B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4282/2018 U r t e i l v o m 4 . M ä r z 2 0 2 0 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Sylvie Cossy, Richterin Roswitha Petry, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 21. Juni 2018. E-4282/2018 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Der Beschwerdeführer reiste am 27. September 2015 in die Schweiz ein und stellte am 28. September 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch. Am 28. Oktober 2015 fand die Kurzbe- fragung zur Person (BzP) im EVZ statt. II. B. Mit Verfügung vom 17. November 2015 trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete seine Überstellung nach Ungarn an, das für die Behandlung des Asylgesuchs zuständig sei. Die gegen dies e Verfügung erhobene Beschwerde vom 30. November 2015 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-7726/2015 vom 18. Juli 2017 gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanzlichen Ver- fügung beantragt wurde, und die Sache wurde zu neuer Entscheidung an das SEM zurückgewiesen. III. C. Am 30. Oktober 2017 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asylgründen angehört (SR 142.31). Am 4. Juni 2018 fand eine ergänzende Befragung statt. D. D.a Der Beschwerdeführer bra chte bei der BzP zur Begründu ng seines Asylgesuchs vor, er sei Mitglied der im Iran verbotenen Gruppierung "Esteqlal Azadi" (Unabhängigkeit Freiheit) gewesen und habe für diese ge- worben und an Demonstrationen teilgenommen. Namentlich habe er im Jahr 1388 (2009/2010) an Kundgebungen im Zusammen hang mit den Wahlen teilgenommen. Im Juli 2015 habe er wegen seines politischen Engagements eine telefonische Warnung durch die iranischen Sicherheits- kräfte erhalten. Etwa drei Wochen später sei er ausgereist, nachdem er E-4282/2018 Seite 3 von einem in seinem Quartier wohnh aften Sicherheitsbeamten erfahren habe, dass er gesucht werde und jederzeit mit einer Verhaftung rechnen müsse. D.b Der Beschwerdeführer gab im Rahmen der Anhörungen zu Protokoll, er habe sich seit seinem (…) Lebensjahr politisch engagiert, indem er an Demonstrationen teilgenommen, Slogans geschrieben und oppositionelle Gruppen gegründet habe. Zudem sei er für die "Linie der Unabhängigkeit und Freiheit" (Khat-e Esteqlal wa Azadi) des früheren iranischen Präsiden- ten Banisadr aktiv gewesen. E r habe ab dem Jahr 1388 (2009/2010) wö- chentlich Bücher und Reden von diesem ausgedruckt und an einen ausge- wählten vertrauenswürdigen Personenkreis (Studierende und Geschäfts- leute) verteilt. Zudem habe er im Monat (…) 1387 ([…] 2008/[…] 2009) – inspiriert durch die Bewegung "Ma hastim" von Shahram Homayoon – Slo- gans an Wände geschrieben . Im Jahr 1388 (2009/2010) habe er an De- monstrationen gegen das iranische Regime in (…) und vom (…) bis (…) 1388 ([…] 2009) an Kundgebungen im Zusammenhang mit dem Putsch gegen Mussawi teilgenom men. Zudem habe er in der (…)-Moschee (in C._______, Anmerkung des Gerichts) verkehrt, wo "D._______" regimekri- tische Predigten gehalten habe. Er habe auch versucht, seine Mitstudenten an der Universität dazu zu über- reden, die Wahlen zu boykottieren und sei deshalb von den Basijis (para- militärische Miliz der Iranischen Revolutionsgarde) der Universität geschla- gen worden. Nach einer Meinungsverschiedenheit mit einem Professor während einer Vorlesung an der Un iversität in E._______ sei er von den Herasat (Universitätspolizei) vorgeladen worden. Wegen seiner Äusserun- gen sei er im (…) 1393 (2014) für eine Dauer von (…) Jahren vom Studium ausgeschlossen worden. Im Monat (…) 1394 ([…] 2015) sei er von der iranischen Sicherheitspolizei telefonisch verwarnt worden und man habe ihm gedroht, ihn nach einer zweiten Verwarnung zu verhaften. Einige Tage später , am (…) oder (…)1394 ([…] Juli 2015) habe ihn ein in seinem Quartier wohnhafter Se- pahi (Angehöriger der iranischen Revolutionsgarden) auf der Strasse an- gehalten und ihn vor einer Verhaftung gewarnt. Dieser Mann habe ihm of- fengelegt, dass alle seine Aktivitäten bei den Behörden aktenkundig seien und sein Telefon abgehört werde. In der Folge habe er (Beschwerdeführer) jemanden aus dem Umfeld von Banisadr über seine Probleme mit den Sicherheitskräften informiert. Diese Person habe ihm geraten , seine Kontakte mit anderen Leuten abzubre-E-4282/2018 Seite 4 chen und so schnell wie möglich auszureisen. Er sei dann zu seiner Gross- mutter gegangen. Dort habe er später von einem Onkel erfahren, dass Leute vom Etelaat (Geheimdienst) bei ihm am (…) oder (…) 1394 ([…] 2015) eine Hausdurchsuchung durchgeführt und seine Sachen beschlag- nahmt hätten, darunter seinen Laptop, auf welchem er Bücher und Reden von Banisadr sowie von ihm selber verfasste Schriften abgespeichert ge- habt habe. Zudem hätten die Beamten seinen Vater für eine Befragung mitgenommen. Später sei sein Vater auch telefonisch unter Druck gesetzt worden, seinen Aufenthaltsort preiszugeben. Sein Onkel habe ihm eine Ad- resse eines Mannes in F._______ gegeben, welcher ihm am Tag darauf zur illegalen Ausreise verholfen habe. Er gehe davon aus, dass ihn bei ei- ner Rückkehr in den Iran eine lebenslängliche Haftstrafe oder die Todes- strafe erwarten würde, weil e r die Führerschaft Khameneis nicht aner- kenne. In der Schweiz habe er eine Internetsite erstellt (www.[...]), auf welcher er Informationen zu verschiedenen Themen verbreite . Zudem pflege er ver- stärkte Kontakte zu der Gruppe "Linie der Unabhängigkeit und Freihe it" sowie zu Banisadr und er habe an einer Solidaritätsveranstaltung für irani- sche Homosexuelle teilgenommen. Nachdem er an einer Demonstration in G._______ am (…) 2018 einen offenen Brief der Kundgebungsteilnehmen- den vorgelesen habe, sei seinem Vater mit Konsequenzen im Falle weite- rer derartiger Aktivitäten gedroht worden. D.c Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folgende Beweismittel ein: − Identitätsdokumente (Identitätskarte im Original, Shenasnameh [Ge- burtszertifikat] in Kopie); − Zwei Bestätigungsschreiben von Abdolhassan Banisadr vom 1. Dezem- ber 2015 und 25. Oktober 2017; − Ausdrucke mehrerer vom Beschwerdeführer auf seiner Website respek- tive der Website von Banisadr aufgeschalteter Texte; − Fotos einer Kundgebung im Jahr 2016 oder 2017; − Berichte und Fotos betreffend eine Kundgebung vom (…) 2018; − Berichte und Fotos betreffend eine Kundgebung vom (…) 2018; − Vom Beschwerdeführer verlesener offener Brief sowie Berichte und Fotos betreffend eine Kundgebung vom (…) 2018 in G._______; − Ausdruck eines auf der Facebook-Seite des Beschwerdeführers veröf- fentlichten Posts vom (…) 2018; − Ausdruck eines auf der Website www.(…) veröffentlichten Posts des Be- schwerdeführers. E-4282/2018 Seite 5 E. Mit Verfügung vom 21. Juni 2018 (eröffnet am 27. Juni 2018) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. F. F.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 24. Juli 2018 an das Bundes- verwaltungsgericht erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung der Vorinstanz Beschwerde und beantragte, der Entscheid des SEM sei aufzu- heben und die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechts- erheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen; eventualiter sei seine Flücht lingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Mit weiteren Eventualbegehren beantragte er, er sei als Flüch tling vorläufig aufzunehmen, beziehu ngsweise es sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustel- len und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses. F.b In der Beilage reichte der Beschwerdeführer eine Reihe von Beweis- mitteln zum Beleg seiner exilpolitischen Aktivitäten ein ( offener Brief der "[…]" an den Bundesrat vom […] 2018, Foto des Beschwerdeführers an- lässlich einer Kundgebung vom […] 2018, diverse Internet -Artikel und Screenshots von [auf Newsportalen aufgeschalteten] Videoaufnahmen be- treffend Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Besuch des irani- schen Präsidenten Rohani in der Schweiz vom […], Ausdruck eines vom Beschwerdeführer auf der Website www.[...] des früheren iranischen Prä- sidenten Banisadr veröffentlichten Beitrags). G. Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2018 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete antragsgemäss auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Im Weiteren wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Ver- nehmlassung eingeladen. H. In ihrer Vernehmlassung vom 21. August 2018 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. E-4282/2018 Seite 6 I. Mit Eingabe vom 7. September 2018 machte der Beschwe rdeführer von dem ihm (mit Instruktionsverfügung vom 23. August 2018) eingeräumten Recht zur Replik Gebrauch, wobei er ausdrücklich an seinem A ntrag auf Rückweisung der Sache an das SEM zur vollständigen Sachverhaltsabklä- rung festhielt. Ferner reichte er weitere Beweismittel zu den Akten: − Persönliche schriftliche Erklärung betreffend sein politisches Engage- ment; − Bestätigungsschreiben und E-Mail von H._______, Gründer von www. (…) vom 6. September 2018: − Zwei Fotos des Beschwerdeführers mit Banisadr; − Foto des Umschlags eines Buchs von Banisadr sowie der von diesem im Buch verfassten Widmung für den Beschwerdeführer; − Ausdrucke von der Website sowie dem Facebook- und dem Twitter - Profil des Beschwerdeführers; − Ausdrucke von zwei Internet-Artikeln mit Hinweisen auf H._______; − Ausdrucke von auf www.(…) publizierten Posts und Fotos. J. Mit Eingaben vom 23. Oktober 2018 und 18. März 2019 wurden weitere Beweismittel zu den Akten gereicht: E-Mail des Beschwerdeführers an sei- nen Rechtsvertreter vom 17. September 2018 inklusive Ausdrucke von auf www.(…) veröffentlichten Berichten; vom Beschwerdeführer verfasster, auf www.(…) veröffentlichter Artikel zum internati onalen (…)tag; Ausdrucke vom Facebook-Profil des Beschwerdeführers; Fotos des Beschwerdefüh- rers anlässlich einer Demonstration in I._______. K. Mit Eingabe vom 6 . November 2019 wies der Beschwerdeführer auf die Festnahme von H._______ durch den iranischen Geheimdienst hin und reichte weitere Dokumente zum Beleg seiner Vorbringen ein (Aus - drucke von drei Intern etartikeln; Bestätigungsschreiben von H._______; Ausdruck eines auf "[…]" ausgestrahlten Interviews mit dem Beschwerde- führer; Ausdrucke aus dem Facebook-Konto des Beschwerdeführers). L. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. Dezember 2019 machte der Beschwerdeführer weitere exilpolitische Aktivitäten geltend und reichte ent- sprechende Beweismittel ein (Internetartikel und Screen shots betreffend eine Demonstration; Ausdrucke von mehreren Facebook -Seiten; diverse Internetartikel zur Situation im Iran). E-4282/2018 Seite 7 M. Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 7. und 10. Januar 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere Dokumente betreffend seine exilpolitischen Aktivitäten ein (auf www.[...] publizierter Artikel inklusive Übersetzung; auf www.[...], […], […] und Whatsapp publizierte Artikel; Ausdrucke des Face- book-Profils). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts Anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). E-4282/2018 Seite 8 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Vorinstanz stellte sich zur Begründung ihrer Verfügung auf den Standpunkt, die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinem politi- schen Engagement im Iran seien als unglaubhaft zu qualifizieren. Zum ei- nen würden seine Angaben zum chronologischen Ablauf der Ereignisse nicht durchwegs übereinstimmen. Sodann sei nicht nachvollziehbar, dass er seinen Laptop zu Hause aufbewahrt habe und den iranischen Behörden damit Gelegenheit gegeben habe, belastendes Material zu beschlagnah- men. Diese Zweifel würden dadurch verstärkt, dass die Äusserungen des Beschwerdeführers zu seiner angeblich jahrelangen politischen Tätigkeit äusserst vage und unsubstanzii ert seien und nicht über Allgemeinplätze hinausgehen würden. Seine Angaben würden sich vorwiegend auf Vermu- tungen und Aussagen Dritter stützen. Es sei ihm nicht in genügender Weise gelungen, seine Eindrücke, Erlebnisse und Gefühle persönlich und indivi- duell zu schildern. Es entstehe der Eindruck, er habe das Geschilderte nicht selbst erlebt. Bei der von ihm vorgebrachten Gefährdungslage wäre zu erwarten gewesen, dass die iranischen Behörden auch seine Familien- angehörigen und weitere Bezugspersonen in die Ermittlungen einbezogen hätten, was aber offensicht lich bisher weitgehend nicht der Fall gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe sich auch nicht darüber ins Bild gesetzt, ob noch weitere Personen Nachteile erlitten hätten. Angesichts seiner oberflächlichen, realitätsfremden und detailarmen Angaben gelinge es dem Beschwerdeführer nicht, eine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu ma- chen. Es könne zwar nicht von vornherein ausgeschlossen werden, dass der Be- schwerdeführer sich im Iran auf niederschwelligem Niveau politisch betä- tigt habe und dass er von der Universität verwiesen worden sei. Diese Er- eignisse würden jedoch den Anforderungen an die Intensität und Aktualität E-4282/2018 Seite 9 gemäss Art. 3 AsylG nicht genügen , und es würd en sich kein e Hinweise dafür ergeben, dass er deswegen ernsthafte Nachteile erlitten hätte oder ihm solche konkret drohen würden. Die Einschätzung der Gefährdung des Beschwerdeführers in den Unterstützungsschreiben von Banisadr werde nicht geteilt. Betreffend die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers sei fest- zustellen, dass die blosse Teilnahme an Veranstaltungen keine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung im Iran zu begründen vermöge. Den Akten seien keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass er sich in qualifizi erter Weise betätigt habe oder eine spezielle Funktion innegehabt hätte. Es wür- den auch keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass im Iran behördli che Massnahmen gegen ihn eingeleitet worden wären. Die Teilnahme des Be- schwerdeführers an Kundgebungen in der Schweiz sowie seine Publikati- onen im Internet hätten keine wesentliche Schärfung s eines Pr ofils zu Folge, zumal er nicht Mitglied einer Partei oder Organisation sei noch eine spezielle Funkti on bekleide. Seine publizierten Beiträge würden keine n wirklichen politischen Mehrwert a ufweisen und kaum eine bed eutende Eigenleistung zeigen. Er sei insgesamt nicht als exponierter Regimegegner erkennbar. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass er von den iranischen Behörden als konkrete potenzielle Bedrohung wahrgenommen werde. Dass sein Vater nach einer Kundgebun g in der Schweiz bedroht worden sei, sei eine pauschale, nicht belegte Behauptung. Aus den Akten würden sich auch keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohen würde, weshalb der Wegweisungsvollzug zuläs- sig sei. Er verfüge in seinem Heimatstaat über ein familiäre s Beziehungs- netz auf welches er zurückgreifen könne, und es könne auch aufgrund sei- ner Ausbildung und beruflichen Tätigkeit davon ausg egangen we rden, dass er dort nicht in eine existenzbedrohende Situation geraten werde. 3.2 3.2.1 In seiner Beschwerdeschrift rügte der Beschwerdeführer zunächst, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör sowie die Be- gründungspflicht verletzt, indem sie sich in ihrer Verfügung w iederholt auf pauschale Behauptungen beschränkt habe, ohne hierzu detaillierte Akten- stellen oder Aussagen anzugeben. Namentlich habe sie es unterlassen, darzulegen, zu welchen Fragen er keine detaillierten Angaben gemacht und welche der dargelegten chronologischen Abläufe in welchen Punkten E-4282/2018 Seite 10 nicht übereinstimmen würden. Dass ihm im Rahmen de r Befragung pau- schal vorgehalten worden sei, es gebe Diskrepanzen in seinen Angaben über die Vorfälle vor seiner Ausreise aus dem Iran und man sich auch auf seine Nachfrage hin geweigert habe, diesen Vorwurf zu präzisieren, stelle eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs dar und verstos- se gegen Treu und Glauben sowie den Grundsatz eines fairen Verfahrens. Er habe die fluchtauslösenden Ereign isse sowie seine Ausreise zeitlich übereinstimmend eigeordnet. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sei auch darin zu erblicken, dass das SEM die von ihm eingereichten Beweis- mittel nicht gewürdigt, sondern sich bet reffend die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen auf pauschale Parteibehauptungen beschränkt habe. Dass die Anhörungen erst über zwei Jahre nach Einreichung des Asylge- suchs durchgeführt worden seien, stelle eine schwere Verletzung der Ab- klärungspflicht dar. Die Behandlung seines Asylgesuchs hätte viel rascher an die Hand genommen werden müssen. Vor diesem Hintergrund sei der Vorwurf, seine Ausführungen seien unsubstanziiert ausgefallen, treuwidrig und willkürlich. Im Weiteren hätten die beiden Anhörungen vom 30. Okto- ber 2017 und 4. Juni 2018 zu lan ge gedau ert. Die vom Bundesverwal- tungsgericht in der Praxis vorgegebene Maximaldauer von v ier Stunden sei bei Weitem überschritten worden. Es seien zudem ungenügende Pau- sen gemacht worden. Das SEM unterschätze häufig die Bedeutung der Rückübersetzung; diese stelle für den Asylsuchenden und den Dolmet- scher den kritischsten und die höchste Konzentration erfordernden Teil der Befragung dar. Bei beiden Anhörungen habe die Hilfswerksvertretung an- gemerkt, der Beschwerdeführer habe müde gewirkt und sich über Konzent- rationsprobleme beklagt. Es liege somit offensichtlich ein schwerer Mangel der Anhörungen vor, weshalb die Sache zur vollständigen und richtigen Ab- klärung des Sachverha lts an die Vorin stanz zur ückgewiesen werden müsse. Die Abklärungspflicht sei auch dadurch verletzt worden, dass die Vor- instanz den Sachverhalt in Bezug auf die von den iranischen Behörden gegen seinen Vater ausg esprochenen Drohungen nicht w eiter abgeklärt habe. Seine Aussagen bei der Antwort zu Frage 155 der zweiten Anhörung würden darauf hindeuten, dass der Vater mehrmals angerufen und gewarnt worden sei. Dies sei vom SEM aber nicht erfasst und gewürdigt worden. Zudem sei nach Frage 104 genau in jenem Moment, als er begonnen habe, Ausführungen zu den Drohungen gegen seinen Vater zu machen, eine Pause angeordnet worden. Angesichts dieser Umstände sei die Behaup- tung, er habe keine detaillierten Angaben zur Bedrohung seines Vaters gemacht, willkürlich. E-4282/2018 Seite 11 3.2.2 Betreffend die Frage der Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen sei darauf hinzuweisen, dass die Vorin stanz in ihrer Verfügung nicht ausge- schlossen habe, dass er auf niederschwelligem Niveau politi sch aktiv ge- wesen sei. Damit habe sie anerkannt, dass seine Ausführungen zu den politischen Aktivitäten nicht vollständig unglaubhaft seien. Dass sie den- noch behauptet habe, er habe hierzu keine substanziierten Ang aben ge- macht, sei absurd und willkürlich. Diese Argumentation belege, dass ihr stichhaltige Argumente fehlen würden. Schwer wiege ausserdem, dass die Darlegungen des SEM betreffend die Ung laubhaftigkeit seiner Aussagen die fluchtauslösenden Ereignisse nur am Rande betreffen würden. Die Vor- instanz habe es unterlassen, sich mit de r Frage der Glaubhaftigkeit der fluchtauslösenden Ereignisse auseinanderzusetzen. Da seine politische n Tätigkeiten bis zu zehn Jahre zurückliegen würden, könne ihm nicht vor- geworfen werden, hierzu keine detaillierten Angaben gemacht zu haben. Seine Ausführungen seien so ausführlich, wie dies nach einer so langen Zeitdauer erwartet werden könne, und sie würden entgegen der Argumen- tation der Vorinstanz viele Realkennzeichen enthalten. Die angeblich feh- lende Substanz sei auch auf die Mängel der Befragungen zurückzuführen. 3.2.3 Die Argumentation, es sei nicht nachvollziehbar, dass er seinen Lap- top mit belastenden Inhalten zu Hause aufbewahrt habe, sei nicht stichhal- tig. Er habe diesen nicht ohne weiter es verstecken oder jemand anderem anvertrauen können. Zudem habe der Wortlaut de r telefonischen Verwar- nung nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Verhaftung schliessen las- sen. Nach dem Gespräch mit dem Sepahi habe er keine Möglichkeit mehr gehabt, den Laptop wegzuschaffen. Sein Verhalten sei somit keineswegs unglaubhaft und unlogisc h. Dass d as SEM im Rahmen der Prüfu ng der Asylrelevanz seiner Vorbringen argumentiert habe, seine Angaben zu den Drohungen gegen seinen Vater seien pauschal und unbelegt, lasse darauf schliessen, dass es dieses Vorbringen der Glaubhaftigkeitsprüfung habe entziehen wollen. Im Weiteren falle auf, dass im Rahmen der Anhörungen kaum offene, sondern zumeist konkrete Fragen gestellt worden seien, die mit ja, nein oder der Anga be einer bestimmten Zahl oder ein es Ortes zu beantworten gewesen seien. Diese Form der A nhörung erlaube es nicht, Aussagen zur Substanziiertheit seiner Ausführungen zu machen. Es falle namentlich auf, dass er bei der Beantwortung der Frage 28 in der zweiten Anhörung unterbrochen worden sei, obwohl er daran ge wesen sei, eine der wenigen offenen Fragen zu beantworten. E-4282/2018 Seite 12 3.2.4 Die Behauptung, es sei nicht nachvollziehbar, dass Familienangehö- rige und Bezugspersonen nicht in die Ermittlungen gegen ihn einbezogen worden seien, sei willkürlich. Es gehe nicht an, ein willkürliches Verhalten der iranischen Behörden zu seinen Ungunsten auszulegen; es handle sich um Handlungen Dritter, die nicht in seinen Machtbereich fallen w ürden. Der Vorhalt, er habe sich nicht über eine Gefährdung weiterer Personen ins Bild gesetzt, sei aus mehreren Gründen absurd und willkürlich. Er habe im Iran im Geheimen agiert und hätte seine politischen Mitstreiter durch eine Kontaktaufnahme gefährdet. Er habe alles darangesetzt, deren Iden- tifikation zu vermeiden. Er habe zudem ke inen Anlass gehabt, sich weiter nach diesen Personen zu erkundigen, da er davon ausgehe, diese seien nicht im selben Mass wie er gefährdet. Schliesslich habe er stets überein- stimmend geschildert, wann die fluchtauslösenden Ereignisse sich ereig- net hätten. Dass er die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Vorfäl- len nicht mehr präzise habe nennen könne, sei angesichts des Zeitablaufs verständlich. Dass er zugegeben habe, keine exakten Angaben mehr ma- chen zu können, sei als eindeutiges Realkennzeichen zu bewerten. 3.2.5 In den vom SEM genannten Aktenstellen A35 S. 15 f. und S. 20 seien keine Diskrepanzen erkennbar. Er habe stets angegeben, die Ereignisse hätten sich in einem Zeitraum von etwa drei Wochen abgespielt. 3.2.6 Die von ihm eingereichten Beweismittel vermöchten sein sehr aktives politisches Profil zu belegen. Er habe sich im Iran seit vielen Jahren in mehrfacher Hinsicht politisch aktiv gegen die iranische Regierung betätigt, und sei aufgrund dessen von den iranischen Behörden identifiziert und ver- warnt worden. Er werde aufgrund seines Profils gezielt verfolgt. Es drohe ihm eine Festnahme und Verurteilung sowie eine Inhaftierung beziehungs- weise Hinrichtung. Damit liege offensichtlich eine begründete Fu rcht vor einer gezielten asylrelevanten Verfolgung vor. 3.2.7 Betreffend sein exilpolitische s Engagement werde auf seine Darle- gung hingewiesen, dass nach seinem Auftritt bei einer Kundgebung in der Schweiz sein Vater von den iranischen Behörden bedroht worden sei. Die Vorinstanz hätte die Glaubhaftigkeit dieses Vorbringe ns fundiert prüfen müssen. Falls dieses Ereignis als glaubhaft bewertet werde, ergebe sich hieraus, dass er von den iranischen Spitzeln in der Schweiz identifi ziert worden sei und im Falle einer Rückkehr in den Iran mit Verfolgungsmass- nahmen rechnen müsste. Diese Gefährdung werde verstärkt durch die sich seit Ende 2017 weiter entwickelnde Protestbewegung im Iran. Es sei offen- sichtlich, dass er aufgrund seines Profils ins Visier der iranischen Behörden E-4282/2018 Seite 13 geraten sei. Die Opposition im Iran habe zur Unterstützung aus dem Aus- land aufgerufen, was das iranische Regime in der Annahme unterstützen werde, dass die Proteste aus dem Ausland gesteuert würden. Es sei offen- sichtlich, dass die angeblichen Anstifter, zu denen auch er gehöre, intensiv verfolgt würden. 3.2.8 Die Kundgebung in I._______ vom (…) aus Anlass des Besuchs des iranischen Präsidenten Rohanis, an welcher er teilgenommen habe, habe in den Me dien grosses Echo gefunden. Auf einer Videoaufnahme dieses Ereignisses, die in zahlreichen Medien verbreitet worden sei, sei er klar erkennbar. Es sei davon auszugehen, dass die iranischen Geheimdienste die entsprechende Berichterstattung, die im Übrigen immer noch abrufbar sei, überwacht und die Teilnehmer an der Kundgebung identifiziert hätten. Es müsse vor diesem Hintergrund zumindest von subjektiven Nachflucht- gründen ausgegangen werden, aufgrund derer die Flüchtlingseigenschaft festzustellen sei. Andernfalls müsste wegen der ihm drohenden unmensch- lichen, gegen Art. 3 EMRK verstossenden Behandlung die Unzulässigkeit des W egweisungsvollzugs festgestellt werden. Eventual iter müsste der Wegweisungsvollzug als unzumutbar bezeichnet werden. Die ihm dro- hende konkrete Gefährdung an Leib und Leben würde ihn am Aufbau einer neuen Existenz hindern. 3.3 Die Vor instanz wies in ih rer Verne hmlassung darauf hin, die vor - gegebene Maximaldauer einer Anhörung von vier Stunden sei nicht als allgemeingültige Regel zu verstehen, deren Verletzung zwangsläufig zu ei- ner Feststellung einer Verletzung des Grundsatzes eines fairen Verfahrens zu führen habe. Die Anhörung vom 30. Oktober 2017 habe ohne Anrech- nung der Pausen rund viereinhalb Stunden gedauert. Bei der zweiten Anhörung vom 4. Juni 2018 präsentiere sich ein ähnliches Bild. Die einge- reichten Unterlagen betreffend eine Kundgebungsteilnahme des Be- schwerdeführers vom (…) 2018 vermöchten sein Profil nicht zu schärfen, da nichts darauf hindeute, dass er bei d iesem Ereignis eine mass - gebliche Funktion innegehabt habe. 3.4 Der Beschwerdeführer stellte sich in seiner Replik auf den Standpunkt, die Vorinstanz habe sich in ihrer Vernehmlassung nicht umfassend mit der Beschwerde und den einger eichten Beweismitteln auseinanderg esetzt. Die Überlegung, dass nur Personen, die eine wichtige Funktion ausgeübt hätten, gefährdet seien, sei veraltet und falsch. Durch die Verbreitung der Informationen auf dem Internet und in den sozialen Medien sei jeder betei- ligten un d erkennbaren Person eine massgebliche Rolle zuzusprechen . E-4282/2018 Seite 14 Der iranische Geheimdienst habe einfache Möglichkeiten, einzelne De- monstrationsteilnehmer zu identifizieren. Es müsse berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer sich stark für die Bewegung des ehemaligen iranischen Präsidenten Banisadr engagiere, als Administrator der Website www.(…) tätig sei und auch durch seine eigene Website sowie auf Face- book und Twitter sehr aktiv sei. Die Argumentation des SEM betreffend die Dauer der Befragungen sei nicht stichhaltig. Es sei offensichtlich, dass diese für ihn problematisch ge- wesen sei. Die Vorinstanz habe die Bemerkungen der Hilfswerkvertretung sowie die objektive Dauer der Anhörungen, welcher auch die Rücküberset- zungen anzurechnen seien, ignoriert. Dass auch während der Rücküber- setzungen Pausen eingelegt worden seien, sei eine blosse Parteibehaup- tung. 4. 4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die vorab zu beurteilen sind. 4.2 4.2.1 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli - chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung und zur Feststellung des rechtserhebl ichen Sachverhalts verpflichtet ist und auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsu- chenden Person sprechen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht unein- geschränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsu- chenden fi ndet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 Rz. 9; BVGE 2012/21 E. 5.1). Die entscheidende Behörde darf sich trotz des Untersuchungs- grundsatzes in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen einer asyl- suchenden Person zu würdigen und die von ihr angebotenen Beweise ab- zunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Nach Lehre und Praxis besteht eine Notwendigkeit für über die Befragung hinausge- hende Abklärungen insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtl ich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734 m.H.a. Entscheidungen und E-4282/2018 Seite 15 Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23 E. 5a). 4.2.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nied erschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass der Be- troffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der von der Verfügung Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. Die verfügende Behörde kann sich auf die wesentlichen Gesichts- punkte beschränken, hat aber wenigstens kurz die Überlegungen anzufüh- ren, von denen sie sich leiten liess und auf die si e ihren Entscheid ab- stützte. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs- gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe- nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In- teressen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird. Indes- sen ist nicht erforderlich, dass die Behörde sich in der Begründung mit je- der tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand einläss- lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi der- legt (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER / RAMONA PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schind- ler [Hrsg.], a.a.O., Art. 35 Rz. 7 ff.; BGE 136 I 184 E. 2.2.1, BVGE 2013/34 E. 4.1, 2008/47 E. 3.2 und 2007/30 E. 5.6). 4.3 Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz diesen Anforderun- gen im vorliegenden Verfahren Genüge getan. 4.3.1 Das SEM hat sich mit den wesentlichen Vorbringen des Beschwer- deführers in erforderlichem Umfang auseinandergesetzt, in der angefoch- tenen Verfügung die Überlegungen genannt, welche seinem Entscheid zu- grunde lagen und sich in seiner Begründung auf die vom Beschwerdefüh- rer vorgebrachten Asylgründe gestützt. Es trifft zwar zu, dass die Vor - instanz weder im Rahmen der Befragung noch in der angef ochtenen Ver- fügung die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Ungereimtheiten in sei- ner Darstellung der chronologischen Abläufe der Vorfälle, die sich nach sei- nen Angaben vor seiner Ausreise ereigneten, im Einzelnen benannte und es ihm damit verunmöglichte, zu diesem Vorwurf sachgerecht Stellung zu nehmen. Diese angeblichen Widersprüche könnten ihm deshalb wohl nicht uneingeschränkt entgegengehalten werden. Es handelt sich hierbei aber nur um eines von mehreren von der Vorinstanz aufgeführten Argumenten E-4282/2018 Seite 16 für die Unglaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Vor- fluchtgründe. Der Einwand, es sei nicht ausreichend begründet worden, weshalb seine Asylvorbringen als mangelhaft substanziiert erachtet wür- den, erweist sich insgesamt als unberechtigt. Die angefochtene Verfügung enthält eingehende diesbezügliche Erwägungen. Letztlich ist der Entscheid so begründet, dass sich der Beschwerdeführer über seine Tragweite in hin- reichender Weise ein Bild machen konnte; wie die Beschwerdeschrift zeigt, war es ihm denn auch ohne weiteres möglich, die vorinstanzliche Verfü- gung sachgerecht anzufechten. 4.3.2 In dem Umstand, dass die Vorinstanz nicht sämtliche vom Beschwer- deführer eingereichten Beweismittel ausdrücklich würdigte, ist keine Ge- hörsverletzung zu erblicken. Die beiden Bestätigungsschreiben des ehe- maligen Präside nten Banisa dr wurde n in der angefochtenen Verfügung ausdrücklich erwähnt, und im Übrigen wurde vom SEM nachvollziehbar dargelegt, aus welchen Gründen es dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten exilpolitischen Engagement keine flüchtlingsrechtliche Rele- vanz beimesse. Dass auf eine ausdrückliche Auseinandersetzung mit den zum Beleg hierfür eingereichten Doku menten verzichtet wurde, ist dem- nach nicht zu beanstanden. 4.3.3 Inwieweit sich aus dem zeitlichen Abstand von über zwei Jahren zwi- schen der Befragung zur Person und den Anhöru ngen des Beschwerde- führers eine Verletzung der Abklärungspflicht durch das SEM ergeben soll, ist nicht ersichtlich. Abgesehen davon war der zeitliche Aufschub der An- hörung des Beschwerdeführers im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass sein Dublin -Verfahren während mehr als eineinhalb Jahren hängig war, bis es das Bundesverwaltungsgericht – nach der Koordination seiner Rechtsprechung – im Sommer 2017 mit seinem Urteil beendete. Der Vor- instanz ist mithin auch insofern kein Vorwurf zu machen. 4.3.4 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergeben sich keine zeitli- chen Vorgaben für die Vorinstanz (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer E-4679/2018 vom 31. Januar 2020 E. 3.5 oder E-7165/2017 vom 19. März 2018 E. 5.4.1, je m.w.H.). 4.3.5 In Bezug auf den Vorwurf der zu langen Befragungsdauer ist Folgen- des festzustellen: Die erste Anhörung des Beschwerdeführers vom 30. Ok- tober 2017 dauerte von 09:45 bis 18:30 Uhr, wobei s ie gemäss Protokoll durch vier Pausen (10:55 bis 11:10, 12:00 bis 12:45, 14:05 bis 14:25 und 15:35 bis 15:55 Uhr) unterbrochen wurde. Die zweite Anhörung dauerte E-4282/2018 Seite 17 unter Abzug der beiden Pausen 4 Stunden 45 Minuten. Die Dauer insbe- sondere der ersten Anhörung war somit zwar tatsächlich recht lange, je- doch wurden regelmässige Pausen in nicht zu langen Abständen gemacht. In der Dauer der Anhörungen alleine kann nach Ansicht des Gerichts keine unvollständige oder unrichtige Ermittlung des Sachverhalts oder eine an- dere Verletzung von Verfahrensrechten erblickt werden . Auch unter Be- rücksichtigung der von den Hilfswerksvertretungen bei beiden Anhörungen gemachten Hinweise auf Müdigkeit beziehungsweise Konzentrations - probleme des Beschwerdeführers ergeben sich keine Hinweise darauf, dass er kognitiv derart beeinträchtigt gewesen wäre, dass er nicht imstande gewesen wäre, bei der Befragung beziehungsweise der Rückübersetzung in adäquater Weise mitzuwirken. Auf eine aufmerksame Mitwirkung des Beschwerdeführers lässt auch der Umstand schliessen, dass er bei beiden Anhörungen Anmerkungen zur Rückübersetzun g vorbrachte (vgl. Akten SEM A31 S. 23, A35 S. 20). Zudem bestätigte er die Richtigkeit der Proto- kolle am Ende der Anhörungen nach der Rückübersetzung jeweils unter- schriftlich. 4.3.6 Schliesslich kann auch im Vorwurf, das SEM habe sich nicht hinrei- chend mit der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Drohung gegen sei- nen Vater auseinandergesetzt, kein Verfahrensmangel erblickt werden; es handelt sich hierbei vielmehr um eine Frage der materiellen Würdigung der Sache. 4.4 Nach dem Gesagten ist der Hauptantrag des Beschwerdeführers, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-4282/2018 Seite 18 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehen- den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge - nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik nicht entbehren und den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung nicht widersprechen. Vorbringen sind sub- stanziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderun- gen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer An- hörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü- che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe- sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus- wechselt, steigert oder unbeg ründet nachschiebt oder die nötige Mitwir- kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/5 E. 2.2, 2010/57 E. 2.2 und 2.3; EMA RK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesver- waltungsgerichts, in: ASYL 2/2015 S. 5). E-4282/2018 Seite 19 6.2 Zur Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers ist unter Beachtung dieser Grundsätze Folgendes festzustellen: 6.2.1 Den Ausführungen des Beschwerdeführers lässt sich entnehmen, dass er sich im Iran ab dem Alter von (…) Jahren (2008) in vielfältiger Weise oppositionell betätigt habe. So habe er sich namentlich für die "Linie der Unabhängigkeit und Freiheit " von Banisadr sowie die Bewegung "Ma hastim" engagiert und im Zeitraum von 2009 bis 2011 an mehreren Kund- gebungen teilgenommen. Es trifft zwar zu, dass die Schilderungen seiner Tätigkeit für die Bewegung von Banisadr nicht sehr detailliert sind. Das von ihm geschilderte Vorgehen – namentlich, dass er nur mit wenigen anderen Aktivisten Kontakt gepflegt habe – erscheint jedoch nicht unplausibel. Ent- gegen der Auffassung der Vorinstanz sind diese Vorbringen ebenso wie die behauptete Teilnahme an Kundgebungen im Iran daher nicht zum vornhe- rein als unglaubhaft zu erachten. Ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit dieser Aktivitäten ist aber festzu- stellen, dass jedenfalls – wie im Folgenden zu erläutern sein wird – keine glaubhaften Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die genannten Aktivitäten des Beschwerdeführers von den iranischen Sicherheitskräften zur Kennt- nis genommen wurden und er deshalb Verfolgungsmassnahmen relevan- ten Ausmasses erlitten hätte. Seine Suspension von der Universität wegen kritischer Bemerkungen gegenüber einem Professor kann mangels hinrei- chender Intensität keine asylrechtliche Relevanz im Sinne von Art. 3 AsylG beigemessen werden. 6.2.2 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Ereignisse im Jahr 2015, welche ihn gemäss seiner Darstellung zur Ausreise bewogen, sind in Über- einstimmung mit der Vorinstanz als realitätsfremd und unlogisch zu bewer- ten sind. Zunächst erscheint es als unplausibel, dass er seitens der Behör- den telefonisch vor einer Verhaftung gewarnt wurde, ohne dass aber der Grund für die Warnung genannt worden sei und welches Verhalten er zu- künftig unterlassen solle ( vgl. Akten SEM A31 S. 14 F123 ff., A35 S. 9 f. F82 ff.). Es ist nicht erkennbar, welchem Ziel eine solche nicht begründete Warnung der Sicherheitskräfte hätten dienen sollen. Als realitätsfremd muss sodann das Vorbringen bezeichnet werden, der Beschwerdeführer sei von einem ihm nur flüchtig bekann ten Angehörigen der Revolutions - garden über seine Überwachung durch die Sicherheitskräfte aufgeklärt und vor einer bevorstehenden Verhaftung gewarnt worden. Weshalb diese Per- son das mit einem solchen Vorgehen verbundene nicht unerhebliche Ri- siko für sie selber hätte eingehen – und die Verhaftung verunmöglichen – sollen, erscheint nicht nachvollziehbar. E-4282/2018 Seite 20 Zu Recht bezeichnete es die Vorinstanz schliesslich als nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer angeblich trotz dieser Warnung seinen Laptop und anderes belastendes Material zu Hause zurückliess und damit in Kauf nahm, dass diese den Sicherheitskräften in die Hände fallen würden. An- gesichts der behaupteten Warnung hätte er eine Hausdurchsuchung gera- dezu erwarten müssen, und es wäre ihm auch zeitlich möglich gewesen, die genannten Gegenstände mitzunehmen oder wegzuschaffen. 6.2.3 Die vom Beschwerdeführer geschilderten Verfolgungsmassnahmen im (…) 2015, welche ihn angeblich zur Flucht veranlassten, erweisen sich somit als unglaubhaft. Demzufolge vermag er nicht glaubhaft zu machen, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise asylrechtlich relevante Nachteile erlitt oder begründete Furcht hatte, solche in absehbarer Zeit zu erleiden. 6.3 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, (Vor-)Fluchtgründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 7. 7.1 In Bezug auf die Frage, ob beim Beschwerdeführer aufgrund des von ihm geltend gemachten exilpolitischen Engagements subjektive Nach- fluchtgründe festzustellen sind, ist Folgendes festzustellen: 7.2 Subjektive Nachfluchtgründe sind anzunehmen, wenn eine asyl - suchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten ha t. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere unerwünschte exilpolitische Betäti- gungen, illegales Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder Einreichung eines Asylgesuchs im Ausland, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Personen mit subjektiven Nachflucht- gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1, BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 7.3 7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Praxis grundsätz- lich von einer unbefriedigenden Menschenrechtssituation im Iran aus. Auch nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 steht es vor allem um die Wahrung der politischen Rechte und insbesondere der Meinungs - äusserungsfreiheit schlecht. Jegliche Kritik am System d er Islamischen Republik und deren Würdenträgern ist tabu, ebenso die Berichterstattung E-4282/2018 Seite 21 über politische Gefangene oder echte Oppositionsbewegungen. Die irani- schen Behörden unterdrücken in systematischer Weise die Meinungs- äusserungsfreiheit durch die Inhaftierung von Journalisten und Redakteu- ren, und die Medien sind einer strengen Zensur respektive einem Zwang zur Eigenzensur unterworfen. Somit hat sich die Einschätzung des Bun- desverwaltungsgerichts zur Lage im Iran (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.1) auch nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 nicht geändert und behält nach wie vor ihre Gültigkeit (vgl. Urteil des BVGer E-353/2019 vom 22. März 2019 E. 7.2.1; Human Rights Council, Report of the Secretary - General on the Situation of Human Rights in the Islamic Republic of Iran, A/HRC/25/75, 11. März 2014, S. 4, Ziff. 7 ff.). 7.3.2 Die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen im Aus- land ist seit der Neufassung des iranischen Strafrechts im Jahr 1996 unter Strafe gestellt. Einschlägigen Berichten zufolge wurden in der Vergangen- heit denn auch bereits Personen verhaftet, angeklagt und verurteilt, welche sich unter anderem im Internet kritisch zum iranischen Staat äusserten (vgl. SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE, „Iran: Illegale Ausreise / Situation von Mitgliedern der PDKI / Politische Aktivitäten im Exil“, 16. November 2010, S. 7 ff., m.w.H.). Es ist zwar bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer Staatsbürger im Ausland überwachen und er- fassen (vgl. dazu Urteile des BVGer E-3923/2016 vom 24. Mai 2018 E. 5.2 und D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2, je m.w.H.). Es bleibt jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob die exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im flüchtlingsrechtlichen Sinne nach sich ziehen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist dabei davon auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exil- politischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vor- genommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährli- chen Regimegegner erscheinen lassen. Dabei darf davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden zu unterscheiden vermö- gen zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exil - aktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufent- haltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3; Urteil des BVGer D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2). E-4282/2018 Seite 22 7.4 7.4.1 Den Angaben des Beschwerdeführers sowie den von ihm eingereich- ten Beweismitteln zufolge hat er nach seiner Ausreise Kontakte zum ehe- maligen iranischen Präsidenten Banisadr und dessen Bewegung gepflegt. Zudem hat er in den Jahren 2018 und 2019 an mehreren exilpolitischen Kundgebungen teilgenommen und zahlreiche regimekritische Beiträge auf einer eigenen Website, auf seinem Facebook-Account sowie auf mehreren anderen Websites publiziert. Darüber hinaus machte er geltend, Administ- rator des von H._______ betriebenen Newsportals www.(…) gewesen zu sein. 7.4.2 Im Rahmen der zweiten Anhörung brachte der Beschwerdeführer na- mentlich vor, er habe anlässlich einer Kundgebung in G._______ einen of- fenen Brief vorgelesen, in welchem Forderungen an das iranische Regime gestellt worden seien . Dieses Vorbringen wurde auch mit Beweismitteln untermauert (Kopie des Briefes, Fotos) . Daraufhin hätten die iranischen Sicherheitskräfte seinem Vater mit Konsequenzen gedroht, falls der Sohn dieses Engagement weiterführe (vgl. Akten SEM A35 S. 3 F11). Die Dro- hungen gegen seinen Vater erscheinen nicht unplausibel , und es kann ihnen nicht von vornherein die Glaubhaftigkeit abgesprochen werden. 7.4.3 Den eingereichten Beweismitteln ist im Weiteren namentlich zu ent- nehmen, dass der Beschwerdeführer Teilnehmer einer Demonstration am (…) anlässlich des Besuchs des iranischen Staatspräsidenten Rohani in der Schweiz war. Über diese Kundgebung wurde in zahlreichen Medien im In-und Ausland berichtet, wobei auch Fotos der Teilnehmer publiziert wur- den, auf denen der Beschwerdeführer klar und exponiert erkennbar ist. 7.4.4 Die eingereichten Ausdrucke von Artikeln und Posts des Beschwer- deführers enthalten ferner zum Teil Bildmaterial, welches als deutliche Kri- tik des iranischen Regimes zu verstehen ist. Die von ihm behauptete Tä- tigkeit für das Newsportal www.(…) lässt sich zwar anhand der eingereich- ten Dokumente nicht eindeutig verifizieren. Jed enfalls ist aber als erstellt zu bezeichnen, dass der Beschwerdeführer sich auf mehreren Ebenen und mit verschiedenen Mitteln seit längerer Zeit exilpolitisch betätigt, und seine regimekritische Haltung auf diversen Kanälen publik gemacht hat. E-4282/2018 Seite 23 7.4.5 Unter Würdigung der gesamten Aktenlage ist davon auszugehen, dass die iranischen Überwachungsbehörden ihn mit grosser Wahrschein- lichkeit identifiziert und von seinem Engagement Kenntnis genommen ha- ben. Aufgrund der Regelmässigkeit und der Intensität seiner oppositionel- len Aktivitäten ist sodann der Schluss zu ziehen, dass er sich hierdurch in erheblichem Mass exponiert hat und sich erkennbar von der breiten Masse von iranischen Regimegegnern im Ausland ab hebt. Aus Sicht der irani- schen Behörden dürfte er damit das Bild einer Person vermittelt haben, die kontinuierlich und konsequent öffentlich Kritik am iranischen Regime äus- sert. Insgesamt weist der Beschwerdeführer damit ein politisches Profil auf, welches den Argwohn der iranischen Sicherheitskräfte im Sinne einer Iden- tifizierung und Fichierung als zwar nicht hochkarätiger, aber durchaus ernst zu nehmender Regimegegner erweckt haben dürfte. 7.5 Vor diesem Hintergrund hat der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich rele- vante, ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen. Es ist ihm somit eine begründete Furcht vor Verfolgung zuzusprechen und er ist folglich als Flüchtling im Sinn e von Art. 3 AsylG anzuerkennen, zumal es durchaus als Ausdruck einer bereits im Heimatstaat bestehenden Überzeu- gung zu werten ist. Weil die Flüchtlingseigenschaft auf sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimatstaat zurückzuführen ist, ist die Gewähru ng des Asyls ausgeschlossen (Art. 54 AsylG). 7.6 Gemäss Aktenlage bestehen keine Ausschlussgründe im Sinne von Art. 1 FK. 8. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft beantragt wird. Die Dispositiv- ziffern 1, 4 und 5 der angefochtenen Verfügung des SEM vom 21. Juni 2018 sind aufzuheben und das Bundesamt ist anzuweisen, ihn als Flücht- ling anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wäre dem Beschwerdeführer auf- grund seines bloss teilweisen Obsiegens ein reduzierter Anteil der Verfah- renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwi- schenverfügung vom 15. August 2018 sein Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sich seine finanzielle Lage seither in relevanter Weise verändert hat, ist auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten. E-4282/2018 Seite 24 10. Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines teilweisem Ob- siegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine reduzierte Entschädi- gung für die ihm insoweit notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zu- zusprechen, wobei die Tatsache zu berücksichtigen ist , dass der Be- schwerdeführer erst mit seinem Subeventualbegehren durchgedrungen ist. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb das Honorar aufgrund der Akten festzulegen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Ent- schädigungspflichtig ist nur der notwendige Aufwand. Unter Würdigung der massgebenden Berechnungsfaktoren ist die reduzierte Parteientschädi- gung auf insgesamt Fr. 1500.– (inklusive sämtlicher Auslagen) festzuset- zen. (Dispositiv nächste Seite) E-4282/2018 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird − soweit die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und den Vollzug der Wegweisung betreffend – gutgeheissen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Dispositivziffern 1 sowie 4 und 5 der Verfügung des SEM vom 21. Juni 2018 werden aufgehoben. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerde- führer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine reduzierte Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1500.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain