B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013, C-5637/2013, C-5639/2013 U r t e i l v om 9 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Beat Weber (Vorsitz), Richter Michael Peterli, Richterin Madeleine Hirsig-Vouilloz, Gerichtsschreiber Daniel Golta. Parteien Kanton Glarus, handelnd durch den Regierungsrat des Kantons Glarus, dieser handelnd durch das Departement Finanzen und Gesundheit, Beschwerdeführer, gegen Beschlussorgan der Interkantonalen Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin (HSM-Beschlussorgan), vertreten durch lic. iur. Andrea Gysin, Advokatin, Vorinstanz. Gegenstand Planung der hochspezialisierten Medizin (HSM) im Bereich der grossen seltenen viszeralchirurgischen Eingriffe: Pankreasresektion, Leberresektion, komplexe bariatrische Chirurgie, tiefe Rektumresektion, Oesophagusresektion; Entscheide des HSM-Beschlussorgans vom 10. September 2013. C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a An seiner Sitzung vom 4. Juli 2013 nahm das Beschlussorgan der I n- terkantonalen Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin (nachfo l- gend: HSM-Beschlussorgan bzw. Vorinstanz) Einsicht in den Antrag se i- nes Fachorgans, medizinische Eingriffe im Bereich der grossen seltenen Viszeralchirurgie (Oesophagusresektion, Leberresektion, Pankreasrese k- tion, tiefe Rektumresektion und komplexe bariatrische Chirurgie) schweizweit auf einzelne Leistungserbringer zu konzentr ieren (vgl. Schlussbericht des HSM -Fachorgans „Grosse seltene viszeralchirurg i- sche Eingriffe“ vom 19. Juli 2013 [Vorakte 4.04]). A.b Mit Beschlüssen vom 4. Juli 2013 (nachfolgend: [angefochtene] B e- schlüsse, Entscheide), am 10. September 2013 publiziert im Schw eizeri- schen Bundesblatt, fällte das HSM -Beschlussorgan fünf Entscheide betreffend die Oesophagusresektion (BBl 2013 6792), die Leberresektion (BBl 2013 6801), die Pankreasresektion (BBl 2013 6809), die tiefe Re k- tumresektion (BBl 2013 6817) und die komplexe bariatrische Chirurgie (BBl 2013 6826) und erteilte den berücksichtigten Spitälern und Kliniken definitive (Leistungsauftrag über vier Jahre) oder provisorische Lei s- tungsaufträge (Leistungsauftrag über zwei Jahre). In den Rechtsmittelbelehrungen der fünf Beschlüsse wies das HSM - Beschlussorgan darauf hin, dass gegen diese Beschlüsse innerhalb von 30 Tagen ab Datum der Publikation im Bundesblatt beim Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerde erhoben werden könne (Ziff. 6 der Beschlüsse). B. B.a Am 2. Oktober 2013 (Datu m Postaufgabe: 4. Oktober 2013) erhob der Kanton Glarus (nachfolgend: Kanton bzw. Beschwerdeführer), ha n- delnd durch den Regierungsrat des Kantons Glarus (nachfolgend: Regi e- rungsrat), dieser vertreten durch das Departement Finanzen und G e- sundheit, separat B eschwerde an das Bundesverwaltungsgericht gegen den Beschluss betreffend die Pankreasresektion (Beschwerdeverfahren C-5634/2013), den Beschluss betreffend die Leberresektion (Beschwe r- deverfahren C-5635/2013), den Beschluss betreffend die komplexe bar i- atrische Chirurgie (C-5636/2013), den Beschluss betreffend die tiefe Rek- tumresektion (C-5637/2013) und den Beschluss betreffend die Oesoph a- gusresektion (Beschwerdeverfahren C -5639/2013) und beantragte j e- weils, der entsprechende Entscheid des HSM -Beschlussorgans vom 10. September 2013 sei aufzuheben, das Beschlussorgan sei anzuweisen, C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 3 den betroffenen Eingriff nicht dem Bereich der hochspezialisierten Med i- zin zuzuweisen, unter Kosten - und Entschädigungsfolge gemäss Gesetz (je Beschwerdeakten [B-act.] 1). Er begründete diese Anträge im Resultat damit, dass der Regierungsrat aufgrund der angefochtenen Beschlüsse im betroffenen Bereich keine Spitalleistungsaufträge (mehr) erteilen kö n- ne, dass die angefochtenen Beschlüsse verbindliche Zusagen missachte- ten, welche Grund lage für die Beitrittserklärungen der Kantone gewesen seien, was einen Verstoss gegen das Willkürverbot, ein Verhalten gegen Treu und Glauben und einen Ermessensmissbrauch bzw. eine Erme s- sensüberschreitung darstelle. B.b Mit Zwischenverfügung vom 14. Oktober 2013 im Verfahren C-5634/2013 lud das Bundesverwaltungsgericht das HSM - Beschlussorgan ein, eine Vernehmlassung ausschliesslich zur Frage der Zulässigkeit der Beschwerdeführung durch den Regierungsrat einzure i- chen (B-act. 3). B.c Mit Stellungnahme vom 13. Novem ber 2013 verzichtete das HSM - Beschlussorgan, vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. Michael Bührer (St. Gallen), explizit auf eine Stellungnahme und regte an, die fünf B e- schwerdeverfahren, in welchen der Regierungsrat des Kantons Glarus Beschwerde erhoben h abe, zu vereinigen (je B -act. 4). Ausserdem wies es darauf hin, dass das Kantonsspital Glarus als Aktiengesellschaft eine juristische Person des Privatrechts sei, deren Verwaltungsrat nicht mit dem Regierungsrat identisch sei. B.d Mit Telefax vom 18. November 2013 und Vollmacht vom 15. Nove m- ber 2013 zeigte Advokatin lic.iur. Andrea Gysin (Basel) dem Bundesve r- waltungsgericht ihre Mandatierung durch die Vorinstanz an (C -5634/2013 B-act. 5). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Da in den fünf Beschwerdeverfahren C -5634/2013, C -5635/2013, C-5636/2013, C -5637/2013 und C -5639/2013 fünf parallele Beschlüsse der Vorinstanz im Bereich der grossen seltenen viszeralchirurgischen Eingriffe durch den Beschwerdeführer angefochten werden und sich im wesentlichen die gleichen Rechtsfragen stellen, rechtfertigt es sich, die C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 4 fünf Beschwerdeverfahren, wie von der Vorinstanz beantragt, zu verein i- gen und darüber in einem gemeinsamen Urteil zu befinden. 1.2. Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit fr eier Kognition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Beschwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]; vgl. dazu auch BVGE 2007/6 E. 1, m.w.H.). 2. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen einen Entscheid des HSM-Beschlussorgans zur Planung und Zuteilung der hochspezialisierten Medizin. 2.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsg ericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genan n- ten Behörden, wobei insbesondere Instanzen des Bundes aufgeführt werden. Verfügungen kantonaler Instanz en sind gemäss Art. 33 Bst. i VGG nur dann beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar, wenn dies in einem Bundesgesetz vorgesehen ist. 2.2. Art. 90 a Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10) sieht vor, dass das Bundesve r- waltungsgericht Beschwerden gegen Beschlüsse der Kantonsregieru n- gen nach Art. 53 KVG beurteilt. Zu den gemäss Art. 53 Abs. 1 KVG a n- fechtbaren Beschlüssen der Kantonsregierungen gehören namentlich die Spital- oder Pflegeheimlis ten im Sinne von Art. 39 KVG (vgl. in BVGE 2009/45 [C-5733/2007] sowie BVGE 2010/15 [C -6062/2007] nicht verö f- fentlichte E. 1.1). 2.2.1. Spitalplanung ist Aufgabe der Kantone (vgl. Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG, BVGE 2009/48 E. 12.1). Gemäss Art. 39 Abs. 2 KVG (in de r seit 1. Januar 2009 gültigen Fassung) koordinieren die Kantone ihre Planung. Nach Art. 39 Abs. 2bis KVG (in Kraft seit 1. Januar 2009) beschliessen die Kantone im Bereich der hochspezialisierten Medizin gemeinsam eine g e- samtschweizerische Planung. Kommen sie dieser Aufgabe nicht zeitg e- recht nach (vgl. auch Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 21. Dezember 2007 [Spitalfinanzierung] Abs. 3), so legt der Bundesrat fest, welche Spitäler für welche Leistungen auf den kantonalen Spitalli s- ten aufzuführen sind. C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 5 2.2.2. Um die gesamtschweizerische Planung zu gewährleisten, vera b- schiedete die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsd i- rektorinnen und -direktoren (GDK) am 14. März 2008 die Interkantonale Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin (IVHSM), die – nach- dem alle Kantone beigetreten sind – am 1. Januar 2009 in Kraft getreten ist (vgl. http://www.gdk -cds.ch > Themen > Hochspezialisierte Medizin [besucht am 15. November 2013]; für den Kanton Glarus siehe Publikat i- on der IVHSM im Amtsblatt des Kanto ns Glarus vom 12. Februar 2009 [vgl. http://www.glarus24.ch > Amtsblatt], je B -act. 1 Beilage 2). Art. 3 IVHSM regelt die Zusammensetzung, Wahl und Aufgaben des HSM - Beschlussorgans. Das Beschlussorgan bestimmt gemäss Art. 3 Abs. 3 IVHSM die Bereiche der h ochspezialisierten Medizin, die einer schwei z- weiten Konzentration bedürfen, und trifft die Planungs - und Zuteilung s- entscheide. Hierzu erstellt es eine Liste der Bereiche der hochspezial i- sierten Medizin und der mit der Erbringung der definierten Leistungen be- auftragten Zentren. Die Liste wird periodisch überprüft. Sie gilt als g e- meinsame Spitalliste der Vereinbarungskantone gemäss Art. 39 KVG. Die Zuteilungsentscheide werden befristet (Art. 3 Abs. 4 IVHSM). Art. 9 Abs. 1 IVHSM hält zudem fest, dass die Verei nbarungskantone ihre Zuständi g- keit gemäss Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG zum Erlass der Spitalliste für den Bereich der hochspezialisierten Medizin an das HSM -Beschlussorgan übertragen. Ab dem Zeitpunkt der gemäss Art. 3 Abs. 3 und 4 erfolgten Bestimmung eines Bereichs der hochspezialisierten Medizin und seiner Zuteilung durch das HSM -Beschlussorgan an mit der Erbringung der betreffenden Leistung beauftragte Zentren gelten abweichende Spitalli s- tenzulassung der Kantone im entsprechenden Umfang als aufgehoben (Art. 9 Abs. 2 IVHSM). 2.2.3. In BVGE 2012/9 stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass Beschlüsse im Sinne von Art. 39 Abs. 2 bis KVG des HSM - Beschlussorgans gestützt auf Art. 53 Abs. 1 KVG beim Bundesverwa l- tungsgericht angefochten werden können (BVGE 2012/9 E. 1). Gemäss Art. 12 Abs. 1 IVHSM kann gegen Beschlüsse betreffend die Festsetzung der gemeinsamen Spitalliste nach Art. 3 Abs. 3 und 4 beim Bundesve r- waltungsgericht Beschwerde nach Art. 53 KVG geführt werden. Sowohl Abs. 3 als auch Abs. 4 von Art. 3 IVHSM h aben jeweils Zuordnung und Zuteilung zum Gegenstand (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-6539/2011 vom 26. Novem ber 2013). Ob die Vertragspartner der IVHSM die Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht einzig gegen Z u- teilungsentscheide zulassen wollten, kann vorliegend offen bleiben, da in casu die HSM -Spitalliste angefochten ist, wofür die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zweifellos gegeben ist. C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 6 2.3. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich g e- mäss Art. 37 VGG und Art. 53 Abs. 2 Satz 1 KVG grundsätzlich nach dem VwVG. Vorbehalten bleiben allfällige Abweichungen des VGG und die besonderen Bestimmungen des Art. 53 Abs. 2 KVG. In Beschwerdeve r- fahren gegen Spitallistenbeschlüsse ist insbesondere Art. 53 Abs. 2 Bst. e KVG zu beachten, wonach – in Abweichung von Art. 49 VwVG – die Rüge der Unangemessenheit unzulässig ist. 3. 3.1. Anfechtungsgegenstand der von einem Leistungserbringer erhob e- nen Beschwerde kann nicht die Spitalliste als solche sein. In BVGE 2012/9 hat das Bundesverwaltungsgericht erkannt, dass die Spitalliste im Sinne von Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG als Rechtsinstitut sui generis zu qua- lifizieren ist und – was für die Bestimmung des Anfechtungs - und Streit- gegenstandes entscheidend ist – aus einem Bündel von Einzelverfügu n- gen besteht (BVGE 2012/9 E. 3.2.6). Ein Leistungserbringer kann grun d- sätzlich nur die an ihn gerichtete Verfügung anfechten, d.h. diejenige Ver- fügung, welche das ihn betreffende Rechtsverhältnis regelt (BVGE 2012/9 E. 3.3). Den Fall, dass ein Regierungsrat die Be schlüsse des HSM - Beschlussorgans, an welches er seine Zuständigkeit gemäss Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG zum Erlass der Spitalliste für den Bereich der hoc h- spezialisierten Medizin übertragen hat (Art. 9 Abs. 1 IVHSM), anficht, hat- te das Bundesverwaltungsgerich t bisher nicht zu prüfen, weshalb sich nachfolgend die Frage nach seiner Beschwerdelegitimation im Rahmen der Spitalplanung im Bereich der hochspezialisierten Medizin stellt. 3.2. Zur Beschwerde berechtigt ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG, wer (kumu- lativ) vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Mög- lichkeit zur Teilnahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Ve r- fügung besonders berührt ist (Bst. b), und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c). 3.2.1. Beschwerdeführer ist vorliegend der Kanton Glarus, der – vertreten durch das Departement Finanzen und Gesundheit, das mit Beschluss des Regierungsrates vom 1. Oktober 2013 rechtsgültig zur Beschwerdefü h- rung i.S. Zuteilungsentscheide vom 10. September 2013 des HSM - Beschlussorgans im Bereich der grossen seltenen viszeralchirurgischen Eingriffe ermächtigt worden ist (B -act. 1 Beilage 1) – Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht erhoben hat. 3.2.2. Zur Prüfung, ob der Beschwerdeführer nach Art. 48 Abs. 1 VwVG beschwerdelegitimiert ist, erweist es sich als notwendig, die bisherige C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 7 Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zur Beschwerdelegitimation im Bereich der Spitalplanung in Erinnerung zu rufen: 3.2.2.1. Im ordentlichen Spitallistenverfahren nach Art. 39 KVG erlassen ein oder mehrere Kantone ihre Spitallisten. Die Versicherer sind nicht b e- fugt, diese Beschlüsse anzufechten (BVGE 2010/51), ebenso wenig die Versicherten (BVGE 2010/51 E. 6.6.3). Ein Leistungserbringer kann grundsätzlich nur die an ihn gerichtete Verfügung anfechten, d.h. d iejeni- ge Verfügung, welche das ihn betreffende Rechtsverhältnis regelt (keine Möglichkeit der Konkurrentenbeschwerde; BVGE 2012/9 E. 3.3). Für die- se Beschwerdelegitimierten eröffnet nach bisheriger Praxis Art. 53 Abs. 1 KVG im umschriebenen Umfang den Rech tsmittelweg an das Bunde s- verwaltungsgericht. Selbstredend ist der Regierungsrat mangels Recht s- schutzinteresses nicht legitimiert, gegen seine eigenen Entscheide B e- schwerde zu führen. 3.2.2.2. Art. 39 Abs. 2 bis KVG hält fest, dass die Kantone eine gesam t- schweizerische Planung beschliessen. Konkretisiert haben die Kantone diese Zusammenarbeit in der IVHSM. Bei der IVHSM handelt es sich um eine interkantonale Vereinbarung, gestützt auf Art. 48 der Bundesverfa s- sung (BV, SR 101; vgl. THIERRY TANQUEREL, Manuel de droit administratif, Genf/Zürich/Basel 2011 Rz. 346 ff.; SIMON STEINLIN: Allgemeinverbin d- licherklärung von Konkordaten – Beurteilung der Kritik an diesem Instr u- ment, in: LeGes 2011/1 S. 38), die aufgrund ihrer direkt anwendbaren Normen unmittelbar rechtsetzenden C harakter aufweist (vgl. zur Typisi e- rung der Vereinbarungen ULRICH HÄFELIN/WALTER HALLER/HELEN KELLER: Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012 [nachfolgend: HÄFELIN/HALLER/KELLER: Bundesstaatsrecht] Rz. 1283 ff.; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwa l- tungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010 Rz. 177 ff.; FELIX UHL- MANN/VITAL ZEHNDER: Rechtsetzung durch Konkordate, in LeGes 2011/1 S. 12 f.; URSULA ABDERHALDEN, Möglichkeiten und Grenzen der interka n- tonalen Zusammenarbeit, Dissertation, Freiburg 1999, S. 65 f.; LAURENCE BOEGLI, Les concordats intercantonaux: Quels enjeux pour la démocratie, IDHEAP 12/1999 S. 15). 3.2.2.3. In der IVHSM wird festgehalten, dass ein Beschlussorgan g e- wählt wird, dem der Vollzug der Vereinbarung obliegt (Art. 2 IVHSM). Das Beschlussorgan bestimmt die Bereiche der hochspezialisierten Medizin, die einer schweizweiten Konzentration bedürfen, und trifft die Planungs - und Zuteilungsentscheide (Art. 3 Abs. 3 IVHSM). C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 8 Mit der Errichtung dieses inter kantonalen Organs (vgl. dazu HÄFE- LIN/HALLER/KELLER: Bundesstaatsrecht Rz. 1293 ff.; ANDREAS AU- ER/GIORGIO MALINVERNI/MICHEL HOTTELIER, Droit constitutionnel suisse, Band I: L’Etat, Bern 2013 Rz. 573; URSULA ABDERHALDEN, a.a.O. S. 67, 120 ff.) geht eine Übertragung kantonaler Kompetenzen einher ( HANNAH KAUZ, Multi-Level-Government Schweiz, Aspekte der Zusammenarbeit im Bundesstaat, in: Bernhard Waldmann/Peter Hänni/Eva Maria Belser [Hrsg.], Föderalismus 2.0 - Denkanstösse und Ausblicke, Bern 2011 S. 39). Im Bereich der hochspezialisierten Medizin haben die Kantone damit ihre ursprüngliche Kompetenz zum Erlass der Spitalliste für die als hochspezialisierte Medizin definierten Bereiche an das interkantonale O r- gan delegiert (Art. 9 Abs. 1 und 2 IVHSM i.V.m. Art. 39 Abs. 2bis KVG). Ein Vereinbarungskanton hat daher die Beschlüsse des interkantonalen O r- gans (vorliegend: des HSM -Beschlussorgans) gegen sich halten zu la s- sen (Art. 48 Abs. 5 BV; vgl. LAURENCE BOEGLI, a.a.O. S. 60 f.; BGE 81 I 351 E. 5a f.; vgl. auch den erläuternden Bericht der GDK - Plenarversammlung vom 14. März 2008 zur IVHSM [im Folgenden: IVHSM-Bericht], abrufbar auf der Internetseite der Zentralschweizer R e- gierungskonferenz: http://www.zrk.ch > Aktuelles > 03.02.20 09 Interkan- tonale Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin [IVHSM] in Kraft > Bericht zur IVHSM [besucht am 22. November 2013]; B-act. 1 Beilage 3 S. 6, 7). 3.2.2.4. Ist ein Vereinbarungskanton mit einem Planungsbeschluss (des HSM-Beschlussorgans) nicht ein verstanden, hat er seine Einwände auf dem in der Vereinbarung festgelegten Weg der Streitbeilegung einzubri n- gen. Darin eingeschlossen sind nicht nur Streitigkeiten um die Auslegung einzelner Bestimmungen, sondern auch Rügen gegen konkrete Anwe n- dungsentscheide (vgl. BGE 81 I 351 a.a.O.). Konkret verpflichten sich die Vereinbarungskantone, Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten nach Möglichkeit gütlich zu regeln (Art. 11 Abs. 1 IVHSM). Ergänzend verweist die IVHSM in Art. 11 Abs. 2 auf die Interkantonal e Rahmenver- einbarung über die interkantonale Zusammenarbeit mit Lastenausgleich vom 24. Juni 2005 (Interkantonale Rahmenvereinbarung [IRV]; für den Kanton Glarus in Kraft seit dem 11. Mai 2007 [vgl. Gesetzessammlung des Kantons Glarus, abrufbar unter http://www.gesetze.gl.ch > Gesetzes- sammlung > II B/1/2, besucht am 22. November 2013]), die ein eigentl i- ches Streitbeilegungsverfahren definiert (vgl. UHLMANN/ZEHNDER: Recht- setzung durch Kantone, a.a.O., Ziff. 4.2.7). Die IRV regelt in ihrem Artikel 31, dass sich die Kantone und interkantonalen Organe bemühen, Stre i- tigkeiten aus bestehenden oder beabsichtigten interkantonalen Verträgen durch Verhandlung oder Vermittlung beizulegen (Abs. 1). Sie verpflichten C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 9 sich zudem, bei allen Streitigkeiten im Zusammenhang mit der interka n- tonalen Zusammenarbeit mit Lastenausgleich, vor Erhebung einer Klage gemäss Art. 120 Abs. 1 Bst. b des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110), am in den Art. 32-34 IRV beschriebenen Streit- beilegungsverfahren teilzunehmen (Art. 31 Abs. 2 IRV). Das Streitbeil e- gungsverfahren kann auch von Nichtvereinbarungskantonen sowie von interkantonalen Organen, die nicht auf der IRV basieren, angerufen we r- den (Abs. 3). 3.2.2.5. Damit ergibt sich aus dem für den Beschwerdeführer verbindl i- chen Konkordatsrecht, dass in einem ersten Schritt eine gütliche Reg e- lung anzustreben ist (Art. 11 Abs. 1 IVHSM). Gelingt dies nicht, ist in e i- nem zweiten Schritt das Streitbeilegungsverfahren nach Art. 32 ff. IRV i.V.m. Art. Art. 11 Abs. 2 IVHSM zu beschreiten. Schliesslich steht in e i- nem dritten Schritt, gestützt auf Art. 120 Abs. 1 Bst. b BGG, die Klage an das Bundesgericht offen (s. unten). Im IVHSM -Bericht (S. 14) wird zu Art. 11 IVHSM denn auch explizit ausgeführt, dass d ie von den Kantonen (freiwillig) übernommene Verpflichtung zur Teilnahme an diesem zweistu- figen Streitbeilegungsverfahren die Vermeidung einer Klage gemäss Art. 120 Abs. 1 Bst. b BGG bezwecke. 3.2.2.6. Als ultima ratio steht dem an der Vereinbarung beteiligten Kanton die staatsrechtliche Klage gegen das interkantonale Organ an das Bu n- desgericht offen, zumal es sich, ergreift ein Konkordatskanton ein Rechtsmittel gegen Entscheide des interkantonalen Organs, um eine „Streitigkeit staatsrechtlicher Natur zwischen Kant onen“ handelt (so noch in: ULRICH HÄFELIN/WALTER HALLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 3. Auflage 1993, Rz. 519; vgl. auch HÄFELIN/HALLER/KELLER: Bunde s- staatsrecht Rz. 1301; REGULA KIENER, Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten, in: Pierre Tschannen [Hrsg.], Neue Bundes- rechtspflege, Bern 2007, S. 275; URSULA ABDERHALDEN, a.a.O. S. 108; PHILIPP GELZER in: Thomas Geiser/Peter Münch/Felix Uhlmann/Philipp Gelzer [Hrsg.]: Prozessieren vor Bundesgericht, 3. Aufl., Basel 2011, § 7: Klage Rz. 7.8 , 7.16), wovon auch die GDK -Plenarversammlung bei der Verabschiedung des IVHSM -Berichts ausgegangen ist (s. E. 3.2.2.5). Nicht zulässig ist jedoch die Beschwerdeerhebung nach Art. 53 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 33 Bst. i VGG ans Bundesverwaltungsgericht, zumal sich der Vereinbarungskanton die Entscheide des Beschlussorgans als eigene Verwaltungsakte anzurechnen lassen hat, die Entscheide dem Vereinb a- rungskanton auch keine direkten (klagbaren) Rechte und Pflichten ei n- räumen bzw. auferlegen ( REGULA KIENER a.a.O.; vgl. auch URSULA AB- DERHALDEN a.a.O. S. 106) und auch nicht die Klage ans Bundesverwa l-C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 10 tungsgericht nach Art. 35 VGG offen steht. Dies ergibt sich ohne Weiteres auch daraus, dass im ordentlichen Spitallistenverfahren eine Beschwe r- deerhebung des Kantons gegen seine eigenen Beschlüsse undenkbar wäre. 3.2.2.7. Nicht gefolgt werden kann im Übrigen der Meinung der Vori n- stanz in einem weiteren Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht betre f- fend die Planung der hochspezialisierten Medizin im Bereich der grossen seltenen visze ralchirurgischen Eingriffe (C _______), wonach Art. 11 IVHSM auf die Beschwerde eines Mitgliedskantons nicht anwendbar sei, da das Verfahren, das letztinstanzlich ans Bundesgericht führe, nicht zu einem Entscheid in der Sache führe. Einerseits erklärt das B eschlussor- gan Art. 11 IVHSM und in Verbindung dazu die Art. 31 ff. IRV für die Be i- legung von Differenzen aus der Vereinbarung ohne Weiteres für anwend- bar und sind diese Bestimmungen für eine Streitschlichtung (Art. 11 Abs. 1 IVHSM) und eine Streitbeilegung (Art. 11 Abs. 2 IVHSM) nach dem in der IRV vorgesehenen Verfahren geeignet. Anderseits ist weder dem Wortlaut von Art. 11 IVHSM noch dem IVHSM -Bericht zur genannten B e- stimmung eine solche Einschränkung zu entnehmen. Die Vorinstanz führt selber aus, es handle sich in der IVHSM um einen „allgemeinen Streitbei- legungsmechanismus“. Soweit es zum Streit zwischen einem Mitglied s- kanton und dem interkantonalen Organ kom mt, handelt es sich zudem ohne W eiteres um eine Differenz der Vereinbarungskantone in der A n- wendung der Vereinbarung, zumal sich die übrigen Vereinbarungskant o- ne mit der Kompetenzdelegation mit den Handlungen des Beschlusso r- gans einverstanden erklären und damit – entgegen der Ansicht der Vorin- stanz – eine Differenz zwischen Kantonen in der Anwendung d er Verein- barung vorliegt. Inwiefern durch das Bundesgericht auf Klage hin kein Entscheid in der Sache herbeigeführt werden kann, wird von der Vori n- stanz nicht dargetan. Nichts anderes lässt sich zudem aus der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungs gerichts und BVGE 2012/9 en t- nehmen, zumal diese für die Frage der Beschwerdelegitimation eines Kantons (vertreten durch den Regierungsrat) nicht einschlägig sind. Ebenso wenig ist der von der Vorinstanz zitierten Praxis des Bundesrates mangels vergleichbarer Sachlage hierzu eine Antwort zu entnehmen. 3.2.2.8. Dem (freiwillig) der Vereinbarung beigetretenen Kanton bliebe im Falle abweichender Meinung über die Auslegung und Anwendung des Konkordats, das dem Beschlussorgan Vollzugskompetenzen einräumt (vgl. Art. 3 Abs. 3 und 4 IVHSM) schliesslich die Möglichkeit, von der i n- terkantonalen Vereinbarung zurückzutreten (Art. 13 Abs. 2 f. IVHSM; HÄ- FELIN/HALLER/KELLER, a.a.O. Rz. 1300). Ausserdem nehmen die Verei n-C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 11 barungskantone, sollten sie feststellen, dass eine Anpassung der Verein- barung erforderlich ist, entsprechende Verhandlungen auf. Auf Antrag von drei Vereinbarungskantonen leitet die GDK die Anpassung der Vereinb a- rung ein (Art. 17 Abs. 1 Sätze 1 und 2 IVHSM). 3.2.2.9. Vorliegend ist festzustellen, dass der Regierungsrat des Kan tons Glarus auf Erlass der fünf Beschlüsse vom 10. September 2013 im B e- reich der grossen seltenen viszeralchirurgischen Eingriffe direkt mit Ve r- waltungsgerichtsbeschwerde vom 2. Oktober 2013 an das Bundesverwal- tungsgericht gelangt ist und in seiner Beschwerde um Aufhebung des an- gefochtenen Entscheides ersucht. Eine Streitschlichtung im Rahmen der IVHSM und/oder der IRV hat nicht stattgefunden, solches wurde auch nicht geltend gemacht. 3.3. In der Beschwerde finden sich keinerlei Hinweise dafür, dass (auch) im Namen und/oder im Interesse des Kantonsspital Glarus Beschwerde geführt wird. Ob und inwiefern auf eine solche Beschwerde einzutreten wäre, ist daher nicht zu prüfen. 3.4. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Kanton weder gestützt auf Bundesrecht noc h auf Konkordatsrecht dazu legitimiert ist, gegen den angefochtenen Beschluss Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht zu erheben. Dieses tritt deshalb, wegen funktioneller Unz u- ständigkeit, auf die Beschwerde vom 2. Oktober 2013 nicht ein. 3.5. Bei diesem Ausga ng des Verfahrens ist auf in der Beschwerde g e- stellten Anträge und erhobenen Rügen des Beschwerdeführers nicht n ä- her einzugehen. 4. Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient- schädigung. 4.1. Anderen als Bundesbehörden, die Beschw erde führen und unterli e- gen, werden Verfahrenskosten (nur) auferlegt, soweit sich der Streit um vermögensrechtliche Interessen von Körperschaften oder autonomen An- stalten dreht (Art. 63 Abs. 2 zweiter Halbsatz VwVG). Da der unterliege n- de Beschwerdeführer z ur rechtlichen Durchsetzung der korrekten Aufte i- lung und Erfüllung von Staatsaufgaben durch den Kanton und das HSM - Beschlussorgan Beschwerde geführt hat und nicht (direkt) Vermögensi n- teressen des Kantons betroffen sind, sind dem unterliegenden Beschwer- deführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. ANDRÉ MO-C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 12 SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bu n- desverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 209, Rz. 4.49 m.w.H.). 4.2. Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amte s wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE). Keinen Anspruch auf Par- teientschädigung haben jedoch Bundesbehörden und, in der Regel, a n- dere Behörden, die – wie vorliegend die Vorinstanz – als Parteien auftre- ten (Art. 7 Abs. 3 VGKE), weshalb der obsiegenden Vorinstanz keine Par- teientschädigung zuzusprechen ist (vgl. BVGE 2012/9 , nicht publizierte E. 5.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -5305/2010 vom 16. Mai 2013 E. 8.2). 5. Das vorliegende Urteil ist endgültig. C-5634/2013, C-5635/2013, C-5636/2013,C-5637/2013, C-5639/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Verfahren C -5634/2013, C -5635/2013, C -5636/2013, C -5637/2013 und C-5639/2013 werden vereinigt. 2. Auf die fünf Beschwerden wird nicht eingetreten. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde; Beilagen im Doppel: Stellungnahme der Vorinstanz vom 13. November 2013 im Verfahren C-5634/2013; Stellungnahme der Vorinstanz vom 7. November 2013 im Verfahren C_______) – die Vorinstanz (Ref-Nr. BBl 2013 6792/6801/6809/6817/6826; Gerichtsurkunde) – das BAG (Einschreiben) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Beat Weber Daniel Golta Versand: