B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1370/2014 U r t e i l v o m 1 9 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch Ismet Bardakci, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Familienzusammenführung; Verfügung des BFM vom 10. Februar 2014 / N (…). E-1370/2014 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Mit Verfügung vom 4. Juni 2010 stellte das BFM fest, B._______ (Vater der Beschwerdeführerin) erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG (SR 142.31), lehnte dessen Asylgesuch ab und or d- nete die Wegweisung aus der Schweiz an. Es verfügte gleichzeitig wegen Unzulässigkeit des Vollzuges der Wegw eisung die vorläufige Aufnahme. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts vom 19. März 2013 abgewiesen. II. B. Die Eltern der Beschwerdeführerin ersuchten mit Eingabe vom 6. Oktober 2011 das BFM um Bewilligung der Einrei se der sich damals in der Türkei befindenden Beschwerdeführerin in die Schweiz und um deren Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters. Am 31. Januar 2012 stellte die Beschwerdeführerin bei der Schweizer Vertretung in Ankara ein Asylg e- such. C. Das Bundesamt bewilligte mit Verfügung vom 8. Mai 2012 die Einreise in die Schweiz nicht und lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. III. D. Die Beschwerdeführerin gelangte eigenen Angaben zufolge am 22. April 2013 in die Schweiz, wo sie am 14. Mai 2013 um Asyl nachsuchte. E. Mit Verfügung vom 13. August 2013 stellte das BFM fest, die Beschwe r- deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte deren Asyl- gesuch ab. Es wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Wegwe i- sungsvollzug an. Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wur-E-1370/2014 Seite 3 de vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5059/2013 vom 10. Janu- ar 2014 abgewiesen. F. Das BFM setzte mit Schreiben vom 16. Januar 2014 die Ausreisefrist der Beschwerdeführerin neu auf den 13. Februar 2014 an. IV. G. Mit Eingabe ihrer damaligen Rechtsvertreterin vom 17. Dezember 2013 an das Bundesamt stellte die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 51 Abs. 2 AsylG ein Gesuch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters. Zur Begründung machte sie geltend, sie sei aufgrund ihrer Ju- gendlichkeit und ihrer psychischen Labilität auf die Unterstützung durch ihre Eltern angewiesen. H. Das BFM lehnte m it am 11. Februar 201 4 eröffneter Verfügung vom 10. Februar 2014 das Gesuch der Beschwerdeführerin um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft von B._______ ab. Es stellte gleichzeitig fest, die Verfügung vom 13. August 2013 sei rechtskräftig und vollstreckbar und die am 16. Januar 2014 auf den 13. Februar 2014 angesetzte Au s- reisefrist habe weiterhin Bestand. I. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe des neu mandatierten Rechtsvertreters vom 13. März 2014 beim Bundesve r- waltungsgericht Beschwerde. Sie beantragte in materieller Hinsicht, sie sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung in die Flüchtlingseige n- schaft ihres Vaters einzubeziehen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeistä n- dung unter Beiordnung ihres Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt. We i- ter ersuchte sie darum, den kantonalen Migrationsdienst im Sinne einer vorsorglichen Massnahme in Feststellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde anzuweisen, von Vollzugshandlungen abzusehen. Der Beschwerde waren unter anderem ein "Certificat Médical " des C._______ vom 24. Februar 2014 und Fotos beigelegt. E-1370/2014 Seite 4 J. Der Instruktionsrichter setzte mit Verfügung vom 20. März 2014 den Vol l- zug der Wegweisung aus und hielt fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und über die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbei - ständung werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werde einstweilen verzichtet. K. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 9. April 2014 vollumfänglich an seiner angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 22. April 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt. L. Mit Eingabe vom 5. Mai 2014 reichte die Beschwerdeführerin weitere Beweismittel zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das V erfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenomme n, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (A rt. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die B e-E-1370/2014 Seite 5 schwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen bestimmen sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Das BFM führte zur Begründung seiner angefochtenen Verfügung aus, gemäss Art. 51 Abs. 2 altAsylG könnten nahe Angehörige von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen in das Familienasyl eingeschlossen we r- den, wenn besondere Gründe für die Familienvereinigung sprechen wür- den. Diese Regelung sei für vorläufig aufgenommene Flüchtlinge analog angewandt worden. Bei der Berufung auf besondere Gründe im Sinne der genannten Bestimmung sei ein Abhängigkeitsverhältnis Voraussetzung. Der Vater der Beschwerdeführerin habe die Türkei im Juli 2008 verlassen, die Mutter im Juli 2011. Somit sei die Beschwerdeführerin vor ihrer Einrei- se in die Schweiz fünf Jahre ohne ihren Vater und rund zwei Jahre ohne ihre Mutter ausgekommen. Den Akten sei zudem zu entnehmen, dass sie in der Türkei ursprünglich ein Studium und somit ein selbständiges Leben angestrebt habe. Die psychische Labilität werde behauptet, aber nicht durch ärztliche Zeugnisse belegt. Es könne demnach offenkundig nicht von einem b e- sonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnis der Beschwerdeführerin g e- sprochen werden. Auch sei nicht ersichtlich, weshalb eine allfällige, au f- grund des Alters noch notwendige Unterstützung im Leben allein und ausschliesslich durch ihre Eltern erbracht werden könnte. Soweit vorgebracht werde, die Unterstützung durch die Eltern sei vor a l- lem auch notwendig, um eine Zwangsheirat der Beschwerdeführerin in der Türkei zu verhindern, könne zweifellos nicht von einem Abhängi g- keitsverhältnis zwischen ihr und den Eltern im Sinne von Ar t. 51 Abs. 2 altAsylG gesprochen werden. Diese Thematik sei im Übrigen zwische n- zeitlich umfassend im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-5069/2013 vom 10. Januar 2014 abgehandelt und dabei festgestellt worden, dass nicht ersichtlich sei, weshalb die Beschwerdeführerin nicht bei ihrer Fami- lie mütterlicherseits (in der Türkei) hätte Zuflucht und damit Unterstützung finden können, ihre Eltern hätten sie dabei (aus der Schweiz) unterstü t- zen können. E-1370/2014 Seite 6 3.2 In der Beschwerde wird vorgebracht, die Beschwerdeführerin habe das Gesuch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters b e- reits am 6. Oktober 2011 eingereicht. Das BFM habe damals darüber nicht förmlich entschieden; dessen Entscheid vom 8. Mai 2012 betreffe lediglich das Einreise- und Asylgesuch. Es rechtfertige sich daher die A n- nahme, dass das im vorliegenden Beschwerdeverfahren strittige G e- suchsverfahren am 6. Oktober 2011 anhängig gemacht worden sei. D a- mals sei die Beschwerdeführerin noch minderjährig gewesen, weshalb sie gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG einen Anspruch auf den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters habe. Die lange Verfahrensdauer und die Verzögerungen dürften nicht zu ihrem Nachteil wirken. Unbesehen davon sei im Asylrecht der Grundsatz der Einheit der Familie nach Art. 8 EMRK zu berücksichtigen. Der Begriff des Familienlebens um- fasse nach dieser Bestimmung nicht n ur die Kernfamilie von Eltern und minderjährigen Kindern und Ehegatten, sondern auch Kinder und entfern- tere verwandtschaftliche Beziehungen, sofern diese eine gewisse Intensi- tät, beispielsweise der gemeinsame Haushalt, aufweisen würden . Die Beschwerdeführerin lebe seit ihrer Einreise in die Schweiz mit ihren E l- tern im gemeinsamen Haushalt. Die Eltern-Kind-Beziehung sei besonders eng, wie dem psychiatrischen Bericht vom 24. Februar 2014 und den ein- gereichten Fotos entnommen werden könne. Die Beschwerdeführerin habe bis zur Flucht der Mutter aus der Türkei im Juli 2011 mit dieser im gleichen Haushalt gelebt. Danach habe sie am 6. Oktober 2011 ein G e- such um Einreise und Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des Vaters und am 31. Januar 2012 auch ein A sylgesuch bei der Schweizer Vertr e- tung in Ankara gestellt. Die Behauptung des BFM, sie sei rund zwei Jahre ohne ihre Mutter ausgekommen, treffe daher n icht zu. Sie habe in der Türkei kein ruhige s Leben geführt, ihre Grosseltern hätten versucht, sie zwangsweise mit e inem älteren Mann zu vermählen. Ihre Verwandten mütterlicherseits würden aus (…) stammen und seien noch konservativer. Der Grossvater sei ver storben, die Grossmutter sei selber auf Betreuung angewiesen und werde von einer Tante gepflegt. Als junge Frau könnte die Beschwerdeführerin in der türkischen Gesellschaft kein selbstbewuss- tes Leben mit eigenem Einkommen führen. Sie habe in der Türkei au ch mit dem Vater eine gelebte Beziehung g e- habt. Als dieser aus dem Gefängnis entlassen worden sei, sei sie etwa (…) Jahre alt gewesen. Sie habe ihn während der Haft oft besucht. Die Vater-Tochter-Beziehung sei in der Schweiz noch enger geworden. E-1370/2014 Seite 7 Sie sei seit dem 16. Oktober 2013 in psychiatrischer Behandlung. Die D i- agnose laute auf posttraumatische Belastungsstörung, die Behandlung erfolge in Form ambulanter Psychotherapie und medikamentös. Die enge Beziehung zu ihren Eltern und deren Nähe lindere ihre psy chischen Be- schwerden erheblich. Bei einer Wegweisung in die Türkei sei mit einer Verschlimmerung der Beschwerden zu rechnen , und die Suizidgefahr dürfe diesfalls nicht unterschätzt werden. 3.3 In seiner Vernehmlassung führt das BFM an, gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Asylgesetzes vom 14. D e- zember 2012 gelte für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung hängigen Verfahren das neue Recht. Folglich würden die hängigen Ei n- reisegesuche von "anderen nahen Angehörigen" im Rahmen d es Famili- enasyls ab dem 1. Februar 2014 nicht mehr berücksichtigt. Im Prinzip müsste das Gleiche auch für Gesuche um Familienzusammenführung von nahen Angehörigen gelten, welche bereits vor Inkrafttreten der neuen Gesetzesbestimmungen eine Einreisebewilligung erhalten hätten, jedoch noch nicht in die Schweiz eingereist seien oder den Entscheid im Ra h- men des Familienasyls bis zum 1. Februar 2014 noch nicht erhalten hä t- ten. Es handle sich seines Erachtens um eine Lücke. Der Gesetzgeber habe es offenbar versäu mt, spezifische Übergangsbestimmungen zu e r- lassen. Es könnte der Fall eintreten, dass ein "anderer naher Angehör i- ger" eine Einreisebewilligung unter dem alten Recht erhalten habe und sich nun aufgrund der Gesetzesänderungen vom 1. Februar 2014 mit e i- nem ablehnenden Entscheid konfrontiert sehe. Wenn eigene Asylgründe fehlen würden und es keine Wegweisungshindernisse gebe, könnte diese Person theoretisch ins Heimatland zurückgeschickt werden. Zumindest würde sie nicht denselben Status erhalten wie die Hauptpe rson. Um der- artige Situationen zu vermeiden, werde das BFM – analog zu den Übe r- gangsbestimmungen betreffend Botschaftsgesuchen – für diejenigen Personen, welche ihr Gesuch vor dem 1. Februar 20 14 eingereicht hät- ten, weiterhin Art. 51 Abs. 2 altAsylG anwenden. 4. 4.1 Vorab ist festzu halten, dass das Gesuch um Familienasyl vom 17. Dezember 2013, welches Gegenstand des vorinstanzlichen Verfa h- rens war, sich in keiner Weise zum "Asylgesuch aus dem Ausland / G e- such um Familienzusammenführung" vom 6. Oktober 2011 geäussert be- ziehungsweise darauf Bezug genommen hat. Es stützt infolge zwische n- zeitlicher Mündigkeit der Beschwerdeführerin gegenteils den Anspruch auf Familienzusammenführung auf die Grundlage von Art. 51 Abs. 2 E-1370/2014 Seite 8 altAsylG, wogegen das frühere Gesuch als Grundlage die Bestimmung von Art. 51 Abs. 1 AsylG genannt hat. Unbesehen der hier nicht zu en t- scheidenden Frage, ob der Einwand, jenes Gesuch sei nicht förmlich ent- schieden worden, im Beschwerdeverfahren gegen die unangefochten ge- bliebene Verfügung vom 8. Mai 2012 hätte vorgebracht werden müssen, ist deshalb das Gesuch um Familienasyl vom 17. Dezember 2013 offe n- sichtlich als neues, eigenständiges Gesuch zu verstehen. 4.2 Die Beschwerde hat sich am Anfechtungsgegenstand zu orientieren und kann den Streitgeg enstand nur in dessen Rahmen festlegen (vgl. CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen Prozessmaximen, Bern 1997, S. 63). Soweit erst auf Beschwerdeebene geltend gemacht wird, das Gesuch vom 6. Oktober 2011 sei nicht entschieden worden und das hier zu beha n- delnde Gesuch habe sich auf jenen Zeitpunkt zurückzubeziehen, wird demnach der Streitgegenstand in unzulässiger Weise über das Anfec h- tungsobjekt hinaus erweitert (vgl. AUER, a.a.O., S. 63; BGE 110 V 51 E. 3c). Mithin erweist sich die Beschwerde in diesem Umfang als unz u- lässig, weshalb insoweit darauf nicht einzutreten ist. 4.3 Die Beschwerdeführerin stützt ihren Anspruch auf Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des Vaters in der Rechtsmittelschrift im Übrigen auf Art. 8 EMRK. Nach dieser Bestimmung können auch über die Ker n- familie hinausgehende verwandtschaftliche Bande ( wie Geschwister, Grosseltern) unter den Schutz der Einheit der Familie fallen, sofern eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung zwischen den Angehör i- gen besteht (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung setzt eine solchermassen schützenswerte verwand t- schaftliche Beziehung voraus, dass darüber hinaus ein besonder es Ab- hängigkeitsverhältnis vorliegt (vgl. BGE 129 II 11 E. 2 S. 14). Die Asylbe- hörden haben sich dieser bundesgerichtlichen Umschreibung des Famili- enbegriffs angeschlossen (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1; Urteil e des BVGer D -5843/2013 vom 21. Oktober 2013 und D-3341/2011 vom 10. April 2013). 4.4 Der Schutzbereich von Art. 51 Abs. 2 altAsylG , auf welche Rechts- grundlage sich die Vorinstanz bei ihrer Entscheidfindung gestützt hat, entspricht damit grundsätzlich demjenigen, den die bundesgerichtliche Praxis im Zusammenhang mit Art. 8 EMRK umschreibt (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.2 S. 678; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize- rischen Asylrekurskommission [ EMARK] 1994 Nr. 7 E. 2 S. 59). Es ist E-1370/2014 Seite 9 mithin zu prüfen, ob zwischen der Beschwerdeführerin und ihren Elte rn ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis besteht. Die Abhängigkeit eines Menschen von einem andern steht im Gegensatz zu seiner erlangten Selbständigkeit. Sie kann sich unabhängig vom Alter namentlich aus besonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen wie bei körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krank- heiten ergeben. Liegen keine solche Umstände vor, hängt sie regelmä s- sig vom Alter beziehungsweise Entwicklungsstand der betreffenden Pe r- son ab (vgl. BGE 120 Ib 257, 261 E. 1e; Urteil des BVGer D -6279/2013 vom 17. März 2014). 4.5 Wie das BFM zutreffend und einlässlich ausgeführt hat, kann ein b e- sonderes Abhängigkeitsverhältnis vorliegend nicht bejaht werden. Dage- gen spricht schon d er Umstand, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Einreise in die Schweiz während fünf Jahren ohne ihren Vater und wä h- rend zweier Jahre auch ohne ihre Mutter gelebt hat. Dass sie bald nach der Flucht der Mutter versucht hat, ihren Eltern in die Schweiz zu folgen, ist unbehelflich, zumal sie ihre Einreise in die Sc hweiz im Asylverfahren nicht mit einer besonderen Abhängigkeit von ihren Eltern im Sinne der angeführten Rechtsprechung , sondern mit eigenen Asylvorbringen (ins- besondere Reflexverfolgung und drohende Zwangsheirat) begründet hat. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht das Asylgesuch der Beschwe r- deführerin rechtskräftig abgewiesen hat, ist darauf nicht weiter einzug e- hen. Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Fotos, auf denen sie z u- sammen mit ihren Eltern zu sehen ist, vermögen weder die b ehauptete "besonders enge Eltern -Kind-Beziehung" zu belegen noch das Erforde r- nis der besonderen Abhängigkeit darzutun. Zwar mag es zutreffen, dass die Beschwerdeführerin eine gute Beziehung zu ihren Eltern hat und sie diese – im Besonderen ihren Vater, wie mit dessen Schreiben vom 14. April 2014 dargelegt – vor ihrer Einreise in die Schweiz vermisst hat. Vor dem Hintergrund, dass die (…)-jährige Beschwerdeführerin nicht (mehr) zur Kernfamilie gehört, reicht dies indessen für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters nicht aus. Etwas anderes kann auch nicht dem Bericht von C._______ vom 24. Februar 2014 entnommen werden , wonach die Beschwerdeführerin an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide, sich seit dem (…) in ambulanter Behandlung befinde und e ine psychotherapeutische Weite r-E-1370/2014 Seite 10 behandlung erforderlich sei. Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil E-5059/2013 E.5.3 vom 10. Januar 2014 bereits zutreffend ausg e- führt, was im vorliegenden Beschwerdeverfahren auch nicht bestritten wurde, dass in der Türkei grundsätzlich ein funktionierendes Gesun d- heitssystem besteht, welches zur Behandlung von psychischen Erkra n- kungen tauglich ist. Dass der ärztliche Bericht die Leiden der Beschwer- deführerin in Zusammenhang mit dem vom BFM abgelehnten Asylgesuch bringt und die behauptete enge Beziehung zu ihren Eltern und deren N ä- he ihre psychischen Beschwerden erheblich lindern sollen, kann gemäss vorstehend zitierter Rechtsprechung nicht zum Schluss führen, die Be- schwerdeführerin sei darauf angewiesen, zur Abwendung einer existenz- bedrohenden Lage notwendigerweise in dauernder enger Lebensg e- meinschaft mit ihren Eltern zu leben. Einer allfälligen, im Zusammenhang mit der Rückkehr in die Türkei auftretenden vorübergehenden Ve r- schlechterung des Gesundheit szustands könnte seitens der Schweizer Behörden mit einer angepassten Betreuung und medikamentösen B e- handlung begegnet werden. Hinsichtlich der Prüfung der individuellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs kann auf die Erwägungen im U r- teil des Bundesverwa ltungsgerichts E-5059/2013 vom 10. Januar 2014 E. 5.3 verwiesen werden, wonach davon auszugehen ist, dass die B e- schwerdeführerin bei einer Rückreise auf ein soziales Netz zurückgreifen kann, das sich nicht nur auf die Grosseltern väterlicherseits beschränk t. Die pauschale Behauptung, ihre Verwandten mütterlicherseits seien noch konservativer, ist nicht substanziiert , und der Hinweis, sie vermöge als junge Frau in der türkischen Gesellschaft kein selbstbewusstes Leben mit eigenem Einkommen zu führen , ist nicht geeignet, ein besonderes A b- hängigkeitsverhältnis von ihren Eltern darzutun. 4.6 Zusammenfassend ergeben sich aus den Akten keine stichhaltigen Anhaltspunkte, wonach sich die Annahme eines die Familienzusamme n- führung unerlässlich darstellenden besonderen Abh ängigkeitsverhältnis- ses und somit eines besonderen Grundes im Sinne von Art. 8 EMRK b e- ziehungsweise von Art. 51 Abs. 2 altAsylG aufdrängen würde. Es ist des- halb ohne weiteren Begründungsaufwand (insbesondere betreffend die Frage nach dem Vorliegen eines ge festigten Anwesenheitsrechts der E l- tern oder hinsichtlich der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Asylgesetzes vom 14. Dezember 2012) festzustellen, dass das BFM das Gesuch um Familienzusammenführung zu Recht abgelehnt hat. 4.7 Die angefochtene Verfügung verletzt somit Bundesrecht nicht und hat den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig fest gestellt E-1370/2014 Seite 11 (Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist , soweit darauf einzutreten ist. 5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kos ten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber aufgrund der im Asylverfahren eingereichten Bestätigung der D._______ vom 27. August 2013 von deren Bedürftigkeit auszugehen ist und die Be- schwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnte, ist in Gu t- heissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfü h- rung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG von einer Kostenauflage abzus e- hen. Das Gesuch um Verzich t auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache hinfällig. 5.2 Einer bedürftigen Partei kann in einem nicht aussichtslosen Verfahren ein Anwalt beigegeben werden, wenn sie nicht imstande ist, ihre Sache selber zu vertreten (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Für die Gewährung der unen t- geltlichen Verbeiständung ist ausschlaggebend, ob die gesuchstellende Partei in der Lage ist, ihre Sache im Verfahren selber wirksam zu vertr e- ten, oder ob sie dazu notwendigerweise professionel ler juristischer Hilfe bedarf (vgl. BGE 122 l E. 2c S. 51 ff). In Verfahren, welche wie das vorlie- gende vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge Mas s- stäbe an die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung a n- zusetzen. Im Asylverfahren geht es im Wesentlichen um die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts , b esondere Rechtskenntnisse zur wirksamen Beschwerdeerhebung sind im Regelfall nicht erforderlich, weshalb die unentgeltliche Verbeiständung nur in besonderen Fällen g e- währt wird, in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten bestehen. Das vorliegende Verfahren erscheint weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besonders komplex, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verb eiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist. (Dispositiv nächste Seite) E-1370/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung wird a b- gewiesen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und E._______. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Jeannine Scherrer-Bänziger Versand: