200 23 751 IV ISD/REL/WSI Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 5. August 2024 Verwaltungsrichter Isliker, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichterin Mauerhofer Gerichtsschreiberin Bischof A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 26. September 2023 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1996 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) arbeitete über ein Temporärbüro als ungelernter …, als er am 31. Oktober 2019 in einen Autounfall verwickelt war (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 8.7 und 8.15) und dabei um- fangreiche Verletzungen erlitt (AB 8.14 S. 3). Im Dezember 2019 meldete er sich bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (AB 1). Die IVB tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und gewährte berufliche Eingliederungsmassnahmen (erstmalige berufliche Ausbildung [AB 26], Arbeitsmarktlich-Medizinische-Abklärung [AMA; AB 71], Aufbau- training [vgl. AB 90, AB 118]). Im Rahmen einer Kostengutsprache für eine "Erstmalige berufliche Ausbildung in einer Ausbildungseinrichtung mit Mög- lichkeit zum Wechsel in den 1. Arbeitsmarkt" übernahm sie mit Mitteilung vom 18. August 2022 (AB 153) die Kosten für eine vierjährige Ausbildung zum … EFZ. Nachdem die Berufsbildner eine Häufung von sowohl ge- sundheitsbedingten wie auch unbegründeten und unentschuldigten Absen- zen gemeldet hatten (vgl. AB 185), forderte die IVB den Versicherten mit Schreiben vom 22. Juni 2023 (AB 192) dahingehend zur Schadenminde- rung auf, dass er im Ausbildungsbetrieb lückenlos anwesend zu sein, sich an die Vorgaben und Rahmenbedingungen des Ausbildungsbetriebs und der IV zu halten und zukünftig gesundheitsbedingte Absenzen am ersten Tag mit einem Arztzeugnis seinem Vorgesetzten und der Eingliederungs- fachperson unaufgefordert zu belegen habe, andernfalls dies den Abbruch der beruflichen Eingliederungsmassnahme zur Folge habe. Mit Vorbe- scheid vom 18. Juli 2023 (AB 208) stellte die IVB dem Versicherten in Aus- sicht, die berufliche Massnahme rückwirkend per 7. Juli 2023 abzubrechen und einen weiteren Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen zu verneinen, weil der Versicherte aus den Ferien seine krankheitsbedingte Absenz nur seinem Vorgesetzten, nicht aber der zuständigen Eingliede- rungsfachperson angezeigt habe. Nach dagegen erhobenem Einwand (AB 212) verfügte sie am 26. September 2023 dem Vorbescheid entspre- chend (AB 217).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 3 B. Hiergegen erhob der Versicherte – vertreten durch Rechtsanwalt B.________ – am 26. Oktober 2023 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern. Er beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und die weitere Gewährung der gesetzlich vorgesehenen beruflichen Massnahmen. Zudem sei festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin vor- sorglich bis zur Vollstreckbarkeit der Verfügung die fälligen Ausbildungsge- bühren in der Höhe von Fr. 6'000.– zu bezahlen habe. Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 21. No- vember 2023 die Abweisung der Beschwerde. Mit prozessleitender Verfügung vom 24. November 2023 wurde der Antrag um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen. Zusammen mit der Kostennote reichte der Rechtsvertreter des Beschwer- deführers am 7. Dezember 2023 weitere Dokumente zu den Akten. Diese gingen zur Kenntnis an die Beschwerdegegnerin. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 4 zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 26. September 2023 (AB 217). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf berufliche Massnah- men und dabei insbesondere die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die mit Mitteilung vom 18. August 2022 (AB 153) erteilte Kostengut- sprache für die vierjährige Ausbildung zum … EFZ sowie die entsprechen- den Taggeldzahlungen zufolge Verletzung der Schadenminderungspflicht durch den Beschwerdeführer aufgehoben hat. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG (Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Die angefochtene Verfügung datiert vom 26. September 2023 (AB 217), womit sie nach dem Inkrafttre- ten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Zudem betrifft sie die im Sommer 2022 begonnene berufliche Erstausbildung des Beschwerdefüh- rers (vgl. AB 145 S. 3), weshalb die Bestimmungen des IVG und diejenigen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 5 des ATSG in der ab dem 1. Januar 2022 gültigen Fassung massgebend sind. 2.2Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmass- nahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustel- len, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Eingliede- rungsmassnahmen bestehen unter anderem in Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Art. 8 Abs. 3 lit. ater IVG). 2.3Die versicherte Person muss alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu ver- ringern und den Eintritt der Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern. Sodann muss sie an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des beste- henden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen, insbesondere an Massnahmen der Frühintervention, Integrati- onsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung, Mass- nahmen beruflicher Art, medizinischen Behandlungen nach Art. 25 des Bundesgesetzes vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) und Massnahmen zur Wiedereingliederung von Rentenbezüge- rinnen und Rentenbezügern (Art. 7 Abs. 1 und 2 IVG). Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind (Art. 7a IVG). 2.4Kommt die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 IVG oder Art. 43 Abs. 2 ATSG nicht nach, können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine ange- messene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 7b Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 21 Abs. 4 ATSG). 2.5Bei der Schadenminderungspflicht der versicherten Person handelt es sich um einen allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 6 (BGE 129 V 460 E. 4.2 S. 463; SVR 2020 EL Nr. 6 S. 23 E. 7.3.1). Einer versicherten Person sind im Rahmen der Schadenminderungspflicht Mass- nahmen zuzumuten, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen Lage er- greifen würde, wenn er keinerlei Entschädigung zu erwarten hätte (BGE 140 V 267 E. 5.2.1 S. 274). 3. 3.1Vorliegend wurde dem Beschwerdeführer im Rahmen der berufli- chen Eingliederung eine "Erstmalige berufliche Ausbildung mit Möglichkeit zum Wechsel in den 1. Arbeitsmarkt" in Form einer vierjährigen Ausbildung zum … EFZ ab August 2022 zugesprochen (AB 147). Aufgrund eines me- dizinischen Eingriffs und der darauffolgenden Rehabilitation sowie weiterer gesundheitsbedingter Absenzen bewältigte er die Lerninhalte der Schule und des Betriebs während des ersten Ausbildungssemesters weitgehend im Homeoffice und verpasste Leistungsbeurteilungen sowie einen überbe- trieblichen Kurs (vgl. AB 175 S. 4 Ziff. 2.1). In der Zielvereinbarung für das zweite Semester vom 1. Februar 2023 bis zum 31. Juli 2023 (AB 178) wur- den deshalb als zu erreichende Ziele das Nachholen von Tests des ersten Semesters sowie eine Reduktion der Arbeiten im Homeoffice auf einen halben Tag pro Woche festgehalten. Nach einem weiteren Unfall am 1. Mai 2023 (vgl. AB 185 S. 8) wies der Beschwerdeführer weiterhin viele Absen- zen auf und leistete entgegen der Zielvereinbarung und ohne Bewilligung durch den Berufsbildner weiterhin Arbeit im Homeoffice (vgl. AB 185), wes- halb die Beschwerdegegnerin ihn mit Schreiben vom 22. Juni 2023 (AB 192) schriftlich und unter Androhung der Rechtsfolgen im Unterlas- sungsfall zur Schadenminderung aufforderte: Es wurde festgehalten, dass seine Ausbildner im Ausbildungsbetrieb eine Häufung von sowohl gesund- heitsbedingten wie auch unbegründeten und unentschuldigten Absenzen beobachtet hätten und dass der Beschwerdeführer infolge ungenügender Präsenz eine abschliessende Prüfung nicht habe ablegen können. Er wur- de deshalb aufgefordert, inskünftig im Ausbildungsbetrieb lückenlos anwe- send zu sein (keine Homeoffice Arbeit) und sich an die Vorgaben und Rahmenbedingungen seines Ausbildungsbetriebs und der Beschwerde- gegnerin zu halten (S. 2). Ab sofort seien gesundheitsbedingte Absenzen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 7 bereits ab dem ersten Tag mit einem Arztzeugnis zu belegen, welches so- wohl dem Vorgesetzten als auch der Eingliederungsfachperson ohne Ver- zögerung und unaufgefordert vorzulegen sei. Erwartet werde zudem ein respektvoller Umgang mit den Vorgesetzten sowie Teamkolleginnen und Teamkollegen. Andernfalls würde die laufende berufliche Massnahme ab- gebrochen und weitere berufliche Eingliederungsmassnahmen abgelehnt. Nach Erhalt der Aufforderung zur Schadenminderung (vgl. undatierte Emp- fangsbestätigung [AB 200 S. 2]) arbeitete der Beschwerdeführer trotzdem wiederholt im Homeoffice und legte seine Arzttermine auf Schultage (AB 205). Am 10. Juli 2023 – am ersten Tag nach seinen Ferien vom 3. bis zum 7. Juli 2023 – informierte der Beschwerdeführer seinen Ausbildungs- verantwortlichen im Ausbildungsbetrieb darüber, dass er vom 8. bis zum 12. Juli 2023 krankgeschrieben sei und reichte ein entsprechendes Arzt- zeugnis (AB 206), sowie zwei Tage später ein ärztliches Arbeitsunfähig- keitszeugnis für den 13. Juli 2023 ein (AB 207 S. 3). Keine dieser gesund- heitsbedingten Absenzen wurden der Eingliederungsfachperson bei der Beschwerdegegnerin gemeldet. 3.2Der Beschwerdeführer hatte gemäss der Empfangsbestätigung (AB 200 S. 2) unzweifelhaft Kenntnis von der ihm auferlegten Pflicht, eine erneute Krankheitsabsenz nicht nur seinem Ausbildner, sondern auch der für ihn zuständigen Eingliederungsfachperson bei der Beschwerdegegnerin am ersten Tag der attestierten Arbeitsunfähigkeit zu melden (vgl. E. 3.1 hiervor). Wie sich der Beschwerdeführer bei einer gesundheitlich bedingten Absenz innerhalb welcher Frist zu verhalten hat, ging klar und unmissver- ständlich aus der ihm zugestellten Ermahnung vom 22. Juni 2023 (AB 192) hervor (vgl. MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 4. Aufl. 2022, Art. 7 – 7b N. 29). Die vom Beschwerdeführer geforder- te Massnahme, die auf eine Verbesserung der Kommunikation mit der Ausbildungsstätte und eine effektive Kontrolle der durchaus zumutbaren Präsenzpflicht abzielt, war – anders als dies der Beschwerdeführer vor- bringt (Beschwerde S. 6 f.) – denn auch ohne weiteres zumutbar und stellte keinen erheblichen Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte dar. Der Zumut- barkeit stehen zudem weder die subjektive Wertung des Beschwerdefüh- rers, die im Rahmen der Prüfung der subjektiv zumutbaren Verhältnisse nicht zu berücksichtigen ist (vgl. Rz. 5028 des Kreisschreibens des Bun-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 8 desamtes für Sozialversicherungen [BSV] über das Verfahren in der Invali- denversicherung [KSVI]), noch der Umstand entgegen, dass das Ausbil- dungsverhältnis mit der C.________ als Ausbildungsbetrieb und nicht mit der Beschwerdegegnerin bestand. Denn die Koordination der Eingliede- rungsmassnahme wurde durch die Beschwerdegegnerin gewährleistet und erfolgte von Anfang an über die zuständige Eingliederungsfachperson, wel- che über die zur Durchführung und Kontrolle der Massnahme erforderli- chen Informationen verfügen musste. Der Beschwerdeführer war denn auch bereits bei der Zusprache der Massnahme darauf hingewiesen wor- den, dass er unter anderem jegliche Änderung seiner persönlichen Ver- hältnisse, welche die Umschulung beeinflussen könnte, unverzüglich der für ihn zuständigen Eingliederungsfachperson zum melden habe ("Jede Änderung Ihrer persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, welche die Umschulung beeinflussen kann, müssen Sie uns unverzüglich melden." [AB 153 S. 2]). 3.3Nach Erhalt der Aufforderung zur Schadenminderung meldete der Beschwerdeführer unbestrittenermassen und trotz entsprechender Pflicht (vgl. E. 3.1 hiervor) die erneute Krankheitsabsenz nur seinem Ausbildner, nicht aber der für ihn zuständigen Eingliederungsfachperson bei der Be- schwerdegegnerin (vgl. AB 206 f.). Damit hat er entgegen der klaren An- ordnung vom 22. Juni 2023 (AB 192) seine Pflicht zur Schadenminderung erneut verletzt. Nebst den (weiteren) zahlreichen sowohl krankheits- bzw. unfallbedingten Abwesenheiten wies der Beschwerdeführer namentlich auch unentschuldigten Absenzen auf, durch die er die Rahmenbedingun- gen für ein Aufrechterhalten der Ausbildungsfähigkeit nicht einhielt (vgl. dazu die Zielvereinbarungen für das Aufbautraining [AB 102, AB 117], bzw. für die Erstausbildung [AB 178] und Schlussbericht der Institution [AB 215 S. 2]). Aufgrund dieses Verhaltens und unter Verweis auf weitere Verfeh- lungen wie eigenmächtige Homeoffice Arbeit oder unangemessenes Ver- halten gegenüber Vorgesetzten befürwortete die C.________ im Schluss- bericht vom 12. September 2023 (AB 215 S. 9 Ziff. 6.1) denn auch den Abbruch der Massnahme. Wenn diesbezüglich beschwerdeweise vorge- bracht wird, der "Schlussbericht Ausbildung in der Institution" vom 12. Sep- tember 2023 (AB 215), welcher Grundlage der angefochtenen Verfügung bildet, gewähre keine den Tatsachen entsprechende Übersicht über das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 9 Verhalten und die Leistungen des Beschwerdeführers (Beschwerde S. 8), kann dem nicht gefolgt werden. Denn auch wenn der Beschwerdeführer im zweiten Semester zumindest einen Teil seiner Ausbildungs- und Arbeitszie- le erfüllt hat, bleibt festzuhalten, dass das konsequente Verfolgen der Aus- bildungsziele für den erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung unerläss- lich gewesen wäre und damit auch Teil der von ihm geforderten Mitwir- kungspflicht darstellt. Der Aufforderung zu respektvollem Umgang mit Vor- gesetzten sowie Mitarbeitenden – was im Übrigen von allen Lernenden er- wartet werden kann und eine Selbstverständlichkeit darstellt – ist der Be- schwerdeführer auch im Nachgang zum Aufforderungsschreiben zur Scha- denminderung vom 22. Juni 2023 (AB 192) nicht (genügend) nachgekom- men, wie im Schlussbericht festgehalten wurde (AB 215 S. 13 Ziff. 3 und Ziff. 4). Dass die ungenügenden Bewertungen im Bericht zum zweiten Se- mester ausschliesslich auf eine anspruchsvolle zwischenmenschliche Be- ziehung zwischen dem Beschwerdeführer und dem für ihn zuständigen Bil- dungsverantwortlichen zurückführen sein sollen, wie dies in der Beschwerde implizit vorgebracht wird, trifft ebenfalls nicht zu: Der Beschwerdeführer er- hielt die negativen Rückmeldungen von unterschiedlichen Beteiligten und nicht nur von einem Berufsbildner (vgl. AB 189 f., AB 206 S. 3, AB 215; Pro- tokoll S. 35 ff. [in den Gerichtsakten]; vgl. auch Beschwerdeantwort S. 2 Ziff. 3). Daran ändert auch die nachgereichte Bestätigung von Frau D.________ vom 30. November 2023 nichts, die sich auf die Zeit vor der begonnen Ausbildung bezieht (Beschwerdebeilage 8). Nach der Aufforde- rung zur Schadenminderung verweigerte der Beschwerdeführer schliesslich ausdrücklich die Kommunikation mit der für ihn zuständigen Eingliederungs- fachperson (Protokoll S. 37, Eintrag vom 29. Juni 2023 [in den Gerichtsak- ten]), was offenkundig eine erhebliche Störung der Integrationszusammena- rbeit bedeutet und mit der Schadenminderungspflicht schlicht unvereinbar ist. Insgesamt hat der Beschwerdeführer damit wiederholt die ihm zumutba- re Mitwirkung beziehungsweise die ihm obliegende Schadenminderungs- pflicht mutwillig und in erheblicher Weise verletzt. 3.4Erstellt ist weiter, dass die Beschwerdegegnerin das Mahn- und Bedenkzeitverfahren gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG (vgl. E. 2.4 hiervor) kor- rekt durchgeführt hat. Eine Fristansetzung betreffend die Befristung dieser Anordnung – wie sie der Beschwerdeführer für nötig erachtet (vgl. Be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 10 schwerde S. 8 und S. 12) – war vorliegend nicht erforderlich, zumal die geforderten Auflagen wie zeitnahes Abmelden infolge Krankheit bei den zuständigen Stellen als auch respektvoller Umgang mit Vorgesetzten sowie Teamkolleginnen und Teamkollegen im Erwerbsleben – wie erwähnt (vgl. E. 3.3 hiervor) – grundsätzlich als selbstverständlich zu qualifizieren sind. Die Einhaltung dieser Verhaltensregeln wurde denn auch für die gesamte verbleibende Dauer der weiteren Ausbildung eingefordert und nicht nur für einen beschränkten Zeitraum. Zudem war eine längere Bedenkzeit auf- grund der klaren und nicht übermässig in die Persönlichkeitsrechte des Beschwerdeführers eingreifenden Verhaltensweisungen (vgl. E. 3.2 vorne) nicht erforderlich. Dem Beschwerdeführer musste aufgrund des Schreibens vom 22. Juni 2023 (AB 192) ohne weiteres – und ohne Fristansetzung – klar sein, welches Verhalten von ihm zukünftig erwartet wurde. 3.5Der Beschwerdeführer meldete nach der Aufforderung zur Scha- denminderung seine neuerlichen Absenzen weder rechtzeitig noch ent- sprechend den von ihm verlangen Vorgaben (vgl. E. 3.2 hiervor). Dieses Verhalten zusammen mit der vom Beschwerdeführer geäusserten Weige- rung zur Zusammenarbeit mit der Eingliederungsfachperson (vgl. E. 3.3 hiervor) gefährdeten die erfolgreiche Weiterführung der erstmaligen Ausbil- dung im Rahmen der beruflichen Eingliederung augenscheinlich. Ein direk- ter Zusammenhang zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers, wel- ches fortgesetzt den getroffenen Zielvereinbarungen (vgl. u.a. AB 178) re- spektive der Schadenminderungspflicht (vgl. E. 2.5 hiervor) diametral zuwi- derläuft, und dem Abbruch der beruflichen Ausbildung ist damit ohne weite- res erstellt. 3.6Zu prüfen bleibt die Angemessenheit der Sanktion. Der verfügte Abbruch der Eingliederungsmassnahme ist mit Blick auf die wiederholten Verfehlungen des Beschwerdeführers, welche verschiedene Bereiche der Ausbildung und Zusammenarbeit betreffen, und seiner Weigerung zur kon- struktiven Zusammenarbeit rechtmässig und ohne weiteres nachvollzieh- bar. Zwar trifft es zu, dass der Beschwerdeführer dadurch in seinem beruf- lichen Fortkommen empfindlich getroffen wird. Dies hat er aber nach dem hiervor Dargelegten sich selber zuzuschreiben. Auch ist zu berücksichti- gen, dass der Beschwerdeführer trotz wiederholten Sondersettings wie Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 11 umfangreiches Arbeiten im Homeoffice (siehe dazu auch Protokoll S. 37, Eintrag vom 11. Juli 2023 [in den Gerichtsakten]) und erheblichen Entge- genkommens der Ausbildungsstätte (vgl. Semesterbericht zum 1. Semester [AB 175]) offensichtlich nicht gewillt war, sein Verhalten zu ändern bzw. zu bessern (vgl. Protokoll S. 35, Eintrag vom 19. Juni 2023 [in den Gerichtsak- ten]). Damit kann hier letztlich offen bleiben, ob die unfallbedingten Absen- zen teilweise bloss als Vorwand für das Fernbleiben vom Arbeitsplatz ver- wendet wurden (vgl. AB 215 S. 8). Insgesamt besteht damit kein Anlass, den verfügten Abbruch der Eingliederungsmassnahmen vor dem Hinter- grund der vom Beschwerdeführer demonstrierten Verhalten als nicht an- gemessen erscheinen liessen. 3.7Im Übrigen bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ange- sichts der seit dem zweiten Ausbildungssemester gehäuft und in kurzer Folge aufgetretenen – und teilweise unentschuldigten – Abwesenheiten die minimale Präsenzzeit für die Absolvierung der Ausbildung nicht erreicht hat (vgl. AB 215 S. 9 Ziff. 6.1). Zusammen mit der vom Beschwerdeführer – trotz gegenteiligen Beteuerungen – zumindest teilweise explizit verweiger- ten Kooperationsbereitschaft bzw. Kommunikation (vgl. Protokoll S. 37, Eintrag vom 29. Juni 2023 [in den Gerichtsakten]) wäre damit die subjektive Eingliederungsfähigkeit bzw. -bereitschaft hinsichtlich der Fortsetzung der beruflichen Erstausbildung im bestehenden Rahmen, welche Vorausset- zung für den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen der IV bildet (vgl. SILVIA BUCHER, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, 2011, Rz. 124 und Rz. 539), zu verneinen (vgl. Rz. 1302 fünftes Lemma des Kreisschreibens des BSV über die beruflichen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung [KSBEM]; zur Bedeutung von Verwaltungswei- sungen vgl. BGE 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). Dies- falls wäre eine Einstellung der beruflichen Eingliederung sogar ohne vor- gängig durchgeführtes Mahn- und Bedenkzeitverfahren möglich gewesen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 17. April 2023, 8C_411/2022, E. 4.3.4).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 12 4. Nach dem Dargelegten ist der aufgrund der Verletzung der Mitwirkungs- bzw. Schadenminderungspflicht verfügte Abbruch der Eingliederungs- massnahme und die Einstellung der IV-Taggelder nach dem letzten Ein- gliederungstag zu Recht erfolgt. Die angefochtene Verfügung vom 26. Sep- tember 2023 (AB 217) ist nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Strei- tigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kos- tenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.–, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Bezah- lung auferlegt und dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss ent- nommen. 5.2Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par- teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.– werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem in gleicher Höhe geleisteten Kosten- vorschuss entnommen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. August 2024, IV/23/751, Seite 13 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.