Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. Dezember 2021 (810 21 237) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft Besetzung Vorsitzender Claude Jeanneret, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clausen, Daniel Noll, Kantonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Jessica Baltzer, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Andreas Fischer, Advokat Betreff Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 14. Juli 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. D.____ (geb. 2017) ist das Kind der nicht miteinand er verheirateten, gemeinsam sorge- berechtigten A.____ (Kindsmutter) und C.____ (Kindsvater). B. Am 24. November 2020 reichte die Kantonspolizei B asel-Landschaft bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) eine Gefährd ungsmeldung betreffend D.____ ein. Aus der Gefährdungsmeldung ergibt sich, dass es am Morgen des 21. November 2020 im gemeinsamen Haushalt zu einem Streit mit Tätlichkeiten s eitens des Kindsvaters gegenüber der Kindsmutter gekommen sei. Die Kindsmutter habe die Polizei gerufen und den Verdacht geäussert, der Kindsvater würde während ihrer Abwesenh eit sexuelle Handlungen am gemein- samen Sohn vornehmen. In der Folge beauftragte die K ESB die Sozialen Dienste E.____ mit einer Abklärung über das mögliche Vorhandensein einer Kindeswohlgefährdung. C. Anschliessend kam es zur Trennung der Kindseltern und der Kindsvater zog nach F.____. Seit der Trennung lebt D.____ bei der Kindsm utter. Am 10. März 2021 reichte D.____, gesetzlich vertreten durch die Kindsmutter, diese vertre ten durch Wicky Tzikas, Advokatin in Allschwil, beim Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West eine Klage gegen den Kindsvater betref- fend Kindesunterhalt ein. D. Mit Abklärungsbericht vom 20. April 2021 schlugen di e Sozialen Dienste E.____ eine Weisung betreffend begleitete Besuchstage, mindestens bis zum Abschluss des Verfahrens betreffend Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, sowie die Errichtung einer Erziehungsbeistand- schaft zur Regelung des persönlichen Kontakts und Unterstüt zung der Eltern, sowie eine An- meldung von D.____ in einer Kita mit einem Pensum vo n mindestens 50 % zur Förderung seiner Sozialkompetenz und Abnabelung von der Kindsmutter vor. E. Im Rahmen der Anhörung erklärte sich der Kindsvater m it allen Empfehlungen der Abklärenden einverstanden, während die Kindsmutter ein e Beistandschaft für unnötig erachte- te. F. Am 14. Juli 2021 verfasste die Kindsmutter eine Gefäh rdungsmeldung zu Handen der KESB, weil der Kindsvater im Rahmen der begleiteten Besuchstage Baselland (BBT-BL) in ge- wissen Momenten mit D.____ unbeobachtet gewesen sei. A usserdem habe D.____ ihr erzählt, der Vater habe ihn vor und nach dem Baden jeweils an- und ausgezogen. Derlei Vorkommnisse seien aus ihrer Sicht, unter dem Gesichtspunkt des Verdac htes der Pädophilie, unbedingt zu verhindern. G. Mit Entscheid vom 14. Juli 2021 errichtete die KESB f ür D.____ eine Erziehungs- beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 des Schweizerisch en Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 mit den Aufgabenbereichen, die Kin dseltern in ihrer Sorge um D.____ mit Rat und Tat zu unterstützen, die Treffen zwischen D.____ und dem Kindsvater zu organisieren und allenfalls auch zu begleiten sowie für die den Bedürfnissen von D.____ angemessene Kon- taktmöglichkeiten (z.B. Tageskindergarten, Spielgruppe) zu sorgen. Als Beistandsperson wurde G.____ ernannt. Einer allfälligen Beschwerde entzog die KESB die aufschiebende Wirkung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Dagegen erhebt die Kindsmutter, vertreten durch Je ssica Baltzer, Advokatin in Basel, mit Eingabe vom 12. August 2021 Beschwerde beim Kantons gericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehren, der Entscheid der KESB vom 14. Juli 2021 sei unter Kostenfolge in dem Sinne aufzu heben, dass von der Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft abzusehen sei. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren. I. Mit Vernehmlassung vom 15. September 2021 beantra gt der Kindsvater, vertreten durch Andreas Fischer, Advokat in Basel, die Beschwerde se i vollumfänglich abzuweisen und es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren. J. Mit Vernehmlassung vom 15. September 2021 schloss die V orinstanz auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 Z GB und § 66 Abs. 1 des kanto- nalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuchs (EG ZGB) vom 16. November 2006 kann gegen Entscheide der KESB Beschwerde beim Kantonsg ericht erhoben werden. Das Verfahren richtet sich vorab nach den Art. 450 ff. ZGB . Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts, des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993, anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Gemäss Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahestehen (Zif f. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefocht enen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als Verfahrensbeteiligte zur Be schwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen nach den Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststell ung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Unangemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kanton sgericht kommt bei der Beurteilung der Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Die Vorinstanz erwog, aus dem Abklärungsbericht vom 20. April 2021 gehe hervor, dass das Verhältnis zwischen dem Kindsvater und D.____ währ end des begleiteten Besuchs warm und sehr vertraut gewesen sei. Die mögliche Missbrauchserfahrung durch den Kindsvater werde durch die Abklärende stark in Frage gestellt. D.__ __ befinde sich, was diesen Vorwurf betreffe, seit März 2021 bei Dr. med. H.____ in Abklär ung. Die Mutter habe Mühe, den Sohn loszulassen und könne ihm mit ihrer behütenden Art wicht ige Entwicklungsschritte verwehren. Gemäss Aussagen der Kindsmutter würden keine regelmässige n Kontakte zu Drittpersonen bestehen. Aufgrund der bestehenden starken Zerrüttung würden die Kindseltern sodann Unter- stützung bei Differenzen betreffend Erziehungsfragen u nd Umgang benötigen. Weil es im Inte-Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht resse von D.____ liege, dass sich die Lage so schnell wie möglich beruhige und dieser Vorgang von der Kindsmutter nicht gestört werde, werde eine Er ziehungsbeistandschaft errichtet und einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid die aufschiebende Wirkung entzogen. 3.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass eine Kinde swohlgefährdung vorliege. Sie stehe einem regelmässigen Kontakt zwischen ihrem Sohn und dem Kindsvater nicht im Wege. Sie hätten gemeinsam im Rahmen des Abklärungsauftrags di e Lösung in Form eines begleite- ten Besuchsrechts gefunden. D.____ sehe seinen Vater j edes zweite Wochenende, letztmals am 8. August 2021, wobei es seit der Errichtung der be gleiteten Besuche keinen einzigen Ausfalltermin gegeben habe. Weiter werde bestritten , dass sie ihren Sohn von der Aussenwelt abkapsle. Diese Vermutung der Vorinstanz könne widerleg t werden, da sie sich mit dem Sohn regelmässig in Familienzentren aufhalte und Bekannte treffe. 3.3 Nach Art. 307 Abs. 1 ZGB ist die Kindesschutzbehörde bei einer Gefährdung des Kindeswohls verpflichtet, die geeigneten Massnahmen zum Schutze des Kindes zu ergreifen, wenn die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen od er dazu ausserstande sind. Ob das Wohl des Kindes durch die gegebenen Umstände gefährdet ist oder nicht, hat die KESB auf- grund der Untersuchungsmaxime von Amtes wegen abzuklären, wobei die am Verfahren beteiligten Personen und Dritte mitzuwirken haben. Ma ssgebend sind die Verhältnisse im Zeit- punkt, in dem das Gericht oder die Behörde den Entschei d trifft (vgl. K URT AFFOLTER - FRINGELI /U RS VOGEL , Berner Kommentar ZGB, 2016, N 14 zu Art. 307 ZGB m it Hinweisen). Zum Kindeswohl gehören die Förderung und Entwicklung i n geistiger, körperlicher und see- lischer Hinsicht, ein Umfeld von Kontinuität und Stabilität, die Möglichkeit einer inneren Bindung des Kindes an die Beziehungspersonen sowie die Achtung d es Willens des Kindes und seines Selbstbestimmungsrechts (BGE 146 III 313 E. 6.2.2; BG E 129 III 250 E. 3.4.2). Unter Gefähr- dung wird im Allgemeinen die objektiv fassbare Gefahr einer Beeinträchtigung des körperlichen, sittlichen oder geistigen Wohls verstanden. Diese muss – w enn auch regelmässig prognosti- sche Elemente miteinzubeziehen sind – einigermassen konkret sein (Y VO B IDERBOST , in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Pr ivatrecht, Personen- und Fami- lienrecht inkl. Kindes- und Erwachsenenschutz, 3. Auflage, 2016, N 9 zu Art. 307 ZGB). Nicht erforderlich ist, dass sich die Gefahr bereits verwirklich t hat. In diesem Sinne ist auch der ge- setzliche Kindesschutz Präventivmassnahme und hat sich vom Grundsatz "in dubio pro infante" leiten zu lassen (BGE 146 III 313 E. 6.2.2). Unerhebl ich ist, auf welche Ursachen die Gefähr- dung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen ode r in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. Desgle ichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft (Urteil des Bundesgerichts 5A_968/2020 vom 3. März 2021 E. 3.1; BGE 144 III 442 E. 4.3). Eine Kindeswoh lgefährdung stellt z.B. dar, wenn Erzie- hungsverantwortliche dem Kind weder gesellschaftlich ane rkannte und sozialverträgliche Wert- haltung noch bezüglich des Verhaltens Grenzen vermitteln oder dem Kind verunmöglichen, mit- tels Wahrung eigener altersgemässer und entwicklungsangep asster Freiräume Erfahrungen zu sammeln, Autonomie zu erlernen und ein Selbstwertgefüh l zu entwickeln (vgl. A FFOLTER - FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 16 zu Art. 307 ZGB). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Nach der Gefährdungsmeldung durch die Kindsmutter gab die KESB eine Abklärung einer allfälligen Kindeswohlgefährdung in Auftrag. Dem entsprechenden Abklärungsbericht vom 20. April 2021 ist zu entnehmen, dass der ursprüngliche Grund für die Abklärung in der – von der Kindsmutter aufgeworfenen – möglichen Kindesmissbra uchsfrage durch den Kindsvater lag. Im Zuge der Abklärungen wurde aber festgestellt, dass D .____ eine sehr enge, symbiotische Beziehung zur Kindsmutter habe und diese ihn in einem übertriebenen Masse umsorge respek- tive von der Aussenwelt und deren Einflüsse abschirme. D ie Fürsorge und Aufmerksamkeit der Kindsmutter für ihren Sohn übersteige den Normalbere ich, da das ganze Leben und alle Lebensinhalte um ihren Sohn herum organisiert würden. Aus den Akten ergibt sich weiter, dass die Kindseltern während ihrer Beziehung Aussenkontakte – auch zur Familie – weitgehend ab- geblockt und sehr zurückgezogen gelebt haben. Während der Kindsvater Vollzeit gearbeitet hat, hat sich die Beschwerdeführerin vorwiegend der Er ziehung von D.____ gewidmet. Die Kindseltern berichteten übereinstimmend von einer schwie rigen Beziehung, wobei zwischen den Kindseltern viele Unstimmigkeiten bezüglich Erziehun g und Haushaltsführung bestanden. Gemäss dem Abklärungsbericht brach die Kindsmutter in d er Vergangenheit sodann externe Kinderbetreuungen nach kurzer Zeit wieder ab. In Bezu g auf die Kündigung des Vertrags mit der Kita I.____ führte die Beschwerdeführerin aus, di e Heimleitung habe sie bereits nach drei Tagen der Eingewöhnung weggeschickt und behauptet, D.____ könne alleine dortbleiben. Dies sei aus ihrer Sicht absolut nicht in Ordnung gewesen, da solche Eingewöhnungen normalerwei- se mehrere Wochen dauern würden. Aus diesem Grund hab e sie den Betreuungsvertrag sofort aufgelöst. Die Kindsmutter führte im Rahmen der Abklär ung aus, sie sei häufig mit D.____ in Familienzentren gewesen, damit er Kontakt zu anderen Kindern habe. Leider habe er dort immer viele Schläge von anderen Kindern einstecken müssen, obwohl D.____ so lieb und offen gewesen sei. Er habe viele negative Erlebnisse mit aggre ssiven Kindern gemacht, die ihm Spielsachen auf den Kopf geschlagen hätten. Nun sei e s eher D.____, der reinschlage. Im Abklärungsbericht wird diesbezüglich festgestellt, dass sowo hl beim Hausbesuch wie auch beim begleiteten Besuch im Zoo aufgefallen sei, dass D. ____ sehr distanzlos und ungehemmt auf Erwachsene und Kinder zugehe. Er gehe mit viel Ent husiasmus und ohne Berührungs- ängste auf ihm fremde Personen zu. Die Interaktionen zwischen D.____ und anderen Kindern würden unkoordiniert und befremdlich wirken, sodass D.____ immer wieder Ablehnung erfahre, was ihn sehr frustriere. Es handle sich hier um einen sch malen Grat zwischen Ressource und besorgniserregendem Zustand. Während die Eltern das Verhalten positiv deuten würden, sei eher die Einschätzung eines aufdringlichen, distanzlosen Verhaltens adäquat. D.____ zeige ein forderndes Verhalten und scheine sehr viel Freiraum zu haben. Nach der fachlichen Ein- schätzung im Abklärungsbericht wäre es notwendig, D.____ einen klaren Rahmen mit klaren Grenzen zu vermitteln. Im Rahmen der Abklärung ergab sich weiter, dass die Kindseltern sehr konträre Erziehungsstile verfolgten. Nach den Ausführungen des Kindsvaters habe er D.____ in Bezug auf den TV-Konsum Grenzen setzen wollen, was ih m von der Kindsmutter nicht erlaubt worden sei. D.____ werde sodann von der Kindsmutter m it Spielsachen überhäuft. Diese Aussage des Kindsvaters wird von den abklärenden Personen b estätigt, die im Abklärungsbe- richt festhalten, dass eine derartige Spielsachenüberfl utung bisher noch nie in einem Haushalt gesehen worden sei. Anlässlich des Hausbesuchs wurde soda nn ein auffälliges Spielverhalten sowie ein auffälliges emotionales und soziales Verhalten von D.____ festgestellt. Aufgrund dessen, dass D.____ – im Zeitpunkt der Abklärung – wede r in einer Kindertagesstätte noch in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Spielgruppe war, fehlten ihm Spielerfahrungen mit gleichaltrigen Kindern. Nach den Fest- stellungen im Abklärungsbericht befolge der Kindsvater einen eher traditionellen Erziehungsstil, während die Kindsmutter D.____ mit Respekt und auf A ugenhöhe begegnen wolle und ihn in alles einbeziehen wolle, was ihn betreffe. Die Kindsmutter führte im Rahmen der Abklärung aus, sie möchte D.____ alles erklären, da er nur so ihre Han dlungen verstehen könne. Sobald sie mit ihm streng sei und etwas lauter werde, blockiere er . Nur wenn man wohlwollend mit ihm spreche, kooperiere er. Gemäss Abklärungsbericht hängen die Kündigungen der externen Kinderbetreuungen mit dem hohen Mass an "Übermutterun g" zusammen, welche für die kindli- che Entwicklung als schädlich erachtet werde. Im Rahmen der Abklärung entstand der Ein- druck, dass die Kindsmutter eigene Negativerfahrungen a us ihrem Leben auf ihren Sohn proji- ziere und der Mangel an Aussenkontakten sichtlich D.____s Entwicklung schade, weshalb eine Kindeswohlgefährdung eher im Umgang der Kindsmutter m it ihrem Sohn und dem Wegfall des regelmässigen Kontakts mit dem Kindsvater liege. Gemäss d em Abklärungsbericht bestehe bei einem Verzicht auf Massnahmen die Gefahr einer chronifizi erten sozialen Verhaltensauffällig- keit. Ausserdem bestehe die Gefahr, dass der längerfristig e Kontaktabbruch zum Vater mittel- bis langfristig erhebliche psychische Schäden und Beziehungs problematiken verursachen könnte. Beim begleiteten Besuch im Zoo sei D.____, al s er den Kindsvater gesehen habe, auf diesen zugerannt und habe ihn umarmt. Ab diesem Moment habe er den Kindsvater nicht mehr losgelassen. Obwohl sich die beiden seit über drei Monaten nicht mehr gesehen hätten, sei das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sehr gelassen und ve rtraut gewesen sei. Beim Abschied habe D.____ gewünscht, dass der Kindsvater mit ihm nach Hause gehe. Nachdem der Kinds- vater ihm erklärt habe, dass dies nicht gehe, habe D.____ sehr stark zu weinen begonnen. Nach der Einschätzung im Abklärungsbericht müsse die Vater -Sohn-Beziehung unbedingt gefördert werden, da D.____ massiv unter der Trennung leide. Die Kindsmutter scheine hinge- gen nicht nachvollziehen zu können, dass D.____ eine eng e Beziehung zu seinem Kindsvater habe, da sie in einer anderen Wahrheit lebe. Aufgrun d der dargelegten Umstände, des schlüs- sigen, detaillierten Abklärungsberichts sowie der aktenkund igen Verhaltensauffälligkeiten von D.____ ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass von einer akt uellen Kindeswohlgefährdung auf- grund erzieherischer Probleme ausgegangen werden muss, d ie durch die Errichtung einer Er- ziehungsbeistandschaft beseitigt werden könnte. 4.1 Zu prüfen bleibt, ob auch mildere Massnahmen zum ge wünschten Ziel, der Abwen- dung der Kindeswohlgefährdung, führen würden. 4.2 Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich vor, der Kindsvater und sie seien bei einer Mediation angemeldet und würden auf den ersten Termin warten. Diese Mediation sei in Bezug auf die Regelung der Kinderbelange von D.____ das geeignete Mittel. Ihre Bereitschaft, mit dem Kindsvater bezüglich ihres gemeinsamen Sohnes e inen Konsens zu finden, zeige, dass es auch ihr ein grosses Anliegen sei, den Kindsvater bei der Erziehung und Betreuung von D.____ einzubeziehen und eine gute Beziehung zwischen de m Kindsvater und D.____ zu ermöglichen. Ausserdem kümmere sie sich nicht nur aktiv um d en Kontakt von D.____ zum Kindsvater, auch ermögliche sie ihm den Kontakt zu Dritt personen bzw. insbesondere zu ande- ren Kindern, indem sie ihn in Fremdbetreuung gebe (z. B. Betreuungsangebot des Schweize- rischen Roten Kreuzes), tagtäglich stundenlang mit ihm auf dem Spielplatz oder anderen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht öffentlichen Plätzen verbringe und ihn künftig in ein e Spielgruppe schicken werde. Sie erfülle ihre Erziehungs- und Betreuungsaufgaben sehr gut und wisse sich selbst zu helfen, sollten sich Fragen in Bezug auf die Erziehung oder Alltagsproblem e ergeben. So besuche sie auch regel- mässig verschiedene Familienzentren. Aus diesem Grund sch iesse die Vorinstanz mit der Er- richtung einer Erziehungsbeistandschaft über das Ziel hinaus. 4.3 Der Kindsvater erachtet die errichtete Erziehungsbe istandschaft – im Sinne eines unterstützenden Elements für beide Eltern – als essentie ll für eine positive Entwicklung von D.____. Auch wenn er aktuell D.____ bloss alle 14 Tage für 4 Stunden im Rahmen der BBT-BL sehe, wolle er weit mehr an der Erziehung und Entwicklu ng von D.____ teilhaben. Die Erzie- hungsbeistandschaft solle dabei helfen, dass möglichst b ald wieder unbegleitete, regelmässige Kontakte stattfinden könnten und sich eine stabile Vate r-Sohn-Beziehung weiterentwickeln könne. Die Kindsmutter vermöge nichts vorzubringen, was die Errichtung einer Erziehungs- beistandschaft in Frage stellen könnte. Es sei unbestritte n, dass zwischen ihr und ihm ein tief- greifender, komplexer Konflikt bestehe, welcher in völli g haltlosen Vorwürfen der Kindsmutter ihm gegenüber gegipfelt habe. Die von der Beschwerde führerin erwähnte Mediation habe so- dann bislang – mangels Bereitschaft der Beschwerdeführe rin für ein gemeinsames Gespräch mit ihm – nicht starten können. Inzwischen liege im Übrig en die Schlussmitteilung der Staats- anwaltschaft vor, welche die Einstellung des von der Besch werdeführerin ausgelösten Straf- verfahrens in Aussicht stelle. Das bedeute, dass nun mögli chst rasch der stark eingeschränkte Kontakt zwischen D.____ und ihm ausgedehnt werden müsse. Es seien keine Gründe ersicht- lich, welche eine Erziehungsbeistandschaft als unverhältnismässig erscheinen liessen. 4.4 Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit, der das gesam te Kindesschutzrecht be- herrscht, verlangt, dass die verfügte Massnahme zur Abwen dung der Kindeswohlgefährdung geeignet und erforderlich ist (vgl. Art. 389 Abs. 2 i. V.m. Art. 440 Abs. 3 ZGB). Damit darf der Gefahr insbesondere nicht durch eine der weniger ein schneidenden Massnahmen nach Art. 307 ZGB vorgebeugt werden können (vgl. BGE 146 I II 313 E. 6.2.7; BGE 140 III 241 E. 2.1 = Die Praxis [Pra] 103/2014 Nr. 109). Kindesschutzmassnahm en sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Grundsatz der Kompleme ntarität; vgl. Urteil des Bundes- gerichts 5A_765/2016 vom 18. Juni 2017 E. 3.2). Die Ki ndesschutzbehörden sind damit zur Zurückhaltung aufgerufen, sofern die Eltern einer Kind eswohlgefährdung effektiv begegnen. Kindesschutzmassnahmen orientieren sich allerdings stets am Wohl des Kindes und sind in die Zukunft gerichtet. Kindesschutz verlangt daher ein voraus schauendes Handeln der Behörden. Diese sind gehalten, zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit gezielten Massnahmen möglichst präventiv die festgestellte Kindeswohlgefährdung abzuwe nden (Urteil des Bundesgerichts 5A_765/2016 vom 18. Juni 2017 E. 3.3). 4.5 Wie bereits zuvor dargelegt (siehe vorne E. 3.4), g eht der herrschende Konflikt weit über die Regelung der Obhut bzw. des Besuchsrechts hinau s. Sodann herrscht zwischen der Beschwerdeführerin und dem Kindsvater ein stark getrübt es Verhältnis, welches durch ein massives Misstrauen der Beschwerdeführerin dem Kindsvater g egenüber geprägt ist. Dieses Misstrauen wird zusätzlich dadurch bestätigt, dass die Besc hwerdeführerin in ihren Anmerkun- gen zum Abklärungsbericht diverse weitere Vorwürfe gegen den Kindsvater erhebt. Sie bezwei-Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht felt ausdrücklich, dass der Kindsvater in der Lage sei, Ve rantwortung für das Kind zu überneh- men (Anmerkung 3 zu Seite 21) und wirft die Frage a uf, ob es nicht sinnvoll wäre, beim Kinds- vater eine Untersuchung auf eine bipolare Störung dur chzuführen, um eine etwaige weiterfüh- rende Gefahr des Kindeswohls zu verhindern (Anmerkung 1 zu Seite 28). Weiter hält sie ihm ein langjähriges Alkoholproblem vor (Anmerkung 8 zu S eite 15). Unbestritten ist sodann, dass die Kindseltern mit der von der Beschwerdeführerin al s mildere geeignete Massnahme ange- führten Mediation bislang noch nicht begonnen haben. B ei dieser Ausgangslage ist eine milde- re, gleich geeignete Kindesschutzmassnahme schlicht nicht ersichtlich, zumal es gerade in dieser Situation auch für D.____ wichtig ist, eine neutrale Ansprechperson zu haben und Unter- stützung in allen Belangen zu erhalten, welche momenta n für seine Entwicklung eine entschei- dende Rolle spielen. Demgemäss ist die Anordnung eine r Erziehungsbeistandschaft zur Rege- lung des persönlichen Kontakts sowie zur Unterstützung d er Erziehungsberechtigten mit Rat und Tat zu bestätigen. 5. Zusammenfassend erweist sich die von der Vorinstanz err ichtete Erziehungsbeistand- schaft somit als rechtmässig und angemessen, was zur vollumfän glichen Abweisung der Be- schwerde führt. 6.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung d er unentgeltlichen Rechtspflege. Gemäss § 22 Abs. 1 VPO und Art. 29 Abs. 3 der Bundesver fassung der Schweizerischen Eid- genossenschaft (BV) vom 18. April 1999 wird eine Parte i auf ihr Begehren von der Bezahlung der Verfahrenskosten und der Kosten von Beweismassnahmen befreit, sofern ihr die nötigen Mittel fehlen und ihr Begehren nicht offensichtlich als aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzungen wird einer Partei der kostenlose Beizug einer Anwältin gewährt, sofern dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint (§ 22 Abs. 2 VPO). 6.2 Aufgrund der von der Beschwerdeführerin eingereich ten Unterlagen ist ihre Bedürf- tigkeit nachgewiesen. Da auch die weiteren Voraussetzungen gemäss § 22 VPO erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführu ng und Verbeiständung mit Advokatin Jessica Baltzer zu bewilligen. 6.3 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantons gericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise u nterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Da die Beschwerdeführerin vollumfän glich unterliegt, sind ihr die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- aufzuerlegen, wo bei sie zufolge Bewilligung der unent- geltlichen Rechtspflege zulasten der Gerichtskasse gehen. 6.4 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Ausgang des Verfah rens entsprechend ist dem Be- schwerdegegner eine Parteientschädigung zu Lasten der Be schwerdeführerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners macht in seiner H onorarnote vom 22. September 2021 einen Zeitaufwand von 8 Stunden 35 Minuten gel tend. Darin sind künftige ausserprozes-Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht suale Aufwendungen im Umfang von 10 Minuten enthalten , die nicht zu berücksichtigen sind. Im Übrigen sind die geltend gemachten Parteikosten ni cht zu beanstanden. Dem Beschwerde- gegner ist demnach für den Beizug eines Anwalts eine Pa rteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'836.40 (8 Stunden 25 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen und 7.7 % MWST) zulasten der Beschwerdeführerin zuzusprechen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch des Beschwerdegegners um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos. 6.5 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeistä ndung ist der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. In ihrer Honorarnote vom 30. September 2021 macht sie einen Aufwand von 12 Stunden 15 Minuten geltend. Darin sind künftige ausserprozessuale Aufwendungen im Umfang von 35 Minuten enthalten, die nicht zu berücksichtigen sind. Im Übrigen sind die geltend gema chten Parteikosten nicht zu bean- standen. Demzufolge ist der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'571.05 (11 Stunden 40 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen und 7.7 % MWST) zulasten der Gerichtskasse auszurichten. 6.6 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hing ewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung mit Advokatin Jessica Baltzer wird bewilligt. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der u nentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der G erichts- kasse. 4. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner ei ne Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1'836.40 (inkl. Auslagen und MWSt) auszurichten. 5. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeist ändung wird Advokatin Jessica Baltzer ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'571.0 5 (inkl. Ausla- gen und MWSt) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Kantonsrichter Gerichtsschreiber