<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 75 S.330</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>75</b></span> <span class="ft2"><b>Fehlende Angabe der Gewichtung der Zuschlagskriterien; unzulässige</b></span><br/> <span class="ft2"><b>,,Gleichbewertung" aller Anbietenden.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Fehlen in der Ausschreibung Zuschlagskriterien vollständig, ist aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schliesslich auf den Preis abzustellen (Erw. 3/c/aa).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Sind in der Ausschreibung Zuschlagskriterien enthalten, nicht aber</b></span><br/> <span class="ft2"><b>deren Gewichtung (in Prozenten, Punkten, etc.), ist von der Ungül-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tigkeit des Verfahrens auszugehen und dieses ist auf der Grundlage</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einer korrekt formulierten Ausschreibung zu wiederholen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3/c/bb).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Wenn die Ausschreibung Kriterien wie ,,Qualität" und ,,Erfahrung"</b></span><br/> <span class="ft2"><b>als in erster Linie massgebende Kriterien nennt, dürfen die Anbie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tenden davon ausgehen, dass diesen ein erhöhtes Gewicht zukommt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>und die qualitativen Kriterien einer differenzierten Bewertung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>unterliegen, damit diese und nicht ausschliesslich der Preis über den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zuschlag entscheiden (Erw. 3/d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 20. Dezember 2000 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen M. AG gegen Verfügung der Stiftung A. in Gränichen.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Als problematisch erweist sich im vorliegenden Fall die feh-</span><br/> <span class="ft1">lende Angabe der Gewichtung der Zuschlagskriterien in den Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">liegt damit ein Verstoss gegen § 18 Abs. 3 SubmD vor.</span><br/> <span class="ft1">a) § 18 Abs. 3 SubmD in der ursprünglichen Fassung vom</span><br/> <span class="ft1">26. November 1996 verlangte, dass die ausgewählten Zuschlagskrite-</span><br/> <span class="ft1">rien in der Reihenfolge ihrer Bedeutung in den Ausschreibungsunter-</span><br/> <span class="ft1">lagen aufzuführen waren. Nicht geregelt waren die sich aus dem</span><br/> <span class="ft1">Fehlen von Vergabekriterien ergebenden Konsequenzen. Das Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgericht hat festgehalten, dass in Fällen, in denen es die Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabestelle unterlassen habe, Zuschlagskriterien festzulegen und den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Anbietenden rechtzeitig bekannt zu geben, für die Vergabe aus-</span><br/> <span class="ft1">schliesslich der Preis massgebend sein dürfe (vgl. AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 357 f.). Anlässlich der Teilrevision des Submissionsdekrets vom</span><br/> <span class="ft1">18. Januar 2000 wurde u. a. auch § 18 Abs. 3 SubmD geändert. Ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss der revidierten Fassung sind die ausgewählten Zuschlagskrite-</span><br/> <span class="ft1">rien nun neu ,,in der Reihenfolge ihrer Bedeutung und <i>mit ihrer Ge-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>wichtung</i> (Hervorhebung beigefügt) in der Ausschreibung auf-</span><br/> <span class="ft1">zuführen. Fehlt diese Angabe, gilt als Zuschlagskriterium der Preis."</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat hat in einem Kreisschreiben vom 23. Februar</span><br/> <span class="ft1">2000 zuhanden der Gemeinderäte des Kantons Aargau in Bezug auf</span><br/> <span class="ft1">§ 18 Abs. 3 SubmD ausgeführt, was die subsidiäre Regelung (d. h.</span><br/> <span class="ft1">Satz 2) betreffe, sei klarzustellen, dass wenn eine der beiden Anga-</span><br/> <span class="ft1">ben fehle, der Preis als Zuschlagskriterium gelte. Klar ist, dass § 18</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 SubmD nicht nur im offenen oder selektiven Verfahren, son-</span><br/> <span class="ft1">dern in jedem Submissionsverfahren mit mehreren Anbietern, also</span><br/> <span class="ft1">auch im Einladungsverfahren, gilt. In letzterem sind die erforderli-</span><br/> <span class="ft1">chen Angaben in den Ausschreibungsunterlagen zu machen (VGE</span><br/> <span class="ft1">III/145 vom 29. November 2000 in Sachen H. AG, S. 8).</span><br/> <span class="ft1">b) Die in § 18 Abs. 3 Satz 2 SubmD verwendete Formulierung</span><br/> <span class="ft1">,,Fehlt diese Angabe, ..." bezieht sich auf ,,die ausgewählten Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriterien ... in der Reihenfolge ihrer Bedeutung und mit ihrer</span><br/> <span class="ft1">Gewichtung". § 18 Abs. 3 Satz 1 SubmD verlangt damit verschie-</span><br/> <span class="ft1">dene Informationen: Angabe der Zuschlagskriterien, Angabe ihrer</span><br/> <span class="ft1">Rangfolge und Angabe ihrer Gewichtung. Unklar ist, ob das Sub-</span><br/> <span class="ft1">missionsdekret in § 18 Abs. 3 Satz 2 zum Ausdruck bringen will,</span><br/> <span class="ft1">dass die subsidiäre Massgeblichkeit des Preises nur beim generellen</span><br/> <span class="ft1">Fehlen von Zuschlagskriterien (zwangsläufig fehlen dann auch Rei-</span><br/> <span class="ft1">henfolge und Gewichtung) zum Tragen kommt oder - wie dies der</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrat annimmt - auch bei bloss fehlender Angabe der Ge-</span><br/> <span class="ft1">wichtung. Der Wortlaut von § 18 Abs. 3 Satz 2 SubmD ist diesbe-</span><br/> <span class="ft1">züglich nicht eindeutig abgefasst; unklar ist auch, ob der Wortlaut</span><br/> <span class="ft1">den wirklichen Sinn der Bestimmung wiedergibt. § 18 Abs. 3 SubmD</span><br/> <span class="ft1">erweist sich somit als auslegungsbedürftig. Im Vordergrund steht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">332</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dabei angesichts des geringen Alters des Erlasses die historische</span><br/> <span class="ft1">Auslegung (BGE 112 Ia 104); den sich mit der Teilrevision des</span><br/> <span class="ft1">Submissionsdekrets befassenden Materialien kommt für die Ausle-</span><br/> <span class="ft1">gung eine erhebliche Bedeutung zu. Ebenfalls massgebend sind</span><br/> <span class="ft1">sodann die mit der Regelung verfolgten Ziel- und Zweckvorstellun-</span><br/> <span class="ft1">gen (vgl. zum Ganzen Ulrich Häfelin / Walter Haller, Schweizeri-</span><br/> <span class="ft1">sches Bundesstaatsrecht, 4. Auflage, Zürich 1998, Rz. 64 ff., 74 ff.).</span><br/> <span class="ft1">c) Im Hinblick auf die Auslegung der subsidiären Regelung von</span><br/> <span class="ft1">§ 18 Abs. 3 Satz 2 SubmD zu unterscheiden sind zwei grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">verschiedene Sachverhalte (vgl. auch den erwähnten VGE in Sachen</span><br/> <span class="ft1">H. AG, S. 9 ff.):</span><br/> <span class="ft1">aa) Fehlen in der Ausschreibung Zuschlagskriterien vollstän-</span><br/> <span class="ft1">dig - sei es, weil die Vergabestelle bewusst keine Kriterien festlegen</span><br/> <span class="ft1">wollte, oder sei es, weil der Kriterienkatalog aus Versehen weggelas-</span><br/> <span class="ft1">sen wurden - ist ausschliesslich auf den Preis abzustellen. Dieses</span><br/> <span class="ft1">Vorgehen entspricht nicht nur dem diesbezüglich eindeutigen Wort-</span><br/> <span class="ft1">laut, sondern auch dem Willen des Dekretgebers, wie er in den Mate-</span><br/> <span class="ft1">rialien zur Teilrevision des SubmD zum Ausdruck kommt (Nicht</span><br/> <span class="ft1">ständige Kommission Nr. 16, Protokoll der Sitzung vom 18. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 1999, S. 14; Protokoll der Sitzung des Grossen Rats vom 18. Ja-</span><br/> <span class="ft1">nuar 2000, Art. Nr. 1763 [Prot. GR], S. 2738 [Votum Knecht], 2740</span><br/> <span class="ft1">[Votum Knecht]) und stimmt mit der bisherigen Rechtsprechung des</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichts überein. Die Auffassung, wonach Ausschrei-</span><br/> <span class="ft1">bungen ohne Angabe von Zuschlagskriterien ungültig sein sollten,</span><br/> <span class="ft1">vermochte sich im Grossen Rat nicht durchzusetzen (vgl. Nicht</span><br/> <span class="ft1">ständige Kommission Nr. 16, Protokoll der Sitzung vom 18. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 1999, S. 12 [Meyer]; Prot. GR, S. 2738 [Kuhn], 2740 [Pfisterer],</span><br/> <span class="ft1">S. 2742). Erachtet die Vergabestelle für den Fall, dass die Bekannt-</span><br/> <span class="ft1">gabe der Zuschlagskriterien irrtümlich unterblieben ist, das Abstellen</span><br/> <span class="ft1">allein auf den Preis als nicht sachgerecht, ist es ihr im Übrigen</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich unbenommen, das Submissionsverfahren zu wieder-</span><br/> <span class="ft1">holen (§ 22 SubmD).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">333</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bb) Des Weiteren stellt sich die Frage, ob das ausschliessliche</span><br/> <span class="ft1">Abstellen auf den Preis auch die richtige Lösung ist, wenn die Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung oder die Ausschreibungsunterlagen wie im vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Fall zwar Zuschlagskriterien enthalten, deren Gewichtung (in Pro-</span><br/> <span class="ft1">zenten, Punkten, etc.) aber nicht bekannt gegeben wird.</span><br/> <span class="ft1">aaa) Den Materialien zur Änderung von § 18 Abs. 3 SubmD</span><br/> <span class="ft1">lässt sich für die Frage, was geschehen soll, wenn die Angabe der</span><br/> <span class="ft1">Gewichtung der Kriterien fehlt, keine eindeutige Antwort entneh-</span><br/> <span class="ft1">men. Ein möglicher Hinweis darauf, dass der Preis auch bei blossem</span><br/> <span class="ft1">Fehlen der Gewichtung massgeblich sein soll, findet sich in einem</span><br/> <span class="ft1">von Peter Zubler, Aarau, gestellten Antrag (Prot. GR, S. 2739, 2747):</span><br/> <span class="ft5">,,Die ausgewählten Zuschlagskriterien sind mit ihrer prozentualen Ge-</span><br/> <span class="ft5">wichtung in der Ausschreibung aufzuführen. Fehlt eine dieser Anga-</span><br/> <span class="ft5">ben, gilt als Zuschlagskriterium der Preis."</span><br/> <span class="ft1">Der Antrag Zubler wurde schliesslich mit offensichtlicher</span><br/> <span class="ft1">Mehrheit abgewiesen, woraufhin der Ratsvorsitzende gegenüber dem</span><br/> <span class="ft1">Antragsteller feststellte:</span><br/> <span class="ft5">,,(...) Die Ergänzung in Ihrem Antrag entfällt mit der Beschlussfas-</span><br/> <span class="ft5">sung, die vorausgegangen ist. Sind Sie damit einverstanden? Das ist</span><br/> <span class="ft5">der Fall. Damit ist diese Ergänzung im 2. Satz erledigt."</span><br/> <span class="ft1">Offenbar ging man also davon aus, dass die abweichende For-</span><br/> <span class="ft1">mulierung von § 18 Abs. 3 Satz 2 SubmD im Antrag Zubler (,,Fehlt</span><br/> <span class="ft4"><i>eine dieser Angaben</i>, ...") im Zusammenhang mit der verworfenen</span><br/> <span class="ft4"><i>prozentualen</i> Gewichtung zu sehen war und sich nicht auf das Erfor-</span><br/> <span class="ft1">dernis der Gewichtung an sich bezog. Insofern darf der im Antrag</span><br/> <span class="ft1">Zubler enthaltenen Formulierung kein grosses Gewicht beigemessen</span><br/> <span class="ft1">werden. Im revidierten Wortlaut hat sie keinen Niederschlag gefun-</span><br/> <span class="ft1">den. Weitere Aussagen, welche für die zu beantwortende Frage von</span><br/> <span class="ft1">Relevanz sind, sind den Materialien nicht zu entnehmen.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Es bleibt damit mit Hilfe der teleologischen Auslegung zu</span><br/> <span class="ft1">prüfen, ob sich aus den mit der Regelung von § 18 Abs. 3 SubmD</span><br/> <span class="ft1">verbundenen Zielvorstellungen eine sachgerechte Antwort ergibt</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Häfelin/Haller, a.a.O., Rz. 99 ff.). Auszugehen ist hierbei zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">334</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nächst von der Tatsache, dass es der Vergabestelle aus Gründen eines</span><br/> <span class="ft1">fairen, den Grundsätzen der Transparenz und der Nichtdiskriminie-</span><br/> <span class="ft1">rung verpflichteten Wettbewerbs untersagt ist, sich bei der Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagserteilung auf Vergabekriterien abzustützen, die den Anbieten-</span><br/> <span class="ft1">den nicht vorgängig bekannt gegeben worden sind (AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 357). Mit der Aufnahme des Erfordernisses, auch die Gewichtung</span><br/> <span class="ft1">der Zuschlagskriterien in der Ausschreibung bekannt zu geben,</span><br/> <span class="ft1">wollte der Dekretgeber dem Transparenzgebot zusätzlich Rechnung</span><br/> <span class="ft1">tragen. Es sollte sowohl für die Vergabebehörde als auch für die Un-</span><br/> <span class="ft1">ternehmer grösstmögliche Transparenz geschaffen werden (Prot. GR,</span><br/> <span class="ft1">S. 2738 [Zubler], S. 2739 [Füglistaller]). Mit dieser Zielsetzung klar</span><br/> <span class="ft1">unvereinbar ist es, wenn die Vergabestelle, die es unterlassen hat, die</span><br/> <span class="ft1">Gewichtung der ausgewählten Zuschlagskriterien rechtzeitig öffent-</span><br/> <span class="ft1">lich bekannt zu geben, bei der Zuschlagserteilung dann trotzdem auf</span><br/> <span class="ft1">diese Kriterien, die sie, um überhaupt eine Bewertung vornehmen zu</span><br/> <span class="ft1">können, intern in irgend einer Weise gewichten muss, abstellen</span><br/> <span class="ft1">dürfte. Dies würde dem Sinn und Zweck des revidierten § 18 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">SubmD völlig zuwider laufen. Anders als beim vollständigen Fehlen</span><br/> <span class="ft1">von Vergabekriterien entspricht aber auch ein Abstellen ausschliess-</span><br/> <span class="ft1">lich auf den Preis nicht dem Gebot der Transparenz. Die Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">stelle hat durch die Auswahl und die Bekanntgabe von Zuschlagskri-</span><br/> <span class="ft1">terien ausdrücklich kund getan, dass der Preis nicht das einzig rele-</span><br/> <span class="ft1">vante Vergabekriterium sein soll, sondern dass für sie auch andere</span><br/> <span class="ft1">Gesichtspunkte wesentlich sind. Davon müssen auch die Anbie-</span><br/> <span class="ft1">tenden bei der Gestaltung ihrer Offerten ausgehen; sie dürfen grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich auf die Geltung der ihnen bekannt gemachten Kriterien</span><br/> <span class="ft1">vertrauen und müssen nicht damit rechnen, dass entgegen der Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung das billigste Angebot den Zuschlag bekommt. Ein nach-</span><br/> <span class="ft1">trägliches Abstellen allein auf den Preis entspricht somit weder dem</span><br/> <span class="ft1">kundgegebenen Willen der Vergabestelle, noch den berechtigten Er-</span><br/> <span class="ft1">wartungen der Anbietenden. Insofern erscheint es richtiger, in diesem</span><br/> <span class="ft1">Fall von der Ungültigkeit des Submissionsverfahrens auszugehen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">335</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und dieses auf der Grundlage einer korrekt formulierten</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibung zu wiederholen.</span><br/> <span class="ft1">d) Im vorliegenden Fall konnten die Anbietenden aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibungsunterlagen nicht erkennen, welches Gewicht die Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabestelle den vier von ihr ausgewählten Zuschlagskriterien ,,Qua-</span><br/> <span class="ft1">lität/Referenzen", ,,Termine", ,,Erfahrung" und ,,Preis" beimass. Die</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle bringt vor, die Beschwerdeführerin habe die Gewich-</span><br/> <span class="ft1">tung bereits von einer andern Arbeitsvergabe (Brandschutztüren in</span><br/> <span class="ft1">Holz) her gekannt, da sie ihr in jenem Verfahren als Beilage zum</span><br/> <span class="ft1">Absagebrief zur Kenntnis gebracht worden seien. Die Zuschlagskri-</span><br/> <span class="ft1">terien sind jedoch grundsätzlich für jeden zu vergebenden Auftrag</span><br/> <span class="ft1">individuell, d. h. im Hinblick auf die Besonderheiten des jeweiligen</span><br/> <span class="ft1">Auftrags, festzulegen. Die Beschwerdeführerin durfte deshalb nicht</span><br/> <span class="ft1">davon ausgehen, dass für die Kücheneinrichtungen die gleichen</span><br/> <span class="ft1">Kriterien gelten würden wie für die Brandschutztüren. Schon aus</span><br/> <span class="ft1">diesem Grund erweist sich die Argumentation der Vergabestelle als</span><br/> <span class="ft1">nicht haltbar. Mit der fehlenden Bekanntgabe der Gewichtung in den</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibungsunterlagen hat die Vergabestelle klar gegen die in</span><br/> <span class="ft1">§ 18 Abs. 3 SubmD statuierten Anforderungen verstossen, weshalb</span><br/> <span class="ft1">das Submissionsverfahren auf der Grundlage von korrekt abgefassten</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibungsunterlagen zu wiederholen ist.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Die Beschwerdeführerin bemängelt auch, dass sämtliche</span><br/> <span class="ft1">Anbietenden in Bezug auf die Kriterien ,,Qualität/Referenzen",</span><br/> <span class="ft1">,,Termine" und ,,Erfahrung" die Maximalpunktzahl erhalten hätten.</span><br/> <span class="ft1">Der Verzicht der Vergabestelle, die Kriterien bei der Bewertung ab-</span><br/> <span class="ft1">zustufen, stehe in krassem Widerspruch zur Ausschreibung und führe</span><br/> <span class="ft1">zu einer Wettbewerbsverzerrung. Letztlich sei für den Zuschlag nur</span><br/> <span class="ft1">der Preis von Bedeutung gewesen. Aufgrund der ausgeschriebenen</span><br/> <span class="ft1">Kriterien sei die Beschwerdeführerin jedoch davon ausgegangen,</span><br/> <span class="ft1">dass nicht der Preis, sondern die Qualität im Vordergrund stehe. Ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend habe sie ihr Angebot ausgestaltet und eine qualitativ</span><br/> <span class="ft1">anspruchsvollere Ausführung zu einem höheren Preis offeriert.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">336</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) Die Vergabestelle hält fest, sie habe darauf verzichtet, die</span><br/> <span class="ft1">Kriterien ,,Qualität/Referenzen", ,,Termine" und ,,Erfahrung" bei der</span><br/> <span class="ft1">Bewertung abzustufen. Nach ihren Abklärungen (Erfahrungen des</span><br/> <span class="ft1">Architekten bzw. einzelner Mitglieder der Baukommission in Bezug</span><br/> <span class="ft1">auf die Zusammenarbeit) seien alle Firmen gleichwertig einzustufen.</span><br/> <span class="ft1">Insbesondere hätten alle die gleiche Qualität offeriert; auch die Kon-</span><br/> <span class="ft1">kurrentinnen hätten die von der Beschwerdeführerin offerierten Aus-</span><br/> <span class="ft1">führungsspezifikationen (zum tieferen Preis) angeboten.</span><br/> <span class="ft1">c) Bei der Bewertung der Angebote sind namentlich die folgen-</span><br/> <span class="ft1">den Gesichtspunkte zu beachten:</span><br/> <span class="ft1">aa) Im Vordergrund steht, dass die Bewertung der Angebote in</span><br/> <span class="ft1">sachlich haltbarer und objektiv begründbarer Weise erfolgen muss;</span><br/> <span class="ft1">andernfalls überschreitet oder missbraucht die Vergabestelle das ihr</span><br/> <span class="ft1">zustehende Ermessen (AGVE 1999, S. 328; 1998, S. 384). Weglei-</span><br/> <span class="ft1">tend ist sodann auch für die Bewertung der Angebote der für das</span><br/> <span class="ft1">gesamte Vergaberecht geltende Grundsatz der Transparenz. Die vor-</span><br/> <span class="ft1">genommene Bewertung muss sowohl für die Anbietenden als auch</span><br/> <span class="ft1">für die Rechtsmittelinstanz in einem allfälligen Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">nachvollziehbar sein.</span><br/> <span class="ft1">bb) Hat die Vergabestelle Zuschlagskriterien festgelegt und den</span><br/> <span class="ft1">Anbietenden bekannt gegeben, ist sie verpflichtet, die Angebote</span><br/> <span class="ft1">anhand dieser Kriterien zu prüfen und zu bewerten. Werden bekannt</span><br/> <span class="ft1">gegebene Kriterien ausser Acht gelassen, die Bedeutungsfolge umge-</span><br/> <span class="ft1">stellt, andere Gewichtungen vorgenommen oder andere zusätzliche</span><br/> <span class="ft1">Kriterien herangezogen, die nicht bekannt gegeben wurden, handelt</span><br/> <span class="ft1">die Auftraggeberin vergaberechtswidrig und verstösst gegen die</span><br/> <span class="ft1">Grundsätze der Transparenz und Nichtdiskriminierung (AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 352 ff., 358; vgl. auch Entscheid der Eidgenössischen Re-</span><br/> <span class="ft1">kurskommission für das öffentliche Beschaffungswesen, in Baurecht</span><br/> <span class="ft1">[BR] 1999, S. 141 Nr. S25). Klar nicht zulässig ist es somit, bei der</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung der Angebote abweichend von den Ausschreibungsun-</span><br/> <span class="ft1">terlagen auf die Prüfung der einzelnen Zuschlagskriterien zu ver-</span><br/> <span class="ft1">zichten und ausschliesslich den Preis für massgebend zu erklären.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">337</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">cc) aaa) Über das (formelle) Vorgehen bei der Bewertung der</span><br/> <span class="ft1">Offerten anhand der Zuschlagskriterien enthält das Submissions-</span><br/> <span class="ft1">dekret keine Vorschriften. Nach der Rechtsprechung des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichts ist die Vergabestelle beim Erstellen einer Bewertungs-</span><br/> <span class="ft1">matrix daher weitgehend frei; sie ist im Übrigen auch nicht dazu ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtet, eine solche zu verwenden (VGE III/174 vom 15. Dezember</span><br/> <span class="ft1">1998 in Sachen ARGE S. AG/K. AG, S. 12; vgl. auch Gauch/Stöckli,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 23 Anm. 92). In erster Linie ist entscheidend, dass ein</span><br/> <span class="ft1">Bewertungs- oder Benotungssystem im Grundsatz sachgerecht ist</span><br/> <span class="ft1">und einheitlich, d. h. auf alle Anbietenden bzw. auf alle Angebote in</span><br/> <span class="ft1">gleicher Weise und nach gleichen Massstäben angewendet wird. Das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht beschränkt sich im Rahmen seiner - beschränk-</span><br/> <span class="ft1">ten - Kontrollbefugnisse auf die Überprüfung dieser Gesichtspunkte;</span><br/> <span class="ft1">ihm kommt nicht die Funktion einer "Ober-Vergabebehörde" zu.</span><br/> <span class="ft1">Welches System letztlich Anwendung findet und wie es im Detail</span><br/> <span class="ft1">ausgestaltet ist, ist dabei von eher untergeordneter Bedeutung</span><br/> <span class="ft1">(VGE III/158 vom 26. November 1998 in Sachen G. AG, S. 7).</span><br/> <span class="ft1">bbb) Das Submissionsdekret verbietet es grundsätzlich auch</span><br/> <span class="ft1">nicht, dass sich die Vergabestelle darauf beschränkt zu prüfen, ob die</span><br/> <span class="ft1">Angebote die einzelnen Zuschlagskriterien (z. B. Termin) erfüllen</span><br/> <span class="ft1">oder nicht; eine Rangierung der Angebote bei den einzelnen Krite-</span><br/> <span class="ft1">rien muss nicht zwingend erfolgen. Eine solchermassen wenig diffe-</span><br/> <span class="ft1">renzierende Bewertungsmethode führt zwangsläufig zu vermehrten</span><br/> <span class="ft1">Gleichbewertungen der Angebote bei den Sachkriterien. Dies lässt</span><br/> <span class="ft1">sich nicht beanstanden, wenn der Preis für die Vergabe klar im Vor-</span><br/> <span class="ft1">dergrund steht. Ob ein solches Vorgehen auch dann noch sachgerecht</span><br/> <span class="ft1">ist, wenn die Vergabestelle - wie hier - in der Ausschreibung bzw. in</span><br/> <span class="ft1">den Ausschreibungsunterlagen durch die Reihenfolge der Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriterien zu erkennen gibt, dass für sie der Qualitätsaspekt</span><br/> <span class="ft1">und nicht der Preis wichtig ist, ist hingegen fraglich. Vielmehr drängt</span><br/> <span class="ft1">sich in diesen Fällen eine differenzierte Prüfung und Bewertung der</span><br/> <span class="ft1">sach- bzw. qualitätsbezogenen Kriterien auf, um zu verhindern, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dem Preis eine ausschreibungswidrige Bedeutung zukommt, indem</span><br/> <span class="ft1">er trotz geringem Gewicht allein über den Zuschlag entscheidet.</span><br/> <span class="ft1">Hinzu kommt, dass es sich im vorliegenden Fall um ein Einla-</span><br/> <span class="ft1">dungsverfahren handelt, bei dem es die Vergabestelle in der Hand</span><br/> <span class="ft1">hat, den Anbieterkreis zu bestimmen. Es ist grundsätzlich davon</span><br/> <span class="ft1">auszugehen, dass die Vergabestelle schon in eigenem Interesse nur</span><br/> <span class="ft1">Anbieter einladen wird, von denen sie überzeugt ist, dass sie in der</span><br/> <span class="ft1">Lage sind, den zu vergebenden Auftrag qualitativ einwandfrei auszu-</span><br/> <span class="ft1">führen. Wenn sie sich in den Ausschreibungsunterlagen nicht auf den</span><br/> <span class="ft1">Preis beschränkt, sondern Kriterien wie ,,Qualität" und ,,Erfahrung"</span><br/> <span class="ft1">als in erster Linie massgebende Vergabekriterien nennt, dürfen und</span><br/> <span class="ft1">müssen die Anbietenden davon ausgehen, dass den qualitativen Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkten des Angebots ein erhöhtes Gewicht zukommt und</span><br/> <span class="ft1">diese über den Zuschlag entscheiden sollen, nicht der Preis. Dies ruft</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls nach einer differenzierten Bewertung dieser Kriterien.</span><br/> <span class="ft1">d) Aufgrund der vorhandenen Akten ist für das Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richt nicht feststellbar, nach welchen Gesichtspunkten und Massstä-</span><br/> <span class="ft1">ben die Baukommission die einzelnen Angebote bei den Zuschlags-</span><br/> <span class="ft1">kriterien ,,Qualität/Referenzen", ,,Termin" und ,,Erfahrung" bewertet</span><br/> <span class="ft1">hat. Nicht ersichtlich ist auch, welche Voraussetzungen erfüllt sein</span><br/> <span class="ft1">mussten, um die Maximalbewertung zu erhalten. Eine detaillierte</span><br/> <span class="ft1">Bewertung ist offensichtlich nicht erfolgt. Es liegt einzig der Verga-</span><br/> <span class="ft1">beantrag vom 8. September 2000 vor sowie die erwähnten Feststel-</span><br/> <span class="ft1">lungen in der Vernehmlassung und im Schreiben vom 9. Oktober</span><br/> <span class="ft1">2000. Somit ist auch nicht überprüfbar, ob die Gleichbewertung aller</span><br/> <span class="ft1">Anbietenden bei den drei erstgenannten Kriterien sachlich begründet</span><br/> <span class="ft1">ist oder nicht. Dies gilt namentlich auch für die offerierte Qualität der</span><br/> <span class="ft1">Kücheneinrichtungen; hier ist aufgrund der eingereichten Angebote</span><br/> <span class="ft1">unklar, ob die W. AG und die H. Schreinerei tatsächlich die gleiche</span><br/> <span class="ft1">Qualität offeriert haben wie die Beschwerdeführerin. Das nachträg-</span><br/> <span class="ft1">lich, d. h. erst nach Beschwerdeeinreichung, eingeholte Bestäti-</span><br/> <span class="ft1">gungsschreiben der W. AG vom 30. Oktober 2000 in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft1">Ausführungsspezifikationen erscheint diesbezüglich jedenfalls nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sonderlich aussagekräftig; die Prüfung, welcher Qualitätsstandard</span><br/> <span class="ft1">von den einzelnen Anbietern offeriert wurde, hätte von der Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">stelle vor der Zuschlagserteilung vorgenommen werden müssen.</span><br/> <span class="ft1">Das Ergebnis einer differenzierten Prüfung anhand klar festge-</span><br/> <span class="ft1">legter Massstäbe ist die ,,Gleichbewertung" der drei Offerenten bei</span><br/> <span class="ft1">den Zuschlagskriterien ,,Qualität/Referenzen", ,,Termin" und ,,Er-</span><br/> <span class="ft1">fahrung" mit Sicherheit nicht. Der Vorwurf der Beschwerdeführerin,</span><br/> <span class="ft1">die vorgenommene Bewertung sei nicht transparent und verstosse</span><br/> <span class="ft1">gegen die Grundsätze der Nichtdiskriminierung und der Transparenz,</span><br/> <span class="ft1">erscheint berechtigt.</span><br/></div> </div> </body> </html>