B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4273/2012 U r t e i l v o m 1 0 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Jean-Pierre Monnet; Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Juli 2012 / (…). E-4273/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der in B._______/Jaffna geborene Beschwerdeführer suchte am 30. April 1996 erstmals in der Schweiz um Asyl nach. Dieses wurde mit Verfügung des BFF vom 22. Oktober 1999 mangels Rechtsschutzinteresse als g e- genstandslos abgeschrieben. Am 5. November 1999 wurde das Asylve r- fahren wieder aufgenommen und mit Verfügung vom 8. März 2002 vom BFF erneut als gegenstandslos geworden abgeschrieben. Der B e- schwerdeführer ersuchte am 19. August 2003 durch seinen damaligen Rechtsvertreter um Gewährung der Akteneinsicht und teilte mit, da ss er Vater eines in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Kindes geworden sei. Am 15. Oktober 2004 ersuchte er um Wiederaufnahme des Asylverfa h- rens, worauf ihm das BFM am 20. Oktober 2004 mitteilte, seine Eingabe enthalte keine Hinweise, die eine Wiederaufn ahme des Asylverfahrens rechtfertigen würden. Auf die dage gen erhobene Beschwerde vom 29. Oktober 2004 trat die damalige Schweizerischen Asylrekurskommi s- sion (ARK) mit Urteil vom 23. November 2004 nicht ein. Der Beschwerde- führer reichte am 30. November 2004 bei d er ARK ein Revisionsgesuch ein. In der Folge hiess die ARK mit Urteil vom 20. Dezember 2004 das Revisionsgesuch gut und hob den Nichteintretensentscheid vom 23. N o- vember 2004 auf. Gleichzeitig wies es die Beschwerde ab. B. B.a Der Beschwerdeführer kehrte nach eigenen Angaben im Januar 2004 nach Sri Lanka zurück und verliess seinen Heimatstaat am 18. August 2008 wieder, worauf er am 19. August 2008 in die Schweiz gelangte, wo er am 20. August 2008 erneut ein Asylge such einreichte. Am 26. August 2008 wurde e r im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) in Kreuzli n- gen summarisch befragt, wobei er geltend machte, von Juni 2004 bis Juli 2008 in C._______/Vavuniya gewohnt zu haben. B.b Das BFM wies ihn für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton D._______ zu. Mit Eingabe vom 22. April 2009 ersuchte der Beschwerde- führer um Kantonswechsel, wobei er einen Geburtsschein seines in der Schweiz lebenden Sohnes sowie ein Schreiben der Schweizer Mutter des Kindes, welche im Kanton E._______ lebe, einreichte. Er habe die Vater- schaft anerkannt, besuche seinen Sohn regelmässig und ersuche de s- halb um einen Kantonswechsel. In der Folge wurde er dem Kanton E._______ zugeteilt. E-4273/2012 Seite 3 B.c Am 22. Juni 2009 folgte eine einlässliche Anhörung durch das Bu n- desamt. Der Beschwerdeführer machte im Wesent lichen geltend, er sei nach seiner Rückkehr am Flughafen festgenommen und gegen Kaution, die sein Onkel bezahlt habe, wieder freigelassen worden. Zuerst habe er bei einer Tante in Vavuniya gewohnt, wo er sich bei den Behörden ang e- meldet habe. Seit 2006 hätten Unbekannte nach ihm gesucht. Seine Tan- te habe ihm dies erzählt und ihn deshalb darum gebeten, ihr Haus zu ver- lassen. In der Folge sei er bei Freunden untergekommen. Nachdem er von einem Freund erfahren habe, dass Gegner der LTTE ihn suchen würden, weil man Informationen bei ihm vermutet habe, habe er Vavuniya im Juni 2008 verlassen und sei zu seinem Onkel gegangen. Im Juli 2008 seien dort Mitglieder der Gruppe Karuna erschienen, um ihn zur Mitarbeit aufzufordern. Er habe dies abgelehnt. Die Leute seien wenige Tage spä- ter erneut erschienen und hätten ihn aufgefordert, sich in ihrem Camp einzufinden, andernfalls er eliminiert würde. Um dieser Aufforderung zu entkommen habe er sich nach Colombo zu einem Onkel begeben, wo er eine Aufenthaltsbewilligung erhal ten habe. Nachdem er auch dort von Unbekannten gesucht worden sei, sei er zu Freunden aus seiner Kindheit nach F._______ gegangen. In der Folge habe sein Onkel seine Ausreise vorbereitet. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. C. Mit Verfügung vom 19. August 2010 lehnte das BFM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie dessen Vollzug an. C.a Der Beschwerdeführer reichte am 15. September 2010 über seinen damaligen Rechtsvertreter dagegen Beschwerde ein, wobei er die Aufhe- bung des angeordneten Vollzugs der Wegweisung beantragte. Er führte dabei ausführte, das BFM habe den Grundsatz der Einheit der Familie nicht beachtet. Sein Sohn sei Schweizer Bürger. Er habe ein Recht auf Achtung des Fami lienlebens, weshalb er in der Schweiz vorläufig aufz u- nehmen sei. C.b Mit Urteil vom 31. Mai 2011 hiess das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde gut und wies das BFM an, das Verhältnis des Beschwerd e- führers zu seinem Sohn zu prüfen und sich erneut zum Wegwe isungs- vollzug zu äussern. E-4273/2012 Seite 4 D. Mit Schreiben vom 20. Dezember 2011 ersuchte das BFM den B e- schwerdeführer, bei den zuständigen kantonalen Behörden gestützt auf Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Me n- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu beantragen. E. Am 12. Januar 2012 reichte der Beschwerdeführer beim Migrationsamt des Kantons E._______ ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewil- ligung ein. F. Mit Verfügung vom 14. Mai 2012 trat das Migrationsamt des Kantons E._______ auf das Gesuch nicht ein. Dieser Entscheid erwuchs mangels Anfechtung in Rechtskraft. G. Mit Verfügung vom 13. Juli 2012, eröffnet am 17. Juli 2012, hielt das BFM fest, die Verfügung vom 19. August 2010 bezüglich der Vern einung der Flüchtlingseigenschaft, der Ablehnung des Asylgesuches sowie der Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sei in Rechtskraft erwachsen. Gleichzeitig bezeichnete es den Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka für zulässig, zumutbar, technis ch möglich und praktisch durchführbar. H. Mit Eingabe vom 16. August 2012 beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 2 und 3 und die Feststellung der Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung unter Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hi n- sicht sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. I. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 24. August 2012 wurde festg e- stellt, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Auf die Verfahrensanträge werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. E-4273/2012 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgeric ht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des A sylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt un d hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf d ie Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der E-4273/2012 Seite 6 Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die vorliegende Beschwerde richtet sich entsprechend der angef ochte- nen Verfügung einzig gegen den von der Vorinstanz angeordneten We g- weisungsvollzug. Das Bundesverwaltungsgericht hat somit lediglich das Bestehen allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse zu prüfen, wobei es sich entsprechend der Beschwerdeeingabe auf die Frage der Zumutba r- keit beschränkt. Die Rechtskraftsfeststellung der vorinstanzlichen Verf ü- gung vom 19. August 2010 betreffend Flüchtlingseigenschaft, Asyl und Wegweisung durch das BFM (Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung vom 13. Juli 2012) wurde nicht angefochten. 5. 5.1 Die Vorinstanz hielt in ihrer Verfügung vom 13. Juli 2012 fest, seit der bewaffnete Konflikt zwischen der srilankischen Regierung und den sep a- ratistischen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) im Mai 2009 zu Ende gegangen sei, befinde sich das gesamte Land wieder unter Regierung s- kontrolle. Dabei wies sie auf die in BVGE 2011 Nr. 24 aktualisierte Lage- analyse des Bundesverwaltungsgerichts bezüglich der Sicherheitslage in Sri Lanka hin. Ges tützt darauf sei der Vollzug der Wegweisung des B e- schwerdeführers, der aus G._______, Point Pedro (Nord Provinz), sta m- me, zumutbar, da weder die vor Ort herrschende Sicherheitslage noch in- dividuelle Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen würden. Der Beschwerdeführer habe in C._______, Vavunya, eine (…) besessen und verfüge damit über grosse Kenntnisse der Arbeit in der Landwir t- schaft. Ausserdem lebe gemäss den Akten in H._______ (Ostprovinz) ein Onkel, der ihn bei seiner Rückkehr unterstützen könne. Daher sei der Wegweisungsvollzug in den Heimatstaat zumutbar. 5.2 In der Rechtsmitteleingabe wird dazu eingewendet, gemäss Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslände- rinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) könne der Vollzug der Weg wei- sung für eine Person unzumutbar sein, wenn sie in Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret g e- fährdet sei. Diese Aufzählung sei jedoch nicht abschliessend. So könnten E-4273/2012 Seite 7 auch andere Gründe wie soziale, wirtsch aftliche und humanitäre Gründe berücksichtigt werden. Dabei sei auch die Situation in der Schweiz (mit)einzubeziehen. Die Vorinstanz habe lediglich auf den Entscheid des Migrationsamtes verwiesen, wo es um die Zulässigkeit respektive den völkerrechtlichen Anspruch nach Art. 8 EMRK gegangen sei. Es sprächen jedoch humanitäre Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs. So möchte der Beschwerdeführer als Vater von I._______, zu dem er in den letzten Jahren eine Beziehung aufgebaut habe, in der Schweiz verbleiben, um seine Verantwortung als Vater wahrnehmen zu können. 6. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, zumutbar oder möglich, so regelt das BFM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen B e- stimmungen über die vorläufige Aufnahme nach d em Ausländer gesetz (Art. 44 Abs. 2 AsylG). Dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7. 7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.1.1 Nach der aktuellen Rechtsprechung geht das Bundesverwaltung s- gericht davon aus, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in der Nor d- provinz Sri Lankas unter Ausschluss des sogenannten "Vanni -Gebietes" deutlich gebesse rt hat. Es besteht keine Situation allgemeiner Gewalt , und die dortige politische Lage ist nicht dermassen angespannt, dass e i- ne Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste, wobei für Personen, deren letzter Aufenthalt in der Nordprov inz längere Zeit zurückliegt, die aktuellen Lebens - und Wohnverhältnisse und das Vorhandensein begünstigender Faktoren zu prüfen sind (vgl. BVGE 2011 Nr. 24 E. 13.2.1.). Vorliegend ist der Vollzug der Wegweisung des Be- schwerdeführers, der aus G._______, Po int Pedro (Nord Provinz), stammt, gestützt auf die vor Ort herrschende Sicherheitslage als grun d- sätzlich zumutbar zu bezeichnen. E-4273/2012 Seite 8 7.1.2 Aus individueller Sicht sind ebenfalls keine Hindernisse erkennbar, die gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen. Beim Beschwerdeführer, der seinen Heimatstaat im August 2008 erneut verlassen und am 20. August 2008 in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht hat, handelt es sich um einen alleinstehenden Mann, der in C._______ eine (…) be- sessen und auch in der Landwirtschaft gearbeite t hat, damit über grosse Kenntnisse der Arbeit in der Landwirtschaft verfügt (vgl. Akte B1 S. 6) . Ausserdem verfügt er gemäss den Akten in H._______ (Ostprovinz) mit einem Onkel und ein em Bekanntenkreis über ein Beziehungsne tz, das ihn bei seiner Rückkehr unterstützen könnte. Somit bestehen auch keine anderen Hinweise, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Heimatstaat in eine kon krete, seine Existenz bedrohende Situation ger a- ten könnte. Soweit sich der Beschwerdeführer bezüglich seiner Beziehung zu seinem Sohn I._______, den er in den letzten Jahren immer wieder getroffen h a- be, und sein Wille, für diesen als Vater da sein zu können, auf humanitäre Gründe beruft und dabei auf die Literatur hinweist (vgl. dazu PETER BOLZ- LI, in Marc Spescha/Hanspeter Thür/Anreas Zünd/Peter Bolzli, Komme n- tar Migrationsrecht, Zürich 2012, N. 14 ff. zu Art. 83 Abs. 4 AuG) , vermö- gen die von ihm angeführten Argumente zu keiner vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit aus humanitären Gründen zu führen. So handelt es sich bei Art. 83 Abs. 4 AuG um eine Bestimmung, unter welche neben den gesetzlich erwähnten Gründen (Gewaltsituation und medizinische Notlagen) bei besonders verletzlichen Personen auch andere (soziale, wirtschaftliche, humanitäre) Gründe berücksichtigt werden müssen. Im Kern geht es um die Frage nach dem im Heimatland noch vorhandenen Beziehungsnetz bzw. den Aussichten auf die soziale und berufliche Wi e- dereingliederung. I m vorliegenden Fall sind wie hievor dargelegt keine Hinweise vorhanden, die beim Beschwerdeführer zu einer (solchen) kon- kreten Gefährdung führen könnten. Auch liegen keine anderen Gründe – beispielsweise eine starke Assimilation in der Schweiz, welche eine En t- wurzelung im Heimatland zur Folge haben kann – vor, die seine Rückkehr in den Heimatstaat als unzumutbar erscheinen liessen. Die Frage, ob der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Familienlebens) einen Anspruch auf Erteilung einer Au fent- haltsbewilligung hat, ist vorliegend nicht zu prüfen, zumal sie von den da- für zuständigen kantonalen Behörden bereits beurteilt worden ist. E-4273/2012 Seite 9 7.1.3 Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG hat das BFM bei der Anordnung des Wegweisungsvollzugs den Grundsatz der Einheit der Familie zu beac h- ten. Diese Bestimmung geht, wie bereits in EMARK 1995 Nr. 24 festg e- stellt wurde, über die Tragweite von Art. 8 EMRK hinaus, indem die vo r- läufige Aufnahme des einen Familienmitglieds "in der Regel" auch zur vorläufigen Aufnahme der anderen Familienmitglieder führt (vgl. hierzu EMARK 1998 Nr. 31 E. 8c ee S. 259 und EMARK 1995 Nr. 24 E. 9 S. 229, die sich hierfür freilich noch auf Art. 17 Abs. 1 AsylG in der Fa s- sung gemäss Ziff. I des BB vom 22. Juni 1990 über das Asylverfahren [AS 1990 938], welcher inhaltlich indessen Art. 44 Abs. 1 AsylG en t- spricht, beziehen). In personeller Hinsicht umfasst der Begriff der Familie dabei den Ehepartner und die minderjährigen Kinder, wobei der in daue r- haft eheähnlicher Gemeinschaft lebende Partner dem Ehepart ner gleich- zustellen ist (EMARK 1995 Nr. 24 E. 7 S. 227 sowie 1993 Nr. 24, vgl. überdies Art. 1 Bst. e Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfah- rensfragen [Asylverordnung 1, AsylV1; SR 142.311]). Im Weiteren ist fest- zustellen, dass ein Anspruch auf E inheit der Familie im Sinne von Art. 44 Abs. 1, 2. Halbsatz AsylG besteht, solange das Verfahren des Ehegatten bzw. Konkubinatspartners nicht abgeschlossen ist beziehungsweise di e- ser über ein mit dem Asylverfahren im Zusammenhang stehendes Anw e- senheitsrecht verfügt (vgl. EMARK 1995 Nr. 24 E. 11b S. 232, 1998 Nr. 31, 1999 Nr. 1 und 2002 Nr. 7). 7.1.4 Vorliegend verfügen die vom Beschwerdeführer getrennt lebende Schweizer Kindsmutter und das gemeinsame Kind nicht über ein aus dem Asylrecht abgeleitetes Anwesenheitsrecht (vorläufige Aufnahme), weshalb nicht zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer in dieses einbez o- gen werden kann. Dabei würde es beim nicht verheirateten Beschwerde- führer auch bereits an der Voraussetzung einer eheähnlichen Beziehung mit der Kindsmutter mangeln. Er stellt in seiner Rechtsmitteleingabe selbst dar, dass die Beziehung zur Kindsmutter sehr schwierig ist; der Sohn sei in der Obhut einer Pflegefamilie. Der Beschwerdeführer, die Kindsmutter und deren gemeinsamer Sohn fallen folglich nicht unter den von Art. 44 Abs. 1 AsylG anvisierten Familienbegriff bzw. können daraus kein Recht auf Einheit der Familie ableiten. 7.1.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. 7.2 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisung svollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten E-4273/2012 Seite 10 fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme offensichtlich ausser Be- tracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die – auf die Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beschränkte – Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da sich die B e- schwerde als aus sichtslos erweist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Regl e- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-4273/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand: