<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">276</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>50</b></span> <span class="ft1"><b>Grundhonorar für ein durchschnittliches Verfahren in Kindes- und</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Erwachsenenschutzfällen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Nachdem es sich bei Kindes- und Erwachsenenschutzfällen um in</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tatsächlicher Hinsicht sensible und eher komplexe Fragen handelt, wäh-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>rend rechtlich gesehen in der Regel keine grossen Probleme vorliegen,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>erscheint - in Anlehnung an die obergerichtliche Praxis, welche für ein</b></span><br/> <span class="ft1"><b>durchschnittliches Eheschutz- bzw. Präliminarverfahren eine Grund-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>entschädigung von Fr. 2'500.00 veranschlagt (vgl. AGVE 2002 S. 78) -</b></span><br/> <span class="ft1"><b>eine solche von Fr. 2'000.00 für angemessen.</b></span><br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und</span><br/> <span class="ft2">Erwachsenenschutz, vom 15. November 2017, i.S. L.W. (XBE.2017.79)</span><br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft4">5.2.1. Die Beschwerdeführerin hat zudem Anspruch auf</span><br/> <span class="ft4">Vergütung ihrer Parteikosten für das obergerichtliche Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">verfahren.</span><br/> <span class="ft4">Gestützt auf das Dekret über die Entschädigung der Anwälte</span><br/> <span class="ft4">(AnwT; SAR 291.150) bemisst sich die Entschädigung einer</span><br/> <span class="ft4">anwaltlichen Vertretung in nicht vermögensrechtlichen Streitigkeiten</span><br/> <span class="ft4">nach dem mutmasslichen Aufwand des Anwalts sowie der Bedeutung</span><br/> <span class="ft4">und Schwierigkeit des Falles und liegt zwischen einem um bis zu</span><br/> <span class="ft4">75% kürzbaren Rahmen von Fr. 1'210.00 und Fr. 14'740.00 (§ 3</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AnwT). Dieser Grundbetrag ist grundsätzlich</span><br/> <span class="ft4">unabhängig vom konkreten Zeitaufwand, dafür gemessen an den</span><br/> <span class="ft4">konkret zur Beurteilung anstehenden Fragen festzusetzen. Die Be-</span><br/> <span class="ft4">rücksichtigung des Aufwands erfolgt beim Pauschalhonorar in Form</span><br/> <span class="ft4">von gezielten Ab- und Zuschlägen, wenn und soweit die ent-</span><br/> <span class="ft4">sprechenden Voraussetzungen erfüllt sind und sie nicht schon übliche</span><br/> <span class="ft4">Folge der bei der Festsetzung der Grundentschädigung gemäss § 3</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 lit. b AnwT in Rechnung gestellten Schwierigkeit des Falles</span><br/> <span class="ft4">ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5D_67/2010 vom 6. September</span><br/> <span class="ft4">2010 Erw. 3.3; 5D_78/2008 vom 16. Januar 2009 Erw. 4.2). Eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">277</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Entschädigung allein nach Zeitaufwand sieht der Anwaltstarif in</span><br/> <span class="ft4">Zivilsachen nicht vor.</span><br/> <span class="ft4">Die mit dem Kindes- und Erwachsenenschutz zusammen-</span><br/> <span class="ft4">hängenden sensiblen und eher komplexen Fragen stellen sich</span><br/> <span class="ft4">hinsichtlich Bedeutung und Schwierigkeit in gleicher oder ähnlicher</span><br/> <span class="ft4">Weise im Rahmen von durchschnittlichen Eheschutz- und Prä-</span><br/> <span class="ft4">liminarverfahren. Da in letzteren im Gegensatz zum vorliegenden</span><br/> <span class="ft4">Verfahren in der Regel viele Einzelpunkte zu behandeln sind mithin</span><br/> <span class="ft4">neben der Beziehung der Ehegatten auch noch Kinderbelange sowie</span><br/> <span class="ft4">Unterhaltsbeiträge, rechtfertigt sich für Kindes- und Erwachsenen-</span><br/> <span class="ft4">schutzverfahren ein geringerer Ansatz (vgl. dazu auch Urteil des</span><br/> <span class="ft4">Bundesgerichts 5A_86/2015 vom 15. Oktober 2015 E. 3.4). Zudem</span><br/> <span class="ft4">gilt das Verfahren als Einfaches, da die Offizialmaxime sowie der</span><br/> <span class="ft4">Untersuchungsgrundsatz zur Anwendung kommen und die Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeinstanz den erstinstanzlichen Entscheid in rechtlicher und</span><br/> <span class="ft4">tatsächlicher Hinsicht umfassend prüft. Dies verringert den mut-</span><br/> <span class="ft4">masslichen Aufwand entsprechend. Nachdem es sich bei Kindes- und</span><br/> <span class="ft4">Erwachsenenschutzfällen um in tatsächlicher Hinsicht sensible und</span><br/> <span class="ft4">eher komplexe Fragen handelt, während sich rechtlich gesehen in der</span><br/> <span class="ft4">Regel keine grossen Probleme aufwerfen, erscheint - in Anlehnung</span><br/> <span class="ft4">an die obergerichtliche Praxis, welche für ein durchschnittliches</span><br/> <span class="ft4">Eheschutz- bzw. Präliminarverfahren eine Grundentschädigung von</span><br/> <span class="ft4">Fr. 2'500.00 veranschlagt (vgl. AGVE 2002 S. 78) - eine solche von</span><br/> <span class="ft4">Fr. 2'000.00 für angemessen.</span><br/></div> </div> </body> </html>