B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3655/2019 U r t e i l v o m 7 . A u g u s t 2 0 1 9 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Nira Schidlow. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Nora Maria Riss, Freiplatzaktion (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 11. Juli 2019. E-3655/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie – reiste gemäss eigenen Angaben am 11. Juni 2019 in die Schweiz ein, wo er gleichentags im Bundesasylzentrum B._______ um Asyl nach- suchte. Am 17. Juni 2019 fand die Personalienaufnahme statt. Am 3. Juli 2019 wurde der Beschwerdeführer – im Beisein der ihm zugewiesenen Rechtsvertretung – vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor, er stamme aus C._______ (Nordprovinz). Als er noch ein kleines Kind gewe- sen sei, seien seine Eltern zusammen mit ihm und seinen beiden jüngeren Geschwistern nach D._______ (ebenfalls Nordprovinz) gezogen. Am Ende des Krieges seien seine Eltern – welche Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen seien – wahrscheinlich während der Kampf- handlungen umgekommen. Er und se ine Geschwister seien alleine zu Hause gewesen, als plötzlich Bomben zu fallen begonnen hätten, weshalb sie losgerannt seien. Er habe seine Geschwister aus den Augen verloren, worauf sich eine Nachbarin seiner als Pflegekind angenommen und später gemeinsam mit ihrem Ehemann nach E._______, C._______, mitgenom- men habe. Aus Angst vor Repressionen, da er der Sohn von LTTE-Aktivis- ten gewesen sei, hätten ihn seine Pflegeeltern weder bei den Behörden gemeldet noch in die Schule geschickt. Allerdings habe das CID (Criminal Investigation Department) nach einigen Jahren dennoch herausgefunden, dass er bei dieser Familie leben würde. Das CID habe seine Pflegemutter mehrere Male aufgesucht und nach ihm gefragt. Zunächst habe diese ihm nichts davon erzählt, um ihn nicht zu beunruhigen. Als das CID sie beim vierten Besuch jedoch stark eingeschüchtert habe, habe sie sich gezwun- gen gesehen, ihm von der Suche durch das CID nach ihm zu erzählen, und habe ihn aufgefordert, sich zu verstecken. Er habe sich dann während zwei Monaten versteckt. Während dieser Zeit habe ihn das CID mehrere Male gesucht. Da kein anderer Ausweg bestanden habe, habe seine Pflegemut- ter die Flucht für ihn organisiert. Am 12. August 2018 habe er Sri Lanka auf dem Luftweg in Begleitung eines Paares mit einem Reisepass verlassen. Er sei zunächst nach Aserbaid- schan geflogen, von wo aus er über Russland, die Ukraine und Italien in die Schweiz gereist sei. E-3655/2019 Seite 3 Als Ausweispapiere reichte der Beschwerdeführer die Kopie seiner Ge- burtsurkunde ein. In Bezug auf seinen Gesundheitszustand lag dem SEM ein ärztlicher Bericht vom 21. Juni 2019 vor. B. Mit Eingabe vom 9. Juli 2019 nahm die Rechtsvertretung des Beschwer- deführers zum Entscheidentwurf des SEM vom 8. Juli 2019 Stellung. C. Mit Verfügung vom 11. Juli 2019 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung hielt es im Wesentlichen fest, aus den Vorbringen des Beschwerdeführers würde sich ein widersprüchliches, unsubstanziiertes und unlogisches Gesamtbild er- geben, so dass seine Vorbringen nicht geglaubt werden könnten, weshalb deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. D. Mit Eingabe vom 1 7. Juli 2019 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfü- gung sei aufzuheben, und de r Fall zur erneuten Abklärung an die Vo- rinstanz zurückzuweisen, eventualit er sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen sowie Asyl zu gewähren, subeventualiter sei seine Flücht- lingseigenschaft festzustellen und er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, subsubeventualiter sei die Unzumutbarkeit, Unzulässigkeit und Unmöglich- keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm eine vorläufige Auf- nahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses und um Ernennun g eines unentgeltli- chen Rechtsbeistandes. E. Am 18. Juli 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. E-3655/2019 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung des rechtlichen Gehörs so- wie eine unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts, indem das SEM seine r Untersuchungs- und Begründungs-E-3655/2019 Seite 5 pflicht nicht nachgekommen sei. Vorab sind diese formellen Rügen zu prü- fen, da deren Gutheissung geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzli- chen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 4.1.1 Das Verfahren nach dem VwVG wird vom Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG) beherrscht. Als Verfahrensmaxime besagt dieser, dass die Verwaltungsbehörden für die Beschaffung des die Urteilsgrundlage bildenden Tatsachenmaterials zuständig sind. Er auferlegt der Behörde die Pflicht, von Amtes wegen den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und richtig zu ermitteln und beinhaltet gewissermassen eine Art behördliche Beweisführungspflicht ( vgl. KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], 2016 2. Auflage, Art. 12 N. 16). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der gesetzlichen Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). 4.1.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be- weise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtserheblichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). 4.1.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeit sbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffe- nen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, er- hebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit er- heblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesent- licher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweiser- gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflus- sen (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). 4.1.4 Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor- bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin- dung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entsc heid gegebenenfalls sachgerecht an- fechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von E-3655/2019 Seite 6 denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei- standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 4.2 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe es unterlassen, weitere Ab- klärungen zu treffen, und habe in pauschaler Art nicht nur die Unglaubhaf- tigkeit seiner gesamten Vorbringen festgestellt , sondern ihm auch noch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht vorgeworfen, ohne dies genügend zu begründen. Deshalb sei die Sache zur erneuten Sachverhaltsfeststel- lung an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese anzuweisen, eine Abklä- rung bei der Schweizer Botschaft in Colombo über seine Familie anzu- strengen und ihn erneut anzuhören. 4.3 4.3.1 Der Beschwerdeführer vermengt zunächst die Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdi- gung, wenn er moniert, die Vorinstanz habe verschiedene Aspekte, wie das Alter, den Bildungsgrad und die Stellungnahme der Rechtsvertretung zum Entscheidentwurf nicht gewürdigt, welche indes klar für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sprechen . Die Vorinstanz ist im angefochtene n Ent- scheid sehr wohl auf das Alter und auf die Stellungnahme zum Entscheid- entwurf eingegangen. Soweit deren rechtliche Würdigung in Frage steht, ist nachstehend darauf einzugehen. 4.3.2 Weiter habe die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz dadurch verletzt, dass sie ihn nicht erneut angehört habe. Dabei habe seine Rechts- vertretung bereits in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf festgehal- ten, dass die Dolmetscherin trotz seiner Bitte langsamer zu sprechen, ihr Tempo nicht angepasst habe, was seine Nervosität verstärkt habe. Wes- halb er deshalb erneut angehört werden müsste, ist jedoch nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer antwortete in der Anhörung, die Dolmetscherin zu verstehen (act. 18 F1 uns S. 13) , und bestätigte dies auf Beschwerde- ebene. Ihm wurde genügend Raum geboten, sich umfassend zu seinen Gesuchsgründen und persönlichen Verhältnissen zu äussern. Auch sonst ist die Anhörung nicht zu beanstanden: Nach den einleitenden Fragen wurde er zu seinen Asylvorbringen befragt (act. 18 F40 ff.). Dabei durfte er frei reden, und die befragende Person fragte bei Unklarhei ten nach. Ab- schliessend fragte diese die Rechtsvertretung, ob diese noch Fragen habe E-3655/2019 Seite 7 (act. 18 F 105 f.), bevor sie dem Beschwerdeführer Gelegenheit für Ergän- zungen gab (act. 18 F109). Dass der Beschwerdeführer bei diversen Fra- gen lediglich sehr beschränkte, vage und ausweichende Antworten gab, ist indessen nicht der Vorinstanz vorzuwerfen. 4.3.3 Der Sachverhalt ist somit rechtsgenüglich erstellt , weshalb für das SEM kein Anlass bestand, weitere Abklärungen oder eine weitere Anhö- rung durchzuführen. Dies gilt auch hinsichtlich allfälliger Wegweisungsvoll- zugshindernisse. Die Feststellung des SEM, der Beschwerdeführer habe seine Mitwirkungspflicht verletzt, weil er unwahre Angaben über seinen Le- benslauf gemacht habe, mag zwar seltsam anmuten, ändert aber nichts an dieser Einschätzung, zumal das SEM trotzdem in der Lage war, sowohl die allgemeine Situation in Sri Lanka als auch die individuelle des Beschwer- deführers zu prüfen, wobei sie zweimal feststellte, der Weisungsvollzug sei bei Wahrunterstellung seiner Herkunft aus C._______ zumutbar. Folglich ist sie auch nicht von einer krassen Mitwirkungspflichtverletzung ausge- gangen. Weiter rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begründungspflicht, indem das SEM lediglich in pauschaler Weise vermeintliche Unglaubhaf- tigkeitselemente im Entscheid zusammengefasst habe. Es habe sich in kei- ner Weise mit seiner individuellen Situation als Waisenkind in einem (mitt- lerweile ehemaligen) Kriegsgebiet auseinandergesetzt. Es verweise pau- schal auf vermeintlich unsubstantiierte Angaben, ohne diese genau zu be- nennen, und werfe ihm wiederholt vor, dass er Ereignisse, die in seinem neunten Lebensjahr stattgefunden hätten, nicht genauer habe schildern können. Dabei sei vor dem Hintergrund seines damaligen Alters und der traumatischen Ereignisse absolut nachvollziehbar, dass er nicht mehr wisse. Auch dieses Vorbringen ist nicht geeignet, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu begründen, zumal sich die Vorinstanz nicht mit allen Aussagen einzeln auseinandersetzen muss (vgl. E. 4.1.3). Der blosse Um- stand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung des SEM nic ht teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine materielle Frage. Ausserdem zeigt die vorliegende Beschwerde, dass eine sachgerechte An- fechtung problemlos möglich war. Eine Verletzung der Begründungspflicht ist folglich zu verneinen. 4.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend weder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch der Begründungspflicht feststellen. Da sich die prozessualen Rügen des Beschwerdeführers auch unter kei-E-3655/2019 Seite 8 nem anderen Aspekt als stichhaltig erweisen, fällt die beantragte Rückwei- sung der Sache an die Vorinstanz ausser Betracht, womit das Gericht in der Sache zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hie r verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 6. 6.1 Das SEM begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers in den wesentlichen Punkten zu wenig konkret, detailliert und differenziert dargelegt worden seien und so- mit den Eindruck vermittelt hätten, er habe das Geschilderte nicht selber erlebt. In Bezug auf sein zentrales Vorbringen, dass er bei einer Nachbarin und deren Ehemann aufgezogen worden sei, eines Tages jedoch die Be- hörden von seiner Existenz erfahren hätten, seien seine Aussagen insge- samt unsubstantiiert. Er habe weder sagen können, wann er mit der Schule aufgehört habe, noch wann er nach D._______ gezogen sei (act. 18 S. 3). Zu seinem Leben in D._______ habe er lediglich sagen können, er habe in einem Haus gelebt, ohne dass er konkrete Ereignisse haben schildern kön- nen (act. 18 S. 6). Auch habe er weder zu den Aktivitäten der Eltern etwas E-3655/2019 Seite 9 sagen können (act. 18 S. 6), noch ob seine Pflegeeltern etwas mit der LTTE zu tun gehabt hätten (act. 18 S. 8). Er habe nicht einmal zu den Ereignis- sen, die zu seiner Ausreise geführt hätten, konkrete Angaben machen kön- nen (act. 18 S. 9 f.). Schliesslich habe er sich bei der Schilderung der letz- ten zwei Monate vor der Ausreise in Ungereimtheiten verstrickt. Weiter seien seine Vorbringen auch unglaubhaft, da sie der allgemeinen Erfahrung und der Logik des Handelns widersprächen. So müsse bei- spielsweise angesichts der sri -lankischen Familien strukturen bezweifelt werden, dass weder seine Mutter noch seine Pflegeeltern Geschwister ge- habt hätten (act. 18 S. 4+8), und er es von seinem Vater nicht wisse (act. 18 S. 4). Ebenfalls nicht nachvollziehbar sei, das s ihn seine Pflegeeltern quasi eingesperrt gehabt hätten, obwohl er als Kind toter LTTE -Aktivisten keine Gefahr für die Behörden dargestellt habe (act. 18 S. 9). Ebenfalls habe er nicht erklären können, weshalb der CID plötzlich nach so vielen Jahren von seiner Existenz erfahren habe (act. 18 S. 9). Bezeichnender- weise könne er auch nichts über die Besuche des CID bei der Pflegefamilie sagen (act. 18 S. 10). Schliesslich sei nicht nachvollziehbar, warum der CID ihn nicht einfach mitgenommen habe, so lange er noch zu Hause ge- wesen sei (act. 18 S. 3). Das SEM führte weiter aus, der Beschwerdeführer habe mittels Stellung- nahme seiner Rechtsvertretung vom 9. Juli 2019 zu vorstehender Argu- mentation ausführlich Stellung genommen. Zu den zahlreichen nachträg- lich vorgebrachten Ergänzungen zum Sachverhalt sei zu vermerken, dass er während der Anhörung genügend Zeit gehabt habe, spontan von seinen Erlebnissen zu berichten, was er jedoch nicht getan habe. Zudem handle es sich ohnehin um Ergänzungen, welche die fehlende L ogik seiner Vor- bringen nicht erklären und somit die Erwägungen im angefochtenen Ent- scheid kaum ändern könnten. Demzufolge würden die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforde- rungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügen, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 6.2 Der Beschwerdeführer hält dem in seiner Beschwerde im Wesentlichen entgegen, dass das SEM zu Unrecht der Ansicht sei, seine Vorbringen seien unglaubhaft. Zunächst sei in allgemeiner Hinsicht festzuhalten, dass sich seine Erzählung be reits bei summarischer Durchsicht der Akten und insbesondere der Protokolle ohne Weiteres als schlüssig, in allen wesent- lichen Punkten als widerspruchsfrei und nachvollziehbar erfolgt sei. Dies E-3655/2019 Seite 10 sei angesichts seines jungen Alters zum Zeitpunkt der Ereignisse zu seinen Gunsten zu werten. Die von der Vorinstanz monierten Punkte würden sich in pauschalen Unterstellungen und Annahmen erschöpfen, welche ange- sichts seiner kohärenten Erzählung und der zum Zeitpunkt der Befragung und Anhörung bereits mehrere Jahre zurückliegenden Ereignisse, in einer Gesamtsicht kaum ins Gewicht fallen könnten. Es bestehe offensichtlich ein Ungleichgewicht bei der Berücksichtigung der Elemente welche für oder gegen ihn sprechen würden. Weiter sei festzuhalten, dass er einen grossen Teil der Ereignisse, welche zu seiner Ausreise geführt hätten, nicht selbst erlebt habe, so sei er bei der Suche des CID nach ihm nicht anwesend gewesen. Auch wenn wirklich unklar bleibe, warum der CID erst so spät von seiner Existenz erfahren habe und zu seiner Pflegefamilie gekommen sei, so sei doch festzuhalten, dass seine Eltern langjährig und anscheinend sehr intensiv für die LTTE tätig gewesen seien und in diesem Rahmen auch umgekommen seien. Je nach Rang seiner Eltern bei der Bewegung sei es durchaus möglich, dass er auch noch Jahre nach dem Tod seiner Eltern Opfer von Reflexverfolgung geworden sei. Somit bestünden im vorliegenden Fall durchaus gewichtige Hinweise, dass er aufgrund seiner familiären Verbindungen und dem Verschwinden seiner Geschwister ein Risikoprofil aufweise, durch welches er bei einer Rückkehr asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt wäre. Daher sei er als Flüchtling an- zuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. 7. 7.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügen. Die Entgegnungen auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, die vorinstanzliche Einschätzung umzustos sen. Es kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. vorstehend E 6.1). 7.1.1 Bei Durchsicht der Akten und insbesondere der Protokolle fällt auf, dass die Antworten des Beschwerdeführers sich in sehr beschränkten, va- gen und ausweichenden Aussagen erschöpfen. Einzig als er die Flucht bei Kriegsende beschreibt und wie er seine kleinen Geschwister verloren habe, sind emotionale Regungen und Betroffenheit zu verspüren (F40). Vor dem Hintergrund, dass er an der Anhörung wiederholt behauptet hat, nichts E-3655/2019 Seite 11 über die Tätigkeit seiner Eltern bei den LTTE zu wissen, erstaunt sehr, dass er bei der Stellungnahme zum Entscheidentwurf plötzlich diesbezügliche Details nennen konnte ( bspw. die Bewegungsnamen seiner E ltern; ein Freund seines Vaters, der ihn mit dessen LTTE Fahrzeug herumgefahren und ihm Waffen gezeigt habe ). Diese sind als nachgeschoben und somit nicht glaubhaft zu qualifizieren. Er wurde sodann zu Beginn der Anhörung wiederholt darauf aufmerksam gemac ht, dass es für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen und zur Vermeidung von Missverständnissen zentral sei, dass er die Fragen so gut und so genau wie möglich beantworte (insb. Act. 18 F15 und 26), worauf er lediglich antwortete, seine Sprache sei halt so. Er reagierte wiederholt lediglich mit einem Kopfnic ken (F15, 18, 27, 19, 34,100) oder mit einsilbigen Antworten wie „ja“ oder „nein“ (bspw. F2, 3, 4, 5, 8, 10, 11, 21). Somit bestehen bereits aufgrund des Aussageverhaltens grosse Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Beschwerde- führers. Ferner kann der Beschwerdeführer auch nicht schlüssig erklären, weshalb sich der sri-lankische Staat beziehungsweise das CID zum fraglichen Zeit- punkt, etwa 10 Jahre nach Kriegsende, für ihn hätte interessier en sollen. Er war erst neun Jahre alt, als seine Eltern starben oder verschwanden, weder seine Pflegeeltern noch er selber hatten etwas mit den LTTE zu tun oder waren sonst politisch aktiv. Er meinte auf die Frage, weshalb sich die Behörden für ihn hätten interessieren sollen, lediglich vermutungsweise, diese hätten Angst gehabt, dass er für die Bewegung aktiv werden könnte (act. 18 F84). Konkrete Anhaltspunkte dafür führte er nicht an. Es ist zwar nachvollziehbar, dass er nicht viel über die Zeit zu berichten weiss, als er noch mit seinen Eltern zusammenwohnte. Hingegen kann er- wartet werden, dass er sich substanziierter über seine Zeit mit den Pflege- eltern hätte äussern können, auch hins ichtlich der angeblichen Besuche des CID bei diesen, selbst wenn die Pflegemutter diese anfangs nicht of- fenbarte. Weiter erscheint nicht sehr wahrscheinlich, dass in der Ukraine, nachdem er fünf Tage durch den Wald gelaufen sei, plötzlich ein Taxi aufgetaucht sei und ihn bis nach Italien gefahren habe (act. 18 F98). Es ist bereits nicht nachvollziehbar, woher seine Pflegemutter das viele Geld gehabt haben soll, um für den Beschwerdeführer ein Flugticket zu kaufen, ihm einen Pass zu besorgen und innert kürzester Zeit die Ausreise zu organisieren. E-3655/2019 Seite 12 7.1.2 Zusammenfassend bestehen überwiegende Zweifel an der Glaub- haftigkeit der Suche des CID nach dem Beschwerdeführer zwecks Verhaf- tung und allfälliger Erschiessung. Der Beschwerdeführer hat folglich vor seiner Flucht aus Sri Lanka keine ernsthaften Nachteile erfahren und hatte auch keine zu befürchten, die im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG als asylre- levant zu bezeichnen wären. 7.1.3 Schliesslich ist auch nichts zu erkennen, das im Sinne des Referen- zurteils des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 ein Risiko bei der Rückkehr begründen könnte. Nachdem die Asylvorbrin- gen des Beschwerdeführers unglaubhaft ausgefallen sind, er selbst keine aktuelle Verbindung zu den LTTE aufweist und keine glaubhafte Reflexver- folgung vorliegt, erfüllt er keine der in diesem Urteil erwähnten stark risiko- begründenden Faktoren. Weiter wurde er keiner Straftat angeklagt oder verurteilt und verfügt somit auch nicht über einen Strafr egistereintrag. Al- leine aus der tamilischen Ethnie und der nicht mal ein Jahr dauernden Lan- desabwesenheit kann er keine Gefährdung ableiten. Aufgrund der Akten- lage ist somit nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden gelangen sollte. 7.2 Die Vorinstanz ha t somit zurecht die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). E-3655/2019 Seite 13 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegende n Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben si ch weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter E-3655/2019 Seite 14 oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihm jedoch nicht gelungen, sind die Ausfüh- rungen zur generellen Lage in Sri Lanka doch nicht geeignet, ein „real risk“ des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 EMRK zu begründen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.1 Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (mit Ausnahme des „Vanni- Gebiets“) zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar- keitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder so- zialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom- mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (Urteil E -1866/2015 E. 13.2). Im als Referenzurteil publizierten Entscheid D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 erachtet das Bundesverwaltungsgericht sodann auch den Wegweisungsvollzug ins „Vanni-Gebiet“ als zumutbar (E. 9.5). 9.4.2 Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach C._______ (Nordprovinz), wo der Beschwerdeführer angeblich zuletzt ge- wohnt hat, zutreffend bejaht. Daran vermögen auch die geltend gemachten aktuellen politischen Entwicklungen sowie die neusten Gewaltvorfälle in Sri Lanka am 22. April 2019 und der gleichentags von der sri -lankischen Re- gierung verhängte Ausnahmezustand (vgl. Neue Zürcher Zeitung vom 23. April 2019: Sri Lanka sieht Jihadisten am Werk) nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer ist ein junger Mann, ohne schwerwiegende gesundheit- liche Probleme, mit einer minimalen Schulbildung und gewisser Arbeitser- fahrung in der Landwirtschaft. Selbst wenn seine Eltern und Geschwister verstorben beziehungsweise verschollen sein sollten und er nicht zu seiner Pflegefamilie zurückkehren könnte, ist davon auszugehen, dass er in sei-E-3655/2019 Seite 15 ner heimatlichen Umgebung über ein tragfähiges Beziehungsnetz und zu- mindest über eine vorübergehend gesichert e Wohnsituation , beispiels- weise im Tempel, in welchem er sich vor seiner Ausreise eine gewisse Zeit aufgehalten habe, verfügt, womit es ihm gelingen dürfte, sich dort in sozi- aler und beruflicher Hinsicht wiedereinzugliedern. Der Vollzug erweist sich deshalb auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sac hverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 11. 11.1 Der Beschwerdeführer hat die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 Vw VG) und die Einsetzung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin (Art. 102 m Abs. 4 AsylG) beantragt. 11.2 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die nicht über die er- forderlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfah- renskosten befreit, wenn ihre Begehren im Zeitpunkt der Gesuchseinrei- chung nicht aussichtslos erscheinen. Nach den vorstehenden Erwägungen ist festzustellen, dass die Beschwerdebegehren als aussichtslos zu be- zeichnen waren, womit die Voraussetzungen für die Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind. Das entsprechende Gesuch ist unbesehen der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuwei- sen. Das Ersuchen um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos geworden. E-3655/2019 Seite 16 11.3 Das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung im Sinn Art. 102m Abs. 1 Bst. a und Abs. 4 AsylG ist mangels Erfüllens der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen. 11.4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens s ind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-3655/2019 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Nira Schidlow Versand: