200 16 1236 KV MAW/LUB/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 8. Mai 2017 Verwaltungsrichter Matti, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Fuhrer, Verwaltungsrichter Scheidegger Gerichtsschreiber Lüthi A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen Sumiswalder Krankenkasse Spitalstrasse 47, 3454 Sumiswald Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 11. November 2016 (Versicherten- nummer: 53587) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1964 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) stellte am 20. Februar 2014 einen Antrag (samt Gesundheitsdeklaration) auf Abschluss einer Taggeldversicherung nach dem Bundesgesetz vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) mit Beginn ab 1. März 2014 und einem versicherten Taggeld von Fr. 200.-- bei der Sumiswalder Krankenkasse (Sumiswalder bzw. Beschwerdegegnerin). In der Gesundheitsdeklaration gab er einen bei der C.________ gemeldeten Unfall vom 31. Oktober 2012 an. Weitere in den letzten fünf Jahren aufge- tretene Krankheiten oder Beschwerden verneinte er. In der Folge liess ihm die Sumiswalder am 26. Februar 2014 eine Aufnahmebestätigung für die Taggeldversicherung mit dem Vorbehalt, dass Leistungen im Zusammen- hang mit dem Unfall vom 31. Oktober 2012 inkl. deren Ursachen und Fol- gen für die Dauer vom 1. März 2014 bis 28. Februar 2019 ausgeschlossen seien, zukommen. Damit erklärte sich der Versicherte am 27. Februar 2014 unterschriftlich einverstanden (Akten der Sumiswalder, Antwortbeilage [AB] 5 unpaginiert). B. Am 20. November 2015 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine wegen eines krankheitsbedingten Rückenleidens seit dem 1. Oktober 2015 bestehende vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit zum Taggeldbezug an (AB 6). Nach dem Einholen medizinischer Unterlagen, insbesondere einer Stellungnahme des Vertrauensarztes (AB 8, unpaginiert), verfügte die Su- miswalder am 27. Juli 2016 (AB 1), die Leistungen würden verweigert, weil die Arbeitsunfähigkeit auf ein Leiden zurückzuführen sei, welches vom for- mulierten Vorbehalt erfasst werde. Am 10. Oktober 2016 teilte sie dem Versicherten zudem mit, es werde rückwirkend für die Dauer vom 1. März 2014 bis 28. Februar 2019 folgende Neuformulierung und Ergänzung des Vorbehaltes vorgenommen: „Leistungen im Zusammenhang des Unfalls vom 31. Oktober 2012 (Schulter Verletzung rechts) inkl. deren Ursachen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 3 und Folgen“, „Halswirbelsäulenschmerzsyndrome [HWS-Schmerz- syndrome] inkl. deren Ursachen (wie Diskopathien und degenerative Ver- änderungen) sowie deren Folgen“, „Anpassungsstörungen inkl. deren Ur- sachen und Folgen“ und „Lendenrückenschmerzsyndrome inkl. deren Ur- sache und Folgen“ (AB 8, unpaginiert und Beschwerdebeilage [BB] 3 S. 3). Eine zwischenzeitlich gegen die Verfügung vom 27. Juli 2016 (AB 1) erho- bene Einsprache wies die Sumiswalder mit Entscheid vom 11. November 2016 (AB 2) ab. Sie stützte sich dabei unter anderem auf eine zusätzlich eingeholte Stellungnahme des Vertrauensarztes vom 4. November 2016 (AB 2), welche sie zum integrierenden Bestandteil des Einspracheent- scheides erklärte. C. Mit Eingabe vom 12. Dezember 2016 erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, Beschwerde. Er lässt beantragen, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihm sei rückwirkend per 1. Okto- ber 2015 ein Krankentaggeld in vertraglich zustehender Höhe auszurichten. Zur Begründung macht er namentlich geltend, die Arbeitsunfähigkeit ab Oktober 2015 stehe nicht im Zusammenhang mit dem Unfall vom 31. Okto- ber 2012. Vielmehr sei diese auf die lumbosacralen Schmerzen und ein chronisches Schmerzsyndrom zurückzuführen. Mit Beschwerdeantwort vom 9. Januar 2017 beantragt die Beschwerde- gegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Die hier zu beurteilende Ar- beitsunfähigkeit sei auf verschwiegene und den nachträglichen Vorbehalten unterliegende Leiden zurückzuführen. Zudem wäre von einem Taggeld von Fr. 75.-- und nicht Fr. 200.-- auszugehen. Mit Replik vom 10. Februar 2017 präzisiert der Beschwerdeführer, er gehe von einem Taggeld von Fr. 75.-- aus. Weiter bringt er vor, er habe die Ge- sundheitsdeklaration korrekt ausgefüllt, denn er habe weder im damaligen Zeitpunkt noch in den vorangegangenen fünf Jahren krankheitsbedingte HWS-Probleme gehabt und auch nicht unter Problemen im Bereich der Brust- bzw. Lendenwirbel gelitten. Die nachträglichen Vorbehalte seien deshalb rechtswidrig.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 4 Mit Duplik vom 22. Februar 2017 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 11. Novem- ber 2016 (AB 2). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerde- führers auf Taggeldleistungen aus der freiwilligen Taggeldversicherung nach KVG ab 1. Oktober 2015. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 5 2. 2.1Wer in der Schweiz Wohnsitz hat oder erwerbstätig ist und das 15., aber noch nicht das 65. Altersjahr zurückgelegt hat, kann bei einem Versi- cherer nach Artikel 68 KVG eine Taggeldversicherung abschliessen (Art. 67 aAbs. 1 KVG in der bis 31. Dezember 2015 gültigen Fassung). 2.2Nach Art. 69 KVG können die Versicherer im Bereich der freiwilligen Taggeldversicherung Krankheiten, die bei der Aufnahme bestehen, durch einen Vorbehalt von der Versicherung ausschliessen. Das gleiche gilt für frühere Krankheiten, die erfahrungsgemäss zu Rückfällen führen können (Abs. 1). Der Versicherungsvorbehalt fällt spätestens nach fünf Jahren da- hin. Die Versicherten können vor Ablauf dieser Frist den Nachweis erbrin- gen, dass der Vorbehalt nicht mehr gerechtfertigt ist (Abs. 2). Der Versiche- rungsvorbehalt ist nur gültig, wenn er der versicherten Person schriftlich mitgeteilt wird und die vorbehaltene Krankheit sowie Beginn und Ende der Vorbehaltsfrist in der Mitteilung genau bezeichnet sind (Abs. 3). Bei einer Erhöhung des versicherten Taggeldes und bei einer Verkürzung der Warte- frist gelten die Absätze 1 bis 3 sinngemäss (Abs. 4). 2.3Im Sozialversicherungsrecht kannte namentlich das bis Ende 1995 gültig gewesene Bundesgesetz über die Kranken- und Unfallversicherung (KUVG) einen dem heutigen Art. 69 KVG entsprechenden Vorbehalt aus gesundheitlichen Gründen (Art. 5 Abs. 3 KUVG). Hatte die Kasse bei der Aufnahme keinen Vorbehalt angebracht, so durfte sie nach der Rechtspre- chung einen solchen später nicht mehr verfügen, es sei denn, der Gesuch- steller hatte in schuldhafter Weise eine bestehende oder eine vorher be- standene, zu Rückfällen neigende Krankheit nicht angezeigt. Mit dem An- bringen eines rückwirkenden Vorbehalts sollte im Falle einer nachträglich entdeckten Anzeigepflichtverletzung die gesetzliche Ordnung in der Weise wiederhergestellt werden, wie sie vom Versicherten hätte hingenommen werden müssen, wenn er bei der Aufnahme wahrheitsgemässe und vollständige Angaben über seinen Gesundheitszustand gemacht hätte (BGE 130 V 14 E. 4.3). Diese Grundsätze wurden unverändert in das neue Recht übernommen (BBl 1992 I S. 200 f. und 279). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 6 3. 3.1Die Beschwerdegegnerin geht im angefochtenen Einspracheent- scheid vom 11. November 2016 basierend auf dem Bericht des Vertrau- ensarztes vom 4. November 2016 davon aus, dass die zu beurteilende Arbeitsunfähigkeit auf verschwiegenen und nachträglich vermerkten, Vor- behalten unterliegenden Leiden zurückzuführen sei (AB 2). Zu prüfen ist daher, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgegangen ist, dass der Beschwerdeführer in der Gesundheitserklärung vom 20. Februar 2014 (AB 5 unpaginiert) nicht auf Umstände hinwies, welche die mit Schreiben vom 10. Oktober 2016 (AB 8 unpaginiert) angebrachten Versicherungsvor- behalte, die im angefochtenen Einspracheentscheid erneut aufgelistet wur- den, zur Folge hätte haben können. Zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ist den Akten im Wesentlichen das Folgende zu entnehmen: 3.1.1Dr. med. D.________, Facharzt für Neurologie, hielt im Bericht vom 14. April 2014 (AB 8 unpaginiert) als Diagnose den Verdacht auf leichte Neuropathie des Nervus ulnaris am Ellenbogen rechts fest (S. 1) fest. Die subjektiv sehr beeinträchtigenden Beschwerden im Bereich der rechten Schulter fänden klinisch-neurologisch kein Korrelat. Die Gefühlsstörungen im Bereich des rechten Unterarms und der Hand, die seit dem Unfall be- stehen würden, liessen sich am ehesten einer leichten Neuropathie des N. ulnaris im Ellenbogenbereich zuordnen. Elektroneurographisch habe diese Verdachtsdiagnose nicht eindeutig bestätigt werden können, nervensono- grafisch liege auch „nur“ ein grenzwertiger Befund vor. Traumafolgen seien hier nicht erkennbar. Gemäss schriftlichem Befund einer MRI der HWS vom 17. Dezember 2013 bestünden offensichtlich Veränderungen mit Af- fektion der Nervenwurzeln C7 bds. (S. 2). 3.1.2Im Bericht des Universitären Notfallzentrums des Spitals E.________ vom 25. April 2014 (AB 8 unpaginiert) diagnostizierten die Dres. med. ________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, und ________, Assistenzärztin, einen Sturz mit Halsaufprall am 24. April 2014 (keine Dissektion, kein Muskelhämatom, leichte diffuse Einblutung in die Subkutis), einen St. n. traumatischer Rotatorenmanschettenruptur März Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 7 2013, eine AC-Gelenksarthrose, einen anterosuperioren Konflikt bei Akro- mion Typ III, eine Bizepstendinopathie Schulter rechts, eine Scapuladyski- nesie Typ I, den Verdacht auf inforaminale Kompression Wurzel C7 bds. und eine Diskopathie C6/7 mit Neurokompression foraminal bds. 3.1.3Dr. med. F.________, Assistenzärztin, und PD Dr. med. N.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vermerkten im Sprechstundenbericht für Schulter, Ellbogen und Sport des Spitals E.________ vom 17. Dezember 2014 (AB 8 unpaginiert) als Diagnosen eine Diskopathie C6/7 mit Neurokompression foraminal bds., eine Scapuladyskinesie Typ II rechts, einen anterosuperio- ren Konflikt bei Akromion Typ III, eine AC-Gelenksarthropathie, eine Bi- zepstendinopathie sowie eine Rotatorenmanschettenruptur (partial SSP, Verdacht Oberrand Subscapularis). Der Patient leide weiterhin unter un- veränderten Nacken-Schulter-Armbeschwerden mit vor allem Ausstrah- lungsschmerzen in den rechten Arm. MR-tomographisch bestehe eine Pa- thologie mit bursaseitiger Partialruptur der Supraspinatussehne sowie ei- nem Akromion Typ III. Jedoch hätten die Schmerzen durch die Infiltration nicht beeinflusst werden können, weshalb eine Supraspinatussehnennaht sowie subakromiale Dekompression und Bizepstenotomie mit einer doch beachtlichen Wahrscheinlichkeit nicht erfolgreich sein würden und die Be- schwerden kaum bis gar nicht beeinflusst werden könnten. 3.1.4Im Sprechstundenbericht der Wirbelsäulenchirurgie des Spitals E.________ vom 26. Februar 2015 (AB 8 unpaginiert) diagnostizierte PD Dr. med. G.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates, eine Diskopathie C6/7 mit Neurokompres- sion foraminal bds., eine Scapuladyskinesie Typ II rechts, einen antero- superioren Konflikt bei Akromion Typ III, eine AC-Gelenksarthropathie, eine Bizepstendinopathie sowie eine Rotatorenmanschettenruptur (partial SSP, Verdacht Oberrand Subscapularis). Klinisch zeige der Patient deutliche Anzeichen einer Diskopathie C6/7 mit Neurokompression, welche sich auch in den MRI-Aufnahmen von April 2014 zeige. Der Patient beschreibe, dass diese Symptome erst seit dem Unfall im Oktober 2012 zu bemerken seien, somit schienen die HWS-Symptome deutlich mit dem Unfall im Zu- sammenhang zu stehen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 8 3.1.5Der C.________-Kreisarzt Dr. med. H.________, Facharzt für Or- thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, er- klärte im Bericht vom 17. Februar 2015 (AB 8 unpaginiert) über die glei- chentags angesetzte kreisärztliche Untersuchung, zusammenfassend be- stehe eine subjektive Schmerzsymptomatik nach einer Traumatisierung der rechten Schulter anlässlich eines Sturzes beim … am 31. Oktober 2012, wobei die an der Orthopädischen Klinik des Spitals E.________ nachge- wiesene Ruptur der Rotatorenmanschette in Anbetracht der Gesamtsituati- on (kein Ansprechen auf lokale Testinfiltration) nicht operativ anzugehen sei. Klar festzuhalten sei, dass die Pathologie der HWS als unfallfremd zu werten sei. Bei diesem Sachverhalt sei von einem stabilisierten Zustand auszugehen. Es könne folgendes Zumutbarkeitsprofil definiert werden: Ganztägiger Einsatz für administrative Tätigkeiten sowie Überwachungs- funktionen, ebenso leichte körperliche Aktivitäten ohne Einsatz der oberen Extremität rechts für repetitive kraftverlangende Bewegungen ohne Einsatz über der Horizontale. Kein repetitives Heben und Manipulieren mit Lasten über 1 kg isoliert mit der rechten Hand (S. 5 f.). 3.1.6Im Befundbericht vom 11. September 2015 (AB 8 unpaginiert) über die Computertomographie des Abdomens führte Dr. med. O.________, Facharzt für Radiologie, aus, es fänden sich eine ausgeprägte Fetteinlage- rung in der Leber, eine leicht vergrösserte Prostata sowie eine Osteochon- drose LWK 5/SWK 1 und degenerative Hüftgelenksveränderungen rechts. Eine Pathologie der Nieren und ableitenden Harnwegen könne ausge- schlossen werden. 3.1.7PD Dr. med. I.________ und Dr. med. J.________, beides Fachärz- te für Anästhesiologie, diagnostizierten im Bericht des Spitals E.________ vom 14. September 2015 (AB 8 unpaginiert) Zervikobrachialgien rechtsbe- tont (Diskopathie C6/7 mit foraminaler Neurokompression bds.), Schulter- schmerzen rechts (Rotatorenmanschettenruptur, AC-Gelenksarthropathie, anterosuperiorer Konflikt bei Akromion Typ III, Scapuladyskinesie Typ II rechts, St. n. Sturz auf rechte Schulter Oktober 2012), chronische Lum- boischialgien linksseitig (anamnestisch St. n. Diskushernien-OP ca. 2003), Verdacht auf Schlafapnoe (anamnestisch in Abklärung), anamnestisch eine Angstproblematik sowie St. n. depressiver Episode.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 9 3.1.8Am 26. Januar 2016 (AB 8 unpaginiert) nannte der Hausarzt med. pract. K.________, praktizierender Arzt, als Diagnose ein chronisches Schmerzsyndrom. Zur Arbeitsunfähigkeit würden die lumbalen und cervica- len Schmerzen sowie die Schulterschmerzen bds. führen. Des Weiteren leide der Patient an einem Schlafapnoesyndrom und einer Nasenscheide- wanddeviation und an Verzweiflung. Die Arbeitsunfähigkeit vor Oktober 2015 oder im Jahr 2015 bestehe aufgrund der rechtsseitigen Schulter- schmerzen. Aktuell klage der Patient über Schmerzen lumbosacral. 3.1.9Der Vertrauensarzt Dr. med. L.________, Facharzt für Rechtsmedi- zin, führte im Bericht vom 4. November 2016 (AB 2) aus, ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit (Oktober 2015) bis Mai 2016 sei in den vorhandenen Akten ein Schulterschmerzsyndrom kombiniert mit einem HWS-Syndrom bei zervikaler Diskopathie im Vordergrund gestanden. Erst ab Mai 2016 werde in den eingeholten Berichten ein dem Versicherten seit 2003 durch die Operation bekanntes und seither immer wieder rezidivierendes Lenden- rückenschmerzsyndrom als hauptursächlich arbeitsrelevant geltend ge- macht. Für die Zeit ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit bis anfangs Mai 2016 werde diese möglicherweise, aber medizinisch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch ein konkurrierendes HWS-Schmerzsyndrom, wel- ches mit einem nachträglichen Vorbehalt belegt worden sei, mitbedingt. Bei der Arbeitsunfähigkeit ab Anfang Mai 2016 handle es sich um ein Leiden, für welches rückwirkend ein Vorbehalt angebracht worden sei. 3.2In der Gesundheitsdeklaration vom 20. Februar 2014 hat der Be- schwerdeführer als Gesundheitsbeeinträchtigung einzig das Unfallereignis vom 31. Oktober 2012 angegeben und verneinte sowohl sich in den letzten drei Jahren in Behandlung befunden bzw. sich Abklärungen unterzogen zu haben als auch in den letzten fünf Jahren Krankheiten oder Beschwerden, so insbesondere des Nervensystems oder der Psyche und der Muskeln, Knochen, Gelenke oder der Wirbelsäule gehabt zu haben (Gesundheitsde- klaration vom 20. Februar 2014 S. 1 Ziff. 4 und 7 lit. c und g; AB 5 unpagi- niert). 3.3Der Aufnahmebewerber hat im Beitrittsgesuch alle gesundheitlichen Tatsachen der Gegenwart oder der Vergangenheit anzugeben, die er kennt oder kennen muss und die für die Beurteilung der Vorbehaltsfrage bedeut-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 10 sam sein können. Die Anzeigepflicht erstreckt sich auch auf wahrgenom- mene Störungen von ernsthaft einzustufender Natur, für welche eine Dia- gnose nicht feststeht oder für welche noch keine ärztliche Hilfe in Anspruch genommen worden ist. Sie ist grundsätzlich im Zeitpunkt der Einreichung der Beitrittserklärung zu erfüllen. Im Fall einer Anzeigepflichtverletzung kann der Versicherer einen rückwirkenden Vorbehalt verfügen (GEBHARD EUGSTER, Die obligatorische Krankenpflegeversicherung, in: ULRICH MEYER [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, So- ziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 837 N. 1449 mit Hinweisen). 3.3.1Was den nachträglich angebrachten Vorbehalt der HWS- Schmerzsyndrome anbelangt, ist dem in den Akten liegenden Bericht von Dr. med. D.________ vom 14. April 2014 (AB 8 unpaginiert) zu entnehmen, dass im Dezember 2013 ein MRI der HWS erstellt worden ist, welches Veränderungen mit Affektion der Nervenwurzeln C7 festgehalten hat. Zu- dem vermerkte Dr. med. H.________ anlässlich der kreisärztlichen Unter- suchung vom 17. Februar 2015 in der Zusammenfassung der Akten, dass nach einem Bericht von PD Dr. med. N.________ vom 29. Januar 2014 der Patient aufgrund der HWS-Beschwerden den Kollegen der Wirbelsäulen- chirurgie vorgestellt werde (AB 8 unpaginiert). Die Angabe des Beschwer- deführers in der Replik, er habe weder im Zeitpunkt des Versicherungsab- schlusses noch in den vorangegangenen fünf Jahren HWS-Probleme ge- habt, treffen damit nicht zu. Insofern hat der Beschwerdeführer in der dem Versicherungsantrag beiliegenden Gesundheitsdeklaration unvollständige Angaben gemacht. Er wäre gehalten gewesen, die Beschwerdegegnerin über den Befund der HWS-Abklärungen und die Behandlung in Kenntnis zu setzen, zumal die bildgebende Abklärung einen krankhaften Zustand der HWS hervorgebracht hatte. Die nachträgliche Anbringung des Vorbehalts hinsichtlich der HWS ist daher nicht zu beanstanden. 3.3.2Dasselbe trifft in Bezug auf die Anpassungsstörung und des ent- sprechenden Vorbehalts zu. Aus dem Bericht der kreisärztlichen Untersu- chung von Dr. med. H.________ vom 17. Februar 2015 (AB 8 unpaginiert) geht nämlich hervor, dass sich der Beschwerdeführer im Jahre 2013 in psychiatrischer Behandlung befand und eine Anpassungsstörung mit de- pressiven und ängstlichen Symptomen diagnostiziert wurde. Dies bestätigt Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 11 ebenfalls Dr. med L.________ unter Verweis auf Berichte des Spitals M.________ in seiner Stellungnahme vom 27. September 2016 (AB 8 un- paginiert). Da der Beschwerdeführer diese Behandlung bzw. Beschwerden in der Gesundheitsdeklaration nicht angegeben hat, obwohl er ausdrücklich danach gefragt wurde (vgl. Ziff. 7 lit. c der Gesundheitsdeklaration vom 20. Februar 2014; AB 5 unpaginiert), ist auch dieser nachträglich ange- brachte Vorbehalt nicht zu beanstanden. Unerheblich ist, ob – wie vom Beschwerdeführer vorgebracht – er im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch an einer Anpassungsstörung gelitten hat. Offensichtlich ist, dass zu- mindest in den letzten drei Jahren vor Versicherungsabschluss eine An- passungsstörung, welche zur Beurteilung eines Vorbehalts durchaus be- deutsam sein kann, diagnostiziert und somit eine Abklärung bzw. Behand- lung statt gefunden hat. 3.3.3Im Zusammenhang mit dem ebenfalls nachträglich angebrachten Vorbehalt der Lendenrückschmerzsyndrome (inkl. deren Ursachen und Folgen) geht aus den medizinischen Akten einzig hervor, dass sich der Beschwerdeführer ca. im Jahre 2003 einer Diskushernien-Operation unter- ziehen musste. So wurden im Bericht von Dr. med. D.________ vom 14. April 2014 und den Berichten des Spitals E.________ vom 14. Sep- tember und 30. Oktober 2015 (alle AB 8 unpaginiert) anamnestisch eine Rücken-Operation (LWS) bzw. ein St. n. Diskushernien-Operation ca. im Jahr 2003 aufgeführt. Medizinische Berichte, die sich auf in den fünf Jahren vor Versicherungsabschluss aufgetretene Lendenrückenbeschwerden be- ziehen, finden sich jedoch keine in den Akten. Insbesondere fehlt auch ein entsprechender Hinweis im erwähnten Bericht von Dr. med. D.________ vom 14. April 2014 (AB 8 unpaginiert), wie er hinsichtlich der HWS- Problematik angemerkt wurde. Ob der Beschwerdeführer in der fraglichen Zeit ernsthaft einzustufende Beschwerden an der Lendenwirbelsäule hatte, welche er der Beschwerdegegnerin hätte anzeigen müssen, ist unklar. In Anbetracht dieser Umstände kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden, ob der Vorbehalt betreffend die Lendenwirbelsäule zur Recht nachträglich angebracht wurde, weshalb insoweit Abklärungsbedarf besteht.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 12 3.4Sodann ist auch nicht klar, ob überhaupt eine Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf die Lendenwirbelsäulenproblematik bestanden hat, die – vor- behältlich eines diesbezüglich rechtmässig angebrachtem Vorbehalts we- gen Anzeigepflichtverletzung (vgl. E. 3.3.3 hiervor) – eine Leistungspflicht des Taggeldversicherers hätte auslösen können. Wie der Vertrauensarzt in seinem Bericht vom 4. November 2016 (AB 2) zutreffend ausführte, stand zu Beginn der Arbeitsunfähigkeit (Oktober 2015) ein Schulterschmerzsyn- drom kombiniert mit einem HWS-Schmerzsyndrom bei zervikaler Diskopa- thie im Vordergrund (AB 2). In der Taggeldkarte vom 27. Oktober 2015 (Ausstelldatum des Versicherers; AB 8 unpaginiert) attestierte med. pract. K.________ dem Beschwerdeführer vom 1. Oktober bis 1. Dezember 2015 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit. Eine Diagnose führte er nicht auf. Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin gab er dann im Be- richt vom 26. Januar 2016 (AB 8 unpaginiert) als zur Arbeitsunfähigkeit führende Leiden Schmerzen lumbal und cervical sowie Schulterschmerzen bds. an. In einer weiteren Taggeldkarte vom 7. März 2016 (Ausstelldatum des Versicherers; AB 7) vermerkten die behandelnden Ärzte als Diagnose einzig ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom. 3.5Nach dem Dargelegten erweist sich der rechtserhebliche Sachver- halt hinsichtlich des Vorbehalts der Lendenrückenschmerzsyndrome und einer allenfalls aus dieser Gesundheitsstörung resultierenden Arbeitsun- fähigkeit als ungenügend abgeklärt. In teilweiser Gutheissung der Be- schwerde ist der angefochtene Einspracheentscheid der Sumiswalder vom 11. November 2016 (AB 2) insoweit aufzuheben und die Sache an die Be- schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie – nach Vornahme der Ab- klärungen im Sinne der Erwägungen (vgl. E. 3.3.3 und 3.4 hiervor) – über den Krankentaggeldanspruch neu verfüge. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG sind keine Verfahrenskosten zu erheben.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 13 4.2Nach der Rechtsprechung hat die beschwerdeführende Partei bei teilweisem Obsiegen mindestens Anspruch auf eine reduzierte Parteien- tschädigung (BGE 110 V 54 E. 3a S. 57; SVR 2003 EL Nr. 5 S. 14 E. 4.1). Rechtsanwalt B.________ macht mit Kostennote vom 10. März 2017 ein Honorar von Fr. 2‘240.-- sowie Auslagen von Fr. 148.70 und Mehrwert- steuer von 8 % im Betrag von Fr. 191.10, ausmachend total Fr. 2‘579.80, geltend. Mit Blick auf das teilweise Obsiegen des Beschwerdeführers wird ihm ein Beitrag von pauschal Fr. 1‘200.-- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu- gesprochen; diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerde- führer zu ersetzen. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Ein- spracheentscheid der Sumiswalder vom 11. November 2016 soweit den Vorbehalt der Lendenrückenschmerzsyndrome und einer allenfalls aus dieser Gesundheitsstörung resultierenden Arbeitsunfähigkeit be- treffend aufgehoben, und die Sache an die Verwaltung zurückgewie- sen, damit sie – nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwä- gungen – neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer einen Betrag an die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 1‘200.-- (inkl. Auslagen und MWSt.), zu bezahlen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Mai 2017, KV/16/1236, Seite 14 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - Sumiswalder Krankenkasse - Bundesamt für Gesundheit Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.