Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 14. April 2021 (810 20 268) ___________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Festlegung des Wohnsitzes Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Markus Clausen, Daniel Ivanov, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Martina Horni , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Christoph Gäumann, Rechtsanwalt Betreff Festlegung des Wohnsitzes (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 24. September 2020) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ (geb. 1992), wohnhaft in D.____, und C.__ __ (geb. 1974) wohnhaft in E.____ BL, sind die nicht miteinander verheirateten Eltern de r unter der gemeinsamen Sorge stehen- den Tochter F.____ (geb. 2016). Bei der Auflösung des gemeinsamen Haushalts im Jahr 2018 vereinbarten die Eltern, sich zu gleichen Teilen um F._ ___ kümmern zu wollen, und einigten sich darauf, dass F.____ ihren Wohnsitz beim Vater habe. Trotz eines seit der Trennung bestehenden chronischen Elternkonflikts konnte in der Fol ge die alternierende Obhut mit glei- chen Betreuungsanteilen umgesetzt werden. B. Mit E-Mail-Nachricht vom 10. Dezember 2018 beantra gte C.____ bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) das alleinige So rge- und Obhutsrecht über F.____ mit der Begründung, A.____ vernachlässige ihre Mutterpflichten. C. A.____ bestritt mit E-Mail-Nachricht vom 12. Dezembe r 2018 eine Gefährdung des Kin- deswohls von F.____ bei ihr und erwiderte, C.____ bringe F.____ nicht wie vereinbart zu ihr. D. Aufgrund des elterlichen Konflikts gingen bei der K ESB am 13. September 2018 und am 28. Dezember 2018 Gefährdungsmeldungen der Polizei Basel-Landschaft betreffend F.____ ein. E. Am 7. Mai 2019 hörte die KESB C.____ und A.____ im Beisein ihrer damaligen Anwäl- te an. F. Nachdem sich C.____ und A.____ über die Obhuts-/Betr euungsanteile geeinigt hatten, erteilte ihnen die KESB am 5. Juni 2019 die Weisung, sich durch die Familien- und Jugendbera- tung Birseck (FJB) zur Erarbeitung einer Ferienregelung und zur Klärung des Wohnsitzes von F.____ beraten zu lassen. Weiter errichtete die KESB für F.____ eine Erziehungsbeistandschaft und ernannte G.____ als Beistand. G. Am 17. Oktober 2019 teilte A.____, nunmehr vertre ten durch Martina Horni, Advokatin in Basel, der KESB mit, die Beratung sei gescheitert, weil C.____ nicht bereit sei, sachliche Gespräche zu führen. Vielmehr sei es in Bezug auf die Reg elung der Herbstferien 2019 erneut zu Uneinigkeiten gekommen. Auch habe keine Lösung in Be zug auf den künftigen Wohnsitz gefunden werden können. A.____ beantragte bei der K ESB, der Wohnsitz von F.____ sei defi- nitiv bei ihr zu begründen und es sei ein angemessenes Ferienrecht zu regeln. H. In der Folge wurden – nach Unregelmässigkeiten in d er Betreuungssituation – die Be- ratungs-/Vermittlungsgespräche wieder aufgenommen. I. Mit Schreiben vom 19. Mai 2020 gelangte A.____, v ertreten durch Advokatin Martina Horni, mit dem Antrag um Entscheid in der Wohnsitzfrage an die KESB, weil weder im Rahmen der Beratungsgespräche noch durch den Beistand eine Lösung habe gefunden werden können. C.____, vertreten durch Christoph Gäumann, Advokat in Dornach, nahm am 7. September 2020 dazu Stellung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Am 24. September 2020 entschied die KESB, dass der Wo hnsitz von F.____ beim Kindsvater in E.____ verbleibe. K. Dagegen hat A.____, vertreten durch Advokatin Marti na Horni, am 6. November 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- u nd Verwaltungsrecht (Kantons- gericht), erhoben. Sie beantragt, der Entscheid der KE SB vom 24. September 2020 sei teilwei- se aufzuheben und der Wohnsitz von F.____ sei bei ihr in D.____ festzulegen. L. Mit Vernehmlassung vom 14. Dezember 2020 beantragt der Beschwerdegegner, vertreten durch Advokat Christoph Gäumann, die Beschwerde sei abzuweisen und es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Die KESB hat auf eine Vernehmlassung verzich- tet. M. Am 23. Dezember 2020 informierte die Beschwerdefüh rerin das Kantonsgericht über ihre Hochzeit am 11. Dezember 2020 mit H.____. N. Der Beschwerdegegner reichte am 23. Dezember 2020 da s ausgefüllte Formular und die Belege zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege nach. O. Am 10. Februar 2021 bzw. 8. März 2021 reichten die Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin und des Beschwerdegegners ihre Honorarnoten ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbu chs (ZGB) vom 10. Dezem- ber 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB und § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuchs (EG ZGB) vom 16. Novembe r 2006 kann gegen Entscheide der KESB Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben werden . Das Verfahren richtet sich vorab nach den Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestim mungen des kantonalen Verwaltungs- prozessrechts, des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993, anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Gemäss Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteil igt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich gesc hütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als Ver- fahrensbeteiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert . Da auch die übrigen Prozessvoraus- setzungen nach den Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststell ung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Unangemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kanton sgericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid weder ü ber eine Änderung des Sorge- rechts noch über Änderungen der Betreuungsanteile, son dern einzig über die Frage des zivil- rechtlichen Wohnsitzes von F.____ entschieden. Daher bilde t nur die Frage der Feststellung des Wohnsitzes Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. 4.1 Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid a us, das behördliche Einschreiten erfordere in jedem Fall eine Kindeswohlgefährdung. E ine solche könne in einem Dauerkonflikt zwischen den Eltern liegen. Aufgrund der hälftigen Teilung der elterlichen Sorge und der paritä- tischen alternierenden Obhut müsse der Wohnsitz von F.____ anhand von weiteren Kriterien festgelegt werden. In Abwägung der von den Parteien vorgebrachten Argumentationen könne festgehalten werden, dass sich der Lebensmittelpunkt von F.____ beim Vater in E.____ befinde und dass ein solcher aufgrund der Umzüge der Mutter in D.____ nicht garantiert werden könne. Da keine Belege dafür vorlägen, dass F.____ bei der M utter in D.____ nicht fremdbetreut wer- den müsste, und da F.____ in E.____ bereits eine Kindertagesstätte (KITA) besuche und sich in einem stabilen Umfeld befinde, sei davon auszugehen, d ass eine Betreuung, die den Bedürf- nissen gerecht werde, in E.____ gewährleistet werden kö nne. Obwohl F.____ ihre Hobbies in D.____ ausübe, habe sie ihre Freunde in E.____. Ohne die abschliessende Regelung des Wohnsitzes stehe sowohl ihre Beschulung, als auch ihre Entw icklung und damit ihr Kindeswohl in Frage. Die vorliegende Kindeswohlgefährdung rechtfertige demnach einen behördlichen Ent- scheid. Eine Ummeldung nach D.____ würde für F.____ b edeuten, sich wieder umgewöhnen zu müssen, ihre jetzigen Freunde nicht mehr treffen zu können, und sich mit allfälligen weiteren Umzügen der Kindsmutter konfrontiert zu sehen. Da A.____ am 1. August 2018 den Wohnsitz von F.____ in E.____ bestätigt habe, sei dies auch weite rhin so beizubehalten und der Wohn- sitz von F.____ bleibe in E.____. 4.2 Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, Hinte rgrund der Vereinbarung des Wohn- sitzes von F.____ beim Beschwerdegegner im Jahr 2018 sei gewesen, dass sich der Kinds- vater in E.____ habe einbürgern lassen wollen, womit auch die Einbürgerung von F.____ vorge- sehen gewesen sei. Aufgrund des Wohnsitzerfordernisses hätten sie damals den Wohnsitz von F.____ nicht nach D.____ wechseln wollen. Da der Kindsvater sich in der Folge aber nicht habe einbürgern lassen bzw. sich aufgrund der im Raum stehen den strafrechtlichen Vorwürfe nicht habe einbürgern lassen können, stelle sich die Wohnsitz frage insofern von Neuem. Sie hätten sich ab Juni 2019 auf eine alternierende Obhut und fo lgende Betreuungsregelung geeinigt: montags und dienstags werde F.____ persönlich von ihr be treut und sie bringe F.____ am Mittwochmorgen in die KITA. Am Mittwochabend werde F. ____ vom Kindsvater in der KITA abgeholt, wo F.____ übernachte. Am Donnerstagmorgen w erde F.____ vom Kindsvater wieder in die KITA gebracht, wo sie gleichentags wieder vom Kin dsvater abgeholt werde. Den Freitag verbringe F.____ beim Kindsvater. Von Freitagabend bis Montagmorgen würden sie sich jedes zweite Wochenende mit der Betreuung abwechseln. Zwische nzeitlich gehe F.____ mittwochs nur noch am Nachmittag in die KITA, sodass sie am Mittw ochvormittag die Betreuung von F.____ übernommen habe. Sie sei daher die Hauptbetre uungsperson von F.____, da sie mehr Eigenbetreuung leiste als der Kindsvater. Künftig könnte sie F.____ auch am Mittwochnachmit- tag und am Donnerstag betreuen. Es sei zwar richtig, da ss F.____ ab und zu die Grosseltern sehe; es sei aber nicht wahr, dass die Grosseltern F.____ anstelle von ihr betreuen würden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgegenüber schicke der Kindsvater F.____ nicht nur in d ie KITA, sondern er lasse sie auch regelmässig von seiner Lebenspartnerin betreuen. Hinzu komme, dass sie – entgegen der Behauptungen des Kindsvaters – nicht aus D.____ wegzieh en werde. Ihre Familie und Freunde würden in D.____ leben und sie möchte sich nunmehr in D .____ einbürgern lassen. Sie lebe seit Oktober 2018 mit ihrem neuen Lebenspartner zusammen, sei mit diesem verlobt und plane die Hochzeit. Im Oktober 2020 sei sie innerhalb desselb en Quartiers umgezogen. Die neue Wohnung habe nicht nur einen Sitzplatz mit Gartenant eil, sondern habe auch den Vorteil, dass sie ihr Kosmetikstudio nicht mehr in der Wohnung betreib en müsse. Von einer fehlenden Sess- haftigkeit und einem fehlenden gefestigten Umfeld könn e bei ihr keine Rede sein. Der Argu- mentation der Vorinstanz, dass der Lebensmittelpunkt von F.____ in E.____ beim Kindsvater sei, könne nicht zugestimmt werden. F.____ verbringe ebenso viel Zeit in D.____ wie in E.____. F.____ habe im Quartier in D.____ auch ihre "Spielf reunde" und sie pflege in D.____ ihre Hob- bys, da sie einmal in der Woche ins Schwimmen und ins Tan zen gehe. In E.____ gehe F.____ keinem Hobby nach. Völlig unbeachtet gelassen habe die V orinstanz den Umstand, dass F.____ beim Kindsvater kein eigenes Zimmer habe, sonde rn das Zimmer mit einem Neugebo- renen teilen müsse. Wenig behilflich sei zu guter Let zt die Annahme der Vorinstanz, dass eine Ummeldung für F.____ eine Umgewöhnung bedeuten würde, da die alternierende Obhut gelebt werde, womit F.____ bereits jetzt zur Hälfte (oder sog ar noch ein bisschen mehr) bei ihr lebe. Sie könne zudem in der jetzigen Situation besser auf d ie Bedürfnisse von F.____ eingehen, weshalb der Wohnsitz von F.____ bei ihr in D.____ festzulegen sei. 4.3 Der Beschwerdegegner macht geltend, dass die strafr echtlichen Verfahren, die mo- mentan seiner Einbürgerung entgegenstehen würden, von der Beschwerdeführerin angestrengt worden seien. Die Beschwerdeführerin sei nicht zimperli ch, ihre Interessen durchzusetzen und unternehme alles, um ihn in einem schlechten Licht ersch einen zu lassen. Es habe sich keine neue Situation ergeben, welche einen Wechsel des Wohnsi tzes rechtfertigen würde. Er habe mit der Beschwerdeführerin vereinbart, dass die Betreuu ng bei ihr durch sie persönlich erfolge, was nachweislich nicht geschehen sei. In Bezug auf die ge plante Einbürgerung der Beschwer- deführerin vergesse sie zu erwähnen, dass auch gegen sie ein Strafverfahren laufe, weil sie ihn vor seiner Haustüre geschlagen habe. Auch sei seine fina nzielle Situation – im Gegensatz zu derjenigen der Beschwerdeführerin – stabil. Die Beschwer deführerin habe sich nie finanziell an irgendwelchen Kosten für das Kind beteiligt. 5.1 Dem Wohnsitz kommt generell die Bedeutung zu, ein e örtliche Verknüpfung zu einer einzelnen Person herzustellen. Von dieser örtlichen Verknü pfung leiten sich Rechtsfolgen wie die Bestimmung der örtlichen Zuständigkeit von Gericht und Behörden (z.B. KESB) ab. Der Wohnsitz dient somit der Individualisierung und räumlichen Zuordnung (URS VOGEL , Der Wohn- sitz des minderjährigen Kindes im Zivil- und Sozialhilfe recht, in: Fankhauser/Reus- ser/Schwander [Hrsg.], Brennpunkt Familienrecht, Festschr ift für Thomas Geiser zum 65. Ge- burtstag, 2017, S. 577 f.). Der zivilrechtliche Wohnsitz gemäss den Art. 23 ff. ZGB ist im ganzen Bereich des Privatrechts massgebend. Ebenso kann der Woh nsitz des Kindes für den Ort der Einschulung ausschlaggebend sein (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom 3. August 2016 E. 4.3, in: Luzernische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [LGVE] 2016 II Nr. 10; Bericht des Bundesrats in Erfüllung des Postulats RK-NR 15.3003 "Alt ernierende Obhut – Klärung der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsgrundlagen und Lösungsvorschläge" [Bericht Alterni erende Obhut] vom 8. Dezember 2017, S. 22; A NDREA BÜCHLER /S ANDRO CLAUSEN , in: FamKomm Scheidung Band I ZGB, 3. Auflage, 2017, Art. 298 N 12). Im Kanton Basel-L andschaft wird die Primarstufe (Kindergar- ten und Primarschule) in der Regel in der Wohngemeinde besucht (§ 23 Abs. 1 und § 26 Abs. 1 des Bildungsgesetzes vom 6. Juni 2002), wobei Erziehungsberechtigte, die ihr Kind den Kinder- garten anstatt in der Wohngemeinde in der Tagesaufen thaltsgemeinde besuchen lassen möch- ten, ein entsprechendes Gesuch an den Gemeinderat der W ohnortgemeinde stellen können (§ 10 der Verordnung über den Kindergarten und die Primarschule vom 13. Mai 2003). Im öffentlichen Recht wird der Wohnsitzbegriff autonom bestimmt (Bericht Alternierende Obhut, a.a.O., S. 22; vgl. BGE 144 V 299 E. 5.2). Nicht rel evant ist der rechtliche Wohnsitz des Kindes bei der Einbürgerung. In die Einbürgerung werden in der Regel die minderjährigen Kinder der Bewerberin oder des Bewerbers einbezogen, wenn sie mit dieser oder diesem zusammenleben (Art. 30 des Bundesgesetzes über das Schweizer Bürgerrecht [Bürgerrechtsgesetz, BüG] vom 20. Juni 2014). Der Einbezug ist möglich, sofern die gesuchstellende Person mindestens zu 50 Prozent die Kinderbetreuung innehat, unabhängig vom rechtlichen Wohnsitz des Kindes. Der Einbezug ist jedoch nicht möglich, wenn die mind erjährigen Kinder nicht mit dem gesuch- stellenden Elternteil zusammenleben und zum überwiegenden Teil durch den anderen Elternteil betreut werden (Staatsekretariat für Migration [SEM] , Handbuch Bürgerrecht, Kapitel 3: Or- dentliche Einbürgerung vom 14. Januar 2021, Ziff. 311/41). 5.2 Art. 25 ZGB regelt den zivilrechtlichen Wohnsitz Min derjähriger. Minderjährige haben grundsätzlich einen abgeleiteten Wohnsitz, sie können im U nterschied zu Volljährigen ihren Wohnsitz nicht frei und selbstbestimmt wählen (V OGEL , a.a.O., S. 578; D ANIEL STAEHELIN , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar ZGB I, 6. Auflage, 2018, Art. 25 N 1). Als Wohnsitz des Kindes unter elterlicher Sorge gilt der Woh nsitz der Eltern oder, wenn die Eltern keinen gemeinsamen Wohnsitz haben, der Wohnsitz des Elte rnteils, unter dessen Obhut das Kind steht; in den übrigen Fällen gilt sein Aufentha ltsort als Wohnsitz (Art. 25 Abs. 1 ZGB). Bevormundete Kinder haben ihren Wohnsitz am Sitz der K indesschutzbehörde (Art. 25 Abs. 2 ZGB). Steht das Kind unter der elterlichen Sorge beider Eltern und haben diese keinen gemein- samen Wohnsitz, so befindet sich der Wohnsitz des Kindes a m Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Obhut das Kind steht (BGE 136 III 353 E. 3.2). Dies gilt sowohl für getrennt lebende, wie auch für nicht getrennt lebende Eltern. Dementspr echend würde sich der Wohnsitz des Kindes ändern, wenn sich die tatsächliche Obhut ändert . Nach Schweizer Recht kann aber nie- mand an mehreren Orten zugleich seinen Wohnsitz haben, was auch für Minderjährige gilt: Selbst im Fall der alternierenden Obhut kann das Kin d nur einen (zivilrechtlichen) Wohnsitz haben (Bericht Alternierende Obhut, a.a.O., S. 22). Zwecks Vermeidung von hüpfenden Wohn- sitzen richtet sich der Wohnsitz des Kindes bei asymmetrischen Betreuungsverhältnissen nach dem Wohnsitz des hauptsächlich betreuenden Elternteils (STAEHELIN , a.a.O., Art. 25 N 5, mit Hinweisen). Bei gemeinsamer Sorge, nicht gemeinsamem Wo hnsitz und alternierender Obhut ist an jenen Aufenthaltsort anzuknüpfen, zu dem das Kin d einen stärkeren Bezug hat. Das muss nicht zwingend durch die Häufigkeit der Anwesenhei t bestimmt sein, es können auch familiäre Bindungen (Erziehungsverantwortliche, Geschwiste r, Grosseltern etc.) oder ausser- familiäre soziale Verknüpfungen (z.B. Schule, Ausbildun g, Sportverein, Peergroup) sein (VOGEL , a.a.O., S. 579). Lässt sich die engste Bindung des Kin des zu einem Ort nicht fest-Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellen, was namentlich bei symmetrischen Betreuungsverhält nissen der Fall ist, sollen in der Praxis die Eltern gemeinsam den zivilrechtlichen Wohnsitz des Kindes bestimmen (S TAEHELIN , a.a.O., Art. 25 N 5, mit Hinweisen). Gesetzlich nicht vo rgesehen ist, dass die Gerichte oder die KESB in einem Entscheid festhalten, wo das Kind seinen Wohnsitz hat (T HOMAS GEISER , Umsetzung der gemeinsamen elterlichen Sorge durch die Gerichte, in: Aktuelle Juristische Pra- xis [AJP] 2015, S. 1105; vgl. in diesem Sinne auch: Urte il des Kassationsgerichts Zürich vom 6. Februar 2002, in: Blätter für Zürcherische Rechtsp rechung [ZR] 102/2003 S. 191). Können sich die Eltern nicht einigen, soll nach der Lehre das Gericht oder die KESB den zivilrechtlichen Wohnsitz festlegen können (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar ZGB I, 6. Auflage, Basel 20 18, Art. 298 N 9; G EISER , a.a.O., S. 1105; B ÜCHLER /C LAUSEN , a.a.O., Art. 298 N 12; S TAEHELIN , a.a.O., Art. 25 N 5; K URT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , Berner Kommentar: Zivilgesetzbuch/Die elterliche Sorge /Der Kindesschutz Art. 296-317 ZGB, 2016, Art. 298 N 51 i. V.m. Art. 298b N 19; V OGEL , a.a.O., S. 579 f.). Verändern sich nachträglich die Verhältnisse bezüglich Betreuung oder der mass- geblichen Anknüpfungspunkte, so können die Eltern bei Einigkeit den Wohnsitz neu festlegen, bei Uneinigkeit ist das Gericht oder die Kindesschutzbehö rde zuständig (Art. 134 Abs. 3 ZGB, Art. 298d Abs. 2 ZGB; V OGEL , a.a.O., S. 580; P ATRICK FASSBIND , Belassung, Erhalt und Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge als Regelf all, in: Zeitschrift für Kindes- und Er- wachsenenschutz [ZKE] 2014, S. 95 Fn. 30). 6. In Bezug auf den vorliegend umstrittenen Wohnsitz vo n F.____ ist den Akten zu ent- nehmen, dass die Eltern vereinbart hatten, dieser solle beim Beschwerdegegner sein. Weiter ergibt sich aus den Akten, dass die Eltern im Rahmen der Trennung vereinbart hatten, sich zu gleichen Teilen um die gemeinsame Tochter kümmern zu wollen. An diese Vereinbarung haben sich die Eltern in der Folge trotz des zwischen ihnen herrschenden Dauerkonflikts gehalten, und F.____ wurde seit der Trennung von beiden Elternteile n weitgehend zu gleichen Teilen betreut. Sodann kann den Akten entnommen werden, dass sowohl die Beschwerdeführerin als auch der Beschwerdegegner erziehungsfähig sind und ihrer Tochter F.____ eine kindesgerechte Wohnung sowie ein stabiles Umfeld bieten. Seit dem Ab schluss der Vereinbarung über die Betreuungsanteile und den Wohnsitz sind sowohl die Besch werdeführerin als auch der Be- schwerdegegner umgezogen. Diese Umzüge in der näheren Um gebung hatten jedoch un- bestrittenermassen keine relevanten Auswirkungen auf die elterliche Sorge und das gelebte Betreuungskonzept. Daraus folgt, dass F.____ aktuell weite rhin jeweils zur Hälfte vom Vater und von der Mutter betreut und unabhängig vom formel len Entscheid über ihren zivilrechtlichen Wohnsitz unverändert im angestammten Umfeld sowohl in E. ____ als auch in D.____ verblei- ben wird. Soweit die Parteien im Übrigen Einwände g egen die Betreuung von F.____ durch die Lebenspartnerin des Vaters bzw. durch die Grosseltern müt terlicherseits erheben, sind sie an die in Art. 301 Abs. 1 bis Ziff. 1 ZGB vorgesehene Alleinentscheidungskompetenz d es betreuen- den Elternteils für alltägliche Angelegenheiten zu eri nnern. Danach kann der Elternteil, der das Kind betreut, allein entscheiden, wenn die Angelegen heit alltäglich oder dringlich ist. Als alltäglich gelten z.B. Entscheidungen über Freizeitgesta ltung des Kindes (vgl. SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., Art. 301 N 3c; A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., Art. 301 N 30). In Anbetracht dessen, dass sich die Verhältnisse bezüglic h der Betreuungssituation seit dem Abschluss der Vereinbarung über den Wohnsitz nicht nach träglich verändert haben, hatte die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorinstanz keine Veranlassung einen Wechsel des bisherig en Wohnsitzes vorzunehmen, wes- halb nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz festgest ellt hat, der Wohnsitz von F.____ verbleibe weiterhin beim Kindsvater in E.____. Dazu ko mmt, dass der von der Beschwerde- führerin als Begründung für den Wohnsitzwechsel angeführ te Einbürgerungswunsch nicht vom zivilrechtlichen Wohnsitz abhängt und die Festlegung des zivi lrechtlichen Wohnsitzes die Ein- schulung nicht zwingend präjudiziert (siehe vorne E. 5.1) . Zusammenfassend sind somit keine Gründe ersichtlich, die einen Wechsel des zivilrechtlichen Wohnsitzes von F.____ rechtfertigen könnten. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 7.1 Es bleibt über die Verlegung der Kosten zu befinde n. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Ver fahrenskosten umfassen die Gerichtsge- bühren und die Beweiskosten und werden in der Regel de r unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist dem an- waltlich vertretenen Beschwerdegegner eine Parteientsch ädigung zu Lasten der Beschwerde- führerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners weist in seiner Honorarno- te vom 8. März 2021 einen Zeitaufwand von 11.0833 Std . à Fr. 200.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 279.90 aus, was nicht zu beanstanden ist. De mzufolge hat die Beschwerdeführe- rin dem Beschwerdegegner eine Parteientschädigung in d er Höhe von insgesamt Fr. 2'688.80 (inkl. 7.7 % MWST) auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner e ine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 2'688.80 auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiber