200 21 184 ALV WIS/PES/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil der Einzelrichterin vom 25. Januar 2022 Verwaltungsrichterin Wiedmer Gerichtsschreiber Peter A.________ vertreten durch B.________ Beschwerdeführer gegen Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern Arbeitslosenkasse, Lagerhausweg 10, 3018 Bern Beschwerdegegner betreffend Einspracheentscheid vom 3. Februar 2021 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 2 Sachverhalt: A. Am 27. Februar 2020 stellte A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. Beschwerdeführer) vertreten durch die B.________, Rechtsanwalt C.________, infolge der Konkurseröffnung über die D.________ GmbH vom 4. Februar 2020 beim Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Arbeitslosenkasse (nachfolgend Arbeitslosenkasse bzw. Beschwer- degegner), einen Antrag auf Insolvenzentschädigung. Er habe vom 25. März bis 30. September 2019 für die D.________ GmbH als … gear- beitet. Der anteilsmässige 13. Monatslohn sei noch offen (Akten der Ar- beitslosenkasse [act. II] 159 f.; vgl. act. II 165 sowie act. II 148 ff.). Mit Verfügung vom 13. August 2020 lehnte die Arbeitslosenkasse den An- trag auf Insolvenzentschädigung wegen Nichterfüllens der Schadenminde- rungspflicht ab (act. II 130 f.). Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, wiederum vertreten durch die B.________, Rechtsanwalt C.________, am 14. September 2020 Ein- sprache mit dem sinngemässen Antrag, es sei ihm die Insolvenzentschädi- gung gemäss Gesuch vom 23. (recte: 27.) Februar 2020 auszurichten – unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates (act. II 119 ff.). Am 15. Oktober 2020 reichte er eine Einspracheergänzung (act. II 99 ff.) und am 2. November 2020 ein Beweismittel nach (act. II 91 ff.). Mit Entscheid vom 3. Februar 2021 wies die Arbeitslosenkasse die Ein- sprache ab (act. II 84 ff.). B. Gegen den Einspracheentscheid vom 3. Februar 2021 (act. II 84 ff.) erhob der Versicherte, vertreten durch die B.________, Rechtsanwalt C.________, am 4. März 2021 Beschwerde mit den sinngemässen Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 3 ihm die beantragte Insolvenzentschädigung auszurichten – unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. Mit Beschwerdeantwort vom 13. April 2021 beantragt der Beschwerdegeg- ner, die Beschwerde sei abzuweisen. Mit prozessleitender Verfügung vom 24. November 2021 bat die zuständige Instruktionsrichterin den Beschwerdegegner, die Akten der Arbeitsvermitt- lung und des Rechtsdienstes nachzureichen. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 der Verordnung vom 31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmun- gen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 4 Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist der Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 3. Februar 2021 (act. II 84 ff.). Streitig und zu prüfen ist, ob der Be- schwerdeführer Anspruch auf Insolvenzentschädigung hat. 1.3Bei offenen Lohnforderungen von gemäss Angaben des Be- schwerdeführers Fr. 2'250.-- (act. II 141 ff.) resp. im Umfang des pro rata Anteils des 13. Monatslohnes für die Zeit von 25. März bis 30. September 2019 von Fr. 4'600.-- (act. II 160 i.V.m. act. II 165) liegt der Streitwert unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterli- che Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Beitragspflichtige Arbeitnehmer von Arbeitgebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeit- nehmer beschäftigen, haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzent- schädigung, wenn gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG). 2.2Die Insolvenzentschädigung deckt für das gleiche Arbeitsverhältnis Lohnforderungen für höchstens die letzten vier Monate des Arbeitsverhält- nisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 2 AVIG. Als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen (Art. 52 Abs. 1 AVIG). 2.3Wird über den Arbeitgeber der Konkurs eröffnet, so muss der Ar- beitnehmer seinen Entschädigungsanspruch spätestens 60 Tage nach der Veröffentlichung des Konkurses im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) bei der öffentlichen Kasse stellen, die am Ort des Betreibungs- und Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 5 Konkursamtes zuständig ist (Art. 53 Abs. 1 AVIG). Mit dem Ablauf dieser Frist erlischt der Anspruch auf Insolvenzentschädigung (vgl. Art. 53 Abs. 3 AVIG). 2.4Mit der Ausrichtung der Entschädigung gehen die Lohnansprüche des Versicherten im Ausmasse der bezahlten Entschädigung und der von der Kasse entrichteten Sozialversicherungsbeiträge samt dem gesetzlichen Konkursprivileg auf die Kasse über (Art. 54 Abs. 1 Satz 1 AVIG). 2.5Der Arbeitnehmer muss im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles unternehmen, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die Kasse ihm mitteilt, dass sie an seiner Stelle in das Verfah- ren eingetreten ist. Danach muss er die Kasse bei der Verfolgung ihres Anspruchs in jeder zweckdienlichen Weise unterstützen (Art. 55 Abs. 1 AVIG). 2.6Die Bestimmung von Art. 55 Abs. 1 AVIG, wonach der Arbeitneh- mer im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles unternehmen muss, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bezieht sich dem Wortlaut nach auf das Konkurs- und Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsverhältnis vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird (BGE 114 V 56 E. 4 S. 60; ARV 1999 Nr. 24 S. 140; Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 29. April 2020, 8C_820/2019, E. 4.3.1). Sie obliegt der versicherten Person in reduziertem Umfang schon vor der Auf- lösung des Arbeitsverhältnisses, wenn der Arbeitgeber der Lohnzahlungs- pflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und mit einem Lohnverlust zu rechnen ist. Das Mass der vorausgesetzten Schadenminderungspflicht richtet sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls. Vom Arbeit- nehmer wird in der Regel nicht verlangt, dass er bereits während des be- stehenden Arbeitsverhältnisses gegen den Arbeitgeber eine Betreibung einleitet oder eine Klage einreicht. Er hat jedoch seine Lohnforderung ge- genüber dem Arbeitgeber in eindeutiger und unmissverständlicher Weise geltend zu machen (Entscheid des BGer vom 21. März 2019, 8C_79/2019, E. 3.2). Eine ursprüngliche Leistungsverweigerung infolge Verletzung der Schadenminderungspflicht im Sinne der zu Art. 55 Abs. 1 AVIG ergange- nen Rechtsprechung setzt voraus, dass der versicherten Person ein Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 6 schweres Verschulden, also vorsätzliches oder grobfahrlässiges Handeln oder Unterlassen vorgeworfen werden kann. Dem Erfordernis der Verhält- nismässigkeit ist mit dem Ausmass der von den Arbeitnehmenden zu er- wartenden Vorkehrungen Rechnung zu tragen. Machen Arbeitnehmende gegenüber dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin während längerer Zeit keine Anstalten, ihrer Lohnforderung mit hinreichender Deutlichkeit Aus- druck zu verleihen, signalisieren sie mangelndes Interesse. Dadurch verlie- ren sie auch gegenüber der Arbeitslosenversicherung ihre Schutzbedürftig- keit und Schutzwürdigkeit. Nach ständiger Rechtsprechung wird eine kon- sequente und kontinuierliche Weiterverfolgung der eingeleiteten Schritte gefordert, welche in einem der vom Gesetz geforderten zwangsvollstre- ckungsrechtlichen Stadien münden müssen, damit Anspruch auf Insolven- zentschädigung besteht. Arbeitnehmende sollen sich gegenüber dem Ar- beitgeber nämlich so verhalten, als ob es das Institut der Insolvenzent- schädigung gar nicht gäbe. Dieses Erfordernis lässt ein längeres Untätig- sein nicht zu (vgl. Entscheid des BGer vom 27. Januar 2015, 8C_641/2014, E. 4.1). 3. 3.1Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folgt dar: 3.1.1Der Beschwerdeführer war ab 25. März 2019 unbefristet in einem Pensum von 100% bei einem Monatslohn von Fr. 4'600.-- als … bei der D.________ GmbH angestellt (act. II 165). Am 29. August 2019 kündigte die D.________ GmbH dieses Arbeitsverhältnis per 30. September 2019 (act. II 171). Danach hatte der Beschwerdeführer einen Arbeitsvertrag mit der E.________ GmbH, welcher am 20. Januar 2020 seitens der Arbeitge- berin fristlos gekündigt wurde (vgl. act. IIA 151, act. IIA 194). 3.1.2Am 18. November 2019 beschloss die Gesellschafterversammlung (resp. der Gesellschafter) der D.________ GmbH, diese aufzulösen. Als Liquidator wurde der bisherige Gesellschafter und Geschäftsführer F.________ eingesetzt. Dies wurde am …. November 2019 im SHAB pu- bliziert (act. II 109) und war dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers unstrittig umgehend bekannt (vgl. act. II 101). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 7 3.1.3Am 29. Januar 2020 stellte der Beschwerdeführer, vertreten durch die B.________, Rechtsanwalt C.________, bei der Schlichtungsbehörde Bern-Mittelland ein Gesuch um Durchführung eines Schlichtungsverfah- rens. Die D.________ GmbH in Liquidation sei zu verurteilen, ihm einen Betrag von insgesamt Fr. 2'250.-- (anteilsmässiger 13. Monatslohn) nebst Zins von 5% ab 1. Oktober 2010 [recte: 2019] zu bezahlen – unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. II 141 ff.). 3.1.4Am 4. Februar 2020 wurde über die bereits aufgelöste D.________ GmbH in Liquidation der Konkurs eröffnet (act. II 110). 3.1.5Mit Verfügung vom 6. Februar 2020 stellte die Schlichtungsbehör- de Bern-Mittelland das Schlichtungsverfahren gestützt auf Art. 207 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuldbetreibung und Kon- kurs (SchKG; SR 281.1) ein (act. II 162 f.). 3.1.6Am 27. Februar 2020 beantragte der Beschwerdeführer, wiederum vertreten durch die B.________, Rechtsanwalt C.________, beim Be- schwerdegegner Insolvenzentschädigung für den offenen Anteil des 13. Monatslohns der letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses mit der D.________ GmbH (act. II 159 ff.; vgl. act. II 148 ff.). 3.1.7Am 18. März 2020 meldete der Beschwerdeführer, wiederum ver- treten durch die B.________, Rechtsanwalt C.________, die geltend ge- machte offene Lohnforderung im Konkurs der D.________ GmbH in Liqui- dation an (act. II 133 f.) und reichte diese Anmeldung gleichentags dem Beschwerdegegner nach (act. II 135). 3.2Nach dem Dargelegten ist belegt, dass der Beschwerdeführer am 29. Januar 2020 bei der Schlichtungsbehörde Bern-Mittelland ein Gesuch um Durchführung eines Schlichtungsverfahrens stellte (vgl. E. 3.1.3 hier- vor) und dass das entsprechende Verfahren von der Schlichtungsbehörde nach der Konkurseröffnung über die D.________ GmbH in Liquidation am 4. Februar 2020 mit Verfügung vom 6. Februar 2020 gestützt auf Art. 207 Abs. 1 SchKG eingestellt wurde (vgl. E. 3.1.4 und 3.1.5 hiervor). Weiter ist belegt, dass der Beschwerdeführer die geltend gemachte offene Lohnfor- derung am 18. März 2020 im Konkurs der D.________ GmbH in Liquidati- on anmeldete (vgl. E. 3.1.7 hiervor).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 8 3.2.1Dass der Beschwerdeführer in der Zeit zwischen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der D.________ GmbH am 30. September 2019 (vgl. act. II 171) und dem Gesuch um Durchführung eines Schlich- tungsverfahrens vom 29. Januar 2020 gegenüber der ehemaligen Arbeit- geberin offene Lohnforderungen geltend gemacht hätte, ist nicht aktenkun- dig. Der Beschwerdeführer bringt diesbezüglich vor, er sei nicht in der La- ge, einen Brief in deutscher Sprache zu verfassen, sodass er die Forde- rungen immer mündlich an die Arbeitgeberin habe adressieren müssen, was problematisch sei, weil dies nicht bewiesen werden könne (vgl. Be- schwerde S. 5). 3.2.2Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, dass es sich bei der D.________ GmbH und der E.________ GmbH faktisch um die gleiche Arbeitgeberin gehandelt habe bzw. er nach dem 30. September 2019 fak- tisch nach wie vor bei der gleichen Arbeitgeberin gearbeitet habe. Die D.________ GmbH habe in den ersten Wochen auch deshalb nicht betrie- ben werden können, weil er nicht die Kündigung vom Geschäftsführer der E.________ GmbH habe riskieren wollen (vgl. Beschwerde S. 7 Ziff. 2 i.V.m. Beschwerde S. 6 unten). Die Frage, ob dieser Argumentation gefolgt werden kann, ist vorliegend – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – nicht entscheidwesentlich und kann entsprechend offenbleiben. 3.3Selbst wenn man aufgrund eines weiterhin bestehenden Arbeits- verhältnisses bis 20. Januar 2020 an die Schadenminderungspflicht tiefere Anforderungen stellen würde (vgl. E. 2.6 hiervor), hat der Beschwerdefüh- rer diese in grobfahrlässiger Weise nicht erfüllt. Entscheidend ist, dass ab Fälligkeit der zur Diskussion stehenden offenen Lohnforderung am 30. September 2019 bis 29. Januar 2020 nicht einmal die geringsten Bemühungen zu deren Geltendmachung aktenkundig sind, auch nicht, dass der Beschwerdeführer – wie er geltend macht (vgl. Beschwerde S. 5) – den Firmeninhaber immer wieder kontaktiert und aufgefordert hat, den ausstehenden Lohn zu bezahlen. Der Beschwerdeführer selbst räumt denn auch ein, dass diese behaupteten Bemühungen nicht beweisbar sind (vgl. E. 3.2.1 hiervor). Dem mindestens seit dem 7. November 2019 (act. II 147; siehe auch act. II 133) durch die B.________, Rechtsanwalt C.________, vertretenen Beschwerdeführer musste bewusst gewesen sein, dass er sei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 9 ne Lohnforderungen auch während einem nach wie vor bestehenden Ar- beitsverhältnis in eindeutiger und unmissverständlicher Weise hätte geltend machen müssen und dafür auch beweispflichtig ist. Die hierfür notwendigen Schreiben hätte im Übrigen der Rechtsvertreter aufsetzen können, womit der Einwand des Beschwerdeführers, er sei nicht in der Lage, einen Brief in deutscher Sprache zu verfassen (vgl. E. 3.2.1 hiervor), ins Leere geht. Der in der Beschwerde aufgeführte Kontakt des Rechtsvertreters des Be- schwerdeführers mit Fürsprecherin G.________ erfolgte – soweit belegt – im September 2019 und bezog sich auf eine andere Person, deren Arbeits- verhältnis schon davor geendet hatte (siehe act. II 153). Ein (späterer) Kon- takt im Zusammenhang mit der Forderung des Beschwerdeführers, auf- grund dessen dieser resp. dessen Rechtsvertreter darauf vertrauen durfte, dass die ausstehenden Lohnzahlungen ohne Einleitung einer Betreibung bzw. eines Schlichtungsverfahrens geleistet würden (vgl. Beschwerde S. 5), ist durch nichts belegt. Aufgrund der Aktenlage ist davon auszuge- hen, dass der Beschwerdeführer bis 29. Januar 2020 seiner Schadenmin- derungspflicht in keiner Weise nachgekommen ist. Spätestens ab Kenntnis des Entscheids des damaligen Gesellschafters und Geschäftsführers der D.________ GmbH, diese aufzulösen (und damit spätestens im November 2019; vgl. E. 3.1.2 hiervor), wäre der Beschwerdeführer gehalten gewesen, seine noch offene Lohnforderung in eindeutiger und unmissverständlicher Weise dieser gegenüber geltend zu machen und – selbst wenn von einem weiterhin bestehenden Arbeitsverhältnis bis 20. Januar 2020 ausgegangen würde – die Durchsetzung der Forderung dann konsequent und kontinuier- lich (wenn allenfalls auch noch ohne Betreibung) weiterzuverfolgen, zumal er angesichts der beschlossenen Auflösung der ehemaligen Arbeitgeberin bei Untätigbleiben konkret mit einem Lohnverlust rechnen musste (vgl. E. 2.6 hiervor). Indem er dies unterlassen hat, ist er in grobfahrlässiger Weise seiner Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen. 3.4Aus den beantragten Einvernahmen, an welchen sich das Gericht ein Bild über die Geschäftspraktiken der ehemaligen und aktuellen Gesell- schafter und Geschäftsführer der D.________ GmbH und der E.________ GmbH machen solle (Beschwerde S. 3 Ziff. 6), sind in Bezug auf die vorlie- gend entscheidende Frage, ob der Beschwerdeführer seiner Schadenmin- derungspflicht nachgekommen ist, keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 10 weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten ist (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4). Selbst wenn die Vorbringen des Be- schwerdeführers zutreffen sollten, dass die ehemaligen und aktuellen Ge- sellschafter und Geschäftsführer bewusst Konkurse anstreb(t)en, um in die eigene Tasche wirtschaften zu können (vgl. Beschwerde S. 4), befreite dies den Beschwerdeführer nicht von der Pflicht, seine offene Lohnforderung ohne langes Zuwarten in eindeutiger und unmissverständlicher Weise gel- tend zu machen und deren Durchsetzung dann konsequent und kontinuier- lich weiterzuverfolgen. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass dies ohnehin nichts gebracht hätte (vgl. Beschwerde S. 7), ist festzuhalten, dass eine solche Annahme ihn nicht von der Schadenminderungspflicht befreit. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann es unter arbeitslo- senversicherungsrechtlichen Gesichtspunkten nicht Sache der versicherten Person sein, darüber zu entscheiden, ob weitere Vorkehren zur Realisie- rung der Lohnansprüche erfolgsversprechend sind oder nicht. Vielmehr hat sie im Rahmen der ihr obliegenden Schadenminderungspflicht grundsätz- lich alles Zumutbare zur Wahrung der Lohnansprüche vorzunehmen (Ent- scheid des BGer vom 7. April 2008, 8C_444/2007, E. 4.2, mit Hinweis auf die Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 29. Dezember 2006, C 167/04, E. 3.2, und vom 3. Dezember 2003, C 148/03, E. 2.2). 3.5Zusammenfassend ist nach dem Dargelegten erstellt, dass der Beschwerdeführer in grobfahrlässiger Weise seiner Schadenminderungs- pflicht nicht nachgekommen ist. Der Beschwerdegegner hat damit einen Anspruch auf Insolvenzentschädigung zu Recht verneint. Der angefochtene Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 3. Februar 2021 (act. II 84 ff.) ist somit nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2022, ALV/21/184, Seite 11 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. f bis ATSG (Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet die Einzelrichterin: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - B.________ z.H. des Beschwerdeführers - Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Arbeitslosen- kasse - Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst - Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.