<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">C 219/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>IV. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Kopp Käch </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 28. April 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">T.________ AG, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Kantonale Amtsstelle für Arbeitslosenversicherung, Uten- </div> <div class="para">gasse 36, Basel, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Kantonale Schiedskommission für Arbeitslosenversicherung </div> <div class="para">Basel-Stadt, Basel </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Die T.________ AG meldete der Kantonalen </div> <div class="para">Amtsstelle für Arbeitslosenversicherung Basel-Stadt am </div> <div class="para">22. Dezember 1998 wetterbedingte Arbeitsausfälle für die </div> <div class="para">Tage vom 8.-11. und 14.-18. Dezember 1998, da infolge </div> <div class="para">Schnee und Frost die Planie des eingebauten Mergelbelages </div> <div class="para">nicht habe erstellt werden können und eine Fortsetzung der </div> <div class="para">Arbeiten erst möglich sei, wenn der Mergel aufgetaut und </div> <div class="para">vollständig abgetrocknet sei. Gegen die beantragte Auszah- </div> <div class="para">lung von Schlechtwetterentschädigung erhob die kantonale </div> <div class="para">Amtsstelle am 11. Januar 1999 teilweise Einspruch mit der </div> <div class="para">Begründung, die ab 14. Dezember 1998 gemeldeten Arbeitsaus- </div> <div class="para">fälle seien nicht unmittelbar durch das Wetter verursacht </div> <div class="para">worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Die hiegegen erhobene Beschwerde wies die Kanto- </div> <div class="para">nale Schiedskommission für Arbeitslosenversicherung Basel- </div> <div class="para">Stadt mit Entscheid vom 29. April 1999 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die </div> <div class="para">T.________ AG die Aufhebung der vorinstanzlich bestätigten </div> <div class="para">Einspruchsverfügung und die Ausrichtung der Schlechtwetter- </div> <div class="para">entschädigung für die Tage vom 14.-18. Dezember 1998. </div> <div class="para"> Während die kantonale Amtsstelle auf Abweisung der </div> <div class="para">Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, hat sich das </div> <div class="para">Staatssekretariat für Wirtschaft nicht vernehmen lassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Erwerbszwei- </div> <div class="para">gen, welche der Bundesrat in die Liste gemäss <span class="artref">Art. 65 </span></div> <div class="para">Abs. 1 AVIV aufgenommen hat, haben Anspruch auf Schlecht- </div> <div class="para">wetterentschädigung, wenn u.a. ein anrechenbarer Arbeits- </div> <div class="para">ausfall entstanden ist (<span class="artref">Art. 42 Abs. 1 lit. b AVIG</span>). Der </div> <div class="para">Arbeitsausfall ist nach <span class="artref">Art. 43 Abs. 1 AVIG</span> dann anrechen- </div> <div class="para">bar, wenn er - nebst einer weiteren Anspruchsvoraussetzung </div> <div class="para">- ausschliesslich durch das Wetter verursacht wird (lit. a) </div> <div class="para">und die Fortführung der Arbeiten trotz genügender Schutz- </div> <div class="para">vorkehrungen technisch unmöglich oder wirtschaftlich un- </div> <div class="para">vertretbar ist oder den Arbeitnehmern nicht zugemutet wer- </div> <div class="para">den kann (lit. b). Der Arbeitsausfall ist u.a. insbesondere </div> <div class="para">dann nicht anrechenbar, wenn er nur mittelbar auf das Wet- </div> <div class="para">ter zurückzuführen ist (Kundenausfälle, Terminverzögerun- </div> <div class="para">gen; <span class="artref">Art. 43a lit. a AVIG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob die Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin überhaupt zu den entschädigungsberechtig- </div> <div class="para">ten Erwerbszweigen gehört. </div> <div class="para"> a) Während die kantonale Amtsstelle bei ihrer Ein- </div> <div class="para">spruchsverfügung stillschweigend vom Vorliegen eines ent- </div> <div class="para">schädigungsberechtigten Erwerbszweiges ausgegangen ist, hat </div> <div class="para">die kantonale Schiedskommission unter Hinweis auf <span class="artref">Art. 65 </span></div> <div class="para">Abs. 1 AVIV die Subsumtion unter den Tiefbau geprüft und </div> <div class="para">verneint. Die Beschwerdeführerin demgegenüber macht gel- </div> <div class="para">tend, sie falle unter den Zweig des Landschaftsgartenbaus. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Nach der Rechtsprechung ist die Liste der an- </div> <div class="para">spruchsberechtigten Erwerbszweige in <span class="artref">Art. 65 Abs. 1 AVIV</span> </div> <div class="para">abschliessend (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-V-390%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page394">BGE 111 V 394</a> Erw. 3 und 4, bestätigt in BGE </div> <div class="para">115 V 157 Erw. 1b; ARV 1989 Nr. 2 S. 63 Erw. 1b; Thomas </div> <div class="para">Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches </div> <div class="para">Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Bd. Soziale Sicherheit, </div> <div class="para">Rz 451). Eine allfällige Subsumtion und daraus resultieren- </div> <div class="para">de Berechtigung zum Bezug von Schlechtwetterentschädigung </div> <div class="para">hängt nicht von der Art der einzelnen Verrichtungen, son- </div> <div class="para">dern vom Charakter des Betriebs ab, in welchem die entspre- </div> <div class="para">chende Tätigkeit erfolgt. Das Abstellen allein auf die im </div> <div class="para">Einzelfall vorgenommene Arbeit würde den mit der Verord- </div> <div class="para">nungsbestimmung gesetzten Rahmen sprengen und zu einer vom </div> <div class="para">Gesetzgeber nicht gewollten und unpraktikablen Ausweitung </div> <div class="para">des Anspruchs führen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-V-390%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page394">BGE 111 V 394</a> Erw. 3; Nussbaumer, </div> <div class="para">a.a.O., Rz 455). Zu beachten ist, dass es dem Gesetzgeber </div> <div class="para">darum ging, zu verhindern, dass die Arbeitslosenversiche- </div> <div class="para">rung jede Art schlechtwetterbedingter Arbeitsverhinderung </div> <div class="para">entschädigen muss (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-V-390%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page397">BGE 111 V 397</a> Erw. 4c) und der Bundesrat </div> <div class="para">dementsprechend die Schlechtwetterentschädigung in der er- </div> <div class="para">wähnten Liste von <span class="artref">Art. 65 Abs. 1 AVIV</span> restriktiv regeln </div> <div class="para">wollte. Dabei war er gestützt auf die Delegationsnorm nach </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 42 Abs. 2 AVIG</span> unter Beachtung der durch das Willkür- </div> <div class="para">verbot gesetzten Grenzen grundsätzlich frei, Erwerbszweige </div> <div class="para">von der Liste auszuschliessen, welche an sich mit guten </div> <div class="para">Gründen als listenwürdig hätten bezeichnet werden können. </div> <div class="para">Zur Frage, ob die genannte gesetzliche Delegation den aus </div> <div class="para">rechtsstaatlichen Gründen an eine Delegationsnorm zu stel- </div> <div class="para">lenden Anforderungen zu genügen vermag, hat sich das Eid- </div> <div class="para">genössische Versicherungsgericht zufolge der verfassungs- </div> <div class="para">rechtlichen Beschränkung seiner Überprüfungsbefugnis </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 191 BV</span>) nicht zu äussern. In Anbetracht des dem </div> <div class="para">Bundesrat eingeräumten Auswahlermessens (vgl. Imboden/ </div> <div class="para">Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 5. Aufl., </div> <div class="para">Bd. I, Nr. 66 S. 405) sowie des Umstandes, dass es bei der </div> <div class="para">Bestimmung der Erwerbszweige mit Anspruch auf Schlechtwet- </div> <div class="para">terentschädigung vorwiegend um rechtspolitische Fragen </div> <div class="para">ging, übt das Eidgenössische Versicherungsgericht schliess- </div> <div class="para">lich auch bei der Überprüfung der Gesetz- und Verfassungs- </div> <div class="para">mässigkeit von <span class="artref">Art. 65 Abs. 1 AVIV</span> grundsätzlich Zurückhal- </div> <div class="para">tung (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-V-390%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page396">BGE 111 V 396</a> Erw. 4c). Unter Berücksichtigung des </div> <div class="para">klaren Willens des Gesetzgebers ist demzufolge bei der </div> <div class="para">Willkürprüfung im Einzelfall nicht nach mehr oder weniger </div> <div class="para">auffälligen Unterschieden zwischen einzelnen Erwerbszweigen </div> <div class="para">zu suchen, um die Nichterwähnung eines Erwerbszweiges in </div> <div class="para">der Liste von <span class="artref">Art. 65 Abs. 1 AVIV</span> zu begründen und das vom </div> <div class="para">Bundesrat bestätigte Auswahlermessen zu rechtfertigen, zu- </div> <div class="para">mal es an praktikablen Abgrenzungskriterien fehlt. Vielmehr </div> <div class="para">könnte Willkür nur bejaht werden, wenn Verhältnisse darge- </div> <div class="para">tan werden, welche den Ausschluss eines Erwerbszweiges aus </div> <div class="para">der Liste als offensichtlich ungerechtfertigte Ungleichbe- </div> <div class="para">handlung erscheinen lassen. Dies dürfte indessen bei einem </div> <div class="para">Instrument zur Eingrenzung von Leistungsansprüchen in der </div> <div class="para">Praxis lediglich ganz ausnahmsweise zutreffen (nicht ver- </div> <div class="para">öffentlichtes Urteil D. vom 19. Dezember 1997, C 225/97). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Die Beschwerdeführerin macht bezüglich Subsumtion </div> <div class="para">unter einen anspruchsberechtigten Erwerbszweig geltend, sie </div> <div class="para">sei eine Unternehmung, welche nebst im Neubau, der Sanie- </div> <div class="para">rung und der Instandstellungen von Tennisanlagen auch im </div> <div class="para">Landschaftsgartenbau tätig sei, dies sowohl im Zusammenhang </div> <div class="para">mit der Erstellung von Tennisanlagen als auch bei reinen </div> <div class="para">Gartenarbeitsaufträgen - unabhängig von Tennisanlagen. Sie </div> <div class="para">sei Mitglied des Schweizerischen Gärtnermeisterverbandes </div> <div class="para">und unterstehe somit dem entsprechenden Gesamtarbeitsver- </div> <div class="para">trag. </div> <div class="para"> Die Vorinstanz hat die Subsumtion unter den anspruchs- </div> <div class="para">berechtigten Erwerbszweig des Tiefbaus ohne nähere Prüfung </div> <div class="para">verneint. Das von ihr beigezogene Merkblatt "Beurteilung </div> <div class="para">der Bespielbarkeit eines Platzes" der Fachkommission für </div> <div class="para">Tennisanlagen hilft in diesem Zusammenhang nicht weiter. Ob </div> <div class="para">und unter welche Kategorie der Erwerbszweige mit Anspruchs- </div> <div class="para">berechtigung auf Schlechtwetterentschädigung die Beschwer- </div> <div class="para">deführerin fällt, kann aufgrund der Akten nicht entschieden </div> <div class="para">werden. Es fehlen insbesondere nähere Angaben zum Charakter </div> <div class="para">des Betriebes. Die kantonale Amtsstelle wird hinsichtlich </div> <div class="para">dieser Frage die Akten zu ergänzen und das Vorliegen eines </div> <div class="para">anspruchsberechtigten Erwerbszweiges - sei es unter der Ka- </div> <div class="para">tegorie Tiefbau oder Landschaftsgartenbau - hernach neu zu </div> <div class="para">prüfen haben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Ist die Subsumtion der Beschwerdeführerin unter </div> <div class="para">einen anspruchsberechtigten Erwerbszweig zu bejahen, stellt </div> <div class="para">sich des Weiteren die Frage nach der Anrechenbarkeit des </div> <div class="para">Arbeitsausfalls. Während die Erfordernisse des Mindestar- </div> <div class="para">beitsausfalls und der ordnungsgemässen Meldung vorliegend </div> <div class="para">unbestrittenermassen erfüllt sind, ist zu prüfen, ob der </div> <div class="para">Arbeitsausfall ausschliesslich durch das Wetter verursacht </div> <div class="para">und die Fortführung der Arbeiten trotz genügender Schutz- </div> <div class="para">vorkehren technisch unmöglich oder wirtschaftlich unver- </div> <div class="para">tretbar war. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> a) Die kantonale Amtsstelle und die Schiedskommission </div> <div class="para">stellen sich auf den Standpunkt, dass der Arbeitsausfall ab </div> <div class="para">14.-18. Dezember 1998 nur mittelbar auf das Wetter zurück- </div> <div class="para">zuführen sei. Aus den meteorologischen Beobachtungen des </div> <div class="para">Lufthygieneamtes beider Basel, auf welche abzustellen sei, </div> <div class="para">gehe hervor, dass vom 10.-17. Dezember 1998 die Temperatu- </div> <div class="para">ren nicht mehr unter 0° gesunken seien und dass ab 13. De- </div> <div class="para">zember 1998 kein Schnee mehr gefallen sei. Demgegenüber </div> <div class="para">macht die Beschwerdeführerin geltend, ein in Sanierung </div> <div class="para">begriffener Tennisplatz werde durch Frost und Schnee ausge- </div> <div class="para">sprochen nass und "seifig". Das Betreten des Platzes in </div> <div class="para">diesem Zustand verursache massive Schäden, die nur unter </div> <div class="para">grossem Sonderaufwand eliminiert werden könnten. Aus dem- </div> <div class="para">selben Grund könne nach erfolgtem Schneefall der Platz auch </div> <div class="para">nicht vom Schnee geräumt werden. Der auftauende Schnee ge- </div> <div class="para">rate somit in die aufgehackte Mergelschicht, welche durch </div> <div class="para">die Nässe dann unbetretbar werde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Zentrale Anspruchsvoraussetzung in <span class="artref">Art. 43 Abs. 1 </span></div> <div class="para">lit. a AVIG ist das Wetter oder die Witterung. Gesetz und </div> <div class="para">Verordnung enthalten allerdings keine Umschreibung dieses </div> <div class="para">Begriffs. Darunter zu verstehen sind insbesondere Regen, </div> <div class="para">Schnee, Hagel, Kälte, Hitze, Wind, Nässe und Trockenheit, </div> <div class="para">wobei der Einfluss der Witterung so stark sein muss, dass </div> <div class="para">die Arbeit trotz genügender Schutzvorkehrungen aus techni- </div> <div class="para">schen, wirtschaftlichen oder in der Person des Arbeitneh- </div> <div class="para">mers liegenden Gründen nicht mehr fortgeführt werden kann </div> <div class="para">(vgl. <span class="artref">Art. 43 Abs. 1 lit. b AVIG</span>; Nussbaumer, a.a.O., </div> <div class="para">Rz 461). </div> <div class="para"> Auslegungsbedürftig ist sodann der in <span class="artref">Art. 43a lit. a </span></div> <div class="para">AVIG verwendete Begriff des "nur mittelbar auf das Wetter </div> <div class="para">zurückzuführenden Arbeitsausfalls (Kundenausfälle, Termin- </div> <div class="para">verzögerungen) " ("perte de travail imputable qu'indirecte- </div> <div class="para">ment aux conditions météorologiques [perte de clientèle, </div> <div class="para">retard dans l'exécution des travaux]"; "perdita di lavoro </div> <div class="para">riconducibile soltanto indirettamente alle condizioni me- </div> <div class="para">teorologiche [perdita di clienti, ritardo nei termini]"). </div> <div class="para">Gemäss Lehre und Rechtsprechung (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-239%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page241">BGE 124 V 241</a> Erw. 3; </div> <div class="para">Nussbaumer, a.a.O., Rz 468) stehen unter dem Blickwinkel </div> <div class="para">der systematischen Abgrenzungsfunktion von der Kurzar- </div> <div class="para">beitsentschädigung zwei verschiedene Arten von nur mittel- </div> <div class="para">bar wetterbedingten und somit nicht anrechenbaren Arbeits- </div> <div class="para">ausfällen im Vordergrund: </div> <div class="para"> Zum einen geht es hier um diejenigen Fälle, bei denen </div> <div class="para">wegen ungünstiger Wetterverhältnisse die Nachfrage nach </div> <div class="para">einer angebotenen Dienstleistung oder einem zum Verkauf </div> <div class="para">stehenden Produkt beeinträchtigt wird, was der Gesetzgeber </div> <div class="para">mit dem Begriff "Kundenausfälle" ("perte de clientèle", </div> <div class="para">"perdita di clienti") umschrieben hat. Als Beispiele an- </div> <div class="para">zuführen sind etwa ein schneearmer Winter, welcher in Win- </div> <div class="para">tersportgebieten mannigfache Arbeitsausfälle verursacht, </div> <div class="para">oder verregnete Frühlings- und Sommermonate, die den Ver- </div> <div class="para">treiberinnen und Vertreibern von Gartenmöbeln entsprechende </div> <div class="para">Arbeitsausfälle bescheren. </div> <div class="para"> Zum andern umfasst die streitige Nichtanrechenbar- </div> <div class="para">keitsregelung auch Arbeitsausfälle, welche auf eine durch </div> <div class="para">Wettereinflüsse bewirkte zeitliche Verzögerung ins Auge </div> <div class="para">gefasster Arbeitsvorgänge zurückgehen. Der diesbezüglich in </div> <div class="para">der deutschen Fassung von <span class="artref">Art. 43a lit. a AVIG</span> verwendete </div> <div class="para">Begriff der "Terminverzögerungen" erweist sich - ebenso wie </div> <div class="para">derjenige der italienischen Version ("ritardo nei termi- </div> <div class="para">ni") - insofern als missverständlich, als er zunächst an </div> <div class="para">einen Termin im technischen Sinn denken lässt. Der in der </div> <div class="para">französischen Fassung verwendete Begriff "retard dans </div> <div class="para">l'exécution des travaux" bringt demgegenüber weit besser </div> <div class="para">zum Ausdruck, dass es in diesem Zusammenhang um bei der </div> <div class="para">Ausführung einer geplanten Arbeit eingetretene Verzögerun- </div> <div class="para">gen geht, die ihrerseits unmittelbar auf meteorologische </div> <div class="para">Einflüsse zurückzuführen sind, während der Arbeitsvorgang </div> <div class="para">als solcher keiner Beeinträchtigung durch das Wetter unter- </div> <div class="para">liegt. Als Beispiel bietet sich hier der Fall eines Konfi- </div> <div class="para">türeherstellers an, in dessen Fabrikationsbetrieb es zu </div> <div class="para">Arbeitsausfällen kommt, weil die Lieferung der zu verar- </div> <div class="para">beitenden Früchte zufolge eines wetterbedingten Rückstandes </div> <div class="para">bei deren Ernte auf sich warten lässt. Ferner ist etwa an </div> <div class="para">die Ausfälle zu denken, welche einem Malerbetrieb dadurch </div> <div class="para">entstehen, dass der geplante Anstrich von Zwischenwänden im </div> <div class="para">Innern eines Neubaus noch nicht in Angriff genommen werden </div> <div class="para">kann, weil diese Wände wegen wetterbedingter Bauverzögerun- </div> <div class="para">gen noch gar nicht erstellt wurden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-239%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page241">BGE 124 V 241</a> Erw. 3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Die Schlussfolgerung von Verwaltung und Vorinstanz, </div> <div class="para">wonach keine direkte Folge von Wettereinflüssen vorliege, </div> <div class="para">weil in der Zeit vom 10.-17. Dezember 1998 die Temperaturen </div> <div class="para">nicht unter 0° gesunken seien, und ab dem 13. Dezember 1998 </div> <div class="para">kein Schnee gefallen sei, basiert somit auf einer unzutref- </div> <div class="para">fenden Gesetzesauslegung. Dass Nässe für das Betreten eines </div> <div class="para">Mergelplatzes heikel ist, geht bereits aus dem erwähnten </div> <div class="para">Merkblatt der Fachkommission für Tennisanlagen hervor. Ent- </div> <div class="para">scheidend ist im vorliegenden Fall somit, ob die Planiear- </div> <div class="para">beiten nach dem Einbau des Mergelbelages - wie die Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin geltend macht - wegen zu grosser Nässe in- </div> <div class="para">folge Schnee und Frost nicht durchgeführt werden konnten. </div> <div class="para">Ist dies - allenfalls nach weiteren Abklärungen - zu beja- </div> <div class="para">hen, liegt ein ausschliesslich durch das Wetter verursach- </div> <div class="para">ter anrechenbarer Arbeitsausfall im Sinne von <span class="artref">Art. 43 </span></div> <div class="para">Abs. 1 lit. a AVIG vor. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Die weitere Anspruchsvoraussetzung, wonach die </div> <div class="para">Fortführung der Arbeiten trotz genügender Schutzvorkehrun- </div> <div class="para">gen u.a. technisch unmöglich oder wirtschaftlich unvertret- </div> <div class="para">bar sein muss, ist aufgrund der vorliegenden Akten als er- </div> <div class="para">füllt zu betrachten. Eine gegenteilige Auffassung wird denn </div> <div class="para">auch von keiner Seite geäussert. </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.In teilweiser Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbe- </div> <div class="para"> schwerde werden der Entscheid der Kantonalen Schieds- </div> <div class="para"> kommission für Arbeitslosenversicherung Basel-Stadt </div> <div class="para"> vom 29. April 1999 und die Verfügung der Kantonalen </div> <div class="para"> Amtsstelle für Arbeitslosenversicherung vom 11. Januar </div> <div class="para"> 1999 aufgehoben, und es wird die Sache an die kantona- </div> <div class="para"> le Amtsstelle zurückgewiesen, damit sie, nach erfolg- </div> <div class="para"> ter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den An- </div> <div class="para"> spruch auf Schlechtwetterentschädigung neu verfüge. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, der Kantonalen </div> <div class="para"> Schiedskommission für Arbeitslosenversicherung Ba- </div> <div class="para"> sel-Stadt, dem Kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe </div> <div class="para"> und Arbeit Basel-Stadt und dem Staatssekretariat für </div> <div class="para"> Wirtschaft zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 28. April 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>