B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-804/2012 U r t e i l v o m 1 2 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Antonio Imoberdorf, Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa-Haake. Parteien A._______, vertreten durch Rechtsanwalt Hans Werner Meier, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum. C-804/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der im Jahr 2001 geborene B._______ ist Staatsangehöriger von Bang- ladesch. Er lebt mit seiner Mutter in Dhaka, wo ihn sein Vater A._______, der im Kanton Zürich über ein Aufenthaltsrecht verfügt, im Jahr 2011 be- suchte (vgl. Übermittlungsblatt der Botschaft zuhanden des BFM vom 23. August 2011). Nach dem dreimonatig en Besuchsaufenthalt des Vaters beantragte B._______ (handelnd durch seine Mutter) am 23. Juli 2011 bei der Schweizerischen Vertretung in Dhaka die Erteilung eines Schengen- Visums, um seinen Vater während 30 Tagen in der Schweiz besuchen zu können. Die Botschaft wies den Antrag am 25. Juli 2011 ab mit der B e- gründung, dass seine Absicht, den Schengen -Raum vor Ablauf des V i- sums wieder verlassen zu wollen, nicht festzustellen sei. B. Die dagegen von A._______ erhobene Einsprache wies das BFM – nach kantonalen Abklärungen – mit Verfügung vom 9. Januar 2012 ab. Zur Be- gründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, B._______ stamme aus einer Region, aus welcher als Folge der dort herrschenden Verhäl t- nisse ein nach wie vor starker Zuwanderungsdruck bestehe. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass mit seiner Einreise ein dauerhafter Aufenthalt beim Vater in der Schweiz angestrebt werde, zumal dieser sich erst vor kurzem von seiner schweizerischen Ehe frau habe scheiden la s- sen. Abgesehen davon lebe auch der Bruder des Gastgebers bzw. Vaters mit seiner Familie in der Schweiz. Das Risiko, dass der Gesuchsteller nicht fristgerecht und anstandslos in sein Heimatland zurückkehre, müsse daher als hoch eingestuft werden. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 10. Februar 2012 beantragt der anwaltlich vertretene A._______ die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung s o- wie die Erteilung des beantragten Besuchervisums . Weiterhin ersucht er sinngemäss um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses bzw. um Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege und Verbeiständung. Letzt- genanntes Gesuch hat er damit begründet, dass er derzeit arbeitslos sei und nur einen geringen Nebenverdienst erziele; finanziell erlaube ihm dies nur, für die Reisekosten des Sohnes aufzukommen u nd diesem für einen Monat angemessene Aufenthaltsbedingungen zu bieten. Was des- sen Wiederausreise angehe, so sei en die von der Vorins tanz hierzu ge- äusserten Zweifel unbegründet. Vor der Einladung seines Sohnes in die C-804/2012 Seite 3 Schweiz hätten sich die Kindeseltern absichtlich noch um die Übertr a- gung des Sorgerechts auf die Kindesmutter bemüht, damit klar sei, dass der Sohn nach seinem Besuch beim Vater wieder zur Mutter zurückkehre. Zuvor habe es einer solchen Regelung gar n icht bedurft, da die Kinde s- mutter den Sohn gar nicht zu dem mit einer anderen F rau verheirateten Vater hätte reisen lassen. Die Rückkehr des Sohnes stehe auch deshalb ausser Frage, weil dieser in Bangladesch eine für einheimische Verhäl t- nisse eher teure Pr ivatschule besuche u nd sich dort wohl fühle. Demg e- genüber hätte er in der Schweiz aufgrund seines Alters von bald 11 J ah- ren erhebliche schulische Anpassungsschwierigkeiten. D. Mit Zwischenverfügung vom 17. Februar 2012 hat das Bundesverwa l- tungsgericht die G esuche des Beschwerdeführers um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses bzw. um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung abgewiesen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 25. April 2012 verweist die Vorinstanz auf den Inhalt der angefochtenen Verfüg ung. Zudem gehe aus dem Vorbri n- gen des Beschwerdeführers hervor, dass dieser im gegenwärtigen Zei t- punkt gar nicht über die für den Besuchsaufenthalt des Sohnes erforderl i- chen finanziellen Mittel verfüge. Die Beschwerde sei daher abzuweisen. F. Mit darauf folgender Replik vom 21. Mai 2012 bestreitet der Beschwerde- führer die Schlussfolgerungen der Vorinstanz. Dies e habe nicht nur die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr seines Sohnes falsch eingeschätzt, sondern auch seine eig enen finanziellen Möglichkeiten als Gastgeber. Immerhin h abe er die zwei Raten des erhobenen gerichtlichen Koste n- vorschusses pünktlich bezahlt, einen seit Langem geplanten Auslands- aufenthalt finanziert und eine "substantielle" Akontozahlung für das Hono- rar seines Rechtsvertreters leisten können. Er sei sowohl bereit, seine ak- tuellen wirtschaftlichen Verhältnisse zu dokumentieren, als auch eine "konkrete Kaution für die Aufenthaltsdauer" zu hinterlegen. G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. C-804/2012 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums v erweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun desverwaltungsgericht en d- gültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, ric h- tet sich das V erfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur B e- schwerde berechtigt. Auf seine frist- und formgerecht eingereichte B e- schwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2011/1 E. 2 und 2011/43 E. 6.1). 3. Die angefochtene Verfügung bezieht sich auf das Visumsgesuch eines minderjährigen Staatsangehörigen von Bangladesch, der seinen Vater während eines Monats in der Schweiz besuchen möchte. Da er sich nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die C-804/2012 Seite 5 beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, f ällt sein Gesuch in den Anwendungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkom- men, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazug e- hörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Aus- ländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Au s- führungsverordnungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun gen enthalten (Art. 2 Abs. 2 – 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der erwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen beso nderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli che Vor- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Staatsangehörige gewi s- ser Länder benötigen zud em ein Visum (vgl. Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind). Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti gen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi gen Aufenthalt C-804/2012 Seite 6 verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32] und Art. 2 der Verordnung [EG] Nr. 562/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. März 2010 zur Ä n- derung d es Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen und der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 in Bezug auf den Verkehr von Personen mit einem Visum für einen längerfristigen Aufen t- halt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1-4]). 4.3 Im Weiteren müssen Dritt staatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge - schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Bez iehun- gen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wie der zu verlassen (vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsg e- richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und gesuchstellende Personen dementsprechend zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fris t- gerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 C-804/2012 Seite 7 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorges e- hen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des b e- legten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des n a- tionalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für e r- forderlich, so ist er berechtigt, der dritt staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visak o- dex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 listet diejenigen Staaten a uf, deren Staatsangehörige beim Übe r- schreiten der Aussengrenzen der Schengen Mitgliedstaaten im Besitze eines Visums sein müssen (Abl. L 81 vom 21.03.2001, S. 17; zum vol l- ständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV). Da Bangladesch zu diesen Staaten zählt, unterliegt der Gesuchsteller der Vi- sumspflicht. 5.2 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz ihre ablehnende Verfügung mit Zweifeln an der anstandslosen und fristgerechten Wiederausreise des Gesuchstellers sowie am Aufenthaltszweck begründet und dabei insb e- sondere auf die allgemeine Lage in seinem Heimatland und seine persön- lichen Verhältnisse hingewiesen. Generell können z ur Frage der Rüc k- kehrbereitschaft jedoch lediglich Prognosen getroffen werden. 5.3 Stellt man auf die allgemeine S ituation im Herkunfts land ab, so kö n- nen Einreisegesuche von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit pol i- tisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen da r- auf hindeuten, dass deren persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. C-804/2012 Seite 8 Obliegt einer gesuchstellenden Person demgegenüber eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung im Heimatland, so kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die keine derartigen Verpflichtungen haben, das Risiko eines über die bewilligte Be- suchsdauer hinaus dauernden Verbleibs als hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Bangladesch hat der global en Wirtschaftskrise gut Stand gehalten. Sein Wirtschaftswachstum betrug im vorangegangenen Haushaltsjahr (Juli 2011 bis Juni 2012) 6,3 Prozent; für das Haushaltsjahr 2013 w ird vom IWF ein Wachstum von 5,8 Prozent prognostiziert. Infolge der g e- genwärtigen wirtschaftlichen Schwäche der EU -Staaten und der USA, den beiden wichtigsten Exportmärkten für Bangladesch, ist das Export- wachstum allerdings stark zurückgegangen. Gleichzeitig führte der wach- sende Energiebedarf zu einem rasanten Anstieg der Einfuhr von Er döler- zeugnissen. Beides führte dazu, dass die Handelsbilanz im Haushaltsjahr 2012 mit einem Defizit von etwa 10,4 Mrd. USD (2011 ungefähr 9 Mrd. USD) schloss. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate lag 2012 bei 10,6 Prozent, was als Folge des starken Anstiegs der Strompreise und der Transportkosten angesehen wird. Fast 31,5 Prozent der rasch wac h- senden Bevölkerung (ca. 52 Millionen) leben unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 USD pro Tag, was oft mit Unterernährung einhergeht. Ange- sichts der für viele schwierigen Lebensbedingungen besteht ein zune h- mender Wunsch nach Auswanderung, dessen Realisierung sich u.a. da r- an zeigt, dass die Rücküberweisungen von Gastarbeitern um 10,3 Pr o- zent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 12,9 Mrd. USD angestiegen sind ( Quelle: Deutsches Auswärtiges Amt > http://www.auswaertiges- amt.de > Aussen - und Europapolitik > Länderinformationen > Bangla- desch > Wirtschaft, Stand: März 2013 , besucht im April 2013) . In der Hauptstadt Dhaka leben rund 15 Millionen Menschen. 40 Prozent von ih- nen drängen sich in den Elendsvierteln auf einem Zwanzigstel der Fl ä- che. Für das kommende Jahrzehnt wird erwartet, dass die Einwohnerzahl der Hauptstadt, in die täglich etwa 1400 neue Siedler hineinströmen, auf 25 Millionen steigt (Quelle: "Die Zeit" Nr. 15 vom 4. April 2013 S. 33 [Wis- sen]). 6.2 Abgesehen vom Umstand, dass der Gesuchsteller in Dhaka lebt und eine Privatschule besucht, sind seine wirtschaftlichen Lebensverhältnisse nicht bekannt. Die Botschaft in Dhaka hat in Bezug auf sein Einre isege-C-804/2012 Seite 9 such die Vermutung geäussert, dass die Scheidung seiner Eltern im Jahr 2002 dem Zweck diente, dem Vater die Ehe mit einer Schweizerin und damit ein Aufenthaltsrecht sowie den späteren Familiennachzug des Sohnes zu ermöglichen (vgl. Übermittlungsblatt der Botschaft zuhanden des BFM vom 23. August 2011). Nachvollziehbar ist diese Überlegung in- sofern, als sich der Beschwerdeführer unmittelbar vor dem Visumsgesuch seines Sohnes drei Monate in Bangladesch aufhielt und den sich für ei- nen Familiennachzug gerade noch unter der kritischen Grenze von 12 Jahren befindlichen Sohn (vgl. Art. 47 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 126 Abs. 3 AuG) zu einem – während der Ehe mit einer Schweizerin angeblich nicht möglichen – Familienbesuch eingeladen hat. Der Beschwerdeführer ver- sucht diese Vermutung dadurch zu entkräften, in dem er auf die kürzlich erfolgte Übertragung des Sorgerechts auf die Kindesmutter verweist. Da dieser Umstand jedoch keineswegs darauf schliessen lässt, dass der Ge- suchsteller freiwillig in sein Heimatland zurückreisen bzw. von seinem Va- ter dorthin zurückgeschickt würde, kann hierauf nicht abgestellt werden. Vielmehr ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Gesuchsteller angesichts der generell schlechten Zukunftsaussichten in seiner Heim at versuchen könnte, bei seinem Vater in der Schweiz zu bleiben . Aufgrund der nach- folgenden Erwägungen erübrigt sich aber eine abschliessende Antwort auf die Frage, welche Absichten mit dem beabsichtigten Besuchsaufen t- halt verfolgt werden. 7. 7.1 Abgesehen von Zweifeln an der nicht fristgerechten Wiederausrei se spricht auch der Aspekt der nicht gesicherten Finanzierung des Besuchs- aufenthalts gegen die Erteilung einer Einreisebewilligung. 7.2 Der Beschwerdeführer, eigenen Angaben zufolge arbeitslos mit gerin- gem Neb enverdienst, hält seine finanziellen Mittel für ausreichend, um die Kosten für die Reise und für einen einmonatigen Aufenthalt seines Sohnes bestreiten zu können. Doch selbst wenn diese Einschätzung rea- listisch wäre, bleibt festzuhalten, dass die Berechnung der massgeblichen Unterhaltskosten nicht im Belieben eines Gastgebers steht, sondern sich nach allgemeinen Kriterien richtet. Derartige Kosten umfassen auch die von der Krankenversicherung nicht gedeckten Kosten für Krankheit und Unfall sowie die Kosten für eine allfällige Rückschaffung, die ansonsten das Gemeinwesen oder ein privater Erbringer von medizinischen Dienst- leistungen zu tragen hätte (vgl. den Wortlaut von Art. 8 Abs. 1 VEV). An den Nachweis der hierfür ausreichenden finanziellen Mittel (Art. 5 Abs. 1 C-804/2012 Seite 10 Bst. c SGK) sind daher gewisse Anforderungen zu stellen. Art. 5 Abs. 3 SGK präzisiert die Möglichkeiten, mit denen der entsprechende Nachweis erbracht werden kann, und hält fest, dass hierzu u.a. auch Verpflic h- tungserklärungen von Gastgebern gehöre n können, sofern dies in den nationalen Rechtsordnungen vorgesehen ist. Das schweizerische Au s- länderrecht enthält entsprechende Regelungen in Art. 6 Abs. 3 AuG und Art. 8 VEV. Gemäss Art. 8 Abs. 5 VEV beträgt die von den kantonalen Bewilligungsbehörden für Einzelpersonen festzusetzende Garantiesu m- me 30'000 Franken. 7.3 Der Beschwerdeführer hat zwar gegenüber dem Migrationsamt Zürich eine derartige Ve rpflichtungserklärung abgegeben; s einen eingereichten Einkommensbelegen zufolge verfügt er jedoch kaum über die Möglich- keit, diese auch einzulösen. Die ihm zustehende Arbeitslosenunterstüt- zung lag in den Monaten Juli 2011 bis September 2011 zwischen rund 2'700 u nd 3'200 F ranken netto; hiervon wurden die ihm ausger ichteten Löhne aus einer Nebenbeschäftigung in Abzug gebracht. Die aufgeführ- ten Einkünfte reichen knapp, um die eigenen Bedürfnisse des Beschwer- deführers zu decken. Seine Ausführungen und sein Gesuch um unen t- geltliche Rechtspflege lassen ebenso wenig darauf schliessen, dass sich seine Einkommenssituation verbessert hätte oder Ersparnisse vorhanden wären. Hieraus kann geschlossen werden, dass seine Garantieverpflic h- tung über 30'000 Franken gar nicht durchsetzbar wäre. Auf sein Beweis- angebot, "eine vollständige Dokumentation über die a ktuellen wirtschaftli- chen Verhältnisse" beizubringen, sowie auf die von ihm erklärte Berei t- schaft, "eine konkrete Kaution für die Aufenthaltsdauer zu leisten", ist da- her nicht weiter einzugehen. 8. Sowohl der Aspekt der nicht gesicherten Wiederausreise wie auch der fehlende Nachweis genügender Mittel für den beabsichtigten Besuch s- aufenthalt bedeuten, dass ein für den gesamten Schengen-Raum gültiges "einheitliches Visum" nicht ausgestellt werden darf. 9. Es bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit gemäss Art. 2 Ziff. 4 Visakodex gegeben sind (vgl. E. 4.5). Die damit einhergehende Abweichung von den allgemeinen Ei n- reisevoraussetzungen erfordert eine sorgfältige Abwägung der sich ge - genüberstehenden Interessen, die nicht leichthin zur Ert eilung eines auf nationales Hoheitsgebiet beschränkten Visums führen darf. C-804/2012 Seite 11 Im vorliegenden Fall sprechen u.U. internationale Verpflichtungen oder humanitäre Gründe für die Erteilung eines solchen Visums. 9.1 Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Men- schenrechte und Grundfreiheiten EMRK (EMRK, SR 0.101) – deckungs- gleich mit Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) – dient dem Schutz des Familien- und Pri vatlebens, aus dem sich bei bestimmten familiären Konstellationen eine völkerrechtliche Verpflichtung zur Visumserteilung ableiten lässt (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.3.2). Auf die Teilgarantie des Fami- lienlebens können sich namentlich ausländische Personen berufen, die nahe Familienangehörige mit hinreichend gefestigtem Anwesenheitsrecht in der Schweiz haben, sofern das Familienleben intakt ist und gelebt wird. Wird ihnen die Einreise oder der Aufenthalt verweigert, so kann darin eine Verletzung von Art.8 EMRK liegen. Die Konventionsgarantie schützt aller- dings nur das Familienleben als solches, nicht aber die freie Wahl des für den Aufbau und die Führung des Familienle bens günstigsten Ortes. Ein Eingriff in den Schutzbereich des Familienlebens liegt daher in aller Regel nicht vor, wenn den Beteiligten ohne weite res zugemutet werden kann, das Familienleben bzw. die familiären Kontakte ausserhalb der Schweiz zu pflegen (vgl. BGE 135 I 153 E. 2.1) . Eine Interessenabwägung nach Art. 8 Abs. 2 EMRK erübrigt sich unter diesen Umständen. 9.2 Im Falle des Beschwerdeführers ist unbestritten , dass dieser regel- mässig in sein Heimatland reiste (vgl. Beschwerdeschrift vom 12. Februar 2012 S. 4 oben) . Im Jahr 2011 hielt sich A._______ sogar drei Monate dort auf, was zeigt, dass Vater und Sohn intensive Kontakte miteinander pflegen können. Vor diesem Hintergrund tangiert die dem Sohn verwe i- gerte Einreise in die Schweiz das Recht auf ein gemeinsames Familien- leben mit dem Vater nicht. Dieser macht de nn auch nicht geltend, ihm seien Besuchsaufenthalte in Bangladesch – wie bis anhin – aus irgend welchen Gründen nicht mehr oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Bei dieser Sachlage kann aus Art. 8 EMRK somit vorliegend kein Anspruch auf Erteilung eines auf das Gebiet der Schweiz beschränkten Visums abgeleitet werden. 9.3 Der Beschwerdeführer hat keine Gründe genannt, welche die Erte i- lung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit aus humanitären Gründen rechtfertigen würden. Ohnehin spricht d er Umstand, dass Vater und Sohn ihre familiäre Beziehung im gemeinsamen Heimatland pflegen können, gegen die Notwendigkeit einer derartigen Ausnahme. C-804/2012 Seite 12 10. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten de m Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements über die Kos ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltun gs- gericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz – das Migrationsamt des Kantons Zürich Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa-Haake Versand: