<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 72 S.355</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Direktzahlungen</span> <span class="page_no">355</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>72</b></span> <span class="ft3"><b>Tatsächliche Bewirtschaftung ohne zivilrechtliche Nutzungsbefugnisse.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die faktische Bewirtschaftung eines Grundstückes genügt, damit es</b></span><br/> <span class="ft3"><b>der landwirtschaftlichen Nutzfläche eines Bewirtschafters zugerech-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>net werden kann; einer zivilrechtlichen Nutzungsbefugnis bedarf es</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nicht. Ausgenommen sind Fälle des Rechtsmissbrauchs (Erw. II/1, 2,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft6">25. April 2008 in Sachen Kollektivgesellschaft W. gegen Departement Finan-</span><br/> <span class="ft6">zen und Ressourcen, Abteilung Landwirtschaft (5-BE.2007.6).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">II/1.</span><br/> <span class="ft8">1.1. Durch den landwirtschaftlichen Pachtvertrag verpflichtet</span><br/> <span class="ft8">sich der Verpächter, dem Pächter ein Gewerbe oder ein Grundstück</span><br/> <span class="ft8">zur landwirtschaftlichen Nutzung zu überlassen, und der Pächter,</span><br/> <span class="ft8">dafür einen Zins zu bezahlen (Art. 4 LPG).</span><br/> <span class="ft8">Die Unterverpachtung setzt den Bestand eines Hauptvertrags</span><br/> <span class="ft8">voraus (hier eines Pachtvertrags) und unterscheidet sich von diesem</span><br/> <span class="ft8">dadurch, dass der Empfänger der hauptvertraglichen Hauptleistung</span><br/> <span class="ft8">(hier der Pächter) zugleich Erbringer gleicher bzw. ähnlicher Leis-</span><br/> <span class="ft8">tungen im Untervertrag ist (als Unterverpächter), die er von seinem</span><br/> <span class="ft8">Hauptvertragspartner (hier der Verpächter) beanspruchen kann, je-</span><br/> <span class="ft8">doch gegenüber einem aus der Sicht des Hauptvertrags Dritten (Un-</span><br/> <span class="ft8">terpächter). Der Gegenstand der Leistung, die der Unterverpächter</span><br/> <span class="ft8">im Untervertrag verspricht, wird dabei durch das begrenzt, was er im</span><br/> <span class="ft8">Hauptvertrag selbst vom Verpächter beanspruchen kann (Peter</span><br/> <span class="ft8">Gauch/Jörg Schmid [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Zivil-</span><br/> <span class="ft8">gesetzbuch, Band 5: Obligationenrecht, Teilband 2b: Die Pacht,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">356</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Art. 275-304, 3. Auflage, Zürich 2000, Art. 291 N. 9). Folglich ist</span><br/> <span class="ft8">der Anspruch des Unterpächters auf Realerfüllung des Unterpacht-</span><br/> <span class="ft8">vertrages durch die Vertragsdauer des Hauptpachtverhältnisses limi-</span><br/> <span class="ft8">tiert.</span><br/> <span class="ft8">1.2. H. verpachtete das Grundstück an die Beschwerdeführerin.</span><br/> <span class="ft8">Er war jedoch weder Eigentümer noch dinglich berechtigter Nutz-</span><br/> <span class="ft8">niesser des Pachtobjektes. Er hatte lediglich mit der Eigentümerin</span><br/> <span class="ft8">(S. AG) einen Pachtvertrag abgeschlossen. Deshalb liegt ein Unter-</span><br/> <span class="ft8">pachtverhältnis vor. Aufgrund der Beschränkung des Unterpachtver-</span><br/> <span class="ft8">hältnisses auf die Dauer des Hauptpachtverhältnisses endete durch</span><br/> <span class="ft8">die gegenüber H. ausgesprochene Kündigung vom 22. März 2005 am</span><br/> <span class="ft8">31. März 2006 auch die Unterpacht.</span><br/> <span class="ft8">1.3. Das Vorliegen eines stillschweigend erneuerten Vertrages</span><br/> <span class="ft8">fällt entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ausser Betracht.</span><br/> <span class="ft8">Ein stillschweigender Vertragsabschluss ist nur möglich, wenn das</span><br/> <span class="ft8">Erklärungsverhalten eindeutig ist, wenn also klar daraus hervorgeht,</span><br/> <span class="ft8">dass die betreffende Person mit dem Schweigen einen bestimmten</span><br/> <span class="ft8">Geschäftswillen kundgeben will; ein rein passives Verhalten genügt</span><br/> <span class="ft8">dazu regelmässig nicht (vgl. Peter Gauch/Walter R. Schluep/Jörg</span><br/> <span class="ft8">Schmid/Heinz Rey, OR Allgemeiner Teil, Band I, 8. Auflage, Zü-</span><br/> <span class="ft8">rich/Basel/Genf 2003, Rz. 190a).</span><br/> <span class="ft8">Die S. AG brachte im Kündigungsschreiben einzig zum Aus-</span><br/> <span class="ft8">druck, dass die Möglichkeit bestehe, "wieder" einen neuen Pachtver-</span><br/> <span class="ft8">trag abzuschliessen. Aus der eindeutigen Formulierung des Kündi-</span><br/> <span class="ft8">gungsschreibens geht indessen klar hervor, dass sie den ursprüngli-</span><br/> <span class="ft8">chen Vertrag auflösen wollte.</span><br/> <span class="ft8">Zudem ist nicht erkennbar, inwiefern die ordentliche Kündi-</span><br/> <span class="ft8">gung mangelhaft gewesen sein soll. Die Kündigungsfrist und der</span><br/> <span class="ft8">-termin sind eingehalten worden (Art. 16 Abs. 2 LPG; Benno Stu-</span><br/> <span class="ft8">der/Eduard Hofer, Das landwirtschaftliche Pachtrecht, Kommentar</span><br/> <span class="ft8">zum Bundesgesetz über die landwirtschaftliche Pacht vom 4. Okto-</span><br/> <span class="ft8">ber 1985, Vorabdruck 2007 der 2. Auflage, Brugg 2007, Art. 16</span><br/> <span class="ft8">Abs. 3 LPG N 389). Im Weiteren bestand kein Pachtverhältnis zwi-</span><br/> <span class="ft8">schen der Grundeigentümerin und der Beschwerdeführerin. Deshalb</span><br/> <span class="ft8">kann die Beschwerdeführerin keine unmittelbaren Rechte gegenüber</span><br/> <span class="ft8">der Grundeigentümerin ableiten bzw. geltend machen. Der Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Direktzahlungen</span> <span class="page_no">357</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">schwerdeführerin kamen Rechte (und Pflichten) aus dem Vertrag ein-</span><br/> <span class="ft8">zig gegenüber ihrem Vertragspartner, H., zu.</span><br/> <span class="ft8">1.4. Zusammenfassend ist der Abteilung Landwirtschaft zuzu-</span><br/> <span class="ft8">stimmen, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1. April 2006 grund-</span><br/> <span class="ft8">sätzlich über keinen Rechtstitel zur Nutzung des Grundstückes ver-</span><br/> <span class="ft8">fügt.</span><br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1. Der Bund richtet Bewirtschaftern von bäuerlichen Betrie-</span><br/> <span class="ft8">ben unter der Voraussetzung des ökologischen Leistungsnachweises</span><br/> <span class="ft8">allgemeine Direktzahlungen und Ökobeiträge aus (Art. 70 Abs. 1</span><br/> <span class="ft8">LwG-CH). Direktzahlungen erhalten Bewirtschafter, die einen Be-</span><br/> <span class="ft8">trieb führen und ihren zivilrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz ha-</span><br/> <span class="ft8">ben (Art. 2 Abs. 1 DZV). Zu Direktzahlungen berechtigt grundsätz-</span><br/> <span class="ft8">lich die landwirtschaftliche Nutzfläche (Art. 4 Abs. 1 DZV). Gemäss</span><br/> <span class="ft8">Art. 14 LBV gilt als landwirtschaftliche Nutzfläche die einem Be-</span><br/> <span class="ft8">trieb zugeordnete, für den Pflanzenbau genutzte Fläche ohne die</span><br/> <span class="ft8">Sömmerungsfläche, die dem Bewirtschafter ganzjährig zur Verfü-</span><br/> <span class="ft8">gung steht.</span><br/> <span class="ft8">2.2. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin ihren Sitz im</span><br/> <span class="ft8">Kanton Aargau hat und einen Betrieb auf eigene Rechnung und Ge-</span><br/> <span class="ft8">fahr führt. Hingegen ist abzuklären, ob trotz fehlender rechtlich ge-</span><br/> <span class="ft8">schützter Nutzungsbefugnis die Parzelle aufgrund der unbestrittenen</span><br/> <span class="ft8">tatsächlichen Bewirtschaftung zur landwirtschaftlichen Nutzfläche</span><br/> <span class="ft8">der Beschwerdeführerin zu zählen ist.</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1. Das Landwirtschaftsgesetz, die Direktzahlungsverordnung</span><br/> <span class="ft8">und die Landwirtschaftliche Begriffsverordnung äusseren sich nicht</span><br/> <span class="ft8">direkt über die notwendigen zivilrechtlichen Beziehungen des</span><br/> <span class="ft8">Bewirtschafters zum Grundstück. Insbesondere enthalten sie keine</span><br/> <span class="ft8">Regelung darüber, ob eine faktische Bewirtschaftung als Anspruchs-</span><br/> <span class="ft8">grundlage für die Direktzahlungen ausreicht.</span><br/> <span class="ft8">Einzig die vom Bundesamt für Landwirtschaft erlassenen Wei-</span><br/> <span class="ft8">sungen und Erläuterungen zur Landwirtschaftlichen Begriffsverord-</span><br/> <span class="ft8">nung vom 31. Januar 2007 (im Folgenden: Weisungen) verlangen</span><br/> <span class="ft8">explizit ein zivilrechtliches Verhältnis des Bewirtschafters zum Bo-</span><br/> <span class="ft8">den. Die vor dem 31. Januar 2007 gültigen Weisungen wurden letzt-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">358</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">mals im März 2006 aktualisiert. Diese und die heute gültige Ausgabe</span><br/> <span class="ft8">der Weisungen stimmen in den massgeblichen Passagen überein. Es</span><br/> <span class="ft8">kann daher im Folgenden auf die neuen Weisungen vom Januar 2007</span><br/> <span class="ft8">Bezug genommen werden. Demnach umfasst die landwirtschaftliche</span><br/> <span class="ft8">Nutzfläche die gesamte einem Betrieb zugeordnete, pflanzenbaulich</span><br/> <span class="ft8">genutzte Fläche, sofern sie dem Bewirtschafter über das ganze Jahr</span><br/> <span class="ft8">zur Verfügung steht. Sie umfasst alles Land, das vom betreffenden</span><br/> <span class="ft8">Betrieb aus bewirtschaftet wird. Als landwirtschaftliche Nutzfläche</span><br/> <span class="ft8">zählen die Flächen im Eigentum und in Pacht sowie einzelne Grund-</span><br/> <span class="ft8">stücke, die der Bewirtschafter in Gebrauchsleihe hat. Der Bewirt-</span><br/> <span class="ft8">schafter muss aber in jedem Fall belegen können, dass ihm die Flä-</span><br/> <span class="ft8">che tatsächlich für das ganze Jahr zur Verfügung steht (Weisung zu</span><br/> <span class="ft8">Art. 14 Abs. 1 LBV).</span><br/> <span class="ft8">3.2. Die Weisungen stellen eine Verwaltungsverordnung dar.</span><br/> <span class="ft8">Die Hauptfunktion der Verwaltungsverordnung besteht darin, eine</span><br/> <span class="ft8">einheitliche, gleichmässige und sachrichtige Praxis des Gesetzesvoll-</span><br/> <span class="ft8">zugs sicherzustellen. Sie sind nach herrschender Ansicht keine</span><br/> <span class="ft8">Rechtsquellen des Verwaltungsrechts und richten sich nicht unmittel-</span><br/> <span class="ft8">bar an den Privaten, das heisst sie schaffen keine Rechte und Pflich-</span><br/> <span class="ft8">ten für den Privaten (BGE</span> <span class="ft8">120</span> <span class="ft8">Ia</span> <span class="ft8">321, Erw.</span> <span class="ft8">3/a; VPB 61.40,</span><br/> <span class="ft8">Erw. 7.1; Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 123 ff.).</span><br/> <span class="ft8">Das Gericht berücksichtigt sie allerdings bei seiner Entscheidung,</span><br/> <span class="ft8">soweit sie eine dem Einzelfall gerecht werdende Auslegung der Be-</span><br/> <span class="ft8">stimmung zulässt, weil es nicht ohne Not von einer einheitlichen</span><br/> <span class="ft8">Praxis der Verwaltungsbehörden abweichen will (Häfelin/Müller/</span><br/> <span class="ft8">Uhlmann, a.a.O., Rz. 128).</span><br/> <span class="ft8">Vorliegend stellt sich somit die Frage, ob die in den Weisungen</span><br/> <span class="ft8">enthaltene Einschränkung, wonach ein Nutzungsrecht gegenüber</span><br/> <span class="ft8">dem bewirtschafteten Boden bestehen muss, durch die landwirt-</span><br/> <span class="ft8">schaftliche Gesetzgebung, insbesondere durch die Landwirtschaftli-</span><br/> <span class="ft8">che Begriffsverordnung, gedeckt ist.</span><br/> <span class="ft7"><i>(3.3.: Allgemeine Erwägungen betreffend Auslegungsmetho-</i></span><br/> <span class="ft7"><i>den.)</i></span><br/> <span class="ft8">3.4. Dem Wortlaut von Art. 14 Abs. 1 LBV ist zu entnehmen,</span><br/> <span class="ft8">dass eine Nutzfläche "einem Betrieb zugeordnet" werden können</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Direktzahlungen</span> <span class="page_no">359</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">muss. Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch ist "zuordnen" den</span><br/> <span class="ft8">Begriffen "zurechnen", "zuschreiben", "zuweisen", "zuerkennen",</span><br/> <span class="ft8">"zugehören" gleichzustellen. Verlangt wird nach dem Wortlaut also,</span><br/> <span class="ft8">dass eine Fläche aufgrund von objektiven Kriterien einem bestimm-</span><br/> <span class="ft8">ten Betrieb zugeteilt werden kann. Das Bundesamt für Landwirt-</span><br/> <span class="ft8">schaft stützt sich in seinen Weisungen auf das Kriterium der zivil-</span><br/> <span class="ft8">rechtlichen Beziehung des Bewirtschafters zur Fläche, indem für die</span><br/> <span class="ft8">Zuordnung zum Betrieb ein Eigentums-, Pacht- oder Leiheverhältnis</span><br/> <span class="ft8">vorausgesetzt wird. Direkt aus dem Begriff "zugeordnet" lässt sich</span><br/> <span class="ft8">dies jedoch nicht ableiten; vielmehr könnte danach auch eine tatsäch-</span><br/> <span class="ft8">liche respektive faktische Bewirtschaftung als Zuordnungskriterium</span><br/> <span class="ft8">ausreichen.</span><br/> <span class="ft8">Aus dem weiteren Wortlaut von Art. 14 Abs. 1 LBV lässt sich</span><br/> <span class="ft8">ebenfalls nichts ableiten, das eine den Weisungen entsprechende re-</span><br/> <span class="ft8">striktive Auslegung stützen würde. Dies gilt insbesondere in Bezug</span><br/> <span class="ft8">auf die Formulierung "zur Verfügung stehen"; auch ein Unberechtig-</span><br/> <span class="ft8">ter kann die tatsächliche Gewalt über eine Sache ausüben und inso-</span><br/> <span class="ft8">fern steht diese Sache ihm auch zur Verfügung (Jörg Schmid/Bettina</span><br/> <span class="ft8">Hürlimann-Knaup, Sachenrecht, 2.</span> <span class="ft8">Auflage, Schulthess 2003,</span><br/> <span class="ft8">Rz. 126 und Rz. 139)</span><br/> <span class="ft8">3.5. Aus der übrigen landwirtschaftlichen Gesetzgebung erge-</span><br/> <span class="ft8">ben sich keinerlei Hinweise auf eine restriktive Auslegung von</span><br/> <span class="ft8">Art. 14 Abs. 1 LBV. Vor allem hilft der Vergleich mit dem land-</span><br/> <span class="ft8">wirtschaftlichen Pachtrecht (vgl. den Verweis in Art. 2 Abs. 1 der</span><br/> <span class="ft8">Weisungen) nicht weiter: Zutreffend ist, dass der Bund mit Art. 1</span><br/> <span class="ft8">Abs. 2 LPG ein Umgehungsgeschäft dem Pachtrecht unterstellt.</span><br/> <span class="ft8">Relevant ist jedoch, dass die Parteien in diesen Fällen tatsächlich den</span><br/> <span class="ft8">Willen hatten, die Nutzung der Pachtsache zu regeln. Folglich muss</span><br/> <span class="ft8">ein übereinstimmender Wille zwischen den Parteien über die Nut-</span><br/> <span class="ft8">zung der Sache vorliegen. Über die effektive Nutzung einer Sache al-</span><br/> <span class="ft8">lein sagt diese Bestimmung dagegen nichts aus.</span><br/> <span class="ft8">3.6.</span><br/> <span class="ft8">3.6.1. Im Weiteren ist zu prüfen, ob die in den Weisungen ent-</span><br/> <span class="ft8">haltene Einschränkung Sinn und Zweck der Direktzahlungen ent-</span><br/> <span class="ft8">spricht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">360</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Art. 104 Abs. 1 BV gibt die Ziele der Agrarpolitik des Bundes</span><br/> <span class="ft8">vor und betont die "Multifunktionalität" der Landwirtschaft. Dem-</span><br/> <span class="ft8">nach soll die Landwirtschaft einen wesentlichen Beitrag zur sicheren</span><br/> <span class="ft8">Versorgung, zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und zur</span><br/> <span class="ft8">Pflege der Kulturlandschaft sowie zur dezentralen Besiedelung des</span><br/> <span class="ft8">Landes übernehmen (vgl. auch Art. 1 LwG-CH). Daraus ist zu fol-</span><br/> <span class="ft8">gern, dass die Agrarpolitik so ausgerichtet wird und Massnahmen</span><br/> <span class="ft8">dergestalt eingesetzt werden, dass die Ziele massgeblich gefördert</span><br/> <span class="ft8">werden (vgl. Art. 104 Abs. 2 und Abs. 3 BV). Eine Richtschnur hin-</span><br/> <span class="ft8">sichtlich Massnahmeneinsatz stellt Art. 104 Abs. 3 lit. a BV dar, wo-</span><br/> <span class="ft8">nach das bäuerliche Einkommen durch Direktzahlungen des Bundes</span><br/> <span class="ft8">ergänzt wird. Mit diesen Zahlungen sollen die multifunktionalen</span><br/> <span class="ft8">Leistungen der Landwirtschaft abgegolten werden (vgl.</span> <span class="ft8">Art. 104</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 BV; Art. 2 Abs. 1 lit. b LwG-CH; Klaus A. Vallender in: Bern-</span><br/> <span class="ft8">hard Ehrenzeller/Philippe Mastronardi/Rainer J. Schweizer/Klaus A.</span><br/> <span class="ft8">Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, Kommen-</span><br/> <span class="ft8">tar, Zürich/Basel/Genf 2002, Art. 104 N. 16 und 24 ff.). Dabei bezie-</span><br/> <span class="ft8">hen sich die Direktzahlungen direkt auf die erbrachten Leistungen</span><br/> <span class="ft8">(Botschaft zur Reform der Agrarpolitik: Zweite Etappe [Agrarpolitik</span><br/> <span class="ft8">2002], S. 302).</span><br/> <span class="ft8">3.6.2. Vorab ist festzuhalten, dass die Verfassung Direktzahlun-</span><br/> <span class="ft8">gen generell "für die erbrachten Leistungen" in Aussicht stellt. Aus-</span><br/> <span class="ft8">nahmen, Einschränkungen oder Bedingungen, welche weder in der</span><br/> <span class="ft8">Verfassung noch im Gesetz oder in der Verordnung klar zum Aus-</span><br/> <span class="ft8">druck kommen, sind deshalb nur restriktiv zuzulassen.</span><br/> <span class="ft8">Der Zweck der Direktzahlungen - angemessenes Entgelt für er-</span><br/> <span class="ft8">brachte Leistungen zugunsten der Multifunktionalität der Landwirt-</span><br/> <span class="ft8">schaft - kann offensichtlich unabhängig von einer zivilrechtlichen</span><br/> <span class="ft8">Beziehung des Bewirtschafters zur Parzelle erfüllt werden. Dies</span><br/> <span class="ft8">spricht dafür, dass die gemeinwirtschaftliche Leistung des Bewirt-</span><br/> <span class="ft8">schafters unabhängig davon zu entschädigen ist, welche rechtlichen</span><br/> <span class="ft8">oder tatsächlichen Nutzungsbefugnisse ihm an der bewirtschafteten</span><br/> <span class="ft8">Parzelle zustehen. Dagegen würde eine Auslegung von Art. 14 Abs. 1</span><br/> <span class="ft8">LBV, wonach eine landwirtschaftliche Nutzfläche nur bei Eigentum,</span><br/> <span class="ft8">Pacht oder Leihe angenommen werden darf, jene Landwirte von den</span><br/> <span class="ft8">Direktzahlungen ausschliessen, welche ohne entsprechendes Nut-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Direktzahlungen</span> <span class="page_no">361</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">zungsrecht ein Grundstück effektiv bewirtschaftet haben. Dies liesse</span><br/> <span class="ft8">sich mit dem Sinn und Zweck der Direktzahlungen nicht verein-</span><br/> <span class="ft8">baren.</span><br/> <span class="ft8">3.6.3. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass</span><br/> <span class="ft8">die Durchsetzung des Direktzahlungsanspruchs unter dem Vorbehalt</span><br/> <span class="ft8">des Rechtsmissbrauchs gemäss Art. 2 Abs. 2 ZGB steht. Der offen-</span><br/> <span class="ft8">bare Missbrauch eines Rechts findet keinen Schutz. Art. 2 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">ZGB ist eine Grundsatznorm, deren Geltung sich auf die gesamte</span><br/> <span class="ft8">Rechtsordnung erstreckt (BGE 128 III 201 Erw. 1/c mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft8">unpubliziertes Urteil des Bundesgerichts 4C.312/2005, Erw. 3.1).</span><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdeführerin machte glaubhaft geltend, dass sie -</span><br/> <span class="ft8">fälschlicherweise - davon ausging, dass der Unterpachtvertrag noch</span><br/> <span class="ft8">bestehe. Die Vorinstanz verzichtete folglich zu Recht auf den Vor-</span><br/> <span class="ft8">wurf, die Beschwerdeführerin habe sich rechtsmissbräuchlich verhal-</span><br/> <span class="ft8">ten.</span><br/> <span class="ft8">3.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Auslegungs-</span><br/> <span class="ft8">methode ein zivilrechtliches Verhältnis des Bewirtschafters zur Nutz-</span><br/> <span class="ft8">fläche verlangt. Demgegenüber würde dieses Erfordernis gegen Sinn</span><br/> <span class="ft8">und Zweck der Direktzahlungen verstossen. Eine entsprechende Aus-</span><br/> <span class="ft8">legung von Art. 14 LBV ist demzufolge nicht zulässig.</span><br/> <span class="ft8">(...).</span><br/> <span class="ft8">3.8. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft8">während des Beitragsjahres 2006 die Parzelle R., B., Wintergerste</span><br/> <span class="ft8">200 Aren und R., B., extensiv genutzte Wiese, 185 Aren, tatsächlich</span><br/> <span class="ft8">genutzt hat. Diese Flächen bilden somit Teil der massgeblichen land-</span><br/> <span class="ft8">wirtschaftlichen Nutzfläche des Betriebs der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft8">und sind zu Direktzahlungen berechtigt.</span><br/></div> </div> </body> </html>