Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Juni 2012 (725 12 85 / 161) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Adäquanzprüfung nach HWS-Distorsion Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch S tefan Hofer, Rechtsan- walt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft AG , Place de Milan, 1001 Lausanne, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1963 geborene A.____ arbeitete seit 1987 als Geschäftsführer bei der B.____ AG und war durch die Arbeitgeberin bei der Vaudoise All gemeine Versicherungs-Gesellschaft AG (im Folgenden “Vaudoise“) obligatorisch gegen die Folg en von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 8. Januar 1997 erlitt A.____ bei einem Auffahrunfall eine HWS-Distorsion (vgl. das “Arztzeugnis UVG“ des erstbehandelnden Arztes Dr. med. C.____, Innere Medizin FMH). In der Folge klagte er über Kopf- und Nackenschmerzen, Konzen trations- und Schlafstörungen, erhöhte Ermüdbarkeit sowie Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Nachdem die Vaudoise dem Versi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten nach Eingang der Unfallmeldung während Jahren die gesetzlichen Leistungen (Heilkos- ten, Taggelder) für die Folgen dieses Unfalls erbracht hatte, stellte sie mit Verfügung vom 13. Januar 2011 ihre Leistungen rückwirkend per 31. Jul i 2008 mit der Begründung ein, dass zwischen den anhaltenden Beschwerden des Versicherten und d em Unfallereignis vom 8. Ja- nuar 1997 kein adäquater Kausalzusammenhang bestehe. D aran hielt die Vaudoise auf Ein- sprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 9. Februar 2012 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vert reten durch Advokat Stefan Ho- fer, am 7. März 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es seien die Ver fügung vom 13. Januar 2011 und der Einspracheentscheid vom 9. Februar 2012 aufzuheben und die Beschwerdebeklagte sei dazu zu verurteilen, ihm ab 1. August 2008 eine UVG-Rente entsprechend einer unfallbedingten Er- werbsunfähigkeit von 30 % und eine Integritätsentschädig ung entsprechend einer unfallbeding- ten Integritätseinbusse von 20 % zu gewähren. Eventuell sei die Sache an die Beschwerdebe- klagte zurückzuweisen zur Festlegung des Grades der unfall bedingten Erwerbsunfähigkeit und der unfallbedingten Integritätseinbusse; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 5. April 2012 beantragt e die Vaudoise die Abweisung der Beschwerde. D. Zur Vervollständigung der Akten zog der Instruktionsr ichter bei der IV-Stelle Basel- Landschaft das IV-Dossier des Beschwerdeführers bei. E. Mit Eingabe vom 25. Mai 2012 beantragte der Beschw erdeführer, die heutige Urteilsbe- ratung abzubieten und das Beschwerdeverfahren bis zum Vo rliegen des von der IV-Stelle im IV-Verfahren in Auftrag gegebenen Gutachtens des Zent rums D.____ zu sistieren, da die Er- gebnisse dieses Gutachtens auch für das vorliegende Verfa hren von Relevanz sein könnten. Der Instruktionsrichter lehnte mit Verfügung vom 29. Mai 2012 den Antrag auf Verschiebung der Urteilsberatung ab und überliess den Entscheid über die Frage, ob die Ergebnisse der im Zent- rum D.____ laufenden Begutachtung abzuwarten und dies e im vorliegenden Prozess zu be- rücksichtigen seien, dem Dreiergericht. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in E.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 7. März 2012 ist demnach einzutreten. 2. In ihrer Verfügung vom 13. Januar 2011, welche sie m it dem angefochtenen Einspra- cheentscheid vom 9. Februar 2012 bestätigte, stellte di e Beschwerdegegnerin ihre Versiche- rungsleistungen rückwirkend per 31. Juli 2008 ein. Streit ig und zu prüfen ist, ob der Beschwer- deführer über dieses Datum hinaus weiterhin Anspruch au f Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid ist. Der Rente nanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Be sserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und a llfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem R entenbeginn fallen die Heilbe- handlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung d er körperlichen, geistigen oder psychi- schen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Ans pruch auf eine angemessene Integri- tätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente f estgesetzt oder, falls kein Rentenan- spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt als erstes voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfä- higkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürli cher Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen K ausalzusammenhangs sind alle Um- stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erf olg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit e ingetreten gedacht werden kann. Entspre- chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natü rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmit telbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper- liche oder geistige Integrität der versicherten Person b eeinträchtigt hat, das Ereignis mit ande- ren Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auc h die eingetretene gesundheitliche Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen ). Ob zwischen einem schädigenden Er- eignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürl icher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdig ung nach dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl ichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründu ng eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Perso n sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die recht sanwendende Behörde regelmäs- sig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Wei teren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang be- steht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann al s adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenser- fahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgeme in als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis). Der Voraussetzung des ad äquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (B GE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlich en Kausalzusammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen gesund heitlichen Schädigung auch der erfor- derliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusammen hang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfo lgen spielt die Adäquanz als recht- liche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusam menhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der na- türlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 1 27 V 103 E. 5b/bb). Als objektivierbar gel- ten Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde ledi glich auf Ergebnisse klinischer Unter- suchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht, welches eine Adäquanzprüfung als nicht erforderlich erschei nen liesse. Nach konstanter bun- desgerichtlicher Rechtsprechung kann deshalb von organisc h objektiv ausgewiesenen Unfall- folgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhoben en Befunde mit apparativen/bildgeben- den Abklärungen bestätigt werden (für viele: Urteil G. des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen). Die se Untersuchungsmethoden müssen zu- dem wissenschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V 231 ff. mit Hinweisen). 5.3 Im Entscheid 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgericht einlässlich mit der Thematik be- fasst, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer die Prüfung des adäquaten Kausal zusam- menhangs vornehmen dürfe. Dabei hat es deutlich gemacht, dass nicht danach zu fragen sei, in welchem Zeitpunkt die Adäquanzprüfung vorgenommen werd en dürfe, sondern wann der Un- fallversicherer einen Fall abzuschliessen und den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung zu prüfen habe (BGE 134 V 113 E. 3.2). Dies habe, so das Bundesge- richt weiter, gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Ze itpunkt zu geschehen, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustan- des der versicherten Person mehr erwartet werden könne und allfällige Eingliederungsmass- nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen seien (BG E 134 V 113 ff. E. 4). Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes zu ver stehen sei, umschreibe das Ge- setz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet sei (vgl. etwa Art. 1a und Art. 4 UVG), werde sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigeru ng oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber verdeutliche dabei, da ss die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen müsse. Unbede utende Verbesserungen genügten nicht (BGE 134 V 115 E. 4.3 mit Hinweisen). 5.4 In seinem Bericht vom 2. Juli 2008 hielt Prof. Dr. med. F.____, Psychiatrie und Psycho- therapie FMH, fest, dass beim Versicherten die therapeut ischen Massnahmen ausgeschöpft seien und dass nicht mehr von einer namhaften Verbesserun g der Leistungsfähigkeit auszuge- hen sei. Nach dem vorstehend Gesagten ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Be- schwerdegegnerin den Fallabschluss gestützt auf diese Einsch ätzung von Prof. Dr. F.____ per 31. Juli 2008 vorgenommen und im Hinblick auf allfällige Ansprüche auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung auf diesen Zeitpunkt hin geprüft hat, ob die beim Versicherten noch vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen i n einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 8. Januar 1997 stehen. Der von der Beschwer- degegnerin als massgeblich erachtete Zeitpunkt des Falla bschlusses wird denn auch vom Ver- sicherten in der vorliegenden Beschwerde zu Recht nicht in Frage gestellt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Bei den medizinischen Akten des Falles liegt ein ausf ührliches polydisziplinäres Gutach- ten, welches die Klinik G.____ am 20. Februar 2006 übe r den Beschwerdeführer erstellt hat. Darin hielt das begutachtende Ärzteteam im Rahmen sein er interdisziplinären Gesamtbeurtei- lung zusammenfassend fest, der Versicherte habe nach dem Unfallereignis vom 8. Januar 1997 im Wesentlichen eine Depression entwickelt, die derzeit als teilremittiert zu betrachten und de- ren Prognose bei weiterer konsequenter Behandlung gut sei. Die Depression sei wesentliche Ursache einer vom Versicherten geklagten Kopfschmerzsymptomatik. Somatische Ursachen für die Kopfschmerzen würden sich weder im neurologischen no ch im rheumatologischen Fachge- biet erheben lassen. Auch eine neuropsychologisch festzuste llende Reduktion der kognitiven Dauerleistungsfähigkeit sei im Rahmen der depressiven Sym ptomatik sowie der vom Exploran- den wahrgenommenen Kopfschmerzsymptomatik zu erklären. Prof. Dr. F.____ führte in seinem Bericht vom 2. Juli 2008 bezüglich Diagnosen aus, die dep ressive Symptomatik sei inzwischen abgeklungen oder bestenfalls noch in leichter Form vorh anden. Persistierend seien die chroni- schen Kopf- und Nackenschmerzen, die wohl multikausal be dingt seien im Sinne von teilweise stress- und spannungsbedingten Schmerzen, andererseits er höhter Empfindlichkeit für Kopf- schmerzen auf Grund des postkontusionellen Syndroms und au ch inzwischen eingetretener zentraler Sensiblisierungsvorgänge, welche zu einer zusät zlich erhöhten Schmerzempfindlich- keit geführt hätten. 6.2 Aus den geschilderten medizinischen Unterlagen geht klar hervor, dass beim Versicher- ten im Zeitpunkt der Leistungseinstellung (per 31. Juli 2008) keine objektivierbaren organischen Unfallfolgen, sondern ausschliesslich organisch nicht (hin reichend) nachweisbare Gesundheits- beeinträchtigungen vorlagen. Im Weiteren ist davon auszugehen, dass der Unfall vom 8. Januar 1997 zumindest eine Teilursache für die über den 31. Ju li 2008 hinaus persistierenden Be- schwerden des Versicherten bildet. Somit kann der für die Leistungspflicht des Unfallversiche- rers vorausgesetzte natürliche Kausalzusammenhang zwischen d em Unfallereignis und den anhaltenden Beschwerden des Versicherten - mit den Parteien - bejaht werden. 7.1 Liegen wie im hier zu beurteilenden Fall keine or ganisch (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden vor, hat eine besondere Adäquanzprüfu ng zu erfolgen. Dabei ist rechtspre- chungsgemäss (BGE 127 V 103 E. 5b/bb mit Hinweisen) wie folgt zu differenzieren: Hat die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, einen äquivalenten Verletzungsmechanismus oder ein Schädel-Hirntrauma, des sen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 382 E. 4b), erlitten und liegt in der Folge das für diese Verletzung typische bunte Beschwerdebild vor (d iffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw., vgl. BGE 119 V 338 E. 1), so ist die Adäquanz nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. entwickelten und mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten (vgl. die nachfolgende E. 7) Grundsätze zu prüfen. Liegt kein Unfall mit einem Schleudertrauma oder einer adäquanzrechtlich äquivalenten Verletzung vor oder fehlt es nach einer solchen Verletzung an dem hierfür ty pischen bunten Beschwerdebild, so hat die Adäquanzbeurteilung psychischer Folgeschäden des Unfalls nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien zu erfolgen. Der Unterschied be steht darin, dass bei Unfällen mit einem Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verl etzung auf eine Differenzierung zwi- schen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (B GE 134 V 117 E. 6.2.1, 117 V 367 E. 6a in fine), währenddem bei den übrige n Unfällen für die Beurteilung der Adä- quanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallere ignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen massgebend sind (BGE 115 V 140 E. 6c/aa). Als Ausnahme von diesen Regel n greift allerdings die auf die objek- tiven, physischen Unfallfolgen beschränkte Adäquanzbeurteil ung auch bei Unfällen mit Schleu- dertrauma oder einer äquivalenten Verletzung Platz, w enn die zum hiefür typischen Beschwer- debild (vgl. dazu BGE 119 V 338 E. 1, 117 V 382 E. 4b ) gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer vorhanden en, ausgeprägten psychischen Prob- lematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 99 E. 2a mit Hinweisen). 7.2 Wie den Akten entnommen werden kann, zog sich der Beschwerdeführer anlässlich des Auffahrunfalls vom 8. Januar 1997 eine HWS-Distorsion zu (vgl. das “Arztzeugnis UVG“ des erstbehandelnden Arztes Dr. med. C.____, Innere Medizin FMH). In der Folge klagte der Versi- cherte über Kopf- und Nackenschmerzen, Konzentrations- und Schlafstörungen, erhöhte Er- müdbarkeit sowie Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Somit ist dokumentiert - und zwischen den Parteien zu Recht auch unbestritten -, dass beim Versiche rten nach dem Unfall eine Sympto- matik vorlag, die dem sog. bunten Beschwerdebild einer HWS-Distorsion entspricht. Die Adä- quanzprüfung hat deshalb nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. dargelegten, mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten (vgl. die nachfolgende E. 8.2) Grundsätze zu erfolgen. 8.1 Im bereits mehrfach erwähnten BGE 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgericht ausführ- lich mit der bisherigen Praxis zur Kausalitätsprüfung bei Unfall mit Schleudertrauma, äquivalen- ter Verletzung der HWS oder Schädel-Hirntrauma ohne o rganisch objektiv ausgewiesene Be- schwerden (so genannte Schleudertrauma-Praxis nach BGE 1 17 V 359 ff.) befasst. Dabei hat es entschieden, dass am Erfordernis einer besonderen Adä quanzprüfung bei Unfällen mit sol- chen Verletzungen festzuhalten sei (S. 118 ff. E. 7-9 ). Auch bestehe keine Veranlassung, die bewährten Grundsätze über die bei dieser Prüfung vo rzunehmende Einteilung der Unfälle nach deren Schweregrad und den abhängig von der Unfallschwe re gegebenenfalls erforderlichen Einbezug weiterer Kriterien in die Adäquanzbeurteilu ng zu ändern (S. 126 f. E. 10.1). Demnach ist für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs i m Einzelfall nach wie vor zu ver- langen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn e r eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für di e Beurteilung dieser Frage ist an das Un- fallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augen fälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen einerseits, schweren Unf ällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wi rd. Während der adäquate Kausalzu- sammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne Wei teres bejaht und bei leichten Unfäl- len verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäq uanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schl üssig beantworten. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit de m Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubezie- hen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müsse n mehrere herangezogen werden (S. 126 f. E. 10.1 mit Hinweisen). 8.2 Im Übrigen hat das Bundesgericht jedoch die bishe rige Schleudertrauma-Praxis im ge- nannten Urteil BGE 134 V 109 ff. in mehrfacher Hinsicht präzisiert. So hat es die Anforderungen an den Nachweis einer natürlich unfallkausalen Verletzung, welche die Anwendung der Schleu- dertrauma-Praxis rechtfertigt, erhöht (S. 121 ff. E. 9) und die adäquanzrelevanten Kriterien teil- weise modifiziert (S. 126 ff. E. 10.2 und 10.3). Dies betrifft zunächst das Kriterium der "unge- wöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung", das nur dann vorliegt, wenn nach dem Un- fall fortgesetzt spezifische und die versicherte Person be lastende ärztliche Behandlung im Zeit- raum bis zum Fallabschluss notwendig gewesen war (S. 128 E. 10.2.3). Weiter wird für die Er- füllung des Kriteriums "Dauerbeschwerden" vorausgesetzt, da ss diese erheblich sind, was auf Grund glaubhaft geltend gemachter Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die ver- unfallte Person im Lebensalltag erfährt, zu beurteile n ist (S. 128 f. E. 10.2.4). Hinsichtlich des Kriteriums "Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit" schliesslich ist nicht die Dauer an sich, son- dern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche massg eblich, die zu überwinden die versi- cherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt (S. 1 29 f. E. 10.2.7). Zusammenfassend hat das Bundesgericht den Katalog der bisherigen adäqu anzrelevanten Kriterien (BGE 117 V 367 E. 6a, 383 E. 4b) in BGE 134 V 109 wie folgt neu gefasst (S. 130 E. 10.3): - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; - fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; - erhebliche Beschwerden; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; - erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen. 9.1 Im Rahmen der erforderlichen besonderen Adäquanzp rüfung ist als erstes auf die Frage der Unfallschwere einzugehen. Massgebend für deren Beu rteilung ist der augenfällige Gesche- hensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (vgl. Kranken- und Unfallversicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1999 Nr. U 335 S. 207 E. bb), nicht jedoch Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nicht dir ekt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Derartigen dem eigentlichen Unfallgesch ehen nicht zuzuordnenden Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche si ch die versicherte Person zuzieht, aber auch für - unter dem Gesichtspunkt der besonders dramat ischen Begleitumstände oder beson- deren Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfende - äussere Um stände, wie eine allfällige Dunkel- heit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar To desfolgen, die der Unfall für andere Per- sonen nach sich zieht. Dieser Grundsatz gilt sowohl in Bezug auf die Adäquanzbeurteilung bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall (Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2008 UV Nr. 8 S. 27 E. 5.3.1) als auch bei Anwendung der Schleudertrauma-Praxis (Urteil I. des Bundesgerichts vom 11. Juni 2008, 8C_536/2007, E. 6.1). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung werden Auffahrkollisionen auf ein (hal- tendes) Fahrzeug in der Regel als mittelschwere Unfälle im Grenzbereich zu den leichten Unfäl- len betrachtet (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.1.2 ). Unter Hinweis auf diese Praxis ist die Beschwerdegegnerin der Auffassung, dass das Unfallereignis vom 8. Januar 1997 aufgrund der objektiven Gegebenheiten diesem Bereich zuzuordnen sei. Demgegenüber macht der Be- schwerdeführer geltend, es sei von einem mittelschweren Unfall im engeren Sinne auszugehen, er erachtet aber die Adäquanz auch für einen mittelschw eren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen als erfüllt. Gestützt auf die aktenkund igen Angaben ist dem Unfall eine gewis- se Heftigkeit nicht abzusprechen, war doch der Aufprall auf das haltende Auto des Versicherten immerhin so stark, dass dieses in den vor ihm stehenden Personenwagen geschoben wurde. Zudem betrug der Sachschaden am Auto des Versicherten fa st 7'500 Franken. Trotzdem ist aber im Lichte der eingangs geschilderten bundesgerichtlichen Praxis davon auszugehen, dass der Geschehensablauf im vorliegenden Fall die erforderliche Heftigkeit für einen mittelschweren Unfall im mittleren Bereich nicht erreicht hat. Das Un fallereignis vom 8. Januar 1997 ist dem- nach als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zum leichten Unfall einzuordnen. 10.1 Geht man von einem mittelschweren Ereignis im Gr enzbereich zu den leichten Unfällen aus, müssen für die Bejahung des adäquaten Kausalzusamm enhanges von den weiteren, ob- jektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall im Zusam menhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umständen, welche als massgebende Kri terien in die Gesamtwürdigung einzubeziehen sind, entweder ein einzelnes in besonders a usgeprägter Weise oder aber vier dieser Kriterien gegeben sein (Urteil S. des Bundesgeri chts vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.5 mit Hinweisen). 10.2 Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten, dass die drei Kriterien der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrückl ichkeit des Unfalles, der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen und der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, vorliegend nicht erfüllt sind. 10.3 Im Zusammenhang mit dem Kriterium der erhebliche n Beschwerden ist vorab festzuhal- ten, dass nur diejenigen erheblichen Beschwerden adäquan zrelevant sein können, die in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch bestanden haben. Die Erheblichkeit beurteil t sich nach Massgabe der glaubhaften Schmerzen und der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 128 E. 10.2.4). Die vom Beschwerdeführer geklagten Schmer- zen werden in quantitativer wie qualitativer Hinsicht durch die wesentlichen Arztberichte - zu nennen sind namentlich das Gutachten der Klinik G.____ vom 20. Februar 2006 und der Bericht von Prof. Dr. F.____ vom 2. Juli 2008 - bestätigt. De r Beschwerdeführer leidet an persistieren- den Kopfschmerzen, die sich immer linksseitig vom Nacken h er nach vorne bis ins Auge zie- hen. Die Schmerzen, die auch nachts nie ganz verschwinden, haben dazu geführt, dass der Versicherte früher ausgeübte Aktivitäten wie etwa Konz ert- und Kinobesuche, aber auch Städ- tereisen und verschiedene sportliche Aktivitäten aufgegebe n hat. Nicht mehr möglich ist ihm auch der Aufenthalt in grösseren Menschenansammlungen. Ausser den Kopfschmerzen beste- hen Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen sowie ei ne erhöhte Ermüdbarkeit mit einem Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht erhöhten Schlafbedürfnis. Trotz dieser vielfältigen Bee inträchtigungen erachtet die Beschwer- degegnerin das Kriterium der erheblichen Beschwerden n icht als gegeben. Sie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Versicherte 2004 Vater geworden sei, dass er Sommer- und Winterferien mit der Familie verbringe und dass er die Bootsprüfung gemacht habe. Dies zeige, dass die vorhandenen Beschwerden „im privaten Lebe n“ nicht erheblich seien. Dieser Betrachtungsweise der Beschwerdegegnerin kann klarerweise nicht gefolgt werden. Auf Grund der medizinischen Aktenlage und der vom Versicherten glaub haft geschilderten Beschwerden ist vielmehr davon auszugehen, dass der Alltag des Versiche rten durch die geschilderte Be- schwerden seit Jahren insgesamt doch beträchtlich eingeschränkt ist, so dass das Kriterium der erheblichen Dauerbeschwerden als erfüllt angesehen wer den kann. Das Kriterium liegt jedoch nicht besonders ausgeprägt vor. 10.4 Beim Kriterium der "erheblichen Arbeitsunfähigke it trotz ausgewiesener Anstrengun- gen" ist nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsun- fähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unter- nimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Perso n, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ih r trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person können sich in sbesondere in ernsthaften Ar- beitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehml ichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therap iemassnahmen zu berücksichti- gen. Sodann können Bemühungen um alternative, der ges undheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur w er in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunf ähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 129 E. 10.2.7 mit Hinweisen; Urteil M. des Bundesgerichts vom 16. Mai 2008, 8C_252/ 2007, E. 7.7.1 mit Hinweis). Im vorlie- genden Fall hat der Beschwerdeführer beachtliche Anstr engungen unternommen, um sich wie- der ins Arbeitsleben zu integrieren. So hat er bereits einen Monat nach dem Unfall wieder zu 25 % gearbeitet und er hat später seine ursprüngliche Tätigkeit im Früchtehandel zugunsten einer leichteren Tätigkeit im Informatikbereich auf gegeben. Insgesamt hat er zweifellos alles dazu beigetragen, seine Arbeitsfähigkeit zu steigern, und er ist dabei häufig nicht nur an die Grenze des ihm zumutbaren Arbeitsvolumens gegangen, son dern er hat sich, wie auch den Berichten von Prof. Dr. F.____ entnommen werden kann, beim Versuch, sein Pensum auszu- dehnen, auch immer wieder selbst überfordert. Soweit d ie Beschwerdegegnerin geltend macht, das Kriterium sei schon deshalb nicht erfüllt, weil d ie dem Versicherten im Gutachten der Klinik G.____ vom 20. Februar 2006 attestierte Arbeitsunfähigkeit „von lediglich 25 %“ nicht als erheb- lich im Sinne dieses Adäquanzkriteriums zu qualifizieren sei, kann ihr nicht gefolgt werden. Die- se Betrachtungsweise der Beschwerdegegnerin ist, was auch der Versicherte zu Recht moniert, kaum mit dem Umstand zu vereinbaren, dass der Unfallversicherer gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG bereits ab einer unfallbedingten Erwerbsunfähigkeit vo n 10 % eine entsprechende UVG- Invalidenrente zu gewähren hat. In diesem Sinne hat d enn auch das Bundesgericht eine an- dauernde Arbeitsunfähigkeit von 20 % als erheblich im Si nne dieses Kriteriums bezeichnet (Ur- teil S. vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.4). S omit kann vorliegend von einer erhebli- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Arbeitsunfähigkeit gesprochen werden, weshalb d as Kriterium zu bejahen ist. Allerdings liegt es nicht in ausgeprägter Weise vor. 10.5 Im Zusammenhang mit dem Kriterium der ärztlichen Behandlung ist entscheidwesent- lich, ob nach dem Unfall bis zum Fallabschluss eine fortgesetzt spezifische, die versicherte Per- son belastende Behandlung notwendig war (BGE 134 V 12 8 E. 10.2.3). In diesem Zusammen- hang ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu ve rweisen, wonach Abklärungsmass- nahmen im Hinblick auf therapeutische und versicherungsrechtliche Fragen sowie blossen ärzt- lichen (Verlaufs-) Kontrollen nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zukommt, weshalb sie in diesem Rahmen nicht zu berücksichtig en sind (Urteil A. des Bundes- gerichts vom 25. Januar 2008, U 56/07, E. 6.3.1). Der B eschwerdeführer hat seit dem Unfall eine Vielzahl therapeutischer Massnahmen absolviert. Dabe i handelte es sich allerdings vor allem um Physiotherapien und alternativmedizinische Thera pien, die nach bundesgerichtlicher Praxis nicht als erheblich belastend taxiert werden. Stati onäre Rehabilitationsaufenthalte wur- den keine durchgeführt. Der Versicherte macht diesbezügli ch geltend, dass ihm ein solcher Aufenthalt von der Beschwerdegegnerin nicht bewilligt worden sei. Dieser Einwand dürfte in Bezug auf einen im Frühjahr 1998 ins Auge gefassten st ationären Aufenthalt zutreffen. Ander- seits ist aber auch festzuhalten, dass es der Versicherte war, der im Sommer 2005 einen von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagenen stationären Reha bilitationsaufenthalt abgelehnt hat (vgl. das Schreiben des Rechtsvertreters des Versicherten vom 8 . Juli 2005). Was die übrigen therapeutischen Massnahmen betrifft, haben laut den An gaben im Gutachten der Klinik G.____ alle zwei Wochen Gespräche mit dem Hausarzt stattgefunde n und der Versicherte hat eine psychotherapeutische Behandlung durch Prof. Dr. F.____ in Anspruch genommen. Die betref- fenden Sitzungen wurden in unregelmässigen Abständen - im Durchschnitt alle zwei Monate - durchgeführt. Medikamente nimmt der Beschwerdeführer ge mäss seinen eigenen Angaben inzwischen keine mehr ein. Würdigt man den Umfang und die Dauer der ärztlichen Behandlung, so erscheint der therapeutische Aufwand insgesamt zwar al s beträchtlich, vor allem weil die Therapien bis zum Fallabschluss über eine Zeitdauer von m ehr als elf Jahren durchgeführt worden sind. Die Intensität und die Kadenz der Therapi en - und dies ist ausschlaggebend - lie- gen letztlich aber nicht über dem Durchschnitt der bei H WS-Fällen anfallenden Behandlungen. Insgesamt ist daher das Kriterium der fortgesetzt belast enden ärztlichen Behandlung zu vernei- nen. 10.6 Als letztes der strittigen Kriterien bleibt dasje nige des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen (BGE 134 V 129 E. 10. 2.6) zu prüfen. Wie es sich in casu mit diesem Kriterium verhält, kann letztlich aber offen blei ben. Selbst wenn man nämlich dieses Kriterium mit dem Beschwerdeführer als erfüllt betrach ten würde, wären insgesamt nur drei der sieben Kriterien erfüllt, was im Ergebnis aber nach dem oben Gesagten (vgl. E. 10.1 hiervor) für eine Bejahung der Adäquanz nicht ausreicht. 10.7 Im Ergebnis können vorliegend somit zwei - bzw. al lenfalls maximal drei - der sieben Adäquanzkriterien als erfüllt betrachtet werden, wobei diese jedoch nicht in besonders ausge- prägter Weise vorliegen. Der adäquate Kausalzusammenh ang zwischen dem Unfallereignis Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 8. Januar 1997 und den über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung (31. Juli 2008) hinaus vorhandenen Beschwerden des Versicherten ist demnach zu verneinen. 11. Kurz vor der heutigen Urteilsberatung hat der Besc hwerdeführer mit Eingabe vom 25. Mai 2012 beantragt, das Beschwerdeverfahren bis zum Vorliegen des von der IV-Stelle im IV-Verfahren in Auftrag gegebenen Gutachtens des Zent rums D.____ zu sistieren. Ein solches Vorgehen wäre allenfalls dann angezeigt, wenn vom Gut achten möglicherweise zusätzliche Erkenntnisse zu erwarten wären, welche für die Beurtei lung der vorliegenden Beschwerde von Relevanz sein könnten. In diesem Zusammenhang ist nun aber von Bedeutung, dass der medi- zinische Sachverhalt im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens zu keinen grösseren Erörterungen (mehr) Anlass gegeben hat. So wird insbes ondere der - jeweils gestützt auf die medizinische Aktenlage zu beurteilende - natürliche Ka usalzusammenhang zwischen dem Un- fall vom 8. Januar 1997 und den über den 31. Juli 200 8 hinaus persistierenden Beschwerden des Versicherten von beiden Parteien - zu Recht - beja ht. In Bezug auf diesen Aspekt erübrigt sich deshalb ein Abwarten der Ergebnisse der Begutachtung im Zentrum D.____. Was den adä- quaten Kausalzusammenhang betrifft, der vorliegend im Wesentlichen strittig ist, lässt sich zwar im Hinblick auf die Beurteilung einzelner Adäquanzkrite rien ein gewisser, sich aus der Begut- achtung im Zentrum D.____ ergebender zusätzlicher Erkenn tnisgewinn nicht zum Vornherein gänzlich ausschliessen. So sind etwa bei den vorstehend disku tierten Kriterien der erheblichen Beschwerden, der fortgesetzt spezifischen, belastenden ä rztlichen Behandlung, des schwieri- gen Heilungsverlaufs oder der erheblichen Arbeitsunfähi gkeit trotz ausgewiesener Anstrengun- gen durchaus auch medizinische Aspekte (mit-) zu berücksich tigen. Wie aufgezeigt, kann die strittige Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs in casu jedoch bereits gestützt auf die vorhandene (medizinische) Aktenlage abschliessend beurteilt werden. Es ist daher auch unter diesem Aspekt nicht erforderlich, das Beschwerdeverfahren b is zum Vorliegen des von der IV- Stelle im IV-Verfahren in Auftrag gegebenen Gutachte ns des Zentrums D.____ zu sistieren. Gelangt das Gericht nämlich bei pflichtgemässer Beweiswürd igung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des releva nten Sachverhaltes ergeben, kann nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf ei n beantragtes Beweismittel verzich- tet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist grundsätzlich zulässig (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen, 124 V 94 E . 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 12. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten nicht zu beanstan den, dass es die Be- schwerdegegnerin abgelehnt hat, dem Versicherten im Zu sammenhang mit dem Unfallereignis vom 8. Januar 1997 über den 31. Juli 2008 hinaus Leistu ngen aus der obligatorischen Unfall- versicherung auszurichten. Die gegen den betreffenden Ei nspracheentscheid vom 9. Februar 2012 erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegrü ndet, weshalb sie abzuweisen ist. 13. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht