Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. April 2019 (720 19 44 / 104) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Stephan Bläsi, Rechtsan- walt, Birsigstrasse 34, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1972 geborene A.____ arbeitete als Plattenleg er für die B.____ AG und war in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er am 8. Oktober 2014 als Lenker eines Personenwagens auf d er Autobahn einen Verkehrsunfall erlitt. Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen des Unfallereignisses und er- brachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilbeha ndlung und Taggeld). Am 30. März 2015 meldete sich A.____ unter Hinweis auf unfallbedingte Beschwerden am Bewegungsapparat bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse ab und sprach dem Versicherten nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 7. Januar 2019 eine befristete ganze Rente vom 1. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016 zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Stephan Bläsi, mit Schreiben vom 6. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsg ericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei in Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung die IV-Stelle zu verpflichten, zusätzliche Sachver haltsabklärungen zu treffen und danach über den Rentenanspruch erneut zu entscheiden. Ausserdem sei ihm die unentgeltliche Rechts- pflege zu bewilligen. C. Mit Verfügung vom 12. Februar 2019 wurde dem Besch werdeführer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Stephan Bläsi als Rechtsvertreter bewilligt. D. Mit Eingabe vom 12. Februar 2019 reichte der Beschw erdeführer eine E-Mail-Korres- pondenz zwischen ihm und Prof. Dr. med. C.____ vom 4. bzw. 11. Februar 2019 zu den Akten. E. In ihrer Vernehmlassung vom 28. Februar 2019 beant ragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fo rm- und fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die I V-Stelle dem Beschwerdeführer zu Recht lediglich eine vom 1. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016 befristete ganze IV-Rente zugesprochen hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and ern Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d des Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Beschwerdeführer – zu Recht – nicht bestritten wird. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur ( BGE 143 V 409 und 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte I ndikatoren beachtlich, die – unter Berück- sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktor en einerseits und Kompensationspo- tentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tats ächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4-3.6 und 4.1 ). Gemäss altem Verfahrensstandard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten verlieren nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfall s mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). 5.1 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.2 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis-würdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2 001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfah- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt- nisse hervor. Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen, zu welchen RAD-Berichte gehö- ren, kommt nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Ger ichtsgutachten. An die Beweiswürdi- gung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Be stehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ä rztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit dem Beweiswert von exte rnen medizinischen Sachverständigen- gutachten (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353) vergleichbar, wenn sie den von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen (SVR 2009 IV Nr. 56 S. 174, 9C_323/2009 E. 4.3.2). Die IV-Stellen werden aber stets externe Gutachten einholen, wenn der ausgeprägt interdisziplinäre Charakter einer medizinische n Problemlage dies gebietet sowie wenn der RAD nicht über die fachlichen Ressourcen verfügt, um eine sich stellende Frage beant- worten zu können. Dasselbe gilt, wenn zwischen RAD-Bericht und allgemeinem Tenor im medi- zinischen Dossier eine Differenz besteht, welche nicht offensichtlich auf unterschiedlichen versi- cherungsmedizinischen Prämissen (vgl. SVR 2007 IV Nr. 33 S. 117, I 738/05 E. 5.2) beruht (BGE 137 V 210, E. 1.2.1). 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerd eführers liegen im Wesentli- chen die folgenden ärztlichen Unterlagen vor: 6.1 Aus dem Austrittsbericht des Spitals D.____ ergibt sich, dass infolge des Unfalls am 8. Oktober 2014 notfallmässig eine CT-Trauma-Spirale zum Ausschluss von schweren Organ- verletzungen sowie ossären Läsionen durchgeführt wurde. Diese habe keine Hinweise auf Blu- tungen, Frakturen bzw. Organverletzungen ergeben. Während dem stationären Aufenthalt verlief die Überwachung unauffällig. Am 09. Oktober 2014 sei eine Abdomensonographie durchgeführt worden, die keine freie Flüssigkeit oder sekundäre Verletzung aufgedeckt habe. Unter Analgesie sei der Patient zunehmend beschwerdefrei gewesen, so d ass er schon am gleichen Tag nach Hause habe entlassen werden können. 6.2 Dr. phil. E.____, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, Klinik F.____, hält in ihrer Beurteilung vom 13. April 2015 zu Handen der Suva eine chronische Schmerzstörung mit soma- tischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie eine Anpassungsstörung mit längerer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) fest. Der Versicherte zeige depressive Symptome wie in- nere Unruhe und Gereiztheit, Grübeln, Schwarz-Weiss-Den ken und stark katastrophisierende Gedanken bezüglich seiner Zukunft. 6.3 Gemäss MRT-Untersuchung des Neurocraniums und der HWS vom 17. April 2015 durch das G.____ zeigen sich keine posttraumatischen Veränderungen. 6.4 Gestützt auf die neurologische Untersuchung vom 1. Jun i 2015 hält Dr. med. H.____, FMH Neurologie, in seinem Bericht vom 8. Juni 2015 fest, dass unter Berücksichtigung der allge- meinen medizinischen Erfahrung und insbesondere mit Blick auf den MRI-Befund des Schädels vom 17. April 2015, wo auch auf den Hämosiderin-sensitiven 3D SWI-Sequenzen keine postkon- tusionellen Veränderungen nachgewiesen worden seien, da von ausgegangen werden könne, dass keine organischen Residuen persistieren würden. Die Defizite seien als Folge von Interfe- renzfaktoren zu interpretieren, in erster Linie von psychi schen. Die vom Versicherten geklagten multiplen Beschwerden seien aus somatischer Sicht „schwierig unter einen Hut zu bringen“; das bunte Beschwerdebild sei letztlich unspezifisch und als psycho somatisch zu interpretieren. Auf- fällig sei zudem die vom Beschwerdeführer beschriebene Beschwerdeexazerbation erst 6 Wo- chen nach dem Trauma „ohne Grund“. Zusammenfassend sei von einer Unfallfehlverarbeitung auszugehen. Es bestünden auch emotionale Konflikte und psychosoziale Belastungsfaktoren. Eine diesbezügliche intensivere Behandlung sei dringend indiziert. 6.5 Mit Bericht vom 9. Oktober 2015 führt Dr. med. I .____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, gestützt auf die kreisärztliche Untersuchung vom gleichen Tag und in Übereinstimmung mit der medizinischen Einschätzung von Dr. H.____ aus, dass im Rahmen der nach dem Unfallereignis bereits durchgeführten umfangreichen und absolut ausreichenden Diagnostik keine strukturellen Läsionen nachgewiesen worden seien, welche ur- sächlich auf das Ereignis vom 8. Oktober 2014 zurückzuführe n seien. Bei seiner Untersuchung habe sich gezeigt, dass die HWS vor allem bei der Kopfneigung nach rechts und bei der Drehung nach rechts eingeschränkt gewesen sei. Aus seiner Sicht würden aktuell keine Unfallfolgen mehr vorliegen. 6.6 Gestützt auf eine weitere MRI-Untersuchung vom 25. September 2015 erwähnen die Ärzte der Klinik K.____ mit Bericht vom 26. Oktober 2015 einen funktionellen Rotationsfehler des Dens gegenüber dem Atlas und einen rechtsseitigen Reizerguss zwischen den Gelenken. 6.7 Nachdem die Suva zum Schluss gekommen war, dass ab 9. O ktober 2015 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht auszugehe n sei, gab die IV zur Klärung des psychiatrischen Sachverhalts ein Gutachten bei Dr. med. L.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, in Auftrag. Aus dem von Dr. L.____ am 19. September 2017 erstatteten psychiatrischen Gutachten sind keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar beitsfähigkeit zu entnehmen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wird eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aufgeführt. Der Versicherte sei in der bisherigen wie auch in jeder anderen beruflichen Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.8 Mit RAD-Bericht vom 12. Oktober 2017 hält Dr. med . M.____, FMH Orthopädie und FMH Physikalische und Rehabilitative Medizin, als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Verkehrsunfall am 8. Oktober 2014 mit multiplen Prellungen und in der Folge ein buntes Bild an somatischen Beschwerden ohne organische s Korrelat fest. Es fänden sich keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine chronische Schmerzstörun g mit somatischen und psychischen Faktoren angeführt. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit halte Dr. L.____ fest, dass der Versicherte keinen erlernten Beruf habe, so dass keine eigentliche Bezugsgrösse hinsichtlich einer ange- stammten Tätigkeit vorliege. Zuletzt habe er als angel ernter Fenstermonteur und wenige Tage als Plattenleger gearbeitet. Die Arbeitsunfähigkeit habe mit dem Unfall vom 8. Oktober 2014 be- gonnen. Somatisch sei der Abschluss mit der kreisärztlichen Untersuchung vom 9. Oktober 2015 und psychiatrisch mit der Beurteilung durch Dr. L.____ i m Rahmen seines psychiatrischen Gut- achtens vom 19. September 2017 vorgenommen worden. Es würden sich rückwirkend keine Hin- weise dafür finden, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychi atrischer Sicht jemals während längerer Zeit eingeschränkt gewesen sei. In somatischer Hinsicht we ist Dr. M.____ auf die kreisärztliche Beurteilung vom 9. Oktober 2015 hin. Zusammenfassend führt er aus, dass vom 8. Oktober 2014 bis 8. Oktober 2015 eine volle Arbeitsunfähigkeit besta nden habe. Ab der kreisärztlichen Unter- suchung vom 9. Oktober 2015 bestehe jedoch bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 0 %. Leichte und mittelschwere körperliche Tätigkeiten, vorzugsw eise im Wechselrhythmus, seien dem Beschwerdeführer vollschichtig zumutbar, wobei dieses Verweisprofil ab der genannten Un- tersuchung vom 9. Oktober 2015 gelte. 6.9 Im Einwandverfahren äussert sich Dr. M.____ mit Be richt vom 20. August 2018 erneut zur medizinischen Situation. Dabei gelangt er in einer Gesamtschau zum Schluss, dass nach ausführlicher und sehr umfassender radiologischer, auge närztlicher, neurologischer, HNO- ärztlicher, orthopädischer und traumatologischer Diagnost ik und Stellungnahme eine umfas- sende Abklärung des Beschwerdeführers aus somatischer Sicht vorliege. Es würden unverändert keine eigenständigen unfallunabhängigen somatischen Erkr ankungen vorliegen. Demnach könne von somatischer Seite ebenfalls unverändert auf die kreisärztliche Beurteilung abgestützt werden, womit aus somatischer Sicht ab 9. Oktober 2015 eine Arbeitsfähigkeit von 100 % vor- liege. 6.10 Mit RAD-Bericht vom 22. August 2018 führt Dr. med . N.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, aus, es könne auf das Gutachten von Dr. L.____ vom 19. September 2017 abgestellt werden, wonach keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe ge- stellt werden können. Demzufolge liege keine psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit vor. 6.11 Dr. med. O.____, FMH Physikalische und Rehabilitat ive Medizin, Leitende Ärztin Klinik F.____, nennt in ihrem Bericht vom 23. Januar 2019 a ls Diagnosen ein kranio-zervikales Be- schleunigungstrauma am 8. Oktober 2014, eine dystonische Kopfhaltung nach links, eine chroni- sche Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren s owie eine Anpassungsstö- rung mit längerer depressiver Reaktion. Der Patient berichte, seine kognitiven Funktionen seien etwas besser geworden. Er könne sich besser konzentrier en und er sei etwas klarer im Kopf, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht jedoch hätten die Schmerzen im lumbovertebralen Ber eich im Verlauf zugenommen. Zum jetzi- gen Zeitpunkt beklage er vor allem eine starke muskuläre Anspannung im Bereich des Nackens, des gesamten Rückens bis in das Sakrum ausbreitend über den Brust-Bereich und Rippen sowie bis in beide Arme. Der Blick nach links sei möglich, Kop fdrehung nach rechts gelinge ihm nicht. Zusätzlich habe er beim Mundöffnen ein „Knackgefühl“ in den Kiefergelenken. Er leide unter wie- derholten, ca. einmal wöchentlich auftretenden und ca. 12 Std. andauernden Migräne-Anfällen. Weiterhin habe er einen anhaltenden Tinnitus, leide unter starker Ermüdbarkeit, fehlender Kraft und reduzierter Belastbarkeit. 7. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 7. Januar 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten in somatischer Hinsicht vollumfänglich auf die Beurteilungen des Suva -Kreisarztes sowie des RAD-Arztes Dr. M.____ und in psychiatrischer Hinsicht auf das Gutachten von Dr. L.____ vom 19. September 2017 sowie die Einschätzung der RAD-Ärztin Dr. N.____ vom 22. August 2018. Sie ging demzu- folge davon aus, dass der Beschwerdeführer ab 8. Oktober 2014 bis 8. Oktober 2015 voll arbeits- unfähig, ab 9. Oktober 2015 aber in einer angepassten Tätigkeit (leichte und mittelschwere kör- perliche Tätigkeiten, vorzugsweise im Wechselrhythmus) v oll arbeitsfähig gewesen sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hier- vor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärz- tinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobacht ungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb- nissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraf t zuzuerkennen, solange nicht kon- krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das psychiatrische Gutachten von Dr. L.____ weist wede r formale noch inhaltliche Mängel auf. Aber auch die vorliegenden somatischen Beurteilung en der Suva-Kreisärzte und der RAD- Ärzte vermögen zu überzeugen und es liegen keine Anhaltspunkte vor, welche Zweifel an diesen Berichten erwecken würden. An dieser Einschätzung vermag auch die nachgereichte Stellungnahme von Dr. O.____ nichts zu ändern. Aus dieser Stellungnahme ergeben sich keine neuen medizinischen Aspekte. Zu Recht weist Dr. M.____ darauf hin, dass Dr. O.____ lediglich die bekannten und mehrfach abgeklärten Diagnosen aufgelistet und die aktuellen Beschwerden des Versicherten aus ausschliesslich sub- jektiver Sicht aufgenommen hat. Die dabei geklagten Be schwerden sind in der Tat diffuser und unspezifischer Natur und spiegeln funktionelle Beschwerd en wieder. In kognitiver Hinsicht wird sogar eine Besserung festgestellt. Ein klinischer Befund o der weitere Untersuchungsbefunde werden von Dr. O.____ nicht dargetan. Die vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren ein- gereichte e-Mail-Antwort von Prof. C.____ vom 11. Februar 2019 erschöpft sich darin, festzustel- len, dass eine klinische Untersuchung ohne eingehende Beurteilung der Kausalitätsfrage als nicht hilfreich erachtet werde; vielmehr bedürfe es dazu ein es Gutachtens, welches von einer unab- hängigen Drittstelle zu erstellen sei. Da die Klinik F.____ ein Behandlungsmandat innehabe, gelte diese als nicht unabhängig. Für den vorliegenden Sachverhalt lässt sich aus dieser e-Mail nichts ableiten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Gestützt auf die obigen Ausführungen ergibt sich, d ass die Vorinstanz zu Recht auf das Gutachten von Dr. L.____ vom 19. September 2017 sowie die diversen RAD-Berichte abgestellt hat. Demzufolge ist die Vorinstanz zu Recht davon ausg egangen, dass der Beschwerdeführer vom 8. Oktober 2014 bis 8. Oktober 2015 zu 100% arbei tsunfähig und ab 9. Oktober 2015 voll arbeitsfähig war. Damit erweist sich die Zusprache ei ner befristeten ganzen Invalidenrente vom 1. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016 als korrekt. Die vorliegende Beschwerde ist folglich abzu- weisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom S treitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich- tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich a uf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Ver- fahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdefüh rer ist nun allerdings mit Verfügung vom 12. Februar 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 9.2 Entsprechend dem Prozessausgang wird keine Parteient schädigung zugesprochen. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 12. Februar 2019 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist di eser für seine Bemühungen aus der Ge- richtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tariford nung für die Anwältinnen und An- wälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.- - pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers h at in seiner Honorarnote vom 25. März 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zei taufwand von 7.16 Stunden geltend ge- macht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemes- sen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgew iesenen Auslagen von Fr. 245.30. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘806.45 (7.16 Stunden à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 245.30 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse aus- zurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den dem Beschwer- deführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘806.45 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht