B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4108/2017 U r t e i l v o m 2 5 . A p r i l 2 0 1 9 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Esther Marti, Richterin Barbara Balmelli, Gerichtsschreiberin Maria Wende. Parteien A._______, geboren am (…), Belarus, vertreten durch RA Florian Wick, Bosonnet Wick Rechtsanwälte, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 30. Juni 2017 / N (…). E-4108/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 19. Januar 2015 unter der Identität B._______, geboren am (…), um Asyl. Per Zufallsprinzip wurde er gemäss Art. 4 Abs. 3 der Testphasenverordnung vom 4. September 2013 (TestV, SR 142.318.1) dem Verfahrenszentrum Zürich zugewiesen. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 1. Juni 2016 und der Anhörung vom 9. November 2016 machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei Staatsangehöriger Weissrusslands aus C._______. Im (…) bezie- hungsweise im (…) 2005 habe er an einer Demonstration in D._______ im Zusammenhang mit Vorwürfen der Wahlfälschung bei den Präsident- schaftswahlen teilgenommen. Dab ei sei er festgenommen und während (…) Monaten inhaftiert worden. In Haft sei er geschlagen worden, wovon er zahlreiche Knochenbrüche davongetragen habe. Nach seiner Freilas- sung sei er von einer Gruppe maskierter Männer erneut festgenommen und aufgefordert worden, zu gestehen, dass er etwas gegen den Präsiden- ten vorhabe. Nach (…) sei er freigelassen worden. Ungefähr zwei Wochen darauf, im (…), sei er wiederum während ungefähr (…) Tagen inhaftiert worden. Erneut habe man ihn zu einem Geständnis drängen wolle n. Zu- dem sei sein Unternehmen unter falschen Vorwänden aufgelöst worden. Er habe deswegen einen Untersuchungsantrag stellen wollen. Danach sei er ein weiteres Mal verhaftet worden. Mitte Dezember sei er nach Russland ausgereist und habe dort während drei J ahren gearbeitet. Am (…) 2008 habe er wieder an einer Demonstration gegen den Präsidenten in D._______ teilgenommen. Am (…) 2008 sei er festgenommen worden. Er sei in Einzelhaft gewesen und immer wieder gefoltert worden, wovon er diverse schwere Verletzungen davongetragen habe. Er sei gedrängt wor- den, Geständnisse zu unterzeichnen und dabei mit dem Tod bedroht wor- den. Er habe zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen, sei jedoch jeweils gerettet worden. Ein Geständnis habe er nicht abgegeben. Seine Mutter sei während seiner Haft gestorben. Nach seiner Freilassung im (…) 2014 sei er nach C._______ zurückgekehrt und habe zweieinhalb Monate bei einem Freund verb racht. Er habe bei verschiedenen Behörden ver- sucht, diverse Dokumente, darunter Identitätspapiere, zu organisieren, die ihm anlässlich seiner Verhaftung abgenommen worden seien. Daraufhin sei er während (…) Tagen festgehalten und unter Folter und Todesdrohun- gen aufgefordert worden, das Land zu verlassen. In der Folge sei er wei- tere drei Mal festgehalten worden. Im selben Zeitraum, von (…) bis (…) E-4108/2017 Seite 3 2014, sei er vier Mal nach Russland gegangen, um weiteren Misshandlun- gen auszuweichen. Nach Weissrussland sei er jeweils zurückgekehrt, um die Dokumente zu organisieren, jedoch ohne Erfolg. Am (…) 2015 habe er Weissrussland verlassen und sei am15. Januar 2015 über mehrere Länder in die Schweiz gelangt. Nach Aufforderung durch das SEM reichte der Beschwerdeführer einen ärztlichen Bericht vom 29. Mai 2017 zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 30. Juni 2017 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen- schaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. C. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 21. Juli 2017 be- antragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung, die Gewährung von Asyl und die Feststellung der Flüchtlingseigen- schaft. Eventualiter sei er vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm der rubrizierte Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbei- stand beizuordnen. Ferner sei ein Gutachten zur erlittenen Folter und dar- aus folgenden Traumatisierung erstellen zu lassen. Zum Nachweis der prozessualen Bedürftigkeit reichte der Beschwerdefüh- rer eine Unterstützungsbestätigung der zuständigen kantonalen Stelle vom 14. Juli 2017 ein. D. Mit Zwischenverfügung vom 31. Juli 2017 stellte die Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung sowie um amtliche Rechtsverbeiständung gut und verzich- tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses . Sodann lud sie die Vor- instanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. E. Mit Vernehmlassung vom 24. August 2017 hielt die Vorinstanz an ihren Er- wägungen fest. E-4108/2017 Seite 4 F. In seiner Replik vom 8. September 2017 hielt der Beschwerdeführer an seinen Begehren fest. G. Im Rahmen der Vollzugsunterstützung bat die Vorinstanz die belarussische Botschaft in der Schweiz am (…) um Mithilfe bei der Identifikation des Be- schwerdeführers. Diese teilte dem SEM mit Schreiben vom (…) mit, die richtige Identität des Beschwerdeführers laute A._______, geboren am (…). Mit Instruktionsverfügung vom 16. Januar 2018 forderte das Bundes- verwaltungsgericht den Beschwerdeführer zu einer Stellungnahme hierzu auf und gewährte ihm eingeschränkte Einsicht in die Botschaftsanfrage so- wie die entsprechende Antwort. H. In seiner Stellungnahme vom 21. Februar 2018 bestätigte der Bes chwer- deführer die von der Botschaft angegebene Identität und ersuchte um ent- sprechende Berichtigung seiner Hauptidentität im Zentralen Migrationsin- formationssystem (ZEMIS). I. Mit Schreiben vom 13. November 2018 stellte das Bevölkerungsamt E._______ zuhanden des SEM gestützt auf Art. 10 Abs. 2 AsylG eine Ge- burtsurkunde vom (…), eine Geburtsurkunde vom (…) September 2018, ein Scheidungsurteil vom (…) 2018 und einen Militärausweis aus dem Jahr 2014 (alles im Original) des Beschwerdeführers sicher und liess diese Do- kumente, mit Ausnahme des Militärausweises, übersetzen. J. Mit Instruktionsverfügung vom 26. Februar 2019 forderte das Bundesver- waltungsgericht den Beschwerdeführer auf, zu diesen Dokumenten Stel- lung zu nehmen und darzulegen, wie er diese erhältlich machen konnte. K. Mit Schreiben vom 25. März 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Stel- lungnahme ein. Gleichzeitig wurde eine Kostennote eingereicht. E-4108/2017 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie- gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe- stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1- 7) sind unverändert vom AuG ins AIG über- nommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbe- zeichnung verwendet. 1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-4108/2017 Seite 6 3. Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz eine Verletzung der Untersu- chungspflicht, des Anspruchs auf rechtliches Gehör und der Pflicht zur voll- ständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes vor. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Urteile des BVGer E -5381/2016 vom 30. November 2016 und E-2002/2016 vom 15. Dezember 2016). 3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe seine Vor- bringen zur durchlebten Folter und den daraus resultierenden Verletzun- gen nicht untersucht und damit seinen Anspruch auf rechtliches Gehör und den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Es sei ein Gutachten gemäss Istan- bul-Protokoll zur erlittenen Folter und der daraus folgenden Traumatisie- rung erstellen zu lassen. Ferner seien seine Darlegungen substantiiert, nachvollziehbar und logisch. Dies sei bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit nicht berücksichtigt worden, was ebenfalls seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletze. Schliesslich habe sich die Vorinstanz widersprüchlich ver- halten, indem sie seine Foltervorbringen nicht bestritten habe, ihm aber Asyl verweigert habe, ohne auf diese einzugehen. Dies stelle ein en Verstoss gegen Treu und Glauben dar. 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein - greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er - lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch ko rreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten E-4108/2017 Seite 7 Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Behörde nimmt die ihr an- gebotenen Beweise ab, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts taug- lich erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). Die Behörde hat demnach die Pflicht, die ihr von den Parteien rec htzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel abzunehmen, es sei denn, diese würden eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder seien offensichtlich untauglich, über den streitigen Umstand Beweis zu erbringen. Ferner kann die Behörde im Einzelfall vo n der Beweisabnahme absehen, wenn der rechtserhebliche Sachverhalt be- reits hinreichend geklärt ist (sog. antizipierte Beweiswürdigung). Kommt die Behörde mit anderen Worten zur Überzeugung, dass der rechtserheb- liche Sachverhalt oder die behauptete Tatsache aufgrund der Akten als erstellt erachtet werden kann oder weitere Beweismittel für die Entscheid- findung nicht relevant sind, kann sie auf eine weitere Beweisabnahme ver- zichten, ohne dass sie im Rahmen der antizipierten Beweiswürdigung den Anspruch auf rec htliches Gehör verletzen würde (vgl. zum Ganzen BGE 141 I 60 E. 3.3 m.w.H.; BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 3.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge- listeten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersu- chungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise fa lsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden ( aArt. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). 3.4 Die Vorinstanz hat die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers für nicht glaubhaft befunden. Unabhängig davon erachtete sie im Hinblick auf die Frage der Asylrelevanz den Kausalzusammenhang zwischen Ver- folgung und Flucht aufgrund der zahlreichen Reisen des Beschwerdefüh- rers nach Russland als unterbrochen . Zudem sei seine Furcht vor einer Verhaftung vor diesem Hintergrund haltlos. Diese Beurteilung durch die Vorinstanz erscheint weder widersprüchlich noch ist vor diesem Hinter- grund zu beanstanden, dass sie keine weiteren Abklärungen, insbeson-E-4108/2017 Seite 8 dere kein Gutachten, zu den Foltervorbringen des Beschwerdeführers vor- genommen hat. Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs und des Verstosses gegen Treu und Glauben ist damit unbegründet. Der Antrag auf Erstellung eines Gutachtens zur erlittenen Folter und daraus folgender Traumatisierung ist folglich abzuweisen. 3.5 Der Beschwerdeführer führt aus, die Vorinstanz habe die Realkennzei- chen in seinen Vorbringen nicht berücksichtigt und dadurch seinen An- spruch auf rechtliches Gehör verletzt. Er verweist auf das Anhörungsprotokoll, ohne jedoch zu substantiieren, welche seiner Aussagen von der Vorinsta nz nicht berücksichtigt worden seien. Ferner verkennt er, dass allein eine andere Einschätzung der Glaub- haftigkeit seiner Vorbringen durch die Vorinstanz als von ihm gewünscht, keine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellt. Zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit durch die Vorinstanz wird im Übrigen auf E. 7.1 verwiesen. 3.6 Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, das SEM sei nicht befugt gewesen, während des laufenden Beschwerdeverfahrens seine Daten an den Verfolgerstaat weiterzugeben und verweist dabei auf Art. 98 und 102c AsylG. Entgegen der Ansicht des Beschwerdefü hrers sind vorliegend nicht die Art. 98 und 102c AsylG sondern Art. 97 AsylG einschlägig, da die Weiter- gabe von Personendaten an den Heimat - und nicht an einen Dr ittstaat in Frage steht. Art. 97 Abs. 2 AsylG sieht vor, dass zwecks Beschaffung der für den Vollzug der Wegweisungsverfügung notwendigen Reisepapiere, die für die Organisation der Ausreise zuständige Behörde mit dem Heimat- oder Herkunftsstaat Kontakt aufnehmen könne, wenn in erster Instanz das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft verneint wurde. In Art. 97 Abs. 3 AsylG werden die Daten aufgelistet, welche weitergegeben werden dürfen. Die Vorinstanz verneinte die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh- rers, weshalb die Weitergabe seiner Personendaten an die belarussische Botschaft nicht zu beanstanden ist. 3.7 Der Beschwerdeführer führt schliesslich an, die Sicherstellung der Ur- kunden durch das Bevölkerungsamt E._______ sei widerrechtlich erfolgt, da seine Identität längst feststehe. Die Sicherstellung diene offensichtlich sachfremden Zwecken. Entsprechend seien die sichergestellten Urkunden aus den Akten zu weisen. E-4108/2017 Seite 9 Gemäss Art. 10 Abs. 2 AsylG stellen Behörden und Amtsstellen zuhanden des SEM Reisepapiere, Identitätsausweise oder andere Dokument sicher, wenn sie Hinweise auf die Identität einer Person, welche in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht hat, geben können. Angesichts dessen, dass es sich bei den sichergestellten Unterlagen um Identitätsdokumente des Beschwerdeführers (bzw. Dokumente, welche Rückschlüsse auf seine Identität zulassen) handelt, welche objektive Be- weismittel für die von der belarussischen Botschaft bekanntgegebene Identität darstellen, ist die Sicherstellung durch das Bevölkerungsamt E._______ nicht zu beanstanden. 4. Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Ma ssnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Furcht vor künftiger Verfolgung umfasst allgemein ein auf tatsächlichen Gegeben- heiten beruhendes objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfindung der betroffenen Person als subjektives Element ande- rerseits. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, wer objektive Gründe für seine Furcht vorweist, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten ernsthaften Nachteile als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht E-4108/2017 Seite 10 davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen . Dabei ist zu berücksichtigen, dass Personen, welche bereits Verfolgungshandlungen ausgesetzt waren, objektive Gründe für eine ausgeprägtere subjektive Furcht vor weiterer Verfolgung haben (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.5; 2010/44 E. 3). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälscht e Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Zur Begründung ihres Entscheids erachtete die Vorinstanz die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG, weshalb deren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei. Es sei erstaunlich, dass die schweren Verletzungen an Hand und Nase ihn nicht gehindert hätten, nach seiner Haftentlassung im Jahr 2005 während fast drei Jahren in Russ- land (…) zu arbeiten. Entsprechend würden Zweifel am Zeitpunkt der Ent- stehung seiner Ver letzungen bestehen. Ferner widerspreche seine Pro- testteilnahme in Weissrussland – einen Tag nach seiner Rückkehr aus Russland – der Aussage, in der Hoffnung zurückgekehrt zu sein, die Ver- folger hätten ihn nach dem dreijährigen Auslandaufenthalt vergessen. Er habe kein ausgeprägtes politisches Profil, zumal er dies selbst verneint und angegeben habe, nie Mitglied einer Partei gewesen zu sein. Entsprechend sei nicht nachvollziehbar, dass er in der vorgebrachten Intensität verfolgt worden sein soll. Es könne nicht von einer "sinnvollen Verfolgungsabsicht des Verfolgers" gesprochen werden. Aufgrund des Umstandes, dass er mehrmals verhaftet, malträtiert oder mit dem Tod bedroht worden sein soll, gleichzeitig aber jeweils freigelassen worden sei, ohne ein Geständnis ab- zugeben, wirke seine Verfolgungsgeschichte stereotyp und völlig unrealis- tisch. Es bestehe ein krasses Missverhältnis zwischen den Verfolgungs- massnahmen und den Verfolgungsresultaten. Sein Verhalten nach seiner Freilassung im (…) 2014 sei für eine verfolgte Person unlogisch. Hätte er tatsächlich einer Verfolgung aus dem Weg gehen wollen, wäre er nicht mehrmals nach Russland gereist , um gleich wieder nach Weissrussland zurückzukehren. So wäre spätestens nach der zweiten Reise nach Russ- land zu erwarten gewesen, dass er dort um Hilfe ersucht hätte. Dass er E-4108/2017 Seite 11 nach angeblich jahrelangen Verfolgungen und Malträtierungen nie rechtli- che Hilfe gesucht und sich passiv verhalten habe, sei nicht mit dem Ver- halten einer tatsächlich und auf so krasse Weise behördlich belangten Per- son vereinbar. Ferner habe er zu Protokoll gegeben, seine Identitätsdoku- mente seien ihm anlässlich der ersten Verhaftung konfisziert worden, was er jedoch korrigiert und ausgeführt habe, dies sei bei der zweiten Inhaftie- rung der Fall gewesen. Dies stelle eine grobe „Unsicherheit“ dar. Zu seinem (…) Spitalaufenthalt in D._______ im (…) 2011, zu den Vorwürfen oder Angeboten zur Freilassung, zu den zahlreichen Transfers, den Misshand- lungen sowie den Angaben dazu, wo er verfolgt und ges ucht worden sei, habe er keine substantiierten Angaben gemacht . Eine zukünftige Verfol- gung erscheine aufgrund seiner wiederholten Freilassungen höchst speku- lativ. Er habe selbst zu Protokoll gegeben, in Weissrussland nicht gesucht zu werden. Auch seine Antworten zur Reiseroute seien höchst fragwürdig. Durch seine zahlreichen Reisen zwischen Russland und Weissrussland sei der zeitliche Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht mehr- mals unterbrochen worden. Selbst wenn ein sachlicher Kausalzusammen- hang angenommen werden müsste, erscheine die behauptete Furcht, bei einer Rückkehr nach Weissrussland festgenommen zu werden, gerade aufgrund der Reisetätigkeiten zwischen seiner Heimat und Russland, völlig haltlos. Den Vollzug der Wegweisung erachtete die Vorinstanz als völkerrechtlich zulässig, technisch möglich und praktisch durchführbar. Auch bestünden weder allgemeine noch individuelle Gründe, welche gegen die Zumutbar- keit des Vollzugs sprechen würden. Er sei jung, gesund, in bestem Arbeits- alter und verfüge über Arbeitserfahrung sowie ein intaktes Beziehungsnetz. 6.2 Auf Beschwerdeebene konkretisiert der Beschwerdeführer verschie- dene Punkte seiner Aussagen und führt gestützt auf diverse Länderbe- richte aus, das öffentliche Leben in Weissrussland sei unter Kontrolle der Regierung. Menschenrechte würden systematisch unterdrückt. Protestie- rende seien Repressalien ausgesetzt. Am 1. Mai 2017 hätten landesweit Kundgebungen stattgefunden. Dabei sei es zu Festnahmen oppositioneller Aktivisten gekommen. Hunderte von Personen seien in den letzten Mona- ten bei Protesten willkürlich verhaftet worden. Die Repressionen durch das autoritäre Regime hätten zugenommen. Eine Person, welche mehrere Jahre im Gefängnis gewesen sei und klare Spuren von erlittener Folter auf- weise, wäre bei einer Rückkehr dorthin an Leib und Leben gefährdet. Was die Handverletzung betreffe, habe er während seiner dreijährigen Tätigkeit E-4108/2017 Seite 12 in Russland keine schwere körperliche Arbeit (…), sondern Kontrollarbei- ten und (…) verrichtet, wobei seine Hand nicht schwer belastet worden sei. An der gegen die Diktatur gerichteten Demonstration vom (…) 2008, in de- ren Anschluss er festgenommen worden sei, habe er teilgenommen, um zu erfahren, was mit seinen Papieren, seinem Geschäft und seinem Geld ge- schehen sei. Er habe in Weissrussland bleiben und herausfinden wollen, weshalb er verfolgt worden sei. Die Vorinstanz verkenne die Lage in seiner Heimat, wenn sie davon ausgehe, dass es für die Verletzung von Men- schenrechten ein es ausgeprägten politischen Profils bedür fe. Die Ein- schätzung des SEM, wonach eine nicht nachvollziehbare Verfolgungsin- tensität bestehe, erscheine angesichts der vorhandenen Länderdatenban- ken als willkürlich und ermessensmissbräuchlich. In Bezug auf sein Ver- halten nach der Freilassung im (…) 2014 sei festzuhalten, dass es zwi- schen Russland und Weissrussland bis vor kurzem keine Grenzkontrollen gegeben habe. Weil er immer wieder schikaniert und verfolgt worden sei, habe er nach Russland ausweichen müssen, obwohl er eigentlich in Weis- srussland habe bleiben wollen, wo er sein soziales Netz habe. Hilfe von Russland, welches das weissrussische Regime unterstütze, sei nicht zu erwarten. Einen Anwalt habe er nicht eingeschaltet, weil ihm das Geld ge- fehlt habe und weil in einer Diktatur, wie sie in Weissrussland bestehe, das Vorgehen gegen Missstände höchstens zu weiteren Repressalien führe. Hinsichtlich der ihm vorgeworfenen Erinnerungslücken und fehlender De- tailliertheit gewisser Vorbringen, stelle die Vorinstanz unrealistische Anfor- derungen an das menschliche Gedächtnis. Es sei nachvollziehbar, dass er sich nach zwölf Jahren nicht mehr an jedes Detail erinnern könne. Zudem habe er unter extremem Stress wegen der Inhaftierung und der unsicheren Zukunft gestanden. Er sei traumatisiert gewesen, was ebenfalls zu Ge- dächtnislücken führen könne. Bei einer Rückkehr bestehe die Gefahr, dass er erneut gefoltert würde. Er sei derart traumatisiert, dass er sich das Leben habe nehmen wollen. Eine Rückkehr nach Weissrussland sei ferner unzu- mutbar, weil keine begünstigenden Umstände vorliegen würden. Er habe keine Ausbildung und wäre auf sich allein gestellt. Aufgrund seiner Verlet- zungen, insbesondere an seiner Hand, könne er eine Vielzahl von Berufen nicht ausüben. Die Arbeitslosigkeit in seiner Heimat sei sehr hoch und seine Familie könne ihn nicht unterstützen. 6.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, sie habe die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers zu den Ereignissen im Jahr 2005 im Sachver- halt festgehalten, sei jedoch nicht im Detail darauf eigegangen, weil durch die Reisen nach Russland und die Wie dereinreisen nach Weissrussland kein Kausalzusammenhang [zwischen Verfolgung und Flucht] bestehe. Es E-4108/2017 Seite 13 seien nicht fehlende Details, sondern wesentliche Unterschiede in den zahlreichen Misshandlungen oder Verhören erfragt worden. Es sei festzu- halten, dass die Vorbringen der zweiten Haftperiode von 2008 bis 2014 unglaubhaft seien. Schliesslich könne aus der Beschwerdeschrift gefolgert werden, dass der Beschwerdeführer, entgegen den Angaben in der BzP , in der Heimat über ein familiäres Netz verfüge. 6.4 In seiner Replik weist der Beschwerdeführer die Ausführungen der Vorinstanz zurück. Zwischen seiner Ausreise und der erlittenen Folter be- stehe durchaus ein Kausalzusammenhang. Die Behauptungen des SEM seien dermassen unsubstantiiert, dass nicht darauf eingegangen werden könne. Es setzte sich mit den Ausführungen in der Beschwerde nicht aus- einander und konstruiere Widersprüche. 6.5 In seiner Stellungnahme vom 21. Februar 2018 führt der Beschwerde- führer aus, nach d er Anfrage bei der belarussischen Botschaft habe sich die Polizei vier Mal bei seiner Mutter gemeldet und die Wohnung nach ihm durchsucht. 6.6 In seiner Stellungnahme vom 25. März 2019 hält der Beschwerdeführer fest, das Zivilstandesamt habe mehrere Unterlagen von ihm verlangt, da er seine Verlobte heiraten wolle. Deshalb habe er seine Mutter gebeten, diese Unterlagen zu beschaffen. Dies sei bezüglich der Geburtsurkunde zu- nächst nicht möglich gewesen, bis diese ihr im Jahr 2018 in den Briefkas- ten gelegt worden sei. Auch das Scheidungsurteil sei ihr – nach einer Pra- xisänderung der Behörden – erst im Jahr 2018 ausgehändigt worden. Glei- ches treffe auf den Militärausweis zu. Dies erkläre auch, weshalb dieser aus dem Jahr 2014 datiere. Er sei bis 2018 nur an den Inhaber persönlich ausgehändigt worden. 7. 7.1 Die Vorinstanz stützt sich bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Ausführungen des Beschwerdeführers nahezu ausschliesslich auf das Kri- terium der Plausibilität und der Logik (vgl. S. 2 bis 5 der angefochtenen Verfügung), ohne sich dabei auf objektivierbare Kriterien abzustützen. Sie ist zum wiederholten Mal darauf hinzuweisen, dass das Kriterium der Plau- sibilität für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Asylvorbringen seit län- gerer Zeit von der Lehre kritisiert wird, da die Plausibilität als ein kulturell- und persönlichkeitsabhängiges Konzept verstanden werden muss. Es ist denn auch wissenschaftlich erwiesen, dass ein Vorbringen für eine Person im hiesigen Umfeld absolut plausibel erscheinen, wohingegen dasselbe E-4108/2017 Seite 14 Vorbringen für eine Person in einem anderen kulturellen und sozio-ökono- mischen Kontext völlig unplausibel erscheinen kann. Somit existiert das Risiko, dass die Beurteilung der Plausibilität von Vorbringen lediglich auf dem subjektiven Gefühl des Entscheid ungsträgers basiert und somit von Annahmen, Vorurteilen, Vermutungen und vorgefassten Stereotypen aus- gegangen wird, anstatt sich auf objektivierbare Kriterien abzustützen. Es ist darauf Acht zu geben, dass die Beurteilung der Plausibilität nicht darauf beruhen kann, ob ein Vorbringen für in der Schweiz lebende Personen vor- stellbar ist oder ob etwas aussergewöhnlich oder ungewöhnlich ist. So ist bei einer Beurteilung der Glaubhaftigkeit unter Einbezug der Plausibilität Vorsicht angezeigt. Es sollten grundsätzlich lediglich naturwissenschaftli- che, respektive physikalische und biologische Tatsachen unter dem Aspekt der Plausibilität bewertet werden oder zumindest Unplausibilität mit Country of Origin Informations oder anderen von den Beschwerdeführen- den eingereichten Beweismitteln abgeglichen werden (vgl. zum Ganzen: OLIVIA LE FORT, Des guidelines pour mieux circonscrire la notion de vrai- semblance en matière d'asile, in: Jusletter, 18. März 2013, S. 4; UNHCR, Beyond Proof, Credibility Assessement in EU Asylum Systems, Summary, Brüssel, Mai 2013, S. 35, GÁBOR GYULAI ET AL., Credibility Assessment in Asylum Procedures, 2013, S. 33). 7.2 Die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdefüh- rers erscheinen trotz der vorstehenden Ausführungen aus den nachfolgen- den Gründen berechtigt: So hat er zunächst falsche Angaben zu seiner Identität gemacht und seine wahre Identität erst auf Vorhalt zugegeben , was seine persönliche Glaubwürdigkeit in Frage stellt. Ferner hat er wäh- rend der Anhörung angege ben, seine Mutter sei verstorben (vgl. vo- rinstanzliche Akten A25 F200). In seiner Stellungnahme vom 21. Februar 2018 führte er jedoch aus, seine Mutter sei von den weissrussischen Be- hörden aufgesucht worden. Des Weiteren widerspricht er sich, wenn er ausführt, er sei nach seiner Haftentlassung im (…) 2014 jeweils nach Russ- land gereist, um der Verfolgung in seiner Heimat aus dem Weg zu gehen (vgl. A25 F108), gleichzeitig aber ausführt, es wäre sinnlos gewesen, Russ- land um Hilfe zu ersuchen, da die Geheimdienste beider Länder kooperie- ren würden (vgl. A25 F133). Dies vermag umso mehr zu erstaunen, als er während drei Jahren in Russland unbehelligt leben konnte . Zudem er- scheint es gemäss den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts zweifelhaft, dass er sich einen Militärausweis, ohne seine Anwesenheit in Weissrussland, auf legalem Weg hat ausstellen lassen können (vgl. Утерял военный билет – заплати штраф, 02.06.2016, < https://www.li- der-press.by/novosti/novosti-soligorska/7321-uteryal-voennyj-bilet-zaplati-E-4108/2017 Seite 15 shtraf >; Что будет, если потерял военный билет?, 27.09. 2018 < http://www.aif.by/dontknows/chto_budet_esli_poteryal_voennyy_bilet >; < http://pravoby.com/consult.php?action=go&id=220928 >, alle abgerufen am 08.04.2019). Vielmehr ist davon auszugehen, dass er diesen noch vor seiner Ausreise aus Weissrussland erhältlich machen konnte. Dies steht wiederum im Widerspruch zu seinen Vorbringen, wonach die weissrussi- schen Behörden ihm keine Dokumente hätten ausstellen wollen (vgl. A25 F66 ff.). 7.3 Die Frage der Glaubhaftigkeit muss vorliegend jedoch nicht abschlies- send beurteilt werden, da sich die Vorbringen des Beschwerdeführers – wie nachfolgend ausgeführt – ohnehin als nicht asylrelevant erweisen. 7.4 Der Beschwerdeführer gab zu Protokoll, er sei nach seiner Haftentlas- sung im (…) 2014 im ganzen Land verfolgt und gesucht worden (vgl. A25 F124). Er habe Angst um sein Leben gehabt (vgl. A25 F123) und sich fort- während verstecken müssen (vgl. A25 F122). Im Widerspruch dazu steht, dass er in dieser Zeit gemäss eigenen Angaben vier Mal nach Russland und wieder zurück in seinen Heimatstaat gereist ist. Dies sogar, nachdem er aufgrund seines Vorsprechens bei der Bezirksadministration während (…) Tagen und davor während (…) inhaftiert worden sein soll (vgl. A25 F53 und F118). Dabei ist unwesentlich, ob die Grenzen bewacht waren oder nicht. Zudem hat er sich bei seiner Rückkehr nach Weissrussland nicht versteckt gehalten, sondern sich zwecks Papierbeschaffung direkt an die heimatlichen Behörden gewandt (vgl. A25 F37 ff.) . Dadurch hat er zum Ausdruck gebracht, dass er keine Verfolgung seitens der weissrussischen Behörden befürchtete. Dies wird gestützt durch seine Aussage, er sei je- weils nach Weissrussland zurückgekehrt, weil er sich in seiner Heimat wie- der habe niederlassen wollen (vgl. A25 F114 und F225). Auch unter der Annahme, dass der Beschwerdeführer mehrmals in Haft war und dort misshandelt wurde, hat er folglich mit seiner mehrmaligen Rückkehr nach Weissrussland und dem Kontakt mit den heimatlichen Be- hörden zum Ausdruck gebracht, dass er keine weitere Verfolgung befürch- tete. Entsprechend fehlt es – auch unter Berücksichtigung dessen, dass Personen, welche bereits Verfolgungshandlungen ausgesetzt waren, ob- jektive Gründe für eine ausgeprägtere subjektive Furcht vor weiterer Ver- folgung haben (vgl. E. 5.1) – am Element der begründeten Furcht vor wei- terer Verfolgung, weshalb die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht asylrelevant sind. E-4108/2017 Seite 16 7.5 Zusammenfassend konnte der Beschwerdeführer seine Flüchtlingsei- genschaft nicht nachweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegw eisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger- krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder E-4108/2017 Seite 17 in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen D rittstaat ausrei- sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseig enschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EG MR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (v gl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Wie bereits unter E. 7.4. ausgeführt, hat der Beschwerdefüh- rer mit seinen mehrmaligen Rückreisen nach Weissrussland und dem di- rekten Kontakt zu den Behörd en zum Ausdruck gebracht, dass er keine weiteren Verfolgungsmassnahmen, wie beispielsweise Folter, seitens der heimatlichen Behörden befürchtete. Auch die allgemeine Menschenrechts- situation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit- punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. E-4108/2017 Seite 18 In Weissrussland herrscht weder Bürgerkrieg noch eine Situation allgemei- ner Gewalt. Auch sprechen keine individuellen Gründe gegen einen Voll- zug der Wegweisung. Der Beschwerdeführer verfügt über eine neunjährige Schulbildung, eine Berufsausbildung als (…) und Arbeitserfahrung als (…) vor Ort; es kann somit von intakten Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Wie- dereingliederung ausgegangen werden (vgl. A23 F1.17.04 f.). Daran ver- mag auch der Umstand nichts zu ändern, dass die Funktionsfähigkeit der Hand des Beschwerdeführers eingeschränkt ist, zumal er trotz dieser Ein- schränkung offensichtlich in der Lage war, Arbeit aufzunehmen (vgl. A23 F7.01 und A25 F179 ff.). Ferner lebt seine Mutter, zu der er Kontakt pflegt, nach wie vor in Weissrus sland. Auch verfügt er in Weissrussland ü ber ei- nen Freundeskreis (vgl. Beschwerdeschrift S. 10). Es ist somit nicht von einer existenzbedrohenden Situation bei seiner Rückkehr auszugehen. Demnach erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Darauf ist indes an- gesichts des mit Verfügung vom 31. Juli 2017 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten. 11.2 Der amtliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht in seiner Kostennote vom 25. März 2019 einen A ufwand von insgesamt Fr. 3'622.66 (14.92 Stunden à Fr. 220.– plus Fr. 264.76 Mehrwertsteuer E-4108/2017 Seite 19 und Fr. 76.10 Auslagen) geltend. Der ausgewiesene zeitliche Vertretungs- aufwand von 14.92 Stunden scheint dem vorliegenden, nicht übermässig komplexen Verfahren, nicht als vollumfänglich angemessen respektive not- wendig im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen ist der Vertretungsaufwand für das vorliegende Verfahren auf pauschal Fr. 2'200.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu- schlag) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) E-4108/2017 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistandes wird auf Fr. 2'200.– festge- setzt und durch die Gerichtskasse vergütet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Maria Wende Versand: