Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Juli 2013 (720 11 210 / 155) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung, Abklärungen in Bezug auf den Status des Versicherten erforderlich Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdefü hrer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1964 geborene A.____ war seit 1. Mai 1990 be i der B____AG als Wagenführer an- gestellt. Am 17. Dezember 2009 (Eingang) meldete er sich unter Hinweis auf Angstzustände bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug v on Leistungen an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundhei tlichen und erwerblichen Verhältnisse ab- geklärt hatte, ermittelte sie beim Versicherten einen IV-Grad von 0%. Gestützt auf dieses Er- gebnis wies sie - nach durchgeführtem Vorbescheidverfa hren - mit Verfügung vom 12. April 2011 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob A.____ am 30. Mai 2011 (Eingang) Beschwerde bei der IV-Stelle. Am 31. Mai 2011 überwies diese die Beschwerde zuständigkeit shalber an das Kantonsgericht, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). In sei ner verbesserten Beschwerdeeingabe vom 1. September 2011 beantragte A.____ sinngemäss die Zusprechung einer Rente. Die Be- schwerde begründete er im Wesentlichen damit, dass die Ve rfügung auf unzureichenden medi- zinischen Unterlagen beruhe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 24. August 2011 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 9. September 2011 (Eingang) reicht e der Beschwerdeführer dem Kan- tonsgericht einen Bericht des behandelnden Arztes Dr. med. C.____, FMH Physikalische Medi- zin und Rehabilitation, vom 1. September 2011 ein. H ierzu nahm die IV-Stelle, unter Verweis auf einen Bericht von Dr. med. D.____, Facharzt für Psyc hiatrie und Psychotherapie, Regiona- ler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 13. Septe mber 2011 am 19. September 2011 Stellung. E. Mit Verfügung vom 1. Dezember 2011 ordnete der inst ruierende Präsident des Kantons- gerichts ein psychiatrisches Gerichtsgutachten an. Am 29. M ai 2012 wurde Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit dem Gutachten be auftragt, welches am 22. November 2012 erstattet wurde. F. Mit Eingaben vom 20. Dezember 2012 und 14. Januar 2013 nahmen die Parteien zum Gutachten Stellung. Während sich der Beschwerdeführer mit der Beurteilung des Gerichtsgut- achters einverstanden erklärte, beantragte die IV-Stell e unter Hinweis auf einen Bericht des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 14. Dezember 2012 die Durchführung weiterer Abklärungen. G. Am 4. Februar 2013 nahm Dr. E.____ zum Bericht vo n Dr. D.____ vom 14. Dezember 2012 Stellung. Hierzu sowie zu den Auswirkungen der med izinischen Beurteilung auf den Leis- tungsanspruch liessen sich die Parteien mit Eingaben vom 5. und 11. April 2013 vernehmen. H. Am 14. April 2013 reichte der Beschwerdeführer dem Kantonsgericht ein (undatiertes) Schreiben eines Mitarbeitenden der Gewerkschaft F.____ ein. Die IV-Stelle verzichtete mit Schreiben vom 24. April 2013 auf eine Stellungnahme hierzu. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 6. November 2012 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 d ie voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Kran kheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen) 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c) 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössisch en Versicherungsgerichts (EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung en) mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversiche- rung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltu ngsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4.4 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperli- che Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von A rt. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, die verbleibende Leistungs- fähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Ford erbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI-Praxis 2001 S. 22 8 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind im Wesentlichen die folgenden medi- zinischen Unterlagen zu berücksichtigen: Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Im Bericht vom 28. Mai 2009 diagnostizierte Dr. C .____ einen reaktiven Angstzustand nach einem Tramunfall am 11. Mai 2009 und attestiert e dem Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 6.2 Am 21. Juli 2010 stellten PD Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und die Assistenzärztin Dr. med. H.____, mit Auswirkung au f die Arbeitsfähigkeit eine seit der Jugend bestehende kombinierte narzisstische und paranoide P ersönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) fest. Aufgrund der Persönlichkeitsstruktur sei der Versicherte bei der Ausübung seiner Arbeit dahingehend eingeschränkt, dass seine Wahrnehmungen häufig verzerrt scheinen könn- ten. Aus diesem Grund dürfte es ihm schwer fallen, Konfl ikte konstruktiv auszutragen oder vom eigenen Standpunkt abzuweichen und sich in ein Team zu integrieren. Längerfristig seien nur besondere Arbeitsstellen mit viel Autonomie, wenig zwisch enmenschlichem Kontakt und gerin- ger Flexibilität möglich. Als Tramchauffeur bestünde s eit 9. März 2010 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80%. Mit Hilfe eines Job Coachs kön nte ab sofort eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit versucht werden. 6.3 Die IV-Stelle beauftrage Dr. med. I.____, FMH P sychiatrie und Psychotherapie, mit einer Begutachtung. Am 23. Dezember 2010 stellte er keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeit sfähigkeit bestünde eine kombinierte Per- sönlichkeitsstörung mit paranoiden und narzisstischen Anteilen (ICD-10 F61.0). Die vorliegende psychische Störung sei zwar erheblich, die Therapieoptio nen nicht zahlreich und die Prognose ungünstig. Zurzeit erscheine das psychische Gerüst des Versi cherten aber gerade noch kom- pensiert zu sein. In Bezug auf das geleistete Arbeitsvolume n sei festzustellen, dass der Versi- cherte durch die Pflege seiner Ehefrau neben seinen eig enen Verpflichtungen in einem hohen Mass beansprucht und eingebunden sei. Er sei täglich gut 15 Stunden im Einsatz und die Frei- zeit sei spärlich. Demnach weise der Explorand trotz der bestehenden Störung eine hohe Be- lastbarkeit auf. Der Versicherte erlebe die Persönlichkei tsstörung als ich-synton. Obwohl medi- zinisch relevant, führe die Störung bei ihm nicht zu ein er unmittelbaren Leistungseinschrän- kung. Daher sei dem Exploranden grundsätzlich sowohl die bisherige Arbeit als auch eine Ver- weistätigkeit in einem vollen Pensum zumutbar, wobei e r wegen der geringen Teamfähigkeit mehrheitlich in einer Einzelfunktion eingesetzt werden sollte. Es sei ihm zumutbar, für einige Stunden aus der Symbiose mit seiner kranken Ehefrau auszu treten und einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Für die Zukunft könne aber die Möglichkei t nicht ausgeschlossen werden, dass der Explorand einbreche und depressiv dekompensiere. 6.4 In ihrer Stellungnahme vom 23. Juni 2011 zur angef ochtenen Verfügung vom 12. April 2011, insbesondere zum Gutachten von Dr. I.____ vom 23. Dezember 2010, hielten PD Dr. G.____ und Dr. H.____ im Wesentlichen fest, dass sich der Schweregrad der narzissti- schen Störung des Versicherten in dessen ungesicherten un d fast inexistenten Selbstgefühl sowie dem ausgeprägten Unvermögen, beispielsweise seine Ehefrau als ein vom ihm getrenn- tes Individuum wahrzunehmen, widerspiegle. Es sei eben g erade Ausdruck der psychischen Störung, dass sich der Versicherte "rund um die Uhr" um se ine Frau kümmere und innerhalb dieser symbiotischen Beziehung und in den Grenzen seines qu erulatorischen Kampfes belast- bar erscheine. Die Beurteilung des Gutachters, wonach di e Leistungsfähigkeit des Versicherten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf dem primären Arbeitsmarkt nicht eingeschränkt sei, se i nicht nachvollziehbar. Dass der Versicherte von einer "gesunden Lockerung der Beziehung" zu seiner Frau profitieren würde, sei unbestritten. Ein solcher Schritt sei ihm indes stör ungsbedingt nicht ohne Weiteres möglich. Aus eigener Kraft sei es dem Versicherten kaum möglich, d ie strukturellen Defizite zu verbes- sern. Selbst bei einer regelmässigen Psychotherapie seien die Erfolgsaussichten für eine nach- haltige Verhaltensveränderung nach gängiger Lehrmeinung gering. 6.5 Im Bericht vom 1. September 2011 hielt der behand elnde Arzt Dr. C.____ fest, dass der Versicherte den Alltag nur noch mit Mühe bewältige n könne. Er vertrage keinerlei Stress und unvoraussehbare Dinge. Das Gefühl, nichts mehr zu schaffen, habe ihn mehrfach an den Rand der Suizidalität gebracht. Zufolge Lexotanil-In toxikationen seien wiederholt stationäre Massnahmen erforderlich gewesen. Der Versicherte sei nic ht mehr in der Lage, seinen bisheri- gen Beruf als Tramwagenführer auszuüben. Eine kleine u nd flexible Teilzeitbeschäftigung zu Randzeiten, ohne Stress, ohne direkte Vorgesetzte und ohne Mitarbeiter sei allenfalls möglich. 6.6 Nachdem der instruierende Präsident des Kantonsgeri chts zur Auffassung gelangte, dass der medizinische Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt sei, beauftragte er Dr. E.____ mit einer psychiatrischen Begutachtung. Am 22. November 2012 diagnostizierte dieser mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Pe rsönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0). Aufgrund der im Rahmen einer Dekompensation mit einer depressiv-ängstlichen und dissoziati- ven Symptomatik als schwer einzustufenden Persönlichkeitsstöru ng bestünde für die bisherige Tätigkeit als Tramführer eine vollständige Arbeitsunf ähigkeit. Es sei dem Versicherten aber zu- mutbar, einer angepassten Arbeitstätigkeit nachzugehen. Grundsätzlich würden alle Tätigkeiten in Frage kommen, die nicht unmittelbar eine Gefährdu ng für den Versicherten oder Dritte mit sich bringen würden. Ausserdem sollte die Tätigkeit nicht mit ausserordentlichen Anforderungen an Selbstkontrolle, psychische Ausgeglichenheit und beson deres ausgeprägter Kontaktfreudig- keit verbunden sein. Unter Berücksichtigung der depressiven Einschränkungen, der Beeinträch- tigungen der Aufmerksamkeit und Konzentration sowie de m verlangsamten Arbeitstempo sei eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 50% zumutbar, sei es in Form einer zeitlichen Be- schränkung, was dem Versicherten im Hinblick auf die Fürsor ge für eine Ehefrau entgegenkä- me, oder einer reduzierten Leistungsanforderung. Die aktuellen psychischen Sympto- me/Störungen seien, insbesondere hinsichtlich der depressiven Anteile und der kognitiven Leis- tungsfähigkeit, deutlich schwerwiegender als im Vorguta chten dargestellt. Zudem werde die Fähigkeit des Versicherten, die Folgen der Erkrankung a us eigenem Willen zu überwinden, deutlich reduzierter eingeschätzt. Es sei davon auszugehen, dass die Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit im Mai 2009 eingetreten sei. Retrospekti v sei nicht auszuschliessen, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten erst in den folgen den zwei Jahren verschlechtert habe. 6.7 Am 4. Februar 2013 hielt Dr. E.____ ergänzend f est, dass die depressiv-ängstliche und dissoziative Symptomatik sowie die Grundproblematik der Pe rsönlichkeitsstörung im Hinblick auf Wahrnehmung, Empfinden und Verhalten die Leistu ngsfähigkeit des Versicherten auch in einer Verweistätigkeit einschränken würden. Die Einschrä nkungen würden sich in einem Ar- beitsumfeld in den Beziehungen zu den Kollegen und V orgesetzten äussern. Derartige Ein- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schränkungen würden vom Arbeitgeber und dem Arbeitsumf eld Rücksichtnahme und Toleranz erfordern. 7. Wie oben (vgl. E. 4.2 hiervor) ausgeführt, ist hin sichtlich des Beweiswertes eines Arzt- berichtes entscheidend, ob der Bericht für die streitig en Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden be rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchte t und ob die Schlussfolgerungen der Ex- pertin oder des Experten begründet sind. Das Gutachten von Dr. E.____ vom 22. November 2012 beruht auf eingehenden Untersuchungen des Versiche rten und berücksichtigt die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte. Zudem gi ng der Gutachter auf die Beschwer- den des Versicherten ein und vermittelt ein hinreichende s Bild über dessen Gesundheitszu- stand. Es wird deutlich, dass der Versicherte mit Einflu ss auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere Persönlichkeitsstörung mit einer depressiv-ängstlichen und dissoziativen Symptomatik aufweist. Vor diesem Hintergrund ist auch die fachärztliche Einschä tzung der Arbeitsfähigkeit nachvoll- ziehbar begründet und es ist mit überwiegender Wahrschei nlichkeit davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Tramfüh rer seit Mai 2009 nicht mehr zumut- bar ist. Angepasste Verweistätigkeiten sind dem Versichert en in einem rücksichtsvollen und toleranten Arbeitsumfeld im Umfang von 50% zumutbar, sei es in Form einer zeitlichen Be- schränkung oder einer reduzierten Leistungsanforderung. S omit ist die Beurteilung im Gutach- ten von Dr. E.____ sowohl in der Darlegung der medizin ischen Zusammenhänge als auch be- züglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend. 8.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). Bei nichterwerbstätigen Versi- cherten, welche in einem Aufgabenbereich (z.B. Hausha lt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, w ird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in we lchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsverg leich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Ver- sicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wi rd die Invalidität für diese Tätigkeit nach der spezifischen Methode festgelegt. In diesem Fall e sind der Anteil der Erwerbstätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Eh egatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der In validitätsgrad entsprechend der Behin- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht derung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Method e der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 8.2 Ob eine versicherte Person als ganztätig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- messung (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) führt –, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränd erten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung ) vom 13. November 2002, I 58/02, E. 1.2]. Entscheidend ist nicht, ob der versicherten Perso n im Gesundheitsfall eine volle Er- werbstätigkeit zugemutet werden könnte, sondern ob si e hypothetisch, d.h. ohne Gesundheits- schaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, in ein em Vollpensum erwerbstätig wäre (BGE 133 V 487 E. 6.3 mit Hinweisen). Bei im Haushal t tätigen versicherten Personen im Be- sonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenübe r Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berück- sichtigen (MARTIN BOLTSHAUSER , Die Invalidität aus Betätigungsvergleich, in: René Sch affhau- ser/Franz Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2004, St. Gallen 2004, S 244). Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 12. April 2011) entwickelt haben, wo bei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforde rlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 8.3 Die IV-Stelle hat den Beschwerdeführer als Erwerbst ätigen eingestuft und den Invalidi- tätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs bestimmt. Sie ist demnach davon ausgegan- gen, dass der Versicherte im Zeitpunkt des Verfügungserla sses am 12. April 2011 ohne ge- sundheitliche Einschränkung einer Vollzeitarbeit nachgeg angen wäre. Dieser Status als Voller- werbstätiger wird vom Versicherten zwar nicht bestritten. Aufgrund der vorliegenden Umstände, stellt sich jedoch die Frage, ob dieser ohne Gesundheit sschaden, aber bei sonst gleichen Ver- hältnissen, ganztägig oder teilzeitlich erwerbstätig wär e. Eine Klärung dieser Frage drängt sich insbesondere mit Blick auf die in den medizinischen Unter lagen beschriebene zeitliche Bean- spruchung des Beschwerdeführers für die Betreuung seiner Ehefrau und der geringen Höhe der im Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) eingetragenen Erwerbseinkommen der letzten Jah- re auf. Aufgrund der vorliegenden Unterlagen ist nicht ersichtlich, dass die IV-Stelle den Status des Beschwerdeführers geprüft hat. Da die IV-Stelle hi erzu keinerlei Abklärungen vorgenom- men hat, hat sie die ihr obliegende Untersuchungspfli cht (vgl. E. 5 hiervor) verletzt. Von der Abklärung dieser Frage kann nicht abgesehen werden, da si ch die Methode der Invaliditätsbe- messung (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigu ngsvergleich) nach dem ent- sprechenden Status richtet. Die Vorinstanz wird deshalb angehalten, ergänzende Abklärungen in Bezug auf den Status des Versicherten vorzunehmen. Hern ach sind die massgebenden Ver- gleichseinkommen zu ermitteln. Soweit die Beschwerdeg egnerin in ihrer Stellungnahme vom 11. April 2013 diesbezüglich ausführt, bei der Bemessu ng des Invalideneinkommens rechtferti- ge sich vorliegend kein Abzug vom Tabellenlohn, sei be reits an dieser Stelle darauf hingewie- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen, dass nach der Rechtsprechung ein Abzug vom Tabellenlohn insbesondere dann angezeigt ist, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (vgl. BGE 126 V 75 E. 5a/bb). Vorliegend weist der Beschwerdeführer - sei es in Form einer zeitlichen Besch ränkung oder einer reduzierten Leis- tungsanforderung - eine deutliche Einschränkung der Lei stungsfähigkeit von 50% auf. Unter Berücksichtigung der Art und des Ausmasses der Behinderung des Versicherten, die von einem Arbeitgeber und dem Arbeitsumfeld besondere Rücksichtna hme und Toleranz erfordern, recht- fertigt es sich, dem Beschwerdeführer ein angemessener Abzu g vom Tabellenlohn zuzugeste- hen. 8.4 Da nach dem Gesagten die Beschwerdegegnerin für d ie Beurteilung der Invaliditäts- bemessung nicht alle notwendigen Abklärungen im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG vorgenom- men hat, beruht die angefochtene Verfügung vom 12. Ap ril 2011 auf unzureichenden Abklä- rungsergebnissen. Weil es nicht die Aufgabe des kantonale n Gerichts ist, im Verwaltungsver- fahren versäumte Abklärungen nachzuholen, ist die Angel egenheit in Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung vom 12. April 2011 zur weiteren Abklä rung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird die IV-Stelle über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen haben. Die Beschwe rde ist in dem Sinne gutzuheis- sen. 9.1 Die Kosten der Begutachtung durch Dr. E.____ in der Höhe von Fr. 7'076.30 sind der IV- Stelle aufzuerlegen (BGE 137 V 210, E. 4.4.2). 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der g eleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückzuerstatten. Die ausserordentl ichen Kosten sind beim nicht anwalt- lich vertretenen Beschwerdeführer wettzuschlagen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öf fentlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung vom 12. April 2011 aufgehoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zu rückgewie- sen wird. 2. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 7'076.30 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht