B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4897/2023 U r t e i l v o m 2 1 . S e p t e m b e r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richter Sebastian Kempe; Gerichtsschreiber Michal Koebel. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, substituiert durch MLaw Nathalie Vainio, AsyLex, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 1. September 2023 / N (…). E-4897/2023 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 15. August 2023 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass er am 17. August 2023 der im Bundesasylzentrum (BAZ) B._______ tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilte, dass ihm anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 24. August 2023 das recht- liche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Bulgariens und zu seinem Gesundheitszustand gewährt wurde, dass er gemäss der Fingerabdruck -Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) am (…) in Bulgarien ein Asylgesuch eingereicht hatte und das SEM ge- stützt hierauf am 25. August 2023 die kroatischen Behörden um seine Wie- deraufnahme ersuchte, die das Ersuchen am 30. August 2023 guthiessen, dass das SEM mit Verfügung vom 1. September 2023 (eröffnet am 6. Sep- tember 2023) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, dessen Wegweisung aus der Schweiz nach Bulgarien anordnete, eine Ausreisefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Weg- weisung beauftragte, die editionspflichtigen Akten aushändigte und fest- stellte, der Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass die damalige Rechtsvertretung ihr Mandat am 6. September 2023 niederlegte, dass der Beschwerdeführer unter Beilage des bereits aktenkundigen Dub- lin-Gesprächs vom 24. August 2023 mit Eingabe vom 13. September 2023 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichte, dass er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 1. September 2023 aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzu- treten, dass er eventualiter beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzu- heben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen, dass er subeventualiter beantragte, es sei das SEM anzuweisen, von den zuständigen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft umgehend Obdach, Nahrung, eine adäquate und regelmäs- sige medizinische sowie psychologische Behandlung zur Verfügung stehe, E-4897/2023 Seite 3 dass er in prozessualer Hinsicht beantragte, es sei der Vollzug superprovi- sorisch auszusetzen, der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu ertei- len und die kantonale Behörde entsprechend anzuweisen, dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht weiter beantragte, es sei die un- entgeltliche Rechtspflege zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses zu verzichten und die rubrizierte Rechtsvertretung als amtliche Vertretung einzusetzen, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 15. September 2023 den Eingang der Beschwerde bestätigte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Gerichts beziehungsweise die zulässigen Rü- gen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, dass der Beschwerdeführer zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG), seine Eingabe nach dem Gesagten den formellen Anforderungen an eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und er seine Beschwerde fristgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 AsylG), wo- mit auf die Beschwerde einzutreten ist, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), die Beurteilungskompetenz de r Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vor - instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2), dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher E-4897/2023 Seite 4 Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass der Beschwerdeführer eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache beantragt, weil die Vorinstanz wichtige Tat- sachen – die zur Zuständigkeit der Schweiz führen würden – nicht näher abgeklärt habe, womit sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt bezie- hungsweise den Sachverhalt unvollständig und fehlerhaft festgestellt habe, dass in casu weder eine unvollständige noch eine fehlerhafte Sachver- haltsfeststellung zu erkennen ist, dass nicht ersichtlich ist, inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt unvoll- ständig abgeklärt oder fehlerhaft festgestellt haben sollte, stützte sie ihre Erwägungen doch – unter Berücksichtigung der konkreten Vorbringen des Beschwerdeführers – insbesondere auf die einschlägigen Rechtsnormen sowie auf die aktuelle Rechtsprechung des angerufenen Gerichts (vgl. z. B. Urteil D-70/2023 vom 12. Januar 2023 E. 4.2 m.w.H.), was vorliegend nicht zu beanstanden ist (vgl. angefochtene Verfügung insb. S. 4 f.), dass überdies auch der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt wurde, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs zwar gel- tend machte, psychisch belastet zu sein und nachts verschwitzt aufzuwa- chen, sich indessen seit Einreichung seines Asylgesuchs lediglich einmal aufgrund seiner Schlafproblematik beim medizinischen Personal gemeldet hat und weder im vorinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerdeebene medizinische Unterlagen aktenkundig sind beziehungsweise eingereicht wurden, die darauf schliessen lassen würden, dass der medizinische Sach- verhalt unvollständig abgeklärt worden wäre, dass die Vorinstanz somit aufgrund der gesundheitlichen Situation des Be- schwerdeführers nicht gehalten war, allfällige weitere Arzttermine abzu- warten, um dessen Überstellungsfähigkeit zu beurteilen, und davon aus- gehen durfte, der medizinische Sachverhalt sei vollständig erstellt, dass sowohl die Einschätzung der Lage in Bulgarien als auch die Würdi- gung der individuellen Situation – auch in Bezug auf die Anwendung der Souveränitätsklausel (Art. 29 a Abs. 3 der Asylverordnung 1 v om E-4897/2023 Seite 5 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311] i.V.m. Art. 17 Abs . 1 Dublin -III- VO) – im Übrigen materieller Natur sind beziehungsweise der blosse Um- stand, dass der Beschwerdeführer die Schlussfolgerung der Vorinstanz nicht teilt, keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes darstellt, dass die formelle Rüge folglich unbegründet ist, weshalb eine Rückwei- sung an die Vorinstanz ausser Betracht fällt und das Eventualbegehren abzuweisen ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates die Zuständigkeitskriterien nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (Dublin-III-VO) prüft, dass, wenn diese Prüfung zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitglied- staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Wiederaufnahme ex- plizit oder implizit zugestimmt hat, auf das Asylgesuch grundsätzlich nicht eintritt (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1), dass jeder Mitgliedstaat beschliessen kann, einen bei ihm von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgeleg- ten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dub- lin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu- ständigkeit Bulgariens erkannte und die bulgarischen Behörden – gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO – um Wiederaufnahme des Be- schwerdeführers (take-back-Verfahren) ersuchte, dass die bulgarischen Behörden diesem Gesuch am 30. August 2023 ex- plizit zustimmten, E-4897/2023 Seite 6 dass damit von der grundsätzlichen Zuständigkeit Bulgariens zur Rücküber- nahme im Sinne von Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO auszugehen ist, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 24. August 2023 mit der Begründung gegen eine Überstellung nach Bulga- rien aussprach, dort dürften Menschen nicht auf die Toilette gehen, spre- chen oder essen, er sei namentlich geschlagen sowie zur Einreichung sei- nes Asylgesuchs gezwungen worden, obwohl er – aufgrund der in der Schweiz lebenden Verwandten (Schwester und Neffe) – die Schweiz als Zielland angegeben habe, überdies befürchte er dort inhaftiert und schliesslich in die Türkei deportiert zu werden, obschon ihn der türkische Staat bereits seit Jahren gequält und sieben seiner Familienmitglieder ge- tötet habe, dass er in medizinischer Hinsicht ausführte, er sei aufgrund des Erlebten psychisch belastet, des Nachts wache er schwitzend auf, dass er in der Beschwerde in individueller Hinsicht ergänzte, er sei von der bulgarischen Polizei schwer misshandelt worden und habe dort weder psy- chologische noch rechtliche Unterstützung erhalten, dass aufgrund der Aktenlage indessen keine Sachverhaltsumstände er- sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Überstellung in den zuständigen Dublin-Vertragsstaat sprechen würden, dass es namentlich nicht von Belang ist, wenn sich der Beschwerdeführer in Bulgarien nicht hat registrieren lassen wollen, zumal die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selbst auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), dass selbst wenn zutreffen würde, dass der Beschw erdeführer seine Fin- gerabdrücke in Bulgarien nicht freiwillig, sondern unter Zwang abgegeben habe, eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt wäre, da sich aus einem solchen Vorkommnis nicht ableiten lässt, dass systemische Schwachstellen bestehen, welche nahelegen, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Bulgarien mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung aus- gesetzt wäre, dass in dieser Hinsicht zu prüfen ist, ob es wesentliche Gründe für die An- nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Bulgarien systemische Schwachstellen aufweisen, die E-4897/2023 Seite 7 eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden, dass sich das Bundesverwaltungsgericht im Referenzurteil F -7195/2018 vom 11. Februar 2020 ausführlich mit dem bulgarischen Asylsystem und der Situation asylsuchender Personen in Bulgarien auseinandergesetzt und dabei festgehalten hat, dass das dortige Asylverfahren sowie die Auf- nahmebedingungen zwar gewisse Mängel aufweisen würden, diese aber nicht systemischer Natur seien, weshalb von Überstellungen nach Bulga- rien grundsätzlich nicht abzusehen sei, dass ferner korrekte Asylverfahren in Bulgarien nicht systembedingt un- möglich seien, und die tiefe Anerkennungsquote gegenüber Staatsange- hörigen gewisser Länder es nicht rechtfertige, keine Überstellungen mehr vorzunehmen, und betroffene Personen gegen einen negativen Asylent- scheid ein wirksames Rechtsmittel einlegen könnten, dass dem Beschwerdeführer darin beizupflichten ist, dass damals zudem festgestellt wurde, die Bedingungen in den Aufnahme - und Haftzentren seien prekär, diese jedoch nicht als unmenschlich oder entwürdigend qua- lifiziert w urden (vgl. Referenzurteil F -7195/2018 vom 11. Februar 2020 E. 6.6.1 und E. 6.6.7), dass das Bundesverwaltungsgericht an dieser Praxis auch in jüngster Zeit unter Berücksichtigung der Belastung des Asylsystems durch ukrainische Kriegsflüchtlinge festgehalten hat (vgl. zuletzt Urteil des BVGer E-3630/2023 vom 11. Juli 2023 E. 8.3), dass in der Beschwerde unter Verweis auf Berichte namentlich von Human Rights Watch, Oxfam, ECRE und AIDA insbesondere auf die Missstände beim Umgang der bulgarischen Behörden mit Flüchtlingen hingewiesen und unter anderem ausgeführt wurde, die Berichte würden darlegen, dass in Bulgarien nicht nur systemische Asylmängel bestünden sondern Asylsu- chende sogar in Gefängnissen untergebracht würden beziehungsweise Behördenwillkür ausgesetzt seien, was eine klare Verletzung der Richtlinie 2013/32/EU darstelle, darüber hinaus sei (wie den Berichten der SFH, WHO und AIDA zu entnehmen sei) die medizinische Versorgung für Schutzsuchende oftmals unzureichend, dass insgesamt das Asylverfahren sowie die Aufnahmebedingungen in Bulgarien entgegen den Ausführungen der Vorinstanz mit erheblichen E-4897/2023 Seite 8 Mängeln belastet sei und in casu ein reales Risiko unmenschlicher Be- handlung gegeben sei, dass trotz dieser Einwände das Bundesverwaltungsgericht nach wie vor davon ausgeht, dass das Asylsystem Bulgariens keine systemischen Män- gel aufweist und im Einzelfall zu prüfen ist, ob es Gründe gibt, die einer Überstellung entgegenstehen könnten ( vgl. z. B. Urteil des BVGer E-3454/2023 vom 3. Juli 2023 E. 5.2 m.w.H.), dass eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO daher nicht gerecht- fertigt ist, dass der Beschwerdeführer im Weiteren mit seinen Vorbringen anlässlich des Dublin-Gesprächs und der Ergänzungen in der Beschwerde nicht dar- zutun vermag, dass eine Rückkehr nach Bulgarien mit einer Verletzung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta beziehungsweise Art. 3 EMRK verbun- den wäre, da die Überstellung aus der Schweiz nach Bulgarien nunmehr geregelt im Rahmen eines Dublin-Verfahrens erfolgt, wodurch eine andere Situation vorliegt, als dies für den Beschwerdeführer bei seiner erstmaligen Einreise in Bulgarien der Fall war, dass denn auch kein Grund zur Annahme besteht, die bulgarischen Behör- den würden ihm nach einer Überstellung den Zugang zum Asylverfahren (beziehungsweise Wiederaufnahmeverfahren) verweigern beziehungs- weise die Regeln der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Ra- tes 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zu- erkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfah- rensrichtlinie) nicht einhalten, dass die Vorinstanz – im Gegensatz zur Auffassung des Beschwerdefüh- rers – sodann in der angefochtenen Verfügung zu Recht zum Schluss ge- kommen ist, Bulgarien sei ein Rechtsstaat und verfüge über ein funktionie- rendes Justizsystem, dass bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung oder ungerech- ten Behandlung durch eine Behörde der Beschwerdeführer im Übrigen ge- halten ist, sich nötigenfalls an die bul garischen Behörden zu wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen gemäss Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die in- ternationalen Schut z beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) auf dem Rechtsweg einzufordern, E-4897/2023 Seite 9 dass ihm zuzumuten ist, sich an das Justizwesen Bulgariens, dortige Auf- sichtsbehörden oder eine in Bulgarien tätige NGO zu wenden, wenn er in Bulgarien rechtswidrig behandelt werden sollte, dass das Bundesverwaltungsgericht zwar die Vorinstanz in jüngeren Kas- sationsentscheiden anwies, (unter anderem) bei den bulgarischen Behör- den Abklärungen zum Stand des Asylverfahrens zu machen und sich mit den konkret begründeten Befürchtungen, es erfolge durch die bulgarischen Behörden unter Verletzung des Non -Refoulement-Gebots eine Abschie- bung, auseinanderzusetzen (vgl. Urteile des BVGer F -2707//2022 vom 12. Oktober 2022 E. 9 f., D -3180/2022 vom 19. September 2022 E. 5.4 und 6, D-1569/2022 vom 26. Juli 2022 E. 8.2 und 9), dass anders als in den erwähnten Urteilen die bulgarischen Behörden das Rückübernahmeersuchen der Vorinstanz den Beschwerdeführer betref- fend gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO ausdrücklich guthies- sen und auch den Akten keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind, Bulgarien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet wäre oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, dass sich der Beschwerdeführer schliesslich auf seinen Gesundheitszu- stand beruft, der einer Überstellung entgegenstehe, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, dass dies insbesondere der Fall ist, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech- nen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]), dass ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK gemäss neuerer Praxis des EGMR aber auch vorliegen kann, wenn eine schwer kranke Person durch die Ab- schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands E-4897/2023 Seite 10 ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.), dass eine solche Situation beim Beschwerdeführer nicht gegeben ist, dass sich die behaupteten gesundheitlichen Probleme des Beschwerde- führers (siehe hierzu bereits oben) nicht als derart gravierend erweisen, dass er im Falle einer Überstellung nach Bulgarien mit dem Risiko einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung seines Ge- sundheitszustandes konfrontiert wäre, dass Bulgarien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt und kein Grund zur Annahme besteht, dass ihm dort eine allenfalls erfor- derliche medizinische Behandlung verweigert würde (vgl. statt vieler Urteile des BVGer F-4703/2023 vom 7. September 2023 E. 7.5, D-2887/2023 vom 23. August 2023 E. 6.4.1.2), dass die Mitgliedstaaten den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforder- liche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie), und den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erforderliche me- dizinische oder sonstige Hilfe – einschliesslich erforderlichenfalls einer ge- eigneten psychologischen Betreuung – zu gewähren haben (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie), dass sich der Beschwerdeführer bei Bedarf an die bulgarischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechts- weg einfordern kann (vgl. insb. Art. 26 Aufnahmerichtlinie), dass für das weitere Dublin -Verfahren ohnehin einzig die Reisefähigkeit ausschlaggebend ist, welche – wie in der angefochtenen Verfügung zutref- fend ausgeführt (vgl. angefochtene Verfügung S. 5) – erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird, dass der Beschwerdeführer im Dublin -Gespräch erwähnte, dass seine Schwester und ein Neffe in der Schweiz leben würden, er aus diesem Um- stand jedoch nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag, handelt es sich hierbei doch nicht um Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g E-4897/2023 Seite 11 Dublin-III-VO und ist aus den Akten überdies kein besonderes Abhängig- keitsverhältnis ersichtlich, dass demgemäss kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Dublin-III-VO besteht und keine Ermessensfehler in Bezug auf humanitäre Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 festzustellen sind, dass der Beschwerdeführer nach dem Gesagten offensichtlich nicht in die Kategorie der besonders vulnerablen Personen mit speziellen Bedürfnis- sen fällt (was gemäss Referenzurteil F -7195/2018 vom 11. Februar 2020 gegebenenfalls das Einfordern konkreter Garantien von den bulgarischen Behörden erforderlich machen könnte), dass für das Einholen von individuellen Zusicherungen der bulgarischen Behörden namentlich bezüglich des Zugangs de s Beschwerdeführers zu adäquater Unterbringung und Nahrung oder medizinischer Behandlung nach dem Gesagten somit keine Veranlassung besteht, weshalb der Sub- eventualtantrag abzuweisen ist, dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist, dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach Bulgarien der Sys- tematik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Bestim- mung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht, dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be- stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb die Begehren um Vollzugsstopp, Erteilung der aufschiebenden Wirkung mit entsprechender Anweisung an die zuständigen Behörden und auf Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind, dass die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsver- beiständung abzuweisen sind, da die Begehren – wie sich aus den vorste- henden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, E-4897/2023 Seite 12 SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-4897/2023 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Michal Koebel Versand: