Langues régionales ou minoritaires 1732 N25 septembre 199 7 Bulletin officiel de l’Assemblée fédérale Fünfte Sitzung – Cinquième séance Donnerstag, 25. September 1997 Jeudi 25 septembre 1997 08.00 h Vorsitz – Présidence: Stamm Judith (C, LU)/Leuenberger Ernst (S, SO) __________________________________________________________ 96.098 Regional- oder Minderheitensprachen. Europäische Charta Langues régionales ou minoritaires. Charte européenne Botschaft und Beschlussentwurf vom 25. November 1996 (BBl 1997 I 1165) Message et projet d’arrêté du 25 novembre 1996 (FF 1997 I 1105) Beschluss des Ständerates vom 18. Juni 1997 Décision du Conseil des Etats du 18 juin 1997 Kategorie IV, Art. 68 GRN – Catégorie IV, art. 68 RCN __________________________________________________________ Antrag der Kommission Mehrheit Eintreten Minderheit (Steffen, Föhn, Kunz, Moser, Vetterli) Nichteintreten Proposition de la commission Majorité Entrer en matière Minorité (Steffen, Föhn, Kunz, Moser, Vetterli) Ne pas entrer en matière Semadeni Silva (S, GR), Berichterstatterin: Als Angehörige einer sprachlichen Minderheit freue ich mich sehr, heute im Namen der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur für die Ratifizierung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen plädieren zu können. Die Charta tritt in Kraft, sobald sie fünf Mitgliedstaaten des Europarates ratifiziert haben. Mit der Ratifizierung durch die Schweiz kann mit der praktischen Umsetzung der Charta be- gonnen werden. Die Schweiz ist nach Finnland, Ungarn, den Niederlanden und Norwegen der fünfte ratifizierende Staat. Unsere Zustimmung ist somit ausschlaggebend. Im Frühling 1996 waren Jugendorganisationen von 31 euro- päischen Minderheiten zu Gast bei der Giuventüna rumant- scha in Zuoz im Engadin: Nordfriesen, Sorben, Katalanen, Bretonen, Südtiroler, Finnen aus Schweden, Deutsche aus Ungarn und viele andere mehr! 127 hoffnungsvolle Jugendli- che aus ganz Europa haben am Beispiel des Engadins über die Zukunftsperspektiven von Minderheiten in Tourismusre- gionen diskutiert. All diese Jugendlichen gehören zu auto- chthonen Gruppen, die eine andere Sprache als die Mehrheit der Bevölkerung ihres Staates sprechen und somit die Ziel- gruppen der Charta sind. Nicht alle geniessen den Schutz und die Förderung durch ihre Regierung wie die Rätoromanen und die italienischsprachigen Schweizerinnen und Schwei- zer. Unser viersprachiges Land zeichnet sich eben durch seine modellhafte Minderheitenpolitik aus. Die Schweiz spielt darum für die europäischen Minderheiten eine Vorreiterrolle. Eine Nichtratifizierung der Charta unsererseits wäre nicht nur für die 127 Jugendlichen vom Osterseminar in Zuoz eine grosse Enttäuschung. Die westeuropäischen Sprachminderheiten erleben seit den siebziger Jahren eine Renaissance. Seit Anfang der neunzi- ger Jahre ist dieses Phänomen auch in Osteuropa zu beob- achten. Diese Renaissance, die wir auch bei den Rätoroma- nen feststellen können, gründet einerseits auf einer emanzi- patorischen Bewegung der Sprachminderheiten, die von neuem Selbstbewusstsein zeugt. Anderseits wächst die Er- kenntnis, dass ein wichtiger Teil der europäischen Sprachen- vielfalt durch den Standardisierungseinfluss der modernen Zi- vilisation, durch die wirtschaftliche Entwicklung und durch die mangelnde Förderung seitens der Nationalstaaten verloren- zugehen droht. In diesem Spannungsverhältnis ist die Zukunft für die europäischen Sprachminderheiten eine grosse Her- ausforderung. Für die Erhaltung und die Entwicklung der Min- derheitensprachen und der europäischen Kulturvielfalt ist, wie bei uns in der Schweiz, eine besondere Unterstützung nötig. Hier setzt die Charta an: Sie schreibt Grundsätze und Mass- nahmen programmatischen Charakters fest, die zu einem europäischen Standard werden sollen. Ein Massnahmenka- talog mit einem A-la-carte-System bildet den dynamischen Teil der Charta, der den Vertragspartnern einen breiten Er- messensspielraum gewährt. Weder Dialekte noch die Spra- chen der Zuwanderer gehören allerdings zu ihrem Geltungs- bereich. Die Definition des Geltungsbereiches der Charta ist den Vertragsparteien überlassen, grundsätzlich aber auf das Verbreitungsgebiet der betreffenden Sprachen beschränkt. Für die Schweiz schlägt der Bundesrat im Einverständnis mit den Kantonen vor, Rätoromanisch und Italienisch als weni- ger verbreitete Amtssprachen im Sinne der Charta zu bestim - men . Bei den eigentlichen Verpflichtungen kann jeder Staat bei der Ratifizierung selbst 35 Absätze (aus TeilIII der Charta) in un- terschiedlichen Verpflichtungsstufen auswählen. Darum ste- hen Massnahmen, die unserer Praxis nicht entsprechen, nicht zur Diskussion. Im Einvernehmen mit den Kantonen Graubünden und Tessin kann der Bund aber ohne jegliche Gesetzesänderung und ohne zusätzliche finanzielle Verpflichtungen weit mehr als 35 Massnahmen der Charta übernehmen. D’accordo con i cantoni, in particolare Grigioni e Ticino, per l’italiano, il Consiglio federale ha scelto fra le disposizioni pro- poste dalla Carta 58 misure di promozione linguistica com - prendenti gli attuali provvedimenti sui mezzi di comunicazione di massa, importantissimi per le minoranze, e comprendenti anche l’insegnamento, gli scambi transfrontalieri, ecc. Eir per il rumantsch periclità po surtour il Cussagl federal da la Charta europea 49 disposiziuns, chi sun fingià hoz in vigur in Svizra. Quai es bler daplü co las 35 chi sun prescrittas sco minimum . Die Förderung der Sprachkulturen ist in der Schweiz eine an- erkannte nationale Aufgabe, die mit der deutlichen Annahme des neuen Sprachenartikels 1996 noch einmal bestärkt wor- den ist. Die Zeit für eine Ratifikation der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ist reif. Die Bemü- hungen um die Erhaltung und Förderung der Minderheiten- sprachen, insbesondere des Rätoromanischen, haben in un- serem Land einen Stand erreicht, der die Ziele und Grund- sätze der Charta bereits verwirklicht, in einzelnen Punkten sogar übertrifft. Das heisst allerdings nicht, dass wir keinen weiteren Handlungsbedarf hätten, denn die Pflege der Mehr- sprachigkeit ist bei uns immer noch vor allem Sache der An- gehörigen sprachlicher Minderheiten. Die wertvollen sprach- lichen Ressourcen unseres Landes werden von der Mehr- heit, die zum grossen Teil einsprachig geblieben ist, noch kaum genutzt. Es bleibt darum auch in der Schweiz noch manches zu tun, vor allem wenn wir die Empfehlungen der 1993, nach der EWR-Abstimmung eingesetzten Verständi- gungskommission nicht schon vergessen haben! Neue Massstäbe in der schweizerischen Sprachenpolitik wird also nicht die Europäische Charta setzen, sondern im Sinne des Legislaturzieles des Bundesrates das in Ausarbei-25. September 1997N 1733 Regional- oder Minderheitensprachen Amtliches Bulletin der Bundesversammlung tung begriffene Bundesgesetz zur Förderung der Verständi- gung und des Austausches unter den Sprachgemeinschaf- ten. Mit der Ratifizierung der Charta, die unsere bisherige Spra- chenpolitik bestätigt, leisten wir einen kleinen, solidarischen Beitrag zur Unterstützung der Bestrebungen der erwachen- den sprachlichen Minderheiten. Damit leisten wir auch einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Stärkung von Frieden und Sicherheit in Europa. Wie der Bundesrat in seiner Botschaft schreibt, unterstützen wir damit «eine sehr helvetisch ge- prägte Sicht des Konzeptes Europa». Ich bitte Sie, dem Antrag der Mehrheit der WBK zu folgen und dem Bundesbeschluss zuzustimmen. Ratti Remigio (C, TI), rapporteur: A son retour d’un colloque européen sur les minorités et les langues, un éminent lin- guiste nous avait rapporté sa fierté d’être Suisse, parce que la politique de valorisation et de soutien des minorités linguis- tiques de notre pays avait été jugée comme le fruit extraordi- naire d’une démocratie helvétique ordinaire. Et les mêmes propos, nous les avons entendus de la part de notre con- seillère fédérale lors de la discussion en commission. Nous pouvons être fiers, dit-elle, d’avoir un système politique qui stipule la majorité, la démocratie, et qui a réussi en même temps à protéger les minorités. En effet, nous pouvons cons- tater que, dans ce domaine, la communauté internationale dans laquelle nous sommes présents, le Conseil de l’Europe, adopte aujourd’hui, sur le plan international, les principes qui ont fait le succès et la solidité de la Suisse. Ce préambule et le contenu fort exhaustif du message qui nous a été adressé pourraient laisser croire que la ratification de la charte adoptée par le Comité des ministres européens le 25 juin 1992 et signée par la Suisse le 9 octobre 1993 ne représenterait qu’une gratifiante formalité. Ce n’est pourtant pas le cas, du fait que l’on ne peut pas ne pas saisir cette oc- casion pour affirmer le rôle existentiel représenté par la sau- vegarde des minorités linguistiques. Ceci, parce qu’elle mar- que les racines profondes de la diversité et de l’identité de l’Europe, parce qu’elle est une voie pour affronter les tendan- ces à l’éclatement de notre société, suite au processus de globalisation économique et culturelle, ou encore parce que les bouleversements survenus en Europe de l’Est ont pu montrer des processus de construction de nouveaux Etats qui, parfois, ont fait un usage pervers des identités linguisti- ques. Au niveau des travaux de la Commission de la science, de l’éducation et de la culture, l’opposition d’une minorité de col- lègues nous a conduits à un débat ouvert qui a explicité ce qui reste trop souvent sous-entendu et qui représente une valeur cachée, parce qu’appartenant tout simplement à notre réalité. Cela aurait été le cas, de l’avis de la majorité de la commission, si l’on avait accepté la proposition de minorité de refuser d’entrer en matière, tout simplement parce que la Suisse, en remplissant amplement les critères de la charte, risquerait le ridicule de vouloir jouer l’enfant modèle, le «Mus- terknabe», ou, à l’opposé, la honte de subir périodiquement les remarques éventuelles des commissions de surveillance prévues pour l’application de la charte. La majorité de la commission, par 16 voix contre 5, et la pre- mière Chambre à la quasi-unanimité, avec une seule voix contraire, pensent au contraire qu’il faut approuver le con- tenu du message et l’arrêté de ratification, ceci pour les rai- sons que nous pouvons résumer ainsi. 1.L’histoire de la Suisse en cette matière doit servir d’exem - ple. Etre le cinquième Etat à ratifier cette charte, après la Fin- lande, la Hongrie, les Pays-Bas et la Norvège, c’est permet- tre son entrée en vigueur et inviter aussi les 35 autres pays à trouver les démarches appropriées pour être demain en me- sure de ratifier aussi cette charte. La Suisse aura la respon- sabilité et la possibilité de participer au contrôle de l’applica- tion internationale de la charte. Son exemple sera important pour permettre une juste interprétation des principes conte- nus dans la deuxième partie de la charte, et surtout des me- sures que vous trouvez dans la troisième partie, qui consti- tuent plutôt un menu proposé aux Etats. Ces derniers peu- vent choisir lesquels de ces instruments sont les mieux adap- tés à leur réalité. La Suisse a même montré la voie, en faisant preuve de res- pect des autonomies cantonales et des minorités, en atten- dant que d’abord le droit interne soit bien établi et en ouvrant ensuite une procédure de consultation qui, au total, nous a demandé presque cinq années. C’est l’article 116 de la cons- titution, accepté par le peuple et les cantons le 10 mars 1996, qui pose des bases de droit intérieur tellement fortes que tou- tes les langues nationales de notre pays sont définies comme officielles. A la limite donc, la charte ne devrait pas formelle- ment s’appliquer à la Suisse, si ce n’est par l’autre catégorie prévue, celle de la langue officielle moins répandue. C’est ainsi que le romanche et l’italien entrent dans le domaine d’application de la charte. 2.La charte a, même pour la Suisse, une valeur de sauve- garde. Bien qu’elle ne comporte ni engagements ni dépenses supplémentaires, il n’est pas sans intérêt par exemple de voir bien réaffirmée l’importance des médias pour les minorités. La radio et la télévision sont peut-être l’instrument principal de la politique linguistique, et cette réalité a fait en sorte qu’une clef de répartition très favorable aux minorités a pu jusqu’ici être trouvée. Un autre exemple de sauvegarde rele- vant d’un exercice théorique pourrait voir la charte, qui écarte clairement la possibilité que des dialectes des langues offi- cielles ou des langues de migrants soient élevés au rang de langues minoritaires, entrer en application si ces communau- tés devaient, le cas échéant, prétendre à une protection ou une aide au nom de langues régionales ou minoritaires. 3.Enfin, la charte a une valeur d’incitation active, tant sur le plan intérieur que sur le plan extérieur. Je vous donne des exemples. Cette charte du Conseil de l’Europe, ratifiée par la Hongrie, est importante par rapport à l’Organisation pour la sécurité et la coopération en Europe. Les minorités rencon- trent en effet de graves problèmes en Europe centrale. Si, par cette charte, nous pouvons aider à la cessation du mépris à l’égard de certaines langues utilisées par des minorités, c’est un élément non négligeable pour le renforcement de la sécurité en Europe. Comment continuer à jouer un rôle dans l’OSCE, a demandé M .Scheurer, sans avoir signé cette charte qui vise à protéger les langues minoritaires? Sur le plan intérieur, je prendrai l’exemple de l’italien. Le respect de l’italien implique aussi la valorisation de la troisième Suisse en tant que communauté, et appelle toute une stratégie de politiques de soutien, d’or- ganisation de l’espace et de développement économique. Ici, la charte encourage la politique transfrontalière et les con- tacts avec les italophones. Or, dans une Suisse où le nombre d’italophones diminue, où le risque de marginalisation écono- mique et politique du Tessin réapparaît, il est important de laisser jouer la force de la fierté de sa propre identité et de bé- néficier ainsi de l’apport crucial de cette communauté linguis- tique pour régénérer la Suisse, la Suisse qu’il faudra réinven- ter pour la faire entrer dans le XXIe siècle. Au total, comme l’a démontré la procédure de consultation, l’interprétation de la portée effective de la charte peut différer selon les sensibilités régionales et cantonales bien connues, qui voient d’ailleurs toutes leurs compétences respectées. Il n’y a eu aucune opposition sur le fond, si l’on considère que le non des cantons d’Appenzell et de Glaris part de l’avis que la charte est simplement superflue. La commission vous recommande, à une large majorité, de montrer bien haut notre visage en ratifiant la charte bien avant d’autres pays et en offrant tout simplement notre expé- rience historique ainsi que notre volonté de renouvellement. C’est une invitation à jouer avec détermination la carte de la valorisation de la diversité et de l’identité culturelle en même temps que celle de l’ouverture et de la globalisation de l’éco- nomie et de la société. Steffen Hans (D, ZH), Sprecher der Minderheit: Wenn ich hier einen Nichteintretensantrag stelle, will ich eingangs be- tonen, dass ich über Jahre hinweg alle Anstrengungen des Parlamentes mitgetragen habe, welche zu Verbesserungen bei der Anwendung und beim Gebrauch der Minderheiten-Langues régionales ou minoritaires 1734 N25 septembre 199 7 Bulletin officiel de l’Assemblée fédérale sprachen als Amtssprachen führen. Ich habe seinerzeit in der Verständigungskommission mitgewirkt. Dem Legislaturziel 13, das die Förderung der Verständigung und des Austau- sches zwischen den Sprachgemeinschaften als expliziten Auftrag an Bund und Kantone verlangt, habe ich zugestimmt. Die Annahme des Sprachenartikels, Artikel116 der Bundes- verfassung, am 10.März 1996 durch Volk und Stände ist für mich Verpflichtung. Dennoch bekämpfe ich die Ratifikation der Sprachencharta. Schon am 30.November 1993 habe ich das Postulat der WBK, das die Ratifikation der Sprachen- charta zum Ziel hatte, vor diesem Rat bekämpft. Leider er- folglos. Bei schlechter Präsenz im Rat wurde die Überwei- sung des Postulates – entgegen meinem Antrag – mit 71 zu 23 Stimmen beschlossen. Mit diesem Nichteintretensantrag vertrete ich hier eine Min- derheit der Kommission, aber auch die Kantone Appenzell Innerrhoden und Glarus, welche sich in der Vernehmlassung gegen die Ratifizierung aussprachen. Carlo Schmid hatte am 18.Juni 1997 im Ständerat mit seinem Nichteintretensantrag leider keinen Erfolg, obwohl seine Argumentation eindrück- lich war. Sicher können wir uns alle mit seiner Feststellung identifizieren, nämlich: dass die Schweiz bereits all das er- füllt, was die Charta will. Die vom Bundesrat beschworene in- ternationale Solidarität bezeichnet Carlo Schmid als Selbst- gerechtigkeit. Er befürchtet, dass wir uns mit der Haltung ge- künstelter Solidarität langsam lächerlich machen würden, da dies doch nichts anderes sei als das Aufspielen der Schweiz als Musterknabe. Zu meinen Argumenten: Zunächst sei auf den äusserst kom - plizierten Text der Charta hingewiesen, der wegen der über- triebenen Regeldichte und des Perfektionismus schon in der WBK-SR zu reden gab. Aber eigentlich war nichts anderes zu erwarten. Die Charta ist das Resultat der überhandnehmen- den «Expertokratie» des Europarates. Seit dem 5.November 1992 liegt die Charta zur Unterzeichnung vor, und jetzt haben wir Herbst 1997. Erst zwei Staaten der Europäischen Union haben ratifiziert, alles in allem nur vier von vierzig Staaten des Europarates. Das ist wahrlich eine klägliche Ausbeute – nach fünf Jahren. Zum Inkrafttreten braucht es, wie wir gehört haben, fünf Staaten; es fehlt also immer noch ein Staat. Dazu schreibt der Bundesrat in seiner Botschaft auf Seite 4: «Der Beitritt der Schweiz könnte somit den Ausschlag geben.» Also doch Musterknabe! Ich bin der Meinung, die Schweiz sollte unbedingt zuwarten, bis die Charta ein paar Jahre in Kraft ist. Dann wären uns die Auswirkungen der Anwendung in der Praxis bekannt. In TeilIV wird eben diese Anwendung beschrieben, die sich hier kurz zusammenfassen lässt: alle vier Jahre Bericht an den Generalsekretär des Europarates, Prüfung durch den Sachverständigenausschuss, Meldung kritischer Bemerkun- gen von selbsternannten Nichtregierungsorganisationen (NGO) zur Sprachenpolitik der Schweiz an den Sachverstän- digenausschuss, Bericht ans Ministerkomitee und allfällige Empfehlungen an die Schweiz. Hier habe ich Bedenken. Ich schildere Ihnen den «worst case»: NGO mit ihren selbst- ernannten Experten, im Verbund mit einer willfährigen Sen- sationspresse, treten mit harscher Kritik und Forderungen an die Öffentlichkeit und provozieren auf diese Weise derart schweren politischen Druck auf Bundesrat und Parlament, dass Dinge beschlossen werden, die wir eigentlich gar nicht wollen. Ein böses Erwachen könnte es bereits geben, wenn uns der Bundesrat das Verständigungsgesetz und das Amts- sprachengesetz vorlegt, in welchem vermutlich jene Ver- pflichtungen aufgenommen werden, die sich aus der Euro- päischen Menschenrechtskonvention und aus den dazuge- hörigen Protokollen, aus dem Internationalen Pakt über die bürgerlichen und politischen Rechte, aus der Kinderrechts- konvention und aus der Sprachencharta, von der wir jetzt re- den, ableiten lassen. Ich schliesse genau nach fünf Minuten: Weil wir die Charta schon erfüllen, noch keine Anwendungspraxis bekannt ist, aussenstehende NGO und Experten zuviel Mitsprache erhal- ten und wir nicht die Musterknaben spielen sollten, bitte ich Sie, den Nichteintretensantrag der Minderheit zu unterstüt- zen. Dreifuss Ruth, conseillère fédérale: Le Conseil fédéral vous prie au contraire d’entrer en matière, et de l’autoriser à ratifier cette charte. Le fait que le Conseil fédéral vous fasse cette proposition aujourd’hui, après que ce débat a eu lieu en Suisse autour de l’article 116 de la constitution, est, au con- traire, la manifestation très claire que ce que nous voulons d’abord, c’est mettre en évidence nos propres forces pour ré- soudre nos propres problèmes. Mais ensuite, parce que nous appartenons à cette aire culturelle qu’est l’Europe dont une des identités profondes est la différence, nous voulons aussi rejoindre les autres pays, leur montrer comment un Etat, de- puis 150 ans, arrive à combiner la vie forte et autonome d’aires linguistiques ainsi que la collaboration entre elles. Et nous croyons nous situer dans le courant de cette reconnais- sance par l’Europe à la fois de l’importance de l’enracinement et de la collaboration entre les entités culturelles. Il ne s’agit pas de jouer au «Musterknabe», mais pourquoi, dans ce do- maine, vouloir mettre la lumière sous le boisseau? Nous sommes bons dans ce domaine, pourquoi ne pas essayer de l’être avec nos partenaires européens? En ce qui concerne l’expertocratie et la forme qu’a prise cette charte, je crois qu’il y a là un malentendu. Cette charte, c’est tout simplement la carte extrêmement riche d’un restaurant: à chacun d’entre nous de choisir les plats qui nous convien- nent. Et nous l’avons fait: nous avons très précisément dit, en collaboration bien sûr avec les cantons et en harmonie avec l’article 116 de la constitution, quels types d’actions nous voulions choisir, et dans quels domaines nous voulions le faire, en faveur des langues officielles peu représentées que sont l’italien et le romanche. Cela donne cette impression, à première vue, d’un catalogue extrêmement dense: il est dense parce qu’il nous offre tout simplement les possibilités de choix, parce qu’il est une boîte à outils pour la promotion des langues, dans laquelle nous pouvons nous servir, et c’est ce que nous faisons. Enfin, en ce qui concerne les langues officielles et la collabo- ration entre les régions linguistiques de notre pays, je tiens à le dire, les travaux avancent. Ils avancent comme l’article 116 de la constitution, sur la base de nos expériences, de notre volonté, et ils seront le résultat de notre débat national. Ce se- ront des lois qui iront dans le sens de cet objectif général que l’Europe s’est donné: respecter ses minorités linguistiques et promouvoir les langues minoritaires. Et il s’agira, une fois de plus, du résultat d’un débat national, d’un débat fécond. C’est justement cette fécondité-là que nous aimerions parta- ger avec les autres pays d’Europe. C’est la raison pour la- quelle le Conseil fédéral ne voit non seulement aucun incon- vénient, aucune obligation additionnelle, mais tous les avan- tages à la ratification de cette charte. Namentliche Abstimmung Vote nominatif (Ref.: 1014) Für den Antrag der Mehrheit stimmen: Votent pour la proposition de la majorité: Aeppli, Aguet, Alder, Banga, Bangerter, Baumann Ruedi, Baumann Stephanie, Bäumlin, Béguelin, Berberat, Bezzola, Bonny, Borel, Bosshard, Bühlmann, Bührer, Burgener, Carobbio, Cavadini Adriano, Cavalli, Chiffelle, Comby, de Dardel, Deiss, Diener, Dormann, Ducrot, Dünki, Dupraz, Durrer, Eberhard, Eggly, Engler, Eymann, Fankhauser, Fasel, Fässler, Filliez, Fischer-Seengen, Fritschi, Gadient, Goll, Gonseth, Grendelmeier, Grobet, Gros Jean-Michel, Gross Jost, Grossenbacher, Günter, Gysin Hans Rudolf, Gysin Remo, Haering Binder, Hafner Ursula, Heberlein, Herczog, Hess Otto, Hess Peter, Hochreutener, Hubacher, Hubmann, Imhof, Jans, Jaquet, Jeanprêtre, Jutzet, Lachat, Langenberger, Lauper, Leemann, Leuba, Leuenberger, Loeb, Loretan Otto, Lötscher, Marti Werner, Maury Pasquier, Meier Hans, Müller Erich, Müller-Hemmi, Nebiker, Oster- mann, Pelli, Randegger, Ratti, Rechsteiner Paul, Rechstei- ner Rudolf, Rennwald, Roth, Rychen, Sandoz Suzette, Scheurer, Schmid Odilo, Schmid Samuel, Schmied Walter, Semadeni, Simon, Spielmann, Steinegger, Steiner, Strahm,25. September 1997N 1735 Ordnungsantrag Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Stucky, Stump, Teuscher, Thanei, Theiler, Thür, Tschopp, Tschuppert, Vallender, Vogel, Vollmer, von Allmen, von Fel- ten, Weber Agnes, Weigelt, Widmer, Wittenwiler, Wyss, Ziegler, Zwygart (120) Für den Antrag der Minderheit stimmen: Votent pour la proposition de la minorité: Binder, Blaser, Bortoluzzi, Brunner Toni, Dreher, Fischer- Hägglingen, Föhn, Freund, Gusset, Hasler Ernst, Keller, Kunz, Maurer, Moser, Oehrli, Schenk, Scherrer Jürg, Schlüer, Speck, Steffen, Steinemann, Vetterli, Waber(23) Entschuldigt/abwesend sind – Sont excusés/absents: Aregger, Baumann Alexander, Baumberger, Bircher, Blo- cher, Borer, Caccia, Christen, Columberg, Couchepin, David, Dettling, Egerszegi, Ehrler, Engelberger, Epiney, Fehr Hans, Fehr Lisbeth, Frey Claude, Frey Walter, Friderici, Gie- zendanner, Gross Andreas, Guisan, Hämmerle, Heget- schweiler, Hollenstein, Kofmel, Kühne, Ledergerber, Leu, Maitre, Maspoli, Meier Samuel, Meyer Theo, Mühlemann, Nabholz, Philipona, Pidoux, Pini, Raggenbass, Ruckstuhl, Ruf, Ruffy, Sandoz Marcel, Seiler Hanspeter, Stamm Luzi, Straumann, Suter, Tschäppät, Vermot, Weyeneth, Widrig, Wiederkehr, Zapfl, Zbinden (56) Präsidentin, stimmt nicht – Présidente, ne vote pas: Stamm Judith (1) Bundesbeschluss zur Europäischen Charta der Regio- nal- oder Minderheitensprachen Arrêté fédéral concernant la Charte européenne des langues régionales ou minoritaires Detailberatung – Examen de détail Titel und Ingress, Art. 1, 2 Antrag der Kommission Zustimmung zum Beschluss des Ständerates Titre et préambule, art. 1, 2 Proposition de la commission Adhérer à la décision du Conseil des Etats Angenommen – Adopté Namentliche Gesamtabstimmung Vote sur l’ensemble, nominatif (Ref.: 1015) Für Annahme des Entwurfes stimmen – Acceptent le projet: Aeppli, Aguet, Alder, Banga, Bangerter, Baumann Ruedi, Baumann Stephanie, Bäumlin, Béguelin, Berberat, Bezzola, Blaser, Bonny, Borel, Bosshard, Bühlmann, Burgener, Carobbio, Cavadini Adriano, Cavalli, Chiffelle, Comby, de Dardel, Deiss, Diener, Dormann, Ducrot, Dünki, Dupraz, Durrer, Eberhard, Eggly, Engler, Eymann, Fankhauser, Fasel, Fässler, Filliez, Fischer-Seengen, Fritschi, Gadient, Goll, Gonseth, Grendelmeier, Grobet, Gros Jean-Michel, Gross Jost, Grossenbacher, Günter, Gysin Hans Rudolf, Gysin Remo, Haering Binder, Hafner Ursula, Heberlein, Herczog, Hess Otto, Hess Peter, Hochreutener, Hollenstein, Hubacher, Hubmann, Imhof, Jans, Jaquet, Jeanprêtre, Jut- zet, Lachat, Langenberger, Lauper, Leemann, Leuba, Leu- enberger, Loeb, Loretan Otto, Lötscher, Maury Pasquier, Meier Hans, Müller Erich, Müller-Hemmi, Nebiker, Oster- mann, Pelli, Raggenbass, Randegger, Ratti, Rechsteiner Paul, Rechsteiner Rudolf, Rennwald, Roth, Ruckstuhl, Rychen, Scheurer, Schmid Odilo, Schmid Samuel, Schmied Walter, Seiler Hanspeter, Semadeni, Simon, Spielmann, Steinegger, Steiner, Strahm, Stump, Teuscher, Thanei, Thei- ler, Thür, Tschopp, Tschuppert, Vallender, Vermot, Vogel, Vollmer, von Allmen, von Felten, Weber Agnes, Weigelt, Widmer, Widrig, Wittenwiler, Wyss, Ziegler, Zwygart(123) Dagegen stimmen – Rejettent le projet: Binder, Bortoluzzi, Brunner Toni, Dreher, Fischer-Hägglin- gen, Föhn, Freund, Gusset, Hasler Ernst, Keller, Kunz, Mau- rer, Moser, Oehrli, Schenk, Scherrer Jürg, Schlüer, Speck, Steffen, Steinemann, Vetterli, Waber (22) Der Stimme enthalten sich – S’abstiennent: Sandoz Suzette (1) Entschuldigt/abwesend sind – Sont excusés/absents: Aregger, Baumann Alexander, Baumberger, Bircher, Blo- cher, Borer, Bührer, Caccia, Christen, Columberg, Couche- pin, David, Dettling, Egerszegi, Ehrler, Engelberger, Epiney, Fehr Hans, Fehr Lisbeth, Frey Claude, Frey Walter, Friderici, Giezendanner, Gross Andreas, Guisan, Hämmerle, Hegetschweiler, Kofmel, Kühne, Ledergerber, Leu, Maitre, Marti Werner, Maspoli, Meier Samuel, Meyer Theo, Mühle- mann, Nabholz, Philipona, Pidoux, Pini, Ruf, Ruffy, Sandoz Marcel, Stamm Luzi, Straumann, Stucky, Suter, Tschäppät, Weyeneth, Wiederkehr, Zapfl, Zbinden (53) Präsidentin, stimmt nicht – Présidente, ne vote pas: Stamm Judith (1) Abschreibung – Classement Antrag des Bundesrates Abschreiben der parlamentarischen Vorstösse gemäss Brief an die eidgenössischen Räte Proposition du Conseil fédéral Classer les interventions parlementaires selon lettre aux Chambres fédérales Angenommen – Adopté An den Bundesrat – Au Conseil fédéral Ordnungsantrag Motion d’ordre __________________________________________________________ Ordnungsantrag der sozialdemokratischen Fraktion Geschäft 97.042, «Haushaltziel 2001»: Die Eintretensdebatte erfolgt in Kategorie II mit einer Ge- samtzeit von 115 Minuten. Motion d’ordre du groupe socialiste Objet 97.042, «Objectif budgétaire 2001»: Le débat d’entrée en matière est classé en catégorie II, avec une durée totale de 115 minutes. Cavalli Franco (S, TI): Ich möchte Ihnen kurz erklären, warum die SP-Fraktion diesen Ordnungsantrag eingereicht hat. Die Vorlage «Haushaltziel 2001» ist wahrscheinlich eine der wichtigsten, über die wir während dieser Legislatur de- battieren werden. Gerade in unserem Land, gerade in jenem Land Europas mit der kleinsten Verschuldungsquote und der grössten Sparquote, serviert uns der Bundesrat Monetaris- mus und «Blocherismus» pur. Und das nicht etwa wie vor 15 Jahren, als man noch hätte annehmen können, dass min- destens einige Leute in gutem Glauben denken konnten, dass solche Massnahmen nicht nur zugunsten der Reichen, sondern zugunsten aller sein würden. Viele haben schon da- mals gewusst, dass das nur zugunsten der Reichen war. Aber nach 15 Jahren kann man das nicht mehr in gutem Glauben denken. Schauen wir einmal, was in Grossbritan- nien passiert ist: Mehr als 25 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, die Unterschiede in der Lebenser-Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Regional- oder Minderheitensprachen. Europäische Charta Langues régionales ou minoritaires. Charte européenne In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1997 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 05 Séance Seduta Geschäftsnummer 96.098 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 25.09.1997 - 08:00 Date Data Seite 1732-1735 Page Pagina Ref. No 20 042 589 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.