B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2340/2018 wiv U r t e i l v o m 8 . M ä r z 2 0 1 9 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Barbara Balmelli, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Syrien, beide vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführerinnen, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 21. März 2018 / N (…). D-2340/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 5. Dezember 2007 lehnte das vormalige Bundesamt für Migration (BFM) das Asylgesuch des Ehemannes der Beschwerdeführerin (C._______respektive D._______; gleiche N -Nummer) ab, bejahte aber gleichzeitig aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen (exilpolitische Tä- tigkeit) die Flüchtlingseigenschaft und verfügte seine vorläufige Aufnahme als Flüchtling. B. Mit Eingabe vom 19. März 2012 liess die Beschwerdeführerin ein Asylge- such aus dem Ausland respektive Gesuch um Erteilung einer Einreisebe- willigung einreichen. Das BFM verweigerte der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3. Juni 2013 die Einreise und wies das Asylgesuch ab. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 4. Juli 2013 wies das Bundesverwal- tungsgericht mit Urteil D-3811/2013 vom 11. Dezember 2013 ab. C. C.a Die Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland eigenen Angaben zu- folge am 26. Februar 2012 in Richtung Türkei und reiste am 14. August 2015 illegal in die Schweiz ein. Am 19. August 2015 suchte sie im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ um Asyl nach und wurde dort am 27. August 2015 zu ihrer Identität, zum Reiseweg und summarisch zu den Asylgründen befragt. Das SEM hörte sie sodann am 14. November 2016 ausführlich zu ihren Asylgründen an. C.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie stamme aus F._______, Provinz Aleppo, und sei sy- rische Staatsangehörige kurdischer Ethnie. Zudem sei sie Jesidin und be- trachte sich demnach nicht als Muslimin. Die Muslime respektive Araber in Syrien hätten versucht, die Kurden zu vernichten und ihnen den Islam auf- zuzwingen. Am 2. April 2006 sei sie von ihrem Religionslehrer im Gymna- sium aufgefordert worden, einen Schleier zu tragen. Sie habe sich gewei- gert und aus Protest sogar einen Fuss auf den Koran gestellt. Daraufhin sei sie geschlagen und zum Schuldirektor gebracht worden. Die Schullei- tung habe die Sicherheitsbehörden gerufen, und in der Folge sei sie für vier Tage in Untersuchungshaft genommen worden. Während der Haft sei sie beschimpft, verhört, geschlagen und sexuell belästigt worden. Nach- dem ihr Vater eine Geldsumme bezahlt habe, sei sie freigelassen worden. Am 11. November 2010 sei sie bei ihrem Onkel zuhause gewesen und habe Kindern Unterricht in der kurdischen Sprache erteilt. Plötzlich seien D-2340/2018 Seite 3 die Sicherheitsbehörden vor der Tür gestanden. Als sie nicht geöffnet habe, seien sie gewaltsam ins Haus eingedrungen, hätten die Wohnung durch- sucht, sie geschlagen und mitgenommen. Sie sei sechs Tage lang inhaftiert worden, wobei sie geschlagen und sexuell belästigt worden sei . Ihr Vater habe erneut eine Geldsumme bezahlt, worauf sie aus der Haft entlassen worden sei. Ihr Onkel sei später ebenfalls vorübergehend festgenommen worden. Nach dem Ausbruch der Revolution habe sie in G._______ an De- monstrationen teilgenommen und mitgeholfen, diese zu organisieren. Sie habe kurdische Flaggen, welche ihre Mutter genäht habe, verteilt und Transparente hergestellt. Ihr Bruder sei Mitglied der Jugendlichen Koope- ration in G._______ gewesen und habe an den Demonstrationen fotogra- fiert. Sie selber sei nicht Mitglied gewesen, sei aber an drei Sitzungen dabei gewesen. Am 3. Februar 2012 sowie am 11. Februar 2012 hätten grosse Demonstrationen stattgefunden. Die Anhänger der Partiya Yekîtiya Demo- krat (PYD) respektive „Apo“, welche mit der syrischen Regierung zusam- menarbeiteten, hätten die Demonstrationen aufgelöst und die Demonstran- ten geschlagen. Sie habe jedoch rechtzeitig flüchten können. Die PYD habe dann nach ihrem Bruder gesucht. Da sie mit ihrem Brude r zusam- mengearbeitet habe, habe sie sich ebenfalls in Gefahr gewähnt. Aus Angst, verhaftet zu werden, habe sie sich zur Ausreise entschieden. Auch ihr Bru- der sei damals ausgereist. Nach ihrer Ausreise in die Türkei Ende Februar 2012 seien viele ihrer Kollegen von der Jugendlichen Kooperation verhaftet worden. Die PYD habe bei ihren Eltern nach ihrem Bruder und auch nach ihr gesucht. Ihre Eltern seien daraufhin ins Dorf umgezogen. In der Türkei habe sie zeitweise als Schneiderin und als Erntehelferin gearbeitet. Sie habe zunächst bei Verwandten und später zusammen mit ihrem Bruder in Istanbul gewohnt. Dort sei ihre Wohnung zwei- bis dreimal während ihrer Abwesenheit durchsucht worden, mutmasslich von der PYD. Ungefähr ei- nen Monat vor der Ausreise sei sie erneut umgezogen. Vor ihrer Ausreise in die Schweiz am 1. August 2015 habe sie schon dreimal vergeblich ver- sucht auszureisen, wobei sie jeweils festgenommen und verhört worden sei. C.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver- fahrens folgende Unterlagen zu den Akten: ihre Identitätskarte, das Fami- lienbüchlein, den Eheschein (Kopie), Unterlagen für den Kurdisch -Unter- richt (Kopien), eine E -Mail des Schweizerischen Roten Kreuzes vom 13. Juni 2014, eine Liste mit Schlagworten zur kurdischen Geschichte, mehrere fremdsprachige Berichte zur allgemeinen Lage von Rojava sowie einen vom Ehemann verfassten Text. D-2340/2018 Seite 4 D. Am (…) kam die gemeinsame Tochter der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes zur Welt (B._______). E. Das SEM stellte mit Verfügung vom 21. März 2018 fest, die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin seien teils unglaubhaft, teils nicht asylrelevant. Demzufolge verneinte es die (originäre) Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführerinnen, lehnte die Asylgesuche ab und verfügte die Wegwei- sung aus der Schweiz. Die Beschwerdeführerinnen wurden indessen ge- stützt auf Art. 51 Abs. 1 und 3 AsylG (SR 142.31) in die Flüchtlingseigen- schaft des Ehemannes respektive Vaters einbezogen und folglich wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs als Flüchtlinge vorläufig aufge- nommen. F. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 23. April 2018 lies- sen die Beschwerdeführerinnen beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei bezüglich der Dispositivziffern 1–3 aufzuheben, und es sei ihnen Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses sowie um unentgeltliche Verbeiständung – unter Beiordnung des Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand – ersucht. Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: zwei Bestätigungsschrei- ben (von A. B. sowie von K. B.) und die Flüchtlingsausweise von A. B. und K. B. (alles in Kopie), ausserdem zwei Videos von Demonstrationen aus dem Jahr 2011 auf einem USB-Stick. G. Mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2018 forderte der Instruktionsrichter die Beschwerdeführerinnen auf, innert Frist entweder einen Beleg für die gel- tend gemachte prozessuale Bedürftigkeit nachzureichen oder einen Kos- tenvorschuss einzuzahlen, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetre- ten werde. Mit Eingabe vom 9. Mai 2018 wurde eine Sozialhilfebestätigung vom 2. Mai 2018 nachgereicht, worauf der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfl ege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) mit Verfügung vom 16. Mai 2018 guthiess und antragsgemäss auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses verzichtete. Das Gesuch um unentgelt- liche Verbeiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG) wurde ebenfalls gutgeheis-D-2340/2018 Seite 5 sen, und den Beschwerdeführerinnen wurde ihr Rechtsvertreter als amtli- cher Rechtsbeistand beigeordnet. Zudem wurde das SEM eingeladen, in- nert Frist eine Vernehmlassung einzureichen. H. Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 30. Mai 2018 vollumfänglich an seiner Verfügung fest. I. Die Beschwerdeführerinnen nahmen mit Eingabe vom 13. Juni 2018 Stel- lung zur vorinstanzlichen Vernehmlassung. Der Replik lag eine Kostennote des Rechtsvertreters bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangs- bestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des SEM, welche in Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die D-2340/2018 Seite 6 Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung (E. 3) – einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Beschwerdeführerinnen wurden vom SEM gestützt auf Art. 51 Abs. 1 und 3 AsylG als Flüchtlinge an erkannt und folglich wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Dies- bezüglich wurde die vorinstanzliche Verfügung nicht angefochten. Auf den – erst in der Beschwerdebegründung (vgl. Ziff. B. 4.3 der Beschwerde) – gestellten Antrag, es sei eventualiter die Unzulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs festzustellen, ist bei dieser Sachlage mangels Rechtsschutzinte- resses nicht einzutreten. Das vorliegende Be schwerdeverfahren be- schränkt sich demnach auf die Frage, ob die Beschwerdeführerinnen die Flüchtlingseigenschaft originär (gestützt auf Art. 3 AsylG) erfüllen und ob ihnen deswegen Asyl zu gewähren und auf die Wegweisung zu verzichten ist. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer poli ti- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-2340/2018 Seite 7 4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings- eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.). 5. 5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli- chen aus, die beiden von der Beschwerdeführerin geltend gemachten vo- rübergehenden Inhaftierungen in den Jahren 2006 und 2010 seien nicht asylrelevant, weil aufgrund ihrer Schilderungen d avon auszugehen sei, dass zwischen diesen Verhaftungen und ihrer Ausreise aus Syrien im Feb- ruar 2012 kein genügender Zusammenhang bestehe. Das weitere Vorbrin- gen der Beschwerdeführerin, sie sei von der PYD gesucht worden, weil sie bei der Jugendlichen Koop eration in G._______ mitgeholfen und an De- monstrationen teilgenommen habe, sei nicht glaubhaft. Die Aussagen zu ihrer angeblichen politischen Tätigkeit seien ausweichend und vage aus- gefallen. Es sei zudem nicht nachvollziehbar, warum die PYD auf sie per- sönlich hätte aufmerksam werden sollen respektive weshalb weitere Fami- lienmitglieder nicht verfolgt worden seien. Wenig überzeugend sei auch die Darstellung, dass die PYD die Beschwerdeführerin und ihren Bruder erst nach ihrer Ausreise zuhause gesucht habe. Sodann erscheine das Vorbrin- gen konstruiert, wonach die Wohnung in Istanbul mehrfach durchsucht worden sei. Die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, an der dargelegten Einschätzung etwas zu ändern. Den Akten seien ferner keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in Syrien auf- grund der Aktivitäten ihres Ehemannes, welcher in der Schweiz als Flücht- ling anerkannt und vorläufig aufgenommen worden sei, ernsthafte Nach- teile im Sinne einer Reflexverfolgung zu befürchten hätte. Insbe sondere sei darauf hinzuweisen, dass das damalige BFM im Rahmen eines Wie- dererwägungsverfahrens betreffend den Ehemann Abklärungen in Syrien getätigt habe, wobei sich unter anderem ergeben habe, dass der Ehemann in Syrien nicht gesucht werde. Im Ergebnis sei festzustellen, dass die Be- schwerdeführerin und ihr Kind die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht erfüllten. Die Asylgesuche seien daher abzulehnen. D-2340/2018 Seite 8 5.2 In der Beschwerde wird zunächst vorgebracht, das SEM verkenne mit seiner Argumentation, es bestehe kein Zusammenhang zwischen den Ver- haftungen und der Ausreise, dass die Beschwerdeführerin seit ihrer Kind- heit wegen ihrer kurdischen Ethnie, ihrer Religion und ihrer politischen An- sichten immer wieder Opfer von Menschenrechtsverletzungen und Diskri- minierungen geworden sei. Sie habe glaubhaft gemacht, dass sie als kur- dische Jesidin ständig einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt gewe- sen sei. Aus der ersten Haft im Jahr 2006 sei sie nur freigelassen worden, weil ihr Vater sie freigekauft habe. In der Haft habe sie (sexuelle) Gewalt erleiden müssen. Bei der Entlassung sei ihr gedroht worden, man werde sie verschwinden lassen. Die Beschwerdeführerin habe deshalb bis zu ih- rer Ausreise in Angst gelebt. Später habe die Sicherheitsbehörde regel- mässig nach ihrem Vater verlangt und nach den Familienangehörigen ge- fragt. Bei der zweiten Festnahme sei ihr gesagt worden, sie habe aus der ersten Haft nichts gelernt. Sie sei wiederum nur gegen eine Geldzahlung freigekommen. Die Verhaftungen hätten für sie schl imme Konsequenzen gehabt, sie habe in ständiger Angst vor Übergriffen und Festnahmen ge- lebt. Es treffe des Weiteren nicht zu, dass sie ihre Aktivitäten nicht habe konkretisieren können. Sie habe den Inhalt der Sitzungen und die Ziele der Organisation erläutert sowie die verwendeten Parolen genannt. Sie habe auch Ausführungen zu ihrer persönlichen Tätigkeit gemacht. Sie habe von ihrem Bruder und dem Onkel gesprochen, weil sie mit diesen zusammen- gearbeitet habe. Im Übrigen sei sie vom Befrager unterbrochen wo rden, als sie weitere Ausführungen habe machen wollen. In Bezug auf die Frage, wie viele Personen die Kooperation für die Demonstration habe mobilisie- ren können, sei es offensichtlich zunächst zu einem Missverständnis ge- kommen. Die Beschwerdeführerin habe aber letztlich korrekt geantwortet, es seien hunderte Personen anwesend gewesen. Die Tätigkeit der Be- schwerdeführerin bei der Jugendlichen Kooperation G._______ werde durch die neuen Beweismittel (Bestätigungsschreiben der Brüder, zwei Vi- deos) belegt. Den Brüdern sei aufgrund der ihnen drohenden Verfolgung in Dänemark Asyl gewährt worden, dies gehe aus den eingereichten Flüchtlingspässen hervor. In der Beschwerde wird weiter vorgebracht, die Beschwerdeführerin habe nie behauptet, es sei ausschliesslich nach ihr und ihrem Bruder gesucht worden. Vielmehr habe sie erklärt, dass alle ju- gendlichen Demonstranten hätten flüchten müssen. Ihre Schwester habe nur an sehr grossen Kundgebungen teilgenommen. Ihre beiden Schwes- tern hätten zudem nicht der Kooperation angeh ört und seien nicht oft an Demonstrationen gegangen. Sie selbst und ihr Bruder seien somit expo- nierter gewesen als der Rest der Familie. Im Übrigen sei die Familie in eine neue Wohnung ausserhalb von H._______ umgezogen. Die Aussagen der D-2340/2018 Seite 9 Beschwerdeführerin zur Verfolgung durch die PYD seien demnach detail- liert und logisch ausgefallen. Daran ändere auch ihre vorübergehende Rückkehr nach Syrien – in einen Grenzort und nur für eine Nacht – nichts. Es sei sodann auch nicht unlogisch, dass sie erst nach ihrer Au sreise ge- sucht worden sei, da sie sich ja vor der Ausreise versteckt habe. Insgesamt habe die Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht, dass sie bei der Jugend- lichen Kooperation in G._______ tätig gewesen sei, als Jesidin Nachteile erlitten habe, aufgrund ihrer oppositionellen Tätigkeit ins Visier der PYD gelangt und daher einem Verfolgungsrisiko ausgesetzt gewesen sei. Zu- dem könne sie ihre Vorbringen mit den eingereichten Beweismitteln bele- gen. Die glaubhafte Verfolgung durch die PYD sei asylrelevant. Human Rights Watch bestätige, dass die PYD systematische und flächendeckende Menschenrechtsverletzungen begehe. Auch das Bundesverwaltungsge- richt habe in einem Entscheid bestätigt, dass die PYD politischen Gegnern gegenüber brutal vorgehe. Der syrische Staat könne der Beschwerdefüh- rerin keinen Schutz gewähren. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer politischen Aktivitäten weiterhin im Visier der PYD und müsste daher bei einer Rückkehr nach Syrien mit Verfolgung rechnen. Ausserdem wäre sie aufgrund ihrer Religion (Jesidin) einer Verfolgung durch islamistische Or- ganisationen ausgesetzt. Es sei dazu auf das Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts D-3302/2014 vom 8. September 2015 zu verweisen. Zu be- achten sei zudem, dass sich die Situation in Nordsyrien, insbesondere i n G._______, der Herkunftsregion der Beschwerdeführerin, mit der türki- schen Offensive verschärft habe. Die islamistischen Gruppierungen wür- den dadurch gestärkt, was für die Jesiden eine Gefahr bedeute. Aber auch seitens der Türkei, welche G._______ nun besetze, sowie der freien syri- schen Armee müssten die Jesiden mit der Zufügung von ernsthaften Nach- teilen rechnen. Aus mehreren Berichten gehe hervor, dass die Jesiden als religiöse Minderheit einen Genozid befürchten müssten. Die Beschwerde- führerin sei weiter auch deswegen gefährdet, weil sie eine aus G._______ stammende Kurdin sei; denn die kurdische Bevölkerung werde von den Türken sowie den syrisch -arabischen Milizen vertrieben und massakriert. Der türkische Präsident verfolge das Ziel, den de-facto bestehenden kurdi- schen Staat in Nord -Ost-Syrien zu eliminieren. Insgesamt sei es der Be- schwerdeführerin damit gelungen glaubhaft zu machen, dass sie in ihrem Heimatland wegen ihrer politischen Anschauung, Religion und Zugehörig- keit zu einer bestimmten sozialen G ruppe gefährdet sei. Sie erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft, und es sei ihr (und ihrem Kind) Asyl zu gewäh- ren. D-2340/2018 Seite 10 5.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, die Beschwerde sowie die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, zu einer anderen Ein- schätzung der Glaubhaftigkeit zu führen oder eine asylrelevante Gefähr- dung als wahrscheinlich erscheinen zu lassen. In Bezug auf die Verhaftun- gen in den Jahren 20 06 und 2010 sei festzustellen, dass diese behördli- chen Massnahmen aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin als ab- geschlossen bezeichnet werden könnten. Es bestünden keine Hinweise auf eine mit diesen Verhaftungen zusammenhängende, anhaltende Verfol- gung, weshalb die dahingehend geäusserte Verfolgungsfurcht unrealis- tisch und nicht nachvollziehbar erscheine. Die auf Beschwerdeebene ein- gereichten Schreiben der beiden Brüder betreffend das politische Engage- ment der Beschwerdeführerin seien va ge formuliert und daraus sei keine besondere Rolle der Beschwerdeführerin in einer politischen Gruppierung ersichtlich. Ohnehin seien diese Dokumente als Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert zu qualifizieren. Die beiden Videos würden die behaup- tete Rolle der Beschwerdeführerin innerhalb der „Youth Coordination Union of Kurds in Syria“ ebenfalls nicht belegen; denn im einen Video sei gar keine Frau zu sehen, im anderen sei zwar eine Frau zu erkennen, aber sie könne aufgrund der schlechten Bildqualität nicht identifiziert werden. Die Beweismittel könnten weder die geltend gemachte politische Tätigkeit der Beschwerdeführerin noch die geltend gemachte Verfolgung belegen. Die in der Beschwerde monierten Verständigungsprobleme seien anlässlich der Rückübersetzung geklärt worden. Die Angaben der Beschwerdeführe- rin zur Teilnehmerzahl an der Kundgebung seien bis zuletzt vage geblie- ben. Es treffe sodann nicht zu, dass die Beschwerdeführerin davon abge- halten worden sei, ihren Beitrag in der Gruppe näher zu konkretisieren. Schliesslich sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin im Verlauf des Asylverfahrens keine Verfolgungsmassnahmen durch islamistische Grup- pierungen geltend gemacht habe. Im Distrikt G._______ seien erst im Ok- tober 2012 Angriffe auf Jesiden erfolgt; die Beschwerdeführerin sei damals bereits ausser Landes gewesen. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise eine begründete Furcht gehabt habe, aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit verfolgt zu werden. Auch im heuti- gen Zeitpunkt sei das Bes tehen einer Kollektivverfolgung von Jesiden in der Herkunftsregion der Beschwerdeführerin zu verneinen. Der Islamische Staat sei aus Nordsyrien vertrieben worden, und es gebe trotz der türki- schen Offensive keine konkreten Hinweise auf systematische und gezielte Übergriffe auf Jesiden im Sinne einer Kollektivverfolgung. D-2340/2018 Seite 11 5.4 In der Replik wird entgegnet, es treffe nicht zu, dass es sich bei den Verhaftungen in den Jahren 2006 und 2010 um abgeschlossene Massnah- men gehandelt habe. Die Beschwerdeführerin habe in de r Anhörung er- klärt, die Verhaftungen hätten weitere Konsequenzen gehabt, sie habe nämlich danach immer Angst gehabt. Bei der zweiten Verhaftung sei ihr gesagt worden, sie habe nichts gelernt. Der Direktor habe ihr nach der ers- ten Verhaftung weiter gedroht, und das Sicherheitsamt habe regelmässig nach ihrem Vater verlangt. Schliesslich sei es im Jahr 2010 zu einer erneu- ten Verhaftung gekommen. Die Massnahmen gegen die Beschwerdefüh- rerin müssten als ein Ganzes betrachtet werden und nicht losgelöst vonei- nander. Die Beschwerdeführerin habe sich der Verfolgungsgefahr nur durch Flucht ins Ausland entziehen können. Sodann seien die eingereich- ten Schreiben der Brüder betreffend die Aktivitäten der Beschwerdeführe- rin keineswegs zu allgemein gehalten. Die Beschwerdeführerin habe ihr politisches Engagement nicht aufgebauscht, und es treffe nicht zu, dass sie mit den Schreiben versucht habe, eine Geschichte zu konstruieren. Es sei zudem unseriös, wenn das SEM den Schreiben jeglichen Beweiswert abspreche. Zu den Videos sei zu bemerken, dass diese die Aussage un- termauern würden, wonach die Beschwerdeführerin an Demonstrationen teilgenommen habe und ihr Bruder Medienmitglied gewesen sei und die Demonstrationen gefilmt habe. Bei der vom SEM erwähnten Klärung von Verständigungsproblemen anlässlich der Rückübersetzung sei es ferner gar nicht um die Frage der Teilnehmerzahl an den Demonstrationen ge- gangen. Zudem sei der Hinweis, die Angaben zur Teilnehmerzahl seien vage ausgefallen, realitätsfremd; vielmehr sei die Schätzung der Be- schwerdeführerin („mehrere Hundert Personen“) nachvollziehbar. Es werde des Weiteren daran festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr nach Syrien als alleinstehende kurdische Frau und Jesidin aus der Region G._______ gefährdet wäre. Sie hätte im Falle ihrer Rückkehr auch aufgrund ihrer politisch aktiven Brüder sowie ihres Ehe- mannes ernsthafte Nachteile zu befürchten. Der Ehemann sei insbeson- dere auch exilpolitisch sehr aktiv und müsse bei seiner Rückkehr nach Sy- rien mit Verfolgung r echnen, was auch vom SEM nicht bestritten werde. Zudem sei ein Grossteil der Verwandtschaft der Beschwerdeführerin poli- tisch aktiv. Die Beschwerdeführerin müsse daher mit Reflexverfolgung rechnen (Verweis auf eine Schnellrecherche der Schweizerischen Flüch t- lingshilfe zum Thema Reflexverfolgung in Syrien vom 25. Januar 2017), zumal sie dem syrischen Regime bereits bekannt sei. Eine Reflexverfol- gung drohe ihr möglicherweise auch seitens islamistischer Gruppierungen. Hinsichtlich der Frage der Reflexverfolgung sei auf mehrere Urteile des D-2340/2018 Seite 12 Bundesverwaltungsgerichts zu verweisen, in welchen das Vorliegen von Reflexverfolgung bejaht worden sei. 6. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführerin zu Recht verneint hat. 6.1 Die Beschwerdeführerin begründet ihr Asylgesuch unter anderem da- mit, dass sie in der Vergangenheit von der syrischen Sicherheitsbehörde zweimal für einige Tage inhaftiert und dabei geschlagen und sexuell beläs- tigt worden sei. Den Akten zufolge ereignete sich die erste Verhaftung im Jahr 2006. Grund dafür war die Weigerung der Beschwerdeführerin, in der Schule ein Kopftuch zu tragen. Die zweite Verhaftung erfolgte im Jahr 2010, als die Beschwerdeführerin im Rahmen einer Razzia im Haus ihres Onkels festgenommen wurde, weil sie dort Kindern die kurdische Sprache lehrte. In beiden Fällen dauerte die Haft wenige Tage, und die Beschwer- deführerin wurde nach einer Geldzahlung ohne weitere konkrete Folgen oder Auflagen freigelassen. In den Akten finden sich keine Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführerin persönlich im Anschluss an die Freilassun- gen jeweils weiter von den Sicherheitsbehörden behelligt wurde. In der Be- fragung zur Person (BzP) erklärte sie sogar ausdrücklich, die beiden Inhaf- tierungen hätten keine weiteren Folgen gehabt (vgl. A8 S. 10). Ihr Vorbrin- gen, wonach sie als Folge der Verhaftungen ständig Angst gehabt habe, ändert nichts daran, dass es sich dabei offensichtlich um zwei isolierte Er- eignisse gehandelt hat. Der in der Beschwerde vertretenen Auffassung, wonach die Beschwerdeführerin ab dem Jahr 2006 einer anhaltenden Ver- folgung ausgesetzt gewesen sei, kann demnach nicht gefolgt werden. Die beiden Inhaftierungen waren zudem offensichtlich nicht ausreisebegrün- dend, da die Beschwerdeführerin erst viel später, nämlich Ende Februar 2012, und aus anderen Gründen – nämlich aufgrund einer befürchteten Verfolgung durch die PYD – aus Syrien ausreiste. Aufgrund des Gesagten ist festzustellen, dass zwischen den beiden Inhaftierungen in den Jahren 2006 und 2010 und der Ausreise Ende Februar 2012 kein genügend enger zeitlicher und sachlicher Zusammenhang besteht. Die geltend gemachten Inhaftierungen sind daher nicht als asylrelevant zu qualifizieren. 6.2 Ferner bringt die Beschwerdeführerin vor, sie werde von der PYD ver- folgt, weil sie zusammen mit ihrem Bruder an regimekritischen Kundgebun- gen teilgenommen und diese mitorganisiert habe. Diesbezüglich ist festzu- stellen, dass es zwar denkbar ist, dass die Beschwerdeführerin vor der D-2340/2018 Seite 13 Ausreise an regimekritischen Kundgebungen teilgenommen hat, welche je- weils durch die PYD aufgelöst wurden . Allerdings ist aufgrund der Akten- lage nicht davon auszugehen, dass sie dabei eine zentrale Rolle innehatte. Sie war selber nicht Mitglied der Jugendorganisatio n und konnte zu den politischen Zielen der Organisation und dem Inhalt der Sitzungen trotz ein- gehender Befragung nur vage und pauschale Angaben machen (vgl. F17 F111 f., F117 ff.). Die zwei Videos sowie die beiden Bestätigungsschreiben ihrer Brüder, welche, wie das SEM zu Recht festgestellt hat, sehr vage for- muliert sind und den Eindruck von Gefälligkeitsschreiben erwecken, sind ebenfalls nicht geeignet zu belegen, dass es sich bei der Beschwerdefüh- rerin – wie in der Beschwerde behauptet wird – um eine von Verfolgung bedrohte, besonders engagierte und profilierte Regimegegnerin handelt. Ferner erklärte die Beschwerdeführerin ausdrücklich, sie sei von der PYD nie persönlich bedroht oder behelligt worden, ihr Name sei der PYD nicht bekannt gewesen, und sie selber sei vor der Ausreise nie direkt gesucht worden, sondern nur ihr Bruder (vgl. F8 S. 10 und F17 F147 ff. ). Folglich ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus Syrien Ende Februar 2012 nicht im Visier der PYD stand und keiner ent- sprechenden, asylbeachtlichen Verfolgung ausgesetzt war oder eine sol- che in absehbarer Zukunft befürchten musste. 6.3 Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren geltend, sie sei nach ihrer Ausreise zuhause gesucht worden. Dieses Vorbringen ist an und für si ch nicht völlig unglaubhaft; es ist grundsätzlich denkbar, dass die Behörden die Beschwerdeführerin zu ihrem Bruder befragen wollten, welcher seiner- seits offenbar zur selben Zeit wie sie ausgereist ist. Aufgrund der Aktenlage erscheint es hingegen nicht pl ausibel, dass es sich bei der angeblichen Suche nach der Beschwerdeführerin im Anschluss an ihre Ausreise um eine asylbeachtliche Verfolgungsmassnahme seitens der PYD handelte, zumal die Beschwerdeführerin zuvor von der PYD nie konkret behelligt worden war und sie – wie erwähnt – auch nicht das Profil einer besonders aktiven Regimegegnerin erfüllt. Die seitens der Beschwerdeführerin ge- äusserte Verfolgungsfurcht erscheint auch deshalb als unbegründet, weil mehrere ihrer Familienangehörigen (Eltern, Schwestern, Onkel; vgl. F17 F62 ff.), welche sich den Angaben der Beschwerdeführerin zufolge eben- falls zeitweilig an den Kundgebungen beteiligt hatten oder in anderer Art und Weise die kurdische Sache unterstützten , nach wie vor in der Her- kunftsregion der Beschwerdeführerin leben, ohne dass sie ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind. Aus diesen Gründen ist es insgesamt als un- glaubhaft zu erachten, dass es sich bei der angeblichen Suche nach der D-2340/2018 Seite 14 Beschwerdeführerin nach ihrer Ausreise um eine asylbeachtliche Verfol- gungsmassnahme seitens der PYD handelte. 6.4 Die angebliche Wohnungsdurchsuchung durch die PYD in Istanbul wurde sodann nur äusserst vage und unsubstanziiert geschildert und ist bereits aufgrund der vorstehenden Ausführungen als unplausibel zu erach- ten. Im Übrigen entfalten in einem Drittstaat erlittene Nachteile ohnehin keine Asylrelevanz. 6.5 Auf Beschwerdeebene wird ausgeführt, die Beschwerdeführerin müsse im Falle einer Rückkehr nach Syrien wegen ihres Ehemannes sowie ihrer Brüder mit einer Reflexverfolgung rechnen. Diese Furcht erscheint indes- sen unbegründet. Es bestehen keinerlei konkrete Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit ihren aktuell in Dänemark le- benden Brüdern in Syrien mit einer Verfolgung rechnen müsste. Es ist ins- besondere festzustellen, dass sich der Aufenthaltsstatus der beiden Brüder in Dänemark für die weiterhin in der Herkunftsregion wohnhaften Angehö- rigen bis heute offensichtlich nicht nachteilig ausgewirkt hat. Es besteht kein plausibler Grund zur Annahme, dass einzig die Beschwerdeführerin – im Falle ihrer Rückkehr nach Syrien – einer entsprechenden Reflexverfol- gung ausgesetzt wäre. Auch eine relevante Reflexverfolgung im Zusam- menhang mit dem Ehemann erscheint aufgrund der Aktenlage als wenig wahrscheinlich. D ie Beschwerdeführerin hat ihren Mann im September 2011 per Stellvertreterehe in Syrien geheiratet. Ihr Mann befand sich da- mals bereits seit mehreren Jahren als anerkannter Flüchtling in der Schweiz. Die Ehe mit einem anerkannten Flüchtling führte damals in des- sen offensichtlich zu keiner asylbeachtlichen Verfolgung der Beschwerde- führerin. Es ist daher auch nicht wahrscheinlich, dass sie deswegen im heutigen Zeitpunkt mit einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen müsste, zumal es dafür keinerlei konk rete Anzeichen gibt. Der rein hypo- thetischen Gefahr, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der exilpoliti- schen Tätigkeit ihres Ehemannes im Falle einer Rückkehr nach Syrien be- helligt werden könnte, wurde sodann bereits dadurch Rechnung getragen, dass sie und ihr Kind gestützt auf Art. 51 Abs. 1 und 3 AsylG in die Flücht- lingseigenschaft des Ehemannes einbezogen und in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurden. 6.6 Die Zugehörigkeit zur kurdischen Ethnie genügt sodann für sich alleine ebenfalls nicht, um die Flücht lingseigenschaft zu begründen; die Recht- sprechung verneint das Bestehen einer Kollektivverfolgung von Kurden in Syrien (vgl. dazu beispielsweise die Urteile D-2852/2016 vom 7. Mai 2018 D-2340/2018 Seite 15 E. 5.1 sowie E-2793/2016 vom 26. Februar 2018 E. 6.5). Im Weiteren kann der Beschwerdeführerin auch keine objektiv begründete Furcht zugestan- den werden , aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur jesidischen Glaubensge- meinschaft in Syrien – ausserhalb der wenigen nach wie vor unter der Kon- trolle des IS stehenden Gebiete im Südosten des Landes – ernsthaften Nachteilen beziehungsweise Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden (vgl. dazu das Urteil des BVGer D-5771/2014 vom 17. Februar 2017). An dieser Einschätzung vermag auch der Hinweis auf die im Frühjahr 2018 erfolgte Militäroffensive der Türkei auf G._______ nichts zu ändern (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des BVGer E- 2011/2018 vom 12. Juni 2018, E. 6.4.2). 6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl- gründe u nd Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine asyl - respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. Daran vermögen weder die weiteren Aus- führungen auf Beschwerdeebene noch die eingereichten Beweismittel et- was zu ändern, weshalb darauf nicht mehr näher einzugehen ist. Unter Be- rücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass die Beschwerdeführe- rin keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz hat deshalb zur Recht die (originäre) Flüchtlingsei- genschaft verneint und die Asylgesuche der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfü gung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. D-2340/2018 Seite 16 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten den Be- schwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem je- doch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechts- pflege mit Verfügung vom 16. Mai 2018 gutgeheissen worden ist, werden keine Verfahrenskosten erhoben. 9.2 Mit derselben Verfügung wurde ferne r auch das Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen. Der in der Kostennote vom 14. Juni 2018 geltend gemachte Aufwand von total 12.25 Stunden sowie die Auslagen von insgesamt Fr. 20.90 erscheinen als angemessen. Gemäss der bereits in der Verfügung vo m 16. Mai 2018 dargelegten Praxis des Gerichts bei amtlicher Vertretung (vgl. auch Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) ist der geltend gemachte Stundenansatz auf 150. – zu kürzen. Das amtliche Honorar beträgt dem- nach insgesamt Fr. 2‘001.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag) und geht zulas- ten der Gerichtskasse des Bundesverwaltungsgerichts. (Dispositiv nächste Seite) D-2340/2018 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand, lic.iur. Tarig Hassan, wird zulasten der Ge- richtskasse des Bundesverwaltungsgerichts ein am tliches Honorar von Fr. 2‘001.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: