B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) U r t e i l v o m 5 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, Türkei, vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. April 2011 / N (…). E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 2 Sachverhalt: I. A. Der Beschwerdeführer, ein Kurde aus B._______, stellte am 6. Mai 2010 bei der Schweizerischen Vertretung in Ankara ein Asylgesuch verbunden mit einem Gesuch um Bewilligung Einreise in die Schweiz. Am 3. Juni 2010 wurde er durch die Botschaft in Ankara zu seinen Ge- suchsgründen befragt. Dabei machte er i m Wesentlichen geltend, er sei seit dem Jahr (…) Mitglied der Demokratik Toplum Partisi (DTP) respekti- ve der Barış ve Demokra si Partisi (BDP). Er habe regelmässig an D e- monstrationen und anderen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten teilgenom- men und sei e ine Zeitlang Fahrer des (…)-Abgeordneten von B._______ gewesen. Ausserdem sei er Mitglied des (…) Vereins "C._______". Auf- grund der Aussage eines Geheimzeugen sei er in ein Gerichtsverfahren verwickelt worden, in dem er zu Unrecht der Mitgliedschaft beim "Yurtse- ver Demokrat Gen çlik Hareketi" (YDHG), einem legalen Jugendverband der DTP , bezichtigt worden sei. Der Zeuge habe insbesondere behauptet gehabt, dieser Verband arbeite für die verbotene Partiya Karkerên Kurdis- tan (K urdische Arbeiterpartei , PKK) und rekrutiere Jugendliche für die kurdische Guerilla. Der Beschwerdeführer sei in diesem Zusammenhang vom (…) bis zum (…) 2010 in behördlichem Gewahrsam gewesen, und in dieser Zeit verhört und unter Druck gesetzt worden. Der Staatsanwalt be- antrage eine Freiheitsstrafe von (…) Jahren gegen ihn , und er (B e- schwerdeführer) erwarte eine Verurteilung. Wegen dieses Verfahrens ha- be er auch seine Anstellung als (…) verloren. B. Mit Verfügung vom 20. Juli 2010 verweigerte das BFM die Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. C. Mit Schreiben vom 1. September 2010 an die Botschaft erhob der B e- schwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde. Die Botschaft über - mittelte die Eingabe einschliesslich Beilagen zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 3 D. Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2010 forderte der damals z u- ständige Instruktionsrichter den Besc hwerdeführer auf, seine Eingabe sowie die Beilagen übersetzt in eine der Amtssprachen einzureichen, a n- sonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. E. Nachdem die Botschaft in Ankara dem Gericht mitgeteilt hatte, die Zw i- schenverfügung vom 11. Oktober 2010 habe dem Beschwerdeführer nicht zugestellt werden können, trat der Instruktionsrichter mit Urteil E-7154/2010 vom 8. November 2010 nicht auf die Beschwerde vom 1. September 2010 ein. II. F. Am (…) Oktober 2010 gelangte der Beschwerdeführer unter Umgehung der Grenzkontrollen in die Schweiz und stellte gleichentags ein neues Asylgesuch. Im Empfangs - und Verfahrenszentrum Basel wurde er am 5. November 2010 zu seiner Person und summarisch zu den Asylgründen befragt. Das Bundesamt hörte den Beschwerdeführer am 30. Dezember 2010 einlässlich zu seinen Asylgründen an. F.a. Bei seinen Befragungen führte der Beschwerdeführer im Wesentl i- chen aus, er habe sich seit dem Jahr 2004 politisch betätigt und dabei die DTP und deren Nachfolgepartei BDP als Sympathisant und Mitglie d un- terstützt. Von der BDP sei er insbesondere mit dem Anwerben von neuen jungen Mitgliedern beauftragt worden. In den Jahren 2007/2008 sei mit der PKK in Kontakt gekommen, nachdem sich mehrere Kollegen der Guerilla angeschlossen gehabt hätten. Er habe in der Folge wiederholt logistische Unterstützungstätigkeiten für die PKK vorgenommen. Im (…) 2004 sei er für die Dauer eines Tages festgenommen worden. Im Jahr 2009 sei aufgrund von Aussagen eines anonymen Zeugen ein Ve r- fahren gegen ihn eröffnet worden. Ihm sei dabei die Mitgliedschaft bei der PKK beziehungsweise beim YDGM sowie die Rekrutierung von Kämpfern für die kurdische Guerilla vorgeworfen worden . Er sei (…) Tage lang fest- gehalten und dabei psychisch unter Druck gesetzt worden. Das Verfahren sei beim (…) Gericht (…) erstinstanzlich hängig. Er rechne mit einer Ver- urteilung zu einer mehrjährigen Haftstrafe. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 4 F.b. Nachdem ihn die Schweizer Vertretung in Ankara zu seinem (ersten) Asylgesuch befragt gehabt habe, hätten die lokalen Sicherheitskräfte noch mehr Druck auf ihn ausgeübt. Im (…) 2010 sei er auf den Posten gebracht und dort "ein letztes Mal" verwarnt worden. Im (…) 2010 hätten ihn Angehörige der Sicherheitskräfte mit dem Auto entführt. Sie hätten ihn geschlagen, ihm eine Pistole an die Schläfe gehalten und ihn mit dem Tod bedroht, falls er nicht als Informant für sie arbeite; in diesem Zusammen- hang sei ihm zudem auch Geld angeboten worden. Nach diesem Vorfall sei ständig ein ziviles Auto mit Agenten vor seinem Haus gestanden. Er habe sich ernsthaft bedroht gefühlt und sei deshalb Ende (…) 2010 aus B._______ weggegangen. F.c. Nach seiner Einreise in die Schweiz habe er erfahren, dass das Tele- fon seiner Eltern abgehört werde und (…) in der Türkei tot aufgefunden worden sei. F.d. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reic hte der Beschwerdeführer die folgenden Dokumente zu den Akten: BDP-Mitgliedschaftsbestätigung vom (…) 2009; Protokoll einer polizeilichen Hausdurchsuchung, B e- schlagnahmung und Festnahme vom (…) 2009; Aussageprotokoll vom (…) 2009; Anklageschrift der Oberstaatsanwaltschaft D._______ vom (…) 2009; Zwischenverfügung des (…) Gerichts (…) vom (…) 2009; Anklage- schrift und Verhandlungsprotokoll des gleichen Gerichts vom (…) 2009 respektive vom (…) 2010; Arztbericht vom 14. Januar 2011. G. Mit Verfügung vom 29. April 2011 – eröffnet am 5. Mai 2011 – lehnte das BFM das Asylgesuch mit der Begründung ab, die dargelegten Fluch t- gründe würden weder den Anforderungen an die Asylrelevanz noch den- jenigen an die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen genügen. Der B e- schwerdeführer erfülle demzufolge die Flüchtlingseigenschaft nicht, we s- halb sein Asylgesuch abzulehnen sei. Gleichzeitig verfügte das BFM die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und stellte fest, der Vollzug seiner Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. H. Mit Eingabe vom 27. Mai 2011 (registriert unter der Verfahrensnummer E-3032/2011) liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. April 2011 beim Bundesver- waltungsgericht einlegen. Er beantragte, d ie Verfügung sei aufzuheben und ihm sei unter Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl in der E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 5 Schweiz zu gewähren. Eventuell sei festzustellen, dass die Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess der Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung sei- nes Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt beantragen. Mit der Beschwerde wurden weitere Beweismittel zu den Akten gereicht: Berufungsschritt der Oberstaatsanwaltschaft D._______ vom (…) 2010; Referenzschreiben von E._______ (Abgeordneter […]) vom (…) 2010; Original einer Vorladung der Oberstaatsanwaltschaft B._______ vom (…) 2011; Kopie des von F._______ verfassten Schreibens an das (…) Ge- richt (…), dessen Übersetzung von Amtes wegen beantragt werde; Deck- blatt des Berichts der Türkischen Menschenrechtsstiftung TIHV von A u- gust 2010; Vergleichstabelle des IHD über Menschenrechtsverletzungen in der Türkei von 1999 bis 2009. Das Nachreichen einer Fürsorgebestäti- gung wurde in Aussicht gestellt. I. Mit Zwischenverfügung vom 8. Juni 2011 stellte der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Er wies d as Gesuch um Beigabe eines unentgeltl i- chen Rechtsbeistands im Sinn von Art. 65 Abs. 2 des Verwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ab und stell- te fest, über das Gesuch um Gewährung der un entgeltlichen Rechtspfle- ge im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde später entschieden. Mit gleicher Verfügung wurde das Besch werdedoppel mit den Beweismit- teln (in Kopie) der Vorinstanz zur Stellungnahme überwiesen. Der B e- schwerdeführer wurde zudem aufgefordert, während laufender Vernehm- lassungsfrist die genauen Personalien der von ihm erwähnten Lands- männer aktenkundig zu machen. J. Am 7. Juni 2011 reichte der Beschwerdeführer die in der Beschwerde in Aussicht gestellte Fürsorgebestätigung nach. K. Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehml assung vom 20. Juni 2011 vollu m- fänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 6 L. Am 23. Juni 2011 und 28. Juni 2011 teilte der Beschwerdeführer dem Ge- richt die Personalien der in der Beschwerde bezeichneten Personen mit. M. Mit Anfrage vom 30. Juni 2011 gelangte der lnstruktionsrichter an die Schweizer Botschaft in Ankara u nd ersuchte diese um diskrete Abklärun- gen gewisser Punkte und um Beantwortung mehrerer konkreter Fragen. N. Am 3. August 2011 liess der Beschwerdeführer eine Bescheinigung de s Quartiervorstehers von B._______ (mit deutscher Übersetzung) nach rei- chen; gemäss welcher die Sicherheitsdirektion B._______ beim Vater den Aufenthaltsort des Beschwerdeführers habe in Erfahrung bringen wollen. Auch dieses Beweismittel leitete der lnstruktionsrichter am 5. August 2011 an die Botschaft in Ankara weiter. O. Mit Eingabe vom 9. August 2011 reichte der Beschwerdeführer eine türki- sche Zeitung samt auszugsweiser Übersetzung eines Artikels betreffend den Tod (…) kurdischer Guerillas zu den Akten. Er führte aus, (…) der ge- töteten Personen seien Cousins von ihm gewesen. P. Am 19. Aug ust 2011 trafen die Ergebnisse der Botschaftsabklärung, d a- tierend vom 17. August 2011, beim Gericht ein. Q. Mit Eingabe vom 17. April 2012 liess der Beschwerdeführer dem Gericht die Kopie eines deutschen Asylentscheids für G._______ zukommen, welcher zusammen mit ihm in Untersuchungshaft gewesen und in der bei den Akten liegenden Anklageschrift als Mittäter aufgeführt sei. Gleichzei- tig liess der Beschwerdeführer um baldige Entscheidfindung ersuchen. R. Am 23. Oktober 2012 wurde die Kopie eines italienischen Aufenthaltstitels von H._______ eingereicht. Dieser sei als einer der Mitangeklagten im hängigen Strafverfahren des Beschwerdeführers erwähnt und in Italien als Flüchtling anerkannt. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 7 S. Am 4. April 2013 liess der Beschwerdeführer eine Kopie des positiven Asylentscheid des BFM betreffend I._______ einreichen und darauf hi n- weisen, auch dieser sei ein Mitangeklagter im besagten Verfahren gew e- sen. T. Am 31. Juli 2013 brachte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung der Vorinstanz und die Botschaftsauskunft zur Kenntnis und setzte ihm Frist zur Einreichung einer schriftlichen Stellun g- nahme. Der Beschwerdeführer reichte am 15. August 2013 fristgerecht seine Stel- lungnahme zu den Akten. Mit dieser sowie mit einer Eingabe vom 22. Au- gust 2013 r eichte er die folgenden Beweismittel zu den Akten: Entscheid des Berufungsgerichts (Fax -Kopie) vom (…) 2011; Internetberichte zu (…) in Gefechten mit der türkischen Armee getöteten Mitangeklagten; Beschluss vom (…) 2011 (Farbkopie), der belege, dass er we iterhin be- hördlich gesucht werde ; Referenzschreiben des kurdischen Vereins J._______; Arztzeugnis vom 26. April 2012 zum Beleg seiner gesundheit- lichen Situation. U. Der Instruktionsrichter liess im Sommer 2013 die folgenden Beweismittel von Amtes wegen übersetzen: Die mit der Beschwerde vom 27. Mai 2011 als Beweismittel 6 eingereichte schriftliche Aussage des Zeugen F._______ sowie das mit der Stellungnahme vom 15. August 2013 r e- spektive 22. August 2013 eingereichte Dokument, das angeblich die ak- tuelle Suche nach dem Beschwerdeführer belege. (Vom Urteil der zwei- ten türkischen Instanz vom (…) 2012 liegt eine vollständige Übersetzung in die deutsche Sprache beim beigezogenen Referenzdossier N (…), weshalb hier von einer erneuten Übersetzung abgesehen werden konnte.) V. Am 28. Oktober 2013 wurde vom Bundesverwaltungsgericht eine persön- liche Erklärung, das Asylgesuch (respektive die Beschwerde) werde zu- rückgezogen, unter der Verfahrensnummer des Beschwerdeführers r e- gistriert, obwohl sie von der Partei eines der b eigezogenen Asyldossiers abgegeben worden war . Der Einzelrichter schrieb daraufhin irrtümlicher- weise das Verfahren des Beschwerdeführers als mit Beschluss E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 8 E-3032/2011 vom 29. Oktober 2013 als gegenstandslos geworden ab. Nachdem er durch die Vorinstanz a uf das Versehen aufmerksam g e- macht worden war, stellte der Instruktionsrichter am 6. November 2013 vom Amtes wegen die Nichtigkeit des Abschreibungsbeschlusses und die Weiterführung des Verfahrens des Beschwerdeführers fest (aus archi v- technischen Gründen unter dem neuen Aktenzeichen E-7026/2011). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Be urteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [As ylG, SR 142.31] , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht hier endgültig entscheidet. 1.2. Das Verfahren r ichtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 1.4. Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 9 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsyIG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massg eblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsyIG). 4. 4.1. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung vom 29. April 2011 im We- sentlichen folgendermassen: 4.1.1. Das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Gerichtsverfahren aus dem Jahr 20 09 sei noch in erster Instanz hängig und der Ausgang völlig offen. Er sei er in diesem Zusammenhang nur wenige Tage lang behördlich festgehalten und eine formelle Untersuchungshaft sei nicht angeordnet worden; er habe somit den erstinstanzlichen Urteilsspruch auf freiem Fuss abwarten können. Im Fall einer Verurteilung hätte er B e- schwerdemöglichkeiten, wobei er erfahrungsgemäss auch diesen Verfah- rensausgang in Freiheit abwarten können würde . Insgesamt könne der Beschwerdeführer keine ausreichend begründete Furcht vor unmittelbar bevorstehender asylrelevanter Verfolgung darlegen ; seine Vorbringen seien daher asylrechtlich nicht beachtlich. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 10 4.1.2. Das Strafverfahren wegen PKK -Mitgliedschaft sei angesichts der zahlreichen, als terroristisch einzustufenden Gewaltakte dieser Partei zu- dem als im Kern rechtsstaatlich legitim zu qualifizieren. Vorliegend könn- ten sich die Behörden offenbar auf eine Zeugenaussage abstützen. Es dürfe angenommen werden, die türkischen Behörde würden bei der Strafverfolgung des Beschwerdeführers mit rechtsstaatlichen Methoden vorgehen, zumal er nicht in Untersuchungshaft versetzt und während des Polizeigewahrsams keinen Misshandlungen ausgesetzt worden sei. 4.1.3. Soweit der Beschwerdeführer vorbringe, im (…) 2010 Ietztmals festgenommen und im (…) 2010 zu Hause bedroht sowie im (…) 2010 des Nachts auf dem Heimweg von Sicherheitskräften im Auto en tführt und geschlagen worden zu sein, seien diese Ausführungen nachgesch o- ben und unglaubhaft. Gleich seien auch die erst nachträglich geltend ge- machte Unterstützungstätigkeiten für die PKK (seit 2007) zu qualifizieren; überdies sei auch nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund der B e- schwerdeführer diese Sachverhaltselemente nicht bereits im Rahmen sei- nes ersten (Ausland-) Asylgesuchs vorgebracht habe. 4.1.4. Insgesamt vermöchten die Vorbringen daher weder den Anford e- rungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Asylrelevanz zu genügen. 4.2. Der Beschwerdeführer hält in seinem Rechtsmittel an der W ahrheit seiner Vorbringen fest und führt Folgendes aus: 4.2.1. Hinsichtlich des hängigen Strafverfahrens sei aktenkundig zu m a- chen, dass das zuständige Gericht in D._______ den Beschwerdeführer mit Urteil vom (…) 2010 freigesprochen habe. Allerdings habe die Obe r- staatsanwaltschaft das Urteil beim Kassationsgericht angefochten, wie dies aus dem mit der Beschwerde eingereichten Beweismittel ersichtlich werde. Der Freispruch in erster Instanz bedeute deshalb noch nicht, dass der Beschwer deführer letztlich tatsächlich straf frei ausgehe. Ausserdem wiege der Vorwurf der PKK -Mitgliedschaft ungeachtet des Verfa h- rensausgangs sehr schwer. 4.2.2. Sodann sei davon auszugehen, dass bei der vorliegenden Sachla- ge in der Türkei über den Beschwerdeführer ein Datenblatt angelegt wo r- den sei; gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2010 Nr. 9) genüge dies, um von einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung ausgehen zu müssen. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 11 4.2.3. Soweit das BFM festhalte, die staatliche Verfolgung wegen PKK- Aktivitäten sei im Kern rechtsstaatlich legitim , sei ebenfalls auf die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zu verweisen: Bei nachgewiesenen PKK- Aktivtäten gehe dieses regelmässig von illegitimer Verfolgung aus und prüfe dementsprechend anschliessend die Frage der Asylunwürdigkeit. Vor diesem Hintergrund würden die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz an der Sache vorbeigehen. Es sei auch sehr fraglich, ob die zuständigen türkischen Behörden ein solches Strafverfahren – wie von der Vorinstanz angenommen – tatsächlich mit rechtsstaatlich korrekten legitimen Mitteln durchführen würden. 4.2.4. Hinsichtlich der als unglaubhaft beurteilten Vorbringen sei darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer wegen der zahlreichen tür- kischen Polizeibeamten bei der Schweizer Botschaft in Ankara davor ge- scheut habe, die Botschaft zu betreten. Er sei er in dieser besonderen Si- tuation sehr angespannt und unsicher gewesen. Zudem sei beim Inte r- view in der Botschaft ein türkischstämmiger Dolmetscher eingesetzt wor- den. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerd eführer im Rahmen der Strafuntersuchung technischen Überwachungsmassnahmen ausgesetzt worden sei, weshalb es als nachvollziehbar erscheine, dass er der Botschaft von den Ereignissen von (…) 2010 nicht sofort berichtet habe. Insgesamt sei angesichts des urk undlich belegten Strafverfahren, des in Ankara erfolgten Interviews und des summarischen Charakters der BZP - Befragung nicht schon deshalb davon auszugehen, die diesbezüglichen Vorbringen seien unglaubhaft, weil sie erst in der Schweiz erstmals er- wähnt worden seien. Schliesslich habe er d ie Vorfälle bei der Anhörung vom 30. Dezember 2010 auch sehr detailliert und plausibel geschildert. 4.2.5. Dass die politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers zuträfen, sei auch dem Referenzschreiben des Abgeordneten (…) aus B._______ zu entnehmen. Sodann könne der Beschwerdeführer seine Aussagen be- legen, wonach das Strafverfahren aufgrund von Aussagen eines anon y- men Zeugen eröffnet worden sei. Dieser Zeuge habe seine Aussage spä- ter unter Offenlegung seiner Identität widerrufen und erklärt, diese unter Druck von Sicherheitskräften gemacht zu haben. Dieser Widerruf sei vom zuständigen Gericht in D._______ aber nicht berücksichtigt worden. 4.2.6. Schliesslich gehe aus den zur Verfügung stehenden Quellen her- vor, dass sich die Menschenrechtssituation in der Türkei entgegen der E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 12 Auffassung des BEM nicht wesentlich verbessert habe und insbesondere Misshandlungen und Folter in Polizeigewahrsam nicht seltener geworden seien. Der Beschwerdeführer weise aufgrund seiner jahrelangen Aktivitä- ten für die DTP ein exponiertes politisches Profil auf und sei des wegen bereits zur Zielperson der Sicherheitskräfte geworden. Dabei sei auch angesichts des hängigen Strafverfahrens von einer massiven Vorverfo l- gung auszugehen, welche das Beweismass für das Vorliegen einer b e- gründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung praxisgemäss deutlich her- absetze. 5. Das Bundesverwaltungsgericht kommt in Würdigung der gesamten Akten zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anford e- rungen an die Bejahung der Flüchtlingseigenschaft nicht genügen. 5.1. Das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer und zahlreiche Mi t- angeklagte endete, soweit ihn betreffend, in erster Instanz am (…) 2010 mit einem Freispruch. Das BFM weist in seiner Vernehm lassung vom 20. Juni 2011 zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer diese – mehr als (…) Monate vor der ausführlichen Bundesbefragung und (…) Monate vor Erlass der v o- rinstanzlichen Verfügung verwirklichte – Tatsache in Verletzung seiner gesetzlichen Mitwirkungspflicht verschwiegen hat. Dieses Aussageverhal- ten wirkt sich nachteilig auf die persönliche Glaubwürdigkeit des B e- schwerdeführers aus. Sodann steht heute fest, dass das im Anschluss an den erstinstanzlichen Freispruch vom Staatsanwalt eingeleite te Beschwerdeverfahren am (…) 2011 mit einer Abweisung des Rechtsmittels – und der definitiven Bestäti- gung des Freispruchs – endete. Dieses Urteil hatte der Beschwerdeführer in seinen Eingaben vom 23. Oktober 2012 und vom 4. April 2013 nicht nur mit keinem Wort erwähnt, sondern vielmehr jeweils festgehalten, die beiden erwähnten Landsmänner seien mit ihm "zusammen im selben tü r- kischen Gerichtsverfahren angeklagt" (Hervorhebung BVGer) . D as erst am 15. August 2013 eingereichte zweitinstanzliche Urteil weist ein aufge- drucktes Fax -Datum vom (…) 2012 auf , und in der Eingabe wird aus- drücklich angegeben, er habe im Sommer 2012 per Fax vom Entscheid Kenntnis erlangt . Auch die ses prozessuale Verhalten spricht gegen die persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 13 5.2. Ungeachtet dieser Feststellungen bleibt inhaltlich festzuhalten, dass das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer nunmehr in letzter I n- stanz mit einem Freispruch endete. 5.3. Mit den Abklärungen der Schweizer Botschaft konnte das vom B e- schwerdeführer bes chriebene Verfahren in der Türkei bestätigt werden. Auf Beschwerdeebene wird – unter Hinweis auf die diesbezügliche Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (namentlich BVGE 2010/9) – geltend gemacht, er müsse wegen dieses Verfahrens mit einem sogenannten Datenblatt landesweit als regimekritisch registriert worden sein (vgl. Beschwerde S. 5 f.). 5.3.1. In diesem Zusammenhang ist zunächst festzuhalten, dass gemäss den Abklärungen der Botschaft vom Sommer 2011 über den Beschwerde- führer kein solches Datenblatt erstellt worden ist. Für das Bundesverwa l- tungsgericht ergibt sich aus den Akten kein Grund an der Richtigkeit di e- ses Abklärungsergebnisses zu zweifeln. 5.3.2. Für das Anlegen eines Datenblatts gibt es in der Türkei grundsätzli- che Richtlinien, die aber nach Kenntnis des Gerichts faktisch nicht auf dem gesamten Staatsgebiet einheitlich befolgt werden. In der Regel wird demnach bei Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Voruntersuchungen, spätestens nach Abschluss des Verfahrens ein Datenblatt ang elegt, das üblicherweise offenbar auch bei einer nachfolgenden Verfahrenseinste l- lung oder einem gerichtlichen Freispruch bestehen bleiben (vgl. auch BVGE 2010/9 S. 121 E. 5.3.2). Aus den Akten ergibt sich nicht, aus welchen Gründen über den B e- schwerdeführer kein Datenblatt angelegt worden ist. Letztlich kann diese Frage aber offenbleiben: Tatsache ist, dass der Beschwerdeführer jeden- falls bis (…) 2011 – mithin fast ein Jahr nach Abschluss des erstinstanzli- chen Verfahrens – nicht registriert war. Den Akten sind auch keine Hi n- weise für die Annahme zu entnehmen , es sei zu einem späteren Zei t- punkt ein Datenblatt über ihn erstellt worden. 5.4. Der Beschwerdeführer hat unter anderem bei der Befragung vom 30. Dezember 2010 angegeben, das Strafverfahren gegen ihn sei au f- grund belastender Aussagen eines anonymen Zeugen eingeleitet worden. Dieser Zeuge habe dem Gericht später unter Offenlegen seiner Identität mitgeteilt, dass seine Falschaussagen unter Zwang zustande gekommen E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 14 seien. Dieser Widerruf der Aussage sei vom Geri cht nicht berücksichtigt worden (vgl. Befragungsprotokoll vom 30. Dezember 2010 S. 10). Das entsprechende Schreiben des "Geheimzeugen" hat der Beschwerde- führer zu den Akten gereicht, und es wurde antragsgemäss von Amtes wegen übersetzt. Entgegen der Annah me des Beschwerdeführers dürfte diese schriftliche Aussage von den türkischen Richtern jedoch durchaus in ihre Würdigung einbezogen worden sein. So ist im Urteil vom (…) 2012 mit Bezug auf den Beschwerdeführer ausdrücklich festgestellt worden, in den Akten seien keine Beweise der Mitgliedschaft zur PKK vorhanden. 5.5. Hinsichtlich der im Asylverfahren des Beschwerdeführers eingereic h- ten Beweismittel ist Folgendes festzustellen: 5.5.1. Das Asylgesuch von K._______ wurde vom BFM mit Verfügung vom 30. April 2013 rechtskräftig abgelehnt; jenes von L._______ ist noch erstinstanzlich hängig. Die Durchsicht der beiden beigezogenen Dossiers (N […] und N […]) ergibt keine asylrechtlich relevanten Rückschlüsse auf den Beschwerdeführer, insbesondere ist dieser in den türkischen S traf- verfahrensakten von K._______ und L._______, soweit feststellbar, nicht als Mitangeklagter aufgeführt. An diesen Feststellungen vermag auch nichts zu ändern, dass diese beiden Landsmänner des Beschwerdefü h- rers ebenfalls aus B._______ stammen und diesen allenfalls kennen. 5.5.2. Der Beschwerdeführer hat am 9. August 2011 einen Zeitungsartikel zum Tod von (…) Guerillakämpfern eingereicht und dazu ausgeführt, (…) der Getöteten seien seine Cousins gewesen. Aus diesem Vorbringen lässt sich – abgesehen davon, dass die behauptete Verwandtschaft zu den getöteten Männern in keiner Weise belegt ist – für ihn keine konkrete Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers ableiten; dies umso weniger, als dieser nicht geltend macht, jener Umstand sei von den türkischen Be- hörden ihm gegenüber in irgendeiner Weise thematisiert worden. 5.5.3. Mit Eingabe vom 17. April 2012 liess der Beschwerdeführer die Ko- pie eines deutschen Asylentscheids von G._______ einreichen und fest- halten, er sei mit diesem angeklagt worden und in Untersuchungshaft gewesen. Dazu ist zunächst festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seinen Anga- ben zufolge gar nicht in Untersuchungshaft versetzt worden, sondern nur kurz polizeilich festgehalten worden ist (vgl. auch den bei den Akten b e-E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 15 findliche Freilassungsbeschluss vom […] 2009). G._______ wird in der Anklageschrift vom (…) 2009 als einer der Angeklagten erwähnt , und e r hat von den deutschen Asylbehörden am 2. Dezember 2011 zwar nicht Asyl, jedoch den Flüchtlingsstatus zugesprochen erhalten. Dem Kassati- onsurteil vom (…) 2012 ist einerseits zu entnehmen, dass die Verteidiger von G._______ gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung eingelegt ha t- ten (was seine erstinstanzliche Verurteilung voraussetzt); andererseits ist dem Entscheid vom (…) 2012 zu entnehmen, dass auch das zwei- tinstanzliche Verfahren für G._______ einen anderen Gang als beim B e- schwerdeführer genommen hat. Aus dem deutschen Asylentscheid von G._______ kann der Beschwerde- führer nach dem Gesagten nichts zu seinen Gunsten ableiten. 5.5.4. Bezüglich H._______, dem offenbar in Italien de r Flüchtlingsstatus zugesprochen wurde (vgl. Eingabe vom 23. Oktober 2012) und I._______ (N […]), der in der Schweiz als Asylberechtigter anerkannt wurde, ist Fo l- gendes festzuhalten: Beide ehemaligen Mitangeklagten des Beschwerde- führers waren schon in erster Instanz für schuldig befunden und verurteilt worden, was im Rechtsmittelverfahren bestätigt wur de. Ihre Verfolgungs- situation unterscheidet sich mithin offensichtlich ebenfalls erheblich von derjenigen des Beschwerdeführers, der in zwei Instanzen freigesprochen worden ist. 5.5.5. Der Beschwerdeführer hat Unterlagen betreffend Vorladung des Vaters sowie dessen Beschwerde aufgrund eines Drohanrufes und den diesbezüglich erfolgten "Beschluss" eingereicht. Die Vorladung zur Befragung vom (…) 2011 dürfte im Zusammenhang mit dem vom Staatsanwalt eingeleiteten Berufungsverfahren gestanden sein, welches am (…) 2011 mit einem Freispruch für den Beschwerdeführer endete; dieses Dokument vermag daher keine flüchtlingsrechtliche Rel e- vanz zu entfalten. Die in der Beschwerde geäusserte Befürchtung, die türkischen Behörden könnten annehmen, der Beschwerdeführer habe sich den PKK -Guerillas angeschlossen, hat sich angesichts des Frei- spruchs des Beschwerdeführers im Übrigen als unbegründet herausge- stellt. Im Schreiben vom (…) 2011 fordert der Muhtar den Vater zur Bekanntga- be des Aufenthaltsorts des Sohnes auf. Dieses Schreiben ist während der hängigen Berufung verfasst worden, wobei die Behörden in jener Verfah-E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 16 rensphase vermutungsweise erreichen wollten, dass sich der Beschwe r- deführer zur ihrer Verfügung halte. Aus dieser Aufforderung kann unter den gegebenen Umständen nicht auf eine flüchtlingsrechtlich motivierte Verfolgungsabsicht geschlossen werden. Das Dokument vom (…) 2011 betrifft eine Angelegenheit, in der der Vater seinerseits als Beschwerdeführer aufgetreten ist. A uch a us diesem B e- weismittel ergeben sich keine Hinweise auf eine behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer. 5.5.6. Dem Referenzschreiben vom 8. September 2010 von E._______ (Abgeordneter […]) kommt bestenfalls Gefälligkeitscharakter zu, weil die Aussage, der Beschwerdeführer sei "verhaftet […] und verurteilt" worden, gemäss Akten unzutreffend ist. 5.6. Schliesslich weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass er sich auch in der Schweiz nicht mit kri tischen Äusserungen an der türkischen Regierung zurückhalte. In diesem Zusammenhang hat er eine Bestät i- gung des kurdischen Vereins J._______ zu den Akten gereicht. Die Mitgliedschaft in einem kurdischen Verein im Ausland lässt praxis- gemäss nicht bereits auf das Bestehen von subjektiven Nachfluchtgrü n- den im Sinn des Gesetzes schliessen, zumal der Beschwerdeführer dies- bezüglich kein besonderes Engagement dokumentiert. Im Übrigen steht auch nicht fest, dass den türkischen Behörden die angeblichen kritischen Äusserungen des Beschwerdeführers überhaupt bekannt geworden wä- ren. 5.7. In Würdigung der gesamten Aktenlage kommt das Bundesverwa l- tungsgericht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machten konnte. Der Sach- verhalt ist hinreichend erstellt, und weitere Abklärungen erübrigen sich. 5.8. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 17 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Auf- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch a uf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsyIG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 7. 7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältn is nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 7.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu we rden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 1 01), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (Fo K, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtli chen Non-Refoulement E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 18 nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh- rers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Heimaststaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäisc hen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ( "real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Gross e Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 7.2.3. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutb ar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1. Eine solche Situation, die den Beschwerdeführer als Gewalt - oder de-facto-Flüchtling qualifizieren würde, liegt nicht vor, zumal gemäss kon- stanter Praxis mit Bezug auf die südöstlichen Provinzen in der Türkei (mit Ausnahme der Provinzen Hakkari und Sirnak, vgl. BVGE 2013/2) seit längerem nicht von einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs ausgegangen wird. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 19 7.3.2. Individuelle, über die allgemeine Situation hinausgehende Gründe für eine Unzumutbarkeit des Vollzugs sind den vorliegenden Akten eben- falls nicht zu entnehmen: Der Beschwerdeführer stammt aus B._______, wo er eigenen Angaben zufolge (…) Jahre die Schule besucht und danach als (…) gearbeitet so- wie (…) gegeben hat. Er verfügt über ein verwandtschaft liches Bezie- hungsnetz in B._______, wo seine Eltern und (…) Geschwister leben. Ei- ne (…) lebt in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist davon auszug e- hen, dass der Beschwerdeführer , der frei von familiären Verpflichtungen ist, bei einer Rückkehr in die Türk ei nötigenfalls zunächst mit der Hilfe seiner Verwandtschaft rechnen kann. 7.3.3. In der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht wurde darge- legt, der Beschwerdeführer leide unter psychischen Problemen (vgl. Be- schwerde S. 15) . In diesem Zusammenhang hatte er b ereits im ersti n- stanzlichen Verfahren ein Arztzeugnis vom 14. Januar 2011 zu den Akten gereicht. Darin diagnostizierte der behandelnde Arzt die Kopf - und N a- ckenschmerzen sowie die vom Patienten beschriebenen Angstzustände als psychisch bedingte Somatisierungen, die mittels Abgabe von Med i- kamenten therapiert würden. Der Beschwerdeführer hat dem behandelnden Arzt ausserdem Unterl a- gen betreffend medizinische Untersuchungen in der Türkei zugestellt , welche dieser seinem Bericht mit dem Kommentar "Annexes: bilan radio- logique effectué en Turquie" anheftete. Bei Durchsicht der türkisch - sprachigen Dokumente fällt allerdings auf, dass bei den Patientenpers o- nalien jeweils nicht der Beschwerdeführer, sondern der Name seines Bruders M._______ aufgeführt ist. 7.3.4. Mit Verfügung vom 31. Juli 2013 wurde dem Beschwerdeführer u n- ter anderem Gelegenheit gegeben, über das Vorliegen allfälliger gesund- heitlicher Wegweisungsvollzugshindernisse Auskunft zu geben. Der Be- schwerdeführer reichte in der Folge am 15. August 2013 e in Arztzeugnis vom 26. April 2012 zu den Akten. Gemäss diesem leidet er an einer (…), die mittels Physiotherapie behandelt werde, wobei eine Operation zur Diskussion stehe. Ungeachtet der Tatsache, dass dieses Beweismittel erst eineinhalb Jahre nach Erhalt auf Aufforderung hin eingereicht worden ist, kann festgestellt werden, dass die Behandlung von (…)-Erkrankungen in der Türkei durchgeführt werden kann. So kann der Beschwerdeführer sich bei allfällig ungenügendem Angebot in der Heimatprovinz B._______ E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 20 nötigenfalls in der Hauptstadt der angrenzenden Provinz N._______ in Behandlung begeben. In N._______ befindet sich beispielsweise das Krankenhaus "(…)" (wo bereits die offenbar den Bruder betreffenden Un- tersuchungen erfolgt sind), welches zweifellos über die notwendige Infra- struktur zur Behandlung einer (…) verfügt. 7.3.5. In Würdigung aller Vorbringen ist der Vollzug der Wegweisung vo r- liegend sowohl in allgemeiner als auch in individueller Hinsicht als zumu t- bar zu qualifizieren. 7.4. Schliesslich obliegt es dem Besc hwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung ei- ner vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 –4 AuG). 8. Nach diesen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem die prozessuale Bedürftigkeit des Beschwerdeführers akte n- kundig ist und seine Rechtsbegehren nicht aussichtslos im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG waren, ist i n Gutheissung des Gesuchs um Gewä h- rung der unentgelt lichen Prozessführung auf eine Kostenauflage zu ver- zichten. E-7026/2011 (zuvor E-3032/2011) Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand: