Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2021 (715 20 470 / 201) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Eventualvorsatz verneint. Ein allfälliges grobfahrlässiges Verhalten kann dem Versicher- ten einstellrechtlich in Bezug auf den Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht zur Last gelegt werden. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Erich Züblin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1978 geborene A.____ war seit dem 15. Januar 2018 bei der B.____AG (heute: C.____AG) als Rettungssanitäter angestellt. Am 13. Febr uar 2020 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis. Gleichentags wurde eine Aufheb ungsvereinbarung getroffen. Am Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 24. März 2020 meldete sich A.____ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum X.____ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 25. März 2020 be i der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenent schädigung. Mit Verfügung vom 22. Juni 2020 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ ab de m 1. Juni 2020 wegen selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit für 36 Tage in der Anspruchsbere chtigung ein. Daran hielt die Einsprach- einstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe u nd Arbeit Baselland (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, fest (Einspracheentscheid vom 20. November 2020). B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Erich Züblin, am 7. Dezember 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, der Einspracheentscheid vo m 20. November 2020 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass keine selbstverschuldete Arb eitslosigkeit vorliege; unter o/e- Kostenfolge. Gleichzeitig beantragte er die Durchführ ung einer mündlichen Parteiverhandlung mit Partei- und Zeugenbefragung sowie die Edition v on Unterlagen der ehemaligen Arbeitgebe- rin. Zur Begründung hielt er im Wesentlichen fest, dass arbeitslosenversicherungsrechtlich kein sanktionswürdiges Verhalten vorliege. C. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Januar 2021 schloss d ie Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. D. Am 1. Februar 2021 holte des Kantonsgericht bei de r C.____AG ausgewählte Unterla- gen und am 1. März 2021 das vollständige Personaldossier des Beschwerdeführers ein. E. Am 11. März 2021 nahm Advokat Züblin Stellung. Gle ichzeitig reichte er eine Erklärung des Beschwerdeführers vom 10. März 2021 zu den Akten. F. Mit Verfügung vom 23. März 2021 wurde den Parteie n je eine Kopie der Eingabe der C.____AG vom 12. März 2021 (Personaldossier) zugestellt un d die Eingaben der Parteien vom 25. Januar 2021 und 11. März 2021 untereinander ausgetauscht. G. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 2 9. März 2021 / Duplik vom 29. April 2021) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. H. Mit Instruktionsverfügung vom 4. Mai 2021 wurde der (Beweis)Antrag des Beschwerde- führers auf Durchführung einer Parteiverhandlung zwecks V ornahme einer Partei- und Zeugen- befragung abgewiesen und der Fall dem Präsidium zur Beurteilung überwiesen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide au s dem Bereich der Arbeitslosenver- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Ab s. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi cherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgeric ht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Ko ntrollpflicht erfüllt. Vorliegend kam der Beschwerdeführer seinen Kontrollpflichten im Kant on Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist . Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungst räger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit zu bejahen ist. Auf die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 7. Dezember 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO, in der Fassung ab 1. Januar 2019, entscheidet die präsidie- rende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Ka ntonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialent scheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosig- keit für die Dauer von 36 Tagen in der Anspruchsberecht igung eingestellt hat. Bei einem Tag- geld von Fr. 317.90 beläuft sich der Streitwert auf F r. 11'444.40 (36 Tage à Fr. 317.90). Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schind- ler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizerisches Bunde sverwaltungsrecht, Soziale Sicher- heit, 3. Auflage, Basel 2016, Rz. 828 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeits- losigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslo sigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielhaft Tatbest ände auf, die unter den Begriff der selbst- verschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selbstverschu ldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalte n, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgeberin Anla ss zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Einste llung in der Anspruchsberechtigung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichti- gen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des S chweizerischen Obligationenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auc h nicht unbedingt eine eigentli- che Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausser halb des Betriebs berechtigten An- lass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilun gen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). 2.3.1 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslo sigkeit vom 21. Juni 1988 (Überein- kommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Okto ber 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Ver- dienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitsei nstellung ohne Unterbrechung des Be- schäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (vgl. BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00). Aufgrund des grund- sätzlichen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b de s Übereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nich t jedes schuldhafte Verhalten der versicher- ten Person, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung de s Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss A rt. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vor- werfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übere inkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genüg t (vgl. Urteil des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 2.3.2 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 li t. a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen mu ss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber oder die Arbeitgeber in führt (NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgen (J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der An- spruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesgericht – unter Hinweis auf den im Strafrecht geltenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvorsatz und bewusste Fahrlässigkei t auf der Wissensseite überein- stimmen, indem dem Täter oder der Täterin die Möglichkeit, das Risiko der Tatbestandsverwirk- lichung bewusst ist. Die entscheidende Differenz liegt auf der Willensseite. Auch wer die Mög- lichkeit der Tatbestandsverwirklichung – hier der Arbeitge berkündigung – erkennt, kann sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegsetzen, d.h. darauf ve rtrauen bzw. mit der Einstellung han- deln, dass schon nichts passieren werde (bewusste Fahrlässigke it). Demgegenüber erfordert der Eventualvorsatz, dass die versicherte Person sich für di e Tatbestandsverwirklichung ent- scheidet, sie in Kauf nimmt. Weitestgehend ausser Frage stehen dürfte das Willenselement nur, wenn die versicherte Person die Kündigung durch den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin für so naheliegend hält, dass die Bereitschaft, sie als Folge ih res Verhaltens hinzunehmen, vernünf- tigerweise nicht mehr bezweifelt werden kann; oder wenn sie ihr, im eigentlichen Sinn des Wor- tes, erwünscht oder recht war, wie wohl auch noch im F alle schierer Gleichgültigkeit. Als Faust- regel formuliert: Dass die versicherte Person die Tatbest andsverwirklichung in Kauf genommen hat, liegt grundsätzlich näher, je wahrscheinlicher es ihr erschien, dass sie eintreten könnte, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und je weniger sie sie innerlich ablehnte, und umgekehr t (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2008, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hinweis). Z u den Umständen, die allenfalls auf eventualvorsätzliches Verhalten schliessen lassen, gehören d ie Grösse des der versicherten Person bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, di e Schwere der Sorgfaltspflichtver- letzung, die Beweggründe und die Art der Tathandlung . Die Verwaltung und das Gericht dürfen vom Wissen der versicherten Person auf deren Willen schli essen, wenn sich ihr der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereit schaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Was die versicherte Person wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft inne re Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der festgestell ten Tatsachen der Schluss auf Eventual- vorsatz berechtigt erscheint (vgl. BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mit wirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung des Sachverhalts (T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 201 4, S. 542, 598; F RITZ GYGI , Bun- desverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_552/2008, E. 2 mit Hinweis). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichke it eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensa bläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss mu ss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar fest- stehen, ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. Oktober 2002, C 392 /00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; Nussbaumer, a.a.O., Rz. 829). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zur Kündigung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Ver- bindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV mithin die Ei nstellung in der Anspruchsberechtigung zu tragen hat. Insbesondere ist zu prüfen, ob dem Beschwe rdeführer zu Recht ein (eventu- al)vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt wurde. 5.1 Aufgrund der vorliegenden Unterlagen stellt sich de r rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: 5.2 Der Beschwerdeführer war ab dem 15. Januar 2018 be i der heutigen C.____AG als Ret- tungssanitäter tätig. Am 13. Februar 2020 kündigte die se das Arbeitsverhältnis. Gleichentags wurde eine Aufhebungsvereinbarung getroffen, wobei si ch die Arbeitgeberin verpflichtete, dem Beschwerdeführer den vollen Lohn inkl. den 13. Monatsl ohn pro rata temporis, Ferien und die Überstunden bis zum 31. Mai 2020 gemäss den geltenden Anstellungsbedingungen zu bezah- len. Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 25. Mä rz 2020 vermerkte der Versicherte, dass die Arbeitgeberin mit ihm nicht zufrieden gewesen sei. In der Bescheinigung vom 27. März 2020 äusserte sich die Arbeitgeberin nicht zum Grund der Kündigung. Auf Nachfrage der Be- schwerdegegnerin hielt deren Geschäftsführer am 16. Apr il 2020 fest, dass Differenzen hin- sichtlich Qualität und Arbeitsweise bestanden hätten. Nac hdem der Versicherte bei einem Ein- satz am 6. Februar 2020 «die ärztlich delegierte Kompet enz nicht befolgt» und sich «in Bezug auf die medizinische Handlung» grob fahrlässig verhalten habe, hätten sie sich dazu entschlos- sen, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Der Vorfall sei mit dem Versicherten ausführlich bespro- chen worden. 5.3 Am 10. Juni 2020 nahm der Versicherte Stellung. E r führte aus, am 6. Februar 2020 seien sein Kollege und er zu einem Patienten mit Verd acht auf Lungenentzündung gerufen worden. Der Hausarzt habe diesen normal eingewiesen. Beim Betreten der Wohnung sei ihnen der Patient auf dem Flur entgegengekommen. Er habe leichte Atembeschwerden gehabt. Die Erstversorgung habe eine mangelhafte Sauerstoffsättigun g gezeigt, der Patient sei aber fit ge- wesen und habe keine Schmerzen angegeben. Da die elekt rische Liege nicht funktioniert habe und der Patient nicht in der Lage gewesen sei, zu Fu ss zur Ambulanz zu gehen, habe er die Notrufzentrale kontaktiert und eine Ersatzambulanz angefordert. Derweil habe der Patient ruhig und mit minimaler Atemnot auf dem Sofa gesessen. Er h abe ihn darüber informiert, dass ein anderes Fahrzeug zu ihm unterwegs sei und sie sich (auf Anweisung der Notfallzentrale) in die Werkstatt begeben müssten. In den folgenden zwanzig Minuten habe sich der Zustand des Pa- tienten verschlechtert, weshalb ein Notarzt gerufen werd en musste. Infolge dieses Einsatzes und anderer Dinge – die aber im Vorfeld nie mit ihm besprochen worden seien – sei die Kündi- gung erfolgt. Die Unterredung habe fünf Minuten gedauert. 5.4 Im Rahmen des Einspracheverfahrens führte die Besch werdegegnerin bei der ehemali- gen Arbeitgeberin eine amtliche Erkundigung durch. Am 14. Oktober 2020 hielt deren Ge- schäftsführer fest, die Kündigung sei wegen einer gro ben Fahrlässigkeit des Versicherten als verantwortlicher Rettungssanitäter anlässlich des Notfallei nsatzes vom 6. Februar 2020 erfolgt. Das technische Problem mit der Patiententrage habe kei ne Auswirkung auf die pflichtbewusste Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausübung der notfallmedizinischen Patientenversorgung gehabt. Weitere Einzelheiten zum Ein- satz würden keine besseren Erkenntnisse bringen. Im Sinn e der Patientensicherheit hätten sie keine andere Möglichkeit gesehen, als sich vom Versicherten zu trennen. Hierzu nahm der Ver- sicherte am 26. Oktober 2020 Stellung, wobei er im Wese ntlichen festhielt, aufgrund der Unter- lagen sei unklar, ob sein Verhalten tatsächlich grob- oder nur leichtfahrlässig gewesen sei. Ein (Eventual)Vorsatz liege aber nicht vor. 5.5 Am 1. Februar 2021 holte des Kantonsgericht bei de r ehemaligen Arbeitgeberin ausge- wählte Unterlagen und am 1. März 2021 das vollständig e Personaldossier des Beschwerdefüh- rers ein. Darin befindet sich eine Aktennotiz zum Notfal leinsatz vom 6. Februar 2020, woraus hervorgeht, dass der Versicherte um 12:39 Uhr für den Ei nsatz aufgeboten worden und um 12:56 Uhr vor Ort gewesen sei. Um 13:09 Uhr habe er ( telefonisch) mitgeteilt, dass der Patient immobil sei und wegen technischer Probleme nicht transp ortiert werden könne. Beim Eintreffen der Ersatzambulanz um 13:37 Uhr sei der Versicherte nicht mehr vor Ort gewesen. Auf Nach- frage habe er angegeben, für den Tausch des Rettungswag ens zurück zur Wache gefahren zu sein. Aus der Aktennotiz ergibt sich weiter, dass das Ersat zteam beim Patienten eine Atemin- suffizienz, Erschöpfungszeichen, eine schweissig-blasse Haut un d eine Körpertemperatur von 35,4°C festgestellt habe, weshalb es ihn rasch ins Kra nkenhaus transportiert habe. Schliesslich wurde vermerkt, dass der Vorfall ein enorm hohes Risiko f ür die Patientensicherheit bedeute und nicht akzeptabel sei. Die Leitung der C.____AG wer de gebeten, dies präventiv für die Zu- kunft zu regeln. Aus dem Personaldossier des Versicherten ergibt sich weiter, dass am 19. Feb- ruar 2020 eine Besprechung mit dem damaligen Teamkolle gen des Versicherten, dem ärztli- chen Leiter und dem Leiter Rettungsdienst stattfand, wobei der Vorfall vom 6. Februar 2020 und eine angeblich nachweisliche Fälschung des Notfallprotoko lls thematisiert wurden. Der damali- ge Teamkollege gab an, dass der Versicherte initial kei n medizinisches Equipment zum Patien- ten habe mitnehmen wollen und ihn – ohne zunächst den Zustand des Patienten zu prüfen – angewiesen habe, die Trage bereit zu stellen. Da de r Transport unmöglich gewesen sei, habe der Versicherte eine Ersatzambulanz bestellt und gegen seinen Rat beschlossen, den Ort vor dem Eintreffen derselben zu verlassen. 5.6 Am 10. März 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellu ng. Er hielt fest, beim Einsatz am 6. Februar 2020 hätten sie auf ein Ersatzfahrzeug wechse ln müssen, da das ursprünglich über- prüfte Fahrzeug defekt gewesen sei. Sie hätten den E rsatzwagen nicht kontrollieren können. Tatsächlich hätten er und sein Teamkollege vor Ort zunä chst den Befund des Patienten aufge- nommen. Hernach habe er die Vitalwerte (Blutdruck, Pu ls, Sauerstoffsättigung) erfasst. Diese seien aber – wie sich später herausstellte – im Gerät ni cht aufgezeichnet worden. Aus diesem Grund sei die Arbeitgeberin davon ausgegangen, dass e r die Vitalwerte nicht erhoben habe. Weder sein Teamkollege noch der Rettungsdienstleiter h ätten ihm geraten oder befohlen, bis zum Eintreffen der Ersatzambulanz vor Ort zu bleiben. Si e seien zu diesem Einsatz vom Haus- arzt ohne Sondersignal aufgeboten worden. Der Patient habe ihnen die Tür geöffnet und die Koffer bereits gepackt gehabt. Er sei wegen eines Verda chts auf eine beginnende Lungenent- zündung eingewiesen worden. Dem Patienten sei es nicht sonderlich gut gegangen und er ha- be leichte Atemnot angegeben. Die Vitalwerte seien ve rmindert, aber noch im kompensierten Rahmen gewesen. Er habe den Zustand des Patienten nich t als kritisch eingestuft und ihn auf- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gefordert, bis zum Eintreffen der Ersatzambulanz auf d em Sofa sitzen zu bleiben. Gegen den Entscheid, den Patienten alleine zu lassen, habe auch sein Teamkollege, der ebenfalls langjäh- riger Rettungssanitäter und Einsatzleiter sei, nicht in terveniert. Die Angaben des ehemaligen Teamkollegen im Gesprächsprotokoll vom 19. Februar 2020 seien deshalb nicht korrekt. Sie würden zuerst immer mit dem Equipment und zu zweit die Lage der Patienten prüfen. Es ma- che keinen Sinn, sofort einen Transport zu richten, da d ie Patienten manchmal in der Lage sei- en, zu Fuss zur Ambulanz zu gehen. Das konkrete Vorgehen h ätten er und sein Teamkollege gemeinsam beschlossen. 6. Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 20. Novembe r 2020 begründete die Be- schwerdegegnerin die Einstellung in der Anspruchsberecht igung damit, dass der Beschwerde- führer als ausgebildeter Rettungssanitäter umfassende Ken ntnisse über die pflichtbewusste Ausübung seiner Tätigkeit gehabt habe und nicht von fehlender Qualifikation auszugehen sei. Daher könne nicht sein, dass er als verantwortlicher Ret tungssanitäter einen auf Hilfe angewie- senen Patienten alleine zurücklasse. Für sein Verhalten gebe es keine entschuldbaren Gründe. Er hätte den Patienten auch ohne funktionstüchtige T rage versorgen können. Eine Rückkehr in die Werkstatt wäre jedenfalls nicht angezeigt gewesen. So dann wäre es ihm zumutbar gewe- sen, die Ambulanz vor dem Einsatz auf ihre Funktionstüch tigkeit zu kontrollieren. Alles in allem habe er damit rechnen müssen, dass sein pflichtwidriges V erhalten zur Kündigung führe. Damit habe er die Kündigung des Arbeitsverhältnisses zumindest eventualvorsätzlich herbeigeführt, was eine Einstelldauer von 36 Tagen rechtfertige. Dem gegenüber stellt sich der Beschwerde- führer auf den Standpunkt, selbst wenn er beim besagt en Einsatz ex ante betrachtet nicht lege artis gehandelt habe, habe er dennoch nicht wissentlic h und willentlich gegen medizinische Standards oder eine Dienstvorschrift verstossen. Zudem ha be das technische Problem mit der Trage nach den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin keine Auswirkung auf die pflichtbe- wusste Ausübung der notfallmässigen Patientenversorgung g ehabt. Die Umstände des Ret- tungseinsatzes würden in keiner Art und Weise auf vorsät zliches pflichtwidriges Handeln schliessen lassen. Schlimmstenfalls handle es sich um ein gr obfahrlässiges Verhalten resp. um Inkompetenz, weshalb arbeitslosenversicherungsrechtlich eine Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung entfalle. 7.1 Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit setzt ein vor werfbares Fehlverhalten bezüglich des Nichterhalts bzw. des Verlustes einer Arbeitsstelle voraus. Ein solches zeichnet sich durch ein vermeidbares Handeln bzw. Nichthandeln aus. Wie b ereits ausgeführt, kommt eine Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Kündigung nur in Betracht, wenn das vorwerfbare Verhalten klar feststeht und vorsätzlich e rfolgt ist, wobei Eventualvorsatz ge- nügt. Ein solcher ist anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen muss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber oder die Arbeitge- berin führt. Demgegenüber darf bei blosser Fahrlässigk eit keine Einstellung in der Anspruchs- berechtigung erfolgen. Ein einstellrechtlich relevan tes Fehlverhalten im vorstehend umschrie- benen Sinn, das dem Beschwerdeführer in Bezug auf den Eintritt der Arbeitslosigkeit zur Last zu legen wäre, ist nicht ersichtlich. So legte der Besc hwerdeführer glaubhaft dar, bei seinem Einsatz am 2. Februar 2020 zwar erkannt zu haben, dass es dem Patienten nicht sonderlich gut ging. Er kam aber aufgrund der Vitalwerte, der (im d amaligen Zeitpunkt) nur leichten Atemnot Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Schmerzfreiheit des Patienten, dessen Verhalten (E ntgegenkommen im Flur, bereits ge- packte Koffer), sowie der weiteren Umstände (Einweisung wegen eines Verdachts auf eine be- ginnende Lungenentzündung, Einsatz ohne Sondersignal) zur Auffassung, dass dessen Zu- stand nicht kritisch war und er aus medizinischer Sicht all eine auf die Ersatzambulanz warten konnte. Unter diesen Umständen kann – entgegen der Auf fassung der Beschwerdegegnerin – nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer habe in gro ber Verletzung seiner Dienstpflicht ei- nen ihm anvertrauten und auf medizinische Hilfe angewie senen Patienten bewusst im Stich gelassen und damit vorsätzlich zu seiner Entlassung bei getragen. Auch wenn der Beschwerde- führer – wie sich später herausstellte – die gesundheit liche Lage des Patienten nicht richtig ein- schätzte, ist vor diesem Hintergrund nicht mit überwiege nder Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass ihm in jenem Zeitpunkt bewusst war, mit seinem Verh alten eine Arbeitgeberkündigung zu riskieren, erachtete er doch sein Vorgehen aufgrund d er Umstände für vertretbar. Im Lichte der von ihm wahrgenommenen Umstände erscheint der Schluss au f Eventualvorsatz nicht berech- tigt. Indem der Beschwerdeführer die Möglichkeit eine r bedrohlichen Lage für den Patienten und die Notwendigkeit einer ununterbrochenen Überwa chung/Betreuung nicht in Betracht zog, ist ihm allenfalls der Vorwurf grobfahrlässigen Verhalt ens zu machen, was ihm einstellrechtlich in Bezug auf den Eintritt der Arbeitslosigkeit aber nicht zur Last gelegt werden kann. 7.2 Daran vermögen die Vorbringen der Beschwerdegegne rin nichts zu ändern. Wenn sie geltend macht, der Beschwerdeführer habe mit seinem Ver halten gegen medizinische Stan- dards, Dienstvorschriften oder die Berufsethik verstossen , kann ihr nicht beigepflichtet werden. Zunächst benennt sie nicht, welche konkreten (übergeord neten) Vorschriften oder arbeitsver- tragliche Pflichten der Beschwerdeführer vorsätzlich verl etzt haben soll. Solche sind auch nicht ersichtlich. Soweit sie sich auf die Stellungnahme der eh emaligen Arbeitgeberin vom 16. April 2020 beruft, wonach der Beschwerdeführer «die ärztlich d elegierte Kompetenz nicht befolgt» habe, und daraus schliesst, dass er wegen eines weisungswid rigen Verhaltens gekündigt wor- den sei, ist ihr entgegenzuhalten, dass die unklare For mulierung in der Stellungnahme der ehemaligen Arbeitgeberin keine gesicherten Schlüsse zulässt. Zwar trifft zu, dass Rettungssani- täterinnen und -sanitäter verpflichtet sind, ihre Arbei t lege artis zu erledigen und ärztliche An- weisungen zu befolgen. Vorliegend spricht aber die Tat sache, dass in jenem Zeitpunkt kein (anweisender) Arzt vor Ort war, gegen eine konkrete är ztliche Weisung und die Tatsache, dass die Leitung der C.____AG in der Aktennotiz vom 6. Fe bruar 2020 angewiesen wurde, das Vor- gehen präventiv für die Zukunft zu regeln, gegen eine entsprechende Dienstanweisung. Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussage des Beschwerdef ührers glaubwürdig, wonach ihm weder sein damaliger Teamkollege noch der Rettungsdienstleiter geraten oder befohlen hätten, den Einsatzort nicht zu verlassen. Gegenteiliges ist nicht erstellt. Ein Mitarbeitergespräch oder gar eine Verwarnung wegen eines früheren Fehlverhalte ns des Beschwerdeführers mit einer entsprechenden Weisung liegt ebenfalls nicht vor. Dem nach kann nicht geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer wissentlich und willentlich ei ne ärztliche Anordnung oder eine Dienstvorschrift verletzt und damit die Kündigung event ualvorsätzlich in Kauf genommen habe. Dass er – wie ihm die Beschwerdegegnerin unterstellt – m it seinem Verhalten gegen die Be- rufsethik verstossen hätte, ist nicht ersichtlich. Soweit die Beschwerdegegnerin, aufgrund der Tatsache, dass der Rettungswagen nicht funktionstüchtig war, eine Verletzung der Dienstpflicht des Beschwerdeführers zu erkennen glaubt, ist ihr entge genzuhalten, dass die ehemalige Ar- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitgeberin die Kündigung nicht explizit damit begrün dete. In ihrer Stellungnahme vom 14. Oktober 2020 hielt sie vielmehr fest, dass das techni sche Problem mit der Trage auf die pflichtbewusste Ausübung der notfallmässigen Patientenve rsorgung keine Auswirkung gehabt habe, weshalb sich auch aus diesem Grund keine Einstellun g in der Anspruchsberechtigung rechtfertigt. 8. Liegt nach dem Gesagten kein eventualvorsätzliches Ver halten vor, ist von einer Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung nach Art. 30 Abs. 1 l it. a AVIG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV abzusehen. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen u nd der angefochtene Einsprache- entscheid vom 20. November 2020 aufzuheben. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann auf die Durch führung einer Parteiverhandlung verzichtet werden. Zwar besteht bei Vorliegen eines klare n und unmissverständlichen Parteian- trags grundsätzlich Anspruch auf eine öffentliche Part eiverhandlung. Das kantonale Gericht kann aber davon absehen, wenn es – wie hier – auch ohne eine solche aufgrund der Akten zum Schluss gelangt, dass dem materiellen Rechtsbegehren der bezüglich der Verhandlung Antrag stellenden Partei zu entsprechen ist (vgl. BGE 136 I 27 9 E. 1 mit Hinweis auf BGE 122 V 47 E. 3b/ee und 3b/ff.; vgl. zum Ganzen: SVR 2017 UV N r. 30 S. 99, Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2017, 8C_723/2016 E. 2.3 mit Hinweisen). 10.1 Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leis tungen kos- tenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorg esehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht vor, kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Ge- richtskosten auferlegen. Da das AVIG keine Kostenpflicht vo rsieht und sich die Parteien weder mutwillig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 10.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besc hwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusp rechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 6. Ma i 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 13 Stunden und 25 Minuten gelt end gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des zweiten Schriftenwechsels ange- messen ist. Der Aufwand des Rechtsvertreters wird mit dem i m Sozialversicherungsrecht übli- chen Stundenansatz von Fr. 250.-- vergütet (vgl. § 3 A bs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstand en sind die ausgewiesenen Ausla- gen im Betrag von Fr. 96.50. Dem Rechtsvertreter ist d emnach ein Honorar von Fr. 3'716.35 (13,41 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 96.50 inkl. 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einspracheent- scheid vom 20. November 2020 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ei ne Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3'716.35 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht