<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>- Ist ihm die Existenz dieser Umweltkrankheit bekannt?</p><p>- Teilt er die Ansicht, den Umweltaspekten sowie den Folgen der Krankheit MCS müsste vermehrt Beachtung geschenkt werden?</p><p>- Kann er sich vorstellen, MCS als organische Krankheit anzuerkennen? Wenn ja, wann und inwiefern? Wenn nein, weshalb nicht?</p><p>- Inwiefern ist er gewillt, umweltgerechte Wohnprojekte für Umweltkranke zu unterstützen?</p><p>- Könnte er sich aufgrund des tiefen MCS-Wissensstandes vorstellen, eine medizinisch wissenschaftliche Langzeitstudie zu veranlassen?</p><p>- Wäre er bereit, eine Infokampagne zu veranlassen, um die Schweizer Ärztinnen und Ärzte sowie die Bevölkerung in Bezug auf die Existenz und Konsequenzen dieser Krankheit aufzuklären?</p><p>- Sieht er eine Möglichkeit für die Schaffung einer (oben skizzierten) Umweltberatungsstelle?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Es ist den Bundesbehörden bekannt, dass Umweltbelastungen auf vielfältige Weise die Gesundheit und das Wohlbefinden beeinträchtigen können. Neben klar definierbaren Umweltkrankheiten wie Allergien werden auch diffuse Krankheitsbilder wie die "vielfache Chemikalienunverträglichkeit" (Multiple Chemical Sensitivity, MCS) mit Umweltbelastungen in Verbindung gebracht.</p><p>Gemäss Literaturangaben sollen die Patienten an einer Vielzahl von unspezifischen Beschwerden in unterschiedlichen Organsystemen leiden. Die Beschwerden können durch verschiedenste Schadstoffbelastungen im tiefen Dosisbereich ausgelöst werden. Es existieren verschiedene Arbeitsdefinitionen für MCS - objektive Diagnosekriterien sind bisher nicht erstellt worden.</p><p>Die Ursachen und die Entstehung von MCS sind nicht bekannt. Mehr Forschung wäre nötig, um die Rolle von Schadstoffbelastungen bei MCS und verwandten Krankheitsbildern zu klären. Zur Diagnose ist eine fachübergreifende, sorgfältige Abklärung der Patienten nötig, um mögliche zugrunde liegende somatische, aber auch psychische Erkrankungen auszuschliessen, mögliche Ursachen eruieren zu können und Ansatzpunkte für Massnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität zu gewinnen.</p><p>Für die Anerkennung als organische Krankheit sind weitere hinreichend belegte und reproduzierbare wissenschaftliche Studien unabdingbar. Diese erst würden es erlauben, die MCS als organische Krankheit zu klassifizieren und in die International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (aktuelle Version: ICD-10) aufzunehmen.</p><p>Wohnprojekte für Umweltkranke könnten aufgrund des neuen Wohnraumförderungsgesetzes WFG durch den Bund unterstützt werden. Das Gesetz, welches das Parlament am 21. März 2003 verabschiedet hat, sollte im Herbst dieses Jahres in Kraft treten. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht festgelegt. Eine Unterstützung im Rahmen der verfügbaren Mittel würde gewährt, sofern die Projekte die an die Bundeshilfe geknüpften allgemeinen Anforderungen erfüllen.</p><p>Angesichts der Komplexität des Krankheitsbildes und der zahlreichen möglichen Einflussfaktoren wäre eine fundierte wissenschaftliche Langzeitstudie, die zu verwertbaren Ergebnissen führt, sehr aufwendig. Die finanzielle Situation des Bundes erlaubt es zurzeit nicht, ein eigenständiges Forschungsprogramm MCS zu lancieren. Der Bundesrat appelliert an die Eigeninitiative von Forschungsgruppen, Einzelpersonen und Betroffenen, mitzuhelfen, die Situation in diesem Bereich zu verbessern.</p><p>Die gesundheitliche Bedeutung von Umweltbelastungen wird im Rahmen laufender Aktivitäten, insbesondere über den Aktionsplan Umwelt und Gesundheit vermehrt thematisiert und kommuniziert. Es werden auch bereits Anstrengungen unternommen, Ärzteschaft und betroffene Fachstellen besser über umweltbezogene Gesundheitsstörungen zu informieren. MCS und verwandte Krankheitsbilder werden beispielsweise in einer vom Bundesamt für Gesundheit fachlich und finanziell unterstützten Broschüre der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz zum Thema Innenraumbelastungen (Titel: "Wohnen und Gesundheit") vorgestellt und diskutiert. Alle Mitglieder der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz haben diese Broschüre erhalten. Auch die Medien greifen die Thematik MCS vermehrt auf. Vor diesem Hintergrund erscheint es dem Bundesrat als nicht prioritär, eine breite Informationskampagne zu MCS zu veranlassen.</p><p>Eine Umweltberatungsstelle erfordert die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. In einem vom Bundesamt für Gesundheit unterstützten und kürzlich abgeschlossenen Pilotprojekt in Basel wurde erstmals in der Schweiz untersucht, wie auf der Basis der vorhandenen Strukturen eine umweltmedizinische Abklärung und Beratung angeboten werden könnte. Aus den gesammelten Erfahrungen werden Empfehlungen für ein Modell einer Umweltberatungsstelle erarbeitet.</p><p>Der Bundesrat lädt die Ärzteschaft und die betroffenen öffentlichen und privaten Fachstellen ein mitzuhelfen, den Bedarf für eine fachkompetente umweltmedizinische Beratung besser abzudecken.</p>  Antwort des Bundesrates.