B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-5900/2023 U r t e i l v o m 1 6 . J u l i 2 0 2 4 Besetzung Richter Francesco Brentani (Vorsitz), Richter Jean-Luc Baechler, Richterin Mia Fuchs, Gerichtsschreiberin Lydia Patrizia Buchser. Parteien X._______, vertreten durch Gustav Lienhard, Rechtsanwalt und Notar, Beschwerdeführerin, gegen Medizinalberufekommission MEBEKO, Ressort Ausbildung, c/o Bundesamt für Gesundheit BAG, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Indirekte Anerkennung eines ausländischen Diploms in Zahnmedizin (Deutschland/Serbien). B-5900/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a X._______ (hiernach: Beschwerdeführerin) stellte am 31. Januar 2023 (Posteingang: 2. Februar 2023) bei der Medizinalberufekommission (hier- nach: Vorinstanz) ein Gesuch um indirekte Anerkennung des von ihr am 29. Mai 2011 in (…) (Republik Serbien) erworbenen und per 15. Juli 2019 in Deutschland anerkannten Zahnarztdiploms (Akten der Vorinstanz [vi- act.] 1-19). A.b Die Vorinstanz teilte der Beschwerdeführerin mittels Schreiben vom 9. Februar 2023 mit, dass die eingereichten Unterlagen unvollständig seien und dass unter anderem eine originalbeglaubigte Kopie eines detaillierten Arbeitszeugnisses ihrer Arbeitserfahrungen innerhalb der letzten fünf Jahre nachzureichen sei (vi-act. 20). A.c Im darauffolgenden, mehrfachen Schriftenwechsel (vi-act. 22-27) ver- zichtete die Beschwerdeführerin auf die Eingabe eines detaillierten Arbeits- zeugnisses, mit der Begründung, dass die eingereichte Arbeitsbestätigung ihres vormaligen Arbeitgebers Y . _______ vom 12. Januar 2023 (vi-act. 19) bereits genaue Angaben über Vollzeitpensum / Funktion: Zahnarzt / Dauer: drei Jahre mache. Zudem bat sie um eine zügige Beurteilung ihres Ge- suchs (vi-act. 26). A.d Mit Schreiben vom 2. Mai 2023 teilte die Vorinstanz der Beschwerde- führerin mit, dass mit einstimmigem Beschluss au f dem Zirkularweg ent- schieden worden sei, das Gesuch auf indirekte Anerkennung des Zahn- arztdiploms abzuweisen (vi-act. 28-29). Sie bat die Beschwerdeführerin zu- dem um Mitteilung zum weiteren Vorgehen . Alternativ schlug sie der Be- schwerdeführerin vor, die zuständige Landeszahnärztekammer oder kas- senärztliche Vereinigung direkt zu kontaktieren, um Abklärungen im Sinne der Berufsausübung der Beschwerdeführerin zu treffen. A.e Da die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 6. Juni 2023 eine be- schwerdefähige Verfügung oder eine Revision des auf dem Zirkularweg getroffenen Beschlusses der Vorinstanz beantragte (vi-act. 30), beurteilte diese anlässlich ihrer Sitzung vom 22. Juni 2023 erneut das Gesuch um indirekte Anerkennung des Zahnarztdiploms (vi-act. 32). A.f Mit Schreiben vom 26. Juni 2023 informierte die Vorinstanz die Be- schwerdeführerin über ihren Beschluss vom 22. Juni 2023, wonach der auf B-5900/2023 Seite 3 dem Zirkularweg getroffene Beschluss bestätigt und die Anerkennung nicht gutgeheissen wurde. Ohne gegenteiligen Bericht der Beschwerdeführerin bereite die Vorinstanz eine beschwerdefähige Verfügung vor (vi-act. 33). B. Mit anfechtbarer Verfügung vom 26. September 2023 wies die Vorinstanz das Gesuch um indirekte Anerkennung des von der Beschwerdeführerin am 29. Mai 2011 in (…) (Republik Serbien) erworbenen und per 15. Juli 2019 in Deutschland anerkannten Zahnarztdiploms aufgrund des fehlenden Nachweises der tatsächlich ausgeübten klinischen Tätigkeiten ab. C. Mit Eingabe vom 27. Oktober 2023 erhebt die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung der Vor - instanz vom 26. September 2023 und begehrt deren Aufhebung sowie die Anerkennung des in der Republik Serbien erworbenen Zahnarztdiploms unter Kosten - und Entschädigungsfolgen. Sie macht weiterhin geltend, dass die Vorinstanz auf ein detailliertes Arbeitszeugnis bestehe, könne nicht nachvollzogen werden und müsse «fast als willkürlich» betrachtet werden. Sie habe sämtliche zur indirekten Anerkennung notwendigen Un- terlagen eingereicht und insbesondere nachgewiesen, dass sie über drei Jahre hinweg als Zahnärztin in Deutschland gearbeitet habe (Beschwerde, S. 5). Nebst der bereits erwähnten Arbeitsbestätigung ihres vormaligen Ar- beitgebers vom 12. Januar 2023 (vi-act. 19; Beschwerdebeilage 4) reichte sie zusätzlich ihren Anstellungsvertrag vom 2. Juni 2019 (Beschwerdebei- lage 5) sowie eine Bescheinigung des Bundeszentralamts für Steuern vom 9. September 2019 (Beschwerdebeilage 6) ein. D. In der innert erstreckter Frist eingereichten Vernehmlassung vom 30. Ja- nuar 2023 beantragt die Vorinstanz, die Beschwerde sei abzuweisen, mit der Begründung, dass die Beschwerdeführerin nicht hinreichend nachge- wiesen habe, dass sie im Anerkennungsstaat und/oder in der Schweiz während mindestens drei Jahren innerhalb der letzten fünf Jahre tatsäch- lich und ununterbrochen in einem Vollzeitpensum im entsprechenden Me- dizinalberuf tätig gewesen war. E. Mit Replik vom 19. Februar 2024 nimmt die Beschwerdeführerin erneut Stellung und hält an ihren Rechtsbegehren fest. Sie argumentiert weiterhin, B-5900/2023 Seite 4 aus dem eingereichten Arbeitsvertrag gehe hervor, dass sie insgesamt drei Jahre und zweieinhalb Monate in Deutschland als Zahnärztin gearbeitet habe. Neu reicht sie zusätzlich eine Grenzgängerkarte ein, aus der ersicht- lich sei, dass sie als Assistenzzahnärztin zu einem Vollzeitpensum ange- stellt gewesen sei (Replik, S. 4). Weiter reicht sie als zweite Beilage die Bestätigung einer Zahnarztpraxis in (…) ein, die bescheinigt, dass die Be- schwerdeführerin seit dem 1. April 2023 in Vollzeit als Zahnärztin beschäf- tigt sei. F. Mit Schreiben vom 13. März 2024 verzichtet die Vorinstanz auf die Einrei- chung einer Duplik. G. Mit Instruktionsverfügung vom 14. März 2024 wurde daraufhin der Schrif- tenwechsel geschlossen. H. Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel der Parteien wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig (Art. 31 f. sowie Art. 33 Bst. f des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Juni 2005 [Verwaltungsge- richtsgesetz, VGG; SR 173.32]). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen Verfüg ung zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021]), hat den einver- langten Kostenvorschuss bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG) und die Be- schwerde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 sowie 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. B-5900/2023 Seite 5 2. 2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet- zung von Bundesrecht (einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermesse ns), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit der ange- fochtenen Verfügung gerügt werden (Art. 49 VwVG). 2.2 Die Vorinstanz verfügt bei der Anerkennung einer ausländischen Aus- bildung und der d amit möglicherweise verbundenen Anordnung von Aus- gleichsmassnahmen über besonderes Fachwissen. Sie vermag diese da- her sachgerechter zu beurteilen als das Bundesverwaltungsgericht. Inso- fern ist der Vorinstanz ein Ermessens - und Beurteilungsspielraum zu be- lassen, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte ge- prüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durch- geführt hat. Das Bundesverwaltungsgericht weicht nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab. Es korrigiert nur unangemessene Entschei- dungen, überlässt aber der Vorinstanz die Wahl unter mehreren angemes- senen Lösungen (vgl. BGE 133 II 35 E. 3; 131 II 680 E. 2.3.2; Urteil des BVGer B -4821/2023 vom 8. März 2024 E. 2; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER/MARTIN KAYSER, Prozessieren vor dem Bun- desverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 2.154). 3. 3.1 Das Bundesgesetz vom 23. Juni 2006 über die universitären Medizi- nalberufe (Medizinalberufegesetz, MedBG; SR 811.11) fördert im Interesse der öffentlichen Gesundheit die Qualität der universitären Ausbildung, der beruflichen Weiterbildung und der Fortbildung sowie der Berufsausübung der Fachpersonen im Bereich der Humanmedizin, der Zahnmedizin, der Chiropraktik, der Pharmazie und der Veterinärmedizin (Art. 1 Abs. 1 MedBG). Zu diesem Zweck umschreibt es unter anderem die Vorausset- zungen für die Anerkennung ausländischer Diplome und Weiterbildungs- titel (Art. 1 Abs. 3 Bst. d MedBG). 3.2 Gemäss Art. 15 Abs. 1 MedBG werden ausländische Diplome nur an- erkannt, sofern deren Gleichwertigkeit mit einem eidgenössischen Diplom in einem Vertrag über die gegenseitige Anerkennung mit dem betreffenden Staat vorgesehen ist. Für die Anerkennung zuständig ist die Medizinalbe- rufekommission (Art. 15 Abs. 3 MedBG). B-5900/2023 Seite 6 3.3 Als Vertrag im Sinne von Art. 15 Abs. 1 MedBG gilt namentlich das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Ge- meinschaft sowie ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, FZA, SR 0.142.112.681). Die Schweiz hat sich in Anhang III verpflichtet, Diplome, Zeugnisse und sonstige Befähigungs- nachweise gemäss den darin für anwendbar erklärten Rechtsakten der EU anzuerkennen. Zu diesen Rechtsakten g ehört die Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (ABl. L 255/22 vom 30.9.2005; hiernach: Richtlinie 2005/36/EG), welche mit Beschluss Nr. 2/2011 vom 30. September 2011 des Gemischten Ausschusses für die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen (AS 2011 4859 ff.) für anwendbar erklärt wurde (vgl. dazu Urteil des BGer 2C_472/2017 vom 7. Dezem- ber 2017 E. 2.2.1 f.; Urteile des BVGer B-6082/2020 vom 12. Oktober 2021 E. 2.1; B-5372/2015 vom 4. April 2017 E. 5.3 f. je m.H.). 3.4 Die Richtlinie 2005/36/EG sieht nebst der direkten Anerkennung für alle Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates, welche einen reglementierten Beruf in einem anderen Mitgliedstaat als dem, in dem sie ihre Berufsqualifikationen erworben haben, ausüben wollen (Art. 2 Abs. 1) zusätzlich die Möglichkeit der indirekten Anerkennung (Anerkennung der Anerkennung) vor (Art. 2 Abs. 2) . Jeder Mitgliedstaat kann demnach in seinem Hoheitsgebiet nach Massgabe seiner Vorschriften den Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten, die eine Berufsqualifikation vorweisen können, die nicht in einem Mitgliedstaat erworben wurde, die Ausübung eines reglementierten Berufs gestatten. Anerkennt demnach ein Vertragsstaat ein Drittstaatendiplom (erworben ausserhalb EU/EFTA), kann die Schweiz diese Anerkennung anerkennen, sofern der erste Mitgliedstaat (d.h. der Vertragsstaat der Schweiz) gemäss Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie 2005/36/EG bescheinigt, dass die in der Richtlinie 2005/36/EG festgelegten Mindestanforderungen an die Ausbildung erfüllt sind (für das Zahnarztdiplom verweist Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie 2005/36/EG auf die in Art. 34 und 36 erwähnten Mindestanforderungen). Die Mitgliedstaaten sind zwar im Sinne des Grundsatzes der Nichtdiskriminierung und der Personenfreizügigkeit der Bürger aus EU - Mitgliedstaaten grundsätzlich verpflichtet, eine zuvor in der EU anerkannte Qualifikation aus einem Drittstaat an zuerkennen (ANDREAS TH. MÜLLER/JANINE PRANTL, Europarecht: Schweiz – Europäische Union, in: Swiss Review of International and European Law, 2023, S. 342; B-5900/2023 Seite 7 BERTHOUD, a.a.O., S. 31 f. und 105; NINA GAMMENTHALER, Anerkennung von Pflegefachdiplomen, in: Pflegerecht 2012, S. 29 f. und 33). Allerdings kann jeder Mitgliedstaat bei der Beurteilung einer indirekten Anerkennung, selbst die Modalitäten und Anforderungen umschreiben, die an den Nachweis der im Erstanerkennungsstaat gemachten beruflichen Erfahrung gestellt werden (BERTHOUD, a.a.O., S. 105). Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist bei einer in- direkten Anerkennung nicht die in einem Mitgliedstaat ausgestellte «Aner- kennungsurkunde» sondern das (Ursprungs-)Diplom aus dem Drittstaat Anfechtungsobjekt ( Urteile des BVGer B -4639/2021 vom 8. Septem- ber 2022 E. 5.2.2 sowie B-6186/2020 vom 26. August 2021 E. 3.3.4). Damit fällt eine automatische Anerkennung auf der Grundlage des sektoralen An- erkennungssystems (Art. 21 ff. der Richtlinie 2005/36/EG) von vornherein ausser Betracht, da im Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG keine Drittstaa- tendiplome figurieren. Es gelangen die Regeln über die allgemeine Aner- kennung von Ausbildungsnachweisen (Art. 10 ff. der Richtlinie 2005/36/EG) zur Anwendung (vgl. Art. 10 Bst. g der Richtlinie 2005/36/EG; Urteil des BVGer B-6186/2020 vom 26. August 2021 E. 3.3.4; BERTHOUD, a.a.O., S. 104 ff.; GAMMENTHALER, a.a.O., S. 154 f.). 3.5 Die Anwendbarkeit der Richtlinie 2005/36/EG setzt zudem eine Berufs- qualifikation im Sinn von deren Art. 3 Abs. 1 Bst. b voraus. Dazu zählen in erster Linie «Ausbildungsnachweise» in der Form von Diplomen, Prüfungs- zeugnissen und sonstigen Befähigungsnachweisen, die von einer Behörde eines Mitgliedstaates, die entsprechend dessen Rechts- und Verwaltungs- vorschriften benannt wurde, für den Abschluss einer überwiegend im Ge- biet der Mitgliedstaaten absolvierten Berufsausbildung ausgestellt worden sind (Art. 3 Abs. 1 Bst. c der Richtlinie 2005/36/EG). Einem Ausbildungs- nachweis in diesem Sinn gleichgestellt ist nach Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36/EG jeder in einem Drittstaat ausgestellte Ausbildungsnachweis, sofern sein Inhaber in dem betreffenden Beruf drei Jahre Berufserfahrung im Hoheitsgebiet des Mitgliedstaates, der diesen Ausbildungsnachweis be- reits (nach innerstaatlichem Recht; Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie 2005/36/EG) anerkannt hat, besitzt und dieser Mitgliedstaat diese Berufserfahrung be- scheinigt. Insofern unterliegen (von Staatsangehörigen eines Mitgliedstaa- tes erworbene) Drittstaatsdiplome nur dann den Anerkennungsregeln der Richtlinie, wenn die zusätzlichen Voraussetzungen der vorgängigen Aner- kennung durch einen Mitgliedstaat sowie der nachgewiesenen Berufser- fahrung von mindestens drei Jahren im entsprechenden Mitgl iedstaat er- füllt sind (Urteil e des BVGer B -6186/2020 vom 26. August 2021 E. 2.3.1 B-5900/2023 Seite 8 und B-4639/2021 vom 8. September 2022 E. 3.4 ; vgl. NINA GAMMENTHA- LER, Diplomanerkennung und Freizügigkeit, 2010, S. 150 sowie 155 f. m.w.H.). Der Begriff der Berufserfahrung wird in Art. 3 Abs. 1 lit. f der Richt- linie 2005/36/EG definiert als die «tatsächliche und rechtmässige Aus- übung des betreffenden Berufs in einem Mitgliedstaat». 3.6 Zusammenfassend kann eine indirekte Diplomanerkennung gestützt auf das FZA und die Richtlinie 2005/36/EG geprüft werden, wenn die ge- suchstellende Person - oder ihr/e Ehepartner/in die Staatsangehörigkeit der Schweiz oder ei- nes Vertragsstaates (EU/EFTA) besitzt (Art. 1 FZA sowie Art. 2 Richtli- nie 2005/36/EG); - im Anerkennungsstaat uneingeschränkt mit denselben Rechten zur Be- rufsausübung berechtigt ist, wie Personen, die im Anerkennungsstaat die gesamte Ausbildung absolviert und das in der Richtlinie enthaltene Diplom erworben haben. Gemäss Artikel 2 Absatz 2 der Richtlinie 2005/36/EG muss die erste Anerkennung in Beachtung der Minimalan- forderungen an die Ausbildung der Richtlinie erfolgt sein; und - im Anerkennungsstaat und/oder in der Schweiz eine aktuelle (d.h. nicht länger als 5 Jahre zurückliegende) klinische Berufserfahrung von min- destens 3 Jahren erworben hat (Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36/EG). Diese Bedingungen müssen kumulativ erfüllt sein, damit ein Gesuch um indirekte Diplomanerkennung erfolgreich sein kann (vgl. FRÉDÉRIC BERT- HOUD, La reconnaissance des qualifications professionnelles, Union euro- péenne et Suisse - Union européenne, 2016, S. 104 f.). 3.7 In verfahrensrechtlicher Hinsicht richtet sich das Verfahren um indirekte Diplomanerkennung nach den Bestimmungen des VwVG . N ach Art. 12 VwVG gilt im Verwaltungsverfahren des Bundes der Untersu- chungsgrundsatz, wonach es Sache der Behörde ist, den Sachverhalt fest- zustellen. In diesem Sinne wird auch die Diplomanerkennung vom Unter- suchungsgrundsatz beherrscht (vgl. BERTHOUD, a.a.O., S. 349 f.). In einem Verfahren, das die Partei durch ihr Begehren (Gesuch) einleitet, ist diese jedoch aufgrund von Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, für die Abklä- rung nützliche Informationen beizubringen. Insofern trifft die Beschwerde- führerin im vorliegenden Gesuch sverfahren eine erhöhte Mitwirkungs- pflicht. Allerdings hat die Behörde die Partei darüber aufzuklären, worin die B-5900/2023 Seite 9 Mitwirkungspflicht besteht und welche Tragweite ihr zukommt. Sind be- stimmte Tatsachen der Behörde nicht oder nur schwerlich zugänglich, ge- bieten auch Treu und Glauben der Partei, der Behörde die ersuchten Aus- künfte über einschlägige Tatsachen zu erteilen (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2 f., mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 2C_388/2008 vom 16. Dezember 2008 E. 4.1; BGE 130 II 449 E. 6.6.1; Urteile des BVGer B-4821/2023 vom 8. März 2024 E. 3.7; B -2923/2020 vom 17. März 2022 E. 4.2.3; PATRICK L. KRAUSKOPF/MARKUS WYSSLING, in: Bernhard Wald- mann/Patrick L. Krauskopf [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 3. Aufl., Zü- rich 2023, Art. 12 N 15 ff. und N 51 ff. ). Untersuchungsgrundsatz und Mit- wirkungspflicht ändern hingegen an der Beweislast nichts, wonach grund- sätzlich diejenige Partei die Folgen der Beweislosigkeit eines Sachum- stands zu tragen hat, die daraus Vorteile ableitet (vgl. Urteil des Bundes- gerichts 2 C_388/2008 vom 16. Dezember 2008 E. 4.1, mit Verweis auf BGE 130 II 465 E. 6.6.1; Urteil des BVGer B-2705/2010 vom 28. Septem- ber 2010 E. 3.3). 4. 4.1 Vorliegend ersucht die Beschwerdeführerin um Anerkennung ihres am 29. Mai 2011 in (…) (Republik Serbien) erworbenen und per 15. Juli 2019 in Deutschland anerkannten Zahnarztdiploms . Im rechtlichen Sinne han- delt es sich hierbei um ein Gesuch auf indirekte Anerkennung in der Schweiz eines in einem Vertragsstaat (Deutschland) gestützt auf die Richt- linie 2005/36/EG anerkannten Drittstaatendiploms. Es ist folglich zu prüfen, ob die drei erforderlichen Bedingungen kumulativ erfüllt sind (vgl. E. 3.6). 4.2 In Bezug auf das Kriterium der Nationalität ist die Beschwerdeführerin gemäss dem Pass Nr. (…) serbische Staatsangehörige (vi-act. 7). Gemäss dem am 3. März 2023 in (…) [Schweiz] ausgestellten Auszug aus dem Eheregister ist sie mit einem in (…) [Schweiz] heimatberechtigten Schwei- zerischen Staatsbürger verheiratet (vi-act. 10-13). Gemäss Schreiben der Einwohnergemeinde (…) hat die Beschwerdeführerin zudem mit rechts- kräftig gewordenem Entscheid am 16. September 2023 die schweizerische Staatsbürgerschaft erworben (Beschwerdebeilage 7). Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin das Kriterium der Natio- nalität der gesuchstellenden Person bzw. dessen/deren Ehepartner/in ge- mäss Art. 1 FZA und Art. 2 der Richtlinie 2005/36/EG erfüllt und nachweist (angefochtene Verfügung vom 26. September 2023 , Ziff. 5; Vernehmlas- sung, S. 3). B-5900/2023 Seite 10 4.3 Hinsichtlich der von Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie 2005/36/EG geforderten Bescheinigung über die im Vertragsstaat der Schweiz erfolgten Erstaner- kennung weist die Beschwerdeführerin nach, dass ihr am 29. Mai 2011 in (…) (Republik Serbien) erworbenes Zahnarztdiplom gemäss der am 15. Oktober 2019 vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ausgestellten EU-Richtlinienkonformitätsbeschei- nigung in Deutschland formell erstmals anerkannt wurde. Im Rahmen der Prüfung wurde bestätigt, dass das serbische Diplom den Mindestanforde- rungen nach Art. 34 der Richtlinie 2005/36/EG entspricht (vi-act. 15-17). Damit ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin auch das Kriterium der Bescheinigung über die im Vertragsstaat der Schweiz erfolgten Erstaner- kennung gemäss Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie 2005/36/EG erfüllt und nach- weist (angefochtene Verfügung vom 26. September 2023, Ziff. 5; Vernehm- lassung, S. 3). 4.4 Betreffend den gemäss Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36/EG gefor- derten Nachweis über die aktuelle klinische Berufserfahrung im Anerken- nungsstaat und/oder in der Schweiz reichte die Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz eine am 12. Januar 2023 von der Zahnarztpraxis Y._______ ausgestellte Bestätigung über das Bestehen eines Arbeitsvertrags als Zahnärztin in Vollzeit zwischen dem 3. Juni 2019 und 15. August 2022 ein (vi-act. 19; hiernach: Bestätigung vom 12. Januar 2023). 4.4.1 Die Vorinstanz beanstandet, aus der B estätigung vom 12. Ja- nuar 2023 gehe nicht hervor, ob in dem genannten Zeitraum tatsächlich eine Tätigkeit als Zahnärztin ausge übt wurde, weshalb sie die Beschwer- deführerin mehrfach aufforderte, eine explizite Bescheinigung über die tat- sächliche Ausübung der Tätigkeit (Dauer und Funktion) nachzureichen (an- gefochtene Verfügung vom 26. September 2023, Ziff. 6; Vernehmlassung, S. 4). 4.4.2 Die Beschwerdeführerin beharrt darauf, alle für die indirekte Anerken- nung ihres Zahnarztdiploms notwendigen Unterlagen eingereicht zu haben (Beschwerde, Ziff. 2 ff.). Insbesondere habe sie mit der Einreichung der Bestätigung vom 12. Januar 2023 über das Bestehen eines Arbeitsvertrags als Zahnärztin in Vollzeit zwischen dem 3. Juni 2019 und 15. August 2022 (vi-act. 19) nachgewiesen, dass sie während dieser Zeit als Zahnärztin zu einem Vollzeitpensum in der Zahnarztpraxis Y._______ angestellt gewesen sei (Beschwerde, Ziff. 4; Replik, S. 2), was den Anforderungen des Antrags- formulars «indirekte Anerkennung Diplom» entspreche (Beschwerde, Ziff. B-5900/2023 Seite 11 5; vi-act. 4). Es könne nicht nachvollzogen werden und müsse fast als will- kürlich betrachtet werden, dass die Vorinstanz auf ein detailliertes Arbeits- zeugnis bestehe (Beschwerde, Ziff. 6). Hätte sie ihre gesamthaft etwas län- ger als drei Jahre dauernde Arbeitstätigkeit für längere Zeit unterbrochen, hätte dies die Zahnarztpraxis entsprechend in der Arbeitsbestätigung ver- merkt. Die Vorinstanz stelle somit in den Raum, dass Y ._______ keine wahrheitsgemässe Arbeitsbestätigung ausgestellt habe. Zu dieser An- nahme gebe es jedoch keinen Anlass (Beschwerde, Ziff. 6; Replik, S. 2 f.). Auch sei die Zahnarztpraxis Y ._______ während der Corona-Pandemie im- mer und zu jeder Zeit geöffnet gewesen (Beschwerde, Ziff. 7). Beiliegend zu ihrer Beschwerde vom 27. Oktober 2023 reicht die Be- schwerdeführerin zusätzlich eine Kopie ihres am 2. Juni 2019 unterzeich- neten und als «Anstellungsvertrag für Assistenzzahnärzte» betitelten Ar- beitsvertrags ein (Beschwerdebeilage 5). Weiter reicht die Beschwerdefüh- rerin mit ihrer Beschwerde eine am 9. September 2019 ausgestellte Be- scheinigung des Bundeszentralamts für Steuern ein (Beschwerdebei- lage 6). Beiliegend zu ihrer Replik vom 19. Februar 2024 reicht sie zusätz- lich ihre am 18. April 2019 durch das Fachamt Einwohnerwesen der Stadt (…) [Deutschland] ausgestellte Grenzgängerkarte ein (Replikbeilage 1). 4.4.3 Die Vorinstanz entgegnet, aus der Bestätigung vom 12. Januar 2023 gehe nicht hervor, ob in dem genannten Zeitraum tatsächlich eine Tätigkeit als Zahnärztin ausgeübt worden sei, weshalb sie mehrmals eine explizite Bescheinigung über die tatsächliche Ausübung der Tätigkeit nachgefordert habe (Vernehmlassung, S. 4). Sie prüfe im Rahmen sämtlicher Gesuche um indirekte Anerkennung eines Diploms mittels expliziter Nachweise – beispielsweise in Form von detaillierten Arbeitszeugnissen oder auch in Form von kürzeren, jedoch expliziten Arbeitsbestätigungen – ob die in Frage stehende Tätigkeit tatsächlich ausgeübt wurde beziehungsweise all- fällige Unterbrüche existierten (Vernehmlassung, S. 4). Der von der Be- schwerdeführerin eingereichte Anstellungsvertrag vom 2. Juni 2019 (Be- schwerdebeilage 5) sowie die am 9. September 2019 ausgestellte Be- scheinigung des Bundeszentralamts für Steuern (Beschwerd ebeilage 6), welche ausschliesslich eine steuerliche Identifikationsnummer ausweise, seien beide kurz vor beziehungsweise rund drei Monate nach dem Beginn der Laufzeit des Arbeitsvertrags (ab dem 3. Juni 2019) ausgestellt worden und könnten demnach nicht als qualifizierte Nachweise der tatsächlichen Ausübung einer Tätigkeit zwischen Juni 2019 und August 2022 herange- zogen werden (Vernehmlassung, S. 4). Zudem habe sie der Beschwerde- führerin mehrfach angeboten, alternativ zur Einreichung einer vom B-5900/2023 Seite 12 früheren Arbeitgeber ausgestellten, expliziten Tätigkeitsbescheinigung eine Bescheinigung der kassenärztlichen Vereinigung oder Landeszahn- ärztekammer über die t atsächlich ausgeübte Tätigkeit in der Praxis Y. _______ einzureichen. Die Beschwerdeführerin habe hierzu jedoch nie Stellung genommen bzw. keine entsprechende Bescheinigung der ge- nannten Behörde(n) nachgereicht (Vernehmlassung, S. 5). 4.4.4 Umstritten ist vorliegend, ob die von Y . _______ ausgestellte Bestä- tigung vom 12. Januar 2023 für den verlangten Nachweis der klinischen Berufserfahrung genügt. Sie lautet im Wortlaut wie folgt: «Hiermit bestätige ich, das[s] zwischen mir und X. _______ geb. (…), ein Arbeitsvertrag vom 03.06.2019 bis zum 15 08.2022, als Zahnärztin in Vollzeit bestand.» 4.4.5 Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36/EG fordert den Nachweis einer mindestens dreijährigen Berufserfahrung, wobei gemäss Art. 3 Abs. 1 Bst. f. Berufserfahrung als die tatsächlic he und rechtmässige Ausübung des betreffenden Berufs in einem Mitgliedsstaat definiert wird. R echtmäs- sige Ausübung bezieht sich insbesondere auf das Fehlen eines Berufsver- bots oder sonstigen rechtlichen Hindernisses für die Ausübung des rele- vanten Berufs (GAMMENTHALER, a.a.O., S. 154). Die Richtlinie 2005/36/EG spezifiziert nicht, mit welchen Dokumenten die Gesuchstellerin die gefor- derte Berufserfahrung nachzuweisen hat (vgl. E. 3.4 f.). Um die tatsächli- che Berufserfahrung auszuweisen, muss der Nachweis jedoch relevant sein und insbesondere hinreichend genau angeben, welche Tätigkeiten ausgeübt wurden (BERTHOUD, a.a.O., S. 96). Gemäss Antragsformular der Vorinstanz für die indirekte Anerkennung von Diplomen, das auf der Webseite des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) aufgeschaltet und allgemein zugänglich ist (vi-act. 1-6; vgl. auch Internet- seite «https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/berufe-im- gesundheitswesen/auslaendische-abschluesse-gesundheitsberufe/weiter- bildungstitel-der-medizinalberufe-ausserhalb-eu-efta/indirekte-anerken- nung-weiterbildungstitel.html») wird in Bezug auf den Nachweis der Ar- beitstätigkeit eine Kopie der Arbeitsbestätigungen mit Originalbeglaubigun- gen verlangt, die Beginn und Ende der Tätigkeit, die ausgeübte Funktion und den Beschäftigungsgrad enthalten (vgl. vi-act. 4). Auf der erwähnten Internetseite des BAG zur indirekten Anerkennung von Weiterbildungstiteln der Medizinalberufe ausserhalb der EU/EFTA wird al- lerdings unter der Rubrik «Voraussetzungen für die Anerkennung» darauf B-5900/2023 Seite 13 hingewiesen, dass die Einforderung weiterer Unterlagen ausdrücklich vor- behalten bleibe. Ausgehend von Art. 3 Abs. 1 Bst. f der Richtlinie 2005/36/EG darf die Vor- instanz den Nachweis einer tatsächlichen Berufsausübung verlangen. Auch unter Berücksichtigung, dass die indirekte Anerkennung ein Zahn- arztdiplom aus einem Drittstaat betrifft, mithin, dass es um die Möglichkeit der Berufsausübung in einem gesundheitspolizeilich relevanten Bereich geht, ist es rechtens, und nicht willkürlich oder überspitzt formalistisch, wenn die Vorinstanz, von der gesuchstellenden Person den Nachweis ei- ner entsprechenden tatsächlichen klinischen Erfahrung im Sinne einer tat- sächlich ausgeübten Tätigkeit verlangt und sich nicht mit einer Bestätigung lediglich über die Existenz des Arbeitsvertrages mit Angabe der Vertrags- dauer zufrieden gibt. Die Bestätigung von Y. _______ enthält keine relevante Information, wel- che nicht bereits aus dem ebenfalls eingereichten Arbeitsvertrag hervor- geht. Ausgehend vom Wortlaut der in casu abgegebenen Bestätigung muss davon ausgegangen werden, dass allfällige längere Unterbrüche der zu bescheinigenden Arbeitstätigkeit nicht zum Ausdruck kommen würden. Im Übrigen stimmt die Bezeichnung der ausgeübten Tätigkeit als Zahnärz- tin nicht mit dem als «Anstellungsvertrag für Assistenzzahnärzte» betitelten Arbeitsvertrag überein (vgl. oben, E. 4.4.2). Da die Vorinstanz im Rahmen der Vernehmlassung davon auszugehen scheint (Ziff. 4.1 S. 3), dass im Bereich der Zahnmedizin mindestens Tätigkeiten als Assistenzzahnärz tin unter fachlicher Aufsicht als relevante Berufspraxis gelten, wird im Folgen- den nicht näher darauf eingegangen, ob die Beschwerdeführerin in der Funktion als Zahnärztin oder Assistenzzahnärztin tätig war. Immerhin wirft die Unklarheit über die tatsächli ch ausgeübte Tätigkeit der Beschwerde- führerin grundsätzliche Zweifel auf, ob die Be stätigung vom 12. Ja- nuar 2023 hinreichend präzise und ausführlich formuliert wurde. Mit anderen Worten ist der Einwand der Vorinstanz, wonach sich der Wort- laut der vorgelegten Bestätigung, die sich auf den Arbeitsvertrag und nicht die effektive Dauer und die tatsächlich geleistete Tätigkeit beziehe, nach- vollziehbar. Dabei geht es entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht um ein unbegründetes Misstrauen ihr gegenüber, sondern vielmehr um einen korrekten und vollständigen Nachweis der klinischen Berufser- fahrung, welcher bereits aus Rechtsgleichheitsgründen minimalen Anfor- derungen zu genügen hat. Vor diesem Hintergrund erscheint es rechtens, dass die Vorinstanz über die reine Angabe der Vertragsdauer hinaus eine B-5900/2023 Seite 14 explizite Bestätigung über die (zeitlich und inhaltlich) tatsächlich ausgeübte Tätigkeit verlangt. 4.5 Die Vorinstanz behauptet, dass sie jeweils unter anderem «mittels ex- pliziter Nachweise» prüfe, ob die in Frage stehende Tätigkeit tatsächlich ausgeübt wurde bzw. ob allfällige Unterbrüc he existierten (ausführlich in Ziff. 4.1.3.1 der Vernehmlassung). Indem die Vorinstanz von der Beschwer- deführerin einen expliziten Nachweis der Arbeitstät igkeit bspw. «in Form von detaillierten Arbeitszeugnissen oder auch in Form von kürzeren, je- doch expliziten Arbeitsbetätigung en» einfordert, aus de nen hervorgeht, «dass die in Frage stehende Tätigkeit tatsächlich ausgeübt wurde bzw. all- fällige Unterbrüche (bspw. infolge Krankheit, Unfall, unbezahltem Urlaub, Sabbatical, Mutterschaftsurlaub, Elternzeit, Berufsverbot, Militärdienst bzw. zivilem Einsatz) existierten» (vgl. Vernehmlassung S. 4, angefochtene Verfügung Ziff. 6.1 und 6.2; vgl. oben, E. 4.4 und 4.4.3), geht sie über die im Antragsformular erwähnten Anforderungen an den Nachweis der Ar- beitstätigkeit hinaus. Gemäss diesem Formular wird wie erwähnt lediglich eine beglaubigte Kopie der Arbeitsbestätigungen mit Angabe von Beginn und Ende der Tätigkeit sowie der ausgeübten Funktion mit Beschäftigungs- grad verlangt. Angesichts dieser Formulierung würde die Vorlage allein des Arbeitsvertrages selbst bzw. einer Bestätigung der Existenz dieses Vertra- ges mit Angabe der Vertragsdauer, der Funktion und des Beschäftigungs- grades die im Formular genannten Anforderungen mit Ausnahme des Um- standes, dass statt von einer Arbeitsbestätigung von der Bestätigung eines Vertrages die Rede ist, erfüllen. Nachdem die Vorinstanz in der angefoch- tenen Verfügung und ihren Rechtsschriften jedoch verlangt, dass die Ar- beitsbestätigung sowohl inhaltlich als auch zeitlich detailliertere Auskunft über die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit gibt, ist nicht davon auszugehen, dass sie die eingereichte Bestätigung anerkannt hätte, wenn die Bestäti- gung, mit im Übrigen gleiche m Wortlaut, die Arbeitszeit statt nur die Ver- tragsdauer zum Gegenstand gehabt hätte und so alle im Formular genann- ten Elemente berücksichtigen würde. Die Tatsache, dass das Antragsformular diesbezüglich unklar oder unvoll- ständig ist, kann aber daran nichts ändern, dass es vor de m Hintergrund der Europäischen Richtlinie rechtens ist, im Hinblick auf die geforderte Be- rufserfahrung mehr als eine reine Bestätigung der Vertragsdauer zu ver- langen. Die Diskrepanz zwischen der von der Vorinstanz geltend gemach- ten Praxis und dem im Vergle ich dazu unvollständig erscheinenden An- tragsformular könnte allenfalls Zweifel darüber wecken, ob die Vorinstanz ihre behauptete Praxis auch tatsächlich lebt. Ihre Vorbringen lassen B-5900/2023 Seite 15 diesbezüglich aber immerhin erkennen, dass sie jedenfalls (auch) in Zu- kunft diesen Nachweis der «tatsächlich ausgeübten Tätigkeit» in jedem Einzelfall effektiv verlangen wird, womit dem Rechtsgleichheitsgebot Rech- nung getragen wird. 4.5.1 Es ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass das Schreiben von Y. _______ vom 12. Januar 2023 ausschliesslich bestätigt, dass zwischen Y. _______ und der Beschwerdeführerin vom 3. Juni 2019 bis zum 15. Au- gust 2022 ein Arbeitsvertrag über eine Vollzeitanstellung als Zahnärztin be- standen habe. Es ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass aus dem Wortlaut nicht ohne weiteres darauf geschlossen werden darf, dass die Beschwer- deführerin während der gesamten Vertragslaufzeit ohne nennenswerte Un- terbrüche in der Funktion als (Assistenz-)Zahnärztin in allen klinisch rele- vanten Bereichen tatsächlich tätig war. 4.5.2 Vor diesem Hintergrund liegt es im Ermessen der Vorinstanz und ist nicht überspitzt formalistisch, wenn sie sich mit der Bestätigung von Y. _______ vom 12. Januar 2023 mit der schlichten Angabe der Vertrags- dauer, Funktion und Beschäftigungsgrad nich t zufriedengab und von der Beschwerdeführerin einen zusätzlichen Nachweis über ihre effektive Be- schäftigungsdauer und die tatsächlich ausgeübte Arbeitstätigkeit als Zahn- ärztin in Deutschland einverlangt (vgl. E. 2.2). In diesem Sinne forderte die Vorinstanz die Beschwerdeführerin mehrfach auf, einen expliziten Nach- weis bspw. in Form eines detaillierten Arbeitszeugnisses oder auch in Form einer kürzeren, jedoch expliziten Arbeitsbestätigung einzureichen, aus der explizit hervorgeht, dass die in Frage stehende Tätigkeit (mindestens auf der Stufe Assistenzzahnärztin) ohne Unterbrüche ausgeführ t wurde (vgl. Schreiben vom 13. März 2023 [vi-act. 23]; Schreiben vom 2. Mai 2023 [vi- act. 28]; Schreiben vom 26. Juni 2023 [vi-act. 33]; angefochtener Entscheid vom 26. September 2023 [Beschwerdebeilage 2]; Vernehmlassung, S. 4). Zudem bot die Vorinstanz der Beschwerdeführerin an, alternativ eine Be- scheinigung der kassenzahnärztlichen Vereinigung oder der Landeszahn- ärztekammer über die Dauer und die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit als (Assistenz-)Zahnärztin in der Praxis Y. _______ in (…) [Deutschland] ein- zureichen (Vernehmlassung, S. 5). 4.5.3 Nach dem Gesagten stellt sich die Beschwerdeführerin zu Unrecht auf den Standpunkt, dass die vorgelegte Bestätigung von Y . _______ für die indirekte Anerkennung ihres serbischen Zahnarztdiplomes ausreicht. Trotz mehrfacher Aufforderung seitens der Vorinstanz, erbringt die Be- schwerdeführerin im Nachgang keinen Nachweis über die effektiv B-5900/2023 Seite 16 ausgeübte Arbeitstätigkeit sowie deren Dauer. Der neben der eingereich- ten Bestätigung Y. _______ mit der Beschwerde vom 27. Oktober 2023 eingereichte Arbeitsvertrag vom 2. Juni 2019 (Beschwerdebeilage 5) sowie die am 9. September 2019 ausgestellte Bescheinigung des Bundeszent- ralamts für Steuern (Beschwerdebeilage 6) wurden zu Beginn des Arbeits- verhältnisses ausgestellt und können keine Information darüber liefern, ob die Beschwerdeführerin während des Arbeitsverhältnisses den Beruf als (Assistenz-)Zahnärztin tatsächlich und ohne Unterbrüche, das heisst über die ganze Vertragszeit effektiv ausübte. Die beiliegend zur Replik vom 19. Februar 2024 eingereichte Grenzgän- gerkarte (Replikbeilage 1) enthält keine zusätzlichen Erkenntnisse in Be- zug auf die Dauer der Arbeitstätigkeit und bezeichnet die auszuübende Tä- tigkeit mit «Assistenzzahnärztin» ohne weitere Angaben. 4.5.4 Selbst wenn die Beschwerdeführerin mangels Kooperation ihres ehemaligen Arbeitgebers, Y. _______ , die geforderte detaillierte Arbeitsbescheinigung über die effektive unterbruchlose, mindestens dreijährige Ausübung des Berufs als (Assistenz -)Zahnärztin nich t hätte einholen können, wären ihr alternative Möglichkeiten offen gestanden, den von der Vorinstanz verlangten Nachweis über die Arbeitstätigkeit auf andere Weise zu erbringen. Es fällt auf, dass sich die Beschwerdeführerin in ihren Rechtsschriften zum Al ternativvorschlag der Vorinstanz, eine Bescheinigung der kassenzahnärztlichen Vereinigung oder der Landeszahnärztekammer über die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit beizubringen, nicht äussert (vgl. hiervor E. 4.4.3), sondern sich lediglich auf den Standpunkt stellt, dass die vorgelegte Bestätigung Y. _______ für den Nachweis der klinischen Berufserfahrung genüge. Die Beschwerdeführerin könnte auch mittels Lohnabrechnungen oder Steuer auszügen oder anderen geeigneten Unterlagen nachweisen, dass sie ohne Unterbrüche denselben Lohn erwirtschaftete. 4.5.5 Zusammengefasst ist festzustellen, dass die Vorinstanz ihren Ermessens- und Beurteilungsspielraum nicht verletzt, wenn sie für den Nachweis der mindestens dreijährigen Arbeitstätigkeit auf näheren Angaben über die tatsächlich ausgeübte Funktion und die effektiv gearbeitete Anstellungsdauer besteht. Die Beschwerdeführerin kommt ihren erweiterten Mitwirkungspflichten als Gesuchstellerin im Antragsverfahren mangels hinreichender Kooperation nicht nach (vgl. E. 3.7). Weder äussert sie sich zum Alternativvorschlag der Vorinstanz noch schlug sie der Vorinstanz weitere alternative Nachweismöglichkeiten B-5900/2023 Seite 17 der mindestens dreijährigen Arbeitstätigkeit vor. Unzureichend Aufschluss gibt in diesem Zusammenhang auch ihre Begründung, dass und weshalb Y. _______ keine weitergehende Bestätigung ausstellen will. Das Bundesverwaltungsgericht kann nicht für die Beschwerdeführerin entscheiden, welche der ihr zur Verfügung stehenden Beweismittel geeignet sind, um den geforderten Nachweis über die Berufserfahrung zu erbringen. Es kann auch nicht die Aufgabe des Bundesverwaltungsgerichts sein, konkret zu skizzieren, wie Y. _______ allenfalls zu einer weitergehenden Bestätigung angehalten werden könnte. Anzufügen bleibt, dass es der Beschwerdeführerin frei steht, das Gesuch um indirekte Anerkennung ihres Zahnarztdiploms erneut, aber mit einem entsprechenden konkreten Nachweis einer mindestens dreijährigen Arbeitserfahrung als (Assistenz -)Zahnärztin in Deutschland und/oder der Schweiz einzureichen. 5. Der angefochtene Entscheid vom 26. September 2023 ist nach dem Ge- sagten bundesrechtskonform und nicht zu beanstanden. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 6. 6.1 Entsprechend dem Verfahrensausgang gilt die Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren als unterliegend. Ih r sind die Verfah- renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Diese werden mit Blick auf den Verfahrensaufwand und die Schwierigkeit der Streitsache auf Fr. 1'200.– festgesetzt (Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 VGKE). Zu Gunsten der Beschwerdeführerin bleibt zu erwähnen, dass nachvoll- ziehbar erscheint, wenn sie im ersten Mo ment aufgrund der unvollständi- gen Vorgaben auf dem Antragsformular davon ausging, dass die einge- reichte Bestätigung von Y . _______ vom 12. Januar 2023 für den Nachweis der Berufserfahrung genügt. Zwar wirkt sich dieser Umstand nicht auf die Beurteilung aus, wonach es rechtens ist, dass die Vorinstanz mehr als eine reine Bestätigung über die Vertragsdauer verlangt. Es ist ihr aber zu emp- fehlen, im Antragsformular hierüber klar und vollständig zu informieren. Im Rahmen der Kostenverteilung kann berücksichtigt werden, dass das An- tragsformular auf indirekte Anerkennung eines Diploms in Bezug auf die einzureichenden Dokumente, namentlich in Bezug auf den Nachweis der B-5900/2023 Seite 18 tatsächlichen Ausübung des betreffenden Berufs in inhaltlich und zeitlicher Hinsicht, unklar bzw. unvollständig ist. Andererseits ist aufgrund der Einga- ben der Beschwerdeführerin nicht davon auszugehen, dass keine Be- schwerde erhoben worden wäre, wenn das Antragsformular in Bezug auf die tatsächlich gestellten Anforderungen an den Nachweis der beruflichen Erfahrung klarer bzw. vollständig formuliert gewesen wäre. Vor diesem Hin- tergrund rechtfertigt es sich, der Beschwerdeführerin die Gerichtsgebühr in Anwendung von Art. 6 Bs t. b VGKE in angemessen reduziertem Umfang von Fr. 1'000.– aufzuerlegen. Der Betrag ist dem geleiteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'200.– zu entnehmen. Der verbleibende Betrag von Fr. 200.– ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. 6.2 Ausgangsgemäss ist de r Beschwerdeführerin keine Parteientschädi- gung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). B-5900/2023 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 1'000.– werden der Beschwerde- führerin auferlegt. Sie werden dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'200.– entnommen. Der Restbetrag von Fr. 200.– wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf ein von ihr zu bezeichnendes Konto zurückerstattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz und das Eid- genössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF. Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Francesco Brentani Lydia Patrizia Buchser B-5900/2023 Seite 20 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne, Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angele- genheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist ge- wahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bun- desgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertre- tung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unter- schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 23. Juli 2024 B-5900/2023 Seite 21 Zustellung erfolgt an: – die Beschwerdeführerin (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde; Beilage: Rückerstattungsformular) – die Vorinstanz (Ref-Nr. [...]; Gerichtsurkunde) – das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und For- schung WBF (Gerichtsurkunde)