B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6310/2023 U r t e i l v o m 2 3 . N o v e m b e r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richter Basil Cupa; Gerichtsschreiber Nassim Safai-Rad. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 13. November 2023 / N (…). E-6310/2023 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin am 15. Oktober 2023 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass sie am 18. Oktober 2023 der im Bundesasylzentrum (BAZ) Region B._______ tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilte, dass ihr anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 31. Oktober 2023 das recht- liche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Kroatiens und zu ihrem Ge- sundheitszustand gewährt wurde, dass sie gemäss der Fin gerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) am (…) in Kroatien um Asyl nachgesucht hatte und das SEM gestützt hie- rauf am 18. Oktober 2023 die kroatischen Behörden um ihre Wiederauf- nahme ersuchte, die das Ersuchen am 1. November 2023 guthiessen, dass das SEM mit Verfügung vom 13. November 2023 auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat, deren Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien anordnete, eine Ausreisefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, die e ditionspflichti- gen Akten aushändigte und feststellte, der Beschwerde komme keine auf- schiebende Wirkung zu, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 1 6. November 2023 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichte, dass sie beantragte, es sei die Verfügung vom 13. November 2023 aufzu- heben und das SEM anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten sowie das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen, dass sie eventualiter beantragte, es sei die Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an das SEM zurück- zuweisen, dass sie subeventualiter beantragte, das SEM sei anzuweisen, von den zuständigen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien umgehend Obdach, Nahrung, eine adäquate und regelmässige medizinische sowie psychologische Behandlung zur Verfü- gung stehe, dass sie weiter beantragte, es sei jeder Verfahrensschritt mit dem Verfah- ren ihrer Familie (N […]) koordiniert zu behandeln, E-6310/2023 Seite 3 dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei die unentgelt- liche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses zu verzichten, dass sie in prozessualer Hinsicht weiter beantragte, es sei im Sinne vor- sorglicher Massnahmen der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Über- stellung nach Kroatien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Beschwerde entschieden habe, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Gerichts beziehungsweise die zulässigen Rü- gen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, dass die Beschwerdeführerin zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG), ihre Eingabe nach dem Gesagten den formellen Anforderungen an eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und sie ihre Beschwerde fristgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 AsylG), womit auf diese einzutreten ist, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über - prüfen (Art. 31a Abs. 1 –3 AsylG), die Be urteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vor - instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2), dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig- keit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), E-6310/2023 Seite 4 dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu v erzichten und der Ent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass aufgrund des engen sachlichen und persönlichen Zusammenhangs das vorliegende Verfahren antragsgemäss mit dem Beschwerdeverfahren der Familie der Beschwerdeführ erin E -6311/2023 (N […]) koordiniert zu behandeln ist, dass die Beschwerdeführerin eine Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und Rückweisung der Sache beantragt, weil die Vorinstanz insbeson- dere eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Ket tenab- schiebung, den Zugang zu Unterkunft und medizinischer Betreuung in Kro- atien in keiner Weise berücksichtigt (vgl. Beschwerde S. 12) und den me- dizinischen Sachverhalt in Bezug auf den psychischen Gesundheitszu- stand der Beschwerdeführerin nicht genügend abgeklärt habe (vgl. Be- schwerde S. 3 f.), womit sie den Sachverhalt unvollständig festgestellt habe, dass sich die entsprechenden Rügen jedoch als unbegründet erweisen, dass die Vorinstanz ausführlich sowohl auf die Situation der Push -backs beziehungsweise Kettenabschiebungen (vgl. angefochtene Verfügung S. 4 f.) als auch auf die medizinische Versorgung in Kroatien eingegangen und hierbei ebenso die individuelle Situation der Beschwerdeführerin aus- reichend berücksichtigt hat (vgl. angefochtenen Verfügung S. 5 f.), dass nicht ersichtlich ist, inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt unvoll- ständig abgeklärt haben soll, stützte sie doch ihre Erwägungen zu den Push-backs und zu Dublin-Rückkehrenden sowohl auf die fundierten Ab- klärungen der zuständigen Schweizerischen Botschaft in Kroatien als auch auf die einschlägige Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, was vorliegend nicht zu beanstanden ist (vgl. angefochtene Verfügung. S. 4 f.), dass auch der medizinische Sachverhalt von der Vorinstanz ausreichend abgeklärt wurde (vgl. angefochten Verfügung S. 5 f.), dass die Vorinstanz die Beschwerdeführerin anlässlich des Dublin-Ge- sprächs vom 31. Oktober 2023 gebeten hatte, ihre gesundheitlichen Prob- leme beim Gesundheitsdienst zu melden, was diese indessen gemäss den Akten nicht tat (vgl. SEM-eAkten 18/1), weshalb die Vorinstanz zu Recht nicht gehalten war, diesbezüglich weitere Abklärungen zu treffen, E-6310/2023 Seite 5 dass sie auch auf Beschwerdeebene keine medizinischen Unterlagen ein- gereicht hat oder Vorbringen macht, die darauf schliessen lassen würden, dass der medizinische Sachverhalt unvollständig abgeklärt worden wäre, dass die formellen Rügen folglich unbegründet sind, weshalb eine Rück- weisung an die Vorinstanz ausser Betracht fällt und das Eventualbegehren abzuweisen ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates die Zuständigkeitskriterien nac h der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ein em Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (Dublin-III-VO) prüft, dass, wenn diese Prüfung zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitglied- staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Wiederaufnahme ex- plizit oder implizit zugestimmt hat, auf das Asylgesuch grundsätzlich nicht eintritt (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1), dass jeder Mitgliedstaat beschliessen kann, einen bei ihm von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgeleg- ten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dub- lin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu- ständigkeit Kroatiens erkannte und die kroatischen Behörden – gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO – um Wiederaufnahme der Beschwer- deführerin (take-back-Verfahren) ersuchte, dass die kroatischen Behörden diesem Gesuch am 1. November 2023 ex- plizit zustimmten (vgl. SEM-eAkten 17/2), dass damit von der grundsätzlichen Zuständigkeit Kroatiens zur Rücküber- nahme im Sinne von Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO auszugehen ist, E-6310/2023 Seite 6 dass sich die Besc hwerdeführerin am Dublin-Gespräch vom 31. Oktober 2023 dahingehend geäussert hatte, dass sie auf ihrem Weg in die Schweiz ihre Fingerabdrücke mehrmals abgeben musste, wobei sie anlässlich des rechtlichen Gehörs auf entsprechende n Hinweis, dass möglicherweise Kroatien für ihr Asylgesuch zuständig sei, erklärte, dass sie von Beginn an in die Schweiz kommen wollte und deshalb nicht nach Kroatien zurück ge- hen wolle, dass sie in medizinischer Hinsicht ausführte, dass es ihr gesundheitlich gut, jedoch psychisch schlecht gehe , sie sich diesbezüglich aber nicht beim Gesundheitsdienst gemeldet habe und sie denke, ihr gehe es automatisch besser, wenn sie in der Schweiz bleiben könne, dass die Beschwerdeführerin in der Rechtsmitteleingabe e rgänzte, dass sie in Kroatien auf einem Polizeiposten ihre Fingerabdrücke habe abgeben müssen, sie und ihre Familie jedoch kein Asylgesuch gestellt hätten, sie dort dennoch als asylsuchend registriert worden seien, wobei aber nie ein Asylverfahren durchgeführt worden sei, sie stattdessen aufgefordert wor- den seien weiterzureisen und Dokumente zu unterschreiben, die sie nicht verstanden hätten, dass sie ferner darauf hinwies, dass sie grosse Angst vor einer Rückkehr nach Kroatien habe, sie dort schlecht behandelt worden sei und namentlich erlebt habe, wie die Polizei ihrem Fahrer eine Waffe an den Kopf gehalten habe, dass aufgrund der Aktenlage indessen keine Sachverhaltsumstände er- sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Überstellung in den für die Beschwerdeführerin zuständigen Dublin -Vertragsstaat spre- chen würden, dass es namentlich nicht von Belang ist, wenn sich die Beschwerdeführerin in Kroatien nicht hat registrieren lassen wollen, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den Antrag prüfenden Staat aus- zuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), dass selbst wenn zutreffen würde, dass die Beschwerdeführerin ihre Fin- gerabdrücke in Kroatien nicht freiwillig, sondern unter Zwang abgegeben hat, eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO nicht gerechtfertigt wäre, da sich aus einem solchen Vorkommnis nicht ableiten lässt, dass systemische Schwachstellen besteh en, welche nahelegen, dass die Be- schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Kroatien mit einer gewissen E-6310/2023 Seite 7 Wahrscheinlichkeit einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung aus- gesetzt wäre, dass in dieser Hinsicht festzuhalten ist, dass Kroatien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzproto- kolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, wobei Kroatien nach Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nachkommt, dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner jüngst bestätigten Recht- sprechung nicht davon ausgeht, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen in Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO auf (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 und insbesondere für take-back- Verfahren: Urteile des BVGer E-5089/2023 vom 28. September 2023 S. 7, F-638/2023 vom 16. Februar 2023 E. 6.3, F-69/2023 vom 25. Januar 2023 E. 5.1, F-37/2023 vom 6. Januar 2023 E. 6.2, E-4341/2022 vom 8. Dezem- ber 2022 E. 6.3), dass die Vorinstanz in Beachtung der aktuellen Rechtsprechung des Bun- desverwaltungsgerichts eine Einzelfallprüfung vorgenommen hat und unter Verweis auf Abklärungen durch die Schweizerische Botschaft in Kroatien zum Schluss gekommen ist, dass Personen, wel che im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Kroatien zurückgeführt werden, nicht von einer problematischen Push-back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteile des BVGer E-1488/2020 E. 9.5, F -37/2023 vom 6. Januar 2023 E. 6.2, E -5787/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 7.4, D-4160/2022 vom 28. September 2022 E. 7.3.1), dass auch unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geschil- derten Erlebnisse nicht davon auszugehen ist, Kroatien verstosse syste- matisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen, weshalb die Anwen- dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass die Beschwerdevorbringen zur allgemeinen Lage mit Verweisen auf verschiedene allgemeine Berichte, ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sowie zwei deutsche Gerichtsurteile hie- ran nichts zu ändern vermögen und ebenfalls keinen Anlass zur Annahme E-6310/2023 Seite 8 geben, die Beschwerdeführer in wäre in Kroatien persönlich ernsthaft an Leib und Leben gefährdet, dass die Beschwerdeführerin in der Rechtsmitteleingabe zwar geltend macht, von den kroatischen Behörden zum Gehen aufgefordert worden zu sein, im Verlauf ihres Verfahrens in der Schweiz jedoch weder eine Weg- weisungsverfügung der kroatischen Behörden vorleg en konnte noch ein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan hat, wonach sich die kroati- schen Behörden weigern würden, sie wieder aufzunehmen und ihren An- trag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) zu prüfen, dass den Akten auch keine Gründe für die konkrete Annahme zu entneh- men sind, Kroatien werde im Fall der Beschwerdeführerin den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwin- gen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, dass sodann eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesund- heitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, dass dies insbesondere der Fall ist, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech- nen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des EGMR), dass ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK gemäss aktueller Praxis des EGMR aber auch vorliegen kann, wenn eine schwer kranke Person dur ch die Überstellung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensive m Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteile des EGMR Pa- poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180 -193 m.w.H., bestätigt durch Savran gegen Dänemark 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, 57467/15, §§ 121 ff.), E-6310/2023 Seite 9 dass eine solche Situation vorliegend offensichtlich nicht gegeben ist, dass um Wiederholungen zu vermeiden, in Bezug auf die medizinischen Beschwerden auf die diesbezüglich zutreffenden Erwägungen der Vorin - stanz zu verweisen ist (vgl. angefochtene Verfügung S. 5 f.), dass die gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin überdies kein Hindernis für eine Überstellung nach Kroatien darstellen, zumal Kroa- tien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt und es – un- geachtet der entsprechenden Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe – keinen Grund zur Annahme gibt, ihr werde dort im Rahmen ihrer Wiederauf- nahme notwendige medizinische Behandlung nicht gewährleistet (zur medi- zinischen Versorgung in Kroatien vgl. statt vieler Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 10.2 und Urteil des BVGer D-735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 6.7.3), dass sich die Beschwerdeführerin im Übrigen bei Bedarf an die kroatischen Behörden wenden und die ihr zustehenden Aufna hmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern kann (vgl. insbesondere Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die in- ternationalen Schutz beantragen, sog. Aufnahmerichtlinie), dass für das weitere Dublin-Verfahren einzig die Reisefähigkeit ausschlag- gebend ist, welche – wie in der angefochtenen Verfügung zutreffend aus- geführt (vgl. angefochtene Verfügung S. 6) – erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird, dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte- nen Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Umständen bei der Be- stimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerdefüh- rerin Rechnung zu tragen und die kroatischen Behörden vorgängig in ge- eigneter Weise über die spezifischen Umstände zu informieren haben (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO), dass demgemäss kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV1 gegeben ist, dass für das Einholen von individuellen Zusicherungen der kroatischen Be- hörden namentlich bezüglich des Zugangs der Beschwerdeführerin zu adäquater Unterbringung, Verpflegung sowie medizinischer Behandlung E-6310/2023 Seite 10 nach dem Gesagten keine Veranlassung besteht (vgl. hierzu auch Refe- renzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 12), weshalb der Subeventualantrag abzuweisen ist, dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist, dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach K roatien der Sys- tematik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Bestim- mung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht, dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be- stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb die Begehren um Erteilung der aufschiebenden Wirkung mit ent- sprechender Anweisung an die zuständigen Behörden und auf Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind, dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als offensichtlich aussichtlos zu bezeichnen sind, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsger icht [VGKE, SR 173.320.2]) der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-6310/2023 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tage ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Nassim Safai-Rad Versand: