<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 39 S.128</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">128</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>39</b></span> <span class="ft2"><b>Steuerbilanz. Berichtigung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Massgeblichkeit der Werte in der Steuerbilanz bei künftigen Veranla-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gungen (Erw. 2/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Berichtigung ist zulässig bei offenkundigem Widerspruch zwischen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dem Berechnungsergebnis in den Erwägungen und der Übernahme</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ins Dispositiv (Erw. 2/a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Wenn die Berichtigung in der Steuerperiode, in der sie vorzunehmen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wäre, keine direkten Auswirkungen zeitigt, kann sie stattdessen in der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Folgeperiode erfolgen (Erw. 2/a).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">129</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 9. April 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen A.W. gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts. Zur Publikation vorge-</span><br/> <span class="ft3">sehen in StE 2004.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) aa) Die Beschwerdeführer begannen 1990 mit der Buch-</span><br/> <span class="ft1">haltung. Bei der Veranlagung der Vorperiode 1991/92 wurden die</span><br/> <span class="ft1">Buchwerte in der Eröffnungsbilanz geprüft und per Ende 1990 im</span><br/> <span class="ft1">Einspracheverfahren wie folgt formell festgesetzt: ... Betriebsge-</span><br/> <span class="ft1">bäude Fr. 350'509.--.</span><br/> <span class="ft1">bb) Im damaligen Rekurs- und Beschwerdeverfahren waren</span><br/> <span class="ft1">diese Werte streitig und wurden durch das Steuerrekursgericht und</span><br/> <span class="ft1">das Verwaltungsgericht bestätigt. Allerdings war der Steuerkommis-</span><br/> <span class="ft1">sion ein Fehler unterlaufen. Sie hatte den Eingangs-Buchwert der</span><br/> <span class="ft1">Betriebsgebäude auf Fr. 350'509.-- berechnet und davon im Jahr</span><br/> <span class="ft1">1990 Abschreibungen zu Lasten des steuerbaren Einkommens in</span><br/> <span class="ft1">Höhe von Fr. 14'020.-- zugelassen. Versehentlich setzte sie im Dis-</span><br/> <span class="ft1">positiv ihres Einspracheentscheides vom 8. Juli 1999 den Buchwert</span><br/> <span class="ft1">der Betriebsgebäude per 31.</span> <span class="ft1">Dezember 1990 ebenfalls auf</span><br/> <span class="ft1">Fr. 350'509.-- (statt Fr. 336'489.--) fest, was das Steuerrekursgericht</span><br/> <span class="ft1">übersah und das Verwaltungsgericht aus verfahrensrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Gründen (§ 152 Abs. 2 aStG; § 43 Abs. 2 VRPG) nicht korrigieren</span><br/> <span class="ft1">konnte.</span><br/> <span class="ft1">cc) Gemäss § 172 aStG können rechtskräftige, mit einem Be-</span><br/> <span class="ft1">rechnungs- oder Ausfertigungsfehler behaftete Verfügungen und</span><br/> <span class="ft1">Entscheide der Steuerbehörden und der Steuerjustizbehörden auf</span><br/> <span class="ft1">Antrag des Steuerpflichtigen oder von Amtes wegen berichtigt wer-</span><br/> <span class="ft1">den (Abs. 1); zu wenig entrichtete Beträge sind nachzufordern, zu</span><br/> <span class="ft1">viel bezahlte Beträge zurückzuerstatten (Abs. 2). Das Steuerrekurs-</span><br/> <span class="ft1">gericht hat ausgeführt, der offenkundige Widerspruch zwischen Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung und Dispositiv des Einspracheentscheides vom 8. Juli 1999</span><br/> <span class="ft1">sei der Berichtigung zugänglich und könne somit auch vorfrageweise</span><br/> <span class="ft1">in der Folgeperiode, also im vorliegenden Verfahren, korrigiert wer-</span><br/> <span class="ft1">den.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">130</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Wenn es darum geht, dass die Veranlagung in einer bestimmten</span><br/> <span class="ft1">Steuerperiode zu berichtigen wäre, dort allerdings keine direkten</span><br/> <span class="ft1">Auswirkungen zeitigt (sodass keine Nachforderung oder</span><br/> <span class="ft1">Rückerstattung gemäss § 172 Abs. 2 aStG in Frage steht), sondern</span><br/> <span class="ft1">erst in der Folgeperiode, ist es aus verfahrensökonomischen Gründen</span><br/> <span class="ft1">zuzulassen, dass auf die formelle Berichtigung in derjenigen Periode,</span><br/> <span class="ft1">wo der Fehler passierte, verzichtet und statt dessen die Berichtigung</span><br/> <span class="ft1">vorfrageweise im Verfahren der Folgeperiode vorgenommen wird;</span><br/> <span class="ft1">dem Steuerrekursgericht ist in dieser Hinsicht beizupflichten. Aller-</span><br/> <span class="ft1">dings darf dies nicht zu einer erleichterten Berichtigung führen; die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen für die Berichtigung der (seinerzeitigen) fehlerhaf-</span><br/> <span class="ft1">ten Veranlagung müssen erfüllt sein.</span><br/> <span class="ft1">Berechnungs- oder Ausfertigungsfehler im Sinne von § 172</span><br/> <span class="ft1">aStG, die berichtigt werden können, liegen dann vor, wenn es sich</span><br/> <span class="ft1">nicht um Fehler in der Willensbildung, sondern um Fehler im Aus-</span><br/> <span class="ft1">druck handelt, wenn also das, was die Behörde beschlossen hat,</span><br/> <span class="ft1">durch einen Berechnungs- oder einen Übertragungsfehler, ein</span><br/> <span class="ft1">Schreibversehen o.ä. unzutreffend wiedergegeben wird, wenn, um</span><br/> <span class="ft1">ein anschauliches Bild zu gebrauchen, der Mangel mit der Hand- und</span><br/> <span class="ft1">nicht mit der Kopfarbeit zusammenhängt (vgl. dazu § 78 aStGV;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1997, S. 233 = StE 1998, B 97.11 Nr. 15, Erw. 2, mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen; Bernhard Meier, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft1">Muri/BE 1991, § 172 N 1 ff.). Der Einspracheentscheid vom 8. Juli</span><br/> <span class="ft1">1999 im Verfahren betreffend die Steuerperiode 1991/92 basierte auf</span><br/> <span class="ft1">einem umfassenden Bericht des Landwirtschaftlichen Fachbeamten</span><br/> <span class="ft1">des KStA vom 1. März 1999, der ausdrücklich als Bestandteil des</span><br/> <span class="ft1">Einspracheentscheids bezeichnet wurde. In diesem Bericht wurde der</span><br/> <span class="ft1">Buchwert der Betriebsgebäude per 1.1.1990 mit Fr. 350'509.-- und,</span><br/> <span class="ft1">unter Berücksichtigung der 1990 zugelassenen Abschreibungen von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 14'020.--, per 31.12.1990 korrekt mit Fr. 336'489.-- errechnet. In</span><br/> <span class="ft1">die Anträge, wie die Buchwerte per Ende 1990 festzusetzen seien,</span><br/> <span class="ft1">kam trotzdem der Betrag von Fr. 350'509.--. Aus dem Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang ergibt sich, dass es sich um einen Übertragungsfehler handelt,</span><br/> <span class="ft1">der eine offenkundige Diskrepanz zwischen der Begründung und</span><br/> <span class="ft1">dem Antrag zum Dispositiv (der im Einspracheentscheid unkorrigiert</span><br/> <span class="ft1">übernommen wurde; siehe vorne Erw. aa) zur Folge hatte. Dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">131</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Steuerrekursgericht ist zuzustimmen, dass unter diesen Umständen</span><br/> <span class="ft1">eine Berichtigung zulässig ist. Der massgebliche Buchwert der Be-</span><br/> <span class="ft1">triebsgebäude per 31. Dezember 1990 beträgt Fr. 336'489.--.</span><br/> <span class="ft1">b)</span> <span class="ft1">Mit der formellen, rechtskräftigen Festsetzung werden</span><br/> <span class="ft1">Buchwerte verbindlich. Soweit sie von der Handelsbilanz abweichen</span><br/> <span class="ft1">und diese nicht korrigiert wird, kommt es diesbezüglich zu einer</span><br/> <span class="ft1">Korrekturaufstellung mit den steuerlich massgeblichen Werten (sog.</span><br/> <span class="ft1">Steuerbilanz), die bei künftigen Veranlagungen massgeblich sind</span><br/> <span class="ft1">(Ernst Känzig, Die direkte Bundessteuer [Kommentar], II. Teil,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Basel 1992, Art. 49 N 400 ff.; Ernst Höhn/Robert Wald-</span><br/> <span class="ft1">burger, Steuerrecht, Band II, 9. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 2002,</span><br/> <span class="ft1">§ 46 Rz. 19 f.). Per 1. Januar 1991 und für die in den Bemessungs-</span><br/> <span class="ft1">jahren 1991/92 möglichen Abschreibungen sind somit die oben ange-</span><br/> <span class="ft1">führten Buchwerte verbindlich.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>