<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, dass Whistleblower keine rechtlichen Konsequenzen befürchten müssen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Unternehmen ab einer gewissen Grösse verpflichtet werden, eine unabhängige Meldestelle für Whistleblower einzurichten.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Motion betrifft den "Whistleblowing"-Schutz und verlangt die Schaffung einer gesetzlichen Grundlage, wonach "Whistleblower" keine rechtlichen Konsequenzen befürchten müssen. "Whistleblower" sind Arbeitnehmer, die auf Missstände am Arbeitsplatz hinweisen. Dadurch setzen sie sich unter Umständen rechtlichen Konsequenzen aus, insbesondere dem Risiko einer Kündigung.</p><p>Um zu erreichen, dass "Whistleblower" keine rechtlichen Konsequenzen befürchten müssen, sollen Unternehmen ab einer gewissen Grösse verpflichtet werden, eine unabhängige Meldestelle für "Whistleblower" einzurichten. Die Schaffung einer solchen Meldestelle in Unternehmen ist mithin ein Mittel zur Erreichung des Ziels, nämlich des Schutzes von "Whistleblowing". Die Meldung an eine vom Arbeitgeber für diesen Zweck bezeichnete Stelle kann - im Gegensatz zu einer Meldung an die Öffentlichkeit oder eine Behörde - zwar das Risiko für den Arbeitnehmer, gegen seine Treuepflichten zu verstossen, vermindern, kann ihn aber letztlich nicht vor Benachteiligungen schützen. Im Gegensatz zum Bundespersonalrecht, welches "Whistleblower" seit dem Jahr 2011 ausdrücklich vor Benachteiligung in der beruflichen Stellung schützt (Art. 22a Bundespersonalgesetz; SR 172.220.1), fehlt im privatrechtlichen Bereich eine entsprechende Regelung. Aus Kohärenzgründen müssten in den Unternehmen nicht lediglich Meldestellen geschaffen werden, sondern gleichzeitig - dies ist das Ziel - die "Whistleblower" vor rechtlichen Nachteilen wie einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses geschützt werden. Auch die vom Motionär erwähnte <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32019L1937&amp;from=EN">EU-Richtlinie 2019/1937</a> hat das Ziel, ein hohes Schutzniveau für Personen sicherzustellen, die Verstösse gegen das Unionsrecht melden. Die EU-Richtlinie verlangt namentlich die Implementierung eines Kündigungsschutzes für Arbeitnehmer (Art. 19 der EU-Richtlinie).</p><p>Der Bundesrat hat dem Parlament in den Jahren 2013 (Botschaft; BBl 2013 9513) und 2018 (Zusatzbotschaft; BBl 2019 1409) eine Teilrevision des Obligationenrechts (OR) vorgeschlagen, um die Voraussetzungen für eine rechtmässige Meldung von Missständen am Arbeitsplatz sowie den Kündigungsschutz für Whistleblower festzulegen. Die gesetzliche Regelung hatte zum Ziel, mehr Klarheit und Rechtssicherheit zu schaffen, sowohl für Unternehmen als auch für Arbeitnehmer. In den parlamentarischen Beratungen (<a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20130094">13.094</a>) fand die Gesetzesvorlage keine Mehrheit und wurde in der Folge im Nationalrat am 5. März 2020 abschliessend abgelehnt.</p><p>Nachdem die Teilrevision des OR zum "Whistleblowing"-Schutz im Parlament nach mehrjähriger Behandlung im Frühjahr 2020 keine Mehrheit gefunden hat, ist es nicht angezeigt, dasselbe Anliegen nach kurzer Zeit erneut gesetzlich regeln zu wollen. Neu ist bei der vorliegenden Motion einzig, dass der "Whistleblowing"-Schutz nur für Unternehmen ab einer gewissen Grösse gelten soll. Die Pflicht zur Einrichtung von Meldestellen in Unternehmen ab einer gewissen Grösse würde die Regulierungskosten für Unternehmen, die nicht bereits über eine Compliance-Stelle verfügen, erhöhen. Zudem wäre eine gesetzliche Verpflichtung zur Schaffung von Meldestellen wenig sinnvoll bzw. wirksam, wenn nicht gleichzeitig die "Whistleblower" vor rechtlichen Nachteilen geschützt würden.</p><p>Schliesslich ist festzuhalten, dass die Unternehmen in der Schweiz auch ohne gesetzliche Regulierung die Möglichkeit haben, Meldestellen für "Whistleblower" zu schaffen. Der Bundesrat geht davon aus, dass Schweizer Unternehmen, die in Ländern des EU-Raums tätig sind, die staatlichen Ausformungen der neuen EU-Richtlinie ohne weiteres umsetzen werden. Er erwartet zudem, dass weitere Unternehmen Meldesysteme aus unternehmensinternen Motiven einführen werden. Der Bundesrat wird die Unternehmenspraxis in diesem Zusammenhang aufmerksam verfolgen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.