<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 44 S.191</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">191</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Sozialhilfe</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>44</b></span> <span class="ft3"><b>Parteientschädigung in Sozialhilfeverfahren.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Parteientschädigung ist i.d.R. nach § 3 Abs. 1 lit. a AnwT festzu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>setzen (Erw. 5.2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Grundsätze zur Streitwertberechnung (Erw. 6.2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Beschluss des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 29. März 2007 in Sa-</span><br/> <span class="ft6">chen M.E. gegen das Bezirksamt Laufenburg (WBE.2006.264).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">5.</span><br/> <span class="ft8">5.1. (...)</span><br/> <span class="ft8">5.2.</span><br/> <span class="ft8">Bei der Festlegung des Grundhonorars ist auch in Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft8">sachen (§ 5 Abs. 1 AnwT) zunächst zu entscheiden, ob die Vertretung</span><br/> <span class="ft8">oder Verbeiständung einer Partei in einer vermögensrechtlichen</span><br/> <span class="ft8">Streitsache erfolgt (§ 3 Abs. 1 lit. a AnwT) oder ob es sich um ein</span><br/> <span class="ft8">Verfahren handelt, welches das Vermögen der Verfahrensbeteiligten</span><br/> <span class="ft8">weder direkt noch indirekt beeinflusst (§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Be-</span><br/> <span class="ft8">steht eine Beeinflussung des Vermögens, kommt ausschliesslich lit. a</span><br/> <span class="ft8">zur Anwendung, d.h. die Ermittlung des Grundhonorars richtet sich</span><br/> <span class="ft8">primär nach dem Streitwert der Sache (VGE III/60 vom 24. April</span><br/> <span class="ft8">1998 [BE.1996.00316], S. 4 f.; VGE III/15 vom 14. März 1994</span><br/> <span class="ft8">[BE.1993.00043], S. 9). Der Streitwert ist Ausdruck des Wertes, den</span><br/> <span class="ft8">der streitige Rechtsanspruch nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge</span><br/> <span class="ft8">tatsächlich und objektiv besitzt (vgl. hiezu AGVE 1989, S. 284;</span><br/> <span class="ft8">1983, S. 249).</span><br/> <span class="ft8">Das Verwaltungsgericht hatte die Frage, ob den Verfahren in</span><br/> <span class="ft8">Sozialhilfesachen ein vermögenswertes Interesse im Sinne von § 3</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 lit. a AnwT beizumessen ist, noch nicht zu entscheiden. Die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">192</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">präsidiale Praxis bei der Genehmigung von Kostennoten orientierte</span><br/> <span class="ft8">sich am Tarif für vermögensrechtliche Streitigkeiten.</span><br/> <span class="ft8">Streitgegenstand in den Verwaltungsverfahren der Sozialhilfe ist</span><br/> <span class="ft8">in der Regel der Anspruch und die Höhe der materiellen Hilfe-</span><br/> <span class="ft8">leistung des Gemeinwesens an die Hilfe suchenden Personen. Die</span><br/> <span class="ft8">Rechtsmittelverfahren im Sozialhilferecht beeinflussen daher in der</span><br/> <span class="ft8">Regel das Vermögen der Verfahrensbeteiligten; die Ansprüche be-</span><br/> <span class="ft8">treffen vermögenswerte Interesse der hilfesuchenden Personen und</span><br/> <span class="ft8">des Gemeinwesens. Das Honorar ist somit nach § 3 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft8">AnwT festzusetzen.</span><br/> <span class="ft8">5.3.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 4 Abs. 1 AnwT wird der Streitwert nach den gestell-</span><br/> <span class="ft8">ten Begehren berechnet. Was im Verfahren streitig ist, legen die Par-</span><br/> <span class="ft8">teien mit ihren Rechtsbegehren fest, und der Streitwert in einem</span><br/> <span class="ft8">Rechtsmittelverfahren wird demzufolge nach den Anträgen berechnet</span><br/> <span class="ft8">(§ 4 Abs. 1 AnwT; AGVE 1994, S. 470). Wenn es nicht um die</span><br/> <span class="ft8">Bezahlung einer bestimmten Summe geht, ist er nach dem vermö-</span><br/> <span class="ft8">gensmässigen Interessen der Parteien zu schätzen (§ 4 Abs. 3 AnwT).</span><br/> <span class="ft8">6.1. (...)</span><br/> <span class="ft8">6.2.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 4 Abs. 5 AnwT gelten bei der Bestimmung des</span><br/> <span class="ft8">Streitwerts die Bestimmungen der ZPO. § 20 Abs. 2 ZPO bestimmt,</span><br/> <span class="ft8">dass für wiederkehrende bzw. periodische Leistungen bei ungewisser</span><br/> <span class="ft8">oder unbeschränkter Dauer als Streitwert der 20-fache jährliche Be-</span><br/> <span class="ft8">trag der eingeklagten Leistung gilt. Diese Bestimmung ist auf zivil-</span><br/> <span class="ft8">rechtliche Forderungen (Renten, Nutzniessungen, Mietzinse etc.) zu-</span><br/> <span class="ft8">geschnitten, denen ein Kapitalwert zukommen kann und wenn nicht</span><br/> <span class="ft8">feststeht, dass diese Leistungspflicht weniger als zwanzig Jahre dau-</span><br/> <span class="ft8">ern wird (Alfred Bühler / Andreas Edelmann / Albert Killer, Kom-</span><br/> <span class="ft8">mentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, 2. Auflage, Aarau /</span><br/> <span class="ft8">Frankfurt a.M. / Salzburg 1998, § 20 N 2). Sozialhilfeleistungen sind</span><br/> <span class="ft8">ihrer Natur nach nicht auf eine lange Zeit angelegt, sondern be-</span><br/> <span class="ft8">zwecken die Wiederherstellung der Selbständigkeit durch Integration</span><br/> <span class="ft8">und Unterstützung der Selbsthilfe (§ 1 Abs. 1 und § 4 Abs. 1 SPG;</span><br/> <span class="ft8">Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe,</span><br/> <span class="ft8">hrsg. von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, vom De-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">193</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">zember 2000 [SKOS-Richtlinien], Kapitel A.1). Die materielle Hilfe</span><br/> <span class="ft8">ist auch subsidiär gegenüber anderen Hilfsquellen (§ 5 SPG; SKOS-</span><br/> <span class="ft8">Richtlinien, Kapitel A.4; Handbuch Sozialhilfe, hrsg. vom Kantona-</span><br/> <span class="ft8">len Sozialdienst, 4. Auflage August 2003, Kapitel 5, S. 13). In der</span><br/> <span class="ft8">Regel wird die materielle Unterstützung befristet festgesetzt, wobei</span><br/> <span class="ft8">je nach den konkreten Umständen das jeweilige Sozialhilfebudget für</span><br/> <span class="ft8">mehrere Monate (drei, sechs oder zwölf Monate) die Höhe der</span><br/> <span class="ft8">Sozialhilfe festlegt. Wurde die materielle Hilfe oder eine Kürzung</span><br/> <span class="ft8">(vgl. hiezu § 15 Abs. 1 SPV) von den Sozialbehörden befristet, ist</span><br/> <span class="ft8">der Streitwertberechnung die angeordnete Dauer zu Grunde zu legen.</span><br/> <span class="ft8">Bei Streitigkeiten über die materielle Hilfe auf unbestimmte</span><br/> <span class="ft8">Dauer und jenen Fällen, in denen sich ein Entscheid auch in der Zu-</span><br/> <span class="ft8">kunft auf die Berechnung der materiellen Hilfe auswirken kann, stellt</span><br/> <span class="ft8">sich die Frage, welche Dauer der Streitwertberechnung zu Grunde zu</span><br/> <span class="ft8">legen ist. Das Problem stellt sich insbesondere in jenen Fällen, wo</span><br/> <span class="ft8">Auflagen oder Weisungen angefochten werden, die zu Kürzungen</span><br/> <span class="ft8">der materiellen Hilfe führen. Eine allgemeine Regel lässt sich ent-</span><br/> <span class="ft8">sprechend der Natur der Sozialhilfeansprüche nicht bilden, da immer</span><br/> <span class="ft8">die konkreten Umstände zu berücksichtigen sind. Die Rechtsnatur</span><br/> <span class="ft8">der Sozialhilfeansprüche erlaubt nur die Feststellung, dass eine</span><br/> <span class="ft8">Dauer von mehr als einem Jahr schon aufgrund der Subsidiarität</span><br/> <span class="ft8">nicht die Regel ist. Im Sinne einer oberen Grenze ist daher für die</span><br/> <span class="ft8">Streitwertberechnung eine überjährige Dauer der Unterstützung nur</span><br/> <span class="ft8">angebracht, wo zum vorneherein die Wirkung der angefochtenen</span><br/> <span class="ft8">Verfügung auf eine Dauer von mehr als zwölf Monaten nicht nur ab-</span><br/> <span class="ft8">sehbar ist, sondern feststeht. Die Sozialbehörden sind zur periodi-</span><br/> <span class="ft8">schen Überprüfung und Anpassung an veränderte Verhältnisse ver-</span><br/> <span class="ft8">pflichtet (vgl. für die Alimentenbevorschussung § 29 Abs. 5 SPV).</span><br/> <span class="ft8">Ist, wie im vorliegenden Fall, schon auf Grund der familiären Ver-</span><br/> <span class="ft8">hältnisse und der Einkommenssituation der Hilfe suchenden Person</span><br/> <span class="ft8">absehbar, dass die materielle Unterstützung vor Ablauf eines Jahres</span><br/> <span class="ft8">angepasst werden muss und nur der genaue Zeitpunkt nicht be-</span><br/> <span class="ft8">stimmbar, ist der Streitwertberechnung eine Dauer von sechs Mona-</span><br/> <span class="ft8">ten zu Grunde zu legen.</span><br/></div> </div> </body> </html>