Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. Oktober 2012 (810 12 174) ____________________________________________________________________ Steuern und Abgaben Staatssteuer 2008 Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Beat Walther, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Gerichts- schreiber Markus Pachlatko Parteien A.____ und B.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Ernst & Young AG gegen Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Betreff Staatssteuer 2008 (Entscheid der Abt. Steuergericht vom 17. Februar 2012) A. A.____ und B.____ zogen per 15. Januar 2008 vom Au sland in den Kanton Basel- Stadt und per 1. März 2008 vom Kanton Basel-Stadt nach C.____. Mit Verfügung vom 26. Au- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gust 2010 betreffend die Staats- und Gemeindesteuer 2 008 wurden sie zu einem steuerbaren Einkommen in der Höhe von Fr. 108'722.-- und einem sa tzbestimmenden Einkommen in der Höhe von Fr. 64'454.-- veranlagt. B. Mit Schreiben vom 23. September 2010 erhoben A.__ __ und B.____, vertreten durch Lukas Naef und Matthias Rüttimann, Ernst & Young AG, E insprache gegen die Veranlagungs- verfügung vom 26. August 2010. Die Einsprache wurden von der Steuerverwaltung des Kan- tons Basel-Landschaft (Steuerverwaltung) mit Entscheid vom 11. August 2011 abgewiesen. C. A.____ und B.____, vertreten durch Kornel Wick und M artin Poletti, Ernst & Young AG, erhoben beim Steuer- und Enteignungsgericht des Kanto ns Basel-Landschaft, Abteilung Steu- ergericht (Steuergericht) gegen den Einspracheentsche id mit Schreiben vom 8. September 2011 Rekurs. Sie beantragten die Aufhebung des Entsch eides vom 11. August 2010 sowie die Festsetzung des steuerbaren Einkommens auf Fr. 89'200.-- und des satzbestimmenden Ein- kommens auf Fr. 128'300.--. Alles unter Kosten- und Ent schädigungsfolge zu Lasten des Staa- tes. D. Das Steuergericht wies mit Entscheid vom 17. Februar 2012 (zugestellt am 10. Mai 2012) den Rekurs ab. Zur Begründung brachte es im Wesentlichen vor, dass A.____ und B.____ zwar betreffend den Betrag von Fr. 19'068 .-- doppelt besteuert worden seien, die Veranlagung für die Steuerperiode 2008 durch den Kan ton Basel-Landschaft sei jedoch korrekt erfolgt. E. Hiergegen erhoben A.____ und B.____ (Beschwerdefüh rer), vertreten durch Kornel Wick und Clemens Frei, Ernst & Young AG, mit Schreiben v om 8. Juni 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht (Kantonsge- richt). Sie beantragten die Aufhebung des Entscheides des Steuergerichts vom 17. Februar 2012 und der Veranlagungsverfügung vom 26. August 2010 sowie die Festsetzung des steuer- baren Einkommens auf Fr. 89'200.-- und des satzbestimm enden Einkommens auf Fr. 128'300.--. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. F. Die Steuerverwaltung beantragte in ihrer Vernehml assung vom 5. Juli 2012 und das Steuergericht in seiner Vernehmlassung vom 13. August 2012 die Abweisung der Beschwerde. G. Mit Präsidialverfügung vom 21. August 2012 wurde d er Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen und zudem mitgeteilt, dass die Beschwer deverfahren betreffend die Staats- steuern 2008 und betreffend die direkte Bundessteuer 2 008 in der gleichen Urteilsberatung be- handelt würden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Nach § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht als letzte kantonale Instanz angefoch ten werden. Die übrigen formellen Voraussetzungen nach §§ 43 ff. des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 sind erfüllt, so d ass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Gemäss § 45 Abs. 1 VPO können mit der verwaltungsg erichtlichen Beschwerde Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Untersch reitung oder Missbrauch des Er- messens (lit. a) sowie die unrichtige oder unvollständ ige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit ei ner Verfügung ist hingegen nur in Aus- nahmefällen vorgesehen (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). Mit d er Beschwerde in Steuersachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen En tscheids und des vorangegange- nen Verfahrens gerügt werden. § 45 Abs. 2 VPO setzt dam it die bundesrechtlichen Vorgaben um, wonach im kantonalen Rekurs- und Beschwerdeverfahre n betreffend direkte Bundessteuer gemäss Art. 140 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 in Verbindung mit Art. 145 Abs. 2 DBG alle Mängel des angefochtenen Entscheides und des vorangegangenen Verfahrens gerügt w erden können. Hinsichtlich der Staats- und Gemeindesteuern wäre eine solch weitgehend e Kontrolle vorinstanzlicher Ent- scheide gemäss Art. 50 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die H armonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (Steuerharmonisier ungsgesetz, StHG) vom 14. Dezember 1990 nur für das Rekursverfahren vor Steue rgericht, nicht aber für das Be- schwerdeverfahren vor Kantonsgericht gefordert. Der Gesetzgeber hat sich jedoch entschieden, die im DBG verlangte Ermessenskontrolle hinsichtlich der direkten Bundessteuer auch auf die Staats- und Gemeindesteuern auszuweiten. Deshalb kann d as Kantonsgericht vorliegend auch die Angemessenheit der angefochtenen Verfügungen bzw. Entscheide überprüfen. 3.1 Die Beschwerdeführer machten im Wesentlichen gelt end, sie seien mit Verfügung der Steuerverwaltung vom 26. August 2010 betreffend die Staats- und Gemeindesteuer 2008 hin- sichtlich des Betrages von Fr. 19'068.-- doppelt besteuert worden. Unbestritten ist sowohl das Vorliegen einer Doppelbesteuerung der Beschwerdeführer als auch die Höhe der Doppelbe- steuerung. Unbestritten ist zudem, dass die Beschwerdeführer im Jahr 2008 ein dem Steuerab- zug an der Quelle unterworfenes Bruttoeinkommen von Fr . 134'972.-- erzielten und dass die Steuerverwaltung die Beschwerdeführer nach den Vorgab en des KS 14 SSK veranlagt hat. Strittig ist demgegenüber, ob die Steuerverwaltung di e Beschwerdeführer zu Recht - den Vor- gaben des KS 14 SSK entsprechend - sowohl betreffend das Erwerbseinkommen, als auch betreffend das übrige Einkommen für die ganze Steuerperiode 2008 veranlagt hat. 3.2 Die Vorinstanz brachte hierzu vor, dass der Grund f ür die Doppelbesteuerung in der unterschiedlichen Betrachtungsweise betreffend die Veran lagungszuständigkeit und der damit verbundenen jeweiligen Ausscheidung des Einkommens seiten s der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft liege. Der Kanton Basel-Landschaft sei gemäss KS 14 SSK, welches der Re- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelung des DBG entspreche, für die Veranlagung der gan zen Steuerperiode 2008 zuständig. Demgegenüber wende der Kanton Basel-Stadt das KS 14 S SK nicht an und gehe von einer eigenständigen Veranlagungsbefugnis und Zuständigkeit zu r Wegzugsbesteuerung aus. Er stütze sich dabei auf Art. 4 der Verordnung über die A nwendung des Steuerharmonisierungs- gesetzes im interkantonalen Verhältnis (Vo StHG) vom 9. März 2001 ab. Art. 4 Vo StHG erwei- se sich aber als disharmonisierend, was als Verstoss gegen die verfassungsrechtliche Vorgabe in Art. 129 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge nossenschaft (BV) vom 18. April 1999 zu werten sei. Denn es sei kein Grund ersichtlich, eine ursprünglich quellensteuerpflichti- ge, aber nachträglich der ordentlichen Veranlagung unterliegende Person anders zu behandeln, als eine inländische steuerpflichtige Person. 3.3 Das KS 14 SSK statuiert in Ziffer 2 folgende Rege lung: "Bei Wegzug einer der nachträglichen ordentlichen Vera nlagung unterstellten quellensteuerpflichtigen Person vo n einem Kanton mit Postnumerando-System in einen ander n Kanton mit Postnumerando-System, ist der Kanton mi t Wohnsitz am Ende der Periode (Zuzugskanton) für die V eranlagung der ganzen Steuerperiode zuständig und zw ar sowohl bei der direkten Bundessteuer als auch bei den Staats- und Gemeindesteuern. (…) Bei den Staats- und Gemeindesteuern setzt ebenfalls der Zuzugskanton (Wohnsitzkanton am Ende der Periode) das steuerbare und das satzbestimmende Einkommen sowie das st euerbare Vermögen für den Zuzugs- und den Weg- zugskanton fest. Gestützt auf diese Veranlagung berechnen sowohl der Zuzugskanton als auch der Wegzugskanton gemäss ihren Tarifen die geschuldeten Staats- und Gemei ndesteuern und beziehen die Steuern unter Anrechnung der ihnen abgelieferten (bzw. geschuldeten) Quellenste uern. Übersteigen die Quellensteuern die im nachträgl ichen ordentlichen Verfahren berechneten Steuern, ergibt sich eine Rückerstattung und im umgekehrten Fall ein Nachbe - zug." 3.4 Die Beschwerdeführer machten hierzu im Wesentlichen geltend, dass die Veranlagung nach diesen Vorgaben nicht zulässig sei. Das KS 14 SSK v erstosse gegen Art. 38 Abs. 4 StHG und Art. 4 Vo StHG. Art. 38 Abs. 4 StHG schreibe vor, dass dem jeweiligen Wohnsitzkanton das Besteuerungsrecht im Verhältnis zur Dauer der Steuerpfl icht zustehe. Dies gelte sowohl für die Veranlagung Quellensteuerpflichtiger, als auch - mangels eines Vorbehalts - bei der nachträgli- chen ordentlichen Besteuerung. Art. 4 Vo StHG präzisiere den in Art. 38 Abs. 4 StHG normier- ten Grundsatz und sei letztlich so zu verstehen, dass bei quellenbesteuerten Personen bei ei- nem Wechsel zwischen Kantonen mit Postnumerandobesteuer ung eine Kombination aus Auf- teilung der Steuerperiode (für das Einkommen aus unse lbständiger Erwerbstätigkeit) und von Einheit der Steuerperiode (für die anderen Einkommen steile) zur Anwendung kommen müsse. Zu beachten sei im Weiteren, dass die Kantone gemäss Art. 34 Abs. 2 StHG die Schwellenwer- te für die nachträgliche ordentliche Besteuerung festzu setzen hätten. Würde bloss in einem Kanton (Wegzugs- oder Zuzugskanton) der Schwellenwert er reicht, dürfe und müsse auch nur in diesem Kanton eine nachträgliche ordentliche Einschä tzung erfolgen. Hinzu komme, dass sich die Einkünfte im Wegzugs- und Zuzugskanton verschie den entwickeln könnten, so dass die Voraussetzungen auch bei übereinstimmenden Schwell enwerten darum nicht in beiden er- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht füllt sein müssten. Zur Vermeidung der vorliegenden Dop pelbesteuerung sei beim Erwerbsein- kommen eine Aufteilung der Steuerperiode und demnach eine Besteuerung des Erwerbs nur für den Zeitraum der Zugehörigkeit vorzunehmen. 4.1 Gemäss Art. 34 Abs. 2 StHG in Verbindung mit § 3 Abs. 1 der Verordnung zur Quel- lensteuer (Vo Quellensteuer) vom 6. September 1994 sind die Beschwerdeführer, da sie im Kalenderjahr 2008 Bruttoeinkünfte von über Fr. 120'000.-- erzielt haben, nachträglich ordentlich zu veranlagen, wobei die an der Quelle abgezogene Ste uer anzurechnen ist. Da die Beschwer- deführer ihren Wohnsitz per 1. März 2008 - und damit w ährend der Steuerperiode 2008 - vom Kanton Basel-Stadt nach C.____ verlegt haben, kommt Art . 38 Abs. 4 StHG zur Anwendung. Dieser hält fest, dass dem jeweiligen Wohnsitz- oder Aufe nthaltskanton das Besteuerungsrecht im Verhältnis zur Dauer der Steuerpflicht zusteht. Fr aglich ist, ob die Vorinstanzen die Be- schwerdeführer im Rahmen der ordentlichen Veranlagung - entsprechend den Vorgaben des KS 14 SSK - zu Recht für die ganze Steuerperiode 2008 veranlagt haben. 4.2 Kreisschreiben der Schweizerischen Steuerkonferenz sind f ür das Gericht nicht ver- bindlich. Das Bundesgericht hat aber festgestellt, dass e s von einem entsprechenden Kreis- schreiben dann nicht ohne triftigen Grund abweicht, so weit das Kreisschreiben die rechtlichen Vorgaben überzeugend konkretisiert (Urteil des Bundesger ichts [BGer] vom 4. April 2011 [2C_689/2010] E. 4.3, mit weiteren Hinweisen). Es ist somit zu prüfen, ob die Regelung des KS 14 SSK gegen die einschlägigen gesetzlichen Grundlagen verstösst und falls dies nicht der Fall sein sollte, ob es die gesetzlichen Vorgaben überzeugend konkretisiert. Hierzu sind vorab die einschlägigen bundesrechtlichen Normen, Art. 38 Abs. 4 StHG und Art. 4 Vo StHG, auszulegen. 4.3.1 Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortla ut der Bestimmung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente nach seiner wahren Tragweite gesucht werden. Abzustellen ist dabei na- mentlich auf die Entstehungsgeschichte der Norm und ih ren Zweck sowie auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zuko mmt. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar entscheidend, dienen aber als Hi lfsmittel, um den Sinn der Norm zu er- kennen. Namentlich bei neueren Texten kommt den Materi alien eine besondere Stellung zu, weil veränderte Umstände oder ein gewandeltes Rechtsver ständnis eine andere Lösung weni- ger nahelegen (BGE 138 V 23 E. 3.4.1; 131 II 702 f. E. 4.1). 4.3.2 Das Steuerharmonisierungsgesetz ist ein Rahmen- od er Grundsatzgesetz. Es über- lässt es dem kantonalen Gesetzgeber, im Rahmen seines Ste uergesetzes die Normen zu er- lassen, welche direkt anwendbar sind. Es weist in Bezug auf die einzelnen Materien jedoch eine unterschiedliche normative Dichte auf. Welcher Regelung sspielraum dem kantonalen Gesetz- geber zusteht, ist nach den gleichen Methoden zu bestim men, wie sie für die Gesetzesausle- gung allgemein gelten. Im Rahmen des teleologischen Au slegungselements ist immerhin zu beachten, dass das Steuerharmonisierungsgesetz eine Harmo nisierung der direkten Steuern sowohl in horizontaler Richtung (zwischen den Kantonen) w ie auch in vertikaler Richtung (zwi- schen dem Bund und den Kantonen) bezweckt (BGE 130 II 7 2 f. E. 5.2 und 128 II 64 f. E. 6a; Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Urteil des BGer vom 29. März 2005 [2A.39/2004] E. 3, i n: ASA 75 S. 329 und vom 24. Novem- ber 2010 [2C_442/2010], in: StE 2011 B 71.64 Nr. 6). 4.4 Art. 38 Abs. 4 StHG hält fest, dass dem Wegzugskanton im Falle der nachträglichen ordentlichen Veranlagung ein Besteuerungsrecht im Verhältnis zur Dauer der Steuerpflicht zu- steht, wenn eine nach den Artikeln 32, 33 und 34 Abs. 2 StHG steuerpflichtige natürliche Per- son innerhalb der Schweiz ihren Wohnsitz oder Aufenthalt verlegt. Demgegenüber spricht Art. 38 Abs. 4 nicht von einem Besteuerungsrecht für die Dauer der Steuerpflicht. Art. 38 Abs. 4 StHG nimmt damit - ohne zwischen Erwerbseinkommen und übrigem Einkommen zu differen- zieren - Bezug auf die gesamte zu veranlagende Steuerpe riode und folglich auf alle in der ge- samten Steuerperiode erwirtschafteten Einkünfte. Das in Art. 38 Abs. 4 StHG statuierte Besteu- erungsrecht erfasst nach der grammatikalischen Auslegung m ithin den im Verhältnis zur Dauer der Steuerpflicht stehenden Bruchteil der Einkünfte, w elche in der gesamten Steuerperiode er- zielte wurden und nicht - entgegen der Ansicht der Besc hwerdeführer - die während der Steu- erpflicht erwirtschafteten Einkünfte. 4.5.1 Gegen diese Auslegung spricht - entgegen der Ansi cht der Beschwerdeführer - auch nicht die Botschaft des Bundesrates zur Koordination und Vereinfachung der Veranlagungsver- fahren für die direkten Steuern im interkantonalen Ve rhältnis (Botschaft StHG) vom 24. Mai 2000. In der Botschaft StHG wird als Grund für das Best euerungsrecht des Wegzugskantons gemäss Art. 38 Abs. 4 StHG - in Abweichung von Art. 68 StHG, welcher das Besteuerungsrecht des Zuzugskantons für die gesamte Steuerperiode statuier t - die Verwaltungsökonomie ange- führt. Mithin wird mit der Regelung gemäss Art. 38 Ab s. 4 StHG das Ziel einer effizienten Ver- waltungsökonomie höher gewichtet als der Zweck, eine Ha rmonisierung der direkten Steuern auf horizontaler Ebene herbeizuführen. Begründet wir d dieser Vorrang in der Gewichtung der Ziele des Steuerharmonisierungsgesetzes damit, dass zahlr eiche Überweisungen von Quellen- steuern zwischen den kantonalen Steuerverwaltungen fälli g würden, wenn der Wegzugskanton kein Besteuerungsrecht mehr habe. Erfasst das Besteuerungsr echt des Wegzugskantons nach Art. 38 Abs. 4 StHG aber den im Verhältnis zur Dauer d er Steuerpflicht stehenden Bruchteil der Einkünfte, welche in der gesamten Steuerperiode erziel t wurden und kann jeder Kanton die be- zogenen Quellensteuern gegenüber den Steuerpflichtigen im Rahmen seines Besteuerungs- rechts selber abrechnen, bedarf es keiner zahlreichen Übe rweisungen von Quellensteuern zwi- schen den kantonalen Steuerverwaltungen. Die Anwendung von Art. 38 Abs. 4 StHG gemäss der grammatikalischen Auslegung beeinträchtigt damit di e Verwaltungsökonomie nicht und steht dem in der Botschaft StHG genannten Zweck des Art. 38 Abs. 4 StHG nicht entgegen. 4.5.2 Der in der Botschaft StHG genannte Zweck von Art . 38 Abs. 4 StHG spricht vielmehr für die angeführte grammatikalische Auslegung. So bewi rkt die Anwendung von Art. 38 Abs. 4 StHG gemäss der grammatikalischen Auslegung eine w eit effizientere Verwaltungsöko- nomie, als wenn Art. 38 Abs. 4 StHG im Sinne der Inte rpretation der Beschwerdeführer zur An- wendung käme. Denn nach dem Verständnis der Beschwerde führer hätten die betroffenen Verwaltungen eine Kombination aus Aufteilung der Ste uerperiode (für das Einkommen aus un- selbständiger Erwerbstätigkeit) und von Einheit der Ste uerperiode (für die anderen Einkom- mensteile) vorzunehmen. Dies würde aber nicht nur eine n deutlich grösseren Verwaltungsauf- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wand generieren, als eine Besteuerung aller in der St euerperiode erwirtschafteten Einkünfte zusammen im Verhältnis zur Dauer der Steuerpflicht, vielmehr würde das von den Beschwerde- führern befürwortete Vorgehen gleichzeitig auch dem Zweck des Steuerharmonisierungsgeset- zes, die direkten Steuern auf horizontaler Richtung zu harmonisieren, zuwiderlaufen (vgl. Ziffer 4.5.1), ohne dass dies durch eine Verbesserung der Verwa ltungsökonomie gerechtfertigt wer- den könnte. Damit widerspricht das von den Beschwerdeführern befürwortete Vorgehen sowohl dem Zweck von Art. 38 Abs. 4 StHG, eine Verbesserung der Verwaltungsökonomie zu bewir- ken, als auch dem Zweck des Steuerharmonisierungsgesetz, ein e Harmonisierung der direkten Steuern herbeizuführen. 4.6 Gegen dieses Verständnis von Art. 38 Abs. 4 StHG spr icht schliesslich - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer - auch nicht, dass die Kant one nach Art. 34 Abs. 2 StHG die Schwellenwerte betreffend die nachträgliche ordentliche Veranlagung autonom bestimmen können. So wäre es grundsätzlich denkbar, dass der Wegzug skanton zum Schluss käme, dass das in der betreffenden Steuerperiode erwirtschaftete Einkommen nicht den Schwellenwert er- reiche und dass folglich der im Verhältnis zur Dauer der Steuerpflicht stehende Bruchteil der gesamten Einkünfte der Steuerperiode - und nur dieser Bruchteil - weiterhin der Quellenbesteu- erung unterstellt bliebe. Zu beachten ist aber hierzu, dass sowohl der Kanton Basel-Landschaft (§ 3 Abs. 1 Vo zur Quellensteuer), als auch der Kant on Basel-Stadt (vgl. § 82 Abs. 1 der Ver- ordnung zum Gesetz über die direkten Steuern vom 14. Nove mber 2000) mit Fr. 120'000.-- denselben Schwellenwert festgelegt haben und dass sich d iese Frage demnach im vorliegen- den Fall gar nicht stellt. 4.7.1 Bezweckt das Steuerharmonisierungsgesetz eine Harmoni sierung der direkten Steuern auch in vertikaler Richtung, so ist im Weiteren das DBG im Rahmen der teleologischen Ausle- gung des Steuerharmonisierungsgesetzes zu berücksichtigen (vgl. Ziffer 4.3.2). 4.7.2 Art. 90 Abs. 2 DBG hält fest, dass, sofern die de m Steuerabzug an der Quelle unter- worfenen Bruttoeinkünfte des Steuerpflichtigen in ein em Kalenderjahr mehr als den durch das Eidgenössische Finanzdepartement festgelegten Betrag err eichen, eine nachträgliche Veranla- gung durchgeführt wird, wobei die an der Quelle abge zogene Steuer dabei angerechnet wird. Betreffend die Zuständigkeit für die nachträgliche, o rdentliche Veranlagung nach Art. 90 DBG verweist Art. 107 Abs. 3 DBG auf Art. 105 DBG. Art. 1 05 DBG gilt jedoch ausschliesslich für Kantone, die das System der zweijährigen Veranlagung mit Vergangenheitsbemessung anwen- den. Für Kantone, welche sich für das System der einjähri gen Veranlagung mit Gegenwartsbe- messung entschieden haben, bestimmt sich die örtliche Zustän digkeit demgegenüber nach Art. 216 DBG. Seit dem 1. Januar 2003 wenden alle Kanton e das System der einjährigen Veranla- gung mit Gegenwartsbemessung an, weshalb sich die Zuständ igkeit für die nachträgliche, or- dentliche Veranlagung im Sinne von Art. 90 DBG - wie die Vorinstanz richtig festhält - nicht nach Art. 105, sondern nach Art. 216 Abs. 1 zu richten hat (R AINER ZIGERLIG /G UIDO JUD , in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Sc hweizerischen Steuerrecht I/2b, 2. Auflage, Basel 2008, Vor Art. 105-108 N 2; F ELIX RICHNER /W ALTER FREI /S TEFAN KAUFMANN /H ANS ULRICH MEUTER , Handkommentar zum DBG, 2. Auflage, Zürich 2009, Art . 107 N 5). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.7.3 Art. 216 Abs.1 DBG hält fest, dass die kantonalen Behörden die direkte Bundessteuer von den natürlichen Personen erheben, die am Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht ihren steuerrechtlichen Wohnsitz oder, wenn ein solcher in der Schweiz fehlt, ihren steuerrecht- lichen Aufenthalt im Kanton haben. Das DBG differenzie rt bezüglich die Veranlagungszustän- digkeit nicht zwischen dem Erwerbseinkommen und dem übrig en Einkommen und statuiert da- mit betreffend das Erwerbseinkommen keine Ausnahme von d er Veranlagungszuständigkeit des Zuzugskantons. Folglich hat die nachträgliche, orden tliche Veranlagung betreffend die di- rekte Bundessteuer gemäss Art. 107 Abs. 3 DBG in Verbindu ng mit Art. 216 Abs. 1 DBG für das gesamte Einkommen der ganzen Steuerperiode durch jenen Kanton zu erfolgen, in dem der Steuerpflichtige am Ende der Steuerperiode seine n Wohnsitz hatte (Z IGERLIG /J UD , a.a.O., Art. 107 N 4, mit weiteren Hinweisen; R ICHNER /F REI / KAUFMANN /M EUTER , a.a.O., Art. 107 N 5; Kreisschreiben Nr. 28 der eidgenössischen Steuerverwaltung vom 29. Januar 1996 in Ziffer 3.2; PETER AGNER /A NGELO DIGERONIMO /H ANS -JÜRG NEUHAUS /G OTTHARD STEINMANN , Kommentar zum Gesetz über die direkten Bundessteuern - Ergänzungsb and, Zürich 2000, S. 311 f.). Sieht die genannte Zuständigkeitsregelung des DBG eine Veran lagung für die gesamte Steuerperio- de durch den Zuzugskanton vor, spricht dies dafür - ausgeh end vom Zweck des StHG, eine Harmonisierung auch in vertikaler Richtung zu bewirken - dass Art. 38 Abs. 4 StHG ebenfalls eine Veranlagung für die gesamte Steuerperiode verlan gt und dass damit das in Art. 38 Abs. 4 StHG statuierte Besteuerungsrecht den im Verhältnis zur Dauer der Steuerpflicht stehenden Bruchteil der Einkünfte erfasst. 4.8 Festzuhalten bleibt, dass das in Art. 38 Abs. 4 StHG statuierte Besteuerungsrecht nach der grammatikalischen, nach der historischen und nach der teleologischen Auslegung - entge- gen der Ansicht der Beschwerdeführer - nicht die währen d der Steuerpflicht erwirtschafteten Einkünfte, sondern den im Verhältnis zur Dauer der Ste uerpflicht stehenden Bruchteil der Ein- künfte, welche in der gesamten Steuerperiode erzielte wurden, erfasst. 5.1 Im Rahmen einer akzessorischen Normenkontrolle ist im W eiteren zu prüfen, ob Art. 4 Vo StHG mit Art. 38 Abs. 4 StHG vereinbar ist. Hierzu ist zu beachten, dass das Kantonsgericht befugt ist, Verordnungen des Bundesrats vorfrageweise a uf ihre Gesetz- und Verfassungsmäs- sigkeit zu prüfen (vgl. U LRICH HÄFELIN /W ALTER HALLER /H ELEN KELLER , Schweizerisches Bun- desstaatsrecht, 8. Auflage, Zürich Basel Genf 2012, N 20 93 ff.). Bei unselbständigen Verord- nungen, die sich - wie hier - auf eine gesetzliche Dele gation stützen, ist abzuklären, ob sich der Bundesrat an die Grenzen der ihm im Gesetz eingeräumten Befugnisse gehalten hat. Soweit das Gesetz den Bundesrat nicht ermächtigt, von der Verfa ssung abzuweichen, befindet das Gericht auch über die Verfassungsmässigkeit der unselbständigen Verordnung. Räumt das Ge- setz dem Bundesrat einen weiten Ermessensspielraum für d ie Regelung auf Verordnungsstufe ein, ist dieser für das Gericht allerdings verbindlich. Es darf in diesem Fall nicht sein eigenes Ermessen an die Stelle jenes des Bundesrates setzen, sondern kann lediglich prüfen, ob die Verordnung den Rahmen der dem Bundesrat delegierten Kompetenzen offensichtlich sprenge oder sich aus anderen Gründen als gesetz- oder verfassung swidrig erweise (vgl. BGE 126 II 573 f. E. 41). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Aufgrund Art. 74 StHG wurde der Bundesrat ermächt igt und beauftragt, Vollzugsbe- stimmungen zum Steuerharmonisierungsgesetz zu erlassen. Mit den Vollzugsbestimmungen hatte der Bundesrat insbesondere die Probleme zu regel n, die sich im interkantonalen Verhält- nis, vor allem zwischen Kantonen mit unterschiedlicher Reg elung der zeitlichen Bemessung, stellen. Art. 38 Abs. 4 StHG regelt das Besteuerungsrech t bei der nachträglichen, ordentlichen Veranlagung im interkantonalen Verhältnis und statuier t - wie angeführt - ein Besteuerungs- recht, welches den im Verhältnis zur Dauer der Steuerpf licht stehenden Bruchteil der Einkünfte, die in der gesamten Steuerperiode erzielte wurden, e rfasst. Diese Norm räumt dem Bundesrat bezüglich der Frage, welche Einkünfte vom Besteuerungsr echt der Kantone erfasst werden, mithin kein Ermessensspielraum ein. Art. 4 der Vo StHG hält demgegenüber fest, dass ein Wohnsitzwechsel in einen anderen Kanton die gleichen Au swirkungen wie ein Wegzug des Steuerpflichtigen aus der Schweiz bzw. die Begründung ei nes Wohnsitzes in der Schweiz ha- ben soll. Art. 4 der Vo StHG statuiert mithin ein Best euerungsrecht für die Dauer der Steuer- pflicht und widerspricht damit der Vorgabe des Steuerha rmonisierungsgesetzes, wonach dem Wegzugskanton im Falle der nachträglichen ordentlichen Veranlagung ein Besteuerungsrecht im Verhältnis zur Dauer der Steuerpflicht zusteht. Diese Norm wider spricht dem übergeordne- ten Steuerharmonisierungsgesetz und ist damit gesetzeswidr ig. Sie kann mithin keine Geltung beanspruchen und ist von Amtes wegen nicht anzuwenden. 6. Zu prüfen ist folglich, ob die Regelung des KS 14 S SK gegen die einschlägigen gesetz- lichen Grundlagen verstösst und falls dies nicht der Fall sein sollte, ob es die gesetzlichen Vor- gaben überzeugend konkretisiert. Das KS 14 SSK hält fest - ohne zwischen Erwerbseinkom- men und übrigem Einkommen zu differenzieren - dass der Zuzugskanton das steuerbare und das satzbestimmende Einkommen sowie das steuerbare Vermöge n für den Zuzugs- und den Wegzugskanton festlegt und dass die beiden Kantone gest ützt auf diese Veranlagung gemäss ihren Tarifen die geschuldeten Staats- und Gemeindesteu ern beziehen (unter Anrechnung der ihnen abgelieferten Quellensteuern). Mit dieser Rege lung der Zuständigkeiten wird das in Art. 38 Abs. 4 StHG statuierte Besteuerungsrecht des Wegzugs kantons gewahrt, denn auch wenn nur der Zuzugskanton für die Veranlagung der gesamten Steuerperiode zuständig ist, bleibt dem Wegzugskanton dessen Besteuerungsrecht im Verhältnis zu r Dauer der Steuerpflicht. Mit- hin verstösst das KS 14 SSK nicht gegen die gesetzlichen Grundlagen. Das KS 14 SSK konkre- tisiert vielmehr Art. 38 Abs. 4 StHG, indem es für die Realisierung des dort statuierten Besteue- rungsrechts die Veranlagungszuständigkeit regelt. Durch diese Konkretisierung wird das Veran- lagungsverfahren zum einen auf horizontaler Ebene harmonisiert und vereinfacht. Zum anderen wird damit eine Zuständigkeitsregelung getroffen, wie sie bereits für das DBG gilt (vgl. Ziffer 4.7.3). Indem das Kreisschreiben eine Veranlagung pro Steuerperiode vorsieht, bewirkt es also nicht nur eine Harmonisierung auf horizontaler Ebene sowie eine Vereinfachung des Verfahrens und damit eine Verbesserung der Verwaltungsökonomie, so ndern auch eine Harmonisierung auf vertikaler Ebene. Dies entspricht dem Zweck des Steue rharmonisierungsgesetzes (vgl. Zif- fer 4.3.2). Es ist deshalb davon auszugehen, dass das KS 14 SSK Art. 38 Abs. 4 StHG in über- zeugender Weise konkretisiert. Es ist zudem kein triftiger Grund ersichtlich, weshalb von die- sem Kreisschreiben abgewichen werden sollte. Demzufolge ha t die Steuerverwaltung - ent- sprechend den Vorgaben des KS 14 SSK - die Beschwerdefü hrer zu Recht für das gesamte Einkommen der ganzen Steuerperiode 2008 veranlagt. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1 '400.-- damit den unterlegenen Be- schwerdeführern in solidarischer Verpflichtung aufzuerleg en und mit dem geleisteten Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Der ga nz oder teilweise obsiegenden Partei kann gestützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpart ei zugesprochen werden. Dem Kanton wird demgegenüber keine Parteientschädigung zug esprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). An- gesichts des Ausgangs des Verfahrens sind die Parteikosten wettzuschlagen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführern in solidarischer Verpflichtung auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid haben die Beschwerdeführer am 1. Februar 2013 beim Bundesgericht Beschwerde erhoben (Verfahrensnummer: 2C_116/2013).