B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3910/2014 U r t e i l v o m 2 8 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiber Alain Degoumois. Parteien A._______, geboren (…), Staat unbekannt, angeblich Volksrepublik China (Tibet), vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungs- stelle für Asylsuchende (ZBA), (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Juni 2014 / N (…). E-3910/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben zufolge die Volksr e- publik China (Tibet) am 15. März 2012 und reiste via Bhutan, Nepal und ihr unbekannte Länder am 30. August 2012 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 25. September 2012 wurde sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen zur Person befragt (BzP). Die Vorinstanz hörte sie am 8. A pril 2014 sowie am 13. Mai 2014 zu den Asylgründen an. Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin ge l- tend, sie habe am (…) 2012 an einer pro-tibetischen Demonstration in ih- rem Dorf B._______teilgenommen. Es seien etwa 40 bis 50 Personen be- teiligt gewese n. Als es zu einer Konfrontation mit chinesischen Siche r- heitskräften gekommen sei, seien 18 bis 20 Demonstranten verhaftet worden. Diese hätten unrichtigerweise ihren Namen als Hauptverantwor t- liche für die Demonstration genannt. Sie habe einer Festnahme en tkom- men können und sei zu ihrer Schwester beziehungsweise einer Bekann- ten in C._______ geflohen, wo sie sich versteckt gehalten habe. Ihr Mann habe sie dann dort besucht und ihr erzählt, dass die Polizei sie als Hauptverantwortliche für die Durchführung de r Demonstration betrachte. Sie müsse ausreisen, ansonsten bekomme sie Probleme. B. Mit Verfügung vom 25. Juni 2014 (eröffnet am 26. Juni 2014) stellte die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Sie lehnte das A sylgesuch ab, verfügte die Wegweisung – unter Ausschluss des Vollzugs in die Volksrepublik China – und beauf- tragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Mit Eingabe vom 11. Juli 2014 (Datum Poststempel) reichte die B e- schwerdeführerin mitt els ihres Rechtsvertreters beim Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die angefochtene Verf ü- gung sei aufzuheben und für eine Neubeurteilung an die Vorinstanz z u- rückzuweisen. Für die Neubeurteilung sei ein Lingua-Gutachten zu erstel- len. Eventualiter sei unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft die vo r- läufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie den Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses, die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie die Bestellun g eines unentgeltl i- chen Rechtsbeistands. E-3910/2014 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutr e- ten. 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalt s hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet das Gericht vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgr ünden ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingse i- genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte od er verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Abs. 3). E-3910/2014 Seite 4 3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glau b- haftmachen der Vorbringen in einem Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4. 4.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung im Wesentl i- chen zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG und jenen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Die von ihr geltend gemachte Herkunft werde bezweifelt. So seien ihre Aussagen zu den geografischen Begebenheiten ungenau, widersprüc h- lich oder nicht nachprüfbar geblieben. Es müsse insgesamt davon au s- gegangen werden, dass sie das Wenige, das sie zur Geografie dieser Region richtig und nachprüfbar angegeben habe, nicht durch ihren Au f- enthalt in B._______ kenne, sondern sich ihr Wissen anderweitig ang e- eignet habe. Entsprechend sei es ihr auch nicht gelungen, glaubhaft da r- zulegen, dass sie immer im Tibet gelebt habe. Ihren geltend gemachten Ausreise - bzw. Asylgründen werde durch die Feststellung, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht im von ihr b e- haupteten geografischen Raum gelebt habe, jegliche Grundlage entz o- gen. Dieser S chluss werde auch durch diesbezüglich unsubstanzi ierte und widersprüchliche Aussagen anlässlich der Befragungen bestätigt. Diese Widersprüche habe sie nicht schlüssig erklären können. Insbeso n- dere seien ihre Reisebeschreibungen völlig unglaubhaft und reali täts- fremd geblieben und hätten jeglicher Anzeichen von selbst erlebtem en t- behrt. Es sei davon auszugehen, dass sie unter Verwendung eigener Identitäts- und Reisepapiere in die Schweiz gelangt sei. Im Lichte der Rechtsprechung habe sie als illegal ausgereis te Tibeterin begründete Furcht, bei einer Rückkehr in den behaupteten Heimatstaat China flüchtlingsrelevanten Übergriffen ausgesetzt zu werden, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft aufgrund von subjektiven Nachfluchtgrü n- den erfüllen würde. Da ihre Haupts ozialisation eindeutig nicht in Tibet bzw. der Volksrepublik China erfolgt sei und mangels Aussagen, welche ihre offensichtliche Unkenntnis der dortigen Gegebenheiten plausibel e r- klären könnten, sei davon auszugehen, dass sie nie in Tibet bzw. chinesi- schem Gebiet gelebt habe. Sie sei somit weder illegal noch legal von dort ausgereist und den chinesischen Behörden als ausgereiste Staatsang e-E-3910/2014 Seite 5 hörige bekannt. Die Ausführungen in BVGE 2009/29 seien daher auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar und es lägen kein e subjektiven Nach- fluchtgründe vor. In analogen Fällen habe die Beschwerdeinstanz das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen verneint. Im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AslyG habe die Beschwerdeführerin ihre Staatsangehörigkeit, von welcher sie bessere Kenntnis als die Behörden besitze, offenzulegen. Die Folgen der Beweislosigkeit habe sie zu tragen, wobei nicht der strikte Beweis erforderlich sei, sondern – wie bei der Prü- fung der Flüchtlingseigenschaft – die Glaubhaftmachung ausreiche. Es sei ihr nicht gelungen, die chinesische Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen. Allein die Tatsache, dass sie Tibetisch spreche und wahrschein- lich tibetischer Ethnie sei, stelle naturgemäss keinen hinreichenden B e- weis dafür dar, dass sie chinesische Staatsangehörige sei. 4.2 Die Beschwerdeführerin bringt durch ihren Rechtsvertreter im W e- sentlichen vor, unter Berücksichtigung des Urteils des Bundesverwal- tungsgerichts E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 könne der vorliegende Fall nicht ohne Lingua -Gutachten zu ihre n Ungunsten entschieden werden. Das genannte Urteil habe sich im Wesentlichen auf ein Lingua-Gutachten abgestützt. Es sei allumfassend und somit auch mit Bezug auf zu tätige n- de Abklärungen als verbindlich zu erachten. Die angefochtene Verfügung sei dements prechend aufzuheben und für eine Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, weil sie den Untersuchungsgrundsatz verletze. Weiter seien die gesetzessystematischen Vorgaben missachtet worden, indem die angefochtene Verfügung auf eine Wegweisung in eine n Dritt- staat abziele, eine solche jedoch in der Regel mittels Nichteintretensen t- scheid gemäss Art. 31a AsylG hätte erfolgen müssen. Werde von der Re- gel abgewichen, müsse dies n achvollziehbar begründet werden, was nicht erfolgt sei. Die Vermengung eines Eintretens- und eines Nichteintre- tensverfahrens führe vorliegend zu klaren Fehlschlüssen in der Sache und stehe im Widerspruch zu den gesetzessystematischen Vorgaben. Die mangelnde Begründung des Ausschlusses des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China lasse den Schluss zu, dass die Vorinstanz bei vorliegender Sachlage die chinesische Staatsbürgerschaft nicht au s- schliesse. Diesbezüglich vermöge auch die Argumentation in E. 5.5 des Urteils des BVGer E -2403/2014 vom 12. Mai 2014 nicht zu überzeugen, wonach kein schutzwürdiges Interesse für die Begründung dieses Au s- schlusses des Wegweisungsvollzugs vorliege, da dieser aufgrund der un- beständigen Situation für Angehörige tibetischer Ethnie in China verfügt worden sei. Gemäss BVGE 2009/29 werde nicht von einer Kollektivver-E-3910/2014 Seite 6 folgung tibetischer Personen in China ausgegangen. Dementsprechend würden sie bei unglaubhaften Vorfluchtgründen auch nur aufgrund von Nachfluchtgründen als Flüchtlinge hier anerkannt. Im Übrigen weise die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü gung darauf hin, dass vorliegend wegen der Identitätstäuschung auch ein Nichteintre- tensentscheid gemäs s Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG hätte gefällt werden können. Solche würden von der Rechtsprechung geschützt. Die erwähnte Norm sei jedoch mit der Gesetzesre vision vom 1. Februar 2014 gestr i- chen worden. Seiter seien die Asylbehörden verpflichtet, selbst bei ve r- suchter Identitätstäuschung auf Asylgesuche einzutreten. Aus der ang e- fochtenen Verfügung gehe nicht hervor, inwiefern die Praxis des Bunde s- verwaltungsgerichts mit Bezug auf aArt. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG Einfluss auf dieses Verfahren haben sollte. Die angefochtene Verfügung sei in dieser Hinsicht nicht begründet und müsse an die Vorinstanz zurückg e- wiesen werden. Es werde nicht in Abrede gestellt, dass sie i hre Herkunft nicht mit Ident i- tätspapieren habe beweisen können. Hingegen könne ihr nicht vorgewo r- fen werden, sich der Überprüfung ihrer He rkunft verwehrt und somit die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG verletzt zu haben. Sie habe wäh- rend den Befragung en alles dafür getan, um aufzuzeigen, dass sie aus Tibet stamme. Eine Identitätstäuschung im Sinne von Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG könne von den Asylbehörden nur aufgrund der Ergebnisse einer erkennungsdienstlichen Behandlung oder anderer Beweismittel fest ge- stellt werden. In Frage käme unter anderem eine Herkunftsanalyse der Fachstelle Lingua. Die behauptete Verletzung der Mitwirkungspflicht stützte sich vorliegend auf die Glaubhaftigkeitsanalyse der Vorinstanz , der vom Gesetz verlangte Beweis für eine Iden titätstäuschung liege nicht vor. Somit sei diese nicht rechtsgenügend belegt, weshalb die angefoc h- tene Verfügung aufzuheben und für eine Neubeurteilung an die Vori n- stanz zurückzuweisen sei. Schliesslich könne man sich aufgrund ihrer ausführlichen und detai lrei- chen Angaben während den Anhörungen nur schwer auf den Standpunkt stellen, sie habe alles erfunden oder auswendig gelernt. Im Gegenteil seien ihre umfangreichen Angaben über weite Strecken unbestrittene r- massen korrekt und klar . Ohne Herkunftsgutachten müsse beim vorli e- genden Abklärungsstand zu ihren Gunsten von der Glaubhaftigkeit der Vorbringen ausgegangen werden. Dadurch erfülle sie auch entgegen den Ausführungen der Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft, da ihre Vorbri n-E-3910/2014 Seite 7 gen im Sinne der relevanten Gru ndsatzurteile des Bundesverwaltungsge- richts und der allgemeinen Schweizerischen Asylrechtspraxis asylrelevant seien. 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin rügt Verfahrensmängel, insbesondere eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Begründungspflicht) sowie eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ande r- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ei n- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor E r- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Bewe i- se beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehme n, mit erheblichen B e- weisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher B e- weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah- ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1, m.w.H.). Dazu gehört auch die Pflicht, den Entscheid in genügender Weise zu begründen (Begrü n- dungspflicht). 5.3 Sofern die Beschwerdeführerin vorbringt, eine Wegweisung in einen Drittstaat – wie es vorliegend der Fall sei – müsse in Anwendung von Art. 31a AsylG und somit mittels Nichteintre tensentscheid erfolgen, we s- halb die Verfügung für den Erlass einer gesetzessystematischen En t- scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, übersieht sie, dass g e- mäss besagter Norm "in der Regel" ein Nichteintritt erfolgt. Der Vorinstanz wird somit von Ge setzes wegen ein Ermessenspielraum zugebilligt, we s- halb für die in Art. 31a AsylG genannten Fälle das Verfahren nicht au s- schliesslich mittels Fällung eines Nichteintretensentscheids erledigt we r- den muss. Die Rüge ist demnach unbegründet. 5.4 Weiter besteht ent gegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin an der Rüge, die Vorinstanz habe den Ausschluss des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China nicht rechtsgenügend begründet, kein schut z- würdiges Interesse. Wohl geht das Bundesverwaltungsgericht – wie die E-3910/2014 Seite 8 Beschwerdeführerin richtig vorbringt – nicht von einer Kollektivverfolgung ethnischer Tibeterinnen und Tibeter in der Volksrepublik China aus, so n- dern anerkennt diese bei glaubhafter Herkunft aus Tibet wegen subjekt i- ven Nachfluchtgründen als Flüchtlinge. De r Ausschluss des Wegwe i- sungsvollzugs in die Volksrepublik China für ethnische Tibeter lässt hin- gegen nicht den Schluss zu, die Vorinstanz schliesse auf deren chinesi- sche Staatsbürgerschaft, sondern ist eine in Anwendung von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG vorg enommene Vorsichtsmassnahme, da nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann, ob ethnische Tibeter – ungeachtet ih- rer Herkunft – bei einer Wegweisung in die Volksrepublik China dort rel e- vante Nachteile erlitten. 5.5 Weiter ist festzuhalten, dass das Gesetz keine Pflicht zur Erstellung eines Lingua-Gutachtens vorsieht. Auf der einen Seite ist vorliegend in- des mit der Beschwerdeführerin einig zu gehen, dass ihre umfangreichen Angaben zu ihrer Herkunft während der Anhörung zu einem grossen Teil von der Vorinstanz nicht in Abrede gestellt werden . Es fällt auf, dass sie einen Grossteil der gestellten Fragen korrekt und ausführlich beantworten konnte. So bereitete es ihr – um einige wenige Beispiele zu nennen – weder Mühe, die chinesische Bezeichnung für "Gemeinde " und für "B e- zirk" zu nennen, noch scheiterte sie an der Frage über die chinesischen Namen ihrer Gemeinde und ihres Bezirks (BFM -Akten, A16/12 F24/25). Auch kann sie einfache Sätze in Chinesisch sagen (BFM -Akten, A16/12 F90 ff.). Die Angaben zu den verwende ten Banknoten stimmten ebenso wie die geographischen Angaben in ihrer Umgebung (BFM-Akten, A16/12 F49, F75 ff. und F89). Auf der anderen Seite führt die Vorinstanz zu Recht aus, dass die Vo r- bringen teilweise un glaubhaft und nicht nach vollziehbar erscheinen. Ins- besondere sind die Aussagen zum Reiseweg von Tibet nach Bhutan u n- substanziiert und wenig nachvollziehbar (BFM -Akten, A19/16 F78 ff.). Auch auf Nachfrage der Vorinstanz bleibt die Beschwerdeführerin sehr vage, so dass nicht der Eindruck entsteht, sie habe diese Reise selbst er- lebt. Auffällig ist auch, dass sie sich in Bezug auf die Unterbringung nach der Demonstration deutlich widerspricht. So führte sie zuerst aus, sie sei bei ihrer Schwester in D._______ untergekommen (BFM-Akten, A7/11 S. 8), bringt später jedoch vor, sie habe sich bei einer Bekannten von ihr versteckt (BFM -Akten, A19/16 F44 und F59). Auf Nachfrage sagte sie aus, diese Bekannte kenne sie schon lange (BFM -Akten, A19/16 F48). Als ihr der Widerspruch vorgehalten wurde, sag te sie wiederum aus, es habe sich um ihre Schwester gehandelt (BFM -Akten, A19/16 F104 ff.). E-3910/2014 Seite 9 Weiter hatte sie Mühe, Angaben zum Schulsystem und der chinesischen Bezeichnung der Schule zu machen (BFM -Akten, A16/12 F65 ff.). Ob die Beschwerdeführerin trotz dieser Zweifel ih re Herkunft glaubhaft machen konnte oder der Beweis gescheitert ist, lässt sich noch nicht abschlie s- send entscheiden. Der Sachverhalt erscheint nämlich nicht vollständig abgeklärt. Entsche i- dend ist, dass die Beschwerdeführerin angegeben hat, den lokalen (tibe- tischen) Dorfdialekt zu sprechen, was von der Dolmetscherin nicht wider- legt werden konnte (BFM-Akten, A16/12 F112). Trotz expliziter Aufforde- rung, den Dorfdialekt zu sprechen, führte die Beschwerdeführerin die An- hörung aus Angst vor Verständigungsschwierigkeiten auf Zentraltibetisch weiter (BFM-Akten, A19/16 F99) . Damit ist nicht hinreichend geklärt, ob sie des Dorfdialektes tatsächlich mächtig ist, was ein wesentlich es Ele- ment der Sachverhaltsfeststellung darstellt und die Durchführung einer Lingua-Analyse geboten erscheinen lässt. 5.6 Damit ist festzuhalten, dass der Beschwerdegrund von Art. 106 Bst. b AsylG (unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts) erfüllt ist, was zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führt. Die Sa- che ist grundsätzlich zur Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Entsche i- dung an die Vorinstanz zurückzuweisen, es sei denn, dass der Sachve r- halt im Beschwerdeverfahren ergänzt werden könne. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Kompetenz, den festgestellten Sachverhalt ohne Einschränkung zu überprüfen (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG) und stellt grundsätzlich auf den Sachverhalt ab, wie er sich im Zeitpunkt des Urteils verwirklicht hat (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Es kann indessen nicht die Aufgabe der Beschwerdeinsta nz sein, grundl e- gende Fragen zum Sachverhalt als erste Instanz zu klären. Das ergibt sich aus der gesetzlichen Zuständigkeitsordnung. Das Gericht beurteilt Beschwerden gegen Verwaltungsverfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, ist mithin zur Überprüfung von Verfügungen zuständig (Art. 31 VGG). Die Bestimmung zur Sachverhaltsfeststellung in Art. 32 VwVG ist denn auch primär auf das Verwaltungsverfahren vor den erstinstanzlichen Bunde s- behörden und nicht auf das Beschwerdeverfahren zugeschnitten, was die gesetzliche Systematik bestätigt. Schliesslich fällt ins Gewicht, dass die Partei eine Instanz verlöre, wenn das Gericht die Grundlagen des recht s- erheblichen Sachverhalts nicht nur ergänzen, sondern gleichsam wie eine erste Instanz erheben würde. Aus diesen Gründen hat das Bundesve r- waltungsgericht von eigenen Sachverhaltsfeststellungen, die über eine E-3910/2014 Seite 10 blosse Ergänzung und Erwahrung des rechtserheblichen Sachverhalts hinausreichen, abzusehen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5; ferner Urteil des BVGer E-4157/2012 vom 4. Oktober 2012 E. 4). 5.7 Demnach ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der obsiegenden Beschwerdeführerin ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 8 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor d em Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Aufgrund der Akten kann der Vertretungsaufwand jedoch zuverlässig abgeschätzt werden (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und ist auf Fr. 1' 600.– (inkl. Auslagen und Meh r- wertsteuer) festzusetzen. Die Vorinstanz ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 2 VwVG anzuweisen, de r Beschwerdeführerin diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. Mit dem vorliegenden Direktentscheid ist der prozessuale Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses, die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie der Antrag auf Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands gegen- standslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) E-3910/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die Verfügung des BFM vom 25. Juni 2014 aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vori n- stanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Willisegger Alain Degoumois Versand: