S.Juni 1995 515 Postulat Onken Abschreibung - Classement Antrag des Bundesrates Abschreiben der parlamentarischen Vorstösse gemäss Brief an die eidgenössischen Räte Antrag der Kommission Das Postulat 92.3413 nicht abschreiben Proposition du Conseil fédéral Classer les interventions parlementaires selon lettre aux Chambres fédérales Proposition de la commission Ne pas classer le postulat 92.3413 Iten Andreas (R, ZG), Berichterstatter: Wir hätten noch ein Postulat Petitpierre, «Schicksal der von der Eidgenossen- schaft in Auftrag gegebenen (wissenschaftlichen) Arbeiten», das die Kommission nicht abschreiben lassen will. Ich habe mich bei der Frau Bundesrätin erkundigt. Sie ist be- reit, den Vorstoss als ein «Postulat vivant», wie es vorhin be- zeichnet worden ist, aufrechtzuerhalten. Die Anliegen von Herrn Petitpierre sind noch nicht ganz er- füllt, und ich glaube, es ist berechtigt, wenn wir das Postulat noch in der Geschäftsliste lassen. Angenommen gemäss Antrag der Kommission Adopté selon la proposition de la commission An den Nationalrat- Au Conseil national #ST# 95.3023 Postulat Onken Berufsmaturität und Hochschulreife Maturité professionnelle et accès a l'université Wortlaut des Postulates vom 26. Januar 1995 Der Bundesrat wird ersucht, in die eidgenössische Maturi- tätsverordnung eine Bestimmung aufzunehmen, die es den Inhaberinnen und Inhabern einer eidgenössisch anerkann- ten Berufsmaturität ermöglicht, ihren Abschluss unter entge- genkommenden Bedingungen zu einer allgemeinen Hoch- schulreife zu ergänzen. Texte du postulat du 26 Janvier 1995 Le Conseil fédéral est prié d'ajouter à l'ordonnance sur la re- connaissance de certificats de maturité gymnasial une dispo- sition qui permette aux détenteurs d'une maturité profession- nelle reconnue par la Confédération d'obtenir à des conditions préférentielles un titre équivalent à un certificat de maturité. Mitunterzeichner - Cosignataires: Beerli, Bloetzer, Meier Josi, Petitpierre, Piller, Plattner, Salvioni, Schiesser (8) Onken Thomas (S, TG): Wer die Entwicklung der Berufsbil- dung aufmerksam verfolgt, den muss sie mit einer gewissen Sorge erfüllen. Wir haben einen krassen Rückgang an Lehr- verträgen, die Jugend drängt immer stärker in die gymnasia- len Ausbildungen, es gibt bedauerlicherweise Unternehmen, die sich aus der Berufsbildung zurückziehen, und es gibt ernstzunehmende Stimmen, die davon sprechen, dass gar das duale System unserer Berufsbildung gefährdet sein könnte. Es fehlt also nicht an alarmierten und warnenden Stimmen, auch nicht an parlamentarischen Vorstössen - so- wohl im Nationalrat als auch im Ständerat-, die den Bundes- rat auffordern, sich dieses Bereiches mit Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit anzunehmen und die entsprechenden Re- formen und Verbesserungen vorzuschlagen. Der Bundesrat, das weiss ich, arbeitet bereits an einem Bericht zur Lage der Berufsbildung, der uns wahrscheinlich in absehbarer Zeit un- terbreitet werden wird. Mit der Schaffung der Berufsmaturität und jetzt auch mit dem neuen Fachhochschulkonzept haben wir immerhin zwei Neuerungen in die Welt der Berufsbildung eingebracht, die von grosser Bedeutung und sehr wertvoll sind, allein aber noch nicht genügen, um den Aderlass zu stoppen. Die Ak- zeptanz der neuen Berufsmaturität ist «durchzogen», die Zahlen des Zuspruchs sind teilweise sogar sehr enttäu- schend. Die Belastung, die die Lehrlinge, welche diesen Weg wählen, auf sich zu nehmen haben, ist enorm. Sie besuchen die Berufsschule an zwei Tagen zu neun Unterrichtsstunden, was eine beträchtliche Forderung - um nicht zu sagen: Über- forderung - ist. Auch die Perspektiven, die sich mit der Be- rufsmaturität eröffnen, sind teilweise nicht derart verlockend, als dass dieser Weg wirklich attraktiv und dazu angetan wäre, die Jungen von der gymnasialen Ausbildung abzubrin- gen. Im wesentlichen lockt ja eigentlich nur der Zugang zu den Fachhochschulen; viele andere, zusätzliche Möglichkei- ten eröffnen sich nicht. Insbesondere bleibt der Wechsel von den Fachhochschulen an die Eidgenössischen Technischen Hochschulen und an die kantonalen Universitäten unklar; er ist nicht verbindlich geregelt, und die Durchlässigkeit besteht nach wie vor nicht. Hier gibt es also eine Lücke, die meines Erachtens geschlos- sen werden sollte. Wir müssen den Berufsmaturandinnen und -maturanden zusätzliche Perspektiven eröffnen. Dazu möchte dieses Postulat einen kleinen Anstoss geben. Es lädt den Bundesrat ein, in der eidgenössischen Maturitätsverord- nung eine Ergänzung einzubringen, die es erlaubt, dass eine Berufsmaturandin oder ein Berufsmaturand unter entgegen- kommenden Bedingungen den bisherigen Abschluss ergän- zen kann, um eine allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Das soll kein Hürdenlauf mit grossen Erschwernissen sein, sondern es soll unter entgegenkommenden Bedingungen geschehen, bei denen man dem Wissen, das sich dieser junge Mensch angeeignet hat, aber auch seine beruflichen Erfahrungen gebührend Rechnung trägt. Ich räume ein, dass es dabei im ganzen Problemfeld der Be- rufsbildung sicher nur um einen kleinen Mosaikstein geht, aber es ist doch auch eine Chance, die wir hier eröffnen, und letztlich ein Beitrag zur Aufwertung der Berufsmaturität. In diesem Sinne möchte ich den Bundesrat einladen, tätig zu werden und eine solche Ergänzung wohlbedacht in der ent- sprechenden Verordnung vorzunehmen. Auch wenn es «nur» ein Postulat ist, bitte ich Frau Bundes- rätin Dreifuss doch, dieses Postulat als ein - wie Herr Bun- desrat Delamuraz zu sagen pflegt - «postulat vivant, postulat actif» zu betrachten und nicht als eines, das auf weite Zeit hinaus schubladisiert wird. In diesem Sinne bitte ich Sie um Überweisung dieses Postu- lates. Dreifuss Ruth, conseillère fédérale: Non seulement le Con- seil fédéral est tout disposé à accepter ce postulat, mais aussi à lui donner une impulsion, parce que vous avez mis le doigt sur un problème tout à fait reconnu par le Conseil fédéral. Nous devons - je l'ai dit d'ailleurs tout à l'heure - créer une politique cohérente entre les voies de formation profession- nelle et les voies de formation gymnasiale et académique, mais aussi créer des passerelles dans les deux sens qui per- mettent aux personnes, lorsque leur choix sont faits, lorsque leur volonté de changer de direction est affermie, de pouvoir le faire le plus facilement possible. Je reconnais avec vous que la maturité professionnelle est une voie difficile, tout sauf royale, qui demande énormément à ceux qui l'empruntent. Si l'on peut leur faciliter.par exemple, l'accès aux études gym- nasiales et à la maturité gymnasiale, cela peut leur permettre aussi d'accéder à la formation académique qu'ils visent en ayant commencé justement ce chemin plein de difficultés et d'exigences qui est celui de la maturité professionnelle.Interpellation Iten Andreas 516 8 juin 1995 Depuis que le Conseil fédéral en a débattu et a décidé d'ac- cepter ce postulat, l'ordonnance sur la reconnaissance de certificats de maturité gymnasiale a été acceptée. Dans cette ordonnance, nous avons adopté une formulation qui est suf- fisamment souple pour permettre des solutions appropriées dans les différents cas. C'est bien une ouverture dans le sens de celle que vous souhaitez que nous voulions laisser dans l'ordonnance. Il reste maintenant à discuter avec la Conférence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publique pour savoir comment donner vie et réalité à cette possibilité. Nous ne pensons pas que c'est forcément en ajoutant une nouvelle disposition à cette ordonnance que nous devons avancer, mais qu'il s'agit dans la pratique, puis- que l'ouverture existe, d'offrir la possibilité aux détenteurs d'une maturité professionnelle ou du diplôme d'une école cantonale d'obtenir une maturité gymnasiale; le même pro- blème se pose pour les détenteurs du diplôme d'une école de commerce qui veulent obtenir la maturité gymnasiale. Nous avons toute une série de passerelles à organiser vers cette maturité gymnasiale. Mais j'insiste là-dessus, il faut aussi que nous puissions avoir les passerelles inverses pour permettre à des collégiens ou à des maturants de choisir la filière de la formation professionnelle qui mène ensuite à une haute école spécialisée. Nous espérons pouvoir vous présenter d'ici le printemps pro- chain des propositions plus concrètes qui résulteraient des discussions que nous menons actuellement avec la Confé- rence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publi- que. Schmid Carlo (C, AI): Ich möchte das Postulat an sich nicht bekämpfen, denn die Ideen des Postulates sind zweifellos richtig. Nach der Antwort von Frau Bundesrätin Dreifuss frage ich mich aber, ob es nicht richtig wäre, das Postulat als erfüllt ab- zuschreiben. Es entstand in einer Situation, in der Herr On- ken noch nicht wusste, dass diese Regel in der neuen Matu- ritäts-Anerkennungsverordnung (MAV) enthalten sein würde. Wenn Herr Onken nicht über das hinausgehen will, was die MAV jetzt bereits enthält, könnte man das Postulat auf alle Fälle abschreiben. Ich bin der Auffassung, dass ich Frau Bundesrätin Dreifuss für die spontane Bereitschaft danken muss, diese Frage zu- sammen mit der Erziehungsdirektorenkonferenz zu behan- deln. Hier sind wir darauf angewiesen, zusammenzuarbei- ten. Wir haben neu eine «Fachhochschulgeschichte», und wir müssen definieren, welches die «Zugangsstrassen» zu diesen verschiedenen Tertiärausbildungen sind. Hiereinfach im Alleingang seitens des Bundes den Kantonen, die doch auch noch eine bestimmte Kompetenz haben, Vorschriften zu machen, wäre kaum angängig. Es ist sinnvoll, die Defini- tion, die Ausführung dessen, was in der MAV steht, gemein- sam zwischen Bund und Kantonen zu regeln. Dafür bedarf es keiner zusätzlichen Revision der MAV. Onken Thomas (S, TG): Persönlich möchte ich das Postulat aufrechterhalten; es soll ein parlamentarisches Zeichen ge- setzt werden, dass in diese Richtung etwas bewegt werden muss, wenn nicht unmittelbar über eine zukünftige Änderung der Maturitäts-Anerkennungsverordnung, dann sicher auf anderem Wege. Ich denke, dass bei einer weiteren Revision der Maturitäts-Anerkennungsverordnung auch diese Frage aufgegriffen werden muss. Aber um ein parlamentarisches Zeichen des politischen Willens zu setzen, dass hier doch gewissen Innovationen, gewissen Neuerungen, Raum zu geben sei - auf welchem Weg auch immer -, möchte ich darum bitten, dass man das Postulat überweist und den ver- bindlichen Auftrag, zumindest bis im Frühjahr 1996, auf- rechterhält, bis entsprechende Vorschläge unterbreitet wer- den. Das Postulat kann dann im Rahmen des Geschäftsberichtes immer noch abgeschrieben werden, wenn die Praxis tatsäch- lich zeigt, dass ihm Rechnung getragen worden ist. Überwiesen - Transmis #ST# 94.3399 Interpellation Iten Andreas Subventionierung der Primarlehrerausbildung nach dem Hochschulförderungsgesetz Formation des enseignants primaires. Subventionnement sur la base de la loi sur l'aide aux universités Wortlaut der Interpellation vom 4. Oktober 1994 Nach einer Notiz im Info-Blatt (Nr. 5/94) der Schweizerischen Hochschulkonferenz wollen einige Hochschulkantone die Ausbildung der Lehrkräfte für den Kindergarten und die Pri- marstufe neu an der Universität ansiedeln. Diese Vorhaben stehen u. a. in Zusammenhang mit der künftigen Neustruktu- rierung des nichtakademischen tertiären Bildungsbereichs durch die Schaffung der Fachhochschulen und der Pädago- gischen Hochschulen. Die Schweizerische Hochschulkonfe- renz hat sich bereits in Zusammenhang mit der Stellung- nahme zu den von der Erziehungsdirektorenkonferenz in die Vernehmlassung geschickten «Thesen zur Entwicklung Päd- agogischer Hochschulen» mit diesen Plänen auseinander- gesetzt. Mit der geplanten Ausbildung der Lehrkräfte des Kindergar- tens und der Primarstufe an der Universität würden diese Ausbildungsgänge neu über das Hochschulförderungsge- setz durch den Bund subventioniert. Da eine derartige Aus- weitung der Bundessubventionierung nicht angestrebt wird, entstehen künftig komplexe Ausscheidungsverfahren, wel- che mit grosser Wahrscheinlichkeit zu unerwünschten Aus- einandersetzungen führen können (Studenten-, Personal-, Sach- und Finanzstatistik, Grund- und Investitionsbeiträge des Bundes u. a. m.). Aus der Sicht der Nichthochschulkantone, der übrigen Hoch- schulkantone und des Bundes ist aus ordnungs- und finanz- politischen Gründen eine derartige Ausweitung der Hoch- schulförderung abzulehnen. Staatspolitisch ist es zudem nicht erwünscht, dass alle Lehrkräfte des Kindergartens und der Primarstufe an den Universitäten der Hochschulkantone und nicht wie bisher dezentral unter der Verantwortung aller Kantone ausgebildet werden. 1. Welche Vorkehrungen unternimmt der Bundesrat, um eine derartige Ausweitung der Hochschulförderung des Bundes zu unterbinden? 2. Gibt es weitere Immatrikulationsbedingungen, welche zu einer Verzerrung der Hochschulförderung des Bundes füh- ren? Wenn ja, was wird dagegen unternommen? Texte de l'interpellation du 4 octobre 1994 Selon un article publié dans Info-CUS (N° 5/94) de la Confé- rence universitaire suisse, quelques cantons dotés d'une uni- versité veulent confier à cette dernière la formation des en- seignants du jardin d'enfants et du niveau primaire. Ces pro- jets sont liés notamment à la future restructuration du secteur de formation tertiaire non universitaire, du fait de la création de hautes écoles spécialisées et de hautes écoles pédagogi- ques. La Conférence universitaire suisse a déjà examiné cette idée à l'occasion de la consultation organisée par la Conférence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publique sur les «Thèses relatives au développement de hautes écoles pédagogiques». Ce projet de formation à l'université des enseignants du jardin d'enfants et du niveau primaire aurait pour con- séquence que ces filières de formation seraient subven- tionnées par la Confédération en vertu de la loi sur l'aide aux universités. Comme une telle extension du subventionne- ment fédéral n'est pas prévue, il en résulterait une procédure de répartition complexe, qui pourrait engendrer très vraisem- blablement des conflits pénibles (statistique des étudiants,Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Onken Berufsmaturität und Hochschulreife Postulat Onken Maturité professionnelle et accès a l'université In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1995 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Ständerat Conseil Conseil des Etats Consiglio Consiglio degli Stati Sitzung 03 Séance Seduta Geschäftsnummer 95.3023 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 08.06.1995 - 08:00 Date Data Seite 515-516 Page Pagina Ref. No 20 025 958 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.