B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2916/2013 U r t e i l v o m 1 9 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Marija Milenkovic, BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. April 2013 / N (…). D-2916/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen Hei - matstaat am (…) 2009 (…) in Richtung B._______. Nach einem (…) Auf- enthalt in C._______ gelangte er (…) über D._______ am (…) 2009 ille- gal in die Schweiz . Gleichentags suchte er in E._______ um Asyl nach. Am (…) 2009 fand im dortigen Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) eine Befragung statt. Am (…) 2009 wurde er in Bern-Wabern durch das Bundesamt in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) angehört. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei afghani- scher Staatsangehöriger (…) Ethnie und stamme aus dem Dorf F.______________ in der Provinz G.______________. Er habe in Kabul bei der (…) Sicherheitsfirma H._______ eine (…) Ausbildung zum Polizis- ten absolviert und sei anschliessend bis zu seiner Ausreise dort stationiert gewesen; seine Familie habe weiterhin in der Provinz G.______________ gewohnt. Im Rahmen seiner Arbeit bei der Afghani- schen Nationalpolizei ( Afghan National Police, ANP) sei er zur Bekämp- fung der (...) eingesetzt worden. Während eines Einsatzes im (…) 2008 in der Provinz I._______ hätten sie mehrere Personen festgenommen. Die- se seien aber nach kurzer Zeit freigelassen worden. Die Freigelassenen hätten ihn und seine Familie gekannt und seien in der Folge zu seiner Familie nach Hause (G.______________) gekommen, wobei zum Glück niemand zu Hause gewesen sei. Gegenüber J._______ hätten sie jedoch seinen Angehörigen wegen der Festnahme gedroht und Todesdrohungen gegen ihn ausgestossen. Nachdem er über den Vorfall informiert worden sei, habe er seine Familie zur Sicherheit unverzüglich nach Kabul zu e i- ner Verwandten gebracht. Kaum dort ang ekommen, habe er erfahren, dass die Freigelassenen ihn immer noch suchten, weshalb er auf Anraten erfahrener Freunde (…) sein Heimatland umgehend verlassen habe. Für die weiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. Der Beschwerdeführer reichte zum Beweis seiner Identität (…) ein. Dazu gab er (…) zu den Akten (vgl. nachstehend Bst. C). D-2916/2013 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 23. April 2013 – eröffnet am 24. April 2013 – stellte das Bundesamt fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und beauftragte den Kanton K._______ mit dem Vollzug. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die geltend g e- machten Verfolgungsvorbringen genügten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht, weshalb die asylrechtliche Relevanz nicht zu prüfen sei. So habe der Beschwerdeführer die Anzahl der festgenommenen Per- sonen – (…) beziehungsweise mehr als (…) – widersprüchlich geschi l- dert. Anlässlich der Anhörung vom (…) 2009 habe er sodann nicht mehr geltend gemacht, die Taliban hätten Druck auf ihn ausgeübt, damit er die Festgenommenen freilasse. Im Weiteren habe er bei der Befragung er- klärt, einige der Festgenommenen seien nach kurzer Zeit wieder freig e- lassen worden. Diese Darstellung würde jedoch keinen Sinn machen, wenn nur zwei Personen festgenommen worden wären, zumal man unter dem Begriff "einige" immer mehr als "zwei" verstehe . Damals habe er auch erklärt, die Freigelassenen seien zu seiner Familie nach Hause g e- gangen und hätten ihr gedroht, was in Widerspruch zu seiner Darstellung bei der Anhörung stehe, wonach niemand zu Hause gewesen sei. Seine Darstellung, wonach die Aggress oren, als niemand zu Hause gewesen sei, die J._______ über ihn ausgefragt hätten, worüber er informiert wo r- den sei und deshalb Schutzmassnahmen habe ergreifen können, en t- spreche einem von Asylsuchenden immer wieder dargelegten Stereotyp, wonach man zwar ei ner Verfolgung ausgesetzt gewesen sei, welcher man indes wegen ungeschickt agierender Verfolger durch Zufall und F ü- gung habe entkommen können. Hätten seine Verfolger seiner tatsächlich habhaft werden wollen, wäre ihnen dies durch Observierung seines Do- mizils ohne Weiteres möglich gewesen, wobei jeglicher Logik widerspr e- che, dass die Verfolger während seiner Abwesenheit die J._______ ge- fragt hätten, so dass er gewarnt worden sei und habe flüchten können. Somit sei die Beschreibung, wie der Beschwerdeführer d er Verfolgung entgangen sei, als Konstrukt zu werten und damit unglaubhaft. Auch sei, weil die Freilassung angeblich schnell und einfach erfolgt sei, kein Grund für die Verfolgung des Beschwerdeführers ersichtlich. Zudem hätte er oh- ne Weiteres gegen die Ve rfolger – ohne diese zu kennen – vorgehen können, da zu erwarten gewesen wäre, dass er als bedrohter Polizist die Identität der Festgenommenen problemlos in Erfahrung hätte bringen und diese in der Folge zur Rechenschaft hätte ziehen können. Der Vollzug der D-2916/2013 Seite 4 Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Zwar sei der Wegwe i- sungsvollzug in die Provinz G.______________ unzumutbar, indes verfü- ge der Beschwerdeführer über eine Wohnsitzalternative in Kabul. C. Mit Eingabe vom 23. Mai 2013 (Datum des Poststempels) an das Bu n- desverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin unter Kosten und Entschädigungsfolge, es sei die Ve r- fügung der Vorinstanz aufzuheben, festzustellen, dass er die Flüchtling s- eigenschaft erfülle, und ihm Asyl zu ge währen; eventualiter sei die Unz u- lässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und das BFM anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anz u- ordnen. Gleichzeitig wurden nebst einer Honorarnote folgende frem d- sprachigen Dokumente – welche zum Teil bereits bei der Vorinstanz im Original beziehungsweise in Kopie eingereicht worden waren – als Fax- kopien zu den Akten gegeben : (…) Diplome, Polizeiausweis, (…)- Ausweis, Polizeiausweis des Bruders L._______ und zwei vom (…) 2013 datierende Schreiben. Darauf sowie auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2013 teilte das Bundesverwaltungs- gericht dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe und setze ihm Frist bis zum (…) 2013 zur Leistung eines Kostenvorschusses. Dieser wurde am (…) 2013 bezahlt. E. Mit Eingabe vom 5. Juni 2013 ersuchte der Beschwerdeführer unter Be i- lage (…) um Erlass beziehungsweise Reduktion des Kostenvorschusses. F. Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2013 setzte das Bundesverwa l- tungsgericht dem Beschwerdeführer – unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) – eine (…) Frist zur Überset zung der beiden fremd- sprachigen Schreiben vom (…) 2013 an. G. Mit Schreiben vom 18. Juni 2013 ersuchte der Beschwerdeführer um Fristerstreckung und reichte die Übersetzungen in der Folge am (…) 2013 ein. D-2916/2013 Seite 5 H. H.a Mit Vernehmlassung vom 11. Juli 2013 beantragte das Bundesamt die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte es aus, die B e- schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunkts rechtfertigten, und verwies auf seine Erwägungen, an welchen es festhielt. In der Beschwer- de werde entgegen den ursprünglichen Angaben des Beschwerdeführers vorgebracht, dass dieser in Kabul kein Beziehungsnetz habe, weil seine Familie nach G.______________ zurückgekehrt sei. Diese Argumentat i- on – so das BFM – sei im Rahmen der Beschwerde zu erwarten gew e- sen, und w erde als Anpassung des Sachverhalts gewertet, zumal sie nicht bewiesen werde. H.b Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 17. Juli 2013 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstan z des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls en dgültig, ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerde- führer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die D-2916/2013 Seite 6 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist d aher zur Einreichung der Beschwerde leg itimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Mithin ist auf die Beschwerde einzutreten. 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heim atstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigens chaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schild e- rungen erschöpfen, in wesen tlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die gesuc h- stellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tat - sachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver - fahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbeg ründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strik- ten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden spr e- chen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise D-2916/2013 Seite 7 abzustellen (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3 sowie Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekur s- kommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 5. 5.1 In der Beschwerde wird an der Glaubhaftigkeit und der asylrechtl i- chen Relevanz der bisherigen Vorbringen festgehalten. Insbesondere ha- be das BFM nicht bestritten, dass es sich beim Beschwerdeführer um e i- nen Polizisten aus G.______________ handle. Zudem wird ausgeführt, der Beschwerdeführer habe, um sich selbst und seine Familie zu schü t- zen, seine Ehefrau und seine Kinder nach Kabul gebracht, wo er sie v o- rübergehend bei M._______ habe unterbringen können, und anschlie s- send die Ausreise angetreten. Kurze Zeit nach der Anhörung vom (…) 2009 sei seine Ehefrau mit den Kindern zu seinen Eltern nach G.______________ zurückgekehrt, da M._______ nicht mehr in der Lage gewesen sei, seine Familienangehörigen zu versorgen. Am (…) 2010 sei sein ebenfalls als Polizist bei der ANP tätig gewesene Bruder L._______ von Mitgliedern einer re gierungsfeindlichen Gruppierung in G.______________ bei der Arbeit ermordet worden. Am (…) 2013 habe N._______, ein weiterer in G.______________ wohnhafter Bruder , bei einem Kommandanten der Behörde in G.______________ eine Aussage über die Ermordung von L._______ gemacht. Ausserdem sei die Familie in ständiger Gefahr wegen der früheren Einsätze des Beschwerdeführers gegen (...). In dem zu den Akten gereichten Schreiben bestätige der Kommandant die Aussage von N._______, wonach L._______ von Mit- gliedern der (...), welche auch den Beschwerdeführer bedroht hätten, umgebracht worden sei. Der Beschwerdeführer habe seinem Komma n- danten die erhaltenen Drohungen mitgeteilt. Dieser habe angesichts der damaligen Situation in Afghanistan – die Sicherheitskräfte seien b ereits mit der Bekämpfung der (...)_______ überfordert gewesen – nicht helfen können oder wollen (…). 5.2 Eine Überprüfung der Akten ergibt, dass das BFM die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers mit zutreffender Begründung ver- neint hat (vgl. Sachverhalt Bst. B und H.a). Daran vermögen weder die Ausführungen in der Beschwerde noch die eingereichten Dokumente et- was zu ändern. So wurde die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Tätigkeit als Polizist von der Vorinstanz in der Tat nicht in Abrede gestellt. Indes w urde in der angefochtenen Verfügung im Einzelnen dargelegt, weshalb die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen den Anforderu n- gen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen vermögen. Demgegenüber D-2916/2013 Seite 8 wird in dieser Hinsicht in der Rechtsmitteleing abe einzig eingewendet, es sei zwar möglich, dass es sich um eine stereotyp wirkende Version hand- le, wenn ausgeführt werde, dass Polizisten in Gebieten wie I._______ gegen (...) vorgehen und daraufhin von den betroffenen Gruppierungen bedroht oder verfolgt würden; wesentlich sei doch aber, dass d ie Polizei allgemein als regierungsf reundlich zähle und deshalb immer eine Zie l- scheibe der regierungsfeindlichen Gruppierungen, insbesondere der (...), welche von der Polizei bekämpft werde , sei (…). Dieser eher pau schal wirkende Einwand des Beschwerdeführers erweist sich indes gegenüber den in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung detailliert aufg e- zeigten Unglaubhaftigkeitselementen der Verfolgungsvorbringen als nicht stichhaltig genug. 5.3 Aus den nachgereichten Übersetzungen der beiden undatierten, g e- mäss Angaben in der Beschwerde vom (…) 2013 datierenden Dokumen- te geht hervor, dass es sich dabei je um ein Schreiben des Bruders N._______ des Beschwerdeführers an das Polizeikommando des Bezirks O._______ und den Gouverneur der Provinz G.______________ handelt. Darin ersucht er die adressierten Stellen , den folgenden von ihm darge- legten – im nachstehenden Abschnitt zusammengefassten – Sachverhalt zu bestätigen: 'Der Beschwerdeführer sei für das Innenministerium bei (…) tätig gewe- sen und wegen Drohungen der bewaffneten Opposition beziehungsweise der (...) in die Schweiz geflüchtet. Am (…) 2010 sei sein ebenfalls für das Polizeikommando der Provinz G.______________ beziehungsweise das Sicherheitsministerium tätige Bruder L._______ von der (...) getötet wor- den. Die ganze Familie werde in der Provinz G.______________ von der (...) unterdrückt und bedroht beziehungsweise habe d eswegen nach K a- bul umziehen müssen. N._______ sei für den Unterhalt der Familie ve r- antwortlich. Da sich der Beschwerdeführer in der Schweiz aufhalte und dort noch nicht eingebürgert sei, könne er nicht nach Afghanistan zurüc k- kehren, um ihnen zu helfen.' Die beiden adressierten Stellen bestätigen (…) sodann , das s der B e- schwerdeführer und L._______ für das Innenministerium tätig gewesen seien, wobei der Erstere von der (...) unterdrückt und erpresst, während der Letz tere von der bewaffneten Opposition beziehungsweise der (...) umgebracht worden sei (vgl. Übersetzungen). Doch auch der Inhalt der beiden besagten Schreiben vermag an den von der Vorinstanz aufgezeig- ten Unglaubhaftigkeitselementen der vom Beschwerdeführer geltend g e-D-2916/2013 Seite 9 machten Verfolgungsvorbringen nichts zu ändern, zumal sie aufgrund der Aktenlage durchaus als Gefälligkeitsschreiben ohne Bew eiswert qualif i- ziert werden können , und zum anderen die adressierten Stellen lediglich das unbestrittene Vorbringen bestätigen, wonach der Beschwerdeführer als Polizist bei der (…) tätig gewesen und in diesem Zusammenhang von der (...) behelligt worden sei . Sodann vermag das neue Vorbringen, w o- nach der Bruder L._______ weniger als (…) nach der Ausreise des B e- schwerdeführers getötet worden sein soll, die dargelegten Unglaubhaftig- keitselemente ebenfalls nicht in ausschlaggebender Weise zu relativieren, zumal kein Zusammenhang mit dessen individuellen Sachverhaltsvo r- bringen besteht. Abgesehen davon wird im Schreiben an den Gouverneur der Provinz G.______________ ausgeführt, dass die Familie des B e- schwerdeführers wegen der dortigen Behelligungen durch die (...) nach der am (…) 2010 erfolgten Tötung von L._______ nach Kabul habe u m- ziehen müssen: Dies steht jedoch in Widerspruch sowohl zu dessen Aus- sage anl ässlich der Anhö rung vom (…) 2009, wonach er seine Familie erst am Tag der Ausreise ( […] 2009) in die afghanische Hauptstadt g e- bracht habe (…), als auch zu den Ausführungen in der Beschwerde, wo- nach die Familie bereits wenige Monate nach der Ausreise wegen ma n- gelnden Unterhalts nach G.______________ habe zurückkehren müssen (…). 5.4 Nach dem Gesa gten erweisen sich die vom Beschwerdeführer ge l- tend gemachten Verfolgungsvorbringen als nicht glaubhaft, weshalb eine Prüfung auf deren asylrechtliche Relevanz hin unterbleiben kann. A uf- grund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde, die übrigen Eingaben und die Bewei s- mittel, namentlich auf die unter Bezugnahme auf das Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts (…) sinngemäss aufgeworfene Frage einer internen Schutzalternative in Kabul, näher einzugehen, weil s ie am Ergebnis nichts ändern können. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers demnach zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet de n Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine fremdenpolizeiliche Aufenthaltsbewilligung noch einen Anspruch auf Erteilung einer sol -D-2916/2013 Seite 10 chen. Die Wegweisung wur de demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, mit weiteren Hinwei sen). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Gemäss ständiger Rechtsprechung sind die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung alternativer Natur. Sobald eine davon erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar zu b e- trachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Person in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). Gegen eine allfällige Au f- hebung dieser vorläufigen Aufnahme steht dem weggewiesenen Asyls u- chenden wiederum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht of- fen (Art. 112 AuG i. V.m. Art. 84 Abs. 2 AuG). In diesem Verfahren wäre dann der Vollzug der Wegweisung vor dem Hintergrund sämtlicher Vol l- zugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der in diesem Zei t- punkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). 7.2 Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung – aus den nachfol- gend aufgeführten Gründen – als unzumutbar erweist, ist dementspr e- chend auf eine Erörterung der beiden anderen Kriterien zu verzichten. 8. 8.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausl änderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsland auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 8.2 In Bezug auf die allgemeine Lage in Afghanistan kann auf die vom Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Lage im D-2916/2013 Seite 11 Grundsatzurteil BVGE 2011/7 vom 16. Juni 2011 verwiesen werden. Das Gericht stellt dort zusammenfassend fest, dass in weiten Teilen von A f- ghanistan – ausser allenfalls in Grossstädten – eine derart schlechte Si- cherheitslage und derart schwierige humanitäre Bedingungen bestünden, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei die Situation in der Hauptstadt Kabul zu untersch eiden. Angesichts des Umstandes, dass sich dort die Sicherheitslage im Verlaufe des vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre Situation im Ve r- gleich zu den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter Umständen als zumutbar qua- lifiziert werden. Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesu n- den Mann handle. Angesichts der bisher aufgezeigten konstanten Ve r- schlechterung der Lage über die vergangenen Jahre hinweg und der auch in Kabul schwierigen Situation verstehe es sich aber von selbst, dass die bereits in EMARK 2003 Nr. 10 formulierten strengen Bedingu n- gen in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft und erfüllt sein müssten, um e i- nen Wegweisungsvollzug nach Kabul als zumutbar zu qualifizieren. U n- abdingbar sei in erster Linie ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehres als tragfähig e r- weise. Ohne Unterstützung d urch Familie oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in eine ex i- stenzielle beziehungsweise lebensbedrohende Situation führen (vgl. a.a.O. E. 9.9.1 f.). In der Folge wurde die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Bezug auf die Städte Herat und Mazar-i-Sharif vom Bundesverwaltungsgericht in ähnlicher Weise beantwortet (vgl. BVGE 2011/38 und BVGE 2011/49). 8.3 Der Beschwerdeführer stammt eigenen Ang aben zufolge aus dem Dorf O.______________ in der Provinz G.______________ und hat in Kabul eine vierjährige Polizeiausbildung absolviert . Den Akten kann we i- ter entnommen werden, dass er nach Abschluss der Polizeiausbildung im Jahr 2007 bis zur Ausreise am (…) 2009 als Polizist in Kabul stationiert war, wobei er Einsätze im ganzen Land absolvierte. Seine Ehefrau und seine (…) Kinder brachte er am Tag seiner Ausreise aus Afghanistan aus Sicherheitsgründen von G.______________ zu M._______ in Kabul (…). Gestützt auf diese Aktenlage ist davon auszugehen, dass sich das Dom i- zil des Beschwerdeführer s und seiner Familie stets in G.______________ befand, während er sich lediglich zu Ausbildung s- zwecken (vier Jahre) und aus beruflichen Gründen (zirka zwei Jahre) in D-2916/2013 Seite 12 Kabul aufhielt. Zwar brachte er seine engsten Familienangehörigen am Tag seiner Ausreise zu M._______ nach Kabul und ergeben sich aus den Akten Unstimmigkeiten in Bezug auf deren Aufenthaltsort nach seiner Ausreise. So sollen sie sich gemäss den Ausführunge n in der Beschwer- de bereits wenige Monate nach der Ausreise des Beschwerdeführers zur Rückkehr zu dessen Eltern nach G.______________ gezwungen gese- hen haben, nachdem M._______ in Kabul nicht mehr in der Lage gew e- sen sei, für den Lebensunterhalt der Verwan dten aufzukommen; ander- seits soll die Familie gemäss dem einen Schreiben des Bruders N._______ vom (…) 2013 erst nach dem (…) 2010 von G.______________ nach Kabul umgezogen sein, wobei N._______ für den Lebensunterhalt der Familie aufzukommen hatte. Doch unbenommen davon ist auch dem zweiten, vom (…) 2013 datierenden, von N._______ in G.______________ verfassten Schreiben zu entnehmen, dass sich die Familie zwischenzeitlich offensichtlich wieder in G.______________ auf- hält. Mithin ist zugunsten des Beschwe rdeführers davon auszugehen, dass sich seine Familie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in der Pr o- vinz G.______________ aufhält und dort auch ihren momentanen L e- bensmittelpunkt hat. Aus den Akten ergeben sich schliesslich keine Hi n- weise darauf, dass sich weitere Angehörige oder Freunde des Beschwer- deführers in Kabul (oder einer der beiden anderen erwähnten afghan i- schen Grossstädte) aufhalten würden. Unter diesen Umständen kann ge- stützt auf die Akten zum heutigen, massgebenden Zeitpunkt nicht (mehr) von einem genügend tragfähigen Beziehungsnetz ausgegangen werden, welches dem Beschwerdeführer aufgrund der aktuell schwierigen Ve r- hältnisse bei der Reintegration in Kabul behilflich sein könnte. Mit Blick auf die vorstehend dargelegte Situation im Heimatland (vgl. E. 8.2) ist der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers nach Kabul somit ohne ein- gehende weitere Prüfung als nicht zumutbar zu qualifizieren. Da der B e- schwerdeführer überdies gemäss den Akten in den Grossstädten Herat und Mazar-i-Sharif über keine weiteren Verwandte verfügt, kommt von vornherein auch keine Aufenthaltsalternative in diesen afghanischen Städten in Frage. 8.4 Insgesamt erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG als unzumutbar. Nachdem sich aus den Akten keine Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Voraussetzungen für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme somit erfüllt. D-2916/2013 Seite 13 9. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit beantragt wird, es sei die Unzumutbarkeit d es Wegweisungsvollzugs festzustellen; im Übrigen ist sie abzuweisen. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der vor- instanzlichen Verfügung vom 23. April 2013 sind demnach aufzuheben und das BFM ist anzuweisen, den Aufenthalt des Beschwerdeführers nach den ge setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 10. 10.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind dem Beschwerdeführer nach dem Grad des Durchdringens praxisgemäss die um die Hälfte zu ermä s- sigenden Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.– aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 31. Mai 2013 ge- leisteten Kostenvorschuss von Fr. 600. – zu verrechnen. Der Restbetrag von Fr. 300.– ist zurückzuerstatten. Da das Gesuch um Erlass bezi e- hungsweise Reduktion des Kostenvorschusses (vgl. Sachverhalt Bst. E) erst nach dessen Leistung gestellt wurde, ist dieses gege nstandslos ge- worden, weshalb darüber nicht mehr zu befinden ist. 10.2 Dem teilweise obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführer ist sodann in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine praxisgemäss um die Hälfte reduzierte Ent schädigung für die ihm not- wendigerweise erwachsenen Parteikosten z uzusprechen. In der eing e- reichten Kostennote vom 23. Mai 2013 wird ein Arbeitsaufwand von total 9.00 Stunden à Fr. (…).– (vereinbarter Stundenansatz) ausgewiesen, der unter Berücksichtigung von Umfang und Schwier igkeit des vorliegenden Verfahrens angemessen erscheint. Für die weiteren, kleinen Aufwendu n- gen bis zum Ergehen des Urteils ist pauschal ein Arbeitsaufwand von e i- ner Stunde zu veranschlagen. Daraus ergibt sich ein Honorar von insg e- samt Fr. (…).–. Demnach ist die vom BFM zu entrichtende, um die Hälfte zu reduzierende Parteientschädigung von Amtes wegen auf Fr. (…).– (inkl. nicht ausgewiesene Auslagen und allfällige MWSt) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-2916/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Feststellung der Unz u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragt wird; im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 23. April 2013 werden aufgehoben. 3. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzune h- men. 4. Die ermässigten Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.– verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 300.– wird dem Beschwe r- deführer zurückerstattet. 5. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Rechtsmitte l- verfahren eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. (…).– zu entric h- ten. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: