Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 21. September 2016 (810 15 202) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsrichter Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Gerichtsschreiberin i.V. Irmgard Mostert Meier Beteiligte A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Ausreise aus der Schweiz (RRB Nr. 1170 vom 7. Juli 2015) A. Der mazedonische Staatsangehörige A.____, geboren 1980, reiste im Jahr 1991 in die Schweiz ein und erhielt in der Folge die Niederlassungs bewilligung. A.____ trat wiederholt strafrechtlich in Er scheinung. Mit Straf befehl vom 22. Januar 2004 wurde er vom Bezirksstat t- halteramt Liestal wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln und mit Strafbefehl vom 6. Juli 2005 vom Strafbefehlsrichter Basel -Stadt für Vergehen gegen das Bundesgesetz über Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Waffen, Waffenzubehör und Munition (Waffengesetz, WG) vom 20. Juni 1997 zu Bussen verur- teilt. Am 30. August 2005 wurde er vom Kantons gericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivil- und Strafrecht, der vollendeten und ver suchten sexuellen Nötigung für schuldig erklärt und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt sowie für sieben Jahre des Landes verwiesen (bedingt vollziehbar). Am 2. Juni 2010 verurteilte ihn das Bezirksstatthalteramt Laufenburg mit Strafbefehl wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer un bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 80.--. Am 6. Mai 2014 schliesslich wurde er vom Appellationsgericht Basel-Stadt für eine am 30. November 2011 begangene Tat wegen mehr facher versuchter schwerer Körperverletzung, einfacher Körperverletzung mit einem ge fährlichen Gegenstand, Angriff sow ie Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer Frei heitsstrafe von drei Jahren verurteilt, davon zwei Jahre mit bedingtem Strafvollzug. B. Aufgrund der Verurteilung vom 30. August 2005 wurde A.____ durch das Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM, damals Justiz-, Polizei- und Militärdirektion) am 16. April 2007 verwarnt und es wurde ihm die Ausweisung aus der Schweiz angedroht für den Fall, dass er wieder straffällig werden sollte. Zwischen Dezember 2004 und Juli 2007 war A.____ auf Sozial- hilfe angewiesen. Die Sozialhilfebeh örde unterstützte ihn in der Gesamthöhe von Fr. 5'919.05. Mit Stand vom 10. Juni 2015 war A.____ mit 42 Betreibungen im Umfang von Fr. 92'261.12 sowie 31 offenen Verlustscheinen im Ge samtumfang von Fr. 87'380.20 im Betreibungsre gister verzeichnet. C. Aufgrund der Verurteilung des Appellationsgerichts Basel-Stadt vom 6. Mai 2014 zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe gewährte das AfM A.____ am 1. Oktober 2014 das rechtl i- che Gehör zum beabsichtigten Widerruf der Niederlassungsbe willigung und der Weg weisung aus der Schweiz. Dazu nahm A.____ mit Schreiben vom 4. November 2014 Stellung. D. Mit Verfügung vom 2. Februar 2015 widerrief das AfM die Niederlassungsbewill i- gung von A.____ und wies ihn mit einer Ausreisefrist bis spätesten s 3. März 2015 aus der Schweiz weg. E. Gegen den Widerruf der Niederlassungsbewilligung erhob A.____, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, mit Eingabe vom 12. Februar 2015 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) mit dem Rechts begehren, in Au fhebung der ang e- fochtenen Verfügung sei dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung zu belassen. F. Mit Entscheid vom 7. Juli 2015 wies der Regierungsrat die Beschwerde ab und ve r- fügte, dass A.____ die Schweiz bis spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des Entscheides zu verlassen habe. In seiner Begründung führte der Regierungsrat im Wesent lichen an, dass die Wegweisung von A.____ im Rahmen der Ausländergesetzgebung und der EMRK verhältni s- mässig sei. Ein ermessensweiser Verzicht auf den Widerruf der Niederlassungsbewilligung komme nicht in Frage, weil das deliktische Verhalten des Be schwerdeführers aufgrund der län- gerfristigen Freiheitsstrafen zu schwer wiege. Sodann ver neinte er das Vorliegen eines Här te- falls. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, erneut vertreten durch Guido Ehrler, Advo- kat, mit Eingabe vom 13. Juli 2015 (Poststempel) sowie mit Beschwerdebegründung vom 30. September 2015 Beschwerde vor dem Kantons gericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragt, es sei der Entscheid des Regi e- rungsrats vom 7. Juli 2015 aufzuheben unter o/e-Kostenfolge und es seien Zeugenbefragungen in Bezug auf den Gesundheitszustand der Mutter des Besch werdeführers vorzunehmen. Au s- serdem sei dem Beschwerdeführer die un entgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung zu g e- währen. Mit Präsidialverfügung vom 12. November 2015 wurde das Gesuch des Beschwerd e- führers um Bewilligung der unent geltlichen Prozessfüh rung und Verbeiständung abgewiesen. Die dagegen erhobene Einsprache wies das Kantonsgericht mit Entscheid vom 6. Januar 2016 ab. Auf die dagegen er hobene Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten vom 16. Februar 2016 trat das Bundesgericht nicht ein (Urteil des Bundesgerichts 2C_156/2016 vom 17. Februar 2016). H. Der Regierungsrat liess sich mit Schreiben vom 1. April 2016 vernehmen und bean- tragt die Abweisung der Beschwerde unter o/e -Kostenfolge. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 12. April 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Mit derselben Ve r- fügung wurden die Beweisanträge des Beschwerdeführers abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungs - prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzlicher Aus schluss- tatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Vorau s- setzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit verwaltungsgerichtlicher Beschwerde könne n gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts ge rügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochtenen Rechtsaktes ist dem Kantonsg e- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO, e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz zu Recht erfolgten. Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, der Widerruf der Niederlassungsbewilligung erweise sich als unverhältnismässig und ve rletze sei- nen Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Vorab rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör bzw. des Beweisführungsrechts. Konkret macht er geltend, die Vor instanz habe das rechtliche Gehör verletzt, da sie auf ein Beweisverfahren zur Frage, ob der Beschwerdeführer seine psychisch schwerkranke Mutter pflege und diese auf seine Unterstützung angewiesen sei, stillschweigend verzichtet habe. Der Sachverhalt sei unvollständig abgeklärt worden, wobei insbesondere der behandelnde Arzt vom Arztgeheimnis hätte entbunden werden müssen, um Klarheit über die medizinische Diagnose zu erhalten. 4.2 Zwar umfasst der Anspruch auf rechtliches Gehör auch das Recht des Betroffenen, mit erheblichen Beweisan trägen gehört zu werden. Jedoch ist dieser Anspruch nicht verletzt, wenn ein Gericht deshalb auf die Abnahme beantragter Beweismittel verzichtet, weil es au f- grund der bereits abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass seine Überzeugung durch weit e- re Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGE 136 I 229 E. 5.3; 134 I 140 E. 5.3). 4.3 Die Vor instanz hat das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnis ses zu einer hier aufenthaltsberechtigten Person verneint und damit zum Ausdruck gebracht, dass die Pflegeb e- dürftigkeit der Mutter des Beschwerdeführers kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis begrü n- de. Inwiefern die Kenntnis der genauen Krankheitsdiagnose für die hier zu beurteilenden Rechtsfragen ausschlaggebend sein soll, ist nicht ersichtlich. Auf die Befragung des beha n- delnden Arztes sowie des Beschwerdeführers durfte die Vorinstanz aufgrund der Akten, welche eine abschliessende Beurteilung der Pflegebedürftigkeit sowie des Unters tützungsbedarfs der Mutter des Beschwerdeführers ohne weiteres zulassen, damit verzichten. 5.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung besitzt oder wenn sie kei ner solchen b e- darf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005). Die zuständige kantonale Behörde ent scheidet gemäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbs tätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufent haltsbewilligung hat die ausländische Person so- mit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG od er völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; PETER UEBERSAX, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Aus- länderrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 5.2 Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und Mazedon ien besteht kein Staatsvertrag, der dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz g e- währen würde. Es sind entsprechend die Bestimmungen des AuG, vorbehältlich anderer völker- rechtlicher Verträge, anwendbar. 5.3 Gemäss Art. 34 Abs. 1 A uG verleiht die Niederlassungsbewilligung ihrem Inhaber grundsätzlich einen zeitlich unbefristeten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem gesetzlichen Anspruch des Beschwerde führers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Der Beschwerdeführer macht einen Anwesenheitsanspruch aus dem Grundrecht auf Achtung des Privat - und Familienlebens geltend. Der Beschwerdegegner verneinte im a n- gefochtenen Beschluss einen entsprechenden grundrechtlichen Anspruch, da der B e- schwerdeführer erwachsen und kinderlos sei und er über keine Kernfamilie in der Schweiz ve r- füge. Hinweise auf ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Familie seien nicht e r- sichtlich. Damit sei der Schutzbereich dieses Grundrechts nicht eröffnet. 6.2 Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 s o- wie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Privat - und Familienlebens können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufenthalt oder Verbleib in einem andern Staat ableiten, wenn eine staatliche Entfernungs- massnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt (vgl. ANDREAS ZÜND/THOMAS HUGI YAR, Aufen thaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Aus länderrecht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat - und Familienlebens, Europäische G rundrechte-Zeitschrift [EuGRZ] 2013, S. 13; BGE 139 I 330 E. 2.1). Diese Garantien können dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Familienleben vereitelt wird. Gemäss ständiger bunde s- gerichtlicher Rechtsprechung müssen die sich hier zulande aufhaltenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie das Schwe i- zer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzen oder über eine Aufenthaltsbewi l- ligung verfügen, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zudem müssen diese Pe rsonen zur Kernfamilie (Ehe gatte oder im gleichen Haushalt lebende, minderjährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 139 II 393 E. 5.1; 135 I 143 E. 1.3.1; 130 II 281 E. 3.1; 127 II 60 E. 1d/aa). 6.3.1 Der im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids 34 -jährige Beschwerdeführer macht geltend, er lebe im Haushalt seiner Eltern und habe zu ihnen ein sehr nahes Ver hältnis, welches unter den Schutz von Art. 8 Ziff. 1 EMRK falle. Zwar ist grundsätzlich die Beziehung erwachsener Kinder zu ihren Eltern vorbehältlich besonderer Umstände von Ar t. 8 Ziff. 1 EMRK nicht erfasst (BGE 137 I 154 E. 3.4.1; 129 II 11 E. 2). Der Europäische Gerichtshof für Me n- schenrechte (EGMR) hat jedoch den Schutzbereich des Familienlebens bei ledigen und kinde r- losen jungen Erwachsenen bejaht, wenn sie dem Elternhaus n och nicht entwachsen sind, so n- dern weiterhin mit den Eltern oder anderen Familienmitgliedern in einem gemeinsamen Hau s- halt wohnen (Urteil des EGMR Trabelsi gegen Deutschland vom 13. Oktober 2011 [41548/06] § 47 mit Hinweisen). Zudem liegt ein Eingriff in d en Schutzbereich des Familienlebens vor, wenn zwischen der er wachsenen ausländischen Person und ihren Familienmitgliedern ein b e- sonderes Abhängigkeitsverhältnis besteht, namentlich infolge von Betreuungs - oder Pflegebe- dürfnissen bei körperlichen oder gei stigen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten (vgl. BGE 129 II 11 E. 2; 120 Ib 257 E. 1e; Urteil des Bundesgerichts 2C_197/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 4.3; Urteil des EGMR Shala gegen Schweiz vom 15. November 2012 [52873/09] § 40). Der Beschwerdefü hrer beruft sich auf den Pflege - und Unterstützungsbedarf Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht seiner psychisch schwer erkrankten Mutter, mit der er im gleichen Haushalt lebt. Aus der B e- schwerdebegründung vom 30. September 2015 ist ersichtlich, dass der Vater des Beschwer de- führers mit der B etreuung seiner kranken Ehefrau überfordert sei, weshalb die Mutter bei den Verrichtungen des täglichen Lebens auf ihren Sohn angewiesen sei. Des Weiteren wird ausg e- führt, dass bei Abwesenheit des Beschwerdeführers die Mutter durch die Frau des Bruders s o- wie die Frau des Onkels betreut werde. Aus diesen Aus führungen erhellt sich, dass der B e- schwerdeführer nur ein möglicher Betreuer unter mehreren und somit nicht uner setzlich ist, weshalb ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis der Mutter zum Be schwerdeführer nicht vo r- liegt. Demzufolge kann sich der Beschwerdeführer entsprechend den Aus führungen des B e- schwerdegegners nicht auf das Grundrecht auf Achtung des Privat - und Familienlebens infolge eines besonderen Abhängigkeitsverhältnisses berufen. 6.3.2 Indessen gehen der EGMR und das Bundesgericht in ihrer Rechtsprechung in Fä l- len von aufenthaltsbeendenden Massnahmen erwachsener Ausländer der zweiten Generation von einem kombinierten Schutzbereich von Privat - und Familienleben aus (BGE 130 II 281 E. 3.2.2; 129 II 193 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.4.1; Urteile des EGMR M.P.E.V. et al. gegen die Schweiz [3910/2013] vom 8. Juli 2014 § 32; Maslov gegen Österreich [1638/03] vom 23. Juni 2008 § 63). Dabei wird nicht verla ngt, dass notwendigerweise die Bedingungen für einen allein aus dem Schutz des Privatlebens a b- geleiteten Bewilligungsanspruch (überdurchschnittliche, besondere Integration) vorliegen müss- ten (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_451/2 009 vom 7. Dezember 2009 E. 2.2). Nach der Rechtsprechung fallen die sozialen Bindungen eines Ausländers im Aufenthaltsstaat und zur Gemeinschaft, in der er lebt – insbesondere wenn er im Aufenthalt s- staat geboren wu rde – in den Schutzbereich des Privatlebens. Unabhängig vom Bestehen e i- nes Familienlebens wird deshalb bei im Aufenthaltsstaat geborenen und aufgewachsenen (e r- wachsenen) Auslä nderinnen und Ausländern der zweiten Generation insbesondere dann ein Anspruch aus der kombinierten Garantie des Privat - und Familienlebens angenommen, wenn eine aufenthaltsbeendende Massnahme die Trennung von den hier lebenden Eltern und G e- schwistern bedeutet (vgl. z.B. Urteile des Bundesgerichts 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; 2 C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2; 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4; Urteil des EGMR Emre gegen die Schweiz [42034/04] vom 23. Juni 2008 § 60; MARTIN BERTSCHI/THOMAS GÄCHTER, Der Anwesenheitsanspruch aufgrund der Garantie des Privat- und Familienlebens, ZBl 2003, S. 231). Der Beschwerdeführer ist elfjährig im Rahmen des Famil i- ennachzugs in die Schweiz eingereist und hat seither sein Leben hier verbracht. Aufgrund se i- ner langen Anw esenheitsdauer befinden sich demnach seine sozialen Bindungen im Aufe nt- haltsstaat. Ob es sich beim Beschwerdeführer, wie in der Beschwerde behauptet, um einen "faktischen Ausländer der zweiten Generation" handelt, bei dem der kombinierte Schutzbereich von Privat- und Familienleben zur Anwendung kommt, kann vorliegend offen gelassen werden. Denn, selbst wenn der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK tangiert sein sollte, ist hinsichtlich des Schutzes des Privat- und Familienlebens festzuhalten, dass der in Art. 8 Ziff. 1 EMRK sta- tuierte Anspruch nicht absolut gilt. 7.1 Weder der gesetzliche Anspruch auf Aufenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privat - und Familienleben gelten absolut. Der Widerruf der Ni e- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht derlassungsbewilligung ist selbst dann möglich, wenn die ausländische Person in der Schw eiz geboren wurde und ihr ganzes bisheriges Leben hier zugebracht hat (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; 139 I 16 E. 2.2.1). 7.2 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG kann die Ni e- derlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die Aus länderin oder der Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in diesem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Fre i- heitsstrafe von mehr als einem J ahr bedarf, wobei mehrere unterjährige Strafen bei der B e- rechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 137 II 297 E. 2.1 und 2.3.6; 135 II 377 E. 4.2). Keine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_111/2015 vom 26. Juni 2015 E. 2.1; 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerruf ist ebenfalls möglich, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährdet hat (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG; Urteil des Bundesg e- richts 2C_888/2012 vom 14. März 2013 E. 2.1). Die Praxis geht hiervon aus, wenn sie durch ihr Handeln be sonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebr acht hat, sich von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und sich im Rahmen einer Gesamtb e- trachtung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die Rechtsor d- nung zu halten (BGE 137 II 297 E. 3.3; Urteil des Bun desgerichts 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.2). Aus beiden Gründen kann die Niederlassungsbewilligung auch bei Ausländern widerrufen werden, die sich seit mehr als fünfzehn Jahren ununterbrochen und or d- nungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK darf in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut ein gegriffen werden, soweit der Eingriff gesetzlich vor - gesehen ist und eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesell schaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Freiheiten anderer notwendig ist. 7.3 Der Regi erungsrat kommt in seinem Entscheid zum Schluss, dass der Widerruf s- grund von Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG aufgrund der Verurteilung des Beschwerdeführers zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren (Urteil des Kantonsgerichtes Basel - Landschaft, Abteilung Zivil - und Strafrecht, vom 30. August 2005) und von drei Jahren (Urteil des Appellationsgerichts Basel -Stadt vom 6. Mai 2014) gegeben sei. Ob sein Verhalten z u- gleich als schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ord nung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten ist, bedarf keiner näheren Betrachtung, weil dieser W i- derrufsgrund nur dann zur Anwendung kommt, wenn es an den Voraussetzungen für einen W i- derruf aufgrund der Verurteilung zu einer längerfristigen Frei heitsstrafe fehlt (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.2; Urteile des B undesgerichts 2C_888/2012 vom 14. März 2013 E. 3; 2C_1029/2011 vom 10. April 2012 E. 3.1). In der vorliegenden Konstellation kommt ihm somit nur subsidiäre und ent gegen den Ausführungen des Besch werdeführers keine entscheidwesentliche Bede u- tung zu. Der gesetzliche Anwesenheitsanspruch ist damit grundsätzlich erloschen. Die Verurtei- lung zu einer länger fristigen Freiheitsstrafe rechtfertigt dem Grundsatz nach gleichzeitig einen Eingriff in den grundrechtlich begründeten Anwesenheitsanspruch, denn der angefochtene Ent- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheid stützt sich auf eine gesetzliche Grundlage und bezweckt die Aufrechterhaltung der ö f- fentlichen Ordnung sowie die Verhinderung weiterer strafbarer Handlungen. Er verfolgt damit öffentliche Interessen, die in Art. 8 Ziff. 2 EMRK ausdrücklich erwähnt sind. 8.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG führt jedoch nicht zwi n- gend zum Entzug der Niederlassungsbewilligung. Vielmehr rechtfertigt sich der Widerruf und die damit verbundene Wegweisung nach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Massnahme im Einzelfall gestützt auf eine umfassende Güterabwägung verhältnismässig erscheint. Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privat en Interes- sen sorgfältig gegeneinander abzuwägen ( MARTINA CARONI, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Rz . 3 zu Art. 51; ANDREAS ZÜND/LADINA ARQUINT HILL, in: Uebersax/ Rudin/Hugi Yar/ Geiser [Hrsg.], a.a.O., Rz. 8.48). Greift ein Widerruf der Niederlassungs bewilligung in das von Art. 13 Abs. 1 BV und Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Privat - oder Familienleben ein, ergibt sich das Erfordernis einer Verhältnismässigkeitsprüfung zudem aus Art. 36 Abs. 3 BV und Art. 8 Ziff. 2 EMRK. 8.2 Zur Beurteilung der Frage, ob ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung verhäl t- nismässig ist, stellen das Bundesgericht und der EGMR in der Praxis auf dieselben Aspekte ab (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.3; 139 I 16 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_519/ 2014 vom 15. Januar 2015 E. 3.2). Zu berücksichtigen sind zum einen d ie Art und Schwere der vom B e- troffenen begangenen Straftaten, wobei besonders ins Gewicht fällt, ob er diese als Jugendl i- cher oder als Erwa chsener begangen und ob es sich dabei um Gewaltdelikte gehandelt hat oder nicht, die Dauer des Aufenthalts im Land, die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das seitherige Verhalten des Betroffenen. Zu beachten sind sodann die sozialen, kulturellen, familiären und wirtschaftlichen Bindungen zum Aufent haltsstaat (Grad der Integration) und zum Herkunftsland, der gesundheitliche Zustand sowie die mit der aufenthaltsbeendenden Mas s- nahme verbundene Dauer der Fernhaltung ( vgl. BGE 139 I 145 E. 2.4; 139 I 31 E. 2.3.3; 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_846/2014 vom 16. Dezember 2014 E. 2.3; Urteile des EGMR Gablishvili gegen Russland [39428/12] vom 26. Juni 2014 § 47; Emre gegen die Schweiz [42034/04] vom 23. Juni 2008 § 65 ff.). Keines dieser Elemente ist für sich allein au s- schlaggebend, ge boten ist in jedem Fall eine Gesamt wertung (Urteil des Bundesgerichts 2C_659/2015 vom 20. August 2015 E. 4.1). 8.3 Es steht ausser Frage, dass die Wegweisung eine geeignete Massnahme für die Er- reichung der fremdenpolizeilichen Ziele ist. Ausländer, deren Aufenthaltszweck weg gefallen ist, haben die Schweiz unter bestimmten Umständen zu verlassen. Dieses fremden polizeiliche Ziel kann auch nicht durch eine weniger einschneidende Massnahme erreicht werde n. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung erweisen sich – nachdem der Beschwe r- deführer die ihm über eine längere Zeit gebotenen Möglichkeiten und Chancen zur Besserung seines Verhaltens nicht genutzt hatte (insb. die ausländerrechtli che Verwarnung sowie die g e- richtlichen Verurteilungen) – auch als erforderlich. Des Weiteren ist zu prüfen, ob der ang e- strebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen steht, die dem Beschwe r- deführer mit der Wegweisung auferlegt werden. In der Beschwerdebegründung wird vorg e- bracht, die Ausweisung des Beschwerdeführers sei unverhältnismässig. Der im öffentlichen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Interesse verfolgte Zweck stehe in keinem vernünftigen Verhältnis zu den privaten Interessen des Beschwerdeführers. 8.4.1 Als zulässiges öffentliches Interesse fällt dabei grundsätzlich das Durchsetzen der Einwanderungspolitik in Betracht. Die Schweiz verfolgt gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums in Fragen der Aufenthaltsberechtigung eine restriktive Politik. Eine sol- che rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, auf die Schaffung günstiger Rahmen bedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz bereits ansässigen Ausländer und die V erbesserung der A r- beitsmarktstruktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Be schäftigung (BGE 135 I 153 E. 2.2.1; 135 I 143 E. 2.2). Bei Ausländern, welche sich wie der Beschwerdeführer nicht auf das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA) vom 21. Juni 1999 berufen können, darf im Rahmen der Interes senabwägung abgesehen von der aktuellen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, welche von der betroffenen Einzelperson ausgeht, namentlich auch generalpräventiven Gesichtspunkten Rechnung getragen werden (BGE 136 II 5 E. 4.2; 130 II 176 E. 3.4.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_940/2014 vom 30. Mai 2015 E. 5.3). Ein wesentliches öffentliches Interesse daran, die Anwesenheit eines Ausländers zu beenden, besteht auch dann, wenn sich der Betroffene von straf- und ausländerrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass er auch künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten ( BGE 139 I 16 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_659/2015 vom 20. August 2015 E. 4.3). 8.4.2 Im Rahmen der ausländerrechtlichen Interessenabwägung beurteilt sich das migr a- tionsrechtliche Verschulden in erster Linie nach der Höhe der vom Strafrichter ver hängten Stra- fe (vgl. BGE 129 II 215 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts 2C_940/2014 vom 30. Mai 2015 E. 5.3; 2C_733/2012 vom 24. Januar 2013 E. 8.4.1). Der Beschwerdeführer bringt vor, das Ap- pellationsgericht Basel-Stadt habe zwar in seinem Urteil vom 6. Mai 2014 festgehalten, es liege ein ausserordentlich schweres Verschulden vor, es gewährte ihm aber einen Straf aufschub von zwei Jahren, womit das Gericht das Verschulden erheblich relati viert habe. Dieser Einwand geht fehlt, denn die Dauer von zwölf Monaten, die für die Möglichkeit zum Bewilligungswiderruf massgeblich ist (vgl. E. 7.2. hiervor), übersteigt die verhängte Strafe von drei Jahren gleichwohl deutlich. Dies allein indiziert ein beträchtliches migrationsrechtliches Verschulden. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer während seiner nunmehr 25 -jährigen Anwesenheit in der Schweiz mehrmals und in teilweise gravierender Weise straffällig wurde, nicht nur als Jugendl i- cher und junger Erwachsener, sondern auch im Erwachsenenalter. So beging der Beschwerde- führer seine letzte Straftat im Alter von 31 Jahren. Der Beschwerdeführer macht zudem geltend, er sei über mehrere Jahre strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten und habe sich – abgese- hen von seiner letzten Straftat, die einen Einzelfall darstelle – gebessert. Dem kann nicht g e- folgt werden, denn es zeigt sich gerade, dass auch eine gewisse strafrechtliche Abstinenz ein künftiges deliktfreies Verhalten des Beschwerdeführers nicht garan tiert. Insofern hat auch die ausländerrechtliche Verwarnung nichts bewirkt, welche gegen ihn nach der Verurteilung im Jah- re 2005 wegen vollendeter und versuchter sexueller Nötigung zu einer zweijährigen Freiheit s- strafe ausgesprochen wurde und die ihm ausd rücklich schwerer wiegende ausländerrechtliche Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Massnahmen androhte. Ebenso zeigte die siebenjährige Landesverweisung, die mit gleichem Urteil ausgesprochen wurde, keine Wirkung als Warnfunktion. Praxisgemäss ist im auslände r- rechtlichen Widerrufsverfahren bei mehrfachen Delikten gegen Leib und Leben auch ein geri n- ges Rückfallrisiko nicht hinzu nehmen (vgl. Urteil e des Bundesgerichts 2C_368/2015 vom 15. September 2015 E. 3.2.2; 2C_864/2012 vom 21. September 2012 E. 2.2.1). Der Beschwer- deführer kann hierbei aus dem in der Beschwerde zitierten Bundesgerichtsurteil 2A.468/2000 vom 16. März 2001 nichts zu seinen Gunsten ableiten. Das Bundesgericht hielt dort fest, dass eine Wegweisung grundsätzlich erst bei wiederholten Straftaten von einigem Gewicht ang e- bracht sei, falls es sich beim Betroffenen um eine Person handle, die ausgesprochen lange hier lebe. Der Beschwerdeführer, der mit elf Jahren in die Schweiz eingereist ist, wurde bereits zweimal für Delikte gegen Leib und Leben zu mehrjährigen Freiheitsstrafen v erurteilt. Wie schon dargelegt, liess sich der Beschwerdeführer weder von der ersten Verurteilung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe noch von der ausländerrechtlichen Ver warnung davon abhalten weitere Delikte zu begehen, wobei namentlich sein letztes Delikt sehr schwer wiegt. Das Appel- lationsgericht Basel-Stadt ging in seinem Urteil vom 6. Mai 2014 von einem ausserordentlich schweren Verschulden aus. Der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Schlägerei he m- mungslos vom Teleskopschlagstock Gebrauch gemacht, die Verletzungen der beiden Opfer seien massiv und hätten auch schwerer wiegende Folgen nach sich ziehen können. Die vier Angreifer hätten genügend Zeit gehabt, sich ihr Vorgehen zu überlegen, und hätten auch Gel e- genheit gehabt, sich von ihrem Vorhaben zu distanzieren. Mit der Vor instanz ist daher von e i- nem erheblichen migrationsrechtlichen Verschulden des Beschwerdeführers und einem gewich- tigen öffentlichen Interesse am Entzug der Aufenthaltserlaubnis auszugehen. 8.5.1 Der Beschwerdeführer reiste im Alter von elf Jahren in die Schweiz ein und lebt nun seit 25 Jahren hier. Faktisch verbrachte er lebensprägende Jahre in der Schweiz. Er ist zwei - sprachig aufgewachsen, ging hier zur Schule und lebt noch bei seinen Eltern . Es steht un - bestrittenermassen fest, dass sich der Beschwerdeführer auf eine lange Aufent haltsdauer beru- fen kann, die zu einem gewichtigen privaten Interesse des Beschwerdeführers an einem Ve r- bleib in der Schweiz führt. Darüber hinaus ist der Beschwerdeführer aber trotz seiner langen Aufenthaltsdauer weder sozial, kulturell noch beruflich in die hiesige Gesell schaft integriert, noch verfügt er über ein besonderes über seine Familie hinaus gehendes Beziehungsnetz, das auf eine erfolgreiche Integration schliessen lassen würde. Hinsichtlich der beruflichen Integrati- on ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nach abgebrochener Lehre als Maschinenführer über keine Berufsausbildung verfügt und vorwiegend temporäre Arbeitseinsätze ausübt. 8.5.2 Aktuell ist der Beschwerdeführer se it August 2015 als Mitarbeiter einer Reinigung s- firma angestellt. Gemäss den eingereichten Lohnabrechnungen von August bis Dezember 2015 erreichte er in dieser Zeitperiode bei einem Stundenansatz von Fr. 28.-- ein monatliches Netto- einkommen zwischen Fr. 4'020.30 und Fr. 3'340.20. Der Beschwerdeführer erzielt somit zurzeit ein existenzsicherndes Einkommen. Aufgrund seiner Verschuldung, die in der Abwägung neg a- tiv zu berück sichtigen ist, besteht seit dem 3. November 2015 eine Lohnpfändung, wobei das betreibungsrechtliche Existenzminimum auf Fr. 2'400.-- festgesetzt wurde. Zu beachten ist z u- dem, dass der Beschwerdeführer zwischen 2004 und 2007 von der Sozialhilfebehörde unte r- stützt werden musste. Zusammenfassend kann deshalb nicht vorbehaltslos von einer gelunge- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen beruflichen Integration gesprochen werden, zumal der Beschwerdeführer als Mitarbeiter einer Reinigungsfirma nicht als besonders qualifizierte Fachkraft zu betrachten ist. 8.6 Unter Berücksichtigung der drohenden Nachteile für den Beschwerde führer ist un - bestritten, dass ein Neuanfang in Mazedonien mit Schwierigkeiten verbunden sein wird. Der Beschwerdeführer gibt an, sein Heimatland lediglich von Ferienaufenthalten her zu kennen. Er verfüge seit dem Tod seiner Grosseltern dort auch nicht meh r über nähere Angehörige. Der Beschwerdeführer ist noch jung und ledig. E r ist zweisprachig aufgewachsen und ist mit der Sprache in Mazedonien vertraut. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Integration im Heimatland erfüllt (vgl. Urteil des Bu ndesgerichts 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 3.5). Darüber hinaus können ihm seine Deutschkenntnisse den beruflichen Einstieg erleichtern und beim Aufbau einer neuen Existenz behilflich sein. Weitere gewichtige private Interessen, welche den genannten aus länderrechtlichen Massnahmen entgegenstehen, sind vorliegend nicht e r- sichtlich. Damit stehen einer Rückkehr keine unüberwindbaren Hindernisse im Weg. 8.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass d ie öffentlichen Interessen an der Beend i- gung des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Schweiz seine privaten Interessen am Ver- bleib in der Schweiz überwiegen. Damit erweisen sich der Widerruf der Niederlassungsbewill i- gung und die damit verbundene Wegweisung aus der Schweiz als verhältnismässig und ein allfälliger Eingriff in das Recht auf Privat- und Familienleben als gerechtfertigt. 9. Der Regierungsrat hat entsprechend den rechtlichen Anforderungen die öffentlichen Interessen, die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration im Rahmen seiner Interessenabwägung berücksichtigt. Anhaltspunkte dafür, dass er das ihm zu stehende Ermes- sen rechtsfehlerhaft ausgeübt hätte, bestehen keine. Der Widerruf der Niederlassungsbewill i- gung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz erfolgten nach d em Gesagten zu Recht, was zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde führt. Dem B e- schwerdeführer ist eine neue Ausreisefrist von 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Urteils anz u- setzen. 10. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.-- dem unterlegenen Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu ve r- rechnen. Die Parteikosten werden nach § 21 VPO wettgeschlagen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des Urteils zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400. -- werden dem Beschwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 8. Dezember 2016 Beschwerde beim Bundesgericht erho- ben (Verfahrensnummer 2C_1133/2016).