Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. April 2012 (720 11 292) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Nichteintreten auf Neuanmeldung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yves Thom men, Kantonsrich- ter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Martin Kuhn, Rechts- anwalt, Mellingerstrasse 2a, Postfach 2078, 5402 Baden gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.2528.9426.42) A. Die 1958 geborene A.____ meldete sich am 30. Mai 2 008 unter Hinweis auf ein Rü- ckenleiden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (I V) zum Leistungsbezug an. Nach- dem die IV-Stelle Basel-Landschaft die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse der Versicherten abgeklärt hatte, erteilte die IV-Stelle e ine Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 16. März 2009 bis 15. Juni 2009. Diesen Arbeitsversuch brach die Versicherte frühzeitig ab. In der Folge prüfte die IV-Stelle den Rentenanspruch und ermittelte dabei einen Invaliditäts- grad von 25 %. Mit Verfügung vom 2. November 2010 lehn te die IV-Stelle - nach Durchführung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Vorbescheidverfahrens - einen Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente ab. Diese Ver- fügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 1. Juni 2 011 meldete der Hausarzt Dr. med. B.____, FMH Innere Medizin und Onkologie, die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an, da sich der psychische Zustand massiv verschlechtert habe. Zur B egründung dieser gesundheitli- chen Verschlechterung verwies er auf das Einweisungszeugnis der C.____ vom 26. Januar 2011 und den Bericht der D.____ vom 3. Mai 2011. Die IV-Stelle trat mit Verfügung vom 1. August 2011 auf das Leistungsbegehren nicht ein. Es sei nicht glaubhaft dargelegt worden, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung verändert hätten. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Martin Kuhn, am 30. August 2011 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefoc htene Verfügung aufzuheben und es sei die Sache zur materiellen Prüfung ihrer Leistungsansprü che an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e Kostenfolge. Sie machte geltend, es gehe a us dem Schreiben der D.____ vom 22. August 2011 und dem Arztzeugnis der C.____ vom 24. August 2011 hervor, dass sie an einer inzwischen chronifizierten mittelgradigen depressive n Erkrankung leide, die eine länger- fristige vollständige Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe. Mit Eingabe vom 5. Oktober 2011 stellte die Versicherte dem Gericht das Schreiben des Krankenta ggeldversicherers vom 3. Oktober 2011 zu, wonach ihr Taggeldanspruch infolge Verschlechterung des Gesundheitszustandes per 1. Januar 2011 aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % auf 60 % erhöht wurde. C. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Januar 2011 verwies d ie IV-Stelle auf den Bericht des Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 1. Dezember 20 11 und beantragte die Abweisung der Beschwerde. D. Nach Einsicht in den RAD-Bericht vom 1. Dezember 2011 hielt der Rechtsvertreter na- mens und im Auftrag der Versicherten in seiner Eingabe vom 13. Februar 2012 an den Rechts- begehren fest. Dabei stellte er einen Bericht der C.__ __ und des behandelnden Psychiaters Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in A ussicht. Der Bericht der C.____ vom 15. Februar 2012 wurde dem Gericht am 2. März 2012 zugestellt. E. In der Stellungnahme vom 18. April 2012 führte di e IV-Stelle unter Hinweis auf den RAD-Bericht vom 17. April 2012 aus, dass sie an ihrem An trag auf Abweisung der Beschwerde festhalte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahr ens bildet einzig die Frage, ob die IV-Stelle auf die Neuanmeldung zum Leistungsbezug, welche die Versicherte am 1. Juni 2011 einreichte, zu Recht nicht eingetreten ist. 1.1 Wurde ein Rentenanspruch der versicherten Person wegen eines zu geringen Invalidi- tätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 4 der V erordnung über die Invalidenversiche- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuanmeldung zum Rentenbezug nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3 erfüllt sind. Danach ist von der versicherten Person im Ge- such glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invaliditä t in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise geändert hat. Gelingt ihr dies nicht, so wi rd auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. BGE 117 V 200 E. 4b). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher beg ründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prü- fung so lange entgegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Die Verwaltung verfügt bei der Beurtei lung der Eintretensvoraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksichtigen h aben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Gla ubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen; BGE 109 V 114 E. 2b). 1.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind allerdin gs herabgesetzte Anforde- rungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im So- zialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegen den Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspu nkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei e ingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich i st eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalid enrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollt en (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 1.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darz ulegen. Wie das Bundesgericht im Entscheid 130 V 64 ff. bekräftigte, spielt der Untersu chungsgrundsatz, wonach die Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhal- tes zu sorgen hat (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen), insoweit nicht. Wird in der Neuanmeldung bloss auf ergänzende Beweismittel, insbesondere Arztberichte, hingewie- sen, die noch beigebracht würden oder von der Verwaltung beizuziehen seien, ist der versicher- ten Person nach der Rechtsprechung eine angemessene Frist zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebenenfalls auf Nicht- eintreten zu erkennen sei (BGE 130 V 68 f. E. 5.2.5 m it Hinweisen). Wenn die der Neuanmel- dung beiliegenden ärztlichen Berichte so wenig substanti iert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfe rtigen würde, ist es der Verwaltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzustellen oder bei der versicherten Person Bele- ge nachzufordern, eine Verpflichtung der IV-Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht indessen nur, wenn den - für sich allein genommen nicht Glaub- haftigkeit begründenden - Arztberichten konkrete Hinweise entnommen werden können, wo- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erst ellbare rechtserhebliche Änderung vor- liegt. Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch kein materielles Eintreten auf die Neuanmeldung (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 2.1.1 Vorliegend lehnte die IV-Stelle mit Verfügun g vom 1. August 2011 einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente (Invaliditätsgrad = 25 %) ab. Sie stützte sich damals bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes im Wesent lichen auf das bidisziplinäre Gut- achten von Dr. med. F.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Juni 2 010. Die beiden Gutachter unter- suchten die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle bereit s einmal im September 2008. Damals stellten sie gemäss ihrem Gutachten vom 6. Oktober 2009 keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die anhaltende somatoforme Schmerzst örung, das chronische Lumbover- tebralsyndrom und der angeborene offene Wirbelbogen S 1 würden keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten haben. Bei der neu erlichen Untersuchung stellten sie insofern eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes fest, als sie eine leichte depressive Episode und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostizierten, welche die Arbeitsfähigkeit beeinflussten. Aus gesamtmedizinischer Sicht sei die Versiche rte seit Juli 2009 für jegliche Tä- tigkeit zu 80 % arbeitsfähig sofern sie keine Lasten ü ber 15 kg heben, stossen oder ziehen, nicht dauernd vornüber gebeugt und nicht nur repetiti v bückend arbeiten müsse. Dr. F.____ führte an, dass sich seit der Erstbeurteilung im Septemb er 2008 in somatischer Hinsicht trotz Schmerzsymptomatik nichts geändert habe. 2.1.2 Dr. G.____ hielt in seinem psychiatrischen Fachg utachten als Diagnosen mit Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Störung und eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung fest. Im Vergleich zu seiner Begut achtung vom 6. Oktober 2008 hätten sich nur diskrete Änderungen ergeben. Damals habe er led iglich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung feststellen können. Heute sei aufgrund de r tiefen Grundstimmung, der Müdig- keit, des teilweise reduzierten inneren Antriebs, der I nteresse- und Freudlosigkeit sowie der gedanklichen Einengung zusätzlich die Diagnose der depressiven Episode zu stellen. Allerdings seien die objektiven Untersuchungsbefunde nur diskret patho logisch und würden das von der Versicherten geschilderte Ausmass nicht erreichen. Er habe lediglich eine diskrete Affektverar- mung feststellen können. Die Versicherte zeige psycho- und sprachmotorisch bis auf einen et- was reduzierten Sprachtonus keinerlei Auffälligkeiten. Alle anderen Parameter seien vollständig bland, so dass aus objektiver Sicht die innerpsychische Vi talität nur sehr wenig beeinträchtigt sei. Die Explorandin beschreibe sich dagegen in sämtlichen Lebensbereichen als vollumfäng- lich dysfunktional. Diese Selbsteinschätzung werde wider legt, in dem sie in der Lage sei, ihre Körperpflege alleine vorzunehmen, zweimal täglich Spazi ergänge zu unternehmen, einfache Einkäufe zu tätigen und mit dem Auto über die Pfingstt age nach Kroatien zu reisen. Aus psy- chiatrischer Sicht bestehe deshalb in der bisherigen Täti gkeit und in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. 2.2 Mit ihrer Neuanmeldung vom 1. Juni 2011 reichte die Versicherte der IV-Stelle Berichte der C.____ vom 26. Januar 2011 sowie der D.____ vom 3. Mai 2011 ein. Im Rahmen des vor- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegenden Beschwerdeverfahrens stellte sie dem Gericht weitere Beurteilungen der C.____ vom 24. August 2011, 12. Dezember 2011, 5. Januar 2012, 15. Februar 2012 und 17. April 2012, der D.____ vom 22. August 2011 und von Dr. B.____ vom 30. Januar 2012 zu. Streitig und zu prü- fen ist, ob die Beschwerdeführerin mit diesen Berichten glaubhaft machen kann, dass sich ihr Gesundheitszustand seit Erlass der einen Rentenanspruch ablehnenden Verfügung vom 2. No- vember 2010 in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. 2.3 Die zuständigen Ärzte der C.____ führten in ihrem Einweisungszeugnis in die D.____ vom 26. Januar 2011 als Diagnose eine rezidivierende dep ressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode, und eine anhaltende somatof orme Schmerzstörung auf. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung der kogn itiven Funktionen oder des Gedächtnis- ses. Im Affekt sei sie meistens traurig, hilf-, rat- und p erspektivlos. Unterschwellig seien oft Ver- ständnislosigkeit, Frustration und Ärger über die Ärzte feststellbar, welche ihr somatisches Krankheitskonzept nicht teilen und sie deshalb als arbei tsfähig betrachten würden. Sie äussere eine passive Lebensmüdigkeit ohne Suizidgedanken und der Antrieb sei vermindert. Ansonsten könnten keine psychischen Störungen festgestellt werden. 2.4 Gemäss den Berichten der D.____ vom 3. Mai 2011 u nd 22. August 2011 war die Versi- cherte vom 3. März 2011 bis 15. April 2011 dort hospitalisiert. Die behandelnden Ärzte diagnos- tizierten eine chronifizierte mittelgradige depressive S ymptomatik vor dem Hintergrund einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Bei der Einwe isung sei sie im Affekt ratlos, depri- miert und hoffnungslos gewesen. Sie beschreibe eine Störung der Vitalgefühle, eine innere Un- ruhe und Insuffizienzgefühle. Gelegentlich sei sie gere izt und der Antrieb sei vermindert. Es beständen Ein- und Durchschlafstörungen sowie Müdigkeit. Trotz Anpassung der antidepressi- ven Medikation und Teilnahme am multimodalen Therapie programm sei es nur zu einer geringfügigen Besserung der depressiven Symptomatik gekommen. Aufgrund der Schwe- re und der Chronifizierung sei zum Zeitpunkt der Hosp italisation von einer längerfristigen Ar- beitsunfähigkeit auszugehen. 2.5 Zu diesen neu eingereichten Berichten nahmen die RAD-Ärzte Dr. med. H.____, Fach- arzt für Allgemeinmedizin, am 19. Juli 2011 und pract. med. I.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 1. Dezember 2011 Stellung. Dr. H.___ _, dem zum Zeitpunkt seiner Stel- lungnahme die Berichte der C.____ vom 26. Januar 2011 und der D.____ vom 3. Mai 2011 vor- lagen, wies darauf hin, dass zu Recht keine Verschlechteru ng der somatischen Situation gel- tend gemacht werde. Er hielt nach einem Konsensgespräch mit pract. med. I.____ fest, dass aufgrund der von der Versicherten eingereichten Berich te der C.____ und der D.____ seit der Begutachtung durch Dr. G.____ vom 2. Juni 2010 auch keine erhebliche, IV-relevante Verände- rung des psychischen Gesundheitszustandes bestehe. Die D.____ habe in ihrer Beurteilung nicht berücksichtigt, dass die subjektiven Angaben der Versicherten wesentlich von den objekti- ven Befunden abweichen würden. Zudem werde ausdrücklich auf einen sekundären Krank- heitsgewinn hingewiesen. Die C.____ diagnostiziere ei ne rezidivierende depressive Störung. Bei einer solchen psychischen Erkrankung könnten vorübergeh ende Episoden mit einer Ver- besserung oder Verschlechterung der Symptome immer wied er auftreten. Eine längerfristige, wesentliche Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes sei damit aber nicht ausge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiesen. Pract. med. I.____ führte an, dass die Ärzte der C.____ in ihrem Einweisungsschreiben von einer leichten mittelgradigen depressiven Störung a usgegangen seien. Es sei nicht nach- vollziehbar, weshalb die Versicherte nach der stationären Behandlung in der D.____ depressi- ver sein solle als vorher. Zudem werde die von den beh andelnden Ärzten festgestellte unter 80 % liegende Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht präzisiert. Es sei deshalb davon auszugehen, dass eine mittelschwere depressive Störung nie für längere Zeit vorgelegen habe. Bei einer maximal leichten bis mittelschweren depressiven Beeinträ chtigung könne nicht von einer quali- tativ veränderten gesundheitlichen Situation in psychiat rischer Hinsicht gesprochen werden. So würden auch im Bericht der D.____ vor allem soziale und familiär interaktionelle Probleme auf- geführt. Dabei werde die Versicherte nicht ständig al s mittelschwer depressiv angesehen. Er komme deshalb zum Schluss, dass seit der Begutachtung durch D r. G.____ keine wesentliche Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Versicherten eingetreten sei. 2.6 Am 24. August 2011 berichtete die behandelnde Ob erärztin der C.____, Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, dass die Versiche rte nebst der somatoformen Schmerzstörung aktuell eine mittelgradige depressive Epi sode durchlaufe. Aufgrund dieser de- pressiven Störung sei die Versicherte weniger als 80 % arbeitsfähig. 2.7 In einem an den Rechtsanwalt der Versicherten ger ichteten Schreiben vom 30. Januar 2012 bestätigte Dr. B.____, dass sich der gesundheitliche Zustand der Versicherten seit dem Aufenthalt in der D.____ im April 2011 nicht verbess ert habe. Weiterhin zeige die Versicherte die typischen Beschwerden einer Depression. Er wies auf d en Abschluss- und Verlaufsbericht der C.____ vom 12. Dezember 2011 hin. Darin diagnosti zierten die behandelnden Ärzte eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine mittelg radige depressive Episode. Die psy- chiatrische Störung weise einen stark chronifizierten Verl auf auf. Die depressive Symptomatik habe inzwischen das Ausmass einer mittelgradigen Episode e rreicht und gehe damit über die depressive Begleitsymptomatik im Rahmen der Somatisierung hinaus. Psychopathologisch ste- he die starke Verzweiflung, die Hilfs- Rat- und Perspekti vlosigkeit, die ausgeprägte Selbstwert- problematik, Schuld- und Schamgefühle, eine starke inne re und äussere Anspannung bei gleichzeitiger Antriebslosigkeit und eine Adynamie (= eine allgemeine Erschöpfung bzw. eine ausgeprägte Kraft- und Antriebslosigkeit) im Vordergr und. Diese Diagnosen bestätigte Dr. J.____ mit Schreiben vom 5. Januar 2012. 2.8 Dr. J.____ erstattete am 15. Februar 2012 erneut Bericht über den Gesundheitszustand der Versicherten. Sie verwies im Wesentlichen auf die Beurteilung der behandelnden Assis- tenzärztin der C.____ vom 12. Dezember 2011. Sie zeigte dabei auf, dass die Versicherte trotz aktivierender und rehabilitativer Massnahmen bis auf ab sehbare Zeit zu mindestens 80 % ar- beitsunfähig sei. Angesichts der bereits eingetretenen Chronifizierung sei die Prognose bezüg- lich der Wiedererlangung einer zumindest teilweisen Ar beitsfähigkeit als ungünstig zu betrach- ten. Auch mittels einer unterstützenden antidepressiven M edikation habe keine wesentliche Verbesserung der depressiven Symptomatik oder des Schmerze rlebens erreicht werden kön- nen. Pract. med. I.____ nahm zum Bericht von Dr. J.____ am 17. April 2012 Stellung. Er hielt weiterhin daran fest, dass eine Verschlechterung und Chr onifizierung der Depression fachpsy- chiatrisch nicht nachvollziehbar sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Vorliegend lehnte die IV-Stelle mit Verfügung v om 2. November 2010 mangels Renten begründenden Invaliditätsgrades einen Rentenanspruch de r Versicherten ab. Knapp 7 Monate später stellte die Versicherte bereits ein neues Leistungsbegehren. Aufgrund dieser kurzen Zeit- spanne zwischen Ablehnung des Rentenanspruchs und Neuanmel dung sind an die Glaubhaft- machung der wesentlichen Änderung des Gesundheitszustande s strenge Anforderungen zu stellen (vgl. Erwägung 1.1). Die Versicherte machte nun unter Verweis auf die seit der Begut- achtung durch Dr. G.____ erstellten ärztlichen Berichte d er C.____ vom 26. Januar 2011, 24. August 2011, 12. Dezember 2011, 5. Januar 2012 un d 15. Februar 2012, der D.____ vom 3. Mai 2011 und 22. August 2011 und von Dr. B.____ vom 30. Januar 2012 eine Verschlechte- rung ihres psychischen Gesundheitszustandes geltend. Wird d er Krankheitsverlauf anhand der gesamten medizinischen Aktenlage näher betrachtet, so fä llt in Bezug auf die depressive Ent- wicklung auf, dass die zuständigen Ärzte der C.____ im Apr il 2010 bei der Versicherten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Ep isode, diagnostizierten (vgl. Bericht der C.____ vom 9. April 2010). Weniger als zwei Monate später kam Dr. G.____ bei seiner Un- tersuchung vom 26. Mai 2010 zum gleichen Ergebnis. Am 26. Januar 2011 stellten die behan- delnden Ärzte der C.____ insofern eine Veränderung d er psychischen Störung fest, als sie als Diagnose eine rezidivierende leicht- bis mittelgradige d epressive Episode aufführten. Gemäss Bericht der D.____ vom 3. Mai 2011 litt die Versicherte beim Eintritt bereits an einer mittel- schweren depressiven Störung. Hinsichtlich der Befundaufnah me stellte Dr. G.____ anlässlich seiner Untersuchung vom 26. Mai 2010 eine diskrete Aff ektverarmung, eine wenig beeinträch- tigte Vitalität und einen teilweisen reduzierten Antr ieb fest. Suizidgedanken der Versicherten verneinte er. In ihren späteren Berichten und abweichen d von den Befunden von Dr. G.____ beschrieben die Ärzte der C.____ und der D.____ die Versicherte als stark verzweifelt, hilf-, rat- und perspektivlos. Sie habe eine ausgeprägte Selbstwer tproblematik, eine starke innere sowie äussere Anspannung und sei ohne Kraft und Antrieb. Da rüber hinaus habe die Versicherte To- deswünsche geäussert, von denen sie gemäss den ärztlichen Aussagen jedoch glaubhaft Ab- stand habe nehmen können. Diese Verschlechterung des p sychischen Zustandes beeinflusse die Arbeitsfähigkeit der Versicherten wesentlich. 3.2 Vor diesem Hintergrund liegen sowohl hinsichtlich der Diagnosestellung als auch in der Befunderhebung gewisse Anhaltspunkte für das Vorhanden sein der geltend gemachten Ver- schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Versiche rten seit der Begutachtung durch Dr. G.____ vor. Zudem ist zu berücksichtigen, dass sämt liche psychiatrische Fachperso- nen seit dem Aufenthalt in der D.____ keine Verbesseru ng der depressiven Entwicklung fest- stellen konnten und inzwischen von einer Chronifizierung der mittelschweren depressiven Stö- rung ausgehen. Der Hausarzt der Versicherten Dr. B.___ _ bestätigte ebenfalls, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit dem Aufenthalt i n der D.____ nicht verbessert habe. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass es sich bei der diagno stizierten mittelgradigen de- pressiven Episode um einen länger andauernden Zustand h andelt, was auf eine wesentliche Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes hindeutet. Es ist zwar durchaus möglich, dass sich die behauptete Verschlechterung des Gesundheitszus tandes bei eingehender Abklä- rung nicht erstellen lassen wird. Erweist sie sich aber a ls richtig, wäre der Anspruch auf eine Invalidenrente begründet, was für das Beweismass des Glaub haftmachens genügt (vgl. Erwä- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung 1.1 und 1.2). Auch wenn hier diesbezüglich inf olge der kurzen Zeitdauer zwischen der Ablehnung der Anspruchsberechtigung und der Neuanmeld ung erhöhte beweisrechtliche An- forderungen an das Glaubhaftmachen gelten, kann es di e IV-Stelle bei dieser Ausgangslage nicht mehr dabei bewenden lassen, die neu vorgelegten A rztberichte lediglich dem internen RAD zur Prüfung zu unterbreiten. Vielmehr hat sie die Sache materiell an die Hand zu nehmen und nach Durchführung entsprechender medizinischer Abklär ungen über den geltend gemach- ten Leistungsanspruch der Versicherten neu zu verfügen. 3.3.1 An diesem Ergebnis vermögen die Einwände der IV -Stelle nichts zu ändern. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle bzw. des RAD-Arztes pract. med. I.____ ist kein Widerspruch zwi- schen dem Einweisungszeugnis der C.____ vom 26. Januar 2 011 und dem Arztbericht der C.____ vom 24. August 2011 sowie der Berichte der D.__ __ vom 3. Mai 2011 und 22. August 2011 zu erblicken. Der RAD-Arzt verwies selbst auf den rezi vidierenden Charakter der depres- siven Erkrankung. Es ist daher durchaus vorstellbar, dass sich die Versicherte beim Eintritt in die D.____ in einer mittelschweren depressiven Episode befand. Dass sich dieser Schweregrad trotz des stationären Aufenthalts nicht verbesserte, ergibt sich aus dem Bericht der D.____ vom 22. August 2011, wonach sämtliche Behandlungen und Massn ahmen keine wesentliche Verän- derung des psychischen Gesundheitszustandes der Versicherten z ur Folge hatten. Der Um- stand, dass die behandelnde Ärztin der C.____ in ihrem Bericht vom 24. August 2011 als Ein- weisungsgrund in die D.____ im Gegensatz zum Einweisungsze ugnis der C.____ vom 26. Januar 2011 eine mittelgradige depressive Störung anführte, ist damit zu erklären, dass dieser Bericht erst nach dem stationären Aufenthalt in der D.____ verfasst wurde. 3.3.2 Weiter stellten sich die IV-Stelle bzw. der RAD auf den Standpunkt, dass die Ärzte der C.____ und der D.____ unberücksichtigt liessen, dass gemäss B eurteilung von Dr. G.____ er- hebliche Diskrepanzen zwischen den Angaben der Versicherten und den objektiven Untersu- chungsbefunde bestehen würden. Es müssten daher die obje ktiven Untersuchungsbefunde prioritär gewürdigt werden. Werden die psychiatrischen objektiven Befunde von Dr. G.____ mit denjenigen der untersuchenden Ärzte der C.____ und de r D.____ verglichen, so fällt auf, dass die diskret ausgeprägte Affektverarmung seit der Beguta chtung durch Dr. G.____ nun deutli- cher geworden ist, der teilweise reduzierte Antrieb sich zu einer vollständigen Antriebslosigkeit entwickelte, die Versicherte erstmals Suizidgedanken geäu ssert hatte und die zu Beginn wenig beeinträchtigte Vitalität inzwischen gestört ist. Die V eränderung der psychiatrischen Befunde weist somit auch auf die Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes hin. 3.3.3 Der RAD-Arzt pract. med. I.____ bemängelte fern er, dass im Bericht der C.____ vom 15. Februar 2012 kein psychopathologischer Befund aufgeführt sei, weshalb die Diagnose einer chronifizierten mittelgradigen depressiven Störung nicht nachvollziehbar sei. Dieses Vorbringen ist nicht stichhaltig. Die Diagnosestellung wurde bereit s in den vorhergehenden Berichten der C.____ anhand von objektiven Befunden begründet, weshalb bei gleichlautender Diagnose kein Anlass zu Wiederholungen bestand. Im Zusammenhang mit d en weiteren Rügen des RAD- Arztes ist zudem darauf hinzuweisen, dass es im Rahmen des Beweismasses der Glaubhaftig- keit genügt, wenn Anhaltspunkte für die geltend gemacht e Verschlechterung des Gesundheits- zustandes vorliegen. Es ist daher nicht erforderlich, dass die von der Rechtsprechung formulier- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten inhaltlichen Anforderungen an den Beweiswert ein es Arztberichts erfüllt sind (vgl. zu den rechtsprechungsgemässen Kriterien: BGE 125 V 352 E. 3a). Auch wenn nicht jede Feststellung der behandelnden Ärzte der C.____ detailliert begründet ist, ergeben sich aus diesen Berichten doch gewichtige Anhaltspunkte, dass sich der psychische Zust and der Versicherten zusehends verschlechtert hat. 3.3.4 Entgegen der Ansicht der RAD-Ärzte sind im Bericht der D.____ vom 3. Mai 2011 keine IV-fremden Faktoren zu erblicken, welche den Gesundheitszu stand der Versicherten massgeb- lich beeinflussen würden. Es wurde zwar am Rande erwähnt , dass die Versicherte die Erkran- kung ihres Ehemannes in den letzten Jahren als belasten d empfinde. Gleichzeitig wurde aber auch darauf hingewiesen, dass der familiäre Zusammenhal t eine wichtige Ressource für die Versicherte darstelle. Eine familiäre Belastungssituati on ergibt sich aus den Ausführungen im Bericht der D.____ nicht für die Versicherte selbst, sondern vielmehr für ihren Sohn und dessen Ehefrau, welche im gemeinsamen Haushalt mit der Versicherten leben und sich um die kranken Eltern bzw. Schwiegereltern kümmern. 3.4 Aufgrund dieser Ausführungen ergibt sich, dass die Versicherte glaubhaft darlegen konnte, dass sich ihr psychischer Gesundheitszustand seit der Begutachtung durch Dr. G.____ verschlechtert haben könnte. Es wird deshalb in Gutheiss ung der Beschwerde die angefochte- ne Verfügung vom 1. August 2011 aufgehoben und die I V-Stelle angewiesen, auf die Neuan- meldung der Versicherten vom 1. Juni 2011 einzutreten. 4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 sind Streitigkeiten um die Bewilligung o der die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. D ie Verfahrenskosten werden ge- stützt auf § 20 Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in der Regel in angemessenem Ausmass der un- terliegenden Partei auferlegt. Vorliegend hätte desh alb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstan zen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Aufgrund dieser Be- stimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterlie gens nicht für die Verfahrenskosten auf- zukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden P rozess keine Verfahrenskosten er- hoben werden. 4.2 Laut Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte obsiegende Partei ist, ist ihr eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. D er Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin machte in seiner Honorarnote vom 24. Febru ar 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 13,72 Stunden geltend. Unter Abzug der im vorliegenden Verfahren praxisgemäss nicht zu entschädigenden Aufwendun gen für Studium, Versand und Besprechung des Urteils von 1,5 Stunden sind die verbleib enden 12,22 Stunden in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen umfang mässig nicht zu beanstanden. Das- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht selbe gilt für die gemäss Honorarnote verbleibenden Auslagen von Fr. 124.--. Damit ist der Ver- sicherten eine Parteientschädigung für das vorliegende B eschwerdeverfahren in der Höhe von Fr. 3'433.30 (12,22 Stunden à Fr. 250.-- und Auslage n von Fr. 124.-- zuzüglich 8 % MwSt.) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Ba- sel-Landschaft vom 1. August 2011 aufgehoben und diese angewie- sen, auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin vom 1. Juni 2011 einzutreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'433.30 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht