Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 4. Mai 2017 (730 16 275 / 109) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Vorliegend bestehen Zweifel an der Richtigkeit der versicherungsinternen medizinischen Einschätzung, weshalb die Vorinstanz ein externes f achärztliches Gutachten einzuholen hat. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin i.V. Noémie Müller Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Elisabeth Maier, Advoka- tin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen Progrès Versicherungen AG , Zürichstrasse 130 , 8600 Dübendorf , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Progrès Versicherungen AG, Recht & Compliance, Postfach, 8081 Zürich Betreff Leistungen A. Der 1946 geborene A.____ verfügt bei der Progrès Versicherungen AG (Progrès) über die obligatorische Krankenversicherung mit Unfallei nschluss. Gemäss Unfallmeldung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Juni 2015 stürzte er am 17. Mai 2015 eine Treppe h inunter, stiess dabei mit dem Kopf ge- gen die Wand und schlug schliesslich mit dem Oberkiefer an der Treppenkante auf. Dabei wur- de die Brücke zwischen den Zähnen 12 und 13 gelockert und gebrochen und die Keramikver- blendung abgesplittert. Nachdem die Progrès weitere Unterlagen eingefordert und das Dossier ihrem Vertrauenszahnarzt Dr. med. dent. B.____ vorgele gt hatte, lehnte sie mit Schreiben vom 20. Oktober 2015 und mit Verfügung vom 19. November 20 15 ihre Leistungspflicht für die Zahnbehandlung ab. B. Die hiergegen erhobene Einsprache vom 30. Dezember 2016 wurde mit dem Ein- spracheentscheid vom 3. August 2016 abgewiesen. Zur Begrü ndung führte die Progrès im We- sentlichen aus, dass nicht mit dem im Sozialversicherungsre cht notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sei, dass die Fr aktur an der Brücke auf das Ereignis vom 17. Mai 2015 zurückzuführen sei. Entsprechend habe d er Einsprecher die Folgen der Be- weislosigkeit zu tragen. C. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Elisabeth Ma ier, Advokatin, am 5. September 2016 Beschwerde an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei der Einsprachee ntscheid vom 3. August 2016 aufzuhe- ben und ihm seien die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei zur weiteren Sachverhaltsabklärung ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben; alles unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass di e Progrès ihre Leistungspflicht nicht ge- stützt auf ein Aktengutachten ablehnen könne. Die beiden Aktenberichte von Dr. B.____ vom 16. Oktober 2015 und vom 20. Mai 2016 könnten keinen v ollen Beweiswert für sich beanspru- chen. Im Wesentlichen stehe nur noch die ärztliche Beurt eilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts in Frage. Der Vertrauensarzt st elle eine Sachverhaltsvariante zur Diskussion, welche von zwei Spezialärzten begründet in Frage gestellt werde. D. Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2016 hielt d ie Progrès an der Abweisung der Beschwerde fest. Zur Begründung führte sie im Wesentli chen aus, dass die beiden Stellung- nahmen der Spezialärzte Dr. med. dent. C.____ und Dr. med. dent. D.____ nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht notwendigen Beweisgrad der übe rwiegenden Wahrscheinlichkeit dar- legen vermöchten, dass die Fraktur auf das Ereignis vom 17. Mai 2015 zurückzuführen sei. E. Mit Replik vom 21. Dezember 2016 hielt der Versicher te durch seine Rechtsvertreterin an den bisherigen Rechtsbegehren und Ausführungen fe st. Entgegen der Auffassung der Be- schwerdegegnerin werde der Beweiswert der Berichte des Vertrauenszahnarztes bestritten. Die versicherte Person sei erst dann beweisbelastet, wenn die Situation der Beweislosigkeit vorlie- gen würde. Weiter führt er aus, dass der Grundsatz der Sachverhaltsabklärung von Amtes we- gen gelte, der gebiete, dass der Sachverhalt bis zur zwei felsfreien Eruierung abzuklären sei. Zudem bestreitet er, dass im vorliegenden Fall auf wei tere Beweiserhebungen in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden könne. F. Die Progrès stellte sich mit Duplik vom 17. Januar 201 7 weiterhin auf den Standpunkt, dass die Berichte der behandelnden Spezialärzte nicht rechtsgenüglich darzulegen vermöchten, Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht inwiefern die Fraktur auf das Ereignis vom 17. Mai 20 15 zurückzuführen sei, weshalb sie am Antrag auf Abweisung der Beschwerde festhalte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgeset zes über die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 auf die Krankenversicherung anw endbar sind, kann gegen Ein- spracheentscheide der Krankenversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 A TSG das Versicherungsgericht des- jenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Ze it der Beschwerdeerhebung ihren Wohn- sitz hat. Vorliegend hat der Versicherte seinen Wohnsitz in X.____, weshalb die örtliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahe n ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden aus dem Bereich der Krankenversicherung . Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2.1 Gemäss Art. 1a Abs. 2 lit. b KVG gewährt die sozial e Krankenversicherung Leistungen bei Unfall (Art. 4 ATSG), soweit dafür keine Unfallver sicherung aufkommt. Letztere Vorausset- zung ist vorliegend unstreitig gegeben. Im Zusammenhang mit Zahnschäden hält Art. 31 Abs. 2 KVG ausdrücklich fest, dass der Krankenversicherer die Kosten der zahnärztlichen Behandlung von Schäden des Kausystems übernimmt, die durch einen Un fall verursacht worden sind. Als Unfall gilt nach Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht bea bsichtigte und schädigende Einwirkung ei- nes ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zu Folge hat. 2.2 Im vorliegenden Fall macht der Beschwerdeführer ge ltend, er sei eine Treppe hinunter gefallen, dabei mit dem Kopf gegen die Wand gestossen und schliesslich mit dem Oberkiefer an der Treppenkante aufgeschlagen. Dabei sei die Brücke zwischen Zahn 13 und 12 gelockert und gebrochen sowie die Keramikverblendung abgesplitt ert worden. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Progrès die Kostenübernahme für d en am 17. Mai 2015 ereigneten Unfall zu Recht abgelehnt hat. 3.1 Die Abklärung des für die Beurteilung von Ansprüche n versicherter Personen notwen- digen Sachverhalts hat gemäss dem im Sozialversicherungsre cht geltenden Untersuchungs- grundsatz die verfügende wie auch die eine Verfügung überprüfende Behörde bzw. das Gericht von Amtes wegen vorzunehmen. Das heisst sowohl die Kranke nkasse wie auch das Sozialver- sicherungsgericht haben von sich aus, ohne Bindung an die Parteibegehren, für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen. Rech tserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, in welcher Art über die Rechte und Pflichten einer versicherten Person zu entscheiden ist. Dabei sind gerade in Fällen w ie dem vorliegenden, in denen medizi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nische Sachverhalte zu klären sind, sowohl die Verwaltung als auch die Justiz zur Beurteilung der sich stellenden Rechtsfragen auf Unterlagen angewi esen, die eine Ärztin bzw. ein Arzt und gegebenenfalls andere Fachpersonen zur Verfügung zu stellen haben (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern 2014, § 70, N 2 f. und 8 f. mit weite- ren Hinweisen). 3.2 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführliche Zusammenstel- lung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zah lreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Solche ärztliche Stellu ngnahmen sind, wie alle Beweise im Sozial- versicherungsprozess, von der rechtsanwendenden Behörde fre i sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen (F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, S. 278). D abei ist für den Beweiswert grundsätzlich weder die Herkunft e ines Beweismittels, noch die Bezeich- nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Ste llungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt ausschlaggebend. Gerade die Kranken versicherungen oder ihre Ver- bände sind gemäss Art. 57 Abs. 1 KVG sogar verpflichtet, nach Rücksprache mit den kantona- len Ärztegesellschaften Vertrauensärzte bzw. Vertrauensär ztinnen zu bestellen. Diese wiede- rum haben die Krankenversicherungen gemäss Art. 57 Abs. 4 und 5 KVG in medizinischen Fachfragen zu beraten und insbesondere die Voraussetzu ngen der Leistungspflichten zu über- prüfen. Sie sind in ihrem Urteil unabhängig und wede r die Krankenversicherung noch die Leis- tungserbringer können ihnen Weisungen erteilen. Die Be richte und Gutachten ständiger Ver- trauensärzte haben in beweisrechtlicher Hinsicht denn a uch grundsätzlich den gleichen Stel- lenwert wie die verwaltungsinternen Arztberichte und Gu tachten der UVG-Versicherer (vgl. GEBHARD EUGSTER , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Basel/Ge nf/München 2007, Krankenversicherung, N 209 ff.). Diesen Berichten k ommt allerdings nicht derselbe Be- weiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG ei ngeholten Gutachten externer Fachper- sonen oder gar einem Gerichtsgutachten zu, sie sind abe r soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfo lgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist letztendlich aber entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitig en Untersuchungen beruht, auch die ge- klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakte n abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a und 122 V 160 E. 1c mit weiteren Hinweisen; A LFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gut- achten und Privatgutachten in: Rechtsfragen der medizin ischen Begutachtung in der Sozialver- sicherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten soll und darf das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung trag en, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. 3.3 Schliesslich darf das Sozialversicherungsgericht eine re chtserhebliche Tatsache erst dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen ü berzeugt ist. Dabei hat es seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mögl ichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Das Gericht h at vielmehr jener Sachverhaltsdarstel- lung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensab läufen als die wahrscheinlichste wür- digt (vgl. LOCHER , a.a.O., § 70, N 58). 4.1 Zur Beurteilung der Leistungspflicht für die Übe rnahme der Zahnbehandlung sind im Wesentlichen nachfolgende Berichte zu berücksichtigen: 4.2 Dem Bericht von Dr. B.____ vom 16. Oktober 2015 ist zu entnehmen, dass es sich um eine alte Oberkieferbrückenkonstruktion mit einer Lötste lle zwischen den Zähnen 13 und 12 handle. Die vorhandenen Fotoaufnahmen der Bruchstelle müssten zwischen dem 20. Mai 2015 und Juli 2015 gemacht worden sein, also maximal zwei Mon ate nach dem Unfall. Der Blick von buccal in den Frakturspalt zeige deutliche Korrosionsspu ren an der mesialen Bruchfläche von Zahn 13. Diese Korrosion entstehe über Jahre und sei e ntweder Zeichen einer alten offenen Fraktur oder stelle als Einschluss in der Verbindung eine massive Schwächung dar, was mit der Zeit unweigerlich zu einer Fraktur führe. Weiter sei die Fraktur eindeutig disloziert, was auch ein Zeichen einer schon seit Monaten bestehenden Diskontinuitä t sei, was durch die Wanderung der Pfeilerzähne zustande komme, was wiederum Monate d auere. Insbesondere stehe die Un- terkiefer-Front (UK-Front) nicht in Kontakt mit der Ob erkieferfront (OK-Front), was den Ver- schiebungsprozess beschleunigen würde. Bereits auf dem Orthopantomogramm (OPT) vom 25. März 2015 sei eine Stufe in der Verbindung zwischen 13 und 12 dargestellt. Dies sei ein Zei- chen einer Fraktur. Die Frage, ob der Bruch zwischen 13 u nd 12 mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auf das beschriebene Unfallereignis zurückzuführen sei, beantwortete Dr. B.____ mit nein. Ebenfalls verneinte er die Frage, ob die Ne uanfertigung der Oberkieferbrücke unfall- kausal sei. 4.3 Der nach dem Unfall erstbehandelnde Zahnarzt, Dr. C.____, geht in seinem Bericht vom 12. Januar 2015 davon aus, dass die Brücke vor der Fra ktur der Brückenverbindung stabil und die Kaufunktion nicht eingeschränkt gewesen sei. Da der Patient vor dem Unfallereignis vom 17. Mai 2015 kein Patient der Praxis gewesen sei, könne im Grunde nur hypothetisch zu den Fragen, die sich auf einen Zeitpunkt vor dem Trauma beziehen würden, Stellung genom- men werden. Das Restgebiss im Oberkiefer lasse in den klinischen Bildern und Röntgenauf- nahmen eine deutliche Parodontose/Parodontitis erkennen, die sicherlich behandlungsbedürftig sei. Durch die Verblockung der Zahnkronen, also Verbindungen untereinander, werde aber eine Gesamtstabilität erzeugt, die eine funktionierende Kauf unktion gewährleisten könne, obwohl evtl. einzelne Pfeilerzähne parodontal vorgeschädigt seien und einzeln auch einen Lockerungs- grad aufweisen könnten. Die Korrosionsspuren an den Br uchstellen vermöge er nicht so ein- deutig aus den Bildern erkennen wie der Kollege B.____. Diese Lötstelle unterscheide sich farb- lich aufgrund der unterschiedlichen Metalllegierungen. Die Farbe der Aufbrennkeramik sei sil- berfarben, Lot meist goldfarben. Auch die deutliche D islokation, die nur über einen langen Zeit- raum (Monate) entstehen könne, könne er in der Deutlich keit, wie Dr. B.____ sie sehe, nicht erkennen. Ausserdem sei es durchaus möglich, dass die Dislo kation gleich nach dem Bruch spontan aufgetreten sei, weil die linke Seite der Brücke eindeutig parodontal vorgeschädigt, und gegebenenfalls nur durch den Verbund vorher stabil gewe sen sei. Abschliessend verweist Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. C.____ darauf, dass eine gerichtverwertbare Aussage nur durch einen Gutachter getroffen werden könne. 4.4 Die vorbehandelnde Zahnärztin, Dr. D.____, beantw ortete die an sie durch die Rechts- schutzversicherung des Beschwerdeführers gestellten Fragen im Bericht vom 21. Januar 2016 wie folgt: die Frage, ob die zu erneuernde Brücke bisla ng einer normalen Belastung, beispiels- weise normalem Kauen, standgehalten habe, bejahte sie. Sie ging ebenfalls davon aus, dass die zu erneuernde Brücke ohne Unfall vom 17. Mai 2015 a uch weiterhin einer normalen Belas- tung, beispielsweise normalem Kauen, standgehalten hät te. Verneint wurde die Frage, ob der Patient vor dem Unfall vom 17. Mai 2015 in seinen Essg ewohnheiten eingeschränkt gewesen sei. Ebenfalls bejaht wurde die Frage, ob die zu erneu ernde Brücke im Zeitpunkt der letzten Konsultation vor dem Unfall soweit stabil gewesen sei, d ass keine weiteren zahnmedizinischen Vorkehren getroffen hätten werden müssen. Die Frage, o b es auch ohne Unfall vom 17. Mai 2015 durch alltägliche Belastung in annährend gleiche r Zeit zur selben Gesundheitsschädigung hätte kommen können, wird damit beantwortet, dass dies eine Spekulation sei. Zum Bericht von Dr. B.____ vom 16. Oktober 2015 führte Dr. D.____ aus , dass es sich bei den Korrosionsspu- ren an der Bruchstelle wahrscheinlich eher um Verfärbun gen/Beläge analog restlicher Bezah- nung handeln würde. Die “Stufe“ auf dem OPT zwischen 13 und 12 könne, müsse aber nicht eine Fraktur darstellen. Eine Brücke älteren Jahrgangs könne durchaus durch den Aufschlag des Oberkiefers an der Treppenkante beim Unfall dislozier t worden sein. Die Dislokation lasse nicht auf einen monatelang vorangegangenen Prozess schliessen. 4.5 Im Rahmen der Stellungnahme vom 20. Mai 2016 ver neinte Dr. B.____ die Kausalität zwischen der Fraktur der Brücke und dem Ereignis vom 17. Mai 2015 und führte dazu aus, die klar erkennbaren Korrosionsspuren im Spalt des Gerüstes zwi schen Zahn 13 und 12 seien Zei- chen von jahrelanger Exposition der Fläche mit chemischen Verbindungen. Ebenso sei der brei- te Frakturspalt klar ein Zeichen einer alten Diskontinuität des Gerüstes. Eine solche Diskontinui- tät könnte durch einen Schlag auf den Oberkiefer ohne Schäden an den benachbarten Pfeiler- zähnen (Wurzeln) nicht stattfinden, da die Suprakonstru ktion in ihrer Position durch die Pfeiler- zähne fixiert werde. Es müsste folglich auch die Verankeru ng nicht mehr an ihrem ursprüngli- chen Ort stehen. Dr. B.____ verwies auf seine Stellung nahme vom 16. Oktober 2015 und er- klärte weiter, ein Auseinanderdriften von Zähnen durch Knochenabbau könne um die Wurzel stattfinden, dies sei jedoch ein Prozess der Monate daue re. Zu den Vorbringen der behandeln- den Zahnärztin führte der Vertrauenszahnarzt aus, es sei aufgrund der Unterlagen kein Grund ersichtlich, weshalb die Brücke in ihrem heutigen Zustand (Spalt zwischen 13 und 12) normaler Kaubelastung nicht standhalten sollte. Die Brücke sei über 50 Jahre in Funktion und der Patient adaptiere sich mit der Zeit an kleinere Unstimmigkeiten , sodass diese nicht mehr wahrgenom- men würden. So sei es auch nachvollziehbar, dass die Ve rsorgung subjektiv genügend, jedoch objektiv mit diversen Mängeln behaftet sei. Ganz klar h andle es sich um Korrosionsspuren an der Bruchstelle und nicht um Beläge, die sich ganz klar a nders darstellten. Ebenso würden sich Verfärbungen anders präsentieren und wären überall a bgelagert und nicht nur im Zwischen- raum. Höchst unwahrscheinlich sei, dass sich eine intakte L otstelle auf dem OPT vom 25. März 2015 als Stufe abbilde; seien doch schon klare Anfangsrisse erkennbar. Lot fliesse in die erhitz- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht te, zu verbindende Stelle und hinterlasse keine scharfen Begrenzungen wie auf dem OPT. Ganz klar widerspreche er der Aussage der Dislokation durch einen Unfall. 5.1 Im vorliegenden Sachverhalt ist unbestritten, dass e ine Fraktur zwischen den Zähnen 12 und 13 vorliegt. Zu prüfen ist, ob die Verletzung auf das Ereignis vom 17. Mai 2015 zurück- zuführen ist oder, wie durch die Beschwerdegegnerin vorgebracht, bereits vorbestehend war. 5.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 3. August 2016 vollumfänglich auf die Beurteilungen ih res beratenden Zahnarztes Dr. B.____ vom 16. Oktober 2015 und vom 20. Mai 2016. Sie ging de mzufolge davon aus, dass der gel- tend gemachte Zahnschaden nicht auf das Unfallereignis vom 17. Mai 2015 zurückzuführen sei. Diese Einschätzung der Beschwerdegegnerin vermag nicht zu überzeugen, lassen doch die abweichenden fachärztlichen Meinungen von Dr. C.____ und Dr. D.____ Zweifel an der Zuver- lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztli chen Feststellungen aufkommen, wie sich aus den nachstehenden Ausführungen ergibt. 5.3 Den Berichten von Dr. B.____ ist zu entnehmen, dass deutliche Korrosionsspuren an der mesialen Bruchfläche von Zahn 13 zu erkennen seien . Diese würden über Jahre entstehen und seien entweder ein Zeichen einer alten offenen Fraktur oder stellen als Einschluss in der Verbindung eine massive Schwächung dar, was mit der Zeit unweigerlich zu einem Bruch führe. Die Fraktur sei deutlich disloziert, was auch ein Zeichen einer schon seit Monaten bestehenden Diskontinuität sei. Bereits im OPT-Bericht vom 25. März 2 015 sei eine Stufe zwischen der Ver- bindung zwischen Zahn 13 und 12 dargestellt. Dies sei ein Zeichen einer Fraktur, welche folg- lich bereits vor dem Treppensturz vom 17. Mai 2015 vorge legen habe, sodass der Zahnscha- den nicht auf das Unfallereignis vom 17. Mai 2015 zurückzu führen sei. Dr. B.____ widerspricht damit der Einschätzung von Dr. D.____, welche in ihrem Bericht feststellte, dass es sich bei den Korrosionsspuren an den Bruchflächen wahrscheinlich ehe r um Verfärbungen/Beläge handle. Zur Dislokation führte Dr. D.____ aus, dass diese durcha us durch den Aufschlag des Oberkie- fers an der Treppenkante eingetreten sein könne. Die Dislokation lasse nicht auf einen monate- langen Prozess schliessen. Dr. C.____ führte in seinem Ber icht vom 12. Januar 2015 zudem aus, dass er die Korrosionsspuren an den Bruchstellen nicht so eindeutig aus den Bildern er- kennen könne. Diese Lötstelle unterscheide sich farblich aufgrund der unterschiedlichen Metall- legierungen. Auch könne er keine eindeutige Dislokation, die nur über einen langen Zeitraum entstehen könne, nicht in der Deutlichkeit wie Dr. B.____ erkennen. Da Dr. B.____ als Vertrauenszahnarzt ein verwaltungsinte rner Arzt ist, sind bei der Würdigung seiner Beurteilung strenge Anforderungen zu stellen. W ie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor) ist es zwar zulässig, dass ein Sozialversicherer ohne Einholung eines externen Gutachtens ent- scheidet. Bestehen aber auch nur geringe Zweifel an de r Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergän zende Abklärungen vorzunehmen. Vorliegend vermögen die unterschiedlichen Beurteilunge n der behandelnden Ärzte an der Ein- schätzung des beratenden Arztes Dr. B.____ Zweifel zu begründen, weshalb für die Beurteilung der streitigen Frage nicht auf dessen Einschätzung abgest ellt werden kann. Dr. B.____ hat sei- ne Einschätzungen nur gestützt auf die Akten abgegeben u nd den Beschwerdeführer im Ge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gensatz zu Dr. D.____ und Dr. C.____ nicht persönlich untersucht. Die Berichte von Dr. D.____ und Dr. C.____ vermögen daher berechtigte Zweifel an den Schlussfolgerungen von Dr. B.____ zu begründen. Insbesondere auch deshalb, da Dr. C.___ _ notfallmässig eingesprungen ist und es sich bei ihm nicht um den behandelnden Zahnarzt hande lt. Es kann aber auch nicht auf die Angaben der behandelnden Ärzte abgestellt werden, da sich deren Einschätzungen weitgehend auf Vermutungen abstützen und deshalb keine abschliesse nde Beurteilung der Unfallkausalität zulassen. In diesem Zusammenhang ist zudem der Erfahrung statsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Fachärzte mitunter wegen ihrer auftra gsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. E. 3.2 hiervor) Nach dem Gesagten steht fest, dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 3. August 2016 auf unzureichen- den medizinischen Abklärungsergebnissen beruht. 6. Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung könne n die Sozialversicherungs- gerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Strei tsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielme hr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräft ig ist. Eine Rückweisung an die Vorinstanz bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn l ediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 ff. E. 4.4.1 ff.). Da es die Vorinstanz unterlassen hat, die nötigen medi zinischen Abklärungen zu veranlassen, und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte me- dizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entge- gen. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung de s angefochtenen Einspracheentscheids vom 3. August 2016 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen . Diese hat den Beschwerde- führer grundsätzlich durch einen unabhängigen versicheru ngsexternen Facharzt begutachten zu lassen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird die Beschwerdegegnerin über den Anspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen haben . Es ist den Parteien jedoch auch unbenommen, die Streitsache gestützt auf Art. 50 ATSG mit einem Vergleich zu erledigen. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Art. 61 l it. a ATSG bestimmt, dass das Ver- fahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien ko stenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwe rde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahr ens entsprechend ist dem Beschwer- deführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Die Rechtsanwältin des Beschwerdeführers macht einen Aufwand von 11 Stunden und 25 Mi- nuten à Fr. 250.-- geltend (vgl. Honorarnote vom 20 F ebruar 2017), was nicht zu beanstanden ist. Die Progrès hat der Rechtsanwältin des Beschwerdefüh rers somit ein Honorar von Fr. 3‘466.90 (inkl. Auslagen in Höhe von Fr. 106.-- und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der B eschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Einsprache- entscheid vom 3. August 2016 aufgehoben und die Angele genheit zur erneuten Prüfung des Sachverhalts im Sinne der Erwägun gen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘466.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht