Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. November 2017 (715 17 233 / 302) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Vertrauensgrundlage im Zusammenhang mit dem Anspruch auf eine Folgerahmenfrist verneint. Keine Veranlassung der Arbeitslosenkasse, den Versicherten wiederholt auf die Notwendigkeit einer erneuten Anmeldung hinzuweisen . Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Rahmenfrist / Taggeldabrechnungen A. Der 1980 geborene A.____ war vom 1. Juli 2012 bi s Ende Oktober 2014 bei der B.____ AG angestellt. Am 1. September 2014 meldete er sich zur Arbeitsvermittlung an und stellte am 10. September 2014 den Antrag auf Arbeitslosenentsc hädigung ab 1. November 2014. Die öf- fentliche Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) eröff nete in der Folge am 7. Januar 2015 eine vom 3. November 2014 bis 2. November 2016 dauernde Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Nachdem diese Rahmenfrist für den Leistungsbezug am 2 . November 2016 abgelaufen war, meldete sich der Versicherte am 21. Dezember 2016 erneut zur Arbeitsvermittlung an und stellte am 22. Dezember 2016 wiederum einen Antrag a uf Arbeitslosenentschädigung ab 21. Dezember 2016. Die Kasse eröffnete daraufhin mit Schreiben vom 31. Januar 2017 eine neue Rahmenfrist für den Leistungsbezug ab 21. Dezembe r 2016 bis 20. Dezember 2018. Zu- gleich hielt sie fest, dass der versicherte Verdienst Fr. 4 ‘203.— und das daraus resultierende Taggeld brutto Fr. 140.— betrage. Nachdem der Versiche rte am 22. März 2017 eine anfechtba- re Verfügung hinsichtlich der im Schreiben der Kasse vom 31. Januar 2017 erwähnten Versi- cherungsleistungen ab 21. Dezember 2016 verlangt hatte, verfügte die Kasse am 5. April 2017, dass sowohl die ab Dezember 2016 erlassenen Taggeldabrech nungen als auch das Schreiben vom 31. Januar 2017 betreffend die Versicherungsleistun gen ab 21. Dezember 2016 korrekt erstellt worden seien. Eine hiergegen erhobene Einspr ache des Versicherten vom 2. Mai 2017, wonach der Beginn der Folgerahmenfrist für den Leistun gsbezug vom 21. Dezember 2016 auf den 4. November 2016 zu verschieben und die Taggeldleist ungen zu seinen Gunsten neu zu berechnen seien, hiess die Kasse mit Einspracheentscheid vo m 7. Juli 2017 insofern teilweise gut, als sie unter Hinweis auf ein zwischenzeitlich erfol gtes Rektifikat vom 27. Juni 2017 den versicherten Verdienst auf Fr. 4‘794.— und das Taggeld au f brutto Fr. 154.65 festsetzte, die angefochtene Verfügung vom 5. April 2017 im Übrigen aber bestätigte. C. Hiergegen erhob der Versicherte am 4. August 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und bean- tragte, seine Folgerahmenfrist für den Leistungsbezug sei auf den 4. November 2016 festzuset- zen. Zur Begründung brachte er zusammengefasst vor, dass er nicht gewusst habe, dass er sich für eine Folgerahmenfrist erneut hätte anmelden müssen. Nachdem er Ende Oktober 2016 bei der Verwaltung persönlich die letzten fehlenden Un terlagen abgegeben und danach gefragt habe, ob nun alle notwendigen Unterlagen vorhanden se ien, habe man ihn nicht darüber infor- miert, dass er sich erneut hätte anmelden müssen. Er kön ne nicht verstehen, weshalb er nicht auf seine drohende Aussteuerung hingewiesen worden sei. Erst im Nachhinein habe er erfah- ren, dass sich die Rahmenfrist nicht automatisch verlängere , sondern explizit neu beantragt werden müsse. Der Verlust der Bezugstage infolge Ansetzun g der Folgerahmenfrist erst per 21. Dezember 2016 ziehe einen herben finanziellen Schaden nach sich. D. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 5. September 20 17 auf Abweisung der Be- schwerde. Zusammenfassend hielt sie fest, dass der Beginn der Folgerahmenfrist zu Recht auf das Datum der Neuanmeldung beim Regionalen Arbeitsver mittlungszentrum (RAV) am 21. De- zember 2016 festgelegt worden sei. Daran würden die A usführungen des Beschwerdeführers nichts ändern. Vorliegend finde insbesondere auch das Vertrauensprinzip keine Anwendung. E. Nachdem die Angelegenheit mit verfahrensleitender Verfügung vom 7. September 2017 dem Präsidium zur Beurteilung überwiesen worden war, hielt der Beschwerdeführer mit Einga- be vom 21. September 2017 im Wesentlichen an seinem Re chtsbegehren und der entspre- chenden Begründung fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzu- gehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs.1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes ü ber die obligatorische Arbeitslo- senversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 auf die obligatori- sche Arbeitslosenversicherung anwendbar sind, kann gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich das V ersicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nicht der vor dem Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnu ng, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 AVIG ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtliche Zuständigkeit des kanto- nalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 AT SG zu regeln. Laut Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi cherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 ist für die Beurteilun g von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Ver sicherungsgericht desselben Kan- tons zuständig. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Einspracheentscheid, den das KIGA Baselland als kantonale Amtsstelle im Sinn e von Art. 85 AVIG erlassen hat, so- dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-La ndschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einsprache entscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formg erecht erhobene Beschwerde des Ver- sicherten ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts durch Präsidialentscheid St reitigkeiten bis zu einem Streit- wert von Fr. 10'000.—. Im vorliegenden Verfahren ist str ittig, ob die Kasse den Beginn der Fol- gerahmenfrist des Versicherten zu Recht auf den 21. Dezem ber 2016 festgelegt hat, oder ob deren Beginn nicht bereits auf den 4. November 2016 festzusetzen gewesen wäre. Die Summe der entschädigungsberechtigten 33 Taggelder à Fr. 154. 65 zwischen dem 4. November und 21. Dezember 2016 beläuft sich insgesamt auf Fr. 5‘103. 45, weshalb der Entscheid über die Beschwerde vom 4. August 2017 in die Kompetenz der prä sidierenden Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts fällt. 2.1 Art. 8 Abs. 1 AVIG zählt die für die Arbeitslosen entschädigung massgeblichen An- spruchsvoraussetzungen auf. Danach ist unter anderem erforderlich, dass der Versicherte ganz oder teilweise arbeitslos ist (lit. a). Als ganz arbeit slos gilt laut Art. 10 Abs. 1 AVIG, wer in kei- nem Arbeitsverhältnis steht und eine Vollzeitbeschäfti gung sucht. Als teilweise arbeitslos gilt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach Art. 10 Abs. 2 AVIG, wer in keinem Arbeitsverhäl tnis steht und lediglich eine Teilzeitbe- schäftigung sucht (lit. a) oder eine Teilzeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder eine weitere Teilzeitbeschäftigung sucht (lit. b). Zu den gesetzlich en Anspruchsvoraussetzungen gehört fer- ner, dass der Versicherte einen anrechenbaren Arbeitsa usfall erlitten hat (Art. 8 Abs. 1 lit. b AVIG). Nach Art. 11 Abs. 1 AVIG ist ein Arbeitsausfal l anrechenbar, wenn er einen Verdienst- ausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinander f olgende volle Arbeitstage dauert. Des Weiteren muss der Versicherte die Beitragszeit erfüllen oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sein (Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG). Gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt die Beitragszeit, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. 2.2 Gemäss Art. 9 Abs. 1 AVIG gelten für den Leistung sbezug und für die Beitrags- zeit grundsätzlich zweijährige Rahmenfristen. Die Rahmenf rist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzu ngen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 2 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwe i Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG). Ist die Rahmenfrist für den Leistungsbezug abgelaufen und beansprucht der Versicherte wieder Arbeitslosenentschädigung, so gelten erneut zweij ährige Rahmenfristen (Abs. 4). Soll sich die neue Folgerahmenfrist für den Leistungsbezug - wie vorliegend umstritten - unmittelbar an die vorangehende Rahmenfrist anschliessen, so entspricht die neue Rahmenfrist für die Bei- tragszeit der früheren Rahmenfrist für den Leistungsb ezug. Die Bedeutung des Aufeinanderfol- gens von Rahmenfristen liegt darin, dass eine Neuüberprü fung aller Anspruchsvoraussetzun- gen stattfindet (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundes- verwaltungsrecht, SBVR, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel/Genf/München 2016, S. 2304 Rz 127). Die versicherte Person muss sich deshal b erneut bei der zuständigen Amts- stelle zum Leistungsbezug anmelden (BGE 122 V 261 E. 4 a). Zugleich wird auf diesen Tag hin auch der Stichtag des Beginns der Folgerahmenfrist ne u festgelegt. Beim Rahmenfristenwech- sel werden alle Anspruchszähler auf Null gestellt. Ein Übertrag von nicht bezogenen Taggel- dern oder von nicht bezogenen kontrollfreien Tagen auf die neue Rahmenfrist ist nicht möglich. Ebenso hat die versicherte Person nebst den übrigen Vor aussetzungen (Erwägung 2.1 soeben hiervor) erneut insbesondere auch die einjährige Mind estbeitragszeit oder die Befreiung von deren Erfüllung nachzuweisen (BGE 130 V 229; 125 V 3 55 E. 3a und 3b S. 357 ff.; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2304 Rz. 126 f.). Für die Eröffnung einer neuen Folgerahmenfrist muss die versicherte Person deshalb jeweils die in Art. 29 A bs. 1 AVIV aufgeführten Unterlagen und Formulare erneut einreichen. Die Kasse hat daraufhin e in neues Dossier anzulegen. Sofern die Voraussetzungen für eine erneute Anspruchsberechtigung gegeben sind, sind zugleich der ver- sicherte Verdienst und die Taggeldhöhe neu zu bestimmen (AVIG-Praxis ALE, Staatssekretariat für Wirtschaft seco, gültig 1. Januar 2017, Rz. B52). 2.3 Art. 28 Abs. 2 ATSG statuiert eine Mitwirkungspfl icht derjenigen Personen, welche Versicherungsleistungen beanspruchen. Die Leistungsempfäng erinnen und -empfänger müs- sen den Arbeitslosenkassen und den zuständigen Behörden des Bundes und der Kantone alle erforderlichen Auskünfte erteilen und die nötigen Unte rlagen vorlegen. Nach Art. 17 Abs. 2 AVIG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 4 AVIG muss die arbeitslose Person sich so- dann am ersten Tag, für den sie im Falle der Beanspruc hung einer Folgerahmenfrist erneut Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitslosenentschädigung beansprucht, persönlich beim A rbeitsamt ihres Wohnorts zur Ar- beitsvermittlung melden und von da an die Kontrollvor schriften des Bundesrates befolgen. Die Erfüllung der Kontrollvorschriften stellt dabei eine An spruchsvoraussetzung auch für die Eröff- nung einer Folgeleistungsrahmenfrist dar (Art. 8 Abs. 1 lit. g AVIG). 3. Den Akten ist zu entnehmen, dass die erste Rahmenfrist am 2. November 2016 abge- laufen war, nachdem sich der Versicherte am 1. Septembe r 2014 zur Arbeitsvermittlung ange- meldet und am 10. September 2014 den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. November 2014 gestellt hatte (Kassen Dok 10 bis 15 sowie 68). Di e Neuanmeldung beim zuständigen RAV erfolgte erst wieder am 21. Dezember 2016 (Kassen Dok 317 f.) Der neue Antrag um Aus- richtung von Arbeitslosenentschädigung reichte der Versich erte tags darauf am 22. Dezember 2016 ein (Kassen Dok 319 ff.). Dem Gesagten zufolge (o ben, Erwägung 2.2) kann eine Fol- gerahmenfrist nur eröffnet werden, wenn und sobald si ch die versicherte Person erneut bei der zuständigen Amtsstelle zum Leistungsbezug angemeldet h at und die Anspruchsvoraussetzun- gen gemäss Art. 8 ff. AVIG erneut erfüllt. Auch der B eschwerdeführer geht in seiner Beschwer- de vom 4. August 2017 mittlerweile davon aus, dass sich seine erste Rahmenfrist nicht automa- tisch verlängert, sondern er für eine nahtlose Folgera hmenfrist gehalten gewesen wäre, sich spätestens ein Tag nach Ablauf der ersten Rahmenfrist ern eut bei der zuständigen Arbeitsver- mittlung seiner Wohnsitzgemeinde wieder zum Leistungsbezug anzumelden. Dies hat er jedoch unterlassen. Es daher grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn die Kasse eine zweite Rah- menfrist erst mit Wirkung ab dem 21. Dezember 2016 eröffnet hat. 4. Der Beschwerdeführer bringt nun allerdings vor, er habe erst nach längerer Recherche verstanden, dass eine Folgerahmenfrist nach zwei Jahren erneut beantragt werden müsse, weil sie sich nicht automatisch verlängere. Er könne die ver spätete Leistungsrahmenfrist nicht ak- zeptieren, weil er zuvor am 29. Oktober 2016 alle Unte rlagen der Kasse abgegeben und dabei danach gefragt habe, ob alle Unterlagen zusammen seien. Der Sachbearbeiter der Kasse habe diese Frage positiv beantwortet. Er habe daraufhin ged acht, alles sei korrekt geregelt. Weder sei eine Rückmeldung vom RAV noch vom KIGA eingetroffen, dass etwas nicht korrekt laufe, selbst dann noch nicht, als er das November-Formular betreffend die Angaben der versicherten Person abgegeben habe. Erst am 21. Dezember 2016 sei sei ner RAV-Beraterin aufgefallen, dass seine Anspruchsberechtigung abgelaufen sei. Durch di eses Missverständnis und die feh- lende Kommunikation seien ihm 33 Tage verloren gega ngen, für welche er Arbeitslosenent- schädigung hätte beziehen können. Er habe nach bestem Wi ssen und Gewissen gehandelt. Soweit der Beschwerdeführer mithin geltend macht, da ss er zu Unrecht nicht auf seine drohen- de Aussteuerung hingewiesen worden sei, ist zu prüfen, ob er sich auf eine Verletzung des Ver- trauensgrundsatzes berufen kann. 4.1 Gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung verlangt d er verfassungsmässige Grundsatz von Treu und Glauben nach Art. 5 Abs. 3 der B undesverfassung der Schweizeri- schen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) im Allge meinen sowohl von den Verwal- tungsbehörden als auch von den Bürgern ein redliches, lo yales, vertrauenswürdiges und rück- sichtsvolles Verhalten im gegenseitigen Verkehr (M AX IMBODEN /R ENÉ RHINOW , Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Basel und Stuttgart 1976, B and I, Nr. 74 B II und IV mit weiteren Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinweisen; U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, Rz. 620; Y VO HANGARTNER , in: Ehrenzel- ler/Mastronardi/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 5 BV, Rz. 41 ff.). In de r Form des Vertrauensschutzes (Art. 9 BV) verleiht er den Privaten einen Anspruch auf Schutz ihres berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behör- den (HÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz. 624 ff.). 4.2 Voraussetzung für den Vertrauensschutz ist zunächst eine taugliche Vertrauensgrund- lage. Darunter fallen neben Handlungen der Rechtsanw endung und Rechtssetzung insbeson- dere auch behördliche Auskünfte und Zusicherungen. Vorau sgesetzt ist bei Letzteren, dass die auskunftserteilende Behörde für die Auskunft zuständig w ar oder der Private in guten Treuen annehmen durfte, dass die Behörde zur Auskunftserteilung befugt gewesen sei; dass die Aus- kunft vorbehaltlos erteilt wurde und aufgrund einer ge wissen inhaltlichen Bestimmtheit geeignet war, Vertrauen zu begründen (H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz. 668 ff.). Der Betroffene muss von der Vertrauensgrundlage Kenntnis haben und dar f ihre allfällige Fehlerhaftigkeit we- der kennen noch kennen müssen. Des Weiteren kann Vertrau ensschutz nur geltend machen, wer gestützt auf sein Vertrauen eine Disposition getäti gt hat, die ohne Nachteil nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Die Vertrauensgrundlag e muss für die Disposition kausal gewesen sein. Sind diese Voraussetzungen kumulativ erfüllt , kann sich der Betroffene auf den Vertrauensschutz berufen, soweit im Einzelfall nicht üb erwiegende öffentliche Interessen vor- gehen (vgl. zum Ganzen H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz. 699 ff.; BGE 127 I 36 E. 3a; je mit weiteren Hinweisen). Gemäss Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts (EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtlich e Abteilungen) kann auch das Unter- bleiben einer gesetzlich gebotenen Aufklärung Vertrauen sgrundlage bilden. Ist eine Auskunft entgegen der gesetzlich stipulierten Pflicht nicht erteilt worden, hat der Private – sofern die wei- teren Voraussetzungen erfüllt sind – Anspruch auf eine vo m materiellen Recht abweichende Behandlung aufgrund des Vertrauensschutzes (BGE 112 V 120 E. 3b). 4.3 Im Sozialversicherungsrecht räumt Art. 27 Abs. 2 ATSG dem Einzelnen einen individu- ellen Anspruch auf Beratung durch den zuständigen Versich erungsträger ein und ordnet eine umfassende gesetzliche Beratungspflicht an, deren Nichte rfüllung Grundlage für den Vertrau- ensschutz bilden kann (BGE 131 V 476 E. 4.1 und S. 480 E. 5 mit Hinweisen). Die Beratungs- pflicht wird primär ausgelöst durch eine konkrete Anfrag e einer versicherten Person zu einem bestimmten, sie aktuell beschäftigenden sozialversicherung srechtlichen Problem. Wendet sie sich mit einem Anliegen an die Versicherung, ist diese umfassend zur Aufklärung verpflichtet. Sie muss bei konkretem Anlass den Versicherten aber auch oh ne Anfrage auf jene Gestal- tungsmöglichkeiten hinweisen, die klar zutage liegen und deren Wahrnehmung offenbar so zweckmässig ist, dass jeder verständige Versicherte sie mutmassli ch nutzen würde. Ausrei- chend für die Auslösung der Beratungspflicht ist, wenn für den zuständigen Versicherungsträger erkennbar ist, dass der Betroffene durch ein bestimmtes Handeln oder Unterlassen Nachteile betreffend seine Sozialleistungsansprüche erleiden kann (ULRICH MEYER , Verfahrensfragen – Grundlagen, Begriff und Grenzen der Beratungspflicht nach Art. 27. Abs. 2 ATSG, in: Gächter [Hrsg.], Ulrich Meyer – Ausgewählte Schriften, Zürich 201 3, S. 336 f.). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Den Akten ist in diesem Zusammenhang zu entnehmen, dass der Versicherte während seiner ersten Leistungsrahmenfrist am 9. September 201 6 und am 7. Oktober 2016 über den Ablauf seiner Rahmenfrist per 2. November 2016 inform iert worden war (Kassen Dok 164 und 199). Der Beschwerdeführer hat anerkannt, dass er nebst vielen anderen Briefen mit Aufforde- rungen seitens des KIGA diese Hinweisschreiben erhalten hat (vgl. Stellungnahme an das Kan- tonsgericht vom 21. September 2017, S. 1 unten). Er kann sich deshalb nicht darauf berufen, die Notwendigkeit einer erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug nicht gekannt zu haben. Er macht jedoch geltend, dass er diverse Unterlagen gleichzeitig abgegeben und gedacht habe, damit auch seiner Verpflichtung zur Neuanmeldung für eine Folgerahmenfrist nachgekommen zu sein. Dies gelte insbesondere in Anbetracht der Tatsac he, dass er sich bei der Abgabe von weiteren Dokumenten am 29. Oktober 2016 explizit danach erkundigt habe, ob alle notwendi- gen Unterlagen vorhanden seien und er auf diese Frag e eine positive Antwort erhalten habe. Diesbezüglich ist jedoch schwer in Einklang zu bringen, d ass der Beschwerdeführer einerseits angibt, dass er bei der Abgabe seiner Dokumente Ende O ktober 2016 gedacht habe, zugleich auch seiner Verpflichtung zur Neuanmeldung nachgekommen zu sein, andererseits aber gel- tend macht, im Zeitpunkt der Abgabe seiner Unterlagen noch nicht um die Notwendigkeit einer erneuten Anmeldung gewusst zu haben. Um eine Beratun gspflicht der Verwaltung gemäss Art. 27 Abs. 2 ATSG bejahen zu können, müsste er der Kasse oder dem RAV sodann eine kon- krete Anfrage betreffend die Notwendigkeit einer erneuten Anmeldung für eine Folgerahmenfrist gestellt haben, oder es müsste eine Gestaltungsmöglichke it bestanden haben, die so zweck- mässig war, dass jeder verständige Versicherte sie mutmasslich genutzt hätte (vgl. Erwägung 4.3 hiervor). Eine konkrete Nachfrage des Versicherten be treffend die Notwendigkeit einer er- neuten Anmeldung für eine Folgerahmenfrist ist dem Gesagten zufolge aber weder erstellt noch anzunehmen. So gibt der Beschwerdeführer an, sich im Zeitpunkt der Abgabe seiner Dokumen- te noch nicht bewusst gewesen zu sein, dass er sich für ei ne Folgerahmenfrist bei der zustän- digen Amtsstelle erneut hätte anmelden müssen. Seine da malige Nachfrage betreffend die Vollständigkeit der abgegebenen Unterlagen mag sich mit anderen Worten auf die für die ent- sprechende Kontrollperiode notwendigen Unterlagen, ni cht aber auf eine erneute Leistungs- rahmenfrist bezogen haben. Die Frage des Versicherten a n den Sachbearbeiter, ob alle Papie- re vorliegen würden, kann jedenfalls nicht als konkrete F rage oder gar Antragstellung auf eine Folgerahmenfrist verstanden werden. Daraus folgt, dass un ter dem Aspekt des Vertrauens- schutzes auch keine Unterlassung der Verwaltung abgeleit et werden kann, den Versicherten fälschlicherweise nicht auf die Notwendigkeit einer erneuten Anmeldung hingewiesen zu haben. Der Beschwerdeführer hat in seiner Stellungnahme vom 21 . September 2017 vielmehr aner- kannt, nebst anderen Mitteilungen auch die Erinnerungssc hreiben betreffend die ablaufende Rahmenfrist erhalten zu haben (Kassen Dok 164 und 199). In diesen Schreiben ist der Versi- cherte ein erstes Mal bereits am 9. September 2017 und ein zweites Mal am 7. Oktober 2016 – mithin lediglich drei Wochen vor seinem Besuch bei der K asse – darauf hingewiesen worden, dass er für eine nahtlos anschliessende Folgeleistungsrahmen frist spätestens am 3. November 2016 beim zuständigen RAV einen neuen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung stellen müsse, andernfalls, sollte keine Arbeitslosigkeit mehr vorliegen, er nichts weiter unternehmen müsse. Mit diesen Informationsschreiben ist die Verwaltung ihr er Auskunftspflicht aber bereits im Vor- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht feld vollumfänglich nachgekommen. Es ist daran zu erinn ern, dass eine versicherte Person ge- mäss der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht gehalten ist , grundsätzlich selbst um die Geltend- machung ihrer arbeitslosenversicherungsrechtlichen Ansprüche besorgt zu sein (oben, Erwä- gung 2.3 hiervor). War der Beschwerdeführer aber bere its hinlänglich über das weitere Vorge- hen informiert, kann keine darüber hinausgehende Verpf lichtung der Verwaltung (mehr) beste- hen, ihn anlässlich der Abgabe anderweitiger Unterlag en noch einmal auf eine allfällige Fol- gerahmenfrist hinzuweisen. Dies gilt umso mehr, als di e Kasse im Rahmen der ihr obliegenden Massenverwaltung nicht davon ausgehen muss, dass eine versich erte Person stets eine Fol- gerahmenfrist wünscht; sie durfte ebenso damit rechnen, dass der Versicherte nach Ablauf der noch laufenden Leistungsrahmenfrist nicht mehr arbeitsl os war und daher auch keine weiteren Leistungen der Arbeitslosenversicherung beantragen will. Es besteht deshalb auch kein Anlass, aufgrund dessen die Kasse oder das RAV veranlasst gewesen wären, den Beschwerdeführer anlässlich der Abgabe diverser Unterlagen über die Kon sequenzen einer verspäteten Anmel- dung für eine Folgerahmenfist aufzuklären. 4.5 Dem Dargelegten zufolge ist eine Verletzung des Vertrauensgrundsatzes zu verneinen, weil sich der Beschwerdeführer weder vor Ablauf der erst en Leistungsrahmenfrist nachweisbar und konkret nach den Folgen deren Ablaufs erkundigt hatte, noch eine Veranlassung der Kasse bestanden hat, den Versicherten unter den gegebenen Um ständen noch einmal auf eine Fol- gerahmenfrist hinweisen zu müssen. Damit aber fehlt es a n einer tauglichen Vertrauensgrund- lage. Der Vollständigkeit ist darauf hinzuweisen, dass d er Beschwerdeführer die von ihm als verloren bezeichneten 33 Taggelder – sollte er Ende No vember 2018 weiterhin arbeitslos sein und noch immer alle übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfü llen – statt nur bis zum 3. November 2018 bis zum 20. Dezember 2018 zu beziehen b erechtigt sein wird. Insofern re- sultiert über die gesamte Periode der neuen Leistungsra hmenfrist gesehen kein finanzieller Schaden. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. 5. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.