Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. Oktober 2018 (810 18 108) ____________________________________________________________________ Personalrecht Kündigung während der Probezeit / Verletzung des rechtlichen Gehörs Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Niklaus Ruckstuhl, Hans Furer, Stefan Schulthess , Yves Thommen, Gerichtsschreiber Sandro Jaisli Beteiligte A.____ , vertreten durch Nadja Burkhardt , Advokatin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Schulrat der Primarschule B.____ , Beschwerdegegner Betreff Kündigung während der Probezeit (RRB Nr. 51 4 vom 10. April 2018) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit unbefristetem Arbeitsvertrag vom 14. bzw. 15. M ärz 2017 wurde A.____ per 1. Au- gust 2017 als Schulleiterin der Primarschule B.____ mi t einem Beschäftigungsgrad von 39.29 % angestellt. Zufolge diverser Meinungsverschieden heiten und Unstimmigkeiten zwi- schen den Lehrpersonen und A.____ gelangte ein Grosstei l des Lehrerkollegiums mit Schrei- ben vom 2. Oktober 2017 an A.____ und drückte darin se ine Unzufriedenheit mit der Schullei- tung aus. Das Schreiben ging in Kopie auch an den Schulrat. B. Daraufhin fand am 3. Oktober 2017 ein Gespräch zwisch en A.____ und dem Schulrat statt. Die Schulleitung wurde darin aufgefordert, zum Schreiben der Lehrerschaft vom 2. Okto- ber 2017 mündlich oder schriftlich Stellung zu nehmen. Zudem wurde A.____ darauf hingewie- sen, dass der Schulrat diesbezüglich das Gespräch mit den Lehrern suchen werde. C. Mit Schreiben vom 17. Oktober 2017 nahm A.____ St ellung zu den Unzufriedenheiten und Vorwürfen der Lehrerschaft ihr gegenüber. Dieses S chreiben ging in Kopie an den Schul- rat. D. Am 20. Oktober 2017 hörte der Schulrat diejenigen Lehrer an, welche sich über A.____ beschwerten. Im Anschluss an diese Anhörung besprach der Schulrat das weitere Vorgehen. Er kam insbesondere zum Schluss, dass die Situation zu verfahre n sei, um noch gekittet zu wer- den. Deshalb beschloss er, der Schulleiterin zu kündigen. E. Mit Schreiben vom 25. Oktober 2017 lud der Schulra t A.____ zur Stellungnahme be- treffend die Auflösung des Arbeitsverhältnisses während der Probezeit ein. Daraufhin gelangte A.____ mit Schreiben vom 2. November 2017 an den Schul ratspräsidenten und teilte diesem mit, dass der Schulrat aktuell seine Personalführungsvera ntwortung nicht wahrnehme. Bezüg- lich der Einladung zur Gewährung des rechtlichen Gehör s hielt sie weiter fest, dass sie diese Einladung nicht nachvollziehen könne und für sie eine B egründung fehle. Da die Situation schwierig sei, schalte sie die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD), Stab Recht, ein. F. Ebenfalls am 2. November 2017 gelangte A.____ schrif tlich mit der Bitte an C.____ vom BKSD, den Schulrat B.____ in seiner Aufgabe der Personalführung zu unterstützen. G. Am 8. November 2017 fand die Anhörung von A.____ durch den Schulrat statt. Am selben Tag im Anschluss an die Anhörung traf sich der Schu lrat zu einer ausserordentlichen Sitzung und beschloss einstimmig, das Arbeitsverhältnis mit A.____ innerhalb der Probezeit per sofort aufzulösen und A.____ mit sofortiger Wirkung freizustellen. H. Mit der Kündigungsverfügung vom 9. November 2017, w elche A.____ persönlich über- bracht wurde, kündigte der Schulrat das Arbeitsverhältnis mit A.____ während der Probezeit mit einer Kündigungsfrist von 30 Tagen auf den 11. Dezember 2017. I. Gegen diese Kündigungsverfügung erhob A.____, vert reten durch Urs Grob, Advokat in Reinach, am 16. November 2017 Beschwerde beim Regi erungsrat des Kantons Basel-Land- schaft (Regierungsrat). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 20. Dezember 2017 reichte A.____, neu vertreten du rch Nadja Burkhardt, Advokatin in Reinach, ihre ausführliche Beschwerdebegründung ein. J. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 514 vom 10. Apr il 2018 wies der Regierungsrat die Beschwerde ab. Es sei weder das rechtliche Gehör ver letzt worden, noch liege eine sach- lich unrechtmässige Kündigung vor. Schliesslich sei die Kündigung auch verhältnismässig. K. Mit Eingabe vom 20. April 2018 erhob A.____, nach wie vor vertreten durch Nadja Burkhardt, gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 10. April 2018 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, der RRB vom 10. April 2018 sowie die Kündigungsverfügung vo m 9. November 2017 seien aufzu- heben. Eventualiter sei festzustellen, dass die Kündigung vom 9. November 2017 unrechtmäs- sig sei, und es sei der Beschwerdeführerin eine Entschädig ung in der Höhe von drei Monats- löhnen zuzusprechen. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an den Regie- rungsrat zurückzuweisen, alles unter o/e-Kostenfolge. Wei ter stellte sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht verschiedene Anträge. L. Mit Eingabe vom 12. Juni 2018 liess sich der Schulrat ve rnehmen und beantragte unter Verweisung auf seine Stellungnahme vom 8. Januar 2018 im vorinstanzlichen Verfahren die Abweisung der Beschwerde. M. Mit Eingabe vom 18. Juni 2018 liess sich die Vorinstanz vernehmen und beantragte die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Sie f ührte zusammenfassend erneut aus, dass die vorliegende Kündigung während der Probezeit sa chlich gerechtfertigt sei und dass keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgeset zlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Be- schwerde gegeben. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur B eschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Die Beschwerdeführerin als Adressatin des angefochtenen Entscheids weist ohne weiteres ein schutzwürd iges Interesse an dessen Aufhe- bung auf. Da auch die übrigen formellen Voraussetzung en gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht fen, ob der Regierungsrat ein allfälliges Ermessen rech tsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unri chtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Ka ntonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Strittig und zu prüfen ist, ob die Kündigung der Beschwerdeführerin während der Pro- bezeit zu Recht ausgesprochen wurde. 4.1 Mit ihrer Beschwerdebegründung vom 23. Mai 2018 ma cht die Beschwerdeführerin zunächst eine mehrfache Verletzung ihres Anspruchs auf re chtliches Gehör geltend. Sie mo- niert, dass der Entscheid des Schulrats zum Zeitpunkt der Gewährung des rechtlichen Gehörs bereits festgestanden habe und damit ihr Recht auf vo rgängige Anhörung verletzt worden sei. Entsprechend sei die Anhörung der Beschwerdeführerin vo m 8. November 2017 nicht ent- scheidoffen erfolgt, sondern sei eine reine Farce gewe sen. Zudem habe sich der Schulrat nicht genügend mit ihren Ausführungen auseinandergesetzt un d die Kündigungsverfügung sei nicht rechtsgenüglich begründet worden. Des Weiteren rügt die Beschwerdeführerin, dass die Kündi- gungsverfügung das Verhältnismässigkeitsprinzip verletze und – mangels Vorliegens sachlicher Kündigungsgründe – zudem missbräuchlich sei. Schliesslich s ei die Kündigung aufgrund von § 19 Abs. 5 lit. a des Gesetzes über die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kantons (Personalgesetz) vom 25. September 1997, de r auch auf Kündigungen während der Probezeit anwendbar sei, unzulässig, weil die Besch werdeführerin das Bildungsgesetz ha- be durchsetzen wollen. 4.2 Der Schulrat führte in seiner Stellungnahme im vor instanzlichen Verfahren vom 8. Januar 2018 aus, dass eine wirksame Anhörung der Besch werdeführerin mit Sicherheit ge- währt worden sei. Die Entscheidoffenheit sei klar kommun iziert worden und die Entscheidbe- gründung sei im Kündigungsschreiben enthalten. Das recht liche Gehör sei der Beschwerdefüh- rerin zur Genüge gewährt worden. Auch der Regierungsr at ist der Ansicht, dass der Schulrat – trotz des Inhalts seiner Aktennotiz zum 20. Oktober 2017 – im Zeitpunkt der Gewährung des rechtlichen Gehörs entscheidoffen gewesen sei. Diese Aktenn otiz zum 20. Oktober 2017 sei unter Würdigung der Gesamtumstände so zu verstehen, da ss der Schulrat am 20. Oktober 2017 bloss beschlossen hatte, ein Kündigungsverfahren einz uleiten, wobei eine allfällige Kün- digung erst in einem dritten Schritt und insbesondere nach einer vorgängigen Anhörung der Beschwerdeführerin habe erfolgen sollen. Zudem sei die Beschwerdeführerin vollständig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe und Beschwerden im Bild gewesen. Auch sei dem Umstand, dass sich das Arbeitsverhältnis nach wie vor in der Probeze it befunden habe, Rechnung zu tra- gen, indem keine zu hohen Anforderungen an die Gewäh rung des rechtlichen Gehörs gestellt werden dürften. Die Kündigung sei deshalb formell kor rekt erfolgt, sei sachlich gerechtfertigt und auch verhältnismässig. 5.1 Die Garantie des rechtlichen Gehörs hat für das re chtsstaatliche Verfahren eine zentra- le Bedeutung (Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Ver fassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 5. September 2007 [810 06 199] E. 9.1). Der Anspruch auf vorgängige Anhörung als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ist formeller Natur ( vgl. BGE 127 I 132 f. E. 4c). Dies bedeu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tet, dass seine Missachtung die Aufhebung des angefochtene n Entscheides zur Folge hat, un- geachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sac he selbst (BGE 126 V 132 f. E. 2b, 122 II 469 E. 4a, KGE VV vom 5. September 2007 [810 06 199] E. 9.3). Es kommt demnach nicht darauf an, ob irgendwelche Aussichten bestehen, d ass die Behörde nach richtiger Anhö- rung des Beschwerdeführers zu einer Änderung ihres Entsch eides gelangen könnte (BGE 126 V 132 E. 2b, 125 I 118 E. 3, 124 V 389 E. 1). Die f ormelle Rüge betreffend eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist daher im Folgenden vor einer allf älligen inhaltlichen Beurteilung zu prü- fen. 5.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, wel cher in die Rechtsstellung des Einzel- nen eingreift (vgl. G EROLD STEINMANN , in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg. ], Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar , Zürich/Basel/St. Gallen 2014, N 42 zu Art. 29 BV). Dazu gehört insbesondere das Re cht des Betroffenen, sich vor Erlass ei- nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen g ehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zuminde st zum Beweisergebnis zu äus- sern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinfl ussen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_146/2014 vom 26. Juni 2014 E. 4.3.2). Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 I 279 E. 2.3; 135 II 286 E. 5.1; 132 V 368 E. 3.1, jeweils mit Hinweise n; Urteil des Bundesgerichts 8C_110/2013 vom 2. September 2013 E. 8.1; KGE VV vom 25. Januar 20 17 [810 16 134] E. 3.3.1). Der An- spruch auf rechtliches Gehör besteht unbestritten auch i m öffentlichen Personalrecht und ist insbesondere im Vorfeld der Auflösung sowie bei der A uflösung des Arbeitsverhältnisses mit einem öffentlich-rechtlichen Angestellten in all seinen Teilgehalten zu beachten (vgl. T OBIAS JAAG , Das öffentliche Dienstverhältnis im Bund und im Kanto n Zürich – ausgewählte Fragen, Zentralblatt [ZBl] 1994, S. 461 ff.). 5.3 Das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung ( "Anspruch auf rechtliches Gehör i.e.S.") weist einen engen Bezug zur Menschenwürde auf ( LORENZ KNEUBÜHLER , Gehörsverlet- zung und Heilung, ZBl 1998, S. 99). Der Mensch ist nicht nur als Objekt, sondern auch als Sub- jekt staatlicher Verfahren ernst zu nehmen; es soll nicht über ihn "verfügt" werden, sondern er ist in den ihn betreffenden Entscheidprozess einzubeziehen mit der Möglichkeit, seine Sicht, Argumente und Widersprüche frühzeitig äussern zu können . Die beteiligte Privatperson soll im Hinblick auf ihre persönliche Eigenwürde nicht ohne vorh erige Anhörung rechtlich belastet wer- den (statt vieler BGE 117 Ia 262 E. 4b; KGE VV vom 5. September 2007 [810 06 199] E. 9.2). Mit dem Anspruch auf effektive Mitwirkung korrespondiert, dass die Behörde die Vorbringen der Beteiligten tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt sowie ihren Entscheid vor diesem Hinter- grund begründet. Darzulegen sind der zugrunde gelegt e Sachverhalt und die rechtliche Würdi- gung, d.h. die Überlegungen, von denen sich die Behö rde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid gestützt hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_2 19/2015 vom 20. November 2015 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3.1). Gleichsam das Kernelement des rechtlichen Gehör s ist das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen einen Einfluss auf die Ermittlung des we- sentlichen Sachverhalts sichert. Die Behörde muss diese Äu sserungen zur Kenntnis nehmen und sich damit in der Entscheidfindung und -begründung sachgerecht auseinandersetzen (KGE VV vom 27. Juli 2016 [810 15 223] E. 3.3). 5.4 Im Einzelnen lässt sich nicht generell, sondern unter Würdigung der konkreten Interes- senlage beurteilen, wie weit das Äusserungsrecht geht. Wegleitend muss der Gedanke sein, einer Partei zu ermöglichen, ihren Standpunkt wirksam zu vertreten. Im öffentlichen Dienstrecht können auch relativ informelle Äusserungsgelegenheiten vor der Kündigung dem verfassungs- rechtlichen Gehöranspruch genügen, sofern dem Betroffene n klar war, dass er mit einer sol- chen Massnahme zu rechnen hatte. Dabei hat der Betroffene nicht bloss die ihm zur Last geleg- ten Tatsachen zu kennen, sondern er muss darüber hinaus auch wissen, dass gegen ihn eine Verfügung mit bestimmter Stossrichtung in Erwägung gezogen wird (vgl. Urteile des Bundesge- richts 8C_158/2009 vom 2. September 2009 E. 5.2; 2P.24 1/1996 vom 27. November 1996 E. 2c). Der Anspruch auf rechtliches Gehör gilt auch im öffentlichen Personalrecht in all seinen Teilgehalten (vgl. Ziff. 5.2 hiervor), und zwar uneingeschränkt. Im Rahmen der Kündigung eines Arbeitsverhältnisses darf die zuständige Behörde erst na ch Kenntnisnahme der gesamten ent- scheidrelevanten Sachlage und mithin erst nach Anhörun g der betroffenen Person zu einer Entscheidung gelangen. Der Anspruch ist verletzt, wenn eine Entlassung schon vor der Anhö- rung faktisch feststeht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C _340/2014 vom 15. Oktober 2014 E. 5.2; KGE VV vom 25. Januar 2017 [810 16 134] E. 3.3.2; R UDOLF URSPRUNG /D OROTHEA RIEDI HUNOLD , Schwerpunkte der neueren bundesgerichtlichen Rechtspre chung zum öffentli- chen Personalrecht, ZBl 114/2013, S. 306; Handbuch für Schulräte und Schulleitungen zum rechtlichen Gehör). 6.1 Die Gewährung des rechtlichen Gehörs ist lediglich dann sinnvoll und stellt keinen Leerlauf dar, wenn es vorgängig gewährt wird. Es erfül lt nur dann seinen eigentlichen Zweck, nämlich der Verwaltung zu ermöglichen, in Kenntnis all er Umstände zu entscheiden, also auch in Kenntnis der Gründe, welche die Betroffene zu den Vorkommnissen und der ins Auge gefassten Sanktion vorbringt. Vorliegend wird aus der Aktennotiz des Schulrates zum 20. Oktober 2017 ersichtlich, dass er zuerst die Lehrperso nen, welche sich gegen die Schullei- tung beschwert hatten, anhörte. In der Aktennotiz sind die Beanstandungen aufgeführt, welche die angehörten Lehrer vorgebracht hatten. In einer w eiteren Aktennotiz, ebenfalls vom 20. Ok- tober 2017, wird festgehalten: "Treffen des Schulrate s: Besprechung des weiteren Vorgehens". Daraus wird ersichtlich, dass der Schulrat am 20. Oktober 2017 im Anschluss an die Anhörung der Lehrpersonen sich getroffen und intern (also inner halb des Schulrates) das weitere Vorge- hen besprochen hatte. Inhaltlich wird in dieser Noti z wörtlich festgehalten: "Drohungen, Termin- versäumnisse, Angstmacherei und Schludrigkeit werden vom S chulrat nicht akzeptiert. Der Schulrat ist einstimmig der Meinung, dass die Situation zu verfahren ist, um noch entschärft werden zu können. Dieses Gefüge kann nicht mehr gekitte t werden. Auch ist der Schulrat der Meinung, dass die Lehrpersonen alle Probleme mit der Schulleitung haben und nicht nur 1-2 Personen (Hexenjagd). Der Schulrat beschliesst, der Schu lleiterin zu künden." Danach folgt in der Aktennotiz ein nächster Absatz, welcher mit "das wei tere Vorgehen" betitelt ist. Dieser ist in Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht drei Schritte gegliedert: 1. Besprechung mit dem Amt für Volksschulen (AVS) und dem Rechts- dienst, 2. Eventuell nochmal ein Gespräch zwischen dem Schulrat und der Schulleitung und 3. Kündigung. Abgeschlossen wird der Absatz schliesslich mit dem Satz: "Nach der Kündigung hat die Schulleitung die Möglichkeit, Einspruch zu erh eben." Aus diesem Dreistufenprogramm schloss der Regierungsrat, dass der Schulrat – trotz der en tsprechenden Formulierung – am 20. Oktober 2017 die Kündigung der Beschwerdeführerin noch nicht definitiv beschlossen habe. 6.2 Dieser Einschätzung kann aus den nachfolgenden Gründ en nicht gefolgt werden. Ent- scheidend erscheint vorliegend bereits die Zitatstelle, dass der Schulrat einstimmig der Meinung sei, dass die Situation nicht mehr zu retten sei, und e r deshalb beschliesse, der Schulleiterin zu kündigen. Klarer und unmissverständlicher kann man nicht ausdrücken, dass die Meinung des Schulrates unabhängig von der Anhörung der Beschwerdefü hrerin bereits gemacht ist. Der Schulrat fügt denn auch hinzu, dass die Situation zu ver fahren sei, um noch entschärft werden zu können, respektive dass dieses Gefüge nicht mehr gekitt et werden könne. Selbst wenn sich der Schulrat bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst gewesen wäre, dass noch eine Anhörung der Schulleiterin erfolgen muss und erst danach die Kündigung ausgesprochen werden kann bezie- hungsweise darf, dann wäre diese Anhörung allein um de r Formvorschrift Genüge zu tun er- folgt, nicht aber um sich zu informieren, bevor man de n Kündigungsentscheid fällt. Unabhängig davon wird aus der vorliegenden Aktennotiz durch die F ormulierung " eventuell nochmal Ge- spräch Schulrat-Schulleitung" deutlich, dass der Schulrat am 20. Oktober 2017 nicht davon ausging, dass er die Beschwerdeführerin zwingend zuerst a nhören muss, bevor er die Kündi- gung definitiv beschliessen kann beziehungsweise darf. Au ch dass das Wort "Kündigung" erst als dritter Punkt erwähnt wird, ändert an diesem Verständnis nichts, denn diese unter Punkt drei aufgeführte Kündigung ist nur noch der formale Vollzu g dessen, was vorher, und zwar am 20. Oktober 2017, bereits beschlossen worden ist. 6.3 Somit hat zufolge der fehlenden Entscheidoffenhei t des Schulrats bei der Anhörung der Beschwerdeführerin vom 8. November 2017 keine tatsächli che vorgängige Anhörung stattge- funden und ihr Anspruch auf rechtliches Gehör wurde da durch verletzt. Das Kantonsgericht hat im Zusammenhang mit Kündigungsfällen wiederholt (vgl. insbesondere KGE VV vom 27. Juli 2016 [810 15 223] E. 3.9, KGE VV vom 11. Januar 2012 [810 11 122] E. 3.2 und KGE VV vom 5. September 2007 [810 06 199]) festgehalten, dass ein e nicht entscheidoffene Anhörung den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Es gibt keinen Gr und, vorliegend von dieser Praxis abzuweichen. Daran ändert auch das Urteil des Bundesgeri chts 8C_158/2009 vom 2. Septem- ber 2009 (vgl. insbesondere E. 5.2) nichts, da die Beschwerdeführerin am 20. Oktober 2017 gar nicht angehört wurde und beim Gespräch mit dem Schulrat vom 3. Oktober 2017 die Kündigung noch gar kein Thema war. Eine dem Gehörsanspruch genü gende Anhörung der Beschwerde- führerin betreffend eine mögliche Kündigung hat jede nfalls bis zum 20. Oktober 2017 in keiner Art und Weise stattgefunden. Die Anhörung vom 8. Novem ber 2017 war dagegen eine reine Formalität, da der definitive Kündigungsentscheid (wie unter Ziff. 6.2 hiervor aufgezeigt) bereits am 20. Oktober 2017 gefasst worden war. Damit relativ informelle Äusserungsgelegenheiten vor der Kündigung dem verfassungsmässigen Gehörsanspruch gen ügen können, setzt das Bundesgericht weiter voraus, dass die Betroffenen nicht b loss die ihnen zur Last gelegten Tat- sachen kennen, sondern darüber hinaus auch wissen müssen, d ass gegen sie eine Verfügung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit bestimmter Stossrichtung in Erwägung gezogen wird ( vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_158/2009 vom 2. September 2009 E. 5.2). In den vor liegend relevanten Zeitpunkten (2., 3., 17. und 20. Oktober 2017) musste und konnte d ie Beschwerdeführerin nicht wissen, dass gegen sie eine Kündigungsverfügung in Erwägung gezogen wird. Bereits aus diesem Um- stand können die allfälligen relativ informellen Äusser ungsgelegenheiten vor der Kündigung vorliegend dem verfassungsmässigen Gehörsanspruch nicht genügen. Der Umstand, dass sich das Arbeitsverhältnis noch in der Probezeit befand, schlä gt sich schliesslich nur darin nieder, dass an die Kündigungsgründe – nicht aber an das forme lle Vorgehen – geringere Anforderun- gen zu stellen sind. 6.4 Die Frage, ob und wenn ja in welchem Umfang der Beschwerdeführerin eine Entschä- digung zuzusprechen ist, hat primär die Anstellungsbehö rde, spätestens aber der Regierungs- rat zu entscheiden. Würde das Kantonsgericht vorliegend d arüber entscheiden, würde es sein Ermessen an die Stelle der vorgeschalteten Behörden ste llen, was nach § 45 VPO nicht zuläs- sig ist. Deshalb ist die Sache zur Beurteilung der Frage nach einer Entschädigung an die Vorinstanz zurückzuweisen, welche ohnehin über die Kosten in ihrem Verfahren neu zu befin- den haben wird. 6.5 Eine Verletzung des Anspruchs auf persönliche Anhö rung führt ungeachtet der Erfolg- saussichten der Beschwerde in der Sache selbst grundsätzli ch zur Aufhebung der angefochte- nen Verfügung (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.2 mit Hinweise n). Darauf kann in nicht besonders schwerwiegenden Fällen verzichtet werden, wenn die betro ffene Person sich vor einer Rechts- mittelinstanz äussern kann, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüft; zudem darf dem Betroffenen daraus kein Nachteil erwach sen (vgl. BGE 138 III 225 E. 3.3; BGE 135 I 279 E. 2.6; BVGE 2009/61 E. 4.1.3 je mit Hinweisen). Diese sogenannte "Heilung" ist aber in der Regel ausgeschlossen, wenn es sich um eine besonders schwerwiegende Ver- letzung der Parteirechte handelt. Selbst dann kann je doch ausnahmsweise von einer Rückwei- sung der Sache an die Vorinstanz abgesehen werden, wenn und soweit dies zu einem "forma- listischen Leerlauf" und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurt eilung der Sache nicht zu vereinbaren wä- ren (vgl. KGE VV vom 18. Juni 2014 [810 13 350] E. 4.1; KGE VV vom 11. Januar 2012 [810 11 122] E. 3 ff. und KGE VV vom 5. September 2007 [810 06 199] E. 9; BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 133 I 201 E. 2.2; BGE 132 V 387 E. 5.1). 6.6 Das Kantonsgericht verfügt im vorliegenden Fall nich t über die gleiche Kognition wie der Beschwerdegegner und ist nicht zur Angemessenheitsüberprüfung befugt (vgl. E. 2 hiervor), weshalb eine Heilung der Verletzung des Anspruchs auf re chtliches Gehör bereits aus diesem Grund ausser Betracht fällt. Bei dieser Sachlage ist auf die weiteren formellen und materiellen Rügen der Beschwerdeführerin nicht weiter einzugehen. Die Beschwerde ist daher gutzuheis- sen und der Entscheid des Regierungsrates Nr. 514 vom 1 0. April 2018 sowie die Kündigungs- verfügung vom 30. Juli 2015 sind aufzuheben. 7.1 Es bleibt noch über die Kosten zu befinden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt. Den Vorinstanzen wer- den keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- zurückzuerstatten. 7.3 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. En tsprechend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung zulasten der Beschwerdegegner zuzusprechen. Der mit Honorarnote vom 3 . August 2018 geltend gemachte Aufwand von Fr. 6'449.60 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWS T) ist nicht zu beanstanden. Damit tragen der Regierungsrat und der Schulrat die Parteiko sten der Beschwerdeführerin von Fr. 6'449.60 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) je zur Hä lfte und haben ihr somit eine Parteient- schädigung von je Fr. 3'224.80 auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden der Entscheid des Regierungs- rates Nr. 514 vom 10. April 2018 sowie die Kündigungs verfügung des Schulrates B.____ vom 09. November 2017 aufgehoben. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten de s vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- wird der Beschwerdef ührerin zu- rückerstattet. 4. Der Regierungsrat und der Schulrat B.____ haben der B eschwerdefüh- rerin je zur Hälfte eine Parteientschädigung in der H öhe von Fr. 6'449.60 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST), also je Fr. 3'224.80, auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiber