<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 77 S.279</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">279</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>77 Rechtliches Gehör (§ 14 Abs. 1 AnwT). Solidarhaftung für die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Prozesskosten. Festsetzung der Parteientschädigung (§ 36 VRPG; § 8</b></span><br/> <span class="ft2"><b>AnwT).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Handhabung von § 14 Abs. 1 AnwT (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Solidarische Haftung des während des Beschwerdeverfahrens aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>scheidenden Konsorten (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Handhabung von § 8 AnwT nach der Abschaffung des Zwangstarifs</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3 a und b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 13. Dezember 2004 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen M. und Mitb. gegen Baudepartement.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">280</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1.</span> <span class="ft1">§ 14 Abs. 1 AnwT lautet:</span><br/> <span class="ft6">"Will die zuständige Instanz, welche die Parteientschädigung fest-</span><br/> <span class="ft6">legt, eine Kostennote nicht in der beanspruchten Höhe genehmi-</span><br/> <span class="ft6">gen, soll sie den Anwalt vor der Fällung des Entscheides in</span><br/> <span class="ft6">geeigneter Form anhören und auf dessen Begehren den Kosten-</span><br/> <span class="ft6">entscheid begründen."</span><br/> <span class="ft1">a) In einem früher beurteilten Fall (VGE III/82 vom 14. Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 2002 [BE.2002.00014] in Sachen P.) hatte das Baudepartement</span><br/> <span class="ft1">zwar dem betreffenden Anwalt von der beabsichtigten Kürzung der</span><br/> <span class="ft1">Kostennote Kenntnis gegeben, jedoch seinen Entscheid vor Ablauf</span><br/> <span class="ft1">der angesetzten Äusserungsfrist zugestellt. Das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">erblickte hierin keinen Verfahrensfehler. Es erwog dazu Folgendes:</span><br/> <span class="ft1">Über den Sinn und die Tragweite von § 14 Abs. 1 AnwT lasse sich</span><br/> <span class="ft1">der einschlägigen Botschaft des Regierungsrats an den Grossen Rat</span><br/> <span class="ft1">vom 7. September 1987 (im Folgenden: Botschaft) entnehmen (S. 9</span><br/> <span class="ft1">zu § 14):</span><br/> <span class="ft6">"Nach aargauischer Praxis soll das dem Anwalt zustehende Hono-</span><br/> <span class="ft6">rar mit der seiner Partei zugesprochenen Entschädigung überein-</span><br/> <span class="ft6">stimmen. Bei der Bemessung dieser Entschädigung wird also indi-</span><br/> <span class="ft6">rekt das Einkommen des Anwaltes festgesetzt. Bei dieser Trag-</span><br/> <span class="ft6">weite des Entschädigungsentscheides für den Anwalt rechtfertigt</span><br/> <span class="ft6">sich ein besonderes Anhörungsrecht."</span><br/> <span class="ft1">Die Regelung in § 14 Abs. 1 AnwT sei somit vor dem Hinter-</span><br/> <span class="ft1">grund des sogenannten Zwangstarifs zu sehen und auszulegen, d.h.</span><br/> <span class="ft1">des Grundsatzes, dass der Anwalt für seine Verrichtungen im Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren vor einem Gericht oder einer Verwaltungsbehörde mit seiner</span><br/> <span class="ft1">Partei keine höhere Entschädigung vereinbaren dürfe, als nach dem</span><br/> <span class="ft1">AnwT geschuldet sei (Botschaft, S. 2). Dieser Zwangstarif sei in der</span><br/> <span class="ft1">Zwischenzeit abgeschafft worden; der Anwalt dürfe nunmehr, mit</span><br/> <span class="ft1">Ausnahme der unentgeltlichen Rechtsvertretung und der amtlichen</span><br/> <span class="ft1">Verteidigung, mit seiner Partei eine vom Tarif abweichende</span><br/> <span class="ft1">Entschädigung vereinbaren (§ 39 Abs. 2 AnwG, Fassung vom</span><br/> <span class="ft1">9. September 1997, in Kraft seit dem 1. März 1998). Vor diesem</span><br/> <span class="ft1">Hintergrund relativiere sich die Bedeutung von § 14 Abs. 1 AnwT</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">entsprechend. Die Bestimmung diene heute in erster Linie noch</span><br/> <span class="ft1">dazu, den Begründungsaufwand der Gerichte und Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft1">hörden hinsichtlich des Kostenpunkts zu minimieren, da der nach</span><br/> <span class="ft1">Massgabe von § 14 Abs. 1 AnwT konsultierte Anwalt sein Einver-</span><br/> <span class="ft1">ständnis zur beabsichtigten Kürzung geben und somit eine Begrün-</span><br/> <span class="ft1">dung des Kürzungsentscheids entfallen könne. Eine Verletzung des</span><br/> <span class="ft1">Anspruchs auf rechtliches Gehör im eigentlichen Sinne stelle die</span><br/> <span class="ft1">Unterlassung der vorgängigen Anhörung gemäss § 14 Abs. 1 AnwT</span><br/> <span class="ft1">dagegen nicht dar, da einerseits der Anwalt mit der Einreichung</span><br/> <span class="ft1">seiner Kostennote seine Sicht der Dinge darlegen und insofern an</span><br/> <span class="ft1">deren Festsetzung mitwirken könne, anderseits die Anwendung des</span><br/> <span class="ft1">AnwT auf den sich aus den Akten ergebenden Streitwert und</span><br/> <span class="ft1">relevanten Verfahrensaufwand reine Rechtsanwendung darstelle (S. 7</span><br/> <span class="ft1">f. des erwähnten Entscheids).</span><br/> <span class="ft1">Diese Optik erweist sich nach nochmaligem Überdenken als zu</span><br/> <span class="ft1">eng. Der Dekretgeber wollte für einen speziellen Tatbestand ein An-</span><br/> <span class="ft1">hörungsrecht schaffen; dieser Begriff findet in § 14 Abs. 1 AnwT</span><br/> <span class="ft1">auch Verwendung. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sach-</span><br/> <span class="ft1">aufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-</span><br/> <span class="ft1">kungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechts-</span><br/> <span class="ft1">stellung des Einzelnen eingreift; dazu gehört - im Sinne der Mini-</span><br/> <span class="ft1">malgarantien gemäss Art. 29 Abs. 2 BV - insbesondere das Recht des</span><br/> <span class="ft1">Betroffenen, sich vor dem Erlass eines solchen Entscheids zu äussern</span><br/> <span class="ft1">(BGE 127 I 56 mit Hinweis). Die Wahrnehmung des Äusse-</span><br/> <span class="ft1">rungsrechts wiederum setzt naturgemäss voraus, dass der Betroffene</span><br/> <span class="ft1">über den wesentlichen Inhalt der belastenden Verfügung vorgängig in</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis gesetzt worden ist. Dies ist auch bei Anwendung von § 14</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 AnwT zumindest in jenen Fällen unabdingbar, in denen nicht</span><br/> <span class="ft1">bloss eine geringfügige, sondern eine erhebliche Herabsetzung der</span><br/> <span class="ft1">geltend gemachten Parteientschädigung beabsichtigt ist. Andernfalls</span><br/> <span class="ft1">bliebe § 14 Abs. 1 AnwT toter Buchstabe, und eine solche Annahme</span><br/> <span class="ft1">verbietet sich angesichts des eindeutigen Wortlauts der Bestimmung.</span><br/> <span class="ft1">Es wäre Sache des Dekretsgebers, eine entsprechende Anpassung</span><br/> <span class="ft1">vorzunehmen, wenn er zur Auffassung gelangen sollte, es sei mit der</span><br/> <span class="ft1">Abschaffung des Zwangstarifs eine neue Situation entstanden.</span><br/> <span class="ft1">Konkret ist also dem Anwalt von den ins Auge gefassten Korrekturen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">282</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kenntnis zu geben, verbunden mit einer kurzen Äusserungsfrist.</span><br/> <span class="ft1">Innert dieser Frist kann der Anwalt der rechtsanwendenden Behörde</span><br/> <span class="ft1">seine abweichende Meinung zur Kenntnis bringen und/oder</span><br/> <span class="ft1">verlangen, dass der Kostenentscheid begründet wird. Die Form, in</span><br/> <span class="ft1">welcher diese Anhörung erfolgt, stellt § 14 Abs. 1 AnwT der Behörde</span><br/> <span class="ft1">frei ("in geeigneter Form").</span><br/> <span class="ft1">b) Bei einer solchen Auslegung von § 14 Abs. 1 AnwT ist ein</span><br/> <span class="ft1">Verfahrensfehler des Baudepartements zu bejahen. Dieses hat von</span><br/> <span class="ft1">der Einholung einer aktualisierten Kostennote - zwischen der Ein-</span><br/> <span class="ft1">reichung der ersten Kostennote und der Entscheidfällung vergingen</span><br/> <span class="ft1">immerhin drei Jahre! - Umgang genommen und den Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer 1 zur sehr erheblichen Kürzung um 50% bzw. Fr. 10'281.-- auch</span><br/> <span class="ft1">nicht angehört. Durch die Äusserungsmöglichkeit im Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deverfahren ist der formelle Mangel freilich geheilt worden</span><br/> <span class="ft1">(BGE 120 V 362 f. und 121 V 156, je mit Hinweisen; AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 374; VGE III/72 vom 25. August 2003 [BE.2003.00021] in Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen K., S. 11). Der Verfahrensfehler wirkt sich aber im Kostenpunkt</span><br/> <span class="ft1">entsprechend aus (AGVE 1996, S. 384 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">2. Die Beschwerdeführer erachten es als nicht nachvollziehbar,</span><br/> <span class="ft1">dass das Baudepartement nur die E. AG als Verfahrensbeteiligte</span><br/> <span class="ft1">behandle, obwohl sie das Baugesuch seinerzeit zusammen mit W.B.</span><br/> <span class="ft1">eingereicht habe; es gehe deshalb nicht an, für den Parteikostenersatz</span><br/> <span class="ft1">nicht auch W.B. einstehen zu lassen.</span><br/> <span class="ft1">a) Baugesuchsteller waren W.B. und die E. AG gemeinsam; sie</span><br/> <span class="ft1">bildeten eine einfache Gesellschaft im Sinne von Art. 530 OR. Rich-</span><br/> <span class="ft1">tigerweise bezog dann das Baudepartement in dem sich an die Ertei-</span><br/> <span class="ft1">lung der Baubewilligung anschliessenden Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">beide Konsorten von Amtes wegen in das Verfahren ein (siehe</span><br/> <span class="ft1">AGVE 2003, S. 309 ff.).</span><br/> <span class="ft1">In einem Schreiben vom 4. Oktober 2000 an W.B. nahm das</span><br/> <span class="ft1">Baudepartement Bezug auf dessen telefonische Mitteilung, dass das</span><br/> <span class="ft1">Baugrundstück nicht mehr in seinem (Gesamt-)Eigentum stehe; im</span><br/> <span class="ft1">Weitern wurde W.B. u.a. darüber belehrt, dass er neben der E. AG für</span><br/> <span class="ft1">die Parteikosten solidarisch hafte. Mit Schreiben vom 31. Oktober</span><br/> <span class="ft1">2000 bestätigte W.B., dass "die einfache Gesellschaft E. AG und</span><br/> <span class="ft1">W.B. nicht mehr existent ist". In der Folge hat das Baudepartement</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">283</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nur noch die E. AG als Beschwerdegegnerin behandelt, auch in Be-</span><br/> <span class="ft1">zug auf die den Beschwerdeführern zugesprochene Parteientschädi-</span><br/> <span class="ft1">gung. Nach Meinung des Baudepartements handelt es sich um einen</span><br/> <span class="ft1">Parteiwechsel.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Mitglieder einer einfachen Gesellschaft haften grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich solidarisch für Verpflichtungen, welche sie Dritten gegen-</span><br/> <span class="ft1">über eingegangen sind (Art. 544 Abs. 3 OR). Dieses Prinzip kommt</span><br/> <span class="ft1">auch hinsichtlich der Prozesskosten zur Geltung. Demgemäss haftet</span><br/> <span class="ft1">W.B. neben der E. AG bis zu seinem Ausscheiden aus dem</span><br/> <span class="ft1">Bauherrenkonsortium bzw. aus dem Verwaltungsbeschwerdever-</span><br/> <span class="ft1">fahren solidarisch für die Bezahlung der gegenüber den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führern geschuldeten Parteientschädigung mit. Zum gleichen Er-</span><br/> <span class="ft1">gebnis gelangt man, wenn man wie das Baudepartement von einem</span><br/> <span class="ft1">Parteiwechsel (von W.B. zur bisherigen Mitkonsortin E. AG) ausgeht</span><br/> <span class="ft1">(siehe dazu Michael Merker, Rechtsmittel, Klage- und Normenkon-</span><br/> <span class="ft1">trollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtspflege [Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG], Zürich 1998,</span><br/> <span class="ft1">Vorbem. zu § 38 N 23); § 64 Abs. 3 ZPO schreibt für diesen Fall</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls vor, dass die austretende Partei neben der eintretenden für</span><br/> <span class="ft1">die bis zum Parteiwechsel entstandenen Kosten solidarisch haftet.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Falle bietet sich als Stichtag für die Solidar-</span><br/> <span class="ft1">haftung der 31. Oktober 2000 an. Die massgebende schriftliche Er-</span><br/> <span class="ft1">klärung von W.B., dass er als Gesellschafter ausgeschieden sei, trägt</span><br/> <span class="ft1">dieses Datum. Entsprechend ist im Zusammenhang mit der Partei-</span><br/> <span class="ft1">kostenfestsetzung die Abgrenzung vorzunehmen.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Das Baudepartement hat die vom Beschwerdeführer 1 mit</span><br/> <span class="ft1">Schreiben vom 4. Oktober 2000 eingereichte, auf den Gesamtbetrag</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 20'562.-- lautende Kostennote gestützt auf § 8 AnwT um</span><br/> <span class="ft1">50% auf den Betrag von Fr. 10'281.-- herabgesetzt. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer akzeptieren diese Kürzung nicht und verlangen die Festset-</span><br/> <span class="ft1">zung auf den Betrag von Fr. 20'599.--, einschliesslich der seit Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 2000 hinzugekommenen Aufwendungen.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Im Rechtsmittelverfahren beträgt das Honorar des An-</span><br/> <span class="ft1">walts in Verwaltungssachen je nach Aufwand 25-100% des nach den</span><br/> <span class="ft1">Regeln für das erstinstanzliche Verfahren berechneten Betrags (§ 8</span><br/> <span class="ft1">AnwT). Hinter dieser Kürzungsmöglichkeit steht die Überlegung des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">284</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Dekretgebers, dass der Anwalt in aller Regel für das zweitinstanzli-</span><br/> <span class="ft1">che Verfahren eher einen geringeren Aufwand habe als für das erstin-</span><br/> <span class="ft1">stanzliche; die Instruktion und die Abklärung der tatsächlichen</span><br/> <span class="ft1">Verhältnisse seien schon im erstinstanzlichen Verfahren weitgehend</span><br/> <span class="ft1">erfolgt, so dass im Rechtsmittelverfahren eine Reduktion des Hono-</span><br/> <span class="ft1">rars gerechtfertigt sei (Botschaft des Regierungsrats an den Grossen</span><br/> <span class="ft1">Rat vom 7. September 1987 betreffend das Dekret über die Entschä-</span><br/> <span class="ft1">digung der Anwälte, S. 7 zu § 8; siehe auch AGVE 1989, S. 287).</span><br/> <span class="ft1">Hieraus schloss das Verwaltungsgericht, dass § 8 AnwT in allen Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren anwendbar sei, die durch ein Rechtsmittel, namentlich durch</span><br/> <span class="ft1">eine Beschwerde gemäss § 45 und den §§ 52 ff. VRPG in Gang ge-</span><br/> <span class="ft1">setzt worden sei. Die Frage der Honorarreduktion hänge dann davon</span><br/> <span class="ft1">ab, ob der betreffende Anwalt schon in einem vorangegangenen</span><br/> <span class="ft1">Verfahren mitgewirkt habe; für den Fall, dass dies nicht zutreffe,</span><br/> <span class="ft1">sehe § 8 AnwT die Möglichkeit vor, 100% des nach den Regeln der</span><br/> <span class="ft1">§§ 3 bis 7 AnwT berechneten Honorars zuzusprechen (AGVE 1989,</span><br/> <span class="ft1">S. 287).</span><br/> <span class="ft1">bb) Unbestrittenermassen war der Beschwerdeführer 1 erst im</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsbeschwerdeverfahren für die Beschwerdeführer 2 tätig.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der dargelegten Rechtsprechung wäre somit § 8 AnwT hier</span><br/> <span class="ft1">nicht anwendbar. Indessen stellt sich, nachdem der sog. Zwangstarif</span><br/> <span class="ft1">abgeschafft worden ist, der Anwalt also in Fällen wie dem</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden mit seiner Partei eine vom Tarif abweichende Entschä-</span><br/> <span class="ft1">digung vereinbaren kann (§ 39 Abs. 2 AnwG), die Frage, ob die</span><br/> <span class="ft1">Mitwirkung des Anwalts in einem vorangehenden Verfahren immer</span><br/> <span class="ft1">noch eine zwingende Voraussetzung für einen Abzug darstellt. Unter</span><br/> <span class="ft1">der Herrschaft des Zwangstarifs wollte der Dekretgeber mit der</span><br/> <span class="ft1">Tarifrevision von 1987 den überwiegend forensisch tätigen Anwälten</span><br/> <span class="ft1">eine reale Einkommensverbesserung verschaffen (AGVE 1991,</span><br/> <span class="ft1">S. 359; siehe ferner zum Wesen des Mischtarifs: VGE III/37 vom</span><br/> <span class="ft1">26. April 1995 [BE.1993.00278] in Sachen M. AG und Mitb., S. 7</span><br/> <span class="ft1">f.). Diese Überlegung hat für einen Anwalt, der im Verhältnis zu</span><br/> <span class="ft1">seinem Klienten nicht an den AnwT gebunden ist, zumindest nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr dieselbe Bedeutung wie früher.</span><br/> <span class="ft1">Die Mehrheit des Verwaltungsgerichts gelangt vor diesem Hin-</span><br/> <span class="ft1">tergrund zur Auffassung, dass zwar die in der regierungsrätlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">285</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Botschaft vom 7. September 1987 zum Ausdruck gebrachte ratio</span><br/> <span class="ft1">legis nach wie vor Gültigkeit besitzt. Die Zu- und Abschläge bezüg-</span><br/> <span class="ft1">lich des Grundhonorars (§ 3 Abs. 1 AnwT) richten sich nach dem</span><br/> <span class="ft1">vom Anwalt getätigten Aufwand - so spricht § 6 Abs. 2 AnwT von</span><br/> <span class="ft1">den "Minderleistungen des Anwalts", § 7 AnwT von "ausserordent-</span><br/> <span class="ft1">lichen Aufwendungen eines Anwaltes" bzw. von "nur geringen</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen" und § 8 AnwT vom "Aufwand", und auch bei der</span><br/> <span class="ft1">Anwendung von § 5 Abs. 2 AnwT bildet der Aufwand ein Teilkrite-</span><br/> <span class="ft1">rium (AGVE 1991, S. 360) -, wobei die §§ 6 f. AnwT auf die einzel-</span><br/> <span class="ft1">nen Tätigkeiten des Anwalts Bezug nehmen und § 8 AnwT den</span><br/> <span class="ft1">Sondertatbestand der Aufwandreduktion durch Auswertung in einem</span><br/> <span class="ft1">vorangehenden Verfahren erworbener Kenntnisse regelt. Es besteht</span><br/> <span class="ft1">kein Anlass, dieses vom Dekretgeber gewählte System aufzugeben.</span><br/> <span class="ft1">Anderseits lässt es der Wortlaut von § 8 AnwT durchaus zu, unter</span><br/> <span class="ft1">diese Bestimmung auch Tatbestände zu subsumieren, bei welchen</span><br/> <span class="ft1">das formale Erfordernis, dass der betreffende Anwalt schon an einem</span><br/> <span class="ft1">vorangehenden Verfahren beteiligt war, nicht erfüllt ist. Zu denken</span><br/> <span class="ft1">ist etwa an den Fall, dass es nurmehr um formelle Fragen, um einen</span><br/> <span class="ft1">einzigen Streitpunkt oder um Nebenbestimmungen einer Verfügung</span><br/> <span class="ft1">geht, deren Aufarbeitung durch den Anwalt erheblich geringer</span><br/> <span class="ft1">ausfällt als sonst üblich. Da solche Konstellationen erst in einem</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahren auftreten können -</span> <span class="ft1">der erstinstanzliche</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsakt muss inhaltlich umfassend sein -, werden sie vom</span><br/> <span class="ft1">Wortlaut von § 8 AnwT ebenfalls abgedeckt. Eine in diesem Sinne</span><br/> <span class="ft1">differenzierte Anwendung von § 8 AnwT setzt allerdings voraus,</span><br/> <span class="ft1">dass die rechtsanwendende Behörde nachvollziehbar begründet,</span><br/> <span class="ft1">welche Umstände den Aufwand des Rechtsvertreters im Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft1">telverfahren als besonders gering erscheinen lassen.</span><br/> <span class="ft1">Die verwaltungsgerichtliche Minderheit hätte demgegenüber</span><br/> <span class="ft1">uneingeschränkt an der bisherigen Praxis festgehalten.</span><br/> <span class="ft1">cc) Die Beschwerdeführer 2 haben den Baubewilligungsent-</span><br/> <span class="ft1">scheid vom 27. November 1995 als Ganzes angefochten und zur</span><br/> <span class="ft1">Begründung auf die ungenügende Erschliessung und die Gestal-</span><br/> <span class="ft1">tungsplanwidrigkeit bezüglich der Geschosszahl verwiesen. Streitge-</span><br/> <span class="ft1">genstand bildete somit nicht bloss ein materieller Nebenpunkt oder</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gar eine Formalie. Ein Abzug nach § 8 AnwT war somit nach dem</span><br/> <span class="ft1">Gesagten (vorne Erw. bb) nicht rechtmässig.</span><br/></div> </div> </body> </html>