<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 67 S.327</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">327</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Erschliessungsabgaben</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>67 Anschlussgebühren</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Gesetzliche Grundlage für die Erhebung von Anschlussgebühren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2.1. - 3.2.3.)</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Gestützt auf § 28 Abs. 1 LwG-AG können Benützungsgebühren,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nicht aber Anschlussgebühren erhoben werden (Erw. 3.3.1 - 3.3.2.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft6">20. April 2006 in Sachen K. gegen Einwohnergemeinde M.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2.1. Die Erhebung der Anschlussgebühren für die Einleitung</span><br/> <span class="ft8">des Dachwassers in die Drainagen für Grundstücke ausserhalb des</span><br/> <span class="ft8">Baugebiets ist in der Gemeinde M. im Reglement betreffend Unter-</span><br/> <span class="ft8">halt und Sicherung subventionierter gemeinschaftlicher Meliorati-</span><br/> <span class="ft8">onswerke im Gemeindegebiet M. (Unterhaltsreglement; UR) vom</span><br/> <span class="ft8">15. Dezember 2000 geregelt. Dieses verweist bezüglich der Gebüh-</span><br/> <span class="ft8">renansätze für die Anschlussgebühren auf das Abwasserreglement</span><br/> <span class="ft8">der Gemeinde M. (AWR; genehmigt vom Regierungsrat am 16. Feb-</span><br/> <span class="ft8">ruar 1994) vom 1. Dezember 1993.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">3.2.2. Das Unterhaltsreglement der Gemeinde M. stützt sich auf</span><br/> <span class="ft8">die §§ 25, 26 und 28 des Landwirtschaftsgesetzes des Kantons Aar-</span><br/> <span class="ft8">gau. Der einschlägige § 28 Abs. 1 LwG-AG lautet in der geltenden</span><br/> <span class="ft8">Fassung:</span><br/> <span class="ft9">"Die Gemeinden übernehmen die subventionierten gemeinschaftlichen</span><br/> <span class="ft9">Bodenverbesserungswerke zu Eigentum und Unterhalt. Die Grundei-</span><br/> <span class="ft9">gentümer und -eigentümerinnen können nach Massgabe des Interes-</span><br/> <span class="ft9">ses zu Beitragsleistungen verpflichtet werden."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">LandwirtschaftlicheRekurskommission</span> <span class="page_no">328</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">3.2.3. Alleine aufgrund dieser Norm kann die Gemeinde jedoch</span><br/> <span class="ft8">keine Beiträge an die Meliorationswerke verlangen; sie wird durch</span><br/> <span class="ft8">diese Norm lediglich dazu ermächtigt, entsprechendes Ausführungs-</span><br/> <span class="ft8">recht zu setzen. Eine Gebührenerhebung bedingt eine weitere Kon-</span><br/> <span class="ft8">kretisierung in einem kommunalen Rechtssatz. Der Erlass von Re-</span><br/> <span class="ft8">glementen, in denen Gebühren und Beiträge festgelegt werden, fällt</span><br/> <span class="ft8">nach dem Gemeindegesetz in die Kompetenz der Gemeindever-</span><br/> <span class="ft8">sammlung; die demokratische Legitimation bzw. das Legalitätsprin-</span><br/> <span class="ft8">zip verlangen, dass mindestens die Grundzüge der Abgabenerhebung</span><br/> <span class="ft8">in einem Gesetz im formellen Sinn geregelt sind (§ 20 Abs. 2 lit. i</span><br/> <span class="ft8">des Gesetzes über die Einwohnergemeinden [Gemeindegesetz;</span><br/> <span class="ft8">SAR</span> <span class="ft8">171.100] vom 19. Dezember 1978; Max Imboden/René</span><br/> <span class="ft8">A Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Band II, Be-</span><br/> <span class="ft8">sonderer Teil, Basel 1976, Nr. 113, B II c); AGVE 1993, S. 194 ff.;</span><br/> <span class="ft8">AGVE 1985, S. 336 f.). Hier kann festgestellt werden, dass das Un-</span><br/> <span class="ft8">terhaltsreglement der Gemeinde M. die formellen Anforderungen an</span><br/> <span class="ft8">das Legalitätsprinzip erfüllt.</span><br/> <span class="ft8">3.3.1. Die unterschiedliche Funktion von Anschlussgebühren</span><br/> <span class="ft8">und wiederkehrenden Benützungsgebühren wird so umschrieben,</span><br/> <span class="ft8">dass die ersten dem Einkauf in das bestehende Netz einschliesslich</span><br/> <span class="ft8">übergeordneter Anlagen, die zweiten der Finanzierung des Unterhalts</span><br/> <span class="ft8">der vorhandenen Anlagen dienen (vgl. dazu den Entscheid der Schät-</span><br/> <span class="ft8">zungskommission nach Baugesetz [SKE] EB.2000.50033 vom</span><br/> <span class="ft8">29. März 2005 i.S. M. gegen Einwohnergemeinde S., S. 20 f.,</span><br/> <span class="ft8">Erw. 6.1. und 6.2. mit weiteren Hinweisen).</span><br/> <span class="ft8">3.3.2. Gemäss § 18 des Unterhaltsreglements der Gemeinde M.</span><br/> <span class="ft8">soll in Übereinstimmung mit dem zugrunde liegenden kantonalen</span><br/> <span class="ft8">Recht lediglich der Unterhalt der Meliorationswerke mit den Grund-</span><br/> <span class="ft8">eigentümerbeiträgen gedeckt werden (vgl. Entscheid der Landwirt-</span><br/> <span class="ft8">schaftlichen Rekurskommission [LKE] DL.96.50001 vom 15. Okto-</span><br/> <span class="ft8">ber 1997 i.S. M. gegen Einwohnergemeinde A., S. 8, Erw. 3.3.1.).</span><br/> <span class="ft8">Die zur Diskussion stehenden Anschlussgebühren an die Drainage</span><br/> <span class="ft8">dienen jedoch im Gegensatz zu den ebenfalls im UR vorgesehenen</span><br/> <span class="ft8">Benützungsgebühren gemäss den obigen Ausführungen nicht dem</span><br/> <span class="ft8">Unterhalt des Drainagennetzes, sondern stellen Investitionsausgaben</span><br/> <span class="ft8">dar, die zur Erstellung oder Erneuerung der Anlagen verwendet wer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">den müssen. Aus der Natur des Unterhalts als regelmässig (jährlich)</span><br/> <span class="ft8">anfallendem Aufwand ist jedoch eine Abgabenerhebung auszu-</span><br/> <span class="ft8">schliessen, die an grundsätzlich einmaligen Ereignissen anschliesst.</span><br/> <span class="ft8">Daher können vorliegend die Anschlussgebühren nicht im UR erho-</span><br/> <span class="ft8">ben werden. Denn die landwirtschaftliche Abgabeerhebungsmög-</span><br/> <span class="ft8">lichkeit, die als speziellerer Erlass nur subsidiär zum im Baugesetz</span><br/> <span class="ft8">geregelten allgemeinen Erschliessungsfinanzierungsrecht anzuwen-</span><br/> <span class="ft8">den ist, beschränkt sich schon nach dem Wortlaut der kantonalen</span><br/> <span class="ft8">Norm (...) auf die Refinanzierung von Unterhaltsarbeiten und dort</span><br/> <span class="ft8">wieder auf übernommene Anlagen. Für alle anderen Abgaben können</span><br/> <span class="ft8">sich die Gemeinden nicht auf § 28 Abs. 1 LwG-AG stützen. Das geht</span><br/> <span class="ft8">auch aus dem Randtitel der einschlägigen Bestimmung von § 28</span><br/> <span class="ft8">LwG-AG hervor, welcher "Unterhalt der Bodenverbesserungswerke"</span><br/> <span class="ft8">lautet. Somit fehlt dem UR der Gemeinde M. die kantonalrechtliche</span><br/> <span class="ft8">Grundlage, soweit damit Anschlussgebühren gefordert werden</span><br/> <span class="ft8">sollen. Daran ändert auch das an der Verhandlung vom (...) der</span><br/> <span class="ft8">Sektion Strukturverbesserungen vorgelegte "Musterreglement"</span><br/> <span class="ft8">nichts. Das abgaberechtliche Legalitätsprinzip (...) kann nicht durch</span><br/> <span class="ft8">eine - hier übrigens unzutreffende - Empfehlung der Verwaltung</span><br/> <span class="ft8">umgangen werden. Der Abteilung Landwirtschaft, Sektion Struktur-</span><br/> <span class="ft8">verbesserungen, wird deshalb empfohlen, von der weiteren Verbrei-</span><br/> <span class="ft8">tung des "Musterreglements" in der vorliegenden Form Abstand zu</span><br/> <span class="ft8">nehmen.</span><br/></div> </div> </body> </html>