<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie stellt sich die Situation in den Schweizer Spitälern in Bezug auf MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) dar?</p><p>2. Gibt es in der Schweiz eine Statistik über die Anzahl Erkrankungen durch MRSA?</p><p>3. Können die Kosten (Gesundheitskosten, Arbeitsausfall und weitere), welche durch diese Erkrankungen entstehen, abgeschätzt werden?</p><p>4. Wie beurteilt der Bundesrat das Modell der Niederlande sowie jenes im Grossraum Paris im Kampf gegen MRSA?</p><p>5. Ist er bereit, Modelle in diesem Sinne in Zusammenarbeit mit den Kantonen zu implementieren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Als MRSA werden Staphylococcus-aureus-Bakterienstämme bezeichnet, welche resistent gegenüber dem Antibiotikum Methicillin sind. MRSA wird zu der sehr vielseitigen Gruppe von antibiotikaresistenten Bakterien gezählt, welche wie nichtresistente Keime sogenannte Spital-erworbene (nosokomiale) Infektionen verursachen können. Tatsächlich ist MRSA verantwortlich für ein grosses Spektrum an Infektionen. Durch die Methicillin-Resistenz sind diese Bakterien nicht virulenter oder stärker übertragbar, sondern eine Infektion ist schwerer zu behandeln.</p><p>1. Die Situation bezüglich MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) in Schweizer Spitälern ist laut Datenlage des Schweizer Zentrums für Antibiotikaresistenzen (Anresis) in den letzten Jahren stabil geblieben, bzw. es konnte ein leichter Rückgang beobachtet werden. Ein sprunghafter Anstieg von MRSA wie in anderen Ländern ist in der Schweiz nicht nachgewiesen worden. Die Anzahl von MRSA in Spitälern wird als Proportion von allen im Labor isolierten Staphylococcus-aureus-Stämmen ermittelt. In der Schweiz lag der Anteil von MRSA 2008 bei etwa 12 Prozent. Es liegen allerdings regionale Unterschiede von 7 bis 18 Prozent je nach Region vor. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz mit diesen MRSA-Zahlen im Mittelfeld. Im Norden Europas (z. B. in den Niederlanden) liegt die Häufigkeit in Spitälern deutlich unter 5 Prozent, in Südeuropa kann der Anteil über 50 Prozent liegen; in Deutschland liegt er um 20 Prozent.</p><p>2. Weder in der Schweiz noch auf internationaler Ebene werden bisher Daten über Krankheitsfälle erfasst, die durch MRSA verursacht werden. Im Hinblick auf die Einführung von Swiss DRG (Swiss Diagnosis Related Groups) ist die medizinische Statistik der Krankenhäuser angepasst worden. So sind die Spitäler unter anderem ab Januar 2011 verpflichtet, ihre Diagnosen nach einer Klassifikation (ICD-10 GM) zu verschlüsseln, welche inskünftig erlauben wird, differenziertere Daten über resistente Krankheitserreger, insbesondere MRSA, zu erhalten.</p><p>3. Staphylococcus-aureus-verursachte Infektionen gehören zu den wichtigsten im Spital auftretenden nosokomialen Infektionen. Die Expertengruppe SwissNOSO (bestehend aus leitenden Spitalhygienikern und Infektiologen von Universitätsspitälern) nimmt an, dass pro Jahr in Schweizer Spitälern etwa 7 Prozent der hospitalisierten Personen eine nosokomiale Infektion erleiden, was zu 2000 Todesfällen und insgesamt zu Mehrkosten von etwa 240 Millionen Franken führt. MRSA-Infektionen sind unter nosokomialen Infektionen nur ein Problem unter vielen. Aus Schweizer und internationalen Studien ist bekannt, dass je nach Art und Schwere der MRSA-Infektion sich der Spitalaufenthalt um drei bis sieben Tage verlängern kann. Auch wenn die durch MRSA verursachten Kosten in der Schweiz nicht genau beziffert werden können, geht der Bundesrat davon aus, dass sie in der Grössenordnung von mehreren Millionen Franken pro Jahr liegen.</p><p>4. Dem Bundesrat sind die Massnahmen zur Verhinderung von MRSA-Infektionen aus den Niederlanden sowie dem Grossraum Paris bekannt. Es handelt sich um international anerkannte Strategien zur Eindämmung von MRSA: Screening von möglichen MRSA-Trägern und Behandlung sowie Isolation von MRSA-Trägern, Verstärkung der Hygienemassnahmen sowie Kontrolle und Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs. In der Schweiz haben viele Spitäler die beschriebenen niederländischen Infektionskontrollen und Massnahmen zur Bekämpfung von MRSA umgesetzt und können bereits eine niedrige MRSA-Infektionsrate vorweisen, auch im internationalen Vergleich.</p><p>5. Der Bundesrat ist sich der Problematik von antibiotikaresistenten Bakterien wie MRSA sowie generell nosokomialen Infektionen bewusst. Er hat in den letzten Jahren nationale Massnahmen und Programme zusammen mit den Kantonen initiiert und gefördert, wie z. B. das Programm "Swiss Clean Care". Dieses Programm hat sich als Ziel gesetzt, durch die Durchführung unterschiedlicher Module (z. B. Handhygienekampagne und Erfassung postoperativer Wundinfektionen) die Anzahl an nosokomialen Infektionen in Spitälern zu reduzieren, was auch MRSA-Infektionen einschliesst.</p><p>Der Bundesrat weist darauf hin, dass die Verantwortung für die Implementierung der angesprochenen Massnahmen zur Eindämmung von MRSA bei den Kantonen bzw. in den Händen des einzelnen Spitals liegt und es demzufolge keine landesweit einheitliche Strategie gibt.</p><p>Diesem Umstand trägt das Projekt der Revision des Epidemiengesetzes Rechnung. Die Revision sieht ein verstärktes Engagement des Bundes im Bereich therapieassoziierter Infektionen und Resistenzen bei Krankheitserregern im Rahmen eines nationalen Programms vor. Hierbei werden auch der Stellenwert nationaler Strategien wie die der Niederlande und die Ausgestaltung ähnlicher nationaler Empfehlungen zu prüfen sein.</p>  Antwort des Bundesrates.