Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. November 2018 (720 18 224 / 302) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Nichteintreten auf ein neues Leistungsgesuch. Prüfung der Frage, ob seit der Ablehnung des letzten Leistungsbegehrens vor mehr als zehn Jahren wesentliche Änderungen in der medizinischen und beruflichen Situation des Versicherten eingetreten sind. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Martina Somogyi Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A.1 Der 1978 geborene A.____ meldete sich am 16. Ju li 2005 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) unter Hinweis auf Depres sionen, Suizidalität und andauernde psy- chotische Zustände zum Leistungsbezug an. Nachdem d ie IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhä ltnisse, namentlich mit Einholung eines psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. August 2006, abgeklärt hatte, sprach sie A.____ mit Verfügung vom 10. Oktober 2007 eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht befristete ganze Rente vom 1. Mai 2005 bis 30. November 2005 und eine befristete halbe Ren- te vom 1. Dezember 2005 bis 31. März 2006 zu. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. A.2 Am 14. Juni 2017 meldete sich A.____ unter Hinwei s auf eine psychische Beeinträchti- gung, wiederkehrende Erschöpfungsdepressionen, eine wied erkehrende psychotische Symp- tomatik, zwanghafte Suizidgedanken, Suchtprobleme, die Unmöglichkeit, beruflich Fuss zu fas- sen, Schlafstörungen, sekundär somatische Beschwerden, ein soziales Stigma und Mobbing erneut zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 4. Juni 2018 trat die IV-Stelle – nach durch- geführtem Vorbescheidverfahren – auf das Leistungsbegehr en nicht ein. Zur Begründung machte sie geltend, der Versicherte habe nicht glaubhaf t dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung vom 10. Oktober 2007 wesentlich verändert hätten. B. Gegen die Verfügung vom 4. Juni 2018 erhob A.___ _ am 3. Juli 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, in Aufhebung der angef ochtenen Verfügung sei die Beschwerde- gegnerin zu verpflichten, auf sein Leistungsgesuch vom 14. Juni 2017 einzutreten. Zur Begrün- dung brachte er im Wesentlichen vor, dass er nicht von ei nem Vertrauensarzt untersucht wor- den sei, und dass mehrere Empfehlungen von behandelnde n Ärzten und Psychologen nicht berücksichtigt worden seien. Ausserdem habe die IV-Stell e den Sachverhalt nicht richtig ge- würdigt. C. Mit Eingabe vom 14. Juli 2018 beantragte A.____ d ie Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. Diese wurde vom Kantonsgericht mit Verf ügung vom 13. August 2018 bewil- ligt. D. Mit Vernehmlassung vom 6. August 2018 schloss die IV-S telle auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e − im Übrigen frist- und formgerecht erhobe ne − Beschwerde des Versicherten vom 3. Juli 2018 ist demnach einzutreten. 2. Gegenstand der vorliegend angefochtenen Verfügung und damit der richterlichen Überprüfung bildet einzig die Frage, ob die IV-Stell e auf das erneute Leistungsbegehren des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten vom 14. Juni 2017 zu Recht nicht eingetreten ist. Das Gericht darf daher weder eine inhaltliche Prüfung eines allfälligen Leistungsans pruchs vornehmen, noch selbst auf das Leistungsbegehren eintreten. Bei einer allfälligen Gu theissung der Beschwerde kann das Kan- tonsgericht die IV-Stelle daher lediglich anweisen, ihrerseits auf das Leistungsbegehren einzu- treten. 3.1 Die Neuanmeldung eines Rentenanspruchs wird materie ll nur geprüft, wenn die versi- cherte Person glaubhaft macht, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechts- kräftigen Entscheidung in einem für den Rentenanspruch erheblichen Mass verändert haben (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 der Verordn ung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Gelingt ihr dies nicht, wird au f das Gesuch nicht eingetreten. Ist die an- spruchserhebliche Änderung jedoch glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinwei- sen). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV soll verhin- dern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründet en Rentengesuchen befassen muss (BGE 130 V 71 E. 3.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prüfung daher so lange entgegen, wie der seiner zeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Die Verwaltung verfügt bei der Beurteilung der Eintretensvo- raussetzungen über einen gewissen Spielraum. So hat sie insbesondere zu berücksichtigen, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt. An die Glaubhaftmachung sind dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderu ngen zu stellen (Urteil des Bundes- gerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgese tzte Anforderungen an den Beweis verbunden. Die Tatsachenänderung muss nicht na ch dem im Sozialversicherungs- recht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinli chkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) er- stellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des g eltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhalts änderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder dere n Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollt en (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). 3.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darz ulegen. Wie das Bundesgericht im Entscheid 130 V 64 bekräftigt hat, spielt deshalb der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und vollstän dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen), inso- weit nicht. Wird in der Neuanmeldung bloss auf ergänzende Beweismittel, insbesondere Arztbe- richte, hingewiesen, die noch beigebracht würden ode r von der Verwaltung beizuziehen seien, ist der versicherten Person nach der Rechtsprechung eine a ngemessene Frist zur Einreichung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht solcher Beweismittel anzusetzen. Sie ist mit der Androhu ng zu verbinden, dass ansonsten ge- gebenenfalls auf Nichteintreten zu erkennen sei (BGE 1 30 V 68 f. E. 5.2.5 mit Hinweisen). Wenn die der Neuanmeldung beiliegenden ärztlichen Be richte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntn isse allenfalls rechtfertigen würde, ist es der Verwaltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzustellen oder bei der versi- cherten Person Belege nachzufordern. Eine Verpflichtun g der IV-Stelle zur Nachforderung wei- terer Angaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht in dessen nur, wenn den – für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arztber ichten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserheb- liche Änderung vorliegt. Im Übrigen bedeutet eine bl osse Abklärung durch die Verwaltung, so insbesondere das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch kein materielles Eintreten auf die Neuanmeldung (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 3.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte rechtskräftige Ver fügung, welche auf einer materiellen Prü- fung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht. Aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begründungsaufwandes der Verwaltung bleiben dagegen allfällige voran- gehende Nichteintretensverfügungen unbeachtlich (BGE 1 30 V 71 E. 3.2.3). Im vorliegenden Fall wurde der Rentenanspruch des Beschwerdeführers letz tmals mit Verfügung der IV-Stelle vom 10. Oktober 2007 für einen befristeten Zeitraum bi s 31. März 2006 bejaht. Demnach beur- teilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen erfolgte, die ein Eintre- ten auf die Neuanmeldung rechtfertigen würde, durch e inen Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenverfügung vom 10. Oktober 2007 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Nichteintretensverfügung vom 4. Juni 2018. 4.1 In der Verfügung vom 10. Oktober 2007 stützte sich d ie IV-Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das psychia trische Gutachten von Dr. B.____ vom 14. August 2006. Dieser hatte dazumal eine rezidivierende depressive, allen- falls noch leichtgradige Störung und eine Persönlichkeit sakzentuierung mit selbstunsicheren Zügen diagnostiziert. Er konnte keine gravierenden kogni tiven Einschränkungen feststellen, die auf eine erhebliche Beeinträchtigung der Konzentrat ionsfähigkeit oder der Gedächtnisleistung hindeuten würden. Ein sozialer Rückzug sei nicht ersichtlich . Indiziert sei die Fortführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, um mögliche depressive Rezidive verhindern oder rasch auffangen zu können. Mit ergänzender Stellungnahme vom 22. April 2007 attestierte der Gutachter dem Versicherten deshalb ab Juni 2005 e ine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit. Von September 2005 bis Dezember 2005 sei von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Ab Januar 2006 sei der Explorand wieder zu 100 % arbeits fähig. Die IV-Stelle berücksichtigte bei der Rentenzusprache je eine dreimonatige Karenzfrist und zahlte somit vom 1. Mai 2005 bis 30. November 2005 eine volle Rente und vom 1. Dezember 2005 bis 31. März 2006 eine halbe Rente an den Beschwerdeführer aus. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 In der Folge absolvierte der Beschwerdeführer zahl reiche Praktika und leistete Tempo- räreinsätze in verschiedenen Branchen. Im Jahr 2011 gela ng es ihm, seinen Bachelor of Sci- ence in Psychologie abzuschliessen. Entgegen der optimist ischen Prognose von Dr. B.____ im Jahr 2006 und trotz erfolgreichem Studienabschluss gelan g es ihm jedoch nicht, im ersten Ar- beitsmarkt Fuss zu fassen. 4.3 Im Zuge der Neuanmeldung vom 14. Juni 2017 liess de r Versicherte einen Bericht sei- ner behandelnden Ärztin med. pract. C.____, FMH Psychiat rie und Psychotherapie, vom 4. Dezember 2017 einreichen. Sie diagnostizierte mit Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig leicht- bis mittelgradigen Episode (F33.1), einen Status nach Suizidversuch im Jahr 2005, e ine kombinierte Persönlichkeitsstö- rung mit schizoiden und selbstunsicheren Anteilen (F61.0 ), eine soziale Phobie (F40.1), einen Verdacht auf psychotische Episoden in der Vergangenheit ( v.a. 2005) mit wiederholten Abklä- rungen bei jeweils unsicheren Ergebnissen sowie einen Ver dacht auf ein Aufmerksamkeitsdefi- zit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) im Erwachsenenalter (F90). Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit konnte keine Diagnose erhoben werden. Med. pract. C.____ attestierte eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit seit Juni 2017. Vorstell bar sei eine Belastungserprobung im Um- fang von 30-50 % während zwei bis vier Stunden pro Tag , anfangs nachmittags. Sie führte aus, dass im Erstgespräch vom 30. Juni 2017 sowohl die Aufmerksa mkeit als auch die Konzentrati- on unauffällig gewesen seien. Weiter beschrieb sie ei ne soziale Phobie, einen verminderten Antrieb und einen sozialen Rückzug. Im Verlauf der The rapie hätten sich eine depressive Prob- lematik mit Schlafstörungen, eine Tag-/Nachtumkehr und dementsprechend Schwierigkeiten, sich an vorgegebene Tagesstrukturen zu halten, insbesonde re Termine vormittags wahrzu- nehmen, eingestellt. Es lägen ausgeprägte Kontaktschwier igkeiten mit Ängsten und starken Selbstzweifeln vor. Ausserdem bestünden Konzentrations probleme und eine Zerfahrenheit. Es bestehe die Gefahr einer psychotischen Dekompensation bei Überforderung oder einer depres- siven Krise mit Suizidalität. Der Beschwerdeführer erscheine einmal pro Woche zur ambulanten Psychotherapie mit tiefenpsychologischem Schwerpunkt. Er le hne eine medikamentöse Be- gleitbehandlung ab. Für eine gewisse Stabilisierung u nd Besserung seines aktuellen Zustands scheine eine leicht herausfordernde, selbstwertstärkende berufliche Massnahme im geschütz- ten Rahmen dringend erforderlich zu sein. Nach erfolgt er ADHS-Abklärung ziehe er die Ein- nahme von Ritalin in Erwägung. Die Abklärung eines A DHS im Erwachsenenalter sei mittels Durchführung verschiedener psychometrischer Verfahren erfo lgt. Med. pract. C.____ und der Psychologe D.____ kamen dabei im Bericht vom 25. Septemb er 2017 zum Schluss, dass die Ergebnisse konsistent in diese Richtung weisend zu interp retieren seien. Dies gehe auch aus den anamnestisch erhobenen Daten hervor. Der zwingende Beginn der Symptomatik in der Kindheit lasse sich beim Beschwerdeführer retrospektiv fe ststellen. Aus den eigenen psycho- metrischen Angaben und der Schul- und Kindheitsanamnese hätten Hinweise für das Vorliegen der Symptomatik seit der Kindheit gewonnen werden können. 4.4 Bei der Beurteilung der Frage, ob sich die tatsä chlichen Verhältnisse verändert haben, hat die IV-Stelle im Weiteren zum Arztbericht vom 28. Juni 2017 von Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Stellung bezogen. Nach einem Klinikaufenthalt in der F.____ Klinik vom 22. Mai 2017 bis 27. Juni 2017 h atte dieser eine rezidivierende depressi- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ve Störung mit gegenwärtig leichter Episode ohne somat isches Syndrom (F33.00) und eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung diagnostizi ert. Diagnostisch habe eine depres- sive Entwicklung festgestellt werden können, weshalb eine Medikation mit Trittico und Cipralex empfohlen worden sei. Der Patient habe die Medikamen te jedoch nicht lange eingenommen und rein pflanzliches Johanniskraut bevorzugt. Beim Austritt aus der Klinik seien weiterhin unter anderem ein reduzierter Antrieb sowie ein sozialer Rückzu g zum psychopathologischen Befund gezählt worden. Es werde dem Versicherten empfohlen, a ufgrund der depressiven Symptoma- tik einen niedergelassenen Therapeuten aufzusuchen. 4.5 Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), führte in seinen Stellungnahmen vom 19. Dezem ber 2017 und vom 28. Februar 2018 bezüglich der Diagnosen von med. pract. C.____ aus, di e von ihr geltend gemachte depressive Störung, gegenwärtig leicht- bis mittelgradige Episod e, weiche nicht massgeblich vom Gutach- ten von Dr. B.____, welcher ursprünglich eine leichtgradige Episode attestierte hatte, ab. Es sei darauf hinzuweisen, dass der Versicherte trotz depressive r Episode feiern gehen und Motor- fahrzeugausflüge unternehmen könne. Damit liege ein Widerspruch zum von med. pract. C.____ geltend gemachten sozialen Rückzug und zu der von ihr diagnostizierten sozialen Pho- bie vor. Von Prof. Dr. E.____ seien ein sozialer Rückzug und eine soziale Phobie nie erwähnt worden, obwohl der Beschwerdeführer einen Monat lang von geschultem Fachpersonal beo- bachtet und untersucht worden sei. Indem der Beschwerd eführer eine medikamentöse Begleit- behandlung ablehnte, sei er seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen. Der von med. pract. C.____ geäusserte Verdacht auf psychotische Episoden in der Vergangenheit (v.a. 2005) habe von Prof. Dr. E.____ während des einmonatigen K linikaufenthalts ebenfalls nicht beo- bachtet werden können. Auch die kombinierte Persönlich keitsstörung stehe im Widerspruch zu der von Prof. Dr. E.____ nicht weiter bezeichneten Per sönlichkeitsstörung. Es handle sich de facto um eine Randdiagnose, die sich objektivbefundlich vom Gutachten von Dr. B.____ nicht massgeblich unterscheide. Zudem erwähne med. pract. C.___ _ die diesbezüglichen Kardinal- kriterien nicht. Der von ihr geäusserte Verdacht auf e in ADHS im Erwachsenenalter stehe im Widerspruch zu der von ihr im Erstgespräch festgestellt en unauffälligen Aufmerksamkeit und Konzentration. Nicht damit in Einklang zu bringen sei zu dem der genannte verminderte Antrieb. Dass bereits im Kindesalter Hyperaktivitätssymtome vorhanden gewesen wären, sei keinem psychiatrischen Bericht zu entnehmen. Bezüglich der von Prof. Dr. E.____ gestellten Diagnose n hielt der RAD-Arzt fest, dass dieser in Übereinstimmung mit dem Gutachter Dr. B.____ eine re zidivierende depressive Störung mit leichtgradiger Episode ohne somatisches Syndrom diagnost iziert habe. Die von Prof. Dr. E.____ attestierte nicht näher bezeichnete Persönl ichkeitsstörung weiche zudem nicht we- sentlich von der von Dr. B.____ diagnostizierten Persö nlichkeitsakzentuierung mit selbstunsi- cheren Zügen ab, zumal auch er keine Kardinalkriterien der Persönlichkeitsstörung aufgeführt habe. Beim Konsum von Ecstasy für die Dauer von eineinhal b Jahren ca. einmal monatlich, Kokain einmal alle drei Monate, ein- bis zweimal mona tlichem Kiffen und ein bis zwei Bier am Wochenende handle es sich um einen Suchtmittelkonsum, d er im Hinblick auf das Kreisschrei- ben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invaliden versicherung (KSIH) 1013 respektive die Leiturteile zu Suchtgeschehen keine irreversiblen Folge schäden verursacht habe und somit für Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Arbeitsfähigkeit nicht massgeblich sei, zumal es dem Versicherten ohne Umschweife zu- mutbar sei, seinen Konsum einzudämmen. Die von Prof. Dr . E.____ vorgeschlagene Medikati- on mit Trittico und Cipralex sei nicht als Hinweis auf eine Verschlechterung des Gesundheitszu- standes zu verstehen, weil es dem Beschwerdeführer ohne Weiteres zumutbar sei, dieser Emp- fehlung nachzukommen. Die Empfehlung von Prof. Dr. E. ____, einen niedergelassenen Thera- peuten aufzusuchen, sei bereits im Gutachten von Dr. B.____ erfolgt, weshalb es auch in dieser Hinsicht nicht zu einer Veränderung gekommen sei. Insges amt lägen somit keine Hinweise auf eine massgebliche Veränderung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes vor. Die Arbeitsfähigkeit sei weiterhin als unverändert einzustuf en. Ein Eintreten auf das Leistungsbe- gehren rechtfertige sich deshalb nicht. 5.1 Gestützt auf die RAD-Beurteilungen vom 19. Dezember 2017 und vom 28. Februar 2018 erwog die IV-Stelle, der Beschwerdef ührer habe mit dem Neuanmeldungsge- such vom 14. Juni 2017 keine für den Anspruch auf eine Invalidenrente erhebliche Veränderung in den gesundheitlichen Verhältnissen glaubhaft dargele gt, die ein Eintreten auf das Leistungs- begehren rechtfertigen würde. Dieser Auffassung kann je doch nicht beigepflichtet werden. Wie oben (Erwägung 3.2 ) ausgeführt, genügt es für das Gl aubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV, dass für den geltend gemachten rechtserhebl ichen Sachumstand wenigstens ge- wisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit d er Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Sa chverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Solche Anhaltspunkte sind vorliegend aufgrund de s neu aufgelegten Arztberichts von med. pract. C.____ zu bejahen. 5.2 Vorab ist in genereller Hinsicht die bundesgerichtli che Rechtsprechung in Erinnerung zu rufen (oben, Erwägung 2.2), dass die Anforderungen an die Glaubhaftmachung einer Ver- schlechterung des Gesundheitszustands mit zunehmender Zeit dauer seit der Geltendmachung eines ersten Leistungsgesuchs abnehmen und laufend gerin ger ausfallen. So hat das Bundes- gericht im zitierten Entscheid 9C_286/2009 in Erwägung 3.2.3 festgehalten, dass bereits eine Dauer von vier Jahren zwischen der Erstbegutachtung und d er strittigen Neuanmeldung gegen allzu hohe Anforderungen an das Glaubhaftmachen spreche. Dies gilt im vorliegenden Fall um- so mehr: Mit Blick auf die für die richterliche Überprüf ung massgebenden Verhältnisse im Zeit- punkt der vorliegend angefochtenen Verfügung liegt di e Erstanmeldung des Versicherten vom 16. Juli 2005 mittlerweile knapp dreizehn Jahre zurück, weshalb die Schwelle der Glaubhaftma- chung sehr niedrig anzusetzen ist. Der Ansicht der IV-Stelle, dass auf eine erneute fachärztliche Begutachtung verzichtet werden könne, kann nicht gefolg t werden. Ist eine Verschlechterung von der behandelnden Ärztin glaubhaft dargetan, so ist die für eine Verifizierung und namentlich auch für eine Quantifizierung der Verschlechterung notwendige spezialärztliche Abklärung nicht vom behandelnden Arzt anzuordnen. Aufgrund des in Art. 43 ATSG statuierten Untersuchungs- grundsatzes ist diesfalls vielmehr die IV-Stelle verpflichtet, ergänzende Abklärungen von Amtes wegen anzuordnen. Hintergrund bildet der Umstand, dass es genügt, dass für das Vorhanden- sein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstan des wenigstens gewisse Anhalts- punkte bestehen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Indem der Beschwerdeführer sich bei med. pract. C._ ___ in Behandlung begab, kam er der Aufforderung nach, sich eine niedergelassene The rapeutin zu suchen. Med. pract. C.____ behandelte den Beschwerdeführer im Zeitpunkt i hrer ärztlichen Stellungnahme vom 4. Dezember 2017 bereits seit 30. Juni 2017, womit sie sich durch die wöchentlichen Therapie- sitzungen ein umfassendes Bild des Gesundheitszustandes des B eschwerdeführers machen konnte. Im Gegensatz zu Dr. B.____, der am 14. August 2006 eine rezidivierende leichtgradig depressive Störung und eine Persönlichkeitsakzentuierung m it selbstunsicheren Zügen attes- tiert hatte, diagnostizierte med. pract. C.____ mit Be richt vom 4. Dezember 2018 neu eine re- zidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leicht- bis mittelgradiger Episode, einen sozia- len Rückzug und eine soziale Phobie, einen Verdacht auf psychotische Episoden in der Ver- gangenheit, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden selbstunsicheren Anteilen sowie einen Verdacht auf ein ADHS im Erwachsenenalter. Insbesondere hinsichtlich der ADHS- Diagnose nahm med. pract. C.____ laut Bericht vom 25. September 2017 eine umfassende Abklärung mit zahlreichen Tests vor. Alleine der Umstand, dass Dr. B.____ im Jahr 2006 noch zum Schluss einer Persönlichkeitsakzentuierung gekommen w ar, die behandelnde Ärztin neu jedoch von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung aus geht, deutet bereits darauf hin, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sehr wohl verschlechtert haben könnte. Daran ändert nichts, dass die behandelnde Psychiaterin d abei auf die Angabe von Kardinalkri- terien verzichtet hat. Im Gegensatz zu med. pract. C._ ___ hat der RAD-Arzt den Beschwerde- führer nämlich nie persönlich untersucht. Auch wenn nicht abschliessend beurteilt werden kann, ob sich der medizinische Zustand des Beschwerdeführers tat sächlich wesentlich verändert hat, ist immerhin festzustellen, dass sich mit dem Bericht von med. pract. C.____ vom 4. Dezember 2017 – insbesondere mit Blick auf die sehr geringe Schwelle der Glaubhaftma- chung aufgrund zunehmender Zeitdauer, nämlich knapp el f Jahre seit der Verfügung vom 10. Oktober 2007 – eine spezialärztliche Begutachtung z ur genaueren Abklärung des Gesund- heitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufdrängt. 5.4 Die Stellungnahmen des RAD-Arztes vom 19. Dezember 2017 und vom 28. Februar 2018 sind nicht geeignet, Zweifel an die ser durch med. pract. C:____ glaubhaft gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustands hervorzur ufen. Ihre Auffassung wird durch folgende Arztberichte, die zwischen den beiden Referenzzeitpunkten datieren, getragen. 5.4.1 Mit Bericht vom 17. Juni 2013 diagnostizierten D r. phil. H.____ und lic. phil. I.____ eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leicht er Episode, ohne somatisches Syn- drom und eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstö rung (F60.9). Es wurde festgestellt, dass der Patient im Antrieb unruhig sei. Wahrnehmungs- und Ich-Störungen würden keine vor- liegen. Die Aufmerksamkeit und die Merkfähigkeit seien intakt. Eine Schematherapie wurde nach 18 Sitzungen in gegenseitigem Einverständnis been det, da der Patient sich nicht in der Lage fühlte, diese Therapie weiterzuverfolgen und er sich eher eine sporadische therapeutische Begleitung wünschte. Es wurde ihm empfohlen, die Therapie weiterzuführen. 5.4.2 Nachdem der Beschwerdeführer unter Einfluss von Dr ogen ein Motorfahrzeug gelenkt hatte, wurde seine Fahreignung mit verkehrsmedizinischem Gutachten vom 17. Januar 2017 näher untersucht. Die Gutachterin Dr. med. J.____ kam zum Schluss, dass beim Versicherten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die für eine Befürwortung seiner Fahreignung zum Zeit punkt der Besprechung notwendige ge- sicherte, nachhaltige und zumindest während mehrerer Monate bestehende Drogenfreiheit nicht vorliege. Diagnostisch müsse beim Exploranden von einem v erkehrsrelevanten Drogenmiss- brauch ausgegangen werden. Es könne aktuell nicht ausgesch lossen werden, dass es nach einem Konsum-Stopp von illegalen Drogen über die Som mermonate 2016 zu einem Substanz- mittel-Shift in Richtung des Medikaments Ritalin gekom men sei. Die Fahreignung könne aus verkehrsmedizinischer Sicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht befürwortet werden. 5.4.3 Dr. med K.____ und die Psychologin L.____ diagn ostizierten am 12. Mai 2017 im Rahmen der Studie „What Protects Patients at Risk für Psychosis“ eine rezidivierende Major Depression mit saisonalem Muster und eine anamnestisch wahnhafte Störung. 5.5 Aus diesen zusätzlichen medizinischen Akten ergibt sich, dass sich der Beschwerde- führer in den Jahren zwischen den beiden Referenzzeitpun kten wiederholt in ärztliche Behand- lung begeben musste. Wie med. pract. C.____ gingen sowohl Dr. H.____ und lic. phil. I.____ im Jahr 2013 als auch Prof. Dr. E.____ im Jahr 2017 übere instimmend von einer Persönlichkeits- störung aus. Bezüglich der von med. pract. C.____ diagno stizierten leicht- bis mittelgradig de- pressiven Störung ist sodann zu beachten, dass Dr. K.____ und die Psychologin L.____ im Jahr 2017 sogar von einer Major Depression ausgegangen sind. Dementsprechend tragen auch die- se Arztberichte dazu bei, glaubhaft darzulegen, dass sich d er Gesundheitszustand und damit auch die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit der letzten Verfügung vom 10. Oktober 2007 massgebend verschlechtert haben könnten. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdefü hrer eine Verschlechterung seiner gesundheitlichen Situation glaubhaft gemacht hat . Folglich ist die IV-Stelle zu Unrecht auf die Leistungsanmeldung nicht eingetreten. Die Ang elegenheit ist daher an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese die glaubhaft gemachte Verschle chterung des Gesundheitszu- standes weiter abklärt. Bei der materiellen Prüfung d es Leistungsgesuchs wird sie den Hinweis von med. pract. C.____, dass eine selbstwertstärkende beru fliche Massnahme im geschützten Rahmen dringend erforderlich erscheine, zu berücksichtige n haben. Demnach ist in Gutheis- sung der Beschwerde die Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft vom 4. Juni 2018 aufzuhe- ben und diese anzuweisen, auf das Leistungsgesuch des Be schwerdeführers vom 14. Juni 2017 einzutreten. 7.1 Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Ar t. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicher ungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1 ’000.— festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in den en ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Ge richt die Kosten unter Berücksichti- gung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegneri n unterlegene Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In di esem Zusammenhang ist allerdings zu Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinsta nz bzw. den kantonalen Behörden – vorbeh ältlich des hier nicht interessie renden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten aufer- legt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliege nden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Al lgemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Weil der Beschwerde führer nicht anwaltlich vertreten war, sind ihm keine Parteikosten entstanden. Die aussero rdentlichen Kosten sind deshalb wett- zuschlagen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfüg ung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 4. Juni 2018 wird aufgehoben. Die IV-Stelle Basel-Landschaft wird angewiesen, auf das Leistungsbege hren des Beschwerdeführers vom 14. Juni 2017 einzutreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.