Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. April 2018 (810 17 333) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Staatssteuer 2015 / Elektronische Steuererklärung / Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess, Gerichts- schreiberin i.V. Irina Trutmann Beteiligte A.A .____ und B.A.____ , Beschwerdeführer gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rechtsdienst, Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Betreff Staatssteuer 2015 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 8. September 2017) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Schreiben vom 13. Juni 2016 mahnte die Steuer verwaltung des Kantons Basel- Landschaft (Steuerverwaltung) die Ehegatten A.A.____ und B.A.____ wegen unterlassener Ein- reichung der Steuererklärung 2015. Gleichzeitig wurden die Steuerpflichtigen aufgefordert, die Steuererklärung 2015 bis am 30. Juni 2016 einzureichen. Auf Gesuch hin gewährte die Steuer- verwaltung eine Fristerstreckung bis am 31. August 2016. B. Nach unbestritten gebliebener Darstellung der Steu erpflichtigen wurde die Steuererklä- rung 2015 am 22. September 2016 elektronisch ausgefüllt und übermittelt. Ihren Behauptungen zufolge soll die Steuererklärung gleichentags von ihrem Steuerberater zusätzlich per Post ver- sandt worden sein. Gemäss den Ausführungen der Steuerver waltung ist diese Sendung nie bei ihr eingegangen. C. Mit Schreiben vom 6. Oktober 2016 mahnte die Steuer verwaltung A.A.____ und B.A.____ ein letztes Mal. Dabei führte die Steuerverwaltung aus, dass die Ehegatten ihren Ver- fahrenspflichten nicht nachgekommen seien, und forderte sie auf, die Steuererklärung 2015 bis am 31. Oktober 2016 einzureichen. Gleichzeitig wies die Steuerverwaltung die Steuerpflichtigen darauf hin, dass bei unbenütztem Fristablauf eine amtl iche Veranlagung erfolgen werde und dass ihnen in diesem Zusammenhang eine Ordnungsbusse in der Höhe von Fr. 500.-- auferlegt werden könne. D. Mit Veranlagungsverfügung vom 23. März 2017 betref fend die Staatssteuer 2015 wur- den die Steuerfaktoren der Steuerpflichtigen mangels e ingereichter Steuererklärung amtlich eingeschätzt. Das im Kanton Basel-Landschaft steuerbare Einkommen wurde dabei auf Fr. 490'374.-- und das steuerbare Vermögen auf Fr. 29 7'005.-- festgesetzt. Gleichzeitig wurde den Steuerpflichtigen eine Busse in der Höhe von Fr. 500.-- auferlegt. E. Am 7. April 2017 erhoben die Ehegatten, vertrete n durch B.____, Steuerberater, Ein- sprache bei der Steuerverwaltung. Zusammen mit der Ei nsprache reichten sie einen Lohnaus- weis, eine Steuerausscheidung, eine Aufstellung über M itarbeiterbeteiligungen, eine Bescheini- gung über Vorsorgebeiträge der Bank C.____, drei wei tere Kontoauszüge der C.____ – alles Unterlagen des Jahres 2015 – sowie eine auf Ende März 2 016 datierte Bescheinigung des Hy- pothekarkontos bei der Bank D.____ ein. F. Auf die Einsprache trat die Steuerverwaltung mit Einspracheentscheid vom 22. Mai 2017 nicht ein. G. Am 6. Juni 2017 erhoben die nicht mehr vertretene n Ehegatten Rekurs am Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht). Sie beantragten sinngemäss die Aufhebung der Ermessensveranlagung der Staatssteuer 2015 und des Einspracheentscheids sowie eine neue Veranlagung basi erend auf der elektronisch ausge- füllten Steuererklärung vom 22. September 2016 samt B eilagen; unter o/e-Kostenfolge. In der Beilage der Rekursbegründung reichten sie eine ausgefül lte Steuererklärung mit zusätzlichen Belegen und das (nicht unterschriebene) Quittungsblatt der elektronischen Übermittlung ein. Mit Entscheid vom 8. September 2017 wies das Steuergericht den Rekurs ab. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Eingabe vom 10. Dezember 2017 haben A.A.____ u nd B.A.____ dagegen Be- schwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), erhoben. Sie beantr agen die Aufhebung des vorinstanzli- chen Entscheids sowie eine neue Veranlagung der Staatsst euer 2015, basierend auf den Steu- erfaktoren der am 22. September 2016 elektronisch ausgef üllten Steuererklärung 2015 samt Beilagen. Sinngemäss soll dies unter o/e-Kostenfolge geschehen. I. Das Steuergericht beantragt in seiner Vernehmlassung vom 21. Dezember 2017 die Abweisung der Beschwerde. J. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Dezember 2017 beantra gt auch die Steuerverwal- tung die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht angefochten werden. Da sämtliche formellen Voraussetzungen gemäss § 131 StG und den §§ 43 ff. des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, kann au f die vorliegende Beschwerde grund- sätzlich eingetreten werden. 2. Vorliegend trat die Steuerverwaltung auf die Eins prache vom 7. April 2017 gegen die Ermessensveranlagung vom 23. März 2017 nicht ein. Folglich hat auch das Kantonsgericht – wie bereits das Steuergericht – nur zu prüfen, ob de r Nichteintretensentscheid der Steuerver- waltung zu Recht ergangen ist (vgl. BGE 132 V 74 E. 1. 1; 125 V 503 E. 1). Soweit die Be- schwerdeführer eine neue Veranlagung beantragen, ist darauf nicht einzutreten. 3. Mit der Beschwerde in Steuersachen können alle Mäng el des angefochtenen Ent- scheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (§ 45 Abs. 2 VPO). 4. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Steuerv erwaltung zu Recht nicht auf die Ein- sprache der Steuerpflichtigen vom 7. April 2017 gegen d ie Ermessensveranlagung der Staats- steuer 2015 eingetreten ist und das Steuergericht diesen Entscheid zu Recht geschützt hat. 5. Nach § 101 Abs. 1 StG hat der Steuerpflichtige zu B eginn jeder Veranlagungsperiode sowie bei Eintritt in die Steuerpflicht eine Steuerer klärung einzureichen. Kommt der Steuer- pflichtige trotz Mahnung seinen Steuerverfahrenspflicht en, insbesondere der Einreichung der Steuererklärung, nicht nach – oder können die Steuerfak toren mangels zuverlässiger Unterla- gen nicht einwandfrei ermittelt werden – nimmt die E inschätzungsbehörde gemäss § 106 Abs. 2 i.V.m. § 109 Abs. 5 StG die Einschätzung der Steuerfakt oren nach pflichtgemässem Ermessen vor (vgl. K RISTIAN A. MEIER , in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steue rgesetz des Kantons Basel-Landschaft, Basel 2004, N 7 ff. zu § 1 06). Gemäss § 122 Abs. 2 StG kön- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen die Steuerpflichtigen eine solche Ermessensveranlag ung nur wegen offensichtlicher Un- richtigkeit anfechten. Fehlt es an einer solchen Begrün dung, ist auf die Einsprache nicht einzu- treten (vgl. THOMAS ZIEGLER , Kommentar StG, a.a.O., N 28 zu § 122). 6. In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Beschw erdeführer bei der Steuerverwal- tung eine Steuererklärung eingereicht haben. 6.1 Die Beschwerdeführer stellen sich auf den Standpunkt , die Steuererklärung fristgerecht eingereicht zu haben. Ihr Steuerberater habe die Ste uererklärung 2015 samt Belegen am 22. September 2016 elektronisch und per Post an die Ste uerverwaltung versandt, was am auf dem Quittungsblatt aufgedruckten Datum zu erkennen sei . Wenn die Sendung nicht eingetrof- fen sei, hätte sie die Steuerverwaltung auf diesen Umst and aufmerksam machen und ihnen Gelegenheit zur Nachholung gewähren müssen. Im Übrigen gebe es keine gesetzliche Pflicht, die Steuererklärung eingeschrieben zu senden. Die Steuer verwaltung bestreitet, dass die Steu- ererklärung bei ihr eingegangen ist. 6.2 Der Nachweis der (fristgerechten) Einreichung der S teuererklärung obliegt der steuer- pflichtigen Person (vgl. M EIER , a.a.O., N 8 zu § 102). In dieser Hinsicht verweisen d ie Be- schwerdeführer einzig auf das auf den 22. September 201 6 datierte Quittungsblatt der elek- tronischen Steuererklärung. Mit dieser Quittung vermögen sie aber nicht zu beweisen, dass das entsprechende Papier per Post an die Steuerverwaltung gesendet wurde. Entgegen ihrer Auf- fassung wird von ihnen nicht faktisch verlangt, die Steuer erklärung eingeschrieben zu versen- den. Das Gesetz sieht in § 106 Abs. 1 StG ausdrücklich vor , dass ihnen die Steuerverwaltung den Nichterhalt der Steuererklärung anzeigt und sie ab mahnt, wie das auch im vorliegenden Fall mit Schreiben vom 6. Oktober 2016 geschehen ist. M it Erhalt dieser Mahnung hätte ihnen bewusst werden müssen, dass der Postversand der Steuererkl ärung höchstwahrscheinlich misslungen war. Wurde die fragliche Steuererklärung nä mlich bereits am 22. September 2016 bei der Post aufgegeben, dann hätte sie selbst mit B-Po st am 6. Oktober 2016 längstens bei der Steuerverwaltung eingetroffen sein müssen. Gemäss ihren Angaben hat sich ihr damaliger Vertreter nach Erhalt der Mahnung denn auch am 10. Okt ober 2016 bei der Steuerverwaltung telefonisch nach dem Eingang der Steuererklärung erkun digt. Die Steuerverwaltung habe ihm im Rahmen seiner Nachfrage mitgeteilt, dass noch keine Steuererklärung im System registriert worden sei, dass aber die Möglichkeit bestünde, dass di e Steuererklärung eingegangen, aber noch nicht bearbeitet worden sei. Unter diesen Umständen durften die Beschwerdeführer offen- sichtlich nicht untätig darauf vertrauen, dass die Steuerverwaltung ihre Steuererklärung erhalten hatte. Es wäre ihnen ein Einfaches gewesen, die Steuer erklärung sicherheitshalber erneut ein- zureichen. Da die Beschwerdeführer den Nachweis der fristgerechten Eingabe per Post nicht zu erbringen vermögen, tragen sie die Folgen der Beweislo sigkeit. Die Beschwerdeführer haben folglich für das Jahr 2015 keine Steuererklärung eingereicht. 6.3 Weiter ist zu prüfen, ob die am 22. September 201 6 elektronisch ausgefüllte und übermittelte Steuererklärung an diesem Ergebnis etwas ä ndert. Im Kanton Basel-Landschaft steht den Steuerpflichtigen die Möglichkeit offen, die Steuererklärung elektronisch zu erfassen und zu übermitteln (vgl. M EIER , a.a.O., N 6 f. zu § 101). Wie unter anderem der Er klärung auf Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Quittungsblatt zur elektronischen Steuererklärung zu entnehmen ist, beharrt die Steuer- verwaltung des Kantons Basel-Landschaft bei der elektron ischen Übermittlung der Steuererklä- rung auf der Eingabe des persönlich unterzeichneten Quit tungsblattes (ebenso die Informatio- nen auf der Internetseite der Steuerverwaltung, "FAQ" auf www.easytax.bl.ch; vgl. Vernehmlas- sung der Steuerverwaltung vom 22. Dezember 2017). Nac h dem klaren Wortlaut von §101 Abs. 2 StG stellt die persönliche Unterzeichnung des St euererklärungsformulars ein eigenstän- diges Element der Steuerdeklarationspflicht dar (vgl. MEIER , a.a.O., N 18 zu § 101). Da auf die persönliche Unterzeichnung der Steuererklärung nicht verzi chtet werden kann, gilt die elektro- nisch ausgefüllte Steuererklärung erst dann als eingegang en, wenn das Quittungsblatt unter- zeichnet und fristgerecht bei der Steuerverwaltung ein gereicht worden ist (vgl. O LIVER MARGRAF , Persönliche Unterzeichnung der Steuererklärung?, in: StR 72/2017, S. 552 ff.; MARTIN ZWEIFEL /SILVIA HUNZIKER , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteue r, 3. Aufl., Basel 2017, N 43a zu Art. 124). Nach unbestrittener Darstellung der Beschwerdeführer wurde die Steuererklärung am 22. September 2016 elektronisch ausgefüllt und übermitt elt. Allerdings haben die Beschwerde- führer der Steuerverwaltung zu keinem Zeitpunkt ein Qu ittungsblatt eingereicht. Somit ist fest- zustellen, dass die Steuererklärung zwar elektronisch über mittelt wurde, ohne Eingabe des Quittungsblattes jedoch als nicht eingereicht zu gelten hat. 6.4 Allenfalls liesse sich fragen, ob die Steuererklärung 2015 im vorliegenden Fall als un- vollständig zu werten sei, weil einzig das Quittungsblat t mit der Unterschrift fehlte. Wird die Steuererklärung in diesem Sinne mangelhaft eingereic ht, ist der steuerpflichtigen Person eine Frist zur Nachbesserung anzusetzen (§ 105 StG). Die Auffo rderung zur Vervollständigung hat dabei die vorzunehmenden Mitwirkungshandlungen zu bezeic hnen (M EIER , a.a.O., N 5 zu § 105). In ihrer Vernehmlassung erklärt die Steuerverw altung, dass das Einreichen des unter- zeichneten Quittungsblattes für den Zugriff auf die ele ktronisch übermittelte Steuererklärung zwingend notwendig sei. Erst durch das Einlesen des Bar codes auf dem Quittungsblatt könne die Steuerverwaltung intern Zugang zu den elektronisch übermittelten Steuerdaten erhalten. Vorliegend habe die Steuerverwaltung keine Kenntnis vo m Inhalt der elektronisch übermittelten Steuererklärung erlangen können. Da die Steuerverwaltu ng ohne unterzeichnetes Quittungs- blatt aus technischen Gründen keinerlei Informationen über den Inhalt der elektronisch übermit- telten Steuererklärung hatte, konnte sie auch nicht e rkennen, dass offenbar lediglich das unter- zeichnete Quittungsblatt fehlte. Sie war deshalb nicht verpflichtet, die Beschwerdeführer zur Ergänzung ihrer Steuererklärung anzuhalten. 6.5 Nach dem Gesagten wurden die Beschwerdeführer zu Rec ht nach § 106 StG amtlich eingeschätzt. 7. Zu prüfen bleibt somit, ob die Steuerverwaltung a uf die Einsprache hätte eintreten müssen. 7.1 Gemäss § 122 Abs. 2 StG können die Steuerpflichtigen eine Ermessensveranlagung im Sinne von § 106 StG nur wegen offensichtlicher Unri chtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen und allfällige Beweismittel sind zu benen nen. Sowohl der kantonale als auch der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bundesgesetzgeber sehen dabei eine qualifizierte Begründ ungspflicht vor. Die Erfordernisse der Begründung und die Nennung der Beweismittel stell en bei der Einsprache gegen eine Er- messensveranlagung Prozessvoraussetzungen dar (vgl. BGE 131 I I 548 E. 2.3; Urteile des Bundesgerichts 2C_910/2016 vom 20. März 2017 E. 3.2.3 u nd 2C_554/2013 vom 30. Januar 2014 E. 2.5; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verf assungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 6. Januar 2016 [810 15 173/175] E. 3.1). Feh lt es an einer solchen Begründung, ist auf die Einsprache nicht einzutreten. Die erhöhten pr ozessualen Anforderungen liegen in der Natur der amtlichen Einschätzung. Da die Steuerverwaltu ng aufgrund des Untersuchungsnot- stands – basierend auf fehlenden oder ungenügenden Unt erlagen – nicht alle Steuerfaktoren genau ermitteln kann, muss sie diese schätzen. Dabei hat sie die Einschätzung anhand von Annahmen und Vermutungen vorzunehmen. Weil eine Erme ssensveranlagung naturgemäss eine gewisse Unschärfe aufweist, ist die Möglichkeit, di ese anzufechten, entsprechend einge- schränkt bzw. muss die Einsprache erhöhten prozessualen Anford erungen genügen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_910/2016 vom 20. März 2017 E. 3.2.3). Dabei haben die Steuerpflichti- gen nachzuweisen, dass die Ermessensveranlagung nicht den tatsächlichen Verhältnissen ent- spricht. Mittels umfassendem Unrichtigkeitsnachweis haben di e Steuerpflichtigen die bisher vorhandene Ungewissheit hinsichtlich des Sachverhalts zu bese itigen. Der Nachweis muss nach dem Gesagten den gesamten von der Ermessensveranlagung betroffenen Teil der Veran- lagungsverfügung umfassen, Teilnachweise genügen dage gen grundsätzlich nicht. Das pau- schale Bestreiten einer Ermessensveranlagung und der einz elnen Positionen reichen folglich nicht aus, um die Einsprache zu begründen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_509/2015 vom 2. Februar 2016 E. 6.1). Nach bundesgerichtlicher Rechts prechung ist das Nachreichen einer bisher nicht vorgelegten Steuererklärung keine Gültigkeitsvoraussetzung der Einsprache, sofern die offensichtliche Unrichtigkeit der Ermessensveranlagung auch ohne Nachreichen der Steu- ererklärung dargetan werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_307/2013 vom 28. Juni 2013 E. 2.3.2 m.w.H.). 7.2 Die Beschwerdeführer machen geltend, sie hätten si ch im Zeitpunkt der Einsprache in einem Irrtum befunden, indem sie angenommen hätten, dass die Steuererklärung bei der Steu- erverwaltung eingegangen sei und lediglich einzelne Be lege gefehlt hätten. Aus diesem Grund hätten sie in ihrer Einsprache auch nur diejenigen Be lege eingereicht, von denen sie dachten, dass sie in der Ermessensveranlagung unberücksichtigt gebli eben seien. Vor diesem Hinter- grund werfen die Beschwerdeführer der Steuerverwaltu ng sinngemäss ein überspitzt formalisti- sches Verhalten vor. 7.3 Das Steuergericht erwog, die Beschwerdeführer hätte n nach Erhalt der letzten Mah- nung vom 6. Oktober 2016 erkennen müssen, dass die Steu erverwaltung die Steuererklärung nicht erhalten habe. Es wäre zudem – so das Steuergerich t weiter – nach der erfolgten amtli- chen Einschätzung ein geringer Aufwand gewesen, eine Ko pie der Steuererklärung samt Beila- gen und einer kurz formulierten Einsprache einzureichen. Dies zeige sich auch dadurch, dass die Beschwerdeführer im Rahmen des Rekurses vor Steuerger icht ein ausgefülltes Exemplar der Steuererklärung 2015 samt Belegen eingereicht hät ten. Im vorliegenden Fall habe die amt- liche Einschätzung ihre Ursachen darin, dass die Beschwerd eführer trotz letzter Mahnung vom 6. Oktober 2016 die Steuererklärung 2015 nicht innert Frist eingereicht hätten. In der Einspra- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht che gegen die darauf ergehende amtliche Einschätzung mü sse der Sachverhalt in substantiier- ter Weise dargelegt werden und es seien die Beweismitt el für die Sachverhaltsdarstellungen zu nennen, was vorliegend unterblieben sei. Das Einreichen einzelner Belege wie der Aufstellung zur Steuerausscheidung, eines Lohnausweises, der Aufstellu ng über die Mitarbeiterbeteiligun- gen, einer Vorsorgebescheinigung sowie Kontoauszügen reiche nicht aus, um als der Steuerer- klärung gleichwertige Sachverhaltsdarstellung zu gelten . Auch als Erklärung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der gemachten Angaben könnten die wenigen der Einsprache beigelegten Unterlagen nicht herangezogen werden. Folglich sei der Unrichtigkeitsnachweis der amtlichen Einschätzung nicht erbracht worden, weshalb die Steuerver waltung zu Recht nicht auf die Ein- sprache eingetreten sei. 7.4 Zusammen mit der achtzeiligen Einsprache reichten die Beschwerdeführer der Steuer- verwaltung diverse Belege ein. Aus der Einsprachebegrün dung geht sinngemäss hervor, dass nach Auffassung der Beschwerdeführer das amtlich eingesc hätzte Einkommen des Beschwer- deführers nicht mit dessen Lohnausweis übereinstimmte und dass sie Abzüge für die 3. Säule sowie die Kosten für die auswärtige Verpflegung berücksich tigt haben wollten. Der Steuerver- waltung ist darin beizupflichten, dass die Einsprache damit nicht den strengen Substantiierungs- und Beweisanforderungen des Einspracheverfahrens entsprach. Da der Steuerverwaltung zu keinem Zeitpunkt eine Steuererklärung eingereicht word en war, konnte diese anhand der weni- gen Belege den steuerbegründenden Sachverhalt nicht zuverlässig ermitteln bzw. nachvollzie- hen. Wie die im nachfolgenden Rekursverfahren eingerei chten Unterlagen zeigen, war ihre Sachverhaltsdarstellung zudem auch unvollständig. Wenn si ch die Beschwerdeführer auf ein Missverständnis berufen, weil sie fälschlicherweise angenomme n hätten, es fehlten lediglich einzelne Belege, so haben sie diese Fehleinschätzung und deren Folgen selbst zu verantwor- ten. Die Beschwerdeführer durften nach Erhalt der Ve ranlagungsverfügung nicht blind darauf vertrauen, dass die Steuerverwaltung Zugriff auf ihre e lektronisch eingereichten Belege hatte. Schon aus den Bemerkungen zur Veranlagung lässt sich unschwe r erkennen, dass der Steuer- verwaltung überhaupt keine von den Beschwerdeführern ein gereichte Belege vorlagen (z.B. Erwerbseinkommen "gemäss Lohnmeldung", Wertschriftenertra g "Annahme", Eigenmietwert "gemäss Vorjahr", Wertschriften "Annahme"). Die fachku ndig vertretenen Beschwerdeführer hätten auch wissen müssen, dass die amtliche Einschätzung nur noch wegen offensichtlicher Unrichtigkeit bzw. mit umfassendem Unrichtigkeitsnachweis a ngefochten werden konnte, wo- rauf sie die Rechtsmittelbelehrung ausdrücklich hinwies. Z u diesem Zeitpunkt wäre es ihnen noch möglich gewesen, die amtliche Einschätzung mittels E inreichung eines unterzeichneten Ausdrucks der vollständigen elektronischen Steuererklärung bzw. mittels Nachreichen der Steuererklärung mitsamt allen notwendigen Belegen auf Papier abzuwenden. Folglich ist mit der Steuerverwaltung festzuhalten, dass die wenigen mit der Einsprache eingereichten Belege nicht ausreichten, um die tatsächlichen Steuerfaktoren n achzuweisen bzw. um auf das tatsäch- liche Einkommen und Vermögen der Beschwerdeführer zu schl iessen, weshalb es im Ein- spracheverfahren an einer Prozessvoraussetzung fehlte. Das Steuergericht hat den Nichteintre- tensentscheid der Steuerverwaltung zu Recht geschützt. Die Beschwerde erweist sich als un- begründet und ist abzuweisen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- den unterliegenden Beschwerde- führern aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in derselben Höhe zu verrech- nen. Die Parteikosten sind ausgangsgemäss wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.