BRKE II Nrn. 155 und 156/1992 vom 21. Juli 1992 in BEZ 1992 Nr. 34 8. b) Dass, wie dies der private Rekursgegner einwendet, das Näherbaurecht nur zulässig sein solle, wenn einzig der kantonal -rechtliche Mindestabstand von 3.5 m unterschritten wird, ist abwegig und ergibt sich weder aus der Systematik des G e- setzes noch aus Sinn und Zweck der neu statuierten Norm. Es war gesetzestec h- nisch naheliegend, die Möglichkeit zur Gewährung von Näherbaurechten in den Z u- sammenhang mit den kantonalrechtlichen Vorschriften üb er den Grenzabstand zu stellen. W ürde der Au ffassung des privaten Rekursgegners gefolgt, bliebe das N ä- herbaurecht weitgehend ohne praktische Bedeutung, da die Gemeinden in den meis- ten Bauzonen Grenzabstände festgesetzt haben, die über das kantonalrechtl iche Mindestmass von 3.5 m hinausg ehen. Das Näherbaurecht würde solchenfalls nur dann greifen, wenn die kommunalen Bauordnungen Näherbaurechtsbestimmu ngen enthielten, nach welchen die kommun alen Grenzabstände bis auf den kanton alen Mindestgrenzabstand reduziert werden kön nten. In Kernzonen wäre das Nähe rbau- recht im Sinne von § 270 Abs. 3 PBG sodann überhaupt nicht zulässig, da dort keine kantonalen Mindestgrenzabstände gelten. W eil den Gemeinden gemäss § 50 Abs. 3 PBG die Möglichkeit eingeräumt wird, in den Ke rnzonen von den kantonalen A b- standsnormen abzuweichen, werden die entspr echenden Vorschriften als rein ko m- munalrechtliche eingestuft (vgl. RRB Nr. 1401/1988). Die vom privaten Rekur sgeg- ner unternommene Interpretation des Näherbaurechts en tspricht offen kundig nicht dem Willen des Gesetzgebers, welcher im Rahmen der Gesetzesrevision ganz gene- rell eine bauliche Verdichtung anstrebte und zu diesem Zwecke nicht nur die kant o- nalen, sondern auch die kommunalen Mindestabstände zur Disposition gestellt hat. Zu beachten ist diesbezüglich, dass nach dem Antrag des Regierungsrates vom 11. Oktober 1989 zur Änderung des Planungs - und Baugesetzes zunächst bloss ein Näherbaurecht unter dem Vorbehalt der Beibehaltung der Gebäudeabstände zulä s- sig sein sollte. Der W eisung des Regierungsrates ist zu entnehmen, dass mit einem Näherbaurecht "in für die Baubehörde verbindlicher Weise" vom kantonalen Mi n- destgrenzabstand nach unten abgewichen werden könne, was logischerweise eine Unterschreitung der kommunalen Abstände voraussetzt (v gl. die W eisung des R e- gierungsrates vom 11. Oktober 1989 zur Vorlage 3027, S. 48 und § 218 Abs. 2 PBG). Dass die Gemeinden nach wie vor kommunale Regelungen über die Abstä n- de aufstellen können (vgl. § 49 Abs. 2 lit. b PBG), vermag daran nichts zu ändern. Das übergeordnete kantonale Recht sieht mithin ein die kommunalen Abstandsvo r- schriften durchbrechendes Näherbaurecht vor, welches im übrigen auch ko mmunale Bestimmungen über das Näherbaurecht ihre Bedeutung verlieren lässt. In der vorb e- ratenden kantonsrätlichen Kommission wurde das Näherbaurecht über das vom R e- gierungsrat beantragte Ausmass hinaus ausgedehnt und vom Erfordernis der Einhal- tung des Gebäudeabstandes abgesehen; stattdessen wurde der - ohnehin geltende - Vorbehalt einwandfreier wohnhygienischer u nd feuerpolizeilicher Verhältnisse "stat u- iert".- 2 - c) Im vorliegenden Fall best eht zugunsten des Baugrundstück s und zulasten der r ekurrentischen Parzelle ein im Grundbuch eingetragenes (einseitiges) Nähe r- baurecht für die Erstellung eines Hauptgebäudes in eine m Abstand von 3.5 m von der gemeinsamen Grenze. Eine Beschränkung der Länge des den reduzierten Abstand beanspruchenden Gebäudes wurde nicht vereinbart. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Ba u- herrschaft das Näherbaurecht mit einem 17, 85 m langen Ba ukörper beansprucht. Dieser schöpft zudem mit 4 m Abstand das zulässige Mass der Unterschreitung nicht einmal aus. Einwandfreie wohnhygienische und feuerpolizeiliche Verhältnisse sind vorliegend klarerweise gegeben, da das projektierte Gebäude zum Nachbarg ebäude sogar den zonengemässen Gebäudeabstand einhält. Der Rekurs erweist sich somit auch diesbezüglich als unbegründet. Bei einem bloss einseitig gewährten Näherbaurecht ist - vorbehältlich späterer Gegenseitigkeit - grundsätzlich davon auszugehen, dass d er Gebäudeabstand g e- wahrt bleiben soll, ansonsten ein gegenseitiges N äherbaurecht zu stipulieren wäre. Davon gehen auch die Parteien aus, sollten doch offenbar nach einem gemeins a- men Konzept die Gebäude auf allen vom privaten Rekursgegner überbauten bzw. noch zu überba uenden Grundstücken südlich der B. -Strasse mittels Näherbaurec h- ten gegen die Ostgrenze angenähert werden. Wird ein Gebäude gestützt auf ein Näherbaurecht bewilligt, ist dieser Vorgang im Grundbuch mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen an zumerken (§ 321 Abs. 1 und 2 PBG; vgl. auch § 274 Abs. 2 PBG). Somit ist auch unter der Herrschaft von § 270 Abs. 3 PBG die ausdrückliche Erklärung des Rekurrenten, bei einem al l- fälligen Neubau auf seinem Grundstück gegenüber dem Gebäude des privaten R e- kursgegners den z onengemässen Gebäudeabstand einzuhalten, als öffentlichrech t- liche Eigentumsbeschränkung im Grundbuch anz umerken. Die von der Baubehörde in Anwendung von Art. 26 BZO statuierte, von der Bauherrschaft im übrigen akze p- tierte diesbezügliche Nebenbestimmung ist entsprechend anzupassen.