B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3620/2009 U r t e i l v o m 6 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwä- gungsentscheid); Verfügung des BFM vom 5. Mai 2009 / N (…). E-3620/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Am 23. Februar 2004 lehnte das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute: BFM) das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 11. Mai 2003 ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und deren Voll- zug. Auf eine dagegen erhobene Beschwerde trat die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil vom 16. April 2004 nicht ein, womit die Verfügung in Rechtskraft erwuchs. A.b Mit Eingabe vom 29. Juni 2007 ersuchte die Beschwerdeführerin – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – die Vorinstanz um Wiedererwä- gung des ablehnenden Asylentscheides vom 23. Februar 2004. Zur Stüt - zung ihrer Argumente reichte sie einen Bericht von B._______, dipl. psych. Psychotherapeutin SPV, (...), vom 20. Juni 2007 zu den Akten, der bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belas tungsstörung (PTBS) aufgrund erlittener sexueller Gewalt diagnostizierte. A.c Am 9. Juli 2007 reichte die Beschwerdeführerin ein ärztliches Zeug - nis von Dr. med. C_______, Allgemeine Medizin FMH, (...), datiert vom 5. Juli 2007, zu den Akten. Darin wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass bei der Beschwerdeführerin ein hochgradiger [eine bösartige Tumorer- krankung] bestehe und daher weitere medizinische Abklärungen und B e- handlungen dringend angezeigt seien. A.d Mit Verfügung vom 12. Juli 2007 erhob die Vorinstanz wegen Aus - sichtslosigkeit des Wiedererwägungsgesuchs eine Gebü hr in Höhe von Fr. 1'200.–, unter der Androhung, dass bei Nichtbezahlung auf das Ge- such nicht eingetreten werde, wobei es sich hierbei um eine Zwischenver- fügung handle und diese nur durch eine Beschwerde gegen die Endve r- fügung angefochten werden könne (Art . 107 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). A.e Mit Eingabe vom 26. Juli 2007 gelangte die Beschwerdeführerin mit einem aktuellen Arztzeugnis von Dr. med. C._______, Allgemeine Medi- zin FMH, (...), datiert vom 25. Juli 2007, an das BFM und ersuchte darum, es sei auf die Erhebung eines Gebührenvorschusses zu verzichten. Im Arztzeugnis wurde im Wesentlichen bestätigt, dass die Beschwerdeführe- rin an [einer bösartigen Tumorerkrankung] leide, weitere Abklärungen im Gange seien und daher die Aus sichten einer antibiotischen Behandlung zurückhaltend zu bewerten seien. E-3620/2009 Seite 3 A.f Am 7. August 2007 trat die Vorinstanz wegen Nichtbezahlung des Gebührenvorschusses auf das Wiedererwägungsgesuch vom 29. Juli 2007 nicht ein, erkannte die Verfügung vom 23. Februar 2004 als rechts- kräftig und vollstreckbar und hielt dabei fest, dass einer allfälligen B e- schwerde gegen diese Verfügung keine aufschiebenden Wirkung z u- komme. A.g Dieser Nichteintretensentscheid wurde von der Beschwerdeführerin mit Beschwerde vom 5. September 2007 beim Bundesverwaltungsgericht angefochten. A.h Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil vom 8. Mai 2008 (E -5904/2007) gut, hob die vorinstanzliche Verfügung vom 7. August 2007 und die vorinstanzliche Zwischenverfügung vom 12. Juli 2007 auf und wies die Sache zwecks materieller Beurteilung des Wiede r- erwägungsgesuchs an die Vorinstanz zurück. B. B.a Mit Verfügung vom 16. Oktober 2008 forderte das BFM die B e- schwerdeführerin auf, im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 Abs. 1 AsylG einen ärztli chen Bericht des behandelnden Spezialarztes einzureichen, der mittels beigelegtem Formular zu erstellen sei. Gleic h- zeitig seien die behandelnden Ärzte mittels schriftlicher Erklärung der B e- schwerdeführerin vom Arztgeheimnis zu entbinden. B.b Mit Eingabe vom 28 . Oktober 2008 reichte die Beschwerdeführerin einen ärztlichen Bericht von Dr. med. C._______, Allgemeine M edizin FMH, (...), datiert vom 25. Oktober 2008, der bei ihr [eine bösartigen Tu- morerkrankung] des Magens diagnostizierte, die entsprechende Entbi n- dungserklärung von der ärztlichen Schweigepflicht und einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 8. Oktober 2008 ("Äthiopien; Behandlung von HIV/Aids und einem Kropf") zu den Akten. B.c Am 9. März 2009 forderte das BFM die Beschwerdeführerin auf, im Zusammenhang mit ihrer gegenwärtigen Psychotherapie einen spezia l- ärztlichen Bericht der behandelnden Psychotherapeutin mittels beigele g- tem Formular erstellen zu lassen und zusammen mit der entspre chenden Entbindungserklärung einzureichen. Zudem se i der halbjähr liche Kon- trollbericht bezüglich [der Tumorerkrankung] einzureichen. E-3620/2009 Seite 4 B.d Mit Eingabe vom 26. März 2009 reichte die Beschwerdeführerin den entsprechenden Bericht von B._______, dipl. Psych. Psychotherapeutin SPV, (...), datiert vom 20. März 2009 un d die entsprechende Entbi n- dungserklärung von der ärztlichen Schweigepflicht zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 5. Mai 2009 wies das BFM das Wiedererwägungsg e- such der Beschwerdeführerin vom 29. Juni 2007 ab und stellte die Rechtskraft sowie die Vollstreckbarkeit des negativen Asylentscheids vom 23. Februar 2004 fest. Es hielt dabei fest, dass einer allfälligen B e- schwerde gegen diesen Entscheid keine aufschiebende Wirkung zuko m- me. Der Beschwerdeführerin wurde eine Gebühr von Fr. 300.-- auferlegt. D. Am 5. Juni 2009 erhob die Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die v or- instanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei wiedererwägungsweise ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähre n, even- tualiter sei wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtl i- cher Hinsicht er suchte sie um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Er hebung eines Kostenvorschusses. Sinnge- mäss wurde zudem beantragt, der Vollzug der Wegweisung sei auszuset- zen. E. Mit Telefax vom 8. Juni 2009 setzte das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung im Sinne einer superprovisorischen Massnahme vorsorglich aus. F. Mit Zwischenverfügung vom 19. Juni 2009 verfügte das Bundesverwa l- tungsgericht, der Vollzug der Wegweisung werde nicht ausgesetzt und die Beschwerdeführerin habe den Ausgang des Verfahrens im Ausland a b- zuwarten. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wurde abgewiesen und die Be - schwerdeführerin zur Leistung eines Kostenvorschu sses über Fr. 1200.-- aufgefordert, da die Beschwerde sich als aussichtslos erweise. E-3620/2009 Seite 5 G. Mit Eingabe vom 6. Juli 2009 ersuchte die Beschwerdeführerin das Bu n- desverwaltungsgericht um Wiedererwägung seiner Zwischenverfü gung vom 19. Juni 2009 und um Verzicht au f die Erhebung eines Kostenvo r- schusses, um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG und um Aussetzung des Wegwei - sungsvollzuges. Zur Untermauerung ihrer Rechtsbegehren reichte die Beschwerdeführerin verschiedene Arztberichte und einen Bericht der SFH vom 10. Juni 2009 ("Äthiopien: Psychiatrische Versorgung") ein. H. Mit Verfügung vom 8. Juli 2009 hob das Bundesverwaltungsgericht seine Verfügung vom 19. Juni 2009 wiedererwägungsweise auf, setzte den Vollzug der Wegweisung (per Telefax) aus und verfügte, dass die Be - schwerdeführerin den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. Zudem hiess es das Gesuch um die Gewährung der unentgeltli - chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. I. Am 28. Oktober 2009 gelangte das B undesverwaltungsgericht schriftlich an die Schweizerische B otschaft in Addis Abeba und er suchte um Au s- kunft zur Möglichkeit der vorliegend interessierenden spezifischen med i- zinischen Behandlung in Äthiopien. J. Mit Schreiben vom 13. November 2009 (Eingang beim Bundesverwa l- tungsgericht: 17. November 2009) antwortet e die Schweizerische Bo t- schaft in Addis Abeba unter Beilage eines Berichts des Vertrauensarztes der Botschaft, dem die Fragen vorgelegt worden seien, datierend vom 12. November 2009. K. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2009 räumte die zuständige Instrukt i- onsrichterin der Beschwerdeführerin eine Frist zur Stellungnahme zur Botschaftsabklärung ein und forderte sie auf, diesbezüglich einen Bericht ihres behandelnden Arztes, der auf die Abklärungsergebnisse Bezug nehme, einzureichen. E-3620/2009 Seite 6 L. Am 14. Januar 2010 nahm die B eschwerdeführerin zur erfolgten Bo t- schaftsabklärung Stellung und führte im Wesentlichen aus, die Abklä - rungsergebnisse stünden im Sinne ihres Wiedererwägungsgesuches und gäben daher nicht zu weiteren Bemerkungen Anlass. M. Am 4. Oktober 2010 ersuchte die Bes chwerdeführerin um Beschleuni - gung des Verfahrens, da sie nunmehr drei Jahre auf den Abschluss des Wiedererwägungsverfahrens warte. Der unsichere Aufenthaltsstatus ma - che ihr stark zu schaffen, zumal sie zusätzlich unter psychischen Proble - men leide. Gleic hzeitig wies sie darauf hin, dass sie mit Gesuch vom 23. November 2009 [die kantonale Behörde] um Erteilung einer Härtefall- bewilligung ersucht habe und dieses ihr daraufhin mit Schreiben vom 15. Juni 2010 mitgeteilt habe, dass der Entscheid bis zum Vorlieg en eines Bundesverwaltungsgerichtsurteils ausgesetzt werde, zumal dieses für die Beurteilung der Zumutbarkeit wesentlich sei. Ihrer Eingabe legte sie das entsprechende Schreiben vom 15. Juni 2010 bei. N. Am 27. Oktober 2010 teilte das Bundesverwaltungsgeric ht der B e- schwerdeführerin mit, dass es aufgrund einer beträchtlichen Anzahl von Fällen an gesetzliche Behandlungsfristen gebunden sei. Die Gerichts - leitung habe dabei weitere Prioritätenordnungen festgelegt. Aufgrund zahlreicher dringlicher Verfahren früheren Datums als das Vorliegende sei – ohne Gewähr – ein Verfahrensabschluss im Jahre 2011 anstreben s- wert. O. Am 16. Mai 2011 gelangte die Beschwerdeführerin erneut ans Bunde s- verwaltungsgericht und ersuchte um baldigen Verfahrensabschluss. N e- ben den bereits er wähnten Gründen, namentlich ihren gesundheitlichen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit als Opfer se- xueller Gewalt, führte sie nun neu aus, dass abgesehen von den fehle n- den medizinischen Behandlungsmöglichkeiten in Äthiopien ihre Wegwe i- sung auch infolge ihrer besonderen Verletzlichkeit als unzumutbar zu e r- achten sei. Zudem hätte sie bei einer Rückkehr keine männliche Bezug s- person, die sie vor erneuten Übergriffen schützen könnte. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der gesellschaftl ichen Diskriminierung von E-3620/2009 Seite 7 Frauen könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass sie, insb e- sondere weil sie lange landesabwesend und relativ unqualifiziert sei, selbstständig den Wiedereinstieg ins wirtschaftliche Leben in Äthiopien bewältigen könnte. Sie verwies in ihrer Eingabe zudem unter anderem auf einen SFH-Bericht: "Äthiopien – Rückkehr einer jungen, alleinstehen- den Frau" vom 13. Oktober 2009 und auf den "2010 Country Report on Human Rights Practices – Ethiopia", 8 April 2011, des United States D e- partment of State. P. Mit Eingabe vom 29. Februar 2012 gelangte die Beschwerdeführerin pe r- sönlich ans Bundesverwaltungsgericht mit der Bitte, ihre Beschwerde baldmöglichst zu behandeln. Mit Schreiben vom 2. März 2012 teilte das Bundesverwaltungsgericht dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit, dass das vorliegende Verfahren gemäss gerichtinterner Ordnung zu den prioritär zu beha n- delnden Verfahren gehöre und demnächst abzuschliessen sei, wobei es indes nicht möglich sei, den genauen Entscheidungszeitpunkt zu nennen. nicht aufführen. Q. Am 2. April 2012 reichte der Rechtsvertreter seine Kostennote ein. R. Mit Verfügung vom 19. Juni 2012 setzte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführerin Frist bis zum 6. Juli 2012 an, betreffend [ihre Tumorerkrankung] aktuelle Arztzeugnisse beziehungsweise Berichte ei n- zureichen. S. S.a Mit Eingabe vom 5. Juli 2012 führte die Beschwerdeführerin aus, dass [ihre Tumorerkrankung] keine Auffälligkeiten mehr aufweise und eine weitere Nachkontrolle nicht nötig sei. Indessen habe die letzte kolposk o- pische Untersuchung vom 3. Mai 2012 ergeben, dass eine grosse Wahr- scheinlichkeit einer zukünftigen Krebserkrankung ihrer Geschlechtsorg a- ne bestehe und eine für den 8. Oktober 2012 angesetzte Kontrolle drin- gend notwendig sei. Diesbezüglich reichte sie einen Arztbericht von Prof. Dr. med. D._______, leitender Arzt (...), [Klinik], datiert vom 8. Februar 2010, und eine Einladung zur Kolposkopie-Sprechstunde am 8. Oktober 2012, [Klinik], datiert vom 3. Mai 2012, ein. E-3620/2009 Seite 8 S.b Zudem führte sie aus, ein e Rückkehr nach Äthiopien würde eine übermässige Härte bedeuten, da sie sich durch ihren langjährigen Au f- enthalt in der Schweiz, ihre Bemühungen und ihre Wesensart in besonde- rem Masse in der Schweiz integriert habe. Diesbezüglich reichte sie ein Referenzschreiben einer Freundin, datiert vom (…) Mai 2009, drei von verschiedenen Privatpersonen verfasste Gesuche um Erteilung einer B - Bewilligung für die Beschwerdeführerin , datiert vom (…) Mai 2009, (…). Mai 2009 und (…). Oktober 2009, eine Bestätigung des [Sprach- schule] betreffend Deutschkurs, datiert vom (…). November 2009, ein Schreiben des [Geschäft], (...), datiert vom (…). November 2009, einen Betreibungsregisterauszug der Beschwerdeführerin, datiert vom 3. Juni 2009, und einen Auszug aus dem Strafregister, datiert vom 28. Mai 2009, zu den Akten. T. Auf die detaillierte Begründung der ursprünglichen vorinstanzlichen Ve r- fügung vom 23. Februar 2004 (vgl. oben Bst. A.a), des Wiedererw ä- gungsgesuchs der Beschwerdeführerin vo m 29. Juni 2007 (vgl. oben Bst. A.b), des Bundesverwaltungsgerichtsurteils vom 8. Mai 2008 (vgl. oben Bst. A.h), des Wiedererwägungsentscheides der Vorinstanz vom 5. Mai 2009 (vgl. obenstehend Bst. C), der gegen diese Verfügung erh o- benen Beschwerdeschrift vom 5. Juni 2009 (vgl. Bst. D), der Zwischen- verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Juni 2009 (vgl. Bst. F), der gegen diese Verfügung erhobenen Eingabe der Beschwerde- führerin vom 6. Juli 2009 (vgl. Bst. G), auf den Inhalt der Botschaftsanfra- ge vom 28. Oktober 2009 (vgl. Bst . I) und der Botschaftsabklärung vo m 13. November 2009 (vgl. Bst. J ), der diesbezüglichen Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 14. Januar 2010 (vgl. Bst. L), der Eingabe vom 5. Juli 2012 (vgl. Bst. S) und auf den Inhalt der von der Beschwerdeführe- rin während des Beschwerdeverfahrens eingereichten Beweismittel wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachstehenden Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesver waltungsgericht Beschwerden E-3620/2009 Seite 9 gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist d aher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreff ende Ausna hme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist da her zu- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls end gültig, ausser bei Vorliegen ei nes Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Ein solches Auslieferungsersuchen liegt nicht vor. 1.2. Das Bundesverwalt ungsgericht beurteilt gemäss bisheriger Praxis letztinstanzlich auch Beschwerden gegen Verfügungen, in denen das Bundesamt es ablehnt, einen früheren Entscheid auf Gesuch hin in Wi e- dererwägung zu ziehen. 1.3. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG). 1.4. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf hebung beziehungsweise Änderung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-3620/2009 Seite 10 3. 3.1. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht geregelter Rechtsbehelf, auf dessen Behand lung durch die verfügende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Der Sinn der Wiedererwä - gung – wie auch der Revision – ist nicht die erneute rechtliche Würdigung eines bereits hinlänglich erstellten und endgültig beurteilten Sachverhalts (vgl. Entsc heidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 1999 Nr. 4 E. 5a S. 24 f.). Es ist unzulässig, ein rechtskräftig abgeschlossenes Ve r- fahren unter dem Titel eines Wiedererwägungsgesuchs faktisch zu wi e- derholen, indem die rechtliche Beurteilung der verfügenden Beh örde (er- neut) in Frage gestellt wird; in diesem Fall wird auf das Wiedererwä - gungsgesuch nicht eingetreten. Zudem ist auf ein Wiedererwägungsge - such nicht einzutreten, wenn zu dessen Begründung lediglich unsubsta n- ziierte Behauptungen aufgestellt werden und aus der Rechtsschrift die tatsächlichen Anhaltspunkte, die auf das Vorliegen eines Wiedererw ä- gungsgrundes hindeuten sollen, nicht ersichtlich sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 25 E. 4.2 S. 227 f., EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f., EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd S. 156). 3.2. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesge - richts wird jedoch aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Voraussetzungen ein verfassungsmässiger Anspruch au f Wiedererwä - gung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6, mit weiteren Hinweisen). Da - nach hat die zuständige Behörde eine selbst getroffene Verfügung in Wie- dererwägung zu ziehen, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit Eintritt der Rechtskraft – am Tag nach Ablauf der nicht genutzten Rechts- mittelfrist oder durch bestätigendes Urteil der mit Beschwerde angerufe - nen Rechtsmittelinstanz – in wesentlicher Weise verändert hat und mithin eine Anpassung der (ursprünglich fehlerfreien) Verfügung erforderlic h ist, ohne dass deren Gegenstand neu beurteilt wird. 3.3. Im Weiteren können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wi e- dererwägung begründen, sofern sie sich auf eine rechtskräftige Verfü - gung beziehen, die entweder unangefochten blieb oder deswegen nie - mals einer materiellen Prüfung unterzogen wurde, weil das angehobene Beschwerdeverfahren mit einem formellen Urteil endete. Ein solchermas - sen als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechts- mittel ist grundsätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens gemäss E-3620/2009 Seite 11 Art. 66 ff. VwVG zu behandeln (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen). Gemäss Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG bilden neue erhebliche Tatsachen und neue erhebliche Beweismittel indes nur dann einen Revisionsgrund, wenn sie der beschwerdeführenden beziehungsweise gesuchstellenden Person damals trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt sein konnten oder ihr die Geltendmachung oder Beibringung aus entschuldbaren Gründen nicht möglich war. Gemäss Lehre und Rechtsprechung de s Bundesgerichts sind Tatsachen nur dan n als neu zu qualifizieren, wenn sie zum Zeitpunkt des ursprünglichen Ent scheides bereits existierten, j e- doch erst nachher Kenntnis davon erlangt wurde. Neu eingebrachte B e- weismittel können aber auch dann beachtlich sein, wenn sie nachträglich entstanden sind, und sich eignen, Tatsachen zu beweisen, die bereits vor Entscheidfällung bekannt waren, aber – mit negativer Konsequenz – un- bewiesen geblieben sind. Erheblich sind sie , wenn sie im ordentlichen Verfahren zu einem für die asylsuchende Person positiveren Entscheid geführt haben könnten. Im Unterschied zu geltend gemachten neuen Tat- sachen, ist es nicht notwendig, dass die Beweismittel vor dem Entscheid entstanden sind (vgl. EMARK 2002 Nr. 13 E. 5a S. 113 f., mit Hinweisen auf Doktrin und Praxis). 4. 4.1. Die Beschwerdeführerin macht erstens geltend, neue Beweismittel würden nun belegen, dass ihre im ordentlichen Verfahren geltend g e- machten Vorbringen glaubhaft und asylrelevant seien. Namentlich würde der neu entstandene Arztbericht die Vergewaltigung beweisen, die zwar bereits vor ergangener Verfügung bekannt gewesen, indes mit negativer Konsequenz unbewiesen geblieben sei. Mit diesen Vorbringen macht sie das Vorliegen von rechtserheblichen neuen Beweismitteln im Sinne v on Art. 66 Abs. 1 Bst. a VwVG – folglich Revisionsgründe – geltend, die dar- auf abzielen, dass die rechtskräftige Verfügung vom 23. Februar 2004 fehlerhaft sei. Die letztgenannte Verfügung wurde mit Beschwerde vom 15. März 2004 angefochten, die damals zust ändige ARK trat jedoch w e- gen ungenügender Begründetheit der Beschwerde nicht darauf ein, fällte folglich ein Prozessurteil. Die Vorinstanz trat so dann auf das sich auf die Verfügung vom 23. Februar 2004 beziehende Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführerin vom 29. Juni 2007 mit Verfügung vom 7. August 2007 nicht ein. Das Bundesverwaltungsgericht hiess zwar die gegen letztgenannte Verfügung erhobene Beschwerde vom 5. September 2007 E-3620/2009 Seite 12 mit materiellem Urteil vom 8. Mai 2008 gut. Beim angefochtenen En t- scheid h andelte es sich jedoch um einen formellen Nichteintretensen t- scheid, womit die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer deführerin bisher (noch) nicht Gegenstand eines materiellen Urteils war. Diese Begehren sind demnach als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu behandeln. 4.2. Im Folgenden ist als Erstes zu prüfen, ob die eingereichten Bewei s- mittel im Sinne der revisionsrechtlichen Bestimmungen neu sind. 4.2.1. Die Berichte von B._______, dipl. psych. Psychotherapeu tin SPV, (...), datierend vom 20. Juni 2007 und vom 20. März 2009, attestieren bei der Beschwerdeführerin eine PTBS und legen in detaillierter Weise die Umstände dar, die zu dieser Erkrankung führten. Da die Atteste am 20. Juni 2007 und am 20. März 2009 – und somit nach Abschluss des or- dentlichen Verfahrens (Urteil der ARK vom 16. April 2004) – ergingen, ist klar, dass der Beschwerdeführerin eine Beibringung dieser Beweismit tel nicht schon im ordentlichen Verfahren möglich war. Da die Arztberichte zu dem Zeitpunkt erstellt wurden, als die Krankheit bei der Beschwerdefüh- rerin auftrat beziehungsweise sich ve ränderte, hätte die Beschwerdefü h- rerin diese Beweismittel nicht zumutbarerweise früher beibringen können; sie hat somit der ihr zumutbaren Sorgfaltspflicht im Beschwerdeverfahren Rechnung getragen. 4.2.2. Daher sind die eingereichten Beweismittel als neu zu qualifizieren. 4.3. Zweitens ist nun zu prüfen , ob die eingereichten Beweismittel bele - gen, dass die ursprüngliche Verfügung vom 23. Februar 2004 fehlerhaft war, und ob sie geeignet gewesen wären, im ordentlichen Ve rfahren zu einem andern Entscheid zu führen, mithin erheblich sind. 4.3.1. Die Beschwerdeführerin hatte im ordentlichen Verfahren geltend gemacht, von einem Freund [eines Verwandten] vergewaltigt worden zu sein. Das BFM hatte die Vergewaltigung in seiner Verfügung vom 23. Februar 2004 als unglaubhaft gewürdigt. 4.3.2. Die behandelnde Spezialistin führt in ihrem ersten Bericht aus, die Beschwerdeführerin habe im Rahmen einer vorgängigen gynäkolog i- schen Untersuchung über starke Schmerzen im Genitalbereich geklagt und dem untersuchenden Arzt mitgeteilt, dass sie vergewaltigt worden sei und sich ständig mit den bedrohlichen Bildern dieses Übergriffs konfro n- tieren müsse. Der Hausarzt habe den möglichen Zusammenhang der Schmerzen mit dem traumatischen Ereignis erkannt und die Beschwerde-E-3620/2009 Seite 13 führerin an sie, als Psychotraumat ologin, anfangs Dezember 2006 zwecks Therapie überwiesen. Die anhaltende Angst, sich nie mehr gän z- lich in Sicherheit wissen zu dürfen, könne zu einer Chronifizierung der u r- sprünglich akuten Belastungssi tuation führen. Die daraus resultierende posttraumatische Belastungsstörung zeige sich in Form von überflute n- den Erinnerungen, die für das Opfer nicht zu steuern seien. Angst und Schmerzen würden bei traumatisierten Personen das Wiedererleben der früheren Gewaltsituation darstellen. Erst in Sicherheit sei die Behandlung eines Traumas möglich. In der Schweiz habe die Beschwerdeführerin g u- te Chancen, ihr schweres Trauma mittels einer psych otraumatologischen Therapie aufzuarbeiten. Eine Rückführung ins alte Um feld sei nicht ra t- sam, da dies häufig zu einer für die betroffene Person kaum zu ertrage n- den Unsicherheit führe. Ziel der Behandlung sei die Wiederherstellung der körperlichen Integrität, wofür ein hohes Mass an Sicherheit (mithin ein gesicherter Aufenthalt) unerlässlich sei. Der Bericht vom 20. März 2009 attestiert e bei der Beschwerdeführerin auftretende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und ein sich dabei auf - drängendes Bild des Tathergangs bei der Vergewaltigung, aggressive Im- pulse und Ekel bei Berührungen, Gefühlsrückzug und Ängste, wiederkeh- rende Erinnerungen in Wach - und Traumzuständen und Schuldgefühle. Zusätzlich würden Schlafstörungen auftreten und es zeige sich eine Selbstwertproblematik, wobei aufgrund ihre r Sozialisation wenig eigene Bewältigungsstrategien vorhanden seien . Den realen Ort der Sicherheit habe die Beschwerdeführerin als für die Genesung sehr hilfreich empfun - den. Die psychotherapeutische Behandlung, die von Januar 2007 bis Au - gust 2008 gedauert habe, habe abgeschlossen werd en können, und es seien halbjährliche Kontrolltermine vereinbart worden. Die Beschwerd e- führerin habe in der gegenwärtigen Situation eine zufriedenstellende St a- bilität erreicht. Die Sicherheit in einem anderen Land, in einer grossen Entfernung vom Ort der H erkunft und des erlebten Traumas würden ihr ein zunehmend beschwerdefre ies Leben ermöglichen. Die PTBS - Symptomatik habe in diesem Rahmen behandelt werden können und o h- ne eine direkte Wiederbegegnung mit dem Täter könne der aktuelle G e- sundheitszustand erhalten bleiben respektive die gelegentlich auftrete n- den Erinnerungsbilder würden sich noch weiter beruhigen können. Es würden keine Behandlungsmöglichkeiten im Heimatland der Beschwerde- führerin existieren. Ob eine traumaspezifische, psychotherapeutische Be- handlung, die diese Problematik auffangen könnte , in der Hauptstadt a n- geboten werde, sei nicht bekannt, wobei auch fraglich sei, ob die B e- schwerdeführerin die nötigen Mittel dafür aufbringen könnte. Es sei nicht E-3620/2009 Seite 14 ratsam, ein Vergewaltigungsopfer ins direkte Umfeld des Täters zurückzu- führen. Zudem mache die soziale Situa tion der Beschwerdeführerin deut- lich, dass ihre Rückkehr mit einer sol chen Begegnung eng verknüpft sei, da zwischen Täter und Opfer eine familiäre/bekanntschaftliche Verbi n- dung bestehe. Ihre Mutter lebe im selben Umfeld und andere Bezugspe r- sonen würden gemäss Angaben der Beschwerdeführerin nicht existieren. 4.3.3. Das BFM behandelte diese Vorbringen der Beschwerdeführerin, stellte sich in seinem Entscheid vom 5. Mai 2009 indes auf den Stand - punkt, die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin sei schon mit Verfügung vom 23. Februar 2004 rechtskräftig verneint worden. Die geltend gemachte PTBS und in diesem Zusammenhang das Vorlie - gen eines Traumas sei nicht in Abrede zu stellen, indes sei de r einge - reichte Bericht vom 20. Juni 2007 nicht geeignet, einen Zusammenhang zwischen der geltend gemachten Vergewaltigung und de r vorhandenen PTBS herzustellen. 4.3.4. Vorab ist zu erwähnen, dass es – wie von der Beschwerdeführerin vorgebracht – bei Vergewaltig ungsopfern nicht als Unglaubhaftigkeit s- merkmal gewertet werden kann, wenn diese erst nach längerer Zeit i m- stande sind, über das Widerfahrene zu sprechen (EMARK 2003 Nr. 17 E. 4b, bestätigt in BVGE 2009/51 E.4.2.3). Daraus ergibt sich, dass der U m- stand, eine Vergewaltigung erst im ausserordentlichen Verfahren su b- stanziiert vorzubringen, entschuldbar sein kann. Die detailliert geschilde r- ten Empfindun gen der Beschwerdeführerin, die sich den ärztlichen B e- richten entneh men lassen, s prechen sodann auch dafür, dass sie die Vergewaltigung tatsächlich erlebt hat. Indessen kann vorliegend auf eine eingehende, die Vergewaltigung betreffende Glaubhaftigkeitsprüfung ve r- zichtet werden, da jene jedenfalls asylrechtlich nicht relevant ist: Es wird vorliegend nicht ersichtlich, dass die von einem Freund [eines Verwand- ten] begangene Straftat ethnisch oder politisch motiviert gewesen wäre. Die Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Juni 2009 war mit Verfügung vom 8. Juli 2009 aufgehoben worden (dies j e- doch nur, weil sich die Erwägungen hinsichtlich [der bösartigen Tumorer- krankung] durch das spätere Einreichen eines neue ren Arztberichtes von Dr. C._______ vom 30. Juni 2009 [siehe unten E rw. 6.6] im Nachhinein als unzutreffend erwiesen ). Die Erwägungen hinsichtlich der geltend g e- machten Vergewaltigung, wonach diese nicht asylrelevant sei, haben nach wie vor Gültigkeit: Die Auffassung der Beschwerdeführerin, dass ein Vergewaltigungsopfer in Äthiopien keinen Schutz finden könne – analog zu EM ARK 2006 Nr. 3 2 – trifft nicht zu, denn die Beschwerdeführerin E-3620/2009 Seite 15 macht vorliegend eine andere Konstellation geltend . Die Beschwerdefüh- rerin scheint aus den Erwägungen des Grundsatzentscheides EMARK 2006 Nr. 32 fälschlicherweise den Schluss zu ziehen, die äthiopischen Behörden seien vergewaltigten Frauen gegenüber generell nicht schut z- fähig und schutzwillig und sie verkennt dabei die differenzierte Lagean a- lyse des Urteils, die keine derartigen allgemeinen Aussagen enthält. In Abweichung zum zitierten Entscheid stammt die Beschwerdeführerin bei- spielsweise nicht aus einer ländlichen Gegend (wo die Situation eine weitaus delikatere ist, als in der Hauptstadt Addis Abeba), weiter macht sie keine Entführung zwecks (Zwangs -)heirat geltend und beim angebli- chen Täter (Freund [des Verwandten]) handelt es sich auch nicht um eine Person mit landesweitem Machteinfluss auf Behörden. Im Grundsatzent- scheid wurde sodann die innerstaatliche Fluchtalternative in Addis Abeb a explizit nicht ausgeschlossen, was auf die Möglichkeit des Schutz es durch die Behörden hinweist. Somit kann die Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit des äthiopischen Staates im von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Falle nicht verneint werden. Unter flüchtlingsrechtl i- chen Gesichtspunkten fehlt es diesen Vorbringen daher – ungeachtet de- ren Glaubhaftigkeit – an Relevanz. 4.4. Somit gelingt es der Beschwerdeführerin nicht, mit den neuen B e- weismitteln darzulegen, dass ihre anlässlich des ordentlichen Asylverfa h- rens vorgebrachten Gründe asylrelevant waren. Auch wenn die Bewei s- mittel im ordentlichen Verfahren schon vorgelegen hätten, wären sie nicht geeignet gewesen, im Asylpunkt zu einem anderen Entscheid zu führen . Deshalb sind sie nicht erheblich im revisionsrechtlichen Sinne. Die Ab- weisung des Wiedererwägungsge suches im Asylpunkt – soweit dieses mit der PTBS der Beschwerdeführerin begründet wurde – erfolgte somit zu Recht. 5. 5.1. Zweitens macht die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift geltend, ihre gesundheitli che Situation habe sich seit Abschluss des o r- dentlichen Verfahrens in vollzugs hinderndem Masse verschlechtert; sie sei namentlich zwischenzeitlich an [einer bösartigen Tumorerkrankung] erkrankt. Ihre psychotherapeutische Behandlung habe sie zwar a b- schliessen können, aber es seien halbjährliche Kontrollen notwendig. Ein aktueller Bericht der SFH -Länderanalyse vom 10. Juni 2009 ("Äthiopien: Psychiatrische Versorgung") belege, dass eine medizinische Versorgung für psychisch erkrankte Personen in Äthiop ien als nicht existent bezeic h-E-3620/2009 Seite 16 net werden müsse. Aus diesen Gründen erweise sich zum heutigen Zei t- punkt eine Wegweisung nach Äthiopien als unzumutbar. In ihrer neusten Eingabe vom 5. Juli 2012 führt die Beschwerdeführerin jedoch aus, dass eine weitere, im Februar 2010 durchgeführte Biopsie bezüglich ihres Verdachtes auf Krebs ergeben habe, dass [ihre Tumorer- krankung] keine Auffälligkeiten mehr aufweise; eine weitere Nachkontrolle sei daher nicht mehr nötig. Ihr Gesundheitszustand sei gemäss dem en t- sprechenden Arztbericht zwar gut, i ndessen habe eine neue kolposkopi- sche Untersuchung ergeben, dass eine grosse Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Krebserkrankung ihrer Geschlechtsorgane bestehe und d a- her eine Nachkontrolle dringend notwendig sei. Zudem macht sie mit ihrer neusten Eingabe geltend, eine Rückkehr nach Äthiopien würde für sie eine übermässige Härte bedeuten, da sie sich durch ihren langjährigen Aufenthalt in der Schweiz, ihre Bemühungen und ihre Wesensart hier in besonderem Masse integriert habe. 5.2. Mit diesen Vorbringen macht sie nachträgliche Veränderungen des rechtserheblichen Sachverhalts – und somit Wiedererwägungsgründe – geltend (vgl. E. 2.1 und 2.2), die darauf abzielen, die ursprünglich fehler - freie rechtskräftige Verfügung vom 23. Februar 2004 in Bezug auf den Vollzug der Wegweisung nachträglich anzupassen. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob mit Bezug auf die gesundheitliche Verfassung der Be - schwerdeführerin und ihre übrige Situation seit Abschluss des ordentl i- chen Verfahrens (das heisst seit dem Urteil der ARK vom 16. April 2004 [siehe Bst. A.a.]) eine Ände rung eingetreten ist, und – bejahendenfalls – diese Änderung überdies geeignet ist, einen anderen Entscheid in der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs herbeizuführen. Hie r- bei ist für das Gericht die Situation heute, zum Zeitpunkt des Entscheids, massgeblich. 6. 6.1. 6.1.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). E-3620/2009 Seite 17 6.1.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtu n- gen der Schwe iz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Weiter darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Lebe n oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtss tellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Da die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin bereits rechtskräftig ve r- neint wurde und diesbezüglich nach dem Gesagten auch das Wiedere r- wägungsgesuch vom BFM zu Recht abgewiesen wurde, kann das in Art. 5 A sylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non - Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Beschwerdefüh- rerin macht gelten d, die von ihr geschilderten Gegebenheiten seien (eventualiter) unter dem Aspekt der Unzulässigkeit zu würdigen. Da der äthiopische Staat gegenüber Vergewaltigungsopfer n schutzwillig und schutzfähig ist, ist Art. 3 EMRK vorliegend nicht erfüllt. Sodann ergeben sich weder aus den Vorbringen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse E-3620/2009 Seite 18 Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.2. 6.2.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botsc haft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.2.2. Die schweizerischen Asylbehörden gehen in konstanter Praxis von einer grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Äthiopien aus (vgl. bereits EMARK 1998 Nr. 22). Der zweieinhalb Jahre dauernde Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea wurde im Juni 2000 mit einem von der Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) vermittelten Waffenstillstand und einem von beiden Staaten am 12. Dezember 2000 unterzeichneten Friedensabkommen beendet. Trotz des Abzugs der UN - Friedenstruppen aus Eritrea im März 2008 und aus Äthiopien im August 2008 ist im heutigen Zeitpunkt nicht von einem offenen Konflikt im Gren z- gebiet zwischen diesen beiden Staaten auszugehen, wenn au ch gleich- zeitig zu bemerken ist, dass eine Lösung der Grenzproblematik und eine Normalisierung zwischen den beiden Staaten nach wie vor nicht in Sicht ist. Öffentlich zugänglichen Quellen zufolge sind die Lebensbedingungen noch immer prekär. Da viele Haushalte nicht im Stande sind, für die nöt i- gen Nahrungsmittel aufzukommen, ist internationale Unterstützung bei der Nahrungsmittelversorgung unerlässlich geworden. Daher sind zur Er- langung einer sicheren Existenzgrundlage ausreichend genügend fina n- zielle Mitte l, gefragte berufliche Fähigkeiten sowie intakte familiäre und soziale Netzwerke absolut notwendig (vgl. BVGE 2011/25 E.8.3 bis 8. 4 mit weiteren Hinweisen). E-3620/2009 Seite 19 6.3. Den Wegweisungsvollzug betreffend hielt die Vorinstanz im ang e- fochtenen Entscheid vom 5. Mai 2009 z unächst fest, dass der Zustand der Beschwerdeführerin hinsichtlich der diagnostizierten PTBS und [der Tumorerkrankung] stabil sei. Der Bericht vom 20. März 2009 diag - nostiziere eine PTBS, die auf erlittene sexuelle Gewalt zurückzuführen sei. Die Diagnose d er PTBS spreche angesichts der dafür bestehenden Behandlungsmöglichkeiten nicht grundsätzlich gegen einen Wegwe i- sungsvollzug, da die PTBS – wie andere psychische Krankheiten auch – in Äthiopien behandelbar sei. Der Bericht stelle zudem nach Be - handlungsbeginn seit Dezember 2006 eine Stabilisierung und den de m- entsprechenden Abschluss der Behandlung im August 2008 fest. [Bei der Tumorerkrankung] handle es sich um einen relativ häufigen (…)typ. Es zeichne sich im Wesentlichen durch einen sehr langsamen klini schen Verlauf aus, so dass auch in fortgeschrittenen Stadien die Lebenserwa r- tung der betroffenen Patienten durch [den Tumor] nicht wesentlich einge- schränkt sei. Als Standardtherapie gelte eine Behandlung mit Antibiotika, wobei diese bei fortgeschrittener E rkrankung nicht wirksam sei. In diesen Fällen würden Strahlen - oder Chemotherapien oder eine Kombination derselben angewendet. (…) (…). Eine Eradikation des Erregers könne in Frühstadien der Erkrankung zum Ausheilen [des Tumor] führen. Im Arzt- bericht vom 25. Oktober 2008 werde die A namnese von 2005 bis 2008 beschrieben, woraus hervorgehe, dass nach erfolgreicher Therapie des Erregers keine [Tumor]-Zellen mehr nach weisbar und die wiederkehre n- den Oberbauchbeschwerden mittels Medikamenten gut behandelbar se i- en. Eine halbjährliche Gastroskopie und Endosonographie bis 2011 seien angezeigt. Zwar variiere der Zu gang zu medizin ischer Versorgung in Äthiopien stark, doch sei die Situation in Addis Abeba besser als ander s- wo. So bestehe trotz der relativ schlechten me dizinischen Lage Zugang zu kostenlosen und kostenpflichtigen Behandlungsprogrammen , und es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die zur Vermeidung einer erneuten Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nötige B e- handlung erhalte. Den Berich ten sei zudem zu entnehmen, dass sie gut auf die geeigneten Behandlungen angesprochen habe und so insgesamt der Eindruck einer guten körperlichen sowie psychischen Verfassung be- stehe, womit auch ihre Reisefähigkeit zu bejahen sei. Es stehe ihr zudem frei, bei der kantonalen Rückkehrberatungsstelle medizinische Rückkeh r- hilfe zu beantragen (Art. 93 AsylG). Diese Hilfe könne durch die Abgabe von Medikamenten, die Hilfe bei der Ausreiseorganisation oder durch Un- terstützung während und nach der Rückkehr gewährt werden. Die Be - schwerdeführerin stamme aus Addis Abeba und habe früher im [Betrieb einer Verwandten] gearbeitet. Sie verfüge in ihrem Heimatstaat über ein E-3620/2009 Seite 20 bestehendes familiäres Beziehungsnetz. Vor diesem Hintergrund sei a n- zunehmen, dass es ihr bei ihrer R ückkehr aus eigener Kraft gelinge, eine wirtschaftliche Existenzgrundlage aufzubauen. Da somit keine Gründe vorliegen würden, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 23. Februar 2004 beseitigen könnten, sei das Wiedererwägungsgesuch abzuweisen. 6.4. Die Besch werdeführerin macht e geltend, ein Wegweisungsvollzug sei unzumutbar, denn sie sei alleinstehend, könne bei einer Rückkehr nur auf die Hilfe ihrer Mutter zählen, jedoch nicht zu ihr zurückkehren, weil sie im selben Bekanntenkreis lebe wie der Täter der erlebten Vergewaltigung. Diesbezüglich reichte sie einen SFH -Bericht "Äthiopien – Rückkehr einer jungen, alleinstehenden Frau" vom 13. Oktober 2009 und den "2010 Country Report on Human Rights Practices – Ethiopia", 8 April 2011, des United States Department of State, zu den Akten. Das Bundesverwa l- tungsgericht hat in BVGE 2011/25 festgehalten, dass sich die soziale und wirtschaftliche Wie dereingliederung für alleinstehende Frauen in Äthi o- pien sehr schwierig gestaltet (vgl. a.a.O. E. 8.5 und 8.6). Wie nachfolgend aufgezeigt, ist jedoch nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdefü h- rerin alleinstehend ist: Im Asylverfahren gab die Beschwerdeführerin an, verlobt zu sein. Sie gab zwar zu Protokoll, ihr Verlobter sei mitgenommen worden und sein Au f- enthaltsort sei ihr unbekannt (vgl. A10 S. 10). Sie war jedoch nicht in der Lage, das Datum des Verschwindens ihres Verlobten zu nennen und gab weiter an, sie wisse nicht, was mit ihm passiert sei und sie habe auch keinerlei Nachforschungen angestellt, weil sie nicht gewusst habe, wen sie hätte fragen sollen (vgl. A10 S. 13, 18 f.). Aufgrund der Tatsache, dass es sich beim Verlobten um den (zumindest zu künftigen) Lebenspartner und somit um eine zentrale Bezugsperson im Leben der Beschwerdefü h- rerin handeln muss, hätte erwartet werden können, dass sie sich zumi n- dest darum bemüht haben müsste, herauszufinden, was mit ihrem Ve r- lobten passiert ist. Vielmehr ist aufgrund dieser unsubstanziierten Ausfüh- rungen davon auszugehen, der Verlobte bef inde sich nach wie vor in A d- dis Abeba. Der Beschwerdeführerin gelingt es somit nicht, glaubhaft zu machen, dass sie alleinstehend ist. Da die Beschwerdeführerin ihren A n- gaben zufolge bei ihrer Ausreise bereits seit mehr als zwei Jahren verlobt war (vgl. A10 S. 13), ist anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin zur Familie des Verlobten ein gutes Verhältnis aufbauen konnte und auch auf deren Unterstützung zählen kann. Daher ist davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Addis Abeba auf ein (auch ausserhalb des U m- feldes ihrer Mutter vorhandenes) intaktes, tragfähiges Beziehungsnetz E-3620/2009 Seite 21 zurückgreifen kann. Gemäss ihren Angaben arbeitete sie vor ihrer Ausrei- se in Addis Abeba in [Geschäft einer Verwandten und der Beschwerd e- führerin] (vgl. A10 S. 10 ff.). Es steht ihr daher offen, sich bei einer Rüc k- kehr wieder [am Geschäft] zu beteiligen oder zumindest ihren Eige n- tumsanteil zu veräussern, um einer anderen Tätigkeit nachzugehen. D a- her ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin sich in Äthiopien auch beruflich reintegrieren und zur Sicherung ihrer Existenzgrundlage aus eigenen Kräften ein Auskommen finden kann. Daher erweist sich ein Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführerin im Bezug auf ihre soziale Situation als zumutbar. 6.5. Im Folgenden ist ihre gesundheitliche Situation zu überprüfen: Die Beschwerdeführerin machte zunächst psychische Probleme geltend und reicht e dem BFM diesbezüglich einen Bericht von B._______, dipl. psych. Psychotherapeutin SPV, (...), vom 20. Juni 2007 ein, der bei der Beschwerdeführerin eine PTBS diagnostizierte. Im Verlaufe des weiteren vorinstanzlichen Verfahrens reichte sie einen aktuelleren Bericht von B._______, dipl. p sych. Psychotherapeutin SPV, (...), da tiert vom 20. März 2009, zu den Akten: Die behandelnde Therapeutin führte darin aus, die Psychotherapie der Beschwerdeführerin sei beendet. In diesem Zusammenhang hielt sie aber fest, die Stabilisierung des Zustandes habe nur durch den Umstand err eicht werden können, dass diese sich hier in der Schweiz in Sicherheit befinde. Bei einer Rückkehr sei eine Retrauma- tisierung indes sehr wahrscheinlich. Im Verfahren vor Bundesverwa l- tungsgericht reichte die Beschwerdeführerin betreffend die psychiatrische Versorgung in Äthiopien die Auskunft der SFH-Länderanalyse vom 10. Juni 2009 (" Äthiopien: Psychiatrische Versorgung") ein. Dazu führte sie aus, aus dieser gehe hervor, dass lediglich 34 Psychiater für eine B e- völkerung von mehr als 80 Millionen Einwohnern zuständig seien, wobei aber 12 Millionen Menschen eine psychiatrische Betreuung benötigen würden. Dies entspreche einem Psychiater auf zirka 353'000 erkrankte Personen. Zudem würde die Gesellschaft psychisch erkrankte Personen aufgrund dessen, dass solche Erkrankungen auf übernatürliche Kräfte und böse Geister zurückgeführt würden, stigmatisieren und mit Heilm e- thoden wie Durchführung von Ritualen und Exorzismus behandeln. Zwar habe die Beschwerdeführerin ihre Psychotherapie abschliessen können, es seien jed och nach wie vor re gelmässige halbjährliche Kontrollen a n- gezeigt, was vom BFM ignoriert werde. Angesichts der im Heimatland e r- lebten sexuellen Gewalt sei bei einer Rückführung nach Äthiopien die Ge-E-3620/2009 Seite 22 fahr einer Retraumatisierung sehr gross. Zudem sei die med izinische Grundversorgung in Äthiopien als katastrophal zu bezeichnen, wobei g e- rade bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen laut dem zitie r- ten SFH-Bericht erhebliche Defizite infrastruktureller und personeller N a- tur beständen. Faktisch sei in ihrem Heimatland keine Behandlung mö g- lich. Der Wegweisungsvollzug gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG kann sich aus medizinischen Gründen dann als unzumutbar erweisen, wenn bei einer Rückkehr eine überlebensnotwendige medizinische Behandlung nicht e r- hältlich wäre (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.). Ein Wegwe i- sungsvollzug erweist sich aber nicht schon deshalb als unzumutbar, weil die in einem Staat vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten nicht dem medizinischen Standard in der Schweiz entsprechen; von einer Unz u- mutbarkeit ist erst dann auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende Ve r- schlechterung des Gesundheitszustandes nach sich zieht (vgl. BVGE 2009/2 E.9.3.2, EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d S. 50 ff. sowie EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.). D as wesentliche, von der Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang geltend gemachte Problem ist eine Retraumat i- sierungsgefahr wegen des Täters. Wie dargelegt (vgl. Erw. 6. 4) ist aber davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auf die Unterstützung der Familie ihres Verlobten zählen kann und somit die Gefahr eines Ko n- taktes mit dem angeblichen Täter umgangen werden kann. Ungeachtet dessen bestehen zum heutigen Zeitpunkt keine Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführerin noch an psychischen Problemen leiden würde, da sie es unterlässt, ihren psychischen Gesundheitszustand (seit Ergehen des oben erwähnten Arztberichtes aus dem Jahre 2009), zu dokumentie- ren; s eit ihrer Eingabe vom 4. Oktober 2010 macht sie auch keinerlei psychischen Probleme mehr geltend . Somit erweist sich unter diesem Aspekt ein Wegweisungsvollzug als zumutbar. 6.6. Weiter brachte die Beschwerdeführerin vor, sie sei seit Abschluss des ordentlichen Verfahrens an [einer bösartigen Tumorerkrankung] erkrankt und reichte dazu folgende Beweismittel ein: Einen Arztbericht von Prof. Dr. D._______, [Klinik], datiert vom 6. Mai 2009, einen Diagnosebe- richt von PD Dr. med. E._______, Oberärztin, [Klinik], datiert vom 25. Juni 2009, einen Arztbericht von D r. med. C._______, Allgemeine Medizin FMH, (...), datiert vom 30. Juni 2009. Im Arztbericht von Dr. C._______ vom 25. Oktober 2008 war festgehalten worden, dass bei der Beschwe r- deführerin zwar keine [Tumor]-Zellen mehr nachgewiesen worden seien, E-3620/2009 Seite 23 indes ein Wiederauftreten nicht ausgesc hlossen sei und daher nicht a b- schliessend gesagt werden könne, ob die Krankheit geheilt sei. Daher müssten alle sechs Monate eine Gastroskopie und eine Endosonographie mindestens bis 2011 durchgeführt werden. Der Arztbericht von Dr. C._______ vom 30. Juni 2009 attestierte sodann, dass nach einer i m- munhistochemischen Zusatzuntersuchung sowie einer retrospektiven Un- tersuchung der alten Biopsien eine Persistenz des [des Tumors] festge- stellt worden sei. Zudem sei [der Tumor] genotypisch instabil und hype r- mutiert. Infolge dieser Diagnose seien insbesondere im Zusammenhang mit der Persistenz seit 2006 regelmässige obere Endoskopien mit End o- sonographien und Biopsien mit immunhistochemischer Aufbereitung alle sechs Monate dringend angezeigt. Die Beschwerdeführerin führte dazu aus, die erforderlichen Therapien seien – wie aus dem Bericht der SFH vom 8. Oktober 2008 ("Äthiopien; Behandlung von HIV/Aids und einem Kropf") hervorgehe – in ihrem Heimatland nicht möglich, weshalb sich der Wegweisungsvollzug nach Äthiopien als unzumutbar erweise. Die vom Bundesverwaltungsgericht am 28. Oktober 2009 veranlasste und am 13. November 2009 erfolgte Botschaftsabklärung betreffend Behan d- lungsmöglichkeiten [des vorliegendenTumors] in Äthiopien ergab Folge n- des: Ge mäss dem entspreche nden Gutachten des äthiopischen Arztes werden in Addis Abeba gewisse Strahlen - und Chemotherapien angeb o- ten, diese seien jedoch sehr inkonsistent; oft seien die Geräte defekt oder erforderliche Medikamente würden fehlen. Die Chemotherapie betreffend würden nur bestimmte Protokolle durchgeführt. Gastroskopien mit Biopsie seien möglich, endosonographische und immunhistochemische Unters u- chungen seien hingegen nicht vorhanden. Eine Gastroskopie mit Biopsie könne durchgeführt werden. Zur Frage, ob die Behandlun gskosten zulas- ten der Patientin gehen würden oder in Äthiopien eine kostenlose G e- sundheitsversorgung, von der die Beschwerdeführerin allenfalls profiti e- ren könne, existiere, wurde Folgendes ausgeführt: In Äthiopien bestehe keine obligatorische Krankenversi cherung, grössere Firmen böten ihren Mitarbeitern jedoch einen hälftigen Beitrag an eine Kran kenversicherung. Es würden weiter staatliche Krankenhäuser, die vergünstigt medizinische Behandlungen anbieten würden, existieren. Bei Nachweis von Mittellosig- keit durch ein Schreiben der Bezirksverwaltung bestehe auch die Mö g- lichkeit einer kostenlosen Behandlung. Auf explizite Aufforderung des Gerichts hin (vgl. Bst. R) reichte die B e- schwerdeführerin am 5. Juli 2012 den aktuellen (und zuvor nicht bei den Akten liegenden) Arztbericht von Prof. Dr. med. D._______, leitender Arzt E-3620/2009 Seite 24 (...), [Klinik], datierend vom 8. Februar 2010, ein. Diesem ist Folgendes zu entnehmen: Eine gleichentags als Nachkontrolle durchgeführte Gastr o- skopie und eine obere Endosonographie ergab den Befund "makrosk o- pisch unauffällig". Nach erfolgten Biopsieuntersuchungen diagnostizierte der Arzt im Wesentlichen, es gebe keinen Nachweis von intestinaler M e- taplasie, Atrophie, Helicobacterbakterien oder von Malignität. Er hält fest, dass aufgrund die ser Diagnose keine weiteren Nachkon trollen mehr no t- wendig sind. Aufgrund der heutigen Aktenlage ist demnach davon auszugehen, dass [die Tumor -Erkrankung] nun geheilt ist und keinerlei medizinische B e- handlung erfordert; [sie] ist daher für den Wegweisungsvollzug nicht rele- vant. 6.7. In ihrer Eingabe vom 5. Juli 2012 macht die Beschwerdeführerin zu- dem neu geltend, eine vorsorgliche Kolposkopie (welche ein wichtiges In- strument für die Krebsfrüherkennung sei) habe gezeigt, dass ihr Teste r- gebnis nicht vollständig in Ordnung sei. Eine Nachkontrolle s ei folglich unumgänglich, da sie – wie bereits bekannt sei – ein erhöhtes Krebsrisiko aufweise. Ihr Gesundheitszustand sei zwar gemäss dem Arztbericht vom 8. Februar 2010 (vgl. oben Erw. 6.6) gut, jedoch habe die kolposkopische Untersuchung vom 3. Mai 2012 gezeigt, dass sich bei ihr immer noch e i- ne grosse Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen, wenn auch noch nicht bestehenden Krebserkrankung , zeige , neu jedoch nicht mehr im (…), sondern an ihren Geschlechtsteilen. Sie reicht e diesbezüglich eine Einla- dung zur Kolposkopie -Sprechstunde am 8. Oktober 2012, [Klinik], datiert vom 3. Mai 2012, zu den Akten. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die geltend gemachte grosse Wahr- scheinlichkeit einer zukünftigen Krebserkrankung der Beschwerdeführerin wiedererwägungsrechtlich nicht relevant sei n kann; zukünftige und somit hypothetische Krankheiten stellen keinen veränderten Sachverhalt dar. 6.8. Nach dem Gesagten erweist sich daher ein Wegweisungsvollzug auch unter dem gesundheitlichen Aspekt als zumutbar. 6.9. In ihrer neusten Eingabe vom 5. Juli 2012 reichte die Beschwerd e- führerin schliesslich zahlreiche, ihre Integration in der Schweiz betreffe n- de, Unterlagen aus dem Jahr 2009 ein, namentlich ein Referenzschreiben einer Freundin, datiert vom (…). Mai 2009, drei von verschiedenen Pr i- vatpersonen verfasste, an [die kantonale Behörde] gerichtete Gesuche E-3620/2009 Seite 25 um Erteilung einer B -Bewilligung für die Beschwerdeführerin, datiert vom (…). Mai 2009, (…). Mai 2009 und (…). Oktober 2009, eine Bestätigung des [Sprachschule], wonach die Beschwerdeführerin mündlich in der deutschen Sprache das Niveau B2 erreicht habe, datiert vom (…). N o- vember 2009, ein Schreiben des [Geschäft], datiert vom (…). November 2009, womit bestätigt wird, dass die Beschwerdeführerin bei Erhalt der B- Bewilligung eingestellt werden könne, einen Betreibungsregisterauszug der Beschwerdeführerin, datiert vom 3. Juni 2009, und einen Auszug aus dem Strafregister, datiert vom 28. Mai 2009. Sie führte diesbezüglich aus, dass ihre zuvorkommende und f reundliche Art als Freundin sehr g e- schätzt werde. Sie habe bereits im Jahre 2009 flüssig und fehlerfrei Schweizerdeutsch gesprochen, bei Erhalt einer B -Bewilligung eine Stelle in Aussicht, ihr Leumund sei einwandfrei und sie habe keine Betreibu n- gen erwirkt. Sie habe sich während ihres langjährigen Aufenthaltes in der Schweiz in sozialer wie auch in beruflicher Hinsicht aussergewöhnlich gut integriert und hier eine neue Heimat gefunden. Damit erfülle sie die B e- dingungen für eine B -Bewilligung bei Weitem. Ein e Rückkehr würde eine übermässige Härte bedeuten, ihre Lebens- und Daseinsbedingungen wä- ren in gesteigertem Mass in Frage gestellt, falls ihr eine Aufenthaltsbewi l- ligung verweigert würde. Betreffend die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu ihrer Integra tion in der Schweiz ist festzuhalten, dass es in die Zuständigkeit der kanton a- len Migrationsbehörden fällt, mit Zustimmung des Bundesamtes, einer im Kanton lebenden Person eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, wenn wegen der fortgeschrittenen Integratio n ein schwerwiegender persönl i- cher Härtefall vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG). Die soeben genannten Vorbringen und Beweismittel werden daher in einem kantonalen Verfa h- ren zu beurteilen sein und sind wiedererwägungsrechtlich nicht relevant. 6.10. Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass weder betreffend die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin noch in Bezug auf ihre soziale Situation eine wiedererwägungsrechtlich rel e- vante veränderte Sachlage gegeben ist , welche es rechtfertigen wür de, die rechtskräftige vorinstanzliche Verfügung vom 23. Februar 2004 in Wiedererwägung zu ziehen. Der Wegweisungsvollzug der Beschwerd e- führerin ist daher als weiterhin zumutbar im Sinne von Art. 84 Abs. 2 AuG zu qualifizieren. 6.11. In Bezug auf die Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs machte die Beschwerdeführerin im Wiedererwägungsverfahren keine veränderte E-3620/2009 Seite 26 Sachlage geltend, weshalb diesbezüglich auf die Erwägungen der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung der Vorinstanz vom 23. Febru ar 2004 verwiesen werden kann. 7. Eine asylrechtliche Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt nach dem Gesagten ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist – wie dargelegt (vgl. Erw. 6.9) – die Erteilung einer B -Bewilligung bei Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG). 8. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen ; die Verfügungen des BFM vom 23. Februar 2004 und 5. Mai 2009 sind zu bestätigen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh- rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsp flege wurde mit Verfügung vom 8. Juli 2009 gutgeheissen unter dem Vorbehalt der nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin. Nachdem die B e- schwerdeführerin, wie aus den Akten hervorgeht, seit März 2009 als [Stel- lenbezeichnung] erwerbstätig ist, ist heute nicht mehr von einer aktuellen Bedürftigkeit auszugehen und das Gesuch um Gewährung der unentgel t- lichen Prozessführung mithin wiedererwägungsweise heute abzuweisen. Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-3620/2009 Seite 27 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand: