B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5398/2014 U r t e i l v o m 1 9 . D e z e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. August 2014 / N (…). D-5398/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein Kurde mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess die Türkei eigenen Angaben gemäss am 12. Juni 2014 und g e- langte am 16. Juni 2014 in die Schweiz, wo er am 24. Juli 2014 um Asyl nachsuchte. A.b Bei der Befragung zur Person (BzP), die am 8. August 2014 im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen stattfand, gab der Beschwe r- deführer an, er werde von den heimatlichen Behörden gesucht, da er zu- sammen mit Freunden an den Gezi-Protesten teilgenommen habe. Er sei am 15. Juni 2013 festgenommen worden und fünf Stunden in Polizeig e- wahrsam geblieben. Am 30. Juni 2013 habe er einen Schlag auf den Hals erhalten und sei bewusstlos geworden, als er sich der Polizei bei einer Demonstrationsteilnahme widersetzt habe. Danach sei er acht bis neun Stunden auf dem Polizeiposten gewesen. Man habe seine Personalien aufgenommen und ihn gehen lassen. Vermutlich habe sich wegen des Schlages einer seiner Halswirbel verschoben, er habe seither starke Schmerzen. Die Polizei habe am 1. Juni 2014 seine Wohnung aufgesucht und seine beiden Freunde, mit denen er dort gewohnt habe und die eben- falls an den Protesten teilgenommen hätten, festgenommen. Er habe sich damals in C._______ aufgehalten und sei von seinem Onkel ü ber die Er- eignisse in B._______ informiert worden. Eine Woche nach seiner Einrei- se in die Schweiz, sei er an seinem Arbeitsplatz von zwei Zivilpolizisten gesucht worden. In der Schule habe er am islamischen Unterricht tei l- nehmen müssen, obwohl er (…) sei. Nach seinem Reisepass gefragt, gab der Beschwerdeführer an, er habe diesen verloren. A.c Das BFM hörte den Beschwerdeführer am 20. August 2014 zu seinen Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, er sei am 4. Juni 2014 zurück in seine Wohnung in B._______ gegangen und habe diese durchwühlt vorgefunden. Er habe seinen Reisepass gesucht und ihn nicht mehr gefunden. Danach habe er die Wohnung verlassen und sei zu Freunden gegangen. Er habe zusammen mit den beiden Freunden, mit denen er die Wohnung geteilt habe, an den Gezi -Park-Protesten teilge- nommen. Seine Freunde seien am 1. Juni 2014 von einer Sondereinheit der Polizei festgenommen worden und befänden sich immer noch in Haft. Vom 1. bis 30 Juni 2013 habe er ständig an den Protesten teilgenommen; erstmals sei er am 15. Juni 2013 von der Polizei festgenommen und auf den Posten von D._______ gebracht worden. Man habe seine Identität s-D-5398/2014 Seite 3 karte kontrolliert und ihn nach vier bis fünf Stunden wieder freigelassen. Am 30. Juni 2013 sei es zwischen Demonstranten und d er Polizei zu Ausschreitungen gekommen. Er habe mit einem Knüppel eine n Schlag versetzt bekommen und sei bewusstlos zu Boden gefallen. Er sei auf den Posten von E._______ gebracht worden und dort wieder zu sich geko m- men. Man habe ihm die Identitätskarte ab genommen und später wieder zurückgegeben, nach neun bis zehn Stunden habe er gehen dürfen. Er habe danach einen Arzt aufgesucht, der ihm gesagt habe, ein Halswirbel habe sich verschoben. Danach gefragt, wieso er das Asylgesuch erst mehrere Wochen nach seiner Einreise in die Schweiz gestellt habe, sagte der Beschwerdeführer, er habe sich an einen Anwalt gewandt, der ihm gesagt habe, er müsse kein Asylgesuch stellen, falls er seine in der Schweiz wohnhafte Freundin heiraten wolle. Da man beim Zivilstandsamt eine feste Wohnsitzadresse verlangt habe, habe er dann das Asylgesuch gestellt. B. Das BFM stellte mit am folgenden Tag eröffneter Verfügung vom 21. Au- gust 2014 fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab . Zugleich verfügte es die Wegwe i- sung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Der Beschwerdeführer liess durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 22. September 2014 die Aufhebung der angefochte nen Verfügung beantragen. Es sei festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und als Folge davon sei von Amtes w egen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses sei zu verzichten. Der Eingabe lagen drei Internetausdrucke von Zeitungsartikeln bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 29. September 2014 entsprach der Instrukt i- onsrichter dem Ges uch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses. Die Akten übermittelte er zur Vernehmlassung an das BFM. D-5398/2014 Seite 4 E. Der Beschwerdeführer heiratete am 30. September 2014 eine in der Schweiz wohnhafte polnische Staatsangehörige. F. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 1. Oktober 2014 die Abweisung der Beschwerde. G. Der Instruktionsrichter gewährte dem Beschwerdeführer mit Zwischenver- fügung vom 27. Oktober 2014 Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zur Vernehmlassung. Zudem gab er ihm Gelegenheit, dem Bundesve r- waltungsgericht mitzuteilen, ob er bei der zuständigen kantonalen Behö r- de ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestellt habe. H. Der Beschwerdeführer bestätigte am 10. November 2014, dass er eine polnische Staatsangehörige geheir atet habe. Bei der zuständigen kant o- nalen Behörde sei ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestellt worden. Man habe ihm gesagt, zunächst müsse der Kanton s- wechsel stattfinden; ein entsprechendes Gesuch sei am 30. September 2014 beim BFM eingereicht worden. I. Mit Verfügung vom 20. November 2014 wies das BFM den Beschwerd e- führer für den Aufenthalt während des weiteren Asylverfahrens dem Kan- ton F._______ zu. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d D-5398/2014 Seite 5 Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitim iert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.Vm. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder d er Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte o der ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM begründete seinen Entscheid damit, dass es sich bei den vom Beschwerdeführer geltend gemachten polizeilichen Massnahmen D-5398/2014 Seite 6 nicht um ernsthafte Nachteile handle, die geeignet wären, die Fl ücht- lingseigenschaft zu begründen. Die von den Sicherheitskräften verübte Gewalt habe sich gegen den Protest als solchen gerichtet und könne nicht als persönliche Verfolgung gewertet werden. Da er die Polizisten mit Steinen beworfen habe, wäre ein allfälliges Strafverfahren gegen ihn legi- tim. Auch die von ihm genannten Vorbringen, die ethnischer und religiöser Natur seien, könnten keine Zwangssituation im Sinne des Asylgesetzes begründen. Ergänzend sei festzuhalten, dass der Wahrheitsgehalt der Vorbringen zumindest hinsichtlich einzelner Aspekte aufgrund unsubstan- ziierter und erfahrungswidriger Aussagen stark zu bezweifeln sei. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Polizei sei während der Gezi-Ereignisse mit brutaler Gewalt gegen friedliche Demonstrant en vor- gegangen, wobei es zu schweren Menschenrechtsverletzungen geko m- men sei. Es seien fünf Personen ums Leben gekommen und über ach t- tausend verletzt worden. Die Polizisten hätten sogar Menschen auf off e- ner Strasse gefoltert. Der Beschwerdeführer sei zweim al festgenommen und einer menschenunwürdigen Behandlung unterzogen und bedroht worden. Bei der zweiten Festnahme sei er von der Polizei mehrere Stu n- den festgehalten und während dieser Zeit menschenunwürdig behandelt worden. Die Angaben des Beschwerdeführers zu den Ereignissen im G e- zi-Park machten deutlich, was er alles habe erleben müssen. Das von ihm geschilderte polizeiliche Vorgehen werde auch im Bericht von A m- nesty International erwähnt, weshalb seine Angaben zuträfen. Er sei der Polizei aufgrund seiner Teilnahme an den Protesten als Politaktivist b e- kannt. Bei der zweiten Festnahme habe er mit einer Anklage seitens der Staatsanwaltschaft gerechnet. Es sei davon auszugehen, dass die Polizei sich aufgrund der Auswertung von Video -Aufzeichnungen zu seiner e r- neuten Festnahme entschlossen habe. Seine Wohnung sei in der A n- nahme gestürmt worden, dass er sich auch dort aufhalte. Hätte man ihn angetroffen, wäre er mit Sicherheit vor Gericht gestellt worden. Somit sei ihm nichts anderes als die Ausreise geblieben. 4.3 Das BFM führt in seiner Vernehmlassung aus, dass der Beschwerd e- führer am 24. Juli 2014 ein Asylgesuch eingereicht habe, nachdem er am 16. Juni 2014 in die Schweiz eingereist sei. Gemäss Auskunft des Z i- vilstandsamtes G._______ habe er zwecks Ehevorbereitung bereits am 4. Juli 2014 dort vorgesprochen. Dabei sei er im Besitz einer türkischen Identitätskarte und eines vom türkischen Konsulat in H._______ am 20. Juni 2014 ausgestellten türkischen Reisepasses gewesen. Bei den Anhö- rungen habe er die Asylbehörden ü ber die bereits eingeleiteten Ehevo r-D-5398/2014 Seite 7 bereitungen ebenso in Unkenntnis gelassen wie über die Tatsache, dass er sich wenige Tage nach seiner Ankunft in der Schweiz einen Reisepass habe ausstellen lassen. Augenscheinlich habe er keine Berührungsäng s- te mit den heimatlichen Behörden, ansonsten er es unterlassen hätte, diese zu kontaktieren. Da für die Eheschliessung der Besitz eines Reis e- passes nicht notwendig sei, sei umso weniger einsichtig, weshalb er eine Kontaktaufnahme mit der türkischen Vertretung und die damit verbunde- nen Risiken in Kauf genommen haben sollte. Diese Feststellungen b e- stärkten das BFM in der Beurteilung, dass der getroffene Asylentscheid seine Richtigkeit habe. 5. 5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie g enügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesen t- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbe h- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfa hrung wider- sprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichti ge Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesam t- würdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachv erhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 5.2 Der Beschwerdeführer gab bei den Befragungen an, er habe seinen Reisepass verloren beziehungsweise diesen in seiner Wohnung nicht mehr gefunden, nachdem diese von der Polizei durchsucht worden sei (act. A4/12 S. 6, A7/16 S. 2 f.). Er verschwieg, dass er sich am 20. Juni 2014 beim türkischen Konsulat in H._______ einen Reisepass ausstellen liess. Das BFM weist in seiner Vernehmlassung berechtigterweise darauf hin, dass der eigenen Angaben gemäss am 16. Juni 2014 in die Schweiz eingereiste Beschwerdeführer sich wohl kaum unverzüglich zwecks Au s- stellung eines Reisepasses an die Behörden des angeblichen Verfolge r-D-5398/2014 Seite 8 staats gewandt hätte, zumal es ihm gesundheitlich nicht gut gegangen und er psychisch angeschlagen gewesen sei (act. A4/12 S. 6), falls er in seiner Heimat tatsächlich ernsthafte Probleme mit den Behörden gehabt hätte. Auch die Tatsache, dass er mit der Asylgesuchstellung über einen Monat lang zuwartete und dieses offenbar einzig zur Begründung eines schweizerischen Wohnsitzes tat , erweckt Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen. 5.3 In der angefochtenen Verfügung w ird berechtigterweise darauf hi n- gewiesen, dass der Beschwerdeführer teilweise nur unsubstantiierte Aus- sagen machte. Seine Angaben zu seiner persönlichen Beteiligung an den Gezi-Protesten blieben über weite Strecken vage und waren allgemein gehalten (act. A7/16 S. 7 f.), es entsteht nicht der Eindruck, als berichte er von einem persönlichen Engagement und selbst Erlebtem. Der B e- schwerdeführer gab bei der Anhörung an, er sei bei der erste Festnahme mit andern Personen abgeführt und auf den Posten gebracht wor den, wo er einige Stunden in Gewahrsam geblieben sei. Sie seien in verschied e- nen Räumen eingesperrt worden und man habe ihre Identitätskarten kon- trolliert (act. A7/16 S. 7). Danach gefragt, was während der Dauer der zweiten Festnahme geschehen sei, sagte er, es sei nichts geschehen, sie hätten einfach in den Räumlichkeiten bleiben müssen, man habe ihm nichts getan. Die Nachfrage, ob während der Zeit, die er auf dem Posten von E._______ habe verbringen müssen, irgendetwas vorgefallen sei, verneinte er. Er gab lediglich an, dass man ihnen die Identitätskarten a b- genommen habe (act. A7/16 S. 8). Die Behauptung in der Beschwerde, er sei bei beiden Festnahmen einer menschenunwürdigen Behandlung u n- terzogen und bedroht worden, findet somit in den Akten keine Grundla ge und bestärkt die Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen. 5.4 Angesichts der vorstehenden Erwägungen hegt das Bundesverwa l- tungsgericht starke Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be- schwerdeführers und teilweise auch an seiner persönlichen Glaubwürdig- keit. Daran vermögen die ins Recht gelegten Berichte über die Vorkom m- nisse bei den Gezi -Park-Protesten nichts zu ändern, da ihnen keine pe r- sönliche Beteiligung des Beschwerdeführers an denselben entnommen werden kann. 6. 6.1 Die Flüchtlingseigensc haft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asyls u- chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher D-5398/2014 Seite 9 Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiaritä t des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland ke i- nen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f.; BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 3 7 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i- lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der P rüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls w e- sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vg l. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 6.2 Unbesehen der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdefü h- rers ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass ein gegen ihn eingeleitetes Ermittlungsverfahren rechtsstaatlich legitim wäre. Er räumte bei der Anhörung ein, er habe die Polizisten mit Steinen beworfen, als es zu Auseinandersetzungen zwischen diesen und den Demonstranten gekommen sei (act. A7/16 S. 8). Entgegen den Ausfü h- rungen in der Beschwerde ist der Beschwerdeführer den türkischen B e- hörden nicht als Politaktivist bekannt, da er weder bei der BzP noch bei der Anhörung geltend machte, sich politisch betätigt zu ha ben. Bei der BzP verneinte er die Frage, ob er neben dem Geschilderten noch andere Probleme mit den türkischen Behörden gehabt habe (act. A4/12 S. 8). Somit kann nicht davon ausgegangen werden, er hätte einen Politmalus zu befürchten, sollte er wegen der v erübten Gewalt gegen Ordnungskräf- te zur Rechenschaft gezogen werden. Angesichts der Reformen im türk i- schen Justizwesen muss auch nicht befürchtet werden, der Beschwerd e- führer würde im Rahmen eines allfällig gegen ihn eingeleiteten Ermit t- lungsverfahrens ein er menschenunwürdigen Behandlung unterzogen. Seinen Angaben gemäss wurde er während der Dauer der beiden geltend gemachten, mehrstündigen Festnahmen korrekt behandelt. D-5398/2014 Seite 10 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kann, wes- halb die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzu ge- hen, da sie an der Würdigung des Sacherhalts nichts zu ändern verm ö- gen. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht a b- gelehnt. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer hat am 30. September 2014 eine polnische Staatsangehörige geheiratet, die im Besitz einer J ahresaufenthaltsbewil- ligung B ist. 7.2 Gemäss Art. 7 Bst. d des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügi g- keit (nachfolgend: FZA, SR 0.142.112.681) i.V.m. Art. 3 Abs. 2 Bst. a A n- hang I dieses Abkommens haben Ehegatten einer Person, die Staatsa n- gehörige einer der Vertragsparteien ist und in der Schweiz ein Aufen t- haltsrecht hat, ungeachtet ihrer Staatsangehörigk eit das Recht, bei ihr Wohnung zu nehmen. 7.3 Das Bundesverwaltungsgericht prüft bei Ablehnung des Asylgesuchs vorfrageweise, ob ein potenzieller Anspruch auf eine kantonale Aufen t- haltsbewilligung aus dem Recht auf Achtung des Privat - und Familienle- bens besteht. Diese Prüfung erfolgt nur, sofern der zuständigen kanton a- len Ausländerbehörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewill i- gung vorliegt. Wird das Bestehen eines potenziellen Anspruchs bejaht, hat das BFM auf die Anordnung einer Wegweisung zu v erzichten bezie- hungsweise hebt das Bundesverwaltungsgericht diese auf (BVGE 2013/37 E. 4.4 S. 579 f., mit weiteren Hinweisen). 7.4 Der Beschwerdeführer hat eigenen Angaben gemäss bei der zustä n- digen kantonalen Behörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsb e- willigung gestellt. Die mit Verfügung vom 2 1. August 2014 verfügte (asyl- rechtliche) Wegweisung (und deren Vollzug) sind demnach nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Verfahrens . Die Zuständigkeit für die A n- ordnung einer allfälligen (ausländerrechtlichen) Wegweisung und die An- ordnung deren Vollzugs würde im Falle der Abweisung des Gesuchs um D-5398/2014 Seite 11 Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an die kantonalen Behörden übe r- gehen. 7.5 Somit ergibt sich, dass die von der Vorinstanz mit Verfügung vom 21. August 2014 verfügte Wegweisung aufzuheben ist. Damit erübrigen sich Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvollzuges. Die Prüfung der Frage, ob allfällige Vollzugshi n- dernisse vorliegen, fällt damit in die Zuständigkeit der kantonalen Beh ör- de, gegen deren Verfügungen der ausl änderrechtliche Rechtsweg offen steht. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde betreffend die Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung abzuweisen ist. Betreffend die Anordnung der Wegweisung ist sie gutzu heissen, im Übrigen als g e- genstandslos geworden abzuschreiben. 9. 9.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen des Beschwerdeführers aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprec hen. Der Beschwerdeführer ist bezüglich seiner Anträge auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung unterlegen. Bezüglich der Anordnung der Wegweisung hingegen hat er obsiegt. Praxisgemäss b e- deutet dies ein hälftiges Obsiegen, weshalb die Verfahrenskosten grund- sätzlich zur Hälfte dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die dem Beschwerdeführer aufzuerlegenden Verfahrenskosten sind demnach auf insgesamt 300. – festzusetzen (Art. 1 -3 des Regl e- ments vom 21. Februar 200 8 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 9.2 Angesichts des teilweisen Obsiegens (betreffend der Anordnung der Wegweisung) ist die Vorinstanz anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine hälftige Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE). Eine Kostennote wurde bisher nicht zu den Akten gereicht. Auf das Nachfordern einer solchen kann indes verzichtet werden, da sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten hinreichend zuverlässig abschätzen lässt. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) ist dem Beschwerd e- führer zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 400.– zuzusprechen. D-5398/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit die Feststellung der Flüch t- lingseigenschaft und die Gewährung von Asyl beantragt werden. 2. Betreffend die Wegweisung wird die Beschwerde im Sinne der Erwägu n- gen gutgeheissen und die vom BFM angeordnete Wegw eisung aufgeho- ben. Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs wird die Beschwerde als g e- genstandslos geworden abgeschrieben. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Das BFM hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 400.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: