<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 68 S.269</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">269</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>68</b></span> <span class="ft1"><b>Schenkungssteuer; Errichtung einer Familienstiftung (§ 142 Abs. 1 StG,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>§ 147 Abs. 3 StG).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Die Widmung eines Vermögens zur Errichtung einer Familienstif-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tung unterliegt grundsätzlich der Schenkungssteuer. Vorliegend</b></span><br/> <span class="ft1"><b>schenkungssteuerfrei, weil die Kinder des Stiftungsgründers und de-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ren Nachkommen die einzigen Destinatäre der Familienstiftung sind.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">24. Januar 2007 in Sachen Stiftung F.M., 3-RV.2006.14</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2.</span><br/> <span class="ft6">2.1. F.M. hat mit öffentlicher Urkunde vom 12. März 2002 unter</span><br/> <span class="ft6">dem Namen ,,Stiftung F.M." eine Familienstiftung im Sinne von</span><br/> <span class="ft6">Art. 335 ZGB errichtet. Der Zweck der Stiftung ist in Art. 2 der</span><br/> <span class="ft6">Stiftungsurkunde wie folgt umschrieben:</span><br/> <span class="ft7">,,Die Stiftung bezweckt in erster Linie Erhalt und Pflege des durch den</span><br/> <span class="ft7">Stifter aus dem Nachlass seiner Eltern und seines Bruders L. übernomme-</span><br/> <span class="ft7">nen sowie in die Stiftung einzubringenden landwirtschaftlichen Grund-</span><br/> <span class="ft7">stücke im Gemeindebann S.. Die Stiftung respektiert damit den Willen der</span><br/> <span class="ft7">Erblasser, der darin besteht, diese Grundstücke im Familienbesitz zu belas-</span><br/> <span class="ft7">sen, solange der Ertrag aus dem Stiftungsvermögen den Bewirtschaftungs-</span><br/> <span class="ft7">und Verwaltungsaufwand zu decken vermag.</span><br/> <span class="ft7">Die Art und Weise der Bewirtschaftung hat sich nach den jeweiligen</span><br/> <span class="ft7">ökologischen Erfordernissen zu richten.</span><br/> <span class="ft7">In zweiter Linie verfolgt die Stiftung den Zweck, das berufliche Fort-</span><br/> <span class="ft7">kommen meiner Kinder und ihrer Nachkommen zu fördern, in dem hiefür</span><br/> <span class="ft7">Beiträge aus dem Ertrag des Stiftungsvermögens fliessen zur permanenten</span><br/> <span class="ft7">Weiter- und Fortbildung im Berufe durch Schulen, Kurse, Literatur, Semi-</span><br/> <span class="ft7">nare und Studienreisen."</span><br/> <span class="ft6">2.2. F.M. hat mit Handänderungsvertrag vom 12. März 2002 der</span><br/> <span class="ft6">,,Stiftung F.M." die Grundstücke GB S. Nr. 593, Plan 37, Parzelle</span><br/> <span class="ft6">486, 96.82 a Wald, sowie GB S. Nr. 595, Plan 36, Parzelle 521,</span><br/> <span class="ft6">290.04 a Wald, ohne Entgelt gewidmet.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">270</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">2.3. Die Vorinstanz hat auf dieser Widmung von der ,,Stiftung</span><br/> <span class="ft6">F.M." mit Veranlagung vom 25. November 2004 eine Schenkungs-</span><br/> <span class="ft6">steuer von Fr. 525.90 erhoben. Sie ging von einem massgebenden</span><br/> <span class="ft6">Steuerwert der beiden Grundstücke von Fr. 13'148.-- und der Klasse</span><br/> <span class="ft6">1 (vgl. § 149 Abs. 1 StG) aus.</span><br/> <span class="ft6">2.4. Die Rekurrentin beantragt, die Schenkungssteuer sei aufzu-</span><br/> <span class="ft6">heben, weil es sich nicht um eine Zuwendung, sondern um eine</span><br/> <span class="ft6">Widmung handle, welcher eine gleichwertige Leistung der emp-</span><br/> <span class="ft6">fangenden Person gegenüberstehe (Pflege und Erhalt der Widmung</span><br/> <span class="ft6">durch die Stiftung).</span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1. Der Besteuerung unterliegt das Vermögen, das durch ge-</span><br/> <span class="ft6">setzliche Erbfolge, Verfügung von Todes wegen, Schenkung oder</span><br/> <span class="ft6">eine andere Zuwendung anfällt, der keine oder keine gleichwertige</span><br/> <span class="ft6">Leistung der empfangenden Person gegenübersteht (§ 142 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">StG).</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">3.2.1. Gemäss der Rechtsprechung des StRG unterliegt die</span><br/> <span class="ft6">Widmung eines Vermögens zur Errichtung einer Stiftung der Schen-</span><br/> <span class="ft6">kungssteuer (RGE vom 3. September 1997 in Sachen O.-R.</span><br/> <span class="ft6">Familienstiftung). Daran vermag auch der Einwand der Rekurrentin</span><br/> <span class="ft6">nichts zu ändern, dass die Widmung (im Gegensatz etwa zu Art. 142</span><br/> <span class="ft6">des st.gallischen Steuergesetzes vom 9. April 1998) in § 142 StG</span><br/> <span class="ft6">nicht explizite erwähnt ist, denn sie gilt als ,,andere Zuwendung" im</span><br/> <span class="ft6">Sinne von § 142 Abs. 1 StG (Kommentar zum Aargauer Steuerge-</span><br/> <span class="ft6">setz, 2. Auflage, Muri-Bern 2004, § 142 StG N 4; Kommentar zum</span><br/> <span class="ft6">Aargauer Steuergesetz, 1. Auflage, Muri-Bern 1991, § 83 aStG</span><br/> <span class="ft6">N 21). Dieser Begriff umfasst alle unentgeltlichen Vermögenszu-</span><br/> <span class="ft6">flüsse, die nicht unter die zivilrechtlichen Begriffe der erbrechtlichen</span><br/> <span class="ft6">Zuwendung oder der Schenkung fallen (Kommentar zum Aargauer</span><br/> <span class="ft6">Steuergesetz, 2. Auflage, Muri-Bern 2004, § 142 StG N 29).</span><br/> <span class="ft6">3.2.2. Die Rekurrentin wendet ein, der zu beurteilenden Wid-</span><br/> <span class="ft6">mung liege keine Schenkungsabsicht zugrunde. Ob es zutrifft, dass</span><br/> <span class="ft6">beim Abtretenden bei der ,,anderen Zuwendung" kein Schenkungs-</span><br/> <span class="ft6">wille vorliegen muss (vgl. dazu Kommentar zum Aargauer Steuerge-</span><br/> <span class="ft6">setz, 2. Auflage, Muri-Bern 2004, § 142 StG N 29), kann offen ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">271</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">lassen werden. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist</span><br/> <span class="ft6">eine Schenkungsabsicht gegeben, wenn die Vermögenszuwendung</span><br/> <span class="ft6">nicht mit dem Willen, eine Gegenleistung zu erbringen, ausgerichtet</span><br/> <span class="ft6">wird (StE 1997 B 72.11 Nr. 5, Erw. 3c). Das ist vorliegend der Fall,</span><br/> <span class="ft6">denn F.M. hat der Rekurrentin anlässlich ihrer Errichtung die beiden</span><br/> <span class="ft6">Waldgrundstücke ,,ohne besonderes Entgelt" gewidmet. Es wurde</span><br/> <span class="ft6">überdies ausdrücklich festgehalten, dass sich die Parteien keine wei-</span><br/> <span class="ft6">teren Leistungen schulden (Ziff. II [Entschädigungsfrage] des Hand-</span><br/> <span class="ft6">änderungsvertrages vom 12. März 2002). Der Übertragung des Ei-</span><br/> <span class="ft6">gentums der beiden Waldgrundstücke stand also nach dem Willen</span><br/> <span class="ft6">des Abtretenden keine Leistung der zu errichtenden ,,Stiftung F.M."</span><br/> <span class="ft6">gegenüber. Die Erfüllung der in Art. 2 der Errichtungsurkunde ge-</span><br/> <span class="ft6">nannten Zwecke der Stiftung (vgl. oben Ziff. 2.1.) stellt, entgegen der</span><br/> <span class="ft6">Auffassung der Rekurrentin, nicht eine Gegenleistung für die Wid-</span><br/> <span class="ft6">mung der beiden Waldgrundstücke dar. Damit sind die Vorausset-</span><br/> <span class="ft6">zungen für die Anwendung von § 142 Abs. 1 StG erfüllt, d.h. die</span><br/> <span class="ft6">Widmung von F.M. bildet Gegenstand der Schenkungssteuer. Daraus</span><br/> <span class="ft6">folgt aber nicht zwingend, dass diese schenkungssteuerpflichtig ist,</span><br/> <span class="ft6">denn es gibt auch schenkungssteuerfreie Vermögensanfälle (vgl.</span><br/> <span class="ft6">§ 142 Abs. 3 StG).</span><br/> <span class="ft6">3.2.3. Bei Vermögensanfällen an Stiftungen wird auf das ver-</span><br/> <span class="ft6">wandtschaftliche Verhältnis der zuwendenden Person zu den Desti-</span><br/> <span class="ft6">natärinnen beziehungsweise Destinatären abgestellt (§ 147 Abs. 3</span><br/> <span class="ft6">StG).</span><br/> <span class="ft6">Die von F.M. anlässlich der Stiftungserrichtung vorgenommene</span><br/> <span class="ft6">Widmung stellt unzweifelhaft einen Vermögensanfall an eine Stif-</span><br/> <span class="ft6">tung im Sinne dieser Bestimmung dar. Da gemäss Art. 2 der Stif-</span><br/> <span class="ft6">tungsurkunde als Destinäre einzig die Kinder von F.M. und deren</span><br/> <span class="ft6">Nachkommen in Betracht kommen, Vermögensanfälle von F.M. an</span><br/> <span class="ft6">seine Nachkommen (worunter auch seine Enkel fallen) aber gemäss</span><br/> <span class="ft6">§ 142 Abs. 3 StG steuerfrei sind, ist die Widmung der beiden Grund-</span><br/> <span class="ft6">stücke anlässlich der Errichtung der Stiftung F.M. schenkungssteuer-</span><br/> <span class="ft6">frei.</span><br/></div> </div> </body> </html>