B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-45/2013 U r t e i l v o m 2 1 . M a i 2 0 1 3 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), und dessen Ehefrau B._______, geboren (…), Russland, beide vertreten durch lic. iur. Pascale Bächler, BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Dezember 2012 / N (…). D-45/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin reichte am 3 . Oktober 2011 zu sammen mit ihrer Tochter C._______ (N [...]) im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ ein Asylgesuch ein, wo sie am 14. Oktober 2011 befragt wurde. Der Beschwerdeführer suchte am 29. Juni 2012 am selben Ort um Asyl nach, wo man ihn am 10. Juli 2012 befragte. Am 20. November 2012 wurden die Beschwerdeführenden in E._______ zu ihren Asylgründen angehört. A.b Anlässlich der Befragung und der Anhörung machte der Beschwerde- führer im Wes entlichen geltend, er sei ethnischer Tschetschene und in Tschetschenien geboren, wo er bis zu seiner Reise in die Schweiz gelebt habe. Da sich sein Bruder F._______ 1995 den Widerstandskämpfern angeschlossen habe und seither verschollen sei, werde er seit dem Jahre 2000 verfolgt. Die Leute von Kadyrow hätten ihn für ihre Zwecke rekrutie- ren wollen. Zudem sei er von ihnen immer wieder festgenommen worden, wobei man ihn misshandelt und bedroht habe. Er habe jeweils ein Papier unterschreiben müssen, worin er bestätigt habe, dass er ihnen jegliche Informationen über seinen Bruder F._______ mitteilen würde. Seit dem Jahre 2007 sei er mit seiner Ehefrau zusammen. Religiös geheiratet hät- ten sie im Jahre 2011 in Kasachstan, da dies in Tschetscheni en nicht möglich gewesen sei, weil er der Cousin des verstorbenen ersten Eh e- mannes seiner Frau sei , und eine Heirat mir ihr aus kulturellen Gründen nicht erlaubt sei. Wegen dieses Eheschlusses habe er Probleme mit se i- nen Verwandten in Tschetschenien g ehabt. Vor allem der Bruder G._______ des verstorbenen Ehemannes seiner Frau sei sehr mächtig und gehöre der Kadyrow-Regierung an. In der Nacht vom 24. auf den 25. September 2011 seien maskierte Männer in die Mietwohnung seiner Frau eingedrungen und hätten ihn und seine Frau geschlagen. Unt er den Männern habe sich auch G._______ befunden, der ihm mit dem Tod ge- droht habe. Seine Frau und ihre älteste Tochter C._______ hätten bei diesem Überfall aus dem Fenster sprin gen und flüchten kön nen; a n- schliessend sei er ohnmächtig geworden. A ls er wieder aufgewacht sei, habe er sich al leine in der Wohnung befunden; d ie maskierten Männer und die anderen zuvor anwesenden Kinder seiner Ehefrau seien ve r- schwunden gewesen. Er gehe davon aus, das G._______ die Kinder mit- genommen habe und diese nun bei ihm wohnten, da nach der Tradition die Kinder bei der F amilie des Mannes bli eben, wenn eine Witwe noc h- mals heirate. Nach diesem Vorfall habe er sich zu einer Freundin seiner D-45/2013 Seite 3 Mutter nach Inguschetien begeben, wo er sich versteckt habe. Nachdem er erfahren habe, dass seine Frau in die Schweiz ge flüchtet sei, habe er sich auch zur Ausreise entschlossen, da man ihn irgendwann auch in In- guschetien gefunden hätte. Für die übrigen Aussagen wird auf die Akten verwiesen. A.c Anlässlich der Befragung und der Anhörung machte die Beschwerde- führerin im Wesentlichen geltend, sie sei tschetschenischer Ethnie und in Kasachstan geboren worden. Im Alter von acht Jahren sei sie mit ihrer Familie nach Tschetschenien zurückgekehrt. Von ihrem ersten Mann h a- be sie fünf Kinder. Während des ersten Tschetschenienkrieges habe sie als Krankenschwester gearbeitet. Zudem habe sich ihr Bruder Z._______ 1995 den Widerstandskämpfern angeschlossen und sei seither verscho l- len. Aus diesen Gründen sei sie immer wieder von maskierten Männern überfallen worden, die von ihr Informationen über die Widerstandskäm p- fer und ihren Bruder Z._______ gefordert hätten. Im Jahre 2002 seien sie und ihr verstorbener Mann erneut von maskie rten Männern überfallen und heftig zusammengeschlagen worden, weshalb ihr Mann an Niere n- krebs erkrankt sei, woran er im Jahre 2004 gestorben sei. Im Jahre 2007, als sie bei ihrer Mutter gewesen sei, seien erneut maskierte Männer e r- schienen, die versucht hätten, den Aufenthaltsort ihres verschollenen Bruders Z._______ zu erfahren. Diese Männer hätten ihren ebenfalls an- wesenden anderen Bruder e rschossen und sie misshandelt. Im gleichen Jahr sei sie mit ihrem jetzigen Mann, dem Cousin ihres verstorbenen Mannes, zusammengekommen, was die Situation noch vers chlimmert habe. Der Bruder ihres verstorbenen Mannes G._______, der für Kad y- row arbeite, habe ihre Kinder sowie ihr Vermögen, dass sie von ihrem verstorbenen Man n geerbt habe, gewollt, weshalb er sie immer wieder unter Druck gesetzt habe. Im Sommer 2010 sei sie erneut überfallen und zusammen mit ihren Kindern in einen Keller gebracht worden , wo sie zu- sammengeschlagen und gezwungen worden sei, Dokumente zu unte r- schreiben, worin sie bestätigt habe, dass sie auf ihre Kinder und ihr Ver- mögen verzichte. In der Nacht vom 24. auf den 25. September 2011 seien maskierte Männer , unter ih nen G._______, in ihre Wohnung in H._______ eingedrungen und hätten ihren Man n zusammengeschlagen. Sie selbst sei unter anderem mit dem Kolben eines Maschinengewehrs geschlagen und an der Schulter verletzt worden . Die Männer hätten z u- dem gedroht, ihre Tochter C._______ zu vergewaltigen. Ihr sei es jedoch gelungen, C._______ zu packen und mit ihr aus dem Fenster zu spri n- gen. Nachdem sie draussen ihre in der Nähe versteckten Dokumente und Wertsachen ausgegraben gehabt habe, sei sie am nächsten Morgen zu-D-45/2013 Seite 4 sammen mit ihrer Tochter mit dem Bus nach Moskau gereist, von wo sie mit einem Lastwa gen in die Schweiz ge langt seien. Sie wisse bis heute nicht, was mit ihren anderen vier Kindern passiert sei, die sich ebenfalls in ihrer Wohnung befunden hätten; sie gehe jedoch da von aus, dass sie sich bei G._______ aufhielten. Für die übrigen Aussagen wird auf die Ak- ten verwiesen. B. Eine vom BFM (Fachstelle "Lingua") beauftrag te Expertenperson führte am 18. Juli 2012 in Form eines Telefongesprächs mit dem Beschwerde- führer eine landeskundlich-kulturelle und linguistische Analyse zur Verif i- zierung seines Sozialisierungsortes ("area of socialisation") durch. Im Be- richt vom 14. August 2012 hielt der Experte im Ergebnis fest, da ss der Beschwerdeführer sehr wahrscheinlich nicht in Tschetschenien bezie- hungsweise in einem tschetschen ischen Milieu hauptsozialisiert worden sei. C. In ihrer Eingabe vom 14. November 2012 machte die neu mandatierte Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden geltend, die Beschwerdefüh- rerin sei erneut schwanger und gesundheitlich angeschlagen, weshalb sie sich in psychiatrischer Behandlung befinde. Mit der Eingabe wurde ein ärztliches Kurzzeugnis vom 14. November 2012 (in Kopie) zu den Akten gereicht. D. Im Verfahren vor der Vorinstanz gab die Beschwerdeführerin unter ande- rem ihren Inlandpass, zwei fremdsprachige Ehescheine, einen fremd- sprachigen Todesschein (in Kopie) , mehrere fremdsprachige Geburts- scheine (teilweise in Kopie) , ein fremdsprachiges Diplom (in Kopie), ein fremdsprachiges Arbeitsbüchlein (in Kopie) sowie einen Operationsbe- richt von Dr. I._______ vom 9. Januar 2012 über die Entfernung eines Hämatoms in ihrer Schulter zu den Akten. Der Beschwerdeführer reichte keine eigenen Dokumente ein. E. Das BFM stellte mit Verfügung vom 5. Dezember 2012 – eröffnet am fol- genden Tag – fest, die B eschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingsei- genschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. D-45/2013 Seite 5 Es begründete seinen ablehnenden Entscheid im Wesentlichen damit, dass verschiedene Vorbringen der Beschwerdeführenden jeglicher Logik und Erfahrung widersprächen. So könne beispielsweise nicht nachvollz o- gen werden, wie die verletzte Beschwerdeführerin es geschafft habe , mit ihrer ältesten Tochter aus dem Fenster zu springen und vor mehreren bewaffneten Männern problemlos zu flüchten. Des Weiteren falle auf, dass beide Beschwerdeführenden wegen der Teilnahme ihrer Brüder am ersten Tschetschenienkrieg von 1995 und deren sp urlosen Verschwi n- dens bis heute bedroht seien . Abgesehen vom merkwürdigen Umstand, dass beide das gleiche Schicksal teilen sollten, sei dies kaum vorstellbar, zumal sich die Situation in Tschetschenien grundlegend verändert habe und die Kämpfer des ersten Krieges sowie deren Familien heute nicht mehr verfolgt würden. Gegen die allgemeine Erfahrung spreche auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer von den Männern in der Wohnung liegen gelassen worden sei und lediglich die Kinder mitge nommen wor- den seien. Falls G._______ tatsächlich ein Interesse am Beschwerdefüh- rer oder auch seiner Frau gehabt hätte, könne davon ausgegangen we r- den, dass er ihn entweder umgebracht oder zumindest festgenommen hätte. Sodann erscheine das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie ha- be etwas Geld und ihre Dokumente irgendwo draussen vergraben g e- habt, weshalb es ihr möglich gewesen sei, diese Sachen vor der Abreise auszugraben und mitzunehmen, eher unrealistisch. Die Beschwerdefü h- rerin habe im Alltag sicherlich Identitätsdokumente benötigt und diese da- her nicht vergraben. Schliesslich sei nicht nachvollziehbar, dass eine Mut- ter von fünf Kindern das Land innert Stunden verlasse, ohne sich wenigs- tens darüber zu informieren, was mit ihren anderen vier Kindern und i h- rem Ehemann passiert s ei. Die Beschwerdeführerin gebe an, bis heute nicht zu wissen, wo ihre Kinder sich aufhielten. Sie habe auch nichts u n- ternommen, um Kontakt mit den Kindern aufzubauen oder zumindest über Verwandte oder Bekannte herauszufinden, wo sich die Kinder b e- fänden; auch dies könne nicht geglaubt werden. Im Weiteren sei festz u- stellen, dass die Schilderungen der Beschwerdeführenden die Anford e- rungen an hinreichend begründete Vorbringen nicht erfüllten, da sie u n- genau und unsubstanziiert ausgefallen seien und an eine konstruierte Geschichte erinnerten . Insbesondere die letzten beiden Vorkommnisse, welche die Beschwerdeführenden veranlasst hätten auszureisen, seien von beiden Beschwerdeführenden unkonkret und allgemein geschildert worden. Zudem fänden sich in den Vorbringen der Beschwerdeführenden mehrere Widersprüche. Beispielsweise habe die Beschwerdeführerin a n- lässlich der Befragung angegeben, sie sei im Sommer 2011 in einen Ke l- ler gebracht worden, wo sie geschlagen, ausgezogen und fotografiert D-45/2013 Seite 6 worden sei, damit sie Informationen über die Kämpfer, welche sie vor Jahren gepflegt habe, und über ihren versc hollenen Bruder Z._______ preisgebe. Bei der Anhörung habe sie demgegenüber angegeben, im Kel- ler geschlagen und gezwungen worden zu sein, zwei Dok umente zu un- terschreiben, die ihren Verzicht auf ihr Vermögen sowie auf ihre Kinder bestätigten. Ausserdem sei darauf hingewiesen, dass es mehrere gravi e- rende Widersprüche zwischen den Aussagen der Beschwerdeführerin und denjenigen ihrer Tochter C._______ gebe. Im Weiteren bestünden erhebliche Zweifel an der Identität des Beschwer- deführers. Er gebe zwar an, aus Tschetschenien zu stammen, doch habe ein LINGUA -Gutachten ergeben, dass er höchstwahrscheinlich nicht in Tschetschenien sozialisiert worden sei. Aufgrund der detaillierten Analyse werde dem Gutachten eine relativ hohe Beweiskraft zugeteilt. Einiges weise eher darauf hin, dass er aus Kasachstan stamme. So habe die Be- schwerdeführerin im Widerspruch zum Besch werdeführer anlässlich der Befragung ausgesagt, dieser sei in Kasachstan geboren worden. Es sei daher nicht von der Hand zu weisen, dass die Beschwerdeführenden – in welcher Form auch immer – eine enge Verbindung zu Kasachstan pfle g- ten. Daher erscheine es eher unlogisch, dass sie nicht legal nach K a- sachstan geflohen seien, wo sie bereits über ein Beziehungsnetz verfü g- ten und wo sie als russische Staatsbürger Wohnsitz nehmen könnten , sondern stattdessen illegal in die Schweiz gereist seien . Angesichts der dargelegten Unglaubhaftigkeit der Vorbringen könne im vo rliegenden Fall auf eine eingehende Würdigung der eingereichten Dokumente verzichtet werden. Es werde jedoch darauf hingewiesen, dass dem Operationsb e- richt betreffend die Tumorentfernung an der Schulter der Beschwerdefüh- rerin geringe Beweiskraft zukomme. D ie Vorbringen der Beschwerdefü h- renden hielten daher den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Ve r- fügung verwiesen. F. Mit Beschwerde vom 4. Januar 2013 an das Bundesverwaltungsgericht liessen die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin die nach- stehend aufgeführten Anträge stellen: 1. Die Verfügung des BFM vom 5. Dezember 2012 sei aufzuheben. D-45/2013 Seite 7 2. Es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingse i- genschaft erfüllten und es sei ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren. 3. Eventualiter sei festzustel len, dass für die Beschwerdeführenden eine Rückkehr in ihr Heimatland nicht zumutbar respektive nicht zulässig sei, weshalb die Vorinstanz anzuweisen sei, ihren Aufenthalt im Rah- men einer vorläufigen Aufnahme zu regeln. 4. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, den Sachverhalt erneut abzuklären, dies unter der Berücksichtigung der gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin. 5. Bei der Beurteilung des vorliegende n Falles sei die Einheit der Familie zu berücksichtigen und das Dossier der Tochter der Beschwerdeführe- rin C._______ (N [...]) beizuziehen. 6. Den Beschwerdeführenden sei die unentgeltliche Rechtspflege zu b e- willigen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzich- ten. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Mit der Rechtsmittelschrift wurden die folgenden Dokumente zu den A k- ten gereicht: Ein ärztliches Kurzzeugnis von Dr. med. J._______ vom 20. Dezember 2012 (in Kopie), ein ärztlicher Bericht von Dr. med. K._______ und L._______ (Psychologin) vom 20. Dezember 2012 (in Kopie) sowie mehrere Berichte über Tschetschenien. G. Mit Eingabe vom 15. Januar 2013 liessen die Beschwerd eführenden durch ihre Rechtsvertreterin zwei Fürsorgebestätigungen vom 24. D e- zember 2012 zu den Akten reichen. H. Mit Schreiben vom 30. Januar 2013 teil te die Rechtsvertreterin der B e- schwerdeführenden mit, dass die Beschwerdeführerin einen Abort erlitten habe, weshalb sie habe hospitalisiert werden müssen. Der Eingabe lag ein Operationsbericht vom 3. Januar 2013 (in Kopie) bei. I. Mit Eingabe vom 13. Februar 2013 liessen die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin eine schriftliche Auskunf t der Schweizer i- schen Flüchtlingshilfe (SFH) betreffend Tschetschenien (Thema: Sprache und Verstoss gegen die Sitten) vom 12. Februar 2013 zu den Akten re i- chen. D-45/2013 Seite 8 J. Mit Verfügung des Instruktionsrichters des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. April 2013 wurde den Beschwerdeführenden mitgeteilt, dass g e- mäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts eine asylgesuc h- stellende Person mit den Aussagen anderer Personen – beispielsweise des Ehepartners – zu konfrontieren sei, sofern diese ihren eigenen Anga- ben in w esentlichen Punkten widersprächen , um allfällige Erklärungen vorbringen oder Missverständnisse beheben zu können. Die Vorinstanz sei diesen Anforderungen im vorinstanzlichen Verfahren nicht vollumfäng- lich nachgekommen, da sie die Beschwerdeführenden nur te ilweise mit ihren widersprechenden Aussagen konfrontiert habe und der Beschwe r- deführerin die ihren Vorbringen widersprechenden Aussagen ihrer Tochter C._______ überhaupt nicht vorgehalten habe, weshalb dieses Versäu m- nis mit vorliegender Verfügung nachzuholen sei. Den Beschwerdeführen- den wurde Gelegenheit gegeben, sich dazu bis zum 30. April 2013 schrift- lich zu äussern. K. Mit Eingabe vom 29. April 2013 reichten die Beschwerdeführenden eine Stellungnahme ein. Auf deren Inhalt wird – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Besc hwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebie t betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor. D-45/2013 Seite 9 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Die B e- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und h a- ben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die B e- schwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen S achverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der R e- gel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Gestützt auf A rt. 111a Abs. 1 AsylG kann das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten. 4. 4.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist eine asylgesuchstellende Person mit den Aussagen anderer Person en – bei- spielsweise des Ehepartners – zu konfrontieren, sofern diese ihren eig e- nen Angaben in wesentlichen Punkten widersprechen, um allfällige Erklä- rungen vorbringen oder Missverständnisse beheben zu können (vgl. Ent- scheidungen und Mitteilungen der [vorma ligen] Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.1 S. 263, EMARK 1994 Nr. 14 E. 5.b S. 120 f.). Nach Durchsicht der Akten ist festzustellen, dass die Vorinstanz diesen Anforderungen im vorinstanzlichen Verfah ren nicht vollumfänglich nachgekommen ist, da sie die Beschwerdeführenden nur teilweise mit ihren widersprechenden Aussagen konfrontierte und der B e- schwerdeführerin die ihren Vorbringen widersprechenden Aussagen ihrer Tochter überhaupt nicht vorhielt. Dadurch verletzte das BFM den A n- spruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör. D-45/2013 Seite 10 4.2 Ausgehend von einer entsprechenden Praxis des Bundesgerichts hat die Rechtsprechung aus prozessökonomischen Gründen Leitlinien für e i- ne Heilung von Gehörsverletzungen auf Beschwerdeebene entwickelt, nach welchen sich eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz erübrigt, wenn das Versäumte nachgeholt wird. Hierzu muss der Beschwerdeführer oder die Beschwe r- deführerin Stellung nehmen können und der Beschwerdeinsta nz im strei- tigen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommen. Die festgestellte Verletzung darf zudem nicht schwerwiegender Natur sein und die fehlende Entscheidreife muss durch die Beschwerdeinstanz mit vertret barem Aufwand hergestellt we r- den können (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4). 4.3 Vorliegend wurde den Beschw erdeführenden mit Verfügung vom 16. April 2013 Gelegenheit gegeben, sich zu den Widersprüchen in ihren Aussagen zu äussern und allfällige Erklärungen vorzubri ngen. Gleichzei- tig wurde der Beschwerdeführerin die ihren Vorbringen widersprechenden Aussagen ihrer Tochter vorgehalten und ihr die Möglichkeit geben, sich dazu vernehmen zu lassen. Mit Eingabe vom 29. April 2013 nahmen die Beschwerdeführenden dazu Stellu ng. Den aufgezeigten Widersprüchen kommt im Gesamtkontext lediglich eine marginale Bedeutung zu, welche letztlich keinen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis der angefoc h- tenen Verfügung hatten. Angesichts der nicht schwerwiegenden Verle t- zung, der auf B eschwerdeebene gewährten Möglichkeit zur Stellungna h- me und unter Berücksichtigung der vollen Kognition des Gerichts, kann die Gehörsverletzung mithin als geheilt betrachtet werden. Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassu ng die Verfügung des BFM vom 5. Dezember 2012 aus formellen Gründen aufzuheben. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluch t- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). D-45/2013 Seite 11 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüch tlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu we nig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Die Vorinstanz hat die von den Besch werdeführenden geltend g e- machten Asylgründe als unglaubhaft erachtet . Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob die Vorinstanz diesen Vorbringen zu Recht gestützt auf Art. 7 AsylG die Glaubhaftigkeit abgesprochen hat. 6.2 Die Tochter der Beschwerdeführerin C._______ (N [...]) hat in der Schweiz ebenfalls ein Asylgesuch eingereicht. Wie in der Beschwerde beantragt, hat das Bundesverwaltungsgericht diese Verfahrensakten zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde beigezogen. 6.3 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden gr undsätzlich dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesen t- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbe h- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wider- sprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesam t- würdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 f.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1). 6.4 Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden den Wortlaut sämtlicher Protokolle mit ihrer Unterschrift bestätigt haben und sich de s-D-45/2013 Seite 12 halb ihre Aussagen grundsätzlich entgegenhalten lassen müssen, zumal sie die übersetzenden Personen bei den Befragungen beziehungsweise Anhörungen gut verstanden haben wollen (vgl. Akten BFM A 4/10 S. 10 , A 22/10 S. 8 , A 34/17 S. 1 , A 35/17, S. 1 ). Soweit in der Rechtsmitte l- schrift geltend gemacht wird, die bei der Beschwerdeführerin vorliegende posttraumatische Belastungsstörung habe dazu geführt, das s sie wä h- rend der Anhörung zunehmend in einen Zustand der Verwirrtheit geraten sei, woraus sich gewisse Unklarheiten und angebliche Oberflächlichke i- ten bei der Schilderung des Erlebten erklären liessen, ist festzustellen, dass dieser Einwand die im Folgend en auf zuzeigenden Unglaubhafti g- keitselemente in den Aussagen der Beschwerdeführerin (vgl. E. 6.5) nicht zu erklären vermag, da sich im Anhörungsprotokoll keine Hinweise darauf finden, dass sich die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Anhörung in einem Zustand der Verwirrtheit befunden hat (vgl. A 35/17). Bezeichnen- derweise brachte die Hilfswerkvertretung keine diesbezüglichen Be o- bachtungen vor. Diese Ausführungen in der Beschwerde sind daher ledig- lich als Schutzbehauptung zu werten; dies auch deshalb, weil es die Be- schwerdeführenden erst vorbrachten, nachdem ihnen in der angefocht e- nen Verfügung verschiedene Unglaubhaftigkeitselemente in ihren Auss a- gen vorgehalten worden waren. An dieser Einschätzung ändern auch die Ausführungen im ärztlichen Bericht von Dr. med. K._______ und L._______ vom 20. Dezember 2012 nichts. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asyls u- chenden Person im Empfangsze ntrum zu den Asylgründen angesichts des summarischen Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zukommt (vgl. EMARK 2005 Nr. 7 E. 6.2.1 S. 66 und dort z itierte, weiterhin gültige Praxis). W i- dersprüche dürfen nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung beim BFM diametral abweichen, oder wenn bestim mte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits bei der Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden. 6.5 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung mit der Vori nstanz – festzustellen, dass die von den Beschwerdeführe n- den geltend gemachten Verfolgungsvorbringen nicht glaubhaft sind, z u- mal sich die Beschwerdeführenden diesbezüglich erheblich widersprüch- lich äusserten. Beispielsweise sagte der Beschwerdeführer bei der Befra- gung aus, er sei im Jahre 2003 von den Kadyrow -Leuten zum ersten Mal D-45/2013 Seite 13 festgenommen worden und Ende 2011 das letzte Mal (A 22/10 S. 7), wäh- rend er anlässlich der Anhörung (sinngemäss) zu Protokoll gab, er sei im Jahre 2000 das erste Mal und im Jahr e 2006 oder 2007 das l etzte Mal von den Leuten Kadyrow s festgenommen worden (A 34/17 F60 ff.). Zu- dem hat sich die Be schwerdeführerin bezüglich des behaupteten Vorfalls in einem Keller in H._______, in welchen Kadyrow-Leute sie und ihre Kinder gesperrt habe n sollen , widersprochen. So machte sie anlässlich der Befragung geltend, dieses Ereignis habe sich am 24. September 2011 ereignet und man habe sie und ihre Tochter damals nackt ausgezogen, um sie dazu zu bringen , Informationen über Widerstandskämpfer, insb e- sondere ihren Bruder Z._______, preiszugeben (A 4/10 S. 9), wohing e- gen sie bei der Anhörung vorbrachte, dieser Vorfall im Keller habe sich im Sommer 2010 zugetragen und man habe sie damals gezwungen, zwei Dokumente zu unterzeichnen, die ihren Verzicht auf ihr Vermögen sowie auf ihre Kinder bestätigten (A 35/17 F97). Angesprochen auf diese unter- schiedlichen Aussagen war die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, diesen Widerspruch aufzulösen (A 35/17 F108). Überdies machte der Be- schwerdeführer anlässlich seiner Anhörung geltend, der Vorfall in der Nacht vom 24. auf den 25. September 2011 habe sich in einer Wohnung in Inguschetien abgespielt (A 34/17 F88), während die Beschwerdeführe- rin bei ihrer Anhörung zu Protokoll gab, das Ereignis in der Nacht vom 24. auf den 25. September 2011 habe sic h in H._______ (Tschetschenien) zugetragen (A 35/17 F28 f.). Die Behauptung in der Stellungnahme vom 29. April 2013, wonach diese widersprüchlichen Aussagen auf einen V er- sprecher des Beschwerdeführers oder einen von ihm bei der Rückübe r- setzung unentdeckten Übersetzungsfehler zurückzuführen seien, vermag nicht zu überzeugen und ist als nachgeschobener Erklärungsversuch zu werten. Ausserdem sagte der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung aus, jedes der Kinder der Beschwerdeführerin habe zum Zeitpunkt des Überfalls durch die maskierten Männer etwas gemacht , "gelesen oder sonst Sachen gemacht" (A 34/17 F100), wohingegen die Beschwerdefüh- rerin bei der Anhörung zu Protokoll gab, ihre Kinder hätten zum Zeitpunkt dieses Vorfalls geschlafen (A 35/17 F42). Angesprochen auf diese un ter- schiedlichen Vorbringen korrigierte die Beschwerdeführerin ihre Aussage dahingehend, dass nur die Kleinen geschlafen hätten (A 35/17 F43). Die diesbezüglichen Vorbringen in der Stellungnahme vom 29. April 2013, die Frauen seien für die Kinderbetreuung zuständig, weshalb dem B e- schwerdeführer nicht bewusst gewesen sei, ob die Kinder am Lesen oder Spielen gewesen seien oder schon geschlafen hätten, sind nicht geei g- net, den Widerspruch aufzulösen. D-45/2013 Seite 14 Gegen die Glaubhaftigkeit der von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Asylgründe spricht auch die Tatsache, dass die Vorbringen der Tochter der Besc hwerdeführerin C._______ den Schilderungen der Beschwerdeführerin teilweise widersprechen. Beispielsweise gab C._______ anlässlich ihrer Anhörung vom 22. November 201 2 zu Prot o- koll, der Überfall durch die maskierten Männer in der Nacht vom 24. auf den 25. September 2011 habe sich so gegen 20 Uhr zugetragen (A 22/16 F52 [N (...)]). D ie Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, der Vorfall habe sich "ungefähr um halb eins in der Nacht" ereignet ( A 35/17 F40). Die Ausführungen in der Stellungnahme vom 29. April 2013 sind nicht ge- eignet, diese widersprüchlichen Aussagen zu erklären , zumal zwischen Frühabends und Mitternacht ein Unterschied besteht (vgl. A 22/16 F54 [N (...)]). Für die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen spricht zudem der Um stand, dass die Aussagen der Beschwerdeführenden bezüglich der geltend ge- machten Verfolgung durch die Kadyrow -Leute, insbesondere hinsichtlich der behaupteten Festnahmen und des vorgebrachten Überfalls durch maskierte Männer in der Nacht vom 24. auf den 25. September 2011, wenig detailliert und unsubstanziiert ausgefallen sind (vgl. A 34/17 S. 7 ff., A 35/17 S. 4 ff. ). Den diesbezüglichen Aussagen der Beschwerdeführen- den fehlen die notwendigen Realkennzeichen einer Erzählung. Namen t- lich ist den Äusserungen nicht der erforderliche Detailreichtum einer auf tatsächlich erlebten Ereignissen basierenden Schilderung zu entnehmen, was nicht nachvollziehbar ist, handelt es sich doch bei den behaupteten Vorfällen um einschneidende Erlebnisse. Unrealistisch erscheint überdies die Schilderung der Beschwerdeführen- den, wonach es der Beschwerdefüh rerin und ihrer Tochter C._______ in der Nacht vom 24. auf den 25. September 2011 gelungen sein soll, den maskierten Männern durch das Fenster zu entkomm en, zumal sich zu dieser Zeit mindestens fünf bewaffnete Männer in der Wohnung aufgehal- ten haben sollen und die Beschwerdeführerin von ihnen vor dem angebli- chen Sprung erheblich misshandelt worden sein soll (A 34/17 F88 ff., A 35/17 F28 ff.). Unglaubhaft, weil realitätsfern sind ausserdem die Aussagen der B e- schwerdeführenden, sie seien bis zu m Zeitpunkt ihrer Ausreise in ihrer Heimat wegen der Teilnahme ihrer Brüder am ersten Tschetschenienkrieg von den Leuten Kadyrows verfolgt worden, zumal die beiden Brüder be- reits seit 1995 verschollen sein sollen und sich die Situation in Tsch e-D-45/2013 Seite 15 tschenien gemäss den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts seither grundlegend verändert hat. So haben insbesondere unzählige ehemalige Widerstandskämpfer Amnestie erhalten und können heute oh- ne Furcht in Tschetschenien ein normales Leben führen. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, es handle sich bei den Ver- folgungsvorbringen der Beschwerdeführenden um ein Sachverhaltsko n- strukt, weshalb auch nic ht geglaubt werden kann , dass sie bei ei ner Rückkehr nach Tschetschenien von den Kadyrow-Leuten beziehungswei- se G._______ verfolgt würden, wie das von ihnen geltend gemacht wird. An dieser Beurteilung vermögen weder die Ausführungen in der B e- schwerde noch die eingereichten Bewei smittel etwas zu ändern. An der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Vorbringen ändert insbesonde- re auch nichts, dass im ärztlichen Bericht von Dr. med. K._______ und L._______ (Psychologin) vom 20. Dezember 2012 festgehalten wird, die Beschwerdeführerin leide aufgrund der von ihr vorgebrachten Erlebnisse in ihrem Heimatland an einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer mittelgradig ausgeprägten depressiven Episode. Vorliegend wird ei- ne allfällige Traumatisie rung der Beschwerdeführerin seitens des Bu n- desverwaltungsgerichts nicht in Abrede gestellt. Was indes die Feststel l- barkeit der Ursachen einer Traumatisierung betrifft, so hat die vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) bereits im Jahre 1994 in e i- nem unveröffentlichten Urteil vom 25. Mai 1994 (auszugsweise publiziert in Asyl 1994/4, S. 92) ausgeführt: "Glaubhaft gemacht ist aufgrund der gutachterlichen Feststellung einer posttraumatischen Belastungsstörung einzig, dass die Beschwerdeführerin ein traumatisierendes Ereignis erlebt haben muss. Die genauen Umstände die ses Erlebnisses – was für die Frage der Asylrelevanz von entschei dender Bedeutung wäre – bleiben indessen unklar. Da im Asylverfahren für den Nachweis der Flüchtlingse i- genschaft – trotz des herabgesetzten Beweismassstabs und des dabei geltenden Untersuchungs grundsatzes – der/die Asylgesuchsteller/in die Beweislast (d.h. die Folgen des misslungenen Nachweises) trägt, kann aus diesem Grund der Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt werden". Dieser Beur teilung der Beweiskraft einer ps y- chiatrischen Diagnose ist auch im vorliegenden Verfahren zuzustimmen. "Mit psychiatrisch -psychotherapeutischen Mitteln kann nicht sicher e r- schlossen werden, ob tatsächlich in der Vorgeschichte ein Ereignis vorlag und wie dieses geartet war" (MARTIN LEONHARDT/KLAUS FOERSTER, Prob- leme bei der Begutachtung der posttraumatischen Belastungsstörung, in: Der medizinische Sachverständ ige 99 [2003], S. 151). Die bei der Be- schwerdeführerin diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung bil-D-45/2013 Seite 16 det somit keinen Hinweis für asylrechtlich relevante Ereignisse (vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5266/2006 vom 29. Januar 2008 E. 3.4 S. 11), zumal, wie bereits dargele gt wurde, die Asylvorbringen der Beschwerdeführenden als unglaubhaft zu erachten sind. Bei dieser Sach- lage sind dem ärztlichen Bericht von Dr. me d. K._______ und L._______ vom 20. Dezember 2012 keine stichhaltigen Hinweise für eine mit übe r- wiegender Wahrscheinlichkeit bes tehende asylrelevante Verfolgung zu entnehmen, da die Ursachen der diagnostizierten posttraumatischen B e- lastungsstörung nicht zweifelsfrei eruierbar sind. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf zahlreiche weitere Unglaubhaf- tigkeitselemente in den Aussagen der Beschwerdeführenden einzugehen. Da die von ihnen zur Begründung ihrer Asylgesuche geltend gemachten Verfolgungsvorbringen den umschriebenen Anforderungen an die Glau b- haftigkeit nicht genügen, kann darauf verzichtet werden, die Asylrelevanz dieser Vorbringen zu prüfen. 6.6 Gemäss der zu den Akten gereichte n schriftliche Auskunft der SFH betreffend Tschetschenien vom 12. Februar 2013 verstosse die Heirat ei- ner Frau mit dem Cousin ihres Ex -Mannes in Tschetschenien gegen die Sitten. Die Verwandten würden ei n solches "unsittliches " Ehepaar ve r- stossen oder verja gen oder würden versuchen, es zu einer Trennung zu zwingen. Der Bruder des Verstorbenen sei zudem verpflichtet, die Ehre der Familie wiederherzustellen, indem er und die anderen Verwandten die beiden körperlich bestrafen oder gar töten würden. Dieses Dokument der SFH vermag vorliegend keine zukünftige asylrelevante Verfolgung der Beschwerdeführenden durch G._______ oder dessen Familie bei einer Rückkehr nach Tschetschenien glaubhaft zu machen, zumal erhebliche Zweifel daran bestehen, dass es sich beim Beschwerdeführer tatsächlich wie behauptet um den Cousin der Beschwerdeführerin handelt, da – wie vorstehend dargelegt – die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdefü h- renden unglaubhaft sind und zudem die Identität des Beschwerdeführers nicht feststeht. Er hat bis heute keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere abgegeben; überdies kommt der Experte im Bericht vom 14. August 2012 zur landeskundlich-kulturellen und linguistische Analyse zur Verifizierung des Sozialisierungsortes des Beschwerdeführers zum Schluss, dass di e- ser sehr wahrscheinlich nicht in Tschetschenien beziehungsweise in e i- nem tschetschenischen Milieu hauptsozialisiert worden sei, obwohl der Beschwerdeführer behauptet, er sei in Tschetschenien geboren worden und habe dort bis zu seiner Reise in die Schweiz ge lebt. Nach dem G e-D-45/2013 Seite 17 sagten können die Beschwerdeführenden aus der eingereichten Auskunft der SFH betreffend Tschetschenien nichts zu ihren Gunsten ableiten. 6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu m a- chen, dass sie in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG er- litten oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatten oder im Falle der Rückkehr in ih re Heimat befürchten müssten. Sie erfüllen somit die Vo r- aussetzungen zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb die Vorinstanz die Asylbegehren zu Recht abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Weg weisung aus der Schweiz und ord net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nich t zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge - mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei d er Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie si nd zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des A usländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein D-45/2013 Seite 18 Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1 999 ( BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK , SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrecht- lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Be- schwerdeführenden nach Tschetschenien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführen- den noch aus den Ak ten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Tschetschenien dort mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder B e- handlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gericht s- hofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Das ist jedoch vor liegend nicht der Fall, da – wie vorstehend unter Ziffer 6.5 f. der Erwägungen dargelegt wird – die geltend gemachte Verfolgungssituation nicht geglaubt werden k ann. Auch die allgeme ine Menschenrechtssituation in Tschetschenien lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Wie dem ärztlichen Bericht von Dr. med. K._______ und L._______ vom 20. Dezember 2012 zu entnehmen ist, wurde bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10; F43.1) sowie eine mit-D-45/2013 Seite 19 telgradig ausgeprägte depressive Episode (ICD -10; F32.1) diagnostiziert. Diese gesundheitlichen Probleme stellen selbst dann unter dem Blickwi n- kel von Art. 3 EMRK kein völkerrechtliches Vollzugshindernis dar, wenn in ihrem Heimatland der medizinische Standard schlechter als in der Schweiz wäre, da die Ausweisung einer unter gesundheitlichen B e- schwerden leidenden Person nur unter ganz aussergewöhnlichen U m- ständen eine Verletzung von Art. 3 EMRK zur Folge hat (vgl. Urteil des EGMR vom 27. Mai 2008 i.S. N. gegen Vereinigtes Königreich [Grossbr i- tannien], Ziffn. 34, 42, 43, 44, Beschwerde Nr. 26565/05; BVGE 2009/2 E. 9.1.3; EMARK 2004 Nr. 6 E. 7 S. 40 ff.). Solche ganz aussergewöhnli- chen Umstände sind vorliegend nicht gegeben. Im erwähnten ärztlichen Bericht vom 20. Dezember 2012 wird zudem gel- tend gemacht, dass es bei ei ner Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihr Heimatland voraussichtlich zu einer Retraumatisierung kommen werde, die höchstwahrscheinlich zu einer psychischen Dekompensation mit ve r- mutlicher Suizidalität führen werde . Im Falle einer drohenden S uizidalität ist nach dem EGMR der wegweisende Staat nicht verpflichtet, vom Vol l- zug der Ausweisung Abstand zu nehmen; solange er Massnahmen e r- greift, um die Umsetzung der Suiziddrohung zu verhindern, vermag die Ausschaffung nicht gegen Art. 3 EMRK zu verst ossen (vgl. den Unzulä s- sigkeitsentscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. Dragan und and e- re gegen Deutschland, Nr. 33743/03, angeführt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212). Der geltend gemachten (vermutlichen) Suizidalität der Be- schwerdeführerin ist deshalb durch Heranziehen von medizinischem Fachpersonal bei der Ausschaffung Rechnung zu tragen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gef ährdet sind. Wird eine konkret e Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Die Sicherheitslage in Tschetschenien hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich und nachhaltig verbessert (vgl. BVGE 2009/52). Es herrscht heute keine Situation allgemeiner Gewalt mehr (vgl. BVGE, a.a.O. D-45/2013 Seite 20 E. 10.2.2 f. und 10.2.5). Parallel zur Stabilisierung der Sicherheit hat sich auch die Menschenrechtslage deutlich verbessert. Wahllose Persone n- kontrollen und Inhaftierungen durch das russische Militär kommen nicht mehr vor. Drastisch zurückgegangen sind vor allem auch die Fälle von Verschwindenlassen und Entführungen von Personen. Nach Einschä t- zung der UNO und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) besteht heute in Tschetschenien auch kein e humanitäre Krise mehr. Aus Russland aber auch aus Europa kehren vermehrt Personen unterschiedlichen Profils freiwillig nach Tschetschenien zurück. Die Rück- kehr abgewiesener Asylsuchender nach Tschetschenien ist daher grund- sätzlich zumutbar. Es bleibt demnach zu prüfen, ob individuelle Gründe vorliegen, die eine Rückkehr der Beschwerdeführenden als unzumutbar erscheinen lassen. Insbesondere ist zu prüfen, ob die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden der B eschwerdeführerin ein individuelles Vollzugshindernis bilden. 8.3.3 Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden , deren Vorbringen nicht als glaubhaft zu erachten sind, keiner Kategorie von Personen zuzuordnen sind, welche weiterhin konkret gefährdet sein könnten (vg l. BVGE 2009/52 E. 10.2.3 ), weshalb die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs diesbezüglich zu bejahen ist. 8.3.4 Im ärztlichen Bericht von Dr. med. K._______ und L._______ vom 20. Dezember 2012 wird im Wesentlichen festgehalten, dass die B e- schwerdeführerin unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD- 10; F43.1) sowie eine r mittelgradig ausgeprägten depressiven Episode (ICD-10; F32.1) leide. Bezüglich Behandlung der Beschwerdeführerin wird im Bericht ausgeführt, dass diese aus der Fortführu ng der begonne- nen psychiatrischen-therapeutischen Behandlung unter besonderer Be o- bachtung der Kontinuität der therapeutischen Beziehung bestehe. Es wird im Bericht festgehalten, dass ein Therapieabbruch in dieser wichtigen Phase des Vertrauensaufbaus für d en psychischen Gesundheitszustand verheerend sei, insbesondere, da das mit der posttraumatischen Bela s- tungsstörung einhergehende Misstrauen der Patientin nur langsam durch eine schrittweise Annäherung habe reduziert werden können. 8.3.5 Nach der Praxis des Bund esverwaltungsgerichts kann im Rahmen der Tatbestandsvariante der medizinischen Notlage im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs g e- schlossen werden, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen D-45/2013 Seite 21 und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führt, wobei als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet wird, welche zur Gewäh r- leistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unz u- mutbarkeit liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 200 9/2 E. 9.3.2, mit e i- nem Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b). 8.3.6 Nach Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts ist die medizin i- sche Grundversorgung in Tschetschenien heute wieder flächendeckend gewährleistet, nachdem in den letzten Jahren erhebliche An strengungen unternommen wurden, die durch die beiden Kriege zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen und die Ausbildung des medizinischen Personals zu fördern. Grundsätzlich sind – bis auf einige wenige komplizierte Operatio- nen – alle medizinischen Behand lungen in der Republik Tschetschenien möglich. Für nicht vor Ort verfügbare Behandlungen besteht die Möglic h- keit, in andere Teile der Russischen Föderation zu reisen. Die russische Verfassung garantiert allen Bürgern zudem eine kostenlose medizinische Grundversorgung (vgl. VERONIKA RÜDISSER, Russische Föderat i- on/Tschetschenische Republik, in: Länderinformation n°15, Österreich i- scher Integrationsfons, Wien Oktober/November 2012, S. 25 f.; BAA, Re- publik Österreich, Bundesasylamt, Bericht zum Forschungsaufenth alt, Russische Föderation – Republik Tschetschenien, Wien Dezember 2011, S. 45 ff.; Internationale Organisation für Migration [IOM], Länderinformat i- onsblatt, Russische Föderation, Juni 2012, S. 32 ). In Tschetschenien gibt es drei Krankenhäuser für psychisc h Kranke sowie weitere Krankenhä u- ser, die sich mit Personen, die an der Schwelle zu psychischen Krankhe i- ten stehen, beschäftigen (vgl. BAA, a.a.O. S. 48). Aufgrund des soeben Ausgeführten ist – entgegen der im ärztlichen Bericht vom 20. Dezember 2012 vertretenen Meinung – davon auszugehen, dass die Beschwerd e- führerin die notwendige medizinische Behandlung in Tschetschenien grundsätzlich erhältlich machen kann, dies auch unter Berücksichtigung, dass sie vor ihrer Ausreise aus Tschetschenien während vie len Jahren in der Hauptstadt H._______ gelebt hat, wohin sie allenfalls zurückkehren kann. Die Rückkehr in den heimatlichen Kultur - und Sprachraum dürfte der Genesung der Beschwerdeführerin sicherlich förderlich sein. Da der Beschwerdeführerin die geltend gemachte Verfolgungssituation nicht geglaubt werden kann (vgl. vorstehend E. 6.5 f.), sind ihre gesund- heitlichen Beschwerden nicht darauf zurückzuführen , sondern müssen D-45/2013 Seite 22 eine andere Ursache haben. Entgegen der im ärztl ichen Bericht vom 20. Dezember 2012 vertretenen Meinung kann demnach auch nicht mit Sicherheit gesagt werden , sie werde bei ei ner Rückkehr nach Tsch e- tschenien eine Retraumatisierung erleiden. Es bestehen keine hinre i- chenden Anhaltspunkte dafür, dass der Wegweisungsvollzug die konkrete Gefahr einer ernsthaft gesundheitsgefährdenden psychischen Störung lebensbedrohlichen Ausmasses hervorrufen könnte. Es ist damit zu rec h- nen, dass die Beschwerdeführenden gemeinsam nach T schetschenien zurückkehren werden, wes halb davon auszugehen ist, die Beschwerd e- führerin werde dort bei einer allenfalls notwendigen privaten Finanzierung medizinischer Behandlungen durch den – gemäss den Akten – gesunden Beschwerdeführer unterstützt . Der Beschwerdeführerin ist es überdies unbenommen, beim BFM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über F i- nanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). Betreffend die weitere Fina n- zierung der me dizinischen Behandlung ist festzuhalten, dass der We g- weisungsvollzug auch zumutbar ist, wenn die medizinische Behandlung nicht lebenslang sichergestellt ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5e). Der Umstand, das s die Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Standard in der Schweiz entsprechen, macht de n Vollzug der Wegweisung für die Beschwerdeführe rin nicht unzumutbar; dies wäre einzig dann der Fall, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende Verschlecht e- rung des Gesundheitszustandes nach sich ziehen würde (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2.), was vorliegend aufgrund der Akten sowie der in der Heimat bestehenden Behandlungsmöglichkeiten nicht zutrifft. Es ist damit zusammenfassend festzustellen, dass die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin kein Wegweisungsvollzugshindernis darstellen. Da- von ist umso mehr auszugehen, da mit Urteil des Bunde sverwaltungsge- richts D -47/2013 vom 21. Mai 2013 auch das Asylgesuch ihrer Tochter C._______ rechtskräftig abgewiesen wurde, weshalb anzunehmen ist, die Beschwerdeführerin und ihre Tochter würden in Zukunft nicht getrennt, sondern könnten gemeinsam in ihre Heimat zurückkehren. Da vorliegend der Sachverhalt bezüglich des Gesundheitszustandes der Beschwerd e- führerin erstellt ist, ist der Subeventualantrag in der Beschwerde, wonach die Vorinstanz anzuweisen sei, den Sachverhalt erneut abzuklären, dies unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Probleme der Beschwerd e- führerin, abzuweisen. 8.3.7 Auch sind keine sonstigen individuellen Gründe ersichtlich, welche gegen die Zumutbarkeit einer Rückkehr der Beschwerdeführenden nach D-45/2013 Seite 23 Tschetschenien sprechen würden. Die Beschw erdeführerin hat gemäss eigenen Angaben ab 1978 bis zu ihrer Ausreise im September 2011 im- mer in H._______ gelebt (A 4/10 S. 4); nach den Akten ist zudem davon auszugehen, dass auch der Beschwerdeführe r eine gewisse Zeit in Tschetschenien gelebt hat, auch wenn er gemäss dem LINGUA - Gutachten vom 14. August 2012 sehr wahrscheinlich nicht dort hauptso- zialisiert wurde. Folglich sind die Beschwerdeführenden mit den Leben s- umständen in Tschetschenien bes tens vertraut. Aufgrund ihres Aufent- halts ist überdies davon auszugehen, dass sie dort über ein gross es Be- ziehungsnetz verfügen, das ihnen bei der Reintegration behilflich sein kann. Der Beschwerdeführer hat ausserdem jahrelange Berufserfahrung als (…) (A 22/10 S. 4), weshalb anzunehmen ist, dass es ih m bei einer Rückkehr nach Tschetschenien gelingen wird, in ausreichendem Masse für seine Familie zu sorgen. Die Beschwerdeführerin verfügt über eine Ausbildung sowie Berufserfahrung als (…) (A 4/10 S. 4), weshalb davon auszugehen ist, sie könne sich in ihrem Heimatland nach ihrer Genesung auch wirtschaftlich reintegrieren. In diesem Zusammenhang ist auf die Möglichkeit der Beantragung von Rückkehrhilfe durch d ie Schweiz zu verweisen, die den Beschwerdeführenden den Wiedereinstieg in ihre Heimat erleichtern dürfte (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG; Art. 73 ff. der Asy l- verordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). Es ist darauf hinzuweisen, dass b losse soziale und wir t- schaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im All- gemeinen betroffen ist, nicht genügen, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2 , BVGE 2010/41 E. 8.3.6 ). Nach Berücksichtigung aller wesentlicher En t- scheidungselemente erweist sic h der Vollzug der Wegweisung der Be- schwerdeführenden nach Tschetschenien insgesamt als zumutbar. Die Ausführungen in der Beschwerde vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegwe i- sung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, z u- mutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). D-45/2013 Seite 24 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Mit vorliegendem Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch um Ve r- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Be- schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese ersuchten um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Danach kann die Beschwerdeinstanz eine bedürftige Pa r- tei, deren Begehren nicht aussichtslos erscheinen, auf Gesuch davon b e- freien, Verfahrenskosten zu bezahlen. 11.2 Es ist von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden auszugehen. Auch können die Begehren der Beschwerde (zumindest im Wegwe i- sungsvollzugspunkt) nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist somit gutz u- heissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 12. Obwohl die Beschwerdeführenden in der Sache selbst unterliegen, ist i h- nen eine anteilsmässige Parteientschädigung auszurichte n, da ihnen d a- durch, dass die Vorinstanz das rechtliche Ge hör nicht korrekt gewährte, zusätzliche Umtriebe erwachsen sind. Dies darf ihnen kostenmässig nicht zum Nachteil gereichen (vgl. BVGE 2007/9 E. 7.2.5 S. 109; EMARK 2003 Nr. 5 E. 7 S. 35 f. m.w.H.). Da sich der erfor derliche Aufwand der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführenden für das Verfassen der Stellungna h- me vom 29. April 2013 hinreichend zuverlässig abschätzen lässt, kann auf das Nachfordern einer Kostennote verzichtet werden (Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entsc hädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). U n- ter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) ist das BFM anzuweisen, den Beschwerdeführenden eine a n- teilsmässige Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 300.– (inkl. allfälli- ge Mehrwertsteuer und Auslagen) auszurichten. D-45/2013 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteien t- schädigung in der Höhe von Fr. 300.-- zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: