A bteilung V E -585/2007 {T 0/2} U rteil vom 15. Juni 2007 M itw irkung: R ichter W eber, Stöckli und D ubey G erichtsschreiber H ardegger A._______, Afghanistan, vertreten durch B._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 22. Januar 2007 in Sachen vorsorgliche W egw eisung nach Frank- reich / N C ._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer w urde am 8. D ezem ber 2006 bei einem Einreiseversuch in die Schw eiz vom G renzw achtkorps in G enf C ornavin unter anderem w egen Feh- lens eines Identitätspapiers erkennungsdienstlich erfasst und gleichentags nach Frankreich zurückgew iesen. B. Am 9. D ezem ber 2006 reiste der Beschw erdeführer illegal in die Schw eiz ein und stellte gleichentags und unter einer anderen Identität im Em pfangs- und Verfah- renszentrum Vallorbe ein Asylgesuch. C . N ach seinem Transfer ins Transitzentrum Altstätten w urde der Beschw erdeführer dort unter der Identität D ._______, Afghanistan, am 9. Januar 2007 sum m arisch zu seinen Fluchtgründen und zum R eisew eg befragt. D er Beschw erdeführer reichte beim BFM die Faxkopie einer entsprechenden Taskara (Identitätskarte) ein. D . Am 9. Januar 2007 w ies das Bundesam t E._______ an, die zuständige Vorm undschaftsbehörde über die Anw esenheit des Beschw erdeführers im Kanton zu orientieren. E. D ie Vorinstanz liess am 11. Januar 2007 eine radiologische Knochenaltersanalyse des Beschw erdeführers zur Ü berprüfung seiner Altersangabe durchführen. D er eingesetzte Arzt w andte die Knochenaltersbestim m ung nach G reulich-Pyle an und kam zum Ergebnis, der Beschw erdeführer sei w ahrscheinlich 19 Jahre alt oder m ehr. F. Am 12. Januar 2007 stim m ten die französischen Behörden einer Ü bernahm e des Beschw erdeführers gestützt auf das R ückübernahm eabkom m en Frankreich- Schw eiz zu. G . Am 16. Januar 2007 w urde der Beschw erdeführer für die D auer des Verfahrens dem Kanton F._______ zugew iesen. H . D ie Vorinstanz gew ährte dem Beschw erdeführer im R ahm en der Anhörung vom 23. Januar 2007 das rechtliche G ehör zum Ergebnis dieser Knochenaltersbestim - m ung. D er Beschw erdeführer hielt im R ahm en dieser Anhörung w eiterhin daran fest, knapp 17 Jahre alt zu sein, und verw ies in Bezug auf seine Identität und sein Alter nam entlich auf die in Kopie eingereichte Taskara. An der Befragung nahm kein Vertreter eines H ilfsw erks teil. I. Am 22. Januar 2007 verfügte das BFM die vorsorgliche W egw eisung des Be- schw erdeführers aus der Schw eiz und seine R ückkehr nach Frankreich und ordne- te die sofortige Vollstreckung an. Es w urde festgestellt, dass einer allfälligen Be- schw erde keine aufschiebende W irkung zukom m e. J. M it Telefax vom 23. Januar 2007 (Ü berm ittlungszeitpunkt durch die zuständige kantonale Polizeibehörde) überm ittelte das E._______ dem Bundesverw altungsgericht eine vom Beschw erdeführer verfasste handschriftliche und frem dsprachige Beschw erde. G leichzeitig teilte es m it, der Beschw erdeführer sei soeben in Ausschaffungshaft genom m en w orden. D ie Ausschaffung nach Frankreich sei für den 25. Januar 2007 geplant. D er Vollzug w urde durch ein 3 gleichentags erfolgtes Telefaxschreiben der Vorinstanz an das Bundesverw al- tungsgericht bestätigt. K. M it Telefaxschreiben vom 23. Januar 2007 ersuchte die R echtsvertreterin die Vor- instanz um Einsicht in die Akten, w elche das BFM gleichentags gew ährte. L. Am 24. Januar 2007 (Eingang Telefax und Postaufgabe) liess der Beschw erdefüh- rer durch seine R echtsvertreterin eine separate Beschw erdeschrift beim Bundes- verw altungsgericht einreichen. D er Beschw erdeführer beantragte darin die Aufhe- bung der Verfügung vom 22. Januar 2007 und die Anw eisung an die Vorinstanz, ihn ins ordentliche Asylverfahren aufzunehm en. In form eller H insicht w urde um W iederherstellung der aufschiebenden W irkung der Beschw erde, Ansetzung einer N achfrist zur einlässlichen Begründung der Beschw erde und Verzicht auf die Erhe- bung von Verfahrenskosten ersucht. M . D as Bundesverw altungsgericht beauftragte in der Folge den Am tsdolm etscher, den frem dsprachigen Text des Beschw erdeführers vom 23. Januar 2007 zu über- setzen. M it Telefaxschreiben vom 25. Januar 2007 traf die beim Am tsdolm etscher in Auf- trag gegebene Ü bersetzung beim Bundesverw altungsgericht ein. D er Beschw erde- führer ersuchte in der handschriftlich eingereichten Beschw erde um G ew ährung des Asyls in der Schw eiz. Sinngem äss erklärte er, in Frankreich kein Asylgesuch gestellt zu haben, w eil die Schw eiz sein Zielland sei. Er habe sich nicht in der EU aufgehalten. Er habe Feinde und kenne (in Frankreich) niem anden. Er w erde nicht nach Frankreich gehen. N . M it Zw ischenverfügungen vom 24. Januar 2007 (einstw eiliger Vollzugsstopp) und vom 26. Januar 2007 (Aussetzung für die D auer des Beschw erdeverfahrens) setz- te der zuständige Instruktionsrichter des Bundesverw altungsgerichts den Vollzug der W egw eisung aus, w ies das G esuch um Ansetzung einer Frist für eine Verbes- serung der Beschw erde ab, hiess das G esuch um unentgeltliche Prozessführung gut und gab der R echtsvertreterin G elegenheit, bis zum 9. Februar 2007 eine H o- norarnote einzureichen. O . M it Schreiben vom 9. Februar 2007 reichte die R echtsvertreterin ihre H onorarnote in der H öhe von Fr. 1'482.15 ein. P. Am 15. Februar 2007 reichte die Vorinstanz aufforderungsgem äss ihre Vernehm - lassung zu den Akten und schloss auf Abw eisung der Beschw erde gegen die am 22. Januar 2007 verfügte vorsorgliche W egw eisung. D as Bundesam t hielt im W e- sentlichen fest, es sei bei einer Altersbeurteilung eines Beschw erdeführers eine G esam tw ürdigung unter Abw ägung säm tlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die R ichtigkeit der betreffenden Altersangaben sprächen, vorzunehm en. G em äss der am 11. Januar 2007 durchgeführten Knochenaltersanalyse betrage das chro- nologische Alter 19 Jahre oder m ehr. D ie abgegebene Taskara (Identitätskarte) liege bloss als Faxschreiben vor, m ithin sei deren Bew eisw ert beschränkt. D er im Verfahren gezeigte G rad an R espektlosigkeit und das selbstsichere Auftreten des Beschw erdeführers sprächen nicht für dessen M inderjährigkeit (verheim lichte Eng- lischkenntnisse, Schutzbehauptungen, verbale Attacken gegen den D olm etscher, D avonlaufen aus der Befragung). D ie Verfahrensgarantien für M inderjährige seien im vorliegenden Verfahren vom BFM trotz dieser Zw eifel gew ahrt w orden. D er 4 Beschw erdeführer besitze zw ar keine Angehörige in Frankreich oder der Schw eiz. Indessen falle dieser U m stand nicht ins G ew icht, zum al Frankreich ein europäischer R echtsstaat sei und im Jahr 1990 die U N -Kinderrechtskonvention unterzeichnet und ratifiziert habe. Im Ü brigen sei für den Begriff "einige Zeit" die Faustregel von 20-Tagen praxisgem äss nicht starr anzuw enden. Vorliegend sprächen erhebliche Indizien für einen längeren Aufenthalt des Beschw erdeführers ausserhalb seines H eim atlandes (der Englisch sprechende Beschw erdeführer versuche, die schw eizerischen Asylbehörden system atisch über die U m stände sei- ner H erreise zu täuschen und bei Konfrontation m it eigenen U nstim m igkeiten den D olm etscher jew eils verbal anzugreifen; der Beschw erdeführer besitze eine belgi- sche Telefonkarte; U nkenntnis über heim atliche Banknoten), gegen eine ziel- gerichtete R eise in die Schw eiz und für eine nachträgliche Anpassung seines Aussageverhaltens an ihm vorgelegte Fakten. D ie U ntersuchungspflicht der Behörden finde ihre vernünftigen G renzen an der M itw irkungspflicht eines Beschw erdeführers. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz. D as Bundesver- w altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgeset- zes vom 26. Juni 1998 [AsylG , SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G ; SR 173.110]). 1.2 Bei der Anordnung einer vorsorglichen W egw eisung gem äss Art. 42 Abs. 2 AsylG handelt es sich um eine selbständig anfechtbare Verfügung im Sinne von Art. 107 Abs. 2 Bst. a AsylG , som it um ein taugliches Anfechtungsobjekt einer Verw al- tungsbeschw erde, für deren Behandlung das Bundesverw altungsgericht zuständig ist. 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. 2.1 D ie Eingabe vom 23. Januar 2007 ist als Beschw erde und diejenige vom 24. Janu- ar 2007 als Ergänzung entgegen zu nehm en. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist unter Vorbehalt - s. nachstehend - einzutreten. 2.2 D as Bundesverw altungsgericht beschränkt sich vorliegend in konstanter Praxis auf 5 die Ü berprüfung der Frage, ob die Vorinstanz zu R echt die vorsorgliche W egw ei- sung nach Frankreich angeordnet hat. Im Falle der Begründetheit des R echtsm it- tels w äre som it die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückgehen zu lassen. M ithin ist auf den Antrag auf G ew ährung des Asyls (act. 11) nicht einzutreten. 3. D ie Vernehm lassung des BFM vom 15. Februar 2007 ist dem Beschw erdeführer bisher nicht zur Kenntnis gebracht w orden. Angesichts des Verfahrensausganges kann auf eine vorgängige U nterbreitung zur Stellungnahm e verzichtet und die Ver- nehm lassung m it dem vorliegenden Entscheid zur Kenntnis gebracht w erden (vgl. Art. 30 Abs. 2 Bst. c Vw VG ). 4. W er in der Schw eiz ein Asylgesuch gestellt hat, kann sich gestützt auf Art. 42 Abs. 1 AsylG grundsätzlich bis zum Abschluss des Verfahrens hierzulande aufhal- ten. G em äss Absatz 2 der genannten Bestim m ung kann der G esuchsteller jedoch vom BFM vorsorglich w eggew iesen w erden, w enn die W eiterreise in einen D ritt- staat zulässig, zum utbar und m öglich ist. D er Vollzug der W egw eisung ist nicht m öglich, w enn der Betroffene nicht in einen D rittstaat ausreisen oder dorthin gebracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Betroffenen in einen D rittstaat entgegenstehen (vgl. Art. 14a Abs. 2 und 3 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20]). Zum utbar ist die W egw eisung in einen D rittstaat nach Art. 42 Abs. 2 AsylG nam entlich, w enn dieser Staat vertraglich für die Behandlung des Asylgesu- ches zuständig ist (Bst. a), sich der G esuchsteller einige Zeit dort aufgehalten hat (Bst. b) oder dort nahe Angehörige oder andere Personen leben, zu denen er enge Beziehungen hat (Bst. c) (vgl. dazu die w eiterhin zutreffende R echtsprechung der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [AR K] in Entscheidungen und M itteilungen der AR K [EM AR K] 2006 N r. 22, 2004 N r. 40, 2000 N r. 1 S. 10 und EM AR K 1998 N r. 24 E. 5d/bb S. 216 f., w obei sich Letzterer auf den altrechtlichen Art. 19 aAsylG bezieht, w elcher jedoch in Art. 42 AsylG keine inhaltliche Änderung erfah- ren hat). 5. W ie nachfolgend aufzuzeigen ist, kom m t das Bundesverw altungsgericht zum Schluss, dass der Beschw erdeführer zu R echt eine Verletzung von Art. 42 Abs. 2 AsylG rügt. 5.1 Am 12. Januar 2007 stim m ten die französischen Behörden einer Ü bernahm e des Beschw erdeführers gestützt auf das R ückübernahm eabkom m en Frankreich- Schw eiz vom 28. O ktober 1998 (SR 0.142.113.499) zu. D aher kann der Vollzug der vorsorglichen W egw eisung als m öglich im Sinne von Art. 42 Abs. 2 AsylG und Art. 14a Abs. 2 AN AG qualifiziert w erden (vgl. dazu EM AR K 2004 N r. 40 E. 3.1.). 5.2 D ie Zulässigkeit einer vorsorglichen W egw eisung in einen D rittstaat nach Art. 42 Abs. 2 AsylG setzt in der R egel voraus, dass der Betroffene im D rittstaat die M ög- lichkeit eines m ehr als nur vorübergehenden Verbleibs hat, d.h. über hinreichende G arantien verfügt, dass er sich dort für die voraussichtliche D auer des in der Schw eiz angehobenen Asylverfahrens legal aufhalten kann (vgl. EM AR K 1998 N r. 24 E. 5d/bb S. 216 f. und EM AR K 2004 N r. 40 E. 3.2.). D a der französische Staat einer R ückübernahm e des Beschw erdeführers zuge-6 stim m t hat, w äre som it zu schliessen, dass sich der Beschw erdeführer in Frank- reich bis zum Abschluss des schw eizerischen Asylverfahrens legal aufhalten kann. Ü bereinstim m end m it der Vorinstanz kann auch festgehalten w erden, dass Frank- reich ein europäischer R echtsstaat ist und dass keine Anhaltspunkte dafür beste- hen, dass sich Frankreich nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten w ürde und die R echte unm ündiger Personen nicht respektiert. 5.3 W eiter bleibt aufgrund der Praxis des Bundesverw altungsgerichts zu prüfen, ob die vorsorgliche W egw eisung des Beschw erdeführers nach Frankreich zum utbar ist. D ies w äre nam entlich der Fall, w enn er sich dort "einige Zeit" im Sinne von Art. 42 Abs. 2 Bst. b AsylG und Art. 31 Abs. 1 AsylV 1 aufgehalten hat, bevor er in die Schw eiz eingereist ist (Bst. a und c von Art. 42 Abs. 2 AsylG kom m en im vorlie- genden Fall aufgrund der Akten nicht in Betracht). G em äss bisheriger und nach w ie vor zu bestätigender R echtsprechung ist festzu- halten, dass die in Art. 31 Abs. 1 AsylV 1 festgehaltene Verm utung, dass die asyl- suchende Person sich einige Zeit im D rittstaat aufgehalten hat, falls sie nicht glaubhaft zu m achen verm ag, dass sie ohne Verzug in die Schw eiz gereist ist, Art. 42 Abs. 2 Bst. b AsylG w iderspricht, w eshalb sie gem äss dem Prinzip der H ie- rarchie der N orm en nicht anw endbar ist. D er Begriff "einige Zeit" gem äss Art. 31 Abs. 1 AsylV 1 ist derselbe w ie in Art. 52 Abs. 1 Bst. a AsylG , der in Art. 40 AsylV 1 als "in der R egel 20 Tage" definiert w ird (vgl. dazu EM AR K 2006 N r. 22 i.V.m . 2000 N r. 1 und EM AR K 2004 N r. 40 E. 3.3.). D as BFM hat in der Vernehm lassung die Auffassung vertreten, im vorliegenden Fall rechtfertige sich eine Abw eichung von der 20-Tage-R egel nach unten. Es be- gründet dies durch die w ahrscheinliche M ündigkeit des Beschw erdeführers und er- hebliche Indizien für einen längeren Aufenthalt des Beschw erdeführers ausserhalb seines H eim atlandes, für keine zielgerichtete R eise in die Schw eiz und eine nach- trägliche Anpassung seines Aussageverhaltens an ihm vorgelegte Fakten, die sich aus dem Sachverhalt, dem eingereichten Bew eism ittel und der Verhaltensw eise des Beschw erdeführers im Verfahren ergeben w ürden (s. Sachverhalt Bst. Q ). 5.4 Für die Auffassung des BFM spricht, dass durch die problem lose und um gehende Zustim m ung des französischen Staates auf R ückübernahm e des Beschw erdefüh- rers eine gew isse Vorbeziehung zu diesem Staat bestanden haben könnte, w elche vielleicht nicht bloss zufälliger Art w ar. G leichzeitig ist aktenkundig, dass der Be- schw erdeführer im TG V Paris-Lyon-G enf bei seinem illegalen Einreiseversuch vom 8. D ezem ber 2006 in die Schw eiz von den G renzbeam ten entdeckt und anschlie- ssend nach Frankreich überstellt w orden ist. Aus diesen Vorgängen kann indessen bloss geschlossen w erden, dass der Beschw erdeführer Frankreich allenfalls nicht als blosses Transitland genutzt haben könnte - m ehr lässt sich der erw ähnten Sachlage nicht abgew innen (vgl. dazu in diesem Kontext EM AR K 2006 N r. 22, 1999 N r. 23). W eiter behauptete der Beschw erdeführer, sich nicht in Frankreich aufgehalten zu haben, w as zw eifellos unw ahr ist. Ferner erklärte der Beschw erdeführer, kein Asyl- gesuch in einem EU -Land, nam entlich auch nicht in Frankreich, gestellt zu haben (ein Abw eichen von der 20-Tage-R egel rechtfertigt sich gem äss EM AR K 1999 N r. 23 E. 3 c/bb insbesondere bei einer Kontaktaufnahm e zw ecks Einreichung eines Asylgesuchs) und keine Angehörigen oder Bekannte in Frankreich zu haben. D as 7 Argum ent des Fehlens von Angehörigen in Frankreich w ird vom BFM in der Ver- nehm lassung vom 15. Februar 2007 (vgl. dort, S. 1 unten) jedenfalls m itgetragen. D ie Einreichung eines Asylgesuches in einem D rittstaat konnte dem Beschw erde- führer bis anhin nicht nachgew iesen w erden. D arüber hinaus könnte von einem Asylsuchenden das Einreichen eines Asylgesuchs vernünftigerw eise nur dann er- w artet w erden, w enn zw ischen ihm und dem D rittstaat eine Beziehung von einer gew issen Q ualität besteht (vgl. EM AR K 2000 N r. 1 E. 15). D as BFM argum entiert in der angefochtenen Verfügung und Vernehm lassung lediglich im Bereich blosser Verm utungen, m ithin ohne stichhaltige Argum ente für einen längeren Aufenthalt des Beschw erdeführers in Frankreich im Sinne von "einige Zeit" liefern zu können. So stellen zw ar das Verschw eigen der Einreise am 8. D ezem ber 2006 von Frank- reich herkom m end, das Stellen eines Asylgesuches unter falscher Identität nach erfolgter zw eiter Einreise ebenfalls aus Frankreich am folgenden Tag, das M itfüh- ren einer belgischen Telefonkarte und die Falschaussage zur seit Jahren in Afgha- nistan gebräuchlichen W ährung Indizien für eine nicht ohne Verzug erfolgte Einrei- se in die Schw eiz, eine D urchreise durch Frankreich und eventuell einen früheren Aufenthalt in einem w esteuropäischen Staat dar, jedoch ist dam it nicht aufgezeigt w orden, inw iefern sich der Beschw erdeführer w ährend "einiger Zeit" im Sinne der vorerw ähnten R echtsprechung in Frankreich aufgehalten hat. Ferner gilt es zu be- achten, dass w eder dem Art. 42 Abs. 2 AsylG noch dem R ückübernahm eabkom - m en zw ischen der Schw eiz und Frankreich eine dem Beschw erdeführer entgegen- zuhaltende Verpflichtung zu entnehm en ist, w onach dieser im rückübernehm enden Staat ein Asylgesuch zu stellen hätte (vgl. dazu EM AR K 2000 N r. 1 E. 15). Inso- fern ist das Form erfordernis einer gew issen Vorbeziehung des Beschw erdeführers zum R ückübernahm estaat respektive von einem dortigen Aufenthalt im geforder- ten U m fang von "einige Zeit" nicht erfüllt. Aus diesem G rund ist die angefochtene Verfügung aufzuheben. 6. 6.1 Schliesslich gilt anzum erken, dass die R olle einer Vertrauensperson eines allen- falls M inderjährigen nicht nur auf die Entgegennahm e einer Endverfügung be- schränkt w erden darf. D ie beigeordnete Vertrauensperson G ._______, die nach Lehre und Praxis rechtskundig sein m uss (vgl. EM AR K 2003 N r. 1 E. 3b-e), m uss im Verfahren - w ie der Begriff Vertrauensperson schon sagt - die M öglichkeit haben, ein gew isses Vertrauen zum Beschw erdeführer w ährend des Verfahrens aufzubauen können und diesen in den w ichtigsten Abschnitten des Verfahrens in rechtlicher H insicht zu begleiten. Von der Vorinstanz w ird zw ar geltend gem acht (vgl. Aktennotiz vom 23. Januar 2007, A22), die eingesetzte Vertrauensperson sei zur Anhörung vom 23. Januar 2007 eingeladen w orden und die Verfügung des BFM vom 22. Januar 2007 sei an sie adressiert w orden (vgl. act. A 22). Indessen ergeben sich aus den übrigen Vorakten keine H inw eise, w onach die erw ähnte Vertrauensperson Kenntnis von einer geplanten D urchführung einer radiologischen Knochenaltersanalyse beim Beschw erdeführer gehabt hat und sie bei der Anhö- rung vom 23. Januar 2007 tatsächlich anw esend gew esen ist oder auf eine Teilnahm e verzichtet hat. D en entsprechenden Anhörungsprotokollen und Schreiben sind jedenfalls darüber keine H inw eise zu entnehm en. Aus dieser Sicht ist zum indest fraglich, ob im vorliegenden Verfahren m inim ale Verfahrensgarantien (vgl. dazu EM AR K 2006 N r. 14, 2003 N r. 1, 1999 N rn. 18 und 2) gegenüber einem 8 unbegleiteten M inderjährigen (s. nachstehend) durchw egs eingehalten w orden sind. 6.2 D as BFM führt zur Begründung seiner Verfügung sinngem äss an, das radiologi- sche G utachten des eingesetzten Arztes habe ergeben, dass der Beschw erdefüh- rer m indestens 19 Jahre alt sei. Zudem bew eise der Beschw erdeführer seine an- gebliche U nm ündigkeit bloss m it einer nicht sehr aussagekräftigen Faxkopie einer Taskara und verhalte sich w ährend des ganzen Verfahrens w ie eine m ündige Per- son. D ie Abw ägung aller Anhaltspunkte für und gegen das angegebene Alter von knapp 17 Jahren lasse auf einen m ündigen Beschw erdeführer schliessen (vgl. Sachverhalt Bst. Q ). D iesbezüglich ist festzuhalten, dass unter bestim m ten einschränkenden Voraus- setzungen ein ärztlicher Bericht über die D urchführung einer radiologischen Kno- chenaltersbestim m ung durchaus zulässig sein kann (vgl. dazu die nach w ie vor zu- treffende Praxis der AR K in EM AR K 2004 N r. 31, m .w .H .). So soll der Beschw er- deführer seinen Angaben zufolge im Zeitpunkt der Erstellung des Knochenalters- gutachtens (11. Januar 2007) 16 Jahre und knapp neun M onate alt gew esen sein. D er von der Vorinstanz konsultierte Arzt ging in seinem Bericht jedoch davon aus, dass das Knochenalter des Beschw erdeführers aufgrund der U ntersuchung vom 11. Januar 2007 einem Alter "von 19 Jahren oder m ehr" entsprechen m üsse. D ie AR K hat sich in m ehreren publizierten U rteilen m it verschiedenen rechtlichen As- pekten der vom Bundesam t in Auftrag gegebenen radiologischen Knochenalters- gutachten befasst, nam entlich m it dem Bew eisw ert (vgl. EM AR K 2005 N r. 16, 2004 N rn. 31 und 30, 2000 N rn. 28 und 19), den Folgen einer D ivergenz zw ischen festgestelltem Knochenalter und behauptetem Alter (EM AR K 2001 N r. 23 E. 4c, und 2004 N r. 30 E. 6.2) und den grundsätzlichen form alen und inhaltlichen Anfor- derungen an solche "G utachten" (vgl. EM AR K 2004 N r. 31, E. 7). D iese Praxis ist nach w ie vor zutreffend. Som it hat die Bestim m ung des tatsächlichen Alters einer Person m ittels radiographischer Knochenaltersbestim m ung generell nur einen be- schränkten Aussagew ert, zum al das Knochenw achstum in einem je nach ethni- scher Zugehörigkeit, G eschlecht, erlittenen Krankheiten und Lebensum ständen unterschiedlichen M ass individuell variieren kann (vgl. dazu EM AR K 2000 N r. 19 E. 7 und EM AR K 2004 N r. 31 E. 7.3). G rundsätzlich stellt som it eine radiologische Knochenaltersbestim m ung bloss eine schriftliche Auskunft im Sinne von Art. 49 des Bundesgesetzes vom 4. D ezem ber 1947 über den Bundeszivilprozess (BZP, SR 273) (i.V.m . Art. 3 AsylG , Art. 37 VG G , Art. 12 und 19 Vw VG ) dar, w elche nicht nur form al, sondern auch inhaltlich gew issen M inim alanforderungen zu genügen hat (vgl. dazu EM AR K 2004 N r. 31, insbes. E. 7.3). O b diese form alen Anforderun- gen vorliegend erfüllt sind, kann angesichts der bereits feststehenden Kassation der angefochtenen Verfügung aus anderen G ründen vorliegend offen bleiben. Je- denfalls beträgt die festgestellte D ifferenz zw ischen dem vom Beschw erdeführer angegebenen und dem vom Experten m ittels radiologischen G utachtens (Kno- chenaltersanalyse) erm ittelten Alter w eniger als drei Jahre und bew egt sich dem - nach unterhalb der bei der W ürdigung und Verw ertbarkeit solcher G utachten zu beachtenden Standard-Abw eichung von m indestens drei Jahren. M ithin ist der ärztliche Bericht kein taugliches Argum ent für ein eventuelles Vorliegen einer M ün- digkeit des Beschw erdeführers. Angriffiger Stil, freches Auftreten, Selbständigkeit und zugegebenerm assen kuriose Angaben im Bereich der R eisem odalitäten rei-9 chen jedenfalls nicht aus, auf eine M ündigkeit des Beschw erdeführers zu schlie- ssen (vgl. zu den Anforderungen EM AR K 2004 N r. 30). 7. Aus den obenstehenden Erw ägungen ergibt sich, dass die Voraussetzungen für eine vorsorgliche W egw eisung des Beschw erdeführers nach Frankreich nicht ge- geben sind. D ie Beschw erde ist daher gutzuheissen, sow eit darauf einzutreten ist. D ie angefochtene Zw ischenverfügung des BFM vom 22. Januar 2007 ist aufzuhe- ben und das BFM anzuw eisen, das Asylgesuch des Beschw erdeführers in m ateri- eller H insicht w eiterzubehandeln. D er Beschw erdeführer kann sich w ährend der D auer des Asylverfahrens in der Schw eiz aufhalten (vgl. Art. 42 Abs. 1 AsylG ). 8. Einer obsiegenden Partei w erden in der R egel keine Verfahrenskosten aufzuerle- gen sein, es sei denn, sie habe diese durch Verletzung von Verfahrenspflichten verursacht (vgl. Art. 63 Abs. 3 Vw VG ). Im vorliegenden Fall sind keine solche An- zeichen erkennbar, w eshalb es bei der G utheissung der unentgeltlichen Prozess- führung bleibt (vgl. dazu die Zw ischenverfügung vom 26. Januar 2007). 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 3 Vw VG sow ie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). 8.2 D er Beschw erdeführer hat im vorliegenden Verfahren hälftig obsiegt (kein D urch- dringen im Bereich des H auptantrags auf Asylgew ährung); m ithin ist ihm eine hälf- tige Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 Vw VG ; Art. 7 ff.des R eglem entes über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungs- gericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ie R echtsvertreterin reichte der R echtsm ittelinstanz eine H onorarnote über einen G esam tbetrag von Fr. 1'482.15 (inkl. Auslagen und M w St) ein. Aus den Akten gehen keine w eiteren zu entschädigenden Aufw ände der R echtsvertreterin hervor. D ie geltend gem achte Sum m e erscheint unter Berücksichtigung aller m assgeblichen U m stände als ange- m essen. Som it ist dem Beschw erdeführer im U m fang der H älfte der geltend ge- m achten H onorarnote eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 Vw VG sow ie Art. 7 ff. VG KE). (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, sow eit darauf eingetreten w ird. D ie Zw ischen- verfügung des BFM vom 22. Januar 2007 w ird aufgehoben. 2. D as BFM w ird angew iesen, das Asylverfahren des Beschw erdeführers in m ateriel- ler H insicht w eiterzuführen. 3. D er Beschw erdeführer kann den Ausgang des Verfahrens in der Schw eiz abw ar- ten. 4. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. D ie Vorinstanz hat den Beschw erdeführer für das Verfahren vor dem Bundesver- w altungsgericht m it Fr. 741.10 zu entschädigen. 6. D ieses U rteil geht an: - Beschw erdeführer durch Verm ittlung seiner R echtsvertreterin, 2 Expl. (einge- schrieben; Beilage: Vernehm lassung des BFM vom 15. Februar 2007 in Kopie) - Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.- N r. N C ._______) - E._______ D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: Beat W eber Thom as H ardegger Versand am :