<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenVerfügungenderKantonspol...</span> <span class="page_no">371</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Beschwerden gegen Verfügungen der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Kantonspolizei (Hooligan-Konkordat)</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>78</b></span> <span class="ft2"><b>Anordnung eines Rayonverbots; Anforderungen an die Bestimmtheit des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rayonverbots; Begründungspflicht; Unterschriftsregelung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ein ausgesprochenes Rayonverbot muss sowohl hinsichtlich der Gel-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tungsdauer als auch des örtlichen und inhaltlichen Geltungsbereichs hin-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>reichend genau festgelegt werden (E. II./2.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zulässigkeit der Verwendung vorformulierter Textbausteine in Rayonver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>boten; Verletzung der Begründungspflicht wegen ungenügender Bestim-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mung des rechtserheblichen Sachverhalts und der angewendeten Konkor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>datsbestimmungen (E. II./3.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Für den Nachweis der Beteiligung an Gewalttätigkeiten sind polizeiliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Aussagen schriftlich festzuhalten und zu unterzeichnen (E. II./4.1.); un-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>klare Regelung der Ermächtigung zur Unterzeichnung von Rayonverbo-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ten (E. II./4.2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">14. Oktober 2010 in Sachen M.S. betreffend Anordnung eines Rayonverbots</span><br/> <span class="ft3">(1-PO.2010.1).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">II. 1. Die Kantonspolizei verfügte gegenüber dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führer ein Rayonverbot gestützt auf Art. 4 und 5 des Konkordats</span><br/> <span class="ft5">[über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltun-</span><br/> <span class="ft5">gen (Konkordat, SAR 533.100) vom 15. November 2007].</span><br/> <span class="ft5">[...]</span><br/> <span class="ft5">2. [...]</span><br/> <span class="ft5">Vorab ist mit Blick auf Art. 5 Abs. 1 des Konkordats zu klären,</span><br/> <span class="ft5">ob durch das ausgesprochene Rayonverbot sowohl die Geltungsdauer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">372</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">als auch der örtliche und inhaltliche Geltungsbereich des Verbots</span><br/> <span class="ft5">hinreichend festgelegt wurde.</span><br/> <span class="ft5">2.1. Das Rayonverbot wurde für die Dauer vom 13. März 2010</span><br/> <span class="ft5">bis zum 13. März 2011 ausgesprochen. Diesbezüglich ist die Verfü-</span><br/> <span class="ft5">gung klar. Das Verbot gilt jedoch während dieser Zeit nicht dauernd,</span><br/> <span class="ft5">sondern gemäss Verfügung nur "jeweils 2 Stunden vor Beginn und</span><br/> <span class="ft5">bis 3 Stunden nach Ende eines Meisterschafts-, Schweizercup- oder</span><br/> <span class="ft5">eines Freundschaftsspiels des Verein FC Aarau". Zwar ist diese Zeit-</span><br/> <span class="ft5">angabe mit gewissen Unwägbarkeiten behaftet. Insbesondere in Be-</span><br/> <span class="ft5">zug auf das Spielende kann es zu erheblichen Verzögerungen kom-</span><br/> <span class="ft5">men. Trotzdem ist die Verfügung diesbezüglich nicht zu beanstanden,</span><br/> <span class="ft5">da mit "Ende" wohl das geplante Spielende und nicht das effektive</span><br/> <span class="ft5">Ende des Spiels gemeint ist, zumal für einen Betroffenen nur bei</span><br/> <span class="ft5">dieser Auslegung genügend klar ist, wann er den verbotenen Rayon</span><br/> <span class="ft5">wieder betreten darf. Die Geltungsdauer wurde damit hinreichend</span><br/> <span class="ft5">präzis festgelegt.</span><br/> <span class="ft5">2.2. Bezüglich des betroffenen Rayons wurde der Verfügung so-</span><br/> <span class="ft5">wohl ein Plan als auch eine Liste mit Strassen bzw. geografischen</span><br/> <span class="ft5">Ortsbezeichnungen beigelegt, aus welchen unmissverständlich her-</span><br/> <span class="ft5">vorgeht, welches Gebiet durch den Beschwerdeführer nicht betreten</span><br/> <span class="ft5">werden darf. Der örtliche Geltungsbereich wurde damit exakt be-</span><br/> <span class="ft5">stimmt.</span><br/> <span class="ft5">2.3. Zu prüfen bleibt, ob die Verfügung bezüglich der vom Ver-</span><br/> <span class="ft5">bot umfassten Spiele inhaltlich genügend klar umschrieben wurde.</span><br/> <span class="ft5">Gemäss Verfügung bezieht sich das Rayonverbot auf Meisterschafts-,</span><br/> <span class="ft5">Schweizercup- oder Freundschaftsspiele des FC Aarau und lässt da-</span><br/> <span class="ft5">mit verschiedene Fragen offen. Unklar ist zunächst, ob sich das Ver-</span><br/> <span class="ft5">bot einzig auf die erste Herren-Mannschaft der FC Aarau AG bezieht</span><br/> <span class="ft5">oder auch andere Mannschaften der FC Aarau AG oder gar des Ver-</span><br/> <span class="ft5">eins FC Aarau 1902 umfasst. Sodann schränkt die Verfügung das</span><br/> <span class="ft5">Rayonverbot nicht auf Heimspiele ein und ist damit auch diesbezüg-</span><br/> <span class="ft5">lich ungenau.</span><br/> <span class="ft5">Es deutet zwar einiges darauf hin, dass das gegen den Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer ausgesprochene Rayonverbot so gemeint war, dass</span><br/> <span class="ft5">davon lediglich die Heimspiele der ersten Herren-Mannschaft des FC</span><br/> <span class="ft5">Aarau erfasst werden sollten. Dafür spricht zum einen, dass ein Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenVerfügungenderKantonspol...</span> <span class="page_no">373</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">bot für den Rayon Aarau bei Auswärtsspielen des FC Aarau kaum</span><br/> <span class="ft5">Sinn macht, da diesfalls im fraglichen Gebiet keine ernsthafte Gefahr</span><br/> <span class="ft5">gewalttätiger Ausschreitungen bestehen dürfte. Andererseits wäre ein</span><br/> <span class="ft5">Rayonverbot, welches nicht auf Spiele einer oder allenfalls mehrerer</span><br/> <span class="ft5">bestimmter Mannschaften beschränkt ist, offensichtlich unverhältnis-</span><br/> <span class="ft5">mässig, weshalb nicht leichthin anzunehmen ist, die verfügende Be-</span><br/> <span class="ft5">hörde habe das Verbot auf sämtliche Mannschaften des "Vereins FC</span><br/> <span class="ft5">Aarau" beziehen wollen. Diese Anhaltspunkte für eine restriktive</span><br/> <span class="ft5">Auslegung der angeordneten Massnahme ändern indessen nichts</span><br/> <span class="ft5">daran, dass für den Betroffenen in casu nicht zweifelsfrei ersichtlich</span><br/> <span class="ft5">ist, unter welchen Umständen bzw. in welchem Umfang das ihm auf-</span><br/> <span class="ft5">erlegte Verbot effektiv gilt.</span><br/> <span class="ft5">2.4. Nach dem Gesagten ist der inhaltliche Geltungsbereich des</span><br/> <span class="ft5">angefochtenen Rayonverbots nicht genügend bestimmt. Diesbezüg-</span><br/> <span class="ft5">lich muss jedoch für den Verfügungsadressaten Klarheit herrschen.</span><br/> <span class="ft5">Immerhin wird ihm bei Zuwiderhandlung eine Busse gestützt auf</span><br/> <span class="ft5">Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 311.0)</span><br/> <span class="ft5">vom 21. Dezember 1937 angedroht. Es obliegt der verfügenden Be-</span><br/> <span class="ft5">hörde, für eine unmissverständliche Formulierung besorgt zu sein,</span><br/> <span class="ft5">und es ist nicht die Aufgabe der Beschwerdeinstanz, die Verfügung</span><br/> <span class="ft5">zu präzisieren. Bereits deshalb ist das Rayonverbot aufzuheben.</span><br/> <span class="ft5">3. Weiter ist zu prüfen, ob die Begründung des Rayonverbots</span><br/> <span class="ft5">den gesetzlichen Anforderungen entspricht.</span><br/> <span class="ft5">3.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör, wie ihn Lehre und</span><br/> <span class="ft5">Rechtsprechung aus Art.</span> <span class="ft5">29 Abs.</span> <span class="ft5">2 der Bundesverfassung der</span><br/> <span class="ft5">Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 ablei-</span><br/> <span class="ft5">ten und wie er sich für das kantonale Verwaltungsverfahren nament-</span><br/> <span class="ft5">lich aus den §§ 21, 22 und 26 [des Gesetzes über die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft5">rechtspflege (VRPG, SAR 271.200) vom 4. Dezember 2007] ergibt,</span><br/> <span class="ft5">umfasst eine Anzahl verschiedener Verfahrensgarantien. Zum An-</span><br/> <span class="ft5">spruch auf rechtliches Gehör zählt auch das Recht auf Begründung</span><br/> <span class="ft5">des Entscheids (vgl. § 26 Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft5">Zwar kann die schriftliche Eröffnung auf die Zustellung des</span><br/> <span class="ft5">Dispositivs beschränkt werden mit dem Hinweis, dass der Entscheid</span><br/> <span class="ft5">rechtskräftig wird, wenn innert 10 Tagen keine Partei eine schriftlich</span><br/> <span class="ft5">begründete Ausfertigung verlangt. Verzichten die Parteien auf eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">374</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">vollständige Ausfertigung, ist eine kurze Begründung in die Akten</span><br/> <span class="ft5">aufzunehmen (§ 26 Abs. 3 VRPG). Nachdem im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft5">die Verfügung nicht auf die Eröffnung des Dispositivs beschränkt</span><br/> <span class="ft5">wurde, steht die Anwendung der zitierten Norm hier nicht zur Dis-</span><br/> <span class="ft5">kussion.</span><br/> <span class="ft5">Die Pflicht zur Begründung einer Verfügung soll verhindern,</span><br/> <span class="ft5">dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und</span><br/> <span class="ft5">dem Betroffenen ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachge-</span><br/> <span class="ft5">recht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch</span><br/> <span class="ft5">die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein</span><br/> <span class="ft5">Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die</span><br/> <span class="ft5">Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten</span><br/> <span class="ft5">lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Dies bedeutet indes-</span><br/> <span class="ft5">sen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be-</span><br/> <span class="ft5">hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss.</span><br/> <span class="ft5">Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-</span><br/> <span class="ft5">sichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270, E. 3.1, mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft5">Die erforderliche Begründungsdichte richtet sich nach der Komplexi-</span><br/> <span class="ft5">tät des Sachverhalts und den sich ergebenden Rechtsfragen, aber</span><br/> <span class="ft5">auch nach der Intensität des durch die Verfügung erfolgenden rechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Eingriffs. Handelt es sich um Massenverfügungen, so können</span><br/> <span class="ft5">die Anforderungen an die Begründung aus Gründen der Praktikabili-</span><br/> <span class="ft5">tät und Speditivität herabgesetzt werden, beispielsweise durch die</span><br/> <span class="ft5">Verwendung von Mustertexten oder Textbausteinen. Den Umständen</span><br/> <span class="ft5">des Einzelfalls muss dabei aber noch genügend Rechnung getragen</span><br/> <span class="ft5">werden können (vgl. Bernhard Waldmann/Jürg Bickel, in: Bernhard</span><br/> <span class="ft5">Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum</span><br/> <span class="ft5">Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2009,</span><br/> <span class="ft5">Art. 29 N 103). In formeller Hinsicht muss die Entscheidbegründung</span><br/> <span class="ft5">eine Darstellung des rechtserheblichen Sachverhalts enthalten und</span><br/> <span class="ft5">die herangezogenen Rechtsnormen sowie die juristischen Überle-</span><br/> <span class="ft5">gungen (Subsumtion) nennen (Lorenz Kneubühler, Die Begrün-</span><br/> <span class="ft5">dungspflicht, Bern/Stuttgart/Wien 1998, S. 26).</span><br/> <span class="ft5">Rayonverbote fussen meist auf einem nicht sehr komplexen</span><br/> <span class="ft5">Sachverhalt und es stellen sich in der Regel auch keine schwierigeren</span><br/> <span class="ft5">Rechtsfragen. Zudem sind die Verbote zeitlich und räumlich be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenVerfügungenderKantonspol...</span> <span class="page_no">375</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">schränkt, weshalb die Eingriffsintensität - besondere Konstellationen</span><br/> <span class="ft5">vorbehalten - regelmässig nicht sehr hoch ist.</span><br/> <span class="ft5">Auch wenn unter diesen Umständen an die Begründungsdichte</span><br/> <span class="ft5">keine allzu hohen Anforderungen zu stellen sind, erweist sich die</span><br/> <span class="ft5">Begründung des angefochtenen Rayonverbots vom 20. April 2010 -</span><br/> <span class="ft5">wie nachfolgend aufzuzeigen ist - als offensichtlich ungenügend.</span><br/> <span class="ft5">3.2. Das Rayonverbot wurde von der Kantonspolizei wie folgt</span><br/> <span class="ft5">begründet:</span><br/> <span class="ft3">"Genannte Person hat sich an der Sportveranstaltung vom 13.3.2010</span><br/> <span class="ft3">FC Aarau - FC Zürich an Gewalttätigkeiten gemäss Artikel 2 Konkordat</span><br/> <span class="ft3">über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen betei-</span><br/> <span class="ft3">ligt."</span><br/> <span class="ft5">Zwar ist nicht zu beanstanden, wenn in Rayonverboten vorfor-</span><br/> <span class="ft5">mulierte Textbausteine verwendet werden. Dabei ist jedoch sicher zu</span><br/> <span class="ft5">stellen, dass der rechtserhebliche Sachverhalt sowie die angewende-</span><br/> <span class="ft5">ten Konkordatsbestimmungen hinreichend konkretisiert werden.</span><br/> <span class="ft5">Die verwendete Formulierung "an der Sportveranstaltung vom</span><br/> <span class="ft5">13.3.2010 FC Aarau - FC Zürich" ist nichtssagend und bei genauer</span><br/> <span class="ft5">Betrachtung missverständlich. Ohne Kenntnis der polizeilichen Ak-</span><br/> <span class="ft5">ten erweckt die Begründung beim Leser den Eindruck, dass sich die</span><br/> <span class="ft5">Handlungen, die dem Beschwerdeführer seitens der Kantonspolizei</span><br/> <span class="ft5">zur Last gelegt werden, während des Spiels des FC Aarau gegen den</span><br/> <span class="ft5">FC Zürich im Stadion zugetragen haben. Dies ist jedoch offenbar</span><br/> <span class="ft5">nicht der Fall. Um den Anforderungen an die Begründungspflicht zu</span><br/> <span class="ft5">genügen, hätte die Verfügung bezüglich der vorgeworfenen Hand-</span><br/> <span class="ft5">lungen neben dem Sportanlass auch konkrete Angaben zu Ort (z.B.</span><br/> <span class="ft5">Bahnhof Aarau, Unterführung West) und Zeit (z.B. 20.15 Uhr) ent-</span><br/> <span class="ft5">halten müssen. Zudem wäre festzuhalten gewesen, welche konkreten</span><br/> <span class="ft5">Handlungen dem Beschwerdeführer vorgeworfen werden (z.B. Tät-</span><br/> <span class="ft5">lichkeiten gegen einen Fan des FC Aarau, Zerstörung der Glas-</span><br/> <span class="ft5">scheibe eines Getränkeautomaten, Werfen von Pflastersteinen gegen</span><br/> <span class="ft5">Polizeibeamte).</span><br/> <span class="ft5">Als zu ungenau erweist sich die Begründung des Rayonverbots</span><br/> <span class="ft5">auch hinsichtlich der angerufenen Konkordatsbestimmung. In Art. 2</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 lit. a-h und Abs. 2 des Konkordats sind eine Vielzahl unter-</span><br/> <span class="ft5">schiedlicher Straftaten sowie weitere, die öffentliche Sicherheit ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">376</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">fährdende Verhaltensweisen aufgezählt, die als gewalttätiges Verhal-</span><br/> <span class="ft5">ten bzw. Gewalttätigkeit im Sinne des Konkordats qualifiziert wer-</span><br/> <span class="ft5">den. Aus dem angefochtenen Rayonverbot geht indessen nicht her-</span><br/> <span class="ft5">vor, welche bzw. welches dieser Delikte bzw. dieser Verhaltenswei-</span><br/> <span class="ft5">sen dem Beschwerdeführer zur Last gelegt werden. Um ihrer Be-</span><br/> <span class="ft5">gründungspflicht nachzukommen, wäre die Kantonspolizei daher</span><br/> <span class="ft5">verpflichtet gewesen, den offenbar primär zur Diskussion stehenden</span><br/> <span class="ft5">Vorwurf des Landfriedensbruchs nach Art. 260 StGB (vgl. Art. 2</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 lit. g des Konkordats) konkret zu benennen.</span><br/> <span class="ft5">3.3. Nach dem Gesagten steht fest, dass die Begründung des</span><br/> <span class="ft5">Rayonverbots hinsichtlich der Sachverhaltsdarstellung und der Sub-</span><br/> <span class="ft5">sumtion nicht den Anforderungen entspricht, die an eine derartige</span><br/> <span class="ft5">Verfügung zu stellen sind. Auch aus diesem Grund ist die Verfügung</span><br/> <span class="ft5">aufzuheben.</span><br/> <span class="ft5">4. Der Vollständigkeit halber ist noch auf Folgendes hinzuwei-</span><br/> <span class="ft5">sen:</span><br/> <span class="ft5">4.1. Gemäss Art. 5 Abs. 3 des Konkordats ist für den Nachweis</span><br/> <span class="ft5">der Beteiligung an Gewalttätigkeiten Art. 3 des Konkordats zu</span><br/> <span class="ft5">beachten. [...]</span><br/> <span class="ft5">Im vorliegenden Fall ist der Verfügung nicht zu entnehmen, wie</span><br/> <span class="ft5">der Nachweis der Gewalttätigkeit erbracht wurde. Nachdem den</span><br/> <span class="ft5">Akten kein Gerichtsurteil und auch keine Meldung einer auslän-</span><br/> <span class="ft5">dischen Behörde beiliegt, stehen nur die polizeiliche Anzeige gemäss</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 lit. a des Konkordats sowie Abs. 1 lit. b oder c der zitierten</span><br/> <span class="ft5">Bestimmung zur Diskussion.</span><br/> <span class="ft5">Zwar enthalten die Akten ein Stadionverbot des FC Aarau. Die-</span><br/> <span class="ft5">ses wurde jedoch wegen des hier zur Diskussion stehenden Vorfalls</span><br/> <span class="ft5">aufgrund eines Antrags der Kantonspolizei erlassen und stellt damit</span><br/> <span class="ft5">keinen eigenständigen Nachweis für ein gewalttätiges Verhalten dar,</span><br/> <span class="ft5">welcher als Grundlage für ein Rayonverbot genügen könnte.</span><br/> <span class="ft5">Zum Nachweis der Beteiligung an Gewalttätigkeiten gestützt</span><br/> <span class="ft5">auf Art. 3 Abs. 1 lit. b des Konkordats ist festzuhalten, dass ein sol-</span><br/> <span class="ft5">cher gemäss Art. 3 Abs. 2 des Konkordats nur dann als erbracht gilt,</span><br/> <span class="ft5">wenn die Aussagen schriftlich festgehalten und unterzeichnet wur-</span><br/> <span class="ft5">den. Die dem Gericht eingereichten Protokolle der polizeilichen Ein-</span><br/> <span class="ft5">vernahmen des Beschwerdeführers sowie seines Bruders und seines</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenVerfügungenderKantonspol...</span> <span class="page_no">377</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Cousins sowie die Polizeirapporte der involvierten Polizeibeamten</span><br/> <span class="ft5">tragen allesamt keine Unterschrift. Zwar existieren diese Unterlagen</span><br/> <span class="ft5">wahrscheinlich auch in unterzeichneter Form und könnten durch die</span><br/> <span class="ft5">Kantonspolizei noch beigebracht werden. Auf eine nachträgliche</span><br/> <span class="ft5">Einforderung kann jedoch - nachdem die Verfügung wie gesehen oh-</span><br/> <span class="ft5">nehin aufzuheben ist - verzichtet werden. Künftig ist aber darauf zu</span><br/> <span class="ft5">achten, dass die entsprechenden Unterlagen vor Erlass der Verfügung</span><br/> <span class="ft5">erstellt werden und den Verfügungsadressaten im Rahmen des</span><br/> <span class="ft5">rechtlichen Gehörs Gelegenheit zu einer Stellungnahme eingeräumt</span><br/> <span class="ft5">wird.</span><br/> <span class="ft5">Gleiches gilt für die den Akten beiliegende, ebenfalls nicht un-</span><br/> <span class="ft5">terzeichnete polizeiliche Anzeige gegen den Beschwerdeführer we-</span><br/> <span class="ft5">gen Landfriedensbruchs, welche gemäss Schlussverfügung am</span><br/> <span class="ft5">18. April 2010 an das Bezirksamt Aarau überwiesen wurde.</span><br/> <span class="ft5">4.2. Weiter ist fraglich, wer zur Unterzeichnung von Rayonver-</span><br/> <span class="ft5">boten ermächtigt ist. § 3 Abs. 1 lit. k [des Gesetzes über die Gewähr-</span><br/> <span class="ft5">leistung der öffentlichen Sicherheit (Polizeigesetz, PolG;</span><br/> <span class="ft5">SAR 531.200) vom 6. Dezember 2005] überträgt die Kompetenz zur</span><br/> <span class="ft5">Anordnung von Rayonverboten direkt der Kantonspolizei. Damit</span><br/> <span class="ft5">steht lediglich fest, welche Organisationseinheit für den Erlass von</span><br/> <span class="ft5">Rayonverboten im Sinne des Konkordats zuständig ist, nicht aber,</span><br/> <span class="ft5">welche Personen innerhalb des Polizeikorps berechtigt sind,</span><br/> <span class="ft5">Rayonverbote zu unterzeichnen. Keine Klärung brachte die diesbe-</span><br/> <span class="ft5">züglich von der Kantonspolizei eingereichte Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft5">21. Juni 2010.</span><br/> <span class="ft5">Gemäss § 20 des Organisationsgesetzes (OrgG, SAR 153.100)</span><br/> <span class="ft5">vom 26. März 1985 regelt der Regierungsrat die Unterzeichnungsbe-</span><br/> <span class="ft5">fugnis und die Staatskanzlei führt darüber ein öffentliches Register.</span><br/> <span class="ft5">Bezüglich der Unterzeichungsberechtigung hält § 31 OrgG sodann</span><br/> <span class="ft5">fest, dass der Departementsvorsteher oder der Generalsekretär die</span><br/> <span class="ft5">Verfügungen und Entscheide des Departements unterzeichnet</span><br/> <span class="ft5">(Abs. 1), wobei die Departemente weitere Personen für deren Aufga-</span><br/> <span class="ft5">benkreis zur Unterzeichnung ermächtigen können (Abs. 2). Zudem</span><br/> <span class="ft5">handeln gemäss § 32 Abs. 2 OrgG Ämter und unselbständige Staats-</span><br/> <span class="ft5">anstalten in dem ihnen übertragenen Bereich in eigenem Namen, je-</span><br/> <span class="ft5">doch unter Aufsicht des Departements.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">378</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Inwiefern § 32 Abs. 2 OrgG eine Kompetenz zur Regelung der</span><br/> <span class="ft5">Unterschrift im eigenen Amt enthält und ob der Polizeikommandant</span><br/> <span class="ft5">eine entsprechende Unterschriftsregelung erlassen hat, ist vorliegend</span><br/> <span class="ft5">nicht relevant, da die Kantonspolizei eine Abteilung des Departe-</span><br/> <span class="ft5">ments Volkswirtschaft und Inneres (DVI) ist und nicht ein Amt im</span><br/> <span class="ft5">Sinne von § 32 Abs. 2 OrgG (vgl. § 14 der Verordnung über den</span><br/> <span class="ft5">Dienst des Polizeikorps [Dienstreglement, SAR 531.111] vom</span><br/> <span class="ft5">11. Oktober 1976 sowie telefonische Erklärung des Generalsekretärs</span><br/> <span class="ft5">des DVI vom 30. September 2010).</span><br/> <span class="ft5">Mit Blick auf die Unterzeichnung des Rayonverbots gilt damit</span><br/> <span class="ft5">Folgendes: Sofern der Regierungsrat im Rahmen seiner Verord-</span><br/> <span class="ft5">nungskompetenz keine Regelung erlassen hat, aus der allgemeinver-</span><br/> <span class="ft5">bindlich hervorgeht, dass die das Rayonverbot unterzeichnende, dem</span><br/> <span class="ft5">Polizeikorps angehörende Person zur Unterschrift ermächtigt war,</span><br/> <span class="ft5">wird darzulegen sein, dass die Unterschriftsermächtigung durch das</span><br/> <span class="ft5">Departement im Rahmen von § 31 Abs. 2 OrgG erteilt wurde.</span><br/></div> </div> </body> </html>