<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 22" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 22</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">253</span> </div> <div class="page" id="S253"> <span class="text"><b>V. Submissionen </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>22 </b> <b>Ausschluss eines Anbieters vom Verfahren; Arbeitsbedingungen</b></span><br/> <span class="text">Ausschluss eines Anbieters vom Verfahren wegen Nichteinhaltens der Ar-</span><br/> <span class="text">beitsbedingungen (orts- und branchenübliche Mindestlöhne). </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom</span><br/> <span class="text">17. September 2018, in Sachen A. GmbH gegen Kanton Aargau</span><br/> <span class="text">(WBE.2018.188).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">2.1.</span><br/> <span class="text">§ 3 Abs. 1 lit. a SubmD bestimmt, dass die Vergabestelle, sofern</span><br/> <span class="text">übergeordnetes Recht nichts anderes vorschreibt, den Auftrag nur an</span><br/> <span class="text">Anbietende vergibt, die die am Ort der Leistung massgeblichen</span><br/> <span class="text">Bestimmungen über Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen einhal-</span><br/> <span class="text">ten . Die Vergabestelle ist berechtigt, die Einhaltung dieser Bestim-</span><br/> <span class="text">mung zu kontrollieren oder kontrollieren zu lassen. Auf Verlangen</span><br/> <span class="text">haben die Anbietenden deren Einhaltung zu bestätigen oder nach-</span><br/> <span class="text">zuweisen (§ 3 Abs. 2 SubmD). Laut Art. 11 lit. e IVöB sind die Ar-</span><br/> <span class="text">beitsschutzbestimmungen und die Arbeitsbedingungen für Arbeitneh-</span><br/> <span class="text">mer zu beachten. § 7 Abs. 1 der Vergaberichtlinien (VRöB) zur IVöB</span><br/> <span class="text">bestimmt u.a., dass die Auftraggeberin vertraglich sicherstellt, dass</span><br/> <span class="text">die Anbieterin die geltenden Arbeitsbedingungen einhält und Dritte,</span><br/> <span class="text">denen sie Aufträge weiterleitet, ebenfalls vertraglich verpflichtet, die</span><br/> <span class="text">Arbeitsbedingungen einzuhalten. Als Arbeitsbedingungen gelten die</span><br/> <span class="text">Vorschriften der Gesamt- und der Normalarbeitsverträge; wo diese</span><br/> <span class="text">fehlen, gelten die orts- und berufsüblichen Vorschriften. Alle in der</span><br/> <span class="text">Schweiz geltenden Vorschriften werden dabei als gleichwertig be-</span><br/> <span class="text">trachtet (§ 7 Abs. 2 VRöB). Gemäss § 28 Abs. 1 SubmD schliesst die</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">254</span> </div> <div class="page" id="S254"> <div role="main"> <span class="text">Vergabestelle bei Vorliegen genügender Gründe Anbietende vom</span><br/> <span class="text">Verfahren aus. Dies gilt insbesondere in den in § 28 Abs. 1 lit. a - h</span><br/> <span class="text">SubmD genannten Fällen. Auszuschliessen sind u.a. Anbietende, die</span><br/> <span class="text">den Verpflichtungen aus § 3 SubmD nicht nachkommen (§ 28 Abs. 1</span><br/> <span class="text">lit. d SubmD; vgl. auch § 27 lit. d VRöB).</span><br/> <span class="text">2.2.</span><br/> <span class="text">Die Einhaltung der Arbeitsbedingungen - wozu u.a. Arbeits-</span><br/> <span class="text">zeiten, (Mindest-)Löhne, Lohnzulagen und Sozialleistungen zu zäh-</span><br/> <span class="text">len sind - gehört - nebst der Einhaltung der Steuer- und Abgabe-</span><br/> <span class="text">pflichten, der Arbeitssicherheitsbedingungen oder der Umweltschutz-</span><br/> <span class="text">gesetzgebung - zu den sog. vergaberechtlichen Grundvoraussetzun-</span><br/> <span class="text">gen. Darunter werden Vorbedingungen verstanden, welche alle</span><br/> <span class="text">Anbieter erfüllen müssen, um ganz losgelöst von der Natur und der</span><br/> <span class="text">Ausgestaltung des konkret zur Frage stehenden öffentlichen Auftrags</span><br/> <span class="text">an einem öffentlichen Vergabeverfahren teilnehmen zu können.</span><br/> <span class="text">Diese Bedingungen können nicht mehr oder weniger erfüllt sein,</span><br/> <span class="text">sondern nur ganz oder gar nicht (binäre Kriterien). Es handelt sich</span><br/> <span class="text">um jene Aspekte, ohne die ein lauterer Vergabewettbewerb undenk-</span><br/> <span class="text">bar wäre und bei deren Missachtung das öffentliche Beschaffungs-</span><br/> <span class="text">recht überhaupt in Misskredit kommen könnte. Anbieter, welche die</span><br/> <span class="text">Grundvoraussetzungen nicht erfüllen, sind ungeachtet des Auftrag-</span><br/> <span class="text">gegenstandes von jedem Verfahren auszuschliessen (MARTIN</span><br/> <span class="text">BEYELER, Der Geltungsanspruch des Vergaberechts,</span><br/> <span class="text">Zürich/Basel/Genf 2012, Rz. 1478 mit Hinweisen; CHRISTOPH</span><br/> <span class="text">JÄGER, Ausschluss vom Verfahren - Gründe und Rechtsschutz,</span><br/> <span class="text">Aktuelles Vergaberecht 2014, S. 340).</span><br/> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">3.1.</span><br/> <span class="text">Im vorliegenden Fall hatten die Anbieter ihrer Offerte die</span><br/> <span class="text">ausgefüllte und rechtsgültige unterzeichnete Beilage 2, enthaltend in</span><br/> <span class="text">Ziff. 3 u.a. eine Selbstdeklaration / Bestätigung des Anbieters ,</span><br/> <span class="text">beizufügen. Im Rahmen dieser Selbstdeklaration / Bestätigung des</span><br/> <span class="text">Anbieters hat die Beschwerdeführerin die Frage, ob sie die am Ort</span><br/> <span class="text">der ausgeübten Tätigkeit branchenüblichen Lohn- und Arbeitsbe-</span><br/> <span class="text">dingungen einhalte (Ziff. 3 lit. d), jeweils mit Ja beantwortet. Bei</span><br/> <span class="text">den Fragen betreffend die Einhaltung der Gesamt- und Normal-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">255</span> </div> <div class="page" id="S255"> <div role="main"> <span class="text">arbeitsverträge (Ziff. 3 lit. b und c) kreuzte sie jeweils k.A. (keine</span><br/> <span class="text">Angaben) an. Mit Schreiben vom 28. März 2018 forderte die</span><br/> <span class="text">Vergabestelle die Beschwerdeführerin - vor dem Hintergrund, dass</span><br/> <span class="text">sie die von dieser offerierten Kurspreise für ungewöhnlich niedrig er-</span><br/> <span class="text">achtete - u.a. auf, mittels eines beigelegten Formulars zu belegen,</span><br/> <span class="text">wie sich die Lohnkosten der Kursleitungen zusammensetzten ( von</span><br/> <span class="text">der Kursleitung mit dem höchsten und mit dem tiefsten Lohn pro</span><br/> <span class="text">Los ). Zudem sei auch ein Lohnreglement, falls vorhanden, oder</span><br/> <span class="text">andere Dokumente, aus denen ersichtlich sei, dass die effektiv</span><br/> <span class="text">entrichteten Löhne den Submissionsbedingungen genügten, beizule-</span><br/> <span class="text">gen. Aus den ausgefüllten Formularen ist zu entnehmen, dass die</span><br/> <span class="text">Kursleitungen der Beschwerdeführerin mittels Arbeitsvertrag mit</span><br/> <span class="text">einem Jahrespensum von 1'232 Lektionen zu einem Bruttolohn von</span><br/> <span class="text">Fr. 6'000.00 (höchster Lohn) bzw. Fr. 5'500.00 (tiefster Lohn) ange-</span><br/> <span class="text">stellt sind. Im Bruttolohn eingeschlossen ist - in den Formularen für</span><br/> <span class="text">die drei Lose entsprechend angekreuzt - die Vor-/Nachbearbeitung</span><br/> <span class="text">des Unterrichts, administrative Aufgaben, die Teilnahme an</span><br/> <span class="text">Sitzungen sowie der gesetzliche Ferienzuschlag und die Feiertagsent-</span><br/> <span class="text">schädigung. Die Ferien betragen 4 Wochen. Spesen werden nach</span><br/> <span class="text">Aufwand entschädigt. Im Bruttolohn enthalten sind sodann maximal</span><br/> <span class="text">zwei bezahlte Weiterbildungen à je maximal 12 Stunden pro Jahr. Im</span><br/> <span class="text">zugehörigen Begleitschreiben vom 9. April 2018 erläuterte die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin die Berechnungsgrundlage: 28 Lektionen ent-</span><br/> <span class="text">sprechen einem 100% Pensum und somit 112 Lektionen im Monat</span><br/> <span class="text">bzw. 1344 Lektionen im Jahr, abzüglich 1 Monat Ferien. Das Jahres-</span><br/> <span class="text">pensum bei 100% beträgt somit 1232 Lektionen im Jahr was wie-</span><br/> <span class="text">derum 102.66 Lektionen im Monat entsprechen. Die Lohnkosten pro</span><br/> <span class="text">Lektion betragen somit bei einem Durchschnittlichen Lohn von</span><br/> <span class="text">Brutto 6000.- CHF: 58.44 CHF zuzüglich ca. 0.13% Arbeitnehmer-</span><br/> <span class="text">beiträge . Der Bruttolohn pro Lektion (à 45 Minuten) beläuft sich</span><br/> <span class="text">nach eigenen Angaben der Beschwerdeführerin beim Höchstlohn so-</span><br/> <span class="text">mit auf Fr. 58.44. Beim tiefsten Lohn von brutto Fr. 5'500.00 beträgt</span><br/> <span class="text">der Lohn pro Lektion (à 45 Minuten) entsprechend Fr. 53.57.</span><br/> <span class="text">3.2.</span><br/> <span class="text">Die Vergabestelle stützt sich bei der Bestimmung der orts- und</span><br/> <span class="text">branchenüblichen Mindestlöhne in erster Linie auf das Lohnbuch</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">256</span> </div> <div class="page" id="S256"> <div role="main"> <span class="text">Schweiz 2018 . Danach betragen die Löhne in der Integrationsförde-</span><br/> <span class="text">rung für Lehrpersonen von Deutschkursen gemäss dem</span><br/> <span class="text">Gesamtarbeitsvertrag (GAV) zwischen ECAP und der Gewerkschaft</span><br/> <span class="text">UNIA sowie dem Schweizerischen Verband des Personals Öffent-</span><br/> <span class="text">licher Dienste VPOD je nach Alter und Erfahrung der Kursleitenden</span><br/> <span class="text">und des Deutschkursformats (Grundlagenkurs, Basiskurs, Semester-</span><br/> <span class="text">kurs) pro Lektion à 50 Minuten zwischen Fr. 68.85 und Fr. 76.75</span><br/> <span class="text">brutto. Pro Lektion à 45 Minuten betragen die Löhne entsprechend</span><br/> <span class="text">zwischen Fr. 61.95 und Fr. 69.05 brutto. Das Lohnbuch Schweiz</span><br/> <span class="text">2017 macht dieselben Lohnangaben. Damit erweist sich der Ein-</span><br/> <span class="text">wand der Beschwerdeführerin, die Vergabestelle hätte nicht auf das</span><br/> <span class="text">Lohnbuch Schweiz 2018 abstellen dürfen, da dieses im Zeitpunkt</span><br/> <span class="text">der Angebotseingabe (Ende Februar 2018) noch nicht veröffentlicht</span><br/> <span class="text">gewesen sei, im Ergebnis als unerheblich. Ebenfalls offensichtlich</span><br/> <span class="text">nicht stichhaltig ist das Argument der Beschwerdeführerin, die B. de-</span><br/> <span class="text">klariere für das Fachpersonal Integration einen branchenüblichen</span><br/> <span class="text">Stundenlohn von Fr. 36.75 brutto. Dabei handelt es sich, wie die</span><br/> <span class="text">Vergabestelle zu Recht einwendet, um eine andere Berufsgruppe mit</span><br/> <span class="text">anderen Anstellungsvoraussetzungen; insofern können die dortigen</span><br/> <span class="text">Mindestlöhne nicht zu Vergleichszwecken herangezogen werden.</span><br/> <span class="text">Vom Mindestlohn von Fr. 61.95 gemäss Lohnbuch hat die Vergabe-</span><br/> <span class="text">stelle eine Toleranz von 5 % (analog dem Lohnvergleich im Rahmen</span><br/> <span class="text">von Arbeitsmarktbeobachtungen des MIKA) in Abzug gebracht und</span><br/> <span class="text">gelangt so zu einem orts- und branchenüblichen Mindestlohn von</span><br/> <span class="text">Fr. 58.85 brutto pro Lektion von 45 Minuten. Das Vorgehen der</span><br/> <span class="text">Vergabestelle zur Ermittlung des massgebenden Mindestlohns ist</span><br/> <span class="text">ohne Weiteres nachvollziehbar und nicht zu beanstanden (vgl. auch</span><br/> <span class="text">Erw. 3.4 hiernach).</span><br/> <span class="text">Als unbehelflich erweist sich in diesem Zusammenhang</span><br/> <span class="text">insbesondere auch der Einwand der Beschwerdeführerin, der von der</span><br/> <span class="text">Vergabestelle erwähnte Gesamtarbeitsvertrag sei ihr unbekannt.</span><br/> <span class="text">Existiert in einer Branche ein Gesamtarbeitsvertrag, sind die Anbie-</span><br/> <span class="text">ter zwar nicht verpflichtet, diesem beizutreten, jedoch darf im Rah-</span><br/> <span class="text">men der Vergabe öffentlicher Aufträge von ihnen dessen Einhaltung</span><br/> <span class="text">in Bezug auf die massgeblichen Arbeitsbedingungen, u.a. auch die</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">257</span> </div> <div class="page" id="S257"> <div role="main"> <span class="text">vorgesehenen Mindestlöhne, verlangt werden (vgl. Art. 7 VRöB;</span><br/> <span class="text">oben Erw. 2.1; ferner auch BGE 130 I 258 ff.).</span><br/> <span class="text">3.3.</span><br/> <span class="text">3.3.1.</span><br/> <span class="text">Wie vorstehend (Erw. 3.1) ausgeführt, hat die Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führerin im Rahmen der Plausibilitätsüberprüfung Löhne von</span><br/> <span class="text">Fr. 58.44 bzw. Fr. 53.57 brutto pro Lektion deklariert. Beide</span><br/> <span class="text">Lohnangaben liegen somit unter dem orts- und branchenüblichen</span><br/> <span class="text">Mindestlohn von Fr. 61.95 bzw. - nach Abzug der Toleranz von 5 %</span><br/> <span class="text">- von Fr. 58.85 brutto pro Lektion.</span><br/> <span class="text">3.3.2.</span><br/> <span class="text">Im vorliegenden Beschwerdeverfahren stellt die Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führerin die Richtigkeit des Abstellens auf die von ihr im Rahmen</span><br/> <span class="text">der Plausibilitätsüberprüfung selbst deklarierten Lohnangaben in</span><br/> <span class="text">Frage. Sie macht zum einen geltend, die Vorteile ihrer Anstel-</span><br/> <span class="text">lungsbedingungen (Jahresarbeits-Modell) und die dadurch bewirkte</span><br/> <span class="text">Besserstellung der Arbeitnehmenden blieben in der Gegenüberstel-</span><br/> <span class="text">lung des Stundenlohns zu Unrecht unberücksichtigt. Zum anderen</span><br/> <span class="text">seien in den deklarierten Zahlen zur Plausibilitätsprüfung die</span><br/> <span class="text">Betriebsferien von mindestens einer Woche nicht enthalten. Würden</span><br/> <span class="text">diese Betriebsferien eingerechnet, läge der Lohn pro Lektion bei</span><br/> <span class="text">Fr. 59.80 brutto (bei einer Woche) bzw. Fr. 61.22 brutto (bei zwei</span><br/> <span class="text">Wochen) und somit jedenfalls innerhalb der Toleranz des orts- und</span><br/> <span class="text">branchenüblichen Lohns. Diese Argumente der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="text">vermögen indessen nicht zu überzeugen und die Unterschreitung des</span><br/> <span class="text">branchenüblichen Mindestlohns pro Lektion nicht zu rechtfertigen.</span><br/> <span class="text">Dies gilt zunächst für die behauptete Besserstellung der Arbeitneh-</span><br/> <span class="text">mer durch die Festanstellung mit Jahrespensum bei Schwankungen</span><br/> <span class="text">des Auftragsvolumens. Die Vergabestelle weist zum einen zu Recht</span><br/> <span class="text">darauf hin, dass sich ein allfälliger Vorteil einer Anstellung mit Jah-</span><br/> <span class="text">respensum (im Vergleich zu einer Anstellung auf Stundenlohnbasis)</span><br/> <span class="text">nicht mit einem frankenmässig klar bezifferbaren Betrag festsetzen</span><br/> <span class="text">lässt, der zu den ausgewiesenen Ansätzen pro Lektion hinzugerech-</span><br/> <span class="text">net werden könnte. Nachvollziehbar sind zum anderen auch die</span><br/> <span class="text">Zweifel der Vergabestelle an der Behauptung der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="text">rerin, die branchenüblichen Schwankungen des Auftragsvolumens</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">258</span> </div> <div class="page" id="S258"> <div role="main"> <span class="text">gingen ausschliesslich zu ihren Lasten und auch bei geringeren Auf-</span><br/> <span class="text">tragsvolumina würden für die Arbeitnehmer keinerlei Lohneinbussen</span><br/> <span class="text">entstehen. Dies mag bei vorübergehenden, sehr kurzfristigen und nur</span><br/> <span class="text">geringfügigen Auftragsrückgängen zutreffen. Bei zu tiefem Auftrags-</span><br/> <span class="text">volumen wird aber auch die Beschwerdeführerin ihren Angestellten</span><br/> <span class="text">weder die Anstellung noch das vertragliche Jahrespensum längerfris-</span><br/> <span class="text">tig garantieren können. Beschäftigungsmöglichkeit und Beschäfti-</span><br/> <span class="text">gungsgrad hängen auch bei einer Anstellung mit Jahrespensum vom</span><br/> <span class="text">effektiv vorhandenen Auftragsvolumen ab. Der Standpunkt der</span><br/> <span class="text">Vergabestelle, auch aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="text">Anstellungen mit einem Jahrespensum anbiete, könne nicht auf die</span><br/> <span class="text">Branchenüblichkeit ihrer Ansätze geschlossen werden, erscheint vor</span><br/> <span class="text">diesem Hintergrund ohne Weiteres nachvollziehbar. Die Ausführun-</span><br/> <span class="text">gen der Beschwerdeführerin in der Replik ändern nichts an der Tatsa-</span><br/> <span class="text">che, dass sie die hier relevanten Mindestlöhne offenkundig nicht ein-</span><br/> <span class="text">hält.</span><br/> <span class="text">In Bezug auf die Betriebsferien, die nach Auffassung der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin beim Lohnvergleich mitzuberücksichtigen sind, ist</span><br/> <span class="text">festzustellen, dass in den Formularen zur Plausibilitätsüberprüfung</span><br/> <span class="text">der Kursleiterlöhne jeweils vier Wochen Ferien angegeben sind. Be-</span><br/> <span class="text">triebsferien werden nicht erwähnt. Auch das beigelegte Betriebsreg-</span><br/> <span class="text">lement äussert sich diesbezüglich nicht. Auf dieser Grundlage hat die</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin das effektive Pensum, d.h. die Anzahl der zu er-</span><br/> <span class="text">teilenden Lektionen pro Jahr (1'232) und pro Monat (102.66),</span><br/> <span class="text">berechnet, woraus die Ansätze von Fr. 58.44 brutto (beim höchsten</span><br/> <span class="text">Lohn von Fr. 6'000.00 brutto) bzw. Fr. 53.57 brutto (beim tiefsten</span><br/> <span class="text">Lohn von Fr. 5'500.00 brutto) pro Lektion resultierten (vgl. auch</span><br/> <span class="text">oben Erw. 3.1). Die Vergabestelle hatte angesichts der klaren und</span><br/> <span class="text">eindeutigen Angaben der Beschwerdeführerin im Vergabeverfahren</span><br/> <span class="text">keinerlei Veranlassung, nicht darauf abzustellen. Die Anbietenden</span><br/> <span class="text">sind für den korrekten Inhalt ihrer Angebote selber verantwortlich,</span><br/> <span class="text">und sie sind bei den von ihnen gemachten Angaben zu behaften. Der</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin wurde vorliegend von der Vergabestelle nach-</span><br/> <span class="text">träglich die Gelegenheit geboten, zu belegen, dass sie die orts- und</span><br/> <span class="text">branchenüblichen Mindestlöhne einhält; in diesem Kontext war auch</span><br/> <span class="text">der Ferienanspruch anzugeben (vgl. Erw. 3.1). Tatsache ist, dass sie</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">259</span> </div> <div class="page" id="S259"> <div role="main"> <span class="text">im Rahmen dieser Plausibilitätsprüfung ausdrücklich vier Wochen</span><br/> <span class="text">Ferien deklariert hat. Zum einen ist es nicht Sache der Vergabestelle,</span><br/> <span class="text">die Unterlagen (wie z.B. Unterrichts- und Einsatzpläne) daraufhin zu</span><br/> <span class="text">überprüfen, ob sich aus ihnen noch zusätzliche (bezahlte) Ferien- und</span><br/> <span class="text">Freitage ergeben, die sich gegebenenfalls auf die Lohnhöhe auswir-</span><br/> <span class="text">ken könnten. Sie darf vielmehr auf die gemachten Angaben abstellen.</span><br/> <span class="text">Zum anderen folgt aus den mit der Replik vorgelegten Arbeitsver-</span><br/> <span class="text">trägen keineswegs ein rechtsverbindlicher zusätzlicher Ferienan-</span><br/> <span class="text">spruch der Kursleitenden. Es kann diesbezüglich auf die zutreffenden</span><br/> <span class="text">Ausführungen der Vergabestelle verwiesen werden.</span><br/> <span class="text">3.4.</span><br/> <span class="text">Zu prüfen bleibt der von der Beschwerdeführerin in der Replik</span><br/> <span class="text">erhobene Vorwurf widersprüchlichen Verhaltens innerhalb des DVI.</span><br/> <span class="text">Während die Beschwerdeführerin den Standpunkt vertritt, es handle</span><br/> <span class="text">sich in beiden Fällen um die gleichen Leistungen (Kursleitung mit</span><br/> <span class="text">Ausrichtung DaZ), verneint die Vergabestelle eine Vergleichbarkeit.</span><br/> <span class="text">Bei den vom MIKA ausgeschriebenen Regionalen Sprachkursen für</span><br/> <span class="text">fremdsprachige Erwachsene geht es nach Darstellung der Vergabe-</span><br/> <span class="text">stelle um die Deutschförderung von Migrantinnen und Migranten.</span><br/> <span class="text">Die Kurse sind allen nicht deutschsprachigen Migrantinnen und Mig-</span><br/> <span class="text">ranten zugänglich. Ziel ist es, deren Sprachkompetenzen hinsichtlich</span><br/> <span class="text">der Kommunikation im Alltag zu verbessern. Die Unterrichtsweise</span><br/> <span class="text">ist bedürfnisorientiert, d.h. die Lerninhalte in den einzelnen Kurs-</span><br/> <span class="text">modulen sind nicht vorbestimmt, sondern die Kursleitung muss die</span><br/> <span class="text">konkreten Kommunikationsbedürfnisse der Lernenden immer wieder</span><br/> <span class="text">neu ermitteln und die Kursinhalte entsprechend ausrichten, was hohe</span><br/> <span class="text">Anforderungen an die Kursleitungen stellt. Demgegenüber geht es</span><br/> <span class="text">bei den Kursen des AWA um die Förderung der arbeitsmarktlichen</span><br/> <span class="text">Integration von Stellensuchenden mit geringen Deutschkenntnissen.</span><br/> <span class="text">Die Kurse werden ausschliesslich von Stellensuchenden mit Zuwei-</span><br/> <span class="text">sung durch das RAV besucht. Ziel dieser Kurse ist die Verbesserung</span><br/> <span class="text">der Vermittlungsfähigkeit und die möglichst rasche Eingliederung in</span><br/> <span class="text">den Arbeitsmarkt. Es werden eine berufliche Standortbestimmung</span><br/> <span class="text">vorgenommen, realistische Bewerbungsstrategien und Bewerbungs-</span><br/> <span class="text">unterlagen erarbeitet sowie Theorie und Training der einzelnen Be-</span><br/> <span class="text">werbungsschritte vermittelt. Die Lernziele und Lerninhalte sind be-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 8 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">260</span> </div> <div class="page" id="S260"> <div role="main"> <span class="text">reits vorgegeben. Die Deutschförderung ist auf die Vermittlung von</span><br/> <span class="text">für die Bewerbungssituation relevanten Deutschkenntnissen be-</span><br/> <span class="text">schränkt. Die Kurse unterscheiden sich somit hinsichtlich der Kurs-</span><br/> <span class="text">inhalte, Kursziele und didaktischen Vorgaben. Gemäss Ausführungen</span><br/> <span class="text">der Vergabestelle unterscheiden die Kurse sich auch hinsichtlich der</span><br/> <span class="text">Anstellungsmodelle für die Kursleitungen. Der Standpunkt der</span><br/> <span class="text">Vergabestelle, aufgrund der unterschiedlichen Kursinhalte und der</span><br/> <span class="text">unterschiedlichen Anstellungsbedingungen könnten die Monatsbrut-</span><br/> <span class="text">tolöhne der Kursleitenden der AWA-Kurse nicht als Massstab für die</span><br/> <span class="text">Ermittlung des orts- und branchenüblichen Mindestlohns pro Lektion</span><br/> <span class="text">für Kursleitende der ausgeschriebenen Regionalen Deutschkurse für</span><br/> <span class="text">fremdsprachige Erwachsene herangezogen werden, erscheint plausi-</span><br/> <span class="text">bel. Insofern ist es auch vor diesem Hintergrund nachvollziehbar und</span><br/> <span class="text">vertretbar, dass sich die Vergabestelle bei der Ermittlung des orts-</span><br/> <span class="text">und branchenüblichen Mindestlohns für Kursleitende der</span><br/> <span class="text">ausgeschriebenen Regionalen Deutschkurse für fremdsprachige Er-</span><br/> <span class="text">wachsene auf das Lohnbuch 17/18 und den massgeblichen GAV ge-</span><br/> <span class="text">stützt und die AWA-Kurse nicht mitberücksichtigt hat (vgl. Erw. 3.2</span><br/> <span class="text">oben). Von einem widersprüchlichen Verhalten kann entgegen der</span><br/> <span class="text">Ansicht der Beschwerdeführerin nicht gesprochen werden.</span><br/> <span class="text">3.5.</span><br/> <span class="text">Beim Ausschluss infolge Verletzung von Arbeitsbedingungen ist</span><br/> <span class="text">auch das Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten, und zwar auch</span><br/> <span class="text">dann, wenn die verletzte Vorschrift nicht als blosse Kann-Vorschrift,</span><br/> <span class="text">sondern so formuliert ist, dass der Ausschluss an sich bei jeglicher</span><br/> <span class="text">Verletzung anzuordnen wäre (PETER GALLI/ANDRÉ</span><br/> <span class="text">MOSER/ELISABETH LANG/MARC STEINER, Praxis des öffentlichen</span><br/> <span class="text">Beschaffungsrechts, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 520).</span><br/> <span class="text">Indem die Vergabestelle vom orts- und branchenüblichen Mindest-</span><br/> <span class="text">lohn gemäss Lohnbuch einen Toleranzwert von 5 % in Abzug ge-</span><br/> <span class="text">bracht hat, hat sie dem Verhältnismässigkeitsgrundsatz ausreichend</span><br/> <span class="text">Rechnung getragen. Der verfügte Ausschluss der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="text">rerin vom Vergabeverfahren ist auch unter diesem Aspekt nicht zu</span><br/> <span class="text">bemängeln.</span><br/> </div> </div> </body> </html>