<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 99 S.424</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">424</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>99</b></span> <span class="ft2"><b>Abzüge vom Roheinkommen; Geschäftsverluste (§ 24 lit. b Ziff. 3 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Das Abbrechen einer Tätigkeit, bevor daraus Erträge fliessen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schliesst die Qualifikation als selbstständige Erwerbstätigkeit nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aus.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">17. August 2000 in Sachen B., RV.1998.50040/K 5258</span><br/> <br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Streitig ist, ob ein Verlust von Fr. 34'175.-- aus selbstständi-</span><br/> <span class="ft1">ger Erwerbstätigkeit des Rekurrenten in der Zeit vom 1. Januar -</span><br/> <span class="ft1">9. Oktober 1994 mit den übrigen Einkünften verrechnet werden</span><br/> <span class="ft1">kann. Die Vorinstanz hat dies verneint, im Wesentlichen mit der Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung, eine vollständige Ueberprüfung der angefallenen Un-</span><br/> <span class="ft1">kosten sei aufgrund der abgegebenen Aufzeichnungen nicht möglich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">425</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bzw. aus den Ausgabenbelegen gehe die geschäftsmässige Begrün-</span><br/> <span class="ft1">detheit nicht klar hervor. Es wird ausserdem das Vorliegen einer</span><br/> <span class="ft1">selbstständigen Erwerbstätigkeit verneint, weil keine Umsätze getä-</span><br/> <span class="ft1">tigt worden seien.</span><br/> <span class="ft1">Nach Auffassung der Vertreterin der Rekurrenten liegt eine</span><br/> <span class="ft1">selbstständige Erwerbstätigkeit vor und auch der Verlust sei in einer</span><br/> <span class="ft1">ordnungsgemässen Buchhaltung ausgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">3. vgl. AGVE 2000 S. 420, Ziff. 3</span><br/> <span class="ft1">4. Der Rekurrent ist wegen Umstrukturierungen bei seinem Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitgeber entlassen worden. Sein bisheriger Arbeitgeber hat ihm aber</span><br/> <span class="ft1">die Möglichkeit eingeräumt, den mit seinen veterinärmedizinischen</span><br/> <span class="ft1">Produkten noch nicht bedienten Markt in Osteuropa auf eigene</span><br/> <span class="ft1">Rechnung zu bearbeiten. Der Rekurrent hat in der Folge diese Pro-</span><br/> <span class="ft1">dukte und solche von anderen Lieferanten aus Neuseeland, Frank-</span><br/> <span class="ft1">reich, Belgien, Deutschland und Italien in Rumänien bekannt ge-</span><br/> <span class="ft1">macht, zu Versuchen zur Verfügung gestellt und insbesondere wegen</span><br/> <span class="ft1">der Registrierung mit verschiedenen offiziellen Stellen und örtlichen</span><br/> <span class="ft1">Händlern verhandelt. Die sich abzeichnende Verzögerung der Re-</span><br/> <span class="ft1">gistrierung und seine finanzielle Situation haben ihn dazu gezwun-</span><br/> <span class="ft1">gen, seine Absichten aufzugeben und sich wieder nach einem An-</span><br/> <span class="ft1">stellungsverhältnis umzusehen. Ab dem 10. Oktober 1994 arbeitete</span><br/> <span class="ft1">der Rekurrent bei der L. AG in K.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Der Rechtsdienst des KStA ist der Auffassung, dass keine</span><br/> <span class="ft1">selbstständige Erwerbstätigkeit vorliege, weil der Rekurrent in der</span><br/> <span class="ft1">Zeit vom 1. Januar - 9. Oktober 1994 bei einem Aufwand von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 44'185.35 kein einziges Veterinärmedikament verkauft habe (die</span><br/> <span class="ft1">ausgewiesenen Erlöse von Fr. 10'097.50 resultieren gemäss den An-</span><br/> <span class="ft1">gaben der Vertreterin der Rekurrenten aus "Rückerstattungen von</span><br/> <span class="ft1">Spesen"). Daraus sei ersichtlich, dass dem Rekurrenten das ernstliche</span><br/> <span class="ft1">Streben nach Erzielung von Einkommen gefehlt habe, andernfalls er</span><br/> <span class="ft1">zumindest einige Geschäfte hätte tätigen oder doch immerhin ernst-</span><br/> <span class="ft1">hafte Bemühungen zum Abschluss von Geschäften hätte nachweisen</span><br/> <span class="ft1">können. Der vorliegende Fall lasse sich daher nicht mit den Schwie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">426</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rigkeiten vergleichen, die die Aufnahme einer selbstständigen Er-</span><br/> <span class="ft1">werbstätigkeit üblicherweise mit sich bringe. In solchen Fällen wür-</span><br/> <span class="ft1">den nämlich in aller Regel bereits in den ersten Monaten (zumindest</span><br/> <span class="ft1">bescheidene) Umsätze erzielt.</span><br/> <span class="ft1">b) Ob eine Tätigkeit im Sinne einer Liebhaberei oder im Sinne</span><br/> <span class="ft1">einer Erwerbstätigkeit vorliegt, hängt (auch) davon ab, ob sie aus-</span><br/> <span class="ft1">schliesslich oder doch vorwiegend im Hinblick auf die Erzielung</span><br/> <span class="ft1">eines Erwerbseinkommens ausgeübt wird. Das Unterscheidungskrite-</span><br/> <span class="ft1">rium bildet der Beweggrund für die Ausübung der Tätigkeit und</span><br/> <span class="ft1">somit ein im Innern der steuerpflichtigen Person liegender und der</span><br/> <span class="ft1">Natur der Sache nach nur schwer feststellbarer Sachverhalt. Auf das</span><br/> <span class="ft1">massgebliche Kriterium der Gewinnerzielungsabsicht als innere Tat-</span><br/> <span class="ft1">sache kann dabei nur anhand der äusseren Umstände geschlossen</span><br/> <span class="ft1">werden. Nach einhelliger Lehre und Rechtsprechung fehlt es in ob-</span><br/> <span class="ft1">jektiv erkennbarer Weise an der erforderlichen Gewinnstrebigkeit,</span><br/> <span class="ft1">wenn auf Dauer keine Überschüsse erzielt werden und nach der Art</span><br/> <span class="ft1">des Vorgehens der betreffenden Person realistischerweise und auf</span><br/> <span class="ft1">längere Sicht gesehen auch keine Überschüsse realisiert werden kön-</span><br/> <span class="ft1">nen (basellandschaftliche Steuerpraxis, Band XIV, S. 249).</span><br/> <span class="ft1">c) Der Umstand, dass der Rekurrent während seiner 9-monati-</span><br/> <span class="ft1">gen Tätigkeit keinen Ertrag aus dem Verkauf von Veterinärmedika-</span><br/> <span class="ft1">menten erzielte, schliesst die Gewinnstrebigkeit nicht aus. Das</span><br/> <span class="ft1">Element der Gewinnstrebigkeit verlangt nicht, dass von allem</span><br/> <span class="ft1">Anfang an (zumindest bescheidene) Erträge fliessen müssen. Es gibt</span><br/> <span class="ft1">Tätigkeitsbereiche, in denen zuerst erhebliche Vorleistungen erbracht</span><br/> <span class="ft1">werden müssen, bevor die ersten Erträge fliessen. Auch in diesen</span><br/> <span class="ft1">Bereichen kann auf den Zweck der Gewinnerzielung geschlossen</span><br/> <span class="ft1">werden, wenn nach den gesamten Umständen auf lange Sicht ein</span><br/> <span class="ft1">Gewinn erzielt werden kann. Nach Auffassung des StRG ist es</span><br/> <span class="ft1">glaubwürdig, dass die Einführung von Medikamenten in Rumänien</span><br/> <span class="ft1">mit erheblichem (zeitlichem) Aufwand verbunden ist. Es liegt also in</span><br/> <span class="ft1">der Natur der Tätigkeit des Rekurrenten, dass er in den 9 Monaten</span><br/> <span class="ft1">gar nie in die Ertragsphase kam. Daraus den Schluss zu ziehen, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">427</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">es an der Gewinnstrebigkeit fehlte, ist nicht zulässig. Die Tatsache,</span><br/> <span class="ft1">dass der Rekurrent aufgrund der sich abzeichnenden Verzögerung der</span><br/> <span class="ft1">Registrierung und damit auch der Erträge seine Tätigkeit bereits nach</span><br/> <span class="ft1">9 Monaten wieder beendete, als er merkte, dass sich dies zeitlich</span><br/> <span class="ft1">nicht im gewünschten Rahmen realisieren lässt, zeigt vielmehr, dass</span><br/> <span class="ft1">er nach Gewinn strebte. Auch aus dem Umstand, dass der Rekurrent</span><br/> <span class="ft1">im Zeitraum seiner Tätigkeit stellenlos war und er damit auf einen</span><br/> <span class="ft1">Verdienst angewiesen war, spricht für Gewinnstrebigkeit. Der</span><br/> <span class="ft1">Rekurrent hat nichts anderes als den Versuch unternommen, seine</span><br/> <span class="ft1">Tätigkeit, die er bisher im Angestelltenverhältnis ausübte, zwecks</span><br/> <span class="ft1">Erzielung eines Einkommens in einem neuen geographischen Raum</span><br/> <span class="ft1">als Selbstständigerwerbender fortzusetzen. Da von der Vorinstanz zu</span><br/> <span class="ft1">Recht nicht behauptet wird, dass seine Tätigkeit objektiv gesehen zur</span><br/> <span class="ft1">Gewinnerzielung gar nicht geeignet war, bleibt für eine</span><br/> <span class="ft1">Qualifizierung als Liebhaberei kein Raum. Im Vordergrund stand</span><br/> <span class="ft1">ganz klar der wirtschaftliche Erfolg, nicht die Befriedigung eigener</span><br/> <span class="ft1">Bedürfnisse und Neigungen. Es kann dem Rekurrenten unter den</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Umständen nicht angelastet werden, dass er seine auf</span><br/> <span class="ft1">die Erzielung von Gewinn gerichtete und zur Erzielung von Gewinn</span><br/> <span class="ft1">geeignete Tätigkeit aufgab, bevor er in die Ertragsphase kam.</span><br/> <span class="ft1">Die übrigen Merkmale, welche eine selbstständige Erwerbstä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit kennzeichnen, sind nicht umstritten. Nach Auffassung des</span><br/> <span class="ft1">StRG ist daher in Anbetracht der gesamten Umstände der Versuch</span><br/> <span class="ft1">des Rekurrenten, in Rumänien Veterinärmedikamente zu verkaufen,</span><br/> <span class="ft1">als selbstständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren (vgl. auch StR</span><br/> <span class="ft1">1995 S. 142, wo der aus einer in der Zeit vom 1.5.1990 - 31.7.1991</span><br/> <span class="ft1">betriebenen Galerie erzielte Verlust von Fr. 65'719.-- zum Abzug</span><br/> <span class="ft1">zugelassen wurde). Aufgrund der sich im Belegordner des Rekur-</span><br/> <span class="ft1">renten befindenden Beitragsrechnung für die Zeit vom 1.1. -</span><br/> <span class="ft1">31.3.1994 ist offenbar auch die Ausgleichskasse des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft1">von einer selbstständigen Erwerbstätigkeit ausgegangen.</span><br/></div> </div> </body> </html>