Steuerrekursgericht des Kantons Zürich 1. Abteilung 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 Entscheid 30. März 2012 Mitwirkend: Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichter Michael Ochsner und Gerichtsschreiberin Nadja Obreschkow In Sachen A, Beschwerdeführerin/ Rekurrentin, vertreten durch Roger Geiger Unternehmensberatung, Bodenacherstrasse 10, 8604 Volketswil, gegen 1. S c hw ei zeri s ch e Ei d ge no ss en sc haf t , Beschwerdegegnerin, 2. S t a at Z üri c h, Rekursgegner, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Dienstleistungen, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Direkte Bundessteuer 2006 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2006 - 2 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 hat sich ergeben: A. A (nachfolgend die Pflichtige) handelt seit vielen Jahren mit Produkten der B Ltd. aus de n Bereichen Ernährung und Kosmetik. Sie ist hierbei selbstständig e r- werbstätig und wickelt ihre Geschäftstätigkeit über die Einzelfirma C ab. In der Steuer- erklärung 2006 wies sie einen damit erzielten Reingew inn von Fr. 54'905. - aus. Das steuerbare Vermögen bezifferte sie auf Fr. 427'348.-, was gegenüber der Vorperiode einer Ve rmögenszunahme von Fr. 435'836.- entsprach. Auf entsprechende Auflage des Steuerkommissärs hin erklärte sie, diese Zunahme sei auf die Veräusserung von Aktien der B Ltd. zurückzuführen, welche sie im Jahr 200 3 erworben, ab 2004 aber nicht mehr deklariert habe. Nach einer weiteren Untersuchung über die Umstände des Aktienkaufs schätzte sie der Steuerkommissär am 25. Januar 2011 für die Steuerperi- ode 2006 hinsichtlich der Staats - und Gemeindesteuern mit einem steuerbare n Ei n- kommen von Fr. 426'900.- ein. Dabei erfasste er den Kapitalgewinn aus der Veräuss e- rung der Aktien der B Ltd. von netto Fr. 401'362. - als Einkunft aus selbstständiger Erwerbstätigkeit der Pflichtigen. Das steuerbare Vermögen setzte er auf Fr. 435'000. - fest. Mit Hinweis vom gleichen Tag stellte er für die direkte Bundessteuer 2006 die analoge Veranlagung mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 424'500.- in Aussicht. Die die sbezügliche Veranlagung wurde mit Steue rrechnung vom 11. Februar 20 11 formell eröffnet. In beiden Entscheiden wurde als Tarif derjenige für Verheiratete ange- geben. B. Hiergegen liess die Pflichtige am 21. Februar 2011 Einsprache erheben und beantragen, von der Besteuerung des Kapitalgewinns aus der Aktienveräusserung abzusehen, da es sich bei den Aktien der B Ltd. um Privatvermögen handle. Das kan- tonale Steueramt wies die Einsprachen am 30. September 2011 ab und brachte gleichzeitig den Tarif für Alleinstehende bzw. den Grundtarif zur Anwendung. C. Mit Beschwerde bzw. Rekurs vom 1. November 2011 liess die Pflichtige die Einspracheanträge wiederholen. Das kantonale S teueramt schloss am 22. Febr u- ar 2012 auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen. - 3 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 Die Kammer zieht in Erwägung: 1. Nicht streitig ist, dass der Pflichtigen im Zusammenhang mit der Veräuss e- rung einer Vielzahl von Aktien der B Ltd. an der Börse am 19. Mai und 17. Nove m- ber 2006 ein Erlös von insgesamt USD 341'426.- zugeflossen ist (T-act. 35). Der Steuerkommissär hat diesen Erlös von umgerechnet Fr. 426'182.- um den Ankaufspreis der Aktien von umgerechnet Fr. 24'820.- gekürzt und das Ergebnis von Fr. 401'362.- als Einkunft aus selbstständiger Erwerbstätigkeit besteuert (T-act. 61). Er erwog, es bestehe ein enger Zusammenhang zwischen der Erwerbstätigkeit der Pflich- tigen als Vertriebspartnerin von Produkten der B Ltd. und der Zuteilung bzw. dem Ve r- kauf der Aktien der B Ltd., auch wenn die Aktien nie in der Bilanz der Einzelfirma bilan- ziert worden seien. Demgegenüber bestreitet d ie Pflichtige das Vorliegen von steuerbarem Einkommen, indem sie eine selbstständige Erwerbstätigkeit im Rahmen ihrer Einzelfirma und die Zugehörigkeit der veräussert en Aktien zu deren Geschäft s- vermögen in Abrede stellt. Letzteres deshalb, weil die se Aktien der Einzelfirma ma n- gels irgendeiner Einflussnahmemöglichkeit bei der B Ltd. weder mittelbar noch unmi t- telbar dienlich gewesen seien. 2. a) Nach der Generalklause l von Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) und § 16 Abs. 1 des Steuer- gesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) unterliegen der Einkommenssteuer alle wiederke h- renden und einmaligen Einkünfte. Gemäss Art. 18 DBG und § 18 StG sind insbesonde- re alle Einkünfte aus einem Handels -, Industrie -, Gewerbe -, Land - und Forst - wirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen selbstständ igen Erwerbstätigkeit steuerbar (Abs. 1); zu den Einkünften aus selbstständ iger Erwerbstä- tigkeit zählen s odann auch alle Kapitalgewinne aus Veräusserung, Verwertung oder buchmässiger Aufwertung von Geschäftsvermögen (Abs. 2). Steuerfrei sind nach Art. 16 Abs. 3 DBG und § 16 Abs. 3 StG – bei der Staats- und Gemeindesteuer vorbe- hältlich der Grundstückgewinnsteuer – demgegenüber Kapitalgewinne aus der Veräus- serung von Privatvermögen. - 4 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 Es stellt sich mithin die Frage, was als selbstständige Erwerbstätigkeit zu ge l- ten hat bzw. welche G ewinnrealisationen als steuerfreie Kapitalgewinne einzustufen sind. Steuerbar sind Gewinne aus der Veräusserung von Geschäftsvermögen. b) Bei Wertschriften bzw. Aktien handelt es sich um Alternativgüter, die s o- wohl dem Geschäft wie auch privaten Zwecken dienen können. Nach ständiger Rech t- sprechung ist die Zuteilung eines alternativen Wirtschaftguts nach objektiven Gesichts- punkten unter Würdigung der Gesamtheit der Umstände und der tatsächlichen Verhältnisse des Einzellfalls vorzunehmen. Dabei kommt der Mittelherkunft für die A n- schaffung und der buchmäss igen Behandlung des betreffenden Aktivums geringeres Gewicht zu als seiner Zweckbestimmung im Betrieb, d.h. der technisch-wirtschaftlichen Funktion (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 18 N 95 DBG und Kommentar zum harmon isierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 18 N 80 StG). Gemäss Bundesgericht gehören Aktien dann zum Geschäft s- vermögen des Steuerpflichtigen, wenn eine enge wirtschaftliche Beziehung zwischen der Beteiligung an der Aktiengesellschaft und dem Geschäft d es Steuerpflichtigen be- steht. Letzteres ist dann anzunehmen, wenn der Geschäftsinhaber eine massgebliche Beteiligung an der Aktiengesellschaft besitzt, die dem gleichen Erwerbszweig angehört wie sein eigenes Unternehmen und auch die Gesellschaft unter sein er persönlichen Führung betrieben wird. Insbesondere massgebend ist auch, ob die Personenunte r- nehmung als Hauptbetrieb zu qualifizieren ist und die Kapitalgesellschaft somit von dieser wirtschaftlich abhängt. Führt hingegen die Kapitalgesellschaft den Haup tbetrieb, während der Personenunternehmung lediglich eine untergeordnete Bedeutung z u- kommt, gelten die Anteile der Kapitalgesellschaft als Privatvermögen (vgl. Fab i- an Amschwand, Geschäftsvermögen oder Privatvermögen? Eine Übersicht, StR 2000, S. 487, mit V erweisen auf BGr, 3. September 1999 = NStP 1999, 145 und BGr, 24. November 1978 = ASA 49, 72). In diesem Sinn hat auch das Verwaltungsgericht in einem Fall auf Geschäftsvermögen geschlossen, in welchem ein hauptberuflich im Biervertrieb tätiger Einzelkaufmann die Mehrheitsbeteiligung an der von ihm gegründe- ten und seiner Einzelfirma dienlichen Biervertriebs AG mit Gewinn verkauft hatte (VGr, 19. Dezember 1996 = ZStP 1997, 193 ff.); umgekehrt hat das gleiche Gericht konsequenterweise die Mehrheitsbeteiligun g an einem Bau - und Immobilienunterneh- men nicht als Geschäftsvermögen eines selbstständig erwerbenden Architekten b e- trachtet, weil die wirtschaftlich -technische Verknüpfung der beiden Geschäftsbereiche nicht hinreichend erstellt war (VGr, 14. Juli 1999 = StE 1999 B 23.45.2 Nr. 1). Mit Urteil vom 22. April 2005 ist das Bundesgericht sodann aber noch einen Schritt weiter g e-- 5 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 gangen und hat das Vorliegen einer Mehrheitsbeteiligung für die Zu rechnung zum Ge- schäftsvermögen nicht mehr als erforderlich, sondern auch eine Minderheitsbeteiligung als massgebend erachtet (BGr, 22. April 2005, 2A.547/2004 = StE 2006 B 23.2 Nr. 31; vgl. auch VGr, 19. November 2008, SB.2007.00089, www.vgrzh.ch). Darüber hinaus hat das oberste Gericht in diesem Entscheid die für die Annahme von Geschäftsver- mögen erforderliche enge wirtschaftliche Beziehung zwischen der Beteiligung an der Kapitalgesellschaft und dem Steue rpflichtigen in der Weise verallgemeinernd definiert, dass eine solche Beziehung letztlich schon als gegeben erscheint, wenn der Steuer- pflichtige die Beteiligung konkret dazu einsetzt, um das Geschäftsergebnis seines e i- genen Unternehmens bzw. dessen Gewinnchancen zu verbessern. c) Nach Art. 123 Abs. 1 DBG bzw. § 132 Abs. 1 StG haben die Steuerbehör- den zusammen mit dem Steuerp flichtigen die für die vollständige und gerechte B e- steuerung massgeblichen tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse festzustellen. Dabei gilt als allgemeine Regel der (objektiven) Beweislastverteilung, dass die Steue r- behörde die steuerbegründenden Tatsac hen nachzuweisen hat, der Steuerpflichtige dagegen diejenigen Umstände, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (RB 1990 Nr. 36 = StE 1990 B 92.51 Nr. 3). Geht es um die Frage, ob der bei einer Veräusserung eines Gegenstands bzw. Rechts erzielte Ka pitalgewinn steuerfrei sei, ist hierfür grundsätzlich der Steue r- pflichtige beweisbelastet. Denn nach der Generalklausel von Art. 16 Abs. 1 DBG bzw. § 16 Abs. 1 StG sind alle Einkünfte steuerbar und stellt die Steuerfreiheit von Kapita l- gewinnen auf beweglic hem Privatvermögen gemäss Art. 16 Abs. 3 DBG bzw. § 16 Abs. 3 StG eine Ausnahme davon dar, welche die Steuerschuld mindert. B ehauptet jedoch die Steuerbehörde in diesem Zusammenhang, ein Kapitalgewinn sei nicht ste u- erfrei, weil der Steuerpflichtige eine se lbstständige Erwerbstätigkeit ausübe und der Kapitalgewinn auf einem zu dessen Geschäftsvermögen gehörenden Aktivum erzielt worden sei, so ist für das Vorliegen der selbstständigen Erwerbstätigkeit und die Zug e- hörigkeit des fraglichen Aktivums zum Geschäft svermögen die Steuerbehörde beweis- belastet. Denn dem Steuerpflichtigen kann für die negative Tatsache, dass keine so l- che Tätigkeit vo rliegt und das Aktivum, mit dem der Kapitalgewinn erzielt worden ist, nicht dem G eschäftsvermögen angehört, nicht der (Haup t-)Beweis auferlegt werden. Indessen obliegt dem Steuerpflichtigen der Gegenbeweis dafür, dass er (ausschlies s- lich) unselbstständig bzw. überhaupt nicht erwerbstätig und das Aktivum somit dem Privatvermögen zuzuordnen ist. - 6 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 Von der (objektiven) Beweislast verteilung zu unterscheiden ist der Unters u- chungs- und Mitwirkungsgrundsatz. Danach ist es die Pflicht (und das Recht) der Steuerbehörde, den für den Einschätzungsentscheid rechtserheblichen Sachverhalt von Amts wegen abzuklären und ihm nur solche Tatsache n zugrunde zu legen, von deren Vorhandensein sie sich selber überzeugt hat (RB 1987 Nr. 35, BGE 92 I 253 und Martin Zwe ifel, Die Sachverhaltsermittlung im Steuerveranlagungsverfahren, 1989, S. 11). Damit die Steuerbehörde ihrer Untersuchungspflicht nachkom men kann, ist der Steuerpflichtige kraft der ihm obliegenden Verfahrenspflichten allerdings gehalten (und berechtigt), an der U ntersuchung mitzuwirken (BGr, 20. Dezember 1991 = StE 1993 B 93.3 Nr. 4). 3. a) Die Pflichtige hat die veräusserte Vielzahl von (Vorzugs- bzw. "Prefer- red"-) Aktien der B Ltd. am 12. Mai 2003 als Teil einer ursprünglich insgesamt rund 2.5 Mal grösseren Anzahl dieser T itel erworben ( T-act. 44 - 46). Selbst letztere Gesamt- zahl stellt unstreitig eine Minderheitsbeteiligung an der B Ltd. dar (vgl. Prospekt über die Durchführung einer öffentliche n Kapitalerhöhung der B Ltd. im Jahr 2004 mit rund 50 Mio. Aktien vor und rund 66 Mio. Titeln nach der Erhöhung, T-act. 55 S. 5). Gemäss der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts hindert die ser Umstand jedoch nicht daran, Geschäftsvermögen anzunehmen. Zusätzliche Voraussetzung bi ldet indessen, dass die Pflichtige diese Beteiligung u.a. für ihre Tätigkeit als selbstständig Erwerbe n- de erworben und sie ihr in der Folge in diesem Zusammenhang auc h tatsächlich g e- dient hat. b) Zwischen den Parteien ist nicht streitig, dass der Aktienbesitz der Pflicht i- gen für ihre selbstständige Erwerbstätigkeit als Vertreiberin der einschlägigen Produkte insofern keine Vorteile gebracht hat, als sie ihre Geschäftstätigkeit dank dieser Beteili- gung nicht hatte ausweiten und z.B. nicht mehr Produkte h atte absetzen können. In Beschwerde und Rekurs bringt sie damit übereinstimmend und unwide rsprochen vor, sowohl ihre Stellung als Vertriebspartnerin dieser Produkten als auch ihre Konditionen für den Ankauf der Produkte habe der Stellung aller übrige n Vertriebspartner entspro- chen, welche keine Aktien erworben hätten (R -act. 2 und 5 je S. 3). Mithin scheint es am erforderlichen, engen wirtschaftlichen Zusammenhang zw ischen der Beteiligung und der selbstständigen Erwerbstätigkeit der Pflichtigen zu fehlen. Im Einspracheent- scheid wird vom kantonalen Steueramt zudem eingeräumt, dass sämtliche übrigen Kriterien – äussere Beschaffenheit, Herkunft der Mittel für den Aktienerwerb, Erwerbs-- 7 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 motiv, buchhalterische und steuerliche Behandlung der Aktien, Verwendung des Ve r- kaufserlöses und der Wille sowie die Sachdarstellung der Pflichtigen – mit Ausnahme des Erwerbsmotivs für das Vorliegen von Priva tvermögen sprächen (T -act. 75 und 76 je S. 6). Demnach fehlen bei erster Betrachtung Anhaltspunkte für das Vo rliegen von Geschäftsvermögen. c) Indessen ist gleichwohl von einem erheblichen wirtschaftlichen Zusammen- hang zwischen dem Aktienkauf und der selbstständigen Erwerbstätigkeit auszugehen: aa) Die Pflichtige erwarb am 12. /16. Mai 2003 ursprünglich rund 2.5 Mal die Anzahl der vorliegend veräusserten Aktientitel für USD 50'000. - (T-act. 44 - 46). Am 24./25. März 2004 wurde letzterer Betrag, d.h. USD 48'189.12 (= USD 50'000.- ./. Spe- sen) zurückbezahlt (T-act. 33 und 36). Im Einschätzungsverfahren liess die Pflic htige am 29. August 2008 als Grund für diese Rückzahlung ausführen, es seien nach ihrem Investment angeblich noch andere Investoren gefunden worden. Als "Geste" für die Bereitschaft zur Mithilfe der Finanzierung habe sie die Hälfte der Aktien trotz Rückza h- lung des Investments behalten können (Antwort der Auflage zur Begründung der Ve r- mögensvermehrung T-act. 36). Dementsprechend lautet das spätere Aktienzertif ikat der B Ltd. vom 7. Ju ni 2005 nur noch auf die Hälfte der ursprünglich erworbenen P a- piere (T-act. 34). bb) Sofern diese Sachverhaltsdarstellung zutrifft (vgl. hierzu aber E. 3.d), ver- hält es sich wie folgt: Indem die Pflichtige ihre Investition (bis auf die Spesen) vollstän- dig zurückerhalten hat und trotzdem die Hälfte der zugeteilten Aktien behalten konnte, hat sie im Ergebnis diese Hälfte des Aktienbestands von der B Ltd. ohne Gegenlei s- tung erhalten. Bei der letzteren Firma handelt es sich um ihre Handelspar tnerin bzw. die Lieferantin, von der sie die zum Endverkauf bestimmten einschlägigen Produkte exklusiv bezieht. Fragt man nach dem Grund dieser Zuwendung , drängt sich zwang s- läufig die Vermutung auf, er sei im Verhältnis der Pflichtigen als selbstständiger Ver- triebspartnerin der B Ltd. zu suchen. Dies umso mehr, als sie diese Tätigkeit nach i h- ren eigenen Angaben seit vielen Jahren ausübt (T -act. 38 und 42) und die fragliche "Geste" der Aktienüberlassung durch die Lieferantenfirma von daher als geschäftlich durchaus nachvollziehbar erscheint. Die Pflichtige macht nicht geltend, andern Investo- ren, insbesondere solchen ausserhalb der Vertriebsstruktur der B Ltd., d.h. unabhängi- gen Dritten, sei eine gleiche oder ähnliche Vorzugsbehandlung zuteil geworden. Ins Bild der Bevorzugun g passt zudem, dass die Pflichtige ihre Aktien im Rahmen einer - 8 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 nicht öffentlichen Kapitalerhöhung bzw. vor dem Ende 2004 erfolgten Börse ngang der B Ltd. erwarb und Letztere dabei insbesondere auch die eigene Vertriebsstru ktur um Aktienzeichnung anging (T-act. 42 S. 2 f.). cc) Die Pflichtige hat auf weitere Auflage des Steuerkommissärs im Einschä t- zungsverfahren am 27. September 2009 zwar entgegen dieser Sachverhaltsschild e- rung vorbringen lassen, sie habe re lativ schnell nach dem Börsengang der B Ltd. die Hälfte ihrer Aktien zum Preis von USD 48'189.12 wieder verkauft, womit sie ihr Inves t- ment praktisch vollumfänglich wieder abgesichert gehabt und daraufhin wiederholt e r- klärt habe, dass sie die restlichen Aktien als "Geschenk" empfinde (T -act. 42). Diese Sachverhaltsdarstellung wiederholte sie jedoch weder in der Einsprache noch in der Beschwerde bzw. im Rekurs. Zudem liegen keinerlei Umstände vor, welche hinsichtlich des Weiterverkaufs für deren Richtigkeit sprechen, fehlt es doch schon an den die be- hauptete Teilveräusserung nachweisenden Unterlagen. In der Auflageantwort vom 27. September 2009 nahm die Pflichtige zu ihrer ursprünglichen Sachverhaltsschilderung vom 29. August 2008 Stellung und füh rte aus, diese Schilderung sei verwirrend, da die "Geschich te" in einem professionellen Umfeld völlig utopisch klinge. Zudem sei sie darauf zurückzuführen, dass sie , die Pflichtige, im Zeitpunkt der ersten Auflage zur Vermögensvermehrung unter grossem seelischem Stress gestanden sei, weil ihr damaliger Lebenspartner kurz zuvor einen Suizidversuch unternommen habe und sie dadurch für längere Zeit völlig aus der Fassung gewesen sei. Als sie dann ihre frühere Vertreterin wegen der Vermögensvermehrung angefragt habe, sei ihr nächster Gedanke darin gelegen, dass es sich bei den verbleibenden Ak- tien um ein Geschenk handle (T-act. 42 S. 4). Von einer utopischen Sachverhaltsschilderung kann keine Rede sein, ent- spricht es doch durchaus der Lebenserfahrung , dass ein Lieferant einem langjährigen Abnehmer seiner Produkte bei der Suche nach neuem Eigenkapital Sonderkonditionen gewährt, auch wenn diese Konditionen in casu möglicherweise als grosszügig ersche i- nen mögen. Im weitern liegen für die geltend gemachten negativen Lebensu mstände der Pflichtigen keinerlei Anhaltspunkte vor, da sich die frühere Vertreterin in der Eing a- be vom 29. August 2008 in keiner Form diesbezüglich äusserte. Sodann erfolgte die Rückzahlung der Summe von USD 48'189.12 mit Check vom 24. März 2004 , d.h. der behauptete hälftige Verkauf hat an diesem Datum stattgefunden. Dies kollidiert jedoch mit der weiteren Angabe in der abgeänderten Sachdarstellung zeitlich insofern, als die - 9 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 Pflichtige den Weiterverkauf erst – wenn auch "relativ schnell" – nach dem Ende 2004 erfolgten Börsengang der B Ltd. und damit offe nkundig erst im Jahr 2005 getätigt h a- ben will. Schliesslich weist die eingereichte "Book -Entry History" – ausgehend vom Aktienbestand per 14. März 2006 mit … Stück – nur nach diesem Datum abgewickelte Verkäufe der Pflichtigen und damit nicht die behauptete hälftige Veräuss erung des Aktienbestands im Jahr 2005 aus (T-act. 35 bzw. 52). dd) Bliebe es demnach dabei, dass die der Pflichtigen nach Rückzahlung der Investmentsumme belassene Hälfte der Aktientitel von der B Ltd. ohne Gegenleistung zugewendet wurde und dies seinen Grund im Umstand hat, dass die Pflichtige seit vielen Jahren als selbstständige Vertriebspartnerin der B Ltd. agiert, stellte die Zuwen- dung Einkommen aus ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit dar. Damit hätte ihr aber die Beteiligung in der Einzelfirma gedient und wäre der erforderliche wirtschaftlich enge Zusammenhang zwischen der Beteiligung sowie der selbstständigen Erwerbst ätigkeit gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts ohne weiteres gegeben, auch wenn die Pflichtige nach dem Aktien erwerb sonst nicht mehr von ihr profitiert h aben sollte. Bei den veräusserten Vielzahl an Aktientiteln handelte es sich daher um Geschäftsvermö- gen. d) Die vorhandenen , von der Pflichtigen im Einschätzungsverfahren eing e- reichten Unterlagen sprechen jedoch eher für die Verwirklichung eines andern, von den Parteien nicht in Erwägung gezogenen Sachverhalts: Die Pflichtige erwarb am 12. /16. Mai 2003 ein rund 2.5 mal die Anzahl der veräusserten Titel umfassendes Aktienpaket bestehend aus "Cumulative Convertible Preferred Shares" der D Ltd. (= "the ind irect parent of B Ltd.") zum Preis von USD 50'000. - (Aktienzertifikat der D Ltd vom 23. Mai 2003, T-act. 34, Beilage; T-act. 44, 45 und 54) . Diese Titel wu rden dann am 24. März 2004 gemäss dem Vermerk "Conversion of PFD Shares" auf dem Rückzahlungscheck über USD 48'189.12 (T-act. 47) und gemäss dem am gleichen Datum ausg estellten Aktienzertifikat der D Ltd. (T -act. 46) in gewöhnliche Aktien , so genannte "Common Shares" umgewandelt. Am 1. Dezember 2004 fand eine Versa mmlung der Akti onäre der D Ltd. statt, anlässlich derer ein "reverse stock split", d.h. eine Aktienzusammenl e- gung, der ausstehenden "common shares" im Verhältnis 1 : 2 und gleichze itig eine Namensänderung der Gesellschaft von D Ltd. in B Ltd. vorgeschlagen wurden (Einla- dung an die Aktionäre der D Ltd. zu einer ausserordentlichen Versam mlung vom 24. November 2004, T-act. 54). Diesem Vorschlag entsprechend stellte dann die B Ltd. der Pflichtigen am 7. Juni 2005 ein Zertifikat über die Hälfte der ursprünglichen Anzahl Ak-- 10 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 tien, lautend auf die B Ltd., aus (T-act. 48). Dies lässt darauf schliessen, dass der Vor- schlag über die Aktienzusammenlegung auf die Hälfte der Titel samt Namensänderung an der Aktionärsversammlung vom 1. Dezember 2004 angenommen worden war. D a- mit verfügte die Pflichtige aufgrund dieser Aktienzusammenlegung ab 2005 nurmehr über die hälftige Anzahl Aktien der B Ltd. Der Grund für die hälftige Akti enauszahlung ist dabei nicht darin zu suchen, dass sie die Hälfte der Papiere ver kauft oder an die B Ltd. zurückgegeben hätte. Im Ergebnis verfügte sie somit nach wie vor über das g e- samte im Mai 2003 erworbene Aktienpaket. Dabei kam ihr aber ein gewichtiger Vo rteil zu, wurden ihr doch anlässlich der Umwandlung der "Preferred Shares" in "Common Shares" am 24. März 2004 von der D Ltd. USD 48'189.12 bezahlt (Check vom 24. März 2004 mit dem Vermerk "Cash Payment upon Conversion of PFD Sh ares", T-act. 47). Ein in der Aktienumwandlung selber liegender Grund für diese, den ursprün g- lich investierten Betrag von U SD 50'000.- (abzüglich Spesen) umfassende Zahlung ist nicht ersichtlich und damit auch nicht nachvollziehbar . Da her drängt sich wiederum zwangsweise die Vermutung auf, der Grund sei im Verhältnis der Pflichtigen als lang- jährige selbstständige Vertriebspartnerin der B Ltd., ihrer (Exklusiv-)Lieferantin, zu su- chen. Nur dies erscheint angesichts der erwähnten Umstände – Aktienerwerb im Rah- men einer nicht öffentlichen Kapitalerhöhung und Kaufofferte u.a. an die eigene Vertriebsstruktur – sowie der fehlenden Vorbringen der Pflichtigen über die Vorteils - einräumung auch gegenüber unabhängigen Dritten als geschäftlich nachvollziehbar (vgl. vorstehend E. 3. c) bb). Hat die Beteiligung der Pflichtigen in der Einzelfirma aber derart gedient, stellt die fragliche Zahlun g wiederum Einkommen aus ihrer selbststä n- digen Erwerbstätigkeit dar. Der erforderliche wirtschaftlich enge Zusammenhang zw i- schen der Beteiligung und der selbstständigen Erwerbstätigkeit gemäss Rechtspr e- chung des Bundesgerichts ist gegeben, sodass es sich bei den veräusserten Aktientitel um Geschäftsvermögen handelt. e) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Beteiligung der Pflicht i- gen an der B Ltd. ihrem Geschäftsvermögen zuzuordnen ist und mithin im Rahmen des diesbezüglichen gewinnbringenden Verkaufs Einkommen aus selbstständiger Erwerbs- tätigkeit, d.h. kein steuerfreier Kapitalgewinn angefallen ist. f) Der zu besteuernde Kapitalgewinn ist im Quantitativen nicht streitig und setzt sich aus de m erzielten Veräusserungserlös für die Aktien von USD 341'426.42, - 11 - 1 DB.2011.238 1 ST.2011.318 entsprechend Fr. 426'182.-, abzüglich der anteiligen Gestehungskosten von (umg e- rechnet) Fr. 24'820.- zusammen (T-act. 35, Beilagen). Anzumerken ist aber immerhin, dass bei dem im vorliegenden Entscheid als richtig erkannten Sachverhalt an sich von einer Rückzahlung der Investitionssumme auszugehen ist und der Pflichtigen daher bis auf die bei der Rückzahlung abgezogenen Spesen gar keine Gestehungskosten ent- standen sind. Die Pflichtige ist daher mit der Anerkennung von so lchen Kosten noch gut gefahren. 4. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Rechtsmittel. Ausgangsg e- mäss sind die Kosten der Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1 StG). Die Zusprechung einer Parteientschädigung entfällt, bei der direkten Bunde s- steuer zufolge Unterliegens und bei den Staats - und Gemeindesteuern mangels eines entsprechenden Begehrens (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesg e- setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968, § 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). Demgemäss erkennt die Kammer: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Rekurs wird abgewiesen. […]