Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 28. Oktober 2014 (460 14 89) ____________________________________________________________________ Strafrecht Gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl etc. Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Edgar Schürmann (Ref.), Richterin- nen Susanne Afheldt und Helena Hess, Richter Peter Tobler; Ge- richtsschreiberin Nicole Schneider Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft, Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin gegen A.____ , vertreten durch Advokat Dieter Roth, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beschuldigter Gegenstand gewerbs - und bandenmässiger Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts vom 17. Januar 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts vom 17. Januar 2014 w urde A.____ des gewerbs- und ban- denmässigen Diebstahls, des Diebstahls, des mehrfac hen versuchten Diebstahls, der qualifi- zierten Sachbeschädigung, der Geldwäscherei, der re chtswidrigen Einreise, des rechtswidrigen Aufenthalts, der mehrfachen Entwendung zum Gebrauch, des Konsums von Betäubungsmitteln sowie des Verkaufs von Betäubungsmitteln zum eigene n Konsum schuldig erklärt und zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 3 Jah ren, davon 1 ½ Jahre unbedingt, bei einer Probezeit von 2 Jahren für den bedingten Teil der S trafe, sowie zu einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt. Die vom 9. Februar 2013 bis zum 17. Jan uar 2014 ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft von insgesamt 343 Tagen wurde d em Beschuldigten an die ausgesproche- ne Strafe angerechnet (Ziff. 1). Von der Anklage des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls sowie der qualifizierten Sachbeschädigung im Anklagefall 1 (Deliktsserie 1 in V.____) bezüglich der Delikte 1-3 und im Anklagefall 2 (Deliktsserie 2 in W.____) bezüglich des Deliktes 8, von der Anklage der Sachbeschädigung im Anklagefall 14 (Del iktsserie 14 in X.____) sowie von der Anklage der Widerhandlung gegen das Betäubungsmitte lgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG wurde der Beschuldigte freigesprochen (Ziff. 2). Das Beschlagnahmegut wurde zur Ver- nichtung eingezogen (Ziff. 3). Mit Bezug auf die di versen Zivilforderungen und die vereinzelten Genugtuungsforderungen sowie mit Bezug auf die Verf ahrenskosten und die Kosten der amtli- chen Verteidigung ist auf die Ziffern 4, 5 und 6 des Strafgerichtsurteilsdispositivs zu verweisen. B. Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft am 21. Januar 2014 Berufung an. Mit Schreiben vom 31. Januar 2014 erhob der Beschuldigte Anschlussberu- fung. C. Mit Berufungserklärung vom 22. April 2014 stellte die Staatsanwaltschaft folgende An- träge: „1. Unter teilweiser Aufhebung von Ziff. 1 und Ziff . 2 des Urteils des Strafgerichts vom 17. Januar 2014 sei A.____ zu verurteilen wegen gew erbs- und bandenmässigen Dieb- stahls (Serien 2 - 13), (neu) gewerbsmässigen Diebs tahls (Serie 14), qualifizierter Sach- beschädigung (Serien 2 bis 13), mehrfacher Entwendung zum Gebrauch (Delikte 22 und 29b), mehrfacher Vergehen gegen das Ausländergesetz (Ziff. 15/ Delikt 70), der Über- tretungen und (neu) der Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Ziff. 16/Delikt 71) sowie der Geldwäscherei (Ziff. 18/Delikt 73). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Unter teilweiser Aufhebung von Ziff. 1 des Urte ils des Strafgerichts vom 17. Januar 2014 sei A.____ zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren un d 6 Monaten sowie zu einer Busse von Fr. 300.-- zu verurteilen.“ D. Die Verteidigung des Beschuldigten teilte mit Eing abe vom 19. Mai 2014 dem Kantons- gericht mit, dass nun doch keine Anschlussberufung erklärt werde. Mit Eingabe vom 3. Juli 2014 stellte der Beschuldigte sodann sinngemäss folgende Anträge: 1. Es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft vollu mfänglich abzuweisen. 2. Es sei dem Beschuldigten weiterhin die amtliche Verteidigung zu bewilligen. Die Begründung des Strafgerichtsurteils sowie der P arteianträge wird - soweit erforderlich - in den nachfolgenden Erwägungen dargelegt. E. Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 10. Juli 20 14 wurde der Schriftenwechsel ge- schlossen und die Parteien zur Hauptverhandlung geladen. F. Zur heutigen zweitinstanzlichen Hauptverhandlung e rscheinen Staatsanwalt Stefan Fraefel für die Staatsanwaltschaft sowie der Beschu ldigte zusammen mit seinem Verteidiger, Advokat Dieter Roth. Die Parteien halten an ihren Anträgen fest. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zuläs sig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilwei se abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unricht ige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungs gericht das Urteil in allen angefochte- nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs . 2 und Abs. 3 StPO). Die Berufung ist zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Ta gen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden. Danach muss beim Berufung sgericht innert 20 Tagen seit der Zu- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung eingereicht werden (Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). Das Berufungsger icht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 381 Abs. 1 StPO ist die Staatsanwaltschaft dazu legitimiert, ein Rechtsmitt el zu ergreifen, und zwar zugunsten oder zuungunsten der beschuldigten Person. 2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts Basel- Landschaft vom 17. Januar 2014 an- gefochten. Dieses Urteil stellt ein taugliches Anfe chtungsobjekt dar. Die Staatsanwaltschaft hat mit ihrer Eingabe vom 21. Januar 2014 fristgerecht Berufung angemeldet. Das begründete Strafgerichtsurteil wurde ihr am 8. April 2014 zuge stellt. Die Berufungserklärung vom 22. April 2014, die am 23. April bei der Post zum Versand auf gegeben wurde, ist innert der 20-tägigen Frist und damit ebenfalls rechtzeitig erfolgt. Die Zuständigkeit der Fünferkammer des Kantons- gerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgerich t zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. b EG StPO. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft kann somit eingetreten werden. II. Materielles 1. Gegenstand des Berufungsverfahrens 1.1 Das vorliegende Strafverfahren wurde wegen diverse r Delikte anhängig gemacht. Wie sich aus der Anklageschrift vom 9. September 2013 ergibt (act. 5161 ff.), warf die Staatsanwalt- schaft dem Beschuldigten vor, ab 15./16. September 2012 bis 30./31. Oktober 2012 und dann erneut am 8./9. Februar 2013 meist als Mittäter Fah rzeuge aufgebrochen und verschiedenste Gegenstände und Wertsachen daraus gestohlen zu haben. Es ging insgesamt um 14 Deliktsse- rien resp. 69 Fälle, in denen der Beschuldigte wege n gewerbsmässigen Diebstahls und Sach- beschädigung angeklagt wurde (Anklagefälle Nr. 1 - 14). Die Anklage umfasste überdies Ver- gehen gegen das Ausländergesetz, Vergehen und Übertretungen gegen das Betäubungsmittel- gesetz und Geldwäscherei (Anklagefälle Nr. 15 - 18). Das Strafgericht kam in seinem Urteil vom 17. Janua r 2014 zum Schluss, dass der Beschuldig- te an den Deliktsserien 2 - 13 beteiligt gewesen sei resp. die ihm vorgehaltenen Diebstähle - mit einer Ausnahme (Delikt 8 der Deliktsserie 2) - bega ngen habe und sprach ihn wegen diesen Taten des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls so wie der qualifizierten Sachbeschädi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung schuldig. Mit Bezug auf den Anklagefall Nr. 14 (Deliktsserie 14 resp. Delikte 68 und 69) kam die Vorinstanz ebenfalls zum Schluss, dass der angeklagte Sachverhalt erstellt, der Be- schuldigte also in die Autos eingestiegen sei, verneinte indessen die von der Staatsanwaltschaft angeklagte gewerbsmässige Begehung und sprach den B eschuldigten diesbezüglich lediglich wegen Diebstahls und mehrfach versuchten Diebstahls schuldig. Im Anklagefall Nr. 16 leistete das Strafgericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Verurteilung wegen Verkaufs und Konsums von Marihuana verlangte, ebenfalls keine Fo lge und sprach den Beschuldigten aus- schliesslich wegen Konsums von Betäubungsmitteln so wie Verkaufs von Betäubungsmitteln zum eigenen Konsum schuldig. Das Strafgericht verur teilte den Beschuldigten schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und gewährte ihm den teilbedingten Vollzug. 1.2 Die heute zu beurteilende Berufung der Staatsanwal tschaft richtet sich zunächst gegen den Freispruch von der Anklage der gewerbsmässigen Tatbegehung im Anklagefall Nr. 14 sowie gegen den Freispruch von der Anklage d er Widerhandlung gegen das Betäu- bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG im Anklagefall Nr. 16. Die Staatsanwalt- schaft beanstandet das erstinstanzliche Urteil auss erdem mit Bezug auf die Strafzumessung, wobei sie zum einen die Gewährung des teilbedingten Vollzugs rügt und zum anderen moniert, die ausgefällte Strafe sei, unabhängig von der bean tragten anderweitigen rechtlichen Würdi- gung der Anklagefälle Nr. 14 und Nr. 16, zu tief angesetzt worden. Nicht angefochten werden somit sämtliche Freisprüch e hinsichtlich der angeklagten Diebstähle im Anklagefall Nr. 1 (Delikte 1 - 3) und im Anklage fall Nr. 2 (Delikt 8) sowie der Freispruch be- züglich der Sachbeschädigung im Anklagefall Nr. 14. 2. Anklagefall Nr. 14 (Deliktsserie 14, Delikte 68 - 69) 2.1 Gemäss Anklageschrift vom 9. September 2013 geht e s bei der zur Diskussion stehen- den Deliktsserie um nachfolgenden Sachverhalt: „Am 8./9. Februar 2013, im Zeitraum zwischen ca. 19 .00 Uhr bis 03.50 Uhr, ging A.____ durch diverse Quartierstrassen in X____. Dabei versuchte er, in der Absicht, sich unrechtmässig zu bereichern, verschiedene Fahrzeuge zu öffnen - sei es, dass sie unverschlossen waren, sei es, um sie mit dem mitgeführten Schraubenzieher aufzubr echen - um diese danach zu durchsu- chen und daraus Bargeld und andere Wertsachen zu entwenden. Bei drei oder vier Fahrzeugen versuchte A.____ daraufhin sein Tatvorhaben umzusetzen, jedoch gelang es ihm nicht, Delikts- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gut zu behändigen (Delikt 69). Schliesslich ging A. ____ zum an der Y.____strasse parkierten Fahrzeug Renault Master T28. Da dieses unverschlossen war, öffnete und durchsuchte A.____ das Fahrzeug und behändigte in unrechtmässiger Bere icherungsabsicht Bargeld im Wert von CHF 220.00 zum Nachteil von B.____ (Delikt 68). Dabei stellte sich der Beschuldigte darauf ein, nac h der Art eines Berufes durch eine Vielzahl von Diebstählen gegenüber einer zuvor noch nicht be stimmbaren Anzahl von Geschädigten namhafte Einkünfte zur Finanzierung des Lebensunter haltes im Sinne eines eigentlichen Er- werbseinkommens zu erzielen.“ Die Staatsanwaltschaft verlangte somit in ihrer Ank lage, wie sich insbesondere aus der Um- schreibung des angeklagten Sachverhalts ergibt, das s der Beschuldigte des gewerbsmässigen Diebstahls schuldig erklärt wird. Das Strafgericht ging aufgrund des Geständnisses de s Beschuldigten in seinem Urteil davon aus, dass der angeklagte Sachverhalt erstellt sei. Der Beschuldigte habe zunächst erfolglos versucht, in drei bis vier Fahrzeuge einzudringen, um aus diesen Wertgegenstände zu entwen- den. In diesen Fällen sei es demnach beim mehrfach versuchten Diebstahl geblieben. In der Folge sei er in ein weiteres unverschlossenes Fahrz eug eingedrungen und habe daraus Fr. 220.-- entwendet und sich damit des vollendeten Diebstahls schuldig gemacht. Von der An- klage des gewerbsmässigen Diebstahls sprach die Vorinstanz den Beschuldigten hingegen frei. Das Strafgericht war der Auffassung, dass es zu wen ig Anhaltspunkte dafür gebe, dass der Beschuldigte weiterhin gewerbsmässig Diebstähle beg ehen wollte. Im Gegensatz zu den De- liktsserien 2 - 13 sei die Delinquenz des Beschuldi gten im Anklagefall Nr. 14 auf andere Um- stände zurückzuführen. Dieser habe nämlich aus eine r eigentlichen Notsituation heraus gehan- delt. Nach seiner Rückkehr aus Italien habe sich de r Beschuldigte illegal, ohne festen Wohnsitz und ohne irgendwelche legalen Einkünfte in der Schweiz aufgehalten. Aus diesem Grund könne nicht von einer Fortsetzung der früheren Deliktsser ie ausgegangen werden. Es sei zwar offen- sichtlich, dass es dem Beschuldigten in der Nacht v om 8. auf den 9. Februar 2013 um die Be- gehung von Diebstählen gegangen sei. Unklar bleibe aber, ob er auch nach dieser Nacht weite- re Diebstähle begangen hätte. Der Nachweis dafür, d ass der fragliche Diebstahl der Beginn einer neuen Deliktsserie gewesen sei, könne nicht erbracht werden (Strafgerichtsurteil S. 43 ff.). 2.2 Die Staatsanwaltschaft ist mit dieser Auffassung n icht einverstanden. Sie weist in ihrer Berufungserklärung zunächst darauf hin, dass der Be schuldigte bereits in über 60 Fällen des Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewerbsmässigen Diebstahls für schuldig befunden wo rden sei. Vor der in Frage stehenden, neuen Deliktsserie sei er illegal in die Schweiz gekommen. Die vom Strafgericht angenommene Notsituation sei daher selbstverschuldet. Ausserdem führe eine Notsituation allein nicht zum Wegfall der Gewerbsmässigkeit, die Motive seien irr elevant. Die Annahme einer Notsituation durch die Vorinstanz bedeute überdies, dass der Bes chuldigte keine andere Möglichkeit gehabt habe, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn dem aber so sei, dann müssten bereits tiefe Beträge zur Annahme der Gewerbsmässigkeit gen ügen. Der Beschuldigte habe schliess- lich im Anklagefall Nr. 14 gleich mehrere Fahrzeuge durchsucht, aber nur in einem Fahrzeug Geld gefunden. Der Beschuldigte macht demgegenüber in seiner Beruf ungsantwort geltend, dass es sich beim Anklagefall Nr. 14 um einen von den früheren Delikt sserien zeitlich klar abgesetzten Sachver- halt handle. Er sei nach seiner Ausschaffung aus de r Schweiz erst kurz vor dem 8. Februar 2013 wieder zurückgekommen. Die Einbrüche in der Nacht vom 8. auf den 9. Febru- ar 2013 habe er sodann unter völlig anderen Umständ en gemacht. So sei er z.B. alleine unter- wegs gewesen. Da es in der fraglichen Nacht ausserd em sehr kalt gewesen sei, habe er im unverschlossenen Renault Master Schutz vor der Kält e und einen Platz zum Schlafen gesucht. Die Absicht des gewerbsmässigen Handelns könne bewe ismässig nicht erstellt werden und lasse sich insbesondere nicht aus der Höhe des entw endeten Deliktsguts, nämlich der gestoh- lenen Fr. 200.-- bis Fr. 220.--, ableiten. Es sei schliesslich nicht die Meinung des Gesetzgebers, Bagatelldiebstähle wie der vorliegende Fall mit ein em Deliktsbetrag von rund Fr. 200.-- bereits als qualifizierte Deliktsbegehung mit einer Minimalstrafe von 90 Tagen zu sanktionieren. 2.3 Gewerbsmässiger Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB liegt vor, wenn der Täter in der Absicht ein Erwerbseinkommen zu erlangen, mehrf ach Diebstähle begeht und wenn auf- grund seiner Taten der Schluss gezogen werden muss, er sei zu einer Vielzahl von unter den fraglichen Tatbestand fallenden Handlungen bereit g ewesen. Nach der Umschreibung des Bundesgerichts ist die Gewerbsmässigkeit dann zu be jahen, wenn der Täter die delik-tische Tätigkeit nach Art eines Berufes ausübt. Dies ergib t sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufig keit der Einzelakte innerhalb eines bestimm- ten Zeitraumes sowie aus den angestrebten und erzie lten Einkünften (vgl. Grundsatzentscheid BGE 116 IV 319; vgl. auch BGE 119 IV 129 E. 3a und 123 IV 113 E. 2c). Wesentlich ist, dass der Täter sich darauf eingerichtet hat, durch sein deliktisches Handeln relativ regelmässige Ein- nahmen zu erzielen, die einen namhaften Betrag an d ie Kosten seiner Lebensgestaltung dar- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellen. Ob dies der Fall ist, muss aufgrund der gesamten Umstände entschieden werden. Dafür kommen Kriterien wie etwa Häufigkeit der während ei nes bestimmten Zeitraumes verübten Ta- ten, Planmässigkeit, Aufbau einer Organisation und Vornahme von Investitionen in Frage (vgl. BGE 123 IV 113 E. 2c). Die Absicht des Täters ein E rwerbseinkommen zu erzielen genügt; nicht erforderlich ist, dass es tatsächlich gelingt, einen namhaften Gewinn zu erzielen. Die delik- tische Tätigkeit muss jedoch nicht die einzige oder hauptsächliche Einnahmequelle des Täters bilden (MARCEL ALEXANDER NIGGLI /CHRISTOF RIEDO , Basler Kommentar zum StGB II, 2013, Art. 139 N 98 f. mit weiteren Hinweisen). Schliesslich m uss der Täter zur Verübung einer Vielzahl von Delikten der fraglichen Art bereit sein. Dies i st unproblematisch, wenn der Täter in der Ver- gangenheit derart oft delinquiert hat, dass er dies e Bereitschaft bereits offenbart hat (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /CHRISTOF RIEDO , a.a.O., Art. 139 N 107 f.). Begeht der Täter voll endete und versuchte gleichartige Delikte und handelt er dabei gewerbsmässig, geht der Versuch im voll- endeten gewerbsmässigen Delikt auf (BGE 123 IV 113 E. 2d). 2.4 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass der Be schuldigte im Juni 2012 in die Schweiz einreiste und ein Asylgesuch stellte (act. 245 und 273). Unbestritten ist sodann eben- falls, dass er im Zeitraum vom 21./22. September 20 12 bis zum 30./ 31.Oktober 2012 über 60 Autos aufbrach resp. an diesen Autoaufbrüchen betei ligt war und dass der Beschuldigte des- wegen des gewerbsmässigen Diebstahls schuldig erklä rt wurde (vgl. Strafgerichtsurteil S. 35 ff.). Nachdem sein Asylgesuch abgewiesen und er Anf ang November 2012 in Ausschaffungs- haft genommen worden war, wurde der Beschuldigten a m 21. November 2012 nach Italien ausgeschafft (act. 245, 321 ff.). Gemäss seinen eigenen Angaben reiste er am 28. Januar 2013 erneut in die Schweiz ein. Unbestritten ist schlies slich auch, dass sich der Beschuldigte in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2014 wiederum des v ersuchten und vollendeten Diebstahls schuldig machte, indem er in X.____ zunächst drei b is vier Fahrzeuge aufzubrechen versuchte und dann in einen unverschlossenen Renault Master einstieg und daraus Fr. 220.-- entwendete. Bestritten ist lediglich, ob die letzte Diebstahlss erie, die der Beschuldigte in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2013 verübt hat, als gewerbsm ässiger Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 2 StGB qualifiziert werden kann. Aufgrund der Berufung der Staatsanwaltschaft ist somit nachfolgend zu prüfen, ob der Beschuldigte mit dieser letzten Deliktsserie auch den Tatbestand des gewerbsmässigen Diebstahls erfüllt hat, insbeso ndere ob sich der subjektive Tatbestand hinsichtlich der gewerbsmässigen Tatbegehung rechtsgenügend nachweisen lässt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Dieser s ogenannte Grundsatz der freien rich- terlichen Beweiswürdigung besagt, dass ein Urteil nicht in Anwendung von festen Beweisregeln zu fällen ist, sondern das Gericht aufgrund seiner persönlichen Überzeugung darüber entschei- den soll, ob es eine Tatsache als bewiesen erachtet oder nicht (W OLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, 2014, Art. 10 N 25). Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung darf jedoch nicht dazu missbraucht werden, dass sich ein Gerich t zur Begründung seines Urteils schlicht und einfach auf seine innere Überzeugung beruft. Di e persönliche Überzeugung des Gerichts resp. der einzelnen Richterinnen und Richter muss z um einen auf einer gewissenhaften Prü- fung aufbauen und zum anderen zumindest objektivier - und nachvollziehbar sein. Daraus folgt, dass objektiv begründete Zweifel, d.h. solche, die sich nach der objektiven Sachlage einem vernünftigen Menschen aufdrängen, auch dann ausschl aggebend sind, wenn die zuständige Richterin oder der zuständige Richter zwar keine Zw eifel hat, diese aber im konkreten Fall ha- ben sollte (WOLFGANG WOHLERS , a.a.O., Art. 10 N 31 ff.). Der in Art. 10 Abs. 3 StPO geregelte und vom Strafg ericht im vorliegenden Fall angewandte Grundsatz "in dubio pro reo" besagt sodann Folgende s: Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage au s. Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist zu- gleich Beweislast- und Beweiswürdigungsregel. Als Beweislastregel bedeutet er, dass es Sache der Anklagebehörde ist, den Nachweis für die Schuld zu erbringen und nicht die beschuldigte Person ihre Unschuld zu beweisen hat. Als Beweiswür digungsregel besagt der Grundsatz "in dubio pro reo", dass ein Gericht nicht von einem für die beschuldigte Person ungünstigen Sach- verhalt ausgehen darf, wenn bei objektiver Betracht ung Zweifel bestehen, ob sich der Sachver- halt so verwirklicht hat. Der Grundsatz wird verlet zt, wenn das Gericht die beschuldigte Person trotz erheblicher Zweifel schuldig spricht oder wen n es zwar nicht zweifelt und schuldig spricht, obwohl es aufgrund der konkreten Umstände vernünfti gerweise erhebliche und nicht zu unter- drückende Zweifel hätte haben müssen. Erheblich sin d dabei Zweifel immer dann, wenn sie sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen und je dem vernünftigen Menschen stellen. Rein abstrakte und theoretische Zweifel sind hingegen ni cht massgebend, weil derartige Unsicher- heiten immer möglich sind und eine absolute Gewissh eit nicht verlangt werden kann. Für eine Verurteilung muss es deshalb genügen, wenn das Bewe isergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (N IKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 3. Aufl., 2012, N Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 688 ff.; vgl. auch W OLFGANG WOHLERS , a.a.O., Art. 10 N 11 ff. sowie R OBERT HAUSER /ERHARD SCHWERI /KARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., 2005, § 54 N 13). Als Beweis für die Täterschaft kommt nicht nur der unmittelbare Nachweis von Tatsachen durch direkte Beweismittel in Betracht. Auch indirekte, m ittelbare Beweise, also blosse Anzeichen resp. Indizien, können für die Beweisführung releva nt sein (W OLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, 2014, Art. 139 N 2). Beim sogenannt en Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, a ber bewiesen sind (Indizien), auf die zu be- weisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache ges chlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, die für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinl ichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hin- weisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des A ndersseins offen lassen, können einen An- fangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei objektiver Betrach- tung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sa chverhalt so verwirklicht hat (vgl. BGer 6B_328/2011 vom 16. September 2011 E. 2.3). Schlies slich ist hier auch darauf hinzuweisen, dass innere Tatsachen, wie namentlich die Motivation für ein Delikt, oft nicht direkt, sondern nur anhand der äusseren Umstände nachgewiesen werden kö nnen. Es ist daher zulässig, von äusseren Umständen auf innere Tatsachen zu schliessen (vgl. BGE 125 IV 242 E. 3c). 2.6 Der Beschuldigte wurde bei seinem letzten Diebstah l in X.____ in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2013, als er in den unverschlossenen Renault Master einstieg und daraus Fr. 220.-- entwendete, von Anwohnern überrascht und unmittelbar danach verhaftet (act. 243, 395, 415 ff.). In der ersten Einvernahme durch die Polizei des Kantons V.____ vom 9. Februar 2013 (act. 1953 ff.) konfrontierte sie den Beschuld igten damit, dass er am 9. Februar 2013 um 03:40 Uhr (act. 1955) im besagten Renault Master si tzend von drei Anwohnern bemerkt und angesprochen worden sei und er daraufhin die Flucht ergriffen habe. Auf entsprechende Frage der Polizei erklärte der Beschuldigte, er habe dies en Personen gesagt, dass er nur im Auto schlafen wolle. Sie hätten ihn dann aber ins Gesich t geschlagen. Er sei mit dem Bus nach X.____ gekommen, habe bei einem Kollegen übernachte n wollen, wisse aber nicht mehr wo, jedenfalls nicht in X.____. Er habe auf den Bus gew artet, um wieder an seinen Schlafplatz auf der Strasse zurückzukehren. Weil er dann aber das offene Auto bemerkt habe, sei er eingestie- gen, um darin zu übernachten. Er sei ca. 10 Minuten dort gewesen und habe sich eben hinle- gen wollen, als die drei Männer gekommen seien (act . 1955 ff.). Der Beschuldigte gab ausser- dem an, dass er seit dem 27. oder 28. Januar 2013 w ieder in der Schweiz sei und auf der Strasse gelebt habe (act. 1961). Anlässlich der Haf teröffnungseinvernahme vom 10. Februar Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2013 (act. 1975 ff.) gab der Beschuldigte der Staat sanwaltschaft Basel-Landschaft gegenüber erneut zu Protokoll, dass er nur in diesem Auto hab e schlafen wollen. Er sei am 28. Januar 2013 aus Italien in die Schweiz zurückgekommen. Urs prünglich habe er bei einem Kollegen übernachten wollen, dessen Freundin sei dann aber d agegen gewesen. Aus diesem Grund ha- be er in einem Auto einen Schlafplatz gesucht. Er s ei dann von den drei Männern überrascht, danach verfolgt, geschlagen und gefesselt worden. D as Geld, das im Auto gewesen sei, habe er nur genommen, um sich Essen und Trinken zu kaufen (act. 1977 ff. RZ 56 ff.). In einer weite- ren, nunmehr von der basellandschaftlichen Polizei durchgeführten Einvernahme vom 15. Feb- ruar 2013 (act. 1993 ff.) führte der Beschuldigte z um Grund für seine Rückkehr in die Schweiz zunächst aus, dass es ihm in Italien wirtschaftlich sehr schlecht gegangen sei. Er habe nichts zu essen und keinen Ort zum Schlafen gehabt. Aus di esem Grund sei er wieder in die Schweiz gekommen (act. 1999 RZ 25 ff.). Er bestätigte auf e ntsprechende polizeiliche Nachfrage, dass er aus wirtschaftlichen Gründen wieder in die Schwe iz eingereist sei (act. 2001 RZ 56 ff.). Seit seiner erneuten Einreise in die Schweiz am 28. Janu ar 2013 habe er bei einem Freund in Z.____ in dessen Wohnmobil gewohnt. Er habe genau 1 2 Tage, also bis zu seiner Verhaftung, dort gewohnt. Ins Asylheim sei er aus Angst vor einer Verhaftung nicht gegangen (act. 2001 RZ 63 ff.). In der gleichen Einvernahme erklärte der Beschuldigte auf die Frage nach dem Diebstahl und dem Schraubenzieher, den man bei ihm gefunden h atte, zunächst wiederum, er habe in einem Auto übernachten wollen, weil keine öffentlic hen Verkehrsmittel nach Z.____ gefahren seien. Den Schraubenzieher habe er dabei gehabt, um damit in der Not ein Auto aufzubrechen und sich darin vor der Kälte zu schützen. Er habe e in erstes Auto geöffnet, aber die Alarmanla- ge sei losgegangen. Aus diesem ersten Auto habe er den Schraubenzieher aus dem Hand- schuhfach genommen (act. 2013 RZ 265 ff.). In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab der B eschuldigte anlässlich der Befragung zu der früheren Deliktsserie Nr. 12 zunächst zu Protokoll, er sei dort nur Schmiere gestanden. Dies sei vor seiner Ausschaffung nach Italien seine Arbe it gewesen. Als er dann wieder in die Schweiz gekommen sei, habe er ganz alleine delinqui ert, weil ihm niemand geholfen habe (act. 6037). Zum Anklagefall Nr. 14 erklärte der Beschuld igte sodann, er sei damals aus Italien zu- rückgekommen, habe nichts zu essen gehabt und nur ü berleben wollen. Deshalb habe er „et- was zum Stehlen gesucht“. Auf die Frage, warum er g erade in X.____ gewesen sei, führte er aus, dass er dies nicht geplant habe. Er sei einfac h in den Bus gestiegen und irgendwohin ge- fahren. Der Beschuldigte bestätigte schliesslich er neut, dass er damals bei einem Marokkaner in einem „Caravan“ gewohnt habe (act. 6043). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte mit Bezug auf seine zweite Einreise in der Schweiz aus, dass er von Milano/I m it dem Zug über Lausanne und Bern nach Basel gekommen sei. Die ersten zwei bis drei Nächte habe er in Augst im Asylheim verbracht. Danach habe er ca. 15 Tage in einem „Caravan“ bei e inem marokkanischen Kollegen in Z.____ gewohnt. Auf die Frage nach dem Grund für den Diebs tahl in X.____ erklärte der Beschuldigte, dass er zunächst von Z.____ aus - er habe damals im mer noch beim Kollegen in Z.____ ge- wohnt - nach Basel und dann erst nach X.____ gefahr en sei. Er habe kein Geld gehabt und habe deshalb stehlen wollen. Es sei aber nicht gepl ant gewesen. Er habe den ganzen Tag et- was „zu essen“ gesucht. Am Abend sei er dann mit de m Bus nach X.____ gefahren, um zu stehlen. Es sei kalt gewesen und er habe Geld gewol lt, um damit Essen zu besorgen. Auf die Frage wie er in den vorangegangenen Tagen in der Schweiz zu Mahlzeiten gekommen sei, gab der Beschuldigte zu Protokoll, er sei nach Basel ge gangen und habe bei der Caritas gratis Es- sen erhalten. Während 10 Tagen habe er jeweils zwei mal dort gegessen. Trotzdem habe er Hunger gehabt, weil er wenig Essen erhalten habe. A uf die Frage nach seinen Plänen für die Zukunft führte der Beschuldigte schliesslich aus, e r habe von der Schweiz aus nach Belgien zu seinem Cousin gehen wollen. Er habe Geld gebraucht, um das zu realisieren, doch dann sei er eben festgenommen worden. Auf die nochmalige Nachfr age, was er genau mit dem gestohle- nen Geld habe realisieren wollen, gab der Beschuldi gte wiederum an, er habe damit „Kleider und Essen holen“ und zu seinem Cousin fahren wollen (Protokoll der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung S. 2 ff.). 2.7 Aus den dargelegten Aussagen des Beschuldigten erg ibt sich, dass die von ihm zur Be- gründung der erneuten Delinquenz geltend gemachte N otsituation nicht glaubhaft ist und von ihm selber, insbesondere durch seine heutigen Depositionen vor Kantonsgericht, widerlegt wird. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz gelang es ihm o ffensichtlich während mindestens 10 Ta- gen (evtl. auch mehr, zumal er vor Kantonsgericht v on ca. 15 Tagen spricht, vgl. auch act. 1961, wo von 13 Tagen die Rede ist), die notwendigs ten Bedürfnisse zu decken. Obwohl der Beschuldigte auf die Frage, wo er nach der Wiederei nreise in die Schweiz gewohnt habe, un- terschiedliche Angaben machte (immer beim Kollegen in Z.____ oder zuerst ein paar Tage im Asylheim), kann zumindest davon ausgegangen werden, dass er - entgegen seinen ersten Aussagen - keineswegs auf der Strasse lebte. Er hat te während seines ganzen Aufenthalts, insbesondere auch in der Tatnacht einen Ort, wo er übernachten konnte. Bei der Caritas in Ba- sel konnte er sodann - gemäss seinen eigenen Angabe n - zweimal pro Tag essen. Wie der Be- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldigte selber einräumt, kehrte er nicht aus wir klich existenziellen, sondern vielmehr wirt- schaftlichen Gründen in die Schweiz zurück. Dass er damit finanzielle Gründe meinte, ergibt sich aus der Deposition des Beschuldigten anlässlic h der heutigen Befragung. Vor Kantonsge- richt erklärt er nämlich, dass er Geld für die Weit erreise nach Belgien sowie für Kleider und Nahrung beschaffen wollte. Diese Aussage ist ein ze ntrales Indiz dafür, dass es sich beim letz- ten Diebstahl der Fr. 220.-- aus dem Renault Master nicht um eine einmalige Aktion handeln sollte. Mit dem gestohlenen Betrag hätte der Beschu ldigte seinen Plan nämlich nicht umsetzen können. In Anbetracht, dass er vor seiner Ausschaff ung nach Italien in der Umgebung von Ba- sel bereits mehr als 60 Autoeinbrüche begangen und dadurch zusammen mit seinen Mittätern immerhin eine Summe von ca. Fr. 35‘000.-- erbeutet hatte, musste es für den Beschuldigten naheliegend sein, wieder auf die bewährte Methode z urückzugreifen, um an Geld oder andere Wertsachen zu gelangen. Der Beschuldigte führt soda nn in der heutigen Hauptverhandlung aus, dass sein Vorhaben, Geld für Essen und Kleidun g sowie für sein Projekt zu beschaffen, durch die Verhaftung unterbrochen resp. vereitelt w orden sei. Damit gibt er aber implizit zu, dass es eben nicht beim Diebstahl der Fr. 220.-- bl eiben sollte, sondern weitere Autoaufbrüche beabsichtigt waren. Gegen die Notsituation spricht sodann, dass der Bes chuldigte in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2013 nicht nur ein, sondern gleich 3 bis 4 Autos aufzubrechen versuchte. Es kann also von einer erneuten Deliktsserie ausgegangen werden. In Anbetracht, dass der Beschuldig- te um ca. 03:40 Uhr in X.____, einem Ort, der ihm a ngeblich unbekannt war (act. 1963), im Renault Master sitzend entdeckt wurde, steht ausserdem fest, dass er noch mitten in der Nacht resp. in den frühen Morgenstunden unterwegs war. Au ch diese Tatsache deutet nicht gerade auf eine akute Notsituation hin. Wenn der Beschuldi gte wirklich nach einem Ort zum Schlafen und nach etwas Essbarem gesucht hätte, wäre er wohl ohnehin besser nach Basel gegangen resp. dort geblieben, statt mit dem Bus in eine kle ine abgelegene Ortschaft zu fahren. Er hätte angesichts der damaligen tiefen Temperaturen wohl a uch schon früher in der Nacht nach einer geeigneten Schlafstelle gesucht und schliesslich wa r ein Auto gerade wegen der sehr kalten Jahreszeit dafür ohnehin nicht sehr geeignet. Die G eschichte mit dem verpassten Bus resp. dem Kollegen, der ihn wegen seiner Freundin ausgela den habe, ist sowieso nicht glaubwürdig. Wie aus dem Fahrplan des Tarifverbunds Nordwestschweiz (tnv) hervorgeht, fährt am Wochen- ende, insbesondere in der Nacht von Freitag auf Sam stag jeweils um 03.24 Uhr ein letzter Bus von X.____ nach Liestal. Da es sich beim 8. Februar 2013 um einen Freitag handelte, hätte der Beschuldigte diesen letzten Bus durchaus erwischen und zumindest nach Liestal fahren kön- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen. Wie zuvor dargelegt, wurde er nämlich um 03:40 Uhr im Renault Master entdeckt. Gemäss seinen eigenen Angaben (act. 1959) hielt er sich zu diesem Zeitpunkt seit ca. 10 Minuten in diesem Auto auf und zuvor hatte er bereits mehrere Autoaufbrüche versucht. Er muss sich also seit mindestens 03.00 Uhr, wenn nicht früher, in X.____ aufgehalten haben. Eine Rückfahrt wä- re ohne weiteres möglich gewesen. Die beiden erwähnten Punkte, die mehrfachen Diebsta hlsversuche in verschiedene Autos und der vollendete Diebstahl aus dem unverschlossenen W agen sowie die Tatsache, dass der Be- schuldigte um 03:40 Uhr morgens in einer äusserst k alten Nacht in einem fremden Ort unter- wegs war, sind ebenfalls Indizien dafür, dass der B eschuldigte zu seiner früheren Erwerbsquel- le zurückkehren wollte, um sich so Geld resp. ein E inkommen zu beschaffen. Der Beschuldigte zeigte damit, dass er bereit war, das in den Monate n September und Oktober 2012 schon ein- mal manifestierte sozialgefährliche Verhalten, wieder aufzunehmen. Ein weiterer Hinweis dafür, ist sodann die Tatsache , dass der Beschuldigte mit einem Schrau- benzieher unterwegs war. Zu Beginn seiner diesbezüg lichen Aussage gestand er zunächst auch gleich zu, dass er das besagte Werkzeug dabei hatte. Erst im Verlauf seiner Depositionen gab er an, den Schraubenzieher aus dem Handschuhfac h eines Autos genommen zu haben. Wie er aber in diesen Wagen hineingelangt ist, schi ldert er nicht und macht auch nicht geltend, dass dieses Fahrzeug unverschlossen gewesen sei. Ausserdem ist es wenig glaubwürdig, dass dem Beschuldigten nach dem Einbruch in diesen Wagen , bei dem offenbar - gemäss seinen eigenen Angaben - die Alarmanlage losgegangen sei, genügend Zeit geblieben sein sollte, um das Handschuhfach zu durchsuchen und dort zufällig ausgerechnet einen Schraubenzieher zu finden. Diese Geschichte ist daher als reine Schutz behauptung zu werten. Es ist bezüglich die- ses Details somit auf den angeklagten Sachverhalt a bzustellen, der davon ausgeht, dass der Beschuldigte den Schraubenzieher von Anfang an selb er mitführte. Dieser Punkt ist denn auch gar nicht umstritten. Der Beschuldigte musste sich also vor der neuen Deliktsserie in X.____ mit dem entsprechenden Werkzeug ausgerüstet haben, was gegen jegliche spontane Überbrü- ckung einer Notlage spricht, sondern vielmehr ein k lares Indiz für die Wiederaufnahme der früheren, bereits bekannten Geldbeschaffungsmethode darstellt. Schliesslich ist auf den entscheidenden Anhaltspunkt hinzuweisen, nämlich der gleichbleibende "modus operandi". Um zu Geld resp. zu einem Einkomm en zu gelangen, entschied sich der Beschuldigte offenkundig für das identische Vorgehe n, mit dem er bereits ca. zwei Monate zu- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor Erfolg gehabt hatte. Bezeichnend ist dabei, das s er auch in zeitlicher Hinsicht zu den alten Gewohnheiten zurückkehrte. Die früheren Diebstähle hatte er meistens ebenfalls um Mitter- nacht oder in den frühen Morgenstunden begangen (vgl. Anklagepunkt Nr. 2, act. 2099 RZ 169: 00:26 Uhr, Anklagepunkt Nr. 3, act. 2105 RZ 311: zw ischen 02:30 - 03:30 Uhr, Anklagepunkt Nr. 7, act. 6027, wonach der Beschuldigte bei diese r Deliktsserie um 03:09 Uhr registriert wor- den war). Zu guter Letzt wählte er sogar das gleich e Einzugsgebiet für seine Autoaufbrüche, dies obwohl er bei der erneuten, diesmal illegalen Einreise in die Schweiz auch an anderen Or- ten hätte verweilen können. 2.8 Aufgrund all dieser Hinweise hat das Kantonsgerich t keinerlei Zweifel, dass der Be- schuldigte mit der Deliktsserie in X.____ zu Einkün ften kommen wollte, um damit seinen Le- bensunterhalt und insbesondere die geplante Weiterr eise nach Belgien zu finanzieren. Es ist also von einer schlüssigen Kette von Indizien auszu gehen, die alle dafür sprechen, dass der Beschuldigte in der Nacht vom 8. auf 9. Februar 2013 seine früheren gewerbsmässigen Diebes- touren wiederaufnehmen wollte resp. durch die Aufbr uchsversuche und den vollendeten Dieb- stahl tatsächlich wiederaufnahm. Diese Indizienkette kann auch durch die Einwände der Verteidigung nicht umgestossen werden. So ist die Tatsache, dass es zwischen den früheren Autoaufbrüchen im Jahr 2012 und der neusten Deliktsserie einen zeitlichen Unterbruch gi bt, einzig und allein auf die erfolgte Inhaftie- rung des Beschuldigten Anfang November 2012 und sei ne anschliessende Ausschaffung nach Italien zurückzuführen. Der Grund dafür, dass der B eschuldigte bei den in Frage stehenden Delikten alleine unterwegs war, beantwortete dieser anlässlich der Befragung vor Strafgericht gleich selber: Dort gab er an, er habe nach seiner Rückkehr aus Italien alleine delinquiert, weil er niemanden gefunden habe, der ihm helfen wollte ( act. 6037). Schliesslich ist mit Bezug auf das letzte Argument der Verteidigung festzuhalten, dass hier nicht bloss der Diebstahl von Fr. 220.-- zur Diskussion steht. Es geht vielmehr um di e Beurteilung sämtlicher Delikte der fragli- chen Tatnacht, also auch der Diebstahlsversuche, sowie um die Frage, ob der Beschuldigte mit der neusten Deliktsserie an die früheren Autoaufbrü che angeknüpft hat. Dies ist - wie zuvor dargelegt wurde - klar zu bejahen. Der Beschuldigte ist daher auch hinsichtlich des Anklagefalls Nr. 14 wegen gewerbsmässigen Diebstahls schuldig zu sprechen und die Berufung in diesem Punkt somit gutzuheissen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Anklagefall Nr. 16 (Vergehen und Übertretungen geg en das Betäubungsmittelgesetz) 3.1 Gemäss Anklageschrift geht es um folgenden Sachverhalt: „ Im Zeitraum vom 1. September 2012 bis 31. Oktober 2 012 kaufte A.____ wissentlich und wil- lentlich in W.____ am Rheinbord und an anderen Orte n jeweils ca. 500 Tütchen Marihuana resp. Haschisch à ca. 3 Gramm à ca. CHF 30.00 und v erkaufte wissentlich und willentlich diese in W.____ und an anderen Orten einzeln an verschied ene Abnehmer für ca. CHF 40.00 bis CHF 50.00 weiter. Insgesamt verkaufte A.____ ca. 1300 bis 1500 Gramm Marihuana mit einem Umsatz von ca. CHF 17'000.00 bis CHF 20'000.00. Dabei erzielte A.____ einen Gewinn von ca. CHF 3.00 pro Gramm verkauftes Marihuana resp. Hasch isch, d.h. total einen Gewinn von ca. CHF 4'000.00 bis CHF 4'500.00. Vom 1. August 2012 bis 31. Oktober 2012 konsumierte A.____ an verschiedenen Orten in der Schweiz wissentlich und willentlich pro Tag ca. drei Gramm Marihuana und Haschisch, d.h. ins- gesamt ca. 270 Gramm Marihuana und Haschisch, welches er zuvor an verschiedenen Orten in W.____ und seiner Schweizer Agglomeration käuflich erwarb zu einem Preis von ca. CHF 8.00 bis CHF 10.00 pro Gramm.“ Das Strafgericht stellte im angefochtenen Urteil zu nächst fest, dass der Beschuldigte unter- schiedliche Angaben bezüglich der gekauften Menge sowie des damit erwirtschafteten Gewinns gemacht habe. Aufgrund dieser unklaren Angaben des Beschuldigten zu seinem Betäubungs- mittelkonsum und seiner Tätigkeit als Dealer seien viele Fragen in diesem Zusammenhang of- fen geblieben. Es gebe keine objektiven Anhaltspunk te, die darauf hinweisen würden, dass der Beschuldigte regelmässig Marihuana konsumiert habe. Im Zusammenhang mit den Autoaufbrü- chen habe der Beschuldigte oft angegeben, betrunken gewesen zu sein, von Marihuana sei dabei nie die Rede gewesen. Es gebe sodann objektiv e Zweifel am geschilderten Ausmass seiner Dealertätigkeit. Gehe man nämlich von seiner Angabe aus, pro Gramm Fr. 3.-- verdient zu haben, hätte er ca. 1 1/3 - 1 1/2 Kilogramm Mari huana verkaufen müssen, um einen Gewinn von Fr. 4‘000.-- resp. Fr. 4‘500.-- zu erzielen. Ei ne solche Menge komme jedoch aufgrund der desolaten finanziellen Situation des Beschuldigten nicht in Betracht. Andererseits sei nicht er- sichtlich, weshalb sich der Beschuldigte selbst bel asten sollte, wenn er nicht effektiv Marihuana konsumiert und damit gehandelt habe. Das Strafgeric ht stellte schliesslich in tatsächlicher Hin- sicht auf diejenige Aussage des Beschuldigten ab, w onach er in der Zeit vom September 2012 Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis Oktober 2012 rund 100 Tüten Marihuana zu je 3 - 3,5 Gramm verkauft und pro Gramm etwa Fr. 3.-- verdient habe. Der Beschuldigte habe demna ch mit dem Verkauf von rund 300 Gramm Marihuana einen Gewinn von ca. Fr. 900.-- erwirtschaftet. Die Vorinstanz ging sodann zu Guns- ten des Beschuldigten weiter davon aus, dass er ab August 2012 bis Oktober 2012 pro Tag 3 - 3,5 Gramm Marihuana selber konsumiert und dadurch l ediglich seinen eigenen Konsum mit dem Drogenhandel mitfinanziert habe. Nach Auffassung des Strafgerichts diente der Handel mit Cannabis also nur der Mitfinanzierung des eigenen K onsums. Es erklärte ihn folglich des Kon- sums von Betäubungsmitteln sowie des Verkaufs von B etäubungsmitteln zum eigenen Konsum und damit ausschliesslich wegen mehrfacher Erfüllung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig. Von der Anklage der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG sprach es den Beschuldigten hingegen frei (Strafgerichtsurteil S. 43 ff.). 3.2 Die Staatsanwaltschaft verlangt mit ihrer Berufung , dass der Beschuldigte nicht nur we- gen Übertretungen im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 Bet mG, sondern auch wegen Vergehen im Sin- ne von Art. 19 Abs. 1 BetmG schuldig erklärt wird. Gemäss Staatsanwaltschaft widerspricht die Meinung des Strafgerichts, wonach der Marihuanahand el des Beschuldigten zur Finanzierung des Eigenkonsums gedient habe und daher nur eine Üb ertretung darstelle, der gängigen Lehre und Praxis. Eine Bestrafung nach Art. 19a BetmG und damit eine erhebliche Privilegierung komme nur dann in Betracht, wenn die dem Eigenkonsu m dienenden Delikte nicht zu einer Ge- fährdung Dritter führe. Der Handel mit Drogen, selb st wenn es dabei ausschliesslich um die Finanzierung des Eigenkonsums gehe, sei immer ein V ergehen. Der erstinstanzlich festgestell- te Sachverhalt, insbesondere hinsichtlich verkaufte r Drogenmenge, wird hingegen von der Staatsanwaltschaft trotz Abweichung von der Anklage akzeptiert. Die Verteidigung des Beschuldigten schliesst sich d emgegenüber der erstinstanzlichen Auffas- sung an. Es gebe keine objektiven Beweismittel, die belegen würden, dass und in welchem Um- fang der Beschuldigte mit Marihuana gehandelt resp. ob er damit die Gesundheit von Drittper- sonen gefährdet habe und wie gross der finanzielle Gewinn aus dem Drogenhandel gewesen sei. Aufgrund der sich widersprechenden Aussagen de s sich selbst belastenden Beschuldigten sei zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass er mit einem gewissen Verkauf von Marihuana seinen eigenen Marihuanakonsum finanziert habe. Die Argumentation der Staatsanwaltschaft bezüglich der Anwendbarkeit von Art. 19a Ziff. 1 Be tmG würde sodann dazu führen, dass diese Bestimmung gar nie angewendet werden könnte, da mit der Erfüllung des Tatbestands von Art. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 19 Abs. 1 BetmG durch einen Betäubungsmittelkonsume nten immer eine gewisse abstrakte Drittgefährdung in Kauf genommen werde. 3.3 Art. 19 Abs. 1 BetmG stellt den unbefugten Anbau, Handel und Besitz von Betäubungs- mitteln in allen seinen Formen unter Strafe. Gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG ist unter ande- rem strafbar, wer unbefugt Betäubungsmittel veräuss ert, auf andere Weise einem andern ver- schafft oder in Verkehr bringt. Für vorsätzliche Ta tbegehung droht das Gesetz Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe an. Nach Art. 19 a Ziff. 1 BetmG wird lediglich mit Busse be- straft, wer unbefugt Betäubungsmittel vorsätzlich k onsumiert oder zum eigenen Konsum eine Widerhandlung im Sinne von Art. 19 BetmG begeht. Ge mäss bundesgerichtlicher Rechtspre- chung erfasst der privilegierte Tatbestand von Art. 19a BetmG nur jene Beschaffungshandlun- gen, die ausschliesslich dem eigenen Drogenkonsum dienen und somit eine Gefährdung Dritter ausschliessen. Nicht privilegiert sind hingegen Bes chaffungshandlungen, die zum Drogenkon- sum Dritter führen oder konkret führen können. Wer mit Drogen handelt, d.h. Drogen verkauft oder vermittelt und somit Dritten bzw. potentiellen Konsumenten zugänglich macht, kann - selbst wenn dieser Handel nur zur Befriedigung des eigenen Bedarfs erfolgt - nicht in den Ge- nuss des privilegierten Tatbestands von Art. 19a Be tmG kommen. Ein Drogenkonsument ist daher nach Art. 19 BetmG zu bestrafen, sofern und s oweit seine Beschaffungshandlungen im Hinblick auf den Eigenkonsum tatsächlich zum Drogen konsum Dritter führen oder im Sinne ei- ner konkreten Gefahr dazu führen können (BGE 118 IV 202 ff. E. 3 und BGE 119 IV 180 ff.; vgl. auch T HOMAS FINGERHUTH /CHRISTOF TSCHURR , Kommentar BetmG, 2007, Art. 19a N 3). Mit der dargelegten Rechtsprechung nimmt das Bundes gericht - wie es auch selber explizit festhält - in Kauf, dass Art. 19a Ziff. 1 BetmG res p. der privilegierte Tatbestand bei Drogenab- hängigen, die ihren Konsum auch durch Drogenhandel finanzieren, kaum angewendet werden kann. Bei einer Anwendung des privilegierten Tatbes tands auf sämtliche Widerhandlungen ge- gen das Betäubungsmittelgesetz, die mit dem Endziel des Eigenkonsums erfolgen, würde der Drogenkleinhandel ansonsten in einem Umfang privile giert, der nach Auffassung des Bundes- gerichts mit dem Sinn und Zweck des Betäubungsmitte lgesetzes nicht zu vereinbaren wäre (BGE 118 IV 203 E. 3c und 3d). Damit ist der letztg enannte Einwand der Verteidigung entkräf- tet. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Es stellt sich nun vorliegend die Frage, ob der Bes chuldigte tatsächlich nur für den eigenen Drogenkonsum mit Marihuana und Haschisch handelte u nd ob eine konkrete Gefährdung Drit- ter vollkommen ausgeschlossen werden kann. 3.4 Während der Strafuntersuchung sowie vor Gericht gab der Beschuldigte mehrfach zu Protokoll, dass er in den Monaten September und Okt ober 2012 mit Marihuana und Haschisch gehandelt habe (vgl. act. 487, 2017 RZ 343 f., 2019 RZ 349 ff., 4749 ff., 4763 ff. und 5997). Er habe jeweils nur die Hälfte des Preises bezahlt und für die andere Hälfte Kredit erhalten (act. 2021 RZ 385 ff.). Vom verdienten Geld habe er seine n Lebensunterhalt bestritten und seiner Mutter auch einen Teil geschickt (act. 2023 RZ 407 ff.). Anlässlich der heutigen Verhandlung vor Kantonsgericht bestätigt der Beschuldigte erneu t, mit Drogen gehandelt zu haben. Im Sep- tember 2012 habe er mit dem Verkauf von Marihuana Fr. 4‘500.-- verdient. Dieses Geld habe er nach Marokko geschickt (vgl. dazu auch bereits vor Strafgericht act. 5997), weil seine Schwes- ter krank gewesen sei. Er selber habe Marihuana kon sumiert, zusammen mit drei Kollegen, ca. 3 Gramm pro Tag. Auf entsprechende Frage führt der Beschuldigte weiter aus, dass er wegen der Kollegen im September 2012 mit dem Konsum von M arihuana angefangen und dann wäh- rend ca. 2 Monaten, nämlich September und Oktober 2 012, Marihuana konsumiert habe, wobei er nicht mehr wisse, wieviele Joints er pro Tag ger aucht habe (Protokoll der kantonsgerichtli- chen Hauptverhandlung S. 4 f.). 3.5 Der Beschuldigte gibt also selber wiederholt zu, d ass er mit Marihuana und Haschisch gehandelt habe und räumt auch ein, dass er den dara us erzielten Gewinn an seine Familie in Marokko geschickt und somit keineswegs ausschliessl ich für den Eigenkonsum verwendet ha- be. Aufgrund der Angaben des Beschuldigten entsteht vielmehr der Eindruck, dass die Finan- zierung seines eigenen Konsums lediglich eine zweif ellos erwünschte Nebenerscheinung, aber nicht der Hauptzweck seines Drogenhandels war. Es e rscheint ohnehin sehr fraglich, ob der Beschuldigte als ein von Drogen abhängiger und dahe r damit handelnder Konsument im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG angesehen werden kann. Z um einen begann er offensichtlich gleich- zeitig mit dem Marihuanakonsum und dem Drogenhandel und hörte nach zwei Monaten wieder damit auf. Der Handel mit Marihuana und Haschisch w ar also nicht die Folge einer bestehen- den Abhängigkeit von diesen Betäubungsmitteln. Wie sich sodann aus seinen Aussagen vor Kantonsgericht ergibt, rauchte der Beschuldigten nu r mit Kollegen, was ebenfalls gegen eine bestehende Abhängigkeit und damit auch gegen die No twendigkeit spricht, den eigenen Kon- sum mit Drogenhandel zu finanzieren. Zum anderen ga b der Beschuldigte bereits in der Vorun- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht tersuchung an, dass er nur Marihuana konsumierte, w ährend ihm Haschisch nicht geschmeckt habe. Nichtsdestotrotz habe er sowohl Marihuana als auch Haschisch verkauft (act. 2019 RZ 349 f.). Auch dies ist ein Indiz dafür, dass der Be schuldigte kein mit Drogen handelnder Kon- sument war, sondern sich vielmehr als nebenbei konsumierender Drogenhändler betätigte. 3.6 In Anbetracht des wiederholten Geständnisses des B eschuldigten bedarf es nach An- sicht des Kantonsgerichts keiner weiteren objektive n Beweismittel für den konkreten Drogen- handel. Es gibt nämlich keinerlei Hinweise dafür, d ass sich der Beschuldigte geirrt hätte oder seine Aussagen hinsichtlich des zugestandenen Hande ls mit Marihuana und Haschisch aus irgendeinem Grund unglaubhaft wären. Der diesbezügl iche Einwand der Verteidigung ist daher nicht weiter zu beachten. Schliesslich ist hier fes tzustellen, dass auch der Verkauf von lediglich 300 Gramm Marihuana, also der erstinstanzlich angen ommenen niedrigeren Drogenmenge, zu einer konkreten Gefährdung Dritter führen kann, zum al mit jedem Geschäft Drogen an einen potentiellen Konsumenten weitergegeben und mit der Weitergabe resp. dem Verkauf die Ab- nehmer zum Konsum der Ware animiert werden. Die Ber ufung der Staatsanwaltschaft ist somit auch in diesem Punkt gutzuheissen und der Beschuldi gte in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils wegen Verletzung von Art. 19 Abs. 1 BetmG schuldig zu sprechen. 4. Strafzumessung 4.1 Die Berufung bezieht sich zu guter Letzt auf die Be messung der Strafe. Die Staatsan- waltschaft erachtet die erstinstanzlich ausgesproch ene Freiheitsstrafe von 3 Jahren selbst bei gleichbleibender rechtlicher Würdigung als deutlich zu tief. Die Vorinstanz gehe selber von ei- nem erheblichen Verschulden aus. Dies müsse aber zu r Folge haben, dass auch eine erhebli- che Strafe ausgesprochen werde. Bei über 70 Delikte n, hauptsächlich Einbruchdiebstählen, einem insgesamt sechsstelligen Delikts- und Sachsch adenswert und einem ungünstigen Nach- tatverhalten sei eine empfindliche Sanktion zu verh ängen. Das Strafgericht habe zwar viele strafschärfende Umstände genannt, diese aber nicht oder zu wenig in die Strafe einfliessen lassen. Weitere Faktoren seien im angefochtenen Urteil gänzlich unberücksichtigt geblieben. So habe das Strafgericht den Umstand, dass mehrfach Fa hrzeuge aufgebrochen wurden und da- bei ebenfalls die Privatsphäre verschiedener Betrof fenen verletzt wurde, gar nicht strafschär- fend gewertet. Das Verhalten des Beschuldigten in d er Strafuntersuchung, namentlich der Um- stand, dass er alle Schuld von sich geschoben habe, sei schliesslich auch nicht berücksichtigt worden. Sollte das Kantonsgericht die Berufung hins ichtlich der zusätzlichen beantragten Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schuldsprüche gutheissen, müsse die Freiheitsstrafe ohnehin angemessenen erhöht werden. Insbesondere die Verurteilung wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz habe zu einer nicht unwesentlichen Strafschärfung zu führen. Der Handel mit 300 Gramm Marihuana sei zwar kein schweres Delikt, sei aber umgekehrt auch keine Bagatelle. Die Strafe sei bereits aus diesem Grund zwingend zu erhöhen. Das gelte auch be i einer zusätzlichen Verurteilung wegen gewerbsmässigen Diebstahls bezüglich des Anklagefal ls Nr. 14. Insgesamt erscheine gemäss Staatsanwaltschaft eine Strafe von 4 ½ Jahren als tat- und schuldangemessen. Die Verteidigung findet demgegenüber, dass die Stra fe, selbst wenn einer oder gar beide An- träge der Staatsanwaltschaft gutgeheissen und damit ein weitergehender Schuldspruch erfol- gen würde, nicht zu erhöhen sei. Die anderweitige r echtliche Würdigung ändere nicht viel am Tatverschulden, weshalb die ausgefällte Freiheitsst rafe von 3 Jahren auch bei zusätzlichen Schuldsprüchen immer noch schuldangemessen sei. Im vorliegenden Fall müsse berücksichtigt werden, dass der Beschuldigte erstinstanzlich berei ts wegen gewerbsmässigen Diebstahls ver- urteilt worden sei. Ein einzelner Diebstahl aus der Deliktsserie Nr. 14 mit einer Deliktssumme von Fr. 220.-- könne da keine wesentliche Strafschä rfung zur Folge haben. Aus diesem Grund müsse die andere rechtliche Würdigung auch keineswe gs zwingend zu einer Erhöhung der erstinstanzlich ausgesprochenen Strafe führen. Die von der Staatsanwaltschaft beantragte Freiheitsstrafe von 4 ½ Jahren sei jedenfalls krass unverhältnismässig. Beim Beschuldigten handle es sich nämlich um einen nicht vorbestraften Ersttäter, dem überdies eine gute Legal- prognose attestiert werden könne. 4.2 Gemäss Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei das Vorleben und die persön lichen Verhältnisse des Täters sowie die Wirkung der Strafe auf sein Leben (Abs. 1). Das Ver schulden wird nach der Schwere der Ver- letzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermei- den (Abs. 2). Ist ein Urteil zu begründen, so hält das Gericht gemäss Art. 50 StGB in der Be- gründung auch die für die Zumessung der Strafe erhe blichen Umstände und deren Gewichtung fest. Das Gericht hat die Strafzumessung so gut wie möglich nachvollziehbar zu machen. Die Strafzumessungsgründe gehören daher ins Urteil. Dur ch diese Erhöhung der Transparenz soll die Kontrolle der Strafzumessung im Rechtsmittelver fahren erleichtert werden. Nur so ist es möglich zu prüfen, ob sich die Vorinstanz bei der F estsetzung der konkret ausgesprochenen Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Strafe von zutreffenden Gesichtspunkten leiten liess (HANS WIPRÄCHTIGER /R EGULA ECHLE , Bas- ler Kommentar StGB I, 2013, Art. 50 N 1 f.). Das Gericht hat das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tat- verschuldens gestützt auf Art. 50 StGB im Urteil au sdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszug ehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer). In einem zweiten Schritt ist die (hyp othetische) Strafe, die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Die so ermittel- te Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkompo- nenten verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7). Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Straf- bestimmung festzusetzen. Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen, weshalb der ordentliche Rahmen nur dann zu verlassen ist, wenn aussergewöhn liche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart beziehungsweise zu milde er- scheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Im Übrigen drängt das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung vermehrt darauf, dass die Formulierung des Verschul dens und die Festsetzung des Strafmas- ses auch begrifflich im Einklang stehen (BGer 6B_10 96/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2; vgl. auch BGer 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). 4.3 Das Strafgericht wies in seinem Urteil zunächst auf die persönlichen Verhältnisse sowie das Vorleben des Beschuldigten hin. Mit Bezug auf d essen Verschulden führte die Vorinstanz sodann aus, dass dieses erheblich sei. Zu seinen La sten spreche, dass er im Rahmen eines laufenden Asylverfahrens sehr intensiv delinquiert habe. Um seine eigenen Bedürfnisse zu be- friedigen, habe er sich zur Deliktsbegehung mit wei teren Personen zusammengeschlossen, dies obwohl er sich in keiner speziellen Notsituati on befunden habe. Er habe aus rein finanziel- len Motiven gehandelt. Durch sein Verhalten habe er das Asylrecht der Schweiz missbraucht. Die in einer relativ kurzen Zeit verübten, eindrück lichen Delikts-serien würden von einer hohen kriminellen Energie zeugen. Bei den Autoaufbrüchen habe der Beschuldigte auch keineswegs nur die Rolle eines Gehilfen eingenommen, sondern s ei intensiv daran beteiligt gewesen und habe bei der Verursachung erheblichen Sachschadens ohne zu zögern mitgewirkt. Die Arbeits- aufteilung sei zwar relativ spontan erfolgt, dennoc h sei jeder Deliktsserie eine rudimentäre Pla- nung vorausgegangen und es sei eine gewisse Systema tik an den Tag gelegt worden. Ins Ge- wicht falle sodann das offensichtliche Missverhältnis zwischen Deliktsbetrag auf der einen Seite Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht und dem Aufwand und verursachten Schaden auf der an deren Seite. Dies hätte dem Beschul- digten bewusst sein müssen. Trotzdem habe es ihn ni cht davon abgehalten weiterzumachen. Auch die Unbelehrbarkeit und Uneinsichtigkeit des B eschuldigten wirke sich zu seinen Lasten aus. So sei er trotz Einreiseverbot und nur kurze Z eit nach seiner Ausschaffung in die Schweiz zurückgekehrt und habe erneut Straftaten begangen. Des Weiteren sei auf das Aussageverhal- ten des Beschuldigten hinzuweisen, das über blosses Bestreiten hinausgehe. Vielmehr habe er immer wieder neue Varianten über die Geschehnisse u nd über sein Leben ins Spiel gebracht. Der Beschuldigte mache auch nicht den Eindruck, sei ne Taten zu bereuen, zumal er nur eine einzige Zivilforderung anerkannt habe und überdies in seinem Schlusswort nur an sich selbst und an seine Effekten gedacht habe. Die Vorstrafenl osigkeit des Beschuldigten sei neutral zu werten. In Würdigung all dieser Umstände erachtete die Vorinstanz schliesslich eine Freiheits- strafe von 3 Jahren als angemessen (Strafgerichtsurteil S. 47 f.). 4.4 Die Berufungsinstanz fällt gemäss Art. 408 StPO ein neues Urteil. Dabei hat sie die Stra- fe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen und mus s sich nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). Im vorliegenden Fall ging das Strafgericht für die Strafzumessung von bandenmässigem Dieb- stahl als schwerstem Delikt und damit von einem ord entlichen Strafrahmen aus, der sich zwi- schen Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstr afe nicht unter 180 Tagesssätzen bewegt. Es wies darauf hin, dass die auszufällende Strafe a ufgrund der Deliktsmehrheit zwingend zu schärfen sei. Das Strafgericht legte die persönlich en Verhältnisse sowie das Vorleben des Be- schuldigten im angefochtenen Urteil korrekt dar und wies ebenfalls in grundsätzlich zutreffender Weise auf die einzelnen konkreten, fallbezogenen St rafzumessungsfaktoren hin. Die diesbe- züglichen erstinstanzlichen Ausführungen werden den n auch nicht beanstandet, weshalb voll- umfänglich darauf verwiesen werden kann. Die Vorinstanz bezeichnete sodann das ermittelte Ge samtverschulden als erheblich, sprach aber dennoch lediglich eine Freiheitsstrafe von 3 J ahren aus. In Anbetracht der zuvor erwähn- ten Bundesgerichtsrechtsprechung (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2 und BGer 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.) lässt si ch diese Strafe mit dem erstinstanzlich an- genommenen erheblichen Verschulden nicht vereinbare n, zumal die Vorinstanz nicht darlegt, dass besondere täterspezifische Komponenten zu dieser Strafe geführt haben. Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Der Beschuldigte hat sich wegen gewerbs- und banden mässigen Diebstahls zu verant- worten. Für die konkrete Strafzumessung ist somit z unächst von bandenmässigem Diebstahl als schwerste Straftat auszugehen. Gemäss Art. 139 Ziff. 3 StGB wird bandenmässiger Dieb- stahl mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Gel dstrafe nicht unter 180 Tagessätzen bestraft. Dieser Strafrahmen ist hier massgebend, zumal aufgr und der oben dargelegten bundesgericht- lichen Rechtsprechung der ordentliche Strafrahmen n ur dann zu verlassen ist, wenn ausserge- wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betref fende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Dies ist vorliegend nicht der Fall und wird auch von der Staatsanwaltschaft nicht explizit geltend gemacht. Die konkrete Strafe ist also innerhalb des dargelegten Strafrahmens und unt er Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatkomponenten, insbesondere der wegen Tatmehrheit vorzunehmenden Aspera- tion sowie weiterer strafschärfender resp. straferh öhender oder auch strafmildernder Faktoren festzulegen. 4.6 Verschuldenserhöhend wirkt sich zunächst die Tatsa che aus, dass der Beschuldigte nicht nur wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebsta hls, sondern auch wegen weiteren De- likten, insbesondere wegen qualifizierter Sachbeschädigung, Geldwäscherei und rechtswidriger Einreise sowie Aufenthalt in der Schweiz, zur Rechenschaft zu ziehen ist (Art. 49 Abs. 1 StGB). Verschuldenserhöhend zu berücksichtigen sind sodann die weiteren vom Strafgericht bereits dargelegten Tatumstände, wie namentlich die Delikts intensität, d.h. die ausserordentlich hohe Anzahl von über 70 Straftaten bzw. von über 60 einz elnen Autoaufbrüchen während des ca. zweimonatigen Asylverfahrens, die damit zum Ausdruc k gebrachte hohe kriminelle Energie so- wie der damit verbundene erhebliche Missbrauch des schweizerischen Asylrechts, die Bereit- schaft des Beschuldigten, ungeachtet des verursacht en Schadens weiter zu delinquieren - der konkret verursachte Schaden fiel mit rund Fr. 68‘00 0.-- fast doppelt so hoch aus wie der tat- sächliche Deliktsertrag, der ca. Fr. 35‘000.-- ausm achte -, das dreiste Verhalten des Beschul- digten, insbesondere der Umstand, dass er trotz kur z zuvor erfolgter Ausschaffung und klarem Einreiseverbot wieder in die Schweiz einreiste, um ohne Not erneut zu delinquieren. Die Vor- strafenlosigkeit des Beschuldigten im Rahmen der Tä terkomponenten ist - analog zum erstin- stanzlichen Urteil - neutral zu werten. Neu sind nu nmehr aber die zusätzlichen Schuldsprüche zu beachten. Entgegen der Auffassung der Verteidigu ng haben die im Berufungsverfahren er- folgten anderweitigen rechtlichen Würdigungen durch aus eine Auswirkung auf die konkrete Festsetzung der Strafe. Bei der Qualifikation des A nklagefalls Nr. 14 als gewerbsmässiger Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diebstahl geht es - wie bereits erwähnt - nicht um einen Diebstahl, sondern um drei bis vier, zum Teil versuchte Autoaufbrüche. Es kann also kein e Rede davon sein, dass die Strafe nur wegen einer einzigen zusätzlichen Straftat zu erhöh en ist. Es ergibt sich sodann bereits auf- grund der unterschiedlichen Strafandrohungen - für den einfachen Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder G eldstrafe, während für den gewerbsmässigen Diebstahl eine Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren ode r Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen vor- gesehen ist -, dass die anderweitige Würdigung des angeklagten Sachverhalts Konsequenzen für die auszusprechende Strafe haben muss. Dies gil t auch für die Qualifikation der Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz als Vergehen statt als Übertretung. Gemäss Art. 19 Abs. 1 BetmG sind Täter, die gegen diese Bestimmung versto ssen mit einer Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe zu ahnden. Demgegenüber werd en Widerhandlungen gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG lediglich mit Busse bestraft. Schlies slich ist - wie die Staatsanwaltschaft zu Recht geltend macht - zusätzlich zu berücksichtigen, dass auch mit Autoaufbrüchen die Privatsphäre der Betroffenen verletzt wird und diesem Umstand bei der Strafzumessung Rechnung zu tragen ist. In Anbetracht der dargelegten Tatumstände und unter Einbezug der neuen Schuldsprüche ist das Verschulden von A.____ nach Ansicht des Kan tonsgerichts als mittelschwer im unteren Bereich einzustufen. Gemäss der erwähnten Bundesger ichtspraxis ist nunmehr eine Strafe festzusetzen, die diesem Verschulden Rechnung trägt und sich im hier massgebenden, für bandenmässigen Diebstahl vorgesehenen Strafrahmen, d.h. Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen, bewegt . Von diesem Strafrahmen ausgehend, ist eine schuldangemessene Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahr en auszusprechen. Besondere strafmin- dernde täterspezifische Komponenten sind nicht ersi chtlich und werden von der Verteidigung auch nicht geltend gemacht. Bei dieser Strafe erübr igt sich die Frage nach einem teilbedingten Vollzug gemäss Art. 43 StGB. Die Berufung der Staat sanwaltschaft ist demzufolge mit Bezug auf die Strafzumessung teilweise gutzuheissen und die erstinstanzliche Strafe von 3 Jahren auf 3 ½ Jahre zu erhöhen. 5. Kosten 5.1 Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien di e Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Im vorliegenden Fall ist die Berufung der Staatsanwaltschaft teilweise gutzuheissen. Dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens entsprechend, sind die Kosten des kantonsgerichtlic hen Verfahrens, bestehend aus einer Ge- Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht richtsgebühr von Fr. 12‘500.-- und Auslagen von Fr. 1‘000.--, total Fr. 13‘500.--, je zur Hälfte vom Staat und vom Beschuldigten zu tragen, wobei se in Anteil zufolge Uneinbringlichkeit eben- falls zu Lasten des Staates geht. 5.2 Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung ist dem Vertreter des Beschuldigten für seine Bemühungen im Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 3‘379.35 inklusive Auslagen von Fr. 196.-- und 8 % Mehrwertsteuer auf Fr. 3‘259.35, also Fr. 260.75, total Fr. 3‘640.10, aus der Gerichtskasse zu bezahlen. Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts vom 17. Januar 2014, das wie folgt lautet: „1. A.____ wird des gewerbs- und bandenmässigen Die bstahls, des Diebstahls, des mehrfachen versuchten Diebstahl s, der qualifizierten Sachbeschädigung, der Geldwäscherei, der rechtswidrigen Einreise, des rechtswidrigen Aufenth alts, der mehrfachen Entwendung zum Gebrauch, des Konsums von Betäubungsmitteln sowie des Verkaufs von Betäubungsmitteln zum eigenen Konsum schuldig erklärt und verurteilt zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 3 Jahren, davon 1 ½ Jahre unbedingt, unter Anrechnung der vom 9. Februar 2013 bis zum 1 7. Janu- ar 2014 ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherhei tshaft von insgesamt 343 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren für den bedingten Teil der Strafe, sowie zu einer Busse von Fr. 300.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tri tt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 StGB (teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 139 Ziff. 1, Ziff. 2 und Ziff . 3 StGB, Art. 144 Abs. 1 und Abs. 3 StGB, Art. 305 bis Ziff. 1 StGB, Art. 94 Abs. 1 lit. b und Abs. 4 SVG, Art. 115 Abs. 1 lit. a und lit. b AuG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG sowie Art. 40 StGB, Art . 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 S tGB und Art. 106 StGB. Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. A.____ wird freigesprochen von der Anklage des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls sowie der qualifizier ten Sachbeschädigung im Anklagefall 1 (Deliktsserie 1 i n V.____) bezüglich der Delikte 1-3 und im Anklagefall 2 (Del iktsserie 2 in W.____) bezüglich des Deliktes 8, von der Anklag e der Sachbeschädigung im Anklagefall 14 (Deliktsserie 14 in X.____) sowie von der Anklage der Widerhandlung geg en das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG. 3. Der beschlagnahmte Schraubenzieher Nr. 3 ( Fundus G 26908 ) und die beschlagnahmte SIM-Karte ( Rufnummer 077 917 13 90; Fundus G 26909 ) werden in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen. 4.a) Der Beurteilte wird bei seiner Anerkennung be haftet, in solida- rischer Haftung mit C.____, soweit und in dem Umfan g, wie dieser ebenfalls haftet, D.____ Fr. 50.-- (Fall 4) zu schulden. b) Der Beurteilte wird, in solidarischer Haftun g mit seinen jeweili- gen Mittätern, soweit und in dem Umfang, wie diese ebenfalls haften, zur Bezahlung den nachfolgend aufgeführten Zivilfor- derungen verurteilt: …. c) Folgende Zivilforderungen werden gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen: …. d) Folgende Zivilforderungen werden abgewiesen: …. e) Folgende Genugtuungsforderungen werden abgew iesen: …. Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vor- verfahrens von Fr. 34'141.50, den Kosten des Zwangs mass- nahmengerichts von Fr. 3'300.-- und der Gerichtsgeb ühr von Fr. 8'000.--, gehen in Anwendung von Art. 425 StPO sowie § 4 Abs. 3 GebT zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. 6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in Höhe v on insgesamt Fr. 16'877.40 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) werden aus der Gerichtskasse entrichtet.“ wird in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsanwal tschaft in Ziffer 1 und 2 aufgehoben wie folgt neu formuliert: „1. A.____ wird des bandenmässigen sowie des mehrfachen gewerbsmässigen Diebstahls, der qualifizierten Sachbeschä- digung, der Geldwäscherei, der rechtswidrigen Einre ise, des rechtswidrigen Aufenthalts, der mehrfachen Entwendu ng zum Gebrauch, der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel- gesetz (Konsum und Verkauf von Betäubungsmitteln) schul- dig erklärt und verurteilt zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren, unter Anrechnung der vom 9. Februar 2013 bis zum 1 7. Ja- nuar 2014 ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherh eits- haft von insgesamt 343 Tagen, sowie zu einer Busse von Fr. 300.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tri tt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB, Art. 144 Abs. 3 StGB, Art. 305 bis Ziff. 1 StGB, Art. 94 Abs. 1 lit. b und Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 4 SVG, Art. 115 Abs. 1 lit. a und lit. b AuG, Art. 19 Abs. 1 lit. c und Art. 19a Ziff. 1 BetmG sowie Art. 40 StGB, (Art . 43 StGB), Art. 44 Abs. 1 StGB), Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB. 2. A.____ wird freigesprochen von der Anklage des g ewerbs- und bandenmässigen Diebstahls sowie der qualifizier ten Sachbeschädigung im Anklagefall 1 (Deliktsserie 1 i n V.____) bezüglich der Delikte 1-3 und im Anklagefall 2 (Del iktsserie 2 in W.____) bezüglich des Deliktes 8 sowie von der A nklage der Sachbeschädigung im Anklagefall 14 (Deliktsseri e 14 in X.____). “ Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. II. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 12‘500.-- und Auslagen von Fr. 1‘000.--, total Fr. 13‘500.--, gehen je zur Hälfte zu Lasten des St aates und zur Hälfte zu Lasten des Beschuldigten, wobei sein Ante il ebenfalls zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates geht. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung ist dem Vertreter des Beschuldigten für seine Bemühungen im Berufungsverf ahren ein Honorar von Fr. 3‘379.35 inklusive Auslagen von Fr. 196.-- und Mehrwertsteuer von Fr. 260.75, total Fr. 3‘640.10, aus der Gerichts- kasse zu bezahlen. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiberin Nicole Schneider