<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2024.00677</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=224652&amp;W10_KEY=13045530&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2024.00677</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 23.01.2025</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Ãbriges Verwaltungsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Ungültigerklärung der Volksinitiative "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung"</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Eine teilweise Übertragung der Kompetenz des Gemeindevorstands für die Festlegung der Ziele und der politischen Planung gemäss § 48 Abs. 1 GG an das Gemeindeparlament ist zulässig; nur die Delegation an untergeordnete Verwaltungsstellen ist durch das Gemeindegesetz ausgeschlossen (E. 3.1). Die Vorgabe, "unbebautes Land [aus ökologischen Gründen] als Erholungszonen zu erhalten und zu gestalten", zwingt die Stadt Dietikon nicht, aktiv Änderungen an ihrer BZO vorzunehmen, die im Widerspruch zu übergeordneten Planungsentscheiden stehen. Sie ist als allgemeine Leitlinie auszulegen, was mit höherrangigem Recht vereinbar ist (E. 3.2). Die Initiative ist nicht mit höherrangigem Recht vereinbar, soweit sie bei einer Überschreitung der Einwohnerzahl von 28'000 den Behörden der Stadt Dietikon untersagen will, bei der Gewährung von Baubewilligungen Ausweitungen der Ausnützungsziffern, Ausnützungsboni oder Ausnützungsverschiebungen zu gewähren. Die Rechtsanwendung im Einzelfall ist kein referendumsfähiger Gegenstand und die Anweisung zur selektiven Nichtanwendung einzelner in der BZO vorgesehener Instrumente durch eine Regelung in der Gemeindeordnung abhängig von der Einwohnerzahl verstösst unter anderem gegen das PBG und das verfassungsrechtliche Rechtsgleichheitsgebot (E. 3.3.2). Die Zielsetzung des Einpendelns der Einwohnerzahl bei 28'000 ist offensichtlich nicht durchführbar, da diese Zahl je nach Zählart mittlerweile bereits erreicht ist und es der Stadt für ein sofortiges Einfrieren oder eine Reduktion der Einwohnerzahl an zulässigen Instrumenten fehlt (E. 3.3.3). Die Initiative kann für teilgültig erklärt werden, da sie ohne den ungültigen Teilgehalt immer noch die gleiche allgemeine Zielrichtung hat, auch wenn sie weniger weit geht (E. 4.2). Die Einheit der Materie ist im vorliegenden Fall gewahrt, soweit mit der Initiative nur neue Bestimmungen eingefügt und nicht die bestehenden Normen mit der gleichen Nummerierung gelöscht werden sollen (E. 4.3). Teilweise Gutheissung und teilweise Gültigerklärung der Volksinitiative.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Staats- und Verfassungsrecht UR: Staatsorganisation und BehÃ¶rden ST: BÃRGERRECHT UND POLITISCHE RECHTE">BÃRGERRECHT UND POLITISCHE RECHTE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EINHEIT DER MATERIE">EINHEIT DER MATERIE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: IN DUBIO PRO POPULO">IN DUBIO PRO POPULO</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: UNDURCHFÃHRBARKEIT">UNDURCHFÃHRBARKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VOLKSINITIATIVE">VOLKSINITIATIVE</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art./§ 48 Abs. 1 GG</span><br/><span class="ungerade">Art. 121 Abs. 2 GPR</span><br/><span class="gerade">Art. 147 Abs. 2 GPR</span><br/><span class="ungerade">Art. 148 Abs. 2 GPR</span><br/><span class="gerade">Art. 28 Abs. 1 KV</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>4. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=68409" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2024.00677</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 4. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">23. Januar 2025</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: Verwaltungsrichter Reto HÃ¤ggi Furrer<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Tamara NÃ¼ssle, Verwaltungsrichter Marco Donatsch, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiber Dumenig Stiffler.</p> <p class="MsoNormal"><i> </i></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A,<b> </b></span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>gegen</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Gemeinderat der Stadt Dietikon,</span></p> <p class="MsoNormal"><a id="BT_Z_PLZ_N"></a><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend UngÃ¼ltigerklÃ¤rung der Volksinitiative <br/> "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung",</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">A und Mitunterzeichnende reichten am 25. Juni 2023 der Stadtkanzlei der Stadt Dietikon die Volksinitiative "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung" zur PrÃ¼fung ein. Diese hat den folgenden Wortlaut:</p> <p class="Urteilstext">"Die Gemeindeordnung der Stadtgemeinde Dietikon wird bezÃ¼glich Zweck- und Zielbestimmung wie folgt ergÃ¤nzt:</p> <p class="Urteilstext"><u>Neu Art. 3 Abs. 4</u></p> <p class="Urteilstext">FÃ¼r die Umsetzung dieser Ziele formuliert der Stadtrat und verabschiedet der Gemeinderat anfangs jeder Legislatur konkrete Umsetzungsziele. Insbesondere sind vorhandene grossflÃ¤chige nicht Ã¼berbaute Regionen in nachhaltiger Schonung der Landschaft sowie zur Wahrung und FÃ¶rderung der BiodiversitÃ¤t und damit StÃ¤rkung des Ã¶kologischen Systems als Erholungszonen zu erhalten und zu gestalten. Dazu soll die BevÃ¶lkerungsentwicklung fÃ¼r Dietikon bei hÃ¶chstens 28'000 Menschen eingependelt werden. Sollte die Limite von 28'000 Menschen Ã¼berschritten sein, ist es den BehÃ¶rden untersagt, bei Baubewilligungen fÃ¼r jede Art von Bauten und Nutzungen eine Ausweitung der ordentlichen AusnÃ¼tzungsziffern, AusnÃ¼tzungsboni und AusnÃ¼tzungsverschiebungen zu gewÃ¤hren.</p> <p class="Urteilstext"><u>Art. 28 Abs. 1 neue Ziff. 2</u></p> <p class="Urteilstext">Der Stadtrat erlÃ¤sst zu Beginn jeder Legislatur zuhanden des Gemeinderats Legislaturziele zwecks Umsetzung der in Art. 3 genannten Ziele und Zweckbestimmungen."</p> <p class="Sachverhalt2">Die Initiative wurde am 20. Juli 2023 publiziert. Mit Beschluss vom 19. Februar 2024 stellte der Stadtrat der Stadt Dietikon fest, dass sie mit 523 gÃ¼ltigen Unterschriften zustande gekommen sei.</p> <p class="Urteilstext">Auf Antrag des Stadtrats erklÃ¤rte der Gemeinderat der Stadt Dietikon die Initiative am 4. Juli 2024 mit 25 Ja-Stimmen zu 4 Nein-Stimmen bei 31 anwesenden Gemeinderatsmitgliedern wegen Verstosses gegen Ã¼bergeordnetes Recht fÃ¼r (vollumfÃ¤nglich) ungÃ¼ltig. Der Gemeinderatsbeschluss wurde am 11. Juli 2024 in der Limmattaler Zeitung amtlich publiziert.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Einen hiergegen am 15. Juli 2024 erhobenen Stimmrechtsrekurs von A wies der Bezirksrat Dietikon mit Beschluss vom 21. Oktober 2024 ab. Hierbei erwog er im Wesentlichen, dass nur der Teilgehalt der Initiative betreffend die Erhaltung und Gestaltung von vorhandenen, grossflÃ¤chigen und nicht Ã¼berbauten Regionen als Erholungszonen gegen den kantonalen Richtplan verstosse und die Initiative im Ãbrigen mit Ã¼bergeordnetem Recht vereinbar sei. Jedoch sei der ungÃ¼ltige Teilgehalt das Kernanliegen der Initianten, weshalb eine TeilgÃ¼ltigerklÃ¤rung nicht mÃ¶glich sei.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Hiergegen erhob A am 4. November 2024 Beschwerde an das Verwaltungsgericht und beantragte, der Entscheid des Bezirksrats Dietikon vom 21. Oktober 2024 sei aufzuheben und die kommunale Volksinitiative "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung" sei als gÃ¼ltig, eventualiter als teilgÃ¼ltig zu erklÃ¤ren.</p> <p class="Urteilstext">Der Bezirksrat verzichtete am 7. November 2024 auf Vernehmlassung. Der Gemeinderat der Stadt Dietikon beantragte am 12. November 2024, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werde.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist fÃ¼r die Beurteilung von Beschwerden gegen Rekursentscheide eines Bezirksrats in Stimmrechtssachen zustÃ¤ndig (§ 161 Abs. 1 des Gesetzes Ã¼ber die politischen Rechte vom 1. September 2003 [GPR, LS 161] in Verbindung mit §§ 41 ff. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG, LS 175.2]).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Der Beschwerdegegner zieht in Zweifel, dass die Beschwerde rechtzeitig erhoben wurde.</p> <p class="Erwgung3"><b>1.2.1 </b>Die Vorinstanz versandte ihren Entscheid vom 21. Oktober 2024 gleichentags per Einschreiben an den BeschwerdefÃ¼hrer. Am 22. Oktober 2024 wurde ihm die Sendung zur Abholung gemeldet. Da der BeschwerdefÃ¼hrer die Sendung nicht innert Frist abholte, wurde sie am 30. Oktober 2024 von der Post an die Vorinstanz retourniert. Hierauf sandte die Vorinstanz am 31. Oktober 2024 eine Kopie des Entscheids als A-Post-Plus-Sendung an den BeschwerdefÃ¼hrer mit dem Hinweis, dass der Entscheid per 30. Oktober 2024 ("letzter Tag der Abholfrist") als zugestellt gelte und die Rechtsmittelfrist von 5 Tagen nach diesem Datum begonnen habe. Dieses Schreiben und die Kopie des Entscheids wurden dem BeschwerdefÃ¼hrer am 1. November 2024 zugestellt. Dieser erhob daraufhin am 4. November 2024 Beschwerde.</p> <p class="Erwgung3"><b>1.2.2 </b>Da das Verwaltungsrechtspflegegesetz keine Vorschriften zu den ZustellungsmodalitÃ¤ten enthÃ¤lt, kommen praxisgemÃ¤ss die diesbezÃ¼glichen Vorschriften der Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO, SR 272), namentlich Art. 136 ff. ZPO, analog zur Anwendung. FÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Beschwerdeverfahren verweist § 71 VRG ausdrÃ¼cklich auf diese Bestimmungen (VGr, 8. Februar 2024, VB.2023.00617, E. 2.3, und 9. Juni 2021, VB.2021.00317, E. 3.2.1, und 25. Mai 2020, VB.2019.00694, E. 3.2 Abs. 2 mit Hinweisen [und das dazu ergangene Urteil BGr, 8. Oktober 2020, 2C_651/2020, E. 4.1]; Kaspar PlÃ¼ss, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014, § 10 N. 63; vgl. auch § 86 VRG). Nach Art. 138 Abs. 1 ZPO erfolgt die Zustellung von Entscheiden durch eingeschriebene Postsendung oder auf andere Weise gegen EmpfangsbestÃ¤tigung. Trifft die Postbotin den Adressaten der Zustellung nicht an, legt sie ihm eine Abholungseinladung in den Briefkasten. Holt dieser die Sendung in der Folge nicht innert einer Frist von sieben Tagen auf der Post ab, gilt die Zustellung als am siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsversuch erfolgt (sogenannte Zustellfiktion; vgl. BGE 134 V 49 E. 4 f.; PlÃ¼ss, § 10 N. 90 ff).</p> <p class="Erwgung3"><b>1.2.3 </b>Im vorliegenden Fall fand der erfolglose Zustellversuch am 22. Oktober 2024 statt. Die Sendung gilt damit als am 29. Oktober 2024 zugestellt. Der letzte Tag der fÃ¼nftÃ¤gigen Beschwerdefrist (§ 53 VRG in Verbindung mit § 22 Abs. 1 Satz 2 VRG) fÃ¤llt auf den 3. November 2024 â einen Sonntag â und erstreckt sich auf den folgenden Werktag (vgl. § 71 VRG in Verbindung mit Art. 142 Abs. 3 ZPO). Die am Montag, dem 4. November 2024, aufgegebene Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten als rechtzeitig.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Da auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>GemÃ¤ss Art. 86 Abs. 1 der Verfassung des Kantons ZÃ¼rich vom 27. Februar 2005 (KV, LS 101) regelt das Gesetz die Volksrechte in der Gemeinde, wobei es insbesondere ein Initiativrecht, ein Referendumsrecht und ein Anfragerecht vorsieht. In Parlamentsgemeinden kÃ¶nnen Einzel- und Volksinitiativen eingereicht werden Ã¼ber GegenstÃ¤nde, die dem obligatorischen oder fakultativen Referendum unterstehen (§ 147 Abs. 2 GPR). MÃ¶glich ist die kommunale Initiative sowohl in der Form des ausgearbeiteten Entwurfs als auch der allgemeinen Anregung (§ 148 Abs. 1 GPR in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 KV). FÃ¼r die Frage der GÃ¼ltigkeit einer kommunalen Initiative verweist § 148 Abs. 2 GPR auf Art. 28 Abs. 1 KV und § 121 Abs. 2 GPR. Danach ist eine Initiative gÃ¼ltig, wenn sie die Einheit der Materie wahrt, nicht gegen Ã¼bergeordnetes Recht verstÃ¶sst und nicht offensichtlich undurchfÃ¼hrbar ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>FÃ¼r die Beurteilung der RechtmÃ¤ssigkeit einer Initiative ist deren Text nach den anerkannten InterpretationsgrundsÃ¤tzen auszulegen. GrundsÃ¤tzlich ist vom Wortlaut der Initiative auszugehen und nicht auf den subjektiven Willen der Initianten abzustellen. Eine allfÃ¤llige BegrÃ¼ndung des Volksbegehrens und MeinungsÃ¤usserungen der Initianten dÃ¼rfen allerdings mitberÃ¼cksichtigt werden. Es ist von verschiedenen AuslegungsmÃ¶glichkeiten jene zu wÃ¤hlen, welche einerseits dem Sinn und Zweck der Initiative am besten entspricht und zu einem vernÃ¼nftigen Ergebnis fÃ¼hrt und welche anderseits im Sinn der verfassungskonformen Auslegung mit dem Ã¼bergeordneten Recht von Bund und Kanton vereinbar erscheint. Kann der Initiative ein Sinn beigemessen werden, der sie nicht klarerweise als unzulÃ¤ssig erscheinen lÃ¤sst, ist sie als gÃ¼ltig zu erklÃ¤ren und der Volksabstimmung zu unterstellen (BGE 132 I 282 E. 3.1, 129 I 392 E. 2.2, 111 Ia 303 E. 4 mit Hinweisen). Bei der Beurteilung der GÃ¼ltigkeit von Volksinitiativen haben die zustÃ¤ndigen Organe vom Grundsatz "in dubio pro populo" (im Zweifel zugunsten der Volksrechte) auszugehen (VGr, 31. MÃ¤rz 2022, VB.2022.00081, E. 3.4 â 2. Oktober 2020, VB.2020.00425, E. 4.3.2 â 5. Dezember 2018, VB.2018.00612, E. 4 [je mit Hinweisen]).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Die Volksinitiative "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung" hat die Form eines ausgearbeiteten Entwurfs. WÃ¤hrend die Vorinstanz sowie der Beschwerdegegner annahmen, dass sie auch die Einheit der Materie wahre und durchfÃ¼hrbar sei, verneinten sie deren Vereinbarkeit mit Ã¼bergeordnetem Recht.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die Initiative weist drei Teilgehalte auf. Der erste Teilgehalt beabsichtigt die Schaffung einer neuen, durch den Stadtrat zu erfÃ¼llenden Aufgabe: Der erste Satz des neu einzufÃ¼genden Art. 3 Abs. 4 der Gemeindeordnung der Stadt Dietikon vom 13. Juni 2021 [GO, AS 100.1] sieht vor, dass der Stadtrat zu Beginn jeder Legislatur konkrete Umsetzungsziele fÃ¼r die "Umsetzung dieser Ziele" (gemeint sind die Ziele gemÃ¤ss den Ã¼brigen AbsÃ¤tzen von Art. 3 GO sowie die mit der Initiative neu einzufÃ¼genden Ziele in den folgenden SÃ¤tzen von Art. 3 Abs. 4 GO) formuliert und der Gemeinderat diese verabschiedet. Analog dazu verlangt die Initiative eine ErgÃ¤nzung des Katalogs der Aufgaben des Stadtrats in Art. 28 Abs. 1 neue Ziff. 2 GO, wonach dieser zu Beginn jeder Legislatur zuhanden des Gemeinderats Legislaturziele zwecks Umsetzung der in Art. 3 GO genannten Ziele und Zweckbestimmungen zu erlassen habe.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.1 </b>Der Beschwerdegegner erachtet diesen Teilgehalt als nicht vereinbar mit Ã¼bergeordnetem Recht, da er die durch § 48 des Gemeindegesetzes vom 20. April 2015 (GG, LS 131.1) unentziehbar dem Stadtrat zugewiesene Kompetenz fÃ¼r die politische Planung und FÃ¼hrung verletze.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.2 </b>Nach § 48 Abs. 1 GG ist der Gemeindevorstand die oberste BehÃ¶rde der Gemeinde und zustÃ¤ndig fÃ¼r die politische Planung und FÃ¼hrung. Unter politischer Planung und FÃ¼hrung ist eine planende, zukunftsgerichtete und gemeinwohlbezogene Oberleitung zu verstehen. Es sind die grundlegenden Entscheidungen fÃ¼r einen zielgerichteten Gestaltungsprozess zu treffen. Dazu gehÃ¶rt, dass Ã¼bergeordnete Ziele ausgearbeitet und langfristige EntwicklungsplÃ¤ne beschlossen sowie mittelfristige Planungen konkretisiert werden (zum Ganzen Vittorio Jenni, in: Tobias Jaag/Markus RÃ¼ssli/Vittorio Jenni [Hrsg.], Kommentar zum ZÃ¼rcher Gemeindegesetz, ZÃ¼rich etc. 2017 [Kommentar GG], § 48 N. 3; VGr, 2. Oktober 2020, VB.2020.00425, E. 4.3.4). Hierbei handelt es sich um eine unÃ¼bertragbare und unentziehbare Aufgabe des Gemeindevorstands, die nicht an untergeordnete Stellen delegiert werden darf (vgl. Jenni, § 48 N. 8; vgl. ferner Art. 28 Abs. 1 Ingress GO).</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.3 </b>Die von der Volksinitiative vorgesehene Aufgabe, wonach der Stadtrat der Stadt Dietikon kÃ¼nftig konkrete Umsetzungsziele zu den allgemeinen Zweck- und Zielbestimmungen von Art. 3 GO zu formulieren hat und diese durch den Gemeinderat zu bewilligen sind respektive der Stadtrat zuhanden des Gemeinderats solche Ziele zu erlassen hat, ist so zu verstehen, dass der Stadtrat frei in der Entscheidung ist, auf welche Art und Weise er die Vorgaben der Gemeindeordnung umsetzen mÃ¶chte und welche Ziele er formuliert. Er hat jedoch anschliessend im Sinn von § 36 Abs. 1 GG Antrag an den Gemeinderat zu stellen, damit dieser die formulierten Ziele beschliesst (vgl. Emanuel BrÃ¼gger, Kommentar GG, § 36 N. 3). Dies mag im Resultat einer teilweisen Ãbertragung der Kompetenz fÃ¼r die Festlegung der Ziele und damit der politischen Planung gleichkommen. Soweit diese Ãbertragung jedoch an den Gemeinderat erfolgt, ist dies entgegen der Ansicht des Beschwerdegegners nicht durch das Gemeindegesetz ausgeschlossen. Soweit diesem oder der dazugehÃ¶rigen Literatur zu entnehmen ist, dass es sich bei der politischen Planung um eine unÃ¼bertragbare Aufgabe des Gemeindevorstands handle, bezieht sich dies nur auf die Delegation an nachgeordnete Verwaltungsstellen, das heisst beispielsweise an Kommissionen oder Verwaltungsangestellte. Ausserdem bezieht sich die Ãbertragung der Kompetenz der Zielfestlegung vorliegend nur auf einen klar abgegrenzten Bereich (die Ziele gemÃ¤ss Art. 3 GO) und verbleibt dem Stadtrat auch in diesem Bereich bei der Ausgestaltung seiner AntrÃ¤ge an den Gemeinderat ein erhebliches Ermessen.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.4 </b>Folglich ist der erste Teilgehalt der Volksinitiative "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung" mit Ã¼bergeordnetem Recht vereinbar.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Der zweite Teilgehalt der Initiative besteht darin, dass vorhandene grossflÃ¤chige nicht Ã¼berbaute Regionen in nachhaltiger Schonung der Landschaft sowie zur Wahrung und FÃ¶rderung der BiodiversitÃ¤t und damit StÃ¤rkung des Ã¶kologischen Systems als Erholungszonen zu erhalten und zu gestalten seien.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.2.1 </b>Ob der Initiativtext mit seiner Formulierung explizit die Erhaltung und Gestaltung von Erholungszonen im Sinn von § 61 Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG, LS 700.1) fordert oder der Begriff Erholungszonen als Ãberbegriff fÃ¼r verschiedene Zonen, die nicht dem Siedlungsgebiet zuzurechnen sind, aufzufassen ist, ist fÃ¼r die Frage der Beurteilung der Vereinbarkeit der Initiative mit hÃ¶herrangigem Recht nicht von Belang. So oder anders ist die Gemeinde in ihrer Raumplanung nicht frei, sondern im Wesentlichen durch zahlreiche Festlegungen auf Ã¼bergeordneten Planungsstufen (wie bspw. dem kantonalen oder regionalen Richtplan) eingeschrÃ¤nkt (vgl. bspw. zu Erholungszonen ausserhalb der Bauzone: § 62 Abs. 2 PBG; VGr, 16. Mai 2024, VB.2023.00322, E. 4.3). Mit anderen Worten ist die Stadt Dietikon auch nicht vÃ¶llig frei in ihrer Entscheidung, gewisse "Regionen" als Erholungszone "zu erhalten und zu gestalten", sondern hat sich stets im durch die Ã¼bergeordnete Richtplanung â insbesondere den regionalen Richtplan Limmattal â und die dortigen Zuordnungen betreffend Siedlungsgebiet und Erholungsgebiet festgelegten Rahmen zu bewegen. Immerhin ist die Stadt Dietikon jedoch bei der Erarbeitung des regionalen Richtplans Ã¼ber den entsprechenden Zweckverband involviert (vgl. § 12 Abs. 1 PBG).</p> <p class="Erwgung3"><b>3.2.2 </b>Der Initiativtext mit der Formulierung "grossflÃ¤chige nicht Ã¼berbaute Regionen sind [â¦] als Erholungszonen zu erhalten und zu gestalten" sieht nicht explizit und zwingend vor, dass die Stadt Dietikon bei Annahme der Initiative aktiv Ãnderungen an ihrer Bau- und Zonenordnung oder ihrem kommunalen Nutzungsplan vornehmen mÃ¼sste, die im Widerspruch zu Ã¼bergeordneten Planungsentscheiden stehen. Die von der Initiative beabsichtigte Ãnderung der Gemeindeordnung kann vielmehr als allgemeine Leitlinie ausgelegt werden, nach welcher die Stadt Dietikon ihre eigene Nutzungsplanung auszurichten hat, soweit dies im Rahmen der planerischen Stufenordnung zulÃ¤ssig ist, und als Aufforderung an die BehÃ¶rden der Stadt, sich in Ã¼bergeordneten Planungsgremien entsprechend dieser Zielvorgabe zu engagieren. Eine solche Auslegung ist mit Ã¼bergeordnetem Recht vereinbar, womit die Initiative in ihrem zweiten Teilgehalt fÃ¼r gÃ¼ltig zu erklÃ¤ren ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Der dritte Teilgehalt der Initiative sieht vor, dass die BevÃ¶lkerung der Stadt Dietikon bei 28'000 Menschen "eingependelt" werden soll und es den BehÃ¶rden bei Ãberschreitung dieser BevÃ¶lkerungszahl untersagt ist, bei Baubewilligungen fÃ¼r jede Art von Bauten und Nutzungen eine Ausweitung der ordentlichen AusnÃ¼tzungsziffern, AusnÃ¼tzungsboni und AusnÃ¼tzungsverschiebungen zu gewÃ¤hren.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.1 </b>Die konkrete HÃ¶he von AusnÃ¼tzungsziffern sowie die Voraussetzungen, unter denen AusnÃ¼tzungsboni oder AusnÃ¼tzungsverschiebungen gewÃ¤hrt werden kÃ¶nnen, sind im kommunalen Baurecht geregelt (vgl. fÃ¼r die Stadt Dietikon Art. 16, 17, 18, 21a und 26 der Bauordnung der Stadt Dietikon vom 19. MÃ¤rz 1987 [BZO, AS 710.1]). Die Gemeinden sind durch Bundesrecht angehalten, die Siedlungsentwicklung nach innen zu lenken (vgl. Art. 1 Abs. 2 lit. a<sup>bis</sup> des Raumplanungsgesetzes vom 22. Juni 1979 [RPG, SR 700]) respektive Massnahmen zur besseren Nutzung der brachliegenden oder ungenÃ¼gend genutzten FlÃ¤chen in Bauzonen und der MÃ¶glichkeiten zur Verdichtung der SiedlungsflÃ¤che zu treffen (Art. 3 Abs. 3 lit. a<sup>bis</sup> RPG). Entsprechende Ãberlegungen haben in die Planung einzufliessen und sind relevante Faktoren in entsprechenden InteressenabwÃ¤gungen. Es sind jedoch verschiedene Massnahmen denkbar, um diese Ziele zu erreichen, womit EinschrÃ¤nkungen im Bereich der AusnÃ¼tzungsziffern allein noch keinen Verstoss gegen das Ã¼bergeordnete Recht begrÃ¼nden.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.2 </b>Zu beachten ist jedoch, dass die Formulierung der Initiative keine Ãnderung der kommunalen Bauordnung anstrebt. Vielmehr verlangt sie, dass die BehÃ¶rden bei der GewÃ¤hrung von Baubewilligungen â mithin bei Entscheidungen Ã¼ber die Rechtsanwendung im Einzelfall â zukÃ¼nftig abhÃ¤ngig von der jeweiligen BevÃ¶lkerungszahl selektiv einzelne Bestimmungen der Bauordnung nicht anwenden dÃ¼rfen. Hierbei handelt es sich grundsÃ¤tzlich nicht um einen referendumsfÃ¤higen Gegenstand, womit auch eine Initiative, die dies verlangt, ungÃ¼ltig ist (vgl. § 147 Abs. 2 GPR; vgl. Christian Schuhmacher, in: Isabelle HÃ¤ner/Markus RÃ¼ssli/Evi Schwarzenbach [Hrsg.], Kommentar zur ZÃ¼rcher Kantonsverfassung, ZÃ¼rich etc. 2007 [Kommentar KV], Art. 28 N. 28). Im Ãbrigen verstÃ¶sst die Initiative in diesem Teilgehalt auch gegen Ã¼bergeordnetes Recht, weil eine unterschiedliche Handhabung der in der BZO vorgesehenen Instrumente abhÃ¤ngig von der aktuellen Einwohnerzahl der Stadt willkÃ¼rlich (Art. 9 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) und rechtsungleich (Art. 8 BV) wÃ¤re. Die Einwohnerzahl ist ein sachfremdes Kriterium dafÃ¼r, ob fÃ¼r ein Bauprojekt eine Ausweitung der ordentlichen AusnÃ¼tzungsziffern, AusnÃ¼tzungsboni oder AusnÃ¼tzungsverschiebungen gewÃ¤hrt werden kÃ¶nnen. Zudem ist die zulÃ¤ssige GrundstÃ¼cksnutzung zwingend in der Bau- und Zonenordnung zu regeln (vgl. § 250 Abs. 1 PBG; ferner Art. 21 Abs. 1 RPG), weshalb eine die Bau- und Zonenordnung Ã¼bersteuernde Regelung in der Gemeindeordnung nicht zulÃ¤ssig ist. Schliesslich sieht § 320 PBG vor, dass Anspruch auf Bewilligungserteilung besteht, wenn ein Bauvorhaben den Vorschriften dieses Gesetzes und der ausfÃ¼hrenden VerfÃ¼gungen entspricht. Den kommunalen BehÃ¶rden verbleibt damit kein Spielraum dafÃ¼r, aufgrund einer Bestimmung in der Gemeindeordnung die Erteilung von Baubewilligungen im Einzelfall zu verweigern, obwohl das Bauprojekt den gesetzlichen Vorschriften entspricht.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.3 </b>Die Zielsetzung des "Einpendelns" der Einwohnerzahl der Stadt Dietikon bei 28'000 Menschen ist aufgrund der faktischen und rechtlichen Rahmenbedingungen offensichtlich nicht durchfÃ¼hrbar: Die BevÃ¶lkerung der Stadt Dietikon liegt je nach Berechnungsart bereits heute Ã¼ber der in der Initiative genannten Schwelle von 28'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Eine Annahme der Initiative wÃ¼rde faktisch ein sofortiges Einfrieren oder sogar eine Reduktion der Einwohnerzahl zur Folge haben mÃ¼ssen. Hierzu fehlt es der Stadt jedoch an zulÃ¤ssigen Instrumenten. Wie bereits ausgefÃ¼hrt, hat sie grundsÃ¤tzlich bewilligungsfÃ¤hige Bauprojekte aufgrund Ã¼bergeordneten Rechts zu bewilligen. Auf Geburten und TodesfÃ¤lle kann sie sodann keinen Einfluss nehmen und Massnahmen, die einen Zuzug in die Stadt erschweren wÃ¼rden, stÃ¼nden im Widerspruch zur Niederlassungsfreiheit gemÃ¤ss Art. 24 Abs. 1 BV, welche es den Kantonen und Gemeinden unter anderem gebietet, jeder Schweizerin und jedem Schweizer die Niederlassung auf ihrem Gebiet zu erlauben (BGE 148 I 97 E. 3.2.1, 135 I 233 E. 5.2, 128 I 280 E. 4.1.1; BGr, 5. August 2021, 2C_41/2021, E. 5.1).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.4 </b>Im Resultat ist die Volksinitiative "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung" nur insofern mit Ã¼bergeordnetem Recht vereinbar und durchfÃ¼hrbar, als sie neue Aufgaben des Stadt- und Gemeinderats sowie die Erhaltung und Gestaltung von "grossflÃ¤chige[n] nicht Ã¼berbaute[n] Regionen in nachhaltiger Schonung der Landschaft sowie zur Wahrung und FÃ¶rderung der BiodiversitÃ¤t und damit StÃ¤rkung des Ã¶kologischen Systems als Erholungszonen" als allgemeine Zielvorgabe in die Gemeindeordnung der Stadt Dietikon aufnehmen mÃ¶chte. </p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Zu klÃ¤ren bleibt, ob die Initiative bezÃ¼glich des zulÃ¤ssigen Teilgehalts fÃ¼r gÃ¼ltig erklÃ¤rt werden kann. Eine teilweise GÃ¼ltigerklÃ¤rung ist nur zulÃ¤ssig, wenn sie sich mit dem politischen Willen, den eine stimmberechtigte Person mit der Unterzeichnung der Initiative ausdrÃ¼ckt, vereinbaren lÃ¤sst. Deshalb darf eine Initiative nur dann fÃ¼r teilweise gÃ¼ltig erklÃ¤rt werden, wenn anzunehmen ist, dass die Unterzeichnenden auch eine nur die gÃ¼ltigen Teile umfassende Initiative unterzeichnet hÃ¤tten; das ist zu vermuten, wenn diese Teile das wesentliche Anliegen der Initianten umfassen und immer noch ein sinnvolles Ganzes bilden (vgl. zum Ganzen Schuhmacher, Kommentar KV, Art. 28 N. 32; BGE 125 I 21 E. 7b).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Die Zielbestimmung zur Erhaltung und Gestaltung von Erholungszonen stellt sowohl fÃ¼r sich allein genommen als auch zusammen mit der neuen Aufgabe des Stadtrats gemÃ¤ss erstem Teilgehalt ein sinnvolles Ganzes dar und es ist anzunehmen, dass es sich dabei um ein wesentliches Anliegen der Initiative handelt. Zwar bringt der BeschwerdefÃ¼hrer mehrfach vor, dass die Absicht der Initiative die BeschrÃ¤nkung des verdichteten Bauens beschlÃ¤gt, betont jedoch auch die Ã¶kologischen und landschaftsschonenden Zielsetzungen. Es ist anzunehmen, dass die Stimmberechtigen, welche die Initiative unterzeichneten, dies auch getan hÃ¤tten, wenn sie nur aus den mit dem Ã¼bergeordneten Recht vereinbaren Teilgehalten bestanden hÃ¤tte. So geht die Initiative ohne ihren dritten Teilgehalt (AbÃ¤nderung der Bauvorschriften abhÃ¤ngig von der BevÃ¶lkerungszahl) unbestrittenermassen weniger weit als mit ihm, die allgemeine Zielrichtung bleibt jedoch die Gleiche und liegt folglich vermutungsgemÃ¤ss ebenso im Interesse der unterzeichnenden StimmbÃ¼rgerinnen und StimmbÃ¼rger. <a id="_Hlk191538653">Entsprechend kann die Initiative in ihrem mit dem Ã¼bergeordneten Recht vereinbaren und durchfÃ¼hrbaren Gehalt fÃ¼r teilgÃ¼ltig erklÃ¤rt werden.</a></p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Zu klÃ¤ren bleibt, ob der neu einzufÃ¼gende Absatz 4 zu Art. 3 GO sowie die neu einzufÃ¼gende Ziffer 2 zu Art. 28 Abs. 1 GO die bisher an dieser Stelle stehenden Normen ersetzen oder diese lediglich verschieben. Die Initiative Ã¤ussert sich hierzu nicht klar. Zielte die Initiative darauf ab, den bestehenden Art. 3 Abs. 4 GO (betreffend die Zielsetzung der Gemeinde, qualitativ hochwertigen und preisgÃ¼nstigen Wohnraum zu schaffen sowie stÃ¤dtische GrundstÃ¼cke grundsÃ¤tzlich im Baurecht an gemeinnÃ¼tzige WohnbautrÃ¤ger abzutreten, und die Aufgabe des Stadtrats, hierÃ¼ber alle vier Jahre Bericht zu erstatten) und den bestehenden Art. 28 Abs. 1 Ziff. 2 GO (betreffend die dem Stadtrat unÃ¼bertragbar zustehende Verantwortung fÃ¼r den Gemeindehaushalt und fÃ¼r die ihm durch die eidgenÃ¶ssische und kantonale Gesetzgebung oder die BehÃ¶rden des Bundes, des Kantons oder des Bezirks Ã¼bertragenen Aufgaben) aufzuheben und zu ersetzen, stÃ¼nde dies in keinem vernÃ¼nftigen Sachzusammenhang mit den neu einzufÃ¼genden Bestimmungen betreffend die neuen Ã¶kologischen Zielsetzungen und der Aufgabe des Stadtrats zur Verabschiedung von Legislaturzielen. Diesfalls wÃ¤re die Initiative wegen Verstosses gegen den Grundsatz der Einheit der Materie fÃ¼r ungÃ¼ltig zu erklÃ¤ren. Die Initiative ist jedoch mit Blick auf ihren Ingress ("Die [GO] wird bezÃ¼glich Zweck- und Zielbestimmungen wie folgt <i>ergÃ¤nzt</i>:") und weil sich keine gegenteiligen Hinweise ergeben, so zu verstehen, dass die fraglichen Bestimmungen zusÃ¤tzlich in die Gemeindeordnung aufzunehmen sind, was zu einer Verschiebung des bisherigen und der nachfolgenden AbsÃ¤tze respektive Ziffern fÃ¼hrt. </p> <p class="Urteilstext">Aus Sicht der Einheit der Materie unproblematisch ist schliesslich der Sachzusammenhang zwischen den zwei als gÃ¼ltig erklÃ¤rten Teilgehalten der Initiative: Dieser ist gegeben, da sich die neu zu schaffenden Aufgabenkompetenzen des Stadt- und Gemeinderats klar (auch) auf die neu einzufÃ¼genden Ã¶kologischen Zielsetzungen beziehen und deren Umsetzung dienen.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Nach dem Gesagten ist die Volksinitiative "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung" teilweise fÃ¼r gÃ¼ltig zu erklÃ¤ren und in folgendem Wortlaut der StimmbevÃ¶lkerung der Stadt Dietikon zur Abstimmung zu unterbreiten:</p> <p class="Urteilstext">"Die Gemeindeordnung der Stadtgemeinde Dietikon wird bezÃ¼glich Zweck- und Zielbestimmung wie folgt ergÃ¤nzt:</p> <p class="Urteilstext"><u>Neu Art. 3 Abs. 4</u></p> <p class="Urteilstext">FÃ¼r die Umsetzung dieser Ziele formuliert der Stadtrat und verabschiedet der Gemeinderat anfangs jeder Legislatur konkrete Umsetzungsziele. Insbesondere sind vorhandene <a id="_Hlk191538826">grossflÃ¤chige nicht Ã¼berbaute Regionen </a>in nachhaltiger Schonung der Landschaft sowie zur Wahrung und FÃ¶rderung der BiodiversitÃ¤t und damit StÃ¤rkung des Ã¶kologischen Systems als Erholungszonen zu erhalten und zu gestalten.</p> <p class="Urteilstext"><u>Art. 28 Abs. 1 neue Ziff. 2</u></p> <p class="Urteilstext">Der Stadtrat erlÃ¤sst zu Beginn jeder Legislatur zuhanden des Gemeinderats Legislaturziele zwecks Umsetzung der in Art. 3 genannten Ziele und Zweckbestimmungen."</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Urteilstext">GestÃ¼tzt auf § 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 4 VRG sind die Kosten des vorliegenden Verfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen.</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss <a id="Text31">erkennt</a> <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Dispositiv-Ziff. I des Entscheids des Bezirksrats Dietikon vom 21. Oktober 2024 sowie der Beschluss des Beschwerdegegners vom 4. Juli 2024 werden aufgehoben.</span></p> <p class="Einzug2"><span> Die kommunale Volksinitiative "Ja zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung" wird im Sinn der ErwÃ¤gungen fÃ¼r teilweise gÃ¼ltig erklÃ¤rt und ist in folgendem Wortlaut einer Volksabstimmung zu unterstellen:</span></p> <p class="Urteilstext">"Die Gemeindeordnung der Stadtgemeinde Dietikon wird bezÃ¼glich Zweck- und Zielbestimmung wie folgt ergÃ¤nzt:</p> <p class="Urteilstext"><u>Neu Art. 3 Abs. 4</u></p> <p class="Urteilstext">FÃ¼r die Umsetzung dieser Ziele formuliert der Stadtrat und verabschiedet der Gemeinderat anfangs jeder Legislatur konkrete Umsetzungsziele. Insbesondere sind vorhandene grossflÃ¤chige nicht Ã¼berbaute Regionen in nachhaltiger Schonung der Landschaft sowie zur Wahrung und FÃ¶rderung der BiodiversitÃ¤t und damit StÃ¤rkung des Ã¶kologischen Systems als Erholungszonen zu erhalten und zu gestalten.</p> <p class="Urteilstext"><u>Art. 28 Abs. 1 neue Ziff. 2</u></p> <p class="Einzug2"><span>Der Stadtrat erlÃ¤sst zu Beginn jeder Legislatur zuhanden des Gemeinderats Legislaturziele zwecks Umsetzung der in Art. 3 genannten Ziele und Zweckbestimmungen."</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 95.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'095.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden auf die Gerichtskasse genommen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) den Bezirksrat Dietikon.</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>