<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 54 S.186</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">186</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>54</b></span> <span class="ft2"><b>Mitwirkung des KStA im kommunalen Veranlagungsverfahren.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Einzelfallweise Einsetzung eines ausserordentlichen kantonalen Steu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>erkommissärs.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Beamte des KStA können von der kommunalen Steuerkommission zur</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Unterstützung in Fachfragen beigezogen werden. Dies ist keine unzu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lässige Expertentätigkeit.</b></span><br/> <br/> <span class="ft1">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 3. April 2002 in Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen M.E. gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3. a) Die Steuerkommission N. stützte sich bei der Berechnung</span><br/> <span class="ft5">des Liquidationsgewinns auf den Bericht des Landwirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft5">Fachbeamten (LF) des KStA vom 25. Juni 1999, der hinsichtlich des</span><br/> <span class="ft5">Verkehrswerts der Grundstücke IR Nr. 360 und 480 wiederum auf</span><br/> <span class="ft5">einer Schätzung durch die Sektion Grundstückschätzungen des KStA</span><br/> <span class="ft5">basierte. Der Beschwerdeführer lehnt A. (Schätzer bei der Sektion</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">187</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Grundstückschätzungen) und J. (LF/KStA; im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft5">wirkte er als ausserordentlicher kantonaler Steuerkommissär im Ein-</span><br/> <span class="ft5">spracheverfahren als Mitglied der Steuerkommission N. mit) "als</span><br/> <span class="ft5">Experten" ab. Damit verkennt er deren Stellung. Das KStA nimmt</span><br/> <span class="ft5">seine Leitungsfunktion (§ 114 Abs. 1 StG) nicht nur mit Weisungen</span><br/> <span class="ft5">und Kontrollen, sondern auch mit Dienstleistungen wahr. In diesem</span><br/> <span class="ft5">Rahmen können Beamte des KStA im Auftrag der kommunalen</span><br/> <span class="ft5">Steuerkommissionen rechtliche und tatsächliche Abklärungen und</span><br/> <span class="ft5">Untersuchungen vornehmen, die der Steuerkommission dann als Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheidgrundlage dienen (vgl. AGVE 1992, S. 269; Jürg Baur, in:</span><br/> <span class="ft5">Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Muri/BE 1991, § 114 N 5).</span><br/> <span class="ft5">Es handelt sich nicht um formelle Gutachten (weshalb im angefoch-</span><br/> <span class="ft5">tenen Entscheid richtigerweise nicht vom "Gutachten" des KStA,</span><br/> <span class="ft5">sondern von dessen Schätzung die Rede sein sollte), sondern um</span><br/> <span class="ft5">Entscheidgrundlagen, welche die veranlagende Steuerkommission</span><br/> <span class="ft5">durch eine andere Steuerbehörde erstellen lässt (im Übrigen sind</span><br/> <span class="ft5">auch verwaltungsinterne Expertisen nicht unzulässig; vgl. BGE 122</span><br/> <span class="ft5">V 161 f.). Sie ist berechtigt und verpflichtet, diese Grundlagen einer</span><br/> <span class="ft5">eigenen Überprüfung zu unterziehen (Baur, a.a.O., § 133 N 15); das</span><br/> <span class="ft5">Gleiche gilt für die Rechtsmittelinstanzen. Die Steuerkommission N.</span><br/> <span class="ft5">hat die streitige Verkehrswertschätzung denn auch nicht unbesehen</span><br/> <span class="ft5">übernommen, sondern ist im Einspracheverfahren unter Berücksich-</span><br/> <span class="ft5">tigung der Vorbringen der Steuerpflichtigen zu deren Gunsten davon</span><br/> <span class="ft5">abgewichen.</span><br/> <span class="ft5">Was die "Doppelfunktion" von J. (LF/KStA und Mitglied der</span><br/> <span class="ft5">Steuerkommission als ausserordentlicher kantonaler Steuerkommis-</span><br/> <span class="ft5">sär) betrifft, so ist zunächst festzuhalten, dass der Steuerkommission</span><br/> <span class="ft5">von Amtes wegen ein kantonaler Steuerkommissär angehört (§ 117</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 StG) - was im Rahmen der Leitungsfunktion des KStA zu</span><br/> <span class="ft5">sehen ist -, die Doppelfunktion also hier vom Gesetz vorgeschrieben</span><br/> <span class="ft5">ist. Weiter ist es zulässig, einzelfallweise einen ausserordentlichen</span><br/> <span class="ft5">Steuerkommissär einzusetzen (VGE II/160 vom 11. Dezember 1992</span><br/> <span class="ft5">in Sachen H.E.; VGE II/34 vom 8. April 1999 in Sachen U.M.; Baur,</span><br/> <span class="ft5">a.a.O., § 117 N 2). Dies ist in komplexeren Fällen angezeigt, dient</span><br/> <span class="ft5">doch die umfassende Abklärung des Sachverhalts unter Beizug der-</span><br/> <span class="ft5">jenigen Person, die sich im KStA bereits mit dem Fall befasst hat,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">188</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">einerseits der Verfahrensökonomie, letztlich aber auch der Wahrung</span><br/> <span class="ft5">des rechtlichen Gehörs, denn so können die Steuerpflichtigen ihre</span><br/> <span class="ft5">Mitwirkungsrechte frühzeitig und am besten wahrnehmen. Dem Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer wurde der Bericht des LF/KStA vor dem Einsprache-</span><br/> <span class="ft5">entscheid zur Stellungnahme zugestellt und seine Einwendungen</span><br/> <span class="ft5">wurden so bereits im Einspracheverfahren berücksichtigt. Dies als</span><br/> <span class="ft5">Zeichen von Befangenheit zu werten und unter Hinweis auf die</span><br/> <span class="ft5">"Doppelfunktion" zu verhindern, würde dazu führen, dass die Mei-</span><br/> <span class="ft5">nung des LF/KStA (und Steuerkommissionsmitglieds) erst aus der</span><br/> <span class="ft5">Begründung des Einspracheentscheids ersichtlich würde, was nicht</span><br/> <span class="ft5">den Interessen der Steuerpflichtigen entspräche, sondern diesen ge-</span><br/> <span class="ft5">radezu zuwiderliefe.</span><br/> <span class="ft5">b) Unter den gegebenen Umständen gehen die Einwendungen</span><br/> <span class="ft5">des Beschwerdeführers, der nicht etwa geltend macht, A. und J. seien</span><br/> <span class="ft5">aus persönlichen Gründen befangen gewesen (vgl. § 124 StG), son-</span><br/> <span class="ft5">dern diese für Expertentätigkeit ablehnt, weil sie Beamte des KStA</span><br/> <span class="ft5">sind, am gegebenen Sachverhalt vorbei.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>