Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. November 2020 (725 20 154 / 286) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Es bestehen geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs- internen ärztlichen Feststellungen; Rückweisung an die Vorinstanz zur weiteren Abklä- rung Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Die 1978 geborene A.____ ist seit dem 1. August 201 8 bei der B.____AG angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversich erungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten ver sichert. Am 26. Juli 2019 stolperte sie daheim im Kinderzimmer über ein Spielzeug, stürzte und fing sich mit beiden Handgelenken auf. Dabei zog sie sich gemäss Bericht des Spitals C.___ _ vom 17. September 2019 eine Läsi- on des triangulären fibrokartilaginären Komplexes (TFCC) Palmer 1A zu. Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Taggelder, Heil behandlung) für die Folgen dieses Er- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eignisses. Am 7. Oktober 2019 erfolgte eine diagnostisch e Handgelenksarthroskopie und eine offene foveale TFCC-Refixation. Mit Verfügung vom 18 . Oktober 2019 verneinte die Suva ihre weitere Leistungspflicht ab 8. September 2019, da bezü glich der Unfallfolgen der Status quo sine erreicht sei. Daran hielt sie auf Einsprache der Versicherten und der Krankenversicherung D.____ hin fest (Einspracheentscheid vom 2. April 2020). B. Hiergegen erhob A.____am 8. Mai 2020 Beschwerde b eim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragt e sinngemäss, in Gutheissung der Beschwerde sei der Einspracheentscheid vom 2. April 2020 aufzuheben, die Beschwerdegeg- nerin anzuweisen, die Sachlage fachärztlich abklären zu lass en und hernach neu zu entschei- den. Zur Begründung verwies sie auf den Bericht des beh andelnden Arztes PD Dr. med. E.____, Leitender Arzt Handchirurgie, Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Spital C.____, vom 15. April 2020 und führte sinngemäss aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Vernehmlassung vom 25. Mai 2020 schloss die Suva a uf Abweisung der Beschwer- de. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 8. Mai 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leist ungspflicht aus dem Unfall vom 26. Juli 2019 zu Recht ab 8. September 2019 mangels Unfallkausa lität der noch geklagten Beschwer- den abgelehnt hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ei ngetretenen Schaden ein natürli- cher Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürli- chen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ein- getreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschr eibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmit- telbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt , dass das schädigende Ereignis zu- sammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder g eistige Integrität der versicherten Per- son beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Wort en nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung ent fiele. Für die Bejahung der natürlichen Unfallkausalität eines Beschwerdebilds genügt eine Teil ursächlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahme n der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zu sammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinwei- sen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahin- fallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisg rad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) n achgewiesen sein. Die blosse Möglich- keit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage hande lt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürliche r Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallve rsicherer (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 3 26 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfall- fremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschad en mehr vorliege oder die versi- cherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheiden d ist allein, ob unfallbedingte Ursa- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verlo ren haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 4.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen. Das Gericht ha t diese nach dem für den Sozial- versicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswür digung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bi ndung an förmliche Beweisregeln, sowie um- fassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, da ss das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, obj ektiv zu prüfen und danach zu ent- scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverl ässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einan der widersprechenden medizini- schen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das ge samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische The- se abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberich tes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor akten (Anamnese) abgegeben wor- den ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhä nge und in der Beurteilung der medi- zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolge rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zur Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit lie gen im Wesentlichen folgende ärztliche Unterlagen vor: 6.1 Am 17. September 2019 diagnostizierte PD Dr. E.__ __ eine TFCC-Läsion Palmer A1. Das MRT vom 5. September 2019 zeige einen zentral perf orierenden Schaden des TFCC rechts bei erhaltener radialer und ulnarer Insertion, eine minimale Ulna Plus Variante sowie ein intaktes scapholunäres und lunotriquetrales Ligament. A ufgrund der persistierenden Schmerzsymptomatik und der MRI-Bildgebung sei eine diagno stische Arthroskopie zu empfeh- len. Klinisch zeige sich der Verdacht auf eine Läsion de s TFCC. Im Zuge der Arthroskopie wer- de beurteilt, ob eine Rekonstruktion des TFCC-Komplexes indiziert sei. 6.2 Im Bericht vom 2. Oktober 2019 hielt der Kreisarzt Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, f est, dass die geltend gemachten Be- schwerden am rechten Handgelenk nicht mit mindestens überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 26. Juli 2019 zurückzuführen seien. Die zentrale Perforation des TFCC sei wohl auf ein degeneratives Verschleissleiden des TFCC b ei einer Ulna Plus Variante zurückzu- führen. Bei intakter Aufhängung des Discus articularis und bei bildgebend knapp sechs Wochen nach dem Ereignis fehlenden unfallkausalen Pathologie n wie Knochenmarködem, Bandläsio- nen oder Blutergüssen, sei das Ereignis mit überwiegen der Wahrscheinlichkeit eine Prellung des Handgelenks gewesen. Bei der degenerativen Läsion d es Discus articularis handle es sich überwiegend wahrscheinlich um einen vorbestehenden Defekt, der durch das Ereignis vorüber- gehend verschlimmert worden sei. Der Status quo sine sei nach vier bis sechs Wochen erreicht worden. 6.3 Am 7. Oktober 2019 wurde eine diagnostische Handgel enksarthroskopie und eine offe- ne foveale TFCC-Refixation durchgeführt. Im Bericht vom 8. Oktober 2019 führte PD Dr. E.____ aus, die Arthroskopie zeige ein unauffälliges radioscaph oidales Intervall, ein intaktes SL-Band, ein unauffälliges radiolunäres Intervall und einen ze ntralen ausgewalzten TFCC, der eher de- generativen Ursprungs sei. Es zeige sich aber ein frischer traumatischer Abriss der fovealen Fasern des TFCC. 6.4 Am 8. Januar 2020 nahm der Kreisarzt Dr. F.____ e rneut Stellung. Er führte aus, die intraoperative Bild- und Videodokumentation würde vo rwiegend degenerative Veränderungen zeigen. Hinweise für ein zeitnahes Ereignis, das zu einer Ablösung des TFCC hätte führen kön- nen, bestünden nicht. Es seien weder Hämosiderinablag erungen noch ein Blutkoagel ersicht- lich. Bildgebend seien ein degenerativer Prozess im Ha ndgelenk, Knorpelirregulariäten und eine Auswalzung des TFCC dokumentiert. Die Operation sei zehn Wochen nach dem Ereignis durchgeführt worden. Bei einer traumatischen Schädigun g des TFCC wären im Bereich der Schädigung Blutabbauprodukte zu erwarten. Solche seien aber nicht ersichtlich. Die Videodo- kumentation zeige das Mobilisieren von losen Gewebeante ilen, was bei einem degenerativen Prozess im Bereich des TFCC typisch sei. Aufgrund der vorl iegenden Unterlagen sei überwie- gend wahrscheinlich von einem degenerativen Verschleisslei den im Bereich des TFCC auszu- gehen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Am 15. April 2020 führte PD Dr. E.____ aus, die Arthro-MRT-Untersuchung des rechten Handgelenks vom 5. September 2019 habe einen zentral perforierenden Schaden des TFCC gezeigt. Die distale und proximale Insertion des TFC C sei damals als intakt beurteilt worden. Klinisch habe jedoch im Seitenvergleich eine deutlich vermehrte symptomatische Translation im distalen Radioulnargelenk bestanden, was auf eine foveo läre Läsion des TFCC hingewiesen habe. Der operative Eingriff am 7. Oktober 2019 habe die zentrale, sehr wahrscheinlich dege- nerative Läsion des TFCC bestätigt. Es zeigte sich aber auch eine frische traumatische Läsion der fovealen Fasern des TFCC. Der Kreisarzt Dr. F.____ habe sich bei seiner Beurteilung vom 2. Oktober 2019 lediglich auf die im MRT ersichtlichen Befunde gestützt. Die am 7. Oktober 2019 durchgeführte Arthroskopie habe aber auch eine offenbar traumatisch bedingte foveale TFCC-Läsion gezeigt. Am 8. Januar 2020 habe Dr. F.__ __ zu den Bild- und Videodokumentati- onen Stellung genommen, jedoch – trotz der intraope rativ per Video eindeutig dokumentierten fovealen Verletzung des TFCC – lediglich die degenerat ive zentrale Läsion des TFCC bestätigt. Bei der Versicherten würden zwei verschiedene Pathologie n vorliegen: Die zentrale TFCC- Läsion sei sicherlich degenerativer Genese. Der foveale Abriss des TFCC sei aber traumati- scher Natur. Auf eben diesen Befund sei Dr. F.____ ni cht eingegangen, weshalb eine Beurtei- lung aus handchirurgischer Sicht unvollständig sei. Eine erneute fachärztliche Abklärung sei dringend zu empfehlen. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 2. April 2020 bei der Beurteilung der medizinischen S achlage vollumfänglich auf die Aktenbeur- teilungen des Kreisarztes Dr. F.____ vom 2. Oktober 2019 und 8. Januar 2020. Sie ging dem- zufolge davon aus, dass es beim Unfallereignis vom 26. Juli 2019 überwiegend wahrscheinlich lediglich zu einer Prellung des rechten Handgelenks un d einer vorübergehenden Verschlimme- rung der vorbestehenden degenerativen Veränderungen kam und sich der Status quo sine vier bis sechs Wochen nach dem Ereignis einstellte. Wie oben (vgl. E. 4.2 hiervor) ausgeführt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen , wenn ein Versicherungsfall – wie hier – ohne Einholung eines externen Gutachtens entsch ieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit d er versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen . Solche Zweifel an der Schlüs- sigkeit der Beurteilung des Kreisarztes ergeben sich aus dem Operationsbericht vom 8. Oktober 2019 und dem Bericht von PD Dr. E.____ vom 15. April 2020. Er ist der Auffassung, dass ne- ben der unstreitig unfallfremden zentralen TFCC-Läsion auch ein traumatischer fovealer Abriss des TFCC bestehe, der vom Kreisarzt Dr. F.____ bei der Beurteilung der Unfallkausalität nicht berücksichtigt worden sei. Demgegenüber stellt sich auf Dr. F.____ in seiner Stellungnahme zur intraoperativen Bild- und Videodokumentation vom 8. Januar 2020 auf den Standpunkt, dass keine Hinweise für ein zeitnahes Ereignis festzustellen seien. Damit ist aber ungeklärt, ob die Beschwerden im rechten Handgelenk über den 8. Septem ber 2019 hinaus auf das Unfallereig- nis vom 26. Juli 2019 zurückzuführen sind. Will die Beschw erdegegnerin ihre Leistungen ein- stellen, so liegt die Beweislast für den Wegfall des Kau salzusammenhangs bei ihr (vgl. E. 3.3 hiervor). Bei dieser sich widersprechenden medizinischen A ktenlage gelingt es ihr nicht, wider- spruchsfrei nachzuweisen, dass die unfallbedingten Ursac hen des Gesundheitsschadens per 8. September 2019 ihre kausale Bedeutung verloren ha ben. Vielmehr wecken Feststellungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht des behandelnden Arztes und Operateurs PD Dr. E.____ vo m 8. Oktober 2019 und 15. April 2020 Zweifel an der Zuverlässigkeit der versicherungsint ernen Aktenbeurteilungen vom 2. Ok- tober 2019 und 8. Januar 2020. Damit besteht ein Def izit bei der Ermittlung des relevanten me- dizinischen Sachverhalts. Eine abschliessende Beurteilung der streitigen Kausalitätsfrage ist daher nicht möglich. Bei dieser Sachlage hat es die Be schwerdegegnerin unterlassen, im Rah- men der ihr obliegenden Untersuchungspflicht (Art. 43 ATSG) zur Klärung der medizinischen Sachlage ergänzende Abklärungen durchzuführen. Der ang efochtene Einspracheentscheid ist somit aufzuheben, und es sind weitere Abklärungen in Bezu g auf die Unfallkausalität der Be- schwerden vorzunehmen. 7.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann das Sozialversicherungsgericht nicht frei entscheiden, ob es eine Streitsache an die Verwaltung zurückweist. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst die nötigen Abklärunge n vorzunehmen, wenn sie einen im Ver- waltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbe- dürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht be- weiskräftig ist (BGE 137 V 263 E. 4.4.1 ff.). Da die B eschwerdegegnerin den medizinischen Sachverhalt im vorliegenden Fall aber unvollständig abgeklärt hat und es nicht die Aufgabe des kantonalen Gerichts ist, im Verwaltungsverfahren versäum te Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung der zitierten Rechtspre- chung des Bundesgerichts nichts entgegen. Demzufolge ist d ie Angelegenheit zur weiteren Ab- klärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese m uss die Unfallkausalität in Bezug auf die bei der Versicherten über den 8. September 20 19 hinaus bestehenden Beschwerden am rechten Handgelenk und – falls ein natürlicher Kausa lzusammenhang bejaht wird – die Fra- ge des Erreichens des medizinischen Endzustands durch ein ve rsicherungsexternes Gutachten abklären lassen. Gestützt auf die Ergebnisse dieser Akte nergänzung wird sie in der Folge über den Leistungsanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er heben. Eine Parteientschädigung wird der nicht anwalt lich vertretenen Beschwerdeführerin nicht ausgerichtet. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nac hteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid vom 2. April 2020 aufgehoben und die Ange- legenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägu ngen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückge- wiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht