<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 38 S.147</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Lebensmittelpolizei</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Lebensmittelpolizei</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>38 Lebensmittelpolizei.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Durch das Überkleben des (abgelaufenen) Mindesthaltbarkeits-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>datums mit einem neuen Preisschild ("Reduzierter Preis") in einem</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Lebensmittelgeschäft wird eine Täuschung des Konsumenten im</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Sinne von Art. 18 Abs. 2 und 3 LMG bewirkt (Erw. 3/b).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Die Anordnung, Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbar-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>keitsdatum mit einem entsprechenden Hinweis zu versehen und auf</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einer separaten Auslage anzubieten, ist verhältnismässig (Erw. 3/c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 26. Februar 2001 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen X. gegen Gesundheitsdepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. Angefochten ist im vorliegenden Verfahren die Anordnung</span><br/> <span class="ft6">des Kantonalen Laboratoriums Aargau, dass Lebensmittel, die über</span><br/> <span class="ft6">das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus zum Verkauf angeboten wer-</span><br/> <span class="ft6">den, mindestens mit einem klaren Hinweis auf das abgelaufene Min-</span><br/> <span class="ft6">desthaltbarkeitsdatum auf einer separaten Auslage zu verkaufen sind</span><br/> <span class="ft6">und dass die Produkte die gesetzlichen Anforderungen weiterhin</span><br/> <span class="ft6">erfüllen müssen. (...)</span><br/> <span class="ft6">2. (...)</span><br/> <span class="ft6">3. a) Das Gesundheitsdepartement legte seinem Entscheid den</span><br/> <span class="ft6">folgenden Sachverhalt zugrunde:</span><br/> <span class="ft7">,,Bei der Kontrolle des KL vom 11. Mai 1999 befanden sich im Ver-</span><br/> <span class="ft7">kaufsangebot der X. folgende Artikel mit entsprechenden Mindest-</span><br/> <span class="ft7">haltbarkeitsdaten (im Folgenden: MHD für Mindesthaltbarkeits-Da-</span><br/> <span class="ft7">tum):</span><br/> <span class="ft7">Schweinsfilet im Teig gefroren, 2. Mai 1999</span><br/> <span class="ft7">Fondue Chinoise-Rindfleisch gefroren, 1. Mai 1999</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">148</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Bier in Dosen, 21. April 1999</span><br/> <span class="ft7">Erdnussöl, 7. Mai 1999</span><br/> <span class="ft7">Champignonsauce im Beutel, 28. Februar 1999</span><br/> <span class="ft7">Das Schweinsfilet im Teig und das Fondue Chinoise-Rindfleisch wa-</span><br/> <span class="ft7">ren mit einem Kleber ,Reduzierter Preis` versehen (Fondue Chinoise:</span><br/> <span class="ft7">Fr. 17.15 statt Fr. 20.15; Reduktion knapp 15%; Schweinsfilet im Teig</span><br/> <span class="ft7">Fr. 21.10 statt Fr. 24.10; Reduktion 12,5%). Sowohl beim Schweins-</span><br/> <span class="ft7">filet im Teig als auch beim Fondue Chinoise war das MHD mit dem</span><br/> <span class="ft7">neuen Preisschild überklebt. Beim Bier-Angebot befand sich eine Ta-</span><br/> <span class="ft7">fel mit dem Hinweis ,Preisabschlag! 50% Rabatt`."</span><br/> <span class="ft6">Dieser Sachverhalt ist durch entsprechende Photos belegt und</span><br/> <span class="ft6">wird durch die Beschwerdeführerin auch nicht bestritten. Das Ge-</span><br/> <span class="ft6">sundheitsdepartement stellt dazu im Wesentlichen fest, mit dem An-</span><br/> <span class="ft6">bieten von Lebensmitteln nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsda-</span><br/> <span class="ft6">tums mache der Verkäufer gegenüber den Konsumenten die sinnge-</span><br/> <span class="ft6">mässe Zusage, die angebotene Ware verfüge über gesetzeskonforme</span><br/> <span class="ft6">Qualität. Damit würden bei den Konsumenten die dieser Zusage</span><br/> <span class="ft6">entsprechenden, begründeten Erwartungen geweckt; sie seien der</span><br/> <span class="ft6">Überzeugung, einwandfreie Lebensmittel einzukaufen. Um eine Täu-</span><br/> <span class="ft6">schung der Konsumenten über die Qualität der Lebensmittel zu ver-</span><br/> <span class="ft6">meiden, genüge es nicht, die Preise mehr oder weniger zu reduzieren,</span><br/> <span class="ft6">da es vielfältige Gründe für Preisreduktionen gebe, welche nicht mit</span><br/> <span class="ft6">der Qualität der so angebotenen Produkte zusammenhingen. Aus den</span><br/> <span class="ft6">Photos gehe deutlich hervor, dass die Situation im Laden für die</span><br/> <span class="ft6">Konsumenten zu wenig übersichtlich sei. Unter den gegebenen Um-</span><br/> <span class="ft6">ständen erscheine deshalb ein Hinweis auf die Tatsache, dass das</span><br/> <span class="ft6">Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen sei, und das Anbieten der Le-</span><br/> <span class="ft6">bensmittel auf einer separaten Auslage erforderlich. Dies sei mit ge-</span><br/> <span class="ft6">ringem Aufwand realisierbar. Auch in praktischer Hinsicht werfe die</span><br/> <span class="ft6">Separierung der betroffenen Produkte keine besonderen Probleme</span><br/> <span class="ft6">auf. Gekühlte oder tiefgekühlte Waren müssten in den bestehenden</span><br/> <span class="ft6">Behältnissen lediglich anders plaziert werden; diese separat ange-</span><br/> <span class="ft6">botenen Produkte befänden sich bereits im Angebot und benötigten</span><br/> <span class="ft6">daher kein weiteres Volumen im Verkaufsraum.</span><br/> <span class="ft6">b) aa) Das LMG bezweckt nach dessen Art. 1, die Konsumenten</span><br/> <span class="ft6">vor Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen zu schützen, welche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Lebensmittelpolizei</span> <span class="page_no">149</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">die Gesundheit gefährden können (lit. a), den hygienischen Umgang</span><br/> <span class="ft6">mit Lebensmitteln sicherzustellen (lit. b) und die Konsumenten im</span><br/> <span class="ft6">Zusammenhang mit Lebensmitteln vor Täuschungen zu schützen</span><br/> <span class="ft6">(lit. c). Im vorliegenden Falle geht es, wie sich aus der Begründung</span><br/> <span class="ft6">des angefochtenen Entscheids ergibt, ausschliesslich um die</span><br/> <span class="ft6">Täuschungsgefahr. Art. 18 LMG bestimmt dazu unter dem Randtitel</span><br/> <span class="ft6">"Täuschungsverbot":</span><br/> <span class="ft7">,,</span><span class="ft8"><sup>1</sup></span><span class="ft7">Die angepriesene Beschaffenheit sowie alle andern Angaben über</span><br/> <span class="ft7">das Lebensmittel müssen den Tatsachen entsprechen.</span><br/> <span class="ft8"><sup>2</sup></span><span class="ft7">Anpreisung, Aufmachung und Verpackung der Lebensmittel dürfen</span><br/> <span class="ft7">den Konsumenten nicht täuschen.</span><br/> <span class="ft8"><sup>3</sup></span><span class="ft7">Täuschend sind namentlich Angaben und Aufmachungen, die geeig-</span><br/> <span class="ft7">net sind, beim Konsumenten falsche Vorstellungen über Herstellung,</span><br/> <span class="ft7">Zusammensetzung, Beschaffenheit, Produktionsart, Haltbarkeit, Her-</span><br/> <span class="ft7">kunft, besondere Wirkungen und Wert des Lebensmittels zu wecken."</span><br/> <span class="ft6">Eine Täuschung beinhaltet eine bewusste Irreführung, die auf</span><br/> <span class="ft6">Vorstellung und Handeln eines andern (des Konsumenten) in einem</span><br/> <span class="ft6">bestimmten Sinne (des Kaufentscheids) einwirken soll. Dementspre-</span><br/> <span class="ft6">chend erklärt das Gesetz als Grundsatz die berechtigte Erwartung der</span><br/> <span class="ft6">Konsumenten zum Massstab. Es fällt also nicht jede subjektive oder</span><br/> <span class="ft6">ausgefallene Erwartung in Betracht, sondern nur die <i>berechtigte</i>, d. h.</span><br/> <span class="ft6">jene, die unter Berücksichtigung der in Betracht fallenden Umstände</span><br/> <span class="ft6">und verständlicher Begründungen vernünftigerweise angenommen</span><br/> <span class="ft6">werden darf. Dazu gehören Erwartungen bezüglich der vorschrifts-</span><br/> <span class="ft6">gemässen Beschaffenheit, einer gewissen Qualität, allenfalls be-</span><br/> <span class="ft6">stimmter Wirkungen und vorherrschender Verkehrsauffassung (vgl.</span><br/> <span class="ft6">die bundesrätliche Botschaft zu einem Bundesgesetz über Lebens-</span><br/> <span class="ft6">mittel und Gebrauchsgegenstände vom 30. Januar 1989, BBl 1989 I</span><br/> <span class="ft6">932). Bei der Auslegung von Art. 18 Abs. 3 LMG ist sodann auch der</span><br/> <span class="ft6">Eigenverantwortung des Konsumenten Rechnung zu tragen; in</span><br/> <span class="ft6">Fällen wie dem vorliegenden kommt es also darauf an, ob vom</span><br/> <span class="ft6">durchschnittlich aufmerksamen Konsumenten erwartet werden darf,</span><br/> <span class="ft6">er werde das auf dem betreffenden Lebensmittel aufgedruckte Datum</span><br/> <span class="ft6">zur Kenntnis nehmen und in der Lage sein, seinen Kaufentscheid</span><br/> <span class="ft6">danach zu richten (BBl 1989 I 932, 933, 937).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">150</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">bb) aaa) Wer Lebensmittel abgibt, informiert Abnehmer auf</span><br/> <span class="ft6">Verlangen über ihre Herkunft (Produktionsland), ihre Sachbezeich-</span><br/> <span class="ft6">nung und Zusammensetzung (Zutaten) sowie über die weiteren nach</span><br/> <span class="ft6">Art. 21 vorgeschriebenen Angaben (Art. 20 Abs. 1 LMG). Der Bun-</span><br/> <span class="ft6">desrat bestimmt, ob dem Konsumenten derartige weitere Angaben,</span><br/> <span class="ft6">namentlich über Haltbarkeit usw. zu machen sind (Art. 21 LMG</span><br/> <span class="ft6">unter dem Randtitel ,,Besondere Kennzeichnung"). Diesem Auftrag</span><br/> <span class="ft6">ist der Bundesrat u. a. in Art. 25 LMV (5. Kapitel: Angaben über Le-</span><br/> <span class="ft6">bensmittel [Kennzeichnung] / 2. Abschnitt: Datierung) nachgekom-</span><br/> <span class="ft6">men, der wie folgt lautet:</span><br/> <span class="ft7">,,</span><span class="ft8"><sup>1</sup></span><span class="ft7">Das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Lebensmittels ist das Datum,</span><br/> <span class="ft7">bis zu dem ein Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbe-</span><br/> <span class="ft7">dingungen seine spezifischen Eigenschaften behält.</span><br/> <span class="ft8"><sup>2</sup></span><span class="ft7">Das Verbrauchsdatum bezeichnet das Datum, bis zu welchem ein</span><br/> <span class="ft7">Lebensmittel zu verbrauchen ist. Nach diesem Datum darf das Le-</span><br/> <span class="ft7">bensmittel nicht mehr als solches an Konsumentinnen oder Konsu-</span><br/> <span class="ft7">menten abgegeben werden.</span><br/> <span class="ft8"><sup>3</sup></span><span class="ft7">Auf vorverpackten Lebensmitteln muss das Mindesthaltbarkeitsda-</span><br/> <span class="ft7">tum angegeben werden. Bei vorverpackten, leichtverderblichen Le-</span><br/> <span class="ft7">bensmitteln nach Artikel 12 ist anstelle des Mindesthaltbarkeitsdatums</span><br/> <span class="ft7">das Verbrauchsdatum anzugeben.</span><br/> <span class="ft6">(...)"</span><br/> <span class="ft6">bbb) Dadurch, dass im fraglichen Geschäft auf den Packungen</span><br/> <span class="ft6">zweier Lebensmittel (Schweinsfilet im Teig und Fondue Chinoise-</span><br/> <span class="ft6">Rindfleisch) das Mindesthaltbarkeitsdatum mit einem neuen Preis-</span><br/> <span class="ft6">schild (,,Reduzierter Preis") überklebt worden war, wurde nicht nur</span><br/> <span class="ft6">die Vorschrift von Art. 25 Abs. 3 Satz 1 LMV unterlaufen, sondern</span><br/> <span class="ft6">offensichtlich auch im Sinne von Art. 18 Abs. 2 und 3 LMG eine</span><br/> <span class="ft6">Täuschung der Konsumenten bewirkt. Der durchschnittliche Konsu-</span><br/> <span class="ft6">ment rechnet mit Sicherheit damit, dass bei vorverpackten Lebens-</span><br/> <span class="ft6">mitteln, die ihm im normalen Sortiment zum Verkauf angeboten</span><br/> <span class="ft6">werden, das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist</span><br/> <span class="ft6">(vgl. auch den Entscheid des Oberlandesgerichts Hamm/Deutschland</span><br/> <span class="ft6">[4. Zivilsenat] vom 28. November 1991 [4U277/91], in: Sammlung</span><br/> <span class="ft6">Lebensmittelrechtlicher Entscheidungen [LRE], Bd.</span> <span class="ft6">27, H.</span> <span class="ft6">3/4,</span><br/> <span class="ft6">S. 237). Durch das Überkleben der Datierung wird ihm eine entspre-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Lebensmittelpolizei</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">chende Kontrolle verunmöglicht. Der Umstand allein, dass die Preise</span><br/> <span class="ft6">auf den beiden Lebensmitteln reduziert waren, musste keineswegs</span><br/> <span class="ft6">zum Schluss führen, das Mindesthaltbarkeitsdatum sei abgelaufen,</span><br/> <span class="ft6">gibt es doch noch andere Gründe zur Preisreduktion, wie etwa die</span><br/> <span class="ft6">Durchführung gezielter Aktionen usw.</span><br/> <span class="ft6">ccc) Fragen liesse sich höchstens, ob eine objektive Täu-</span><br/> <span class="ft6">schungsgefahr auch darin zu erblicken ist, dass Produkte mit abge-</span><br/> <span class="ft6">laufenem Mindesthaltbarkeitsdatum zusammen mit andern Produk-</span><br/> <span class="ft6">ten angeboten wurden, die noch innerhalb des Datums lagen. Auch</span><br/> <span class="ft6">hier stellt es aber keine Rechtsverletzung dar, wenn die Vorinstanzen</span><br/> <span class="ft6">die Frage bejahten. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, dass andere</span><br/> <span class="ft6">Grossverteiler Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeits-</span><br/> <span class="ft6">datum in der Regel nicht mehr zum Verkauf anbieten bzw. dies kurz</span><br/> <span class="ft6">vor dem Ablauf des Datums zu reduziertem Preis und auf separater</span><br/> <span class="ft6">Auslage mit entsprechendem Hinweis tun. Diese Praxis ist für die</span><br/> <span class="ft6">Erwartungshaltung des Konsumenten zumindest stark mitbestim-</span><br/> <span class="ft6">mend. Geprägt durch die erwähnte Erfahrung beim Einkauf im Le-</span><br/> <span class="ft6">bensmittelgeschäft darf der Konsument davon ausgehen, dass Pro-</span><br/> <span class="ft6">dukte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum in besonderer</span><br/> <span class="ft6">Weise gekennzeichnet werden (erwähnter Entscheid des Oberlandes-</span><br/> <span class="ft6">gerichts Hamm/Deutschland, a.a.O., S. 237). Sonst werden bei ihm</span><br/> <span class="ft6">eben falsche Vorstellungen über die Haltbarkeit des Lebensmittels</span><br/> <span class="ft6">geweckt (vgl. Art. 18 Abs. 3 LMG). Die Täuschung besteht darin,</span><br/> <span class="ft6">dass er entgegen seiner Vorstellung nicht ein Produkt erwirbt, wel-</span><br/> <span class="ft6">ches er noch vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ver-</span><br/> <span class="ft6">werten kann. Da es hier um Produkte geht, die grundsätzlich eine</span><br/> <span class="ft6">längere Haltbarkeit als leichtverderbliche Lebensmittel aufweisen</span><br/> <span class="ft6">(vgl. zu diesem Begriff Art. 12 Abs. 1 LMV), sind derartige Überle-</span><br/> <span class="ft6">gungen durchaus nachvollziehbar. Zu bedenken ist ferner, dass sich</span><br/> <span class="ft6">die Enttäuschung des Vertrauens in den Erhaltungszustand des be-</span><br/> <span class="ft6">treffenden Produkts auch auf das Geschmacksempfinden auswirken</span><br/> <span class="ft6">kann, indem solche Ware, auch wenn sie objektiv unverdorben ist,</span><br/> <span class="ft6">nicht mehr so gut schmeckt wie andere Ware, bei der bezüglich des</span><br/> <span class="ft6">Mindesthaltbarkeitsdatums keine Bedenken am Platze sind (erwähn-</span><br/> <span class="ft6">ter Entscheid des Oberlandesgerichts Hamm/Deutschland, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">S. 237 f.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">152</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ddd) Die Argumentation der Beschwerdeführerin erachtet das</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsgericht nicht als stichhaltig. Dass ein Produkt auch nach</span><br/> <span class="ft6">Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch alle seine spezifischen</span><br/> <span class="ft6">Qualitätseigenschaften aufweisen kann, tut nichts zur Sache; mass-</span><br/> <span class="ft6">gebend ist einzig, dass für den Kaufentscheid des durchschnittlichen</span><br/> <span class="ft6">Konsumenten nicht ohne Bedeutung ist, ob das Mindesthaltbarkeits-</span><br/> <span class="ft6">datum bereits abgelaufen ist oder nicht. Der Kaufentscheid hängt</span><br/> <span class="ft6">insbesondere nicht nur davon ab, ob die Qualitätsverminderung ,,den</span><br/> <span class="ft6">Konsumenten in seiner Gesundheit gefährden kann oder dass zumin-</span><br/> <span class="ft6">dest die Sensorik des Lebensmittels so erheblich beeinträchtigt ist,</span><br/> <span class="ft6">dass es nicht mehr konsumierbar ist". Wie erwähnt spielen hier auch</span><br/> <span class="ft6">andere Kriterien eine Rolle. Die Ausführungen zu den ,,Qualitätsan-</span><br/> <span class="ft6">forderungen an Lebensmittel" gehen daher an der Sache vorbei. Im</span><br/> <span class="ft6">Weitern kann man schwerlich an die Eigenverantwortung des Kon-</span><br/> <span class="ft6">sumenten appellieren, wenn diesem die Kontrollmöglichkeit (durch</span><br/> <span class="ft6">Überkleben des Mindesthaltbarkeitsdatums) genommen worden ist.</span><br/> <span class="ft6">c) Schliesslich stellt sich noch die Frage, ob die in Ziffer 2 des</span><br/> <span class="ft6">Einspracheentscheids vom 3. Juni 1999 angeordneten Massnahmen,</span><br/> <span class="ft6">dass Lebensmittel, die über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus</span><br/> <span class="ft6">zum Verkauf angeboten werden, mindestens mit einem klaren Hin-</span><br/> <span class="ft6">weis auf das abgelaufene Mindesthaltbarkeitsdatum zu versehen und</span><br/> <span class="ft6">auf einer separaten Auslage zu verkaufen sind, rechtmässig sind.</span><br/> <span class="ft6">Eine Beschränkung der in Art. 27 BV verankerten Wirtschafts-</span><br/> <span class="ft6">freiheit ist verhältnismässig, wenn sie zur Erreichung des angestreb-</span><br/> <span class="ft6">ten Ziels geeignet und erforderlich ist und das verfolgte Ziel in einem</span><br/> <span class="ft6">vernünftigen Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln bzw. den zu</span><br/> <span class="ft6">seiner Verwirklichung notwendigen Freiheitsbeschränkungen steht</span><br/> <span class="ft6">(Bundesgericht, in: ZBl 97/1996, S. 372 mit Hinweisen; vgl. auch</span><br/> <span class="ft6">BGE 117 Ia 483). Diesen Anforderungen genügen die erwähnten</span><br/> <span class="ft6">Auflagen. Das Ziel besteht darin, den Konsumenten vor einer Täu-</span><br/> <span class="ft6">schung zu schützen. Der verlangte besondere Hinweis ist zweifellos</span><br/> <span class="ft6">geeignet, dies zu erreichen. Dass der Einwand, ein Hinweis sei höch-</span><br/> <span class="ft6">stens dann nötig, wenn ein konkretes Lebensmittel nicht mehr die</span><br/> <span class="ft6">anfängliche Qualität aufweise, im hier zu erörternden Zusammen-</span><br/> <span class="ft6">hang nicht schlüssig sein kann, ist bereits dargelegt worden (Erw.</span><br/> <span class="ft6">b/bb/ccc und ddd hievor). Es mutet auch eher etwas weltfremd an,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Lebensmittelpolizei</span> <span class="page_no">153</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">wenn die Beschwerdeführerin davon ausgeht, vom durchschnittli-</span><br/> <span class="ft6">chen Konsumenten dürften Eignungsprüfungen erwartet werden; in</span><br/> <span class="ft6">aller Regel wird sich der Kunde darauf verlassen, dass bei einem im</span><br/> <span class="ft6">Laden angebotenen Produkt, das nicht speziell gekennzeichnet ist,</span><br/> <span class="ft6">das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist. Die Ver-</span><br/> <span class="ft6">pflichtung, Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsda-</span><br/> <span class="ft6">tum auf einer separaten Auslage zu verkaufen, hält der Überprüfung</span><br/> <span class="ft6">aufgrund des Verhältnismässigkeitsprinzips ebenfalls stand. Zunächst</span><br/> <span class="ft6">ist ohne Weiteres klar, was mit der fraglichen Anordnung gemeint ist:</span><br/> <span class="ft6">Sämtliche Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum</span><br/> <span class="ft6">müssen so plaziert werden, dass sie sich optisch erkennbar von den</span><br/> <span class="ft6">übrigen Produkten abheben; gekühlte oder tiefgekühlte Waren im</span><br/> <span class="ft6">Besondern müssen in den bestehenden Behältnissen lediglich anders</span><br/> <span class="ft6">plaziert werden. Es ist auch nicht unsinnig, beide Massnahmen ku-</span><br/> <span class="ft6">mulativ zu verlangen; nur auf diese Weise kann irreführenden Prakti-</span><br/> <span class="ft6">ken wie dem Überkleben des Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem</span><br/> <span class="ft6">Hinweis auf den reduzierten Preis (Erw. a hievor) wirksam begegnet</span><br/> <span class="ft6">werden. Schliesslich pflichtet das Verwaltungsgericht der Auffassung</span><br/> <span class="ft6">des Gesundheitsdepartements bei, die verlangten Massnahmen seien</span><br/> <span class="ft6">mit geringem Aufwand realisierbar. Sie erweisen sich unter allen</span><br/> <span class="ft6">Aspekten als verhältnismässig.</span><br/> <span class="ft6">4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerde un-</span><br/> <span class="ft6">begründet und daher abzuweisen ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>