<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 30 S.124</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">124</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>30</b></span> <span class="ft2"><b>Allgemeine Abzüge. Gewinnungskosten bei Selbstständigerwerbenden.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Prämien für die (freiwillige) Unfallversicherung von Selbststän-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>digerwerbenden sind jedenfalls dann abziehbar, wenn besondere</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Unfallrisiken der Berufsausübung abzudecken sind.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 16. Dezember 2004 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen R.G. gegen Steuerrekursgericht.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Prämien und Beiträge für die obligatorische Unfallversi-</span><br/> <span class="ft1">cherung sind uneingeschränkt abziehbar (§ 40 lit. f StG). Prämien für</span><br/> <span class="ft1">nicht obligatorische Unfallversicherungen werden demgegenüber</span><br/> <span class="ft1">durch die Pauschale von Fr. 4'000.-- (Verheiratete) in § 40 lit. g StG</span><br/> <span class="ft1">erfasst und können deshalb nicht separat abgezogen werden. Dem</span><br/> <span class="ft1">Obligatorium der Unfallversicherung unterstehen nur die unselbst-</span><br/> <span class="ft1">ständig Erwerbenden; Selbstständigerwerbende können sich aber</span><br/> <span class="ft1">freiwillig versichern lassen (Art. 1a, Art. 4 Abs. 1 UVG). Von daher</span><br/> <span class="ft1">erscheinen die Unfallversicherungsprämien von Selbstständigerwer-</span><br/> <span class="ft1">benden zunächst nicht abzugsfähig (vgl. dazu Markus Reich, in:</span><br/> <span class="ft1">Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Band I/1 [StHG],</span><br/> <span class="ft1">2.</span> <span class="ft1">Auflage, Basel/Genf/München 2002, Art. 10 N 9; Daniel</span><br/> <span class="ft1">Aeschbach, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Band 1,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Muri/Bern 2004, § 40 N 125). Trotzdem wird in der</span><br/> <span class="ft1">Lehre die Abzugsfähigkeit teilweise - aus Überlegungen der rechts-</span><br/> <span class="ft1">gleichen Behandlung - vollumfänglich bejaht (Aeschbach, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">§</span> <span class="ft1">40 N 125 [der zitierte RGE äussert sich aber nicht zur</span><br/> <span class="ft1">Unfallversicherung und belegt ausschliesslich die Nichtabzugsfähig-</span><br/> <span class="ft1">keit von Prämien für die Krankentaggeldversicherung]; Peter Locher,</span><br/> <span class="ft1">Kommentar zum DBG, I. Teil, Therwil/Basel 2001, Art. 27 N 45).</span><br/> <span class="ft1">Teilweise werden bestimmte Ausnahmen anerkannt, namentlich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">125</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">soweit der Arbeitgeber in gleichem Umfang auch für die Prä-</span><br/> <span class="ft1">mien seiner Arbeitnehmer aufkommt - dies ebenfalls aus</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgleichheitsgründen (Harmonisierung des Unternehmens-</span><br/> <span class="ft1">steuerrechts [Hrsg. Konferenz Staatlicher Steuerbeam-</span><br/> <span class="ft1">ter/Kommission Steuerharmonisierung], Muri/Bern 1995, S. 39;</span><br/> <span class="ft1">Reich, a.a.O., Art. 10 N 9; Richner/Frei/Kaufmann, Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, Zürich 1999, § 27</span><br/> <span class="ft1">N 8),</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">wenn die Berufsausübung mit besonderen Unfallrisiken ver-</span><br/> <span class="ft1">bunden ist und die Versicherung daher vorwiegend betrieblich</span><br/> <span class="ft1">bedingt erscheint - dies gestützt auf § 36 Abs. 1 StG und in</span><br/> <span class="ft1">Weiterführung der Rechtsprechung zum früheren Recht</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1978, S. 356 mit Hinweisen), und - mit ähnlicher</span><br/> <span class="ft1">Begründung - wenn erkennbar das Betriebsrisiko (Kredit- und</span><br/> <span class="ft1">andere Fixkosten) während einer längeren unfallbedingten</span><br/> <span class="ft1">Erwerbslosigkeit abgedeckt wird (Maute/Steiner/Rufener,</span><br/> <span class="ft1">Steuern und Versicherungen, 2. Auflage, Muri/Bern 1999,</span><br/> <span class="ft1">S. 223 f.; vgl. zum Ganzen auch Duss/Greter/von Ah, Die</span><br/> <span class="ft1">Besteuerung Selbständigerwerbender, Zürich/Basel/Genf 2004,</span><br/> <span class="ft1">S. 94).</span><br/> <span class="ft1">b) Weshalb der Anspruch auf rechtsgleiche Behandlung (Art. 8</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BV) dazu führen soll, dass die Unfallversicherungsprämien</span><br/> <span class="ft1">von Selbstständigerwerbenden vollumfänglich zum Abzug zuzulas-</span><br/> <span class="ft1">sen sind, wird durch die Befürworter nicht eingehend begründet,</span><br/> <span class="ft1">sondern einzig auf die bereits erwähnte Publikation "Harmonisierung</span><br/> <span class="ft1">des Unternehmenssteuerrechts" gestützt. Eine so weit gehende Ab-</span><br/> <span class="ft1">zugsmöglichkeit ist abzulehnen. Allenfalls liesse sich erwägen, aus</span><br/> <span class="ft1">Gründen der Rechtsgleichheit die Prämien der Selbstständigerwer-</span><br/> <span class="ft1">benden für den im Rahmen der obligatorischen Unfallversicherung</span><br/> <span class="ft1">maximal versicherbaren Verdienst von zur Zeit Fr. 106'800.-- im Jahr</span><br/> <span class="ft1">bzw. Fr. 293.-- im Tag (Art. 22 Abs. 1 UVV in der Fassung vom</span><br/> <span class="ft1">28. September 1998) als abzugsfähig anzuerkennen; auf Seiten der</span><br/> <span class="ft1">unselbstständig Erwerbenden ist kein Sachverhalt ersichtlich, der als</span><br/> <span class="ft1">Basis für noch höhere Abzüge bei Selbstständigerwerbenden - auf</span><br/> <span class="ft1">Grundlage eines Gleichbehandlungsanspruchs - dienen könnte. Wie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">126</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sich im Folgenden zeigt, kann diese Frage vorliegend aber offen</span><br/> <span class="ft1">bleiben.</span><br/> <span class="ft1">c) Bei den erwähnten (vorne Erw. a) spezifischen Ausnahmen</span><br/> <span class="ft1">kann das Kriterium "besondere Unfallrisiken" namentlich bei Ein-</span><br/> <span class="ft1">mann-Firmen in Betracht kommen, wo eine Gleichbehandlung mit</span><br/> <span class="ft1">den Prämien der Arbeitnehmer aus faktischen Gründen unmöglich</span><br/> <span class="ft1">ist. So wird auch im angefochtenen Entscheid argumentiert:</span><br/> <span class="ft1">"(Abzugsfähigkeit), soweit der Abschluss einer Versicherung</span><br/> <span class="ft1">für den selbstständig Erwerbenden vorwiegend betrieblich bedingt</span><br/> <span class="ft1">ist. Das trifft insbesondere zu, wenn die Berufsausübung mit beson-</span><br/> <span class="ft1">deren Unfallrisiken verbunden ist und der selbstständig Erwerbende</span><br/> <span class="ft1">eine Unfallversicherung abschliesst, um für sich selbst die wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Folgen des Gefahreneintritts abzuwenden. Die Kosten</span><br/> <span class="ft1">einer solchen Versicherung sind, soweit sie für Arbeitnehmer üblich</span><br/> <span class="ft1">ist, Gewinnungskosten..."</span><br/> <span class="ft1">Nach Meinung des Verwaltungsgerichts ist es gerechtfertigt, an</span><br/> <span class="ft1">dieser Ausnahme weiterhin festzuhalten, da sie mit der allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">Regelung der Abzugsfähigkeit geschäftsmässig begründeter Kosten</span><br/> <span class="ft1">(§ 36 Abs. 1 StG) in Einklang steht. Wie im Folgenden darzulegen</span><br/> <span class="ft1">ist, ist dieser Sachverhalt gegeben, sodass auf die anderen</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmen bzw. auf die generelle Abzugsfähigkeit im Rahmen der</span><br/> <span class="ft1">für unselbstständig Erwerbende obligatorischen Unfallversicherung</span><br/> <span class="ft1">nicht näher eingegangen werden muss.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>