A bteilung III C -830/2006 und C -832/2006 {T 0/2} U rteil vom 16. Februar 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler (Vorsitz); R ichter Vaudan; R ichter Vuille; G erichtsschreiberin Kradolfer. 1. X._______ 2. Y._______ 3. Z._______ Beschw erdeführer alle vertreten durch Frau Advokatin Verena G essler, Bahnhofstrasse 1, 4133 Pratteln gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in B ezug auf X._______ und Y._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie kubanischen Staatsangehörigen X._______ (nachfolgend Beschw er- deführerin 1) und ihre Tochter Y._______ (nachfolgend Beschw erdeführe- rin 2) beantragten am 22. M ai 2006 bei der schw eizerischen Botschaft in H avanna ein Visum für einen zw eim onatigen Besuchsaufenthalt bei Z._______ (nachfolgend G astgeber) in A._______ (BL). D ie Auslandver- tretung überw ies die G esuche dem Bundesam t für M igration (nachfolgend Vorinstanz) zum Entscheid. B. N achdem das Am t für M igration des Kantons Basel-Landschaft beim G ast- geber ergänzende Auskünfte eingeholt hatte, lehnte die Vorinstanz die Einreisegesuche m it w eitgehend gleichlautenden Verfügungen vom 7. Juli 2006 ab. Als Begründung führte sie im W esentlichen an, dass die fristgerechte W iederausreise aufgrund der w irtschaftlichen und soziokultu- rellen Verhältnisse in der H erkunftsregion sow ie aufgrund der persönlichen Situation nicht gew ährleistet sei. C . M it Beschw erde vom 4. Septem ber 2006 beantragt die R echtsvertreterin im N am en der Beschw erdeführerinnen und des G astgebers die Aufhebung der angefochtenen Verfügungen sow ie die Bew illigung der Einreise in die Schw eiz. D ie Vorinstanz sei anzuw eisen, zu diesem Zw eck Besuchervisa zu erteilen. Zur Begründung bringt sie im W esentlichen vor, die Vorinstanz habe ihr Erm essen nicht pflichtgem äss ausgeübt, und sie habe in ihrer Be- gründung die konkreten Verhältnisse nicht genügend berücksichtigt. D . D ie Vorinstanz beantragt m it Vernehm lassung vom 27. O ktober 2006 die Abw eisung der Beschw erde. D en G esuchstellerinnen oblägen keine über das übliche M ass hinausgehenden Verpflichtungen, die, neben den R e- striktionen, w elche die kubanischen Behörden ihren Staatsangehörigen für die R ückreise auferlegen, G ew ähr böten für eine anstandslose und fristge- rechte W iederausreise. E. D ie R echtsvertreterin hält in ihrer R eplik vom 1. D ezem ber 2006 an ihrem Antrag und dessen Begründung fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VG G genannten Ausnahm en Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), w elche von einer in Art. 33 VG G aufgeführten Behörde erlassen w urden, sow ie gegen Be- schlüsse gem äss Art. 34 VG G . D arunter fallen die Verfügungen des Bundesam tes für M igration betreffend Bew illigung der Einreise (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufent-3 halt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20]) und Art. 18 Abs. 1 der Verordnung über die Einreise und Anm el- dung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 (VEA, SR 142.211). D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der am 1. Januar 2007 bei den Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erdediensten der D eparte- m ente hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 2. D ie Beschw erdeführerinnen sind als Verfügungsadressatinnen durch die angefochtenen Verfügungen berührt und haben ein schutzw ürdiges Inte- resse an deren Aufhebung (Art. 48 Abs. 1 Vw VG ). Sie sind daher zur Be- schw erde legitim iert. D ie Beschw erdelegitim ation des G astgebers ergibt sich aus Art. 48 Abs. 1 Vw VG in Verbindung m it Art. 20 Abs. 2 AN AG . Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist som it einzutre- ten (Art. 50 und 52 Abs. 1 Vw VG ). 3. Ausländer und Ausländerinnen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz be- rechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung haben oder keiner solchen bedürfen (Art. 1a AN AG ). G ew isse G ruppen von Aus- länderinnen und Ausländern benötigen für die Einreise in die Schw eiz ein Visum (vgl. Art. 3 ff. VEA). D as Bundesam t für M igration entscheidet im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Ausland nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt und N iederlassung (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG ; Art. 9 VEA). D ies bedeutet, dass die schw eizerische R echtsordnung w eder ein allgem eines R echt auf Einreise kennt, noch ei- nen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visum s gew ährt (vgl. PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Tho- m as G eiser/M artin Arnold [H rsg.], Ausländerrecht, H andbücher für die An- w altspraxis Bd. 8, Basel/G enf/M ünchen 2002, R z. 5.28). Ein Einreisevisum w ird verw eigert, w enn die in Art. 1 VEA aufgeführten Voraussetzungen nicht erfüllt sind (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). Insbesondere m üssen G esuchstellerinnen und G esuchsteller, die in die Schw eiz reisen m öchten, G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ieder ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 4. D ie Beschw erdeführerinnen benötigen aufgrund ihrer N ationalität zur Ein- reise in die Schw eiz neben dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz verw ei- gerte die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die fristge- rechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert.4 5. W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürge- rinnen und Bürgern aus Staaten beziehungsw eise R egionen m it politisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen von vornhe- rein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befri- steten Einreisebew illigung in Einklang steht. 5.1 D ie aktuelle Lage in Kuba ist – neben den noch im m er bestehenden Ein- schränkungen politischer Freiheitsrechte durch das kom m unistische R e- gim e – insbesondere durch eine seit dem Ende des kalten Krieges anhal- tende schw ierige w irtschaftliche Situation gekennzeichnet. Jährlich versu- chen Tausende von kubanischen Staatsangehörigen, das Land zu verlas- sen (vgl. etw a N eue Zürcher Zeitung vom 18. Januar 2006: "Im m er m ehr Kubaner suchen die Freiheit"). Aus diesen G ründen ist Kuba nach w ie vor zu denjenigen Staaten zu zählen, deren Staatsangehörige erfahrungsge- m äss nach einer Einreise versucht sein können, ausländerrechtliche Be- stim m ungen zu um gehen. Im Falle von Kuba bestehen zudem – w ie die Vorinstanz in ihrer Vernehm lassung vom 27. O ktober 2006 bereits erw ähnt hat – besondere Schw ierigkeiten bei der R ückreise ins H eim atland (vgl. M ichael Kirschner, Kuba: Legale und illegale Aus- und Einreise, Schw eize- rische Flüchtlingshilfe, Bern 2006). Solche U m stände sind beim Visum sentscheid zu berücksichtigen. D ies um so m ehr, als es um die Beur- teilung eines künftigen Verhaltens geht, bezüglich dessen in der R egel kei- ne gesicherten Erkenntnisse vorliegen. 5.2 Bei der R isikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt dem G esuchsteller oder der G e- suchstellerin beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, so kann dieser U m stand durchaus die Pro- gnose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko, dass sie sich nach einer bew illigten Einreise nicht gem äss den frem denpolizeilichen R egeln verhal- ten, als hoch eingeschätzt w erden. 5.2.1 Bei der Beschw erdeführerin 1 handelt es sich um eine 41-jährige, verheira- tete Frau. Sie ist H ausfrau und hilft in Privathaushalten m it, w elche Tou- risten aufnehm en. Ihr M ann ist als Elektriker angestellt und ihre Tochter studiert im dritten Jahr Sport an einer kubanischen U niversität. G em äss Einschätzung der Vorinstanz lassen sich diese Verpflichtungen "kaum m it einer dreim onatigen Abw esenheit vereinbaren." Trotzdem ge- langte sie zu Auffassung, es bestünden "keine zw ingenden beruflichen oder gesellschaftlichen Verpflichtungen, w elche gegebenenfalls G ew ähr für eine fristgerechte R ückkehr bieten und das vorgängig beschriebene R i- siko als entsprechend gering erscheinen" liessen. D iese Begründung er-5 scheint auf den ersten Blick w idersprüchlich, da der erste Teil eine starke Verpflichtung annim m t, w elche im zw eiten Teil w ieder verneint w ird. Ausgehend von der N atur der Verpflichtungen, die der Beschw erdeführe- rin 1 obliegen, kann allerdings festgestellt w erden, dass diese nicht zw in- gend von ihr selbst w ahrgenom m en w erden m üssen. M it einem gew issen organisatorischen Aufw and ist eine R egelung zur Ü berbrückung der ge- planten zw eim onatigen Abw esenheit durchaus denkbar. D iese Einschät- zung führt jedoch auch dazu, dass aus der fam iliären und beruflichen Situation der Beschw erdeführerin 1 keine Verpflichtung ersichtlich w ird, w elche – da auch von anderen Personen erfüllbar – die Prognose bezüg- lich der fristgerechten W iederausreise aus der Schw eiz entscheidend be- einflussen könnte. W eitere Indizien, die auf besondere berufliche oder ge- sellschaftliche Verpflichtungen schliessen liessen, w elche G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise bieten könnten, sind aus den Akten keine zu erkennen. D iese Erw ägungen sow ie das R isiko, das sich aus der allgem ei- nen Situation im H erkunftsland ergibt (vgl. oben Ziffer 5.1.), führen zum Schluss, dass die W iederausreise der Beschw erdeführerin 1 nicht als hin- reichend gesichert angesehen w erden kann. 5.2.2 Bei der Beschw erdeführerin 2 handelt es sich um eine 21-jährige, ledige Frau, w elche sich noch in der Ausbildung befindet. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschw erdeführerin 2 sich im dritten Jahr des Sportstudium s befindet. D ie R echtsvertreterin sieht in der Tatsa- che, dass die Beschw erdeführerin 2 einen Studienplatz innehat, ein Indiz für "über das übliche M ass" hinausgehende Verpflichtungen. D ieser Auf- fassung kann nicht gefolgt w erden. G erade m it Blick auf die politischen und w irtschaftlichen Verhältnisse im H erkunftsland (vgl. oben Ziffer 5.1.) m uss bei der nicht gefestigten beruflichen Situation der Beschw erdeführe- rin 2 das R isiko, dass der Besuchsaufenthalt in der Schw eiz zur Em igrati- on genutzt w erden könnte, als hoch eingestuft w erden. W eitere Verpflich- tungen fam iliärer oder gesellschaftlicher Art sind aus den Akten nicht er- kennbar. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die W iederausreise der Beschw erdeführerin 2 nicht als hinreichend gesichert angesehen w erden kann. 5.2.3 Zu berücksichtigen ist ferner, dass keine der Beschw erdeführerinnen Be- ziehungen zur Schw eiz hat, die die Erteilung eines Einreisevisum s nahele- gen könnten. D aran verm ögen auch die Ausführungen der R echtsvertrete- rin in ihrer R eplik vom 1. D ezem ber 2006 nichts zu ändern, w enn sie auf die Beziehung des G astgebers zum H erkunftsland beziehungsw eise zu den G esuchstellerinnen hinw eist. D ie Beziehung zw ischen dem G astgeber und den G esuchstellerinnen kann aufgrund der Akten nicht als besonders eng eingeschätzt w erden. Einerseits besteht die Bekanntschaft noch nicht sehr lange, andererseits hat der G astgeber es der kubanischen Fam ilie überlassen, w elche beiden Fam ilienm itglieder seiner Einladung nachkom - m en sollten.6 W as die Zusicherung aller Beteiligten (G astgeber, G esuchstellerinnen) anbelangt, dass die W iederausreise fristgerecht erfolgen w erde, so kann dieser kein allzu grosses G ew icht begem essen w erden, da es sich dabei lediglich um Erklärungen handelt, die für sich rechtlich nicht durchsetzbar sind. Insbesondere der G astgeber kann das Verhalten seiner G äste naturgem äss nicht oder nur beschränkt beeinflussen (vgl. dazu den Entscheid des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ents [EJPD ] vom 27. Juli 1992 in Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 57.24 am Ende). D eshalb m uss die Beurteilung, ob die W iederausreise gesichert erscheint, aufgrund der allgem einen Lage im H erkunftsland und der persönlichen Situation der G esuchstellerinnen erfolgen (vgl. oben Ziffern 5.1. sow ie 5.2.1 und 5.2.2). 6. Zusam m enfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für die Erteilung von Einreisebew illigungen an die G esuchstellerinnen vorliegend nicht er- füllt sind, w eshalb die Vorinstanz die Visum serteilung zu R echt verw eiger- te. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Ergeb- nis rechtm ässig ist (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist dem zufolge abzu- w eisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschw erdefüh- renden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- (G erichtsgebühr) w erden den Be- schw erdeführenden auferlegt. Sie w erden m it dem am 26. Septem ber 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern (eingeschrieben) - der Vorinstanz (m it D ossier R ef-N r. 2 224 207 Srr/D is) - dem Am t für M igration des Kantons Basel-Landschaft m it den Akten BL 284 774 (eingeschrieben) - der Schw eizerischen Botschaft in H avanna (via Bundesam t für M igration) D ie vorsitzende R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: R uth Beutler Barbara Kradolfer Versand am : 23. Februar 2007