Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 15. September 2021 (820 20 166) ____________________________________________________________________ Staatshaftung Schadenersatzforderung gegen Gemeinde wegen Rückschnitt eines Baums / Nachweis eines Schadens Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Hans Furer, Claude Jeanneret, Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ , Kläger, vertreten durch David Grimm, Rechtsanwalt gegen Einwohnergemeinde B.____ , Beklagte , vertreten durch Dr. Vanessa Caroline Haubensak, Advokatin Betreff Forderung aus Staatshaftung A. Am 15. Juni 2020 erhob A.____, vertreten durch D avid Grimm, Rechtsanwalt, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht, verwaltungs- gerichtliche Klage gegen die Einwohnergemeinde B.___ _ mit dem Rechtsbegehren, es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von F r. 45'091.10 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 17. Juli 2019 zu bezahlen (Ziff. 1). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. 2). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. In ihrer Klageantwort vom 14. August 2020 beantra gt die Beklagte, vertreten durch Dr. Vanessa Caroline Haubensack, Advokatin, es sei die K lage unter o/e-Kostenfolge abzuwei- sen. C. Mit Replik vom 29. Oktober 2020 hält der Kläger voll umfänglich an den gestellten Be- gehren fest. D. Am 23. Dezember 2020 reichte die Beklagte ihre Dup lik ein, in welcher vollumfänglich an den gestellten Begehren festgehalten wird. E. Mit Verfügung vom 20. Januar 2021 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung über- wiesen und eine Parteiverhandlung mit vorgängigem Augenschein angeordnet. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung mit vorgä ngigem Augenschein vor Ort hiel- ten die Parteien vollumfänglich an den gestellten Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 50 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verf assungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan tonsgericht auf Klage hin als einzige Instanz Haftungsforderungen Dritter nach Massgabe des Bundesrechts und des Geset- zes über die Haftung des Kantons und der Gemeinden (Haf tungsgesetz) vom 24. April 2008. Das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltung srecht, ist demnach zuständig zur Beurteilung der vom Kläger gestützt auf das Haftungsg esetz erhobenen Schadenersatzforde- rung. Da auch die weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die vorliegende Klage einzutreten. 2. Die Aktiv- und Passivlegitimation des Klägers bzw. der B eklagten ist unbestrittener- massen gegeben und gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. 3.1 Strittig ist, ob dem Kläger gegenüber der Beklagt en ein Schadenersatzanspruch aus Staatshaftung zusteht. 3.2 Gemäss § 3 Abs. 1 des Haftungsgesetzes haftet der Sta at nach den Bestimmungen dieses Gesetzes für Schaden, den seine Mitarbeitenden i n Ausübung ihrer amtlichen Tätigkeit Dritten rechtswidrig verursachen. Die Voraussetzungen de r Staatshaftung sind demnach der Eintritt eines Schadens, dessen Verursachung durch Person en, die öffentliche Aufgaben erfül- len, die Widerrechtlichkeit der Schädigung sowie ein ad äquater Kausalzusammenhang zwi- schen der hoheitlichen Handlung oder Unterlassung und dem eingetretenen Schaden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_900/2013 vom 5. Mai 20 14 E. 4.2 mit Hinweisen). Die (aus- schliessliche) Haftung des Gemeinwesens ist als verschuldensun abhängige Kausalhaftung ausgestaltet, weshalb kein Verschulden der verantwortli chen Mitarbeitenden vorausgesetzt ist Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. Vorlage an den Landrat [2007-082] vom 17. Apri l 2007 zur Totalrevision des Verantwort- lichkeitsgesetzes, S. 26 f.). 3.3 Der Kläger ist Eigentümer der Parzelle Nr. XX, Gr undbuch B.____, welche sich in der Wohn-/Geschäftszone WG3 befindet. Die Parzelle mit ein er Gesamtfläche von 1'572 m 2 ist überbaut mit einer Gewerbebaute sowie einem Einfamil ienhaus, welches über einen angebau- ten Teil mit gewerblicher Nutzung (Take-away-Betrieb) verfügt. An der nordwestlichen Parzel- lengrenze befindet sich eine rund 100-jährige Linde, welche im Rahmen der Zonenplanung Siedlung der Einwohnergemeinde B.____ vom 12. Mai 20 14 als erhaltenswerter Baum unter Schutz gestellt wurde. Unbestritten ist, dass im Juli 201 9 Mitarbeiter der C.____ AG im Auftrag der Gemeinde Schnittarbeiten an der Linde vornahmen, ohne dass vorgängig das erforderliche Einverständnis des Klägers eingeholt worden war. 3.4.1 Der Kläger macht zur Begründung seiner Schaden ersatzforderung zusammengefasst geltend, neben ihrem altersbedingten Wert habe die Linde dank ihren langen Ästen bisher für einen gewollten Sichtschutz zur angrenzenden Strasse und zu den umstehenden Wohnblöcken hin gesorgt. Bereits im Jahr 2018 sei er von der Beklag ten gebeten worden, die Äste der Linde um den Kandelaber auf dem angrenzenden Trottoir zu k ürzen, was er getan habe. Durch den von der Beklagten widerrechtlich veranlassten Rückschnitt sei ein grosser Teil der Äste der Lin- de (rund 20 %) entfernt worden. Die Linde sei rundhe rum, d.h. nicht nur im Bereich des Kande- labers auf dem angrenzenden Trottoir, und auch an de r Baumkrone zurückgeschnitten worden. Insgesamt seien rund zwei volle LKW-Ladungen an Gehölz de r Linde von der Parzelle abtrans- portiert worden. Aus der Beschneidung der Linde sei ih m ein Schaden in der Höhe von Fr. 45'091.10 entstanden, welcher sich aus der Wertmind erung der Parzelle um Fr. 40'000.-- sowie den Kosten für die Wiederherstellung des Sichtschut zes in der Höhe von Fr. 5'091.10 zusammensetze. Die Berechnung der Wertminderung basiere auf der Kurzbewertung der D.____ AG (D.____) vom 2. Juni 2020. Gemäss dem fragli chen Gutachten reduziere sich die Mikrolage seiner Liegenschaft aufgrund des Rückschnitts der Linde um eine Stufe von "gut" auf "mittel bis gut". Ohne Rückschnitt des Lindenbaumes habe d er Verkehrswert der Liegenschaft aufgrund der Mikrolage Fr. 1'148'000.-- betragen. Na ch dem Rückschnitt betrage der Verkehrs- wert aufgrund der Rückstufung der Mikrolage neu Fr. 1'1 06'000.--. Für einen einigermassen natürlich gestalteten Sichtschutz würden zudem gemäss der eingeholten Offerte der Firma E.____ Kosten in der Höhe von Fr. 5'091.10 anfallen. Die weiteren Voraussetzungen für eine Staatshaftung im Sinne des Haftungsgesetzes (Widerrecht lichkeit, Kausalität etc.) seien eben- falls erfüllt, weshalb die gestellten Begehren gutzuheissen seien. 3.4.2 Die Beklagte entgegnet in der Klageantwort zusa mmengefasst, dass die Linde vor Durchführung der Schnittarbeiten im Juli 2019 nicht de n einer fachgerechten Pflege entspre- chenden Zustand aufgewiesen habe; namentlich hätten ein zelne Kronenpartien entlastet und Totholz entfernt werden müssen. Ein Rückschnitt sei dement sprechend notwendig gewesen, um den Baum langfristig erhalten zu können. Ferner s eien das Lichtraumprofil zur Strasse so- wie die Verkehrssicherheit, namentlich die Sicherheit fü r die Passanten auf dem Trottoir, nicht gewährleistet gewesen. Am 16. Juli 2019 hätten Mitarbeiter der von der Beklagten beauftragten C.____ AG die notwendigen Arbeiten – insbesondere d as Freischneiden des Lichtraumprofils, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Entfernung von Totholz respektive Dürrästen sowie die Entlastung einzelner Kronenpartien – durchgeführt. Entgegen der Behauptung des Klägers se ien dabei nicht 20 % des Gehölzes, sondern lediglich ca. 3 m 3 bzw. 5 % der Blattmasse der Linde entfernt worden. Di e Beklagte habe zu keinem Zeitpunkt bestritten, dass sie es versäumt habe, den Kläger darauf hinzuwei- sen, dass die Linde zurückgeschnitten werden müsse, sowie diesen über den Eingriff zu infor- mieren. Ein Anspruch auf Genugtuung wie auch Schadenersa tz bestehe jedoch nicht, zumal der Baum von Spezialisten fachmännisch zurückgeschnitten worden sei und am Baum dement- sprechend keine Schäden entstanden seien. Ferner sei zu be achten, dass gestützt auf das Zo- nenreglement Siedlung und das kommunale Polizeireglem ent – wenn auch mit vorgängiger Information des Klägers – ein Rückschnitt der Linde zwin gend hätte vorgenommen werden müssen, wobei die diesbezüglichen Kosten vom Kläger hätten getragen werden müssen. Der vom Kläger eingereichten Kurzbewertung der D.____ AG könne entnommen werden, dass sich der Gutachter nicht auf eine Wertminderung der Parzel le habe festlegen wollen. Namentlich gehe er lediglich von einer "potenziellen Wertminder ung" von Fr. 40'000.-- aus und halte fest, dass die Frage, ob der Rückschnitt des Lindenbaums einen negativen Einfluss auf den Wert der Liegenschaft habe, eine "subjektive Betrachtungsweise" sei . Der Gutachter führe aus, dass durch das Zurückschneiden zwar der Sichtschutz nicht mehr si chergestellt sei, anderseits aber je nach Sonnenstand etwas mehr Licht auf den Sitzplatz r espektive das Wohnhaus durchzu- dringen vermöge. Gemäss dem von der Beklagten im Sinne einer Zweitmeinung eingeholten Gutachten von F.____, G.____ AG (G.____), vom 15. Juli 2020 könne der monierte Sichtschutz nur einen stark untergeordneten Einfluss auf den Gesam twert der Liegenschaft haben. Die di- rekten lmmissionen und Einschränkungen auf der Parzelle des Klägers hätten weit mehr Ge- wicht für die Bewertung. Die in der Kurzbewertung der D.____ AG gewählte hedonische Metho- de sei zudem nicht geeignet, um die behauptete Wertm inderung herzuleiten, und eine solche sei aufgrund des Rückschnitts nicht entstanden. Eine Wer tminderung der Liegenschaft sei des- halb gemäss dem Gutachten G.____ zu verneinen und der e ntsprechende Beweis sei vom Klä- ger ganz offensichtlich nicht erbracht worden. Je nach B etrachtungsweise habe sich gar eine Verbesserung der Situation ergeben. 3.4.3 In der Replik hielt der Kläger an seinen Standp unkten fest. Ergänzend wird ausgeführt, dass die Ausführungen der Beklagten zum Lichtraumprofi l tatsachenwidrig und nicht relevant seien, zumal der Grossteil des Beschnitts an der Linde au f der gegenüberliegenden Seite des Strassenbeleuchtungskandelabers, beim Sitzplatz des Kläge rs, erfolgt sei. Im Weiteren habe kein Pflegenotstand bestanden, da die Beklagte ein Jahr zuvor die Linde des Klägers noch als genügend gepflegt erachtet habe. Entgegen dem Verstän dnis der Beklagten habe der Verfas- ser des Gutachtens D.____ keine Zweifel an der angewa ndten Methodik geäussert. Er habe einzig festgehalten, dass der Einfluss des Rückschnitts der Linde auf den Wert der Liegenschaft ein subjektiver sei. Dies liege jedoch in der Natur ein es Schätzungsgutachtens. Ein solches enthalte stets subjektive Elemente, ohne die ein Gutach ter eine Bewertung nicht vornehmen könnte. Korrekt sei, dass der Gutachter festgehalten hab e, für den Sichtschutz fehle ein eige- nes Kriterium. Dennoch habe der Gutachter die Gesamt situation beurteilen können. Auf Rück- frage des Klägers hin habe der Gutachter bestätigt, da ss seine Beurteilung der Wertminderung auf dem gesamten Rückschnitt und dem fehlenden Sichtschu tz beruhe. Die Formulierung "po- tenzielle Wertminderung" im Gutachten D.____ sei typisch für Gutachten, zumal es sich um Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Schätzung handle. Die Ausführungen der Beklagten zur angeblichen Wertvermehrung sei- en unbeachtlich. Der Verfasser des Gutachtens D.____ habe zwar festgehalten, dass ein ent- fernter Sichtschutz auch als positiver Effekt betrachtet werden könne. Dies treffe auf den Kläger jedoch nicht zu. Dieser habe einen Sichtschutz besessen u nd dieser Sichtschutz sei von der Beklagten entfernt worden. Die Beschränkung der Bewertung auf einen Parzellenteil im Gutach- ten D.____ sei ebenfalls nicht zu beanstanden und bede ute nicht, dass nicht die gesamte Um- gebung dieses Parzellenteils einschliesslich des übrigen P arzellenteils in die Beurteilung mit- eingeflossen wäre. Diese sei Teil der Einstufung der M ikrolage und deshalb vom Gutachter ebenfalls berücksichtigt worden. Nicht nachvollziehbar sei, dass die Beklagte den weggefalle- nen Sichtschutz bestreite. Der Kläger habe bedauerliche rweise mangels Ankündigung des Rückschnitts der Linde keine Fotoaufnahmen der Linde vo r deren Beschneidung erstellen kön- nen und jenen Zustand deshalb nur nachbilden können. A uf den eingereichten Bildern von Google Streetview sei der Sichtschutz jedoch noch gut er kennbar. Soweit die Beklagte geltend mache, der Sichtschutz sei nicht weggefallen und der Sit zplatz des Klägers sei praktisch aus keinem Winkel einsehbar, sei dies schlicht tatsachenwidrig . Der weiterhin bestehende Sicht- schutz in Form der Holzwände schütze vor Blicken von der an grenzenden Strasse bzw. dem Trottoir. Der weggefallene Sichtschutz hingegen schütze vo r dem Einblick der angrenzenden Nachbarn und spende Schatten. Ein Ersatz durch einen natürlich gehaltenen Sichtschutz, wie er von der Firma E.____ offeriert worden sei, komme dem Realersatz am nächsten. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei zudem eine Kumula tion von Reparaturkosten und (merkantilem) Minderwert möglich. 3.4.4 In ihrer Duplik entgegnet die Beklagte unter Hi nweis auf die ergänzende Stellungnah- me der G.____ AG vom 24. November 2020 (nachfolgend: Stellungnahme G.____), dass der in Frage stehende Baumschnitt als untergeordnete, örtlich s ehr begrenzte und vom subjektiven Empfinden abhängige Veränderung in keiner Schätzung e in Abbild erfahren könne. Bei der he- donischen Methode fehle es denn auch an einem eigenen Kriterium lediglich für den Sicht- schutz. Der Gutachter des Klägers habe sich daher wohl mit einer Veränderung der Standort- qualität zu behelfen versucht, was eine völlig willkü rliche Vorgehensweise darstelle. Die Standortqualität erfahre dann eine Anpassung, wenn si ch die direkten Einflüsse auf die Ge- samtliegenschaft derart veränderten (beispielsweise durc h eine neue Flugschneise, die Ver- bauung einer Aussicht etc.), dass die entsprechenden Par ameter im System eine Veränderung erfahren würden. Die Wahl der hedonischen Methode entspreche indes nicht dem Standard der Branche zur Erstellung einer Verkehrswertschätzung einer Liegenschaft, wie sie sich im vorlie- genden Fall präsentiere. Eine Schätzung mittels hedon ischer Methode könnte lediglich ergän- zend zu Vergleichszwecken herangezogen werden, ersetze aber keinesfalls eine Verkehrswert- schätzung basierend auf dem Ertragswert respektive möglicherweise nur noch dem Bodenwert. Im Weiteren wäre es Sache des Klägers gewesen, aufzuze igen, wie die Schätzungsunsicher- heit von 10 % zu berücksichtigen sei, was er unterlassen habe. Schliesslich habe der Gutachter des Klägers losgelöst von einem branchentypischen Vorgeh en einen Teil der Parzelle ausge- schieden und eine Bewertung lediglich dieses Abschnitts vo rgenommen, was nicht nachvoll- ziehbar sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Ein Haftungsanspruch setzt voraus, dass ein rechtlich relevanter Schaden entstanden ist. Da das Haftungsgesetz diesbezüglich keine eigene Reg elung trifft, sind die Bestimmungen des Schweizerischen Obligationenrechts anzuwenden (§ 2 Abs. 2 Haftungsgesetz). Massge- bend ist somit der zivilrechtliche Schadensbegriff, welch er der sog. Differenzmethode folgt. Da- nach entspricht der Schaden einer ungewollten Vermög ensverminderung (Verminderung des Reinvermögens), die in einer Verminderung der Aktiven o der einer Vermehrung der Passiven sowie in entgangenem Gewinn bestehen kann, mithin der Differenz zwischen dem gegenwärti- gen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (vgl. M ARIANNE RYTER , in: Biaggini/Häner/Saxer/Schott [Hrsg.], Fachhandbuc h Verwaltungs- recht, Zürich 2015, Rz. 29.61 f.). 4.2 Hinsichtlich des Nachweises des Schadens ist aufgrund des Verweises in § 2 Abs. 2 des Haftungsgesetzes die Regelung von Art. 42 OR mas sgebend. Danach ist der Schaden so konkret wie möglich zu beweisen (vgl. Art. 42 Abs. 1 OR). Der Geschädigte ist somit hinsichtlich der haftungsbegründenden Tatsachen beweispflichtig und muss seinen Schaden substantiiert vorbringen (vgl. FELIX UHLMANN , Schweizerisches Staatshaftungsrecht, Zürich 2017, Rz. 177 ff.; TOBIAS JAAG , Staats- und Beamtenhaftung, SBVR I/3, 3. Aufl., Ba sel 2017, Rz. 186; J OST GROSS , Schweizerisches Staatshaftungsrecht, 2. Aufl., Bern 2001, S. 370). Es kommt dabei das Regelbeweismass der vollen richterlichen Überzeugung zur Anwendung, wonach ein Beweis als erbracht gilt, wenn das Gericht nach objektiven Gesich tspunkten von der Richtigkeit einer Sachbehauptung überzeugt ist und ihm allfällige Zweif el als unerheblich erscheinen (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2). Selbst wenn ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich oder nicht zumutbar ist (vgl. Art. 42 Abs. 2 OR), haben die Geschädigten alle Umstände, die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung er lauben oder erleichtern, soweit möglich und zumutbar zu behaupten und zu beweisen. Di e vorgebrachten Umstände müssen geeignet sein, den Bestand des Schadens hinreichend zu belegen und seine Grössenordnung hinreichend fassbar werden zu lassen. Die Zusprechung von Schadenersatz setzt voraus, dass der Eintritt des geltend gemachten Schadens nicht blo ss im Bereich des Möglichen liegt, son- dern als annähernd sicher erscheint (vgl. BGE 122 III 21 9 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 2C_852/2019 vom 20. November 2020 E. 7.2 mit Hinweisen). 4.3.1 Der Kläger stützt sich für den Nachweis der Wertm inderung seiner Liegenschaft auf den Bericht von H.____, D.____ AG, vom 2. Juni 2020 (" Kurzbewertung per 02.06.2020"; nach- folgend: "Kurzbewertung D.____"). Im fraglichen Bericht wird ausgeführt, das für die Bewertung der Liegenschaft des Klägers genutzte Rechenmodell der F irma IAZI beruhe auf einer sehr grossen Datenbank mit tatsächlich bezahlten Preisen für an aloge Gebäude an vergleichbaren Lagen. Zur Berechnung einer allfälligen Wertminderun g sei anhand einer Sensitivitätsrechnung die Mikrolage in der hedonischen Bewertung des Bewert ungstools um eine Stufe von "gut" auf "gut bis mittel" reduziert worden. Grundsätzlich werde die Lage von der Datenbank transakti- onsbasiert als "gut" eingestuft. Da der angebaute lmbiss von dieser Situation nicht betroffen sei, sei nur der Wohnteil betrachtet worden und die Parzel le sei virtuell abparzelliert worden. Damit sei in der Bewertung eine Grundstücksfläche von 540 m 2 berücksichtigt (Kurzbewertung D.____, S. 3). Aufgrund der transaktionsbasierten Einstufung ermittle die Datenbank eine "gute" Lage im Ort. Würden die tatsächlichen Distanzen und Pa rameter erfasst, resultiere ebenfalls Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine "gute" Lage. Wie beschrieben, sei zur Berechnung der potenziellen Wertminderung durch den Rückschnitt des Baums die Mikrolage in einer Zweitbe wertung um eine Stufe nach unten auf "mittel bis gut" angepasst worden (Kurzbewertung D .____, S. 3). Anhand des verwendeten Tools ergebe sich damit ein Verkehrswert vor dem Rückschni tt von Fr. 1'148'000.-- und nach dem Rückschnitt von Fr. 1'106'000.-- bzw. eine Wertminderung von Fr. 42'000.--. Die potenziel- le Wertminderung liege damit im Bereich um Fr. 40'00 0.--. Ob der Rückschnitt des Linden- baums einen negativen Einfluss auf den Wert habe, sei j edoch eine subjektive Betrachtungs- weise. Einerseits werde durch das Zurückschneiden der Sic htschutz nicht mehr sichergestellt, andererseits dringe je nach Sonnenstand etwas mehr Licht auf den Sitzplatz bzw. das Wohn- haus durch. Bei einer nachteiligen Betrachtungsweise s ei jedoch die Anbringung eines Sicht- schutzes, beispielsweise in Form einer Sichtschutzwand, mi t Kosten verbunden. Der Einfluss sei jedoch wie beschrieben subjektiv und könne nicht exakt quantifiziert werden, da ein eigenes Kriterium bezüglich Sichtschutz fehle (Kurzbewertung D.____, S. 4). 4.3.2 Die Beklagte hat ihrerseits zur Kurzbewertung D. ____ eine Stellungnahme von F.____, G.____ AG, vom 15. Juli 2020 eingeholt (nachfolgend: Kurzbericht G.____). Darin wird im We- sentlichen ausgeführt, dass die Herleitung der Wertmin derung anhand der hedonischen Metho- de, wie sie in der Kurzbewertung D.____ vorgenommen we rde, im vorliegenden Fall nicht als geeignet erscheine. Zum einen werde der Wert nur auf das Einfamilienhaus bezogen und ein willkürlicher Landanteil von 540 m 2 der Gesamtpazelle Nr. XX (haltend 1'572 m 2) eingesetzt. Zudem beziehe sich die Bewertung auf die Mikrolage und dabei einzig und alleine auf den Sichtschutz im Gartenbereich. Berücksichtige man die für d iese Parzelle äusserst einschnei- denden Rahmenbedingungen, zeige sich jedoch, dass der mo nierte Sichtschutz nur eine stark untergeordnete Beeinflussung des Gesamtwerts haben könne . Einerseits befinde sich die Lie- genschaft direkt an einer der Hauptverkehrsachsen der Gemeinde mit Autobahnzubringer sowie einer zweispurigen Tramlinie (7.5-Minuten-Takt). Zudem seien im direkten Umfeld des für die Bewertung massgebenden Gartensitzplatzes ein Garagenbetr ieb mit Tankstelle sowie auf zwei Seiten direkt anschliessende Parkplätze zu berücksichtigen . Ebenfalls sei im bewerteten Einfa- milienhaus ein Take-away-Betrieb mit Aussenbereich (Stehtische für Konsumation) eingerichtet. Es werde somit deutlich, dass die direkten Immissionen u nd Einschränkungen weit mehr Ge- wicht für die Bewertung hätten. Die in der hedonischen Methode vorgenommene Beurteilung habe auch vor dem Rückschnitt der Linde kaum als "gute" Mikr olage bezeichnet werden kön- nen. Aufgrund der angeführten Einflüsse sei eine deu tlich tiefere Klassifikation anzunehmen und eine Veränderung in Bezug auf den Sichtschutz kaum massgebend. Es handle sich hier um ein Haus bzw. eine Wohnung im direkten Umfeld von Gewe rbe und somit konkreten Immissio- nen. Im Weiteren sei festzustellen, dass in der Kurzbewer tung D.____ eine Schätzungsunsi- cherheit von 10 % angegeben werde. Die ausgewiesene W ertminderung von Fr. 40'000.-- ent- spreche somit lediglich ca. einem Drittel der mögliche n Schätzungsunsicherheit und hebe sich damit auf. Als Fazit sei festzustellen, dass eine Wertm inderung in Bezug auf den monierten Sichtschutz nicht gegeben sei. 4.3.3 In einer ergänzenden Stellungnahme der G.___ _ AG vom 24. November 2020 (nach- folgend: Stellungnahme G.____) wird zusammengefasst au sgeführt, dass es sich im vorliegen- den Fall um eine Wohn- und Geschäftsliegenschaft mit G aragenbetrieb, einem Take-away-Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Betrieb sowie einer teilweisen Wohnnutzung handle. Es sei unbestritten, dass für derartige Lie- genschaften heute nur noch der Ertragswert massgebend sei bzw. je nach Zustand evtl. der reine Bodenwert. Der auf den entsprechenden Mietzinse n basierende Wert werde unabhängig vom Sichtschutz ermittelt. Diesen erachte man zudem als se hr subjektiv, wobei das entspre- chende subjektive Empfinden nicht abschliessend beurteilt werden könne. Anders würde es sich verhalten, wenn sich die direkten Einflüsse derartig verändert hätten, dass von einem Min- derwert für die ganze Parzelle gesprochen werden müsse. Dies müsste jedoch ein gravierender Einfluss sein, welcher auf die Gesamtliegenschaft eine g rosse Einwirkung habe (neue Flug- schneise, neue Autobahn, etc.). Hier würde sich auch in der hedonischen Methode die Standortqualität begründen lassen und nachvollziehbar verändern. 4.4.1 In der Kurzbewertung D.____ wurde die Berechnu ng einer allfälligen Wertminderung des Wohnteils der Liegenschaft des Klägers anhand des Bewe rtungstools der Firma IAZI vor- genommen. Dabei wurde die Mikrolage von "gut" auf "m ittel bis gut" reduziert und die entspre- chenden, aus dem System IAZI ermittelten Werte bzw. der en Differenz wurden als "potenzielle Wertminderung" ausgewiesen. Die Wertminderung wurde somit gestützt auf die hedonische Methode hergeleitet, was vom Kläger nicht bestritten wird. Strittig ist zunächst, ob diese Metho- de im vorliegenden Fall geeignet ist, um einen allfä lligen Minderwert der Liegenschaft des Klä- gers vor und nach dem Rückschnitt der Linde festzustellen. 4.4.2 Bei der Bewertung nach hedonischem Modell handel t es sich um eine Art Vergleichs- verfahren. Dabei werden nicht die Liegenschaften selbst verglichen, sondern deren preisbe- stimmende Eigenschaften. Die einzelnen Eigenschaften ei nes Grundstücks werden – ähnlich wie bei der Einstufung gemäss einem Lageklassenschlüssel – definiert, aber nicht von einem Schätzer benotet, sondern aufgrund der erfassten und a usgewerteten Vergleichsdaten, die auf effektiven Marktdaten beruhen, preislich bestimmt (vgl. BGE 134 II 49 E. 16.4). Die hedonische Methode sieht eine Immobilie mithin als ein Bündel v on Eigenschaften, wobei namentlich Lie- genschaftsmerkmale und Lagemerkmale unterschieden werden. Unter Liegenschaftsmerkma- len sind Eigenschaften wie die Objektart (Einfamilienh aus, Mehrfamilienhaus etc.), das wirt- schaftliche Alter der Liegenschaft, die Grundstücks- und Wohnfläche, die Anzahl Zimmer etc. zu berücksichtigen. Hinsichtlich der Lagemerkmale wird in de r Regel zwischen der Mikrolage und der Makrolage unterschieden. Unter der Mikrolage wird die Lage des Objektes im Kleinen, d.h. in der unmittelbaren Umgebung sowie innerhalb der Ge meinde verstanden. Mit Makrolage wer- den sämtliche Faktoren bezeichnet, welche die Lage der Gemeinde, in welcher das Objekt steht, als Ganzes und im Vergleich zum grösseren Umfeld w ie Agglomeration, Region etc. aus- zeichnen (vgl. Schweizerische Vereinigung kantonaler Gru ndstückbewertungsexperten [SVKG; Hrsg.], Das Schweizerische Schätzerhandbuch [Schätzerhandbuch], 5. Aufl. 2019, S. 108 f.). 4.4.3 Die hedonische Methode setzt voraus, dass das zu bewe rtende Objekt die gleichen Haupteigenschaften aufweist wie die erfassten Vergleich sobjekte. Sie findet als eigenständige Methode Anwendung bei sog. einfachen Immobilienarten. Der Methode zugänglich sind beson- ders häufig gehandelte Immobilien mit gleichen Haupte igenschaften wie Grundstücke mit Ein- und Mehrfamilienhäusern oder Stockwerkeigentumswohnung en, nicht jedoch Sonderobjekte wie luxuriöse Villen oder Mischbauten Wohnungen/Gewerb e (vgl. Schätzerhandbuch, a.a.O., Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. 101; S TEPHAN WOLF /M ARTIN EGGEL , in: Heinz Hausheer/Hans Peter Walter [Hrsg.], Berne r Kommentar, 2014, Rz. 29 zu Art. 617 ZGB; BGE 134 II 49 E. 16.2; BGE 134 III 42 E. 4). Einen weiteren Anwendungsbereich findet die hedonische Meth ode in der Plausibilitätskontrolle von Daten und Ergebnissen anderer Verfahren und Methoden (vgl. Schätzerhandbuch, a.a.O., S. 102). 4.4.4 Wie bereits ausgeführt (E. 3.3 hiervor), weist d as Grundstück des Klägers eine ge- mischte Wohn- und Gewerbenutzung auf. Dies gilt selbst f ür das auf der Parzelle befindliche Einfamilienhaus, welches keine reine Wohnnutzung auf weist, sondern im angebauten Teil über eine gewerbliche Nutzung in Form eines Take-away-Betriebs verfügt. Damit handelt es sich bei der Liegenschaft des Klägers jedoch nicht um eine sog. e infache Immobilienart, welche einer Bewertung mittels der hedonischen Methode zugänglich w äre. Die hedonische Methode stellt deshalb im Lichte der vorstehenden Erwägungen (E. 4. 4.3 hiervor) keine geeignete Methode dar, um den Verkehrswert der Liegenschaft des Klägers bzw. eine allfällige Wertminderung auf- grund des Rückschnitts der Linde zu berechnen. Der Kläger unterlässt es im Übrigen, sich mit den von der Beklagten diesbezüglich vorgebrachten Einw änden auseinanderzusetzen. Sein Hinweis, weder die Beklagte noch deren Parteigutachter hätten aufzuzeigen vermocht, weshalb die in der Kurzbewertung D.____ angewandte Methode u ntauglich sein solle (Replik, Rz. 52), genügt in diesem Zusammenhang nicht und erweist sich ge stützt auf die vorstehenden Ausfüh- rungen als unzutreffend. Die Kurzbewertung D.____ beru ht nach dem Gesagten auf einer im vorliegenden Fall nicht sachgerechten Vorgehensweise. Si e kann bereits aus diesem Grund keine hinreichende Grundlage bilden, um einen allfäll igen Schaden aufgrund des Rückschnitts der Linde zu beweisen. 4.5.1 Selbst für den Fall, dass die hedonische Method e vorliegend als geeignet erachtet würde, vermag die Kurzbewertung D.____ den Beweis ein er Wertminderung der Liegenschaft des Klägers oder eines anderweitigen Schadens nicht zu erbringen. 4.5.2 Die Kurzbewertung D.____ unterstellt eine Wert minderung der Liegenschaft lediglich für den Fall, dass der Rückschnitt der Linde des Kläger s zu einer Veränderung der Mikrolage bzw. der "Lage im Ort", wie sie im verwendeten Bewertu ngstool der Firma IAZI als Kriterium definiert wird, geführt hat. Der Gutachter räumt ind es ausdrücklich ein, dass ein eigenes Kriteri- um für den "Sichtschutz" im Bewertungstool fehle und die Veränderung der Mikrolage von einer "subjektiven Betrachtungsweise" abhängig sei; einerseits werde durch den Rückschnitt der Sichtschutz nicht mehr sichergestellt, anderseits dringe j e nach Sonnenstand etwas mehr Licht auf den Sitzplatz bzw. das Wohnhaus durch. Der Rückschnitt der Linde ist damit gemäss der Kurzbewertung D.____ je nach Betrachtungsweise mit ein em Vorteil oder einem Nachteil ver- bunden. Soweit der Kläger ausführt, dass ein Schätzu ngsgutachten stets subjektive Elemente enthalte, ohne die ein Gutachter eine Bewertung nicht vornehmen könnte (Replik, Rz. 9), mag dies zutreffen. Der in der Kurzbewertung D.____ enth altene Verweis auf eine "subjektive Be- trachtungsweise" bezieht sich jedoch nicht auf diesen Umst and, sondern es wird damit – wie in der Stellungnahme G.____ zutreffend ausgeführt wird – Bezug genommen auf die (subjektiven) Ansprüche des jeweiligen Nutzers der Liegenschaft. Die angeführte "subjektive Betrachtungs- weise" bedeutet mit anderen Worten, dass potenzielle Käufer der Liegenschaft den Rückschnitt Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Linde entweder positiv oder negativ einstufen, je nachdem, ob sie dem Wegfall des Sicht- schutzes oder dem zusätzlichen Lichteinfall ein höheres Gewicht beimessen. 4.5.3 Die Zusprechung von Schadenersatz setzt wie bereit s ausgeführt (E. 4.2 hiervor) selbst bei Vorliegen der Voraussetzungen für eine Beweise rleichterung (Art. 42 Abs. 2 OR) vo- raus, dass der Eintritt des geltend gemachten Schadens n icht bloss im Bereich des Möglichen liegt, sondern als annähernd sicher erscheint. Die vom Kläger eingereichte Kurzbewertung D.____ vermag insofern, als sie die Verschlechterung der Mikrolage der Liegenschaft (von "gut" zu "mittel bis gut") aufgrund des Rückschnitts der Linde a usdrücklich von einer subjektiven Be- trachtungsweise abhängig macht, allenfalls einen mögli chen, nicht jedoch einen als annähernd sicher erscheinenden Schaden aufzuzeigen. 4.5.4 Inwiefern aus dem Rückschnitt der Linde eine massgeb liche Änderung der Mikrolage resultiert haben soll, ist im Übrigen nicht ersichtlich. W ie im Kurzbericht G.____ schlüssig aus- geführt wird, ist die Liegenschaft des Klägers einschneid enden Rahmenbedingungen unterwor- fen. Namentlich befindet sich die Liegenschaft – wie a nlässlich des heutigen Augenscheins er- sichtlich wurde – an einer vielbefahrenen Hauptverkehrsa chse innerhalb der Gemeinde mit Au- tobahnzubringer und einer zweispurigen Tramlinie sowi e im direkten Umfeld von Gewerbe. Die Beurteilung im Kurzbericht G.____, wonach dem in Frage stehenden Wegfall des Sichtschutzes hinsichtlich einer allfälligen Wertminderung der Liegenschaft keine Relevanz zukommen könne, erweist sich vor diesem Hintergrund als schlüssig und überzeugend. Die Stellungnahme G.____ hält überdies nachvollziehbar fest, dass sich das in der Ku rzbewertung D.____ angeführte sub- jektive Empfinden nicht abschliessend beurteilen lasse, zu mal eine derartig lokale subjektive Beeinträchtigung keine Berücksichtigung in einer Schätzungsmethode finden könne. Der Kläger setzt sich mit den diesbezüglichen, substantiiert vorget ragenen Einwänden der Beklagten nicht weiter auseinander. Sein im Rahmen der Replik vorgebra chter Hinweis, wonach im Rahmen der Kurzbewertung D.____ nicht bloss der weggefallene Sichtschutz, sondern der "gesamte Rückschnitt" der Linde beurteilt worden sei (Replik, Rz. 10, 16, 42, 49), überzeugt in diesem Zusammenhang nicht. Der Kläger verweist diesbezüglich au f eine E-Mail des Gutachters H.____ vom 28. September 2020, in welcher dieser auf Nachfrage des Klägers ausführte, dass sich die Wertminderung der Liegenschaft "aus dem gesamten Rückschnitt und dem sich daraus ergebenden fehlenden Sichtschutz" ergebe. Es ist unklar, was der Kläger aus dieser Auskunft ableiten möchte. Die zitierte Aussage deckt sich im Wesen tlichen mit den Ausführungen in der Kurzbewertung D.____, wonach der mit dem Rückschnitt de r Linde einhergehende Wegfall des Sichtschutzes bei (negativer) subjektiver Betrachtungsweise eine potenzielle Wertminderung bewirke. Inwiefern sich aus dem "gesamten Rückschnitt der Linde" aus anderen Gründen eine Wertminderung der Liegenschaft ergeben soll, ist nic ht ersichtlich und wird vom Kläger auch nicht substantiiert dargelegt. Nach dem Gesagten ist n icht erstellt, dass der Rückschnitt der Linde zu einer massgeblichen bzw. preisrelevanten Verschl echterung der Mikrolage der Lie- genschaft des Klägers führte. 4.5.5 Soweit der Kläger geltend macht, die Linde als solche habe durch den Rückschnitt an Wert verloren (Klage, Rz. 16; Replik, Rz. 44), kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Entge- gen seiner Argumentation (Replik, Rz. 89) finden sich d azu in der Kurzbewertung D.____ keine Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausführungen und der allgemeine Verweis des Klägers au f das Alter des Baums bzw. den dar- aus resultierenden Wert genügt in diesem Zusammenhan g nicht. Der Kläger macht im Übrigen nicht geltend, dass das von der Gemeinde beauftragte U nternehmen den Baum nicht fachmän- nisch zurückgeschnitten hätte bzw. am Baum selbst ein Schaden entstanden wäre, und es be- stehen dafür auch keine Anhaltspunkte. 4.6.1 Ein ersatzpflichtiger Vermögensschaden bzw. ein An spruch auf Ersatz für die Kosten eines Sichtschutzes fällt schliesslich auch gestützt auf die nachfolgenden Erwägungen ausser Betracht. 4.6.2 Bei der streitgegenständlichen Linde handelt es sich wie dargelegt (E. 3.3 hiervor) um einen im Rahmen der Zonenplanung Siedlung als erhalt enswert bezeichneten Baum. Gemäss § 43 Abs. 1 des Zonenreglements Siedlung der Einwohnergemeinde B.____ (ZRS) vom 12. Mai 2014 prägen die im Zonenplan bezeichneten Bäume zu e inem wesentlichen Teil das Sied- lungsbild, dienen der Grünvernetzung und dem ökologischen Ausgleich und sind im öffentlichen Interesse erhaltenswert. Die ausgeschiedenen Bäume auf ö ffentlichem und privatem Grund sind in ihrem Bestand zu erhalten und sachgerecht zu pfl egen (§ 43 Abs. 2 ZRS). Zu berück- sichtigen ist ausserdem § 50 des Polizeireglements der Ei nwohnergemeinde B.____ vom 25. April 2016 ("Überhängende Bepflanzungen"), wonach in das Lichtraumprofil einragende Bepflanzungen an öffentlichen Strassen und Trottoirs von der Grundstückseigentümerschaft so zurückzuschneiden sind, dass die Verkehrssicherheit und das ung estörte Begehen garantiert sind. Insbesondere dürfen die Wirkung der öffentlichen Beleuchtung sowie die Sicht auf Stras- sensignale, Strassentafeln und Hausnummern nicht beeintr ächtigt sein (Abs. 1). Muss der Rückschnitt nach erfolgloser Aufforderung der Pflichtigen auf öffentliche Anordnung hin erfol- gen, gehen die Kosten zu Lasten der Grundstückseigentümerschaft (Abs. 2). In entsprechender Weise regelt § 42 Abs. 1 des Strassenreglements der Ei nwohnergemeinde B.____ vom 26. Januar 2015, dass das Lichtraumprofil der Verkehrsa nlage, die Strassenbeleuchtung und die notwendigen Sichtfelder bei Strasseneinmündungen und Privateinfahrten nicht durch Be- pflanzungen und Gartenanlagen beeinträchtigt werden dürfen. Dem erläuternden Hinweis zu dieser Bestimmung kann entnommen werden, dass bei Fussweg en eine Mindesthöhe des Lichtraumprofils von 2.5 m und bei Fahrbahnen eine solche von 4.5 m erforderlich ist. 4.6.3 Dem Kurzbericht der mit dem Rückschnitt der Linde beauftragten C.____ AG vom 5. August 2020 kann entnommen werden, dass im Juli 2019 am Baum des Klägers ein Kronen- pflegeschnitt vorgenommen worden sei. Dieser Schnitt u mfasse das Erstellen des Lichtraum- profils zur Strasse und zum Kandelaber, das Entfernen des Totholzes und wo nötig das partielle Entlasten von einzelnen Kronenpartien. Mit diesen Schnittarbeiten könne die Verkehrssicherheit des Baums erstellt bzw. erhalten werden und diese hätten bei fachgerechter Ausführung keine negativen Einflüsse auf den Baum. Anlässlich des heutigen Augenscheins vor Ort bestätigte der Leiter des Werkhofs der Gemeinde, dass der Auftrag an di e C.____ AG in erster Linie dem Freihalten des Lichtraumprofils gedient habe. Ausserdem sei ein Pflege- bzw. Entlastungs- schnitt durchgeführt worden. Das Entfernen der Äste sei notwendig gewesen, da namentlich im Winter bei Schnee Gefahr durch herunterfallende Äste gedroht habe. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6.4 Entgegen der Argumentation des Klägers (Replik, Rz. 82) kann dem Kurzbericht der C.____ AG ohne weiteres entnommen werden, dass der Rüc kschnitt der Linde notwendig war; er diente namentlich der Einhaltung des Lichtraumprof ils der Strasse bzw. der Verkehrssicher- heit. Die streitbetroffene Linde befindet sich wie ber eits ausgeführt (E. 3.3 hiervor) am nord- westlichen Rand der Parzelle des Klägers, wobei die weit ausladenden Äste des Baums in das Trottoir sowie teilweise die Fahrbahn der angrenzenden Strassen (I.____-weg und J.____-weg) hineinragen. Der Hinweis des Klägers, wonach er im Jahr 2018 die Äste der Linde im Bereich des Strassenbeleuchtungskandelabers zurückgeschnitten habe, greift insofern zu kurz, als ge- mäss § 42 Abs. 1 des Strassenreglements nicht bloss die Strassenbeleuchtung durch Bepflan- zungen nicht beeinträchtigt werden darf, sondern darü ber hinaus das Lichtraumprofil der an- grenzenden Verkehrsanlage vollständig einzuhalten ist. Vorliegend bestehen keine Anhalts- punkte dafür, dass das von der Gemeinde mit dem Rückschnit t beauftragte Fachunternehmen die Schnittarbeiten über das zur Einhaltung des Lichtr aumprofils und der Verkehrssicherheit erforderliche Mass hinaus bzw. nicht in sachgerechter Weis e durchgeführt hätte. Demgegen- über geht aus den vom Kläger eingereichten (teilweise bearbeiteten) Bildern – namentlich dem Bild von Google Streetview vom Juni 2013 –, auf welch e er hinsichtlich des Zustands der Linde vor dem Rückschnitt verweist, deutlich hervor, dass die Lin de im voll belaubten Zustand nicht den zitierten kommunalen Vorgaben entsprach und insbe sondere die herabhängenden Äste des Baums das Lichtraumprofil des angrenzenden Trottoi rs verletzten. Soweit mit dem Rück- schnitt der unteren Äste der Linde ein (teilweiser) Weg fall des Sichtschutzes der Liegenschaft des Klägers verbunden ist, bildet dies letztlich die notw endige Folge der genannten kommuna- len Vorgaben (E. 4.6.2 hiervor). Dem Kläger ist nach dem Gesagten insofern, als die zur Einhal- tung dieser Vorgaben durchgeführten Schnittarbeiten auf Kosten der Gemeinde erfolgten, ein vermögensrechtlicher Vorteil, keinesfalls jedoch ein ersatzpflichtiger Schaden entstanden. 4.7 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen gelingt e s dem Kläger nicht, den Nachweis eines Schadens zu erbringen. Die Klage erweist sich als u nbegründet und ist abzuweisen. Ebenfalls abzuweisen sind die von den Parteien gestellt en Beweisanträge auf Befragung von Zeugen bzw. Sachverständigen, zumal nicht ersichtlich ist, welche zusätzlichen entscheidrele- vanten Erkenntnisse diese zeitigen könnten. 5.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- ausgangsgemäss dem Kläger aufzuerlegen. 5.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemeinden und andere Träger öffentlicher Aufgaben ha- ben Anspruch auf eine Parteientschädigung, sofern der Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwäl- tin gerechtfertigt war (§ 21 Abs. 2 VPO). Nach der Re chtsprechung des Kantonsgerichts wird gestützt auf § 21 Abs. 2 VPO generell nur ein Anspruch auf Parteientschädigung eingeräumt, wenn der Beizug eines externen Rechtsvertreters im Einze lfall auch für einen Träger öffentli- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher Aufgaben mit juristischer Fachkompetenz innerhalb d er eigenen Verwaltung gerechtfertigt erscheint. Das Kantonsgericht legt § 21 Abs. 2 VPO restri ktiv aus und die Zusprechung einer Parteientschädigung ist nur in den genannten Ausnahmefä llen gerechtfertigt (vgl. statt vieler KGE VV vom 3. Februar 2016 [810 14 387] E. 5.2). Die s trifft vor allem dann zu, wenn für eine angemessene Prozessvertretung rechtliches Spezialwissen gefor dert ist, das über die bei der Rechtsanwendungstätigkeit erforderlichen Kenntnisse hinausgeht und über welches der eigene Rechtsdienst normalerweise nicht verfügt. Die sich im vo rliegenden Verfahren stellenden Rechtsfragen erweisen sich nicht als derart komplex, dass fü r eine angemessene Prozessver- tretung juristisches Spezialwissen im vorgenannten Sinn e rforderlich gewesen wäre. Die Vo- raussetzungen für die Zusprechung einer Parteientschädigung an die Beklagte sind demzufolge nicht gegeben und die entsprechenden Parteikosten sind wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- werden dem Kläger auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in de r Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. Der Kläger hat demnach restliche Verfahrenskos- ten in der Höhe von Fr. 1'100.-- zu bezahlen. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber