<h2>SubmittedText<h2><p>Am 8. Mai 1995 jähren sich zum fünfzigsten Mal die Kapitulation von Hitlerdeutschland und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Aus den Kriegsjahren von 1939 bis 1945 ist eine unbewältigte historische Altlast zurückgeblieben. Ich verweise auf den Bericht des Bundesrates an die eidgenössischen Räte, verfasst von Professor Dr. Carl Ludwig: "Die Flüchtlingspolitik der Schweiz in den Jahren 1933 bis 1955." Darin wird aktenkundig nachgewiesen, dass der berüchtigte J-Stempel im Pass von deutschen und österreichischen Juden aufgrund einer Kooperation zwischen deutschen und schweizerischen Behörden eingeführt worden war.</p><p>Der Ludwig-Bericht wurde im Nationalrat am 30. Januar 1958, im Ständerat am 6. März 1958 diskutiert. Der Vertreter des Bundesrates erwähnte weder eine Mitverantwortung der offiziellen Schweiz am "J-Kennzeichen", wie der amtliche Ausdruck lautete, noch äusserte er Worte des Bedauerns. Ebensowenig distanzierte er sich von der am 13. August 1942 an die Kantone ergangenen Weisung, "Juden seien nicht als politische Flüchtlinge anzusehen" ("Schweizer Lexikon", Band 3). Nach meinem Wissensstand hat sich die Landesregierung auch seither für diese Anordnungen noch nie entschuldigt.</p><p>Ich ersuche den Bundesrat, das bisher Versäumte nachholen zu wollen. Eine unbewältigte Phase in unserer jüngsten Geschichte kann natürlich nicht ungeschehen gemacht, wohl aber in angemessener Form auf würdige Art an die Adresse der Menschen jüdischen Glaubens, wo immer sie leben mögen, bedauert werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Nach der Rede des Bundespräsidenten am 7. Mai vor der Bundesversammlung kann das Postulat als erfüllt abgeschrieben werden.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat als erfüllt abzuschreiben.