B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2215/2018 U r t e i l v o m 1 7 . M a i 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richterin Sylvie Cossy; Gerichtsschreiber Michal Koebel. Parteien A._______, geboren am (…), Ohne Nationalität, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 15. März 2018 / N (…). E-2215/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 13. Oktober 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Am 26. Oktober 2015 folgte die Befragung zur Person (nachfolgend Erstbefragung) und am 23. August 2017 die Anhörung (nachfolgend Zweit- befragung). Hierbei machte er im Wesentlichen geltend, er sei Ajnabi aus dem Bezirk Derik. Als Ajnabi habe er in Syrien keine Rechte gehabt. Die syrische Staatsbürgerschaft habe er nicht beantragt, um nicht Militärdienst leisten zu müssen. Zudem habe die YPG (Yekîneyên Parastina Gel) damit begonnen, Leute zwangsweise zu rekrutieren. Um nicht aktiv am Krieg teil- nehmen zu müssen, habe er Syrien im Februar 2015 verlassen. B. Mit Verfügung vom 15. März 2018 (zugestellt am 20. März 2018) stellte das SEM fest, d er Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vor- läufige Aufnahme an. C. Mit Eingabe vom 16. April 2018 reichte der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei vollumfäng- liche Einsicht in die Akten A25/2, A26/3, A28/1 und A29/2, eventualiter das rechtliche Gehör zu diesen zu gewähren. Nach der Gewährung der Akten- einsicht, eventualiter des rechtlichen Gehörs, sei eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Die angefoch- tene Verfügung des SEM vom 15. März 2018 sei aufzuheben und die Sa- che dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung, zur Fest stellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung zurückzu- weisen. Eventualiter sei die Verfügung des SEM vom 15. März 2018 auf- zuheben und die Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie Asyl zu gewäh- ren. Eventualiter sei die Verfügung des SEM vom 15. März 2018 aufzuhe- ben und er als Flüchtling anzuerkennen. In prozessualer Hinsicht sei auf die Erhebung von Verfahrenskosten und eines Kostenvorschusses zu ver- zichten. Eventualiter sei eine angemessene Frist zur Einreichung der So- zialhilfebestätigung beziehungsweise zur Bezahlung eines Gerichtskos- tenvorschusses anzusetzen. D. Mit Schreiben vom 23. April 2018 reichte der Beschwerdeführer seine So- zialhilfebestätigung nach. E-2215/2018 Seite 3 E. Mit Schreiben vom 24. April 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen na ch Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung in Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unric htige oder un- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Der Wegweisungsvollzug bildet nicht mehr Gegenstand der Be- schwerde, nachdem die Vorinstanz die vorläufige Aufnahme angeordnet hat. 2.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite- rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz verschiedene Rechtsverletzun- gen vor. Er rügt Gehörsverletzungen inklusive Akteneinsichtsrecht (E. 4), eine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes (E. 5) sowie die Verletzung weiterer Ge- setzesbestimmungen (E. 7). Diese Rügen sind vorab zu prüfen, da sie zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen können. Die Vorbrin- gen werden allerdings weitgehend ohne nähere Begründung und repetitiv E-2215/2018 Seite 4 getätigt. Soweit sich die Beschwerde in allgemeinen Ausführungen er- schöpft, ohne einen konkreten Bezug zur vorliegenden Beschwerdesache erkennen zu lassen, ist darauf nicht weiter einzugehen. 4. 4.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch a uf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1, BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vo rbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab- gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge- recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen- nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor- bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 4.2 Aus der angefochtenen Verfügung ergeben sich auch nach Prüfung der Akten keine Anhaltspunkte, die den Schluss zuliessen, die Vorinstanz habe irgendeine dieser Pflichten verletzt. Die Rügen der Gehörsverletzung ge- hen fehl. Die Verfügung der Vorinstanz ist – entgegen den Zitaten aus den Befragungsprotokollen auf Beschwerdeebene und den Rügen unerwähn- ter Details, wie namentlich ein Angriff der YPG auf ein Dorf nach der Aus- reise des Beschwerdeführers – ausreichend begründet, zumal sie sich nicht mit jedem einzelnen Vorbringen auseinandersetzen muss. Dass eine E-2215/2018 Seite 5 sachgerechte Anfechtung möglich war, zeigt die Beschwerde selbst. Der Begründungspflicht ist mithin Genüge getan. 4.3 Was die Akteneinsicht anbelangt, war der Rechtsvertreter nach der Ant- wort der Vorinstanz auf sein Akteneinsichtsgesuch offensichtlich nicht der Ansicht, die Akten seien unvollständig zugestellt worden, ansonsten er um- gehend hätte remonstrieren müssen, was nicht geschehen ist (Urteil BVGer E-1670/2014 vom 14. April 2014 E. 5.4). Bei den in Frage stehen- den Aktenstücken (A25/2 [E-Mail-Korrespondenz betreffend die interne Su- che nach Dokumenten], A26/3 [ebd.], A28/1 [ebd.] und A29/2 [ebd.] ) han- delt es sich ohnehin um verwaltungsinterne Akten, womit kein Anspruch auf Einsicht besteht. Dies, weil verhindert werden soll, dass die ganze Mei- nungsbildung der Verwaltung vor der Öffentlichkeit ausgebreitet wird (BGE 122 I 153 E. 6a). Mithin sind die Anträge auf vollumfängliche Akteneinsicht in A25/2, A26/3, A28/1 und A29/2 , rechtliches Gehör hierzu sowie an- schliessende Beschwerdeergänzung abzuweisen und es ist festzustellen, dass die Vorinstanz das Akteneinsichtsrecht nicht verletzt hat. Im Übrigen wurde dem Beschwerdeführer und seinem Rechtsvertreter das Ergebnis der erfolglosen internen Dokumentensuche transparent kommuniziert, was die Beschwerde selbst zeigt (Beschwerde, S. 5, Schreiben des SEM vom 21. und 23. August 2017 an den Rechtsvertreter de s Beschwerdeführers, SEM-Akten, A30/2, Schreiben des SEM an das Strassenverkehrsamt Aarau vom 23. August 2017, SEM-Akten, A32/3, angefochtene Verfügung, „interne Suchaktionen“, S. 2). Die Vorinstanz hat die Dokumente nicht „wi- derrechtlich ignoriert“. Dem Beschwerdeführer ist auch kein Nachteil aus dem Verlust der Dokumente entstanden (siehe etwa SEM -Akten, A32/3, Schreiben, mittels dessen das SEM das Strassenverkehrsamt ausdrück- lich darauf hinweist, durch den Verlust der Dokumente „der antragstellen- den Person keinen Nachteil erwachsen zu lassen und seinem Gesuch zur Umschreibung in einen schweizerischen Führerausweis stattzugeben“ , SEM-Akten, A32/3, S. 2). Ferner ist auch die Paginierungs- und Aktenfüh- rungspflicht nicht verletzt, was bereits die Informatione n zeigen, die dem Rechtsvertreter aufgrund des Aktenverzeichnisses vorliegen. Die auf Be- schwerdeebene hierzu zitierte Rechtsprechung ist nicht einschlägig (Be- schwerde, S. 4). Andere Gehörsverletzungen sind nicht ersichtlich. Die Rüge der Gehörsverletzung g eht fehl. Die entsprechenden Anträge sind abzuweisen. E-2215/2018 Seite 6 5. 5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur- kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder Zeugnis von Drittperso- nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rech tswesentlichen Sachumstände be- rücksichtigt werden ( KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630). Der Amts- grundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Partei (Art. 8 AsylG). 5.2 Die Rüge der rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung geht eben- falls fehl. Der Rüge, die Vorinstanz habe es weitgehend unterlassen, die eingereichten Beweismittel zu würdigen, ist aktenwidrig. So hat die Vorinstanz alle eing ereichten Unterlagen genau aufgelistet und – soweit rechtserheblich – berücksichtigt. Ferner kann der Beschwerdeführer vor- liegend – wie zu zeigen sein wird (E. 7) – aus den Akten anderer Familien- angehöriger nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dass die Vorin stanz das Dossier des Bruders erwähnt hat, bestätigt die Beschwerde selbst („Das SEM hat zwar in der angefochtenen Verfügung den Bruder des Beschwer- deführers und dessen N-Nummer ([…]) erwähnt“, Beschwerde, S. 7). Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz – sofern notwendig – die entsprechenden Dossiers beigezogen hat. Im Übrigen geht es vorliegend – im Unterschied zu der auf Beschwerdeebene zitierten Rechtsprechung (Beschwerde, S. 7) – nicht um ein konkretes Geltendma- chen einer entsprechenden Reflexverfolgung, die einen Aktenbeizug von Amtes wegen aufdrängen würde. Es sind auch keine Anhaltspunkte er- sichtlich, dass der Beschwerdeführer aus einer Familie mit erhöhtem, akti- vem politischen Profil stammt. Es ist somit vorliegend nicht zu beanstan- den, dass sich die Vorinstanz nicht explizit auf Verweiserdossiers beruft. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft in eigener Person darzulegen oder zumindest glaubhaft zu machen. Es ist ferner ebenfalls festzustellen, dass im vorliegenden Verfahren eine Verletzung der Begründungspflicht nicht ersichtlich ist, weil sich die Vorinstanz mit den entscheidwesentlichen Vorbringen auseinandergesetzt hat. Zusätzliche Abklärungen würden weder zu neuen sachdienlichen Erkenntnissen führen noch wären sie im vorinstanzlichen Verfahren entscheiderheblich gewe-E-2215/2018 Seite 7 sen. In antizipierter Beweiswürdigung ist festzustellen, dass eine ergän- zende, vertiefte Sachverhaltsfeststellung bei der Beurteilung des vorliegen- den Verfahrens nicht zu einem anderen Entscheid führen kann, weshalb auch aus diesem Grund die entsprechenden Anträge abzuweisen sind. Im Übrigen kann der Beschwerdeführer – der vor Ergehen der angefochtenen Verfügung keine formelle Rechtsverzögerungsbeschwerde eingereicht hat – aus der Verfahrensdauer nichts zu seinen Gunsten ableiten, erst recht keine Verletzung der „Abklärungspflicht“. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, sind auch die Beweiswürdigung und die Rechtsanwendung der Vorinstanz nicht zu beanstanden. 6. 6.1 Gemäss Art. 3 AsylG sind Flüchtlinge Personen, die in ihrem Heimat- staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Reli- gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer- den (Abs. 1). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 6.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 3 AsylG). Vorbehalten bleibt d ie Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, SR 0.142.30). 7. Die Vorinstanz hat die fehlende Asylrelevanz nicht verkannt und auf den vorliegenden Fall korrekt angewendet. Ihre Schlussfolgerungen sind weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hins icht zu beanstanden. Die Rechts- mitteleingabe erschöpft sich in weitschweifigen und allgemeinen Erklä- rungsversuchen, womit es ihr nicht gelingt aufzuzeigen, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene Nachteile keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes darstellen, mithin die diesbezüglichen Vorbringen E-2215/2018 Seite 8 des Beschwerdeführers keine Asylrelevanz zu entfalten vermögen. Was die angebliche Sorge vor einer Rekrutierung seitens der YPG anbelangt, ist der Vorinstanz ebenfalls darin beizupflichten, dass eine Dienstverwei- gerung bei der YPG keine asylrelevante Verfolgung darzustellen vermag (statt vieler Urteile des BVGer E -1187/2018 vom 26. April 2018 E. 4, D-5287/2015 vom 7. Juli 2016 E. 6.3.2 oder D -7292/2014 vom 22. Mai 2015 E. 4.4.2). Im Übrigen will der Beschwerdeführer auch keinen persön- lichen Kontakt mit der YPG gehabt haben (SEM-Akten, A33, S. 8, F60 f.). Vor diesem Hintergrund musste die Vorinstanz nicht auf die Intensität der disziplinarischen Massnahmen seitens der YPG eingehen . Die entspre- chende Rüge geht ins Leere. So auch die Beschwerdeausführungen und Verweise auf einen Bericht aus dem Jahr 2015. Sodann trifft zu, dass Ajnabi in Syrien keiner Kol lektivverfolgung unterliegen und – im Unter- schied zu Maktumin – seit 2011 die Möglichkeit haben, die syrische Staats- angehörigkeit zu beantragen ( z. B. Urteil des BVGer D -7624/2009 vom 3. März 2011 E. 6.4). Der Erklärung, der Beschwerdeführer habe die syri- sche Staatsbürgerschaft nicht beantragt, weil er befürchtet habe, zwangs- rekrutiert zu werden, ändert hieran nichts. Dies untermauert vielmehr, dass er keinen Militärdienst leisten musste, was er selbst bestätigte (SEM -Ak- ten, A33, S. 5, F27). Im Übrigen steht im heutigen Zeitpunkt noch gar nicht fest, ob er als diensttauglich erachtet und dementsprechend überhaupt der Wehrpflicht unterstehen würde. Ferner liegen Auskünfte vor, dass die Re- gierungstruppen auf die Rekrutierung kurdischstämmiger Männer zurzeit ohnehin weitgehend verzichten (hierzu statt vieler Urteile des BVGer E-4076/2017 vom 1. September 2017 E. 4.3, D -5018/2015 vom 26. Ok- tober 2015 E. 5.2 und Danish Immigration Service, Syria: Military Service, Mandatory Self-Defence Duty and Recruitment to the YPG, 26. Februar 2015, § 2.2, S. 15, vor diesem Hintergrund greifen auch die sich auf einen Bericht aus dem Jahr 2013 gestützten Beschwerdeausführungen zu kurz, insb. Beschwerde, S. 13 ). So bleibt es denn auch auf Beschwerdeebene bei einer ins Leere gehenden Vermutung, dass der Beschwerdeführer „bei der Erlangung der syrischen Staatsbürgerschaft von der syrischen Regie- rung in den Militärdienst zwangsrekrutiert werden könnte“ (Beschwerde, S. 8). Auf Beschwerdeebene wird in diesem Zusammenhang insbesondere auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2015/3 verwiesen (insb. Beschwerde, S. 17 f.). Hierin wird festgestellt, dass auch nach der Einfüh- rung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Per- sonen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehrdiens tverweigerung oder Deser-E-2215/2018 Seite 9 tion im Heimatstaat begründen, weiterhin Bestand hat. Eine Wehrdienst- verweigerung oder Desertion für sich allein begründet die Flüchtlingseigen- schaft jedoch nicht; diese ist indessen dann anzuerkennen, wenn sie zu einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG führt. Mit anderen Worten muss die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweige- rung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsthaf- ten Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien erwog das Gericht weiter, die genannten Voraussetzungen seien im Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie angehöre, einer oppositionell aktiven Familie ent- stamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatli- chen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe ( BVGE 2015/3 E. 6.7.3). Der Beschwerdeführer verkennt, dass eine vergleichbare Kons- tellation vorliegend nicht gegeben ist. Den Akten lassen sich keine Anhalts- punkte für gezielte Verfolgungsmassnahmen der syri schen Behörden ge- gen den Beschwerdeführer vor seiner Ausreise entnehmen und es besteht kein Grund zur Annahme, dass er deren Aufmerksamkeit erregt haben könnte (so bestätigt er beispielsweise selbst, nie Schwierigkeiten mit den syrischen Behörden gehabt zu haben, SEM-Akten, A33, S. 7, F51 f.). Es kann auch ausgeschlossen werden, dass er einer in erhöhtem Masse op- positionell aktiven Familie entstammt. Ferner ist – wie bereits erwähnt – davon auszugehen, dass die Regierungstruppen auf die Rekrutierung kur- dischstämmiger Männer zurzeit weitgehend verzichten, um Spannungen mit den kurdischen Truppen zu vermeiden. Da die Position der syrischen Armee geschwächt sei, verzichte man auf eine Konfrontation mit der YPG (hierzu statt vieler Urteile des BVGer E-4076/2017 vom 1. September 2017 E. 4.3, D-5018/2015 vom 26. Oktober 2015 E. 5.2 und Danish Immigration Service, Syria: Military Service, Mandatory Self-Defence Duty and Recruit- ment to the YPG, 26. Februar 2015, § 2.2, S. 15). Das Risiko einer Rekru- tierung durch die Syrische Arabische Armee ist nach dem Gesagten als gering einzuschätzen. Diese Frage kann jedoch vorliegend offen bleiben, zumal der Beschwerdeführer neben seiner Ethnie im Zusammenhang mit der ihm angeblich drohenden Rekrutierung keine weiteren Gründe vorge- bracht hat, die auf ein asylrelevantes Motiv schliessen liessen und, indem er sich nicht hat einbürgern lassen, gemäss eigenen Angaben keinen Mili- tärdienst zu leisten hat (SEM-Akten, A33, S. 5, F27). Schliesslich sind auch keine subjektiven Nachfluchtgrü nde ersichtlich. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu ver- weisen, die zu Recht das Asylgesuch abgelehnt hat. E-2215/2018 Seite 10 8. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer ve rfügt weder über eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ve rfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. Nach dem Gesagten besteht auch kein Anlass zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, der entsprechende Beschwerdeantrag ist ebenfalls abzuweisen. 10. 10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu g elten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750. – (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit dem vor- liegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines Kostenvor- schusses beziehungsweise der Eventualan trag, es sei eine Frist zur Be- zahlung des Kostenvorschusses anzusetzen, gegenstandslos geworden . Der Antrag auf Ansetzung einer Frist zur Einreichung der Sozialhilfebestä- tigung ist mit deren Einreichung gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) E-2215/2018 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Michal Koebel Versand: