<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp275088"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>80 II 94<br/><br/><br/><div class="paraatf">14. Verfügung des Präsidenten der II. Zivilabteilung vom 13. Januar 1954 i.S. Pimea S. à r. l. gegen Kündig.</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp276448"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf">Kostenversicherungspflicht nach <span class="artref">Art. 150 Abs. 2 OG</span> wegen Fehlens eines schweizerischen Wohnsitzes. <div class="paratf">Eine in Algerien domizilierte Gesellschaft. m.b.H. ist von dieser Pflicht weder durch die Internationale Übereinkunft betreffend Zivilprozessrecht vom 17. Juli 1905 (Art. 17 und 26) noch durch den schweizerisch-französischen Gerichtsstandsvertrag vom 15. Juni 1869 (Art. 13) befreit. </div> </div> </div> <a name="idp280528"></a> <a name="idp284704"></a> <br/><div> <a name="idp287344"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 94</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page94"></a><div class="center pagebreak">BGE 80 II 94 S. 94</div> </div> <div class="paraatf">Auf das Gesuch des Berufungsbeklagten, die Berufungsklägerin mit Sitz in Oran sei zu angemessener Sicherstellung für eine ihm allenfalls zuzusprechende Parteientschädigung anzuhalten, hat der Präsident</div> <br/><div> <a name="idp293296"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">in Erwägung:</div> <div class="paraatf">dass die im Auslande domizilierte Klägerin nach <span class="artref">Art. 150 Abs. 2 OG</span> sicherstellungspflichtig ist; dass diese Pflicht weder durch die Internationale Übereinkunft betreffend Zivilprozessrecht vom 17. Juli 1905, noch durch den schweizerisch-französischen Gerichtsstands vertrag vom 15. Juni 1869 ausgeschlossen wird; dass die Internationale Übereinkunft nach ihrem Art. 26 Abs. 1 nur auf die europäischen Gebiete der Vertragsstaaten ohne weiteres anwendbar ist und Frankreich das Anwendungsgebiet nicht im Sinne von Abs. 2 daselbst <a name="page95"></a><div class="center pagebreak">BGE 80 II 94 S. 95</div>auf Algerien erweitert hat, weshalb Art. 17 Abs. 1 IUe nicht zugunsten der in Oran (Algerien) domizilierten Klägerin Platz greifen kann;</div> <div class="paraatf">dass Art. 17 Abs. 2 IUe allerdings Abkommen vorbehält, die eine Kautionsbefreiung ohne Rücksicht auf den Wohnsitz gewähren;</div> <div class="paraatf">dass dies bei Art. 13 des schweizerisch-französischen Gerichtsstandsvertrages zutrifft, der nur die Nationalität in Betracht zieht und auch auf juristische Personen anwendbar ist (BGE 15 S. 578/9, 41 I 209 E. 2, 48 I 90 E. 2);</div> <div class="paraatf">dass diese Bestimmung aber in anderer Hinsicht weniger weit geht als Art. 17 IUe (vgl. SCHURTER und FRITZSCHE, Zivilprozessrecht I 590 ff., undBGE 57 II 584), indem sie die Franzosen vor schweizerischen Gerichten nur von solchen Gebühren, Kautionen und Hinterlagen befreit, die von Schweizerbürgern nicht zu entrichten sind;</div> <div class="paraatf">dass im Ausland wohnende Schweizerbürger der Kautionspflicht nach <span class="artref">Art. 150 Abs. 2 OG</span> gleichfalls unterstehen, weshalb sich aus Art. 13 des Gerichtsstandsvertrages keine Befreiung von dieser Pflicht für die Klägerin herleiten lässt, vorausgesetzt auch, die französische Nationalität komme ihr zu (worüber vgl. die Rubrik "nationalité des sociétés" bei DALLOZ, Nouveau répertoire de droit, tome IV, s. v. société, nos 1585-1587);</div> <div class="paraatf">dass der Betrag der Sicherheit angemessen auf Fr. 300.-- zu bestimmen ist;</div> <br/><div> <a name="idp303888"></a><span class="big bold" id="dispositiv">Dispositiv</span> </div> <br/><div class="paraatf">verfügt:</div> <div class="paraatf">Die Klägerin hat bis zum 15. Februar 1954 bei der Bundesgerichtskasse als Sicherheit für eine dem Beklagten allenfalls zustehende Parteientschädigung einen Betrag von Fr. 300.-- zu hinterlegen.</div> <div class="paraatf">Bei Nichtleistung binnen der angesetzten Frist würde auf die Berufung nicht eingetreten (<span class="artref">Art. 150 Abs. 4 OG</span> ).</div> </div></body></html>