Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 4. Juli 2017 (400 2017 91) ____________________________________________________________________ Obligationenrecht Arbeitsrecht; Beweislast und Anforderungen an die Substantiierungspflicht bezüglich Überzeitforderungen Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richter Dieter Freiburghaus (Refe- rent), Richterin Barbara Jermann Richterich, Gerichtsschreiber Daniel Noll Parteien A.____, vertreten durch Advokat Dr. Georg Gremmelspacher, St. Jakobs- Strasse 11, Postfach, 4002 Basel, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B.____ AG, vertreten durch Advokat Dr. Thomas Christen, Haus zum Thurgauerhof, Lindenstrasse 2, Postfach 552, 4410 Liestal, Beklagte und Berufungsbeklagte Gegenstand Arbeitsrecht Berufung der Klägerin vom 14. März 2017 gegen das Urteil des Zivil- kreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 2. Juni 2016 A. Mit Urteil vom 2. Juni 2016 hiess das Zivilkreisge richt Basel-Landschaft Ost die von A.____ gegen die B.____ AG am 21. August 2013 angeh obene arbeitsrechtliche Klage auf Leistung von CHF 79'919.50 für geleistete Überstund en, von CHF 4'825.00 (brutto) zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 1. Oktober 2012 für nicht ausb ezahlten Septemberlohn 2012 sowie von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 28'577.00 zurückgestellten Lohn teilweise gut und verurteilte die Beklagte, der Klägerin CHF 28'577.00 zu bezahlen, für die Mehrforderung wi es das Zivilkreisgericht die Klage ab und auferlegte die Kosten des Schlichtungsverfahrens sowie di e Gerichtsgebühr zuzüglich Zeugen- gelder zu ¾ der Klägerin und zu ¼ der Beklagten. Fer ner wurde die Klägerin verpflichtet, der Beklagten eine reduzierte Parteientschädigung von CHF 9'789.15 inkl. Auslagen und Mehrwert- steuer zu bezahlen. Zur Begründung des Urteils wurde im Wesentlichen angeführt, dass sich die Klägerin in Bezug auf die geltend gemachten Überst unden auf verschiedene selbst erstellte Aufstellungen über die Jahre 2007 bis 2011 abstütze, welche teilweise von ihrem Ehemann, dem ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten der Beklagten, unterzeichnet seien, inhaltlich aber bezüglich Jahre, Monate, Tage und Stundentotal nicht übereinstimmten. Namentlich sei unklar, ob es sich beim jeweiligen Total um Stunden oder Minut en handle. Die Klägerin habe weder in der Klage noch in ihrer Replik oder anlässlich der Haupt verhandlung die Herleitung der Zahlen nachvollziehbar erläutern können, so dass die Forderung zu wenig substantiiert sei. Nachdem die vom Ehemann der Klägerin unterzeichnete Auflistun g der Überstunden explizit vom 7. Sep- tember 2012 datiere, fehle es auch am Nachweis, dass di e Beklagte von den Überstunden Kenntnis gehabt und diese genehmigt habe, zumal der Eh emann der Klägerin in diesem Zeit- punkt nicht mehr Verwaltungsratspräsident der Beklagten gewesen sei. Folglich fehle es auch an einem rechtgenüglichen Nachweis in Bezug auf die An ordnung und betriebliche Notwendig- keit der geltend gemachten Überstunden. Ferner ergebe sich auch aus der Zeugenaussage der neben der Klägerin ebenfalls als Ärztin angestellten C. ____, dass für sie beide als leitende An- gestellte – im Gegensatz zu den Krankenschwestern – kein e Überstundenvergütung vereinbart worden sei. Was sodann den nicht ausbezahlten Lohn für September 2012 angehe, so sei un- bestritten, dass die Klägerin im Jahr 2012 bis zum 24. August 2012 bereits 5 Wochen Ferien bezogen habe, so dass sie im September 2012 hätte arbe iten müssen. Da sie dies nicht getan habe, sei auch kein Lohn geschuldet. Nachdem der Nachwe is einer Überstundenregelung mit Kompensation nicht habe bewiesen werden können, sei au ch der Einwand der Klägerin, sie habe aufgrund der geleisteten Ferienvertretung für ihre Kollegin C.____ Anspruch auf weitere 4 Wochen Ferien gehabt, nicht gehört werden. Ausserdem sei aus dem Schreiben der Beklagten vom 24. August 2012 ersichtlich, dass der Klägerin für den September 2012 keine Ferien bewil- ligt worden seien, weshalb die Klägerin gemäss Art. 32 9c Abs. 2 OR nicht befugt gewesen sei, der Arbeit im September 2012 fernzubleiben. In Bezu g auf den Lohnrückbehalt sei schliesslich festzustellen, dass aus der Rangrücktrittsvereinbarung vom 14. August 1997 hervorgehe, dass die Klägerin auf die Auszahlung eines Lohnanspruchs im Umfang von CHF 28'577.00 vorerst verzichtet habe. Da gemäss Art. 339 Abs. 1 OR sämtliche For derungen aus dem Arbeitsver- hältnis mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses fäl lig würden, sei diese Forderung der Klä- gerin berechtigt und die Klage insofern gutzuheissen. B. Gegen dieses Urteil erklärte der im Nachgang zum Ent scheid neu mandatierte Rechts- vertreter der Klägerin mit Eingabe vom 14. März 2017 B erufung mit den Begehren, die Klage vom 21. August 2013 sei in Aufhebung des angefochtenen Entscheids vollumfänglich gutzu- heissen, eventualiter sei die Streitsache in Aufhebung des angefochtenen Entscheids an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen, unter o/e Ko stenfolge zu Lasten der Beru- fungsbeklagten. Zur Begründung der Begehren wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass die Beklagte der von der Vorinstanz angeordneten Verpflicht ung zur Edition von Unterlagen zum Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachweis der Ferienvertretungsregelung zwischen der Klägerin und ihrer Kollegin C.____ nicht nachgekommen sei. Diese Verweigerung der Mitwirkung ha be die Vorinstanz aber bei der Be- weiswürdigung nicht berücksichtigt, sondern den Sachverhalt vielmehr in Verletzung von Art. 164 ZPO unrichtig festgestellt. Dies gelte auch für di e Überstunden, deren betriebliche Notwen- digkeit und Anordnung bereits aus dem Umstand ersichtlich sei, dass die Klägerin und ihre Kol- legin C.____ mit je einem Pensum von 50 % die ärztliche Abdeckung der Klinik hätten gewähr- leisten müssen. Dass die Leistung von Überstunden und Woch enendarbeit erforderlich gewe- sen seien, gehe auch aus der Zeugenaussage von C.____ he rvor. Wie die Vorinstanz in ihrem Vergleichsvorschlag zutreffend festgehalten habe, sei nicht von einer leitenden Funktion der Klägerin und damit nicht von einer Abgeltung der Übe rstunden durch die regulären Lohnzah- lungen auszugehen. Entsprechend sei im Arbeitsvertrag der Kollegin C.____ eine Überstunden- regelung vereinbart. Indem die Vorinstanz diesen Arbeit svertrag als Novum ohne Begründung und ohne vorgängige Einräumung des rechtlichen Gehörs ab gelehnt habe, sei Art. 152 ZPO verletzt worden. Im Weiteren seien die rechtzeitig ein gereichten Auflistungen der geleisteten Überstunden bei näherer Betrachtung nachvollziehbar un d schlüssig, so dass sich die Nichtab- nahme dieser Beweise durch die Vorinstanz als überspitzt er Formalismus und als Verletzung von Art. 152 ZPO erweise. Sodann hätten die Zeuginne n C.____ und D.____ zum Beweisthe- ma der Überstunden der Klägerin nichts beitragen können . Die weiteren Aussagen der Zeugin- nen seien nicht kongruent zum Beweisthema und daher aus dem Recht zu weisen. Ferner habe die Vorinstanz die Befragung des Ehemannes der Klägerin als Zeugen zu Unrecht abgelehnt, zumal er nachweislich Aufschluss über den umstrittenen Sa chverhalt geben könnte und nicht a priori von einer Befangenheit auszugehen sei. Schliessli ch sei dem Protokoll der vorinstanzli- chen Hauptverhandlung zu entnehmen, dass die Klägerin die Richtigkeit der Aufstellung ge- mäss Klageantwortbeilage 6 und somit ihren Ferienbezug im Jahr 2012 bestritten habe. Indem die Vorinstanz annehme, dass die Klägerin den von der Beklagten bloss behaupteten Ferienbe- zug nicht bestritten habe, handle sie krass widersprüchlich und wider Treu und Glauben. C. Mit Berufungsantwort vom 24. April 2017 beantragte der Rechtsvertreter der Beklagten, der angefochtene Entscheid sei in vollumfänglicher Abwe isung der Berufung unter o/e Kosten- folge zulasten der Berufungsklägerin zu bestätigen. Auf die zur Begründung vorgebrachten Ar- gumente ist – soweit erforderlich – im Rahmen der nachs tehenden Erwägungen zurückzukom- men. D. Zur heutigen Hauptverhandlung vor der Dreierkammer d es Kantonsgerichts sind die Berufungsklägerin und E.____ als Vertreter der Berufun gsbeklagten sowie deren Rechtsvertre- ter erschienen. Nach einer informellen Befragung der Parteien im Hinblick auf eine mögliche gütliche Einigung sind die Parteivertreter nach Scheit ern der Vergleichsbemühungen zu ihren Schlussvorträgen gelangt, in welchen sie an ihren berei ts schriftlich gestellten Anträgen und Argumenten festhielten. Erwägungen 1. Gegen erstinstanzliche Endentscheide in vermögensrechtl ichen Angelegenheiten kann Berufung erhoben werden, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 li t. a und Abs. 2 ZPO). In casu beantragte die Berufungsklägerin vor dem Zivilkreisgericht bis zuletzt die Zusprechung eines Forderungs- betrags von insgesamt CHF 110'321.50, so dass die erford erliche Streitwertgrenze ohne weite- res erreicht ist. Die Berufung ist innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbeg ründung schriftlich und begründet bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZP O). Die schriftliche Begründung des Urteils des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 2. Jun i 2016 wurde der vormaligen Rechtsvertreterin der Klägerin am 14. Februar 2017 zug estellt. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Berufung vom 14. März 2017 somit eingehalten. Di e Berufungsklägerin rügt unrichtige Sachverhaltsfeststellung sowie unrichtige Rechtsanwendun g und macht damit taugliche Beru- fungsgründe nach Art. 310 ZPO geltend. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO ist die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beu rteilung von Berufungen gegen Ent- scheide der Dreierkammer des Zivilkreisgerichts sachlich zuständig. Nachdem auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die vorliegende Berufung einzutreten. 2.1 Die Berufungsklägerin rügt zunächst, die Vorinstanz hab e die Tatsache, dass die Be- klagte der Editionsaufforderung in Bezug auf die Unter lagen zur Ferienvertretungsregelung zu Unrecht nicht nachgekommen sei, bei der Beweiswürdigun g zu Lasten der Klägerin und somit in Verletzung von Art. 164 ZPO falsch gewürdigt. Die B eklagte bestreitet, der Editionsverpflich- tung unbegründet nicht nachgekommen zu sein. Aus ihrer Eingabe vom 30. September 2015 sei vielmehr ersichtlich, dass die eingeforderten Unterlag en nicht mehr auffindbar seien und deshalb nicht hätten eingereicht werden können. Hinge gen habe die Beklagte am 2. November 2015 die vom Ehemann der Klägerin unterzeichneten Jahr esrechnungen samt Vollständigkeits- erklärungen der Jahre 2007 bis 2011 eingereicht. Darau s sei ersichtlich, dass keine Ansprüche aus Rechtsstreitigkeiten oder anderen Auseinandersetzung en und somit keine offenen arbeits- rechtlichen Forderungen bestanden hätten. Ferner gehe aus dem Schreiben von C.____ vom 28. August 2012 hervor, dass Überstunden, sollten sie üb erhaupt angefallen sein, jeweils voll- ständig kompensiert worden seien. Schliesslich sei mit Sch reiben vom 13. November 2015 be- züglich der Patientendaten und Behandlungsakten dargele gt worden, dass die erforderlichen Entbindungen von der ärztlichen Schweigepflicht nicht hätten erwirkt werden können. 2.2 Die Beweislast, dass geltend gemachte Mehrarbeit wie Fe rienvertretung oder Überstun- den geleistet wurden und dass sie angeordnet und betri eblich notwendig waren, obliegt nach der Rechtsprechung grundsätzlich dem Arbeitnehmer (BGE 129 III 171 E. 2.4). Der Arbeitneh- mer hat die Leistung von Überstunden an sich nachzuweis en, sei es, dass sie förmlich ange- ordnet wurden, sei es, dass sie betrieblich notwendig war en (Urteil des Bundesgerichts 4C.133/2000 vom 8. September 2000, E. 3b). Ferner hat der Arbeitnehmer die genaue Zahl der Überstunden nachzuweisen (Urteil des Bundesgerichts 4C.13 3/2000 vom 8. September 2000, E. 3c). Dabei stellen die Gerichte hohe Anforderungen an den Beweis sowohl der Anzahl der Überstunden als auch derer Anordnung bzw. betrieblicher Notwendigkeit. Eigene Aufzeichnun- gen des Arbeitnehmers genügen in der Regel nicht; immerhin genügt der Nachweis mit Arbeits- rapporten, die dem Arbeitgeber täglich oder wöchentli ch abgegeben werden, auch wenn sie nicht gegengezeichnet sind (U. S TREIFF / A. VON KAENEL / R. RUDOLPH , Arbeitsvertrag, 7. Aufla- ge, Zürich 2012, Art. 321c N 10 mit Hinweisen auf nic ht amtlich publizierte Rechtsprechung). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit der Obliegenheit des Arbeitnehmers, die von ihm ge leistete Überzeit innert nützlicher Frist anzuzeigen, soll der Arbeitgeber in die Lage versetzt werden, organisatorische Massnahmen zur Verhinderung künftiger Mehrarbeit vorzukehren und die Überstunden zu genehmigen (BGE 129 III 171 E. 2.2 mit Hinweisen). Eine Umkehr der Be weislast ist nur ausnahmsweise im Falle einer eigentlichen Beweisvereitelung anzunehmen, wenn beispielsweise ein Arbeitgeber die an sich vorhandenen Arbeitszeitunterlagen absichtlich im Hin blick auf einen anstehenden Zivilpro- zess vernichtet, um dem Arbeitnehmer den Nachweis der Üb erstunden- oder Überzeitarbeit zu verunmöglichen. In solchen Fällen ist das Verhalten des Arbeitgebers als rechtsmissbräuchlich im Sinne von Art. 2 ZGB zu qualifizieren, so dass sich ei n ausnahmsweises Abrücken von der allgemeinen Beweislastregel von Art. 8 ZGB rechtfertig en lässt. In allen anderen Fällen, insbe- sondere wenn überhaupt keine Dokumentation abgelegt o der sie nur lückenhaft geführt wurde, ist die Schwelle von Art. 2 ZGB nicht erreicht. Hier bleibt es dabei, dass die Beweislast für den Nachweis der behaupteten Überstunden- oder Überzeitarbeit weiterhin beim Arbeitnehmer liegt (U. STREIFF / A. VON KAENEL / R. RUDOLPH , a.a.O., Art. 321c N 10). 2.3 Gemäss Art. 164 ZPO ist die unberechtigte Verweigerun g der Mitwirkung einer Partei am Beweisverfahren bei der Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Die Klägerin behauptet zwar ein unberechtigtes Verhalten der Beklagten, vermag ein solches indessen nicht zu belegen. Der entsprechende Nachweis ist denn auch in Fällen, in wel chen die betroffene Partei das Nicht- mehrvorhandensein von Beweisdokumenten behauptet, für welche keine Aufbewahrungsfristen gelten, naturgemäss nicht einfach zu erbringen. Alleine deshalb kann aber ein unredliches Ver- halten der editionspflichtigen Partei nicht leichthin vermutet werden. Auch wenn die Beklagte damit, dass sie zunächst um Fristerstreckung für die Editi on ersuchte, nur um schliesslich ein- zuräumen, der Verpflichtung nicht nachkommen zu können, gewisse Zweifel aufwirft, reichen diese indessen für die Annahme einer unberechtigten Verweigerung im Sinne von Art. 164 ZPO nicht aus. Letztlich hat die Klägerin die geltend gem achte Beweisnot weitgehend selber zu ver- antworten, hätte es ihr doch freigestanden, Aufstellung en der über ihr Pensum hinaus geleiste- ten Arbeitsstunden anzufertigen und diese regelmässig von der Beklagten visieren zu lassen. 2.4 Im Weiteren zu prüfen ist, ob – unabhängig von der nicht stichhaltigen Rüge der unbe- rechtigten Beweisverweigerung – bereits aufgrund der un bestrittenen Regelung, wonach sich die Klägerin und C.____ als Ärztinnen bei Ferien jewe ils gegenseitig vertreten haben, von ent- sprechenden Überstunden der Klägerin auszugehen ist. Die se Frage kann im Grundsatz bejaht werden. Bei der Festlegung des Umfangs der Überstunden geht die Klägerin offensichtlich von einem halben Pensum ihrer Kollegin aus, wenn sie pro Ferienwoche 2.5 Tage berechnet. Tat- sächlich ist indessen das Arbeitspensum von C.____ nie festg estellt worden. Anlässlich ihrer Befragung als Zeugin hat sie von wechselnden Pensen gesprochen, welche aber nie über 50 % gelegen hätten. Damit ist erstellt, dass C.____ nicht du rchwegs in einem Pensum von 50 % gearbeitet hat. Doch selbst wenn ein regelmässiges Pensum der Zeugin von 50 % nachgewie- sen wäre, könnte nicht ohne weiteres vom Nachweis entspre chender Überzeit durch die Feri- envertretung ausgegangen werden, da für die Vertretu ngszeit allenfalls auch eine geringere Patientenzahl eingeschrieben wurde. Da somit das gena ue Ferienvertretungspensum nicht festgestellt werden kann, können auch die geltend ge machten Überstunden nicht nachvollzo- gen werden, auch wenn davon auszugehen ist, dass solche geleistet wurden. Im Gegensatz zu Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht den nachfolgend zu prüfenden Wochenendüberstunden hat die Klägerin für die behauptete Fe- rienvertretungsüberzeit keine richterliche Schätzung post uliert. Insgesamt ist somit vom fehlen- den Nachweis der behaupteten Überstunden aus Ferienv ertretungen der Klägerin auszugehen, so dass sich die diesbezügliche Rüge der unrichtigen Sach verhaltsfeststellung als unbegründet erweist und die Berufung in diesem Punkt abzuweisen ist. 3.1 Die Klägerin räumt grundsätzlich ein, dass sie neben d en zur Edition beantragten Auf- zeichnungen der Beklagten sowie den Zeugenaussagen von C.____ keine Mittel zum Nachweis der geleisteten Wochenendüberstunden habe. Die Zeugi n habe erklärt, jeweils dann an den Wochenenden gearbeitet zu haben, wenn die Klägerin u nd ihr Ehemann verreist gewesen sei- en. Die Beklagte hätte die Möglichkeit gehabt, das Gege nteil nachzuweisen, was sie indessen trotz ihrer Editionsverpflichtung unterlassen habe. Die Vorinstanz hätte deshalb die Aufzeich- nungen der Klägerin als Beweise stärker gewichten bzw. das Beweismass herabsetzen müssen oder eine eigene Schätzung vornehmen können. Ferner ve rweist die Klägerin auf den von der Vorinstanz unterbreiteten Vergleichsvorschlag, wonach de r Klägerin unter dem Titel Überstun- den CHF 20'747.35 netto bezahlt worden wären. Die V orinstanz sei von Überstunden im Um- fang von 305 Stunden und 20 Minuten ausgegangen, unter der Voraussetzung, dass die Kläge- rin im Rahmen der Replik die Richtigkeit ihrer Auflist ung nachweisen könne. Die Beklagte hin- gegen verweist vorab erneut auf die Gründe für die fehlende Edition der Unterlagen und bestrei- tet, dass aus den Aussagen der Zeugin auf die Notwendig keit von Überstunden geschlossen werden könne. Daraus werde vielmehr deutlich, dass die beiden Ärztinnen sich hätten gegen- seitig vertreten sowie Stunden und Tage kompensieren kö nnen, weshalb gerade nicht klar sei, wer wie viel gearbeitet habe. Ferner sei die vom Ehe mann der Klägerin unterzeichnete Über- stundenaufstellung nicht beweistauglich, da dieser zum Z eitpunkt der Unterzeichnung nicht mehr Verwaltungsrat der Beklagten gewesen sei. Schliesslich könne die Klägerin auch aus dem Vergleichsvorschlag der Vorinstanz nichts zu ihren Gunsten ableiten, nachdem es ihr nicht ge- lungen sei, die Richtigkeit ihrer Aufstellungen nachzuweisen. 3.2 Aus den Zeugenaussagen von C.____ lässt sich bloss ableiten , dass beide Ärztinnen Wochenenddienst geleistet und sich dabei jeweils gegense itig vertreten haben. An wie vielen Wochenenden aber wie lange gearbeitet werden musste, lässt sich nicht beurteilen. Hierzu lie- gen einzig die von der Klägerin bzw. von ihrem Ehemann erstellten Aufstellungen im Recht. Die Detailaufstellung der Klägerin ist als reine Parteibeh auptung zu qualifizieren und deshalb ohne Beweiswert. Die handschriftliche Aufzeichnung mit dem S tempel des Ehemannes der Klägerin trägt kein Datum, wurde aber gemäss Darstellung in der Klageingabe vom 21. August 2013 am 7. September 2012 erstellt, mithin in einem Zeitpunkt , in welchem der Ehemann nicht mehr Verwaltungsrat der Beklagten und daher nicht mehr bef ugt war, verpflichtende Erklärungen für die Beklagte abzugeben. Im Übrigen tätigte die Kläger in gemäss eigener Darstellung ihre Wo- chenenddienste regelmässig zusammen mit ihrem Ehemann, so dass sich ausserdem die Fra- ge stellt, ob ihre Präsenz für die Wochenenddienste üb erhaupt erforderlich war. Im Weiteren kann die Klägerin auch aus dem Vergleichsvorschlag der V orinstanz nichts für sich ableiten, zumal Vergleiche wesensgemäss bezwecken, dass die Parteien e inander bei unsicherer Sach- und Beweislage entgegenkommen, um den Streit bei feh lender Klärung des Sachverhalts zu beenden. Sodann ist in Bezug auf die von der Klägeri n geforderte Schätzung durch die Vor- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht instanz festzustellen, dass eine solche weder möglich noch zulässig gewesen wäre, da hierfür jegliche Basis fehlt. Auch in Bezug auf die Wochenenddien ste bleibt schliesslich anzumerken, dass die Klägerin jederzeit die Möglichkeit gehabt hät te, ihre Überstunden während dem Ar- beitsverhältnis aufzuschreiben und quittieren zu lassen, so dass sie den Beweisnotstand selber zu vertreten hat. 4.1 Die Klägerin rügt im Weiteren, die Feststellung der Vorinstanz, wonach die Berechnung der Klägerin in keiner Weise nachvollziehbar sei, erhärte den Verdacht auf überspitzten Forma- lismus. So sei aus den Aufstellungen klarerweise erkennbar, ob es sich um Stunden oder Minu- ten handle. Bereits der vorinstanzliche Vergleichsvorschlag zeige auf, dass die Vorinstanz die Aufstellung durchaus verstanden habe. Die Nichtabnahme des korrekt angebotenen Beweismit- tels sei daher als überspitzter Formalismus zu werten. Ferner sei auch die Feststellung der Vor- instanz, die Klägerin habe auf Fragen des Gerichts hin ke ine konkreten Antworten geben kön- nen, nicht zutreffend. Insgesamt verletze die Nichtwür digung der Beweismittel Art. 152 ZPO. Die Beklagte hält diesen Vorbringen entgegen, dass es de r Klägerin zwar gelinge, die in ihrer Aufstellung bestehende Unklarheit zwischen Stunden und Minuten zu beseitigen und darzustel- len, wie sie auf die geltend gemachten Überstunden und Forderungen gekommen sei, den Her- gang der angeblichen Überstunden bleibe sie aber schuldig. Diesbezüglich habe die Vorinstanz korrekterweise auf die fehlende Übereinstimmung zwischen d en unterschiedlichen Aufstellun- gen hingewiesen. Ausserdem habe die Zeugin C.____ an der Hauptverhandlung zu Protokoll gegeben, sie habe einen Ferienanspruch von 5 Wochen g ehabt, während in der klägerischen Aufstellung von 6 Wochen ausgegangen werde. Selbst w enn aber der klägerischen Auffassung zu folgen wäre, wären die vor dem 18. Januar 2008 ent standenen Forderungen in jedem Falle verjährt. 4.2 Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz die von de r Klägerin offerierten Beweise – entgegen deren Darstellung – durchaus abgenommen und gewürdigt hat. In diesem Rahmen hat die Vorinstanz auch festgehalten, dass die eingereich ten Aufstellungen unklar beziehungs- weise widersprüchlich seien. Soweit die Vorinstanz ausführ t, es sei unklar, ob es sich bei der von der Klägerin am 30. September 2015 eingereichten Auflistung um Stunden oder Minuten handelt, ist diese Feststellung tatsächlich nicht nachvo llziehbar. Aus den einzelnen Jahresblät- tern ist ohne weiteres erkennbar, dass es sich um Minute n handelt, die am Ende jeweils in Stunden umgerechnet wurden. Insofern ist die Rüge der Klägerin begründet und nachvollzieh- bar. Nicht zu beanstanden ist indessen die vorinstanzliche Feststellung, dass die Aufstellung im Widerspruch zur handschriftlichen Liste vom 7. September 2012 steht. Die Widersprüche sind – wie die Vorinstanz zutreffend aufzeigt – klar und können auch durch die Ausführungen in der Berufung nicht aufgelöst bzw. widerlegt werden. Es ist zwar nachvollziehbar, wenn die Klägerin moniert, das vorinstanzliche Präsidium sei bei der Befrag ung nicht auf solche Widersprüche eingegangen und habe auch nicht zu erkennen gegeben, d ass sie Fragen nicht oder nicht zu- friedenstellend beantwortet habe. Dies ist indessen le tztlich unerheblich, weil auch entspre- chende Fragen die Widersprüche nicht hätten beseitigen können. Namentlich bleibt es dabei, dass die Klägerin die Entstehung der geltend gemachte n Überstunden nicht nachweisen kann, zumal die von ihr selbst erstellten Aufstellungen für einen rechtsgenüglichen Nachweis nicht genügen und die Visierungen durch den Ehemann aus dem bereits erwähnten Grund keine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtliche Wirkung haben. Bei dieser Sachlage erübrigt sich ein näheres Eingehen auf die von der Beklagten aufgeworfene Frage der Verjährung. 5.1 Die Klägerin wendet im Weiteren ein, die Vorinstanz sei bei der Befragung der beiden Zeuginnen über das von der Beklagten definierte Beweist hema hinausgegangen. Die beiden Zeuginnen seien zu den Behauptungen angerufen worden , dass die Klägerin allfällige Über- stunden bereits mehrfach kompensiert habe und der Bekla gten zu keinem Zeitpunkt Überstun- den der Klägerin gemeldet worden seien. Sowohl die Z eugin C.____ als auch die Zeugin D.____ hätten indessen erklärt, keine Kenntnis von Überst unden, Wochenendüberstunden und Ferienvertretung zu haben bzw. gar nicht zu wissen, wie die Klägerin ihre Überstunden ge- handhabt habe. Indessen habe der Ehemann der Klägeri n – wie von der Zeugin C.____ bestä- tigt worden sei – stets gewusst, wie lange sie gearbeite t hätten. Die Klägerin habe deshalb den Ehemann der Klägerin wiederholt als Zeugen angerufen . Die von der Beklagten dagegen erho- bene Einwendung der Befangenheit sei insofern haltl os, als der Gesetzgeber keine entspre- chende Ausstandsregel vorgesehen habe. Spätestens nach de r ergebnislosen Befragung der beiden Zeuginnen hätte die Vorinstanz daher den Ehem ann der Klägerin zur Beweisaussage zulassen müssen. Die Beklagte erachtet den Standpunkt der Klägerin als überspitzt formalis- tisch, so sei unter Ziffer 5 der Klagantwort auch gelt end gemacht worden, dass bei Ärzten Überstunden üblicherweise durch den Lohn abgegolten se ien. Damit seien die Stellung der Klägerin in der Klinik sowie die Abgeltung allfällig er Überstunden durch den Lohn ebenfalls Be- weisthema gewesen, weshalb die vorinstanzliche Befragung nicht zu weit gegangen sei. In Be- zug auf den Ehemann der Klägerin räumt die Beklagte e in, dass zwar kein formeller Aus- standsgrund vorliege, dass aber seine Befragung als Zeug e gestützt auf Art. 152 Abs. 1 und 157 ZPO abzulehnen sei, da er nicht nur der Ehemann der Klägerin sei, sondern auch ein eige- nes Interesse am Ausgang des Verfahrens habe. Ausserdem er übrige sich nach der Anhörung der unabhängigen Zeuginnen eine Anhörung des Ehemannes der Klägerin. 5.2 Es trifft grundsätzlich zu, dass die Befragung der Zeug innen durch die Vorinstanz bei strenger Betrachtungsweise über das durch die Klagantwort definierte Beweisthema hinaus- ging. Ob darin bereits eine Rechtsverletzung liegt, kan n indessen offen bleiben. Das von der Klägerin korrekt dargelegte Beweisergebnis zu den Behau ptungen der Beklagten bedeutet nämlich lediglich, dass die Beklagte mit ihren Behauptun gen beweislos geblieben ist. Dies än- dert jedoch nichts an der Beweislage der beweispflichtige n Klägerin. Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob die Klägerin durch eine allfäll ige Rechtsverletzung der Vorinstanz über- haupt beschwert wurde. Im Übrigen war die Klägerin a nlässlich der vorinstanzlichen Hauptver- handlung anwaltlich vertreten. Die damals während der Zeugenbefragung anwesende Rechts- vertreterin hat indessen die Überschreitung des Beweisth emas vor dem Zivilkreisgericht nicht moniert, weshalb der heutige Einwand verspätet erschei nt. Was ferner die fehlende Befragung des Ehemannes der Klägerin als Zeugen angeht, so ist der Klägerin dahingehend beizupflich- ten, dass kein gesetzlicher Ausschlussgrund vorliegt. Das Vor gehen ist letztlich jedoch als anti- zipierte Beweiswürdigung zu werten. Der beantragte Zeu ge ist der Ehemann der Klägerin und mit diesem Status in einem offensichtlichen Loyalitätsko nflikt. Darüber hinaus hatte er sich mit der handschriftlichen Aufstellung vom 7. September 2012 inhaltlich bereits festgelegt. Nament- lich wäre aber auch er mit Sicherheit nicht in der La ge gewesen, die Entstehung der jeweiligen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Überstunden über die fraglichen 5 Jahre im Einzelnen darzulegen. Damit erweist sich auch die Rüge einer Verletzung von Art. 152 ZPO als unbegründet. Nachdem die Klägerin nicht in der Lage ist, die geltend gemachten Überstunden nachzuweisen, kann die Frage einer möglichen Kaderstellung der Kläge rin im Betrieb der Beklagten offen blei- ben. 6.1 Die Klägerin beanstandet ferner die Feststellung der Vorinstanz, sie habe den Ferienbe- zug im Jahr 2012 nicht bestritten, so dass dieser erstellt sei. Dem Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sei im Gegenteil zu entnehmen, dass die Klägerin die Richtigkeit des Schreibens der Beklagten vom 24. August 2012 (Klagantwo rtbeilage 6) bestritten habe. Die Vorinstanz habe verkannt, dass es sich bei der Klagantwortb eilage 6 um eine nicht weiter sub- stantiierte, keinesfalls bewiesene Parteibehauptung ha ndle. Ausserdem setze sich die Vor- instanz in Widerspruch zu ihrem Vergleichsvorschlag vom 8. August 2014, wo der September- lohn 2012 zugestanden worden sei. Zutreffend sei, dass die Klägerin im September 2012 Über- stunden kompensiert habe und deshalb ihrem Arbeitsplat z ferngeblieben sei. Die Beklagte an- erkennt, dass die Klägerin die Klagantwortbeilage 6 pauschal bestritten habe, allerdings sei aus dem Protokoll der Hauptverhandlung auch ersichtlich, da ss die Klägerin auf das Schreiben der Beklagten vom 24. August 2012 nie reagiert, dessen Zu stellung aber auch nie bestritten habe, so dass ihr durchaus bewusst gewesen sei, dass ihr Ferienguthaben nach dem Dafürhalten der Beklagten aufgebraucht gewesen sei und die Ferien des halb nicht bewilligt worden wären. Da die Klägerin dennoch eigenmächtig Ferien bezogen hab e und der Arbeit ferngeblieben sei, sei für den September 2012 auch kein Lohn geschuldet. 6.2 Zunächst fällt auf, dass die Klägerin ihren Ferienans pruch unterschiedlich und auch wi- dersprüchlich begründet. Während in der Klage lediglic h von den ihr "noch zustehenden vier Ferienwochen" die Rede ist, die sie im September 2012 bezogen habe, wird in der Replik aus- geführt, die Klägerin sei tatsächlich zu den von der B eklagten genannten Zeiten nicht tätig ge- wesen, doch habe sie diese Zeiten während Abwesenheiten ihrer Kollegin C.____ sowohl vor- als auch nachgearbeitet. In der Berufung wiederum wi rd geltend gemacht, dass die Klägerin im September 2012 Überstunden kompensiert habe. Vor dem H intergrund dieser letzten Begrün- dung, aber auch im Hinblick auf die Anerkennung der vo n der Beklagten behaupteten Abwe- senheiten im Jahr 2012 erscheint die Feststellung der Vor instanz weder widersprüchlich noch aktenwidrig. Widersprüchlich sind vielmehr die von der Klägerin zur Begründung des Lohnan- spruchs vorgebrachten Erklärungen. Nachdem die Klägerin d ie geltend gemachten Überstun- den nicht zu beweisen vermag, fehlt es auch an der Gr undlage für eine entsprechende Kom- pensation im September 2012. Hinzu kommt, dass die Kläge rin die Kompensation unbestritte- nermassen eigenmächtig vorgenommen und damit ihre arb eitsvertragliche Pflicht verletzt hat. Die Vorinstanz hat daher den Anspruch auf den Septemberlohn 2012 zu Recht verneint. 7.1 Die Klägerin moniert im Weiteren, die Vorinstanz hab e den anlässlich der Hauptver- handlung eingereichten Arbeitsvertrag von C.____ als ve rspätet aus dem Recht gewiesen, oh- ne ihr das rechtliche Gehör zu gewähren. Aus dem Vertra g wäre das Bestehen einer Überstun- denregelung ersichtlich gewesen. Die Nichtabnahme des Be weismittels verletze Art. 152 ZPO. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Beklagte wendet dagegen ein, dass die Behauptung d er Klägerin, sie habe den Arbeitsver- trag erst am Verhandlungstag erhalten, fraglich erschein e, nachdem die Zeugin C.____ an der Hauptverhandlung erklärt habe, sie habe den Arbeitsvertrag nicht mehr. Die Klägerin habe auch nicht dargelegt, weshalb es ihr nicht möglich gewesen sei n soll, den Vertrag früher einzu- reichen. 7.2 Gemäss Art. 229 ZPO können unechte Noven noch in de r Hauptverhandlung vorge- bracht werden, wenn ein früheres Einreichen trotz zumutb arer Sorgfalt nicht möglich war. "In der Hauptverhandlung" bedeutet grundsätzlich bis zu den Schlussvorträgen der Parteien. Die Klägerin hat den Arbeitsvertrag kurz vor Ende der vorinst anzlichen Hauptverhandlung einge- reicht mit der Begründung, ihn erst am Tag der Verhan dlung erhalten zu haben. Nähere Anga- ben zu den Umständen machte sie indessen keine. Nachdem sich die Beklagte dazu geäussert hatte, wurde der Klägerin das Wort nicht nochmals ert eilt, wobei dem Protokoll auch kein Hin- weis auf ein erneutes Wortbegehren der Klägerin zu ent nehmen ist. Die Klägerin wäre grund- sätzlich gehalten gewesen, bereits beim Vorlegen des Novum s die so späte Einreichung des Arbeitsvertrages einlässlich zu begründen. Dies umso mehr, als C.____ als Zeugin kurz zuvor ausgesagt hatte, eben diesen Arbeitsvertrag nicht mehr zu haben. Es ist kaum anzunehmen, dass die Klägerin den Arbeitsvertrag zwischen der Zeugenb efragung und der Fortführung der Hauptverhandlung erhalten hat, zumal nicht ersichtlich wäre, von wem. Es wäre zwar allenfalls erhellend gewesen, wenn die Vorinstanz der Klägerin zu diesem Zweck nochmals das Wort erteilt hätte, eine prozessrechtliche Verpflichtung dazu bestand indessen nicht. Im Übrigen hätte die anwaltlich vertretene Klägerin von sich aus das Wort verlangen oder sich spätestens im Rahmen des Plädoyers zur Novenqualität des eingereichten Arbeitsvertrags äussern können und müssen. Nachdem die Klägerin auch im Rahmen des vorl iegenden Berufungsverfahrens für die verspätete Einreichung des Arbeitsvertrages keine Begründung anführt, liegt in der vor- instanzlichen Nichtberücksichtigung des Arbeitsvertrages kei ne Verletzung von Art. 152 ZPO. Im Übrigen hätte auch die Zulassung des Novums keinen Einfluss auf den Ausgang des Verfah- rens, da die Klägerin die geltend gemachten Forderun gen nicht allein auf das Bestehen einer Überstundenregelung abstützen könnte. Sie wäre vielmehr weiterhin beweisbelastet für den Umfang der Überstunden sowie deren Anordnung und – sow eit Samstage betroffen waren – die fehlende Kompensationsmöglichkeit. Diesen Beweis konnte si e – wie vorstehend ausgeführt – nicht erbringen. 8. Die Klägerin hat schliesslich anlässlich der heutigen Haup tverhandlung erstmals vorge- bracht, die Beklagte habe die Tatsachenvorbringen der Klägerin lediglich generell bestritten und sei damit ihrer Bestreitungslast nicht ausreichend nachgekommen. Die nicht behauptungsbelastete Partei trägt grundsätzl ich die Bestreitungslast. Die beklagte Partei ist mithin gehalten, die Tatsachenbehauptungen der Klage zu bestreiten, wobei eine ge- nerelle Bestreitung in der Regel nicht genügt, sondern die einzelnen Vorbringen substantiiert zu bestreiten sind. Für das Substantiieren von Bestreitung en gelten indessen grundsätzlich weni- ger strenge Anforderungen als für das Substantiieren vo n Behauptungen. Namentlich darf die Bestreitungslast nicht zu einer Umkehr der Beweislast führe n. Die Bestreitungslast greift daher nur, wenn der Tatsachenvortrag der Klagpartei schlüssig ist. In Bezug auf die Substantiierungs- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflicht des Klägers gilt grundsätzlich, dass rechtserhebli che Behauptungen in der Rechtsschrift selbst vorgebracht werden müssen. Da Beilagen Beweismittel offerten und keine Parteibehaup- tungen sind, genügt ein Verweis auf eingereichte Akten stücke nicht (T H. SUTTER -SOMM / C. SCHRANK , in: Th. Sutter-Somm / F. Hasenböhler / Ch. Leuenbe rger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Auflage, Z ürich / Basel / Genf 2016, Art. 55 N 27 und 30., S. 470 f.). Die Klägerin hat in Ziffer 9 ihrer Klage vom 21. Au gust 2013 lediglich behauptet, dass sie über eine Zeitspanne von 5 Jahren Überstunden zu einem Gegenw ert von CHF 76'919.50 geleistet habe. Zum Beweis wird pauschal auf die Auflistung der Überstunden vom 7. September 2012 verwiesen. Mit diesem Vorgehen hat die Klägerin die minimalen Anforderungen an ihre Behaup- tungspflicht klarerweise nicht erfüllt. Dies hat denn a uch die Beklagte in Ziffer 15 ihrer Klagant- wort vom 24. März 2014 beanstandet. Trotz entsprechenden Hinweises des vorinstanzlichen Instruktionsrichters hat die Klägerin diesen Mangel auch in ihrer Replik nicht behoben, so dass die Vorinstanz die Klage auch aus diesem formalen Grun d hätte abweisen können. Angesichts der bereits fehlenden rechtsgenüglichen Tatsachenbehaupt ungen der Klägerin kann von einer Verletzung der Bestreitungslast der Beklagten jedenfal ls keine Rede sein. Die entsprechende Rüge kann daher nicht gehört werden. 9. Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die Berufu ng der Klägerin in Bestätigung des angefochtenen Urteils vollumfänglich abzuweisen ist . Dem Ausgang des Verfahrens ent- sprechend sind der Berufungsklägerin in Anwendung von Art. 106 Abs. 1 i.V. mit 95 Abs. 1 ZPO die Kosten des Berufungsverfahrens wie auch eine angemesse ne Parteientschädigung zu Gunsten der Berufungsbeklagten aufzuerlegen. Die vom R echtsvertreter der Berufungsbeklag- ten eingereichte Honorarnote erweist sich als tarifkon form, so dass sie ihrem Umfang entspre- chend als Parteientschädigung festzulegen ist. Da die B erufungsbeklagte selbst mehrwertsteu- erpflichtig ist, ist auf die Parteientschädigung kein zusä tzlicher Ersatz der Mehrwertsteuer zu gewähren (vgl. BJM 2012, S. 235 f.). Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird in Bestätigung des Urteils d es Zivilkreisgerichts Ba- sel-Landschaft Ost vom 2. Juni 2016 vollumfänglich abgewiesen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die kantonsgerichtliche Gebühr von CHF 8'000.00 wir d der Berufungs- klägerin auferlegt. Der Berufungsbeklagten wird für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung von CHF 10'500.00 zuzüglich Auslagen von CHF 66.80, total somit CHF 10'566.80 zu Lasten der Berufungsklägerin zuge- sprochen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiber Daniel Noll