Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Mai 2015 (735 14 165) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Ein Betrieb, der Erdwärmesondenbohrungen durchführt, ist dem GAV FAR (Gesamtar- beitsvertrag für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe) unterstellt; Erhebung von FAR-Beiträgen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien Stiftung für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe (FAR) , Obstgartenstrasse 19, 8006 Zürich, Klägerin gegen A.____ , Beklagte , vertreten durch Bruno Muggli , Advokat , Haup t- strasse 53, Postfach 564, 4127 Birsfelden Betreff Forderung A. Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV), die GBI Gewerkschaft Bau & Industrie (heute: Unia) sowie die Gewerkschaft SYNA schlossen am 12. November 2002 einen Gesamt- arbeitsvertrag für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe (GAV FAR), mit dessen Voll- zug die Stiftung für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe (Stiftung FAR) betraut ist. Mit Beschluss des Bundesrates vom 5. Juni 2003 wurd e der GAV FAR teilweise allgemeinver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bindlich erklärt (nachfolgend AVE GAV FAR). Er trat a m 1. Juli 2003 in Kraft. Der Bundesrat verlängerte mit Beschlüssen vom 8. August 2006 bzw. 26. Okt ober 2006 (BBl 2006 6751 und 8865), 1. November 2007 (BBl 2007 7881) und 6. Dezem ber 2012 (BBl 2012 9763) die Gel- tungsdauer bis zum 31. Dezember 2016. B. Die im Jahr 2007 gegründete A.____ bezweckt laut Ein trag im Handelsregister die Bera- tung, Planung, Konzeption und Realisierung von Erdbohr ungen im Rahmen von Geothermie-Produkten und Erbringung von Dienstleistung en in dieser Branche. Sie ist nicht Mitglied des SBV. Nachdem im September 2008 bei der S tiftung FAR eine Meldung der Paritä- tischen Berufskommission für das Bauhauptgewerbe (PBK) üb er eine mögliche Unterstellungs- pflicht der A.____ einging, wurde diese am 13. Oktober 2009 und 19. November 2009 aufgefor- dert, den Fragebogen "zu Mischbetrieb und Gepräge" ausz ufüllen. Die A.____ kam dieser Auf- forderung nicht nach. Mit Entscheid vom 3. Dezember 200 9 teilte ihr die Stiftung FAR mit, dass die A.____ seit 9. Juli 2007 dem GAV FAR unterstellt sei und dementsprechend FAR-Beiträge zu bezahlen habe. Auf Einsprache hin verlangte die Sti ftung FAR von der A.____ am 28. Januar 2010 abermals, den Fragebogen "zu Mischbetrie b und Gepräge" zu vervollständi- gen. Gestützt auf den ausgefüllten Fragebogen vom 16. Februar 2010 überprüfte die Stiftung FAR die Sachlage neu. In ihrem Wiedererwägungsentsche id vom 18. Februar 2010 hielt sie fest, dass es sich beim Unternehmen um einen unechten Mi schbetrieb mit Gepräge im betrieb- lichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR handle. Die A.__ __ sei für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, welche unter den persönlichen Gel tungsbereich des AVE GAV FAR fielen, ab 1. Januar 2008 beitragspflichtig. Den gegen diesen Entscheid erhobenen Rekurs wies die Stiftung FAR mit Beschluss vom 7. April 2010 ab. C. Gestützt auf die von der A.____ am 29. April 2011/ 24. Mai 2011 und am 9./10. Januar 2012 eingereichten Lohnsummenmeldungen für die Jahr e 2010 und 2011 berechnete die Stif- tung FAR die Beiträge. Die Rechnungen im Umfang von Fr. 19'095.75 für das Jahr 2010 und von Fr. 22'504.35 für das Jahr 2011 wurden bezahlt. Mit Schreiben vom 11. Juni 2011 teilte die A.____ jedoch mit, dass die Beitragszahlungen irrtüml ich erfolgt seien. Am 27. Februar 2013 und 28. Mai 2013 gingen bei der Stiftung FAR Zahlun gen für das 1. und 2. Quartal 2013 von insgesamt Fr. 11'500.-- ein. D. Mit Urteil vom 15. April 2013 (BGE 139 III 169) e ntschied das Bundesgericht, dass Tä- tigkeiten im Bereich der Erdwärmesondenbohrung dem Ti efbau bzw. dem Spezialtiefbau zuzu- ordnen und somit vom betrieblichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR erfasst seien. Gestützt auf diesen Bundesgerichtsentscheid forderte die Stiftu ng FAR mit Schreiben vom 25. Juli 2013 von der A.____ die ausstehenden FAR-Beiträge ein und teilte gleichzeitig mit, dass die Inkas- sostelle ihr Lohnsummenformulare zustellen werde. In d er Folge meldete die A.____ am 30. Dezember 2013 die Lohnsummen für das Jahr 2013, un terliess es jedoch Angaben für die Jahre 2007 bis 2009 sowie 2012 zu machen. Mit Schreiben vom 10. Januar 2014 stellte sie sich auf den Standpunkt, dass eine rückwirkende Beitragspflicht nicht zulässig sei (vgl. auch Schrei- ben vom 29. Januar 2014). Die Stiftung FAR hielt mit Schreiben vom 16. Januar 2014 und 4. März 2014 daran fest, dass die von ihr geforderten Beiträge weiterhin geschuldet seien. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Am 28. Mai 2014 reichte die Stiftung FAR gegen d ie A.____ Klage beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ein. Sie stellte folgende Rechtsbegehren: "1. Es sei festzustellen, dass die Beklagte seit dem 1. Jan uar 2008 vollumfänglich dem AVE GAV FAR unter- steht. 2. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin folg ende Beiträge zu zahlen: 5,3 % der AHV-pflichtigen Lohnsumme vom 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2008 jedes Mitarbeiters, der unter den persönlichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR fällt, nebst Zins zu 5 % ab dem 1. Januar 2009; 5,3 % der AHV-pflichtigen Lohnsumme vom 1. Januar 2009 bis 31. Dezember 2009 jedes Mitarbeiters, der unter den persönlichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR fällt, nebst Zins zu 5 % ab dem 1. Januar 2010; 5,3 % der AHV-pflichtigen Lohnsumme vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010 jedes Mitarbeiters, der unter den persönlichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR fällt, nebst Zins zu 5 % ab dem 1. Januar 2011, abzüglich der bereits geleisteten Zahlungen im Umfa ng von CHF 19'095.75; 5,3 % der AHV-pflichtigen Lohnsumme vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2011 jedes Mitarbeiters, der unter den persönlichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR fällt, nebst Zins zu 5 % ab dem 1. Januar 2012, abzüglich der bereits geleisteten Zahlungen im Umfa ng von CHF 22'504.35; 5,0 % der AHV-pflichtigen Lohnsumme vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012 jedes Mitarbeiters, der unter den persönlichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR fällt, nebst Zins zu 5 % ab dem 1. Januar 2013; 5,0 % der AHV-pflichtigen Lohnsumme vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2013 jedes Mitarbeiters, der unter den persönlichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR fällt, nebst Zins zu 5 % ab dem 1. Januar 2014, abzüglich der bereits geleisteten Zahlungen im Umfa ng von CHF 11'500.--. 3. Die Beklagte sei zu verpflichten, auch in der Zukunft FAR-Beiträge abzurechnen. 4. Es seien die AHV-Lohnsummenmeldungen aller Mitarbei ter für die Jahre 2008 bis 2013 bei der Beklagten, eventualiter bei der zuständigen Behörde, zu edieren . 5. Die Klägerin sei gestützt auf die edierten Akten z u berechtigen, ihr Rechtsbegehren (Ziff. 2) in quantit ativer Hinsicht zu präzisieren. 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten d er Beklagten." Zur Begründung führte die Stiftung FAR im Wesentlich en aus, dass die Beklagte hauptsächlich Erdsondenbohrtätigkeiten ausführe, welche gemäss bundesg erichtlicher Rechtsprechung dem Tiefbau angehörten und dadurch vom betrieblichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR erfasst seien. Die Firma unterstehe deshalb seit dem 1. Januar 2008 dem GAV FAR und sei verpflich- tet, FAR-Beiträge zu leisten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Die Beklagte, vertreten durch Advokat Bruno Muggli, beantragte in ihrer Klageantwort vom 18. Juli 2014 die Abweisung der Klage, soweit sie Prämien und Zinsen vor 25. Juli 2013, eventualiter vor 7. April 2010, subeventualiter vor 18. Mai 2003, subsubeventualiter vor 1. Ja- nuar 2009 betreffen würden. Zur Begründung führte si e aus, dass gestützt auf den BGE 139 III 165 feststehe, dass die Beklagte dem GAV FAR unterstehe. Die Unterstellungspflicht von Bohrunternehmungen bestehe aber erst seit der am 1. Ja nuar 2014 in Kraft getretenen Zusatz- vereinbarung VIII zum GAV FAR vom 7. Oktober 2013. Eine Allgemeinverbindlicherklärung die- ser Bestimmung sei bis heute nicht erfolgt. Aus diesem Gr und bestreite sie, dass sie für die Jahre 2008 bis 2013 FAR-Beiträge zu bezahlen habe. Au sserdem habe sie vor der Publikation des Entscheids des Bundesgerichts vom 15. April 2013 (BGE 139 III 165) nicht erkennen kön- nen, dass ihre Branche dem Spezialtiefbau zuzuordnen und sie deshalb dem AVE GAV FAR unterstellt sei. Eine rückwirkende Erhebung von FAR-Beit rägen sei deshalb und im Übrigen auch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht zulässig. Aus dem gleichen Grund könne keine qualifizierte Meldepflichtverletzung angenommen werden. G. In der ergänzenden Klageantwort vom 9. September 2014 hielt die Beklagte an ihren bisherigen Anträgen fest. Sie wies erneut darauf hin, dass die Unterstellungspflicht von Unter- nehmen, die im Bereich der Erdwärmesondenbohrungen t ätig seien, erst mit BGE 139 II 169 klargestellt worden sei. Eine Beitragspflicht bestehe deshalb erst ab 25. Juli 2013, als die Klä- gerin der Beklagten den hier massgebenden BGE zur Kenn tnis gebracht habe. Selbst wenn dieser Ansicht nicht gefolgt werde, sei eine rückwirkende Beitragserhebung vor 7. April 2010 als stossend zu betrachten, da die Beklagte erst mit dem Unte rstellungsentscheid der Stiftung FAR erfahren habe, dass sie als Betrieb dem GAV FAR unterst ehen könnte. Dazu komme, dass die Prämien vor Mai 2009 gestützt auf Art. 31 des Bundesg esetzes über die berufliche Alters-, Hin- terlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) vom 25. Juni 19 82 verjährt seien. Eventualiter seien die Prämien für das Jahr 2008 gemäss Art. 24 Abs. 1 des B undesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 verwirkt. H. Am 13. Oktober 2014 präzisierte die Stiftung FAR di e Ziffer 2 ihres Rechtsbegehrens dahingehend, als sie die Bezahlung der FAR-Beiträge in Höhe von Fr. 120'777.20 zuzüglich jeweils gestaffeltem Zins zu 5 % forderte. Die Präzisier ung erfolgte aufgrund der von der Be- klagten eingereichten AHV-Abrechnungen. Im Weiteren hielt sie an ihren Rechtsbegehren und ihrer Begründung fest. I. Die Beklagte machte in ihrer Duplik vom 19. Dezember 2014 geltend, dass nicht alle ihrer Mitarbeiter unter den persönlichen Geltungsbere ich des GAV FAR fielen. Gemäss ihrer Berechnungen könne die Stiftung FAR lediglich ein Bet rag von Fr. 146'369.70 abzüglich der versehentlich bereits geleisteten Zahlungen in Höhe von insgesamt Fr. 53'100.10 fordern. Sie sei aber nach wie vor der Ansicht, dass für die Jahre 200 8 bis 2013 keine Beiträge geschuldet seien. J. Mit Stellungnahme vom 28. Januar 2015 korrigierte die Stiftung FAR ihre Beitragsbe- rechnung gestützt auf die Ausführungen der Beklagten zu den Funktionen der einzelnen Mitar- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht beiterinnen und Mitarbeiter. Danach seien Beiträge für die Zeit vom 1. Januar 2008 bis 31. De- zember 2013 in Höhe von Fr. 103'074.75 zu bezahlen. Da zu sei ein Zins zu 5 % auf Fr. 13'381.90 ab 1. Januar 2009, auf Fr. 20'457.25 a b 1. Januar 2010, auf Fr. 9'680.95 ab 1. Januar 2011, auf Fr. 8'098.75 ab 1. Januar 2012, auf Fr. 30'027.-- ab 1. Januar 2013 und auf Fr. 21'429.-- ab 1. Januar 2014 zu entrichten. K. Die Beklagte hielt in ihrer Eingabe vom 17. März 20 15 an der Abweisung der Klage und ihren Ausführungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 73 Abs. 1 BVG bezeichnet jeder Kanton e in Gericht, das als letzte kantona- le Instanz über die Streitigkeiten zwischen Vorsorgeein richtungen, Arbeitgebern und An- spruchsberechtigten entscheidet. Zu diesen Streitigkeiten gehören insbesondere auch die Bei- tragsstreitigkeiten zwischen Vorsorgeeinrichtungen und Ar beitgebern aus Anschlussverträgen. Gerichtsstand ist in diesen Fällen der schweizerische Sitz o der Wohnsitz der beklagten Partei (Art. 73 Abs. 3 BVG). 1.2 Bei der Stiftung FAR handelt es sich um eine nicht registrierte (vgl. Art. 48 BVG), aus- schliesslich in der freiwilligen beruflichen Vorsorge tätige Personalfürsorgestiftung im Sinne von Art. 89a des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 1 0. Dezember 1907 (ursprünglich Art. 89 bis ZGB; vgl. BGE 139 III 165 ff. nicht veröffentlichte E . 2.1; SZS 2008 S. 487; Urteil des Bundesgerichts vom 21. November 2011, 9C_783/2011, E. 1.1). In ihrer Klage verlangt die Stif- tung FAR die Zahlung von FAR-Beiträgen. Für die Beurteilung solcher Fragen sind die in Art. 73 BVG genannten Berufsvorsorgegerichte zuständig, auch wenn es sich um eine Stiftung im Sin- ne von Art. 89a ZGB handelt (vgl. Urteil des Bundesge richts vom 7. Mai 2008, 9C_211/2008, E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen). Im Kanton Basel-Landschaft liegt die sachliche Zuständigkeit zur Beurteilung dieser Streitigkeiten gemäss § 54 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 beim Kantonsgericht. Da die Beklagte ihren Geschäftssitz in Muttenz hat, ist das Kantonsgericht sachlich und örtlich zur Beurteilung der Klage vom 28. Mai 2014 zuständig. 2.1 Streitig ist, ob die Beklagte FAR-Beiträge zu lei sten hat. Die Geltung des GAV FAR kann sich aus dem AVE GAV FAR oder aber aus dem GAV FAR dire kt ergeben (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 30. April 2010, 9C_1033/2009, E. 1; BG E 134 III 625; SZS 2008 S. 487). Für die dem GAV resp. dem SBV angeschlossenen Betriebe gilt er auch, soweit er nicht allgemein verbindlich erklärt ist (SZS 2010 S. 453; Urteil des Bun desgerichts vom 30. April 2010, 9C_1033/2009, E. 2.1). Vorliegend ist die Beklagte un bestrittenermassen nicht Mitglied des SBV; sie fällt daher vertraglich nicht in den Geltungsbe reich des GAV FAR. Die Geltung des GAV FAR für die Beklagte kann daher nur gestützt auf den AVE GAV FAR erfolgen. Die Unter- stellung eines Betriebes unter den AVE GAV FAR bedeut et, dass grundsätzlich alle ihre und somit auch berufsfremde Arbeitnehmerinnen und Arbeitn ehmer - soweit sie nicht einem ande- ren spezifischeren GAV unterstehen - den Bestimmungen des AVE GAV FAR unterliegen. Dies Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist Ausfluss des Grundsatzes der Tarifeinheit (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2001, 4C.350/2000, E. 3a). 2.2 Zu prüfen ist, ob der Betrieb der Beklagten dem A VE GAV FAR unterliegt. Zur Bejahung einer Unterstellung unter den AVE GAV FAR muss die Bekl agte unter den örtlichen, den be- trieblichen und den persönlichen Geltungsbereich des AV E GAV FAR fallen. Nicht bestritten zwischen den Parteien ist, dass der seit 1. Juli 2003 in Kraft getretene GAV FAR gemäss All- gemeinverbindlicherklärung des Bundesrates - von hier nic ht interessierenden Ausnahmen ab- gesehen - in räumlicher Hinsicht auch für den Betrieb der Beklagten gilt. 2.3 Die für den betrieblichen Geltungsbereich einschläg ige Bestimmung von Art. 2 Abs. 4 des AVE GAV FAR (in der vom 1. Januar 2008 bis 31. Deze mber 2013 geltenden Fassung) lautet wie folgt: Die allgemeinverbindlich erklärten Bestimmungen des im Anhang wiedergegebenen GAV FAR gelten für die Betri e- be, Betriebsteile, Subunternehmer und selbstständigen Akkordanten der folgenden Bereiche: a. Hoch-, Tief-, Untertag- und Strassenbau (einschliessl ich Belagseinbau); b. Aushub, Abbruch, Deponie- und Recyclingbetrieb e, ausgenommen sind stationäre Recyclinganlagen aus- serhalb der Baustelle und das in ihnen beschäftigte Personal; c. Steinhauer- und Steinbruchgewerbe sowie Pfl ästereibetriebe; d. Fassadenbau- und Fassadenisolationsbetriebe, au sgenommen Betriebe, die in der Gebäudehülle tätig sind. Der Begriff "Gebäudehülle" schliesst ein: geneigte Däch er, Unterdächer, Flachdächer und Fassadenbeklei- dungen (mit dazugehörendem Unterbau und Wärmedämmu ng); e. Abdichtungs- und Isolationsbetriebe für Arbeit en an der Gebäudehülle im weiteren Sinn und analoge Ar- beiten im Tief- und Untertagbereich; f. Betoninjektions- und Betonsanierungsbetriebe, Betonbohr- und Betonschneideunternehmen g. Betriebe, die Asphaltierungen ausführen un d Unterlagsböden erstellen; h. Betriebe, die gesamtbetrieblich mehrheitlich Geleisebau- und Bahnunterhaltsarbeiten ausführen, ausge- nommen Betriebe, die Schienenschweiss- und Schienenschleif arbeiten, maschinellen Geleiseunterhalt sowie Fahrleitungs- und Stromkreislaufarbeiten ausfüh ren. 2.4 Massgebliches Kriterium für den betrieblichen Geltun gsbereich ist somit die Branche, der ein Betrieb zuzuordnen ist. Dafür ausschlaggebend sin d die Tätigkeiten, die ihm das Ge- präge geben, nicht hingegen der Handelsregistereintra g oder die Art und Weise, wie die Tätig- keiten ausgeführt resp. welche Hilfsmittel dabei eingese tzt werden (BGE 139 III 165 E. 3.1 S. 167, 134 III 11 E. 2.1 S. 13 mit weiteren Hinwei sen;). Ausgangspunkt für die Zuordnung eines Betriebes ist die auf dem Markt angebotene einh eitliche (Arbeits-)Leistung; den dabei notwendigerweise und als integrierender Bestandteil an fallenden Hilfs- und Nebentätigkeiten kommt keine eigenständige Bedeutung zu, selbst wenn sie einen grösseren Arbeitsaufwand als die Grundleistung erfordern (vgl. Urteil des Bundesgeri chts vom 25. November 2009, 4A_377/2009, E. 5.2). Es ist daher nicht notwendig, dass eine bestimmte Tätigkeit mindestens die Hälfte aller anfallenden Arbeiten bzw. des Umsatzes ausmachen muss, um einen Betrieb Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Gepräge zu geben. Es geht vielmehr darum, welche Lei stungen auf dem Markt angeboten werden und bei mehreren, welche davon überwiegt. 2.5 Allerdings kann ein Unternehmen mehrere Betriebe umfassen, welche unterschiedlichen Branchen angehören, oder es können innerhalb ein und desselben Betriebes mehrere Teile bestehen, welche eine unterschiedliche Zuordnung rechtfertigen, weil sie eine genügende, auch nach aussen erkennbare Selbstständigkeit aufweisen. In d iesen Fällen können auf die einzel- nen Teile des Unternehmens unterschiedliche GAV zur Anw endung gelangen. Dabei ist Tatfra- ge, welche Tätigkeiten in einem Betrieb oder selbststän digen Betriebsteil in welchem Ausmass vorkommen. Rechtsfrage ist dagegen, welche der festgeste llten Tätigkeiten dem Betrieb das Gepräge geben (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Novemb er 2009, 4A_377/2009, E. 3.1 mit Hinweis; Urteil des Sozialversicherungsgerichts Zürich vom 22 . März 2011, BV.2008.00061, E. 1.3). 2.6.1 Gemäss Handelsregisterauszug führt die Beklagte E rdbohrungen im Rahmen von Geothermie-Projekten durch und erbringt Dienstleistung en in dieser Branche. Daneben kann die Gesellschaft Handel mit Waren aller Art betreiben. Sie kann sich an anderen Unternehmun- gen beteiligen oder sich mit diesen zusammenschliessen. Au s dem Schreiben der Beklagten vom 23. September 2009 und der Klageantwort vom 9. S eptember 2014 geht hervor, dass sich der Betrieb der A.____ in zwei Bereiche einteilen lässt : 1. Durchführung der Erdwärmebohrun- gen mit Sondeneinbau und Verpressen des Bohrloches (Boh rungen) und 2. Verlegung der An- bindungsleitung zum Haus und Montage des Erdsondenvert eilers, Anbindung der Vor- und Rücklaufleitungen im Gebäude zur Wärmepumpe (Verlänge rungen und Anschlüsse im Gebäu- de). Gleichzeitig weist sie aber darauf hin, dass sie seit August/September 2011 nur noch im Bereich der Bohrungen tätig sei. Weiter gibt die Be klagte im Fragebogen "zu Mischbetrieb und Gepräge" vom 12. Dezember 2009 an, dass im Jahr 2008 79 % der Stellenprozente auf den Bereich "Bohrungen" und 21 % auf den Bereich "Verlängerungen und Anschlüsse im Gebäude" fielen. Für die "Bohrungen" wurden 2008 3800 Mitarb eiterstunden und für die "Verlängerungen und Anschlüsse im Gebäude" 1520 Mitarbeiterstunden er fasst. Der Firmenwebsite und dem Entscheid der PBK vom 16. August 2011 ist zu entnehmen, dass im Jahr 2009 6 Personen, im Jahr 2010 8 Personen und im Jahr 2014 12 Personen im B ereich "Bohrungen" und nur 1 Per- son (2009), 2 Personen (2010) bzw. 3 Personen (2014) im Bereich "Verlängerungen und An- schlüsse im Gebäude" tätig waren (vgl. Internetausdrücke vom 2. Dezember 2009 und vom 21. Mai 2014). Gemäss aktueller Website arbeiten heute immer noch 12 Personen für die "Boh- rungen" und 3 Personen für "Verlängerungen und Anschl üsse im Gebäude". Ausserdem bietet die Beklagte nebst den Erdwärmesondenbohrungen auch w ieder Verlängerungen der Sonden bis zur Wärmepumpe an (vgl. www.terracalor.ch). 2.6.2 Das Bundesgericht stellte im mehrfach zitierten BGE 139 III 165 klar, dass Betriebe, die Erdwärmesondenbohrungen durchführen, d.h. im Wesent lichen (vertikale) Erdbohrungen vor- nehmen, Erdwärmesonden einbringen und deren (horizont alen) Anschluss an das Gebäude resp. die Wärmepumpe bewerkstelligen würden, dem Tiefb au im Sinne von Art. 2 Abs. 4 lit. a AVE GAV FAR zuzurechnen seien. Sie fielen daher unter den betrieblichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR (E. 4.3). Im Lichte dieses bundesgericht lichen Urteils sind die von der Be- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht klagten angebotenen Erdwärmesondenbohrungen somit als Arbeiten des Tiefbaus unter Art. 2 Abs. 4 lit. a AVE GAV FAR zu subsumieren. Dagegen stel len die Sondenverlängerungen und Anschlüsse im Gebäude keine Tätigkeiten dar, welche unt er den betrieblichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR fallen. Ob die Beklagte - entgegen de n Angaben in der Klageantwort vom 9. September 2014 - heute gemäss aktuellem Internetauf tritt nebst den Erdwärmesondenboh- rungen wieder Sondenverlängerungen durchführt, ist nich t ganz klar. Diese Frage kann jedoch offen gelassen werden, da feststeht, dass sie während der hier umstrittenen Beitragsperioden (2008 - 2013) unbestrittenermassen bis August 2011 Sonde nverlängerungen durchführte. Demzufolge fällt bzw. fiel die effektiv ausgeübte Tätigke it der A.____ nur teilweise unter den betrieblichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR. Ein Unt ernehmen, das - wie die Beklagte - neben den Erdwärmesondenbohrungen auch branchenfremd e Leistungen anbietet, ist als Mischbetrieb zu qualifizieren. 2.7.1 Zu prüfen ist, ob es sich beim Unternehmen der Be klagten um einen echten oder unech- ten Mischbetrieb handelt. Ein unechter Mischbetrieb lieg t vor, wenn die Unternehmung Leistun- gen im Bauhauptgewerbe und in mindestens einer Branc he erbringt, die nicht zum Bauhaupt- gewerbe gehört und keinen eigenständigen Betriebsteil ausmacht. Von einem selbstständigen Betriebsteil innerhalb eines Mischunternehmens wird dann gesprochen, wenn dieser eine eige- ne organisatorische Einheit bildet, was voraussetzt, dass d ie einzelnen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer diesem klar zugeordnet werden können un d die entsprechenden Arbeiten im Rahmen der übrigen Tätigkeiten des Unternehmens nicht nur hilfsweise erbracht werden. Im Interesse der Rechtssicherheit ist zudem zu fordern, da ss der Betriebsteil mit seinen besonde- ren Produkten und Dienstleistungen insofern auch nach au ssen als entsprechender Anbieter gegenüber den Kunden in Erscheinung tritt. Demgegenüb er bedarf der Betriebsteil keiner eige- nen Verwaltung oder gar einer separaten Rechnungsfüh rung, um als solcher gelten zu können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2001, 4C.350/2000, E. 3d). 2.7.2 Gemäss den Angaben der Beklagten im Fragebogen " zum Mischbetrieb und Gepräge" vom 12. Dezember 2009 kann keine klare Zuordnung der ei nzelnen Arbeitnehmenden des be- klagten Unternehmens zu den beiden Tätigkeitsbereichen "Bohrungen" und "Verlängerungen und Anschlüsse im Gebäude" vorgenommen werden. Auch werd en die Arbeiten im branchen- fremden Betriebsteil im Rahmen der übrigen Tätigkeite n nicht nur hilfsweise, sondern meistens direkt für den Kunden erbracht. Sodann ist unbestritt en, dass die Bereiche "Bohrungen" und "Verlängerungen und Anschlüsse im Gebäude" weder im Inn en- noch im Aussenverhältnis einen selbstständigen Betriebsteil bilden. Damit steh t fest, dass die Beklagte nicht zwei selbst- ständige Betriebsteile führt, und der Betrieb in Bezug auf Organisation und Tätigkeiten identisch strukturiert ist, weshalb das Unternehmen der Beklagten als unechter Mischbetrieb zu qualifizie- ren ist. 2.8 Weiter ergibt sich aus den Ausführungen der Beklag ten und der Akten, dass die Tätig- keit im Bereich der Erdwärmesondenbohrungen dem Betr ieb der A.____ das Gepräge gibt. So betrugen die Stellenprozente gemäss Angaben der Beklagten im Jahr 2008 rund 1/5 im Bereich "Verlängerungen und Anschlüsse im Gebäude" und 4/5 im Bereich "Bohrungen". Auch in zeitli- cher Hinsicht überwiegen die Mitarbeiterstunden im Bere ich "Bohrungen" in einem beträchtli- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Ausmass. Es gibt keine Hinweise, dass sich das Geprä ge des Betriebes der Beklagten nach 2008 geändert hat. So änderten sich die Internet auftritte der Beklagten in Bezug auf die angebotenen Leistungen über den Lauf der Jahre nicht w esentlich. Selbst die Beklagte aner- kennt, dass ihre prägende Tätigkeit im Bereich der Erdwä rmesondenbohrungen liegt. Sie stellt im Rahmen des vorliegenden Klageverfahrens auch nicht mehr in Abrede, dass sie gestützt auf den BGE 139 III 165 grundsätzlich vom betrieblichem G eltungsbereich des AVE GAV FAR er- fasst ist. Soweit die Beklagte geltend macht, dass die am 1. Januar 2014 in Kraft getretene Zu- satzvereinbarung VIII des GAV FAR vom Bundesrat noch nich t allgemeinverbindlich erklärt worden sei, kann sie nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die Zusatzvereinbarung VIII beinhaltet vor allem Anpassungen an den GAV FAR im Zusammenhang des Geltungsbereichs im Bereich Gleisbau (vgl. Zusatzvereinbarung VIII zum GAV FAR betre ffend Anpassung des Geltungsbe- reichs vom 7. Oktober 2013). Dies Zusatzvereinbarung VIII hat deshalb keine Auswirkungen auf den betrieblichen Geltungsbereich der Beklagten. 3.1 In den persönlichen Geltungsbereich fallen nach Ar t. 2 Abs. 5 AVE GAV FAR insbeson- dere Spezialisten wie Maschinisten, Chauffeure, Magaziner und Isoleure sowie die Hilfskräfte (lit. e) und weitere Arbeitnehmerinnen und Arbeitne hmer, sofern sie Hilfstätigkeiten in einem dem Geltungsbereich unterstellten Betrieb ausführen (l it. f). Weiter wird bestimmt, dass die Ar- beitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab Beginn der AHV- Pflicht dem GAV FAR unterstehen. Ausgenommen ist das leitende, technische und kaufmänni sche sowie das Kantinen- und Reini- gungspersonal eines unterstellten Betriebes. Entgegen der Ansicht der Beklagten bildet das Kriterium, dass die betroffenen Spezialisten körperlich schwere Arbeit zu verrichten hätten, kei- ne Voraussetzung für die Unterstellungspflicht. Die von d en Sozialpartnern getroffene "pau- schale" Lösung, Spezialisten grundsätzlich in den GAV FAR einzubeziehen, dient der Vermei- dung eines kaum zu bewältigenden Konfliktpotenzials im Zu sammenhang mit individuellen Ab- grenzungsfragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. De zember 2012, 9C_374/2012, E. 2.7.2.2). 3.2 Abweichend von Art. 2 Abs. 5 lit. e AVE GAV FAR si eht Art. 3 Abs. 1 lit. e GAV FAR (in der bis 31. Dezember 2013 gültig gewesenen Fassung) ei ne Geltung für Spezialisten wie Ma- schinisten, Chauffeure, Magaziner und Isoleure sowie die Hilfskräfte nur vor, "sofern sie auch dem Geltungsbereich des Landesmantelvertrages für das Bau hauptgewerbe (LMV) unterste- hen". Mit dieser Diskrepanz befasste sich das Bundesgericht in seinem Urteil vom 7. Dezember 2012 (9C_374/2012). In Auslegung des Art. 2 Abs. 5 li t. e AVE GAV FAR kam es zum Schluss, dass bei deren Anwendung entscheidend sei, ob die in di eser Bestimmung genannten Berufs- leute unter den Geltungsbereich des LMV fielen. Gemä ss Art. 2 Abs. 3 lit. a des Bundesratsbe- schlusses über die Allgemeinverbindlicherklärung des LMV ( AVE LMV) erstreckt sich dessen betriebliche Geltungsbereich auch auf den Tiefbau einsch liesslich Spezialtiefbau; d.h. die Be- klagte wird vom betrieblichen Geltungsbereich des LMV er fasst. Hinsichtlich des persönlichen Geltungsbereichs stellte das Bundesgericht fest, dass die A nwendungsbereiche des GAV FAR und des LMV insofern kohärent seien, als Spezialisten da von grundsätzlich erfasst werden, ausser wenn sie einem anderen - für ihre Berufsgruppe spezifischeren - GAV unterstehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2012, 9C_374 /2012, E. 2.7.4.2). Vorliegend steht ausser Frage, dass die von der Beklagten beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kei- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nem anderen GAV unterstehen, weshalb sie grundsätzlich i n den Anwendungsbereich von Art. 2 Abs. 5 lit. e AVE GAV FAR fallen. 3.3 Die Beklagte macht in ihrer Duplik vom 19. Dezembe r 2014 geltend, dass B.____ als Geschäftsführer, C.____, D.____, E.____, F.____ und G.____ als Mitarbeitende im Sekretariat sowie H.____ und I.____, die dem Betriebsteil "Verlä ngerungen" zugeteilt seien, nicht vom per- sönlichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR erfasst seien. Die Stiftung FAR nahm in der Fol- ge b.____ und sämtliche angeführte Mitarbeitende im S ekretariat, aber nicht die beiden Mitar- beiter H.____ und I.____ vom persönlichen Geltungsber eich aus (vgl. Stellungnahme vom 28. Januar 2015). Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter des Sekretariats sind dem kaufmännischen Personal zuzu rechnen, weshalb für sie gestützt auf Art. 2 Abs. 5 AVE GAV FAR keine FAR-Beiträge zu e ntrichten sind. Gemäss Arbeitsvertrag vom 12. November 2007 hatte B.____ bereits bei Stelle nantritt die Funktion als Betriebsleiter. Seit 5. November 2010 ist er zudem als Zeichnungsberec htigter (Kollektivunterschrift zu zwei- en) im Handelsregister eingetragen. Er zählt somit seit Beginn seiner Anstellung zum leitenden Personal. Dagegen fallen beide Heizungsinstallateure I.____ und H.____, welche beide die Ver- längerungen und Anschlüsse im Gebäude ausführen, in den persönlichen Geltungsbereich des AVE GAV FAR. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung w erden Maschinisten und Ar- beitnehmer, welche wie hier für die Anbindung der Le itungen von der Erdsonde zum Gebäude bzw. zur Wärmepumpe zuständig sind, vom persönlichen Geltu ngsbereich des AVE GAV FAR erfasst (vgl. die in BGE 139 III 169 nicht veröffentlichte E. 5.3.2). Es ist somit festzustellen, dass ab Aufnahme der Geschäftstätigkeiten der A.____ am 1. Januar 2008 - bis auf die Mitarbeiten- den im Sekretariat und den Geschäftsführer B.____ - fü r sämtliche Arbeitnehmenden der Be- klagten FAR-Beiträge zu bezahlen sind (vgl. Art. 2 Abs. 5 AVE GAV FAR). In diesem Zusam- menhang ist hier festzustellen, dass auf den Antrag der Stiftung FAR, die Beklagte sei zu ver- pflichten, auch in der Zukunft FAR-Beiträge abzurechne n, nicht eingetreten werden kann, so- weit dieser dahingehend zu verstehen ist, dass Anordnungen im Zusammenhang mit künftigen noch nicht fälligen Beitragsabrechnungen zu treffen si nd. Dagegen ist es selbstverständlich, dass die Beklagte bei unveränderten Verhältnissen über d ie Beitragsperiode vom 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2013 hinaus beitragspflichtig ist. 3.4 An der Beitragspflicht der Beklagten ab 1. Januar 2008 ändern deren Einwände nichts. Sie macht geltend, dass sie vor dem 25. Juli 2013, d.h. zum Zeitpunkt, in welchem sie von der Stiftung FAR Kenntnis des hier massgebenden BGE 139 II I 169 erhalten habe, ihre Beitrags- pflicht nicht habe erkennen können. In diesem Zusammenh ang ist darauf hinzuweisen, dass dem Erfordernis der (leichten) Erkennbarkeit einer GAV- Unterstellung gemäss bundesgerichtli- cher Rechtsprechung keine eigenständige Bedeutung zukomm t. Jedenfalls kann aus dem Um- stand, dass über die einen Betrieb prägende Tätigkeit u nd über die Frage, ob eine bestimmte Betriebskategorie in den Geltungsbereich gemäss Art. 2 A bs. 4 AVE GAV FAR fällt, unter- schiedliche Auffassungen herrschen können, nicht auf eine fehlende Unterstellung geschlossen werden. Dies gilt auch unter dem Aspekt der Rechtssicherhe it: Einerseits liegen Abgrenzungs- fragen in der Natur der Sache und andererseits hätte es ansonsten ein Arbeitgeber in der Hand, sich der Beitragspflicht allein mit deren entsprechend begründeten Bestreitung zu entziehen, was nicht Sinn und Zweck einer Allgemeinverbindlicherklär ung gesamtarbeitsvertraglicher Be- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht stimmungen sein kann (BGE 139 III 169 E. 4.3.4). Über einstimmend mit der Stiftung FAR ist daher festzustellen, dass die Beklagte spätestens zum Zeitp unkt, als die Stiftung FAR am 3. Dezember 2009 von ihr FAR-Beiträge forderte, mit i hrer Beitragspflicht rechnen musste; je- denfalls war für sie dann zumindest die Möglichkeit einer GAV FAR-Unterstellung leicht erkenn- bar. 3.5 Soweit die Beklagte die rückwirkende Einforderung d er Beitragszahlungen für unzuläs- sig hält, kann ihr nicht gefolgt werden. Die Beitragser hebung ist gestützt auf die gesetzeskon- forme Publikation der AVE GAV FAR zulässig, sobald die entsprechenden Tatbestandsvoraus- setzungen erfüllt sind. Dabei ist belanglos, ob die Sti ftung FAR einen Unterstellungsbeschluss trifft oder nicht, zumal sie auch nicht befugt ist, Ver fügungen betreffend Beitragspflicht oder -erhebung zu erlassen (BGE 138 V 32 E. 4.2 S. 39 f.). Von einer "unechten Rückwirkung" kann in diesem Zusammenhang denn auch nicht gesprochen werden, handelt es sich doch da- rum, einen bestehenden Anspruch nachträglich durchzusetzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2012, 9C_374/2012, E. 3.1.1). Schliessli ch ist die Einbringlichkeit der Arbeit- nehmerbeiträge ebenso wie die wirtschaftliche Lage der Beklagten (BGE 138 V 32 E. 4.2 in fine S. 40) oder deren Verzicht auf die Bildung von Rückstellu ngen ohne Bedeutung für die Bei- tragspflicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2012, 9C_374/2012, E. 3.1). 3.6.1 Die von der Stiftung FAR eingeklagten Beiträge, welche vor dem 18. Mai 2009 fällig wurden, sind entgegen den Vorbringen der Beklagten ni cht verjährt. Gemäss Art. 41 Abs. 2 Satz 1 BVG verjähren Forderungen auf periodische Beitr äge und Leistungen nach fünf Jahren. Diese Bestimmung gilt laut Art. 89a Abs. 6 Ziff. 5 au ch für Personalfürsorgestiftungen, die auf dem Gebiet der Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden vorsorge tätig sind und damit auch im vorliegenden Fall (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. November 2011, 9C_783/2011, E. 2.1). Es besteht kein Anlass für die Annahme, dass es sich bei der Frist von Art. 41 Abs. 2 Satz 1 BVG um eine lediglich durch Klageanhebung zu wah rende Verwirkungsfrist handelt (vgl. SZS 2008 S. 574; BGE 138 V 32 E. 4.3 S. 40). Eine V erjährung der vor dem 18. Mai 2009 ent- fallenden Beträge fällt nur dann in Betracht, wenn d ie Stiftung FAR mindestens fünf Jahre vor Einleitung der Betreibung (vgl. Art. 41 Abs. 2 Satz 2 BVG in Verbindung mit Art. 135 Ziff. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts [OR] vom 30. März 1911) Kenntnis von ihrer Forderung hatte. Aus den Akten geht hervor, dass die Stiftung FAR beim zuständigen Betreibungsamt am 26. März 2013 ein Betreibungsbegehren gegen die Bekla gte für die FAR-Beiträge der Jahre 2008 und 2009 stellte. Diese Beiträge wären verjährt , wenn die Stiftung FAR spätestens im März 2008 gewusst hätte, dass die Beklagte dem AVE GAV F AR zu unterstellen ist (vgl. BGE 138 V 32 E. 4.3 S. 40). Die Stiftung FAR erhielt aber erst mit E-Mail des Sekretärs der PBK vom 19. September 2008 überhaupt Kenntnis vom Betrieb de r Beklagten und einer möglichen Un- terstellungspflicht. Am 23. September 2009 meldete sich die Beklagte bei der Stiftung FAR und erklärte, dass sie ein Unternehmen sei, welches Erdbohrung en für Erdwärmesonden und Son- denverlängerungen erstelle und ausführe. Sie sei desha lb nicht dem Bauhauptgewerbe zuzu- ordnen und unterstehe deshalb auch nicht dem AVE GAV FA R. Nach Erhalt dieses Schreibens verfolgte die Stiftung FAR ihre Interessen ohne Verzug , indem sie der Beklagten am 13. Okto- ber 2009 und am 19. November 2009 die Fragenbogen "zu Mischbetrieb und Gepräge" zur Vervollständigung zustellte. Da die Beklagte dieser Auff orderung nicht nachkam, erliess die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stiftung FAR gestützt auf den Handelsregisterauszug, der Firmenwebsite und des Schreibens der Beklagten vom 23. September 2009 am 3. Dezember 20 09 den Entscheid über die Unter- stellung der Beklagten. Aufgrund dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass die Stiftung FAR vor März 2008 keine Kenntnis vom Betrieb der Beklagten un d deren Beitragspflicht hatte; dies wird von der Beklagten auch nicht behauptet. Unter diese n Umständen ist eine Verjährung der Beitragsforderungen zu verneinen. Was die Beiträge fü r die Jahre 2010 bis 2013 anbelangt, ist festzuhalten, dass die Verjährungsfrist im Zeitpunkt der Klageerhebung im Mai 2014 noch nicht abgelaufen war. Eine Verjährung der Forderungen kann unter diesen Umständen nicht ange- nommen werden. 3.6.2 Der Vollständigkeit halber wird darauf hingewie sen, dass entgegen der Ansicht der Be- klagten ihre unterlassene Anmeldung bei der Stiftung FAR eine Meldepflichtverletzung darstellt, die nicht entschuldbar ist. Gemäss bundesgerichtlicher Re chtsprechung ist von einer grobfahr- lässigen Meldepflichtverletzung auszugehen, wenn sich ein dem AVE GAV FAR unterstellter Arbeitgeber nicht selber bei der Stiftung FAR anmeld et. Die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Anmeldung und Bezahlung von Beiträgen an die Stiftun g FAR ergibt sich unmittelbar aus der Allgemeinverbindlicherklärung bzw. dem allgemeinverbindlichen Vertrag mit Gesetzescharakter (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. November 2011, 9C _783/2011, E. 2.2). Unkenntnis oder Unklarheit von der Unterstellungspflicht ist ohne Belang (vgl. Erwägung 3.4). Dass die Stif- tung FAR zu Beginn der Beitragspflicht per 1. Januar 20 08 keine Kenntnis der A.____ und so- mit über ihre Unterstellung sowie die Grundlagen der Forderung hatte, hat die Beklagte zu ver- antworten, verzichtete sie doch auf eine Anmeldung und kam den mehrmaligen Aufforderungen der Stiftung FAR zur Vervollständigung des Fragebogens " zu Mischbetrieb und Gepräge" an- fänglich nicht und später nur zögerlich nach. Dieses Verhalten ist im Sinne der Rechtsprechung nicht entschuldbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21 . November 2011, 9C_783/2011, E. 2.2). 3.7 Die Beklagte bringt ferner vor, dass die Beiträge für das Jahr 2008 gestützt auf Art. 24 Abs. 1 ATSG verwirkt seien. Da die Verjährungs- und Verw irkungsregelung gemäss Art. 24 Abs. 1 ATSG im Recht der beruflichen Vorsorge nicht anwe ndbar ist (vgl. BGE 131 V 56 f. E. 3.1), kann die Beklagte aus dieser Bestimmung nichts zu ihren Gunsten ableiten. 4. Aufgrund dieser Ausführungen ergibt sich, dass die Be klagte ab 1. Januar 2008 FAR- Beiträge nachzuzahlen hat, weshalb die Klage gutzuheisse n ist, soweit darauf eingetreten wer- den kann. 5.1 Der Beitrag der Arbeitnehmenden beträgt vom 1. Ja nuar 2008 bis 31. Dezember 2011 1,3 % und ab 1. Januar 2012 1 % des massgeblichen Lohn es (Art. 8 Abs. 1 GAV FAR). Der Beitrag der Arbeitgeberfirma ist auf 4 % des massgeblich en Lohnes festgesetzt (Art. 8 Abs. 2 GAV FAR). Als massgeblicher Lohn gilt der AHV-pflichtig e Lohn bis zum UVG-Maximum (Art. 8 Abs. 4 GAV FAR). Die Arbeitgeberfirma schuldet der St iftung FAR die gesamten Beiträge von Arbeitgeberfirma und Arbeitnehmenden (Art. 9 Abs. 1 GAV FAR). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Die in der Stellungnahme der Beklagten vom 28. Ja nuar 2015 aufgeführten Lohnsum- men für die Jahre 2008 - 2013 stimmen mit den AHV-Lo hnlisten überein. Die Höhe der für die Jahre 2008 - 2013 berechneten Beiträge entsprechen den Prozentzahlen gemäss GAV FAR. Des Weiteren brachte die Stiftung FAR von den geschulde ten Beiträgen von Fr. 156'174.85 die bereits geleisteten Beitragszahlungen in Höhe von insge samt Fr. 53'100.10 (Fr. 19'095.75 [2010], Fr. 22'504.35 [2011] und Fr. 11'500.-- [2013]) in Abzug, so dass eine Forderung in Höhe von Fr. 103'074.75 resultiert. Diese Berechnung wird vo n der Beklagten auch nicht bean- standet. 6. Grundlage des von der Stiftung FAR geforderten V erzugszinses bildet Art. 9 Abs. 2 und 3 GAV FAR, der in teilweiser Abweichung von Art. 100 ff. OR vorsieht, dass Akontozahlungen spätestens per Quartalsende fällig sind und ab Fälligkei t ein Verzugszins von 5 % geschuldet ist. Die Stiftung FAR verlangt jeweils eine Verzinsung der gesamten Jahresbeiträge ab Beginn des Folgejahres. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist ein solches Vorgehen nicht zu beanstanden (vgl. nicht veröffentlichte Ziffer 5.6.2 des publizierten BGE 139 III 165 ff.). 7. Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG ist das Klageverfahren koste nlos. Es sind deshalb keine Verfahrenskosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit darauf eingetreten werden kann, wird die Klage gutgeheissen und die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin einen Bet rag von Fr. 103'074.75 für die FAR-Beiträge für den Zeitraum vom 1. Januar 2008 bi s 31. Dezember 2013 inkl. Zins für die folgenden Beiträge ab Fälligkeit zu be zahlen: Fr. 13'381.90 (Jahr 2008), fällig per 1. Januar 2009, Fr. 20'457.25 (Jahr 2009), fällig per 1. Januar 2010, Fr. 9'680.95 (Jahr 2010), fällig per 1. Januar 2011, Fr. 8'098.75 (Jahr 2011), fällig per 1. Januar 2012, Fr. 30'027.00 (Jahr 2012), fällig per 1. Januar 2013 und Fr. 21'429.00 (Jahr 2013), fällig per 1. Januar 2014. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.