Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. Februar 2020 (810 19 220) ____________________________________________________________________ Erziehung und Kultur Transportkostenentschädigung für den Schulweg Besetzung Vorsitzender Niklaus Ruckstuhl, Kantonsrichter Stef an Schulthess, Hans Furer , Daniel Häring, Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichts- schreiberin i.V. Noëmie Schär Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Sandor Hor- vath, Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Transportkostenentschädigung für Schulweg (RRB Nr. 1009 vom 13. August 2019) A. C.____ und D.____ (geb. 2006) wohnen zusammen mit ihren Eltern A.____ und B.____ ausserhalb des Dorfes E.____, und besuchten im Schuljahr 2018/2019 die 7. Klasse. Ihr Schulweg führt über eine Distanz von 2.55 km bei ei ner Höhendifferenz von 180 m vom Wohnsitz der Familie zur nächstgelegenen Bushaltestelle "F.____" (Bushaltestelle) und von dort mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins rund 10 km ent fernte Schulhaus "G.____" in der Ge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht meinde H.____ (Sekundarschulhaus). Den Transport der Kinder zwischen dem Wohnhaus der Familie und der Bushaltestelle übernehmen die Eltern mit ihrem Privatauto. B. Am 3. März 2019 ersuchten A.____ und B.____ bei de r Bildungs-, Kultur- und Sportdi- rektion des Kantons Basel-Landschaft um die Auszahlung ein er Transportkostenentschädigung in der Höhe von Fr. 2'960.--. Begründet wurde das Ge such damit, dass die Töchter den Schul- weg wegen Unzumutbarkeit nicht selber bewältigen könnten. Daher seien einerseits die Kosten für das Umweltschutz-Abonnement (U-Abo) und andererse its die Fahrtkosten bis zur Bushalte- stelle zu entschädigen. C. Mit Entscheid vom 2. Mai 2019 hiess das zuständige Amt für Volksschulen (AVS) das Gesuch teilweise gut. Es verfügte sinngemäss, dass zwischen dem Wohnort und der Bushalte- stelle 70 Rappen pro km vergütet würden, wobei diese Ve rgütung für zwei Fahrten täglich wäh- rend insgesamt 38 Schulwochen an fünf Tagen gesproche n werde. Die daraus resultierenden Gesamtkosten in der Höhe von Fr. 1'356.60 seien vom Kanton Basel-Landschaft zu tragen. Das AVS lehnte es hingegen ab, die Kosten für die U-Abos der beiden Töchter zu übernehmen, da es Schülerinnen der Sekundarstufe I zumutbar sei, zur Bew ältigung ihres Schulwegs die öffent- lichen Verkehrsmittel zu benutzen. D. Am 9. Mai 2019 erhoben A.____ und B.____, nachfo lgend vertreten durch Sandor Horvath, Rechtsanwalt, Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Re- gierungsrat). Es wurde beantragt, die Beschwerde sei g utzuheissen und der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben, wobei für das Schuljahr 2018/ 2019 eine Entschädigung für den Schultransport, bestehend aus einer U-Abo- und Transp ortkostenentschädigung, in der Höhe von Fr. 3'230.55 und für die Schuljahre 2019/2020 un d 2020/2021 je eine in der Höhe von Fr. 3'501.90 auszurichten sei. Es werde zudem vorbehalten, die gestellten Anträge nach Vorlie- gen der Stundenpläne anzupassen. Alles unter o/e-Kostenfolge. E. Mit Beschluss Nr. 1009 vom 13. August 2019 hiess der Re gierungsrat die Beschwerde teilweise gut, sofern darauf eingetreten wurde. Der Kanton Basel-Landschaft wurde angewie- sen, die Transportkosten mit dem Auto vom Wohnort der Familie bis zur Bushaltestelle mit 70 Rappen pro km zu entschädigen. Auch wurde verfügt, d ass diese Transportkostenentschä- digung für acht Fahrten an drei Tagen sowie für vier Fahrten an zwei Tagen während insgesamt 38 Schulwochen entrichtet werde. Für das Schuljahr 201 8/2019 habe der Kanton Basel- Landschaft folglich die anfallenden Kosten in der Höh e von Fr. 2'170.55 zu tragen. Weiter wer- de der vorinstanzliche Entscheid, die Kosten für das U-Ab o nicht zu übernehmen, bestätigt. Im Übrigen wurden den Beschwerdeführenden in solidarischer Verbindung die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.-- auferlegt und dem Rechtsvertre ter wurde eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'198.27 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zugesprochen. F. Dagegen erhoben A.____ und B.____ am 29. August 2 019 Beschwerde beim Kan- tonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht), und beantragten die Gutheissung der Beschwerde. Auch sei der regierungsrätliche Entscheid insofern aufzuheben, als das Kantonsgericht den Beschwerdeführenden für das Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schuljahr 2018/2019 eine U-Abo-Entschädigung in der H öhe von Fr. 1'060.-- zuzusprechen habe. Weiter sei die vorinstanzliche Verlegung der Ver fahrenskosten aufzuheben und dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden eine Parteient schädigung von Fr. 2'342.70 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) auszurichten. Alles unter o/e-Kostenfolge. Begründet wurde der Anspruch auf Entschädigung für die beiden U-Abos im Wesentlichen mit dem verfassungs- rechtlichen Anspruch auf unentgeltlichen Grundschulunterr icht. Unter diesen Anspruch falle auch die Unentgeltlichkeit des Schulwegs, weshalb die G esamtkosten in der Höhe von Fr. 1'060.-- für die U-Abos vom Kanton zu entschädige n seien. Die Fahrt mit dem öffentlichen Linienbus sei beiden Töchtern unbestritten zumutbar, d ies habe jedoch keinen Einfluss auf de- ren Anspruch auf einen unentgeltlichen Schulweg. G. Am 25. September 2019 liess sich der Regierungsrat ve rnehmen und schloss auf kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdefüh renden würden insbesondere ver- kennen, dass die Unzumutbarkeit des Schulwegs Grundvoraussetzung sei, um überhaupt einen Anspruch auf Entschädigung geltend machen zu können. Auch betreffe die Frage nach der Vergütung von Transportkosten explizit nicht den Kernber eich der Unentgeltlichkeit des Schul- unterrichts i.S.v. Art. 19 BV. Daher sei es rechtmässig, di e Kosten für die U-Abos der beiden Töchter für die Busfahrten vom Dorf E.____ in die Gemeinde H.____ nicht zu entschädigen. H. Mit Präsidialverfügung vom 30. September 2019 wurd e der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialge setzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Be- schwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 li. c VPO e contrario). 3. Strittig ist, ob der Schulweg ab der Bushaltestelle bis zum Sekundarschulhaus für die Kinder der Beschwerdeführenden, welche im Schuljahr 2018/2019 die 7. Klasse, d.h. die Se- kundarstufe I, besuchten, unter den vorliegenden Umstän den auch bei Benützung der öffentli- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Verkehrsmittel gesamthaft unzumutbar ist und desha lb ein Anspruch auf Übernahme der Transportkosten besteht. 4.1 Art. 19 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid genossenschaft (BV) vom 18. April 1999 gewährleistet einen Anspruch auf ausrei chenden und unentgeltlichen Grund- schulunterricht (vgl. BGE 144 I 1 E. 2.1; BGE 138 I 162 E. 3.1). Das Recht auf Grundschulbil- dung in Art. 19 BV ist ein justiziables, das heisst gegenüber den kantonalen Schulbehörden und vor Gericht durchsetzbares soziales Grundrecht, dessen Inhalt durch Art. 62 BV konkretisiert wird. Nach Art. 62 Abs. 2 BV haben die Kantone für ei nen ausreichenden Grundschulunterricht zu sorgen, welcher allen Kindern offensteht, obligatori sch und an öffentlichen Schulen unent- geltlich ist und staatlicher Leitung und Aufsicht unterst eht. Art. 19 BV begründet den rechtlich durchsetzbaren verfassungsmässigen Individualanspruch auf e ine positive staatliche Leistung im Bildungsbereich (vgl. auch S ÁNDOR HORVÁTH , Der verfassungsmässige Anspruch auf einen zumutbaren Schulweg, in: Schweizerisches Zentralblatt f ür Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl], 108/2007, S. 633 ff., S. 636). Schulpflichtige in di esem Sinne und Träger des Rechtsanspruchs sind Kinder und Jugendliche vom Kindergarten, soweit d ieser obligatorisch ist, bis und mit der Sekundarstufe I (vgl. BGE 140 I 153 E. 2.3.1; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 30. Januar 2019 [810 18 188, 810 18 194, 810 18 196] E. 9.1). Gesetzgebung, Vollzug, Organisation und Finanzierung des Grundschulwesens und damit die Umsetzung der aus Art. 19 BV i.V.m. Ar t. 62 Abs. 2 und 3 BV fliessenden Leis- tungspflichten fallen in den Aufgabenbereich der Kant one, wobei diese die bundesgerichtlichen Minimalanforderungen beachten müssen (J UDITH WYTTENBACH , in: Waldmann/Belser/Empiney [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesverfassung, Basel 2015, Art. 19 N 2). 4.2 Art. 19 BV verankert mit seiner Vorgabe des "ausre ichenden und unentgeltlichen Grundschulunterrichts" einen individualrechtlichen Minimalstandard, welcher von den Kantonen nicht unterschritten werden darf (vgl. H ORVÁTH , a.a.O., S. 636). In den § 94 ff. der Verfassung des Kantons Basel-Landschaft (KV BL) vom 17. Mai 1984 sin d die Grundsätze der Bildung ge- regelt. Nach § 14 Abs. 1 lit. a des Bildungsgesetzes (BiG ) vom 6. Juni 2002 ist der Kanton Trä- ger der Sekundarschule. Damit ist der Kanton Basel-Lan dschaft für die Sicherstellung eines innerkantonalen zumutbaren Schulwegs respektive für di e Unterstützung durch Ergreifung von geeigneten Massnahmen im Falle eines unzumutbaren Schul wegs zuständig und verantwort- lich. 4.3 Bezüglich der räumlichen Zugänglichkeit zum Grundsch ulunterricht ist vom Grundsatz auszugehen, dass der Unterricht am Wohnort der Kinder und Jugendlichen zu erbringen ist (Urteil des Bundesgerichts 2C_561/2018 vom 20. Februar 2019 E. 3.2). Die räumliche Distanz zwischen Wohn- und Schulort darf den Zweck der ausreichen den Grundschulausbildung nicht gefährden (vgl. BGE 133 I 156 E. 3.1). Ist der Schulweg übermässig lang, weist er eine ungüns- tige Topografie auf oder erscheint er als besonders gefährlich, sodass er für die Schulpflichtigen insgesamt unzumutbar ist, begründet dies einen Anspruch auf Unterstützung (vgl. BGE 133 I 156 E. 3.1). Um vor der Mindestgarantie von Art. 19 B V standzuhalten, muss die vom Schulträ- ger gewählte Lösung in jedem Fall gewährleisten, dass d ie Kinder sicher, zuverlässig und zeit- gerecht zur Schule und zurück befördert werden, damit sie am Grundschulunterricht teilnehmen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht können (Urteil des Bundesgerichts 2C_167/2019 vom 15. Juli 2019 E. 2.2). Seiner Beförde- rungspflicht kann er etwa dadurch genügen, dass er den Schulpflichtigen die Billettkosten er- stattet oder einen Schulbus- oder Schultaxidienst einrichtet (KGE VV vom 30. Januar 2019 [810 18 188, 810 18 194, 810 18 196] E. 9.2; KGE VV vom 3 0. Januar 2019 [810 18 2] E. 8.2). Dem Schulträger steht es aber auch zu, die Erziehungsberecht igten zur Besorgung des Schultrans- ports ihrer Kinder heranzuziehen, soweit ihnen der Tra nsport möglich und zumutbar ist und die Kosten erstattet werden (vgl. BGE 140 I 153 E. 2.3.3). 4.4 Die Zumutbarkeit eines Schulwegs bestimmt sich ausschl iesslich nach objektiven Krite- rien, und zwar nach seiner Länge und der zu überwinden den Höhendifferenz, nach der Be- schaffenheit des Weges und den damit verbundenen Gefahre n sowie nach dem Alter und der Konstitution des betroffenen Kindes (vgl. H ERBERT PLOTKE , Schweizerisches Schulrecht, 2. Aufl., Bern 2003, S. 226; Urteil des Bundesgericht s 2P.101/2004 vom 14. Oktober 2004). Diese Kriterien hängen bei der Beurteilung des konkret en Weges zusammen, weshalb eine isolierte Betrachtung in der Praxis weder sinnvoll noch zulässig ist (vgl. H ORVÁTH , a.a.O., S. 648). Das Bundesgericht stellt an die Annahme eine s unzumutbaren Schulweges relativ ho- he Anforderungen (vgl. den ausgewählten Auszug der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei HORVÁTH , a.a.O., S. 646; KGE VV vom 30. Januar 2019 [810 18 188, 810 18 194, 810 18 196] E. 9.3). 4.5 Um zum Sekundarschulhaus zu gelangen, haben die Kind er der Beschwerdeführenden folgenden Schulweg zu bewältigen: Teil 1 betrifft d ie Distanz vom Wohnhaus der Familie zur Bushaltestelle und weist eine Länge von 2.55 km bei einer Höhendifferenz von 180 m auf. Teil 2 besteht aus einer Linienbusfahrt von 14 Minuten von de r Bushaltestelle bis unmittelbar vor das Sekundarschulhaus. Insgesamt beträgt der Schulweg rund 10 km. 4.6 Die Vorinstanz stellte bezüglich der Zumutbarkeit vo n Teil 1 bereits fest, dass die Kin- der der Beschwerdeführenden diesen nicht aus eigener Kraft bewältigen könnten, weshalb eine Entschädigung von 70 Rappen pro km für den Transport d urch die Eltern mit ihrem Privatauto für acht Fahrten an drei Tagen und vier Fahrten an zwe i Tagen während insgesamt 38 Schul- wochen gesprochen wurde. Die Zumutbarkeit des ersten We gteils (Teil 1) ist vorliegend somit nicht mehr strittig und nicht zu beurteilen. Betreffe nd die Zumutbarkeit von Teil 2 erwog die Vo- rinstanz hingegen, dass die Frage der Vergütung von Tran sportkosten nicht zum eigentlichen Kernbereich der Unentgeltlichkeit des Unterrichts gehö re; ist der Schulweg aber unzumutbar, habe das betroffene Gemeinwesen Massnahmen zu ergreife n. Aufgrund der Zusammenlegung der Sekundarschulkreise im Kanton Basel-Landschaft sei das Zurücklegen längerer Schulwege auf der Sekundarstufe I zum Regelfall geworden. Seku ndarschülerinnen und Sekundarschülern könne eine grössere Distanz durchaus zugemutet werden, di es im Gegensatz zu Kindern, die den Kindergarten oder die Primarschule besuchen würden. Der Teil 2 des Schulwegs zwischen der Bushaltestelle und dem Sekundarschulhaus sei den K indern der Beschwerdeführenden durch die Benützung des öffentlichen Verkehrs zumutbar . Vor diesem Hintergrund erweise sich die kantonale Praxis, die Kosten für ein U-Abo nicht zu übernehmen, als vertretbar. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.7 Die Beschwerdeführenden bringen vor, dass Teil 2 des Schulwegs unbestrittenermas- sen nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden könne. Die alleinige Benüt- zung des Linienbusses sei den Kindern der Beschwerdeführenden ebenfalls unbestrittenermas- sen zumutbar. Allerdings gehe die Vorinstanz fälschlich erweise davon aus, dass die Kosten für die Benützung des Linienbusses aufgrund der Zumutbarkeit nicht übernommen werden müss- ten. Die Vorinstanz unterliege hier einem Trugschluss u nd verkenne, dass nicht über die Zu- mutbarkeit des Schulwegs, sondern über die Unentgeltli chkeit desselben zu entscheiden sei. Demzufolge bestehe ein Anspruch auf Kostenübernahme fü r die U-Abos der beiden Kinder in der Höhe von jährlich Fr. 1'060.--. 5.1 In ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundesrats ist aus Art. 19 BV (bzw. Art. 27 Abs. 2 der alten Bundesverfassung vom 29. Mai 1874) ein Anspruch auf Über- nahme der Transportkosten abgeleitet worden, wenn der Schulweg wegen übermässiger Länge oder Gefährlichkeit dem Kind nicht zugemutet werden ka nn (BGE 133 I 156 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 2P.101/2004 vom 14. Oktober 2004, in: ZB I 2005 S. 430 E. 3.1; Verwaltungs- praxis der Bundesbehörden [VPB] 64/2000 Nr. 56 E. 4). Es ist vorab Sache des kantonalen Gesetzgebers, die Voraussetzungen zu bestimmen, unter de nen die Gemeinden einen Trans- portdienst zu organisieren oder Transportkosten ganz od er teilweise zu übernehmen haben (Urteil des Bundesgerichts 2P.101/2004 vom 14. Oktober 2004, in: ZBI 2005 S. 430 E. 3.2). Im Übrigen ergibt sich ein Anspruch auf Übernahme der Tr ansportkosten unmittelbar aus Art. 19 BV, soweit die dazu von der Rechtsprechung entwickelten Voraussetzungen gegeben sind (HORVÁTH , a.a.O., S. 636). Nach § 9 Abs. 1 BiG ist der Unter richt an öffentlichen Schulen des Kantons Basel-Landschaft, wozu auch die Sekundarstufe I zählt, für im Kanton wohnhafte Schülerinnen und Schüler unentgeltlich. Der baselland schaftliche Gesetzgeber hat die Voraus- setzungen, unter welchen ein Anspruch auf unentgeltlic hen Schülertransport besteht, nicht nä- her umschrieben. 5.2 Die Beschwerdeführenden machten den Transportkosten ersatz für die gesamte Stre- cke von ihrem Wohnhaus zum Sekundarschulhaus in der Gemein de H.____ (Teil 1 und 2) gel- tend. Teil 1 des Schulwegs ist vom Beschwerdegegner als u nzumutbar beurteilt und die Kos- tenübernahme der privaten Transportkosten für diesen Tei l sind bewilligt worden. Die Zumut- barkeit des Schulwegs ist vorliegend jedoch nicht nur punktuell bzw. auf einzelne Teilabschnitte beschränkt zu beurteilen, sondern in Bezug auf den ge samten Weg (Teil 1 und 2). Soweit sich der Teil 1 als unzumutbar erweist, ist folglich der Sch ulweg in seiner Gesamtheit (Teil 1 und 2) als unzumutbar zu qualifizieren. Dementsprechend sind zum einen die Kosten für die Transpor- te mit dem privaten Personenwagen der Beschwerdeführen den vom Wohnhaus an die Bushal- testelle und zum anderen die Benützung des öffentlich en Verkehrs von der Bushaltestelle zum Sekundarschulhaus in der Gemeinde H.____ zu entschädigen. 5.3 Die konkrete Höhe der zu entschädigenden Transportkos ten für die Benützung des öffentlichen Linienbusses ist durch das AVS zu beurteilen. Das AVS hat insbesondere den kos- tengünstigsten Ansatz für die Entschädigung zu ermitteln (Einzelbillett, Tageskarten, Mehrfahr- tenkarten, U-Abo etc.) und entsprechend die Höhe der selben festzulegen. Sollte das U-Abo die günstigste Variante darstellen, sei darauf hingewiesen, dass eine Eigenbeteiligung der Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführenden als gerechtfertigt erscheint, zumal das Abonnement ganzjährig und in der Freizeit benutzt werden kann. 6. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im vo rliegenden Fall dem An- spruch aus Art. 19 BV Genüge getan ist, wenn der Kanto n Basel-Landschaft den Beschwerde- führenden die Kosten für den Schultransport ihrer Kinder mit dem öffentlichen Verkehr zwischen der Bushaltestelle und dem Sekundarschulhaus vergütet. Di e Beschwerde ist demzufolge gut- zuheissen und das AVS anzuweisen, die Höhe der zu leiste nden Transportkostenentschädi- gung für den Teil 2 des Schulwegs (Bushaltestelle – Sekun darschulhaus) im Schuljahr 2018/2019 festzulegen. Entsprechend dem Ausgang des V erfahrens ist auf die weiteren Vor- bringen der Beschwerdeführenden nicht weiter einzugehen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Au smass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). D em Verfahrensausgang entsprechend werden die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400. -- dem Regierungsrat auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.- - wird den Beschwerdeführenden zu- rückerstattet. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden . Bei diesem Ausgang des Ver- fahrens ist den Beschwerdeführenden eine Parteientschäd igung entsprechend der eingereich- ten Honorarnote vom 9. Oktober 2019 zulasten des Beschwe rdegegners in der Höhe von Fr. 3'089.95 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zuzusprechen. 7.2 Die Angelegenheit ist zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird Ziff. 2 des Entscheids des Regie- rungsrats des Kantons Basel-Landschaft Nr. 1009 vom 13. Au gust 2019 aufgehoben und die Angelegenheit wird zur Festlegung der Höhe der zu leistenden Transportkostenentschädigung an das Amt für V olksschulen des Kantons Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. Der gel eistete Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird den Beschwerd eführenden zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d en Beschwerde- führenden eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'089.95 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zu bezahlen. Kantonsrichter Gerichtsschreiberin i.V. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.