B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6869/2019 U r t e i l v o m 2 3 . J a n u a r 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher; Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 22. November 2019 / N (…). E-6869/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Im Rahmen der Familienzusammenführung mit ihrem Ehemann ge- langte die Beschwerdeführerin am 24. November 2016 in die Schweiz und erhielt in der Folge eine kantonale Aufenthaltsbewilligung. Am 12. Dezember 2016 stellte sie ein Asylgesuch und wurde am 7. August 2017 zu ihren Asylgründen angehört. Dabei gab sie im Wesentlichen an, sie sei eritreische Staatsangehörige der Ethnie (…) und im Dorf B._______ aufgewachsen, wo sie bis zu ihrer Ausreise gelebt habe. Die Schule habe sie in der (…) Klasse abgebrochen und danach ihrem Vater (…) geholfen. Eines Tages habe jemand von der Verwaltung ein Aufgebotsschreiben für den Militärdienst bei ihrer Familie zu Hause vorbeigebracht. Sie glaube, sie habe das Aufgebot im Jahr 2016 (sic) erhalten. Sie habe Angst bekommen und habe sich zunächst bei ihrer Schwester und danach an verschiedenen Orten versteckt, bevor sie im (…) 2015 C._______ ausgereist sei. Weil die Soldaten sie nicht gefunden hätten, sei ihre Mutter mitgenommen worden, um sie dazu zu bringen, sich zu stellen. C._______ habe sie zunächst bei einer Cousine gewohnt, bis diese ausgewandert sei. Über Facebook habe sie dann ihren Ex -Mann kennengelernt. Er habe ihr einen Heiratsantrag gemacht, sie hätten im (…) 2016 C._______ geheiratet und sie habe da- nach in die Schweiz kommen können. A.b Am (…) 2018 wurde die Ehe der Beschwerdeführerin geschieden, wo- raufhin das zuständige Migrationsamt ihre Aufenthaltsbewilligung wieder- rief. B. B.a Mit Verfügung vom 17. Juli 2019 lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. B.b Dagegen liess d ie Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsge- richt Beschwerde erheben. Diese wurde mit Urteil E -4150/2019 vom 16. September 2019 gutgeheissen und die Sache zur vertieften Abklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. C. Am 8. November 2019 wurde die Beschwerdeführerin erneut, nun in ihrer Muttersprache, angehört . Dabei gab sie im Wesent lichen den gleic hen Sachverhalt wie anlässlich der ersten Anhörung zu Protokoll. Sie habe die E-6869/2019 Seite 3 Schule bis zur (…) Klasse besucht, danach, im Jahr 2014, eine Vorladung für den Militärdienst erhalten, ihre Mutter sei zweimal inhaftiert worden. Sie habe sich zunächst (…) und danach bei ihrer Schwester versteckt , bevor sie C._______ ausgereist sei. D. Mit Verfügung vom 22. November 2019 stellte die Vorinstanz fest, die Be- schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asyl- gesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Weg- weisungsvollzug an. E. Dagegen liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter am 24. Dezember 2019 Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuheben. Es sei die Flüchtlingseigen- schaft der Beschwerdeführerin festzustellen und die Vorinstanz anzuwei- sen, ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei die unent- geltliche Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses zu verzichten und der Beschwerdeführerin lic. iur. LL.M. Tarig Hassan als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. F. Am 30. Dezember 2019 bestätigte der Instruktionsrichter den Eingang der Beschwerde und hielt fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG E-6869/2019 Seite 4 ins AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeichnung verwendet. 1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde un d entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zw eiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde a uf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-6869/2019 Seite 5 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religi on, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 3 AsylG) so- wie Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Ve rhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind (Art. 3 Abs. 4 AsylG), wobei die Einhaltung des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die R echtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt. 4.2 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per- son erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfol gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten ins- besondere unerwünschte exilpolitische Betätigungen, illegales Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder die Einreichung eines Asylge- suchs im Ausland, we nn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung be- gründen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1; 2009/28 E. 7.1). Personen mit subjek- tiven Nachfluchtgründen erhalten gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; zu den praxisgemässen An- forderungen an das Glaubhaftmachen vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). E-6869/2019 Seite 6 5. 5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führt die Vorinstanz aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien äusserst vage und un- substantiiert geblieben. Ihre Schilderungen zum Erhalt und Inhalt der Vor- ladung und d er Zeit ihres Versteckens seien sehr allgemein ausgefallen und hätten sich auch nach wiederholter Nachfrage in wenigen kurzen, ste- reotypen Sätzen erschöpft. Es sei kein klares Bild der Ereignisse entstan- den und den Schilderungen habe auch bei intensiven un d einschneiden- den Erlebnissen der persönliche Bezug weitgehend gefehlt. Damit erwie- sen sich die Vorbringen als nicht glaubhaft. In Bezug auf die eingereichte Kopie der Vorladung sei festzuhalten, dass Kopien kein Beweiswert zu- komme und solche Dokumente leicht fälschbar seien oder käuflich erwor- ben werden könnten. Zudem sei der Übersetzung der Vorladung zu ent- nehmen, dass sie aufgefordert worden sei, sich im Verwaltungsbüro in D._______ einzufinden, um ein Gewehr abzuholen. Dem Schreiben sei nicht zu entnehmen, dass sie für den Militärdienst einberufen worden sei, wie ihr dies ihre Mutter gesagt haben soll. Die Beschwerdeführerin habe lediglich mehrfach den gleichen Sachverhalt wiederholt, ohne eigenpsychi- sche Überlegungen und Vorgänge wiederzugeben. Es überr asche insbe- sondere, dass sie sich nicht näher mit der Situation ihrer Mutter befasst habe, zumal diese ihretwegen in Haft gewesen sei. Auch die Angaben zur angeblichen illegalen Ausreise seien knapp und wenig gehaltvoll ausgefal- len und hätten keine Realkennzeichen oder subjektive Färbungen enthal- ten. Es sei nicht davon auszugehen, dass sie in der Heimat nennenswerte Probleme mit den Behörden gehabt habe, hätte in den Militärdienst einge- zogen werden sollen und einem militärischen Aufgebot keine Folge geleis- tet habe. Da die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge- mäss Art. 7 AsylG nicht standhielten, könne auf die Prüfung der Asylrel e- vanz verzichtet werden. Weiter erachtete die Vorinstanz die Wegweisung für rechtmässig und den Vollzug für zulässig, zumutbar und möglich. 5.2 5.2.1 In der Beschwerde wird zunächst vorgebracht, die Beschwerdefüh- rerin sei aufgrund der Trennung in einer schwierigen Lebensphase, sei sehr mitgenommen und habe sich deswegen anlässlich der zweiten Anhö- rung in einer sehr schlechten psychischen Verfassung befunden. Auch die während der Anhörung anwesende Hilfswerksvertreterin habe vermerkt, die Beschwerdeführerin habe gedanklich abwesend gewirkt und auf dem Weg in die Pause gesagt, sie könne sich wegen der Trennung von ihrem Mann nicht konzentrieren. Der Gesundheitszustand sei bei der Würdigung der Vorbringen zu berücksichtigen. Die Lektüre des Anhörungsprotokolls E-6869/2019 Seite 7 mache deutlich, dass die Beschwerdeführerin allgemein (auch auf nicht asylrelevante Tatsachen) sehr knappe und kurze Antworten gebe, dies mit- hin ihr Antwortstil sei. Damit seien die kurzen Ausführungen nicht Indizien für deren Unglaubhaftigkeit, sondern Ausdruck des schlechten psychi- schen Zustandes. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz seien deshalb ihre asylrelevanten Schilderungen zum Aufgebot zum Militärdienst, ihrem Ver- stecken, der Inhaftierung der Mutter und der illegalen Ausreise nicht als konstruiert zu erachten. Sie habe die Vorbringen zwar etwas knapp, aber widerspruchsfrei und plausibel darzulegen vermocht. 5.2.2 Was die Vorladung zum Militärdienst betreffe, wobei die Vorinstanz geltend mache, es gehe beim konkreten Schreiben lediglich um das Abho- len einer Waffe, verkenne sie, dass es in Eritrea üblich, sei als junge Frau oder junger Mann in den Militärdienst aufgeboten zu werden. Unter Berück- sichtigung der Situation in Eritrea sei es richtig, wenn die Beschwerdefüh- rerin annehme, die Aufforderung, ein Gewehr abzuholen, komme einem Aufgebot zum Militärdie nst gleich. Sie habe dieses Schreiben von der Stadtverwaltung D._______ erhalten, was dem üblichen Prozedere der Rekrutierung bei Schulabbrecherinnen entspreche. Der Umstand, dass solche Dokumente leicht fälschbar seien, dürfe nicht der Beschwerdefüh- rerin zur Last gelegt werden. Die Vorinstanz habe keine konkreten Anhalts- punkte genannt, die für eine Fälschung sprächen. 5.2.3 Den Erwägungen der Vorinstanz sei weiter entgegenzuhalten, dass die Schilderungen der Beschwerdeführerin sehr wohl Realkennzeichen und subjektive Färbungen enthielten (Bericht von geschwollenen Füssen und Angst auf der Flucht). Die Vorinstanz habe die Beweisregel von Art. 7 AsylG zu restriktiv gehandhabt. Die Beschwerdeführerin habe die zentra- len asylrelevanten Vorbringen widerspruchsfrei dargelegt. Ihre Furcht vor einem Einzug in den eritreischen Militärdienst sei begründet. 5.2.4 Im Falle einer Rückkehr würde sie flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt. Insbesondere drohe ihr eine Reflexverfolgung. Sie habe C._______ einen Pass beantragt, um ihren in der Schweiz als Flücht- ling anerkannten Ex-Ehemann zu ehelichen. Es könne davon ausgegan- gen werden, dass die heimatlichen Behörden über diesen Eheschluss Be- scheid wüssten. Bei einer Rückkehr wäre sie nun gefährdet, Opfer von Re- flexverfolgung zu werden, obwohl sie inzwischen getrennt seien. E-6869/2019 Seite 8 5.2.5 Schliesslich stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Stan dpunkt, die illegale Ausreise sei glaubhaft und stelle einen subjektiven Nachflucht- grund dar. Unabhängig davon, ob ihre Vorbringen und die illegale Ausreise als glaubhaft betrachtet würden, drohe ihr bei einer Rückkehr nach Eritrea eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe. Die bevorstehende Einberufung in den Militärdienst stelle zudem eine Verletzung von Art. 4 EMRK dar. 6. 6.1 Die Vorinstanz hat zu R echt festgestellt, dass die Angaben der Be- schwerdeführerin vage und unsubstantiiert ausgefallen sind und somit kein klares Bild der Erlebnisse entstanden ist. Auf Beschwerdeebene wird zwar zu Recht der Einwand erhoben, dass die Beschwerdeführerin auf jegliche Fragen kurz und knapp geantwortet hat, dies mithin ihr Antworts til sein dürfte. Dennoch erwecken ihre Schilderungen, die sich bar jeglicher Details oder Realitätskennzeichen präsentieren, nicht den Eindruck , als hätte die Beschwerdeführerin von ei genen Erlebnissen berichtet. Dies lässt sich auch nicht mit der schlechten psychischen Verfassung durch die Trennung vom Ehemann, welche aktenkundig bereits im (…) 2017 (Scheidungsurteil vom […] 2018) stattgefunden hat, erklären. Es kann auch von einer psy- chisch belasteten Person erwartet werden, dass sie mit einem gewissen Detailreichtum über eigene Erlebnisse berichtet. Die Beschwerdeführerin wurde wiederholt dazu angehalten, ausführlich zu erzählen. Ihre Antworten blieben jedoch oberflächlich und es konnte keine substantiierte Darstellung der Ereignisse erreicht werden. Was die Vorladung zum Abholen einer Waffe betrifft, welche lediglich in Kopie vorliegt, lieferte die Beschwerde- führerin keine plausible Erklärung dafür, weshalb sie das Original nicht ein- reichen kann. Damit kommt auch das Gericht zum Schluss, dass die Schil- derungen der Fluchtgründe unglaubhaft geblieben sind. 6.2 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie wäre bei einer Rückkehr von einer Reflexverfolgung aufgrund ihres Ex -Ehemannes bedroht, er- scheint dies nicht wahrscheinlich. Der Ex-Ehemann der Beschwerdeführe- rin ist bereits im (…) 2007 in die Schweiz eingereist. Damals war die Be- schwerdeführerin selbst erst (…) Jahre alt, sie hat ihren Ex-Ehemann noch gar nicht gekannt und zudem stammen die beiden auch nicht aus demsel- ben Dorf. Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass die eritreischen Be- hörden bei der Rückkehr der Beschwerdeführerin eine Verbindung zwi- schen ihr und ihrem Ex-Ehemann herstellen und sie wegen ihm behelligen würden. E-6869/2019 Seite 9 6.3 Ferner vermag die in der Beschwerde vorgebrachte Kritik an der aktu- ellen Rechtsprechung des Gerichts zu Eritrea daran nichts zu ändern. Die Ablehnung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin erfolgte demnach zu Recht. 7. 7.1 Im Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 kam das Bundes- verwaltungsgericht nach einer eingehenden quellengestützten Lageana- lyse zum Schluss, dass nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrele vante Verfolgung drohe. Nicht asylrelevant sei auch die Möglichkeit, dass jemand nach der Rückkehr in den National - dienst eingezogen werde; ob eine drohende Einziehung in den National - dienst unter dem Blickwinkel von Art. 3 und Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betreffe die Frage der Zulässigkeit bzw. Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs. Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritrei- schen Kontext bedürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher An- knüpfungspunkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (E. 5.2). 7.2 In Anbetracht dieser Rechtsprechung kann die Frage nach der Glaub- haftigkeit der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten illegalen Ausreise offen bleiben. Wie bereits ausgeführt, sind die Aussagen der Be- schwerdeführerin im Zusammenhang mit der Vorladung zur Entgegen- nahme einer Waffe unglaubhaft. Die Beschwerdeführerin kann sich mithin nicht darauf berufen, von den eritreischen Behörden vor ihrer Ausreise ge- sucht worden zu sein. Soweit sie vorbringt, die Geschwister ihrer Mutter würden der Pfingstgemeinde angehören, ist auch dieses Vorbringen un- substantiiert geblieben. Andere Anknüpfungspunkte, welche die Beschwer- deführerin in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten beziehungsweise zu einer Schärfung ihres Pro- fils und dadurch zu einer flüchtlingsrelevanten Verfolgungsgefahr führen könnten, sind aus den Akten nicht ersichtlich. Fo lglich begründet ihre an- geblich illegale Ausreise keinen subjektiven Nachfluchtgrund. Die Vo r- instanz hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh- rerin verneint. E-6869/2019 Seite 10 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführerin verfüg t weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.) 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 9.2 9.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Vorliegend kommt der Beschwerdeführerin keine Flücht- lingseigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend- bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich v ielmehr nach den allge- meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 9.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand- lung unterworfen werden. 9.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht klärte im Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/4 die Frage der Z ulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei dro- hender Einziehung in den eritreischen Nationaldienst unter den Aspekten des Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK), des Folterverbots und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK). Das Bund esverwaltungsgericht stellte fest, die Bemessung der Dienst- dauer und die Gewährung von Urlauben im eritreischen Nationaldienst E-6869/2019 Seite 11 seien für die Einzelperson kaum vorhersehbar. Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich nicht genau beziffern, auszugehen sei jedoch da- von, dass sie zwischen fünf und zehn Jahre betrage und in Einzelfällen darüber hinausgehen könne. Die Lebensbedingungen gestalteten sich so- wohl in der Grundausbildung als auch im militärischen und im zivilen Nati- onaldienst schwierig; der Nationaldienstsold reiche kaum aus, um den Le- bensunterhalt zu decken. Darüber hinaus komme es im eritreischen Natio- naldienst – insbesondere in der Grundausbildung und im militärischen Na- tionaldienst – zu Misshandlungen und sexuellen Übergriffen. Die Bedin- gungen im Nationaldienst seien folglich grundsätzlich als Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die Annahme der Unzu- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs reiche diese Einschätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch die Einziehung in den eritreischen Nationaldienst das ernsthafte Risiko einer schwerwiegen- den Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, mithin der Kerngehalt dieser Bestimmung verletzt würde. Eine solche Situation liege indessen nicht vor. Nicht erstellt sei zudem, dass die berichteten Misshandlungen und sexuellen Übergriffe derart systematisch stattfänden, dass jede Natio- naldienstleistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften Ri- siko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden (vgl. a.a.O. E. 6.1, insbes. 6.1.5). 9.2.4 Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) müsste die Beschwerdeführerin mit Blick auf Art. 3 EMRK eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer R ückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung dro- hen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Im BVGE 2018 VI/4 wurde diesbezüglich ausgeführt, dass keine hinreichenden Belege dafür existieren, Misshandlungen und sexuelle Übergriffe würden im National- dienst derart flächendeckend stattfinden, dass jede Dienstleistende und je- der Dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher kein ernsthaftes Risiko einer Ver- letzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritreischen Na- tionaldienst (vgl. E. 6.1.6). 9.2.5 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. De r Wegweisungsvollzug ist folglich als zulässig zu betrachten. E-6869/2019 Seite 12 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 9.3.2 Nach aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise ei- ner generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge gangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Be- reichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwie- rig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zu- gang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfang- reichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevöl- kerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung aus- gegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Fakto- ren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D -2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 9.3.3 Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine junge aktenkun- dig gesunde Frau. Ihre Grosseltern, die Eltern und einige ihrer Geschwister leben weiterhin in Eritrea. Diese könnten sie bei ihrer Rückkehr unterstüt- zen. In finanzieller Hinsicht kann sie möglicherweise auch auf ihre im Aus- land lebenden Geschwister zählen. Sie hat angegeben, ihr Vater arbeite und bestreite den Lebensunterhalt für die Familie. Vor ihrer Ausreise hat die Beschwerdeführerin die Schule bis zur (…) Klasse besucht und danach ihrem Vater (…) geholfen. Es ist davon auszugehen, dass sie erneut be i ihren Eltern unterkommen kann, weshalb sie nicht in eine existenzielle Not- lage geraten dürfte. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 9.4 Die Beschwerdeführerin verfügt über einen gültigen Reisepass. Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr E-6869/2019 Seite 13 steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Weg- weisungsvollzugs entgegen. Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG). 10. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fäll t somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsverbeistän- dung (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG und aArt. 110a AsylG) sind unbesehen der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin abzuweisen, da die Be- schwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu be- zeichnen ist und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zu deren Gewährung fehlt. 12.2 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) E-6869/2019 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsv er- beiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: David R. Wenger Evelyn Heiniger