Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Juli 2013 (720 13 85) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Glaubhaftmachung einer Verschlechterung des Gesundheitszustands Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves T hommen, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber i.V. Michael Blattner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1967 geborene A.____ meldete sich am 29. Juli 2002 erstmals bei der IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle die haushalterischen, erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse abgeklär t hatte, sprach sie A.____ mit Verfü- gung vom 16. Juni 2004 in Anwendung der gemischten Be messungsmethode rückwirkend eine befristete ganze IV-Rente mit Wirkung ab 1. Februar 2 002 bis 31. Dezember 2002 zu. Gegen diese Verfügung hat A.____ am 22. Juni 2004 Einsprach e erhoben. Aufgrund der Einsprache wurde die Verfügung zwecks weiterer Abklärungen aufgeho ben. Mit neuer Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. März 2010 wurde A.____ rückwirkend eine befristete h albe IV-Rente mit Wirkung ab 1. September 2005 bis 31. Dezember 2007 zugesprochen. D iese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. B. Am 31. Oktober 2012 (Eingangsdatum) meldete sich A. _____ erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Mit Schreiben vom 2. November 2012 wies die IV-Stelle A.____ darauf hin, dass mit ihrem Leistungsbegehren keine neuen Tatsa chen geltend gemacht würden und forderte sie auf, weitere Unterlagen einzureichen, d a ansonsten nicht auf das Leistungsbegeh- ren eingetreten werden könne. In der Folge reichte A .____ verschiedene Arztberichte ein, wel- che dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) teilweise zur Stellungnahme unterbreitet wurden. Basierend auf der Stellungnahme des RAD vom 16. Januar 2013 gelangte die IV-Stelle zur An- sicht, dass eine wesentliche Verschlechterung des Gesund heitszustands nicht hinreichend glaubhaft gemacht worden sei. Mit Verfügung vom 7. M ärz 2013 trat die IV-Stelle nicht auf das Leistungsbegehren ein. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 27. März 20 13 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht ( Kantonsgericht). Darin beantragte sie sinngemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheb en und die IV-Stelle zu verpflich- ten, auf ihr neues Leistungsbegehren einzutreten. D. In ihrer Vernehmlassung vom 12. April 2013 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft gegeben ist. Lau t § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VP O) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 27. März 2013 ist demnach einzutreten. 2.1 Wurde ein Rentenanspruch der versicherten Person we gen eines zu geringen Invalidi- tätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 2 de r Verordnung über die Invalidenversiche- rung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuanmeldung zum Rentenbezug nur geprüft, wenn die versicherte Person im Gesuch glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. BGE 117 V 200 E. 4b). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 2 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltu ng nach vorangegangener rechtskräf- tiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautend en und nicht näher begründeten Ren- tengesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Die Verwaltung verfügt bei der Beurteilung der Eintretens- voraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Glaubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen stellen (Urteil B. des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen; BGE 109 V 114 E. 2b). 2.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind allerdin gs herabgesetzte Anforderun- gen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozial- versicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspu nkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei e ingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich i st eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalid enrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil B. des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 2.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darzulege n. Wie das Bundesgericht im Ent- scheid 130 V 64 ff. bekräftigt hat, spielt der Untersuchu ngsgrundsatz, wonach die Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhal- tes zu sorgen hat (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen), insoweit nicht. Wird in der Neuanmeldung bloss auf ergänzende Beweismittel, insbesondere Arztberichte, hingewie- sen, die noch beigebracht würden oder von der Verwaltung beizuziehen seien, ist der versicher- ten Person nach der Rechtsprechung eine angemessene Frist zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebenenfalls auf Nicht- eintreten zu erkennen sei (BGE 130 V 68 f. E. 5.2.5 m it Hinweisen). Wenn die der Neuanmel- dung beiliegenden ärztliche Berichte so wenig substanti iert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfe rtigen würde, ist es der Verwaltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzustellen oder bei der versicherten Person Bele- ge nachzufordern, eine Verpflichtung der IV-Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht indessen nur, wenn den - für sich allein genommen nicht Glaub- haftigkeit begründenden - Arztberichten konkrete Hinweise entnommen werden können, wo- nach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erst ellbare rechtserhebliche Änderung vor- liegt. Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch kein materielles Ein treten auf die Neuanmeldung (Urteil B. des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Gelingt der versicherten Person die Glaubhaftmachung nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung hingegen glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehre n einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. BGE 117 V 200 E. 4b). Wird gegen den Nichteintretensentscheid Beschwerde erhoben, hat das Ger icht lediglich die formellen Voraus- setzungen, namentlich die Glaubhaftmachung, zu prüfen. Eine materielle Prüfung der Frage, ob tatsächlich eine anspruchsändernde Änderung ausgewiesen bzw. eingetreten ist, ist im Rah- men des Eintretens (noch) nicht Beweisthema (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 28. Februar 2012, 9C_838/2011, E. 3.4.1; BGE 109 V 115 E. 2a). Strittig und im Folgenden zu prüfen ist daher einzig, ob die Beschwerdegegnerin auf das Leistungsbegehren der Beschwer- deführerin vom 31. Oktober 2012 zu Recht nicht eingetreten ist. 3. Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 10. März 2010 rückwirkend eine be- fristete halbe IV-Rente ab 1. September 2005 bis 31. Dezember 2007 zugesprochen. Demge- mäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenverfügung vom 10. März 2010 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpu nkt der vorliegend angefochtenen Ver- fügung vom 7. März 2013. 4.1 Die IV-Stelle stützte sich in ihrer Verfügung vom 10. März 2010 im Wesentlichen auf die Berichte von Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 13. Oktober 2009, des Spitals C.____ vom 19. Oktober 2009 sowie von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, vom 19. Oktober 2009. Diese Berichte wurd en von der Beschwerdeführerin zum damaligen Zeitpunkt zwecks Glaubhaftmachung einer Verschle chterung ihres Gesundheitszu- stands eingereicht. 4.2 Dr. B.____ berichtete am 13. Oktober 2009, dass sich die Beschwerdeführerin zwei Operationen unterzogen habe und sich die Magenoperati on bezüglich beabsichtigter Gewichts- abnahme gelohnt habe, da sich die vorbestehende Kniepr oblematik dadurch aufgelöst habe. Die Beschwerdeführerin leide jedoch an Unterzuckerung, M üdigkeit, täglichen Kopfschmerzen, Nervosität und Bauchblähungen. Als Folge der Operatione n würden deutliche und massiv ein- schränkende Beschwerden bestehen. 4.3 Gemäss dem Bericht des Spitals C.____ vom 19. Oktober 2009 leide die Beschwerde- führerin an einem Spätdumpingsyndrom, welches behandel t würde. In Bezug auf die Arbeitsfä- higkeit der Beschwerdeführerin äusserte sich der Bericht n icht, weswegen eine diesbezügliche Nachfrage getätigt wurde. Gemäss dieser Rücksprache seien bei der Beschwerdeführerin keine relevanten körperlichen Einschränkungen attestiert worden . Eine allfällige Arbeitsunfähigkeit begründe sich aufgrund der psychischen Problematik der Besc hwerdeführerin, welche beim behandelnden Psychiater, Dr. D.____, zu erfragen sei. 4.4 Dr. D.____ stellte als Diagnosen in seinem Bericht vom 19. Oktober 2009 Dysthymie, Verdacht auf soziale Phobie sowie Beschwerden als Folge d er bariatrischen Operationen. Er führte weiter aus, dass die Beschwerdeführerin starken Stimmungsschwankungen unterworfen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei, deren negative Episoden sich vor allem in Verunsiche rung, Müdigkeit, Spannungskopf- schmerzen, hypochondrisches Gedankenkreisen, starken Zukunftsängsten und pessimistischer Klagsamkeit manifestierten. Aus diesem Grund fühle sich die Beschwerdeführerin ausserstan- de, einer Berufstätigkeit auch nur in eingeschränktem Rahmen nachzugehen. 4.5 Aufgrund dieser Arztberichte gelangte die IV-Stell e zur Ansicht, dass die Beschwerde- führerin keine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands g laubhaft machen könne. Daher sprach ihr die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. März 201 0 lediglich eine befristete halbe IV- Rente mit Wirkung ab 1. September 2005 bis 31. Dezember 2007 zu. 5.1 Im Zuge ihrer Neuanmeldung vom 31. Oktober 2012 r eichte die Beschwerdeführerin der IV-Stelle Arztberichte von Dr. B.____ vom 12. November 2012, von Dr. D.____ vom 27. März 2013 sowie von Dr. E.____, Oberärztin des Spitals C.____, vom 23. April 2013 ein. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin mit diesen Berich ten glaubhaft machen kann, dass sich ihr Gesundheitszustand seit Erlass der Verfügung vom 10. März 2010 in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [A TSG] vom 6. Oktober 2000) - wie alle an deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass d as Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheide nd, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.1 Der Bericht von Dr. B.____ vom 12. November 2012 verweist für die Diagnosestellung zunächst auf Verlaufsberichte des Spitals C.____. Im Weit eren hält er fest, dass die Beschwer- deführerin während der Dauer der Hospitalisation aufg rund der bariatrischen Operation über den Jahreswechsel 2011/2012 vital gefährdet gewesen sei. Seither sei die Beschwerdeführerin sowohl physisch als auch psychisch kaum mehr belastbar. Die ge samte Bauch- und Stoffwech- selproblematik werde nach wie vor ambulant behandelt. Zudem sei die Beschwerdeführerin in psychotherapeutischer Behandlung. Aktuell sei von einer A rbeitsunfähigkeit von 70% auszuge- hen, weswegen die Neuanmeldung zum Rentenbezug aus hau särztlicher Sicht angemessen und deshalb zu unterstützen sei. Der Arztbericht erfolge nach einer eingehenden Besprechung und Befragung der Beschwerdeführerin und deren Ehemann. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Dr. D.____ hält in seinem Bericht vom 27. März 201 3 fest, dass er die Beschwerdeführe- rin seit dem Jahr 2007 psychotherapeutisch behandle. In Übereinstimmung mit dem Bericht von Dr. B.____ vom 12. November 2012 könne er bestätigen, d ass sich der physische und psychi- sche Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit 2010 v erschlechtert habe. Durch wie- derholte mehrwöchige Schmerzattacken sowie die am 1. M ärz 2013 operierte massive Bauch- wandhernie sei die Beschwerdeführerin somatisch deutli ch eingeschränkt. Diese Schmerzen sowie die objektiv eingeschränkte Bewegungsfähigkeit hätten auch einen negativen Einfluss auf die Stimmung und den Antrieb der Beschwerdeführerin. So habe die Beschwerdeführerin immer wieder und teils über mehrere Wochen depressive Einbrüche mit Adynamie zu verzeichnen und leide an schneller Erschöpfbarkeit, Gereiztheit und deutl ich vermindertem Elan. Aus psychiatri- scher Sicht habe sich die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdef ührerin in den vergangenen beiden Jahren trotz fortgesetzter ärztlicher Betreuung stark reduziert. 6.3 Der Bericht von Dr. E.____ vom 23. April 2013 diag nostiziert bei der Beschwerdeführerin ausgedehnte Bauchwandhernien der gesamten Abdominalw and als Folge der adipositasbe- dingten bariatrischen Operation, welche durch mehrere L aparoskopien im Jahr 2009 und 2010 sowie notfallmässig im Jahr 2011 behandelt worden seien. Als weitere Hauptdiagnosen nennt Dr. E.____ eine metabole Osteopathie, eine degenerat ive Veränderung des Bewegungsappa- rats sowie eine rezidivierend depressive Verstimmung. Als Ne bendiagnosen werden Mammap- tose, Urgeinkontinenz, paroxysmale supraventrikuläre Tachyka rdie sowie Asthma bronchiale gestellt. Der Bericht führt aus, dass es im Anschluss an die Laparoskopien Anfang des Jahres 2012 zu einer per sekundam Wundheilung der Laparotomie narbe gekommen sei. Die als Folge davon aufgetretene Bauchwandhernie schränke die Beschw erdeführerin in ihrer körperlichen Aktivität und ihrem psychischen Befinden stark ein. Der so matische Zustand der Beschwerde- führerin habe während dem ganzen Jahr 2012 nicht stabil isiert werden können. Die Bauch- wandhernie sei am 1. März 2013 erneut operiert worden. Zusätzlich leide die Beschwerdeführe- rin an einem Spätdumpingsyndrom, welches medikamentös be handelt würde, aber intermittie- rend zu Schwindel und Kraftlosigkeit führe. Aus somatischer Sicht habe sich die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in den letzten beiden Jahren trotz intensiver medizinischer Behandlung deutlich verschlechtert und sei momentan gänzlich zu verneinen. Über den weiteren Verlauf der Beeinträchtigungen sowie über eine allfällige Wieder aufnahme der Arbeitsfähigkeit könne aus medizinischer Sicht momentan keine Aussage getroffen werden. 6.4 Mit der IV-Stelle ist zunächst davon auszugehen, d ass eine Verschlechterung des Ge- sundheitszustands aus psychischer Sicht zweifelhaft erscheint. Wie den Akten zu entnehmen ist, stimmen die in psychischer Hinsicht attestierten Beschwerden im Wesentlichen mit jenen im Vergleichszeitpunkt der Verfügung vom 10. März 2010 üb erein. So wurde bei der Beschwerde- führerin bereits im Jahr 2009 eine affektive Störung mit gegenwärtig leichter Episode diagnosti- ziert. Diese Diagnose findet sich in den neu eingereichten Arztberichten sinngemäss wieder und es wird lediglich darauf verwiesen, dass sich die Arbeits fähigkeit stark reduziert habe, ohne dass näher ausgeführt wird, ob und welche Gründe allenf alls für eine Verschlechterung inner- halb derselben Diagnosestellung sprechen würden. Hinge gen erscheint aus somatischer Sicht glaubhaft, dass die neu beschriebenen Beeinträchtigungen geeignet sind, die Arbeitsfähigkeit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und damit den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin massgeblich zu beeinflussen. Ebenfalls ist plausibel, dass aus medizinischer Sicht momentan keine verlässliche Aussage über die wei- tere Entwicklung des Gesundheitszustands getroffen werden kann. Demgemäss bestehen auf- grund der eingereichten Berichte Anhaltspunkte, dass sich d er Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin aus somatischer Sicht in einer anspruchse rheblichen Weise verschlechtert hat. Es kann durchaus damit gerechnet werden, dass sich m it den diagnostizierten Beeinträch- tigungen ein Anspruch auf eine IV-Rente begründen läss t, falls sich die geltend gemachten Umstände im Rahmen einer eingehenden Untersuchung bestä tigen lassen. Damit ist auch die Erheblichkeit der Sachverhaltsänderung zu bejahen. Auf grund der eingereichten Arztberichte verdichten sich die medizinischen Angaben über eine Verschl echterung des Gesundheitszu- stands seit Erlass der Verfügung vom 10. März 2010, wodur ch ein weitergehender Abklärungs- bedarf geradezu offensichtlich wird. Nicht ersichtlich sind sodann Umstände, welche gegen die Verlässlichkeit der eingereichten Berichte sprechen würden. Der zeitliche Abstand zwischen der Verfügung vom 10. März 2010 und dem Neuantrag vom 31. Oktober 2012 ist im Übrigen weder als besonders kurz noch als besonders lang zu qualifizieren, weshalb der Grad des ohnehin verminderten Beweismasses nicht zusätzlich zu erhöhen oder zu reduzieren ist. Die Beschwer- deführerin vermag aus somatischer Sicht eine Veränderung ihres Gesundheitszustands glaub- haft zu machen. Dementsprechend wird die angefochten e Verfügung vom 7. März 2013 in Gut- heissung der Beschwerde aufgehoben und die IV-Stelle angewiesen, auf die Neuanmeldung der Versicherten vom 31. Oktober 2012 einzutreten. Dad urch ist selbstredend noch nichts über die tatsächliche Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin ausgesagt. Diese Frage bildet - wie unter E. 2.4 ausgeführt - nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. 7. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weite ren Vorgehen im Sinne der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-S telle zurück, so gilt in prozessualer Hin- sicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsi egende und die IV-Stelle als unter- liegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 13 2 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Ve rsicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in d er Regel in angemessenem Aus- mass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätt e deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorin stanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskoste n auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unter liegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegende n Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Der Beschwerdeführerin ist der geleist ete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückzuerstatten. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG h at die obsiegende Beschwerde füh- rende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin im vorliegen- den Beschwerdeverfahren nicht anwaltlich vertreten war, werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 7. März 2013 aufgehoben und die Sache an die Vorinstan z zurückge- wiesen mit der Anweisung, auf das Gesuch vom 31. Oktobe r 2012 (Eingangsdatum) einzutreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht