Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 27. Dezember 2019 ZK1 2019 10 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsident Dr. Reto Heizmann, Kantonsrichter Walter Christen, Hannelore Räber, Pius Schuler und Jörg Meister, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen STWEG A.________, Klägerin und Berufungsführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, gegen C.________ AG, Beklagte und Berufungsgegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt D.________, betreffend Schadenersatz etc. (Berufung gegen das Urteil der Kammer 1 des Bezirksgerichts Schwyz vom 27. Dezember 2018, ZGO 2016 14);- hat die 1. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben: A. Am 19. Januar 2004 zerstörte ein Brand die Restaurants „G.________“ und „H.________“ sowie das Hotel „I.________“ in der kantonal geschützten Häuserzeile „J.________“ in Brunnen. Der Gemeinderat Ingenbohl bewilligte der C.________ AG den sechsstöckigen Neu- und Wiederaufbau inklusive eines pfahlfundierten Untergeschosses (KB 3). Der Bewilligung lag unter an- derem das geologische Gutachten der K.________ GmbH vom 14. Septem- ber 2004 zugrunde (ebd. S. 3 lit. E/c), wonach bei der Herstellung eines Tief- geschosses in jedem Fall mit Schäden an der flach fundierten Nachbarbaute zu rechnen sei (KB 6 S. 6 und 8). Während der Bauarbeiten im Winter/Frühjahr 2006 wurden am benachbarten Hotel „L.________“ der Stockwerkeigentümergemeinschaft A.________ Schäden festgestellt. Die STWEG teilte am 8. März 2006 der Bauherrschaft mit, nach Aufnahme der Bauarbeiten sei an ihrem Gebäude eine tragende Metallsäule ausgeknickt und an der Nordfassade ein Riss entstanden. Ferner monierte sie die ohne ihre Kenntnis und Zustimmung auf ihrem Grundstück eingebohrten Mikropfähle (KB 8). Entsprechend der gemeinderätlichen Auf- forderung vom 19. Mai 2008 (KB 27) liess die STWEG das Tragwerk des Ho- tels „L.________“ durch die M.________ untersuchen. Die Bauingenieure beurteilten mit Berichten vom 28. November 2008 bzw. 23. Januar 2009 die Statik des „L.________“ (KB 28) und die an der Nordfassade als Unterfan- gungen eingebrachten Mikropfähle als problematisch (KB 29). Am 2. Februar 2009 beschloss der Gemeinderat verbindliche Sanierungsfristen für das Hotel „L.________“. Zudem bewilligte er für die zur Unterfangung der Nordfassade des „L.________“ verankerten Mikropfähle und Anker nachträglich und ordne- te an, dass die STWEG deren Bestand ungeachtet einer zivilrechtlichen Bau- berechtigung aufgrund von § 54 Abs. 1 PBG zu dulden habe (KB 31), was der Regierungsrat in Abweisung einer Beschwerde der STWEG bestätigte. In der Folge liess die STWEG auf ihre Kosten (Fr. 58‘117.00 inkl. Planungs- und Kantonsgericht Schwyz 3 Ingenieurarbeiten) quasi als Sofortmassnahme unter die drei anderen Fassa- den des „L.________“ Zement injizieren (KB 45 f. und BB 22). B. Am 6. Mai 2011 klagte die STWEG beim Bezirksgericht Schwyz gegen die C.________ AG wie folgt (Vi-act. 1): 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin einen Schadenersatz von insgesamt Fr. 950‘000.00, evtl. wie viel, nebst Zins zu 5 % seit dem 1. April 2006 sowie die Kosten des Schlichtungsverfahrens von Fr. 500.00 zu bezahlen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten. Mit uneinlässlicher Klageantwort vom 23. August 2011 verlangte die Beklagte vorerst, auf die Klage sei nicht einzutreten. Das Bezirksgericht trat jedoch mit Beschluss vom 7. November 2011 auf die Klage ein. Die dagegen erhobene Berufung wies das Kantonsgericht am 11. Dezember 2012 ab (ZK1 2011 54). In der Folge beantragte die Beklagte mit Klageantwort vom 10. April 2013, die Klage sei vollständig abzuweisen (Vi-act. 34). Nach einer zur freien Erörterung des Streitgegenstandes sowie zum Einigungsversuch durchgeführten Instruk- tionsverhandlung (Vi-act. 35 und 40) stellte die Klägerin in der Replik vom 18. November 2013 (Vi-act. 51) zusätzlich zum schon gestellten Hauptbegeh- ren (Ziff. 1 oben zitiert) folgendes Eventualbegehren (Ziff. 2): Eventuell, falls kein Schadenersatz für die Aufhebung der Mischfundie- rung gemäss Ziff. 1 zugesprochen werden sollte, sei, a. die Beklagte zu verpflichten, die im Jahre 2006 unter der Nordfassade des Hauses L.________, Brunnen, GB xx, in den Untergrund einge- brachten Mikropfähle und Anker innert 6 Monaten seit Rechtskraft der Entfernungsverpflichtung, ev. innert welcher vom Richter festzulegen- den Frist, restlos zu entfernen und entlang der Nordfassade die glei- che wie bei den anderen Fassaden eingebrachte Zementinjektion in den Baugrund einzubringen, dies unter fachlicher, vom Richter anzu- ordnender Aufsicht, welche der Klägerin den Bauverlauf zu rapportie- ren hat, wobei dieser Verpflichtung unter Androhung einer Busse von Fr. 500.00, evtl. wie viel, für jeden Tag der gänzlichen oder teilweisen Nichterfüllung anzuordnen seien, und b. die Klägerin im Fall der teilweisen oder gänzlichen Nichterfüllung der Verpflichtung gemäss Ziffer (2) lit. a zu ermächtigen, die Beseitigung Kantonsgericht Schwyz 4 der im Jahre 2006 unter der Nordfassade des Hauses L.________, Brunnen, GB xx in den Untergrund eingebrachten Mikropfähle und Anker sowie das Einbringen von Zementinjektion auf Kosten der Be- klagten vorzunehmen, soweit die richterliche Anordnung gemäss Zif- fer 2 lit. a durch die Beklagte nicht innert 6 Monaten, ev. innert wel- cher vom Richter festzulegenden Frist, seit Rechtskraft der Entfer- nungsverpflichtung nicht bzw. nicht restlos erfolgt sein sollte. Mit Urteil vom 15. Juli 2015 (ZGO 2011 8) verpflichtete das Bezirksgericht die Beklagte, die Mikropfähle und Anker zu entfernen und wies im Übrigen die Klage ab (Dispositivziff. 1). Auf eine Widerklage trat es nicht ein (Dispositiv- ziff. 2). Beide Parteien fochten das Urteil beim Kantonsgericht an. Dieses hob in Gutheissung der Berufung der Klägerin Dispositivziffern 1 sowie 3 bis 5 des vorinstanzlichen Urteils auf und wies die Sache zur Neubeurteilung zurück (ZK1 2015 43 und 44 vom 17. Mai 2016). C. Das Bezirksgericht holte zur Frage der Auswirkungen der von der Be- klagten veranlassten Unterfangungen der Nordfassade des „L.________“ mit Mikropfählen auf dessen Fundation in dem unter neuer Nummer geführten Verfahren (ZGO 2016 14) das Gutachten vom 30. Oktober 2017 ein (Vi- act. 16 und 19). Mit Verfügung vom 2. Juli 2018 wies die Verfahrensleitung den Antrag der Klägerin auf Erstellung eines Obergutachtens ab (Vi-act. 39). Unter Bezugnahme auf diese Verfügung forderte die Klägerin am 13. Juli 2018 erneut ein ihres Erachtens unumgängliches Obergutachten und ersuchte um Ausstand der Verfahrensleiterin und der am ersten Rechtsgang beteiligten Laienrichter (Vi-act. 42). Das Bezirksgericht wies das Ausstandsgesuch am 5. September 2018 ab (Vi-act. 46). An der Hauptverhandlung vom 20. De- zember 2018 hielten die Parteien ihre Schlussvorträge (Vi-act. 53). Mit Urteil vom 27. Dezember 2018 (Vi-act. 56 f.) verpflichtete das Bezirksgericht die Beklagte, der Klägerin einen Betrag von Fr. 40‘000.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. April 2006 zu bezahlen, und wies die Klage im Mehrbetrag ab (Dispo- sitivziff. 1). Im Weiteren vermerkte das Gericht das rechtskräftige Nichteintre- ten auf die Widerklage im ersten Rechtsgang (Ziff. 2) und regelte die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. 3 und 5 bei fehlender Ziff. 4). Dagegen erhob Kantonsgericht Schwyz 5 die Klägerin am 4. Februar 2019 rechtzeitig Berufung. Sie beantragte, das angefochtene Urteil in den Dispositivziffern 1, 3 und 5 aufzuheben und die Sache zur neuen Beurteilung zurückzuweisen und die Vorinstanz anzuweisen, das Verfahren in neuer personeller Gerichtszusammensetzung durchzuführen (Ziff. 2.a) sowie ein Obergutachten (Ziff. 2.b) und ein Gutachten zur konkreten Schadensberechnung für die Unterfangung der Fundation der Ost-, West- und Südfassade des Hauses L.________ einzuholen. Eventualiter wird Schaden- ersatz von Fr. 950‘000.00, subeventuell Schadenersatz von Fr. 261‘955.00 (ohne Kosten der Aufhebung der Mischfundierung von Fr. 688‘045.00) und die Entfernung der Mikropfähle und Anker an der Nordfassade unter Einbringen von Zementinjektionen wie bei den anderen Fassaden im Sinne der erstin- stanzlichen Eventualbegehren (vgl. oben lit. B) beantragt. Die Beklagte be- antwortete die Berufung am 11. März 2019 und stellte den Antrag, die Beru- fung vollumfänglich abzuweisen, sofern auf diese eingetreten werden könne;- und in Erwägung: 1. Die Beklagte beanstandet, dass die Klägerin keinen reformatorischen Hauptantrag gestellt habe. Zudem macht sie geltend, die Klägerin stelle im Vergleich zur erstinstanzlichen Replik neue Anträge. Sie verlange im Eventu- alantrag nebst der Entfernung der Mikropfähle und Anker neu Schadenersatz. a) Es ist nicht zu beanstanden, dass die Klägerin, die laut der Berufungs- begründung das Bezirksgerichtsurteil vorab wegen formeller Fehler weiter- zieht, hauptsächlich die Rückweisung verlangt, und nur für den Fall, dass sie damit nicht durchdringt, reformatorische Eventualanträge stellt. b) Soweit die Klägerin subeventualiter zusätzlich zur Entfernung der Mi- kropfähle und Anker neben der um die Kosten der Aufhebung der Mischfunda-Kantonsgericht Schwyz 6 tion reduzierten Schadenersatz fordert (Fr. 261'955.00), scheint dies nur auf den ersten Blick einer unzulässigen Klageänderung gleichzukommen. Sie be- antragte nämlich schon in der erstinstanzlichen Replik vom 18. November 2013 für den Fall, dass sie mit dem Teil ihrer Schadenersatzforderung gemäss Ziff. 1 (vgl. oben lit. B; vgl. auch ZGO 2011 8 Vi-act. 51 S. 7 und 35 bzw. ZGO 2016 14 Vi-act. 54 Ziff. 43) für die Aufhebung der Mischfundation nicht durchdringe, die Entfernung der Mikropfähle und Anker bzw. die Ermäch- tigung zur Ersatzvornahme im Falle der Nichtentfernung. Es handelt sich da- her im Berufungsverfahren nicht um eine Klageänderung, sondern nur um eine Verdeutlichung der Klagebegehren (vgl. dazu Pahud in Brunner/Gas- ser/Schwander, ZPO Kommentar, 2. A. 2016, Art. 227 ZPO N 4) für den Fall, dass sie mit ihrer Schadenersatzforderung im Umfang der Kosten für die Auf- hebung der Mischfundierung von Fr. 688‘045.00 nicht durchdringt. An den anderen Schadenersatzpositionen hielt sie auch für diesen, im ersten Beru- fungsurteil (ZK1 2015 43 und 44 vom 17. Mai 2016 E. 6.d und 7) nicht behan- delten Fall fest (Gutachterkosten Fr. 139‘047.00, vorprozessuale Anwaltskos- ten Fr. 64‘791.00 und Zementinjektionen als Sofortmassnahmen Fr. 58‘117.00 inkl. Planungs- und Ingenieurarbeiten). 2. Im ersten Rechtsgang stellte die erste Zivilkammer fest, dass die Vor- instanz die Klage in Bezug auf Art. 679 bzw. Art. 685 f. ZGB zu Recht verwarf (ZK1 2015 43 und 44 E. 5.b in fine). Davon ausgehend, dass der Eventualan- trag nur für den Fall gestellt wird, dass der Hauptantrag in Bezug auf den Schadenersatz für die Aufhebung der Mischfundation nicht stattgegeben wird (ebd. E. 5.b), wurde weiter ausgeführt (ebd. vor E. 6 vor lit. a): Da vorliegend die baupolizeiliche Gefahrenabwehr ohnehin erst nach- träglich eingriff, war der Beklagten das eigenmächtige Einbringen von Mi- kropfählen und Ankern während des Wiederaufbaus verboten und die Klägerin kann grundsätzlich aus Besitzesschutz für durch die in der Ver- gangenheit erfolgte Störung eingetretenen Schäden Ersatz verlangen. und weiter (ebd. E. 6.b in fine):Kantonsgericht Schwyz 7 Das Gericht hat die Beweisbarkeit des klägerischen Vorbringens zu prü- fen, ob die behauptete Instabilität des Fundaments des „L.________“ auf das Einbringen der Mikropfähle und Anker zurückzuführen ist und ob deshalb zur Wiederstabilisierung die Massnahmen ergriffen werden mussten, für welche die Klägerin Schadenersatz beanspruchen will […]. Das solle auch für Reparaturarbeiten gelten, welche allenfalls zur Behebung der Fundamentinstabilität und der Abwendung weiterer Schäden erforderlich seien. Es sei zu prüfen, was die Klägerin durch die behauptete Besitzes- störung am Fundament des „L.________“ als beschädigt darstelle (ebd. E. 6.c). Die Klägerin klagte die Aufhebung der Mischfundation auf verschiedene Arten ein: Entweder verlangte sie Schadenersatz für Unterfangungen der Ost-, Süd- und Westfassade mit Mikropfählen in der geschätzten Höhe von Fr. 688‘045.00 (Hauptantrag) oder die Entfernung der von der Beklagten an der Nordfassade eingebrachten Mikropfähle und Anker verbunden mit Ze- mentinjektionen (Eventualantrag). Die Entfernung ordnete das Bezirksgericht im ersten Urteil an. Im zweiten Urteil sprach es der Klägerin ebenfalls keinen Schadenersatz für die Aufhebung der Mischfundation zu (angef. Urteil E. II/7.4), obwohl es annahm, dass die Klägerin bezüglich der Schadenersatz- forderung von Fr. 688‘045.00 die Aufhebung der Mischfundation mit der Mass- nahme der Unterfangung der übrigen drei Fassaden gleichsetzte (ebd. E. II/7.4.2 S. 35 unten f.). Deren zur alternativen Aufhebung der Misch- fundation gestellten, nicht bezifferten Eventualantrag (im Gutachten Vi-act. 19 S. 22 Ziff. 44 grob auf Fr. 80‘000.00 bis 90‘000.00 geschätzt), die von der Be- klagten an der Nordfassade eingebrachten Mikropfähle und Anker zu entfer- nen und in den Untergrund Zement zu injizieren, behandelte es mit der Be- gründung nicht (mehr), die Kosten der im Sinne einer Sofortmassnahme be- reits ausgeführten Zementinjektionen unter die anderen drei Fassaden stellten die notwendigen Kosten für die Aufhebung der Mischfundation dar (ebd. E. III/1). Dafür sprach es der Klägerin Fr. 40‘000.00 zu (anstatt der in- kl. Plan- und Ingenieurkosten von Fr. 13‘580.00 insgesamt verlangten Fr. 58‘117.00, dazu ebd. E. II/7.3 und E. II/8). Kantonsgericht Schwyz 8 a) Dass die Klägerin quasi in Umkehrung der Klagegründe von Art. 928 Abs. 2 ZGB zur Hauptsache Schadenersatz verlangt, ist, wie die Vorinstanz zutreffend feststellte, nicht rechtsmissbräuchlich, nachdem sie öffentlich- rechtlich zur Duldung der von der Beklagten eingebrachten Mikropfähle und Anker verpflichtet wurde (vgl. angef. Urteil E. II/1.). Die Klägerin verlangte im Eventualstandpunkt jedoch die Beseitigung der eingebrachten Mikropfähle. Ein verschuldensabhängiger Schadenersatzanspruch kann neben die ver- schuldensunabhängigen Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche treten (Jacobi/Marro, Klagen und Rechtsbehelfe im Zivilrecht, 2016, Rz 12.57; Sut- ter-Somm, SPR V/1, 2. A. 2014, N 1340; Homberger, ZK, Art. 928 ZGB N 17), weshalb die Vorinstanz das eventualiter gestellte Beseitigungsbegehren im zweiten Urteil zu Unrecht offenliess. b) Nachdem die Vorinstanz den Schadenersatz für die Kosten einer Aufhe- bung der Mischfundation durch Unterfangungen der Ost-, Süd- und Westfas- sade ablehnte, hätte sie den im ersten Urteil noch teilweise gutgeheissenen Eventualantrag auf Beseitigung der eigenmächtig eingebrachten Mikropfähle und Anker behandeln müssen (so schon ZK1 2015 43 und 44 E. 5.b und 6.a; auch angef. Urteil E. I/3 in fine) und es nicht ohne Weiteres durch die kosten- günstigere, die Besitzesstörung hinnehmende Ersatzlösung der Zement- injektionen unter die anderen drei Fassaden erledigt betrachten dürfen. Somit bleibt wie schon im ersten Rechtsgang weiterhin ein wesentlicher Teil der Kla- ge nicht beurteilt, womit die Berufung gutzuheissen, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung zurückzuweisen ist (Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 ZPO). Offen liess die Vorinstanz nicht nur kleine Lücken, sondern einen eventualiter gestellten Beseitigungsantrag (vgl. dazu Spühler, BSK, 3. A. 2017, Art. 318 ZPO N 5). Hinzu kommt, worauf nachfolgend näher einzugehen ist, dass auch der Sachverhalt in wesentlichen Teilen zu ver- vollständigen ist (Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff. 2 ZPO).Kantonsgericht Schwyz 9 3. Die Vorinstanz stellte in Bezug auf die Fragen nach dem tatsächlich eingetretenen Schaden und der Kausalität fest, diese liessen sich nicht auf- grund der von den Parteien eingereichten Belege beantworten. Es gehe um die Beurteilung eines hochtechnischen Sachverhalts, der dem Gericht nur beschränkt zugänglich sei. Die bereits in den Akten liegenden Fachbeurteilun- gen würden sich sodann in verschiedenen Punkten widersprechen. Das Ge- richtsgutachten (Vi-act. 19) hielt die Vorinstanz entgegen den Vorbehalten der Klägerin, welche ein Obergutachten verlangte, weder für fehlerhaft noch er- gänzungs- bzw. erläuterungsbedürftig (angef. Urteil E. II./6.2). a) Das Gericht kann ein unvollständiges, unklares oder nicht gehörig be- gründetes Gutachten auf Antrag einer Partei oder von Amtes wegen ergänzen und erläutern lassen oder eine andere sachverständige Person beiziehen (Art. 188 Abs. 2 ZPO). Es prüft von Amtes wegen, ob ein Gutachten vollstän- dig, klar und schlüssig begründet ist (Dolge, BSK, 3. A. 2017, Art. 188 ZPO N 7). Zutreffend enthielt sich die Vorinstanz der einem Gericht nicht möglichen inhaltlichen Kontrolle des Gutachtens. Dennoch lässt sich die erforderliche Qualität eines Gerichtsgutachtens nach den eben genannten Kriterien im Hin- blick auf die Auftragserteilung und den gestellten Einzelfragen gerichtlich überprüfen (vgl. dazu Dolge, a.a.O., Art. 183 ZPO N 7 f. i.V.m. Art. 188 ZPO N 7). b) Vorab ist kurz auf die Beweiseignung der mit dem Schlussvortrag der Klägerin im zweiten Rechtsgang erstinstanzlich eingereichten Aufarbeitung der geotechnischen Sachlage einzugehen (Vi-act. 55). Dabei handelt es sich um einen privat in Auftrag gegebenen Bericht, mithin um eine blosse Partei- behauptung und kein zivilprozessuales Beweismittel (vgl. BGE 141 III 433). Soweit die Klägerin ihre Ausführungen über die Mängel des Gutachtens im Schlussvortrag auf diesen Bericht abstützt, unterliegen sie nicht der Noven- schranke von Art. 229 ZPO und sie sind als Stellungnahme zur Würdigung Kantonsgericht Schwyz 10 des Gutachtens im Zusammenhang mit den anderen Beweismitteln nicht von Vornherein unbeachtlich. c) Wesentlich ist, dass sich die Gutachterin an den Auftrag und die darin gestellten Fragen hält (Dolge, a.a.O., Art. 183 ZPO N 8). Vorliegend verlangt die Klägerin zur Hauptsache Ersatz für die Reparatur der angeblich durch das Einbringen der Mikropfähle und Anker gestörte Tragfähigkeit ihres Untergrun- des (vgl. dazu ZK1 2015 43 und 44 E. 6.c mit Hinweis). Die erstinstanzliche Verfahrensleitung beauftragte die Gutachterin mit der Expertise über die Aus- wirkungen der von der Beklagten veranlassten Unterfangung der Nordfassade des auf der klägerischen Liegenschaft stehenden Gebäudes „L.________“ mit Mikropfählen auf dessen Fundation und der Beantwortung konkreter Fragen des Gerichts und der Parteien (Vi-act. 16). Wenn die Expertin Fundament und Tragkonstruktion des Gebäudes „L.________“ nach aktuellen Baunormen beurteilt und danach die tatsächlichen Auswirkungen der Unterfangung quanti- fiziert (Vi-act. 19 S. 14 f.), geht sie über das auf die Auswirkungen der Unter- fangung der Nordfassade auf die Fundation beschränkte Auftragsthema hi- naus. Dies ist ihr jedoch angesichts der über den eigentlichen Auftrag hinaus- führenden Einzelfragen des Gerichts und der Parteien umso weniger vorzu- werfen, als sie nachvollziehbar darlegt, dass sich konstruktive Ansprüche aus der Analyse von das Fundament und die Tragkonstruktion des Hochbaus um- fassenden Kräften ergeben (ebd. etwa S. 12 und S. 20 Ziff. 2). aa) Zutreffend rügt die Klägerin, dass die Feststellungen der Expertin, es sei „einschneidender“, statt einfach nur die Wiederherstellung der ursprünglichen Stabilität bzw. ausschliesslich nur die Fundation zu betrachten, unter anderem das Tragsystem bezüglich differenzieller Setzungen im Erdbebenfall zu prüfen (Vi-act. 19 S. 20 f. Fragen 3.1 und 3.3 f.), am Prozessthema vorbeigehen. Es geht nicht um die Tragsicherheit des Fundaments und der Gebäudestatik im Erdbebenfall, sondern darum, inwiefern das vorbestehende Interaktions- gleichgewicht zwischen Fundation und Gebäudekonstruktion durch das ei-Kantonsgericht Schwyz 11 genmächtige Einbringen der Mikropfähle und des Ankers durch die Beklagte gestört wurde und wie sich dieser Eingriff auswirkt. Die gutachterlichen Fest- stellungen sind indes auf die Frage der vorinstanzlichen Verfahrensleitung zurückzuführen, welche Vorkehren ausgehend von der heutigen Situation sinnvoll mit Blick auf einen sicheren Fortbestand des „L.________“ seien (Vi- act. 16 Frage des Gerichts 3.4). Die Frage und die gutachterlichen Überle- gungen implizieren jedoch, dass diese Interaktion zwischen Fundament und Gebäudekonstruktion des „L.________“ schon vor der streitrelevanten Unter- fangung der Nordfassade prekär war. Dazu führte die Gutachterin unter ande- rem in der Beantwortung der zweiten Frage des Gerichts aus (Vi-act. 19 S. 20 sowie schon S. 17): Der Umstand, dass die Tragkonstruktion des Haus[es] L.________ gene- rell zu knappe Reserven aufweist, nicht über gute Umlagerungsmöglich- keiten von Lasten verfügt und daher sehr sensibel ist, führt erst dazu, dass die ausgeführte Unterfangung eine geringe Verschlechterung der Situation darstellt. Wäre die Tragkonstruktion robust und mit genügend Reserven ausgebildet, wäre die ausgeführte Unterfangung praktisch be- deutungslos. Insoweit sagt die Gutachterin nicht, dass die teilweise aus dem 19. Jahrhun- dert stammende (vgl. BB 22) Tragkonstruktion des „L.________“ schon nach früher geltenden Normen instabil gewesen sei, statuiert aber in Bezug auf die von ihr zuvor dargelegten aktuellen Baunormen (dazu ebd. S. 14 f.), sie hätte besser sein können, so dass sich der Eingriff der Beklagten geringfügiger ausgewirkt hätte. Damit legt sie ihrer Beurteilung jedoch einen aktuellen Soll- Zustand zugrunde, ohne darzutun, dass solche Modellierungsanforderungen zwischen Fundament und Tragwerk bereits im Zeitpunkt der Errichtung bzw. des letzten erheblichen Umbaus des „L.________“ bestanden hätten. bb) Die Gutachterin äussert sich in der Antwort auf die erste Frage der Klä- gerin nach der Notwendigkeit, vor dem Einbringen der Mikropfähle und Anker die bestehende Fundation und Statik abzuklären, dahingehend, dass diese Abklärungen zum Zeitpunkt der Erstellung der Mikropfähle vorgelegen hätten Kantonsgericht Schwyz 12 und der generell prekäre Zustand der Tragkonstruktion nicht hätte erkannt werden müssen (Vi-act. 19 S. 22 f.). Wenn sie weiter ausführt, sie erkenne aus den Unterlagen jedoch nicht, ob diese Abklärungen regelkonform schon bei Baubeginn vorgelegen hätten, widerspricht dies ihrer Feststellung, dass bei bestehenden Bauten eine genügende Sicherheitsmarge vermutet werden dürfe (ebd. S. 13 f.). Wann welche Unterlagen bzw. welches Wissen bei der Beklagten vorhanden war, sind jedoch für die Beurteilung des Verschuldens erhebliche und nicht von der Expertin zu beantwortenden Fragen (vgl. dazu noch unten E. 4.b). cc) Ferner wurden im Gutachten ebenfalls die ersten beiden Fragen der Beklagten überdehnt beantwortet. So wird diejenige nach dem Zustand der Fundation des „L.________“ vor Einbringung der Mikropfähle mit Einschät- zungen über das Ungenügen des Untergrundes und einem Vergleich von Fundation- und Gebäudezustand im Erdbebenfall ergänzt (Vi-act. 19 S. 26): Die Fundation des Haus[es] L.________ zeigte meines Wissens unter üblichen Lasten des Gebäudes keine Anzeichen, die auf eine mangelhaf- te Fundation hinweisen. Trotzdem gehe ich davon aus, dass der Unter- grund unter den Fundationen schon vor dem Bau des Hotels I.________ gewisse Hohlräume aufwies und damit ungenügend war. Die Tragsicher- heit war für den Erdbebenfall mutmasslich nicht genügend (Einzelfunda- mente, nicht verbunden). Allerdings ist davon auszugehen, dass im Erd- bebenfall das Gebäude vor der Fundation versagt hätte. Die Antwort auf die zweite Frage nach dem Zustand des Tragsystems des Gebäudes wird auf zumindest an dieser Stelle nicht näher konkretisierte Nor- men und Sicherheitsmargen ausgerichtet (dazu vgl. oben lit. aa): Das Tragsystem bzw. einzelne Bauteile waren gemäss den Unterlagen nur gerade noch stabil. Insbesondere auf Erschütterungen reagierte das Tragsystem extrem sensitiv. Erforderliche Tragsicherheiten gemäss Norm waren sicher massiv unterschritten. Der Zustand des Gebäudes war kritisch. Dass im Erdbebenfall die Fundation länger als das Tragsystem des Gebäudes gehalten hätte, ist nicht nachvollziehbar, nachdem die Gutachterin die Funda-Kantonsgericht Schwyz 13 tion im Unterschied zur Tragkonstruktion ausdrücklich als nicht genügend be- zeichnete (ebd. S. 14) bzw. davon ausging, dass unklar sei, wie hoch die Si- cherheitsmarge gegenüber dem Tragsicherheitsversagen war. dd) Angesichts dieser Unklarheiten bleibt die fallrelevante Kernaussage des Gutachtens, dass die durch die eigenmächtige Unterfangung der Nordfassade des „L.________“ durch die Beklagte geschaffene Mischfundation mangels robuster Gebäudekonstruktion zu einer nicht quantifizierbaren Verschlechte- rung der Situation geführt haben dürfte (etwa ebd. S. 17 und S. 20 Frage 2), schwierig einzuordnen. Dies umso mehr, als das Gutachten eine hinsichtlich der Auswirkungen der Mischfundation massgebliche Frage, ob die einge- brachten Mikropfähle auf den Felsen abgestellt sind, ebenso offenlässt wie die konkreten Umstände und den zeitlichen Horizont ihrer Vermutung, der Anteil an der Mantelreibung der Pfähle übersteige deren Spitzenwiderstand deutlich (ebd. S. 15). Die zur Klärung des hauptsächlichen Schadenersatzbegehrens zentrale Frage, ob weitere Pfählungen unter den übrigen Fassaden nötig sei- en, vermag die Gutachterin nicht abschliessend zu beantworten, ohne dies näher zu erläutern. Stattdessen äussert sie sich wiederum hinsichtlich der von ihr verneinten Zweckmässigkeit eines solchen Vorgehens in Bezug auf den Erdbebenfall und einer Auslegung der (geltenden) SIA-Normen (ebd. S. 21 Ziff. 3.3). Aufgrund dieser vorläufigen Beurteilung des Gutachtens stellt sich die Frage, welche Ausführungen der Expertin unbeachtlich sind und welche verwertbar bleiben (Dolge, ebd.; vgl. dazu noch im Zusammenhang zur Frage des Verschuldens, unten E. 3.b). Dies betrifft namentlich die über das eigentli- che Prozessthema hinausgehende Beurteilung der vorbestehenden Gebäu- destatik des „L.________“ nach aktuellem Stand der Bautechnik, wodurch auch rechtliche Fragen nach dem Zweck des durch die Klägerin geltend ge- machten Besitzesschutzes tangiert erscheinen, der auf die Wiederherstellung der vorbestehenden Fundation gerichtet ist. Kantonsgericht Schwyz 14 d) Deshalb hätte sich die Verfahrensleitung der Vorinstanz nicht mit der Stellungnahme der Gutachterin zu der nach dem Gesagten nicht von Vorn- herein unbegründeten klägerischen Kritik an deren Arbeit begnügen dürfen. Die Zusicherung der Gutachterin, den Auftrag nach Treu und Glauben ausge- führt, die Fragen nach ihrem Verständnis der Sachlage beantwortet und die ihrer Ansicht nach dazu erforderlichen Grundlagen erhoben zu haben (Vi-act. 35), genügten zur Sachverhaltsklärung vor Gericht nicht. Namentlich die Fest- stellung, die Annahme der Gutachterin, das Fundament des „L.________“ habe bereits vor dem beklagtischen Eingriff nicht dem Stand der Technik ent- sprochen, sei also bereits damals ungenügend gewesen, sei nachvollziehbar und plausibel (vgl. angef. Urteil E. 7.2.1.2 in fine), vermag die Berufungsin- stanz nach dem Gesagten, jedenfalls soweit dies in Bezug auf Normen der aktuellen Bautechnik bzw. deren Anforderungen an eine Tragsicherheitsmar- ge geschieht, nicht zu folgen. Unvollständig abgeklärt erscheint der Sachver- halt hinsichtlich der Auswirkungen der Mischfundation, solange die Dauerhaf- tigkeit der Stabilität mit Unterfangung der Nordfassade im Vergleich mit der früheren Situation ohne Unterfangung offen und unklar ist, ob die eingebrach- ten Mikropfähle auf Felsen stehen oder nicht. Diese Tatsachen scheinen für die Frage der Quantifizierbarkeit der von der Gutachterin im Grundsatz fest- gestellten Verschlechterung der Situation durch die eigenmächtige Unterfan- gung durch die Beklagte erheblich zu sein. Die Möglichkeiten entsprechender Untersuchungen und quasi bauingenieur-historischer Beurteilungen wurde immerhin bislang soweit ersichtlich nicht in Frage gestellt. Zudem wies die Gutachterin ausdrücklich darauf hin, zur detaillierteren Stellungnahme wieder- um die retournierten Gerichtsakten zu benötigen. Insoweit rechtfertigt sich die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz also auch zur Vervollständigung des Sachverhalts bzw. zur Klärung entsprechender tatsächlicher Verständnis- fragen im Hinblick auf das relevante Prozessthema (Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff. 2 ZPO). Kantonsgericht Schwyz 15 4. Aus diesen Gründen ist die Berufung gutzuheissen, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung wiederum an die Vor- instanz zurückzuweisen. Im Weiteren ist noch auf Folgendes hinzuweisen, wobei im Berufungsverfahren unbehandelte Punkte der bislang ergangenen beiden erstinstanzlichen Urteile nicht verbindlich erledigt sind: a) Zutreffend ging die Vorinstanz davon aus, dass der Beklagten verbotene Eigenmacht und mithin eine widerrechtliche Besitzesstörung vorzuwerfen ist (angef. Urteil E. 4). Dieser Punkt wurde für die kantonalen Gerichtsinstanzen im ersten Rechtsgang verbindlich erledigt (ZK1 2015 43 und 44 vom 17. Mai 2016 vor E. 6.a bzw. oben E. 1.b). Die Störung ist ohne Weiteres als über- mässig zu qualifizieren, nachdem sie die baupolizeiliche Gefahrenabwehr zur Folge hatte und die Vorinstanz zutreffend annahm, dass sie zumindest im Rahmen der Sofortmassnahmen zu ersatzpflichtigen Kosten führte. Ob da- durch der Klägerin weitergehende Schäden entstanden, wird die Vorinstanz erneut beurteilen müssen (vgl. noch unten lit. c und d). b) Das bewusste Missachten der Schranken des Eigentums der Klägerin lastete die Vorinstanz der Beklagten als grobe Fahrlässigkeit begründende rücksichtslose Sorgfaltswidrigkeit an (angef. Urteil E. 5.2). Sie beurteilte das Verschulden ohne weitere Begründung in Relation zum Schädigungserfolg. Dies ergibt sich aus dem Wortlaut von Art. 41 Abs. 1 OR, wonach zum Ersatz verpflichtet ist, wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus Fahrlässigkeit. Dass die Unterfangung der Nordfassade des „L.________“ planmässig (KB 7), mithin absichtlich erfolgte, steht vorlie- gend ausser Frage, diente doch die Unterfangung eingestandenermassen der Abstützung der Nordfassade der Liegenschaft der Klägerin (ZGO 2011 8 Vi- act. 57 Duplik S. 15). Dem trug die Vorinstanz damit Rechnung, dass sie die Sorgfaltswidrigkeit als rücksichtslos qualifizierte. Dass sich das Verschulden auf die Schadenszufügung erstreckt, lässt sich aus der Anspruchsnorm von Art. 928 Abs. 2 ZGB nicht ableiten. Die Verschuldensvoraussetzung braucht Kantonsgericht Schwyz 16 indes vorliegend in rechtsdogmatischer Hinsicht nicht weiter vertieft zu wer- den. Die Vorinstanz führte aus, dass das von der Beklagten in Auftrag gege- bene Gutachten vom 14. September 2004 (vgl. KB 6) – mithin vor Baubeginn – festhielt, bei einem Bau eines Tiefgeschosses auf dem beklagtischen Grundstück sei in jedem Fall mit Schäden an der Nachbarbebauung zu rech- nen und das Risiko für das Ausmass entsprechender Schäden ohne umfang- reiche technische Untersuchungen nicht einschätzbar. Zudem soll auch die Klägerin in ihrer Baueinsprache (s. KB 4) auf entsprechende Risiken hinge- wiesen haben (angef. Urteil E. II./5.2). Unter diesen Umständen ist nicht nach- vollziehbar, dass im angefochtenen Urteil ohne weitere Begründung die In- kaufnahme des Schädigungserfolges im Sinne des Eventualvorsatzes ausge- schlossen wurde. Es wird zu prüfen sein, inwiefern die Beklagte um der Ver- wirklichung ihres Bauvorhabens inkl. Untergeschoss willen Schäden am Hotel „L.________“ in Kauf nahm oder nicht, zumal sie trotz ausdrücklichen Hinwei- ses im Bericht vom 14. September 2004 (KB 6 S. 7 Ziff. 1) keine Einwilligung der Beklagten für die Unterfangung der Nordfassade einholte. c) Zu den Erwägungen der einzelnen Schadenspositionen im angefochte- nen Urteil (angef. Urteil E. 7.3 ff.) bleibt Folgendes anzumerken. Die grundsätzlich anerkannten (ebd. E. 7.3) Kosten für die Zementinjektionen (Fr. 58‘117.00) kürzte die Vorinstanz mit der Begründung, dass das unzurei- chende Tragsystem ein massgebender Faktor für die Entstehung des Scha- dens darstelle und das diesbezügliche Selbstverschulden der Klägerin ins Verhältnis zur Grösse des Verschuldens der Beklagten zu setzen sei (ebd. E. 8.3). Nach dem Gesagten (oben lit. b) wird indes das Bezirksgericht das Ver- schulden der Beklagten nochmals eingehender zu beurteilen und mithin neu mit einem allfälligen Selbstverschulden, das jedoch vorliegend nach den nöti- gen Präzisierungen bzw. Ergänzungen des Gutachtens (vgl. oben E. 3) vor- läufig auch noch nicht feststeht, zu vergleichen haben. Die Schadensposition für die Aufhebung der Mischfundation (Fr. 688‘045.00) kann vorläufig eben- falls nicht mit der Begründung abgelehnt werden, dass das diesbezüglich teil-Kantonsgericht Schwyz 17 weise über das eigentliche Prozessthema hinausgehende Gutachten eine vertiefte Analyse der Tragkonstruktion des „L.________“ empfiehlt, welche nicht der einseitigen Unterfangung durch die Beklagte, sondern dem vorbe- stehenden Zustand der Fundation des „L.________“ geschuldet sei. Die Zwei- fel der Zweckmässigkeit der Expertin an einer solchen Behebung der Misch- fundation ändern nichts an der grundsätzlichen Verantwortung der Beklagten bezüglich der Konsequenzen des ihr verbotenen Eingriffs in die Fundation des „L.________“ auf dessen Tragkonstruktion einerseits und des Anspruchs der Klägerin auf Wiederherstellung der vor der eigenmächtigen Änderung beste- henden Verhältnisse (Ernst, BSK, 6. A 2019, vor Art. 926-929 ZGB N 3 und 33) bzw. des Ersatzes der Kosten der Behebung der Wirkungen der bereits erfolgten Störungen (ebd. Art. 928 ZGB N 13) andererseits. d) Kurz zusammengefasst hielt die Vorinstanz die Kosten für das Privat- gutachten der Klägerin nach Erstellung eines mit den Konsequenzen der Mischfundation zumindest schon teilweise befassten Behördengutachtens (vgl. BB 19) nicht mehr für erforderlich (angef. Urteil E. 9.1.1 ff.). Da weder die Bedeutung der durch die verbotene Einbringung der Mikropfähle und Anker entstandenen Mischfundation im Vergleich zur vorbestehenden Stabilität des Tragsystems des „L.________“ (vgl. oben E. 3) geklärt ist noch die Verschul- densfragen verbindlich erledigt sind (vgl. oben lit. b), ist es unzweckmässig, die entsprechenden Rügen der Berufungsführerin hier zu behandeln. Die Fra- ge der Haftung für den Gutachteraufwand wird die Vorinstanz insgesamt ebenso neu zu beurteilen haben wie diejenige für die Anwaltskosten, kann doch der Klägerin vorläufig nicht vorgeworfen werden, den aufgrund der ver- botenen Eigenmacht der Beklagten entstandene Aufwand ihres Anwalts von demjenigen nicht hinreichend substantiiert abgegrenzt zu haben, welcher durch das mutmasslich selbstverschuldete ungenügende Tragsystems des „L.________“ bedingt wäre.Kantonsgericht Schwyz 18 5. Mithin ist in Gutheissung der Berufung der Klägerin das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen antragsgemäss zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz, welche die Klage und den Sachver- halt in wesentlichen Teilen nicht bzw. unvollständig beurteilte, zurückzuwei- sen. Grundsätzlich besteht bei einer Rückweisung kein Anlass, die Vorinstanz anzuweisen, in anderer Besetzung die erforderliche Neubeurteilung vorzu- nehmen. Es ist vorläufig nicht offensichtlich, dass es den Richtern der ersten Instanz nur darum ging, das Ergebnis des ersten Rechtsganges „durchzubo- xen“, wie das die Klägerin mutmasst. Allein der Umstand, dass das Beru- fungsgericht das Gerichtsgutachten anders beurteilt als das Bezirksgericht, bietet umso weniger Anlass an der Unbefangenheit der erstinstanzlichen Rich- ter zu zweifeln, als sich auch die Sachverständigen schwertun, die vorliegen- den Auswirkungen des eigenmächtigen Eingriffs der Beklagten in das Funda- ment des Hotels der Klägerin schlüssig zu beurteilen. Dass es nunmehr das Bezirksgericht unterliess, den Eventualantrag zu behandeln, mag auch daran liegen, dass die Klägerin das Verhältnis von Haupt- und Eventualantrag erst im Berufungsverfahren explizit verdeutlichte (vgl. dazu oben E. 1). Es bleibt auch der vorinstanzlichen Verfahrensleitung überlassen, das vorliegende Gut- achten im Sinne der Erwägungen (oben E. 3) ergänzen zu lassen oder ein Obergutachten – allenfalls unter Begutachtung einer konkreten Schadensbe- rechnung im Umfang des Hauptantrages – einzuholen. Ausgangsgemäss (Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 95 Abs. 1 ZPO) hat die Beklagte die aufgrund des beschränkten Beschlussgegenstands reduzierten Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen und die Klägerin zu entschädigen;- beschlossen:Kantonsgericht Schwyz 19 1. In Gutheissung der Berufung der Klägerin werden Dispositivziffern 1 sowie 3 bis 5 des angefochtenen Urteils aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückge- wiesen. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 6‘000.00 werden der Be- klagten auferlegt. Sie werden aus dem durch die Klägerin geleisteten Vorschuss von Fr. 31‘000.00 bezogen, so dass der Klägerin noch Fr. 25‘000.00 aus der Kantonsgerichtskasse zurückzubezahlen sind. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für das Berufungsverfahren Fr. 6'000.00 Gerichtskostenersatz zu bezahlen. 3. Die Beklagte wird verpflichtet, die Klägerin für das Berufungsverfahren mit Fr. 5‘000.00 zu entschädigen. 4. Gegen diesen Zwischenentscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung unter den Voraussetzungen von Art. 93 des Bundesgerichtsgesetzes Beschwerde in Zivilsachen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; die Beschwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert beträgt Fr. 950‘000.00. 5. Zufertigung an die Parteivertreter (je 2/R), die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten) und an die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 1. Zivilkammer Der Kantonsgerichtsvizepräsident Der GerichtsschreiberKantonsgericht Schwyz 20 Versand 27. Dezember 2019 kau