B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-27/2025 U r t e i l v o m 8 . J a n u a r 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichterin Susanne Genner, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; Gerichtsschreiber Jan Hoefliger. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, c/o, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 18. Dezember 2024. F-27/2025 Seite 2 A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 19. Oktober 2024 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro- dac) ergab, dass er bereits am 26. Juli 2022 in Belgien ein Asylgesuch ge- stellt hatte. B. Dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz stimmten die belgischen Be- hörden am 6. Dezember 2024 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö- rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter- nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) zu. C. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rahmen der Erstbefra gung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (EB UMA) zur Zuständigkeit Belgiens trat die Vorinstanz mit Verfügung vom 18. Dezember 2024 (am 23. Dezember 2024 eröffnet) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Wegweisung nach Belgien an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver- lassen. Zudem ordnete sie an, als Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS den 1. Januar (…) mit Bestreitungsvermerk einzutragen. D. Am 31. Dezember 2024 gelangte der Beschwerdeführer mit einem Akten- einsichtsgesuch sowie einer an das Bundesverwaltungsgericht adressier- ten Verwaltungsbeschwerde an die Vorinstanz mit den Anträgen, deren Verfügung sei vollständig aufzuheben, es sei ihm die Flüchtlingseigen- schaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren, es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei , und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen . Der Beschwerdef ührer er- suchte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Ver- zicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses, um Einsetzung eines amtli- chen Rechtsbeistands und um Wiederherstellung der aufschiebenden Wir- kung der Beschwerde. E. Am 3. Januar 2025 leite te die Vorinstanz die Eingabe an das Bundesver- waltungsgericht weiter. F-27/2025 Seite 3 F. Gleichentags ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisorischen Vollzugsstopp an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG) und die Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Be- schwerde – unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – grundsätzlich einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Das Gericht entscheidet über diese endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2. Der Beschwerdeführer hat ein für die Anfechtung eines Nichteintre- tens- und Wegweisungsentscheids unpassendes Standardformular ausge- füllt. So beziehen sich die vorgedruckten Anträge auf einen Entscheid über die Gewährung von Asyl, was jedoch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist, wo vorerst bloss über die Zuständigkeit zur Durchführung des Asylverfahrens zu entscheiden ist . Zu Gunsten des Beschwerdefüh- rers ist davon auszugehen, er habe beantragen wollen, die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Auf die Anträge, es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, ist nicht einzutreten, da sie über den Anfechtungsgegenstand hinausgehen. 1.3. Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich einerseits um einen Nichteintretens- und Wegweisungsentscheid (Ziffern 1 -3 des Dispositivs) und andererseits um einen Entscheid darüber, welches Geburtsdatum im ZEMIS einzutragen ist (Ziffer 5 des Dispositivs). Der ZEMIS -Eintrag wird indessen in der Beschwerdeschrift nicht explizit angefochten und zur The- matik der Minderjährigkeit wird nichts ausgeführt. Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nur den Nichteintretens- und Wegweisungsentscheid anficht. 1.4. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründe t, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari- scher Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). F-27/2025 Seite 4 2. 2.1. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid eingehend dargelegt, warum sie den Beschwerdeführer als minderjährig erachtet, wobei d ieser nichts vorbringt, was etwas an dieser Einschätzung zu ändern vermöchte. Aufgrund der fehlenden Minderjährigkeit ist dieser nicht vom Wiederauf- nahmeverfahren ausgenommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8). 2.2. Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, dass gemäss den Bestimmungen der Dublin -III-VO grundsätzlich Belgien für die Behandlung des Asylge- suchs des Beschwerdeführers zuständig ist, dass das belgische Asylsys- tem keine systemischen Mängel aufweist, aufgrund derer die Zuständigkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf die Schweiz überginge, und dass vorliegend keine völkerrechtlichen Vollzugshindernisse ersichtlich sind, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III- VO verpflichten würden. Dabei hat sie namentlich den dokumentierten Ge- sundheitszustand des Beschwerdeführers (Verdacht auf eine posttrauma- tische Belastungsstörung und auf Laryngitis Gastrica, diagnostizierte gast- roösophageale Refluxkrankheit ) berücksichtigt, diesen rechtsprechungs- konform gewürdigt und richtigerweise berücksichtigt, dass der Beschwer- deführer gegen die gastroösophageale Refluxkrankheit Medikamente er- halten hat und ihm in Belgien der Zugang zu medizinischer und psychiatri- scher Behandlung offensteht. Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in An- wendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Be- schwerdeführers nicht eingetreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG dessen Wegweisung nach Belgien angeordnet. Zur näheren Begründung wird auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen. 3. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 4. 4.1. Der Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung (recte: Gewährung der aufschiebenden Wirkung) erweist sich mit der Ausfällung des vorliegenden Urteils als gegenstandslos. 4.2. Mit vorliegendem Urteil fällt der am 3. Januar 2025 angeordnete Voll- zugsstopp dahin. 4.3. In Bezug auf das am 31. Dezember 2024 bei der Vorinstanz eingegan- gene Akteneinsichtsgesuch ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer F-27/2025 Seite 5 gemäss Dispositivziffer 6 der angefochtenen Verfügung die von der Vorinstanz als editionspflichtig erachteten Akten ausgehändigt wurden. Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass dies entgegen der angefochtenen Verfügung nicht geschehen wäre, und der Beschwe rdeführer macht sol- ches auch nicht geltend. Ebenso wenig macht er geltend, ihm seien ein- zelne Aktenstücke zu Unrecht vorenthalten worden. Das Gesuch um Ak- teneinsicht ist daher abzuweisen. 5. 5.1. Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechts- verbeiständung (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG) abzuweisen sind. 5.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-27/2025 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Akteneinsicht wird abgewiesen. 3. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan- tonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Susanne Genner Jan Hoefliger Versand: