B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3743/2014 U r t e i l v o m 1 6 . D e z e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richterin Sylvie Cossy, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Christian Hoffs, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen / Appenzell, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom 4. Juni 2014 / N (…). E-3743/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess Syrien eigenen Angaben zufolge am (…) legal mit seinem Pass und reiste auf dem Luftweg von Damaskus nach Istanbul, von wo aus er auf dem Landweg am 10. Februar 2012 in die Schweiz gelangte und gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszent- rum (EVZ) Altstätten um A syl nachsuchte. Die Befragung zur Person (BzP) fand am 20. Februar 2012 statt ; am 6. Februar 2014 wurde er an- gehört. Er brachte anlässlich der Anhörung vor, aus Furcht, er befinde sich noch in Österreich, habe er bei der BzP falsche Angaben gemacht, insbe son- dere auch zu seinen Personalien. Er habe sich im Jahre (…) am (…) ein- schreiben wollen. Dies sei wegen seiner kurdischen Volkszugehörigkeit jedoch nicht möglich gewesen. Er habe in den Jahren (…) in (…) mitge- wirkt und dabei (…). Daraufhin sei er vom (…) vorgeladen und befragt worden. Ab März 2011 habe er an mehreren regierungskritischen De- monstrationen teilgenommen, weshalb er a m (…) von den syrischen Be- hörden eine Vorladung erhalten habe. Er habe dieser keine Folge geleis- tet, worauf am (…) ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden sei. Von Ap- ril 2011 bis zu seiner Ausreise habe er weiterhin an Demonstrationen teil- genommen, sich ansonsten jedoch im Dorf versteckt aufgehalten. Der Beschwerdeführer reichte eine syrische Identitätskarte, eine Vor la- dung und einen Haftbefehl sowie einen USB -Stick mit einer filmischen Aufzeichnung des erwähnten (…) zu den Akten. B. Mit Schreiben vom 2. Mai 2014 teilte das BFM dem Beschwerdeführer mit, es erachte die von ihm eingereichte Vorladung und den Haftbefehl aufgrund einer amtsinternen Überprüfung als verfälscht und gewährte ihm dazu das rechtliche Gehör. C. Der Beschwerdeführer räumte mit Eingabe vom 12. Mai 2014 ein, man erhalte keinen schriftlichen Haftbefehl, wenn man von der Regierung ge- sucht werde, nur weil man sich kritisch geäussert habe . Die Polizei kom- me einfach zu einem nach Hause und teile mündlich mit, dass eine Per- son gesucht werde. Sein Vater habe diese Papiere jedoch aufgrund sei- ner Beziehungen zur Behörde B._______ und wahrscheinlich illegal er- halten. Es könne gut sein, dass die Dokumente nicht echt erscheinen E-3743/2014 Seite 3 würden. Entscheidend sei jedoch, dass deren Inhalt der Wahrheit ent- spreche. Er werde von der syrischen Regierung gesucht und es sei ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden. D. Mit am 6. Juni 2014 eröffneter Verfügung vom 4. Juni 2014 stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht , lehnte dessen Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig verfügte es wegen Unzumutbarkeit des Vol lzu- ges der Wegweisung die vorläufige Aufnahme. E. Der Beschwerdeführer erhob durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 4. Juli 2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean- tragte in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei vollumfäng- lich aufzuheben und es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur neuen Beurteilung an das Bundesamt zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht be- antragte er die Gewährung der unentgeltlich en Prozessführung, den Ver- zicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses und das Bestellen seines Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er zwei Bestätigungsschreiben von Nachbarn in C._______ samt deutscher Übersetzung und einen USB-Stick mit zwei Videos betreffend Demonstrationsteilnahme in Syrien ein. F. Mit Eingabe vom 10. Juli 2014 reichte er die Kostennote seines Rechts- vertreters und das Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege " samt Beilagen zu den Akten. G. Der damals zuständige Instruktionsrichter hielt mit Zwischenverfügung vom 15. Juli 2014 fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten , wies die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung un d Rechtsverbeiständung ab und forderte den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses auf; dieser ging am 24. Juli 2014 fristgerecht beim Gericht ein. H. Der Beschwerdeführer replizierte auf die Vernehmlassung des BFM vom E-3743/2014 Seite 4 8. August 2014 mit Eingabe vom 27. August 2014 und legte unter ande- rem seinen Militärdienstausweis (im Original) samt deutscher Überset- zung bei. I. Auf die zweite Vernehmlassung des BFM vom 10. September 2014 nahm der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 24. September 2014 Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). A uf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutre- ten. 2. Mit Beschwerde kann im Geltungsbereich des Asylgesetzes die Verlet- zung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG, vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs . Diese verfahrensrechtliche Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls ge- eignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und EMARK 1994 Nr. 1). 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstel lung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Bewei-E-3743/2014 Seite 5 se beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Be- weisanträgen gehört zu wer den und an der Erhebung wesentlicher Be- weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah- ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 [S. 293]; BVGE 2009/35 E. 6.4.1, m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin- dung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristge- rechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkre- ten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der oder die Betroffene den Entscheid ge- gebenenfalls sachgerecht anfechten ka nn. Sie muss kurz die wesentli- chen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten las- sen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander- setzt und jede s einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 [S. 188]). 3.3 Der Einwand des Beschwerdeführers, das BFM habe seine Stellung- nahme vom 12. Mai 2014 im Rahmen des ihm eingeräumten rechtlichen Gehörs zur Dokumentenanalyse übersehen und in der angefochtenen Verfügung nicht berücksichtigt, ist zutreffend. Wie das BFM in seiner ers- ten Vernehmlassung einräumt, hat es die entsprechende Stellungnahme versehentlich falsch abgelegt und in der Folge in der angefochtenen Ver- fügung nicht berücksichtigt. Daraus ergibt sich dennoch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Vorab ist festzuhalten, dass die betreffende Stel- lungnahme nicht geeignet ist, die hier in Frage stehende asylrechtliche Verfolgung zu klären. Der Beschwerdeführer hält in seiner Stellungnahme zwar daran fest, dass der Inhalt der zu den Akten gereichten Vorladung und des Haftbefehls aus Syrien der Wahrheit entspreche, räumt jedoch gleichzeitig ein, dass die Dokumente wahrscheinlich auf illegale Art und Weise erworben worden seien. Dam it vermochte er keinen Hinweis auf- zuzeigen, der auf die geltend gemachte Verfolgung hindeuten würde. Im Weiteren hat die Vorinstanz sich im Rahmen d es Vernehmlassungsver- fahrens zum fraglichen Schreiben vom 12. Mai 2014 geäussert und dem Beschwerdeführer wurde mit der Replik Gelegenheit geboten, dazu Stel-E-3743/2014 Seite 6 lung zu nehmen, womit dem Anspruch auf rechtliches Gehör genüge ge- tan ist. 3.4 Der Beschwerdeführer wendet weiter ein , es habe Verständigungs- probleme zwischen ihm und der Dolmetscherin gegeben. Dies trifft offen- sichtlich zu (vgl. Akten SEM A19/14 F43 ff. und Bemerkung auf dem Un- terschriftenblatt der Hilfswerkvertretung). Er hat indessen auf diesen Um- stand während der Anhörung hingewiesen und sich mit dem Vorgehen der befragenden, arabisch sprechenden Person, im B edarfsfall Korrektu- ren anzubringen, einverstanden erklärt. Dem Anhörungsprotokoll sind in der Folge keine Verständigungsprobleme mehr zu entnehmen. Solche werden im Einzelnen auch in der B eschwerdeschrift nicht dargetan, wes- halb der Beschwerdeführer aus seinem Einwand nichts abzuleiten ver- mag. 3.5 Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur neuen Beurteilung zurückzuweisen. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion , Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament lich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderu ngen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in einem Entscheid dargelegt und folgt dabei E-3743/2014 Seite 7 ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 5. 5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung im Wesentli- chen zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden auf- grund der eingereichten verfälschten Dokumente sowie der widersprüch- lichen, unlogischen und oberflächlichen Aussagen weder den Anforde- rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. Die geltend gemachte Befragung durch die syrischen Behörden betref- fend die Mitwirkung bei einem (…) liege mehrere Jahre zurück, weshalb kein genügend enger Kausalzusammenhang zur Ausreise aus Syrien im (…) bestehe. Es bestünden sodann erhebliche Zweifel an der geltend gemachten behö rdlichen Suche und seine Begründung, er sei deshalb nie an einer Demonstration festgenommen worden, weil in einer grossen Gruppe niemand festgenommen werde, widerspreche den allgemein zu- gänglichen Informationen und sei realitätsfern. Die Angaben des Be- schwerdeführers, dass er Syrien durch Bestechung von Beamten legal mit seinem Pass über den Flughafen von Damaskus verlassen habe, sei- en konfus ausgefallen und sein Antwortverhalten vermittle nicht den Ein- druck, dass er das Geschilderte selbst erlebt habe. 5.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, sein Vater habe die Vorla- dung wie auch den Haftbefehl im Nachhinein mit Hilfe von persönlichen Beziehungen zu den Sicherheitsbehörden organisiert. Die Schreiben ehe- maliger Nachbarn würden bestätigen, dass eine Patroui lle des Staat ssi- cherheitsdienstes im (…) in sein Haus eingedrungen sei und ihn gesucht habe. Er habe im (…) an verschiedenen regierungskritischen Demon-strationen teilgenommen und sei deshalb mehrmals mündlich verwarnt worden. Zu- dem sei er zuvor schon durch sein Mitwirken an einem (…) in den Fokus des Sicherheitsdienstes gekommen. Das BFM werfe ihm vor , seine Schilderungen seien teilweise realitäts- fremd und widersprächen der allgemeinen Handlungslogik . Es scheine anmassend, in einem Land wie Syrien, w o zur Zeit chaotische Zustände herrschen würden, davon auszugehen, dass alle Handlungen von Perso- nen kohärentem Handeln entsprechen würden. E-3743/2014 Seite 8 Seine Angaben zur Ausreise seien weder konfus noch widersprüchlich. Die Ausreise sei von seinem Cousin mütterlicher seits organisiert worden. Nachdem er den Schlepper beim Eingang des Flughafens getroffen habe, habe ihm dieser das weitere Vorgehen erklärt. Auf dessen Anweisung hin sei er alleine durch die Gepäckkontrolle gegangen. Im Schalterhäuschen habe ein Beamter ge sessen und hinter diesem habe der Schlepper ge- standen. 5.3 In seiner Vernehmlassung vom 8. August 2014 verneint das BFM den Beweiswert der eingereichten Beweismittel. 5.4 Der Beschwerdeführer hält in der Replik daran fest, dass Mitglieder des (…) im (…) sein Haus aufgesucht und seinen Eltern übermittelt hät- ten, gegen ihn sei ein Haftbefehl au sgestellt worden. Weder die Vorla- dung noch der Haftbefehl würden als Originaldokumente vorliegen. In der Überzeugung, dass er um jeden Preis Dokument e einreichen müss e, welche das B esagte beleg ten, habe er seinen Vater um Hilfe gebeten, welcher ihm die eingereichten Dokumente zugeschickt habe. Die Videoaufnahmen der Demonstration seien zwischen April und August 2011 in C._______ aufgenommen und von einem Bekannten auf Face- book veröffentlicht worden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass er aufgrund seiner regimekritischen Tätigkeit bei einer Rückkehr nach Sy- rien eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten habe. Hinzu komme, dass er sich im wehrdienstpflichtigen Alter und auf der Re- servistenliste befinde, weshalb davon auszugehen sei, dass er bei einer Rückkehr nach Syrien als Reservist in den Militärdienst einberufen würde. Er könnte es jedoch nicht ertragen, in der syrischen Armee zu dienen. Die bei einer Dienst - oder Befehlsverweigerung drohende Gefahr einer un- verhältnismässig langen Haft oder Folter sei asylrelevant. 5.5 Das BFM hält in seiner Vernehmlassung vom 10. September 2014 fest, es gebe nach wie vor keinen konkreten Hinweis darauf, dass gegen den Beschwerdeführer ein Haftbefehl ausgesprochen worden wäre. Be- reits in der angefochtenen Verfügung sei aufgrund anderer Unstimmigkei- ten die Unglaubhaftigkeit der vorgebrachten behördlichen Suche festge- stellt worden. Das syrische Militärbüchlein belege zwar die Absolvierung der obligatori- schen militärischen Grundausbildung, enthalte jedoch keinen Hinweis auf die vorgebrachte Einberufung in den Reservedienst. Es bestehe dem-E-3743/2014 Seite 9 nach kein konkreter Hinwe is darauf, dass der Beschwerdeführer von der syrischen Armee einberufen worden wäre. Die auf Beschwerdeebene eingereichten Berichte der Flüchtlingshilfe und der Human Rights Watch würden keinen Hinweis auf die geltend gemach- te Verfolgung enthalten. Die Ar tikel würden vielmehr einen Teil des syri- schen Rekrutierungsprozesses respektive das Vorgehen der syrischen Behörden bei Festnahmen erläutern. 5.6 In seiner Stellungnahme vom 24. September 2014 entgegnet der Be- schwerdeführer, er habe nicht behauptet, bereits eine Einberufung in den Reservedienst erhalten zu haben. Er könne jedoch jederzeit einberufen werden, selbst wenn er sich im Ausland befinde. Dass er bis anhin nicht einberufen worden sei, sei rein zufällig. Es sei mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass er als junger, gesunder Mann bei einer Rückkehr nach Syrien als Reservist in den Militärdienst einberufen werde und ihm dann bei einer Dienst - oder Befehlsverweigerung eine un- verhältnismässig lange Haft oder gar Folter drohe. 6. 6.1 In Überein stimmung mit der Vorin stanz gelangt das Gericht zum Schluss, dass die Vorbrin gen des Beschwerdeführers zu den angeblich für seine Flucht ausschlaggebenden Ereignis sen insgesamt als unglaub- haft zu bewerten sind. Es bestehen erhebliche Zweifel an der geltend gemachten behördlichen Suche . So gab d er Beschwerdeführer bei der Anhörung an (vgl. A19/14 F61 ff.), er habe im (…) eine Vorladung des (…) erhalten. Weil er nicht zu Hause gewesen sei, sei die Vorladung durch ei- nen Boten seiner Familie abgegeben worden. Im späteren Verlauf der Anhörung bestätigte er, das Vorladungsdokument nach Hause zugestellt erhalten zu haben (vgl. a.a.O., F 76 f : "Das [die Vorladung] bekamen wir eigentlich nach Hause, aber als ich ausgereist bin, habe ich kein Doku- ment und auch meine ID nicht mitgenommen. Das hat mir alles mein Va- ter gesendet."). Damit unvereinbar ist seine Angabe auf Beschwerdeebe- ne (vgl. Beschwerde S. 4), die Vorladung (wie auch der Haftbefehl) sei nur mündlich ausgesprochen worden. Auch die Vorbringen zum Haftbe- fehl weisen gravierende Widersprüche auf, wie die Vorinstanz in der an- gefochtenen Verfügung zutreffend ausgeführt hat. Es bleibt namentlich unklar, wie der Beschwerdeführer vom Erlass eines Haftbefehls erfahren haben soll. Die Unstimmigkeit seiner Angaben bei der Anhörung (vgl. a.a.O. F68-71: " … ich konnte das [den Haftbefehl] durch Beziehungen bekommen, …jemand, der beim Sicherheitsdienst arbeitete, sagte zu mir, E-3743/2014 Seite 10 dass ein Haftbefehl gegen mich ausgesprochen ist, ...ich kenne ihn nicht. Er hat meinen Vater kon taktiert … ") vermag er auf Beschwerdeebene nicht aufzulösen. Er verstrickt sich gegenteils in weitere Widersprüche , indem er erstmals vorbringt, eine Patrouille der syrischen Sicherheitsbe- hörde B._______ sei im (…) ins Haus seiner Eltern eingedrungen und habe ihnen mitgeteilt, dass gegen ihn ei n Haftbefehl erlassen worden sei (vgl. Beschwerde S. 3). Vor diesem Hintergrund vermag der Beschwerde- führer aus den angeblichen Schreiben seiner Nachbarn nichts zu seinen Gunsten abzuleiten; sie sind – wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat – als blosse Gefälligkeitsschreiben zu werten. Das nicht weiter sub- stanziierte und erstmalige Vorbringen, der Beschwerdeführer sei im (…) aufgrund seiner Teilnahmen an Demonstrationen mehrmals mündlich verwarnt worden (vgl. Be schwerde S. 4) , ist sodann als nachgeschoben und deshalb ebenfalls als unglaubhaft zu betrachten. Weiter hat die Vo- rinstanz zutreffend festgehalten, dass seine Angabe, er habe sich aus Angst vor einer Festnahme durch den Sicherheitsdienst von August 2011 bis zu seiner Ausreise im (…) versteckt gehalten, aber dennoch weiterhin an Demonstrationen teilgenommen, realitätsfremd ist. Seine Begründung, normalerweise werde niemand aus einer grossen Gruppe heraus festge- nommen, widerspricht den Erfahrungen aus zahlre ichen anderen Be- schwerdeverfahren mit vergleichbarem Kontext und entpuppt sich als blosse Schutzbehauptung. Er vermag in diesem Zusammenhang auch aus den Videos nichts abzuleiten. Diese belegen zwar eine Demonstrati- onsteilnahme in Syrien, sie enthalten jed och keine Hinweise auf eine an- geblich daraus resultierende Verfolgung durch die syrischen Behörden. Zudem hat die blosse Behauptung, die Videos seien von einem Bekann- ten auf Facebook veröffentlicht worden, mangels entsprechender Belege als nicht erstellt zu gelten. Der Beschwerdeführer räumt ein (vgl. A30/1), sein Vater sei wahrschein- lich auf illegale Art und Weise zu den eingereichten Dokumenten, mithin der Vorladung und des Haftbefehls, gekommen und anerkennt damit of- fenkundig die von der Vorinstanz festgestellte Dokumentenverfälschung. Die Einreichung verfälschter Dokumente lässt gravierende Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers aufkommen. Zur gleichen Schlussfolgerung führen seine Falschangaben bei der BzP (vgl. A19/14 F4 ff.) , wobei sein Einwand, er habe damit eine allfällige Zuständigkeit Österreichs zur Prüfung seines Asylgesuchs umgehen wollen, unbehelf- lich ist. E-3743/2014 Seite 11 Schliesslich vermag der Beschwerdeführer auch aus den auf Beschwer- deebene eingereichten Berichte n der Flüchtlingshilfe u nd der Human Rights Watch nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, da diese keinen Hin- weis auf die geltend gemachte Verfolgung zu geben vermögen. 6.2 Nach dem Gesagten erscheint es insgesamt nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien eine asylrele- vante Verfolgung zu befürchten hatte. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer führt sodann auf Beschwerdeebene Bezug nehmend auf das Militärbüchlein aus, er habe die obligatorische militäri- sche Grundausbildung absolviert und sei als Reservist verzei chnet. Mit einer Einberufung in den Militärdienst sei jederzeit zu rechnen, jedenfalls aber bei einer Rückkehr nach Syrien. Im Falle der Dienstverweigerung würde er sodann asylrelevant verfolgt werden. Da der Beschwerdeführer geltend macht, er werde in sei nem Heimatstaat unter anderem wegen Entziehung vom Wehrdienst verfolgt, werden seine Fluchtgründe durch den Wortlaut von Art. 3 Abs. 3 AsylG erfasst und sind folglich auch unter dem Gesichtspunkt dieser Bestimmung zu prüfen (vgl. zur intertempora- len Anwendung dieser Bestimmung BVGE 2013/20 E. 3.2.7). 7.2 Im Rahmen eines Grundsatzentscheids ( BVGE 2015/3 E. 5) hat das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass auch nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Perso- nen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat begründen, weite rhin gültig bleibt. Entsprechend vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht allein, sondern nur verbunden mit einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Mit anderen Worten muss die be- troffene Person aus den in dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Re- ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsth aften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. 7.3 Der Beschwerdeführer selbst hat nach eigenen Angaben kein offiziel- les Aufgebot erhalten, wieder in das Militär einzurücken. Er bestreitet nicht, dass er keinen Marschbefehl oder ein sonstiges Dokument erhalten hat, aus welchem sich ein konkretes Aufgebot ergeben würde. Er be- fürchtet jedoch, aufgrund des Umstandes, Reservist zu sein, dennoch E-3743/2014 Seite 12 zum Militärdienst aufgeboten zu werden. Dazu ist festzuhalten, dass die Syrische Arabische Armee angesichts schw indender Truppenstärke ihre Bemühungen zur Einbeziehung von Reservisten im Verlauf des Bürger- kriegs tatsächlich verstärkt ha t. Berichten zufolge bemüht sich die syri- sche Regierung, die Wehr-, beziehungsweise Reservedienstpflicht durch- zusetzen. Reservisten würden gezielter gesucht als bisher und könnten ohne Vorwarnung zum Dienst eingezogen werden . Dies gelte aber weni- ger für die Gebiete im Norden Syrien s, welche durch die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (kurdisch Yekîneyên Parastina Gel, Kürzel YPG) kontrolliert werden. Ende Juli 2015 verkündete der Syrische Präsi- dent Assad eine Gen eralamnestie für Deserteure , deren Auswirkungen jedoch noch unklar ist (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer D-4576/2014 vom 17. September 2015 mit weiteren Hinweisen und Quell enangaben). Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, der aus (…) stammt, die inzwischen unter Kontrolle der kurdischen Kräfte steht, im Fall einer Rückkehr durch die Syrische Arabische Armee nicht als Re- servist eingezogen würde. 7.4 Zusammenfassend erweist sich, dass nicht davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer habe sich in Syrien der Wehrdienstverweigerung schuldig gemacht. Der Umstand allein, dass er im Status eines Reservis- ten, der jedoch nicht zum aktiven Reservedienst einberu fen worden ist, aus Syrien ausgereist ist, kann nicht als Fahnenflucht im Sinne einer Dienstverweigerung oder Desertion erachtet werden. Ferner kommt auch dem Umstand, dass durch die syrische Armee im Verlauf des Bürger- kriegs in der Tat auch Reservisten ei nberufen wurden und weiterhin wer- den, bezüglich des Beschwerdeführers, der selbst kein solches Aufgebot erhalten hat, keine Bedeutung zu. Die Frage, ob der Beschwerdeführer in Syrien eine Bestrafung wegen Dienstverweigerung (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7.2 f.) zu befürchten hätte, stellt sich daher nicht. 8. Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 9. 9.1 Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-E-3743/2014 Seite 13 lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord- net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9.2 Im vorliegenden Fall ist im Übrigen anzumerken, dass sich aus den angestellten Erwägungen nicht der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der jüngsten Entwicklungen der Situation in Syrien in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist ei- ne solche Gefährdungslage im Falle des Beschwerdeführers ausschliess- lich auf die allgemeine in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zu- rückzuführen, welche durch die Vorinstanz mit Verfügung vom 4. Juni 2014 gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) im Rahmen der Anord- nung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung berücksichtigt wurde. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kos- ten des vorliegenden Verfahrens zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), die auf Fr. 600.– festzusetzen sind (Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kos- tenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-3743/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Jeannine Scherrer-Bänziger Versand: