A bteilung III C -880/2006 {T 0/2} U rte il v o m 1 1 . S e p te m b e r 2 0 0 7 R ichter Andreas Trom m er (Vorsitz), R ichter Blaise Vuille, R ichterin Elena Avenati-C arpani, G erichtsschreiberin D enise Kaufm ann. I._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Verw eigerung der Einreisebew illigung für Z._______ und Q ._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l B esetzung P arteien G egenstandC -880/2006 Sachverhalt: A . D ie aus dem Kosovo stam m enden, m iteinander verheirateten serbi- schen Staatsangehörigen Z._______ und Q ._______ (im Folgenden: G esuchsteller) beantragten am 24. August 2006 beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in P ristina je ein Visum für einen zw ei- bis dreim ona- tigen Besuchsaufenthalt bei ihrem Sohn I._______ (im Folgenden: G astgeber bzw. Beschw erdeführer) in Kleindöttingen (AG ). D ie Schw eizer Vertretung lehnte eine Visum serteilung in eigener Kom pe- tenz form los ab und überw ies die Einreisegesuche der Vorinstanz zur Prüfung und zum Entscheid. B . N achdem das M igrationsam t Kanton Aargau beim G astgeber w eitere Auskünfte eingeholt hatte, verw eigerte die Vorinstanz in einer Verfü- gung vom 28. Septem ber 2006 die nachgesuchten Einreisebew illigun- gen. D ies im W esentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland der G esuchsteller nicht als gesichert betrachtet w erden. C . M it Beschw erde vom 19. O ktober 2006 (D atum des Poststem pels) be- antragte der G astgeber beim dam als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) im plizit die Aufhebung der vor- instanzlichen Verfügung und die E rteilung der Einreisebew illigungen. Zur Begründung m achte er sinngem äss geltend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die W iederausreise der G esuchsteller nach ei- nem Besuchsaufenthalt w äre nicht gesichert. D iese w ären auch m it ei- nem kürzeren Besuchsaufenthalt zufrieden und sie w ären bereit, ihre Pässe w ährend ihres Aufenthaltes in der Schw eiz im Flughafen oder bei der G em eindeverw altung zu hinterlegen. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 20. N ovem ber 2006 die Abw eisung der Beschw erde. D er G esuchsteller habe sich be- reits einm al zw ischen 1996 und 2000 als Asylgesuchsteller in der Schw eiz aufgehalten. D ies, obw ohl schon dam als fam iliäre Verpflich- tungen bestanden hätten. S eite 2C -880/2006 E. D er Beschw erdeführer verzichtete auf die Einreichung einer R eplik. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (A rt. 20 Abs. 1 des Bun- desgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], A rt. 31 ff. des Verw altungsgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.1 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bun- desverw altungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neu- em Verfahrensrecht (A rt. 53 Abs. 2 VG G ). 1.2 G em äss A rtikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bun- desverw altungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungs- verfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern dieses G esetz nichts anderes bestim m t. D as U rteil ist endgültig (A rt. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . A rt. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.3 D er Beschw erdeführer ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (A rt. 20 Abs. 2 AN AG , A rt. 48 ff. Vw VG ). 2. D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbe- hältlich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew il- ligungsbehörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres E rm essens zu fäl- len (A rt. 4 und A rt. 16 Abs. 1 AN AG , A rt. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SA X, Einreise und Anw e- senheit, in: PETER U EBER SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländerrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öf- fentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it S eite 3C -880/2006 w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.1 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz einen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund beson- derer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (A rt. 1 bis 5 VEA). U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Aus- länder die in A rtikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen er- füllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W ieder- ausreise zu bieten (A rt. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. D ie G esuchsteller benötigen aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die E rteilung der gew ünschten Visa m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesi- chert. 3.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W ie- derausreise erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m achen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesu- chen von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it po- litisch respektive w irtschaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnis- sen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönli- che Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 3.2 D ie G esuchsteller leben im Kosovo. D ie Sicherheitslage in dieser R egion konnte zw ar im Verlauf der letzten Jahre w eitgehend stabilisiert w erden und der W iederaufbau von Adm inistration und Infrastruktur ist unter Beteiligung internationaler O rganisationen und Staatengem ein- schaften in G ang gekom m en. D ie dam it verbundenen H offnungen w ur- den aber durch eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und einen niedri- gen Lebensstandard schon bald m assiv gedäm pft. D er w irtschaftliche Transform ationsprozess entw ickelt sich nur langsam und eine nachhal- tige Verbesserung der w irtschaftlichen und sozialen Situation erw eist sich als schw ierig. D ie w irtschaftlichen Prognosen sind eher schlecht, w ird doch von Experten für die nächsten Jahre ein m assiver R ückgang bei den H ilfsgeldern erw artet. In breiten Teilen der Bevölkerung ist be- reits jetzt eine gew isse D esillusionierung eingetreten. Entsprechend hoch ist nach w ie vor der Anteil derer, die sich zur Em igration ent- S eite 4C -880/2006 schliessen. Laut der "International O rganization for M igration" (IO M ) sollen in einer zu Beginn des Jahres 2003 durchgeführten U m frage über 50% der Befragten angegeben haben, sie w ürden lieber im Aus- land leben und arbeiten. U nter den M igrationsw illigen gilt vor allem W esteuropa und dam it auch die Schw eiz als W unschdestination. D er W ille zur Ausw anderung w ird erfahrungsgem äss dort noch begünstigt, w o - w ie vorliegend - sich bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland etabliert haben und entsprechend ein soziales N etz besteht. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkre- ten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G esuchstellerin im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausrei- se begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern, die in ihrer H ei- m at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem - denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 5. D ie G esuchsteller sind 50 bzw. 49 Jahre alt. Aus einer in den G esuchs- akten befindlichen Bestätigung der U N M IK zu schliessen lebt das Ehe- paar zusam m en m it zw ei Söhnen, einer Tochter und einer Schw ieger- tochter in einer Fam iliengem einschaft. D er jüngste Sohn in dieser G e- m einschaft ist zw ar erst 17 Jahre alt. Ein zw eiter dort lebender Sohn und die Tochter sind aber bereits 26 respektive 24 Jahre alt. D ie G e- suchsteller haben som it durchaus ein unm ittelbares fam iliäres U m feld, das sie im Falle einer R eise in die Schw eiz zurückliessen. D ass ihnen daraus persönliche oder fam iliäre Verpflichtungen obliegen w ürden, kann aber aufgrund der bekannten Fakten nicht angenom m en w erden und w ird im Beschw erdeverfahren auch nicht behauptet. 5.1 Andererseits haben die G esuchsteller auch einen starken Bezug zur Schw eiz: H ier lebt seit dem Jahre 2005 ihr zw eitältester Sohn (der Beschw erdeführer) und hier hat sich der G esuchsteller schon w ährend m ehreren Jahren als Asylbew erber aufgehalten. G erade vor letzterem H intergrund w äre vorauszusetzen, dass in der Zw ischenzeit eine er- folgreiche R eintegration im H eim atland stattgefunden hat, und zw ar nicht nur in persönlicher und fam iliärer, sondern auch in w irtschaftli- S eite 5C -880/2006 cher und sozialer H insicht. D avon kann beim G esuchsteller nicht aus- gegangen w erden. Jedenfalls deklarierte er in seinem Visum santrag (w ie im übrigen auch die Ehefrau) w eder einen Beruf noch eine Ar- beitsstelle. W ovon die G esuchsteller leben und in w elchen w irtschaftli- chen Verhältnissen sie sich befinden, ergibt sich aus den Akten nicht. 5.2 Vor dem aufgezeigten persönlichen und allgem einen H intergrund durfte die Vorinstanz dem nach davon ausgehen, dass keine hinrei- chende G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausrei- se der G esuchsteller nach einem Besuchsaufenthalt besteht. 5.3 An dieser R isikoeinschätzung verm ag auch die vom Beschw erde- führer im Sinne einer zusätzlichen Sicherheit anerbotene H interlegung der R eisepässe nichts zu ändern. D er Beschw erdeführer liefert keine Erklärung dafür, inw iefern eine solche H interlegung den W illen zur W iederausreise beeinflussen sollte. 6. Aus vorstehenden D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfü- gung im Lichte von A rt. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Be- schw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Beschw erdeführer kostenpflichtig (A rt. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (A rt. 1, A rt. 2 und A rt. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 7 S eite 6C -880/2006 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer auferlegt. Sie w erden m it dem am 31. O ktober 2006 geleisteten Kos- tenvorschuss von Fr. 600.-- verrechnet. 3. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer (Einschreiben) - die Vorinstanz (Akten R ef-N r. 1 294 512 retour) D er vorsitzender R ichter: D ie G erichtsschreiberin: Andreas Trom m er D enise Kaufm ann Versand am : S eite 7