<h2>SubmittedText<h2><p>Seit Mitte der Neunzigerjahre hat der Bestand an Bienenvölkern sowie die Zahl der Imkerinnen und Imker in der Schweiz um rund ein Drittel abgenommen. Dieser gravierenden Entwicklung muss Einhalt geboten werden, wenn die flächendeckende Bestäubung in der Natur auch in Zukunft gewährleistet sein soll.</p><p>Sowohl Imkerinnen und Imker als auch Obstproduzentenverbände haben bereits Massnahmen beschlossen, um den Rückgang zu stoppen, so z. B. durch eine gemeinsame Aufforderung der Imker und Obstproduzenten an die Gemeinden, die Beiträge an die Imkerei zu erhöhen. Selbsthilfemassnahmen, aber auch die vom Bund bisher geleistete Unterstützung, reichen jedoch nicht aus, um dem "Bienensterben" Einhalt zu gebieten. Dies umso mehr, als in den letzten Jahren die Varroamilbe und Folgekrankheiten wie Faul- und Sauerbrut viele Völker dezimierten. Zudem ist die Imkerei auch bei weitem nicht kostendeckend.</p><p>Die Empfehlungen der Imkerinnen und Imker und Obstproduzenten sollten auch für den Bund Veranlassung und Aufforderung zu vermehrtem Handeln sein, ist doch eine gute Bestäubung zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichtes, aber auch zur Sicherung des landwirtschaftlichen Ernteertrages unabdingbar.</p><p>Ich frage deshalb den Bundesrat:</p><p>1. Welche Massnahmen gedenkt er zu ergreifen, um der gravierenden Abnahme der Bienenvölker in der Schweiz entgegenzuwirken und so insbesondere eine flächendeckende Bestäubung in unserem Land zu gewährleisten?</p><p>2. Ist er bereit, mit der Abgeltung gemeinwirtschaftlicher Leistungen ein Zeichen für die Imkerei zu setzen und damit auch das Interesse der Öffentlichkeit an einer guten Bestäubung zu manifestieren?</p><p>3. Wie gedenkt er tätig zu werden, um insbesondere auch junge Imkerinnen und Imker für diese wichtige Aufgabe zu motivieren und so auch dazu beizutragen, den dringend nötigen Nachwuchs in diesem Bereich sicherzustellen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat anerkennt die wichtigsten Funktionen der schweizerischen Bienenzucht, namentlich die Wirtschaftstätigkeit, die Erzeugung von Honig und anderen Bienenstockerzeugnissen sowie die Pflanzenbestäubung im Obst-, Feld- und Ackerbau.</p><p>Zu den einzelnen Fragen:</p><p>1. Es trifft zu, dass die Zahlen der Imker und Imkerinnen und Bienenvölker seit längerer Zeit deutlich im Abnehmen begriffen sind. Den grössten Völkerbestand in der Schweiz gab es während des Zweiten Weltkrieges (etwa 340 000 Bienenvölker). Heute sind es noch rund 200 000. Dies ergibt eine mittlere Bienendichte von 5 Völkern pro Quadratkilometer. Im internationalen Vergleich ist dieser Wert relativ hoch. In Italien und Österreich sind es rund 4 und in Deutschland 2,5 Völker pro Quadratkilometer.</p><p>Für die Beurteilung der Frage, ob die flächendeckende Bestäubung durch Bienen in der Schweiz sichergestellt sei, muss die geographische Verteilung der Völker betrachtet werden. Bis heute sind keine Regionen bekannt geworden, in denen ein akutes Bienendefizit herrschen würde. Hingegen kann lokal im Bereich von Obstanlagen während der Blüte ein Mangel an Bienen vorkommen. Solche Meldungen wurden in den letzten Jahren jeweils im Frühjahr laut. In Gebieten mit bestäubungsintensiven Erwerbskulturen ist der Bedarf für Bienen im Frühjahr grösser als anderswo. Deshalb treffen hier die Landwirte in der Regel die nötigen Massnahmen, z. B. Absprachen mit Imkern, damit vorübergehend zusätzliche Völker in die Anlagen gestellt werden.</p><p>Die Gründe des Völkerschwundes müssen noch genauer geklärt sein. Die Abnahme der Bienenvölker und der Imker und Imkerinnen ist in vielen europäischen Ländern fortschreitend und bereitet Sorgen. Der "Deutsche Imkerbund" z. B. lässt im Moment von Fachleuten prüfen, was die Gründe dafür sind und wie der Völkerrückgang gestoppt werden könnte.</p><p>Obwohl dem Bund an der Entwicklung der Bienenzucht gelegen ist, sind seiner Ansicht nach in diesem Bereich momentan keine zusätzlichen Massnahmen erforderlich.</p><p>2. Der Bund richtet zwar keine Beiträge direkt an die Imker für die Abgeltung gemeinwirtschaftlicher Leistungen aus. Hingegen wird die Bienenforschung und die imkerliche Beratung über das Zentrum für Bienenforschung unterstützt (z. B. für Weiterbildungskurse und Beratungstätigkeiten der Bienenzüchterverbände). Das Bundesamt für Veterinärwesen investiert zudem in die Forschung zur Bekämpfung der Bienenkrankheiten. Die Imker profitieren von diesen Massnahmen. Es könnten ebenfalls Beiträge im Rahmen der Absatzförderungsmassnahmen gewährt werden.</p><p>3. Der Bundesrat sieht zurzeit keine spezifischen Massnahmen zur Förderung des Imkernachwuchses vor. Er ist der Meinung, dass es ebenfalls Aufgabe der interessierten Landwirtschaftskreise ist, ihre Mitglieder auf die Entwicklung der Bienendichte aufmerksam zu machen. Diese sollen insbesondere dazu motiviert werden, die Bestäubung ihrer Kulturen sicherzustellen, indem sie selbst in der Bienenzucht tätig werden oder die Dienste von Imkern und Imkerinnen in Anspruch nehmen. Im Gewächshausgemüsebau ist die Bestäubung seit längerer Zeit ein zentrales Anliegen der Produzenten, die zu diesem Zweck insbesondere Hummeln von spezialisierten Betrieben "mieten".</p>  Antwort des Bundesrates.