B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5209/2012/wif U r t e i l v o m 5 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), Armenien, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. September 2012 / (…). D-5209/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden verliessen Armenien eigenen Angaben ge- mäss am 6. Januar 2012 und gelangten am 11. Januar 2012 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. A.b Bei der Kurzb efragung, die am 1. Februar 2012 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel stattfand, sagte der Beschwerdeführer aus, sein Bruder habe früher bei einer Firma gearbeitet, die "mit Prostit u- ierten zu tun" gehabt habe. Sein Bruder habe sich selbständig gemacht und wohl den ehemaligen Arbeitgeber konkurriert. Er – der Beschwerde- führer – habe damals als Internetprovider gearbeitet und von der Seite seines Bruders Domänennamen gekauft. Im Jahr 2010 sei sein Bruder vom ehemaligen Arb eitgeber bedroht worden. Er selbst sei von diesen Leuten einmal zu einem Gespräch in ein Hotel mitgenommen worden; man habe ihm gesagt, er solle seinem Bruder verbieten, ihrer Firma Ko n- kurrenz zu machen. Er sei von diesen Leuten geschlagen und wohl auch vergewaltigt worden. Er habe einen Hirnschlag erlitten und sei erst in e i- nem Spital wieder zu sich gekommen; er sei ein bis zwei Monate lang im Spital gewesen. Nach diesem Vorfall habe sein Bruder seine Tätigkeit eingestellt, und sei im Februar 2011 nach Spanien gegangen. Einmal sei- en Leute der Steuerpolizei in den Laden der Beschwerdeführenden – ei- nen Supermarkt – gekommen und hätten sie gebüsst. Die Steuerbeamten hätten gesagt, er müsse den Laden schliessen. Er nehme an, dieser Vo r- fall habe mit den Prob lemen zu tun, die er we gen seines Bruders gehabt habe. Zur Stützung seiner Vorbringen gab der Beschwerdeführer Unte r- lagen zu einem Spitalaufenthalt ab (vgl. act. A6 Ziff. 1). A.c Die Beschwerdeführerin gab bei der Kurzbefragung im EVZ Basel vom 20. Februar 2012 an, ihre Probleme hingen mit denjenigen ihres L e- benspartners zusammen. Dessen Bruder habe eine Pornohomepage kreiert, die wie diejenige seines früheren Arbeitgebers gestaltet gewesen sei. Von diesem Unternehmen seien beide unter Druck gesetzt worden. Ihr Lebenspartner sei mit der Diagnose "Hirnschlag" in einem Spital g e- landet. Nachdem er aus dem Spital entlassen worden sei, sei es eine Weile gut gegangen. Ende 2010 habe er ihr gesagt, er werde wieder u n- ter Druck gesetzt, sie müssten ausreisen. Da er un ter Gedächtnislücken leide, könne er nicht viel über die Angelegenheit erzählen. A.d Am 14. August 2012 wurden die Beschwerdeführenden vom BFM zu ihren Asylgründen angehört. D-5209/2012 Seite 3 A.d.a Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er habe Armenien verlassen, da e r keine Existenzbasis mehr gehabt habe, nac h- dem sein Geschäft am 18. November 2011 von den Steuerbehörden g e- schlossen worden sei . Zudem habe sich sein Gesundheitszustand ve r- schlechtert. Er gehe davon aus, dass er aufgrund der Probleme, die sein Bruder gehabt habe, Schwierigkeiten mit den Steuerbehörden gehabt ha- be. Sein Bruder sei von den spanischen Behörden im Zusammenhang mit der Aushebung einer armenischen Mafia -Bande festgenommen wo r- den. Möglicherweise habe sein Bruder tatsächlich Verbindungen zur M a- fia. Er – der Beschwerdeführer – habe auch mit der Polizei Probleme g e- habt, die 2009 seinen Laptop beschlagnahmt habe. Die Polizei habe ihn immer angehalten, wenn sie ihn gesehen habe. Im Dezember 2010 sei er entführt und zusammengeschlagen worden. Er habe einen Hirnschlag er- litten, der gemäss Aussagen eines Arztes in Zusammenhang mit der Ve r- gewaltigung stehe. Er sei bereits vor der Entführung bedroht worden, ha- be dies aber nicht ernst genommen. Nachdem er Armenien verlassen ha- be, habe das Steueramt weitere Forderungen gestellt. Seinen Lebensmit- telladen habe er vor der Ausreise verkauft. A.d.b Die Beschwerdeführerin gab an, ihr Schwager sei Programmierer und habe verschiedene Pornoportale aufgebaut. Dank ihres Mannes h a- be er diese im Internet platzieren können. I hr Mann sei im Dezember 2010 für mehrere Tage verschwunden. Sie sei vom Spital angerufen und darüber informiert worden, dass er einen Hirnschlag erlitten habe. Er sei bewusstlos in einem Hotel aufgefunden worden. Als er aus dem Spital entlassen worden sei, sei er teilweise gelähmt gewesen. Sie hätten z u- sammen ihr Business, ein Lebensmittelgeschäft, aufgezogen. Sie hätten etwa ein Jahr lang keine Probleme gehabt. Dann hätten die Probleme mit den Steuerbehörden begonnen, die sie mehrmals grundlos gebüsst hä t- ten. Im Dezember 2011 habe man ihr Business eingestellt, da sie die aus- gesprochenen Bussen nicht hätten begleichen können. Darüber hinaus habe ihr Mann Schwierigkeiten mit dem Pornoprovider gehabt, der in Konkurrenz zu seinem Bruder gestanden sei. Auf Nach frage sagte die Beschwerdeführerin, der Bruder ihres Mannes sei in Spanien zusammen mit anderen Personen festgenommen worden. Einen oder zwei Monate danach sei er nach Armenien gebracht worden. A.d.c Die Beschwerdeführenden gaben weitere Beweismittel zu den A k- ten (vgl. act. A6 Ziffn. 2-7). D-5209/2012 Seite 4 B. B.a Mit Verfügung vom 24. August 2012 trat das BFM gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein. Zugleich verfügte es ihre Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. B.b Das Bundesverwaltungsgericht hiess eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 3. September 2012 mit Urteil D -4569/2012 vom 11. September 2012 insoweit gut, als die Aufhebung der angefochte- nen Verfügung beantragt wurde. Die Sache wurde zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. C. Das BFM trat mit am folgenden Tag eröffneter Verfügung vom 27. Se p- tember 2012 gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein. Zugleich verfügte es ihre Wegwe i- sung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. D. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 5. Oktober 2012 b e- antragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Ihr Asylgesuch sei materiell zu prüfen, indem die Angelege n- heit zur Neubearbeitung und zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Diese sei anzuweisen, sie wegen bes tehender Weg- weisungshindernisse in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Es sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren; eventuell sei auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Der Eingabe lagen mehr e- re Beweismittel bei (vgl. S. 4 derselben). E. Der Instruktionsrichter hiess das Ges uch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensg e- setzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) mit Zwischenverfü- gung vom 10. Oktober 2012 gut. Dem BFM wurden die Akten zur Ve r- nehmlassung übermittelt. F. In seiner Vernehmlassung vom 17. Oktober 2012 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. G. Die Beschwerdeführenden hielten in ihrer Stellungnahme vom 5. Nove m-D-5209/2012 Seite 5 ber 2012, der ein Schreiben an Dr. med. E._______ beilag, an ihren A n- trägen fest. H. Am 7. Novemb er 2012 liessen die Beschwerdeführenden dem Bunde s- verwaltungsgericht mehrere ärztliche Berichte zukommen (ärztliche B e- scheinigung von Dr. med. E._______ vom 2. November 2012, Schreiben von Dr. med. F._______ an Dr. med. E._______ vom 31. Oktober 2012, Bericht der (…) vom 29. Oktober 2012, Bericht von Dr. med . F._______ vom 24. Oktober 2012). I. Die Beschwerdeführerin brachte am (…) ihren Sohn G._______ zur Welt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e ines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonder s berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-5209/2012 Seite 6 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 48 Stu n- den nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitätspapiere abg e- ben. Gemäss Art. 32 Abs. 3 AsylG findet diese Bestimmung keine Anwen- dung, wenn Asylsuchende glaubhaft machen können, dass sie dazu aus entschuldbaren Gründen nicht in de r Lage sind (Bst. a), wenn aufg rund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseige n- schaft festgestellt wi rd (Bst. b) oder wenn sich aufg rund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingse i- genschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses nötig sind (Bst. c). 3.2 Entschuldbare Gründe im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG liegen vor, wenn die asylsuchende Person glaubhaft machen kann, dass sie ihre Papiere aus zwingenden Gründen im Heimat- oder Herkunftsstaat oder in einem Drittstaat zurückgelassen hat und sich umgehend und ernsthaft darum bemüht, die zurückgelassenen Papiere inne rt angemessener Frist zu beschaffen (vgl. BVGE 2010/2 E. 6 S. 28 f.). An entschuldbaren Grün- den fehlt es insbesondere dann, wenn unglaubhafte Äusserungen über den Verzicht auf eine Beantragung oder die Verweigerung einer Ausste l- lung im Heimatland, über den Verlust oder ein anderweitiges Abhande n- kommen, über das unbemerkte Passieren von Landesgrenzen oder das Durchschreiten von Grenzkontrollen den Schluss nahelegen, die Nichtab- gabe eines Reise - oder Identitätspapiers habe ihren Grund gerade nicht darin, dass die asylsuchende Person auf keine solchen Dokumente gre i- fen kann (vgl. BVGE 2007/8 E. 3.2 S. 74) und deshalb geschlossen we r- den muss, dem Umstand, dass diese Person keine Reise- oder Identitäts- papiere abgibt, liege die Absicht zugrunde, den Aufenthalt i n der Schweiz unrechtmässig zu verlängern (vgl. BVGE 2010/2 E. 5.6 S. 27 f.). 3.3 Art. 32 Abs. Bst. a AsylG findet ausserdem keine Anwendung, wenn bereits aufgrund einer summarischen Prüfung festgestellt wird, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseig enschaft im Sinne der Definition von Art. 3 AsylG offensichtlich erfüllt (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG). Der Ge- setzgeber hat mit dieser Regelung ein Summarverfahren geschaffen, in D-5209/2012 Seite 7 welchem über das Bestehen beziehungsweise das Nichtbestehen der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell befunden wird, soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. BVGE 2010/2 E. 5.4. S. 26 f., BVGE 2007/8 E. 5.6.3 - 5.6.6 S. 89 ff. und E. 7 S. 93 f.). Einzutreten ist auf das Asylgesuch, wenn bereits aufgrund einer summari- schen Prüfung festgestellt werden kann, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Definition von Art. 3 AsylG offen- sichtlich erfüllt (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG). Nicht einzutreten ist demg e- genüber auf das Asylgesuch, wenn bereits aufgrund einer summarischen Prüfung festgestellt werden kann, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfüllt. Die Offensichtlichkeit der fehlenden Flüchtlingseigenschaft kann sich dabei aus de r Unglaubhaftig- keit der Vorbringen, aber auch aus der fehlenden Asylrelevanz ergeben (vgl. BVGE 2007/8 E. 5 S. 76 ff.). Kann aufgrund einer summarischen Prüfung nicht abschliessend festgestellt werden, ob die asylsuchende Person offensichtlich Flüchtling i st oder offensichtlich nicht Flüchtling ist, ist auf das Asylgesuch zwecks weiterer im ordentlichen Verfahren vorz u- nehmender Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft ei n- zutreten, wobei auch der Bedarf weiterer Abklärungen zu Wegweisung s- vollzugshindernissen zu einem ordentlichen Verfahren führt (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.6 und 5.7 S. 91 f.). 4. 4.1 4.1.1 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass die Beschwerde- führenden bei der Einreichung ihrer Asylgesuch e schriftlich auf die B e- stimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG hingewiesen worden seien . Zum Nachweis ihrer Identität hätten sie den Asylbehörden Kopien ihrer Reisepässe, einen 2001 ausgestellten Studentenausweis und einen Mil i- tärausweis von Dezember 2001 eingereicht. Unter den Begriff "Reise - oder Identitätspapier" fielen nur fälschungssichere Dokumente, die von den heimatlichen Behörden zum Zweck des Identitätsnachweises ausg e- stellt worden seien. Grundsätzlich erfüllten nur Reisepässe oder Ident i- tätskarten diese Anforderungen, nicht aber zu anderen Zwecken ausg e- stellte Dokumente. Namentlich hinsichtlich armenischer Militärausweise habe das Bundesverwaltungsgericht dies in mehreren Urteilen festgeha l- ten. Kopien von Reisepässen erfüllten die Anforderungen an rechtsg e- nügliche Dokumente ebenso wenig. 4.1.2 Die Beschwerdeführe nden hätten keine rechtsgenüglichen Dok u- mente eingereicht, die es erlauben würden, sie zu identifizieren. Ihre E r-D-5209/2012 Seite 8 klärungen zum Reiseweg und den dazu benutzten Dokumenten seien r e- alitätsfremd und widersprüchlich, wes halb davon auszugehen sei, dass sie nicht bereit seien, ihren tatsächlichen Aufenthaltsort vor ihrer Einreise in die Schweiz offenzulegen und ihre Reisedokumente abzugeben. Sie seien angeblich ab Istanbul mit fremden Reisepässen gereist, hätten aber weder das Ausstellungsland der Pässe noch die darin angegebenen Pe r- sonalien nennen können. Ihre Angaben, die Schlepper hätten ihnen die Pässe abgenommen, müssten als stereotype Behauptungen bezeichnet werden. Zudem hätten sich die Beschwerdeführenden bezüglich des Rei- sewegs von Istanbul bis in die Schweiz widersprochen. Als weiteres Indiz für die Verheimlichung der Identitätsdokumente komme hinzu, dass sie sich auch nach ihrer Ankunft in der Schweiz offensichtlich nicht um den Erhalt ihrer Reisepapiere oder anderer Dokumente bemüht hätten. 4.1.3 Die Sachverhaltsdarstellungen der Beschwerdeführenden seien in wesentlichen Punkten kaum substanziiert, weitgehend realitätsfremd und mit Widersprüchen behaftet. Der Beschwerdeführer habe bei der Kurzb e- fragung angegeben, die Kon kurrenzfirma, die seinen Bruder und ihn b e- droht habe, sei vom Bruder des Präsidenten geleitet worden, bei der A n- hörung habe er indessen von der armenischen Mafia gesprochen. Er h a- be weder das Datum seiner Entführung noch die genaue Dauer des a n- schliessenden Spitalaufenthalts nennen können. Seine Behauptung, er sei gemäss dem eingereichten Arztbericht während der Entführung verge- waltigt worden, werde durch das eingereichte Dokument ebenso wenig gestützt, wie die Aussage, er sei bewusstlos ins Spital eingeliefert worden und erst dort zu sich gekommen. Dem eingereichten Arztbericht seien weder Hinweise auf eine Vergewaltigung noch auf eine Entführung zu entnehmen. Vielmehr ergebe sich daraus, dass der Beschwerdeführer das Spital selbst aufgesucht und bei der Aufnahme über mehrere Tage andauernde Kopfschmerzen geklagt habe. Die in den Raum gestellten Behauptungen seien durch keine glaubhaften Hinweise oder Beweismittel bekräftigt worden. Bezeichnenderweise habe er die angebliche Entfü h- rung nicht bei der Polizei angezeigt. Weder die Schliessung seines L a- dens durch die zuständigen Behörden noch die zahlreichen Bussen für Verkehrsdelikte noch die Verweigerung der Baubewilligung für eine Aut o- waschanlage stellten ernsthafte Nachteile im Sinne des Flüchtlings be- griffs von Art. 3 AsylG dar. Die Ausführungen der Beschwerdeführenden wiesen eindeutige Kennzeichen einer erfundenen Verfolgungsgeschichte auf und erweckten den Eindruck, sie hätten bei ihren Schilderungen nicht auf Erinnerungen an tatsächliche Begebenh eiten zurückgegriffen, so n- dern versucht, eine Verfolgungssituation zu konstruieren. Der tatsächliche D-5209/2012 Seite 9 Ausreisegrund sei in der unerfreulichen finanziellen Situation zu erbl i- cken, in die sie nach der Schliessung ihres Ladens geraten seien. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Vorinstanz habe nach der Gutheissung der Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid vom 24. August 2012 einen auf denselben Artikel des Asylgesetzes g e- stützten Nichteintretensentscheid gefällt. Den Beschwerdeführenden sei ein Aktenverzeichnis zugestellt worden, aus dem keine Neubearbeitung der Sache hervorgehe. Im Entscheid des BFM sei auf vier Urteile des Bundesverwaltungsgerichts verwiesen worden, in die sie aufgrund der Nichtbeherrschung der Amtssprachen keine Einsicht nehme n könnten. Der vom Beschwerdeführer abgegebene Militärausweis sei fälschungss i- cher und weise seine Identität zweifelsfrei nach. Die Vorinstanz habe ve r- kannt, dass ihm durch den ärztlichen Bericht vom 31. August 2012 eine Reiseunfähigkeit attestiert werde. Der Bruder des Beschwerdeführers sei in Armenien inhaftiert. Es laufe gegen ihn ein Strafverfahren wegen Zuge- hörigkeit zur armenischen Mafia. Die Gefahr einer Reflexverfolgung des Beschwerdeführers müsse bei dieser Sachlage zusätzlich abgeklärt we r- den, habe er doch angegeben, in die Geschäfte seines Bruders involviert gewesen zu sein. Das Betreiben von Internetportalen mit Angeboten der käuflichen Liebe sei in der Schweiz im Gegensatz zur Heimat des B e- schwerdeführers legal. Dies könnte ein Wegweisungshinde rnis nach Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) darstellen, das vom BFM nicht näher abgeklärt worden sei. Die in der angefochtenen Verf ü- gung festgestellten Widersprüche seien nicht gr avierend und mit den in der Beschwerde vom 3. September 2012 aufgelisteten Übersetzungsfe h- lern und dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erklärbar. Das BFM habe nicht erklärt, weshalb der Beschwerdeführer in der russischen Sprache angehört worden sei. Obwohl das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde vom 3. September 2012 als "offensichtlich begründet" gutge- heissen habe, nehme das BFM in der angefochtenen Verfügung keine Stellung zu den in dieser Beschwerde genannten Verfahrensmängeln. 4.3 Das BFM führ t in seiner Vernehmlassung aus, in der eingereichten ärztlichen Bescheinigung vom 31. August 2012 werde dem Beschwerd e- führer eine chronisch -rezidivierende phobische Störung bescheinigt. Das Arztzeugnis enthalte keine Angaben zu den durchgeführten Unters u- chungsmethoden und der bisher erfolgten Behandlung, weshalb es di e- sem an Transparenz und Wissenschaftlichkeit mangle. Eine stichhaltige Begründung der Reiseunfähigkeit liege nicht vor. Angesichts des darg e-D-5209/2012 Seite 10 legten Krankheitsbildes liege keine dauerhafte Reiseu nfähigkeit vor. Hin- sichtlich der angeblich durch sprachliche Probleme bedingten Widerspr ü- che sei festzustellen, dass es sich um sachliche Diskrepanzen handle, die weder mit Übersetzungsfehlern noch mit dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erklärt werden könnten. 4.4 In der Stellungnahme wird entgegnet, das vom Beschwerdeführer ein- gereichte Arztzeugnis sei nicht mangelhaft. Das BFM habe im angefoc h- tenen Entscheid das Arztzeugnis nicht gewürdigt und somit seine Begrün- dungspflicht verletzt. Das BFM nenn e keine Gründe, wie die Befragung des Beschwerdeführers in einer von ihm nicht genügend beherrschten Sprache der Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts dienlich sein sollte. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in Beachtung des gesetzgeber i- schen Wille ns in konstanter Rechtsprechung davon aus, dass Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG zwei Komponenten beinhaltet: Einerseits hat der Asylgesuchsteller vorhandene Reise - oder Identitätspapiere innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung seines Gesuchs abzugeben, um seine Identität zweifelsfrei nachzuweisen, anderseits dient die Abgabe dieser Papiere dazu, den Vollzug der Wegweisung sicherzustellen (vgl. BVGE 2007/7 E. 5.3, BVGE 2010/2 E. 5). Mit dem Nichteintretenstatbestand von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird som it nicht nur die mit der Nichtabgabe von Reise- oder Identitätspapieren oftmals einhergehende Identitätsve r- heimlichung, sondern auch die damit verbundene Erschwerung/Ver zöge- rung einer Rückschaffung nach ablehnendem Asylentscheid/Nichtein tre- tensentscheid sanktioniert. Daraus erhellt, dass auch ein Asylgesuchste l- ler, dessen Identität – z.B. aufgrund eines früheren Aufenthalts in der Schweiz oder aufgrund der Abgabe von Ausweisen, deren Echtheit nicht zweifelhaft erscheint – bekannt ist, den vorliegend angewandten Nichtein- tretenstatbestand verwirklichen kann, falls er vorhandene Reise - oder Identitätspapiere nicht abgibt. Wer bei der Stellung eines Asylgesuchs Reise- oder Identitätspapiere nicht abgibt, begeht immer dann eine schuldhafte Verletzung seiner Mitwirkungspflicht, die einen auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gestützten Nichteintretensentscheid zur Folge haben kann bzw. muss, wenn er für die Nichtabgabe kein e entschuldbaren Gründe hat (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2477/2012 vom 12. Februar 2013 E. 5.1). D-5209/2012 Seite 11 5.2 Das BFM hielt in der angefochtenen Verfügung unter Hinweis auf die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zutreffend fest, dass d ie B e- schwerdeführenden bei der Einreichung ihrer Asylgesuche im EVZ Basel am 11. Januar 2012 keine rechtsgenüglichen Reise- oder Identitätspapie- re abgegeben haben. So sind weder der eingereichte armenische Militä r- ausweis (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D -902/2011 vom 11. Februar 2011 und D -1905/2010 vom 31. März 2010) noch die eing e- reichten Kopien der Reisepässe der Beschwerdeführenden geeignet, e i- nen allfälligen Wegweisungsvollzug zu ermöglichen. Auch in den folge n- den 48 Stunden haben sie keine entsprechenden Dokumente eingereicht. Damit ist die Nichtabgabe von Reise - und Identitätspapieren innert 48 Stunden ab Einreichung des Asylgesuchs als Grundtatbestand für die Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gegeben. 5.3 Strittig ist, ob die Beschwerdefüh renden für das Nichtbeibringen von rechtsgenüglichen Reise- oder Identitätspapieren entschuldbare Gründe im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG darlegen können. Der Beschwer- deführer gab bei der Erstbefragung an, sie seien mit Schleppern über Georgien, die Türkei, Griechenland und Italien in die Schweiz gereist. Die Schlepper hätten ihre Pässe behalten (vgl. act. A5/10 S. 6). Die B e- schwerdeführerin sagte, die Schlepper hätten ihnen ihre Pässe abgenom- men und falsche Pässe ausgehändigt, mit denen sie g ereist seien. Nach der Ankunft habe man ihnen auch diese Pässe abgenommen (vgl. act. A9/10 S. 6). Auf Nachfrage bei der Anhörung waren die Beschwerdefü h- renden nicht in der Lage, Angaben zu den Pässen, mit denen sie gereist seien, zu machen (vgl. act. A17/ 11 S. 2 f., A18/17 S. 3). Sie konnten w e- der angeben, welches Land diese Pässe ausgestellt habe, noch, unter welchen Personalien sie gereist seien. Wer jedoch unter einer falschen Identität unterwegs ist und durch mehrere Länder reist , muss gut B e- scheid d arüber wissen, um im Fall von Nachfragen bei Kontrollen die "richtigen Antworten" geben zu können. Den Beschwerdeführenden g e- lingt es somit nicht, glaubhaft zu machen, dass sie ohne im Besitz von Reise- respektive Identitätspapieren gewesen zu sein, in die Schweiz ge- langten. Es liegen mithin keine entschuldbaren Gründe für die Nichtabg a- be von Reise - oder Identitätspapieren innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG vor. 6. 6.1 6.1.1 Der Beschwerdeführer gab bei der Erstbefragung an, er sei von den geschäftlichen Konkurrenten seines Bruders zu einem Gespräch in ein D-5209/2012 Seite 12 Hotel mitgenommen worden. Sie hätten ihn geschlagen und er wisse nicht, was sie sonst noch mit ihm gemacht hätten. Er habe einen Hir n- schlag erlitten und sei bewusstlos geworden; er sei erst im Spital zu sich gekommen. Im Bericht des Spitals stehe, dass er vergewaltigt worden sei (vgl. act. A5/10 S. 7). Bei der Anhörung sagte er, er sei im Dezember 2010 entführt und zusammengeschlagen worden. Er habe ei nen Hir n- schlag erlitten, gemäss Aussage des Arztes hänge dies mit der Vergewal- tigung zusammen (vgl. act. A18/17 S. 9). Die Beschwerdeführerin machte bei der Anhörung geltend, ihr Mann sei im Dezember 2010 für mehrere Tage spurlos verschwunden. Die Polize i habe angerufen und mitgeteilt, dass er sich in einer Reanimationsabteilung eines Spitals befinde. Bei der Rückübersetzung berichtigte sie ihre Aussage dahingehend, dass sie vom Spital angerufen worden sei . Man habe davon gesprochen, dass ihr Mann in einem Hotel bewusstlos aufgefunden worden sei (vgl. act. A17/11 S. 6 f.). 6.1.2 Gemäss dem vom Beschwerdeführer eingereichten ärztlichen Be- richt der neurochirurgischen Abteilung der (…) wurde er dort am 28. D e- zember 2010 zur stationären Behandlung auf genommen. Be im Eintritt habe er über Kopfschmerzen, Müdigkeit und Ge dächtnisschwierigkeiten geklagt. Er habe sich seit vier Tagen krank gefühlt und kurz nach dem Geschlechtsakt akute Kopfschmerzen verspürt. Da die Kopfschmerzen schlimmer geworden seien, seien medizin ische Hilfe angefordert und er ins Spital gebracht worden. Es sei eine Computer tomographie des G e- hirns gemacht worden, er sei bei klarem Bewusstsein gewesen und habe gestellte Fragen richtig beantwortet. Am 29. Dezem ber 2010 sei er op e- riert und am 24. Ja nuar 2011 sei er in befriedigendem Zustand entlassen worden. 6.1.3 Die Aussagen der Beschwerdeführenden sind somit klarerweise nicht mit den Ausführungen im von ihnen eingereichten ärztlichen Bericht in Übereinstimmung zu bringen (vgl. act. A6). Der Beschwerdeführer wur- de offensichtlich nicht in bewusstlosem Zustand ins Spital gebracht, z u- mal er bei der Einlieferung ansprechbar war und seine Beschwerden klar benennen konnte. Dem ärztlichen Bericht sind zudem entgegen seinen Aussagen keine Hinweise au f eine erlittene Vergewaltigung zu entne h- men. Aufgrund der Aktenlage kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Hirnschlag, den er erlitt, in Zusammenhang mit Gewaltanwe n- dung von Drittpersonen stehen könnte. Damit wird aber den Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei wegen der geschäftlichen Tätigkeit seines D-5209/2012 Seite 13 Bruders im Erotikbereich von dessen Konkurrenten entführt, bedroht und schwer misshandelt worden, das Fundament entzogen. 6.1.4 Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Nachteile, die der Beschwerdeführer wegen der geschäftlichen Tätigkeit seines Bruders gehabt haben will, für die Flüchtlingseigenschaft ohnehin offensichtlich nicht relevant wären, da sie ihm aus keinem der in Art. 3 AsylG abschlies- send genannten Gründe zugefügt worden wären. 6.1.5 In der Beschwerde wird darauf hingewiesen, dass der Bruder des Beschwerdeführers sich in Armenien derzeit in Haft befinde, weil gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Zugehörigkeit zur armenischen Mafia laufe. Da der Beschwerdeführer angegeben habe, in die Geschäfte se i- nes Bruders involviert gewesen zu sein, müsse das Vorliegen einer R e- flexverfolgung abgeklärt werden. Im Gegensatz zur Schweiz sei in Arm e- nien das Anbieten käuflicher Liebe in Internetportalen illegal. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers schliesst er selbst nicht aus, dass sein Bruder der armenischen Mafia angehört bzw. mit dieser geschäftet hat (vgl. act. A18/17 S. 11). Sollte sein Bruder nach armenischem Recht straf- bare Tatbestände verwirklicht haben und er ihm dabei behilflich gewesen sein, ist eine Ausdehnung des Ermittlungsverfahrens auf seine Person zwar nicht auszuschliessen, diese wäre aber rechtstaatlich legitim und für die Flüchtlingseigenschaft nicht relevant. 6.2 Insofern der Beschwerdeführer bei der Anhörung angab, er se i von der Polizei mehrmals wegen Verkehrsregelverletzungen gebüsst worden und Polizisten hätten im Jahr 2009 – er habe damals den Führerschein nicht dabei gehabt – seinen Laptop beschlagnahmt bzw. entwendet (vgl. act. A18/17 S. 7 f.), ist einerseits festzuhalten, dass diese Ereignisse ihn nicht zur im Januar 2012 erfolgten Ausreise aus Armenien veranlassten. Anderseits sind d ie Schwierigkeiten, die er mit de r Polizei aufgrund von Strassenverkehrsdelikten hatte, für die Flüchtlingseigenschaft offensich t- lich nicht relevant. Hinsichtlich der Entwendung bzw. der Beschlagna h- mung seines Laptops hat er sich eigenen Angaben gemäss schriftlich an den Polizeichef gewandt. Es wäre ihm offen gestanden, weitere rechtliche Schritte zu ergreifen, falls sich die Sache nicht auf diesem Weg hätte erle- digen lassen. 6.3 Des Weiteren bringen die Beschwerdeführenden vor, sie hätten im Zusammenhang mit dem von ihnen geführten Supermarkt Probleme mit den Steuerbehörden gehabt. Der Beschwerdeführer führte aus, es sei be-D-5209/2012 Seite 14 anstandet worden, dass einem Kunden kein Kassenbon ausgestellt wo r- den sei. Zudem sei bei einer Inspektion festgestellt worden, dass das Ver- kaufsdatum von Schokolade und von Käse abgelaufen gewesen sei. Die Steuerkommission habe deshalb den Laden geschlossen (act. A18/17 S. 5 ff.). Die Beschwerdeführerin gab an, sie seien von der Steuerbehö r- de mehrmals grundlos mit Geldstrafen belegt worden. Der Konflikt sei e s- kaliert und man habe im Dezember 2011 ihren Laden geschlossen, weil sie die Geldstrafen nicht mehr hätten bezahlen können (act. A17/11 S. 7). Abgesehen davon, dass die Angaben der Beschwerdeführenden, we s- halb ihr Geschäft von den Behörden geschlossen worden sei, nicht übe r- einstimmend sind, sind die geschäftlichen Probleme, die sie mit den Steu- erbehörden hatten, für die Flüchtlingseigenschaft nicht relevant. Es hätte ihnen offen gestanden, allenfalls unter Beizug eines Rechtsanwalts recht- liche Schritte gegen den Schliessungsbescheid zu ergreifen, falls dieser aus ihrer Sicht zu Unrecht erfolgt sein sollte. 6.4 Aufgrund des vorstehend Gesagten steht fest, dass die Vorinstanz berechtigterweise überwiegende Zweifel an der Glaubhaftigkeit der dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der geschäftlichen Tätigkeit seines Bruders stehenden geltend gemachten Nachteile hegte. Im Ra h- men einer summarischen Prüfung kann zudem festgestellt werden, dass die Beschwerdeführenden selbst bei Wahrunterstellung ihrer Vorbringen die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfüllen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Au sführungen in der Beschwerde einzugehen, da diese an der Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. 6.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a i.V.m. Art. 32 Abs. 3 AsylG erfüllt sind, zumal – wie sich aus der nachstehenden Erw ä- gung 8.3 ergibt – auch keine zusätzlichen Abklärungen zur Feststellung eines Wegweisungsvollzugshindernisses vorzunehmen sind (vgl. dazu BVGE 2009/50 E. 6-8 S. 725 ff.). Das BFM ist demnach auf die Asylgesu- che der Beschwerdeführenden zu Recht nicht eingetreten. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). D-5209/2012 Seite 15 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (v gl. BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglic h ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon vention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügun g zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be- schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e-D-5209/2012 Seite 16 fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdefüh- renden nach Armenien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführen- den noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Armenien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten sie eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensc h- liche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi g e- gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihnen unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen nicht gelungen. Auch die allgemeine Me n- schenrechtssituation i n Armenien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. Art. 83 Abs. 4 AuG stellt eine Kodifizi e- rung der bisherigen Praxis zur konkreten Gefährdung nach Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Nie- derlassung der Ausländer (ANAG, BS 1 121) dar (vgl. PETER BOLZLI, in: Marc Spescha/Hanspeter Thür/ Andreas Zünd/Peter Bolzli, Kommentar Migrationsrecht, Zürich 2008, Nr. 15 zu Art. 83 AuG; Botschaft zum Bu n- desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Dieser Praxis zufolge wird aus humanitären Gründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schweiz, auf den Vollzug der Wegweisung verzichtet, wenn die Rückkehr in den Heimatstaat für die be- troffene Person eine konkrete Gefährdung darstellt. Konkret gefährdet sind Personen, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Si- tuationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder infolge persö n-D-5209/2012 Seite 17 licher Gründe wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten, beispielsweise weil sie dort die notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder aus objektiver Sicht wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit in völlige und andauernde Armut gestossen würden, dem Hunger und so- mit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f., BVGE 2009/52 E. 10.1 S. 756 f., BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367). 8.4.1 In Armenien herrscht im heutigen Zeitpunkt keine Bürgerkriegssitua- tion oder Situation allgemeiner Gewalt, die einen Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen liesse. 8.4.2 Die Beschwerdeführenden stammen aus H._______ und lebten bis zu ihrer Ausreise dort. Die Eltern der Beschwerdeführenden und weitere Verwandte leben in H._______ und die zwei Brüder der Beschwerdefü h- rerin leben in Russland (vgl. act. A5/10 S. 5 und A9/10 S. 4 f.). Sie verfü- gen somit in ihrer Heimat über ein familiäres Beziehungsnetz. Der B e- schwerdeführer hat einen Hochschulabschluss ( …) und eini ge Berufser- fahrung (vgl. act. A5/10 S. 4), die Beschwerdeführerin absol vierte eben- falls eine akademische Ausbildung ( …) und arbeitete in der Firma ihres Mannes; zudem erteilte sie Kindern (…)unterricht (vgl. act. A9/10 S. 4). Eine soziale und wirtschaftliche Reinte gration in der Heimat sollte ih nen deshalb möglich sein. Es bestehen mithin keine konkreten Anhaltspunkte, die darauf hinweisen würden, sie gerieten im Falle der Rückkehr nach Armenien aus individuellen Gründen wirt schaftlicher oder sozialer Natur in eine existenzbedrohende Notlage. 8.4.3 Im Zusammenhang mit de n aktenkundigen gesundheitlichen Prob- lemen des Beschwerdeführers ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund g e- sundheitlicher Probleme eines abgewiesenen Asylsuchenden nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und leben s- gefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroff e- nen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumu tbarkeit liegt jedenfalls dann nicht vor, wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat eine – zwar nicht dem schweizerischen Standard entsprechende – medizinische D-5209/2012 Seite 18 Behandlung möglich ist. Wenn die notwendige Behandlung im Heimat - oder Herkunftsstaat sichergestellt ist, so ist der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu beurteilen (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f.). Auch wenn der Standard der Gesundheitsversorgung in Armenien nicht dem schweizerischen Standard entsprechen dürfte, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer möglich sein wird, die no t- wendigen ärztlichen Behandlungen zu erhalten. Dem eingereichten ärztli- chen Bericht der (…) kann entnommen werden, dass er nach seiner Ei n- lieferung vom 28. Dezember 2010 erfolgreich operiert wurde und am 24. Januar 2011 in befriedigendem Zustand nach Hause entlassen werden konnte. Weitere Kontrolluntersuchungen waren vorgesehen. Der schwei- zerische Hausarzt des Beschwerdeführers führ te in seiner ärztlichen B e- scheinigung vom 31. August 2012 an, bei m Beschwerdeführer lägen e r- hebliche gesundheitliche Störungen und Risiken vor , die medikamentös zu behandeln seien und spezialärztlicher Abklä rung bedürften. Insbeson- dere sei er wegen einer zusätzlichen chronisch -rezidivierenden phob i- schen Störung derzeit nicht reisefähig. Den am 7. November 2012 einge- reichten ärztlichen Berichten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdefü h- rer sich aufgrund starker Kopfschmerzen in Be handlung begab und ve r- schiedene Abklärungen durchgeführt wurden. Von einer weiterhin best e- henden Reiseunfähigkeit ist in keinem der Arztbe richte die Rede. Ange- sichts dieser Ausführungen kann nicht von einer dauerhaften Reiseunf ä- higkeit des Beschwerdeführers ausgegangen werden, die eine vorläufige Aufnahme gebieten würde. Die Vollzugsbehörden werden die Reisefähig- keit des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt des Voll zugs in Zusammenar- beit mit den behandelnden Ärzten zu prüfen und gegebenenfalls entspre- chende Vorkehrungen zu treffen haben. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdef ührer bei einer Rückschaffung ins Heimatland nicht mit einer existenzgefährdenden Ver schlechterung se i- nes Gesundheitszustandes zu rechnen hat, falls die Rück kehr entspr e- chend vorbereitet wird. 8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513-515), weshalb der Vollzug der Wegwei- sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-5209/2012 Seite 19 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme a usser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefoch tene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit Zwische n- verfügung vom 10. Oktober 2012 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich an den entsprechenden Voraussetzungen nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten au f- zuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-5209/2012 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: