Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. September 2016 (720 15 348) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Infolge Vorliegens beachtlicher Gründe ist ausnahmsweise vom Territorialitätsprinzip im Hilfsmittelbereich abzuweichen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei ber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Stephan Müller , Adv o- kat, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. Die 2008 geborene A.____ leidet an einer angebor enen cerebralen Entwicklungsstörung. In der Vergangenheit sprach ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) deshalb bereits diver- se Leistungen in Form von medizinischen Massnahmen und Hilfsmitteln sowie eine Hilflo- senentschädigung zu. B. Mit Gesuch vom 16. Juni 2013 ersuchten die Elter n der Versicherten unter Beilage der entsprechenden Rechnungen der B.____ GmbH in C.____ in Deutschland vom 29. November 2012 um Kostenübernahme für ein Paar Orthesenschuhe , ein Paar Stabilschuhe und Fussein- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lagen, eine funktionelle US-Orthese links sowie eine knö chelübergreifende OSG-Orthese rechts. Nach einer fachtechnischen Beurteilung des SHAB Hilfsmittelzentrums vom 21. Oktober 2013 teilte die IV-Stelle den Eltern der Versicherten am 3. Januar 2014 mit, dass es sich bei der B.____ GmbH um einen nicht anerkannten Tarifpartner handle. Die Kosten für die bezogenen Orthesen, Schuhe und Fusseinlagen könnten deshalb nicht übernommen werden. Mit Schrei- ben vom 27. Februar 2014 bat die Rechtsvertreterin der Eltern der Versicherten um Wiederer- wägung der abschlägigen Mitteilung der IV-Stelle vom 3. Januar 2014. Die IV-Stelle hielt mit Schreiben vom 19. März 2014 an ihrer ablehnenden Haltu ng mit dem Argument fest, dass selbst eine günstigere und gleichwertige Versorgung bei einer nicht zugelassenen Durchfüh- rungsstelle im Ausland nicht zugelassen werden könne. C. Mit einem weiteren Gesuch vom 31. August 2014 bean tragte der Vater der Versicherten gestützt auf drei Kostenvoranschläge der B.____ GmbH vo m 27. August 2014 erneut die Kos- tenübernahme für ein Paar neue Orthesen sowie je ein Paar Orthesensandalen bzw. Orthesen- schuhe. Am 3. September 2014 teilte die IV-Stelle gest ützt auf ihre bisherige Korrespondenz mit, dass die entsprechenden Kosten nicht übernommen werden könnten. Sobald eine zugelas- sene Durchführungsstelle gefunden sei, würden die anfal lenden Kosten jedoch übernommen. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2014 teilte die Rechtsvertr eterin der Versicherten mit, dass an der von ihr vertretenen Auffassung festgehalten werde, und bat um eine anfechtbare Verfü- gung. Dabei hielt sie fest, dass sich die Durchführung eines Vorbescheidverfahrens erübrige, da die entsprechenden Einwände bereits im Anschluss an die M itteilung der IV-Stelle vom 3. Ja- nuar 2014 geltend gemacht worden seien. Mit Verfügun g vom 3. November 2014 lehnte die IV- Stelle das entsprechende Gesuch mit der Begründung ab, dass es sich bei der B.____ GmbH um eine nicht zugelassene Durchführungsstelle handle. D. Auf eine hiergegen erhobene Beschwerde der Eltern der Versicherten, vertreten durch Stephan Müller, Advokat, trat das Kantonsgericht des Kan tons Basel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht) mit Urteil vom 30. September 2015 mangels Streitge- genstands nicht ein. In Bezug auf das mittlerweile gutge heissene Gesuch um Hilfsmittelversor- gung vom 31. August 2014 fehle es sodann an einem schut zwürdigen Interesse an der Aufhe- bung oder der Änderung der angefochtenen Verfügung. E. Hiergegen liess die Versicherte Beschwerde beim Bund esgericht erheben. Für den Fall, dass das Bundesgericht die Auffassung des Kantonsgerichts in seinem Urteil vom 30. Sep- tember 2015 stützen sollte, beantragte sie am 23. Oktob er 2015 erneut den Erlass einer Verfü- gung ausdrücklich mit Bezug auf ihr ursprüngliches Koste ngutsprachegesuch vom 16. Juni 2013. F. Mit Verfügung vom 4. November 2015 wies die IV-S telle das entsprechende Leis- tungsbegehren mit der Begründung ab, dass die beantrag ten Hilfsmittel gemäss Rechnungen vom 29. November 2012 nicht übernommen werden könnten, da es sich bei der Durchfüh- rungsstelle B.____ GmbH aus Deutschland um eine nicht an erkannte Hilfsmittel-Abgabestelle gemäss Tarifvertrag SVOT und SSOMV handle. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Hiergegen liess die Versicherte, vertreten weiterhin durch Advokat Stephan Müller, mit Eingabe vom 13. November 2015, Beschwerde beim Kantons gericht erheben und beantragen, dass die Verfügung der IV-Stelle vom 4. November 2015 aufzuheben und ihr eine Kostengut- sprache in der Höhe von CHF 5‘038.75 für die am 16. M ärz 2013 beantragten Orthesen samt dazu gehörender Schuhe und Einlagen zu erteilen sei; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass eine unbeschrä nkte Austauschbefugnis gelte, weil das fragliche Hilfsmittel nicht im Rahmen eines Ve rgabeverfahrens beschafft werde. Selbst wenn eine Beschränkung der Austauschbefugnis zulässig wäre, dürfe im vorliegenden Einzelfall von der ansonsten verbindlichen Lieferantenliste deshalb abgewichen werden, weil hierfür trifti- ge Gründe vorlägen und die gesetzlichen Leistungsvoraussetzungen mit der frei gewählten Lie- ferantin aus Deutschland nach wie vor eingehalten würden. H. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 23. Dezem ber 2015 auf Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 29. Dezember 2015 wies sie ergänzend auf die erweiterte Randziffer Nr. 1048 des aus ihrer Sicht massgebenden Kr eisschreibens über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die IV (KHMI) hin. Die Beschwerdef ührerin hielt mit Stellungnahme vom 29. Januar 2016 vollumfänglich an ihrer Beschwerde fest. I. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 18. März 2016 wurde die Angelegenheit bis zum Entscheid des Bundesgerichts im vorangehenden Verfahr en betreffend das kantonsge- richtliche Urteil vom 30. September 2015 sistiert. Nachde m sich das Kantonsgericht gegenüber dem Bundesgericht dahingehend vernehmen liess, die rub rizierte Angelegenheit einer materiel- len Beurteilung zu unterziehen, zog der Beschwerdeführe r seine Beschwerde vor Bundesge- richt betreffend das kantonsgerichtliche Urteil vom 30. September 2015 zurück. Das Kantonsge- richt hob in der Folge die Verfahrenssistierung im rubr izierten Verfahren auf und überwies die Angelegenheit dem Präsidium des Kantonsgerichts zur Beurteilung. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversich erung (IVG) vom 19. Juni 1959 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Verfügungen der IV- Stelle beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle i nnert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Sachlich zuständig zur Beurteilung der Beschwe rde ist im Kanton Basel-Landschaft gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht. Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts über Streitigkeiten bis zu einem St reitwert von CHF 10'000.—. Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten in der Höhe von Fr. 5‘038.75 für die beantrag- ten Orthesen samt dazugehörender Schuhe und Einlagen zu übernehmen hat. Die Angelegen- heit ist damit präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 9 Abs. 1 IVG werden Eingliederungsmassnahm en in der Schweiz, aus- nahmsweise auch im Ausland, gewährt. Zu den Einglieder ungsmassnahmen zählen laut Art. 8 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 3 IVG unter anderem die medizinischen Massnahmen im Sinne von Art. 12 ff. IVG und die Hilfsmittel nach Art. 21 f. IVG. Nach Art. 21 Abs. 1 IV G hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Aus- übung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhn ung bedarf. Art. 21 Abs. 2 IVG be- stimmt, dass Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rah- men einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksi cht auf die Erwerbsfähigkeit An- spruch auf solche Hilfsmittel haben. Laut Art. 21 Abs. 3 IVG werden die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung abgegeben. 2.2 Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste nach Art. 21 Abs. 1 IVG sowie zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von Art. 21 Abs. 4 IVG hat der Bundesrat in Art. 14 IVV an das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) übertra gen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicheru ng (HVI) vom 29. November 1976 mit anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut Art. 2 Abs. 1 HVI besteht im Rah- men der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hi lfsmittel, soweit diese für die Fortbewe- gung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt od er für die Selbstsorge notwendig sind. Die Liste der Hilfsmittel im Anhang der HVI nennt unt er der Ziff. 2.01 "Beinorthesen" und unter Ziff. 4.03 „Orthopädische Spezialschuhe“ bzw. unter Ziff . 4.05* „Orthopädische Schuheinlagen“, sofern sie eine notwendige Ergänzung einer medizinischen Eingliederungsmassnahme darstel- len. 2.3 Nach Art. 26 Abs. 1 IVG steht den Versicherten di e Wahl unter den eidgenössisch diplo- mierten Ärzten und Ärztinnen, Zahnärzten und Zahnärztinnen sowie Apothekern und Apotheke- rinnen frei. Des Weitern steht laut Art. 26bis Abs. 1 IVG den Versicherten die Wahl unter den medizinischen Hilfspersonen, den Anstalten und Werkstätten , die Eingliederungsmassnahmen durchführen, sowie den Abgabestellen für Hilfsmittel fr ei, wenn sie den kantonalen Vorschriften und den Anforderungen der Versicherung genügen. Gemäss Art. 27 Abs. 1 IVG ist der Bundes- rat befugt, mit der Ärzteschaft, den Berufsverbänden der Medizinalpersonen, den Anstalten und Werkstätten, die Eingliederungsmassnahmen durchführen, sow ie den Abgabestellen für Hilfs- mittel Verträge zu schliessen, um die Zusammenarbeit mit den Organen der Versicherung zu regeln und die Tarife festzusetzen. Soweit kein Vertra g besteht, kann der Bundesrat die Höchstbeträge festsetzen, bis zu denen den Versicherten di e Kosten der Eingliederungsmass- nahmen ersetzt werden. Laut Art. 24 Abs. 2 IVV werde n die Verträge gemäss Artikel 27 IVG grundsätzlich vom Bundesamt abgeschlossen. 2.4 Schafft eine versicherte Person ein Hilfsmittel nach der im Anhang aufgeführten Liste sel- ber an oder kommt sie für die Kosten einer invalidität sbedingten Anpassung selber auf, so hat sie gemäss Art. 8 Abs. 1 HVI Anspruch auf Ersatz der Kost en, die der Versicherung bei eigener Anschaffung oder Kostenübernahme entstanden wäre. Ent sprechend sieht Randziffer (Rz) 1024 des Kreisschreibens über die Abgabe der Hilfsmittel (KMHI) in der ab 1. Januar 2013 gel- tenden Fassung vor, dass das von der versicherten Person i m In- oder Ausland selber ange- schaffte Hilfsmittel, für welches die Anspruchsvoraussetzunge n erfüllt werden und welches in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Hilfsmittelliste steht, von der IV übernommen wird . Die IV bezahlt dabei den effektiven Preis, jedoch maximal den von ihr festgelegten Preis. Er weist sich die Durchführung einer Ein- gliederungsmassnahme in der Schweiz als unmöglich, insbe sondere weil die erforderlichen Institutionen oder Fachpersonen fehlen, so übernimmt die Versicherung gemäss Art. 23 bis Abs. 1 IVV die Kosten der einfachen und zweckmässigen Durchf ührung auch im Ausland. Wird eine Eingliederungsmassnahme aus anderen, nicht in Art . 23 bis Abs. 1 IVV angeführten beacht- lichen Gründen im Ausland durchgeführt, so vergütet die Versicherung laut Art. 23 bis Abs. 3 IVV die Kosten bis zu dem Umfang, in welchem solche Leistun gen in der Schweiz zu erbringen ge- wesen wären. 2.5 Laut Rz 1048 KHMI ist für die versicherte Person di e freie Wahl der Abgabestelle grund- sätzlich gegeben und lediglich unter anderem dann einge schränkt, wenn eine Lieferantenliste der IV besteht. Gemäss Rz 1050 KHMI in Verbindung mit Anhang 2 KHMI basieren unter ande- rem der SVOT-Tarifvertrag (Schweizerischer Verband der O rthopädietechniker) und der OSM- Tarifvertrag (Orthopädie-Schuhmachermeister) auf dem KHMI. Anders als noch in der vor dem 1. Januar 2013 gültigen Fassung (aKHMI) sieht das aktue ll anwendbare KMHI allerdings nicht mehr vor, dass Hilfsmittel von Abgabestellen, die auf ei ner allenfalls bestehenden Lieferanten- liste nicht aufgeführt sind, nicht bezahlt werden (Rz 1068 aKHMI). 2.6 Gemäss Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsge richts (seit 1. Januar 2008: Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen) kann die von einer in der Schweiz wohnhaf- ten versicherten Person beanspruchte Massnahme nur dann im Ausland gewährt werden, wenn sie objektiv wegen ihrer Besonderheit und Seltenheit i n der Schweiz nicht oder noch nicht voll- zogen werden kann (ZAK 1984 S. 86). Blosse Vorzüge im E inzelfall genügen nicht; die Invali- denversicherung gewährt den Versicherten grundsätzlich nur diejenigen Massnahmen, welche im Einzelfall notwendig, aber auch genügend sind, nic ht aber das nach den gegebenen Um- ständen Bestmögliche (BGE 110 V 102, 98 V 213 E. 6). Zudem führte das Eidgenössische Ver- sicherungsgericht in BGE 110 V 99 aus, dass die Voraussetzu ngen des Abs. 2 von Art. 23 bis IVV in der bis Ende 2000 gültig gewesenen Fassung (der Abs. 3 von Art. 23 bis IVV in der seit 1. Januar 2001 geltenden Fassung entspricht) offensicht lich weniger weit gehen als diejenigen von Art. 23 bis Abs. 1 IVV. Obgleich diese Norm somit nicht eng auszuleg en ist, können beachtli- che Gründe indes lediglich solche von erheblichem Gewi cht sein, weil sonst nicht nur Abs. 1 von Art. 23 bis IVV bedeutungslos, sondern auch Art. 9 Abs. 1 IVG unte rlaufen würde, wonach Eingliederungsmassnahmen (nur) "ausnahmsweise" im Ausland gewährt werden (AHI 1997 S. 119 E. 5c mit Hinweisen). So führte beispielsweise bei Vornahme einer komplizierten Opera- tion der Umstand, dass eine spezialisierte Klinik im Ausla nd über mehr Erfahrung auf dem be- treffenden Gebiet verfügt, für sich allein noch nicht zu einer Anwendung von Art. 23 bis Abs. 2 IVV in der bis Ende 2000 gültig gewesenen Fassung (AHI 1997 S. 298 E. 2b). Zu bejahen war diese Anspruchsgrundlage hingegen, wenn eine besonder s seltene Krankheit vorliegt, mit wel- cher ein in der Schweiz tätiger Spezialist noch kaum konf rontiert wurde und deren Behandlung eine genaue Diagnose erfordert (Urteil des Eidgenössisc hen Versicherungsgerichts vom 21. Juli 2000, I 740/99). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Zwischen den Parteien ist strittig, ob die IV-Stell e die Kostengutsprache für die am 16. Juni 2013 beantragten Beinorthesen samt dazu gehö render Schuhe und Einlagen zu Recht mit der Begründung verweigert hat, dass es sich bei der B.____ GmbH aus Deutschland um ein nicht auf der Lieferantenliste der IV zugelassenes Orthop ädiegeschäft handle. Während die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang im Wesentl ichen vorbringen lässt, dass für die strittigen Hilfsmittel eine uneingeschränkte Austauschbefug nis gelte und von der tarifvertragli- chen Liste auch deshalb abgewichen werden dürfe, weil h ierfür in casu triftige Gründe vorgele- gen hätten, stellt sich die IV-Stelle auf den Standpun kt, dass der von den gesetzlichen Vertre- tern der Beschwerdeführerin beauftragte Hilfsmittelanbieter aus Deutschland die Voraussetzun- gen zur Orthesenversorgung auf Kosten der IV nicht erfülle. Es trete hinzu, dass in der Schweiz diverse Vertragslieferanten bestünden und deshalb davon ausgegangen werden könne, dass ein zugelassener Lieferant hätte gefunden werden könn en, der eine Erneuerung der fraglichen Orthesen ebenfalls innert dem notwendigen, kurzen Zeitraum hätte herstellen können. 3.2 Was die zwischen den Parteien mithin diskrepante Auf fassung zum Leistungsbezug im Ausland betrifft, ist dem Gesagten zufolge darauf hinzuweisen, dass den anspruchsberechtigten Personen nach Art. 26 bis Abs. 1 IVG die Wahl unter den Abgabestellen für Hilf smittel als Leis- tungserbringer nur dann frei steht, soweit die berufli chen Mindestanforderungen eingehalten werden, welche die vom Bundesamt in Ausübung der Kompetenznorm von Art. 24 Abs. 2 IVV in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 IVG geschlossenen Verträ ge enthalten. Hierzu zählen unbestrit- tenermassen die Verträge mit dem SVOT betreffend die Vergütung orthopädischer Arbeiten, sofern diese von Lieferanten ausgeführt werden, die da s eidgenössische Diplom besitzen und in dem vom Verband nachgeführten Mitgliederverzeichnis a ufgenommen sind (vgl. U LRICH MAYER -BLASER , Rechtsprechung zum Bundesgesetz über die Invalidenversiche rung, IVG, Zü- rich 1997, S. 191). Gleiches gilt hinsichtlich des SSOMV (vgl. oben, Erwägung 2.4 hiervor; ebenso Rz 1050 und Anhang 2 KHMI). Die Beschwerdegegnerin verweist in der angefochtenen Verfügung deshalb grundsätzlich zu Recht auf die Beschrän kung der Wahlfreiheit im Bereich der von der Beschwerdeführerin beantragten Hilfsmittel (BGE 130 V 163 E. 4). Demgegenüber ist der von der Beschwerdeführerin vertretenen Auffassung insoweit zuzustimmen, dass auch im Hilfsmittelbereich vom Territorialitätsprinzip, welche s das Recht der Leistungserbringer und des Leistungsbezuges grundsätzlich beherrscht, abgewichen und ausnahmsweise ein Hilfsmit- telbezug im Ausland gestattet werden kann. Gemäss Art. 23 bis Abs. 1 IVV und der hierzu ergan- genen Rechtsprechung (vgl. oben, Erwägung 2.6) ist hier für notwendig, dass ein Hilfsmittel ge- mäss der Liste im Anhang der HVI in der Schweiz nicht verf ügbar oder eine adäquate Versor- gung mit einem solchen Hilfsmittel nicht möglich ist. Bei der Abgabe von Orthesen, Schuhwerk und orthopädischen Fusseinlagen ist das eingeschränkte Wa hlrecht gemäss Anhang 2 und 4 HVI grundsätzlich eine Anspruchsvoraussetzung. Klar ist eben falls, dass die Versicherte an einem Geburtsgebrechen leidet, für welches diverse Institutionen in der Schweiz entsprechende Hilfsmittel in Form der strittigen Orthesen samt dazugehörender Schuhe und Einlagen anbieten. Wie den Akten zu entnehmen ist, war es den Eltern der V ersicherten denn auch möglich, per September 2014 eine Versorgungslösung mit der in D._ ___ domizilierten E.____ GmbH zu fin- den (vgl. Vernehmlassung der IV-Stelle vom 23. Dezember 2015, S. 4; Stellungnahme der Be- schwerdeführer vom 29. Januar 2016, ad Materielles 3b). Damit ist belegt, dass in Bezug auf die bereits mit Kostengutsprachegesuch vom 16. Juni 2013 b eantragten Hilfsmittel eine adä- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht quate Versorgung ebenfalls in der Schweiz hätte sichergestellt werden können. Jedenfalls kann nicht gesagt werden, dass die beanspruchte Massnahme wegen ihrer Besonderheit und Sel- tenheit in der Schweiz objektiv nicht hätte vollzogen wer den können (ZAK 1984 S. 86). Die ge- genteilige Auffassung der Eltern der Beschwerdeführer in, die Versorgung einzig durch die B.____ GmbH in Deutschland sicherzustellen, stellt der dar gelegten Rechtsprechung zufolge (vgl. oben, Erwägung 2.6 hiervor) somit keinen Grund dar, der eine Übernahme der beantragten Kosten unter dem Titel von Art. 23 bis Abs. 1 IVV rechtfertigen würde. Zu prüfen bleibt hin gegen, wie es sich hinsichtlich einer Kostenübernahme unter dem Titel von Art. 23 bis Abs. 3 IVV verhält. 3.3 Den Abklärungsergebnissen des SHAB Hilfsmittelzentrum s vom 21. Oktober 2013 ist zu entnehmen, dass die Versicherte bisher durch die Firm a F.____ AG mit Orthesen versorgt worden sei, die Familie jedoch mit deren Service wegen zu langer Durchlaufzeiten und unflexib- ler Termingestaltung unzufrieden gewesen sei. Die vorhe rgehenden Orthesen hätten infolge Wachstums der Versicherten jeweils durch neue ersetzt werde n müssen. Man habe sich des- halb entschieden, einen Firmenwechsel vorzunehmen und habe mit der Firma B.____ GmbH aus Deutschland eine sehr gute Alternative gefunden. Aufgrund der dafür vorgesehen Tarifposi- tionen nach SVOT-Tarif resultiere für die Unterschenkel orthese ohne Zusatzpositionen eine um insgesamt CHF 433.30 günstigere Versorgung als in der Sc hweiz. Aufgrund dieser Sachlage werde vorgeschlagen, die Unterschenkelorthese mit CHF 2‘091.95 und die Beinorthese mit CHF 1‘895.40 zu entgelten (vgl. IV-Dok 171). Gemäss Stellungnahme der seitens der Eltern der Versicherten bevollmächtigten Sozialversicherungsberaterin vom 27. Februar 2014 könne durch die Anfertigung der Orthesen durch die Firma B.____ GmbH eine Zeitersparnis von mehreren Wochen erreicht werden. Diese biete eine sehr flexible Termingestaltung und sei bereit, not- wendige Anpassungen vor Ort vorzunehmen. Dies beschleunig e den Herstellungsprozess enorm. Dies wirke sich positiv auf die Fortschritte in der Mobilität der Versicherten aus und stel- le eine grosse Entlastung für die Eltern dar (vgl. IV-D ok 188). Der ärztlichen Bescheinigung des Spitals G.____ vom 12. August 2014 ist zu entnehmen, dass die Versicherte auf gut sitzende Unterschenkelorthesen angewiesen sei. Diese müssten wachstum sbedingt alle sechs bis neun Monate erneuert werden. Bis 2011 seien die Orthesen von der Firma F.____ AG angefertigt und angepasst worden. Dieser Prozess habe oft mehr als zw ei Monate gedauert. Aus medizini- scher Sicht sei dies zu lange, da sich zu kleine und unpassen de Orthesen ungünstig auf die Mobilität und die Therapiefortschritte auswirken würde n. So habe die Versicherte bereits eine starke Entzündung aufgrund der nicht mehr passenden Orth ese erlitten. Bei der Firma B.____ GmbH liessen sich die notwendigen Orthesen innerhalb vo n zehn Tagen anfertigen, was nach- drücklich unterstützt werde. Das UKBB arbeite seit vielen Ja hren mit der B.____ GmbH zu- sammen. 3.4 Vorab ist festzuhalten, dass die Gleichwertigkeit des strittigen Hilfsmittelbezugs bei der B.____ GmbH unbestritten geblieben ist. Tatsache ist auc h, dass die Orthesenversorgung durch diesen ausländischen Anbieter günstiger als in der Schweiz ausgefallen ist (vgl. IV-Dok 171). Alleine deshalb kann aber noch kein Anspruch auf eine Kostenübernahme der im Übrigen von der Versicherten unbestritten benötigten Hilfsmittel durch die B.____ GmbH begründet werden. Voraussetzung im Ausnahmefall hierfür bildet der dargelegten Rechtsprechung zufolge vielmehr das Vorliegen beachtlicher Gründe. Diese müssen von erheblichem Gewicht sein, an- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dernfalls Art. 9 Abs. 1 IVG unterlaufen würde. Solche Gründe liegen hier vor. Die bisherige Hilfsmittelversorgung durch die F.____ AG war offensicht lich nicht nur unbefriedigend, sondern hat letztlich zu einer medizinischen Notlage geführt, in deren Folge die Versicherte offenbar gar an starken Entzündungen gelitten hat (vgl. IV-Dok 229). Es ist notorisch, dass die junge Versi- cherte aufgrund ihres im Alter von rund fünf Jahren rasch fortschreitenden Körperwachsums auf passendes Schuhwerk und Orthesen angewiesen war. Den Akten kann ausserdem entnommen werden, dass die Versicherte innerhalb einer fünfwöchi gen Rehabilitation im Frühjahr 2012 grosse Fortschritte erzielt hat und das Gehen am Rollato r dabei verbessern konnte (vgl. IV-Dok 146). Die Versicherte benötigt die Orthesen ausserdem noch heute für ihr tägliches Lauftraining (vgl. IV-Dok 208, ad Ziff. 4.1.1 sowie 4.1.2). Es ist o ffensichtlich, dass sich zu kleine Orthesen unter diesen Umständen nicht nur ungünstig auf die Mob ilität der Versicherten ausgewirkt hät- ten, sondern letztlich jene Therapiefortschritte verunm öglicht hätten, welche zu fördern aber gerade beabsichtigt war. Ohne eine zeitgerechte Versorg ung mit den hierfür benötigten Orthe- sen wären die von der IV übernommenen Therapien daher klar in Frage gestellt worden (vgl. Kostengutsprache der IV-Stelle für Physiotherapie in der Zeit vom 1. Januar 2013 bis Ende 2014, IV-Dok 168; ebenso Mitteilung der IV-Stelle vom 20. Juni 2014 betreffend Kostengutspra- che für Ergotherapie, IV-Dok 218). Die gewichtigen Gründe, welche ausnahmsweise ein Abwei- chen von einer Lieferantenliste gemäss Art. Art. 26 bis Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 IVV rechtfertigen, ergeben sich in casu somit aus der zeitlichen Dringlichkeit einer adäquaten Versorgung im Einzelfall. 3.5 An diesem Ergebnis vermag nichts zu ändern, dass es de n Eltern der Versicherten offen gestanden wäre, sich bei der Beschwerdegegnerin noch vor der Erteilung des Auftrags zur Beschaffung der strittigen Hilfsmittel an die B.___ _ GmbH zu erkundigen bzw. die IV-Stelle auf den beabsichtigten Wechsel des Lieferanten hinzuweise n. Dass sich die Eltern der Versi- cherten angesichts der medizinisch klar indizierten zeitlichen Dringlichkeit und in Anbetracht der ärztlichen Empfehlung der behandelnden Ärzte des Spital s G.____ (vgl. IV-Dok 224) indes ent- schieden haben, die strittige Hilfsmittelversorgung bei der B.____ GmbH direkt in Auftrag zu geben, kann ihnen unter den gegebenen Umständen nich t vorgeworfen werden. Ein (erneuter) Wechsel des Hilfsmittellieferanten hätte dazumal zu eine r weiteren zeitlichen Verzögerung ge- führt. Eine solche Verzögerung wäre für die Versichert e den medizinischen Akten zufolge aber nicht zumutbar gewesen. Ausserdem hatten die Eltern d er Versicherten Grund genug, nach Treu und Glauben davon ausgehen zu dürfen, dass die be i der B.____ GmbH in Auftrag gege- benen Hilfsmittel unter den gegebenen Umständen gutgeheissen würden, weil die IV-Stelle kurz vor deren Anfertigung im November 2012 ein Kostengutsp rachegesuch für einen Reha- Kinderwagen (Kinderbuggy) ebenfalls der B.____ GmbH noch gutgeheissen hatte (vgl. IV-Dok 129 und 143). Auch hierfür wäre eine Vergütung gemäss Tarifvertrag SVOT vorgesehen (vgl. Anhang 9 HVI in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 I VV und Art. 27 Abs. 1 IVG; oben, Erwä- gung 3.2 hiervor), weshalb grundsätzlich auch in dieser Hinsicht ein ebenfalls nur eingeschränk- ter Bezug bei einem ausländischen Hilfsmittelanbieter i n Frage gekommen wäre. Retrospektiv bestand für die Eltern der Versicherten insofern keine V eranlassung, die IV-Stelle in Bezug auf die strittigen Orthesen samt Zusatzpositionen der B.__ __ GmbH auf einen Wechsel des Liefe- ranten hinzuweisen. Schliesslich tritt hinzu, dass ab Juli 2011 im Bereich der orthopädischen Arbeiten offenbar ein vertragsloser Zustand bestanden hat (vgl. IV-Dok 196). Unbesehen des Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Umstands, dass künftige Abrechnungen für Leistungen auf der Basis des zuvor gültigen SVOT- Tarifs reguliert werden, kann mangels gültigen SVOT-V ertrags deshalb weder eine Einschrän- kung des Wahlrechts gemäss Art. 26 bis Abs. 1 noch gemäss Art. 26 bis Abs. 3 IVG begründet werden (vgl. Art. 27 Abs. 3). 3.6 Zusammenfassend ist infolge Vorliegens beachtlicher Gr ünde ausnahmsweise vom Territorialitätsprinzip im Hilfsmittelbereich abzuweich en. Dies führt zur Gutheissung der Be- schwerde, wonach die IV-Stelle zu verpflichten ist, den Eltern der Versicherten die gemäss Kos- tengutsprachegesuch vom 16. Juni 2013 in masslicher Hinsicht unbestritten gebliebenen Aus- gaben gemäss Rechnungen der B.____ GmbH in Weil am R hein in Deutschland vom 29. No- vember 2012 zu erstatten. 4.1 Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Ar t. 69 Abs. 1bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicher ungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.— bis CHF 1’000.— festgelegt. Bei Fäl len wie dem vorliegenden, in de- nen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt d as Gericht die Kosten in Berücksichti- gung des bundesrechtlichen Kostenrahmens für alle noch vor dem 1. Juli 2016 eingegangenen Fälle einheitlich auf CHF 600.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin unterlegene Partei, weshalb sie gru ndsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden gemäss Verwaltungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung ist auf Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten, und der gel eistete Kostenvorschuss ist zurück- zuerstatten. 4.2 Der obsiegenden Beschwerdeführerin steht sodann gem äss § 21 Abs. 1 VPO eine Parteientschädigung zu. Der Honorarnote vom 13. Juli 20 16 zufolge beläuft sich der geltend gemachte Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfah ren auf insgesamt 7,70 Stunden. Dieser Aufwand erscheint angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des wiederholten Schriftenwechsels als angemessen. Eben falls nicht zu beanstanden sind die geltend gemachten Auslagen im Umfang von insgesamt C HF 132.40. Es ergibt sich demnach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegner in in der Höhe von insgesamt CHF 2‘222.— (7,7 Stunden à CHF 250.— und Auslagen in d er Höhe von CHF 132.40 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Ba- sel-Landschaft vom 4. November 2015 aufgehoben und es wird die IV- Stelle verpflichtet, der Versicherten die gemäss Kostengu tsprachege- such vom 16. Juni 2013 ausgewiesenen Kosten gemäss Rechnu ngen der B.____ GmbH vom 29. November 2012 zu erstatten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von CHF 600.— zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von CHF 2‘222.— (inkl. Au slagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.