<h2>SubmittedText<h2><p>Im November 2017 wurde die im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) erstellte Studie "Potenziale, Kosten und Umweltauswirkungen von Stromproduktionsanlagen" (Autoren Christian Bauer und Stefan Hirschberg vom Paul-Scherrer-Institut) publiziert. Die in der Studie publizierten Stromgestehungskosten weichen teilweise stark von andernorts genannten, aktuellen Gestehungskosten für neugebaute Stromproduktionsanlagen ab. "Aktuelle" Gestehungskosten beziehen sich in der Studie zudem auf die Jahre 2015/16, was bei einem Publikationszeitpunkt November 2017 und dem aktuell schnellen Preisverfall bei gewissen Technologien fragwürdig erscheint. Darum bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Gestehungskosten für neugebaute Stromproduktionsanlagen verwendete er für seine Szenarien im Rahmen der Energiestrategie 2050?</p><p>2. Wie hoch sind die aktuellen Gestehungskosten (Ende 2017) von 10-Kilowatt-Fotovoltaikanlagen für Neu-/Bestandsbauten in der Schweiz (bitte differenzieren für integrierte und angebaute Anlagen)?</p><p>3. Wie hoch sind die aktuellen Gestehungskosten (Ende 2017) von Offshore-Windenergie-Anlagen in europäischen Gewässern (Deutschland, Grossbritannien usw.)?</p><p>4. Kann das Bundesamt für Energie als Auftraggeberin der Studie bestätigen, dass die Gestehungskosten von neuen Kernenergieanlagen im europäischen Ausland, wie publiziert, bereits 5,1 Rappen pro Kilowattstunde oder mehr betragen? Worauf basiert diese Zahl? Wie hoch liegen die voraussichtlichen Gestehungskosten von Hinkley Point C, wenn die Indexierung der Einspeisevergütungen und die tatsächlichen Entsorgungskosten für radioaktive Abfälle mitberücksichtigt werden?</p><p>5. Wie erklärt sich das Bundesamt für Energie als Auftraggeber der Studie die offensichtlichen Divergenzen zwischen den aktuellen Kosten der in Bau befindlichen Windprojekte resp. der Kernenergieanlagen in Europa und den Preisangaben der erwähnten PSI-Studie?</p><p>6. Welche Vorgaben bezüglich Aktualität und Aussagekraft wurden den Verfassern dieser Studie gemacht?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Studie des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) zu den Potenzialen, Kosten und Umweltauswirkungen von Stromproduktionsanlagen wurde vom Bundesamt für Energie (BFE) im Dezember 2014 in Auftrag gegeben. Die Studienergebnisse wurden im Sommer 2016 einem wissenschaftlichen Review durch die BFE-Forschungsprogrammleitenden sowie Forschende an den Hochschulen unterzogen. Der Wissensstand der Studie entspricht deshalb den Jahren 2015/16. Der Fokus der Studie liegt zudem auf der Erfassung der Gestehungskosten zukünftiger Anlagen. Aus diesem Grund wurden in der Studie zukünftige Kostenreduktionen beispielsweise durch reduzierten Materialinput oder industrielle Grossproduktion berücksichtigt. Die Studie geht also wesentlich über das Erfassen der aktuell durch die Unternehmen angekündigten Kosten von internationalen Projekten hinaus.</p><p>1. In den Energieperspektiven 2050 werden die im Kraftwerksparkmodell ermittelten nötigen neuen Anlagen zur Elektrizitätserzeugung mit ihren direkten gesamtwirtschaftlichen Kosten bewertet. Je nach Zeitpunkt des Baujahres schwanken die Gestehungskosten erheblich. Beispielsweise wiesen Anfang der 2000er Jahre gebaute Fotovoltaikanlagen Gestehungskosten von rund 25 Rappen pro Kilowattstunde aus, im Laufe der Zeit sanken diese auf rund 8 Rappen pro Kilowattstunde (siehe z. B. S. 223ff. im Bericht "Die Energieperspektiven für die Schweiz bis 2050. Energienachfrage und Elektrizitätsangebot in der Schweiz 2000-2050", abrufbar unter <a href="http://www.energiestrategie2050.ch">www.energiestrategie2050.ch</a> &gt; Dokumentation &gt; Energieperspektiven 2050 &gt; Energienachfrage und Elektrizitätsangebot).</p><p>2. Wenn man ähnliche Annahmen wie in der PSI-Studie verwendet, lagen 2017 die Gestehungskosten für angebaute 10-Kilowatt-Anlagen zwischen 18 und 23 Rappen pro Kilowattstunde, für integrierte 10-Kilowatt-Anlagen zwischen 19 und 25 Rappen pro Kilowattstunde. Nach Einschätzung des BFE sind aber insbesondere die Annahmen des PSI bezüglich der Betriebs- und Unterhaltskosten eher hoch. Mit neueren Schätzungen ergäbe sich eine Reduktion dieser Gestehungskosten um etwa 4 bis 6 Rappen pro Kilowattstunde.</p><p>3. Aktuelle Gestehungskosten von Offshore-Windenergieanlagen in Europa werden in der PSI-Studie mit 13 bis 27 Rappen pro Kilowattstunde ausgewiesen. Im neuesten Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) vom Oktober 2017 zur Marktentwicklung der erneuerbaren Energien wird für die Gestehungskosten im Jahr 2017 eine Bandbreite von 110 bis 220 US-Dollar pro Megawattstunde ausgewiesen.</p><p>4. Gemäss den Autoren der PSI-Studie weisen neue Kernkraftwerke Gestehungskosten zwischen 5,1 und 12,5 Rappen pro Kilowattstunde auf. Dies entspricht den Kosten für neue Reaktoren der Generation III/III plus, wie sie heute vorwiegend in Asien (China, Südkorea) gebaut werden. Die Investitionskosten für Hinkley Point C sind im Bericht mit rund 18 Milliarden Pfund ausgewiesen (Stand 2015/16). Gemäss der Vereinbarung mit der britischen Regierung aus dem Jahr 2013 erhalten die Betreiber von Hinkley Point C eine teuerungsbereinigte Entschädigung von 92,5 Pfund oder gut 100 Euro pro Megawattstunde über 35 Jahre (indexiert auf das Jahr 2012). Diese Entschädigung beinhaltet neben den Baukosten die Kosten für den Rückbau und die Abfallentsorgung. In einem Bericht des britischen National Bureau of Audits (NAO; Finanzaufsicht des britischen Parlamentes) vom Juni 2017 wird das Projekt als teuer und bei fallenden Strompreisen als risikobehaftet eingestuft.</p><p>5. Was die aktuellen Kosten für den Bau von neuen Windprojekten und Kernenergieanlagen betrifft, sei auf die Antworten zu den Fragen 3 und 4 sowie auf die einleitenden Bemerkungen verwiesen.</p><p>6. Bei allen durch die Bundesverwaltung in Auftrag gegebenen Studien wird erwartet, dass die Herleitung der Ergebnisse wissenschaftlichen Qualitätsansprüchen genügt.</p>  Antwort des Bundesrates.