Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. März 2014 (720 12 387) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente bei einer mittelschweren bis schweren depressiven Störung und einer schweren, kombinierten Persönlichkeitsstörung; Ermittlung des Vali- deneinkommens bei einem zuletzt überdurchschnittlich hohen erzielten Lohn Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Jan Herrmann, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1960 geborene A.____ war bis 1984 als kaufmän nischer Angestellter erwerbstätig. Danach studierte er an der Fachhochschule X.___ und sch loss im Juli 1989 die Ausbildung als diplomierter Betriebsökonom HWV ab. Vom 1. Oktober 1 989 bis 31. Mai 2009 arbeitete er für die B.____; davon 15 Jahre in Y.____ als CFO (Chief F inancial Officer). Als er 2006 in die Schweiz zurückkehrte, war er zuerst für die Finanzorganisa tion einer neu gegründeten Ge- schäftseinheit der B.____ verantwortlich. Ab 2007 bis zur Kündigung war er als Senior BPA (Business Planning & Analysis) für die Integration des globalen "Patente- Markendepartements" zuständig. Am 20. Oktober 2009 meldete er sich unter Hin weis auf ein Burnout bzw. auf eine Erschöpfungsdepression bei der Eidgenössischen Invalidenversi cherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. Oktober 2012 gestü tzt auf einen Invaliditätsgrad von 20 % einen Anspruch auf eine Invalidenrente. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Jan Hermann, am 13. Dezember 2012 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und dem Be- schwerdeführer ab 1. April 2010 mindestens eine Viertel srente zuzusprechen. Eventualiter sei ein neutrales, psychiatrisches Gerichtsgutachten einzuhol en; unter o/e-Kostenfolge. Er bezwei- felte im Wesentlichen die Zuverlässigkeit des von der IV- Stelle in Auftrag gegebenen Gutach- tens von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychother apie, vom 7. Mai 2012. Zudem machte er geltend, dass der Versicherte seine Restarbeits fähigkeit von 80 % als Finanzchef in einem börsenkotierten, global tätigen Unternehmen ni cht verwerten könne. Erfahrungsgemäss erfordere eine solche Tätigkeit wesentlich mehr Arbeit , Engagement, Leistungsfähigkeit und Stressresistenz als in einem sonstigen 100%igen "0815-Führ ungsjob". Dem Invalideneinkom- men könne deshalb nicht 80 % des vorherigen Verdienstes zu grunde gelegt werden. Es seien vielmehr die Tabellenlöhne heranzuziehen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 11. März 2013 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Sie wies dabei darauf hin, dass in der ange fochtenen Verfügung das Validenein- kommen nicht aufgrund der Angaben der ehemaligen Arbe itgeberin hätte ermittelt werden dür- fen. Gemäss den Akten sei davon auszugehen, dass dem Versiche rten die Arbeitsstelle auch ohne Gesundheitsschaden gekündigt worden wäre. Somit se ien für die Berechnung des Vali- denlohnes die Lohntabellen massgebend. Unter diesen U mständen sei es - wie vom Be- schwerdeführer beantragt - sachgerecht, das Invalidene inkommen ebenfalls aufgrund der Ta- bellenlöhne zu berechnen. Aus dem auf diese Weise bere chneten Einkommensvergleich erge- be sich ein Renten ausschliessender Invaliditätsgrad von 20 %. D. Mit Eingabe vom 25. März 2013 machte der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter gel- tend, dass entgegen der Vorbringen der IV-Stelle die invalidisierende Krankheit bereits vor Kündigung des Arbeitsverhältnisses bestanden habe und auc h Grund für die Auflösung des Arbeitsvertrages gewesen sei. Es sei deshalb für die Er mittlung des Valideneinkommens auf das zuletzt als CFO bei der B.____ erzielte Einkommen ab zustellen. Am 8. April 2013 reichte der Versicherte ein Schreiben der B.____ vom 3. April 2013 ein, in welchem der Krankheitsver- lauf des Versicherten aus Arbeitgebersicht seit 2007 geschildert wurde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Die IV-Stelle hielt in ihrer Duplik vom 10. April 2013 am Antrag auf Abweisung der Be- schwerde fest. F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 18. April 2013 ge langte das Kantonsgericht zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegen heit aufgrund der vorhandenen medizinischen Aktenlage nicht möglich sei. Es stellte desha lb den Fall aus und ordnete ein Ge- richtsgutachten an. Als Gutachter bestimmte es Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie. Die Parteien hatten gegen die Begutachtung durch Dr. D.____ mit Eingaben vom 13. Mai 2013 und 4. Juni 2013 nichts einzuwenden. G. Am 17. Juni 2013 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er im Sinne eines Arbeitsversuchs seit 10. Juni 2013 bei seiner ehemaligen Arbeitgeberi n in einem Teilzeitpensum von 60 % be- schäftigt sei. H. Nachdem Dr. D.____ sein Gutachten vom 2. September 2013 dem Gericht zustellte, er- hielten die Parteien mit Verfügung vom 5. September 2013 Gelegenheit zur Stellungnahme. Der Beschwerdeführer äusserte sich am 20. September 2013 un d die IV-Stelle am 6. November 2013 zum Gerichtsgutachten. Während sich der Beschwerd eführer der gutachterlichen Beurtei- lung anschloss, kritisierte die IV-Stelle das Gutachten un ter Verweis auf den Bericht von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Reg ionaler ärztlicher Dienst (RAD), vom 6. November 2013. I. In der Folge unterbreitete das Kantonsgericht dem G utachter die Vernehmlassung der IV- Stelle samt RAD-Bericht vom 6. November 2013 und bat i hn um eine Stellungnahme. Diese ging am 18. November 2013 ein. Mit Eingabe vom 11. D ezember 2013 reichte die IV-Stelle den RAD-Bericht vom 10. Dezember 2013 ein und beantragte g estützt darauf weiterhin die Abwei- sung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer verzichtete am 6. Januar 2014 vorerst auf weiter- gehende Ausführungen. In seinen Eingaben vom 20. und 22. Januar 2014 fügte er schliesslich einige Bemerkungen zum RAD-Bericht vom 10. Dezember 2013 an. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob der Versicherte An- spruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vor aussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, der geistigen oder der p sychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959; Art. 3 und 4 ATSG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchtigung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nac h einem wissenschaftlich aner- kannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine hal- be Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Vie rtelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2. Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs b ildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 2.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen un d danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung de s streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Dabei ist gerade hinsichtlich des Beweiswertes ärztlicher Berichte und Stellungnahmen entscheidend, ob diese für die streitigen Belange umfa ssend sind, auf allseitigen Untersuchun- gen beruhen, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigen , in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge und der Beurteilung der medizinische n Situation einleuchten und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a sowie 122 V 160 f. E. 1c). Liegen mehrere Berichte vor, ist auch zu prüfen, ob sich die d arin enthaltenen Schlüsse ganz oder teil- weise widersprechen oder ob Übereinstimmung in Bezug auf die zu beweisende Frage besteht. Dabei verbietet es sich etwa, einer ärztlichen Darlegung zu folgen, welche nicht näher begrün- det ist und deren Schlussfolgerungen nicht schlüssig sind (UELI KIESER , Die rechtliche Würdi- gung von medizinischen Gutachten in: Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 154). 3.1. Vorliegend stellte das Kantonsgericht anlässlich de r Urteilsberatung vom 18. April 2013 fest, dass die medizinische Aktenlage, insbesondere das Gutachten von Dr. C.____ vom 7. Mai 2012, keine verlässliche Entscheidungsgrundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicherten bilde. Es beauftragte deshalb Dr. D.____ m it einer psychiatrischen Begutachtung des Versicherten. Der Gutachter hielt in seinem Gutachten vom 2. September 2013 als Diagno- sen eine rezidivierende depressive Störung bei gegenwärti g mittelschwerer bis schwerer de- pressiver Episode mit somatischem Syndrom seit 2007 sowie eine schwere, kombinierte Per- sönlichkeitsstörung vom Cluster-Typ C mit zwanghaften, ängstlich-vermeidenden und emotional instabilen Anteilen fest. Der Versicherte zeige eine de pressiv gedrückte Stimmungslage in grossem Ausmass, eine starke Antriebsstörung mit vegetativen Zeichen wie Schlafstörungen, Morgentief, frühes Erwachen sowie deutliche Veraguth-F alten, welche bei anhaltender depres- siver Störung typisch seien. Er ermüde rasch, beklage eine n ausgeprägten Konzentrationsver- lust und eine starke Entscheidungsunfähigkeit sowie massive Durchschlafstörungen. Auffallend seien ein deutliches Zittern, eine ausgeprägte Nervositä t und eine Anspannung. Anlässlich der Untersuchung seien Zeichen von latenter Suizidalität festzustellen gewesen. Die ICD-10- Kriterien für eine mindestens mittelschwere bis schwer e depressive Episode seien damit erfüllt. In Bezug auf die Persönlichkeitsstörung würden beim Versi cherten zwanghafte Anteile (Frisur, übertrieben saubere Email-Korrespondenz, überaus ausfüh rlicher perfekter Lebenslauf, perfek- tionistische Bemühungen, nichts Falsches zu sagen) auffalle n. Die von Dritten beschriebene emotionale/affektive Labilität sei zu bestätigen. Die sta rke Kränkungsproblematik im beruflichen Rahmen deute auf eine narzisstische Problematik hin. Die Schilderungen der Ehefrau (schrei- en, Sachen herumwerfen) und die in der Exploration sp ürbare starke Aggression würden auf Impulsivität und Jähzorn bzw. auf eine emotionale Insta bilität hinweisen. Zugleich falle eine Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hochgradige Leistungsorientierung auf, indem der Versicherte in den vergangenen Jahrzehnten weitaus über 100 % gearbeitet habe. Andere wichtige Lebensbereiche wie Hobbies und Pflege von Beziehungen hätten sich dabei der Arbeit unterzuordn en. Der soziale Rückzug und die Be- ziehungslosigkeit seien seit zwei Jahrzehnten im Leben des Versicherten dominierend. Die Ge- fühlsproblematik mit emotionaler Instabilität und Impulsivität sei als ausgeprägt einzustufen. Der Versicherte zeige zudem ein hohes Mass an ängstlich vermeide nden Zügen, indem er aus Scham Kontakte zu Arbeitskollegen und Aussprachen mit Vor gesetzen vermeide. Der Versi- cherte sei in seinem Verhalten stark auffällig (z.B. Win terschuhe im Sommer, äusserst perfekti- onistisches Verhalten, Drittpersonen würden ihn als Men schen mit einem "Defizit" bezeichnen) und gehe über normale Abweichungen hinaus. Diagnosti sch sei er vor allem in seiner Affektivi- tät, in der Impulskontrolle und im Umgang mit anderen Menschen beeinträchtigt, was sich per- sönlich und sozial in erheblichem Mass auswirke und zu eine m grossen Leidensdruck führe. Die Persönlichkeitsstörung würde sich bis ins junge Erwachsen enalter zurückverfolgen lassen. Mit einer übermässigen Leistungsorientierung sei es ihm j edoch in den früheren Jahren gelun- gen, die Persönlichkeitsproblematik einigermassen zu kompen sieren bzw. zu stabilisieren. Die veränderten beruflichen Bedingungen und der Verlust des gewohnten Rahmens in Y.____ führ- ten zu einer starken Destabilisierung mit einer Vielzahl von Ängsten, was schliesslich zu einer starken Verschlechterung der Persönlichkeitsstörung geführt habe. Die depressive Störung schränke seit ca. 2008 die intellektuelle Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit in star- kem Mass ein. Im Frühling 2010, als der Versicherte hospit alisiert worden sei, habe dies zu ei- ner vollständigen Arbeitsunfähigkeit geführt. Die Beha ndlung in der psychiatrischen Tagesklinik habe den Gesundheitszustand leicht stabilisiert, so dass der Versicherte heute in einem gerin- gen Umfang arbeitsfähig sei. Die zwanghaften Anteile der Persönlichkeitsstörung seien vor al- lem im Perfektionismus zu sehen, welcher zu einer Verlang samung des Arbeitstempos führe. Die Vermeidung sozialer Interaktionen infolge der äng stlich vermeidenden Anteile der Persön- lichkeitsstörung schränke die Verwertbarkeit der Arbeitslei stung zusätzlich ein. Ausserdem sei- en die Verhaltensauffälligkeiten einem Arbeitgeber kaum längerfristig zuzumuten. Aufgrund der rezidivierenden, gegenwärtig mittelschweren bis schweren, depressiven Störung und der schweren kombinierten Persönlichkeitsstörung könne der Ve rsicherte seine angestammte Tä- tigkeit als CFO nicht mehr ausführen. Für eine weniger anspruchsvolle Tätigkeit sei der Versi- cherte mit einer Leistungseinschränkung von 50 % zu 50 % arbeitsfähig, d.h. es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 25 %. Bei günstigem Verlauf könne er vielleicht eine 50%ige Arbeitsfähig- keit aufbauen. Dazu benötige er aber mindestens 2 bis 3 Jahre. 3.2 Der RAD-Arzt Dr. E.____ kritisierte in seiner Stel lungnahme vom 6. November 2013 meh- rere Punkte in der gutachterlichen Beurteilung. Er b emängelte, dass der Gutachter keine sys- tematische Erhebung des alltäglichen Funktionsniveaus un d keine horizontale Konsistenzprü- fung vorgenommen habe. Es gebe einige Anhaltspunkte im Gutachten (z.B. Auto fahren, mehr- wöchige Urlaubsreisen im Jahr 2010), welche auf ein höhe res Funktionsniveau hinweisen wür- den, als es bei einer schweren depressiven Störung zu erw arten sei. Weiter beinhalte eine Per- sönlichkeitsstörung ein lebenslanges, kontinuierliches und abweichendes Verhalten in allen Lebensbereichen. Der Experte begründe jedoch nicht nachvollziehbar, weshalb der Versicherte während Jahrzehnten bis August 2007 ein sehr hohes Einko mmen habe generieren können Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und danach aufgrund der gleichen Persönlichkeitsmerkma le plötzlich nicht mehr arbeitsfähig sei. Ferner sei die Zumutbarkeitsbeurteilung in einer Verweistätigkeit unpräzise formuliert. 3.3 Zu den von der IV-Stelle vorgebrachten Kritikpun kten nahm der Gutachter am 18. November 2013 Stellung. Zum Einwand der fehlend en Erhebung des Funktionsniveaus im Alltag und der mangelhaften horizontalen Konsistenzprüfung führte der Gutachter aus, dass aus seiner Darstellung der drei Untersuchungsgespräche für di e Beurteilung des Funktionsniveaus folgende wichtige Aspekte zu entnehmen seien: starke Ver unsicherung (Zittern, Anspannung, Nervosität; Antriebsstörung (Pendenzen vor sich herschieben ); Unfähigkeit, wichtige Aufgaben zu erledigen; auffallende, sehr ausgeprägte Umständlichkeit und Kompliziertheit; groteske Kon- taktvermeidung (Verlassen der Firma auf sehr umständli che Weise); für Laien auffällige Verun- sicherung, Anspannung und Überforderung, starke Beeint rächtigung der Sexualität und ausge- prägte soziale Isolation. Diese Beispiele würden das psychische Funktionieren des Versicherten auf einem qualitativ krankhaften und quantitativ tiefen Niveau beschreiben, was zu einer starken Beeinträchtigung in Alltagssituationen führe. Er sei ungefähr seit Sommer 2010 nicht mehr in der Lage, ein normales Leben zu führen. Er könne nur deshalb ein Auto lenken und Ferienrei- sen unternehmen, weil er bei diesen Tätigkeiten keine Leistungen erbringen müsse, welche von Dritten geprüft würden. Weiter wies der Gutachter da rauf hin, dass eine Persönlichkeitsstörung bei günstigen äusseren Umständen lange verborgen bleibe n könne. Eine ausgeprägte Verän- derung dieser Umstände könne aber eine Krise auslösen un d die bis dahin nicht einschränken- de Persönlichkeitsstörung zur hauptsächlich bestimmenden Prob lematik im Leben der betroffe- nen Person werden lassen. Die Tätigkeit in Y.____ in le itender Position habe die narzisstischen Bedürfnisse des Versicherten befriedigt und erlaubt, Ve rantwortung an die Mitarbeiter abzuge- ben. Die Rückkehr in die Schweiz habe dann aber zu Verä nderungen in seiner narzisstischen Position und in der Verantwortungsübernahme geführt. Zudem sei er in der Schweiz vermehrter Kritik ausgesetzt gewesen, was zu Selbstzweifeln, verstärkter Unsicherheit und zunehmenden Ängsten geführt habe. Seine Zumutbarkeitsbeurteilung präzisierte der Gutachter dahingehend, dass die Arbeitsleistung infolge von Konzentrationsproblem en, rascher Ermüdung und Ängsten gegenwärtig höchstens 25 % betrage. Möglicherweise könne er schrittweise in einem Arbeits- pensum von 70 % eine Arbeitsleistung von 2/3 erbringe n, was einer normalen Arbeitsleistung von 50 % entspreche. Wegen der Persönlichkeitsstörung s ollte der Versicherte eher alleine in klaren Strukturen und mit wenig Kontakten zu anderen P ersonen arbeiten. Eine theoretische Arbeit in Teilprojekten im Finanzbereich oder Controllingaufgaben mit wenig direkter Verantwor- tung seien dafür geeignet. 3.4 Dr. E.____ nahm zu den gutachterlichen Ausführung en am 10. Dezember 2013 Stellung. Er bemerkte, dass es sich beim Autofahren um eine hochkonze ntrierte Tätigkeit handle, die hohe Ansprüche an die geteilte Aufmerksamkeit stelle. Da der Versicherte in der Lage sei, ein Auto zu lenken, sei davon auszugehen, dass er ausserhalb von "Prüfungssituationen" eine er- hebliche Leistungsfähigkeit besitze. Damit könne er auc h bei bestimmten Arbeiten die vom Gutachter beschriebenen Einschränkungen überwinden. Dem zufolge sei der Versicherte aber nicht dauernd in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, was aber für die Annahme einer Invalidi- tät vorausgesetzt sei. Die vom Gutachter vorgebrachte Be gründung für die Diagnose der Per- sönlichkeitsstörung (Wechsel der Arbeit von Y.____ in die Schweiz) beruhe auf invaliditätsfrem- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Überlegungen, welche bei der Beurteilung der Arb eitsfähigkeit nicht zu berücksichtigen seien. Der vom Gutachter geschätzte Umfang der Restarbeits fähigkeit von 50 % sei sehr tief und nicht genügend begründet. Aufgrund seiner Formulierung sei davon auszugehen, dass sich der Gutachter vom gegenwärtig ausgeübten Arbeitspensu m von 50 % habe leiten lassen und die medizinisch bedingte Funktionsfähigkeit ausser Acht ge lassen habe. Er zeige auch nicht auf, weshalb dem Versicherten kein höheres Pensum zumutbar sei. 4.1 Der Gutachter geht gemäss seinem Gutachten vom 2. S eptember 2013 und Ergänzungs- gutachten vom 18. November 2013 davon aus, dass der Versich erte aufgrund der rezidivieren- den depressiven Störung mit gegenwärtig mittelschwerer bis schwerer depressiver Episode und einer schweren Persönlichkeitsstörung seit spätestens Frü hjahr 2008 seine angestammte Tä- tigkeit nicht mehr ausführen könne. Eine leidensangep asste Tätigkeit sei ihm im Umfang von 50 % zumutbar, wobei seine Leistungsfähigkeit um 50 % eingeschränkt sei, so dass er insge- samt eine Arbeitsleistung von 25 % erbringen könne. Dr. E.____ kann sich dieser Beurteilung nicht anschliessen und bringt mehrere Kritikpunkte vor, welche Zweifel an der Zuverlässigkeit der gutachterlichen Ausführungen aufkommen liessen. 4.2 Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gerichtsgut achten der freien richterlichen Beweis- würdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden die Vollständigkeit, die Nachvollziehbarkeit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverhalt stü tzt und den Befund ausreichend begrün- det. In Sachfragen weicht das Gericht jedoch "nicht ohne zwingende Gründe" von einer gericht- lichen Expertise ab (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn e in vom Gericht eingeholtes Ober- gutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolge rungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn g egensätzliche Meinungsäusserungen ande- rer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheine n, die Schlüssigkeit des Gerichtsgut- achtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberexperten für an- gezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Erg ebnis des Gerichtsgutachtens abwei- chende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht sieht keine zwingenden Gründe, von den Schlussfolgerungen des Gutachters abzuweichen. Sein Gutachten vom 2. September 2013 und sein Ergänzungsgutachten vom 18. November 2013 sind für die streitigen Belange umf assend, sie beruhen auf allseitigen Un- tersuchungen, sie berücksichtigen die geklagten Beschwerde n, sie sind in Kenntnis der Vorak- ten abgegeben worden und sie leuchten in der Darlegu ng der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation grundsä tzlich ein. Zudem enthalten sie eine ausführliche und eingehende Würdigung der medizinischen Aktenlage. Der Gutachter setzt sich in seinem Gutachten mit den divergierenden medizinischen Beurteilungen eingehend ausei- nander. Insbesondere legte er dar, weshalb die Beurteilung von Dr. C.____, auf welche sich die IV-Stelle in ihrer angefochtenen Verfügung stützte, i n wesentlichen Belangen unzutreffend sei und begründete nachvollziehbar seine davon abweichende A nsicht. Dazu kommt, dass die Be- richte der behandelnden psychiatrischen Fachpersonen mit d er Beurteilung des Gutachters übereinstimmen, indem sie auch davon ausgehen, der Ver sicherte könne eine Führungspositi- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht on nicht mehr ausüben und in einer leidensgepassten Tätigkeit erheblich eingeschränkt sei (vgl. Berichte von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychoth erapie, vom 11. September 2009 und 4. September 2012, Dr. med. G.____, FMH Psychiatri e und Psychotherapie, vom 12. De- zember 2009 und 4. August 2012, der Ärzteschaft der H._ ___ vom 7. Oktober 2010 und derje- nigen der I.____ vom 22. April 2011). 5.1 Die IV-Stelle stellte sich gestützt auf die RAD-Beri chte von Dr. E.____ vom 6. November 2013 und vom 10. Dezember 2013 auf den Standpunkt, d ass die Beurteilung des Gutachters in mehreren Punkten zu kritisieren und deshalb nicht zuver lässig genug sei, um darauf abstellen zu können. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle vermögen die von Dr. E.____ vorgebrachten Kritikpunkte keine gewichtigen Zweifel an der Beweistaug lichkeit der gutachterlichen Beurtei- lung zu begründen. Der Gutachter ging in seinem Ergän zungsgutachten vom 18. November 2013 eingehend auf die einzelnen Einwände von Dr. E.____ ein. So legte er dar, dass er in drei Untersuchungsgesprächen das Funktionsniveau des Versicherten im Alltag (starke Verunsiche- rung [Zittern, Anspannung, Nervosität], Antriebsstörung, Unfähigkeit, wichtige Aufgaben zu er- ledigen, auffallende, sehr stark ausgeprägte Umständl ichkeit und kompliziertes Verhalten, gro- teskes Kontaktvermeiden, starke Beeinträchtigung der Sexuali tät und ausgeprägte soziale Iso- lation) in seinem Gutachten beschrieben habe. Weiter erläuterte er, dass der Versicherte zwar noch Auto fahren oder Ferienreisen unternehmen könne, was aber darauf zurückzuführen sei, dass er sich bei diesen Tätigkeiten nicht in einer "Prü fungssituation" befinde. Bei diesen beiden Tätigkeiten stelle sich zudem die Frage, welche Strecke n der Versicherte überhaupt mit dem Auto fahren könne und wie er sich in den Ferien tatsäch lich verhalte. Dr. E.____ griff seine Ein- wände bezüglich einer mangelhaften Erhebung des Funkt ionsniveaus und horizontalen Konsis- tenzprüfung in seiner Stellungnahme vom 10. Dezember 2013 nicht mehr auf, bemängelte aber, dass der Versicherte gemäss den gutachterlichen Ausführung en in der Lage sei, seine Ein- schränkungen (verminderte Konzentrationsfähigkeit und ve rmindertes Durchhaltevermögen, Selbstzweifel, Unsicherheit und Ängste) in bestimmten S ituationen wie z.B. beim Autofahren und bei Freizeitreisen für eine gewisse Dauer überwinden könne. In dieser Hinsicht ist - wie der Versicherte auch geltend macht - darauf hinzuweisen, dass aus den dem Versicherten verblie- benen Fähigkeiten keine zuverlässigen Schlussfolgerungen auf die Arbeitsfähigkeit gezogen werden können. Bei der Ausführung von beruflichen Ar beiten muss der Versicherte stets Leis- tungen erbringen, welche der ständigen Kontrolle der Vorgesetzten unterliegen, was beim Auto- fahren und Reisen nicht der Fall ist. 5.3.1 Der IV-Stelle kann nicht zugestimmt werden, wenn sie davon ausgeht, die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung beruhe auf invaliditätsfremden F aktoren. Gemäss Rechtsprechung braucht es zur Annahme einer Invalidität ein medizinisch es Substrat, das (fach)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbe its- und Erwerbsfähigkeit we- sentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale oder sozio kulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbesti mmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträcht igungen, welche von den belas- tenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu un- terscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszu- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fa chmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungs- situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbst ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende n Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und sozi okulturellen Umständen ihre hinrei- chende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Ist anderseits eine psychische St örung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei ge- eigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherte n Person trotz des Leidens willens- mässig erwartet werden kann zu arbeiten (eventuell in einem geschützten Rahmen; vgl. Praxis 1997 Nr. 49 S. 255 E. 4b) und einem Erwerb nachzugehe n (BGE 127 V 294 E. 5a; vgl. auch JÖRG JEGER , Wer bemisst invaliditätsfremde Ursachen der Arbeitsfähigkeit?, in: Sozialversiche- rungsrechtstagung 2008, St. Gallen 2009, S. 152 f.). 5.3.2 Vorliegend legte der Gutachter überzeugend die Entwicklung der psychischen Erkrankung des Versicherten dar, welche sich bereits im jungen Erwach senenalter manifestiert habe. Ge- mäss seinen Ausführungen fänden die psychischen Beeinträc htigungen ihre Erklärung in der Hauptsache nicht in den Versicherten belastenden sozioku lturellen oder psychosozialen Um- ständen, sondern in der psychischen Erkrankung des Versiche rten selbst. Der Arbeitsplatz- wechsel von Y.____ in die Schweiz mag zwar der Auslöser dafür gewesen sein, dass sich die Krankheit des Versicherten für Dritte erstmals bemerkbar machte; er war aber nicht die Ursache für die psychische Störung. 5.4 Die vom Gutachter vorgenommene Zumutbarkeitsbeurte ilung für eine Verweistätigkeit ist - entgegen den Ausführungen von Dr. E.____ - klar un d begründet. Der Gutachter erklärte aus- führlich und einleuchtend, weshalb der Versicherte nicht mehr in der Lage ist, mehr als eine Arbeitsleistung im Umfang von 25 % zu erbringen. Es fä llt auf, dass der Gutachter in seiner Be- funderhebung Wörter wie "massiv", "ausgeprägt", "stark" ve rwendet. Damit bringt er zum Aus- druck, dass es sich beim Versicherten um eine psychisch schwer erkra nkte Person handelt. Es ist nachvollziehbar, dass der Versicherte wegen seiner be trächtlichen depressiven Störung in seiner Konzentrationsfähigkeit und seinem Durchhaltevermögen so stark beeinträchtigt ist, dass er komplexe, intellektuelle Aufgaben nicht mehr bewält igen kann. Dazu kommt eine schwere Persönlichkeitsstörung, die aus mehreren Anteilen besteht . Der ausgeprägte Perfektionismus hat zur Folge, dass der Versicherte seine Arbeitsaufträ ge nur verlangsamt erledigen kann. Sein ängstlich vermeidendes Verhalten wirkt sich im Berufsleben dahingehend aus, dass der Versi- cherte infolge der massiven Selbstzweifel und Ängste Konta kte zu Arbeitskollegen und Interak- tionen mit Vorgesetzten meidet und nicht in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen. Nicht ausser Acht zu lassen, sind seine Verhaltensauffälligkeiten, welche den Umgang mit ihm so- wohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld erschwer en. Der Gutachter spricht sogar da- von, dass das Verhalten des Versicherten einem Arbeitgeber für längere Zeit nicht zumutbar sei. Überdies führt die narzisstische Problematik (massive Krä nkung aufgrund der hierarchi- schen funktionellen Rückstufung) zu Blockaden in der intelle ktuellen Leistungsfähigkeit. All die- se Befunde vermitteln das Bild eines angeschlagenen Mann es, der durch seine krankheitsbe- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht dingten Verhaltensauffälligkeiten, Ängste, Unsicherheit en und starken Depressionen an Leis- tungsfähigkeit enorm einbüsste. 5.5 Die Einwände von Dr. E.____ sind somit nicht überze ugend genug, um gewichtige Zweifel an den Schlussfolgerungen des Gutachters zu erwecken. Es ist daher gestützt auf das Ge- richtsgutachten vom 2. September 2013 davon auszugehen, dass der Versicherte in einer Füh- rungsposition nicht mehr arbeitsfähig ist. Dagegen ist es ihm zumutbar, eine seinem Leiden angepasste Arbeit im Umfang von 25 % auszuführen. 6.1 Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versiche rten aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Danach wird das Er werbseinkommen, das die versicher- te Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ih r zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche- ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen) , in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in valid geworden wäre (Validenein- kommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst gena u ermittelt und einander ge- genübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensd ifferenz der Invaliditätsgrad bestim- men lässt (BGE 104 V 136). 6.2 Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Der Versicherte meldete sich im Ok- tober 2009 zum Leistungsbezug an, womit - in Erfüllung der einjährigen Wartezeit - ein Renten- anspruch frühestens ab 1. April 2010 besteht. 6.3 Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfügun g vom 9. November 2012 zur Ermittlung der Einschränkung des Versicherten im Erwerbsbereich den erforderlichen Einkommensver- gleich vor. Dabei ermittelte sie anhand der Gegenüberst ellung von Validen- und zumutbarem Invalideneinkommen einen Invaliditätsgrad im Erwerbsbe reich von 20 %. Dabei legte sie dem Valideneinkommen das zuletzt als CFO erzielte Jahreseinkommen von Fr. 302'710.-- zugrunde. Das Invalideneinkommen bezifferte sie mit Fr. 242'168.- - (80 % des Valideneinkommens). Der Versicherte beanstandete einzig die Ermittlung des Inval ideneinkommens mit der Begründung, es könne aufgrund der Verwertbarkeit seiner Restarbeits fähigkeit nicht der bei der B.____ frü- her erwirtschaften Lohn als Bemessungsgrundlage herangez ogen werden. Die IV-Stelle prüfte in der Folge den Einkommensvergleich und kam in ihrer V ernehmlassung vom 11. März 2013 zum Schluss, dass entgegen dem Vorgehen in der angefocht enen Verfügung sowohl das Vali- deneinkommen als auch das Invalideneinkommen aufgrund der Tabellenlöhne der vom Bun- desamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohn strukturerhebung (LSE) zu ermit- teln seien. Zum Valideneinkommen führte sie aus, dass d em Versicherten bereits im Januar 2008 die Kündigung angekündigt und diese am 7. Mai 2008 ausgesprochen worden sei. Da der behandelnde Psychiater den Versicherten erst ab 15. Okto ber 2008 dauernd arbeitsunfähig geschrieben habe, sei die Kündigung vor Eintritt des G esundheitsschadens erfolgt. Zwar sei er aufgrund eines Burnouts von Januar 2007 bis März 2007 kr ank geschrieben gewesen, er habe aber danach wieder zu 100 % gearbeitet. Sie nahm desh alb an, dass der Versicherte im Ge- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ni cht mehr als Senior BPA (Business Plan- ning & Analysis) bei der B.____ tätig wäre, was rechtspr echungsgemäss das Abstellen auf die Tabellenlöhne rechtfertige. Bezüglich des Invalideneinko mmens könne dem Beschwerdeführer beigepflichtet werden, wonach dieses ebenfalls aufgrun d der Tabellenlöhne zu ermitteln sei. Werde das auf diese Weise ermittelte Valideneinkommen von Fr. 145'245.-- dem Invalidenein- kommen von Fr. 116'196.-- gegenübergestellt, ergebe si ch ein Renten ausschliessender Invali- ditätsgrad von 20 %. 6.4 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad de r überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte und nicht was sie bestenfalls verdienen könnte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfa hrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre . Ausnahmen müssen mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 3 22 E. 4.1 S. 325). Ist der zuletzt bezo- gene Lohn überdurchschnittlich hoch, ist er nur dann al s Valideneinkommen heranzuziehen, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, da ss er weiterhin erzielt worden wäre (SVR 2009 IV Nr. 58 S. 181). Fehlen jedoch aussagekrä ftige Anhaltspunkte, ist notgedrungen auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte zurückzugreifen (vg l. U LRICH MEYER , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], Zürich/Basel/Genf 2010, S. 302). 6.5 Im Arbeitgeberfragebogen vom 12. Februar 2010 u nd den beigelegten Unterlagen wird der Grund für die Kündigung nicht genannt. Erst dem Schreiben der B.____ vom 3. April 2013 ist zu entnehmen, dass die Krankheit des Versicherten die Arbeitgeberin veranlasste, dem Ver- sicherten eine Tätigkeit als Projektleiter (Senior BPA) für die Integration des globalen "Patente- und Markendepartements" ab April 2007 anzubieten. Nac hdem der Versicherte in dieser Positi- on wieder zu 100 % arbeitete, wurden im November 2007 zusammen mit dem Vorgesetzten, dem Werksarzt und weiteren Personen "Roundtables" zwecks Reintegration des Versicherten in den Arbeitsprozess organisiert. Es ist daher mit dem Versi cherten einig zu gehen, dass An- haltspunkte für eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses a us gesundheitlichen Gründen vorlie- gen. Es ist jedoch zu beachten, dass gemäss den Angaben der B.____ die Kündigung im Rah- men einer Reorganisation erfolgte. Das "Projekt Forward" war ein Kostensenkungsprogramm in den Jahren 2008/2009, mit welchem in der B.____ und deren Tochterfirmen schweizweit 500 Arbeitsstellen abgebaut wurden (vgl. NZZ vom 18. Deze mber 2011). Aufgrund dieses Umstan- des kann die Frage, ob dem Versicherten aus wirtschaftlic hen oder gesundheitlichen Gründen gekündigt wurde, nicht eindeutig beantwortet werden. Damit kann aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Ve rsicherte im Gesundheitsfall wei- terhin bei der B.____ in einer Führungsposition arbei ten würde. Der Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit ist jedoch für die Annahme, d ass die bisherige Tätigkeit fortgesetzt worden wäre gerade bei zuletzt erzielten überdurchschnit tlich hohen Einkommen Vorausset- zung (vgl. Erwägung 6.4). Da hierfür aussagekräftige Anh altspunkte fehlen, kann nicht auf den vor Eintritt des Gesundheitsschadens erreichten Verdienst abgestellt werden. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Aufgrund dieser Ausführungen rechtfertigt es sich, für die Ermittlung des Valideneinkom- mens auf die Tabellenlöhne der LSE abzustellen. Der b eruflichen Qualifikationen und der lang- jährigen Berufserfahrung trug die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung vom 11. März 2013 mit der TA11 der LSE 2010 (monatlicher Bruttolohn nach Ausbil dung, beruflicher Stellung und Ge- schlecht, Männer, Fachhochschule) und der Anerkennung des Anforderungsniveaus 1 + 2 (= oberstes, oberes und mittleres Kader) Rechnung. Dem Versicherten ist somit ein monatliches Valideneinkommen von Fr. 11'500.-- (LSE 2010) anzure chnen. Umgerechnet auf die durch- schnittlich wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden ergibt sich ein massgebendes Validenein- kommen von Fr. 143'865.--. 7.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach d er Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in we lcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwer bstätigkeit aus, bei der - kumulativ - beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzune hmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der Arbeits- leistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint , gilt grundsätzlich der von ihr tat- sächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 126 V 75 E. 3b, 117 V 18 E. 2c/aa; RKUV 1991, Nr. U 130, S. 272 E. 4a; AHI-Praxis 1998, S. 179). Hat sie nach Eintritt des Gesundheits- schadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare n eue Erwerbstätigkeit aufgenom- men, so können statistische Werte, insbesondere Tabell enlöhne der LSE herangezogen wer- den (BGE 135 V 297 E. 5.2). 7.2 Die Parteien sind sich einig, dass das Invalideneinkom men anhand der Tabellenlöhne zu ermitteln ist. Angesichts der beruflichen Qualifikation des Versicherten ist es sachgerecht, das Invalideneinkommen auf der Basis von schwergewichtig die b erufliche Stellung berücksichti- genden tabellarischen Ansätzen zu eruieren. Es ist desha lb bei dessen Berechnung ebenfalls die TA11 der LSE heranzuziehen. Dabei ist zu berücksichtig en, dass der Versicherte aufgrund seiner eingeschränkten Leistungsfähigkeit von 75 % wohl kaum eine Stelle im oberen oder mitt- leren Kaderbereich (Anforderungsniveau 1 + 2) besetzen kann. Es rechtfertigt sich daher, hier- für auf das Anforderungsniveau 3 abzustellen. Dieser bet rägt für das Jahr 2010 monatlich Fr. 9'330.-- bzw. Fr. 111'960.-- im Jahr. Unter Berücksichtigung der für das Jahr 2010 geltenden durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden und einer gegebenen Restarbeitsfähig- keit von 25 % ergibt sich ein jährliches Invalideneinkommen von Fr. 29'180.--. 7.3 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage de r LSE ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Ar t und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthal tskategorie und Beschäftigungsgrad Aus- wirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 3 21 E. 3b/aa S. 323) und je nach Aus- prägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem aus- geglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa in fine S. 80). Der Abzug ist unter Würdigung der Umstände im Einzel- fall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25 % nicht übersteigen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 126 V 80 E. 5b/bb-cc; Urteil des Bundesgerichts vom 1 5. November 2010, 9C_721/2010, E. 4.2). 7.4 Die IV-Stelle nahm keinen Abzug vom Tabellenlohn vor, da keines der rechtsprechungs- gemässen Kriterien erfüllt sei. Der Versicherte stellt sich dagegen auf den Standpunkt, dass aufgrund seiner leidensbedingten Einschränkungen ein A bzug von 10 % gerechtfertigt sei. Die Frage, ob ein leidensbedingter Abzug vorzunehmen ist, kann hier offen gelassen werden. Wird das Invalideneinkommen von Fr. 29'180.-- dem Validene inkommen von Fr. 143'865.-- gegen- übergestellt, ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 80 % . Der Versicherte hat somit bereits ohne Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. 7.5 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die IV-Stelle zu Un recht einen Rentenanspruch des Versicherten ablehnte. Die angefochtene Verfügung vom 9. November 2012 ist deshalb aufzu- heben und es ist festzustellen, dass der Versicherte ab 1. April 2010 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. Die Beschwerde ist demgemäss gutzuheissen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgeric ht kostenpflichtig. Die Verfahrens- kosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonalen Ges etzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 i n der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt, gegenübe r der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben (vg l. § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO). Da vorliegend die Vorinstanz unterlegen ist, ist demnach a uf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe vo n Fr. 600.-- wird dem Beschwer- deführer zurückerstattet. 8.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu über- nehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugespro chener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschied, sind in de n Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten B estimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). 8.2.2 Vorliegend gelangte das Kantonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 18. April 2013 zum Ergebnis, dass ein Entscheid in der An gelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Aus Gründen der Verfahrensfairness erachtete das Kantonsgericht eine Rückweisung der Angelegenheit zur we iteren Abklärung an die IV-Stelle als nicht opportun, sondern es entschied sich stattdessen, di e erforderliche zusätzliche Abklä- rung des medizinischen Sachverhaltes im Rahmen eines Gerich tsgutachtens vornehmen zu lassen. Wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung zeigte, war das in der Folge eingeholte Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gerichtsgutachten vom 2. September 2013 und Ergänzungsgutachten vom 18. November 2013 im Hinblick auf eine abschliessende Beurteilung des Renten anspruchs des Versicherten uner- lässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen R echtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachtens, welche sich gemäss der eingereicht en Honorarrechnungen auf Fr. 7'320.-- (Fr. 6'840.-- + Fr. 480.--) belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Rechtsvertreter des Versicher ten wies in seiner Honorarnote vom 20. Januar 2014 einen Stundenaufwand von insgesamt 34 ,3 Stunden sowie Auslagen von Fr. 479.-- aus, was sich umfangmässig in Anbetracht der si ch stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungs- prozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwen dung gelangenden Stundenan- satz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 9'778.30 (34,3 Stunden à Fr . 250.- + Auslagen von Fr. 479.-- zuzüg- lich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 9. November 2012 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung a b 1. April 2010 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung durc h Dr. med. D.____ in Höhe von insgesamt Fr. 7‘320.-- werden der IV-Stell e Basel- Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 9‘778.30 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht