<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 112 S.392</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">392</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>112 Lohneinstufung. Gerichtliche Überprüfung von ABAKABA. Markt-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vergleich.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das Arbeitsplatzbewertungssystem ABAKABA ist vom Personalre-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kursgericht nur mit Zurückhaltung gerichtlich überprüfbar. Auch in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bezug auf die Überprüfung der Anwendung von ABAKABA, d.h. der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bewertung der einzelnen Arbeitsplätze anhand der durch ABA-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">393</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>KABA vorgegebenen Kriterien, ist eine gewisse richterliche Zurück-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>haltung gerechtfertigt (Erw. I/3 und 4).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es ist vertretbar, dass im Rahmen der Berücksichtigung der Ar-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>beitsmarktsituation nach Massgabe von § 5 Abs. 4 LD lediglich ein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Vergleich der Minimallöhne vorgenommen wird. Ein weitergehender</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Marktvergleich, welcher darüber hinaus auch die Lohnentwick-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lungsmöglichkeiten berücksichtigen würde, ist nicht zwingend vor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zunehmen (Erw. II/4a).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 18. Oktober 2004 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen X. gegen Beschluss des Regierungsrates (BE.2003.5008).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. 3. a) Das Personalrekursgericht überprüft im Beschwerdever-</span><br/> <span class="ft1">fahren die Feststellung des Sachverhalts sowie allfällige Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">letzungen; zudem steht ihm die Überprüfung der Handhabung des</span><br/> <span class="ft1">Ermessens zu (AGVE 2001, S. 530 ff.).</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Dem Gesetzgeber kommt in Organisations- und Besol-</span><br/> <span class="ft1">dungsfragen ein grosser Ermessens- bzw. Gestaltungsspielraum zu.</span><br/> <span class="ft1">Die zuständigen Behörden können innerhalb der Grenzen des Will-</span><br/> <span class="ft1">kürverbots und des Rechtsgleichheitsgebots aus einer Vielzahl denk-</span><br/> <span class="ft1">barer Anknüpfungspunkte diejenigen Tatbestandselemente auswäh-</span><br/> <span class="ft1">len, die sie für die Besoldung der Bediensteten als massgebend er-</span><br/> <span class="ft1">achten (VPB 67.111, Erw. 3/b mit zahlreichen Hinweisen). Die ge-</span><br/> <span class="ft1">richtliche Überprüfung entsprechender Erlasse erfolgt daher trotz</span><br/> <span class="ft1">umfassender Kognition lediglich mit einer entsprechenden Zurück-</span><br/> <span class="ft1">haltung (BGE 129 I 165 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 5 Abs. 4 LD erlässt der Grosse Rat den Lohnstufen-</span><br/> <span class="ft1">plan (Anhang I zum Lohndekret) und der Regierungsrat legt den Ein-</span><br/> <span class="ft1">reihungsplan (VO Einreihung) fest. Entsprechend den obigen Erwä-</span><br/> <span class="ft1">gungen dürfen beide Erlasse nur zurückhaltend gerichtlich überprüft</span><br/> <span class="ft1">werden.</span><br/> <span class="ft1">bb) Als Basis von Lohnstufenplan und Einreihungsplan dient</span><br/> <span class="ft1">die Arbeitsplatzbewertung bzw. der entsprechende Bericht der Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wertungskommission (vgl. § 5 Abs. 3 und 4 LD). Daraus folgt, dass</span><br/> <span class="ft1">mittelbar auch dem Arbeitsplatzbewertungssystem ABAKABA</span><br/> <span class="ft1">rechtsetzender Charakter zukommt; es ist dem Lohnstufen- sowie</span><br/> <span class="ft1">dem Einreihungsplan immanent und wie diese nur mit Zurückhaltung</span><br/> <span class="ft1">gerichtlich überprüfbar.</span><br/> <span class="ft1">Dieselbe Beurteilung ergibt sich auch aus einem anderen</span><br/> <span class="ft1">Grund: Die Kriterien für die Bewertung der Arbeitsplätze sind in § 5</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 LD festgelegt. Darin wird das Arbeitsplatzbewertungssystem</span><br/> <span class="ft1">ABAKABA nicht explizit genannt; aufgrund der Auswahl und For-</span><br/> <span class="ft1">mulierung der Kriterien lässt sich jedoch unschwer erkennen, dass</span><br/> <span class="ft1">die Bestimmung auf diese Methode zugeschnitten ist. Dieser Schluss</span><br/> <span class="ft1">ergibt sich auch daraus, dass bei Erlass des Lohndekrets die Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">platzbewertung ABAKABA weitgehend abgeschlossen war (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Botschaft des Regierungsrats vom 19. Mai 1999 zum Lohndekret,</span><br/> <span class="ft1">S. 6) bzw. der Regierungsrat bereits 1996 beschlossen hatte, die Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsplatzbewertung nach der Methode ABAKABA (Analytische</span><br/> <span class="ft1">Bewertung von Arbeitstätigkeiten nach Katz und Baitsch) durchzu-</span><br/> <span class="ft1">führen. Das Arbeitsplatzbewertungssystem ABAKABA ist somit</span><br/> <span class="ft1">durch das Lohndekret implizit vorgegeben und darf daher wie das</span><br/> <span class="ft1">Lohndekret selber (vgl. lit. b hievor) nur mit erheblicher Zurückhal-</span><br/> <span class="ft1">tung gerichtlich überprüft werden.</span><br/> <span class="ft1">c) Das Arbeitsplatzbewertungssystem ABAKABA bildet ein</span><br/> <span class="ft1">arbeitswissenschaftlich anerkanntes Verfahren. Dies gilt unabhängig</span><br/> <span class="ft1">davon, dass es für die konkrete Umsetzung im Kanton Aargau in ei-</span><br/> <span class="ft1">nigen Punkten leicht modifiziert wurde. Diese Differenzierungen er-</span><br/> <span class="ft1">folgten derart punktuell, dass das System dadurch keine massgebli-</span><br/> <span class="ft1">chen Änderungen erfuhr. Hinzu kommt, dass einer der Mitbegründer</span><br/> <span class="ft1">des Systems in der Bewertungskommission vertreten war und damit</span><br/> <span class="ft1">gewährleistete, dass das System trotz der Modifikationen den arbeits-</span><br/> <span class="ft1">wissenschaftlichen Anforderungen weiterhin genügte.</span><br/> <span class="ft1">In Anbetracht dessen, dass das System ABAKABA einerseits</span><br/> <span class="ft1">durch das Gericht nur mit erheblicher Zurückhaltung überprüft wer-</span><br/> <span class="ft1">den kann (vgl. Erw. 3/b/bb hievor) und es anderseits arbeitswissen-</span><br/> <span class="ft1">schaftlich anerkannt ist, besteht vorliegend kein Anlass dafür, ABA-</span><br/> <span class="ft1">KABA grundsätzlich in Frage zu stellen. Dies rechtfertigt sich umso</span><br/> <span class="ft1">mehr, als die Beschwerdeführenden keine generellen Vorbehalte ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">395</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">genüber dem angewandten Arbeitsplatzbewertungssystem geltend</span><br/> <span class="ft1">machen.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Durch das System ABAKABA vorgegeben sind insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere folgende Elemente:</span><br/> <span class="ft1">aa) Merkmale</span><br/> <span class="ft1">Das Arbeitsplatzbewertungssystem ABAKABA untersucht</span><br/> <span class="ft1">die Anforderungen und Belastungen, welche mit einem Arbeitsplatz</span><br/> <span class="ft1">unabdingbar verbunden sind, anhand von vier Merkmalsbereichen:</span><br/> <span class="ft1">intellektueller Bereich (I), psychosozialer Bereich (PS), physischer</span><br/> <span class="ft1">Bereich (P) und Verantwortungsbereich (V; Führungsverantwortung</span><br/> <span class="ft1">und Verantwortung bezüglich besonderer Risiken). Die vier Merk-</span><br/> <span class="ft1">malsbereiche (I/PS/P/V) sind unterteilt in 46 Untermerkmale, welche</span><br/> <span class="ft1">anhand eines Fragenkatalogs überprüft werden.</span><br/> <span class="ft1">bb) Formularteil</span><br/> <span class="ft1">Der sogenannte Formularteil enthält die Beurteilungsskalen zu</span><br/> <span class="ft1">sämtlichen Einzelmerkmalen sowie die "ungewichteten" (vgl. lit. b</span><br/> <span class="ft1">hiernach) Punktewerte für die einzelnen Beurteilungen. Die im Hin-</span><br/> <span class="ft1">blick auf die Arbeitsplatzbewertung im Kanton Aargau durch die</span><br/> <span class="ft1">Bewertungskommission vorgenommenen Änderungen des Formu-</span><br/> <span class="ft1">larteils (so etwa bei den Kriterien I 2, 4; PS 3, 4.4 - 4.10; V 1 - 4)</span><br/> <span class="ft1">sind ausnahmslos arbeitswissenschaftlich begründbar und daher</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls als systemimmanent zu betrachten.</span><br/> <span class="ft1">cc) Handbuch</span><br/> <span class="ft1">Eine Bewertungskommission sollte gleichsam ihren eigenen</span><br/> <span class="ft1">Massstab für die Arbeitsplatzbewertung finden. Im Handbuch "Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsanalyse" hat die Bewertungskommission Beurteilungsmassstäbe</span><br/> <span class="ft1">hinsichtlich der einzelnen durch ABAKABA vorgegebenen Merk-</span><br/> <span class="ft1">male aufgestellt. Es will verstanden werden als "Nachschlagewerk</span><br/> <span class="ft1">für einen autorisierten Personenkreis (Personalverantwortliche, Ge-</span><br/> <span class="ft1">neralsekretäre)" und "dokumentiert die Arbeitsweise und das im</span><br/> <span class="ft1">Verlauf von drei Jahren erworbene Know-how der Bewertungskom-</span><br/> <span class="ft1">mission." Es ging bei der Schaffung des Handbuchs im Wesentlichen</span><br/> <span class="ft1">darum, eine einheitliche Anwendung von ABAKABA über die ge-</span><br/> <span class="ft1">samte Verwaltung sicherzustellen.</span><br/> <span class="ft1">Das Handbuch ist insofern als systemimmanent zu betrachten,</span><br/> <span class="ft1">als es sich - der zitierten Zielsetzung entsprechend - auf eine Kon-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">396</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kretisierung der durch ABAKABA vorgegebenen Beurteilungskrite-</span><br/> <span class="ft1">rien beschränkt. Ohne Zurückhaltung zu überprüfen ist indessen die</span><br/> <span class="ft1">Frage, ob tatsächlich eine entsprechende Konkretisierung vorliegt</span><br/> <span class="ft1">oder ob das Handbuch Beurteilungsmassstäbe festlegt, welche nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr mit den Vorgaben von ABAKABA vereinbar sind.</span><br/> <span class="ft1">b) Nach dem Arbeitsplatzbewertungssystem ABAKABA kann</span><br/> <span class="ft1">für jeden Merkmalsbereich derselbe Maximalpunktwert erreicht</span><br/> <span class="ft1">werden; das System selber nimmt diesbezüglich keine Gewichtung</span><br/> <span class="ft1">vor. Diese Gewichtung erfolgt in einem von ABAKABA separaten,</span><br/> <span class="ft1">unabhängigen Schritt, da ihm kein arbeitswissenschaftlicher, sondern</span><br/> <span class="ft1">ein primär lohnpolitischer Charakter zugemessen wird.</span><br/> <span class="ft1">Dem Lohnstufen- sowie dem Einreihungsplan liegt folgendes</span><br/> <span class="ft1">Gewichtungsmodell zugrunde: Intellektueller Bereich 65 %, psycho-</span><br/> <span class="ft1">sozialer Bereich 10 %, physischer Bereich 5 % und Verantwortungs-</span><br/> <span class="ft1">bereich 20 %. In seiner Botschaft vom 31. Mai 2000 an den Grossen</span><br/> <span class="ft1">Rat über die Anhänge I, II und III zum Lohndekret (der Lohnstufen-</span><br/> <span class="ft1">plan befindet sich in Anhang I) hat der Regierungsrat darauf hinge-</span><br/> <span class="ft1">wiesen, Basis für die Erarbeitung des Lohnstufenplans sei u.a. das</span><br/> <span class="ft1">Gewichtungsmodell. Zwischen diesem und dem Lohnstufenplan be-</span><br/> <span class="ft1">stehe ein enger Zusammenhang, indem mit dem Entscheid über den</span><br/> <span class="ft1">Lohnstufenplan implizit auch über die Gewichtung der Kriterien ent-</span><br/> <span class="ft1">schieden werde. Eine Veränderung der Gewichtung führe zu einer</span><br/> <span class="ft1">Veränderung der ABAKABA-Gesamtpunktzahlen, welche nicht au-</span><br/> <span class="ft1">tomatisch mit dem Lohnstufenplan verknüpft werden könnten.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der zitierten Ausführungen des Regierungsrats ergibt</span><br/> <span class="ft1">sich, dass der Grosse Rat mit seinem Entscheid über Anhang I zum</span><br/> <span class="ft1">Lohndekret auch indirekt über das Gewichtungsmodell befunden hat.</span><br/> <span class="ft1">Damit kommt dem Gewichtungsmodell Dekretscharakter zu. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">den Darlegungen unter Erw. 3/b hievor darf es folglich nur mit er-</span><br/> <span class="ft1">heblicher Zurückhaltung überprüft werden.</span><br/> <span class="ft1">c) In Bezug auf die Anwendung von ABAKABA, d.h. die Be-</span><br/> <span class="ft1">wertung der einzelnen Arbeitsplätze anhand der durch ABAKABA</span><br/> <span class="ft1">vorgegebenen Kriterien, ist grundsätzlich von einer vollen Überprüf-</span><br/> <span class="ft1">barkeit durch das Personalrekursgericht auszugehen. Das Personalre-</span><br/> <span class="ft1">kursgericht hat aufgrund seiner umfassenden Kognition (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3/a hievor) zu prüfen, ob die erarbeiteten Kriterien korrekt an-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">397</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gewendet wurden. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass das Ge-</span><br/> <span class="ft1">richt nicht das von den Projektgremien im Lauf des Verfahrens er-</span><br/> <span class="ft1">worbene und durch Expertentätigkeit unterstützte Würdigungsver-</span><br/> <span class="ft1">mögen besitzt. Insofern erweist sich auch im Rahmen der Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung von ABAKABA eine gewisse richterliche Zurückhaltung als</span><br/> <span class="ft1">gerechtfertigt.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">II. 4. a) Die Beschwerdeführenden berufen sich in doppelter</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht auf einen Marktvergleich: Einerseits auf einen Marktver-</span><br/> <span class="ft1">gleich mit anderen Justizfunktionären im Kanton Aargau ("interner"</span><br/> <span class="ft1">Marktvergleich) und anderseits auf einen Marktvergleich mit densel-</span><br/> <span class="ft1">ben Funktionen anderer Kantone ("externer" Marktvergleich).</span><br/> <span class="ft1">aa) Gemäss § 5 Abs. 4 LD legt auf der Basis des Berichts über</span><br/> <span class="ft1">die Arbeitsplatzbewertung und "unter Berücksichtigung der Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsmarktsituation" (dem sogenannten Marktvergleich) der Grosse</span><br/> <span class="ft1">Rat den Lohnstufenplan und der Regierungsrat den Einreihungsplan</span><br/> <span class="ft1">fest. Die Arbeitsmarktkonformität wurde zusätzlich berücksichtigt,</span><br/> <span class="ft1">weil der Kanton Aargau der Konkurrenz durch andere Arbeitgeber</span><br/> <span class="ft1">ausgesetzt ist und sich folglich in seiner Lohnpolitik nicht nur an</span><br/> <span class="ft1">dem von ihm gewählten Lohnsystem ausrichten kann, sondern sich</span><br/> <span class="ft1">auch am Markt orientieren muss, um seine Mitarbeitenden nicht un-</span><br/> <span class="ft1">ter-, aber auch nicht überzubezahlen (vgl. insbesondere Protokoll des</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rates vom 23. November 1999, S. 2504, Votum Otto Wertli</span><br/> <span class="ft1">zu § 5; Protokoll der nichtständigen Kommission Personalvorlagen</span><br/> <span class="ft1">vom 5. November 1999, S. 380, Votum Regierungsrätin Stéphanie</span><br/> <span class="ft1">Mörikofer). Bestünde keine Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern,</span><br/> <span class="ft1">wäre kein Marktvergleich nötig. Daraus folgt, dass gestützt auf § 5</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 LD grundsätzlich nur Marktvergleiche mit externen, nicht</span><br/> <span class="ft1">aber mit kantonsinternen Stellen vorzunehmen sind. Eine Ausnahme</span><br/> <span class="ft1">ist lediglich angezeigt, wenn die zum Vergleich herangezogene Stelle</span><br/> <span class="ft1">eine Marktkorrektur erfahren hat. Dies kann unter Umständen ein In-</span><br/> <span class="ft1">diz dafür sein, dass auch die umstrittene Stelle selber eine Marktkor-</span><br/> <span class="ft1">rektur erfahren müsste.</span><br/> <span class="ft1">Der Grundsatz, wonach keinerlei "interner" Marktvergleich</span><br/> <span class="ft1">vorzunehmen ist, schliesst selbstverständlich die Überprüfung nicht</span><br/> <span class="ft1">aus, ob bei der Bewertung von zwei verschiedenen kantonalen Stel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">398</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">len nach denselben Massstäben vorgegangen wurde. Dabei handelt</span><br/> <span class="ft1">es sich indessen nicht um einen eigentlichen Marktvergleich, sondern</span><br/> <span class="ft1">um die Beurteilung, ob das Arbeitsplatzbewertungssystem ABA-</span><br/> <span class="ft1">KABA korrekt angewendet wurde (sogenannter Quervergleich).</span><br/> <span class="ft1">bb) In Bezug auf den externen Marktvergleich stellt sich vorab</span><br/> <span class="ft1">die Frage, welchen Anforderungen er zu genügen hat. Nach der Pra-</span><br/> <span class="ft1">xis der Abteilung P+O erfolgt lediglich ein Vergleich von Minimal-</span><br/> <span class="ft1">löhnen, während nach Auffassung der Beschwerdeführenden zusätz-</span><br/> <span class="ft1">lich die Möglichkeit der Lohnentwicklung, insbesondere die Maxi-</span><br/> <span class="ft1">mallöhne, verglichen werden müssten.</span><br/> <span class="ft1">aaa) Gemäss dem Wortlaut von § 5 Abs. 4 LD erfolgen die</span><br/> <span class="ft1">Festlegung von Lohnstufen- und Einreihungsplan "unter Berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigung der Arbeitsmarktsituation". Der Lohnstufenplan definiert</span><br/> <span class="ft1">die Minimal- und Maximallöhne pro Lohnstufe; der Einreihungsplan</span><br/> <span class="ft1">weist die einzelnen Funktionen einer bestimmten Lohnstufe zu, wel-</span><br/> <span class="ft1">che - wie gesehen - durch Minimal- und Maximallohn umschrieben</span><br/> <span class="ft1">ist. Insofern drängt sich der Schluss auf, dass nicht nur in Bezug auf</span><br/> <span class="ft1">die Minimal-, sondern auch in Bezug auf die Maximallöhne ein</span><br/> <span class="ft1">Marktvergleich zu erfolgen hat.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Aufgrund der systematischen Auslegung ergibt sich Fol-</span><br/> <span class="ft1">gendes: § 5 LD hat die Marginale "Positionsanteil und Arbeitsplatz-</span><br/> <span class="ft1">bewertung". Auch aus § 4 lit. a LD ergibt sich, dass sich die Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mung von § 5 LD auf den Positionsanteil (= Minimallohn der jewei-</span><br/> <span class="ft1">ligen Lohnstufe) bezieht. Daraus lässt sich schliessen, dass nach</span><br/> <span class="ft1">Massgabe von § 5 Abs. 4 LD einzig in Bezug auf den Positionsanteil</span><br/> <span class="ft1">ein Marktvergleich vorzunehmen ist; ein Vergleich allein der Mini-</span><br/> <span class="ft1">mallöhne erscheint insofern naheliegend.</span><br/> <span class="ft1">Dieselbe Beurteilung ergibt sich auch aus dem folgenden</span><br/> <span class="ft1">Grund: Gemäss § 6 Abs. 4 LD beträgt die Bandbreite für den Lei-</span><br/> <span class="ft1">stungsanteil 40 % des Positionsanteils. Mit anderen Worten lässt sich</span><br/> <span class="ft1">aus der Höhe des Positionsanteils unmittelbar die Höhe des Maxi-</span><br/> <span class="ft1">mallohnes ableiten. Daraus lässt sich folgern, dass sich der Fokus des</span><br/> <span class="ft1">Marktvergleichs gemäss § 5 Abs. 4 LD primär auf den Positionsan-</span><br/> <span class="ft1">teil bezieht.</span><br/> <span class="ft1">ccc) Für die historische Auslegung erscheint wesentlich, dass</span><br/> <span class="ft1">die Formulierung "unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes" zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">399</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rückzuführen ist auf den Antrag, "dass im Positionsanteil die Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsmarktlage mitberücksichtigt wird" (Protokoll der nichtständigen</span><br/> <span class="ft1">Kommission Personalvorlagen vom 10. August 1999, S. 226, Votum</span><br/> <span class="ft1">Daniel Knecht). In den Materialien finden sich im Übrigen keine</span><br/> <span class="ft1">weiteren schlüssigen Anhaltspunkte dafür, ob im Rahmen des</span><br/> <span class="ft1">Marktvergleichs nur auf die Minimallöhne abzustellen oder eine ver-</span><br/> <span class="ft1">tieftere Marktanalyse notwendig wäre.</span><br/> <span class="ft1">ddd) Aus teleologischer Sicht erscheint es auf den ersten Blick</span><br/> <span class="ft1">hin sachgerecht, im Rahmen des Marktvergleichs nicht nur die Mi-</span><br/> <span class="ft1">nimallöhne, sondern auch die unterschiedlichen Möglichkeiten der</span><br/> <span class="ft1">Lohnentwicklung einander gegenüber zu stellen, um ein möglichst</span><br/> <span class="ft1">vollständiges Abbild der Marktsituation zu erhalten. Dieser Überle-</span><br/> <span class="ft1">gung ist indessen Folgendes entgegenzuhalten:</span><br/> <span class="ft1">Das Arbeitsplatzbewertungssystem ABAKABA dient - wie alle</span><br/> <span class="ft1">Verfahren zur Arbeitsplatzbewertung - der Bemessung des Positi-</span><br/> <span class="ft1">onslohns. Die Berücksichtigung des Marktes bildet ein Korrektiv für</span><br/> <span class="ft1">jene Fälle, in denen das Resultat von ABAKABA nicht dem Markt</span><br/> <span class="ft1">entspricht (vgl. Erw. aa hievor), mithin der mittels ABAKABA er-</span><br/> <span class="ft1">mittelte Positionslohn nicht marktkonform ist. Mittels Marktver-</span><br/> <span class="ft1">gleich zu korrigieren ist somit einzig der Positionslohn; demzufolge</span><br/> <span class="ft1">erscheint ein Vergleich allein mit anderen Minimallöhnen als nahe-</span><br/> <span class="ft1">liegend.</span><br/> <span class="ft1">In Anbetracht dessen, dass der Maximallohn ohnehin in einem</span><br/> <span class="ft1">fixen Verhältnis zum Positionslohn steht (+ 40 %; § 6 Abs. 4 LD),</span><br/> <span class="ft1">macht eine Überprüfung der Marktkonformität (auch) der weiteren</span><br/> <span class="ft1">Lohnentwicklung sowie des Maximallohnes grundsätzlich wenig</span><br/> <span class="ft1">Sinn. In diesem Zusammenhang ist wesentlich, dass jeder einzelnen</span><br/> <span class="ft1">Stelle nur eine bestimmte Lohnstufe zugeordnet ist. Insofern ist es a</span><br/> <span class="ft1">priori ausgeschlossen, einer allfälligen Marktdifferenz bei den Ma-</span><br/> <span class="ft1">ximallöhnen mit einer zusätzlichen "Öffnung" einer zweiten (d.h. der</span><br/> <span class="ft1">nächsthöheren) Lohnstufe zu begegnen.</span><br/> <span class="ft1">Es mag zutreffen, dass auch methodische und praktische</span><br/> <span class="ft1">Gründe gegen einen umfassenden Marktvergleich sprechen. Die ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechenden Schwierigkeiten erscheinen indessen keinesfalls un-</span><br/> <span class="ft1">überwindbar; entsprechend sind sie nicht allzu hoch zu gewichten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">400</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">cc) Gesamthaft erachtet es das Gericht insbesondere aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der Gesetzessystematik sowie der teleologischen Auslegung als ver-</span><br/> <span class="ft1">tretbar, dass zur Berücksichtigung der Arbeitsmarktsituation nach</span><br/> <span class="ft1">Massgabe von § 5 Abs. 4 LD lediglich ein Vergleich der Minimal-</span><br/> <span class="ft1">löhne vorgenommen wird. Ein weitergehender Marktvergleich, wel-</span><br/> <span class="ft1">cher darüber hinaus auch die Lohnentwicklungsmöglichkeiten be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigen würde, ist nicht zwingend vorzunehmen. In Bezug auf</span><br/> <span class="ft1">den Hinweis der Beschwerdeführenden auf den Perspektivenverlust</span><br/> <span class="ft1">bleibt anzumerken, dass dieser Umstand - welcher diverse Funktio-</span><br/> <span class="ft1">nen betrifft - auf der Einführung des neuen Lohnsystems beruht. Im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der Überführung ins neue Lohnsystem war es sogar mög-</span><br/> <span class="ft1">lich, nicht nur einen Perspektivenverlust, sondern gestaffelte Lohn-</span><br/> <span class="ft1">senkungen in Kauf nehmen zu müssen, wenn die ursprüngliche</span><br/> <span class="ft1">Bruttobesoldung nominal höher war als das Maximum der Lohnstufe</span><br/> <span class="ft1">der entsprechenden Funktion (vgl. Anhang III Ziff. 2 Abs. 2 zum</span><br/> <span class="ft1">Lohndekret).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>