<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 62 306</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">306</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>62</b></span> <span class="ft1"><b>Grundstückgewinnsteuer; Steueraufschub bei Ersatzbeschaffung (§ 98</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Ein Steueraufschub wegen Ersatzbeschaffung ist auch zu gewähren,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wenn die ersatzbeschaffte Liegenschaft im Rahmen einer Erbteilung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>erworben wurde.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">11. Oktober 2006 in Sachen E. + S.S., 3-RV.2005.50299/K 04 012</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2.</span><br/> <span class="ft6">2.1. Mit Kaufvertrag vom 5. Mai 2004 verkaufte der Rekurrent</span><br/> <span class="ft6">die selbst bewohnte Liegenschaft GB D. Nr. 1389 zum Preis von</span><br/> <span class="ft6">Fr. 650'000.--. Zwecks Steueraufschub machte der Rekurrent als Er-</span><br/> <span class="ft6">satzbeschaffung den Kauf der Liegenschaft GB D. Nr. 1810 geltend</span><br/> <span class="ft6">(Kaufvertrag vom 24. Juni 2004). Diese Liegenschaft stammt aus ei-</span><br/> <span class="ft6">ner Erbengemeinschaft, welcher der Rekurrent selber als Mitglied</span><br/> <span class="ft6">angehörte. Es wurden ihm daher Fr. 140'000.-- als Erbteil am Kauf-</span><br/> <span class="ft6">preis von Fr. 700'000.-- angerechnet, so dass eine Kaufpreisrestanz</span><br/> <span class="ft6">von Fr. 560'000.-- verblieb, welche er seinen Miterben bezahlte.</span><br/> <span class="ft6">2.2. Die Vorinstanz hat betreffend der veräusserten Liegenschaft</span><br/> <span class="ft6">GB D. Nr. 1389 einen steuerbaren Grundstückgewinn von</span><br/> <span class="ft6">Fr. 260'000.-- (Veräusserungserlös Fr. 650'000.-- abzüglich pauscha-</span><br/> <span class="ft6">lierte Anlagekosten von Fr. 390'000.--) errechnet und darauf eine</span><br/> <span class="ft6">Grundstückgewinnsteuer zum Satz von 5 % erhoben. Sie hat mit fol-</span><br/> <span class="ft6">gender Begründung keinen Steueraufschub infolge Ersatzbeschaf-</span><br/> <span class="ft6">fung gewährt (Einspracheentscheid vom 13. Juli 2005):</span><br/> <span class="ft7">,,Der § 97 regelt die Steueraufschubstatbestände. Es gibt zwei Arten</span><br/> <span class="ft7">von steuerlicher Privilegierung. Bei einer Gruppe tritt eine Steuerfrei-</span><br/> <span class="ft7">heit ein, bei der anderen Gruppe ein Steueraufschub. Das heisst, die</span><br/> <span class="ft7">Steuer wird aufgeschoben, bis zur nächsten steuerbaren Handände-</span><br/> <span class="ft7">rung; der bis zur fraglichen Handänderung entstandene Gewinn wird</span><br/> <span class="ft7">dabei (nur) im Augenblick noch nicht besteuert.</span><br/> <span class="ft7">Das bedeutet nicht nur, dass der Veräusserer keine Grundstückgewinn-</span><br/> <span class="ft7">steuer zu entrichten hat, sondern hat für den Erwerber zur Folge, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">307</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">bei der Gewinnermittlung und Steuerberechnung nicht auf die Hand-</span><br/> <span class="ft7">änderung abgestellt wird, bei welcher er selber das Grundstück erwor-</span><br/> <span class="ft7">ben hat, sondern auf die vorhergehende Handänderung. Der neue</span><br/> <span class="ft7">Grundeigentümer tritt somit in die Fussstapfen seines Rechtsvor-</span><br/> <span class="ft7">gängers und übernimmt den während dessen Besitzesdauer aufgelau-</span><br/> <span class="ft7">fenen Gewinn und die darauf lastende latente Steuerlast (aber auch die</span><br/> <span class="ft7">lange Besitzesdauer).</span><br/> <span class="ft7">Der Kauf der Ersatzliegenschaft über Fr. 700'000 führt gemäss § 97</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 lit. a StG zu keiner Steuerabrechnung, da eine steueraufschie-</span><br/> <span class="ft7">bende Veräusserung vorliegt. Wird bei dieser Veräusserung der Steuer-</span><br/> <span class="ft7">aufschub in Anspruch genommen, ist dadurch aufgrund der vorstehen-</span><br/> <span class="ft7">den Ausführungen automatisch eine Ersatzbeschaffung in diese Lie-</span><br/> <span class="ft7">genschaft ausgeschlossen. Es wird wohl ein Teil des Kaufpreises von</span><br/> <span class="ft7">Fr. 560'000 an die vier Miterben ausbezahlt, dies führt jedoch infolge</span><br/> <span class="ft7">Steueraufschub gemäss § 97 Abs. 1 lit. a StG zu keinen Steuerfolgen.</span><br/> <span class="ft7">Somit kann nicht von einer Reinvestition des Verkaufserlöses im</span><br/> <span class="ft7">Sinne des Steuergesetzes gesprochen werden.</span><br/> <span class="ft7">Sofern eine Handänderung zu einem Steueraufschub gemäss § 97</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 StG führt, wird diese Handänderung rechtlich so behandelt, als</span><br/> <span class="ft7">hätte diese Handänderung gar nicht stattgefunden. Bei einem Grund-</span><br/> <span class="ft7">stückskauf, bei welchem dem Veräusserer ein Besteuerungsaufschub</span><br/> <span class="ft7">gemäss § 97 Abs. 1 StG gewährt wird, resultieren keine grundstückge-</span><br/> <span class="ft7">winnsteuerrechtlich anerkennbaren Anlagekosten, welche um den Be-</span><br/> <span class="ft7">trag einer (teilweisen) Ersatzbeschaffung reduziert werden könnten.</span><br/> <span class="ft7">Der grundstückgewinnsteuerrechtlich unbeachtliche Kaufpreis kann</span><br/> <span class="ft7">somit auch nicht um eine Ersatzbeschaffung vermindert werden.</span><br/> <span class="ft7">Die Ersatzbeschaffung in einen Grundstückkauf, welcher dem Veräus-</span><br/> <span class="ft7">serer gemäss § 97 Abs. 1 StG einen gesetzlichen Steueraufschub ge-</span><br/> <span class="ft7">währt, wäre nur möglich, wenn die steuerpflichtige Person gemäss</span><br/> <span class="ft7">§ 97 Abs. 2 StG innert 1 Jahr nach der Veräusserung verlangen würde,</span><br/> <span class="ft7">dass die Grundstückgewinnsteuer erhoben wird.</span><br/> <span class="ft7">Wenn der Gesetzgeber eine andere Lösung angestrebt hätte, hätte er</span><br/> <span class="ft7">eine entsprechende Regelung im Gesetz verankern müssen."</span><br/> <span class="ft6">Der Vertreter beantragt, es sei festzustellen, dass der Rekurrent</span><br/> <span class="ft6">auf den Fr. 560'000.-- keine Grundstückgewinnsteuer zu bezahlen</span><br/> <span class="ft6">habe.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">308</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1. Gewinne aus der Veräusserung von im Kanton gelegenen</span><br/> <span class="ft6">Grundstücken oder Anteilen an solchen unterliegen der Grundstück-</span><br/> <span class="ft6">gewinnsteuer (§ 95 StG). Die Grundstückgewinnsteuer wird auf Be-</span><br/> <span class="ft6">gehren der steuerpflichtigen Person aufgeschoben bei Veräusserung</span><br/> <span class="ft6">einer dauernd und ausschliesslich selbst genutzten Wohnliegenschaft</span><br/> <span class="ft6">(Einfamilienhaus, Eigentumswohnung oder Beteiligung mit Sonder-</span><br/> <span class="ft6">nutzungsrecht), soweit der dabei erzielte Erlös innert 1 Jahr vor oder</span><br/> <span class="ft6">3 Jahren nach der Veräusserung zum Erwerb oder zum Bau einer</span><br/> <span class="ft6">gleich genutzten Ersatzliegenschaft in der Schweiz verwendet wird</span><br/> <span class="ft6">(§ 98 Abs. 1 StG).</span><br/> <span class="ft6">3.2. Vorliegend ist unbestritten, dass sowohl die vom Rekurren-</span><br/> <span class="ft6">ten mit Kaufvertrag vom 5. Mai 2004 verkaufte, als auch die mit</span><br/> <span class="ft6">Kaufvertrag vom 24. Juni 2004 ersatzweise gekaufte Liegenschaft</span><br/> <span class="ft6">selbst bewohnt waren bzw. sind und die gesetzliche Ersatzbeschaf-</span><br/> <span class="ft6">fungsfrist eingehalten ist. Streitig ist einzig, ob ein Steueraufschub</span><br/> <span class="ft6">infolge Ersatzbeschaffung gewährt werden kann, obwohl die vom</span><br/> <span class="ft6">Rekurrenten ersatzbeschaffte Liegenschaft im Rahmen einer Erbtei-</span><br/> <span class="ft6">lung erworben wurde und der Erbgang gemäss § 97 Abs. 1 lit. a StG</span><br/> <span class="ft6">einen Steueraufschubtatbestand darstellt, denn gemäss § 103 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">StG ist in solchen Fällen jener Erwerbspreis massgebend, welcher</span><br/> <span class="ft6">der letzten steuerbegründenden Veräusserung (Grundstückgewinn-,</span><br/> <span class="ft6">Gewinn- oder Einkommenssteuer) zu Grunde lag. Den Materialien</span><br/> <span class="ft6">zum StG kann dazu, soweit ersichtlich, nichts entnommen werden.</span><br/> <span class="ft6">3.3. Nach Auffassung des Steuerrekursgerichts muss (auf Be-</span><br/> <span class="ft6">gehren der steuerpflichtigen Person) ein Steueraufschub infolge Er-</span><br/> <span class="ft6">satzbeschaffung gewährt werden, wenn alle (abschliessend aufge-</span><br/> <span class="ft6">führten) Voraussetzungen gemäss § 98 StG (,,alte" und ,,neue" Lie-</span><br/> <span class="ft6">genschaft selbst bewohnt, Einhaltung Ersatzbeschaffungsfrist, [teil-</span><br/> <span class="ft6">weise] Reinvestition Kauferlös, Ersatzliegenschaft in der Schweiz)</span><br/> <span class="ft6">erfüllt sind. Die Umstände, unter welchen die ersatzbeschaffte Lie-</span><br/> <span class="ft6">genschaft erworben wurde, dürfen keine Rolle spielen. Hätte der Ge-</span><br/> <span class="ft6">setzgeber bei einer Reinvestition des Verkaufserlöses in eine Liegen-</span><br/> <span class="ft6">schaft, welche im Rahmen einer steueraufschiebenden Veräusserung</span><br/> <span class="ft6">gemäss § 97 StG erworben wurde, einen Steueraufschub infolge Er-</span><br/> <span class="ft6">satzbeschaffung ausschliessen wollen, hätte er dies im Gesetz expli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">309</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">zite aufführen müssen. Da § 98 StG keinen solchen Vorbehalt enthält,</span><br/> <span class="ft6">ist davon auszugehen, dass ein Ausschluss des Steueraufschubs in-</span><br/> <span class="ft6">folge Ersatzbeschaffung durch eine Liegenschaft, welche im Rahmen</span><br/> <span class="ft6">einer Erbteilung erworben wurde, nicht dem Willen des Gesetzgebers</span><br/> <span class="ft6">entspricht. Diese Sichtweise dürfte auch dem Sinn und Zweck von</span><br/> <span class="ft6">§ 98 StG entsprechen, denn der Gesetzgeber wollte mit der Gewäh-</span><br/> <span class="ft6">rung des Ersatzbeschaffungsprivilegs verhindern, dass die Mobilität</span><br/> <span class="ft6">der Steuerpflichtigen erschwert wird und dass derjenige, der seine</span><br/> <span class="ft6">bisher selbst bewohnte Liegenschaft veräussern möchte, das wegen</span><br/> <span class="ft6">der Grundstückgewinnsteuer nicht tut (AGVE 1987 S. 398).</span><br/> <span class="ft6">Eine Einschränkung des Steueraufschubs infolge Ersatzbeschaf-</span><br/> <span class="ft6">fung unter Berufung auf § 103 Abs. 2 StG ist nicht zulässig. § 103</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 StG regelt die Frage, welcher Erwerbspreis bei steuerauf-</span><br/> <span class="ft6">schiebenden Veräusserungen und Ersatzbeschaffungen massgebend</span><br/> <span class="ft6">ist. Diese Bestimmung dient der Berechnung des (steuerbaren)</span><br/> <span class="ft6">Grundstückgewinnes und kommt erst und nur zur Anwendung, wenn</span><br/> <span class="ft6">eine steuerbegründende Veräusserung vorliegt (was vorliegend ja ge-</span><br/> <span class="ft6">rade umstritten ist). Es darf daraus nicht abgeleitet werden, dass eine</span><br/> <span class="ft6">Reinvestition des durch den Verkauf der ,,alten" Liegenschaft erziel-</span><br/> <span class="ft6">ten Erlöses zwingend in eine auf eine grundstückgewinnsteuerrecht-</span><br/> <span class="ft6">lich relevante (also nicht steueraufschiebende) Art erworbene Lie-</span><br/> <span class="ft6">genschaft erfolgen muss. Damit würde nebst den in § 98 StG er-</span><br/> <span class="ft6">wähnten eine zusätzliche Voraussetzung für die Gewährung eines</span><br/> <span class="ft6">Steueraufschubes infolge Ersatzbeschaffung geschaffen, was abzu-</span><br/> <span class="ft6">lehnen ist.</span><br/> <span class="ft6">3.4. Zusammenfassend kommt das Steuerrekursgericht somit</span><br/> <span class="ft6">zum Schluss, dass vorliegend die Voraussetzungen für die Gewäh-</span><br/> <span class="ft6">rung eines Steueraufschubs im Sinne von § 98 StG erfüllt sind, weil</span><br/> <span class="ft6">der Rekurrent innert der gesetzlich vorgeschriebenen Frist eine in der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz liegende Ersatzliegenschaft käuflich erworben hat, welche</span><br/> <span class="ft6">(wie die ersetzte) selbst bewohnt ist. Mehr verlangt das Gesetz nicht.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>