B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4653/2015 law/rep U r t e i l v o m 19 . J ul i 2 0 1 6 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), mit den Kindern B._______, geboren am (…), und C._______, geboren am (…), Eritrea, alle vertreten durch D._______, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM); zuvor Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung (Nichteintreten); Verfügung des SEM vom 17. Juli 2015 / N (…). D-4653/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. D._______, die Schwester und Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin und deren beiden Kinder, gelangte am 20. November 2008 in die Schweiz und suchte am selben Tag um Asyl nach, das ihr vom damaligen BFM am 24. März 2010 gewährt wurde. B. Am 29. Mai 2012 reichte D._______ für die Beschwerdeführerin und ihre beiden Kinder ein Gesuch um Einreisebewilligung in die Schweiz zwecks Durchführung eines Asylverfahrens ein. Als Beilagen legte D._______ laut ihren Angaben in der vorerwähnten Ein- gabe sowie gemäss Beilagenverzeichnis eine von der Beschwerdeführerin ausgestellte Vollmacht, ein von dieser in einer fremdländischen Sprache abgefassten handschriftliches Schreiben inklusive französischer Überset- zung, eine Fotografie der Beschwerdeführerin sowie Kopien der Geburts- urkunden ihrer beiden Kinder und eine Kop ie der eritreischen Identitäts- karte der Beschwerdeführerin zu den Akten. Zur Begründung brachte D._______ im Wesentlichen vor, die Beschwer- deführerin habe die Schulen in Äthiopien bis zur zwölften Klasse besucht. Im Dezember 1991 sei sie aufgrund des Krieges zwischen Eritrea und Äthi- opien nach Eritrea zurückgekehrt. In der Folge sei sie wegen ihres Ehe- mannes einer Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen. Deshalb sei sie am 6. November 2010 mit ihren beiden Kleinkindern aus Eritrea in Richtung Sudan geflüchtet, wo sie am 12. November 2010 angekommen seien. Zu- nächst habe sie zusammen mit ihren Kindern in E._______ gelebt. Seit November 2011 halte sie sich in F._______ auf, wo sie zusammen mit an- deren eritreischen Asylsuchenden lebe, die wie sie auf die Weiterreise in ein sicheres Land warten würden. Finanzielle Unterstützung erhalte sie da- bei von einer weiteren, seit 14 Jahren in den USA lebenden Schwester namens G._______, die ihr jeden Monat 100 bis 200 Dollar zukommen lasse. Die Beschwerdeführerin lebe allerdings illegal im Sudan, könne kaum sich selber geschweige ihre beiden Kleinkinder beschützen und lebe in ständiger Angst, von den sudanesischen Behörden entdeckt, inhaftiert oder gar deportiert respektive von Männern überfallen zu werden. Bezüg- lich weiterer Einzelheiten verwies D._______ auf das bereits an früherer Stelle erwähnte handschriftliche Schreiben der Beschwerdeführerin inklu- sive dessen französischer Übersetzung. D-4653/2015 Seite 3 C. Mit Begleitschreiben vom 30. Mai 2012 sandte D._______ dem BFM eine Kopie der eritreischen Identitätskarte der Beschwerdeführerin zu. D. Mit Schreiben vom 29. Juni 2012 teilte das BFM der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit, das von ihr ei ngereichte Asylgesuch sei zufolge der hohen Geschäftslast nach wie vor hängig, weshalb es auch nicht mög- lich sei, auf ein bestimmtes Datum hin einen Entscheid in Aussicht zu stel- len. E. Mit Eingabe vom 8. Januar 2014 wies die Rechtsvertreterin darauf hin, dass im Südsudan, wo sich die Beschwerdeführerin momentan aufhalte, aktuell Konflikte ausgebrochen seien. Gleichzeitig erkundigte sie sich beim BFM danach, ob in vorliegender Angelegenheit mit einem baldigen Ent- scheid gerechnet werden könne. F. Mit Schreiben vom 14. Januar 2014 beantwortete das BFM die Anfrage der Rechtsvertreterin vom 8. Januar 2014 dahingehend, das Bundesamt sei sich bewusst, dass die Ungewissheit über den Ausgang des Verfahrens beziehungsweise das Warten auf den Entscheid belastend sei. Man werde aber versuchen, über das Gesuch der Beschwerdeführerin und ihrer bei- den Kinder sobald als möglich zu entscheiden, wiewohl es zufolge der ho- hen Geschäftslast nach wie vor nicht möglich sei, ein exaktes Entscheid- datum bekanntzugeben. G. Mit Zwischenverfügung vom 24. April 2015 hielt das SEM einleitend fest, die von der Rechtsvertreterin in ihrer Eingabe vom 29. Mai 2012 erwähnten Beilagen (vgl. Sachverhalt Bst. A) befänden sich, von einer Kopie der erit- reischen Identitätskarte der Beschwerdeführerin abgesehen, nicht bei den Akten, weshalb diese nachzureichen seien. Weiter wies das SEM die Rechtsvertreterin unter Berufung auf das in BVGE 2011/39 publizierte Ur- teil des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. Dezember 2011 darauf hin, dass es sich beim Stellen eines Asylgesuchs um ein relativ höchstpersön- liches Recht ha ndle. Urteilsfähige Personen müssten höchstpersönliche Rechte wie ein Asylgesuch daher selbständig, mithin ohne die Hilfe eines Vertreters, ausüben. Dieser Mangel könne allerdings geheilt werden. Eine Heilung könne beispielsweise dadurch erfolgen, dass der Inhalt des über D-4653/2015 Seite 4 einen Vertreter eingereichten Asylgesuchs anlässlich einer mündlichen An- hörung oder durch eine persönlich verfasste oder zumindest unterzeich- nete Stellungnahme zum Fragenkatalog des SEM in einer schweizerischen Landessprache oder Englisch bestätigt und im Original eingereicht werde. In jedem Falle müsse der Mangel jedoch vor Ergehen eines erstinstanzli- chen Entscheides geheilt werden (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3.2). Eine Durchsicht der Akten habe ergeben, dass vorliegend eine klar der Be- schwerdeführerin zurechenbare Willensäusserung, mit der diese zu erken- nen gebe, in der Schweiz wegen einer asylrelevanten Verfolgung um Schutz zu ersuchen, fehle. Somit liege bis anhin kein zulässig gestelltes Asylgesuch vor. Ferner teilte das SEM der Rechtsvertr eterin mit, im Südsudan gebe es keine schweizerische Vertretung, weshalb das Verfahren schriftlich abzu- wickeln sei. Gleichzeitig ersuchte das SEM die Beschwerdeführerin bezie- hungsweise deren Rechtsvertreterin zur Vervollständigung des rechtser- heblichen Sachverhalts um Beantwortung konkreter Fragen zur Person, zu Familienangehörigen und Verwandten in Drittstaaten, zu Ereignissen, die zur Ausreise aus Eritrea geführt hätten, zum Aufenthalt im Sudan und zur Situation im Südsudan, wobei die bis zum 25. Mai 2015 einzureichende Stellungnahme von der Beschwerdeführerin persönlich abzufassen, zu- mindest aber zu unterzeichnen sei, sollte sie „nicht bereits ein eigens von ihr verfasstes und unterzeichnetes Schreiben mit ihren Ersuchen einge- reicht haben.“ H. Am 26. Mai 2015 ging dem SEM eine vom 22. Mai 2015 datierende Stel- lungnahme der Rechtsvertreterin zu. Der Stellungnahme wurden Kopien eines auf die Person der Beschwerdeführerin ausgestelltes Militärdienst- teilnahmezertifikates vom 30. Januar 1995, der eritreischen Identitätskarte des Vaters der Beschwerdeführerin, einer undatierten und von der Be- schwerdeführerin unterzeichneten Vertretungsvollmacht zugunsten ihrer Schwester D._______ sowie eines undatierten und ebenfalls von der Be- schwerdeführerin unterzeichneten fremdsprachigen handschriftlichen Schreibens beigelegt. I. Mit Verfügung vom 17. Juli 2015 – eröffnet am 21. Juli 2015 – trat das SEM gestützt auf Art. 31a Abs. 3 AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht ein. D-4653/2015 Seite 5 J. Mit Eingabe vom 28. Juli 2015 reichte die Beschwerdeführerin mittels ihrer Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Dabei beantragte sie, die Verfügung des SEM vom 17. Juli 2015 sei aufzuheben und ihr sowie ihren beiden Kindern die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. K. Mit Zwischenverfügung vom 10. August 2015 forderte das Bundesverwal- tungsgericht die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin auf, innert sie- ben Tagen ab Erhalt dieser Verfügung das in der Beschwerde vom 28. Juli 2015 erwähnte, mit einer französischen Übersetzung ve rsehene persönli- che Schreiben der Beschwerdeführerin (im Original oder zumindest in Ko- pie) einzureichen. Bei ungenutzter Frist werde gestützt auf die bestehende Aktenlage entschieden. Gleichzeitig verwies das Bundesverwaltungsge- richt das Gesuch um Gewährun g der unentgeltlichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. L. Mit Begleitschreiben vom 14. August 2015 reichte die Rechtsvertreterin Kopien des undatierten persönlichen Schreibens der Beschwerd eführerin sowie einer ebenfalls undatierten Vertretungsvollmacht der Beschwerde- führerin zugunsten ihrer Schwester D._______ ein. M. Am 18. August 2015 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 2. September 2015 ein. N. Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 27. August 2015 an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. O. Mit Verfügung vom 2. September 2015 stellte das Bundesverwaltungsge- richt der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin die Vernehmlassung des SEM vom 27. August 2015 zu und räumte ihr die Gelegenheit ein, bis zum 17. September 2015 eine Replik einzureichen. D-4653/2015 Seite 6 P. Am 16. September 2015 reichte die Rechtsvertreterin eine Replik ein. Q. Mit Schreiben vom 19. April 2016 wies die Rechtsvertreterin darauf hin, dass sie mittlerweile sieben Monate seit Einreichung der Replik ohne Ant- wort des Gerichts geblieben sei. R. Mit Schreiben vom 27. April 2016 teilte das Bundesverwaltungsgericht der Rechtsvertreterin mit, angesichts der aktuellen Geschäftslast und aufgrund der Prioritätenordnung des Gerichts könne vermutlich nicht mit einem Ab- schluss des Verfahrens in den kommenden Wochen gerechnet werden, wiewohl sich das Gericht um eine beförderliche Behandlung bemühe. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM (beziehungsweise das SEM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betref- fende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver- waltungsgericht ist dah er zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 2. 2.1 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die Rechtsvertreterin reichte überdies auf Beschwerdeebene die Kopie einer undatierten, mit der Unterschrift der Beschwerdeführerin versehenen Voll- macht ein, gemäss welcher die Be schwerdeführerin ihre Schwester D._______ bevollmächtigt, ihre Rechte im Zusammenhang mit dem vorlie- genden Asylverfahren wahrzunehmen. 2.2 Zur Beschwerde legitimiert ist, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). D-4653/2015 Seite 7 Das Stellen eines Asylgesuchs ist ein relativ höchstpersönliches Recht, das vertretungsfeindlich ist (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3.2). Wird das Asylge- such nicht persönlich gestellt und der Mangel im Verlauf des erstinstanzli- chen Verfahrens auch nicht geheilt, so hat die betreffende Person am erst- instanzlichen Verfahren gar nicht teilgenommen. Vorliege nd ist indessen gerade strittig, ob die Beschwerdeführenden am erstinstanzlichen Verfah- ren teilgenommen haben. Die Legitimation ist daher zur Prüfung dieser Frage zu bejahen, da das Bundesverwaltungsgericht andernfalls gar keine Gelegenheit hätte, in der S ache zu prüfen, ob ein persönlich gestelltes Asylgesuch vorliegt oder nicht. Auf die Beschwerde ist demnach einzutre- ten. 3. Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wurde n die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Gemäss den Übergangsbestimmungen gelten jedoch für Asylgesuche, die – wie vorliegend – im Ausland vor dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung vom 28. September 2012 gest ellt worden sind, die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2 Art. 52 und 68 in der bisherigen Fassung gemäss Ziff. I des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 (aAsylG, AS 2006 4745). 4. 4.1 Gemäss Art. 18 AsylG gilt jede Äusserung, mit der eine Person zu er- kennen gibt, dass sie die Schweiz um Schutz vor Verfolgung nachsucht, als Asylgesuch. Sind die Voraussetzungen von Art. 18 AsylG nicht erfüllt, tritt das SEM auf das Asylgesuch nicht ein (Art. 31a Abs. 3 AsylG). 4.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen, ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2, 2011/9 E. 5 m.w.H.). Die Be- schwerdeinstanz enthält sich demnach – sofern sie den Nichteintretens- entscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). D-4653/2015 Seite 8 4.3 Mit der vorliegenden Beschwerde kann die Verletzung von Bundes- recht (einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) und die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung vom 17. Juli 2015 aus, das SEM habe die Rechtsvertreterin mit Schreiben vom 24. April 2015 unter anderem darauf hingewiesen, dass die Initiier ung eines Asylverfah- rens aus dem Ausland einen persönlichen Antrag der asylsuchenden ur- teilsfähigen Personen voraussetze. Sei eine Anhörung nicht möglich, sei ein vertretungsweise eingereichtes Asylgesuch durch Einreichung einer persönlich verfassten oder zumindest unterzeichneten Stellungnahme zum Fragenkatalog des SEM zu bestätigen und im Original einzureichen, an- sonsten das SEM auf das Gesuch nicht eintrete. Zudem sei sie aufgefor- dert worden, eine Vollmacht im Original einzureichen. Schliesslich habe das SEM sie darauf hingewiesen, dass die im Asylgesuch vom 29. Mai 2012 aufgelisteten Beilagen beim SEM nie eingereicht worden seien und deren nachträgliche Zusendung erbeten. Die Rechtsvertreterin bezie- hungsweise die Beschwerdeführerin seien indessen der Auf forderung, dem SEM eine von der Beschwerdeführerin persönlich unterzeichnete Stellungnahme im Original einzureichen, nicht nachgekommen. Es liege auch keine Vollmacht im Original vor. Es würde sich lediglich die Kopie ei- nes Schreibens der Beschwerdeführerin in Tigrinya bei den Akten befin- den. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass kein zulässig gestelltes Asylgesuch ihrer Schwester und deren Kinder vorliege. Auf das Asylgesuch sei deshalb mangels Höchstpersönlichkeit sowie mangels Vertretungsbe- fugnis nicht einzutreten. 5.2 In der Beschwerde vom 28. Juli 2015 macht die Rechtsvertreterin im Wesentlichen geltend, sie habe dem „Gesuch um Einreisebewilligung zur Durchführung des Asylverfahrens“ vom 29. Mai 2012, das sie selber unter- zeichnet habe, unter anderem eine Vollmacht ihrer Schwester im Original sowie eine von ihrer Schwester persönlich und handschriftlich auf Tigrinya verfasste und unterzeichnete Darstellung ihrer Asylgründe im Original bei- gelegt. Dieser persönlich verfassten Asylbegründung habe auch eine Über- setzung auf Französisch beigelegen. Weiter sei dem separaten Beilagen- verzeichnis zu entnehmen, dass die beiden Geburtsurkunden der Kinder der Beschwerdeführerin in Kopie, die Vollmacht sowie das persönliche Schreiben ihrer Schwester jedoch im Original eingereicht worden seien. Es sei auch nicht nachvollziehbar, weshalb das SEM erst mit Schreiben vom D-4653/2015 Seite 9 24. April 2015, also praktisch drei Jahre nach Erhalt des Asylgesuchs aus dem Ausland, plötzlich behaupte, dieses sei ohne die vorgenannten Beila- gen eingereicht worden. Das angebliche Fehlen dieser als Beilagen ver- merkten Dokumente hätte seitens des SEM vielmehr umgehend bean- standet werden müssen. Aus den vorgenannten Gründen halte sie fest, dass sie die Vollmacht sowie das persönliche Schreiben ihrer Schwester mit den Asylgründen bereits mit ihrer Eingabe vom 29. Mai 2012 im Origi- nal eingereicht habe. 5.3 In der Vernehmlassung vom 27. August 2015 führt das SEM aus, es habe die Beschwerdeführerin in seiner Zwischenverfügung vom 24. April 2015 darauf hingewiesen, dass die von ihr im Schreiben vom 29. Mai 2012 erwähnten Beilagen im Original nicht bei den Akten seien respektive nicht eingereicht worden seien. Sie sei ferner in der vorgenannten Zwischenver- fügung ausdrücklich auf die Eintretensvoraussetzungen und die entsp re- chenden Rechtsfolgen im Fall der Nichtverbesserung hingewiesen worden. Damit habe das SEM dem rechtlichen Gehör Genüge getan. Die am 26. Mai 2015 beim SEM eingegangene Stellungnahme sei von der Beschwerdeführerin (recte: Rechtsvertreterin der Beschwerdef ührerin) verfasst worden. Als Beilagen habe diese Kopien eines in Tigrinya verfass- ten undatierten Schreibens und einer Vollmacht eingereicht. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. statt vieler Urteile E-5207/2013 vom 25. September 2 013 und E -1684/2013 vom 23. Juli 2013) genüge eine in Tigrinya verfasste unterzeichnete Stellungnahme in Kopie nicht, um die Eintretensvoraussetzung der Höchstpersönlichkeit zu erfüllen. Die Beschwerdeführerin habe den Mangel auch auf Beschwerde- ebene nicht zu beheben vermocht, da sie erneut nur die undatierte Stel- lungnahme in Kopie und eine nicht unterzeichnete Übersetzung derselben eingereicht habe. 5.4 Die Rechtsvertreterin hält in ihrer Replik vom 16. September 2015 na- mentlich fest, das SEM behaupte in seine r Vernehmlassung vom 27. Au- gust 2015 einmal mehr, dass die von ihr im Schreiben vom 29. Mai 2012 als Beilagen erwähnten Originaldokumente nicht bei den Akten respektive nie eingereicht worden seien. Wie sie indessen bereits in der Beschwerde geschrieben habe, habe sie zusammen mit dem ursprünglichen Gesuch vom 29. Mai 2012 eine Vollmacht ihrer Schwester mit Originalunterschrift und farbigem Passfoto, das mit einer Büroklammer an die Vollmacht ge- heftet gewesen sei, beim damaligen BFM eingereicht. Ebenfalls e inge- reicht habe sie damals die von ihrer Schwester handschriftlich verfasste D-4653/2015 Seite 10 Darstellung ihrer Asylgründe auf Tiginya mit Originalunterschrift, zusam- men mit einer französischen Übersetzung. Wenn das SEM diese Originale nunmehr nicht in seinem Besitz habe, dürfe dies ihrer Schwester sowie deren Kindern nicht zum Nachteil gereichen. 6. 6.1 Die Einreichung eines Asylgesuches ist – wie bereits erwähnt (vgl. E. 2.2 vorstehend) – ein relativ höchstpersönliches Recht. Urteilsfähige Personen müssen höchstpersönliche Rechte wie ein Asylgesuch selbstän- dig, mithin ohne die Hilfe eines Vertreters ausüben. Das Stellen eines Asyl- gesuches durch einen Vertreter ist unzulässig. Der Mangel kann allerdings geheilt werden. Eine Heilung kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass der Inhalt des über einen Vertreter eingereichten Asylgesuches anlässlich einer mündlichen Anhörung oder durch eine persönlich verfasste oder zu- mindest unterzeichnete Stellungnahme zum Fragekatalog des BFM bestä- tigt wird. Die eben erwähnten Möglichkeiten der He ilung sind nicht ab- schliessend und insbesondere auch an keine besondere Form gebunden. Die Erklärung muss sich aber sowohl auf den Umstand, dass um Schutz vor Verfolgung ersucht wird, beziehen, als auch zumindest auf die wesent- lichen Gründe, welche zu dem Ersuchen um Schutz vor Verfolgung Anlass geben. Der Mangel muss zudem in jedem Fall vor Ergehen eines erstin- stanzlichen Asylentscheides geheilt werden (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3.2). 6.2 Die Beschwerdeführerin ist eine urteilsfähige und mündige Person, die ein Asylgesuch persönlich stellen muss, wobei sie ihre unmündigen Kinder gesetzlich vertritt. 6.3 Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin beziehungsweise deren Rechts- vertretung im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens eine rechtsgültige Vertretungsvollmacht und e ine Erklärung der Beschwerdeführerin einge- reicht haben, worin diese ihren Willen hinlänglich zum Ausdruck bringt, in der Schweiz um Schutz vor asylrelevanter Verfolgung ersuchen zu wollen. Hiervon hängt ab, ob auf das vorliegende Asylgesuch zufolge dessen höchstpersönlichen Charakters einzutreten ist oder nicht. 6.3.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die von der Rechtsvertreterin D._______ eingereichte Eingabe vom 29. Mai 2012 gleich zu Beginn den Hinweis enthält, ihre Schwester A._______ habe sie mit der Wahrung ihrer Interessen in Bezug auf ihr Asylverfahren betraut, weshalb sie diesem Schreiben eine entsprechende Vollmacht, darüber hinaus aber auch ein D-4653/2015 Seite 11 eigenhändiges Schreiben ihrer Schwester inklusive Übersetzung auf Fran- zösisch, Kopien der Geburtsurkunden ihrer beiden Kinder B._______ und C._______ sowie eine Kopie der eritreischen Identitätskarte ihrer Schwes- ter und ein Foto von ihr beifüge. Am Ende der Eingabe findet sich ein Bei- lagenverzeichnis, das die bereits zu Beginn erwähnten Beilagen nochmals auflistet (eine Vollmacht, ein Schreiben der Beschwerdeführerin inklusive französischer Übersetzung, Kopien der Geburtsurkunden ihrer Kinder B._______ und C._______, eine Kopie der eritreischen Identitätskarte der Beschwerdeführerin sowie ein Foto derselben). Bereits die inhaltliche Kon- gruenz der zu Beginn der Eingabe vom 29. Mai 2012 erwähnten und an deren Ende nochmals aufgelisteten und in die Kategorien Original und Ko- pie aufgeschlüsselten Beilagen bildet ein starkes Indiz dafür, dass die frag- lichen Beilagen im Original der besagten Eingabe ebenso beigefügt wor- den sind wie die in Kopie eingereichten Dokumente. 6.3.2 Hinzu tritt der Umstand, dass die Rechtsvertreterin sowohl auf die Aufforderung der Vorinstanz als auch des Bundesverwaltungsgerichts hin jeweils Kopien eines undatierten persönlichen Schreibens der Beschwer- deführerin sowie einer ebenfalls undatierten Vertretungsvollmacht der Be- schwerdeführerin zu den Akten reichte (vgl. Sachverhalt Bst. G, H, K und L). Bei diesen handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Kopien je- ner Dokumente, die laut Darstellung bereits in der Eingabe vom 29. Mai 2012 im Original eingereicht worden sind. Folglich erscheint es nahelie- gend, dass sowohl die den Kopien zugrundeliegenden Originale der fremd- sprachigen und von der Beschwerdeführerin unterzeichneten Auflistung ih- rer Asylgründe beziehungsweise der ebenfalls von ihr unterzeichneten Ver- tretungsvollmacht bereits, wie von der Rechtsvertre terin D._______ gel- tend gemacht, mit der Eingabe vom 29. Mai 2012 bei der Vorinstanz ein- gereicht worden, diese sich aber nicht beziehungsweise nicht mehr im N- Dossier befinden. 6.3.3 Im Übrigen kann – korrekte Verfahrensführung nach Treu und Glau- ben vorausgesetzt – davon ausgegangen werden, dass die Vorinstanz die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin umgehend darauf aufmerksam gemacht hätte, dass die in der Eingabe vom 29. Mai 2012 erwähnten Bei- lagen nicht eingereicht worden seien, falls diese der Eingabe tatsächlich nicht beigelegen hätten. Der Umstand, dass die Vorinstanz der Rechtsver- treterin nicht umgehend sondern erst rund drei Jahre später mit Zwischen- verfügung vom 24. April 2015 mitteilte, die in der Eingabe vom 29. Mai 2012 aufgelisteten Beilagen seien nie eingereicht worden, deutet mithin ebenfalls darauf hin, dass die Beilagen eingereicht, im N-Dossier abgelegt D-4653/2015 Seite 12 und erst nachträglich aus unerfindlichen Gründen aus diesem entfernt wor- den sind. 6.3.4 Es ist deshalb gestützt auf die vorstehenden Erwägungen zugunsten der Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass diese die Originale ihrer Willenserklärung sowie der Vertretungsvollmacht im Rahmen des erstin- stanzlichen Asylverfahrens eingereicht und damit am erstinstanzlichen Ver- fahren persönlich teilgenommen hat. 7. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass davon auszugehen ist, es liege ein in zulässiger Art und Weise gestelltes Asylgesuch der Beschwerdeführen- den im Sinne von Art. 18 AsylG vor. Die Vorinstanz ist somit zu Unrecht gestützt auf Art. 31a Abs. 3 AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdefüh- renden nicht eingetreten und hat damit Bundesrecht verletzt (vgl. Art. 106 aAsylG). Die Beschwerde ist mithin gutzuheissen, die angefochtene Verfü- gung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurück- zuweisen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 8.2 Da die Beschwerdeführenden im Rechtsmittelverfahren durch ihre Schwester beziehungsweise Tante nicht berufsmässig vertreten wurden, ist nicht davon auszugehen, dass ihnen durch die Beschwerdeführung ver- hältnismässig hohe Kosten erwachsen sind. Daher ist ihnen keine Partei- entschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). (Dispositiv nächste Seite) D-4653/2015 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur Neube- urteilung an das SEM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand: