Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. August 2015 (725 15 167 / 207) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Rentenanspruch bejaht; Bemessung Valideneinkommen und Invalideneinkommen ge- stützt auf LSE-Tabelle „Dienstleistungssektor“; Int egritätsentschädigung Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Lukas Meyer Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Erich Züblin , Advokat , Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1952 geborene A.____ stürzte am 22. März 201 3, als er auf einer Treppe ausrutsch- te. Dabei zog er sich eine Fraktur des Brustwirbelk örpers (BWK) 12 und eine Clavikulafraktur links zu. Zum Unfallzeitpunkt war A.____ über die Ö ffentliche Arbeitslosenkasse Basel- Landschaft bei der Schweizerischen Unfallversicheru ngsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfälle versichert. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht und richtete die gesetzlichen Ver- sicherungsleistungen aus. Mit Verfügung vom 15. Okt ober 2013 sprach die SUVA dem Versi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten eine Integritätsentschädigung aufgrund einer I ntegritätseinbusse von 15 % zu, lehnte aber gleichzeitig die Ausrichtung einer Invalidenrente ab, weil sie eine Operation an der Wirbel- säule als zumutbar erachtete und nach erfolgter Operati on keine wesentliche Erwerbseinbusse mehr hätte bestehen sollen. Der Versicherte liess dageg en Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), erheben, die er nach einer aussergericht- lichen Einigung mit der SUVA wieder zurückzog. Gemäss die ser Einigung wurde die Operation an der Wirbelsäule als unzumutbar erachtet und es wurde vorgesehen, die Leistungen aufgrund des unoperierten Zustandes zu berechnen und entsprechend neu zu verfügen. Nach weiteren Abklärungen sprach die SUVA dem Versicherten mit Verfügu ng vom 16. Januar 2015 eine In- tegritätsentschädigung von 22.5 % zu und lehnte wiederrum die Ausrichtung einer Invalidenren- te ab. Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 7. April 2015 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Er ich Züblin, mit Eingabe vom 11. Mai 2015 Beschwerde an das Kantonsgericht. Darin beantrag te er, die Beschwerdegegnerin sei in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids anzuweis en, ihm die gesetzlichen Leis- tungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Beg ründung wurde im Wesentlichen ausge- führt, dass das Einkommen aus den Nebentätigkeiten als H auswart beim massgebenden Vali- deneinkommen zu Unrecht unberücksichtigt geblieben sei. Auch habe die Beschwerdegegnerin das Valideneinkommen zu Unrecht gestützt auf die Tabe llenlöhne der Schweizerischen Lohn- strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) im „D ienstleistungssektor“ festgelegt und diese mit den LSE-Zahlen des Durchschnittseinkommens aller Berufstätigkeiten verglichen, was trotz leidensbedingten Abzugs von 15 % dazu führe, dass d em Versicherten keine Rente aus- gerichtet werden müsse. Schliesslich bestünden gestützt au f die ärztliche Beurteilung von Dr. med. B.____, FMH Orthopädie und Unfallchirurgie, Zw eifel an der versicherungsinternen Beur- teilung betreffend die Höhe des Integritätsschadens. C. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Juni 2015 schloss di e SUVA auf die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in C.____, so dass die örtl iche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. A uf die – im Übrigen frist- und form gerecht erhobene – Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine UVG-Rente hat. Zudem bildet die Höhe der Integritätsentschädigung, w elche dem Beschwerdeführer für die verbliebene Beeinträchtigung aus dem Unfallereignis vom 22. März 2013 zusteht, Streitgegen- stand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in d er obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederu ngsmassnahmen der Invalidenversiche- rung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fal len die Heilbehandlung und die Tag- geldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet d ie versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, g eistigen oder psychischen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine a ngemessene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, fa lls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 4. Für die Bemessung der Invalidität ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 18 UVG). Danach ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleic hs zu bestimmen. Dazu wird das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n, worauf sich aus der Einkommensdiffe- renz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 104 V 136 ). Für die Bemessung des Validen- einkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns (vgl. BGE 129 V 222) nach dem Beweisgra d der überwiegenden Wahrschein- lichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde und nicht, was sie bestenfalls verdienen könn- te. Die Ermittlung des Valideneinkommens muss so konkret wie möglich erfolgen. Da die bishe- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden erfahrungsgemäss fo rtgesetzt wird, ist in der Regel vom letzten Lohn auszugehen, der vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt wurde. Dieses Gehalt ist wenn nötig der Teuerung und der realen Ei nkommensentwicklung anzupassen (BGE 135 V 58 E. 3.1). 5.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist darauf hinzuwei sen, dass im Sozialversicherungs- verfahren der Untersuchungsgrundsatz gilt. Danach haben Versicherungsträger und Sozialver- sicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Pa rteibegehren für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen (THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozial- versicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Für das gesamte Verwaltungs- und Ver- waltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt zudem der Grundsa tz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Bewe isregeln sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Die Verwaltung als verfügende Instan z und im Beschwerdefall das Ge- richt dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen anne hmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht s einen Entscheid, sofern das Ge- setz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen (BGE 129 V 181 E. 3.1, 115 V 142 E. 8b). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderunge n nicht (Entscheid des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG, seit 1. Januar 2007: Sch weizerisches Bundesgericht, sozi- alrechtliche Abteilungen] vom 18. Dezember 2003, H 153/2003, E. 5.3). 5.2 Bei der Beurteilung der Frage, ob und allenfall s in welchem Umfang bei einer versi- cherten Person eine Arbeitsunfähigkeit besteht beziehung sweise wie die verbleibende Arbeits- fähigkeit verwertet werden kann, sind die Gerichte regelmässig auf entsprechende fachärztliche Einschätzungen und Stellungnahmen angewiesen. Die Auf gabe der Ärzte ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilde n die ärztlichen Stellungnahmen eine wich- tige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit , also der Frage, welche anderen Erwerbs- tätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von d er versicherten Person auf dem allge- meinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Ver hältnissen in Frage kommenden Ar- beitsmarkt zumutbarer Weise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Pro- zentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f.). Widersprechen sich medizini- sche Berichte, haben Verwaltung und Sozialversicherungsge richt nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung alle Beweismittel unabhängig d avon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Das Ge richt darf den Prozess nicht erledi- gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und d ie Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These a bstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für d ie streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen hänge und in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex- perten begründet sind (BGE 122 V 160 E. 1c; ALFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutach- ten und Privatgutachten, in: Rechtsfragen der medizini schen Begutachtung in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). 6.1 Zwischen den Parteien ist zunächst umstritten, ob e in Anspruch auf eine Invalidenrente besteht. Die SUVA hielt fest, dass Beschwerdeführer zum Z eitpunkt des Unfalles arbeitslos ge- wesen sei, weshalb für die Berechnung des Valideneink ommens auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für S tatistik (LSE) abzustützen sei. Der Beschwerdeführer hätte demnach ein jährliches Einkommen von Fr. 59'964.-- erzielen kön- nen. Grundlage hierfür bilde die von der SUVA heran gezogene Tabelle TA1 (2012), privater Sektor, Sektor Dienstleistungen, Kompetenzniveau 1, Spal te Männer, von Fr. 4'760.-- pro Mo- nat, basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Anpassung die ses Betrages an die Nominallohn- entwicklung von 0.7 % und Umrechnung auf die betriebsü bliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden resultiere ein Jahreseinkommen von Fr. 5 9'964.--. Mit den unfallbedingten Beein- trächtigungen könne ihm gemäss LSE in einer angepassten Tätigkeit – unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 15 % – ein durchschnitt liches Jahreseinkommen von Fr. 55'788.-- zugemutet werden. Das Invalideneinkommen sei anhand der Tabelle TA1 (2012), privater Sektor, Total aller Sektoren, Kompetenzniveau 1, Spalte Männer, von Fr. 5'210.-- pro Monat, basierend auf 40 Wochenstunden zu ermitteln. D ie Anpassung dieses Betrages an die Nominallohnentwicklung von 0.7 % und Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Ar- beitszeit von 41,7 Stunden ergebe ein Jahreseinkommen von Fr. 65'633.--. Von diesem Betrag sei eine leidensbedingter Abzug von 15 % vorzunehmen, wo raus das massgebende Jahresein- kommen von Fr. 55'788.-- resultiere. Eine Gegenüberste llung von Validen- und Invalidenein- kommen ergebe eine Erwerbseinbusse von Fr. 4'176.-- bzw. einen Invaliditätsgrad von 7 %. Eine erhebliche unfallbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit liege somit nicht vor, weshalb keine Invalidenrente auszurichten sei. 6.2 Der Beschwerdeführer wendet zunächst ein, dass es ihm heute aufgrund der Rücken- verletzung sowie den Schulterbeschwerden nicht mehr mög lich sei, seine bisher ausgeübte Nebentätigkeiten als Hauswart/Gebäudereiniger weiterzu führen. Im Hauswartungsvertrag mit der D.____ AG vom 31. Januar 2008 und im Arbeitsvertrag für Hauswartung mit dem Treuhand- und Revisionsbüro E.____ und den dazu gehörenden beiden Pflichtenheften würden verschie- dene Tätigkeiten wie bspw. Rasen mähen, der Winterschnitt oder die Schneeräumung verlangt, die mit körperlichen Anforderungen verbunden seien. Di ese Arbeiten seien laut den ärztlichen Beurteilungen jedoch unzumutbar. Folglich seien die E inkommen aus diesen Nebentätigkeiten beim Valideneinkommen zusätzlich zu berücksichtigen, wogege n beim Invalideneinkommen neben der bereits als zumutbar erachteten leichten Tä tigkeit nicht noch eine zusätzliche Er- werbstätigkeit möglich sei. 6.3.1 Für die Beurteilung der Zumutbarkeit sind im W esentlichen nachfolgende medizinische Unterlagen zu berücksichtigen: Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 8. Mai 2013 hielt Dr. med. F.____, FMH Chirurgie, fest, dass dem Versicherten aufgrund de s aktuellen Gesundheitszustandes aus unfallbedingter Sicht körperlich leichte wechselbelasten de Tätigkeiten mit stets frei wählbarer Arbeitsposition und ohne Gewichtsbelastung über 5 kg g anztags zumutbar seien. Nicht zumut- bar seien rein stehende oder rein sitzende Tätigkeiten sowie Arbeiten auf Leitern, Gerüsten oder absturzgefährdeten Positionen. Auch Tätigkeiten in Zwangshaltung des Oberkörpers seien nicht zumutbar. 6.3.3 Im Bericht vom 20. Dezember 2013 beschrieb der b ehandelnde Arzt Dr. B.____, dass dem Versicherten körperlich leichte, wechselnd belastende Tätigkeiten ganztags zumutbar sei- en. Gewichtsbelastungen über 5 – 10 kg sollten vermieden werden. Es sei darauf zu achten, dass der Versicherte bei der Arbeitsposition stets frei wäh len könne und insbesondere keine schweren Gegenstände heben müsse. Überkopfarbeiten, rein sitzende oder stehende Tätigkei- ten sowie Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten seien n icht zumutbar. Sofern die genannten Ein- schränkungen erfüllt würden, sei eine ganztägige Arbei t auch als Gebäudereiniger oder Haus- wart zumutbar. 6.3.4 Am 25. März 2015 begründete Dr. F.____ unter B erücksichtigung der Pflichtenhefte, wieso die Nebenerwerbe als Hauswart trotz Unfallfolgen weiterhin vollumfänglich zumutbar sei- en. Dabei hielt er fest, dass sich seine Zumutbarkeitsbeurteilung vom 8. Mai 2013 und diejenige von Dr. B.____ vom 20. Dezember 2013 praktisch deckten. Die Beurteilung von Dr. B.____ ge- he noch von einer etwas höheren Gewichtsbelastung aus. In den Pflichtenheften seien über- wiegend Überwachungstätigkeiten beschrieben. Dazu kämen e infache Reparaturarbeiten, Treppenhausreinigung, Wischen von Gehwegen oder Spielp lätzen sowie überwiegend leichte Gartenarbeiten, welche ohne Probleme in das Zumutbarke itsprofil beider Ärzte passen würden. Beim Schneiden der Hecke, welches ebenfalls in einem Pfl ichtenheft aufgelistet werde, könne es, je nach Höhe der Hecke, allenfalls Probleme geben . Das gelegentliche Auswechseln von Glühbirnen könne durchgeführt werden, auch wenn diese Tätigkeit über Kopf sei, da es sich dabei jeweils nur um ganz kurz dauernde Belastungen ha ndle. Die Kriterien der Wechselbelas- tung und der jeweils frei wählbaren Arbeitspositionen seien bei der Erfüllung beider Pflichten- hefte gewährleistet. 6.4 Die SUVA stütze sich im angefochtenen Einspracheents cheid vom 7. April 2015 voll- umfänglich auf die Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. F. ____. Sie ging demnach davon aus, dass dem Beschwerdeführer die beiden ausgeübten Nebentät igkeiten zumutbar seien. Die Pflichtenhefte der D.____ AG und des Treuhand- und R evisionsbüros E.____ sähen praktisch keine Tätigkeiten vor, die der Versicherte trotz der im Zumutbarkeitsprofil festgehaltenen Ein- schränkungen nicht ausführen könne. Beide Nebenerwerbe würden weitestgehend leichte Rei- nigungs- und Überwachungsarbeiten beinhalten. Da diese somit trotz des Unfalls weiterhin zu- mutbar seien, seien sie im Einkommensvergleich nicht einzubeziehen. Dieses Ergebnis ist nicht zu beanstanden. Es ist zutreffend, dass die beiden Pflich tenhefte ähnliche Tätigkeiten beinhal- ten, die sich unter Überwachungs- und sonstige leichte T ätigkeiten subsumieren lassen. So beinhalten sie Arbeiten wie die Überwachung der allgemeinen Ordnung und Sauberkeit der Ge- bäude, die Kontrolle der Heizung, die Überwachung de r Servicearbeiten sowie Unterhalt und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Reparaturarbeiten einfacher Art. Diese Arbeiten ents prechen dem medizinisch festgelegten Zumutbarkeitsprofil. Die Einwände des Beschwerdeführers, dass insbesondere das Hecken- schneiden, die Schneeräumung und die Fensterreinigung n icht als leichte Arbeiten einzustufen sind, sind zwar berechtigt, massgeblich für die Zumutbarke itsbeurteilung ist jedoch eine Ge- samtwürdigung der Umstände. Eine Gesamtschau der Tätigke iten gemäss Pflichtenhefte ergibt indessen, dass die Arbeiten dem Beschwerdeführer überwiegend zumutbar sind. Im zu beurtei- lenden Fall ist ausserdem zu berücksichtigen, dass die Hauswa rttätigkeiten für die D.____ AG und das Treuhand- und Revisionsbüro E.____ keine Hauptt ätigkeit darstellen. Bei der Betrach- tung der Jahreslöhne im Jahr 2011 von Fr. 2'075.-- fü r die D.____ AG und von Fr. 3'600.-- für das Treuhand- und Revisionsbüro E.____ ist von einem zeit lich geringen Umfang der Nebentä- tigkeiten auszugehen. Sie werden auch vom Beschwerdefüh rer selbst als Nebentätigkeiten be- zeichnet. Da es sich um einen zeitlich geringen Umfang h andelt, in dem die Nebentätigkeiten ausgeübt werden, kann deren Zumutbarkeit erst recht be jaht werden. Da die entsprechenden Nebeneinkommen somit sowohl auf der Validen- wie auch der Invalidenseite des Einkommens- vergleichs anfallen, können sie unberücksichtigt gelassen werden. 6.5 Der Beschwerdeführer moniert ferner, dass beim Val ideneinkommen auf die LSE- Werte des Sektors „Dienstleistungen“ abgestellt wurde. E r habe seine letzte Arbeitsstelle als Hauswart aus unfallfremden Gründen verloren, weshalb n icht abschliessend beantwortet wer- den könne, wie sich seine berufliche Laufbahn im Gesund heitsfall weiterentwickelt hätte. Er habe in der Schweiz bereits als Matrose (Rheinschifffahr t), Hilfsschlosser und Transporteur, Hauswart / Gärtner für Umgebungsarbeiten und als Umzugsh elfer gearbeitet. Während seiner Arbeitslosigkeit habe er sich auf jede Arbeitsstelle bewo rben, welche ohne spezifische Ausbil- dung möglich gewesen wäre. Im Hinblick auf diese konkre te Umstände müsse mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass er ein Einkommen erzielen würde, das dem Durchschnitt der Löhne aller möglichen Erwerbstätigkeite n entspreche und nicht bloss dem Durchschnitt der Löhne im „Dienstleistungssektor“. Deshalb sei für die Ermittlung des Invalidi- tätsgrades das Valideneinkommen anhand des Gesamtwertes „ Privater Sektor Total“ zu be- stimmen. 6.6 Die Beschwerdegegnerin wendet dagegen ein, der Be schwerdeführer habe vor der Arbeitslosigkeit während neun Jahren für die G.____ Gm bH als Gebäudereiniger/Hauswart ge- arbeitet und sei auch früher schon, kurz nach der Einr eise in die Schweiz im Jahr 1972, jahre- lang in dieser Funktion tätig gewesen. Daraus sei zu sc hliessen, dass er in den letzten Jahren vor dem Unfall deutlich überwiegend bis ausschliesslich im Dienstleistungssektor gearbeitet habe. Aufgrund der jahrelang ausgeübten Tätigkeit al s Gebäudereiniger/Hauswart verfüge der Beschwerdeführer über eine grosse Erfahrung, die er a uch ohne Unfall weiterhin gewinnbrin- gend hätte ein- und umsetzen können. Für die Bemessun g des Validenlohnes sei am zuletzt erzielten Einkommen anzuknüpfen. In Fällen von im Unfa llzeitpunkt herrschender Arbeitslosig- keit sei erfahrungsgemäss davon auszugehen, dass die arbei tslose Person Stellen in dem ihr bekannten Arbeitssektor und der zuletzt ausgeübten Beschä ftigungsbranche suche. Deshalb sei sie zu Recht vom Tabellenlohn des Sektors „Dienstleist ungen“ ausgegangen, zu dem die Beschäftigung als Gebäudereiniger/Hauswart zuzurechnen sei. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.7 Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Versicherte vor seiner Arbeitslosigkeit vorwie- gend im Dienstleistungssektor – u.a. als Hauswart, Matro se und Umzugshelfer – tätig war. Zu- letzt war er seit dem Jahr 2003 neun Jahre bei der G._ ___ GmbH als Hauswart angestellt. Er bringt nicht vor, über besondere Fähigkeiten in einer anderen beruflichen Tätigkeit zu verfügen, die ihn vor dem Unfall einen Berufswechsel in eine Tät igkeit eines anderen Sektors hätten an- streben lassen. Demnach muss davon ausgegangen werden, dass er mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auch weiterhin im Dienstleistungssektor tätig gewesen wäre. Das Vorbringen des Versicherten, dass er sich auf jede Arbeitsstelle beworb en habe, die ohne spezifische Ausbil- dung möglich gewesen wäre, ist unbehelflich, da dies oh nehin von der Arbeitslosenversiche- rung (ALV) vorausgesetzt wird. Indessen war der Beschw erdeführer im Zeitpunkt des Unfalles erst seit kurzer Zeit stellenlos. Insbesondere zu Beginn d er Arbeitslosigkeit bemühen sich Ver- sicherte aufgrund der höheren Erfolgsaussichten erfahru ngsgemäss vor allem um diejenigen Stellen, die ihrer Ausbildung und beruflichen Erfah rung am ehesten entsprechen. Dies wird – bei genügenden Bewerbungen – von der ALV auch akzeptier t. Dass sich die Beschwerdegeg- nerin bei der Bemessung des Valideneinkommens auf die LSE-Zahlen im „Dienstleistungssek- tor“ stützt, erscheint damit in Anbetracht der vorliegenden Umstände als berechtigt. 6.8.1 Im vorliegenden Fall ist jedoch zu prüfen, ob d ie Verwertung der attestierten Restar- beitsfähigkeit auf dem gesamten ausgeglichenen Arbeit smarkt noch zumutbar ist, oder ob dem Versicherten nur noch bestimmte Tätigkeiten möglich sin d und diesfalls für die Bemessung des Invalideneinkommens nicht ebenfalls auf die Tabelle TA1, Sektor „Dienstleistungen“ abzustellen wäre. 6.8.2 In der Regel wendet die Rechtsprechung bei der Ermittlung des Invalideneinkommens die Monatslöhne gemäss LSE-Tabelle TA1, Zeile "Total P rivater Sektor", an (BGE 124 V 321 E. 3b/aa S. 323; Urteile vom 23. November 2006, I 7 08/06, E. 4.6, 16. Dezember 2003, B 68/03, E. 4.2 sowie RKUV 2001 Nr. U 439 S. 347 [Urte il vom 7. August 2001, U 240/99, E. 3c/cc]). Bisweilen wird aber auch auf Löhne einzelner Sektoren (Sektor 2 "Produktion" oder 3 "Dienstleistungen") oder gar einzelner Branchen abgestel lt, wenn dies als sachgerecht er- scheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Ve rwertung der verbleibenden Arbeitsfä- higkeit Rechnung zu tragen, namentlich bei Personen, di e vor der Gesundheitsschädigung lan- ge Zeit in diesem Bereich tätig gewesen sind und bei d enen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt (SVR 2003 IV Nr. 1 S. 1, E. 4b; U rteil vom 19. Oktober 2001, I 289/01, E. 3c; RKUV 2001 Nr. U 439 S. 347, E. 3d). 6.8.3 Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzu stellen, ob ein Invalider unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann , sondern einzig darauf, ob er die ihm verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen kön nte, wenn die verfügbaren Arbeits- plätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würde n (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4; Urteil des EVG vo m 16. Juni 2004, I 824/02, E. 2.2.1 zu Art. 28 Abs. 2 aIVG). Gemäss der oben (vgl. E. 4 hiervor ) zitierten Bestimmung von Art. 16 ATSG ist bei der Bestimmung des Invaliditätsgrades desh alb von einer ausgeglichenen Ar- beitsmarktlage auszugehen. Der Begriff umfasst einerseit s ein gewisses Gleichgewicht zwi- schen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen; ander seits bezeichnet er einen Arbeits- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht markt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschie denartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und i ntellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwer- ten (BGE 110 V 276 E. 4b; Zeitschrift für die Ausgle ichskassen [ZAK] 1991 S. 318 E. 3b). Das restliche erwerbliche Leistungsvermögen hat sich somit in einem fiktiven Arbeitsmarkt zu be- währen, der definitionsgemäss unter anderem konjunktur ell ausgeglichen ist (Urteil des EVG vom 17. Dezember 2002, I 601/01, E. 4.3; R UDOLF RÜEDI , Im Spannungsfeld zwischen Scha- denminderungspflicht und Zumutbarkeitsgrundsatz bei der Invaliditätsbemessung nach einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, in: Schaffhauser/Schlauri [H rsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 35). Bei de r Prüfung der wirtschaftlichen Verwert- barkeit der Restarbeitsfähigkeit darf allerdings nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen und insbesondere dort nicht von einer Arb eitsgelegenheit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgegli- chene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unt er nicht realistischem Entgegen- kommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entspre- chenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlosse n erscheint (Urteil des Bundesge- richts vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4.1 mit Hinweisen). 6.8.4 Die Rechtsprechung hat insbesondere auch das fort geschrittene Alter, obgleich ein an sich invaliditätsfremder Faktor (AHI-Praxis 1999 S. 240 u nten sowie Urteil des EVG vom 29. August 2002, I 97/00, E. 1.4 mit Hinweisen), als K riterium anerkannt, welches zusammen mit den weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenh eiten dazu führen kann, dass die der versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ih r deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutba r ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf de m ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen. Die Bedeutung des fortge- schrittenen Alters für die Besetzung entsprechender Stellen ergibt sich vielmehr aus den Einzel- fallumständen, die mit Blick auf die Anforderungen der Verweistätigkeiten massgebend erschei- nen. Zu denken ist zunächst an die Art und Beschaffenh eit des Gesundheitsschadens und sei- ner Folgen, angesichts der beschränkten Dauer verbleibender Aktivität sodann namentlich auch an den absehbaren Umstellungs- und Einarbeitungsaufw and, dessen Ausmass wiederum an- hand von Kriterien wie der Persönlichkeitsstruktur, vorha ndenen Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung und beruflichem Werdegang sowie der Anwen dbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich abzuschätzen ist (Urteile des EV G vom 5. August 2005, I 376/05, E. 4.1 und vom 23. Oktober 2003, I 392/02, E. 3.1). D as fortgeschrittene Alter ist insbesondere auch dort kein invaliditätsfremder Faktor, wo eine versicherte Person, die immer nur eine schwere Hilfsarbeitertätigkeit ausgeführt hat, nicht in der Lage ist, einer Tätigkeit nachzugehen, die intellektuell anspruchsvoller ist und manuelle Gesch icklichkeit erfordert. So kann das Alter insbesondere – neben anderen Gründen – auch die Fähigk eit beeinflussen, sich auf eine völlig andersgeartete Tätigkeit umzustellen, die nicht ausschl iesslich Körperkraft beansprucht (vgl. RÜEDI , a.a.O., S. 43 ff.; Urteil des Kantonsgerichts, Abte ilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV], vom 9. Oktober 2009 [720 09 73/241]). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.8.5 In casu gilt es zu bedenken, dass der heute 62-jähr ige Versicherte über eine Ausbildung zum Telefonisten bei der Post in Kroatien verfügt und in seiner vorwiegenden Tätigkeit als Hauswart/Gebäudereiniger meist Reinigungs- und Überwac hungsarbeiten ausgeführt hat. Eine Stelle im Produktionssektor hatte der Beschwerdeführer s oweit ersichtlich nie. Da dem Versi- cherten lediglich leichte wechselbelastende Verweistätig keiten, welche teils stehend, teils sit- zend verrichtet werden können und kein Tragen von Gewichten über fünf Kilogramm, keine Lei- ter- oder Überkopfarbeiten, zumutbar sind, ist im Pro duktionssektor selbst bei leichten Montage-, industriellen Fertigungs- oder Abpackarbeite n mit einem unterdurchschnittlichen Ar- beitstempo und vermehrtem Pausenbedarf zu rechnen. Reali stischerweise könnte der Be- schwerdeführer am ehesten noch für Kontroll- oder Über wachungsarbeiten in der Industrie ein- gesetzt werden. Hiefür müsste er aber einen Berufswechse l vollziehen und ein hohes Mass an Anpassungsfähigkeit aufbringen, was angesichts seines Alt ers und der über Jahre hauptsäch- lich verrichteten Arbeit als Hauswart/Gebäudereiniger we nig wahrscheinlich erscheint. Stellt man diese persönlichen und beruflichen Gegebenheiten den objektiven Anforderungen eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes gegenüber, kommt man zum S chluss, dass der Beschwerde- führer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keinen Arb eitgeber mehr finden würde, der ihn für eine geeignete, leichte Verweisungstätigkeit einstellte . Namentlich der Umstand, dass er im massgebenden Zeitpunkt nur noch rund vier Jahre vor seiner Pensionierung stand, würde einen durchschnittlichen Arbeitgeber davon abhalten, die mit seiner Beschäftigung verbundenen Risi- ken wie berufliche Unerfahrenheit, altersbedingt gerin ge Anpassungsfähigkeit und krankheits- bedingte Ausfälle einzugehen, zumal behindertengerech te Arbeitsplätze mit der Möglichkeit, teils stehend, teils sitzend zu arbeiten, auch von Behind erten in jungem und mittlerem Alter stark nachgefragt werden. Eine Gesamtwürdigung der für die Zumutbarkeitsfrage im vorliegen- den Fall massgebenden, objektiven und subjektiven Umständ e ergibt somit, dass für den Be- schwerdeführer – aufgrund der gesundheitlichen Einschrän kungen und insbesondere auch mit Blick auf sein fortgeschrittenes Alter – ein Wechsel in produktionsnahe Tätigkeiten ausser Be- tracht fällt. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen i st somit vom durchschnittlichen monatli- chen Bruttolohn von Männern für einfache und repetitive Tätigkeiten im „Dienstleistungsbereich“ des privaten Sektors auszugehen. 6.9 Nach dem Gesagten sind sowohl das Invalideneinkommen a ls auch das Validenein- kommen anhand des LSE-Lohnes im Sektor „Dienstleistungen“ zu ermitteln. Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invalidität sgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (sogena nnter Prozentvergleich; SVR 1/2008 IV Nr. 2 S. 3 E. 5.4). Die SUVA hat beim Inva lideneinkommen einen leidensbedingten Abzug von 15 % vorgenommen, was sich in Anbetracht der persönlichen und beruflichen Situa- tion des Beschwerdeführers und anhand eines Quervergleichs mit ähnlich gelagerten Fällen – auch bei einer Beschränkung auf den Dienstleistungssektor – als angemessen erweist. Dem- nach resultiert ein Invaliditätsgrad von 15 %. Als Erg ebnis ist festzuhalten, dass der Versicherte ab 1. Juli 2013 Anspruch auf eine Invalidenrente der SUVA von 15 % hat. Die Beschwerde ist in diesem Punkt gutzuheissen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Streitig und zu prüfen bleibt im Weiteren, ob de r Beschwerdeführer Anspruch auf eine höhere Integritätsentschädigung hat. 7.2 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemesse- ne Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verord- nung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 gilt ein Integritätsschaden als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, un- abhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). 7.3 Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentsch ädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integ ritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jah resverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gel- ten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 219 E. 2a; Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mit Hinweisen) häu fig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. 7.4 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrität sschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höch stbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für speziel le oder nicht aufgeführte Integritätsschä- den wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert ab geleitet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In die- sem Zusammenhang hat die SUVA in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. Diese in den Mitteilungen der Medizi- nischen Abteilung der SUVA Nr. 57 bis 59 herausgegebene n Tabellen (teilweise geändert und ergänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewä hrleistet werden soll, mit dem An- hang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c, 116 V 157 E. 3a mit Hinweis). 7.5 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesundhei tlichen Beeinträchtigung han- delt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztli- che Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht mö glich, die Beurteilung aufgrund der aktenkundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelassenen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse voraussetzt und von einem medizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht er wartet werden kann. Die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ärztlichen Sachverständigen (Urteil A. des Bundesgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 7.6 In ihrer Verfügung vom 16. Januar 2015, welche si e mit dem angefochtenen Ein- spracheentscheid vom 7. April 2015 bestätigte, sprach die SUVA dem Beschwerdeführer für die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht verbliebenen Beeinträchtigungen an der Schulter links u nd am Rücken aus dem Unfallereignis vom 22. März 2012 eine Integritätsentschädigung basieren d auf einer Integritätseinbusse von gesamthaft 22.5 % (5 % für die Schulter links und 17.5 % für den Rücken) zu. Zwischen den Parteien ist vorliegend nur die Beurteilung des Integ ritätsschadens am Rücken strittig. Diesbe- züglich stützte sich die SUVA in der genannten Verfügung auf die durch Dr. F.____ am 9. Januar 2015 verfasste ärztliche Beurteilung zum Integritätsschaden ohne Stabilisierungsope- ration. Darin hält dieser fest, dass bei der Berstungsf raktur von Th12 eine Pseudarthrose be- stehe und der Wirbelkörper von Th12 einen Kyphosewinkel von 21.5° zeige. Analog der Tabelle 7.2 Absatz 1 könne im vorliegenden Fall der mittlere Wert der Schmerzfunktionsskala 2+ einge- setzt werden. Dies ergebe bei einem Kyphosewinkel von über 21° einen Wert von 17.5 %. 7.7 Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich einen hö heren Integritätsschaden geltend und stützt sich dabei auf die Beurteilung von Dr. B.____ vom 20. Dezember 2013. Darin hält dieser fest, dass gemäss der anerkannten SUVA-Tabelle „I ntegritätsschaden bei Wirbelsäulen- affektionen“ der Integritätsschaden bei Th12-Fraktur mit einem Kyphosewinkel von über 21° bei starken Schmerzen auf 20 – 30 % bzw. maximal 50 % eingesc hätzt werde. Beim Ausmessen des Röntgenbildes zeige sich ein Frakturkyphosewinkel von 22 ° , Messe man das Bewegungs- segment von Deckplatte Th11 zur Grundplatte Th12, erg ebe sich ein Kyphosewinkel von sogar 25° . 7.8 Dr. F.____ nahm daraufhin mit Bericht vom 25. Mär z 2015 nochmals Stellung. Seine Beurteilung des Integrationsschadens für die Schädigung an der Wirbelsäule beruhe auf der Tabelle 7.2 der SUVA-Tabellen. Er habe bei einem Kyp hosewinkel von über 21° die Schmerz- funktionsskala 2+ angelegt. Als Bemessungsgrundlage könne der Mittelwert dieser Schmerz- funktionsskala von 17.5 % eingesetzt werden. Die Bewertung der Skala 2+ entspreche geringen Dauerschmerzen, die sich in Ruhephasen manifestieren und sich bei Belastung verstärken. Für die Anwendung der Skala 3+ würden starke Dauerschmerzen, die keine Zusatzbelastungen zuliessen, vorausgesetzt. Über solche habe der Versicherte während der kreisärztlichen Unter- suchung vom 5. August 2013 nicht geklagt. Auch in den fr üheren Berichten des Universitätsspi- tals I.____ respektive im früheren Bericht der Reha Tri age in der Rehaklinik H.____ vom 29. Juni 2012 seien nirgends solch starke Schmerzen beschrie ben. Aus diesem Grund komme es zur Abweichung seiner Beurteilung zu derjenigen von Dr. B.____, der in seinem Bericht vom 20. Dezember 2013 für die Beurteilung des Integrität sschadens von starken Schmerzen ausge- he. Diese Einschätzung beruhe wahrscheinlich auf einem U ntersuchungsbefund vom 28. November 2013, wobei keine detaillierte Begründung des Integritätsschadens beilägen. 7.9 Dem Beschwerdeführer, der ein Gerichtsgutachten od er eventualiter eine Integritätsent- schädigung in der Höhe von 25 % beantragt, kann nicht gefolgt werden, soweit er zur Begrün- dung vorbringt, dass auf den Bericht von Dr. F.____ nich t abgestellt werden könne, weil ge- stützt auf die Beurteilung von Dr. B.____ zumindest ge ringe Zweifel an der versicherungsinter- nen Beurteilung betreffend die Höhe des Integrationssc hadens bestünden. Dr. B.____ geht in seiner Beurteilung von der Skala 3+ aus, für deren An wendung starke Dauerschmerzen in der Nacht und in Ruhe, welche Zusatzbelastungen verunmög lichen, vorausgesetzt werden. Diese Einschätzung wird jedoch nirgends genau begründet. Die Beurteilung von Dr. F.____ stützt sich hingegen auf die eigene Untersuchung sowie auf die Be richte des Universitätsspitals I.____ Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht respektive der Rehaklinik H.____, in denen ebenfalls kein e starken Dauerschmerzen erwähnt werden. Laut Bericht des Universitätsspitals I.____ vom 31 . August 2012 werden vom Versi- cherten zwar persistierende Schmerzen im Bereich des thorakolumbalen Übergangs sowohl bei Belastung als auch in der Nacht erwähnt. Diese Aussage widerspricht jedoch nicht der Anwen- dung der Skala 2+, welche geringen Dauerschmerzen, die sich in Ruhephasen manifestieren und sich bei Belastung verstärken, voraussetzt. Nach dem Ge sagten sind die Voraussetzungen für die Anwendung der Skala 3+ mit überwiegender Wa hrscheinlichkeit nicht erfüllt. Die Skala 2+ schliesst eine Integritätsentschädigung für die Rückenbeschwerden von 20 % zwar nicht aus – was mit der Integritätsentschädigung der Schulter von 5 % addiert zu einem Integritätsscha- den von 25 % führen würde – jedoch ist die Schätzung der Beschwerdegegnerin von 17.5 % für die Rückenverletzung vertretbar und nachvollziehbar. Di e Beschwerde erweist sich daher als unbegründet, soweit mit ihr die Ausrichtung einer höh eren Integritätsentschädigung beantragt wird. Damit erübrigt sich auch die beantragte Einholung eines Gerichtsgutachtens. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besc hwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Vorliegend obsiegt der Besc hwerdeführer insofern, als er mit Wir- kung ab 1. Juli 2013 Anspruch auf eine Rente aufgrund eines IV-Grades von 15 % hat. Er ob- siegt im vorliegenden Prozess demnach lediglich teilweise , weshalb ihm nur eine reduzierte Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen ist. Der Rechtsvertreter des Versicherten macht in seiner Honorarnote vom 14. Juli 2015 einen Aufwand von 8 Stunden und 35 Minuten und Auslagen von Fr. 98.10 geltend. D er der Honorarnote beigelegten Deser- vitenkarte ist zu entnehmen, dass sich darunter drei kleinere Bemühungen im Umfang von je 10 Minuten befinden, welche auf den Kontakt des Rechtsvertr eters mit der Rechtsschutzversiche- rung des Beschwerdeführers zurückzuführen sind. Diese Bemü hungen würden im Falle einer nicht Rechtsschutz versicherten Person jedoch nicht anfallen u nd können daher nicht berück- sichtigt werden. Damit sind die Bemühungen im Zusammenhang mit der Rechtsschutzversiche- rung im Umfang von insgesamt 30 Minuten in Abzug zu br ingen. Im Hinblick auf das teilweise Obsiegen des Beschwerdeführers, erscheint es angemessen, i hm eine pauschale Parteient- schädigung für 5 Stunden Aufwand und Fr. 60.-- Auslagen zuzusprechen. Der Beschwerdefüh- rer hat demnach Anspruch auf eine reduzierte Parteien tschädigung in der Höhe von Fr. 1'414.80 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gu tgeheissen, als der Einspracheentscheid vom 7. April 2015 aufgehoben und f estgestellt wird, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juli 2013 Anspruch auf eine Rente aufgrund eines IV-Grades von 15 % hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ei ne reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'414.80 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht