2000 1 Art. 362 Abs. 1 und Art. 363 Abs. 2 StPO. Prozessen tschädigung im Pri- vatstrafklageverfahren (Urteil des Obergerichts Nr. 50/2000/10 vom 8. De- zember 2000 i.S. G.). Im Privatstrafklageverfahren ist nicht in jedem Fal l, sondern nur unter gewissen Umständen eine Prozessentschädigung in Höh e der vollen Anwalts- kosten zuzusprechen. Aus den Erwägungen: 6.– Für die einer Partei im Privatstrafklageverfahren entstandenen Aus- lagen und Umtriebe kann ihr auf Begehren eine angem essene Prozess- entschädigung zulasten der kostenpflichtigen Gegenp artei zugesprochen wer- den (Art. 362 Abs. 1 der Strafprozessordnung für de n Kanton Schaffhausen vom 15. Dezember 1986 [StPO, SHR 320.100]). Diese w ird im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften nach freiem Ermessen fest gesetzt (Art. 363 Abs. 2 Satz 1 StPO). ... Für das Berufungsverfahren beantragt die Angeklagt e eine volle Ent- schädigung im Umfang ihrer berechtigten Anwaltskost en. Sie macht ins- besondere geltend, es wäre unbillig, wenn sie mit e inem Teil ihrer Anwalts- kosten belastet bliebe, obwohl sie zu Unrecht ins V erfahren gezogen worden sei. Die einschlägigen Bestimmungen lassen es im Einzel fall zu, er- messensweise keine volle Entschädigung zuzusprechen (vgl. OGE vom 27. März 1997 i.S. T., E. 2b cc, Amtsbericht 1997, S. 195). Ein Entschädi- gungsanspruch besteht grundsätzlich nur für Umtrieb e, die einen gewissen Umfang erreichen, nicht unnötig sind und durch ein schutzwürdiges Interesse gedeckt sind (vgl. OGE vom 21. März 1997 i.S. F., E . 3b, Amtsbericht 1997, S. 203 f., mit Hinweis [zur Entschädigung des Zivil klägers nach Art. 361 StPO]). Soweit der Beizug eines Anwalts für den Ang eklagten nicht un- bedingt als geboten erscheint – etwa in leichten Fä llen und wenn auch der Pri- vatstrafkläger nicht anwaltlich verbeiständet ist – , ist daher nicht zwingend eine Entschädigung in Höhe der vollen Kosten eines dennoch beigezogenen Anwalts zuzusprechen. In diesem Sinn kann auch im o rdentlichen Strafver- fahren die Entschädigung für Verteidigungsaufwendun gen unter bestimmten 2000 2 Umständen verweigert oder herabgesetzt werden (Art. 357 Abs. 2 StPO; vgl. allgemein BGE 110 Ia 159 f. E. 1b; Niklaus Schmid , Strafprozessrecht, 3. A., Zürich 1997, N. 1222, S. 377 f., bei Fn. 87, mit Hi nweisen). Je nach den Um- ständen des Einzelfalls ist aber – insbesondere auc h im Privatstrafklagever- fahren – eine volle Entschädigung nicht grundsätzli ch ausgeschlossen. Im Berufungsverfahren spricht das Obergericht dem obsiegenden, an- waltlich verteidigten Angeklagten regelmässig eine Entschädigung im Um- fang der vollen prozessual gerechtfertigten Anwaltskosten zu, obwohl für die- sen Fall auch im ordentlichen Verfahren nur eine "a ngemessene" Entschädi- gung vorgesehen ist (Art. 359 Abs. 1 StPO). Zwar ge lten im Privatstrafklage- verfahren grundsätzlich auch im Berufungsverfahren die genannten Vorbehal- te. Doch besteht jedenfalls dann, wenn auch der unt erliegende Privatstrafklä- ger anwaltlich verbeiständet ist und wenn sich dess en Berufung als zum vorn- herein aussichtslos erweist, kein Grund, den Entsch ädigungsanspruch des Angeklagten einzuschränken. In einem solchen Fall w äre es in der Tat unbil- lig, wenn der obsiegende Angeklagte mit einem Teil der gerechtfertigten Ver- teidigungskosten belastet bliebe. Im vorliegenden Fall haben sich im Berufungsverfah ren keine grund- legend neuen Aspekte gezeigt. Angesichts dessen, da ss schon die Einzel- richterin die Beweislosigkeit des fraglichen Tatbestands klar festgestellt hatte, erschien die Berufung des Privatstrafklägers, der s ich in der Be- rufungsverhandlung – wenn auch nicht durch einen An walt – selber ver- beiständen liess, zum vornherein als wenig aussicht sreich. Unter diesen Um- ständen rechtfertigt es sich, der Angeklagten für d as Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung in der Höhe der vollen, berech tigten Anwaltskosten zuzusprechen.