B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1932/2013 U r t e i l v o m 2. M a i 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch; Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. März 2013 / N (…). E-1932/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen He i- matstaat am 14. Dezember 2010 und reiste am 23. Dezember 2010 in die Schweiz ein. Gleichentags suchte er im Empfangs- und Verfahrenszent- rum (EVZ) B ._______ um Asyl nach. Anlässlich der Kurzbefr agung vom 24. Dezember 2010 im EVZ und der Anhörung vom 3. Januar 2011 zu den Asylgründen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei ethnischer Tamile und stamme aus C._______ (Jaffna District) . Aufgrund eines vor Jahren absolvierten Trainings für die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam), der Mitgliedschaft einer Cousine bei dieser Org a- nisation, der eigenen Unterstützung der LTTE sowie der Teilnahme an po- litischen Demonstrationen und Veranstaltungen in seiner Eigenschaft als (…) seiner Schule werde er von der EPDP (Eelam People's Democratic Party) und der srilankischen Armee verfolgt. Insbesondere werde er akt u- ell gesucht und er sei einmal für zwei beziehungsweise drei Wochen in einem Armee -Camp festgehalten, verhört und gefoltert worden, wobei man ihn auch sexuell misshandelt habe. Für den weiteren Inhalt der Aus- sagen wird auf die Akten verwiesen , soweit darauf nicht in den Erwägu n- gen eingegangen wird. Im Zusammenhang mit den in der Anhörung thematisierten und beim B e- schwerdeführer Scham und starke Emotionen hervorrufenden sexuellen Misshandlungen wurde diesem seitens der Befragerin offeriert, eine e r- gänzende Anhörung zu den Asylgründen in Anwesenheit eines reinen Männerteams durchzuführen. Der Beschwerdeführer erklärte sich mit diesem Vorgehen einverstanden. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer seine Identitätskarte zu den Akten. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 7. März 2013 – eröffnet am 11. März 2013 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es dessen Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Auf die B e- gründung wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. C. Mit Beschwerdeeingabe vom 10. April 2013 (und Ergänzung vom 16. April E-1932/2013 Seite 3 2013) beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung vom 7. März 2013 und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur e r- gänzenden Sachverhaltsfeststellung, eventualiter die Gewährung von Asyl unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und subeventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme unter Feststellung der Unzulässi g- keit des Wegweisungsvollzuges. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei fe r- ner die unentgeltliche Prozessführung für die Verfahrenskosten zu bewi l- ligen und auf d ie Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegan- gen. D. Die Instruktionsrichterin stellte mit Zwischenverfügung vom 12. April 2013 den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers während d es Beschwer- deverfahrens fest und stellte ein Rückkommen auf die Beschwerde nach Eingang und Prüfung der vorinstanzlichen Akten in Aussicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-1932/2013 Seite 4 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwe rde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlic her Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirke n. Den frauenspezifi- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den E-1932/2013 Seite 5 Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.2 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 5. 5.1 Das BFM stellte in der angefochtenen Verfügung vom 7. März 2013 fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es dessen Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zur Begründung des a b- lehnenden Asylentscheides qualifizierte es die geltend gemachten Verfo l- gungsvorbringen als den Anforderungen der Art. 7 und 3 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sachverhalts beziehung s- weise an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügend. Die Wegweisung stelle die Regelfolge der Ablehnung eines Asylgesuchs dar und der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Für die detaillierte Begründung wird auf die Akten verwiesen. 5.2 Die Beschwerde vom 10. April 2013 und die Ergänzungseingabe vom 16. April 2013 richten sich inhaltlich gegen sämtliche Teile der angefoc h- tenen Verfügung. Für die deta illierte materielle Begründung und den I n- halt der eingereichten Beweismittel wird auf die Akten verwiesen, soweit darauf nicht in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen wird. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer im Besonderen eine Ve r- letzung des Untersuchungsgrundsatzes und seines Anspruchs auf rech t- liches Gehör sowie eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung (vgl. B e- schwerde S. 5). Diese Rechtsverletzungen gründeten im Umstand, dass ihm seitens des BFM betreffend die ansatzweise gelte nd gemachte g e- schlechtsspezifische Verfolgung die Durchführung eine r weiteren Anhö- rung in Aussicht gestellt worden sei, wozu er sich einverstanden erklärt E-1932/2013 Seite 6 habe. Der vorliegende, nach langer Wartezeit getroffene abschlägige Entscheid sei aber ergangen, ohne dass vorgängig eine solche ergä n- zende Anhörung zu diesem flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Thema durchgeführt worden sei. Aufgrund dieses Fehlers formeller Natur müsse die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen werden. 6. Diese Rüge formeller Art ist vollum fänglich und offensichtlich be rechtigt, wie sich aus nachfolgenden Überlegungen ergibt: 6.1 Im Asylverfahren – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der Un- tersuchungsgrundsatz, das heisst, die Asylbehörde hat den rechtserhebli- chen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Dabei muss sie die für das Verfahren erforderlichen Sachve r- haltsunterlagen beschaffen und die relevant en Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht und unter dem Blickwi n- kel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der S chweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) das Recht, an der Feststellung des Sachve r- halts mitzuwirken (vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2, BVGE 2007/21 E. 11.1.3 mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asy l- rekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 13). Die Art. 7 (Glaubhaftmachung) und 8 AsylG (Mitwirkungspflicht) befassen sich mit Fragen des Bewei s- masses beziehungsweise der Beweislast. Art. 7 AsylG lässt für die Sac h- verhaltsermittlung im Grundsatz das Beweismass der Glaubha ftigkeit ge- nügen, wobei Art. 8 AsylG – als Korrelat zum in Art. 12 VwVG verankerten und der Behörde obliegenden Untersuchungsgrundsatz – die asyls u- chende Person einer weitreichenden Mitwirkungspflicht unterstellt; Ker n- punkt dieser Mitwirkungspflicht ist die Angabe der Asylgründe (Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG). Die beiden Bestimmungen beschlagen somit einerseits die Erfassung des gemäss Mitwirkungspflicht von den Asylgesuchstelle n- den vorzutragenden und gegebenenfalls durch Beweismittel zu unterl e- genden Sachverhalts sowie behördlicherseits die (gegebenenfalls durch weitere Untersuchungs- und Beweismassnahmen vorzunehmende) Fes t- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts. In formeller Hinsicht hat ein Gesuchsteller Anspruch auf Wahrung des rechtlichen Gehörs. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 2 9 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) fordert unter anderem, dass die verfügende Behö r- de die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und erns t-E-1932/2013 Seite 7 haft prüft und in der Entscheidfindung berücksi chtigt, was sich entspr e- chend in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung niede r- zuschlagen hat (Art. 35 Abs. 1 VwVG; EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3 und 2006 Nr. 24 E. 5.1). Die Begründungsdichte hat sich dabei nach dem Ver- fügungsgegenstand, den Verfahr ensumständen und den Interessen des oder der Betroffenen zu richten, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in rechtlich geschützte Interessen eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f.; EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1. S. 256 ; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2012/21 E. 5.1 [1. Abschnitt] m.w.H.). 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass d er Beschwerdeführer den ihm obliegenden Teil zur Sachverhaltsermittlung insofern beigetragen hat, als das BFM ihm keine Verletzung der Mitwirkungspflicht zur Last ge- legt hat und eine solche auch objektiv nicht augenfällig erkennbar ist. Demgegenüber erkennt das Gericht jedoch eine Verletzung des Unters u- chungsgrundsatzes durch die Vorinstanz im Sinne einer unvollständigen und unrichtigen Abklärung und Erhebung des rechtserheblichen Sachver- halts. Rechtserheblich im Hinblick die Frage der allfälligen Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls sowie des möglichen Bestehens von Vollzugshindernissen (vgl. die gesetzlichen Grundlagen oben in E. 4) sind selbstredend behauptungsgemäss erlittene Folter und Misshandlungen. Somit stehen insbesondere auch Misshandlungen ge- schlechtsspezifischer Art im Fokus der flüchtlingsrechtlichen Beurteilung. Solche hat der Beschwerdeführer nicht nur aktenkundig erwähnt, sondern die Vorinstanz hat deren potenzielle Erheblichkeit im Hinblick auf die En t- scheidfindung zurecht und im richtigen Zeitpunkt erkannt, indem die Befragerin anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen (vgl. Akte A5 F83 ff., insb. F87 ff.) unter dem Eindruck von beim Beschwerdeführer aufkommender Scham und starke r Emotionalität die Durchführung einer ergänzenden Anhörung in Anwesenheit eines reinen Männerteams offe- riert hat, zu welchem Vorgehen sich der Beschwerdeführer einverstanden erklärt hat. Seit dieser Anhörung vom 3. Januar 2011 und bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 7. März 2013, mithin in einem Zei t- raum von über zwei Jahren, wurde aber nicht nur die Durchführung der in Aussicht gestellten Ergänzungsanhörung unterlassen, sondern es wurden seitens des BFM überhaupt keine Verfahrensschritte unternommen. In s- besondere wurde dem Beschwerdeführer weder mitgeteilt noch gar b e- gründet, dass und weshalb die zugesicherte Ergän zungsanhörung nicht durchgeführt werden soll. Eine Erklärung und Begründung für diese U n- terlassung lässt sich im Übrigen auch der angefochtenen Verfügung se l- ber nicht entnehmen. Der Beschwerdeführer hatte objektiv betrachtet of-E-1932/2013 Seite 8 fensichtlich keinen Anlass, von sich auch zu interveni eren und das BFM zur Anberaumung der in Aussicht gestellten Ergänzungsanhörung anz u- halten. Vielmehr durfte er auf die ihm am 3. Januar 2011 abgegebene kla- re Zusicherung der Befragerin vertrauen. Die Unterlassung der Durchfü h- rung einer Ergänzungsanhörung st ellt damit klar eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung, eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und eine Missachtung des dem Beschwerdeführer zustehenden An- spruchs auf rechtliches Gehör dar. Darüber hinaus ist die Begründung s- pflicht insoweit ver letzt, als das BFM dem Beschwerdeführer auch nicht ansatzweise Gründe oder zumindest Erklärungen dafür vorlegt, weshalb es sich entgegen seiner ursprünglichen Zusicherung zu einem Verzicht auf die Durchführung der Ergänzungsanhörung veranlasst sehe. 6.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Eine Verle t- zung des rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich – das heisst un- geachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin ergangenen Entscheides (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4, BVGE 2008/14 E. 4.1, BVGE 2007/30 E. 8.2 m.w.H., BVGE 2007/27 E. 10.1). Die He i- lung von Gehörsverletzungen ist aus prozessökonomischen Gründen auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerde- instanz im streitigen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tat- bestand und Rechtsanwendung zukommt sowie die festgestellte Verle t- zung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt we r- den kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 sowie BVGE 2012/21 E. 5.1 [2. Abschnitt] m.w.H.). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Insbesondere ist zu beachten, dass weitere Sachverhaltsabklärungen auf Stufe der B e- schwerdehängigkeit beim letztinstanzlich entscheidenden Bundesverwa l- tungsgericht eine Gehörsverletzung jedenfalls dann nicht heilen könnte, wenn das Gericht aufgrund der neuen Sachverhaltslage zu einem für d en Beschwerdeführer ungünstigen Urteil gelangen würde, sei dies nun im Asyl-, im Wegweisungs - oder im Vollzugspunkt. De m Beschwerdeführer würde dadurch der Instanzenweg abgeschnitten. Eine Vornahme der E r- gänzungsanhörung durch das Bundesverwaltungsgericht fällt somit vo r- liegend ausser Betracht. 6.4 Das Bundesverwaltungsgericht erkennt somit eine unvollständige und unter Verletzung des rechtlichen Gehörs gewonnene Sachverhaltsfes t- stellung. Die vom Beschwerdeführer erhobene Rüge formeller Art ist d a- her offensichtlich begründet. E-1932/2013 Seite 9 Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufz uheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das BFM ist gehalten, den rechtserhebl i- chen Sachverhalt vollständig abzuklären und gestützt darauf sowie unter Mitberücksichtigung der vorliegenden Beschwerdeakten einen neuen Entscheid zu fällen. Einstweilen erübrigt es sich für das Bundesverwa l- tungsgericht, auf die weiteren Beschwerdeinhalte näher einzugehen. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Beschwerde insoweit gutzuheissen. Die Sache geht zurück an das BFM zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 - 3 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung für die Verfahrenskosten (Art. 65 Abs. 1 VwVG) wird damit hinfällig. Jenes um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses (Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist bereits durch den Umstand hinfä l- lig geworden, dass vorliegendes Urteil direkt und instruktionslos ergeht. 8.2 Obsiegende Parteien haben grundsätzlich Anspruch auf eine Parte i- entschädigung für die ihnen erwachse nen notwendigen und verhältni s- mässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Vorliegend sind dem im Hauptantrag (Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur ergänzenden Sachverhaltsfeststellung) obsiegenden Beschwerdeführer offensichtlich keine solchen verhältnismässig hohen Kosten entstanden. Dabei ist fes t- zustellen, dass der Beschwerdeführer zwar seit dem 16. März 2013 a k- tenkundig durch rubrizierten Rechtsanwalt vertreten ist und letzterer am 17. März 2013 als einzige Rechtshandlung beim BFM um Zustellung der Akten ersucht hat. Die Beschwerde vom 10. April 2013 wurde indesse n vom Beschwerdeführer selber verfasst. Erst am 16. April 2013 trat der Rechtsvertreter vor dem Bundesverwaltungsgericht in Erscheinung, i n- dem er im Auftrag des Beschwerdeführers ein von diesem in der Rechts- mitteleingabe angekündigtes Beweismittel mit einem siebenzeiligen Kurz-E-1932/2013 Seite 10 kommentar zukommen liess. Dieser Aufwand hat offensichtlich keine ver- hältnismässig hohen Kosten verursacht. Es ist somit keine Parteien t- schädigung zuzusprechen. Die Ausrichtung einer solchen wurde im Übr i- gen bislang auch nicht beantragt. (Dispositiv nächste Seite) E-1932/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen. 2. Die Sache geht zurück an das BFM zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts im Sinne der Erwägungen und zur Neubeurteilung. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: