Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. September 2017 (720 17 201 / 258) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Kein Anspruch auf eine Invalidenrente bei vollständiger Arbeitsfähigkeit in einer leidens- angepassten Verweistätigkeit Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Andrea Scheidegger Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Nicolai Fullin , Advokat , Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1968 geborene A.____ arbeitete zuletzt als Isolierer. Am 3. Juni 2013 meldete er sich unter Hinweis auf Beschwerden am rechten Fuss bei der Eidgenössischen Invalidenversi- cherung (IV) an. Nach Durchführung umfassender medi zinischer Abklärungen lehnte die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Vorbescheid vom 6. November 2014 einen Rentenan- spruch von A.____ ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Im Einwandverfahren wurde von A.____ geltend gema cht, dass seit der orthopädi- schen Begutachtung am 5. Mai 2014 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes in Form erlittener Kleinhirnischämien mit Hemissymptomatik links und neurologischer Defizite ein- getreten sei. In der Folge veranlasste die IV-Stelle na ch Einholen weiterer medizinischer Unter- lagen eine neurologische Begutachtung. Gestützt auf die neuen medizinischen Abklärungen erliess die IV-Stelle einen erneuten Vorbescheid, mit w elchem A.____ vom 1. Dezember 2014 bis 30. April 2015 eine befristete ganze Rente zugespro chen wurde. Dieser Vorbescheid vom 16. November 2016 wurde mit Verfügung vom 22. Mai 2017 bestätigt. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Nicolai Fullin, am 22. Juni 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Lan dschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei die Verfügung vom 22. Mai 2017 abzuändern und die IV-Stelle zu verpflichten, dem Versicherten übe r den 30. April 2015 hinaus eine Invali- denrente nach den gesetzlichen Bestimmungen zu leisten. Eventualiter seien weitere medizini- sche Abklärungen zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführer s durchzuführen und es sei im Anschluss erneut über dessen Anspruch auf eine Invaliden rente für die Zeit nach dem 30. April 2015 zu entscheiden. Des Weiteren sei ihm die unentgeltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung mit Advokat Full in als Rechtsvertreter zu gewähren; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wird im Wesen tlichen geltend gemacht, dass auf das von der IV-Stelle eingeholte neurologische Gutachten n icht abgestellt werden könne und die beim Versicherten vorliegende kardiale Gesundheitsprobl ematik nicht hinreichend abgeklärt worden sei. Ausserdem hätte bei der Invaliditätsbemessung ein erheblicher leidensbedingter Abzug berücksichtigt werden müssen. C. Mit Verfügung vom 4. Juli 2017 bewilligte das Kant onsgericht dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Fullin als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 11. August 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 22. Juni 2017 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab dem 30. April 2015 zu Recht abgelehnt wurde. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 22. Mai 2017 en twickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterli chen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, das heisst ohne Bindung an f örmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass d as Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Absc hätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Ein- schätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht da zu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellt en fachmedizinischen Experten ander- seits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Ad- ministrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät zungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpr etation entspringende – Aspekte benen- nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un gewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Ab- klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die se Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im W esentlichen die folgenden medizi- nischen Unterlagen zu berücksichtigen: 6.1 Die IV-Stelle beauftragte zunächst die Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) mit der Erstellung eines monodisziplinären orthopädische n Fachgutachtens durch PD Dr. med. B.____, FMH Orthopädie und Traumatologie. Aus dem Gutachten vom 5. Mai 2014 geht hervor, dass der Explorand über Beschwerden im Bereich des Fusses re chts, vor allem posterolateral im Bereich der ehemaligen Operationsnarbe bei Status nach Peronealsehnenlängsruptur und nachfolgender operativer Intervention berichte. Aufg rund der Beschwerdesymptomatik sei es dem Exploranden nicht mehr zumutbar, schwere körperliche Arbeiten durchzuführen. Es sei ihm nicht mehr möglich, auf unebenem Gelände zu gehen, Lasten über 25 kg zu tragen, Trep- pen zu laufen und auf Leitern zu steigen sowie länger a ls 1 km zu gehen. Somit sei der Explo- rand in seiner angestammten Tätigkeit als Isolierer im Baugewerbe zu 100 % nicht mehr ar- beitsfähig. Mittelschwere und leichte körperliche Arbeiten im Sitzen, mit nur teilweiser Gehtätig- keit seien dem Exploranden aber ganztägig vollumfänglich zumutbar. Nach seinen eigenen An- gaben könne er 2 Stunden stehen, 1 bis 2 km gehen und ohne Probleme sitzen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Pract. med. C.____, Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes beider Basel (RAD), äusserte sich am 25. September 2014 zum asim-Gutachten . Sie bestätigte die Einschätzung von Dr. B.____, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerd eführers in der angestammten Tätig- keit nicht mehr gegeben sei. Zur Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Verweistätigkeit sei keine Stellung zum zeitlichen Verlauf genommen worden. Ihre r Ansicht nach sei der Versicherte in einer leidensangepassten Verweistätigkeit von Juni 2012 bis Juli 2012 25 %, von August 2012 bis Oktober 2012 50 % und von November 2012 bis Februar 2014 75 % arbeitsfähig gewesen. Ab März 2014 sei von einer 100 %-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 6.3 Dem Austrittsbericht des Spitals D.____ vom 19. Sept ember 2014 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vom 6. September 2014 bis 22. September 2014 aufgrund multipler akuter bis subakuter Kleinhirnischämien beidseits hospit alisiert worden sei. Ausserdem seien Migräne ohne Aura mit Photophobie und Status nach Myo kardinfarkt 2003 diagnostiziert wor- den. Aufgrund des stattgehabten Myokardinfarktes sowie de r Kleinhirnischämien habe der hochgradige Verdacht auf eine kardioembolische Ursache d er Kleinhirnischämien bestanden, weshalb der Patient in die Klinik F.____ verlegt worden sei. 6.4 Dr. med. E.____, FMH Neurologie, diagnostizierte in seiner neurologischen Untersu- chung vom 24. November 2014 einen Status nach multiplen Kleinhirninfarkten beidseits am 4. September 2014 bei Verschluss der Vertebralarterie rechts am Abgang und einer A. vertreb- ralis-Stenose links, Adipositas, Dyslipidämie, arterielle Hypertonie, einen Status nach Nikotina- busus, Migräne ohne Aura sowie koronare Herzkrankheit und einen Status nach Myokardinfarkt 2003. Eine umfangreiche kardiologische Abklärung inklu sive transösophageale Echokardiogra- phie vom 8. September 2014 habe keine Hinweise auf e ine kardiale Emboliequelle ergeben. Aktuell leide der Beschwerdeführer unter einer leichte n Gangunsicherheit in der Dunkelheit, beim schnellen Laufen oder bei raschen Kopfbewegungen. 6.5.1 Vom 24. September 2014 bis 9. Oktober 2014 wurd e der Beschwerdeführer in der Kli- nik F.____ von Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Inner e Medizin, Dr. phil. H.____, Neuropsy- chologie, und Dr. phil. I.____, Fachpsychologie und Neu ropsychologie, stationär untersucht. Dem Bericht vom 15. Oktober 2014 ist zu entnehmen, dass da s Instruktions- und Aufgabenver- ständnis gegeben sei und der Patient während der Unter suchungen kooperativ mitarbeite. Durch die reduzierten Deutschkenntnisse würden die Ergebnisse in verbalen Testaufgaben we- nigstens teilweise negativ beeinflusst. Die Störungseinsicht sei in Bezug auf die kognitiven Defi- zite leicht vermindert. Im verbalen episodischen Gedächtnis sei der Lernzuwachs beim Lernen einer Wortliste leicht unterdurchschnittlich und fluktui erend. Nach der Darbietung einer Interfe- renzliste und nach einer zeitlichen Verzögerung seien der unmittelbare und der verzögerte freie Abruf vermindert. Im Wiedererkennen falle eine erhöht e Anzahl falsch negativer Antworten auf. Das nonverbale episodische Gedächtnis sei beim Routenler nen unauffällig. Der Abruf einer komplexen Figur sei hingegen unterdurchschnittlich, wob ei der Patient nur die Grundform, je- doch kaum Details der Figur erkenne. Die verbale Merkspanne sei vermindert. Im Aufmerksam- keitsbereich würden sich Defizite in allen untersuchten at tentionalen Funktionen zeigen. Die Reaktionsschnelligkeit auf visuelle Reize sei deutlich verla ngsamt, wobei eine erhöhte Reakti- onszeitvariabilität auffalle. In einer Zahlenverbindu ngsaufgabe sei die kognitive Verarbeitungs- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht geschwindigkeit verlangsamt. In einer seriellen Durchstr eichaufgabe zur Beurteilung der selek- tiven Aufmerksamkeit sei das Arbeitstempo stark verlangsamt und es würden viele Auslassun- gen auftreten. In der computergestützten Untersuchung de r geteilten Aufmerksamkeit, in der in einer Doppelaufgabe gleichzeitig visuelle und auditive Reize beachtet werden müssten, sei das Reaktionstempo unterdurchschnittlich bei gleichzeitig au ffällig vielen Auslassungen und einer leicht erhöhten Anzahl von Fehlreaktionen. Im Bereich der exekutiven Funktionen sei die verba- le Ideenproduktion unterdurchschnittlich. Die Konzepterk ennung sei beeinträchtigt. Der Versi- cherte habe dabei Mühe, verschiedene Symbole flexibel nach Gemeinsamkeiten zu kategorisie- ren. Die verbale Interferenzkontrolle sei in einer Farb e-Wort-Interferenzaufgabe aufgrund der Fremdsprachigkeit des Patienten nicht interpretierbar. In einer unstrukturierten, handlungsorien- tierten Problemlöseaufgabe, in welcher aus verschieden en kleinen Würfeln ein grosser Würfel mit gelber Aussenfläche gebaut werden solle, sei der Patient initial mit den Aufgabenanforde- rungen überfordert. Nebst einer unzureichenden Explorat ion und einem unstrukturierten und ungeordneten Bauablauf würden dabei insbesondere in der Handlungskontrolle und Korrektur- ausführung Schwierigkeiten auffallen. Das verbale Arbei tsgedächtnis sei vermindert. Die Im- pulskontrolle sei in der computergestützten Untersuchung l eicht unterdurchschnittlich. In den zusätzlich durchgeführten verkehrspsychologischen Tests zur Beur teilung der Fahreignung sei die Performanz in einer komplexen Mehrfachreiz-Mehrfa chreaktionsaufgabe leicht unterdurch- schnittlich, wobei insbesondere eine erhöhte Anzahl Feh lreaktionen auffalle. In einer Reakti- onsaufgabe sei die Reaktionsschnelligkeit verlangsamt, b ei gleichzeitig leicht erhöhter Reakti- onszeitvariabilität. In einem tachistoskopischen Test zur Un tersuchung der visuellen Wahrneh- mungsleistung sei die Überblicksgewinnung unterdurchschnit tlich. Zusammengefasst würden die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung Beei nträchtigungen in den Bereichen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der Exekutivfunk tionen zeigen. Insgesamt weise das neuropsychologische Befundmuster auf eine leichte bis mi ttelschwere kognitive Funktions- störung hin, welche schwerpunktmässig die attentionalen sowie komplexere exekutive Funktio- nen betreffe. Wegen der erwähnten kognitiven Beeinträ chtigungen sei die Fahreignung aus neuropsychologischer Sicht aktuell nicht gegeben. 6.5.2 Die Ergebnisse der testpsychologischen Verlaufsunter suchung vom 20. Januar 2015 und 23. Januar 2015 in der Klinik F.____ zeigten leicht e Beeinträchtigungen in den Aufmerk- samkeitsfunktionen und in umschriebenen exekutiven Funktio nen. Unterdurchschnittliche Er- gebnisse in verbalen Testaufgaben (verbales episodisches G edächtnis, verbales Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis, verbale Ideenproduktion und verbale Interferenzkontrolle) seien gemäss Bericht vom 27. Januar 2015 wenigstens teilweise durch di e Fremdsprachigkeit beeinflusst und in den entsprechenden nonverbalen Tests nicht nachweisb ar. Im Aufmerksamkeitsbereich falle eine leicht verlangsamte Reaktionsschnelligkeit auf, wel che sich sowohl in einer einfachen Re- aktionsaufgabe als auch in der geteilten Aufmerksamkeit n achweisen lasse. Weiter sei die kog- nitive Verarbeitungsgeschwindigkeit unterdurchschnittli ch. In den zusätzlich durchgeführten verkehrspsychologischen Tests liege das Reaktionstempo hinge gen testübergreifend im alters- und bildungsentsprechenden Normbereich. Im Bereich der exekutiven Funktionen falle die Kon- zeptfindung leicht unterdurchschnittlich aus. Zudem zeige sich eine leichte Beeinträchtigung im vorausschauenden und planerischen Denken. Im Vergleich z ur stationären Erstuntersuchung vom September 2014 seien in fast allen untersuchten ko gnitiven Funktionsbereichen deutliche Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verbesserungen feststellbar, wobei insbesondere die Verbesserungen im Bereich der Aufmerk- samkeitsfunktionen hervorzuheben seien. Einzelne Verschlechterungen von Ergebnissen in der visuellen Merkspanne und in der Handlungsplanung seien im Rahmen üblicher Leistungs- schwankungen zu interpretieren. Das aktuelle testpsychologi sche Befundmuster spreche für eine leichte kognitive Funktionsstörung, wobei die leicht en Aufmerksamkeitsdefizite, insbeson- dere eine leicht verlangsamte Reaktionsschnelligkeit, i m Vordergrund stehen würden. Die Er- gebnisse in den zusätzlich durchgeführten verkehrspsycholo gischen Tests zur Beurteilung der Fahreignung liegen im alters- und bildungsentspreche nden Normbereich. Aus testpsychologi- scher Sicht seien die Voraussetzungen für die Fahreignung damit knapp erfüllt. 6.6 Aufgrund des Einwandes des Beschwerdeführers gegen d en Vorbescheid vom 6. November 2014 veranlasste die IV-Stelle ein ergänze ndes neurologisches Gutachten durch Dr. med. J.____, FMH Neurologie. Dr. J.____ diagnostizi erte in seinem Gutachten vom 2. März 2016 ein Zustand nach multiplen Kleinhirninfa rkten beidseits am 4. September 2014 sowie wahrscheinlich zusätzlich im cerebro-vasculären Ereign is rechtshemisphärisch mit heute noch bestehender Beeinträchtigung der Feinmotorik der linken Hand, Hypästhesie der linken Gesichtshälfte sowie des linken Armes. Zudem bestehe eine leichte Gleichgewichtsstörung und eine leichte Gangataxie. Ohne Auswirkung auf die Arbeit sfähigkeit stellte er nicht authentische kognitive Defizite bei klaren Hinweisen auf eine Verdeut lichungstendenz resp. Aggravation im Rahmen der verhaltensneurologischen/neuropsychologischen Untersuchung fest. Die verhal- tensneurologische/neuropsychologische Untersuchung sei offe nsichtlich als nicht valide anzu- sehen. Die tonische Grundaktivierung habe sich in ausgeru htem als auch nach kognitiver Be- anspruchung mittelgradig bis deutlich reduziert gezeigt, die phasische Aktivierbarkeit sei jeweils mittelgradig reduziert gewesen. Auch in einem anderen Aufmerksamkeitstest habe sich eine mittelgradig verlangsamte Informationsverarbeitungsgesc hwindigkeit gezeigt. Im Bereich der selektiven Aufmerksamkeit habe sich bei einem mittelgrad ig langsamen Bearbeitungstempo eine leicht reduzierte qualitative Leistungsfähigkeit ergeben. Die qualitative Leistung bei der Überprüfung der bimodalen visuell-auditiven Aufmerksamkeitsleistung habe jedoch im Normbe- reich, bei verlangsamtem Arbeitstempo in der auditiven Bedingung, gelegen. Die Merkspanne sei mittelgradig reduziert gewesen. Die verbalen Lern- und Gedächtnisleistungen seien insge- samt mittelgradig reduziert gewesen, wobei nach fünf Durchgängen eine durchschnittliche Lern- leistung habe erbracht werden können. Die Tatsache, dass d ie Aufgabe auf Deutsch durchge- führt worden sei, lasse vermuten, dass die Ergebnisse zum indest teilweise auch durch die Fremdsprachigkeit des Exploranden beeinflusst worden seien. Beim Wiedererkennen von Items der zuvor gelernten Wortliste seien fälschlicherweise me hrere Items einer Interferenzliste statt zur gelernten Wortliste zugehörig eingestuft worden. Di es habe ein Hinweis auf ein beeinträch- tigtes Quellengedächtnis sein können, denn auch beim Erl ernen einer Wortliste über fünf Durchgänge sei es immer wieder zu Intrusionen von Items e iner zuvor absolvierten verbalen Aufgabe gekommen. Die figuralen Gedächtnisleistungen sei en durchschnittlich bis überdurch- schnittlich gewesen. Im exekutiven Bereich haben sich unter durchschnittliche Arbeitsgedächt- nisleistungen gefunden. Auch die Leistung in den verbale n Flüssigkeitsaufgaben habe sich mit- telgradig präsentiert, in den figuralen Flüssigkeitsauf gaben leicht reduziert. In der testpsycholo- gischen Untersuchung haben sich nebst auffälliger Werte i n einem Verfahren zur Messung der Anstrengungsbereitschaft mehrere Auffälligkeiten und I nkonsistenzen gezeigt. Es müsse ver- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mutet werden, dass der Explorand nicht immer seinem tats ächlich möglichen Leistungsniveau und Tempo entsprechend gearbeitet habe. Obwohl er in gewissen Aufgaben instruiert worden sei, so schnell wie möglich zu arbeiten, habe er teilw eise kleine Pausen eingelegt. Das mittel- gradig reduzierte Arbeitstempo in sämtlichen Aufgaben habe auch nicht zu seinem nonverbalen Verhalten gepasst. In einer am Computer durchgeführt en Aufgabe mit Anforderungen an das Arbeitsgedächtnis sei der Eindruck entstanden, als würde der Explorand willkürlich drücken, was insgesamt zu einer mittelgradig reduzierten Leistun g geführt habe. In einer Aufgabe mit Anforderung an das verbale Gedächtnis hätten sich inkonsi stente Antwortmuster gefunden, indem in schwereren Untertests bessere Ergebnisse erzielt w orden seien als in sehr einfachen Untertests dieser Aufgabe. Es müsse vermutet werden, dass der Explorand zum Teil gezielt falsche Antworten gegeben habe. Unter diesem Aspekt seie n sämtliche gezeigte Leistungen des Exploranden nicht mit Sicherheit verwertbar, es mü sse davon ausgegangen werden, dass der Explorand in der Lage gewesen wäre, in diversen Tests bessere Leistungen zu erzielen. Zusammengefasst sei von nicht authentischen kognitiven Defizit en auszugehen, möglicher- weise auf dem Boden einer höchstens leicht ausgeprägten kognitiven Beeinträchtigung, wie sie zum Beispiel im Bericht der Klinik F.____ vom Januar 20 15 beschrieben worden seien, so dass eine Ursache für eine derartig ausgeprägte Verschlechterung aus organischer Sicht nicht abge- grenzt werden könne. Auch wenn offensichtliche Verdeut lichungs- und Aggravationstendenzen vorliegen, wie sie sich im Rahmen der verhaltensneurologi schen/neuropsychologischen Unter- suchung gezeigt haben, seien die erhobenen körperlichen Befunde als im Wesentlichen konsis- tent anzusehen. Es sei davon auszugehen, dass diese den B eschwerdeführer nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in sämtlichen anderen Lebensberei chen beeinträchtigen. Aus dem er- wähnten neurologischen Befund würden sich keine relevan ten Wechselwirkungen im Hinblick auf die im orthopädischen asim-Gutachten vom 5. Mai 2014 gestellten Diagnosen ergeben. Aus rein neurologischer Sicht bestehe eine Beeinträchtigu ng der Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tä- tigkeiten mit erhöhten Anforderungen an den Gleichgew ichtssinn sowie an die Geschicklichkeit der linken Hand bei beeinträchtigter Feinmotorik. In sämtlichen anderen Tätigkeiten mit mög- lichst sitzender Arbeitshaltung ohne erhöhte Anforderun g an die Geschicklichkeit der linken Hand, welche dem Ausbildungsniveau des Exploranden an gepasst seien, sei von keiner Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Bei ausgeprägt er Verdeutlichungstendenz im Rahmen der verhaltensneurologischen/neuropsychologischen U ntersuchung würden die sub- jektiven Angaben im Hinblick auf eine allfällig noch best ehende Fatigue bei der Beurteilung nicht gewertet werden können. 6.7 RAD-Ärztin pract. med. C.____ äusserte sich am 18. Juli 2016 erneut zum zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in e iner angepassten Tätigkeit. Von März 2014 bis August 2014 sei dem Versicherten die Ausübung ei ner Verweistätigkeit vollumfänglich zumutbar gewesen, von September 2014 bis Dezember 2014 attestierte sie eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Ab Januar 2015 stellte sie gestützt auf die Ergebnisse der Klinik F.____ vom 27. Januar 2015 wieder eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit fest. Ferner erklärte sie in ihrem Bericht vom 1. Oktober 2016, dass auf die Beurteilung von Dr. J.____ abgestellt werden könne. Am 23. Februar 2017 führte sie weiter aus, dass sich bei der damaligen Testung unter ausreichen- der Mitwirkung eine lediglich leichte kognitive Beeintr ächtigung gezeigt habe und die Durch- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht führbarkeit nicht in Frage gestellt worden sei. Es wür den keine Hinweise vorliegen, dass es im Rahmen der Testreihe zu Verständnisproblemen gekommen sei. Aufgrund der festgestellten maximal leichten kognitiven Einschränkung sei dem Versicher ten auch die Fahrerlaubnis erteilt worden. Dr. J.____ habe aufgrund der Fremdsprachigkeit eine allfällige geringe Unschärfe der Ergebnisse berücksichtigt, doch nicht in einem Ausmass, das eine valide Durchführbarkeit in Frage gestellt hätte. Unter Berücksichtigung der Tatsach e, dass bereits in der Klinik F.____ valide Tests in deutscher Sprache haben durchgeführt wer den können, sei es nicht nachvoll- ziehbar, dass dies im Rahmen der Begutachtung nicht auch möglich gewesen wäre. Die feh- lende Verwertbarkeit müsse daher auf die deutlich vermin derte Anstrengungsbereitschaft zu- rückgeführt werden. 6.8 Dem Notfallbericht des Spitals K.____ vom 8. Juni 2017 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer aufgrund Schwankschwindel, schwerem Kopf , Müdigkeitsgefühl und Na- ckenschmerzen am 7. Juni 2017 die Notfallstation aufges ucht habe. Die Ursache der Schwin- delbeschwerden bleibe unklar. Es sei keine Blutung oder akute Ischämie nachgewiesen wor- den. Der Beschwerdeführer habe die stationäre Aufnahm e zur erweiterten Diagnostik mittels klinischer neurologischer Verlaufsbeurteilung und erneu ter cerebraler Bildgebung mittels MRT aufgrund der spontanen Besserung abgelehnt. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die be- fristete Rente vom 1. Dezember 2014 bis 30. April 2015 auf den RAD-Bericht vom 18. Juli 2016 und bezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab Januar 2015 im Wesentlichen auf die Er- gebnisse des Gutachtens von Dr. J.____ vom 2. März 2016. Demzufolge ging sie davon aus, dass der Versicherte von September 2014 bis Dezember 2014 vollständig arbeitsunfähig gewe- sen sei und ab Januar 2015 keine Einschränkung der Arbei tsfähigkeit in einer Verweistätigkeit vorliege. Diese Beurteilung ist nicht zu beanstanden. W ie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztin- nen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien sind vorlie- gend nicht zu finden. Das Gutachten von Dr. J.____ wur de in Kenntnis der massgebenden Vorakten verfasst. Ebenso wurden eingehende Untersuchun gen durchgeführt, wobei auf die geklagten Beschwerden eingegangen wurde. Das Gutachten vermittelt ein hinreichendes Bild über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit de s Versicherten, weshalb nicht zu be- anstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin auf dieses abstellte. 7.2 Daran vermögen auch die Vorbringen des Beschwerdef ührers nichts zu ändern. Er moniert, der Bericht der Klinik F.____ vom 15. Oktober 2014 hätte Dr. J.____ bei seiner Beurtei- lung nicht vorgelegen und die Beurteilung von Dr. J._ ___ wäre anders ausgefallen, wenn ihm dieser vorgelegen hätte. Selbst wenn dieser Bericht Dr. J.____ nicht vorlag, wird die Beweis- kraft seines Gutachtens vom 2. März 2016 dadurch nicht in Frage gestellt. Dies gilt umso mehr, als der Verlaufsbericht der Klinik F.____ vom 27. Januar 2015 umfassend ist und alle relevan- ten Informationen aus dem Bericht vom 15. Oktober 2014 berücksichtigt. Somit bestehen keine Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zweifel an der Beurteilung der medizinischen Sachlage durch Dr. J.____. Wenn der Beschwer- deführer ausserdem eine erneute neuropsychologische Testun g in seiner Muttersprache bean- tragt, um eine abschliessende Beurteilung vornehmen zu k önnen, ist ihm entgegenzuhalten, dass aus den medizinischen Unterlagen keine Hinweise hervorg ehen, dass die Testung aus sprachlichen Gründen nicht verwertbar gewesen wäre. Ei ne neuropsychologische Testung in der Muttersprache des Beschwerdeführers erscheint somit n icht erforderlich. Ferner kann der Beschwerdeführer auch aus dem Einwand, dass er nach wi e vor unter der immer wiederkeh- renden Schwankschwindelproblematik leide und er sich deswe gen am 7. Juni 2017 in die Not- fallstation des Spitals K.____ habe begeben müssen, nichts zu seinen Gunsten ableiten, da die Schwankschwindelproblematik bereits in den durchgeführten medizinischen Untersuchungen berücksichtigt wurde. Weiter ist dem Beschwerdeführer ent gegenzuhalten, dass lediglich der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 22. Mai 2017 entwi- ckelt hat, massgebend ist (vgl. E. 2 hiervor). Der Notf allbericht vom 8. Juni 2017 ist hierzu grundsätzlich nicht heranzuziehen und vermag im Übrigen a uch nichts an der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts für den massgeblichen Zeitraum zu ändern. Falls sich der Gesund- heitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsfähigkeit des Versicherten seit dem 22. Mai 2017 in einer anspruchserheblichen Weise ve rschlechtert haben sollte, ist eine Revision der Invalidenrente nach Art. 17 Abs. 1 ATSG in Betracht zu ziehen. Schliesslich wen- det der Beschwerdeführer ein, die kardiologische Problematik sei nicht weiter abgeklärt worden. Gemäss umfangreichen Abklärungen im Spital D.____ (Aust rittsbericht vom 19. Septem- ber 2014) und gemäss neurologischer Untersuchung vom 24. November 2014 durch Dr. E.____ haben sich aber keine Hinweise auf eine kardiologische Befundquelle ergeben, weswegen dem Beschwerdeführer diesbezüglich ebenfalls nicht gefolgt werden kann. 7.3 Vor diesem Hintergrund durfte die Vorinstanz in a ntizipierter Beweiswürdigung (BGE 137 V 64 E. 5.2; 136 I 229 E. 5.3) – ohne geg en den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) zu verstossen – auf weitere medizinische Abkläru ngen verzichten, weil davon keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse zu erwarten waren (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 17. August 2015, 8C_209/2015 E. 6.3.2). Unte r diesen Umständen ist die IV-Stelle zu Recht davon ausgegangen, dass der Versicherte von Sept ember 2014 bis Dezember 2014 in einer leidensangepassten Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig war, seit dem 23. Januar 2015 aber eine körperlich leichte, vorwieg end sitzende Verweistätigkeit wieder voll- umfänglich ausüben kann. 8. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 22. Mai 2017 einen Einkommens- vergleich vorgenommen und dabei einen Invaliditätsgrad von 3 % ermittelt. Da der Beschwerde- führer die beiden Vergleichseinkommen nicht bestreitet, erübrigt sich eine detaillierte Auseinan- dersetzung mit dem durch die IV-Stelle vorgenommenen Ei nkommensvergleich. Wenn der Be- schwerdeführer beanstandet, dass kein Abzug vom Tabellenl ohn vorgenommen worden sei, ist ihm entgegenzuhalten, dass selbst bei einem maximalen A bzug von 25 % lediglich ein Invalidi- tätsgrad von 27 % (Fr. 68‘562.-- - [Fr. 66‘453.-- - 25 %] / Fr. 68‘562.-- x 100) und somit kein Leistungsanspruch resultieren würde. Ob ein leidensbedin gter Abzug vom Tabellenlohn ge- währt werden sollte, kann daher offen gelassen werden. Demnach hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 22. Mai 2017 zu Recht festgeste llt, dass die Invalidenrente – unter Be- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht rücksichtigung der dreimonatigen Übergangsfrist (vgl. Art . 88a Abs. 1 IVV) – per 30. April 2015 aufzuheben ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 4. Juli 2017 die unentgeltliche Prozessführung bewill igt wurde, gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 4. Juli 2017 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt w urde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des B eschwerdeführers hat in seiner Honorar- note vom 18. August 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 7 Stunden und Auslagen von Fr. 61.30 geltend gemacht, was umfangmä ssig angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘578.20 (7 Stunden à Fr. 200.- - und Auslagen von Fr. 61.30 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘578.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht