Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 18. Mai 2022 (810 21 307) ____________________________________________________________________ Umweltschutz, Wasser und Energie Verlegung der Kosten für Feuerwehreinsatz zur Bewältigung eines Brandereignisses/ Chemieereignisses Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Stef an Schulthess, Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ AG , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Peter Vetter, Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner B.____ AG , Beigeladene, vertreten durch Alexander Heinzelmann, Advokat Betreff Einsatzkostenverfügung ABC-Ereignis (RRB Nr. 1612 vom 16. November 2021) A. Die A.____ AG bezweckt die Veredlung von Kunststoffte ilen durch metallisches Be- schichten (Galvanisieren). Der Sitz der Gesellschaft wurde im Juni 2020 vom Kanton Basel- Landschaft in den Kanton C.____ (vgl. Handelsregistere intrag; abrufbar unter www.zefix.ch, zuletzt besucht am 4. Mai 2022) verlegt. In D.____ am E.____weg 12 bis 12a befand sich im Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Jahr 2019 eine Produktionsstätte bzw. Geschäftsliegenschaft , bestehend aus Industrie-, Büro- gebäude, Produktions-, Lager- und Umschlagshalle sowie a us einem Chemikalienlager. Eigen- tümerin dieser Geschäftsliegenschaft ist die B.____ AG, welche diese an die A.____ AG ver- mietet hatte. B. In der Produktionshalle der A.____ AG befanden sich die aus drei Strassen bestehen- de Galvanisierungsanlage sowie der Behälter des Bades Nr. 127 (auch "Spüle" genannt). Unter anderem aufgrund einer pflichtwidrigen Unvorsichtigk eit eines damaligen Mitarbeiters, welcher bei den Kontrollgängen übersah, dass das Ablassventil de s Bades Nr. 127 nicht ordnungsge- mäss geschlossen war, kam es am 30. Juni 2019 in der Produktionshalle zu einem Brand. C. Am 30. Juni 2019, um 20:32 Uhr, ging bei der Einsa tzleitzentrale der Polizei Basel- Landschaft die Meldung über den Brand ein. Der Brand breitete sich auf den gesamten Behälter und in der Folge auf das Gebäude aus, anschliessend i n Richtung Lagerhalle und Umschlags- halle (mit Zwischenlager). Die Lagerhalle und der hin tere Bereich der Umschlagshalle brannten vollständig aus. Zudem breitete sich das Feuer über das Dach weiter aus und griff auch auf das Dach des Chemikalienlagers über. Im Chemikalienlager wur den zu diesem Zeitpunkt verschie- dene Chemikalien gelagert (Schwefelsäure, Natriumhydro gensulfit, Natronlauge, Salzsäure, Kaliumcyanid, Zyankali, Nickel(ll)-chlorid, Salpetersäur e, HCl 30%, Hydrochlorid-Lösung). In den Becken der Fabrikationsstrassen befanden sich ebenfalls verschiedene Chemikalien. Durch die im Einsatz stehende Feuerwehr wurden im Chem ikalienlager mehrere beschädigte Salzsäuregebinde festgestellt und in Havariefässern gesich ert. Im Weiteren erlitten Schwefel- säure-48%-Gebinde durch das Feuer einen Defekt, ohne da ss Schwefelsäure auslief. Da kein Havariebecken resp. keine abflusslose Grube für allfällig kontaminiertes Löschwasser vorhan- den war und der Boden rund um die vom Feuer betroffe nen Gebäude teilweise aus Mergel be- stand, wurde durch die Einsatzkräfte eine Transferleitun g für das Löschwasser in die ARA Rhein erstellt. Aufgrund der gelagerten Chemikalien sowie des grossf lächigen Brandes der Gebäude bestand eine akute Gefahr, dass giftige Chemikalien in die Luf t sowie via Löschwasser in die Erde und ins Grundwasser hätten gelangen können. Die am Brandort gelagerten Stoffe hätten bei einem Austritt Personen oder Tiere an Leben oder Gesundheit gefährden und Schäden an der Umwelt bewirken können. Ein messbarer Austritt von chemischen Sto ffen wurde durch den Einsatz der Rettungskräfte verhindert. Der Brand war am 1. Juli 20 19, um ca. 01.00 Uhr, unter Kontrolle. In der Folge wurde eine Brandwache aufgestellt. Aufgrun d von Brandnestern und Austritt von chemischen Dämpfen kam es bis zum 4. Juli 2019 erneut zum Einsatz der Rettungskräfte. Im Einsatz waren der Kantonale Krisenstab mit dem Scha denplatzkommando, die Polizei Ba- sel-Landschaft, das Feuerwehrinspektorat, die Feuerweh ren der Gemeinden D.____, F.____, G.____ und H.____ sowie der Lösch- und Rettungszug SBB. Im Weiteren waren die kantonale ABC-Wehr sowie die ABC-Koordinatorin und die Regio-Messgruppe im Einsatz. Rettungsdiens- te, Zivilschutzorganisationen und verschiedene weitere Stellen wurden ebenfalls aufgeboten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit Verfügung vom 25. März 2021 auferlegte das Amt für Militär und Bevölkerungs- schutz des Kantons Basel-Landschaft (AMB) der A.____ AG d ie Einsatzkosten für das Ereignis in der Höhe von insgesamt Fr. 225'495.60. E. Gegen diese Verfügung erhob die A.____ AG, nachfo lgend immer vertreten durch Dr. Peter Vetter, Rechtsanwalt, am 12. April 2021 Besc hwerde beim Regierungsrat des Kan- tons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Die A.____ AG beantragte, es sei die Verfügung aufzu- heben (Ziff. 1). Es seien ihr keine Kosten für den Feu erwehreinsatz, der im Zusammenhang mit dem Brandereignis vom 30. Juni bis 4. Juli 2019 am E.__ __weg 12/12a in D.____ notwendig geworden sei, anzulasten (Ziff. 2). Die Angelegenhei t sei zur Feststellung und Verteilung der nicht aus dem Feuerwehreinsatz entstandenen Kosten infolge des erwähnten Brandereignisses zurückzuweisen (Ziff. 3); unter Kosten- und Entschädigungs folge (Ziff. 4). Am 10. Juli 2021 reichte die A.____ AG eine ergänzende Beschwerdebegründung ein. F. Nachdem das AMB am 12. Juli 2021 seine Stellungnahme eingereicht hatte, wies der Regierungsrat die Beschwerde mit Beschluss (RRB) Nr. 1612 vom 16. November 2021 ab. Der Regierungsrat folgte in seinem Beschluss der Auffassung der A.____ AG, das fragliche Ereignis könne nicht ausschliesslich als ABC-Ereignis qualifiziert we rden, sondern sei auch als Brander- eignis zu werten, und könne damit nicht auf sie abgewä lzt werden, nicht. Der Regierungsrat führte aus, von Anbeginn des Einsatzes sei klar gewese n, dass die akute Gefahr, welche zur Qualifikation des Ereignisses als Grossereignis und zum E insatz des Schadenplatzkommandos geführt habe, nicht durch den Brand, sondern durch di e vorhandenen Chemikalien verursacht worden sei. Deshalb sei nicht zu beanstanden, dass die Vo rinstanz auf eine Aufteilung des Er- eignisses in ein Brand- und ein ABC-Ereignis verzichtet habe. Damit könnten die Kosten auf die A.____ AG abgewälzt werden. Des Weiteren wies sie die Beschwerde auch bezüglich der Rüge der A.____ AG, die den Gemeinden entstandenen Kosten für den Grundeinsatz seien direkt von diesen und nicht vom Kanton zu beanspruchen, ab. Zudem falle eine Kostenbeteiligung der B.____ AG ausser Betracht, da diese nicht als kostenpflichtige Zustandsstörerin zu qualifizieren sei. G. Mit Eingabe vom 29. November 2021 erhob die A.___ _ AG beim Kantonsgericht, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgerich t), Beschwerde und beantragte die Aufhebung des RRB vom 16. November 2021. Im Übrigen wi ederholte sie die in der Beschwer- de an den Regierungsrat gestellten Rechtsbegehren Zi ff. 2 bis Ziff. 4. Innert erstreckter Frist reichte die Beschwerdeführerin am 31. Januar 2022 die ergänzende Beschwerdebegründung ein. Im Wesentlichen machte sie geltend, ein Ereigni s könne in mehrere Ereigniskategorien fallen, also Brand, ABC-Ereignis und Naturereignis umf assen, und jeder Ereignisteil sei nach den für seine Eigenart geltenden Regeln betreffend Kompetenzen und Kosten zu behandeln. Vorliegend seien die Kosten, die im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Grossfeuers an- gefallen seien, von den Gemeinwesen zu tragen. Des Wei teren habe der Kanton keine Berech- tigung nachgewiesen, die Ansprüche der Gemeinde in eigener Regie einfordern zu können. Die Vorinstanz hätte folglich die Forderung mangels ausreic hend nachgewiesener Aktivlegitimation im Beschwerdeverfahren zur Klärung dieser Frage zumindest zurückweisen müssen. Schliess- lich habe die Vorinstanz keine Kostenbelastung der B.___ _ AG, welche unter anderem auf- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund der fehlenden Sprinkleranlagen und Rückhaltebecke n als Zustandsstörerin zu bezeich- nen sei, vorgesehen. Auch aus diesem Grund sei die Verfü gung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, um ihr Gelegenheit zu geb en, in eine allfällige erneute Kosten- verlegung auch die B.____ AG mit einzubeziehen und ihr einen Kostenanteil aufzuerlegen. Die Beschwerdeführerin erklärte zudem, dass der Brand mittelbar ihr wirtschaftliches Ende bedeutet habe. Der Beschwerdegegner beantragte in seiner Vernehmlassu ng vom 24. Februar 2022 die kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde. Er führte unter anderem präzisierend aus, dass sich auch in der Produktionshalle, in welcher das Feuer ent standen sei, und nicht nur im Chemika- lienlager grosse Mengen teils hochgiftiger Chemikalien befunden hätten. Die beigeladene B.____ AG liess sich nicht vernehmen. Mit präsidialer Verfügung vom 21. März 2022 überwies das Gerichtspräsidium den Fall der Kammer zu Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung. Mit Eingabe vom 20. April 2022 reichte der Rechtsvertr eter der Beschwerdeführerin seine Honorarnote ein. Mit Eingabe vom 10. Mai 2022 teilte Alexander Heinzelmann, Advokat, dem Kantonsgericht mit, dass er die beigeladene B.____ AG nunmehr vertrete. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzli cher Ausschlusstatbestand vor- liegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegenheit gegeben. Die Beschwerdeführerin ist vom angefochtenen En tscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 li t. c VPO e contrario). 3. Der Regierungsrat führt in seinem Beschluss aus, aus den gesetzlichen Grundlagen könne bei einem Brandereignis, das im Zusammenhang mit einem ABC-Ereignis stehe, nicht automatisch gefolgert werden, sämtliche Leistungen der Feuerwehr seien durch Dritte nach den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Regeln des Spezial- bzw. ABC-Ereignisses gemäss § 13 des G esetzes über die Feuerwehr (FWG) vom 7. Februar 2013 zu ersetzen. Soweit sich die L eistungen zur Ereignisbewältigung auf das Brandereignis beziehen würden, richte sich die K ostenüberwälzung auf Dritte vielmehr nach § 7 FWG (RRB E. 5.3; Vernehmlassung des Regierun gsrats vom 24. Februar 2022 zu Ziff. 1.7). Damit sieht der Regierungsrat vor, dass ei n Ereignis grundsätzlich in ein Brandereig- nis und in ein ABC-Ereignis aufgeteilt werden kann. Er erklärt jedoch, dass vorliegendenfalls der Brand zwar ursächlich für die entstandene Gefahre nsituation gewesen sei, jedoch vom Ge- fahrenpotential her absolut untergeordnet und margi nal gewesen sei. Sämtliche erbrachten Leistungen hätten von Beginn an in erster Linie auf d ie Bewältigung des Chemieereignisses abgezielt, weshalb nicht zu beanstanden sei, dass die Vorinstanz auf eine Aufteilung des Ereig- nisses in ein Brand- und ABC-Ereignis verzichtet und das E reignis als Spezialereignis qualifi- ziert habe (E. 6). Demgegenüber stellt sich die Beschwerd eführerin auf den Standpunkt, dass auch im vorliegenden Fall eine Aufteilung zwischen Bra ndereignis und ABC-Ereignis vorzu- nehmen sei. 4.1. Das FWG unterscheidet die Ereignisse in drei Kate gorien, nämlich in Brandereignisse (§ 5 bis § 7 FWG), in Naturereignisse (§ 8 bis § 10 FWG ) und in Spezialereignisse (§ 11 bis § 13 FWG). In jeder dieser drei Kategorien wird die jeweilige Ereignisart zuerst definiert, dann die Zuständigkeit zur Ereignisbewältigung und anschliessend die Kostentragung geregelt. Die §§ 5 bis 7 FWG lauten wie folgt: "2.1 Brandereignisse § 5 Definition 1 Brandereignisse sind akut drohende oder eingetrete ne Schadenfeuer oder Schadensexplosionen. § 6 Zuständigkeit zur Ereignisbewältigung 1 Die Einwohnergemeinden sind zuständig für den Grun deinsatz zur Bewältigung von Brandereignis- sen. Vorbehalten bleibt Absatz 2 Buchstabe a. 2 Der Kanton ist zuständig a. für den Grundeinsatz zur Bewältigung von Branderei gnissen auf Autobahnen und Autostrassen sowie auf dem Rhein, b. für den Ergänzungseinsatz zur Bewältigung der Brand ereignisse. § 7 Einsatzkosten, Ersatzpflicht 1 Die Einwohnergemeinden und der Kanton tragen die Kosten des Einsatzes zur Bewältigung der Bran- dereignisse, für die sie zuständig sind. 2 Wer vorsätzlich oder grobfahrlässig ein Brandereign is verursacht, oder wer vorsätzlich oder grobfahr- lässig seine Aufsichtspflicht über eine Person verlet zt, die unter seiner Aufsicht stehend ein Brander- eignis verursacht, ist verpflichtet, der Einwohnergemeinde bzw. dem Kanton die Einsatzkosten zu er- setzen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht In § 8 FWG wird der Begriff Naturereignisse definiert . Die Zuständigkeiten zur Bewältigung des Naturereignisses in § 9 FWG sind gleich geregelt wie di e Zuständigkeiten zur Bewältigung der Brandereignisse in § 6 FWG. Wie in § 7 FWG wird auch in § 10 FWG statuiert, dass die Ein- wohnergemeinden und der Kanton die Kosten des Einsatz es zur Bewältigung der Naturereig- nisse tragen, für die sie zuständig sind. Ebenso hat gemä ss § 10 Abs. 2 FWG wie gemäss § 7 Abs. 2 FWG der Verursacher bei grober Verletzung seine r Sorgfaltspflichten die Einsatzkosten der Einwohnergemeinde bzw. dem Kanton zu ersetzen. Die Definition des Spezialereignisses findet sich in § 11 FWG und lautet wie folgt: "1 Als Spezialereignisse gelten: a. Ereignisse, die die technische Rettung von Personen o der Tieren aus einer lebens- oder ge- sundheitsbedrohenden Situation erfordern und die ni cht ein anderes Ereignis gemäss diesem Gesetz sind (kurz: Unfallereignis); b. akut drohende oder eingetretene Ereignisse mit atomarer Strahlung oder mit biologischen oder chemischen Stoffen, die Personen oder Tiere an Leben oder Gesundheit gefährden oder die Schäden an der Umwelt bewirken (kurz: ABC-Ereignis); c. akut drohende oder eingetretene Ereignisse, die Pers onen oder Tiere an Leben oder Gesund- heit gefährden oder die Schäden an Sachen bewirken und die nicht ein anderes Ereignis ge- mäss diesem Gesetz sind (kurz: übrige Ereignisse). " Die Buchstaben ABC beim ABC-Ereignis stehen für atomar (= a), biologisch (= b) und chemisch (= c; siehe § 11 Abs. 1 lit. b FWG). Die Zuständigkeiten zur Ereignisbewältigung werden in § 12 FWG gleich wie in § 6 und § 9 FWG geregelt. Damit ist die Einwohnergemeinde für den Grund- einsatz zuständig und der Kanton für den Grundeinsatz zur Bewältigung von Spezialereignissen auf Autobahnen und Autostrassen sowie auf dem Rhein u nd für den Ergänzungseinsatz zur Bewältigung von Spezialereignissen. In § 13 FWG werden die Einsatzkosten und Ersatzpflicht wie folgt geregelt: "1 Die Einwohnergemeinden und der Kanton tragen die Kosten des Einsatzes zur Bewältigung der Spe- zialereignisse, für die sie zuständig sind. 2 Die Kosten des Einsatzes zur Bewältigung eines Spezi alereignisses sind der Einwohnergemeinde bzw. dem Kanton zu ersetzen. 3 Ersatzpflichtig ist a. im Falle eines Unfallereignisses die gerettete b zw. die tierhaltende Person b. im Falle eines ABC-Ereignisses die das Ereignis verursachende Person, c. im Falle eines übrigen Ereignisses die begünstigt e Person. 4 Die Kostenüberbindungen gemäss der kantonalen Gewäss erschutzgesetzgebung bleiben vorbehal- ten. " 4.2. Aus den gesetzlichen Bestimmungen ergibt sich somit, dass bei jeder Ereignisart (Brand-, Natur-, Spezialereignis) zwischen Grundeinsatz und Ergänzungseinsatz unterschieden wird, wobei für den Grundeinsatz – abgesehen vom Fall des Einsatzes auf Autobahnen und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Autostrassen sowie auf dem Rhein – die Einwohnergemei nde zuständig ist und für den Ergän- zungseinsatz der Kanton. 4.3. In Bezug auf die Kostentragung unterscheiden sich die Regelungen. Bei den Brand- und Naturereignissen trägt – mit Ausnahme des Falles von vorsät zlicher und grobfahrlässiger Ver- ursachung des Ereignisses – das Gemeinwesen die Kosten, wo bei die Einwohnergemeinde die Kosten des Einsatzes zur Bewältigung des Ereignisses trägt, welches in ihre Zuständigkeit fällt, und der Kanton diejenigen Kosten des Einsatzes zur Bew ältigung des Ereignisses, welches in seine Zuständigkeit fällt. Die Kosten des Einsatzes zur Bewältigung eines Spezialereignisses werden hingegen der verursachenden bzw. begünstigten Person auferlegt. 4.4. Soweit § 13 Abs. 3 lit. b FWG die Überwälzung de r Kosten für ein ABC-Ereignis auf den jeweiligen Verursacher vorsieht, ist festzuhalten, dass diese Bestimmung indessen keine eigenständige Bedeutung hat, weil sie Bundesrecht (Art. 59 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz [Umweltschutzgesetz, USG] vom 7. Oktober 1983 bzw. Art. 54 des Bundesge- setzes über den Schutz der Gewässer [Gewässerschutzgesetz, GSchG ] vom 24. Januar 1991) umsetzt (vgl. Urteile des BGer 2C_1096/2016 vom 18. M ai 2018 E 3.4 und 2C_162/2014 vom 13. Juni 2014 E. 2.1). Das Umweltschutzgesetz bezweckt den Schutz von Menschen, Tieren und Pflanzen, ihrer Lebensgemeinschaften und Lebensräum e gegen schädliche oder lästige Einwirkungen und den Erhalt der natürlichen Lebensgru ndlagen (Art. 1 Abs. 1 USG), das Ge- wässerschutzgesetz bezweckt den Schutz der Gewässer vor nachtei ligen Einwirkungen (Art. 1 GSchG). Einwirkungen sind u.a. Luftverunreinigungen, Gewässerverunreinigungen oder andere Eingriffe in Gewässer, die durch den Umgang mit Stoff en erzeugt werden (vgl. Art. 7 Abs. 1 USG und Art. 4 lit. c und d GSchG). Der C-Schutz die nt der Bewältigung von C-Ereignissen, d.h. der Abwehr einer unmittelbar drohenden Einwirku ng im Sinne des Umweltschutzgesetzes (Art. 7 Abs. 1 USG) sowie zu deren Feststellung und Behebung (vgl. Art. 59 USG). 4.5. Wie in der E. 3 hiervor ausgeführt, anerkennt de r Regierungsrat in seinem Beschluss (E. 5.3 und E. 6 a.E. e contrario), dass grundsätzlich auch bei einem Brandereignis, welches im Zusammenhang mit einem ABC-Ereignis steht, eine Auftei lung des Ereignisses in ein Brand- und in ein ABC-Ereignis vorgenommen werden kann, mit der Folge, dass die Kosten für die Leistungen, welche sich zur Ereignisbewältigung auf das Brandereignis beziehen, nach § 7 FWG und nicht nach § 13 FWG aufzuerlegen sind. Zu prü fen ist demzufolge, ob vorliegenden- falls zu Recht auf eine Aufteilung verzichtet wurde. 5.1. Das FWG wurde erst vor ein paar Jahren umfassend re vidiert und trat in der jetzigen Fassung am 1. Januar 2014 in Kraft. In der Vorlage an den Landrat des Kantons Basel- Landschaft Nr. 2012-175 vom 19. Juni 2012 betreffend FWG (nachfolgend Landratsvorlage) wird auf Seite 2 ausgeführt, dass das bisherige Feuersch utzgesetz aus dem Jahre 1981 stam- me und in sehr vielen Belangen überholt oder massiv lück enhaft sei. So seien beispielsweise die Einsätze der Feuerwehr bei Natur-, ABC- oder Un fallereignissen nicht geregelt. Nicht gere- gelt seien auch die Einsatz- und Kostenzuständigkeiten von Kanton (Basellandschaftliche Ge- bäudeversicherung, BGV) und Gemeinden. Ungenügend gere gelt seien zudem die Rechts- grundlagen für die Überbindung von Einsatzkosten an Private. Es dränge sich eine umfassende Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Revision auf. Weiter wird in der Landratsvorlage unter dem Titel "Stossrichtung des neuen Ge- setzes" ausgeführt, dass das FWG den interventiven Teil d es Brandschutzes, d.h. die Feuer- wehr, regle. Grundlage bilde der Grundauftrag der F euerwehr, wie er im Konzept "Feuerwehr 2015" der Feuerwehr Koordination Schweiz (FKS) verank ert sei. Dieses Konzept sei von den kantonalen Regierungen, so auch vom Regierungsrat des Ka ntons Basel-Landschaft, geneh- migt worden. Das Gesetz erneuere das Feuerwehrwesen im Kanton Basel-Landschaft von Grund auf und zwar sowohl inhaltlich wie auch strukturel l. Es umfasse als Neuerung insbeson- dere die Umsetzung des schweizerischen Konzepts "Feuerwehr 2015", welches explizit die Aufgaben der Feuerwehr umschreibe und den Fokus auf de ren Kernaufgaben, nämlich die Einsätze bei Brand-, Natur-, ABC- und Unfallereignisse n, richte (Landratsvorlage S. 9, Ziff. 5). Auf S. 10 der Landratsvorlage wird ausserdem ausgeführ t, dass das neue FWG die aktuelle Situation abbilde. Zudem erfolge "eine Zusammenführ ung aus anderen Gesetzen wie bei- spielsweise aus dem Umweltschutzgesetz (Oelwehr)". 5.2.1. Das Konzept Feuerwehr 2015, Konzeption der FKS (nachfolgend Feuerwehrkonzept 2015), wurde mit der Regierungskonferenz der FKS vom 5. Juni 2009 beschlossen. Darin legen die Mitglieder der FKS Ziele, Aufgaben und Standard s von gemeinsamem Interesse fest. Mit- glieder der FKS sind alle Kantone und das Fürstentum L iechtenstein. Mit dem Feuerwehrkon- zept 2015 werde unter anderem die Koordination sowie Behandlung politischer, organisatori- scher, fachlicher und finanzieller Fragen, die für das F euerwehrwesen als öffentliche Aufgabe der Kantone und des Fürstentums Liechtenstein von geme insamem Interesse seien, bezweckt. Die Zuständigkeit der Mitglieder der FKS, insbesondere das hoheitliche Handeln der Feuer- wehrinstanzen der Kantone, bleibe unberührt. Mit dem Konzept 2015 werde der gemeinsame Wille bekundet, die Feuerwehren unter Beachtung der in diesem Konzept formulierten Grund- sätze zu organisieren. Die Mitglieder der FKS würden si ch verpflichten, die Grundsätze im Rahmen ihrer Zuständigkeit und Möglichkeit umzusetzen (Feuerwehrkonzept 2015 S. 6). 5.2.2. Im Konzept Feuerwehr 2015 werden die Kernaufg aben der Feuerwehren formuliert und die Prinzipien, die beachtet werden sollen, sofern Kan tone und Gemeinden den Feuerwehren über die Kernaufgabe hinausreichende Aufgaben übertra gen sollten. Gemäss Konzept Feuer- wehr 2015 ist Kernaufgabe der Feuerwehren die Interve ntion bei Bränden, Naturereignissen, Explosionen, Einstürzen, Unfällen oder ABC-Ereignissen zum Schutz von Mensch, Tier, Umwelt und Sachwerten. Bezüglich Kostentragung wird ausgeführ t, dass es Sache der zuständigen Behörden (Kanton, kantonale Instanzen, Gemeinden) sei, festzulegen, ob und wie Feuerwehr- einsätze dem jeweiligen Verursacher oder Eigentümer be ziehungsweise der anfordernden Per- son oder Institution in Rechnung gestellt würden. Dabe i sollten jedoch zwei Prinzipien berück- sichtigt werden: Erstens seien die Brandeinsätze wie bisher grundsätzlich nicht in Rechnung zu stellen, um zu vermeiden, dass Notrufe aufgrund von Kost enüberlegungen verspätet erfolgen oder sogar unterbleiben würden. Zweitens sollten bezü glich der sonstigen Dienstleistungen der Feuerwehren die zuständigen Behörden für eine transpa rente und breit kommunizierte Kosten- regelung sorgen, um Missverständnisse und eine leichtfert ige Inanspruchnahme von Feuer- wehr-Dienstleistungen zu vermeiden (Feuerwehrkonzept 2015 S. 7 f.). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3. Zu § 3 Abs. 1 lit. c FWG wird in der Landratsvorla ge festgehalten, dass ABC- Ereignisse im Grundeinsatz in die Zuständigkeit der Gem einden und Betriebe fallen würden. Das heisse, Kleinereignisse würden durch diese bearbei tet und diese würden in jedem Fall die ersten Massnahmen vor Ort einleiten. Lediglich im Ergän zungseinsatz, der zweifellos und auch regelmässig rasch eintrete, sei der Kanton zuständig. Di es habe sich bewährt und stelle keine Änderung zur heutigen Praxis dar (Landratsvorlage S. 14 , zu § 3 Abs. 1 lit. c FWG). Zu § 12 Abs. 2 lit. b FWG wird ausgeführt, dass schon heute bei j edem grösseren Unfall- oder ABC- Ereignis entweder automatisch, gestützt auf das kantonal e Aufgebotskonzept oder manuell durch die örtliche Einsatzleitung Hilfe bei der Nachba rgemeinde oder beim Stützpunkt aufgebo- ten und eingesetzt werde. Neu werde dieser Einsatz als Ergänzungseinsatz definiert und expli- zit der Kanton (BGV bzw. AMB) als dafür zuständig erklärt . Erbracht werde der Ergänzungsein- satz für die Spezialereignisse durch Mittel der Stützpunktf euerwehren bzw. der Nachbarge- meinden, die in diesem Falle im Auftrage des Kantons (BGV bzw. AMB) sowie auf deren bzw. dessen Rechnung (§ 38 Absatz 1 FWG) zum Einsatz gelangen würden, sowie mit BGV- bzw. AMB-eigenen Mitteln (Landratsvorlage S. 18, zu § 12 FWG). Zu § 13 Abs. 1 FWG wird erörtert, dass die Einsatzkosten bei Unfall- und ABC-Ereignissen w ie bisher und auch künftig bei der für das Ereignis zuständigen öffentlich-rechtlichen Rechtsperson anfallen würden (Landratsvorlage S. 18, zu § 13 FWG). Bezüglich § 13 Abs. 2 und 3 FWG wird festgehalten, dass die Einsatzkos- tenverrechnung bisher lediglich bei vorsätzlicher oder gr obfahrlässiger Verursachung oder bei Ölwehr- und Strahlenschutzeinsätzen möglich gewesen sei. Neu werde sie differenziert und sachgerecht geregelt (Landratsvorlage S. 18, zu § 13 FWG). 5.4. Gemäss § 34a des Gesetzes über die Versicherung von Gebäuden und Grundstücken (Sachversicherungsgesetz) vom 12. Januar 1981 entrichten die Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer nebst der Versicherungsprämie zweckgebu ndene Beiträge zur Finanzie- rung von Beiträgen für den hoheitlichen, präventiven un d interventiven Schutz von Personen vor Feuerschäden sowie von Gebäuden und Anlagen vor Fe uer- und Elementarschäden (kurz: Präventions- und Interventionsbeiträge). Die Gebäudever sicherung ist im Kanton Basel-Land- schaft wie in den meisten Kantonen obligatorisch und bei der kantonalen Gebäudeversicherung abzuschliessen (vgl. § 9 Sachversicherungsgesetz). 5.5. Aus den obigen Darlegungen ergibt sich, dass die Ei nsätze bei Brand-, Natur-, ABC- und Unfallereignissen zu den Kernaufgaben der Feuerwe hr gehören und dass Brandeinsätze grundsätzlich nicht in Rechnung zu stellen sind (Ausnahme bei vorsätzlicher oder grobfahrläs- siger Verursachung). Die Kosten des Einsatzes zur Bewältigu ng eines ABC-Ereignisses sind hingegen gestützt auf Bundesrecht dem Kanton bzw. der Einwohnergemeinde von der verursa- chenden Person zu ersetzen. Der C-Schutz dient der Bewäl tigung von C-Ereignissen, d.h. der Abwehr einer unmittelbar drohenden Einwirkung im Sin ne des USG und des GSchG. Des Wei- teren bezahlen alle Grundeigentümer, und somit auch die Eigentümer bzw. Betreiber eines umweltgefährdenden Betriebes, nebst der Versicherung sprämie zweckgebundene Beiträge zur Finanzierung von Beiträgen für den interventiven Schut z von Personen vor Feuerschäden so- wie von Gebäuden und Anlagen vor Feuer- und Elementa rschäden. Aus diesen Überlegungen muss der Schluss gezogen werden, dass eine Aufteilung zwisch en Kosten, welche als Folge des Einsatzes zur Bewältigung des Brandereignisses, und sol chen, welche als Folge des Ein- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht satzes zur Bewältigung des C-Ereignisses entstanden sind, vor genommen werden muss und der auf das Brandereignis anfallende Kostenanteil nach § 7 FWG und der auf das C-Ereignis anfallende Kostenanteil nach § 13 FWG zu tragen bzw. zu überbinden ist. Zu diesem Schluss ist auch das Baurekursgericht des Kantons Zürich (BRGE) in seinem Urteil BRGE IV Nr. 0025/2012 vom 9. Februar 2012 (in: Baurechtsentscheide Kanton Zürich (BEZ) 2012 Nr. 32 E. 5.3.3) gekommen (so auch BRGE IV Nr. 0052/2015 vo m 9. April 2015, in: BEZ 2015 Nr. 43 E. 4.3.1). Dabei stützte es sich auf kantonale Bestimmung en, welche mit denjenigen im FWG vergleichbar sind, sowie auf das GSchG und USG. Im Urteil wird ausgeführt, dass der C-Schutz der Bewältigung von C-Ereignissen, d.h. der Abwehr ein er unmittelbar drohenden Einwirkung im Sinne des Umweltschutzgesetzes (Art. 7 Abs. 1 USG) so wie zu deren Feststellung und Be- hebung (Art. 59 USG) diene. Dementsprechend sei auch die Kostenüberbindung nur soweit gerechtfertigt, als der Einsatz der Feuerwehr der Be wältigung des eigentlichen C-Ereignisses diene, d.h. soweit er Sicherungs- und Behebungsmassnah men im Sinne von Art. 59 USG und Art. 54 GSchG umfasse. Davon abzugrenzen sei der Kostenersa tz für die mit dem C-Ereignis allenfalls einhergehenden Kernaufgaben der Feuerwehr , namentlich die Schadenbekämpfung bei Bränden und Explosionen sowie die damit (und nicht mit den Umweltgefahren) verbundene Rettung von Menschen und Tieren. Das Baurekursgericht füh rt weiter aus, dass es keinen sachlichen Grund gebe, weshalb Brände im Zusammenhang m it C-Ereignissen bezüglich Kos- tenersatz anders zu beurteilen wären als solche, bei denen keine toxischen oder umweltgefähr- denden Stoffe im Spiel seien. Der in der gesetzlichen B estimmung, welche mit § 7 i.V.m. § 5 FWG vergleichbar ist, statuierte Grundsatz der Unentg eltlichkeit beziehe sich auf das Ereignis – Brand oder Explosionen – und sei nicht davon abhängi g, an welchem Objekt das Schadener- eignis eintrete oder wie es ausgelöst werde. 6.1. Der Regierungsrat führt in seinem Beschluss (E. 6) aus, dass bei der Einsatzleitzentra- le der Polizei Basel-Landschaft die Meldung über den Brand am 30. Juni 2019 um 20:32 Uhr eingegangen sei. Innert Minuten habe die Einsatzleit ung erkannt, dass eine akute Bedrohung durch die vorhandenen chemischen Stoffe vorliege. Ber eits um 20:39 Uhr, d.h. sieben Minuten nach der Erstalarmierung, habe die Einsatzleitung di e Industriefeuerwehr Regio Basel AG (IFRB AG) für einen ABC-Einsatz (Einsatz ABC-Stützpunkt i n D.____) aufgeboten. Die IFRB AG sei nach ihrer Alarmierung während über 9 Stunden im Einsatz gewesen (vgl. Rechnung der IFRB AG vom 9. Juli 2019, Beilage 1 zur Verfügung ). Bereits in einem frühen Stadium des Ereignisses sei die Führung auf dem Schadenplatz durch da s Schadenplatzkommando über- nommen worden. Gemäss § 14 Abs. 2 des Gesetzes über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz im Kanton Basel-Landschaft vom 5. Februar 2004 (nachfolgend Bevölkerungs- schutzgesetz vom 5. Februar 2004) übernähmen die Schadenpl atzkommandanten und Scha- denplatzkommandantinnen bei einem Grossereignis die Führ ung auf dem Schadenplatz. Das Ereignis sei somit von den Zuständigen als Grossereignis qualifiziert worden. Ausschlaggebend für diese Qualifizierung sei nicht der Brand an sich g ewesen, sondern die gegebene akute Ge- fährdung durch die vorhandenen Chemikalien, die Persone n oder Tiere an Leben oder Ge- sundheit gefährdet oder die Umwelt bedroht hätten. D ie Brandbekämpfung habe deshalb in erster Linie der Bekämpfung der akut drohenden Gefähr dung durch die vorhandenen Chemika- lien gedient. So sei auch dem Einsatzrapport der IFRB AG vom 2. Juli 2019 (vgl. Vorakten Nr. 36) zu entnehmen, dass das Hauptproblem die Chemie sei. Der Brand sei somit zwar ur- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sächlich für die entstandene Gefahrensituation, jedoch vom Gefahrenpotential her absolut un- tergeordnet und marginal gewesen. Sämtliche erbrachten Leistungen hätten von Beginn an in erster Linie auf die Bewältigung des Chemieereignisses abgezielt. Es sei deshalb nachvollzieh- bar, dass die Vorinstanz in diesem konkreten Fall das Erei gnis als Spezialereignis bzw. als ABC-Ereignis qualifiziert habe. Von Anbeginn des Einsat zes sei klar gewesen, dass die akute Gefahr, welche zur Qualifikation des Ereignisses als Gross ereignis und zum Einsatz des Scha- denplatzkommandos geführt habe, nicht durch den Brand verursacht worden sei, sondern durch die vorhandenen Chemikalien. Es sei deshalb im vorliegenden Fall nachvollziehbar und nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz auf eine Aufteilung des Ereignisses in ein Brand- und ABC- Ereignis verzichtet habe. Das Ereignis sei somit als Spezial- bzw. ABC-Ereignis zu qualifizieren. 6.2. Es ist unbestritten, dass aufgrund der gelagerten C hemikalien sowie des grossflächi- gen Brandes der Gebäude eine akute Gefahr bestanden ha tte, dass giftige Chemikalien in die Luft sowie via Löschwasser in die Erde und ins Grundwasser hätten gelangen können. Die am Brandort gelagerten Stoffe hätten bei einem Austrit t Personen oder Tiere an Leben oder Ge- sundheit gefährden und Schäden an der Umwelt bewirken können. Wie im RRB (Sachverhalt Ziff. 5) ausgeführt wird, breitete sich der Brand auf das Gebäude aus. Das Feuer breitete sich zudem weiter aus, so dass auch die Lagerhalle und der hi ntere Bereich der Umschlagshalle vollständig ausbrannten. Wäre ein Brand in diesen Gebä uden ausgebrochen und wären diese Gebäude- und Gebäudeteile vollständig ausgebrannt, ohn e dass sich darin gefährliche Chemi- kalien befunden hätten, wären diese Kosten als Brander eignis im Rahmen von § 7 FWG vom Kanton bzw. von der Gemeinde getragen worden (ausser d as Brandereignis wird gemäss § 7 Abs. 2 FWG vorsätzlich oder grobfahrlässig verursacht). Die Tatsache, dass die Brandbekämp- fung in erster Linie der Bekämpfung der akut drohenden Gefährdung durch die vorhandenen Chemikalien gedient hat, ändert nichts am Umstand, dass d ie Kostenüberbindung nur soweit gerechtfertigt ist, als der Einsatz der Feuerwehr der Bewältigung des eigentlichen C-Ereignisses dient, d.h. soweit er Sicherungs- und Behebungsmassna hmen im Sinne von Art. 59 USG und Art. 54 GSchG umfasste. Nicht überbunden können hingege n die Kosten, die mit dem C-Ereig- nis allenfalls einhergehenden Kernaufgaben der Feuerw ehr, namentlich die Schadenbekämp- fung bei Bränden und Explosionen sowie die damit (und nicht mit den Umweltgefahren) verbun- dene Rettung von Menschen und Tieren, zusammenhängen. Damit ist der Beschwerdeführerin insoweit Recht zu geben, als eine Aufteilung der Kosten zwischen Brandereignis und C-Ereignis vorzunehmen ist, wobei die Kosten zur Bewältigung des Br andereignisses nach § 7 FWG und diejenigen zur Bewältigung des C-Ereignisses nach § 13 FWG zu tragen bzw. zu überbinden sind. 6.3. Die Beschwerde ist in diesem Punkt insofern gutzuhe issen, als die vorinstanzlichen Entscheide aufzuheben sind und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an das AMB zurückzu- weisen ist. Dabei wird das AMB eine Aufteilung zwischen K osten für das Brandereignis und solchen für das C-Ereignis vornehmen müssen. Zudem wird das AMB bezüglich der Kosten für das Brandereignis zu beurteilen haben, ob ein Fall von grobfahrlässiger Verursachung des Brandereignisses nach § 7 Abs. 2 FWG vorliegt. So begr ündet die Gemeinde D.____, in deren Hoheitsgebiet sich der Brand ereignet hat, z.B. ihre Re chnungen Nr. 109-2019, 110-2019 und Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 111-2019 damit, dass gestützt auf § 7 Abs. 2 FWG die Ko sten für Einsätze bei Brandereignis- sen den Betroffenen in Rechnung gestellt werden können. 7.1.1. Die Beschwerdeführerin moniert als zweiten Punkt , dass das AMB keine Unterschei- dung zwischen den Kosten zur Bewältigung des Grundeinsa tzes und denjenigen zur Be- wältigung des Ergänzungseinsatzes vorgenommen habe. Die Gemeinde sei zuständig für den Grundeinsatz zur Bewältigung von Brand- und Spezialere ignissen und der Kanton für den Er- gänzungseinsatz zur Bewältigung von Brand- und Speziale reignissen (§§ 6 und 12 FWG). Die- se Unterscheidung diene auch der Feststellung, welche Kosten von der Gemeinde (Einsatzkos- ten für den Grundeinsatz) und welche vom Kanton (Einsa tzkosten für den Ergänzungseinsatz) verrechnet werden könnten. Vorliegend habe das AMB in dieser Hinsicht aber keinerlei Diffe- renzierung vorgenommen. Es habe nicht zwischen Grund- un d Ergänzungseinsatzkosten und damit auch nicht zwischen Kosten, die das AMB für den Kan ton habe einfordern dürfen, und solchen, zu deren Einforderung es keine Kompetenz geha bt habe, unterschieden. Das AMB habe nie eine Berechtigung nachgewiesen, dass es allfäl lige Ansprüche der Gemeinden in ei- gener Regie einfordern könne, und nie gezeigt, in w elchem Umfang es eigene Ansprüche, d.h. Ansprüche des Kantons, geltend mache und in welchem Umfa ng seine Forderungen Gemein- deansprüche beträfen. Die Vorinstanz husche in der E. 7 ihres Beschlusses über den Punkt hinweg und behaupte – geradezu in Parteivertreterman ier – das Ereigniskosteninkasso sei eine Sache zwischen Kanton und Gemeinden, welche die Beschwe rdeführerin nicht zu kümmern brauche. Die Beschwerdeführerin sehe das jedoch – zum indest im Rahmen eines Streits um einen verwaltungsrechtlichen Anspruch – anders. Auch in öffentlich-rechtlichen Forderungs- streitigkeiten sei die Aktivlegitimation des Anspruchst ellers auszuweisen. Geschehe dies nicht, könne der Anspruch nicht zugewiesen werden. Entsprechen d hätte die Vorinstanz die Forde- rung mangels ausreichend nachgewiesener Aktivlegitimation im Beschwerdeverfahren zur Klä- rung dieser Frage zumindest zurückweisen müssen. Dabei ver wies die Beschwerdeführerin auf ein Urteil des St. Galler Verwaltungsgerichts vom 19. D ezember 2013 (in: St. Gallische Ge- richts- und Verwaltungspraxis [GVP] 2013 Nr. 52), in wel chem das genannte Gericht festhielt, dass wie im Verfahren des Zivilprozesses die Aktivlegitimati on auch im öffentlich-rechtlichen Klageverfahren als Frage des Rechtsanspruchs und nicht als E intretensvoraussetzung geprüft werde. 7.1.2. Der Regierungsrat hält in seinem Beschluss in de r E. 7 fest, die Einwohnergemeinden und der Kanton würden die Kosten des Einsatzes zur Bewä ltigung der Spezialereignisse tra- gen, für die sie zuständig seien. Die Kosten des Einsat zes zur Bewältigung eines Spezial- ereignisses seien der Einwohnergemeinde bzw. dem Kanton zu ersetzen (§ 13 Abs. 1 und 2 FWG). Der Wortlaut von § 13 FWG schliesse nicht aus, da ss der Kanton zuhanden der Ge- meinden die Einsatzkosten der verursachenden Person in Re chnung stelle und das Inkasso erledige oder sogar die Einsatzkosten den Gemeinden beza hle, um sie dann beim Verursacher einzufordern. Letztendlich sei dies eine Frage der Org anisation zwischen Kanton und Gemein- den. Die Einsatzleitung habe beim kantonalen Schadenpl atzkommando gelegen, weshalb es nachvollziehbar sei, dass die Kostenabrechnung über den Ka nton abgewickelt werde. Die Be- schwerdeführerin könne diesbezüglich nichts für sich ableiten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1.3. In der Vernehmlassung vom 24. Februar 2022 füh rt der Beschwerdegegner aus, die Legitimation des Kantons zur Einforderung der Einsatz kosten sei im vorliegenden Fall wie folgt zu begründen: Das in diesem Fall bewältigte Ereignis se i als Spezialereignis im Sinn von § 11 Abs. 1 lit. b FWG zu qualifizieren. Die Einsatzführung bei der Bewältigung dieses Ereignisses habe beim Schadenplatzkommandanten und damit beim Ka nton (§ 14 Abs. 2 Bevölkerungs- schutzgesetz vom 5. Februar 2004) gelegen. § 13 Abs. 2 FWG lege u.a. fest, dass die Kosten des Einsatzes zur Bewältigung eines Spezialereignisses dem Kanton zu ersetzen seien. Die Legitimation des Kantons ergebe sich somit aus den §§ 3, 11 Abs. 1 lit. b und 13 Abs. 2 lit. b FWG in Verbindung mit § 14 Abs. 2 des Bevölkerungsschutz gesetzes vom 5. Februar 2004. § 13 Abs. 2 FWG spreche von den Kosten des Einsatzes. Da mit seien sämtliche Einsatzkosten aller in die Bewältigung involvierten Organisationen gemeint, soweit dafür eine gesetzliche Grundlage vorhanden sei und sie belegt werden könnten . Die Höhe der Einsatzkosten sei den der Verfügung beigelegten Rechnungen zu entnehmen. De r Gesamtbetrag werde von der Be- schwerdeführerin nicht bestritten. 7.2.1. Wie in den E. 4.1 und 4.2 hiervor ausgeführt, sind für den Grundeinsatz zur Bewälti- gung von Brandereignissen und Spezialereignissen die E inwohnergemeinden zuständig (§§ 6 Abs. 1 und 12 Abs. 1 FWG), für den Ergänzungseinsatz zur Bewältigung von Brandereignissen und Spezialereignissen ist hingegen der Kanton zuständig (§§ 6 Abs. 2 lit. b und 12 Abs. 2 lit. b FWG). Der Sicherheitsdirektion (SID) steht gemäss § 2 F WG i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. c FWG der Vollzug der Kantonsaufgabe des Ergänzungseinsatzes zur Bewä ltigung von ABC-Ereignissen zu. 7.2.2. Die SID ist unter anderem für den Vollzug der Gesetzgebung über den Bevölkerungs- schutz und den Zivilschutz zuständig. Die Aufgaben des AMB umfassen unter anderem die Si- cherstellung der Einsatzbereitschaft der kantonalen spezif ischen Stützfeuerwehren für A-, B-, C-Ereignisse (§ 1 Abs. 1 lit. c Ziff. 6 und § 10a Abs. 2 lit. k der Dienstordnung der Sicherheitsdi- rektion vom 23. Oktober 1984), die Sicherstellung der Ei nsatzbereitschaft der Schadenplatz- kommandantinnen und -kommandanten, der Schadenplatzkomm andos sowie der Kantonalen Schadenwehr für A-, B-, C-Ereignisse und einer ABC-Fac hberatung (§ 5 Abs. 2 lit. n und p der Dienstordnung des Amtes für Militär und Bevölkerungssch utz [Dienstordnung AMB] vom 9. Dezember 2002). Das AMB bereitet die zur Erfüllung seiner Aufgaben notwendigen Verfü- gungen für die SID vor (§ 5 Abs. 3 Dienstordnung AMB). Das Feuerwehr-Inspektorat übt die Aufsicht über die Feuerwehren aus (§ 37 Abs. 1 FWG). Es bietet im Ereignisfall die notwendi- gen kommunalen, kantonalen und betrieblichen Feuerwehr mittel zum Einsatz auf, wenn der Kanton für die Bewältigung eines Ereignisses zuständig ist (§ 37 Abs. 2 lit. b FWG), und be- stimmt oder übernimmt die Einsatzleitung bei einem Er eignis, für dessen Bewältigung der Kan- ton zuständig ist (§ 37 Abs. 3 lit. b FWG). Die Schad enplatzkommandanten und Schadenplatz- kommandantinnen übernehmen bei einem Grossereignis die Führung auf dem Schadenplatz (§ 14 Abs. 2 der bis zum 30. Juni 2022 gültigen Fassung des Bevölkerungsschutzgesetzes vom 5. Februar 2004 bzw. gemäss § 21 Abs. 3 i.V.m. § 3 ff. der ab 1. Juli 2022 gültigen Fassung des Gesetzes über den Bevölkerungsschutz im Kanton Basel-Land schaft vom 20. Mai 2021 [Bevöl- kerungsschutzgesetz vom 20. Mai 2021]). Der Kanton vergüte t den Einwohnergemeinden und den Betrieben die Kosten der personellen und sachliche n Feuerwehrmittel, die er aufgrund von Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht § 37 Abs. 2 FWG aufgeboten hat, sofern das Ereignis ni cht auf deren Hoheitsgebiet bzw. Be- triebsareal stattgefunden hat (§ 38 FWG). 7.2.3. Gemäss Landratsvorlage bringe das neue Gesetz die Aufgabenabgrenzung zwischen Gemeinden und Kanton (BGV, AMB) durch die Begriffe " Grundeinsatz" und "Ergänzungsein- satz" zum Ausdruck. Gemäss dem Subsidiaritätsprinzip seien f ür den ersteren die Gemeinden zuständig und für den letzteren der Kanton. Der Umfang des Grundeinsatzes werde durch die Verordnung definiert (§ 14 FWG, §§ 4 ff. der Verord nung über die Feuerwehr (FWV) vom 27. August 2013). Der Ergänzungseinsatz sei selbsterklärend (Landratsvorlage S. 15, zu § 6 FWG). Der Grundeinsatz umfasse als Aufgaben u.a. die Abs perrung und Einweisung, die Ret- tung von Menschen und Tieren, die Schadensbegrenzung, d en Schutz von Umwelt und Sa- chen, die eigentliche Bewältigung des Ereignisses (löschen , auffangen, auspumpen usw.) so- wie die Kontrolle (Brandwache usw.). Die Anforderung en an den Grundeinsatz würden die zeit- lichen und materialmässigen Vorgaben für den Ersteinsat z umfassen und würden in Anlehnung an die Leistungsnormen des schweizerischen Konzepts "Feu erwehr 2015" festgelegt. Die Ver- ordnung werde schliesslich die erforderlichen Mittel an Personal und Material für den Grundein- satz festlegen. Dabei werde speziell der Fokus darauf g elegt werden, dass jede Gemeinde den Grundeinsatz leisten könne und bei flächendeckenden Ere ignissen eine gewisse Autonomie habe. Ebenso werde zu beachten sein, dass der Ergänzungse insatz sichergestellt sei, d.h., dass sowohl die Hilfe der Stützpunktfeuerwehren und der Nachbarfeuerwehren jederzeit regio- nal, kantonal und schweizerisch gewährleistet sei (Landratsvorlage S. 19, zu § 14 FWG). In der Landratsvorlage wird weiter aufgeführt, dass ABC-Ereignisse im Grundeinsatz in die Zuständig- keit der Gemeinden und Betriebe fallen würden. Das he isse, Kleinereignisse würden durch die- se bearbeitet und diese würden in jedem Fall die erst en Massnahmen vor Ort einleiten. Ledig- lich im Ergänzungseinsatz, der zweifellos und auch regel mässig rasch eintrete, sei der Kanton zuständig. Dies habe sich bewährt und stelle keine Änder ung zur heutigen Praxis dar (Land- ratsvorlage S. 14, zu § 3 Abs. 1 lit. c FWG). Zudem wird in der Landratsvorlage festgehalten, dass schon heute bei jedem grösseren Unfall- oder ABC-E reignis entweder automatisch, ge- stützt auf das kantonale Aufgebotskonzept, oder manuell d urch die örtliche Einsatzleitung Hilfe bei der Nachbargemeinde oder beim Stützpunkt aufgebot en und eingesetzt werde. Neu werde dieser Einsatz als Ergänzungseinsatz definiert und expl izit der Kanton (BGV bzw. AMB) als da- für zuständig erklärt. Erbracht werde "der Ergänzungsein satz für die Spezialereignisse durch Mittel der Stützpunktfeuerwehren bzw. der Nachbargeme inden, die in diesem Falle im Auftrage des Kantons (BGV bzw. AMB) sowie auf deren bzw. dessen Rechnung (§ 38 Abs. 1 FWG) zum Einsatz gelangen, sowie mit BGV- bzw. AMB-eigenen Mitteln". So sei beispielsweise die techni- sche Bergung mit hydraulischen Rettungsgeräten wie bisher Sache der speziell dafür ausgerüs- teten und ausgebildeten Stützpunkte. Die einfache Ret tung oder Bergung falle, da es sich um einen Grundeinsatz handle, weiterhin in den Aufgaben bereich der Ortsfeuerwehren (Landrats- vorlage S. 18, zu § 12 Abs. 2 lit. b FWG). Die Stützpun ktfeuerwehren seien u.a. das Einsatze- lement für Ereignisse, für die der Kanton zuständig sei. Die Finanzierung der kantonalen Aufga- ben obliege der BGV und solle die Standortgemeinden der Stützpunktfeuerwehren nicht belas- ten. Bezüglich der ABC-Stützpunkte sei die SID zuständig (Landratsvorlage S. 25, zu § 36 FWG). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.1. Die gesetzlichen Bestimmungen zeigen, dass der K anton für ein Ereignis (Ergän- zungseinsatz zur Bewältigung von Brandereignissen und Spezia lereignissen), wie den vorlie- genden, zuständig ist. Die gesetzliche Regelung betref fend Zuständigkeit zur Erhebung der Kosten ist nicht eindeutig. Jedoch muss die kantonale Zuständigkeit zur Bewältigung des Ereig- nisses auch die Kompetenz umfassen, die entstandenen Kosten einzufordern. Es kann nicht sein, dass der Kanton zur Bewältigung der Aufgabe zuständig und somit auch verpflichtet ist, er die Einsatzleitung und die Führung auf dem Schadenplatz innehat, aber die Gemeinden und die Privaten dann zur Rechnungstellung gegenüber dem Privat en verpflichtet wären. Mit der Zu- ständigkeit zur Aufgabenbewältigung geht auch die Ko mpetenz des Kantons einher, die Forde- rungen gegenüber der Beschwerdeführerin zu stellen und das Geld einzufordern. Wäre dem nicht so, müssten alle involvierten Gemeinden (wie im vorliegenden Fall auch die ausländischen Gemeinden) und Privaten der Beschwerdeführerin Rechnung stellen. Ausserdem würde eine Stelle fehlen, welche die Übersicht über alle Rechnung en hätte, und die Beschwerdeführerin sähe sich mit einer Vielzahl von Gläubigern konfronti ert. Zudem könnte dies dazu führen, dass die verschiedenen Rechnungssteller bezüglich der Qualifi kationen, inwieweit es sich bei den Kosten um Kosten als Folge des Brand- oder ABC-Ereignisse s handle und ob das Ereignis grobfahrlässig verschuldet worden sei oder nicht, unterschi edliche Beurteilungen vornehmen würden. So befinden sich in den Akten 29 Rechnungen, w elche im Zusammenhang mit dem Ereignis stehen und an die SID bzw. AMB eingereicht wur den. Die interne Vergütungsregelung zwischen Kanton und Gemeinden findet sich in § 38 FWG: I st der Kanton für die Bewältigung eines Ereignisses zuständig, so vergütet er den Einwohn ergemeinden die Kosten der personel- len und sachlichen Feuerwehrmittel, sofern das Ereignis nicht auf deren Hoheitsgebiet stattge- funden hat (§ 38 i.V.m. § 37 Abs. 2 lit. b FWG). 7.3.2. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass der Kanton alle im Zusammenhang mit dem Ereignis stehenden Kosten von der Beschwerdeführerin einfordern kann. Jedoch muss er in seiner Verfügung aufzeigen, welcher Betrag als Folge der Bewältigung des Brandereignisses und welcher als Folge des Spezialereignisses gewertet wird (siehe E. 6.3). Des Weiteren hat der Kanton aufzuzeigen, welche Kosten auf den Grund- und welche auf den Ergänzungseinsatz entfallen. Die vorinstanzlichen Entscheide sind demzufolge auch aus diesem Grund aufzuheben und die Angelegenheit ist an das AMB zur Neubeurteilun g zurückzuweisen. Dabei wird das AMB aufzuzeigen haben, welche Kosten auf den Grundeinsa tz und welche auf den Ergän- zungseinsatz entfallen. 8.1.1. Die Beschwerdeführerin beantragt als dritten Pu nkt, dass der B.____ AG als Eigentü- merin der Betriebsgebäude und des Areals und als Verm ieterin derselben als Zustandsstörerin ein Teil der Einsatzkosten aufzuerlegen sei. Die B.___ _ AG habe der Beschwerdeführerin zur Führung ihres Galvanikbetriebs ein überbautes Areal ver mietet, welches den Brandschutzan- forderungen, die zur Zeit des Brandereignisses gegolten hätten, nicht mehr entsprochen habe, weshalb dessen Zustand widerrechtlich gewesen sei. Die Geb äude hätten über keine Sprink- leranlage verfügt und auf dem Areal hätten sich keine Rückhaltebecken für kontaminiertes Wasser befunden. Zudem sei der Boden um die Gebäude für ein Industrieareal nicht angemes- sen versiegelt gewesen. Wären diese Massnahmen vorhanden g ewesen, hätte der Aufwand zur Verhinderung eines möglichen C-Ereignisses weitgehend vermieden werden können. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1.2. Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Beschluss zum Schluss, dass die B.____ AG weder eine Sorgfaltswidrigkeit begangen noch eine ob jektive Ordnungswidrigkeit der be- herrschbaren Sache oder eine besondere Gefahrensituation geschaffen oder unterhalten habe. Die B.____ AG scheide somit als kostenpflichtige Zustandss törerin aus. Es könne somit offen- bleiben, ob ein allfälliges Handeln oder Unterlassen der B.____ AG bzw. der Zustand der durch sie vermieteten Liegenschaft unmittelbar kausal für den E intritt der Gefahrenursache (den Brand) gewesen sei. Der Regierungsrat prüfte der Vollst ändigkeit halber die Unmittelbarkeit dennoch und kam zum Schluss, dass diese nicht gegeben sei. Der Brand sei unmittelbar durch das Fehlverhalten des Mitarbeiters der Beschwerdeführerin verursacht worden. Das Übersehen des geöffneten Ablassventils des Beckens Nr. 127 sowie die Aktivierung der Heizelemente trotz fehlender Befüllung des Beckens Nr. 127 hätten den Bra nd unmittelbar verursacht. Gleichzeitig hätten Schutzmechanismen wie eine Füllstandüberwachung d es Beckens Nr. 127 sowie ein Trockenlaufschutz im Becken diesen Vorgang und den Brand verhindern können. Sämtliche der genannten Elemente seien durch die Beschwerdeführerin zu vertreten. Demgegenüber würden die fehlende Sprinkleranlage, die fehlende Bodenversie gelung und das fehlende Rückhaltebe- cken als in der Kausalkette weiter entfernte Ursachen er scheinen, die nicht unmittelbare Ursa- che für den Eintritt der Gefahr bzw. den Brandausbruch seien. Deren Fehlen habe "einzig" dazu geführt, dass der Brand nicht früher gelöscht worden se i, sich ausgebreitet habe und dass das Löschwasser aufgrund einer möglichen Umwelt- oder Gew ässergefährdung in die ARA Rhein Kläranlage habe geleitet werden müssen. Dadurch sei e in grösserer Aufwand für die Ereignis- bekämpfung entstanden. Bei Vorhandensein hätten diese Massnahmen nicht den Brandaus- bruch verhindert, sondern die Folgen des Brandes abgeschw ächt. Ihr Fehlen sei somit nicht unmittelbar kausal für den Eintritt der Gefahrenursache bzw. für den Brand. Damit sei ein allfäl- liges Handeln oder Unterlassen der B.____ AG bzw. der Z ustand der durch sie vermieteten Liegenschaft nicht unmittelbar kausal für den Eintritt der Gefahrenursache (den Brand) gewe- sen. 8.2.1. Zu prüfen ist, ob die B.____ AG zu Recht nicht als kostenpflichtige Zustandsstörerin qualifiziert wurde. 8.2.2. Gemäss § 13 Abs. 2 lit. b FWG ist im Falle ein es C-Ereignisses die das Ereignis verur- sachende Person kostenpflichtig. Wie in der E. 4.4 hier vor bereits ausgeführt, hat diese Be- stimmung indessen keine eigenständige Bedeutung, weil sie Art. 59 USG bzw. Art. 54 GSchG umsetzt (vgl. Urteile des BGer 1C_600/2019 vom 20. Nov ember 2020 E. 3.4; 2C_1096/2016 vom 18. Mai 2018 E. 3.4 und 2C_162/2014 vom 13. Juni 2014 E. 2.1). Art. 2 USG statuiert, dass derjenige die Kosten zu tragen hat, der Massnahmen nach dem USG verursacht. Nach Art. 59 USG werden die Kosten von Massnahmen, welche di e Behörden zur Abwehr einer un- mittelbar drohenden Einwirkung sowie zu deren Feststellung und Behebung treffen, dem Verur- sacher überbunden. Nach Art. 54 GSchG werden die Koste n von Massnahmen, welche die Be- hörden zur Abwehr einer unmittelbar drohenden Gefahr für die Gewässer sowie zur Feststel- lung und zur Behebung eines Schadens treffen, dem Verursacher überbunden. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3.1. Unter dem Bundesgesetz über den Schutz der Gewä sser gegen Verunreinigungen vom 16. März 1955 hatte sich die Massnahmen- und damit auch die Kostenpflicht im Falle einer Ersatzvornahme danach bestimmt, wer der verantwortliche Störer i.S. des Polizeirechts war. Danach galt als Störer, "wer eine adäquate Ursache de s Schadens oder der Gefahr bildet", aber auch jeder, der bloss eine "condicio sine qua non" setzt, indem er es in Kauf nimmt, dass andern durch sein an sich nicht rechtswidriges Verhalten d ie Schaffung eines polizeiwidrigen Tatbestandes ermöglicht wird. Erst später fügte das Bu ndesgericht die Kostentragungspflicht einschränkende Kriterium der Unmittelbarkeit hinzu. Mi t Inkrafttreten des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer gegen Verunreinigungen vom 16. März 1955 wurde neben dem Massnahmenpflichtigen für die Kostenpflicht neu der Be griff des Verursachers ins Gesetz auf- genommen. Für die Bestimmung des polizeipflichtigen St örers wurde weiterhin insbesondere auf die rechtliche und tatsächliche Möglichkeit der wir ksamen Wiederherstellung des polizeige- mässen Zustandes abgestellt; demgegenüber kamen als kosten pflichtige Verursacher nun sämtliche Personen in Frage, welche gemäss Doktrin und Pr axis für die Gefahr oder Störung mitverantwortlich waren. Die Umschreibung des Kreises d er beteiligten und kostenverantwortli- chen Verursacher orientiert sich allerdings ebenfalls am Störerprinzip und an der in Doktrin und Praxis allgemein anerkannten Unterscheidung zwischen Ver haltensstörer einerseits und Zu- standsstörer anderseits an (Urteil des BGer 2C_1096/201 6 vom 18. Mai 2018 E. 2.5 m.w.H.). Der Rückgriff auf den Störerbegriff hat zur Folge, da ss Verhaltensstörer wie auch Zustandsstö- rer als Verursacher in Betracht kommen (S ÉBASTIEN CHAULMONTET , Verursacherhaftungen im Schweizer Umweltrecht, Diss. Fribourg 2009, Rz 164). Di e Unterscheidung zwischen Verhal- tens- und Zustandsstörern hat auch unter den heutigen Art. 54 GSchG und Art. 59 USG Be- stand (1C_146/2011 vom 29. November 2011 E. 2). Sie f and zudem Eingang in die Kostenre- gelungen des Altlastenrechts (Art. 32d USG; BGE 131 II 743 E. 3.1), was dort allerdings teilwei- se kritisiert wurde. Die vorgebrachten Einwände, insbeso ndere dass der Zustandsstörer nicht notwendigerweise stets auch als kostenpflichtiger "Zustand sverursacher" anzusehen sei, kön- nen im Einzelfall auch bei einer antizipierten Ersatzvo rnahme Bedeutung erlangen. In aller Re- gel ist die Gleichsetzung von Störer- und Verursacherbeg riff jedoch sinnvoll, und das Bundes- gericht hält demnach weiterhin an seiner Praxis fest (vg l. zur Begründung BGE 139 II 106 E. 3.1.1 bis 3.6; siehe zum Ganzen BEATRICE WAGNER PFEIFER , in: Hettich/Jansen/Norer [Hrsg.], Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und zum Wasserbaugesetz, Zürich/Basel/Genf 2016, Rz 38 ff. zu Art. 54 GSchG m.w.H.). 8.3.2. Störer ist derjenige, welcher durch sein eigenes oder i hm zurechenbares fremdes Ver- halten eine Störung oder Gefahr verursacht oder desse n Sachen aufgrund ihres Zustands oder ihrer Beschaffenheit für eine derartige Situation ver antwortlich sind. Die Störereigenschaft be- stimmt sich ausschliesslich nach diesen objektiven Kriterien. Eine darüber hinausgehende Rechtswidrigkeit oder ein Verschulden sind nicht vorausgese tzt. Dennoch ist das Verschulden nicht ohne Bedeutung; es spielt namentlich bei der Auf teilung der Kosten unter mehreren Ver- ursachern eine Rolle (ALAIN GRIFFEL , Umweltrecht in a nutshell, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2019, S. 37 m.w.H.). Der Störer ist polizeirechtlich verpflichtet, eine Gefahr oder Störung zu beseitigen oder die Kosten für die Massnahmen zur Herstellung des o rdnungsgemässen Zustands zu tra- gen (BGE 143 I 147 E. 5.1). Zur Begrenzung der Kosten pflicht hat – wie in der E. 8.3.1 hiervor bereits ausgeführt – die Praxis im Rahmen des im Umwel tschutzrecht einschlägigen Verursa- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherprinzips, welches weitgehend auf den Störerbegriff a bstellt, das Erfordernis der Unmittel- barkeit etabliert (Urteil des BGer 2C_239/2011 vom 21. Februar 2012 E. 5.3.2). Als polizeirecht- lich erhebliche Ursachen kommen nur solche in Betracht , die bereits selber die Grenze zur Ge- fahr überschritten haben. In der Kausalkette entfernt ere, lediglich mittelbare Verursachungen scheiden aus (GRIFFEL , a.a.O., S. 37; W AGNER PFEIFER , a.a.O., Rz 47 zu Art. 54 GSchG). Nur die Ursachen, welche die Gefahrengrenze überschreiten, sind erheblich. Folglich können auch Ursachen eine Verursacherhaftung begründen, die nicht n ach dem gewöhnlichen Lauf der Din- ge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ware n, einen Erfolg von der Art des Einge- tretenen herbeizuführen (C HAULMONTET , a.a.O., Rz 197 m.w.H). Die Lehre stellt teilweise in Anlehnung an das Haftpflichtrecht auf die Adäquanz der Kausalität ab. In vielen Fällen führt die Adäquanztheorie zum gleichen Ergebnis wie die Unmitte lbarkeitstheorie (Urteil des BGer 2C_1096/2016 vom 18. Mai 2018 E. 2.4 m.w.H.; BGE 132 II 371 E. 3.5). In der Rechtsprechung wird der Störerbegriff mit dem Verursacherbegriff gl eichgesetzt, was in der Literatur kritisiert wird (Urteil 1C_231/2012 vom 29. November 2012 E 3.1.2). 8.3.3. Verhaltensstörer ist, wer durch sein eigenes Ver halten oder durch das Verhalten Drit- ter, für die er verantwortlich ist (Kinder, Erfüllungs gehilfen), die öffentliche Ordnung und Sicher- heit unmittelbar stört oder gefährdet (Urteil des BGe r 2C_1096/2016 vom 18. Mai 2018 E. 2.5.1 m.w.H.). 8.3.4. Zustandsstörer ist, wer die tatsächliche oder rech tliche Herrschaft über Sachen hat, welche die Polizeigüter unmittelbar stören oder gefähr den (Urteil des BGer 2C_560/2019 vom 22. Juli 2019 E. 3.2.5). Im Gegensatz zur Verhaltensh aftung knüpft die Zustandshaftung nicht an das die Gefahr oder Störung verursachende Verhalten an, sondern an die Beziehung einer Person zu derjenigen Sache, welche die Gefahr oder Stö rung unmittelbar verursacht. Es han- delt sich somit um eine – wie Sébastian Chaulmontet d iese Zustandshaftung in seiner Disserta- tion nennt – "Gewalthaberhaftung" (C HAULMONTET , a.a.O., Rz 359). Anknüpfungspunkt für die Haftung des Zustandsstörers ist die Möglichkeit, auf die gefahrbringende Sache einzuwirken. Als Grund für die Verantwortlichkeit des Zustandsstörers w ird aber auch angeführt, dass dieser die Vorteile seiner Sache geniesst und daher auch die mit ihr verbundenen Nachteile selbst zu tragen hat und nicht der Allgemeinheit aufbürden kann . Der Haftungsgrund für den Zustands- hafter wird damit entweder mit der Einwirkungsmöglichk eit auf die Sache oder mit dem Gedan- ken der Verbindung von Vorteilen und Lasten, die mit dem Nutzen der Sache verbunden sind, begründet (kritisch gegenüber dieser doppelten Haftung sbegründung: C HAULMONTET , a.a.O., Rz 370, 375). Es ist unerheblich, wodurch der polizeiwi drige Zustand der Sache verursacht worden ist. Die Störung kann durch Dritte, Naturereign isse, höhere Gewalt und Zufall entstan- den sein. Entscheidend ist allein die objektive Tatsache , dass eine Störung vorliegt und die Sa- che selbst unmittelbar die Gefahrenquelle bildet. Auc h bilden – da es sich um eine reine Er- folgshaftung handelt – weder das subjektive Verschulde n des Gewaltinhabers noch die Verlet- zung einer allfälligen Sorgfaltspflicht eine Haftungsvoraussetzung. Grundsätzlich soll der Eigen- tümer oder Betreiber einer Sache bzw. Anlage für die davon ausgehenden Gefahren ohne Rücksicht auf deren Ursache – eigenes Verhalten, Naturere ignisse, sonstige Fälle höherer Ge- walt, Zufall – stets voll einzustehen haben. Zustandsvera ntwortlicher wird in der Praxis meistens der Eigentümer sein. Doch kommen auch Mieter, Pächte r, Halter, Bauberechtigte, Wohnbe- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtigte, Nutzniesser oder Beauftragte als Zustandsverantwortliche in Betracht (CHAULMONTET , a.a.O., Rz 361, 364). Eine Grenze findet die Haftung des Zustandsstörers dort, wo ein unbefug- ter Dritter durch missbräuchliche Benutzung der an sich u ngefährlichen Sache die Gefahr her- beiführt (Urteil des BGer 2C_1096/2016 vom 18. Mai 2018 E. 2.5.2 m.w.H.). 8.3.5. Diejenige Person, die aufgrund ihres Verhalte ns zur Kostentragung der Massnahme nach Art. 54 GSchG oder 59 USG herangezogen werden sol l, wird analog zum Begriff des Ver- haltensstörers häufig als Verhaltensverursacher bezeichne t. Beim Verhaltensverursacher beur- teilt sich die Unmittelbarkeit aus der Sicht ex post. Di e Unmittelbarkeit kann deshalb in einem konkreten Fall zu bejahen sein, obwohl im Zeitpunkt de s Verhaltens (Tun oder Unterlassen) noch nicht "nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge" da mit gerechnet werden musste, dass dieses Verhalten später einmal zu einer Gewässerverunre inigung (bzw. einer konkreten Gefahr einer solchen) führen würde. Das ist von Bedeutung, wei l zwischen dem verursachenden Ver- halten und der Erkennung einer Gewässergefährdung ode r -verunreinigung mehrere Jahre ver- streichen können. Das Kriterium der Unmittelbarkeit ist hier also nicht i.S. einer zeitlichen Nähe zu verstehen (W AGNER PFEIFER , a.a.O., Rz 49 ff. zu Art. 54 GSchG m.w.H.). Die unm ittelbare Verursachung wird vom Bundesgericht auch nicht als räum liche Nähe verstanden, sondern als rechtliche Wertung (CHAULMONTET , a.a.O., Rz 199 f.; der jedoch ausführt, es bleibe we itgehend schleierhaft, was unter den wertenden Kriterien zu verste hen sei). Nicht erforderlich ist, dass das Verhalten im Zeitpunkt der Verursachung gesetzeswidr ig war. So ist z.B. die Lagerung wassergefährdender Flüssigkeiten ausserhalb eines Gewässer s zulässig, sofern damit nicht eine konkrete Verunreinigungsgefahr verbunden ist. Unte rlässt der Inhaber der Anlage jedoch in Missachtung seiner Sorgfaltspflichten die Ergreifung von Sicherungsmassnahmen und kommt es in der Folge zu einem Sabotageakt und dadurch zu einer unmittelbar drohenden Ge- wässergefährdung oder -verunreinigung, so ist der Anla geninhaber, neben dem Saboteur, als unmittelbarer Verhaltensverursacher zu qualifizieren. Da s kostenbegründende Verhalten kann nicht nur in einem Tun, sondern auch in einem Unterla ssen bestehen. Ein Unterlassen begrün- det die Verhaltenshaftung jedoch nur, wenn eine beso ndere Rechtspflicht zu sicherheits- und ordnungswahrendem Handeln besteht. Bei einem Tun sind die Widerrechtlichkeit oder das Ver- schulden demgegenüber für die Kostenverantwortlichkeit nach Art. 59 USG und Art. 54 GSchG grundsätzlich nicht von Relevanz. Diese Kriterien fliessen jedoch bei der Bemessung der Höhe der Kostenanteile mit ein (zum Ganzen W AGNER PFEIFER , a.a.O., Rz 49 f. zu Art. 54 GSchG m.w.H.). 8.3.6. Wie bereits ausgeführt, wird neben dem Verha ltensverursacher nach herrschender Lehre und Rechtsprechung auch der Zustandsverursacher mitverantwortlich für die Kostentra- gung. Die Kostentragungspflicht des Zustandsverursachers knüpft am Begriff des Zustandsstö- rers an, wie er im Polizeirecht entwickelt wurde. Danac h ist diejenige Person Zustandsstörer, die über die Sache, die den ordnungswidrigen Zustand b ewirkt, rechtliche oder tatsächliche Gewalt hat (BGE 143 I 147 E 5.1; BGE 139 II 106 E. 3.1.1, jeweils m.w.H.). Das die Kostenver- antwortlichkeit einschränkende Erfordernis der Unmittel barkeit gilt auch für den Zustandsverur- sacher. Dementsprechend muss die Sache selber unmittelbar die Gefahrenquelle gebildet ha- ben (BGE 114 Ib 44 E. 2a). In der Lehre wurde die G leichsetzung des Zustandsverursachers mit dem Zustandsstörer teilweise kritisiert. Das Bundes gericht geht demgegenüber grundsätz- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich davon aus, dass derjenige, der im Zeitpunkt der Du rchführung einer behördlichen Mass- nahme Inhaber des belasteten Grundstücks ist, immer Veru rsacher ist, auch wenn er das Grundstück bereits mit der Belastung erworben hatte und es ihm deshalb nicht möglich war, den Eintritt der Gefahr oder des Schadens zu vermeiden (BGE 139 II 106 E. 3.1.1). Solche Um- stände, ebenso wie mögliche Vorteile, die dem Zustandsve rursacher aus der Behebung einer Belastung entstehen, sind jedoch bei der Bemessung der Höhe der Kostenanteile zu berück- sichtigen, was u.U. bis zum Verzicht auf eine Kostenbete iligung führen kann (BGE 139 II 106 E. 5.6, 6.1). Dieser Auslegung des Bundesgerichts ist zuzustimmen. Da das Verursacherprinzip im Unterschied zum zivilen Haftpflichtrecht kein Rechtswi drigkeitserfordernis kennt, wäre es widersprüchlich, den gegenwärtigen Inhaber der rechtli chen Gewalt über die Sache grundsätz- lich von einer Kostentragungspflicht zu befreien, sofern ihm nicht eine Verletzung von Sorg- faltspflichten angelastet werden kann. Die Verantwortlichkeit des Zustandsverursachers ist nicht im Unterlassen von Rechtspflichten begründet, sondern in seiner dinglichen Berechtigung sel- ber, die neben dem Besitz und der Verfügungsmacht auch die Gefahrtragung und die Abgabe- last beinhaltet. Könnte sich der Erwerber eines Grundstü cks oder betrieblicher Anlagen kraft öffentlichen Rechts generell von einer Kostenverantwor tlichkeit befreien, so würden damit im Ergebnis die zivilrechtlichen Gewährleistungsregelungen u nd die Pflicht zur Anwendung der "gewöhnlichen Aufmerksamkeit" (Art. 200 Abs. 2 des Bunde sgesetzes betreffend die Ergän- zung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Ob ligationenrecht, OR] vom 30. März 1911 und Art. 221 OR) zumindest teilweise aus gehebelt. Einer angemessenen Kos- tenbeteiligung des reinen Zustandsverursachers steht zum indest dann nichts entgegen, wenn eine Gefahrenlage, oder womöglich eine bereits besteh ende Einwirkung, im Zeitpunkt des An- tritts von Nutzen und Gefahr hätte erkannt werden könne n und vielleicht sogar tatsächlich er- kannt wurde. Den unterschiedlichen Graden der Verantwo rtlichkeit ist i.S. der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung im Rahmen der Bemessung der Kostenanteile Rechnung zu tragen (zum Ganzen WAGNER PFEIFER , a.a.O., Rz 49, 55 ff.,60 zu Art. 54 GSchG m.w.H.). 8.3.7. Wurde eine Massnahme nach Art. 54 GSchG oder 59 USG durch eine Mehrheit von Störern verursacht, so besteht keine Solidarhaftung u nd es ist nicht zulässig, einen einzelnen Störer mit den gesamten Kosten zu belasten. Es ist zu bea chten, dass Verhaltens- und Zu- standsstörer nicht gemeinsam die Störung bewirken, sonder n dass diese aus ihrem Zusam- mentreffen resultiert. Pflichtgemässes Ermessen gebietet in einem solchen Fall eine Kostenver- legung, welche im Rahmen des Möglichen nach den allge meinen Grundsätzen des Haftpflicht- rechts dem subjektiven und objektiven Anteil eines jeden an der Verursachung entspricht (WAGNER PFEIFER , a.a.O., Rz 43 ff. zu Art. 54 GSchG; G RIFFEL , a.a.O., S. 40; P ETER STEINER , Die Umsetzung des Verursacherprinzips durch das Umweltschut zrecht, Diss. 1999, S. 172). Durch die Unterbrechung des Kausalzusammenhangs kann d ie Haftung des Zustandsstörers ganz entfallen (Urteil des BGer 2C_1096/2016 vom 18. Mai 2018 E. 2.6 m.w.H.). 8.4.1. Im Zusammenhang mit der antizipierten Ersatzvorn ahme bei Gewässerverunreinigun- gen entwickelte das Bundesgericht auf der Grundlage de r heutigen Art. 54 GSchG und Art. 59 USG eine differenzierte Rechtsprechung, wie die Kosten i m Falle einer Mehrzahl von Verursa- chern zu verteilen sind. Zwischen den einzelnen Verursach ern gilt in Anlehnung an die privat- Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtliche Regressordnung gemäss Art. 50 und 51 OR der G rundsatz der anteilsmässigen Kos- tentragung. Massgebend sind folgende Hauptregeln: 1. Bemessung der Haftungsquote nach dem subjektiven Versc hulden: In erster Linie trägt der schuldhafte (Verhaltens-)Störer, in letzter Linie der sch uldlose (Zustands-)Störer die Kosten (vgl. DENIS OLIVER ADLER , Das Verhältnis zwischen Verursacherprinzip und Haftpflich trecht im Umweltrecht, Diss. Zürich 2011, S. 178; S TEINER , a.a.O., S. 173). Hauptkriterium ist also das Verschulden. Während dieses für die Feststellung der Veru rsachereigenschaft keine Rolle spielt, kommt ihm im Zusammenhang mit der Kostenauftei lung ein entscheidendes Gewicht zu. Dabei hat die Qualifizierung als Verhaltens- oder Zustandsstörer keine selbständige Bedeutung; massgebend ist allein das Verschulden. 2. Bemessung der Haftungsquote nach dem objektiven Ursac henanteil: Neben dem Verschul- den ist auch zu berücksichtigen, in welchem objektiven Verh ältnis die einzelnen Teilursachen zur entstandenen Gefahr bzw. zum eingetretenen Schaden einerseits und zu den übrigen Teil- ursachen anderseits stehen. Einem Verursacher, der nur ei nen kleinen Teil des Schadens zu verantworten hat, können selbst dann nicht die gesamten Kosten auferlegt werden, wenn er grob schuldhaft handelte (vgl. zum Ganzen GRIFFEL , a.a.O., S. 40 f.). Trotz allem Bemühen, abstrakte Kriterien zu formuliere n, bleibt die Aufteilung der Kosten unter verschiedenen Verursachern in hohem Mass eine Frage des pf lichtgemässen Ermessens. In diesem Rahmen besteht auch Raum für Billigkeitsüberlegu ngen, etwa für die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Situation der Verursacher. Billig keitsgründe können allerdings nur zu einer Reduktion des Kostenanteils führen, nicht zu dessen Erhöhung (GRIFFEL , a.a.O., S. 41). 8.4.2. Bei der Kostenüberbindung nach einer antizipier ten Ersatzvornahme verfügt die Be- hörde im Vergleich mit der zivilrechtlichen Kaskadenordn ung über einen noch erweiterten Er- messensspielraum. So kann sie den schuldlos mitbeteiligten Verursachern selbst dann Kosten- anteile zuweisen, wenn es einen Verhaltensstörer gibt, der die Kosten durch unerlaubte Hand- lung verschuldet hat. Nähere Angaben zur Bemessung der V erursacherquoten finden sich vor allem im Zusammenhang mit der Praxis zu den Kostenverte ilungsverfügungen des Altlasten- rechts. Danach sind sowohl die Art der Verursachung (Verhaltens- oder Zustandsverursachung) als auch das Gewicht (Haupt- oder Nebenursache) von Rele vanz. Höhere Gewalt oder grobes Drittverschulden können zur Reduktion von Beteiligungsquoten führen bzw., bei einer Unterbre- chung des Kausalzusammenhangs, auch zu einer gänzlichen Ko stenbefreiung. Bei der Festle- gung der Quoten geht die Praxis von einer Faustregel aus, wonach der Zustandsstörer einen Anteil von 10 – 30 % und der Verhaltensstörer einen An teil von 60 – 90 % zu tragen hat. Für das Altlastenrecht wurde diese Quotenregel inzwischen d urch das Bundesgericht jedoch relati- viert. Eine Kostenbeteiligung von 10 % zu Lasten von Erb en (Zustandsverursacher) wurde als "exzessiv" bezeichnet, sofern ihnen nicht aufgrund der ko nkreten Umstände des Einzelfalls die Quote ihres Rechtsvorgängers (Verhaltensverursacher) zuger echnet werden kann oder sie durch die Sanierung des Standorts einen wirtschaftlichen Vorteil erlangt haben oder erlangen werden (BGE 139 II 106 E. 5.4 −5.6; WAGNER PFEIFER , a.a.O., Rz 69 ff. zu Art. 54 GSchG; vgl. HANS RUDOLF TRÜEB , in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 1998, Rz 48 zu Ar t. 59). Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Häufig ist es nicht möglich, bei einer Mehrheit von Verursachern die Verursacheranteile mit letz- ter Wahrscheinlichkeit zu bestimmen. Die Gerichte lassen deshalb das Beweismass der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit auch bei der Festsetzung der Verursacheranteile genügen und erachten eine gewisse Pauschalisierung als zulässig (C ORINA CALUORI , Altlastenrechte – eine Rechtsprechungsübersicht, in: Umweltrecht in der Praxis [URP] 2020, S. 485 ff., 511 f.). 8.4.3. Das Kriterium des wirtschaftlichen Vorteils ist au f die Entstehungsgeschichte des Alt- lastenrechts zurückzuführen. Bei der antizipierten Ersatzvo rnahme liegt keine vergleichbare rechtliche Ausgangslage vor. Dennoch zog das Bundesgerich t das Argument des wirtschaftli- chen Vorteils in einem erweiterten Sinne auch im Zusam menhang mit Art. 59 USG bzw. Art. 54 GSchG heran, um einen Kostenanteil von 45 % zu Lasten des reinen Zustandsverursachers zu begründen (Urteil des BGer 1A.178/2003 vom 27. August 2004 E. 7). Auch in anderen Fällen lagen die den Zustandsstörern auferlegten Quoten bei antizipierten Ersatzvornahmen in der Rechtspraxis teilweise deutlich über 30 %. Begründet wur de dies in den jeweiligen Fällen mit der Verantwortung für eigene Tank- oder Heizungsanlagen, welche ursächlich waren für die von den Behörden zu ergreifenden Massnahmen des Gewässerschut zes. Ein polizeiwidriges Ver- halten muss dabei nicht vorgelegen haben. So wurde in einem kantonalen Entscheid dem Zu- standsstörer aufgrund einer nicht funktionierenden Überf üllsicherung trotz fehlender Verantwor- tung für diesen Zustand eine Quote von 40 % zugewie sen (Entscheid des Baudepartements Aargau vom 20. April 1994 E. 6c, in: Schweizerisches Ze ntralblatt für Staats- und Verwaltungs- recht [ZBl] 1996, 128 ff.). In einem anderen kantonal en Entscheid wurden dem schuldlosen Zu- standsstörer infolge einer aussergewöhnlichen und missverstä ndlichen Anordnung der Ein- füllstützen bei den Tankanlagen, die hauptsächlich zum V orfall beigetragen hatte, sogar zwei Drittel der Kosten auferlegt (Urteil des Verwaltungsg erichts Solothurn vom 21. November 1995 E. 4 f., in: Solothurnische Gerichtspraxis [SOG] 1995 N r. 29). Ist dem Zustandsstörer zusätzlich ein Verschulden anzulasten, weil er den ihm obliegende n Verpflichtungen nicht nachkam, so können ihm sogar die gesamten Kosten auferlegt werden (Entscheid der Direktion der öffentli- chen Bauten Zürich vom 15. Oktober 1996, in: URP 1997 , 165 ff.). Den Zustandsstörer können insbesondere auch hohe Kosten treffen, wenn ein Schaden durch die Einwirkung von Naturer- eignissen auf seine Anlage verursacht wurde und es desha lb keinen Verhaltensstörer gibt. In Härtefällen kann bei einer solchen Sachlage eine Redu zierung oder auch gänzliche Befreiung von der Kostentragung aus Billigkeitserwägungen angezeigt sein (Urteil des BGer vom 12. Feb- ruar 1986 E. 3, in: ZBl 1987, 301 ff.). Grundsätzlich wird jedoch davon ausgegangen, dass der Anlageneigentümer aufgrund seiner Sachherrschaft und de r Vorteile, die er aus der Nutzung seiner Anlage zieht, für die Kosten aufkommen muss, die entstehen, wenn sich ein abstraktes Gefährdungspotential ausnahmsweise einmal realisiert (Urteil des Verwaltungsgerichts Solo- thurn vom 26. Januar 2011 E. 6, in: SOG 2011 Nr. 26). Rechnung zu tragen ist anderseits aber auch der wirtschaftlichen Tragbarkeit, insbesondere bei nicht versicherten oder versicherbaren Schäden (BGE 114 Ib 44 E. 3; Urteil des BGer vom 7. Okt ober 1981 E. 5, in: ZBl 1982, 541 ff.). Abzulehnen ist dagegen das «Deep Pocket-Prinzip», d.h. eine Erhöhung der Kostenanteile ein- zelner Verursacher einzig aufgrund ihrer wirtschaftliche n Leistungskraft (vgl. zum Ganzen WAGNER PFEIFER , a.a.O., Rz 72 ff. zu Art. 54 GSchG). Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.4.4. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt ein Grundeigentümer, welcher sein Grundstück dem Deponiebetreiber zur Nutzung zur Verfügun g stellt als Zustandsstörer. Ist er am Gewinn der Deponie beteiligt und verfügt er über Vertreter im Verwaltungsorgan des Depo- niebetreibers, gilt er sogar als Verhaltensstörer. Die Abgrenzung zwischen blossem Zustands- störer und Verhaltensstörer lässt sich vielfach nicht allei n anhand des äusseren Kausalverlaufs beurteilen, sondern die Qualifikation hängt auch von einer wertenden Beurteilung des in Frage stehenden Handlungsbeitrags ab. Stellt der Grundeige ntümer sein Grundstück wissentlich und gegen Entgelt für eine potenziell umweltgefährdende Nutzung als Deponie (Ablagerung von Chemikalien) zur Verfügung, erscheint es gerechtfertigt, ihn als Verhaltensverursacher zu quali- fizieren (BGE 142 II 232 E. 3.4). Bezüglich des Grun deigentümers als Verhaltensverursacher erklärt das Bundesgericht, dass der Grundeigentümer mit dem Zurverfügungstellen seines Grundstückes eine unmittelbare Verhaltensursache für die Umweltgefährdung gesetzt hat. Eine Rechtswidrigkeit der Verursachungshandlung ist nicht erfor derlich. Das Verursacherprinzip ist ein Kostenzurechnungsprinzip und bezweckt nicht die Pönal isierung rechtswidrigen Verhaltens. Die Bedeutung des Verursacherprinzips liegt gerade dari n, dass es – im Gegensatz zum Haft- pflichtrecht – auch Umweltbeeinträchtigungen erfasst, wel che die Rechtsordnung an sich dul- det. Die Pflicht zur Sanierung von Altlasten und zur T ragung der Kosten besteht folglich unab- hängig davon, ob die entsprechende Handlung zur Zeit der Verursachung dem Stand der Tech- nik entsprach und behördlich bewilligt war (Urteil de s BGer 1C_282/2016, 1C_294/2016 vom 21. Februar 2018 E. 3.2; BGE 142 II 232 E. 3.4 m.w. H.). Das Bundesgericht begründet die Un- mittelbarkeit beim Grundstückeigentümer als Verhaltensve rursacher damit, dass das Grund- stück zur Verfügung gestellt wurde, um darauf eine pote nziell umweltgefährdende Nutzung zu betreiben. Es gibt keine Gründe dafür, die Unmittelba rkeit bei einem Zustandsverursacher an- ders zu beurteilen. Auch der Zustandsverursacher stellt s ein Grundstück für eine potenziell umweltgefährdende Nutzung zur Verfügung. 9.1. Unbestritten ist, dass das Verhalten eines Mitarbeit ers der Beschwerdeführerin zum Brand bzw. zum C-Ereignis geführt hat und im Zeitpunkt des Vorfalls eine unmittelbar drohende Gefahr für die Umwelt bestanden hat. Damit gilt die Beschwerdeführerin als Verursacherin im Sinne einer Verhaltensstörerin. 9.2.1. Für die mögliche Qualifizierung der B.____ AG als Zustandsstörerin prüfte die Vor- instanz in ihrem Entscheid, ob eine Sorgfaltswidrigkeit, eine objektive Ordnungswidrigkeit der beherrschbaren Sache oder eine Schaffung und Unterhaltung einer besonderen Gefahrensitua- tion durch die Grundeigentümerin und Vermieterin de r Gebäude als mögliche Ursachen des fraglichen Brand- und ABC-Einsatzes in Frage kommen kön nten. Dabei hat sie aber verkannt, dass die Praxis die Ersatzpflicht des Zustandsstörers an die b losse Verfügungsmacht über eine Sache bzw. dingliche Berechtigung an einer Sache knüpf t. Die Praxis begründet das damit, dass wer den Nutzen einer Sache (hier u.a. die jahrela ngen Mietzinseinnahmen) innehat, auch die Nachteile tragen soll. Die Verantwortlichkeit des Zustandsverursachers ist eben nicht in ei- nem Unterlassen von Rechtspflichten begründet, sondern in seiner dinglichen Berechtigung selber, die neben dem Besitz und der Verfügungsmacht auc h die Gefahrentragung beinhaltet. Erst für die Prüfung der Kostenverteilung bei mehreren Verursachern ist sodann nach Art. 59 USG bzw. Art. 54 GSchG zu prüfen, in welchem Umfang de r Zustandsstörer in Anlehnung an Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht die hiervor in den E. 8.3.7 ff. aufgeführten Grundsä tze als ersatzpflichtig zu beurteilen ist. Die Unmittelbarkeit ist dabei bereits zu bejahen, wenn der Grundeigentümer die Sache dem Mieter überlässt, um darauf eine potenziell umweltgefährdende Nutzung zu betreiben. Die Beschwer- deführerin veredelte Kunststoffteile durch metallisches B eschichten. Dieser Vorgang wird gal- vanisieren genannt. In den letzten Jahren kam es immer häufiger zu Bränden in Galvanisie- rungsanlagen, die zu schwerwiegenden Schäden führten (vgl. https://de.genre.com/knowledge/ publications/pmint19-1-de.html#:~:text=Risiken,Austrocknen%20elektrisch%20beheizter% 20Bäder; letztmals besucht am 4. Mai 2022). Es lässt sich nicht bestreiten, dass die B.____ AG ihr Grundstück der Beschwerdeführerin wissentlich und gege n Entgelt für den potenziell um- weltgefährdenden Betrieb einer Galvanikanlage zur Verfügung gestellt hat. Trägt sie als Grund- stückeigentümerin den Nutzen an der gefährdenden Sache, so hat sie auch als schuldlose Zu- standsstörerin die Nachteile zu tragen. Für die Kostenpf licht einer Zustandsstörerin wird keine Sorgfaltspflichtverletzung vorausgesetzt. Somit muss die B.____ AG – entgegen der Auffas- sung des Regierungsrats – als Eigentümerin und Vermieter in des Grundstückes und der Lie- genschaft zur Zeit des Vorfalles als Zustandsstörerin quali fiziert werden. Könnte der Grundei- gentümerin die Unterlassung von Rechtspflichten vorgewo rfen werden, so müsste sie nicht nur als Zustandsstörerin, sondern auch als Verhaltensstöreri n qualifiziert werden. Die Angelegen- heit ist demzufolge an das ABM zurückzuweisen, damit diese die Kostenanteile nach den hier- vor in den E. 8.3.7 ff. genannten Grundsätzen bestimmt. 9.2.2. Bei der Beurteilung der Kostenanteile (subjekt ives Verschulden, objektive Ursachenan- teile) wird das ABM im Rahmen seines Ermessens zu berücksi chtigen haben, dass die B.____ AG der Beschwerdeführerin zur Führung ihres Gal vanikbetriebs ein überbautes Areal vermietet hat, das den Brandschutzanforderungen, die zur Zeit des Brandereignisses galten, nicht mehr entsprach (vgl. Stellungnahme der BGV an da s AMB vom 16. Februar 2021). Die Gebäude verfügten über keine Sprinkleranlagen und au f dem Areal befanden sich keine Rück- haltebecken für kontaminiertes Wasser. Diese Umstände erhö hten das Potential für insbeson- dere eine Gefährdung der Gewässer durch Verunreinigung en erheblich. Zudem war der Boden um die Gebäude für ein Industrieareal allenfalls ni cht angemessen versiegelt. Diese Umstände führten im konkreten Fall dazu, dass die Kosten der Massnahmen des C-Ereignisses sehr hoch waren. Diese Umstände waren mitursächlich für die Gefäh rdung bzw. das Mass der Gefähr- dung der Gewässer und der Umwelt. Des Weiteren begün stigten weitere Umstände, wie z.B. die Distanz zwischen Temperaturfühler und Badwärmer und die Nähe der beheizten Badwär- mer zur Behälterwand, das Entstehen des Brandes (siehe E. 4 des Sachverhalts des RRB). Bei der Festlegung der Kostenanteile wird das ABM zu be denken haben, dass die Verantwort- lichkeit des Zustandsverursachers eben nicht in einem Unterl assen von Rechtspflichten be- gründet ist, sondern in seiner dinglichen Berechtigung selber, die neben dem Besitz und der Verfügungsmacht auch die Gefahrentragung beinhaltet. Für die Frage der Kostenanteile wird zudem von Relevanz sein, ob und in welchem Rahmen die B .____ AG als Eigentümerin und Vermieterin einerseits und die Beschwerdeführerin als M ieterin andererseits die Verantwortung für das Fehlen von Rückhaltebecken und Sprinkleranlagen und für die mangelhafte Versiege- lung des Bodens zu tragen haben. Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Die Beschwerde wird demzufolge gutgeheissen und der Regierungsratsbeschluss Nr. 1612 vom 16. November 2021 wird aufgehoben. Die Sache wird zur Neubeurteilung im Sin- ne der Erwägungen an das AMB zurückgewiesen. Das AMB wi rd eine Aufteilung zwischen den Kosten für das Brandereignis und solchen für das C-Erei gnis vornehmen müssen. Dabei wird das AMB zu beurteilen haben, ob ein Fall von grobfahr lässiger Verursachung des Brandereig- nisses nach § 7 Abs. 2 FWG vorliegt. Des Weiteren wird d as AMB aufzuzeigen haben, welche Kosten auf den Grundeinsatz und welche auf den Ergänzun gseinsatz entfallen. Überdies wird das AMB zu prüfen haben, ob und in welchem Umfang die B.____ AG als Zustandsstörerin kos- tenpflichtig ist. 11.1. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO umfas- sen die Verfahrenskosten die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten. Sie werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufe rlegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens werden die Kosten in der Höhe von Fr. 3 '000.-- dem Beschwerdegegner aufer- legt. 11.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht in seiner Honorarnote vom 20. April 2020 für die Zeit vom 24. November 2020 b is 4. April 2022 einen Aufwand von 54.33 Stunden à Fr. 300.-- geltend. Davon entfällt ein Aufwand von 32.8 Stunden auf die Zeit vor dem Erlass des angefochtenen Entscheids, welcher hier folglich n icht berücksichtigt werden kann. Für das kantonsgerichtliche Verfahren (ab 29. November 2021) wurde ein Aufwand von 21.53 Stunden getätigt, was nicht zu beanstanden ist. D er Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin macht einen Stundenansatz von Fr. 300.-- gelten d. Gemäss § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (Tarifordnung) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar Fr. 200.-- bis Fr. 350.-- pro Stunde, je nach Schwieri gkeit und Bedeutung der Sache, der damit verbundenen Verantwortung und der persönlichen und fin anziellen Verhältnisse der zahlungs- pflichtigen oder der auftraggebenden Person. Das Kantonsgericht erachtet im vorliegenden Fall ein Stundenhonorar von Fr. 250.-- als angemessen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdeführe- rin macht keine Auslagen geltend. Damit hat der Beschw erdegegner der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'892.10 (21.53 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich 7.7 % Mehrwertste uer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Zur Neuverlegung der K osten des vorinstanzlichen Verfah- rens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat des K antons Basel-Landschaft zurückgewie- sen. Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regierun gsratsbeschluss Nr. 1612 vom 16. November 2021 aufgehoben und die Sa che zur Neu- beurteilung im Sinne der Erwägungen an das Amt für M ilitär und Bevöl- kerungsschutz des Kantons Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- w erden dem Be- schwerdegegner auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 3'000. -- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Für das Verfahren vor Kantonsgericht hat der Beschwe rdegegner der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Hö he von Fr. 5'892.10 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer ) auszurichten. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin