B. Gerichtsentscheide 3552 71 halts der Mitteilung erscheint es als glaubwürdig, dass Z. – nach einer eigenen Bedenkzeit – alle drei Kläger miteinander info rmieren wollte. Wegen des auswärtigen Wohnsitzes der Klägerin 1 musste ein Termin an einem Wochenende vereinbart werden. Es erscheint realistisch, dass das Ge spräch zwischen den Klägern und Z. erst im Febr u- ar 2009 stattge funden hat. Die Klage da tiert vom 25. Februar 2009 und erfolgt somit längstens drei Wochen später. Damit erweist sich die Klage als rechtzeitig (vgl. auch BGE 85 II 311). KGer, 11.01.2010 3552 Nachbarrecht. Überragende Pflanzen. Imm issionen resp. unmittelba- re Eingriffe (Art. 641, 684 und 687 ZGB). Aus den Erwägungen: 2.1 Gemäss Art. 684 Abs. 1 ZGB muss sich jeder Eigentümer e i- nes Grundstückes bei der Ausübung seines Eigentums aller übermä s- sigen Einwirkungen auf das Eigentum des Nachbarn enthalten. Als Einwirkungen oder Immissionen nach Art. 684 ZGB definieren Lehre und Rechtsprechung alles, was sich als eine nach dem g ewöhnlichen Lauf der Dinge unwillkürliche oder indirekte Folge eines mit der B e- nutzung oder Bewi rtschaftung eines anderen Grund stückes adäquat kausal zusammenhängenden menschlichen Verhaltens auf dem b e- troffenen Grundstück auswirkt ( Lukas Roos , Pflanzen im Nachba r- recht, Diss., Zürich 2002, S. 244). Für die Annahme eines mensc hli- chen Verhaltens reicht es dabei aus, dass der Grundstückseigentümer nichts gegen die von seinem Grundstück ausgehenden pflanzlichen Einwirkungen unternimmt ( Lukas Roos , a.a.O., S. 18 oben). Pflanzl i- che Immissionen i.S.v. Art. 684 ZGB sind unter anderem Nadeln, Tannenzapfen sowie tropfendes Harz ( Lukas Roos, a.a.O., S. 27 un- ten). Die Kantonalen Gerichte sind bei der Annahme einer Übermä s- sigkeit von Immissionen zurückhaltend. Einwirkungen durch Laub, Nadeln oder Tannenzapfen haben als ortsüblich zu gelten und hab en als natürlicher Vorgang hingenommen zu werden, sofern sie die Grundstücksbenutzung nur geringfügig beeinträchtigen. Ein davon abweichendes subjektives Empfinden des Nachbarn spielt keine Rolle B. Gerichtsentscheide 3552 72 (Lukas Roos , a.a.O., S. 39). Sind Immissionen nicht übermäss ig, so sind sie vom Nachbarn zu dulden und er hat keine n Anspruch darauf, dass die ent sprechenden Pflanzenteile vom Eigentümer entfernt w er- den ( Lukas Roos , a.a.O., S. 41). Gegen übermässi ge Immissi onen kann sich der Eigentümer des betroffenen Grundstückes mit einer Klage nach Art. 679 ZGB wehren (Lukas Roos, a.a.O., S. 50). 2.2 Keine Immissionen gemäss Art. 684 ZGB sind direkte Eingriffe in die Substanz eines Grundstückes, sogenannte direkte oder unmit- telbare Eingriffe (Lukas Roos, a.a.O., S. 21 oben), etwa durch überra- gende Äste oder eindringende Wurzeln. Dieser Tatbestand wird durch das sog. Überhangsrecht, insbesondere durch die Kapp - und Anries- bestimmungen von Art. 687 ZGB geregelt. Zu dem hat der Nachbar gestützt auf Art. 641 Abs. 2 ZGB die Möglichkeit, die Beseitigung des Überhanges zu verlangen ( Lukas Roos , a.a.O., S. 28 oben und S. 92). Gemäss Art. 687 Abs. 1 ZGB kann der Nachbar überragende Ä ste und eindringende Wurzeln kappen, wenn sie sein Eigentum schäd i- gen und auf seine Beschwerde hin nicht binnen angemessener Frist beseitigt werden. Das Kapprecht setzt einen Schaden im Sinne einer erheblichen Beeinträchtigung des Nachbargrundstückes voraus. E r- heblich ist diese dann, wenn sie auch von einem normal empfindl i- chen Nachbarn unter den gegebe nen Umstände n als übermässig empfunden wird (Lukas Roos, a.a.O., S. 77 f.). Als Beispiele sind etwa erhebliche Beeinträchtigungen durch Laub -, Blüten- oder Nadelfall zu nennen, wenn solche Einwirkun gen häufige Reinigungsarbeiten in e r- heblichem Ausmass erforderlich mac hen. Beispielsweise wenn Tro p- fen von klebrigen Baumsäften auf eine Garageneinfahrt fallen oder wenn ein Nachbar bei der Benützung von Parkplätzen, Strassen oder Wegen behindert wird (Lukas Roos, a.a.O., S. 79 und 81). Neben dem Kapprecht ist, wie ausgefüh rt, auch die Eigentumsfre i- heitsklage nach Art. 641 Abs. 2 ZGB möglich. Der Pflanzeneigent ü- mer kann dabei verpflichtet werden, die e indringenden Äste und Wu r- zeln unter Androhung von Zwangsvollstreckung oder Strafe im Un ter- lassungsfall zurückzuschneiden ( Lukas Roos , a.a.O., S. 95). Wenn der Nachbar wegen der dabei anfallenden Kosten, Schwierigkeiten oder Gefahren, auf das Kapprecht verzichten möchte, muss das Kapprecht durch die Eigentumsfreiheitsklage ergänzt werden. Fraglich ist dabei, ob die Eigentumsfreih eitsklage wie das Kapprecht eine Schädigung durch den Überhang voraussetzt. Während Lehre und B. Gerichtsentscheide 3552 73 Rechtsprechung dies mehrheitlich verneinen, ist Roos der Meinung, dass der Gesetzgeber einen wertenden Entscheid getroffen habe, i n- dem er das Kapprecht vom Vorlie gen einer Schädigung abhängig gemacht habe. Es solle das unver hältnismässige oder grundlose B e- schädigen von Bäumen vermieden werden. Dieser Wertungsen t- scheid dürfe bei der Zulassung der Eigentumsfreiheitsklage nicht u n- berücksichtigt bleiben, weshalb die Vo raussetzung der Schädi gung auf die Eigentumsfreiheits klage zu übertragen sei ( Lukas Roos , a.a.O., S. 94). Roos verweist dabei auf Lindenmann, der zum se lben Ergebnis kommt, dieses jedoch damit begründet, dass mit der Eige n- tumsfreiheitsklage nach dem Wortla ut des Gesetzes nur „ungerech t- fertigte Einwirkungen“ abgewehrt werden könnten und nach den Bes t- immungen des Kapprechtes sei nicht jeder, sondern nur der schädi- gende Überhang als ungerechtfertigt anzusehen ( Lukas Roos, a.a.O., S. 94, FN 352). 2.3 Zusammenfassend richten sich die Rechtsfolgen übermässiger Immissionen ausschliesslich nach Art. 679 ZGB, wohingegen bei d i- rekten Eingriffen dem Nachbarn die Eigentumsfreiheitsklage nach Art. 641 Abs. 2 ZGB offensteht (vgl. Lukas Roos, a.a.O., S. 52). Das Gericht ge langt zur Überzeugung, dass eine Verknüpfung zwischen den Voraussetzungen der ungerechtfertigten Einwirkung gemäss Art. 641 Abs. 2 ZGB und den Voraussetzungen von Art. 687 Abs. 1 ZGB sinnvoll und richtig ist und folgt der Meinung von Roos. Somit müssen die Kläger eine Schädigung nachweisen. KGer, 11.05.2010