Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 5. November 2012 (470 12 200) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Thomas Bauer, Richter Stephan Gass (Ref.), Richterin Regina Schaub, Gerichtschreiberin i.V. Tanja Hill Parteien A.____, vertreten durch Advokat Dieter Roth, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beschwerdeführer gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Liestal, Rheinstrasse 27, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin B.____, vertreten durch Advokat Mehmet Sigirci, Aeschenvorstadt 57, 4051 Basel, Beschuldigte Gegenstand Verfahrenseinstellung (Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, vom 23. August 2012) A. A.____ reichte mit Schreiben vom 10. Februar 2012 e ine Strafanzeige gegen seine von ihm getrennt lebende Ehefrau B.____ ein und erhob S trafantrag wegen sämtlichen in Frage kommenden Delikte. Der Strafanzeige liegt folgender S achverhalt zu Grunde: Am 5. Februar Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 kam es zwischen den Ehegatten zu einer Auseinandersetz ung, als der Antragsteller zwei Ordner mit Unterlagen aus der ehelichen Wohnung holen wollte. Beim Versuch, die Wohnung mit den Ordnern zu verlassen, sei der Antragsteller von der Beschuldigten tätlich angegangen und verbal beleidigt worden. Die Beschuldigte hätte ih m einen der Ordner aus den Armen ge- rissen und damit auf seine Hand geschlagen, wobei der A ntragsteller am Knöchel verletzt wor- den sei. Im Nachgang an die verbale und tätliche Ausei nandersetzung sei der Antragsteller un- ter Androhung von Gewalt am Verlassen der ehemals gem einsamen Wohnung gehindert wor- den. Daraufhin alarmierte der Antragsteller die Polizei, welche jedoch keine Strafanzeige gegen die Beschuldigte aufnahm. B. Mit Verfügung vom 23. August 2012 stellte die Staat sanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, das Verfahren gegen die Beschuldigte wegen Tätlichkeit, Beschimpfung und Nötigung in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a, b und e StPO ein. Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der weite ren Eingaben der Parteien wird − soweit erforderlich − in den nachstehenden Erwägungen eingeg angen. C. Gegen diese Verfügung erhob der Antragsteller, vertre ten durch Advokat Dieter Roth, mit Eingabe vom 29. August 2012 Beschwerde beim Kanton sgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Strafrecht. Er beantragte, die Einstellungsverfüg ung der Staatsanwaltschaft vom 23. August 2012 sei aufzuheben und die Beschuldigte se i der Begehung der Tätlichkeit, der Beschimpfung und der Nötigung schuldig zu sprechen und zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen. Eventualiter sei die Einstellungsverfügun g aufzuheben und das Verfahren zur Neu- beurteilung an die Vorinstanz zurück zu weisen. Die Beschu ldigte sei zudem zu verurteilen, dem Beschwerdeführer in Gutheissung seiner Zivilklage ein e Entschädigungsforderung für sämtliche im Ermittlungsverfahren aufgelaufenen Anwalt skosten im Betrag von CHF 2'167.00 zu leisten; alles unter o/e- Kostenfolge. Ferner beantragte der Beschwerdeführer, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und demzufolge sei auf die Erhebung eines Gerichts- kostenvorschusses zu verzichten. D. Mit Stellungnahme vom 6. September 2012 beantragte die Staatsanwaltschaft die Ab- weisung der Beschwerde. Ausserdem sei dem Beschwerdeführ er die unentgeltliche Rechts- pflege nicht zu bewilligen und es seien ihm daher die Verfahrenskosten aufzuerlegen. E. Die Beschuldigte beantragte in ihrer Stellungnahme vo m 10. September 2012 die voll- umfängliche Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Der Beschwerdeführer sei aus- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht serdem zu verurteilen, der Beschuldigten eine Parteien tschädigung in Höhe von CHF 1'500.00 zu bezahlen. Erwägungen 1. Formelles 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts B asel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz ist gemäss Art. 20 Abs. 2 und 3 StPO in Verbindung mit § 15 Abs. 2 EG StPO gegeben. Die Beschwerde ist gemäss Art. 3 93 Abs. 1 lit. a StPO zulässig ge- gen Verfügungen und Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertre- tungsstrafbehörden. Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Re chtsverletzungen, die falsche Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerü gt werden. Da mit der Beschwer- de alle Mängel des angefochtenen Entscheids geltend ge macht werden können, verfügt die Rechtsmittelinstanz über volle Kognition (STEPHENSON /T HIRIET , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 393 N 15). Die Beschwerdefrist gegen schriftlich o der mündlich eröffnete Entscheide be- trägt zehn Tage, wobei die Beschwerde schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 38 2 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Abän derung der angefochtenen Verfü- gung hat, zur Beschwerde legitimiert. 1.2 Mit der vorliegenden Beschwerde wird die Einstellungsve rfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, vom 23. August 2012 angefochten, welche ein taugli- ches Beschwerdeobjekt darstellt. Der Beschwerdeführer rüg t Rechtsverletzungen und bringt somit einen gültigen Beschwerdegrund vor. Die vorliegend angefochtene Verfügung wurde dem Beschwerdeführer am 24. August 2012 zugestellt, weshal b mit Eingabe vom 29. August 2012 die Rechtsmittelfrist ohne Weiteres gewahrt und die Begründungspflicht wahrgenommen wurde. Als Privatkläger und Geschädigter ist der Beschwerdeführe r durch die Verfügung unmittelbar in seinen Rechten betroffen und somit beschwert. Da vorliegend sämtliche Formalien erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Materielles 2.1 Zur Begründung der Einstellungsverfügung vom 23. Aug ust 2012 führte die Staatsan- waltschaft im Wesentlichen aus, den Verfahrensakten könne entnommen werden, dass sich der Beschwerdeführer trotz Gegenwehr der Beschuldigten Zutr itt zur Wohnung verschafft habe. Es Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht könne deshalb davon ausgegangen werden, dass er die Wo hnung aus freiem Willen wieder hätte verlassen können, weshalb der Straftatbestand der N ötigung nicht erfüllt sei. Betreffend den Tatbestand der Nötigung könne die eigentliche En tstehung der Verletzung des Beschwer- deführers nicht abschliessend geklärt werden. Darüber hinaus könnten der Beschuldigten keine weiteren physischen Einwirkungen auf den Beschwerdeführe r nachgewiesen werden. Ein hin- reichender Beweis der Täterschaft der Beschuldigten kön ne deshalb nicht erbracht werden, weshalb das Verfahren betreffend Tätlichkeit ebenfalls einzustellen sei. Schliesslich sei bezüg- lich der Beschimpfung nicht abschliessend eruierbar, wer als Provokant und wer als Retorquent aufgetreten sei, da auch keine objektiven Zeugen vorha nden seien. Durch die gegenseitigen Beleidigungen hätten sich die Parteien bereits vor Ort Gerechtigkeit verschafft, weshalb auch dieses Verfahren einzustellen sei. 2.2 Der Beschwerdeführer rügt demgegenüber in der Beschw erde vom 29. August 2012, das vorliegende Strafverfahren stehe in einem engen Z usammenhang mit dem vor dem Be- zirksgericht X.____ anhängigen Eheschutzverfahren sowie di verser laufenden oder bereits durchgeführten vormundschaftlichen Abklärungen und Massna hmen. Die Anliegen des Be- schwerdeführers würden durch staatliche Behörden nicht ern st genommen. Der Beschwerde- führer habe beim Versuch, die Wohnung zu verlassen, zwei schwere Ordner getragen, zudem habe die Beschuldigte eine heftige Gegenwehr geleiste t, weshalb ihm das Verlassen der Woh- nung nicht möglich gewesen sei. Ferner habe die Beschuld igte den Sohn als Schutzschild missbraucht. Die Ermittlungen betreffend die Verletzung des Beschwerdeführers seien inakzep- tabel, da es nicht ersichtlich sei, wieso die an den Tat ort gerufenen Polisten nicht als Zeugen einvernommen worden seien. Dass die Staatsanwaltschaft beim Beschimpfungsvorwurf von der gesetzliche Kann-Vorschrift einer Strafbefreiung Gebrauch mache, passe in das Bild, dass man die Beschuldigte nicht bestrafen wolle. 2.3 Im Rahmen der Vernehmlassung vom 6. September 2012 fü hrt die Staatsanwaltschaft ergänzend aus, ein Verfahren sei einzustellen, wenn die Unschuld der beschuldigten Person erwiesen oder aus anderen Gründen ein Freispruch als sich er anzusehen sei. Die Herkunft der Verletzung des Beschwerdeführers habe nicht nachvollzogen werden können. Der behandelnde Arzt habe die Entstehung der Verletzung nicht mit genü gender Sicherheit darlegen können. Im Ergänzungsbericht habe der behandelnde Arzt schliesslich angegeben, dass es sich bei der Verletzung um eine Schürfung handle, welche nicht dur ch einen Schlag verursacht worden sei. Bei der Nötigung sei zu beachten, dass der Sachverhalt a ufgrund widersprechender Aussagen nicht habe bewiesen werden können. Es könne als erstellt b etrachtet werden, dass Beschimp- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fungen stattgefunden hätten. Unklar jedoch sei, wer da mit begonnen habe, den anderen zu be- schimpfen. 2.4 In der Stellungnahme vom 10. September 2012 bringt die Beschuldigte im Wesentlichen vor, der Beschwerdeführer versuche aufgrund des anhängigen Eheschutzverfahrens sowie den laufenden Abklärungen und Massnahmen die Beschuldigte be i diversen Personen und Ämtern anzuschwärzen. Der Beschwerdeführer sei viel stärker als die Beschuldigte und hätte die Woh- nung ohne Weiteres jederzeit verlassen können. Der Beschw erdeführer habe jedoch nach ei- gener Angabe gar nicht erst versucht, die Wohnung zu v erlassen. Die Staatsanwaltschaft habe auch zu Recht auf eine Befragung der angerufenen Poli zisten verzichtet, denn diese seien bei der Auseinandersetzung nicht anwesend gewesen und hätte n demnach keine näheren Anga- ben betreffend der Ursache der Verletzung machen können. 2.5 Im Vorliegenden stellt sich die Frage, ob die Staatsa nwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, zu Recht das Verfahren gegen die Beschuldigte betreffend Tätlichkeit, Nötigung sowie Beschimpfung eingestellt hat. Gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die vollständige oder teilweise Einstellung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhä rtet ist, der eine Anklage rechtfertigt (lit. a), wenn kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b) oder wenn nach gesetzlicher Vorschrift auf Strafverfolgung oder Bestrafung verzichtet werden kann ( lit. e). Eine Einstellung gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO hat zu ergehen, wenn kei n anklagegenügender Tatverdacht (Art. 324 Abs. 1 StPO) gegeben ist, mit anderen Worten, wenn ei n Freispruch zu erwarten ist. Die Beur- teilung der Wahrscheinlichkeit eines Schuldspruchs bzw. der Prozessaussichten ist dem pflicht- gemässen Ermessen des Staatsanwaltes anheimgestellt. In Z weifelsfällen tatsächlicher oder rechtlicher Natur darf das Verfahren jedoch nicht einge stellt werden, da in diesen Fällen das Urteil dem Gericht überlassen werden soll: Beim Entsch eid über Anklageerhebung gilt nicht der Satz " in dubio pro reo ", sondern " in dubio pro duriore " (BGer 6B_588/2007 vom 11. April 2008; BGer 6B_115/2009 vom 13. August 2009, E. 2.4). Gemäss A rt. 319 Abs. 1 lit. b StPO ist das Verfahren einzustellen, wenn kein Straftatbestand erf üllt ist. Dies bedeutet, das untersuchte Verfahren − selbst wenn es nachgewiesen wäre − kann n icht den Tatbestand einer Strafnorm erfüllen, beispielsweise da es von rein zivil- oder verwa ltungsrechtlicher Relevanz ist. Art. 319 Abs. 1 lit. e StPO verweist auf Fälle, für welche die Strafprozessordung eine Einstellung oder das Strafgesetzbuch eine Strafbefreiung vorsieht (zum Ganzen: LANDSHUT , Zürcher Kommentar Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht StPO, 2010, Art. 319 N 15, 16, 19 und 27; S CHMID , Praxiskommentar StPO, 2009, Art. 319, N 5 und 6). 2.6 Wer gegen jemanden Tätlichkeiten verübt, die keine S chädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge haben, wird gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB auf Antrag mit Busse bestraft. Als Tätlichkeit gilt der geringfügige und folgenlose Angriff auf den Körper oder die Gesundheit eines anderen Menschen. Der subjektive Tatbestand erford ert Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt (ROTH /K ESHELAVA , Basler Kommentar StGB II, 2007, Art. 126 N 2, 13). Der Beschwerdeführer gibt anlässlich der Strafanzeige vom 10. Februar 2012 (act. 19) an, im Rahmen des Vorfalls vom 5. Februar 2012 habe die Beschu ldigte ihm einen Ordner entrissen und ihm damit auf die rechte Hand geschlagen, sodass er sich an den Knöcheln des Ringfin- gers verletzt habe. Die Beschuldigte bestreitet anlässlich der Einvernahme vom 25. April 2012 (act. 63) sowie anlässlich der Konfrontationseinvernahm e vom 16. Mai 2012 den Beschwerde- führer geschlagen zu haben. Der vom Beschwerdeführer ei ngereichten ärztlichen Bestätigung von Dr. med. C.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom 7. Februar 2012 (act. 25) kann ent- nommen werden, dass Dr. med. C.____ den Beschwerdeführer untersuchte und dabei feststell- te, dass dieser am Ringfinger und am Kleinfingergrundgelenk der rechten Hand zwei alte, wenig schmerzhafte Schürfwunden mit Rötungen aufweist. In eine r ergänzenden Stellungnahme vom 5. Juni 2012 (act. 85) führt Dr. med. C.____ aus, dass er anlässlich der Untersuchung des Be- schwerdeführers bei diesem zwei ca. 5 cm lange, parallel laufende, oberflächliche Hautschür- fung am rechten Handrücken, über dem rechten Ringfing er- und dem rechten Kleinfingerknö- chel diagnostiziert habe. Die Schürfungen seien leicht gerötet, jedoch nicht schmerzhaft gewe- sen und nach Schätzung zum Zeitpunkt der Untersuchung unge fähr zwei bis vier Tage alt. Es sei schwierig die Ursache der Verletzung festzustellen, es kö nne eine leichte Kratzwunde sein, sie könne aber auch durch die Ordnerkante entstanden se in. Mit Schreiben vom 7. Juni 2012 (act. 87) führte Dr. med. C.____ ergänzend aus, es hät ten beim Beschwerdeführer zwei ca. 1 - 1.5 cm breite Schürfwunden festgestellt werden können , jedoch keine tiefen Verletzungen, wel- che durch einen Schlag verursacht worden seien. Ein Schl ag könne jedoch auch nicht gänzlich als Ursache ausgeschlossen werden. Die eigentliche Entstehun g der Verletzungen des Be- schwerdeführers konnte demnach nicht restlos geklärt werden . Der Beschwerdeführer moniert in der Beschwerde vom 29. August 2012, zur Ermittlung der Ursache seiner Verletzung hätten die am Vorfallstag angerufenen Polizisten als Zeugen einvernommen werden müssen. Die Poli- zisten waren jedoch zur Zeit der Auseinandersetzung zwischen den Ehegatten nicht anwesend, weshalb sie diesbezüglich keine Angaben hätten machen kön nen. Ferner waren auch keine Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht anderen Personen anwesend, welche bezüglich der Entstehu ng der Verletzung des Beschwer- deführers ein objektives Zeugnis hätten ablegen können. Steht der bestreitenden Beschuldigten nur die Aussage eines an der Verurteilung unmittelbar interessierten Geschädigten gegenüber und finden dessen Anschuldigungen nicht eine objektive Bestätigung im Untersuchungsergeb- nis, so kann von einem für die Anklageerhebung hinrei chenden Verdacht nicht gesprochen werden (LANDSHUT , Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 319, N 17). Ein hinreichender Beweis der Täterschaft der Beschuldigten kann somit nicht erbra cht werden und ein Freispruch durch das Strafgericht wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit zu e rwarten. Das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, kommt entsprechend z um Schluss, dass die Staatsanwalt- schaft das Verfahren gegen die Beschuldigte betreffend Tätlichkeit zu Recht eingestellt hat. 2.7 Der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB strafbar macht sich, wer jemanden in anderer Weise als durch üble Nachrede oder der Verleu mdung durch Wort, Schrift, Bild, Ge- bärde oder Tätlichkeit in seiner Ehre angreift. Gege nstand der Beschimpfung ist entweder eine Formalinjurie oder eine üble Nachrede bzw. Beschimpfu ng unter vier Augen, d.h. nur gegen- über dem Verletzten selbst (R IKLIN , Basler Kommentar StGB II, 2007, Art. 177 N 1). Gem äss Abs. 3 von Art. 177 StGB kann der Richter einen oder beide Täter von Strafe befreien, wenn die Beschimpfung unmittelbar mit einer Beschimpfung oder Tätlichkeit erwidert worden ist. Der Ge- danke hinter der sog. Retorsion ist, dass sich die Beteil igten selber bereits an Ort und Stelle Gerechtigkeit verschafft haben und der Streit zu unbed eutend ist, als dass das öffentliche Inte- resse nochmalige Sühne verlangen würde (R IKLIN , a.a.O., N 18 mit Hinweis auf: BGE 82 IV 177). Der Beschwerdeführer gibt anlässlich der Einvernahme vom 25. April 2012 (act. 47) an, die Be- schuldigte habe ihn während des Vorfalls vom 5. Februar 2012 als Hund, als Mann ohne Ehre sowie als "Dubel" beschimpft. Im Rahmen der Einvernahme vom 25. April 2012 (act. 65) führte die Beschuldigte aus, es könne sein, dass sie den Beschwerd eführer während des Streites be- schimpft habe. Der Beschwerdeführer habe sie jedoch ebenfalls beschimpft. Es machen folglich beide Parteien geltend, im Zuge der Auseinandersetzun g jeweils vom anderen verbal beleidigt worden zu sein. Bei dem besagten Vorfall waren sodann keine objektiven Zeugen zugegen. Es kann dementsprechend nicht abschliessend eruiert werden, von welcher Partei die Beschimp- fungen jeweils ausgingen. Es kann jedoch als erstellt b etrachtet werden, dass sich die Parteien gegenseitig beschimpften und somit jede Beschimpfung mi t einer Beschimpfung erwidert wur- de, weshalb ein Anwendungsfall von Art. 177 Abs. 3 StGB gegeben ist. Die Parteien haben sich durch ihre gegenseitigen Beschimpfungen bereits vor Ort Gerechtigkeit verschafft und die Aus- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einandersetzung ist auch nicht von einer Bedeutung gewe sen, dass die Öffentlichkeit ein Inte- resse an der nochmaligen Sühne der Beteiligten hätte. Die Staatsanwaltschaft hat demgemäss das Verfahren gegen die Beschuldigte betreffend Beschim pfung zu Recht in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. e StPO in Verbindung mit Art. 177 Abs. 3 StGB eingestellt. 2.8 Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkungen seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden, macht sich der Nötigung nach Art. 181 StGB strafbar. M assgebend für die Beurteilung der Ernstlichkeit der Androhung sind gemäss bundesgerichtlich er Rechtsprechung objektive Krite- rien: Nur Drohungen, welche geeignet sind, auch eine b esonnene Person in der Lage des Be- troffenen gefügig zu machen, sind ausreichend (S TRATHENWERT /J ENNY /B OHMER , a.a.O., § 5, N 9). Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz. Im Rahmen der Einvernahmen vom 25. April 2012 (act. 43) legte der Beschwerdeführer dar, als er am 5. Februar 2012 die Wohnung mit den besagten O rdnern habe verlassen wollen, habe sich die Beschuldigte ihm in den Weg gestellt, die Woh nungstür abgeschlossen und den Schlüssel abgezogen. Der Beschwerdeführer habe zwar eben falls einen Wohnungsschlüssel bei sich gehabt, aber als er an der Beschuldigten vorbe i die Wohnung habe verlassen wollen, habe diese ihn zu schlagen versucht, weshalb er den Vers uch, die Wohnung zu verlassen, auf- gegeben habe. Die Beschuldigte habe dann den Sohn an ihre Seite genommen und so hätten sie bis zum Eintreffen der Polizei gewartet. Die Beschuldigte führt demgegenüber anlässlich der Einvernahme vom 25. April 2012 (act. 61) aus, nach der verbalen Auseinandersetzung habe sie mit dem Sohn vor der Tür gewartet, da sie gedacht hab e, so den Beschwerdeführer überreden zu können, die Ordner nicht mitzunehmen. Die Beschuldigt e bestreitet ausdrücklich, den Be- schwerdeführer geschlagen zu haben (act. 63). Der Beschwe rdeführer gibt sodann anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 16. Mai 2012 (act. 8 1) an, er habe gar nicht versucht, an der Beschuldigten vorbei zu kommen. Aus der von der basel landschaftlichen Polizei veranlass- ten Meldung an die Vormundschaftsbehörde betreffend d en Vorfall vom 5. Februar 2012 (act. 29) wird sodann erhellt, dass der Beschwerdeführer selbst die Wohnungstüre geöffnet habe. Es kann somit festgestellt werden, dass sich die Aussagen des Be schwerdeführers und der Be- schuldigten widersprechen, bestreitet die Beschuldigte do ch ausdrücklich, den Beschwerdefüh- rer geschlagen zu haben. Ausserdem waren keine objektiven Zeugen anwesend, welche hätten bestätigen können, dass die Beschuldigte durch Schläge und somit Gewalt oder zumindest durch die Androhung von Gewalt den Beschwerdeführer am Verlassen der Wohnung gehindert hatte. Den Verfahrensakten kann ferner entnommen werd en, dass sich der Beschwerdeführer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorab gewaltsam Zutritt zur Wohnung verschaffte. Nachdem die Beschuldigte die Aktenordner aus dem Auto des Beschwerdeführers genommen hatte und in die Wohnung zurückkehrte, ist ihr der Beschwerdeführer nachgelaufen und konnte im l etzten Augenblick seinen Fuss in die Türe stellen, damit die Beschuldigte diese nicht verschl iessen konnte. Dann hat er sich − trotz Gegenwehr der Beschuldigten − Zutritt zur Wohnung versc hafft, um die besagten Ordner wie- der an sich zu nehmen (vgl. act. 43, 61 und 79). Es kann somit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer die Wohnung jederzeit wieder hätte verlassen können, zumal be- rücksichtigt wird, dass der Beschwerdeführer den gerufenen Polizeibeamten die Wohnungstüre öffnete (act. 29). Folglich ist der Tatbestand der Nötigung nicht erfüllt. Entsprechend der vorste- henden Erwägung hat die Staatsanwaltschaft das Verfahr en betreffend Nötigung zu Recht in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO eingestellt. 2.9 Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass vor liegend die Voraussetzun- gen für die Einstellung des Verfahrens betreffend Nöti gung, Tätlichkeit und Beschimpfung ge- mäss Art. 319 Abs.1 lit. a, b und e StPO erfüllt sind. Folglich ist auch der Antrag des Beschwer- deführers, wonach in Gutheissung seiner Zivilklage die B eschuldigte verpflichtet werden soll, eine Entschädigungsforderung in Höhe sämtlicher im Erm ittlungsverfahren aufgelaufener An- waltskosten im Betrag von CHF 2'167.00 zu leisten, abzu weisen. Dementsprechend ist die vor- liegende Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Liestal, vom 23. August 2012 vollumfänglich abzuweisen. 3. Kosten 3.1 Der Beschwerdeführer beantragt für das vorliegende V erfahren die unentgeltliche Rechtspflege. Er sei derzeit nicht imstande, Anwalts- u nd Verfahrenskosten zu bezahlen, da er seine Arbeitsstelle verloren habe und dementsprechend der weil über kein Einkommen verfüge und das Bezirksgericht X.____ sein Bankvermögen habe sperr en lassen. Die Staatsanwalt- schaft bringt demgegenüber vor, im vorliegenden Verfa hren sei nach Würdigung der Beweise die Zivilklage als aussichtslos zu beurteilen, weshalb die u nentgeltliche Rechtspflege nicht zu gewähren sei. Gemäss Art. 136 Abs. 1 StPO gewährt die Verfahrensleitu ng der Privatklägerschaft für die Durchsetzung ihrer Zivilansprüche ganz oder teilweise unen tgeltliche Rechtsprechung, wenn die Privatklägerschaft nicht über die erforderlichen Mi ttel verfügt (lit. a) und die Zivilklage nicht aussichtslos erscheint (lit. b). Der Beschwerdeführer verfüg t über ein Vermögen von CHF 200'000.00 und ist dementsprechend im Besitz der e rforderlichen Mittel. Die Argumentati- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht on, das Bankguthaben des Beschwerdeführers sei zurzeit eingefroren, ist unbehelflich, denn es ändert nichts daran, dass der Beschwerdeführer über die nötigen Mittel verfügt, zumal diese Sperrung lediglich von temporärer Natur ist. Da der Be schwerdeführer über die nötigen finan- ziellen Mittel im Sinne von Art. 136 Abs. 1 lit. a StP O verfügt, kann die Frage über die Aussicht der Zivilklage offen gelassen werden. Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen. 3.2 Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die K osten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. En tsprechend dem Ausgang des vor- liegenden Verfahrens werden die Verfahrenskosten des Kantonsgerichts von insgesamt CHF 1'150.00, bestehend aus einer Entscheidgebühr in H öhe von CHF 1'000.00 sowie Ausla- gen im Betrag von CHF 150.00, dem Beschwerdeführer auferlegt. Die Beschuldigte begehrt in der Stellungnahme vom 10. September 2012 eine Parteientschädi- gung von CHF 1'500.00, ohne diese näher zu substantiier en. Gemäss § 18 Abs. 1 der Tarifver- ordnung für Anwältinnen und Anwälte ist dem Gericht d ie Honorarrechnung in Beschwerdever- fahren spätestens mit der letzen Rechtschrift einzureichen, ansonsten das Gericht die Partei- entschädigung von Amtes wegen nach Ermessen festsetzen kan n. In Ausübung seines Ermes- sen gemäss § 18 Abs. 1 der Tarifverordnung für Anwältinnen und Anwälte kommt das Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, zum Sc hluss, dass eine Parteientschädigung von pauschal CHF 800.00, in Anbetracht der relativ kurze n Beschwerdeantwort sowie der ge- ringen Komplexität des vorliegenden Falls, angemessen ist . Der Beschuldigten wird dement- sprechend eine Parteientschädigung von pauschal CHF 800.0 0 (inklusive Auslagen und Mehr- wertsteuer) zu Lasten des Beschwerdeführers zugesprochen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von insgesamt CHF 1'150.00, b estehend aus einer Entscheidgebühr von CHF 1'000.00 sowie Auslagen im Betr ag von CHF 150.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt. 3. Der Beschuldigten wird eine Parteientschädigung von pauschal Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 800.00 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zu La sten des Be- schwerdeführers zugesprochen. Präsident Thomas Bauer Gerichtschreiberin i.V. Tanja Hill