<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 71 S.355</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">355</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Erschliessungsabgaben</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>71</b></span> <span class="ft3"><b>Ursprünglicher Beitragsplan nach §§ 34/35 BauG</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Der Wechsel von einer privaten zu einer öffentlichen Leitung erfor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dert entweder eine anfechtbare Übernahmeverfügung oder zumin-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dest objektive Anhaltspunkte, die eindeutig auf eine konkludente</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Übernahme der Privatleitung durch das Gemeinwesen schliessen las-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sen (Erw. 3.1.2.4.2.)</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Grundsätzlich ist eine pauschale Kostenverteilung von 50-70 %</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zulasten der Schmutzwasserleitung und von 30-50 % zulasten der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Sauberwasserleitung zulässig (Erw. 3.2.4.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft6">5. September 2006 in Sachen D., B. und B. gegen Einwohnergemeinde O.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">3.1.2.4.2. (...) zu unterscheiden ist die Frage, ob für eine privat</span><br/> <span class="ft8">erstellte Abwasserleitung, an die mehrere Liegenschaften ange-</span><br/> <span class="ft8">schlossen sind, eine Übernahmepflicht der Gemeinde besteht. Entge-</span><br/> <span class="ft8">gen der Auffassung der Beschwerdeführer (...) bewirkt der An-</span><br/> <span class="ft8">schluss mehrerer Liegenschaften nicht, dass aus einem privaten</span><br/> <span class="ft8">Hausanschluss eo ipso eine öffentliche Leitung wird. Erforderlich</span><br/> <span class="ft8">sind in jedem Fall entweder eine anfechtbare Übernahmeverfügung</span><br/> <span class="ft8">der Gemeinde oder zumindest objektive Anhaltspunkte, die eindeutig</span><br/> <span class="ft8">auf eine konkludente Übernahme der Privatleitung durch das</span><br/> <span class="ft8">Gemeinwesen schliessen lassen. Eine solche Übernahmeverfügung</span><br/> <span class="ft8">fehlt und eine konkludente Übernahme ist nicht erkennbar. Daran</span><br/> <span class="ft8">vermag auch der Hinweis auf den Ordner Siedlungsentwässerung der</span><br/> <span class="ft8">Abteilung für Umwelt des Departements Bau, Verkehr und Umwelt</span><br/> <span class="ft8">nichts zu ändern. Dort wird zwar für das Baugebiet festgehalten, dass</span><br/> <span class="ft8">ab dem Anschluss von zwei Gebäuden die Abwasserleitungen als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">356</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">öffentliche Leitungen zu erstellen sind. Weicht die Gemeinde aber im</span><br/> <span class="ft8">Rahmen der ihr gewährten Gemeindeautonomie von diesem Grund-</span><br/> <span class="ft8">satz ab und lässt auch Leitungen mit mehreren Anschlüssen von Pri-</span><br/> <span class="ft8">vatpersonen erstellen, so bleiben diese Leitungen ohne entsprechende</span><br/> <span class="ft8">Übernahmeverfügung im Privateigentum. Jedoch kommt der Richtli-</span><br/> <span class="ft8">nie im Ordner Siedlungsentwässerung eine wesentliche Bedeutung</span><br/> <span class="ft8">zu bei der Beurteilung der Frage, ob und wie weit eine private Lei-</span><br/> <span class="ft8">tung auf entsprechende Begehren hin vom Gemeinwesen übernom-</span><br/> <span class="ft8">men werden muss (Übernahmepflicht gemäss § 37 BauG und gemäss</span><br/> <span class="ft8">§ 10 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zum eidgenössischen Ge-</span><br/> <span class="ft8">wässerschutzgesetz [EG GSchG; SAR 761.100] vom 11. Januar</span><br/> <span class="ft8">1977).</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">3.2.4. Die Fachrichter der Schätzungskommission sind der An-</span><br/> <span class="ft8">sicht, dass neben einer exakten Einzelkostenzuweisung zur erstellten</span><br/> <span class="ft8">Schmutz- bzw. Sauberwasserleitung auch eine Pauschalierung zuläs-</span><br/> <span class="ft8">sig sein muss. Zum einen rechtfertigt sich dies deshalb, weil die Ab-</span><br/> <span class="ft8">wasserbeseitigung (Schmutz- und Sauberwasser) aus planerischer</span><br/> <span class="ft8">Sicht regelmässig als ein Werk verstanden wird. Zum anderen sind</span><br/> <span class="ft8">Schematisierungen im Beitragsrecht unvermeidbar und zulässig (...).</span><br/> <span class="ft8">Dies soll auch für die Kostenaufteilung zwischen Schmutz- und Sau-</span><br/> <span class="ft8">berwasserleitungssystem gelten.</span><br/> <span class="ft8">Sachlich ist die ungleiche Verteilung der Baukosten auf die</span><br/> <span class="ft8">Schmutz- und Sauberwasserleitung gerechtfertigt, wenn der Graben</span><br/> <span class="ft8">für die Schmutzwasserleitung tiefer liegt als jener für die Sauberwas-</span><br/> <span class="ft8">serleitung. Dies ist regelmässig der Fall, weil die Schmutzwasserlei-</span><br/> <span class="ft8">tung für einen Kelleranschluss tiefer liegen muss als die Sauberwas-</span><br/> <span class="ft8">serleitung. Die Fachrichter sind daher der Auffassung, dass grund-</span><br/> <span class="ft8">sätzlich eine pauschale Kostenverteilung von 50-70 % zulasten der</span><br/> <span class="ft8">Schmutzwasserleitung und von 30-50 % zulasten der Sauberwas-</span><br/> <span class="ft8">serleitung sachlich gerechtfertigt und mit Rücksicht auf das Ermes-</span><br/> <span class="ft8">sen der Gemeinde ohne weiteres zulässig ist. Abweichungen von</span><br/> <span class="ft8">diesem Rahmen seien denkbar, müssten aber aus zusätzlichen, sach-</span><br/> <span class="ft8">lich haltbaren Gründen gerechtfertigt sein. Das Gericht schliesst sich</span><br/> <span class="ft8">dieser fachrichterlichen Meinung an.</span><br/></div> </div> </body> </html>