Seite 1 Urteil vom 22. März 2019 (510 18 90) __________________________________________________ ___________________ Verkehrswert vor 20 Jahren / unverbindlicher Vorbescheid / Vertrauensschutz Besetzung Steuergerichtspräsident A. Zähndler, Steu errichter Dr. L. Schnei- der (Ref.), J. Felix, Dr. Ph. Spitz, S. Schmid, Gerichtsschreiber i.V. D. Anzante Parteien A.____ , vertreten durch Erhart Rechtsanwälte & Notariat , Herr D. E r- hart, Konsumstrasse 1, Postfach, 4104 Oberwil BL Rekurrentin gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaf t, Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Grundstückgewinnsteuer Seite 2 Sachverhalt: A. Die Rekurrentin verkaufte die Liegenschaft Parzelle (…), GB B.____ für Fr. 790‘000.--. Mit Ver- anlagungsverfügung der Grundstückgewinnsteuer vom 4. Sep tember 2017 wurden die Geste- hungskosten auf Fr. 605‘165.30 festgesetzt. Der daraus r esultierende Grundstückgewinn von Fr. 184‘834.70 führte unter Anwendung des Steuersatzes von 25% zu einer Grundstückgewinn- steuer von Fr. 46‘208.--. B. Mit Schreiben vom 8. September 2017, welches die Steue rverwaltung als Einsprache entgegen nahm, teilte der Vertreter der Pflichtigen der veranlagenden Behörde mit, dass die grosse Diffe- renz zwischen dem Vorbescheid und der Veranlagungsverfügun g unerklärlich, die Angelegen- heit nochmals zu prüfen und innert des laufenden Rechtsmi ttels eine rektifizierte Grundstück- gewinnsteuerveranlagung zuzustellen sei. Mit ergänzender Einsprachebegründung vom 3. Ok- tober 2017 beantragte er, neben der Aufhebung der V eranlagungsverfügung, die Anwendung des im amtlichen Vorbescheid vom 19. Mai 2016 ausgewiese nen Gestehungspreises von Fr. 694‘502.-- sowie die Erstellung einer rektifizierte n Grundstückgewinnsteuerveranlagung, unter Berücksichtigung der übrigen Veranlagungsfaktoren. Zur Begründung führte er aus, der unverbindliche Vorbescheid sei nur in Bezug auf die au sgewiesene Grundstückgewinnsteuer unverbindlich. Der ausgewiesenen Zahl betr. „Erwerb Al tbesitz“ komme demgegenüber aber Verbindlichkeit für die Behörde zu. Mit Einspracheentscheid vom 28. September 2018 hiess die Steuerverwaltung die Einsprache teilweise gut, indem sie die Gebühren des Grundbuchamt s von Fr. 490.-- zusätzlich als Geste- hungskosten anrechnete. Sie argumentierte, dass nicht jedes staatliche Verhalten geeignet sei, um beim Bürger ein schutzwürdiges Vertrauen zu schaffen. Vorliegend habe die Einsprecherin die Parzelle (…), GB B.____ im Jahr 2016 verkauft. Somi t gelte für die Berechnung des Ver- kehrswertes vor 20 Jahren jener aus dem Jahr 1996. Der Nachweis eines höheren Verkehrs- wertes werde nicht erbracht. Zur Bestimmung des Verkehrsw ertes stelle die Steuerverwaltung auf die Landpreisstatistik des Statistischen Amtes ab. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für das Jahr 1996 betrage Fr. 956.--. Als Landwert eines überbauten Grundstückes gelte der um 30% reduzierte Verkehrswert. Aus diesem Grund sei der La ndwert in der angefochtenen Verfü- gung mit 70% eingesetzt worden. Der unindexierte Land wert betrage damit Fr. 257‘642.--. Be- treffend das Gebäude führte die Steuerverwaltung aus, der Zustandswert des Gebäudes werde auf der Grundlage des Gebäudeversicherungswertes berechne t. Die Brandlagerschatzung von 1977 habe einen Wert von Fr. 31‘300.-- ausgewiesen. Der Bauteuerungsindex betrage 920%. Dem Alter des Gebäudes sei mit einem sog. Altersabzug angemessen Rechnung zu tragen. Als Baunebenkosten würde der damalige Ansatz vor 20 Jahren von 10% berücksichtigt. Der ge- samte Verkehrswert betrage demnach Fr. 574‘398.-- (= F r. 257‘642.-- + Fr. 316‘756.--). Inde- xiert mit dem Wert 1.05 belaufe er sich auf Fr. 603‘118.--. Seite 3 C. Mit Schreiben vom 19. Oktober erhebt der Vertreter d er Pflichtigen Rekurs und begehrt, (1) es sei der angefochtene Entscheid vollumfänglich aufzuheben, (2) es sei gestützt auf den im amtli- chen Vorbescheid vom 19. Mai 2016 ausgewiesenen Erwerbs preis Altbesitz (Verkehrswert vor 20 Jahren; Fr. 694‘502.--) unter Berücksichtigung der ü brigen Veranlagungsfaktoren (Handän- derungssteuer, Fertigungskosten etc.) eine rektifizierte Grundstückgewinnsteuerveranlagung zu erlassen, (3) eventualiter sei der angefochtene Entsche id vollumfänglich aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, (4) es sei der Rekurrentin Einsicht in sämtli- che sie betreffenden Verfahrensakten der Vorinstanz zu g ewähren; (5) unter Kosten- und Ent- schädigungsfolge. Im Vorbescheid sei der „Erwerbspreis Altbesitz“ mit Fr. 694‘502.-- von Amtes wegen ermittelt und angegeben worden. In der Veranl agungsverfügung zur Grundstückgewinn- steuer habe die Steuerverwaltung den Verkehrswert vor 20 Jahren ohne jede Erklärung mit Fr. 603‘118.-- beziffert. Dass der Vorbescheid insgesam t unverbindlich sei werde nicht bestrit- ten. Bestritten werde hingegen, dass die amtlich durchz uführende Berechnung, welche den Verkehrswert der Liegenschaft vor 20 Jahren ausweise, kei ne verbindliche Behördenauskunft darstellen solle. Zudem sei der Anspruch auf rechtliche s Gehör verletzt, da nicht ersichtlich sei, weshalb der Verkehrswert vor 20 Jahren um beinahe Fr. 100‘000.-- abweiche. Sämtliche für die Berechnung des Veräusserungswertes relevanten Kennzahlen seien bereits im Zeitpunkt der Berechnung für den Vorbescheid bekannt gewesen. Stritt ig sei, worauf sich die Unverbindlich- keit beziehe, bloss auf das Ergebnis oder auf sämtliche Za hlen in der gesamten Berechnung. Die einzig logische Schlussfolgerung sei, dass sich der Ha ftungsausschluss auf sämtliche Zah- len ausser auf den Erwerbspreis vor 20 Jahren beziehe, w eil dieser von Amtes wegen zu be- rechnen sei. Vorliegend seien sämtliche Kriterien für die Anwendbarkeit des Grundsatzes von Treu und Glauben erfüllt und die Rekurrentin sei in ihrem Vertrauen auf die Richtigkeit der Er- mittlung des Erwerbspreises vor 20 Jahren zu schützen. H insichtlich der Verletzung des rechtli- chen Gehörs führte der Vertreter aus, dass es nicht ersichtl ich sei, weshalb der Erwerbspreis Altbesitz in der Veranlagungsverfügung von jenem im Vo rbescheid abweiche. Die Vorinstanz bestreite lediglich die Anwendung des Grundsatzes von Tr eu und Glauben. Sie wäre verpflich- tet gewesen zu begründen, weshalb der Verkehrswert Alt besitz in der Veranlagungsverfügung abweiche. Im Ergebnis sei der Anspruch der Rekurrentin a uf Gewährung des rechtlichen Ge- hörs verletzt, weshalb der Entscheid bereits aus diesem Grund aufzuheben und zur Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Mit Vernehmlassung vom 13. November 2018 beantragt di e Steuerverwaltung die Abweisung des Rekurses. Da im Rekurs keine wesentlich neuen Argumente oder Beweismittel vorgebracht würden, sei auf den ausführlich begründeten Einsprach eentscheid zu verweisen. Zusätzlich sei festzuhalten, dass es sich vorliegend nicht um ein sog. Steu erruling, sondern um eine unver- bindliche Vorabauskunft über einen allfälligen Verkeh rswert vor 20 Jahren handle. Dies könne mit einer als provisorisch erklärten Veranlagung zu den p eriodischen Steuern verglichen wer- den. Der später definitiv erklärte Betrag könne davon abweichen. Die schriftliche, aber aus- drücklich als unverbindlich deklarierte Auskunft der Steue rverwaltung über einen Verkehrswert vor 20 Jahren habe keinerlei bindende Wirkung, weil ei nerseits darin explizit ein Vorbehalt an- gebracht worden sei, andererseits dadurch keine nicht rückgängig zu machenden Dispositionen getroffen worden seien. Vorliegend sei das Rechtsgeschäf t über den Verkauf der Liegenschaft an die Bürgergemeinde B.____ bereits abgeschlossen gewe sen, als der Vorbescheid erstellt Seite 4 worden sei. Die Berechnung der Grundstückgewinnsteuer h abe deshalb keine Auswirkungen auf das zeitlich bereits vorher abgeschlossene Grundstückgeschä ft gehabt. Die Rekurrentin habe aufgrund der genannten Auskunft keine nachteilig en Dispositionen getroffen. Ihre späte- ren Dispositionen seien alle nicht kausal zum Rechtsgeschäft gewesen. Anlässlich der heutigen Verhandlung halten die Parteien an ihren Rechtsbegehren fest. Erwägungen: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes vom 7. Febr uar 1974 über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG; SGS 331) zur Beur teilung des vorliegenden Rekurses zuständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 10'000.-- pro Steuerjahr überst eigt, von der Fünferkammer des Steuerge- richts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Vorab wird von der Rekurrentin geltend gemacht, die R ekursgegnerin habe den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie eine von dem Vorbescheid abweichende Veranlagung des Grundstückgewinns vorgenommen hat, ohne diese Abweichung zu begründen. Der aus Art. 29 Abs. 2 BV fliessende Anspruch auf recht liches Gehör beinhaltet insbesondere auch den Anspruch der Parteien auf Begründung der Ver fügung durch die Behörde. Die Be- gründung zeigt den Parteien, ob sich die Behörde mit ihren Argumenten auseinandergesetzt hat und erlaubt ihnen eine sachgerechte Anfechtung. Eine analoge Regelung zu Art. 29 Abs. 2 BV findet sich in § 13 des Verwaltungsverfahrensgesetzes des K antons Basel-Landschaft vom 13.6.1989 (VwVG BL; SGS 175). Vorliegend ist festzuhalten, dass die Steuerverwaltung sowohl bei der definitiven Veranlagung als auch im Einspracheentscheid klar dargelegt hat, von w elchen Zahlen und Faktoren sie aus- gegangen ist. Unter anderem sind der Verkaufspreis und die Gestehungskosten detailliert auf- geführt, sowie der steuerbare Grundstückgewinn und der S teuersatz festgehalten. Vor diesem Hintergrund ist die Möglichkeit einer sachgerechten Anfe chtung ohne Weiteres zu bejahen und die entsprechende Rüge der Rekurrentin erweist sich als unbegründet. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass die Abweichung zwischen den (unbestrittenermas- sen falschen) Werten des Vorbescheids und der definitiven Veranlagung der Grundstückge- winnsteuer von der Rekursgegnerin nicht erklärt werden ko nnte. Dies ist zwar unbefriedigend, doch erscheint es gleichzeitig auch als nachvollziehbar, dass ein Berechnungsfehler nach einer gewissen Zeit nicht mehr bzw. nur noch schwer rekonstruierbar sein kann. Seite 5 3. In vorliegendem Fall ist in der Hauptsache zu prüfen, o b die Berechnung des Verkehrswerts von vor 20 Jahren im unverbindlichen Vorbescheid der Ste uerverwaltung eine Grundlage für den Vertrauensschutz nach Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) darstellt. 3.1 Art. 9 BV gibt jeder Person den Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Willkür und nach Treu und Glauben behandelt zu werden. Der Grundsatz von Treu und Glauben wirkt sich im Verwaltungsrecht unter anderem in der Form des sog. Vertrauensschutzes aus. Dieser verleiht den Privaten einen Anspruch auf Schutz ihres be rechtigten Vertrauens in das bestimm- te Erwartungen begründende Verhalten der Behörden. Der Vertrauensschutz will im Sinne der Rechtsstaatsidee die Privaten gegen den Staat schützen ( HÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , Allgemei- nes Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St.Gallen 201 6 Rz. 621). Als allgemeine Vorausset- zungen des Vertrauensschutzes gelten 1) das Vorhandensein einer Vertrauensgrundlage, 2) das Vertrauen in das Verhalten der staatlichen Behörde, 3) eine Vertrauensbetätigung bzw. eine Disposition, 4) ein Kausalzusammenhang zwischen Ver trauen und Vertrauensbetätigung und 5) eine Abwägung zwischen dem Interesse am Vertrauen sschutz und entgegenstehenden öffentlichen Interessen (H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz. 625 ff., vgl. auch TSCHANNEN /Z IMMERLI /M ÜLLER , Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Bern 2014, §22 II 4., Rz. 10 ff.). 3.2 Einen der wohl wichtigsten Anwendungsfälle des Vertr auensschutzes stellt die unrichtige behördliche Auskunft dar. So kann eine (selbst unrichtig e) Auskunft, welche eine Behörde dem Bürger erteilt, unter gewissen Umständen Rechtswirkungen entfalten (publiziertes Urteil des Bundesgerichts [BGE] 137 II 182, E. 3.6.2). Das Bundesge richt hat im zitierten Entscheid eine Auflistung der Voraussetzungen unter Verweis auf mehr ere Literaturhinweise und eigene Rechtsprechung erstellt: a) es muss sich um eine vorbehaltl ose Auskunft der Behörden han- deln, b) die Auskunft muss sich auf eine konkrete, den Bür ger berührende Angelegenheit be- ziehen, c) die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, muss hierfür zuständig gewesen sein oder der Bürger hat sie aus zureichenden Gründen a ls zuständig betrachten dürfen, d) der Bürger hat die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne W eiteres erkennen können, e) der Bürger hat im Vertrauen hierauf nicht ohne Nachteil rückgäng ig zu machende Dispositionen getroffen, f) die Rechtslage ist zur Zeit der Verwirklichung noch d ie Gleiche wie im Zeitpunkt der Aus- kunftserteilung, g) das Interesse an der richtigen Rechtsd urchsetzung des objektiven Rechts überwiegt nicht dasjenige des Vertrauensschutzes (BGE 137 II 182, a.a.O.). Nicht jede behördliche Auskunft taugt als Vertrauensbasi s. Notwendig ist eine gewisse inhaltli- che Bestimmtheit; eine lediglich vage Absichtskundgabe od er ein Hinweis auf eine bisherige Praxis genügt nicht. Unmassgeblich ist die Form der Auskun ftserteilung; auch eine mündliche Auskunft kann verbindlich sein (H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz. 668). Eine Auskunft be- gründet schutzwürdiges Vertrauen nur, wenn sie vorbehaltl os erteilt worden ist. Nicht schutz- würdig ist das Vertrauen Privater in eine Auskunft, w enn die Behörde wenigstens dem Sinn nach klar zum Ausdruck bringt, dass sie sich nicht festlegen will (H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz. 682; als Beispiel werden unter Rz. 683 die Auskünfte von Steuerbehörden genannt, welche unter dem Vorbehalt des späteren Veranlagungs- und Rekursverfahrens erfolgen). Die Seite 6 Privaten müssen die für ihre Disposition massgebenden In formationen aus der inhaltlich be- stimmten Auskunft entnehmen können (J ÖRG PAUL MÜLLER /M ARKUS SCHEFER , Grundrechte in der Schweiz, 4. Auflage, Bern 2008, S. 34 mit Verweis auf G. MÜLLER , in: Kommentar BV, Art. 4 [1995], Rz. 63). Der Adressat muss im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft eine Disposition getroffen oder unterlassen haben, die er nicht oder jedenfalls nicht ohne Schaden rückgängig machen oder nachholen kann. Die behördliche Auskunft muss für die na chteilige Disposition kausal gewesen sein. Die Kausalität fehlt, wenn der Adressat sich auch ohne diese Auskunft für die Massnahme entschieden hätte (HÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O. Rz. 688 f.). Der erforderliche Kausalitäts- beweis darf schon als geleistet gelten, wenn es aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung als glaubhaft erscheint, dass sich der Adressat ohne die frag liche Auskunft anders verhalten hätte (BGE 121 V 65, E. 2b). 3.3 Der Vertreter der Rekurrentin bestreitet nicht, dass der ausgewiesene Steuerbetrag im un- verbindlichen Vorbescheid für die Steuerbehörde nicht ve rbindlich sei. Beim Verkehrswert von vor 20 Jahren handle es sich aber um einen statistischen Wer t, der sich für eine Steuerperiode nicht mehr ändere. Die Vorbescheide würden keinen Sinn ergeben, wenn alle Angaben mit ei- nem Vorbehalt versehen seien. Hinzu komme, dass der Wert der Gestehungskosten von vor 20 Jahren von Amtes wegen ermittelt werde. Dieser berechn e sich innerhalb einer Steuerperiode immer gleich. Die Rekursgegnerin entgegnet, dass der Verkauf des Grunds tücks schon abgeschlossen war, bevor der Vorbescheid der Steuerbehörde der Pflichtig en zugestellt wurde. In einem Vorbe- scheid könnten Fehler enthalten sein, weshalb sie auch u nverbindlich erteilt werden. Der Vor- bescheid solle nur Anzeichen dafür liefern, ob eine Gr undstückgewinnsteuer anfalle oder nicht. Ausschlaggebend sei jedoch, dass die vermeintliche Vertrau ensgrundlage erst eingetroffen ist, nachdem die Disposition schon getroffen wurde. Die Auskun ft habe somit gar keine Wirkung entfalten können. Weiter werde der Vorbescheid nur m it Vorbehalt erteilt, weil erst darauf die definitive Veranlagung folge. Wäre der Vorbescheid ni cht unverbindlich, sei der Service frag- würdig. Es werde nicht bestritten, dass im Vorbescheid fa lsch gerechnet worden sei, jedoch werde die Wirkung des Vorbescheids bestritten. 3.4 Von entscheidender Bedeutung ist im vorliegenden Fall d er zeitliche Ablauf des relevanten Sachverhalts: Der Kaufvertrag für das Grundstück zwischen de r Erbengemeinschaft und der Bürgergemeinde B.____ wurde am 15. April 2016 abgesc hlossen und der Eintrag in das Tage- buch erfolgte am 17. Mai 2016. Dagegen wurde der Vo rbescheid erst am 19. Mai 2016 erlas- sen. Wie oben bereits dargestellt, ist eine Voraussetzung des Vertrauensschutzes die Vornah- me einer Disposition, welche aufgrund des Vertrauens in eine Vertrauensgrundlage erfolgte (siehe E. 3.2 hiervor). Somit muss die Vertrauensgrundlage vor der Disposition bekannt sein, da ansonsten die Disposition a priori nicht aufgrund der Kenntnis über den Inhalt der potentiellen Vertrauensgrundlage getätigt werden kann. Auf den zu b eurteilenden Fall angewendet stellt sich daher die Frage, ob der Vorbescheid für den Verkauf ursächlich war. Anhand der Daten ist ersichtlich, dass dies hier nicht der Fall ist. Der Verkauf der Liegenschaft wurde bereits abge- Seite 7 schlossen, als die Rekurrentin den unverbindlichen Vorbescheid erhielt. Somit ist es der Rekur- rentin nicht möglich gewesen, aufgrund des unverbindlichen Vorbescheids eine Disposition zu treffen. Der Vertrauensschutz kann unter diesen Umstände n keine Wirkung entfalten. Die Wir- kung blieb ebenfalls aufgrund der Tatsache aus, dass der Vorbescheid an mehreren Stellen explizit zum Ausdruck bringt, dass die Steuerverwaltung si ch eine differenzierte Veranlagung vorbehält und nicht an den Angaben im Vorbescheid gebu nden werden will. So ist das Schrei- ben vom 19. Mai 2016 als „unverbindlicher Vorbescheid zur mutmasslichen Grundstückgewinn- steuer“ betitelt. Unter dem Titel „Hinweis“ hält es f est, dass dieses Berechnungsschema allge- meiner Art sei und dass es von der Steuerrechnung und Veranlagung abweichen könne. Das Schreiben führt weiter aus, dass es sich bei der Berechnung um einen Annäherungswert handle und die Zahlen unverbindlich seien. Es ist somit aus de m Vorbescheid gerade nicht ersichtlich, dass sich die Steuerverwaltung bezüglich des Altbesitzwertes verbindlich festgelegt hätte. Es stellt sich auch die Frage, auf welchen Wert sich denn di e Unverbindlichkeit beziehen sollte, wenn nicht auf den Wert des Altbesitzes: Dieser stellt nämlich den einzigen Wert dar, den die Steuerverwaltung von sich aus in den Vorbescheid einfügt ; die restlichen Parameter werden entweder dem Kaufvertrag entnommen oder vom Verkäufer angegeben. Ein verbindlicher Vor- bescheid wäre ferner auch nicht sinnvoll, da sonst ein we iteres Rechtsmittel neben jenem für die definitive Veranlagung bestehen müsste. Aus den genannten Gründen ist der Rekurs ist in diesem Punkt somit abzuweisen. 3.5 Abschliessend bleibt hierzu anzumerken, dass auch anlässlich der Verhandlung nicht ab- schliessend festgestellt werden konnte, wo der Fehler bei den Berechnungen im Vorbescheid aufgetreten ist. Es wäre wünschenswert, wenn die Werte ( vor allem jener des Altbesitzes) im Vorbescheid aufgeschlüsselt bzw. deren Zusammensetzung offe ngelegt werden, um Fälle wie den Vorliegenden zu vermeiden: Da dem Vorbescheid in der Praxis eine erhebliche Bedeutung zukommt, muss ein Interesse sowohl auf Seiten der Steuerp flichtigen als auf Seite der Steuer- verwaltung daran bestehen, dass die Berechnungen transparent sind und insbesondere ersicht- lich wird, wie der Wert des Altbesitzes zustande gekommen ist. Auf diese Weise könnten schon beim Vorbescheid der Dialog zwischen den beiden Partei en gesucht und allfällige Differenzen bezüglich einzelner Parameter besprochen werden. 4. Es bleibt über die Kosten des Rekursverfahrens zu befinden. Ausgangsgemäss sind der Rekur- rentin die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 2000.-- aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [Verwaltungsprozessordnung, VPO; SGS 271]). Eine Parte ientschädigung wird nicht entrichtet (§ 21 Abs. 1 e contrario VPO). Seite 8 Demgemäss erkennt das Steuergericht: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Rekurrentin hat die Verfahrenskosten in der Höhe vo n Fr. 2000.-- (inkl. Auslagen von pau- schal Fr. 100.--) zu bezahlen, welche mit dem bereits ge leisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. 3. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. der Reku rrentin (2), die Gemeinde B.____ (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3).