Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. Juli 2019 (720 18 284 / 182) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Befristete IV-Rente; Beweislast betreffend Zeitpunkt der Anmeldung; Beweiskraft der Ak- tenbeurteilung durch die RAD Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Beat Her sberger, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1964 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. Ju li 2002 in einem Pensum von 25 - 30% als Raumpflegerin bei der Gemeinde B.____. Am 8. August 2014 erlitt sie bei der Arbeit einen Unfall, als sie auf einer Leiter einen Tritt ve rfehlte und stürzte. Dabei zog sie sich eine traumatische kombinierte Läsion der rechten ventralen S upraspinatussehne und eine Prellung der linken Hüfte zu. Der zuständige Unfallversicherer e rbrachte in der Folge die gesetzlichen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistungen. Mit Formular vom 25. Februar 2015 meldete sich A.____ unter Hinweis auf die erlit- tene Schulterverletzung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an. Die zuständige IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte die medizinischen, er- werblichen und haushalterischen Verhältnisse ab und führte ein Vorbescheidverfahren durch. Mit Verfügung vom 11. Juli 2018 sprach sie der Versicherten in Anwendung der gemischten Methode für die Zeit vom 1. September 2015 bis 30. April 2016 eine halbe Rente und vom 1. Mai 2016 bis 31. Juli 2016 eine Viertelsrente der Invalidenversicheru ng zu. Für die Zeit ab 1. August 2016 wurde ein Rentenanspruch gestützt auf einen ermittelten Invaliditätsgrad von 19% verneint. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Nicolai Fullin, am 11. September 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei die angefochte ne Verfügung insofern abzuändern, als ihr bereits für die Zeit ab 1. August 2015 und auch für die Zeit ab 1. August 2016 eine Invaliden- rente nach den gesetzlichen Bestimmungen auszurichten sei. Eventualiter seien weitere medizi- nische Abklärungen über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh- rerin durchzuführen und es sei im Anschluss daran über de n Rentenanspruch neu zu entschei- den; alles unter o/e Kostenfolge. In verfahrensrechtli cher Hinsicht wurde ferner um die Bewilli- gung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokat Fullin als unentgeltlicher Rechtsvertreter er- sucht. Zur Begründung liess die Beschwerdeführerin im W esentlichen vorbringen, dass die Be- schwerdegegnerin ihrer Abklärungspflicht nicht genügend nachgekommen sei und neben den eigentlichen Unfallfolgen weitere Einschränkungen bestünden, welche von der Beschwerdegeg- nerin zu Unrecht nicht berücksichtigt worden seien. Ferner sei die Anmeldung zum Leistungsbe- zug bereits im Februar 2015 bei der unzuständigen Unfallversicherung eingereicht worden, wes- halb dieses Datum der Absendung für die Anknüpfung d er Rechtswirkungen massgeblich sein müsse. Ausserdem sei die im Arztbericht vom 19. Juli 2018 geschilderte Verschlechterung des Gesundheitszustandes im vorliegenden Verfahren zu beachte n, da der Bericht sich auf einen Zeitraum vor Erlass der angefochtenen Verfügung beziehe. C. Mit Verfügung vom 26. Oktober 2018 wies das Kantonsg ericht das Gesuch der Be- schwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen R echtspflege infolge eines Einkommens- überschusses ab. D. Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Eingab e vom 26. Oktober 2018 die Sistie- rung des vorliegenden Verfahrens bis zum Vorliegen der in der Beschwerde angekündigten fach- ärztlichen Berichte. Nachdem sich die Beschwerdeführerin am 1. November 2018 mit dem Sis- tierungsantrag einverstanden erklärt hatte, wurde das Verfahren mit Verfügung vom 2. November 2018 bis zum Vorliegen der vom Hausarzt veranlassten fachärztlichen Abklärung sistiert. E. Mit Eingaben vom 3. Januar 2019 und 28. Februar 2019 reichte die Beschwerdeführerin weitere Arztberichte ein. Das Kantonsgericht hob antragsgemäss die Sistierung des vorliegenden Verfahrens mit Verfügung vom 12. März 2019 auf. F. In ihrer Vernehmlassung vom 26. April 2019 schloss di e Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formg erecht erhobene Beschwerde vom 11. September 2018 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 11. Juli 2018 ent- wickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbsfä- higkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Einglie- derungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalidi tätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in einem Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in wel- chem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenb ereich zu betätigen (Betätigungs- vergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehe gattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie d aneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28 a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgab enbereich festzulegen und der Invaliditäts- grad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung). Seit dem 1. Januar 2018 bestim mt Art. 27 bis Abs. 3 lit. a IVV, dass sich die Berechnung des Invaliditätsgrades in Bezug auf die Erwerbstätigkeit bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, nach Art. 16 ATSG richtet, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerech- net wird. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet somit die Frage, in wel- chem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundhe itlichen Beeinträchtigungen ar- beitsunfähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 3.5 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemes- sung führt –, ergibt sich nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Be- einträchtigung bestünde (BGE 133 V 508 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im G esundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er- werbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be weisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c, 117 V 194 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2011, 9C_741/2011, E. 2.1; je mit Hinweisen). 4. Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern 2014, S. 537 f. Rz 2 ff.). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er wird ergänzt durch d ie Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a, je mit Hinwei sen). Zu beachten ist jedoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus- schliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherungsgerichts ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungspro- zess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Bewe islast nur insofern, als im Falle der Be- weislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen geblie- benen Sachverhalt Rechte ableiten will (LOCHER /G ÄCHTER , a.a.O., S. 548 Rz 56). Diese Beweis- regeln kommen allerdings erst dann zur Anwendung, we nn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Be weiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende Wahrschein lichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sow ie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, un- abhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die ver- fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der me- dizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfüg ung. Sie setzen die für die In- validenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktion elle Leistungsfähigkeit der versi- cherten Person fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu- üben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten durchführen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest ( Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV]). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Do- kumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten n icht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (vgl. BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258; Urteil 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1). 4.4 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings ist hinsicht- lich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der an gefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu de nen die RAD-Berichte gehören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen . In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergän- zende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 9C_627/2015, E. 2 mit weite- ren Hinweisen). 4.5 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG, heute: Schweizerisches Bundesgericht , Sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnd en Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g eblieben sind (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Bei der Würdigung des vorliegenden medizinischen Sa chverhalts sind insbesondere die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Der erstbehandelnde Arzt Dr. med. C.____, FMH All gemeine Medizin, stellte gemäss Unfallmeldung vom 14. August 2014 eine Verdrehung/St auchung des rechten Schultergelenks Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und eine Verdrehung/Stauchung der linken Hüfte fest. Er attestierte eine vollständige Arbeitsun- fähigkeit ab dem Unfallzeitpunkt bis zum 19. August 2014 . Mit Schreiben vom 16. September 2014 hielt Dr. C.____ gegenüber dem zuständigen Unfal lversicherer fest, dass die Patientin ab dem 21. August 2014 zu 50% und ab dem 5. September 2014 zu 100% arbeitsfähig sei. Gemäss Auskunft der Arbeitgeberin an den Unfallversicherer hab e die Versicherte ab 18. August 2014 wieder im vollen Umfang gearbeitet. 5.2 Am 9. Dezember 2014 diagnostizierte Dr. med. D.__ __, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eine traumatische kombinierte Läsion der Supra- spinatussehne (eher nicht transmural) mit Oberrandläsion der Subscapularissehne und superio- rer Subluxation der rechten Bizepssehne nach Trauma am 8. August 2014, ein Diabetes Mellitus Typ 2 (unter oraler Therapie), eine arterielle Hyper tonie, einen Verdacht auf ein verkalktes Me- ningeom der Fossa temporalis links, chronische Spannungsko pfschmerzen sowie einen Status nach antibiotischer Therapie eine jugulären Lymphknote n-Tuberkulose rechts. Er empfehle die baldige operative Versorgung der Schulter. 5.3 Mit Arztzeugnis vom 14. Januar 2015 stellte der beha ndelnde Hausarzt rückwirkend ab 13. November 2014 bis 2. Februar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit fest. 5.4 Am 3. Februar 2015 wurden bei der Patientin ein e arthroskopische Subscapularis Refi- xation, eine Acromioplastik und eine Bicepstendonese mini open rechts durchgeführt. Dr. D.____ hielt mit Arztzeugnis vom 3. Februar 2015 postoperativ e ine achtwöchige 100%ige Arbeitsunfä- higkeit fest. 5.5 Mit Berichten und Arztzeugnissen vom 16. März 2015, 24. März 2015, 13. Mai 2015, 5. Juni 2015 berichtete die operierende Dr. med. E._ ___, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, über den postoperativen Verlauf und schrieb die Pati- entin bis 27. August 2015 zu 100% arbeitsunfähig. 5.6 Am 27. August 2015 diagnostizierte Dr. E.____ ein en Status nach Schulterarthroskopie am 3. Februar 2015, eine aktuelle postoperative Capsul itis adhaesiva rechts, eine traumatisch kombinierte Läsion der ventralen Supraspinatussehne mit O berrandläsion der Subscapula- rissehne und superiorer Subluxation der rechten Bizepssehne nach Trauma am 8. August 2014 sowie die bekannten Nebendiagnosen. Die Patientin berichte sechs Monate postoperativ von ei- ner deutlichen Verbesserung der ausgeprägten Schmerzen und einer langsamen Verbesserung der Beweglichkeit. Sie werde ab sofort versuchen, ihre Tätigkeit als Raumpflegerin mit dem übli- chen Pensum wieder aufzunehmen. Hierbei bleibe eine B eschränkung für Arbeiten über Schul- terhöhe. Die Arbeitsunfähigkeit von 60% bleibe bis 30. November 2015 bestehen. Die Physiothe- rapie werde fortgesetzt. 5.7 Gemäss Arztzeugnis von Dr. med. F.____, FMH Allgeme ine Medizin, vom 16. Dezem- ber 2015 sei die Beschwerdeführerin vom 1. Dezember 201 5 bis 11. Januar 2016 zu 60% ar- beitsfähig. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.8 Dr. E.____ hielt mit Bericht vom 12. Januar 2016 fest, dass die Patientin neu über Schwindel, Kribbelparästhesien und Einschlafen beider U nterarme und Hände klage. Auch die Schmerzen in der rechten Schulter hätten in den letzte n Wochen zugenommen. Von Seiten der rechten Schulter scheine es zu einer Aktivierung des rech ten AC-Gelenks gekommen zu sein. Bezüglich des Schwindels und der geäusserten Parästhesie n werde empfohlen, einen Halswir- belsäulenspezialisten aufzusuchen. Aktuell betrage die Arbeitsunfähigkeit 50%. Mit Schreiben an den Unfallversicherer vom 22. April 2016 führte sie hierzu ergänzend aus, dass die unfallfremden Befunde der Kribbelparästhesien, dem Einschlafen der Hände sowie der Nackenschmerzen und chronischen Spannungskopfschmerzen den Heilungsverlauf der Schulteroperation erschweren würden. Diesbezüglich seien weitere Abklärungen geplant. 5.9 Mit Schreiben vom 16. Februar 2016 berichtete Dr. med. G.____, FMH Neurologie, über das durchgeführte Konsilium und diagnostizierte aus neurologischer Sicht ein chronisches Span- nungskopfweh seit über zehn Jahren, unbestimmte, nicht-objektivierbare Schwindelsensationen sowie ein bekanntes kleines verkalktes Meningeom links temporal seit 2012. Er habe die Patientin erstmals im Jahr 2012 behandelt. Aktuell berichte sie von fluktuierenden Beschwerden, in letzter Zeit täglich auftretende Kopfschmerzen betont im Scheitel und verbunden mit einem Druckgefühl hinter den Augen. Häufig habe sie auch Schmerzen rec hts occipital. Die Schmerzen würden in der Regel über Stunden andauern. Die beschriebenen Schmerzen entsprächen nach wie vor ei- nem chronischen Spannungstypkopfweh. Aufgrund der längeren analgetischen Behandlung mit Tramadol und Paracetamol bestehe ein Verdacht auf analgetikainduzierte Kopfschmerzen. 5.10 Ein CT des Neurocraniums und der Halswirbelsäule a m 28. April 2016 ergab eine un- verändert grosse kompakte Verkalkung/Verknöcherung medial auf Höhe des Prozessus clino- ideus anterior links in der mittleren Schädelgrube im Verlauf, mässig ausgeprägte degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule mit Spondylose und O steochondrose der Halswirbelkörper 5/6 und 6/7, gering ausgeprägte Uncovertebralarthrose auf beiden Höhen sowie im Seitenver- gleich eine leichte Einengung des Neuroforamens rechts auf der Höhe der Halswirbelkörper 5/6. 5.11 In seinem Bericht zuhanden der IV-Stelle vom 20. Mai 2016 diagnostizierte Dr. F.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach arthroskopischer Subscapularis bei Schulterkontusion rechts (mit medialer Bizepssehnenluxation , Subscapulärläsion sowie bursa- seitiger Partialläsion der Supraspinatussehne bei Impingement), bei einer Tendinopathie der Sup- raspinatussehne und einer postoperativen Capsulitis adhae siva; einen Verdacht auf Insertions- tendinose der Tibialis posterior-Sehne links am Os naviculare; ein myofasziales Schmerzsyndrom am Schultergürtel und cervical sowie chronische Spannungskopfschmerzen. Die Situation an der Schulter verbessere sich zunehmend, aktuell beklage die Patientin schmerzhafte Verspannungen im Schultergürtel rechts, Schmerzen im Schultergürtel und in der rechten Schulter sowie im linken Fuss. Er erachte die Patientin vom 1. Mai 2015 bis zum 12. Juni 2016 als zu 25% in ihrer Arbeits- fähigkeit eingeschränkt. 5.12 Die RAD-Ärztin Dr. med. H.____, Fachärztin Physikal ische Medizin und Rehabilitative Medizin, hielt in ihrer Stellungnahme vom 18. Oktober 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die Arbeitsfähigkeit fest: ein Status nach postoperativer Capsulitis adhaesiva nach Schulter- arthroskopie rechts sowie ein Status nach aktivierter beg innender AC-Gelenksarthrose rechts. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien ein Ve rdacht auf eine Insertionstendinose der Tibialis posterior Sehne links am Os naviculare, ein myofasziales Schmerzsyndrom am Schulter- gürtel/cervical, chronische Spannungskopfschmerzen, ein Diabetes mellitus Typ 2 (medikamen- tös behandelt, eine arterielle Hypertonie, eine Adipositas, eine Hyperlipidämie, ein Vitamin B12- Mangel, ein kleines verkalktes Meningeom Fossa temporalis links, eine Dermatochalasie beid- seits sowie ein Eisenmangel. Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten wie auch in einer leidensangepassten, leichten wechselbelaste nden Verweistätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten, ohne repetitive Tätigkeiten übe r Schulterniveau mit dem rechten Arm, ohne Zwangshaltungen der Halswirbelsäule und ohne Ste igen auf Gerüste und Leitern hielt die RAD-Ärztin entsprechend den behandelnden Ärzten fest, d ass die Versicherte vom 9. August 2014 bis 17. August 2014 zu 100%, vom 18. August 2014 bis 12. November 2014 zu 0%, vom 13. November 2014 bis 23. August 2015 erneut zu 100%, anschliessend bis 30. November 2015 zu 60%, vom 1. Dezember 2015 bis 10. Januar 2016 zu 40%, vom 11. Januar 2016 bis 30. April 2016 wiederum zu 50% und vom 1. Mai 2016 bis 12. Juni 2 016 zu 25% in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Seit 13. Juni 2016 sei sie wieder vollständig arbeitsfähig. Seitens der Unfallverletzung vom 8. August 2014 sei die alltagsrelevante Schulterfunktion wieder hergestellt. Die myofaszial bedingten Nacken-Schulter-Schmerzen und die Spannungskopfschmerzen seien invalidenversicherungsrechtlich als irrelevant einzustufen, da diese sehr gut konservativ behan- delt werden könnten und reversibel seien. Die sonstig en vorbestehenden allgemeininternisti- schen Befunde und Begleiterkrankungen seien vom Hausarzt medikamentös gut eingestellt bzw. einstellbar und hätten nie zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt. Das kleine Menin- geom sei seit Jahren stabil und asymptomatisch. 5.13 Kurz nach dem Erlass der Verfügung vom 11. Juli 20 18 meldete Dr. F.____ der IV-Stelle mit Attest vom 19. Juli 2018, dass die Versicherte in le tzter Zeit unter vermehrten die Arbeitsfä- higkeit einschränkenden muskuloskelettalen Schmerzen leide, weshalb er eine fachärztliche Un- tersuchung veranlasst habe. Aktuell sei die Patientin zu 50% arbeitsunfähig. 5.14 Im vorliegenden Verfahren reichte die Beschwerdef ührerin zwei weitere Arztberichte ein: Mit Schreiben vom 14. Dezember 2018 stellte Dr. med. I.____, FMH Innere Medizin sowie Pneumologie, bei der Versicherten eine mittelschwere obstruktive Schlafapnoe fest. Die Patientin habe die vorgeschlagenen Therapien nicht nutzen wollen. Vielmehr strebe sie eine Verbesserung mittels Didgeridoo-Therapie an. Generell müsse gesagt werden, dass eine mittelschwere Schlafapnoe zu einer Verringerung der Arbeitsfähigkeit von bis zu 20% führen könne. Im Bericht vom 15. Februar 2019 diagnostizierten Dr. me d. J.____, FMH Rechtsmedizin, und Dr. med. K.____, FMH Allgemeine Innere Medizin sowie Physikalische Medizin und Rehabilita- tion, eine Adipositas Grad I; ein Diabetes Mellitus Typ 2; eine arterielle Hypertonie; eine Hyperli- pidämie; ein Vitamin B12-Mangel; chronische Fussschmerze n beidseits linksbetont im Rahmen einer Insertionstendinose des Tibialis posterior; ein c hronisches periarthropathisches Schmerzsyndrom im rechten Schulterbereich bei Status nac h arthroskopischer Subscapularis- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Refixation, Acromioplastik und Bizepstendonese, einer AC- Gelenksarthrose und aktuell einem subacromialen Impingement bei Bursitis subdeltoidea rech ts (Erstdiagnose: Januar 2019); eine chronische Cervicobrachialgie mit Verdacht auf chronische Spannungskopfschmerzen; ein Sta- tus nach Tendovaginitis (November 2016); ein Status nach Coccygodynie (September 2012); ein Status nach Lymphknoten-Tuberkulose jugulär rechts sowie e ine Rifampicin-Unverträglichkeit. Seit circa einem Jahr arbeite die Patientin ungefähr 14 Stunden in der Woche als Reinigungskraft in einer Turnhalle. Eine Erhöhung des Pensums sei aktuell nicht möglich. Die direkten Einschrän- kungen – sowohl bei der Arbeit als auch im täglichen Le ben – würden sich auf das Heben und Tragen von Lasten, längeres Gehen, Stehen oder Sitzen, Rumpfrotationsbewegungen, Arbeiten in vorneübergebeugter oder gebückter Haltung sowie in Zwangshaltungen, Arbeiten über Schul- terhöhe sowie auf Arbeiten in Nässe und Kälte beziehen. 5.15 Die RAD-Ärztin Dr. H.____ nahm am 21. März 2019 Stellung zu den neu eingereichten Unterlagen. Dabei hielt sie im Wesentlichen fest, dass während rund zwei Jahren bis zum Erlass der Verfügung keine medizinischen Unterlagen vorlägen, was darauf schliessen liesse, dass die Beschwerdeführerin in dieser Zeit keine ärztliche Hil fe habe beanspruchen müssen. Die haus- ärztliche Krankschreibung zur weiteren Abklärung sei bloss vage und ungenau formuliert und benenne keine spezifischen Beschwerden. Ausserdem seien die Abklärungen erst mehrere Mo- nate später vorgenommen worden. Dres. J.____ und K.____ hätten in ihrem Bericht keine objek- tiven Befunde erhoben und das ermittelte Belastungspro fil basiere rein auf den subjektiven und unvalidierten Angaben der Beschwerdeführerin. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 11. Juli 2018 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts vollum fänglich auf die Ausführungen ihres RAD vom 18. Oktober 2016 ab. Sie ging demzufolge davo n aus, dass die Beschwerdeführerin ab 8. August 2015 zu 100%, ab 24. August 2015 zu 60%, a b 11. Januar 2016 zu 50% und ab 1. Mai 2016 zu 23,6% erwerbsunfähig gewesen ist. Ausserdem sei sie gemäss Haushaltsabklä- rung vom 19. Dezember 2016 in der Zeit vom 8. August 2 015 bis 1. Mai 2016 zu 8% in ihrem Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen. Anschliessend besteh e keine Einschränkung mehr. Aufgrund der verspäteten Anmeldung zum Leistungsbezug würden die Leistungen erst ab 1. Sep- tember 2015 ausgerichtet. Dementsprechend sprach sie der Versicherten in Anwendung der ge- mischten Methode für die Zeit vom 1. September 2015 bi s 30. April 2016 eine halbe Rente und vom 1. Mai 2016 bis 31. Juli 2016 eine Viertelsrente der Invalidenversicherung zu. 6.2 Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich zunächst v or, dass ihr bereits per 1. August 2015 Leistungen der Invalidenversicherung zustünden, da die Anmeldung entgegen der Auffas- sung der Beschwerdegegnerin nicht verspätet erfolgt sei. Vielmehr datiere die Anmeldung vom 25. Februar 2015, sei jedoch erst am 6. März 2015 vom (unzuständigen) Unfallversicherer an die IV-Stelle weitergeleitet worden. Tatsächlich bestimmt Art. 29 Abs. 3 ATSG unter anderem, dass eine bei der unzuständigen Stelle eingereichte Anmeldu ng dennoch auf den Zeitpunkt Rechts- wirkungen entfaltet, in dem sie der Post übergeben oder bei der unzuständigen Stelle eingereicht wird. Dass die Anmeldung erst am 6. März 2015 vom Unfal lversicherer an die Beschwerdegeg- nerin weitergeleitet und dort am 11. März 2015 einge gangen ist, führt folglich nicht für sich zu Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht deren Verspätung. Indessen ist aufgrund der Akten unklar, wann die Beschwerdeführerin die An- meldung vom 25. Februar 2015 der Post (vgl. Art. 29 Abs. 3 ATSG) übergeben hat. Die Sendung erfolgte nicht eingeschrieben oder per A-Post Plus, we shalb das Aufgabedatum unbekannt ist. Wie in Erwägung 4 hiervor ausgeführt, tragen die Pa rteien im Sozialversicherungsrechtsverfah- ren die Beweislast bloss, aber immerhin soweit, als sie aus dem behaupteten Sachverhalt Rechte ableiten wollen. Da der Sachverhalt, wonach die Anmeldung erst im März 2015 versandt wurde, genauso wahrscheinlich ist wie derjenige, wonach sie bereits im Februar 2015 der Post überge- ben wurde, liegt Beweislosigkeit vor. Diese geht zu Lasten der Beschwerdeführerin, welche einen früheren Zeitpunkt des Leistungsbeginns ableiten wollte. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch erst ab 1. September 2015 bejahte. 6.3 In Bezug auf den medizinischen Sachverhalt bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf die Beurteilung der RAD-Ärztin Dr. H.____ vom 18. Ok- tober 2016 abgestützt habe, da sich diese nicht auf umfassende Abklärungen stütze und die un- fallfremden Beschwerden nicht berücksichtige. Ausserdem habe sich ihr Gesundheitszustand seit der Beurteilung durch Dr. H.____ und noch vor Erlass der Verfügung verschlechtert bzw. sei die- ser nicht abgeklärt worden. 6.3.1 Wie in Erwägung 4.4 hiervor erwähnt, sind an d ie Beweiswürdigung strenge Anforderun- gen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne die Ein holung eines externen Gutachtens ent- schieden werden soll. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist jedoch auch eine reine Aktenbeurteilung nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Ak- tengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Diag- nose oder das Ausmass der Behinderung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen kann in einem Aktengutachten das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die über- wiegende Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich gemacht werden (Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Es sind allerdings be- reits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der (versicherungs-)ärztli- chen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Solche Zweifel liegen nicht vor. Die festgestellten somatischen Befunde sind grundsätzlich unbestritten. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin werden in der RAD-Beurteilung vom 18. Oktober 2016 auch die unfallfrem- den Befunde aufgelistet und gewürdigt. Die Beurteilung durch Dr. H.____ erweist sich folglich als umfassend. Ferner weist sie weder formale noch inhaltl iche Mängel auf, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abge- geben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurtei- lung der medizinischen Situation ein und nimmt insbesondere eine hinreichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. 6.3.2 Daran vermögen auch die Vorbringen der Beschwer deführerin nichts zu ändern. Entge- gen ihrer Auffassung besteht keine Veranlassung, die unfallfremden Befunde, insbesondere die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Spannungskopfschmerzen, weiter abzuklären, da eine vertiefte Abklärung bereits vom Neurolo- gen Dr. G.____ vorgenommen wurde. Auch ein CT des Neurocraniums ergab diesbezüglich kei- nen ungewöhnlichen Befund. Festzustellen ist, dass Dr. G.____ keinerlei Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit aufgrund der Kopfschmerzen festgehalten hat und eine solche augenscheinlich bis- her weder vor noch nach dem Unfall bestand. Eine Verschlechterung der Kopfschmerzproblema- tik ist in den Akten nicht festgehalten. Die übrigen Schmerzzustände sind – wie die Beschwerde- gegnerin zu Recht ausführt – konservativ behandelbar sowie reversibel und damit IV-rechtlich nicht relevant. Sofern die Beschwerdeführerin vorbringt , dass die Einschätzung ihrer Arbeitsfä- higkeit durch Dr. H.____ von derjenigen der behandelnd en Ärzte abweicht, ist ihr entgegen zu halten, dass der behandelnde Hausarzt Dr. F.____ auge nscheinlich ab 12. Juni 2016 eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert und zudem in den medizini schen Akten verschiedentlich festgestellt wird, dass sie ihre angestammte Tätigkeit „im üblichen Pensum“ wieder aufgenommen habe. Es finden sich somit keine fundierten abweichenden Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit in den Akten. Vielmehr wird in der von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen Invaliditätsbemessung auch ab Mai 2016 noch eine Einschränkung in der Erwerbstätig keit von 23,6% postuliert, womit den verbleibenden Beschwerden der Beschwerdeführerin Rechnung getragen wird. 6.3.3 Die Beschwerdeführerin bringt weiter unter Ver weis auf den Arztbericht von Dr. F.____ vom 19. Juli 2018 sowie die im vorliegenden Verfahren eingereichten Berichte von Dres. I.____, J.____ und K.____ vor, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der RAD-Beurteilung vom 18. Ok- tober 2016 verschlechtert habe. Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass die von der Beschwerde- führerin angerufenen Unterlagen allesamt nach dem für die Beurteilung massgebenden Zeitpunkt (vgl. E. 2 hiervor) ergangen sind und somit für das vor liegende Verfahren formell keine Bedeu- tung haben. Soweit sich die Beschwerdeführerin darauf beruft, dass namentlich der Bericht von Dr. F.____ vom 19. Juli 2018 auch die Zeit vor Verfügu ngserlass betrifft, ist festzustellen, dass dieser sowohl in Bezug auf den beurteilten Zeitraum („in letzter Zeit“) wie auch bezüglich der Einschränkungen („vermehrte muskuloskelettale Beschwerden“) aussergewöhnlich vage und un- genau gehalten ist, so dass daraus nicht eine belegte oder massgebliche rückwirkende Beurtei- lung des Gesundheitszustandes abgeleitet werden kann. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, sind in den Akten für den Zeitraum zwischen de r RAD-Beurteilung vom 18. Oktober 2016 und dem Verfügungserlass vom 11. Juli 2018 ferner keine medizinischen Unterlagen vor- handen. Entsprechend scheint eine gesundheitliche Verschl echterung in diesem Zeitraum als unwahrscheinlich. Eine solche Verschlechterung ergibt sich überdies auch nicht aus den medizi- nischen Berichten von Dr. I.____ vom 14. Dezember 2018 oder von Dres. J.____ und K.____ vom 15. Februar 2019. Dr. I.____ hält keine konkrete d ie Beschwerdeführerin betreffende Ar- beitsunfähigkeit fest und verweist auf von ihr nicht in Anspruch genommene Therapiemöglichkei- ten. Dres. J.____ und K.____ erheben in ihrem Bericht – wie die Beschwerdegegnerin fest- hält – keine objektiven Befunde und stützen sich im Wese ntlichen auf die subjektiven Angaben der Patientin ab. Ihr Bericht nennt ferner die Arbei tsfähigkeit einschränkende Beschwerden, de- ren Erstdiagnosen unbestrittenermassen nach Verfügungszeit punkt erfolgten. Solche wären je- doch erst im Rahmen einer allfälligen Neuanmeldung zu würdigen. 6.4 Zusammenfassend lässt die RAD-Beurteilung von Dr. H._ ___ vom 18. Oktober 2016 eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu. Die Beschwerdegegnerin Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht durfte deshalb bei der Bemessung der Invalidität auf d eren Ergebnisse abstellen. Lässt die vor- handene Aktenlage nach dem Gesagten eine zuverlässige Beurteilung des massgebenden me- dizinischen Sachverhalts zu, so ist dem Antrag der Beschwerdeführerin, wonach weitere medizi- nische Abklärungen vorzunehmen seien, nicht stattzugeben. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfass ungsmässigen Anspruchs indes- sen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die En tscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vor- handenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Recht- sprechung zulässig (BGE 141 I 64 E. 3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7. Die Abklärung der Einschränkungen im Haushalt und d ie Anwendung der gemischten Methode werden von der Beschwerdeführerin zu Recht nich t beanstandet. Es ist folglich davon auszugehen, dass sie – unter der zumutbaren Mithilfe der Familie – in der Zeit vom 8. August 2015 bis 1. Mai 2016 im Aufgabenbereich zu 8% eingeschränkt gewesen ist. 8. Nachdem sich aus den Akten ausserdem keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Ver- gleichseinkommen vorzunehmen wäre und die Berechnung auch von der Versicherten nicht be- anstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Ausei nandersetzung mit dem durch die IV-Stelle vorgenommenen Einkommensvergleich. Es ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführerin ab 1. Mai 2016 bzw. ab 1. August 2016 ein rentenausschliessendes Erwerbs- einkommen erzielen könnte. Die angefochtene Verfügung ist demnach nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 800.-- festgesetzt werden, ihr zu auferlegen sind. Die Verfahrenskosten werden mit dem geleisteten K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens wird keine Parteientschädigung zu- gesprochen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in dersel- ben Höhe verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Gegen diesen Entscheid wurde am 18. September 2019 Beschwerde ans Bundesgericht Be- schwerde erhoben (siehe nach Vorliegen des Entscheid des Bundesgerichts: Verfahren Nr. 9C_627/2019 ) http://www.bl.ch/kantonsgericht