<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">B 29/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>II. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Meyer und Ferrari; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Weber Peter </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 17. April 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">G.________, 1939, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Personalvorsorgestiftung der Klinik X.________, Beschwerde- </div> <div class="para">gegnerin, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, St. Gallen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- G.________, geboren 1939, arbeitete in der Zeit </div> <div class="para">vom 1. November 1991 bis 30. April 1998 in der Klinik </div> <div class="para">X.________ und war damit bei der Personalvorsorgestiftung </div> <div class="para">der Klinik X.________ (nachfolgend: Vorsorgestiftung) </div> <div class="para">berufsvorsorgerechtlich versichert. Diese hat mit der </div> <div class="para">Lebensversicherungsgesellschaft Y.________ einen Kollektiv- </div> <div class="para">Lebensversicherungsvertrag abgeschlossen, welcher am </div> <div class="para">1. Januar 1995 in Kraft trat und denjenigen vom 1. Januar </div> <div class="para">1992 ersetzte. Am 30. April 1998 erhielt die Versicherte </div> <div class="para">eine Austrittsabrechnung der Vorsorgestiftung über </div> <div class="para">eine Freizügigkeitsleistung von Fr. 26'138.30 (inklusive </div> <div class="para">Fr. 17'531.70 nach BVG-Obligatorium). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Am 18. Juni 1998 erhob G.________ beim Versiche- </div> <div class="para">rungsgericht des Kantons St. Gallen Klage und beantragte, </div> <div class="para">die Vorsorgestiftung sei zu verpflichten, ihr eine Frei- </div> <div class="para">zügigkeitsleistung in der Höhe von Fr. 32'498.- (Stand per </div> <div class="para">Ende 1997 gemäss Vorsorgeausweis der Y.________) zuzüglich </div> <div class="para">der bis 30. April 1998 aufgelaufenen Freizügigkeitsleistung </div> <div class="para">auszurichten. Das Versicherungsgericht des Kantons </div> <div class="para">St. Gallen wies die Rechtsvorkehr ab (Entscheid vom </div> <div class="para">18. Februar 1999). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde erneuert die </div> <div class="para">Versicherte ihr vorinstanzlich gestelltes Rechtsbegehren. </div> <div class="para"> Die Vorsorgestiftung schliesst unter Verweis auf den </div> <div class="para">kantonalen Gerichtsentscheid sinngemäss auf Abweisung der </div> <div class="para">Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt für Sozialver- </div> <div class="para">sicherung enthält sich in seiner Vernehmlassung eines An- </div> <div class="para">trages. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- a) Die vorliegende Streitigkeit um die Höhe der </div> <div class="para">Freizügigkeitsleistung, welche die Vorsorgestiftung zu er- </div> <div class="para">bringen hat, unterliegt der Gerichtsbarkeit der in <span class="artref">Art. 73 </span></div> <div class="para">BVG erwähnten richterlichen Behörden, welche sowohl in </div> <div class="para">zeitlicher als auch in sachlicher Hinsicht zuständig sind </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=12&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-320%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page323">BGE 122 V 323</a> Erw. 2b, 120 V 18 Erw. 1a, je mit Hinwei- </div> <div class="para">sen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Beim Prozess um Freizügigkeitsleistungen (Entste- </div> <div class="para">hung, Höhe, Erfüllung usw.) handelt es sich um einen Streit </div> <div class="para">um Versicherungsleistungen, weshalb sich die Überprüfungs- </div> <div class="para">befugnis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts nach </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 132 OG</span> richtet. Danach ist die Kognition nicht auf die </div> <div class="para">Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung </div> <div class="para">oder Missbrauch des Ermessens beschränkt, sondern sie er- </div> <div class="para">streckt sich auch auf die Angemessenheit der angefochtenen </div> <div class="para">Verfügung. Das Gericht ist dabei nicht an die vorinstanz- </div> <div class="para">liche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge- </div> <div class="para">bunden und kann über die Begehren der Parteien zu deren </div> <div class="para">Gunsten oder Ungunsten hinausgehen. Ferner ist das Ver- </div> <div class="para">fahren regelmässig kostenlos (<span class="artref">Art. 134 OG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=12&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-V-33%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page36">BGE 114 V 36</a> </div> <div class="para">Erw. 1c). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Streitig ist vorliegend die Höhe der Freizügig- </div> <div class="para">keitsleistung per 30. April 1998. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> a) Gemäss Art. 2 des Bundesgesetzes über die Frei- </div> <div class="para">zügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und </div> <div class="para">Invalidenvorsorge (FZG) vom 17. Dezember 1993, in Kraft </div> <div class="para">getreten am 1. Januar 1995, haben Versicherte, welche die </div> <div class="para">Vorsorgeeinrichtung verlassen, bevor ein Vorsorgefall ein- </div> <div class="para">tritt (Freizügigkeitsfall), Anspruch auf eine Austritts- </div> <div class="para">leistung (Abs. 1). Die Vorsorgeeinrichtung bestimmt in </div> <div class="para">ihrem Reglement die Höhe der Austrittsleistung; diese muss </div> <div class="para">mindestens so hoch sein, wie die nach den Bestimmungen des </div> <div class="para">4. Abschnitts berechnete Austrittsleistung (Abs. 2). Die </div> <div class="para">Austrittsleistung wird fällig mit dem Austritt aus der Vor- </div> <div class="para">sorgeeinrichtung. Ab diesem Zeitpunkt ist ein Verzugszins </div> <div class="para">zu zahlen (Abs. 3). </div> <div class="para"> Laut <span class="artref">Art. 27 Abs. 1 FZG</span> berechnen sich die Eintritts- </div> <div class="para">und die Austrittsleistung nach dem Recht, das zum Zeitpunkt </div> <div class="para">des Eintritts in eine Vorsorgeeinrichtung beziehungsweise </div> <div class="para">des Austritts aus einer solchen gilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Im vorliegenden Fall ist die Beschwerdeführerin auf </div> <div class="para">den 30. April 1998 bei der Beschwerdegegnerin ausgetreten, </div> <div class="para">weshalb die Freizügigkeitsleistung nach den zu diesem Zeit- </div> <div class="para">punkt gültigen gesetzlichen und reglementarischen Bestim- </div> <div class="para">mungen zu beurteilen ist. Wie das Bundesamt für Sozialver- </div> <div class="para">sicherung in seiner Vernehmlassung zutreffend feststellt, </div> <div class="para">ist hier somit Ziff. 4.7.1. des Vorsorgereglements der </div> <div class="para">Personalvorsorgestiftung der Klinik X.________, gültig ab </div> <div class="para">1. Januar 1996 bzw. 1998, massgebend. </div> <div class="para"> Entgegen der Vorinstanz handelt es sich bei dem per </div> <div class="para">1. Januar 1995 erfolgten Übergang der Vorsorgeeinrichtung </div> <div class="para">vom Leistungs- zum Beitragsprimat nicht um einen Austritts- </div> <div class="para">tatbestand im Sinne der massgebenden Übergangsbestimmung </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 27 FZG</span>. Mithin besteht kein Grund dafür, dass für </div> <div class="para">die Bestimmung der Austrittsleistung das vom 1. Januar 1985 </div> <div class="para">bis Ende 1994 gültig gewesene Reglement zur Anwendung ge- </div> <div class="para">langt. Gleiches gilt für das ab 1. Januar 1995 gültig ge- </div> <div class="para">wesene Reglement. Die in Anwendung der alten Reglementsbe- </div> <div class="para">stimmungen ergangene Freizügigkeitsberechnung kann folglich </div> <div class="para">nicht bestätigt werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Aufgrund der bestehenden Aktenlage lässt sich die </div> <div class="para">von der Vorsorgestiftung gemäss Ziff. 4.7.1. des Vorsorge- </div> <div class="para">reglements geschuldete Freizügigkeitsleistung nicht beur- </div> <div class="para">teilen. Die Sache ist daher an die Vorinstanz zurückzuwei- </div> <div class="para">sen, damit sie bei der Lebensversicherungsgesellschaft </div> <div class="para">Y.________ ergänzende Abklärungen treffe und anschliessend </div> <div class="para">über die Klage neu befinde. </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne </div> <div class="para"> gutgeheissen, dass der Entscheid des Versicherungs- </div> <div class="para"> gerichts des Kantons St. Gallen vom 18. Februar 1999 </div> <div class="para"> aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückge- </div> <div class="para"> wiesen wird, damit sie, nach erfolgter Abklärung im </div> <div class="para"> Sinne der Erwägungen, über die Klage neu befinde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungs- </div> <div class="para"> gericht des Kantons St. Gallen, dem Bundesamt für </div> <div class="para"> Sozialversicherung sowie dem Amt für berufliche Vor- </div> <div class="para"> sorge und Stiftungsaufsicht des Kantons St. Gallen </div> <div class="para"> zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 17. April 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der II. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>