Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Januar 2014 (760 13 278) ____________________________________________________________________ Familienzulagen Anspruch auf Familienzulagen bei Nichterwerbstätigen; zumutbare Kenntnis der Verwal- tung hinsichtlich des steuerbaren Einkommens des Versicherten; Verwirkung des Rück- forderunganspruchs Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Andreas Brunner, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch S EV, Zentralsekretariat, Steinerstrasse 35, Postfach, 3000 Bern 6 gegen Familienausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Rückforderung A. Der 1965 geborene A.____ war zuletzt bei der B.___ _ AG angestellt gewesen. Am 4. Dezember 2009 meldete er sich infolge invaliditätsb edingter Erwerbsaufgabe bei der Sozial- versicherungsanstalt Basel-Landschaft (SVA) als Nichterwerbst ätiger an. Am 23. Dezember 2009 ersuchte er die SVA um Ausrichtung von Familienzul agen. In seinem Begleitschreiben Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gleichen Datums wies er dabei ausdrücklich darauf hin, dass er bis Ende Oktober 2009 eine Übergangsrente von seinem bisherigen Arbeitgeber erhalten habe. Mit Schreiben vom 17. Feb- ruar 2010 bat die SVA den Versicherten zwecks Prüfung des Gesuchs um Familienzulagen um Zusendung diverser Unterlagen. Mit Zulagenentscheid vom 1. März 2010 sprach sie dem Versi- cherten für dessen drei Kinder monatliche Familienzul agen in der Höhe von Fr. 700.— zu. Mit Wegfallanzeige vom 11. Juli 2011 teilte die SVA dem Versicherten mit, bei einer Routinekontrol- le sei festgestellt worden, dass dessen steuerbares Einkomme n die Höchstgrenze der Bezugs- berechtigung übersteige. Sein Anspruch sei deshalb per Januar 2009 erloschen. Mit einem er- neuten Zulagenentscheid vom 15. Juli 2011 sprach die SV A dem Versicherten jedoch sogleich mit Wirkung ab 1. August 2011 Familienzulagen in der Höhe von monatlich Fr. 750.— zu. B. Nachdem die SVA dem Versicherten für die Zeit von Jan uar 2009 bis Juli 2013 Famili- enzulagen in der Höhe von insgesamt Fr. 37‘250.— ausge richtet hatte, stellte sie mit Verfügung vom 30. Juli 2013 im Rahmen einer erneuten Anspruchsü berprüfung fest, dass der Versicherte aufgrund der Höhe seines steuerbaren Einkommens nie An spruch auf Familienzulagen für Nichterwerbstätige gehabt habe. Zugleich forderte sie den Betrag von Fr. 32‘750.— zurück. Eine dagegen erhobene Einsprache des Versicherten wies sie mit Entscheid vom 28. August 2013 ab. Dabei führte sie aus, dass sie nach wie vor auf d er Rückerstattung der zu Unrecht ausbezahlten Familienzulagen bestehe, da das steuerbar e Einkommen des Versicherten ein Vielfaches über dem zulässigen Grenzbetrag gelegen habe. C. Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte, vertre ten durch René Windlin, Gewerk- schaft des Verkehrspersonals (SEV), am 27. September 20 13 Beschwerde beim Kantonsge- richt des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversich erungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, der angefochtene Entscheid der SVA sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Rückforderung erloschen sei. Zur Begründung liess er im Wesentlichen geltend machen, dass die in den Jahren 2009 bis 2013 ausgerichteten Fami lienzulagen zu Unrecht ausbezahlt worden seien. Hingegen sei die SVA spätestens am 28. Dezember 2009 im Besitz aller not- wendigen Dokumente und Informationen gewesen, um den Anspruch auf Familienzulagen be- urteilen zu können. Allerspätestens anlässlich der jew eils nachfolgenden Überprüfung der An- spruchsberechtigung hätte die SVA bei der ihr gebotenen Aufmerksamkeit erkennen müssen, dass die Auszahlung der Familienzulagen zu Unrecht erfolgt sei und eine Rückerstattungspflicht bestehe. Sie habe es aber unterlassen, diese zeitgerech t zurückzufordern, weshalb sämtliche Rückerstattungsansprüche längst verwirkt seien. D. Die Familienausgleichskasse (FAK) schloss mit Vernehmlassu ng vom 23. Oktober 2013 auf Abweisung der Beschwerde. Dabei hielt sie fest, dass im Zeitraum zwischen 2009 und 2013 keine Information bezüglich des überhöhten steuerbar en Einkommens des Beschwerdeführers im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht eingegangen sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Am 1. Januar 2009 ist das Bundesgesetz über die Fami lienzulagen (Familienzulagenge- setz, FamZG) vom 24. März 2006 in Kraft getreten, welch es das kantonale Familienzulagenge- setz vom 9. Juli 2005 ersetzt. Gemäss Art. 1 FamZG sind die Bestimmungen des Bundesgeset- zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 auf die Familienzulagen anwendbar, soweit das FamZG nicht a usdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Nach Art. 60 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VP O) vom 16. Dezember 1993 kann gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger innert 30 Tagen beim Kantonsgericht Beschwerde erhoben werden. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2.1 Nach Art. 3 Abs. 1 lit. b FamZG werden Ausbildung szulagen ab Ende des Monats, in welchem das Kind das 16. Altersjahr vollendet, bis zum Abschluss der Ausbildung ausgerichtet, längstens jedoch bis zum Ende des Monats, in welchem da s Kind das 25. Altersjahr vollendet. Art. 1 Abs. 1 der Verordnung über die Familienzulage n (FamZV) vom 31. Oktober 2007 statu- iert, dass ein Anspruch auf eine Ausbildungszulage für jene Kinder besteht, die eine Ausbildung im Sinne des Art. 25 Abs. 5 AVHG absolvieren. 2.2 Gemäss Art. 19 Abs. 1 FamZG gelten in der AHV obl igatorisch versicherte Personen, die bei der AHV als nichterwerbstätige Personen erfasst sind, als Nichterwerbstätige. Sie haben Anspruch auf Familienzulagen gemäss den Art. 3 und 5 F amZG. Der Anspruch auf Familienzu- lagen für Nichterwerbstätige ist gemäss Art. 19 Abs. 2 Fa mZG an die Voraussetzung geknüpft, dass das steuerbare Einkommen den anderthalbfachen Bet rag einer maximalen vollen Alters- rente der AHV nicht übersteigt und keine Ergänzungslei stungen zur AHV/IV bezogen werden. Gemäss Art. 17 der Verordnung über die Familienzulage n (FamZV) ist für die Bemessung des Einkommens der Nichterwerbstätigen das steuerbare Einkom men nach dem Bundesgesetz vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer ma ssgebend. Die Einkommensgrenze, die nicht überschritten werden darf, damit ein Anspruc h auf Familienzulagen besteht, betrug damit im Jahre 2013 Fr. 42‘120.— pro Jahr (vgl. Wegleit ung über die Familienzulagen Fam- ZWL, Bundesamt für Sozialversicherungen BSV, gültig ab 1. Januar 2009, Fassung vom 1. Ja- nuar 2013, Rz. 607). Massgebend ist die letzte rechtskräfti ge Steuerveranlagung. Der Antrags- steller hat der FAK schriftlich zu bestätigen und allen falls nachzuweisen, dass sich sein steuer- bares Einkommen seither nicht massgeblich verändert hat und dass dieses auch im Bezugsjahr die Einkommensgrenze von Art. 19 Abs. 2 FamZG nicht übe rsteigen wird. Betrifft die letzte rechtskräftige Steuerveranlagung ein früheres als das vorl etzte Jahr vor dem Bezugsjahr oder haben die Einkommensverhältnisse seit der letzten Veran lagung grundlegend geändert, so ist das massgebende Einkommen durch die FAK zu bemessen. Die antragsstellende Person hat dabei die notwendigen Unterlagen beizubringen. Unabhängig davon kann die FAK auch im Lau- fe des Bezugsjahres überprüfen, ob die Voraussetzungen z um Leistungsbezug weiterhin gege- ben sind (FamZWL, Rz. 609 ff.). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Zwischen den Parteien zu Recht unbestritten geblieb en ist die Tatsache, dass die in den Jahren 2009 bis 2013 an den Beschwerdeführer bezahlten Familienzulagen ohne Rechtsgrund ausgerichtet worden sind. So geht aus den vorliegenden Akten hervor, dass dessen steuerba- res Einkommen den gemäss Art. 19 Abs. 2 FamZG massgebende n Schwellenwert in den Jah- ren 2009 bis 2013 stets überstiegen hat. Während der G renzbetrag im Umfang des anderthalb- fachen Betrags einer maximalen vollen Altersrente der AH V für die Jahre 2009 und 2010 noch Fr. 41'040.—, für die Jahre 2011 und 2012 Fr. 41‘760. — und für das Jahr 2013 Fr. 42‘120.— betragen hatte, belief sich das steuerbare Einkommen de s Versicherten gemäss direkter Bun- dessteuer im Jahr 2009 auf Fr. 65‘000.—, in den Jahren 2 010 und 2011 auf Fr. 78‘900.— und im Jahr 2012 schliesslich auf Fr. 85‘700.— (vgl. Steuermel dung AHV vom 7. Dezember 2012; Wegfallanzeigen der SVA vom 11. Juli 2011 sowie vom 30 . Juli 2013). Die in Art. 19 Abs. 2 FamZG statuierte Voraussetzung wurde mithin in keinem de r Bezugsjahre erfüllt (vgl. FamZWL Rz. 607, 609 ff.). 3. Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht hingegen be i der Frage, ob die Rückforderung der SVA verwirkt ist. 3.1 Gemäss Art. 25 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistu ngen zurückzuerstatten. Art. 25 Abs. 2 Satz 1 ATSG bestimmt jedoch, dass der Rückf orderungsanspruch mit dem Ab- lauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätes- tens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Ent richtung der einzelnen Leistung, erlischt. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handl ung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massgebend (vgl. Art. 25 Abs. 2 letzter Satz ATSG). Die Fristen von Art. 25 Abs. 2 ATSG sind gewahrt, wenn vor Ablauf der massgebenden Frist eine Rückerstattungsverfügung erge ht und der rückerstattungspflichti- gen Person zugestellt wird (vgl. BGE 119 V 434). Durch d en Begriff des "Erlöschens" bringt der Gesetzgeber zum Ausdruck, dass nicht eine unterbrechbare V erjährungsfrist, sondern eine Verwirkungsfrist besteht, was der Weiterführung der bish erigen Rechtsprechung gleichkommt (vgl. BGE 133 V 582, 119 V 433). 3.2 Art. 25 Abs. 2 ATSG entspricht dem bisherigen Rech t von aArt. 47 Abs. 2 AHVG und Art. 82 Abs. 1 aAHVV. Nach der vormals zu diesen Bestim mungen entwickelten Rechtspre- chung beginnt die einjährige Verwirkungsfrist in dem Zeitpunkt zu laufen, in dem die zuständige Verwaltungsstelle bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufm erksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; nunmehr: Bundesgericht, sozialr echtliche Abteilungen] vom 17. November 2005, C 245/05, E. 4.1). Unter dem Ausdruck " Kenntnis erhalten hat" ist gemäss der hierzu entwickelten Rechtsprechung jener Zeitpunkt zu verstehen, in welchem die Verwal- tung bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Vor- aussetzungen für eine Rückerstattung bestehen (vgl. BGE 1 12 V 181 E. 4a). Das EVG liess hierfür jedoch nicht bereits das erstmalige unrichtige Ha ndeln der Verwaltung als Frist auslö- send genügen. Vielmehr stellte es auf jenen Tag ab, an dem sich die Amtsstelle später - bei- spielsweise anlässlich einer Rechnungskontrolle - unter An wendung der ihr zumutbaren Auf- merksamkeit über ihren Fehler hätte Rechenschaft geben müssen (vgl. BGE 110 V 306 f. E. 2b Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht in fine; Urteil des EVG vom 30. Mai 2001 i.S. B. und V. gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, I. 678/00). 3.3 Um die Voraussetzungen für eine Rückerstattung beu rteilen zu können, müssen der Verwaltung alle im konkreten Einzelfall erheblichen Umst ände zugänglich sein, aus deren Kenntnis sich der Rückforderungsanspruch dem Grundsatz nach und in seinem Ausmass ge- genüber einem bestimmten Rückerstattungspflichtigen erg ibt (vgl. BGE 108 V 50, ZAK 1983 S. 113). Für die Beurteilung des Rückforderungsanspru chs genügt es nicht, dass der Verwal- tung bloss Umstände bekannt wurden, die möglicherweise zu einem Rückerstattungsanspruch führen können, oder dass dieser Anspruch bloss dem Grund satz nach, nicht aber in masslicher Hinsicht feststeht (vgl. BGE 111 V 16 E. 3). Vor Erlass de r Rückerstattungsverfügung muss vielmehr die Gesamtsumme der unrechtmässig ausbezahlten Leistungen feststellbar sein (vgl. BGE 111 V 19, E. 5). Die mit BGE 110 V 304 beg ründete Praxis, wonach der Beginn der einjährigen Verwirkungsfrist unter dem Gesichtspunkt der von der Verwaltung geforderten Auf- merksamkeit zu bestimmen ist, hat nicht nur bei der Bea ntwortung der Frage zu gelten, ob die von einem Dritten erstattete Meldung die erforderliche Kenntnis der Verwaltung auszulösen vermag. Sie ist sinngemäss auch auf die von der Verwaltu ng in der Folge zu treffenden Abklä- rungen auszudehnen. 3.4 Mit Blick auf die Abklärung der Anspruchsberechtigu ng auf Familienzulagen speziell bei Nichterwerbstätigen listet die Weisung des BSV, Abteilu ng Familienfragen, vom 14. August 2008 diejenigen Informationen auf, welche die FAK benötigt, um einen Antrag auf Familienzula- gen behandeln zu können. Die entsprechenden Informatio nen können von der FAK beim Ein- reichen des Antrags oder später auf Nachfrage der FAK d irekt beim Antragsteller oder bei an- deren Stellen oder Behörden eingeholt werden. Zu be achten ist, dass die Verhältnisse von Nichterwerbstätigen je nach Fall stark variieren können . Der genannten Weisung des BSV zu- folge ist die FAK deshalb gut beraten, den Antragsteller gar zu einem Gespräch einzuladen, um mit ihm seine Situation und die im Rahmen des Antrags vorgelegten Unterlagen zu prüfen. Die Weisung des BSV sieht insbesondere vor, dass die FAK das ma ssgebliche Einkommen jeden- falls dann zu bestimmen hat, wenn allfällige Änderung en im Vergleich zu den Angaben in der letzten Steuerveranlagung sich auf das steuerbare Einkom men des Versicherten auswirken. Grundsätzlich hat der Bezüger jede Änderung in den für die Anspruchsberechtigung massge- benden Verhältnissen der FAK zu melden. Diese kann je doch auch im Laufe des Bezugsjahres überprüfen, ob die Voraussetzungen für einen Leistung sbezug weiterhin gegeben sind (vgl. FamZWL, Rz. 611 und 613). Die FAK hat die ihr zumutba re Aufmerksamkeit deshalb insbeson- dere auch bei den sich allenfalls aufdrängenden Erhebun gen anzuwenden, damit ihre noch un- genügende Kenntnis so vervollständigt wird, dass ein allf älliger Rückforderungsanspruch die nötige Bestimmtheit erlangt. Wenn sie nicht die erfor derlichen Anstrengungen unternimmt, um sich über ihre noch ungenügend bestimmte Forderung inn ert absehbarer Zeit ein klares Bild zu verschaffen, darf sich diese Säumnis nicht zu Ungunsten de r Versicherten auswirken. In einem solchen Fall ist der Beginn der Verwirkungsfrist vielmehr auf jenen Zeitpunkt festzusetzen, in welchem die Verwaltung ihre unvollständige Kenntnis mi t dem erforderlichen und zumutbaren Einsatz so hätte ergänzen können, dass der Rückforderung sanspruch die nötige Bestimmtheit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht erhält und der Erlass einer Verfügung möglich wird (vgl . BGE 122 V 270, 112 V 181 E. 4a/b, 110 V 306 f. E. 2b in fine; SVR 2001 IV Nr. 30). 4.1 Nachdem sich die vorliegende Rückerstattungsverfügung vom 30. Juli 2013 auf die Pe- riode von Januar 2009 bis Juli 2013 bezieht, ist zu prü fen, ob die Kasse die zu viel geleisteten IV-Renten rechtzeitig innerhalb der einjährigen Ver wirkungsfrist gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG geltend gemacht hat. 4.2 Aufgrund der Aktenlage kann allerdings offen bleib en, ob bzw. seit wann die FAK bei der ihr zumutbaren Kenntnis um die unrechtmässige Ausrichtung der Familienzulagen hätte wissen müssen. Ebenfalls kann dahingestellt bleiben, inwiefern ihr dabei die Kenntnis der Ausgleichs- kasse anzurechnen gewesen wäre. Aus den Akten ergibt sich nämlich unmissverständlich, dass die FAK nicht nur um die Fehlerhaftigkeit der ausger ichteten Familienzulagen hätte wissen müssen, sondern ihr bereits Mitte Juli 2011 alle für ein e Rückforderung massgebenden Um- stände tatsächlich bewusst waren. So geht aus der von ihr am 11. Juli 2011 erlassenen Weg- fallanzeige hervor, dass sie bei einer Routinekontrolle bereits dazumal festgestellt hatte, dass das steuerbare Einkommen des Beschwerdeführers seit Janu ar 2009 während der gesamten Bezugsdauer der Familienzulagen die gemäss Art. 19 Ab s. 2 FamZG massgebende Höchst- grenze überschritten habe und dessen Anspruch auf Famil ienzulagen deshalb rückwirkend per Januar 2009 erloschen bzw. weggefallen sei (vgl. Wegfallanzeige der SVA, Abteilung Beiträge / Familienausgleichskasse vom 11. Juli 2011). Aus dieser Weg fallanzeige der FAK ergibt sich ausserdem, dass die Entrichtung der Familienzulagen entgegen den gesetzlichen Möglichkeiten nicht bereits per Januar 2009, sondern erst per 31. Juli 2011 eingestellt werde. Damit aber ist zweifellos erstellt, dass die FAK bereits am 11. Juli 20 11 detailliert über alle Umstände infor- miert gewesen ist, welche erst zwei Jahre später mit Verf ügung vom 30. Juli 2013 zur Rückfor- derung der in der Folge dennoch weiterhin ausgerichte ten Familienzulagen geführt hat (vgl. insbesondere der lediglich vier Tage später erlasse ne Zulagenentscheid der SVA vom 15. Juli 2011 mit Wirkung ab 1. August 2011). Seit Er lass ihrer Wegfallanzeige vom 11. Juli 2011 war der FAK in masslicher Hinsicht insbesondere a uch das steuerbare Einkommen des Versicherten bekannt, um die seit Januar 2009 gesetzeswidrig gesamthaft vorgenommene Aus- richtung zu erkennen und mithin auch die Gesamtsumme der seither unrechtmässig ausbezahl- ten Leistungen festzusetzen. Nicht desto trotz hat sie ansc hliessend während mehr als zwei Jahren keine Rückforderung verfügt. Diese Säumnis darf sich dem Gesagten zufolge jedoch nicht zu Ungunsten des Versicherten auswirken (vgl. Erwäg ung 3.4 a.E. hievor). Für den Be- ginn des einjährigen Fristenlaufs gemäss Art. 25 Abs. 2 A TSG ist demnach auf den 11. Juli 2011abzustellen, womit im Zeitpunkt, als die Kasse die Rückerstattungsforderung vom 30. Juli 2013 verfügte, die einjährige Verwirkungsfrist aber o ffensichtlich für jene Zulagenbetreffnisse verstrichen war, welche bis Ende Juli 2012 ausgerichtet w orden waren. An diesem Ergebnis vermag nichts zu ändern, dass die FAK vernehmlassungsweise festgehalten hat, im Zeitraum der Jahre 2009 bis 2013 keine Information des Versichert en bezüglich seines überhöhten steu- erbaren Einkommens erhalten zu haben. Diese Auffassung w iderspricht der klaren Aktenlage, andernfalls für die FAK weder Möglichkeit noch Veranla ssung bestanden hätte, mit Wegfallan- zeige vom 11. Juli 2011 das steuerbare Einkommen des Versi cherten zu beziffern. Massge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bend bleibt, dass die FAK seit Erlass ihrer Wegfallanzei ge vom 11. Juli 2011 definitiv und um- fassend um die Unrechtmässigkeit der bisherigen Ausrichtung ihrer Zulagen gewusst hat. 4.3 Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass die F AK die für die Zeit zwischen Ja- nuar 2009 und Juli 2012 zu Unrecht ausgerichteten Fami lienzulagen im Umfang von Fr. 31‘250.— (Fr. 37‘250.— abzüglich ausgerichtete Fami lienzulagen für August 2012 bis Juli 2013 im Betrag von Fr. 6‘000.—; vgl. Rechnungsübersicht d er FAK, Beilage zur Verfügung der FAK vom 30. Juli 2013) zu Unrecht vom Beschwerdeführer zurückgefordert hat. Die Beschwer- de ist bei diesem Ergebnis teilweise gutzuheissen. 5. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss de m nach Art. 1 FamZG auf Verfah- ren betreffend Familienzulagen anwendbaren Art. 61 l it. a ATSG hat der Prozess vor dem kan- tonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Für d as vorliegende Verfahren sind deshalb keine Kosten zu erheben. Dem obsiegenden Beschwerdeführe r steht eine Parteientschädigung zu. Der eingereichten Honorarnote des Rechtsvertreters de r SEV vom 14. November 2013 zu- folge beläuft sich der geltend gemachte Aufwand für da s vorliegende Beschwerdeverfahren auf 7,148 Stunden. Dieser Aufwand ist angesichts der sich stel lenden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen zu qualifizieren und im geltend g emachten Umfang von Fr. 100.— pro Stunde zu entgelten (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). Zuzügl ich Mehrwertsteuer resultiert eine Partei- entschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin in der Höhe von insgesamt Fr. 772.—. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werden der Einspracheent- scheid der Familienausgleichskasse Basel-Landschaft vom 28. August 2013 sowie deren Verfügung vom 30. Juli 2013 aufgeh oben und es wird festgestellt, dass sich die Rückforderung zu Unrecht ausgerichte- ter Familienzulagen für die Zeit vom 1. August 2012 b is 31. Juli 2013 auf Fr. 6‘000.-- beschränkt. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Familienausgleichskasse Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 772.-- (inkl. Aus- lagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.