2015 Zivilrecht 297 49 Art. 285 ZGB Die Höhe des Kinderunterhalts bemisst sich nicht nach einem bestimmten Prozentsatz der Einkommen seiner unterhaltspflichtigen Eltern, sondern – unter Berücksichtigung der konkreten Situation – nach den Ansätzen gemäss den obergerichtlichen Empfehlungen für die Bemessung von Unterhaltsbeiträgen für Kinder (XKS.2005.2). Aus dem Entscheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 7. September 2015 in Sachen K.P. gegen R.P. (ZSU.2015.61). Aus den Erwägungen 6.2.2. Das Gesetz schreibt dem Gericht keine bestimmte Methode der Unterhaltsberechnung vor (BGE 128 III 414 f. Erw. 3.2.2). Die Höhe des Unterhaltsbeitrages richtet sich nach den Bedürf nissen des Kin - des sowie der Leben shaltung und Leistungsfähigkeit der Eltern (Art. 285 Abs. 1 ZGB). Nach der Praxis des aargauischen Oberge - richts wird der Kinderunterhalt nicht nach der Prozentregel festge - legt. Vielmehr richtet er sich grundsätz lich - d.h. unter Berücksichti- gung der ko nkreten Situation des Kin des (BGE 120 II 291 Erw. 3b/bb; BGE 5A_1017/2014 Erw. 4.1) - nach den Ansätzen ge mäss den obergerichtlichen Empfehlungen für die Be messung von Un ter- haltsbeiträgen für Kin der (XKS. 2005.2). Die aufge führten Ansätze gelten für sogenannt durchschnittliche finanzielle Verhältnisse mit ei- nem monatlichen Nettoein kommen der Kindsel tern bzw. des unter - haltspflichtigen El ternteils von aufindexiert ca. Fr. 8'000.00 (Ziff. B.1./1.1. der Unterhaltsempfehlungen). Bei ein er Pauschalisie- rung des Bedarfs, wie sie in den Unter haltsempfehlungen vorgenom- men wird, sind sodann die sich durch die kon kreten Gegebenheiten aufdrängenden An passungen vorzu nehmen (vgl. Wull schleger, in: FamKommentar Scheidung, Bern 2010, 2. Aufl., N. 15 zu Art. 285 ZGB). Zum Bedarf ge hören auch all fällige Fremd betreuungskosten (Unterhaltsempfehlungen Ziffer III.B. 1.1; Wullschleger, a.a.O.). Da 298 Obergericht, Abteilung Zivilgericht 2015 298 das Kind auf eine den Ver hältnissen der Eltern entsprechende Erzie - hung und Lebensstellung Anspruch hat, sind bei einer besonders ho - hen Lebenshaltung der Eltern auch die Bedürfnisse des Kindes höher zu veran schlagen. Allerdings kann aus einem besonders hohen Einkommen der Kindeseltern nicht einfach ein Anspruch auf eine be- sondere hohe Lebensstellung des Kindes und damit auf einen beson- ders hohen Unter haltsbeitrag abgeleitet werden. Der Unterhaltsbei - trag für das Kind ist je denfalls nicht linear nach der finanziellen Leistungskraft der Eltern, ohne jeden Bezug zur konkre ten Situation des Kindes, zu bemessen (BGE 120 II 291 Erw. 3b/bb; BGE 5A_115/2011 Erw. 2.3). Nach in der Lehre ver tretener Auffas- sung (Breitschmid, in: Basler Kom mentar zum ZGB [BSK -ZGB], Basel 2014, 5. Aufl., N. 23 zu Art. 285 ZGB) soll bei Fehlen beson - derer Umstände aus erzieherischen Gründen von den Bedarfszahlen einschlägiger Richtlinien um nicht mehr als 25 % nach oben abgewi- chen werden. V om Bedarf sind die Kinder zulagen ab zuziehen, da diese die Abhängigkeit des Kindes vom Bei trag, den ihm die E ltern schulden, vermindern (BGE 137 III 64 Erw. 4.2.3).