<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">327</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>73</b></span> <span class="ft2"><b>Gewinnsteuer; Steuer-/Handelsbilanz (Art. 62 Abs. 4 DBG)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Abweichen der Steuerbilanz von der Handelsbilanz bei der Auflö-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sung von nicht mehr geschäftsmässig begründeten Rückstellungen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf Beteiligungen</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">26. März 2009 in Sachen S. AG, 3-BB.2007.2.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die S. AG hält verschiedene Beteiligungen, so auch Beteili-</span><br/> <span class="ft1">gungen an der K. AG und der O. GmbH. Mit der Steuererklärung für</span><br/> <span class="ft1">das Steuerjahr 2004 deklarierte die S. AG einen Reingewinn von</span><br/> <span class="ft1">CHF 2'217'362.00. In diesem Betrag wurde unter der Rubrik "Der</span><br/> <span class="ft1">Erfolgsrechnung belastete und nicht begründete Rückstellungen und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">328</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Abschreibungen inkl. Wegfall der geschäftsmässigen Begründetheit</span><br/> <span class="ft1">von Rückstellungen" eine Veränderung von CHF 482'759.00 dekla-</span><br/> <span class="ft1">riert. Dabei handelt es sich um Aufwertungen der Beteiligungen an</span><br/> <span class="ft1">der K. AG von CHF 390'000.00 und der O. GmbH von</span><br/> <span class="ft1">CHF 92'759.00. In der Handelsbilanz des Geschäftsjahres 2004</span><br/> <span class="ft1">wurden die Aufwertungen jedoch nicht verbucht.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz hat diese Aufwertungen als nicht zulässig er-</span><br/> <span class="ft1">achtet und die Beschwerdeführerin mit einem Reingewinn von</span><br/> <span class="ft1">CHF 1'734'603.00 veranlagt. Die Beschwerdeführerin beantragt die</span><br/> <span class="ft1">Veranlagung mit einem Reingewinn von CHF 2'217'362.00 und die</span><br/> <span class="ft1">Erhöhung der versteuerten stillen Reserven auf den Beteiligungen</span><br/> <span class="ft1">K. AG und O. GmbH gemäss Deklaration mit der Steuererklärung</span><br/> <span class="ft1">2004.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin beantragt die Erhöhung des steuerli-</span><br/> <span class="ft1">chen Reingewinnes, was zu einer Erhöhung der direkten Bun-</span><br/> <span class="ft1">dessteuer führen müsste. Trotz der Erhöhung des Reingewinnes re-</span><br/> <span class="ft1">sultiert daraus keine Erhöhung der direkten Bundessteuer, da der</span><br/> <span class="ft1">Beteiligungsabzug so oder anders über 100 % liegt. Dennoch ist die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin beschwert, da die Festlegung der versteuerten</span><br/> <span class="ft1">stillen Reserven Einfluss auf einen (zukünftigen) steuerbaren Rein-</span><br/> <span class="ft1">gewinn haben kann, falls der Beteiligungsabzug auf unter 100 %</span><br/> <span class="ft1">sinken sollte. Ein schutzwürdiges Interesse als Voraussetzung der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdelegitimation ist daher gegeben (vgl. VGE vom 4. März</span><br/> <span class="ft1">2004 in Sachen E. AG [BE.2002.00294]). Auf die Beschwerde ist</span><br/> <span class="ft1">somit einzutreten.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin die Aufwertung</span><br/> <span class="ft1">der Beteiligungen mit der damit verbundenen Erhöhung der ver-</span><br/> <span class="ft1">steuerten stillen Reserven in der Handelsbilanz für das vom 1. Januar</span><br/> <span class="ft1">bis 31. Dezember 2004 dauernde Geschäftsjahr nicht verbucht hat.</span><br/> <span class="ft1">Dazu bestand handelsrechtlich keine Grundlage (insbesondere keine</span><br/> <span class="ft1">Situation, die die Beschwerdeführerin gemäss Art. 655a, 667 oder</span><br/> <span class="ft1">670 OR zu einer Aufwertung hätte veranlassen können). Sie ging</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">damit davon aus, dass die vorgenommenen Wertberichtigungen noch</span><br/> <span class="ft1">angemessen und nicht zu korrigieren waren. Die Revisionsstelle</span><br/> <span class="ft1">beanstandete die Beteiligungswerte aus handelsrechtlicher Sicht</span><br/> <span class="ft1">nicht. Die zur vorfrageweisen Prüfung verpflichtete Steuerbehörde</span><br/> <span class="ft1">hat in Bezug auf die Bewertung der Beteiligungen ebenfalls keine</span><br/> <span class="ft1">Handelsrechtswidrigkeit festgestellt. Damit ist die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin an die Handelsbilanz und die dort festgeschriebenen Buchwerte</span><br/> <span class="ft1">gebunden. Eine Realisation hätte im Rahmen des Realisations-</span><br/> <span class="ft1">prinzips und der Massgeblichkeit der Handelsbilanz nicht erzwungen</span><br/> <span class="ft1">werden können.</span><br/> <span class="ft1">5.3.</span><br/> <span class="ft1">5.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Es ist nachfolgend zu prüfen, ob eine steuerrechtliche Vorschrift</span><br/> <span class="ft1">eine Korrektur der handelsrechtskonformen Beteiligungswerte er-</span><br/> <span class="ft1">forderlich machte.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin sieht eine solche steuerliche Korrek-</span><br/> <span class="ft1">turvorschrift in Art. 62 Abs. 4 DBG, wonach nicht mehr begründete</span><br/> <span class="ft1">Wertberichtigungen sowie Abschreibungen auf den Gestehungs-</span><br/> <span class="ft1">kosten von qualifizierten Beteiligungen von mindestens 20 % dem</span><br/> <span class="ft1">steuerbaren Reingewinn zuzurechen seien.</span><br/> <span class="ft1">5.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Mit Art. 62 Abs. 4 DBG wird - beim Vorliegen der Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zungen - eine (steuerliche) Zwangsaufwertung statuiert (M. Greter,</span><br/> <span class="ft1">Der Beteiligungsabzug im harmonisierten Gewinnsteuerrecht,</span><br/> <span class="ft1">Diss. Zürich 2000, S. 233), auch wenn gegen den Willen der Steuer-</span><br/> <span class="ft1">pflichtigen lediglich Tatbestände korrigiert werden sollten, welche</span><br/> <span class="ft1">einer Steuerumgehung nahekommen (Kommentar zum schweizeri-</span><br/> <span class="ft1">schen Steuerrecht, Band I/2a, 2. Auflage, Basel 2008, Art. 62 DBG N</span><br/> <span class="ft1">24). Grundsätzlich gelten aber stille Reserven, die sich auf einer</span><br/> <span class="ft1">abgeschriebenen oder wertberichtigten Beteiligung von mehr als</span><br/> <span class="ft1">20 % als Folge eines Wertzuwachses bilden, bis zum Umfang der</span><br/> <span class="ft1">früheren Abschreibungen bzw. Wertberichtigungen als realisiert.</span><br/> <span class="ft1">Bei Art. 62 Abs. 4 DBG handelt es sich damit zweifellos um</span><br/> <span class="ft1">eine steuerliche Korrekturvorschrift. Art. 62 Abs. 4 DBG stellt ge-</span><br/> <span class="ft1">rade einen (systemwidrigen) Einbruch in das Realisationsprinzip und</span><br/> <span class="ft1">das Massgeblichkeitsprinzip dar. Handelsrechtlich ist im Zwangsauf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wertungsfall weder ein Gewinn realisiert worden noch eine Buchung</span><br/> <span class="ft1">vorzunehmen (M. Greter, a.a.O., S. 238 und S. 240; Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">schweizerischen Steuerrecht, a.a.O., Art. 62 DBG N 30).</span><br/> <span class="ft1">5.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten wurde die Einsprache unter alleinigem</span><br/> <span class="ft1">Verweis auf das Massgeblichkeitsprinzip und die fehlende Verbu-</span><br/> <span class="ft1">chung in der Handelsbilanz zu Unrecht abgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">Das KStA hätte in Anwendung von Art. 62 Abs. 4 DBG und in</span><br/> <span class="ft1">Berücksichtigung der mit Kreisschreiben Nr. 9 der Eidgenössischen</span><br/> <span class="ft1">Steuerverwaltung vom 9. Juli 1998 (Auswirkungen des Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">setzes über die Reform der Unternehmensbesteuerung 1997 auf die</span><br/> <span class="ft1">Steuerermässigung auf Beteiligungserträgen von Kapitalgesellschaf-</span><br/> <span class="ft1">ten und Genossenschaften, Ziff. 2.5.2.) aufgestellten Kriterien die</span><br/> <span class="ft1">Zulässigkeit und die Angemessenheit der mit der Steuererklärung im</span><br/> <span class="ft1">Jahr 2004 deklarierten Aufwertungen auf Beteiligungen sowie die</span><br/> <span class="ft1">Einhaltung des Periodizitätsprinzips prüfen müssen.</span><br/> <span class="ft1">Zwar besteht keine Deklarationspflicht der Steuerpflichtigen für</span><br/> <span class="ft1">vorzunehmende Korrekturen nach Art. 62 Abs. 4 DBG. Wird wie im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall die fehlende Begründetheit der Abschreibung bzw.</span><br/> <span class="ft1">einer Wertberichtigung angezeigt, muss die Steuerbehörde eine</span><br/> <span class="ft1">Überprüfung vornehmen.</span><br/> <span class="ft1">Es ist nicht Sache des Steuerrekursgerichtes, erstinstanzlich</span><br/> <span class="ft1">über die Angemessenheit der Aufwertung und die periodengerechte</span><br/> <span class="ft1">Zurechnung zu entscheiden. Der angefochtene Einspracheentscheid</span><br/> <span class="ft1">ist daher aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung im</span><br/> <span class="ft1">Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>