Seite 1 Entscheid vom 12. April 2013 (530 12 66) __________________________________________________ ___________________ Liegenschaftsunterhalt Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter M. Zeller, Dr. L. Schneider, Gerichtsschreiberin I. Wissler Parteien A. , Beschwerdeführerin gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin betreffend direkte Bundessteuer 2009 Seite 2 I n E r w ä g u n g : - dass die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 26. Oktob er 2011 gegen den Einsprache- Entscheid der Steuerverwaltung vom 3. Oktober 2011 betr effend die Veranlagungsverfü- gung zur direkten Bundessteuer 2009 vom 17. Februar 20 11 mit dem Begehren, es seien die geltend gemachten Liegenschaftsunterhaltskosten in Hö he von Fr. 67'875.--, welche in der Veranlagungsverfügung auf Fr. 46'763.-- gekürzt w orden seien, vollumfänglich zum Ab- zug zuzulassen, unter Wahrung von Frist und Form, Beschwerde erhoben hat, - dass das Steuergericht gemäss Art. 140 des Bundesgeset zes über die direkte Bundessteu- er (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vor liegenden Streitsache zustän- dig ist, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindest euern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 Beschwerden, deren umstrittener Steuer betrag wie im vorliegenden Fr. 8’000.-- nicht übersteigt, vom Präsidenten und zwei Richt erinnen und Richtern des Steuer- gerichts beurteilt werden, weshalb ohne weitere Ausfü hrungen auf die Beschwerde einge- treten werden kann, - dass gemäss Art. 32 Abs. 1 DBG bei Liegenschaften im Pri vatvermögen die Unterhaltskos- ten, die Kosten der Instandstellung von neu erworbenen Liegenschaften, die Versiche- rungsprämien und die Kosten der Verwaltung durch Dri tte abgezogen werden können, wo- bei das Eidgenössische Finanzdepartement bestimmt, wie weit Investitionen, die dem Ener- giesparen und dem Umweltschutz dienen, den Unterhaltskost en gleichgestellt werden kön- nen; anstelle der tatsächlichen Kosten und Prämien gem äss Art. 32 Abs. 4 DBG für Grund- stücke des Privatvermögens auch ein Pauschalabzug geltend gemacht werden kann und dabei in jeder Steuerperiode und für jede Liegenschaf t zwischen dem Abzug der tatsächli- chen Kosten und dem Pauschalabzug gewählt werden kann (Art. 3 der Verordnung vom 24. August 1992 über den Abzug der Kosten von Liegenschafte n des Privatvermögens bei der direkten Bundessteuer (Liegenschaftskostenverordnung) [SR 64 2.116]); falls sie in ihrem tatsächlichen Umfang geltend gemacht werden, sie als ste uermindernde Tatsachen vom Steuerpflichtigen durch substantiierte Sachdarstellung zu beweisen sind (vgl. Der Steuer- entscheid [StE] 1991 B 25.6 Nr. 21; vgl. Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 25.02.2011, 530 10 58, E. 3a; StGE vom 13. Januar 20 12, Nr. 530 11 15 unter www.bl.ch/steuergericht ), Seite 3 - dass als Unterhaltskosten insbesondere Auslagen für Rep araturen und Renovationen, die nicht wertvermehrende Aufwendungen darstellen gelten, Unterhaltskosten demnach Auf- wendungen, deren Ziel nicht die Schaffung neuer, sond ern in erster Linie die Erhaltung be- reits vorhandener Werte ist, wobei sie nach längeren ode r kürzeren Zeitabschnitten erneut zu tätigen sind (Reparaturen, Renovationen), Unterhalt skosten auch solche Aufwendungen sein können, mit denen zu bereits bestehenden Werten neue hinzugefügt werden, dabei die neuen Werte aber einzig dazu dienen, das Grundstück wied er in denjenigen Zustand zu versetzen, dass es seinen bereits einmal vorhanden gewesenen Verwendungszweck wieder vollständig erfüllen kann, Unterhaltskosten demnach all j ene Aufwendungen sind, die ein Grundstück in denjenigen Zustand versetzen, in dem es sich bereits einmal befunden hat (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., Zürich 2009, Art. 32 N 35ff.), - dass nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung und herrsche nder Lehre die Unterhaltskos- ten für Liegenschaften zu den Gewinnungskosten gehören (StE 2005, A 23.1 Nr.10, E. 3.3.; vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 32 N 35), Gewinnungskosten alle Vermögens- abgänge sind, die wesentlich durch ein Handeln, das be ruflich motiviert ist oder Erwerbs- zwecken dient, verursacht oder bewirkt werden, (vgl. Archi v für Schweizerisches Abgabe- recht (ASA), Bd. 58, S. 338), - dass eine einzelne bauliche Massnahme oder Anschaffung h äufig nicht als Ganzes entwe- der dem Aufwand oder den wertvermehrenden Aufwendungen zugeteilt werden kann, da sie Elemente beider Kategorien umfasst, in diesen Fällen die Kosten in abzugsfähigen Aufwand und wertvermehrende Aufwendungen zerlegt werden müssen (Höhn/Waldburger, Steuer- recht, Band II, 9. Auflage, Bern 2002, § 41 N 84), - dass die Abgrenzung zwischen Werterhaltung und Wertver mehrung nach objektiv- technischen Kriterien erfolgt, alle Aufwendungen, welch e ein Grundstück in einen besseren Zustand versetzten, d.h. zum Beispiel ein Haus in den Ra ng eines besser ausgestatteten, wertvolleren Gebäudes aufrücken lassen, wertvermehrenden Charakter haben, die Aufwen- dungen für die Instandstellung oder Modernisierung ei nes Grundstückes, welche einer ei- gentlichen Neueinrichtung gleichkommt, daher nicht als Un terhaltskosten abzugsfähig sind (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 32 N 46), zur Abgrenzung der abzugsfähi- gen Unterhaltskosten von den wertvermehrenden Aufwendu ngen die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft im Merkblatt einen nicht abschliessenden Katalog aufgestellt hat, Seite 4 - dass sich vorliegend die Kosten auf die Sanierung drei er Räume, nämlich ein neues Bade- zimmer (ehemals Gästezimmer) und zwei Reduits (ehemals B adezimmer) aufteilen, die Be- schwerdeführerin an der Verhandlung erklärt hat, dass di e beiden Bäder aus den 1950-er Jahren stammen und seither nicht saniert worden seien, sie sich aufgrund der kleinen Grundflächen der beiden Nasszellen dazu entschlossen ha be, ihr Gästezimmer zu einem Bad umzubauen und die beiden kleinen Bäder zu Reduits umzugestalten, wobei im Haus durch diesen Umbau keine Wände verschoben worden seien, si e aufgrund dieses Umbaus zu Gunsten eines grösseren Badezimmers auf ein Gästezimmer verzichte, was lediglich ei- ne Umnutzung der Räumlichkeiten zur Folge habe, - dass die Steuerverwaltung in ihrem Einsprache-Entscheid die Kürzung der Liegenschaftsun- terhaltskosten von Fr. 69'336.-- um 1/3 auf Fr. 46'763 .-- bestätigt hat mit der Begründung, ein Drittel der Kosten seien den nicht abzugsfähigen we rtvermehrenden Aufwendungen zu- zuordnen, da die Beschwerdeführerin nach dem Umbau im Besitze eines Whirlpools sei, ei- ne elektrische Bodenheizung und eine Runddusche habe ein bauen lassen, wobei das neue Badezimmer nun grosszügige Platzverhältnisse zu bieten ha be, was einer Komfortsteige- rung und Aufwertung gleichkomme und daher der Abzug d er gesamten Kosten nicht mög- lich sei, - dass zunächst festzuhalten ist, dass die Beschwerdeführerin der Steuerverwaltung über sämtliche Umbaumassnahmen detaillierte Rechnungen einge reicht hat, auf denen ersicht- lich ist, wie sich die Umbaukosten zusammensetzen, die Besch werdeführerin dem Steuer- gericht auf Aufforderung hin noch weitere Fotos einger eicht hat, auf welchen alle Räumlich- keiten sowohl vor, während und nach dem Umbau dokumenti ert sind, auf diesen Fotos klar ersichtlich ist, dass es sich bei der neuen Badewanne nicht um einen Whirlpool handelt, die neu eingebaute Runddusche in ihrer Form und Funktion dem heutigen Standard entspricht wobei diese nur aufgrund ihrer Form noch keine Komfo rtsteigerung und auch keine Wert- vermehrung bewirkt, und es sich in Bezug auf die Toilette (ohne weitere Spezialfunktionen wie bspw. Duschanlage), welche genau dieselbe Funktio n erfüllt, in punkto Komfortsteige- rung ebenso verhält; in Bezug auf die neu eingebaute Bodenheizung im Bad auszuführen ist, dass diese nicht dem Bereich "Luxusausstattung" zuzuord nen ist und Bäder beispiels- weise in einem Neubau regelmässig mit einer Bodenheizung ausgestattet werden, es daher naheliegend ist, dass die Beschwerdeführerin bei einer derart umfassenden Sanierung ihr neues Bad mit einer Bodenheizung ausstatten lässt, ohne dass dabei infolge Einbaus von Seite 5 Luxuselementen von einer Wertvermehrung auszugehen ist, dass der Ersatz des Bodenbe- lags im ehemaligen Gästezimmer resp. neuen Badezimmer d urch Steinplatten, ebenfalls keine Komfortverbesserung mit Wertvermehrung darstellt, sondern zur Standardeinrichtung eines Badezimmers gehört, - dass schliesslich festzuhalten ist, dass die beiden Bade zimmer und das Gästezimmer über 60 Jahre als solche genutzt worden sind und sich die Beschw erdeführerin dazu entschlos- sen hat diese Räume einer anderen Nutzung zuzuführen, d iese Nutzungsänderung nicht per se zu der Annahme führt, dass eine Wertvermehrung vorliegt, wobei die neu gewählte Ausstattung einzig dem heutigen Standard angepasst wurde und wie aus der ausführlichen Fotodokumentation auch klar ersichtlich ist, zur Renovati on der drei Räumlichkeiten, keine Luxuselemente mit aussergewöhnlicher hoher Qualität verwendet worden sind, - dass die Umbaukosten für die beiden ehemaligen Badzim mer, welche in Reduits umfunktio- niert wurden unstrittig sind, unter Bezugnahme auf d as Merkblatt Ziffer 5.2 bei Ersatz / Mo- dernisierung eines Badezimmers bei gleichbleibender Art der Einrichtung der volle Unter- haltsabzug zu gewähren ist, - dass demzufolge die geltend gemachten Unterhaltskosten in Höhe von Fr. 67'875.-- voll- ständig zum Abzug zuzulassen sind und die Beschwerde demzufolge gutzuheissen ist, - dass die Beschwerdeführerin mit ihren Begehren durch gedrungen ist, weshalb ihr keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 144 Abs. 1 DBG) , ihr aber mangels Geltendma- chung keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 144 Abs. 4 DBG), Seite 6 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Steuerverwaltung wird angewiesen den Unterh altsabzug in Höhe von Fr. 67'875.-- vollständig zum Abzug zuzulassen. 3. Es werden keine Kosten erhoben. Der bereits bezahlt e Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Mitteilung an die Beschwerdeführerin, die Eidgen össische Steuerverwaltung, Bern (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiberin: I. Wissler