Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. August 2021 (715 21 42 / 203) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Die Leistungseinstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgt zu Recht, da der Be- schwerdeführer der Arbeitgeberin mitteilte, an der (zumutbaren) Arbeitsstelle nicht inte- ressiert zu sein, womit er seine Schadenminderungspflicht verletzte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen KIGA Baselland , Abteilung Arbeitsvermittlung, Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln 1, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____, geboren 1974, meldete sich am 13. Januar 2 020 beim Regionalen Arbeitsver- mittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosen- versicherung an. Mit Verfügung vom 1. September 2020 w urde er vom RAV wegen Ablehnung einer zumutbaren Arbeit ab 12. August 2020 für 36 Ta ge in der Anspruchsberechtigung einge- stellt. Eine von ihm dagegen erhobene Einsprache wies das KIGA Baselland, Abteilung Arbeits- vermittlung (KIGA), mit Entscheid vom 21. Januar 2021 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 31. Januar 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die Aufhebung der verfügten Einstelltage. C. Die Beschwerdegegnerin ersuchte mit Vernehmlassung vo m 5. März 2021 um Abwei- sung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 21. Januar 2021. Auf die Argumente in den einzelnen Rechtsschriften sow ie den Inhalt der Akten wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsidi erende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Beschwerdeführer zu Recht wegen Ablehnung einer zumut baren Arbeit für die Dauer von 36 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde . Bei einem versicherten Verdienst von monatlich Fr. 1'168.-- und einer Einstelldauer von 36 Tagen vermag der Streitwert die erwähnte Grenze von Fr. 20'000.-- nicht zu überschreiten, weshal b die Angelegenheit in die Kompetenz der präsidierenden Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht fällt. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über d ie obligatorische Arbeitslosen- versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Ar- beitsamts alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosig keit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes, und sie muss ihre Bemühungen nachweisen können. Im Weiteren muss die versicherte Person eine vermittelte zumutbare Arbeit annehmen (Art. 17 Abs. 3 AVIG). 3.2 Zur Durchsetzung der verschiedenen in Art. 17 AVIG statuierten Pflichten der versicher- ten Person sieht das Gesetz bei Verhaltensweisen, die sic h negativ auf Eintritt oder Dauer der Leistungspflicht der Arbeitslosenversicherung auswirken, Sanktionen vor (THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schwe izerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Ba sel 2016, Rz. 828). So ist die versicherte Person gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der Anspru chsberechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt. Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern kön- nen. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Ver- schuldensprinzip beherrscht (THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 828). 3.3 Der Einstellungstatbestand der Nichtannahme einer zugewiesenen zumutbaren Arbeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG liegt nicht nur dann vor, wenn die versicherte Person eine Stelle ausdrücklich zurückweist, sondern beinhaltet grundsät zlich jedes Verhalten, welches das Zustandekommen eines Arbeitsvertrages scheitern lässt. Nach der Rechtsprechung hat sich die arbeitslose versicherte Person – in Erfüllung ihrer Scha denminderungspflicht – bei einem künfti- gen Arbeitgeber unverzüglich zu melden und bei den Verhandlungen mit diesem klar und eindeu- tig die Bereitschaft zum Vertragsabschluss zu bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht zu gefährden (BGE 122 V 34 E. 3b mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 850). Aus diesen Grundsätzen folgt, dass der Tatbestand der Ablehnung zumutbarer Arbeit auch erfüllt ist, wenn sich die arbeitslose versicherte Person gar nicht ernsthaft um die Aufnahme von Ver- tragsverhandlungen bemüht (ARV 1986 Nr. 5 S. 22). 3.4 Eine zugewiesene Arbeit, die nicht zumutbar ist, da rf die arbeitslose Person ohne versi- cherungsrechtlich nachteilige Folgen ablehnen (BGE 114 V 345 E. 1). Die Zumutbarkeit richtet sich nach Art. 16 AVIG (BGE 122 V 34 E. 3b). Absatz 2 di eser Bestimmung nennt in lit. a-i ab- schliessend eine Reihe von Voraussetzungen, bei deren Vor liegen eine Arbeit unzumutbar und somit von der Annahmepflicht ausgenommen ist. 3.5 In verfahrensrechtlicher Hinsicht gelten die folgende n Grundsätze: Das kantonale Versi- cherungsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die voll ständige Überprüfungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verb indung mit Art. 61 Satz 1 des Bundesge- setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrech ts [ATSG] vom 6. Oktober 2000; Art. 61 lit. c ATSG). Es darf eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen überzeugt ist. Seinen Entscheid hat es nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das kan- tonale Versicherungsgericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. Der im Sozialversicherungsrecht anwendbare Untersuchungsgrundsatz schliesst die Be- weislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwend ig aus, da es Sache des kantonalen Versicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsste lle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Un- gunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rah- men des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu er- mitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 144 V 427 E. 3.2). Bei sich widersprechenden Angaben d er versicherten Person ist auf die im Sozialversicherungsrecht allgemein gültige Beweismaxime hinzuweisen, wonach die sogenann- ten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versi- cherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Anga ben, die sie anfänglich gemacht hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer bevorstehenden ablehnenden oder negativen Verfügung des Sozialversicherungsträgers (BGE 121 V 45 E. 2a mit Hinweisen). 4.1 Den Akten ist folgender entscheidrelevanter Sachver halt zu entnehmen: 4.2 Am 7. August 2020 wurde der Beschwerdeführer der B.____ GmbH (nachfolgend: die Arbeitgeberin) als Kandidat für eine Stelle als Verkeh rsdienstmitarbeiter 100 % vorgeschlagen. Die Stelle wurde von der Arbeitgeberin wie folgt ausgeschrieben: Tätigkeit im Verkehrsdienst zur Regelung des Verkehrs auf öffentlichen Strassen und Baustellen, Ausbildung oder Erfahrung im Verkehrsdienst von Vorteil, körperlich fit und wetterfest, zuvorkommende Umgangsformen und selbstsicheres Auftreten, Deutschkenntnisse, Führerausweis Kat. B und mobil wenn möglich, Be- reitschaft, am Abend/Nacht oder an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten, sehr hohe Flexi- bilität. Geboten werde eine Anstellung nach GAV (VSSU ), eine umfassende Einführung sowie laufende Weiterbildungen. 4.3 Die Arbeitgeberin ersuchte den Beschwerdeführer i n der Folge mit Email vom 11. August 2020, weitere Bewerbungsunterlagen einzureichen. Gle ichentags teilte der Beschwerdeführer der Arbeitgeberin per Email mit, dass er der Sicherh eitsbranche grundsätzlich nicht abgeneigt sei. Er sei aber Facharbeiter und Akademiker und auf d er Suche nach einer Festanstellung, die seinen Fähigkeiten entspreche. Der Niedriglohnsektor mit unregelmässigen Arbeitseinsätzen sei eine Sache, die wirklich psychische Stabilität im allerhö chsten Masse verlange. Derzeit sei er nicht bereit, dieses Abenteuer einzugehen. In der Folge machte die Arbeitgeberin der Beschwer- degegnerin die Rückmeldung, dass der Versicherte nicht an der Stelle interessiert sei. 4.4 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs wurde dem Beschwerd eführer mit Schreiben vom 18. August 2020 von der Beschwerdegegnerin mitgeteilt, er habe mit seinem Verhalten eine an- derweitige Besetzung der Stelle in Kauf genommen. Di es erfülle gemäss Rechtsprechung den Tatbestand der Ablehnung einer zumutbaren Arbeit, was zu einer Einstellung in der Anspruchs- berechtigung von 31 bis zu 60 Tagen führen könne. Die Beschwerdegegnerin räumte dem Be- schwerdeführer in der Folge Frist ein, sich dazu zu äussern. 4.5 Mit Stellungnahme vom 24. August 2020 teilte de r Beschwerdeführer mit, er habe als Mitarbeiter der C.____ AG Verkehrsdienst geleistet. Es sei eine Anstellung im Nebenerwerb ge- wesen, die es ihm ermöglicht habe, ein naturwissenschaft liches Studium in Angriff zu nehmen. Es habe sich dabei hauptsächlich um kurze Einsätze von drei bis fünfeinhalb Stunden gehandelt. Zweimal habe er an einer Messe lange Einsätze geleist et. Wegen Fussschmerzen habe er den Dienst abbrechen und seinen Hausarzt aufsuchen müssen. Obw ohl er dazwischen ein Jahr ku- riert habe, sei er die Schmerzen nicht losgeworden. D a das Problem wirklich nur bei längerem Stehen aufgetreten sei, habe er es mit kurzen Einsätzen zu umgehen versucht. Seitens der C.____ AG sei dies nicht gut aufgenommen worden. Diese n Sachverhalt habe er in der Email vom 11. August 2020 nicht mitgeteilt, hole dies nun abe r nach. Ein Arbeitseinsatz im gleichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Umfang und Bereich würde erneut zu diesen gesundheitlichen Problemen führen. Die Arbeitge- berin habe bereits über seine Arbeitszeugnisse verfügt. Er habe ihr mitgeteilt, dass er grundsätz- lich nicht abgeneigt sei, in der Sicherheitsbranche zu arbeiten und habe auf eine Antwort gewar- tet. Zumindest hätte die Arbeitgeberin ihm mitteilen können, dass eine Stelle, die seinen Qualifi- kationen entspreche, nicht existiere. Er fände es langfristig nicht zielführend, in seinem Alter nach seinen Anstrengungen bezüglich Berufs- und Weiterbildun g vom RAV zu einer solchen alters- und ausbildungsungerechten Arbeitsstelle vermittelt zu w erden. Es sei offensichtlich, dass die Annahme einer solchen Arbeitsstelle zum gesundheitsbedin gten Abbruch und langfristig zur fi- nanziellen lnstabilität im Alter führe. 4.6 Die Beschwerdegegnerin führte in der Verfügung vo m 1. September 2020 aus, dass der Versicherte mit seinem Verhalten die Stellenablehnung verursacht habe. Die Arbeitsstelle sei weder als unzumutbar zu qualifizieren noch seien entsc huldbare Gründe vorgebracht worden. Eine Ablehnung müsse nicht ausdrücklich erfolgen. Vielmeh r liege eine Ablehnung bereits vor, wenn die versicherte Person gegenüber dem Stellenanbieter nicht unmissverständlich zum Aus- druck bringe, an einer Anstellung interessiert und zur Annahme bereit zu sein. Es sei dabei uner- heblich, ob es sich um eine durch das RAV zugewiesene oder eine von der versicherten Person selbst gefundene Stelle handle. Eine Ablehnung liege somit bereits dann vor, wenn die versi- cherte Person mit ihrem Verhalten in Kauf nehme, dass die Stelle anderweitig besetzt werde. Ein ärztlicher Dispens für eine entsprechende Tätigkeit liege nicht vor. Der Versicherte habe im Vor- feld keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen erwähnt. Eine Rückmeldung beim RAV+ habe ergeben, dass er mit dieser Stelle einen voraussichtlichen monatlichen Verdienst von über Fr. 5'000.-- hätte erzielen können. 4.7 In der Einsprache vom 1. September 2020 hielt de r Beschwerdeführer fest, dass er zwei Lehren absolviert, sowohl eine geisteswissenschaftliche als auch eine naturwissenschaftliche Abendmatur abgeschlossen und einen Bachelor in Geschichte und Ethnologie erreicht habe. Er wolle eine alters- und ausbildungsadäquate Stelle finden. Die Stelle bei der Arbeitgeberin erachte er als unzumutbar, da sie ihn in Altersarmut und Krankheit führe. Er habe bei der Arbeit als Ver- kehrsdienstmitarbeiter wiederholt medizinische Probleme erlitten. Vom RAV habe er nie die Auf- forderung erhalten, einen Arzt zu konsultieren. Das me dizinische Problem sei nur im Verkehrs- dienst bei über elfstündigem Stehen aufgetreten und stelle kein spezifisches medizinisches Prob- lem dar, das ihn von jeglicher körperlichen Arbeit ausschliesse. Eine derartige körperliche Tätig- keit sei in seinem Alter nicht mehr leistbar. In Bezug auf Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG halte er fest, dass das RAV nicht angemessen auf seine Fähigkeiten und bisherigen Tätigkeiten Rücksicht genommen habe. Als Facharbeiter und Akademiker wolle er ergebnisorientiert und kompetent vermittelt werden. Er sei bereit, Abstriche in der Beru fswahl zu machen. Er sei nicht abgeneigt, im Sicherheitsdienst zu arbeiten, was er der Arbeitgeberin auch so mitgeteilt habe. In Bezug auf Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG halte er fest, dass er seine n Hausarzt aufgesucht habe, der ihm seine körperlichen Beschwerden während genannter Arbeit schriftlich bestätige. Er sehe keinen Grund, seine körperliche Verfassung bei einem Vorstellungsgespräch zu verschweigen. Seiner Einspra- che legte der Beschwerdeführer ein Attest von Dr. med. D.____, Facharzt FMH für Allgemeinme- dizin, vom 18. September 2020 bei. Dieser hielt fest, dass ihn der Patient wieder aufgesucht habe. Es gehe um Beschwerden von Seiten des Bewegungsapparate s. Bei starker Belastung würden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Symptome immer wieder auftreten. Er habe ihm zweimal tageweise ein Arztzeugnis ausstel- len müssen, da die Belastung im Verkehrsdienst zu hoch gewesen sei. 4.8 Im Rahmen des Einspracheverfahrens holte die Beschwe rdegegnerin beim Beschwer- deführer weitere Auskünfte ein (vgl. Schreiben vom 24 . September 2020). Mit Stellungnahme vom 26. September 2020 führte der Beschwerdeführer aus, dass er vor zwanzig Jahren als Bau- arbeiter tätig gewesen sei. Die Tätigkeit als Fährima nn und weitere Tätigkeiten, darunter auch diejenige in der Sicherheitsbranche, hätten dazu gedi ent, das Studium zu finanzieren. Er suche nicht nur im akademischen Bereich eine Stelle, er habe vor allem als Facharbeiter Berufserfah- rung. Es bestehe ein Unterschied zwischen Facharbeiter u nd Arbeitskraft im Stundenlohn. Die ihm vermittelte Stelle nehme weder angemessen Rücksicht a uf seine Fähigkeiten noch könne eine derartige Leistung von ihm in seinem Alter erbracht werden. Er sei in den letzten Jahren im Sicherheitsdienst tätig gewesen und sei nicht abgeneigt , in dieser Branche zu arbeiten. Er sei aber durch die gesundheitlichen Probleme eingeschränkt gewesen. Die Beschwerden seien nach zwei bis drei Stunden aufgetreten und die Krankschreibungen seien zweimal während eines lan- gen Dienstes an einer Messe erfolgt. Er bewerbe sich viel seitig als Velokurier, Barmann und Tankstellenmitarbeiter. Seine Vermittelbarkeit sei nicht eingeschränkt, da er noch viele körperli- che Arbeiten durchführen könne, aber der Verkehrsdienst bereite ihm Schmerzen. 4.9 In der Begründung des vorliegend angefochtenen E inspracheentscheids legte die Be- schwerdegegnerin dar, dass es sich in Bezug auf Lohn und Anstellungsbedingungen um eine zumutbare Arbeitsstelle gehandelt habe. Die zugewiesene Arbeitsstelle habe zudem den Fähig- keiten und den bisherigen Tätigkeiten des Versicherten genügend Rechnung getragen. Der Ver- sicherte habe in den letzten Jahren vor allem in der Sicherheitsbranche Erfahrungen gesammelt. Er gelte in beruflicher Hinsicht als nicht besonders qualifiziert, weshalb er keinen Anspruch habe, ausschliesslich in einem bestimmten Berufszweig vermittelt zu werden. Wenn er sich im Ver- kehrsdienst unterfordert fühle, so habe er dies hinzuneh men. In Bezug auf die Frage, ob eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen vorliege, hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass eine besondere Schonung für versicherte Personen vorgesehen sei, die entweder jugendlich oder bereits über 55 Jahre alt seien. Der Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt der Zuweisung der Stelle 46 Jahre alt gewesen, weshalb die Arbeit auch unter diesem Aspekt als zumutbar erscheine. Es treffe zu, dass die Tätigkeit im Verkehrsdienst körperlich belastend sein könne. Er habe aber nie angegeben, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sei, einer bestimmten Tä- tigkeit nachzugehen. Er habe lediglich "Platz- und Höh enangst" erwähnt. Zudem habe er der Arbeitgeberin nicht mitgeteilt, er könne die Stelle a ufgrund körperlicher Einschränkungen nicht annehmen, sondern habe andere Gründe angeführt. Zwar liege ein ärztliches Zeugnis vor. Dieses sei aber erst drei Wochen nach Erlass der Verfügung erstel lt worden und befasse sich nur rudi- mentär mit der gesundheitlichen Problematik, da es sich weder zur Diagnose noch zu den Be- handlungsdaten oder zur Arbeitsfähigkeit äussere. Es eigne sich daher nicht zu Beweiszwecken bezüglich der zu beurteilenden Angelegenheit. Ohnehin sei der Versicherte verpflichtet, dem RAV derartige körperliche Einschränkungen vorgängig zu melde n, da diese gegebenenfalls Einfluss auf die Vermittlungsfähigkeit sowie den Leistungsanspr uch haben könnten. Die Frage nach der gesundheitlichen Zumutbarkeit müsse jedoch nicht abschli essend beurteilt werden, da es dem Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten zuzumuten gewesen wäre, zumindest stundenwei se der Tätigkeit als Verkehrs- dienstmitarbeiter nachzugehen. Erfahrungsgemäss würden die Sicherheitsdienstanbieter nicht nur Personen in Vollzeit-, sondern auch in Teilzeitpen sen beschäftigen. Der Versicherte sei im Zweifelsfall dazu verpflichtet gewesen, sich zu bewerben. Indem er sich gegenüber der Arbeitge- berin negativ geäussert habe, habe er die Aussicht auf e ine Anstellung vereitelt. Sein Verhalten sei daher zu Recht sanktioniert worden. Unter Berücksichtigu ng der gesamten objektiven und subjektiven Umstände lasse sich die Annahme eines schweren Ve rschuldens sowie die Festle- gung der Einstelldauer auf 36 Tage nicht beanstanden. 4.10 Der Beschwerdeführer führte in der Beschwerde aus, dass er der Arbeitgeberin gegen- über sein Interesse an der Sicherheitsbranche kundgetan habe. Er habe der Beschwerdegegne- rin bereits mit Eingabe vom 24. August 2020 mitgeteilt, dass er seinen Hausarzt aufgesucht habe, um seine Beschwerden zu bestätigen. Seine Aussage, das med izinische Problem sei nur bei stundenlangem Stehen – über elf Stunden – aufgetrete n, sei falsch verstanden worden. Die Dienste hätten elf Stunden gedauert, die Beschwerden s eien aber nach zwei bis drei Stunden aufgetreten. Er habe damit sagen wollen, dass es ihm ni cht erlaubt worden sei, den Dienst bei Beschwerden nach drei Stunden abzubrechen. Die Aussag e des RAV bezüglich der Lohnhöhe von monatlich Fr. 5'000.-- sei seiner Erfahrung nach falsch. Er habe bei der C.____ AG gearbeitet und gehe von einem Stundenlohn von Fr. 22.95 aus. Es sei ihm bewusst, dass er aufgrund seines Lebenslaufs und der Schadenminderungspflicht breit eingesetzt werden könne. Er habe das Alter und seine Beschwerden nicht als generelles Ausschlusskriterium, sondern als Kriterium in Bezug auf die körperlichen Anforderungen im Verkehrsdienst anf ühren wollen. Er könne viele körperli- che Arbeiten durchführen, erleide aber beim Verkehrsdi enst Schmerzen. Von einer generellen Unfähigkeit und Unvermittelbarkeit könne nicht ausgegangen werden. Er habe unaufgefordert ein Arztzeugnis eingereicht, das nicht anerkannt worden sei. Das Arztzeugnis müsse weder die Di- agnose noch die einzelnen Konsultationsdaten aufführen. Seiner Auffassung nach gebe es keine verkürzten Verkehrsdiensteinsätze, denn abgebrochene Dienste würden auf der Seite der Arbeit- geber zu einem Mehraufwand führen. Er sei darauf bed acht, einen Schaden vom zukünftigen Arbeitgeber abzuwenden. Er sei verpflichtet, diesem die körperlichen Fähigkeiten mitzuteilen, da sie den Arbeitsprozess beeinträchtigen könnten. Er könne nicht bei jeder Stelle der Personalbe- raterin mitteilen, ob er Zweifel in Bezug auf eine Unzumutbarkeit habe, da jede Stelle anders sei. Die Interpretation seiner Aussage gegenüber der Arbei tgeberin, er sei im Moment nicht bereit, ein solches Abenteuer einzugehen, werde zu seinen Ungunsten interpretiert und zweckentfrem- det ausgelegt. Er habe das Wort abenteuerlich verwend et, um die Verantwortung dieser Arbeit zu unterstreichen. Eine Schadensminderung liege auch vor, wenn die benutzten Formulierungen ungeschickt und ungenau seien. Eine Missachtung seiner eigenen Einschätzung und derjenigen seines Arztes in Bezug auf die körperlichen Fähigkeiten bedeute, alle Verkehrsteilnehmer in Ge- fahr zu bringen. 5.1 Die Würdigung der vorstehenden Aktenstücke zeigt, da ss es sich um ein aktuelles Stel- lenangebot handelte und die Arbeitgeberin ein konkret es Interesse an der Bewerbung des Be- schwerdeführers hatte. Weiter ist erstellt, dass der Beschwerdeführer der Arbeitgeberin mit Email vom 11. August 2020 klar und unmissverständlich mitteilte , nicht an der ausgeschriebenen Ar- beitsstelle interessiert zu sein. Ebenfalls ist erstellt, dass diese eindeutige Willenskundgabe dazu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht führte, dass ihn die Arbeitgeberin nicht weiter als p otentiellen Stellenbewerber berücksichtigte. Dass sie sich nach Erhalt der negativen Email vom 11. August 2020 nicht mehr beim Beschwer- deführer meldete, ist nicht weiter verwunderlich. Dabei spielt es aufgrund der unmissverständli- chen Wortwahl des Beschwerdeführers keine Rolle, ob er seine Arbeitszeugnisse zu diesem Zeit- punkt bereits eingereicht hatte oder nicht. Die Beschwerdegegnerin weist in der Vernehmlassung zu Recht darauf hin, dass es sich dabei um einen automatisierten Bewerbungsprozess gehandelt habe. Vielmehr ist dem Beschwerdeführer vorzuwerfen, dass er die kompletten Bewerbungsun- terlagen auf Aufforderung hin nicht eingereicht hatte, sondern sich gegenüber der Arbeitgeberin negativ über die von ihr ausgeschriebene Stelle und d as Tätigkeitsgebiet äusserte. Auch nicht ausschlaggebend ist seine allgemein gehaltene Bemerkung in der Email, er sei der Sicherheits- branche grundsätzlich nicht abgeneigt. Soweit er moniert, dass sich die Arbeitgeberin ja bei ihm hätte melden können, kann ihm nicht gefolgt werden. Es wäre die Pflicht des Beschwerdeführers gewesen, sein Interesse an der Stelle zu zeigen und sich allenfalls persönlich beim zuständigen Sachbearbeiter der Arbeitgeberin zu melden. Die Besch werdegegnerin hält in der Vernehmlas- sung zu Recht fest, dass er das Gespräch hätte suchen müssen , um die Möglichkeit einer An- stellung auszuloten oder zumindest vorgängig mit seiner Personalberaterin beim RAV hätte Rücksprache nehmen müssen. Auch in Bezug auf seine Äusserung, er sei im Moment nicht be- reit, ein solches "Abenteuer" einzugehen, erscheint die von der Beschwerdegegnerin gewählte Interpretation nicht zweckentfremdet zu seinen Ungunsten zu sein. Die Bemerkung war nicht ein- fach nur ungeschickt gewählt, sondern offenbart in aller Deutlichkeit die Haltung des Beschwer- deführers gegenüber einer Tätigkeit im Verkehrsdienst und einer Anstellung bei der Arbeitgebe- rin. Das gewählte Wort "Abenteuer" bezieht sich im Kont ext eindeutig auf die Anstellungsbedin- gungen und nicht auf die Verantwortung des Arbeitneh mers, die während der Tätigkeit aufge- wendet werden muss. Zusammenfassend ist damit alleine au sschlaggebend, dass sich der Be- schwerdeführer gegenüber der Arbeitgeberin negativ äusserte und keinerlei Anstrengungen un- ternahm, sich um eine andere Stelle bei der Arbeitgeberin, die seinen Interessen möglicherweise mehr entsprochen hätte, zu bemühen. Damit kam er sein er Schadenminderungspflicht nicht nach. Zu prüfen ist deshalb, ob ihm die Annahme der A rbeitsstelle bei der Arbeitgeberin unter Berücksichtigung von Art. 16 AVIG zuzumuten war. 5.2 Zunächst ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustimme n, wenn sie die fragliche Stelle bei der Arbeitgeberin bezüglich der Anstellungsbedin gungen als zumutbar im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. a AVIG erachtet. Unzumutbar und somit von der Annahmepflicht ausgenommen ist eine Arbeit, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- oder normalarbeitsvertragli- chen Bedingungen nicht entspricht. Die Arbeitgeberin u ntersteht dem GAV für den Bereich der privaten Sicherheitsdienstleistungen und legt diesen auch ihren Arbeitsverträgen zugrunde. Die Arbeitsstelle entspricht damit den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- oder nor- malarbeitsvertraglichen Bedingungen. 5.3 Auch unter Berücksichtigung von Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG handelt es sich um eine zu- mutbare Arbeitsstelle. Gemäss dieser Bestimmung ist eine Arbeit unzumutbar, die der versicher- ten Person einen Lohn einbringt, der geringer ist al s 70 % des versicherten Verdienstes, es sei denn, die versicherte Person erhalte Kompensationsleistungen nach Art. 24 AVIG (Zwischenver- dienst). Gemäss den Abklärungen der Beschwerdegegnerin hätte der Lohn bei der Arbeitgeberin Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ca. Fr. 5'000.-- im Monat betragen. Der Beschwerdeführer weist einen versicherten Verdienst von Fr. 1'168.-- aus. Er hätte damit bei der Arbeitgebe rin einen Verdienst erzielen können, der weit über seinem bisherigen Verdienst gelegen und ihm eine n Lohn eingebracht hätte, der mehr als 70 % des versicherten Verdienstes betragen hätte. Sowei t der Beschwerdeführer in der Be- schwerde die Höhe des ermittelten monatlichen Einkommens anzweifelt und von einem Stunden- lohn in der Höhe von Fr. 22.95 ausgeht, da er bei der C.____ AG gearbeitet habe, kann er daraus für die vorliegende Fragestellung nichts zu seinen Gun sten ableiten. Die Arbeitgeberin gab ge- genüber der Beschwerdegegnerin einen Stundenlohn von zwischen Fr. 24.90 bis Fr. 26.-- an, was über dem GAV-Minimallohn liegt. Auch im Lichte se iner bisherigen Tätigkeiten als Rhein- matrose, als Fährimann, als Velotaxifahrer, als Bauhelfe r und als Betriebsfachangestellter er- scheint ein Monatslohn von Fr. 5'000.-- als zumutbar. D ie diesbezüglichen Erwägungen der Be- schwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid sind daher ebenfalls zu bestätigen. 5.4.1 Der Beschwerdeführer beruft sich sodann auf Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG. Er habe die Matur Typus B und C abgeschlossen und verfüge über einen Bachelor in Geschichte und Ethno- logie. Er sei bisher als Facharbeiter tätig gewesen und nicht als Arbeitskraft im Stundenlohn. Die Arbeitsstelle erachte er daher als nicht ausbildungsadäquat. 5.4.2 Gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG ist eine Arbe it unzumutbar, die nicht angemessen auf die Fähigkeiten oder auf die bisherige Tätigkeit der versicherten Person Rücksicht nimmt. Mit der Bezugnahme auf die Fähigkeiten soll vor allem eine Ü berforderung der versicherten Personen aufgrund ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten sowie fachlichen Fertigkeiten und Kennt- nisse verhindert werden (ARV 1995 Nr. 13 S. 71 E. 3d) . Die gesetzliche Forderung nach ange- messener Rücksichtnahme auf die Fähigkeiten zielt auch darauf ab, dass die versicherte Person in der Lage sein muss, die angebotene Arbeit sachgerech t ausführen zu können, weil sich der Arbeitgeber andernfalls getäuscht sehen und das Arbeit sverhältnis wieder auflösen könnte. Die Arbeit darf das Fähigkeits- und Fertigkeitsniveau der versicherten Person unterbeanspruchen, sie darf sie aber nicht überfordern (GERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversiche- rungsgesetz, Band I, N 15b zu Art. 16). Grundsätzlich i st damit jede Arbeitsgelegenheit von der versicherten Person wahrzunehmen. 5.4.3 Die Zumutbarkeit der zugewiesenen Stelle als Ver kehrsdienstmitarbeiter ist auch unter der Voraussetzung von Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG zu be jahen. Es sind keine Gründe ersichtlich, dass die angebotene Tätigkeit das Fähigkeits- und Fer tigkeitsniveau des Beschwerdeführers überschritten hätte. Dafür spricht zum Einen der Umstand , dass der Beschwerdeführer bereits früher freiwillig in einer ähnlichen Tätigkeit bei de r C.____ AG beschäftigt gewesen war. Dass diese Tätigkeit vom Beschwerdeführer lediglich aus Gründen der Vereinbarkeit mit einem Studi- engang gewählt wurde, spricht nicht gegen, sondern für die Zumutbarkeit der Arbeitsstelle. Ge- stützt auf den Lebenslauf des Beschwerdeführers ist sodann festzustellen, dass er in den frühen 1990 Jahre eine Ausbildung als Rheinmatrose absolviert hatte und über ein Berufsattest als Be- triebsfachangestellter verfügt. Zudem schloss er im Jahr 2011 einen Bachelor of Arts in Ethnolo- gie und Geschichte ab. Darüber hinaus war er über viele Jahre an der Universität E.____ für verschiedene Studienrichtungen immatrikuliert, schloss aber keine weiteren Ausbildungen ab. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Trotz seiner langjährigen Studien im tertiären Sektor arbeitete er, ausser während eines dreimo- natigen Praktikums in der archäologischen Bodenforschung, nie in einem akademischen Beruf. Auch die Tätigkeiten als qualifizierter Facharbeiter im Betriebsunterhalt und als Matrose bzw. Fährimann nahm er nur während weniger Monate am Stü ck war. Der Bachelorabschluss in Ge- schichte und Ethnologie erfolgte sodann vor über zehn Jahren. Eine Arbeitsstelle in diesem Be- reich hatte der Beschwerdeführer nie inne. Es ist damit nicht erstellt, dass er durch die Annahme einer Tätigkeit im Sicherheitsdienst seine bereits vorhandenen beruflichen Qualifikationen verlie- ren würde. Er war vor seiner Arbeitslosigkeit weder als hochqualifizierter und spezialisierter Mit- arbeiter in einem Beruf tätig noch übte er einen Ber uf aus, in dem sich das Fachwissen schnell verändern würde. In den letzten Jahren konnte er die grösste Berufserfahrung als Sicherheitsan- gestellter sammeln. Die Vorstellungen des Beschwerdeführers über seine berufliche Zukunft ver- mögen daher keine Unzumutbarkeit begründen. Auch ein e eventuelle Unterforderung steht der Annahme einer Zumutbarkeit der vermittelten Stelle n icht entgegen. Es spricht somit nichts da- gegen, die Stelle im Verkehrsdienst als ausbildungsad äquat im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG zu qualifizieren. 5.5.1 Der Beschwerdeführer stellt sich sodann auf den S tandpunkt, die Arbeitsstelle sei ihm im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG aus gesundheitlichen Gründen nicht zuzumuten gewesen. 5.5.2 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführ er gegenüber der Arbeitgeberin klar kundtat, dass er als Facharbeiter und Akademiker auf der Suche nach einer Festanstellung sei, die seinen Fähigkeiten entspreche. Weiter teilte er klar mit, dass der Niedriglohnsektor mit unre- gelmässigen Einsätzen eine Sache sei, die psychische Stabil ität im allerhöchsten Masse ver- lange. Er sei im Moment nicht bereit, dieses Abenteuer einzugehen. Gegenüber der Arbeitgeberin machte er somit keine gesundheitlichen Gründe bzw. körperlichen Beschwerden geltend, die ihn daran hindern würden, auf das Stellenangebot einzuge hen. Nach der Mitteilung der Beschwer- degegnerin, ihn in der Anspruchsberechtigung einzustel len, da er eine zumutbare Arbeit abge- lehnt habe, änderte der Beschwerdeführer seine Argume ntation und machte körperliche Be- schwerden geltend, die einen Einsatz im Verkehrsdienst veru nmöglichen würden, weshalb die Stelle unzumutbar gewesen sei. Damit liegen widersprüc hliche Aussagen des Beschwerdefüh- rers zum entscheidwesentlichen Sachverhalt vor. Der Beschw erdeführer wechselte seine Dar- stellung im Laufe der Zeit, weshalb die Beweismaxime d er sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" zur Anwendung gelangt (vgl. dazu Er wägung 3.5 hiervor). Es ist davon aus- zugehen, dass seine Aussage bzw. seine Angaben gegenüber d er Arbeitgeberin in der Email vom 11. August 2020 unbefangener und zuverlässiger sind als die späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder ande- rer Art beeinflusst sein könnten, selbst wenn der Beschw erdeführer nachträglich ein ärztliches Attest einreichte. Ihnen kommt daher grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer bevor- stehenden ablehnenden oder negativen Verfügung des S ozialversicherungsträgers. Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Anmeldung zum Leistungsbezug oder ge- genüber dem RAV nie körperliche Beschwerden erwähnt ha tte, die gewisse Tätigkeiten aus- schliessen könnten, kommt den Angaben in der Email vom 11. August 2020 mehr Gewicht zu. Soweit der Beschwerdeführer gegenüber der Arbeitgeberin allgemein den Hinweis machte, eine Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeit im Niedriglohnsektor mit unregelmässigen Arbeitseinsätzen erfordere eine psychische Sta- bilität, so ist daraus noch keine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen abzuleiten, denn der Beschwerdeführer beruft sich auf körperliche und nicht auf psychische Beschwerden. 5.5.3 Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwer deführer die Stelle nicht aufgrund körperlicher Beschwerden ablehnte, sondern aus anderen Gründen nicht bereit war, sich um die Arbeitsstelle zu bemühen. Aufgrund dieses Beweisergebnisses braucht die Unzumutbarkeit unter dem Aspekt der körperlichen Beschwerden gar nicht erst gep rüft zu werden. Es erübrigen sich auch weitere Erörterungen zur Beweis- und Aussagekraft des ärztlichen Attests von Dr. D.____ und zum Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei im Rah men der Schadenminderungspflicht verpflichtet, der zukünftigen Arbeitgeberin seine körperlichen Fähigkeiten mitzuteilen. 5.6 Nach dem Ausgeführten steht fest, dass der Beschwerde führer seine Schadenminde- rungspflicht, namentlich die Pflicht, die eigene Arbei tslosigkeit soweit als möglich zu verkürzen, durch seine abschlägige Email vom 11. August 2020 verlet zte. Die Beschwerdegegnerin stellte den Beschwerdeführer zu Recht gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der Anspruchsberechti- gung ein. 6.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin das V erschulden des Beschwerdeführers zu Recht als schwer qualifizierte und die Einstelldauer auf 36 Tage festsetzte. 6.2 Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberecht igung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchst ens 60 Tage (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 3 der Verordnung über die obligator ische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 wird die Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung abgestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31-60 Tage (lit. c) bei schwerem Verschuld en. Innerhalb dieses Rahmens fällt die Verwaltung ihren Entscheid nach pflichtgemässem Ermessen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozi- alversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts bzw . deren präsidierende Person bei Präsidialentscheiden die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprü- fen; sie greift jedoch bei der Beurteilung der durch die Verwaltung angeordneten Einstellungs- dauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspielraum ein. 6.3 Die Ablehnung einer zumutbaren Stelle ohne entsch uldbaren Grund stellt gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. b AVIV grundsätzlich ein schweres Verschuld en dar. Unter einem entschuldbaren Grund ist ein Grund zu verstehen, der im Rahmen des Art. 45 Abs. 3 AVIV das Verschulden als mittelschwer oder leicht erscheinen lässt. Ein solcher im konkreten Fall liegender Grund kann die subjektive Situation der betroffenen Person (z.B. gesundheitliche Probleme) oder eine objektive Gegebenheit (z.B. befristete Stelle) beschlagen (BGE 130 V 125 E. 3.5 mit Hinweisen). 6.4 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin das Verhalt en des Beschwerdeführers als schweres Verschulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31 – 60 Tagen zur Folge hat. Zur Feststellung des individuellen Verschuldens und für die Bemessung der Einstellung bei schwerem Verschulden ist gemäss Bundesgericht vom Mittelwert der Skala von 31 bis 60 Tagen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht – d.h. 45 Tagen –auszugehen (Art. 45 Abs. 3 lit. c AVI V); erschwerende oder mildernde Faktoren und das Prinzip der Verhältnismässigkeit sind zu berücksichtigen (vgl. BGE 123 V 150 E. 3c). Die Beschwerdegegnerin hat 36 Einstelltage verfügt. Diese Beurteilung liegt in ihrem Ermessen und ist nicht zu beanstanden, zumal sich die Einstellung in der Anspruchsberechtigung im untersten Bereich des schweren Verschuldens bewegt. Gründe, die e ine Unterschreitung des Sanktions- rahmens für schweres Verschulden rechtfertigen würden, liegen nicht vor. 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführe r ohne entschuldbaren Grund nicht um die zumutbare Arbeitsstelle bei der Arb eitgeberin bewarb. Die Beschwerdegeg- nerin stellte ihn demzufolge zu Recht während 36 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 8. Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG (in der seit 1. Januar 2021 anwendbaren Fassung) ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht vor, kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichtskosten au ferlegen. Da das AVIG keine Kosten- pflicht vorsieht und sich der Beschwerdeführer weder mutw illig noch leichtsinnig verhalten hat, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht