B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2452/2014 U r t e i l v o m 1 2 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, amtlich verbeiständet durch MLaw Gian Ege, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom 9. April 2014 / N (…). E-2452/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Ethnie aus B._______ mit letztem Wohnsitz daselbst, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (…) und begab sich nach Äthi- opien. Soldaten hätten ihn dort zunächst nach C._______ und daraufhin nach D._______ gebracht, wo er zwei Monate geblieben sei. Er habe zu- sammen mit anderen Jungendlichen sieben Mona te in einem Haus (…) gewohnt, dann sei er in den Sudan gegangen. In einem Flüchtlingslager habe er einen Freund seines Vaters getroffen, mit dem er nach K hartum gegangen sei. Nach fünf Monaten hätten sie sich nach Libyen begeb en. Über das Meer seien sie (…) nach E._______ (Italien) gelangt, wo sie in einem Lager unterge bracht worden seien. Er hätte dort fotografiert und möglicherweise daktyloskopiert werden sollen, aber sein Begleiter habe ihm gesagt, er solle das nicht machen, weshalb er aus dem Lager wegge- laufen sei. Schliesslich habe er einen Schlepper gefunden, der die weit e- re Reise organisiert habe ; für die Kosten sei ein Angehöriger (…) aufge- kommen. Er sei in einem Aut obus nach Rom gefahren und von dort mit dem Zug nach Mailand und weiter in die Schw eiz, wo er am 3. Oktober 2013 angeko mmen sei. Gl eichentags stellte er im (…) ein Asylgesuch. Die Befragung zur Person (BzP) fand am 14. Oktober 2013 statt, die A n- hörung zu den Asylgründen , bei welcher der minderjährige Beschwerde- führer von F._______ als Ve rtrauensperson begleitet war, am 5. März 2014. A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer vor, sein Vater sei (…) im Militärdienst gew esen. Er habe sie alle zwei, drei Jahre besucht , dann sei er verschwunden, und sie hätten nichts mehr von ihm gehört. Eines Tages sei en Soldaten zu ihnen nach Hause gekommen. Sie hätten seine Mutter gefragt, wo sich der Vater befinde. Weil die Mutter diese Frage nicht habe beantworten können, hätten die Behörden den Laden seiner Mutter geschlossen. Daraufhin hätten sie e i- nige Monate illegal Ware an der Hintertür verkauft, seien schliesslich aber ohne Einkommen gewesen. Der Kummer seiner Mutter habe ihn stark beschäftigt. Er habe sich zur Ausreise entschlossen , möchte einen Beruf erlernen und die Familie finanziell unterstützen. A.c Der Beschwerdeführer gab keinerlei Ausweispapiere zu den Akten. Einen Reisepass oder eine Identitätskarte habe er nie bes essen. Auch Beweismittel reichte er keine ein. E-2452/2014 Seite 3 B. Das Bundesamt liess im Oktober 2013 eine Knochenaltersbestimmung des Beschwerdeführer s durchführen. Dr. med. G._______, (…), hielt in seinem Bericht (…) fest: "Età cronologica dichiarata: 14 anni e 10 mesi. Età ossea: 15 anni". C. Der Beschwerdeführer wurde vom BFM mit Verfügung vom 18. Oktober 2013 für die Dauer des Verfahrens dem Kanton (…) zugewiesen. D. Das BFM stellte mit am 1 0. April 2014 eröffneter Verfügung vom 9. April 2014 fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg, schob jedoch den Wegweisungsvollzug wegen Unzulässigkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. E. Der Beschwerdeführer liess diesen Entscheid durch seinen Rechtsvertre- ter mit Beschwerde vom 7. Mai 2014 anfechten und in materieller Hinsicht beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft fest - zustellen und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie der Verzicht auf die Erhebung eines Ko s- tenvorschusses beantragt. F. Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unen tgeltli- chen Prozessführung mit Verfügung vom 22. Mai 2014 gut und verzicht e- te auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E benfalls hiess er das Gesuch um Gewährung der unen tgeltlichen Rechtsverbeiständung gut und ordnete dem Beschwerdeführer MLaw Gian Ege, HEKS Rechtsbera- tungsstelle für Asylsuchende St. Gallen / Appenzell, als amtlicher Rechts- beistand bei. G. Die Vorinstanz, vom Instruktionsrichter mit vorstehend erwähnter Verf ü- gung zur Vernehmlassung eingeladen, stellte in ihrer Eingabe vom 5. Juni 2014 fest, die ihr zur Verfügung steh enden Akten würden neue Elemente enthalten, welche eine Neubeurteilung des Falles erforderten. Aus di e-E-2452/2014 Seite 4 sem Grunde werde die Kassation ihres Entscheides vom 9. April 2014 beantragt. H. In teilweiser Wiedererwägung seiner Verfügung vom 9. April 2014 en t- schied das BFM am 16. Juni 2014: 1. Die Ziffer 1 (Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft) der Verfügung vom 9. April 2014 wird aufgeho- ben. 2. Der Beschwerdeführer erfüllt die Flüchtlingseigenschaft. Die weiteren Dispositivziffern sind materiell deckungsgleich mit jenen des angefochtenen Entscheides. I. Der Instruktionsrichter forderte den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 25. Juni 2014 auf, dem Gericht bis am 10. Juli 2014 mitzut eilen, ob er hinsichtlich der Gewährung von Asyl an der Beschwerde vom 7. Mai 2014 festhalte oder diese zurückziehe. Mit Eingabe vom 9. Juli 2014 teilte der Beschwerdeführer mit, dass auch im Asylpunkt an der Beschwerde festgehalten werde. K. Gemäss Mitteilung vom 23. Juli 2014 wurde für den Beschwerdeführer von der Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde KESB (…) eine Vo r- mundschaft nach Art. 327a ZGB errichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltun gsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel und so auch vorlie- gend endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). E-2452/2014 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach d em VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgebli ch auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 In seiner (später teilweise in Wiedererwägung gezogenen ) Verfügung vom 9. April 2014 führte das BFM nach einer Zusammenfassung der Vor- bringen des Beschwerdeführers Folgendes aus: E-2452/2014 Seite 6 Die Vorbringen seien unsubstanziiert und würden stereo typ klingen. So habe der Beschwerdeführer etwa angegeben, keinen Kontakt mehr zum Vater zu haben, diesbezüglich aber keine konkreten Elemente vorg e- bracht. Er habe weder angeben können, wann er die sen letztmals ges e- hen habe oder wie alt er damals gewesen sei, noch wann der Vater das letzte Mal nach Hause gekommen sei. Auch habe er sich nicht an das Datum erinnern können, an dem die B e- hörden den Vater gesucht hätten. Erst auf mehrmalige Aufforderung hin habe er anlässlich der Anhörung gesagt, dieser sei ungefähr vor (…) nach Hause gekommen. Indessen habe er im Unterschied dazu bei der Befragung zu Protokoll gegeben, dass es schon (…) Jahre zuvor gew e- sen sei. Zudem seien die Ausführungen zu den Besuche n der Beamten zu wenig detailliert und stereotyp; trotz Aufforderung, die Vorkommnisse präzise zu schildern, seien die Aussagen immer oberflächlich ge blieben. Die fehlende Gründlichkeit könne nicht seinem Alter zugeschrieben we r- den, denn die Angaben seien bezüglich anderer Fragen sehr präzise g e- wesen. So habe der Beschwerdeführer angegeben, Eritrea am (…) ver- lassen zu haben, und auch genaue Angaben zum Aufenthalt im Sudan und in Libyen sowie zum Weg bis in die Schweiz machen können. Diese Vorbringen seien n icht hinreichend begründet und deshalb nicht glaubhaft. Vorbringen seien dann widersprüchlich, wenn im Verlaufe des Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht würden. Der Beschwerdeführer verstricke sich in einen erheblichen Widerspruch. So habe er in der BzP bezüglich seiner Kontakte zu den Behörden ang e- geben, diese seien zweimal nach Hause gekommen; danach seien sie nicht mehr gekommen, da die Siegel an der Tür unvers ehrt gewesen sei- en. Er habe aber gesehen, wie diese Leute immer wieder am Haus vo r- beigekommen seien. Dagegen habe er in der Anhörung ausgeführt, die Beamten nach dem zweiten Besuch nicht mehr gesehen zu haben, nicht einmal aus der Ferne. Diesen Widerspruch habe er nicht auflösen kö n- nen, und das Vorbringen könne ihm deshalb auch nicht geglaubt werden. Die Vorbringen würden insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftig- keit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, so dass deren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. E-2452/2014 Seite 7 Da das Asylgesuch abgelehnt werde, sei der Beschwerdeführer zur Au s- reise aus der Schweiz verpflichtet. Aus den Akten würden sich jedoch konkrete Anhaltspunkte dafür ergeben, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlic h- keit eine durch Art. 3 EMRK verboteten Strafe oder Behandlung drohe. Der Vollzug der Wegweisung werde deshalb als unz ulässig erachtet und er sei demnach in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 4.2 In der Beschwerde wurde nach einer Rekapitulation der Vorkommnis- se zunächst auf die vom Bundesamt in Abrede gestellte Glaubhaftigkeit der Vorbringen eingegangen. In Lehre und Praxis sei grundsätzlich u n- bestritten, dass die Anforderungen an Klarheit und Vollständigkeit bei der Darlegung von Asylgründen bei Minderjährigen he rabgesetzt werden könnten. Es sei einleuchtend, dass ihm das von grossen Emotionen und Stress begleitete Ereignis der Ladenschliessung nicht gleich klar in Eri n- nerung geblieben sei wie etwa das Ausreisedatum oder die Reise. Gera- de einer jungen Person könne nicht zugemutet werden, komplexe Sac h- verhalte sofort uneingeschränkt zu durchschauen , und so habe sich der Beschwerdeführer immer wieder auf das prägende Bild der weinenden Mutter bezogen. Sodann wurde ausgeführt, die Familie des Beschwerdeführers habe sich sozusagen auf dem Radar der Behörden befunden; sie habe staatliche Repressionen erdulden müssen, weshalb eine Reflexverfolgung des B e- schwerdeführers auf der Hand liege. Dass er angesichts seines geringen Alters noch nicht den Gesamtzusammenhang der Vorfälle erfasst habe, könne ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden. Insgesamt sei bei ihm ei- ne begründete Furcht vor e iner Reflexverfolgung gegeben, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei. Zudem sei davon auszugehen, dass die Behörden den Beschwerdeführer bereits registriert und ihn in naher Zukunft zum Militärdienst eingezogen hätten beziehungsweise bei einer Rückkehr einziehe n würden. Als Sohn eines mutmasslichen Deserteurs unterliege er der besonderen Gefahr, mit ausserordentlicher Härte behandelt zu werden. Eingehend g ing die Beschwerde schliesslich auf die "Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund der illegalen Ausreise" ein. Selbst wenn die Angst vor Reflexverfolgung und Einzug zum Militärdienst für zu wenig konkretisiert erachtet werde, sei dem Beschwerdeführer aufgrund seiner E-2452/2014 Seite 8 illegalen Ausreise aus Eritrea dennoch die Flüchtlingseigenschaft, welche dieser erfülle, zuzusprechen. Wie die Vorinstanz richtig feststelle, drohe dem Beschwerdeführer im Fal- le einer Rückkehr nach Eritrea mit grosser Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung. Der Grund liege in der willkürlichen Sanktions -Praxis für illegal ausreisende Staatsangehörige. Der Beschwerdeführer habe Eritrea ohne gültiges Ausreisevisum verla s- sen, weshalb er bei einer Rückkehr dorthin erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre . Das Bundesverwaltungsgericht habe denn auch schon in mehreren Fällen entschieden, dass auch mi n- derjährigen Personen, welche aus Eritrea geflüchtet seien, erhebliche Nachteile im Sinne des Asylgesetzes drohten, weshalb sie als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen seien, selbst wenn die Asy lgewährung aufgrund von Art. 54 AsylG ausgeschlossen sei. 4.3 In der Verfügung vom 16. Juni 2014 (teilweise Wiedererwägung des Entscheides vom 9. April 2014) stellte d as Bundesamt fest, der B e- schwerdeführer habe Eritrea illegal verlassen. Die eritreischen Behörden unterstellten solchen Personen grundsätzlich eine regierungsfeindliche Haltung und würden diese bei einer Rückkehr sehr streng bestrafen. Demnach habe der Beschwerdeführer begründete Furcht, bei einer Rück- kehr in den Heimatstaat ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden, womit er die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Flücht- lingen werde indessen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Au s- reise oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 A sylG geworden seien (Art. 54 AsylG, subjektive Nachfluch t- gründe). Dies sei vorliegend der Fall. Der Beschwerdeführer sei daher von der Asylgewährung auszuschliessen, jedoch als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Das Asylgesuch bleibe somit abgelehnt. In Anwendung von Art. 44 AsylG sei demnach die Wegweisung aus der Schweiz anzuordnen, wobei der Vollzug der Wegweisung nach Eritrea jedoch unzulässig sei. Da kein Drittstaat dazu verhalten werden könne, den Beschwerdeführer aufz u- nehmen, sei der Vollzug der Wegweisung undurchführbar. Er werde de s- halb als Flüchtling vorläufig aufgenommen. 4.4 Diesbezüglich wurde in der Mitteilung des Beschwerdeführers auf die Frage des Gerichts, ob er an der Beschwerde festhalte oder diese z u- rückziehe, darauf hingewiesen, das BFM sei auf die Ausführungen in der E-2452/2014 Seite 9 Beschwerde zum Asylpunkt nicht eingegangen. Er halte daran umfassend fest. 5. 5.1 Das Gericht weist vorweg darauf hin , dass die Identität des B e- schwerdeführers nach wie vor nicht mit Sicherheit feststeht, da entspr e- chende Ausweispapiere fehlen. Auch sind keinerlei Beweismittel eing e- reicht worden, die seine Vorbringen untermauern könnten. Dies ist ins o- fern von Bedeutung, als insbesondere die Feststellung in der Beschwe r- de, die Familie habe wegen des Verschwindens des Vaters, nach dem die Behörden gesucht hätten, Repressalien erdulden müssen, als Behaup- tung gelten muss. D ies gilt auch für das Vorbringen, der Vater sei ein mutmasslicher Deserteur (vgl. Beschwerde Ziff. 3a). Das Gericht ergeht sich nicht in Spekulationen, stellt aber fest, dass Desertion nur eine von mehreren Möglichkeiten für das Verschwinden des Vaters ist, die indes- sen im Kontext von Art. 3 AsylG beziehungsweise der behaupteten be- gründeten Furcht vor einer Reflexverfolgung am besten in die Argumenta- tionslinie des Beschwerdeführers passt. Das Gericht macht sodann wie zuvor das BFM diesbezüglich voneina n- der abweichende und wenig substanziierte Vorbringen des Beschwerd e- führers aus, an denen die Ausführungen in der Beschwerde zu r Jugend- lichkeit des Beschwerdeführers nichts zu ändern vermögen. Die Folg e- rung, aus der Schliessung des familieneigenen Ladens sei auf begründ e- te Furcht vor Reflexverfolgung zu schliessen, überzeugt wenig, zumal die eritreischen Behörden bei einem tatsäch lichen Interesse an der Person eines verschwundenen Familienmitgliedes wohl weit massiver vorgega n- gen wären. Vorausgesetzt indessen, die Familie hat tatsächlich einen La- den besessen, der von den Behörden geschlossen wurde, würde eine solche Mas snahme nicht über jene Repressionen hinausgehen, die ein beträchtlicher Teil der eritreischen Bevölkerung zu erdulden hat. Nach dem Ausgeführten stellt das Gericht fest, dass der Beschwerdefü h- rer keine asylrelevante Verfolgung in seinem Heimatstaat glaubhaft zu machen vermochte. 5.2 5.2.1 Eine asylsuchende Person ist als Flüchtling anzuerkennen, die au f- grund subjektiver Nachfluchtgründe nach Art. 54 AsylG, das heisst erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise, eine Verfolgung im Sinne von E-2452/2014 Seite 10 Art. 3 AsylG befürchten muss. In diesen Fällen hat jedoch, trotz Festste l- lung der Flüchtlingseigenschaft, ein Ausschluss vom Asyl zu erfolgen. Als subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gelten insbeson- dere unerwünschte exilpolitische Betätigungen, illegales Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder die Einreichung eines Asylg e- suchs im Ausland, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung b e- gründen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.). Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer sich aufgrund der unerlaubten Ausreise mit Sankti o- nen seines Heimatstaates konfrontiert sieht, die bezüglich ihrer Intensität und der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen. 5.2.2 In der Beschwerde wird auf Urteile des Bundesverwaltungsgerichts hingewiesen und zutreffend ausgeführt, dass das eritreische Regime das illegale Verlassen des Landes als Zeichen politischer Opposition gegen den Staat erachtet und mit drakonischen Massnahmen versucht, der si n- kenden Wehrbereitschaft und der Massenfluchtbewegung in der Bevölke- rung – jährlich kehren mehrere Tausend Staatsangehörige dem Land we- gen der zunehmenden Militarisierung, der unbegrenzten Dienstdauer und der sich ve rschlechternden Menschenrechtslage den Rücken – Herr zu werden. G emäss Art. 11 der Proclamation No. 24/1992, welche die Ein- und Ausreise nach und vo n Eritrea regelt, ist ein legales Verlassen von Eritrea nur mit einem gültigen Reisepass und einem zusätzli chen Ausrei- sevisum möglich. In der Praxis werden Ausreisevisa bereits seit mehreren Jahren nur noch unter sehr restriktiven Bedingungen und gegen Beza h- lung hoher Geldbeiträge an wenige, als loyal beurteilte Personen ausg e- stellt, wobei Kinder ab elf Jahren, Männer bis zum Alter von 54 Jahren und Frauen bis 47 Jahre grundsätzlich von der Visumserteilung ausg e- schlossen sind (vgl. Urteile des BVGer E -3702/2013 vom 18. März 2014 E. 6.2.1; D-4876/2007 vom 29. September 2010 E. 4.2; D-3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.2). 5.2.3 Aufgrund der Akten und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise etwa zwölf Jahre alt war, ist ohne weiteres davon auszugehen, dass er seinen Heimatstaat , wie von ihm vorgebracht, illegal, das hei sst ohne behördliches Ausreis e- visum, verlassen hat. Davon und von einer ihm drohenden Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geht offensichtlich auch das BFM in der (neuen) Verfü- gung vom 16. Juni 2014 aus. Es hat denn auch im Dispositiv die Flüch t- lingseigenschaft ausdrücklich als erfüllt bezeichnet, zu welchem Schluss auch das Gericht kommt. E-2452/2014 Seite 11 5.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM das Bestehen e i- ner glaubhaften und nach Art. 3 AsylG flüchtlingsrechtlich beachtlichen Verfolgungssituation des Beschwerdefü hrers aus Vorfluchtgründen zu Recht verneint hat. Dementsprechend sowie in korrekter Anwendung des Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) hat es die Gewährung des Asyls gesetzes- und praxiskonform verweigert. Die Beschwerde ist daher betreffend den Antrag auf Asylgewährung abzuweisen. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG). 7. Das BFM hat den Wegweisungsvollzug in Anwendung von Art. 83 Abs. 1 AuG (SR 142.20) wegen Unzulässigkeit durch die Anordnung einer vo r- läufigen Aufnahme ersetzt. Weitere Ausführungen in diesem Kontext e r- übrigen sich. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung , soweit sie nicht vom BFM selber in Wiedererwägung gezogen worden ist, Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit sie nicht als gegenstandslos geworden a b- zuschreiben ist. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist praxisgemäss von einem hälf- tigen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. Demnach wären ihm die Kosten nach dem Grad des Durchdringens zur Hälfte aufzuerl e- gen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Fe b- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor de m Bundesverwal- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit Zwischenverf ü- gung vom 22. Mai 2014 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wu r- de, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. E-2452/2014 Seite 12 9.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren hin eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zu- sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat zusammen m it der B e- schwerde eine Honorarnote in der Höhe von Fr. 1315. – eingereicht. Zu- züglich des Aufwandes im Zusammenhang mit der Anfrage des Gerichts betreffend allfälligen Rückzug der Beschwerde sind die Vertretungskosten auf insgesamt Fr. 1420.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu beme s- sen und das BFM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer den um die Hälfte gekürzten Betrag von Fr. 710.– als Parteientschädigung auszurich- ten. Der Restbetrag von Fr. 710.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) wird dem Rechtsvertreter als Entschädigung für die amtliche Verbeiständung des Beschwerdeführers ausgerichtet. (Dispositiv nächste Seite) E-2452/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen , soweit sie nicht infolge Wiedererw ä- gung durch das BFM als gegenstandslos geworden abgeschrieben wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 710.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 4. Dem amtlichen Rechtsbeistand Gian Ege wird zu Lasten der Gericht s- kasse eine Entschädigung von Fr. 710.– zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und das (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Sarah Straub