Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. Januar 2017 (720 16 303 / 04) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung zur weiteren Abklärung aufgrund fehlender Beweistauglichkeit des einge- holten Haushaltsberichts und zur Prüfung der Statusfrage Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 A.____ meldete sich am 22. Oktober 2009 unter H inweis auf eine Kniearthrose bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis tungsbezug an. Nach Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) das Begehren mit Verfügung vom 30. Mai 2011 mangels rentenbegründenden IV-Grads ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Am 27. Februar 2013 ersuchte A.____ die IV-Stell e erneut um Ausrichtung von Leistun- gen. Die IV-Stelle untersuchte die gesundheitlichen u nd haushälterischen Verhältnisse. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte sie mit Ver fügung vom 20. Juli 2016 gestützt auf einen nach der spezifischen Methode des Betätigung svergleichs ermittelten IV-Grad von 21.25% den Rentenanspruch wiederum ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Daniel Altermatt, am 14. Sep- tember 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht), und beantragte, es sei die Verfügung vom 20 . Juli 2016 aufzuheben und es sei ihr auf den frühestmöglichen Zeitpunkt mindestens eine halbe Ren te zuzusprechen; unter o/e- Kostenfolge. Weiter sei ihr die unentgeltliche Prozessf ührung und die unentgeltliche Verbei- ständung mit ihrem Rechtsvertreter Daniel Altermatt zu bewilligen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass die IV-Stelle bei der Fest stellung des IV-Grads zu Unrecht auf die spezifische Bemessungsmethode abgestellt habe. Es sei erst ellt, dass sie im Gesundheits- fall voll erwerbstätig wäre, da ihr Ehemann und sie s eit längerer Zeit von der Sozialhilfe abhän- gig seien. Im Ergebnis stehe daher fest, dass sie nicht als Hausfrau, sondern als Erwerbstätige einzustufen sei, weshalb die Ermittlung des IV-Grads nach der allgemeinen Methode des Ein- kommensvergleichs zu erfolgen habe. Falls sie ganz oder tei lweise als Hausfrau einzustufen sei, seien die Ergebnisse der Haushaltsabklärung vom 3. F ebruar 2016 nicht zu berücksichti- gen. Einerseits würde dem Ehemann eine zu grosse Schaden minderungspflicht auferlegt. An- dererseits stünden die Einschätzungen der Abklärungsper son im Widerspruch zu den Feststel- lungen im neurologischen Gutachten, wonach sie im Haushalt zu 50% eingeschränkt sei. C. Mit Verfügung vom 26. September 2016 bewilligte d as Kantonsgericht der Beschwerde- führerin die unentgeltliche Prozessführung und die une ntgeltliche Verbeiständung mit Rechts- anwalt Altermatt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 7. Oktober 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 20. Juli 2016 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar beitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 hat die versicherte Person Anspr uch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad b estimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgab enbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der IV-Grad entsprechend der Behin- derung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Method e der Invaliditätsbemessung). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt d er Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4.5 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bund esgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 20. Juli 2016) entwickelt haben, wobei für di e hypothetische Annahme einer im Gesund- heitsfall ausgeübten (Teil-Erwerbstätigkeit der im So zialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.6.1 In der angefochtenen Verfügung vom 20. Juli 20 16 hat die IV-Stelle die Beschwerde- führerin im Gesundheitsfall als im Haushalt tätig eingestuft und den IV-Grad anhand der spezifi- schen Methode des Betätigungsvergleichs bemessen. Demgegen über äussert sich die Be- schwerdeführerin zur Statusfrage dahingehend, dass der IV-Grad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu ermitteln sei, da sie, wäre sie gesund, in einem 100% Pensum arbeiten würde. Die Abklärungsperson anerkannte zwar, dass die Beschwerdefü hrerin nach wie vor der Mei- nung sei, bei guter Gesundheit erwerbstätig zu sein. Damit bestä tige sie die Angaben der Haushaltsabklärung vom 21. März 2014, wonach sie gerne arbeiten würde, wenn sie gesund wäre (vgl. Abklärungsbericht vom 28. Mai 2014). Auf die Zusendung des Fragebogens (betref- fend die Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall) wurde a llerdings bereits im damaligen Abklä- rungsverfahren verzichtet. Auch anlässlich der Abklärung vo m 19. Januar 2016 wurde dieser Fragebogen der Versicherten nicht unterbreitet. In di esem Zusammenhang ist festzustellen, dass e in Abklärungsbericht nicht zwingend von der Versicherten unterzeichnet sein muss (Ur- teil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2015, 9C_490/2014, E. 3.5.1). Es ist aber angezeigt, dass die an Ort und Stelle erfassten Angaben der versicher ten Person zur Durchsicht und Be- stätigung vorgelegt werden. Dabei geht es nicht um die inhaltliche Anerkennung der Aussagen, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondern vielmehr darum, allfällige Missverständnisse oder Unvollständigkeiten sofort und an Ort und Stelle zu klären sowie unterschiedliche Auffassungen und Einschätzungen festzuhalten. Gleichzeitig ermöglicht dieses Vorgehen, allenfalls notwendige Ergänzungen vorzunehmen und trägt damit zu einer richtigen und vollständigen Sachver haltsabklärung bei (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 2. September 2003, I 373/02, E. 5.2). 4.6.2 Festzustellen ist, dass die Beschwerdeführerin anl ässlich der Abklärungen vor Ort kon- sequent angab, im Gesundheitsfall berufstätig zu sein (vgl. Abklärungsberichte vom 28. Mai 2014 und 3. Februar 2016). Es stellt sich daher die Fr age, ob - entgegen der Ansicht der IV- Stelle - davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführer in zumindest teilweise erwerbstätig und deshalb bei der Ermittlung des IV-Grads die allgem eine Methode des Einkommensver- gleichs oder die gemischte Methode anwendbar wäre. Dabe i ist zu berücksichtigen, dass auch in Bezug auf die Haushaltsabklärungsberichte nicht ohn e Grund von den Angaben der versi- cherten Person abgewichen werden darf und in der Regel auf die sogenannte spontane "Aus- sage der ersten Stunde" abzustellen ist (BGE 121 V 45 E . 2a mit Hinweisen). Da die vorliegen- den Akten hierzu und damit auch betreffend die Methode nwahl keine abschliessende Beurtei- lung zulassen, ist die Angelegenheit in diesem Punkt an die Beschwerdegegnerin zur ergän- zenden Abklärung zurückzuweisen. 5.1.1 Für die Ermittlung des IV-Grads ist massgebend und im Weiteren zu prüfen, in wel- chem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundhe itlichen Beeinträchtigungen ar- beitsunfähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. Die IV-Stelle stützte sich in der ange- fochtenen Verfügung vom 20. Juli 2016 auf die bidiszipli näre Beurteilung von Dr. med. B.____, FMH Neurologie, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie. Dr. B.____ diag- nostizierte am 16. September 2015 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (1) chronische Misch- kopfschmerzen, (2) ein rechtsbetontes, leicht bis mässig au sgeprägtes Cervicalsyndrom, (3) ein m ässig ausgeprägtes Lumbovertebralsyndrom, (4) eine vestibulo-cochleäre Funktionsstö- rung rechts, (5) einen Status nach cerebellären Ischämien radiologisch, (6) ein Karpaltunnel- syndrom (CTS) beidseits bei einem Status nach CTS-Operat ion rechts am 16. April 2010 und (7) einen Verdacht auf Restless-legs-Syndrom. Ohne Auswirkung auf d ie Arbeitsfähigkeit be- stünden eine arterielle Hypertonie, eine Adipositas Typ 2, eine l inks-betonte fortgeschrittene Gon- arthrose und eine Dekonditionierung. Wegen den Rücken- und Knieprobleme n seien der Be- schwerdeführerin nur noch körperlich sehr leichte Tätigkeiten zumutbar. Sie könne keine repeti- tiven Arbeiten über Kopf, im Bücken, im Knien, unter Vorhaltung des Oberkörpers, unter Stoss- und Zugbelastung sowie in Zwangsstellungen ausüben. Z udem seien ihr aufgrund der Rücken- probleme nur noch wechselbelastende Tätigkeiten und wegen der Gleichgewichtsstörung keine Arbeiten im Gehen mehr zumutbar. Aufgrund der leichte n Koordinationsstörungen seien zudem keine motorisch feinen und wegen des CTS beidseits keine m ittelschweren bis schweren ma- nuellen Arbeiten möglich. Ihr seien daher nur noch kö rperlich insbesondere manuell leichte Tätigkeiten in Wechselbelastung, vorwiegend im Sitzen, nicht im Gehen und ohne Ansprüche an die Feinmotorik zumutbar. Dabei seien vermehrte und verlängerte Pausen notwendig und die Arbeitseffizienz sei ebenfalls deutlich vermindert, so dass die Arbeitsfähigkeit auch für eine solche angepasste Tätigkeit nur noch 50% betragen dürfte. Absch liessend hielt Dr. B.____ fest, dass sich sowohl der Gesundheitszustand als auch die Arbeitsfähigkeit seit der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärung von 2010 stark verschlechtert hätten. Es seien ver schiedenste Beschwerden hinzu- gekommen, namentlich die schweren chronifizierten Kopfsch merzen, die Rückenprobleme und die Gleichgewichtsstörungen. Zudem hätten sich die Prob leme im Bereich der Knie deutlich verschlimmert. Weiter könne die in der Haushaltabklärung vom Jahr 2014 vorgenommene Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt aus neurologi scher Sicht nicht nachvollzogen wer- den, weil diesbezüglich von einer Einschränkung von 50% ausgegangen werden müsse. Eine nähere Einschätzung sei jedoch ohne genauere Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort nicht mög- lich. 5.1.2 Dr. C.____ nannte in seinem Teilgutachten vom 2 5. September 2016 als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung mit chronischem Ver- lauf, gegenwärtig leichtgradige Episode ohne somatische s Syndrom. Ohne Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit bestünden akzentuierte, histrionische Persönlichkeitszüge. Au fgrund dieser Diagnosen lasse sich aus rein psychiatrischer Sicht eine Einschränkung in einer ausser- häuslichen Tätigkeit von höchstens 15% begründen. D abei sei eine gewisse Verminderung der Leistungsfähigkeit mitenthalten. Bezüglich Erle digung der Haushaltsarbeiten könne aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbei tsfähigkeit begründet werden, da sich die Versicherte dabei die Zeit selber einteilen kön ne. 5.1.3 Im Rahmen der Konsensbesprechung kamen die Dr es. B.____ und C.____ zum Schluss, dass aus gemeinsamer bidisziplinärer Sicht die Ausf ührungen im neurologischen Gut- achten uneingeschränkt zu übernehmen seien. 5.2 Das bidisziplinäre Gutachten vom 16./25. September 2 015 erfüllt die rechtsprechungs- gemässen Anforderungen an ein im Rahmen des Verwaltun gsverfahrens eingeholten Gutach- ten von externen Spezialärztinnen und -ärzten. Die Gu tachter untersuchten die Versicherte ein- gehend und umfassend, sie gingen in ihren ausführliche n Fachgutachten einlässlich auf deren Beschwerden ein, sie setzten sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander und vermittelten so ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Versi- cherten (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Diese vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sachverhalts ist nicht zu beanst anden und wird auch von der Versicherten zu Recht nicht bestritten. 5.3 Strittig und zu prüfen ist jedoch, ob auf den Hau shaltsbericht der IV-Stelle vom 3. Februar 2016 abgestellt werden kann. 5.3.1 Die IV-Stelle qualifizierte die Beschwerdeführer in gestützt auf den Abklärungsbericht vom 3. Februar 2016 als eine zu 100% im Aufgabenbereich tätige Hausfrau. Gestützt auf ihre Abklärung vor Ort sei die Beschwerdeführerin im Aufgab enbereich zu 21.25% eingeschränkt. Die Beschwerdeführerin bestreitet dies und wendet zusam menfassend ein, dass die Ausfüh- rungen im Abklärungsbericht vom 3. Februar 2016 nicht überzeugen würden. 5.3.2 Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versicherten Person - analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskr aft von Arztberichten (BGE 125 V Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 352 E. 3a mit Hinweis) - sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wir d, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein- trächtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Bet eiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und a ngemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmu ng mit den an Ort und Stelle erho- benen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklär ungsbericht voll beweiskräftig (vgl. BGE 140 V 543 E. 3.2.1). Diese Beweiswürdigungskriteri en sind nicht nur für die im Abklä- rungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang d er Behinderung im Haushalt massge- bend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abkl ärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätig en Versicherten mit häuslichem Aufga- benbereich im Gesundheitsfall betrifft (vgl. Urteil d es Bundesgerichts vom 19. Juni 2006, I 236/06, E. 3.2 mit Hinweisen). 5.3.3 Vorliegend wurde der Abklärungsbericht vom 3. F ebruar 2016 zwar von einem qualifi- zierten Mitarbeiter verfasst, der Kenntnis von den örtli chen und räumlichen Verhältnissen hatte und der auch Bezug nahm auf die aus den medizinischen Dia gnosen sich ergebenden Beein- trächtigungen und Behinderungen. Insoweit wurden die rechtsprechungsgemässen Vorgaben an den Beweiswert eines Abklärungsberichts grundsätzlich erfüllt. Aufgrund der Formulierungen unter Ziffer 1 des Berichts ist jedoch unklar, ob die Abklärungsergebnisse im Beisein der Be- schwerdeführerin erhoben wurden. So habe die Beschwerde führerin beim Eintreffen der Abklä- rungsperson im Bett gelegen und der Mitarbeiter hab e mit Blick auf die kürzlich durchgeführten Abklärungen betreffend die Hilflosigkeit, die medizinischen Berichte, die sprachlichen Probleme und die Situation vor Ort keinen Informationsgewinn ge sehen, wenn er die Versicherte genötigt hätte aufzustehen. Demnach ist davon auszugehen, dass die A bklärung einzig im Beisein des Ehemannes der Beschwerdeführerin durchgeführt wurde. Die IV-Stelle hat weiter auf die Aus- füllung des Formulars betreffend die Erwerbstätigkeit i m Gesundheitsfall verzichtet und das hy- pothetische Verhalten der Beschwerdeführerin im Gesundh eitsfall nur im Rahmen der Haus- haltsabklärung angesprochen. Sie ging ohne weiteres u nd entgegen den klaren Aussagen der Beschwerdeführerin davon aus, dass diese auch ohne Gesund heitsschaden als Hausfrau tätig wäre. Dieses Vorgehen geht in Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Ab klärungs- berichten für die Beurteilung der Leistungsansprüche zukommt, nicht an. Zudem stützte sich die IV-Stelle in erster Linie auf den Bericht vom 28. Ma i 2014 ab, weshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der Sachverhalt, wie er sich im Rahme n der Abklärung vor Ort am 19. Januar 2016 tatsächlich darstellte, wiedergegeben wu rde. Damit ergeben sich erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des Hausha ltsberichts vom 3. Februar 2016, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. 6. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die angefochten e Verfügung vom 20. Juli 2016 aufzuheben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Diese wird die Frage der anwendbaren Methode zu prüfen und gegebenenfalls eine Abklärung vor Ort im Beisein der Beschwerdeführerin durchzuführen sowie die Aktenlage entsprechend zu ergän- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zen haben. Anschliessend wird sie über den Leistungsanspru ch der Versicherten neu zu befin- den haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verf ahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Honorarnote vom 12. Dezember 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 5,5 Stunden ausgewiesen, was sich als ang emessen erweist. Nicht zu bean- standen sind sodann die in der Honorarnote ausgewiese nen Auslagen von Fr. 32.50. Der Be- schwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung i n der Höhe von Fr. 1'520.10 (5,5 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 32.50 un d 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV- Stelle zuzusprechen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird dahingehend gutgeheissen, a ls die angefochtene Verfügung vom 20. Juli 2016 aufgehoben und die Angel egenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägunge n sowie zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-L andschaft zu- rückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘520.10 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht