Seite 1 Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. Januar 2012 (725 11 333) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Leistungen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Christina Mar- kiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Markus Schmid, Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Die 1979 geborene A.____ arbeitet seit dem 1. Okto ber 2003 als Polizistin im Sicher- heitsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Am 1. Juni 20 08 kam es laut Unfallmeldung vom 24. Juli 2008 in einer Zelle zu einem Gerangel, wob ei A.____ und die Insassin auf das Zellen- bett stürzten und die Insassin A.____ an die Wand schlug. Am 17. Juni 2008 begab sich A.____ aufgrund stechender Schmerzen im Lendenwirbelbereich in s Spital Rheinfelden. Dr. B.____ äusserte den Verdacht auf eine Lumboischialgie. Die SU VA anerkannte ihre Leistungspflicht und richtete die gesetzlichen Leistungen aus. Mit Verfügung vom 27. September 2010 stellte die SUV A die Versicherungsleistungen per 15. Oktober 2010 ein. Aufgrund der Beurteilung des Kreisarztes vom 17. September 2010 seien die heute bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankhafter Natur. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat M arkus Schmid, am 18. Oktober 2010 Einsprache. Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurde am 10. Juni 2011 eine bildgebende Abklärung der LWS und des ISG beim Institut Dr. C.____ durchgeführt. Der Versicherungsme- diziner Dr. D.____ erklärte zu den Bildern am 8. Augu st 2011, dass die im August 2008 diag- nostizierte Diskushernie erheblich kleiner geworden und der Sequester in der Zwischenzeit ver- schwunden sei. Eine Beschleunigung degenerativer Verände rungen im Bereich der Wirbelsäu- le, welche Ausdruck einer richtunggebenden Verschlimmerung hätte sein können, könne bild- gebend ausgeschlossen werden. Das auslösende Ereignis vo m 1. Juni 2008 habe somit aus versicherungsmedizinischer Sicht lediglich zu einer vorüberge henden Verschlimmerung eines ohne Zweifel vorbestehenden erheblichen degenerativen und krankhaften Vorzustandes der LWS mit Schwerpunkt im Bereich L5/S1 geführt. Es könne als überwiegend wahrscheinlich an- gesehen werden, dass am 15. Oktober 2010, mithin mehr als 28 Monate nach dem Unfallereig- nis, der Status quo sine wieder erreicht gewesen sei. Mit Entscheid vom 16. August 2011 wies die SUVA die Einsprache ab. B. Gegen den ablehnenden Einspracheentscheid erhob A._ ___, vertreten durch Advokat Markus Schmid, Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung S ozialversicherungsrecht. Sie be- antragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die SUVA sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen über den 15. Oktober 2010 hinaus auszurichten. C. Mit Vernehmlassung vom 30. November 2011 beantragt e die SUVA, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Un fallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligatorische n Unfallversicherung, soweit das Ge- setz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfäl- len und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versi- cherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise a rbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. 2. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlich en Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheit sschadens darstellt, wenn also Letz- terer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursac hen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er u nmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wi e er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistung sbegründende natürliche Kausalzusam- menhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung vo n unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Di e blosse Möglichkeit nunmehr gänz- lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genüg t nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer. D iese Beweisgrundsätze gelten so- wohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolg en und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b; Urteil 8C_210/2007 vom 15. Mai 2008, E. 4.2 mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung beschlägt dabei einzig die rechtlichen Folgen der Abklärung, insofern als dem Unfallversicherer die Beweislast zugewiesen wird für den Fall, dass ungeklärt bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeu- tung für den andauernden Gesundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die Frage der Beweislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig und vollständig zu klären (Urteile des Bundesgerichts vom 5. D ezember 2011, 8C_476/2011, E. 6.3 sowie Urteil vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 4.3.2). 3.1 Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversiche- rungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliege n degenerativer Bandscheibenver- änderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnah msweise, unter besonderen Voraus- setzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis vo n besonderer Schwere und geeig- net war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführ en, und die Symptome der Diskusher- nie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich u nd mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten. In solchen Fällen hat die Unfallversicherun g praxisgemäss auch für Rezidive und all- fällige Operationen aufzukommen (Urteil des Bundesger ichts vom 4. Juli 2008, 8C_677/2007 E 2.3 mit Hinweisen; SVR 2009 UV Nr. 1 S. 1). 3.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin war der Unfall vom 1. Juni 2008 nicht derart schwer, dass von einer unfallbedingten Veru rsachung der Bandscheibenverletzung auszugehen wäre. Gemäss Rechtsprechung ist ein Unfall denn auch nur in Ausnahmefällen geeignet, eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen, zumal eine gesunde Bandscheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter Gewalteinwirkung eher d ie Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt würde (vgl. Urteile des Bunde sgerichts vom 13. Juni 2005, U 441/04, E. 3.1 und vom 3. Januar 2005, U 332/03, E. 2 mit Hi nweis). Wie die Versicherte zudem selbst ausführte, verspürte sie zwar nach dem Unfall ein Druck- und Stechgefühl im Gesäss- und Len- denwirbelbereich, das radikuläre Reizsymptom trat dageg en erst nach über einer Woche auf. Zudem arbeitete sie nach dem Unfall eine gewisse Zeit weiter. Damit fehlen bereits die Voraus- setzungen der sofortigen Arbeitsunfähigkeit und des unve rzüglichen Auftretens des radikulären oder vertebralen Syndroms, um von einer unfallbedingt verursachten Diskushernie auszugehen. Demgegenüber ist anzunehmen, dass die Diskushernie bei de generativem Vorzustand durch den Unfall aktiviert wurde. 4.1 Treten im Anschluss an einen Unfall Beschwerden auf (die zuvor nicht bestanden) und ist aber davon auszugehen, dass durch den Unfall lediglich ein (zuvor stummer) Vorzustand aktiviert, nicht aber verursacht worden ist, so hat der U nfallversicherer nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende S chmerzsyndrom zu erbringen. Mit dem Erreichen des Status quo sine vel ante entfällt schl iesslich die Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden (SVR 2010 UV Nr. 31 S 12 5; Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 2011, 8C_476/2011 E. 6.1). Solange dies er Zeitpunkt nicht erreicht ist, hat die versicherte Person gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG auch An spruch auf eine zweckmässige Be- handlung gemäss Art. 10 UVG und zwar selbst dann noch, wenn sich die Gesundheitsschädi- gung bei einer Gewichtung der konkurrierenden Ursachen z um stark überwiegenden Teil als Krankheitsfolge darstellt (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juli 2008, 8C_677/2007 E. 2.3.1, vom 1. Dezember 2011, 8C_381/2011 E. 2.2 und vom 5. D ezember 2011, 8C_476/2011 E. 6.2 mit Hinweisen). 4.2 Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, dass - sofe rn nicht eine traumatisch ausge- löste Diskushernie vorliege - immerhin von einer richtung weisenden und nicht bloss von einer vorübergehenden Verschlimmerung auszugehen sei. Sie verwe ist dabei auf die Berichte von Dr. E.____, Chiropraktor, und Dr. med. F.____, FMH P hysikalische Medizin und Rehabilitation. Die SUVA stellt sich in diesem Zusammenhang auf den Standpunkt, dass gestützt auf die Beur- teilung ihres Kreisarztes Dr. med. G.____, FMH Allgeme ine und Innere Medizin, vom 17. Sep- tember 2011 und jener ihres Versicherungsmediziners Dr. med. D.____, FMH Chirurgie, vom 8. August 2011 davon auszugehen sei, dass die Diskushernie vor bestehend sei und der Unfall diese lediglich aktiviert und eine vorübergehende Verschlimmerung ausgelöst habe. Mittlerweile sei vom Status quo sine auszugehen. 5.1 Zu beantworten ist demnach die Frage des Zeitpun kts des Erreichens des Status quo sine vel ante bzw. die Frage, ob die SUVA das Dahinfallen jeder - auch nur teilweise - kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen des geklagten Ge sundheitszustandes mit dem erfor- derlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen hat. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt , liegt die entsprechende Beweislast beim Unfallversicherer (vgl. E.2). 5.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass das Abste llen auf die Berichte von Dr. G.____ vom 17. September 2010 und Dr. D.____ vom 8. August 2011 unzulässig sei, da es sich um Aktenbeurteilungen handle. 5.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine reine Aktenbeurteilung bzw. ein reines Aktengutachten nicht an sich als unzuverlässig zu be urteilen. Dem reinen Aktengutach- ten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenl oser Befund vorliegt und es im We- sentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sach- verhalts geht. Aktengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befun- de mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind, aber die Zuord- nung zu einer Diagnose oder der Kausalzusammenhang un d das Ausmass der Behinderung verschieden bewertet werden (vgl. Urteil des Bundesgeri chts vom 5. Dezember 2011, 8C_476/2011, E. 7.1 mit zahlreichen Hinweisen und Urt eil des Bundesgericht vom 23. Septem- ber 2009, 8C_33/2009 E. 3.4.1 bezüglich psychiatrische Gu tachten). Im vorliegenden Fall geht es insbesondere um die Beurteilung von MRI-Bildern un d ob aufgrund des röntgenologischen Befundes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus gegangen werden kann, dass der Status quo sine erreicht ist. Somit spricht grundsätzlich nichts gegen eine Aktenbeurteilung. 5.4 Dr. G.____ führte in seiner Aktenbeurteilung vom 17. September 2010 aus, dass der Radiologiebefund einschlägig sei. Die MRI-Bilder vom 14. August 2008 zeigten eine kleine, me- diolateral rechtsseitige sequestrierte Diskushernie L5/S1 mit Kompression der Nervenwurzel S1 im Recessus lateralis sowie einen Status nach Morbus Scheuerm ann. Es hätten keinerlei Ver- änderungen im Sinne einer Verletzung der Wirbelsäule und der Anhangsorgane festgestellt werden können. Beim Unfallereignis vom 1. Juni 2008 sei eine lumbosacrale Diskushernie reak- tiviert worden. Die erwähnte Diskushernie sei ein dege nerativer Prozess, der nur ausnahms- weise symptomatisch werde wie im vorliegenden Fall. Bei m eingeklemmten Ischias vor etwa fünf Jahren dürfte es sich um dieselbe Wurzelkompression S1 rechts gehandelt haben. Die ak- tuellen Beschwerden seien zwar etwas dauerhafter, es sei t rotzdem von einem Status quo sine auszugehen, weil solche Diskushernien jederzeit zu Beschwerd en führen könnten. Dauer- schmerzen dürften lediglich in den ersten drei bis sechs Mon aten bestanden haben, zermür- bende Schmerzen dürften jedoch aufgrund der moderaten Therapie nicht vorgelegen haben. Es handle sich um keine spezielle Verletzung, sondern ledig lich um eine jetzt spürbar gewordene Einengung der erwähnten Nervenwurzel. Zudem seien keine Eingriffe erforderlich gewesen. 5.5 Zu Vergleichszwecken ordnete die SUVA neue MRI-Bild er der LWS an (vgl. Schreiben vom 12. April 2011). Die neue bildgebende Untersuchung vom 10. Juni 2011 ergab in Bezug auf die persistierenden tieflumbalen Schmerzen mit Ausst rahlung in das rechte Bein mit Pa- rästhesien folgende radiologische Diagnose: "Im Verglei ch zur Voruntersuchung vom 14. Au- gust 2008 ist die Diskushernie L5/S1 rechts deutlich dehydr iert/geschrumpft um mindestens 75%. Dennoch tangiert diese die Nervenwurzel S1 rechts, verlagert sich jedoch nicht. Unverän- derte Residuen bei Status nach M. Scheuermann thoracolu mbal. Minimale Spondylarthrosen L3/L4 -L5/S1 mit diskreten Reizergüssen DD Facettensyndro m. Diskrete Reizergüsse zeigen auch die ISG DD ISG-Syndrom/ISG-Überlastung. Keine Hinweise für eine Sacroileitis" (vgl. Be- richt vom 5. Juli 2011). 5.6 Dr. D.____ kam in seiner Stellungnahme zum neuesten MRI-Bericht vom 5. Juli 2011 zum Schluss, dass anlässlich der ersten ärztlichen Untersuch ung 16 Tage nach dem Unfaller- eignis keine neurologischen Ausfälle der unteren Extrem itäten bei der Versicherten diagnosti- ziert worden seien. Die erste bildgebende Abklärung de r Wirbelsäule erfolgte zweieinhalb Mo- nate nach dem Unfallereignis und brachte den Nachweis einer medial-lateral, rechtsseitigen sequestrierten Diskushernie auf der Höhe L5/S1 mit Kompr ession der Nervenwurzel S1. Dar- über hinaus sei das Vorliegen von Residuen eines Morbus Scheuermann dokumentiert worden. Diese Residuen fänden sich auf den hier vorliegenden Bil dern in den Segmenten von Th12 bis L4. Hervorzuheben sei, dass die MRI-Bilder keine strukturellen Läsionen, weder knöchern noch ligamentär, im Bereich der LWS zeigten und auch keine Residuen einer solchen Verletzung. Die jetzt zur Verlaufskontrolle angefertigten MRI-Bil der der LWS ergäben, dass die Diskusher- nie L5/S1 um 75% geschrumpft sei. Der Sequester sei nich t mehr dargestellt. In Bezug auf den Morbus Scheuermann hätten sich keinerlei Veränderungen ergeben. Auch die in der ersten Untersuchung beschriebenen Spondylarthrosen L3/L4, L4/L5 hätten an Umfang im Vergleich zu den MRI-Bildern im August 2008 nicht namhaft zugenomm en. Es fänden sich auch auf diesen Bildern keine Hinweise auf eine zurückliegende knöchern e oder ligamentäre Läsion im Bereich der LWS. Es könne somit als bildgebend ausgewiesen ange sehen werden, dass die im August 2008 diagnostizierte Diskushernie erheblich kleiner gewo rden und der Sequester in der Zwi- schenzeit verschwunden sei und eine Beschleunigung degenera tiver Veränderungen im Be- reich der Wirbelsäule, welche Ausdruck einer richtunggeb enden Verschlimmerung hätte sein können, bildgebend ausgeschlossen werden könne. Das auslösende Ereignis vom 1. Juni 2008 habe somit aus versicherungsmedizinischer Sicht lediglich z u einer vorübergehenden Ver- schlimmerung eines ohne Zweifel vorbestehenden erhebliche n, degenerativen und krankhaften Vorzustandes der LWS mit Schwerpunkt im Bereich L5/S1 geführt. In Anbetracht des dokumen- tierten klinischen Verlaufs sowie in Übereinstimmung mit der medizinischen Fachliteratur könne es als überwiegend wahrscheinlich angesehen werden, dass am 15. Oktober 2010, mithin mehr als 28 Monate nach dem Unfallereignis, der Status quo sine wieder erreicht gewesen sei. 6.1 Gemäss der medizinischen Aktenlage ist von einem degen erativen Vorzustand auszu- gehen. Dr. D.____ schliesst aufgrund eines Vergleichs de r MRI-Bilder eine richtunggebende Verschlimmerung aus. Er vertritt die Auffassung, dass der Unfall vom 1. Juni 2008 zu einer vo- rübergehenden Verschlimmerung des degenerativen Vorzusta ndes geführt habe und nun der status quo sine erreicht sei. Er stützt seine Beurteilung auch auf die praxisgemäss anerkannte, grundsätzlich mitzuberücksichtigende medizinische Erfahrung statsache, wonach eine traumati- sche Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlos- sen zu betrachten sei (Urteile des Bundesgerichts vom 4. Ju li 2008, 8C_677/2007 E. 2.3.2 und vom 1. Dezember 2011, 8C_381/2011 E. 2.2). Ob diese, a uf den Regelfall bezogene Erfah- rungstatsache hier ohne weiteres zum Tragen kommt, ist aufgrund des Beschwerdenverlaufs, der letzten MRI-Untersuchung und den Ausführungen von Dr. E.____ fraglich. Gemäss den glaubhaften Schilderungen der Beschwerdeführerin war si e vor dem Unfall beschwerdefrei und übte den physisch fordernden Beruf als Polizistin im Aussen dienst ohne jegliche Probleme aus. Erwähnt wird einzig, dass sie sich ca. im Jahr 2003 den Isch ias-Nerv eingeklemmt hatte, wobei nach drei Sitzungen beim Chiropraktiker die Behandlu ng abgeschlossen werden konnte (vgl. Protokoll der SUVA vom 10. September 2008). Seit dem Unfall hat die Versicherte Beschwer- den an der Bandscheibe und sie steht trotz Steigerung der Arbeitsfähigkeit weiterhin in Behand- lung. Dr. E.____ berichtete mit ärztlichen Zwischenberichten vom 23. März 2009, 30. November 2009 sowie vom 14. Juli 2010 über ein radikuläres LWS -Syndrom und wies darauf hin, dass keine unfallfremden Faktoren im Heilungsverlauf mitspie lten. Da sich der Heilungsverlauf ver- zögerte, wartete die SUVA richtigerweise mit der Einste llung des Falles zu. Im Rahmen des Einspracheverfahrens erachtete die SUVA es sodann als ang ezeigt, zu Vergleichszwecken neue MRI-Bilder anfertigen zu lassen. Gemäss radiologi scher Diagnose von Dr. med. C.____, FMH für Radiologie, vom 5. Juli 2011 war die Diskushern ie L5/S1 rechts zwar deutlich ge schrumpft, sie tangierte jedoch immer noch die Nervenwur zel S1 rechts. Die Kompression der Nervenwurzel S1 war bereits im MRI vom 18. August 2008 erkennbar. 6.2 Es stellt sich demnach die Frage, ob diese Nervenwur zelkompression verantwortlich ist für die noch bestehenden Beschwerden, womit erklärbar w äre, dass das Schmerzsyndrom wei- terhin andauert. Wenn dem so wäre, wäre entgegen de r Erfahrungstatsache noch eine Teilkau- salität zwischen Unfall und heutigem Schmerzsyndrom vorhan den, womit der Fallabschluss zu früh erfolgt wäre. Zur tangierten Nervenwurzel S1 ä usserte sich Dr. D.____ in seiner Stellung- nahme vom 8. August 2011 jedoch nicht. Es steht somit off en, ob der Unfall vom 1. Juni 2008 mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit per 15. Oktober 2010 jede - auch nur teilweise - kausale Bedeutung hi nsichtlich der darüber hinaus geklagten und behandelten Rückenbeschwerden der Versicherten verlo ren hat. Die Untersuchungspflicht dauert jedoch so lange, bis über die für die Beurtei lung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (SVR 2010 AIV Nr. 2 S. 3). Die Vorinstanz, an welche die Sache zur ergänzenden medizinischen Sachverhaltsabklär ung zurückzuweisen ist, wird die Frage zu klären haben, ob die in den MRI-Bildern vom 1 8. August 2008 und 5. Juli 2011 er- kennbare Kompression der Nervenwurzel S1 bzw. tangierte N ervenwurzel S1 verantwortlich ist für das nach wie vor andauernde Schmerzsyndrom. Weiter wer den die Fragen zu beantworten sein, ob der Unfall vom 1. Juni 2008 allenfalls eine richtunggebende Aktivierung des degenera- tiven Vorzustandes zumindest teilkausal mitverursacht hat o der ob trotz der tangierten Nerven- wurzel S1 derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsm ässigen Verlauf des krankhaf- ten Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später e ingestellt hätte (Status quo sine), mit überwiegender Wahrscheinlichkeit per Oktober 2010 oder allenfalls später wieder erreicht wor- den ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 201 1, 8C_476/2011 E. 7.4). In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen. 7. Gemäss Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführe rin Anspruch auf eine Par- teientschädigung. Dem Rechtsvertreter wird folglich eine Entschädigung gemäss Honorarnote vom 16. Dezember 2011 in der Höhe von Fr. 2'255.-- ( inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der SUVA zugesprochen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Einspra- cheentscheid vom 16. August 2011 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfü gung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die SUVA hat der Beschwerdeführerin eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 2'255.00 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwer tsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht