Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 3. April 2018 (460 17 213) ____________________________________________________________________ Strafrecht Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref. ), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Cornel Borbély, Wiesenstrasse 8, Postfach 409, 8024 Zürich, Privatkläger und Berufungskläger gegen B.____ , vertreten durch Advokat Dr. Nicolas Roulet, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel, Beschuldigter Gegenstand Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 6. Juli 2017 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil vom 6. Juli 2017 erklärte die Dreierkam mer des Strafgerichts Basel-Landschaft B.____ des Landfriedensbruchs schuldig und verurtei lte ihn zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 30. ‒, bei einer Probezeit von 2 Jahren, unter An- rechnung der vorläufigen Festnahme vom 22. Septembe r 2013 von 1 Tag (Ziffer IV.1 des vo- rinstanzlichen Urteilsdispositivs). Von den Vorwürf en des mehrfachen Raubes, der versuchten schweren Körperverletzung sowie der Gewalt und Droh ung gegen Behörden und Beamte wur- de B.____ hingegen freigesprochen (Ziffer IV.2). Di e Zivilforderungen von C.____, D.____, E.____, F.____ (Ziffer IV.3a) sowie von A.____ (Zif fer IV.3b) wurden in Anwendung von Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO abgewiesen. Ferner wurden gemäss Ziffer IV.4 des vorinstanzlich en Urteilsdispositivs die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2‘111. ‒ und 1/5 der Gerichtsgebühr von CHF 9‘000. ‒ (entsprechend CHF 1‘800. ‒), in An- wendung von Art. 426 Abs. 1 StPO zu 1/10 B.____ und zu 9/10 zu Lasten des Staates verlegt. Das Honorar des amtlichen Verteidigers, Advokat Dr. Nicolas Roulet, in Höhe von CHF 8‘539.55 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) wurde aus der Gerichtskasse entrichtet (Ziffer IV.5). B.____ wurde überdies, sobald es seine wirtschaftli chen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Ve rteidigung im Umfang von 1/10 zurückzu- zahlen und der amtlichen Verteidigung 1/10 der Diff erenz zwischen der amtlichen Entschädi- gung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Hinsichtlich der Entscheide betreffend die Mitbesch uldigten G.____, H.____, I.____ und J.____ kann an dieser Stelle auf die Ziffern I. ‒III. sowie V. des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs verwiesen werden. B. Gegen dieses Urteil meldete der Privatkläger A.___ _ mit Eingabe vom 10. Juli 2017 Beru- fung an. Mit Berufungserklärung vom 19. Oktober 201 7, die bereits eine Kurzbegründung ent- hielt, stellte der Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Cornel Borbély, folgende Rechtsbegehren: "1. Der Freispruch von B.____ im Erkenntnis gemäss Disp ositiv Ziffer IV.2. in Bezug auf Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamten sei aufzuheben. 2. B.____ sei im Erkenntnis gemäss Dispositiv Ziffer I V.1. zusätzlich der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamten schuldig zu sprechen. 3. Die Zivilforderungen von A.____, Kantonspolizei Zür ich, Polizeistation Horgen, Burghaldenstrasse 3, 8810 Horgen seien gutzuheissen . Das Erkenntnis gemäss Dispositiv Ziffer IV.3b. sei entsprechend abzuändern. 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates." Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht An diesen gestellten Anträgen hielt der Privatkläge r mit Berufungsbegründung vom 25. Dezem- ber 2017 fest. C. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beantragte mit Berufungsantwort vom 2. Febru- ar 2018, die Berufung der Privatklägerschaft sei gu tzuheissen und der Beschuldigte in Abände- rung von Ziffer IV.2 des Urteils des Strafgerichts vom 6. Juli 2017 wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zu verurteilen. D. Demgegenüber beantragte der Beschuldigte B.____, vertreten durch Advokat Dr. Nicolas Roulet, mit Berufungsantwort vom 1. Februar 2018 Folgendes: "1. Es sei die Berufung des Privatklägers A.____ vollumfänglich abzuweisen. 2. Dementsprechend sei das erstinstanzliche Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 6. Juli 2017 vollumfänglich zu bestätigen. 3. Unter o/e-Kostenfolge. Eventualiter sei die amtliche Verteidigung B.____s für das zweitinstanzliche Verfah- ren mit dem Unterzeichnenden als Advokaten zu bewil ligen respektive zu bestäti- gen." E. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügun gen des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurde mit Verfügung vom 31. Oktober 2017 festge- stellt, dass die Staatsanwaltschaft ihre mit Eingab e vom 13. Juli 2017 angemeldete Berufung zurückgezogen hat. Mit gleicher Verfügung wurde kon statiert, dass das Urteil des Strafgerichts vom 6. Juli 2017 bezüglich der Beschuldigten G.____ , H.____, I.____ und J.____ sowie bezüg- lich der übrigen Privatklägerschaft per Urteilstag in Rechtskraft erwachsen ist (Art. 437 Abs. 1 lit. a und b sowie Art. 437 Abs. 2 StPO). Sodann wu rde mit Verfügung vom 24. November 2017 festgestellt, dass sowohl die Staatsanwaltschaft Ba sel-Landschaft als auch der Beschuldigte B.____ weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben. Schliesslich wurde mit Verfü- gung vom 28. Februar 2018 der Schriftenwechsel gesc hlossen und das schriftliche Verfahren gemäss Art. 406 Abs. 2 lit. a StPO angeordnet. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen I. F ORMELLES 1. Eintreten 1.1 Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zulä ssig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Die Legitima- tion der Privatklägerschaft zur Ergreifung des Rech tsmittels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO nor- miert, wobei die Privatklägerschaft einen Entscheid hinsichtlich der ausgesprochenen Sanktion nicht anfechten kann (Art. 382 Abs. 2 StPO). Bei Vo rliegen eines rechtlich geschützten Interes- ses können von der Privatklägerschaft Rechtsverletz ungen, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenhei t gerügt werden, wobei das Berufungs- gericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten u mfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröf fnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 2 0 Tagen seit der Zustellung des be- gründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 1.2 Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts Base l-Landschaft vom 6. Juli 2017 ange- fochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt g emäss Art. 398 Abs. 1 StPO darstellt. Mit Eingaben vom 10. Juli 2017 (Berufungsanmeldung) und 19. Oktober 2017 (Berufungserklärung) hat der Privatkläger die Rechtsmittelfrist gewahrt und ist seiner Erklärungspflicht nachgekom- men. Die Zuständigkeit der Dreierkammer der Abteilu ng Strafrecht des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zur Beurteilung der vorliegenden Berufun g ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes vom 12. März 2009 zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 2 50). Auf die Berufung des Privatklä- gers A.____ ist somit einzutreten. 2. Gegenstand der Berufung Aufgrund der seitens der Parteien eingereichten Rec htsschriften zeigt sich, dass vorliegend ausschliesslich die folgenden Teile des Urteils des Strafgerichts vom 6. Juli 2017 im Streit ste- hen: – der Freispruch des Beschuldigten B.____ wegen Gew alt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dispositiv-Ziffer IV.2), wobei der Berufung skläger diesbezüglich ausgehend vom vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt einen Sch uldspruch in Dispositiv-Ziffer IV.1 bean- tragt; Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht – die Zivilforderungen des Privatklägers A.____ gem äss Dispositiv-Ziffer IV.3.b; – die Auferlegung der Verfahrenskosten gemäss Dispo sitiv-Ziffer IV.4. Alle anderen Dispositiv-Ziffern des Urteils des Str afgerichts vom 6. Juli 2017 sind demgegen- über nicht angefochten. II. T ATSÄCHLICHES UND RECHTLICHES Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziffer 1 StGB) 1. Sachverhalt Mit Urteil vom 6. Juli 2017 erwogen die Vorderricht er, nach dem Beweisergebnis sei erstellt, dass der Beschuldigte den Polizisten A.____ während einer Amtshandlung ins Gesicht ge- spuckt habe. Die Vorinstanz stützte ihr Beweisergeb nis auf die Aussagen des Privatklägers A.____, welche es als ausführlich, detailliert, übereinstimmend und insgesamt glaubhaft einstuf- te. Es bestünden keinerlei Anhaltspunkte, welche da für sprächen, diese Ausführungen in Zwei- fel zu ziehen, zumal der Privatkläger keinerlei Ver anlassung habe, den Beschuldigten fälschli- cherweise zu belasten. Da vorliegend einzig der Pri vatkläger ein Rechtsmittel erhoben hat, ist der vorinstanzlich festgestellte Sachverhalt für die Berufungsinstanz verbindlich. Es ist demnach gestützt auf die glaubhaften Depositionen des Priva tklägers (vgl. act. 991 ff. und 1429) davon auszugehen, dass der Beschuldigte dem Privatkläger durch die Zellentür in die linke Gesichts- hälfte und auf die Schulter gespuckt hat. 2. Rechtliches 2.1 Bezüglich des Tatbestands der Gewalt und Drohung g egen Behörden und Beamte führ- te die Vorinstanz zusammengefasst in rechtlicher Hi nsicht aus, zur Erfüllung von Art. 285 Ziffer 1 StGB sei eine unmittelbare, auf den Körper zielen de Aggression erforderlich. Eine solche lie- ge bei der Verübung einer Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB vor. Zwar seien auch leichte gesundheitliche Beeinträchtigungen, die mindestens ein deutliches, vorübergehendes Missbe- hagen verursachten, als Tätlichkeiten zu werten. Re chtlich sei das Anspucken aber in casu nicht als Tätlichkeit, sondern als Beschimpfung zu qualifizieren, da es primär auf die Ehre des Angespuckten ziele und allenfalls eine (geringfügig e) psychische Beeinträchtigung beim Opfer hervorrufe. Das Verhalten des Beschuldigten, welche r den Privatkläger vorgängig beschimpft habe, mache zudem deutlich, dass es ihm vor allem d arum gegangen sei, den Polizisten ge- genüber seine Geringschätzung auszudrücken und sie in ihrer Ehre zu verletzen. Seine des- pektierliche Haltung habe der Beschuldigte einersei ts verbal zum Ausdruck gebracht, anderer- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht seits habe er A.____ bespuckt, als dieser die Zelle ntüre geöffnet habe. Durch diese Handlung habe der Beschuldigte "lediglich" den Tatbestand der Beschimpfung erfüllt. Dieser sei jedoch im vorliegenden Fall nicht angeklagt, und eine allfäll ige abweichende rechtliche Würdigung seitens des Gerichts nicht gemäss Art. 344 StPO vorbehalten worden, was einer entsprechenden Ver- urteilung entgegenstehe. Der Beschuldigte sei daher vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte freizusprechen. 2.2 Der Berufungskläger stellt sich demgegenüber im We sentlichen auf den Standpunkt, eine Spuckattacke ins Gesicht sei als besonders wid erlich zu beurteilen und gehe klarerweise über das allgemein übliche und gesellschaftlich ged uldete Mass einer physischen Einwirkung auf einen Menschen hinaus. Für die Qualifizierung a ls tätlichen Angriff im Sinne von Art. 285 Ziffer 1 StGB sei weder ein unmittelbarer körperlic her Kontakt noch eine Schmerzzufügung er- forderlich. Das Bespucken einer Person ins Gesicht stelle eine aggressive, mit einiger Intensität erfolgte Einwirkung auf den Körper eines andern Men schen dar, und sei demnach als tätlicher Angriff im Sinne von Art. 285 Ziffer 1 StGB zu würd igen. In subjektiver Hinsicht habe der Be- schuldigte überdies zumindest mit der Eventualabsic ht gehandelt, massiven Ekel und eine mo- mentane Beeinträchtigung des körperlichen Wohlbefindens hervorzurufen. Bei verbalen ehrver- letzenden Äusserungen und dem Anspucken handle es s ich um separate Akte. So könnten bei in zeitlichem Zusammenhang erfolgten Handlungen dur chaus verschiedene rechtliche Würdi- gungen möglich sein. Ferner sei keineswegs erstellt , dass der Beschuldigte den Privatkläger lediglich in seiner Ehre habe verletzen wollen. Auc h wenn dies allenfalls eine Absicht des Be- schuldigten gewesen sein möge, so bleibe eine weite re Absicht, in concreto auf Tätlichkeiten oder ähnliche Handlungen gerichtet, keinesfalls ausgeschlossen. Im vorliegenden Fall sei damit echte Konkurrenz zwischen der Ehrverletzung und der Tätlichkeit anzunehmen. 2.3 Die Verteidigung vertritt hingegen die Ansicht, die rechtliche Würdigung der Vorinstanz sei in jeder Hinsicht korrekt vorgenommen worden. 2.4 a) Zu klären gilt es vorliegend die Frage, wie da s Anspucken ins Gesicht eines Polizisten während einer Amtshandlung in rechtlicher Hinsicht zu beurteilen ist. Ob es, entsprechend der Argumentation des Berufungsklägers, welcher sich di e Staatsanwaltschaft anschliesst, als Ge- walt und Drohung gegen Behörden und Beamte, oder – so die Vorinstanz und der Beschuldigte – als blosse Beschimpfung zu qualifizieren ist. b) Den Tatbestand gemäss Art. 285 Ziffer 1 StGB e rfüllt, wer einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, die innerhalb seine r Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshandlung nötigt oder während einer Amtshandlung tätlich angreift. Bei Art. 285 Ziffer 1 StGB bestehen demnach drei Varianten des Tatbestand s: die Hinderung einer Amtshandlung mit Gewalt oder Drohung, die Nötigung zu einer Amts handlung mit Gewalt oder Drohung sowie der tätliche Angriff während einer Amtshandlung (vgl. STEFAN HEIMGARTNER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 285 N 4). Im vorliegenden Zusammenhang steht von diesen alternati- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ven Tathandlungen der tätliche Angriff während eine r Amtshandlung im Vordergrund. Dieser muss sich – im Gegensatz zu den anderen beiden Tatv arianten – nicht gegen die Amtshand- lung richten, d.h. diese muss nicht gehindert werden. Vorausgesetzt wird hier lediglich, dass der Angriff während der Amtshandlung erfolgt. Ein tätli cher Angriff i.S.v. Art. 285 Ziffer 1 StGB be- steht in einer eindeutigen aggressiven Kraftentfalt ung gegen die betreffende Amtsperson. Die Verursachung von Schmerzen ist dagegen nicht erforderlich. Nicht als tätliche Angriffe sind hin- gegen physische Gebärden zu qualifizieren, die sich überhaupt nicht dazu eignen, den Körper des Betroffenen unmittelbar zu berühren, wie z.B. d rohende Bewegungen (vgl. BGE 117 IV 16 f.; H EIMGARTNER , a.a.O., Art. 285 N 4 und 14 f.; G ÜNTER S TRATENWERTH /G UIDO JENNY /F ELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II, 7. Aufl. 2013, § 52 N 25). In der Litera- tur wird betreffend des tätlichen Angriffs gemäss A rt. 285 Ziffer 1 StGB regelmässig eine Paral- lele zu den Tätlichkeiten gemäss Art. 126 StGB gezogen. Demnach kann zur Beantwortung der Frage, ob ein tätlicher Angriff im Sinne von Art. 2 85 StGB vorliegt, per Analogie auf die Definiti- on der Tätlichkeit in Art. 126 StGB zurückgegriffen werden (vgl. STRATENWERTH /J ENNY /B OMMER , a.a.O., § 52 N 25; S TEFAN FLACHSMANN , StGB-Kommentar, 19. Aufl. 2013, Art. 285 N 11; HEIMGARTNER , a.a.O., Art. 285 N 15). c) Als Tätlichkeit gilt der geringfügige und folge nlose Angriff auf den Körper oder die Ge- sundheit eines andern Menschen (BGE 68 IV 85; 103 I V 65, 69), welche einerseits zu harmlo- sen, noch nicht strafwürdigen "Rempeleien" und ande rerseits zu den als Vergehen geltenden einfachen Körperverletzungen abzugrenzen ist. Damit überhaupt eine strafbare Tätlichkeit vor- liegt, ist eine Einwirkung auf den Körper eines andern Menschen gefordert, die mindestens eine bestimmte Intensität erreicht. Gemäss neuerer Praxis nimmt das Bundesgericht eine Tätlichkeit, unabhängig von der Schmerzzufügung, dann an, "wenn das allgemein übliche und gesellschaft- lich geduldete Mass einer Einwirkung auf den Körper eines andern überschritten wird", dabei aber noch keine Schädigung bewirkt wird (BGE 117 IV 14, 17; 119 IV 25, 26; 134 IV 189, 191). Es genügt also das Verursachen eines deutlichen Mis sbehagens, die Störung des Wohlbefin- dens. Neben dem klassischen Beispiel der Ohrfeige w erden auch Faustschläge, Fusstritte, hef- tige Stösse, Haarabschneiden, ein Handgemenge, das Zerzausen einer kunstvoll aufgebauten Frisur, das Bewerfen mit Gegenständen von einigem G ewicht, das Begiessen mit Wasser oder Sirup, das Verschmieren eines Stücks Patisserie im Gesicht eines anderen ("entartage") oder das Bespritzen mit einem stinkenden Stoff als Tätli chkeiten qualifiziert (vgl. A NDREAS ROTH /T ORNIKE KESHELAVA , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 126 N 3–5, mit weiteren Hinweisen; S TEFAN T RECHSEL /C HRISTOPHER GETH , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxis- kommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 126 N 9). d) Im Vergleich zum Bewerfen mit einer Torte oder dem Übergiessen mit Wasser, welche anerkanntermassen Tätlichkeiten darstellen, erscheint die Einwirkung auf den Betroffenen beim Bespucken ins Gesicht als ungleich grösser, zumal d iese Handlung bei diesem zweifelsohne stets massiven Ekel hervorruft. Beim Anspucken wird Speichel heftig und in hoher Geschwin- digkeit mehr oder weniger gezielt aus dem Mund in R ichtung des Gegenübers ausgestossen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Folgerichtig stellt das Anspucken ins Gesicht eine aggressive und mit einiger Intensität erfolgte Einwirkung auf den Körper eines andern Menschen dar , welche das allgemein übliche und ge- sellschaftlich geduldete Mass der physischen Einwir kung deutlich überschreitet, und demnach das Tatbestandsmerkmal des tätlichen Angriffs gemäss Art. 285 Ziffer 1 StGB erfüllt (im Ergeb- nis ebenso: OGer ZH SB110261 vom 8. Juli 2011, E. 7 .1; a.A.: NADJA CAPUS /FRANZISKA HOHL ZÜRCHER /STEFAN MUNDHAAS , Die Polizei als Opfer – empirische Erkenntnisse z u den Erfahrun- gen der Sicherheitspolizei Region Stadt Luzern, in: forumpoenale 6/2016, S. 357, 359 f.). Wenn bereits ein Handgemenge das Erfordernis eines tätli chen Angriffs während einer Amtshandlung im Sinne von Art. 285 Ziffer 1 StGB erfüllt (so aus drücklich S TRATENWERTH /J ENNY /B OMMER , a.a.O., § 52 N 25; H EIMGARTNER , a.a.O., Art. 285 N 15), so muss dies umso mehr fü r ein An- spucken ins Gesicht gelten. e) Der Vorinstanz ist zwar insofern Recht zu geben , dass das Anspucken ins Gesicht nebst der physischen Komponente durchaus auch ein Element der Ehrverletzung beinhaltet. Mithin ging es dem Beschuldigten bei seiner Spuckattacke s owohl darum, beim betroffenen Polizisten massives Unwohlsein und Ekel hervorzurufen als auch , diesen dadurch in seiner Ehre zu ver- letzen. Allerdings steht der letztgenannte Aspekt v orliegend nicht im Vordergrund, vielmehr handelt es sich um zwei unterschiedliche, nebeneina nderstehende Intentionen. In diesem Zu- sammenhang gilt es zu beachten, dass zum einen auch zwischen den Tatbeständen der Be- schimpfung (Art. 177 StGB) und der Tätlichkeiten (A rt. 126 StGB) Idealkonkurrenz nicht ausge- schlossen ist (vgl. A NDREAS DONATSCH , Delikte gegen den Einzelnen, 10. Aufl. 2013, § 18 S. 230) und zum anderen das geschützte Rechtsgut von A rt. 285 StGB (reibungsloses Funktionie- ren der staatlichen Organe, Schutz der staatlichen Autorität) im Vergleich zu jenem von Art. 177 StGB (Ehrgefühl) ein ganz unterschiedliches ist. De mnach ist das Tatbestandselement des tät- lichen Angriffs im Sinn von Art. 285 Ziffer 1 StGB in casu zu bejahen, wobei dieses nicht aus Überlegungen der Konkurrenz zu Gunsten einer Beschi mpfung gemäss Art. 177 StGB zurück- zutreten hat. Indem der Beschuldigte dem Privatkläg er im Rahmen einer Polizeikontrolle ins Gesicht spuckte, hat er demnach einen Beamten währe nd einer Amtshandlung tätlich angegrif- fen, mithin den objektiven Tatbestand von Art. 285 Ziffer 1 StGB erfüllt. Überdies handelte der Beschuldigte klarerweise mit Vorsatz, wobei er zumi ndest in Kauf nahm, dass seine Handlung einem tätlichen Angriff gleichkommt. 2.5 Somit ergibt sich, dass der Beschuldigte – im Gege nsatz zur Auffassung der Vor- instanz – wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden u nd Beamte schuldig zu sprechen ist. Folgerichtig ist der betreffende Freispruch gemäss Ziffer IV.2 des vorinstanzlichen Urteilsdispo- sitivs aufzuheben und der Beschuldigte in Gutheissu ng der Berufung des Privatklägers zusätz- lich gemäss Art. 285 Ziffer 1 StGB zu verurteilen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht III. S TRAFZUMESSUNG 1.1 Die Vorinstanz sprach gegenüber dem Beschuldigten wegen Landfriedensbruchs eine bedingt vollziehbare Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 30. ‒ aus, wobei sie die Probe- zeit auf 2 Jahre festlegte. Sowohl der Landfriedensbruch gemäss Art. 260 Abs. 1 StGB als auch Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziffer 1 StGB sehen eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe als Sanktion vor. Aufgrund des im Berufungsver- fahren hinzutretenden Schuldspruchs wegen Gewalt un d Drohung gegen Behörden und Beam- te rechtfertigt es sich, die vorinstanzlich ausgesp rochene bedingte Geldstrafe auf 50 Tagessät- ze zu erhöhen, wobei eine Probezeit von 2 Jahren sowie ein Tagessatz von CHF 30. ‒ weiterhin als angemessen erscheinen. Im Übrigen wird auf die korrekten Erwägungen der Vorinstanz hinsichtlich der Strafzumessung verwiesen (Urteil, S. 27 ff.), denen sich das Kantonsgericht ohne Weiteres anschliesst. 1.2 Im Weiteren gilt es zu prüfen, ob eine Verbindung sbusse auszusprechen ist. Gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte Strafe mit e iner unbedingten Geldstrafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden. Die Verb indung von bedingten Geldstrafen mit einer Busse ist zwar primär auf das Massengeschäft im Strassenverkehrsbereich ausgerichtet, kann jedoch im gesamten Bereich der bedingten Strafen zur Anwendung kommen (vgl. ROLAND M. SCHNEIDER /R OY GARRÉ , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 42 N 1 09, mit Hinweis auf die Botschaft StPO, BBl 2005 S. 4707). Die unbe dingte Verbindungsgeldstrafe beziehungs- weise Busse trägt dazu bei, das unter spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe Drohpotential der bedingten Geldstrafe zu e rhöhen. Dem Verurteilten soll ein Denkzet- tel verpasst werden können, um ihm (und soweit nöti g allen anderen) den Ernst der Lage vor Augen zu führen und zugleich zu demonstrieren, was bei Nichtbewährung droht (BGE 134 IV 60, E. 7.3.1; BGE 134 IV 1, E. 4.5.1; G ÜNTER STRATENWERTH /W OLFGANG WOHLERS , Hand- kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 42 N 15). 2.1 Im vorliegenden Fall wird dem keineswegs zu bagat ellisierenden Verschulden des Be- schuldigten betreffend Gewalt und Drohung gegen Beh örden und Beamte nach Überzeugung der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts allein durch das Aussprechen einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe nicht Genüge getan. Es ers cheint vielmehr im Sinn eines spürbaren Denkzettels als gerechtfertigt, gegenüber dem Besch uldigten eine zusätzliche Sanktion auszu- sprechen, um ihm den Ernst der Lage deutlich vor Au gen zu führen und ihm zu verdeutlichen, dass sein nicht zu tolerierendes Verhalten in aller Form missbilligt wird und sich unter keinen Umständen wiederholen darf. Entsprechend ist dem Be schuldigten eine Verbindungsbusse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB aufzuerlegen, wobei d as Kantonsgericht unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände zum Schluss kommt, dass eine Bu sse in der Höhe von CHF 300. ‒ dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten als angemessen erscheint. Im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse trit t an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Demzufolge ist der Beschuldigte des Landfriedensb ruchs sowie der Gewalt und Dro- hung gegen Behörden und Beamte schuldig zu erklären und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 30. ‒, bei einer Probezeit von 2 Jahren, unter An- rechnung der vorläufigen Festnahme vom 22. Septembe r 2013 von 1 Tag zu verurteilen. Zu- dem ist gegenüber B.____ eine Busse von CHF 300. ‒ auszusprechen, an deren Stelle für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen tritt. IV. Z IVILFORDERUNGEN 1. Gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR wird zum Ersatz verp flichtet, wer einem anderen wider- rechtlich Schaden zufügt, sei es aus Absicht oder a us Fahrlässigkeit. Gemäss Art. 42 Abs. 1 OR hat den Schaden zu beweisen, wer Schadenersatz b eansprucht (M ARTIN A. KESSLER , Bas- ler Kommentar, Obligationenrecht I, 6. Auflage 2015 , Art. 47 OR N 1 ff.). Gemäss Art. 122 Abs. 1 StPO kann die geschädigte Person zivilrechtl iche Ansprüche aus der Straftat als Privat- klägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren gelte nd machen. Seiner Natur nach ist der Ad- häsionsprozess ein in den Strafprozess integrierter Zivilprozess, für den aufgrund der Beson- derheit in mancherlei Hinsicht besondere Regeln gelten. Der Adhäsionsprozess folgt zwar nach herrschender Lehre grundsätzlich zivilprozessualen Regeln, doch bewirkt die Verbindung mit dem Strafverfahren, dass er sich primär nach den en tsprechenden Bestimmungen der StPO richtet. Nur soweit Lücken bestehen, sind zivilproz essuale Regelungen und Grundsätze an- wendbar. Die Würdigung des Sachverhaltes hat im Rah men der zivilrechtlichen Tatbestandse- lemente, namentlich von Art. 41 ff. OR, zu erfolgen . Ansprüche aus der Straftat sind insbeson- dere solche, welche sich auf deliktische Anspruchsg rundlagen stützen; in erster Linie sind es Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche aus unerlau bter Handlung gemäss Art. 41 ff. OR (vgl. A NNETTE DOLGE , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 122 St PO N 9, N 32 und N 66, mit Hinweisen). In Anwendung von Art. 126 Abs . 1 lit. a StPO entscheidet das Gericht über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht. Nach Abs. 2 lit. b von Art. 126 StPO wird hingegen die Z ivilklage auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat. Wenn die voll- ständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältni smässig aufwendig wäre, kann das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entscheiden u nd sie im Übrigen auf den Zivilweg ver- weisen (Art. 126 Abs. 3 StPO). Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletz t wurde, hat Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern die Schwere der Ve rletzung es rechtfertigt und diese nicht anders wieder gut gemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1 OR). Der Zweck der Genugtuung ist die Schaffung eines gewissen Ausgleichs für die erlitte ne Persönlichkeitsverletzung, wobei sich aber Geld und Schmerz als unvergleichbare Grössen g egenüber stehen. Die Festsetzung der Höhe der Genugtuungssumme ist daher stets ein Billi gkeitsentscheid im Sinne von Art. 4 ZGB. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ein seelischer Schaden kann mit anderen Worten nich t mit Geld aufgewogen werden, weshalb die Genugtuungssumme immer einen symbolischen Chara kter hat. Sie darf aber nicht so tief bemessen sein, dass der Eindruck erweckt wird, die wirklich erlittene Unbill werde durch das Gericht bagatellisiert. Vielmehr kommt es bei der B emessung der Genugtuungssumme auf die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlich- keit des Betroffenen sowie auf den Grad des Verschu ldens an, das den Schädiger trifft. Je schwerwiegender die Umstände sind und je intensiver die Unbill auf den Anspruchsteller ein- gewirkt hat, umso höher ist grundsätzlich die Genug tuungssumme. Dem Richter kommt bei der Bemessung und Festsetzung der Genugtuungsleistung e in erheblicher Ermessensspielraum zu (vgl. KESSLER , a.a.O, Art. 47 OR N 1 ff.). 2. Der Privatkläger A.____ hat sich im Strafverfahren als Privatkläger konstituiert (act. 923, 971) und adhäsionsweise Zivilansprüche von CHF 100. ‒ sowie eine Genugtuungsforderung von CHF 100. ‒ gegen den Beschuldigten geltend gemacht. Er stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, er habe durch die Spuckattacke des Beschuldigten eine erhebliche seelische Unbill erlitten, wobei die Schadenersatzforderung in der Höhe von CHF 100. ‒ als Pauschale für die Folgeaufwände des Privatklägers (Kosten im Zusa mmenhang mit Gesundheitstests etc.) zu betrachten sei. 3.1 Wie in den obigen Erwägungen bereits festgestellt, ist der Beschuldigte wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte schuldig zu s prechen. Die vom Privatkläger geltend gemachte Zivilforderung in der Höhe von CHF 100. ‒ erscheint jedoch als völlig unbelegt, so- dass dieser für die Geltendmachung seiner Schadener satzforderung in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg zu verweisen ist. 3.2 Hinsichtlich einer Genugtuungsforderung ist festzus tellen, dass die durch das fraglos überaus eklige Anspucken verursachte Einwirkung auf den Privatkläger nicht als erheblich ge- nug im Sinne von Art. 49 Abs. 1 OR zu qualifizieren ist, um eine Anspruchsberechtigung des Privatklägers auf Genugtuung zu begründen. Bei vorü bergehenden Gesundheitsbeeinträchti- gungen ist eine immaterielle Unbill erst dann anzun ehmen, wenn erschwerende Begleitumstän- de vorliegen. Solche sind gegeben, wenn die an sich geringfügige Körperverletzung vorsätzlich und unter traumatischen Umständen zugefügt wurde od er längerfristige psychische Nachwir- kungen hat; beträchtliche psychische Beeinträchtigu ngen müssen bei der Bemessung der Ge- nugtuung entsprechend berücksichtigt werden, so etw a posttraumatische Stresszustände, die zu dauerhaften Veränderungen der Persönlichkeit führen (BGer 6B_353/2012 vom 26. Septem- ber 2012, E. 2.1; 1A.235/2000 vom 21. Februar 2001, E. 5.b). Derartige hinzutretende Kompli- kationen sind im vorliegenden Fall indessen nicht e rstellt. Vergleichbar mit Gesundheitsbeein- trächtigungen, die ohne grösseren Aufwand geheilt w erden können (Knochenbrüche, insbeson- dere Bein- oder Schlüsselbeinbrüche, die normal ver heilen, Hirnerschütterungen, Rissquetsch- wunden, Blutergüsse oder Schürfungen) besteht aufgr und des Anspuckens im vorliegenden Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fall demnach mangels Erreichen des erforderlichen S chweregrades für den Privatkläger kein Anspruch auf Genugtuung. 3.3 Zusammenfassend ist die Zivilforderung von A.____ in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg zu verwiesen, und sein e Genugtuungsforderung in Anwendung von Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO abzuweisen. IV. K OSTEN 1.1 Hinsichtlich der Kosten des erstinstanzlichen Verf ahrens gilt es zu beachten, dass der Beschuldigte nebst den heute auszufällenden Schulds prüchen wegen Landfriedensbruchs so- wie wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Bea mte vom Strafgericht von den schwerwiegenden Vorwürfen des mehrfachen Raubes und der versuchten schweren Körperver- letzung freigesprochen worden ist. Dieser Verfahren sausgang rechtfertigt es, die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, bestehend aus den Kos ten des Vorverfahrens von CHF 2‘111. ‒ und 1/5 der Gerichtsgebühr von CHF 9‘000. ‒ (entsprechend CHF 1‘800. ‒), in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO zu 1/5 zu Lasten von B.____ un d zu 4/5 zu Lasten des Staates zu verle- gen. 1.2 Das vom Strafgericht auf CHF 8‘539.55 (inkl. Auslag en und 8% Mehrwertsteuer) festge- setzte Honorar des amtlichen Verteidigers, Advokat Dr. Nicolas Roulet, für das erstinstanzliche Verfahren ist im Berufungsverfahren unangefochten geblieben. B.____ ist, sobald es seine wirt- schaftlichen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, d em Staat die Kosten der amtlichen Verteidi- gung im Umfang von 1/5 zurückzuzahlen und der amtli chen Verteidigung 1/5 der Differenz zwi- schen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Ho norar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). 2. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien d ie Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Die Berufung der Privatklägerschaft ist vorliegend, abgesehen von den Zivilforderungen, gutzuheissen. Dieser Verfahrensausgang rechtfertigt es, die ordentlichen Kosten des kanton sgerichtlichen Verfahrens in der Höhe von CHF 1‘000. ‒, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 900. ‒ sowie Auslagen von CHF 100. ‒, zu Lasten des Beschuldigten zu verlegen. 3.1 Die Verfahrensleitung ordnet die amtliche Verteidig ung an, wenn die beschuldigte Per- son nicht über die erforderlichen Mittel verfügt un d die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interes- sen geboten ist (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO). Zur Wahrung der Interessen der beschuldigten Person ist die Verteidigung namentlich geboten, wen n es sich nicht um einen Bagatellfall han- delt und der Straffall in tatsächlicher oder rechtl icher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, denen die beschuldigte Person allein nicht gewachsen wäre (Ar t. 132 Abs. 2 StPO). Gemäss Art. 132 Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 3 StPO liegt ein Bagatellfall jedenfalls dann nicht mehr vor, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als 4 Monaten oder eine Geldstrafe von mehr al s 120 Tagessätzen zu erwarten ist. Bei offensichtlichen Bagatelldelikten, bei denen nur ei ne Busse oder geringfügige Freiheitsstrafe in Frage kommt, verneint das Bundesgericht jeglichen v erfassungsmässigen Anspruch auf unent- geltliche Rechtsverbeiständung, was aber nicht auss chliesst, dass ein Fall notwendiger Vertei- digung (z.B. wegen körperlicher oder geistiger Gebr echen gemäss Art. 130 lit. c StPO) vorlie- gen könnte. Eine Verteidigung kann aber auch in Fäl len geboten sein, in denen (noch) keine notwendige Verteidigung gegeben ist. Im Kern geht e s darum, dass der Staat in diesen Fällen, die keine Bagatellen mehr sind, aber auch noch nich t die Schwelle der notwendigen Verteidi- gung erreichen, an sich keine Notwendigkeit sieht, dass die beschuldigte Person verteidigt sein muss (vgl. NIKLAUS RUCKSTUHL , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 132 N 19, mit zahl- reichen Hinweisen auf die Rechtsprechung). Die Zust ändigkeit zur Bestellung der amtlichen Verteidigung liegt beim Präsidenten der Dreierkammer der Abteilung Strafrecht des Kantonsge- richts (Art. 133 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 61 lit. c StPO i.V.m. § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO). 3.2 Das vorliegende Berufungsverfahren ist beschränkt auf die Rechtsfrage, ob der Be- schuldigte nebst dem unangefochtenen Schuldspruch w egen Landfriedensbruch zusätzlich we- gen Art. 285 Ziffer 1 StGB zu bestrafen ist und die davon abhängigen geringfügigen Kosten- und Entschädigungsfolgen (vgl. obenstehend I.2). Diese Konstellation ist als Bagatellfall im Sin- ne von Art. 132 Abs. 2 StPO einzustufen, zumal klar erweise zum Vornherein absehbar war, dass dem Beschuldigten selbst bei der (nun erfolgten) Gutheissung der Berufung des Privatklä- gers nur eine moderate Erhöhung der bedingt vollzie hbaren Geldstrafe im Bereich von noch klar unter 120 Tagessätzen drohte. Folgerichtig ist der Antrag des Beschuldigten auf Gewäh- rung der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren präsidialiter abzuweisen. 3.3 Schliesslich hat der Beschuldigte dem Privatkläger für das zweitinstanzliche Verfahren eine Entschädigung zu entrichten (Art. 436 Abs. 1 i .V.m. Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO), wobei der Berufungskläger für das Berufungsverfahren keine Honorarnote eingereicht hat. Die strafrechtli- che Abteilung des Kantonsgerichts hat die Entschädi gung somit nach pflichtgemässem Ermes- sen festzusetzen (vgl. § 18 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte, TO, SGS 178.112). Angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen sowie unter Berücksichtigung der eingereichten Rechtsschriften erscheint für das zweitinstanzliche Verfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 1‘200. ‒ (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 96. ‒), somit insgesamt CHF 1‘296. ‒, als angemessen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 6. Juli 2017, auszugsweise lautend: "IV. 1. a) B.____ wird des Landfriedensbruchs schuldig erklär t und verur- teilt: zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Ta gessätzen zu je Fr. 30.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 22.0 9.2013 von 1 Tag, in Anwendung von Art. 260 Abs. 1 StGB, Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB. 2. B.____ wird von den Vorwürfen des mehrfachen Raubes, der ver- suchten schweren Körperverletzung sowie der Gewalt und Dro- hung gegen Behörden und Beamte freigesprochen. 3. a) Die Zivilforderungen von [...] werden in An wendung von Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO abgewiesen. 3. b) Die Zivilforderungen von A.____ werden in An wendung von Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfah- rens von Fr. 2‘111.-- und 1/5 der Gerichtsgebühr vo n Fr. 9‘000.-- (entsprechend Fr. 1‘800.--). B.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 1/10 der Verfahrenskosten. 9/10 der Verfahrenskosten gehen z u Lasten des Staates. […] 5. Das Honorar des amtlichen Verteidigers, Nicol as Roulet, Advokat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel wird auf Fr. 8 ‘539.55 (inkl. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) festgesetzt und au s der Ge- richtskasse entrichtet. B.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Ve rteidigung im Umfang von 1/10 zurückzuzahlen und der amtlichen Ve rteidigung 1/10 der Differenz zwischen der amtlichen Entschädi gung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 li t. a und lit. b StPO)." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Privatkl ägers in den Dispositiv-Ziffern IV.1–5 wie folgt geändert: IV. 1. B.____ wird des Landfriedensbruchs sowie der Gewalt und Dro- hung gegen Behörden und Beamte schuldig erklärt und verur- teilt: zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 22.0 9.2013 von 1 Tag, sowie zu einer Busse von Fr. 300.-- , im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stel- le eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 260 Abs. 1 StGB, Art. 285 Zif fer 1 StGB, Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Ab s. 1 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 51 S tGB und Art. 106 StGB. 2. B.____ wird von den Vorwürfen des mehrfachen Raubes sowie der versuchten schweren Körperverletzung freigesprochen. 3. a) Die Zivilforderungen von […], werden in Anwendung v on Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO abgewiesen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. b) Die Zivilforderungen von A.____ werden in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen . Die Genugtuungsforderung von A.____ wird abgewiesen . 4. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfah- rens von Fr. 2‘111.-- und 1/5 der Gerichtsgebühr vo n Fr. 9‘000.-- (entsprechend Fr. 1‘800.--). B.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 1/5 der Ver- fahrenskosten. 4/5 der Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. 5. Das Honorar des amtlichen Verteidigers, Dr. N icolas Roulet, Ad- vokat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel, wird a uf Fr. 8‘539.55 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) festgesetzt und aus der Gerichtskasse entrichtet. B.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Ve rteidigung im Umfang von 1/5 zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidigung 1/5 der Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts best ätigt. II. 1. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 900. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 100. ‒, somit total CHF 1‘000. ‒, gehen zu Lasten des Beschuldigten. 2. Das Gesuch des Beschuldigten um Bewilligung der amt lichen Verteidi- gung für das Berufungsverfahren wird abgewiesen. 3. B.____ wird dazu verurteilt, dem Privatklä ger für das zweitinstanzliche Verfahren eine Entschädigung in Höhe von CHF 1‘200. ‒ (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 96. ‒), somit insgesamt CHF 1‘296. ‒, für die anwaltlichen Auf- wendungen zu bezahlen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger