B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2980/2013/was U r t e i l v o m 11 . A p r i l 2 0 1 4 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), Russland, vertreten durch Daniel Weber, Fürsprecher, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Beschwerden gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 16. Mai 2013 / N (…). D-2980/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, I. dass das BFM auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden vom 30. August 2011 mit Verfügung vom 20. März 2012 in Anwendung von aArt. 32 Abs. 2 Bst. c des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass das Bundesverwaltungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde vom 1. April 2012 mit Urteil D-1745/2012 vom 8. August 2012 vollumfäng- lich abwies, II. dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe an das Bundesverwaltung s- gericht vom 13. September 2012 um Revision des Urteils vom 8. August 2012 ersuchen liessen, das Revisionsgesuch jedoch aufgrund der ihnen mit Zwischenverfügung vom 2. Oktober 2012 mitgeteilten Aussichtslosi g- keit der Revisionsbegehren am 4. Oktober 2012 zurückziehen liessen, worauf das Revisionsverfahren mit Entscheid D-4755/2012 vom 8. Okt o- ber 2012 abgeschrieben wurde, dass für den Inhalt des ordentli chen Verfahrens sowie des Revisionsve r- fahrens auf die entsprechenden Akten zu verweisen ist, III. dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe an das BFM vom 14. Se p- tember 2012 um Wiedererwägung der vorinstanzlichen Verfügung vom 20. März 2012 ersuchen liessen, dass dabei unter anderem beantragt wurde, der Asylentscheid vom 20. März 2012 sei wiedererwägungsweise (oder revisionsweise) aufz u- heben und das Asylverfahren sei wieder aufzunehmen, eventuell sei eine Befragung der Beschwerdeführerin durchzuführen, dass zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt wurde, das Asylverfah- ren der Beschwerdeführenden stehe in engem sachlichem Zusamme n- hang mit dem Verfahren der Schwester der Beschwerdeführerin (C._______, […]), was vom BFM verkannt worden sei, D-2980/2013 Seite 3 dass das BFM auf das zweite Asylgesuch von C._______ vom 13. Mai 2011 mit Verfügung vom 11. August 2011 nicht eingetreten sei, wobei der Entscheid von denselben beiden BFM -Mitarbeitern unterzeichnet worden sei, welche auch den erstinstanzlichen Entscheid betreffend die B e- schwerdeführerin unterschrieben hätten, dass das Bundesverwaltungsgericht im (zweiten) Asylverfahren von C._______ die Beschwerde vom 19. August 2011 gegen den Nichteintr e- tensentscheid vom 11. August 2011 mit Urteil vom 11. November 2011 gutgeheissen und die a ngefochtene Verfügung infolge unvollständig e r- stellten Sachverhalts kassiert habe, dass das Bundesverwaltungsgericht dabei ausdrücklich festgestellt habe, der Sachverhalt sei insbesondere deshalb noch nicht vollständig festg e- stellt, weil die zwischenzeitli ch ebenfalls in die Schweiz eingereiste Schwester von C._______ (d.h. die Beschwerdeführerin) noch nicht b e- fragt worden sei, dass das Asylverfahren von C._______ seit dem Kassationsurteil vom BFM nicht mehr weiterbearbeitet worden sei, dass nach dem Gesagt en der Zusammenhang zwischen den Verfahren der beiden Schwestern offensichtlich sei, dass ausserdem die Beschwerdeführerin im Verfahren ihrer Schwester als Zeugin einvernommen werden müsse, dass das BFM im Rahmen des Entscheids vom 20. März 2012 somit zu Unrecht auf den Beizug der Akten von C._______ ([…]) verzichtet habe, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie des Grundsatzes des fairen Verfahrens darstelle, dass sich der betreffende BFM -Mitarbeiter durch dieses Vorgehen auch eine Amtspflichtverletzung und letztlich Arbeitsverweigerung vorwerfen lassen müsse, dass das BFM in der Verfügung vom 20. März 2012 sodann zu Unrecht behauptet habe, es gebe in der Schweiz keine Tschetschenisch - Übersetzer, und diese Behauptung mit einem neuen Beweismittel belegt werde, D-2980/2013 Seite 4 dass der BFM-Mitarbeiter durch diese Lüge eine korrekte Befragung ve r- hindert und dieses Vorgehen einzig dazu gedient habe, einen Nichteintre- tensentscheid zu provozieren, um sich nicht materiell mit den Asylgrü n- den der Beschwerdeführerin auseinandersetzen zu müssen, dass die Beschwerdeführerin entgegen der unbewiesenen und unqualif i- zierten Behauptung im angefochtenen Nichteintretensentscheid über ke i- ne genügenden Russischkenntnisse verfüge, sondern nur Tschetsch e- nisch spreche, wora uf im Verlauf des Verfahrens mehrfach hingewiesen worden sei, dass C._______ zuhanden der Beschwerdeführerin schriftlich festgeha l- ten habe, weshalb diese die russische Sprache nicht beherrsche, dass die Beschwerdeführerin noch weitere Beweismittel im Zusa mmen- hang mit ihren mangelnden Russischkenntnissen erhalten habe, dass es im Weiteren auch nicht zutreffe, die Beschwerdeführerin habe kein Interesse am Asylverfahren gezeigt, sondern sie im Gegenteil allen Aufforderungen des BFM nachgekommen sei, soweit s ie dazu in der L a- ge gewesen sei, weshalb auch keine Rede davon sein könne, sie habe schuldhaft und in grober Weise ihre Mitwirkungspflicht verletzt, dass vielmehr der BFM-Mitarbeiter seine Amtspflicht sowie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt habe, indem er für die Befragung vom 14. Februar 2012 absichtlich auf den Beizug eines Tschetschenisch-Dolmetschers verzichtet habe, dass schliesslich der Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführenden entgegen den Ausführungen im angefochtenen Entscheid unzulässig und unzumutbar sei, dass der BFM -Mitarbeiter auch diesbezüglich die aktenkundigen U m- stände aus dem Verfahren von C._______ nicht berücksichtigt habe, o b- wohl ihm diese bekannt gewesen seien, dass das BFM auf dieses Wiedererwägungsges uch mit Verfügung vom 13. Dezember 2012 – eröffnet am 14. Dezember 2012 – nicht eintrat, sei- ne Verfügung vom 20. März 2012 für rechtskräftig und vollstreckbar e r- klärte, das Gesuch um vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege a b- wies, eine Gebühr erhob und feststellte, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, D-2980/2013 Seite 5 dass das BFM zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen au s- führte, mit dem Wiedererwägungsgesuch werde weder das Bestehen e i- ner seit der früheren Verfügung veränderten Sachlage noch das Vorliegen von wiedererwägungsrechtlich relevanten neuen Tatsachen und Bewei s- mitteln geltend gemacht, sondern es würden lediglich bekannte Sachve r- haltselemente wiederholt, welche bereits im ordentlichen Beschwerdever- fahren gewürdigt worden seien, dass ferner die nachgereichten Beweismittel bei zumutbarer Sorgfalt b e- reits in einem ordentlichen Beschwerdeverfahren hätten eingebracht wo r- den können und ausserdem offensichtlich unerheblich seien, dass die Beschwerdeführenden diese Verfügung mit B eschwerde vom 14. Januar 2013 beim Bundesverwaltungsgericht anfochten und dabei beantragen liessen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das BFM sei anzuweisen, auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten, dass in prozessualer Hinsicht um Gewährung der vollumfänglichen u n- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwa l- tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um Gewährung der aufschiebenden Wirkung beziehungsweise um Erlass vorsorglicher Massnahmen (Vollzugsstopp) ersucht wurde, dass mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2013 das Gesuch um Au s- setzung des Wegweisungsvollzugs abgewiesen und der einstweilige Voll- zugsstopp aufgehoben wurde, dass das Gericht die Beschwerde mit Urteil D-174/2013 vom 19. Februar 2013 als offensichtlich unbegründet abwies, dass auf die Begründung – soweit angebracht – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, IV. dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 2. Mai 2013 beim BFM ein zweites Asylgesuch stellten, dass sie die Asylgewährung und in prozessualer Hinsicht die unentgeltli - che Prozessführung beantragten, D-2980/2013 Seite 6 dass der Eingabe eine Erklärung der Beschwerdeführerin und ein fremd - sprachiges Dokument samt Übersetzung beilagen und ärztliche Unterla - gen in Aussicht gestellt wurden, dass der Beizug von bereits in früheren Verfahren eingereichten Dok u- menten beantragt und auf Erwägungen in den bisherigen Verfahren ve r- wiesen wurde, dass das BFM die Eingabe vom 2. Mai 2013 als Wiedererwägungsge - such qualifizierte, darauf mi t Verfügung vom 16. Mai 2013 – eröffnet am 17. Mai 2013 – nicht eintrat, seine Verfügung vom 20. März 2012 für rechtskräftig und vollstreckbar erklärte, das Gesuch um vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege abwies, eine Gebühr erhob und feststellte, ei- ner allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 25. Mai 2013 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben, dass sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Anweisung des BFM, die Eingabe vom 2. Mai 2013 als zweites Asylgesuch entgegenzu- nehmen, die unentgeltliche Rechtspflege sowie den Erlass vor sorglicher Massnahmen beantragten, dass sie zur Begründung unter anderem darlegten, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, der Sachverhalt habe sich seit rechtskräftigem Ab- schluss des ersten Asylgesuchs nicht in asylrechtlich relevanter Weise verändert, dass die beim BFM neu eingereichten Beweismittel – die Erklärung der Beschwerdeführerin vom 25. Februar 2013 und das Schreiben des russi - schen Innenministeriums vom (…) Januar 2013 – nach Abschluss des or- dentlichen Verfahrens entstanden seien, dass das BFM die Eingabe vom 2. Mai 2013 fälschlicherweise als Wi e- dererwägungsgesuch und nicht als zweites Asylgesuch entgegenge - nommen habe, dass der Eingabe eine Kostennote beilag, dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2013 provisorisch aussetzte und den Vollzugstopp mit Zwischenverfügung vom 30. Mai 2013 bestätigte, D-2980/2013 Seite 7 dass das BFM mit Vern ehmlassung vom 3. Juni 2013 die Abweisung der Beschwerde beantragte, dass die Beschwerdeführenden mit Replik vom 19. Juni 2013 an ihren Vorbringen festhielten, dass beim Gericht am 12. Juli 2013 ein die Beschwerdeführerin betre f- fender Arztbericht vom 28. Juni 2013 einging, dass auf die vorinstanzlichen Argumente und die Beschwerdevorbringen – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entsche i- det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 -33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme vorliegend nicht besteht, dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG ric h- tet, soweit das Asyl G nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass für die Rügegründe auf Art. 106 Abs. 1 AsylG zu verweisen ist, dass am 1. Februar 2014 das neue Asylgesetz in Kraft getreten ist, das vorliegende Verfahren gemäss Übergangsrecht jedoch nach den bisher i-D-2980/2013 Seite 8 gen Bestimmungen zu beurteilen ist (vgl. Abs. 2 der Übergang sbestim- mungen), dass auf Beschwerdeebene insbesondere gerügt wird, die Eingabe vom 2. Mai 2013 sei zu Unrecht nicht als Asylgesuch , sondern als Wiedere r- wägungsgesuch geprüft worden, dass im Folgenden zunächst auf diese Rüge einzugehen ist, dass vorliegend ein erstes Asylgesuch der Beschwerdeführenden mit e i- nem Nichteintretensentscheid wegen grober und schuldhafter Verletzung der Mitwirkungspflicht rechtskräftig abgeschlossen wurde, dass ein solcher Entscheid gemäss herrschender Praxis impliziert, dass die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt des Verfahrensabschlusses nicht besteht (vgl. BVGE 2013/10 E. 7.3.), dass in Folge davon ein erneutes Asylgesuch einzig mit der Begründung vorgebracht werden kann, es hätten sich seit Abschluss des Verfahrens Ereignisse zugetragen, die geeignet sind , die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, dass das Schreiben der Beschwerdeführerin offensicht lich kein solches Ereignis, das sich "nachträglich zugetragen" hat, darstellt, dass auch das Schreiben der russischen Behörden auf ein Verfahren aus dem Jahr 2011 hinweist und insoweit – unbesehen des Ausstellungsd a- tums sowie des geltend gemachten Erhalt s – ebenfalls keine nachträgl i- che Ver änderung der Sachlage , welche unter dem Titel eines zweiten Asylgesuchs zu prüfen wäre, zu belegen vermag, dass in diesem Sinne vom BFM auch zu Recht ausgeführt wurde, mit dem Einreichen neuer Beweismittel zu vorbestandenen Sachverhalten könne nach einem Nichteintretensentscheid wegen grober Verletzung der Mitwirkungspflicht kein neues Asylverfahren eingeleitet werden, würde ein solches Vorgehen doch ermöglichen, dass trotz Verletzung der Mitwi r- kungspflicht ein ordentliches Asylverfahren bezüglich bisheriger Fluch t- gründe angehoben werden könnte, dass die Vorinstanz demnach zu Recht von der Entgegennahme als zwei- tes Asylge such absah, zumal die weiteren Vorbringen keine andere Sichtweise rechtfertigen, D-2980/2013 Seite 9 dass die genannten Beweismittel aufgrund der Datierung auch nicht im Rahmen eines Revisionsverfahrens hinsichtlich des Urteils vom 8. August 2012 zu prüfen sind (vgl. BVGE 2013/22), dass damit eine Prüfung der ei ngereichten Dokumente einzig unter dem Aspekt der Wiedererwägung in Betracht fällt, dass demnach im Weiteren zu prüfen ist, ob das BFM zu Recht nicht auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist, dass gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesg e- richts aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgeno s- senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Vorausse t- zungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgelei- tet wird (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen), dass danach auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten ist, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid b e- ziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Recht s- mittelinstanz in wesentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüng- liche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist, dass vorliegend, wie bereits ausgeführt wurde, nich t von einer Veränd e- rung der Sachlage seit Rechtskraft des ersten Asylgesuches ausgega n- gen werden kann, da sich beide neu eingereichten Dokumente auf den Sachverhalt beziehen, wie er bereits während des ersten Asylverfahrens bestanden hatte, dass hingegen auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererw ä- gung begründen können, wobei ein solchermassen als qualifiziertes Wi e- dererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel grundsätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln ist, dass eine Wieder erwägung in diesem Sinne dann nicht in Betracht fällt, wenn lediglich eine neue Würdigung der beim früheren Entscheid bereits bekannten Tatsachen herbeigeführt werden soll oder Gründe vorgebracht werden, die bereits in einem ordentlichen Beschwerdeverfahre n gegen die frühere Verfügung hätten geltend gemacht werden können (Art. 66 Abs. 3 VwVG), D-2980/2013 Seite 10 dass beide neu eingereichten Dokumente, die die Frage der Flüchtling s- eigenschaft betreffen, bereits im ersten Asylverfahren hätten produziert werden können, handelt e s sich doch bei dem einen um eine schriftliche Darstellung der Fluchtgründe durch die Beschwerdeführerin und bei dem anderen um eine auf Anfrage durch die Schwester erstellte Bestätigung der russischen Behörden, dass bezüglich des letzteren Dokumentes zwar geltend gemacht wird, dies habe der Beschwerdeführerin erst nach Abschluss des ersten Asy l- verfahrens vorgelegen, damit aber in keiner Weise ausgeführt wird, we s- halb eine solche Bestätigung nicht bereits im ordentlichen Verfahren durch die Schwester erwirkt und eingereicht wurde, dass das ordentliche Asylverfahren der Beschwerdeführenden fast ein Jahr währte und damit das Organisieren der nachgereichten Bestätigung offensichtlich möglich gewesen wäre, dass das unverzügliche Einreichen allfälliger Beweismit tel zu den Mitwi r- kungspflichten der Asylsuchenden gehört (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG), dass demnach diese Bestätigung bei Beachtung der zumutbaren Sorgfalt bereits im ordentlichen Asylverfahren einzureichen gewesen wäre, dass daran auch nichts zu ändern vermag, dass im ersten Asylv erfahren insbesondere die Frage der Mitwirkungspflichtverletzung zentral war, z u- mal es auch in diesen Fällen immer zumindest implizit auch um die Frage des Bestehens der Flüchtlingseigenschaft geht, dass das entsprechende, weit über ein Jahr nach Asylgesuchstellung ausgestellte Dokument demnach als verspät et eingereicht zu erkennen ist, dass hingegen im Sinne der Praxis zu Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 1995 Nr. 9 nac h- träglich eingereichte Beweismittel unter dem Aspekt der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs berücksichtigt werden müssen, da die Schweiz an ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen gebunden ist, dass es dabei aus Gründen der Rechtssicherheit praxisgemäss nicht g e- nügt, eine drohende Verletzung von Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der D-2980/2013 Seite 11 Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) re spektive Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) lediglich zu behaupten, dass die betroffene Person die beachtliche Wahrscheinlichkeit einer aktu- ellen und ernsthaften Gefahr vielmehr schlüssig nachweisen muss, wobei allerdings der herabgesetzte Beweismassstab der Glaubhaftmachung gilt, dass die eigenen schriftlichen Darlegungen der Ereignisse die von der Beschwerdeführerin behauptete Gefahr offensichtlich nic ht schlüssig nachzuweisen vermögen, dass dies auch durch das Schreiben der russischen Behörden vom (…) Januar 2013 nicht gelingt, dass diesbezüglich ernsthafte Zweifel an dess en Authentizität bestehen, zumal dieses offenbar auf Anfrage ausgestellt wurde und aufgrund der grassierenden Korruption eine entsprechende unrechtmässige Erhältlic h- keit möglich scheint, dass der Schwester trotz gemäss diesem Schreiben laufendem Verfahren am (…) April 2011 ein Reisepapier ausgestellt wurde und persönlich aus- gehändigt worden sein soll, was nicht zu überzeugen vermag, dass es erstaunt, dass trotz angeblich seit drei Jahren angehobenem Strafverfahren keine Gerichtsakten eingereicht werden konnten, dass schliesslich auch in Anbetracht der dort aufgeführten Gesetzes - be- ziehungsweise Verordnungsartikel sowie in Berücksichtigung prozessu a- ler Verteidigungsmöglichkeiten eine entsprechende Gefährdung der B e- schwerdeführerin nicht schlüssig nachgewiesen ist, dass die Beschwerdeführerin demnach das Vorliegen von völkerrecht s- widrigen Wegweisungsvollzugshindernissen nicht glaubhaft zu machen vermag, dass im nachgereichten Arztbericht vom 28. Juni 2013 auf ein psych i- sches Leiden der Beschwerdeführerin, dessen Behandlung nach 2012 wieder aufgenommen wurde, hingewiesen wird, dass demnach primär ein vorbestandenes Leide n und nicht eine wiede r- erwägungsrechtlich relevante veränderte Situation erkennbar ist, wobei D-2980/2013 Seite 12 im Übrigen auch die Behandlungsmöglichkeiten vor Ort zu erwähnen sind, dass das Nichteintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch gemäss Praxis alleine mit der Begründung an die ordentliche Beschwerdeinstanz weite r- gezogen werden kann, die Vorinstanz habe es in Missachtung des ve r- fassungsmässigen Anspruchs auf Wiedererwägung zu Unrecht abge - lehnt, auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten, dass das Vorliegen eines solchen Anspruchs nach dem Gesagten zu ver- neinen ist, dass es den Beschwerdeführenden nach dem Gesagten nicht gelungen ist, konkrete tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer wiedere r- wägungsrechtlich relevanten, nachträglichen Veränderung der Sachla ge darzutun, dass die Vorinstanz somit zu Recht auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist und sich beantragte weitere Abklärungen erübrigen, dass die Beschwerde daher abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass jedoch das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zw i- schenverfügung vom 30. Mai 2013 gutgeheissen wurde, weshalb keine Kosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) D-2980/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: