<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 141 S.615</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">615</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Gemeinderecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>141</b></span> <span class="ft2"><b>Polizeirechtliches Verbot; Zuständigkeit, Rechtsnatur und Beschwerde-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fähigkeit.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Zuständigkeit des Gemeinderates zum Erlass von Verfügungen und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anordnungen für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ordnung, Sicherheit und Sittlichkeit; Beschwerdefähigkeit eines po-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lizeirechtlichen Verbotes im Allgemeinen (Erw. 2 a).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Abgrenzung von Verfügung, Allgemeinverfügung und Rechtssatz im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Allgemeinen; Rechtsschutzinteresse als Auslegungskriterium (Erw. 2</b></span><br/> <span class="ft2"><b>b und c).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Kommunales Paintball-Verbot; Beschwerdefähige Verfügung oder</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtssatz? (Erw. 3. a und b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Regierungsrates vom 6. November 2002 in Sachen EG.U. ge-</span><br/> <span class="ft4">gen Departement des Innern.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. Zur Begründung ihres Entscheides vom 2. April 2002 führte</span><br/> <span class="ft6">die Gemeindeabteilung des Departementes des Innern (nachfolgend:</span><br/> <span class="ft6">Vorinstanz) im Wesentlichen an, dass es sich beim Beschluss des</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderates U. vom 17. September 2001 nur im formellen Sinne</span><br/> <span class="ft6">um eine Verfügung handle, materiell gesehen der Beschluss ansons-</span><br/> <span class="ft6">ten generell-abstrakter Natur sei. Der Gemeinderat U. besitze zwar</span><br/> <span class="ft6">die Kompetenz generell-abstrakte Rechtssätze zum Polizeigüter-</span><br/> <span class="ft6">schutz zu erlassen, nach dem geltenden Gemeindegesetz stehe ihm</span><br/> <span class="ft6">aber keine allgemeine Rechtssetzungskompetenz zu, sondern nur</span><br/> <span class="ft6">eine Kompetenz zum Erlass eines Polizeireglements. Vorliegend</span><br/> <span class="ft6">seien die Inhalte aller in diesem Zusammenhang ergangenen Be-</span><br/> <span class="ft6">schlüsse aber gerade nicht ins bestehende Polizeireglement aufge-</span><br/> <span class="ft6">nommen worden, was die Entfaltung entsprechender Wirkungen von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">616</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">vornherein verunmögliche. Mangels eines konkreten Anwendungs-</span><br/> <span class="ft6">falls könne vorliegend die Frage der materiellen Zulässigkeit eines</span><br/> <span class="ft6">generellen Paintball-Verbotes nicht geprüft werden und müsse des-</span><br/> <span class="ft6">halb offen bleiben .</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">2. a) Gemäss § 37 Abs. 1 und 2 lit. f des Gesetzes über die Ein-</span><br/> <span class="ft6">wohnergemeinden (Gemeindegesetz) vom 19. Dezember 1978 ob-</span><br/> <span class="ft6">liegt dem Gemeinderat die Sorge für die öffentliche Ruhe, Ordnung,</span><br/> <span class="ft6">Sicherheit und Sittlichkeit sowie der Erlass eines entsprechenden</span><br/> <span class="ft6">Reglementes, soweit diese Befugnis nicht durch Vorschriften des</span><br/> <span class="ft6">Bundes, des Kantons oder der Gemeinde einem anderen Organ über-</span><br/> <span class="ft6">tragen ist. Der Gemeinderat kann bereits aufgrund dieser Vorschrift,</span><br/> <span class="ft6">d.h. ohne weitere spezialgesetzliche Grundlage, die für die Aufrecht-</span><br/> <span class="ft6">erhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung, Sicherheit und Sittlichkeit</span><br/> <span class="ft6">notwendigen Verfügungen und Anordnungen treffen (vgl. Andreas</span><br/> <span class="ft6">Baumann, Die Kompetenzordnung im aargauischen Gemeinderecht,</span><br/> <span class="ft6">2. Auflage, Aarau 2001, S. 255 f.). In § 6 des Allgemeinen Polizei-</span><br/> <span class="ft6">reglementes vom 11. Oktober 1999 (nachfolgend: Polizeireglement)</span><br/> <span class="ft6">hat der Gemeinderat U. sodann seinerseits die Problematik der Stö-</span><br/> <span class="ft6">rung der öffentlichen Ruhe und Ordnung sowie des Unfugs geregelt.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss dieser Norm sind Handlungen, die geeignet sind, die per-</span><br/> <span class="ft6">sönliche Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung oder die zo-</span><br/> <span class="ft6">nengemässe Wohnqualität zu beeinträchtigen sowie jeglicher Unfug,</span><br/> <span class="ft6">der Personen belästigt oder Sachen gefährdet, verboten (Abs. 1). Als</span><br/> <span class="ft6">Unfug gelten dabei Handlungen, die geeignet sind, andere Personen</span><br/> <span class="ft6">zu belästigen, zu erschrecken, in ihrer Ruhe zu stören oder die per-</span><br/> <span class="ft6">sönliche Sicherheit zu gefährden (Abs. 2).</span><br/> <span class="ft6">Auch Verfügungen in Anwendung des kommunalen Polizei-</span><br/> <span class="ft6">rechts können mit Beschwerde an die übergeordnete Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft6">hörde weitergezogen werden (§ 45 des Gesetzes über die Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsrechtspflege vom 9. Juli 1968 [VRPG]). Liegt jedoch keine</span><br/> <span class="ft6">Verfügung vor, so fehlt es an einem für die Verwaltungsbeschwerde</span><br/> <span class="ft6">notwendigen Anfechtungsobjekt. Dies hat zur Folge, dass auf dieses</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmittel nicht eingetreten und damit auch keine materielle Be-</span><br/> <span class="ft6">handlung desselben vorgenommen werden kann (BGE 103 Ib 185,</span><br/> <span class="ft6">102 Ib 85; Attilio R. Gadola, Das verwaltungsinterne Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">617</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">verfahren, Diss. Zürich 1991, S. 280 ff.; Fritz Gygi, Bundesverwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 127, 222 f.).</span><br/> <span class="ft6">b) Verfügungen sind verbindliche, hoheitliche, einseitige An-</span><br/> <span class="ft6">ordnungen von Verwaltungsbehörden in Einzelfällen, die Rechte</span><br/> <span class="ft6">oder Pflichten begründen, ändern oder aufheben oder deren Bestand,</span><br/> <span class="ft6">Nichtbestand, Änderung oder Umfang feststellen (sog. Feststellungs-</span><br/> <span class="ft6">verfügung). Durch Verfügungen wird ein konkretes und individuelles</span><br/> <span class="ft6">Rechtsverhältnis in verbindlicher, in der Regel erzwingbarer Weise</span><br/> <span class="ft6">rechtsgestaltend oder feststellend geregelt (vgl. im Bundesrecht Art.</span><br/> <span class="ft6">5 Abs. 1 lit. a u. b des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfah-</span><br/> <span class="ft6">ren vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]; Fritz Gygi,</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., S. 128 mit Hinweisen; Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grund-</span><br/> <span class="ft6">riss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998,</span><br/> <span class="ft6">N 685 ff.). Die Verfügungen dienen also der Anwendung von gene-</span><br/> <span class="ft6">rell-abstrakten Normen auf den Einzelfall und müssen somit eine</span><br/> <span class="ft6">konkrete Berechtigung oder bestimmte Verpflichtung eines Rechts-</span><br/> <span class="ft6">subjektes begründen oder ein dahinzielendes Begehren ablehnen.</span><br/> <span class="ft6">Von den "normalen" Verfügungen abzugrenzen sind die soge-</span><br/> <span class="ft6">nannten Allgemeinverfügungen, zu welchen als typisches Beispiel</span><br/> <span class="ft6">etwa behördliche Anordnungen zur Regelung bestimmter örtlicher</span><br/> <span class="ft6">Verkehrsverhältnisse zu rechnen sind. So handelt es sich hiebei um</span><br/> <span class="ft6">eine eigenständige Rechtsform zwischen Rechtssatz und Verfügung.</span><br/> <span class="ft6">Wie bei den Verfügungen werden auch bei dieser Form von Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsmassnahmen konkrete Situationen geregelt. Im Unterschied zu</span><br/> <span class="ft6">den Verfügungen richten sie sich jedoch nicht an einen individuell</span><br/> <span class="ft6">bestimmten Personenkreis, sondern generell an eine unbestimmte</span><br/> <span class="ft6">Zahl von Personen, was sie mit dem Rechtssatz gemein haben.</span><br/> <span class="ft6">Rechtlich werden die Allgemeinverfügungen aber regelmässig wie</span><br/> <span class="ft6">gewöhnliche Verfügungen behandelt. Dies gilt insbesondere für das</span><br/> <span class="ft6">Verfahren und den Rechtsschutz. Ausserdem können die Allgemein-</span><br/> <span class="ft6">verfügungen, andere gesetzliche Regelungen vorbehalten, unmittel-</span><br/> <span class="ft6">bar zwangsweise durchgesetzt werden, ohne dass es hierzu noch</span><br/> <span class="ft6">einer weiteren Konkretisierung bedarf. Dagegen räumt das Bundes-</span><br/> <span class="ft6">gericht nur denjenigen Personen einen Anspruch auf rechtliches Ge-</span><br/> <span class="ft6">hör ein, die durch die Allgemeinverfügungen wesentlich schwerwie-</span><br/> <span class="ft6">gender betroffen werden als die übrige Vielzahl der Adressaten (BGE</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">618</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">121 I 230, 233; 119 Ia 141, 150). Ferner bestehen für die Allgemein-</span><br/> <span class="ft6">verfügungen in der Regel wie für Rechtssätze eine Publikati-</span><br/> <span class="ft6">onspflicht. Obwohl Allgemeinverfügungen grundsätzlich wie Ein-</span><br/> <span class="ft6">zelakte zu behandeln sind, müssen sie sodann wie Rechtssätze akzes-</span><br/> <span class="ft6">sorisch auf ihre Rechtmässigkeit hin überprüft werden können. Dies</span><br/> <span class="ft6">ergibt sich daraus, dass bei den Allgemeinverfügungen wie bei den</span><br/> <span class="ft6">Rechtssätzen der Adressatenkreis offen ist, weshalb nicht jeder</span><br/> <span class="ft6">Adressat die Möglichkeit hat, die Anordnung unmittelbar anzufech-</span><br/> <span class="ft6">ten. Die Rechtsprechung des Bundesgerichts betreffend akzessori-</span><br/> <span class="ft6">sche Überprüfung von Allgemeinverfügungen ist allerdings nicht</span><br/> <span class="ft6">einheitlich (vgl. Häfelin/Müller, a.a.O., N 737 ff.).</span><br/> <span class="ft6">c) Sind nicht alle Begriffsmerkmale einer Verfügung erfüllt</span><br/> <span class="ft6">(bzw. ergehen behördliche Akte, die sich auf individuelle Rechtsver-</span><br/> <span class="ft6">hältnisse auswirken, nicht in Verfügungsform), ergeben sich Abgren-</span><br/> <span class="ft6">zungsprobleme; dabei weisen gewisse Autorinnen und Autoren da-</span><br/> <span class="ft6">rauf hin, dass in Grenz- und Zweifelsfällen massgeblich auf das</span><br/> <span class="ft6">Rechtsschutzinteresse als Hauptkriterium für die Abgrenzung der</span><br/> <span class="ft6">anfechtbaren Hoheitsakte vom übrigen staatlichen Handeln abgestellt</span><br/> <span class="ft6">werden sollte, um den individuellen Rechtsschutz gegenüber der</span><br/> <span class="ft6">Verwaltung tatsächlich zu gewährleisten. Daraus ist aber nicht zu</span><br/> <span class="ft6">schliessen, dass immer dann ein anfechtbarer Hoheitsakt gegeben ist,</span><br/> <span class="ft6">wenn an der Anfechtbarkeit ein Rechtsschutzinteresse besteht; mass-</span><br/> <span class="ft6">geblich ist immer auf die gesetzliche Begriffsbestimmung abzustel-</span><br/> <span class="ft6">len. Das Rechtsschutzinteresse ersetzt somit nicht die Begriffsmerk-</span><br/> <span class="ft6">male einer Verfügung, sondern ist lediglich ein im Interpretationsfall</span><br/> <span class="ft6">beizuziehendes Grundmotiv derselben, wobei aber immerhin ein</span><br/> <span class="ft6">erhöhtes und besonders achtbares Rechtsschutzinteresse nachzuwei-</span><br/> <span class="ft6">sen ist (vgl. dazu Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommen-</span><br/> <span class="ft6">tar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A.,</span><br/> <span class="ft6">Zürich 1999, Vorbem. zu §§ 4-31, N 19; Fritz Gygi, a.a.O., S. 130;</span><br/> <span class="ft6">Thomas Merkli/Arthur Aeschlimann/Ruth Herzog, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft6">Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern</span><br/> <span class="ft6">1997, N 2, 27 und 29 zu Art. 49; Walter Kälin, Das Verfahren der</span><br/> <span class="ft6">staatsrechtlichen Beschwerde, 2. Aufl. Bern 1994, S. 116).</span><br/> <span class="ft6">3. a)</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">619</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Entgegen der Beurteilung der Vorinstanz sieht auch der Regie-</span><br/> <span class="ft6">rungsrat keine Veranlassung, das mit Beschluss vom 17. September</span><br/> <span class="ft6">2001 ausgesprochene kommunale Paintball-Verbot als generell-ab-</span><br/> <span class="ft6">strakten Rechtsakt einzustufen. Zwar trifft es zu, dass alleine gestützt</span><br/> <span class="ft6">auf den Wortlaut des Beschlussdispositivs ("Der Gemeinderat ver-</span><br/> <span class="ft6">bietet gestützt auf § 6 Abs. 1 und 2 und in Anlehnung an § 27 der</span><br/> <span class="ft6">Verfassung des Kantons Aargau [KV] das Paintballspiel auf dem</span><br/> <span class="ft6">gesamten Gemeindegebiet von U.") noch der Eindruck entstehen</span><br/> <span class="ft6">könnte, es handle sich hiebei um ein generell verhängtes Verbot,</span><br/> <span class="ft6">welches sich an jede Person richtet und damit keinen bestimmten</span><br/> <span class="ft6">Sachverhalt regeln will. In Übereinstimmung mit der Einwohnerge-</span><br/> <span class="ft6">meinde U. (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erweist es sich jedoch</span><br/> <span class="ft6">als richtig, den betreffenden Beschluss unter Mitberücksichtigung</span><br/> <span class="ft6">der übrigen Beschlussbestandteile sowie der sonstigen Begleitum-</span><br/> <span class="ft6">stände, als eigentliche Verfügung - in Abgrenzung zu einer Allge-</span><br/> <span class="ft6">meinverfügung - zu behandeln. So versteht sich der Beschluss bei</span><br/> <span class="ft6">näherer Betrachtung bereits aus rein formeller Sicht unbestrittener-</span><br/> <span class="ft6">massen als vollziehende Verfügung, indem er sich selber als Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung bezeichnet und zudem in die Verfügungsform (samt Sachver-</span><br/> <span class="ft6">halt, Erwägungen, Dispositiv und Rechtsmittelbelehrung) gekleidet</span><br/> <span class="ft6">ist. Sowohl aus dem Dispositiv als auch aus den diesbezüglichen</span><br/> <span class="ft6">Erwägungen ergibt es sich sodann, dass der Beschluss direkt gestützt</span><br/> <span class="ft6">auf § 6 Abs. 1 und 2 des Polizeireglementes (und nicht in Anwen-</span><br/> <span class="ft6">dung bzw. in blosser Bestätigung der Beschlüsse des Gemeinderates</span><br/> <span class="ft6">U. vom 2. und 16. Juli 2001) als Reaktion auf das Verhalten des</span><br/> <span class="ft6">Paintballvereins p. am 25. Juli 2001 ergangen ist. Im Gegensatz zu</span><br/> <span class="ft6">den beiden Beschlüssen vom 2. und 16. Juli 2001 lässt es sich aus-</span><br/> <span class="ft6">serdem klar erkennen, dass die angefochtene Verfügung sich nicht</span><br/> <span class="ft6">allgemein an jede Person, sondern direkt an den Paintballverein p. als</span><br/> <span class="ft6">die für den Spielbetrieb verantwortliche Organisationseinheit richtet.</span><br/> <span class="ft6">Hiefür spricht in Übereinstimmung mit der Beschwerdeführerin ins-</span><br/> <span class="ft6">besondere die Nennung des Paintballvereins p. als Verfügungsadres-</span><br/> <span class="ft6">sat im Titel und Text des Beschlusses sowie dessen individuelle Zu-</span><br/> <span class="ft6">stellung an den als Vertreter des Vereins auftretenden U.N.. Überdies</span><br/> <span class="ft6">ergibt sich der individuelle Charakter des Beschlusses auch dadurch,</span><br/> <span class="ft6">dass dem Paintballverein p. vorgängig zum Beschluss das rechtliche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">620</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Gehör im Rahmen eines am 17. September 2001 mit zwei Vereins-</span><br/> <span class="ft6">mitgliedern geführten persönlichen Gespräches gewährt wurde.</span><br/> <span class="ft6">Aufgrund der vorliegenden Umstände ist - entgegen der An-</span><br/> <span class="ft6">sicht der Vorinstanz - im Weiteren von einer für die Einstufung als</span><br/> <span class="ft6">Verfügung genügenden Konkretisierung der Anordnung auszugehen.</span><br/> <span class="ft6">Wenn der Beschluss auch - zumindest vordergründig - insofern als zu</span><br/> <span class="ft6">abstrakt angesehen werden könnte, als er das Paintball-Verbot in</span><br/> <span class="ft6">seinem Dispositiv weder explizit räumlich (d.h. auf bestimmte Ge-</span><br/> <span class="ft6">lände bezogen), zeitlich noch sachlich beschränkt verhängt, so darf</span><br/> <span class="ft6">hieraus dennoch nicht abgeleitet werden, es würde damit kein be-</span><br/> <span class="ft6">stimmter Sachverhalt geregelt. Vielmehr ergibt sich der Verzicht auf</span><br/> <span class="ft6">eine explizite räumliche und zeitliche Beschränkung in Überein-</span><br/> <span class="ft6">stimmung mit der Beschwerdeführerin dadurch, dass der Paintball-</span><br/> <span class="ft6">verein p. seine Aktivitäten in der Vergangenheit immer wieder an</span><br/> <span class="ft6">anderen Orten in der Gemeinde U. und zu unregelmässigen Zeiten</span><br/> <span class="ft6">ausübte (...). Die Beschwerdeführerin hat damit grundsätzlich jeder-</span><br/> <span class="ft6">zeit und überall mit dem Auftreten des Paintballvereins p. rechnen</span><br/> <span class="ft6">müssen, was ein auf eine einzelne Parzelle und einen bestimmten</span><br/> <span class="ft6">Zeitpunkt bezogenes Verbot unweigerlich jeweils sofort wieder ob-</span><br/> <span class="ft6">solet gemacht hätte. Entsprechend sah sich die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">veranlasst, für den Paintballverein p. quasi hinsichtlich jeder einzel-</span><br/> <span class="ft6">nen für das Paintballspiel geeigneten Parzelle ein Verbot zu statuie-</span><br/> <span class="ft6">ren. Das flächendeckende Verbot stellt somit keinen unbestimmten,</span><br/> <span class="ft6">sondern vielmehr einen aus Praktikabilitätsgründen räumlich nicht</span><br/> <span class="ft6">näher bestimmbaren Akt dar. Aus den auch dem Paintballverein p.</span><br/> <span class="ft6">bekannten Anforderungen an den Betrieb des Paintballspiels ist es</span><br/> <span class="ft6">zudem klar, dass sich das Paintball-Verbot von vornherein auf die für</span><br/> <span class="ft6">das Paintballspiel geeigneten Flächen beschränkte.</span><br/> <span class="ft6">Selbst wenn vorliegend davon ausgegangen würde, dass bezüg-</span><br/> <span class="ft6">lich der Qualifikation des gemeinderätlichen Beschlusses als Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung ein Grenz- bzw. Interpretationsfall vorläge, müsste die Mög-</span><br/> <span class="ft6">lichkeit einer direkten Anfechtung vorliegend angesichts des aktuel-</span><br/> <span class="ft6">len Rechtsschutzinteresses gutgeheissen werden. So besteht seitens</span><br/> <span class="ft6">des Paintballvereins p. nach wie vor ein erhebliches Rechtsschutzin-</span><br/> <span class="ft6">teresse, die materielle Zulässigkeit des über ihm schwebenden kom-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">621</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">munalen Paintball-Verbotes durch die erstinstanzlich angerufene</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdebehörde umfassend überprüfen zu lassen.</span><br/> <span class="ft6">b) Zusammenfassend ist der Beschluss des Gemeinderates U.</span><br/> <span class="ft6">vom 17. September 2001 somit als beschwerdefähige Verfügung</span><br/> <span class="ft6">einzustufen. Da die Vorinstanz den Beschluss folglich zu Unrecht als</span><br/> <span class="ft6">Rechtssatz behandelte und ihn aus rein formellen Gründen aufhob,</span><br/> <span class="ft6">ohne auf das darin enthaltene Paintball-Verbot materiell einzugehen,</span><br/> <span class="ft6">ist der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben. Gleichzeitig ist die</span><br/> <span class="ft6">Angelegenheit zur materiellen Beurteilung an die Vorinstanz zurück-</span><br/> <span class="ft6">zuweisen. (...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>