B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2408/2012 law/joc U r t e i l v o m 9 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Markus König, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Susanne Gnekow, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 24. April 2012 / N (…). D-2408/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste am 2. März 2012 in die Schweiz ein, wo er am 3. März 2013 im Transitzentrum Altstätten um Asyl nachsuchte. Dort wurde ihm das rechtliche Gehör zu ein er Überstellung nach Ungarn, Deutschland und Österreich gewährt, da sich der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus Afghanistan unter anderem in diesen Ländern des Schengen-Raumes aufgehalten hatte. Im Rahmen di eser Befragung erklärte der Beschwerdeführer, er stamme ursprünglich aus B._______ (Provinz Qarabakh) und er habe Afghanistan anfangs Februar 2010 verlassen. Zuvor habe er fünf Jahre in C._______ (Iran) gelebt, er sei aber von den iranischen Behörden wiederholt nach Afghanistan ausgewiesen worden. Von Afghanistan sei er mit einem LKW via die Türkei nach O._______ (Ungarn) gereist. Nach seiner Ankunft dort am 30. April 2010 sei er vom 1. Mai 2010 bis am 2 7. September 2010 in D._______ in Haft gewesen und habe anschliessend drei Monate im Flüchtlingslager E._______ verbracht. Am 27. Oktober 2010 sei er von O._______ mit dem Zug nach Österreich und dann nach Deutschland ge- fahren. Vom 8. Januar 2011 bis am 1. März 2011 habe er sich in F._______ (Deutschland) und danach vom 1. März 2011 bis am 27. September 2011 in G._______ (Deutschland) aufgehalten. Dann sei er von Deutschland nach Ungarn ausgewiesen worden. Vom 27. September 2011 an bis anfangs März 2011 habe er sich wieder in Ungarn aufgehalten. Am 2. März 2012 sei er mit einer Privatperson von O._______ bis zur Schweizer Grenze gefahren und dort festgenommen worden. In Ungarn habe er um Asyl nachgesucht. Sein Gesuch sei abg e- lehnt worden. Das Asylverfahren habe ohne Dolmetscher stattgefunden. Beschwerde habe er nicht erhoben. Er habe keinen Dolmetscher gehabt und wäre auch finanziell dazu nicht in der Lage gewesen. Falls Öster- reich, Deutschland oder Ungarn einen positiven Ents cheid fällen würden, würde er in diese Länder zurückkehren. Bei einer Überstellung nach U n- garn würde er allerdings sofort ins Gefängnis verbracht und wie zuvor gebüsst, weil er das Land illegal verlassen habe. Ohne Taschengeld und ohne Dach über dem Kopf w ürde er dort keine Zukunft haben. Seine An- gaben über seinen Aufenthalt in Ungarn seien mittels seiner deutschen Anwältin überprüfbar. Er bitte die Schweizer Behörden, ihn vor der O b- dachlosigkeit zu bewahren. Er habe weder in Afghanistan noch anderswo eine Zukunft. D-2408/2012 Seite 3 B. Am 22. März 2012 ersuchte das BFM die ungarischen Behörden gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur B e- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü fung eines von einem Drit t- staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zustä n- dig ist ( Dublin-II-VO), um Wiederaufnahme des Beschwerde führers, wo- bei es ausführte, der Beschwerdeführer habe am 11. Mai 2010 in H._______, am 16. Juni in E._______ und am 20. Oktober 2010 in O._______ um Asyl nachgesucht. Ausserdem habe er am 12. Januar 2011 in F._______, Deutschland, um Schutz nachgesucht. C. Die ungarischen Behörden antworteten dem BFM mit Schreiben vom 26. März 2012 und stimmten einer Überstellung des Beschwerdeführers nach Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO zu. Der Beschwerdeführer habe in Ungarn einige Male, letztmals am 7. Oktober 2011, nach erfolgter Übe r- stellung von Deutschland, bei den ungarischen Behörden um Asyl nach- gesucht. Sein Gesuch sei abgelehnt worden. D. D.a Mit schriftlicher Anzeige vom 11. April 2012 konstituierte sich rubr i- zierte Rechtsanwältin als Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, e r- suchte um Akteneinsicht nach Abschluss der amtlichen Untersuchung r e- spektive vor Entsc heidfällung, um Ausübung des Selbsteintrittsrechts gemäss Art. 3 Abs. 2 der Dublin -II-VO und kündigte nebst den von ihr beigelegten Unterlagen weitere Beweismitteleingaben an. D.b Im Schreiben vom 11. April 2012 führte die Rechtsvertreterin aus, der Beschwerdeführer stamme aus der Provinz Ghazni. Aufgrund einer priva- ten Feh de seien seine Eltern ermordet und das Haus zerstört worden. Um sein Leben zu retten, habe er seinen Hei matstaat verlassen und sei über den Iran und die Türkei nach Ungarn gereist. Dort sei e r polizeilich aufgegriffen und inhaftiert worden. Erst drei Tage nach seiner Inhaftierung sei er darüber informiert worden, dass er ein Asylgesuch stellen müsse. Er habe an der Befragung seine Fluchtgründe genannt. Seine Aussagen seien ihm nicht rückübersetzt worden. Danach sei ihm mündlich mitgeteilt worden, dass er mit grosser Wahrscheinlichkeit in Ungarn bleiben könne. Er sei jedoch in Haft verblieben. Er sei nie einem Haftrichter vorgeführt worden. Drei Monate später sei ihm mitgeteilt worden, dass sein Asylge- such abgewiesen worden sei, weil er illegal eingereist sei. Der Entscheid D-2408/2012 Seite 4 sei ihm nicht ausgehändigt worden. Da er in Haft keine juristische Unte r- stützung erhalten habe, habe er gegen diesen Entscheid selber (in Farsi) eine Beschwerde eingereicht. I m Gefängnis sei er menschenunwürdigen Zuständen ausgesetzt gewesen. Er habe eine enge Zelle mit vier Miti n- sassen geteilt. Es habe keinen Aufenthaltsraum gegeben. Er habe sich nur zu bestimmten Tageszeiten im Gang bewegen können. Lediglich zweimal wöchentlich habe er kalt duschen dürfen. Ihm seien – wie allen anderen auch – Schlaftabletten verabreicht worden, um ihn ruhig zu ste l- len. Die Wärter hätten die Häftlinge herablassend behandelt und Gewalt angewendet. Als ein Zellenkollege einmal aufbegehrt habe, se ien sie in der Zelle durch die Wärter misshandelt worden. Man habe ihn geweckt und verprügelt. Diese prekären, menschenverachtenden Verhältnisse von Asylsuchenden, die in Gefängnissen leben müssten sowie die systemat i- sche Medikamentenabgabe und Misshandlungen der Polizei seien meh r- fach – teilweise sogar vom Wachpersonal selbst – dokumentiert und dürf- ten als notorisch gelten wie die beiliegenden Dokumente zeigten ( Pro Asyl/bordermonitoring.eu, " Ungarn: Flüchtlinge zwischen Haft und O b- dachlosigkeit, Bericht einer einjährigen Recherche bis Februar 2012 ", [http://content.bordermonitoring.eu/bm.eu--ungarn.2012.pdf]; Schreiben vom 3. Februar 2012 von UNHCR [United Nations High Commissioner for Refugees] an den Asylgerichtshof in Österreich , Schreiben von Marion Bayer vom 10. April 2012, Diakonische Flüchtlingshilfe, Hanau, Mitverfas- serin des erwähnten Berichts von Pro Asyl; E -Mail von Marion Bay er an die Sozialarbeiterin des Beschwerdeführers) . Nach sechs Monaten sei der Beschwerdeführer aus der Haft entlassen worden. Er sei weder über das Dublin -Verfahren, noch das Beschwerdeverfahren oder den Grund für die Entlassung aus der Haft informiert worden. Ihm sei einzig ein Ze t- tel mit der Adresse ei ner Kollektivunterkunft überreicht worden. Aufgrund des in der Haft Erlebten sei er komplett verstört und desorientiert gew e- sen. Nach seiner Entlassung sei er vier Stunden apathisch auf der Stra s- se gestanden. Ein Passant habe ihn angesprochen und ihm den W eg zur Unterkunft erklärt. Nach einer achtstündigen Reise sei er dort angeko m- men. Die Zustände in jenem Zentrum seien schlecht gewesen. Er habe keine finanzielle Unterstützung erhalten und daher ständig dieselben Kleider tragen müssen. Einzig eine Militärj acke habe er erhalten, da er nachts gefroren habe. Er habe ein kleines Zimmer mit acht Leuten geteilt. Aufgrund dieser prekären Umstände habe er Ungarn verlassen und am 5. Januar 2011 in Deutschland um Asyl nachgesucht. Am 27. September 2011 sei er von der deutschen Polizei nachts verhaftet und nach Ungarn zurückgeschafft worden. In Ungarn sei er ins Abschiebelager I._______ verbracht worden. Er habe das Lager zwar drei bis vier Stunden pro Tag D-2408/2012 Seite 5 verlassen können. Ansonsten habe er jedoch mit acht Männern in einem kleinen Zimmer mit dreistöckigen Betten zusammengewohnt. Es habe keinen Aufenthaltsraum gegeben. Das Zentrum sei polizeilich überwacht worden. Das Essen sei stark rationiert und gesundheitsschädigend g e- wesen. Morgens habe es eine Zitrone und eine Zwi ebel und sechs Stück Brot gegeben. Drei Mal die Woche hätten sie Teigwaren ohne Sauce e r- halten. Lediglich einmal hätten sie dazu eine Sauce erhalten, die jedoch einen Wurm enthalten habe. Abends habe es eine Dose mit fleischähnl i- chem, ungeniessbarem Inhalt gegeben. Er habe das Essen mit dem M o- biltelefon fotografiert. Dieses Foto sei leider vom BFM in Altstätten nicht zu den Akten genommen worden. Die Fotos würden daher noch nachg e- reicht. Er sei zu Beginn weder über die voraussichtliche Dauer seines Aufenthaltes in erwähntem Lager noch über den Grund dafür aufgeklärt worden. Erst nachdem er zusammen mit anderen Afghanen die Vorstehe- rin gefragt habe, sei ihm mitgeteilt worden, dass er abgeschoben werden solle. Sowohl während seines Aufenthaltes im Gefängnis al s auch im L a- ger sei er von Mitarbeitern von Menschenrechtsorganisationen befragt worden. Die Befragung von ihm und weiteren Flüchtlingen habe schliess- lich zu einem fundierten Bericht von Pro Asyl und Bordermonitoring.eu geführt. Der Beschwerdeführer sei aufgrund der prekären Verhältnisse im Lager I._______ an Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Husten e r- krankt. Er habe wiederholt um medizinische Betreuung ersucht. Diese sei ihm verweigert worden. Deshalb habe er Ungarn verlassen und sei z u- sammen mit ei nem Kollegen in die Schweiz gereist. Während seines ganzen Aufenthaltes in Altstätten habe er Medikamente einnehmen mü s- sen. Aufgrund der schlechten Ernährung in Ungarn habe er Magenpro b- leme, welche bald ärztlich behandelt würden. Ein Arztbericht werde nach- gereicht. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe im Urteil vom 20. September 2011, Beschwerde Nr. 10816/10 entschi e- den, dass die Inhaftierung von Asylsuchenden in Ungarn Art. 5 der Kon- vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Mensche nrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verletze. Gemäss dem Gerichtshof grenze es an Willkür, wie durch Stillschweigen der Behörden ohne b e- gründeten Entscheid und Beschwerdemöglichkeit die Freiheit der Betro f- fenen beschränkt werde. In diversen weiter en Verfahren habe der EGMR die Überstellung gestützt auf die Dublin -II-VO von Asylsuchenden nach Ungarn gestoppt. Die willkürliche Verhaftung von Asylsuchenden sei selbst in Ungarn gerichtlich festgestellt worden. Leider habe die Judikat i- ve aber so gut wie praktisch keinen Einfluss auf die rechtswidrige Praxis der Asylbehörden. Zudem stehe Asylsuchenden in den meisten Fällen keine praktische Möglichkeit für eine effektive Beschwerde offen. Dublin -D-2408/2012 Seite 6 Rückkehrende seien – wie der beigelegte Bericht des Hungarian Helsinki Committee vom Dezember 2011 zeige – sowohl hinsichtlich des Asylver- fahrens als auch der Unterbringung schlechter gestellt als die übrigen Asylsuchenden. Die Gefahr, dass ein Asylgesuch nicht materiell en t- schieden werde, sei konkret. Dem Beschwerd eführer sei nach seiner Rückkehr nach Ungarn ohne Grundangabe mitgeteilt worden, dass seine Beschwerde abgewiesen worden sei. Aufgrund der mehrfach und seriös dokumentierten Mängel im ungarischen Asylverfahren deute dieser U m- stand darauf hin, dass das Asylgesuch in letzter Instanz gar nicht mate- riell entschieden worden sei. Der Beschwerdeführer stamme aus Ghazni, einer Provinz, wohin die Rückführung gemäss bundesgerichtlicher Recht- sprechung unzumutbar sei. Da er erwiesenermassen in einem Abschi e- bungslager i n Ungarn gewesen sei, würde eine Rückführung nach U n- garn sowohl das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) als auch die Dublin-II-VO verletzen. Die monatelange Inhaftie rung, die prekä ren Haftbedingungen und die men- schenunwürdigen und gesundheitsgefährdenden Zustände bei der Unter- bringung seien rechtsgenüglich dargelegt. Der Beschwerdeführer sei se i- ner Mitwirkungspflicht nachgekommen. Eine Verletzung von Art. 3 und 5 EMRK sowie auch eine Verletzung des Anspruchs auf ein faires Asylver- fahren gemäss der FK seien glaubhaft gemacht. Die Vermutung, dass Ungarn die Grundr echte von Asylsuchenden beachte und als sicherer Staat gelte, sei somit widerlegt worden. Sollte der Beschwerdeführer dennoch nach Ungarn weggewiesen werden, so müsste die Schweiz konkret und unter differenzierter Auseinandersetzung der eingereichten Beweismittel und Dokumentationen aufzeigen, dass die Grundrechte des Beschwerdeführers im ungarischen Asylverfahren beachtet worden seien. D.c In ihrem Schreiben vom 10. April 2012 und erwähnter E-Mail erklärte Frau Marion Bayer, dass sie im Rahmen einer Recherchereise zur Flücht- lingssituation in Ungarn den Beschwerdeführer am 16. September 2011 in Ungarn getroffen habe. Im Rahmen eines Gruppeninterviews mit Flüch t- lingen aus dem Iran und Afghanistan habe sie auch mit dem Beschwerde- führer gesprochen. Die meisten der Flüchtlinge seien erst kurze Zeit vo r- her nach I._______ überstellt worden. In jenem Zeitpunkt seien dort nur Flüchtlinge gewesen, deren Asylverfahren während ihrer Abwe senheit negativ entschieden worden seien. Allen sei gesagt worden, dieses Lager sei die Endstation in Europa und sie müssten dort auf ihre Abschiebung warten. Sie hätten keine finanzielle Unterstützung erhalten. Fast alle hä t- ten daher Ungarn wieder verlassen und seien in andere europäische Länder geflohen. In erwähn tem Bericht von Pro Asyl/bordermonitoring.eu D-2408/2012 Seite 7 würden die Haftbedingungen und die Situation von Dub lin- Rückkehrenden geschildert. Neun von zehn der interviewten Flüchtlinge seien vor oder nach der Überstellung für lange Zeit inhaftiert gewesen. Fast alle hätten regelmässig Schlaftabletten und Beruhigungsmittel erha l- ten. Die Mehrzahl der Flüchtlinge habe täglich Tramadol eingenommen und sei davon abhängig geworden. D.d Dem Schreiben der Rechtsvertreterin vom 11. April 2012 war – nebst einer Vollmacht und erwähnter Schreiben und Berichte – eine an einen österreichischen Rechtsanwalt adressierte Verfügung vom 1 1. Januar 2012 des EGMR i.S. application no. 2283/12 vs. Austria beigelegt. E. E.a Mit Verfügung vom 24. April 2012 – eröffnet am 26. April 2012 – trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerd e- führers nicht ein und ordnete die Wegweisung nach Ungarn an. Es forder- te den Beschwerdeführer – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unter- lassungsfall – auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der B e- schwerdefrist zu verlassen. Ferner stellte es fest, der Kanton J._______ sei verpflichtet, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, und einer allfäl- ligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. Gleichzeitig händigte es dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. E.b Zur Begründung führte das BFM aus, gestützt auf die Dublin -II-VO sei Ungarn für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens zuständig. Es obliege daher den zuständigen Behörden, den Aufenthalts- status des Beschwe rdeführers zu regeln oder gegebenenfalls eine We g- weisung ins Heimatland anzuordnen. Ihm stehe die Möglichkeit offen, bei einer nationalen Instanz in Ungarn Beschwerde einzureichen, falls sein Asyl- und Wegweisungsverfahren in Ungarn nicht korrekt durchgefü hrt worden und Ungarn seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nac h- gekommen sei. Ein abgeschlossenes Asylverfahren in Ungarn würde ke i- ne Änderung der Zuständigkeit bewirken (Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II- VO). Der Beschwerdeführer könne in einen Dri ttstaat reisen, der Schutz vor Rückschiebung gewähre. Hinweise für eine Verletzung von Art. 3 EMRK bestünden keine. Mit Bezug auf die Ausführungen im Schreiben vom 11. April 2012 führte das BFM aus, Ungarn habe die EMRK ratifiziert, weswegen davon auszugehen sei , dass der Beschwerdeführer wegen D-2408/2012 Seite 8 Verletzung seiner Rechte und Freiheiten während der Haftzeit Beschwe r- de bei einer nationalen Instanz einlegen könne. Personen, die aufgrund der Dublin-II-VO nach Ungarn überstellt würden, hätten die Möglichkeit , ein neues Asylgesuch einzureichen. Dieses habe als Mehrfachgesuch in Bezug auf die bereits angeordnete Wegweisung keine aufschiebende Wirkung, doch das Asylverfahren sei deutlich schneller als ein Rückfü h- rungsverfahren. Der Zugang zum materiellen Verfahren sei somit gege- ben. Nach Praxis des BFM und Rechtsprechung des Bundesverwa l- tungsgerichts (E-98/2012) weise das ungarische Asylsystem zwar Mängel auf, sei aber rechtsstaatlich legitimiert. Mit Blick auf die vom Beschwerde- führer gerügten Zustände betreffend Unte rbringung und medizinische Versorgung hielt das BFM fest, er könne medizinische Betreuung auch in Ungarn in Anspruch nehmen. Ungarn sei an die Aufnahmerichtlinie g e- bunden, welche unter anderem die medizinische Versorgung garantiere. Es könne deshalb davon ausgegangen werden, Ungarn könne die ben ö- tigte medizinische Versorgung erbringen. Er könne sich an die zuständ i- gen Behörden wenden, um Unterstützung, Unterkunft und Verpflegung zu erhalten. Der Vollzug der Wegweisung nach Ungarn sei daher zumutbar. F. Am 26 . April 2012 (Eingan g BFM: 27. April 2012) reichte die Rechts- vertreterin zwei vom Beschwerdeführer aufgenommene Foto s von Spei- sen des Abschiebungslager I._______ und einen Arztbericht vom 23. April 2012 nach, gemäss dem der Beschwerdeführer an einer Gastritis litt. Zugleich wurde auf einen im Internet veröffentlichten Bericht des UNHCR vom 24. April 2012 (Hungary as a country of asylum. Observations on the situation of asylum -seekers and refugees in Hungary ) aufmerksam gemacht. Darin würden die Missstände in Form von ungerechtfertigter systematischer Verhaftung aller Asylsuchenden, deren Behandlung als Verbrecher, die systematische Medikamentenabgabe und die nicht vo r- handene Möglichkeit der Prüfung der Asylgesuche, bestätigt. G. G.a Gegen die Verfügung des BFM vom 24. April 2012 erhob der B e- schwerdeführer mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 2. Mai 2012 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei liess er beantragen, der Nichteintretensentscheid sei aufzuheben, er sei wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs und fehlerhafte r Sachverhaltsabklärung zur Neu- beurteilung an das BFM zurückzuweisen, eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, das Recht zum Selbsteintritt nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO wahrzunehmen und das Asylgesuch materiell zu prüfen. In ve rfahrens-D-2408/2012 Seite 9 rechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei der Beschwerde die au f- schiebende Wirkung zu erteilen und im Sinne einer vorsorglichen Mas s- nahme seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Überstellung nach Ungarn abzusehen, bis das Bundesverwaltu ngsgericht über die E r- teilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, auf die Auferlegung von Verfahrensk osten inklusive Kostenvorschuss sei zu verzichten und die Unterzeichnende sei ihm als unentgeltliche Rechtsver- tretung beizuordnen. G.b In der Beschwerde wurden hauptsächlich die Ausführungen im Schreiben vom 11. April 2012 an das BFM wiederholt (vgl. Bst. D.b) und auf die darin enthaltenen Beweismittel verwiesen. Ergänzend wurde gel- tend gemacht, der Beschwerdeführer habe in der Eingabe vom 12. April 2012 Fotos und einen ärztlichen Bericht in Aussicht gestellt. Das BFM habe diese Beweismittel nicht abgewartet. Sie seien dem BFM mit Schreiben vom 26. April 2012 zugestellt worden. Die Beweismitteleingabe habe sich mit dem Nichteintretensentscheid des BFM gekreuzt. Im Weite- ren wurde auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshof [EuGH] C-411/410 und C-493/10) und einen von Constantin Hruschka (Rechtsbe- rater beim UNH CR Büro für die Schweiz und Liechtenstein) verfassten Bericht in der Zeitschrift Asyl Nr. 1/12 hingewiesen. Es wurde argume n- tiert, der überstellende Staat sei verpf lichtet, allfälligen systemischen Mängel im Asylverfahren und den Aufnahmebedingungen anhand von Berichten nachzugehen. Würden die Mängel zutreffen, dürfe keine Übe r- stellung erfolgen. Die konkreten Umstände im Asylverfahren und den Aufnahmebedingungen im zu ständigen Dublin -Staat müssten abgeklärt werden. Dies beinhalte eine von Amtes wegen zu erf olgende Befragung der Asylsuchenden. Bringe ein Asylsuchender systemische Mängel von selbst vor, seien die Mitgliedstaaten aufgrund der geschilderten Abkl ä- rungspflicht gehalten, diese zu protokollieren. Der Beschwerdeführer h a- be die menschenverachtenden Um stände in Ungarn dem BFM gege n- über dargelegt. Diese seien nicht protokolliert worden. Beweisen könne er dies nicht, da die Befragung nicht im Beisein einer Hilf swerksvertreterin erfolgt sei. Frau Marion Beyer, auf die er in der Kurzbefragung verwiesen habe, habe ihm jedoch in Ungarn geraten, bei einem allfälligen Verfahren die prekären Umstände in Ungarn zu schildern. Dem Befragungsprotokoll sei ausser jener Passage, dass er sofort im Gefängni s landen würde, wenn er nach Ungarn zurückgeschafft werde, nichts zu entnehmen. Im Protokoll unerwähnt seien auch seine gesundheitlichen Beschwer den. Das BFM habe die in Aussicht gestellten Fotos und den Arztbericht nicht D-2408/2012 Seite 10 abgewartet. Es habe den Beschwerde führer nicht zu seinen Asylgründen befragt. Es räume in der angefochtenen Verfügung selber Mängel im Asylverfahren von Ungarn ein. Es sei daher nicht nachvollziehbar, we s- halb es den Beschwerdeführer nicht zu seinen Asylgründen befragt habe. Eine konkrete r echtliche oder tatsächliche Auseinandersetzung mit den Ausführungen in der Eingabe vom 11. April 2012 sei nicht erfolgt. Dies sei stossend, da es sich beim Beschwerdeführer aufgrund seiner Erkrankung um eine verletzliche Person handle (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge- richts D-1689/2012 vom 24. April 2012). Es sei irritierend, dass das BFM in Bezug auf die nicht bestrittene, erniedrigende , menschenverachtende Behandlung im ungarischen Gefängnis auf den ungarischen Rec htsweg verweise, obwohl konkret dargelegt worden sei, dass eine effektive B e- schwerde nicht möglich sei. Aufgrund der ausführlichen Darlegungen vom 11. April 2012 und der zitierten Berichte und Rechtsprechung hätten der Vorinstanz die systemischen Mängel "nicht unbekannt" sein dürfen. Das BFM hätte sich daher nicht auf die Ratifizierung der EM RK und die Au f- nahmerichtlinie berufen, sondern konkret die entsprechenden Angaben des Beschwerdeführers überprüfen müssen. Eine Überstellung nach Un- garn könnte nur dann erfolgen, wenn eine Prüfung er geben würde, dass er in Ungarn ein faires Asylverfahren und menschenrechtskonforme Au f- nahmebedingungen vorfinden würde. Dies bedinge eine korrekte Sach- verhaltsabklärung und damit eine ausführliche Befragung, mindestens aber eine korrekte Protokollfüh rung. Der Verweis des BFM auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-98/2012 ändere daran nichts, da im Gegensatz zu jenem der Beschwerdeführer vorliegend substantiiert habe, unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen er gelitten habe. Der jüngste Bericht des UN HCR vom 24. April 2012 bestätige die geschilder- ten systemischen Mängel. Obwohl das BFM das Potential einer Verle t- zung des Non -Refoulement-Prinzips durch Ungarn anerke nne, schliesse es daraus nicht auf ein unfaires Asylverfahren, welches internationalen Standards nicht genüge. Vielmehr verweise es darauf, dass Asylverfahren in Un garn deutlich schneller entschieden würden, als Rückführungsve r- fahren. Dieser Verweis sei unbegründet und nicht belegt. Entgegen des im Schreiben vom 11. April 2012 enthaltenen Antra gs, lege das BFM z u- dem die von ihm verwendeten Länderberichte nicht offen. Es verletze damit die Begründungspflicht. G.c Der Beschwerde lag eine Vollmacht, der angefochtene Entscheid, e i- ne Fürsorgebestätigung und erwähnter Bericht des UNHCR vom April 2012 bei. D-2408/2012 Seite 11 H. Mit Verfügung vom 8. Mai 2012 gewährte der Instruktionsrichter des Bun- desverwaltungsgerichts der Beschwerde die aufschiebende Wirkung, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorsc husses. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wies er ab. Dem BFM erteilte er Gelegenheit zur Vernehmlassung bis zum 23. Mai 2012. I. Das BFM führte in seiner Vernehmlassung vom 21. Mai 2012 aus, den Akten würden sich keine Hinwe ise auf eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ergeben. Die Meldung eines medizinischen Falles vor der Anh ö- rung habe eine Tuberkuloseabklärung betroffen, welche keine weiteren medizinischen Massnahmen zur Folge gehabt habe. Dem Beschwerd e- führer sei das rec htliche Gehör zur Zuständigkeit Ungarns und einer Wegweisung dorthin gewährt worden. Ausserdem sei en seine Befürc h- tungen, bei einer Rückkehr nach Ungarn kein faires Asylverfahren zu er- halten und inhaftiert zu werden, vom BFM erfasst und gewürdigt worden. Der Umstand, dass es zu einem anderen Schluss gerate als der B e- schwerdeführer, stelle keine Verletzung des Untersuchungs grundsatzes dar. Die Vermutung, dass alle Mitgliedstaaten des Dublin -Raumes ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen würden, gelte, solange nicht erhärtet sei, dass der Zielstaat der Überstellung seinen Mindestve r- pflichtungen aus dem EU -Gemeinschaftsrecht systematisch nicht nac h- komme. Gemäss Praxis des BFM und der Rechtsprechung des Bunde s- verwaltungsgerichts (E -98/2012, E -2422/2012 und D -2406/2012) en t- spreche das ungarische Asylwesen den international en Verträgen und EU-Richtlinien. Der Beschwerdeführer besitze die Mög lichkeit, erneut in Ungarn um Asyl nachzusuchen. Mehrfachgesuche hätten zwar keine au f- schiebende Wirkung. Die ung arischen Behörden seien jedoch verpflic h- tet, zu überprüfen, ob eine Rückführung in das Herkunftsland gegen das Non-Refoulement-Prinzip verstossen würde. Der Beschwerdeführer kö n- ne die aufschiebende Wirkung beantragen. Es lägen keine Hinweise für eine Verle tzung des Non -Refoulement-Gebots vor. Hinsichtlich der von ihm erwähnten Berichte, stellte das BFM klar, dass Ungarn die Aufna h- merichtlinie, welche zahlreiche Mindestnormen für die Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden beinhalte, ohne Beanstandungen von Sei- ten der Europäischen Kommission umgesetzt habe. Die Richtlinie gara n- tiere unter anderem die medizinische Versorgung. Gemäss Rechtspr e- chung des Bundesverwaltungsgerichts sei somit grundsätzlich von der D-2408/2012 Seite 12 Gewährleistung der medizinischen Gesundheitsversorg ung auszugehen. Das Bundesverwaltungsgericht habe im Urteil D -722/2010 festgehalten, dass die medizinische Versorgung in Ungarn im Rahmen der Dublin-II-VO sichergestellt sei. Nach den von der EU in Zusammenarbeit mit verschi e- denen Organisationen, darunter auch dem Hungarian Helsinki Commi t- tee, publizierten Verfahrensweisen hätten Asylsuchende in Ungarn ein Anrecht auf medizinische Grundversorgung und Nothilfe. Ärzte würden mehrmals wöchentlich die Asylzentren besuchen. Im Hinblick auf eine Überstellung würden dem anderen Dublin -Staat jeweils detaillierte Ang a- ben über den Gesundheitszustand und die medizinische Behandlungsb e- dürftigkeit der zu überstellenden Person gemacht. Personen mit gesun d- heitlichen Problemen würden zudem für die Überstellung von medizin i- schem Fachpersonal begleitet und ihnen würden dringend benötigte M e- dikamente mitgegeben. J. Dem Beschwerdeführer wurde am 25. Mai 2012 Frist zur Einreichung e i- ner Replik bis zum 11. Juni 2012 eingeräumt. K. In der Replik vom 6. Juni 2012 wurde hauptsächlich auf die Ausführungen in der Beschwerde verwiesen und moniert, das BFM weise in seiner Ver- nehmlassung pauschal auf die Ratifizierung Ungarns hin, ohne sich ko n- kret mit den Beschwerdevorbringen auseinanderzusetzen. Der vom BFM nicht korrekt zitierte Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts datiere vom 19. Februar 2010 und damit mehr als zwei Jahre zurück. Der von ihm genannte Bericht, welcher unter anderem vom Helsinki Committee verfasst worden sei, sei unter der angegeben Homepage nicht auffindbar. Dieser dürfte aber ebenfalls überholt sein. Dies zumindest mit Blick auf die medizinische Versorgungssituation in I._______, wo der Beschwerde- führer bei einer Wegweisung wieder untergebracht würde. Das BFM ve r- weise auf eine Tuberkuloseabklärung. Ob dies zutreffe, sei mangels vor- handenem Aktenstück nicht überprüfbar, weshalb Einsicht in dieses A k- tenstück verlangt werde. Die Therapie des Beschwerdeführers habe nicht angeschlagen, so dass er gemäss dem eingereichten ärztlichen Schre i- ben vom 11. Mai 2012 an eine Klinik überwiesen werde. Dort würden sei- ne Magenprobleme mittels Gastroskopie unter sucht, um die effektive U r- sache, wie beispielsweise ein Magenkar zinom, ausfindig zu machen . Er benötige eine intensive fachmedizinische Betreuung. Nach Rechtspr e- chung des Bundesverwa ltungsgerichts genüge es bei verletzlichen Pe r- sonen nicht, pauschal auf die Aufnahmerichtlinie zu verweisen ( vgl. Urteil D-2408/2012 Seite 13 des Bundesverwaltun gsgerichts D -1689/2012 vom 24. April 2012). Au f- grund seiner schwerwiegend en Magenprobleme sei er eine verletzliche Person. Der EGMR habe, wie der Beilage zu entnehmen sei, am 25. Mai 2012 auch in einem Schweizer Verfahren die Überstellung nach Ungarn ausgesetzt. L. Am 15. November 2012 wurde ein ärztlicher Bericht vom 22. Oktober 2012 zu den Akten gereicht. Darin wird festgehalten, dass die Ursachen der Magenschmerzen nicht organisch hätten festgestellt werden können. Dazu erläuterte die Rechtsvertreterin, der Beschwerdeführer leide weiter- hin unter massiven Be schwerden und er sei auf medizinische Unterstüt- zung angewie sen. Eine Wegweisung nach Ungarn würde den Gesun d- heitszustand verschlechtern. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerde n gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd eführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-2408/2012 Seite 14 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG – auf den sich die angefochtene Verfügung stützt – wird auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist. 3.2 Nach Art. 29a Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) prüft das BFM die in Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG genannte Zuständigkeit zur Behandlung eines Asy l- gesuchs nach den Kriterien der Dublin -II-VO. Bei der Asylantragstellung jeder asylsuchenden Person ist fo lglich vorab festzustellen, ob ein Drit t- staat staatsvertraglich für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist. Um dies zu erfahren, sind neben einem allfälligen Eintrag in der eur o- päischen Datenbank EURODAC zur Speicherung von Fingerabdrücken auch Angaben über die Reiseroute entscheidwesentlich. Ergibt diese Prü- fung, dass ein anderer Staat für die Behandlung des Asylgesuchs z u- ständig ist, und hat dieser Staat der Aufnahme oder Wiederaufnahme der asylsuchenden Person zugestimmt, so fällt das BFM eine n Nichteintr e- tensentscheid (Art. 29a Abs. 2 AsylV 1). Die Erstellung dieser Entschei d- grundlage findet in der Regel anlässlich der summarischen Befragung im EVZ statt. Art. 26 Abs. 2 AsylG gibt vor, welche Angaben anlässlich dieser Kurzbefragung im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) durch das BFM erhoben werden können. Darunter fallen die Personalien der Asy l- suchenden, in der Regel deren Fingerabdrücke und Fotografien, weitere biometrische Daten sowie Angaben zu den Gründen des Verlassens des Heimatlandes. Gleichzeitig beziehungsweise in gewissen Fällen auch nachträglich wird der asylsuchenden Person das rechtliche Gehör zu e t- waigen Überstellungshindernissen in die für das Asylverfahren im Sinne der Dublin-II-VO allfällig zuständigen Mitgliedstaaten gewährt. Eine weite- re Anhörung, wie sie in Art. 29 und Art. 30 AsylG vorgesehen ist, findet gemäss Art. 36 Abs. 2 AsylG nicht statt. Immerhin hat die summarische Befragung im Hinblick auf die Prüfung der Zuständigkeit eines Drittsta a- tes nach den Kriterien der Dublin-II-VO aber auch der Erstellung von al l- fälligen Sachverhaltselementen, die zu einem Selbsteintritt nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO verpflichten beziehungsweise zu einem solchen aus D-2408/2012 Seite 15 humanitären Gründen im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Anlass geben können, zu dienen (vgl. BVGE 2011/23 E. 5.4.3). 3.3 3.3.1 Im EVZ Altstätten wurden durch das BFM mittels summarischer A n- hörung im Sinne von Art. 26 Abs. 2 AsylG am 19. März 2012 die Persona- lien des Beschwerdeführers erhoben, Fragen zu seinen Identitätspapi e- ren und zu seinem Reiseweg gestellt und ihm insbesondere mit Blick auf Art. 34 Abs. 2 d AsylG das rechtliche Gehör zu einer Überstellung nach Ungarn, Deutschland und Österreich gew ährt (vgl. act. A7/12 S. 7 ff.). Diese Vorgehensweise ist nicht zu beanstanden, da der Beschwerdefüh- rer zuvor erklärte, sich in Österreich, Ungarn und Deutschland und somit in Staa ten des europäischen Raumes aufgehalten und in Ungarn und Deutschland um Asyl nachgesucht zu haben, diese Gesuche jedoch a b- gelehnt worden seien (vgl. act. A 7/12 S. 4 f. und S. 6). Zudem war er in der EURODAC-Datenbank als Asylsuchender in Deutschland und Ungarn verzeichnet (vgl. act. A3/3 S. 1 und 2). Damit trat einde utig die Frage, ob einer dieser Mitgliedstaaten ge stützt auf die Dublin-II-VO grundsätzlich staatsvertraglich für die (materielle) Prüfung des Asylgesuches zuständig ist, in d en Vordergrund. Entgegen des Einwandes in der Beschwerde ist daher nicht zu bemängeln, wenn das BFM dem Beschwerdeführer in j e- nem Zeitpunkt keine spezifischen Fragen zu den Gründen für das Verlas- sen des Heimatlandes stellte . Diese Ansicht wird durch die Rechtspr e- chung des EGMR, wonach in Dublin-Verfahren nicht erforderlich sei, dass der überstellende Staat die Fluchtgründe eines Asylsuchenden untersu- che (vgl. Urteil Mohammed gegen Österreich vom 6. Juni 2013, B e- schwerde Nr. 2283/12, §§ 108), bestätigt. Bei Verfahren wie dem vorli e- genden, wo ein Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 34 Abs. 2 d AsylG beabsichtigt wurde, war das BFM zudem – wie unter E. 3.2 bes e- hen – nicht verpflichtet, eine Anhörung nach Art. 29 und Art. 30 AsylG, d.h. eine einlässliche Anhörung zu den Gesuchsgründen im Beisein einer Hilfswerkvertretung durchzuführen. Die Rügen der Verletzung des rechtli- chen Gehörs respektive der Verletzung des "fair-trial-Prinzips" (Gebot der Fairness im Verfahren) mangels einer Befragung des Beschwerdeführers zu den Gesuchsgründen und wegen fehlender Anwesenheit einer Hilfs- werkvertreterin bei der Kurzbefragung erweisen sich als unbegründet. 3.3.2 Dem Beschwerdeführer wurde – wie erwähnt – im Rahmen der Kurzbefragung die Gelegenheit erteilt, zu allfälligen Überstellungshinde r- nissen in den für die Durchführung des Asylverfahrens grundsätzlich z u- ständigen Staat Stellung zu nehmen. Er erklärte dazu, in Ungarn sei er im D-2408/2012 Seite 16 Gefängnis gewesen und habe einen negativen Entscheid bekommen. Er habe keinen Dolmetscher gehabt. Irgendwie sei er aber darüber info r- miert worden, dass sein Asylgesuch abgelehnt worden sei. Die entspr e- chenden Unterlagen würden sich wohl noch in Ungarn befi nden. Er habe in Ungarn nicht gegen den Entscheid rekurriert. Er habe keinen Dolme t- scher gehabt und hätte sich auch keinen leisten können. Er glaube nicht, dass ihn Ungarn erneut als Flüchtling a ufnehme. Von Deutschland sei er mit dem Flugzeug nach Ungarn ausgeschafft worden. Österreich würde ihn sofort nach Ungarn ausweisen. Falls eines dieser Länder einen positi- ven Entscheid treffen würde, hätte er nichts dagegen. Falls man ihn aber nach Ungarn schicken würde, so müsste er sofort wieder ins Gefängnis und hätte erneut eine Busse wegen illegalen Verlassens des Landes zu bezahlen. Ohne Taschengeld und ohne Dach über dem Kopf würde er dort keine Zukunft haben. Seine Angaben über seinen Aufenthalt in U n- garn seien über seine deutsche Anwältin überprüf bar (vgl. a ct. A7/12 S. 8). Der Beschwerdeführer konnte sich demnach im Rahmen jener B e- fragung in genügender Weise zu seinem Aufenthalt in Ungarn äussern. Anhaltspunkte dafür, dass er – wie in der Beschwerde einge wendet – weitergehende Aussagen zu seinen Erlebnissen in Ungarn gemacht hätte respektive nicht alle seine Angaben protokolliert worden seien, sind nicht vorhanden. Er bestätigte denn auch im Rahmen der Rückübersetzung, dass das Protokoll seinen Aussagen und der Wahrheit entspreche (vgl. act. A7/12 S. 9). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch eine u n- vollständige Protokollführung – wie in der Beschwerde moniert – liegt demnach nicht vor. 3.3.3 Dem Beschwerdeführer war es möglich, mittels Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 11. April 2012 seine Aussagen vom 19. März 2012 umfassend zu ergänzen (vgl. act. A18/28 S. 2 ff.). Diese ausführlichen Vorbringen wurden – entgegen der Auffassung in der Rechtsmittelschrift – vom BFM insgesamt berücksichtigt. Es erwähnte die Eingabe vom 11. April 2012 in der angefochtenen Verfügung explizit und gab die darin enthaltenen Schilderungen zusammenfassend wi eder (vgl. act. A20/6 S. 3 f.). Es vertrat jedoch die Auffassung, der Beschwerdeführer könne im Falle eines nicht korrekt durchgeführten Asyl - und Wegweisungsverfah- rens oder auch hinsichtlich der Verletzung seiner Rechte und Freiheiten während der Haftzeit den nationalen Beschwerdeweg in Ungarn beschrei- ten. Ausserdem verwies es auf die Möglichkeit, ein neues Asylgesuch zu stellen. Dieses habe zwar keine a ufschiebende Wirkung, jedoch sei das Asylverfahren, welches rechtsstaatlich legitimiert sei, deutlich schneller, als ein Rückführungsverfahren. Auch räumte es Mängel im ungarischen D-2408/2012 Seite 17 Asylsystem ein, verneinte aber unter Hinweis auf seine Praxis und einen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts das Vorliegen systematischer Mängel im ungarischen Asylverfahren. In der Vernehm lassung ergänzte es hauptsächlich, dass die Vermutung, dass alle Mitgliedstaaten des Dub- lin-Raumes ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen würden, solange nicht erhärtet werde, als der Zielstaat der Überstellung seinen Mindestverpflichtungen aus dem EU -Gemeinschaftsrecht systematisch nicht nachkomme. Gemäss Praxis des BFM und der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entspre che das ungarische Asylwesen den internationalen Verträgen und EU -Richtlinien (vgl. act. A20/6 S. 3 f.). Da- mit erhob das BFM nicht nur den rechtsrelevanten Sachverhalt zutreffend, sondern würdigte diesen auch in genügender Weise. Von einer unvol l- ständigen Erhebung des Sachverhalts oder einer ungenügenden Begrü n- dung, wie in der Beschwerde gerügt, kann demnach nicht gesprochen werden. Das gilt auch hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geschilder- ten prekären Umstände seiner Unterbrin gung im Lager I._______ und seiner gesundheitlichen Probleme. Das BFM setzte sich auch mit diesen Vorbringen auseinander, gelangte entgegen der Argumentation in der Rechtsmittelschrift jedoch zum Schluss, die medizinische Versorgung in Ungarn sei grundsätzlich gewährleistet und in punkto Unterbringung kön- ne er sich an die ungarischen Behörden wenden (vgl. act. A20/6 S. 4 f.). Sowohl die Problematik hinsichtlich der Unterbringung als auch die medi- zinischen Probleme in Form von Magenbeschwerden wurden demnach durch das BFM nicht bezweifelt. Das BFM war daher – im Sinne einer an- tizipierten Beweiswürdigung (vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2) – auch nicht – wie im Weiteren eingewendet – gehalten, die Nachreichung der in Aus- sicht gestellten Fotos vom Essen im Lager oder einen ärztlichen Bericht seine Magenbeschwerden betreffend abzuwarten. 3.3.4 Was schliesslich die vom BFM in der Vernehmlassung erwähnte Tuberkuloseabklärung anbelangt, wurde diese als Bagatelle eingestuft und medizinische Massnahmen für unnötig befunden. Dem Aktenstück (vgl. act. A6/1), dessen Inhalt dem Beschwerdeführer in der Vernehmla s- sung im Übrigen zusammenfassend widergegeben wurde – kam somit keine entscheidwesentliche Bedeutung zu, weshalb die Edierung des betreffenden Aktenstückes nicht angezeigt ist. Der Antrag auf Edition des Aktenstückes A6/1 wird daher abgewiesen. 3.4 Die Rügen der Verletzung des rechtlichen Gehörs, einer unvollständ i- gen Erhebung des Sachverhalts und ungenügenden Begründung sind D-2408/2012 Seite 18 damit unbegründet. Zu prüfen bleibt indes, ob die vom BFM vorgeno m- mene Würdigung des Sachverhaltes als zutreffend zu erachten ist. 4. 4.1 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist in materieller Hinsicht ei n- zig zu prüfen, ob das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist und in- folgedessen die Wegweisung aus der Schweiz verfügt hat. Die Prüfung der staatsvertraglichen Zuständigkeit zur materiellen Behandlung eines Asylgesuches richtet sich dabei nach den Kriterien der Dublin -II-VO (vgl. die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur B e- stimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mi t- gliedstaat oder in de r Schweiz gestellten Asylantrags [Dublin -Asso- ziierungsabkommen, DAA, SR 0.142.392.68] i.V.m. Art. 29a Abs. 1 AsylV 1. Die Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG setzt zudem vor- aus, dass der staatsvertraglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1). 4.2 Nach Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO haben die Mitgliedstaaten jeden Asyl - antrag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im H o- heitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einzi- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur B e- stimmung des zuständigen Mitgliedstaates wird ein geleitet, sobald ein Asylantrag erstmal s in einem Mitgliedstaat gestellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO). Dabei sind – im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfah- rens (engl.: take charge) – die Kriterien der in Kapitel III der Dublin -II-VO genannten Rangfolge anzuwenden (vgl. Art. 5-14 Dublin-II-VO) und es ist von der Situation zum Zeitpunkt, in dem der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, auszugehen (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dub- lin-II-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demgegenüber keine – neuerliche – Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-II-VO statt, sondern ein solches gründet insbeso n- dere auf den materiellen Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 16 Bst. c, d und e (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER, ANDREA SPRUNG, Dublin II- Verordnung, Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien/Graz 2010, Art. 16 K5 S. 129). Nach diesen Bestimmungen ist ein Mitgliedstaat, der nach der Dublin -II-VO zur Prüfung des Asylantrages zuständig ist – unter Vorbehalt von Art. 16 Abs. 2 bis 4 Dublin -II-VO – D-2408/2012 Seite 19 gehalten, einen Asylbewerber, der sich während der Prüfung seines A n- trags unerlaubt im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaates aufhält (Bst. c) oder der seinen Antrag während der Antragsprüfung zurückgez o- gen und in einem anderen M itgliedstaat einen Antrag gestellt hat (Bst. d) oder dessen Antrag durch den Mitgliedstaat abgelehnt wurde und der sich unerlaubt im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaates aufhält (Bst. e), nach Massgabe des Art. 20 Dublin-II-VO wieder aufzunehmen. 4.3 Den Akten lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 15. Mai 2010 in H._______ (Ungarn), am 16. Juni 2010 in E._______ (Ungarn), am 12. Januar 2011 in F._______ (Deutschland) und am 20. Oktober 2011 in O._______ (Ungarn) daktyloskopisch registriert wur- de und in erwähnten Ortschaften respektive Ländern um Asyl nachg e- sucht hat ( vgl. act. A4/1). Sein Asylgesuch in Ungarn wurde gemäss den Angaben des Beschwerdeführers, der am 3. März 2012 illegal in die Schweiz einreiste, abgeleh nt (vgl. act. A7/12 S. 7 f.). Dies wurde durch die ungarischen Behörden bestätigt (vgl. act. A14/1). Die erste Asyla n- tragsstellung i. S. von Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO erfolgte in Ungarn, wes- halb dieses Land den Asylantrag grundsätzlich zu prüfen hatte. Das Z u- ständigkeitsprüfungsverfahren im Sinne des Kapitels III der Dublin -II-VO war demnach nicht weiter zu verfolgen, sondern durch die Schweiz als Aufenthaltsstaat des Beschwerdeführers konnte ein Wiederauf - nahmeersuchen gestellt werden (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 4, K3 S. 80). 4.4 Das BFM hat demzufolge zu Recht die zuständigen ungarischen Be - hörden am 22. März 2012 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Dublin-II-VO um Wiederaufnahme des Beschwerde führers ersucht (vgl. act. A11/5 S. 2 ff.). Die ungarischen Behörden stimmten am 26. März 2012 – und damit innert der in Art. 20 Abs. 1 Bst. b Dublin-II-VO vorgesehenen zwei- wöchigen Frist – einer Rückübernahme des Beschwer deführers au s- drücklich zu (vgl. act. A14/1). Die in Art. 20 Abs. 1 Bst. d Dublin-II-VO ge- nannte Frist von sechs Monaten zwecks Überstellung des Beschwerd e- führers wurde mittels der Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht vom 8. Mai 2012 un- terbrochen (vgl. BVGE 2011/27 E. 6.1). Ein Übergang der Zuständigkeit zur Prüfung des Asylgesuches an die Schweiz wie in Art. 20 Abs. 2 Dub- lin-II-VO vorgesehen, fällt damit nicht in Betracht. Das BFM ging aufgrund dieser Sachlage zu Recht von der grundsätzlichen Zuständigkeit Ungarns aus. D-2408/2012 Seite 20 4.5 Die grundsätzliche Zuständigkeit von U ngarn gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO wird in der Rechtsmittelschrift nicht explizit bestritten, hinge- gen wird geltend gemacht, das BFM hätte vorliegend von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO Gebrauch machen müssen. 4.6 Nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch ma- teriell prüfen, auch wenn gemäss den einschlägigen Kriterien der Dublin - II-VO ein anderer Staat zuständig wäre ( sog. Selbsteintrittsrecht, Souve- ränitätsklausel). Diese Bestimmung ist nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindu ng mit einer anderen Norm des nationalen oder i n- ternationalen Rechts angerufen werden ( vgl. BVGE 2010/45 E. 5). Art. 29a Abs. 3 AsylV sieht vor, dass das BFM auch aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin-II-VO ein anderer Staat zuständig ist. Es handelt sich dabei um e i- ne Kann -Bestimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessen s- spielraum lässt und grundsätzlich restriktiv auszul egen ist (BVGE 2010/45 E. 8.2.2). Droht hingegen ein Verstoss gegen ü bergeordnetes Recht, namentlich ein Verstoss gegen eine zwingende Norm des Völke r- rechts, so besteht ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbs t- eintrittsrechts (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2). Erweist sich demnach im Ei n- zelfall, dass durch die Überstellung nach den Bestimmungen der Dublin - II-VO das Refoulement-Verbot nach Art. 33 FK, die Garantien der EMRK, des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO - Pakt II, SR 0.103.2) oder des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter u nd andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (Folterkonvention; FoK, SR 0.105) verletzt wü r- den, so muss vom Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO Gebrauch gemacht werden (vgl. zum Ganzen auch: BVGE 2011/9 E. 4.1). 4.7 In Zusammenhang mit der Forderung nach einem Selbsteintritt der Schweiz gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO rügt der Beschwerdefü h- rer explizit, eine Rückschaffung nach Ungarn verstosse gegen Art. 3 und 5 EMRK und macht eine Verletzun g der FK gelten d (vgl. Bst. G.b). Auf- grund des unter E. 4.6 Gesagten erweist sich diese Rüge als zulässig. 4.8 4.8.1 Ungarn ist – wie die Schweiz – unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 g e- gen Folter und der FoK. Als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin -II-VO zuständ i- ger Staat ist Ungarn zudem gehalten, die Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in D-2408/2012 Seite 21 den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüch t- lingseigenschaft (sog. Verfahrensrichtlinie) und die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mi n- destnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in Mitgliedstaaten (sog. Aufnahmerichtlinie) umzusetzen respektive anzuwenden. 4.8.2 Gemäss Art. 3 FoK und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be handlung unterworfen werden. Um in den Schutzbereich von Art. 3 EMRK zu ge- langen, muss allerdings eine Beschwerde führende Person gemäss Pra- xis des EGMR eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaub- haft machen, dass ihr im Falle einer Rückschiebung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Folter oder unmenschliche Behandlung drohte (vgl. (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Febru- ar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124‒127, mit weiteren Hinweisen; BVGE 2010/45 E. 7.4). 4.8.3 Aufgrund der Dublin -II-VO (vgl. Ziffer 2 der Einleitungsbestimmu n- gen) ist von der Vermutung auszugehen, dass jeder Mitgliedstaat als s i- cher im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention erachtet werden kann und alle Staaten das Gebot des Non -Refoulement (vgl. Art. 33 FK) und damit gleichzeitig Art. 3 EMRK beachten. Eine Kettenabschiebung wird somit in aller Regel ausgeschlossen. Liegt keine systematische (und über die Überstellungsfrist fortdauernde) Verletzung dieses Grundsatzes durch den zuständigen Mitgliedstaat vor, so hat eine Beschwerde führende Per- son diese Vermutung umzustossen und damit nachzuweisen oder glau b- haft zu machen, dass besondere, ausreichend konkre te Gründe dafür vorliegen, dass bei einer Überstellung in den zuständigen Staat für sie die reale Gefahr (real risk) eines fehlenden Verfolgungsschutzes respektive die Gefahr eines Verstosses des zuständigen Mitgliedstaates gegen das Non-Refoulement-Gebot bestehen würde (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.5 und E. 7.7, mit weiteren Hinweisen). 4.8.4 Nach Praxis des EGMR stellt eine Überstellung in den nach der Dublin-II-VO zuständigen Staat dann keine Verletzung von Art. 3 EMRK dar, wenn im Zielstaat wirksame verfahrensrechtliche Garantien (inkl. Re- kursmöglichkeiten) vorgesehen sind, die eine Beschwerde führende Pe r- son vor einer unmittelbaren Zurückweisung in den Herkunftsstaat, in dem sie nachweislich Gefahr laufen würde, Folter oder unmenschlicher B e- handlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden, schützen. Bei einer Überstellung in den zuständigen Mitgliedstaat geht man zudem in D-2408/2012 Seite 22 aller Regel von der Prämisse aus, dass dieser kraft seiner Mitgliedschaft den Verpflichtungen aus der Verfahrens - sowie auch jener aus der Au f- nahmerichtlinie, darunter auch dem Non-Refoulement-Gebot, nachkommt (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2; vgl. Ziffer 2 der einleitenden Bestimmungen erwähnter Richtlinien). Die blosse Verletzung erwähnter Richtlinien durch den zuständigen Mitglied staat begründet indes ebenfalls kein selbständiges Recht einer Beschwerde führenden Person auf Anrufung des Selbsteintrittsrechts, sondern es bedarf auch hierzu grundsätzlich des Nachweises eines "real risk" im Sinne der EMRK ( vgl. dahingehend FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K11 S. 75). Gelingt einer Beschwerde führenden Person dieser Nachweis nicht und ist somit nicht von einem Überstellungshindernis in den zuständigen Mitgliedstaat auszugehen, steht ihr letztlich die Möglichkeit offen, sich im zuständigen Mitgliedstaat (mittelbar) auf die Verfahrens - oder Aufnahmerichtlinie zu berufen. Diese Möglichkeit steht ihr gestützt auf die Verpflichtung der Mitgliedstaaten zur Inkraft- und Umsetzung genannter Richtlinien im innerstaatlichen Recht (vgl. Ar t. 43 Verfahrensrichtlinie, Art. 26 Aufnahmerichtlinie) sowie dem Umstand, dass diese ebenfalls gehalten sind, Rechtsbehelfe und Rechtsmittel vorzusehen (vgl. Art. 39 Verfahrensrichtlinie, Art. 21 Au f- nahmerichtlinie), zu. 4.8.5 Entspricht es demgegenüber einer notorischen Tatsache, dass der zuständige Mitgliedstaat systemat isch Menschenrechtsverletzungen be- geht, trägt ein e Beschwerde führende Person nicht die volle Beweislast im soeben umschriebenen Sinne. So gelangte der EGMR in seinem Urteil vom 21. Januar 2011 im Fall M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Beschwerde-Nr. 30696/09], zum Schluss, dass die gravierenden Mängel des griechischen Asylverfahrens, (wie etwa die generell geringe Chance der Asylbewerber auf Prüfung ihres Asylantrages, mitunter fehlende G a- rantien zum Schutz vor einer willkürlichen Abschiebung, menschenu n- würdige Haft - und Lebensbedingungen) den belgischen Behörden hätte bekannt gewesen sein müssen, als sie die Überstellung eines besonders verletzlichen Asylbewerbers anordneten (vgl. E. IV u nd V des genannten Urteils). Folglich konnte von diesem nicht erwartet werden, die volle B e- weislast für die Gefahren zu tragen, mit denen er, diesem Verfahren au s- gesetzt, zu rechnen hatte. 4.8.6 Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) bestätigte am 21. Dezember 2011 in seinem Urteil C-411/10 und C-493/10 (verbundene Rechtssachen) die Unzulässigkeit von Überstellungen von Asylsuche n- den nach Griechenland (vgl. E. 412) gestützt auf die Dublin -II-VO. G e-D-2408/2012 Seite 23 mäss dem EuGH verletzt ein Staat im Allgemeinen dann Union srecht, wenn er eine asylsuchende Person in den nach der Dublin -II-VO zustän- digen Staat überstellt, obwohl er wissen muss, dass das Asylsystem dort an schweren Mängeln leidet, so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass die asylsuchende Person Gefahr lä uft, unmenschlicher oder ernied- rigender Behandlung im Sinne von Art . 4 der Charta der Grundrechte (GRC) – dem gemäss Art. 52 Abs. 3 GRC die gleiche Tragweite wie Art. 3 EMRK zukommt – ausgesetzt zu werden. Der EuGH verneinte, dass eine unwiderlegbare Vermutung bestehe, dass ein Dublin -Staat die Unions- rechte beachte. Im Weiteren gelangte der EuGH zum Schluss, dass der überstellende Mitgliedstaat die Situation der asylsuchenden Person nicht durch ein unangemessen langes Verfahren zur Bestimmung des zustä n- digen Mitgliedstaates verschlimmern dürfe. Daure das Verfahren zu la n- ge, so müsse der überstellende Staat nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO sel- ber auf das Asylgesuch eintreten. Dieses Urteil ist auch für die Schweiz und damit für das BFM und das Bundesverwa ltungsgericht von Bede u- tung, da gemäss dem DAA die Schweiz verpflichtet ist, die einschlägige Rechtsprechung des EuGH zu berücksichtigen (vgl. zum Ganzen den Ar- tikel des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte (SKMR) vom 1. Februar 2012: "Kein e Dublin-Überstellungen bei drohe n- der unmenschlicher Behandlung"). 4.8.7 Trotz der widerlegbaren Vermutung der Beachtung der Grundrechte durch die Mitgliedstaaten (vgl. dazu auch: BVGE 2012/27 E. 6.4), gilt es zu berücksichtigen, dass nach Rechtsprechung des B undesverwaltungs- gerichts selbst bei festgestellten systemischen Mängeln im für die B e- handlung des Asylgesuches zuständigen Mitgliedstaat letztlich stets den Umständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen ist. Eine Überstellung einer asylsuchenden Person nach der Dublin-II-VO in einen Mitgliedstaat, dem an sich ein systematisches, grundrechtswidriges Handeln vorzuwer- fen ist, kann in besonderen Konstellationen respektive bei Vorliegen günstiger Voraussetzungen ausnahmsweise dennoch erfolgen (vgl. BVGE 2011/36 E. 6.3). 4.8.8 In seinem kürzlich ergangenen Urteil zur Frage der Rücküberste l- lung eines Beschwerdeführers nach Ungarn bekräftigte das Bundesve r- waltungsgericht einerseits die Widerlegbarkeit der grundsätzlichen Ve r- mutung, dass die Mitgliedstaaten ihren völkerre chtlichen Pflichten sowie den Pflichten aus der Aufnahme - und Verfahrensrichtlinie nachkomme n würden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 4.2). Mit Blick auf die vergangene sowie die derzeit D-2408/2012 Seite 24 herrschende Situation von Asylsuchenden in Ungarn verneinte es das Vorhandensein systemischer Mängel gelangte jedoch analog der Recht- sprechung Malta (vgl. BVGE 2012/27 E. 7.4) zum Schluss, dass sich die Vermutung, Ungarn beachte die den betroffenen Personen im Gemei n- samen Europäischen Asylsystem zustehenden Grundrechte in angeme s- sener Weise, nicht ohne weiteres mehr aufrechterhalten erhalten lasse (vgl. BVGE E -2093/2012 E. 9.1 und E. 9.2). Deshalb hat gemäss dem Bundesverwaltungsgericht jeweils eine unter Beobachtung respektive Be- rücksichtigung der aktuellen Lag e des ungarischen Asylsystems ( im Sin- ne einer ex-nunc-Betrachtung) sorgfältige Individualprüfung über allfällige vorhandene Überstellungshindernisse nach Ungarn stattzufin den (vgl. BVGE E-2093/2012 E. 9.2). Trotz dieser Verpflichtung, der im Entscheid- zeitpunkt jeweils vorhandenen Entwicklung im ungarischen Asylverfahren besondere Beachtung zu schenken, hat allerdings eine Beschwerde fü h- rende Person mittels hinreichend konkreter persönlicher Vorbringen da r- zutun, dass bei einer Überstellung nach Ungarn die reelle Gefahr einer grundrechtswidrigen Behandlung durch diesen Staat be steht (vgl. BVGE E-2093/2012 E. 4.2,E. 9.2, E. 10.1 und E. 10.3). 4.9 4.9.1 Das BFM bestreitet in der angefochtenen Verfügung weder die vom Beschwerdeführer dargelegte monatelange Inhaftierung und die geschi l- derten Haftbedingungen sowie die Umstände seiner Unterbringung in Ungarn. Es besteht auch auf Beschwerdeebene kein Anlass, an seinen diesbezüglichen Angaben zu zweifeln, zumal diese auch durch den in Ungarn erfolgten Besuch einer Vertreterin eines deutschen Hilfswerkes , die auch Mitverfasserin des zitierten Beric htes von eu.bordermonitering gewesen sei, bestätigt werden. Der Beschwerdeführer wurde demnach in Ungarn mehrere Monate in einer engen Zelle inhaftiert, während dieser Haft herablassend behandelt und geschlagen und einer Zwangsmedikati- on unterzogen (vgl. act. A18/28 S. 2). Damit war er – wie in der B e- schwerde zutreffend argumentiert wird – menschenunwürdigen Bedi n- gungen im Sinne von Art. 3 EMRK währe nd seiner Haftzeit in Ungarn ausgesetzt. Vorliegend fand auch keine richterliche Überprüfung über die Rechtmässigkeit seiner Inhaftierung statt. Selbst bei der Entlassung wu r- de ihm nicht etwa (ein juristisch begründeter) Entscheid, sondern lediglich ein Zettel mit einer Adresse eines Lagers ausgehändigt (vgl. act. A18/28 S. 2). Damit ist zugleich – wie zu Recht gerügt wird – eine Verletzung von Art. 5 EMRK zu beklagen. Ausserdem wurde er nach seiner Rückübe r- stellung durch Deutschland in Ungarn in ein Absc hiebungslager ve r- bracht, in welchem äusserst prekäre Zustände herrschten, da dort offen-D-2408/2012 Seite 25 bar ungeniessbares Essen verabreicht und ihm der Zugang zu medizin i- scher Versorgung verweigert und er nicht einmal über die Gründe für die bevorstehende Abschiebung informiert wurde. 4.9.2 Die von der Rechtsvertreterin zitierten Berichte verschiedener Insti- tutionen zur Situation von Asylsuchenden in Ungarn zwischen 2010 bis April 2012 weisen auf verschiedene, teils massive Mängel im ungarischen Asylsystem hin. Gem äss weiteren zahlreichen Veröffentlichungen von Menschenrechts- und Nichtregierungs organisationen wurden bis Ende 2012 dieselben, beträchtlichen Defizite im Asylsystem von Ungarn fes t- gestellt. Insbesondere wurden Dublin-Rückkehrende nicht automatisch als Antragssteller behandelt und routinemässig ihre Ausweisung ver fügt. Auch hatten ihre Folgeanträge keine aufschiebende Wirkung. Asylsu- chende wurden zudem mehrheitlich inhaftiert. Auch für Dublin - Rückkehrende wurde zuweilen Verwaltungs- respektive Abschiebeha ft angeordnet. Gegen Haftanordnungen gab es zuweilen keine wirksame gerichtliche Überprüfung. Die Haftbedingungen waren äusserst prekär. Es wurde von Zwangsmedikation zwecks Ruhigstellung der Inhaftierten und Gewaltanwendungen durch die Wärter berichtet. Die Aufnahmebedingun- gen waren teils unzureichend, da die Unterbringung und die Versorgung (auch in medizinischer Hinsicht) manchmal nicht adäquat erfolgte. Au s- serdem erfolgten auch Rückschiebungen in sogenannt "sichere" Dritt- staaten (vgl. zum Ganzen ausführ lich auch: BVGE E-2093/2012 E. 5.1 und E. 6.3). Der EGMR sah sich daher in der Vergangenheit veranlasst, verschiedentlich Mitgliedstaaten nahezulegen, vorerst auf Überstellungen nach Ungarn zu verzichten (so geschehen etwa auch am 25. Mai 2012 im Falle einer beim Bundesverwaltungsgericht erhobe nen Be schwerde i.S. E-3453/2012). In zwei Entschei dungen vom 23. Oktober 2012 hatte der EGMR Ungarn zudem wiederholt wegen einer Verlet zung von Art. 5 EMRK verurteilt (vgl. EGMR, Tayyar Abdelhakim gegen Ungarn, [B e- schwerde Nr. 13058/11], §§ 38 und 39, Hendrin Ali Said and Aras Ali Said gegen Ungarn, [Beschwerde Nr. 13457/11], §§ 37 und 38 ). Er erachtete die Inhaftierung der Asylsuchenden Tayyar Abdelhakim und Hendrin Ali Said und Aras Ali Said (letztere wurden im Rahmen eines Dublin - Verfahrens nach Ungarn zurückverbracht) ohne Grundangabe respektive gesetzliche Grundlage und ohne wirksame gerichtliche Überprüfung als konventionswidrig. 4.9.3 Auch wenn diese Mängel nach der Praxis des Bundesverwaltung s- gerichts in der Vergangenheit nicht jenes erforderliche Ausmass im Sinne einer system atischen Verletzung erreichten ( vgl. BVGE E -2093/2012 D-2408/2012 Seite 26 E. 9.1), so erscheint mit Blick auf die von 2010 bis Ende 2012 herrschen- de Problematik von Dublin-Rückkehrenden und der in E. 4.9.1 skizzierten persönlichen Situation des Beschwerdeführers zumindest fraglich, ob er im für das BFM massgeblichen Beurteilungszeitpunkt vom April 2012 bei einer Rücküberstellung nach Ungarn nicht der Gefahr einer grundrecht s- widrigen Behandlung ausgesetzt gewesen wäre. 4.9.4 Seit Ergehen des vorinstanzlichen Entscheides vom 24. April 2012 hat sich allerdings die Situation für Asylsuchende in Ungarn verändert. So hat das ungarische Parlament Ende 2012 umfassende Gesetzesänd e- rungen verabschiedet, welche ab dem 1. Januar 2013 in der Praxis zur Folge hatte, dass beispielsweise Asylbewerber nicht ohne sachliche Pr ü- fung ihres Asylantrages nach Se rbien oder die Ukraine (Staaten, die zu- vor durch Ungarn als sichere Drittstaaten erachtet w urden) zurückge- schafft wurden, ein e Inhaftierung von Asylsuchenden, auch von Dublin - Rückkehrenden, nicht mehr möglich war, sofern der Asylantrag unverzüg- lich nach der Einreise gestel lt wurde und Dublin-Rückkehrende die Mög- lichkeit hatten, ein materiell noch nicht entschie denes Verfahren ab zu- schliessen (vgl. zu den Einzelheiten: BVGE E-2093/2012 E. 5.2, E. 7.1, E. 7.2 und E. 8.1). Aufgrund dieser Ände rungen hat der EGMR im kürz- lich ergangenen Urteil Mohammed gegen Österreich [Beschwerde Nr. 2283/12] vom 6. Juni 2013 befunden, dass, obwohl im Falle eines su- danesischen Asylsuchenden früher zwar vertretbare Gründe für eine im Sinne von Art. 3 EMRK bestehenden Gefahr einer verletzenden Behand- lung im Falle seiner Abschiebung nach Ungarn vorgele gen hätten (vgl. a.a.O §§ 80 und 85), eine Überstellung nach Ungarn im Lichte der verän- derten Situation kein reales und individuelles Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK dar stelle. Es scheine, so der Geri chtshof in seinen Ausfü h- rungen, dass nach Ungarn rücküberstellte Personen nunmehr Zugang zum Asylverfahren erhalten würden und sie, sofern sie sofort nach ihrer Rückkehr um Asyl ersuchten, den Ausgang des Verfahrens in Ungarn abwarten könnten (vgl. a.a.O §§ 110). 4.9.5 Zwischenzeitlich hat das Asylsystem in Ungarn erneut Änderungen erfahren. So traten am 1. Juli 2013 weitere Gesetzesänderungen im Asylwesen in Kraft. Darunter ist etwa erneut eine Inhaftierung von Asy l- suchenden (unter anderem zwecks Feststellung deren Identität oder N a- tionalität oder bei Annahme von Gründen für eine Verfahrensverzögerung oder Vereitelung des Verfahrens ) für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten vorgesehen (vgl. im Einzelnen: BVGE E-2093/2012 E. 8.2). Eine Regelung, die aufgrund ihrer vagen Formulierung bei verschiedenen Insti-D-2408/2012 Seite 27 tutionen auf Kritik stösst, da darin ein erhöhtes Risiko einer (erneuten) systematischen Inhaftierung von asylsuchenden Personen gesehen wird. Die Anzahl Asylsuchender in Ungarn ist im vergangenen Jahr enorm g e- stiegen. Die hauptsächliche n Empfangszentren sind überbelegt, was zur Verschlechterung der hygienischen Konditionen und zu Spannungen be i- trägt. Neue Empfangszentren wurden zwar vorübergehend eröffnet. Di e- se bestehen jedoch aus Zeltlagern. Diese Bedingungen, so die Kritiker, könnten dazu beitragen, dass vermehrt die Inhaftierung von Asyl - suchenden angeordnet werde (vgl. Hungarian Helsinki Committee: "Brief Information Note on the Main Asylum Related Legal Changes in Hungary as of July 2013", http://helsinki.hu/wp -content/uploads/HHC-update- hungary-asylum-1-July-2013.pdf; United Nations Human Rights Office on the High Commissioner: "Working Group on Arbitrary Detention, Stat e- ment upon the conclusion of its visit to Hungary [23 September – 2 Octo- ber 2013]"). 4.9.6 Sowohl den Änderungen von Ende 2012 als auch den Neuregelun- gen vom Juli 2013 und den damit verbundenen Bedenken trug das Bun- desverwaltungsgericht im Urteil E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013 Rech- nung (vgl. E. 7 und E. 8), wobei die Schlussziehung die gleiche blieb: Es bestehen zwar weiterhin Mängel im ungarischen Asylsystem, diese sind aber auch auf den aktuellen Zeitpunkt bezogen nicht systemischer Natur. Es kann demnach nicht davon gesprochen werden, die im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Ungarn überstellte n Personen würden dort der- zeit etwa generell inhaftiert und/oder hätten im Allgemeinen keinen Z u- gang zu einem ordnungsgemässen Asylverfahren. Damit wäre mit Blick auf die aktuelle Lage in Ungarn und der konkreten Vorbringen des B e- schwerdeführers zu prüfen, ob für ihn bei einer Überstellung nach Ungarn die reelle Gefahr einer grundrechtswidrigen Behandlung – etwa im Sinne von Art. 3 EMRK – bestünde. Die Beantwortung dieser Frage kann jedoch offen bleiben, da vorliegend aufgrund der besonderen Umstände des Ein- zelfalles ein Selbstei ntritt aus humanitären Gründen ( Art. 29a Abs. 1 AsylV1) angezeigt ist. 4.9.7 Der Beschwerdeführer suchte zwischen Mai 2010 und Oktober 2011 drei Mal in Ungarn um Asyl nach . Aufgrund der mehrfach gestellten G e- suche ist davon auszugehen, dass die letzten beiden Anträge als Folg e- anträge behandelt wurden, welche in der Vergangenheit zu einer automa- tischen Ausweisungsanordnung führten, die keine aufschiebende Wi r- kung hatte. Sollte sein Asylverfahren in Ungarn noch nicht abgeschlossen sein, so könnte er gemäss den Ende 2012 erfolgten Änderungen bei ei-D-2408/2012 Seite 28 ner Rücküberstellung das As ylverfahren in Ungarn abwarten. Sofern er unmittelbar nach erfolgter Überstellung um Asyl ersuchen würde, hätte er zumindest zufolge jener Regelungen nicht (mehr) mit einer Inhaftierung zu rechnen. Ob allerdings diese Vorschriften auch tatsächlich Anwendung finden, scheint in zweifacher Hinsicht fraglich. Denn gemäss einem Be- richt vom Juni 2013 des Jesuite Refugee Service in Europe (JRS) konn- ten Personen, die aufgrund der Dublin -II-VO nach Ungarn rücküberstellt wurden, trotz der Ende 2012 erfolgten Änderungen weiterhin inhaftiert werden, falls diese zuvor in Ungarn einen inhaltlich, negativen Asylen t- scheid erhalten hatten (vgl. JRS, Protection Interrupted, The Dublin Regu- lation's Impact on Asylum Seekers' Protection [the DIASP Project], June 2013, https://www.jrs.net/assets/Publications/File/protection-Interrupted_- JRS-Europe.pdf., S. 137). Der Bes chwerdeführer gab an, sein Asylge- such in Ungarn sei abgelehnt worden. Dies bestätigten die ungarischen Behörden (vgl. act. A14/1). Ob dieses Gesuch jemals einer inhaltlichen Prüfung unterzogen wurde, lässt sich allerdings – mangels vorhandener Dokumente – nicht konkret feststellen. Sollte der Beschwerdeführer aber über einen negativen, materiellen Entscheid verfügen, so bestünde zu- mindest gemäss erwähnten Beobachtungen des JRS die Gefahr einer In- haftierung. Eine Inhaftnahme wäre zudem auch g estützt auf die im Juli 2013 erfolgten Gesetzesänderungen, welche die Inhaftierung von Asylsu- chenden erneut zulassen, nicht ganz ausgeschlossen, zumal der Be- schwerdeführer seinen Angaben zufolge über keine Identitätspapiere ver- fügt (vgl. act. A7/12 S. 5). Nebst dieser unsicheren Ausganslage fällt ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit in Ungarn e i- ner unmenschlichen Behandlung ausgesetzt war . Ein erneutes Ersuchen um Schutz vor Verfolgung in einem Staat, in dem er von den Behörden in der Vergangenheit unmenschlich behandelt wurde, ist ihm nicht zuzumu- ten. Aufgrund des in Ungarn Erlebten ist er zudem als Person zu erac h- ten, die besonderer Rücksichtnahme bedarf. Hinzu kommt, dass er sich seit Stellung seines Asylgesuches vom 3. März 2012 in der Schweiz seit mehr als 18 Monaten im Dublin-Verfahren befindet. Eine Dauer, die auch im Lichte der EuGH -Rechtsprechung (vgl. E . 4.8.6) und angesichts des Grundsatzes, Asylsuchenden innert einer vernünftigen Frist Zugang zu einem Asylverfahren zu gewä hrleisten (vgl. dazu BVGE E -6525/2009 E. 6.4.6.1 und 6.4.6.3), problematisch erscheint. 4.9.8 Aufgrund einer Gesamtabwägung aller dieser relevanten Umstände liegen demnach Gründe vor, die einer Wegweisung aus humanitärer Sicht (Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) entgegenstehen. Auf die Überstellung des B e-D-2408/2012 Seite 29 schwerdeführers nach Ungarn zur Prüfung seines Asylgesuchs ist daher zu verzichten. 5. Aufgrund des Gesagten ist das BFM zu Unrecht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht eingetreten. Die Beschwerde ist daher im Sinne der Erwägungen gutzu- heissen und die angefochtene Verfügung – wie beantragt – aufzuheben. Das BFM ist anzuweisen, in Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vom Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO Gebrauch zu machen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist sodann zulasten des BFM e i- ne Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dabei ist die Parteientschädigung mangels Vorliegens einer Kostennote auf Grund der Akten (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) auf insgesamt Fr. 1800.– (inklusive Auslagen und MwSt) festz u- setzen. (Dispositiv nächste Seite) D-2408/2012 Seite 30 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 24. April 2012 wird aufgehoben und die S a- che zur Durchführung des Asylverfahrens in der Schweiz an das BFM zu- rückgewiesen 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1800.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Besch werdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: