200 24 289 UV SCI/SCC/WSI Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 10. Oktober 2024 Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Frey, Verwaltungsrichter Kölliker Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen Suva Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 5. März 2024 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 2004 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) ar- beitete vom 1. August 2020 bis 31. Juli 2024 als lernender ... für die C.________ AG, ..., und war dadurch bei der Schweizerischen Unfallversi- cherungsanstalt (Suva bzw. Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen Un- fälle versichert. Am 21. März 2023 liess er der Suva melden, er habe am 17. März 2023, um 19.30 Uhr, im Sporttraining in der ... beim ... plötzlich einen stechenden Schmerz an der rechten Schulter verspürt. Aufgrund der äusse- ren Wahrnehmung sei eine Verletzung der Sehnen und/oder Muskeln aufge- treten (Akten der Suva [act. II] 1; vgl. auch act. II 5). Die Suva holte darauf bei Dr. med. D.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, ein Arzt- zeugnis UVG vom 2. April 2023 (act. II 7), beinhaltend einen Befundbericht des Dr. med. E.________, Facharzt für Radiologie, Zentrum F.________, vom 29. März 2023 bezüglich einer bildgebenden Abklärung (Magnetreso- nanz der Schulter-Arthro rechts vom gleichen Tag [act. II 8]), ein und veran- lasste anschliessend eine Beurteilung durch med. pract. G.________, Fach- arzt für Chirurgie, Suva Versicherungsmedizin, vom 25. April 2023 (act. II 10). Mit Mitteilung vom 3. Mai 2023 lehnte die Suva danach die Übernahme von Leistungen ab, da weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschä- digung vorliege (act. II 11). Telefonisch führte der Versicherte am 4. März 2023 bezüglich des Unfallher- gangs aus, er sei beim ... an den ... heruntergefallen und mit der Beurteilung nicht einverstanden (act. II 15). Am 11. Mai 2023 verlangte er telefonisch eine anfechtbare Verfügung (act. II 18) und reichte am 16. Mai 2023 einen Bericht von Dr. med. H.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 10. Mai 2023 nach (act. II 19). Die Suva legte in der Folge die Akten erneut dem Suva-Versicherungs- mediziner med. pract. G.________ vor (Bericht vom 25. Mai 2023 [act. II 22]). Mit Verfügung vom 2. Juni 2023 verneinte sie einen Anspruch des Ver- sicherten auf Leistungen, da die Beschwerden weder auf einen Unfall noch auf eine unfallähnliche Körperschädigung zurückzuführen seien (act. II 24). Die hiergegen am 27. Juni 2023 durch den Versicherten, vertreten durch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 3 Rechtsanwalt B.________, erhobene Einsprache (act. II 28) wies die Suva mit Entscheid vom 5. März 2024 ab (act. II 32). B. Am 18. April 2024 erhob der Versicherte, weiterhin vertreten durch Rechts- anwalt B.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Be- schwerde. Er beantragt, der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 5. März 2024 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu ver- pflichten, dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den am 17. März 2023 erlittenen Verletzungen die gesetzlichen Leistungen nach UVG zu er- bringen. Eventualiter sie die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach Vornahme weiterer Abklärungen neu ver- füge. Mit Beschwerdeantwort vom 21. Mai 2024 beantragt die Suva die Abweisung der Beschwerde. Mit prozessleitender Verfügung vom 30. Mai 2024 wurden bei den behan- delnden Dres. med. D.________ und H.________ je die vollständigen Kran- kenakten ediert. Nach deren Eingang wurde den Parteien Gelegenheit für Schlussbemerkungen geboten. Mit Eingaben vom 19. Juni 2024 bzw. 1. Juli 2024 reichten sie Stellungnahmen ein. Diese wurden mit prozessleitender Verfügung vom 2. Juli 2024 wechselseitig zugestellt. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver- waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok- tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 4 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Be- schwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Ge- setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 5. März 2024 (act. II 32). Streitig und zu prüfen ist die Leistungspflicht der Beschwerde- gegnerin für den Gesundheitsschaden an der rechten Schulter des Be- schwerdeführers. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversiche- rung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtbe- rufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 des Bundesge- setzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnüt- zung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (lit. a), Verren- kungen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Mus- kelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g), Trommelfell- verletzungen (lit. h).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 5 2.1.1Nach Meldung einer Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG hat der Unfallversicherer die genauen Begleitumstände abzuklären. Ist die Lis- tenverletzung auf ein Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG zurückzu- führen, so ist der Unfallversicherer solange leistungspflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheits- schaden also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen be- ruht. Sind hingegen nicht sämtliche Kriterien des Unfallbegriffs nach Art. 4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallversicherer für eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG grundsätzlich leistungspflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkran- kung zurückzuführen ist (BGE 146 V 51 E. 9.1 S. 70). 2.1.2Für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2 UVG ist kein äusserer Faktor und damit kein unfallähnliches sinnfälliges Ereignis oder eine allgemein ge- steigerte Gefahrenlage im Sinne der Rechtsprechung zu aArt. 9 Abs. 2 UVV mehr vorausgesetzt. Insoweit führt grundsätzlich bereits die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 lit. a - h UVG genannte Körperschädigung vorliegt, zur Vermutung, es handle sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Indessen ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letzt- lich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen erinnerlichen und benennbaren Ereignis – nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes – auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich nach Eingang der Meldung im Rahmen der Abklärungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter resp. harmloser Art, so vereinfacht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallversicherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachper- sonen zu beurteilenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspek- trum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 6 oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizini- scher Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche Einschätzungen – mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit – nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachen- spektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlas- tungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärun- gen erübrigen (BGE 146 V 51 E. 8.6 S. 69). 2.2Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Bewei- sanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstel- lung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahr- scheinlichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429; SVR 2022 UV Nr. 41 S. 163 E. 3.3). 3. 3.1In medizinischer Hinsicht ist den von der Beschwerdegegnerin erho- benen und im gerichtlichen Beweisverfahren ergänzten Akten das Folgende zu entnehmen: 3.1.1Im Befundbericht vom 29. März 2023 führte Dr. med. E.________ ge- stützt auf eine bildgebende Untersuchung "Magnetresonanz: Schulter-Arthro rechts" vom gleichen Tag aus, es bestehe eine diskrete ca. 10 bis 20%ige ansatznahe Unterflächenpartialläsion der dorsalen SSP-Sehne (Supraspintus- Sehne) sowie eine minime subdeltoidale Bursitis, DD Hämatobursa; die üb- rige Rotatorenmanschette und die LBS (lange Bizepssehne) seien intakt. Der Verlauf der LBS sei regelrecht ohne Sub-/Luxation bei intakter SSC-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 7 Sehne (Subscapularis-Sehne) Zudem äusserte er den Verdacht auf eine Bizeps-Pulley-Läsion (act. II 8). 3.1.2Im Arztzeugnis UVG vom 2. April 2023 diagnostizierte der Hausarzt Dr. med. D.________ mit Verweis auf die bildgebende Abklärung eine Schulterdistorsion rechts am 17. März 2023 mit dem Nachweis einer ansatz- nahen Unterflächenläsion der SSP-Sehne sowie den Verdacht auf eine Bizeps-Pulley-Läsion. Er hielt fest, der Beschwerdeführer habe sich am 20. März 2023 wegen bewegungsabhängigen Schmerzen in der rechten Schul- ter, die beim ... an den ... am 17. März 2023 mit einem schmerzhaften Zwick aufgetreten und in der Folge stärker geworden seien, gemeldet. Vor dem Zwick habe er trotz intensiver Beanspruchung (...) nie Schulterprobleme ge- habt. Er attestierte eine eintägige 100%ige Arbeitsunfähigkeit für den 20. März 2023 (act. II 7). 3.1.3Im Konsiliumsbericht vom 6. April 2023 an Dr. med. D.________ dia- gnostizierte der Orthopäde Dr. med. H.________ eine traumatische Parti- alläsion des SSP und den Verdacht auf eine Pulley-Läsion Schulter rechts- dominant vom 17. März 2023. Der Beschwerdeführer sei ambitionierter .... Beim Training am 17. März 2023 sei es beim Auskugeln an den ... zur Schul- terdistorsion rechtsdominant gekommen mit einschiessendem Schmerz. Lu- xationen oder Subluxationen seien nie aufgetreten. Als ... bestehe keine Ar- beitsunfähigkeit. Bei der leichten traumatischen Partialläsion sehe er keine Indikation für ein aktives Vorgehen. Hingegen solle sich der Beschwerdefüh- rer während der ersten sechs Wochen nach dem Unfall schonen; auf Kraftanwendungen bezüglich Elevation und Aussenrotation sowie bezüglich des Bizeps (Vorderarmsupination und Ellbogenflexion) sei zu verzichten (Ak- ten des Dr. med. H.________ [act. IIIA]). 3.1.4In der Kurzbeurteilung vom 25. April 2023 führte der Suva-Versiche- rungsmediziner med. pract. G.________ aus, es liege eine Körperschädi- gung vor, die auf eine sportliche Überbelastung mit Abnützung durch ... zurückzuführen sei (act. II 10). 3.1.5Im Bericht vom 3. Mai 2023 an Dr. med. D.________ führte Dr. med. H.________ nach einer Verlaufskontrolle aus, der Beschwerdeführer be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 8 richte über einen sehr guten Spontanverlauf. Bis anhin habe der Beschwer- deführer auf wesentliche Belastungen und das ... verzichtet. Es wurde auf Wunsch des Beschwerdeführers eine Physiotherapieverordnung zwecks Auftrainieren ausgestellt. Weitere Konsultationen wurden nicht vorgesehen (act. IIIA). Mit Schreiben vom 10. Mai 2023 nahm Dr. med. H.________ auf Wunsch des Beschwerdeführers gegenüber diesem zur Frage der Entstehung der Verletzung Stellung. Er führte aus, dass seiner Meinung nach die Verletzung der rechten Schulter vom 17. März 2023 einem traumatischen Unfallereignis entspreche und deshalb von der Unfallversicherung übernommen werden sollte. Es sei beim Auskugeln an den ... zur ausgeprägten Schulterdistorsion rechts dominant gekommen mit plötzlich einschiessendem rechts dominan- tem Schulterschmerz. Im MRI vom 29. März 2023 finde man neben der Par- tialläsion des SSP an gleicher Lokalisation ein Ödem/Hämatom, als weiteres Zeichen einer frischen Verletzung. Zusätzlich habe er auch den Verdacht auf eine eventuelle Pulley-Läsion gehabt. Sollte der Unfallversicherer die Über- nahme der Kosten der Behandlung der rechten Schulter nicht übernehmen wollen, so könne auch er dies absolut nicht nachvollziehen. Die beim Be- schwerdeführer diagnostizierte Läsion der rechten Schulter vom 17. März 2023 könne bei einem 18jährigen Patienten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht als degenerativ, also krankheitsbedingt, beurteilt werden (act. II 19). 3.1.6In der ärztlichen Beurteilung vom 25. Mai 2023 der Suva-Versiche- rungsmedizin führte med. pract. G.________ aus, der Beschwerdeführer sei ... und habe am 17. März 2023 während dem ... an den ... plötzlich einen Schmerz im Bereich der Schulter verspürt mit einer anschliessend zuneh- mend schmerzhaften rechten Schulter ohne Einschränkung der aktiven Schulterbeweglichkeit. Auf der MRI-Bildgebung zeigten sich keine indirekten Anzeichen für einen erheblichen mechanischen Impact auf diese Region, wie beispielsweise eine erkennbare Hämatobursa oder ein Bone bruise. Da kein aussergewöhnlicher mechanischer Impact auf diese Region vorgelegen habe, sei der Unfallbegriff nicht erfüllt. Es liege eine Körperschädigung vor, die formal Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG (Sehnenrisse) entspreche; diese sei jedoch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 9 nicht auf ein besonderes Ereignis am Tag des 17. März 2023 zurückzu- führen. Das ... an ... beanspruche das komplexe Schultergelenk dauerhaft mechanisch, weshalb trotz des jungen Alters des Versicherten die in der MRI-Untersuchung beschriebenen Veränderungen nicht mit dem rechtlich geforderten Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf ein be- sonderes Ereignis, insbesondere nicht auf den Tag des 17. März 2023, zurückgeführt werden könnten. Die Körperschädigung sei vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen, auch wenn dies angesichts des Alters des Beschwerdeführers ungewöhnlich erscheine (act. II 22/3 f.). 3.2 3.2.1Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Be- richt für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor- akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlagge- bend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge- gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.2.2Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begrün- det sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuver- lässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354; SVR 2022 UV Nr. 3 S. 8 E. 3.2). Beratende Ärzte eines Versicherungsträgers sind, was den Be- weiswert ihrer ärztlichen Beurteilung angeht, versicherungsinternen Ärzten gleichzusetzen (SVR 2021 UV Nr. 34 S. 155 E. 2.3). 3.2.3Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht die- selbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 10 Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver- lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Insbesondere sind die von der versicherten Person aufgelegten Berichte der behandelnden Ärz- tinnen und Ärzte mit zu berücksichtigen. Wird die Schlüssigkeit der Feststel- lungen der versicherungsinternen Fachpersonen durch einen nachvollzieh- baren Bericht eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, so genügt der pauschale Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung (BGE 125 V 351 E. 3a cc S. 353) nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Vielmehr wird das Gericht entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 139 V 225 E. 5.2 S. 229, 135 V 465 E. 4.4 - 4.6 S. 469; SVR 2021 UV Nr. 34 S. 155 E. 2.3). 3.3Vorliegend zu Recht nicht umstritten ist, dass sich weder am 17. März 2023 noch zu einem anderen Zeitpunkt (während der Versicherungszeit bei der Beschwerdegegnerin) ein Unfall gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG ereignet hat, der zum Gesundheitsschaden an der rechten Schulter geführt hat. Der an- waltlich vertretene Beschwerdeführer brachte in der Einsprache vom 27. Juni 2023 (act. II 28) denn auch lediglich Einwendungen in Bezug auf die Verneinung einer Leistungspflicht zufolge unfallähnlicher Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG vor. Zu Recht unbestritten ist zwischen den Parteien weiter, dass die Verletzung eine in Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG (Sehnenrisse) genannte unfallähnliche Körper- schädigung darstellt. Umstritten ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beweis erbracht hat, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachenspek- trum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (vgl. E. 2.1.2 hiervor). 3.4Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 11 3.4.1Dem behandelnden Dr. med. H.________ kann, soweit er die Verlet- zung als einem traumatischen Unfallereignis entsprechend bezeichnete so- wie aufgrund des Alters eine degenerative Schädigung ausschloss (act. II 19) und darauf basierend eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin postulierte, nicht gefolgt werden. Diese Einschätzung vermischt unfallversi- cherungsrechtliche Fragestellungen mit der medizinischen Sachverhaltsbe- urteilung. Eine nachvollziehbare medizinische Begründung zur Genese der Verletzung durch diesen Arzt fehlt. So ging er offenbar von einer besonderen Gefahrenlage und einer besonders risikobehafteten Übung aus. Gemäss den echtzeitlichen ersten Schilderungen des Beschwerdeführers gegenüber seinem Hausarzt verspürte dieser jedoch beim ordentlichen ... einen Zwick, ohne dass die Übung dadurch gestört worden wäre oder er das ... hätte ab- brechen müssen. Von einem Trauma kann entgegen der Auffassung von Dr. med. H.________ allein gestützt auf die äusseren Abläufe deshalb nicht aus- gegangen werden. Die Bewegungen beim ... folgen denn auch einem grundsätzlich natürlichen Verlauf und der Beschwerdeführer schilderte echt- zeitlich weder eine besonders risikobehaftete oder den Körper übermässig fordernde Übung. Es wird dabei seitens des Gerichts nicht verkannt, dass das ... Kraft und Geschicklichkeit erfordert und die Schulter beansprucht, was auch seitens von med. pract. G.________ bestätigt wurde. Ein geübter und trainierter ..., wie dies der Beschwerdeführer ist, kontrolliert jedoch durch das stetige Training die einwirkenden Kräfte mit seiner Muskulatur. Nichts Ande- res galt vorliegend auch am 17. März 2023, wurde doch keine der Übung nicht inhärente Bewegung oder ein Unfallereignis geschildert. Die nachträg- liche telefonische Ergänzung durch den Beschwerdeführer, er sei beim ... heruntergefallen (act. II 15), ist als Ablauf des Ereignisses vom 17. März 2023 nicht glaubhaft und wird bereits in der Einsprache zu Recht nicht mehr erwähnt (act. II 28). Dementsprechend ist festzuhalten, dass sich ein eigent- liches initiales Ereignis, wie von med. pract. G.________ zutreffend festge- halten, nicht erheben lässt, was der höchstrichterlichen Rechtsprechung fol- gend den Unfallversicherer zwar nicht entlastet, ihm aber den Entlastungs- beweis erleichtert (vgl. E. 2.1.2 hiervor). 3.4.2Die von der Beschwerdegegnerin erhobenen medizinischen Beurtei- lungen und Berichte erlauben es dem Gericht als medizinischem Laien auch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 12 unter Berücksichtigung der edierten weiteren Unterlagen nicht, die entschei- dende Frage, ob die Verletzung im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, mit dem Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit abschliessend zu beurtei- len. Die Beweislage ist dabei jedoch nicht dergestalt, dass von einem Schei- tern des der Beschwerdegegnerin offen stehenden Gegenbeweises ausge- gangen werden könnte. Vielmehr erfordern die divergenten medizinischen Auffassungen der bis anhin befassten Ärzte weitere medizinische Abklärun- gen. Der Suva-Versicherungsmediziner med. pract. G.________ wies darauf hin, dass gemäss der Interpretation des Dr. med. H.________ neben der Parti- alläsion der SSP-Sehne an gleicher Lokalisation ein Ödem/Hämatom als Zeichen einer frischen Verletzung zu finden sei (act. II 22/3). In seiner Wür- digung führte med. pract. G.________, der wie Dr. med. H.________ Ein- sicht in die Bildgebung genommen hatte, aus, auf der MRI-Bildgebung zeig- ten sich keine indirekten Anzeichen für einen erheblichen mechanischen Im- pact auf die massgebliche Region, wie etwa eine Hämatobursa oder ein Bone bruise (act. II 22/3 f.). In der Folge nahm er jedoch nicht weiter Stellung zum Vorliegen und der allfälligen Bedeutung des von Dr. med. H.________ behaupteten Ödems bzw. Hämatoms (act. II 19/2). Ob diese Beurteilungen sich gegenseitig ausschliessen, wovon offenbar Dr. med. H.________ aus- ging, bzw. welche der Einschätzungen zutrifft, kann das Gericht auch unter Berücksichtigung des Befundberichts des Radiologen Dr. med. E.________ (act. II 8) nicht beurteilen, enthält dessen Bericht diesbezüglich doch keine eindeutigen Aussagen, nennt er zwar doch (im Widerspruch zu Dr. med. H.________) kein Ödem oder Hämatom, jedoch (im Widerspruch zu med. pract. G.________) differentialdiagnostisch eine Hämatobursa. Damit ist es dem Gericht gestützt auf die derzeit vorliegenden Unterlagen nicht möglich, zu beurteilen, ob der Beschwerdegegnerin der (i.S. der höchstrichterlichen Rechtsprechung erleichterte) Gegenbeweis gelingt (vgl. E. 2.1.2 und 3.4.2 in fine hiervor). Die bisherigen versicherungsinternen medizinischen Abklärun- gen zur Beurteilung der vorliegend entscheidenden Fragen genügen nicht und es bedarf einer einlässlichen fachärztlichen Klärung, die bis anhin nicht erfolgt ist. Deshalb ist in Gutheissung der Beschwerde der angefochtene Ein- spracheentscheid vom 5. März 2024 (act. II 32) aufzuheben und die Sache Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 13 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein (Akten-)Gutach- ten durch einen mit der Sache bis anhin nicht befassten externen Sachver- ständigen veranlasst und anschliessend über den Leistungsanspruch neu verfügt. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. f bis ATSG (Um- kehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu erhe- ben. 4.2Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Er- satz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Nach der Rechtsprechung gilt es unter dem Gesichtspunkt des (bundesrechtlichen) Anspruchs auf eine Par- teientschädigung im Streit um eine Sozialversicherungsleistung bereits als Obsiegen, wenn die versicherte Person ihre Rechtsstellung im Vergleich zu derjenigen nach Abschluss des Administrativverfahrens insoweit verbessert, als sie die Aufhebung einer ablehnenden Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu ergänzender Abklärung und neuer Beurtei- lung erreicht (BGE 137 V 57 E. 2.1 S. 61). Dies gilt unabhängig davon, ob die Rückweisung beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wird (SVR 2020 KV Nr. 23 S. 112 E. 11.1). Mit Kostennote vom 19. Juni 2024 macht Rechtsanwalt B.________ ein Ho- norar von Fr. 4'432.50 zuzüglich Auslagen von Fr. 50.-- und MWST von Fr. 363.10 (8.1 % von Fr. 4'482.50), total Fr. 4'845.60 geltend, was nicht zu be- anstanden ist. Die Beschwerdegegnerin hat somit dem Beschwerdeführer die Parteikosten von Fr. 4'845.60 zu ersetzen. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspracheent- scheid der Suva vom 5. März 2024 aufgehoben und die Sache an die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Okt. 2024, UV/24/289, Seite 14 Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 4'845.60 (inkl. Auslagen und MWST), zu er- setzen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - Suva - Bundesamt für Gesundheit Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.