<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">C 270/99 Gi </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>II. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Meyer und Ferrari; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Berger </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 26. Mai 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">J.________, 1963, Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Amt für Wirtschaft und Arbeit, Arbeitslosenversicherung, </div> <div class="para">Zürich, Beschwerdegegner, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Winterthur </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Mit Verfügungen vom 19. Juni 1997 lehnte das Kan- </div> <div class="para">tonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, Zürich (seit </div> <div class="para">1. April 1998: Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons </div> <div class="para">Zürich, nachfolgend AWA), die Gesuche des 1963 geborenen </div> <div class="para">J.________ um Zustimmung zum Besuch eines Jahresintensiv- </div> <div class="para">kurses an der Academy of Contemporary Music, Zürich (nach- </div> <div class="para">folgend: ACM), vom 20. Oktober 1997 bis 2. Oktober 1998 so- </div> <div class="para">wie um Ausbildungszuschüsse ab. </div> <div class="para"> B.- Die dagegen erhobene Beschwerde, mit welcher sinn- </div> <div class="para">gemäss die Übernahme der Kurskosten in der Höhe von unge- </div> <div class="para">fähr Fr. 10'020.- beantragt wurde, wies das Sozialversiche- </div> <div class="para">rungsgericht des Kantons Zürich ab (Entscheid vom 16. Juni </div> <div class="para">1999). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde erneuert </div> <div class="para">J.________ das im vorinstanzlichen Verfahren gestellte </div> <div class="para">Rechtsbegehren. </div> <div class="para"> Das AWA verzichtet auf eine Stellungnahme. Das Staats- </div> <div class="para">sekretariat für Wirtschaft lässt sich nicht vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Im angefochtenen Entscheid werden die vorliegend </div> <div class="para">massgebenden gesetzlichen Bestimmungen über die von der Ar- </div> <div class="para">beitslosenversicherung geförderten Umschulungs-, Weiterbil- </div> <div class="para">dungs- und Eingliederungsmassnahmen zu Gunsten von Versi- </div> <div class="para">cherten, deren Vermittlungsfähigkeit aus Gründen des Ar- </div> <div class="para">beitsmarktes unmöglich oder stark erschwert ist (<span class="artref"><artref id="CH/837.0/59/3" type="start"></artref><artref id="CH/837.0/59/1" type="start"></artref>Art. 59 </span></div> <div class="para">Abs. 1 und 3 AVIG<artref id="CH/837.0/59/3" type="end"></artref><artref id="CH/837.0/3" type="end"></artref>) sowie die Rechtsprechung zur Abgrenzung </div> <div class="para">der arbeitslosenversicherungsrechtlichen Weiterbildung von </div> <div class="para">der Grund- und allgemeinen beruflichen Weiterbildung (BGE </div> <div class="para">111 V 274 Erw. 2c und 400 Erw. 2b; ARV 1996/1997 Nr. 24 </div> <div class="para">S. 143 Erw. 1b mit Hinweisen; vgl. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F108-V-163%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page165">BGE 108 V 165</a> </div> <div class="para">Erw. 2c mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Darauf kann </div> <div class="para">verwiesen werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Das kantonale Gericht ist der Ansicht, der Jahres- </div> <div class="para">intensivkurs an der ACM sei nicht als Weiterbildung, son- </div> <div class="para">dern als Ausbildung zu qualifizieren, für welche die Ar- </div> <div class="para">beitslosenversicherung nicht aufkomme. Denn der Beschwerde- </div> <div class="para">führer habe nur eine unvollständige Ausbildung als Gitar- </div> <div class="para">rist und der angestrebte Kurs vermittle in wesentlichem Um- </div> <div class="para">fang musikalische Grundkenntnisse. </div> <div class="para"> Dagegen wendet der Versicherte ein, soweit die Vorin- </div> <div class="para">stanz seine Kenntnisse als Musiklehrer mit der Begründung </div> <div class="para">relativiere, seine dreijährige hauptberufliche Musiklehrer- </div> <div class="para">tätigkeit liege schon zwölf Jahre zurück, geschehe dies zu </div> <div class="para">Unrecht. Er habe nämlich immer wieder privat unterrichtet </div> <div class="para">und sich nebenberuflich auf seinem Instrument weiterent- </div> <div class="para">wickelt. Sodann werde im angefochtenen Entscheid nicht be- </div> <div class="para">rücksichtigt, dass zu Kursbeginn Einteilungsprüfungen </div> <div class="para">durchgeführt würden, um Klassen zusammenzustellen, welche </div> <div class="para">ungefähr dieselben Vorkenntnisse hätten. Er habe die musi- </div> <div class="para">kalischen Grundkenntnisse natürlich in den Kurs mitge- </div> <div class="para">bracht, ansonsten es ihm gar nicht möglich gewesen wäre, an </div> <div class="para">öffentlichen Musikschulen zu unterrichten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Nach der Praxis kann bei einer Vorkehr, die </div> <div class="para">schwergewichtig als Element einer allgemeinen beruflichen </div> <div class="para">Weiterausbildung erscheint, in der Regel nicht von einer </div> <div class="para">unmittelbaren Verbesserung der Vermittelbarkeit im Berufs- </div> <div class="para">spektrum gesprochen werden (nicht veröffentlichte Urteile </div> <div class="para">P. vom 15. März 2000 [C 417/99], D. vom 4. November 1994 </div> <div class="para">[C 56/94] mit Hinweis auf ARV 1990 Nr. 9 S. 56 Erw. 2, H. </div> <div class="para">vom 1. Februar 1994 [C 133/93] und P. vom 22. Dezember 1987 </div> <div class="para">[C 84/87]). Von solchen anspruchsausschliessenden Sachver- </div> <div class="para">halten zu unterscheiden sind Tatbestände, wo eine abge- </div> <div class="para">schlossene Berufsausbildung Lücken aufweist, die der aktu- </div> <div class="para">elle und voraussehbar künftige Arbeitsmarkt nicht oder nur </div> <div class="para">sehr beschränkt toleriert. Eine diese Lücke schliessende </div> <div class="para">Vorkehr kann unter Umständen eine arbeitsmarktliche Mass- </div> <div class="para">nahme darstellen, wie das Eidgenössische Versicherungsge- </div> <div class="para">richt im Falle eines Elektroingenieurs mit südafrikanischem </div> <div class="para">Diplom (vergleichbar mit dem Abschluss als Ingenieur HTL in </div> <div class="para">der Schweiz) entschied, der einen einjährigen Kurs in </div> <div class="para">rechnerunterstütztem Maschinenbau absolvierte, weil er aus- </div> <div class="para">bildungsmässig den Erfordernissen auf dem Gebiet der EDV </div> <div class="para">nicht zu genügen vermochte (nicht veröffentlichtes Urteil </div> <div class="para">R. vom 19. November 1986 [C 79/86]; vgl. auch Gerhards, </div> <div class="para">AVIG-Kommentar, Bd. II, N 19 und 23 zu Art. 59). </div> <div class="para"> 4.- a) Der Beschwerdeführer erteilte in den Jahren </div> <div class="para">1981 bis 1984 an verschiedenen Musikschulen klassischen </div> <div class="para">Gitarrenunterricht. Es besteht kein Anlass, daran zu zwei- </div> <div class="para">feln, dass er in jenem Zeitraum den Anforderungen, die da- </div> <div class="para">mals an Musiklehrer gestellt wurden, genügte, obwohl er </div> <div class="para">sich die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse nicht in </div> <div class="para">einem förmlichen, gesetzlich oder reglementarisch geordne- </div> <div class="para">ten Ausbildungsverfahren angeeignet hatte. Insoweit die </div> <div class="para">Vorinstanz deshalb davon ausgeht, bereits die ursprüngli- </div> <div class="para">che, vorwiegend auf autodidaktischem Weg erfolgte Ausbil- </div> <div class="para">dung zum Musiklehrer sei unvollständig gewesen, kann ihr </div> <div class="para">nicht beigepflichtet werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Seit dem letzten hauptberuflichen Einsatz des Ver- </div> <div class="para">sicherten als Musiklehrer im Jahr 1984 ist der Bedarf an </div> <div class="para">zeitgenössischem Gitarrenunterricht unbestrittenermassen </div> <div class="para">gestiegen. Ob sich die Anforderungen an die Lehrkräfte da- </div> <div class="para">durch in der Weise gewandelt haben, dass sich die Beschrän- </div> <div class="para">kung ihrer Kenntnisse auf die klassische Harmonielehre nun- </div> <div class="para">mehr als Lücke in der Ausbildung erweist, zufolge welcher </div> <div class="para">die Vermittlungsfähigkeit auf dem heutigen Arbeitsmarkt un- </div> <div class="para">möglich oder stark erschwert ist, lässt sich anhand der </div> <div class="para">vorhandenen Akten allerdings nicht abschliessend beurtei- </div> <div class="para">len. Es mag zwar zutreffen, dass der in Frage stehende ACM- </div> <div class="para">Intensivkurs zumindest teilweise Grundkenntnisse vermit- </div> <div class="para">telt, wie dies das kantonale Gericht annimmt. Kann mit dem </div> <div class="para">Besuch dieses Kurses allerdings eine nach Abschluss der </div> <div class="para">hauptberuflichen Tätigkeit des Versicherten als Musiklehrer </div> <div class="para">entstandene Ausbildungslücke geschlossen werden, besteht </div> <div class="para">ein Anrecht auf die Übernahme der Kurskosten, falls auch </div> <div class="para">die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Die Sa- </div> <div class="para">che ist deshalb an das AWA zurückzuweisen, damit es die ak- </div> <div class="para">tuellen Anstellungsanforderungen für Gitarrenlehrer ermitt- </div> <div class="para">le. Im Rahmen der je nach Ergebnis notwendigen Prüfung der </div> <div class="para">weiteren Anspruchsvoraussetzungen wird die Verwaltung - </div> <div class="para">allenfalls mit Hilfe amtlicher und privater Statistiken </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-V-398%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page399">BGE 111 V 399</a> f. Erw. 2a und Nussbaumer, Arbeitslosenver- </div> <div class="para">sicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht </div> <div class="para">[SBVR], S. 207 Rz 548 mit weiteren Hinweisen) - unter ande- </div> <div class="para">rem abzuklären haben, ob die beantragte berufliche Massnah- </div> <div class="para">me die Vermittelbarkeit erheblich zu verbessern vermag. Auf </div> <div class="para">Grund der dabei gewonnenen Erkenntnisse wird sie alsdann </div> <div class="para">über die dem Beschwerdeführer zustehende Leistung neu ver- </div> <div class="para">fügen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne</i> </div> <div class="para"> gutgeheissen, dass der Entscheid des Sozialversiche- </div> <div class="para"> rungsgerichts des Kantons Zürich vom 16. Juni 1999 und </div> <div class="para"> die beiden Verwaltungsverfügungen vom 19. Juni 1997 </div> <div class="para"> aufgehoben werden und die Sache an das Amt für Wirt- </div> <div class="para"> schaft und Arbeit des Kantons Zürich zurückgewiesen </div> <div class="para"> wird, damit es, nach erfolgten Abklärungen im Sinne </div> <div class="para"> der Erwägungen, neu verfüge. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>III. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversiche-</i> </div> <div class="para"> rungsgericht des Kantons Zürich, der Arbeitslosenkasse </div> <div class="para"> des Kantons Zürich und dem Staatssekretariat für Wirt- </div> <div class="para"> schaft zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 26. Mai 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der II. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>