STEUERREKURSKOMMISSION II DES KANTONS ZÜRICH 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 Entscheid 16. Februar 2010 Mitwirkend : Einzelrichter R. Oesch und Sekretärin S. Weigold In Sachen A, Rekurrent/ Beschwerdeführer, gegen 1. S t a at Z üri c h, Rekursgegner, 2. S c hw ei zeri s ch e Ei d ge no ss en sc haf t , Beschwerdegegnerin, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Dienstleistungen, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Einschätzung 2006 und Direkte Bundessteuer 2006 - 2 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 hat sich ergeben: A. A (nachfolgend der Pflichtige) ist Vater der am … 1996 geborenen B. Seit September 1996 lebt er mit der Kindsmutter, C, und seiner Tochter zusammen im glei- chen Haushalt. Das Sorgerecht stand der Mutter zu (vgl. Art. 298 Abs. 1 ZGB) . Am 15. Oktober 1996 hat die zuständige Vormundschaftsbehörde in D eine Unterhaltsver- einbarung der Eltern genehmigt, wonach die se die Tochter gemei nsam betreuen und jeder Elternteil nach seinen Möglichkeiten für deren "gebührenden" Unterhalt sorgt. Sollte der gemeinsame Haushalt aufgelöst werden, verpflichtet sich der Pflichtige darin, mindestens bis zur Mündigkeit von B monatlich Fr. 600.- (indexiert) an Unterhaltszah- lungen zu leisten. Mit Eingabe vom 2 1. Juli 2009 ersuchten sie um Übe rtragung des gemeinsamen elt erlichen Sorgerechts auf beide Eltern. Die Vormundschaftsbehö rde der E entsprach diesem Gesuch mit Beschluss vom 1 1. August 2009. Der Pflicht ige leistet nach unbestrittener eigner Aussage finanziell den übe rwiegenden Beitrag an den Unterhalt der Tochter. In der Steuererklärung 2006 beanspruchte der Pflichtige für seine Tochter den Kinderabzug (Fr. 6'800.- für die Staats - und Gemeindesteuern bzw. Fr. 6'100.- für die direkte Bundessteuer) sowie den entsprechend erhöhten Maximalabzug für Versich e- rungsprämien (von Fr. 3'600.- bzw. Fr. 2'400.-). Mit Einschätzungsentscheid vom 16. April 2009 verweigerte das kantonale Steueramt diese Abzüge, indem es das ste u- erbare Einkommen für die Staats - und Gemeindesteuerperiode 2006 auf Fr. 71'200.- (statt wie deklariert Fr. 63'200.-) festsetzte. Sodann erklärte es den Grundtarif für massgeblich. Ebenso rechnete das Amt diese Abzüge für die entsprechende Bunde s- steuerperiode auf und veranlagte den Pflichtigen am 1 6. April/8. Mai 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 71'900.- (statt Fr. 65'100.-). Auch diesbezüglich kam der Alleinstehendentarif zur Anwendung. B. Mit Einsprachen vom 11./12. Mai und 2. Juni 2009 wandte sich der Pflicht i- ge gegen diese Taxationen. Angesichts der bisherigen Praxis sowie des Umstands, dass das Amt der Kindsmutter bis anhin weder de n Kinderabzug noch den Verheirate- tentarif zugestanden habe, sei ihm wie bisher der Kinderabzug, der erhöhte A bzug für Versicherungsprämien sowie der Verheiratetentarif zu gewähren. Dabei machte er u n-- 3 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 ter Hinweis auf den Protokollauszug namentlich geltend, die Vormundschaftsbehö rde habe den Eltern nun die gemeinsame elterliche Sorge übertragen. Mit getrennten Entscheiden vom 20. November 2009 wies das kantonale Steueramt die Einsprachen ab. C. Mit separaten Eingab en vom 19. Dezember 2009 erhob der Pflichtige d a- gegen Rekurs bzw. Beschwerde. Dabei erneuerte er die Einspracheanträge. Mit Rekurs -/Beschwerdeantwort vom 8. Januar 2010 schloss das kanton ale Steueramt auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidg. Steuerverwaltung verzichtete auf eine Stellungnahme. Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. Laut Art. 140 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 1 4. Dezember 1990 (DBG) und § 147 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) kann der Steuerpflichtige gegen den Einspracheentscheid binnen 30 Tagen nach Zustellung schriftlich Beschwerde bzw. Rekurs erheben. Anfechtungsobjekt bildet einzig der vorinstanzliche (Einsprache -)Entscheid. Dieser betrifft einen konkreten Steuerpflichtigen. Nur dess en Steuerangelegenheit kann Gegenstand des Verfahrens bilden. Mithin kann es hier einzig um die Veranlagung bzw. Einschätzung des Pflichti- gen gehen. Nicht Gegenstand bildet hingegen die entsprechende Einschätzung seiner Lebenspartnerin C. 2. a) Nach Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG (in der Fassung gemäss Verordnung über den Ausgleich der Folgen der kalten Progression für die natürlichen Personen bei der direkten Bundessteuer vom 4. März 1996/27. April 2005 [VO KP]) kann der Steuer- pflichtige für jedes minderjäh rige Kind, für dessen Unterhalt er sorgt, Fr. 6'100.- vom Einkommen abziehen (sog. Kinderabzug). Massgeblich für die Beurteilung der Abzugs-- 4 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 fähigkeit sind die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht (Abs. 2). Direkt an diesen Kinderabz ug gekoppelt sind sodann zusätzliche Versich e- rungsprämienabzüge von Fr. 700.- je Kind, für welche ein entsprechender Abzug b e- ansprucht werden kann (Art. 33 Abs. 1 lit. g DBG, in der Fassung der VO KP). Die en t- sprechenden Bestimmungen für die Staats - und Gemeindesteuern finden sich in § 34 Abs. 1 lit. a und § 31 Abs. 1 lit. g StG (in der Fassung vom 25. April 2005 bzw. 25. August 2003, je in Kraft seit 1. Januar 2006). Demnach werden zur Steuerberech- nung vom Reineinkommen für minderjährige Kinder unter elterlicher Sorge oder Obhut des Steuerpflichtigen, deren Unterhalt er zur Hauptsache bestreitet, als Kinderabzug je Fr. 6'800.- abgezogen. Massgeblich für die Beurteilung der Abzugsfähigkeit sind auch hier die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode oder der St euerpflicht (§ 34 Abs. 2 StG). Der an den Kinde rabzug anknüpfende zusä tzliche Versicherungsprämienabzug beträgt Fr. 1'200.- je Kind ( § 31 Abs. 1 lit. g Satz 3 StG, in Fassung vom 25. August 2003). Sodann können Al imentenzahlungen bzw. "Unterhaltsbeiträge" für Kinder laut Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG und nach § 31 Abs. 1 lit. c StG (in der Fassung vom 11. September 2000) von den steuerbaren Einkünften abgesetzt werden, sofern sie an den Elternteil fliessen, unter dessen elterlicher Sorge oder Obhut das Kind ste ht und wenn sie für Minderjährige bestimmt sind. Diesfalls ist ein entsprechender Sozialabzug beim Leistenden ausgeschlossen (vgl. Art. 213 Abs. 1 DBG und § 34 Abs. 1 StG). Die genannten Unterhaltszahlungen unte rliegen anderseits beim empfangenden Elternte il gemäss Art. 23 lit. f DBG und § 23 lit. f StG (in der Fassung vom 1 1. September 2000) der Einkommenssteuer. b) Sind die Eltern eines Kindes nicht verheiratet, steht die elterliche Sorge der Mutter zu (Art. 298 Abs. 1 ZGB). Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie auf d e- ren Antrag beiden Eltern gemeinsam übertragen werden ( Art. 298a ZGB). Liegt das elterliche Sorgerecht ausschliesslich bei der Mutter, steht der Kinderabzug ihr und nur ihr zu (StE 1999 B 29.3 Nr. 15; StE 2008 B 29.3 Nr. 35; Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2001, Art. 35 N 23). Auf der anderen Seite hat sie die Kinderalimente zu versteuern, welche sie für den Unte rhalt des Kindes zu verwenden hat. Insofern sorgt sie für das Kind (Locher, Art. 35 N 27, auch zum Folgenden). All das gilt auch dort, wo die Eltern im Konkubinat leben (RB 2006 Nr. 86 = StE 2007 B 29.3 Nr. 31, auch zum Folgenden). Das Verwaltungsgericht hat erkannt, dass der Umstand, dass derjenige Elternteil, welchem die elterliche Sorge nicht zusteht, die rein faktische Obhut über sein Kind allein oder zusammen mit dessen Mutter ausübt, in dieser Hinsicht unbeachtlich - 5 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 ist. Anders verhält es sich hingegen dort, wo das Gericht oder die Vormundschaftsb e- hörde das Obhutsrecht formell einer Person übertragen hat. Mit dieser Lösung decken sich die steueramtlichen Weisungen. So bestimmen das Merkblatt des kantonalen Steueramts über die Gewährung von Sozialabzügen und die Anwendung der Steuertarife bei Familien vom 2 5. Februar 2008 ( Ziff. 2.1.1 [kurz: Merkblatt]; ZStB Nr. 20/010) wie auch die Weisung der Finanzdirektion über Soziala b- züge und Steuertarife vom 1 8. Dezember 2009 (Rz 25; kurz: Weisung [ZStB Nr. 20/002]) und das Kreisschreiben Nr. 7 der Hauptabteilung DVS vom 20. Januar 2000 zu Direkte Bundessteuer Steuerperiode 1999 /2000 betreffend Famili- enbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG); Übe r- tragung der gemeinsamen elterlichen Sorge auf unverheiratete Eltern und die gemei n- same Ausübung elterlicher Sorge durch getrennte oder geschiedene Eltern (ZStB II Nr. 61/505), dass dort, wo bei unverheirateten Eltern die elterliche Sorge oder Obhut über ein minderjähriges Kind nur einem Elte rnteil zusteht, nur dieser den Kinderabzug b e- anspruchen kann. 3. a) Streitig ist die Einschätzung bzw. Veranlagung f ür die Steue rperiode 2006. Dafür sind die Verhältnisse im (Kalender -)Jahr 2006 bzw. am Stichtag 31. Dezember 2006 massgeblich. Dabei ist zu beachten, dass die elterliche Sorge über die (im Sinn von Art. 260 Abs. 1 ZGB anerkannte) Tochter B bis zum Beschlus s der Vormundschaftsbehörde der E vom 11. August 2009 allein der Kindsmutter C zustand; erst damit wurde s ie auf entsprechendes Begehren der Eltern hin und gestützt auf die Vereinbarung vom 2 1. Juli 2009 gemeinsam der Mutter und dem Pflichtigen übertr a- gen. Am Stichtag 31. Dezember 2006 war der Pflichtige somit weder alleiniger Inhaber der elterlichen Gewalt noch stand ihm zusammen mit seiner Partnerin, der Kindsmu t- ter, das gemeinsame Sorgerecht zu. Damit steht der Kindera bzug im Sinn von 213 Abs. 1 lit. a DBG bzw. § 34 Abs. 1 lit. a StG von vornherein nicht ihm, sondern einzig dieser zu. Die Verhältnisse werden sich in dieser Hinsicht, wie aus heutiger Sicht au f- grund der Ausführungen des Pflichtigen anzunehmen ist, erst in der Steuerperiode 2009 ändern. Diese Neugestaltung vermag keine Rückwirkung zu en tfalten. Keiner weiteren Ausführungen bedarf es darüber, dass ihm damals einzig die – im vorliegen- den Zusammenhang unbeachtliche – faktische, nicht aber auch die fo rmelle (Teil - )Obhut zustand. - 6 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 b) Was der Pflichtige dagegen vorzubringen weiss, sticht nicht: Wohl mag es zutreffen, dass er zusammen mit seiner Partnerin und der Toc h- ter B seit deren Geburt eine "normale Familie" und eine Lebensgemei nschaft bildet. Doch kommt es darauf nicht an. Denn wie gesehen s ind nicht die faktischen Verhäl t- nisse massgeblich, sondern entscheidend ist vorab die formell -rechtliche Gestaltung. Ebenso kommt der Betreuung des Kindes und de n dazu aufgewendeten finanziellen Leistungen insofern keine Bedeutung zu. Ebenso wenig verm ag der Pflichtige für sich aus dem Umstand herzuleiten, dass das Steueramt ihm während Jahren bis und mit Steuerperiode 2005 diesen A b- zug gewährt und im Übrigen den Verheiratetentarif (vgl. hinten E. 5a) zur Anwe ndung gebracht hat. Denn die rechtliche Beurteilung bezieht sich einzig auf die entsprechende Steuerperiode, für welche eine rechtskräftige Einschätzung vorliegt. Dass die Steue r- behörde in früheren Jahren einen beanspruchten Abzug toleriert hat, verschafft dem Pflichtigen keinen Anspruch auf einen e rneuten Abzug, falls sich zeigt, dass das gel- tende Recht einen solchen nicht zulässt. Die Steuerbehörden dürfen solche Abzüge in jeder Periode einer Neuüberprüfung unterziehen (BGr, 9. April 2008, 2C_589/2007, www.bger.ch). Zwar mag es richtig sein, dass die Eltern bereits früher das gemeinsame So r- gerecht angestrengt hätten, falls sie gewusst hätten, dass der Pflichtige den Kinderab- zug bei der gegebenen rechtlichen Konstellation nicht weiterhin werde beanspruchen können. Dass das Steueramt die Einschätzung 2006, womit es den Abzug erstm alig verweigert hat, erst am 1 6. April 2009 getroffen und der Pflicht ige somit erst d amals von der neuen (und richtigen) Rechtsauffassung Kenntnis erlangt hat, gereicht der Steuerbehörde nicht zum Vorwurf. Es liegt am Steuerpflichtigen, notfalls rechtzeitig die rechtlichen Vorkehren zu treffen, damit die von ihm gewünschten (zulässigen) steuerl i- chen Folgen eintreten. Namentlich muss sich das Steueramt hier keine übe rmässige Verzögerung in der Einschätzung vorhalten lassen: welche Schlüsse sich aufdrängten, falls anders zu entscheiden wäre, kann darum offen bleiben. 4. Kann der Pflichtige, wie erwähnt, keinen Kinderabzug beanspruchen, so steht ihm auch kein zusätzlicher Abzug für Versicheru ngsprämien im Sinn von Art. 33 Abs. 1 lit. g DBG bzw. § 31 Abs. 1 lit. g StG zu (siehe auch Merkblatt Ziff. 2.1.1). - 7 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 5. a) Laut Art. 214 Abs. 1 DBG und §§ 35 Abs. 1 und 47 Abs. 1 StG gilt für die Steuerpflichtigen ein allgemeiner Grundtarif (bzw. Alleinste hendentarif). Indes greift nach Abs. 2 dieser Normen für Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, sowie für verwitwete, gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebende, g e- schiedene und ledige Steuerpflichtige, welche mit Kindern (o der unterstützungsbedürf- tigen Personen) im gleichen Haushalt zusammenleben und deren Unterhalt zur Haup t- sache bestreiten, ein milderer Tarif (sog. Verheiratetentarif). Dabei verweist die kantonale Norm au sdrücklich auf Kinder im Sinn des Kinderabzugs von § 34 Abs. 1 lit. a StG. Mit diesen Sonderbestimmungen soll die entsprechende Gruppe von Steuer- pflichtigen fiskalisch angemessen entlastet werden. Eine Beschränkung auf eheliche Gemeinschaften und Eineltern- bzw. Halbfamilien besteht insofern nicht. Das aber heisst, dass auch Konkubinatspaare in den Genuss einer solchen Entlastung kommen können. Leben die Eltern im Konkubinat und wohnt das Kind bei ihnen, kann der – und nur der – Elternteil den Verheiratetentarif beanspruchen, welcher den Unterhalt des Kindes zur Hauptsache bestreitet; und dies ist derjenige Elter, dem die elterliche Sorge zusteht (StE 2006 B 29.3 Nr. 28; Weisung Rz 58 ff. ) und dem damit der Kinderabzug zusteht (Locher, Art. 36 N 19 f.; Ivo P. Baumgartner, in: Kommentar zum Schweizer i- schen Steuerrecht, Band I/2a, 2.A., 2008, Art. 36 N 36a und 36b ). Wie die Dinge bei gemeinsamer elterlicher Sorge liegen, braucht nicht erwähnt zu werden. b) Steht dem Pflichtigen nach dem Gesagten kein Kinderabzug zu, so kann er den Verheiratetentarif nicht beanspruchen. In dessen Genuss kommt unter den gege- ben Umständen einzig d ie Kindsmutter C. Daran ändert der Umstand nichts, dass die Tochter mit dem Pflichtigen zusammenlebt und er in erheblichem U mfang an deren Unterhalt beiträgt. c) Dass der Verheiratetentarif bei der Kindsmutter entgegen dieser Rechtslage nicht angewendet worden ist , liegt aufgrund einer steueramtlichen Notiz nahe, steht indes nicht mit Sicherheit fest. Doch mag dies ohne Zwang offen bleiben. Denn hier geht es einzig um die Einschätzung bz w. Veranlagung des Pflichtigen. Ob die Taxati o- nen von C, sollte sie tatsächlich mit dem Grundtarif besteuert worden und die Recht s- kraft bereits eingetreten sein, nachträglich einer Korrektur zugänglich sind, braucht und darf hier nicht geklärt werden. Dies verkennt der Pflichtige. Es wird deren Aufgabe sein, notfalls entsprechende Massnahmen – mit allerdings ungewissem Au sgang – zu treffen. Dasselbe gilt für den Kinder- und Versicherungsabzug. - 8 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 6. a) Nach alledem erweisen sich die angefochtenen Einspracheen tscheide, soweit vom Pflichtigen beanstandet, als rechtsbeständig. Indes gilt es Folgendes zu beachten: b) aa) Wie erwähnt, kann der Kindsvater, dem kein Kinderabzug zusteht, nach Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG und § 31 Abs. 1 lit. c StG Unterhaltsleistungen ("Unterhaltsbei- träge") an die Kindsmutter für das unter deren elterlicher Sorge stehende Kind von den steuerbaren Einkünften abziehen. Leben die Eltern zusammen mit ihrem gemeinsamen unmündigen Kind im Konkubinat, so kann derjenige Elter, welchem das Sorg erecht nicht zusteht, Leistungen, welche er gestützt auf einen Unterhaltsvertrag leistet, in A b- zug bringen. Ob dies nur dann gilt, wenn es sich um eigentliche, betragsmässig b e- stimmte Kinderalimente handelt, ist fraglich. Nach Art. 276 ZGB haben die Elte rn für den Unterhalt des Kindes aufzukom- men (Abs. 1). Dieser wird durch Pflege und Erziehung oder, wenn das Kind nicht unter der Obhut der Eltern steht, durch Geldzahlung geleistet ( Abs. 2). Sind die Eltern nicht verheiratet, wird der Umfang der Unterhalts beiträge de sjenigen Elternteils, welchem die elterliche Sorge nicht zusteht, vorzugsweise mittel s Unterhaltsvertrag einvernehm- lich festgesetzt (Peter Breitschmid, in: Basler Kommentar, 3.A., 2006, Art. 287 N 1 ZGB). Ein solcher wird gemäss Art. 287 Abs. 1 ZGB erst mit der Genehmigung durch die Vormundschaftsbehörde verbindlich. Dabei geht es vorab um finanzielle Leistu n- gen, nämlich die Höhe des Unterhaltsbeitrags, dessen Dauer sowie allfällige Abstufun- gen, Indexierung und A bänderung. Daneben können Sonderre glungen betroffen sein, so namentlich dann, wenn die Eltern - wie hier – in eheähnlichen Verhältnissen z u- sammenleben (Breitschmid, Art. 287 N 6 ZGB). In solchen Fällen kann die Erfüllung der Unterhaltspflicht auch in Naturalform erfolgen. Es liegt nahe, den steuerrechtlichen Begriff des "Unterhaltsbeitrags" (Art. 35 Abs. 1 lit. c und § 31 Abs. 1 lit. c StG) mit dem zivilrechtlichen gleichzusetzen. Dies umso mehr, als in beiden Gesetzen übereinsti m- mend von "Beiträgen" und nicht von "Zahlungen" die Rede ist. Können die vertraglich festgelegten Unterhaltsbeiträge im Sinn des Zivilrechts (siehe Art. 287 Abs. 1 und 2 ZGB) nicht allein Geldzahlungen umfassen, sind folgerichtig steuerlich auch Natura l- leistungen beachtlich (Zigerlig/Jud, in: Ko mmentar zum Schweizeri schen Steuerrecht, Band I/2a, 2.A., 2008, N 18a). Dabei sind Naturalleistungen, wie das Zivilrecht zeigt, begrifflich umfa ssend zu verstehen (Breitschmid, Art. 276 N 20 f.). Entsprechend ist jedenfalls dort, wo ein vormundschaftlich genehmigter Unterhaltsv ertrag vorliegt, fiska-- 9 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 lisch ein umfassender Abzug statthaft (in diesem Sinn möglicherweise RB 2006 Nr. 86 = StE 2007 B 29.3 Nr. 31 E. 6) . Allerdings ist nicht zu verkennen, dass sich bei so l- chem Verständnis hinsichtlich der Bemessung des Umfangs der Leistung in der Praxis erhebliche Schwierigkeiten ergeben können. bb) Wie diese n Schwierigkeiten zu begegnen ist, kann hier dahingestellt blei- ben. Denn im Unterhaltsvertrag vom 2 7. August 1996, von der Vormundschaft am 15. Oktober 1996 genehmigt, haben die El tern von B den Wert der Unterhaltsleistu n- gen des Pflichtigen hilfsweise betragsmässig quantifiziert. Darin haben sie festgeha l- ten, dass sie mit dem Kind zusammenleben und es gemeinsam betreuen. Für den Fall der Auflösung des gemeinsamen Haushalts wäre der Pflichtige zu monatlichen Unte r- haltsleistungen für die Tochter von Fr. 600.- verpflichtet. Daneben wären die allenfalls von ihm für B empfangenen Kinderzulagen der Kindsmutter zu erstatten. In diesem Zusammenhang hat die Vormundschaftsbehörde D im Beschlus s vom 15 . Oktober 1996 sogar festgehalten, der Kindsvater, d.h. der Pflichtige, verpflic hte sich mit dem Unterhaltsvertrag (sofort) zu monatlichen Unterhaltszahlungen von Fr. 600.-. U nter solchen Umständen steht dem Pflichtigen , der unstreitig einen gewich tigen Teil des Unterhalts trägt, ein Abzug im Sinn von Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG und § 31 Abs. 1 lit. c StG zu, der sich wie folgt bemisst: Unterhaltsleistungen - 12 x Fr. 600.- Fr. 7'200.- - Kinderzulagen gemäss Lohnausweis (T-act. 3) Fr. 2'040.- total Fr. 9'240.-. Dass die Unterhaltszahlungen (bzw. der Wert der entsprechenden Naturalleis- tungen), weil indexiert, für 2006 möglicherweise höher anzusetzen wären , muss unbe- rücksichtigt bleiben. Es hätte am Pflichtigen gelegen, diesbezüglich notwendige Anga- ben zu liefern; das aber ist nicht geschehen. Hingegen schadet ihm der Umstand nicht, dass er keinen solchen Abzug beansprucht hat. Weil dieser in engem Zusammenhang mit den streitbetroffenen Abzügen steht und das Gericht das Recht von Amts wegen anzuwenden hat (Art. 143 Abs. 1 DBG und § 149 Abs. 2 StG), steht einer solchen Kor- rektur nichts im Weg. - 10 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 cc) Beizufügen ist, dass damit ein gewisser Ausgleich dafür geschaffen wird, dass kein Raum für die Anträge des Pflichtigen bleibt, und auf dies e Weise dessen (eingeschränkter) wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit angemessen Rechnung getragen werden kann. Auch darf erwähnt werden, dass – wie anzunehmen erlaubt ist – diese Zuflüsse bei der Kindsmutter , obgleich gesetzlich geboten ( Art. 23 lit. f DBG und § 23 lit. f StG), einkommenssteuerlich nicht erfasst worden sind. Dies mag zur Begrenzung eines allfälligen Schadens infolge fehlenden Kinder- und Versicherungsprämienabzugs sowie Verheiratetentarifs beitragen. dd) Steht dem Pflichtigen ein solcher Abzug zu, stellt sich die Frage eines Unterstützungsabzugs im Sinn von Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG und § 34 Abs. 1 lit. b StG nicht. c) Somit ist der Pflichtige für 2006 wie folgt einzuschätzen bzw. zu veranlagen: Staats-/Gemeindesteuern direkte Bundessteuer Fr. Fr. steuerbares Einkommen laut Einspracheentscheid 71'250.- 71'950.- ./. Unterhaltszahlungen 9'240.- 9'240.- steuerbares Einkommen (abgerundet) 62'000.- 62'700.- steuerbares Vermögen (unverändert) 0.- Grund-/Alleinstehendentarif. Das führt zur teilweisen Gutheissung der Rechtsmittel. d) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten anteilsmässig zu ver- legen (Art. 144 Abs. 1 DBG; § 151 Abs. 1 StG). - 11 - 2 ST.2009.347 2 DB.2009.222 Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 1. Der Rekurs wi rd teilweise gutgeheissen. Der Rekurrent wird für die Steuerperiode 2006 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 62'000.- und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 0.- eingeschätzt (Tarif gemäss § 35 Abs. 1 bzw. § 47 Abs. 1 StG; Grundtarif). 2. Die Beschwerde w ird teilweise gutgeheissen. Der Beschwerdeführer wird für die Steuerperiode 2006 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 62'700.- veranlagt (Tarif gemäss Art. 214 Abs. 1 DBG; Alleinstehendentarif). […]