<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat lanciert über den Schweizerischen Nationalfonds SNF ein Nationales Forschungsprogramm (NFP) zu COVID-19 und unterstützt die biomedizinische und klinische Forschung dafür mit 20 Millionen Franken. Zusätzlich läuft die hoch dotierte 2-jährige Sonderausschreibung des SNF für Forschungsprojekte zur Bekämpfung des Virus, die explizit auch zur Forschung mit Tieren auffordert.</p><p>Obwohl seit mehr als 25 Jahren gesetzlich gefordert, werden Methoden für den Ersatz, die Reduktion und Verfeinerung von Tierversuchen (3R) nicht annähernd so hoch subventioniert wie Tierversuche. Die Förderung der Erforschung und Implementierung tierfreier Methoden ist ungenügend und marginal verglichen mit jener, die auf oftmals leidvollen Tierversuchen und die nicht artgerechter Tierversuchshaltung basiert. Jährlich werden etwa 650 000 Tiere für Tierversuche genutzt und weit über eine Million Tiere in Versuchstierhaltungen gezüchtet und gehalten bei Kosten von mehreren hundert Millionen Franken pro Jahr. Das Verhältnis Tierversuch zu tierfreier Methode steht seit Jahrzehnten bei etwa 99:1 und darunter, obwohl tierfreie Verfahren nachweislich effizienter, schneller und günstiger sind. Für einen Grossteil der Bevölkerung wie auch für viele innovative Forschende wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Richtungswechsel: weg vom Tierversuch - hin zu den 3R, insbesondere den (tierfreien) Ersatzmethoden. Bereits gibt es wegweisende Erkenntnisse mit menschlichen Zellen und Organoiden. Zudem werden Therapien und Impfstoffe dringend zeitnah benötigt - den Umweg über Tierversuche können wir uns weder zeitlich noch in Bezug auf Effizienz leisten, er würde 10-15 Jahre dauern und garantiert keine für den Menschen wirksame Therapien.</p><p>Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:</p><p>1. Kann der Bundesrat sicherstellen, dass die COVID-19 Forschungsförderung die tierfreien Forschungsmethoden mindestens äquivalent und mit gleichen Ressourcenanteilen wie Tierversuchsprojekte berücksichtigt?</p><p>2. Wird er sich dafür einsetzen, dass für die Entwicklung humanrelevanter Therapien gegen COVID-19 primär humanbasierte, tierfreie Verfahren gefördert werden, da diese besser übertragbar, wissenschaftlich aussagekräftiger, schneller und günstiger sind?</p><p>3. Im internationalen Umfeld gibt es führende Forschungsteams, die gerade in der jetzigen therapeutischen Krise die grosse Chance für einen Paradigmenwechsel sehen: Weg vom Tiermodell - hin zu (tierfreien) Ersatzmethoden. Wie kann der Bundesrat sicherstellen, dass solche Kapazitäten angehört und sich am Forschungsprojekt beteiligen können? Wie kann er sicherstellen, dass das hiesige 3RCC mit ausgewiesenem Expertenwissen an der COVID Science Task Force beteiligt wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Angesichts der Neuheit des Sars-CoV-2-Virus und des gravierenden Ausmasses der Pandemie mussten den Forschenden rasch bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat im März mit einer Sonder-ausschreibung für Forschungsprojekte zu Coronaviren unverzüglich gehandelt und dafür ein Budget von zehn Millionen Franken über zwei Jahre vorgesehen. Um die Arbeiten in diesem Bereich zu verstärken und zu koordinieren, hat der Bundesrat am 16. April 2020 zudem den SNF beauftragt, das Nationale Forschungsprogramm (NFP) 78 "Covid-19" zu diesem Thema zu lancieren, das mit 20 Millionen Franken für zwei Jahre dotiert ist. Trotz der ungewöhnlichen Umstände und der Dringlichkeit der erwähnten Projektausschreibung wie auch des NFP 78 bleibt die Qualität der Projekte ein unabdingbares Kriterium.</p><p>Alle Finanzierungsanträge werden nach dem üblichen ordentlichen Verfahren der wissenschaftlichen Beurteilung und Mittelfreigabe des SNF geprüft. Gemäss Artikel 137 der Tierschutzverordnung (SR 455.1) müssen Gesuchstellende für den Erhalt einer behördlichen Bewilligung für Tierversuche belegen, dass das Versuchsziel mit Methoden ohne Tierversuche nicht erreicht werden kann. In jedem Fall müssen alle Forschungsprojekte, in denen Tiere eingesetzt werden, das 3R-Prinzip (replace, reduce, refine) einhalten. Vor diesem Hintergrund können die Fragen der Interpellantin wie folgt beantwortet werden:</p><p>1. In Bezug auf die Ressourcenanteile von Projekten mit Tierversuchen und Projekten mit Ersatzmethoden hält der Bundesrat fest, dass die Unterstützung einer Forschung von hoher Qualität, die zu nützlichen Ergebnissen für die Gesellschaft führt, auf einem kompetitiven Evaluationsprozess beruht. Dieser stützt sich auf die Exzellenz der eingegangenen Projektvorschläge. Zahlreiche Studien mit Tierversuchen befolgen das 3R-Prinzip oder bauen auf Resultaten auf, die ohne Tierversuche erzielt wurden. Deshalb kann nicht klar zwischen 3R-Projekten und Projekten mit Tierversuchen unterschieden werden und es lassen sich keine Statistiken im Hinblick auf eine gleichmässige Verteilung der Ressourcen zwischen den verschiedenen Methoden erstellen (s. Antwort auf Interpellation 17.3545). Im Übrigen erhalten Projekte mit Tierversuchen nur dann SNF-Mittel, wenn sie eine Bewilligung der zuständigen kantonalen Behörde haben.</p><p>2. Ziel des NFP 78 "Covid-19" und der Sonderausschreibung für Forschungsprojekte zu Coronaviren ist es, die Funktionsweise des Sars-CoV-2 zu verstehen und Mittel zur Diagnose, Behandlung und Vorbeugung zu entwickeln, um das Virus bestmöglich zu bekämpfen. Der Bundesrat erwartet schnelle Resultate, überlässt es aber den Forschenden zu entscheiden, mit welchen Forschungsmethoden die festgelegten Ziele am besten erreicht werden können.</p><p>3. Projekte, die die Exzellenzkriterien erfüllen und mit tierfreien Ersatzmethoden zur Erfüllung der Ziele der Sonderausschreibung oder des NFP 78 beitragen, haben mindestens gleich hohe Chancen, vom SNF unterstützt zu werden, wie andere Projekte. Der Bundesrat anerkennt die Wichtigkeit, die 3R-Forschung zu fördern.</p><p>Im Juni 2019 hat er das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) beauftragt, Möglichkeiten zu prüfen, die finanziellen Mittel für die 3R-Forschung aufzustocken. In diesem Zusammenhang hat das SBFI den SNF beauftragt, die Machbarkeit eines NFP im Bereich 3R zu prüfen - eine der Massnahmen zur Ergänzung der Tätigkeiten des seit 2018 von Bund, Hochschulen und Industrie betriebenen und finanzierten 3R Kompetenzzentrum (3RCC).</p><p>Die "COVID-19 Science Task Force" hat in Zukunft die Aufgabe, das Bundesamt für Gesundheit BAG bei wissenschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Krisenlage zu beraten. Diese Task Force vereint alle dazu notwendigen Fachkompetenzen, einschliesslich dem Bereich Ethik.</p>  Antwort des Bundesrates.