Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. Juni 2012 (810 12 5) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Erlöschen der Niederlassungsbewilligung wegen Auslandaufenthalt Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Bruno Gutzwiller, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Edgar Schürmann , Gerichtsschreiberin Marianne Fankhauser Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Daniela Bifl, Rechtsanwäl- tin gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft Betreff Niederlassungsbewilligung (RRB Nr. 1839 vom 2 0. Dezember 2011) A. Der 1964 geborene iranische Staatsangehörige A.__ __ reiste am 9. Oktober 2004 in die Schweiz ein. Am 15. Oktober 2004 heiratet e er die 1948 geborene Schweizerin B.____. Aufgrund dieser Heirat erhielt A.____ eine Aufenthaltsbewilligung. Nachdem er am 20. April 2010 die Niederlassungsbewilligung erhalten hat te, überprüfte das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) die Anwesenheit von A.___ _, da Zweifel bestanden, ob dieser seinen Lebensmittelpunkt tatsächlich in der Schweiz habe . Aufgrund der Nachforschungen und nachdem zahlreiche an A.____ gerichtete Schreiben des Af M von der Post als nicht abgeholt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zurückgeschickt wurden, zog das AfM eine Feststellungsverfüg ung betreffend Erlöschen der Niederlassungsbewilligung in Betracht und gewährte A. ____ mit Schreiben vom 16. Juni 2011 das rechtliche Gehör. Es schickte dieses Schreiben an die gemäss Aussagen der Ehefrau gülti- ge Adresse von A.____ im Iran und bat die Schweizerische Botschaft um Zustellung. Die Schweizerische Botschaft teilte dem AfM mit, dass die ang egebene Adresse in Babol, Iran, nicht existiere. B. Mit Verfügung vom 22. August 2011 stellte das AfM fest, die Niederlassungsbewilli- gung von A.____ sei infolge langdauernder Auslandaufe nthalte erloschen. Gegen diese Verfü- gung erhob A.____ Beschwerde beim Regierungsrat des Kan tons Basel-Landschaft (Regie- rungsrat). Dieser wies die Beschwerde mit Beschluss vom 20. Dezember 2011 ab und führte unter Hinweis auf die Aufstellung über die Auslandaufe nthalte von A.____ aus, dass der Be- schwerdeführer sich zwischen dem 12. Dezember 2008 und dem 6. September 2011 knapp 25 Monate in seiner Heimat aufgehalten habe. In der Schw eiz habe er sich in der Zeit zwischen dem 24. April 2009 und dem 5. Juni 2009 (1 Monat un d 11 Tage), zwischen dem 4. Juli 2009 und dem 2. Oktober 2009 (knapp 3 Monate), zwischen dem 2. April 2010 und dem 1. Mai 2010 (knapp 1 Monat), zwischen dem 8. Juli 2010 und dem 2. Se ptember 2010 (knapp 2 Monate) sowie zwischen dem 25. Februar 2011 und dem 25. März 201 1 (1 Monat) aufgehalten. Zwi- schen Dezember 2008 und September 2011 habe sich der Besc hwerdeführer damit nur einmal knapp drei Monate in der Schweiz aufgehalten, ansonste n seien seine Aufenthalte kürzer ge- wesen. Im Iran habe er sich in dieser Zeit dreimal üb er fünf Monate aufgehalten. Die jeweils relativ kurzen Aufenthalte in der Schweiz, welche er teilweise sehr knapp vor Ablauf eines sechsmonatigen Aufenthaltes im Iran begonnen habe, seie n als reine Besuchsaufenthalte im Sinn von Art. 79 Abs. 1 VZAE zu betrachten. Das AfM h abe den Tatbestand von Art. 61 Abs. 2 AuG und damit das Erlöschen der Niederlassungsbewilligung von A.____ zu Recht festgestellt. C. Mit Eingabe vom 30. Dezember 2011 erhob B.____ na mens und im Auftrag ihres Ehe- mannes A.____ Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abt. Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht) und beantragt, es se i der Entscheid des Regierungsrates aufzuheben, weiter sei festzustellen, dass die Nieder lassungsbewilligung des Beschwerdefüh- rers nicht erloschen sei und eventualiter sei ihm eine A ufenthaltsbewilligung zu erteilen, unter o/e-Kostenfolge. Innert zweimal erstreckter Frist reichte der Beschwerdeführer, nun vertreten durch Daniela Bifl, Rechtsanwältin, die Beschwerdebeg ründung ein. Er macht geltend, das Dispositiv der Verfügung des AfM vom 22. August 2011 weis e einen rechtlich unzulässigen Re- gelungsinhalt auf, da die Niederlassungsbewilligung am 20. April 2010 erteilt worden sei und daher nicht in einem davor liegenden Zeitpunkt (31. Dezember 2008) erloschen sein könne. Im Weiteren sei er nie auf die Konsequenzen seiner Auslandaufenthalte respektive auf sein Recht, ein Verlängerungsgesuch vor seiner ersten Ausreise zu stell en, aufmerksam gemacht worden. Ein Hinweis seitens des AfM hätte spätestens bei der Erte ilung der Niederlassungsbewilligung im April 2010 erfolgen sollen, zumal bereits zu diesem Zeitpunkt das AfM Kenntnis von den später seiner Verfügung zugrunde gelegten Umständen g ehabt habe. Rechtlich relevant wäre somit alleine die Zeit vom Mai 2010 bis Oktober 2011. I n dieser Zeit habe er sich zweimal im Iran aufgehalten. Da die Gesamtdauer dieser Aufenthalte die gesetzliche Marke von 6 Monaten überschritten habe, stelle sich die Frage, ob der dazwischen liegende Aufenthalt in der Schweiz Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die sechsmonatige Frist unterbrochen habe. In der Beurt eilung dieser Frage nehme die Vorin- stanz zu Unrecht an, dass vorliegend gemäss Art. 79 VZAE keine Unterbrechung eingetreten sei, denn er habe nicht lediglich seine Ehefrau in der Schweiz besucht, sondern sei nach Hause in Füllinsdorf zurückgekehrt, wo er seit seiner Einreise 2004 seinen Lebensmittelpunkt habe. Mit der Heirat im Jahre 2005 (recte 2004) habe er seine e igene Familie gegründet, die - obschon kinderlos geblieben - die Intensität seiner Beziehung zur Schweiz noch verstärkt habe. Er sei hier einer Erwerbstätigkeit nachgegangen und habe auch sein eigenes Unternehmen gegrün- det. Der plötzlich eingetretene Tod seines Vaters habe a llerdings dazu geführt, dass er im Zu- sammenhang mit der anschliessend durchzuführenden Erbau seinandersetzung sich seit De- zember 2008 mehrmals habe in den Iran begeben müssen, u m Behördengänge und sonstige administrative Verpflichtungen erledigen zu können. Nach dem Tod des Vaters sei seine per- sönliche Anwesenheit aufgrund der damals vorzunehmenden Unternehmungsumstrukturierun- gen erforderlich gewesen; sein derzeitiger Einsatz habe dort allerdings nur vorübergehenden Charakter gehabt. Für den Fall, dass die vorinstanzliche n Feststellungen bestätigt würden und die Niederlassungsbewilligung tatsächlich erloschen sein so llte, sei gemäss Eventualantrag die Sache an die Erstinstanz zur Prüfung zurückzuweisen, ob ihm eine Aufenthaltsbewilligung ge- stützt auf Art. 42 Abs. 1 AuG, eventuell auch Art. 30 Abs. 1 lit. k AuG in Verbindung mit Art. 49 Abs. 1 VZAE zu erteilen sei. D. In seiner Vernehmlassung vom 23. März 2012 beantragt der Regierungsrat, die Be- schwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Zur Begründung wird in erster Linie auf die Erwägungen im angefochte nen Beschluss verwiesen. In Bezug auf das gerügte Dispositiv in der Verfügung des AfM vom 22. August 2011 hält der Regierungsrat fest, dass die Formulierung tatsächlich fragwürdig sei. Ob das Erlöschen der Niederlassungs- bewilligung rückwirkend festgestellt worden sei oder nicht, spiele allerdings im vorliegenden Fall keine Rolle, denn Rechtswirkungen entfalte die besagte Verfügung erst ab der Feststellung vom 22. August 2011. Im Weiteren sei die Anwendung von Art . 61 Abs. 2 AuG nicht davon abhän- gig, ob die zuständigen Behörden auf die gesetzlichen B estimmungen aufmerksam gemacht hätten oder nicht. Feststehe, dass der Beschwerdeführer seit Dezember 2008 sich mehrheitlich im Iran aufhalte. Seine relativ kurzen Aufenthalte in der Schweiz seien als Besuchsaufenthalte im Sinne von Art. 79 Abs. 1 VZAE zu betrachten. Es seien vorliegend klare objektive Hinweise dafür vorhanden, dass er seinen Lebensmittelpunkt in s ein Heimatland verlegt habe. Die Erb- auseinandersetzung im Iran erkläre nicht, weshalb er sic h seit über drei Jahren mehrheitlich im Iran aufhalte. Die ständigen Abwesenheiten des Beschw erdeführers hätten sogar dazu geführt, dass seine Schweizer Ehefrau gegenüber dem AfM angege ben habe, sie sehe keine gemein- same Zukunft mehr mit ihrem Mann. Offenbar sei sie nich t einmal in der Lage gewesen, die Adresse des Beschwerdeführers im Iran anzugeben. Sollte der Beschwerdeführer und seine Ehegattin ihre Ehe tatsächlich wieder in der Schweiz le ben, stehe es ihnen frei, beim AfM die Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung zu bean tragen. Dies sei allerdings nicht Gegens- tand des vorliegenden Verfahrens, da die Erteilung ein er Aufenthaltsbewilligung nicht Gegens- tand der angefochtenen Verfügung sei. F. An der heutigen Hauptverhandlung werden der Beschw erdeführer persönlich und so- wie seine Ehefrau B.____ befragt. Für das Ergebnis die ser Befragungen wird auf das Verhand- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lungsprotokoll sowie auf die nachstehenden Erwägungen verwiesen. Die Parteien halten an ihren Anträgen und wesentlichen Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da der Be schwerdeführer Adressat des ange- fochtenen Entscheides ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung hat, die üb- rigen formellen Voraussetzungen erfüllt und sowohl die örtliche wie auch sachliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts gegeben sind, kann auf das in d er vorliegenden Beschwerde formu- lierte Hauptbegehren eingetreten werden. Bezüglich de s seitens der Beschwerdeführer formu- lierten Eventualantrages ist den Ausführungen des Regi erungsrats in dessen Vernehmlassung vom 23. März 2012 zuzustimmen. Die Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung fällt nicht in die Zuständigkeit des Kantonsgerichts. Mangels sachlicher Z uständigkeit des Kantonsgerichts kann auf den Eventualantrag somit nicht eingetreten werden. 2. In der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kogni- tion des Kantonsgerichts gemäss § 45 lit. a und b VPO d arauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen, ob der Be- schwerdegegner ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beur- teilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig ode r unvollständig festgestellt hat. Die Über- prüfung der Angemessenheit des vorinstanzlichen Entscheid es dagegen ist dem Kantonsge- richt verwehrt (§ 45 lit. c VPO e contrario). 3.1 Die Niederlassungsbewilligung wird unbefristet und ohne Bedingungen erteilt (Art. 34 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG]). Sie kann erlöschen (Art. 61 AuG) oder widerrufen werden (Art. 63 AuG). Die Niederlassungsbewilligung erlischt unter anderem durch Abmeldung (61 Abs. 1 lit. a AuG) oder wenn der Ausländer, ohne sich abzumelden, die Schweiz tatsächlich für mehr als sechs M onate verlässt (Art. 61 Abs. 2 Satz 1 AuG). Art. 61 Abs. 2 AuG entspricht in Bezug auf die Niederlassungsbewilligung Art. 9 Abs. 3 lit. c des ausser Kraft gesetzten Bundesgesetzes vom 26. März 19 31 über Aufenthalt und Nieder- lassung der Ausländer (ANAG), weshalb die dazu ergangene Rechtsprechung massgebend bleibt (Urteil des Bundesgerichts 2C_853/2010 vom 22. März 2011) Auf Grund des klaren Ge- setzeswortlauts genügt für ein Erlöschen infolge eines s echsmonatigen Auslandaufenthalts das formale Kriterium eines solchen Aufenthalts (BGE 120 Ib 372 f.; 112 Ib 2 f.; Urteile des Bundes- gerichts 2C_853/2010 vom 22. März 2011 und 2C_43/2011 vo m 4. Februar 2011). Es spielt insbesondere keine Rolle, ob die rechtzeitige Rückkehr i n die Schweiz freiwillig oder unfreiwillig unterblieben ist, ob der Ausländer seinen Lebensmittel punkt verlegt hat bzw. verlegen wollte oder von Beginn an vorgesehen hatte, in die Schweiz zurü ckzukehren. Die Niederlassungsbe- willigung erlischt selbst dann, wenn sich der Ausländer aus gesundheitlichen Gründen oder sonst unfreiwillig im Ausland befindet, weil er zum Beispiel inhaftiert wurde (ZÜND /ARQUINT HILL , Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht in Uebersax et al. [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 8.9; vgl. auch neurechtlich Art. 79 Abs. 1 VZAE). 3.1 Der Ausländer hat die Möglichkeit, das Begehren zu st ellen, dass seine Niederlas- sungsbewilligung trotz Auslandaufenthalts während vierer Jahre aufrechterhalten werde (Art. 61 Abs. 2 Satz 2 AuG). Das Gesuch muss vor Ablauf der sechsmona tigen Frist bei der kantonalen Ausländerbehörde eingereicht werden (Art. 79 Abs. 2 Ve rordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE]). Di ese entscheidet darüber in eigener Kompetenz und nach freiem Ermessen. Nach bundesgerichtli cher Rechtsprechung fällt die Be- rufung auf eine allfällige Unkenntnis dieser gesetzlich en Regelung ausser Betracht (Entscheid des Bundesgerichts 2A.514/2003 vom 5. November 2003). Keh rt der Ausländer vor Ablauf der verlängerten Frist in die Schweiz zurück, genügt dies zur B eibehaltung der Bewilligung, ausser wenn der Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt worden u nd eine definitive Rückkehr in die Schweiz nicht geplant ist. Diesbezüglich kommt die Rechts prechung nicht darum herum, doch den Mittelpunkt der Lebensverhältnisse in die Beurteilun g miteinzubeziehen und dementspre- chend zu würdigen (A NDREAS ZÜND , Beendigung der ausländerrechtlichen Anwesenheitsbe- rechtigung [Anwesenheitsberechtigung], in: Aktuelle Fr agen des schweizerischen Ausländer- rechts, St. Gallen 2001, S. 134). Nicht auf formale Kr iterien wird demnach abgestellt, wenn der Ausländer während eines grösseren Zeitraums landesabwesend ist und jeweilen vor Ablauf von sechs Monaten für beschränkte Zeit in die Schweiz zurückkehrt , dies aber bloss zu Geschäfts- oder Besuchszwecken tut. Bei solchen Aufenthalten in der Schweiz kann in der Regel nicht von einer Unterbrechung der Landesabwesenheit gesprochen w erden, unter Umständen selbst dann nicht, wenn der Ausländer in der Schweiz noch eine Wohnung zur Verfügung hat. Kurzbe- suche in der Schweiz etwa zu Geschäftszwecken unterbrechen d emnach die Sechsmonatsfrist nicht (BGE 120 Ib 372). Ausgenommen sind hiervon z.B. Ju gendliche, die eine Ausbildung im Ausland absolvieren und nur die Ferien bei den Angehörigen in der Schweiz verbringen (vgl. die Beispiele und Hinweise auf die Rechtsprechung bei Z ÜND , Anwesenheitsberechtigung, S. 134 ff.). Gerade in Fällen – längere Aufenthalte im Hei matland, wiederholte Rückkehr in die Schweiz, kurze Aufenthalte in der Schweiz – lässt die Re chtsprechung somit eine materielle Betrachtungsweise zu. Zur Beurteilung, ob die Niederlassungsbewilligung erloschen ist, wird die Frage nach dem Lebensmittelpunkt zum ausschlaggebenden Kriterium erhoben (Entscheid des Bundesgerichts 2A.31/2006 vom 8. Mai 2006 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Die Frage nach dem Lebensmittelpunkt einer Person ka nn in der Regel nicht anhand von Beweisen, sondern bloss aufgrund von Indizien beantwortet werden. Der in Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 verankerte Grundsatz "in dubio pro reo" gilt nur für d en Strafrichter als Beweiswürdigungsregel. Im vorliegenden Fall ist es praktisch nur aufgrund von In dizien, also durch indirekte mittelbare Beweise möglich, die mehrheitliche Auslandabwesenheit des Beschwerdeführers bzw. die Ver- legung seines Lebensmittelpunktes in sein Heimatland n achzuweisen. Ein Indizienbeweis ist daher praxisgemäss zulässig (vgl. BGE 127 II 49 ff. betre ffend Erlöschen der Niederlassungs- bewilligung). Der Beschwerdeführer hat allerdings die Möglichkeit, seine Behauptung zu sub- stanziieren und ist nach Treu und Glauben auch gehalten , zum Beweis des Gegenteils beizu- tragen. In diesem Zusammenhang ist auf die Mitwirkung spflicht der Parteien hinzuweisen, wel- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht che die vorliegend geltende Untersuchungsmaxime relativie rt. Die Mitwirkungspflicht gilt insbe- sondere für Ausländer, die wie hier Rechte geltend mach en, und für die Erstellung von Tatsa- chen, die eine Partei besser kennt als die Behörden und welche diese ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand ermitteln können (vgl. PETER UEBERSAX , in Uebersax et al. [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 7. 273 f.). Art. 90 lit. b AuG sieht überdies aus- drücklich eine Beweisbeschaffungspflicht vor. 4. Der Regierungsrat stützte sich in seinem Entscheid unte r anderem auf die Aufstellung der Auslandaufenthalte des Beschwerdeführers sowie die Au ssagen des Beschwerdeführers und der Ehefrau des Beschwerdeführers. Dass die Auslandau fenthalte des Beschwerdeführers seit Dezember 2008 berücksichtigt wurden, ist nicht zu beanstanden, ist doch vorliegend strittig, ob er seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verschoben hat , und dafür ist die Beurteilung nicht auf den Zeitraum nach der Erteilung der Niederlassungs bewilligung zu beschränken. Gestützt auf die Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer in de r Zeit vom 12. Dezember 2008 bis 6. September 2011, das heisst innerhalb von 33 Monaten insg esamt 25 Monate in seiner Heimat bzw. bloss ca. acht Monate in der Schweiz verbracht. Bere its am 10. November 2011 reiste er wiederum in den Iran und kehrte nach seinen heutigen Aussagen am 20. Juni 2012 in die Schweiz zurück. Diese - vom Beschwerdeführer nicht bestritt ene - Tatsache, wonach er sich seit Dezember 2008 vorwiegend im Heimatland aufgehalte n hat, lässt durchaus den Schluss zu, dass sich sein Lebensmittelpunkt im Iran befindet, auch wenn seine Ehefrau in der Schweiz lebt und er sie gelegentlich besucht. Die Annahme find et weiter eine Stütze darin, dass seine Familie im Iran eine 7 ha grosse Orangenplantage betr eibt und der Beschwerdeführer seit dem Tode seines Vaters, d.h. seit Dezember 2008 auf dieser Plantage - die er heute gar "seine Plan- tage" nennt - arbeitet und er das Unternehmen, das ei nen Angestellten beschäftigt, leitet. Of- fensichtlich verdient er damit das zum Lebensunterhalt N otwendige, geht er doch seit Novem- ber 2007 in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit mehr nach und wie seine Ehefrau heute erklärt, kommt er für seinen Lebensunterhalt im Iran, die Flüg e, seine Kleider selbst auf und bezahlt hier gelegentlich etwas an das Essen, obwohl er geltend macht, die Plantage sei ein Defizitge- schäft. Weiter ist gestützt auf die Akten zu schliessen, dass de r Beschwerdeführer im Dezem- ber 2008 keine dauerhafte Rückkehr in die Schweiz gepla nt hat. Im Gegenteil sind die relativ kurzen Aufenthalte in der Schweiz zwischen Dezember 2008 un d Oktober 2011 lediglich als Besuchsaufenthalte zu würdigen, welche das Erlöschen ei ner Niederlassungsbewilligung nicht verhindern können (Art. 79 Abs. 1 VZAE). In diesem Zu sammenhang ist auf ein Urteil des Bun- desgerichts zu verweisen, indem es in einem obiter dictu m festhielt, dass ein Aufenthalt von knapp einem Monat in der Schweiz keinen Fristunterbruch bewirken könne (Urteil des Bundes- gerichts 2C_980/2010 vom 21. Juni 2011). Hinzuweisen ist schliesslich, dass selbst die Ehefrau des Beschwerdeführers den Eindruck hat, dass ihr Ehemann lieber im Iran als in der Schweiz wohne, sei er doch seit dem Tod seines Vaters praktisch nie hier, was sie wütend mache. Der Beschwerdeführer bringt wiederholt vor, dass er in der Schweiz im Jahre 2005 die Bauunter- nehmung C.___ begründet habe, doch hat er keinerlei B elege dafür angeboten, mit welchem Einsatz er diesen Betrieb in der fraglichen Zeit tatsächlich geführt hat. Heute sagte er aus, dass er lediglich einen einzigen Auftrag gehabt habe, übe r den er nicht einmal abgerechnet habe. Sein Einwand bezüglich eigener Firma vermag auf jede n Fall an der Schlussfolgerung, dass sein Lebensmittelpunkt seit Dezember 2008 im Iran lag, nichts zu ändern. Zudem gibt es ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stützt auf die Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass sich vor liegend eine andere Schlussfolge- rung aufdrängen würde. Zusammenfassend kommt das Kantonsgericht wie schon die Vor instanzen zum Schluss, dass die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers erlo schen ist, da er seinen Lebensmit- telpunkt für längere Zeit ins Ausland verlegt hatte. D ie Beschwerde gegen den Entscheid des Regierungsrates, welcher das Erlöschen der Niederlassung sbewilligung feststellt bzw. die ent- sprechende Feststellung des AfM schützt, ist mithin unbegr ündet und abzuweisen. Dabei ist lediglich noch zu erwähnen, dass das Dispositiv in der Festst ellungsverfügung des AfM - wie der Regierungsrat zu Recht festhält - "ungeschickt" form uliert ist, aber dass dennoch klar fest- steht, dass erst die Eröffnung der Verfügung des AfM vom 22. August 2011 Rechtswirkungen (Erlöschen der bestehenden Niederlassungsbewilligung) g egenüber dem Beschwerdeführer entfalten konnte. 5. Es verbleibt über die Kosten für das Verfahren vor Ka ntonsgericht zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO werden im verwaltungsgerichtliche n Beschwerdeverfahren grund- sätzlich Verfahrenskosten erhoben. Diese werden in der R egel der unterliegenden Partei aufer- legt. Nachdem der Beschwerdeführer mit seinen Begehren nicht durchgedrungen ist, werden ihm die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- auferlegt. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kosten vorschuss von Fr. 2'100.-- verrechnet. Der zuviel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 300.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber