Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Februar 2018 (720 17 309 / 55) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiswürdigung eines externen psychiatrischen Verwaltungsgutachtens. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Axel Delvoigt , Adv o- kat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1966 geborene A.____ meldete sich erstmals M itte Januar 2012 unter Hinweis auf einen im November 2011 erlittenen Hirnschlag bei de r Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesu ndheitlichen und erwerblichen Verhält- nisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Ste lle) mit Verfügung vom 20. Januar 2014 den Rentenanspruch des Versicherten mangels Erfüllung d es Wartejahres ab. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. Mit einer weiteren Verfügung vom 12. Juni 2014 wies sie den Anspruch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf Arbeitsvermittlung des Versicherten mit der Begründu ng ab, dass ihm jegliche Hilfsarbeiten ohne besonderen Zeitdruck und ohne ausgesprochene Stressbelastung seit dem 20. April 2012 vollumfänglich zumutbar seien. Eine hiergegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherung srecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 20. November 2014 im Wesentlichen mit der Begründ ung ab, dass die psychischen Ge- sundheitsbeeinträchtigungen des Versicherten gemäss dem üb erzeugenden Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle Ostschweiz (Medas) vom 30. Oktob er 2013 keinen invalidisie- renden Gesundheitsschaden bewirken würden. Dieses Urteil erwuchs in Rechtskraft. B. Am 18. Juni 2015 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf seit seinem Schlagan- fall bestehende neurologische Einschränkungen und Kopfschm erzen sowie chronische psychi- sche Störungen erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitli- chen und erwerblichen Verhältnisse, namentlich nach Einho lung eines psychiatrischen Gutach- tens bei Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. September 2016, wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch des Versicherten mit Verfügung vom 18. August 2017 ab. C. Hiergegen erhob der Versicherte am 11. September 2 017 Beschwerde beim Kantonsge- richt. In seiner Beschwerdebegründung vom 13. Oktober 2 017 beantragte er, mittlerweile ver- treten durch Advokat Dr. Axel Delvoigt, dass die angefo chtene Verfügung der IV-Stelle aufzu- heben und ihm ab Dezember 2016 mindestens eine Vier telsrente der IV zuzusprechen sei. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklär ung an die IV-Stelle zurückzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. Zusammenfassend liess er geltend machen, dass auf das Gutachten von Dr. B.____ nicht abgestellt werden könne, da dieser voreingenommen gewesen sei. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 15. Dezem ber 2017 auf Abweisung der Beschwerde. Die Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben sich – soweit sie für den Entscheid von Bedeu- tung sind – aus den nachfolgenden Erwägungen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Verfügungen der kantonal en IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsgericht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formge recht eingereichte Beschwerde ist dem- nach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar beitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 hat die versicherte Person Anspr uch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad b estimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.4 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.5 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsp rechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiter en Hinweisen). Berichten versiche- rungsinterner medizinischer Fachpersonen und (Akten-)Beri chten von Sachverständigen, die nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt werde n, erkennt die Rechtsprechung ebenfalls Beweiswert zu. Es ist allerdings zu betonen, dass ihnen pr axisgemäss nicht dieselbe Beweis- kraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungs- träger in Auftrag gegebenen Gutachten zukommt (BGE 135 V 469 ff. mit Hinweis). 3.6 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genüg t den Beweisanforderungen nicht (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweise n; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 451 Rz 43 ff.). 4.1 Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdefüh rer Anspruch auf eine IV-Rente hat und in diesem Zusammenhang, wie hoch seine Restarbeit sfähigkeit ausfällt. Im Zentrum der medizinischen Beurteilung der gesundheitlichen Verhält nisse des Beschwerdeführers und des- sen Arbeitsfähigkeit steht das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene Verwaltungsgutachten vom 17. September 2016. Darin erhebt Dr. B.____ keine D iagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit be stünde eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Den anamnestischen Angaben zufolge leide der Explorand an Kopfschmerzen im Bereich der linken Kopfhäl fte. Die Schmerzen seien dauernd vorhanden, beim Gehen und Spazieren würden sie sich etwa s verbessern. Seit Ende August 2016 nehme der Explorand abends 15 Tropfen Surmontil ein. Er könne damit aber nicht besser einschlafen. Bereits früher sei er mit Remeron und Sar oten behandelt worden; auch diese Be- handlung habe nicht zur Verbesserung der Schlafstörung en geführt. Der Psychiater gebe ihm Medikamente. Diese Behandlung habe seine Beschwerden b is jetzt nicht verändert. Mit seiner Frau verstehe er sich gut. Seit er nicht mehr arbeite u nd mehr zu Hause sei sowie vermehrt unter Kopfschmerzen leide, sei er etwas nervös. Es komme g elegentlich zu Streitigkeiten. Die im Jahr 2000 geborene Tochter leide seit 2003 unter einer Epilepsie und habe Mühe beim Sprechen. Die Beziehung mit den Kindern sei gut. Er gehe meistens gegen Mitternacht ins Bett, sei oft schon gegen 4 Uhr morgens wach. Wenn er wach sei, sei er unzufrieden, hadere mit dem Schicksal. Es belaste ihn, dass er keine Arbeit habe. Vormittags und nachmittags mache er mindestens einen einstündigen Spaziergang. Dabei suc he er oft Cafés und Restaurants auf, wo er sich mit Kollegen treffe. Regelmässig treffe er si ch auch mit einem Freund. Man besuche sich gegenseitig. Es sei ihm langweilig. Er habe nichts z u tun, dies belaste ihn. Seine Ehefrau führe den Haushalt. Er mache wenig zu Hause, gehe aber gelegentlich einkaufen, um die Zeit tot zu schlagen. Sein Sohn spiele Fussball, er begleite ihn zum Training und sehe sich seine Fussballspiele an. An den Wochenenden sei er mit der Familie zusammen. Das Leben sei nicht gut. Er habe wenig Hoffnung auf Besserung seiner Beschw erden. Er habe keine Perspektive, was ihn belaste. Würde es ihm gesundheitlich besser gehen, könnte er sich vorstellen zu arbei- ten. In seinem jetzigen Zustand sei dies nicht möglich. E r habe Schmerzen und Angst, seine Beschwerden könnten sich verschlimmern, wenn er arbeiten würde. Sein Psychiater habe ihn jetzt in der Klinik D.____ angemeldet, er stehe auf der Warteliste. Der Befunderhebung von Dr. B.____ zufolge habe der E xplorand einen gepflegten Eindruck hinterlassen. Er habe sich leicht verlangsamt bewegt, die Stimmung sei herabgesetzt gewesen, gelegentlich auch etwas depressiv. Als der Explorand über seine behinderte Tochter gespro- chen habe, habe er geweint. Das Denken sei von seinen kö rperlichen Beschwerden und seiner schwierigen sozialen Situation, seiner Langeweile und sei nen fehlenden beruflichen Perspekti- ven geprägt gewesen. Auf Anfrage hin habe er geäussert , Angst zu haben, dass sich seine Kopfschmerzen verschlimmern würden, wenn er sich zu sehr anstrenge. Ansonsten habe er auf Nachfrage keine Ängste angegeben, die ihn im Alltag be einträchtigen würden. Er habe einen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wachen Eindruck hinterlassen und sei bewusstseinsklar gewese n. Die Beobachtungen und Feststellungen hätten auf durchschnittliche Intelligenzl eistungen hingewiesen. Während der ganzen Untersuchung habe er keine Zeichen von Konzentra tionsschwäche gezeigt. Er habe keine Phobien erwähnt. Aus seinen Schilderungen hätten sich keine Hinweise auf Veränderun- gen der Stimmung bzw. des Antriebs im Verlaufe des Tage s ergeben. Über einen Lebensver- leider, Suizidgedanken oder Suizidphantasien habe er nicht berichtet. Der psychiatrischen Beurteilung von Dr. B.____ vom 17. S eptember 2016 ist zu entnehmen, dass das Ausmass der geklagten Schmerzen und die subjektive Überzeugung, aufgrund der Schmerzen nicht mehr arbeiten zu können, nicht hinreich end objektiviert werden könne. Es müsse eine psychische Überlagerung angenommen werden. Auss er der seit Jahren bestehen- den Arbeitslosigkeit hätten im Vorfeld der Schmerzüberla gerung keine wesentlichen psychoso- zialen Belastungen bestanden. Der Explorand klage zwar über starke Kopfschmerzen, gestalte den Tag aber dennoch aktiv, unternehme Spaziergänge, h alte sich täglich in verschiedenen Cafés und Restaurants auf, fahre Fahrrad und Auto. D ie Diagnose einer anhaltenden somato- formen Schmerzstörung könne somit nicht gestellt werde n. Es handle sich um eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Der Explorand langweile sich, die wirtschaftliche Familiensituation sei angespannt. Er le ide auch unter der Behinderung seiner Tochter und habe keine beruflichen Perspektiven. All die s habe dazu beigetragen, dass er leichtgradig depressiv sei. Es handle sich um leichte depre ssive Verstimmungen, die im Rah- men der Schmerzstörung eingeordnet werden könnten. Die depressive Verstimmung sei durch die psychosozialen Belastungen ausgelöst worden. Hinweis e auf eine eigenständige, depressi- ve Erkrankung würden sich keine finden lassen. Der Explor and habe eine sehr gute Beziehung zu seiner Ehefrau und seinen Kindern. Er unternehme täglich Spaziergänge, treffe sich mit ei- nem Kollegen und habe seit Jahren eine stabile Beziehung mit einem guten Freund. Auch sei er mit dem Fahrrad und mit dem Auto unterwegs. Es liessen sich somit keine Hinweise für mittel- gradige oder schwere depressive Verstimmungen finden. Auss er einer gewissen Besorgnis, dass eine schwere Arbeit die Kopfschmerzen verschlimmern oder allenfalls einen erneuten Hirnschlag auslösen könnte, habe der Explorand keine Ängst e angegeben, die ihn im Alltag einschränken würden. Eine Angststörung könne daher nicht diagnostiziert werden. 4.2 An weiteren medizinischen Akten sind sodann – in chr onologischer Reihenfolge – fol- gende weitere Unterlagen beachtlich: 4.2.1 Dem polydisziplinären Gutachten der Medas vom 30. O ktober 2013 kann entnommen werden, dass keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbe itsfähigkeit erhoben werden könn- ten. Es seien keine neurologischen Fähigkeitsstörungen nac hweisbar. Trotz eines Status nach rechtsseitigem Thalamusinfarkt fänden sich keine neurologi schen Ausfälle. Die beklagte Sensi- bilitätsstörung imponiere weniger somatisch, sondern me hr als Symptom einer psychischen Störung im Sinne einer algogenen Hypästhesie und –alge sie. Nebst einer leichten depressiven Episode sowie der anhaltenden somatoformen Schmerzstör ung gebe es keine Hinweise auf psychiatrische Diagnosen. In neuropsychologischer Hinsicht kön nten insgesamt leichte bis ver- einzelt mittelschwere kognitive Minderleistungen vorwiege nd im Bereich der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses festgestellt werden. Vordergründig bestünden eine Schmerzsymptoma- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tik sowie eine psychische Befindlichkeit bei allenfalls verm inderter Anstrengungsbereitschaft. Der Explorand scheine sich selbst kaum mehr arbeitsfähig zu sehen. Internistisch, rheumatolo- gisch und neurologisch fänden sich keine Schädigungen oder Fähigkeitsstörungen mit Auswir- kungen auf das langfristige berufliche Leistungsvermögen. Auch psychiatrisch könne keine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit erkannt werden. Theoret isch seien aus neuropsychologischer Sicht ebenfalls Hilfsarbeitertätigkeiten denkbar. Aus pol ydisziplinärer Gesamtsicht resultiere, dass die Arbeitsfähigkeit in den zuletzt ausgeübten Tät igkeiten nicht eingeschränkt sei. Eine Arbeitsunfähigkeit habe für höchstens wenige Monate n ach dem kleinen ischämischen Insult der rechten Thalamusregion bestanden. Für adaptierte Tätigkeiten bestehe somatisch, psychi- atrisch und neuropsychologisch ebenfalls keine Einschränkung d er Arbeitsfähigkeit. Als adap- tiert seien einfache, angelernte Tätigkeiten wie zuvo r ohne besonderen Zeitdruck oder ausge- sprochene Stressbelastung zu bezeichnen. Die Arbeitsprogn ose werde allerdings durch viele soziale, IV-fremde Faktoren wie eine Migrationsproblem atik, bescheidene Schul- und Deutsch- kenntnisse, eine vieljährige Erwerbsabstinenz, eine Selb stlimitierung sowie eine subjektive Krankheitsüberzeugung getrübt. 4.2.2 Gemäss Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. C.___ _, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, vom 6. Dezember 2015 befinde sich der Ver sicherte seit Ende Oktober 2014 re- gelmässig in ambulanter Behandlung. Ausschlaggebend sei eine Zuweisung durch den Haus- arzt gewesen, da es im sozialen Umfeld des Patienten zu S chwierigkeiten gekommen sei. Das Zusammenleben mit dem Versicherten sei für seine Umgebu ng zur Belastung geworden, wes- halb der Hausarzt eine ambulante Behandlung für ange bracht gehalten habe. Zu diagnostizie- ren sei eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär tig mittelgradige Episode mit somati- schem Syndrom, eine generalisierte Angststörung sowie ei ne anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit chronischen, frontalbetonten Kopfschmerzen. Seit 2011 bestünden perma- nente Kopfschmerzen. Im Verlauf der Behandlung habe si ch gezeigt, dass die Aussage, wo- nach keine Ursache für den ischiämischen Insult im Novemb er 2011 habe gefunden werden können, den Patienten stark verunsichere und verängstige. Im Hintergrund stehe die Befürch- tung, dass er sich möglicherweise überlaste und dies zu ein em erneuten Auftreten eines ver- gleichbaren Ereignisses führen könne. Die Ungewissheit, w elcher Art das damalige Ereignis gewesen sei und durch welche Umstände es zu einem mögli cherweise erneuten Auftreten kommen könne, belaste den Patienten nachhaltig. Er zeig e sich durchaus motiviert für eine Ar- beitstätigkeit. Gleichzeitig verunsichere es ihn, dass eine Arbeitstätigkeit zum Wiederauftreten eines Insults beitragen könnte. Es sei für den Patien ten schwierig, aus dieser „Double-Blind- Situation“ herauszukommen. Die vielseitigen, bisher erfo lglosen Bemühungen um eine neue Arbeitsstelle würden ihn zusätzlich belasten. Im Laufe der Zeit sei er zur Überzeugung gelangt, dass er am Arbeitsmarkt keine Chance mehr habe. Dies geb e ihm das Gefühl, nutzlos, über- flüssig, nicht mehr brauchbar und somit ein nutzloses Mitgl ied der Gesellschaft zu sein. Die Zu- kunftsperspektive, dauerhaft von der Sozialhilfe abhängig zu sein, wirke sich zusätzlich demoti- vierend auf seine Psyche aus. Von einer antidepressiven Medikation habe er nicht überzeugend profitieren können, weshalb diese zwischenzeitlich wied er gestoppt worden sei. Im gegenwärti- gen Zustand sei der Patient vollständig arbeitsunfähig und am real existierenden Arbeitsmarkt nicht vermittelbar. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.3 Gemäss Bericht über das Vorgespräch der Klinik D.__ __ vom 6. September 2016 sei eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mitt elgradige Episode zu diagnostizieren. Der Patient berichte, unter der Symptomatik einer mitt elgradigen depressiven Episode zu lei- den. Diese sei deutlich erschöpfungsbetonter und agitierter Art. Er erwähne, im Jahr 2011 einen Hirnschlag erlitten zu haben und seither unter wiederk ehrenden linksseitigen Kopfschmerzen sowie unter einer unruhe- und spannungsvollen depressive n Symptomatik mit erheblichen Selbstzweifeln, existentieller Perspektivenlosigkeit und negativem Denken bis hin zu parasuizi- dalen Phantasieren zu leiden. Da trotz medikamentöser B ehandlung keine entscheidende Bes- serung der agitierten depressiven Symptomatik habe erziel t werden können und die Alltagsbe- wältigung zunehmenden Einschränkungen unterliege, hab e ihm nun sein Psychiater wegen anhaltender depressiver Symptomatik bei psychosozialer Über lastung dringlich zu einer statio- nären Behandlung in der Klinik geraten. In der klinisch en Untersuchung habe der Patient deut- lich unruhig, bedrückt und verunsichert gewirkt und geri ngfügige Konzentrationsstörungen auf- gewiesen. Im formalen Denken sei er leicht verlangsamt und deutlich eingeengt gewesen. Hin- sichtlich der Affektivität sei eine mittelgradige Affektar mut festzustellen gewesen. Er sei mittel- gradig deprimiert und würde häufig eine Hoffnungslosi gkeit beklagen. Er sei immer wieder ängstlich und von schwerer innerlicher Unruhe belastet. Es bestünden mittelgradig ausgeprägte Insuffizienzgefühle. Der Patient sei mittelgradig affekt labil und mittelgradig antriebsarm. Er zei- ge ein deutliches soziales Rückzugsverhalten und Suizidgedanken ohne Ausführungsabsichten. Die Behandlung der Depression sowie der mit der sozial en Rückzugsproblematik verknüpften psychodynamischen Hintergründe sei im Hinblick auf die Wi ederherstellung und Gewährleis- tung der Alltagsbewältigung in einem geschützten stati onären Setting dringend indiziert. Die Behandlung werde voraussichtlich vier bis sechs Wochen dauern. 4.2.4 Der Austrittsmeldung der Klinik D.____ vom 21. O ktober 2016 zufolge sei in erster Linie eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mitt elgradige Episode zu diagnostizieren. Der Patient sei vom 11. bis 21. Oktober 2016 stationär b ehandelt worden. Er trete auf eigenen Wunsch wegen verschlimmerten Kopfbeschwerden sowie wegen massiver Schlafstörungen aus der Klinik aus. Die weitere Behandlung erfolge durch Dr. C.____. 4.2.5 Gemäss Austrittsbericht der Klinik D.____ vom 15. Dezember 2016 sei hauptsächlich eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mitt elgradige Episode zu diagnostizieren. Darüber hinaus seien als Nebendiagnosen nebst einem Stat us nach cerebrosvaskulärem Insult im November 2011, einem chronifizierten Schmerzsyndrom we gen Spannungskopfschmerzen und Lumbalgien sowie einer essentiellen arteriellen Hyp ertonie auch Belastungen in Verbin- dung mit der beruflichen Situation infolge krankheitsb edingter Stellenlosigkeit zu erheben. Für den Patienten sei es immer schwieriger geworden, sein en Alltag zu bewältigen. Da trotz medi- kamentöser Behandlung keine Besserung der agitierten d epressiven Symptomatik habe erzielt werden können, sei durch den behandelnden Psychiater die Zuweisung zur stationären Be- handlung erfolgt. Beim Eintritt habe eine deutlich d epressive Symptomatik bestanden. Die Grundstimmung sei mittelgradig deprimiert gewesen. Al s Belastungsfaktoren habe der Patient seine andauernde Schmerzsymptomatik und die daraus resulti erende Arbeitslosigkeit genannt. Familiäre Belastungen würden diese Faktoren ergänzen. Beim Eintritt habe der Patient das Ziel formuliert, wieder gesund zu werden und arbeiten zu k önnen. Während den Nächten sei er Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständig unruhig gewesen und habe oft nur bis zwei Stu nden schlafen können. Dies habe ihn stark belastet. Für ein Paargespräch sei er nicht zu gew innen gewesen. Generell habe er sich eher zurückgezogen und sei auf der Abteilung oft nicht p räsent gewesen. Das sprachliche Ver- ständnis sei während den therapeutischen Gesprächen deutl ich eingeschränkt gewesen. Nach lediglich zehn Tagen habe er die Klinik nach einem Stan dortgespräch überstürzt verlassen, da seine Kopfschmerzen durch den Schlafmangel verstärkt wor den seien und er nicht von einem Aufenthalt habe profitieren können. Beim Eintritt h abe keine antidepressive Pharmakotherapie bestanden. In der Vergangenheit seien diverse Substanzen eingesetzt worden, die gemäss den Angaben des Patienten alle ohne Wirkung geblieben seie n. Aufgrund der früheren, negativen Erfahrungen und der Ambivalenz gegenüber der aktuellen stationären Behandlung sowie deren kurzen Dauer sei kein erneuter pharmakologischer Behandlungsversuch erfolgt. 4.2.6 Im Zusammenhang mit den Berichten der Klinik D. ____ (oben, Erwägungen 4.2.3. ff.) kann der im Rahmen des Vorbescheidverfahrens durch die I V-Stelle eingeholten Stellungnah- me von Dr. B.____ vom 14. Juli 2017 entnommen werden, dass der Explorand beim Eintritt berichtet habe, vor allem unter psychosozialen Belastungen zu leiden. Während des Klinikau- fenthalts sei die Compliance kaum vorhanden gewesen. Er habe auch kaum an den Therapien teilgenommen. Es bestehe der Verdacht, dass er in die Klinik eingetreten sei, um seine subjek- tive Krankheitsüberzeugung zu demonstrieren. Dem Austrit tsbericht sei zu entnehmen, dass keine Bereitschaft bestanden habe, an seinen Problemen zu arbeiten. Wie bereits im Gutachten ausführlich dargelegt, habe der Explorand im Zeitpun kt der Begutachtung nicht unter depressi- ven Symptomen gelitten. Er gestaltete den Alltag aktiv, pflegte rege soziale Kontakte. Es be- stünden bei ihm keinerlei Hinweise auf das Vorliegen ei ner länger dauernden depressiven Stö- rung. Zusammenfassend sei trotz der in der Zwischenzeit e ingegangen Akten an den Schluss- folgerungen im Gutachten vom 17. September 2016 festzu halten. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. 5. Vorab ist festzuhalten, dass der somatische Gesundheitsz ustand des Versicherten zwischen den Parteien zu Recht unbestritten geblieben ist (oben, Erwägung 4.2.1). Der Streit konzentriert sich auf die Frage, ob sich eine Einschränku ng in der Arbeitsfähigkeit in psychiatri- scher Hinsicht begründen lässt. Die IV-Stelle hat in die sem Zusammenhang gestützt auf das Gutachten von Dr. B.____ (oben, Erwägung 4.1) auf ein e vollständige Restarbeitsfähigkeit ge- schlossen. 5.1 Das Gutachten von Dr. B.____ ergibt ein insgesamt sch lüssiges und kongruentes Bild betreffend die gesundheitliche Verfassung des Beschwerde führers. Es erfüllt alle rechtspre- chungsgemässen Voraussetzungen an ein beweiskräftiges Verw altungsgutachten. Wie bereits ausgeführt (Erwägung 3.4 f. hiervor), ist den im Rahm en des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, di e aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das fraglich e Gutachten von Dr. B.____ ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird – für die streitig en Belange umfassend. Es beruht auf Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt alle geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis aller relevanten Vorakten abgegeben worden. Ebenso leuchte t es in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, setzt sich mit den im Zeitpunkt seiner Erstellung vorhandenen, übrigen ärztlichen Einschätzungen auseinan- der und ist letztlich auch in seinen Schlussfolgerungen üb erzeugend ausgefallen. Insbesondere nimmt der psychiatrische Gutachter eine nachvollziehbare Be urteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor und kommt dabei zum Schluss, dass der Versicherte aus psychiatrischer Sicht sowohl in seiner vormals bis Juni 2010 ausgeübten, angesta mmten Tätigkeit als auch in jegli- cher sonstigen Verweistätigkeit im Umfang von 100% arbeitsfähig ist. 5.2 Der Beschwerdeführer verweist zunächst auf die Beri chte der Klinik D.____ und auf den Bericht von Dr. C.____ sowie auf die dort jeweil s erhobene Hauptdiagnose einer rezidivie- renden depressiven Störung gegenwärtig mittelgradige E pisode. Aus dieser abweichenden Di- agnosestellung alleine lässt sich allerdings nichts zu seine n Gunsten ableiten. Es ist darauf zu hinzuweisen, dass es wegen der unterschiedlichen Natur von Behandlungsauftrag der behan- delnden Ärzte und dem Begutachtungsauftrag des von der IV-Stelle bestellten medizinischen Experten vorliegend nicht geboten ist, das Administrat ivgutachten von Dr. B.____ alleine des- halb in Frage zu stellen, weil die behandelnden Ärzte zu einer anderslautenden Einschätzung gelangt sind (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b). Es liegt jedenfalls keine Ausnahme vor, wonach sich eine abweichende Beurteilung aufdrängen würde, weil entweder die Ärzte der Klinik D.____ oder der behandelnde Psychiater Dr. C.____ wichtige – insbesondere nicht rein subjektiver ärztlicher I nterpretation entspringende – Aspekte benennen würden, die im Rahmen der Begutachtung durch Dr. B.____ unerkannt oder unge- würdigt geblieben wären (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Was den Bericht von Dr. C.____ vom 6. Sept ember 2016 betrifft, enthält dieser ausserdem keine psychopathologischen Befunde, sondern stützt sich ausschliesslich auf die subjektiv geklagten Beschwerden des Versicherten. Dr. C.____ schliesst mithin alleine aufgrund der Schilderungen des Beschwerdeführers auf eine vollstä ndige Arbeitsunfähigkeit, was weder schlüssig noch nachvollziehbar ist. Wie Dr. B.____ verweist auch Dr. C.____ einzig auf die Angst des Versicherten vor einem erneuten ischiämischen Insul t. Entgegen den zutreffenden Schlussfolgerungen von Dr. B.____, dass der Versicherte keine weiteren Ängste angegeben habe, die ihn in seinem Alltag einschränken würden, un d deshalb auch keine Angststörung di- agnostiziert werden könne, begründet der behandelnde P sychiater seine abweichende Diagno- se einer Angststörung nicht. Gleiches gilt für die von Dr. C.____ erhobene Diagnose einer so- matoformen Schmerzstörung. Diese wird ebenfalls nicht b egründet. Mit Blick auf die für eine somatoforme Schmerzstörung erforderliche Intensität der g eklagten Beschwerden erweist es sich demgegenüber als nachvollziehbar, wenn Dr. B.____ i n seinem Gutachten zum Schluss gelangt, dass diese Diagnose nicht gestellt werden könne , weil der Explorand zwar über starke Kopfschmerzen klage, seinen Alltag aber dennoch aktiv zu ge stalten in der Lage sei. Schliess- lich wird die von Dr. C.____ erwähnte Belastung durch die bisher erfolglose Stellensuche eben- falls durch Dr. B.____ aufgenommen und demnach auch mi t berücksichtigt. Die Berichterstat- tung von Dr. C.____ vermag mit Blick auf das im Zentrum stehende Gutachten von Dr. B.____ deshalb keine abweichende Beurteilung der psychiatrischen Verhältnisse zu rechtfertigen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Nicht anders ist in Bezug auf die Berichte der Klin ik D.____ zu entscheiden. Diese at- testieren dem Versicherten zwar eine depressive Störung m ittelgradige Episode, schliessen aber wie Dr. B.____ ebenfalls auf ein chronisches Schme rzsyndrom. Jedenfalls ist ihnen – ent- gegen der Beurteilung von Dr. C.____ – weder die Dia gnose einer somatoformen Schmerzstö- rung noch jene einer eigenständigen Angststörung zu en tnehmen. Insofern liegt keine Diskre- panz zur Einschätzung von Dr. B.____ vor. Die Einschätzungen des Gutachters und der Klinik D.____ unterscheiden sich einzig in Bezug auf die Auspr ägung der depressiven Symptomatik. Diesbezüglich ist allerdings festzuhalten, dass die Ärztesc haft der Klinik D.____ – abweichend zu Dr. B.____ – die dem Versicherten verbleibenden Ress ourcen weder erwähnt noch näher im Rahmen der rechtsprechungsgemäss massgebenden Standardi ndikatoren diskutiert hat (BGE 141 V 281 E. 6). Es tritt hinzu, dass aus dem Austrittsbe richt der Klinik D.____ ein lege artis erhobener Psychostatus einzig in Bezug auf den Eintritt szeitpunkt hervor geht und sich für die Zeit nach dem Austritt ausserdem keine Angaben zur Arb eitsfähigkeit des Versicherten ent- nehmen lassen. Zumal anlässlich des stationären Aufentha lts eine sprachliche Verständigung offensichtlich schwierig war und somit auch keine Thera pie stattfinden konnte, ist die Berichter- stattung der Klinik D.____ unter diesen Umständen nicht geeignet, die gutachterliche Einschät- zung von Dr. B.____ in Zweifel zu ziehen. 5.4 Der Beschwerdeführer lässt vorbringen, das Gutachten v on Dr. B.____ sei in Zweifel zu ziehen, weil er allenfalls lediglich einmal pro Woch e einen Kollegen treffe, ansonsten aus- serhalb der Familie jedoch keine sozialen Kontakte pfleg e. Die im Gutachten aufgestellte Be- hauptung reger sozialer Kontakte sei deshalb unsorgfä ltig. Nachträgliche Äusserungen des Versicherten können indes nicht dazu führen, dass das Gu tachten von Dr. B.____ in Zweifel gezogen werden muss, zumal auch keine Indizien bestehen , dass die detailliert geschilderten Alltagsaktivitäten in der gegenüber dem Gutachter ber ichteten Form nicht zutreffen würden. Dies gilt umso mehr, weil anlässlich der gutachterlichen Exploration eine Dolmetscherin zuge- gen war. Wenn der Versicherte berichtet hat, vormittag s und nachmittags mindestens einen einstündigen Spaziergang zu machen und dabei oft Cafés und Restaurants aufzusuchen, wo er sich mit Kollegen treffe, darüber hinaus sich regelmässig auch mit einem Freund treffe und man sich gegenseitig besuche, kann jedenfalls nicht gesagt w erden, die Schlussfolgerung von Dr. B.____ reger sozialer Kontakte sei unsorgfältig oder gar unzutreffend ausgefallen. Wenn der Gutachter in Übereinstimmung mit den Berichten sowohl der Klinik D.____ als auch von Dr. C.____ ausserdem festhält, dass die depressive Verstimmung des Versicherten nebst der Schmerzsituation auch durch die psychosozialen Belastungen ausgelöst worden ist, hat er ent- gegen der in der Beschwerdebegründung vertretenen Auf fassung durchaus den Umstand be- rücksichtigt, dass psychosoziale Aspekte ein krankheitsbedingtes Leiden verursachen oder ver- schlimmern können. Daraus alleine vermag der Beschwerdef ührer jedenfalls nicht abzuleiten, dass die depressiven Verstimmungen einem eigenständigen Kr ankheitsbild entsprechen wür- den. Diese sind vielmehr im Rahmen der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit so- matischen und psychischen Faktoren einzuordnen (oben, Erwä gung 5.2 a.E.). Dass dabei le- diglich eine depressive Episode leichter Ausprägung vorlie gt, erweist sich angesichts der ge- genüber dem Gutachter geschilderten Alltagsaktivitäten des Versicherten – an welchen dem Gesagten zufolge nicht zu zweifeln ist – als absolut n achvollziehbar. Daran vermögen auch die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Beschwerde im Übrigen vorgetragenen Einwände im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in der Klinik D.____ nichts zu ändern. 5.5 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass D r. B.____ die erforderliche Objekti- vität habe vermissen lassen. Er bringt unter diesem Tite l diverse Einwände vor, wonach eine Befangenheit und Voreingenommenheit des von der IV-S telle bestellten Gutachters angenom- men werden müsse. Entgegen dieser Auffassung erweist es sich in diesem Zusammenhang jedoch nicht als falsch, wenn Dr. B.____ in seiner Stel lungnahme vom 14. Juli 2017 (oben, Er- wägung 4.2.6) festhält, dass der Versicherte nicht zur M edikamenteneinnahme bereit gewesen sei. Aus dem Austrittsbericht der Klinik D.____ geht jed enfalls hervor, dass eine medikamentö- se Behandlung deshalb nicht erfolgt sei, weil der Bes chwerdeführer zu Beginn seines Aufent- halts darauf hingewiesen habe, dass die bisher eingenom menen Medikamente in der Vergan- genheit keine Wirkung gezeigt hätten. Auf eine Voreing enommenheit des Gutachters kann dar- aus nicht geschlossen werden. Gleiches gilt in Bezug auf di e von Dr. B.____ in dessen Stel- lungnahme vom 14. Juli 2017 getätigte Aussage einer mangelnden Compliance des Versicher- ten, da der Versicherte dem stationären Aufenthalt off enbar ambivalent gegenüber gestanden ist (oben, Erwägung 4.2.5). Als nicht stichhaltig erweist sich sodann das Argument, der Gutach- ter habe seinen Auftrag nur sehr einseitig wahrgenomm en, weil er dem Umstand nicht weiter nachgegangen sei, dass der Versicherte während der Begut achtung beim Erwähnen seiner Tochter habe weinen müssen. Dass dieser Umstand den Versic herten belastet, geht aus den übrigen Berichten der behandelnden Ärzte nicht hervor. Mithin kann deshalb auch nicht davon gesprochen werden, der Gutachter hätte in Missachtung d er gebotenen Objektivität hierzu kei- ne weiteren Auskünfte eingeholt. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung be- stehen letztlich auch keine Anhaltspunkte, dass der Gutach ter zwecks Einholung sonstiger, fremdanamnestischer Angaben zwingend Rücksprache mit den behandelnden Ärzten hätte nehmen müssen. Die Angaben des Versicherten gaben hier zu jedenfalls keinen Anlass. Da in Bezug auf den vorzeitigen Klinikaustritt auch kein Austr ittsgespräch stattgefunden hat, wären in dieser Hinsicht ohnehin keine ergänzenden Erkenntnisse über die im Austrittsbericht erwähnten Aussagen hinaus oder sonstige erweiterte Auskünfte über d ie Persönlichkeit oder die Compli- ance des Versicherten zu erwarten gewesen. Zumal vorliege nd keine Rede von einer deutlich anderslautenden Beurteilung sein kann, vermag der Verzich t auf die Einholung fremdanamnes- tische Auskünfte das strittige Gutachten von Dr. B.____ i m hier vorliegenden Fall daher nicht in Frage zu stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Oktober 2010, 9C_762/2010, E. 3.1). 5.6 Der Gutachter hat sich schliesslich auch eingehend mit den Standardindikatoren aus- einandergesetzt (BGE 141 V 281 E. 6). Seine Schlussfolgerungen einer dem Beschwerdeführer weiterhin verbleibenden vollen Arbeitsfähigkeit sind umfassend und nachvollziehbar hergeleitet. Sie weisen in Gegenüberstellung mit den medizinischen A kten der behandelnden Ärzte keine Widersprüchliche oder fehlende Aspekte auf. Bei diesem E rgebnis kann aber keine invalidisie- rende Wirkung in Bezug auf die chronische Schmerzstörung des Beschwerdeführers begründet werden. Da eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit au ch in somatischer Hinsicht verneint wer- den muss (oben, Erwägung 5), ist der vorinstanzliche En tscheid der IV-Stelle nicht zu bean- standen und es erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den weiteren, für einen Rentenan- spruch erforderlichen Voraussetzungen. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 800 .— festgesetzt werden, ihm aufzu- erlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleiche r Höhe zu verrechnen sind. Die ausserordentlichen Kosten sind entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.