Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 12. September 2012 (810 12 154) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Abzugsfähigkeit von Gewinnungskosten und Verluste aus selbständiger Erwerbstätigkeit Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Bruno Gutzwiller, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin i.V. Patricia Bäckert Parteien A.____ und B.____ , Beschwerdeführer gegen Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Betreff Staatssteuer 2009 (Entscheid der Abt. Steuergericht vom 10. Februar 2012) A. Die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (S teuerverwaltung) liess mit der definitiven Steuerveranlagung 2009 vom 26. Mai 2011 d ie von A.____ und B.____ geltend ge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht machten Verluste aus der selbständigen Tätigkeit von A.____ in der Höhe von Fr. 28'582.-- aus den Jahren 2003 bis 2008 sowie die Anwalts- und Gericht skosten aus den Jahren 2004 bis 2008 in der Höhe von Fr. 27'308.-- nicht zum Abzug zu. B. Am 31. Mai 2011 erhoben A.____ und B.____ gegen die Steuerveranlagung betref- fend die Staatssteuer 2009 vom 26. Mai 2011 Einsprache . Darin beantragten sie, dass die von ihnen geltend gemachten „Kosten für die Vermögensverwa ltung" in der Höhe von Fr. 27'308.-- und „die verrechenbaren Geschäftsverluste“ in der Höhe vo n Fr. 28’582.-- als Abzüge zu ge- währen seien. Zur Begründung führten A.____ und B.____ aus, dass es sich bei den angefalle- nen Anwalts- und Gerichtskosten um Gewinnungskosten handl e, da sie dazu dienten, die der Ehefrau per letztwillige Verfügung zugesprochenen Ver mögenswerte zu erhalten. Schliesslich müssten auch die Geschäftsunkosten, die bei unregelmässige m Erwerb als Selbständigerwer- bender anfielen, als Aufwendungen anerkannt und entsp rechend als ein Geschäftsverlust ab- gezogen werden können. C. Mit Entscheid vom 2. August 2011 wies die Steuerverwa ltung die Einsprache von A.____ und B.____ ab. D. Am 31. August 2011 erhoben A.____ und B.____ gege n den Einsprache-Entscheid der Steuerverwaltung vom 2. August 2011 betreffend d ie Staatssteuer 2009 Rekurs beim Steu- er- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuerge- richt). Sie stellten bezüglich der Steuerperiode 2009 den Antrag, die geltend gemachten Ausga- ben aus selbständiger Erwerbstätigkeit in den Jahren 2003 bis 2008, abzüglich den Einnahmen aus 2007 von total Fr. 28'582.--, sowie die Anwalts- u nd Gerichtskosten aus den Jahren 2004 bis 2008 von total Fr. 27'308.-- seien als Abzüge zuzulassen . Eventualiter seien sämtliche Ver- anlagungen 2003 bis 2008 respektive 2004 bis 2008 mit den Abzügen der in den betreffenden Perioden angefallenen Verluste respektive Gerichts- und Anwaltskosten zu rektifizieren und die Guthaben inklusiv Vergütungszins per heute gutzuschreiben. Bezüglich der verrechenbaren Geschäftsverluste führten die Ehegatten aus, dass Verlust e aus den sieben der Steuerperiode vorangegangenen Geschäftsjahren abgezogen werden könnte n, soweit diese bei der Berech- nung des steuerbaren Einkommens dieser Jahre nicht hätt en berücksichtigt werden können. Zudem habe die Steuerverwaltung seit 2003 keine Verlu ste mehr zum Abzug zugelassen. Je- doch sei eine Umteilung des Ehemannes in die Abteilu ng Unselbständigerwerbende nicht er- folgt. Bezüglich der Vermögensverwaltungskosten erklärte n die Ehegatten, die einzelnen Ge- richts- und Anwaltskosten seien abzugsfähig, da sie zur Er langung eines Vermögens dienten und es sich somit um Gewinnungskosten handle. E. Das Steuergericht wies mit Entscheid vom 10. Februar 2012 den Rekurs von A.____ und B.____ ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die geltend gemach- ten Verluste periodenfremd seien und daher - trotz ver wirrender Information seitens der Steuer- verwaltung betreffend die Einstufung des Beschwerdeführ ers als Selbständigerwerbender oder Unselbständigerwerbender – nicht mehr zum Abzug zugela ssen werden könnten. Der Abzug der Anwalts- und Gerichtskosten scheitere am Grundsatz der Periodizität. Die weiteren Fragen, ob A.____ als Selbständiger einzuordnen sei oder nicht und ob es sich bei den geltend ge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht machten Prozesskosten um Vermögensverwaltungs- und daher u m Gewinnungskosten handle, könnten daher offen bleiben. F. Am 23. Mai 2012 erhoben A.____ und B.____ (Beschwe rdeführer) gegen den Ent- scheid des Steuergerichts Beschwerde beim Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie bean tragten, es sei der Entscheid des Steuergerichts vom 10. Februar 2012 aufzuheben und es sei im Sinne der Rekursbegehren vom 31. August 2011 zu entscheiden. G. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Juni 2012 stellte d ie Steuerverwaltung den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen H. Mit Vernehmlassung vom 25. Juni 2012 stellte das Ste uergericht ebenfalls den Antrag auf Abweisung der Beschwerde. I. Mit Präsidialverfügung vom 11. Juli 2012 wurde der Fall an das Kantonsgericht zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 kann gegen Entscheide des Steuergericht s innert 30 Tagen beim Kantonsge- richt schriftlich Beschwerde erhoben werden. Zur Beschwerde befugt ist unter anderem die steuerpflichtige Person (§ 131 Abs. 2 lit. a StG). Vorliegend sind sämtliche formellen Vorausset- zungen erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Gemäss § 45 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitun g, Unterschreitung oder Miss- brauch des Ermessens (lit. a) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach- verhalts (lit. b) gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit einer Verfügung ist hinge- gen nur in Ausnahmefällen vorgesehen (§ 45 Abs. 1 li t. c VPO). Mit der Beschwerde in Steuer- sachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des ang efochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden. § 45 Abs. 2 VPO setzt damit die bundesrechtli- chen Vorgaben um, wonach im kantonalen Rekurs- und Beschwerdeverfahren betreffend direk- te Bundessteuer gemäss Art. 140 Abs. 3 DBG i.V.m. Art. 1 45 Abs. 2 DBG alle Mängel des an- gefochtenen Entscheides und des vorangegangenen Verfahren s gerügt werden können. Hin- sichtlich der Staats- und Gemeindesteuern wäre eine solch weitgehende Kontrolle vorinstanzli- cher Entscheide gemäss Art. 50 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der di- rekten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 1 4. Dezember 1990 nur für das Re- kursverfahren vor Steuergericht, nicht aber für das Beschwe rdeverfahren vor Kantonsgericht gefordert. Der Gesetzgeber hat sich jedoch entschieden, die im DBG verlangte Ermessenskon- trolle hinsichtlich der direkten Bundessteuer auch auf d ie Staats- und Gemeindesteuern auszu- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiten. Deshalb kann das Kantonsgericht vorliegend auc h die Angemessenheit der angefoch- tenen Verfügungen bzw. Entscheide überprüfen. 3.1 Fraglich ist vorerst, ob die von den Beschwerdeführern im Rahmen der Veranlagung der Staatssteuer 2009 geltend gemachte Tätigkeit eine selbständige Erwerbstätigkeit darstellt und die daraus entstandenen Verluste aus den Jahren 20 03 bis 2008 in der Höhe von Fr. 28'582.-- zu Recht nicht zum Abzug zugelassen wurden. 3.2 Gemäss § 29 Abs. 1 lit. b StG können bei selbstän diger Erwerbstätigkeit unter ande- rem die eingetretenen und verbuchten Verluste auf dem Geschäftsvermögen von den steuerba- ren Einkünften abgezogen werden. Dem Grundsatz der Be steuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit folgend wird der Verlustvortrag bei jeder selbständigen Tätigkeit gewährt. Die wesentliche Voraussetzung für die Zulässigkeit des Verlust abzuges ist somit der Nachweis ei- ner haupt- oder nebenberuflich ausgeübten selbständigen Erwerbstätigkeit. 3.3 Der Steuergesetzgebung lässt sich keine Definition entnehmen, wann und unter wel- chen Voraussetzungen eine derartige selbständige Erwerbstä tigkeit vorliegt. Der Terminus der "selbständigen Erwerbstätigkeit" ist ein steuerrechtlicher Begriff, der in der Praxis aufgrund der vielfältigen Sachverhalte, die damit abgedeckt werden, nicht klar definiert ist. Nach der Recht- sprechung fällt unter den Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeit allgemein jede Tätigkeit, bei der ein Unternehmer auf eigenes Risiko, unter Einsatz vo n Arbeit und Kapital, in einer frei ge- wählten Organisation und mit der Absicht der Gewinne rzielung am Wirtschaftsverkehr teilnimmt (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 125 II 113 E. 5 b). An dieser Absicht fehlt es regel- mässig dann, wenn eine Tätigkeit aus blosser Liebhaberei betrieben wird. Für eine solche Qua- lifizierung reicht allerdings eine selbst mehrjährige V erlusterzielung alleine noch nicht aus. Massgeblich ist stets die Gewinnerzielungsabsicht. Wird inne rt fünf bis zehn Jahren kein nen- nenswerter Gewinn erzielt, stellt dies ein gewichtiges Indiz dafür dar, dass die diesbezügliche Tätigkeit ein Hobby darstellt und hieraus verursachte V erluste demnach nicht mit dem übrigen steuerpflichtigen Einkommen verrechnet werden können. 3.4 Im vorliegenden Fall kann offen bleiben, ob es sich bei der Erwerbstätigkeit des Be- schwerdeführers um eine selbständige Erwerbstätigkeit im Sinne des Steuerrechts handelt, da die geltend gemachten Geschäftsverluste - entsprechend de n nachfolgenden Ausführungen - periodenfremd und demnach nicht abzugsfähig sind. 3.5 Im Zusammenhang mit der zeitlichen Zuordnung von A ufwand und Ertrag ist das Peri- odizitätsprinzip einzuhalten. Danach hat ein Unternehme n im Steuerjahr denjenigen Gewinn zu versteuern, den es in der entsprechenden Periode erziel t hat. Es dürfen also nicht nach freiem Belieben die Ergebnisse der Geschäftsperioden unterein ander ausgeglichen werden. So darf beispielsweise das Ergebnis einer Periode nicht zugunsten oder zulasten einer anderen Perio- de vermindert oder erhöht werden. Die steuerpflichti ge Person hat den Verlust im frühestmögli- chen Zeitpunkt geltend zu machen. Versäumt sie dies, hat sie das Verlustverrechnungsrecht insoweit verwirkt, als eine Berücksichtigung des Verlustes b ei der massgebenden Veranlagung möglich gewesen wäre. Es kann nicht angehen, dass sie den Zeitpunkt für die Verlustverrech- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nung selbst wählen kann. Denn es ist nicht im Sinne der Verlustverrechnungsregel, durch ge- schickte Verlustverteilung eine möglichst geringe Steuerla st zu erzielen. (vgl. P ETER B. NEFZGER , in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz d es Kantons Basel- Landschaft [Kommentar zum StG], Basel 2004, § 89 N 3). Dasselbe ergibt sich aus den han- delsrechtlichen Buchhaltungsvorschriften, in deren Rahmen das Prinzip unter der Bezeichnung "umfassender Periodisierungsgrundsatz" und im Einklang mi t dem Realisierungsgrundsatz in dem Sinne gilt, dass sämtliche Ertrags- und Kosteneleme nte, die in eine bestimmte Buchhal- tungsperiode fallen, dieser Periode auch tatsächlich zuzu schreiben sind (vgl. Urteil des Bun- desgerichts [BGer] 2C_429/2010 vom 9. August 2012 E. 2.1). 3.6 Eine Ausnahme vom Periodizitätsprinzip und somit eine Relativierung ergibt sich aus § 89 StG. Hiernach können die durch selbständige Erwer bstätigkeit erlittenen Verluste der sie- ben der Steuerperiode vorangegangenen Geschäftsjahre vorgetragen werden. Ein Verlustvor- trag ist allerdings nur in dem Umfang möglich, soweit eine Verlustverrechnung mit dem übrigen Nettoeinkommen der jeweiligen Steuerperiode nicht möglich ist. Nur wenn die übrigen Einkünfte nicht ausreichen, kann der Verlust vorgetragen werden. D abei spielt es keine Rolle, welcher Natur die zukünftigen Einkommensbestandteile sind. Dies b edeutet, dass Geschäftsverluste nicht nur mit Geschäftsgewinnen, sondern in den nachfolg enden Steuerperioden auch mit übri- gem Einkommen verrechnet werden können (vgl. D IETER WEBER , in: Martin Zweifel/Peter Atha- nas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht der Kanton e und Gemeinden [Kommentar StHG], 2. Auflage, Basel 2002, Art. 67 N 5; P ETER B. NEFZGER , Kommentar zum StG, a.a.O., § 89 N 6). Vortragbare Verluste sind stets mit dem nächstmögli chen Gewinn zu verrechnen. Der Steuerpflichtige hat die Pflicht, einen entsprechenden Antrag zu stellen, auch wenn Verlustbe- schlüsse grundsätzlich von Amtes wegen zu berücksichtigen sind. Wurde in einer rechtskräfti- gen Veranlagung festgehalten, dass kein verrechenbarer V erlust besteht, so kann nicht in den Folgejahren eine Überprüfung von angeblich früher en tstandenen Verlusten geltend gemacht werden (vgl. Urteil des BGer 2C_240/2011 vom 8. April 2011 E. 2). 3.7 Vorliegend machten die Beschwerdeführer in der S teuererklärung 2009 im Rahmen der Staatssteuer einen Abzug für einen in den Jahren 2003 bis 2008 entstandenen Geschäfts- verlust geltend. Dieser Geschäftsverlust habe erst im Jahr 2009 geltend gemacht werden kön- nen, da in den vorherigen Jahren kein Gewinn erzielt worden sei, mit welchem die Verluste hät- ten verrechnet werden können. Eine Ausnahme stelle das Jahr 2007 dar, in welchem ein erziel- ter Ertrag der Steuerverwaltung gemeldet und im Steu erjahr 2008 verrechnet worden sei. Fer- ner habe man die Steuerverwaltung bereits im Jahr 200 7 und 2008 über die Verlustvorträge ab dem Jahr 2003 informiert. Bis ins Jahr 2002 hätten die Beschwerdeführer alle Gewinne und Verluste der Steuerverwaltung gemeldet und diese seien immer akzeptiert worden. Erst im Jahr 2003 habe sich die Steuerverwaltung geweigert, den ang egebenen Verlust zuzulassen und ha- be gleichzeitig die Ummeldung vom Selbständigerwerben den zum Unselbständigerwerbenden in Aussicht gestellt, ohne diese aber je vorzunehmen. Da aus selbständiger Erwerbstätigkeit bis ins Jahr 2008 keine Gewinne erzielt worden seien, hätte n die Verluste in den Vorjahren - ge- meldet oder nicht - in keinem Fall berücksichtigt werden können. Unter diesen Umständen sei ihnen nicht vorzuwerfen, dass sie die Verluste erst im Jahr 2009 geltend gemacht hätten, da ein Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gewinn erstmals im Jahr 2009 erzielt worden sei, hätten die Erträge aus den Jahren 2007 und 2009 doch zum ersten Mal die Verluste seit 2003 überstiegen. 3.8 Für die Jahre 2003 bis 2008 wurden bereits rechtskrä ftige Veranlagungen erlassen. Aus diesen Veranlagungen geht nicht hervor, dass die Besc hwerdeführer in den entsprechen- den Steuerperioden je Verluste aus selbständiger Erwer bstätigkeit meldeten. Erst im Jahr 2009 reichten die Beschwerdeführer eine Aufstellung über die Einnahmen und Ausgaben aus selb- ständiger Erwerbstätigkeit in den Jahren 2003 bis 2008 ein. Dem Argument der Beschwerde- führer, die Verluste seien nicht mehr gemeldet worden , weil die Steuerverwaltung diese ab 2003 nicht mehr zum Abzug akzeptiert hätte und die Verl uste so oder so nicht hätten mit Ge- winnen verrechnet werden können, kann nicht gefolgt wer den. In der rechtskräftigen Veranla- gung 2002 vom März 2006 wurde - im Gegensatz zur ursprün glichen Veranlagung 2002 vom Mai 2003 - nicht vermerkt, dass keine Verluste aus der um strittenen selbständigen Erwerbstä- tigkeit mehr berücksichtigt würden. Wie bereits das Steue rgericht in seinem Entscheid festhielt (Entscheid des Steuergerichts vom 10. Februar 2012 [51 0 11 41] E. 3b), ist zwar den Be- schwerdeführern insofern zuzustimmen, dass von der Steue rverwaltung betreffend die Einrei- hung des Beschwerdeführers unter die Selbständig - oder Unselbständigerwerbenden nicht klar kommuniziert worden ist. Sollten aber diesbezüglich oder bezüglich der Abzugsmöglichkeit Un- klarheiten bestanden haben, hätten die Beschwerdeführe r zum damaligen Zeitpunkt weitere Informationen oder gar eine anfechtbare Verfügung e infordern müssen. Auf jeden Fall hätten sie allfällige Einnahmen und Ausgaben, die sie verrech net haben wollten, in den betreffenden Steuerjahren melden müssen bzw. mit den Steuererklärungen einreichen müssen. 3.9 Gemäss § 89 StG können zwar Verluste aus den sieben de r Steuerperioden vorange- gangenen Geschäftsjahren abgezogen werden, vorausgesetzt ist aber, dass die Verluste aus diesen sieben vorangegangenen Perioden bei der Berechnu ng des steuerbaren Einkommens dieser Jahre nicht berücksichtigt werden konnten. Dies ist der Fall, wenn das Einkommen des Steuerpflichtigen insgesamt geringer ist als der geltend gemachte Verlust und entsprechend bei der Verrechnung ein Verlustvortrag resultieren würde . Da die Beschwerdeführer vorliegend in den entsprechenden Steuerperioden weder ein allfällig es Einkommen noch allfällige Verluste aus der selbständigen Tätigkeit ausgewiesen haben, konnte die Steuerbehörde auch nicht fest- stellen, ob und inwieweit allfällige Verluste mit dem Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit hätten verrechnet werden können. Da es die Beschwerdeführer unterlassen haben, die Verluste aus der selbständigen Tätigkeit in den betreffenden St euerperioden zu melden, kann die Ver- lustverrechnung in der Steuerperiode 2009 nicht nachge holt werden. Gemäss § 89 StG ist der Verrechnungsanspruch verwirkt. 3.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanzen im Rahmen der Steuerver- anlagung für das Jahr 2009 zu Recht keine von den Beschw erdeführern geltend gemachten Verluste betreffend die selbständige Erwerbstätigkeit der Jahre 2003 bis 2008 zum Abzug zuge- lassen haben. Die Beschwerde ist insoweit abzuweisen. 4.1 Weiter zu prüfen ist, ob die Steuerverwaltung die von den Beschwerdeführern geltend gemachten Kosten für das Gerichtsverfahren und die anw altliche Vertretung in der Erbstreitig- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit aus den Jahren 2004 bis 2008 in der Höhe von Fr. 27'308.-- für die Steuerperiode 2009 zu Recht nicht zum Abzug zugelassen hat. 4.2 § 29 Abs. 1 lit. e StG regelt die Abzugsfähigke it der Gewinnungskosten von Privatver- mögen. Das Gesetz unterscheidet zwischen Unterhalts- und Verwaltungskosten (M ATTHIAS SCHWEIGHAUSER , Kommentar zum StG, a.a.O., § 29 N 98 ff). Vermögen sverwaltungskosten sind Vergütungen, welche die steuerpflichtige Person Dri tten (Banken, Vermögensverwalter, Vormund, Erbschaftsverwalter, Willensvollstrecker) für die Besorgung der allgemeinen Verwal- tung von Vermögensgegenständen, namentlich solcher, die der Kapitalanlage dienen, entrich- tet. Als abzugsfähig gelten nicht nur die notwendigen Verwaltungskosten, sondern auch diejeni- gen, deren Vermeidung dem Pflichtigen nicht zugemute t werden können. Wird die Vermögens- verwaltung durch den Steuerpflichtigen persönlich beso rgt, fehlt es für die Abzugsfähigkeit der kalkulatorischen Verwaltungskosten schon am Erfordernis der tatsächlichen Ausgabe (vgl. PHILIP FUNK , Der Begriff der Gewinnungskosten nach schweizerischem Ein kommenssteuer- recht, St. Gallen 1989, S. 172). 4.3 Verwaltungskosten sind nicht nur solche Aufwendungen, die unmittelbar mit den Ver- mögenserträgen zusammenhängen. Es können auch Kosten fü r Anwalt, Gerichts- und Betrei- bungsverfahren darunter fallen, die mit der Sicherun g oder Einforderung von Vermögenserträ- gen zu tun haben oder die der Sicherung oder Einfor derung des ertragbringenden beweglichen Vermögens an sich dienen. Zu den Verwaltungskosten gehören deshalb auch jene Aufwendun- gen, durch welche die Schmälerung des Vermögensertrags a bgewendet wird (M ATTHIAS SCHWEIGHAUSER , Kommentar zum StG, a.a.O., § 29 N 106). Nicht zu den Gewinnungskosten zählen die Aufwendungen für die Vermögensvermehrung u nd für die Erzielung von Kapitalge- winnen, wie auf die Performance ausgerichtete Anlage beratung, Käufe und Verkäufe von Ver- mögensobjekten (soweit es sich nicht um blosse Wiederanl age fällig gewordener Anlagen han- delt) und Vermögensverwaltung nach Ermessen des Verwalt ers aufgrund entsprechender Voll- macht (E RNST HÖHN /R OBERT WALDBURGER , Steuerrecht Band 2, 9. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 2002, § 39 N 32). So sind etwa K osten für die Anlage-, Steuer- oder Erb- schaftsberatung keine abzugsfähigen Vermögensverwaltungskosten. Diese dienen dem Erwerb bzw. der Veräusserung von Vermögensgegenständen und desh alb nicht primär der Werterhal- tung, sondern der Wertvermehrung. Gewinnungskosten und d amit abzugsfähige Kosten sind demnach nur solche, die der Erhaltung des Vermögens un d daher der unmittelbaren Ertragser- zielung dienen (MATTHIAS SCHWEIGHAUSER , Kommentar zum StG, a.a.O., § 29 N 105). 4.4 Gewinnungskosten sind zudem nur abzugsfähig, wenn ih nen in derselben Steuerperi- ode ein damit zusammenhängendes Einkommen der steuerpf lichtigen Person gegenübersteht. (vgl. E. 3.3 hiervor). Eine Berücksichtigung von Gewinn ungskosten findet nicht statt, wenn die entsprechenden Einkünfte erst in einer späteren Periode zufliessen (vgl. FELIX RICHNER /W ALTER FREI /S TEFAN KAUFMANN /H ANS ULRICH MEUTER , Handkommentar zum DBG, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 25 N 8, Art. 32 N 13; MARKUS REICH , Kommentar zum StHG, a.a.O., Art. 9 N 8). 4.5 Die Beschwerdeführer machten in der Steuererkläru ng 2009 im Rahmen der Staats- steuer unter dem Titel "Kosten Vermögensverwaltung" ei nen Abzug für Anwalts- und Gerichts- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht kosten für die Einforderung von Vermögenswerten aus den Jahren 2004 bis 2008 geltend. So- wohl die Steuerverwaltung als auch das Steuergericht wie sen die Einsprache respektive den Rekurs im Wesentlichen mit der Begründung ab, die gelte nd gemachten Kosten in der Höhe von Fr. 27'308.-- seien periodenfremd. Gewinnungskosten müssten mit einem steuerbaren Er- trag im Zusammenhang stehen, damit sie steuerlich gewähr t werden könnten. In der Regel sei- en diejenigen Kosten zum Abzug zuzulassen, die im gleiche n Jahr entstehen würden wie das zu ermittelnde steuerbare Einkommen. Die eingereichten Rechnungen aus den Jahren 2004 bis 2008 seien demnach als periodenfremd zu qualifizieren und somit nicht zum Abzug zugelassen. Die Frage, ob die geltend gemachten Kosten überhaupt steuerlich abzugsfähige Auslagen dar- stellten, sei nicht zu beantworten. 4.6 Demgegenüber machten die Beschwerdeführer geltend, die Anwalts- und Gerichtskos- ten hätten unzweifelhaft der Einforderung von ertragb ringendem beweglichem Vermögen ge- dient und seien somit abzugsfähige Gewinnungskosten. E s handle sich hier um eine unselb- ständige Tätigkeit weshalb es keine Buchhaltungspflicht respektive buchhalterische Möglichkeit des Ausgleichs von Aufwand und späteren damit zusammenhän genden Erträgen gäbe. Das Periodizitätsprinzip könne hier nicht angewandt werden. Die notwendige Konnexität zwischen Aufwand und Ertrag sei erfüllt. Es sei sodann gerade zu typisch, dass die Anwalts- und Ge- richtskosten einige Steuerperioden vor der Steuerperiode, in welcher "entsprechende Einkünfte" erzielt worden seien, angefallen seien. Es spreche nichts - und insbesondere das Gesetz nicht - dagegen, in diesem Fall die angefallenen Kosten im Ze itpunkt des definitiven Endes des Ge- richtsverfahrens geltend zu machen. 4.7 Es ist - entsprechend den Ausführungen der Vorinsta nz - vorliegend unbestritten, dass die Anwalts- und Gerichtkosten nicht in denjenigen Ste uerperioden der Steuerverwaltung ge- meldet worden sind, in denen die Kosten tatsächlich an gefallen sind, sondern erst nach Ab- schluss des Gerichtsverfahrens. Mit der Vorinstanz ist festzuhal ten, dass die Anwalts- und Ge- richtskosten aufgrund der fehlenden zeitlichen Konnexität zum Ertrag nicht abzugsfähig sind. Zwischen den Aufwendungen respektive den Gewinnungskoste n und dem Einkommen muss ein sachlicher und - entgegen der Ansicht der Beschwerde führer - insbesondere ein zeitlicher Zusammenhang bestehen. Das Erfordernis des zeitlichen Zusa mmenhangs ergibt sich in An- lehnung an das Periodizitätsprinzip. Danach sind Gewinnun gskosten nur dann abzugsfähig, wenn ihnen in derselben Steuerperiode ein damit zusam menhängendes Einkommen der steu- erpflichtigen Person gegenübersteht (vgl. R ICHNER /F REI /K AUFMANN / MEUTER , a.a.O., Art. 25 N 8; Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 20. Deze mber 1985, in: ASA 56 S. 132 ff.) Die in den Jahren 2004 bis 2008 angefallenen Anwalts- und Gerichtskosten können demzufolge nicht in den jeweiligen Steuerperioden berücksichtigt werden, da das entsprechende ertragbrin- gende Vermögen erst in einer späteren Steuerperiode zu geflossen ist. Das Zuwarten mit der Geltendmachung der Gewinnungskosten bis zum Abschluss des Verfahrens ist ebenso nicht mit dem Periodizitätsprinzip vereinbar, da die Anwalts- und Gerichtskosten nicht in der gleichen Steuerperiode wie das ertragbringende Vermögen angef allen sind, sodass die Rechnungsbe- träge aus diesem Grund zu Recht nicht zum Abzug zugelassen worden sind. Dementsprechend ist mit den Vorinstanzen festzuhalten, dass offen bleib en kann, ob die vorliegenden Kosten grundsätzlich abzugsfähig sind. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.8 Es ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanzen die A nwalts- und Gerichtskosten der Beschwerdeführer aus den Jahren 2004 bis 2008 im Rahmen der Steuerveranlagung für das Jahr 2009 zu Recht nicht zum Abzug zugelassen haben. Die Beschwerde ist demgemäss an- zuweisen. 5. Soweit die Beschwerdeführer sinngemäss im Eventualan trag die Abänderung der Ver- anlagungen 2003 bis 2008 bzw. 2004 bis 2008 beantragte n, scheitert dieses Begehren bereits an der Rechtskraft der genannten Verfügungen. 6.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Ka ntonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1 '400.-- den unterlegenen Beschwerde- führern in solidarischer Verbindung aufzuerlegen. 6.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann g estützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemesse ne Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird demgegenüber keine Parteientschä- digung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Angesichts des Au sgangs des Verfahrens sind die Parteikosten wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.