Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. Juli 2013 (810 13 29) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Besuchsrecht / Beistandsperson zur Regelung des Besuchsrechts / Abklärungsauftrag Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtssch reiberin Vijitha Muthuthamby Parteien A.____ und B.____ , Beschwerdeführer gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Beschwerdege g- nerin D.____ , Beschwerdegegner Betreff Besuchsrecht / Beistandsperson zur Regelung des Be suchsrechts / Abklärungsauftrag (Beschluss der Vormundschaftsbehörde E.____ vom 26. November 2012 und 10. Dezember 2012) A. Die Vormundschaftsbehörde (VB) E.____ verfügte mit E ntscheid vom 26. November 2012/10. Dezember 2012 gegenüber D.____ und B.____ unter anderem, dass bezüglich des gemeinsamen Sohnes F.____, geboren 2006, als dringliche vorsorgliche Massnahme ab De- zember 2012 das begleitete Besuchsrecht im Rahmen der b egleiteten Besuchstage Baselland, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Binningen, einzurichten sei (Ziffer 1). Das begleitete Besuchsrecht wurde für die Dauer des Ver- fahrens bzw. bis zum Abschluss der gesetzlichen Abklärungen befristet. Es wurde verfügt, dass im Anschluss daran zwingend eine Neubeurteilung zu erfo lgen habe (Ziffer 2). Das minimale Besuchsrecht zwischen dem Kindsvater und F.____ sei zweimal monatlich, Samstag oder Sonntag, mit einer maximalen Zeitdauer von 14.00 - 1 8.00 Uhr in Absprache mit dem Kindsva- ter und der Kindsmutter einzurichten (Ziffer 3). Zur Umsetzung und Überwachung des festge- setzten Besuchsrechts, zur Unterstützung der Kindseltern so wie zur Berichterstattung über den Fortgang des Besuchsrechts an die VB E.____ wurde G.___ _, dipl. Sozialarbeiter SH, als Bei- stand eingesetzt (Ziffer 4 - 6). Weiter wurde dem Kin der- und Jugendpsychiatrischen Dienst Baselland, Liestal (KJPD) ein dringlicher Abklärungsauftrag erteilt hinsichtlich der Ausgestaltung des Besuchsrechts und der Beziehung des Kindes zu seinen lei blichen Eltern (Ziffer 7). Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziffer 10). B. Gegen diesen Entscheid der VB E.____ erhoben B.____ und A.____ am 31. Dezember 2012 beim Kantonalen Vormundschaftsamt d es Kantons Basel-Landschaft (KVA) Beschwerde und beantragten sinngemäss die Absetz ung von G.____ als Beistand, die Aufhebung der Anordnungen betreffend begleitetes Besu chsrecht und die Überweisung des Abklärungsauftrages vom KJPD auf den Kinderpsychiater von F.____. C. Die Beschwerde wurde aufgrund des Inkrafttretens des neuen Kindes- und Erwachse- nenschutzrechts per 1. Januar 2013 an das nun zuständige Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), überwiesen. D. Mit Eingabe vom 15. Februar 2013 liess sich die Kind es- und Erwachsenenschutzbe- hörde C.____ (KESB) vernehmen und beantragte, auf di e Beschwerde von A.____ sei nicht einzutreten und im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen. D.____ liess sich mit Eingabe vom 27. Februar 2013 ebenfalls vernehmen und beantragte si nngemäss, es sei festzustellen, dass A.____ im vorliegenden Verfahren nicht zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist. E. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 14. März 2013 wurde der Antrag der Be- schwerdeführer auf Anordnung einer Kindsvertretung abgewiesen. F. Mit Verfügung vom 31. Mai 2013 wurde die auf den 19. Juni 2013 angesetzte Partei- verhandlung abgeboten und den Parteien wurde mitgete ilt, dass das Urteil bezüglich der ange- fochtenen vorsorglichen Massnahmen den Parteien schriftlich eröffnet werde. Weiter wurde das Verfahren bezüglich der angeordneten Beistandschaft vorderhand bis zum Entscheid der KESB in der Hauptsache sistiert. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Mit Inkrafttreten des neuen Kindes- und Erwachsenen schutzrechts per 1. Januar 2013 findet gemäss Art. 14a SchlT ZGB auf hängige Verfahren für den Erwachsenenschutz das neue Verfahrensrecht Anwendung. Diese Bestimmung gilt ana log auch bei hängigen kantonalen kin- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht desrechtlichen Verfahren (Art. 314 Abs. 1 des Schweizeri schen Zivilgesetzbuches [ZGB] vom 10. Dezember 1907). Das neue Recht enthält in Art. 44 3 ff. ZGB verbindliche behördliche Ver- fahrensvorschriften. Darüber hinaus bleibt aber für das Verfahren das kantonale Recht vorbe- halten (D ANIEL STECK , in: Rosch/Büchler/Jakob [Hrsg.], Das neue Erwachsenen schutzrecht, Bern/Luzern/Zürich 2011, N 4 zu Art. 450f). Die Kanton e haben somit die Kompetenz, Verfah- rensbestimmungen zu erlassen, wenn diese mit bundesrechtl ichen Verfahrensvorschriften in Einklang stehen. Der Kanton Basel-Landschaft verweist in § 66 Abs. 2 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. Novemb er 2006 auf das Verfahrensrecht nach Art. 450 - 450e ZGB und im Übrigen auf das kantonale Verwaltungsprozessrecht. 1.2 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide de r Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. G emäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 ist die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zul ässig gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungsrats. Die Beschwerde ist auch zulä ssig gegen Verfügungen und Entscheide anderer Behörden und Gerichte, sofern die k antonale Gesetzgebung und die Ver- fassung die Zuständigkeit des Kantonsgerichts als Verwaltu ngsgericht vorsehen (§ 43 Abs. 2 VPO). Gestützt auf § 66 Abs. 1 EG ZGB ist das Kantonsge richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, zuständig für die Beurteilung von Be schwerden gegen Entscheide der Kin- des- und Erwachsenenschutzbehörde. 1.3 Zwischenverfügungen sind nach § 43 Abs. 2 bis VPO selbständig anfechtbar, wenn sie die Zuständigkeit (lit. a), den Ausstand (lit. b), die Auskunfts- oder Editionspflicht (lit. c), die Verweigerung der Akteneinsicht (lit. d), die Nichtabn ahme gefährdeter Beweise (lit. e), vorsorg- liche Massnahmen und den Entzug sowie die Erteilung de r aufschiebenden Wirkung (lit. f) oder die Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege (lit. g) zum Gegenstand haben. 1.4 Der angefochtene Entscheid der VB E.____, mit wel chem vorerst – abgesehen von der angeordneten Beistandschaft – nur ein begleitetes Besuch srecht gestattet wurde, erging im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme (Art. 445 Abs. 1 ZG B). Er schliesst das Verfahren nicht ab, sondern regelt das Besuchsrecht nur vorläufig, bis die Ergebnisse der Abklärung der KJPD hinsichtlich der Ausgestaltung des Besuchsrechts und de r Beziehung des Kindes zu sei- nen leiblichen Eltern vorliegen. Er stellt somit einen Zwischenentscheid auf dem Weg zum ab- schliessenden Entscheid über das Besuchsrecht und damit e ine Zwischenverfügung dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5P.349/2003 E. 2.5 vom 21. Oktober 2003). 1.5 Der Entscheid der VB E.____ ist gestützt auf § 43 A bs. 2bis lit. f VPO selbständig mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde anfechtbar. Gemäss § 1 Abs. 3 lit. f VPO entscheidet bei Beschwerden gegen Zwischenverfügungen im Sinne von § 43 Abs. 2bis VPO die präsidie- rende Person durch Präsidialentscheid. Die Zuständigkeit des Präsidiums zur Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit ist somit gegeben. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.6 Zur Beschwerde befugt sind gemäss Art. 450 Abs. 2 Z GB die am Verfahren beteiligten Personen, die der betroffenen Person nahestehenden Personen sowie Personen, die ein recht- lich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben. Der Begriff der nahestehenden Person ist weit a uszulegen. Es handelt sich dabei nach Lehre und Rechtsprechung um eine Person, welche die b etroffene Person gut kennt und kraft ihrer Eigenschaft sowie kraft ihrer Beziehungen zu dies er als geeignet erscheint, deren Interes- sen zu wahren. Eine Rechtsbeziehung ist nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr die fakti- sche Verbundenheit (D ANIEL STECK , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Er- wachsenenschutz, Basel 2012, N 32 zu Art. 450). Gestützt darauf ist die Legitimation der Be- schwerdeführerin ohne Weiteres gegeben. Der Beschwerdefü hrer ist im Sinne der vorerwähn- ten Umschreibung als nahestehende Person anzusehen und somit ebenfalls befugt, im vorlie- genden Fall Beschwerde zu erheben. Da auch die weite ren Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Strittig und zu prüfen ist, ob die VB E.____ zu Re cht im Sinne von vorsorglichen Mass- nahmen ein begleitetes Besuchsrecht und einen dringlich en Abklärungsauftrag an den KJPD verfügt hat. Die Frage bezüglich der angeordneten Be istandschaft wurde im vorliegenden Ver- fahren – wie bereits ausgeführt – sistiert, weshalb di ese Frage vorliegend nicht zu prüfen ist. 4. Die Beschwerdeführer machen im Wesentlichen geltend , dass F.____ sich weigere, seinen leiblichen Vater zu sehen. Zudem habe F.____ sein en leiblichen Vater seit Jahren ma- ximal ein Mal pro Monat gesehen. Es sei deshalb nicht n achvollziehbar, dass F.____ gezwun- gen werde, den Vater zwei Mal im Monat sehen zu müssen . Die Beschwerdeführer seien mit der Anordnung des begleiteten Besuchsrechts einverstanden, sobald sich F.____ dazu bereit erkläre. 5.1 Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben der nicht obhutsbe rechtigte Elternteil und das un- mündige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen per sönlichen Verkehr. Praktische Be- deutung gewinnt das Recht auf persönlichen Verkehr vor a llem in der Trennungs- und Schei- dungssituation bei verheirateten Eltern, aber auch be i Auflösung eines Konkubinats. Das Recht auf persönlichen Verkehr steht Eltern und Kindern um i hrer Persönlichkeit willen zu (vgl. BGE 123 III 445 E. 3b). Es ist ein reziprokes Recht und s omit ein Recht des nicht obhutsbe- rechtigten Elternteils sowie ein Recht des Kindes. Dabe i ist der sorge- bzw. obhutsberechtigte Elternteil verpflichtet, den persönlichen Verkehr zwischen Eltern und Kind zu dulden, ja vielmehr sogar zu ermöglichen. Das Bundesgericht hat ausdrücklich fest gehalten, dass es unhaltbar ist, wenn der obhutsberechtigte Elternteil es in der Hand hätte, gewissermassen durch Zwistigkei- ten mit dem anderen Teil den Umfang des Besuchsrechts zu steuern (vgl. BGE 130 III 585 E. 2.2.1). Oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des Besuchsrechts ist immer das Kindes- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wohl, das anhand der Umstände des konkreten Einzelfalles zu beurteilen ist; allfällige Interes- sen der Eltern haben zurückzustehen (BGE 127 III 295 E. 4a; 123 III 445 E. 3b). Von enormer Bedeutung für die Regelung des Besuchsrecht s ist der Wille des Kindes (vgl. BGE 124 III 90 E. 3a). Zur Ermittlung des Kindeswillens ist das Kind anzuhören. Der Kindeswille ist nicht nur bei der Ausgestaltung des Besuchsrechts im Einzelnen zu berücksichtigen, son- dern vor allem bei der Frage, ob überhaupt Besuche sta ttfinden sollen (vgl. BGE 127 III 295 E. 2a). Lehnt ein urteilsfähiges Kind den Umgang kategorisch ab, so ist dieser aus Gründen des Kindeswohls auszuschliessen, weil ein gegen den starken Wide rstand erzwungener Besuchs- kontakt mit dem Zweck des Umgangsrechts im Allgemeinen ebenso unvereinbar ist wie mit dem Persönlichkeitsrecht des Kindes (Urteile des Bundesgericht s 5C.298/2006 vom 21. Februar 2007; 5C.250/2005 vom 3. Januar 2006 E. 3.2.1). Auch bei jüngeren Kindern muss den Ursa- chen für eine Ablehnung von Besuchskontakten nachgegang en werden. Es steht aber nicht im freien Belieben des Kindes, ob es persönliche Kontakte wünscht oder nicht (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 5A_716/2010 vom 23. Februar 2011 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Beruht die Wei- gerungshaltung auf eigenem Erleben des Kindes, beispie lsweise von familiärer Gewalt, oder auf einem unlösbaren Loyalitätskonflikt, so darf sie nicht einfach übergangen werden. 5.2 Unter einem begleiteten Besuchsrecht wird die Ausü bung von Besuchskontakten in Anwesenheit einer oder mehrerer Drittpersonen verstanden. Soweit sich die Eltern nicht einver- nehmlich auf die Ausübung des Besuchsrechts an einem bestimmten Ort in Anwesenheit Dritter einigen, ist mit der Anordnung eines begleiteten Besu chsrechts die Ernennung eines Beistan- des gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB verbunden. Das begleitet e Besuchsrecht stellt somit eine Kin- desschutzmassnahme im Sinne der Art. 307 ff. ZGB dar. D as begleitete Besuchsrecht be- zweckt, der Gefährdung des Kindes wirksam zu begegnen, Krise nsituationen zu entschärfen und Ängste abzubauen sowie Hilfestellungen für eine Verbesserung der Beziehungen zum Kind und unter den Eltern zu vermitteln. Es erscheint insbeson dere indiziert bei Verdacht auf sexuel- le Übergriffe, Gewaltanwendung, Entführungsgefahr, Suchtabhängigkeit oder psychische Er- krankung, negative Beeinflussung des Kindes, Überforderun gen und Ängste des Kindes sowie bei einem stark gestörten Verhältnis unter den Eltern. Das begleitete Besuchsrecht stellt sich als Alternative zum Entzug des Besuchsrechts nach Art. 274 Abs. 2 ZGB dar, sodass dessen Voraussetzungen erfüllt sein müssen. So bedarf auch die A nordnung eines begleiteten Be- suchsrechts konkreter Anhaltspunkte für die Gefährdung des Kindeswohls. Eine bloss abstrakte Gefahr einer möglichen ungünstigen Beeinflussung des Kindes reicht nicht aus, um den persön- lichen Verkehr nur in begleiteter Form ausüben zu lassen. Denn ein Besuch unter Aufsicht einer Begleitperson hat nicht denselben Wert wie ein unbegl eiteter, der in der Regel ungezwungener erfolgt (BGE 122 III 404 E. 3c). Die Anordnung wäre jedoch auch ohne vorherige pflichtwidrige Ausübung möglich, um bei ernsthafter Verweigerungshal tung des Kindes das Wohl des Kindes nicht durch die zwangsweise Vollstreckung des Besuchsrechts zu gefährden. Da Kindern ab etwa 12 Jahren ein weitgehendes Mitbestimmungsrecht über die Besuchskontakte zu gewähren ist, kommt das begleitete Besuchsrecht eher bei kleinen K indern in Frage. Die Anordnung des begleiteten Besuchsrechts ist auch denkbar, um nach ein er langen Phase fehlender Kontakte eine Beziehung behutsam aufzubauen (vgl. A NNATINA WIRZ , in: Ingeborg Schwenzer (Hrsg.), Praxiskommentar Scheidungsrecht, Bern 2010, N 21 zu Art. 274 ZGB; A NDREA BÜCHLER / Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht MARGOT MICHEL , Besuchsrecht und häusliche Gewalt, FamPra.ch 2011 525 S. 548; Urteil des Bundesgerichts 5A_92/2009 vom 22. April 2009 E. 5.1.2). Das begleitete Besuchsrecht stellt lediglich eine Übergangslösung dar und ist deshalb stets nur für eine begrenzte Dauer anzu- ordnen. 5.3 Die Erwachsenenschutzbehörde trifft gemäss Art. 445 ZGB auf Antrag einer am Ver- fahren beteiligten Person oder von Amtes wegen alle f ür die Dauer des Verfahrens notwendi- gen vorsorglichen Massnahmen. Diese Bestimmung ist sinngemä ss auch im Verfahren vor der Kindesschutzbehörde anwendbar (Art. 440 Abs. 3 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB). Vorsorgliche Massnahmen bezwecken, die Wirksamkeit der im Hauptverfahren zu treffenden Massnahmen zu gewährleisten. Dabei gewährleisten sie entweder als S icherungsmassnahmen die Aufrecht- erhaltung eines Zustands oder als Regelungs- bzw. Gesta ltungsmassnahmen die Neugestal- tung einer Situation. Sie entlasten überdies das Hauptverfahren, da hinreichend Zeit für vertiefte Abklärungen bleibt. Im Vordergrund stehen dabei vorsorg liche Massnahmen vorübergehender Natur, d.h. solche, die während des Verfahrens wirken sollen und mit dessen Abschluss wegfal- len oder durch eine definitive, womöglich anders ausge staltete Massnahme abgelöst werden. Eine vorsorgliche Massnahme darf nicht darauf hinauslauf en, den Entscheid in der Sache vor- wegzunehmen (vgl. C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kom- mentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 1 ff. zu Art. 445). Die Kindesschutzbehörde erlässt vorsorgliche Massnahmen gest ützt auf eine bloss summari- sche Prüfung der Sach- und Rechtslage, handelt es sich do ch um ein Verfahren, das in eine bloss vorläufige Anordnung mündet. Eine eingehendere P rüfung der tatsächlichen und rechtli- chen Verhältnisse ist aufgrund der Dringlichkeit in der Regel auch gar nicht möglich. Erhöhte Anforderungen bestehen aber dort, wo die vorsorgliche Massnahme unwiderrufliche Verhältnis- se schafft. Vor dem Erlass einer vorsorglichen Massnahme sind die am Verfahren beteiligten Personen anzuhören. Für die Anordnung einer vorsorgli chen Massnahme genügt das Beweis- mass der Glaubhaftmachung. Es muss ausreichen, wenn eine Gefährdung aufgrund summari- scher Prüfung zwar als wahrscheinlich scheint, die Möglichkei t einer Fehlannahme aber nicht ausgeschlossen werden kann (CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., N 27 ff. zu Art. 445) 6.1 Die damals zuständige VB E.____ hielt in ihrem Ent scheid fest, dass sich die Aus- übung des Besuchsrechts zwischen dem Kindsvater und seinem Sohn F.____ seit längerer Zeit als schwierig erweise. Zunächst sei deswegen die Einsetz ung eines Beistandes vorgeschlagen worden, womit die Kindseltern einverstanden gewesen sei en. Mit Schreiben vom 19. August 2012 habe sodann die Kindsmutter ein begleitetes Besu chsrecht für F.____ gefordert. Mit Schreiben vom 26. Oktober 2012 habe der Kindsvater eine Gefährdungsmeldung gemacht und um Erlass vorsorglicher Massnahmen ersucht, damit der Kon takt zwischen ihm und seinem Sohn nicht abbreche. 6.2 Dem Schreiben der Kindsmutter vom 19. August 2012 ist zu entnehmen, weshalb sie das begleitete Besuchsrecht beantragt. F.____ habe kurz vor einem geplanten Wochenende bei seinem Vater seinem Stiefvater mitgeteilt, dass er nicht zum Vater gehen möchte. Die Kindsmutter habe nicht in Erfahrung bringen können, w as die Ursache für die Verweigerung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen sei. Ebenfalls habe F.____ seinem Vater persönl ich am Telefon mitgeteilt, dass er nicht zu ihm kommen wolle. Wie bereits erwähnt, ist der Wille des Kindes für die Regelung des Besuchsrechts von grosser Bedeutung. Um den Ursachen für d ie angebliche Weigerungshal- tung von F.____ nachzugehen, hat die VB E.____ den KJP D beauftragt, die Ausgestaltung des Besuchsrechts und die Beziehung von F.____ zu seinen leibli chen Eltern abzuklären. Zu Recht hat die VB E.____ für die Dauer der Abklärung durch d en KJPD vorsorglich ein begleitetes Be- suchsrecht verfügt. Da die Möglichkeit besteht, dass F.____ das Besuchsrecht ernsthaft ver- weigert, würde die zwangsweise Vollstreckung des Besuchsrech ts für die Dauer der Abklärun- gen das Wohl des Kindes gefährden. Jedoch kann nicht ausschliesslich auf den Willen des Kin- des abgestellt werden. Insbesondere nicht, wenn vorliegend noch nicht erstellt ist, ob überhaupt und allenfalls weshalb F.____ das Besuchsrecht verweigert. Solange dies noch in Abklärung ist, bleibt das Kindeswohl von F.____ durch das vorläufig an geordnete begleitete Besuchsrecht gewahrt. Das begleitete Besuchsrecht bildet eine wenige r einschneidende Massnahme im Ge- gensatz zu einem Entzug des Besuchsrechts, welche die "ulti ma ratio" bildet. Zudem geht aus den Akten hervor, dass bereits seit Juni 2012 kein bzw. kaum Kontakt zwischen Vater und Sohn besteht, sodass das begleitete Besuchsrecht auch dem Wied eraufbau der Beziehung dienen kann. Ebenfalls kann das vorläufig angeordnete begleit ete Besuchsrecht die Spannungen zwi- schen den Kindseltern abbauen. Es sind vorliegend vertie fte Abklärungen vorzunehmen, so- dass sich das vorläufig angeordnete begleitete Besuchsrecht im Hinblick auf die betroffenen Interessen als verhältnismässig erweist. 7. Schliesslich ist zu prüfen, ob die VB E.____ zu Recht d en KJPD beauftragt hat, die Ausgestaltung des Besuchsrechts und die Beziehung des Kin des zu seinen leiblichen Eltern abzuklären. 8.1 Unbestritten ist, dass vorliegend eine Abklärung vorzu nehmen und damit unter ande- rem die allfällige Weigerungshaltung von F.____ zu un tersuchen ist. Die Beschwerdeführer be- antragen jedoch, es sei der Abklärungsauftrag auf den Kinderpsychiater von F.____ zu übertra- gen. F.____ befinde sich seit einigen Monaten bereits bei einem Kinderpsychiater in Abklärung und deshalb sei die zusätzliche Begutachtung von F.____ durch den KJPD nicht sinnvoll und auch kontraproduktiv. 8.2 Demgegenüber hält der Beschwerdegegner D.____ im Wesentlichen fest, dass es sich bei einem allfälligen Gutachten des Kinderpsychiaters von F.____, Dr. med. H.____, nicht um ein neutrales Gutachten handeln könne, da der Kinderp sychiater durch die Kindsmutter beauf- tragt worden sei. 9. Gestützt auf Art. 446 Abs. 2 ZGB in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB zieht die Kin- desschutzbehörde die erforderlichen Erkundigungen ein un d erhebt die notwendigen Beweise. Sie kann eine geeignete Person oder Stelle mit Abklär ungen beauftragen. Nötigenfalls ordnet sie das Gutachten einer sachverständigen Person an. Sie i st nicht an die Anträge der am Ver- fahren beteiligten Personen gebunden (Art. 446 Abs. 3 ZGB). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Es ist Sache der Behörde, über ungeklärte oder umstritte ne Tatsachen Beweis zu führen. Zwar sind die Parteien berechtigt, Beweismittel anzubieten, die Behörde ist aber an solche Beweisof- ferten nicht gebunden. Sie entscheidet aus eigener Übe rzeugung, welche Tatsachen zusätzli- cher Klärung bedürfen und welche Beweise sie dazu erhebe n will. Ordnet die Behörde ein Sachverständigengutachten an, so muss der externe Gutachter unabhängig sein. Der Anspruch auf Beurteilung der Fachfragen durch einen unbefang enen und unparteilichen Experten ergibt sich auch aus Art. 29 BV. Demnach liegt ein Ausstandsgrund unter anderem dann vor, wenn der Sachverständige in derselben Angelegenheit bereits einmal tätig gewesen ist. Unzulässig wäre daher etwa der Beizug des Klinikarztes, der die be troffene Person bereits mehrmals be- handelt hat. Massgebend ist letztlich stets, ob im konkreten Fall der Anschein der Befangenheit besteht (CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., N 8, 24 zu Art. 446). 10. Vorab ist aufgrund der Akten festzustellen, dass in der Zwischenzeit F.____ zur Abklä- rung zum KJPD gegangen ist. Es kann offen gelassen werden , ob damit der Antrag der Be- schwerdeführer auf Überweisung des Abklärungsauftrages au f den Kinderpsychiater von F.____ gegenstandslos geworden ist. Der Kinderpsychiater v on F.____ ist jedenfalls nicht im Sinne der vorstehenden Erwägungen unabhängig, da er i m Auftrag der Kindsmutter F.____ bereits behandelt bzw. behandelt hat. Demnach hat die VB E.____ zu Recht den Abklärungs- auftrag dem KJPD zugewiesen. Die Beschwerde ist demzufolge vollumfänglich abzuweisen. 11. Gestützt auf die Ausführungen der Parteien ist in Kürze der Abklärungsbericht des KJPD zu erwarten. Die KESB C.____ wird nochmals darauf hingewiesen, sich darum zu bemü- hen, dass der Abklärungsbericht des KJPD so rasch wie mö glich erstellt wird und sie im An- schluss daran umgehend ihren Entscheid in der Hauptsache zu treffen hat. 12. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- zu Lasten der Beschwerdefüh- rer. Die Parteikosten werden wettgeschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- w erden den Beschwer- deführern auferlegt. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin