Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. September 2017 (720 17 53 / 248) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Berichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Roman Felix, Advokat, Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1957 geborene A.____ arbeitete bis 2007 als Betriebsarbeiterin zu 100% und zu- sätzlich stundenweise als Reinigungsfrau. Am 30. No vember 2007 meldete sie sich wegen rheumatischen Beschwerden zum Leistungsbezug bei de r IV-Stelle Basel-Landschaft an. Mit Verfügungen vom 17. und 26. August 2011 sprach die IV-Stelle A.____ gestützt auf das Gut- achten des Begutachtungszentrums (BEGAZ) vom 15. No vember 2009 eine halbe IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rückwirkend ab 1. Mai 2008 zu. Mit Urteil vom 25. Oktober 2012 bestätigte das Kantonsgericht die Rentenverfügungen der IV-Stelle. Mit Schreiben vom 19. Februar 2016 berichtete der Hausarzt von A.____, Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Medizin, von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Neben der schweren rheumatischen E rkrankung schränke nun eine koronare Herzerkrankung die Arbeitsfähigkeit zusätzl ich ein. Die IV-Stelle klärte daraufhin die medizinische Situation ab und kam zum Schluss, dass sich der Gesundheitszustand nicht massgeblich verändert habe. Mit Verfügung vom 20. Janu ar 2017 lehnte sie eine Erhöhung der IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Eingabe v om 17. Februar 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte sinngemäss die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung und die Erhöhung der IV-Rente. Sie sei zu 100% arbeitsun- fähig. Ergänzend reichte sie einen Bericht von Dr. B.__ __ vom 14. Februar 2017 ein, der eine gutachterliche rheumatologische Beurteilung als unabdin gbar erachtete für einen definitiven Entscheid in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit. C. Mit Vernehmlassung vom 12. April 2017 beantragte di e IV-Stelle mit Verweis auf die Stellungnahme vom 30. März 2017 von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 14. Juni 2017 beantragte A.____, nu n vertreten durch Advokat Roman Felix, die angefochtene Verfügung vom 20. Januar 2017 sei aufzuheben und die IV-Stelle an- zuweisen, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Sie m achte geltend, dass die Beschwer- degegnerin die Angelegenheit lediglich dem RAD-Psychiat er Dr. C.____ zur Stellungnahme unterbreitet habe. Dieser sei bereits aufgrund seiner Fachrichtung nicht geeignet, das Krank- heitsbild abschliessend zu beurteilen. Daran ändere ni chts, dass er seinen vorherigen Bericht vom 31. Oktober 2016 mit einem Kollegen aus dem Fachge biet der Allgemeinen Medizin be- sprochen habe. Zu beurteilen seien in erster Linie rhe umatologische Leiden, wobei nun aber auch zahlreiche internistische Diagnosen hinzugetreten seien. Zu beanstanden sei deshalb, dass das polymorbide Krankheitsbild nicht gesamtheitlic h und unter Berücksichtigung allfälliger Wechselwirkungen gewürdigt worden sei. Es dränge sich so mit eine erneute polydisziplinäre Abklärung auf. E. Die IV-Stelle hielt mit Duplik vom 28. Juni 2017 an ihrem Abweisungsantrag fest. Sie verwies auf die Stellungnahme von Dr. C.____ vom 26. Jun i 2017. Die Versicherte sei einge- hend polydisziplinär vom BEGAZ abgeklärt worden, der Gesundheitszustand sei verlaufsmässig und aktuell sehr gut dokumentiert. Es lägen keine Gründe für eine erneute umfangreiche Abklä- rung vor. F. Mit Eingabe vom 11. Juli 2017 bemängelte der Rechts vertreter der Beschwerdeführerin, dass Dr. C.____ abermals als fachfremder Arzt in der Sac he Stellung nehme. Der Verweis auf das Gutachten des BEGAZ aus dem Jahre 2009 sei unbehelfli ch. Mit Blick auf die hinzuge- kommenen neuen Diagnosen sei offensichtlich, dass eine um fassende Neubeurteilung notwen- dig sei. Auch äussere sich der RAD-Arzt erneut isoliert zu einzelnen gesundheitlichen Proble- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht men. Eine medizinische Gesamtbetrachtung mit Berücksichtig ung allfälliger Wechselwirkungen fehle dagegen. Ferner sei auch das Fibromyalgiesyndrom bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit zu beachten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 17. Februar 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Ans pruchs (Viertelsrente, halbe Rente, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dreiviertelsrente, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2 IVG) au swirkt (BGE 134 131 E. 3). Ein Revisi- onsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicher- ten Person, wozu namentlich der Gesundheitszustand gehört . Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologisch e Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann som it nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden. Umgek ehrt ist - bei an sich gleich geblie- benem Gesundheitszustand - eine Angewöhnung oder Anpass ung an die Behinderung, welche zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führt, revisi onsrechtlich von Bedeutung (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5. 1 mit zahlreichen Hinweisen). Dar- über hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn si ch die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Ein Revisions- grund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, we nn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wan dlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). 5.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens zurückzuführen (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3, Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtl ichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in i hrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Die Feststellung üb er eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist genügend unterm auert, wenn die ärztlichen Sachver- ständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.2 mit Hinweis). 5.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4; vgl. 130 V 71 E. 3.2.3). Vor liegend sprach die IV-Stelle der Versicher- ten mit Verfügungen vom 17. und 26. August 2011 rückwirkend ab 1. Mai 2008 eine halbe Ren- te zu. Im Februar 2016 ersuchte die Versicherte mit de m Hinweis, dass sich ihr Gesundheitszu- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht stand verschlechtert habe, um Erhöhung der laufenden R ente. Gestützt auf die in der Folge vorgenommenen medizinischen Abklärungen lehnte die IV-S telle dieses Gesuch mit Verfügung vom 20. Januar 2017 ab. Somit beurteilt sich die Frage , ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise E rhöhung der bis anhin ausgerichteten halben Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten, auf einer einlässlichen materiellen Prüfung des Rentenanspr uchs beruhenden Verfügungen vom 17. und 26. August 2011 bestanden hat, mit demjenige n im Zeitpunkt der vorliegend angefoch- tenen Verfügung vom 20. Januar 2017. 6. Die entscheidende, von den Parteien unterschiedlich beantwortete Frage des vorlie- genden Verfahrens ist, ob ein Revisionsgrund im Sinne d es Art. 17 ATSG gegeben ist. In die- sem Zusammenhang ist als Erstes zu klären, ob sich der Gesundheitszustand und der Grad der Arbeitsfähigkeit der Versicherten seit den Rentenverfügungen im Jahr 2011 in einer anspruchs- erheblichen Weise verschlechtert haben. 6.1 Beim Erlass ihrer Verfügungen vom 17. und 26. Aug ust 2011 stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf da s von ihr eingeholte polydisziplinäre Gutachten des BEGAZ vom 15. November 2009. Das Gutachten basiert auf der allgemeinme- dizinischen Untersuchung von Dr. med. D.____, der psychiat rischen Abklärung von Dr. med. E.____ sowie der rheumatologischen Begutachtung von Dr. med. F.____. Dr. E.____ stellte eine leichte depressive Störung fest. Die Versicherte wei se relativ geringe Ressourcen auf, wodurch sich die leichte depressive Störung etwas stärker auswirke. Sie sei bei der Ausübung einer ganztägigen Arbeit vermindert leistungsfähig. Die Einschränkung betrage allerdings höchstens 20 % und bestehe seit Februar 2007. Dr. F._ ___ diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rheumatoide Arthritis, ein lumbales und cervicales Schmerzsyndrom, eine mediale Gonarthrose, eine beginnende Retropatel lararthrose beidseits, eine Radiocarpa- larthrose sowie eine Coxarthrose beidseits. Bei der V ersicherten lägen verschiedene Be- schwerden vor, basierend auf einer entzündlich-rheumati schen Erkrankung, degenerativen Veränderungen und einer somatisch nicht vollständig erkl ärbaren Schmerzproblematik. Die Ar- beitsfähigkeit sei dadurch eingeschränkt. Der Versicherte n seien aus rheumatologischer Sicht nur noch körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende und rückenadaptierte Tätigkei- ten zu 70 % zumutbar. Dabei seien repetitive Rotation sbewegungen mit dem Oberkörper, Zwangshaltungen – insbesondere vornüber gebeugte Halt ungen – vermehrtes Treppensteigen, Arbeiten im Knien sowie monotone oder repetitive ma nuelle Tätigkeiten zu vermeiden. Die Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit in einer adaptierten T ätigkeit ergebe sich aus der Schmerzsymptomatik und dem damit verbundenen Bedarf, meh rmals pro Arbeitstag kurze Pausen einschalten zu müssen. Der langfristige Verlauf der rheumatoiden Arthritis sei schwierig abschätzbar. Auch wenn heutzutage deutlich bessere Therapieoptionen als noch vor 15 Jahren zur Verfügung ständen, könne es durchaus sein, dass sich d ie entzündlich-rheumatische Er- krankung in Zukunft stärker auf die Arbeitsfähigkeit au swirken werde als aktuell. Es könnten sich auch zu einem späteren Zeitpunkt Spät- oder Folge schäden der entzündlich- rheumatischen Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. In Konklusion kamen die Gutach- ter zum Schluss, dass die rheumatologische Einschätzung massgeb end sei und folglich eine Arbeitsfähigkeit von 70 % für leichte bis mittelschwer e Tätigkeiten bestehe. Die Einschränkung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei darin berücksichtigt und wirke sich demnach nicht kumulativ aus. Gestützt auf diese medizinische Sachla ge sprach die IV-Stelle der Versi- cherten eine halbe IV-Rente rückwirkend ab 1. Mai 2008 zu. 6.2 Dr. B.____ berichtete mit Schreiben vom 19. Februa r 2016 von einer Gesundheitsver- schlechterung der Versicherten. Insbesondere sei eine k oronare Herzkrankheit festgestellt wor- den, welche die Arbeitsfähigkeit neben der rheumatischen schweren Erkrankung zusätzlich ein- schränke. Er verwies zudem auf den behandelnden Rheumato logen, Dr. med. G.____, und die behandelnde Ärztin, Dr. med. H.____, FMH Allgemeine und Innere Medizin sowie Endokrinolo- gie-Diabetologie. 6.3 Die IV-Stelle holte daraufhin aktuelle medizinisch e Berichte bei Dr. G.____, Dr. H.____ und der kardiologischen Abteilung des Spitals I.____ e in. Seitens der Kardiologie wurden zwei Berichte vom 8. Januar 2016 von Dr. med. J.____, FMH K ardiologie, sowie vom 21. Januar 2016 von Dr. med. K.____, FMH Kardiologie, eingereic ht. Dr. J.____ diagnostizierte eine atypi- sche angina pectoris, eine beginnende leichte, degenera tive Aortenklappenstenose, eine gastric sleeve resection (Schlauchmagen) 11/2011 bei Adi positas per magna, eine rheumathoi- de Arthritis sowie eine substituierte Hypothyreose (Schi lddrüsenunterfunktion). Aufgrund der kardiovaskulären Risikofaktoren, der atypischen pektanginösen Beschwerden sowie der nach- gewiesenen Arteriosklerose im Bereich der Aorta bestehe eine intermediäre Vortestwahrschein- lichkeit für eine koronare Herzkrankheit. Am 21. Januar 2 016 fand eine Myokardperfusionsszin- tigraphie mit Funktionsanalyse statt. Im Ergebnis kam Dr. K.____ zum Schluss, dass eine koro- nare Herzerkrankung wahrscheinlich sei. Bei nicht relevanter Ischämie werde weiterhin ein kon- servatives Vorgehen empfohlen. Zur Arbeitsfähigkeit wur den keine Ausführungen gemacht. Dr. H.____ berichtete mit Schreiben vom 16. Juni 2016, dass sie die Versicherte zuletzt vor mehr als einem Jahr gesehen habe und davor auch nur ei nmal zur Kontrolle der Blutwerte im Jahr 2012 nach der gastric sleeve resection. Zur Frage de r Arbeitsfähigkeit könne sie keine neuen Informationen liefern. Die Gründe für die red uzierte Arbeitsfähigkeit lägen in Erkrankun- gen des Bewegungsapparates, von Seiten der metabolischen Befunde bestehe keine Ein- schränkung. Schliesslich äusserte sich Dr. G.____ am 7. Juni 2016 zum aktuellen Gesundheitszustand der Versicherten. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbei tsfähigkeit nannte er eine erosive, anti-cpp-positive rheumatoide Arthritis mit Schwerpunktb efall Hände und Füsse sowie Knie beidseits (06/2007). Humoral liege keine erhöhte ent zündliche Aktivität vor. Weiter erwähnte er ein sekundäres Fibromyalgiesyndrom (18 von 18 positiven Tender points, 19 von 19 VSP- Arealen), eine Polyarthrose, eine Coxarthrose und ein e mediale Gonarthrose beidseits, ein sensomotorisches, symptomatisches Karpaltunnelsyndrom rechts, ei n chronisches Panver- tebralsyndrom mit Schwerpunktbefall zervikothorakaler und thorakolumbaler Übergang sowie tief lumbal, degenerative Veränderungen mit Spondyla rthrosen und Ostechondrosen der LWS sowie eine Spinalkanalstenose L3/4 und L4/5, eine substi tuierte Hypothyreose, eine Adipositas Grad III, einen Status nach Magenreduktionsoperation ( 11/2011), eine arterielle Hypertonie so- wie eine Osteopathie. Die Gelenke seien wegen der S ekundärarthrosen und der entzündlich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht veränderten Gelenke schmerzhaft. Der Zustand sei stationär. Die Arbeitsfähigkeit liege bei 50% für leichte Tätigkeiten. Mittelschwere und schwere Arbeiten seien nicht mehr möglich. 6.4 Der RAD-Arzt Dr. C.____ nahm am 11. August 2016 zu den neu eingereichten Berichten Stellung. Bei der kardiologischen Abklärung sei die Er gometrie klinisch und elektrisch negativ gewesen, was bedeute, dass unter ergometrischer Belastun g keine Hinweise auf eine belas- tungsabhängige Ischämie vorlägen. Die szintigraphisch festgestellte Ischämie sei als nicht rele- vant beurteilt worden. Diese Befunde würden keine zusät zliche Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit begründen. Dr. G.____ beschreibe lediglich die bisher bekannte rheumatoide Arthritis. Sie sei im BEGAZ-Gutachten von November 2009 ausführl ich beschrieben und hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden. In der Zwischenze it sei die Therapie verändert und an- gepasst worden. Im Blutbild liesse sich keine erhöhte ent zündliche Aktivität feststellen. Es gebe somit keine Anhaltspunkte für eine massgebliche Verschlecht erung, die Befunde seien weitge- hend unverändert. Dies gelte auch für die Arthrosen und das Panvertebralsyndrom, die bereits beschrieben und ebenfalls im bisherigen Entscheid berücksich tigt worden seien. Für die Belas- tung des Bewegungsapparates sei günstig, dass der BMI von 45,5 auf 40 habe reduziert wer- den können. Zwar schätze Dr. G.____ die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auf 50%, allerdings ohne das Belastungsprofil zu beschreiben. Die abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit könne angesichts des praktisch gleichgebliebenen Gesundheitszustandes nicht nachvollzogen werden. 6.5 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Versich erte einen Arztbericht von Dr. B.____ vom 14. Februar 2017 ein. Die Versicherte leide an einem polymorbiden Krank- heitsbild mit einer schweren entzündlichen rheumatischen Erkrankung. Darüber hinaus seien schwere degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, de r Hüftgelenke, der Kniegelenke und der Fingergelenke ausgewiesen. Aktuell bestehe ein akuter Schub rheumatischer Art im rechten Mittelfuss mit Schwellung, Überwärmung und Belastungs schmerzen. Den Gesundheitszustand negativ beeinflussen würden ferner eine Stoffwechseler krankung mit Unterfunktion der Schild- drüse, massives Übergewicht sowie eine wahrscheinliche koro nare Herzkrankheit. Die Versi- cherte, welche aus intellektuellen und schulischen Gründen lediglich für eine manuelle Tätigkeit qualifiziert sei, sei in keinem Produktionsprozess einsetzbar. Die Veränderung der Fingergelen- ke, die chronische Arthrose des Daumengelenkes und die St örung des Medianusnerves ver- unmöglichten eine solche Tätigkeit. Die Hüftgelenke se ien arthrotisch verändert, ebenso die Kniegelenke. Längeres Sitzen, Gehen und Stehen seien der Versicherten nicht mehr zumutbar. Dazu kämen nun auch die Fussbeschwerden im Rahmen der r heumatoiden Arthritis. Es be- ständen ferner Abnutzungserscheinungen der HWS und eine Osteoporose. Bei einem Sturz habe sie eine Impressionsfraktur erlitten. Das Gehen se i deutlich verlangsamt und schwerfällig. Auch leide sie an einer Fibromyalgie, welche zu chronisc hen Gelenks- und Muskelschmerzen führe. Die Versicherte habe die vom Rheumatologen verordnete Therapie konsequent durchge- führt. Es sei keine Verbesserung eingetreten, lediglich eine gewisse Stabilisierung. Eine rheu- matologische gutachterliche Beurteilung sei unabdingbar zur Beurteilung der Restarbeitsfähig- keit. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Dr. C.____ äusserte sich am 30. März 2017 zum Arztbe richt von Dr. B.____. Allein der Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit sei kein hinrei chender Grund für eine massgebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, zumal die Versicherte noch leichte Tätigkeiten ausüben könne. Eine arterielle Hypertonie sei gut behandelbar und ebenfalls kein Grund für eine dauer- hafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Abgesehen von den diskutierten Hüft- und Kniearth- rosen lägen keine irreversiblen Folgeschäden der Adiposi tas vor. Die Fettstoffwechselstörung und die Unterfunktion der Schilddrüse seien ebenfalls e infach zu behandeln. Bei Osteoporose sei weiterhin eine leichte Tätigkeit unbedenklich. Die anderen genannten Beschwerdebilder wie Polyarthrose, rheumatoide Arthritis und Abnützungsersche inungen der HWS seien alle im Gut- achten des BEGAZ bereits ausführlich beschrieben und bei der Beurteilung der Restarbeitsfä- higkeit in dem Sinne berücksichtigt worden, dass keine schw eren Tätigkeiten mehr zumutbar seien. Auch das Carpaltunnelsyndrom sei seit längerer Ze it bekannt. Ferner sei die rheumatoi- de Arthritis nicht erhöht aktiv, dies bestätige auch Dr. G.____, der auch eine Teilerwerbstätigkeit attestiert habe. Mit den bisherigen Abklärungen und de n medizinischen Berichten, die die Diag- nosen im Wesentlichen bestätigten, liege eine umfassen de und lückenlose medizinische Do- kumentation vor. Gründe für eine erneute Abklärung seien deshalb nicht gegeben. 7. Die IV-Stelle stützte sich bei ihrem Entscheid auf d ie Beurteilungen von Dr. C.____ und ging davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Versi cherten nicht in massgeblicher Hinsicht verschlechtert habe und die Arbeitsfähigkeit unverändert bei 70 % liege. Die Versicher- te beanstandet dagegen, dass das polymorbide Krankheits bild nicht gesamtheitlich und unter Berücksichtigung allfälliger Wechselwirkungen beurteilt worden sei. Zudem sei Dr. C.____ als Psychiater nicht geeignet, das Krankheitsbild abschliessen d zu beurteilen. Unberücksichtigt geblieben sei auch der akute rheumatische Schub am rechten Mittelfuss. Der Bericht des Spi- tals vom 7. Juni 2016 sei diesbezüglich nicht mehr aktuel l. Ferner habe es der RAD-Arzt unter- lassen, sich zum sekundären Fibromyalgiesyndrom zu äussern . Die IV-Stelle hielt gestützt auf die Ausführungen von Dr. C.____ daran fest, dass die Wechselwirkungen im BEGAZ-Gutachten vom November 2009 hinlänglich berücksichtigt worden seien und die Beurteilung heute noch Gültigkeit habe. Weder aus dem Bericht von Dr. G.____ noch aus demjenigen von Dr. B.____ gehe hervor, dass die Beschwerden im rechten Mittelfuss zug enommen hätten, vielmehr stehe fest, dass keine erhöhte entzündliche Aktivität vorliege. Beim Fibromyalgiesyndrom handle es sich versicherungsmedizinisch um ein pathologisch aetiologisch unklares syndromales Be- schwerdebild ohne nachweisbare organische Ursache. Entsche idend sei jedoch im vorliegen- den Fall und hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit, dass mi t der rheumatoiden Arthritis und dem lum- balen und cervicalen Schmerzsyndrom bei Ostechondrosen somati sche Erkrankungen vorlä- gen, die bei der Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bereits berücksichtigt worden seien, indem die Versicherte für körperlich schwere Arbeiten dauerhaf t arbeitsunfähig sei (Bericht vom 26. Juni 2017). 8. Sämtliche Beweismittel, somit auch medizinische Beri chte und Sachverständigengut- achten, unterliegen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG), was bei überzeugendem Beweisergebnis seit jeher erlaubt, dass das angerufene G ericht für seine Beurteilung ab- schliessend auf die im Administrativverfahren eingeholten medizinischen Berichte und Sachver- ständigengutachten abstellt (BGE 104 V 209; bestätig t in 122 V 157). Im Sinne einer Richtlinie Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärz- ten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und U ntersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkr ete Indizien gegen die Zuverläs- sigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Demge- genüber kommt den Berichten versicherungsinterner medizi nischer Fachpersonen (wie die RAD-Berichte) zwar nach der Rechtsprechung Beweiswert z u, praxisgemäss haben sie aber nicht dieselbe Beweiskraft wie ein gerichtliches oder ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenes Gutachten. Soll ein Versicherungsfall ohne Einho- lung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sin d an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Z weifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellu ngen, so sind ergänzende Abklä- rungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4, 122 V 157 E. 1d). Liegen Zweifel vor, wird das Gericht entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an den Versicherungsträ- ger zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren na ch Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst. 9. Vorliegend bestehen in verschiedener Hinsicht Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Berichte von Dr. C.____. 9.1 Die Aussagen von Dr. C.____ als psychiatrischer Facharzt zu den somatischen Befun- den, insbesondere den rheumatologischen und kardiolog ischen Diagnosen, sind für sich allein nicht verwertbar. Zwar billigt die Rechtsprechung dem Psychiater eine (beschränkte) Beurtei- lungskompetenz in Bezug auf rheumatologische Schmerzzuständ e zu, da diese oft nicht von symptomgleichen somatoformen Symptomatiken abzugrenzen sind. Im Interesse einer beweis- tauglichen, die tatsächlichen Umstände zuverlässig abbild enden Einschätzung soll er in diesen Fällen einen Leidenskomplex als Einheit behandeln. All ein durch eine rheumatologische Fach- person zu beurteilen sind dagegen Funktionseinschränkun gen und Leistungsminderungen, die spezifische Folge einer organischen Beeinträchtigung sind (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Dezember 2010, 9C_621/2010, E. 2.2.1). Somit ob liegt es im vorliegenden Fall dem Rheu- matologen, die vorherrschende rheumatoide Arthritis und deren Auswirkungen auf die Leis- tungs- und Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. Nichts and eres gilt für die Beurteilung der koronaren Erkrankung und den weiteren vom Hausarzt erhobenen somatischen Befunden. Es wäre an der IV-Stelle gewesen, einen entsprechenden Facharzt bzw. e ntsprechende Fachärzte mit der Be- urteilung der neu eingereichten medizinischen Berichte zu betrauen. In diesem Zusammenhang ist es unverständlich, dass die IV-Stelle auf den berechti gten Vorwurf der Beschwerdeführerin, dass Dr. C.____ aufgrund seiner Fachrichtung nicht geei gnet sei, das Krankheitsbild abschies- send zu beurteilen, nicht reagierte, sondern im Gegent eil Dr. C.____ erneut um eine medizini- sche Stellungnahme zu den krankheitsbedingten Einwänden d er Versicherten anfragte. Auf die Berichte des RAD-Arztes kann schon aufgrund der fehlenden Fachkompetenz nicht abgestellt werden. 9.2 Weiter fällt auf, dass Dr. C.____ hinsichtlich der r heumatoiden Arthritis und deren Aus- wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sowie in Bezug au f mögliche Wechselwirkungen der ver- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schiedenen Krankheitsbilder wiederholt auf das acht Jahr e zurückliegende BEGAZ-Gutachten von November 2009 verweist. Eine aktuelle Gesamtbeurte ilung erachtete er dagegen als nicht notwendig und nahm - wie die Versicherte zurecht kriti sierte - lediglich einzeln zu den neuen Diagnosen Stellung. Die einzelnen Diagnosen vermögen für sich allein betrachtet allenfalls kei- nen bedeuteten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe n, doch ist eine Gesamtbeurteilung des Gesundheitszustandes unablässig, um ein aktuelles Bild über die Leistungsfähigkeit der Versi- cherten zu erhalten. Vor allem auch deshalb, weil versch iedene somatische Diagnosen aufei- nander treffen. Hinweise für eine Verschlechterung der Gesundheitssituation liegen mit dem Bericht des Haus- arztes jedenfalls vor. Bei der rheumatoiden Arthritis ha ndelt es sich um eine progrediente Er- krankung. Dr. F.____ führte diesbezüglich an, dass der lan gfristige Verlauf schwierig abschätz- bar sei und dass sich die entzündlich-rheumatische Erkranku ng in Zukunft stärker auf die Ar- beitsfähigkeit auswirken könne als aktuell. Zu einem späte ren Zeitpunkt seien auch Spät- oder Folgeschäden der entzündlich-rheumatischen Erkrankung den kbar, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben könnten. Dr. B.____ berichtete am 14. Februar 2017, dass die Versicher- te neu an einem akuten Schub rheumatischer Art im re chten Mittelfuss mit Schwellung, Über- wärmung und Belastungsschmerzen leide. Da dieser Schub zeitlich nach dem Bericht von Dr. G.____ vom 7. Juni 2016 erfolgte, kann die damali ge Aussage, dass die Entzündungswerte nicht erhöht seien und ein stationärer Zustand vorliege , überholt sein. Aber selbst aufgrund des beschriebenen stabilen Zustandes erachtete Dr. G.____ mi ttelschwere und schwere Arbeiten als nicht mehr zumutbar und attestierte eine Arbeitsunfä higkeit von 50 % für leichte Arbeiten. Darin liegt ebenfalls ein Hinweis auf eine mögliche V erschlechterung in Bezug auf die rheu- matoide Arthritis, ging doch Dr. F.____ noch von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % aus für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten. Ferner ist nicht nachvollziehbar, weshalb Dr. C.____ di e Diagnose der sekundären Fibromyal- gie ohne weiteres als nicht relevant erachtete. Zwar handelt es sich – wie Dr. C.____ beschrieb - beim Fibromyalgiesyndrom um ein pathologisch aetiologi sch unklares syndromales Be- schwerdebild ohne nachweisbare organische Ursache. Im Gegen satz zu diesem primären Fib- romyalgiesyndrom tritt die sekundäre Form nach organische n Erkrankungen wie beispielsweise entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen auf. Die sekundäre Fibromyalgie kann somit – als somatisch begründetes Krankheitsbild – Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben. 9.3 In Würdigung der medizinischen Aktenlage ist zusammen fassend festzuhalten, dass Zweifel an den verwaltungsinternen Beurteilungen des R AD-Arztes bestehen, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Da auch die übrigen vorliegenden Arztberichte keine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit zulassen, bedarf es einer poly- disziplinären Begutachtung, welche die Vorinstanz im Ra hmen von Art. 43 Abs. 1 ATSG vorzu- nehmen hat. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und d ie Angelegenheit wird an die Vo- rinstanz zur weiteren medizinischen Abklärung und Neuverfügung zurückgewiesen. 10.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdeve rfahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Be- schwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO vom 16. De zember 1993 in der Regel in an- gemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskoste n zu tragen. In diesem Zusammen- hang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Sa tz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbe- hältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Pr ozess keine Verfahrenskosten erho- ben werden. 10.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte obsiegende Pa rtei ist, ist ihr eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertre ter der Versicherten machte in seiner Kostennote vom 11. Juli 2017 einen Aufwand von 7,65 Stunden geltend, welcher sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Dieser Aufwand ist zum in Sozialversicherungsprozessen für durchschn ittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen . Die Auslagen in der Höhe von Fr. 92.50 sind nicht zu beanstanden. Der Versicherten i st deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'165.40 zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 11.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 11.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 11.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Praxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil K. des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil K. des Bundesge- richts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 20. Januar 2017 aufgehoben und die Ange legenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu m Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'165.40 (inkl. Auslagen und 8% Mehrw ertsteuer) zu bezahlen.