweitere Asylverfahren" erloschen. Zur Begründung liess der Be- schwerdeführer ausführen, die Abweisung seines Asylgesuches im März E-1861/2015 Seite 3 2013 sei aufgrund einer Lagebeurteilung erfolgt, die sich als Fehleinschät- zung herausgestellt habe. Es bestehe für ihn eine erhebliche Verfolgungs- gefahr. A.d.d Das BFM nahm die Rechtschriften als neues Asylgesuch entgegen und datierte es auf den 8. August 2014, dem Datum, an welchem das Schreiben vom 5. August 2014 beim BFM eingegangen ist. A.e Das SEM stellte mit Verfügung vom 19. Februar 2015 – eröffnet am 23. Februar 2015 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab , verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. B. B.a Der Beschwerdeführer liess diesen Entscheid durch seinen für das Be- schwerdeverfahren neu mandatierten Rechtsvertreter mit Beschwerde vom 23. März 2015 beim Bundesverwaltungsgericht anfechten. Er bean- tragte in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und die vorläu- fige Aufnahme zu gewähren. In formeller Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. B.b Am 7. April 2015 reichte er eine Fürsorgebestätigung vom 25. März 2015 und eine Ausbildungsbestätigung des (…) vom (…) ein. C. C.a Mit Zwischenverfügung vom 14. August 2015 wies der Instruktionsrich- ter das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ab und setzte Frist zur Bezahlung eines solchen an. C.b Am 28. August 2015 wurde der Kostenvorschuss fristgerecht bezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher E-1861/2015 Seite 4 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutre- ten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb der Beschwerdeent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen E-1861/2015 Seite 5 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung des angefochtenen Entscheides führte das SEM aus, sowohl das BFM in seinem Entscheid vom 28. März 2013 als auch das Bundesverwaltungsgericht im Urteil vom 14. Mai 2013 hätten festgestellt, der Beschwerdeführer habe keine asylrelevante Verfolgung erlitten und es bestehe keine drohende asylrelevante Verfolgung im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka. Im genannten Urteil sei festgehalten worden, dass er kein Profil aufweise, welches darauf schliessen liesse, er würde seitens der sri- lankischen Behörden als dissident oder politisch oppositionell wahrgenom- men oder einer anderweitigen Risikogruppe angehören. Zudem komme dem im ersten Asylverfahren geltend gemachten einmaligen tätlichen An- griff durch unbekannte Personen aufgrund fehlender Intensität kein asylre- levanter Verfolgungscharakter zu. Diese Einschätzungen seien noch gültig. Im vorliegenden Asylgesuch werde die allgemeine Menschenrechtslage in Sri Lanka geschildert, und daraus auf eine Verfolgungsgefahr geschlossen. Inwieweit und aufgrund welcher persönlicher Umstände er zum heutigen Zeitpunkt in Sri Lanka gefährdet sein solle, werde indessen nicht erläutert. Es treffe zu, dass sich die Menschenrechtslage in Sri Lanka nicht wesent- lich gebessert habe und Mängel aufweise. Es sei möglich, dass Personen überall und jederzeit von Sicherheitskräften kontrolliert und für Abklärun- gen auf den Posten mitgenommen oder in ein Armeecamp beordert wür- den. Diesen Massnahmen, denen ein Grossteil der tamilischen Bevölke- rung im ganzen Land ausgesetzt sei, komme indessen gemäss geltender Praxis aufgrund mangelnder Intensität kein Verfolgungscharakter im Sinne von Art. 3 AsylG zu. Die sri-lankischen Behörden würden gegenüber Personen tamilischer Eth- nie, welche nach einem Auslandaufenthalt nach Sri Lanka zurückkehrten, eine erhöhte Wachsamkeit a ufweisen. Der Beschwerdeführer sei tamili- scher Ethnie und habe Sri Lanka vor rund zweieinhalb Jahren verlassen. Seine Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und die Landesabwesenheit würden jedoch nicht ausreichen, um von Verfolgungsmassnahmen bei ei- ner Rückkehr auszugehen. Seine Herkunft aus dem Osten Sri Lankas, sein Alter von (damals) rund 21 Jahren und eine Rückkehr mit temporären Reisedokumenten könnten die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden ihm gegenüber im Rahmen E-1861/2015 Seite 6 der Wiedereinreise und Wiederei ngliederung noch erhöhen. Trotz dieser zusätzlichen Faktoren gebe es jedoch keinen begründeten Anlass zur An- nahme, er habe Massnahmen zu befürchten, welche über einen sogenann- ten "Background Check" (Befragungen, Überprüfung von Auslandaufent- halten und Tätigkeiten in Sri Lanka und im Ausland) hinaus gehen würden, zumal er seit dem Vorfall mit unbekannten Drittpersonen im (…) bis zu sei- ner Ausreise im Mai 2012 keine persönlichen Probleme mehr mit Drittper- sonen oder staatlichen Organen gehabt habe. Seine Befürchtungen seien deshalb als nicht asylrelevant einzustufen. 5.2 In der Beschwerde wurde ausgeführt, auch sechs Jahre nach der offi- ziellen Beendigung des Krieges mache die Regierung keine Anstalten, die militärische Besetzung der tamilischen Gebiete aufzugeben. Das eigentli- che langjährige Ziel der Singhalesen sei die genozidale Vernichtung des tamilischen Volkes in Sri Lanka. Tamilische Friedhöfe würden zerstört, ta- milische Grundbesitzer enteignet, und Singhalesen aus dem Süden in ta- milischen Gebieten angesiedelt. Gleichzeitig dürften tausende vom Krieg vertriebene tamilische Familien nicht mehr auf ihr Land zurückkehren. Die Verwaltung werde langsam durch singhalesische Beamte ersetzt, und es seien Absichten der Regierung erkennbar, das Bildungswesen zu singhali- sieren. Weiter gebe es zahlreiche Berichte über erzwungene Sterilisierung von tamilischen Frauen und Vergewaltigungen durch Militärpersonen. Im- mer wieder würden Polizei und Armee mit massiver Gewalt gegen tamili- sche Demonstranten vorgehen, und Erinnerungsfe iern an gefallene Frei- heitskämpfer seien absolut verboten. Es stelle sich daher die Frage, ob die Schweiz Flüchtlinge in ein Land zu- rückschaffen dürfe, in welchem sie mit erheblicher Wahrscheinlichkeit Op- fer von genozidalen Massnahmen würden. Dies sei mit Blick auf Art. 3 EMRK klar zu verneinen. Es liege an der internationalen Staatengemein- schaft, von der neuen sri -lankischen Regierung glaubhafte Garantien zu verlangen, dass inskünftig keine menschenrechtswidrigen Massnahmen gegen zurückgewiesene Asylsuchende zu erwarten seien. Eine weitere Vo- raussetzung sei die von der UNO angeordnete Untersuchung und Auswer- tung der vermuteten Menschenrechtsverletzungen vor Ort. Solange diese von der sri-lankischen Regierung verhindert werde, gebe es keinen Grund, von einer Rückkehr in Sicherheit und Würde auszugehen. Da er der tamilischen Ethnie angehöre, sei der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka an Leib und Leben gefährdet. E-1861/2015 Seite 7 Die Gefahr, welche ihm durch die Milizen der Tamil Makkal Viduthalai Puli- kal (TMVP; englisch: Tamil Peoples Liberation Tigers, früher bekannt als "Karuna Group") drohe, sei zudem ebenso bedrohlich wie die polizeiliche Verfolgung seines Bruders B._______. Auch das Bundesverwaltungsge- richt habe auf die zahlreichen Entführungen und Erpressungen seitens ta- milischer Milizen hingewiesen, welche von den sri-lankischen Sicherheits- kräften passiv gedeckt würden. Die Entscheide vom 28. März und 19. Juni 2013 (recte: 14. Mai 2013) hätten auf einer Lagebeurteilung beruht, welche sich als naiv erwiesen habe. Auch im angefochtenen Entscheid würden die zu befürchtenden Massnahmen verharmlost. Mit den Massnahmen der Si- cherheitskräfte (und Milizen) in Sri Lanka verhalte es sich jedoch ähnlich wie beim russischen Roulette, und die möglichen Kontrollen der Si cher- heitskräfte könnten fatal enden. B._______ werde (…) in Sri Lanka gesucht und habe die Schweiz verlassen, weil er sich nicht sicher gefühlt habe. Allein die Tatsache, dass er ohne ihn zurückkehren müsste, könne den Be- schwerdeführer in grosse Gefahr bri ngen, da B._______ noch immer auf der Fahndungsliste vermerkt sei. Er müsse befürchten, weiterhin von den TMVP-Milizen bedrängt und allenfalls erpresst zu werden. Die Milizen dürf- ten in Erfahrung gebracht haben, dass er und seine Familie in der Schweiz um Asyl ersucht hätten, und dass der bereits früher geflüchtete Vater in der Schweiz gestorben sei, was ihn als mutmassliche Quelle für Erpressungs- versuche attraktiv machen könnte. 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zum Schluss, dass der Be- schwerdeführer keine asylrelevante Verfolgung in Sri Lanka glaubhaft ma- chen konnte. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf die aus- führlichen und zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, welche wie folgt ergänzt werden: 5.3.1 In der Beschwerde wird zunächst geltend gemacht, der Beschwerde- führer wäre bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bereits aufgrund seiner ta- milischen Ethnie an Leib und Leben gefährdet. Das Bundesverwaltungsge- richt verneinte in BVGE 2011/24 (E. 8.4 und 10.4.2) die Frage, ob generell davon ausgegangen werden müsse, dass abgewiesene tamilische Asylsu- chende, die aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren würden, alleine aufgrund ihrer Landesabwesenheit als Dissidente beziehungsweise Oppo- sitionelle wahrgenommen würden , und w ies darauf hin, dass weder das UNHCR noch andere Organisationen bisher auf eine diesbezügliche, ge- nerell drohende Gefahr hingewiesen hätten. Auch wenn Personen mit ei- nem niedrigeren Profil als aufgrund der damaligen Kenntnisse angenom-E-1861/2015 Seite 8 men worden war, gefährdet sein mögen, geht das Gericht auch in Anbe- tracht der aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka nicht davon aus, abgewie- sene tamilische Asylgesuchsteller liefen generell Gefahr, asylrechtlich re- levanter Verfolgung ausgesetzt zu werden. Es ist deshalb im Einze lfall zu prüfen, ob glaubhaft dargelegt werden konnte, dass aufgrund von weiteren Faktoren die Gefahr einer gezielten asylrelevanten Verfolgung bestehe. 5.3.2 Der Beschwerdeführer brachte vor, er wäre bei einer Rückkehr durch Milizen der TMVP bedroht, und verwies darauf, dass sein Bruder B._______ vermutlich in Sri Lanka (immer noch) gesucht werde. Diesbe- züglich ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht im Ur- teil D -2493/2013 vom 14 . Mai 2013 festhielt, eine Verfolgung von B._______ seitens der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) könne aus- geschlossen werden, und er verfüge nicht über ein Profil, aufgrund dessen auf eine begründete Furcht vor asylrelevanter Gefährdung geschlossen werden müsste. In der Beschwerde wird nicht dargetan, weshalb diese Ein- schätzung aus heutiger Sicht nicht aufrecht erhalten werden könnte. Auch werden keine konkreten Umstände genannt, die auf eine Gefährdung des Beschwerdeführers durch die TMVP hindeuten würden. 5.3.3 Aus den Akten ergeben sich auch keine Hinweise dafür, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr als besonders wohlhabende Person wahrgenommen würde und somit einem erhöhten Entführungs - und Er- pressungsrisiko ausgesetzt wäre. Allein die Tatsache, dass er über Ver- wandte in der Schweiz verfügt, führt jedenfalls nicht zur Annahme, der ge- mäss eingereichter Fürsorgebestätigung bedürftige Beschwerdeführer würde in Sri Lanka als Person mit beträchtlichen finanziellen Mittel betrach- tet. 5.3.4 Das Bundesverwaltungsgericht erkennt mithin, dass die Vorinstanz zu Recht den Beschwerdeführer nicht als Flüchtling anerkannt und se in Asylgesuch abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). E-1861/2015 Seite 9 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.1 Der Vollzug ist unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei- mat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährd et ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandl ung unterworfen werden. 7.1.1 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. E-1861/2015 Seite 10 7.1.2 Die Menschenrechtslage in Sri Lanka ist insgesamt zwar noch immer mit gravierenden Mängeln behaftet, sie lässt den Wegweisungsvollzug je- doch nicht generell als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wie- derholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkeh- renden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen sogenannten "Backgro und Check" (Befragung und Überprü- fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder er per- sönlich gefährdet wäre. 7.1.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.2.1 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Auf eine Beurteilung der Situation im Vanni-Gebiet und der Zumutbarkeit einer Rückkehr in jene Re- gion (vgl. dazu BVGE 2011/24 E. 12 f.) kann hier verzichtet werden, zumal der Beschwerdeführer ursprünglich aus C._______ (Ostprovinz) stammt und zuletzt seit 1999 in D._______ (Ostprovinz) lebte. Der Beschwerdeführer verfügt in Sri Lanka über ein tragfähiges verwandt- schaftliches Beziehungsnetz. Es kann davon ausgegangen werden, dass er bei einer Rückkehr mit familiärem Rückhalt rechnen und allenfalls an- fänglich bei Verwandten unterkommen könnte. Die Rückreise kann er zu- sammen mit seiner Mutter und seinen Schwestern antreten, deren Be- schwerden mit heutigem Datum ebenfalls abgewiesen werden. Er ist jung und gesund, hat den grössten Teil seines Lebens in Sri Lanka verbracht und ist dort zwölf Jahre lang zur Schule gegangen. Es ist anzun ehmen, E-1861/2015 Seite 11 dass er sich in seiner Heimat schnell wieder integrieren und in der Lage sein wird, sich eine wirtschaftliche Existenzgrundlage aufzubauen. 7.2.2 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich daher auch als zumutbar. 7.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, welcher gegenüber der Vorinstanz ohne jeglichen Nachweis und ohne irgendeine nachvollziehbare Begründung behauptet hat, er habe seinen sri-lankischen Reisepass nach seiner legalen Einr eise in die Schweiz vernichtet (vgl. SEM -Akten A4 F4.02), sich für den wenig wahrscheinlichen Fall, dass diese Behauptung zutreffen sollte, bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1– 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173. 320.2]). Sie sind mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. (Dispositiv nächste Seite) E-1861/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens- kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Sarah Straub