Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 28. Januar 2019 STK 2018 37 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin lic. iur. Daniela Pérez-Steiner, Kantonsrichter lic. iur. Walter Züger, Reto Fedrizzi, Bettina Krienbühl und Dr. Stephan Zurfluh, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen A.________, Beschuldigter und Berufungsführer, amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin B.________, gegen 1. Staatsanwaltschaft Innerschwyz, Postfach 562, 6431 Schwyz, Anklagebehörde und Berufungsgegnerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________, 2. D.________, 3. E.________, 4. F.________, Ziff. 2-4 Privatkläger und Berufungsgegner, vertreten durch Rechtsanwalt G.________, betreffend Fahrlässige Tötung, grobe Verletzung der Verkehrsregeln (Berufung gegen das Urteil der Einzelrichterin am Bezirksgericht Schwyz vom 25. Mai 2018, SEO 2017 34);- hat die Strafkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Am 21. Dezember 2017 überwies die Staatsanwaltschaft Innerschwyz der Einzelrichterin am Bezirksgericht Schwyz den Strafbefehl gegen A.________ vom 11. August 2017 als Anklage wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlich grober Verletzung von Verkehrsregeln. Begangen haben soll der Beschuldigte diese beiden Delikte, als er am 22. November 2016 einen Per- sonenwagen und einen ca. 30 bis 40 m weiter vorne fahrenden Lieferwagen, ohne die Strecke überblicken zu können, im Dunkeln überholte und auf der Höhe des Lieferwagens links mit dem am rechten Rand der Gegenfahrbahn entgegenkommenden Motorfahrradfahrer, I.________ sel., kollidierte. I.________ sel. erlag seinen Unfallverletzungen im Spital. Die Staatsanwalt- schaft wollte den Beschuldigten laut überwiesenem, hinsichtlich des Straf- masses unbegründeten Strafbefehl mit einer unter einer zweijährigen Probe- zeit bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 90.00 sowie mit einer unbedingten Busse von Fr. 4‘050.00 (allenfalls einer Ersatzfreiheitsstrafe von 45 Tagen) bestrafen. An diesem Strafmass für die beiden Vergehenstat- bestände hielt sie in ihrem erstinstanzlichen Plädoyer mit dem ausdrücklichen Hinweis fest, dass dieses einer Gesamtstrafe von knapp 230 Tagessätzen entspreche (Vi-act. 23 S. 20 f.). Mit Urteil vom 25. Mai 2018 sprach die Einzel- richterin den Angeklagten unter Feststellung seiner grundsätzlichen zivilrecht- lichen Haftbarkeit im Sinne des überwiesenen Strafbefehls schuldig und be- strafte ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 100.00 und einer Verbindungsbusse von Fr. 4‘500.00. 2. Mit rechtzeitiger Berufungserklärung beantragt der Beschuldigte dem Kantonsgericht, das Urteil der Einzelrichterin aufzuheben, ihn von Schuld und Strafe freizusprechen und von einer zivilrechtlichen Haftung zu befreien, even- tualiter die Strafe sowie die Kosten und Aufwendungen zu reduzieren (KG-act. 3). Die Privatkläger und die Staatsanwaltschaft verzichteten auf Nichteintretensanträge und Anschlussberufungen (KG-act. 5 und 7). Mit pro-Kantonsgericht Schwyz 3 zessleitender Anordnung vom 15. November 2018 stellte die Verfahrenslei- tung die Zuständigkeiten für den Erlass eines Strafbefehls und die Durch- führung eines einzelrichterlichen Verfahrens infrage und zitierte die angesetz- te Berufungsverhandlung ab (KG-act. 17). Die Privatkläger haben auf eine diesbezügliche Stellungnahme verzichtet (KG-act. 18). Die Staatsanwaltschaft (KG-act. 19), die Oberstaatsanwaltschaft (KG-act. 21) und der Beschuldigte (KG-act. 23) bejahen die Zuständigkeit von Staatsanwaltschaft und Einzelrich- terin. 3. Hat die beschuldigte Person im Vorverfahren den Sachverhalt einge- standen oder ist dieser anderweitig ausreichend geklärt, so erlässt die Staats- anwaltschaft einen Strafbefehl, wenn sie, unter Einrechnung einer allfällig zu widerrufenden bedingten Strafe oder bedingten Entlassung, eine der folgen- den Strafen für ausreichend hält: (a) eine Busse, (b) eine Geldstrafe von höchstens 180 Tagessätzen oder (d) eine Freiheitsstrafe von höchstens 6 Monaten (Art. 352 Abs. 1 StPO). Nach dem dritten Absatz dieser Bestim- mung können Strafen nach Absatz 1 Buchstaben b-d miteinander verbunden werden, sofern die insgesamt ausgesprochene Strafe einer Freiheitsstrafe von höchstens 6 Monaten entspricht; eine Verbindung mit Busse ist immer mög- lich. Eine bedingte Strafe kann gestützt auf Art. 42 Abs. 4 StGB mit einer Bus- se nach Artikel 106 verbunden werden. Die Einzelrichterin führte zur Begründung des Strafmasses u.a. Folgendes aus: Weil der Beschuldigte nicht vorbestraft ist, ist davon auszugehen, dass eine Gelstrafe ihre präventive Wirkung erfüllt. Ausserdem erscheint diese zweck- und verhältnismässig. Es ist somit für beide Normverstösse die Geldstrafe als Sanktionsart zu wählen [E. III./1.3.1]. (…). Unter Berück- sichtigung sämtlicher relevanten Strafzumessungskriterien erachtet das Gericht eine Geldstrafe von 225 Tagessätzen als dem Verschulden an- gemessen und gerechtfertigt [E. III./1.3.2]. (…). Unter Berücksichtigung der Strafzumessungskriterien gemäss E. III.1.3.2 hiervor, ist dem Be- schuldigten mangels Einsicht und weil die Widerhandlungen gegen die Verkehrsregeln zumindest teilweise in den Bereich der Massendelin-Kantonsgericht Schwyz 4 quenz fallen, zur bedingten Geldstrafe eine Verbindungsbusse von Fr. 4‘500.00 aufzuerlegen. Nachdem die Verbindungsbusse nicht zu ei- ner Straferhöhung führen soll, ist die oben als Zwischenergebnis festge- stellte und dem Verschulden angemessene Geldstrafe von 225 Tages- sätzen um die mit der Verbindungsbusse abgegoltenen 45 Tagessätzen zu reduzieren. Als schuld- und tatangemessene Strafe resultiert somit ei- ne Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 100.00 und eine Verbindungs- busse von Fr. 4‘500.00 [E. III./3.4]. Aufgrund dieser Erwägungen und dem vorinstanzlichen Plädoyer der Staats- anwaltschaft (vgl. oben E. 1) wird offensichtlich, dass beide Behörden von einer über der Beschränkung von Art. 352 Abs. 1 lit. b StPO liegenden schuldangemessenen Geldstrafe ausgehen, die auch nach einer Umrechnung gemäss Art. 36 Abs. 1 StGB die Schwelle einer äquivalenten Freiheitsstrafe von einem halben Jahr (Art. 352 Abs. 3 Satz 1 StPO) überschreiten würde. Nachfolgend ist mithin zu prüfen, ob im Sinne von Art. 352 Abs. 3 Satz 2 StPO Verbindungsbussen zu Geldstrafen immer möglich sind. Die Oberstaatsan- waltschaft macht nämlich geltend, Bussen seien von der Zusammenrechnung mit anderen Strafarten ausgenommen und könnten immer „zusätzlich“ ver- hängt werden, was sowohl für eine gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB mit einer be- dingten Verbrechens- oder Vergehensstrafe verbundene Busse als auch eine Übertretungsbusse im Fall der Konkurrenz zu einer Verbrechens- oder Verge- henshauptstrafe gelte (KG-act. 21 S. 2). a) Bei der Frage, bis zu welcher Strafhöhe ein Strafbefehl zulässig sein soll, wurde mit Art. 352 Abs. 1 lit. a-d StPO ein Mittelweg vorgeschlagen zwi- schen der Lösung, die bei zu widerrufenden Sanktionen den Erlass eines Strafbefehls ausschliesst, und derjenigen, die für diese Fälle eine Gesamtstra- fe zulässt, die über die für den Strafbefehl vorgesehene maximale Strafhöhe hinausgeht (BBl 2006 II 1290 zu Art. 355). Dieser Vorschlag wurde zum Ge- setz und durch das Parlament mit einem dritten Absatz ergänzt, wonach die Schranke von höchstens sechs Monaten Freiheitsstrafe nicht gilt, wenn zu einer Strafe nach Abs. 1 lit. a-d eine Busse ausgesprochen wird (AB SR 2007 S. 726, Hervorhebung nicht im Original). Die Regel, wonach die Äquivalenz von sechs Monaten Freiheitsstrafe nicht überschritten werden darf, gilt also Kantonsgericht Schwyz 5 nur für „zusätzlich“ (so ausdrücklich Goldschmid/Maurer/Sollberger, Kommen- tierte Textausgabe zur StPO, S. 345 f.; Pieth, Schweizerisches Strafprozess- recht, S. 193) ausgesprochene Bussen nicht. Dass auch von der schuldan- gemessenen Gesamtstrafe abhängige gestützt auf Art. 42 Abs. 4 StGB ange- ordnete Verbindungsbussen von der Schranke ausgenommen wären, liegt nicht auf der Hand. b) Das Bundesgericht äusserte sich in zwei Grundsatzentscheiden zu den Verbindungsstrafen nach Art. 42 Abs. 4 StGB (BGE 134 IV 1 und 60). Diese kommen insbesondere in Betracht, wenn man dem Täter den bedingten Voll- zug einer Geld- oder Freiheitsstrafe gewähren, ihm aber dennoch in gewissen Fällen mit der Auferlegung einer zu bezahlenden Geldstrafe oder Busse einen spürbaren Denkzettel verabreichen möchte. Die Strafenkombination dient hier präventiven Zwecken. Das Hauptgewicht liegt auf der bedingten Freiheits- oder Geldstrafe, während der unbedingten Verbindungsgeldstrafe bezie- hungsweise Busse nur untergeordnete Bedeutung zukommt. Dies ergibt sich aus der systematischen Einordnung von Art. 42 Abs. 4 StGB, welche die un- bedingte Verbindungssanktion als bloss akzessorische Strafe ausweist. Sie soll nicht etwa zu einer Straferhöhung führen oder eine zusätzliche Strafe er- möglichen, sondern erlaubt lediglich innerhalb der schuldangemessenen Stra- fe eine täter- und tatangemessene Sanktion, wobei die an sich verwirkte Frei- heitsstrafe (oder Geldstrafe) und die damit verbundene Geldstrafe bezie- hungsweise Busse in ihrer Summe schuldangemessen sein müssen (BGE 135 IV 188 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. etwa auch Bommer, ZStrR 2017, S. 369). c) Aufgrund der Materialen (oben lit. a) und der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (lit. b) wird mithin klar, dass der Begriff „Busse“ in Art. 352 Abs. 1 lit. a und insbesondere Abs. 3 Satz 2 StPO nur auf eine zufolge einer konkreten Strafandrohung eines zusätzlichen Übertretungstatbestandes aus- gesprochene Busse abzielt. Dagegen wird eine von einer konkreten Strafan-Kantonsgericht Schwyz 6 drohung unabhängig gestützt auf Art. 42 Abs. 4 StGB ausgefällte Verbin- dungsbusse nicht erfasst, wenn die ihr zugrundeliegende schuldangemessene Geldhauptstrafe höher als 180 Tagessätze liegt (Art. 352 Abs. 1 lit. b StPO). Bei der Verbindungsbusse nach Art. 42 Abs. 4 StGB handelt es sich um eine im zweiten Abschnitt des dritten Titels der allgemeinen Bestimmungen über die Verbrechen und Vergehen im Strafgesetzbuch geregelte Vollzugsmoda- lität, welche einen Aufschub der Hauptstrafe ermöglicht (dazu vgl. STK 2018 18 vom 22. Oktober 2018 E. 4.a). Wenn sie wie die vorliegend im angefochte- nen Urteil ausgesprochene Busse von Fr. 4‘500.00 bzw. im Strafbefehl vorge- sehene Busse von Fr. 4‘050.00 einen Teil einer über 180 Tagessätzen liegen- den Geldstrafe abdeckt, darf die Staatsanwaltschaft daher keinen Strafbefehl erlassen, auch wenn die bedingt ausgesprochene Geldstrafe dieses Limit no- minell einhält. Die von der Oberstaatsanwaltschaft angerufene gegenteilige Lehrmeinung, wonach diese Grenze abgesehen von der zusätzlichen Übertre- tungsbusse auch für den Fall einer Verbindungsbusse relevant sein soll (dazu Riklin, BSK, 2. A. 2014, Art. 352 StPO N 7 f. bzw. OFK, 2. A. 2014 N 15 f.), wird nicht speziell begründet. Sie vernachlässigt nebst der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung (vgl. oben lit. b) den Willen des Gesetzgebers, der die in der Botschaft erwogene Möglichkeit in Widerrufsfällen höhere Gesamtstra- fen zuzulassen, nicht verwirklichte (vgl. lit. a). Übersehen wird ferner der Um- stand, dass vorliegend Geldstrafen nach Art. 49 Abs. 1 StGB in einer Art und Weise zu einer Gesamtstrafe von über 180 Tagen verbunden werden, welche den Erlass eines Strafbefehls nach Art. 352 Abs. 3 Satz 1 StPO verunmögli- chen. Wenn erst in der danach folgenden Beurteilung der Vollzugsweise die zuvor festgelegte schuldangemessene Geldstrafe um eine Verbindungsbusse reduziert auf eine für den Erlass eines Strafbefehls an sich zulässige bedingte Höhe herabgesetzt werden kann, geschieht dies in Anwendung von Progno- sekriterien, die direkt nichts mit der durch die festgelegte Gesamtgeldstrafe ausgedrückten und für die Strafbefehlskompetenz materiell erheblichen Tatschwere zu tun haben. In diesem Sinne sind die Grenzen nach Art. 352 Abs. 1 StPO nach dem Schuldprinzip (vgl. dazu Gless, SWR Band 12, S. 46) Kantonsgericht Schwyz 7 streng auszulegen. Deshalb sind Verbindungsbussen wie zu widerrufende Strafen im schuldangemessenen Strafmass nach Art. 352 Abs. 1 lit. b StPO einzurechnen. 4. Nach Art. 352 Abs. 1 StPO erlässt die Staatsanwaltschaft einen Strafbe- fehl, wenn die beschuldigte Person im Vorverfahren den Sachverhalt einge- standen hat oder dieser anderweitig ausreichend geklärt ist. Der Strafbefehl fällt im Falle einer Einsprache dahin. Hält die Staatsanwaltschaft an ihm fest, dient er im erstinstanzlichen Verfahren nur noch als Anklageschrift. Den Straf- befehl an sich kann das Gericht eigentlich nicht aufheben. Dennoch sieht Art. 356 Abs. 2 StPO vor, dass die Gültigkeit des Strafbefehls im gerichtlichen Verfahren vorfrageweise beurteilt werden muss. Ein ungültiger Strafbefehl im Sinne von Art. 356 Abs. 2 StPO liegt etwa vor, wenn die Sanktionsobergren- zen von Art. 352 Abs. 1 StPO missachtet worden sind. Ob der Sachverhalt hinreichend erstellt ist, ist eine Frage der Beweiswürdigung und primäre Auf- gabe des urteilenden Gerichts. Eine Rückweisung des Strafbefehls an die Staatsanwaltschaft, weil der Sachverhalt nicht hinreichend geklärt sein soll, kommt daher – anders als bei Mängeln formaler Natur – nicht in Frage. Dies- falls ist der Strafbefehl auch nicht nichtig (BGer 6B_434/2016 vom 27. März 2017 E. 1.2 mit Hinweisen). Gestützt auf den eben erwähnten Entscheid hält die Oberstaatsanwaltschaft dafür, dass in casu keine Nichtigkeit vorliege, selbst wenn die Sanktionsobergrenzen von Art. 352 Abs. 1 StPO missachtet worden wären. Der Bundesgerichtsentscheid betraf indes einen Fall, in wel- chem die ausreichende Sachverhaltsabklärung und nicht die Einhaltung der Sanktionsobergrenzen fraglich war (ebenso BEK 2017 3 vom 10. Februar 2017; BEK 2017 116 vom 27. Dezember 2017 E. 2.b mit Hinweis auf BGer 6B_968/2014 vom 24. Dezember 2014 E. 1.4). a) Nichtigkeit, d.h. absolute Unwirksamkeit, einer Verfügung wird ange- nommen, wenn sie mit einem tiefgreifenden und wesentlichen Mangel behaf- tet ist, wenn dieser schwerwiegende Mangel offensichtlich oder zumindest Kantonsgericht Schwyz 8 leicht erkennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Inhaltliche Mängel haben nur in seltenen Ausnahmefällen die Nichtigkeit einer Verfügung zur Folge; erforder- lich ist hierzu ein ausserordentlich schwerwiegender Mangel. Als Nichtigkeits- gründe fallen hauptsächlich funktionelle und sachliche Unzuständigkeit einer Behörde sowie schwerwiegende Verfahrensfehler in Betracht (wie z.B. der Umstand, dass der Betroffene keine Gelegenheit hatte, am Verfahren teilzu- nehmen). Fehlt einer Verfügung in diesem Sinne jegliche Rechtsverbindlich- keit, so ist das durch jede Behörde, die mit der Sache befasst ist, jederzeit und von Amtes wegen zu beachten (vgl. u.a. BGE 137 I 273 E. 3.1 mit Hinweisen; BGer 6B_997/2016 vom 10. November 2016 E. 3). Überschreitet die Staats- anwaltschaft ihre nach Strafhöhen von Art. 352 Abs. 1 StPO definierte sachli- che Zuständigkeit sind ihre Verfahrenshandlungen bzw. ihr Strafbefehl nichtig (vgl. BEK 2015 72 bzw. 113 vom 23. Oktober bzw. 10. November 2015 je E. 3 mit Hinweisen; Daphinoff, Das Strafbefehlsverfahren in der Schweizerischen Strafprozessordnung, S. 221; Fiolka/Riedo, forumpoenale 3/2011, S. 161). b) Die Bezirksgerichte beurteilen unter Vorbehalt der Zuständigkeit der Staatsanwälte, der Jugendanwälte, des kantonalen Straf- und Jugendgerich- tes sowie der Spezialgesetzgebung alle Strafsachen (§ 32 Abs. 1 JG, Art. 19 Abs. 1 StPO). Einzelrichterlich beurteilt werden Einsprachen gegen Strafbe- fehle für Delikte, welche nicht in die Zuständigkeit des kantonalen Strafge- richts fallen (§ 32 Abs. 3 lit. a JG, Art. 19 Abs. 2 StPO). Da der vorliegende Fall nicht in die Zuständigkeit des kantonalen Strafgerichts (§ 21 JG) fällt, be- stimmen sich die sachliche Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft zur Ausfäl- lung eines Strafbefehls und die der Einzelrichter am Bezirksgericht zur Beur- teilung eines als Anklage überwiesenen Strafbefehls gleichermassen nach Art. 352 Abs. 1 StPO (vgl. auch Daphinoff, a.a.O., S. 220). Da nach dem Ge- sagten (vgl. dazu oben E. 3) diese Zuständigkeit zufolge der Nichteinhaltung der für die Durchführung eines Strafbefehlsverfahrens vorausgesetzten maxi- malen Geldstrafenhöhe fehlt, hätte die Staatsanwaltschaft nach vollständiger Kantonsgericht Schwyz 9 abgeschlossener Untersuchung ohne Strafbefehl Anklage erheben müssen (Art. 318 und 324 StPO). Eine solche Anklage dürfte nicht die Einzelrichterin, sondern müsste nach § 32 Abs. 1 JG das Kollegialgericht bzw. die zuständige Strafkammer des Bezirksgerichts beurteilen. c) Die Staatsanwaltschaft wird in Art. 352 StPO nur im Rahmen eines be- sonderen Verfahrens (vgl. 8. Titel der StPO) für weniger schwerwiegende Straftaten eine annäherungsweise richterliche Kompetenz eingeräumt, um den Parteien einen Urteilsvorschlag zu unterbreiten. Sie besitzt mithin keine allgemeine Entscheidungsgewalt (dazu vgl. EGV-SZ 2017 A 5.4 E. 2.c), wes- halb ihr im konkreten Fall erlassener Strafbefehl nichtig ist (vgl. oben lit. a so- wie CAN 3-12 Nr. 60). Im Unterschied zur Prüfung der Frage, ob der Sachver- halt ausreichend abgeklärt ist, verträgt sich die Feststellung der Nichtigkeit vorliegend mit der im Bereich des Strafrechts grundsätzlich besonders bedeu- tenden Rechtssicherheit (vgl. BGer 6B_968/2014 vom 24. Dezember 2014 E. 1.4). Diese erfordert es geradezu, die Zuständigkeiten im Strafbefehlsver- fahren (vgl. oben lit. b) anhand der durch den Gesetzgeber in Abwägung der verschiedenen möglichen Lösungen (vgl. dazu oben E. 3.a) fixierten Straf- höhen mit der Aufhebung des Strafbefehls und des daran anschliessenden erstinstanzlichen Urteils durchzusetzen. Abgesehen davon geht es vorliegend nicht um die Aufhebung eines schon in Rechtskraft getretenen Strafurteils, sondern um einen mit Berufung angefochtenen Entscheid, weshalb auch die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Nichtigkeit nicht erheblich ist (vgl. dazu etwa KG 201/02 SK vom 22. April 2003 E. 5; KG 102/02 ZK vom 14. Januar 2003 E. 6; EGV-SZ 2011 A 1.1). Dass die Staatsanwaltschaft vor- liegend mit der Festsetzung einer schuldangemessen über 180 Tagen liegen- den Geldstrafe ihre Kompetenzen überschritt (Art. 352 Abs. 1 lit. b StPO) und demzufolge auch keine einzelrichterliche Beurteilung hätte erfolgen dürfen, war aufgrund der seit längerem klaren Bundesgerichtspraxis (oben E. 3.b) im vorliegenden Fall wenn nicht offensichtlich so doch zumindest leicht erkenn- bar. Daher rechtfertigt sich die Aufhebung des nicht von der zuständigen Kantonsgericht Schwyz 10 Strafkammer der Vorinstanz ausgefällten vorderrichterlichen Urteils und des Strafbefehls unabhängig von den Anträgen der Parteien und ohne inhaltliche Beurteilung im Rechtsmittelverfahren. d) Zwar verlor der Strafbefehl vorliegend zufolge Einsprache (U-act. 13.1.03) seine Rechtswirkungen (so Daphinoff, a.a.O., S. 641) und mutierte zur Anklageschrift (vgl. Niggli/Heimgartner, BSK, 2. A. 2014, Art. 9 StPO N 61a), wie es die Staatsanwaltschaft nach weiterer Abnahme von Be- weisen beim Abschluss der Untersuchung den Parteien anzeigte (U-act. 14.1.01). Die Rechtsprechung (eingangs dieser Erwägung erwähnter BGer 6B_434/2016 vom 27. März 2017 E. 1.2) und die soweit ersichtlich übereinstimmende Lehre (etwa Schmid/Jositsch, StPO PK, 3. A. 2017, Art. 356 StPO N 7; Riklin, BSK, 2. A. 2014, Art. 356 StPO N 2; Schwarzeneg- ger in Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur StPO, 2. A. 2014, Art. 356 N 2; Riedo/Fiolka, a.a.O., S.161; Goldschmid/Maurer/Sollberger, a.a.O., S. 350) schliessen jedoch gestützt auf Art. 356 Abs. 5 StPO, dass bei Vorlie- gen eines ungültigen Strafbefehls der Fall zur Durchführung eines neuen Ver- fahrens an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen sei. Das muss vorliegend umso mehr gelten, als sich der Strafbefehl und folgedessen das durch die unzuständige Einzelrichterin ausgefällte vorinstanzliche Urteil als nichtig er- weisen (vgl. oben lit. a und c). 5. Aufgrund der schwerwiegenden, im Berufungsverfahren nicht heilbaren Zuständigkeitsfehler sind das angefochtene Urteil und der Strafbefehl als nich- tig aufzuheben. Die Sache ist ohne Berufungsverhandlung (vgl. Eugster, BSK, 2. A. 2014, Art. 409 StPO N 2) an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen (Art. 379 i.V.m. 329 Abs. 2 StPO), zumal eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Rückweisung an die Staatsanwaltschaft ineffizient und kompliziert ist (vgl. dazu Niggli/Heimgartner, BSK, 2. A. 2014, Art. 9 StPO N 63b). Das Beru- fungsgericht bestimmt, welche Verfahrenshandlungen zu wiederholen oder nachzuholen sind (Art. 409 Abs. 2 StPO). Die Staatsanwaltschaft wird soweit Kantonsgericht Schwyz 11 erforderlich, das Vorverfahren neu durchführen (Art. 356 Abs. 5 StPO) und danach die Untersuchung mit einer ordentlichen Anklageerhebung an das sachlich zuständige Bezirksgericht (Art. 324 StPO) abschliessen müssen (Art. 318 StPO), da der vorliegende Fall konkret angesichts des im Raume stehenden Vorwurfes der fahrlässigen Tötung zu schwerwiegend scheint, um ihn mit einem Strafbefehl erledigen zu können. Nach Anklageerhebung muss das Bezirksgericht den Fall unter allfälliger Berücksichtigung des seit 1. Janu- ar 2018 geltenden neuen Sanktionenrechts neu beurteilen. 6. Ausgangsgemäss gehen die Kosten dieses Verfahrens aufgrund der Verfahrensfehler zu Lasten des Kantons (Art. 417, 423, 426 Abs. 1 und 3 lit. a sowie 428 Abs. 4 StPO). Die amtliche Verteidigerin und der Vertreter der Pri- vatkläger sind für ihren verhältnismässig geringen Aufwand im Berufungsver- fahren zu entschädigen (§§ 2, 6 und 13 lit. b GebTRA), während das Bezirks- gericht bei den Kosten- und Entschädigungsregelungen im neuen Urteil die Zuständigkeitsfehler mitberücksichtigen muss (vgl. Art. 428 Abs. 4 und 436 Abs. 3 StPO);- beschlossen: 1. Das angefochtene Urteil wird von Amtes wegen aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Weiterbehandlung an die Staats- anwaltschaft zurückgewiesen. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2‘000.00 gehen zu Lasten des Kantons.Kantonsgericht Schwyz 12 3. Im Berufungsverfahren werden die amtliche Verteidigerin mit Fr. 600.00 und die Privatkläger mit Fr. 300.00 aus der Kantonsgerichtskasse (in- kl. Auslagen und MWST) entschädigt. 4. Gegen diesen Zwischenentscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Beschwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 und Art. 93 BGG entsprechen. 5. Zufertigung an die amtliche Verteidigerin (2/R), den Rechtsvertreter der Privatkläger (4/R), die Staatsanwaltschaft Innerschwyz (1/A), die Ober- staatsanwaltschaft (1/R) und die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten) und die Kantonsge- richtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der Strafkammer Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Der Gerichtsschreiber Versand 29. Januar 2019 kau