B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7162/2010 law/fes U r t e i l v o m 29 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), Sudan, vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. September 2010 / N (…). D-7162/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 2. November 2002 und reiste via Libyen und Italien am 25. November 2002 in die Schweiz ein, wo er gleiche ntags in der Em p- fangsstelle (heute Empfangs- und Verfahrenszentrum [EVZ]) Kreuzlingen erstmals um Asyl nachsuchte. Zur Begründung seines ersten Asylgesuchs machte er einerseits geltend, er habe als Journalist für die Zeitung B._______ politische Artikel g e- schrieben und sei deshalb zwischen 1996 und 2002 fünf Mal von sud a- nesischen Sicherheitsbeamten verhaftet und misshandelt worden. Bei der letzten Festnahme, sei ihm vorgeworfen worden, als Spion für die Schweiz gearbeitet zu haben, weil er mit dem damalige n Schweizer Bot- schafter Joseph Bucher ein Interview geführt habe. Es sei auch ein G e- richtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden. Kurz vor der Verurteilung habe er jedoch flüchten können. Ausserdem habe er mehrere militärische Aufgebote erhalten, denen er nicht nachgekommen sei. A.b Mit Verfügung vom 7. November 2003 stellte das damalige Bunde s- amt für Flüchtlinge (BFF, heute BFM) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleic h- zeitig verfügte es die Wegweisung und ordnete deren Vollzug an. A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 8. Dezember 2003 wurde von der damaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil vom 25. August 2006 abgewiesen. B. Mit Urteil vom 14. November 2006 trat die ARK auf ein am 6. Oktober 2006 gestelltes Revisionsgesuchs nicht ein. C. C.a Am 27. Juli 2007 reichte der Beschwerdeführer beim BFM ein Wi e- derwägung ein. C.b Das BFM trat mit Verfügung vom 12. September 2007 auf das Wi e- dererwägungsgesuch nicht ein. C.c Die gegen di ese Verfügung erhobene Beschwerde vom 15. Oktober 2007 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Entscheid D -6984/2007 D-7162/2010 Seite 3 vom 26. März 2009 als gegenstandslos geworden abgeschrieben, da der Beschwerdeführer zwischenzeitlich nach Deutschland ausgereist war und dort ein Asylgesuch gestellt hatte. C.d Am 22. April 2009 überstellten die deutschen Behörden den B e- schwerdeführer gestützt auf das Dublin -Assoziierungsabkommen (DAA, SR 0.142.392.689) in die Schweiz. C.e Am 21. Juli 2009 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um W ie- deraufnahme des abgeschriebenen Beschwerdeverfahrens. Das Bu n- desverwaltungsgericht wies dieses mit Entscheid D -4674/2009 vom 10. August 2009 ab. D. Am 14. September 2009 reichte der Beschwerdeführer handelnd durch seine Rechtsvertreterin ein zweites Asylgesuch beim BFM ein und mach- te geltend, er sei in der Schweiz regelmässig journalistisch tätig und schreibe seit längerem in verschiedenen Zeitungen online Artikel. Er äu s- sere sich in den Artikel kritisch über das Regime im Sudan. Er habe auch an Konferenzen sudanesischer oppositioneller Bewegungen und am (…) an der Konferenz zu Menschenrechten der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) in Genf teilgenommen. Mit dem Gesuch reichte er folgende Beweismittel zu den Akten: vier von ihm geschriebene Zeitungsartikel mit Übersetzungen, und einen Ausweis für die Konferenz bei der UNO vom (…). E. Am 3. August 2010 hörte das BFM den Beschwerdeführer einlässlich zu seinen exilpolitischen Tätigkeiten in der Schweiz an. Der Beschwerdefüh- rer reichte dabei ein Schreiben der Popular Congress Party (PCP) in Deutschland vom 23. Juli 2006, ein Schreiben vom 12. Juni 2009 des Generalsekretärs der Sudanese Movement of Justice and Equality (JEM) in Deutschland, zwei Berichte von Amnesty Internatio nal (AI), eine Kopie eines Fotos vom 13. Juni 2010 und einen Artikel der Webseite www.alhagiga.com ein. F. Am 6. August 2010 reichte der Beschwerdeführer mittels seiner Recht s- vertreterin beim BFM zahlreiche Fotos und Internetartikel mit Überse t- zungen von div ersen Veranstaltungen und Kongressen, an denen er als D-7162/2010 Seite 4 Journalist anwesend gewesen sei, und eine DVD betreffend eine Konfe- renz im C._______ ein. G. Mit Verfügung vom 7. September 2010 – eröffnet am 10. September 2010 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte sein zweites Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz an und forderte ihn – unter An- drohung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz bis zum 2. November 2010 zu verlassen. H. Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 1. Oktober 2010 (Datum Pos t- stempel: 4. Oktober 2010) liess der Beschwerdeführer gegen diese Ver- fügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und bea n- tragen, der Entscheid des BFM sei aufzuheben und es sei die Flüch t- lingseigenschaft festzustellen, es sei die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling an- zuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er zudem beantragen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die u n- entgeltliche Prozessführung zu gewähren. Der Beschwerde legte er den Bericht von AI mit dem Titel "The Chains Remain" vom September 2010 bei. I. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2010 s tellte der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer könne das Ve r- fahren in der Schweiz abwarten, und hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter der Voraussetzung des Nachre i- chens einer Fürsorgebestätigung sowie unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gut. J. Am 22. Oktober 2010 reichte der Beschwerdeführer handelnd durch se i- ne Rechtsvertreterin eine Fürsorgebestätigung ein. K. Am 28. Oktober 2010 gab der Instrukti onsrichter dem BFM die Gelege n- heit, eine Vernehmlassung zur Beschwerde vom 4. Oktober 2010 einz u- reichen. D-7162/2010 Seite 5 L. In seiner Vernehmlassung vom 9. November 2010 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. Diese wurde dem Beschwerdeführer am 11. November 2010 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bunde sverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül- tig, (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berüh rt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerd e ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer D-7162/2010 Seite 6 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen u nerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exilaktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, sich somit auf das Vorliegen so genannter subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wah r- scheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise ve r- folgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10; UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kri terien zur Fes t- stellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993, Ziff. 94 ff.). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht mis s- bräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche su b- jektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren Hinweisen). 4. 4.1 Das BFM führte in seiner Verfügung aus, dass exilpolitische Aktivit ä- ten nur dann im Sinne von subjektiven Nachfluchtgründen zur Flüch t- lingseigenschaft führen könnten, wenn davon ausgegangen werden mü s- se, dass diese Aktivitäten im Falle einer Rück kehr in den Sudan mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Massnahmen für den B e- troffenen zur Folge hätten. Für die Beurteilung einer allfälligen begründ e-D-7162/2010 Seite 7 ten Furcht vor einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG wegen exilpoli- tischen Tätigkeiten sei davon auszugehen, dass sich der sudanesische Geheimdienst auf die Erfassung von Personen konzentriere, die über die massentypischen und niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolit i- scher Proteste hinaus Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitäten entwickelt hätten, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als ernsthaften und gefährl i- chen Regimegegner erscheinen liessen. Dabei sei nicht primär das He r- vortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Individualisierbar- keit, sondern eine derartige Exponierung in der Öffentlichkeit massg e- bend, welche aufgrund der Persönlichkeit des Asylsuchenden, der äusse- ren Form seines Auftritts und nicht zuletzt aufgrund des Inhaltes der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen den Eindruck erwecke, dass der Asylsuchende zu einer Gefahr für den Bestand des sudanesischen Regimes wird. Dieser Exponierungsgrad könne aus den dokumentierten exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht hergeleitet werden. Bei den vom Beschwerdeführer besuchten Kundg e- bungen habe es sich meist um medial kaum beobachtete Anlässe gehan- delt. Zudem habe der Beschwerdeführer überhaupt keine spezielle Fun k- tion ausgeübt. Die eingereichten Fotos würden dies bestätigen, se i er doch bei den Veranstaltungen nur Zuhörer gewesen. Seine Beteiligung an diesen Veranstaltungen vermöge nicht den Eindruck zu vermitteln, dass er eine Person sei, die über klar definierte oppositionspolitische Vor- stellungen und über ein persönliches Agitationspotenzial verfüge, welches zu einer Gefahr für das Regime im Sudan werden könnte. Es müsse d a- her vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass die sudanes i- schen Behörden – sollten sie von diesen Veranstaltungen überhaupt N o- tiz genommen haben – über das Differenzierungsvermögen verfügen würden, dies zu erkennen. Den eingereichten übersetzten Artikeln und weiteren Unterlagen, die die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdefü h- rers bestätigen sollten, könne im Wesentlichen entnommen werden, dass er sich verschiedentlich kritisch zu den Ereignissen in Darfur und der Ha l- tung der sudanesischen Regierung geäussert habe. Dabei habe er wi e- derholt an die sudanesische Regierung sowie an oppositionelle Kräfte appelliert, sich mit den Problemen des Landes auseinanderzusetzen. Auch Menschenrechtsaktivisten habe er interviewt. Inhaltlich gingen seine Zeitungsartikel nicht über eine allgemeine Kritik an der sudanesischen Regierung sowie der O pposition hinaus und wiesen keine politische Br i- sanz auf. Zusammenfassend bleibe festzuhalten, dass von einer in flücht- lingsrechtlicher Hinsicht fehlenden politischen Exponiertheit des B e- schwerdeführers auszugehen sei. So reiche seine blosse Identifizierba r-D-7162/2010 Seite 8 keit als exilpolitischer Aktivist nicht aus, um daraus abzuleiten, er werde deswegen bei einer Rückkehr in den Sudan verfolgt. Es sei somit nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr in den Sudan einer ko n- kreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Die gel tend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseige n- schaft gemäss Art. 3 AslyG nicht stand, weshalb der Beschwerdeführer nicht als Flüchtling anerkennt werden könne. 4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, die Darstel- lung der Persönlichkeit des Beschwerdeführers sei nicht richtig. Er habe regelmässig regimekritische Zeitungsartikel veröffentlicht. Als Beweis se i- en zahlreiche Artikel zu den Akten gereicht worden. Er sei seit Jahren als Journalist tätig. E r nehme als Journalist öffentlich und international Ste l- lung gegen das Regime des sudanesischen Präsidenten. Er kritisiere die Verletzung von Menschenrechten im Sudan. An Kundgebungen und Kon- ferenzen habe er als Journalist teilgenommen und danach in der In ter- netpresse darüber berichtet. AI berichte, dass Journalisten im Sudan r e- gelmässig verhaftet würden, alleine weil sie journalistisch tätig gewesen seien. Sie würden gefoltert und man wolle ihnen politische Motivationen anhängen. Die "National Intelligence and Security Services" (NISS) ko n- trolliere und zensuriere sehr strickt die sudanesische Papier - wie Inte r- netpresse. Journalisten könnten unter verschiedenen Gesetzesbesti m- mungen angeklagt werden. Am 7. Oktober 2010 habe zwar der Direktor der NISS verkündet, dass die Zensurierung für den Vordruck aufgesch o- ben würde, aber er erinnere die Journalisten an den sogenannten "code of journalistic honour", der im September 2009 erlassen worden sei. Auch im Internet erscheinende Zeitungen und Webseiten würden kontro lliert und blockiert durch die Regierung, so auch auf YouTube. Auch das N ä- herkommen des Referendums über den Status des Südsudans werde e r- neut eine politische Unsicherheit bringen. Wie er anlässlich des Asylve r- fahrens habe darlegen können, habe er regelmäs sig im Internet Ze i- tungsartikel veröffentlicht. Diese seien für jeden ein sehbar, auch für die sudanesische Regierung, die intensiv jegliche journalistische Publikati o- nen beobachte. Er sei bereits im Sudan journalistisch tätig gewesen und sei deswegen auch verhaftet worden. Er habe an den Veranstaltungen und Kundgebungen als Journalist teilgenommen und danach in der Inter- netpresse über Darfur und die Einhaltung der Menschenrechte berichtet. Nach dem Bericht von AI sei es schon alleine riskant, kritische Arti kel über Menschenrechte zu publizieren. Aufgrund diesen Ausführungen müsse deshalb entgegengesetzt der Meinung der Vorinstanz seine Exiltä- tigkeit als flüchtlingsrechtlich relevant angesehen werden. Die politische D-7162/2010 Seite 9 Tätigkeit als Journalist im Exil halte desh alb den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. 5. 5.1 Im Sudan dient der Geheimdienst NISS als Instrument der National Congress Party (NCP) und der Regierung dazu, landesweit Kritiker ei n- zuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen, darunter Mitglieder der Opposition, Studenten, Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Aktivisten der Zivilgesellschaft sowie Angehörige von nationalen und internationalen Nichtregierungs- und UN -Organisationen (vgl. Human Rights Watch [HRW], World Report 2012, Sudan, Januar 2012). I ns Visier der sudan e- sischen Behörden und insbesondere des sudanesischen Geheimdienstes geraten Personen dann , wenn sie sich politisch engagieren, sich kritisch gegen die Regierung und die NCP sowie gegen Behörde n oder über die Lage in den aktuellen Konfliktregionen (South Kordofan, Blue Nile, Da r- fur) äussern oder verdächtigt werden, eine Rebellengruppe zu unterstü t- zen. Medien werden weiterhin und seit Januar 2011 noch aggressiver zensuriert, Publikationen konfisziert, soziale Ne tzwerke wie Facebook, Twitter und YouTube werden infiltriert, Journalisten eingeschüchtert, ve r- haftet und gefoltert (vgl. US Departement of State, 2010 Human Rights Report: Sudan, 8. April 2011; AI, Silencing Dissent, Restrictions on fre e- dom of opinion and expression persist in Sudan, April 2012). Es ist davon auszugehen, dass der sudanesischen Regierung auch exilpolitische B e- tätigungen von Asylsuchenden bekannt werden. Der sudanesische G e- heimdienst beschäftigt sich im Ausland mit der Überwachung und Kontrol- le von sudanesischen Oppositionsbewegungen. Die nachrichtendienstl i- chen Erkenntnisse werden im Sudan ausgewertet und unter anderem m i- litärischen Stellen zur Verfügung gestellt (vgl. Kammergericht Berlin, U r- teil vom 8. Mai 2008 Aktenzeichen [AZ] (1) 3 StE 1/08-2 [4/08]). Dabei gilt den Mitgliedern der JEM das besondere Augenmerk der sudanesischen Geheimdienste und Sicherheitsbehörden. Es dürfte diesen Stellen b e- kannt sein, wer sich in Europa in der JEM aktiv politisch betätigt. Zu b e- achten ist, dass nicht j ede politische Aktivität von sudanesischen Pers o- nen im Ausland beobachtet wird. Eine solche umfassende Beobachtung dürfte die finanziellen, technischen und personellen Möglichkeiten der sudanesischen Regierung schlicht überschreiten. Im Blickpunkt der R e- gierung dürften jedoch solche Personen stehen, die sich aufgrund beso n- derer Umstände aus dem eher anonymen Kreis der blossen Teilnehmer an politischen Veranstaltungen von Exilorganisationen herausheben (vgl. Bayrisches Verwaltungsgericht Regensburg, Urteil v om 5. August 2011 Az. RO 2 K 10.30363; Verwaltungsgericht Karlsruhe vom 14. Dezember D-7162/2010 Seite 10 2009 Az. 9 K 2104/07; CORINNE TROXLER/MICHAEL KIRSCHNER, Schweize- rische Flüchtlingshilfe [SFH], Sudan: Verfolgung von RückkehrerInnen aufgrund exilpolitischer Tätigkeit, 28. September 2005). 5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei vor seiner Ausreise aus dem Sudan wegen seiner journalistischer Tätigkeit verhaftet worden. Di e- ses Vorbringen wurde bereits von der ARK beurteilt und für unglaubhaft erachtet (vgl. Urteil vom 25. August 2006 E. 5.3). Erste exilpolitische Tä- tigkeiten machte der Beschwerdeführer zudem schon im ersten B e- schwerdeverfahren vor der ARK geltend. Die ARK kam damals im Urteil vom 25. August 2006 zum Schluss, dass die von ihm verfassten Artikel inhaltlich nicht über eine allgemeine Kritik an der sudanesischen Regi e- rung sowie der Opposition hinaus gehe und keine politische Brisanz au f- weise. Ferner könne aus der Teilnahme an einem Podiumsgespräch trotz breiter Öffentlichkeitswirkung und Verbreitung in den su danesischen Me- dien nicht geschlossen werden, dass er eine wichtige Funktion inne g e- habt hätte, welche ihn im Falle einer Rückkehr in den Sudan gefährden würde. Schliesslich wurde mit dem Revisionsgesuch vom 6. Oktober 2006 je ein Bestätigungsschreiben eine s Journalisten der Al Sahafa - Zeitung unbekannten Datums und des Vizegeneralsekretärs der PCP vom 23. Juli 2006 ein gereicht, welche exilpolitische Tätigkeiten des B e- schwerdeführers erwähnen. Mit Verfügung vom 23. Oktober 2006 wurde jedoch von der ARK den zw ei eingereichten Beweismitteln die erforderl i- che revisionsrechtliche Erheblichkeit abgesprochen und das Revision s- gesuch für aussichtslos erachtet. 5.3 Im Zusammenhang mit seinen journalistischen Tätigkeiten reichte der Beschwerdeführer einen Artikel vom (…) mit deutscher Übersetzung ein, welcher auf www.alsahafa.sd – dort zensuriert – und auf www.sudaneseonline.com publiziert worden sei. Ferner reichte er mit dem Gesuch vom 14. September 2009 einen auf www.alsahafa.com er- schienener Artikel vom (…) sowie auf www.sudaneseonline.com publizier- te Artikel vom (…), (…), vom (…), vom (…) und vom (…) je mit deutscher Zusammenfassung ein. Weiter reichte er eine Kopie eines Fotos vom 13. Juni 2010 ein, auf dem er zusammen mit Suleiman Jamus abgebildet ist, den er interviewt habe; dazu reichte er einen auf www.alhargiga.com publizierten Artikel zu den Akten. Schliesslich wurden zum Beleg der Teil- nahmen an diversen Veranstaltungen und Kongressen Fotos und Berich- te eingereicht. Der Beschwerdeführer erklärte dazu, er habe im (…) in D._______ am (…) und am (…) an einem politischen Seminar über den Sudan teilgenommen. Ein Artikel über die beiden Veranstaltungen sei auf D-7162/2010 Seite 11 www.sudaneseonline.com veröffentlicht worden. Zudem habe er für die E._______ einen offenen Dialog mit Hasan at -Turabi, Generalsekretär der PCP, geführt, und darüber einen Artikel vom (…) auf (…) publiziert. Ein weiteres Interview habe er mit dem Vizegeneralsekretär de r PCP in Deutschland geführt, worüber er am (…) auf (…) berichtet habe. Der Be- schwerdeführer reichte sodann eine DVD ein, auf der zu sehen ist, dass er am (…) im C._______ an einer Veranstaltung der JEM als Journalist teilnahm, dort zu Beginn am Rednerpult kurz gesprochen und danach verschiedene Redner mit seinem Mobilfunktelefon aufgenommen hat. Geltend gemacht wird ferner, der Beschwerdeführer habe a m (…) an der Konferenz zu Menschenrechten der UNO in Genf teilgenommen . Dazu wurde ein Ausweis für die (…). Session des UN -Menschenrechtsrates in Genf vom (…) zu den Akten gereicht. Anlässlich der Anhörung reichte der Beschwerdeführer zudem – nebst zwei Berichten von AI – je ein Schrei- ben de r PCP vom 23. Juli 2006 und des Generalsekretärs der JEM i n Deutschland vom 12. Juni 2009 ein, in welchen bestätigt werde, dass sein Leben im Sudan aufgrund seiner journalistischer Tätigkeit gefährdet sei. 5.4 Die eingereichten Artikel und Fotos aus den Jahren 2008 und 2009 belegen, dass sich der Beschwerdeführer na ch seiner Einreise in die Schweiz und seit dem Urteil der ARK vom 25. August 2006 weiterhin journalistisch betätigt hat. Den – teilweise allerdings kaum einen Sinn er- gebenen – deutschen Übersetzungen bzw. Zusammenfassungen der Ar- tikel ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer über Menschenrechte, den Konflikt in Darfur und den Haftbefehl des Internationalen Strafg e- richtshofes (IStGH) gegen Omar al -Bashir geschrieben hat. Die Überset- zungen enthalten in der Regel jedoch keine Angaben zum Verfasser der Artikel. Einzig d er angeblich zensurierte Artikel auf www.alsahafa.sd er- wähnt als Redaktor eine Person namens F._______, bei der es sich um den Beschwerdeführer handeln soll (vgl. act. C7/10 S. 3 F16). Im Artikel vom (…) auf (…) steht zudem die Mailadresse (…). Die blosse Nennung des Namens "Ihab" bzw. "Ehab" in zwei Artikeln lässt jedoch eine eindeu- tige Identifizierung des Beschwerdeführers von vornherein nicht zu. Der Beschwerdeführer hat sodann mit der sudanesischen Regierung gegen- über kritisch gesinnten Personen wie Suleiman Jamus und Hasan at - Turabi Gespräche geführt. Die entsprechenden Treffen hat er zwar mit Fotos belegt. Diese sind jedoch nicht mit den jeweiligen Artikeln zusam- men im Internet publiziert worden . Die sudanesischen Behörden können deshalb den Beschwerdeführer nicht ohne weiteres mit den erwähnten regimekritischen Personen in Verbindung bringen. Zudem ist heute die D-7162/2010 Seite 12 Webseite www.alhagiga.com mit dem Interview mit Suleiman Jamus nicht mehr auffindbar. Bezüglich der anderen Veranstaltungen stellte das BFM zutreffend fest, dass diese einerseits kein grosses mediales Interesse auf sich gezogen haben und andererseits der Beschwerde führer keine spe- zielle Funktion innegehabt hatte. Auch seine Aussagen anlässlich der An- hörung vom 3. August 2010 vermitteln nicht den Eindruck ein es für die sudanesische Regierung gefährlichen Oppositionellen. So beschreibt er sich selber nur als Teilnehme r, Helfer und nur einmal als Organisator e i- ner Veranstaltung (vgl. act. C7/10 S. 4 ff. F29 ff.). Einzig auf der einge- reichten DVD ist erkennbar, dass er am (…) als Journalist in D._______ an einer Veranstaltung der JEM teil nahm und sich am Rednerpult expo- nierte. Obwohl es sich bei der JEM um eine der grossen sudanesischen Exil-Organisationen handelt, wohnten dieser Veranstaltung allerdings le- diglich rund 30 Personen bei. Vor diesem Hintergrund kann – auch wenn diese mit Videokameras aufgezeichnet wurde – nicht von einer Veranstal- tung mit einer breiten Öffentlichkeitswirkung gesprochen werden, welche zwangsläufig das Interesse des sudanesischen Geheimdienstes auf sich gezogen hätte. Der Beschwerdeführer wurde sodann im Bestätigung s- schreiben des Generalsekretärs der JEM vom 12. Juni 2009 auch nicht als deren Mitglied bezeichnet . Der Generalsekretär der JEM in Deutsc h- land behauptet zwar im Bestätigungsschreiben vom 12. Juni 2009, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner regimekritischen Journalistentätig- keit dem sudanesischen Geheimdienst bekannt sei, allerdings legt er nicht dar, woher er die entsprechende Information hat . Hinsichtlich de s Bestätigungsschreibens der PCP vom 23. Juli 2006 ist festzuhalten, dass es sich dabei um das gleiche Schreiben handelt, welches bereits mit dem Revisionsgesuch vom 6. Oktober 2006 – damals mit einer Übersetzung – eingereicht worden ist. Darin bestätigte der Verfasser, dass der B e- schwerdeführer in Zusammenhang mit mehreren Verfahren, die als Folge seiner Publikationen angestrengt worden seien, seitens der sudanes i- schen Sicherheitskräfte gesucht wer de. Die ARK hielt in der Verfügung vom 23. Oktober 2006 fest, dass der Verfasser in keiner Weise transp a- rent mache, auf welche Informationskanäle er sich bei seiner Aussage stütze, und seit welchem Zeitpunkt er über welche Kenntnisse verfüge. Es mute sonderbar an, wenn er in dieser Hinsicht besser informiert zu sein scheine, als der Gesuchsteller (der Beschwerdeführer) selbst, we l- cher nota bene immer nur von einem Verfahren gegen seine Person g e- sprochen habe. Vor diesem Hintergrund ist auf die beiden Schreiben nicht weiter einzugehen. Ferner reichte der Beschwerdeführer einen Ausweis für die (…). Session des UN -Menschenrechtsrates in Genf vom (…) ein. Die für den (…) geplanten Meetings des UN-Menschenrechtsrates im Pa-D-7162/2010 Seite 13 lais des Nations in Genf wurden jedoch abgesagt (vgl. www.unog.ch > Events & Meetings > […]). Es ist deshalb nicht möglich, dass der B e- schwerdeführer am (…) an der (…). Session teilgenommen hat, welche ursprünglich zwar für den (…)bis (…) angesetzt wurde, die dann aber nur bis zum (…) dauerte (vgl. www.ohchr.org > All human rights bodies > Human rights council > Sessions). Hingegen hat die UN Sonderberichter- statterin zum Sudan (Sima Samar) an dieser Session tatsächlich am (…) Bericht erstatt et. Sollte der Beschwerdeführer dabei allenfalls zugegen gewesen sein (vgl. act. C7/10 S. 4 F26) , weist jedoch nichts daraufhin, dass er sich dort in irgendeiner Weise exponiert haben könnte. Anlässlich der Anhörung führte er zudem selber aus, dass er an der grossen Konf e- renz nicht die Möglichkei t bekommen habe, zu sprechen, sondern nur während Sitzungen in kleinen Runden, die am Rande der Sessi on statt- gefunden hätten (vgl. C7/10 S. 7 F63 -65). Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer an dieser (…). Session des UN- Menschenrechtsrates in Genf ins Scheinwerferlicht der sudanesischen Behörden geraten ist. 5.5 Es besteht vor diesem Hintergrund kein hinreichend konkreter Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer wegen seiner journalistischer Tätigkeit und verschiedenen Teilnahmen an Veranstaltungen in der Schweiz zum Personenkreis gehört, welcher das besondere Interesse des sudanesischen Geheimdienstes erwecken könnte, zumal er trotz se i- nes Auftritts als Redner im C._______ persönlich über kein herausragen- des politisches Profil verfügt, aufgrund dessen er bei einer Rückkehr in den Sudan mit ernsthaften Nachteilen von Seiten des s udanesischen Re- gimes zu rechnen hätte. An dieser Einschätzung vermögen auch die zwei Berichte von AI zur Si tuation im Sudan nichts zu ändern, zumal ihnen keine konkreten Hinweise auf eine Verfolgung des Beschwerdefüh rers durch die sudanesischen Behörden zu entnehmen sind. Der Beschwerde- führer konnte demnach keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Die Vorinstanz hat de m- nach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und sein zweites Asy l- gesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). D-7162/2010 Seite 14 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf E rteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502, EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von We gweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2 7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, D-7162/2010 Seite 15 SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rü ckkehr des Beschwerdeführers in de n Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Sudan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 Fo K verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation im Sudan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem G e- sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgeme iner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2 Den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts zufolge besteht im Sudan ausserhalb der Region Darfur keine Situation allgemeiner G e- walt. Es sind deshalb derzeit keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersicht- lich, dass der Beschwerdeführer , einer aus G._______ stammender eth-D-7162/2010 Seite 16 nischer Araber mit letztem Wohnsitz in Khartum, bei einer Rückführung in den Sudan einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt wäre. Dementsprechend ist der Wegweisungsvollzug dorthin als generell zumutbar zu qualifizieren. 7.3.3 Aus den Akten ergeben sich sodann keine Anhaltspunkt e, die da r- auf schliessen liessen, der Beschwerdeführer würde im Falle der Rüc k- kehr in den Sudan aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation ger a- ten. Der Beschwerdeführer lebte seit 1996 bis zur Ausreise am 2. November 2002 in Khartum (vgl. act. A1/10 S. 1 und 7). Gemäss eig e- nen Angaben hat er die Mittelschule abgeschlossen und mehrere Jahre an der Universität für Wissenschaft und Technologie (…) studiert (vgl. act. A1/10 S. 2, A12/26 S. 1 und 8). In der Schweiz arbeitete er als Officean- gesteller in verschiedenen Restaurants . Er ist arabischer Muttersprache, verfügt über Englischkenntnisse (vgl. act. A1/10 S. 2) und aufgrund seiner fast zehnjährigen Anwesenheit in der Schweiz auch über gute Deutsch- kenntnisse (vgl. act. C7/10 S. 1 F1 und F2). In Anbetracht seiner guten Ausbildung ist davon auszugehen, dass der 33-jährige Beschwerdeführer, der als Alleinstehender frei von familiären Verpflichtungen ist, sich im Su- dan eine Existenzgrundlage aufbauen kann. Mit seiner Mutter, die in G._______ und in Khartum lebt (vgl. act. A1/ 10 S. 2, A12/26 S. 4 und 6), verfügt er zudem über eine familiäre Bezugsperson , bei der er nach der Rückkehr vorerst Unterschlupf finden kann. Der Beschwerdeführer mach- te handelnd durch seinen vormaligen Rechtsvertreter im Zusammenhang mit d em Gesuch um Wiedererwägung vom 27. Juli 2007 erstmals ge- sundheitliche Probleme geltend und reichte einen ärztlichen Bericht von Frau Dr. med. H._______ (FMH Psychiatrie und Psychothera pie) vom 16. Juni 2007 und ein ärztliches Zeugnis von Frau Dr. med. I._______ (Allgemeine Medizin FMH) vom 1. Juni 2007 ein. Es wurde n damals eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die Augenkrankheit Kerato- konus beidseitig und Asthma bronchial e diagnostiziert (vgl. act. B1/15 S. 10 und 13) . Sein Gesundheitszustand dürfte sich in der Zwischenzeit stabilisiert haben. Seither wurden nämlich keine weiteren Arztzeugnisse eingereicht und in der Beschwerde vom 4. Oktober 2010 keine gesun d- heitlichen Problem mehr geltend gemacht. Unter diesen Umständen ist der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nicht unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 7.3.4 Festzuhalten bleibt, dass auch die nunmehr bald zehnjährige Anwe- senheit des Beschwerdeführers in der Schweiz und die damit verbundene D-7162/2010 Seite 17 Integration keine andere Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs zulässt. Nachdem die Bestimmungen betreffend vorläufige Aufnahme infolge einer schwerwiegenden persönlichen Notlage (insb e- sondere Art. 44 Abs. 3-5 AsylG in der Fassung vom 26. Juni 1998; AS 1999 2273 ) auf den 1. Januar 2007 aufgehoben worden sind, kann bei Beschwerden gegen Verfügungen des BFM im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht das Vorliegen einer schwerwiegenden persön- lichen Notlage nicht mehr geprüft werden. Die Integration in der Schweiz war unter altem Recht primär im Rahmen eben jener Notlagenprüfung zu berücksichtigen. Nach geltendem Recht ist es nun dem Kanton vorbeha l- ten, mit Zustimmung des Bundesamtes einer ihm nach Gesetz zugewi e- senen Person eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, wenn wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönli cher Härtefall vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG). 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Wegwei- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 5 VwVG wurde unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung sowie unter Vorbehalt der Ve r- änderung seiner finanziel len Lage mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2010 gutgeheissen. Am 22. Oktober 2010 reichte der B e- schwerdeführer eine Fürsorgebestätigung ein. Inzwischen hatte der Be-D-7162/2010 Seite 18 schwerdeführer drei verschiedene Gelegenheitsjobs und arbeitet seit dem 1. Oktober 2012 als Office-Angestellter. Es ist jedoch nicht davon ausz u- gehen, dass er dadurch Einkünfte erzielt, die über den für Alleinstehende geltenden Grundbetrag von Fr. 1'100.- hinausgehen. Der Beschwerdefüh- rer ist somit weiterhin als prozessual bedürftig einzustuf en. Es sind de m- nach keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-7162/2010 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Ferreyra Versand: