<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 40 S.242</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>40</b></span> <span class="ft1"><b>Einstellung der materiellen Hilfe wegen Rechtsmissbrauchs.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Systematische Verletzung der Auflage / Weisung betreffend Stellen-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>suche.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 12. Juni 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">W.H. gegen das Bezirksamt Bremgarten (WBE.2008.77).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1.</span><br/> <span class="ft6">Angefochten ist die am 13. November 2007 von der Sozialkom-</span><br/> <span class="ft6">mission X. beschlossene Einstellung der materiellen Hilfe per</span><br/> <span class="ft6">30. November 2007. Zur Begründung führte die Sozialbehörde an,</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerdeführer habe im HEKS Lernwerk die Arbeit grundlos</span><br/> <span class="ft6">verweigert, worauf ihm die Arbeitsstelle per 15. Oktober 2007 frist-</span><br/> <span class="ft6">los gekündigt worden sei. Zudem habe er für die Zeit ab 22. Oktober</span><br/> <span class="ft6">2007 einen Einsatzvertrag mit der Firma A. unterzeichnet und sei</span><br/> <span class="ft6">nach zwei Tagen ohne stichhaltige Begründung nicht mehr zur Arbeit</span><br/> <span class="ft6">erschienen. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer dem Sozial-</span><br/> <span class="ft6">dienst teilweise unwahre Arbeitsbemühungen dokumentiert.</span><br/> <span class="ft6">2.</span><br/> <span class="ft6">Die Gewährung materieller Hilfe kann mit Auflagen und Wei-</span><br/> <span class="ft6">sungen verbunden werden, welche die richtige Verwendung sichern</span><br/> <span class="ft6">oder die Lage der Hilfe suchenden Person und ihrer Angehörigen</span><br/> <span class="ft6">verbessern, wie Bestimmungen über die zweckmässige Verwendung</span><br/> <span class="ft6">der materiellen Hilfe, die Aufnahme zumutbarer Arbeit oder andere</span><br/> <span class="ft6">Verhaltensregeln, die nach den Umständen angebracht erscheinen</span><br/> <span class="ft6">(§ 13 Abs. 1 SPG; § 14 lit. d-f SPV). Werden Auflagen oder Weisun-</span><br/> <span class="ft6">gen, die unter Androhung der Folgen der Missachtung erlassen wur-</span><br/> <span class="ft6">den, nicht befolgt, kann die materielle Hilfe gekürzt werden (§ 13</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 SPG). Bei der Kürzung der materiellen Hilfe ist die Existenz-</span><br/> <span class="ft6">sicherung zu beachten (§ 15 Abs. 1 SPV), welche bei 65 % des</span><br/> <span class="ft6">Grundbedarfs I gemäss den SKOS-Richtlinien liegt (§ 15 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">SPV). Verhält sich die unterstützte Person rechtsmissbräuchlich,</span><br/> <span class="ft6">kann eine Kürzung der materiellen Hilfe auch unter die Existenzsi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">243</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">cherung erfolgen oder die materielle Hilfe ganz eingestellt werden.</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmissbrauch liegt unter anderem dann vor, wenn das Verhalten</span><br/> <span class="ft6">der unterstützten Person einzig darauf gerichtet ist, in den Genuss</span><br/> <span class="ft6">von materieller Hilfe zu gelangen (§ 15 Abs. 3 SPV). Auch die syste-</span><br/> <span class="ft6">matische Weigerung, Weisungen und Auflagen zu erfüllen, kann als</span><br/> <span class="ft6">rechtsmissbräuchliches Verhalten qualifiziert werden (VGE IV/25</span><br/> <span class="ft6">vom 29. März 2007 [WBE.2006.319], S. 15; VGE IV/45 vom</span><br/> <span class="ft6">22. Dezember 2005 [WBE.2005.215], S. 8).</span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1.</span><br/> <span class="ft6">Mit Beschluss vom 14. Dezember 2004 gewährte die Sozial-</span><br/> <span class="ft6">kommission X. dem Beschwerdeführer Sozialhilfe und erteilte ihm</span><br/> <span class="ft6">die Auflage / Weisung, jeweils Ende Monat seine Arbeitsbemühun-</span><br/> <span class="ft6">gen schriftlich vorzulegen. Nachdem der Nachweis der Arbeitsbe-</span><br/> <span class="ft6">mühungen während der Monate zuvor sehr bescheiden gewesen war,</span><br/> <span class="ft6">erteilte die Sozialkommission X. dem Beschwerdeführer mit Be-</span><br/> <span class="ft6">schluss vom 11. September 2007 die Auflage / Weisung, monatlich</span><br/> <span class="ft6">mindestens acht Stellenbemühungen bis am 5. des Folgemonats beim</span><br/> <span class="ft6">Sozialdienst und beim RAV abzugeben. Für den Fall der Wider-</span><br/> <span class="ft6">handlung drohte ihm die Sozialkommission die Kürzung des Grund-</span><br/> <span class="ft6">bedarfs I um 15 % an. Im September 2007 reichte der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer eine Liste mit sieben Arbeitsbemühungen ein, wobei er einige</span><br/> <span class="ft6">davon bereits Mitte August 2007 ausgewiesen hatte. Nachdem eine</span><br/> <span class="ft6">stichprobenweise Rückfrage der Sozialkommission bei zwei Firmen</span><br/> <span class="ft6">ergeben hatte, dass die schriftlichen Bewerbungen gar nie eingetrof-</span><br/> <span class="ft6">fen waren, gab der Beschwerdeführer zu, dass er an keine der Firmen</span><br/> <span class="ft6">Unterlagen geschickt hatte. Gestützt darauf kürzte die Sozialkom-</span><br/> <span class="ft6">mission X. dem Beschwerdeführer mit Beschluss vom 16. Oktober</span><br/> <span class="ft6">2007 den Grundbedarf I ab 1. November 2007 für sechs Monate um</span><br/> <span class="ft6">30 % und den Grundbedarf II vollständig. Gleichzeitig erteilte sie</span><br/> <span class="ft6">ihm erneut die Auflage / Weisung gemäss Beschluss vom 11. Sep-</span><br/> <span class="ft6">tember 2007 und drohte ihm für den Fall des Verstosses die</span><br/> <span class="ft6">Einstellung der Sozialhilfe an. Am 13. November 2007 stellte die</span><br/> <span class="ft6">Sozialkommission X. die Sozialhilfe des Beschwerdeführers per</span><br/> <span class="ft6">30. November 2007 ein.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">244</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Auch im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind</span><br/> <span class="ft6">die fehlenden Arbeitsbemühungen des Beschwerdeführers unbestrit-</span><br/> <span class="ft6">ten.</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Sozial-</span><br/> <span class="ft6">behörde dem Beschwerdeführer mehrfach die Auflage / Weisung er-</span><br/> <span class="ft6">teilt hat, monatlich mindestens acht Stellenbemühungen abzugeben,</span><br/> <span class="ft6">widrigenfalls die Sozialhilfe gekürzt bzw. eingestellt werde. Indem</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerdeführer seit Mitte 2007 unbestrittenermassen entweder</span><br/> <span class="ft6">ungenügende oder gar keine Arbeitsbemühungen eingereicht bzw.</span><br/> <span class="ft6">eine Liste mit Firmen vorgelegt hat, bei welchen sich im Nachhinein</span><br/> <span class="ft6">herausgestellt hat, dass sich der Beschwerdeführer gar nicht bewor-</span><br/> <span class="ft6">ben hatte, hat er mehrfach gegen die genannte Auflage / Weisung</span><br/> <span class="ft6">verstossen. Auch nachdem die Sozialbehörde am 13. November 2007</span><br/> <span class="ft6">die Kürzung der Sozialhilfe verfügt hatte, änderte der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer sein Verhalten nicht. Gestützt auf die Verfügung des Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgerichts vom 31. März 2008 legte er eine Liste mit lediglich</span><br/> <span class="ft6">zwei Arbeitsbemühungen für den Oktober und fünf Bemühungen für</span><br/> <span class="ft6">den November 2007 ein. Arbeitsbemühungen ab Dezember 2007</span><br/> <span class="ft6">fehlen. Auch damit vermag er die erwähnte Auflage / Weisung nicht</span><br/> <span class="ft6">zu erfüllen, zumal er auch kein aktuelles Arztzeugnis eingereicht hat,</span><br/> <span class="ft6">welches ihm eine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Selbst wenn die An-</span><br/> <span class="ft6">gaben des Beschwerdeführers zu seinem Rückenleiden zutreffen</span><br/> <span class="ft6">- ein entsprechendes Arztzeugnis hat er trotz Aufforderung nicht ein-</span><br/> <span class="ft6">gereicht -, vermag sein Leiden das Verhalten nicht zu rechtfertigen.</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer ist während mehrerer Tage seinem Arbeits-</span><br/> <span class="ft6">platz bei M., der ihm vom HEKS Lernwerk vermittelt worden war,</span><br/> <span class="ft6">unentschuldigt ferngeblieben. Damit hat er sich den Massnahmen zu</span><br/> <span class="ft6">seiner Wiedereingliederung in die Arbeitswelt entzogen. Zur Be-</span><br/> <span class="ft6">gründung führte er an, er habe für Fr. 13.30 pro Stunde arbeiten müs-</span><br/> <span class="ft6">sen. Die besser entlöhnte Arbeit bei der P. legte der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rer bereits nach zwei Tagen mit der Begründung nieder, die Arbeit sei</span><br/> <span class="ft6">ein wenig streng und er habe Rückenschmerzen. Der Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführer hat indessen kein aktuelles Arztzeugnis vorgelegt, sondern</span><br/> <span class="ft6">sich in der Beschwerde an das Bezirksamt auf sein Alter berufen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Sozial-</span><br/> <span class="ft6">kommission X. und das Bezirksamt Bremgarten zu Recht den</span><br/> <span class="ft6">Schluss gezogen haben, dass das Verhalten des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft6">einzig darauf gerichtet war, Sozialhilfe zu erhalten. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer hat sich systematisch den Auflagen und Eingliederungsmass-</span><br/> <span class="ft6">nahmen widersetzt bzw. entzogen und sich folglich rechtsmiss-</span><br/> <span class="ft6">bräuchlich verhalten. Die Einstellung der Sozialhilfe gestützt auf</span><br/> <span class="ft6">§ 15 Abs. 3 SPV war damit zulässig, weshalb die Beschwerde abzu-</span><br/> <span class="ft6">weisen ist.</span><br/> <span class="ft6">3.3.</span><br/> <span class="ft6">Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die von der Sozial-</span><br/> <span class="ft6">kommission beschlossene Einstellung der Sozialhilfe nicht unabän-</span><br/> <span class="ft6">derlich ist. Liegen veränderte Verhältnisse vor, indem der Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführer beispielsweise die verfügte Auflage / Weisung erfüllt, so</span><br/> <span class="ft6">steht es ihm offen, bei der Sozialbehörde erneut ein Gesuch um ma-</span><br/> <span class="ft6">terielle Hilfe zu stellen.</span><br/></div> </div> </body> </html>