Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Februar 2019 (720 18 378 / 60) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts; Auf das beweiskräftige verwaltungsexterne Gutachten kann abgestellt werden. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Nikolaus Tamm, Advo- kat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1967 geborene A.____ arbeitete zuletzt in ei nem Teilzeitpensum als Mitarbeiterin I.____ in J.____. Am 18. November 2013 (Eingang) me ldete sie sich unter Hinweis auf diverse Operationen sowie eine seit Mai 2013 bestehende Dep ression bei der Eidgenössischen Invali- denversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Ab klärung der erwerblichen, gesundheitli- chen und haushälterischen Verhältnisse sprach ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung vom 19. Oktober 2018 in Anwendung der gemi schten Bemessungsmethode mit Wir- kung ab 1. Mai 2014 bis 31. Juli 2015 eine befristete ganze Rente der Invalidenversicherung zu. B. Gegen die Verfügung vom 19. Oktober 2018 reichte d ie Versicherte, vertreten durch Nikolaus Tamm, Advokat, mit Eingabe vom 21. November 20 18 Beschwerde beim Kantonsge- richt des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversich erungsrecht (Kantonsgericht) ein. Darin beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine unbefris- tete IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei ein geri chtliches Obergutachten anzuordnen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte sie im Wesent lichen vor, dass das polydisziplinäre Gutachten, auf das sich die Verfügung stütze, nicht über d en erforderlichen Beweiswert verfü- ge, da die darin vorgenommenen Arbeitsunfähigkeitsbe urteilungen nicht nachvollziehbar seien. Insbesondere lasse sich der Konsensbeurteilung keine über greifende Perspektive im Sinne einer Gesamtsicht entnehmen. Vielmehr handle es sich dabe i um eine Aneinanderreihung von Kurzfassungen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Dezember 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 19. Oktober 2018, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsp rozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherung sgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kanto nalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 21. November 2018 ist demnach einzutre- ten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführer in Anspruch auf eine unbefristete Rente der Invalidenversicherung hat. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindes- tens 40% invalid ist. Invalidität im Sinne dieser Best immung ist die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folge von G eburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mi t Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich er reichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es geli ngt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.2 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2IVG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis IVV, in der vorlie- gend anwendbaren, bis Ende 2017 gültig gewesenen Fassung). 4.4 In Bezug auf die Bemessung der Invalidität aufgru nd der gemischten Methode ist zu beachten, dass Art. 27 bis Abs. 3 lit. a IVV in der ab dem 1. Januar 2018 gelten den Fassung be- stimmt, dass sich die Berechnung des Invaliditätsgrads in Be zug auf die Erwerbstätigkeit bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Aufgabenbereic h nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, nach Art. 16 ATSG richtet, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht inv alid geworden wäre, auf eine Voller- werbstätigkeit hochgerechnet wird. Nach der Rechtspre chung des Bundesgerichts kann die Invaliditätsbemessung mittels der gemischten Methode nach dem neuen Berechnungsmodell gemäss Art. 27 bis Abs. 2 bis 4 IVV in der Fassung vom 1. Dezember 2017 im Hinblick auf eine einheitliche und rechtsgleiche Behandlung der Versicher ten erst ab dem Zeitpunkt des Inkraft- tretens dieser Bestimmung am 1. Januar 2018 erfolgen (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Ja- nuar 2018, 8C_462/2017, E. 5.3 mit Hinweisen). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiter en Hinweisen, bestätigt mit BGE 135 V 469 E. 4.4). 6.1 Für die Beurteilung der strittigen Frage stehen z ahlreiche medizinische Akten zur Ver- fügung, welche allesamt vom Gericht gewürdigt wurden. Im Zentrum der medizinischen Beurtei- lung stehen indessen insbesondere die nachfolgenden medizinischen Unterlagen: 6.2 Im Gutachten der MEDAS Zentralschweiz (MEDAS) vom 8 . Dezember 2015 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit aufgeführt: Eine leichtgradige Rhi- zarthrose beidseits mit Status nach Brunelli-Bandplasti k und zuklappender Osteotomie Me- tacarpale I beidseits (M18.0), ein Verdacht auf eine beginnende Tendovaginitis stenosans am Daumen beidseits, linksbetont, eine beginnende Arthrose MP-Gelenke beidseits (M65.3), ein Verdacht auf eine beginnende Osteodegeneration im MCP I-Gelenk bei Status nach Osteoto- mie Metacarpale I und Bandplastik nach Brunelli beids eits (M19.04), ein chronifiziertes lumbos- pondylogenes Syndrom infolge einer Fehlhaltung, eine m uskuläre Dysbalance, eine Haltungs- insuffizienz und Osteochondrose im Segment L3/4 (M54.5), ein chronifiziertes zervikospondylo- genes Syndrom (M54.82), ein leichtes reaktives depressives Z ustandsbild im Sinne einer Dys- thymia, eine Schmerzverarbeitungsstörung mit Verstärkung von somatisch begründbaren Be- schwerden durch psychische Anteile, eine Akzentuierung der Persönlichkeit mit deutlichen hys- terischen und hypochondrischen Anteilen und weniger stark ausgeprägten narzisstischen und schizotypischen/schizoiden Anteilen. Nach Prüfung der Standardindikatoren hielten die Gutachter fest, dass ab März 2013 infolge der Fussoperationen, nachfolgender Anpassungsstörung nach Arb eitsplatzverlust, Handoperatio- nen (10/2013 und 04/2014), Nachbehandlungen und Meta llentfernung (10/2014 und 03/2015) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jede Art von T ätigkeit bestanden habe. Ab Mai 2015 (Abschluss der handchirurgischen Behandlung) sei die Versich erte für angepasste Tätigkeiten mindestens zu 80% arbeitsfähig. Eine Arbeitsfähigkeit von 60% bestehe für die zuletzt ausge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht übte Tätigkeit. Diese Einschränkung sei psychiatrisch bedi ngt. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe eine Leistungsminderung von maximal 20% aus psychiatrischen Gründen. 6.3 Nachdem die Versicherte gegen den gestützt darauf er gangenen Vorbescheid vom 14. Juni 2016 Einwand erhoben hatte, holte die IV-St elle auf Empfehlung von pract. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Är ztlicher Dienst beider Basel (RAD) vom 30. Dezember 2016 (IV-act. 119) beim Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB) ein Gutachten ein, welches am 18. September 2017 erstattet wurde. Das Gutachterteam des ZMB bestehend aus Dr. med. C.____ , FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurg ie und Traumatologie des Bewegungs- apparates, Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie und Al lgemeine Innere Medizin und Dr. med. F.____, FMH Gastroenterologie und Allgemein e Innere Medizin, diagnostizierte aus polydisziplinärer Sicht mit Einfluss auf die Arbeitsfähig keit eine Angst- und depressive Störung gemischt, Schmerzen im MP-Gelenk I beidseits bei diskrete n Arthrosezeichen in den MP- Gelenken I beidseits und einer beginnenden Arthrose im Gelenk zwischen dem radialen Se- sambein und dem Kopf des Metacarpale I beidseits, eine seronegative rheumatoide Arthritis, ein chronisches lumbovertebrales Syndrom und ein rezidiviere ndes cervikovertebrales Syn- drom. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähi gkeit bestünden akzentuierte Persön- lichkeitszüge mit narzisstischen, passiv-dependenten und histri onischen Anteilen, psychologi- sche Faktoren und Verhaltensfaktoren bei Problemen am Bewegungsapparat im Sinne einer Krankheitsverarbeitungsstörung, eine Epicondylopathia hu meri medialis beidseits, eine Peri- arthropathia genus beidseits, ein Staus nach einer Hall ux valgus-Operation rechts 09/2012 und links 03/2013, ein instabiles Asthma bronchiale ED 2016, ein Status nach einer Korrektur des Nasenseptums und Polypasis nasi, ein essentieller Tremor, ein Vitamin-D3-Mangel und akten- anamnestisch ein Eisenmangel. Im rheumatologischen Teilgutachten hielt Dr. E.____ im Wesentlichen fest, bei der Versicherten bestünden verschiedene Affektionen am Bewegungsapparat. Im Bereich der Gelenke bestehe die Diagnose einer seronegativen Arthritis mit Erstdia gnose im 09/2016. Aktuell finde man Hin- weise für eine Polyarthralgie. Bei der klinischen Unters uchung finde man keine Arthrosynovitis, sonographisch sei eine Erosion am Humeruskopf links sowie e ine diskrete Tenosynovitis der Musculus extensor carpi ulnaris (ECU-)Sehne links vorhanden. Es bestünden multilokuläre Druckdolenzen am AC-Gelenk beidseits, an den Handgelenke n dorsal, an den MCP-Gelenken und PIP-Gelenken Dig. II-V beidseits sowie rechtsbeton t an den Daumengrundgelenken beid- seits. Die Kraftentfaltung der Hände sei eingeschränkt, die Volarflexion der Daumengrundge- lenke beidseits sei rechtsbetont eingeschränkt. Bei einem Status nach Operation bei Rhizarth- rose beidseits liege funktionell ein gutes Operationsresu ltat vor. Die Daumenreduktion sei beid- seits leicht eingeschränkt, die Oppositionsfähigkeit der Daumen beidseits sei aber erhalten. Die aktuellen Röntgenbilder der Hände und Füsse zeigten keine erosiven Veränderungen. Am Ach- senskelett finde man anhand der neu erstellten Röntge naufnahmen Hinweise auf ein rezidivie- rendes tendomyotisch-betontes cervikovertebrales Syndrom. Hinweise für radikuläre Reiz- oder Ausfallphänomene fehlten. Die von der Versicherten an gegebenen ausgeprägten Kreuz- schmerzen könnten aus rheumatologischer Sicht nicht vollst ändig erklärt werden. Mittel bis Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwer manuell belastende Tätigkeiten seien nicht möglich . Das Achsenskelett sei vermindert belastbar, das Tragen und Heben mittlerer bis schwerer Gewichte sei nicht möglich, Zwangs- haltungen seien ungünstig. Aus handchirurgischer Sicht wurde festgestellt, dass die Rhizarthrose-Beschwerden auf beiden Seiten erfolgreich mit der Wilson-Operation und einer stabilisierenden Bandplastik 2013 und 2014 hätten behandelt werden können. Die Explorandin habe von dieser Seite heute auch unter Belastung keine Beschwerden mehr. Handchirurgisch im Vo rdergrund stünden Beschwerden, die belastungsabhängig im Bereich der beidseitigen Dau mengrundgelenke seitlich und palmar auftreten würden. Klinisch fänden sich auf beiden Seit en Druckdolenzen palmar über den MP- Gelenken I. Im linken MP-Gelenk I löse die Hyperextension palmare Schmerzen aus. Hinweise auf eine Tendovaginitis stenosans beider Daumen fehlten. Radiologisch hätten sich sehr diskre- te Hinweise auf eine beginnende Arthrose in den MP- Gelenken beidseits gezeigt. Zudem fän- den sich bereits im Oktober 2013 links und im Februar 201 4 rechts computertomographische Hinweise auf eine Arthrose zwischen dem radialen Sesamb ein und dem Kopf des Metakarpale I. Diese Befunde würden die Schmerzen im Daumenbereich auf beiden Seiten objektivieren. Vor allem auf der rechten Seite sei die Kraft beim Pi nzettengriff und auch beim Faustschluss erheblich vermindert. Allerdings bestehe eine Diskrepa nz zwischen den subjektiven Beschwer- den und den eher geringen objektiven Befunden. Aus handchirurgischer Sicht seien handbelas- tende Tätigkeiten für die Explorandin nicht mehr gee ignet. Es bestehe ein beidseitiges Trage- und Hebelimit von 8kg. Eine wesentliche Einschränkung be im Bedienen einer Tastatur bestün- de nicht. Eine Sekretariatsarbeit sei weiterhin möglich. Wegen den Schmerzen in den Daumen- grundgelenken bestehe auf beiden Seiten eine Vermind erung des Rendements um 25% (ver- mehrter Pausenbedarf). Im psychiatrischen Teilgutachten wurde festgestellt, die Versicherte habe sich anlässlich der Begutachtung in einer gewissen Bedrücktheit bei etwas verm indertem Antrieb befunden. Die Modulations- und Resonanzfähigkeit der Stimmung sei g egeben gewesen. Es hätten gewisse Ängste, auch hypochondrischer Art, nachgewiesen werden können. Eine Angststörung, eine depressive Störung oder eine Zwangsstörung hätten nicht a usgemacht werden können. Die Beschwerdeschilderung sei eher vage gewesen. Es habe ei ne Diskrepanz zwischen der Inten- sitätsangabe der Beschwerden und dem gezeigten Beschwer deverhalten bestanden. Auch am Ende der Exploration habe eine vermehrte Ermüdbarkeit nicht festgestellt werden können. Kog- nitive Störungen, psychotisches oder psychosenahes Erleben un d Verhalten hätten nicht aus- gemacht werden können. Das Bewusstsein und die Orientie rung seien erhalten gewesen. Die Versicherte habe eine vermehrt narzisstische Verletzlichkei t gezeigt, passiv-dependente sowie vermehrt expressiv histrionische Anteile. In wohlwollende r, emotional zuwendender Umgebung könne sich die Versicherte sowohl im emotionalen Bereich wie auch im Leistungsbereich adä- quat entwickeln. Fühle sich die Versicherte unverstanden, bestehe eine eingeschränkte Frustra- tionstoleranz und ein vermindertes Konfliktlösungspotenti al. Dies sei als akzentuierte Persön- lichkeitszüge mit narzisstischen, passiv-dependenten und hist rionischen Anteilen zu codieren. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge würden kein Ausmass er reichen, welches es der Versi- cherten verunmöglicht hätte, sich persönlich, sozial, schu lisch-beruflich und partnerschaftlich adäquat zu entwickeln. Die Versicherte verfüge sowohl im emotionalen wie auch im Leistungs- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bereich über ein ansehnliches Ressourcenpotential. Anlässli ch der aktuellen Exploration habe die Versicherte allgemeine Schmerzen, Schwitzen, Erschöpf barkeit, Magenbeschwerden, Asthma, Bronchitis, Heuschnupfen, Schlafstörungen sowie Appetitverlust angegeben. Die so- matisch erhobenen Befunde könnten das Ausmass der Beschwerd en jedoch nicht erklären. Psychiatrisch habe kein andauernder, schwerer und quälende r Schmerz nachgewiesen werden können. Es sei eine Krankheitsverarbeitungsstörung zu codieren. In den Akten würden affektive Schwankungen erwähnt. Anlässlich der aktuellen Untersuchun g sei die Versicherte etwas de- primiert gewesen, sie habe gewisse Ängste geäussert, auc h hypochondrischer Ausprägung, weshalb sich die Diagnose einer Angst- und depressiven St örung gemischt rechtfertige. Hin- sichtlich des psychiatrischen Teilgutachtens der MEDAS führte der Gutachter aus, dass ihm bezüglich der darin ebenfalls beschriebenen Angst, die Diagnose einer Angst- und depressiven Störung gemischt naheliegender erscheine als die dort aufgeführte Diagnose einer Dysthymie. Die Diagnoseentwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (F68.0) entspreche der Rentenneurose, das Ausmass dieser Dynamik vermöge die se Diagnose nicht zu rechtferti- gen. Vielmehr sei die Diagnose einer Krankheitsverarb eitungsstörung zu stellen. Ferner werde im MEDAS-Gutachten nicht transparent, weshalb die Einsc hränkung der Versicherten in ihrem bisherigen beruflichen Umfeld auf 40% und in einer V erweistätigkeit auf 20% festgelegt werde. Diesbezüglich sei zu berücksichtigen, dass der Verbleib an der alten Arbeitsstelle unter der da- maligen Teamleitern nicht mehr möglich gewesen sei. D er Verbleib an dieser Arbeitsstelle war der Versicherten demnach infolge IV-fremder Faktoren nicht mehr zumutbar. Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung gelangten die Gutachter zum Ergebnis, nach Analyse der Aktivitäten, der Indikatoren und der Mini-ICF-App sei aufgrund der Angst- und depressiven Stö- rung gemischt eine leistungsbezogene Beeinträchtigung von 20% in der angestammten Tätig- keit zu attestieren. In Bezug auf eine adaptierte Tät igkeit könne gegenüber der MEDAS- Begutachtung vom 8. Dezember 2015 keine Veränderung k onstatiert werden. Infolge der Ge- lenksaffektionen bestehe eine Kraft- und Belastbarkeitsver minderung der Hände beidseits. Das Tragen und Heben von mittelschweren bis schweren Gewichte n sei nicht möglich. Rein mittel bis schwer manuell belastende Tätigkeiten seien nicht aus führbar. Die PC-Arbeit im Bürobe- reich sei nicht relevant eingeschränkt und der Versicherten zumutbar. Auch Arbeiten im Archiv mit Ablegen von Dokumenten seien möglich. Die Versicher te benötige vermehrt Kurzpausen, die Gesamtarbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage insgesamt 30%. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des G esundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit der Versicherten in erster Linie auf die Ergebnisse, zu denen die Gutachter im Gutachten des ZMB vom 18. September 2017 gelangt waren sowie auf die Stellungnahmen des RAD von pract. med. B.____ vom 30. Dezember 2016 und vo n Dr. med. G.____, FMH Allge- meine Innere Medizin, vom 16. November 2017 (IV-act. 1 51). Gestützt darauf ging sie davon aus, dass die Versicherte im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns am 1. Mai 2014 bis 31. Juli 2015 vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Fü r die Zeit danach sei der Versicherten eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit oh ne Belastung der Hände über das übli- che Mass hinaus zu 80% zumutbar. Grundlage für die Beurt eilung der verbleibenden zumutba- ren Arbeitsfähigkeit in zeitlicher Hinsicht bildete die im ZMB-Gutachten vom 18. September 2017 in Bezug auf eine adaptierte Tätigkeit gegenübe r der MEDAS-Beurteilung unverändert Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht attestierte Beeinträchtigung von 20% mit Wirkung ab 1. Mai 2015. Infolge der per September 2016 (Zeitpunkt der Erstdiagnose der seronegativen rheu matoiden Arthritis) ausgewiesenen Verschlechterung des Gesundheitszustandes hat die IV-Stel le überdies erwogen, dass ab die- sem Zeitpunkt sowohl in der angestammten Tätigkeit als E mpfangssekretärin als auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70% bestehe. 7.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bea nstanden. Wie in Erwägung 5.3 hiervor dargelegt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverf ahrens eingeholten Gutachten exter- ner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingeh ender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigke it der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutachten ist insgesamt um fassend und die darin dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die jeweils vorgenomme nen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die Gutachter haben d ie Versicherte persönlich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und gehen einlässlich auf ihre Angaben und Beschwer- den ein. Sie setzen sich zudem fundiert mit den bei de n Akten liegenden medizinischen Berich- ten auseinander und begründen abweichende Einschätzungen in überzeugender Weise. 7.3 Die Beschwerdeführerin zweifelt zunächst den handch irurgischen Fachteil des Gutach- tens hinsichtlich der Zumutbarkeitsbeurteilung an. Dab ei macht sie geltend, diese sei insofern nicht nachvollziehbar, als die Gutachter zwar einerseits we gen der Gelenksaffektion eine Kraft- und Belastbarkeitsverminderung der Hände beidseits aner kennen würden, diese sich anderer- seits aber bei Büroarbeiten in keiner Weise auswirken so llen. Diese unrealistische Beurteilung sei mangels näherer Ausführungen nicht nachvollziehbar. Unter Hinweis auf das hiervor Darge- legte ist diesbezüglich zunächst festzuhalten, dass die Zu mutbarkeit aus handchirurgischer Sicht sehr ausführlich begründet wird. Der Gutachter w eist darauf hin, dass ein beidseitiges Trage- und Hebelimit von 8kg bestehe, beim Bedienen e iner Tastatur durch die erhobenen Be- funde jedoch keine wesentliche Einschränkung begründet werden könnte. Auch Arbeiten im Archiv mit Ablegen von Dokumenten seien möglich. Ferner wird – entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin – nicht keinerlei Einschränkung anerkannt, sondern diese als nicht we- sentlich bezeichnet, nachdem eine Diskrepanz zwischen den subjekti v geklagten Beschwerden und den eher geringen objektiven Befunden festgestellt werden konnte. Für die durch objekti- vierbare Befunde erklärbaren Schmerzen wird eine Verminderung des Rendements um 25% im Sinne eines vermehrten Pausenbedarfs berücksichtigt. Zuma l der aktenanamnestisch geäus- serte Verdacht auf eine Tendovaginitis gerade nicht best ätigt werden konnte, wird den beste- henden Einschränkungen dadurch hinreichend Rechnung getragen. 7.4 Auf der Grundlage diverser medizinischer Berichte vo n Dr. med. H.____, FMH Psychi- atrie und Psychotherapie (D), bringt die Beschwerdefüh rerin vor, dass aus mehreren Gründen auch auf das zitierte psychiatrische Teilgutachten nicht abgestellt werden könne. 7.4.1 Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammen hang geltend macht, beim Gut- achten handle es sich letztlich um eine Momentaufnahme m it entsprechend beschränkter Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiskraft, ist ihr entgegenzuhalten, dass dies allein de m Beweiswert des Gutachtens nicht ab- träglich ist. Zum einen berücksichtigten die Experten die Vorakten und den Einschätzungen der Gutachter liegt eine ausführliche und sorgfältige Anam nese zugrunde. Zum andern ist es We- sensmerkmal einer jeden Exploration, dass sie nicht auf einem derart langen Beobachtungszeit- raum beruhen kann wie die Berichte behandelnder Ärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. November 2018, 9C_494/2018, E. 4.1). Vielmehr komm t einem Gutachten externer Spezial- ärztinnen und -ärzte volle Beweiskraft zu, wenn es – wie das Vorliegende – sämtliche Voraus- setzungen erfüllt, die das Bundesgericht an ein beweista ugliches Gutachten stellt (vgl. E. 7.2 hiervor). 7.4.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet ferner, der p sychiatrische Gutachter sei bei sei- ner Anamnese zu fachlich falschen Einschätzungen gelangt . Die Versicherte leide seit Jahren unter einer affektiven Störung, bei der keine realisti sche Chance bestehe, die Arbeitsfähigkeit wieder zu erlangen. Gestützt auf eine umfassende Anamn eseerhebung, die beschriebene Symptomatik unter Einbezug der sich bei den Akten befindl ichen medizinischen Berichte sowie der Angaben zum aktuellen Gesundheitszustand begründet Dr. C.____ die von ihm gestellten Diagnosen nachvollziehbar und überzeugend. Dabei hält e r fest, dass die diagnostizierten ak- zentuierten Persönlichkeitszüge kein Ausmass erreichen würd en, welches es der Versicherten nicht ermöglicht hätte, sich persönlich, sozial, schulisch-beru flich und partnerschaftlich adäquat entwickeln zu können. Anlässlich der Exploration hätte n gewisse Ängste, auch hypochondri- scher Art, nicht aber eine depressive Störung nachgewiese n werden können. Dabei konnte auch aus psychiatrischer Sicht eine Diskrepanz zwischen der In tensitätsangabe der Beschwer- den und dem gezeigten Beschwerdeverhalten ausgemacht werden. Demgegenüber orientiert sich Dr. H.____, wie im psychiatrischen Teilgutachten festg ehalten wird, bei seiner Diagnose- stellung sowie mithin der Beurteilung der Arbeitsfäh igkeit massgeblich an IV-fremden Faktoren und weniger an objektiven Befunden. So wird beispielswe ise im Bericht vom 30. März 2017 festgehalten, die mangelnden chirurgischen Erfolge und die anhaltenden Schmerzen hätten die depressive Entwicklung beschleunigt. Mangelnde finanzielle Unterstützung für die Tochter durch den Ex-Ehemann, anhaltende Arbeitsunfähigkeit mit gleichzeitiger Überforderung bei der Betreuung der altersschwachen Mutter sowie die aufopfern de Fürsorge für die Tochter hätten bereits zum sozialen Abstieg geführt. Gestützt darauf und insbesondere auch auf subjektive Aussagen der Versicherten wird von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten ausgegangen, welche denn auch mit Blick auf die durch den behandelnden Psychiater diagnos- tizierte mittelgradige depressive Episode nicht nachvollziehbar erscheint. 7.5.1 Die Beschwerdeführerin wendet ferner gegen das G utachten ein, es genüge insofern den beweisrechtlichen Anforderungen der Rechtsprechung zu den Indikatoren nicht, als es da- rin an einer Gesamtbetrachtung fehle. Die Resultate der Konsensbesprechung bestünden ledig- lich aus einer Aneinanderreihung von Kurzfassungen der jeweiligen Teilgutachten. 7.5.2 Seit das Bundesgericht das für somatoforme (organ isch nicht erklärbare) Leiden einge- führte strukturelle Beweisverfahren auch auf depressive Le iden anwendet (BGE 143 V 415 E. 4.5 und 143 V 427 E. 7.1), ist die im Zentrum steh ende Frage nach der anspruchsbegrün- denden Arbeitsunfähigkeit namentlich auch anhand der bundesgerichtlichen Indikatoren zu be- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht antworten. Vorliegend weist die in Übereinstimmung mi t den Vorgutachtern sowie auch des behandelnden Psychiaters Dr. H.____ diagnostizierte akzen tuierte Persönlichkeit nicht den Schweregrad einer Persönlichkeitsstörung auf. Gemäss Guta chten bestehen Beeinträchtigun- gen funktionell durch die Arthrose in den Daumengrundgelenken sowie insbesondere die Angst- und depressive Störung gemischt. Die psychiatrischen Diagnos en werden als moderat ausge- prägt beschrieben, sie würden sich insbesondere in der fehlenden Anpassung an Regeln und Routinen manifestieren. Demgegenüber konnte Dr. C.___ _ sowohl im emotionalen als auch im Leistungsbereich ein ansehnliches Ressourcenpotential ausmach en. Dabei hält er fest, dass die diagnostizierten akzentuierten Persönlichkeitszüge kein Ausmass erreichen würden, wel- ches es der Versicherten verunmöglicht hätte, sich persönl ich, sozial, schulisch-beruflich und partnerschaftlich adäquat entwickeln zu können. Der soziale Kontext sei erhalten. Auch verfüge die Beschwerdeführerin über erhebliche intellektuelle und bildungsmässige Ressourcen (Lesen, Arbeiten am Computer, Radio hören). Sodann weist der Gutachter wiederholt auf festgestellte Inkonsistenzen hin, die im Rahmen der Konsistenzprüfung sowohl für den psychischen als auch den somatischen Bereich verdeutlicht und bekräftigt werden . Zusammenfassend erlaubt das – in zeitlicher Hinsicht noch vor den hiervor zitierten Urt eilen des Bundesgerichts erstellte – Gut- achten insgesamt eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren und der psychiatrische Gutachter gelangt nachvollziehbar zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin um 20% eingeschränkt ist. 7.5.3 Mit Blick auf die zu berücksichtigenden Indikatore n kann somit aber von einer fehlen- den Gesamtbetrachtung keine Rede sein. Wie bereits dar gelegt, wird die Arbeitsfähigkeit so- dann anhand der festgestellten Diagnosen in jedem Fac hgebiet schlüssig und nachvollziehbar begründet und es resultiert daraus detailliert, in we lcher Weise die gesundheitlichen Störungen die Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit einschränken. Nach Prüfung der Standardindikatoren wird aus polydisziplinärer Sicht in Übereinstimmung mit den jeweiligen Teilgutachten infolge der psychiatrischen Diagnosen eine Arbeitsunfähigkeit von 20% u nd unter Berücksichtigung der ab September 2016 dokumentierten seronegativen rheumato iden Arthritis eine solche von 30% attestiert, wobei angesichts der Handbeschwerden vermehrt Kurzpausen zu berücksichtigen seien. Auch weisen die Gutachter ausdrücklich darauf hin, dass es nicht zu Additionen komme. Nach dem Gesagten zielt der Einwand der Beschwerdeführe rin, wonach es vorliegend an einer übergreifenden Perspektive fehle, somit ins Leere. Dies umso mehr, als die Beschwerdeführerin denn auch nicht darlegt, inwiefern die erhobenen Diagnosen aus einer Gesamtbetrachtung her- aus zu einer anderen Einschätzung in Bezug auf die Auswi rkungen auf die Arbeitsfähigkeit hät- ten führen können, zumal eine abschliessende Konsensbesp rechung unter Einbezug aller be- teiligten Fachgebiete ohnehin nicht zwingend ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Januar 2016, 9C_889/2015, E. 2.2 mit Hinweis). 7.5.4 Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich auch di e Feststellung, wonach es nicht zu Additionen komme angesichts der zahlreich attestierten Diagnosen als ungenügend bezeichnet, kann ihr ebenfalls nicht beigepflichtet werden. Dem ist entgegenzuhalten, dass im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht die Quantität der Diagnosen, sondern vielmehr deren qualita- tive Auswirkungen massgebend sind (vgl. E. 5.3 und E. 7.5 .2 hiervor). Dessen ungeachtet han- delt es sich bei den unter dem Titel "ohne Auswirkung a uf die Arbeitsfähigkeit" aufgeführten Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diagnosen im Wesentlichen um Status nach durchgeführten Operationen oder um gut behan- delbare Leiden, wie Eisen- oder Vitamin-D3-Mangel. Zum darin ebenfalls aufgeführten Asthma bronchiale halten die Gutachter fest, dass dieses nie m it der Arbeit interferiert habe. Unter der Kombinationstherapie sei die Patientin gut eingestellt. Gleiches gelte für die weiter aufgeführten allgemeininternistischen Diagnosen. 8. Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist nach dem Gesagte n festzuhalten, dass bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes und der zumutbaren Arbeitsfähigkeit vollum- fänglich auf die Ergebnisse des polydisziplinären Gutacht ens vom 18. September 2017 abge- stellt werden kann. Auf die von der Beschwerdeführerin b eantragten zusätzlichen medizini- schen Abklärungen kann verzichtet werden. Gelangt das Geri cht bei pflichtgemässer Beweis- würdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des rele- vanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreiche nd abgeklärt ist, kann auf weitere Abklärungen verzichtet werden. Eine solche antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (vgl. BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 9.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Versicherte anlässlich der Abklärung der Sta- tusfrage im Haushaltsbericht vom 26. April 2016 erklä rt hat, dass sie ohne gesundheitliche Ein- schränkungen einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 80% na chgehen würde. Folglich ist der Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode zu ermitteln. 9.2 Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 4.1 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Dassel- be gilt im Rahmen der gemischten Methode der Invalidi tätsbemessung für die Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich. Die Beschwerdege gnerin hat in ihrer Verfügung vom 19. Oktober 2018 für den Erwerbsbereich den erforder lichen Einkommensvergleich vorgenom- men. Dabei hat sie im Zeitpunkt des frühestmöglichen R entenbeginns gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG, am 1. Mai 2014, anhand der Gegenüberstell ung der Vergleichseinkommen einen Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich von 100% und für d ie Zeit danach, ab 1. Mai 2015, einen solchen von 0% bzw. ab 1. September 2016 einen solchen vo n 13% errechnet. Das von der Beschwerdegegnerin anhand der Angaben des ehemaligen Arbeitgebers der Versicherten er- mittelte Valideneinkommen wie auch die massgebenden Be rechnungsgrundlagen des Invali- deneinkommens wurden von der Versicherten zu Recht nicht beanstandet. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, die im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung zu rechtfertige n vermöchten, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit den durch die IV -Stelle ermittelten Vergleichseinkommen. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung vom 19. Oktober 2018 verwiesen werden. 9.3 Unter Berücksichtigung der Anteile von 80% Erwerbst ätigkeit und 20% Haushalt resul- tiert im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (M ai 2014) gewichtet ein IV-Grad von 81% (0,8 x 100 + 0,2 x 6), womit Anspruch auf eine ganz e Invalidenrente besteht. Für die Zeit Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab 1. Mai 2015 steht nach den vorliegenden Erwägung en fest, dass die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung des formulierten Zumutbarkeitsprof ils in einer leidensangepassten Tä- tigkeit zu 80% und ab September 2016 zu 70% arbeitsfä hig ist. Damit resultiert ab diesem Zeit- punkt kein rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr. In diesem Zusammenhang gilt es nun allerdings die Bestimmungen nach Art. 88 ff. IVV zu b erücksichtigen. Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Auf- hebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtig en, in welchem angenommen wer- den kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksich- tigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraus- sichtlich weiter andauern wird (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV ). Unter Berücksichtigung der Karenzfrist von drei Monaten nach Art. 88a Abs. 1 IVV besteht der Anspruch auf die ganze Rente somit bis zum 31. Juli 2015. Für die Zeit danach, d.h. mit Wir kung ab 1. August 2015, besteht kein Ren- tenanspruch mehr. Die IV-Stelle hat demnach in ihrer Verfügung vom 19. Oktober 2018 die ganze Rente zu Recht bis zum 31. Juli 2015 befristet. Wi e die Beschwerdegegnerin ferner zu- treffend darlegt, vermag auch die ab dem 1. Januar 20 18 zu beachtende Regelung in Art. 27 bis Abs. 2 bis 4 IVV zu keinem anderen Ergebnis zu führen. Damit ist die gegen die Verfügung vom 19. Oktober 2018 erhobene Beschwerde abzuweisen. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Bei diesem Prozessausgang wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden der Beschwerde- führerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvor schuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht