Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 22. November 2016 (460 16 134) ____________________________________________________________________ Strafrecht Hehlerei Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiberin Nicole Schneider Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin gegen A.____ , vertreten durch Advokatin Sandra Sutter-Jeker, Totentanz 4, Post- fach 1059, 4001 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Hehlerei Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 30. Mai 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landsc haft, Allgemeine Hauptabteilun- gen, vom 29. Mai 2015 wurde A.____ der Hehlerei, de r Beschimpfung und der Drohung schul- dig erklärt und zu einer bei einer Probezeit von zw ei Jahren bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 35 Tagessätzen à Fr. 50.--, unter Anrechnung vo n zwei Tagen Untersuchungshaft, sowie zu einer Busse von Fr. 500.--, wobei die Ersatzfrei heitsstrafe auf fünf Tage festgesetzt wurde, verurteilt. Die Verfahrenskosten einschliesslich de r Urteilsgebühr von Fr. 2‘600.-- wurden A.____ zur Bezahlung auferlegt. Bezüglich der weite ren Verfügungen wird auf das Dispositiv des Strafbefehls vom 29. Mai 2015 verwiesen (act. 2663 ff.). (…) Gegen diesen Strafbefehl erhob A.____ fristgerecht Einsprache (act. 2671 bzw. 2771). B. Der Strafgerichtspräsident Basel-Landschaft (nachf olgend Strafgerichtspräsident) sprach A.____ mit Urteil vom 30. Mai 2016 in teilwe iser Abänderung des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 29. Mai 201 5 der versuchten Hehlerei schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingt vollziehbaren Geld strafe von 20 Tagessätzen à Fr. 50.--, bei ei- ner Probezeit von 2 Jahren, unter Anrechnung der vo m 24. - 25. April 2012 ausgestandenen Untersuchungshaft von 2 Tagen (Ziffer 1 des Urteils dispositivs). A.____ wurde sodann der Be- schimpfung schuldig gesprochen, wobei gestützt auf Art. 177 Abs. 3 StGB von der Bestrafung Umgang genommen wurde (Ziffer 2 des Urteilsdisposit ivs). Vom Vorwurf der Drohung wurde A.____ freigesprochen (Ziffer 3 des Urteilsdispositivs). Die mit Verfügung vom 25. Februar 2014 angeordnete Kontosperre in Bezug auf den Kontokorre nt Nr. 1____ der X.____-Bank wurde aufgehoben und die gesperrte Summe von Fr. 5‘000.-- freigegeben (Ziffer 4 des Urteilsdisposi- tivs). Desgleichen wurden diverse Beschlagnahmeposi tionen herausgegeben (Ziffer 5 des Ur- teilsdispositivs). Die nicht bezifferte Zivilklage von B.____ wurde abgewiesen (Ziffer 6 des Ur- teilsdispositivs). Das Honorar der amtlichen Vertei digung von insgesamt Fr. 15'275.30 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) wurde unter Vorbeha lt der Rückzahlungsverpflichtung des Beurteilten nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Geric htskasse entrichtet (Ziffer 7 des Urteilsdis- positivs) und schliesslich wurden die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorver- fahrens in der Höhe von Fr. 4'692.80 und der Gerich tsgebühr von Fr. 2'000.--, gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO dem Beurteilten auferlegt (Ziffer 8 des Urteilsdispositivs). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Gegen dieses Urteil meldeten die Staatsanwaltschaf t Basel-Landschaft (nachfolgend Staatsanwaltschaft) mit Eingabe vom 31. Mai 2016 so wie der Beschuldigte mit Schreiben vom 3. Juni 2016 Berufung an. Mit Berufungserklärung vom 29. Juni 2016 stellte der Beschuldigte folgende Rechtsbegehren: „1. Es seien die Ziffern 1, 2, 5 Abs. 3 sowie die Z iffern 7 und 8 des Urteils des Strafgerichts Basel- Landschaft vom 30. Mai 2016 aufzuheben und der Einsprecher vom Vorwurf der versuchten Heh- lerei sowie vom Vorwurf der Beschimpfung freizusprechen. 2. Es seien die Ziffern 3, 4, 5 Abs. 1, 2 und 4 so wie die Ziffer 6 des Urteils des Strafgerichts Base l- Landschaft vom 30. Mai 2016 zu bestätigen. 3. Es seien sämtliche ordentlichen und ausserorden tlichen Kosten zu Lasten des Staates zu verle- gen. 4. Es sei dem Einsprecher weiterhin die amtliche V erteidigung zu gewähren. 5. Es sei dem Einsprecher im Falle eines Freispruc hs vom Vorwurf der (versuchten) Hehlerei eine Genugtuung von Fr. 10'000.-- zuzusprechen.“ Die Staatsanwaltschaft stellte ihrerseits mit Beruf ungserklärung vom 1. Juli 2016 folgende Rechtsbegehren: „1. Es sei A.____ in teilweiser Abänderung von Ziff . 1 des Urteils des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 30. Mai 2016 der (vollendeten) Hehlerei schuldig zu sprechen; 2. Es sei A.____ in Abänderung von Ziff. 3 des Urt eils des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 30. Mai 2016 der Drohung schuldig zu sprechen; 3. Es sei das Strafmass angemessen zu erhöhen. 4. Im Übrigen sei das Urteil des Strafgerichts vom 30.05.2016 in Abweisung der Berufung des Be- schuldigten vollumfänglich zu bestätigen. 5. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigt en.“ D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft , Abteilung Strafrecht (nach- folgend Kantonsgericht), vom 3. August 2016 wurde f estgestellt, dass die Privatklägerin Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben hatte . Mit gleicher Verfügung wurde dem Beschuldigten unter Hinweis auf das Vorliegen e iner notwendigen Verteidigung gemäss Art. 130 lit. d StPO die amtliche Verteidigung mit Advokatin Sandra Sutter-Jeker für das zweitin- stanzliche Verfahren bewilligt. Unter Bezugnahme au f die in der Steuererklärung vom 28. Mai 2016 ausgewiesenen Wertschriften und Guthaben sowie Liegenschaften wurde der Beschuldig- te jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, d ass er mit einer Rückerstattung der Ent- schädigung der amtlichen Verteidigung an den Kanton gestützt auf Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO rechnen müsse, sollte er zu den Verfahrenskosten verurteilt werden. E. Der Beschuldigte nahm mit Eingabe vom 30. August 2 016 zur Berufung der Staatsan- waltschaft Stellung, die sich ihrerseits mit Berufu ngsantwort vom 25. August 2016 zu den Ar- gumenten der Gegenseite äusserte. F. Mit Verfügung vom 1. September 2016 wurden die Par teien zur kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung geladen, verbunden mit dem Hinweis , dass die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte persönlich vor dem Berufungsgericht zu erscheinen haben. Demgegenüber wurde der Privatklägerin das Erscheinen vor Kantonsgerich t freigestellt. Mit Verfügung vom 31. Okto- ber 2016 wurde schliesslich das von der Staatsanwal tschaft eingereichte Urteil des Strafge- richts vom 12. Oktober 2016 in Sachen C.____ (vorma ls D.____) der Gegenpartei zur Kennt- nisnahme zugestellt. G. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlu ng, zu welcher der Beschuldigte zusammen mit seiner Verteidigerin sowie Staatsanwäl tin Dr. Ludovica Del Giudice als Vertrete- rin der Staatsanwaltschaft erscheinen, wird der Beschuldigte eingehend zu seiner Person sowie zur Sache befragt. In ihren Parteivorträgen halten beide Parteivertreter an ihren schriftlich ge- stellten Anträgen fest. Die Ausführungen der Parteien in ihren schriftliche n Eingaben sowie anlässlich der kantonsge- richtlichen Hauptverhandlung werden, soweit erforderlich, nachfolgend in den Erwägungen dar- gelegt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zuläs sig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilwei se abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unricht ige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungs gericht das Urteil in allen angefochte- nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs . 2 und Abs. 3 StPO). Die Berufung ist zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Ta gen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden. Danach muss beim Berufung sgericht innert 20 Tagen seit der Zu- stellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung eingereicht werden (Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). Die Legitimation der Staatsanwaltschaft zur Einreichung einer Berufung ergibt sich aus Art. 381 StPO. Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist schliesslich jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Ent- scheides hat, zur Berufung legitimiert. Die Berecht igung zur Einlegung eines Rechtsmittels ist eine Eintretensvoraussetzung. Die Legitimation ist dann gegeben, wenn die Partei ein aktuelles rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung od er Änderung eines Entscheides hat, d.h. wenn sie durch den angefochtenen Entscheid beschwert ist. 2. In casu wird das Urteil des Strafgerichtspräsidente n vom 30. Mai 2016 angefochten. Dieses Urteil stellt ein taugliches Anfechtungsobje kt dar. Die Berufungsanmeldung der Staats- anwaltschaft datiert vom 31. Mai 2016, diejenige de s Beschuldigten vom 3. Juni 2016. Beide Berufungen wurden rechtzeitig eingereicht. Das begr ündete Strafgerichtsurteil wurde der Staatsanwaltschaft sowie der Vertreterin des Berufu ngsklägers am 15. Juni 2016 zugestellt (act. 3172/1). Die Berufungserklärungen der Staatsa nwaltschaft vom 1. Juli 2016 resp. des Be- schuldigten vom 29. Juni 2016 sind innert der 20-tä gigen Frist eingegangen. In Anbetracht, dass der Beschuldigte wegen versuchter Hehlerei und Beschimpfung schuldig gesprochen wur- de, hat er zweifellos ein rechtlich geschütztes Int eresse an der Aufhebung oder Änderung des Entscheides und ist damit zur Berufung legitimiert. Die Staatsanwaltschaft ist angesichts der erfolgten Abänderung des Strafbefehls, insbesondere des lediglich wegen versuchter Hehlerei erfolgten Schuldspruchs sowie des Freispruchs vom V orwurf der Drohung, ebenfalls zur Beru- fung legitimiert. Die Zuständigkeit der Dreierkamme r des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegend en Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. E s kann daher auf beide Berufungen eingetre- ten werden. II. Gegenstand des Berufungsverfahrens 1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungs gericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es ist daher vora b darzulegen, was im zweitinstanzlichen Verfahren noch zur Diskussion steht. 2. Vorliegend haben sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingereicht. Die Privatklägerin B.____ hat hingegen weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben. Aufgrund der Rechtsbegehren in den Berufungser- klärungen vom 29. Juni 2016 (Beschuldigter) resp. v om 1. Juli 2016 (Staatsanwaltschaft) geht es im Berufungsverfahren um folgende Punkte: Seitens des Beschuldigten wird ein Freispruch vom V orwurf der versuchten Hehlerei (inklusive Zusprechung einer Genugtuung von Fr. 10‘000.-- im F alle eines Freispruchs) und vom Vorwurf der Beschimpfung verlangt. Die Berufung richtet sic h zudem gegen die Einziehung der be- schlagnahmten Münzen, gegen die Rückzahlungsverpfli chtung der Entschädigung der amtli- chen Verteidigung nach Art. 135 Abs. 4 StPO sowie g egen die Auferlegung der Verfahrenskos- ten zu Lasten des Beschuldigten. Seitens der Staatsanwaltschaft wird ein Schuldspruch wegen vollendeter Hehlerei sowie wegen Drohung mit entsprechender Erhöhung der Strafe beantragt. Umgekehrt formuliert steht also beinahe das gesamte Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 30. Mai 2016 im Streit, mit Ausnahme der nachfolgend genannten Positionen: - Bejahung der Retorsion gemäss Art. 177 Abs. 3 StG B und der damit verbundenen Strafbefrei- ung des Beschuldigten bezüglich der Beschimpfung, s ofern das Kantonsgericht den Schuld- spruch wegen Beschimpfung bestätigen sollte (Dispositiv-Ziffer 2); - Aufhebung der mit Verfügung vom 25. Februar 2014 angeordneten Kontosperre in Bezug auf den Kontokorrent Nr. 4006.9192.2001 bei der Basella ndschaftlichen Kantonalbank ("Tschopp Handel") und Freigabe der gesperrten Summe von Fr. 5'000.- (Dispositiv-Ziffer 4); Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht - Herausgabe der folgenden Positionen gemäss Beschlagnahmeprotokoll vom 24. April 2012 an den Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils: B.1; B.4-B.6; B.8; B.13-B.30; B.36; B.38-B.42 (Dispositiv-Ziffer 5 Absatz 1); - Anordnung, wonach sämtliche im vorliegenden Verfa hren forensisch gesicherten Daten, wel- che sich bei der Polizei Basel-Landschaft befinden, nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils un- widerruflich gelöscht werden (Dispositiv-Ziffer 5 Absatz 4); - Abweisung der nicht bezifferten Zivilklage von B.____ (Dispositiv-Ziffer 6); - betragsmässige Festlegung des Honorars der amtlic hen Verteidigung sowie dessen Verle- gung zu Lasten der Gerichtskasse, nicht jedoch den Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beurteilten nach Art. 135 Abs. 4 StPO (Dispositiv-Ziffer 7); - betragsmässige Festlegung der Verfahrenskosten, n icht aber deren Verlegung zu Lasten des Beschuldigten (Dispositiv-Ziffer 8). All diese Teile des erstinstanzlichen Entscheides sind demnach nicht mehr Thema des heutigen Berufungsverfahrens. III. Versuchte Hehlerei 1.1 Die Vorinstanz kam im angefochtenen Urteil mit Bezu g auf den Vorwurf der Hehlerei zunächst zum Schluss, dass der objektive Tatbestand nicht erfüllt sei, weil in Beachtung des Grundsatzes „in dubio pro reo“ davon ausgegangen we rden müsse, dass die in Frage stehen- den 175 Münzen aus einer legalen Quelle stammten. Z ur Begründung führte sie im Wesentli- chen aus, dass sich auch gestützt auf das Gutachten von E.____ vom 7. März 2014 die Herkunft der Münzen nicht mit genü gender Sicherheit auf die beiden im Straf- befehl genannten Länder H.____ und I.____ einschrän ken lasse und aus dem Umstand, dass C.____ während mehrerer Jahre von der Schweiz aus einen schwunghaften Handel mit antiken ausländischen Kulturgütern hauptsächlich aus den Ursprungsländern I.____ und H.____ betrie- ben habe, nicht unbesehen geschlossen werden könne, dass sämtliche von ihm erworbenen Münzen aus diesen Quellen stammten (erstinstanzliches Urteil S. 4 f.). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Die Staatsanwaltschaft ist demgegenüber der Auffas sung, dass in casu eine strafbare Vortat zu bejahen und damit der objektive Tatbestan d der Hehlerei erfüllt sei. Sie weist zu- nächst darauf hin, dass ein strikter Nachweis der V ortat nicht erforderlich sei, sondern die Ge- wissheit genüge, dass die Sache aus einem Vermögens delikt stamme. Der Beschuldigte habe sodann immer wieder unterschiedliche Versionen zur Herkunft der Münzen gemacht, die auch nicht mit den Angaben von C.____ übereinstimmten. Gemäss den Ausführungen von E.____ im Gutachten vom 7. März 2014 sowie in der Stellungnah me vom 24. Oktober 2014 spreche die Zusammensetzung der Prägeorte der Münzen für eine o steuropäische bis ostmediterrane Her- kunft. Es handle sich nicht um einen Altfund, der über Generationen weitergegeben worden sei, sondern um Detektorenfunde aus verschiedenen antiken Stätten in Osteuropa (Balkan, H.____, östlicher Mittelmeerraum). Die Münzen stammten wohl nicht aus offiziellen Grabungen und kei- nes der möglichen Herkunftsländer vergebe Ausfuhrli zenzen. Die spekulative Erwägung der Vorinstanz, wonach J.____ als Herkunftsland der 175 Münzen nicht ausgeschlossen werden könne, erachtet die Staatsanwaltschaft als nicht nachvollziehbar, zumal es nicht den geringsten Hinweis für eine Herkunft der Münzen aus diesem Lan d gebe. Das Hehlereiverfahren gegen den Beschuldigten dürfe auch nicht isoliert betrach tet, sondern müsse mit Blick auf das vom Bundesamt für Kultur im Jahre 2011 ausgelöste Straf verfahren gegen C.____ beurteilt werden. Deshalb seien auch die Erkenntnisse über den Liefer anten der Münzen zu berücksichtigen. C.____ habe während mehrerer Jahre von der Schweiz aus einen schwunghaften Handel mit antiken Kulturgütern hauptsächlich aus den Ursprung sländern I.____ und H.____ betrieben. Es gebe keine Hinweise darauf, dass C.____ mit Münzen aus legalen Quellen gehandelt habe. Bei keiner der Münzen sei der Fundort nachgewiesen und es würden auch keine Ausfuhrpapiere des Ursprungsstaates existieren. Die Quittung, die der Beschuldigte selber geschrieben habe, stelle lediglich eine Empfangsbestätigung für den E rhalt der Münzen dar und belege nicht die legale Herkunft der Ware. Dies seien alles gewichti ge Indizien, die für eine deliktische Herkunft der 175 Münzen sprechen würden. 1.3 E.____, Numismatiker von Augusta Raurica, führt in seinem Gutachten vom 7. März 2014 zunächst aus, dass die Zusammensetzung der 175 Münzen relativ heterogen sei. Es handle sich grösstenteils um antike Münzen (griechi sche und islamische Prägungen sowie by- zantinische Münzen), also um Kleingeld aus Kupfer b zw. Kupferlegierungen, in schlechter Er- haltung und von geringem kommerziellem Wert. Unter den Münzen gebe es mindestens vier moderne Fälschungen. Die Zusammensetzung der Prägeo rte der Münzen spreche für osteuro- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht päische bis ostmediterrane Herkunft (Balkan, H.____ ). Es handle sich ursprünglich wohl um Detektorenfunde aus verschiedenen antiken Stätten i n Osteuropa (Balkan, H.____, östlicher Mittelmeerraum), mehrfach durchmischt und ausgelese n. Die Münzen würden wohl nicht aus offiziellen Grabungen stammen. Abgesehen von J.____ vergebe keines der möglichen Her- kunftsländer offizielle Ausfuhrlizenzen für archäol ogische Funde (act. 2333 ff.). In der ergän- zenden Stellungnahme vom 24. Oktober 2014 hält der Gutachter unter anderem nochmals fest, dass der grösste Teil der 175 Münzen ohne Zweifel a us den beiden Regionen Osteuropa sowie dem östlichen Mittelmeerraum kommen würden. Es sei ausgeschlossen, dass es sich um einen Altfund handle, der über Generationen weitergegeben worden sei. Die Münzen würden nämlich aus unterschiedlichen Quellen stammen, was gegen ei nen einzigen Fund spreche. Ausserdem seien die im Lot gefundenen, erst seit wenigen Jahr en bekannten Fälschungen ein weiterer Hinweis gegen eine Zusammenstellung der 175 Münzen vor langer Zeit. Auf das Argument der Verteidigung, dass es sich bei den Münzen um billigen Schrott handle, antwortet der Gutachter, dass die meisten der Objekte aus der Sicht von Samm ler und Händler unbestrittenermassen kommerziell wertlos seien, dass aber der ursprüngli che archäologische und durch den Fund- kontext gegebene Informationswert bei der Ausgrabun g ohne Dokumentation zerstört worden und nun unwiederbringlich verloren sei. Den Einwand der Verteidigung, dass die fraglichen Münzen an jeder Münzbörse in Wühlkisten zu finden s eien, könne er nicht widerlegen. Dies sei ein Phänomen, das in den letzten Jahren stark zugenommen habe (act. 2597). 1.4 Die im Gutachten vom 7. März 2014 und in der Stell ungnahme vom 24. Oktober 2014 genannten zwei Regionen, aus denen die Münzen vermutlich grösstenteils stammen, umfassen ein sehr grosses Gebiet, zu dem zahlreiche osteurop äische resp. ostmediterrane Länder zäh- len. Im Strafbefehl vom 29. Mai 2015 wird auf diese s Gutachten und das darin erwähnte Her- kunftsgebiet zwar hingewiesen, bei der Umschreibung des konkret vorgeworfenen Sachverhalts nennt die Staatsanwaltschaft dann aber nur die beid en Länder H.____ und I.____ und hält ex- plizit fest, dass sowohl nach der h.____ als auch n ach der i.____ Gesetzgebung mittels Detek- toren aufgefundene Kulturgüter im Eigentum des Staates stünden. Deshalb sei bei unrechtmäs- sigen Ausgrabungen und Aneignungen stets von einem Vermögensdelikt zum Nachteil des be- troffenen Staates auszugehen. Dies gelte auch für d as Überführen von Kulturgütern ins Aus- land, das in beiden genannten Ländern grundsätzlich unter Strafe gestellt sei (act. 2665 ff.). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.5 Gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO kann eine Straftat nur d ann gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat. In der Anklageschrift müssen laut Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO unter anderem die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen d er Tatausführung möglichst kurz, aber ge- nau dargelegt werden. Der vorliegende Fall sollte z unächst im Strafbefehlsverfahren erledigt werden. Aufgrund der Einsprache des Beschuldigten leitete die Staatsanwaltschaft den Strafbe- fehl dann aber an das Strafgericht zur Beurteilung im gerichtlichen Verfahren weiter. Der Straf- befehl gilt diesfalls gemäss Art. 356 Abs. 1 StPO a ls Anklageschrift und muss die zuvor ge- nannten Voraussetzungen erfüllen. Wie oben ausgefüh rt, werden im Strafbefehl vom 29. Mai 2015 nur die H.____ und I.____ explizit als Herkunf tsländer genannt. Die Gebietsumschreibung im Gutachten geht aber viel weiter und wird durch d ie Angaben im Strafbefehl resp. in der An- klage nicht abgedeckt. Es kann daher mit Bezug auf die Herkunft der Münzen nicht auf das Gutachten abgestellt werden, ohne eine Verletzung d es Anklageprinzips in Kauf zu nehmen. Dies hat aber wiederum zur Folge, dass die beiden i m Strafbefehl genannten Herkunftsländer durch die viel weitergehenden Angaben im Gutachten nicht hinreichend bewiesen werden. Die Ausführungen des Gutachters können daher nicht als Beweis für die genaue, mutmasslich ille- gale Herkunft der Münzen herangezogen werden, weil die dortigen Ortsbezeichnungen nicht mit den im Strafbefehl erwähnten Herkunftsländern übereinstimmen. 1.6 Das weitere Argument der Staatsanwaltschaft, wonac h die Erkenntnisse über den Liefe- ranten der Münzen zu berücksichtigen seien, ist ebe nfalls nicht überzeugend. Es trifft zwar zu, dass C.____ während mehrerer Jahre von der Schweiz aus einen intensiven Handel mit antiken Kulturgütern hauptsächlich aus den Ursprungsländern I.____ und H.____ betrieben hatte und dass er insbesondere die antiken Münzen jeweils ohn e Ausfuhrgenehmigung exportierte, wie C.____ in der Einvernahme vom 8. Mai 2012 selber ei nräumte (act. 2727). Er wurde denn auch mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 12. Oktober 2016 der gewerbsmässigen Heh- lerei, der gewerbsmässigen Geldwäscherei und der mehrfachen Geldwäscherei schuldig erklärt und als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbescheid de r Eidgenössischen Zollverwaltung vom 23. Oktober 2013 zu einer bedingt vollziehbaren Freihei tsstrafe von 24 Monaten sowie zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, verurteilt. Dieses Urteil ist rechtskräftig . C.____ handelte aber auch mit legaler Ware. Nebst den hier in Frage stehenden 175 Münzen verkau fte er dem Beschuldigten nämlich 48 Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tetrarchen-Follis, die er gemäss seinen Angaben in der Einvernahme vom 8. Mai 2012 von F.____, einem offenbar anerkannten Numismatiker aus dem Kanton K.____ (vgl. dazu https://www.numisK.____.ch/verein/vorstand sowie die Homepage des Numismatischen Ver- eins K.____, wo F.____ als Sekretär und Protokollfü hrer aufgeführt wird), zwei Jahre zuvor er- worben hatte (act. 2749). Dies wird auch vom Beschu ldigten in der ersten Einvernahme vom 24. April 2012 bestätigt, in der er zu Protokoll gi bt, C.____ habe ihm gesagt, dass er die Mün- zen und die Follis legal von einem Schweizer erworb en habe (act. 1299). Trotz der zuvor er- wähnten klaren Aussage von C.____ betreffend den Er werb der 48 Follis wird im angefochte- nen Urteil ausgeführt, dass er auch die 175 Münzen von F.____ erworben habe. Vermutlich ist dieser Irrtum auf die eben dargelegte Aussage des B eschuldigten zurückzuführen. Aus seinen Herkunftsangaben ergibt sich nämlich nicht immer ge nau, ob sich diese nun auf die 175 Mün- zen oder auf die 48 Follis beziehen (act. 1299 und 1353 RN 115 ff.). Deshalb kann alleine aus den unpräzisen und zum Teil missverständlichen Herk unftsangaben des Beschuldigten nichts abgeleitet werden. Es ist vielmehr aufgrund der glaubhaften und nicht widerlegten Angaben von C.____ bezüglich der 48 Follis davon auszugehen, da ss er zumindest diese Münzen legal er- worben und demnach - entgegen der Darstellung der S taatsanwaltschaft - durchaus auch mit Objekten aus legalen Quellen gehandelt hat. 1.7 Die Staatsanwaltschaft nennt als weiteres Indiz fü r die illegale Herkunft der Münzen, dass der Fundort nicht nachgewiesen sei und auch keine Ausfuhrpapiere des Ursprungsstaates existieren würden. Diesem Einwand ist entgegenzuhal ten, dass es - zumindest gemäss den Angaben von C.____ und des Beschuldigten - beim Kauf oder Verkauf von antiken Münzen und zwar selbst auf Münzmessen unüblich ist, irgendwelc he Papiere, Provenienzbescheinigungen oder ähnliche Unterlagen zu verlangen (Beschuldigte r act. 1353 RN 122 f. und act. 1587 RN 201 ff.; C.____ act. 2715, 2719). Es ist im Übrigen mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass es vorliegend um kommerziell minderwertige Münzen g eht, die in grossen Mengen in soge- nannten „Wühlkisten“ für den Preis von wenigen Franken angeboten werden (vgl. dazu auch die von der Verteidigung beim Strafgericht eingereichte n Fotografien von Münzbörsen; act. 2841). Dass die Herkunft von Münzen, welche in einer Schac htel für den Stückpreis von 5 Euro oder weniger feilgeboten werden (act. 2845; vgl. auch ac t. 1421 RN 113 und 1577 RN 50), nicht mit Dokumenten belegt wird, liegt auf der Hand. Aus dem Fehlen von Ausfuhrpapieren kann des- halb nicht ohne weiteres geschlossen werden, dass d ie fraglichen Münzen illegal erworben wurden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.8 Gemäss Art. 160 Ziff. 1 StGB wird bestraft, wer ei ne Sache, von der er weiss oder an- nehmen muss, dass sie ein anderer durch eine strafb are Handlung gegen das Vermögen er- langt hat, erwirbt, sich schenken lässt, zum Pfande nimmt, verheimlicht oder veräussern hilft. Ein strikter Nachweis der Vortat ist zwar, wie die Staatsanwaltschaft geltend macht, nicht erfor- derlich. Verlangt wird aber immerhin die Gewissheit , dass die Sache aus einem Vermögensde- likt stammt (P HILIPPE WEISSENBERGER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 160 N 21). Diese Gewissheit, die begriffsimmanent zumindest ei n gesichertes Wissen resp. eine zuverläs- sige, sichere Kenntnis über die in Frage stehende T atsache voraussetzt (vgl. dazu http://www.duden.de/rechtschreibung/Gewissheit , wo als Synonyme Begriffe wie absolute Zu- verlässigkeit, Klarheit und Überzeugung genannt wer den), kann nach Ansicht des Kantonsge- richts im vorliegenden Fall nicht mit hinreichender Sicherheit bejaht werden. In casu lässt sich weder die genaue Herkunft der Münzen feststellen, n och ist nachgewiesen, wann die verschie- denen Münzen überhaupt in die Schweiz eingeführt wu rden. Wie bereits die Vorinstanz festge- halten hat, muss daher „in dubio pro reo“ davon aus gegangen werden, dass die 175 Münzen aus einer legalen Quelle stammten. Es fehlt demnach an der erforderlichen strafbaren Vortat und damit an einem objektiven Tatbestandsmerkmal. D as erstinstanzliche Urteil ist deshalb in Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft in diesem Punkt zu bestätigen. 2.1 Mit Bezug auf den subjektiven Tatbestand führte di e Vorinstanz in ihrem Urteil unter Hinweis auf diverse Aussagen aus, der Beschuldigte habe schon früh den Verdacht gehegt, dass es sich bei C.____ um einen zwielichtigen Gesc häftsmann handle, der in Verletzung der jeweiligen nationalen Gesetzgebung über den Schutz von Kulturgütern antike Münzen erworben und auch gefälschte Kulturgüter verkauft habe, wobe i der Beschuldigte selber auch zu den Ge- schädigten gehöre. Die Erklärungen des Beschuldigte n, weshalb er gerade in Bezug auf die fraglichen 175 Münzen die Unbedenklichkeit der Herkunft angenommen habe, seien nicht über- zeugend. Weder die Behauptung, dass C.____ im Zeitp unkt, als er den Beschuldigten kennen- gelernt habe, schon im Besitz der Münzen gewesen se i, noch der Umstand, dass C.____ auf entsprechenden Wunsch des Beschuldigten eine Quittung für die 175 Münzen ausgestellt habe, würden als Garantie dafür dienen, dass gerade diese Münzen ohne Verletzung der jeweiligen nationalen Gesetzgebung über den Schutz der Kulturg üter in den Besitz von C.____ gelangt seien. Die Gefahr einer solchen Gesetzesverletzung sei offensichtlich und die vom Beschuldig- ten angeblich dagegen ergriffenen Vorsichtsmassnahm en (mehrmaliges Nachfragen bezüglich Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Herkunft) ungenügend gewesen. Es dränge sich zwinge nd der Schluss auf, dass der Beschul- digte zumindest damit gerechnet habe, Münzen illega ler Herkunft zu erwerben (erstinstanzli- ches Urteil S. 8). 2.2 Der Beschuldigte wendet demgegenüber zunächst ein, dass er von C.____ eine Quit- tung für die 175 Münzen verlangt habe, weil er davo n ausgegangen sei, dass eine derartige Bestätigung nur für legale Ware ausgestellt werde. Bei den in Frage stehenden antiken Münzen handle es sich sodann um „Schrottmünzen“, die an je der Münzbörse und auch im Internet in grossen Mengen angeboten würden. Sie seien also im offiziellen Handel erhältlich. Dies sei ein weiterer Grund, weshalb von der Legalität der Ware ausgegangen werden dürfe. Der Beschul- digte weist auch darauf hin, dass er die fraglichen Münzen damals für sein eigenes Geschäft gekauft habe, das in Q.____ im Aufbau gewesen sei. Die Ausfuhr nach Q.____ hätte also eine Verzollung bedingt, was bei illegal erworbener Ware ein grosses Risiko bedeutet hätte, das er sicher nicht eingegangen wäre. Mit Bezug auf seine Depositionen in den überwachten Telefon- gesprächen macht er geltend, dies sei alles nur lee res Gerede gewesen. Er habe sich damit bloss wichtigmachen wollen. 2.3 Der Beschuldigte räumte in diversen Einvernahmen s elber ein, dass er die Illegalität der Geschäfte von C.____ schon früh erkannt habe. Die V orinstanz legte in ihrem Urteil mehrere dieser Aussagen wörtlich dar (erstin stanzliches Urteil S. 5 ff.). Darauf kann hier vollumfänglich verwiesen werden. Der Beschuldigte nimmt nämlich weder in seiner schriftlichen Berufungserklärung noch anlässlich der kantonsgeric htlichen Hauptverhandlung konkret dazu Stellung. Er macht lediglich mit Bezug auf die über wachten Telefongespräche geltend, dass es sich dabei um leeres Gerede gehandelt habe. Diese B egründung ist indessen als blosse Schutzbehauptung einzustufen. In den Telefonaten zw ischen dem Beschuldigten und C.____ ging es keineswegs bloss um belanglose Unterhaltung en, sondern immer wieder um konkrete Informationen über die Geschäfte von C.____ resp. u m die Planung eines zukünftigen gemein- samen Geschäfts (act. 1099 ff.; act. 1389 ff.; vgl. auch act. 723 ff. sowie act. 1459 RN 641 ff.; act. 1581 RN 115 ff.; act. 1609 RN 505). Aus einzel nen Telefongesprächen und Einvernahmen geht auch ganz klar hervor, dass der Beschuldigte g enau wusste, dass C.____ mit illegalen Waren handelte und dass dessen Geschäfte nicht „sau ber“ waren resp. dass da „etwas schief“ lief (act. 1299; vgl. weiter act. 1417 RN 63 und 68 ; vgl. auch RN 53 sowie act. 1443 RN 417 f.; act. 1581 RN 131 ff.; act. 1583 RN 141 ff.; act. 16 01 RN 394; act. 1607 RN 496 ff.; act. 1665 Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht RN 30 ff.). Der Beschuldigte bezeichnete schliessli ch C.____ sogar selber als „Betrüger“ und „geldgierigen Sauhund“ (act. 1417 RN 63 und 68) res p. als skrupellosen jungen Mann, der die Leute „verseckle“ (act. 1423 RN 144 ff.). Wenn der Beschuldigte aber von den illegalen Ge- schäften seines Bekannten wusste, nahm er in Kauf, dass C.____ auch die 175 Münzen illegal beschafft haben könnte. Es darf daher ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte damit rechnete resp. zumindest damit r echnen musste, dass die fraglichen Mün- zen unter Verletzung der Gesetzgebung über den Schu tz von Kulturgütern des Ursprungslan- des erworben worden sein könnten. 2.4 Zum Argument des Beschuldigten, wonach die fraglic hen Münzen an jeder Münzbörse und auch im Internet in grossen Mengen angeboten wü rden und dass er sie für sein eigenes Geschäft, das er offenbar in Q.____ aufbauen wollte , erworben habe, ist sodann festzuhalten, dass dies kein Beweis für den legalen Erwerb ist. D er Beschuldigte gab nämlich zu Protokoll, dass er an jede Münzmesse in der Schweiz und auch a n Messen in Deutschland gegangen sei (act. 1419 RN 82 f. und 95 und 100) und dort vergle ichbare Münzen in Wühlkisten zu einem Preis von 1 Euro oder auch nur 2 Cents gesehen habe (act. 1421 RN 113 und 1577 RN 50). Er erklärte überdies auf die Frage, woher er seine War e jeweils bezogen habe, dass er nur an Münzmessen oder Auktionen einkaufe (act. 1437 RN 31 6) resp. von den grössten Händlern über Ebay beziehe (act. 1589 RN 247 f.) und dass Sc hrottmünzen keinen Wert hätten (act. 1577 RN 47). In Anbetracht dieser Aussagen stellt s ich aber die Frage, warum er denn nicht an einer dieser Messen oder über Ebay Schrottmünzen fü r sein eigenes Geschäft kaufte, sondern diese ausgerechnet von C.____ erwarb und überdies a uch noch einen viel höheren Stückpreis von Fr. 4.33 pro Münze (Fr. 757.70 : 175 Münzen) da für bezahlte. Schliesslich ist auch der Hinweis des Beschuldigten, dass er eine Quittung fü r die Münzen verlangt habe, kein überzeu- gendes Argument für den legalen Erwerb derselben. D er Beschuldigte erklärte nämlich in einer der verschiedenen Einvernahmen auf die entsprechend e Frage, dass eine Münze dann „sau- ber“ erworben sei, wenn genau belegt werden könne, woher sie stamme (act. 1453 RN 549 ff.). Eine blosse Bestätigung über den Erhalt der Münzen, die überdies vom Beschuldigten selber ausgestellt wurde, ist also sicher kein Beweis für den ursprünglich legalen Erwerb der gekauften Ware. Im Übrigen ist es - wie der Beschuldigte mehr fach zu Protokoll gab (vgl. dazu oben Ziff. 1.7) - offenbar im Münzgeschäft ohnehin gar nicht ü blich, Papiere, Provenienzbescheinigungen oder ähnliche Unterlagen zu verlangen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Wie oben dargelegt, ist erwiesen, dass der Beschul digte über die illegalen Geschäfte von C.____ Bescheid wusste. Nach Ansicht des Kanton sgerichts gibt es daher auch keine ver- nünftigen Zweifel daran, dass der Beschuldigte die mutmassliche illegale Herkunft der 175 Münzen in Kauf nahm, als er diese von C.____ erwarb . Das Kantonsgericht kommt daher mit der Vorinstanz zum Schluss, dass er eventualvorsätz lich gehandelt hat und der subjektive Tat- bestand der Hehlerei damit erfüllt ist. 3.1 In rechtlicher Hinsicht macht der Beschuldigte gel tend, es sei widersprüchlich, einerseits den objektiven Tatbestand auszuschliessen, weil die illegale Herkunft der Münzen nicht erstellt sei, ihm aber andererseits vorzuwerfen, dass er von deren Illegalität habe ausgehen müssen. Im Weiteren stelle sich generell die Frage, ob ein eventualvorsätzlich begangener untauglicher Versuch überhaupt möglich sei. 3.2 Mit Bezug auf den ersten Einwand kann auf die obig en Ausführungen, namentlich auf die Feststellung, dass der Beschuldigte von den ill egalen Geschäften seines Bekannten wusste und damit in Kauf nahm, dass C.____ auch die 175 Münzen illegal beschafft haben könnte (Ziff. 2.3), verwiesen werden. Der subjektive Tatbestand i st klar erfüllt. Dass in casu der Nachweis der illegalen Herkunft der Münzen nicht zweifelsfre i erbracht werden kann und damit das Vor- liegen einer strafbaren Vortat „in dubio pro reo“ v erneint werden muss, ändert nichts daran. Mit seinem zweiten Argument verkennt der Beschuldigte o ffensichtlich, dass wie beim vollendeten Delikt auch bei einem Versuch der direkte Vorsatz u nd der Eventualdolus gleichgestellt sind. Nur ein nicht vorsätzlich resp. fahrlässig begangen er Versuch ist nicht möglich (G ÜNTER STRATENWERTH , Schweizerisches Strafrecht, AT I, 4. Aufl. 2011, § 12 N 19). Im Übrigen kann auf die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (erstinstanzliches Urteil S. 8 ff.), zumal keine Partei die dortigen Erwägungen su bstantiiert beanstandet resp. neue Überle- gungen vorbringt. Der Beschuldigte wurde also zu Recht des untauglichen Versuchs der Hehle- rei schuldig erklärt. Das erstinstanzliche Urteil i st demzufolge in Abweisung der Berufung des Beschuldigten auch in diesem Punkt zu bestätigen. IV. (…) V. Strafzumessung Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Beschuldigte wurde somit im erstinstanzlichen V erfahren zu Recht wegen versuchter Heh- lerei und Beschimpfung schuldig gesprochen, wobei m it Bezug auf den zweiten Tatbestand gestützt auf Art. 177 Abs. 3 StGB von einer Bestraf ung Umgang genommen wurde. Die Vo- rinstanz verurteilte den Beschuldigten zu einer bed ingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Ta- gessätzen à Fr. 50.--, bei einer Probezeit von 2 Ja hren, unter Anrechnung der vom 24. - 25. April 2012 ausgestandenen Untersuchungsha ft von 2 Tagen. Diese Strafzumessung wird von keiner Seite beanstandet. Die Strafe ist daher zu bestätigen, wobei für die Begründung in Anlehnung an Art. 82 Abs. 4 StPO auf die Ausführ ungen der Vorinstanz zur Strafzumessung (erstinstanzliches Urteil S. 13 ff.) verwiesen wird. VI. Kosten Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Vorlieg end ist sowohl die Berufung des Be- schuldigten als auch diejenige der Staatsanwaltscha ft abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens erscheint es angebracht, dass die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Gebühr von Fr. 7‘500.-- und Auslagen von Fr. 160.--, total Fr. 7‘660.--, den Parteien je zur Hälfte auferlegt werden. Mit Bezug auf die ausserordentlichen Kosten ist auf die Honorarnote der Verteidigerin vom 22. November 2016 hinzuweisen. Sie macht dort für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren ohne Hauptverhandlung einen Zeitaufwand von 19 Stunden u nd 35 Minuten sowie Auslagen im Be- trag von Fr. 306.55 geltend. Bei der Durchsicht der detaillierten Aufstellung der einzelnen Be- mühungen zeigt sich, dass namentlich für die Ausarb eitung der Berufungserklärung insgesamt 370 Minuten, für die Berufungsantwort 120 Minuten und für die Vorbereitung der Hauptverhand- lung nochmals 120 Minuten in Rechnung gestellt werden. In Anbetracht, dass die Ausführungen in der Berufungserklärung vom 29. Juni 2016 und die mündlichen Vorbringen vor Kantonsge- richt weitgehend mit dem Parteivortrag der Verteidi gerin vor erster Instanz (act. 3087 ff.) über- einstimmen und diese Aufwendungen im erstinstanzlic hen Verfahren mit total Fr. 15‘275.30 bereits grosszügig entschädigt wurden, erscheint de r geltend gemachte Aufwand als überhöht. Die Berufungsantwort der Verteidigerin vom 30. Augu st 2016 umfasst sodann 2,5 Seiten. Der dafür veranschlagte Aufwand von 2 Stunden ist ebenfalls sehr hoch. Das Kantonsgericht erach- tet im vorliegenden Fall einen Gesamtaufwand inklus ive zweitinstanzlicher Hauptverhandlung Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht von maximal 15 Stunden als angebracht. Hinzu kommen Auslagen im Betrag von Fr. 156.55. Die von der Verteidigung aufgeführten Kopien wurden mit Fr. 1.50 pro Kopie in Rechnung ge- stellt. Gemäss § 15 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO; SGS 178.112) beträgt der Auslagenersatz bei Massenkopie n jedoch nur Fr. 0.50 pro Seite. Da es in casu um insgesamt 150 Kopien geht, ist der tiefere Ansatz anzuwenden. Der Vertreterin des Beschuldigten, Advokatin Sandra Sutter-Jeker, ist s omit zufolge Bewilligung der amtlichen Ver- teidigung für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren ein reduziertes Honorar von Fr. 3‘000.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 156.55 und Mehrwertsteue r von Fr. 252.50, total Fr. 3‘409.05, zu Lasten des Staates auszurichten. Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Base l-Landschaft vom 30. Mai 2016, das auszugsweise wie folgt lautet: „1. A.____ wird in teilweiser Abänderung des Strafbefe hls der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 29. Mai 201 5 der versuchten Hehlerei schuldig gesprochen und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tage ssätzen à Fr. 50.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, unter Anrechnung der vom 24. - 25. April 2012 ausg estande- nen Untersuchungshaft von 2 Tagen, in Anwendung von Art. 160 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Ab s. 1 StGB sowie Art. 51 StGB. 2. A.____ wird der Beschimpfung schuldig gesproche n und es wird gestützt auf Art. 177 Abs. 3 StGB von der Best rafung Umgang genommen. 3. A.____ wird vom Vorwurf der Drohung freigesproc hen. 4. Die mit Verfügung vom 25. Februar 2014 angeordn ete Konto- sperre in Bezug auf den Kontokorrent Nr. 1____ der X.____- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bank wird aufgehoben und die gesperrte Summe von Fr. 5‘000.-- wird freigegeben. 5. Folgende Beschlagnahmepositionen gemäss Beschla gnah- meprotokoll vom 24. April 2012 werden A.____ nach E intritt der Rechtskraft herausgegeben: B.1; B.4 - B.6; B.8; B.13 - B.30; B.36; B.38 - B.42. A.____ hat die freigegebenen Gegenstände innerhalb von zwei Monaten ab Mitteilung der Rechtskraft des Urteils am Ge- richtsstandort abzuholen, widrigenfalls die Gegenst ände der Verwertung respektive Vernichtung zugeführt werden. Die Gegenstände gemäss Position B.7 des Beschlagna hme- protokolls vom 24. April 2012 (angbl. 175 div. Münz en; Quit- tung über die 175 Münzen im Wert von Fr. 1‘771.20 v on D.____) werden gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB eingezogen. Sämtliche im vorliegenden Verfahren forensisch ges icherten Daten, welche sich bei der Polizei Basel-Landschaft , IT- Forensik, Fall-Nr. BL 2012 4 1011, befinden, werden nach Ein- tritt der Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht. 6. Die nicht bezifferte Zivilklage von B.____ wird abgewiesen. 7. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insge- samt Fr. 15‘275.30 (inkl. Auslagen und 8 % MwSt.) w ird unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von A.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet. 8. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorver- fahrens in der Höhe von Fr. 4‘692.80 und der Gerich tsgebühr von Fr. 2‘000.--, gehen gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO zu- lasten von A.____. Wird mangels Berufung keine nachträgliche schriftl iche Urteils- begründung ausgefertigt, wird die Gerichtsgebühr au f Fr. 1‘000.-- ermässigt. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. …. (Mitteilungsziffer).“ wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten und in Ab- weisung der Berufung der Staatsanwaltschaft vollumfänglich bestätigt. II. Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Gebühr von Fr. 7‘500.-- und Auslagen von Fr. 160.--, total Fr. 7‘660.--, gehen je zur Hälfte zu Lasten des Beschuldigten und zu Lasten des Staa- tes. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigun g wird der Vertreterin des Beschuldigten, Advokatin Sandra Sutter-Jeker, f ür ihre Bemü- hungen im Berufungsverfahren ein reduziertes Honora r von Fr. 3‘000.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 156.55 und Mehr wertsteuer von Fr. 252.50, total Fr. 3‘409.05, zu Lasten des Staates ausgerichtet. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Kanton das zuvor erwähnte Honorar zurückzuzahlen und der Verteidigung die Dif ferenz zwi- schen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Ho norar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhält nisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). IV. (Mitteilungen) Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Nicole Schneider