<h2>SubmittedText<h2><p>Die vor ein paar Wochen veröffentlichten Jagdstatistiken zeigen, dass 2021 in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr 11 Prozent mehr Waldschnepfen gejagt wurden. Im Kanton Neuenburg waren es gar 32 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das nationale Waldschnepfenprojekt, das 1,2 Millionen Franken gekostet hat, hat gezeigt, dass der Bestand dieser Vogelart, die auf der roten Liste der bedrohten Tierarten steht, weiter abnimmt. In diesem Zusammenhang hat der Bundesrat vor einem Jahr die Interpellation 21.3464 beantwortet. In der Zwischenzeit wurden die Projektberichte auf der Internet-Seite der Stiftung Info Fauna veröffentlicht. </p><p>Ich bitte den Bundesrat um Antwort auf folgende Fragen:</p><p>1. Wie werden die Ergebnisse dieser kostspieligen Studie umgesetzt? Warum werden trotzdem mehr Exemplare der bedrohten Vogelart der Waldschnepfen geschossen?</p><p>2. Die Studie konzentrierte sich auf den westlichen Teil des Juras. Wann wird die Situation im Tessin, dem Kanton, in dem die meisten Waldschnepfen geschossen werden, unter die Lupe genommen?</p><p>3. In seiner Antwort auf die Interpellation 21.3464 sagte der Bundesrat, das BAFU habe sich mit rund 600 000 Franken an den Projektkosten beteiligt. Umfasst dieser Betrag auch die Leistungen der Info Fauna, deren Betriebskosten gänzlich vom BAFU getragen werden? Wie hoch sind die Beiträge von ausserhalb des Bundes und wie hoch sind die Beiträge von ausserhalb der öffentlichen Hand?</p><p>4. In seiner Antwort auf die Interpellation 21.3464 sagte der Bundesrat: "Mit der Verlängerung der Schonzeit um einen Monat könnte die Anzahl der abgeschossenen Waldschnepfen ... pro Jahr um bis zu 10 Prozent sinken". Warum macht der Bundesrat im August 2021 eine solche Aussage, wo doch der Bericht, der dem BAFU im April 2021 vorlag, von einem Rückgang um lediglich 2,5 Prozent und damit um viermal weniger sprach?</p><p>5. Ist sich der Bundesrat bewusst, dass mit einer Verlängerung der Schonfrist um lediglich einen Monat, wie er sagt, noch 90 Prozent der einheimischen Waldschnepfen vorhanden sind, die Gefahr laufen, in ihren Reproduktionsgebieten abgeschossen zu werden?</p><p>6. Hält der Bundesrat eine Verringerung um 10 Prozent (die mit den im Bericht dargestellten Massnahmen nicht erreichbar ist) für ausreichend? Ist er nicht auch der Ansicht, dass ein Verbot, die Waldschnepfen zu bejagen, ein einfaches und wirksames Mittel wäre?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. und 6. Die erwähnte Studie zu den Waldschnepfen hat untersucht, welche Faktoren den einheimischen Brutbestand beeinflussen, wie dieser gefördert werden kann, und ob die Jagd in der Schweiz den einheimischen Brutbestand bedroht. Die Studie kam zum Ergebnis, dass die Jagd in der Schweiz keinen entscheidenden Einfluss hat. Dies im Gegensatz zu den Veränderungen des Lebensraums der Waldschnepfe. Zur Umsetzung der Erkenntnisse der Studie hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) gemeinsam mit den Mitgliedern der strategischen Begleitgruppe nach dem Abschluss des Projekts 2021 drei Handlungsfelder identifiziert: die Aufwertung der Lebensräume der Waldschnepfen-Brutpopulation in der Schweiz, die Harmonisierung der kantonalen Bejagungsvorschriften sowie die Intensivierung des Waldschnepfen-Monitorings. Die Arbeiten im Bereich der ersten beiden Handlungsfelder sind angelaufen. Für die Weiterentwicklung des Waldschnepfen-Monitorings ist als erstes eine Auslegeordnung der Ziele und der methodischen Möglichkeiten geplant.</p><p>2. Die Schweiz befindet sich am südlichen Rand des nordosteuropäischen Verbreitungsgebietes der Waldschnepfe. Das hat zur Folge, dass diese Vogelart seit jeher nur einen geringen Brutbestand in den Kantonen nördlich der Alpen aufweist. Da sich im Tessin kein Brutvorkommen vorfindet, konzentrierte sich die Studie auf den Jura.</p><p>3. Die Kosten des Bundes für die Waldschnepfenstudie beliefen sich auf 600 000 Franken, welche seitens BAFU direkt an Infofauna überwiesen wurden. Weiter beteiligten sich die Schweizerische Vogelwarte Sempach und die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft aufsummiert mit rund 600 000 Franken an Eigenmitteln an der Studie.</p><p>4. Sowohl die Waldschnepfen-Abschusszahlen wie auch die Abflugzeiten der Schweizer Brutvögel nach Südwesten variieren von Jahr zu Jahr. Die Angaben des Bundesrats in seiner Antwort zur Interpellation tragen dem Rechnung und geben eine grobe Schätzung der maximalen Spannbreite wieder.</p><p>5. Auch wenn die Jagd in der Schweiz keinen entscheidenden Einfluss auf die gesamte Population der Waldschnepfen hat, ist es doch ratsam, den Brutbestand der Waldschnepfen in der Schweiz besser zu schützen. Deshalb haben der Bundesrat und das Parlament bei der Anpassung des eidgenössischen Jagdgesetzes 2019 vorgeschlagen, die Schonzeit um vier Wochen bis Mitte Oktober zu verlängern. Nach der Ablehnung der Jagdgesetzrevision durch die Bevölkerung haben gewisse Kantone (VS, VD, FR, NE und BE) sich entschieden, deren kantonales Recht auf der Grundlage der Empfehlung des Waldschnepfenprojektes des BAFU zu harmonisieren und dabei wie folgt anzupassen: (1) Verkürzung der Jagdzeit um mindestens einen Monat; (2) Einführung einer maximalen Abschussquote pro Jäger oder Jägerin; (3) Lebensraumberuhigung und Einschränkung der Jagd in Waldgebieten und spezifische Lebensraumförderung für die Waldschnepfe.</p>  Antwort des Bundesrates.