A bteilung III C -816/2006 {T 0/2} U rteil vom 16. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterinnen Avenati-C arpani und Beutler; G erichtsschreiberin Kaufm ann. K._______, Beschw erdeführerin, vertreten durch H err B._______, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie aus dem Kosovo stam m ende serbische Staatsangehörige K._______ (im Folgenden: Beschw erdeführerin) beantragte am 2. Juni 2006 beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina ein Visum für einen dreim o- natigen Besuchsaufenthalt bei ihrem Bruder B._______ (im Folgenden: G astgeber) in Schaffhausen. D ie Schw eizer Vertretung lehnte die Erteilung des Visum s form los ab und überw ies das G esuch der Vorinstanz zum Ent- scheid. B. N achdem das Ausländeram t des Kantons Schaffhausen beim G astgeber w eitere Auskünfte eingeholt hatte, verw eigerte die Vorinstanz in einer Ver- fügung vom 13. Juli 2006 die nachgesuchte Einreisebew illigung. D ies im W esentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W ie- derausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland sow ie der fam iliären U m stände (sieben G eschw is- ter und die M utter hielten sich m it unterschiedlichen Bew illigungen bereits in der Schw eiz auf) nicht als gesichert betrachtet w erden. C . M it R echtsm itteleingabe vom 24. August 2006 liess die Beschw erdeführe- rin (vertreten durch den G astgeber) beim dam als zuständigen Eidgenössi- schen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) beantragen, die vorinstanzli- che Verfügung sei aufzuheben und ihr sei der gew ünschte Besuchsaufent- halt für die D auer von drei M onaten zu bew illigen. Zur Begründung w urde sinngem äss vorgebracht, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, dass die anstandslose und fristgerechte W iederausreise nach einem Besuchs- aufenthalt nicht gesichert w äre. Bei dieser Einschätzung seien ihre persön- lichen, fam iliären und sozialen Bindungen an die angestam m te U m gebung ausser Acht gelassen w orden. Sie lebe zusam m en m it ihrem Ehem ann und den gem einsam en vier Kindern im Alter zw ischen 9 und 17 Jahren in Skivjan. D ort w olle sie auch w eiterhin leben und sie habe keinerlei Absicht, in der Schw eiz zu bleiben. Im G egensatz zu ihren G eschw istern und ihrer M utter hätten sie und ihr Ehem ann sich dafür entschieden, im Kosovo zu bleiben. Beim geplanten Besuchsaufenthalt gehe es insbesondere auch darum , dass sie ihre M utter treffen könnte, die sie seit acht Jahren nicht m ehr gesehen habe. D ie M utter halte sich seit 1999 in der Schw eiz auf, aktuell im R ahm en einer vorläufigen Aufnahm e, w as bedeute, dass sie nicht zu einem Besuch in den Kosovo reisen könne. D . Aufgefordert, sich ergänzend zum Sachverhalt zu äussern, liess die Be- schw erdeführerin in einer Eingabe vom 28. Septem ber 2006 ihre fam iliären und w irtschaftlichen Verhältnisse näher darlegen. D em nach absolviert ihr ältester Sohn eine Lehre aus Bauer, die drei jüngeren Kinder gehen noch zur Schule. Ihr Ehem ann arbeite auf Abruf als H ausw art und verrichte vor allem R eparaturarbeiten. Zudem helfe er auf den um liegenden Bauernhö- fen aus, w enn Bedarf sei. Sie w ürden ihren Lebensunterhalt selbst bestrei- ten und hätten keine U nterstützung von dritter Seite. W ährend des geplan- ten Besuchsaufenthalts w ürde ihre Schw iegerm utter sich um ihre Fam ilie 3 küm m ern. E. D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 4. O ktober 2006 die Abw eisung der Beschw erde. F. In einer R eplik vom 8. N ovem ber 2006 liess die Beschw erdeführerin an ih- rem R echtsbegehren und an dessen Begründung festhalten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw al- tungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D ie Beschw erdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschw erde legi- tim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutre- ten (Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24).4 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie Beschw erdeführerin benötigt aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Er- teilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. D ie Beschw erdeführerin lebt im Kosovo. D ie Sicherheitslage in dieser R e- gion konnte zw ar im Verlauf der letzten Jahre w eitgehend stabilisiert w er- den und der W iederaufbau von Adm inistration und Infrastruktur ist unter Beteiligung internationaler O rganisationen und Staatengem einschaften in G ang gekom m en. D ie dam it verbundenen H offnungen w urden aber durch eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und einen niedrigen Lebensstandard schon bald m assiv gedäm pft. D er w irtschaftliche Transform ationsprozess entw ickelt sich nur langsam und eine nachhaltige Verbesserung der w irt- schaftlichen und sozialen Situation erw eist sich als schw ierig. D ie w irt- schaftlichen Prognosen sind eher schlecht, w ird doch von Experten für die nächsten Jahre ein R ückgang bei den H ilfsgeldern um bis zu 70% erw ar- tet. In breiten Teilen der Bevölkerung ist bereits jetzt eine gew isse D esillu- sionierung eingetreten. Entsprechend hoch ist nach w ie vor der Anteil de- rer, die sich zur Em igration entschliessen. Laut der "International O rgani- zation for M igration" (IO M ) sollen in einer zu Beginn des Jahres 2003 durchgeführten U m frage über 50% der Befragten angegeben haben, sie w ürden lieber im Ausland leben und arbeiten. U nter den M igrationsw illigen gilt vor allem W esteuropa und dam it auch die Schw eiz als W unschdestina- tion. D er W ille zur Ausw anderung w ird erfahrungsgem äss dort noch be- günstigt, w o - w ie vorliegend - sich bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland etabliert haben und entsprechend ein soziales N etz besteht. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G e-5 suchstellerin im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durch- aus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m - gekehrt m uss bei G esuchstellern, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem denpolizeilich nicht vor- schriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchs- aufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 5. 5.1 Bei der Beschw erdeführerin handelt es sich um eine 37-jährige, verheirate- te Frau. Als Ehefrau und M utter von vier Kindern hat sie durchaus fam iliäre Verpflichtungen im H eim atland. Solche Verhältnisse (zurückbleibende Fa- m ilienangehörige) bilden für sich allein aber noch keine G arantie für eine anstandslose und fristgerechte W iederausreise nach einem Besuchsauf- enthalt. W esentliche Bedeutung kom m t hier den w irtschaftlichen Verhält- nissen zu, in denen sich die Betroffenen befinden. D er W unsch nach einer Em igration ist näm lich häufig auch m it der H offnung und Erw artung ver- bunden, nahe Angehörige später nachziehen zu können, oder zurückblei- bende Fam ilienangehörige aus dem Ausland effizienter unterstützen zu können, w as in vielen Fällen nicht unrealistisch sein dürfte. G estützt auf die Angaben der Beschw erdeführerin ist davon auszugehen, dass sie und ihre Fam ilie in w irtschaftlich bescheidenen Verhältnissen leben. Insbeson- dere erzielt der Ehem ann der Beschw erdeführerin als selbständig Erw er- bender kein geregeltes Einkom m en. Insgesam t kann vorliegend nicht auf U m stände geschlossen w erden, die den G edanken an eine Em igration gar nicht aufkom m en liessen. 5.2 Kom m t hinzu, dass die Beschw erdeführerin einen ausgesprochen starken Bezug zur Schw eiz hat, selbst w enn sie noch nie hier w ar. H ier leben säm tliche nahen Angehörigen aus der H erkunftsfam ilie, d.h. die M utter und die sieben G eschw ister. Zw ar w endet sie ein, sie und ihr M ann hätten sich seinerzeit entschieden, im Kosovo zu bleiben. D as kann aber insofern nicht ganz überzeugen, als die Fam ilie den Ägyptern und dam it einer eth- nischen M inderheit angehört. Seit 1991 sind die Angehörigen der Be- schw erdeführerin nach und nach in die Schw eiz gekom m en, w obei zum in- dest sechs dieser Personen – erfolglos – um Asyl nachgesucht haben. Bis auf die M utter und einen Bruder, die hier im R ahm en einer vorläufigen Auf- nahm e leben, haben alle Angehörige inzw ischen eine Jahres- beziehungs- w eise N iederlassungsbew illigung oder sie sind bereits im Besitze des Schw eizer Bürgerrechts. U nter diesen U m ständen kann nicht ausgeschlos- sen w erden, dass auch die Beschw erdeführerin versucht sein könnte, hier (über den deklarierten Besuchszw eck hinaus) Fuss zu fassen, auch w enn sie dam it eine zum indest vorübergehende Trennung von ihrer Fam ilie in Kauf nehm en m üsste. Im m erhin hat die Beschw erdeführerin ein Visum gleich für drei M onate beantragt. Som it w äre sie auch für längere Zeit von zu H ause abköm m lich. 5.3 Vor dem aufgezeigten persönlichen und allgem einen H intergrund durfte die Vorinstanz dem nach davon ausgehen, dass keine hinreichende G e-6 w ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise der Be- schw erdeführerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. 6. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird die unterliegende Be- schw erdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdeführerin auf- erlegt. Sie sind durch den am 18. Septem ber 2006 in gleicher H öhe geleis- teten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (Einschreiben; Beilage: 6 Fotos) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 143 892 zurück) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: A. Trom m er D . Kaufm ann Versand am :