<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 79 S.325</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">325</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>79</b></span> <span class="ft1"><b>"Erfahrung/Kenntnis örtl. Abwassersystem" als Zuschlagskriterium.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>-</b></span> <span class="ft1"><b>Zuordnung des Teilkriteriums "Erfahrung/Kenntnis örtl. Abwasser-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>system" (Erw. 4/b).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>-</b></span> <span class="ft1"><b>Praxis des Verwaltungsgerichts (Erw. 4/c/bb).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>-</b></span> <span class="ft1"><b>Die bei einem Anbieter vorhandenen Kenntnisse über das örtliche</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Abwassersystem stellen für die Vergabe der Erstellung des generellen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Entwässerungsplans kein zulässiges Zuschlagskriterium dar, da der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>konkrete Auftrag keine solchen spezifischen Vorkenntnisse erfordert</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 4/c/bb/ddd).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>-</b></span> <span class="ft1"><b>Verletzung des Gleichbehandlungsgebots (Erw. 4/d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 29. Oktober 2002 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen G. gegen Gemeinderat Jonen.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">4. a) Die Vergabebehörde hat unter dem Zuschlagskriterium</span><br/> <span class="ft4">"Erfahrung/Referenzen" den Teilaspekt "Erfahrung/Kenntnis örtl.</span><br/> <span class="ft4">Abwassersystem" mit maximal 5 Punkten (von insgesamt 30 Punk-</span><br/> <span class="ft4">ten für "Erfahrung/Referenzen") bewertet. Die Zuschlagsempfänge-</span><br/> <span class="ft4">rin hat dabei als einzige Anbieterin das Punktemaximum erhalten;</span><br/> <span class="ft4">die Beschwerdeführerin wurde mit drei Punkten bewertet. Der Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinderat begründet die Besserbewertung damit, dass der Begriff</span><br/> <span class="ft4">Erfahrung in einem umfassenderen Sinn zu verstehen sei und im</span><br/> <span class="ft4">konkreten Fall auch subjektive Kenntnisse bzw. einen Wissensvor-</span><br/> <span class="ft4">sprung beinhalte, der für die Vergabestelle von grosser Bedeutung</span><br/> <span class="ft4">sei. Die K. AG verfüge über umfangreiche und detaillierte Kennt-</span><br/> <span class="ft4">nisse des Abwassernetzes Jonen, da sie es letztmals im Rahmen des</span><br/> <span class="ft4">Neubaus des Regenbeckens Ottenbach-Jonen (Planung und Inbe-</span><br/> <span class="ft4">triebnahme 1998/1999) eingehend untersucht habe. Die K. AG habe</span><br/> <span class="ft4">schon 1968 die ARA Ottenbach-Jonen gebaut und betreue seitdem</span><br/> <span class="ft4">die Anlage technisch und baulich ohne Unterbruch bis heute.</span><br/> <span class="ft4">b) aa) Die Beschwerdeführerin ist zunächst der Auffassung, das</span><br/> <span class="ft4">Teilkriterium "Erfahrung/Kenntnis örtl. Abwassersystem" habe</span><br/> <span class="ft4">nichts mit dem Zuschlagskriterium "Erfahrung/Referenzen" zu tun.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">326</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Falls es überhaupt zulässig sei, hätte die Vergabestelle es (als eigen-</span><br/> <span class="ft4">ständiges Kriterium) definieren müssen. Nach Meinung des Gemein-</span><br/> <span class="ft4">derats hingegen lässt sich das Teilkriterium "Erfahrung/Kenntnis örtl.</span><br/> <span class="ft4">Abwassersystem" dem Zuschlagskriterium "Erfahrung/Referenzen"</span><br/> <span class="ft4">klar zuordnen.</span><br/> <span class="ft4">bb) Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist die</span><br/> <span class="ft4">Vergabebehörde nicht verpflichtet, zum Voraus bekannt zu geben,</span><br/> <span class="ft4">wie sie die Zuschlagskriterien im Einzelnen zu bewerten gedenkt. Ob</span><br/> <span class="ft4">daran vor dem Hintergrund der neueren bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft4">sprechung auch künftig noch festzuhalten ist, braucht im vorliegen-</span><br/> <span class="ft4">den Fall nicht entschieden zu werden (vgl. allerdings AGVE 2002</span><br/> <span class="ft4">78, S. 321 [=VGE III/63 vom 15. August 2002 [BE.2002.00220] in</span><br/> <span class="ft4">Sachen A. AG, S. 7 f.] mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft4">vom 24. August 2001 [2P.299/2000], Erw. 2/c). Die nachträgliche</span><br/> <span class="ft4">Unterteilung der Zuschlagskriterien in Sub- oder Teilkriterien stellt</span><br/> <span class="ft4">nach der verwaltungsgerichtlichen Praxis lediglich ein Hilfsmittel für</span><br/> <span class="ft4">eine differenzierte Bewertung dar. Die einzelnen Teilkriterien müssen</span><br/> <span class="ft4">sich allerdings einem in der Ausschreibung ausdrücklich aufge-</span><br/> <span class="ft4">führten Zuschlagskriterium zuordnen lassen bzw. davon mitumfasst</span><br/> <span class="ft4">werden; es dürfen hierbei nicht etwa neue Zuschlagskriterien ge-</span><br/> <span class="ft4">schaffen oder herangezogen werden (AGVE 2001, S. 346 mit Hin-</span><br/> <span class="ft4">weisen). Weiter dürfen die Anbieter darauf vertrauen, dass die Ver-</span><br/> <span class="ft4">gabestelle die üblichen Zuschlagskriterien - wie sie auch in § 18 Abs.</span><br/> <span class="ft4">2 SubmD genannt sind - im herkömmlichen Sinn versteht; an-</span><br/> <span class="ft4">dernfalls müssen sie in den Ausschreibungsunterlagen entsprechend</span><br/> <span class="ft4">(möglichst detailliert) umschrieben werden, damit die Anbieter</span><br/> <span class="ft4">erkennen können, welchen Anforderungen sie bzw. ihre Angebote</span><br/> <span class="ft4">genügen müssen (AGVE 1998, S. 393 f.; 2001, S. 346).</span><br/> <span class="ft4">cc) Vertretbar erscheint zwar die Ansicht des Gemeinderats, die</span><br/> <span class="ft4">Kenntnis des örtlichen Abwassersystems lasse sich dem Zu-</span><br/> <span class="ft4">schlagskriterium "Erfahrung/Referenzen" zuordnen. Die Vergabebe-</span><br/> <span class="ft4">hörde hat im vorliegenden Fall in den Ausschreibungsunterlagen aber</span><br/> <span class="ft4">die Zuschlagskriterien <i>einschliesslich der zugehörigen Teilkriterien</i></span><br/> <span class="ft4">bekannt gegeben. Anhaltspunkte dafür, dass diese Aufzählung nicht</span><br/> <span class="ft4">vollständig und abschliessend sein sollte, lassen sich den Ausschrei-</span><br/> <span class="ft4">bungsunterlagen und dem Pflichtenheft nicht entnehmen. Beim</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">327</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Kriterium</span> <span class="ft4">"Erfahrung/Referenzen"</span> <span class="ft4">waren</span> <span class="ft4">massgebend</span> <span class="ft4">die</span><br/> <span class="ft4">"Erfahrung als GEP-Ingenieur", "Referenzen", "Qualifikation des</span><br/> <span class="ft4">Projektleiters und der wichtigsten Sachbearbeiter". Das Teilkriterium</span><br/> <span class="ft4">"Erfahrung/Kenntnisse örtl. Abwassersystem" wurde hingegen nicht</span><br/> <span class="ft4">genannt. Schon aus diesem Grund erscheint es eher fraglich, wenn</span><br/> <span class="ft4">die Vergabebehörde die Kenntnis des örtlichen Abwassersystems in</span><br/> <span class="ft4">Abweichung von den bekannt gegebenen Teilkriterien nachträglich</span><br/> <span class="ft4">als weiteres Teilkriterium heranzieht. Direkt zuordnen lässt sich die</span><br/> <span class="ft4">Kenntnis des örtlichen Abwassersystems jedenfalls weder der Er-</span><br/> <span class="ft4">fahrung als GEP-Ingenieur noch den Referenzen noch der Qualifika-</span><br/> <span class="ft4">tion des Projektsleiters und der wichtigsten Sachbearbeiter. Fraglich</span><br/> <span class="ft4">ist aber auch die Zulässigkeit des Teilkriteriums als solches, na-</span><br/> <span class="ft4">mentlich seine sachliche Rechtfertigung im Hinblick auf die zu ver-</span><br/> <span class="ft4">gebenden Leistungen.</span><br/> <span class="ft4">c) aa) Das Submissionsdekret statuiert in § 1 Abs. 1 den Grund-</span><br/> <span class="ft4">satz der Gleichbehandlung der Anbietenden, der in allen Phasen des</span><br/> <span class="ft4">Vergabeverfahrens gilt, und untersagt den Vergabebehörden jede</span><br/> <span class="ft4">Diskriminierung der Anbietenden. Den diskriminierungsfreien Zu-</span><br/> <span class="ft4">gang zu den öffentlichen Beschaffungen durch Kantone und Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinden fordert auch Art. 5 BGBM. Das Bundesgericht geht davon</span><br/> <span class="ft4">aus, dass das BGBM sowohl die Gleichbehandlung ortsfremder und</span><br/> <span class="ft4">ortsansässiger Anbieter als auch die Gleichbehandlung Ortsansässi-</span><br/> <span class="ft4">ger untereinander sicherstellt (BGE 125 I 410 f.; Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="ft4">gerichts vom 30. Mai 2000 [2P.151/1999], E. 1c). Insofern kommt</span><br/> <span class="ft4">dem BGBM die Bedeutung eines allgemein geltenden Diskriminie-</span><br/> <span class="ft4">rungsverbots bzw. Gleichbehandlungsgebots für das kantonale und</span><br/> <span class="ft4">kommunale öffentliche Beschaffungswesen zu (vgl. Andreas Bass /</span><br/> <span class="ft4">Alberto Crameri / Herbert Lang / Vinicio Malfanti / Philipp Spörri,</span><br/> <span class="ft4">Die Anwendung des Binnenmarktgesetzes auf Ortsansässige, in: ZBl</span><br/> <span class="ft4">2000, S. 249 ff.).</span><br/> <span class="ft4">bb) aaa) Das Verwaltungsgericht hat sich mit der Frage, wie be-</span><br/> <span class="ft4">sondere ortspezifische Kenntnisse eines Anbieters bzw. ein Wissens-</span><br/> <span class="ft4">vorsprung bezüglich der zu vergebenden Arbeiten im Rahmen der</span><br/> <span class="ft4">Offertbewertung zu beurteilen sind, schon unter verschiedenen</span><br/> <span class="ft4">Aspekten auseinandergesetzt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">328</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Im Zusammenhang mit der Anwendung des Binnenmarktge-</span><br/> <span class="ft4">setzes hat das Verwaltungsgericht festgehalten, die Örtlichkeits-</span><br/> <span class="ft4">kenntnisse des Anbieters müssten durch den konkreten Auftrag sach-</span><br/> <span class="ft4">lich klar gefordert sein; sie dürften nicht lediglich dazu dienen, die</span><br/> <span class="ft4">einheimischen Anbieter binnenmarktgesetzwidrig zu begünstigen. Es</span><br/> <span class="ft4">sei aber grundsätzlich denkbar, dass die Eigenart eines zu vergeben-</span><br/> <span class="ft4">den Auftrags Kenntnisse der örtlichen Verhältnisse erfordere und</span><br/> <span class="ft4">diese auch als sachlich gerechtfertigtes Vergabekriterium erscheinen</span><br/> <span class="ft4">lasse (AGVE 1998, S. 375; VGE III/125 vom 28. August 1998</span><br/> <span class="ft4">[BE.1998.00141] in Sachen ARGE K. und Mitb., S. 15; III/106 vom</span><br/> <span class="ft4">14. August 1998 [BE.1998.00186] in Sachen K. u. M., S. 15).</span><br/> <span class="ft4">Frühere Arbeiten, die ein Anbieter für den Auftraggeber ausge-</span><br/> <span class="ft4">führt hat, und die in irgend einer Weise im Zusammenhang mit dem</span><br/> <span class="ft4">neu zu vergebenden Auftrag stehen, können zu einem Wissensvor-</span><br/> <span class="ft4">sprung des betreffenden Anbieters führen, der Teil der unterneh-</span><br/> <span class="ft4">merischen Erfahrung bildet, zum besonderen Know-how des betref-</span><br/> <span class="ft4">fenden Unternehmers gehört. Zur Frage, ob ein solcher Wissensvor-</span><br/> <span class="ft4">sprung ein relevantes Zuschlagskriterium sein könne, hat das Ver-</span><br/> <span class="ft4">waltungsgericht erwogen, dass dafür aus Sicht des konkreten Pro-</span><br/> <span class="ft4">jekts eine klare sachliche Rechtfertigung gegeben sein müsse. Solche</span><br/> <span class="ft4">Konstellationen seien für besonders komplexe, einzigartige oder</span><br/> <span class="ft4">fachlich sehr anspruchsvolle Anlagen, die nach ausgesprochenen</span><br/> <span class="ft4">Kennern oder Spezialisten rufen, durchaus denkbar. Wo es sich da-</span><br/> <span class="ft4">gegen um nicht überdurchschnittlich komplizierte Aufträge handle,</span><br/> <span class="ft4">die in gleicher oder ähnlicher Weise in grosser Zahl vergeben wür-</span><br/> <span class="ft4">den, sei ein Wissensvorsprung der genannten Art kein sachlich halt-</span><br/> <span class="ft4">bares Kriterium für die Arbeitsvergabe (VGE III/18 vom 5. Februar</span><br/> <span class="ft4">1998 [BE.1997.00355] in Sachen E., S. 13 f.; III/175 vom</span><br/> <span class="ft4">15. Dezember 1998 [BE.1998.00264] in Sachen der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">rerin, S. 11 f.). Das Verwaltungsgericht hat die Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft4">eines aus früheren Arbeiten stammenden Wissensvorsprungs bei</span><br/> <span class="ft4">herkömmlichen Elektroinstallationsarbeiten abgelehnt (erwähnter</span><br/> <span class="ft4">VGE in Sachen E., S. 14) und im Zusammenhang mit der Vergabe</span><br/> <span class="ft4">von Vermessungsarbeiten (Neuvermessung) selbst dann als "äusserst</span><br/> <span class="ft4">fraglich" erklärt, falls die Vergabebehörde die ortspezifischen Kennt-</span><br/> <span class="ft4">nisse bzw. den Wissensvorsprung ausdrücklich als Vergabekriterium</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">festgelegt hätte (erwähnter VGE in Sachen der Beschwerdeführerin,</span><br/> <span class="ft4">S. 13 f.).</span><br/> <span class="ft4">In einem kürzlich ergangenen Urteil im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft4">Vergabe von Sanierungsarbeiten hat das Verwaltungsgericht den</span><br/> <span class="ft4">Standpunkt der Vergabebehörde, die spezifischen Gebäudekenntnisse</span><br/> <span class="ft4">und Erfahrungen mit dem Sanierungsobjekt, die eine der An-</span><br/> <span class="ft4">bieterinnen aufwies, unter dem Titel "Referenzen" nicht mit einer</span><br/> <span class="ft4">Besserbewertung zu berücksichtigen, als im Ermessen der Vergabe-</span><br/> <span class="ft4">stelle liegend geschützt (VGE III/77 vom 23. September 2002</span><br/> <span class="ft4">[BE.2002.00257] in Sachen ARGE B. u. Mitb., S. 16 f.).</span><br/> <span class="ft4">bbb) Das Verwaltungsgericht hat anderseits mehrfach festge-</span><br/> <span class="ft4">stellt, der Tatsache, dass die Vergabebehörde <i>über eigene Erfahrun-</i></span><br/> <span class="ft3"><i>gen</i> mit einer Anbieterin (für vergleichbare Leistungen) verfüge und</span><br/> <span class="ft4">die Zusammenarbeit problemlos und zur vollen Zufriedenheit der</span><br/> <span class="ft4">Behörde verlaufen sei, dürfe im Rahmen der Referenzbewertung in</span><br/> <span class="ft4">einem gewissen Umfang durchaus Rechnung getragen werden. Dies</span><br/> <span class="ft4">stelle grundsätzlich noch keine Ermessensüberschreitung dar. Jedoch</span><br/> <span class="ft4">dürfe die Berücksichtigung der Erfahrung aus der bisherigen Zusam-</span><br/> <span class="ft4">menarbeit nicht dazu führen, dass Anbieter, mit denen keine solche</span><br/> <span class="ft4">einschlägige Erfahrungen vorhanden sind, im Verfahren von vornher-</span><br/> <span class="ft4">ein chancenlos seien (VGE III/117 vom 15. November 2001</span><br/> <span class="ft4">[BE.2001.00339] in Sachen B. AG, S. 11 f. mit Hinweis).</span><br/> <span class="ft4">ccc) Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich hat es als zu-</span><br/> <span class="ft4">lässig erachtet, die besonderen Kenntnisse eines Anbieters über das</span><br/> <span class="ft4">zu spülende örtliche Kanalnetz bei der Vergabe von Kanalspülar-</span><br/> <span class="ft4">beiten mit einem Gewicht von 10% als Zuschlagskriterium - es</span><br/> <span class="ft4">wurde den Anbietern allerdings vorgängig als relevantes Zuschlags-</span><br/> <span class="ft4">kriterium ("Ortskenntnisse 10%") in den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft4">bekannt gegeben - zu berücksichtigen (Entscheid vom 6. Juni 2001</span><br/> <span class="ft4">[VB.2000.00391] E. 3). Es hat aber auch festgehalten, es sei nicht</span><br/> <span class="ft4">Sinn und Zweck des Vergabeverfahrens, die bisherigen Leistungser-</span><br/> <span class="ft4">bringer zu bevorzugen, weil sie - sofern ihnen der Zuschlag erteilt</span><br/> <span class="ft4">werde - naturgemäss mit den örtlichen Verhältnissen besser vertraut</span><br/> <span class="ft4">seien. Dem bisherigen Leistungserbringer dürften keine Vorteile ge-</span><br/> <span class="ft4">währt werden, die andern Anbietern verwehrt seien (vgl. auch Peter</span><br/> <span class="ft4">Galli / Daniel Lehmann / Peter Rechsteiner, Das öffentliche Beschaf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">fungswesen in der Schweiz, Zürich 1996, Rz. 194). Durch eine sol-</span><br/> <span class="ft4">che Bevorzugung würde das Gebot der Gleichbehandlung aller</span><br/> <span class="ft4">Anbieter sowie die Pflicht zu einer unparteiischen Vergabe verletzt.</span><br/> <span class="ft4">Im konkreten Fall kam dem Kriterium "Ortkenntnisse" für den zu</span><br/> <span class="ft4">vergebenden Auftrag nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Da das</span><br/> <span class="ft4">Kriterium jedoch nur mit 10% gewichtet worden war, erachtete das</span><br/> <span class="ft4">Zürcher Verwaltungsgericht sowohl seine Festsetzung als auch die</span><br/> <span class="ft4">vorgenommene Bewertung im Ergebnis noch als vertretbar.</span><br/> <span class="ft4">ddd) Im vorliegenden Fall sind bereits vorhandene Kenntnisse</span><br/> <span class="ft4">des örtlichen Abwassersystems für die Erstellung des GEP lediglich</span><br/> <span class="ft4">von untergeordneter Bedeutung. Es ist davon auszugehen, dass sich</span><br/> <span class="ft4">jedes Ingenieurbüro mit der nötigen Erfahrung im GEP-Bereich diese</span><br/> <span class="ft4">Kenntnisse ebenfalls sehr rasch aneignen kann. Die gemein-</span><br/> <span class="ft4">despezifischen entwässerungstechnischen Probleme erscheinen nicht</span><br/> <span class="ft4">derart ausserordentlich, dass vorbestehende Kenntnisse des örtlichen</span><br/> <span class="ft4">Abwassersystems für die Auftragsausführung geradezu notwendig</span><br/> <span class="ft4">wären. Dies macht auch der Gemeinderat nicht geltend. Würde es</span><br/> <span class="ft4">sich anders verhalten, hätte der Gemeinderat lediglich Anbieter ein-</span><br/> <span class="ft4">laden dürfen, die die notwendigen Kenntnisse aufweisen oder - was</span><br/> <span class="ft4">der Auftragswert im vorliegenden Fall zugelassen hätte - sogar von</span><br/> <span class="ft4">einem Wettbewerb absehen und den Auftrag direkt an die K. AG</span><br/> <span class="ft4">vergeben müssen.</span><br/> <span class="ft4">Festzustellen ist sodann, dass die speziellen Kenntnisse, über</span><br/> <span class="ft4">die die K. AG verfügt, sich eigentlich auch beim Preis zu ihrem</span><br/> <span class="ft4">Vorteil auswirken müssten, da dieser Wissensvorsprung es ihr er-</span><br/> <span class="ft4">möglichen sollte, günstiger zu offerieren. Insofern verfügt diejenige</span><br/> <span class="ft4">Anbieterin, die bereits Vorkenntnisse aufweist, gegenüber ihren</span><br/> <span class="ft4">Konkurrentinnen ohnehin über einen gewissen Wettbewerbsvorteil.</span><br/> <span class="ft4">Anzunehmen ist zudem, dass bereits vorhandene Kenntnisse zur</span><br/> <span class="ft4">Folge haben, dass sich die zur Ausführung des Auftrags benötigte</span><br/> <span class="ft4">Zeit verkürzt. Dieser Möglichkeit würde gerade im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft4">bereits mit der Bewertung des Zuschlagskriteriums "Leistungsfähig-</span><br/> <span class="ft4">keit" bzw. "Termine" Rechnung getragen. Die zusätzliche Berück-</span><br/> <span class="ft4">sichtigung eines Wissensvorsprungs beim Zuschlagskriterium "Er-</span><br/> <span class="ft4">fahrung" drängt sich auch aus diesen Gründen nicht auf; eine solche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Berücksichtigung würde zu einer zusätzlichen Benachteiligung der</span><br/> <span class="ft4">Anbietenden ohne die fraglichen Kenntnisse führen.</span><br/> <span class="ft4">d) Ingesamt erweist sich die zusätzliche Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft4">Kenntnis des örtlichen Abwassersystems als sachlich nicht zu recht-</span><br/> <span class="ft4">fertigen und hält daher vor dem Gleichbehandlungsgebot (§ 1 Abs. 1</span><br/> <span class="ft4">SubmD, Art. 5 BGBM) nicht stand. Daran ändert auch nichts, dass</span><br/> <span class="ft4">dem Teilkriterium mit einer Gewichtung von lediglich 5% im Rah-</span><br/> <span class="ft4">men der Bewertung keine sehr grosse Bedeutung zukommt, und der</span><br/> <span class="ft4">daraus resultierende Vorsprung der Zuschlagsempfängerin lediglich</span><br/> <span class="ft4">zwei Punkte beträgt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>