Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Januar 2021 (715 20 322 / 21) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Vermittlungsfähigkeit aufgrund eines ferienbedingten Auslandaufenthaltes zu Recht ver- neint. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in i.V. Jeannine Gass Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 2102, 4002 Basel gegen KIGA Baselland , Ergänzende Massnahmen ALV, Güterstrasse 107, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Vermittlungsfähigkeit A.1 Der 1981 geborene A.____ meldete sich am 2. Oktobe r 2019 beim Regionalen Ar- beitsvermittlungszentrum (RAV) im Rahmen eines Vollzeit pensums zur Arbeitsvermittlung an und erhob ab diesem Datum Anspruch auf Taggeldleistunge n der Arbeitslosenversicherung (ALV). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Mit Überweisung zum Entscheid des RAV X.____ vom 1. November 2019 wurde das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) Basellan d ersucht, die Vermittlungsfähigkeit von A.____ zu überprüfen. Hintergrund dafür bildete die Mitteilung vom 29. Oktober 2019 über ei- nen ferienbedingten Auslandaufenthalt vom 21. November 2019 bis zum 11. Januar 2020. A.3 Mit Verfügung vom 7. Januar 2020 verneinte das KI GA die Vermittlungsfähigkeit von A.____ vom 2. Oktober 2019 bis zum 11. Januar 2020 un d damit auch den Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung des Versicherten während dieser Z eit. Daran hielt es auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 27. Juli 2020). Die Vermittlungsfähigkeit von A.____ sei auf- grund des Auslandaufenthaltes und der geringen Wahrsch einlichkeit des Erhalts einer Arbeits- stelle während des kurzen verbleibenden Zeitraums berei ts im Zeitpunkt der Anspruchserhe- bung per 2. Oktober 2019 bis zu seiner Rückkehr aus den Ferien bis am 11. Januar 2020 zu verneinen. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, ver treten durch Frau Raffaella Bi- aggi, Advokatin, am 4. September 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Unter Hinweis auf eine fehlende Aufklä- rung seitens des RAV bezüglich der Rechtsfolgen des Ausl andaufenthaltes beantragte der Be- schwerdeführer die Aufhebung des Einspracheentscheids sowie die Bejahung der Vermittlungs- fähigkeit für die Zeit vom 2. Oktober 2019 bis am 20. November 2019. C. Mit Vernehmlassung vom 16. Oktober 2020 schloss die Be schwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 kann der Bundesrat die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts i n Abweichung von Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversich erungsrechts (ATSG) vom 6. Ok- tober 2000 regeln. Laut Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. A ugust 1983 ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Versicherungsgericht desselben Kantons zuständig. Anfechtun gsobjekt des vorliegenden Ver- fahrens bildet ein Einspracheentscheid, den das KIGA als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen hat, sodass die örtliche Zuständigk eit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 be urteilt das Kantonsgericht als Ver- sicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanto ns Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde des Versicherten vom 4. September 2020 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis z u einem Streitwert von Fr. 20'000.- durch Präsidialentscheid. Vorliegend ist die Frage nach d er Vermittlungsfähigkeit für die Zeit vom 2. Oktober 2019 bis 20. November 2019 streitig. Währ end das KIGA in diesem Zeitraum von einer Vermittlungsunfähigkeit ausgeht und somit den Anspruch auf Taggelder der ALV ver- neint, vertritt der Beschwerdeführer die Auffassung, da ss die Vermittlungsfähigkeit für den ent- sprechenden Zeitraum zu bejahen sei, eventualiter, dass er aufgrund einer Verletzung der Be- ratungspflicht gemäss Art. 27 Abs. 2 ATSG so zu stellen sei, wie wenn er im entsprechenden Zeitraum vermittlungsfähig gewesen wäre. Die Höhe d er Taggelder ist aus den Akten nicht er- sichtlich. Ausgegangen von einem maximalen versicherten Verdienst von Fr. 406.- pro Tag und einem daraus resultierenden maximalen Taggeld in Höhe von Fr. 324.80 und einer streitigen Taggeldzahlung für 36 Tage liegt der Streitwert jed enfalls klar unter Fr. 20'000.-. Über die Be- schwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob dem Beschwerde- führer zu Recht vom 2. Oktober 2019 bis zum 20. November 2019 die Vermittlungsunfähigkeit und damit der Anspruch auf Arbeitslosentaggelder abgesprochen wurde. 3.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat, noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfü llung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 3.2 Die arbeitslose versicherte Person ist nach Art. 15 Abs. 1 AVIG vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit auszuüben und an Ein- gliederungsmassnahmen teilzunehmen. Die allgemeine Ver mittlungsfähigkeit setzt sich somit aus drei Elementen zusammen. Davon sind die Arbeitsfä higkeit sowie die Arbeitsberechtigung objektiver und die Vermittlungsbereitschaft subjektiver N atur. Unter Arbeitsfähigkeit als «in der Lage sein» ist primär die körperliche und geistige Le istungsfähigkeit, aber auch die Verfügbar- keit in räumlicher sowie in zeitlicher Hinsicht zu verste hen. Wesentlich ist dabei die kurzfristige Verfügbarkeit, denn die arbeitslose Person muss jederzei t erreichbar und täglich zum Antritt einer Beschäftigung oder arbeitsmarktlichen Massnahme in d er Lage sein (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer, Schweizeri sches Bundesverwal- tungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel 2016, Rz. 268). Die Vermittlungsbe- reitschaft schliesslich umfasst die Bereitschaft, die Arbeitskr aft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während der üblichen Arbeitszeit einzusetze n. Dazu genügt die Willenshaltung oder die bloss verbal erklärte Vermittlungsbereitschaft nicht; die versicherte Person ist vielmehr gehalten, sich der öffentlichen Arbeitsvermittlung zur Ve rfügung zu stellen, angebotene zumut- bare Arbeit anzunehmen und sich selbst intensiv nach eine r zumutbaren Stelle umzusehen. Inhalt der Vermittlungsbereitschaft ist sodann auch die Bereitschaft, an Eingliederungsmass- nahmen teilzunehmen und die Weisungen der Durchführung sorgane zu befolgen. Massgebend Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist das gesamte Verhalten der versicherten Person (zum Gan zen vgl. N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 259 ff.). Damit die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind, müssen die drei Elemente kumu- lativ vorliegen (N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 261). Als Anspruchsvoraussetzung schliesst der Be- griff der Vermittlungs(un)fähigkeit graduelle Abstufun gen aus. Entweder ist die versicherte Per- son vermittlungsfähig, insbesondere bereit, eine zumutb are Arbeit anzunehmen, oder nicht (BGE 125 V 51 E. 61). 3.3 Zu Beginn der Arbeitslosigkeit gilt eine versicherte Person in der Regel als nicht ver- mittlungsfähig, wenn sie auf einen bestimmten Zeitpunkt anderweitig disponiert hat und deshalb nur noch während relativ kurzer Zeit für eine neue Be schäftigung zu Verfügung steht. Zeitliche Einschränkungen auf einen bestimmten Zeitpunkt ergeben sich z.B. bei Auslandsreisen, Rück- kehr von Ausländern in ihren Heimatstaat, Militärdiens t, Ausbildung oder Aufnahme und Aus- übung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit (B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2019, S. 90 f.; BGE 126 V 520 E. 3a, Urteil des Bundesgerichts vom 13. September 2019, 8C_ 337/2019, E. 3.3; AVIG-Praxis ALE 2020, Abschnitt B, Rz. B227). In einem solchen Fall sin d nämlich die Aussichten, für die ver- bleibende Zeit von einem Arbeitgeber angestellt zu we rden, verhältnismässig gering. Entschei- dend ist, ob mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, dass ein Arbeit- geber die versicherte Person für die konkret zur Verfügung stehende Zeit noch einstellen würde (BGE 126 V 520 E. 3a). Zu prüfen sind somit jeweils di e konkreten Aussichten auf eine Anstel- lung auf dem für die stellensuchende Person in Betracht fallenden allgemeinen Arbeitsmarkt, unter Berücksichtigung der herrschenden konjunkturellen Ve rhältnisse sowie aller übriger Um- stände (K UPFER BUCHER , a.a.O., S. 89 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_714/2014, E. 2.2 mit Hinweisen). Steht die versich erte Person im Zeitpunkt der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung dem Arbeitsmarkt für mi ndestens drei Monate zur Verfügung, gilt sie grundsätzlich als vermittlungsfähig. Steht sie dem Arbeitsmarkt weniger als einen Monat zur Verfügung, gilt sie grundsätzlich als nicht vermittlu ngsfähig. Liegt die Verfügbarkeit zwi- schen einem und drei Monaten, kann die Vermittlungsfäh igkeit dann bejaht werden, wenn auf- grund der Arbeitsmarktsituation und der Flexibilität de r versicherten Person (z.B. Bereitschaft für Tätigkeiten auch ausserhalb des erlernten Berufes un d zur Annahme von Temporärstellen) eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, von einem Arbeitgeber angestellt zu werden. 4. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. C ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als b ewiesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Überw iegende Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass jener Sachverhaltsdarstellung gefolgt wird, die von allen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste gewürdigt wird (BGE 115 V 133 E. 8b). Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen mögl ichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E.2, 121 V 45 E.2a). 5.1 Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid damit, der Beschwerdeführer habe seit der Anmeldung zum Taggeldbezug dem Arbeit smarkt nur für einen Zeitraum von sie- ben Wochen zur Verfügung gestanden. Es erscheine unwahr scheinlich, dass ein Arbeitgeber den Beschwerdeführer – beispielsweise als CFO – für di e kurze Zeit von sieben Wochen einge- stellt hätte, da die vom Beschwerdeführer gesuchten Positionen üblicherweise nicht mit befriste- ten Arbeitsverträgen besetzt würden. Aus den Arbeitsbem ühungen für die Monate September und Oktober 2019 sei zudem ersichtlich, dass beim Beschwerdeführer keine Bereitschaft für die Ausübung von Tätigkeiten ausserhalb des erlernten Berufes sowie zur spontanen Annahme von kurzzeitig befristeten Temporärstellen bestanden hätte. Eine Anmeldung bei Personalverleihbe- trieben sei zudem nicht aktenkundig. Der Zeitraum, in d em der Beschwerdeführer dem Arbeits- markt zur Verfügung stand, sei somit zu kurz, als dass die Vermittlungsfähigkeit vom 2. Oktober 2019 bis zum 20. November 2019 bejaht werden könnte. I nsgesamt sei der Beschwerdeführer aufgrund des Auslandaufenthaltes und der geringen Wahr scheinlichkeit des Erhalts einer Ar- beitsstelle während des kurzen verbleibenden Zeitraums vor der Abreise bereits im Zeitpunkt der Anspruchserhebung per 2. Oktober 2019 bis zur Rückke hr am 11. Januar 2020 nicht ver- mittlungsfähig gewesen. 5.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde gel tend, er habe sich stets und bereits seit Juli 2019 unter anderem auch als Interi m-Manager/Interim CFO beworben, da er grundsätzlich die Arbeitslosigkeit vermeiden wollte. Zude m bestehe aufgrund des Fachwissens des Beschwerdeführers und seiner langjährigen Erfahrun g auf dem Arbeitsmarkt die Chance, sogar in der bisherigen Tätigkeit eine temporäre Anste llung zu erhalten. Der Beschwerdeführer wäre auch bereit gewesen, andere Tätigkeiten anzunehme n und hätte diesbezüglich auch schon Bewerbungen vorbereitet und entsprechende Anfrage n durch seine Personalberaterin tätigen lassen. 6.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerdefü hrer primär auf unbefristete Stellen beworben hat, mit Ausnahme der Bewerbungen als Interim Manager. Stellen als Interim Manager sind in der Regel auf drei bis achtzehn Monate befristet und werden insbesondere bei Turnarounds, Sanierungen, zur Überbrückung längerer Vaka nzen, bei knappen internen Res- sourcen, um neue Märkte zu erschliessen und um Führungskräf te zu coachen, besetzt. Zu den vom Beschwerdeführer behaupteten vorbereiteten Bewerbun gen in anderen Themenbereichen sowie zu den Anfragen seiner Personalberaterin sind in den Akten keine Hinweise ersichtlich. 6.2 In Bezug auf die Vermittlungsfähigkeit in der Zei t vom 2. Oktober 2019 bis zum 20. November 2019 ist festzuhalten, dass eine befristete Anstellung als Interim Manager für einen Zeitraum von sieben Wochen in Anbetracht des nor malen Einsatzbereichs und der übli- chen Einsatzdauer als unwahrscheinlich einzuschätzen ist. Die Ausführungen des Beschwerde- führers, er wäre bereit gewesen, auch andere Tätigkei ten anzunehmen, und dass die entspre- chenden Bewerbungen vorbereitet worden seien, vermöge n nicht zu überzeugen, zumal aus den Akten keine Belege für entsprechende Bemühungen ersichtlich sind. Dazu kommt, dass die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom Beschwerdeführer engagierte Personalberaterin ihre Bemühungen gemäss Bestätigung vom 27. August 2020 erst nach dem Standortbestimmungsge spräch vom 21. Oktober 2019 aufgenommen hat, also einen Monat vor der Abreise. An hand der dem RAV eingereichten Ar- beitsbemühungen ist zudem keine Flexibilität im Sinne einer Bereitschaft für Tätigkeiten auch ausserhalb des erlernten Berufes und zur Annahme von Tem porärstellen (mit Ausnahme der Bewerbungen als Interim Manager) ersichtlich. 7. In Bezug auf die Vermittlungsfähigkeit in der Zeit vom 2. Oktober 2019 bis zum 20. November 2019 ist demnach festzuhalten, dass der Be schwerdeführer lediglich während sieben Wochen für eine neue Beschäftigung zur Verfügung stand und die Vermittlungsfähigkeit in solchen Fällen nur ausnahmsweise bejaht werden kann (vgl. E. 3.3 hiervor). Es erscheint vorliegend unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer für die kurze Zeit von sieben Wochen eine Arbeitsstelle gefunden hätte, zumal er sich auch ka um auf solche Stellen beworben hat bzw. die Stellen als Interim Manager oder Interim CFO in der Regel auf mehr als drei Monate befristet sind. Diese Umstände lassen darauf schliessen, d ass der Beschwerdeführer dem Ar- beitsmarkt für eine zu kurze Zeit zur Verfügung stand, als dass mit einer gewissen Wahrschein- lichkeit von einer Anstellung ausgegangen werden kann. Mit der Beschwerdegegnerin ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der Zeit vom 2. Oktober 2019 bis 20. No- vember 2019 nicht vermittlungsfähig war. 8.1 Im Weiteren ist zu prüfen, ob eine Verletzung des Vertrauensgrundsatzes im Sinne von Art. 27 ATSG vorliegt. 8.2 Im Sozialversicherungsrecht räumt Art. 27 Abs. 2 ATSG der einzelnen Person einen individuellen Anspruch auf Beratung durch den zuständigen Versicherungsträger ein und ordnet eine umfassende gesetzliche Beratungspflicht an, deren Nichterfüllung Grundlage für den Ver- trauensschutz bilden kann (BGE 131 V 476 E. 4.1 und E. 5 mit Hinweisen). Die Beratungspflicht wird primär ausgelöst durch eine konkrete Anfrage eine r versicherten Person zu einem be- stimmten, sie aktuell beschäftigenden sozialversicherungsrechtlichen Problem. Wendet sie sich mit einem Anliegen an die Versicherung, ist diese umfa ssend zur Aufklärung verpflichtet. Sie muss bei konkretem Anlass den Versicherten auch ohne Anfra ge auf Gestaltungsmöglichkeiten hinweisen, die klar zutage liegen und deren Wahrnehmu ng offenbar so zweckmässig ist, dass jede verständige versicherte Person sie mutmasslich nutze n würde. Ausreichend für die Auslö- sung der Beratungspflicht ist, wenn für den zuständigen Versicherungsträger erkennbar ist, dass der oder die Betroffene durch ein bestimmtes Hande ln oder Unterlassen Nachteile betref- fend seine Sozialleistungsansprüche erleiden kann (U LRICH MEYER , Verfahrensfragen – Grund- lagen, Begriff und Grenzen der Beratungspflicht nach A rt. 27 Abs. 2 ATSG, in: Gächter [Hrsg.], ULRICH MEYER – Ausgewählte Schriften, Zürich 2013, S. 336 f.). So lange allerdings der Versi- cherungsträger bei einem durchschnittlichen Mass an Aufme rksamkeit nicht erkennen kann, dass die Situation einer versicherten Person den Leistung sanspruch zu gefährden vermag, trifft ihn keine Aufklärungs- und Beratungspflicht im Sinne v on Art. 27 ATSG (BGE 133 V 257 E. 7.2). Unterbleibt eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vorschrift oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, hat die R echtsprechung dies der Erteilung einer unrichtigen Auskunft gleichgestellt. Abgeleitet aus de m Grundsatz von Treu und Glauben, wel- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher den Bürger in seinem berechtigten Vertrauen auf b ehördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom ma- teriellen Recht abweichende Behandlung des Rechtsuchenden gebieten (BGE 131 V 480 E. 5). 9.1 Der Beschwerdeführer moniert im Wesentlichen, die Beschwerdegegnerin hätte ihn genügend über die Fakten, die zur Ablehnung seiner Anspruchsberechtigung nicht nur während der Ferienabwesenheit, sondern auch vorher, geführt haben, beraten, aufklären und informieren müssen. Aufgrund der flexiblen Planung der Ferien ohne fixe Übernachtungen und Unterneh- mungen könne nicht davon ausgegangen werden, dass er übe r die Konsequenzen des Ferien- bezugs mit Blick auf die Zeit der Arbeitslosigkeit davor aufgeklärt worden sei. Es wäre für ihn ein leichtes gewesen, die Ferien statt im November erst im Januar zu nehmen, dann nämlich, wenn eine dreimonatige Vermittlungsdauer gegeben gew esen wäre. Der Beschwerdeführer führt zudem an, dass er die Ferien nicht bezogen hätt e, hätte er eine Anstellung per Januar 2020 gefunden, und dass er, wenn er um die Verneinung der Vermittlungsfähigkeit trotz stetiger Stellenbemühungen und Durchführung von Bewerbungsgespr ächen und Telefonaten gewusst hätte, erst im Januar 2020 in die Ferien gereist wäre. Eine Umbuchung wäre zudem bei frühzei- tiger entsprechender Beratung durch das RAV problemlos möglich gewesen. 9.2. Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführ er die Reise nach Y.____ be- reits Mitte September 2019 gebucht hat. Die Ferienmi tteilung an das RAV erfolgte allerdings nicht mit der Anmeldung am 2. Oktober 2019, sondern erst am 29. Oktober 2019 (Eingang beim RAV am 31. Oktober 2019), weniger als 30 Tage vor Rei seantritt. Im Zeitpunkt der Anmeldung bestand für den zuständigen RAV-Personalberater noch ke in Anhaltspunkt, dass die Situation des Beschwerdeführers dessen Leistungsanspruch gefährden k önnte. Infolge traf den RAV- Personalberater noch keine Aufklärungs- und Beratungspfl icht im Sinne von Art. 27 ATSG be- züglich der Folgen der geplanten Reise. Im Zeitpunkt d es Erhalts der Ferienmitteilung wurde dem RAV ein Anhaltspunkt für die Gefährdung des Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers geliefert. Ab diesem Zeitpunkt ist von einer Beratung spflicht des RAV-Personalberaters auszu- gehen. Umgehend nach Erhalt der Ferienmitteilung er folgte eine Überweisung zum Entscheid für die Überprüfung der Vermittlungsfähigkeit wegen potentieller «anderweitiger Dispositionen» an die kantonale Amtsstelle (KAST). Diese Überweisung w urde dem Beschwerdeführer sowohl telefonisch, als auch schriftlich per E-Mail am 1. Novemb er 2019 mitgeteilt. Gefolgt auf diese Mitteilung setzte sich die am 10. November 2019 beauf tragte B.____ AG mit dem RAV in Ver- bindung, um die Interessen des Beschwerdeführers in Sach en Vermittlungsfähigkeit zu vertre- ten. 9.3 Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Beschwerdefü hrer mit der Behauptung, dass er bei korrekter Aufklärung seine Ferien ohne Weit eres auf Januar 2020 verschoben hätte bzw. hätte verschieben können. Die Beratungspflicht des RAV entstand gemäss den vorste- henden Ausführungen erst im Zeitpunkt der Ferienmitte ilung. Es ist zu vermuten, dass der Be- schwerdeführer im Rahmen des Telefonats am 1. Novembe r 2019 bezüglich der Überweisung zum Entscheid an die KAST zur Begründung der besagten Überweisung über die Rechtsfolgen des längeren Auslandaufenthalts aufgeklärt wurde, zumal der Beschwerdeführer umgehend seine Rechtsschutzversicherung informiert hat, um seine Inte ressen in Bezug auf das Thema Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vermittlungsfähigkeit zu vertreten. Zu diesem Zeitpunkt war, gemäss den eingereichten Stornie- rungsbedingungen, eine Umbuchung oder Stornierung de r Reise, entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers, nur noch gegen eine Gebühr in Höhe des vollen Betrags der Reisekos- ten (Fr. 11'463.-) möglich. Eine Verschiebung der Fer ien war im Zeitpunkt der Ferienmitteilung und des Entstehungsmoments der Beratungspflicht durch da s RAV somit nicht mehr ohne wei- teres möglich. 10. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist davon ausz ugehen, dass der Beschwerde- führer korrekterweise (telefonisch am 1. November 2019 ) über die Rechtsfolgen des längeren Auslandaufenthalts informiert wurde. Dennoch wurden die Ferien weder storniert noch verscho- ben. Eine frühere Aufklärung über allfällige Rechtsf olgen eines längeren Auslandaufenthalts wäre nur angebracht gewesen, wenn die Ferienmitteilun g zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt wäre. Die fehlende Aufklärung am 2. Oktober 2019 ist demnach nicht der Erteilung einer unrich- tigen Auskunft gleichzustellen. Somit besteht kein Anspru ch auf abweichende Behandlung im Rahmen des Vertrauensschutzes gemäss Art. 27 ATSG. 11. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der angefochten e Einspracheentscheid vom 27. Juli 2020 nicht zu beanstanden ist. Die Vermittlungs fähigkeit des Beschwerdeführers vom 2. Oktober 2019 bis zum 20. November 2019 wurde zu Re cht verneint. Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 12. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht