<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 6 S.41</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">41</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>E. Internationales Privatrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>6</b></span> <span class="ft2"><b>Eheschutz, Präliminarien</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Abgrenzung der Anwendbarkeit von IPRG und LugÜ bei eherechtlichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Streitsachen (Erw. 3/b)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- führen in der Schweiz wohnhafte ausländische Ehegatten einen Schei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dungs- oder Trennungsprozess im Ausland, ist der schweizerische Präli-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>minarrichter gestützt auf Art. 10 IPRG nur ausnahmsweise zuständig;</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen (Erw. 3/c)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- ist das ausländische Scheidungsurteil mutmasslich nicht anerkennbar</b></span><br/> <span class="ft2"><b>oder ist der ausländische Scheidungsrichter nicht zuständig, sind Ehe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schutzmassnahmen anzuordnen (Erw. 3/d)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Voraussetzungen der Anerkennbarkeit eines ausländischen Scheidungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>urteils (Erw. 4)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- örtliche Zuständigkeit des schweizerischen Präliminarrichters nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 10 IPRG und Art. 24 LugÜ (Erw. 5/a)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- vorbehaltlose Einlassung nach Art. 6 IPRG und 18 LugÜ (Erw. 5/b)</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 10. Juni 2002,</span><br/> <span class="ft3">i.S. F.S. ca. R.S.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3. a) Die Vorinstanz hat ausgeführt, der Beklagte habe am</span><br/> <span class="ft5">11. Dezember 2001 beim Gemeindegericht A. (Jugoslawien) eine</span><br/> <span class="ft5">Scheidungsklage eingereicht, und hat die von der Klägerin als "be-</span><br/> <span class="ft5">treffend Eheschutzmassnahmen (ev. Präliminarmassnahmen)" einge-</span><br/> <span class="ft5">reichte Klage vom 21. Mai 2001 als Begehren um Erlass von vor-</span><br/> <span class="ft5">sorglichen Massnahmen für die Dauer des Scheidungsverfahrens</span><br/> <span class="ft5">(Präliminarbegehren) entgegengenommen. Die Zuständigkeit zum</span><br/> <span class="ft5">Erlass von vorsorglichen Massnahmen gemäss Art. 137 ZGB bejahte</span><br/> <span class="ft5">die Vorinstanz in der Folge gestützt auf Art. 10 IPRG i.V.m. Art. 33</span><br/> <span class="ft5">GestG und Art. 59 IPRG. Die Klägerin macht in der Anschlussbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">42</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">schwerde geltend, das Scheidungsurteil des Gemeindegerichtes A.</span><br/> <span class="ft5">(Jugoslawien) könne nicht anerkannt werden, weshalb der Richter</span><br/> <span class="ft5">nicht einen Präliminar-, sondern einen Eheschutzentscheid zu erlas-</span><br/> <span class="ft5">sen habe. Zu prüfen ist demnach die sachliche Zuständigkeit des</span><br/> <span class="ft5">vorinstanzlichen Präliminarrichters.</span><br/> <span class="ft5">b) Das IPRG regelt die Zuständigkeit des schweizerischen</span><br/> <span class="ft5">Richters bei internationalen Sachverhalten grundsätzlich abschlies-</span><br/> <span class="ft5">send. Vorbehalten bleiben völkerrechtliche Verträge (Art. 1 Abs. 2</span><br/> <span class="ft5">IPRG). Das Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und</span><br/> <span class="ft5">die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen vom 16. September</span><br/> <span class="ft5">1988 (LugÜ) ist im Allgemeinen anwendbar, wenn der Beklagte</span><br/> <span class="ft5">seinen Wohnsitz wie vorliegend in einem Vertragsstaat, der Schweiz,</span><br/> <span class="ft5">hat. Auf die Staatsangehörigkeit kommt es demgegenüber nicht an</span><br/> <span class="ft5">(Kropholler, Europäisches Zivilprozessrecht, 6. A., Heidelberg 1998,</span><br/> <span class="ft5">N 9 vor Art. 2 LugÜ; Walter, Internationales Zivilprozessrecht der</span><br/> <span class="ft5">Schweiz, 3. A., Bern/Stuttgart/Wien 2002, S. 176). Der sachliche</span><br/> <span class="ft5">Anwendungsbereich wird in Art. 1 LugÜ auf zivil- und handels-</span><br/> <span class="ft5">rechtliche Streitigkeiten beschränkt. Verfahren, die beispielsweise</span><br/> <span class="ft5">den Personenstand, d.h. den Status einer Person betreffen, sind vom</span><br/> <span class="ft5">Anwendungsbereich des Übereinkommens ausgeschlossen. Dabei</span><br/> <span class="ft5">handelt es sich um alle Verfahren, die als Ehesachen, Kindschaftssa-</span><br/> <span class="ft5">chen, Entmündigungssachen oder Adoptionssachen zu betrachten</span><br/> <span class="ft5">sind. Unter diese Ausschlusskategorie fallen also auch Verfahren be-</span><br/> <span class="ft5">treffend Getrenntleben bzw. Scheidung von Ehegatten, nicht aber rei-</span><br/> <span class="ft5">ne Unterhaltsstreitigkeiten, selbst wenn sie in Verbindung mit einem</span><br/> <span class="ft5">Statusverfahren in Ehe- oder Kindschaftssachen ergehen (vgl. Art. 5</span><br/> <span class="ft5">Nr. 2 LugÜ; Walter, a.a.O., S. 168 f.; Kropholler, a.a.O., N 23 zu</span><br/> <span class="ft5">Art. 1 LugÜ). Die Zuständigkeit für Unterhaltssachen richtet sich</span><br/> <span class="ft5">demnach im räumlichen Geltungsbereich des Übereinkommens nach</span><br/> <span class="ft5">dem LugÜ. Vom Anwendungsbereich des LugÜ ebenfalls ausge-</span><br/> <span class="ft5">schlossen sind demgegenüber güterrechtliche Entscheide. Darunter</span><br/> <span class="ft5">fallen auch gerichtliche Entscheidungen über einstweilige sichernde</span><br/> <span class="ft5">Massnahmen während des Ehescheidungsverfahrens, wie etwa Sie-</span><br/> <span class="ft5">gelung oder Pfändung von Vermögensgegenständen der Ehegatten</span><br/> <span class="ft5">(Kropholler, a.a.O., N 27 zu Art. 1 LugÜ), somit auch Entscheide,</span><br/> <span class="ft5">welche die Regelung der Benützung von Gegenständen des ehelichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">43</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Vermögens für die Dauer des Scheidungsverfahrens zum Inhalt ha-</span><br/> <span class="ft5">ben. Die Zuständigkeit für diese Entscheide richtet sich nach dem</span><br/> <span class="ft5">schweizerischen IPRG.</span><br/> <span class="ft5">c) Gemäss Art. 62 IPRG kann das schweizerische Gericht, bei</span><br/> <span class="ft5">dem eine Scheidungs- oder Trennungsklage hängig ist, vorsorgliche</span><br/> <span class="ft5">Massnahmen treffen, sofern seine Unzuständigkeit zur Beurteilung</span><br/> <span class="ft5">der Klage nicht offensichtlich ist oder nicht rechtskräftig festgestellt</span><br/> <span class="ft5">wurde. In Art. 62 IPRG nicht vorgesehen ist der Fall, in welchem</span><br/> <span class="ft5">vorsorgliche Massnahmen im Rahmen eines ausländischen Schei-</span><br/> <span class="ft5">dungsverfahrens notwendig werden (Volken, in: Heini/Keller/Siehr/</span><br/> <span class="ft5">Vischer/Volken [Hrsg.], IPRG-Kommentar, Zürich 1993, N 7 zu</span><br/> <span class="ft5">Art. 62 IPRG; Walter, a.a.O., S. 142). Art. 62 Abs. 1 IPRG schliesst</span><br/> <span class="ft5">für diesen Fall die Zuständigkeitsbegründung nach Art. 10 IPRG (ev.</span><br/> <span class="ft5">i.V.m. Art. 24 LugÜ für Unterhaltssachen, der wiederum auf Art. 10</span><br/> <span class="ft5">IPRG verweist) aber nicht von vornherein aus. Art. 10 IPRG sieht</span><br/> <span class="ft5">vor, dass die schweizerischen Behörden und Gerichte vorsorgliche</span><br/> <span class="ft5">Massnahmen treffen können, auch wenn sie für die Entscheidung in</span><br/> <span class="ft5">der Sache selbst - aktuell oder potentiell - nicht zuständig sind. Er</span><br/> <span class="ft5">erfüllt damit neben Art. 62 IPRG eine zusätzlich Funktion, indem</span><br/> <span class="ft5">eine schweizerische Zuständigkeit selbst dann begründet werden</span><br/> <span class="ft5">kann, wenn der Scheidungsprozess vor einem ausländischen Gericht</span><br/> <span class="ft5">rechtshängig ist (Schwander, Bemerkungen zum Entscheid des Bun-</span><br/> <span class="ft5">desgerichts vom 5. März 1991, in: AJP 1992 S. 409; ZR 101 [2002]</span><br/> <span class="ft5">Nr. 3 S. 6 f. Erw. 3). Der schweizerische Richter kann demnach ge-</span><br/> <span class="ft5">stützt auf Art. 10 IPRG die notwendigen vorsorglichen Massnahmen</span><br/> <span class="ft5">für die Dauer des Scheidungsverfahrens treffen, sofern daran ein</span><br/> <span class="ft5">entsprechendes Rechtsschutzinteresse besteht (Schwander, a.a.O., S.</span><br/> <span class="ft5">409; Walter, a.a.O., S. 142; ZR 100 [2001] Nr. 30). Führen in der</span><br/> <span class="ft5">Schweiz wohnhafte ausländische Ehegatten den Scheidungs- oder</span><br/> <span class="ft5">Trennungsprozess im Ausland, so sind ausnahmsweise in der</span><br/> <span class="ft5">Schweiz vorsorgliche Massnahmen zuzulassen:</span><br/> <br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">wenn das Recht des Scheidungsgerichtes eine dem Art. 137 ZGB</span><br/> <span class="ft5">analoge vorsorgliche Regelung der Verhältnisse der im Schei-</span><br/> <span class="ft5">dungsprozess stehenden Ehegatten nicht kennt;</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">44</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">wenn Massnahmenentscheide des ausländischen Richters am</span><br/> <span class="ft5">schweizerischen Wohnsitz der Parteien nicht vollstreckt werden</span><br/> <span class="ft5">können;</span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">wenn Massnahmen zur Sicherung künftiger Vollstreckung in</span><br/> <span class="ft5">Vermögensobjekte im Inland angeordnet werden sollen</span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">wenn Gefahr im Verzug ist</span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft5">oder wenn nicht zu erwarten ist, dass das ausländische Gericht in</span><br/> <span class="ft5">angemessener Frist eine vorsorgliche Massnahme anordnet</span><br/> <span class="ft5">(Schwander, a.a.O., S. 409; Bühler/Spühler, Berner Kommentar,</span><br/> <span class="ft5">Bern 1980, N 410 ff. zu Art. 145 aZGB; Hinderling/Steck, Das</span><br/> <span class="ft5">schweizerische Ehescheidungsrecht, 4. A., Zürich 1995, S. 544;</span><br/> <span class="ft5">Volken, a.a.O., N 7 zu Art. 62 IPRG).</span><br/> <br/> <span class="ft5">d) Ist das ausländische Gericht zur Beurteilung der Scheidungs-</span><br/> <span class="ft5">klage unzuständig, fällt die Anordnung von vorsorglichen Massre-</span><br/> <span class="ft5">geln - in der Schweiz und im Ausland - für die Dauer des Prozesses</span><br/> <span class="ft5">demgegenüber von vorneherein ausser Betracht. Damit bleibt der</span><br/> <span class="ft5">schweizerische Eheschutzrichter zur Anordnung von Eheschutzmass-</span><br/> <span class="ft5">nahmen zuständig. Das Gleiche gilt, wenn die Anerkennungsfähig-</span><br/> <span class="ft5">keit des ausländischen Scheidungsurteils in der Schweiz aus anderen</span><br/> <span class="ft5">Gründen fraglich erscheint. Auch in diesem Fall ist der Erlass vor-</span><br/> <span class="ft5">sorglicher Massnahmen nicht angängig, sodass trotz einer im Aus-</span><br/> <span class="ft5">land hängigen Scheidungsklage und an sich gegebenen Vorausset-</span><br/> <span class="ft5">zungen für den Erlass von vorsorglichen Massnahmen nach Art. 10</span><br/> <span class="ft5">IPRG Eheschutzmassnahmen anzuordnen sind. Es muss daher vorab</span><br/> <span class="ft5">geprüft werden, ob das vom ausländischen Gericht zu fällende</span><br/> <span class="ft5">Scheidungsurteil grundsätzlich anerkannt werden kann (ZR 101</span><br/> <span class="ft5">[2002] Nr. 3 S. 7; Bühler/Spühler, a.a.O., N 9 zu Art. 145 aZGB).</span><br/> <span class="ft5">4. In Ermangelung einer bilateralen oder multilateralen Verein-</span><br/> <span class="ft5">barung zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik Jugoslawien</span><br/> <span class="ft5">richten sich die Voraussetzungen für die Anerkennung der Entschei-</span><br/> <span class="ft5">dung nach Art. 25 IPRG.</span><br/> <span class="ft5">a) Die Zuständigkeit der Gerichte des Entscheidstaates ist dann</span><br/> <span class="ft5">begründet, wenn dem ausländischen Gericht nach Auffassung der</span><br/> <span class="ft5">schweizerischen Rechtsordnung eine Kompetenz zum Entscheid zu-</span><br/> <span class="ft5">kommt (indirekte internationale Zuständigkeit; Berti/Schnyder, Bas-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">ler Kommentar, Basel 1996, N 29 zu Art. 25 IPRG). Nach Art. 65</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 IPRG werden ausländische Entscheidungen über die Schei-</span><br/> <span class="ft5">dung oder Trennung in der Schweiz anerkannt, wenn sie u.a. im Hei-</span><br/> <span class="ft5">matstaat eines Ehegatten ergangen sind. Da beide Parteien jugoslawi-</span><br/> <span class="ft5">sche Staatsangehörige sind, ist das für die Scheidung angerufene</span><br/> <span class="ft5">Gericht in A. (Jugoslawien) zuständig.</span><br/> <span class="ft5">b) Die Klägerin macht geltend, das Scheidungsurteil des Rich-</span><br/> <span class="ft5">ters von A. könne wegen eines Verstosses gegen den verfahrensrecht-</span><br/> <span class="ft5">lichen Ordre public in der Schweiz nicht anerkannt werden. Sie habe</span><br/> <span class="ft5">keine auf ihren Namen ausgestellte Vorladung zur Gerichtsverhand-</span><br/> <span class="ft5">lung erhalten. Weder sie noch ihr dortiger Rechtsvertreter habe je an</span><br/> <span class="ft5">einem Beweisverfahren vor dem Ehescheidungsgericht in A. teilge-</span><br/> <span class="ft5">nommen. Auch sei weder ihr noch ihrem Rechtsvertreter das vom</span><br/> <span class="ft5">Beklagten eingereichte Ehescheidungsurteil zugestellt worden; in der</span><br/> <span class="ft5">Zwischenzeit sei von ihrem dortigen Rechtsvertreter aber ein Rechts-</span><br/> <span class="ft5">mittel dagegen erhoben worden, weshalb das Scheidungsurteil noch</span><br/> <span class="ft5">nicht rechtskräftig sei. Zudem bestehe der dringende Verdacht, dass</span><br/> <span class="ft5">sich der Beklagte das Urteil in seinem Heimatstaat "erkauft" habe.</span><br/> <span class="ft5">Dabei seien wesentliche Verfahrensgrundsätze ausser Acht gelassen</span><br/> <span class="ft5">worden, u.a. sei der Grundsatz des rechtlichen Gehörs auf der</span><br/> <span class="ft5">Strecke geblieben.</span><br/> <span class="ft5">aa) Gemäss Art. 27 Abs. 2 lit. a IPRG wird eine Entscheidung in</span><br/> <span class="ft5">der Schweiz nicht anerkannt, wenn eine Partei nachweist, dass sie</span><br/> <span class="ft5">weder nach dem Recht an ihrem Wohnsitz noch nach dem am ge-</span><br/> <span class="ft5">wöhnlichen Aufenthalt gehörig geladen wurde, es sei denn, sie habe</span><br/> <span class="ft5">sich vorbehaltlos auf das Verfahren eingelassen. Im Rahmen der vor-</span><br/> <span class="ft5">liegend durchzuführenden Anerkennungsprognose muss die Glaub-</span><br/> <span class="ft5">haftmachung genügen.</span><br/> <span class="ft5">Mit der Ladung im Sinne von Art. 27 Abs. 2 lit. a IPRG ist die</span><br/> <span class="ft5">erste, den Prozess einleitende Vorladung vor das urteilende Gericht</span><br/> <span class="ft5">gemeint, nicht auch die späteren gerichtlichen Mitteilungen an die</span><br/> <span class="ft5">Parteien. Nach Berti/Schnyder ist unter Hinweis auf Stojan (Die An-</span><br/> <span class="ft5">erkennung und Vollstreckung ausländischer Zivilurteile in Handels-</span><br/> <span class="ft5">sachen unter Berücksichtigung des IPR-Gesetzes, Zürich 1986,</span><br/> <span class="ft5">S. 123) mit "Ladung" die Vorladung an die erste Gerichtsverhand-</span><br/> <span class="ft5">lung zu verstehen (Basler Kommentar, N 11 zu Art. 27 IPRG). Mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">46</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Stojan (a.a.O.) ist aber davon auszugehen, dass das Pendant zur Vor-</span><br/> <span class="ft5">ladung vor Gericht im schriftlichen Verfahren die Zustellung der</span><br/> <span class="ft5">einleitenden Verfügung ist. Die erste Ladung soll den Beklagten auf</span><br/> <span class="ft5">das gegen ihn gerichtete Verfahren aufmerksam machen und ihn zur</span><br/> <span class="ft5">Organisation seiner Verteidigung auffordern (Volken, IPRG-Kom-</span><br/> <span class="ft5">mentar, N 31 zu Art. 27 IPRG). Mit der Zustellung der verfahrens-</span><br/> <span class="ft5">einleitenden Verfügung und insbesondere der Aufforderung, innert</span><br/> <span class="ft5">Frist eine schriftliche Antwort zu erstatten, ist dem Erfordernis der</span><br/> <span class="ft5">ersten "Ladung" daher Genüge getan (vgl. auch ZR 101 [2002] Nr. 3</span><br/> <span class="ft5">S. 10). Die Ladung muss zudem gehörig erfolgt sein, d.h. sie hat dem</span><br/> <span class="ft5">Wohnsitz- bzw. Aufenthaltsrecht des Geladenen zu entsprechen (Vol-</span><br/> <span class="ft5">ken, IPRG-Kommentar, N 32 zu Art. 27 IPRG). Der Mangel der</span><br/> <span class="ft5">fehlerhaften Vorladung wird aber geheilt, wenn sich die beklagte</span><br/> <span class="ft5">Person auf das Verfahren vorbehaltlos eingelassen und sich nicht</span><br/> <span class="ft5">vorbehalten hat, den Zustellfehler in einem späteren Zeitpunkt gel-</span><br/> <span class="ft5">tend zu machen (Berti/Schnyder, Basler Kommentar, N 15 zu Art. 27</span><br/> <span class="ft5">IPRG; Walter, a.a.O., S. 378; Volken, IPRG-Kommentar, N 40 zu</span><br/> <span class="ft5">Art. 27 IPRG). Der Grund für Art. 27 Abs. 2 lit. a IPRG liegt darin,</span><br/> <span class="ft5">dass die Wahrung des rechtlichen Gehörs sichergestellt werden soll.</span><br/> <span class="ft5">Deshalb ist die rechtswahrende Einlassung im Sinne dieser Bestim-</span><br/> <span class="ft5">mung von der zuständigkeitsbegründenden Einlassung nach Art. 26</span><br/> <span class="ft5">lit. c IPRG (zuständigkeitsbegründende Einlassung vor ausländi-</span><br/> <span class="ft5">schen Behörden) zu unterscheiden. Bei einer Einlassung nach Art. 27</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 lit. a IPRG genügt daher im weiteren Sinne jede anerkennen-</span><br/> <span class="ft5">de bzw. abwehrende Prozesshandlung. Erhebt der Beklagte z.B. die</span><br/> <span class="ft5">Rüge der Unzuständigkeit, so kann nicht mehr von einer ungehörigen</span><br/> <span class="ft5">Ladung gesprochen werden, denn der Beklagte hat diesfalls von dem</span><br/> <span class="ft5">gegen ihn eingeleiteten Verfahren genügend Kenntnis erlangt (Wal-</span><br/> <span class="ft5">ter, a.a.O., S. 378; zu weit daher: LGVE 1994 I 12).</span><br/> <span class="ft5">(...) Damit hat sich die Klägerin jedenfalls auf das Verfahren</span><br/> <span class="ft5">eingelassen und ihre Verteidigungsrechte genügend wahrgenommen.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">bb) Gemäss Art. 27 Abs. 2 lit. b IPRG wird eine Entscheidung</span><br/> <span class="ft5">in der Schweiz nicht anerkannt, wenn eine Partei nachweist, dass die</span><br/> <span class="ft5">Entscheidung unter Verletzung wesentlicher Grundsätze des schwei-</span><br/> <span class="ft5">zerischen Verfahrensrechts zustande gekommen ist, insbesondere</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">47</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">dass ihr das rechtliche Gehör verweigert worden ist. Neben der Ge-</span><br/> <span class="ft5">währung des rechtlichen Gehörs gehören auch etwa das Erfordernis,</span><br/> <span class="ft5">dass in familienrechtlichen Verfahren die Kinderzuteilung vorgenom-</span><br/> <span class="ft5">men wird und das Besuchsrecht geregelt wird, zu den wesentlichen</span><br/> <span class="ft5">Grundsätzen. Dagegen stellt das Fehlen einer Urteilsbegründung</span><br/> <span class="ft5">oder die Nichtzustellung der Entscheidung an den Beklagten nicht</span><br/> <span class="ft5">zwingend eine Verletzung des formellen Ordre public dar (Berti/</span><br/> <span class="ft5">Schnyder, Basler Kommentar, N 17 zu Art. 27 IPRG; Volken, IPRG-</span><br/> <span class="ft5">Kommentar, N 41 ff. zu Art. 27 IPRG).</span><br/> <span class="ft5">(...) Die blosse Behauptung, der Beklagte habe das Urteil "er-</span><br/> <span class="ft5">kauft", genügt jedenfalls nicht, um dieses voraussichtlich nicht aner-</span><br/> <span class="ft5">kennen zu können. Da der Klägerin das verfahrenseinleitende</span><br/> <span class="ft5">Schriftstück zugestellt wurde (vgl. Erw. 4b/aa), hatte sie auch Gele-</span><br/> <span class="ft5">genheit, ihre Verteidigung zu organisieren, weshalb auch aus diesem</span><br/> <span class="ft5">Grund eine Verletzung von verfahrensrechtlichen Grundsätzen nicht</span><br/> <span class="ft5">ersichtlich ist. (...)</span><br/> <span class="ft5">c) Zusammenfassend kann daher festgehalten werden, dass</span><br/> <span class="ft5">keine Gründe ersichtlich sind, welche einer Anerkennung des Schei-</span><br/> <span class="ft5">dungsurteils der jugoslawischen Gerichte entgegenstehen. Infolge</span><br/> <span class="ft5">der positiven Anerkennungsprognose kann der schweizerische Ehe-</span><br/> <span class="ft5">schutzrichter nicht tätig werden. Sachlich zuständig ist vielmehr der</span><br/> <span class="ft5">Präliminarrichter, dessen örtliche Zuständigkeit nachfolgend zu prü-</span><br/> <span class="ft5">fen ist.</span><br/> <span class="ft5">5. a) Für vorsorgliche Massnahmen sehen sowohl das Lugano-</span><br/> <span class="ft5">Übereinkommen als auch das IPRG eine über die Hauptsachenzu-</span><br/> <span class="ft5">ständigkeit hinausgehende internationale Zuständigkeit der schwei-</span><br/> <span class="ft5">zerischen Gerichte vor (Art. 24 LugÜ; Art. 10 IPRG). Soweit Art. 24</span><br/> <span class="ft5">LugÜ vorliegend überhaupt anwendbar ist, regelt diese Bestimmung</span><br/> <span class="ft5">die örtliche Zuständigkeit nicht, sondern verweist nur darauf, dass</span><br/> <span class="ft5">das nationale Recht der Vertragsstaaten zur Anwendung kommt. Die</span><br/> <span class="ft5">Bestimmung des nach nationalem Recht zuständigen Gerichts für</span><br/> <span class="ft5">den Erlass vorsorglicher Massnahmen richtet sich somit nach Art. 10</span><br/> <span class="ft5">IPRG (Walter, a.a.O., S. 487). Nach dieser Bestimmung können die</span><br/> <span class="ft5">schweizerischen Gerichte oder Behörden Präliminarmassnahmen</span><br/> <span class="ft5">aber nur unter den unter Erw. 3/c vorstehend angeführten einschrän-</span><br/> <span class="ft5">kenden Voraussetzungen anordnen. Nachdem aus den Akten keine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">48</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Anhaltspunkte ersichtlich sind, dass eine der (alternativen) Voraus-</span><br/> <span class="ft5">setzungen für eine ausnahmsweise Zuständigkeit des schweizeri-</span><br/> <span class="ft5">schen Richters gegeben ist und auch nicht anzunehmen ist, dass an-</span><br/> <span class="ft5">dere Gründe vorliegen, welche ein ausnahmsweises Tätigwerden des</span><br/> <span class="ft5">schweizerischen Richters begründen könnten, ist die (örtliche) Zu-</span><br/> <span class="ft5">ständigkeit der Vorinstanz zu verneinen.</span><br/> <span class="ft5">b) Gemäss Art. 6 IPRG begründet auch die vorbehaltlose Ein-</span><br/> <span class="ft5">lassung in vermögensrechtlichen Streitsachen die Zuständigkeit des</span><br/> <span class="ft5">angerufenen schweizerischen Gerichtes, sofern dieses nach Art. 5</span><br/> <span class="ft5">Abs. 3 IPRG seine Zuständigkeit nicht ablehnen kann bzw. von sei-</span><br/> <span class="ft5">nem Ablehnungsrecht nicht Gebrauch gemacht hat. Als vermögens-</span><br/> <span class="ft5">rechtliche Streitsachen kommen nicht nur schuld- und handelsrechtli-</span><br/> <span class="ft5">che Ansprüche in Frage, sondern auch solche aus dem Familien-,</span><br/> <span class="ft5">Erb- und Sachenrecht, ausgenommen bleiben Statusfragen sowie</span><br/> <span class="ft5">dingliche Rechte (Volken, IPRG-Kommentar, N 6 zu Art. 6 IPRG;</span><br/> <span class="ft5">Hess, Basler Kommentar, N 22 zu Art. 6 IPRG).</span><br/> <span class="ft5">Bei der von der Klägerin beantragten Berechtigung zum Ge-</span><br/> <span class="ft5">trenntleben sowie der Zuweisung von Gegenständen des ehelichen</span><br/> <span class="ft5">Mobiliars und Hausrats zur alleinigen Benützung handelt es sich</span><br/> <span class="ft5">weder um eine Statusfrage noch um ein dingliches Recht. Das Recht</span><br/> <span class="ft5">zur Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes entsteht mit der Einrei-</span><br/> <span class="ft5">chung der Scheidung von Gesetzes wegen und bedarf keiner richter-</span><br/> <span class="ft5">lichen Bewilligung (Art. 137 ZGB). Damit ist grundsätzlich kein</span><br/> <span class="ft5">richterlicher Entscheid darüber notwendig, weshalb das Begehren für</span><br/> <span class="ft5">die Frage der rügelosen Einlassung nicht entscheidend ist. Bei der</span><br/> <span class="ft5">Zuweisung von Gegenständen des ehelichen Vermögens handelt es</span><br/> <span class="ft5">sich um ein Benützungsrecht, das grundsätzlich vermögensrechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Charakter hat. Eine rügelose Einlassung des Beklagten nach</span><br/> <span class="ft5">Art. 6 IPRG und Art. 18 LugÜ (für die Regelung der Unterhaltsbei-</span><br/> <span class="ft5">träge) ist demnach grundsätzlich möglich.</span><br/></div> </div> </body> </html>