<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 55 S.228</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">228</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>55</b></span> <span class="ft2"><b>Zwangsmassnahmen im Rahmen fürsorgerischer Freiheitsentziehung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Bei Bereitschaft zur freiwilligen Medikamenteneinnahme ist die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anordnung einer Zwangsmedikation unzulässig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 5. Juni 2001 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">R.S. gegen Entscheid der Klinik Königsfelden.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. c) aa) Der Beschwerdeführer beschwert sich über die ange-</span><br/> <span class="ft1">ordnete medikamentöse Zwangsbehandlung. Er habe sich nie gewei-</span><br/> <span class="ft1">gert, die Medikamente Seroquel und Valium in der verordneten Dosis</span><br/> <span class="ft1">einzunehmen. Damit fehle es aber an einer Voraussetzung zur An-</span><br/> <span class="ft1">ordnung einer Zwangsmedikation. Es gehe überdies nicht an, dass</span><br/> <span class="ft1">die Ärzte präventiv als Druckmittel gegen den Patienten eine</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmedikation anordneten.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Anordnung einer Zwangsmedikation setzt gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 67e</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span><span class="ft1">EG ZGB voraus, dass eine medizinisch indizierte Massnahme</span><br/> <span class="ft4"><i>gegen</i> den Willen der betroffenen Person vorgenommen wird. Dies</span><br/> <span class="ft1">ist dann nicht der Fall, wenn jemand freiwillig Medikamente ein-</span><br/> <span class="ft1">nimmt. Gemäss Praxis des Verwaltungsgerichts in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft1">fürsorgerische Freiheitsentziehung darf eine solche nicht angeordnet</span><br/> <span class="ft1">werden, wenn ein ernstgemeinter freiwilliger Eintritt bzw. Verbleib</span><br/> <span class="ft1">in der Klinik vorliegt. Ob ein solcher Eintritt vorliegt, beurteilt sich</span><br/> <span class="ft1">nicht nur anhand der Aussagen des Betroffenen, sondern auch an</span><br/> <span class="ft1">seinem bisherigen Verhalten (AGVE 1992, S. 279). Da zwischen der</span><br/> <span class="ft1">fürsorgerischen Freiheitsentziehung und der Anordnung von</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmassnahmen ein enger Zusammenhang besteht und es sich</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls um einen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers handelt, rechtfertigt es sich, die genannte Praxis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bei der Beurteilung der Freiwilligkeit bei der Medikamentenein-</span><br/> <span class="ft1">nahme analog anzuwenden.</span><br/> <span class="ft1">cc) Wie bereits erwähnt, hat sich der Beschwerdeführer an der</span><br/> <span class="ft1">Verhandlung vom 15. Mai 2001 dahin geäussert, dass er Seroquel</span><br/> <span class="ft1">und Valium brauche. Der Beschwerdeführer nimmt seit seinem Kli-</span><br/> <span class="ft1">nikeintritt freiwillig Medikamente per os. Wie er selber sagt, ver-</span><br/> <span class="ft1">spüre er eine gute Wirkung; ohne Medikamente wäre er weniger</span><br/> <span class="ft1">ruhig. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">im gegenwärtigen Zeitpunkt die Medikamenteneinnahme verweigern</span><br/> <span class="ft1">würde, denn wie er selber ausführte, sei er an der richtigen Medika-</span><br/> <span class="ft1">menteneinstellung interessiert. Diese ist im Urteilszeitpunkt noch</span><br/> <span class="ft1">nicht gefunden worden. Unter diesen Umständen ist es nicht zuläs-</span><br/> <span class="ft1">sig, rein präventiv eine Zwangsmedikation anzuordnen. Bei ernstge-</span><br/> <span class="ft1">meinter Freiwilligkeit des Beschwerdeführers ist die Anordnung</span><br/> <span class="ft1">einer Zwangsmedikation, selbst bei faktischer Gewährung von auf-</span><br/> <span class="ft1">schiebender Wirkung, unverhältnismässig, da ein entsprechender</span><br/> <span class="ft1">Eingriff in die persönliche Freiheit des Patienten nicht notwendig ist.</span><br/> <span class="ft1">Sollte der Beschwerdeführer allerdings in einem späteren Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">die Medikamente verweigern und sollte die entsprechende Behand-</span><br/> <span class="ft1">lung nach wie vor indiziert und eine Zwangsmedikation verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässig sein, so steht es der Klinik frei, jederzeit einen neuen</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmassnahmen-Entscheid zu erlassen unter Prüfung der</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen im dannzumaligen Zeitpunkt (vgl. VGE I/134 vom</span><br/> <span class="ft1">29. August 2000</span> <span class="ft1">[BE.2000.00253] in Sachen R.H., S. 17 ff.). Die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen für die Anordnung einer Zwangsmedikation sind</span><br/> <span class="ft1">beim Beschwerdeführer heute nicht gegeben, so dass seine Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde vollumfänglich gutgeheissen werden muss. Damit wird die</span><br/> <span class="ft1">Anordnung der Zwangsmedikation aufgehoben.</span><br/></div> </div> </body> </html>