Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. August 2016 (715 16 122) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Die Anpassung des versicherten Verdienstes im Sinne von Art. 40b AVIV erfolgte im vorliegenden Fall zu Recht gestützt auf den IV-Vorbescheid. Hingegen durfte für dessen Berechnung nicht auf das IV-Taggeld, sondern musste auf das zuletzt ohne Behinderung erzielte Einkommen abgestellt werden. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A.1 A.____ war bis 30. September 2011 als Servicete chniker bei der Firma B.____ AG tätig. Am 2. Oktober 2011 meldete sich der Versicherte zur Arbeitsvermittlung bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) an und beantragte Arbeitslosenentschädi- gung. Die Arbeitslosenkasse eröffnete sodann eine R ahmenfrist für den Leistungsbezug vom 3. Oktober 2011 bis 2. Oktober 2013. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Der Versicherte meldete sich am 6. Dezember 2012 un ter Hinweis auf ein Augenleiden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Le istungsbezug an, wobei er um be- rufliche Integration und eine Rente nachsuchte. In de r Folge nahm er in der Zeit vom 1. Juli 2013 bis 11. Januar 2015 an verschiedenen Integrationsm assnahmen der IV teil, während wel- chen er ein IV-Taggeld in der Höhe von Fr. 161.-- bez og. Die Höhe des Taggeldes beruhte auf dem zuletzt bei der B.____ AG erzielten Einkommen in Höhe von Fr. 73‘450.--/p.a. ÷ 365 x 80%. Nach Abschluss der Integrationsmassnahmen und Abkläru ng der gesundheitlichen sowie der erwerblichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle in ihrem Vorbescheid vom 15. Oktober 2015 bzw. in der Verfügung vom 8. Dezember 2015 einen IV-Grad von 32%. Gestützt auf die- ses Ergebnis lehnte sie einen Anspruch des Versicherten au f eine IV-Rente ab. Zur Begrün- dung gab sie an, dass dem Versicherten eine leidensadapti erte Tätigkeit mit reduzierter Vi- susanforderung und der Verwendung von bildschirmvergrösse rnden Hilfsprogrammen im Um- fang von 80% zumutbar sei. Die Verfügung vom 8. Dezember 2015 erwuchs in Rechtskraft. A.3 Der Versicherte meldete sich erneut zum Bezug von Ta ggeldern bei der Arbeitslosen- kasse an. Diese eröffnete für die Zeit vom 12. Januar 20 15 bis 11. Januar 2017 eine neue Rahmenfrist für den Leistungsbezug, wobei sie den Taggel dabrechnungen einen versicherten Verdienst von Fr. 4‘979.-- (80% von Fr. 6‘221.--) zu Gr unde legte. Nachdem die IV-Stelle ihren Vorbescheid erlassen hatte, reduzierte die Arbeitslosenkas se ab November 2015 den versi- cherten Verdienst um 32%, d.h. um den von der IV-Stel le ermittelten IV-Grad und richtete ein Taggeld aufgrund eines versicherten Verdienst von Fr. 3‘386.-- aus. Auf entsprechendes Nach- suchen des Versicherten erliess die Arbeitslosenkasse am 25. Jan uar 2016 eine Verfügung, in welcher sie den vorgenannten versicherten Verdienst von Fr . 3‘386.-- als Basis für den Tag- geldanspruch bestätigte. Daran hielt sie auch im Einspracheentscheid vom 6. April 2016 fest. B. Dagegen erhob A.____ Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungs- recht. Er beantragte sinngemäss, der angefochtene Entsche id sei aufzuheben und die Arbeits- losenkasse sei zu verpflichten, ihm auch ab November 201 5 Leistungen ohne 32%igen Abzug wegen seiner Invalidität zu erbringen. Er sei nach der Umschulung und den Integrationsmass- nahmen der IV in der Lage, eine Vollzeitstelle auszuüben. C. Mit Vernehmlassung vom 8. Juni 2016 beantragte die Arbeitslosenkasse unter Hinweis auf den angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde. Sie führte zu- sammenfassend aus, dass sowohl der Zeitpunkt der Anpassun g sowie die Höhe des versicher- ten Verdienstes korrekt ermittelt worden seien. Deshalb sei mit Wirkung ab November 2015 das Taggeld des Beschwerdeführers auf einem versicherten Verdi enst in Höhe von Fr. 3‘386.-- zu berechnen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim örtlich wie sach lich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Vorliegend ist zu prüfen, ob die Arbeitslosenkasse berechtigt war, den versicherten Ver- dienst des Beschwerdeführers für die Zeit ab 1. November 2015 um 32% (entsprechend der Höhe des von der IV-Stelle festgestellten IV-Grads) zu reduzieren. 2.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über d ie obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit Art. 15 Abs. 1 AVIG hat die versicherte Person Anspruch auf Arbe itslosenentschädigung, wenn sie (unter anderem) vermittlungsfähig ist, d.h. wenn sie b ereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Nach Art. 15 Abs. 2 Satz 1 AVIG gilt die körperlich oder geistig beh inderte Person als vermittlungsfähig, wenn ihr bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, unter Be rücksichtigung ihrer Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare Arbeit vermittelt werd en könnte. Die Kompetenz zur Rege- lung der Koordination mit der Invalidenversicherung ist in Art. 15 Abs. 2 Satz 2 AVIG dem Bun- desrat übertragen worden. Dieser hat in Art. 15 Abs. 3 der Verordnung über die Arbeitslosen- versicherung (AVIV) 31. August 1983 festgelegt, dass eine behinderte Person, die unter der Annahme einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage nicht off ensichtlich vermittlungsunfähig ist, und die sich bei der Invalidenversicherung (oder einer anderen Versicherung nach Art. 15 Abs. 2 AVIV) angemeldet hat, bis zum Entscheid der anderen Versicherung als vermittlungsfähig gilt. In diesem Sinn sieht Art. 70 Abs. 2 lit. b des Bunde sgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 vor, dass die Arbeitslosenversicherung für Leistungen, deren Übernahme durch die Arbeitslosenve rsicherung, die Krankenversiche- rung, die Unfallversicherung oder die Invalidenversiche rung umstritten ist, vorleistungspflichtig ist. 2.3 Aufgrund dieser Bestimmungen hat die Arbeitslosenv ersicherung arbeitslose, bei einer anderen Versicherung angemeldete Personen zu entschädi gen, falls ihre Vermittlungsunfähig- keit nicht offensichtlich ist. Dieser Anspruch auf eine un gekürzte Arbeitslosenentschädigung besteht namentlich, wenn die ganz arbeitslose Person au s gesundheitlichen Gründen lediglich noch teilzeitlich arbeiten könnte, solange sie im Umfa ng der ihr ärztlicherseits attestierten Ar- beitsfähigkeit eine Beschäftigung sucht und bereit ist, eine neue Anstellung mit entsprechen- dem Pensum anzutreten (BGE 136 V 95 E. 7.1). Die Ve rmutungsregel der grundsätzlich gege- benen Vermittlungsfähigkeit von Behinderten (Art. 7 0 Abs. 2 lit. b ATSG und Art. 15 Abs. 2 AVIG in Verbindung mit Art. 15 Abs. 3 AVIV) gilt led iglich für die Zeit, in welcher der Anspruch auf Leistungen einer anderen Versicherung abgeklärt wird und somit noch nicht feststeht. Damit sollen Lücken im Erwerbsersatz vermieden werden. Die Vo rleistungspflicht ist daher auf die Dauer des Schwebezustandes begrenzt, weshalb sie endet, s obald das Ausmass der Erwerbs- unfähigkeit feststeht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2016, 8C_919/2015, E. 2 mit Hinweis auf BGE 136 V 195 E. 7.4; ARV 2011 S. 55, 8C_651/2009). 2.4 Vorliegend erging der Vorbescheid der IV-Stelle a m 15. Oktober 2015. Darin stellte sie dem Beschwerdeführer in Aussicht, dass er bei einem IV-Gra d von 32% keinen Anspruch auf eine IV-Rente haben werde. Der Versicherte hat gegen den Vorbescheid keine medizinischen Abklärungsmassnahmen gefordert. Er erhob einzig Einwänd e gegen das Valideneinkommen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Verfügung vom 8. Dezember 2015, mit welcher die i m Vorbescheidsverfahren getätigten Abklärungsergebnisse bestätigt wurden, erwuchs im Januar 2016 in Rechtskraft. Unter diesen Umständen konnte bereits der im Vorbescheid festgehalte ne IV-Grad von 32% Grundlage bil- den, um den versicherten Verdienst an die veränderten V erhältnisse anzupassen (vgl. dazu Urteil des Bundesgericht vom 31. Mai 2010, 8C_212/2010, E. 5.3). Denn werden keine Einwän- de gegen den Vorbescheid erhoben oder bleibt - wie vo rliegend - die Verfügung unbestritten, endet der Schwebezustand, da damit der Erwerbsunfähigkei tsgrad feststeht. Daher kann zum selben Zeitpunkt die (rückwirkende) Anpassung des versichert en Verdienstes an die verblei- bende Erwerbsfähigkeit erfolgen (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Soziale Sich erheit, 3. Aufl. 2016, S. 2352 Rz. 283). 2.5.1 Zu beachten ist jedoch was folgt: Das Bundesgeri cht hat im bereits zitierten, zur Publi- kation vorgesehenen Urteil vom 6. Juli 2016, 8C_86/2016 , E. 5.2.2. ff. auf die Möglichkeit hin- gewiesen, dass das Ende des Schwebezustandes und der Zeit punkt der Anpassung des versi- cherten Verdienstes auseinanderfallen können, wenn - wie im Urteil ARV 2015 S. 157, 8C_401/2014 E. 2 - 4 - das exakte Ausmass der Erwerbsunfä higkeit noch nicht geklärt sei und daher der Schwebezustand bis zum rechtskräftigen Entscheid hierüber im Invalidenversiche- rungsverfahren anhalte. Vor diesem Hintergrund entsch ied das Bundesgericht, dass vor Been- digung des Schwebezustandes eine Anpassung des versicherten Verdienstes nur dann erfol- gen könne, wenn die Arbeitslosenkasse und die versicherte Person sich bereits über ein Min- destmass des IV-Grads einig seien. In diesem Umfang des von der Sozialversicherung ermittel- ten Invaliditätsgrades kann der versicherte Verdienst ber eits korrigiert werden, um so einen Ausgleich zur weiter andauernden Vorleistungspflicht zu schaffen. 2.5.2 Sodann stellte das Bundesgericht im erwähnten Ur teil in Erwägung 5.3 f. fest, dass Rz. C29 der AVIG-Praxis ALE in der Version von Januar 20 15, auf welche sich auch die Be- schwerdegegnerin stützt, insoweit verordnungs- und bundesre chtswidrig sei, als darin der Vor- bescheid in jedem Fall, ohne Würdigung der Einzelfal lkonstellationen, als hinreichende Grund- lage für die Anwendung von Art. 40b AVIV angesehen wird. Erst die (noch nicht rechtskräftige) Verfügung der Invalidenversicherung oder einer anderen Sozialversicherung bilde eine hinrei- chende Grundlage für die Anpassung des versicherten Verdi enstes an den damit erkannten Grad der Erwerbsunfähigkeit oder zumindest an den nicht umstrittenen Prozentsatz des errech- neten Invaliditätsgrades. Vorbehalten blieben jene Ko nstellationen, in denen bereits vor Verfü- gungserlass der IV-Grad mit deren Vorbescheid absehbar feststehe. Dies betreffe Fälle, wo keine Einwände gegen den Vorbescheid zu erwarten seien bzw. erfolgten; oder wenn eine gan- ze Invalidenrente bei verbleibender Restarbeitsfähigkei t in Aussicht gestellt werde. Diese Sichtweise stehe auch in Einklang mit der bisherigen Re chtsprechung (vgl. BGE 133 V 524 E. 5; SVR 2014 ALV Nr. 13 S. 40, 8C_824/2013 E. 5; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2013, 8C_918/2012, E. 3 und vom 4. März 20 11, 8C_ 40/2011, E. 4.1), woran fest- zuhalten sei. Diese laufe einer rechtsgleichen und pr aktikablen Verwaltungspraxis nicht zuwi- der, zumal damit allenfalls weniger Nachkorrekturen vor zunehmen seien, als wenn stets auf den im Vorbescheid angegebenen Erwerbsunfähigkeitsgrad abgestellt würde. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5.3 Zusammenfassend präzisierte das Bundesgericht somit im Urteil vom 6. Juli 2016, 8C_86/2016, die bisherige Praxis dahingehend, als es im Wesentlichen anführte, dass der ver- sicherte Verdienst nur dann auf der Basis des IV-Vorbesche ids angepasst werden darf, wenn dagegen keine Einwände erhoben wurden und gestützt darauf der Erwerbsunfähigkeitsgrad der versicherten Person feststeht. In den anderen Fällen bild et erst die (noch nicht rechtskräftige) Verfügung der Invalidenversicherung oder einer anderen Sozialversicherung eine hinreichende Grundlage für die Anpassung des versicherten Verdienstes an den damit erkannten Grad der Erwerbsunfähigkeit oder zumindest an den nicht (mehr) umstrittenen Prozentsatz des errechne- ten Invaliditätsgrades. 2.6 Aufgrund dieser Ausführungen war die Beschwerdege gnerin im vorliegenden Fall somit berechtigt und verpflichtet, den versicherten Verdienst des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 40b AVIV gestützt auf den IV-Vorbescheid vom 15. O ktober 2015 ab November 2015 an- zupassen. 3.1 Zu prüfen bleibt jedoch, ob auch die Höhe der vor genommenen Anpassung des versi- cherten Verdienstes rechtens ist. Der Beschwerdeführer bestr eitet dies, weil er auch mit seiner gesundheitlichen Einschränkung fähig sei, eine Vollzeit stelle auszuüben und damit keine Leis- tungseinbusse erleiden würde. Demgegenüber macht die Be schwerdegegnerin im Wesentli- chen geltend, dass die vorgenommene Kürzung entsprechend dem im IV-Verfahren festgestell- ten Erwerbsunfähigkeitsgrad nicht zu beanstanden sei. Es i st somit zu untersuchen, ob der von der Beschwerdegegnerin ermittelte versicherte Verdienst von Fr. 3'386.--/pro Monat korrekt ist. 3.2.1 Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der A HV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder me hreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde; eingeschlossen sind die ver traglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für arbeitsbedi ngte Inkonvenienzen darstellen (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Bei Versicherten, die unmittelbar vor oder während der Arbeitslosigkeit eine gesundheitsbedingte Beeinträchtigung ihrer Erwerbsfähigkeit erleiden, ist gemäss Art. 40b AVIV der Verdienst massgebend, welcher der verbleibenden Erwerbsfähigkeit entspricht. 3.2.2 Der Zweck des Art. 40b AVIV besteht darin, über die Korrektur des versicherten Ver- dienstes die Koordination zur Eidgenössischen Invalidenver sicherung zu bewerkstelligen, um eine Überentschädigung durch das Zusammenfallen einer Invalidenrente mit Arbeitslosentag- geldern zu verhindern (BGE 140 V 89 E. 3 mit Hinweis) . Art. 40b AVIV betrifft allerdings, wie in BGE 133 V 524 präzisiert wurde, nicht allein die Leistu ngskoordination zwischen Arbeitslosen- und Invalidenversicherung, sondern - in allgemeinerer Weise - die Abgrenzung der Zuständig- keit der Arbeitslosenversicherung gegenüber anderen Versich erungsträgern nach Massgabe der Erwerbsfähigkeit. Nach Sinn und Zweck der Verordn ungsbestimmung soll die Leistungs- pflicht der Arbeitslosenversicherung auf einen Umfang be schränkt werden, der sich nach der verbleibenden Erwerbsfähigkeit der versicherten Person während der Dauer der Arbeitslosigkeit auszurichten hat. Da die Arbeitslosenversicherung nur für den Lohnausfall einzustehen hat, der sich aus der Arbeitslosigkeit ergibt, kann für die Berechn ung der Arbeitslosenentschädigung keine Rolle spielen, ob ein anderer Versicherungsträger Invalidenleistungen erbringt. Durch das Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abstellen auf die verbleibende Erwerbsfähigkeit soll ve rhindert werden, dass die Arbeitslo- senentschädigung auf einem Verdienst ermittelt wird, d en die versicherte Person nicht mehr erzielen könnte (BGE 140 V 89 E. 5.1 f. mit Hinweisen; SVR 2014 ALV Nr. 13 S. 40, 8C_824/2013 E. 3.2). Hinsichtlich der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit ist der durch die Invalidenversicherung ermittelte IV-Grad massgeblich (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli 2016, 8C_86/2016; ARV 2015 S. 165, 8C_746/2014 E. 3.3 mit Hinweis). 3.3.1 Es kann aber Konstellationen geben, in welchen da s Abstellen auf den im IV-Verfahren ermittelten IV-Grad problematisch ist und zu ungerecht en Ergebnissen führt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 31. Mai 2012, 8C_2012, E. 6.4). Dabe i ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die versicherte Person im IV-Verfahren grundsätzlich kein schutzwürdiges Interesse daran hat, einen geringeren IV-Grad oder überhaupt eine fehlende Invalidität geltend zu machen. Wei- ter ist an Fälle zu denken, bei denen sich die Sachlage s eit Festlegung des IV-Grades verän- dert hat. Hier ist im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Verfahren vorfrageweise zu prüfen, ob sich die Erwerbsfähigkeit der versicherten Person seit de r rentenablehnenden Verfügung der IV-Stelle verbessert oder verschlechtert hat (BGE 133 V 524 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts vom 29. Mai 2007, C 256/06, E. 6.1). Aber auch ein von vornherein materiell unrichtig festgeleg- ter IV-Grad kann für die Bemessung der arbeitslosenversi cherungsrechtlichen Leistungen nicht massgeblich sein. Zu beachten ist, dass Versicherte im IV-Ve rfahren die Bestimmung des IV- Grades nur anfechten können, wenn sie für die Invalidenleistung relevant ist. Wird eine Verbes- serung des Gesundheitszustandes geltend gemacht, besteht b ei einem IV-Grad von weniger als 40% im IV-Verfahren kein Rechtsschutzinteresse, einen geringeren IV-Grad resp. eine feh- lende Invalidität geltend zu machen. 3.3.2 Im vorliegenden Fall wurde der IV-Grad im Vorb escheid vom 15. Oktober 2015 und in der Verfügung der IV-Stelle vom 8. Dezember 2015 auf grund des Sachverhalts festgestellt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses entwickelt h at. Die berichtigende Verfügung der Arbeitslosenkasse vom 25. Januar 2016 und der Einsp racheentscheid vom 6. April 2016 betreffen die Zeit ab 1. November 2015. Die Notwend igkeit einer vorfrageweisen Prüfung im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Verfahren der Erwerbs fähigkeit des Versicherten er- scheint bereits aufgrund dieser nahen Zeitverhältnisse als fraglich. Aber selbst wenn eine sol- che Prüfung durchgeführt wird, ändert sich an der Höhe der Erwerbsfähigkeit des Beschwerde- führers – wie nachfolgend aufgeführt - nichts. 3.4.1 Die IV-Stelle stützte sich in der Verfügung vom 8 . Dezember 2015 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf das Gutachten der C.____ vom 10. September 2015. Sie ging demnach davon aus, dass dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht (psychiatrisch wie somatisch) die Ausübu ng einer Tätigkeit mit redu- zierten Visusanforderungen und der Verwendung von bild schirmvergrössernden Hilfsprogram- men bei Computerarbeiten sowie ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung mit optimaler Ausleuch- tung zu 80% zumutbar sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und i nsbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 11 5 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Das Gericht hat die medizinischen Unterl agen nach dem für den Sozialversiche- rungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an fö rmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi alversicherungsgericht alle Be- weismittel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu pr üfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be urteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist so mit grundsätzlich weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einger eichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4.3 Die Beurteilung der C.____ vom 10. September 2015 ist sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage darauf abgestellt hat. Auch der von der IV-Stelle durchgeführte Ein- kommensvergleich mit Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 10% ist rechtens. Der ermittelte IV-Grad von 32% im Zeitpunkt des Verfü gungserlasses im Dezember 2015 ist somit nicht zu beanstanden. Ein von vornherein materie ll unrichtig festgelegter IV-Grad liegt somit nicht vor. 3.4.4 Zu prüfen ist weiter, ob sich die Erwerbsfähigke it des Beschwerdeführers seit der ren- tenablehnenden Verfügung der IV-Stelle vom 8. Dezemb er 2015 verändert hat. Hierzu reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. med. D.____ , FMH Ophthalmologie, vom 2. Februar 2016 ein, welcher bestätigte, dass der Versi cherte aufgrund der durchgeführten Un- tersuchungen und der abgeschlossenen Umschulung nicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin, hielt in sei ner Eingabe vom 16. Februar 2016 fest, dass der Beschwerdeführer abgesehen von der augenärztlich en Einschränkung zu 100% ar- beitsfähig sei. Am 18. Juli 2016 bestätigte Dr. D.____, dass der Beschwerdeführer auch für eine vorgesehene Tätigkeit in der Nacht einsatzfähig sei. Hie rzu ist festzustellen, dass die Zumut- barkeitsbeurteilung der C.____ neben der ophthalmolog ischen auch eine psychiatrische Kom- ponente enthielt, indem ausgeführt wurde, dass die A ugenerkrankung mit einer depressiven Störung verbunden und deshalb die Vulnerabilität, d epressive Episoden zu erleiden, erhöht sei (vgl. Gutachten der C.____ vom 10. September 2016, S. 33/36). Es sei deshalb sinnvoll, aus psychiatrischer Sicht, von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Grundlage der Arbeits- unfähigkeit von 20% bildet gemäss Verfügung der IV-Ste lle vom 8. Dezember 2015 somit nicht eine somatische Ursache, sondern eine psychiatrische Diagn ose. Dafür, dass sich in dieser Hinsicht eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit seit Verf ügungserlass eingestellt hat, fehlt es jedoch an einem konkreten medizinischen Nachweis. Von eine r vollen Erwerbsfähigkeit bzw. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht von einer Vermittlungsfähigkeit in Bezug auf eine 10 0% Stelle kann vorliegend daher nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgegangen werden. 3.4.5 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass nach dem Gesagten weder ein von vorn- herein materiell unrichtig festgelegter IV-Grad festzust ellen ist noch Unterlagen vorliegen, die auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes seit Erlass d er IV-Verfügung vom 8. Dezember 2015 schliessen lassen würden. Es kann dem Be schwerdeführer deshalb nicht gefolgt werden, wenn er geltend macht, er sei in der Lage, eine 100% Stelle auszuüben. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin g estützt auf die Ergebnisse im IV- Verfahren eine Anpassung des versicherten Verdienstes vorgenommen hat. 3.5 Letztlich bleibt die Höhe des der Kürzung unterl iegenden versicherten Verdienstes zu prüfen. Wie oben in Erwägung 3.2.1 ausgeführt, ist be i Versicherten, die unmittelbar vor oder während der Arbeitslosigkeit eine gesundheitsbedingte Be einträchtigung ihrer Erwerbsfähigkeit erleiden, gemäss Art. 40b AVIV der Verdienst massgebend, welcher der verbleibenden Er- werbsfähigkeit entspricht. Die Arbeitslosenkasse stellte bei der Berechnung ihres Taggeldes auf die durch die IV-Stelle im Rahmen der Integrationsmass nahmen ausbezahlten IV-Taggelder in Höhe von Fr. 161.-- ab. Diese beruhen auf dem vom Be schwerdeführer bei der B.____ AG bis Ende September 2011 erzielten Jahreslohn von Fr. 73'450 .--. Gestützt auf dieses Einkommen kalkulierte die IV-Stelle ein durchschnittliches Tagesei nkommen von gerundet Fr. 202.-- (Fr. 73'450.-- ÷ 365 = Fr. 201.23; vgl. Verfügungen der IV-Stelle vom 20. August 2013, 28. Feb- ruar 2014, 29. April 2014 und 29. Juli 2014). Da gem äss Art. 23 Abs. 1 IVG die Grundentschä- digung für das IV-Taggeld 80% des letzten ohne gesundh eitliche Einschränkung erzielten Ein- kommens beträgt, kürzte die IV-Stelle das durchschnittliche Tageseinkommen von Fr. 202.-- um 20%, woraus das dem Beschwerdeführer ausbezahlte IV-Tagg eld von Fr. 161.--resultierte und welches auch von der Arbeitslosenkasse für die Berechnung des versicherten Verdienstes im Sinne von Art. 40b AVIV herangezogen wurde. Sie berücksi chtigte damit auch die aus invali- denversicherungsrechtlichen Gründen vorgenommene Kürzung um 20%. Den so ermittelten versicherten Verdienst kürzte sie nochmals um 32% entsprechen d der im IV-Verfahren festge- stellten Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers. Diesem Vorgehen kann nicht gefolgt werden. So ist zu beachten, dass die Berechnung des Taggeldes i m invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren und dessen 20%ige Kürzung im Sinne von Art. 23 Abs. 1 IVG unabhängig von der effektiven Erwerbsfähigkeit der versicherten Person von Ge setzes wegen vorzunehmen ist. Art. 40b AVIV besagt jedoch, dass der versicherte Verdien st der verbleibenden Erwerbsfähig- keit zu entsprechen hat. Dies bedingt jedoch, dass ein Vergle ich vorzunehmen ist zwischen der Erwerbsfähigkeit ohne gesundheitliche Beeinträchtigun g und jener, welche unter Berücksichti- gung einer solchen gesundheitsbedingten Einschränkung resultiert. Dem versicherten Verdienst kann daher nicht ein Einkommen zugrunde gelegt werden, welches bereits um 20% gekürzt wurde. Vielmehr muss entgegen der Beschwerdegegnerin d as zuletzt erzielte Einkommen des Beschwerdeführers in Höhe von Fr. 73'450.-- berücksichtigt werden. Dieses ist sodann um den Erwerbsunfähigkeitsgrad von 32% zu kürzen. Daraus resultie rt ein massgebender, auf der ver- bleibenden Erwerbsfähigkeit beruhender Verdienst im Sinne von Art. 40b AVIV von Fr.49'946.--. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwe rdegegnerin den versi- cherten Verdienst und das Taggeld des Beschwerdeführers gestützt auf die Ergebnisse im Vor- bescheid der IV-Stelle vom 15. Oktober 2015 und der IV-Verfügung vom 8. Dezember 2015 per 1. November 2015 neu berechnete. Dabei hat die Arbeit slosenkasse von dem, dem IV-Taggeld zugrundeliegenden zuletzt erzielten Jahreslohn in Höhe von Fr. 73'450.-- auszugehen. Dieser ist sodann um den Erwerbsunfähigkeitsgrad von 32% zu kü rzen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen und die Angelegenheit ist an die Ar beitslosenkasse zur Neuberechnung des Taggeldanspruchs des Beschwerdeführers zurückzuweisen. 5. Nach Art. 61 lit. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos. Es sind deshalb keine Verfahrensko sten zu erheben. Die ausseror- dentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 6. April 2016 aufgehoben und die Angel egenheit zur Neuberechnung des Taggeldanspruchs an die Öffentliche Arbeitslo- senkasse zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde von die Beschwerdegegnerin am 9. Dezember 2016 beim Bun- desgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_829/2016 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht