<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">200</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>38</b></span> <span class="ft2"><b>Zuschlagskriterien; Unterteilung in Sub- oder Teilkriterien</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Subkriterien müssen sich einem in der Ausschreibung ausdrücklich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aufgeführten Zuschlagskriterium zuordnen lassen bzw. davon mit-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>umfasst sein. Es dürfen hierbei keine neuen Zuschlagskriterien ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schaffen oder herangezogen werden und die Anbietenden dürfen da-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rauf vertrauen, dass die Vergabestelle die üblichen Zuschlagskrite-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rien im herkömmlichen Sinn versteht. Andernfalls müssen sie bereits</b></span><br/> <span class="ft2"><b>in den Ausschreibungsunterlagen möglichst detailliert umschrieben</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werden, damit die Anbietenden erkennen können, welchen Anforde-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungen sie bzw. ihre Angebote genügen müssen (Erw. 3.1. und 3.2.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ein Kriterium "(Anteil) Wertschöpfung in der Schweiz" ist ein un-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zulässiges vergabefremdes Kriterium (Erw. 3.3.2.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Anforderung, dass das Produkt bzw. die Anlage "aus der glei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>chen Firma" stammen muss, ist im konkreten Fall unzulässig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3.3.3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 18. November 2009 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen P. AG gegen Ortsbürgergemeinde G. (WBE.2009.160).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 18 Abs. 3 SubmD sind die Zuschlagskriterien in der</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibung oder in den Ausschreibungsunterlagen mit ihrer Ge-</span><br/> <span class="ft1">wichtung anzugeben. Allfällige Teilkriterien sind mit ihrer Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wichtung anzugeben. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richts ist die Vergabestelle nicht gehalten, über die Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">von § 18 Abs. 3 SubmD hinaus auch zum Voraus bekannt zu geben,</span><br/> <span class="ft1">wie sie die Zuschlagskriterien im Einzelfall zu bewerten gedenkt.</span><br/> <span class="ft1">Die nachträgliche Unterteilung der Zuschlagskriterien in Sub- oder</span><br/> <span class="ft1">Teilkriterien stellt wie eine Beurteilungsmatrix lediglich ein Hilfs-</span><br/> <span class="ft1">mittel für eine differenziertere Bewertung dar. Die einzelnen Sub-</span><br/> <span class="ft1">kriterien müssen sich gemäss dem Verwaltungsgericht allerdings ei-</span><br/> <span class="ft1">nem in der Ausschreibung ausdrücklich aufgeführten Zuschlagskri-</span><br/> <span class="ft1">terium zuordnen lassen bzw. davon mitumfasst werden. Es dürfen</span><br/> <span class="ft1">hierbei nicht etwa neue Zuschlagskriterien geschaffen oder herange-</span><br/> <span class="ft1">zogen werden. Weiter dürfen die Anbietenden darauf vertrauen, dass</span><br/> <span class="ft1">die Vergabestelle die üblichen Zuschlagskriterien - wie sie auch in</span><br/> <span class="ft1">§ 18 Abs. 2 SubmD genannt sind - im herkömmlichen Sinn versteht.</span><br/> <span class="ft1">Andernfalls müssen sie bereits in den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft1">möglichst detailliert umschrieben werden, damit die Anbietenden er-</span><br/> <span class="ft1">kennen können, welchen Anforderungen sie bzw. ihre Angebote ge-</span><br/> <span class="ft1">nügen müssen (AGVE 2001, S. 346 mit Hinweisen; 2002, S. 322 f.</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen). So müssen die Anbietenden beispielsweise nicht er-</span><br/> <span class="ft1">warten, dass unter dem Zuschlagskriterium "Kompetenz" auch Um-</span><br/> <span class="ft1">weltaspekte beurteilt werden (AGVE 2002, S. 324).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">3.2.1.</span><br/> <span class="ft1">In der öffentlichen Ausschreibung und in den Submissionsun-</span><br/> <span class="ft1">terlagen hat die Vergabestelle einzig die Zuschlagskriterien Preis,</span><br/> <span class="ft1">Qualität und Referenzen mit einer Gewichtung von 50 %, 40 % und</span><br/> <span class="ft1">10 % bekannt gegeben. Weitere Angaben zu den Zuschlagskriterien</span><br/> <span class="ft1">(Subkriterien, Bewertung) wurden nicht gemacht. Im Rahmen der</span><br/> <span class="ft1">Bewertung wurde das mit 40 % gewichtete Zuschlagskriterium</span><br/> <span class="ft1">"Qualität" in die beiden je mit 20 % gewichteten Subkriterien "Qua-</span><br/> <span class="ft1">lität" und "Wertschöpfung Schweiz" unterteilt. Unter dem Subkrite-</span><br/> <span class="ft1">rium "Qualität" wurde bewertet, ob das Produkt aus der gleichen Fir-</span><br/> <span class="ft1">ma stammt. Ob hier allenfalls auch noch weitere (qualitative) Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkte beurteilt wurden, ist nicht bekannt. Den Akten und den</span><br/> <span class="ft1">Eingaben der Vergabebehörde lässt sich diesbezüglich nichts entneh-</span><br/> <span class="ft1">men. Beim Subkriterium "Wertschöpfung Schweiz" wurde der pro-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zentuale Anteil der Herstellung in der Schweiz ermittelt; entspre-</span><br/> <span class="ft1">chend der Höhe des Anteils wurden Rangpunkte vergeben. Der Be-</span><br/> <span class="ft1">griff "Wertschöpfung Schweiz" entspricht gemäss der Vergabebehör-</span><br/> <span class="ft1">de dem Begriff "Qualität Schweiz". Für die Bewertung beim Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriterium "Qualität" entscheidend war laut Vergabestelle,</span><br/> <span class="ft1">"dass das Produkt die 'Qualität Schweiz' hat und aus der gleichen</span><br/> <span class="ft1">Firma stammt".</span><br/> <span class="ft1">3.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Sowohl beim unter dem Subkriterium "Qualität" bewerteten</span><br/> <span class="ft1">Aspekt der Auftragserfüllung durch eine Firma (die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin spricht hier zutreffend von der "Leistung aus der Hand eines</span><br/> <span class="ft1">Unternehmens") als auch beim Teilkriterium "Wertschöpfung</span><br/> <span class="ft1">Schweiz" handelt es sich um Gesichtspunkte, mit deren Berücksich-</span><br/> <span class="ft1">tigung und Bewertung die Anbietenden beim Zuschlagskriterium</span><br/> <span class="ft1">"Qualität" vernünftigerweise nicht rechnen mussten. Bei einem Lie-</span><br/> <span class="ft1">ferauftrag wie dem vorliegenden ist unter dem Zuschlagskriterium</span><br/> <span class="ft1">"Qualität" in erster Linie die Qualität des zu beschaffenden Produk-</span><br/> <span class="ft1">tes (Material, Ausführung, Übereinstimmung mit der technischen</span><br/> <span class="ft1">Spezifikation, Leistung, Verfügbarkeit etc.) selber zu beurteilen. Ob</span><br/> <span class="ft1">die zu beschaffende Förderbandanlage zum Transport von Wandkies</span><br/> <span class="ft1">von einem einzelnen Unternehmen hergestellt und geliefert wird oder</span><br/> <span class="ft1">von mehreren, beeinflusst die Qualität der Förderbandanlage als sol-</span><br/> <span class="ft1">che nicht. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für die Herstellung der</span><br/> <span class="ft1">Anlage in der Schweiz oder im Ausland. Entgegen der Auffassung</span><br/> <span class="ft1">der Vergabestelle ist die Herstellung in der Schweiz nicht per se mit</span><br/> <span class="ft1">einer höherwertigen Qualität gleichzusetzen, die es erlauben würde,</span><br/> <span class="ft1">bei im Ausland hergestellten Produkten von vornherein und generell</span><br/> <span class="ft1">einen Bewertungsabzug vorzunehmen. Die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">weist - zumindest für den vorliegenden Fall - völlig zu Recht darauf</span><br/> <span class="ft1">hin, dass es hinsichtlich Qualität der Leistung in keinster Weise er-</span><br/> <span class="ft1">heblich sein könne, ob das Produkt in der Schweiz oder in Deutsch-</span><br/> <span class="ft1">land hergestellt worden sei.</span><br/> <span class="ft1">Weder die öffentliche Ausschreibung noch die Ausschreibungs-</span><br/> <span class="ft1">unterlagen enthalten im Übrigen einen Hinweis, dass die genannten</span><br/> <span class="ft1">beiden Gesichtspunkte bei der Bewertung der Angebote von Be-</span><br/> <span class="ft1">deutung sein würden. Der Umstand, dass im Leistungsverzeichnis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">203</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bei den einzelnen Positionen jeweils auch nach dem Hersteller-</span><br/> <span class="ft1">ort / Herstellerland gefragt wurde, lässt sich jedenfalls nicht dahinge-</span><br/> <span class="ft1">hend interpretieren, dass der Ort der Herstellung für die Qualitätsbe-</span><br/> <span class="ft1">wertung von Bedeutung sein würde. Mithin handelt es sich um ver-</span><br/> <span class="ft1">gabefremde Aspekte, die sich - wie ausgeführt - weder dem Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriterium "Qualität" noch einem anderen in der vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibung bekannt gegebenen Zuschlagskriterium zuordnen</span><br/> <span class="ft1">lassen. Ihre Berücksichtigung bei der Bewertung verbietet sich vor-</span><br/> <span class="ft1">liegend daher alleine schon aufgrund des Transparenzgebots, welches</span><br/> <span class="ft1">unter anderem auch verlangt, dass die Anbieter aufgrund der Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung erkennen können, was die Vergabebehörde unter den be-</span><br/> <span class="ft1">kannt gegebenen Zuschlagskriterien genau versteht und welche</span><br/> <span class="ft1">Aspekte sie dabei zu bewerten gedenkt (vgl. AGVE 2005, S. 248 ff.;</span><br/> <span class="ft1">Peter Galli / André Moser / Elisabeth Lang / Evelyne Clerc, Praxis</span><br/> <span class="ft1">des öffentlichen Beschaffungsrechts, 1. Band: Landesrecht, 2. Aufla-</span><br/> <span class="ft1">ge, Zürich / Basel / Genf 2007, Rz. 624).</span><br/> <span class="ft1">Die beim Zuschlagskriterium "Qualität" gemachten Punkteab-</span><br/> <span class="ft1">züge beim Angebot der Beschwerdeführerin erweisen sich damit als</span><br/> <span class="ft1">unzulässig.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">3.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Es stellt sich zudem die Frage nach der grundsätzlichen Zuläs-</span><br/> <span class="ft1">sigkeit der beiden genannten Subkriterien.</span><br/> <span class="ft1">3.3.2.</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf das streitige Kriterium "Anteil Wertschöpfung in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz" ist festzuhalten, dass sich die Wirtschaftlichkeit des</span><br/> <span class="ft1">Angebots stets am Nutzen des Beschaffungsobjekts selbst zu messen</span><br/> <span class="ft1">hat. Ein fiskalischer Vorteil, der sich für den Staat aus einer Vergabe</span><br/> <span class="ft1">an schweizerische Unternehmen ergeben könnte, ist dementspre-</span><br/> <span class="ft1">chend kein Kriterium, das für die Ermittlung des günstigsten Ange-</span><br/> <span class="ft1">bots berücksichtigt werden darf. Im Weiteren gewährleistet das</span><br/> <span class="ft1">Submissionsrecht die Gleichbehandlung aller Anbieterinnen und An-</span><br/> <span class="ft1">bieter (vgl. § 1 Abs. 1 SubmD, Art. 1 Abs. 3 lit. b IVöB, Art. 11 lit. a</span><br/> <span class="ft1">IVöB; ferner Art. 5 Abs. 1 BGBM, Art. 1 Abs. 2, Art. 2 Abs. 3 und</span><br/> <span class="ft1">Art. 8 Abs. 1 lit. a BoeB, Art. III Ziffer 1 des GATT-Übereinkom-</span><br/> <span class="ft1">mens über das öffentliche Beschaffungswesen vom 15. April 1994</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">204</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[Government Procurement Agreement, GPA; SR 0.632.231.422],</span><br/> <span class="ft1">Art. 6 des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-</span><br/> <span class="ft1">schaft und der Europäischen Gemeinschaft über bestimmte Aspekte</span><br/> <span class="ft1">des öffentlichen Beschaffungswesens vom 21. Juni 1999 [BilatAbk;</span><br/> <span class="ft1">SR 0.172.052.68]). Das betrifft sowohl die Gleichbehandlung der in-</span><br/> <span class="ft1">und ausländischen Anbieter als auch die Gleichbehandlung der in-</span><br/> <span class="ft1">ländischen Anbieter untereinander. Der Auftraggeber darf somit</span><br/> <span class="ft1">keine Kriterien wählen, die eine ungleiche Behandlung der Anbieter</span><br/> <span class="ft1">nach sich ziehen können. Massnahmen, welche die Sicherung von</span><br/> <span class="ft1">Wertschöpfungsanteilen in der Schweiz beinhalten, sind weder mit</span><br/> <span class="ft1">der schweizerischen Gesetzgebung noch mit dem Staatsvertragsrecht</span><br/> <span class="ft1">(GPA, BilatAbk) zu vereinbaren. Daraus erhellt, dass die Begünsti-</span><br/> <span class="ft1">gung oder Benachteiligung von Anbietern auf der Basis der Herkunft</span><br/> <span class="ft1">von Erzeugnissen oder Dienstleistungen nicht zulässig ist. Der</span><br/> <span class="ft1">Auftraggeber darf demzufolge den wirtschaftlichen Nutzen der zu</span><br/> <span class="ft1">prüfenden Angebote nicht aufgrund des Kriteriums "Anteil Wert-</span><br/> <span class="ft1">schöpfung in der Schweiz" bestimmen (vgl. zum Ganzen auch die</span><br/> <span class="ft1">Interpellation 00.3120 von Nationalrat Paul Kurrus vom 23. März</span><br/> <span class="ft1">2000 und die Antwort des Bundesrates vom 19. Juni 2000, in: Curia</span><br/> <span class="ft1">Vista - Geschäftsdatenbank der Bundesversammlung</span><br/> <span class="ft1">http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=2</span><br/> <span class="ft1">0003120). Ein Kriterium "(Anteil) Wertschöpfung in der Schweiz"</span><br/> <span class="ft1">ist mithin ein unzulässiges vergabefremdes Kriterium.</span><br/> <span class="ft1">Soweit die Vergabebehörde den Begriff "Wertschöpfung</span><br/> <span class="ft1">Schweiz" mit "Qualität Schweiz". bzw. "Qualitätsmerkmal Schweiz"</span><br/> <span class="ft1">gleichsetzen will, kann grundsätzlich auf die bereits in Erw. 3.2.2.</span><br/> <span class="ft1">gemachten Ausführungen verwiesen werden. Die Qualität der</span><br/> <span class="ft1">Leistung - hier der offerierten Förderbandanlagen - ist bei jedem</span><br/> <span class="ft1">Angebot vor dem Hintergrund der nachgefragten Leistung / Produkte</span><br/> <span class="ft1">und deren Spezifikationen ungeachtet der Herkunft zu prüfen und zu</span><br/> <span class="ft1">bewerten. Allfällige Bewertungsabzüge bei der Qualität müssen sich</span><br/> <span class="ft1">sachlich begründen lassen. Die Fabrikation im Ausland bedeutet</span><br/> <span class="ft1">nicht per se schlechtere Qualität. Deshalb ist es nicht zulässig, bei im</span><br/> <span class="ft1">Ausland hergestellten Produkten generell und ohne konkrete Prüfung</span><br/> <span class="ft1">auf eine mindere Qualität zu schliessen und alleine wegen der</span><br/> <span class="ft1">Herstellung im Ausland beim Zuschlagskriterium "Qualität" einen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">205</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bewertungsabzug zu machen. Ein solches Vorgehen verstösst gegen</span><br/> <span class="ft1">das Gebot der Gleichbehandlung und stellt Diskriminierung auslän-</span><br/> <span class="ft1">discher Produkte (und gegebenenfalls auch der ausländischen An-</span><br/> <span class="ft1">bieter) dar. Die Vergabestelle begründet im vorliegenden Fall nicht</span><br/> <span class="ft1">einmal ansatzweise, weshalb eine in der Schweiz hergestellte För-</span><br/> <span class="ft1">derbandanlage in qualitativer Hinsicht höherwertig sein soll als eine</span><br/> <span class="ft1">in Deutschland oder in einem anderen Land hergestellte Anlage.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Bei der weiteren unter dem Zuschlagskriterium "Qualität" be-</span><br/> <span class="ft1">urteilten Anforderung, dass das Produkt bzw. die Anlage (Stahlbau</span><br/> <span class="ft1">und Förderband) "aus der gleichen Firma" stammen muss, handelt es</span><br/> <span class="ft1">sich ebenfalls um einen Aspekt, der mit der Qualität des Produkts an</span><br/> <span class="ft1">sich nichts zu tun hat, und infolgedessen nicht bei diesem Zuschlags-</span><br/> <span class="ft1">kriterium beurteilt werden darf, schon gar nicht ohne entsprechende</span><br/> <span class="ft1">vorgängige Bekanntgabe in der Ausschreibung oder in den Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen (vgl. oben Erw. 3.2.2.). Es ist nicht nachvoll-</span><br/> <span class="ft1">ziehbar und wird von der Vergabestelle denn auch nicht begründet,</span><br/> <span class="ft1">weshalb die Qualität einer Anlage grundsätzlich höher sein soll,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Anlage durch eine Firma hergestellt wird. Die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft1">begründet die Anforderung eines einzigen Herstellers vielmehr</span><br/> <span class="ft1">damit, dass es bei Unterhalt und Serviceleistungen / Reparaturar-</span><br/> <span class="ft1">beiten der Anlage, die eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren habe,</span><br/> <span class="ft1">ein Nachteil sei, zwei verschiedene Ansprechpartner zu haben, man</span><br/> <span class="ft1">wolle dafür nur einen Ansprechpartner. Das Anliegen, für künftige</span><br/> <span class="ft1">Wartungs- und Reparaturarbeiten der gesamten Anlage einen einzi-</span><br/> <span class="ft1">gen, klar definierten Ansprechpartner zu haben, ist nachvollziehbar</span><br/> <span class="ft1">und erscheint auch sachlich begründet. Es wäre der Vergabestelle</span><br/> <span class="ft1">deshalb unbenommen gewesen, entsprechende Vorgaben in den Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen zu machen und bei allfälligen Abweichungen</span><br/> <span class="ft1">auch Abzüge bei der Bewertung vorzunehmen. § 18 Abs. 2 SubmD</span><br/> <span class="ft1">nennt u. a. ausdrücklich die Zuschlagskriterien "Garantie- und Un-</span><br/> <span class="ft1">terhaltsleistungen" oder "Kundendienst". Die Vergabebehörde hätte</span><br/> <span class="ft1">daher in der Ausschreibung ohne Weiteres ein Zuschlagskriterium</span><br/> <span class="ft1">"Unterhaltsleistungen" festlegen und in diesem Kontext auch ver-</span><br/> <span class="ft1">langen können, dass für Unterhalt, Wartung und Reparaturen ein ein-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">206</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ziger Ansprechpartner gegeben sein muss. Diesfalls wäre für die An-</span><br/> <span class="ft1">bietenden von vornherein klar gewesen, dass dies für die Vergabebe-</span><br/> <span class="ft1">hörde ein entscheidender Punkt ist. Eine Berücksichtigung bei der</span><br/> <span class="ft1">"Qualität", wie es die Beschwerdeführerin vorliegend getan hat, ist</span><br/> <span class="ft1">hingegen nicht zulässig.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vergabestelle ist berechtigt, in den Ausschreibungsunterla-</span><br/> <span class="ft1">gen die Bildung von Arbeitsgemeinschaften ausdrücklich auszu-</span><br/> <span class="ft1">schliessen, wenn sie solche im konkreten Fall als unzweckmässig er-</span><br/> <span class="ft1">achtet (§ 11 Abs. 3 SubmD). Unterlässt sie dies, so sind Arbeitsge-</span><br/> <span class="ft1">meinschaften zulässig. Die zugelassenen Arbeitsgemeinschaften sind</span><br/> <span class="ft1">gleich zu behandeln, wie die übrigen Anbieter. Dies folgt aus § 1</span><br/> <span class="ft1">SubmD und dies schliesst es aus, Arbeitsgemeinschaften ungeachtet</span><br/> <span class="ft1">ihrer konkreten Organisation im Einzelfall generell und von vorn-</span><br/> <span class="ft1">herein schlechter zu bewerten als Einzelunternehmen (AGVE 2002,</span><br/> <span class="ft1">S. 347 f.).</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall wurde kein Ausschluss von Arbeitsge-</span><br/> <span class="ft1">meinschaften bekannt gegeben. Demzufolge waren solche zugelas-</span><br/> <span class="ft1">sen. Mithin war die grundsätzliche Schlechterbewertung von Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsgemeinschaften auch aus diesem Grund nicht zulässig.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend ist zudem einzig die Beschwerdeführerin als Anbie-</span><br/> <span class="ft1">terin in Erscheinung getreten, d. h. sie hat ein Angebot als "Einzel-</span><br/> <span class="ft1">firma" und nicht als Bietergemeinschaft eingereicht. In einer beige-</span><br/> <span class="ft1">fügten "Erklärung" wird zwar festgehalten, im Auftragsfalle würde</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin eine "unechte" Arbeitsgemeinschaft mit der</span><br/> <span class="ft1">Firma A. AG eingehen. Gegenüber der Bauherrschaft sei die Firma P.</span><br/> <span class="ft1">rechtlich verbindlicher Vertragspartner. Das heisst, im Fall des Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlags würde der Vertrag einzig mit der Beschwerdeführerin abge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen und nicht mit einer Arbeitsgemeinschaft. Die A. AG wäre</span><br/> <span class="ft1">in Bezug auf die Auftraggeberin somit Subunternehmerin. Zwischen</span><br/> <span class="ft1">ihr und der Auftraggeberin entstünden mithin keine vertraglichen Be-</span><br/> <span class="ft1">ziehungen. Insofern kann der Auffassung der Vergabebehörde, sie sei</span><br/> <span class="ft1">beim Angebot der Beschwerdeführerin mit zwei verschiedenen An-</span><br/> <span class="ft1">sprechpartnern konfrontiert, zumindest in rechtlicher Hinsicht nicht</span><br/> <span class="ft1">gefolgt werden. Ihre Vertragspartnerin ist einzig die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin.</span><br/></div> </div> </body> </html>