Abteilung III C-4949/2007 {T 0/2} U r t e i l v o m 2 . F e b r u a r 2 0 0 9 Richter Michael Peterli (Vorsitz), Richter Johannes Frölicher, Richter Francesco Parrino, Gerichtsschreiberin Sandra Tibis. R._______. Republik Österreich, Beschwerdeführerin, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2, Vorinstanz. IV (Rente). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-4949/2007 Sachverhalt: A. Die am (...) 1948 geborene, geschiedene, österreichische Staatsbürgerin R._______ hat in den Jahren 1977 bis 2005 in der Schweiz als Näherin gearbeitet und dabei Beiträge an die schweizeri- sche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung entrichtet (act. 5 und 21). Sie hat sich am 10. Oktober 2006 bei der IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IV-Stelle) zum Bezug von Leis- tungen der schweizerischen Invalidenversicherung angemeldet (act. 21). B. Mit Verfügung vom 21. Juni 2007 (act. 37) lehnte die IV-Stelle das Rentenbegehren von R._______ entsprechend der Ankündigung im Vorbescheid vom 8. April 2007 ab. Sie stützte sich dabei insbesondere auf das ärztliche Gesamtgutachten, welches Dr. S._______, Ärztin für Allgemeinmedizin, gestützt auf die Untersuchung vom 6. Juni 2006 sowie auf die Fachgutachten von Dr. G._______, Facharzt für Psychiatrie, und von Dr. F._______, Facharzt für innere Medizin, am 1. August 2006 zu Handen der Pensionsversicherungsanstalt Landesstelle Vorarlberg (nachfolgend: PVA Vorarlberg) angefertigt hat. Mit diesem Gutachten wurde bei R._______ (1) ein Vorhofflimmern mit eingehender reduzierter Belastbarkeit; (2) eine mittelgradig depressive Episode bei Verdacht auf hirnorganische Unterlegung; (3) eine Abduzensparese rechts; (4) eine Hypoglossusschwäche rechts sowie (5) eine zentrale Fazialisschwäche diagnostiziert (act. 17). Die IV- Stelle begründete ihren ablehnenden Entscheid damit, dass R._______ gemäss den Feststellungen im ärztlichen Bericht in der Lage sei, vollschichtig einer leichteren Erwerbstätigkeit nachzugehen und somit weder eine bleibende Erwerbsunfähigkeit noch eine rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres vorliege; ihr sei eine dem Gesundheitszustand angepasste gewinnbringende Tätigkeit in rentenausschliessender Weise zumutbar, weshalb sie keinen Anspruch auf eine Rente habe. C. Gegen die Verfügung vom 21. Juni 2007 erhob R._______ (nachfol- gend: Beschwerdeführerin) am 3. Juli 2007 Beschwerde beim Bundes- verwaltungsgericht und beantragte die "nochmalige Prüfung der Ange- legenheit". Mit fristgemäss eingereichter Beschwerdeverbesserung Seite 2C-4949/2007 vom 31. Juli 2007 präzisierte die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde und machte geltend, sie leide unter Vorhofflimmern, Herzrasen, Schwindel und links thorakalen Schmerzen sowie starken Schweissausbrüchen; es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Mit Eingabe vom 20. August 2007 machte die Beschwerdeführerin ferner geltend, die körperlichen Einschränkungen sowie auch ihre psychische Erkrankung seien von der IV-Stelle zu wenig gewichtet worden; sie beantrage die Aufhebung der Verfügung und die Neuberechnung des Invaliditätsgrades. D. Die IV-Stelle liess sich mit Eingabe vom 24. September 2007 verneh- men und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerde- führerin sei gemäss dem umfassenden, polydisziplinären Gutachten der PVA Vorarlberg in einer körperlich leichten Tätigkeit voll arbeitsfä- hig; die von der Beschwerdeführerin zusätzlich eingereichten medizini- schen Unterlagen änderten nichts an der Beurteilung. E. Mit Replik vom 31. Oktober 2007 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest und reichte ein Schreiben von Dr. B._______, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, vom 15. Oktober 2007 ein, in welchem diese zu diversen ihr in Bezug auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gestellten Fragen Stellung nahm. F. Gegen die mit Verfügung vom 2. November 2007 mitgeteilten Mitglie- der des Spruchkörpers ist kein Ausstandsbegehren eingegangen. Am 17. April 2008 wurde die Gerichtsschreiberin durch die im Rubrum auf- geführte Gerichtsschreiberin ersetzt. G. Die IV-Stelle liess sich nicht mehr vernehmen. Seite 3C-4949/2007 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwal- tungsgericht vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 lit. d VGG und Art. 69 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG, SR 831.20) beur- teilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Aufgrund von Art. 3 lit. dbis des Bundesgesetzes vom 20. Dezem - ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) findet das VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Ge- mäss Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Inva- lidenversicherung (Art. 1a-26bis IVG und 28 bis 70 IVG) anwendbar, so- weit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. 1.3 Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung be- rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, so dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegiti- miert ist. 1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 Abs. 1 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht wurde, ist darauf einzutreten. 2. 2.1 Die Beschwerdeführerin ist österreichische Staatsangehörige, so dass vorliegend das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemein schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizü- gigkeit (FZA; SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang II be- treffend Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit, anzuwen- den ist (Art. 80a IVG). Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 (SR 0.831.109.268.1) zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Seite 4C-4949/2007 Gemeinschaft zu- und abwandern, haben die in den persönlichen An- wendungsbereich der Verordnung fallenden, in einem Mitgliedstaat wohnenden Personen aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mitglied- staats grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten wie die Staats- angehörigen dieses Staates. 2.2 Soweit das FZA beziehungsweise die auf dieser Grundlage an- wendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte keine abweichenden Bestimmungen vorsehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfah- rens – unter Vorbehalt der beiden Grundsätze der Gleichwertigkeit so- wie der Effektivität – sowie die Prüfung der Anspruchsvoraussetzun- gen einer schweizerischen Invalidenrente grundsätzlich nach der in- nerstaatlichen Rechtsordnung (BGE 130 V 257 E. 2.4). Entsprechend bestimmt sich vorliegend der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung ausschliesslich nach dem inner- staatlichen schweizerischen Recht, insbesondere nach dem IVG sowie der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201). 2.3 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerde- verfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Miss- brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessen- heit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG). 3. Zunächst sind die zur Beurteilung der Streitsache massgebenden ge- setzlichen Grundlagen und die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze darzulegen. 3.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind im Beschwer- deverfahren grundsätzlich für die Bestimmung des rechtserheblichen Sachverhalts die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses des strittigen Entscheids massgebend (BGE 132 V 368 E. 6.1 mit Hinwei- sen). Weiter sind in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechts- sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führen- den Tatbestandes Geltung hatten (BGE 130 V 329). Für das vorliegen- de Verfahren ist deshalb das per 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts anwendbar. Die im ATSG enthaltenen Formulierungen der Ar- beitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit, der Invalidität und der Ein- kommensvergleichsmethode entsprechen den bisherigen von der Seite 5C-4949/2007 Rechtsprechung dazu entwickelten Begriffen in der Invalidenversiche- rung. Demzufolge haben die von der Rechtsprechung dazu herausge- bildeten Grundsätze unter der Herrschaft des ATSG weiterhin Geltung (BGE 130 V 343). Bei den materiellen Bestimmungen des IVG und der IVV ist auf die Fassung gemäss den am 1. Januar 2004 in Kraft getretenen Änderun- gen (4. IV-Revision) abzustellen. Nicht zu berücksichtigen sind die durch die 5. IV-Revision eingeführten Änderungen, welche am 1. Janu- ar 2008 in Kraft getreten sind (AS 2007 5129). Im Folgenden werden deshalb die ab 1. Januar 2004 (bis Ende 2007) gültig gewesenen Be- stimmungen des IVG und der IVV zitiert. 3.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist gemäss Art. 7 ATSG der durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Ge- sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliede- rung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkei- ten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Ar- beitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Ar- beit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung zu stel- len haben. Aufgabe des Arztes im schweizerischen Invalidenverfahren ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und gegebenenfalls bezüglich welcher Tätigkeiten der Versicherte arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen dem Versicherten konkret noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4, 115 V 134 E. 2; AHI-Praxis 2002, S. 62, E. 4b/cc). Seite 6C-4949/2007 3.4 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismit- tel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerde- verfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach ha- ben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Bezüglich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurtei- lung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Be- weiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder als Gutachten (vgl. dazu das Urteil des EVG vom 26. Januar 2006, I 268/2005 E. 1.2, mit Hinweis auf BGE 125 V 352 E. 3.a). Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdi- gung in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gut- achten aufzustellen (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil des EVG vom 24. Januar 2000, I 128/98, E. 3b). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Experti- se sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen). Be- richte der behandelnden Ärzte schliesslich sind aufgrund deren auf- tragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies gilt für den allgemein prakti- zierenden Hausarzt wie auch für den behandelnden Spezialarzt (Urteil des EVG vom 20. März 2006, I 655/05 E. 5.4 mit Hinweisen). 3.5 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG aufgrund eines Ein- kommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkom- Seite 7C-4949/2007 men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli- chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalidenein- kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie er- zielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes Va- lideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkom- men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invalidi- tätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensver- gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1). Für den Einkom- mensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Inva- lideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfälli- ge rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4). 3.6 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 Prozent invalid sind, bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente, bei mindestens 60 Prozent auf eine Dreiviertels- rente und bei mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente. Gemäss Art. 28 Abs. 1ter IVG werden Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50 Prozent entsprechen, jedoch nur an Versicherte ausge- richtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, soweit nicht völkerrechtliche Vereinbarungen eine abweichende Regelung vorsehen. Eine solche Ausnahme gilt seit dem 1. Juni 2002 für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der Europäischen Gemeinschaft und der Schweiz, sofern sie in einem Mit- gliedstaat der Europäischen Gemeinschaft Wohnsitz haben (siehe BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1). 3.7 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühes- tens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person mindestens zu 40 Prozent bleibend erwerbsunfähig (Art. 7 ATSG) geworden ist (lit. a) oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch- schnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) ge- wesen war (lit. b). Seite 8C-4949/2007 3.8 Anspruch auf eine ordentliche Rente haben gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG die rentenberechtigten Versicherten, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge an die schweizeri- sche Sozialversicherung geleistet haben. Meldet sich ein Versicherter mehr als zwölf Monate nach Entstehen des Anspruchs an, so werden die Leistungen in Abweichung von Artikel 24 Absatz 1 ATSG lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet (Art. 48 Abs. 2 IVG). 4. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aufgrund der diagnostizierten gesundheitlichen Einschränkungen in ihrer Arbeitsfä- higkeit rentenrelevant eingeschränkt ist. 4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Leistung sei stark ein- geschränkt, weil sie unter Vorhofflimmern, unregelmässigem und des öfteren starkem Herzrasen, schnellem Puls und Schwindel leide. Bei leichter Anstrengung bestünden links thorakal Schmerzen und sie nei- ge zu starken Schweissausbrüchen. Schliesslich leide sie an einer psychischen Erkrankung und befinde sich deswegen in Psychothera- pie; insgesamt führe dies zu einer Arbeitsunfähigkeit von 100%. 4.2 Die IV-Stelle macht demgegenüber geltend, aufgrund der Erkennt- nisse aus der von der PVA Vorarlberg durchgeführten polydisziplinären Untersuchung sei die Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Es sei nicht ersichtlich, und werde von der Beschwerdeführerin auch nicht dargetan, inwiefern das Gutachten der PVA Vorarlberg fehlerhaft sein sollte. Die im Arztbericht von Dr. A._______ attestierte volle Arbeitsunfähigkeit sei nicht schlüssig, da er seine Einschätzung nicht begründe und der Bericht keine Befunde enthalte; im Übrigen sei er als Allgemeinmediziner ohnehin nicht fachärztlich kompetent, die Herz- und psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin zu beurteilen. 4.3 Dr. F._______, Facharzt für innere Medizin, hat die Be- schwerdeführerin am 20. Juli 2006 untersucht und mit Bericht vom 27. Juli 2006 zu Handen der PVA Vorarlberg die Diagnose Vorhofflim- mern gestellt. Zusätzlich hielt er fest, die Belastbarkeit der Beschwer- deführerin sei insgesamt reduziert, Ischämiehinweise oder höhergradi- ge Anomalien lägen keine vor. Seite 9C-4949/2007 4.4 Dr. G._______, Facharzt für Psychiatrie, hat die Beschwerde- führerin am 26. Juni 2006 im Auftrag der PVA Vorarlberg untersucht und im Bericht vom 27. Juli 2006 folgende Diagnosen gestellt: (1) mit- telgradige depressive Episode bei Verdacht auf hirnorganische Unter- legung; (2) Abduzensparese rechts; (3) Hypoglossusschwäche rechts und (4) zentrale Fazialisschwäche. Aufgrund der beschriebenen Dia- gnosen sei die Beschwerdeführerin in der Lage, vollschichtig eine kör- perlich leichte Tätigkeit im Sitzen, Stehen oder Gehen, mit der Mög- lichkeit von Zwangshaltungen (mit Ausnahme von überkopf), unter durchschnittlichem Zeitdruck und durchschnittlicher psychischer Be- lastbarkeit sowie mit geistig einfachem Leistungsvermögen zu verrich- ten. Aufgrund des Schwindels sei aus dem Leistungskalkül eine Hö- henexposition und aufgrund der depressiven Symptomatik die Nacht- arbeit auszunehmen. Ein Anmarschweg von mindestens 500 Metern sei ohne Pause möglich und die üblichen Arbeitspausen seien ausrei- chend. Bei entsprechender nervenfachärztlicher Begleitung und Be- handlung sei bezüglich der depressiven Symptomatik in einem Zeit- raum von unter sechs Monaten mit einer Verbesserung des Zustandes zu rechnen. 4.5 Dr. S._______, Ärztin für Allgemeinmedizin, hat mit dem Gesamtgutachten vom 1. August 2006 die Ergebnisse ihrer eigenen Untersuchung vom 6. Juni 2006 sowie diejenigen von Dr. F._______ (vgl. oben Ziffer 4.3) und Dr. G._______ (vgl. oben Ziffer 4.4) zu Handen der PVA Vorarlberg zusammengefasst und folgende Diagnosen gestellt: (1) Vorhofflimmern mit einhergehender reduzierter Belastbarkeit (Leistungsfähigkeit 58%) bei Zustand nach Pe- rikardfensterung 1968 aufgrund einer Perimyokarditis (constrictiva); (2) mittgelgradig depressive Episode bei Verdacht auf hirnorganische Un- terlegung; (3) Abduzensparese rechts; (4) Hypoglossusschwäche rechts und (5) zentrale Fazialisschwäche. Zusammenfassend könne festgestellt werden, dass der Beschwerdeführerin aufgrund der ver- minderten körperlichen und psychischen Belastbarkeit nur mehr leich- te Tätigkeiten am allgemeinen Arbeitsmarkt zumutbar seien. Diese sei- en vollschichtig unter durchschnittlichem Zeitdruck und durchschnittli- cher psychischer Belastbarkeit möglich; eine überkopf Zwangshaltung sowie Nachtarbeit sollten jedoch vermieden werden. 4.6 Dr. A._______, Arzt für Allgemeinmedizin und behandelnder Hausarzt der Beschwerdeführerin, erstellte einen undatierten Bericht zu Handen der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen (Posteingang am Seite 10C-4949/2007 7. Dezember 2006) und diagnostizierte (1) eine Leistungsminderung bei persistierendem Vorhofflimmern; (2) eine Vertigo und (3) eine Angststörung/Depression. Er bestätigte eine volle Arbeitsunfähigkeit seit dem 19. Oktober 2005, die er jedoch nicht weiter begründete oder in Zusammenhang mit Funktionsausfällen brachte. Er bestätigte ferner mit Zeugnis vom 3. Mai 2007, es liege weiterhin eine Ar- beitsunfähigkeit von 100% vor. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt und leide rezidivierend unter Schwindel. 4.7 Dr. B._______, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, Fachärztin für psychosoziale, psychosomatische und psychothe- rapeutische Medizin, bestätigte auf Wunsch der Beschwerdeführerin mit ärztlichem Zeugnis vom 3. Mai 2007, dass sich diese seit dem 2. Mai bei ihr in nervenärztlicher Behandlung befinde. Mit Schreiben vom 15. Oktober 2007 beantwortete sie zudem die ihr von Procap St. Gallen im Auftrag der Beschwerdeführerin gestellten Fragen und stellte fest, dass die Beschwerdeführerin an einer mittelgradig depres- siven Episode leide und ihre Arbeitsfähigkeit als Näherin zu 60% und diejenige in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 50% eingeschränkt sei. 4.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von der PVA Vorarl- berg eingeholten ausführlichen und aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten erstell- ten Gutachten von Dr. G._______, Dr. F._______ und Dr. S._______ zum selben Schluss kommen und sich nicht widersprechen. Die befragten Ärzte gehen übereinstimmend davon aus, dass die Beschwerdeführerin eine körperlich leichte Tätigkeit unter Be- rücksichtigung der genannten Einschränkungen vollzeitlich ausüben könne. Der behandelnde Hausarzt Dr. A._______ attestiert der Beschwerdeführerin zwar eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit, er konkretisiert und begründet seine Einschätzung jedoch nicht weiter. Ferner stellt er keine Diagnose, welche nicht schon von den anderen Ärzten gestellt und berücksichtigt wurde, so dass seine abweichende Beurteilung nicht nachvollziehbar und somit nicht darauf abzustellen ist. Schliesslich ändert auch die Bestätigung über die Behandlung von Dr. B._______ nichts an der Beurteilung des Gesundheitszustandes, haben doch die übrigen begutachtenden Ärzte das Vorliegen einer Depression ebenfalls bejaht und bei der Gesamtwürdigung berücksichtigt. Betreffend ihrer Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit ist Seite 11C-4949/2007 festzustellen, dass auch sie nicht begründet, weshalb sie zu dieser Einschätzung kommt, somit ist auch auf diese – wie vorstehend im Zu- sammenhang mit der Beurteilung von Dr. A._______ bereits ausgeführt – nicht abzustellen. Die Beurteilung der IV-Stelle, die ihrem Entscheid eine volle Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit zu Grunde legte, ist demnach nicht zu beanstanden. 5. Zu prüfen bleibt der von der IV-Stelle durchgeführte Einkomensver- gleich. Gestützt auf den Fragebogen für die (vormalige) Arbeitgeberin der Be- schwerdeführerin vom 28. November 2006 ist die IV-Stelle von einem jährlichen Valideneinkommen von Fr. 40'950.-- ausgegangen. Dies ist zutreffend und wurde von der Beschwerdeführerin auch nicht bestrit- ten. Gemäss der Arbeitsplatz- und Tätigkeitsbeschreibung vom 28. Novem - ber 2006 habe die Beschwerdeführerin bei ihrer früheren Arbeitgebe- rin als Näherin gearbeitet und Berufskleider genäht. Sie habe Lasten bis maximal fünf Kilogramm heben müssen und habe vorwiegend im Sitzen gearbeitet. Zwangshaltungen wie Bücken, Knien und Armhal- tung über Schulterhöhe seien praktisch nie vorgekommen. Die Anfor- derungen an die Konzentration und an die Feinmotorik seien normal gewesen. Die IV-Stelle ist aufgrund dieser Beschreibung und den durch die Ärzte beschriebenen möglichen Tätigkeiten zu Recht davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin immer noch in der Lage wäre, ihre frühere Tätigkeit auszuüben. Das Invalideneinkommen ent- spricht somit dem Valideneinkommen und der Invaliditätsgrad, der sich aus dem Vergleich der beiden Einkommen ergibt, ist demzufolge null (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a). 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit möglich ist und sie somit noch in der Lage wäre ihrer früheren Arbeit als Näherin nachzugehen. Der Invaliditätsgrad beträgt demzufolge 0%, weshalb die Beschwerdeführerin nicht rentenberechtigt ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. Seite 12C-4949/2007 7. 7.1 Die Verfahrenskosten sind bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen nach dem Verfahrensauf- wand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1'000 Fran- ken festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Für das vorliegende Verfahren sind die Verfahrenskosten auf Fr. 400.-- festzusetzen und der Be- schwerdeführerin als unterlegene Partei aufzuerlegen. Die Verfah- renskosten sind mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. 7.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begeh- ren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnis- mässig hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbehörde hat die IV-Stelle jedoch keinen Anspruch auf Partei- entschädigung (Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge- richt [VGKE, SR 173.320.2]. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Partei- entschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). Seite 13C-4949/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 400.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 400.- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: - die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein) - die Vorinstanz - das Bundesamt für Sozialversicherungen Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Michael Peterli Sandra Tibis Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG). Versand: Seite 14