Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 16. Juni 2021 (810 20 122) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / Ehedauer Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Daniel Ivanov, Jgnaz Jermann, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichts- schreiberin i.V. Isabelle Amacker Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Johannes Mosimann, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 480 vom 7. April 2020) A. A.____ (geb. 1986), Bürger der Republik Serbien, heiratete am 15. Februar 2013 in Serbien die in der Schweiz aufenthaltsberechtigte serb ische Staatsangehörige B.____. Am 7. September 2014 reiste A.____ in die Schweiz ein un d am 18. Dezember 2014 erhielt er eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau. B. Mit Schreiben vom 5. Juni 2018 gewährte das Amt fü r Migration und Bürgerrecht (AfMB) A.____ und B.____ das rechtliche Gehör zu einer möglichen Wegweisung von A .____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus der Schweiz. Mit Schreiben vom 15. Juni 2018 führt e B.____ aus, sie habe beim Zivilkreis- gericht Basel-Landschaft West ein Eheschutzverfahren eingel eitet, da ihr Ehemann verweigert habe, die eheliche Wohnung zu verlassen. Da A.____ am 11 . September 2017 aus der eheli- chen Wohnung auszog, wurde das Eheschutzverfahren mit Verfügung vom 11. Dezember 2017 abgeschrieben und B.____ und A.____ formell das Getrenntleben per Ende Septem ber 2017 bewilligt. Mit Schreiben vom 10. Juli 2018 teilte A._ ___ dem AfMB mit, dass seine Ehefrau und er sich noch nicht definitiv getrennt hätten. C. Mit Schreiben vom 1. Februar 2019 gewährte das AfM B A.____ und B.____ im Zuge des Wechsels des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) zum Bun- desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und ü ber die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG) vom 16. Dezember 2005 erneut das rechtliche Gehör. A.____ teilte am 15. Februar 2019 mit, dass er und B.____ sich im fraglichen Zeitraum von Ende September 2017 und darüber hinaus, sicher jedoch bis Ende 2018, i n einer faktischen Ehegemeinschaft befunden hätten. Im Weiteren erfülle er alle Integrationskriterien. D. Mit Verfügung vom 27. September 2019 verweigerte d as AfMB die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von A.____ und forderte ihn auf, die Schweiz bis spätestens 27. Oktober 2019 zu verlassen. E. Dagegen reichte A.____, vertreten durch Johannes Mosi mann, Advokat, mit Eingabe vom 10. Oktober 2019 Beschwerde beim Regierungsrat des Ka ntons Basel-Landschaft (Regie- rungsrat) ein. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung unter o/e-Kostenfolge. F. Mit Entscheid des Regierungsrats vom 7. April 2020 wu rde die Beschwerde vom 10. Oktober 2019 abgewiesen. Der Regierungsrat begrün dete seinen Entscheid im Wesentli- chen damit, dass die Ehegemeinschaft zwischen B.____ und A.____ keine drei Jahre gedauert habe und die Aufenthaltsbewilligung von A.____ deshalb nicht verlängert werden könne. G. Mit Eingabe vom 20. April 2020 erhob A.____, wie derum vertreten durch Johannes Mosimann, Advokat, gegen den Entscheid des Regierungsrat s vom 7. April 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassun gs- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei der Entscheid des Regierungsrats vom 7. April 2020 vollum- fänglich aufzuheben und das AfMB sei anzuweisen, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlängern; unter o/e-Kostenfolge. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen. Im Rahmen der Beschwerdebegründung vom 22. Juli 2020 machte der Beschwerde- führer im Wesentlichen geltend, dass die faktisch gelebt e Ehegemeinschaft zwischen ihm und B.____ länger als drei Jahre gedauert habe, weshalb sei ne Aufenthaltsbewilligung zu verlän- gern sei. H. Der Regierungsrat reichte am 27. August 2020 seine Vernehmlassung ein und bean- tragte die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfo lge. Zur Begründung wurde im We- sentlichen auf den angefochtenen Entscheid verwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Präsidialverfügung vom 11. Dezember 2020 wurde der Fall der Kammer zur Beur- teilung überwiesen. J. Mit Eingabe vom 11. Januar 2021 reichte der Rechtsv ertreter des Beschwerdeführers seine Honorarnote ein. K. Mit Verfügung vom 2. Februar 2021 wurde eine Part eiverhandlung angeordnet und verfügt, dass der Beschwerdeführer persönlich zu erscheine n habe. Zusätzlich wurde B.____ als Auskunftsperson zur Parteiverhandlung geladen. L. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hielten die Parteien an den gestellten Be- gehren und wesentlichen Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Demnach ist das Kantonsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Besch werde örtlich und sachlich zustän- dig. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtenen Entsche id berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren f ormellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können n ach § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unt erschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen –abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Nichtver längerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und Art. 1 AIG vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AIG). Die zuständige kantonale Behörde entscheidet in den Fällen nach Art. 18 ff. und 27 ff. AIG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Ein en Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AIG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vo r (BGE 135 II 1 E. 1.1; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer recht, 2. Aufl., Basel 2009, § 7, Rz. 7.84 ff.). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Zunächst ist festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und Serbien keine staatsvertrag- liche Vereinbarung besteht, welche dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumt. Die Erteilung bzw. Verlängerung von Aufenthaltsbewilligungen richtet sich somit grundsätzlich nach dem AIG. 4.3 Ausländischen Ehegatten von Personen mit Aufentha ltsbewilligung kann nach Art. 44 Abs. 1 AIG eine Aufenthaltsbewilligung erteilt und ve rlängert werden, wenn die Ehegatten zu- sammenwohnen (lit. a); eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b); sie nicht auf Sozi- alhilfe angewiesen sind (lit. c); sie sich in der am Woh nort gesprochenen Landesprache ver- ständigen können (lit. d) und die nachziehende Person ke ine jährlichen Ergänzungsleistungen bezieht oder beziehen könnte (lit. e). Gemäss Art. 50 A bs. 1 AIG i.V.m. Art. 77 Abs. 1 der Ver- ordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkei t (VZAE) vom 24. Oktober 2007 kann nach Auflösung der Familiengemeinschaft die Aufentha ltsbewilligung des ausländischen Ehe- gatten nach Art. 44 Abs. 1 AIG verlängert werden, we nn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a) oder, wenn wichtige per- sönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schwe iz erforderlich machen (lit. b). Die Be- hörden entscheiden über die Verlängerung der Aufenth altsbewilligung nach pflichtgemässem Ermessen (BGE 137 I 284 E. 1.2 und E. 2.3.2). 4.4 Eine im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG releva nte Ehegemeinschaft liegt vor, solan- ge die eheliche Beziehung tatsächlich gelebt wird und ein gegenseitiger Ehewille besteht (BGE 137 II 345 E. 3.1.2; Urteile des Bundesgerichts 2 C_287/2011 vom 5. April 2011 E. 2.1.1; 2C_288/2011 vom 7. April 2011 E. 2.2.1). Wann eine eheliche Gemeinschaft als definitiv aufge- löst zu gelten hat, ist im Einzelfall aufgrund sämtlich er Umstände zu bestimmen, wobei im We- sentlichen auf die Dauer der nach aussen wahrnehmbaren ehelichen Wohngemeinschaft abzu- stellen ist (BGE 137 II 345 E. 3.1.2 mit Hinweis). Gem äss Art. 49 AIG wird vom Erfordernis des Zusammenwohnens gemäss Art. 43 Abs. 1 AIG ausnahmsweise abgesehen, wenn wichtige Gründe für das getrennte Wohnen vorliegen und die Eh egemeinschaft auch währenddessen weiterbesteht (Urteile des Bundesgerichts 2C_638/2014 vom 10. November 2014 E. 2.1; 2C_48/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.2). Bei einem Getrenntleben der Ehegatten ist nich t leichthin von einem Weiterbestehen der Ehegemeinschaft auszugehen (Urteil des Bundesge- richts 2C_375/2020 vom 24. Juli 2020 E. 2.2.1). Was d as Vorliegen des gegenseitigen Ehewil- lens anbelangt, so kann nach der Rechtsprechung des Bunde sgerichts ab dem Zeitpunkt der Anordnung von Eheschutzmassnahmen normalerweise nicht mehr von einer relevanten eheli- chen Gemeinschaft ausgegangen werden. Wenn die Eheleut e in solchen Fällen provisorisch weiter zusammenleben, bis der eine Partner eine Unterkunft findet und einen eigenen Wohnsitz begründen kann, ist dies bei der Berechnung der Frist von drei Jahren somit grundsätzlich nicht zu berücksichtigen (Urteile des Bundesgerichts 2C_375/2020 vom 24. Juli 2020 E. 2.2.5; 2C_690/2012 vom 15. Februar 2013 E. 3.2). 4.5 Die zweite in Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG genannte Voraussetzung ist das Erfordernis der erfolgreichen Integration. Nach Art. 77 Abs. 4 VZAE m uss die Ausländerin oder der Ausländer insbesondere in der am Wohnort gesprochenen Landessprach e über mündliche Sprachkompe- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenzen mindestens auf dem Referenzniveau A1 des Refer enzrahmens verfügen. Bei einem Ausländer, der in der Schweiz beruflich integriert ist u nd eine feste Anstellung hat, immer finan- ziell unabhängig war, sich korrekt verhält und die örtl iche Sprache beherrscht, bedarf es ernst- hafter besonderer Umstände, um eine erfolgreiche Int egration zu verneinen (Urteile des Bun- desgerichts 2C_748/2014 vom 12. Januar 2015 E. 3.2; 2C _749/2011 vom 20. Januar 2012 E. 3.3; 2C_839/2010 vom 25. Februar 2011 E. 7.1.2). 5.1 Die Vorinstanzen stellen sich auf den Standpunkt, da ss die eheliche Gemeinschaft bereits vor dem 11. September 2017 als definitiv gesche itert einzustufen sei und die rechtlich relevante Ehegemeinschaft des Beschwerdeführers weniger als drei Jahre gedauert habe. Na- mentlich habe die Ehefrau den Beschwerdeführer bereit s im Juni 2017 ein erstes Mal aufgefor- dert, die eheliche Wohnung zu verlassen, was sie im Jul i und August 2017 wiederholt habe. Damit habe die Ehefrau das Erlöschen ihres Ehewillens nach aussen in Erscheinung treten las- sen. Am 26. August 2017 habe die Ehefrau zudem beim zuständigen Zivilkreisgericht ein Ge- such um Eheschutz eingereicht, mit dem Begehren, der Ehe mann habe die eheliche Wohnung zu verlassen. Das Erfordernis der dreijährigen Ehe nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG i.V.m. Art. 77 Abs. 1 lit. a VZAE sei unter diesen Umständen nicht erf üllt und dem Beschwerdeführer könne die Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert werden. 5.2 In seiner Beschwerdebegründung vom 22. Juli 2020 macht der Beschwerdeführer zu- sammengefasst geltend, dass auch nach seinem Auszug aus der ehelichen Wohnung ein ge- meinsamer Ehewille vorgelegen habe. Der Ehewille der Ehefrau sei nicht bereits mit Einrei- chung des Eheschutzgesuchs am 26. August 2017 erloschen. D as Erfordernis der faktischen Ehegemeinschaft von drei Jahren sei daher erfüllt und f olglich sei das Kriterium der erfolgrei- chen Integration zu prüfen. Da er sprachlich und berufl ich gut integriert sei, seien keine Gründe ersichtlich, welche im Rahmen des vorinstanzlichen Ermessens gegen die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung sprechen würden. Ferner sei ei ne Nichtverlängerung der Aufenthaltsbe- willigung nicht verhältnismässig, da es dem Beschwerdeführer in persönlicher, sozialer und ins- besondere wirtschaftlicher Hinsicht nicht zumutbar sei, nach Serbien zurückzukehren 6.1 Der Beschwerdeführer ist am 7. September 2014 zu s einer Ehefrau in die Schweiz eingereist und am 11. September 2017 aus der ehelichen Wohnung ausgezogen. Somit hat die nach aussen wahrnehmbare eheliche Wohngemeinschaft des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau drei Jahre und vier Tage gedauert. Zu prüfen ist, ob der Ehewille der Ehefrau bereits vor dem Auszug des Beschwerdeführers am 11. September 2017 definitiv erloschen war. 6.2 Ist die nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG relevante E hedauer zu bestimmen und wurde ein Eheschutzverfahren durchgeführt, so ist wie bereits ausgeführt (E. 4.4 hiervor) grundsätzlich auf den Zeitpunkt der Anordnung von Eheschutzmassnahmen abz ustellen und gilt die relevante Ehegemeinschaft (spätestens) mit der Anordnung von Massnah men definitiv als beendet. Im vorliegenden Fall hat das Zivilkreisgericht Basel-Landsc haft West das Eheschutzgesuch auf- grund des Auszugs des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 11. Dezember 2017 als gegen- standslos abgeschrieben und das Getrenntleben per Ende September 2017 bewilligt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die Ehefrau des Beschwerdeführers führte im Rahme n der Gewährung des rechtlichen Gehörs durch das AfMB am 15. Juni 2018 aus, dass sie den B eschwerdeführer wiederholt (Ju- ni, Juli, August 2017) aufgefordert habe, die Wohnun g zu verlassen. Sie habe noch Kontakt zum Beschwerdeführer, wenn auch sehr wenig. Die Ehe sei nicht perfekt gewesen, sie habe dem Beschwerdeführer immer wieder verziehen. Am Schluss sei sie zum Entscheid gekommen, dass sie sich scheiden lassen wolle. Demgegenüber führte der Beschwerdeführer im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs mit Eingabe vom 13. Juli 2018 aus, dass auch nach der örtlichen Trennung vom 11. September 2017 vielerlei K ontakte zur Ehefrau stattgefunden hät- ten. Der Beschwerdeführer reichte in diesem Zusammen hang bereits im vorinstanzlichen Ver- fahren diverse Unterlagen ein, welche seine Aussagen untermauern sollten (Fotos vom Oktober 2017, Nachweis von Telefongesprächen vom Januar 2018, Wha tsApp-Nachrichten mit Fotos vom Januar 2018 und Juli 2018). Im Rahmen seiner Beschwerdebegründung vom 22. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer sodann weitere Belege ein , die das Fortdauern der Ehe nach dem September 2017 belegen sollen (WhatsApp-Nachrichte n vom September/Oktober 2017, Fotos vom November 2018, Telefongespräche seit Septem ber 2017). Die Ehefrau des Be- schwerdeführers führte anlässlich der heutigen Parteiverhandlung aus, dass sie den Beschwer- deführer im Januar 2018 immer noch geliebt habe, wesh alb es zu den entsprechenden Nach- richten gekommen sei. Die Wiederaufnahme der Beziehung sei für sie aber keine Option gewe- sen. 6.4 Aufgrund der sich aus den Akten ergebenden Indizien bestehen konkrete Zweifel, dass der Ehewille der Ehefrau bereits vor dem Auszug des Be schwerdeführers am 11. September 2017 definitiv erloschen ist. Im Gegenteil liegen Hin weise dafür vor, dass auch nach diesem Zeitpunkt ein gemeinsamer Ehewille bestand. Zwar bil den die Einreichung des Eheschutzge- suchs durch die Ehefrau im August 2017 und ihre offenb ar bereits vor diesem Zeitpunkt erfolg- ten Aufforderungen an den Beschwerdeführer zum Verla ssen der Wohnung gewichtige An- haltspunkte, dass seitens der Ehefrau im damaligen Zeit punkt kein Ehewille mehr bestand. Die in den Akten befindlichen, nach dem Auszug des Beschwerdef ührers aus der gemeinsamen Wohnung entstandenen Mitteilungen zwischen den Ehegatte n ebenso wie die eingereichten Fotos stehen dazu jedoch in klarem Widerspruch. Sie ze ichnen mit Blick auf ihren Umfang und die intime Qualität insbesondere der aktenkundigen WhatsApp-Nachrichten das Bild einer nach wie vor bestehenden Paarbeziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau bzw. eines Verhältnisses, welches im damaligen Zeitpunkt über rein freundschaftliche Kontakte weit hinausging. Unter diesen Umständen ist nicht hinreich end erstellt, dass die Ehe zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau bereits im Zeitpun kt des Auszugs des Beschwerdefüh- rers aus der ehelichen Wohnung am 11. September 2017 d efinitiv gescheitert ist. Im vorliegen- den Fall erweist es sich daher als unzulässig, in Bezug a uf den Zeitpunkt des Erlöschens des Ehewillens der Ehefrau auf die Einreichung des Eheschut zgesuchs im August 2017 abzustel- len. Vielmehr ist hinsichtlich der Ehedauer zugunsten des Beschwerdeführers auf die nach aus- sen wahrnehmbare eheliche Wohngemeinschaft abzustellen, welche unbestrittenermassen erst am 11. September 2017 endete. Entsprechend ist von ein er dreijährigen Ehedauer auszuge- hen, wobei offenbleiben kann, ob auch nach dem Auszug des Beschwerdeführers aus der ehe- lichen Wohnung eine Ehegemeinschaft bestanden hat. Da die Voraussetzung der Dreijahres- frist damit erfüllt ist, ist die Verlängerung der Aufe nthaltsbewilligung gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht AIG i.V.m. Art. 77 Abs. 1 lit. a VZAE grundsätzlich möglich, sofern die Integrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG durch den Beschwerdeführer erfüllt sind. Ob dem so ist, wurde von den Vorinstanzen nicht geprüft. Da das Kantonsgericht einen Ermessensentscheid nur auf die rechtsfehlerhafte Ermessensausübung hin überprüfen kann und in diesem Fall das Ermessen von der Vorinstanz nicht ausgeübt wurde, ist die Sache z ur Neuentscheidung an das AfMB zu- rückzuweisen. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die faktische ehelic he Gemeinschaft des Be- schwerdeführers und seiner Ehefrau drei Jahre und vier Tage gedauert hat und somit die Min- destehedauer gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG i.V.m. A rt. 77 Abs. 1 lit. a VZAE erfüllt ist. Dem- nach ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sache an d as AfMB zur Prüfung der ermes- sensweisen Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zurückzuweisen. 8.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 2 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend werden die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 2’500.-- dem Regierungsrat auferlegt. 8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausg ang des vorliegenden Verfahrens ist dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zulaste n des Regierungsrats zuzuspre- chen. In seiner Honorarnote vom 11. Januar 2021 macht d er Rechtsvertreter des Beschwerde- führers einen Aufwand von 25 Stunden à Fr. 250.-- respektive Fr. 166.-- geltend. Dazu kommen Auslagen von Fr. 586.20. Der in der Honorarnote gelte nd gemachte Aufwand von 4.5 Stunden für die Vorbereitung der Hauptverhandlung erweist sich als überhöht, weshalb er um 2 Stunden zu kürzen ist. Der Stundenansatz für den Aufwand des Volontärs ist praxisgemäss auf Fr. 120.-- anzusetzen. Der Regierungsrat hat dem Beschwerdeführer folglich eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'281.80 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) zu bezahlen. 8.3 Bezüglich der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Sache zu neuem Ent- scheid an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrats vom 7. April 2020 aufgehoben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das Amt für Migration und Bürgerrecht zurückgewiesen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- w erden dem Regie- rungsrat auferlegt. Der Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird dem Beschwerde- führer zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat hat dem Beschwerdeführer eine Pa rteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'281.80 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszu- richten. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.