IV 200 2024 351 WIS/FRN/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 11. Juni 2025 Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin Verwaltungsrichterin Frey, Verwaltungsrichterin Mauerhofer Gerichtsschreiberin Franzen A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 21. März 2024 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -2- Sachverhalt: A. Der 1989 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) meldete sich im Juli 2016 unter Hinweis auf eine Acne inversa/Hidradenitis suppurativa bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zur Früher- fassung an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegner; act. II] 1). Die IVB nahm berufliche und medizinische Abklärungen vor. Mit Verfügung vom 1. März 2018 (act. II 40) wies sie das Begehren auf IV- Leistungen mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens ab. Auf die Neuanmeldung vom Oktober 2018 trat sie mit unangefochten gebliebe- ner Verfügung vom 25. Januar 2019 (act. II 47) nicht ein. Im Oktober 2022 meldete sich der Versicherte erneut bei der IVB zum Leis- tungsbezug an (act. II 55). Die IVB tätigte wiederum berufliche und medizi- nische Erhebungen. Auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; act. II 79) holte sie ein polydisziplinäres Gutachten bei der C.________, Polydisziplinäre Begutachtungsstelle MEDAS, ein (Expertisen und polydisziplinäre Gesamtbeurteilung vom 16. Oktober 2023 [act. II 99.1- 5]). Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2023 (act. II 100) stellte die IVB dem Versicherten die Abweisung des Begehrens um IV-Leistungen man- gels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens in Aussicht. Damit zeig- te sich der Versicherte nicht einverstanden (act. II 103). Nach Rücksprache mit dem RAD (act. II 105) verfügte die IVB am 21. März 2024 dem Vorbe- scheid entsprechend (act. II 106). B. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 6. Mai 2024 Beschwerde mit den folgenden Rechtsbegehren: 1. Die Verfügung vom 21. März 2024 sei aufzuheben.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -3- 2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verurteilen, dem Beschwerdeführer ab dem 1. April 2023 eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter: Die Angelegenheit sei zur Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeit- verfahrens und zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 3. Dem Beschwerdeführer sei für das vorliegende Verfahren die unent- geltliche Rechtspflege zu gewähren -unter Kosten- und Entschädigungsfolge- Mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2024 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -4- i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 21. März 2024 (act. II 106). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der IV. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Ren- te, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -5- arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Ein- gliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1 bis und 1 ter nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1bis IVG). 2.3 2.3.1Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades be- reits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die versicherte Person darin glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (vgl. Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversi- cherung [IVV; SR 831.201]). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Leistungsanspruch sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (vgl. BGE 149 V 177 E. 4.7 S. 184). Diese Eintretensvoraussetzung soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darle- genden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1 S. 112; Urteil des Bundesgerichts [BGer] 8C_661/2022 vom 26. Juni 2023 E. 3.6.2, nicht publ. in: BGE 149 V 177, aber in: SVR 2023 IV Nr. 52 S. 177). Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsgesuch ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali- ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass der Invali- ditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän- derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) Invali- dität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117, I 822/06 E. 2.1). 2.3.2Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -6- den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son- dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs ein getreten ist (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 2.3 S. 10; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 109, 8C_280/2020 E. 3.1). 2.3.3Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali- ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan- meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate- riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b). 2.3.4Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren- tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag- gebenden Tatsachenspektrums, neu und ohne Bindung an frühere Invali- ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 109, 8C_280/2020 E. 3.1). 2.4Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie er zielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 2.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -7- und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV Nr. 54 S. 180, 9C_540/2020 E. 2.3). 3. 3.1Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung vom Okto- ber 2022 (act. II 55) eingetreten und hat den Leistungsanspruch materiell geprüft. Praxisgemäss ist die Eintretensfrage durch das Gericht daher nicht zu beurteilen (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Seit der letzten rechtskräftigen Verneinung des Rentenanspruchs (Verfügung vom 1. März 2018 [act. II 40]) ist in psychiatrischer Hinsicht eine wesentliche Änderung des medizinischen Sachverhalts eingetreten in Form einer erstmals diagnosti- zierten Anpassungsstörung. Die affektive Symptomatik besteht im deutli- chen Ausmass seit Mitte 2022 (act. II 99.5 S. 20 Ziff. 8.3). Deshalb ist der Leistungsanspruch vorliegend in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht all- seitig zu prüfen (vgl. E. 2.3.4 hiervor). 3.2Zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit finden sich in den Akten insbesondere folgende Angaben: 3.2.1Dipl. Ärztin D.________, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, von der Klinik E.________ diagnostizierte im Bericht vom 14. Juni 2022 (act. II 65 S. 3 f.) eine aktivier- te Pseudarthrose zwischen Os trigonum und Talus links mit Synovitis und Erguss im OSG dorsal, freie Gelenkkörper anterolaterales OSG, anteriorer OSG Impingementsituation mit osteophytären Anbauten ventrale distale Tibiakante sowie nebenbefundlich kleinem dorsalem Fersensporn sowie Pes planovalgus beidseits (S. 3). Wahrscheinlich liege eine chronische Zerrung des Ligamentum interosseum und zervikale vor bei wahrscheinlich chronischer Fehlhaltung/Fehlbelastung. Sie habe den "Befund" im Vorfuss-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -8- bereich gepolstert. Hiermit könne der Beschwerdeführer besser belasten. Nach der Entfernung der Warze durch den Hausarzt oder den Dermatolo- gen werde sie eine diagnostisch/therapeutische Infiltration in das OSG links durchführen, um die Hauptursache der Beschwerdesymptomatik zu detek- tieren (S. 4). Im Bericht vom 3. Oktober 2022 (act. II 65 S. 1 f.) führte dipl. Ärztin D.________ aus, der Beschwerdeführer komme mit unveränderten Schmerzen im Bereich des Vorfusses links. Hier bestehe immer noch die Hyperkeratose, die zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr eindeutig varikös aussehe (S. 1). Der dorsale Impingement-Test sei positiv und es bestehe eine Druckdolenz über dem OSG und USG sowie über dem ventralen late- ralen OSG. Sie habe unter sterilen Kautelen eine diagnosti- sche/therapeutische intraartikuläre Injektion in das linke OSG dorsal durch- geführt. Im Vorderfussbereich müsse eine Entfernung der Verhornung dis- kutiert werden (S. 2). 3.2.2Der Hausarzt, Dr. med. F.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 8. Dezember 2022 (act. II 68 S. 1 ff.) aus, der Gesundheitszustand sei stationär. Das Hauptproblem sei weiterhin die Acne vulgaris und inversa, Hidradenitis suppurativa. Als Nebenprobleme fungierten die Depression sowie die Fussschmerzen links (S. 1). Der Be- schwerdeführer habe immer wieder sehr schmerzhafte eitergefüllte Schwel- lungen an diversen Körperstellen. Der Beschwerdeführer habe leider viel Erfahrung mit seiner Hautkrankheit und steche die Abszesse meist selber auf. Aufgrund dieser Erkrankung schätze er die Arbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers als nicht gegeben oder schwer eingeschränkt ein (0-30 %). Eine körperlich anstrengende Tätigkeit sei nicht zumutbar. Von Vorteil wäre eine Arbeit, bei der keine fixen Arbeitszeiten vorgegeben sei- en, so dass der Beschwerdeführer sein Pensum/seinen Einsatzplan den jeweils vorherrschenden Beschwerden (Abszessen) anpassen könne. Auch eine wechselnde Körperstellung wäre von Vorteil mit Sitzen, Stehen und Gehen (S. 2). 3.2.3Im polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom 16. Oktober 2023 (act. II 99.1-5) stellten die Gutachter nach Untersuchungen in den Fachbe-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -9- reichen Allgemeine Innere Medizin, Dermatologie, Orthopädie sowie Psychiatrie folgende Diagnosen (act. II 99.1 S. 4 f.): Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Acne inversa/Hidradenitis suppurativa, occipital, Wangen bds., axillar bds., inguinal bds., Oberschenkel bds. und gluteal, Hurley III (ICD-10: L73.2) 2. Adipositas BMI 39.4 kg/m 2 3. Verdacht auf arterielle Hypertension 4. Pseudarthrose Os trigonum ohne relevante Belastungsminderung 5. Beginnende Aufbrauchveränderungen der vorderen Anteile des linken OSG 6. Psychische und Verhaltensstörungen durch Nikotin: Missbrauch 7. Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabis: Riskanter Kon- sum Dr. med. G.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im allgemeinmedizinischen Teilgutachten (act. II 99.2) aus, es bestehe wahr- scheinlich eine ungenügende medizinische Versorgung, was aber keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (S. 11 Ziff. 7.1). Dr. med. H.________, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, legte im dermatologischen Teilgutachten (act. II 99.3) dar, im vorliegenden Fall finde sich beim Beschwerdeführer ein unbehandelter subakuter Residualzu- stand. Es bestehe eine ausgedehnte Acne inversa occipital, Wangen bds., axillar bds., inguinal bds., Oberschenkel bds. und gluteal, Hurley Grad III, jedoch ohne bewegungseinschränkende Narbenstränge. Insofern bestehe derzeit eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte Büroarbeiten, mit abwechseln- dem Stehen oder Sitzen, was der angestammten Tätigkeit entspreche. Es bleibe allerdings spekulativ, wie sich die Arbeitsfähigkeit unter einer konkre- ten beruflichen Belastung entwickeln werde. Es sei anzunehmen oder zu spekulieren, dass sich dadurch die Erkrankungsaktivität erhöhen könnte und je nach Lokalisation die Arbeitsfähigkeit dann zumindest vorüberge- hend unter einer dann wiederaufzunehmenden Behandlung (1-2 Wochen) eingeschränkt sein dürfte. Insofern würde es dann eine Neubeurteilung und gegebenenfalls Anpassung der Arbeitsfähigkeit erfordern. Generell könne bezüglich Therapiemöglichkeiten angemerkt werden, dass diese, obwohl Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -10- schon vieles ausprobiert worden sei, noch nicht gänzlich ausgeschöpft sei- en. Eine Therapie mit TNF-alpha-Blockern wie Humira und IL-17A- Antikörper wie Cosentyx sei zwar angedacht, laut Akte aber vom Be- schwerdeführer abgelehnt worden (S. 11 Ziff. 6.1). Eine Acne inversa stelle generell eine lebensbeeinträchtigende Erkrankung dar, gerade wenn sie wie im vorliegenden Fall sehr ausgedehnt sei. Dass es dadurch zwangsläu- fig und aus Schamgefühl zu psychischen Veränderungen und Zurückgezo- genheit kommen könne, liege auf der Hand. Andererseits sei vom Be- schwerdeführer in den letzten Jahren keine fachärztliche Betreuung und Behandlung in Anspruch genommen worden, die das Leiden oder die Er- krankung möglicherweise gebessert hätten, um wieder in ein "normales" Arbeits- und Alltagsleben integriert werden zu können (S. 11 f. Ziff. 6.2). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ohne Einschränkung der Leistungsfähigkeit (S. 13 Ziff. 8.1). Dr. med. I.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates, führte im orthopädischen Teilgutachten (act. II 99.4) aus, beim Beschwerdeführer bestünden initiale Aufbrauchver- änderungen im Bereich des linken OSG, aktuell ohne Zeichen einer klinisch relevanten Entzündung oder objektiv zu begründender Belastungsminde- rung. Allerdings sollten, um einer progredienten Arthrose vorzubeugen, überwiegend stehende Tätigkeiten ausgeschlossen werden (S. 14 Ziff. 7.1). Angesichts der in der Bildgebung dargestellten nur geringfügigen Verände- rungen sei die Benutzung von Gehstützen aktuell nicht auf Befunde ab- stützbar; der Gebrauch von Gehstützen sei fachorthopädisch somit nicht begründbar. Des Weiteren stehe die seitengleiche Bemuskelung beider Beine und vorallem die seitengleiche Sohlenbeschwielung in ausgeprägtem Gegensatz zur dargebotenen Nichtbelastbarkeit des linken Beines, dies nun vorgeblich schon seit über einem Jahr (S. 13 Ziff. 6.2). Es bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit seit jeher (S. 14 Ziff. 8). Im psychiatrischen Teilgutachten (act. II 99.5) berichtete Dr. med. J.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am Tag der Un- tersuchung habe eine frustriert-verbitterte Gestimmtheit auf Basis einer überdauernden Dysphorie dominiert, die mit formalen Denkstörungen, Zu- kunftsängsten und Schlafstörungen verbunden gewesen sei (S. 15 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -11- Ziff. 6.1). Die vom Beschwerdeführer berichtete Symptomatik umfasse eine primär frustriert-verbitterte Gestimmtheit, jedoch keine eigentlich depressi- ve Stimmung. Es handle sich um eine sekundäre psychische Störung auf- grund der Dermatose (S. 16 Ziff. 6.3.2). Die Verbesserung des psychischen Befindens sei direkt abhängig von einer Verbesserung der körperlichen Beschwerden (S. 17 Ziff. 7.1). Der Beschwerdeführer könne in der bisheri- gen Tätigkeit 8.5 Stunden pro Tag anwesend sein. Es bestehe eine Ein- schränkung von 20 % bei Anpassung an Regeln und Routinen, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Widerstands- und Durchhaltefähigkeit. Diese Arbeitsfähigkeit bestehe überwiegend wahrscheinlich seit Mitte 2022. Eine optimal-adaptierte Tätigkeit würde derzeit auf einen regelmässigen über- mässigen Kontakt mit Kunden und Mitarbeitern verzichten. Zudem sollte die Möglichkeit bestehen, für kurze zusätzliche Pausen. In einer solchen Tätigkeit bestehe eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit (S. 17 f. Ziff. 8.1 ff.). Zur Veränderung hielt der Gutachter fest, aktuell sei erstmalig eine Anpas- sungsstörung zu diagnostizieren. Es sei retrospektiv von einem Bestehen der affektiven Symptomatik seit 2017, in wohl stärkerem Ausmass seit 2018 und deutlichem Ausmass seit 2022 auszugehen. Überwiegend wahr- scheinlich wirke sich die Veränderung seit Mitte 2022 auf die Arbeitsfähig- keit aus (S. 20 Ziff. 8.3). In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung legten die Gutachter zur Ar- beitsfähigkeit (act. II 99.1) dar, in der bisherigen Tätigkeit könne der Be- schwerdeführer 8.5 Stunden am Tag anwesend sein. Es bestehe eine Ar- beitsfähigkeit von 80 % bzw. eine Einschränkung von 20 % bei Anpassung an Regeln und Routinen, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Wider- stands- und Durchhaltefähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit – mit Ver- zicht auf einen regelmässigen übermässigen Kontakt mit Kunden und Mit- arbeitern sowie der Möglichkeit für kurze zusätzliche Pausen – bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 5 f. Ziff. 4.5 f.). Medizinisch notwendig sei jedoch nach wie vor das Beenden des Rauchens und eine Gewichtsreduk- tion sowie vorallem und gerade jetzt im subakuten Residualzustand, eine radikale operative Entfernung aller Acne inversa-herde mit Sekundärhei- lung, um die Chance einer Heilung nicht zu verpassen. Diese Therapie- empfehlung habe aber keine Bedeutung für die Beurteilung der Arbeits-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -12- fähigkeit resp. diene dazu, die Arbeitsfähigkeit weiterhin zu erhalten (S. 7 Ziff. 4.8). 3.2.4Der Hausarzt, Dr. med. F.________ führte im Bericht vom 22. De- zember 2023 (act. II 103 S. 3) aus, der Beschwerdeführer sei geplagt und gezeichnet von seiner Erkrankung, der Acne vulgaris und inver- sa/Hidradenitis suppurativa. Der Beschwerdeführer habe einige Fotografien gemacht, welche er mit Einwilligung des Beschwerdeführers mitschicken könne. Es gehe ihm darum, einen Einblick in den Alltag der Acne suppura- tiva zu zeigen. 3.3Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -13- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2020 IV Nr. 71 S. 246, 8C_260/2020 E. 2.2). 3.4 3.4.1Die Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung vom 21. März 2024 (act. II 106) auf das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS vom 16. Oktober 2023 samt Teilgutachten (act. II 99.1-5) gestützt. Diese erfüllen die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Be- weiswert einer Expertise gestellten Anforderungen und überzeugen. Insbe- sondere basieren die Beurteilungen auf umfassenden Untersuchungen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden und wurden in Kenntnis und nach Auseinandersetzung mit den Vorakten erstattet. Sie leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Folglich kommt dem Gutachten voller Beweis- wert zu (vgl. E. 3.3 hiervor). 3.4.2In dermatologischer Hinsicht leidet der Beschwerdeführer unbestrit- tenermassen seit Jahren an einer ausgedehnten Acne inversa. Es erfolgten multiple Behandlungsversuche konservativer Art mit Medikamenten sowie chirurgisch in Form von Inzisionen und Exzisionen (act. II 99.3 S. 9 Ziff. 6.1). Der dermatologische Gutachter, Dr. med. H.________, legte nachvollziehbar und überzeugend dar, dass im Begutachtungszeitpunkt ein unbehandelter subakuter Residualzustand bestand ohne bewegungsein- schränkende Narbenstränge und in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit vorlag (act. II 99.3 S. 11 Ziff. 6.1, S. 13 Ziff. 8.1). Soweit der Beschwerdeführer vorbringt (Beschwerde S. 4 f. Ziff. 2 f.), die Gutachter widersprächen sich bezüglich der Arbeitsfähigkeit, kann dem nicht gefolgt werden. Der dermatologische Gutachter legte schlüssig dar, dass aufgrund der Acne inversa während der letzten fünf Jahre vor der Begutachtung und auch zur Zeit der Begutachtung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorlag (act. II 99.3 S. 13 Ziff. 8.1). Des Weiteren stellten der dermatologische Gutachter bzw. die Gutachter im interdisziplinären Konsens unmissverständlich klar, dass die Therapieempfehlung keine Be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -14- deutung für die Arbeitsfähigkeit hat, resp. dazu dient, die Arbeitsfähigkeit weiterhin zu erhalten (act. II 99.3 S. 11 Ziff. 6.1, 99.1 S. 7 Ziff. 4.8). Infolge- dessen musste die Beschwerdegegnerin – entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers (Beschwerde S. 6 Ziff. 6) – kein Mahn- und Bedenk- zeitverfahren durchführen (vgl. SVR 2017 IV Nr. 72 S. 222, 8C_5/2017 E. 5.3). Soweit der dermatologische Gutachter ausführte, es sei anzunehmen oder zu spekulieren, dass sich die Erkrankungsaktivität unter einer beruflichen Belastung erhöhen könnte und die Arbeitsfähigkeit je nach Lokalisation dann zumindest vorübergehend unter einer dann wiederaufzunehmenden Behandlung (1-2 Wochen) eingeschränkt sein dürfte (act. II 99.3 S. 11 Ziff. 6.1), kann der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten (vgl. Beschwerde S. 5 Ziff. 3). Entscheidend ist, dass die Arbeits- fähigkeit bei Erlass der angefochtenen Verfügung nicht eingeschränkt ge- wesen ist, eine Verschlechterung unter einer beruflichen Belastung rein spekulativ ist und die Therapieoptionen überdies bei weitem nicht ausge- schöpft sind. Sollte sich die Acne inversa in Zukunft verschlechtern und auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, wäre dies im Rahmen einer Neuanmeldung zu beurteilen. An der attestierten vollen Arbeitsfähigkeit ändert nichts, dass die Acne in- versa – wie vom dermatologischen Gutachter plausibel dargelegt – ausge- dehnt und lebensbeeinträchtigend ist und es dadurch zwangsläufig und aus Schamgefühl zu Zurückgezogenheit kommen kann (act. II 99.3 S. 11 Ziff. 6.2). Im Zusammenhang mit der vom Beschwerdeführer gegenüber dem Gutachter erwähnten Wundversorgung von mehreren Stunden täglich hat dieser schlüssig dargelegt, dass der angegebene aufwendige Ver- bandswechsel – bei der Begutachtung fanden sich ein etwas eitriges tin- giertes kleines Pflaster axillär links sowie trockene Pflaster am Unterbauch sowie am proximalen Oberschenkel – schwer nachvollziehbar ist (act. II 99.3 S. 10 Ziff. 6.1). Bei nach wie vor erhaltener vollständiger Ar- beitsfähigkeit erübrigt sich schliesslich die Prüfung der Frage der Zumut- barkeit der Behandlung mit TNF-alpha-Blockern wie Humira (vgl. Be- schwerde S. 5 Ziff. 5; Akten des Beschwerdeführers [act. I] 3, act. II 99.3 S. 11 Ziff. 6.1). Abgesehen davon bestehen auch noch andere Thera-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -15- piemöglichkeiten. Insbesondere im subakuten Residualzustand wäre gemäss der schlüssigen Einschätzung des dermatologischen Gutachters eine radikale operative Entfernung aller Acne inversa-Herde mit Sekundär- heilung angezeigt. Zudem sind das Beenden des Rauchens und eine Ge- wichtsreduktion nach wie vor medizinisch notwendig (act. II 99.3 S. 11 Ziff. 6.1). Ob ein Rauchstopp und eine Gewichtsreduktion dem Beschwer- deführer zumutbar sind (vgl. Beschwerde S. 5 Ziff. 4), kann angesichts der attestierten vollen Arbeitsfähigkeit ebenfalls offen gelassen werden. 3.4.3In orthopädischer Hinsicht ist keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen. Bei den Beschwerden im Bereich des linken OSG handelt es sich um initiale Aufbrauchveränderungen, im Begutach- tungszeitpunkt ohne Zeichen einer klinisch relevanten Entzündung oder objektiv zu begründender Belastungsminderung (act. II 99.4 S. 14 Ziff. 7.1). 3.4.4In psychiatrischer Hinsicht liegt gestützt auf die Beurteilung des Gutachters Dr. med. K.________ aufgrund einer Anpassungsstörung eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bzw. eine volle Ar- beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vor (act. II 99.5 S. 17 f. Ziff. 8.1 ff.). Eine Indikatorenprüfung (BGE 141 V 281) ist entbehrlich, da mangels einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % von vornherein kein An- spruch auf eine Invalidenrente besteht (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG; vgl. E. 2.3 hiervor). Überdies ist fraglich, ob überhaupt ein invalidisierender Gesund- heitszustand vorliegen würde. 3.4.5Schliesslich ändert nichts an der schlüssigen Einschätzung der Gutachter, dass der Hausarzt Dr. med. F.________ aufgrund der Acne Inversa und der von ihm (fachfremd) diagnostizierten Depression von einer nicht gegebenen oder schwer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit (0-30 %ige Arbeitsfähigkeit; act. II 68 S. 2) ausgeht. Diesbezüglich hat das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte mitunter im Hin- blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 78, 8C_616/2014 E. 5.3.3.3). Auch die Eingabe des Hausarztes vom 22. Dezember 2023 samt den Fotos (act. II 103) ist nicht geeignet, die überzeugenden Schlussfolgerungen der Gutachter in Zweifel zu ziehen, werden darin doch keine anderweitigen wichtigen Aspekte ge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -16- nannt, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt ge- blieben wären (SVR 2021 IV Nr. 10 S. 27, 9C_672/2019 E. 5.7, 2019 UV Nr. 31 S. 116, 8C_835/2018 E. 3). 3.4.6Zusammenfassend bestand gestützt auf das polydisziplinäre Gut- achten der MEDAS vom 16. Oktober 2023 samt Teilgutachten (act. II 99.1- 5) im Begutachtungszeitpunkt in einer angepassten Tätigkeit eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit (act. II 99.1 S. 6 Ziff. 4.6). 4. Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 21. März 2024 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab- hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule- gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden ent- sprechend dem Ausgang des Verfahrens – vorbehältlich der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. E. 5.3 hiernach) – dem Beschwerde- führer zur Bezahlung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). 5.2Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par- teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). 5.3Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. 5.3.1Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts- begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -17- gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti- gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61, 9C_432/2010 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 21, 8C_22/2010 E. 6.1). 5.3.2Da die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers mit Blick auf die doku- mentierten finanziellen Verhältnisse (act. I 6 ff.) ausgewiesen ist, das Ver- fahren nicht zum vornherein als aussichtslos erschien und die anwaltliche Verbeiständung geboten ist, sind die Voraussetzungen für die Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege erfüllt. Das entsprechende Gesuch des Beschwerdeführers ist somit gutzuheissen und es ist ihm Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt beizuordnen. 5.4Festzusetzen bleibt das amtliche Honorar von Rechtsanwalt B.________. Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestell- ten Anwältinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streit- sache und die Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwertsteuer (MWST) werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen für die Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechts- pflege sind nach den gleichen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. Art. 1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung der amtlichen Anwältinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stundenansatz Fr. 200.--. Mit Kostennote vom 31. Juli 2024 macht Rechtsanwalt B.________ ein Honorar von Fr. 3'000.-- (12 à Fr. 250.--) zuzüglich Auslagen von Fr. 56.30 und MWST von Fr. 247.55 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Dem- nach wird der tarifmässige Parteikostenersatz auf Fr. 3'303.85 festgesetzt. Davon ist Rechtsanwalt B.________ ein amtliches Honorar von Fr. 2'400.-- (12 à Fr. 200.--) zuzüglich Auslagen von Fr. 56.30 und MWST von Fr. 199.--, total eine Entschädigung von Fr. 2'655.30 auszurichten. Vorbe- halten bleibt die Nachzahlungspflicht des Beschwerdeführers gegenüber dem Kanton Bern entsprechend den Voraussetzungen von Art. 113 VRPG Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -18- i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezem- ber 2008 (ZPO; SR 272). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt wird gutgeheissen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird der Beschwerdeführer – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht von Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Der tarifmässige Parteikostenersatz des amtlichen Anwalts wird in die- sem Verfahren auf Fr. 3'303.85 (inkl. Auslagen und MWST) festge- setzt. Davon wird Rechtsanwalt B.________ nach Eintritt der Rechts- kraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 2'655.30 festge- setzte Entschädigung (inkl. Auslagen und MWST) vergütet. Vorbehal- ten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO. 6. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2025, IV 200 2024 351 -19- Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.