B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3341/2011 law/joc U r t e i l v o m 1 0. A p r i l 2 01 3 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch Mustafa Ates, Advokat, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Mai 2011 / N (…). D-3341/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine ethnische Kurdin alevitischen Glaubens, verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 18. Dezember 2010 und reiste am selben Tag auf dem Luftweg mit einem gültigen V i- sum in die Schweiz ein. B. Mit Schreiben vom 2. Februar 2011 wandte sich die damalige Rechtsve r- tretung der Beschwerdeführerin an das BFM und teilte diesem mit, dass ihre Mandantin in der Schweiz um Asyl ersuchen wolle und sich zu di e- sem Zweck am 3. Februar 2011 persönlich an das BFM respektive an das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Basel wenden werde. Sie sei krank und benötige zur Bewältigung ihres Alltages in zunehmendem Mass Unterstützung durch ihre Kinder. Deshalb werde darum ersucht, dass sie bei ihrer Toc hter B._______ in Basel wohnen dürfe und daher dem Kanton C._______ zugewiesen werde. Ihre Tochter sei bereit, die Mutter bei sich aufzunehmen. Ausserdem wurde darum gebeten, der B e- schwerdeführerin an der Anhörung im EVZ keine Fragen in Bezug auf i h- re beiden Söhne D._______ und E._______ zu stellen. Diese seien u m- gekommen und die Beschwerdeführerin habe davon noch keine Kenn t- nis. Dem Schreiben wurde n eine Kopie der Identitätskarte der Tochter und eine Kopie des Nüfüs der Beschwerdeführerin beigelegt. Am 3. Februar 2011 suchte die Beschwerdeführerin im EVZ Basel um Asyl nach. Dort wurde sie am 10. Februar 2011 zu ihrer Person und summarisch zum Reiseweg sowie zu den Gründen für das Verlassen i h- res Heimatlandes befragt. Die Beschwerdeführerin gab zu Protokoll, sie stamme aus F._______. Ihr Ehemann und ihre älteste Tochter seien in einem Zug bei G._______ in der Nähe von H._______ angezündet worden. Man habe sie umgebracht. Nach deren Tod habe sie bei ihrer Tochter B._______ in I._______ gelebt. Diese habe sich vor drei Jahren in die Schweiz begeben. Seither habe sie alleine in J._______ gelebt. Drei Tage vor der Ausreise ihrer Tochter sei sie in I._______ von den Behörden mitgenommen worden. Am Mittag ha- be man sie wieder laufen lassen. Man habe sie über den Weggang ihrer Kinder befragt. Ihre Kinder seien vor achtzehn Jahren von zu Hause weggegangen. Zwei davon seien nicht wieder zurückgekehrt. In J._______ sei sie in den letzten drei Jahren mindestens einmal im Monat von den Behörden nach dem Verbleib ihrer K inder befragt worden. Letzt-D-3341/2011 Seite 3 mals hätten sie die Behörden im Oktober 2010 aufgesucht. Sie habe e r- klärt, dass sie über den Verbleib ihrer Söhne D._______ und E._______, beides Mitglieder der PKK (Partiya Karkerên Kurdistan ; deutsch: Arbei- terpartei Kurdistans), nichts wisse und ihre drei übrigen Kinder im Au s- land leben würden. Einer ihrer Söhne lebe in der Schweiz. Die Tochter B._______ lebe mit ihrem Ehemann und den Kindern ebenfalls in der Schweiz. Ein Sohn lebe als anerkannter Flüchtling in K._______. Nicht nur mit den Behörden, sondern auch mit den Nachbarn und mit ihren e i- genen Familienangehörigen habe sie wegen ihrer Kinder respektive d e- ren Zugehörigkeit zur PKK Probleme gehabt. Der Kontakt zu ihren Br ü- dern sei abgebrochen. In der Türkei habe sie es allein e nicht mehr g e- schafft. Sie habe Herzprobleme, Rheuma und Magenbeschwerden. Den Rest ihres Lebens wolle sie mit ihren Kindern in der Schweiz verbringen. C. Mit Eingabe vom 23. Februar 2011 teilte die damalige Rechtsvertretung dem BFM mit, dass sie an der vo rgesehenen Anhörung der Beschwerde- führerin vom 4. Februar 2011 (recte: 4. März 2011) teilnehmen werde. Er- neut wurde darum gebeten, keine Fragen zum Tod der Söhne D._______ und E._______ zu stellen. Die Beschwerdeführerin sei immer noch nicht darüber informiert. D. Am 4. März 2011 hörte das BFM die Beschwerdeführerin einlässlich zu den Asylgründen an. Dabei führte sie ergänzend aus, ihre beiden im Aus- land lebenden Söhne habe sie erst nach siebzehn Jahren in der Schweiz wieder getroffen. Zwei weitere Söhne hielten sich seit achtzehn Jahren in den Bergen auf. Ihr ältester Sohn sei zwei Jahre im Gefängnis von L._______ gewesen. Ihre älteste Tochter sei wegen der "Rechts -Links- Sache" in einem Zug verbrannt worden. Nachdem ihr Mann und ihre Tochter verstorben seien, habe sie die Kinder nicht mehr in die öffentliche Schule schicken können. Sie hätten deshalb ein Internat besucht. Sie h a- be jahrelang mit ihrer Tochter B._______ in der Türkei zusammengelebt. Ihr Schwager sei selbs tständiger Elektriker. So seien sie durch gekom- men. Sie habe immer bei ihrer Tochter B._______ gewohnt, die vor zwei Jahren in die Schweiz ausgereist sei. Drei Tage vor deren Ausreise seien Leute von der Sicherheitsdirektion gekommen und hätten sie nach dem Verbleib ihrer Kinder gefragt. Sie habe geantwortet, dass sie keine Nac h- richt von ihnen habe. B._______ habe ihr vor deren Ausreise Geld gege- ben. Dieses habe zirka eineinhalb Jahre lang zum Leben gereicht. D a- nach habe sie von Freunden ihrer Tochter Geld erhalten. Ihre im Ausland D-3341/2011 Seite 4 lebenden Söhne hätten ihr ab und zu auch etwas Geld geschickt. Nac h- dem B._______ in die Schweiz gereist sei, sei sie ins Dorf J._______ zu- rückgekehrt. Sie sei krank geworden. Sie sei herzkrank, habe Rheuma, hohen Blutdruck, Magenbeschwerden. Sie habe sich nicht selber pflegen können. Sie habe keine Krankenversicherung, nichts. Zweimal sei sie ins staatliche Sanitätshaus gegangen. Dort habe sie Schmerztabletten erha l- ten. Sie nehme regelmässig Medikamente gegen Bluthochdruck, Mage n- schmerzen und sonst noch Tabletten gegen eine Krankheit ein, an die sich derzeit nicht erinnere. In J._______ habe sie nicht zum Arz t gehen können. Ein, zwei Wochen sei sie im Bett geblieben und habe dann ihre Tochter angerufen. Deren Kollege habe sie dann in I._______ medizi- nisch behandelt. Ein Chauffeur vom Dorf habe sie zum Busterminal g e- bracht und in I._______ sei sie vom Arzt abgeholt worden. Fünfzehn Tage sei sie dort geblieben. Der Arzt habe ihr mitgeteilt, dass sie am Herz op e- riert werden müsse. Sie habe gedacht, diese Operation wolle sie bei ihren Kindern machen lassen. Danach sei sie nicht mehr ins Dorf zurückg e- kehrt, sondern in die Schweiz gereist. Im Dorf habe sie keinen Kontakt gehabt. Die Leute hätten vor den "PKK-lern" Angst gehabt. Der Arzt in der Schweiz habe ihre gesundheitlichen Beschwerden bestätigt. Im Weiteren gab der Schwiegersohn der Beschwerdeführerin, der bei de r Anhörung vom 4. März 2011 zugegen war, an, der älteste Sohn der Beschwerdefüh- rerin halte sich seit fünfzehn Jahren in K._______ auf. Freunde von ihr hätten ihr in der Türkei Medikamente besorgt. Sie habe dort niemanden, sie könne nicht mehr alleine leben. E. Mit Verfügung vom 7. März 2011 wurde die Beschwerdeführerin für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._______ zugewiesen. F. Das BFM forderte die Rechtsvertretung am 15. März 2011 telefonisch auf, ihm mitzuteilen, ob sich die Beschwerdeführerin derze it in ärztlicher B e- handlung befinde. G. Am 8. März 2011 informierte die Rechtsvertretung das BFM darüber, dass beim behandelnden Arzt, Dr. med. M._______, die Einreichung eines medizinischen Berichts verlangt worden sei. Dieser werde nach Erhalt nachgereicht. D-3341/2011 Seite 5 H. Mit telefonischer Mitteilung an das BFM vom 23. März 2011 erklärte die Rechtsvertretung, man habe erfolglos versucht, ein Arztzeugnis vom Zentrumsarzt zu erhalten. Die Tochter habe darüber informiert, dass die Beschwerdeführerin, seitdem diese bei ihr wohne, noch keinen Arzt b e- sucht habe. Sie werde sich aber darum bemühen. I. In einem an das EVZ Basel am 25. März 2011 eingereichten "Überwe i- sungsformular/medizinische Information" vom 23. Februar 2011 wurde durch Dr. med. M._______ als medizinische Behandl ung "VP , Thorax, EKG" sowie eine valvuläre Herzkrankheit vermerkt. J. Mit Eingabe vom 30. März 2011 an das EVZ Basel (Eingang EVZ: 1. April 2011) teilte die damalige Rechtsvertretung dem BFM mit, dass noch kein ärztlicher Bericht von Dr. med. M._______ eingegangen sei. Die Tochter der Beschwerdeführerin habe ihr mitgeteilt, dass sie von Dr. med. N._______ untersucht worden sei. Ein ärztlicher Bericht werde daher nachgereicht und man bitte um etwas Geduld. K. Mit Schreiben vom 3. Mai 2011 wandte sich die damali ge Rechtsvertre- tung erneut an das EVZ Basel und reichte ein ärztliches Zeugnis vom 20. April 2011 von Dr. med. N._______ ein (Eingangsstempel EVZ: 4. Mai 2011). L. Mit Verfügung vom 11. Mai 2011 – eröffnet am 12. Mai 2011 – stellte das BFM fest, die Beschwe rdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. M. Auf Antrag vom 17. Mai 2011 gewährte das BFM der damaligen Recht s- vertretung am 19. Mai 2011 Einsicht in die Verfahrensakten. N. Am 25. Mai 2011 informierte die damalige Rechtsvertretung das BFM darüber, dass sie das Mandat niedergelegt habe. D-3341/2011 Seite 6 O. Mit Eingabe vom 14. Juni 2011 konstituierte sich rubrizierter Advokat als Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin und reichte beim Bundesverwa l- tungsgericht in deren Namen Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 11. Mai 2011 ein. Darin wurde beantragt, die angefochtene Verf ü- gung sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass die Beschwerdefüh rerin die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und es sei ihr Asyl zu gewähren; eve n- tualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung festzustellen und ihr die vo rläufige Aufnahme zu gewähren. Subeventualiter wurde darum ersucht, d as Verfahren zu sistieren und die Beschwerdeführerin zwecks Durchführung des ausländerrechtlichen B e- willigungsverfahrens an den Kanton C._______, wo die Tochter ihren Wohnsitz habe, zu verweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewäh- rung der unentgeltlic hen Prozessführung und Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ersucht. Der Beschwerde lagen – nebst einer Vollmacht des Rechtsvertreters, der angefochtenen Verfügung und einer Zustellbestätigung der Beschwerde – ein Familiendiagramm, die Kopie eines Schreibens der Rechtsvertretung das ehemalige Asylverfahren des Sohnes O._______ an das BFM vom 4. März 2008 betreffend, die Kopie eines Briefes eines türkischen Rechtsanwalts vom 15. Februar 2008, die Kopie eines Schreibens eines Dorfvorstehers vom 30. Mai 2011, ein Arztbericht von Dr. med. N._______ vom 20. April 2011, eine (…) von Dr. med. P ._______ vom 4. April 2011 sowie Kopien zweier Schreiben der früheren Rechtsvert retung der B e- schwerdeführerin vom 30. März und vom 3. Mai 2011 an das BFM bei. P. Mit Verfügung vom 24. Juni 2011 hiess der Instruktionsrichter des Bu n- desverwaltungsgerichts den Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Den Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wies er ab. Ebenso wies er den Antrag auf Sistierung des Verfahrens ab. Die Akten wurden dem BFM zur Vernehmlassung zug e- stellt. Q. In seiner Vernehmlassung vom 8. Juli 2011 beantragte das BFM die A b- weisung der Beschwerde. D-3341/2011 Seite 7 R. Mit Eingabe vom 25. Juli 2011 liess die Beschwerdeführerin eine Replik zur Vernehmlassung des BFM einreichen. S. Am 27. Februar 2012 reichte der Rechtsvertreter eine Honorarnote zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Besch werde kann die Verletzung von Bundesrecht – einschliesslich die Überschreitung, die Unterschreitung oder der Missbrauch des Erme s- sens – die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebl i- chen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werde n (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-3341/2011 Seite 8 3. 3.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht gerügt, trotz vorhand e- nen Anhaltspunkten dafür, dass zwischen der Beschwerdeführerin und ih- ren in der Schweiz wohnhaften Kindern B._______ und O._______ ein Abhängigkeitsverhältnis bestehe, habe das BFM keine Prüfung von Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrec h- te und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) vorgenommen. Der Schutz des Familienlebens im Sinne von Art. 8 EMRK sei nicht auf die Kernfamilie beschränkt, sondern erfasse auch die Beziehungen zwischen allen nahen Verwandten, wobei zwischen der über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügenden Person und dem um eine Bewilligung ers u- chenden Ausländer ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis bestehen müsse (Urteil 2C.451/2007 vom 22. Januar 2008). Die Abhängigkeit kö n- ne sich aus einer körperlichen Behinderung ergeben (BGE 120 1b 260). Ihre Tochter habe im Rahmen von Familienasyl eine ausländerrechtliche Bewilligung erhalten. Ihr Sohn sei in de r Schweiz als Flüchtling ane r- kannt. Beide Kinder würden somit über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht verfügen. Die Beschwerdeführerin lebe in der Schweiz bei ihrer Tochter, von der sie betreut werde. Ihr Sohn helfe ihr dabei. In der Türkei sei sie bis zu de ren Ausreise im Jahre 2008 jahrelang von der Tochter gepflegt und unterhalten worden. Ihre Kinder hätten ihr vom Ausland her gelegent- lich Geld zugesandt. Die Beschwerdeführerin sei verwitwet und habe ke i- ne nahen Verwandten in der Türkei, die für sie sorgen könnten. Alle ihre Kinder seien entweder verstorben oder lebten als Flüchtlinge im Ausland. Seitdem sie alleine im Dorf gelebt habe, habe sich ihre gesundheitliche Situation verschlechtert. Sie sei auf die Betreuung und Pflege Dritter a n- gewiesen. Sie sei derzeit nicht mehr fähig, einfache Haushaltsaufgaben selber wahrzunehmen. Es liege damit eine aussergewöhnliche Situation im Sinne von Art. 8 EMRK vor. Indem das BFM Art. 8 EMRK nicht b e- rücksichtigt habe, habe es somit sein Ermessen unterschritten, was ein e Rechtsverletzung darstelle. Im Weiteren habe das BFM den Unters u- chungsgrundsatz verletzt, indem es der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin nicht Rechnung getragen habe. Es sei unerklärlich, weshalb dem BFM im Entscheidungszeitpunkt kein ärz tlicher Bericht vor- gelegen habe. Gemäss dem Aktenverzeichnis sei der zuvor in Aussicht gestellte ärztliche Bericht von Dr. med. N._______ am 3. Mai 2011 beim BFM eingegangen. Selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, so wäre das BFM aufgrund der persönl ichen Situation und des Hinweises der Hilfswerkvertreterin gehalten gewesen, nicht sofort einen Entscheid zu fällen, sondern es hätte weitere Abklärungen vornehmen müssen, zumal D-3341/2011 Seite 9 die frühere Rechtsvertretung in ihrer Eingabe vom 30. März 2011 einen Arztbericht in Aussicht gestellt habe. 3.2 Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG berücksichtigt das BFM bei der Anor d- nung der Wegweisung respektive dem Vollzug der Wegweisung den Grundsatz der Einheit der Familie. Diese Bestimmung räumt den recht s- anwendenden Behörden entgegen den diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerde kein Ermessen ein. Der Grundsatz ist zu beachten, s o- bald eine um Asyl nachsuchende Person in der Schweiz über Familie n- angehörige verfügt. 3.3 Im Asylverfahren – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der Un- tersuchungsgrundsatz, das heisst, die Asylbehörde hat den rechtserhebli- chen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i. V. m. Art. 12 VwVG). Dabei muss sie die für das Verfahren erforderlichen Sachv erhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsg e- mäss Beweis führen. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht und unter dem Blickwinkel des rechtlichen G e- hörs im Sinne von Art . 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizer i- schen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) auch das Recht, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kann sich die entscheidende Behörde in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen der um Asyl nachsuche n- den Person zu würdigen und die von ihr angebotenen Beweise abz u- nehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Eine ergä n- zende Untersuchung kann sich dann aufdrängen, wenn auf Grund dieser Vorbringen und Beweismittel berechtigte Zweifel oder Unsicherheiten wei- ter bestehen, die voraussichtlich nur mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734). 3.4 Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs ergibt sich unter anderem auch, dass die verfügende Behörde die wesentlichen Vorbringen der b e- troffenen Person tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Begrün- dung niederschlagen muss (vgl. Art. 32 und 35 Abs. 1 VwVG). Art. 35 Abs. 1 VwVG umschreibt den Inhalt der Begründungspflicht nicht näher. Die Begründung eines Entscheides muss jedoch so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur da nn der Fall ist, wenn sich sowohl die betroffene Person als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild D-3341/2011 Seite 10 machen können, wobei sich die verfügende Behörde allerdings nicht au s- drücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und je dem rechtlichen Einwand auseinander setzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann, (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER in: Ko m- mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), A u- er/Müller/Schindler [Hrsg.], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6). Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügung s- gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen der betroff e- nen Person, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich g e- schützten Interessen der betroffenen Person eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f). Im Anwendungsbereich von Art. 35 VwVG erscheint die Nennung der Rechtsgrundlagen zudem dann nicht als zwingend, sofern eine sachgerechte Anfechtung dennoc h möglich ist (vgl. FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHWANK in: Praxiskommen- tar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), Zürich - Basel-Genf 2009, N. 16 zu Art. 35). 3.5 Die Beschwerdeführerin gab ihm Rahmen der Befragungen zu ve r- stehen, dass mitunter Anl ass für ihre Ausreise aus der Türkei der U m- stand bildete, dass sie zu ihren in der Schweiz lebenden Kindern O._______ und B._______ ziehen wolle, da sie in ihrem Heimatland auf sich allein gestellt sei, unter gesundheitlichen Problemen leide und es a l- leine nicht mehr schaffe (vgl. act. A5/9 S. 5 f., act. A12/9 S. 2 ff.). Im B e- fragungsprotokoll wurde zudem vermerkt, dass die in der Schweiz lebe n- den Kinder über Aufenthaltsbewilligungen verfügen würden. Ausserdem wurden deren Asylverfahrensnummern beim BFM auf geführt (vgl. act. A5/9 S. 3). Das BFM hat den Umstand, dass zwei Kinder in der Schweiz leben und die Beschwerdeführerin an gesundheitlichen Problemen leide , in seinen Sachverhaltsfeststellungen berücksichtigt (vgl. S. 1 Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung). Eine Prüfung des von ihr – wenn auch bloss sinngemäss – gestellten Gesuchs um Einbezug in die Flüchtlingseige n- schaft ihrer Kinder gemäss Art. 51 Abs. 2 AsylG nahm es in den a n- schliessenden Erwägungen jedoch nicht vor. Eine solche hätte sich j e- doch aufg edrängt, zumal beiden Kindern in der Schweiz Asyl gewährt wurde (vgl. dazu E. 4.7). Im Rahmen der von ihm verfügten Wegweisung und dem angeordneten Vollzug der Wegweisung äusserte sich das BFM in der angefochtenen Verfügung sodann nicht zur Frage, ob der B e- schwerdeführerin allenfalls gestützt auf ihre in der Schweiz wohnhaften Kinder in Anwendung von Art. 8 EMRK ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zustehen und damit die Anordnung der Wegwe i- sung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 AsylG entfallen oder ein solcher A n-D-3341/2011 Seite 11 spruch den Vollzug der Wegweisung als unzulässig erscheinen lassen würde. Das BFM hat damit die ihm obliegende Prüfungs - und Begrü n- dungspflicht und damit den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtl i- ches Gehör verletzt. 3.6 In seiner Vernehmlassung äusserte sich das BFM indes eingehend zu der in der Beschwerde aufgeworfenen Frage, ob zwischen der B e- schwerdeführerin und ihren Kindern ein besonderes Abhängigkeitsve r- hältnis bestehe. Dies nicht nur unter dem Aspekt von Art. 44 Abs. 1 AsylG und Art. 8 EMRK, sondern auch mit Blick auf die Anwendung von Art. 38 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311), welcher sich auf Art. 51 Abs. 2 AsylG stützt. Der Beschwerdeführerin wurde anschliessend durch das Bundesverwal- tungsgericht Gelegenheit gegeben, sich innert Frist zu den Ausführungen des BFM in der Vernehmlassung zu äussern. Davon wurde mit Einre i- chung der Replik vom 15. Juli 2011 Gebrauch gemacht. Die fehlende Entscheidreife ist damit mit vertretbarem Aufwand wiederhergestellt. Die festgestellte Rechtsverletzung ist ausserdem nicht als derart schwerwi e- gend zu erachten, zumal, wie nachstehend dargelegt, ein Einbezug in das Asyl ihrer Kinder mangels vorhandener materieller Flüchtlingseige n- schaft der Tochter sowie wegen fehlenden tatsächlich gelebten Familien- lebens hinsichtlich des Sohnes von Vornherein ausser Betracht fällt und sich somit eine umfassende Prüfung eines Abhängigkeitsverhältnisses im Sinne von Art. 8 EMRK erübrigt (vgl. E. 4.9). Die festgeste llten Verfah- rensmängel können somit aus prozessökonomischen Gründen als geheilt erachtet werden (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S 676 f.). 3.7 Gemäss dem ärztlichen Zeugnis vom 20. April 2011 leidet die B e- schwerdeführerin an einer A. Hypertonie (Bluthochdruck), ei ner valvulä- ren Herzkrankheit mit Herzinsuffizienz, Schulterschmerzen links bei AC - Gelenkarthrose, einem chronisch generalisierten Schmerzsyndrom (Knie, Rücken, Nacken), Osteoporose (Knochenerkrankung), chronischer gastrointestinaler Beschwerden und einer d epressiven Verstimmung. Dieser ärztliche Bericht fand gemäss dem darauf vermerkten Stempel be- reits am 4. Mai 2011 Eingang beim EVZ des BFM. Dieses hat den Bericht und dessen Begleitbrief vom 3. Mai 2011 aus unerklärlichen Gründen nicht zu den Akten genommen, sondern gemäss dem auf dem Umschlag enthaltenen Eingangsstempel des Postdienstes der JSD (Justiz - und Si- cherheitsdirektion) Kanton C._______ zugestellt. Von dort wurde n der Arztbericht und das Begleitschreiben gemäss dem Stempel auf dem Briefumschlag an das EVZ Basel retourniert, wo die Schriftstücke gemäss D-3341/2011 Seite 12 dem Eingangsstempel des EVZ Basel am 13. Mai 2011 eintrafen (vgl. act. A23/3 S. 1 ff.). Unabhängig davon, ob allenfalls der Verfasser der ang e- fochtenen Verfügung seinen Standort beim BFM in Bern und n icht beim EVZ Basel hatte und diesem das ärztliche Zeugnis erst nach Erlass der Verfügung vorlag, ist das erwähnte ärztliche Zeugnis dem BFM noch vor dessen Erlass der Verfügung zugegangen und damit bekannt gewesen . Das ärztliche Zeugnis vom 20. April 2011 lässt das BFM in der angefoc h- tenen Verfügung ebenso unberücksichtigt wie jene erste bestätigende Di- agnose verfasst von Dr. M._______ vom 23. Februar 2011. Eine solche lag dem BFM anhand des bei den Akten befindlichen Formulars der "ors service ag" mit der Überschrift "Überweisungsformular/Medizinische I n- formationen" am 25. März 2011 vor (vgl. act. A17/3). Darin wird – wenn auch schwer leserlich – sichtbar, dass bei der Beschwerdeführerin eine valvuläre Herzkrankheit bestehe. Von einer unvollständigen Erheb ung des rechtsrelevanten Sachverhaltes und Verletzung der Untersuchung s- maxime kann dennoch nicht gesprochen werden. In den Sachverhalt s- festellungen werden die von der Beschwe rdeführerin im Rahmen der B e- fragungen vorgetragenen gesundheitlichen Probleme in F orm von Her z- beschwerden, Rheumatismus und Magenbeschwerden nämlich explizit fest-gehalten (vgl. act. 5/9 S. 6, act. A12/9 S. 3 f. und S. 6, vgl. S. 1 Zif- fer 3 der Verfügung) und in den anschliessenden Erwägungen nicht bestritten. Es wird davon ausgegangen , dass diese Krankheiten sowie weitere medizinische Probleme in der Türkei behandelbar seien. Zur B e- gründung wird hauptsächlich ausgeführt, das Gesundheitswesen in der Türkei entspreche heute grundsätzlich westeuropäischen Standards, so dass praktisch jede Krankheit behandelt werden könne und nahezu alle Medikamente erhältlich seien. Das Versorgungsniveau sei in grösseren Städten, auch in I._______, als gut zu bezeichnen. Der Zugang für Mittel- lose sei gewährleistet. Diese könnten die grüne Versicherungskarte bean- tragen. Dabei seien einzig die Kosten für Medikamente und ambulante, ärztliche Behandlungen nicht eingeschlossen. Bei Bedarf könnten die im Ausland lebenden Kinder der Beschwerdeführerin finanzielle Unterstü t- zung leisten, zumal diese sie bereits vorh er unterstützt hätten. Bei dieser Ansicht blieb das BFM auch in seiner Vernehmlassung. Zusätzlich führte es darin aus, auch eine allfällige Herzoperation könne in der Türkei durchgeführt werden. Das Gesundheitswesen ermögliche zudem ps y- chisch kranken Menschen Zugang zu Gesundheitsdiensten und Beratu n- gen. Die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin wurde somit berücksichtigt, weshalb diesbezüglich keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör feststellbar ist. D-3341/2011 Seite 13 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali - tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massge blich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Das BFM führte zur Begründung seines ablehnenden Asylentsche i- des aus, bei der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Anh ö- rung auf dem Polizeiposten sowie auch den von ihr geschilderten behörd- lichen Befragungen bei ihr zu Hause handle es sich um staatliche Mas s- nahmen zur Bekämpfung einer illegalen, gewaltbereiten Organisation. Die von den Behörden getroffenen Massnahmen seien verhältnismässig g e- wesen. Sie sei nie fes tgenommen oder an Leib und Leben bedroht wo r- den. Es handle sich um geringfügige Eingriffe. Ihre Vorbringen hielten da- her den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht stand. 4.4 Den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in der Türkei selber politisch aktiv und deswegen gezielten staatlichen Eingriffen ausgesetzt gewesen wäre. Sie macht jedoch geltend, sie sei in den letzten drei Jahren vor ihrer Ausreise in die Schweiz in J._______ wegen ihrer Söhne respektive deren Mitgliedschaft bei der PKK durch die Behörden monatlich befragt worden. Auch beim Dorfvorsteher in J._______ hätten sich die Behörden nach ihren Kindern erkundigt. Ihre letzte Befragung sei im Oktober 2010 erfolgt. Auch sei sie in I._______, wo sie nach dem Tod ihres Mannes mit ihrer Tochter B._______ gelebt habe, befragt worden. Diese Anhörung habe drei Tage, bevor ihre Tochter D-3341/2011 Seite 14 im Jahre 2008 in die Schweiz ausgereist sei, stattgefunden (vgl. act. A5/9 S. 1 und 5, act. A12/9 S. 2). Damit macht die Beschwerdeführerin eine sogenannte "Reflexverfolgung" geltend. In der Beschwerde wird dazu ein in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekur s- kommission [ EMARK] 2005 Nr. 21 S. 195 publiziertes Urteil zitiert und geltend gemacht, es l iege ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG vor. 4.5 Vom BFM werden die geltend gemachten Befragungen der B e- schwerdeführerin infolge der Mitgliedschaft ihrer Söhne bei der PKK w e- der in der angefochtenen Verfügung noch in der Ver nehmlassung bestrit- ten. Auch die Zugehörigkeit weiterer zahlreicher Familienmitglieder zu po- litisch linken Gruppierungen in der Türkei wird vom BFM nicht in Zweifel gezogen. Es vertritt jedoch in der Vernehmlassung nach wie vor den Standpunkt, es habe sich um legitime, verhältnismässige und geringfüg i- ge Massnahmen gehandelt. Ein unerträglicher psychischer Druck liege nicht vor. Hinweise darauf, dass die erfolgten Massnahmen einen ger e- gelten Tagesablauf verunmöglicht und die Beschwerdeführerin in ständ i- ger Angst vor erneuten Massnahmen habe leben müssen und sie sich deshalb zur Ausreise gezwungen gesehen habe, lägen nicht vor. 4.6 Im juristisch technischen Sinn existiert Sippenhaft als gesetzlich e r- laubte Haftbarmachung einer ganzen Familie für Vergehen einzelner ihrer Angehörigen in der Türkei grundsätzlich nicht. Indessen wurden staatliche Repressalien gegen Familienangehörige von politischen Aktivisten – vor- nehmlich verbotener linker Gruppierungen – in der Vergangenheit vor a l- lem in den Süd - und Ostprovinzen d er Türkei regelmässig angewendet, was als "Reflexverfolgung" flüchtlingsrechtlich im Sinne von Art. 3 AsylG relevant sein konnte. Auch in der neueren Zeit kann die Gefahr allfälliger Repressalien gegen Familienangehörige (mutmasslicher) Aktivisten der PKK, einer ihrer Nachfolgeorganisationen oder anderer von den türk i- schen Behörden als separatistisch eingestufter kurdischer Gruppierungen grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren Intensität häng en allerdings stark von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere für Personen, die sich offen für politisch aktive Verwandte einsetzen oder für Angehörige von Personen, die flüchtig sind und nach denen gefahndet wird , oder für Familienmitglieder, die über ein eigenes nicht unbedeutendes politisches Engagement für illegale politische Org a- nisationen verfügen beziehungsweise ihnen ein solches seitens der B e- hörden unterstellt wird (vgl. Urteile E -8572/2010 vom 15. Mai 2012 D-3341/2011 Seite 15 E. 5.3.2, E -255/2009 vom 20. Januar 2012 E. 5.1, EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3 S. 199 f.). 4.7 Die Beschwerdeführerin stammt – wie auf Beschwerdeebene verdeut- licht wird – aus einer politisch exponierten Familie. Aus den beigezog e- nen Asylverfahrensakten des Sohnes O._______ ergibt sich, dass es sich bei diesem um ein ehemaliges, langjähriges Mitglied der PKK han delt. Er wurde vom BFM am 16. April 2008 gestützt auf Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG als Flüchtling anerkannt; gleichzeitig wurde ihm in Anwendung von Art. 2 AsylG Asyl gewährt (vgl. Verfahrensnummer BFM: […], act. A11/9 S. 1 ff., act. A12/27 S. 5 ff., act. A18/11 S. 3 ff., act. A31/17 S. 14, unpaginierte Akte nach act. A 34/4). Ihre Tochter B._______ wurde am 24. April 2008 in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG in das Asyl deren Ehemannes Q._______ einbezogen respektive ihr durch das BFM die Flüchtlingse i- genschaft zugesprochen (vgl. Verfahrensnummer BFM: […], act. C 11/4 S. 2). Diesem Schwiegersohn und gleichzeitig Neffe der Beschwerdefü h- rerin wurde am 17. Oktober 2007 in der Schweiz Asyl gewährt (vgl. […], act. B16/13 S. 2). In genannten Verfahrensakten wird zude m bestätigt, dass die Söhne D._______ und E._______ Mitglieder der PKK waren und gestorben sind und sich ein weiterer Sohn, R._______, ebenfalls ein Mit- glied der PKK, nach K._______ begab, wo er den Flüchtlingsstatus inn e- hat (vgl. …, act. A12/27 S. 4 und 10 ff.). Ihr verstorbener Ehemann und ih- re Brüder S._______ und T._______ sind gemäss glaubhafter Darstellung in der Türkei in der linken Szene politisch tätig gewesen. Die Brüder wur- den in den achtziger Jahren zu Freiheitsstrafen verurteilt. Ihr Neffe U._______ lebt als anerkannter Flüchtling in K._______. Ein weiterer Nef- fe, V._______, sitzt in der Türkei eine zwölfjährige Freiheitsstrafe wegen Mitgliedschaft bei der PKK ab. W._______, der Sohn des Bruders ihres Ehemannes, war Mitglied der PKK und ist 1994 verstorben. X._______ und Y ._______, weitere zwei Söhne des Bruders ihres Ehemannes, leben in K._______ als anerkannte Flüchtlinge. 4.8 Trotz dieses familiären Hintergrunds und den von der Beschwerdefüh- rerin geschilderten mehrfachen Befragungen durch die türkischen Behö r- den kann jedoch nicht von einer erfolgten oder künftig zu erwartenden Reflexverfolgung seitens der türkischen Behörden im umschriebenen Sinne gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin gehörte selber keiner politischen Gruppierung an. Sie hatte über lange Jahre kaum Kontakt zu ihren Söhnen, die sich für die PKK engagierten. Es ist auch nicht anz u- nehmen, dass die staatlichen Behörden ihr deswegen oder aufgrund ihrer zahlreichen weiteren, der PKK zugehörigen Verwandten ein bedeutendes D-3341/2011 Seite 16 und politisch illegales Engagement unterstellen. Aus ihren Aussagen lässt sich nicht schliessen, sie wäre in ihrem Heimatstaat behördlichen Fes t- nahmen, Schlägen, Misshandlungen, Drohungen oder Beschimpfungen ausgesetzt gewesen, die darauf abzielten, sie für das Verhalten ihrer A n- gehörigen zu sanktionieren. Von einer Mit - respektive Festnahme, wie in der Beschwerde erwähnt, kann auch nicht gesprochen werden. Die B e- schwerdeführerin bejahte zwar die Frage, einmal mitgenommen worden zu sein. Dies sei kurz vor ihrer Ausreise ihrer Tochter im Jahre 2008 g e- wesen. Dabei handelte es sich indes nicht um eine Festnahme. Dies folgt einerseits aus ihrer Aussage, sie seien am Morgen dorthin gegangen und danach habe man sie laufen gelassen (vgl. act. A5/9 S. 5). Andererseits fand diese Anhörung gemäss dem der Beschwerde beigelegten Brief des türkischen Rechtsanwalts vom 15. Februar 2008 auf vorgängige Aufforde- rung der Antiterrorab teilung statt. Unregelmässigkeiten in der Art und Weise jener Befragung lassen sich der Zusammenfassung des Recht s- anwaltes ebenfalls nicht entnehmen. Der Beschwerdeführerin wurden Fragen zu ihrem Ehemann und den Söhnen gestellt, wobei die Behörden offensichtlich darüber informiert waren, dass sich O._______ in der Schweiz und R._______ in K._______ aufhalten (vgl. Verfahrensnummer BFM: N … act. A28/4). Den Befragungen fehlt es – wie vom BFM zutre f- fend festgehalten – mithin an der nötigen Intensität im flüch tlingsrechtli- chen Sinne. Zwar werden vom Begriff des unerträglichen psychischen Drucks im Sinne von Art. 3 AsylG auch staatliche Eingriffe erfasst, die sich nicht unmittelbar gegen die Rechtsgüter Leib, Leben oder Freiheit richten, sondern auf andere Weise ein menschenwürdiges Leben veru n- möglichen. Bei einer objektivierten Betrachtung erreichen die regelmäss i- gen Erkundigungen der türkischen Behörden jedoch nicht eine derartige Intensität, dass der Beschwerdeführerin ein weiterer Verbleib in ihrem Heimatstaat nicht mehr zugemutet werden konnte oder könnte. Wie e r- wähnt sind die türkischen Behörden über den Aufenthaltsort der Söhne O._______ und R._______ im Bilde. Ihre beiden anderen für die PKK a k- tiven Söhne, ihr Ehemann und ihre Tochter sind verstorben. Viele ihrer für die PKK ebenfalls aktiv gewesenen Verwandten sind entweder verstorben oder befinden sich in der Türkei in Haft oder sind ins Ausland geflüchtet. Ob und inwieweit die türkischen Behörden über deren Verbleib und Tätig- keiten informiert sind und in wiefern sie nach wie vor ein Interesse an d e- ren Auffindung haben, ist nicht bekannt. Es kann zwar nicht gänzlich au s- geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr mit weiteren Befragungen, insbesondere ihre im Ausland befindlichen Söhne betreffend, konfrontiert werden könnte. Dass diese allerdings in ih- rer Häufigkeit, Art und Weise über das bisherige Mass hinausgehen wü r-D-3341/2011 Seite 17 den und sich der behördliche Druck etwa in Form von Inhaftierungen, Misshandlungen oder Drohungen manifestieren und damit einen ernsthaft zu erwartenden Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG darstellen könnte, ist nicht wahrscheinlich, zumal sich die türkischen Behörden in der Vergangenheit der Beschwerdeführerin gegenüber nie zu derartigen Massnahmen veranlasst sahen. Die Beschwerdeführerin erfüllt damit die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht. 4.9 4.9.1 Gemäss Art. 51 Abs. 2 AsylG können "andere nahe Angehörige" (die nicht Ehegatten, eingetragene Partnerinnen oder Partner von Flücht- lingen oder ihre minderjährigen Kinder sind; vgl. Art. 51 Abs. 1 AsylG) von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen in das Familienasyl eingeschlossen werden, wenn besondere Gründe für die Familienvereinigung sprechen. Anders als Ehegatten, Personen mit eingetragener Partnerschaft und minderjährige Kinder, die nach Art. 51 Abs. 1 AsylG grundsätzlich einen Anspruch auf einen Einschluss in das Familienasyl haben, besteht für andere nahe Angehörige kein solcher Anspruch auf Vereinigung mit e i- nem in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Familienmitglied. Andere nahe Familienangehörige sind insbesondere dann zu berücksichtigen, wenn sie behindert oder aus einem anderen Grund auf die Hilfe einer in der Schweiz lebenden Person angewiesen sind (Art. 38 AsylV 1). Art. 51 Abs. 2 AsylG räumt der entscheidenden Behörde diesbezüglich ein E r- messen ein; sie hat dabei auf den Einzelfall bezogene Umstände zu b e- rücksichtigen und sich durch humanitäre Überlegungen leiten zu lassen (vgl. EMARK 1994 Nr. 7 E. 3b S. 61). Gemäss Praxis liegt ein besonderer Grund dann vor, wenn die asylsuchende Person zur Abwendung einer existenzbedrohenden Lage notwendigerweise und im Sinne einer da u- ernden Abhängigkeit darauf angewiesen ist, in Gemeinschaft mit dem in der Schweiz asylberechtigten Familienmitglied zusammen zu leben (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.2 S. 678, EMARK 1994 Nr. 7 E. 2 S. 59). Im Weite- ren wird ein besonderes Engagement des in der Schweiz asylberechti g- ten Familienmitgliedes vorausgesetzt; dieses muss sich persönlich um den in das Familienasyl einzubeziehenden Verwandten kümmern und ihn nicht bloss finanziell oder moralisch unterstützen ( vgl. EMARK 2001 Nr. 24 E. 3 S. 191 f.; EMARK 2000 Nr. 21 E. 6c S. 200 f.). 4.9.2 Ein dem Einbezug in das Familienasyl eines Flüchtlings entgege n- stehender "besonderer Umstand" im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn dem Flüchtling nicht gestützt auf Art. 3 Abs. 1 AsylG, sondern in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 Asyl gewährt wurde, der Flüchtling mithin D-3341/2011 Seite 18 nach Art. 51 Abs. 1 AsylG selber "bloss" die abgeleitete (forme lle) Flücht- lingseigenschaft besitzt (vgl. Urteil E-1334/2011 vom 24. Juni 2011 E. 4.2, E-8742/2010 vom 13. Januar 2011 E. 5.1, EMARK 2000 Nr. 23 E. 3 S. 210 f., EMARK 1998 Nr. 9, EMARK 1997 Nr. 1). Dies gilt mutatis mu- tandis auch im Anwendungsbereich von Art. 51 Abs. 2 und 3 AsylG. 4.9.3 Das BFM stellte mit Verfügung vom 24. April 2008 fest, dass die Tochter der Beschwerdeführerin, B._______, die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht erfülle. In Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG wurde sie indes in das Asyl ihres Ehemannes einbezogen respektive sie wurde gestützt auf die erwähnte Norm als Flüchtling ane r- kannt und ihr wur de Asyl gewährt (vgl. Verfahrensakten BFM […] act. C11/4 S. 2). Sie verfügt somit nicht über einen originär erworbenen Asy l- status. Ein Einbezug der Beschwerdeführerin in das Familienasyl ihrer Tochter B._______ gestützt auf Art. 51 Abs. 2 AsylG ist damit a usge- schlossen. 4.9.4 Ihrem Sohn O._______ wurde – wie unter E. 4.7 erwähnt – gestützt auf Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zugesprochen und diesem Asyl gewährt. Da der Sohn somit die materielle Flüchtlingse i- genschaft im Sinne erwähnter Recht sprechung erfüllt, könnte er diese grundsätzlich an die Mitglieder seiner Kernfamilie im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG sowie unter den besonderen Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 2 AsylG an weitere Angehörige weiterübertragen. Aus den Akten er- gibt sich allerdings, dass der Sohn mit seiner Mutter, der Beschwerdefüh- rerin, in der Türkei nicht in einem gemeinsamen Haushalt lebte und sie jahrelang überhaupt keinen Kontakt hatten (vgl. act. A5/9 S. 3 und 5, act. A12/9 S. 2). In der Schweiz lebt die Beschwerdefüh rerin zudem nicht bei ihrem Sohn O._______, sondern bei ihrer Tochter B._______. Diese übernimmt hauptsächlich die Betreuung der Mutter. Das Erfordernis der gelebten Familiengemeinschaft mit ihrem Sohn ist somit nicht erfüllt. Ein Einbezug der Beschwerdefü hrerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Sohnes fällt damit ausser in Betracht. 4.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit nicht als Opfer einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG erachtet werden kann. Es besteht auch kein hinreichender Anlass für die Annahme, sie müsste eine solche im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei befürchten. Das BFM hat demnach das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht ab gelehnt und deren Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG D-3341/2011 Seite 19 verneint. Ein Einbezug in das Familienasyl ihrer Kinder B._______ und O._______ gestützt auf Art. 51 Abs. 2 AsylG ist offensichtlich ausg e- schlossen. Es erübrigt sich daher, auf die diesbezüglich en weiteren Aus- führungen auf Beschwerdeebene einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern könnten. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an ; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Gemäss Art. 32 Bst. a AsylV 1 wird die Wegweisung nicht verfügt, wenn die asylsuchende Person im Besitze e i- ner gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist. 5.2 Gemäss Art. 14 Abs. 1 AsylG kann eine asylsuchende Person ab Ein- reichung des Asylgesuches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig a n- geordneten Wegweisung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung einer Ersatzmassnahme bei nicht durchf ührbarem Vollzug kein Verfahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufen t- haltsbewilligung einleiten, ausser es bestehe ein Anspruch auf deren E r- teilung. Ist dies der Fall, geht die Zuständigkeit, die Wegweisung aus der Schweiz zu verfügen, von den Asylbehörden auf die kantonale Aus - länderbehörde über, welche über die Erteilung einer Aufenthaltsbewilli - gung zu befinden hat (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 8d S. 175 f.). Im Asyl- und Wegweisungsverfahren ist die Wegweisung deshalb nicht zu verf ü- gen, falls ein grundsätzlicher Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsb e- willigung besteht, über den konkret zu befinden die kantonale Auslände r- behörde zuständig ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 23 E. 3.2 S. 231 f., EMARK 2001 Nr. 21 E. 9 S. 176 f.). Ist die asylsuchende Pers on nicht im Besitze einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung, ist im Asyl - und Weg- weisungsverfahren mit Blick auf die mögliche Zuständigkeit der kanton a- len Ausländerbehörde daher vorfrageweise zu prüfen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 10 S. 177), ob di e asylsuchende Person sich im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf einen grundsätzlichen Anspruch auf Erteilung e i- ner Aufenthaltsbewilligung berufen kann. Soweit nicht das Gesetz oder Freizügigkeitsabkommen einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthalt s- bewilligung vermitteln, fällt als Anspruchsgrundlage Art. 8 EMRK in B e- tracht, wobei diesbezüglich die bundesgerichtliche Rechtsprechung massgeblich ist (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 8a und b S. 173 f. sowie E. 9 S. 176 f.). Diese besagt, dass Ausländerinnen und Ausländer gestützt auf den in Art. 8 EMRK und Art. 13 BV gewährleisteten Schutz des Familien-D-3341/2011 Seite 20 lebens ein potenzieller Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz erwächst, wenn intakte und tatsächlich gelebte Familienbande zu nahen Verwan d- ten (sog. Kernfamilie) bes tehen, die über ein gefestigtes Anwesenheit s- recht in der Schweiz verfügen. Letzteres ist der Fall, wenn der sich in der Schweiz aufhaltende Angehörige das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzt oder über eine Aufenthaltsbewilligu ng verfügt, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1 S. 145 f., BGE 130 II 281 E. 3.1 S. 285 f., EMARK 2005 Nr. 3 E. 3.1 S. 31 f.). 5.3 Ergibt die vorfrageweise Prüfung, dass sich die asylsuchende Person auf einen grundsätzlichen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewi l- ligung berufen kann, ist sie im Asyl - und Wegweisungsverfahren darauf hinzuweisen, dass sie ein entsprechendes Bewilligungs gesuch bei der zuständigen kantonalen Ausländerbehörde einzureichen hat . Ist bei der kantonalen Ausländerbehörde bereits ein Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hängig, so hat das BFM – weist es das Asylg e- such ab oder tritt es auf dieses nicht ein – die Wegweisung nicht zu ve r- fügen. Das Bundesverwaltungsgerich t hebt gegebenenfalls eine vom BFM verfügte Wegweisung auf (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 9a S. 177). Andererseits haben sich die Asylbehörden bei der Prüfung der Zulässi g- keit des Wegweisungsvollzugs nicht mehr mit Art. 8 EMRK zu befassen, wenn die kantonale A usländerbehörde es bereits abgelehnt hat, gestützt auf diese Norm eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 12b S. 178 f. und c sowie E. 14a S. 179). 5.4 Die Beschwerdeführerin gehört nicht zur Kernfamilie ihrer in der Schweiz lebenden Kinder und sie verfügt über keine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung. Sie hat bis anhin auch kein Gesuch um Erteilung einer solchen Bewilligung eingereicht. Wie aus den Beschwerdevorbri n- gen ersichtlich, beruft sie sich darauf, aufgrund des bestehenden Abhä n- gigkeitsverhältnisses zu ihren in der Schweiz wohnhaften Kinder habe sie gestützt auf Art. 8 EMRK grundsätzlich einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. 5.5 5.5.1 Abgesehen von der Kernfamilie, d.h. den Beziehungen zwischen Ehepartnern sowie zwischen Eltern und ihren minderjährigen Kindern, e r- fasst Art. 8 EMRK die Beziehungen zwischen allen nahen Ver wandten, die in der Familie eine wesentliche Rolle spielen können. Um ausserhalb der Kernfamilie einen Anspruch auf ein Anwesenheitsrecht gestützt auf D-3341/2011 Seite 21 Art. 8 EMRK entstehen zu lassen, ist aber notwendig, dass zwischen der über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügenden Pe r- son und dem um eine fremdenpolizeiliche Bewilligung ersuchenden Au s- länder ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis besteht. Ein Nachzug s- recht für Verwandte, die nicht zur Kernfamilie gehören, wird nach bu n- desgerichtlicher Rechtsprechung nur anerkannt, wenn der nachzuziehen- de Ausländer von der hier fest anwesenheitsberechtigten Person abhä n- gig ist (vgl. 120 Ib 257 E. 1e, Urteil des Bundesgerichts 2C_942/2010 vom 27. April 2011 E. 1.3). 5.5.2 O._______, dem Sohn der Beschwerdeführer in wurde – wie e r- wähnt – in der Schweiz Asyl gewährt. Dieser ist im Besitz einer C - Bewilligung (Niederlassungsbewilligung). Damit verfügt er über ein gefe s- tigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz. Ihre Tochter B._______ ist im Be- sitz einer B -Bewilligung (Aufenthaltsbewilligung). Ihr wurde in der Schweiz im Rahmen von Art. 51 Abs. 1 AsylG Asyl gewährt. Wenn auch nicht originär erworben, verfügt die Tochter der Beschwerdeführerin somit über den Asylstatus und unter diesem Aspekt grundsätzlich ebenfalls über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz. Die Beschwerdefüh- rerin und ihr Sohn leben nicht in einem gemeinsamen Haushalt, sondern sie ist derzeit bei ihrer Tochter B._______ wohnhaft und wird von dieser betreut. Ihr Sohn hilft gemäss den Ausführungen in der Beschwerde l e- diglich bei der Betreuung der Mutter mit, weshalb von Vornherein fraglich erscheint, ob dieser überhaupt gewillt und in der Lage wäre, seine Mutter bei sich aufzunehmen. Unklar ist insbesondere aber, ob die Beschwerd e- führerin zwingend auf die Hilfe ihres Sohnes oder ihrer Tochter angewi e- sen ist. Die im ärztlichen Bericht aufgelisteten gesundheitlichen Probleme dürften den Alltag der Beschwerdeführerin zwar mit Sicherheit erschw e- ren, zumal sie gemäss dem der Beschwerde beigelegten Beric ht des Kardiologen vom 4. April 2011 an einer Herzerkrankung mit höhergradiger Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit leidet. Ob sie infolg e- dessen sowie aufgrund ihrer weiteren gesundheitlichen Leiden in ihrer Selbstständigkeit derzeit derart eingeschränkt und daher – wie in der Be- schwerde argumentiert wird – zwischenzeitlich nicht einmal mehr in der Lage ist, leichte Haushaltsaufgaben selber wahrzunehmen, wird weder weitergehend substanziiert noch mit Beweismitteln gestützt. Ungewiss ist zudem, welcher konkreten Art von Pflege und Betreuung die Beschwe r- deführerin, die immerhin in den letzten drei Jahren vor ihrer Ausreise a l- leine in der Türkei lebte, bedarf, und ob diese nicht allenfalls auch von Dritten übernommen werden könnte. Die Frage nach d em Grad der Selbstständigkeit der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Bewältigung i h-D-3341/2011 Seite 22 res Alltages sowie auch die Frage nach ihrem aktuellen Gesundheitsz u- stand bedürfte allerdings weitergehender Abklärungen und Beweiserh e- bungen, wie beispielsweise die Anforderung eines spezifischen Gutac h- tens betreffend die Pflegebedürftigkeit, einer entsprechenden Befragung von Mutter und Kinder n, allenfalls eines Augenscheines vor Ort (zwecks Verschaffung eines Überblicks der Art und Intensität der Betreuung), etc. . Denn nur so liesse sich beurteilen, ob aktuell ein massgebliches Abhä n- gigkeitsverhältnis im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und damit zugleich ein Anspruch auf Erteilung einer ausländerrechtlichen B e- willigung gegeben ist. Es kann indessen nicht Sache des Bundesverwal- tungsgerichts – und auch nicht des BFM – sein, in einem Asyl- und Weg- weisungsverfahren umfassend über einen allenfalls bestehenden – ak- tenmässig indessen nicht ohne zusätzliche Abklärungen und Beweisvo r- kehren zu erstellenden – Anspruch auf Erteilung einer ausländerrechtl i- chen Aufenthaltsbewilligung zu befinden. Eine solche Beurteilung würde über den Rahmen einer bloss vorfrageweise vorzunehmenden Prüfung eines grundsätzlichen Anspruchs auf Bewilligungserteilung hinausgehen und damit nach bu ndesgerichtlicher Rechtsprechung eine nicht zulässige Abweichung vom Grundsatz der Ausschliesslichkeit bzw. des Vorrangs des Asylverfahrens darstellen. Denn eine solche Abweichung ist nur bei Vorliegen eines "offensichtlichen" Rechtsanspruchs auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestattet (vgl. BGE 137 I 351 E. 3.1 S. 354). Die bestehende Sachlage lässt indes eine solche Feststellung, wonach der Beschwerdeführerin offensichtlich ein von den Ausländerbehörden umz u- setzender grundsätzlicher Anspruch auf Bewilligungserteilung erwachsen ist, nicht zu. Mangels klar zu Tage tretender Anspruchsgrundlage kann daher die Zuständigkeit der Asylbehörden, über die Wegweisung aus der Schweiz zu befinden, nicht als auf die kantonalen Ausländerbehörden übergegangen erachtet werden. Es besteht demzufolge auch kein Grund, die vom BFM verfügte Wegweisung aufzuheben. Der Beschwerdeführerin bleibt es allerdings unbenommen, nach Ergehen des Urteils einen allfäll i- gen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8 EMRK mit einem entsprechenden Gesuch bei der zuständigen Aus- länderbehörde geltend zu machen. 5.6 Die vom BFM in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG verfügte We g- weisung der Beschwerdeführerin wurde demnach zu Recht angeordnet. 6. 6.1 Ist der Vollzug der W egweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach D-3341/2011 Seite 23 den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus - länderinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bei der Prüfung der drei genannten Kriterien ist auf die im Entscheidzei t- punkt bestehenden Verhältnisse abzustellen (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 E. 4f S. 211). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshinder - nissen gilt gemäss ständiger Praxis der gleiche Beweis standard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu m a- chen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: U e- bersax/Rudin/Hugi Yar/Ge iser, Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel, Rz. 11.148). 6.2 Gemäss Rechtsprechung sind die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unmöglichkeit, Unzulässigkeit, Unzumu t- barkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2-4 AuG) alternativer Natur. Sobald eine der Vor- aussetzungen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchfüh r- bar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. Wie den nachfolgenden Erwägungen zu entnehmen ist, erweist si ch der Vollzug der Wegweisung vorliegend als unzumutbar. Damit kann praxisgemäss auf eine Erörterung der beiden anderen Voraussetzungen eines rech t- mässigen Wegweisungsvollzugs verzichtet werden (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). 6.3 Art. 83 Abs. 4 AuG stellt e ine Kodifizierung der bisherigen Praxis zur konkreten Gefährdung nach Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, BS 1 121) dar (vgl. PETER BOLZLI, in: Marc Spescha/Hanspeter Thür/ Andreas Zün d/Peter Bolzli, Kommentar Migrationsrecht, 3. Aufl., Zürich 2012, Nr.15 zu Art. 83 AuG). Dieser Praxis zufolge wird aus humanitären Gründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schweiz, auf den Vollzug der Wegweisung verzichtet, wenn die Rüc kkehr in den He i- matstaat für die betroffene Person eine konkrete Gefährdung darstellt. Konkret gefährdet ist eine Person, wenn sie im Heimat - oder Herkunfts- staat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner G e- walt oder infolge persönlicher Gründe wirtschaftlicher, sozialer oder g e- sundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage gerät. Im Weiteren findet die Bestimmung Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rüc k- kehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die a b- solut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit gro s-D-3341/2011 Seite 24 ser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen wü r- den, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Ge- sundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.1 S. 756 f., BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748). Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.4 Unter Berücksichtigung der allgemeinen Sicherheitslage in der Türkei sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in ihr Heimatland in konkreter Weise gefährdet wäre. Von einer Situation unkontrollierter Gewalt, die sich über das Staatsgebiet der Türkei oder weite Teile desselben erstrecken würde, kann nicht g e- sprochen werden. Eine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder anderen unberechenbaren Unruhen dominierte Lage , aufgrund d e- rer sie sich bei einer Rückkehr unweigerlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt sehen würde, besteht auch in ihrer Heimatprovinz im Südo s- ten des Landes nicht. Die Rückkehr der Beschwerdeführerin in die Türkei ist somit grundsätzlich als zum utbar zu erachten. Hingegen erweist sich der Vollzug der Wegweisung aus individuellen Gründen als unzumutbar: 6.5 Die Beschwerdeführerin leidet gemäss dem ärztlichen Zeugnis vom 20. April 2011 an Bluthochdruck, einer valvulären Herzkrankheit mit Herz- insuffizienz, Schulterschmerzen links bei AC -Gelenkarthrose, einem chronisch generalisierten Schmerzsyndrom (Knie, Rücken, Nacken), an Osteoporose (Knochenerkrankung), chronische n gastrointestinalen Be- schwerden und einer depressiven Verstimmung. Dem Bericht des Kardio- logen vom 4. April 2011 zufolge wird zudem eine Dyspnoe (Atemnot) N Y- HA III, d.h. eine Herzerkrankung mit höhergradiger Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit, attestiert. Wie das BFM zutreffend fes t- hielt, sind diese Krankheiten in der Türkei grundsätzlich behandelbar. Im Weiteren ist den Ausführungen des BFM in der Vernehmlassung zu fo l- gen, wonach die Kosten der medizinischen Versorgung durch die staatl i- che Krankenversicherung in der Türkei gedeckt werden. Gemäss dem am 1. Oktober 2008 in Kraf t getretenen zweiten Gesetz zur Sozialversich e- rungsreform wurde die gesetzliche Krankenversicherung in der Türkei auf alle Personengruppen, darunter auch auf bis dahin unversicherte Mittello- se ausgedehnt. Während einer Übergangszeit von zwei Jahren erhielt en Mittellose die Leistungen noch über die "Yesil Kart", welche grundsätzlich zum Bezug kostenloser medizinischer Versorgung berechtigte. Ungeklärt scheint demgegenüber, ob die Beschwerdeführerin, die nie einen Beruf ausübte und nach dem Tod ihres Mannes jahrelang bei ihrer Tochter lebte D-3341/2011 Seite 25 (vgl. act. A5/9 S. 1), auch weitergehende Sozialleistungen (etwa in Form einer Witwenrente etc.) beanspruchen konnte. Ihren Angaben zufolge leb- te sie in der Türkei von finanziellen Leistungen ihres Schwagers und ihrer Tochter, die ihr nach ihrer Ausreise in die Schweiz weiterhin Geld z u- kommen liess. Manchmal wurde sie auch durch Geldzahlungen ihrer im Ausland lebenden Söhne unterstützt (vgl. act. A12/9 S. 2 f.). Damit beste- hen Anhaltspunkte dafür, dass sie keine sozialen Lei stungen bezog oder diese zur Bestreitung des Lebensunterhaltes nicht ausreichten, anson s- ten sie nicht zusätzlich auf die finanzielle Hilfe ihrer Kinder angewiesen gewesen wäre. Nebst dieser finanziellen Unsicherheit fällt vorliegend aber insbesondere ins Gewicht, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um e ine ernsthaft erkrankte, über (…) -jährige Frau handelt, die in der Türkei über kein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt. In I._______ sind zwar drei Brüder und ihre Schwester wohnhaft (vgl. act. A5/9 S. 3). Die Beschwerdeführerin pflegt ihren Angaben zufolge jedoch keinen Kontakt mehr zu ihren Brüdern (vgl. act. A5/9 S. 5). Ohnehin würde fraglich e r- scheinen, ob diese sowie auch die Schwester aufgrund ihres teils fortg e- schrittenen Alters (die Geschwister sind heute zirka zwischen […] und […] Jahre alt) gewillt und auch in der Lage wären, die Beschwerdeführerin bei sich aufzunehmen, ihr allenfalls bei ihren alltäglichen Verrichtungen b e- hilflich zu sein und sie nicht nur in moralischer, sondern bei Bedarf au ch in materieller Hinsicht zu unterstützen. Sämtliche ihre Kinder befinden sich zudem entweder im Ausland (in K._______ und der Schweiz) oder sind verstorben. In J._______, ihrem Herkunftsort, wo sie vor ihrer Au s- reise ihren Wohnsitz hatte und über eine Bl eibe verfügte (vgl. act. A5/9 S. 1, act. A12/9 S. 5), leben keine Angehörigen. Gemäss ihren Aussagen pflegte sie dort auch keinen Freundeskreis respektive nähere n Kontakte zu den Dorfbewohnern, da diese sie wegen ihrer Söhne gemieden haben (vgl. act. A12/9 S. 4 f.). Ob sie allenfalls bei einer Rückkehr an ihren fr ü- heren Wohnsitz bei den von ihr benötigten Arztbesuchen auf die Hilfe und Unterstützung von Nachbarn zählen kann und diese ihr auch im Alltag im Bedarfsfall zur Seite stehen würden, erscheint höchs t fraglich. Auf pe r- sönliche Hilfsleistungen von Drittpersonen wird sie indes mit zunehme n- dem Alter wohl angewiesen sein, denn es ist davon auszugehen, dass die zahlreichen gesundheitlichen Probleme die Beschwerdeführerin in ihrer selbstständigen Führung ihres Haushaltes und der Bewältigung ihres Le- bensalltags nach und nach einschränken werden. Für ihre physische und psychische Verfassung ist es daher notwendig, wenn sie bei einer Rüc k- kehr in die Türkei auf ein soziales Netz zurückgreifen kann, welches ihr hilfreich zur Seite steht. Entgegen der Ansicht des BFM in der angefoc h- tenen Verfügung lässt sich ein solches soziales Netz in der Türkei nicht D-3341/2011 Seite 26 feststellen. Weder aufgrund des vom BFM erwähnten befreundeten Ar z- tes der Tochter in I._______, der die Beschwerd eführerin lediglich vor ü- bergehend bei sich aufnahm und medizinisch behandelte (vgl. act. A12/9 S. 4), noch aus der Vermutung des BFM, die Beschwerdeführerin verfüge in I._______ aufgrund ihrer dortigen Aufenthaltszeit über soziale Konta k- te, lässt sich mit hinreichender Verlässlichkeit auf ein dort tatsächlich vor- handenes tragfähiges Beziehungsnetz schliessen. Auf ein solches wäre sie jedoch bei einer Rückkehr in ihr Heimatland in Anbetracht ihres Alters und ihres labilen Gesundheitszustandes angewiesen. Ohn e dieses e r- scheint eine Reintegration in der Türkei nicht mehr möglich, weshalb a b- sehbar ist, dass sie dort mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in eine existenzielle Notlage geraten wird. 6.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass sich bei gesamthafter Be - rücksichtigung aller wesentlichen Umstände im vorliegenden Einzelfall der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG erweist . Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Ausschlussgründen im Si nne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Voraussetzungen für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme erfüllt. 7. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuhei s- sen, soweit beantragt wird, es sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und der Beschwerdeführerin die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. Demnach sind die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Ve r- fügung aufzuheben und das BFM ist anzuweisen, die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG vorläufig aufzunehmen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die infolge teilweise n Obsiegens zu ermässigenden Verfahrenskosten der Beschwerdeführ e- rin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Ihr wurde allerdings mit Verfügung vom 24. Juni 2011 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt. Da aufgrund der Aktenlage nach wie vor von der Bedürftigkeit der B e- schwerdeführerin auszugehen ist, sind keine Verfahrenskosten zu spr e- chen. 8.2 Der teilweise obsiegenden Beschwerdeführ erin ist sodann zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwen-D-3341/2011 Seite 27 digen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In der am 27. Februar 2012 eingereichten Ko s- tennote macht der Rechtsvertreter für die vom Zeitraum zwischen dem 27. Mai 2011 und 25. Juli 2011 ausgeführten Tätigkeiten einen Aufwand von 12.0833 Stunden à Fr. 220.– sowie Auslagen von Fr. 81.– geltend. Der Stundenansatz bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Die Auslagen von Fr. 81.– sind indes überhöht. Für die darin enthaltenen 67 Kopien können pro Stück nicht wie geltend gemacht Fr. 1. – sondern gemäss Art. 11 Abs. 4 VGKE lediglich Fr. –.50 verrechnet wer den. Die Auslagen sind daher von Fr. 81. – auf Fr. 47.50 zu kürzen. Weitere Auf- wendungen wurden keine geltend gemacht und ausser erwähnter Hon o- rarnote trafen keine weiteren Eingaben beim Bu ndesverwaltungsgericht ein. Es ist daher davon auszugehen, dass keine weiteren, wesentlichen Kostenpunkte entstanden sind. Der gesamte Aufwand des Rechtsvertr e- ters ist damit auf Fr. 2'658.– und Auslagen von Fr. 47.50 und damit zuzüg- lich der Mehrwertsteuer auf insgesamt Fr. 2'922.– festzusetzen. Das BFM ist demzufolge anzuweisen, der Beschwerdeführerin eine – infolge tei l- weisen Unterliegens – um die Hälfte zu kürzende (vgl. Art. 7 Abs. 2 VGKE) Parteientschädigung von insge samt Fr. 1'461.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3341/2011 Seite 28 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit beantragt wird, es sei die U n- zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und der B e- schwerdeführerin die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der V erfügung des BFM vom 11. Mai 2011 werden aufgehoben und das BFM wird angewiesen, die Beschwe r- deführerin vorläufig aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientsch ä- digung von Fr. 1'461.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: