<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Schulrecht und Ausbildungsbeiträge</span> <span class="page_no">199</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VII. Schulrecht und Ausbildungsbeiträge</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>29</b></span> <span class="ft2"><b>Bemessung von Ausbildungsbeiträgen bei Zweitausbildungen</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der Gesetzgeber hat die Berücksichtigung der finanziellen Leistungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fähigkeit der Eltern zur Bemessung von Ausbildungsbeiträgen bei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zweitausbildungen nach § 15 Abs. 3 StipG unabhängig von der zivil-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rechtlichen Unterhaltspflicht geregelt.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Anrechnung eines Einkünfteüberschusses im Elternbudget von</b></span><br/> <span class="ft2"><b>pauschal 35 % im Budget des Gesuchstellers, wie sie § 24 Abs. 2</b></span><br/> <span class="ft2"><b>StipV vorsieht, bewirkt keine rechtsungleiche Behandlung von besser</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gestellten und aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Gesuch-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stellern.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 9. Dezember 2011 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen A. gegen Regierungsrat des Kantons Aargau (WBE.2011.235).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">4.2.</span><br/> <span class="ft7">4.2.1.</span><br/> <span class="ft7">Das Stipendiengesetz trat am 1. August 2007 in Kraft. Nach</span><br/> <span class="ft7">§ 15 Abs. 1 lit. a StipG sind die massgeblichen Kosten und Leistun-</span><br/> <span class="ft7">gen bei der Bemessung der Ausbildungsbeiträge unter anderem die</span><br/> <span class="ft7">anerkannten Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten. Die finanzielle</span><br/> <span class="ft7">Leistungsfähigkeit der Eltern wird nur teilweise berücksichtigt, wenn</span><br/> <span class="ft7">die gesuchstellende Person eine zur Berufsausübung befähigte Aus-</span><br/> <span class="ft7">bildung abgeschlossen hat und entweder älter als 25 Jahre ist oder</span><br/> <span class="ft7">vor Beginn der neuen Ausbildung während mindestens drei Jahren</span><br/> <span class="ft7">finanziell unabhängig war (§ 15 Abs. 3 StipG). Der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft7">regelt die Einzelheiten der Bemessung und legt die Ansätze fest. Er</span><br/> <span class="ft7">kann pauschale Ansätze festlegen und weitere Ausnahmen vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">200</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Grundsatz der kostengünstigeren Variante vorsehen (§ 15 Abs. 4</span><br/> <span class="ft7">StipG).</span><br/> <span class="ft7">4.2.2.</span><br/> <span class="ft7">Das aargauische Stipendienrecht ist - wie das Stipendienrecht</span><br/> <span class="ft7">anderer Kantone - vom Grundsatz der Subsidiarität beherrscht (vgl.</span><br/> <span class="ft7">§ 1 StipG). Stipendien stellen unterhaltsergänzende Spezialleistungen</span><br/> <span class="ft7">dar, d.h. sie ergänzen den in quantitativer Hinsicht mangelnden fa-</span><br/> <span class="ft7">miliären Unterhalt, ohne an dessen Stelle zu treten (vgl. Markus</span><br/> <span class="ft7">Müller, Das Stipendienrecht des Kantons St. Gallen mit Berücksich-</span><br/> <span class="ft7">tigung der Stipendiengesetzgebung des Bundes, St. Gallen 1987,</span><br/> <span class="ft7">S. 16 ff.). Zum Subsidiaritätsprinzip wird in der Botschaft des Regie-</span><br/> <span class="ft7">rungsrats insbesondere festgehalten, dass der Staat unter bestimmten</span><br/> <span class="ft7">Voraussetzungen Ausbildungsbeiträge leistet. Die Ausbildungsfinan-</span><br/> <span class="ft7">zierung bleibe in erster Linie Aufgabe der auszubildenden Person,</span><br/> <span class="ft7">ihrer Eltern und anderer Drittpersonen, soweit diesen aufgrund ihrer</span><br/> <span class="ft7">wirtschaftlichen Verhältnisse und persönlichen Umstände die Tra-</span><br/> <span class="ft7">gung der Ausbildungskosten zugemutet werden kann. Es sei nicht</span><br/> <span class="ft7">Aufgabe des Staates, dort Ausbildungsbeiträge zu leisten, wo genü-</span><br/> <span class="ft7">gend private Mittel zur Verfügung stünden (Botschaft des Regie-</span><br/> <span class="ft7">rungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 30. Novem-</span><br/> <span class="ft7">ber 2005 [Botschaft], 05.322, S. 15 f.).</span><br/> <span class="ft7">4.3.</span><br/> <span class="ft7">Der in Art. 8 Abs. 1 BV und § 10 Abs. 1 KV verankerte Gleich-</span><br/> <span class="ft7">heitssatz verlangt, dass Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit</span><br/> <span class="ft7">gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich</span><br/> <span class="ft7">behandelt wird. Es dürfen keine Unterscheidungen getroffen werden,</span><br/> <span class="ft7">für die ein vernünftiger Grund in den tatsächlichen Verhältnissen,</span><br/> <span class="ft7">über die zu entscheiden ist, nicht gefunden werden kann. Die Rechts-</span><br/> <span class="ft7">gleichheit ist verletzt, wenn zwei gleiche tatsächliche Situationen</span><br/> <span class="ft7">ohne sachlichen Grund unterschiedlich behandelt werden (BGE 131 I</span><br/> <span class="ft7">91, Erw. 3.4; AGVE 2010, S. 153; 1999, S. 210; VGE III/40 vom</span><br/> <span class="ft7">17. Juni 2009 [WBE.2008.85], S. 15; VGE III/28 vom 19. Juni 2008</span><br/> <span class="ft7">[WBE.2007.136], S. 13, je mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft7">Das Gleichbehandlungsgebot in der Rechtssetzung ist verletzt,</span><br/> <span class="ft7">wenn ein Erlass hinsichtlich einer entscheidwesentlichen Tatsache</span><br/> <span class="ft7">rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Schulrecht und Ausbildungsbeiträge</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">den zu regelnden Verhältnissen nicht ersichtlich ist, oder wenn er</span><br/> <span class="ft7">Unterscheidungen unterlässt, die sich aufgrund der Verhältnisse auf-</span><br/> <span class="ft7">drängen. Die Frage, ob für eine rechtliche Unterscheidung ein ver-</span><br/> <span class="ft7">nünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen ersichtlich ist,</span><br/> <span class="ft7">kann zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich beantwortet werden, je</span><br/> <span class="ft7">nach den herrschenden Anschauungen und Zeitverhältnissen. Dem</span><br/> <span class="ft7">Gesetzgeber bleibt im Rahmen dieser Grundsätze und des Willkür-</span><br/> <span class="ft7">verbots ein weiter Spielraum der Gestaltung (BGE 134 I 23,</span><br/> <span class="ft7">Erw. 9.1; 132 I 157, Erw. 4.1; Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix</span><br/> <span class="ft7">Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen</span><br/> <span class="ft7">2010, Rz. 497; Pierre Tschannen/Ulrich Zimmerli/Markus Müller,</span><br/> <span class="ft7">Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 23 N 5 ff.; vgl.</span><br/> <span class="ft7">auch Rainer J. Schweizer, in: St. Galler Kommentar zur BV, 2. Aufl.,</span><br/> <span class="ft7">2008, Art. 8 N 39 ff.).</span><br/> <span class="ft7">4.4.</span><br/> <span class="ft7">Einen direkten Anspruch auf Ausrichtung von Stipendien kann</span><br/> <span class="ft7">der Beschwerdeführer weder aus der Bundesverfassung noch aus der</span><br/> <span class="ft7">Kantonsverfassung ableiten. Art. 19 BV (Anspruch auf unentgeltli-</span><br/> <span class="ft7">chen Grundschulunterricht), Art. 41 Abs. 1 lit. f BV (Sozialziele) und</span><br/> <span class="ft7">Art. 62 ff. BV (Schulwesen) verleihen dem Beschwerdeführer keinen</span><br/> <span class="ft7">Anspruch auf Ausrichtung von Ausbildungsbeiträgen. Auch §§ 28 ff.</span><br/> <span class="ft7">KV (Erziehung und Bildung) enthalten diesbezüglich keine An-</span><br/> <span class="ft7">sprüche. Nach § 34 Abs. 4 KV kann der Kanton Ausbildungsbeiträge</span><br/> <span class="ft7">gewähren.</span><br/> <span class="ft7">4.5.</span><br/> <span class="ft7">4.5.1.</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer begründet die Verletzung der Rechts-</span><br/> <span class="ft7">gleichheit im konkreten Fall im Wesentlichen damit, dass nach der</span><br/> <span class="ft7">geltenden Regelung Gesuchsteller wohlhabenderer Eltern, welche</span><br/> <span class="ft7">eine Zweitausbildung absolvieren und von diesen aufgrund der elter-</span><br/> <span class="ft7">lichen Unterstützungspflicht keine Unterstützung mehr erzwingen</span><br/> <span class="ft7">könnten, bei Zweitausbildungen gegenüber aus ärmeren Verhältnis-</span><br/> <span class="ft7">sen stammenden Gesuchstellern stipendienrechtlich benachteiligt</span><br/> <span class="ft7">würden.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">4.5.2.</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer übersieht bei seiner Argumentation, dass</span><br/> <span class="ft7">die finanzielle Leistungsfähigkeit der Eltern bei Zweitausbildungen</span><br/> <span class="ft7">im Sinne von § 15 Abs. 3 StipG nicht den Anspruch auf Ausrichtung</span><br/> <span class="ft7">von Stipendien als solchen betrifft, sondern nur bei deren Bemessung</span><br/> <span class="ft7">Berücksichtigung findet. Dem Beschwerdeführer ist mit Verfügung</span><br/> <span class="ft7">des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) ein Stipendium</span><br/> <span class="ft7">von Fr. 5'400.00 gewährt worden. Die Abteilung Bildungsberatung,</span><br/> <span class="ft7">Sport und Jugend hat entsprechend den Vorgaben von §§ 20 ff. StipV</span><br/> <span class="ft7">ein Elternbudget für beide Elternteile erstellt. Hierbei wurde beim</span><br/> <span class="ft7">Vater ein Einkünfteüberschuss von Fr. 42'973.00 ermittelt und davon</span><br/> <span class="ft7">35 % als anrechenbarer Vaterbeitrag im Budget des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft7">rers berücksichtigt.</span><br/> <span class="ft7">Die Anrechnung ist entsprechend den Vorgaben von § 25 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">StipV erfolgt. Nach der gesetzlichen Bestimmung von § 15 Abs. 3</span><br/> <span class="ft7">StipG ist die Leistungsfähigkeit der Eltern im Falle des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führers teilweise zu berücksichtigen. Insofern enthält § 15 Abs. 3</span><br/> <span class="ft7">StipG eine spezielle Ausgestaltung des Subsidiaritätsprinzips, wo-</span><br/> <span class="ft7">nach bei Zweitausbildungen von Personen, welche ein bestimmtes</span><br/> <span class="ft7">Alter haben oder über eine gewisse eigene finanzielle Unabhängig-</span><br/> <span class="ft7">keit verfügen, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Eltern bei der</span><br/> <span class="ft7">Bemessung nur teilweise zu berücksichtigen ist. In diesen Fällen</span><br/> <span class="ft7">werden Gesuchstellern pauschal 35 % des elterlichen Einkommens-</span><br/> <span class="ft7">überschusses im Budget angerechnet (§ 15 Abs. 4 StipG i.V.m. § 24</span><br/> <span class="ft7">Abs. 2 Satz 2 StipV). Nach dem in § 24 Abs. 2 Satz 1 StipV enthal-</span><br/> <span class="ft7">tenen generellen Subsidiaritätsprinzip sind die elterlichen Vermö-</span><br/> <span class="ft7">gens- und Einkommensverhältnisse dagegen vollständig zu berück-</span><br/> <span class="ft7">sichtigen und sind Beitragsgesuche abzulehnen, wenn die Eltern über</span><br/> <span class="ft7">ausreichende Einkunftsüberschüsse verfügen. In der Botschaft des</span><br/> <span class="ft7">Regierungsrats wird ausdrücklich festgehalten, § 15 Abs. 3 StipG</span><br/> <span class="ft7">trage der "oft verlangten Elternunabhängigkeit der Ausbildungsfi-</span><br/> <span class="ft7">nanzierung" Rechnung (Botschaft, S. 34).</span><br/> <span class="ft7">4.5.3.</span><br/> <span class="ft7">Wenn Gesetz- und Verordnungsgeber die von den Eltern zu-</span><br/> <span class="ft7">mutbare Unterstützung bei Zweitausbildungen pauschal und losge-</span><br/> <span class="ft7">löst von der tatsächlichen Realisierbarkeit auf 35 % des Einkünfte-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Schulrecht und Ausbildungsbeiträge</span> <span class="page_no">203</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">überschusses festgelegt haben, kann darin keine Verletzung des Ge-</span><br/> <span class="ft7">bots der Rechtsgleichheit erblickt werden. Es ist dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führer zwar zuzustimmen, dass diese Anrechnung bei aus besseren</span><br/> <span class="ft7">Verhältnissen stammenden Gesuchstellern zu geringeren Ausbil-</span><br/> <span class="ft7">dungsbeiträgen oder gar zum Entfallen dieser führen kann. Eine</span><br/> <span class="ft7">exakte Gleichbehandlung ist oft aus praktischen Gründen nicht</span><br/> <span class="ft7">möglich. Der Gesetzgeber darf und muss daher bis zu einem gewis-</span><br/> <span class="ft7">sen Grad schematisieren und pauschalieren. Schematische oder typi-</span><br/> <span class="ft7">sierende Regelungen verletzen die Rechtsgleichheit nicht, sofern sie</span><br/> <span class="ft7">sich aus praktischen Gründen rechtfertigen (vgl. Häfelin/Müller/Uhl-</span><br/> <span class="ft7">mann, a.a.O., Rz. 497; Tschannen/Zimmerli/ Müller, a.a.O., § 23</span><br/> <span class="ft7">N 9). Zum andern ist nicht einzusehen, dass in Fällen wie dem</span><br/> <span class="ft7">vorliegenden, wo der Vater über ein gewisses Vermögen sowie über</span><br/> <span class="ft7">ein höheres Einkommen verfügt (eine Liegenschaft mit einem</span><br/> <span class="ft7">Steuerwert von Fr. 548'100, wobei Schulden von Fr. 380.000 be-</span><br/> <span class="ft7">stehen, und Jahreseinkünfte von Fr. 85'452), diese Umstände bei der</span><br/> <span class="ft7">Bemessung der Höhe der Ausbildungsbeiträge keine Berücksichti-</span><br/> <span class="ft7">gung finden können. Bereits unter altem Stipendienrecht war je nach</span><br/> <span class="ft7">Höhe der Anwartschaft auf einen Teil des elterlichen Vermögens im</span><br/> <span class="ft7">Erbfall den Gesuchstellern zuzumuten, ihre Ausbildung durch die</span><br/> <span class="ft7">Aufnahme privater Darlehen (z.B. Darlehen der Eltern, Ausbild-</span><br/> <span class="ft7">ungskredit einer Bank usw.) selber zu finanzieren (AGVE 1992,</span><br/> <span class="ft7">S. 558 f.). Diese Überlegungen gelten bei der Bemessung der</span><br/> <span class="ft7">Ausbildungsbeiträge unter der Geltung des neuen Stipendienrechts</span><br/> <span class="ft7">als Folge des Subsidiaritätsgrundsatzes weiterhin. Wenn der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer vorbringt, gegenwärtig keinen Kontakt mehr zu sei-</span><br/> <span class="ft7">nem Vater zu haben, muss sich dieser Umstand daher nicht zwingend</span><br/> <span class="ft7">auf die Bemessung der Höhe der Ausbildungsbeiträge auswirken.</span><br/> <span class="ft7">Ebenfalls nicht relevant sein muss diesbezüglich, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deführer aufgrund der Unterhaltspflicht nach Art. 276 f. ZGB keine</span><br/> <span class="ft7">Unterstützung vom Vater mehr erhältlich machen kann und die</span><br/> <span class="ft7">Leistung eines freiwilligen Beitrages als unzumutbar erachtet. Aus</span><br/> <span class="ft7">besseren Verhältnissen stammenden Gesuchstellern ist es erfahrungs-</span><br/> <span class="ft7">gemäss eher möglich, für die Kosten einer Zweitausbildung bei-</span><br/> <span class="ft7">spielsweise durch die Aufnahme eines privaten Darlehens teilweise</span><br/> <span class="ft7">aufzukommen. Das Bundesgericht hat bereits in einem nicht publi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">204</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">zierten Urteil vom 20. November 1990 festgehalten, dass Kinder</span><br/> <span class="ft7">geschiedener, aber dennoch vermögender Eltern, die diesen gegen-</span><br/> <span class="ft7">über keinen durchsetzbaren Unterhaltsanspruch mehr besitzen und</span><br/> <span class="ft7">bereits über eine abgeschlossene Ausbildung verfügen, regelmässig</span><br/> <span class="ft7">in der besseren Lage seien als Kinder weniger gut situierter Familien,</span><br/> <span class="ft7">so dass bei jenen eher zumutbar sei, die Vermögensverhältnisse ihrer</span><br/> <span class="ft7">Eltern anzurechnen; dies gelte umso mehr, als in diesen Fällen die</span><br/> <span class="ft7">Möglichkeit bestehe, die Ausbildung durch Darlehen der Eltern oder</span><br/> <span class="ft7">Dritter zu finanzieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft7">20. November 1990 [2P.36/1990 und 2P.128/1990]). Diesbezüglich</span><br/> <span class="ft7">ist auch darauf hinzuweisen, dass das Stipendiengesetz selbst die</span><br/> <span class="ft7">Möglichkeit der Gewährung von Darlehen vorsieht (vgl. § 17 f.</span><br/> <span class="ft7">StipG). Die Berücksichtigung des elterlichen Einkommensüber-</span><br/> <span class="ft7">schusses rechtfertigt sich ferner aufgrund des erbrechtlichen Pflicht-</span><br/> <span class="ft7">teilsschutzes nach Art. 470 Abs. 1 ZGB; die Berücksichtung der</span><br/> <span class="ft7">Vermögensverhältnisse der Eltern ist im Hinblick auf die Anwart-</span><br/> <span class="ft7">schaft ebenfalls angezeigt. Eine rechtsungleiche Bevorzugung von</span><br/> <span class="ft7">aus ärmeren Verhältnissen stammenden Gesuchstellern, wie sie der</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer geltend macht, kann unter diesen Umständen nicht</span><br/> <span class="ft7">angenommen werden. Die Abklärung der finanziellen und erbrechtli-</span><br/> <span class="ft7">chen Verhältnisse im Einzelfall ist aufwändig. Aus Gründen der</span><br/> <span class="ft7">Praktikabilität kann diesen Umständen durch eine Pauschalierung bei</span><br/> <span class="ft7">der Bemessung der Stipendien Rechnung getragen werden.</span><br/> <span class="ft7">4.6.</span><br/> <span class="ft7">4.6.1.</span><br/> <span class="ft7">Hinsichtlich der Frage, ob die Gewährung von Stipendien an die</span><br/> <span class="ft7">zivilrechtliche Unterhaltspflicht zu knüpfen sei resp. die Stipendien-</span><br/> <span class="ft7">gesetzgebung und Art. 277 Abs. 2 ZGB den gleichen Zumutbarkeits-</span><br/> <span class="ft7">begriff verwenden, ist festzuhalten, dass gemäss Art. 62 BV die</span><br/> <span class="ft7">Schulhoheit den Kantonen zusteht. Die kantonale Schulhoheit gilt</span><br/> <span class="ft7">indessen nicht unbegrenzt. Sie wird durch zahlreiche bundesrechtli-</span><br/> <span class="ft7">che Vorschriften abgesteckt, eingeschränkt und umrahmt (vgl.</span><br/> <span class="ft7">Bernhard Ehrenzeller/Markus Schott, in: St. Galler Kommentar zur</span><br/> <span class="ft7">BV, 2. Aufl., 2008, Art. 62 N 10). Die Ordnung des Stipendienwe-</span><br/> <span class="ft7">sens, die Festsetzung der Voraussetzungen und der Höhe von Stipen-</span><br/> <span class="ft7">dien sowie das Verfahren verbleiben im Kompetenzbereich der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Schulrecht und Ausbildungsbeiträge</span> <span class="page_no">205</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Kantone (vgl. BBl 1964 I 1115; Marco Borghi, in: Kommentar zur</span><br/> <span class="ft7">Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Basel</span><br/> <span class="ft7">1996, Art. 27</span><span class="ft8"><sup>quater</sup></span> <span class="ft7">[a]BV N 17; Peter Breitschmid, in: Basler Kom-</span><br/> <span class="ft7">mentar, Zivilgesetzbuch I, 4. Aufl., 2010, Art. 293 ZGB N 6). Der</span><br/> <span class="ft7">Kanton Aargau ist der interkantonalen Vereinbarung zur Harmonisie-</span><br/> <span class="ft7">rung von Ausbildungsbeiträgen vom 18. Juni 2009 nicht beigetreten</span><br/> <span class="ft7">(abrufbar unter: http://www.edk.ch/dyn/9966.php).</span><br/> <span class="ft7">Das Bundeszivilrecht findet im Stipendienrecht lediglich bei ei-</span><br/> <span class="ft7">nem allfälligen entsprechenden Verweis als fakultatives, subsidiäres</span><br/> <span class="ft7">öffentliches Recht Anwendung (vgl. hierzu: Entscheid des Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. September 2005, in:</span><br/> <span class="ft7">St. Gallische Gerichts- und Verwaltungspraxis [GVP] 2005 Nr. 8,</span><br/> <span class="ft7">Erw. 2d). Im Übrigen regeln die elterliche Unterhaltspflicht und das</span><br/> <span class="ft7">kantonale Stipendienrecht unterschiedliche Bereiche: Bei der elterli-</span><br/> <span class="ft7">chen Unterhaltspflicht nach Art. 277 Abs. 2 ZGB geht es um die nach</span><br/> <span class="ft7">den Verhältnissen im Zeitpunkt der Mündigkeit angemessene</span><br/> <span class="ft7">Ausbildung, bei den Stipendien dagegen um die im jeweiligen Alter</span><br/> <span class="ft7">des Gesuchstellers angemessene staatliche Unterstützung einer Erst-</span><br/> <span class="ft7">oder Zweitausbildung (vgl. Cyril Hegnauer, in: Berner Kommentar,</span><br/> <span class="ft7">Die Gemeinschaft der Eltern und Kinder, Die Unterhaltspflicht der</span><br/> <span class="ft7">Eltern, 1997, Art. 277 ZGB N 48).</span><br/> <span class="ft7">4.6.2.</span><br/> <span class="ft7">In der Botschaft des Regierungsrats wird festgehalten, § 15</span><br/> <span class="ft7">Abs. 3 StipG trage der "oft verlangten Elternunabhängigkeit der</span><br/> <span class="ft7">Ausbildungsfinanzierung" Rechnung. Die Beschränkung auf das</span><br/> <span class="ft7">vollendete 25. Altersjahr und die Voraussetzung des Abschlusses</span><br/> <span class="ft7">einer ersten zur Berufsausübung befähigenden Ausbildung (Berufs-</span><br/> <span class="ft7">lehre, Hochschulabschluss etc.) würden sowohl dem Subsidiari-</span><br/> <span class="ft7">tätsprinzip als auch der zivilrechtlichen Pflicht der Eltern Rechnung</span><br/> <span class="ft7">tragen, dem Kind eine seinen Fähigkeiten und Neigungen entspre-</span><br/> <span class="ft7">chende allgemeine und berufliche Ausbildung zu ermöglichen</span><br/> <span class="ft7">(Art. 302 Abs. 2 ZGB; Botschaft, S. 34). Es wird ausdrücklich ausge-</span><br/> <span class="ft7">führt, dass bei den nächsten Angehörigen der gesuchstellenden Per-</span><br/> <span class="ft7">son auf die Zumutbarkeit der Leistungserbringung und nicht auf die</span><br/> <span class="ft7">zivilrechtliche Verpflichtung dazu abgestellt werden soll, wenn die</span><br/> <span class="ft7">Eltern über bedeutende finanzielle Mittel verfügen würden. Aller-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">206</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">dings sollten die finanziellen Verhältnisse der Eltern nur noch teil-</span><br/> <span class="ft7">weise berücksichtigt werden, wenn ihr Kind eine erste Ausbildung</span><br/> <span class="ft7">abgeschlossen hat und entweder älter als 25 Jahre alt oder während</span><br/> <span class="ft7">einer bestimmten Dauer finanziell unabhängig gewesen ist (Bot-</span><br/> <span class="ft7">schaft, S. 16).</span><br/> <span class="ft7">4.6.3.</span><br/> <span class="ft7">Nach dem Gesagten stand es Gesetz- und Verordnungsgeber</span><br/> <span class="ft7">frei, die Bemessung der Höhe der Ausbildungsbeiträge bei Zweit-</span><br/> <span class="ft7">ausbildungen unabhängig vom Bestehen der zivilrechtlichen Unter-</span><br/> <span class="ft7">haltspflicht nach Art. 277 Abs. 2 ZGB festzulegen. Staatliche Aus-</span><br/> <span class="ft7">bildungsbeiträge sind nach dem Willen des Gesetzgebers subsidiär</span><br/> <span class="ft7">gegenüber möglichen und üblichen und nicht gegenüber zivilrecht-</span><br/> <span class="ft7">lich geschuldeten Elternbeiträgen. Die zumutbaren Elternbeiträge im</span><br/> <span class="ft7">Sinne des Stipendiengesetzes werden rein rechnerisch als Einkünfte-</span><br/> <span class="ft7">überschuss aus der Gegenüberstellung von stipendienrechtlich aner-</span><br/> <span class="ft7">kannten Einnahmen und Ausgaben im Elternbudget bestimmt. Wenn</span><br/> <span class="ft7">vom Einkünfteüberschuss des Elternbudgets einem Gesuchsteller</span><br/> <span class="ft7">35 % in seinem Budget als Einkünfte pauschal angerechnet werden</span><br/> <span class="ft7">(§ 15 Abs. 3 StipG i.V.m. § 24 Abs. 2 StipV), kann darin keine</span><br/> <span class="ft7">rechtsungleiche Behandlung im Verhältnis zu jenen Gesuchstellern</span><br/> <span class="ft7">gesehen werden, bei welchen sich kein Einkünfteüberschuss im</span><br/> <span class="ft7">Elternbudget ergibt. Eine Verletzung der Rechtsgleichheit nach Art. 8</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 BV und § 10 Abs. 1 KV liegt demnach nicht vor.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>