<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 173</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">173</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>V. Sozialhilfe</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>44</b></span> <span class="ft2"><b>Kantonsbeitrag an Institutionen der Tagesbetreuung von Kindern</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Beteiligung des Kantons an privaten Institutionen der Tagesbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>treuung von Kindern setzt eine angemessene Beteiligung der Ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>meinde voraus (§ 51 Abs. 2 SPG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Bei einer Institution, die von mehreren Gemeinden getragen wird, ist</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die gesamte Beitragshöhe aller beteiligten Gemeinden ohne Rück-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sicht auf einen internen Verteilschlüssel oder die Beitragsmodalitäten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>massgebend.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 10. März 2011 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">A. gegen Regierungsrat (WBE.2010.273).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">1.</span><br/> <span class="ft7">1.1.</span><br/> <span class="ft7">Nach § 39 SPG kann die Gemeinde, soweit möglich in Zusam-</span><br/> <span class="ft7">menarbeit mit Privaten und anderen Gemeinden, für eine bedarfsge-</span><br/> <span class="ft7">rechte Bereitstellung von Einrichtungen der familienergänzenden</span><br/> <span class="ft7">Kinderbetreuung, wie zum Beispiel Tagespflegeplätze, Kinderkrip-</span><br/> <span class="ft7">pen und Tagesschulen, sorgen. Sie regelt die Kostenbeteiligung der</span><br/> <span class="ft7">Benützenden unter Berücksichtigung sozialer Aspekte. Der Kanton</span><br/> <span class="ft7">beteiligt sich auf der Grundlage von Leistungsvereinbarungen an</span><br/> <span class="ft7">privaten Institutionen der Tagesbetreuung von Kindern im Umfang</span><br/> <span class="ft7">von maximal 20% der anrechenbaren Betriebskosten, sofern sich die</span><br/> <span class="ft7">Gemeinde angemessen beteiligt (vgl. § 51 Abs. 2 SPG). Für die</span><br/> <span class="ft7">Berechnung der Kostenbeteiligung ist § 35 SPV massgebend.</span><br/> <span class="ft7">Nach § 35 Abs. 2 SPV beinhaltet die angemessene Beteiligung</span><br/> <span class="ft7">der Gemeinde an den Betriebskosten von Einrichtungen einen min-</span><br/> <span class="ft7">destens dem Kantonsbeitrag entsprechenden Geldbetrag. Natural-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">174</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">leistungen sind in Geldwerte umzurechnen. Bei der Beteiligung</span><br/> <span class="ft7">mehrerer Gemeinden gilt die Beitragshöhe gesamthaft. Die anrechen-</span><br/> <span class="ft7">baren Betriebskosten ergeben sich aus der Differenz aus den an-</span><br/> <span class="ft7">rechenbaren Einnahmen gemäss Abs. 4 und den anrechenbaren Aus-</span><br/> <span class="ft7">gaben gemäss Abs. 5 dieser Bestimmung (§ 35 Abs. 3 SPV).</span><br/> <span class="ft7">1.2.</span><br/> <span class="ft7">Der Entstehungsgeschichte von § 51 Abs. 2 SPG lässt sich ent-</span><br/> <span class="ft7">nehmen, dass der Kanton ursprünglich einen finanziellen Beitrag an</span><br/> <span class="ft7">eine soziale Verpflichtung der Gemeinden leisten sollte. Nachdem</span><br/> <span class="ft7">der Grosse Rat in der 1. Lesung der Revision des SPG die Gemein-</span><br/> <span class="ft7">den von der Pflicht zur familienergänzenden Kinderbetreuung befrei-</span><br/> <span class="ft7">te (§ 39 SPG), wurde die Beitragspflicht des Kantons grundsätzlich</span><br/> <span class="ft7">diskutiert (Botschaft des Regierungsrates vom 30. Juni 1999 bezüg-</span><br/> <span class="ft7">lich Revision des SPG; Protokoll des Grossen Rates vom 7. No-</span><br/> <span class="ft7">vember 2000, Art. 2297, S. 3540 ff.). Gemäss Botschaft vom 20. De-</span><br/> <span class="ft7">zember 2000 zur 2. Beratung (GR 00.435) ging es bei § 51 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">SPG in der Folge um die grundsätzliche Frage, ob kantonale Beiträge</span><br/> <span class="ft7">generell oder nur dort, wo die Gemeinden sich beteiligen, ge-</span><br/> <span class="ft7">sprochen werden sollen. Angesichts der im SPG konsequent vollzo-</span><br/> <span class="ft7">genen, grundsätzlichen Zuständigkeit der Gemeinden sollte vermie-</span><br/> <span class="ft7">den werden, dass der Kanton Leistungen erbringt, ohne dass die</span><br/> <span class="ft7">Gemeinde selber sich beteiligt (Botschaft S. 7). Im Grossen Rat gab</span><br/> <span class="ft7">es anlässlich der zweiten Beratung am 6. März 2001 zwar Stimmen,</span><br/> <span class="ft7">die gegen die Einführung dieser Beschränkung waren, weil (auch)</span><br/> <span class="ft7">die privaten Träger unabhängig von Gemeindeleistungen Anspruch</span><br/> <span class="ft7">auf Kantonsbeiträge haben sollten. Der Vorschlag des Regierungs-</span><br/> <span class="ft7">rates wurde angenommen (Protokoll des Grossen Rates vom 6. März</span><br/> <span class="ft7">2001, Art. 2488, S. 3893).</span><br/> <span class="ft7">1.3.</span><br/> <span class="ft7">Der Regierungsrat umschrieb in der Ausführungsverordnung zu</span><br/> <span class="ft7">§ 51 SPG einerseits die Angemessenheit des Gemeindebeitrages</span><br/> <span class="ft7">näher (§ 35 Abs. 2 SPV), definierte andererseits die anrechenbaren</span><br/> <span class="ft7">Betriebskosten als Differenz von bestimmten Einnahmen und Aus-</span><br/> <span class="ft7">gaben (§ 35 Abs. 3 bis 5 SPV). Der Kantonsbeitrag präsentiert sich</span><br/> <span class="ft7">damit als eine besondere Betriebsfinanzierung, da alle Einnahmen,</span><br/> <span class="ft7">insbesondere Betriebsbeiträge mit Ausnahme der Gemeindebeiträge,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">175</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">und Spenden berücksichtigt werden, und der Kantonsbeitrag im Fall</span><br/> <span class="ft7">einer Überdeckung entsprechend reduziert wird (§ 35 Abs. 6 SPV).</span><br/> <span class="ft7">Diese Verordnungsbestimmungen bewegen sich im Rahmen der</span><br/> <span class="ft7">gesetzlichen Vorgaben. Sachfremde Gründe und Bedingungen für die</span><br/> <span class="ft7">Festlegung des Kantonsbeitrages sind keine zu erkennen. Der Kan-</span><br/> <span class="ft7">tonsbeitrag an den Beschwerdeführer berechnet sich nach den Be-</span><br/> <span class="ft7">stimmungen in § 35 Abs. 3 ff. SPV.</span><br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft7">2.1.-2.3. (...)</span><br/> <span class="ft7">2.4.</span><br/> <span class="ft7">Bereits der Wortlaut von § 39 SPG und § 35 Abs. 2 SPV sowie</span><br/> <span class="ft7">die Materialien zu § 51 Abs. 2 SPG sprechen dagegen, dass der</span><br/> <span class="ft7">Kantonsbeitrag an eine Institution von Leistungsvereinbarungen und</span><br/> <span class="ft7">Beiträgen aller Gemeinden, deren Schüler und Schülerinnen eine</span><br/> <span class="ft7">Tagesbetreuung in einer andern Gemeinde besuchen, abhängig ge-</span><br/> <span class="ft7">macht werden kann. § 39 SPG verpflichtet die Gemeinden nicht zur</span><br/> <span class="ft7">Zusammenarbeit. Mit der "angemessenen Beteiligung" wollte der</span><br/> <span class="ft7">Gesetzgeber verhindern, dass der Kanton Beiträge zahlt, ohne dass</span><br/> <span class="ft7">sich die Gemeinde an der Finanzierung beteiligt. Der angemessene</span><br/> <span class="ft7">Beitrag an eine Institution ist bei mehreren Gemeinden die gesamte</span><br/> <span class="ft7">Beitragshöhe aller Gemeinden ohne Rücksicht auf interne Verteil-</span><br/> <span class="ft7">schlüssel oder Beitragsmodalitäten einzelner Gemeinden. Weder das</span><br/> <span class="ft7">Sozialhilfe- und Präventionsgesetz, noch die Verordnung enthalten</span><br/> <span class="ft7">Vorgaben, wie eine Institution ihr Verhältnis zu mehreren Gemeinden</span><br/> <span class="ft7">zu organisieren hat. Ebenso wenig gibt es Vorschriften darüber, wie</span><br/> <span class="ft7">mehrere Gemeinden die Mitwirkung, Beteiligung und Aufsicht an</span><br/> <span class="ft7">einer Institution der Tagesbetreuung im Verhältnis zur Standort-</span><br/> <span class="ft7">gemeinde zu organisieren haben. Es ist für die Bemessung des Kan-</span><br/> <span class="ft7">tonsbeitrags auch nicht relevant, ob mehrere Gemeinden die finan-</span><br/> <span class="ft7">zielle Unterstützung des Beschwerdeführers als Mitgliedschaftsbei-</span><br/> <span class="ft7">trag, Sachleistungen oder Subventionen ausrichten. Mit der Berück-</span><br/> <span class="ft7">sichtigung der gesamten Beitragshöhe <i>aller</i> beteiligten Gemeinden</span><br/> <span class="ft7">ist eine Berechnung des Kantonsbeitrages nach der Belegungszahl</span><br/> <span class="ft7">der Schülerinnen und Schüler nach Herkunftsgemeinde unvereinbar.</span><br/> <span class="ft7">Die Argumentation der Vorinstanz, wonach nur im Verhältnis</span><br/> <span class="ft7">zur Gemeinde M. ein Leistungsauftrag bestehe, überzeugt auch im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">176</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Hinblick auf § 35 Abs. 1 SPV nicht. Die Leistungsvereinbarung dient</span><br/> <span class="ft7">der Sicherung der schweizerischen oder kantonalen Qualitätsstan-</span><br/> <span class="ft7">dards. Dies ist im vorliegenden Fall mit dem Abschluss der Leis-</span><br/> <span class="ft7">tungsvereinbarung mit der Gemeinde M. vom 1. März 2008 gewähr-</span><br/> <span class="ft7">leistet. Der Leistungsvertrag regelt das Verhältnis des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führers zur Einwohnergemeinde M., bestimmt Leistung, Bedingun-</span><br/> <span class="ft7">gen und den Geltungsbereich. Vereinbart ist, dass alle Kinder aus</span><br/> <span class="ft7">Kindergarten, der Unterstufe, der Mittelstufe und Jugendliche aus der</span><br/> <span class="ft7">Oberstufe am Mittagstisch aufgenommen werden. Die Mahlzeiten</span><br/> <span class="ft7">werden zu Selbstkosten mit einem Zuschlag für die Betreuung ab-</span><br/> <span class="ft7">gegeben, wobei Reduktionen möglich sind. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">führt für die Oberstufe einen Mittagstisch in der Turnhalle B. und für</span><br/> <span class="ft7">die Kindergarten, Unter- und Mittelstufe eine Betreuung im "X.".</span><br/> <span class="ft7">Beschränkungen nach dem Wohnort der Schüler sind dem Leistungs-</span><br/> <span class="ft7">vertrag nicht zu entnehmen, auch nicht mit Bezug auf den Beitrag,</span><br/> <span class="ft7">welchen die Einwohnergemeinde M. leistet. Es kann daher ohne</span><br/> <span class="ft7">weiteres davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">seine Dienstleistung für alle Kinder erbringt, welche die Schulen</span><br/> <span class="ft7">oder den Kindergarten in M. besuchen, und für diese Leistungen von</span><br/> <span class="ft7">der Gemeinde M. entschädigt wird. Dieser Schluss drängt sich auch</span><br/> <span class="ft7">aufgrund der Bestätigung des Gemeinderates vom 18. Mai 2010 auf.</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer weist zu Recht auch daraufhin, dass sich die</span><br/> <span class="ft7">Wohnsitzfrage nur bei den Schülern der Oberstufe und dem</span><br/> <span class="ft7">Mittagstisch am Standort "B." stelle.</span><br/> <span class="ft7">Dass die Vorinstanz bei der Festlegung des Kantonsbeitrages</span><br/> <span class="ft7">die Schüler anderer Gemeinden nicht berücksichtigt hat, überzeugt</span><br/> <span class="ft7">aus einem weiteren Grund nicht. Dem Gesetz lässt sich nicht ent-</span><br/> <span class="ft7">nehmen, dass jede Einwohnergemeinde, deren Schüler auswärtige</span><br/> <span class="ft7">Schulen besuchen, mit der privaten Institution am Schulstandort eine</span><br/> <span class="ft7">separate Vereinbarung zu schliessen hätte. Dies liegt angesichts der</span><br/> <span class="ft7">Schulorganisation mit Kreisschulen auch nicht nahe. Die auswärtigen</span><br/> <span class="ft7">Schüler der Oberstufe besuchen die obligatorische Schule in M., weil</span><br/> <span class="ft7">sich diese Gemeinden zu einem Kreisschulverband zusammen-</span><br/> <span class="ft7">geschlossen haben. Die Tagesstrukturen werden am Schulort benötigt</span><br/> <span class="ft7">und es wäre weder praktikabel, noch zweckmässig oder sinnvoll,</span><br/> <span class="ft7">wenn der Beschwerdeführer mit allen Wohngemeinden separate</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">177</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Leistungsvereinbarungen abschliessen müsste. Mit den Zielen der</span><br/> <span class="ft7">familienergänzenden Kinderbetreuung nach § 39 SPG unvereinbar</span><br/> <span class="ft7">wäre, Schülerinnen und Schüler aus andern Wohngemeinden</span><br/> <span class="ft7">mangels einer Leistungsvereinbarung mit der Wohngemeinde vom</span><br/> <span class="ft7">Mittagstisch auszuschliessen.</span><br/> <span class="ft7">Die Gemeinden eines Kreisschulverbandes können sich über</span><br/> <span class="ft7">ihre Zusammenarbeit vertraglich einigen (§§ 56 ff. SchulG; § 72</span><br/> <span class="ft7">GG). Der Beschwerdeführer hat es jedenfalls nicht zu vertreten und</span><br/> <span class="ft7">keine Anspruchsminderung hinzunehmen, wenn die Einwohnerge-</span><br/> <span class="ft7">meinde M. ihre Zentrumsaufgaben als Schulstandort durch eine</span><br/> <span class="ft7">Kostenübernahme wahrnimmt, die nach der Auffassung des KSD</span><br/> <span class="ft7">auswärtige Schülerinnen und Schülern begünstigt.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>