Kantonsgericht Schwyz Urteil vom 8. November 2023 ZK1 2023 8 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Reto Heizmann, Kantonsrichter Pius Schuler, Jörg Meister, Josef Reichlin und Jeannette Soro, Gerichtsschreiber Mathis Bösch. In Sachen STWEG A.________, Klägerin und Berufungsführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, gegen C.________ AG, Beklagte und Berufungsgegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt D.________, betreffend Schadenersatz (Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Schwyz vom 20. Dezember 2022, ZGO 2020 1);- hat die 1. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben: A. Am 19. Januar 2004 zerstörte ein Brand die Restaurants „E.________“ und „F.________“ sowie das Hotel „G.________“ in der kantonal geschützten Häuserzeile „H.________“ in Brunnen. Der Gemeinderat Ingenbohl bewilligte der C.________ AG den sechsstöckigen Neu- und Wiederaufbau inklusive eines pfahlfundierten Untergeschosses (KB 3). Der Bewilligung lag unter an- derem das geologische Gutachten der I.________ GmbH vom 14. September 2004 zugrunde (ebd. S. 3 lit. E/c), wonach bei der Herstellung eines Tiefge- schosses in jedem Fall mit Schäden am flach fundierten Hotel „J.________“ zu rechnen sei (KB 6 S. 6 und 8). Während der Bauarbeiten im Win- ter/Frühjahr 2006 wurden am Hotel „J.________“ der Stockwerkeigentümer- gemeinschaft STWEG A.________ Schäden festgestellt. Die STWEG teilte am 8. März 2006 der Bauherrschaft mit, nach Aufnahme der Bauarbeiten sei an ihrem Gebäude eine tragende Metallsäule ausgeknickt und an der Nord- fassade ein Riss entstanden. Ferner monierte sie die ohne ihre Kenntnis und Zustimmung auf ihrem Grundstück eingebohrten Mikropfähle (KB 8). Entspre- chend der gemeinderätlichen Aufforderung vom 19. Mai 2008 (KB 27) liess die STWEG das Tragwerk des Hotels „J.________“ durch die K.________ unter- suchen. Die Bauingenieure beurteilten mit Berichten vom 28. November 2008 bzw. 23. Januar 2009 die Statik des „J.________“ (KB 28) und die an der Nordfassade als Unterfangungen eingebrachten Mikropfähle als problema- tisch (KB 29). Am 2. Februar 2009 beschloss der Gemeinderat verbindliche Sanierungsfristen für das Hotel „J.________“. Zudem bewilligte er für die zur Unterfangung der Nordfassade des „J.________“ verankerten Mikropfähle und Anker nachträglich und ordnete an, dass die STWEG deren Bestand ungeach- tet einer zivilrechtlichen Bauberechtigung aufgrund von § 54 Abs. 1 PBG zu dulden habe (KB 31), was der Regierungsrat in Abweisung einer Beschwerde der STWEG bestätigte (BB 16). In der Folge liess die STWEG auf ihre Kosten (Fr. 58’116.90 inkl. Planungs- und Ingenieurarbeiten von Fr. 13’579.91) quasi Kantonsgericht Schwyz 3 als Sofortmassnahme unter die drei anderen Fassaden des „J.________“ Ze- ment injizieren (KB 45 f.). B. Am 6. Mai 2011 klagte die STWEG beim Bezirksgericht Schwyz gegen die C.________ AG wie folgt (ZGO 2011 8 Vi-a-act. 1): 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin einen Schadenersatz von insgesamt Fr. 950’000.00, evtl. wie viel, nebst Zins zu 5 % seit dem 1. April 2006 sowie die Kosten des Schlichtungsverfahrens von Fr. 500.00 zu bezahlen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten. Mit uneinlässlicher Klageantwort vom 23. August 2011 verlangte die Beklagte vorerst, auf die Klage sei nicht einzutreten. Das Bezirksgericht trat jedoch mit Beschluss vom 7. November 2011 auf die Klage ein. Die dagegen erhobene Berufung wies das Kantonsgericht am 11. Dezember 2012 ab (ZK1 2011 54). In der Folge beantragte die Beklagte mit Klageantwort vom 10. April 2013, die Klage sei vollständig abzuweisen (Vi-a-act. 34). Mit Urteil vom 15. Juli 2015 verpflichtete das Bezirksgericht die Beklagte im Sinne eines später gestellten Eventualbegehrens, die Mikropfähle und Anker zu entfernen und wies im Üb- rigen die Klage ab (Dispositivziff. 1). Auf eine Widerklage trat es nicht ein (Dispositivziff. 2). Beide Parteien fochten das Urteil beim Kantonsgericht an. Dieses hob in Gutheissung der Berufung der Klägerin Dispositivziffern 1 sowie 3 bis 5 des vorinstanzlichen Urteils auf und wies die Sache zur Neubeurteilung zurück (ZK1 2015 43 und 44 vom 17. Mai 2016). C. Das Bezirksgericht holte zur Frage der Auswirkungen der von der Be- klagten veranlassten Unterfangungen der Nordfassade des „J.________“ mit Mikropfählen auf dessen Fundation in dem unter neuer Nummer geführten Verfahren (ZGO 2016 14) das Gutachten vom 30. Oktober 2017 ein (Vi-b- act. 16 und 19). Mit Urteil vom 27. Dezember 2018 (Vi-b-act. 56 f.) verpflichte- te es die Beklagte, der Klägerin einen Betrag von Fr. 40’000.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. April 2006 zu bezahlen, und wies die Klage im Mehrbetrag ab Kantonsgericht Schwyz 4 (Dispositivziff. 1). Im Weiteren vermerkte das Gericht das rechtskräftige Nicht- eintreten auf die Widerklage im ersten Rechtsgang (Ziff. 2) und regelte die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. 3 und 5 bei fehlender Ziff. 4). Dage- gen erhob die Klägerin am 4. Februar 2019 rechtzeitig Berufung. Mit Be- schluss vom 27. Dezember 2019 hiess die erste Zivilkammer die Berufung der Klägerin wiederum gut, hob Dispositivziffern 1 sowie 3 bis 5 des angefochte- nen Urteils auf und wies die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurück (ZK1 2019 10). Unter anderem wurde erwogen, die Frage der Haftung für den Gutachteraufwand sei ebenso neu zu beurteilen wie diejenige der Haftung für die Anwaltskosten (ebd. E. 4.d). D. Im dritten Rechtsgang (ZGO 2020 1) holte das Bezirksgericht ein Ober- gutachten ein und liess Ergänzungsfragen der Parteien zu. Im Schlussvortrag reduzierte die Klägerin ihre Schadenersatzforderung inkl. Gutachterkosten von Fr. 139’047.00 und vorprozessuale Anwaltskosten von Fr. 64’791.00 auf Fr. 802’455.00, eventualiter ohne Schadenersatz für die Aufhebung der Misch- fundation auf Fr. 261’955.00 (Vi-c-act. 64). Am 20. Dezember 2022 erkannte das Bezirksgericht Schwyz: 1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin einen Betrag von Fr. 129’249.90 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. April 2006 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen. 2. Es wird davon Vormerk genommen, dass auf die Widerklage mit Urteil ZGO 2011 8 des Bezirksgerichts Schwyz vom 15. Juli 2015 rechts- kräftig nicht eingetreten wurde. 3. Die Gerichtskosten, bestehend aus […] werden der Klägerin zu Fr. 67’535.10 (4/5) und der Beklagten zu Fr. 16’883.80 (1/5) auferlegt und wie folgt liquidiert: […]. 4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von Fr. 36’000.00 zu bezahlen (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer). Gegen dieses Urteil erhob die Klägerin wiederum rechtzeitig Berufung. Sie beantragt, das angefochtene Urteil in Dispositivziffer 1 dahingehend zu korri- gieren, dass die Beklagte zu verpflichten sei, ihr Schadenersatz von insge- samt Fr. 259’460.40 (Fr. 129’249.90 + Fr. 130’210.50) nebst Zins zu 5 % seit Kantonsgericht Schwyz 5 dem 1. April 2006 zu bezahlen. Weiter seien in Abänderung von Dispositivzif- fern 3 und 4 die Prozesskosten je hälftig aufzuerlegen respektive es sei fest- zustellen, dass gegenseitig keine Parteientschädigungen geschuldet seien. Eventualiter wird die Rückweisung zur Neubeurteilung an die Vorinstanz ver- langt. Die Beklagte beantragt mit Berufungsantwort vom 8. März 2023 die vollumfängliche Abweisung der Berufung, sofern auf diese eingetreten werden könne (KG-act. 7). Die Klägerin replizierte am 27. März 2023 (KG-act. 12), worauf die Beklagte auf eine weitere Stellungnahme verzichtete (KG-act. 14);- und in Erwägung: 1. Das Bezirksgericht erachtete die Änderungen der Klageanträge im drit- ten Rechtsgang als zulässig (angef. Urteil E. II/1). Es bejahte die Schadens- voraussetzungen für einen Schaden von insgesamt Fr. 129’249.90. Diese Summe beinhaltet neben den Kosten der Zementinjektionen von Fr. 58’116.90 und dem Schaden hinsichtlich der Aufhebung der Mischfundation von Fr. 48’465.00 teilweise Entschädigungen von Fr. 4’078.90 an die Kosten der Privatgutachten und Fr. 18’589.10 an die vorprozessualen Anwaltskosten (an- gef. Urteil E. III/9). Die Klägerin kritisiert in ihrer Berufung die Ausführungen der Vorinstanz zum einen in formeller Hinsicht (dazu unten E. 2). Zum andern rügt sie die Herabsetzung der eingeklagten vorprozessualen Kosten für Gut- achter von Fr. 139’047.00 und Anwälte von Fr. 64’791.00 (unten E. 3). Im Sin- ne eines Entgegenkommens verzichtet sie im Berufungsverfahren jedoch auf deren vollumfängliche Geltendmachung, sondern verlangt nurmehr die Erset- zung zu 75 %, mithin insgesamt Fr. 152’878.50. Abzüglich der im angefochte- nen Urteil anerkannten vorprozessualen Kostenanteilen ergibt dies einen Be- trag von Fr. 130’210.50, woraus zuzüglich dem nicht mehr angefochtenen Schadenersatz von Fr. 129’249.90 die mit Berufung beantragte Forderung von insgesamt Fr. 259’460.40 resultiert.Kantonsgericht Schwyz 6 2. Die Klägerin bestreitet, dass ein Fall eines teilweisen Klagerückzuges vorgelegen und der Streitwert Fr. 998’465.00 betragen haben soll. Sie habe nach der Erstellung des Obergutachtens ihre zunächst als unbeziffert geltende Klage im Forderungsbetrag von Fr. 950’000.00 „evtl. wie viel“ nach Abschluss des Beweisverfahrens in ihrem Schlussvortrag vom 30. September 2022 be- ziffert und der Streitwert betrage demnach Fr. 802’455.00. Die Beklagte macht geltend, eine einstweilen ungefähre Bezifferung sei nicht mit einer unbeziffer- ten Forderungsklage gleichzusetzen und verweist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach nachzuweisen sei, dass und inwieweit eine Beziffe- rung unmöglich und unzumutbar sei und dementsprechend auf die Klage hätte nicht eingetreten werden sollen (dazu vgl. BGE 148 III 322 E. 4 und ZK1 2022 45 vom 24. April 2023 E. 3). Über das Eintreten auf eine Klage mit einem Streitwert über Fr. 950’000.00 haben die kantonalen Instanzen bereits ent- schieden (vgl. ZK1 2011 54 vom 11. Dezember 2012 = Vi-a-act. 27 bzw. oben lit. B). Des Weiteren wurde die Klage nach Abschluss des Beweisverfahrens im ersten Rechtsgang nicht präzisiert und war unbestritten zweimal mit einem Streitwert von Fr. 950’000.00 Gegenstand eines Berufungsverfahrens. Des- halb ist nicht zu beanstanden, dass das Bezirksgericht einen Streitwert von Fr. 950’000.00 und in Bezug auf die im Schlussvortrag auf Fr. 802’455.00 re- duzierte Forderungsklage einen teilweisen Klagerückzug annahm. 3. Aufgrund eines Hinweises in der Klage, als Folge der Bauarbeiten und des unberechtigten Eingriffs unter die Nordfassade des „J.________“ durch die Beklagte seien auch gewisse Probleme an der Tragstruktur des J.________ zutage getreten (Vi-a-act. 1 S. 16), unterscheidet die Vorinstanz die Auswirkungen des Eingriffs auf das Fundament von denjenigen auf das Tragwerk. Den Kausalzusammenhang zwischen dem Eingriff und den Män- geln am Tragwerk hält sie für nicht gegeben und scheidet einen grossen Teil der von der Klägerin geltend gemachten Positionen vorprozessualer Gutach- ter- und Anwaltskosten als nicht adäquat-kausal bzw. unzureichend substan- ziert aus (angef. Urteil E. III/8.2.5.2). Die Berufungsführerin hält diese Feststel-Kantonsgericht Schwyz 7 lungen der Vorinstanz für aktenwidrig. Es sei mehrfach festgehalten worden, dass der Eingriff in die Fundation Auswirkungen auf das Tragwerk gehabt ha- be. Umstritten ist zwischen den Parteien zudem der Umfang erforderlicher Substanzierungen bzw. Bestreitungen hinsichtlich der Notwendigkeit und An- gemessenheit der geltend gemachten Aufwendungen. a) Unbestritten im Berufungsverfahren ist die von der Vorinstanz dargeleg- te Rechtsprechung zu den Voraussetzungen der Geltendmachung vorprozes- sualer Anwaltskosten und deren analogen Anwendung auf die Gutachterkos- ten. Danach können solche Kosten Bestandteil des Schadens bilden, wenn sie gerechtfertigt, notwendig und angemessen waren, der Durchsetzung der Schadenersatzforderung dienen, jedoch nur soweit, als sie nicht durch die Parteientschädigung gedeckt sind (vgl. angef. Urteil E. III/8.2.3 u.a. m.H. auf BGer 4A_501/2021 vom 22. Februar 2022 m.H.). b) Das Bezirksgericht ging in der Sache davon aus, dass durch die wider- rechtliche Unterfangung der Nordfassade des „J.________“ mit Mikropfählen und einem Anker direkt in dessen Fundation eingegriffen und die Klägerin in ihrem Besitz gestört wurde. Dadurch habe die Beklagte eine Mischfundation kreiert, wodurch sich das Gesamtsystem der Fundation des Hotels natürlich und adäquat kausal verschlechtert habe. Dieser Zusammenhang sei durch die konstitutionelle Prädisposition der schon vorher „ausgereizten“ Fundation des „J.________“ nicht unterbrochen worden (angef. Urteil E. III/5.3 f. und 6.3 ff.). Zufolge des eventualvorsätzlichen Vorgehens der Beklagten sei eine Redukti- on des Schadenersatzes unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens ausge- schlossen. Anhaltspunkte dafür, dass die vorbestehende ausgereizte Fundati- on im Zusammenspiel mit dem vorbestehenden teilweise kritisch überlasteten Tragsystem auch ohne Unterfangung der Nordfassade zu einem Schaden geführt hätte, seien nicht erkennbar (ebd. E. 9.3). Der Obergutachter hält Aus- sagen des K.________-Gutachtens zur Tragsicherheit (KB 28) für wichtig (Vi- c-act. 29 S. 21 ff.). Seinem Gutachten ist zu entnehmen, dass Ziel einer Unter-Kantonsgericht Schwyz 8 fangung ist, die Lasten lokal direkt abzufangen und somit möglichst keine Veränderung im statischen System des gesamten Gebäudes zu erzeugen (Vi- c-act. 29 S. 30). Damit ist dargetan, dass sich der Eingriff der Beklagten in die Fundation auf die Statik respektive Tragstruktur des gesamten Gebäudes auswirkte. Das Ausknicken der Säule im 1. OG lasse eine Lastumlagerung infolge Bewegungen im Fundamentbereich annehmen, weil die Fundation schon vor der Einbringung der Mikropfähle „ausgereizt“ war (ebd. S. 41 f. so- wie Vi-c-act. 49 S. 8 und 14). Zutreffend macht die Klägerin mithin geltend, es sei festgehalten worden, dass sich der Eingriff der Beklagten auf das Trag- werk des „J.________“ auswirkte und dadurch verursachte, dass dessen Prä- disposition, also „Ausreizung“, zu akuten Problemen führte (das bestätigen auch die Abklärungen von L.________ vom 23. Dezember 2009, BB 22 S. 3 oben sowie Vi-c-act. 29 S. 24). Damit waren die Umstände genannt, die dafür sprachen, dass die geltend gemachten Aufwendungen haftpflichtrechtlich als Bestandteil des Schadens zu betrachten und mithin deren Rechtfertigung, Notwendigkeit und Angemessenheit behauptet waren (vgl. BGer 4A_501/2021 vom 22. Februar 2022 E. 9.1). Diese von ihr selbst bejahte und durch die Prä- disposition nicht als unterbrochen erachtete Ursächlichkeit berücksichtigt die Vorinstanz bei der Beurteilung der Gutachter- und Anwaltskosten indes nicht (mehr). Diese Nichtberücksichtigung lässt sich nicht aufgrund des klägeri- schen Hinweises rechtfertigen, gewisse Sanierungsmassnahmen an der ober- flächlichen Tragstruktur seien nicht in die Schadenersatzforderung einbezo- gen worden (Vi-a-act. 1 S. 16). Der Hinweis kann nicht als Zugeständnis der Klägerin gelten, es sei für die Ersatzpflicht zwischen direkt durch den Eingriff auf das Fundament und nur indirekt am Tragwerk verursachten Schäden zu unterscheiden. Die Klägerin behauptete vielmehr von Anfang an, dass der Eingriff auch die Tragstruktur des „J.________“ tangiert habe (ebd. S. 20). Die Notwendigkeit vorprozessualer baufachmännischer und juristischer Abklärun- gen kann mithin nicht mit fehlender Kausalität zwischen dem Eingriff in das Fundament und Schäden am Tragwerk begründet werden. Mithin waren sei- tens der Klägerin zur Substanzierung ihren Schadenersatzforderungen für Kantonsgericht Schwyz 9 vorprozessuale Gutachter- und Anwaltskosten keine zwischen der Fundation und dem Tragwerk differenzierenden Erläuterungen zu den einzelnen Rech- nungspositionen erforderlich – selbst dann nicht, als die Beklagte bestritt, entsprechender Aufwand für die auch im Zusammenhang mit der Prädisposi- tion des Tragwerks stehende Problembewältigung sei nicht adäquat-kausal: Die weitere Aufrechterhaltung dieser Bestreitungsweise ohne konkrete Bezü- ge zu einzelnen Positionen erweist sich als unzulässig pauschal (vgl. etwa Oberhammer/Weber, KUKO, 3. A. 2021, Art. 55 ZPO N 12 m.H.) für den eingetretenen Fall, dass die Diffe- renzierung zwischen Schäden am Fundament und am Gebäudetragwerk wie gezeigt unerheblich ist. Abgesehen davon begegnete die Klägerin dem weiteren nicht näher konkreti- sierten beklagtischen Einwand der mangelhaften Substanzierung (Vi-a-act. 34 S. 27) in der Replik mit detaillierten Auflistungen der tatsächlichen einzelnen Aufwandspositionen der Gutachter respektive der Anwälte (Vi-a-act. 51 S. 48 ff. und 61 ff.; vgl. auch noch Vi-c-act. 64 S. 18 ff. und 30 ff.). Die Beklagten rügten daraufhin nicht, inwiefern diese Positionen im Einzelnen nicht nötig oder unangemessen gewesen wären oder in der Summe die eingeklagten Beträge ergeben, mithin insgesamt nicht der Durchsetzung von Schadener- satzforderung dienen würden. Sie verharrten auf ihrem allgemeinen Stand- punk, dass der geltend gemachte Aufwand Kosten betreffe, die in der Prädis- position des Tragwerks des Hotels J.________ begründet lägen (Vi-a-act. 57 S. 24 f.). Nachdem der Vorzustand des Tragwerks des Hotels den Kausalzu- sammenhang nicht unterbricht, kann der Klägerin nicht vorgeworfen werden, hinsichtlich erst noch zu beurteilender Kausalitäten ihren Aufwand zu wenig differenziert bzw. substanziert zu haben. Dass einzelne Positionen Sanierun- gen am oberflächlichen Tragwerk beträfen, die auch nicht indirekt durch ihre widerrechtliche Unterfangung der Nordfassade des Hotels zusammenhängen könnten, machte die Beklagte konkret nicht geltend. Namentlich bestritt sie nicht, dass solche Schäden – wie Rauch auf Feuer – auf durch die unberech-Kantonsgericht Schwyz 10 tigte Unterfangung der Hotelnordfassade geschaffene Fundamentsprobleme hindeuteten und dahingehend abzuklären waren. c) Weiter setzt die Rechtsprechung voraus, dass die Abklärungen der Durchsetzung der Schadenersatzforderung dienten. Unbestritten ist hier, dass die geltend gemachten Positionen nicht durch Parteientschädigungen abge- golten sind. Schon im ersten Berufungsverfahren wurde entschieden, dass die Beklagte verboten eigenmächtig widerrechtlich den Besitz der Klägerin über- mässig störte (ZK1 2015 E. 4.a sowie angef. Urteil E. I/5 und III/4). Dass Un- tersuchungen nach diesem Eingriff aufdeckten, dass das Tragwerk des „J.________“ an seine Grenzen stiess, ändert nichts daran, dass bautechni- sche und juristische Abklärungen im Hinblick auf Schadenersatzforderungen der Klägerin gegenüber der Beklagten (Vi-a-act. 1 S. 18) nicht nur angemes- sen, sondern auch notwendig waren. Das bestritt die Beklagte wie gesagt mit dem Argument, dass die Gutachter- und vorprozessualen Anwaltskosten nicht als adäquat kausaler Schaden gelten könnten, soweit sie im Zusammenhang mit der problematischen, öffentlich-rechtlich beanstandeten Tragsicherheit des „J.________“ entstanden seien (Vi-a-act. 34 S. 26 ff.). Dieses Argument er- wies sich als unrichtig, weil die Vorinstanz die Kausalität trotz der Prädisposi- tion des Hotels J.________ bejahte (vgl. oben lit. b). Es trifft denn auch nicht zu, dass der Zustand des Hotels schon vor dem Eingriff nach baupolizeilichen Massnahmen verlangte. Die öffentlich-rechtliche Verpflichtung zu entspre- chenden Abklärungen erfolgte nach dem Eingriff und unterstreicht mithin de- ren Notwendigkeit (vgl. auch ZK1 2015 43 und 44 vom 17. Mai 2016 E. 6 vor lit. a). An der Angemessenheit ihrer zivilrechtlichen Geltendmachung ändert der Umstand nichts, dass die Untersuchungen somit auch der Erfüllung öffent- lich-rechtlicher Verpflichtung dienten, da diese wiederum nur Folgen des wi- derrechtlichen Eingriffs im Rahmen der Bauarbeiten der Beklagten waren. Dass die Klägerin im öffentlich-rechtlichen Verfahren entschädigt worden sei, wurde nicht geltend gemacht und ist auch nicht anzunehmen, nachdem sie als „Zustandsstörerin“ (also nicht Verhaltensstörerin) zur Tragung der Gutachter-Kantonsgericht Schwyz 11 kosten verpflichtet betrachtet und im Hinblick auf die geltend gemachte Verur- sachung durch die Beklagte auf den Zivilweg verwiesen wurde (BB 16: RRB Nr. 591/2009 vom 3. Juni 2009 E. 4). d) Aus diesen Gründen ist nicht ersichtlich, inwiefern die durch die Klägerin geltend gemachten, durch die Beklagte weder bezüglich der einzelnen Positi- onen noch in den Gesamtbeträgen konkret bestrittenen Gutachter- und An- waltskosten nicht notwendig und angemessen gewesen wären und nicht vor- prozessual der Durchsetzung der nachfolgenden Schadenersatzklage dienten. Angesichts mangelnder weitergehender Bestreitungen durch die Beklagte kann darauf verzichtet werden, die Berechnung dieser Schadenspositionen im Einzelnen zu überprüfen, zumal nach dem „Entgegenkommen“ der Klägerin, ihre diesbezüglichen Forderungen um 25 % zu kürzen. Mithin kann die Beru- fung ohne weitere Erwägungen gutgeheissen werden. 4. Im Weiteren rügt die Klägerin die Verteilung der erstinstanzlichen Pro- zesskostenfolgen im Verhältnis von 1/5 zu 4/5 zu ihren Lasten und beantragt, die Kosten den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und keine Parteientschädi- gungen zu sprechen. Nach wie vor unterliegt die Klägerin auch nach Gutheis- sung ihrer Berufung hinsichtlich des massgeblichen Streitwerts (vgl. oben E. 2) im Verhältnis von rund einem zu drei Vierteln. Sie macht jedoch zutref- fend geltend, dass vorliegend ihre Klage grundsätzlich gutgeheissen worden sei und – wie allein aus den verschiedenen umstrittenen Gutachten hervor- geht – die Bezifferung ihres Anspruches schwierig gewesen sei (Art. 107 Abs. 1 lit. a ZPO). Zweifellos war sie zudem angesichts des eventualvorsätzli- chen unberechtigten Eingriffs der Beklagten in guten Treuen zur Prozess- führung veranlasst (ebd. lit. b und f). In Anbetracht dessen rügt die Klägerin zutreffend, dass die Vorinstanz es versäumte, von dem ihr eingeräumten Er- messen Gebrauch zu machen. Die beantragte hälftige Prozesskostenvertei- lung mit der Folge, dass die Parteien einander erstinstanzlich keine Entschä- digungen schulden, ist daher gerechtfertigt.Kantonsgericht Schwyz 12 5. Die Berufung ist gutzuheissen und der Klägerin insgesamt Fr. 259’460.40 Schadenersatz nebst unbestritten gebliebenem Zins zuzuspre- chen. Die Gerichtskosten sind erstinstanzlich den Parteien je zur Hälfte aufzu- erlegen und es sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen. Ausgangs- gemäss hat die Beklagte die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen und die Klägerin im Rechtsmittelverfahren angemessen zu entschädigen (§§ 2, 6 und 11 i.V.m. § 8 GebTRA);- erkannt: 1. Die Berufung wird gutgeheissen, Dispositivziffern 1, 3 und 4 des ange- fochtenen Urteils werden aufgehoben und stattdessen wird die Beklagte verpflichtet, der Klägerin einen Betrag von Fr. 259’460.40 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. April 2006 zu bezahlen. 2. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von Fr. 84’418.90 (Schlich- tungsverfahren Fr. 500.00, Entscheidgebühr Fr. 40’000.00 und Beweis- führung Fr. 43’918.90) werden den Parteien je zur Hälfte (Fr. 42’209.45) auferlegt und mit den geleisteten Vorschüssen verrechnet. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin Fr. 17’440.55 Gerichtskostenersatz und ih- ren Anteil von Fr. 250.00 der Schlichtungsgebühr sowie der Bezirksge- richtskasse Fr. 9’518.90 zu bezahlen. 3. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 10’000.00 werden der Be- klagen auferlegt. Sie werden aus dem Vorschuss gedeckt und der Klä- gerin aus der Kantonsgerichtskasse Fr. 20’000 zurückbezahlt. Die Be-Kantonsgericht Schwyz 13 klagte wird verpflichtet, der Klägerin Fr. 10’000.00 Gerichtskostenersatz zu bezahlen. 4. Die Beklagte wird verpflichtet, die Klägerin für das Berufungsverfahren mit Fr. 12’000.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 5. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 72 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Zivilsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert beträgt Fr. 950’000.00. 6. Zufertigung an die Parteivertreter (je 2/R) und die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 1. Zivilkammer Der Kantonsgerichtspräsident Der Gerichtsschreiber Versand 10. November 2023 amu