Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. August 2015 (720 15 93 / 192) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruchsvoraussetzungen der Arbeitsvermittlung im Sinne von Art. 18 Abs. 1 IVG nicht erfüllt Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber i.V. Lukas Meyer Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Arbeitsvermittlung A. Die am 14. Oktober 1968 geborene A.____ meldete sich am 23. Juli 2014 unter Hinweis auf Stottern bei der Eidgenössischen Invalidenversi cherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfah- rens wies die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle ) das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 10. Februar 2015 ab. Die Versicherte sei gemäss den medizinischen Unterlagen 100 % arbeits- fähig, weshalb keine Unterstützung durch die IV-Arbeitsvermittlung möglich sei. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen hat die Versicherte am 3. März 2015 Beschw erde an das Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanto nsgericht), erhoben. Darin beantrag- te sie sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfü gung sowie die Unterstützung durch die Arbeitsvermittlung der IV. Zudem beantragte sie d ie unentgeltliche Prozessführung. Zur Be- gründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass sie auf grund ihres Stotterns bei der Ar- beitssuche eingeschränkt und deshalb auf die Hilfe der IV-Stelle angewiesen sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 24. März 2015 hielt die IV-Stelle an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 13. April 2015 bewilligte das i nstruierende Präsidium des Kantonsge- richts die unentgeltliche Prozessführung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 3. März 2015 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist der Anspruch auf Arbeitsver mittlung der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass de r angefochtenen Verfügung vom 10. Februar 2015 entwickelte. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Ausgangspunkt jedes Anspruchs auf berufliche Massnahme n der IV ist das Vorhanden- sein eines (drohenden) invalidisierenden Gesundheitsschad ens. Die Gewährung von Leistun- gen der IV setzt somit grundsätzlich voraus, dass die versich erte Person invalid oder – falls Eingliederungsmassnahmen beansprucht werden – von einer Invalidität bedroht ist. Invalid ist eine Person, die voraussichtlich bleibend oder längere Ze it ganz oder teilweise erwerbsunfähig ist (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Die Invalidität kann Folg e von Geburtsgebrechen, Krank- heit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Sie gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begrün- dung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmö glichkeiten auf dem in Betracht kom- menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Ab s. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Janu- ar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliessl ich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwe rbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Arbeitsunfähig ist eine Person, welche, bedingt d urch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, ganz oder teilweise unfähig ist, im bisheri- gen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu lei sten (Art. 6 Satz 1 ATSG). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and ern Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Art. 6 Satz 2 ATSG). 4.1 Nach dem Grundsatz von Art. 8 Abs. 1 IVG haben Inval ide oder von einer Invalidität be- drohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (vgl. E. 3.1 hiervor), soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit ode r die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a), und soweit die Voraus- setzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). In Konkretisie- rung der für die Eingliederung massgebenden Voraussetz ung einer drohenden Invalidität be- stimmt Art. 1 novies der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) v om 17. Januar 1961, dass eine solche nur dann und insoweit vorliegt, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eint ritts der Erwerbsunfähigkeit ist dabei unerheblich. 4.2 Im Zusammenhang mit dem vorliegend strittigen Ansp ruch auf Arbeitsvermittlung be- stimmt Art. 18 Abs. 1 IVG, dass arbeitsunfähige Versiche rte, welche eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines ge eigneten Arbeitsplatzes sowie auf begleitete Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhal tung ihres Arbeitsplatzes haben. Die IV- Stelle hat diese Massnahmen unverzüglich zu veranlassen, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (A rt. 18 Abs. 2 IVG). Zur Arbeitsvermittlung nach Art. 18 Abs. 1 Satz 1 IVG ist somit nur berechtigt , wer aus invaliditätsbedingten Gründen spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz oder den Ar beitgeber stellen muss und demzufol- ge aus invaliditätsbedingten Gründen für das Finden e iner Stelle auf das Fachwissen und die entsprechende Hilfe der Vermittlungsbehörden angewiesen ist. Der Anspruch auf eine bestimm- te Eingliederungsmassnahme der IV setzt dabei im Weite ren voraus, dass sie sich zur Errei- chung des von ihr bezweckten Eingliederungszieles eignet: Nicht nur objektiv mit Bezug auf die Massnahme, sondern auch subjektiv mit Bezug auf die Person des Versicherten (AHI-Praxis 3/2002, S. 109). Denn eingliederungswirksam kann eine Massnahme nur sein, wenn der An- sprecher selber wenigstens teilweise eingliederungsfähig ist (ULRICH MEYER -BLASER , Zum Ver- hältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Diss. Bern 1985, S. 85). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Wie der bundesrätlichen Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Invali- denversicherung (5. Revision) vom 22. Juni 2005 zu entnehm en ist, sieht Art. 18 IVG vor, dass alle stellenlosen Personen, die ihre bisherige Tätigk eit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, Anspruch auf Arbeitsvermittlung d urch die IV haben. Dies gilt somit auch für Arbeitnehmende, die in einer angepassten (Hi lfs-)Tätigkeit noch voll arbeitsfähig sind. Durch die Ausweitung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlun g der IV, die auf die Vermittlung von gesundheitlich eingeschränkten Personen spezialisiert ist, können die Eingliederungsinstrumen- te für unqualifizierte Versicherte verbessert werden. Da bei ist eine enge Zusammenarbeit mit den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren vorgesehen ( vgl. Botschaft zur Änderung des Bun- desgesetzes über die Invalidenversicherung [5. Revision] vo m 22. Juni 2005, in: Bundesblatt [BBl] 2005 S. 4522 und 4524). Der Botschaft zufolge sei das bestehende System in Bezug auf die Arbeitsvermittlung unzureichend. Ein Anspruch auf A rbeitsvermittlung sei bisher nur gege- ben gewesen, wenn die versicherte Person bei der Suche einer geeigneten Arbeitsstelle wegen ihres Gesundheitszustands Schwierigkeiten gehabt habe oder wenn sie invaliditätsbedingt spe- zielle Anforderungen an den Arbeitsplatz oder den Arbeitgeber stellen musste. Bisher sei die IV nicht für andere Gründe der erschwerten Stellensuche – w ie Stellenmangel auf dem Arbeits- markt – eingetreten. Angesichts des angespannten Arbei tsmarktes fänden jedoch gesundheit- lich eingeschränkte Hilfskräfte nur schwer eine neue, der Behinderung angepasste Stelle, was oft zur Aussteuerung bei der Arbeitslosenversicherung un d durch die lange Arbeitslosigkeit zu einer Verstärkung der ursprünglichen gesundheitlichen P robleme bzw. zu zusätzlichen psychi- schen Schwierigkeiten führe (vgl. BBl 2005 S. 4522). In Kenntnis dieser Problematik hat der Gesetzgeber eine Gesetzesänderung vorgenommen und festge halten, dass die bisherige Pra- xis des Bundesgerichts, wonach in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähigen Hilfsarbeitern der Anspruch auf Arbeitsvermittlung verwehrt wurde, un zureichend ist. Folglich haben seit der 5. IV-Revision auch Versicherte, welche gesundheitsbedingt in der bisherigen Tätigkeit einge- schränkt, in einer adaptierten Tätigkeit aber vollumfäng lich arbeitsfähig sind, Anspruch auf Ar- beitsvermittlung (vgl. zum Ganzen S ILVIA BUCHER , Eingliederungsrecht der Invalidenversiche- rung, Bern 2011, Rz. 835 ff.; Kreisschreiben über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art, gültig ab 1. Januar 2013, Rz. 5005; Urteil des S ozialversicherungsgerichts Zürich vom 24. Juni 2009, IV.2008.00617, E. 5.3; KGE SV vom 6. Januar 2010, 720 09 101, E. 9.2). 5.1 Im Hinblick auf die Beurteilung der Frage, ob die Beschwerdeführerin die geschilderten Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung einer Arbeit svermittlung erfüllt, gilt es daher zu prüfen, ob sie an gesundheitlichen Beeinträchtigungen leidet, welche sie in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen, BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztli- chen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die B eurteilung der Zumutbarkeit, also der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zulet zt ausgeübte Berufsarbeit von der versi- cherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnis- sen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise no ch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhau- ser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an för mliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössisch en Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung en) mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So darf und soll das Gericht in Bezug auf Berichte von behandeln- den Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass d iese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unter schiedliche Natur von Behandlungs- auftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerse its und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseit s (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutach- ten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abkl ärungen zu nehmen, wenn die be- handelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gel angen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, wei l die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation e ntspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g eblieben sind (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Schliesslich ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht noch darauf hinzuweisen, dass der So- zialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist . Danach haben der So- zialversicherer und das Gericht von Amtes wegen für die ri chtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grund satz gilt indessen nicht unbe- schränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspfli chten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). We gen der Massgeblichkeit des Untersu- chungsgrundsatzes entfällt im Sozialversicherungsrecht eine Beweisführungslast. Immerhin tragen die Parteien im Sozialversicherungsverfahren eine dahingehende Beweislast, als im Fal- le der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewie- sen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (BGE 121 V 208 E. 6a, 115 V 133 E. 8a). 6.1 Im Zentrum der medizinischen Beurteilung der gesun dheitlichen Verhältnisse der Be- schwerdeführerin und deren Arbeitsfähigkeit stehen die von der IV-Stelle eingeholten medizini- schen Berichte der behandelnden Ärztinnen: 6.2 Im Arztbericht vom 29. August 2014 stellt Frau Dr. m ed. B.____, FMH Innere Medizin, fest, dass die Versicherte seit der Kindheit an Stottern leide. Zudem diagnostiziert sie eine chronische Rhinitis, ein myofasciales Schmerzsyndrom bei Myalg ien im Nacken und Schulter- gürtel, eine rechtsseitige Kiefergelenksarthropathie, e in Hämangiom der Leber, eine Mikrohä- maturie bei Status nach Polypektomie im Sigma sowie eine leichte Depression. In ihrer ange- stammten Tätigkeit als Putzkraft sei die Beschwerdeführeri n unter Berücksichtigung des Stot- terns zu 100 % arbeitsfähig. Somit sei ihr die bisher ige Tätigkeit aus medizinischer Sicht zu- mutbar. Es bestehe auch keine verminderte Leistungsfähigkeit. 6.3 Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostiziert in ihrem Arztbe- richt vom 3. Oktober 2014 bei der Beschwerdeführerin mi t Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit ein Stottern (ICD-10 F33.4). Ohne Auswirkungen au f die Arbeitsfähigkeit sei eine rezidivie- rende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4). Dr. C.____ führt aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des Stotterns nur Stellen als Putzkraft habe annehmen können, da sie Tätigkeiten, bei welchen sie auf Kommunikation a ngewiesen sei, nicht ausüben könne. Die bisherige Tätigkeit sei ihr aus medizinischer Sicht zu mutbar. Die Wiederaufnahme der be- ruflichen Tätigkeit sei im Umfang von 100 % ab sofort möglich. 7.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass es ihr au fgrund einer massiven Sprachstö- rung nicht möglich sei, wieder in den Arbeitsmarkt einz usteigen. Sie sei kaum in der Lage ein Telefongespräch zu führen und werde deshalb auch nicht zu Vorstellungsgesprächen eingela- den. Daher sei sie auf die Hilfe der IV-Arbeitsvermitt lung angewiesen. Der Auffassung der Be- schwerdeführerin kann nicht gefolgt werden. Art. 18 A bs. 1 IVG hält fest, dass arbeitsunfähige Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes sowie auf begleitete Be ratung im Hinblick auf die Aufrechter- haltung ihres Arbeitsplatzes haben. Der bundesrätlichen Botschaft zur Änderung des Bundes- gesetzes über die Invalidenversicherung (5. Revision) vom 22. Juni 2005 ist zu entnehmen, dass Art. 18 IVG vorsieht, dass alle stellenlosen Personen, die ihre bisherige Tätigkeit aus ge- sundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV haben (vgl. E. 4.3 hiervor). Die medizinischen Berich te der behandelnden Dres. B.____ und C.____ belegen bei der Beschwerdeführerin jedoch eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in ihrer bisherigen Tätigkeit. Zudem geht die Beschwerdeführerin selbst in ihrer Beschwerdeschrift mit der Annahme der IV-Stelle einher, dass sie keine gesund heitlichen Einschränkungen habe. Somit ist erwiesen, dass die Versicherte in ihrer angesta mmten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Auch die Tatsache, dass die versicherte Person bei de r Suche nach einer geeigneten Ar- beitsstelle aus gesundheitlichen Gründen Schwierigkeit en hat, vermag – entgegen der vor der 5. IV Revision ergangenen Rechtsprechung (vgl. BGE 116 V 80 E. 6a, Urteil des Bundesge- richts vom 15. Juli 2002, I 421/01, E. 2c) – aufgrund d es Wortlauts von Art. 18 Abs. 1 IVG kei- nen Anspruch auf Arbeitsvermittlung zu begründen, da keine Arbeitsunfähigkeit in der bisheri- gen Tätigkeit besteht. Bei der Beschwerdeführerin lieg t demgemäss offensichtlich keine Ar- beitsunfähigkeit vor, weshalb der Anspruch auf Arbeitsve rmittlung der IV im vorliegenden Fall zu verneinen ist. 7.2 Daran vermag auch das am 8. April 2015 durch den b ehandelnden Arzt Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, ausgestellte A rbeitsunfähigkeitszeugnis nichts zu än- dern. Dr. D.____ hält fest, dass eine körperlich leichte Tätigkeit, die überwiegend im Sitzen mit gelegentlichem Stehen oder Gehen ausgeführt werden k önne, während fünf Stunden pro Tag mit einer Leistungseinbusse von 20 % möglich sei. Die A rbeitsfähigkeit entspräche in diesem Fall insgesamt 50 %. Dem Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 8. April 2015 ist keine massgebliche Beweiskraft zuzuerkennen, welche die zuvor von Dr. B.___ _ und Dr. C.____ festgestellte Ar- beitsfähigkeit in Zweifel zu ziehen vermag, da der beh andelnde Arzt keine Diagnosen stellt und sich in keiner Weise über den Gesundheitszustand der Beschw erdeführerin äussert. Daher kann offen gelassen werden, ob das nach der Verfügung vom 10. Februar 2015 ausgestellte Arbeitsunfähigkeitszeugnis für die Beurteilung des Sachverhalts in zeitlicher Hinsicht beachtlich ist. Bei einer erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug bei der IV müsste die Beweiskraft die- ses Zeugnisses und dessen Einfluss auf den Sachverhalt jedoch von der IV-Stelle beurteilt werden. 8. Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzustellen, da ss der Entscheid der IV- Stelle nicht zu beanstanden und die Beschwerde der Versicherten demzufolge abzuweisen ist. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kanto- nalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahren skosten werden nach dem Verfah- rensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen vo n Fr. 200.-- bis Fr. 1’ 000.-- festge- legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des bundesr echtlichen Kostenrahmens ein- heitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdefüh- rerin unterlegene Partei, weshalb ihr die Verfahrensko sten zu überbinden sind. Der Versicher- ten ist allerdings mit Verfügung vom 13. April 2015 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse ge- nommen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 9.3 Da die Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwer deverfahren nicht anwaltlich ver- treten war, werden die ausserordentlichen Kosten entsp rechend dem Ausgang des Verfahrens wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht