<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2002.00226</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=106968&amp;W10_KEY=13013573&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2002.00226</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 27.11.2002</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">1. Abteilung/1. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Baubewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Verhältnismässigkeit von Anordnungen im Rahmen der Baubewilligung Zuständigkeit (Erw. 1). Übereinstimmung von Bauten mit den anerkannten Regeln der Baukunde (Erw. 2a); Rechtskontrolle des Verwaltungsgerichts (Erw. 2b); Streitgegenstand (Erw. 2c); Rechtsnatur der Baubewilligung (Erw. 2d/aa); Voraussetzungen für deren Widerruf (Erw. 2d/bb); Unverhältnismässigkeit der Anordnung zum Anbringen einer Querstange (Erw. 2d/cc). Gutheissung der Beschwerde (Erw. 3).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ABSTURZGEFAHR">ABSTURZGEFAHR</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Planungs- und Baurecht ST: BAUBEWILLIGUNG UND BAUBEWILLIGUNGSVERFAHREN">BAUBEWILLIGUNG UND BAUBEWILLIGUNGSVERFAHREN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEFEHL">BEFEHL</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHUTZVORRICHTUNG">SCHUTZVORRICHTUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SIA-NORMEN">SIA-NORMEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SICHERUNGSVORKEHREN">SICHERUNGSVORKEHREN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT">VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VOLLZUGSANORDNUNG">VOLLZUGSANORDNUNG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">§ 20 Abs. I BBauV I</span><br/><span class="gerade">Art. 5 lit. I BV</span><br/><span class="ungerade">§ 239 Abs. I PBG</span><br/><span class="gerade">§ 358 PBG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 4 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. Das Amt fÃ¼r Baubewilligungen der Stadt ZÃ¼rich bewilligte A am 16. Juli 2001 im Anzeigeverfahren verschiedene Umbauten im GebÃ¤udeinnern der im Jahr 1892 erbauten Lie­genschaft Vers.Nr. 01 auf dem GrundstÃ¼ck Kat.Nr. 02 an der K-strasse in X. Diese bilden Teil einer Gesamtsanierung. Ferner stimmte die BehÃ¶rde am 18. September 2001 dem Anbau einer Balkonanlage mit Aussentreppe auf der RÃ¼ckseite des Wohnhauses sowie ei­nes Vordachs Ã¼ber dem Eingang zu. Das GebÃ¤ude gehÃ¶rt zu einem Kleinquartier im Y, das gemÃ¤ss § 203 Abs. 2 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG) inven­tarisiert ist.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Am 3. Dezember 2001 erliess der Abteilungsleiter der Baupolizei die Bezugsbewilli­­gung und traf gleichzeitig neben anderen Anordnungen folgende, bis zum 18. Januar 2002 zu erfÃ¼llende VollzugsverfÃ¼gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>"a) Die Fenstersimse und HeizkÃ¶rper sind teilweise bekletterbar (HÃ¶he 56 cm bis 63 cm, </span></p> <p class="Einzug1"><span> anstelle der zulÃ¤ssigen 65 cm). An den FensterflÃ¼geln sind daher BeschlÃ¤ge zu mon-</span></p> <p class="Einzug1"><span> tie­ren, die ein Ãffnen der Fenster von max. 12 cm zulassen (Kindersicherheit) und die</span></p> <p class="Einzug1"><span> zum ganz Ãffnen nur mit einem SchlÃ¼ssel bedient werden kÃ¶nnen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> b) Bei den Fenstern, welche eine BrÃ¼stungshÃ¶he von nur 68 cm bis 75 cm aufweisen,</span></p> <p class="Einzug1"><span> (innerer Boden bis OK Fensterrahmen), sind aussen GelÃ¤nderstangen zwischen die</span></p> <p class="Einzug1"><span> Leibungen zu montieren, auf 1.00 m ab innerem Boden."</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Einen Rekurs des Bauherrn gegen letztgenannte Auflage wies die Baurekurs­kom­­mission I am 14. Juni 2002 ab und setzte Frist fÃ¼r die ErfÃ¼llung des Befehls an. Die Kom­­mission wies darauf hin, dass sich die angefochtene Anordnung auf § 239 Abs. 1 PBG sowie § 20 der Verordnung Ã¼ber die ordentlichen technischen und Ã¼brigen Anforderungen an Bauten, Anlagen, Ausstattungen und AusrÃ¼stungen (Besondere Bauverordnung I; BBauV I) vom 6. Mai 1981 stÃ¼tze. Ferner habe der Schweizerische Ingenieur- und Architek­­ten-Verein (SIA) mit der Norm 358 technische Mindestanforderungen fÃ¼r GelÃ¤nder und BrÃ¼stungen erlassen. GemÃ¤ss Ziffer 3 13 SIA-Norm 358 mÃ¼sse ein Schutzelement gewÃ¶hn­­lich mindestens 1 m hoch sein. Die HÃ¶he werde von der begehbaren FlÃ¤che aus gemes­sen; bei Fenstern sei die Oberkante des festen unteren Rahmenteils massgebend (Ziffer 3 11). GegenÃ¼ber dem Schutzelement vorstehende, besteigbare Bauteile wie Mauerkronen oder HeizkÃ¶rper, deren besteigbare FlÃ¤che hÃ¶chstens 65 cm Ã¼ber der massgebenden be­­gehbaren FlÃ¤che liege, gÃ¤lten als begehbar. In diesem Fall bemesse sich die HÃ¶he des Schutzelements von der hÃ¶heren FlÃ¤che aus (Ziffer 3 12). Die beanstandeten FensterbrÃ¼s­tun­­gen seien ab Fussboden bis zur Oberkante des Fensterrahmens 68 cm - 75 cm hoch und stÃ¼nden damit im Widerspruch zu diesen Sicherheitsvorschriften. Der vom Rekurrenten er­hobene Einwand der rechtsungleichen Behandlung gegenÃ¼ber Nachbarliegenschaften spreche nicht gegen die angefochtene Sanierung, sondern kÃ¶nnte hÃ¶chstens zur ÃberprÃ¼fung die­ser anderen Liegenschaften fÃ¼hren. Entscheidend sei allein, ob die bestehenden Schutzvorrichtungen wirksam seien, was hier nicht zutreffe. Die (vom Bauherren akzeptierte) Auf­­lage zur Anbringung von BeschlÃ¤gen diene vorab dem Schutz von Kleinkindern; die um­strittene Anordnung zur Montage von Traversen erhÃ¶he indessen die Sicherheit von Er­wachsenen, insbesondere bei der Fensterreinigung. Entgegen der Auffassung des Rekurren­ten stÃ¼nden die Kosten der verlangten NachrÃ¼stung in einem angemessenen VerhÃ¤ltnis zum erzielten Nutzen; denn die Durchsetzung von standardisierten Sicherheitsmassnahmen ver­mindere das Unfallrisiko auf ein Mindestmass. Die Querstangen liessen sich ohne grÃ¶s­se­ren baulichen Aufwand montieren und trÃ¤ten "nicht in einen unauflÃ¶slichen Konflikt mit dem Erscheinungsbild von Schutzobjekten". Somit erweise sich die angefochtene Anordnung als notwendig, geeignet und sachgerecht.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>III. Mit Beschwerde vom 10./11. Juli 2002 liess A dem Verwaltungsgericht beantragen:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>â1. Es sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und Ziffer 1b der angefochtenen Vollzugsbewilligung ersatzlos zu streichen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> 2. Es sei ein Gutachten der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission beizuziehen, evtl. eine Stellungnahme der stÃ¤dtischen Denkmalpflege einzuholen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> 3. Es sei ein gerichtlicher Augenschein anzuordnen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> 4. Es seien die Beschwerdeantwort bzw. Vernehmlassung der Vorinstanz dem BeschwerdefÃ¼hrer zur Beantwortung, evtl. zur Einsichtnahme zuzustellen;</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolge, bzw. Ãbernahme der Kosten beider Instan-<br/> zen auf die Staatskasse."</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Das Amt fÃ¼r Baubewilligungen beantragte am 17. September 2002 Abweisung der Beschwerde. Denselben Antrag stellte die Baurekurskommission I am 19. September 2002.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Auf die Parteivorbringen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden UrteilsgrÃ¼n­den zurÃ¼ckgekommen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. Ob die Verpflichtung zum Einbau von Querstangen als blosse Vollzugsanordnung aufgefasst werden kann oder ob dem GrundeigentÃ¼mer damit eine zusÃ¤tzliche Last Ã¼berbunden wird, kann offen bleiben. Jedenfalls steht fest, dass sich der Betroffene dagegen mit Rekurs und Beschwerde wehren kann (Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, Vorbem. zu §§ 29-31 N. 5). Die weiteren Prozessvoraussetzungen sind erfÃ¼llt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist. Da der entscheidwesentliche Sachverhalt mit hinreichender Deutlichkeit aus den Akten hervorgeht, erÃ¼brigt sich ein gerichtlicher Augenschein. So wenig wie die Baurekurskommission I sieht sich das Verwaltungsgericht veranlasst, ein Gut­­achten oder einen Amtsbericht beizuziehen. Weil die Beschwerdeantwort keine neuen Gesichtspunkte enthÃ¤lt, kann von einem zweiten Schriftenwechsel abgesehen werden.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. a) Die Rekurskommission hat die vorliegend massgebenden Rechtsnormen zutreffend dargelegt. AnzufÃ¼gen bleibt, dass § 20 BBauV I die allgemeine Vorschrift von <br/> § 239 Abs. 1 PBG mit Bezug auf Abschrankungen an zugÃ¤nglichen Ã¼berhÃ¶hten Stellen verdeutlicht; dabei bildet die Vermeidung einer Absturzgefahr den Massstab fÃ¼r Siche­rungsvorkehren. Eine weitergehende Konkretisierung fÃ¼r das Erfordernis von Schutzelemen­ten bringt die SIA-Norm 358 (Ausgabe 1996) betreffend GelÃ¤nder und BrÃ¼stungen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Mit dem Rekurs kÃ¶nnen nach § 20 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) alle MÃ¤ngel des Verfahrens und der angefochtenen Anordnung geltend gemacht werden. DemgegenÃ¼ber steht dem Verwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren laut § 50 Abs. 1 VRG nur Rechtskontrolle zu; als Rechtsverletzung gelten auch Ermessensmissbrauch und -Ã¼berschreitung (Abs. 2 lit. c). Obwohl nicht ausdrÃ¼cklich erwÃ¤hnt, gilt auch die Ermessensunterschreitung als Rechtsverletzung. Eine solche liegt vor, wenn sich die Verwaltung als gesetzlich gebunden erachtet, obschon sie Ermessen walten lassen sollte, wenn sie also ihre Ermessensbefugnis von vornherein nicht ausschÃ¶pft (KÃ¶lz/ Bosshart/RÃ¶hl, § 50 N. 79).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) Der BeschwerdefÃ¼hrer macht geltend, dass die Verpflichtung zur Anbringung von Querstangen weder im Beschluss vom 16. Juli 2001 noch in jenem vom 18. September 2001 enthalten sei, weshalb sie nicht Gegenstand der angefochtenen VollzugsverfÃ¼gung bil­­den kÃ¶nne. Das Amt fÃ¼r Baubewilligungen hÃ¤tte daher den Bausektionsbeschluss nicht ergÃ¤nzen dÃ¼rfen; ferner sei es hierzu gar nicht zustÃ¤ndig gewesen. Die zusÃ¤tzliche Auflage laufe auf einen Teilwiderruf der Baubewilligung hinaus, der eine vorgÃ¤ngige AnhÃ¶rung des Bauherrn erfordert hÃ¤tte. In der Sache habe das Amt verkannt, dass es nicht um einen Neubau, sondern um die Sanierung eines Altbaus gehe; dabei kÃ¤men nicht die neuesten Anforderungen der Bautechnik zum Zug. Von einem qualifizierten polizeilichen Missstand, der aufgrund von § 358 PBG behoben werden mÃ¼sste, kÃ¶nne nicht die Rede sein. Sodann frage es sich, ob eine solche Vorrichtung tatsÃ¤chlich zur UnfallverhÃ¼tung beitrage. Im Ãbrigen ver­trÃ¼gen sich Querstangen schlecht mit den Anliegen des Ortsbildschutzes und werde die RÃ¼ge der rechtsungleichen Behandlung erneuert. â DemgegenÃ¼ber hÃ¤lt das Amt fÃ¼r Baube­willigungen die angefochtene Anordnung fÃ¼r formell wie materiell rechtmÃ¤ssig und angemessen. In Anbetracht geschÃ¤tzter Baukosten von rund Fr. 500'000.- erweise sich die verlangte Anpassung an die geltenden Sicherheitsvorschriften ungeachtet dessen als zumutbar, ob ein erheblicher polizeilicher Missstand vorliege oder nicht.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>d) aa) Die Baubewilligung ist die behÃ¶rdliche ErklÃ¤rung, dass dem projektierten Bau, fÃ¼r den ein Baugesuch eingereicht wurde, keine Hindernisse aus dem Ã¶ffentlichen Recht, insbesondere dem Baurecht, entgegenstehen (Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht, 3. A., ZÃ¼rich 1999, N. 506; Peter HÃ¤nni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 4. A., Bern 2002, S. 318 f.). Weist ein Bauvorhaben MÃ¤n­gel auf, so hat die BehÃ¶rde diese kraft § 321 Abs. 1 PBG durch geeignete Nebenbestimmungen zu beheben. Bei der Beurteilung des Gesuchs fÃ¼r den Umbau eines baurechts­widrigen GebÃ¤udes kann die BehÃ¶rde ausserdem gestÃ¼tzt auf § 357 Abs. 4 PBG verlangen, dass Verbesserungen gegenÃ¼ber dem bestehenden Zustand vorgenommen werden. Voraussetzung ist, dass eine solche Anordnung im Ã¶ffentlichen Interesse liegt und nach den UmstÃ¤nden als zumutbar erscheint (RB 1998 Nr. 124). Eine Auflage als wichtigste Nebenbestimmung stellt ihrem Wesen nach einen Polizeibefehl dar, der an den Vorbehalt der BauausfÃ¼hrung geknÃ¼pft ist (LGVE 1995 II Nr. 5; Christian MÃ¤der, Das Baubewilligungsverfahren, ZÃ¼rich 1991, N. 450). Die SachverfÃ¼gung muss in Bezug auf die Vollstreckung die wesentlichen Wertentscheidungen enthalten, sodass die Vollstreckung zu einer rein technischen Umsetzung des in der SachverfÃ¼gung Enthaltenen wird (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, Vorbem. zu §§ 29-31 N. 4).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>bb) Als materielle Rechtsgrundlage fÃ¼r die umstrittene Anordnung kommt nach zutreffender Auffassung der Vorinstanzen allein § 239 Abs. 1 PBG und das hierzu ergangene AusfÃ¼hrungsrecht in Frage. Ausser Betracht fallen die Beseitigung einer qualifizierten Poli­zeigefahr gemÃ¤ss § 358 PBG oder ein partieller Widerruf der Baubewilligung vom 16. Ju­li 2001 bzw. jener vom 18. September 2001. Voraussetzung fÃ¼r den Widerruf bildet die â ursprÃ¼nglich bestehende oder nachtrÃ¤glich eingetretene â Fehlerhaftigkeit der Baube­wil­li­gung; ob sich eine nachtrÃ¤gliche Ãnderung des baurechtlichen Entscheids deswegen rechtfertigt, ist aufgrund einer InteressenabwÃ¤gung zu beurteilen (RB 1987 Nr. 83 = BEZ 1987 Nr. 37; MÃ¤der, N. 421 ff.). Von einer derartigen Rechtsverletzung kann â auch im Licht der folgenden AusfÃ¼hrungen â hier nicht die Rede sein. Nach der mit § 358 PBG ko­di­fizierten polizeilichen Generalklausel darf bzw. muss die BaubehÃ¶rde â auch ausserhalb eines Bewilligungsverfahrens â jederzeit gegen polizeiliche MissstÃ¤nde einschreiten, jedoch nur so­weit diese erheblich sind.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>cc) Die im Anzeigeverfahren erteilte Bewilligung vom 16. Juli 2001 enthÃ¤lt keiner­lei Nebenbestimmungen; indessen finden sich in Dispositiv Ziffer II 10 und 11 der Bewilli­gung vom 18. September 2001 Auflagen zur Sicherung Ã¼berhÃ¶hter Stellen wie von Fens­tern durch GelÃ¤nder und BrÃ¼stungen im Sinne von SIA-Norm 358 (Ausgabe 1996).</span></p> <p class="Einzug1"><span>Laut § 20 BBauV I (Randtitel: Abschrankungen) sind zugÃ¤ngliche Ã¼berhÃ¶hte Stellen, wie Terrassen, Balkone, LaubengÃ¤nge, brÃ¼stungslose Fenster, Treppen, StÃ¼tzmauern, SchÃ¤chte und ZugÃ¤nge oder Zufahrten zu Hofunterkellerungen, so zu sichern, dass keine Absturzgefahr, insbesondere fÃ¼r Kinder, besteht. Aufgrund von § 2 BBauV I, wonach fÃ¼r die Beurteilung fachgerechter BauausfÃ¼hrung auf Richtlinien und Empfehlungen von anerkannten FachverbÃ¤nden abzustellen ist, liegt es nahe, dass fÃ¼r die nÃ¤here Konkretisierung dieser Anforderungen die SIA-Normen herangezogen werden (vgl. Christoph Fritzsche/Pe­ter BÃ¶sch, ZÃ¼rcher Planungs- und Baurecht, 2. A., WÃ¤denswil 2000, S. 360 ff.). Freilich mÃ¼s­sen solche privaten Normwerke im Einzelfall auf ihre Recht- und ZweckmÃ¤ssigkeit hin­terfragt werden; insbesondere ist zu prÃ¼fen, ob die jeweilige Anordnung als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig gelten kann (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999, BV).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die SIA-Norm 358 sieht in Ziffer 0 31 verschiedene Ausnahmen von ihrem Geltungsbereich vor; hervorzuheben ist der Fall, dass sich das Schutzziel nachweislich durch andere Massnahmen erreichen lÃ¤sst. Vorliegend hat der Bauherr die Anordnung zur Montage von BeschlÃ¤gen ausdrÃ¼cklich hingenommen, wonach sich die Fenster nur mit einem SchlÃ¼ssel mehr als 12 cm Ã¶ffnen lassen. Zwar werden mit dieser Massnahme insbesondere Kinder geschÃ¼tzt, jedoch werden auch Erwachsene vor dem Sturz aus einem offenen Fens­ter bewahrt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanzen drÃ¤ngt sich eine zusÃ¤tzliche Schutz­­vorrichtung in Gestalt einer quer verlaufenden GelÃ¤nderstange in der HÃ¶he von 1 m ab innerem Boden nicht auf. ZunÃ¤chst ist davon auszugehen, dass sÃ¤mtliche betroffene Per­sonen Ã¼ber das nÃ¶tige Risikobewusstsein und die damit verbundene Selbstverantwortung ver­fÃ¼gen. Weiter ist nicht ersichtlich, inwieweit die Reinigung der Fenster von innen unver­meidbare Gefahren mit sich bringen wÃ¼rde. Reinigt man die Fenster dagegen von aus­sen, bestÃ¼nde auch mit der angeordneten Querstange eine gewisse Unfallgefahr. Die angeordnete Massnahme wÃ¼rde schliesslich das Erscheinungsbild der Ã¼ber 100 Jahre alten Liegenschaft erheblich beeintrÃ¤chtigen. Insgesamt erbringen Querstangen zusÃ¤tzlich zur âKindersicherungâ einen beschrÃ¤nkten Mehrnutzen, der den damit verbundenen baulichen und finanziellen Aufwand nicht rechtfertigt.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Anordnung als unverhÃ¤ltnismÃ¤s­sig und damit als rechtswidrig, weshalb die vorinstanzlichen Entscheide in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben sind. Unter diesen UmstÃ¤nden ist der Frage nicht weiter nachzuge­hen, ob die angefochtene Anordnung von der zustÃ¤ndigen BehÃ¶rde getroffen worden sei.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens der Stadt ZÃ¼rich aufzuerlegen (§ 70 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG). Ferner sind die Voraussetzungen von § 17 Abs. 2 VRG fÃ¼r die Zusprechung einer ParteientschÃ¤digung an den BeschwerdefÃ¼hrer erfÃ¼llt; als angemessen erscheint ein Betrag von Fr. 1'000.- (Mehrwertsteuer inbegriffen).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet die Kammer:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid Nr. .../2002 der Baurekurskommission I vom 14. Juni 2002 sowie Dispositiv Ziffer 1b der VerfÃ¼gung des Amts fÃ¼r Baubewilligungen der Stadt ZÃ¼rich vom 3. Dezember 2001 werden aufgehoben.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. ...</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>