Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. September 2018 (715 18 47 / 251) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz; ein ausreichendes ärztliches Zeugnis liegt vor. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber i.V. Robert Schibli Parteien A. ____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Silvia Schneider , Adv o- katin, Schneider + Partner AG, Dornacherstrasse 8, Postfach 2881, 4002 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1955 geborene A.____ war ab 1. August 2005 a ls Product-/Master Data Professio- nal für die B.____ AG tätig. Am 28. März 2017 löste die B.____ AG das Arbeitsverhältnis infolge Auslagerung von bestimmten Funktionen ins Ausland p er 30. Juni 2017 auf. Sie zog die Kündi- gung indes zurück aufgrund von Verhandlungen der Mi tarbeitervertretung mit der B.____ AG. A.____ gab ihrerseits kein Einverständnis zum Wider ruf der Kündigung und schloss am 19. Mai 2017 im gegenseitigen Einvernehmen mit der ehemaligen Arbeitgeberin eine Aufhe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bungsvereinbarung zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 30. Juni 2017 ab. A.____ meldete sich am 1. Juni 2017 beim Regionalen Arbeitsve rmittlungszentrum (RAV) zur Arbeits- vermittlung an und erhob am 11. Juni 2017 bei der Öff entlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 3. Juli 2017. B. Mit Verfügung Nr. 1740/2017 vom 6. September 201 7 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Juli 2017 für 36 Tage in der An- spruchsberechtigung ein. Die Einspracheinstanz des Kantona len Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Baselland (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, hiess die Einsprache von A.____ mit Entscheid vom 15. Dezember 2017 teilweise g ut, und kürzte die Einstelldauer auf insgesamt 31 Tage aufgrund der gesundheitlichen Probleme der Versicherten. C. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Silvia Schneider, am 19. März 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), wobei sie die Aufhebung des Einspracheent scheids vom 15. Dezember 2017 be- antragte. D. Die Arbeitslosenkasse schloss mit Vernehmlassung vom 23. April 2018 auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslo senversicherung und die Insolvenzent- schädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend kam der Beschwerdeführer seinen Kontrollpflichten im Ka nton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicheru ngsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhob ene Beschwerde der Versicherten vom 19. März 2018 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.– Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch Präsidialentscheid. Bei einem Taggeld von Fr. 234 .50 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 7'269.50. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerd eführerin infolge selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 31 Ta gen in der Anspruchsberechtigung ein- stellte. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht (THOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri- sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arb eitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem n ach den persönlichen Umständen und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalt en der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Eine Auflösung des Arbeitsverhält nisses im gegenseitigen Einvernehmen ist als Selbstkündigung zu qualifizieren (vgl. AVIG-Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirtschaft [Seco], Stand Januar 2017, Rz. D24). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Um- stände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemute t werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gef unden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S . 116). Die Zumutbarkeit zum Verblei- ben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nu r das freiwillige ( „ volontairement “ ) Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans motif légitime“ ) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt d ie Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundhei tsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine U nzumutbarkeit aus gesund-heitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachver halts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). Ärztliche Zeugnisse müssen einerseits eine Diagnose und anderseits eine aus- sagekräftige Erklärung für die Arbeitsunfähigkeit (Kausalität) enthalten. 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf f olgende Verfahrensgrundsätze hin- zuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwer- deverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Da nach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und voll ständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abkläru ngen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nic ht uneingeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). 4. Vorab stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführeri n ihre Arbeitslosigkeit selbst ver- schuldet hat, indem sie dem Widerruf der Kündigung und somit der Fortführung des Arbeitsver- hältnisses nicht zustimmte und stattdessen eine Aufhebung svereinbarung mit ihrer ehemaligen Arbeitgeberin schloss. 4.1 Die Beschwerdeführerin stellte sich auf den Standp unkt, dass es vorliegend an ihrem Einverständnis als Kündigungsempfängerin gefehlt habe, w elche für den Rückzug einer Kündi- gung vorausgesetzt werde. Als einseitiges Rechtsgeschäft se i die Kündigung unwiderruflich. Die Beschwerdeführerin habe mit der Aufhebungsvereinba rung vom 19. Mai 2017 per 30. Juni 2017 nicht das Arbeitsverhältnis beendet, sondern die Kü ndigung der Arbeitgeberin vom 28. März 2017 bestätigt. Deshalb sei das Arbeitsverhältnis dur ch die Kündigung der Arbeitgeberin beendet worden. 4.2 Gemäss Ansicht der Beschwerdegegnerin habe die Beschw erdeführerin dem Kündi- gungsrückzug nicht zugestimmt, womit die Kündigung stehen geblieben sei. Das Schreiben der ehemaligen Arbeitgeberin vom 18. Mai 2017 mit dem B etreff „Rückzug der Kündigung“ sei je- doch als eine Offerte zur Vertragsverlängerung zu qual ifizieren. Diese Vertragsverlängerung habe die Beschwerdeführerin abgelehnt, indem sie die Aufhebungsvereinbarung mit der ehe- maligen Arbeitgeberin abgeschlossen habe. Durch die Able hnung der Vertragsverlängerung habe sie die Schadenminderungspflicht verletzt. 4.3 Die Kündigung ist ein Gestaltungsrecht, das durch ei n einseitiges Rechtsgeschäft aus- geübt wird . Weil mit der Kündigung das Rechtsverhältnis einseitig um gestaltet wird, ist sie grundsätzlich bedingungsfeindlich und unwiderruflich, wa s von der Beschwerdegegnerin auch nicht bestritten wird. Eine einmal wirksam gewordene Kü ndigung kann also nur mit Einver- ständnis der Gegenpartei zurückgenommen werden (vgl. BGE 128 III 129 E. 2a; W OLFGANG PORTMANN /R OGER RUDOLPH , Art. 335, in: Honsell/Vogt/Wiegand [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Obligationenrecht I, Art . 1 – 529 OR, 6. Auflage, Basel 2015, N 24). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kann der Abschluss der Aufhebungsver- einbarung nicht als Bestätigung der Arbeitgeberkündigun g angesehen werden. Das Einver- ständnis der Versicherten mit dem Widerruf der Kündigung durch die Arbeitgeberin vom 18. Mai 2017 hätte zur Weiterführung des Arbeitsverhältnisses gef ührt. Die Versicherte gab jedoch ihr Einverständnis zum Kündigungswiderruf nicht, sondern verei nbarte am Folgetag einen Aufhe- bungsvertrag mit ihrer ehemaligen Arbeitgeberin und lehnte damit das Angebot zur Fortführung des zuvor gekündigten Arbeitsverhältnisses ab, ohne dass ihr im Zeitpunkt des Abschlusses der Aufhebungsvereinbarung von anderer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert ge- wesen wäre. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihr ein Verbleiben an der bisherigen Arbe itsstelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewesen wäre (vgl. E. 2.3 hiervor). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Es stellt sich somit als Nächstes die Frage, ob die von d er Beschwerdeführerin geltend gemachte Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz aus gesundheitlichen Gründen durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis oder durch andere geeignete Beweismittel belegt ist (vgl. E. 2.5 hiervor). 5.1 Aufgrund der Akten stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in sei nem Bericht vom 26. Oktober 2017 fest, dass die Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren weg en einer rezidivierenden bipolaren Affektstörung (ICD-10 F31) bei ihm in psychiatrischer Behandlung stehe. Die Erkrankung seiner Patientin habe in den vergangenen Jahren wiederholt zu längeren Krankschreibungen geführt, wobei die letzte krankheitsbedingte Absenz vom Arbeitspl atz von Dezember 2016 bis März 2017 gewesen sei. Die Versicherte habe am 22. März 201 7 ihre Arbeit wieder zu 100 % auf- nehmen können und habe bis Mitte Mai 2017 einen stabilen Verlauf gezeigt. Am 22. März 2017 sei ihr aufgrund von Restrukturierungsmassnahmen gekündig t worden. Aufgrund des tiefgrei- fenden Vertrauensbruchs durch die Kündigung als langj ährige Mitarbeiterin kurz vor der Pensi- on habe die Versicherte innerlich mit ihrer ehemalige n Arbeitgeberin abgeschlossen. Nachdem die Kündigung Mitte Mai 2017 zurückgezogen worden sei, s ei ihr Gesundheitszustand schlech- ter geworden. Die Vorstellung nach dieser Erfahrung wieder bei der B.____ AG arbeiten zu müssen habe eine schwere psychische Dekompensation mit Rückf all und Krankschreibung ab dem 18. Mai 2017 bis 13. Juni 2017 ausgelöst. Erst der Entscheid aus medizinischen Gründen den Widerruf der Kündigung nicht anzunehmen und das Ar beitsverhältnis auslaufen zu lassen, habe es ihr ermöglicht, diese Krise zu überwinden und i hre Arbeit bis zum Abschluss des Ar- beitsverhältnisses wieder aufzunehmen. Ein Weiterführen des zerrütteten Arbeitsverhältnisses wäre aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar gewesen u nd hätte zu einer gesundheitli- chen Verschlechterung und längeren Erkrankungsdauer geführt. 5.2.1 Die Beschwerdegegnerin vertritt den Standpunkt, dass der Arztbericht von Dr. C.____ vom 26. Oktober 2017 nicht echtzeitlich sei, da er mehr als fünf Monate nach Auflösung des Arbeitsvertrages erstellt wurde. Fraglich ist deshalb zunächst, ob der Bericht von Dr. C.____ die Voraussetzung der Echtzeitlichkeit, die bei einem rechtsge nüglichen Arztzeugnis gegeben sein muss, erfüllt. 5.2.2 Aus dem Umstand, dass das Arztzeugnis vom 26. Oktober 2017 erst mehrere Monate nach der Kündigung ausgestellt wurde, kann vorliegend nicht geschlossen werden, dass das Kriterium der Echtzeitlichkeit nicht erfüllt ist. Von ei ner fehlenden Echtzeitlichkeit kann nämlich nur dann die Rede sein, wenn die Konsultation beim Arzt sowie die Ausstellung des entspre- chenden Arztzeugnisses zeitlich nach der Kündigungserkläru ng erfolgten (vgl. als Beispiel hier- zu Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 10. Juli 2014, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht, 715 13 366 E. 5.5). Im vorliegenden Fall handelt es sich bei dem spät er eingereich- ten ärztlichen Attest um nähere Ausführungen des behan delnden Arztes, welche auf den Er- gebnissen früherer Konsultationen, wie u.a. vom 18. Mai 2017 beruhen, die zeitlich vor der Auf- hebungsvereinbarung vom 19. Mai 2017 erfolgten bzw. au sgestellt wurden. Somit ist die Vo- raussetzung der Echtzeitlichkeit des Arztzeugnisses vorliegend erfüllt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Ebenfalls zu bejahen ist die Frage, ob das vorgelegt e Arztzeugnis von Dr. C.____ ge- nügend aussagekräftig ist und somit die inhaltlichen An forderungen an ein rechtsgenügliches ärztliches Attest erfüllt. Ein rechtsgenügliches Arztzeugnis als taugliche Entscheidgrundlage hat aus inhaltlicher Sicht einerseits eine Diagnose und and ererseits eine aussagekräftige Erklärung zum Gesundheitszustand der versicherten Person zu enthalten (siehe E. 2.5 hiervor) und darf dabei nicht nur die subjektiven Aussagen des Patienten wi edergeben (vgl. Urteil des Kantons- gerichts Basel-Landschaft vom 22. Januar 2014, Abteilung Sozialversicherungsrecht, 715 13 69 E. 4.3). Der Arztbericht von Dr. C.____ erfüllt die genan nten Voraussetzungen, auch wenn zur Zeit der ärztlichen Konsultation vor dem Abschluss der A ufhebungsvereinbarung und somit der Ablehnung des Kündigungswiderrufs (am 18. Mai 2017) k ein ärztlicher Rat zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses vorlegen hatte. Ein solcher Rat ist ke ine zwingende Voraussetzung an ein rechtsgenügliches Arztzeugnis. Daran ändern auch die Einw ände der Beschwerdegegnerin nichts, die entgegensetzt, dass die von Dr. C.____ festges tellte gesundheitliche Besserung durch das Auslaufen des Vertrages wegen der zeitlichen Nä he von lediglich einem Tag zwi- schen dem Widerruf der Kündigung durch die ehemalige Arbeitgeberin vom 18. Mai 2017 und der Aufhebungsvereinbarung vom 19. Mai 2017 nicht glaubhaft sei. Auch wendete sie ein, dass die Beschwerdeführerin nach der Aufhebungsvereinbarung noch während 23 Tagen nicht voll arbeitsunfähig gewesen sei. Die Beschwerdegegnerin ist deshalb der Meinung, dass die ge- sundheitlichen Probleme der Versicherten nicht auf die K ündigung zurückzuführen seien, son- dern dass es sich um einen Rückfall gehandelt habe, wie ihn die Beschwerdeführerin regel- mässig erleide. Die nachvollziehbare und schlüssige Einschät zung des langjährig behandeln- den Arztes Dr. C.____ vom 26. Oktober 2017 steht diese r Ansicht entgegen. Dr. C.____ schil- dert den Krankheitsverlauf der Versicherten der letzten Jahre, nennt die erhobene Diagnose und liefert eine aussagekräftige Erklärung, weshalb es f ür die Beschwerdeführerin aus gesund- heitlichen Gründen unzumutbar wurde, nach der Kündigung und deren Widerruf die notwendige Flexibilität aufzubringen, um das Arbeitsverhältnis in einer wie vorliegend unsicheren wirtschaft- lichen Situation wieder aufzunehmen. Dies zeigt sich auch darin, dass die Versicherte bis Mitte Juni 2017 krankgeschrieben war. Aufgrund dieser medizin ischen Beurteilung ist deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass d ie erneute Verstärkung der ge- sundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin kein zeit lich zufälliger Rückfall war, sondern seine Ursache in der Kündigung und deren Widerruf und somit in den Geschehnissen rund um das Arbeitsverhältnis gehabt hat. Wegen ihrer seit langem angeschlagenen Gesundheit und der akuten Exazerbation durch die Kündigung konnte sie offe nsichtlich nicht mehr die Kraft aufbrin- gen, sich auf die Weiterführung der Arbeit mit unsicherem Ausgang einzulassen. 6. Zusammenfassend hat die Versicherte mit der Ablehnun g des Vertragsverlängerungs- angebots ihrer ehemaligen Arbeitgeberin nicht gegen d ie Schadenminderungspflicht verstos- sen, weshalb der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu Unrecht gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG um 31 Tage eingestellt wurde. Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hält fest, dass die obsie gende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat. Bei diesem Au sgang des Verfahrens ist der Versi- cherten eine Parteientschädigung zu Lasten der Vorinst anz zuzusprechen. Der gemäss Hono- rarnote vom 4. Juni 2018 für das vorliegende Beschwerdeverfahren geltend gemachte Aufwand im Umfang von 12.3 Stunden ist angemessen und zu dem pr axisgemäss vor dem Kantonsge- richt üblichen Stundenansatz von Fr. 250.– (vgl. § 3 Ab s. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003) zu entgelten. Die von der Beschwerdeführerin angege- benen Auslagen in der Höhe von Fr. 83.– sind angemessen . Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädigung von Fr. 3‘401.15 (12.3 Stunden à F r. 250.– zuzüglich Auslagen von Fr. 83.– und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Vorinstanz zugesprochen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einspracheent- scheid vom 15. Dezember 2017 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ei ne Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘401.15 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Mitteilung an Parteien KIGA Baselland Direktion für Arbeit (seco) Präsidentin Gerichtsschreiber i.V. http://www.bl.ch/kantonsgericht