B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4101/2015 U r t e i l v o m 1 4 . A u g u s t 2 0 1 5 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien 1. A._______, geboren (…), sowie ihre Kinder 2. B._______, geboren (…), 3. C._______, geboren (…), 4. D._______, geboren (…), und 5. E._______, geboren (…), Sri Lanka, c/o Schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des SEM vom 12. Mai 2015 / N (…). D-4101/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführende 1 suchte mit Schreiben vom 20. Dezember 2011 an die Schweizer Botschaft in Colombo (Eingangsstempel: […]) um Asyl nach. B. Mit Schreiben vom (…) 2012 ersuchte die Schweizer Botschaft die Be- schwerdeführende 1 zur Vervollständigung des rechtserhebliche n Sac h- verhalts um Darlegung aller Verfolgungsvorbringen, ergriffenen Schutz- massnahmen und innerstaatlichen Aufenthaltsalternativen sowie, soweit nicht bereits erfolgt, um Einreichung der entsprechenden Beweisdoku- mente samt englischer Übersetzung (inkl. Kopien des Geburtsscheins, der Identitätskarte und gegebenenfalls des Reisepasses). Dazu wurde ihr eine Frist bis zum (…) 2012 angesetzt, verbunden mit der Androhung, im Un- terlassungsfall werde davon ausgegangen, dass sie am Gesuch nicht fest- halte, und das Verfahren abgeschrieben werde. C. Mit Schreiben vom (…) 2012 (Eingangsstempel: […]) beantwortete die Be- schwerdeführende 1 die ihr gestellten Fragen und liess der Schweizer Bot- schaft (…) zukommen. D. Mit Schreiben vom (…) 2012 lud die Schweizer Botschaft die Beschwerde- führende 1 per (…) 2012 zu einer Befragung ein. Mit Schreiben vom (…) 2012 (Eingangsstempel: […]) teilte die Beschwerdeführende 1 der Schwei- zer Botschaft mit, dass sie die Einladung erst am (…) 2012 erhalten habe. Daraufhin lud die Schweizer Bots chaft die Beschwerdeführe nde 1 mit Schreiben vom (…) 2012 per (…) 2012 erneut zu einer Befragung ein. Schliesslich erging am (…) 2012 eine weitere Einladung für einen Befra- gungstermin am (…) 2012 an die Beschwerdeführende 1. E. Am (…) 2012 befragte eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft die Be- schwerdeführende 1 zu ihren Asylgründen, wobei diese gleichzeitig (…) einreichte. Am (…) 2012 leitete die Schweizer Botschaft das Protokoll der Befragung samt ihrem Bericht und den weiteren Unterlagen an das BFM weiter. D-4101/2015 Seite 3 F. Mit je einem Schreiben vom (…) 2012 (Eingangsstempel: […]) und (…) 2014 (Eingangsstempel: […]), welche am (…) 2012 beziehungsweise (…) 2015 an das BFM respektive SEM weitergeleitet wurden, wandte sich die Beschwerdeführende 1 erneut an die Schweizer Botschaft. G. Mit je einem Schreiben vom (…) 2015 lud die Schweizer Botschaft die Be- schwerdeführenden 2 und 3 per (…) 2015 zu einer Befragung ein. H. Am (…) 2015 befragte eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft die Be- schwerdeführenden 2–3 erstmals sowie di e sie begleitende Beschwerde- führende 1 erneut zu ihren Asylgründen. Am (…) 2015 leitete die Schwei- zer Botschaft die Protokolle der Befragungen samt ihrem Bericht und den weiteren Unterlagen an das SEM weiter. I. In ihren schriftlichen Eingaben und anlässlich der Botschaftsbefragungen machten die Beschwerdeführenden zur Begründung Folgendes geltend: I.a Nach dem Ende des Kriegs und nach einem Aufenthalt in einem F._______ habe die Beschwerdeführende 1 das Grundstück ihres während des Kriegs verstorbenen Ehemannes übernehmen können. Das Haus sei von einer staatlichen sri -lankischen Hilfsorganisation wieder aufgebaut worden. Am (…) 2010 seien zivil gekleidete Personen vorbeigekommen und hätten die Beschwerdeführende 1 über ihren Ehemann, ihren sozialen Status u nd ihre Beziehungen zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) befragt, wobei sie vermute, dass es sich um Mitarbeiter des Crimi- nal Investigation Departments (CID) gehandelt habe. Am (…) 2011 sei sie des Nachts durch Rufe aufgefordert worden, sich vor ihr Haus zu begeben. Daraufhin sei sie von betrunkenen Singhalesen gepackt , von einem von ihnen vergewaltigt und dabei auch verletzt worden. Durch ihre Schreie seien ihre Kinder und Dorfbewohner geweckt worden, woraufhin die Män- ner von ihr abgelassen hätten. Auch bezüglich dieser Täterschaft vermute die Beschwerdeführende 1, dass es sich um Mitarbeiter des CID gehandelt habe. Deshalb habe sie davon abgesehen, den Vorfall der Polizei zu mel- den. Am (…) 2012 sei sie erneut von Mitarbeitern des CID zu Hause befragt worden. Allgemein seien die Lebensbedingungen für Witwen in Sri Lanka nicht einfach. Man werde auch lüstern angeschaut, w as erniedrigend sei. D-4101/2015 Seite 4 Im (…) 2014 sei die Beschwerdeführende 1 von unbekannten Tätern, wel- che in das Haus gedrungen seien, mit einem (…) bedroht worden, worauf- hin sie ihre Kinder eingeschlossen habe. Da sie laut geschrien habe, seien Nachbarn zu Hilfe herbeigeeilt. I.b Die Beschwerdeführe nden 2 und 3 führten aus, in G._______ zur Schule gegangen zu sein, da es in der Umgebung keine guten Schulen gebe. Die Busfahrt sei kostenaufwändig, zudem würden sie nicht gerne unbegleitet im Bus fahren, da ihnen junge Burschen nachstellen würden. Ihr Haus befinde sich in der Nähe eines (…). Nachts würden Sicherheits- kräfte am Haus vorbeigehen, dies es mit (…) bewerfen und die Bewohner belästigen. Unter Verweis auf die ersten Übergriffe in ihrem Haus machten sie weiter geltend, dass am (…) 2015 erneut Sicherheitskräfte nach Hause gekommen seien und die Personalien aufgenommen hätten. Die Be- schwerdeführenden 2 und 3 sei en sodann auch auf dem Nachhauseweg von Angehörigen der Armee mit (…) beworfen worden, wobei die Täter so- gar versucht hätten, sie (…). Ihre Mutter (Beschwerdeführende 1) habe deswegen beim Lehrer vorgesprochen, damit sie früher von der Schule nach Hause gehen dürften. Sie würden jedoch weiterhin mit (…) beworfen. J. Mit am (…) 2015 über die Schweizer Botschaft versandter Verfügung vom 12. Mai 2015 verweigerte das SEM den Beschwerdeführenden die Ein- reise in die Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche ab. K. Mit Eingabe vom 23. Juni 2015 an das Bundesverwaltungsgericht (Ankunft bei der schweizerischen Grenzstelle: (…) 2015) beantragten die Be- schwerdeführenden – unter Bezugnahme auf das Schreiben der Schwei- zer Botschaft vom (…) 2015 und namentlich den negativen Entscheid des SEM – sinngemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen beziehungsweise ih nen Asyl zu gewähren. Gleichzeitig wurden ein neues Schreiben der Beschwer- deführenden 1 vom (…) 2015 an die Schweizer Botschaft sowie ihre bis- herigen Schreiben vom 20. Dezember 2011, (…) 2012 und (…) 2014 in Kopie eingereicht. Darauf sowie auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D-4101/2015 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012, welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, kommen vor- liegend nicht zur Anwendung, wurde doch in der Übergangsbestimmu ng (Ziffer III) festgehalten, dass für Asylgesuche, die im Ausland vor dem In- krafttreten der Änderung des Asylgesetzes gestellt worden sind – was vor- liegend der Fall ist – die Art. 12, 19, 20, 41 Absatz 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung gelten. 2. 2.1 Parteieingaben in Verfahren vor Bundesbehörden sind in einer Amts- sprache – in der Regel Deutsch, Französisch oder Italienisch – abzufassen (Art. 70 Abs. 1 BV und Art. 33a Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zu Beschwerdeverbesserung kann indessen verzichtet werden, da der in Eng- lisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Wei- teres darüber befunden werden kann. 2.2 Der Zeitpunkt der Eröffnung der mit Schreiben der Schweizer Botschaft vom 28. Mai 2015 versandten angefochtenen Verfügung steht mangels Vorliegens einer Empfangsbestätigung nicht fest. Die an das Bundesver- waltungsgericht adressierte Beschwerde vom 23. Juni 2015 ist gemäss Sendungsverfolgung der Post am (…) 2015 bei der schweizerischen Grenzstelle angekommen. Angesichts dieser Fakten ist zugunsten der Be- schwerdeführenden von der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeeinreichung auszugehen. D-4101/2015 Seite 6 2.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil- genommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung und sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und – vom sprachlichen Mangel abgesehen – formgerecht einge- reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vorliegende Ent- scheid in deutscher Sprache. 3. In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung mit drei Richtern oder drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung e ines Schriften- wechsels verzichtet werden. 4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG; siehe hierzu auch das zur Publikation vor- gesehene Urteil des BVGer D-103/2014 vom 21. Januar 2015). 5. 5.1 Das Staatssekretariat kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ab- lehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft ma- chen konnte oder ihr die Aufnahme in eine m Drittstaat zugemutet werden konnte (Art. 3, Art. 7 und AsylG und aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligte das Bundesamt einer asylsuchenden Per- son die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemu- tet werden konnte, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG konnte das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepartement (EJPD) schweizeri- sche Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machten, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 5.2 Ein Asylgesuch k onnte gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfah-D-4101/2015 Seite 7 rens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten ( aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Vorliegend hatten die Beschwerdeführenden nicht nur Gelegenheit, ihre Asylgründe schriftlich darzulegen, zu konkretisieren und zu dokumentie- ren, sondern sie wurden am 11. Mai 2012 (Beschwerdeführende 1) bezie- hungsweise 19. Februar 2015 (Beschwerdeführende 1–3) auf der schwei- zerischen Vertretung in Colombo auch persönlich befragt. Anlässlich dieser Befragung hatten sie insbesondere Gelegenheit, weitere Angaben zu ihren persönlichen Lebensumständen und zur aktuellen Verfolgungssituation zu machen. 5.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset- zungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind na- mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzge- währung durch eine n anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur ander- weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und As- similationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend fü r die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der be- treffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Auf- enthaltsort für die Dauer der Sa chverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128, sowie auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D -2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). 5.4 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, allfällige Nachteile, welche die Beschwerdeführenden durch die LTTE erlitten hätten, seien aktuell nicht mehr einreiserelevant. Hinsichtlich der vorgebrachten geschlechtsspezifischen Misshandlungen wurde unter Hin- weis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -7059/2013 vom 31. Januar 2014 ausgeführt, dass den Beschwerdeführenden zugemutet werden könne, sich zwecks Schutzes an das Ministerium für kinder - und frauenspezifische Angelegenheiten (M inistry of Child Development and Women's Affairs [MCDWA] und das dem Polizeidepartement angegliederte D-4101/2015 Seite 8 Büro für Prävention des Missbrauchs von Kindern, Jugendlichen und Frauen (Children & Womens's Bureau) zu wenden. Die Beschwerdefüh- rende 1 habe ausgeführt, die Vergewaltigung nicht gemeldet zu haben. In- dessen könnten der Staat beziehungsweise seine Organe nur tätig wer- den, wenn ihm Missbräuche auch gemeldet würden. Da sie dies unterlas- sen habe, könne dem Staat ausgebliebene Hilfeleistung oder Untätigkeit, das begangene Unrecht zu sühnen, nicht vorgeworfen werden. Sinnge- mäss handle es sich auch bei den übrigen vorgebrachten Beeinträchtigun- gen – in casu das aufdringliche Verhalten von Militärangehörigen – um missbräuchliches Verhalten im geschlechtsspezifischen Bereich, das folg- lich ebenfalls bei den erwähnten Stellen zur Anzeige gebracht werden könne. Das (…) könne ebenfalls bei den Behörden zur Anzeige gebracht werden, da dieses je nach Schwere eine gemeinrechtlich relevante Tat dar- stelle. Da für diese Vorbringen im Heimatstaat der Beschwerdeführe nden Anzeige- und Beschwerdemöglichkeiten bestünden, stellten sie gemäss Art. 3 AsylG keine asylrelevante Verfolgung dar und könnten somit auch nicht zur Erteilung einer Einreisebewilligung in die Schweiz führen. Die Be- schwerdeführende 1 habe vorgebracht, dass die Lebensbedingungen in Sri Lanka für Witwen nicht einfach seien, sie selbst in (…) tätig sei und (…) annehme. Indessen könne eine Einreisebewilligung nur erteilt werden, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer akuten Gefährdung der gesuchstellenden Person bei einem Verbleib in Sri Lanka ausgegan- gen werden müsse. Das SEM schliesse nicht aus, dass sich die Beschwer- deführende 1 in einer schwierigen wirtschaftlichen und persönlichen Situa- tion befinde. Folgen, welche sich aus der Bürgerkriegssituation eines Staa- tes ergäben, sowie eine schwierige Lebenssituation und insoweit humani- täre Überlegungen stellten indes keinen Grund für die Bewilligung der Ein- reise in die Schweiz dar. Mithin seien die Vorbringen nicht einreiserelevant im Sinne von Art. 3 AsylG. Im Übrigen sei bei einzelnen Vorbringen hin- sichtlich deren Glaubhaftigkeit ein Vorbehalt anzubringen, zumal ein Ver- gleich der Protokolle der drei angehörten Beschwerdeführe nden ergebe, dass sich diese widersprächen. So sei der Vorfall, anlässlich welchem eine unbekannte Person ins Haus gedrungen sei und die Beschwerdefüh- rende 1 ihre Kinder eingeschlossen habe, von allen Befragten mit unter- schiedlichen Zeitangaben geschildert worden. Auch habe die Beschwerde- führende 1 die Vorbringen ihrer Töchter (insbesondere […], Belästigungen durch Armee-Angehörige) nicht erwähnt, obwohl auch sie selbst betroffen gewesen wäre. Schliesslich habe sie die Frage, ob sie einen Umzug in Betracht ziehe, mit dem Hinweis verneint, dass dies ihre Tochter bei der Vorbereitung für (…) zu sehr belasten würde. Daraus erg ebe sich, dass keine akute Gefährdung und keine unzumutbare Gewaltsituation vorliege. D-4101/2015 Seite 9 5.5 Die Beschwerde beschränkt sich sinngemäss auf eine Wiederholung der bisherigen Vorbringen im erstinstanzlichen Asylverfahren. Zusätzlich führte die Beschwerdeführende 1 aus, als Witwe mit vier Kindern, einem kärglichen Einkommen und gesundheitlichen Problemen ( […]) seien die Lebensumstände äusserst schwierig. Aus Furcht vor Behelligungen sei sie mit ihren Kindern ins (…) umgezogen. Auch das Schreiben vom (…) 2015 erschöpft sich in einer sinngemässen Wiederholung der bisherigen Vor- bringen. So führt die Beschwerdeführende 1 darin aus, dass sie seit ihrer Befragung vom (…) 2015 noch keine Antwort von der Schweizer Botschaft erhalten habe, und verweist erneut auf die schwierigen Lebensumstände und namentlich die Bedrohungen ihrer Kinder auf dem Schulweg (vgl. Be- schwerde und Schreiben der Beschwerdeführenden 1 vom […] 2015). 5.6 Eine Überprüfung der Akten ergibt, dass sich die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung als zutreffend erweisen. Mithin wurden die Vor- bringen der Beschwerdeführenden vom SEM zu Recht als den Anforderun- gen an eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nicht genügend qualifi- ziert; diesbezüglich kann vorweg auf E. 5.4 vorstehend verwiesen werden, wobei die zusätzlichen Ausführungen in der Beschwerde und im Schreiben vom (…) 2015 daran nichts zu ändern vermögen. So wird vom Bundesver- waltungsgericht nicht in Abrede gestellt, dass sich die Beschwerdefüh- rende 1 als Witwe und alleinerziehende Mutter nach dem Ende der kriege- rischen Auseinandersetzungen in einer schwierigen Lage befindet. Na- mentlich sehen sich im Zusammenhang mit der Militärpräsenz im Norden von Sri Lanka nach dem Kriegsende insbesondere jüngere Witwen und Frauen, welche einen Haushalt allein führen, vermehrt sexuellen Belästi- gungen und weiteren Diskriminierungen auch durch Sicherheitskräfte aus- gesetzt. Demgegenüber wurden von Seiten der sri -lankischen Behörden gewisse Massnahmen ergriffen, um den wirtschaftlichen Schwierigkeiten dieser Personenkategorie zu begegnen. In diesem Zusammenhang wurde in den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung zutreffend auf das Ur- teil des Bundesverwaltungsgerichts D-7059/2013 vom 31. Januar 2014 und die dort erwähnten Institutionen verwiesen. Insgesamt engagieren sich in Sri Lanka 86 Organisationen für die Gleichberechtigung und zum Schutz der Frauen, wovon knapp 90 Pro- zent lokale NGOs sind (vgl. Sri Lanka: Situation der Frauen; Themenpapier der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH]-Länderanalyse, Bern, 28. März 2013). Es kann den Beschwerdeführe nden zugemutet werden, zwecks Schutzsuche erforderlichenfalls an eine dieser Institutionen zu gelangen. Eine schwierige Lebenssituation und insoweit humanitäre Überlegungen vermögen indes keinen Grund für die Bewilligung der Einreise in die D-4101/2015 Seite 10 Schweiz darzustellen. Z usammenfassend ist festzustellen, dass die Be- schwerdeführenden nicht schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind, weshalb die Asylgesuche abzulehnen sind und die Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen ist. Die Beschwerdeführenden vermochten insgesamt nicht aufzuzeigen, dass sie auf die Schutzgewährung durch die Schweiz angewiesen sind bezie- hungsweise ihnen gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz gewäh- ren muss. Der weitere Verbleib in Sri Lanka ist ihnen nach dem Gesagten zuzumuten. Es erübrigt sich, auf die weiteren Vorbringen in der Be- schwerde und d as Schreiben vom (…) 2015 einzugehen, da diese keine neuen Begründungselemente enthalten, welche geeignet wären, die Ein- schätzung des SEM zu relativieren. Dieses hat den Beschwerdeführenden zu Recht und mit überwiegend zutreffender Begründung die Einreise in die Schweiz verweigert und die Asylgesuche abgelehnt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus ver- waltungsökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indes auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. D-4101/2015 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2 Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige schweizerische Vertretung. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: