Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Dezember 2016 (720 16 135) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Es ist nicht zu beanstanden, dass sich die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Arbeits- fähigkeit des Beschwerdeführers auf die eingeholten Gutachten stützte. Was der Be- schwerdeführer in seiner Beschwerde vom 2. Mai 2016 vorbringt, ist nicht geeignet, die beweisrechtliche Verwertbarkeit der Gutachten in Fr age zu stellen. Die Beschwerde wird abgewiesen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Robin Eschbach Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Philippe Zogg, Advokat, Oberwilerstrasse 54, Postfach 4618, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ war zuletzt als Fahrer und Maschinist bei der Firma B.____ beschäftigt. Im De- zember 2012 stürzte er vom Lastwagen, litt in der Folge zunehmend unter Rückenbeschwerden und Blockaden im linken Bein und wurde im Oktober 2 013 arbeitsunfähig geschrieben. Mit Ge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht such vom 14. Dezember 2013 meldete er sich mit Hinweis au f Arm- und Nackenbeschwerden bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Bezu g von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse, er folglosen beruflichen Massnahmen und nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren lehnte die IV -Stelle mit Verfügung vom 31. März 2016 einen Anspruch auf eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 22 % ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Philippe Z ogg, Advokat, mit Eingabe vom 2. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landsc haft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte die Ausrichtu ng einer halben IV-Rente ab einem noch festzulegenden Zeitpunkt. Eventuell sei die Ange legenheit zur Vornahme weiterer Abklä- rungen an die Beschwerdebeklagte zurückzuweisen. Alles u nter o/e-Kostenfolge. In der Be- gründung führte er im Wesentlichen aus, es könne bei d er Beurteilung seines Gesundheitszu- standes nicht auf das von der IV-Stelle eingeholte Gu tachten bei Dr. med. C.____, FMH Rheu- matologie und Allgemeine Innere Medizin, vom 11. Mai 2015 abgestellt werden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Juni 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde des Versicherten vom 2. Mai 2016 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der ge sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die Versicherten haben Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid sind. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von des Versicherten Pers on auf dem allgemeinen, ausgegli- chenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumut- barer-weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg .], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiter en Hinweisen). Des Weiteren darf und soll das Gericht in Bezug auf Berichte von behandelnden Ä rzten der Erfahrungstatsache Rech- nung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen un d Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Aufgrund der umfangreichen Krankheitsgeschich te des Beschwerdeführers werden nachfolgend nur ausgewählte medizinische Unterlagen z usammengefasst. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers sind im Wesentliche n die folgenden medizini- schen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Im Bericht von Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Me dizin, Praxisklinik E.____, vom 26. Mai 2014, diagnostizierte dieser ein zervikales Syndr om bei degenerativen Veränderungen und radikulärer Läsion C6/7, ein lumospondylogenes Synd rom sowie eine mediale Meniskuslä- sion im linken Knie mit Knorpelläsion im Bereich des Fem ucondylus medial. Aufgrund der be- schriebenen Diagnosen sei die Arbeitsfähigkeit beim Pa tienten weiterhin mit 0 % zu bezeich- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen. Auch in angepassten Tätigkeiten werde es schwierig, aufgrund der Symptomatik einerseits zervikal, lumbal und im Bereich des linken Kniegelenks, ei ne Arbeit zu finden. Der Patient kön- ne weder lange sitzen noch lange stehen, ebenso sei Geh en nur in moderatem Umfang mög- lich, dies aufgrund der radikulären Ausstrahlungen, vor allem auch S1 links. 5.2 Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie, ste llte in seinem Bericht vom 18. Au- gust 2014 folgende Diagnosen: Einen Status nach Rotat orenmanschettennaht rechts 2009 mit arthroskopischer Arthrolyse Januar 2010, eine posttrauma tische Epikondylitis rechts mit Krib- belparästhesien C6, ein Radikulärsyndrom C8 rechts, eine D iskushernie L5/S1 sowie ein me- dialer Menikusriss links. Er führte weiter aus, er glaub e, mit den genannten Diagnosen bestehe im Moment in keiner, auch nicht leidensangepassten Tätigkeit, eine Arbeitsfähigkeit. 5.3 Der behandelnde Psychologe, Dr. phil. G.____, Fachp sychologe für Psychotherapie FSP, stellte in seinem Bericht vom 15. Dezember 2014 di e Diagnose einer leicht bis mittelgra- digen depressiven Episode bei psychosozialer Belastungssitua tion mit ängstlich depressiver Reaktion gemischt ICD-10 F 32.0/1 im Zusammenhang mit einem Arbeitsunfall und dessen Folgen. Der Versicherte komme regelmässig zu ihm in Ther apie und sei bestrebt, aus seiner Depression herauszukommen. Er zeige noch erhebliche Schwie rigkeiten mit der aktuellen Be- lastungssituation umzugehen. Arbeitsverlust, Schmerzen sowi e die Weigerung der SUVA, vor allem die Ellenbogenschmerzen, trotz ärztlichen Attestes als Folge des Unfalls anzuerkennen, würden ihn sehr belasten. Ebenso mache er sich über seine Zukunft Sorgen, da er nicht wisse, wie es nach Beendigung der Taggeldzahlungen seitens de r Versicherung für ihn finanziell wei- tergehen solle. Bisher habe der Patient seine Arbeit nicht wieder aufnehmen können. Über die rentenrelevante Beeinträchtigung der Arbeitsunfähigkeit müsse ein Gutachten entscheiden. 5.4 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer Verfügun g vom 31. März 2016 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers und dessen Arbeitsfähigkeit vollumfänglich auf das rheumatologische Gutachten von Dr. C.____ vom 11. Mai 2015 und das psychiatrische Gutachten von Dr. med. H.____, FMH Psychiatri e und Psychotherapie, vom 19. Mai 2015. Im psychiatrischen Gutachten von Dr. H.__ __ stellte dieser keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41). Der Explorand fühle sich aufgrund der Rückenbe schwerden und seiner Beschwerden in den Knien, in der rechten Schulter und im rechten A rm, kaum mehr arbeitsfähig. Er leide seit zwei Jahren auch unter Potenzproblemen, die ihn belaste n würden. Das Ausmass der geklag- ten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung , praktisch nicht mehr arbeiten zu können, könne durch die somatischen Befunde nicht hinre ichend objektiviert werden, sodass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Im Rahmen der psychosozialen Belastungen leide der Explorand gelegentlich auch unt er leichten depressiven Verstimmungen. Diese seien im Rahmen der chronischen Schmerzstörung einzuo rdnen. Eine eigenständige depressive Erkrankung liege nicht vor. Der Explorand sei bis anhin auch nie antidepressiv be- handelt worden. Die Prognose sei aus psychiatrischer Sich t günstig. Der Explorand zeige aber eine ausgeprägte Krankheitsüberzeugung, die weder durch die somatischen noch durch die psychiatrischen Befunde hinreichend objektiviert werden könne. Es liesse sich nicht hinreichend Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht objektivieren, dass der Explorand sich subjektiv überhaupt nicht mehr arbeitsfähig sehe. Aus psychiatrischer Sicht könne es dem Exploranden zugemutet wer den, trotz der geklagten Be- schwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätig- keit nachgehen zu können. Im rheumatologischen Gutachten von Dr. C.____ vom 11. Mai 2015 stellt dieser folgende Diag- nosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: Ein chron isches cevicospondylogenes Syndrom rechts mit/bei degenerativen Veränderungen (Osteochondrose mit Protrusionen C3/4 und C5/6, kleine linkslaterale Diskushernie C6/7), diskrete chronische Denervationszeichen Myotom C7, aktuell klinisch keine Hinweise für eine radikuläre Reizsym ptomatik, deutlich weichteilrheumati- scher Befund mit diffuser Druckdolenz betreffend praktisch die gesamte rechte obere Extremität mit in diesem Rahmen begleitend Epicondylitis radialis u nd ulnaris rechts. Des Weiteren liege ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom vor mit/bei deg enerativen Veränderungen Spondylarthrose L4/5 und L5/S1, Osteochondrose L5/S1 un d kleinste flache paramedian links- seitige Diskushernie L5/S1. Als Diagnosen ohne Einfluss a uf die Arbeitsfähigkeit stellte er fol- gende: Radiomorphologisch Nachweis eines Osteoidosteoms in der Bogenwurzel L5 links, eine klinisch beginnende beidseitige Retropateallararthrose, ein Status nach Arthromie der Schulter rechts, ein Status nach Schultermobilisation bei frozen shoulder rechts, ein Status nach laparo- skopischer Adhäsiolyse und Narbenhernienplastik, ein Statu s nach offener Hemicolektomie links bei rezidivierender Sigmadivertikulitis, ein Status nach primär laparoskopischer, dann offe- ner anteriorer Rektosigmoid-Resektion bei zweitem Schub einer Sigmadivertikulitis bei Diverti- kulose, ein Status nach Divertikulitis-Schüben 11/2006 und 7/2012, jeweils konservativ behan- delt sowie eine Allergie auf Lokalanästhetika. In der bisherigen Tätigkeit in der Kanalreinigung als Chauffeur/ Maschinist bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. Das Profil einer Verweistätig- keit umfasse Folgendes: Von Seiten der degenerativen Veränderungen der HWS könne er nicht repetitiv über 10kg gelegentlich einmal bis 15kg heben, stossen oder ziehen. Er könne nicht dauernd in Zwangsstellungen wie mit dauernd inkliniert er oder reklinierter HWS arbeiten, d.h. nicht dauernd vornübergebeugt oder über Kopf. Von Se iten der LWS könne er nicht repetitiv über 10kg, gelegentlich einmal bis 15kg heben, stossen ode r ziehen, nicht dauernd in Zwangs- stellungen wie vornübergebeugt oder repetitiv nur bücke nd, sitzend oder nur stehend arbeiten. Für eine Tätigkeit, welche die genannten Restriktion en berücksichtige, welche sich also in ei- nem leichten bis allenfalls gelegentlich mittelschweren Belastungsbereich bewege, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bezogen auf ein Ganzt agspensum. Es könnten keine medizini- schen Massnahmen genannt werden, welche die Arbeitsfähig keit verbessern würden. Hierzu müsse bemerkt werden, dass zusätzlich eine weichteilrheumati sche, für den Gutachter auch psychogene Komponente vorliege, diese sei nicht mit physikalischen Mitteln therapierbar. 5.5 Mit Bericht vom 2. September 2015 nahm Dr. med. I .____, FMH Psychiatrie/ Psycho- therapie, Regionaler ärztlicher Dienst beider Basel (R AD) Stellung zu den Gutachten von Dres. C.____ und H.____ vom 11. Mai 2015 und 19. Mai 2015. Sie führt darin aus, das bidiszip- linäre Gutachten sei umfassend, plausibel und nachvollzieh bar, weshalb darauf abgestellt wer- den könne. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 In der Stellungnahme von Dr. I.____, RAD, vom 7. September 2015, nahm diese eine Prüfung der Arbeitsfähigkeit anhand der Standardindikatoren gemäss der neuen bundesgericht- lichen Rechtsprechung (Urteil vom 3. Juni 2015, 9C_492 /2014) vor, auf welche noch eingegan- gen wird (vgl. E. 8.1 f. hiernach). Sie führte aus, i m Lichte der neuen Rechtsprechung könne aus RAD-Sicht nach Analyse der Standardindikatoren aus medizinischer Sicht abschliessend davon ausgegangen werden, dass aufgrund der beim Versi cherten evaluierten Ressourcen die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit nicht einge schränkt sei, da sich bei dem Versicherten genügend Ressourcen abbilden liessen, die eine volle Ar beitsfähigkeit begründen würden. Eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe aus somatischer Sicht aufgrund degene- rativer Wirbelsäulenveränderungen. Die Schwere der Schmerzstörung (F45.41) werde relativiert durch Verdeutlichungstendenzen, bzw. Hinweise auf maladap tives Verhalten ohne Krankheits- wert, durch die somatischen Befunde (z.B. kräftige Muskul atur, was gegen eine erhebliche Ein- schränkung auf der funktionellen Ebene spreche) und durch das mögliche tägliche Aktivitätsni- veau. Eine Symptomausweitung, sowie dysproportional ausgew eitete Selbstlimitierung (hin- sichtlich der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit, ni cht in den Alltagsaktivitäten) schienen eine Rolle zu spielen und sich mit der Diagnose der Schmerzstör ung zu überschneiden. Angesichts des Fehlens einer massgeblichen psychiatrischen oder somat ischen Erkrankung von ausser- gewöhnlicher Schwere sei die quantitative Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. 5.7 In der ärztlichen Beurteilung von Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Medizin, vom 26. Oktober 2015 führt dieser aus, der Patient leide seit mehreren Jahren an einer Diverticulitis- Krankheit, die jeweils eine Behandlung mit Antibioti ca erfordere. Während dieser Perioden sei die Arbeitsfähigkeit jeweils nicht gegeben oder einge schränkt. Der Patient fühle sich dann auch länger unwohl. 6. Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, er habe seine Tätigkeit ab Anfang 2012 nur noch in stark reduziertem Umfang ausüben könn en, zuletzt im Rahmen einer eher therapeutisch ausgerichteten Beschäftigung mit leichten Arbeiten im Rahmen von 20 %. Im Rahmen der Vernehmlassung zum Vorbescheid sei auf Grun d einer abweichenden Beurteilung durch Dr. F.____ angeregt worden, ihm die Gutachten von Dres. C.____ und H.____ vom 11. Mai 2015 und 19. Mai 2015 zur Stellungnahme zu un terbreiten, was abgelehnt worden sei. Dem Gutachter Dr. C.____ hätten Hinweise auf die bei m Beschwerdeführer bestehende Diver- ticulitis vorgelegen, ohne dass er auf deren Auswirkungen näher eingegangen wäre. Gemäss dem Zeugnis von Dr. J.____ vom 26. Oktober 2015 wirke si ch die periodisch erforderliche Be- handlung dieses Leidens in den fraglichen Perioden ebe nfalls negativ auf seine Leistungsfähig- keit aus. Das Ausmass dieser periodischen Einschränkungen bezüglich der gesamthaften Leis- tungsfähigkeit sei im angefochtenen Entscheid nicht ber ücksichtigt worden. Diesbezüglich sei eine fachärztliche Beurteilung einzuholen. Es könne demnach nicht auf die Gutachten abgestellt werden, da sie nicht dem Kriterium der Vollständigkeit entsprechen würden. 7.1 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, es könne ni cht auf die Gutachten von Dres. C.____ und H.____ vom 11. Mai 2015 und 19. Mai 2015 abgestellt werden, kann ihm aus nachfolgenden Gründen nicht gefolgt werden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.2), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte und –innen, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchu ngen sowie nach Einsicht in die Ak- ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien ge- gen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Die Gu tachten von Dres. C.____ und H.____ vom 11. Mai 2015 und 19. Mai 2015 weisen weder formale noch inhaltliche Mängel auf. Sie sind – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange um- fassend, beruhen auf allseitigen Untersuchungen und be rücksichtigen die geklagten Beschwer- den. Sie sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worde n und setzen sich mit den vorhande- nen ärztlichen Einschätzungen auseinander. Die Gutachte n leuchten ausserdem in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und sind in den Schlussfolgerungen überzeugend. Auch d ie fachärztlichen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit sind ausreichend begründet und nachvo llziehbar. Es ist daher nicht zu bean- standen, dass sich die IV-Stelle in Bezug auf die Beurt eilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers und seiner Arbeitsfähigkeit auf die beiden Gutachten stützte. 7.2 Daran ändert auch der Arztbericht von Dr. F.____ vom 18. August 2014 nichts, der einen Status nach Rotatorenmanschettennaht rechts 2009 mit arthroskopischer Arthrolyse Ja- nuar 2010, eine posttraumatische Epikondylitis rechts mit K ribbelparästhesien C6, ein Radiku- lärsyndrom C8 rechts, eine Diskushernie L5/S1 sowie ein m edialer Menikusriss links diagnosti- ziert und ausführt, er glaube, mit den genannten Diagnosen bestehe im Moment in keiner, auch nicht leidensangepassten Tätigkeit, eine Arbeitsfähig keit. Dr. C.____ nimmt in seinem rheuma- tologischen Gutachten vom 11. Mai 2015 ausführlich zu den abweichenden Diagnosen von Dr. F.____ Stellung und begründet in überzeugender Weise seine differierende medizinische Einschätzung. So legt er insbesondere nachvollziehbar dar , dass die Einschätzung der Arbeits- fähigkeit von Dr. F.____ aufgrund der im Gutachten gest ellten Befunde schwierig zu erklären sei. Sie wiederspiegle die subjektive Meinung des Explor anden. Für behandelnde Ärzte sei es schwierig hier entgegenzuhalten. Dr. C.____ weist dabei zu Recht auf die unterschiedlichen Funktionen des behandelnden Arztes und des begutachtend en Arztes hin. An dieser Stelle ist auch auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftrags- rechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patien- ten aussagen (vgl. E. 4.3 hiervor). Beim Bericht von Dr. F.____ ist des Weiteren festzustellen, dass dieser seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit seh r vorsichtig formuliert. Die Beurteilung von Dr. F.____ vom 18. August 2014 vermag damit keine Z weifel am Beweiswert des Gutach- tens hervorzurufen. Ebenso wenig vermag der Beschwerdef ührer Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens hervorzurufen, indem er vorbringt, dem G utachter Dr. C.____ hätten Hinweise auf die beim Beschwerdeführer bestehende Diverticulitis vorgelegen, ohne dass er auf deren Auswirkungen eingegangen wäre. Gemäss Dr. J.____ vom 26 . Oktober 2015 würde sich die jeweilige Behandlung in den fraglichen Perioden eben falls negativ auf seine Leistungsfähigkeit auswirken. Dem ist entgegenzuhalten, dass Dr. J.____ ledi glich ausführt, die Arbeitsfähigkeit des Patienten sei während dieser Perioden jeweils nich t gegeben oder eingeschränkt. Dem Bericht ist jedoch keine andauernde rentenrelevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu ent- nehmen. Ausserdem ist an dieser Stelle wieder auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. E. 4.3 hiervor). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Schliesslich ist zu prüfen, ob die Gutachten von Dres. C.____ und H.____ vom 11. Mai 2015 und 19. Mai 2015 bzw. im Besonderen das psychiatrische Gutachten von Dr. H.____ Auf- schluss darüber gibt, inwieweit die chronische Schmerzstörun g mit somatischen und psychi- schen Faktoren gemäss der neuen bundesgerichtlichen Rechtsp rechung Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit hat. 8.2 Mit Leitentscheid vom 3. Juni 2015 hat das Bundesg ericht seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörunge n und vergleichbaren psycho- somatischen Leiden revidiert und sich von der bisherigen Überwindbarkeitsvermutung verab- schiedet (BGE 141 V 281 ff.). Die Rechtsprechungsänderun g findet grundsätzlich auch auf lau- fende Verfahren wie auf das vorliegende Anwendung. Ei ne Einschränkung der Leistungsfähig- keit kann deshalb weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich ein- wandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung i st. Auch künftig wird der Rentenan- spruch – in Nachachtung der verfassungs- und gesetzmässigen V orgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rechts- gleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumut barkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs- unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit länge- rem namentlich aus medizinischer, aber auch aus juristisch er Sicht an der bisherigen Schmerz- rechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutung nicht weiter fest. Anstelle des bisherigen Regel/ Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichb are Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äussere n Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 8.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Stell ungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargeta n werden kann, trägt weiterhin die ma- teriell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. E ine anhaltende somatoforme Schmerz- störung und vergleichbare Leiden können somit eine Inval idität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlich en Anspruchsgrundlage im Einzel- fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider spruchsfrei mit zumindest überwiegen- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Au smass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6). 8.4 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Licht e dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten – wie die hier vorliegenden Gut achten vom 11. Mai 2015 und 19. Mai 2015 – nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Bewei sgrundlagen vor Bundesrecht stand- hält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr mater iell-beweisrechtlich geänderten Anfor- derungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/ oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfal ls im Kontext mit weiteren fachärztli- chen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte d er massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8 mit Hinweis). 8.5 Das Bundesgericht hat die massgeblichen Abklärungen in zwei Bereiche eingeteilt: In einem ersten Teil sind unter dem Stichwort des funktion ellen Schweregrades drei Indikatoren- Komplexe zu klären, welche wiederum in weitere Indikato ren unterteilt sind. In einem zweiten Teil sind die Ergebnisse aus dem ersten Teil einer Konsistenzprüfung zu unterziehen. 8.5.1 Der erste Indikatoren-Komplex steht unter dem Ti tel “Gesundheitsschädigung“. Dabei stellt sich zunächst die Frage nach der Ausprägung der d iagnoserelevanten Befunde. Zu würdi- gen ist unter dem Aspekt der Schwere des Krankheitsgesc hehens, wie stark die Alltagsfunktio- nen beeinträchtigt sind und ob Hinweise auf Aggravation oder Simulation ersichtlich sind. Im vorliegenden Fall geht aus den beiden Gutachten vom 11. Mai 2015 und vom 19. Mai 2015 hervor, der Beschwerdeführer sei verheiratet und lebe z usammen mit seiner Ehefrau in einem zwei Personenhaushalt in einer 4-Zimmer-Mietwohnung m it Lift. Vormittags besuche er oft sei- nen alten Arbeitgeber, unterhalte sich dort mit den Kollegen und dem ehemaligen Chef. Er helfe z.T. ein bisschen im Büro, wobei es sich mehr um eine Besc häftigung handle. Mit seiner Frau unternehme er Spaziergänge und begleite sie zum Einkauf en. Er sei in der Lage Auto zu fah- ren, müsse aber beispielsweise auf einer Ferienreise n ach K.____ aufgrund von Rückenbe- schwerden vermehrt Pausen einlegen. Zu Hause helfe er be i den Vorbereitungen zum Mittag- essen. Die Beziehung mit seinen Kindern sei gut, er er freue sich an Besuchen bei der Tochter und bei ihrem drei Monate alten Baby. Dr. C.____ stel lt in seinem Gutachten fest, an Ober- und Unterarmen fänden sich keine muskulären Atrophien, die Umfänge beider Oberarme seien gleich. Am Unterarm rechts bestehe sogar ein leichtes U mfangplus, was klar zeige, dass er die rechte obere Extremität nicht schone, sondern diese im Al ltag regelmässig einsetze. In der RAD-Stellungnahme vom 7. September 2015 führt Dr. I .____ dazu aus, in dem Ausmass, wie der Versicherte seine Beschwerden schildere, wären Muskela trophien als Zeichen einer schmerzbedingten Schonung zu erwarten. Insofern sei zu ve rmuten, dass er seine Beschwer- den mit verdeutlichender Akzentuierung darlege, bzw. eine Symptomverdeutlichung oder Symp- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tomausweitung (maladaptives Verhalten ohne Krankheitswert) eine Rolle spielen würde. Anzei- chen für eine Aggravation oder Simulation wurden von den Gutachtern jedoch nicht festgestellt. 8.5.2 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht d en Behandlungs- und Eingliede- rungserfolg. Dabei sind Verlauf und Ausgang der bisher durchgeführten Therapien und Einglie- derungsversuche zu würdigen, und es ist zu prüfen, ob di e therapeutischen Möglichkeiten aus- geschöpft wurden. Der Beschwerdeführer hat gemäss dem rheumatologischen Gutachten von Dr. C.____ seit dem Unfall im Jahr 2013 nicht mehr gearbeitet. Der Explora nd halte sich für weitgehend vollständig arbeitsunfähig. Er habe mit dem Berufsleben abgeschlo ssen, dies kommuniziere er auch klar. Dass alle therapeutischen Bemühungen scheiterten, hänge g emäss Dr. H.____ wesentlich da- mit zusammen, dass der Explorand auf Grund der ausgeprägten Krankheitsüberzeugung wenig Motivation zeige, sich trotz allfälliger Restbeschwerden aktiv um seine Genesung zu bemühen und sich den Belastungen der Arbeitswelt auszusetzen. Aus psychiatrischer Sicht könne es dem Exploranden zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden die nötige Willensan- strengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tä tigkeit nachgehen zu können. Unter diesen Umständen scheinen die therapeutischen Möglichkeit en und Eingliederungsoptionen nicht ausgeschöpft zu sein. 8.5.3 Als letzter Indikator des Indikatoren-Komplexes “G esundheitsschädigung“ ist schliess- lich die Komorbidität zu würdigen. Der psychischen Komor bidität ist nach der neuen Praxis kei- ne vorrangige Bedeutung mehr einzuräumen, vielmehr sin d auch körperliche Begleiterkrankun- gen zu würdigen. Im psychiatrischen Gutachten von Dr. H._ ___ wurden neben der chronischen Schmerzstörung keine weiteren psychiatrischen Diagnosen gest ellt. Der Gutachter stellte fest, dass keine psychiatrische Komorbidität vorliegen würde. E ine schwere, chronische körperliche Begleiterkrankung bestehe nicht. Vor diesem Hintergrund sind die Komorbiditäten als eher ge- ring einzuschätzen. 8.5.4 Im zweiten, die Persönlichkeit betreffenden Indi katoren-Komplex, wird nach der Per- sönlichkeitsentwicklung und der Persönlichkeitsstruktur gef ragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Aus den gutachterl ichen Ausführungen von Dr. H.____ geht hervor, der Beschwerdeführer sei lebh aft, Antriebsstörungen fänden sich nicht. Die Stimmung sei bedrückt, klagsam, herabgesetzt, geleg entlich auch etwas depressiv. Der Explorand sei zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person gut orientiert. In seinen Schilde- rungen seien keine Hinweise auf überwertige Ideen erke nnbar. Wahnhaftes Denken oder Wahnvorstellungen seien nicht vorhanden. Es gäbe keine A nhaltspunkte für illusionäre Verken- nungen oder Halluzinationen und Hinweise auf Zwangsha ndlungen seien nicht vorhanden. Der Beschwerdeführer sei verheiratet. Mit seiner Frau unternehme er Spaziergänge und begleite sie zum Einkaufen. Er sei in der Lage Auto zu fahren, müsse aber beispielsweise auf einer Ferien- reise nach K.____ aufgrund von Rückenbeschwerden vermehrt Pausen einlegen. Die Bezie- hung mit seinen zwei Kindern sei gut, er erfreue sich an Besuchen bei der Tochter und bei ih- rem drei Monate alten Baby. Die Kinder seien in der S chweiz gut integriert. Die persönlichen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ressourcen sind damit insgesamt noch umfassend genug erhalt en, um einer Tätigkeit nachge- hen zu können. 8.5.5 Im dritten Indikatoren-Komplex ist unter dem Ti tel „sozialer Kontext“ eine Abgrenzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorzuneh men. Diese Faktoren bleiben als invaliditätsfremd unbeachtlich. Im vorliegenden Fall sei en gemäss Gutachten von Dr. H.____ vor allem sprachliche Schwierigkeiten, mangelnde berufli che Ausbildung, das Alter des Versi- cherten und eine subjektive Krankheitsüberzeugung zu berücksichtigen, welche eine Reintegra- tion aus krankheitsfremden Gründen eher schwierig machen würden. 8.5.6 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht a uch in diesem Indikatoren-Komplex – wie im Indikatoren-Komplex der Persönlichkeit – die E ruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds. Beachtlich sind dabei die Verankerung u nd Vernetzung im sozialen Umfeld und die daraus mobilisierbaren Ressourcen. Die Beziehun gsfähigkeit des Versicherten sei wie ausgeführt erhalten; neben der Partnerschaft zu seiner Ehefrau und der guten familiären Bezie- hung zu seinen Kindern freue er sich über Besuche bei seinem drei Monate alten Enkelkind. Ein sozialer Rückzug lasse sich nicht feststellen. Vom Umfeld des Beschwerdeführers geht dem- nach eine starke Stütze aus. 8.6.1 Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslic h die „Konsistenzprüfung“ vorzuneh- men. Dabei ist zu prüfen, ob die vom Gutachter festgest ellten Auswirkungen auf die Leistungs- fähigkeit aufgrund des medizinisch festgestellten Gesundheitsschadens anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein lichkeit nachgewiesen sind. Ein wichtiger Indikator ist dabei die Frage, ob die diskuti erte Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit gleich ausgeprägt ist wie die Einschränkungen in den sonstigen Lebensbereichen. Ferner ist zu beachten, ob die versicherte Person Therapieangebote w ahrnimmt oder mögliche Behandlun- gen auslässt. 8.6.2 Der Beschwerdeführer leide gemäss dem psychiatrischen Gutachten von Dr. H.____ unter einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, welche es ihm subjektiv verunmögliche jeglicher Arbeit nachzugehen. Aufgrund der erwähnten Indikatoren ist insgesamt eine solch wesentliche Einschränkung nicht p lausibel, vielmehr sind noch be- trächtliche Restressourcen erkennbar, welche mit Blick auf eine künftige Arbeitstätigkeit auch im Rahmen des Erwerbslebens verwertbar sein dürften. G emäss eigenen Angaben besuche er vormittags oft seinen alten Arbeitgeber, unterhalte sich dort mit den Kollegen und dem ehemali- gen Chef. Er helfe z.T. ein bisschen im Büro, wobei es sich mehr um eine Beschäftigung hand- le. Mit seiner Frau unternehme er Spaziergänge und be gleite sie zum Einkaufen. Es liesse sich jedoch aus nicht hinreichend objektivieren, dass der Explor and sich subjektiv überhaupt nicht mehr arbeitsfähig sieht. Für eine Tätigkeit, welche d ie von Dr. C.____ genannten Restriktionen berücksichtige, welche sich also in einem leichten bis all enfalls gelegentlich mittelschweren Be- lastungsbereich bewege, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bezogen auf ein Ganz- tagspensum. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang a uch die beschriebene ausgeprägte Krankheitsüberzeugung, gemäss welcher der Versicherte wen ig Motivation zeige, sich trotz allfälliger Restbeschwerden aktiv um seine Genesung zu b emühen und sich den Belastungen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Arbeitswelt auszusetzen (vgl. E. 8.5.2 hiervor). Die subjektiven Beschwerden sowie die ei- genen Angaben des Beschwerdeführers bezüglich seines All tags stimmen überein. Allerdings sind diese nicht mit den Diagnosestellungen und Beurteilungen der Gutachter Dres. C.____ und H.____ vereinbar. 9. Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass d ie Gutachten von Dres. C.____ und H.____ vom 11. Mai 2015 und 19. Mai 2015, insbeso ndere das psychiatrische Gutachten von Dr. H.____ vom 19. Mai 2015, genügend Aufschluss übe r die massgeblichen Indikatoren geben. Die von den Gutachtern darin vorgenommene Zum utbarkeitsbeurteilung erweist sich auch in Würdigung der nach neuer Rechtsprechung zu be rücksichtigenden Indikatoren als überzeugend. Das fragliche Gutachten lässt mithin eine z uverlässige Beurteilung der verblei- benden Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu. Insgesamt r esultiert in medizinischer Hinsicht, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Verweistä tigkeit mit leichten bis allenfalls ge- legentlich mittelschweren Belastungen zu 100 % arbeitsf ähig ist. Schliesslich ist mit der Be- schwerdegegnerin festzuhalten, dass es der IV-Stelle bzw. dem RAD in der Übergangsphase zur neuen Rechtsprechung erlaubt ist, lediglich eine Ste llungnahme zur Indikatorenprüfung zu verfassen. Eine neue Begutachtung muss grundsätzlich nicht gemacht werden. Die RAD Stel- lungnahme vom 7. September 2015 ist zudem vollständig un d schlüssig. Es besteht daher kein Grund, weitere (fach-)ärztliche Abklärungen vorzunehmen oder die Gutachten Dr. F.____ zur Stellungnahme zu unterbreiten. 10. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das I nvalideneinkommen des Versi- cherten in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das er erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Aus der Ein kommensdifferenz lässt sich der Inva- liditätsgrad bestimmen. Das Valideneinkommen sowie das Invalideneinkommen wurden durch die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 31. März 2 016 korrekt festgestellt. Der aus der Erwerbseinbusse resultierende Invaliditätsgrad von 22 % ist demzufolge nicht zu beanstanden. 11. Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass sich die B eschwerdegegnerin in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers a uf Dres. C.____ und H.____ vom 11. Mai 2015 und 19. Mai 2015 stützte. Was der Beschwer deführer in seiner Beschwerde vom 2. Mai 2016 vorbringt, ist nicht geeignet, die beweisr echtliche Verwertbarkeit des Gutachtens in Frage zu stellen. Die gegen die Verfügung vom 31. Mär z 2016 erhobene Beschwerde vom 2. Mai 2016 erweist sich unter diesen Umständen als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 12. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem vom Be- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von F r. 600.-- verrechnet. Die aus- serordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht