Seite 1 Entscheid vom 7. September 2018 (510 18 34) __________________________________________________ ___________________ Behinderungsbedingte Liegenschaftsverwaltungskosten Besetzung Steuergerichtspräsident A. Zähndler, Geri chtsschreiberin i.V. P. Blank Parteien A.____ , vertreten durch Kellerhals Carrard , Marco Sibold, Advokat, Hirschgässlein 11, Postfach 257, 4010 Basel Rekurrent gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staatssteuer 2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Pflichtige ist Eigentümer eines vermieteten Einfam ilienhauses in B.____. Mit Entscheid der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) C.____ vom 3. Februar 2015 wurde für den Steuerpflichtigen eine Vertretungsbeistandschaft mit Ve rmögensverwaltung gemäss Art. 394 i.V.m. Art. 395 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) errichtet. Mit Entscheid vom 12. Oktober 2016 hat die KESB dem Beistand zulasten des Pflich- tigen eine Entschädigung von Fr. 17‘704.55 zugesprochen. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2016 vom 18. Mai 2017 wurde die als behinde- rungsbedingte Kosten deklarierte Beistandsentschädigun g nur zur Hälfte zum Abzug zugelas- sen. Zur Begründung führte die Steuerverwaltung aus, dass erneut keine Aufteilung der Bei- standsentschädigung in Liegenschafts- und Vermögensverwaltung erfolgt sei, obwohl der Steu- erpflichtige bereits mit Veranlagungsverfügung der Staa tssteuer 2015 vom 19. Januar 2017 darauf hingewiesen worden sei. Daher werde die Aufte ilung von Amtes wegen vorgenommen: Die Hälfte der Kosten, ausmachend Fr. 8‘852.--, würden auf die Liegenschaftsverwaltung entfal- len, welche als Liegenschaftsunterhaltskosten abziehbar seien, aber vom Pauschalabzug von Fr. 20‘179.-- konsumiert würden. Die andere Hälfte würde zu 60%, ausmachend Fr. 5‘312.--, als Vermögensverwaltungskosten und zu 40%, ausmachend Fr. 3‘540.--, als behinderungsbedingte Kosten qualifiziert und somit zum Abzug zugelassen. B. Mit Eingabe vom 31. Mai 2017 erhob der Beistand des P flichtigen Einsprache und beantragte, die gesamte Beistandsentschädigung von Fr. 17‘705.-- sei unter dem Titel der behinderungsbe- dingten Kosten zum Abzug zuzulassen. In der Rubrik Bemer kungen der Steuererklärung sei bereits dargelegt worden, dass der Steuerpflichtige sein e Liegenschaft ohne Behinderung sel- ber verwalten könnte und würde; die Liegenschaft wer de im Rahmen des erwachsenenschutz- rechtlichen Mandats vom Beistand verwaltet, sodass es sich um behinderungsbedingte Kosten handle und sich eine Aufteilung derselben erübrige. Mit abweisendem Einspracheentscheid vom 11. April 2018 erklärte die Steuerverwaltung, der Nachweis für eine andere als die von ihr vorgenommene K ostenaufteilung sei nicht erbracht worden. C. Mit Rekurs vom 9. Mai 2018 beantragte der Vertreter de s Pflichtigen, es seien zusätzlich behin- derungsbedingte Kosten von Fr. 8‘853.-- zum Abzug zuzul assen, da die Liegenschaftsverwal- tung durch die KESB an einen Beistand delegiert worden sei. Diese Kosten seien somit kausale Folge der Behinderung und als Assistenzkosten vollumfänglich abzugsfähig. Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2018 beantragte die S teuerverwaltung die Abweisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, der Kausalzusammenhang der angefallen Kosten mit der Behinderung sei nicht erbracht worden. Weiter sei d em Rekurrenten bei den Liegenschafts- kosten der Pauschalabzug gewährt worden, worin die Lie genschaftsverwaltungskosten bereits mitenthalten seien. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest. Seite 3 Erwägungen: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes vom 7. Febr uar 1974 über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG; SGS 331) zur Beur teilung des vorliegenden Rekurses zuständig. Gemäss § 129 Abs. 1 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 2'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuerge- richts als Einzelrichter beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden An- forderungen erfüllt sind, ist auf das Rechtsmittel einzutreten. 2. Gegenstand des Verfahrens ist die mit der Führung der Beistandschaft zusammenhängende Kostenentschädigung für die Liegenschaftsverwaltung. Streitig und zu prüfen ist, ob die geltend gemachten Liegenschaftsverwaltungskosten als behinderungs bedingte Kosten zusätzlich, ne- ben der Liegenschaftsunterhaltspauschale, zum Abzug zugelassen werden können. Der Vertreter des Rekurrenten macht geltend, der Steuerpflichtige sei aufgrund seiner Behinde- rung nicht urteilsfähig und deshalb auch nicht in der Lage, einfachste Tätigkeiten auszuführen, bei denen kognitiven Fähigkeiten verlangt seien. Aufgru nd seiner Behinderung sei die Verwal- tung durch die KESB an einen Beistand delegiert worde n. Die geltend gemachten Kosten seien eine kausale Folge der Behinderung und daher als Assistenzkosten vollumfänglich abzugsfähig. Würde es sich bei den Kosten nicht gesamthaft um behinderungsbedingte Kosten handeln, hät- te die KESB keine Entschädigung zugesprochen. Die Kosten des Beistands für die Liegen- schaftsverwaltung seien deshalb als behinderungsbedingte Kosten abzugsfähig; nur wenn ne- ben dem behinderungsbedingten auch nicht behinderungsb edingter Unterhalt ausgeführt wer- de, sei letzterer nur als Liegenschaftsunterhalt abzugs fähig. Schliesslich führe die Ansicht der Steuerverwaltung zu einer Benachteiligung von behin derten gegenüber gesunden Steuerpflich- tigen; letztere könnten ihre Liegenschaft selber verwal ten, weshalb sie ohne effektive Kosten den Pauschalabzug voll beanspruchen könnten. Die Rekursgegnerin stellt sich dagegen auf den Standpun kt, der Unterhaltspauschalabzug für Liegenschaften umfasse bereits sämtliche Verwaltungskosten und es käme zu einem doppelten Abzug, wenn zusätzlich zum Pauschalabzug für den Liegenscha ftsunterhalt auch Liegen- schaftsverwaltungskosten als behinderungsbedingte Kosten zum Abzug zugelassen würden. 3. 3.1 Gemäss Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1 990 über die Harmonisie- rung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG; SR 642.14) werden von den gesamten steuerbaren Einkünfte die zu ihrer Erzielung notwendigen Aufwendungen sowie die allgemeinen Abzüge abgezogen. Vom Roheinkommen abgez ogen werden können zunächst jene Aufwendungen, welche mit der Erzielung der steue rbaren Einkünfte in einem Zusammen- hang stehen; durch die Berücksichtigung dieser sog. Gewinnungskosten wird die objektive Leis- tungsfähigkeit des Steuerpflichtigen bestimmt (vgl. SCHWEIGHAUSER in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Lan dschaft, § 29 N 1 m.w.H.; REICH /V ON AH/B RAWAND in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuer- recht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemein- den, 3. Aufl. 2017, Art. 9 N 1 ff.). So können bei Liegenschaften im Privatvermögen gemäss Art. 9 Abs. 3 StHG und § 29 Abs. 2 Satz 1 StG Unterhaltskosten, die Kosten der Instandstellung von neu erworbenen Liegenschaften, die Versicherungsprämien und die Kosten der Verwaltung durch Dritte abgezogen werden, wobei der Steuerpflich tige gemäss § 29 Abs. 2 Satz 2 StG für jede Steuerperiode anstelle der tatsächlichen Kosten und Prämien einen Pauschalabzug gel- tend machen kann. Art. 32 Abs. 2 Satz 1 des Bundesgesetze s vom 14. Dezember 1990 über Seite 4 die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) statuiert be i Liegenschaften im Privatvermögen ebenfalls die Möglichkeit die Unterhaltskosten abzuziehen, und zwar ebenfalls entweder als Pauschalabzug oder die tatsächlich angefallenen Kosten (vgl. Art. 32 Abs. 4 DBG). Daneben sind in § 29 StG die sog. allgemeinen Abzüge aufgeführt, welche zumeist aus ausser- fiskalischen Überlegungen zum Abzug zugelassen sind (vgl. SCHWEIGHAUSER , a.a.O., § 29 N 2; vgl. dazu auch REICH /V ON AH/B RAWAND , a.a.O., Art. 9 N 21). Sie dienen neben den Soziala b- zügen und Freibeträgen der Berücksichtigung der subjektiv en Leistungsfähigkeit (vgl. SCHWEIGHAUSER , a.a.O., § 33 N 1 m.w.H.). Zu diesen allgemeinen Abzüge gehören u.a. die behinde rungsbedingten Kosten des Steuer- pflichtigen und der von ihm unterhaltenen Personen mi t Behinderung im Sinne des Bundesge- setzes vom 13. Dezember 2002 über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen (Behindertengleichstellungsgesetz, BehiG; SR 151.3), soweit der Steuerpflichti- ge die Kosten selber trägt (vgl. Art. 9 Abs. 2 lit. h bis StHG). § 29 Abs. 1 lit. m StG stimmt mit die- ser Bestimmung wörtlich überein. Art. 33 Abs. 1 lit. h bis DBG normiert denselben Abzug für be- hinderungsbedingte Kosten für die direkten Bundessteuern. Aufgrund der inhaltlichen Übereinstimmung der genann ten Abzugstatbestände rechtfertigt es sich, bei der Auslegung von § 29 Abs. 1 lit. m und § 29 Abs. 2 StG bzw. Art. 9 Abs. 1 sowie Abs. 3 StHG die Rechtsprechung und Lehre zu Art. 33 Ab s. 1 lit. h bis respektive Art. 32 Abs. 2 DBG hinzuzuziehen. 3.2 Unter die steuerlich abziehbaren Liegenschaftsunterhaltskosten gemäss Art. 32 Abs. 2 DBG fallen sowohl die Unterhaltskosten i.e.S., die dazu d ienen, den Nutzungswert der Liegenschaft zu erhalten, als auch die Betriebs- und Verwaltungskoste n (vgl. ZWAHLEN /L ISSI in: Zwei- fel/Beusch [Hrsg.] Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direk- te Bundessteuer, 3. Aufl. 2017, Art. 32 N 10 ff.). D ie Verwaltungskosten sind Aufwendungen, die durch echte Fremdverwaltung von Drittpersonen entst ehen (vgl. S CHWEIGHAUSER , a.a.O., § 29 N 123; ZWAHLEN /L ISSI , a.a.O., Art. 32 N 2 und N 23). Wie vorgängig erläutert, ist bei den Unterhaltskosten d ie Geltendmachung eines Pauschalab- zugs möglich. Mit dem Pauschalbetrag sind grundsätzlich al le ordentlichen Kosten, wie Unter- haltskosten, Versicherungsprämien, Drittverwaltungskosten, Energie- und Umweltschutzmass- nahmen abgegolten; zusätzlich zum Pauschalabzug kann die steuerpflichtige Person die (effek- tiven) Kosten für denkmalpflegerische Arbeiten geltend machen (vgl. R ICHNER /F REI / KAUFMANN /M EUTER , Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl. 2013, § 30 N 30 m.H.a. Der Steuerentscheid [StE] 1991 B 27.7 Nr. 9; vgl. dazu auch Z WAHLEN /L ISSI , a.a.O., Art. 32 N 31). Es handelt sich dabei um eine Ausnahme des Grund satzes der Nichtkumulierbarkeit von Effektiv- und Pauschalabzug, der rechtspolitische Motive un d Billigkeitserwägungen zugrunde liegen (vgl. Entscheid der Steuerrekurskommission Zürich vom 29. Juni 1990, E. 2 lit. a, in: StE 1991 B 27.7 Nr 9). Der Grundeigentümer, der im Interesse der Allgemeinheit Kosten für den Schutz von Natur und Heimat übernimmt, soll steuer lich keine Nachteile erleiden; er soll vielmehr ermuntert werden, dem Gemeinwesen bei der Er füllung des Verfassungsauftrags von Art. 24 sexties der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaf t vom 18. April 1999 (BV; SR 101) zu helfen (vgl. ZWAHLEN /L ISSI , a.a.O., Art. 32 N 29). Vor allem wenn mit sozialpoli- tisch motivierten Abzügen versucht wird, Anreize zu einem gesellschaftspolitisch erwünschten Verhalten zu vermitteln, gerät der Gesetzgeber oftmals in Konflikt mit dem Leistungsfähigkeits- prinzip (R EICH /V ON AH/B RAWAND , a.a.O., Art. 9 N 22). 3.3 Als behinderungsbedingte Kosten gelten die notwendig en Aufwendungen, die als kausale Folgen der Behinderung entstehen und nicht Lebenshalt ungskosten oder Luxusabgaben dar- stellen. Zu den Lebenshaltungskosten sind die Aufwendungen zu zählen, die zur Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse dienen. Darunter fallen d ie üblichen Kosten für Nahrung, Klei- dung, Unterkunft, Gesundheitspflege, Freizeit und Ver gnügen. Luxusausgaben sind Aufwen- dungen, die den Rahmen üblicher und notwendiger Massna hmen übersteigen, nur aus Grün- Seite 5 den der persönlichen Annehmlichkeit anfallen oder be sonders kostspielig sind, wie bspw. die Anschaffung eines Renn-Rollstuhls oder der Einbau eines Schwimmbads (vgl. zum Ganzen Kreisschreiben Nr. 11 der ESTV vom 31. August 2005 [KS Nr. 11], Ziff. 4.2). Das KS Nr. 11 bezeichnet u.a. Assistenzkosten, Kosten für H aushaltshilfen und auch etwa Transport- und Fahrzeugkosten als behinderungsbedingte K osten. Abzugsfähig als Assistenz- kosten sind die Kosten der behinderungsbedingt notwendig en ambulanten Pflege (Behand- lungs- und Grundpflege), Betreuung und Begleitung, d ie im Zusammenhang mit der Vornahme alltäglicher Verrichtungen, der Pflege angemessener sozi aler Kontakte, der Fortbewegung und der Aus- und Weiterbildung anfallen, ebenso wie die Kosten behinderungsbedingt notwendiger Überwachung (vgl. KS Nr. 11, Ziff. 4.3). Bei den Ko sten für Haushaltshilfen ist für die uneinge- schränkte Abzugsfähigkeit das Vorliegen einer ärztlichen Be scheinigung notwendig, worin at- testiert wird, welche Haushaltstätigkeiten als Folge d er Behinderung nicht mehr ohne Hilfe aus- geübt werden können (vgl. KS Nr. 11 der ESTV, Ziff. 4.3.2). Ebenfalls als behinderungsbedingte Kosten zum Abzug zugelassen werden nebst medizinisch notwendigen Fahrten sogar Mehrkos- ten für den Gebrauch eines Motorfahrzeugs für Freizeitf ahrten, sofern die behinderte Person glaubhaft machen kann, dass sie ohne ihre Behinderung ausschliesslich das öffentliche Ver- kehrsmittel benützt hätte (vgl. Entscheid des Steuergerichts [StGE] 510 13 63 vom 8. November 2013 in: Basellandschaftliche und baselstädtische Steuer praxis [BStPra] 2/2014 S. 55 ff.). Wei- ter können die Kosten des behinderungsbedingten Liegen schaftsunterhalts (z.B. Einbau eines Treppenlifts, einer Rollstuhlrampe, eines Behinderten -WC etc.) als behinderungsbedingte Kos- ten zum Abzug gebracht werden; (andere) werterhalten de Kosten des Wohneigentümers sind hingegen als ordentlicher Liegenschaftsunterhalt abzuzie hen (vgl. KS Nr. 11, Ziff. 4.3.9). So- dann führt etwa der Bau eines eingeschossigen Gebäudes für eine querschnittgelähmte Person wohl zu Wohnmehrkosten aufgrund der Behinderung; diese Aufwendungen sind aber bloss zweckmässig und nicht notwendig, was der Abzugsfähigkeit i m Wege steht (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts Bern vom 20. November 2009, in: StE 2010 B 27.5 Nr. 18). Das Steuerrekursgericht des Kantons Zürich hat mit Entsche id vom 7. Juni 2016 (2 DB.2016.33/ 2 ST.2016.38) Vormundschaftskosten, die sich im Wesentlichen wohl auf die Verwaltung von Vermögen bezogen hatten, als behinderun gsbedingt notwendige Kosten voll- umfänglich zum Abzug zugelassen, nachdem dargelegt worden war, dass der Pflichtige behin- derungsbedingt ausserstande ist, sich um finanzielle und administrative Aufgaben zu kümmern. Zur Begründung führte das Steuerrekursgericht an, aus d en Akten seien keine Bemühungen der KESB oder der Beiständin ersichtlich, die nicht ent weder als behinderungsbedingt oder als reine Vermögensverwaltung zu qualifizieren wären; insbes ondere gingen daraus keine Verrich- tungen hervor, die als rein persönliche Betreuung und s omit als Lebenshaltung oder als Anla- geberatung von der Abzugsfähigkeit ausgenommen wären. Zum Abzug zugelassen werden folglich Kosten, die als di rekte Folge der Behinderung anfallen; nicht abzugsfähig sind solche, die bloss zweckmässig, nicht a ber notwendig sind (vgl. dazu auch R ICHNER /F REI /K AUFMANN /M EUTER , Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Art. 33 N 167). 3.4 Die Abzugstatbestände betreffend behinderungsbedingte Kosten (Art. 33 Abs. 1 lit. h bis DBG, Art. 9 Abs. 2 StHG und § 29 lit. m StG) sollen die Steuerbelastung für Menschen reduzie- ren, die Einkommen für Kosten aufwenden müssen, die i m Zusammenhang mit ihrer Behinde- rung stehen (Urteile des Bundesgerichts [BGer] vom 12. Januar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016, E. 3.2 m.H.a. Botschaft vom 11. Dezember 2000 zur Volksinitiative "Gleiche Rechte für Behinderte" und zum Entwurf eines Behinder tengleichstellungsgesetzes, BBl 2001 1715 ff.). Sie wurden im Rahmen der Volksinitiative "G leiche Rechte für Behinderte" und dem Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes eingefügt und sollen die durch die Invalidi- tät verursachten Kosten in voller Höhe vom steuerbaren Einkommen zum Abzug zulassen (vgl. REICH /V ON AH/B RAWAND , a.a.O., Art. 9 N 30; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, a.a.O., Art. 33 N 159 f.). Seite 6 Steuerlich abzugsfähig sind nur jene Kosten, die durch eine Behinderung bedingt sind, d.h. grundsätzlich und masslich als direkte Folge der Behinderu ng im Sinne von Art. 2 Abs. 1 des Behindertengleichstellungsgesetzes entstehen (BGer vom 12. Januar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016, E. 3.4; vgl. dazu auch BGer 2C_130/ 2C_1 31/2012 vom 9. Mai 2012 E. 5). Der Behinderungsbegriff, der Art. 33 Abs. 1 lit. h bis DBG zugrunde liegt, hat die soziale und berufli- che Integration behinderter Menschen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft im Blick (BGer vom 12. Januar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016, E. 3.7 m.w.H.). Aus dieser Perspektive ist zu beurteilen, ob die zum Abzug beantragten Kosten ei ner Massnahme der Integration von kör- perlich, geistig oder psychisch behinderten Menschen in di e Gesellschaft dienen oder nicht (BGer vom 12. Januar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016 , E. 3.7 m.H.a. BGer 2C_588/2011 vom 16. Dezember 2011 E. 3.2.). Bei weiteren Privilegierungen, die über die Beseitigungen von behinderungsbedingten Benachteiligungen hinausgingen, bestünde jedoch die Gefahr, dass sie verfassungsrechtlich unstatthaft wären (BGer vom 12. Janu ar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016, E. 3.7). 3.5 Tatsachen, welche einen bestimmten Aufwand als behin derungsbedingte Kosten im Sinne von § 29 Abs. 1 lit. m StG erscheinen lassen, sind steuerm indernd und deshalb von der steuer- pflichtigen Person darzutun und nachzuweisen. Dieser Nach weis muss in der Rekursschrift durch substantiierte Sachdarstellung und durch Beschaffung oder Bezeichnung von Beweismit- teln für die Richtigkeit seiner Darstellung geleistet w erden (StGE 510 13 63 vom 8. November 2013 E. 3 lit. d m.H.a. StGE vom 23. Februar 2007 [510 06 70] E. 3, in: BStPra 2/2014 S. 55 ff.; vgl. auch RICHNER /F REI /K AUFMANN /M EUTER , Handkommentar zum DBG, a.a.O., Art. 33 N 167). 3.6 Aus dem Dargelegten ergibt sich, dass die Abzüge gemäss § 29 Abs. 1 lit. m StG und § 29 Abs. 2 StG grundsätzlich nebeneinander geltend gemacht w erden können, da sie weitestge- hend unterschiedliche Sachverhalte normieren. Grundsätzl ich stellt der behinderungsbedingte Abzug also keine Spezialbestimmung gegenüber dem Abzug für Liegenschaftsunterhalt dar, die nach dem Satze der lex specialis derogat legi generali a usschliessliche Geltung beanspruchen würde (vgl. dazu BGE 82 II 411, E. 6.a). Im Bereich d es Liegenschaftsunterhalts besteht aller- dings eine gewisse Überschneidung der Tatbestände: Mit de m Pauschalbetrag gemäss § 29 Abs. 2 StG sind alle ordentlichen Kosten des Unterhalts und der Verwaltung abgegolten (E. 3.2 hiervor). Unter dem Titel der behinderungsbedingten K osten können weitere Unterhaltskosten, die eben durch die Behinderung bedingt und daher ausserordentlich anfallen, wie etwa Auf- wendungen für den Einbau eines Treppenlifts, einer Ro llstuhlrampe, eines Behinderten-WC, etc. zum Abzug gebracht werden (E. 3.3 hiervor). In di esem Teilbereich ist aufgrund einer aus- serfiskalisch motivierten Gesetzgebung ein kumulativer Abzug zum ordentlichen Liegenschafts- unterhalt möglich, ähnlich der Abzugsmöglichkeit bei Au fwendungen für Denkmalpflege, die ebenfalls eine Ausnahme vom Grundsatz der Nichtkumulierba rkeit effektiver und pauschaler Liegenschaftsunterhaltskosten darstellt (E. 3.2 hiervor) : Gleiches muss gelten, wenn eine Lie- genschaft aufgrund einer Behinderung durch einen Dritt en verwaltet wird und dem Pflichtigen bzw. dessen Vertreter der Nachweis gelingt, dass der Pfl ichtige ohne die Behinderung die Lie- genschaft selbst verwaltet hätte; es handelt sich dann gera de nicht um ordentliche Kosten der Verwaltung sondern um ausserordentliche behinderungsbed ingte Liegenschaftsverwaltungs- kosten. Die Abzugsmöglichkeit behinderungsbedingter Kosten besteh t aus ausserfiskalischen Motiven; sie soll die Steuerbelastung für Menschen mit Behinderung reduzieren, die Einkommen für Kos- ten aufwenden müssen, die im Zusammenhang mit ihrer Behinderung stehen und damit der Benachteiligung behinderter Menschen entgegenwirken. W ürden die unmittelbar auf die Behin- derung zurückzuführenden Liegenschaftsverwaltungskosten ber eits vom Unterhaltspauscha- labzug gemäss § 29 Abs. 2 StG konsumiert, würde eine behi nderte Person gegenüber denjeni- gen Personen, die ihre Liegenschaft selbst verwalten können, benachteiligt werden. Die steuer- liche Abzugsmöglichkeit wäre aufgrund der Behinderung stets von Vornherein geschmälert. Seite 7 Ausschlaggebend ist damit neben der Voraussetzung des Vorl iegens einer Behinderung, das "innere Motiv" bzw. die Motivation die zur Bestellung de r Verwaltung geführt hat. Diese muss sich, damit der Nachweis der Behinderungsbedingtheit g elingt, nach aussen hin manifestieren und aus einer objektiven Betrachtungsweise nachvollziehbar sein. Im Zusammenhang mit Lie- genschaftsverwaltungskosten hat sie nachzuweisen, dass sie di e Liegenschaft ohne die Behin- derung selbst verwaltet hätte. 4. Unstrittig ist, dass der Rekurrent grundsätzlich zur Geltendmachung eines behinderungsbeding- ten Abzugs berechtigt ist. Offen ist einzig die Frage, ob die Kosten, die ihm aus der Verwaltung der Liegenschaft durch den Beistand entstehen, nachgewiesenermassen behinderungsbedingte Kosten sind. Im vorliegenden Fall hat die KESB C.____ wie bereits ausgeführt mit Entscheid vom 3. Februar 2015 für den Steuerpflichtigen eine Vertretungsbeista ndschaft mit Vermögensverwaltung ge- mäss Art. 394 i.V.m. Art. 395 ZGB errichtet, u.a. mit den Aufgabebereichen, die verbeiständete Person beim Erledigen der administrativen Angelegenh eiten soweit nötig zu vertreten, insbe- sondere auch im Verkehr mit Behörden, Ämtern, Banken, Post, (Sozial-)Versicherungen, sons- tigen Institutionen und Privatperson (Ziff. 2 lit. a), sowie Einkommen und Vermögen der verbei- ständeten Person sorgfältig zu verwalten (Ziff. 2 lit. b). Nach den Ausführungen des Beistandes des Pflichtigen, ist der Rekurrent aufgrund seiner Krank heit nicht urteilsfähig. Er kann die Trag- weite seiner Entscheidungen nicht begreifen und nur e infachsten Tätigkeiten nachgehen, wes- halb der Beistand u.a. dazu beauftragt ist, die Lieg enschaft zu verwalten. Die vorliegend stritti- gen Aufwendungen betreffen nicht allgemein die Vermö gensverwaltung, sondern die Vermie- tung des sich im Eigentum des Rekurrenten befindlichen Ei nfamilienhauses und umfassen den Zeitaufwand für verschiedene Telefonate und kürzere Ko rrespondenzen. Weiter führt der Bei- stand aus, es sei auch auf die Behinderung zurückzuführe n, dass der Pflichtige die Liegen- schaft nicht selbst bewohnen würde. Mit Entscheid vom 12. Oktober 2016 hat die KESB dem Bei stand zulasten des Pflichtigen eine Entschädigung von Fr. 17‘704.55 zugesprochen. Es ist darg elegt worden, dass diese Entschä- digung insbesondere auch die Liegenschaftsverwaltung abdeckt. Da im vorliegenden Fall die Beistandschaft, die aufgru nd der Behinderung des Rekurrenten angeordnet worden ist, die Verwaltung der Liegenschaf t mitumfasst, ist davon auszugehen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der streitbetroffenen Aufwendung und der Behinde- rung besteht. Ähnlich wie ein Arztzeugnis, das die medizi nische Notwendigkeit einer Massnah- me bescheinigt, vermag die Bestellung einer Beistandschaf t in der oben ausgeführten Ausge- staltung den Nachweis zu erbringen, dass die pflichtige Pe rson aufgrund ihrer Behinderung nicht selbst in der Lage ist, ihre Liegenschaft zu verwa lten. Dies gilt umso mehr, wenn die KESB den entsprechenden Rechenschaftsbericht genehmigt und dem Beistand die gesamte geforderte Entschädigung zuspricht, wie sie dies vorliegen d mit ihrem Entscheid vom 12. Oktober 2016 getan hat. In Anbetracht des relativ geringfügigen Ausmasses des geltend gemachten Aufwands für die Liegenschaftsverwaltung, ist davon auszugehen, dass der Steuer- pflichtige ohne die Behinderung diese Verrichtungen sel bst vorgenommen und nicht eine (pri- vate) Liegenschaftsverwaltung beauftragt hätte. Es ist damit nachgewiesen worden, dass ein unmittelbare r Zusammenhang zwischen der kon- kreten Behinderung des Rekurrenten und den zum Abzug b eantragten Liegenschaftsverwal- tungskosten besteht; insbesondere ist auch nachvollziehbar d argelegt worden, dass es sich dabei um behinderungsbedingt notwendige (und nicht bl oss zweckmässige) Mehrkosten han- delt. Nach dem Ausgeführten hat dies im vorliegenden Fall zur Folge, dass neben dem Liegen- schaftsunterhaltspauschalabzug gemäss § 29 Abs. 2 Satz 2 St G, der alle Kosten des ordentli- Seite 8 chen Liegenschaftsunterhalts umfasst, auch der Abzug für be hinderungsbedingte Liegen- schaftsverwaltungskosten zum Abzug zuzulassen ist. 5. 5.1 Ausgangsgemäss sind dem Rekurrenten gemäss § 130 StG i.V.m . § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessordnung (Verwaltungsprozessordnung, VPO; SGS 271) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 5.2 Gemäss § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann bei Beschw erden in Steuersachen der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Vertreters eine angemessene Par- teientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Mit Eingabe vom 20. August 2018 machte der Vertreter des Rekurrenten für die bei den Parallelverfahren Staats- und direkte Bundessteuer 2016 eine Parteientschädigung in Höhe von F r. 5‘138.25 geltend, welche sich aus einem Honorar von 15.25 Stunden à Fr. 300.-- sowie Auslagen von Fr. 195.90 und Mehr- wertsteuer (MWST) von Fr. 367.35 zusammensetzte. Diese Be rechnung kann nicht unbesehen übernommen werden: Einerseits beträgt der gerichtlich a nerkannte Stundensatz für Anwälte Fr. 250.-- (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landsch aft vom 17. Juni 2009, publ. in: Basel- landschaftliche und Baselstädtische Steuerpraxis [BStPra] , Bd. XIX, S. 559 ff.). Andererseits sind die Bemühungen für die Teilnahme an der heutigen Verhandlung in Höhe von einer Stunde zusätzlich zu vergüten. Entsprechend ist dem Rekurrenten ein Honorar von Fr. 4'062.50 (16.25 Stunden à Fr. 250.--) bzw. eine Parteientschädigung v on Fr. 4‘586.30 (inkl. Auslagen von Fr. 195.90 und MWST von Fr. 327.90) bzw. für das vorliegende Verfahren die Hälfte davon, d.h. Fr. 2‘293.15 (= Fr. 4‘586.30 / 2) zuzusprechen. Über die andere Hälfte der genannten Partei- entschädigung wurde im Verfahren betreffend die direkte Bundessteuer befunden. Seite 9 Demnach erkennt das Steuergericht: 1. Der Rekurs wird gutgeheissen. Die Angelegenheit wird zur Korrektur der Veranlagung im Sinne der Erwägungen an die Rekursgegnerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Der bezahlte Kostenvorsch uss von Fr. 500.-- wird dem Re- kurrenten zurückerstattet. 3. Die Rekursgegnerin hat dem Rekurrenten eine Parteien tschädigung von Fr. 2‘293.15 (inkl. MWST) zu bezahlen. 4. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. des Reku rrenten (2), die Gemeinde B.____ (1) und die Rekursgegnerin (3).