B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5164/2015 U r t e i l v o m 1 2 . S e p t e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; Gerichtsschreiberin Anna Wildt. Parteien A._______, geboren am (…), unbekannter Staatsangehörigkeit, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 24. Juli 2015 / N (…). D-5164/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – eigenen Angaben zufolge chinesischer Staatsan- gehöriger tibetischer Ethnie aus B._______, Bezirk C._______, Provinz D._______ – stellte am 31 . August 2011 ein Asylgesuch in der Schweiz. Am 8. September 2011 wurde er von der Vorinstanz zu seiner Person, zum Verbleib seiner Identitätspapiere und summarisch zu seinem Reiseweg so- wie zu seinen Gesuchsgründen befragt. Am 23. Januar 2014 fand die ein- lässliche Anhörung statt. Zu den Gründen seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe am 10. März 2010 in E._______ gegen die Chi- nesen demonstriert, wobei viele Demonstranten festgenommen worden seien. Ihm und seinem Freund sei jedoch die Flucht gelungen. In der glei- chen Nacht habe er erfahren, dass ein Onkel seines Freundes festgenom- men worden sei. Am 12. März 2010 habe er mit seinem Freund in den um- liegenden Dörfern tibetische Nationalfahnen aufgehängt. Danach habe er erfahren, dass die Geheimpolizei nach den Verantwortlichen gesucht habe. Daraufhin sei er aus Angst vor einer Festnahme geflüchtet. Er legte keine Identitätsdokumente vor. B. Am 27. Oktober 2014 wurde im Auftrag des SEM ein Telefoninterview mit dem Beschwerdeführer zur Beantwortung der Frage durchgeführt, ob er im Bezirk C._______, Tibet, China, sozialisiert worden sei. Im ansch liessen- den LINGUA-Bericht vom 6. Januar 2015 gelangte die beauftragte Person zum Schluss, dass der Beschwerdeführer mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht im von ihm behaupteten geografischen Raum sozialisiert worden sei. C. Mit Schreiben vom 19. Januar 2015 wurde ihm das rechtliche Gehör zum oben genannten Bericht und zur Qualifikation beziehungsweise zum Wer- degang der beauftragten Person gewährt . Das SEM gab dem Beschwer- deführer den wesentlichen Inhalt des Beri chts bekannt und hielt fest, er könne insgesamt keine hin reichenden Kenntnisse im landeskundlich -kul- turellen Bereich nachweisen, um eine Sozialisation im Kreis C._______ annehmen zu können. Seine Angaben, er sei über einen bestimmten Ort nach Lhasa gereist, sei zwar möglich, würde jedoch einen Umweg von 800 Kilometern bedeuten. Er habe auch nicht den Dialekt seines Heimatkreises gesprochen, wobei seine Sprechweise überwiegend Übereinstimmungen mit dem Dialekt von Lhasa beziehungsweise mit der exiltibetischen Koine D-5164/2015 Seite 3 aufweise. Die wenigen (…) Elemente seien wahrscheinlich auf einen fami- liären Hintergrund oder auf andere Gründe als eine Sozialisation im Kreis C._______ zurückzuführen, denn seine Chinesisch-Kenntnisse seien für sein angebliches Profil zu gering. D. In seiner Stellungnahme vom 27 . Januar 2015 (Poststempel: 28. Januar 2015) machte der Beschwerdeführer geltend, ihm sei nur der chinesische Name seiner Provinz D._______ bekannt, ausserdem sei dem Namen – anders als bei Dörfern oder Ortschaften – keine grosse Bedeutung ge- schenkt worden, weshalb er ihn nicht auf Tibetisch kenne. Auch sei er – entgegen der Angaben im Schreiben des SEM – während des Interviews nicht nach einer berühmten geografischen Gegebenheit seiner Heimatre- gion gefragt worden; selbstverständlich wäre er dazu in der Lage, eine sol- che zu benennen. Zu den gefragten chinesischen Bezeichnungen ver- schiedener Siedlungen und Gemeinden sei festzuhalten, dass er die chi- nesische Sprache nicht beherrsche und zudem nie die Schule besucht habe. Als Nomade habe er stets die traditionellen tibetischen Ortsnamen verwendet. Zudem habe er bei seiner Ausreise zum ersten Mal seinen Hei- matbezirk verlassen, wobei die Flucht von seinem Bruder organisiert wor- den sei. Es sei möglich, dass sie einen Um weg gemacht hätten, aber er sei auch nicht als normaler Reisender unterwegs gewesen, weshalb nicht erwartet werden könne, dass er den kürzesten Weg nehmen würde . Zu- dem bleibe er dabei, dass es in seiner Region zwei Flughäfen gebe, wobei einer der ältere sei und nicht mehr benutzt werde. Zwar habe er bei den Angaben zu den Distanzen teilweise zutreffende und unzutreffende Anga- ben gemacht, jedoch habe er sie so erlebt, auch wenn eine andere Person viel schneller oder langsamer unterwegs gewesen sein könnte, wobei er einzelne Ortschaften auch nicht so oft besucht habe, was die Abweichun- gen erklären würde. Zum Schulwesen könne er keine Angaben machen, da er nicht in der Schule gewesen sei. Auch wenn der Schulbesuch obliga- torisch sei, sehe die Praxis anders aus. Da sie als Nomaden Selbstversor- ger gewesen seien, seien sie auch selten einkaufen gewesen, dies sei von seinem Bruder übernommen worden. Er habe deshalb nur jene Preise wie- dergeben können, die er von seinem Bruder gehört habe. Schliesslich habe er sich tatsächlich im Alter von 18 Jahren in F._______ einen Personalaus- weis ausstellen lassen. Zudem seien ihm hierzu keine detaillierten Fragen gestellt worden. Er habe auch nie Musik gehört und interessiere sich bis heute nicht dafür, weshalb von ihm nicht erwartet werden könne, eine be- kannte Sängerin zu kennen. Seit seiner Flucht aus Tibet seien beinahe fünf Jahre verstrichen, davon habe er über ein Jahr in Nepal gelebt und sich D-5164/2015 Seite 4 somit ausschliesslich im Lhasa -Dialekt unterhalten beziehungsweise sei- nen Dialekt nicht mehr oft gebraucht. Es sei mögli ch, dass dies auf seine Sprechweise abgefärbt habe. E. Mit Verfügung vom 24. Juli 2015 – eröffnet am 28. Juli 2015 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug – unter Ausschluss in die Volksrepublik China – an. F. Mit Eingabe vom 25. August 2015 (Datum Poststempel) erhob d er Be- schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsger icht Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochte- nen Verfügung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Ge- währung von Asyl, eventualiter die vorläufige Aufnahme als Flüchtling, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit oder Un- möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. In formeller Hinsicht wurden die un- entgeltliche Prozessführung und der Verzicht auf Kostenvorschusserhe- bung beantragt. Gleichzeitig reichte er einen Brief in einer Fremdsprache ein. G. Mit Verfügung vom 28. August 2015 hielt der Instruktionsrichter fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar- ten dürfe, und forderte ihn auf, das fremdsprachige Beweismittel innert Frist in eine Amtssprache übersetzen zu lassen. H. Mit Eingabe vom 9. September 2015 wurde eine Übersetzung des fremd- sprachigen Briefs zu den Akten gereicht. I. Mit Eingabe vom 9. Februar 2016 wurden zwei weitere fremdsprachige Be- weismittel zu den Akten gereicht. J. Mit Verfügung vom 11. Februar 2016 forde rte der Instruktionsrichter den Beschwerdeführer auf, die fremdsprachigen Beweismittel innert Frist zu benennen, sie in eine Amtssprache übersetzen zu lassen , sie im Original nachzureichen und anzugeben, welcher Sachverhalt mit diesen Beweis- mitteln belegt werden soll. D-5164/2015 Seite 5 K. Mit Schreiben vom 22. Februar 2016 gab der Beschwerdeführer bekannt, dass es sich bei den Beweismitteln um Quittungen aus Klöstern seiner Hei- mat handle. L. Am 25. Januar 2017 erkundigte sich der Beschwerdeführer nach dem Ver- fahrensstand. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher D-5164/2015 Seite 6 Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtli ngseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. Der Frage der Verlässlichkeit der Herkunftsangaben des Beschwerdefüh- rers kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Gemäss den Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl- rekurskommission (EMARK) 2005 Nr. 1 ist auf eine chinesische Staatsan- gehörigkeit zu schliessen, wenn im Einzelfall als erstellt gilt, dass eine asyl- suchende Person tibetischer Ethnie sei. Dies ist durch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts weiter präzisiert worden (BVGE 2014/12 E. 5). Bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, ist vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden (BVGE 2014/12 E. 5.10). Die D-5164/2015 Seite 7 Abklärungspflicht der Asylbehörden findet ihre Grenze an der Mitwirkungs- pflicht der asylsuchenden Person. Verunmöglicht ei ne tibetische asylsu- chende Person durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehat, kann namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Durch die Verheimlichung und Verschleierung der wah- ren Herkunft wird auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betref- fenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (BVGE 2014/12 E. 5.9). 6. 6.1 Das SEM stützt sich im angefochtenen Entscheid massgeblich auf die sprach- und länderkundliche Herkunftsanalyse (sogenannte LINGUA-Ana- lyse). Aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers im Telefoninterview sei der Experte zum Schluss gekommen, dass er mit grosser Wahrschein- lichkeit nicht im v on ihm angegebenen Herkunftsraum sozialisiert worden sei, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksre- publik China . Seine landeskundlich-kulturellen Kenntnisse würden nicht dem entsprechen, was von einer einheimischen Person in seinem Alter mit seinem sozialen und ethnischen Profil sowie Tätigkeitshintergrund zu er- warten wäre. Zudem entspreche seine Sprache nicht dem Dialekt seines Heimatkreises, sondern weise eine überwiegende Übereinstimmung mit dem Dialekt aus Lhasa oder der exilt ibetischen Koine auf. Die Argumente in der Stel lungnahme des Beschwerdeführers vermöchten das Ergebnis der LINGUA -Analyse nicht umzustossen (angeblich keine Chinesisch- Kenntnisse wegen fehlenden Schulbesuchs; Selbstversorgerdasein als Nomade, mangelnde Kenntnis der Preise, da er nie eingekauft habe). Hin- gegen sei es nur schwer nachvollziehbar, dass eine Person seines Alters noch nie eingekauft habe, beziehungsweise – trotz anzunehmender Gele- genheiten fernzusehen beziehungsweise Radio zu hören – sich überhaupt nicht für Musik interessiert habe. Auch sei die Erklärung, sein fünf jähriger Auslandaufenthalt könnte zu einer Veränderung des Dialekts geführt ha- ben, in Anbetracht des gegenteiligen Ergebnisses der Herkunftsanalyse unbehelflich. Im Weiteren seien seine Asylvorbringen widersprüchlich aus- gefallen (Schilderung von Festnahmen anlässlich einer Demonstration in E._______ als Hauptausreisegrund anlässlich der BzP , die an der Anhö- rung mit keinem Wort mehr erwähnt worden sei, was auf Vorhalt hin mit einem unbehelflichen Erklärungsversuch quittiert worden sei; Schilderung einer konkreten Bedrohung durch die Polizei anlässlich der Anhörung, was an der BzP nicht erwähnt worden sei, ohne ausreichende Erklärung für den D-5164/2015 Seite 8 Nachschub). Der Wegweisungsvollzug sei – unter Ausschluss der Volksre- publik China – zulässig, zumutbar und möglich. Es sei dem Beschwerde- führer nicht gelungen, seine Hauptsozialisierung in der Volksrepublik China sowie seine Asylgründe glaubhaft darzulegen, weshalb – unter Hinweis auf die diesbezügliche Rechtsprechung – davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an seinen bisherigen Aufenthaltsort bestünden. 6.2 Dagegen macht der Beschwerdeführer in der Beschwerde geltend, er habe immer die Wahrheit gesagt und mit dem Brief vom 27. Januar 2015 zusätzliche Belege für seine Bedrohung vorlegen können. Nach vielen Jah- ren ohne Kontakt zu seiner Familie habe er über WeChat eine Person aus seinem Dorf gefunden, die seine Familie informiert habe. Es gebe jedoch kein Dokument, das seine Eltern schicken könnten, um seine Herkunft zu belegen. Der Hukou sei ihnen von den Behörden weggenommen worden und seine Identitätskarte, welche ihm sein Fluchthelfer abgenommen habe, sei nie zurückgegeben worden. Der Brief seiner Eltern erkläre, welche Probleme er in seiner Heimat habe, und dem Briefumschlag sei zu entneh- men, dass dieser in C._______ abgeschickt worden sei. 7. 7.1 Bei Herkunftsanalysen der Fachstelle LINGUA handelt es sich zwar praxisgemäss nicht um Sachverständigengutachten im Sinne von Art. 12 Bst. e VwVG (vgl. hierzu Art. 57-61 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP , SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern lediglich um eine schriftliche Auskunft einer Drittperson im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. Das Bundesverwaltungsgericht misst entspre- chenden Lingua -Analysen jedoch regelmässig erhöhten Beweiswert zu, sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten sowie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nach- vollziehbarkeit erfüllt sind, denen eine solche Prüfung zu entsprechen hat (vgl. dazu BVGE 2014/12 E. 4.2.1 und 2015/10 E. 5.1 [zweiter Absatz], je m.w.H.). 7.2 Die vorliegende Herkunftsanalyse lässt in nachvollziehbarer Weise auf die fehlende Sozialisation des Beschwerdeführers im behaupteten Her- kunftsraum schliessen. Auch bestehen in Bezug auf die Qualifikation, Ob- jektivität und Neutralität des Experten keine Zweife l. Hingegen vermögen die Ausführungen des Beschwerdeführers, er sei seit einigen Jahren lan- desabwesend, das sprachwissenschaftlich belegte Ergebnis, wonach er D-5164/2015 Seite 9 mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht im Bezirk C._______ sozialisiert wor- den sei, nicht zu entkrä ften. Der Bericht kommt schlüssig zum Ergebnis, dass er den Lhasa-Dialekt beziehungsweise die exiltibetische Koine be- nützt und auf mehreren Analyseebenen – lexikalisch, phonetisch und mor- phologisch – keine ausreichende sprachliche Sozialisation im angegebe- nen Herkunftsraum erkennbar ist. Vor diesem Hintergrund erschei nen die vom Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs geltend ge- machten Punkte, wie etwa die Information, dass es einen stillgelegten Flug- hafen gebe, nebensächlich. Auch erscheinen die Erklärungsversuche des Beschwerdeführers, er habe als Nomade immer nur die traditionellen Orts- bezeichnungen benutzt und keine Schule besucht und interessiere sich nicht für Musik beziehungsweise sei nie einkaufen gegangen, unbehelflich. So ist es angesichts der in seinem Herkunftsraum existierenden Radio- und Fernsehgeräte nicht nachvollziehbar, dass er noch nie etwas von einer Sängerin, die in seiner Nähe gelebt hat und eine landesweite Berühmtheit darstellt, gehört hat. Auch ist es kaum vorstellbar, dass er noch nie in sei- nem Leben einkaufen gewesen ist , beziehungsweise nicht nachvollzieh- bar, weshalb sein Bruder, von dem er eigenen Angaben zufolge die Preise kenne, falsche Informationen gegeben haben soll. Insbesondere ist durch die Sprachanalyse schlüssig dargelegt, dass sehr schwer wiegende Indi- zien für eine Hauptsozialisation ausserhalb Tibets vorliegen. Ein weiteres Indiz sind seine mangelnden Kenntnisse der chinesischen Sprache , ob- wohl er aus einem Gebiet kommt, das sich durch eine tibetisch-chinesische Bilingualität auszeichnet. Unter diesen Umständen kann seine geltend ge- machte Ausreise aus China als solche nicht geglaubt werden. Im Weiteren hat das SEM unter Angabe der entsprechenden Fundstellen in den Proto- kollen hinreichend ausgeführt, dass die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers betreffend die angeblich fluchtauslösende Demonstration respektive das Aufhängen von Fahnen und die darauffolgende Suche nach ihm un- glaubhaft sind. In diesem Punkt kann auf die zutreffenden Erwägungen des SEM verwiesen werden, zumal der Beschwerdeführer in der Beschwerde- schrift keine hinreichende Erklärung für die Ungereimtheiten, die das SEM aufgezeigt hat, anbietet. Der auf Beschwerdeebene eingereichte Brief sei- ner Angehörigen kann zu keiner anderen Einschätzung führen, ebenso wie die Kopien der Quittungen von Klöstern, in denen für ihn Gebete gespro- chen würden. Wie das SEM insgesamt zu Recht festgestellt und zutreffend begründet hat, ist durch die Verschleierung der Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers in Bezug auf sein effek- tives Herkunftsland verunmöglicht worden, weshalb sowohl Vorflucht- gründe als auch subjektive Nachfluchtgründe zu verneinen sind. Bei die- sem Ergebni s ist auch die Argumentation des Beschwer deführers, er D-5164/2015 Seite 10 komme aus Tibet, das er aus politischen Gründen verlassen habe, weshalb er auf Schutz in der Schweiz angewiesen sei, nicht weiterführend. 7.3 Bei dieser Sachlage konnte die Vorinstanz mit hinreichender Sicherheit davon ausgehen, dass die Angaben des Beschwerdeführers nicht zutreffen und dass auf eine Verschleierung der tatsächlichen Herkunft zu schliessen ist. Das SEM hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh- rers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Weg weisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 9.2 Es sind vorliegend keine Gründe ersichtlich, die in rechtserheblicher Weise gegen den von der Vorinstanz angeordnet en Vollzug der Wegwei- sung sprechen würden. Es ist von der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög- lichkeit des Wegweisungsvollzuges auszugehen. 9.2.1 Der Vollzug ist in Beachtung der massgeblichen völker- und landes- rechtlichen Bestimmungen als zulässig zu erkennen, da der Beschwerde- führer keine Hinweise auf Verfolgung darzulegen vermochte und auch keine glaubhaften Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behand- lung im Sinne von Art. 3 EMRK ersichtlich sind. 9.2.2 Zwar sind die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Weg- weisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen, die Untersuchungspflicht findet jedoch ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Beschwerdefüh- rers. Insofern hat er die Folgen der Verheimlichung seiner tatsächlichen Herkunft zu tragen, indem vermutungsweise davon ausgegangen wird, es D-5164/2015 Seite 11 spreche nichts gegen eine Rückkehr an seinen tatsächlichen Herkunftsort (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2; vgl. ferner BVGE 2014/12 E . 6 [zweiter und dritter Absatz]). 9.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisung svollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist abzuweisen, da die Beschwerde als aussichtlos zu werten ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5164/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Anna Wildt Versand: