Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Juli 2020 (725 19 310 / 154) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Einstellung der Taggelder und Heilungskosten infolge Erreichens des Endzustandes: Die Unfallfolgen einer Fussdistorsion sind erfahrungsgemäss nach 4 Monaten abgeheilt; die noch bestehende Beschwerdesymptomatik ist auf einen degenerativen (stummen) Vorzu- stand zurückzuführen Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Suzanne Davet , Advo- katin, Falknerstrasse 3, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Die 1963 geborene A.____ war im administrativen B ereich tätig, bevor sie im Jahr 2016 arbeitslos wurde. Über die Öffentliche Arbeitslosversicherung war sie bei der Suva gegen Unfall- folgen versichert, als sie am 10. Mai 2018 beim Spazierg ang mit ihrem Hund den linken Fuss übertrat und verdrehte. Die Erstbehandlung fand am 15. Mai 2018 bei ihrem Hausarzt, Dr. med. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, statt. Er diagnostizierte eine Distorsion und verordnete eine konservative Therapie; eine ossäre Läsion konnte n ach dem Röntgenbild ausgeschlossen werden. Da die Beschwerden persistierten, erfolgte die weitere Behandlung bei einem Facharzt. Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Leistungen in Form von Taggeldern und Heilbehandlung. Im weiteren Verlauf traten Beschwerden im linken Knie auf, welche die Versicherte der Suva im Oktober 2018 meldete. Eine diesbezügliche Leistungspflicht lehnte die Suva am 24. Oktober 2018 wegen fehlender Kausalität zum Unfallereignis ab. Nach der kreisärztlichen Beurteilung von Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, vom 3. Januar 2019 kürzte die Suva das Taggeld per 1. Februar 2019 auf 50 %. Mit Verfügung vom 17. Mai 2019 stellte sie schliesslich ihre Leistungen per 30. April 2019 ganz ein mit der Begründung, dass die Restbe- schwerden überwiegend wahrscheinlich nicht mehr auf da s versicherte Ereignis vom 10. Mai 2018 zurückzuführen seien, sondern auf einen unfallfre mden Vorzustand. Der Zustand, wie er auch ohne Unfall vom 10. Mai 2018 bestanden hätte, se i spätestens vier Monate nach dem Er- eignis erreicht gewesen. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Suva gestützt auf die kreis- ärztliche Beurteilung von Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 3. Mai 2019 mit Entscheid vom 10. Juli 2019 ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Su zanne Davet, mit Eingabe vom 12. September 2019 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei a ufzuheben und die Suva anzuweisen, Taggelder basierend auf einer 50%igen Arbeitsunfähigk eit über den 30. April 2019 hinaus zu entrichten sowie die weiteren Behandlungskosten im Zusammenhang mit dem Unfall vom 10. Mai 2018 zu übernehmen. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen zum Zusammenhang zwischen den Knie- und Fussbeschwerden und dem Unfall vom 10. Mai 2018 vorzunehmen. Die Beschwerdegegnerin gehe davon aus, dass die heutigen B eschwerden nicht mehr im Zusam- menhang mit dem Unfallereignis vom 10. Mai 2018 stä nden. Begründet werde dies damit, dass einerseits auf den Bildern der Magnetresonanztomogra phie (MRT) vom 20. August 2018 dege- nerative Veränderungen sichtbar seien und andererseits d ie Distorsion des linken Fusses ohne strukturelle Schädigung des Fusses oder des Knies aus medizi nischer Sicht nicht geeignet sei, länger als vier Monate Beschwerden zu verursachen. Auf die entsprechende Beurteilung von Kreisärztin Dr. D.____ könne jedoch nicht abgestellt werden, da es sich um eine reine Aktenbe- urteilung handle. Vielmehr sei der Einschätzung des b ehandelnden Arztes, Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Klinik F.____, vom 30. April 2019 zu folgen, wonach die Versicherte vor dem Unfall keine Beschwerden gehabt habe und diese definitiv erst nach dem Unfall aufgetreten seien, womit der Unfall ursächlich dafür sei. Durch die stetige Fehlbelastung sei es ferner zu einem Tractussyndrom (Läuferknie) gekommen, unter welchem die Beschwerdeführerin nach wie vor leide . Da sich in der MRT auch keine we- sentlichen degenerativen Veränderungen zeigten, sei u nklar, weshalb die Beschwerden als krankheitsbedingt angesehen würden. Dr. E.____ gehe von einer unfallbedingten Arbeitsunfähig- keit von 50 % aus bis Ende August 2019. Offensichtlich han dle es sich um einen langwierigen unfallbedingten Krankheitsverlauf und die Steigerung des Pensums müsse langsam erfolgen. Sollte der Einschätzung von Dr. E.____ nicht gefolgt werden können, wären weitere medizinische Abklärungen zum Kausalzusammenhang und zu den Auswirkungen der Beeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit zu veranlassen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Vernehmlassung vom 4. Dezember 2019 beantragt e die Suva die Abweisung der Beschwerde. Eine gesundheitliche Schädigung gelte nicht bereits deshalb als unfallkausal, weil sie nach dem Unfall aufgetreten sei. Dafür bedürfe es des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Da die heutigen Beschwerden am linken Fuss nicht mehr überwiegend wahr- scheinlich auf den Unfall vom 10. Mai 2018 zurückzuführen seien, seien auch die durch die schmerzbedingte Fehlbelastung des Fusses bedingten Kniebeschwerden selbstredend nicht un- fallkausal. Der Annahme der Versicherten, dass die auf der MRT vom 20. August 2018 sichtbare chronische Partialruptur / Entzündung der Aponeurose in Zusammenhang mit einer Überdehnung der Bänder beim Unfall stände, könne nicht gefolgt werden. In keinem der medizinischen Berichte spreche sich ein Arzt dafür aus, dass die in der MRT vom 20. August 2018 erhobenen Befunde unfallbedingt seien. Dr. E.____ führe die Fussbeschwerd en einzig mit der Begründung auf den Unfall zurück, dass die Versicherte davor beschwerdefrei gew esen sei. Kreisärztin Dr. D.____ habe in ihrem Bericht vom 3. Mai 2019 klar festgehalten, dass auf den MRT-Bildern keine struk- turellen Läsionen zu sehen seien. Die leichte Veränderung / Auftreibung in der Plantarfaszie sei degenerativer Natur. Die Folgen der Distorsion seien sp ätestens vier Monate nach dem Unfall ausgeheilt gewesen. Es sei daher nicht zu beanstande n, dass die Suva ihre Versicherungsleis- tungen per 30. April 2019 eingestellt habe. D. Mit Replik vom 12. Februar 2020 wies die Beschwerdef ührerin nochmals auf den Bericht von Dr. E.____ hin, dass keine wesentlichen degenerativen Veränderungen am Fuss vor dem Unfall vorhanden gewesen seien. Mit anderen Worten gehe er – im Gegensatz zu Dr. D.____ – nicht davon aus, dass die in der MRT festgestellten Degenerationen für die Beschwerden verant- wortlich seien. Weiter sehe Dr. E.____ einen Zusammen hang zwischen der Fehlbelastung des Fusses und den Kniebeschwerden. Wie dem Bericht vom 30. S eptember 2019 zu entnehmen sei, führe er als Diagnose ein «Tractussyndrom, am ehesten durch Fehlbelastung links» an. Es sei folglich an der Beschwerdegegnerin – die über eine n Zeitraum von knapp einem Jahr Tag- geldleistungen aufgrund des Unfalls erbracht habe – nachzuweisen, dass die bestehenden Fuss- und Kniebeschwerden nicht mehr überwiegend wahrscheinli ch auf den Unfall zurückzuführen seien. Allein der Hinweis darauf, dass derartige Verle tzungen in der Regel innerhalb von vier Monaten ausgeheilt seien, genüge diesen Anforderungen nicht. Innerhalb dieser vier Monaten sei es offensichtlich zu Komplikationen gekommen. E. Mit Duplik vom 18. März 2020 hielt die Suva an ihre m Antrag auf Abweisung der Be- schwerde fest. In der Replik werde der Inhalt des Arztberichtes von Dr. E.____ vom 30. April 2019 nicht richtig wiedergegeben. Dr. E.____ äussere sich in seinem Bericht nicht dahingehend, dass vor dem Unfall keine wesentlichen degenerativen Veränderungen am Fuss vorhanden gewesen seien. Vielmehr führe er aus, dass die Versicherte vor dem besagten Unfall keine Beschwerden an ihrem linken Fuss bemerkt habe und dass nicht klar sei, weshalb die Beschwerden nunmehr als Krankheit interpretiert würden, da die degenerat iven Befunde nicht derart ausgeprägt seien. Ein krankhafter bzw. degenerativer Vorzustand müsse aber nicht zwingend vor dem Unfall mit Schmerzen in Erscheinung treten. Denn durch einen Unfall könne – wie vorliegend – auch ein bis vor dem Unfall stummer (bzw. nicht schmerzhafter) Vorzustand aktiviert werden. Die Unfallversi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherung habe in einem solchen Fall bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante nur Leistun- gen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbrin- gen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bunde sgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Deze mber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 12. September 2019 ist demnach ein- zutreten. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behand lung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körper- lichen oder geistigen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemes- sene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Ren- tenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2.2 Die vorübergehenden Leistungen, wie Taggelder un d Heilbehandlung, hat der Unfallver- sicherer – sofern allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind – nur so lange zu gewähren, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Was darunter zu verste- hen ist, bestimmt sich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der unfallbedingt beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit. Dabei muss die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen (BGE 134 V 1 09 E. 4.3 mit Hinweisen). Trifft dies Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht mehr zu und ist ein Endzustand eingetreten, ist d er Fall unter Einstellung der vorüberge- henden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Ans pruches auf eine Invalidenrente und/oder eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die Einstellung der vorüber- gehenden Leistungen und der Fallabschluss mit der Prüfung der Rentenfrage und der Integritäts- entschädigung hängen derart eng zusammen, dass von eine m einheitlichen Streitgegenstand auszugehen ist (vgl. BGE 144 V 354 E. 4.2). 3.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Suva zu Recht gestützt auf den Kreisarztbericht von Dr. D.____ vom 3. Mai 2019 von einem Endzustand ausgegangen ist und die vorübergehenden Leis- tungen per 30. April 2019 eingestellt hat. 3.2 Von einem Endzustand ist auszugehen, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt und en tweder der (krankhafte) Gesund- heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derje- nige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. dessen Wegfallens ist in erster Linie mit den Anga- ben medizinischer Fachpersonen zu führen. Während bei der Frage, ob ein Kausalzusammen- hang überhaupt jemals gegeben ist, die versicherte Person beweisbelastet ist, trägt die Unfall- versicherung die Beweislast für einen behaupteten Wegfal l der Kausalität aufgrund des Errei- chens des Zustandes, wie er vor dem Unfall bestand oder sich ohne diesen ergeben hätte (Status quo sine vel ante). Dabei hat der Unfallversicherer nich t den Beweis für unfallfremde Ursachen zu erbringen; entscheidend ist allein, ob die unfallb edingten Ursachen eines Gesundheitsscha- dens ihre (überwiegend wahrscheinliche) kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer d en negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder dass die ver sicherte Person nun bei voller Gesundheit ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 2018, 8C_276/2018, E. 2.3 mit weiteren Hinweisen). 3.3. Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherun gsrecht in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entsch eid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift indessen erst Platz, wenn es sich als unmöglich er weist, im Rahmen des Untersuchungs- grundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6). 4.1 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle ande- ren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Dag egen sind bei Entscheiden gestützt auf versicherungsinterne ärztliche Beurteilungen, die im Wesentlichen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem Sozialversicherungsträger stammen, an die Beweiswürdigung strenge Anfor- derungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung im Ver- fahren nach Art. 44 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5. Die Suva stützte sich in Bezug auf die Beurteilung des Endzustandes auf den kreisärzt- lichen Bericht von Dr. D.____ vom 3. Mai 2019. Das li nke Fussgelenk der Versicherten sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem Unfall in stummer oder manifester Weise be- einträchtigt gewesen. In der MRT vom 20. August 2018 seien keine strukturellen Verletzungen erkennbar, dagegen aber degenerative Veränderungen an der Plantaraponeurose. Dieser Be- fund stehe nicht in Zusammenhang mit dem Ereignis vom 10. Mai 2018. Die Folgen einer Fuss- distorsion – wie sie die Versicherte erlitten habe – gäl ten in der Regel nach vier Monaten als ausgeheilt. Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber mi t Verweis auf die Beurteilung des be- handelnden Facharztes, Dr. E.____, der Auffassung, dass die Beschwerden am linken Fuss und Knie nach wie vor unfallkausal sind. 6.1 Die Erstbehandlung fand fünf Tage nach dem Unfall ereignis vom 10. Mai 2018 am 15. Mai 2018 beim Hausarzt statt. Dr. B.____ diagnostizierte eine Distorsion des linken Fusses. Er hielt im Arztzeugnis UVG vom 6. August 2018 fest, dass die Versicherte seit dem Umknicken Schmerzen im Fuss verspüre, betont im Bereich der Mitte lfussknochen III-V, wo eine leichte Druckdolenz bestehe. Eine Schwellung oder einen Bluterguss habe er nicht festgestellt. Gemäss Röntgenbefund vom 15. Mai 2018 habe eine frische Fraktur ausgeschlossen werden können. Als Therapie verordnete er Schonung und Analgesie nach Bedarf. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Da die Beschwerden persistierten, begab sich die Ve rsicherte am 6. Juli 2018 in Be- handlung von Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chir urgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, Leiter Fussteam, Klinik H.____. Dr. G .____ diagnostizierte mit Bericht vom 10. Juli 2018, vor allem gestützt auf einen Radiologie- Bericht von Dr. med. I.____ vom 6. Juli 2018, eine Vorfussüberlastung links bei verkürzter cruraler Muskulatur mit Aktivierung durch eine OSG-Distorsion respektive eine Fussdistorsion am 10. Mai 2 018. Es zeige sich eine äusserst diskrete Schwellung am Fussrücken bei Dig. II bis IV, aber keine Rötung oder Überwärmung. Er empfahl das Anpassen von Einlagen mit retrokapitaler Abstützung. Des Weiteren schlug er Phy- siotherapie vor zur Aufdehnung der cruralen Muskulatur und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit vom 2. Juli 2018 bis 29. Juli 2018. 6.3 Da die Versicherte mit der Behandlung bei Dr. G._ ___ nicht zufrieden war, konsultierte sie am 30. Juli 2018 den Spezialisten Dr. E.____. Er diagnostizierte persistierende Beschwerden beim Lisfranc-Gelenk links bei Status nach Fussdistorsion im Mai 2018 und Status nach Sturz auf Glatteis am 13. Januar 2017 mit traumatisierter Te ndinitis calcarea rechts, Lumbalgien und Verdacht auf Oberarmprellung links sowie Kontusion / Distorsion des Vorfusses links. Dr. E.____ ordnete eine MRT-Untersuchung zur Abklärung einer strukt urellen Läsion an aufgrund der aus- geprägten Druckdolenz über der Lisfranc’schen-Gelenklinie, vor allem in Höhe Strahl III und IV. Das OSG sei hingegen unauffällig. Dr. E.____ attestier te eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 30. Juli 2018 bis 27. August 2018 (vgl. Bericht vom 2. August 2018). Die MRT-Untersuchung fand am 20. August 2018 statt. Dr. med. J.____, FMH Radiol ogie, stellte fest, dass ein in den Rönt- genbildern vom 12. November 2014 (Vorfall vom 21. September 2014) erkennbarer, nadelspitz- grosser Metall-Fremdkörper in den Weichteilen dorsal des proximalen Schaftes des Os metatar- sale II zu einem deutlichen Metallartefakt führe. Es seien aber keine Knochenmark- oder Weich- teilödeme sichtbar und auch keine Gelenkergüsse. Die mit erfassten Ligamente seien alle intakt und zumindest weitgehend auch morphologisch unauffällig. Das gelte insbesondere auch für das Lisfranc’sche Ligament von dorsal bis plantar. Stellenweise seien leichte bis zum Teil etwas be- tontere arthrotische Veränderungen erkennbar, besonder s beim Metatarsophalangealgelenk I und entlang der Listranc’schen Gelenklinie beim 5. Str ahl, wo eine kleine subchondrale Geröll- zyste im lateralen Knorpelrandbereich des Os cuboideum zu sehen sei. Die Sehnen seien unauf- fällig und es bestehe keine vermehrte Flüssigkeit in den Sehnenscheiden. Über eine Distanz von 2 cm zeige die Plantaraponeurose respektive der zentral e Faszikel der Aponeurose 1 cm distal des Ansatzes am Kalkaneus eine spindelförmige Auftreibung und Signalalteration im Sinne einer Degeneration und chronischen Partialruptur / Entzündung der Aponeurose. Als Fazit hielt Dr. J.____ fest, dass eine chronische Fasziitis / Partialruptur mit spindelförmiger Auftreibung des zentralen Faszikels der Plantaraponeurose distal abgeset zt vom unauffälligen calcanearen An- satz vorliege. Es gebe keinen Anhalt für eine ligament äre Läsion, insbesondere auch nicht be- treffend das Lisfranc’sche Ligament. Eine Fraktur sei ebenfalls auszuschliessen. 6.4 Dr. E.____ berichtete nach der Untersuchung vom 27 . August 2018, dass die Beschwer- den beim Lisfranc-Gelenk persistierten. Im Vergleich zur Voruntersuchung sei das Schonhinken zwar geringer, nach wie vor bestehe aber eine deutliche Druckdolenz über dem Lisfranc-Gelenk. Aufgrund der MRT-Bilder verordnete Dr. E.____ der Ve rsicherten nach Ausschluss einer liga- mentären Läsion Karbon-Kevlar-Einlagen, welche für 6 Wochen getragen werden sollten, um das Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schmerzhafte Lisfranc-Gelenk zu entlasten. Er attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 28. August 2018 bis 29. September 2018 (vgl. Bericht vom 30. August 2018). Eine weitere Untersu- chung bei Dr. E.____ fand am 2. Oktober 2018 statt. Vo n Seiten des Fusses gebe es keine we- sentliche Beschwerdeänderung. Das Tragen der Karbon-Einlagen bringe eine leichte Besserung. In letzter Zeit zunehmend störend seien linksseitige Kniebeschwerden. Es bestehe der Verdacht auf eine Meniskusläsion links. Dabei beschreibe die Versicherte eine Blockadesymptomatik, wel- che intermittierend auftrete. Der Versicherten wurde w eiterhin eine vollständige Arbeitsunfähig- keit bis 12. Oktober 2018 attestiert (vgl. Bericht vom 4. Oktober 2018). 6.5 Die Versicherte meldete die neu aufgetretenen Kni ebeschwerden der Suva mit Email vom 4. Oktober 2018. Kreisarzt Dr. med. K.____, FMH Or thopädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates, erachtete diese als nicht unfallkausal. Die Beschwerden seien erstmals Ende August 2018 dokumentiert worden und somit 3,5 Monate nach dem Ereignis (vgl. Stellungnahme vom 23. Oktober 2018). Die Suva lehnte gestützt darauf eine diesbezügliche Leis- tungspflicht mit Schreiben vom 24. Oktober 2018 ab. 6.6 Die nächste Konsultation bei Dr. E.____ folgte a m 30. Oktober 2018. Er diagnostizierte lateral Knieschmerzen links am ehesten überlastungsbedin gt bei persistierenden Beschwerden beim Lisfranc-Gelenk links sowie bei Status nach Fussdistor sion im Mai 2018. Auf den MRT- Bildern des linken Knies vom 29. Oktober 2018 zeige sich lateralseitig keine signifikante Läsion, weshalb die Kniebeschwerden am ehesten durch die Fehlbelastung infolge der Fussschmerzen verursacht würden. Die weitere Therapie sollte sich deshalb auf den Fuss konzentrieren mit Tra- gen der Karbon-Kevlar-Einlagen nach Bedarf und langs amen Belastungsaufbau. Er attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit bis 30. November 2018. Am 14. Dezember 2018 berichtete Dr. E.____ über die gleichentags erfolgte Verlaufskontrolle. Von Seiten des linken Kniegelenkes liege eine deutliche Besserung der Beschwerden vor. Probleme b ereite nach wie vor der linke Fuss. Hier sei die Belastung immer noch deutlich eingeschränkt. Die Schmerzen tarsometatarsal per- sistierten hartnäckig, weshalb er zur diagnostisch-therapeutischen Infiltration geraten habe. An- sonsten würden weiterhin schmerzlindernde Medikamente verschrieben. Er bescheinigte weiter- hin eine Arbeitsunfähigkeit bis 29. Januar 2019. 6.7 Kreisärztin Dr. C.____ kam am 3. Januar 2019 zum S chluss, dass nunmehr eine über- wiegend sitzende Tätigkeit ganztags zumutbar sei, woraufhin die Suva das Taggeld per 1. Feb- ruar 2019 auf 50 % kürzte. Mit Email vom 24. Januar 2019 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie ab 1. Februar 2019 zu 20 % arbeiten werde. Anlässlich der Konsultation vom 29. Januar 2019 attestierte ihr Dr. E.____ eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis 10. Februar 2019 und ab 11. Februar 2019 bis 15. März 2019 eine 80%ige. Seit der letzten Konsultation sei eine leichte Bes- serung der Beschwerden eingetreten, weshalb sie wieder mit der beruflichen Tätigkeit beginnen wolle. Der Fuss links sei inspektorisch reizfrei. Die Druckd olenz auf Höhe des Tarsometatarsal- gelenkes über dem 1. und 2. Strahl sei etwas rückläufig. Es beständen immer noch leichte Schmerzen beim Abrollen und bei Vorfussbelastung (vgl. Bericht vom 30. Januar 2019). Ab 12. März 2019 arbeitete die Versicherte schliesslich zu 30 % als Sekretärin. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.8 Eine weitere Verlaufskontrolle bei Dr. E.____ fa nd am 19. März 2019 statt. Er diagnosti- zierte nunmehr ein Tractussyndrom am ehesten durch Fehlbe lastung links bei persistierenden Beschwerden im Lisfranc-Gelenk links bei Status nach Fussdistorsion im Mai 2018. Weiter stellte er degenerative Knieveränderungen links fest sowie einen Status nach Sturz auf Glatteis am 13. Januar 2017 mit traumatisierter Tendinitis calcarea rechts. Die Fussschmerzen seien insgesamt etwas besser geworden. In den letzten Wochen bestehe ab er ein Schmerz aussenseitig über dem Oberschenkel bis in den Unterschenkel ausstrahlend, aber ohne Gefühlsstörungen. Die Ver- sicherte arbeite aktuell 30 % rein sitzend. Dies sei momentan das maximal Mögliche. Klinisch sei der Fuss unauffällig. Eine leichte Druckdolenz medial über dem Knie und über der Lisfranc-Ge- lenklinie sei noch vorhanden. Von Seiten des Fusses ze ige sich soweit ein recht guter Verlauf. Eine ausgeprägte Druckdolenz befinde sich über dem gesam ten Tractus iliotibialis, welcher im Seitenvergleich eine deutlich vermehrte Spannung zeige. Die Dehnung des Tractus löse Schmer- zen aus. Therapeutisch sei Physiotherapie angesagt. Die Arbeitsfähigkeit liege weiterhin bei 30 % bis 19. April 2019. 6.9 Am 8. April 2019 fand im Auftrag von Kreisarzt D r. med. L.____, FMH Chirurgie, eine Befragung der Beschwerdeführerin zum genauen Hergang der Ereignisse vom 10. Mai 2018 so- wie vom 21. September 2014 statt. Die Versicherte wiederholte, dass sie anlässlich des Spazier- ganges mit ihrem Hund am 10. Mai 2018 ihren linken Fu ss heftig übertreten und seither Be- schwerden habe. Beim Unfall vom 21. September 2014 ha be sie eine vollbepackte Bananen- schachtel fallen lassen. Diese sei mit einer Ecke voran auf ihren linken Mittelfuss gefallen. Gleich nachfolgend sei sie mit ihrem Vorfuss bzw. den Zehen frontal gegen die Wand gestossen. Nach dem damaligen Behandlungsabschluss habe sie keine Beschwerden mehr gehabt. 6.10 Kreisärztin Dr. D.____ nahm am 9. April 2019 zum Verlauf Stellung und kam zum Schluss, dass keine unfallkausale strukturelle Läsion vorli ege. Eine Chopard-Distorsion gelte in der Regel nach vier Monaten als ausgeheilt. Vorliegen d sei davon auszugehen, dass das linke Fussgelenk der Versicherten mit überwiegender Wahrscheinl ichkeit schon vor dem Unfall in stummer Weise beeinträchtigt gewesen sei im Sinne der auf den Bildern erkennbaren Degene- ration der Plantarfaszie. Daraufhin teilte die Suva d er Versicherten mit Schreiben vom 10. April 2019 mit, dass sie die Leistungen per 30. April 2019 einstellen werde. 6.11 Mit Verlaufsbericht vom 30. April 2019 führte Dr . E.____ die gleichen Diagnosen wie im Vorbericht an und stellte fest, dass die klinischen Beschwer den weitgehend unverändert seien. In Bezug auf die Einstellung der Versicherungsleistungen sei zu beachten, dass die Versicherte vor dem besagten Unfall keinerlei Beschwerden an ihrem linken Fuss bemerkt habe. Diese seien definitiv erst mit dem Unfall aufgetreten. Durch die stetige Fehlbelastung sei es seines Erachtens zu dem genannten Tractussyndrom gekommen, unter welchem sie immer noch leide. Da in der MRT vom 20. August 2018 keine wesentlichen degenerativen Veränderungen festgestellt worden seien, sei für die Versicherte wie auch für ihn nicht ganz klar, weshalb die Beschwerden als krank- heitsbedingt ausgelegt würden. Er bat die Suva um eine Erläuterung. 6.12 Kreisärztin Dr. D.____ nahm mit Bericht vom 3. Ma i 2019 Stellung und hielt fest, dass das Distorsionstrauma weder eine Schwellung noch ein Häm atom noch eine Fraktur zur Folge Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehabt habe, sondern es habe einzig eine leichte Druckdolenz über den Mittelfussknochen III-V festgestellt werden können. Auch auf der MRT vom 20. August 2018 seien keine strukturellen Läsionen erkennbar gewesen. Die leichte Veränderung / Auftreibung in der Plantarfaszie entspre- che einer Degeneration. Zeichen für eine akute Verletzung daselbst hätte es keine gegeben. Als Behandlungen seien Physiotherapie und der Einsatz von Einlagen erfolgt sowie eine analgetische Therapie. Ende August 2018 seien erstmals Knieschmerzen links erwähnt worden und im neuen Jahr auch eine Symptomatik über dem lateralen Oberschenkel links (Tractussyndrom). Das linke Fussgelenk sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem Unfall in stummer oder ma- nifester Weise beeinträchtigt gewesen, dies aufgrund der auf den MRT-Bildern sichtbaren dege- nerativen Veränderungen an der Plantaraponeurose. Die se Veränderungen seien wie erwähnt degenerativen Ursprungs und ständen nicht in Zusammenhan g mit dem Ereignis vom 10. Mai 2018. Schliesslich folgte die Einstellung der Leistungen mit Verfügung vom 17. Mai 2019 per 30. April 2019. 6.13 Am 4. Juli 2019 berichtete Dr. E.____ über die V erlaufsuntersuchung vom 2. Juli 2019. Unter der physiotherapeutischen Behandlung und Schonung seien die Kniebeschwerden fast vollständig regrediert. Das linke Kniegelenk zeige sich he ute unauffällig. Die Beschwerden am linken Fuss seien dagegen unverändert. Die physiotherap eutische Behandlung sollte deshalb fortgeführt werden. Die Arbeitsfähigkeit werde ab 1. Juli 2019 von 30 % auf 50 % gesteigert. 6.14 Eine weitere Kontrolle fand am 30. September 2 019 statt. Dr. E.____ führte am 4. Okto- ber 2019 dazu aus, dass die Versicherte zwischenzeitlich aus organisatorischen Gründen bis zu 80 % hätte arbeiten müssen. Dabei sei es eher zu einer Zunahme der Beschwerden gekommen. Sobald sie den Fuss wieder etwas habe schonen können, hät ten sich die Beschwerden rasch gebessert. Insgesamt liege aber keine relevante Veränderung zur letzten Kontrolle vor. Auch die physiotherapeutische Behandlung habe die Schmerzen nicht wesentlich beeinflussen können. Er attestierte ab 1. September 2019 bis 30. November 201 9 eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Schliesslich beurteilte Dr. E.____ die Situation am 29 . November 2019 erneut. Das Tractussyn- drom wurde nunmehr nicht mehr in der Diagnoseliste aufgeführt. Den Verlauf beschrieb er aber weiterhin als harzig ohne wesentliche Änderung der Bes chwerden. Bei noch bestehender Schwellneigung und belastungsabhängigen Beschwerden hab e die Versicherte zum nochmali- gen Besuch einer Physiotherapie bewegt werden können für abschwellende Massnahmen sowie stabilisierende Übungen. Eine weitere Verlaufskontrolle sei im Februar 2020 geplant. Die Arbeits- fähigkeit liege weiterhin bei 50 % bis 17. Februar 2020. 7. Vorliegend ist unbestritten, dass seitens des linken Fusses und Knies auch nach der Einstellung der Leistungen und somit nach dem 30. Apri l 2019 eine Beschwerdesymptomatik bestand. Die Kreisärztin Dr. D.____ begründet den Endzustand damit, dass keine unfallkausalen Läsionen vorlägen. Dies ist soweit nachvollziehbar. Wed er auf dem Röntgenbild vom 15. Mai 2018 noch auf den MRT-Aufnahmen vom 20. August 2018 k onnten ossäre Läsionen oder Bän- derverletzungen festgestellt werden. Ferner ist sie der Auffassung, dass ein stummer degenera- tiver Vorzustand in Form einer Plantaraponeurose vorgel egen habe, denn die leichte Verände- rung / Auftreibung in der Plantarfaszie entspreche ein er Degeneration. Die chronische Fasziitis (vgl. MRT-Bericht vom 20. August 2018) ist eine Entzünd ung der Sehnenplatte der Fusssohle Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und wird typischerweise durch Überbeanspruchung ausgelöst. In Abweichung von Dr. D.____ wird dieser Befund von Dr. E.____ nicht als Beschwerdeursache genannt, sondern persistierende Beschwerden im Bereich des Mittelfusses beim Lisfranc-Gelenk. Eine unfallbedingte Verletzung dieses Gelenkes konnte jedoch ebenfalls nicht objektiviert werden, nicht mittels MRT und nicht mittels Röntgenuntersuchung. So ist dem radiologischen Bericht von Dr. I.____ vom 6. Juli 2018 zu entnehmen, dass die Darstellung der Lisfranc’schen Gelenke regelrecht sei. Ferner ergaben die MRT-Bilder vom 20. August 2018, dass die Ligamente alle intakt und zumindest weitgehend auch morphologisch unauffällig seien. Das gelte insbeso ndere auch für das Lisfranc’sche Liga- ment von dorsal bis plantar. Nur stellenweise gebe es leichte bis zum Teil etwas betontere arthro- tische Veränderungen, insbesondere beim Metatarsophala ngealgelenk I und entlang der Lis- franc’schen Gelenklinie und vor allem beim 5. Strahl, wo eine kleine subchondrale Geröllzyste im lateralen Knorpelrandbereich des Os cuboideum zu sehen sei . Es gebe keinen Anhalt für eine ligamentäre Läsion, insbesondere auch nicht betreffend das Lisfranc’sche Ligament. Die festgestellten arthrotischen Veränderungen weisen, s elbst wenn sie diskret sind, auf eine vorbestehende degenerative Genese der geklagten Beschwerden im Mittelfuss hin, selbst wenn die Versicherte diesbezüglich vor dem Unfall schmerzfrei gewesen war. In diesem Zusammen- hang ist auf den Bericht des erstbehandelnden Facharztes , Dr. G.____, zu verweisen, welcher offenbar auch von einem stummen Vorzustand ausgegangen ist, indem er eine Vorfussüberlas- tung links bei verkürzter cruraler Muskulatur mit Aktivierung durch die Fussdistorsion am 10. Mai 2018 diagnostizierte (vgl. Bericht vom 10. Juli 2018). Der Suva ist darin beizupflichten, dass ein krankhafter bzw. degenerativer Vorzustand nicht zwingend vor dem Unfall mit Schmerzen in Er- scheinung treten muss. Durch den Unfall kann auch ein bis vor dem Unfall stummer Vorzustand aktiviert werden. Treten im Anschluss an einen Unfall Beschwerden auf (die zuvor nicht bestan- den) und ist davon auszugehen, dass durch den Unfall lediglich ein (zuvor stummer) Vorzustand aktiviert, nicht aber verursacht worden ist, so hat der Unfallversicherer nur Leistungen für das unmittelbar in Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen (SVR 2010 UV Nr. 31 S. 125; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Mai 2010, 8C_816/2009, E. 4.3). Von einem solchen Fall ist vorliegend in Würdigung der me dizinischen Aktenlage auszugehen. Der Ansicht von Dr. E.____, dass die Unfallkausalität zu beja hen sei, weil die Versicherte vor dem Unfall beschwerdefrei gewesen sei, kann hingegen nicht gefolgt werden. Denn ärztliche Aus- künfte, die allein auf der Argumentation beruhen, die gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien erst nach dem Unfall aufgetreten, sind beweisrechtlich n icht verwertbar (vgl. zur Unzulässigkeit der Beweismaxime «post hoc ergo propter hoc» BGE 119 V 335 E. 2b/bb; Urteil des Bundesge- richts vom 29. Mai 2020, 8C_241/2020, E. 3 und 6.1). Aus dem Umstand, dass ein stummer unfallfremder Vorzustand erst nach einem Unfallereign is symptomatisch wird, lässt sich somit praxisgemäss nicht auf einen unfallbedingten anspruchsbegrü ndenden Kausalzusammenhang schliessen. Beim Vorfall vom 10. Mai 2018 zog sich die Be schwerdeführerin unbestrittenermas- sen eine Distorsion des linken Fusses zu. Einzig die dadurch ausgelösten Beschwerden vermö- gen eine Leistungspflicht der Suva zu begründen. Die a nhaltenden Beschwerden am Lisfranc- Gelenk können weder bildgebend noch medizinisch mit de m Unfallereignis begründet werden, weshalb mit der Suva davon auszugehen ist, dass das Unf allereignis mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit nicht mehr kausal für die Beschwerden nach dem 30. April 2019 ist, sondern, dass die Folgen der Fussdistorsion erfahrungsgemäss nach vier Monaten abgeheilt waren. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Daran ändern auch die Vorbringen der Beschwerdefü hrerin nichts. Der Schluss, dass die chronische Partialruptur / Entzündung der Aponeurose in Zusammenhang mit einer Überdeh- nung der Bänder anlässlich des Unfalles zu sehen sei, ist nicht nachvollziehbar. In keinem Arzt- bericht wird von einer Überdehnung der Bänder gespro chen oder von einem Zusammenhang zwischen der chronischen Partialruptur / Entzündung der Aponeurose und dem Unfallereignis. 8.2 Weiter ist der Beweiswert kreisärztlicher Berichte ni cht per se herabgesetzt, weil keine persönliche Untersuchung stattgefunden hat. Eine Aktenbeurteilung kann volle Beweiskraft ent- falten, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden Sachverhaltes g eht, mithin die direkte ärztliche Befas- sung mit der versicherten Person in den Hintergrund rü ckt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2020, 9C_11/2020, E. 5.1.2). Diese Voraussetzung ist vorliegend gegeben, liegen doch bildgebende Befunde vor sowie eine ausführliche Verlau fskontrolle seitens des behandelnden Arztes. Eine persönliche Untersuchung durch den Kreisarzt Dr. K.____ bzw. durch die Kreisärz- tinnen Dr. C.____ und Dr. D.____ war daher nicht erforderlich. 8.3 Ferner macht die Versicherte geltend, dass die Knie beschwerden links auf eine Fehlbe- lastung des Fusses zurückzuführen und somit unfallkausal seie n. Dieser Einwand ist durchaus plausibel. Die Unfallkausalität lässt sich aber nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit begründen. Die Suva durfte gestützt auf die Beurteilung der Kreisärztin Dr. D.____ davon ausgehen, dass die Folgen der Distorsion vier Mona te nach dem Unfall – mithin Mitte September 2018 – ausgeheilt waren. Kreisarzt Dr. K.__ __ geht zwar in seinem Bericht vom 23. Oktober 2018 (und gestützt darauf auch nachfolgend Dr. D .____) fälschlicherweise davon aus, dass die Kniebeschwerden links erstmals im August 2018 aufg etreten seien, was allenfalls für eine unfallkausale Folgeschädigung sprechen würde, richtig hingegen ist, dass der erste Hinweis auf Kniebeschwerden aus dem Bericht von Dr. E.____ vom 4. Oktober 2018 hervorgeht. Anläss- lich der Konsultation vom 2. Oktober 2018 stellte er die Verdachtsdiagnose einer lateralen Me- niskusläsion des linken Knies und ordnete eine MRT an. Der MRT-Befund vom 29. Oktober 2018 ergab lateralseitig keine signifikante Läsion, weshalb Dr . E.____ davon ausging, dass die Knie- beschwerden am ehesten durch die Fehlbelastung wegen der Fussschmerzen hervorgerufen worden seien. Dies mag zwar zutreffen, eine Unfallkausalität im geforderten Mass lässt sich aber aufgrund des Zeitablaufes nicht begründen. Ferner beur teilte er mit Bericht vom 19. März 2019 die Kniebeschwerden als degenerativ. Das im gleichen Ber icht erwähnte Tractussyndrom, wel- ches gemäss Dr. E.____ aufgrund der Schonhaltung aufg etreten ist, lässt sich ebenfalls infolge der späten Manifestation nicht mit dem notwendigen Be weisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit auf den Unfall zurückführen. 9. Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass mit der Suva anzunehmen ist, dass – nachdem keine unfallbedingten Verletzungen objektiviert werden konnten – von der Erfahrungs- tatsache auszugehen ist, dass die Folgen der Fussdistorsion vom 10. Mai 2018 nach vier Mona- ten abgeheilt waren. Sowohl die Kniebeschwerden als auch das Tractussyndrom gelten aufgrund der Tatsache, dass sie erst viel später aufgetreten sind, nicht als unfallkausal. Es bleibt auch zu beachten, dass die Suva ihre Leistungen nicht schon nach vier Monaten eingestellt hat, sondern Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Taggelder und Heilbehandlung bis Ende April 2019 und somit für ein Jahr ausgerichtet hat. Die Einstellung der Leistungen erweist sich in Würdigung de r medizinischen Sachlage als rechtens, zumal auch der behandelnde Arzt, Dr. E.____, keine überzeugenden Gegenargumente zu liefern vermochte. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 10.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 l it. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie- gende Verfahren keine Kosten zu erheben. 10.2 Gemäss Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch a uf eine Parteientschädigung. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung (vgl. Verfügung vom 22. Oktober 2019) wird der Rechtsvertreterin ein Honorar aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Gemäss Honorarnote vom 31. März 2020 werden für den vorliegenden Fall 17 ,55 Stunden in Rechnung gestellt. Mit Blick auf ähnlich gelagerte Fälle erweist sich der geltend gemachte Aufwand als zu hoch, weshalb eine angemessene Kürzung der Kosten vorzunehmen ist. Insbesondere ist der Aufwand von 3,25 Stunden für die 1,5 Seiten lange Replik, welche auch W iederholungen aus der Beschwerde be- inhaltet, zu kürzen. Angesichts der sich stellenden Sachv erhalts- und Rechtsfragen sowie des Aktenumfangs ist im vorliegenden Fall unter Berücksichtigung des doppelten Schriftenwechsels ein Aufwand von 15 Stunden angemessen. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein reduziertes Ho- norar in der Höhe von Fr. 3’306.55 (15 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 70.15 und Mehr- wertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein reduziertes Honorar in der Höhe von Fr. 3'306.55 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet.