Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 7. Januar 2015 (810 14 337) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Entziehung des Aufenthaltsbestimmungsrechts / stationäre Abklärung; Ablehnung des Antrags auf Beistandswechsel; Erweiterung der Befugnisse der Beiständin Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber i.V. Sebastian Rieger Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Annette Burger -Frey , Advokatin, und/oder Peter Bürkli, Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Beschwerdege g- nerin Beigeladener C.____ , vertreten durch Stefanie Mathys -Währer , Advokatin Betreff Entziehung Aufenthaltsbestimmungsrecht / st ationäre Abklärung; Ablehnung Antrag auf Beistandswechsel; Erweiterung Befugnisse Beiständin (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 7. November 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ und ihr geschiedener Mann C.____ haben gem einsam vier Kinder, D.____, geboren 1996, E.____, geboren 1998, F.____, geboren 2000 und G.____, geboren 2003. Die beiden Söhne E.____ und F.____ leben im Heim H.____ in I.____ bzw. im Schulheim J.____ in K.____. G.____ und D.____ leben bei der sorgeberechtigten Kindsmutter in L.____. B. Am 9. Dezember 2009 beauftragte die damalige Vorm undschaftsbehörde der Gemein- de L.____ den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst Br uderholz (KJPD) mit der Erstellung eines Gutachtens bezüglich der psychischen Belastung durch Gewalterfahrungen aller vier Kin- der von A.____ und C.____. Mit Gutachten des KJPD vom 22 . Juli 2010 wurde die Einsetzung einer sozialpädagogischen Familienbegleitung und eines Erziehungsbeistandes empfohlen, die insbesondere das Verhältnis zwischen den Kindseltern und d er Schule verbessern sollten. Am 6. Oktober 2010 erfolgte die Ernennung der Beiständ in durch die Vormundschaftsbehörde der Gemeinde L.____. Diese wurde beauftragt, die im Guta chten beschriebenen Massnahmen um- zusetzen. Ab Januar 2011 wurde infolge der gutachterliche n Empfehlung vom 22. Juli 2010 neben der Beiständin auch eine sozialpädagogische Famil ienbegleitung eingesetzt. Ab Sep- tember 2011 wurde auf Wunsch der Kindsmutter G.____ nach der Schule jeweils im Tagesheim “M.____“ betreut. Ende des Jahres 2012 wurden sowohl de r Tagesheimbesuch als auch die Sozialpädagogische Familienbegleitung abgebrochen. Im N ovember 2012 musste auch die Familienbegleitung aufgehoben werden. Am 9. Mai 201 2 erfolgte infolge eines Anstellungs- wechsels der bisherigen Beiständin ein Beistandswechsel . Die neue Beiständin von der Sozial- beratung L.____ übernahm per 1. Mai 2012 die Beistandschaft für G.____. C. Im April 2014 erhielt die Kindes- und Erwachsenensch utzbehörde B.____ (KESB) ver- schiedene Gefährdungsmeldungen, unter anderem von der S chulleitung der Primarschule L.____. Den Meldungen war übereinstimmend zu entnehm en, dass G.____s Verhalten besorg- niserregend sei und deshalb ernsthafte Bedenken bezüglich ihrer Weiterentwicklung bestünden. In den Meldungen wurde im Wesentlichen festgehalten, dass G.____ unregelmässig und un- pünktlich zum Unterricht erscheine und bei Versäumnissen nicht vom Unterricht abgemeldet werde. Es komme auch vor, dass G.____ abends bei anderen Kindern an der Tür klingle und nachts noch draussen gesehen werde. Ferner wird ausgefü hrt, G.____ befolge die Anweisun- gen der Lehrer nicht, störe den Unterricht, indem sie p rovoziere und andere Schüler angreife. Auf dem Pausenplatz suche G.____ ständig die Konfront ation mit älteren Schülerinnen und Schülern. Die Primarschule hielt zudem fest, dass die Zusa mmenarbeit mit der Kindsmutter vollständig fehle. Die Kindsmutter stelle sich gegen die Regeln der Lehrpersonen und verhinde- re sämtliche Massnahmen und Hilfestellungen von Seiten der Schule. D. Am 8. Mai 2014 beantragte die Kindsmutter bei der KESB einen Beistandswechsel, da sie sich von der Beiständin nicht genügend unterstützt fü hle. Am 9. Mai 2014 bestätigte die KESB der Kindsmutter den Eingang ihres Antrags und inf ormierte sie, dass verschiedene Ge- fährdungsmeldungen eingegangen seien. Zudem teilte d ie KESB der Kindsmutter mit, dass die Beiständin mit der Abklärung von G.____s Situation beauftragt worden sei. E. Die Beiständin reichte am 4. Juli 2014 ihren Abklär ungsbericht betreffend Notwendig- keit von Kindesschutzmassnahmen ein. A.____ wurde sodann am 22. Juli 2014 zum Ergebnis Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Abklärungsberichts und der Empfehlung einer Schulh eimplatzierung von G.____ angehört. Dabei machte sie deutlich, dass sie mit der empfohlenen P latzierung nicht einverstanden sei. Am 28. Juli 2014 wurde G.____ von der KESB angehört . Die Beiständin wurde mit Schreiben vom 5. September 2014 mit der Suche eines geeigneten Schulheims beauftragt. Am 26. September 2014 fand auf Wunsch von A.____, mittl erweile vertreten durch Annette Burger- Frey, Advokatin, erneut ein Gespräch zu der geplanten Schulheimplatzierung statt. Anlässlich dieses Gesprächs legte A.____ erneut dar, dass sie mit ei ner Platzierung nicht einverstanden sei, einen erneuten Tagesschulbesuch für G.____ jedoch unterstützen könne. F. Mit Entscheid vom 7. November 2014 ordnete die KES B eine stationäre Abklärung für G.____ im Heim “N.____“ verbunden mit einem Entzug d es Aufenthaltsbestimmungsrechts der Kindsmutter an. Zur Begründung führt die KESB an, sie erachte es als notwendig, tiefergehen- de Abklärungen bezüglich der von G.____ für eine gesund e Entwicklung benötigten Kindes- schutzmassnahmen zu tätigen. G.____ zeige mit ihrem Verh alten massive Auffälligkeiten, wel- che ernst zu nehmen seien. Es stelle eine akute Kindeswo hlgefährdung dar, wenn zu Hause ungenügende Strukturen vorhanden seien und kaum Grenz en gesetzt würden. G.____ falle in der Schule seit längerem mit ihrem aggressiven Verhalt en auf und könne sich nicht den vorge- gebenen Strukturen anpassen. Die Kindsmutter sei nicht e insichtig. Das Heim erhalte den Auf- trag, während der Platzierung abzuklären, welches Sett ing G.____ für eine gesunde Entwick- lung zukünftig brauche. Schliesslich wurden die Anträge vo n A.____, anstelle der stationären Abklärung erneut einen Tagesheimbesuch anzuordnen und der Antrag auf Beistandswechel, abgelehnt. G. Am 7. November 2014 erhob A.____, vertreten durch Annette Burger-Frey und/oder Peter Bürkli, gegen den Entscheid der KESB vom 7. Novem ber 2014 Beschwerde beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei der Entscheid der KESB vollumfän glich aufzuheben; unter o/e- Kostenfolge, wobei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die Erteilung der au fschiebenden Wirkung der Beschwer- de beantragt. H. Am 17. November 2014 reichte der Beigeladene, vert reten durch Stefanie Mathys- Währer, Advokatin, eine Stellungnahme zum Verfahrensantrag ein und beantragte im Wesentli- chen, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu ert eilen. Am 18. November 2014 reichte die KESB ihre Stellungnahme ein und beantragte, es sei der Verfahrensantrag auf Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung abzuweisen. I. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 19. November 2014 wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erteilung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen. J. Am 4. Dezember 2014 reichte die KESB die Vernehmla ssung zur Hauptsache ein, wo- bei die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde bean tragt wurde. Mit Schreiben vom 2. Dezember 2014 reichte der Beigeladene, vertreten durch Stefanie Mathys-Währer, seine Stellungnahme in der Hauptsache ein. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht K. Mit Verfügung vom 10. Dezember 2014 wurde der Fa ll der Kammer zur Beurteilung überwiesen, eine Kindsanhörung von G.____ angeordnet und festgestellt, dass die Verfahren 810 14 337 und 810 14 346 zusammen behandelt werden. L. Am 23. Dezember 2014 fand die Kindsanhörung von G. ____ im Heim “N.____“ statt. M. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Beschw erdeführerin mit ihrem Rechts- vertreter, der Kindsvater als Beigeladener mit seiner R echtsvertreterin sowie eine Vertreterin der KESB teil. Ebenfalls an der heutigen Verhandlung nehmen die Beiständin und die für G.____ zuständige Betreuungsperson des Heims “N.____“ als Auskunftspersonen teil. N. Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschrift en und in der heutigen Verhandlung wird, soweit erforderlich, in den Urteilserwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 Schweizerisches Zivilgesetzbuch (Z GB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheid e einer Kindesschutzbehörde Be- schwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 A bs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16 . November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB da s Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen de s kantonalen Verwaltungsprozess- rechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach dem Gesagte n ist die Fünferkammer der Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgeric hts zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Z iff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Inte resse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Besch werdeführerin ist als direkt Verfah- rensbeteiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen formellen Vorausset- zungen gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. Das K antonsgericht auferlegt sich jedoch entsprechend der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei de r Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe und bei der Ermessenskontrolle eine gewi sse Zurückhaltung und weicht nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab. Dies insbes ondere deshalb, weil die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden als Fachbehörden anzusehen sind (vgl. Art. 440 Abs. 1 ZGB; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht [KGE VV] vom Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. Juli 2013 [810 13 134] E. 2; KGE VV vom 8. Mai 2013 [810 13 10] E. 1.4; DANIEL STECK , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivil gesetzbuch, 5. Auflage, Basel 2014, Rz. 17 ff. zu Art. 450a). 2. Wird ein Kind von einer Kindesschutzbehörde in eine r geschlossenen Einrichtung oder in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, so sind gem äss Art. 314b Abs. 1 ZGB die Best- immungen des Erwachsenenschutzes über die fürsorgerische Unterbringung sinngemäss an- wendbar (FU; Art. 426 ff. ZGB). Mit einem Einweisungs- bzw. Unterbringungsentscheid gemäss Art. 426 ff. ZGB kann gleichzeitig ein Gutachtenauftr ag erteilt werden (D ANIEL ROSCH , in: Rosch/Büchler/Jakob [Hrsg.], Das neue Erwachsenenschutzrech t, Basel 2011, Art. 449 ZGB N 1). Der Begriff “Einrichtung“ entspricht den Begrif flichkeiten des Erwachsenenschutzrechts und betrifft eine organisatorische Einheit, die ihre m inderjährigen Bewohner einem strikteren Regime unterwirft als es üblicherweise Altersgenossen in i hren Familien trifft (vgl. BGE 121 III 306 E. 2; C HRISTOF BERNHART , Handbuch der fürsorgerischen Unterbringung, Basel 2011 , S. 101 f.; MARKUS LUSTENBERGER , Die fürsorgerische Freiheitsentziehung bei Unmündigen un- ter elterlicher Gewalt, Diss. Freiburg 1987, S. 80 ff) . Bei der Qualifikation einer Einrichtung kommt es nicht auf das physische “Eingesperrtsein“ oder die Möglichkeit medizinischer und/oder therapeutischer Behandlungen allein an, sond ern insbesondere auf die konkrete ärzt- liche oder behördliche Anordnung bzw. die in Aussicht gen ommenen Behandlungen. Damit ist denkbar, dass innerhalb ein und derselben Einrichtung e in unterschiedliches Regime gelten kann (PETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Rz. 5 zu Art . 314b ZGB). Im vorliegend angefochtenen Beschluss vom 7. November 2014 wurde neben der Aufhebung des elterlichen Aufenthaltsbestimmungsrechts über G.____ dere n stationäre Abklärung im Heim “N.____“ angeordnet. Das Heim versteht sich als Anlaufst elle in akuten Situationen von Kindern und Jugendlichen, die einen geschützten Platz für eine u mfassende weitere Hilfeplanung in einer Institution benötigen. Ausserdem werden in mehrm onatigen Beobachtungsaufenthalten tragfähige Lösungen für die Kinder und ihre Familien erarbeitet. Während ihres Heimaufenthalts besucht G.____ vorläufig die interne Schule des Heims und wird auf ihrem Schulweg sowie während ihres gesamten Aufenthalts begleitet und beau fsichtigt. Während des Aufenthalts im Heim “N.____“ wird die Bewegungsfreiheit von G.____ aufgrund der Betreuung, der Überwa- chung und der Begutachtung folglich stärker beschränkt al s dies bei Altersgenossen, die in ei- ner Familie oder einer Pflegefamilie aufwachsen, üblicherweise der Fall ist. Auch bei der Pflege von Kontakten zu Personen ausserhalb des Heims ist G.____ gegenüber ihren Altersgenossen stärker in ihrer Freiheit eingeschränkt, weil die Einha ltung der Heimordnung diesen Kontakten engere Grenzen setzt als dies beim Aufwachsen in einer Familie der Fall wäre. Abgesehen da- von stützt sich die KESB in ihrem Entscheid betreffend die Unterbringung von G.____ explizit auf Art. 310 Abs. 1 i.V.m. Art. 314b Abs. 1 ZGB. Bei G.____s Platzierung im Heim “N.____“ handelt es sich demzufolge um eine Einrichtungsunterbri ngung im Sinne von Art. 314b Abs. 1 ZGB. 3.1 Die Beschwerdeführerin wehrt sich in der Hauptsach e gegen die stationäre Abklärung von G.____ und den Entzug ihres Aufenthaltsbestimmungsrechts über G.____. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Ist das Wohl des Kindes gefährdet und sorgen die El tern nicht von sich aus für Abhilfe oder sind sie dazu ausserstande, so trifft die Kindesschutzbehörde gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes. Art. 307 Abs. 1 ZGB enthält die Aufforde- rung, die im Einzelfall geeigneten, vom Gesetz vorges ehenen Massnahmen (Art. 307 Abs. 3 ZGB bis Art. 312 ZGB) zu treffen. Materiellrechtlich b eruht der Entzug des Aufenthaltsbestim- mungsrechts auf Art. 310 Abs. 1 ZGB, wonach die Kindesschut zbehörde das Kind den Eltern wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen ha t, wenn einer Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann. Die Gefährdu ng muss darin liegen, dass das Kind in der elterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geis- tige und sittliche Entfaltung nötig wäre. Unerheblich ist, auf welche Ursachen die Gefährdung zurückzuführen ist. Desgleichen spielt keine Rolle, ob d ie Eltern ein Verschulden an der Ge- fährdung trifft. Entscheidend ist, dass die Vorkehr das r ichtige Mittel zur Verwirklichung des Ziels ist; d.h. die Unterbringung (z.B. in einem Heim) muss besser als jene beim bisherigen Ob- hutsinhaber Gewähr dafür bieten, dass das Kind in seiner Entfaltung geschützt und gefördert wird (Urteil des Bundesgerichts 5A_322/2014 vom 14. Juli 2014 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 5C.34/2002 vom 3. April 2002 E. 2a; KGE VV vom 13. A ugust 2014 [810 14 61] E. 3.2; vgl. auch CYRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, Rz. 27 .36). Eine Kin- deswohlgefährdung kann sich unter anderem bei Unfähigke it der Eltern ergeben, sich adäquat um das Kind zu kümmern, weil sie durch persönliche Probl eme übermässig absorbiert oder weil sie allgemein überfordert sind; weiter kann sie bei psychischer Erkrankung der Eltern mit entsprechend konkreten, objektivierbaren Auswirkungen au f das Wohl des Kindes sowie bei allen Formen der Misshandlung angezeigt sein (vgl. P ETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/ Geiser [Hrsg.], a.a.O., Art. 310 Rz. 5; C HRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Erwachsenenschutz- recht, Bern 2013, S. 350). Bedarf es einer Festlegung des geeigneten Settings, so ist insbeson- dere die Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts fü r die Dauer einer Abklärung zulässig (ALBERT GULER , in: Kren Kostkiewicz/Nobel/Schwander/Wolf [Hrsg.], Kom mentar zum Schwei- zerischen Zivilgesetzbuch, 2. Auflage, Bern/St.Gallen 2 011, Rz. 2 zu Art. 310 ZGB). Wie alle Kindesschutzmassnahmen muss auch der Entzug des Aufenthaltsrechts erforderlich sein (Sub- sidiarität) und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Propor- tionalität); diese sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplemen- tarität). Das Aufenthaltsrecht ist nur zu entziehen, wenn andere Massnahmen ohne Erfolg ge- blieben sind oder von vornherein als ungenügend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden (vgl. Art. 389 ZGB; Urteil des Bundesgerichts 5A_561/2013 vom 10. Januar 2014 E. 7.2; PETER BREITSCHMID , a.a.O., Art. 310 Rz. 4). 3.3 Die KESB erwog im angefochtenen Entscheid, dass auf grund der massiven Auffällig- keiten von G.____ tiefergehende Abklärungen bezüglich ei ner gesunden Entwicklung erforder- lich seien. G.____ habe für ihr Alter zu viele Freiheit en und müsse Verantwortung übernehmen, welche sie noch nicht selbst tragen könne. Zudem falle sie in der Schule seit längerem mit ag- gressivem Verhalten, mit welchem sie die Aufmerksamkeit der Erwachsenen suche, negativ auf. Sie könne sich den vorgegebenen Strukturen nicht a npassen. Die von der Beschwerdefüh- rerin geforderte mildere Massnahme eines erneuten Tage sheimbesuchs sei mit Blick auf das Verhalten der Kindsmutter nicht zielführend. Die Besch werdeführerin sehe die Gründe für G.____s Verhalten, sofern sie die Probleme überhaupt e insehe, ausschliesslich bei Anderen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Anordnung einer Massnahme habe sich auch immer an den vorhandenen Ressourcen der Beteiligten zu orientieren und zurzeit gelinge es der Kindsmutter nicht, ausserhalb der Schulzei- ten ausreichende Strukturen für G.____ anzubieten. Nac h abgeschlossener Abklärung sei über den weiteren Aufenthaltsort von G.____ zu bestimmen. D ie stationäre Abklärung von G.____ erscheine als angemessen, da sie geeignet sei, ihr im All tag einen ruhigen, klar strukturierten Tagesablauf zu geben, der eine fundierte Abklärung zulasse. 3.4 Die KESB gab zudem an der heutigen Parteiverhand lung zu Protokoll, dass die Resul- tate einer stationären Abklärung sehr differenziert erf olgen würden, so dass nachhaltige Lö- sungsstrategien festgelegt werden könnten. Der innerfa miliäre Konflikt sowie die Situation von G.____ und der Kindsmutter seien aus Sicht der KESB im Zeitraum zwischen 2012 und 2014 schwieriger geworden. So sei bereits Ende 2013 eine stationäre Abklärung thematisiert worden. Die im April 2014 eingegangene Gefährdungsmeldung wa r sodann ausschlaggebend für den vorliegend angefochtenen Entscheid. Es solle nun im Hei m “N.____“ eine umfassende sozial- pädagogische und mit Einverständnis der Eltern eine psychi atrische Abklärung vorgenommen werden. Hierfür sei die stationäre Unterbringung erforderlich. 3.5 In der ergänzenden Beschwerdebegründung vom 17. No vember 2014 macht die Be- schwerdeführerin geltend, der von der KESB verfügte En tzug des Aufenthaltsbestimmungs- rechts sowie die Heimplatzierung von G.____ würden die sch wersten zur Verfügung stehenden Kindesschutzmassnahmen darstellen, welche nur dann hätten angeordnet werden dürfen, wenn es keine mildere Massnahme gegeben hätte. Die KESB äusser e sich im angefochtenen Ent- scheid zu einer erneuten Familienbegleitung überhaupt nicht und ein Tagesschulbesuch sei als nicht zielführend abgelehnt worden. Damit habe die KE SB den Grundsatz der Verhältnismäs- sigkeit verletzt, weil keine milderen Massnahmen geprüft worden seien. So begründe die KESB mit keinem Wort, wieso die angeordnete Abklärung im R ahmen einer Fremdplatzierung zu er- folgen habe und nicht ambulant durchgeführt werden könne. Die KESB habe es versäumt, wäh- rend zwei Jahren Massnahmen festzulegen oder zu installie ren und könne nun nicht die schwerste aller möglichen Kindesschutzmassnahmen anordnen. Fe rner führt die Beschwerde- führerin aus, das angeblich auffällige und teils gewal ttätige Verhalten von G.____ sei darauf zurückzuführen, dass G.____ seit längerem in der Schule von Mitschülern belästigt und ge- mobbt werde. Überdies habe die KESB den Sachverhalt u ngenügend abgeklärt, indem sie be- hauptet habe, die schulischen Leistungen von G.____ wür den trotz vorhandenen Potentials sinken. Schliesslich biete die Beschwerdeführerin G.____ genügend Strukturen und erlaube ihr nicht, abends alleine draussen zu sein. 3.6 Anlässlich der heutigen Verhandlung führt die Besch werdeführerin aus, entgegen der Ansicht der damaligen sozialpädagogischen Familienbeglei tung sei die Zusammenarbeit mit dieser schlecht gewesen. So habe sie durch die sozialpäda gogische Familienbegleitung keine Unterstützung erhalten. Auch habe sie eine solche Beglei tung nicht gewollt, dies sei eine Idee des KJPD gewesen. Sie erachte einen Tagesheimbesuch für G.____ als Option für eine Ände- rung im schulischen Bereich, eine Unterstützung für zu Hau se benötige sie hingegen nicht. Zu ihren krankheitsbedingten Einschränkungen führt sie aus, si e nehme Medikamente wegen ihrer Rheumabeschwerden und Diabetes. Auch habe sie, insbeson dere seit dem Umbau ihrer frühe- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren Wohnung, Panikattacken und Alpträume, weshalb sie nach wie vor Temesta nehme, daher könne sie morgens nur schwer aufstehen und telefonieren. Dies habe sie auch der Schule mit- geteilt und festgehalten, dass sie die Verantwortung übernehme, wenn ihre Tochter unabge- meldet nicht in der Schule erscheine. 3.7 Der Beigeladene führt in seiner Stellungnahme v om 2. Dezember 2014 aus, die Be- schwerdeführerin sei nicht in der Lage, G.____ die nöt ige Tagesstruktur zu geben, weshalb G.____ sich selber überlassen sei. G.____ zeige offensichtli ch Auffälligkeiten, welche man ernst nehmen müsse. Aus diesem Grund müsse geklärt werd en, wie die Bedürfnisse von G.____ künftig wahrgenommen werden könnten und welche Umstände geschaffen werden müssten, damit ihr Wohl gewahrt werde. Er stelle die M öglichkeiten der Beschwerdeführerin stark in Frage und gehe davon aus, dass sie ihr Verhalten nicht ändern könne. Er teile jedoch die Auffassung der Beschwerdeführerin, dass vor der Heimeinweisung mildere Massnahmen zu prüfen gewesen wären, insbesondere die Möglichkeit einer ambulanten Begutachtung von G.____. An der heutigen Verhandlung gibt der Beigel adene zu Protokoll, dass sein Verhältnis zur Tochter schwierig sei. Das aggressive Verhalten von G .____, welches er auch zu Hause gegenüber seinen beiden jüngeren Kindern aus zweiter Ehe bemerke, habe sich während des damaligen Besuchs des Tagesheimes “M.____“ zunächst verbess ert und seither aber wieder verschlechtert. Er wolle G.____ lieber zu sich nehmen. Na ch Anhörung der Auskunftspersonen liess der Beigeladene anlässlich des Plädoyers jedoch neu a usführen, dass er mit der momen- tanen stationären Abklärung einverstanden sei (vgl. hi erzu KGE VV vom 7. Januar 2015 [810 14 346]). 3.8 Die Beiständin führt anlässlich der heutigen Partei verhandlung aus, dass sie für Erzie- hungsfragen und bezüglich der Begleitung der Heimunt erbringung der beiden fremdplatzierten Brüder sowie als Beiständin von G.____ eingesetzt worden sei. Sie habe ihre Tätigkeit aufge- nommen, als G.____ gerade das Tagesheim verlassen musst e. Die Zusammenarbeit zwischen der Kindsmutter und dem Tagesheim “M.____“ sei schwierig gewesen, weshalb der Besuch des Tagesheimes für G.____ auch nicht zielführend gewesen sei. Aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen der Kindsmutter müssten deren Kinder ihr en Alltag sehr selbständig bewälti- gen. G.____ müsse zu viel Verantwortung übernehmen un d sei deshalb in ihrer gesunden Ent- wicklung gefährdet. Dies zeige sich auch im Verhalten in der Schule, wo sie durch aggressives Verhalten die Aufmerksamkeit der Erwachsenen suche. Um zu eruieren, was G.____ für ihre Entwicklung brauche, sei eine stationäre Abklärung erforderlich. 3.9 Die vom Heim “N.____“ für G.____ zuständige Fach- und Bezugsperson, führt bezüg- lich der stationären Abklärung ergänzend aus, dass eine solche Abklärung erforderlich sei, um das richtige Setting festzulegen. G.____ fehle es an K onfliktstrategien und sie könne ihr eige- nes Fehlverhalten nicht reflektieren. Der Besuch des Heims sei wichtig für G.____, damit sie eine altersgerechte Tagesstrukturierung erlernen könne. 4.1 Aus den vorinstanzlichen Akten und den Ausführungen d er Parteien und Auskunftsper- sonen geht hervor, dass die KESB in vorliegender Angeleg enheit in der Vergangenheit ver- schiedene Abklärungen vorgenommen und verschiedene Stufe n von Massnahmen angeordnet Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat. Wie sich auch nachfolgend zeigt, trifft die Ausfü hrung der Beschwerdeführerin, die KESB habe während zwei Jahren nichts unternommen, demnach n icht zu. So wurde der gutachterli- chen Empfehlung vom 22. Juli 2010 folgend eine sozialp ädagogische Familienbegleitung ein- gesetzt, die die im Gutachten vorgeschlagenen Massnahmen umzusetzen hatte. Sie war von Januar 2011 bis Ende November 2012 eingesetzt. Im Rahme n dieser Unterstützung überprüfte die Familienbegleitung zusammen mit der Kindsmutter die Möglichkeiten einer Unterbringung von G.____ bei einer Pflegefamilie oder in einem Tag esheim . Ebenfalls der Empfehlung des obgenannten Gutachtens entsprechend wurde eine Beistandschaft für G.____ gemäss Art. 308 Abs. 1 ZGB errichtet. Die für die sozialen Dienste L.___ _ tätige Beiständin ist bis heute als sol- che tätig und für G.____ zuständig. Ab September 2011 wurde auf Wunsch der Kindsmutter G.____ jeweils nach der Schule im Tagesheim “M.____“ in L.____ betreut. Gemäss Zwischen- bericht der Sozialpädagogischen Familienbegleitung vom 30. März 2012 gebe der Besuch des Tagesheims G.____ mehr Halt und Sicherheit, wobei der Umgang mit den anderen Kindern nach wie vor aufgrund der geringen Frustrationstolera nz herausfordernd geblieben sei. In der Schule habe G.____ eine deutlich verbesserte Sozialkompet enz entwickelt und brauche weni- ger Aufmerksamkeit. Die Lehrerinnen würden diese Verän derung dem Tagesheimbesuch zu- schreiben. Ferner wird im Bericht ausgeführt, dass G._ ___ unbedingt die Konstanz der Tages- heimbesuche brauche, insbesondere das Einhalten von Re geln und Grenzen sowie die aktive Betreuung. Zur Situation der Beschwerdeführerin ist d em Zwischenbericht zu entnehmen, dass die Stabilisierung des Gesundheitszustands der Kindsmutter sehr wichtig sei. Zusätzlich müsse sie an der Veränderung der Tagesstruktur sowie ihres Erzi ehungsverhaltens arbeiten. Bedingt durch die regelmässigen körperlichen Beschwerden und psy chischen Schwankungen der Be- schwerdeführerin habe nur phasenweise an einzelnen sozia lpädagogischen Themen, wie dem Umgang miteinander, der gegenseitigen Unterstützung im Haushalt, der Tagesstruktur sowie der Freizeit- und Abendgestaltung gearbeitet werden können. Am Standortgespräch mit dem Tagesheim “M.____“ am 11. Mai 2012 wurde von Seiten des Heims ausgeführt, weder das Verhalten der Beschwerdefü hrerin noch das Einhalten von Ab- machungen hätten sich verändert. Die Beschwerdeführerin würde G.____ nur selten abholen und in Gesprächen den Erziehungsthemen ausweichen. Weite r wurde festgehalten, dass G.____s Verhalten zeige, dass sie mehr Aufmerksamkeit von ihrer Mutter bekommen wolle. G.____ habe dies in einem Gespräch mit ihrer Mutter und der Sozialpädagogischen Familien- begleitung klar geäussert und ausgeführt, dass sie es geme in fände, dass die anderen Kinder regelmässig abgeholt würden. Sie selber erlebe zu Hau se nur Streit und werde auch nur ganz selten abgeholt. Im Rahmen des Standortgesprächs wurde so dann festgehalten, dass G.____ die Auseinandersetzung, welche sie bei ihrer Mutter ni cht erfahre, bei der Gruppenleiterin su- che. Dies mache die Betreuung von G.____ sehr zeitaufwänd ig und intensiv. Im Anschluss an das Gespräch mit dem Tagesheim wurden mit der Beschwe rdeführerin nochmals klare Bedin- gungen festgelegt und darauf hingewiesen, dass die Nichteinhaltung dieser minimalen Anforde- rungen zu einer Beendigung der Tagesschulbetreuung füh re und andere Massnahmen gesucht würden. Am 14. August 2012 erfolgte eine Gefährdungsmeldung v on Betreuungspersonen von G.____ an die Sozialen Dienste der Gemeinde L.____, wonach G.____ durch ihr negatives und gewalt- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätiges Verhalten besorgniserregend aufgefallen sei. An einem weiteren Standortgespräch des Tagesheims “M.____“ vom 31. August 2012 wurde die Tagesbetreuung von G.____ schliesslich beendet. Zur Begründung wurde ausgeführt, die Situat ion von G.____ habe sich zunehmend verschlechtert und ihre Aggressivität gegenüber anderen Kindern und Erwachsenen habe stark zugenommen. G.____ benötige eine 1:1 Betreuung, was d as Tagesheim aufgrund fehlender Ressourcen nicht leisten könne. Zudem habe sich am Verhal ten der Beschwerdeführerin nicht viel geändert und sie habe sich wiederholt nicht an Abm achungen gehalten. Sie habe die Be- gleitung als Entlastung im Tagesablauf gesehen, jedoch nicht als Unterstützung für längerfristi- ge Veränderungen (vgl. auch Besprechungsnotiz der Beistä ndin vom 9. August 2012 mit dem Tagesheim, Bericht der Beiständin vom 4. Juli 2014). Die Sozialpädagogische Familienbeglei- tung wurde ebenfalls per Ende November 2012 beendet, da sie keine nachhaltige Wirkung ge- zeigt habe (vgl. Notiz vom Zwischengespräch beim Schulpsychologischen Dienst L.____ (SPD) vom 20. November 2012). Nach verschiedenen Gesprächen betreffend die schulische S ituation von G.____ und die An- forderungen an die Beschwerdeführerin zwischen dem SPD, der Beiständin von G.____, der Beschwerdeführerin und beteiligten Lehrpersonen von G. ____ (vgl. Bericht der Klassenlehrerin von G.____ vom 3. Februar 2013, Besprechungsnotiz der Be iständin vom 15. März 2013 mit dem SPD, Protokoll des Elterngesprächs vom 18. Juni 2013 ) meldete sich die Klassenlehrerin von G.____ am 15. November 2013 bei der Beiständin und berichtete, die Situation von G.____ werde zunehmend schwieriger. Es komme zu Schlägereien auf dem Schulhof, welche meistens von G.____ angestiftet worden seien. G.____ werde dur ch ihr Verhalten immer mehr von den Mitschülern ausgeschlossen. Die Beschwerdeführerin komme ihren Pflichten nicht nach. Sie mache unter anderem keine Hausaufgabenkontrolle und melde G.____ bei Absenzen nicht von der Schule ab. Am 15. April 2014 ging bei der KESB die Gefährdungsmeldung der Schulleitung der Primarschule L.____ ein. Am 14. Juli 2014 reichte die Beiständin auftragsgemäss ihren Ab- klärungsbericht vom 4. Juli 2014 betreffend Notwendigke it von Kindesschutzmassnahmen zu- handen der KESB ein. Darin hielt die Beiständin fest, G.____ bedürfe dringend eines zuverläs- sigen Rahmens und klarer Strukturen, weshalb sie eine Pl atzierung ausserhalb der Familie empfehle. Um das Familiensystem zu stärken und eine Rückplatzierung zu ermöglichen, müsse die Beschwerdeführerin ihre eigene gesundheitliche und psychische Situation nachhaltig stabili- sieren und an strukturellen Massnahmen zu Hause arbeiten. 4.2 Die vorgehend dargelegten Auszüge aus den Akten un d die Vorbringen der Parteien weisen gesamthaft gesehen hinreichend konkrete Anhaltspu nkte auf für eine zumindest dro- hende Gefährdung des Kindeswohls von G.____. Die Beschwe rdeführerin ist in ihrer konkret vorliegenden Lebenssituation offenbar nicht in der Lage, die Bedürfnisse ihrer Tochter realitäts- gerecht wahrnehmen und sich auf diese einlassen zu kön nen. Die Diabetes- und Rheumaer- krankung der Beschwerdeführerin stellen gemäss ihren Ausf ührungen einen wesentlichen Grund dafür dar, dass sie die Vorgaben und Abmachungen mit dem Tagesheim oder der Schu- le jeweils nicht einhalten konnte. Jedoch ist den Akten n icht zu entnehmen, dass sie sich dies- bezüglich einer weitergehenden ärztlichen – allenfalls kurzzeitigen stationären – Behandlung oder medikamentösen Einstellung unterzogen habe, wie ih r dies von Seiten der Beiständin und der Sozialpädagogischen Familienbegleitung empfohlen wurde (vgl. Bericht der Beiständin über Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht die persönlichen Verhältnisse vom 16. Mai 2014, Zwische nbericht der Sozialpädagogischen Familienbegleitung vom 30. März 2012 und Gutachten de s KJPD vom 22. Juli 2010 Ziffern 7 und 8). Den jeweiligen Fachberichten ist übereinstimme nd zu entnehmen, dass die Stabilisie- rung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin äusse rst wichtig sei, damit eine förder- liche Familieninteraktion ermöglicht werden und die Be schwerdeführerin die dafür nötigen Res- sourcen aufbauen könne. Die Beschwerdeführerin lässt jedoch keine Problem- und Handlungs- einsicht erkennen, obschon ihr seit vier Jahren von verschied enen Fach- und Betreuungsper- sonen übereinstimmend die Verhaltensauffälligkeiten von G.____ aufgezeigt und ihr die nötigen Veränderungen ihrer Erziehungsstruktur dargelegt wurden . Die Fachpersonen führen seit vier Jahren zudem übereinstimmend aus, dass G.____ zwingend e ine konstante Tagesstruktur, Regeln sowie eine aktive Betreuung brauche, damit sie d ie für eine günstige Entwicklung not- wendigen Auseinandersetzungen und Grenzsetzungen erfahr en könne (vgl. Gutachten des KJPD vom 22. Juli 2010 Ziffer 4 ff., Zwischenbericht de r Sozialpädagogischen Familienbeglei- tung vom 30. März 2012, Kurzbericht des Heims “N.____“ vom 23. Dezember 2014). Da die Beschwerdeführerin diese Vorgaben aktenkundig ni cht umzusetzen vermag und auch die Notwendigkeit dieser Erziehungskomponenten nicht einzusehen vermag, hat sich die Situa- tion für G.____ nach wie vor nicht wesentlich verändert. Wie G.____s Betreuerin im Heim an- lässlich der heutigen Parteiverhandlung ausführt, habe G.____ eine nicht altersadäquate Selbstständigkeit entwickelt. Dies habe dazu geführt, dass es ihr sehr schwer falle, sich an Re- geln und Vorgaben zu halten, wodurch häufig Konflikte entstehen würden. Auch die Gefähr- dungsmeldungen und der Abbruch des Tagesheimbesuchs (vgl. E . 4.1 und 4.2) beruhten auf dem von Aggression geprägten Konfliktverhalten von G.___ _. G.____ braucht somit offenkun- dig klare Führung und Strukturen, damit sie lernen kann , sich an Regeln zu halten. Erforderlich ist gemäss den Ausführungen der Fachpersonen, dass ihre Frustrationstoleranz erhöht und ihre Aggressivität verringert werden. Die Beschwerdeführerin ist den vorliegenden Akten zufolge nicht in der Lage, für G.____ eindeutige Regeln zu se tzen und Absprachen zu treffen sowie situationsadäquate und kindgerechte Konsequenzen aufzuz eigen, um auf G.____s momenta- nes Verhalten einzuwirken und sich mit ihr sowie mit den beteiligten Fachpersonen auseinan- derzusetzen und mit diesen zu kooperieren. Ebenso weist die Beschwerdeführerin Schwierig- keiten auf, das alltägliche Familienleben zu strukturi eren und konstante Rituale aufrecht zu hal- ten. Diese Grenzsetzungs- oder Alltagsmanagementfähigkei t stellen jedoch wichtige Voraus- setzung für eine günstige Entwicklung von Kindern dar (v gl. BRIGITTE SEIFERT /B ENJAMIN KREXA /S IBILLE KÜHNEL /M ARKUS BAREISS , Leitfaden zur Erstellung psychologisch-psychiatrischer Gutachten bei Fragen zum Kindeswohl, in: FamPra.ch 2015, S. 126 mit weiteren Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung). Vor diesem Hintergrund ist mit der Vorinstanz davon auszuge- hen, dass das Verhalten der Beschwerdeführerin einer gesu nden Entwicklung ihrer Tochter abträglich ist, worauf auch das von den Fachpersonen beobachtete auffällige Verhalten hindeu- tet. Zurzeit scheint die Beschwerdeführerin von persönliche n Problemen, insbesondere ihrer gesundheitlichen Situation, zu absorbiert, um sich situ ationsadäquat um G.____ kümmern zu können. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ware n das Einschreiten der KESB und der Erlass von Kindesschutzmassnahmen unter den vorliegen den Umständen geboten, um der akuten Kindeswohlgefährdung von G.____ zu begegnen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die Beschwerdeführerin rügt weiter, der Entzug de s Aufenthaltsbestimmungsrechts und die Platzierung von G.____ im Heim “N.____“ seien unverhältnismässige Kindesschutz- massnahmen. Gemäss ihrer Auffassung hätte die KESB mit einem milderen Mittel als dem Ent- zug des Aufenthaltsbestimmungsrechts und der Platzierung r eagieren müssen, allenfalls in Form einer ambulanten Abklärung, einer erneuten Familienbegleitung sowie einem Tagesheim- besuch. 5.2 Einleitend ist in diesem Zusammenhang darauf hinzu weisen, dass der Entzug des Auf- enthaltsbestimmungsrechts sowie die Fremdplatzierung von G.____ als Intervention in einer familiären Krisensituation erfolgten. Die Platzierung von G.____ in einer ausserfamiliären Um- gebung war erforderlich, um dadurch Druck von ihr wegzun ehmen und um ihr das nötige Um- feld zu geben, damit sie fürs Erste zur Ruhe kam. Ihr Auf enthalt im Kinderheim verfolgt weiter den Zweck einer pädagogischen Beobachtung und dient damit der Sachverhaltsabklärung. Die- se ist nur möglich, wenn G.____ in einer neutralen kind sgerechten Umgebung dem ständigen Einfluss der Mutter entzogen ist und wenn sie über ein en längeren Zeitraum von den mit der Abklärung beauftragten Fachpersonen direkt betreut wird. Dieses Vorgehen der Behörde dräng- te sich nicht zuletzt auch deshalb auf, weil sich in der V ergangenheit gezeigt hat, dass sich die Beschwerdeführerin ohne konstante Kontrolle an keine Ab machungen hat halten können. Dies wäre jedoch bei einer ambulanten Abklärung, bei welche r die Beschwerdeführerin G.____ pünktlich und regelmässig hätte bringen und abholen müsse n, unumgänglich. Unter dem Ge- sichtspunkt der Verhältnismässigkeit ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass die KESB aktenkun- dig unterschiedliche Massnahmen getroffen hat, um eine gesunde Entwicklung von G.____ zu unterstützen bzw. zu ermöglichen. Dass diese Massnahmen - mi t Ausnahme der Beistand- schaft - allesamt abgebrochen werden mussten, wird von de n Parteien nicht bestritten. Zum Abbruch der Massnahmen haben jeweils das aggressive und for dernde Verhalten von G.____ sowie die fehlende Kooperation und Handlungseinsicht d er Beschwerdeführerin geführt (vgl. E. 4.1 und 4.2). Inwiefern sich diese Komponenten seit Abbruch der Tagesheimbetreuung und der Sozialpädagogischen Familienbegleitung verändert bzw. verbessert haben sollen und somit ein erneuter Versuch dieser Massnahmen erfolgsverspreche nd sein könnte, ist aus den Akten in keiner Weise ersichtlich. So führt auch anlässlich der Verhandlung die im Heim zuständige Betreuungsperson aus, dass G.____ verschiedentlich – und en tgegen der expliziten Abma- chung mit der Beschwerdeführerin – von dieser nach dem Wochenende nicht ins Heim zurück- begleitet worden sei. Zudem hat die Beschwerdeführerin auch anlässlich der Parteiverhandlung die Notwendigkeit einer erneuten Sozialpädagogischen F amilienbegleitung oder eines Erzie- hungskurses klar verneint. Die KESB ist somit zu Recht davo n ausgegangen, dass eine inner- familiäre Lösung nicht mehr in Betracht gezogen werde n könne. Die angeordnete stationäre Abklärung und die damit verbundene Entziehung des Aufen thaltsbestimmungsrechts erweisen sich vor diesem Hintergrund als erforderlich. Dabei kann d efiniert werden, welche weiteren Un- terstützungsmassnahmen G.____ braucht. Ferner ist zu bemerke n, dass die Platzierung sowie die Abklärung von G.____ im Heim gemäss den übereinstim menden Aussagen der betreuen- den Person des Heims sowie der KESB anlässlich der heutig en Parteiverhandlung vier bis sechs Monate dauern soll und damit absehbar und zeitlich begrenzt ist. Die KESB wird nach den erfolgten Abklärungen über allfällige weitere Massnahmen neu zu entscheiden haben. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Der angeordnete Entzug des Aufenthaltsbestimmungsre chts und die damit verbundene ausserhäusliche Platzierung von G.____ erweisen sich gestüt zt auf die gebotene Würdigung der Sach- und Rechtslage als sachgerecht, verhältnismässig u nd angemessen. Die Geeignet- heit des gewählten Heims und der Auftrag zur Begutachtung werden von der Beschwerdeführe- rin zudem zu Recht nicht in Frage gestellt. Die Beschwerd e erweist sich nach dem Dargelegten in diesem Punkt als unbegründet. 6. Die Beschwerdeführerin beantragt in der ergänzend en Beschwerdebegründung vom 17. November 2014 zudem einen Beistandswechsel. 6.1 Die Beschwerdeführerin führt diesbezüglich aus, d ie Beiständin habe ihre Pflichten verletzt, indem sie es unterlassen habe, bei beleidigend en Äusserungen durch den Schulpsy- chologen gegenüber der Beschwerdeführerin an einer gem einsamen Besprechung vom 11. April 2014, zu intervenieren. Da der angefochtene und von der Beiständin befürwortete Ob- hutsentzug unverhältnismässig sei, liege auch darin ein w ichtiger Grund, um den Beistands- wechsel gutzuheissen. Die KESB hält im Entscheid vom 7. November 2014 fest, es sei offen- sichtlich, dass die Beschwerdeführerin mit der Beiständin n icht zufrieden sei, weil diese eine andere Position bezüglich einer allfälligen Fremdplatzi erung einnehme, dies sei jedoch kein Grund für einen Beistandswechsel. 6.2 Die KESB muss eine Beiständin entlassen, wenn diese zur Erfüllung ihrer Aufgaben nicht mehr geeignet ist oder wenn ein anderer wichtige r Grund für die Entlassung vorliegt (Art. 423 Abs. 1 lit. a und b ZGB). Ein solch wichtige r Grund würde ein von der Beiständin ver- schuldetes Handeln oder Unterlassen voraussetzen, das in sch werwiegender Weise eine Pflichtverletzung im Zusammenhang mit der Tätigkeit al s Beiständin darstellt (Urteil des Bun- desgerichts 5A_706/2013 vom 5. Dezember 2013 E. 4.5 mit weiteren Hinweisen). Die Be- schwerdeführerin erklärt nicht, inwiefern die Beiständi n ihre Pflicht als Erziehungsbeiständin in schwerwiegender Weise verletzt haben soll, indem sie emp fehle G.____ in einem Schulheim oder Internat unterzubringen. Auch ist den Akten bezüglich einer allfälligen Pflichtverletzung der Beiständin nichts zu entnehmen. Die Beschwerde erweist si ch somit auch in diesem Punkt als unbegründet und ist deshalb abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘800.-- sind vorliegend der Beschwerdeführerin aufzuer- legen und gehen zufolge Bewilligung der unentgeltlich en Prozessführung zulasten der Ge- richtskasse. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind in Anwendung von § 21 Abs. 1 und 2 VPO wett- zuschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Ve rbeiständung ist dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. Mit eingereichter Ho- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht norarnote vom 5. Januar 2015 macht der Rechtsvertreter der Beschwer deführerin einen Zeit- aufwand von 25.20 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer und damit eine Parteientschädigung von gesamthaft Fr. 5‘626.95 ohne heutige Hauptverhandlung geltend. Dieser Aufwand ist insbesondere um die anwaltliche Begleitung der Beschwerdeführerin an das Eintrittsgespräch im Heim zu kürzen und ein Aufwand von total 23 Stunden à Fr. 200.-- (inklusi- ve Hauptverhandlung) erscheint vorliegend als angemessen. Dem Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin ist demzufolge ein Honorar in der Höhe von Fr. 5‘123.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nach- zahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung d er unentgeltlichen Rechtspflege der Ge- richtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Feb- ruar 2001). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘800.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die der Beschwerdeführerin auferlegten Verfahrenskosten zu Laste n der Ge- richtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 5‘123.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Gerichts- kasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiber i.V.