<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">P 45/99 Hm </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>IV. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Widmer </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 8. Februar 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ausgleichskasse Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, Binnin- </div> <div class="para">gen, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">H.________, 1961, Beschwerdegegner, vertreten durch Advokat </div> <div class="para">W.________, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Liestal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Mit Verfügungen vom 26. März 1999 sprach die Aus- </div> <div class="para">gleichskasse Basel-Landschaft dem 1961 geborenen H.________ </div> <div class="para">ab 1. Dezember 1998 eine Ergänzungsleistung zur Invaliden- </div> <div class="para">rente von monatlich Fr. 619.- (ab 1. Januar 1999 Fr. 625.-) </div> <div class="para">zu; dabei berücksichtigte sie bei der Berechnung lediglich </div> <div class="para">die Einnahmen und Ausgaben des Versicherten selbst, nachdem </div> <div class="para">die Fremdenpolizei des Kantons Basel-Landschaft mit Ver- </div> <div class="para">fügung vom 19. November 1998 der Ehefrau und den drei Kin- </div> <div class="para">dern vom H.________ eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen </div> <div class="para">des Familiennachzugs zum Aufenthalt beim Ehegatten und </div> <div class="para">Vater verweigert hatte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- H.________ liess beim Versicherungsgericht des </div> <div class="para">Kantons Basel-Landschaft Beschwerde führen mit dem Antrag, </div> <div class="para">die Verfügungen seien aufzuheben und die Sache sei zu neuer </div> <div class="para">Festsetzung der Ergänzungsleistung ab 1. Dezember 1998 </div> <div class="para">unter Einbezug der Ehefrau und der drei Kinder an die Ver- </div> <div class="para">waltung zurückzuweisen. Zur Begründung brachte er vor, </div> <div class="para">seine Ehegattin und die drei Kinder lebten seit ihrer Ein- </div> <div class="para">reise in die Schweiz im Juni 1998 mit ihm zusammen. </div> <div class="para"> Am 28. Mai 1999 widerrief die kantonale Fremdenpolizei </div> <div class="para">die Verfügung vom 19. November 1998 und erteilte den Fami- </div> <div class="para">lienangehörigen von H.________ die Aufenthaltsbewilligung. </div> <div class="para">Gestützt auf diesen Entscheid zog die Ausgleichskasse ihre </div> <div class="para">frühere Verfügung vom 26. März 1999 in Wiedererwägung und </div> <div class="para">sprach H.________ rückwirkend ab 1. Dezember 1998 eine </div> <div class="para">Ergänzungsleistung von monatlich Fr. 2022.- (ab 1. Januar </div> <div class="para">1999 Fr. 2036.-) zu; die Neuberechnung des Anspruchs er- </div> <div class="para">folgte unter Einbezug der Familienangehörigen (Verfügungen </div> <div class="para">vom 14. Juni 1999). </div> <div class="para"> Mit Entscheid vom 30. Juni 1999 schrieb das Versiche- </div> <div class="para">rungsgericht des Kantons Basel-Landschaft das Beschwerde- </div> <div class="para">verfahren zufolge der während der Rechtshängigkeit ergange- </div> <div class="para">nen neuen Verfügungen ab und verpflichtete die Ausgleichs- </div> <div class="para">kasse, H.________ eine Parteientschädigung von Fr. 1086.60 </div> <div class="para">(einschliesslich Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die </div> <div class="para">Ausgleichskasse, der vorinstanzliche Entscheid sei hin- </div> <div class="para">sichtlich der Parteientschädigung aufzuheben. </div> <div class="para"> Während H.________ auf Abweisung der Verwaltungs- </div> <div class="para">gerichtsbeschwerde schliessen und um die Bewilligung der </div> <div class="para">unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung ersuchen </div> <div class="para">lässt, verzichtet das Bundesamt für Sozialversicherung auf </div> <div class="para">eine Vernehmlassung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Gegen Entscheide kantonaler Rekursinstanzen be- </div> <div class="para">treffend Parteientschädigung im Bereich der Ergänzungsleis- </div> <div class="para">tungen ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Eidge- </div> <div class="para">nössische Versicherungsgericht zulässig. Denn ein solcher </div> <div class="para">Parteikostenentscheid findet in <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. f AHVG</span> </div> <div class="para">(anwendbar auf dem Gebiet der Ergänzungsleistungen gemäss </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 7 Abs. 2 ELG</span>) seine bundesrechtliche Grundlage, wes- </div> <div class="para">halb er eine mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde anfechtbare </div> <div class="para">Verfügung im Sinne von <span class="artref">Art. 128 OG</span> und <span class="artref">Art. 97 Abs. 1 OG</span> in </div> <div class="para">Verbindung mit <span class="artref">Art. 5 VwVG</span> darstellt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=22.01.2000&amp;to_date=10.02.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-V-106%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page108">BGE 112 V 108</a> ff., </div> <div class="para">108 V 111). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Da es sich bei der angefochtenen Verfügung nicht </div> <div class="para">um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleis- </div> <div class="para">tungen handelt, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht </div> <div class="para">nur zu prüfen, ob das vorinstanzliche Gericht Bundesrecht </div> <div class="para">verletzt hat, einschliesslich Überschreitung oder Miss- </div> <div class="para">brauch des Ermessens, oder ob der rechtserhebliche Sachver- </div> <div class="para">halt offensichtlich unrichtig, unvollständig oder unter </div> <div class="para">Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt </div> <div class="para">worden ist (Art. 132 in Verbindung mit Art. 104 lit. a und </div> <div class="para">b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Nach der Rechtsprechung kann eine Parteientschä- </div> <div class="para">digung gemäss <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. f AHVG</span> auch bei Gegen- </div> <div class="para">standslosigkeit der Beschwerde zugesprochen werden, wenn es </div> <div class="para">die Prozessaussichten rechtfertigen. Massgeblich sind die </div> <div class="para">Prozessaussichten, wie sie sich vor Eintritt der Gegen- </div> <div class="para">standslosigkeit darboten (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=22.01.2000&amp;to_date=10.02.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-54%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page57">BGE 110 V 57</a>, 109 V 71, 106 V </div> <div class="para">124). Der Anspruch auf Parteientschädigung ist somit danach </div> <div class="para">zu beurteilen, ob und in welchem Masse die Beschwerde füh- </div> <div class="para">rende Partei bei materieller Beurteilung der Beschwerde </div> <div class="para">durch das Gericht vermutlich obsiegt hätte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- a) Die Vorinstanz schrieb das Verfahren als gegen- </div> <div class="para">standslos ab, weil die Ausgleichskasse mit den lite pen- </div> <div class="para">dente erlassenen Verfügungen, in welchen der EL-Anspruch </div> <div class="para">unter Einbezug der Familienangehörigen neu berechnet wurde, </div> <div class="para">dem Rechtsbegehren des Beschwerdegegners vollumfänglich </div> <div class="para">entsprochen habe. Dieser Ausgang komme einem Obsiegen des </div> <div class="para">Versicherten gleich, was die Zusprechung einer Parteient- </div> <div class="para">schädigung rechtfertige. Das kantonale Gericht übersieht, </div> <div class="para">dass für die Frage der Parteientschädigung die Prozessaus- </div> <div class="para">sichten vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit massgebend </div> <div class="para">sind. Im vorliegenden Fall wurde das Verfahren durch die </div> <div class="para">pendente lite wiedererwägungsweise erlassenen neuen Ver- </div> <div class="para">fügungen vom 14. Juni 1999, die auf dem Entscheid der kan- </div> <div class="para">tonalen Fremdenpolizei vom 28. Mai 1999 beruhen, gegen- </div> <div class="para">standslos. Zu prüfen sind daher die Prozessaussichten vor </div> <div class="para">dem Entscheid der Fremdenpolizei vom 28. Mai 1999, mit wel- </div> <div class="para">chem den Familienangehörigen des Beschwerdegegners die Auf- </div> <div class="para">enthaltsbewilligung erteilt wurde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Gemäss <span class="artref">Art. 3a Abs. 4 ELG</span> (in der vorliegend an- </div> <div class="para">wendbaren, seit 1. Januar 1998 geltenden Fassung) sind die </div> <div class="para">anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen von Ehe- </div> <div class="para">gatten, Personen mit rentenberechtigten oder an der Rente </div> <div class="para">beteiligten Kindern sowie von Waisen, die im gleichen Haus- </div> <div class="para">halt leben, zusammenzurechnen. <span class="artref">Art. 7 ELV</span> bestimmt, dass </div> <div class="para">für Kinder, die einen Anspruch auf eine Kinderrente der AHV </div> <div class="para">oder Invalidenversicherung begründen, eine gemeinsame Be- </div> <div class="para">rechnung der Ergänzungsleistung erfolgt, wenn die Kinder </div> <div class="para">mit den Eltern zusammen leben (Abs. 1 lit. a). Die Addition </div> <div class="para">der anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen von </div> <div class="para">Ehegatten und Kindern setzt demnach lediglich voraus, dass </div> <div class="para">diese in einem gemeinsamen Haushalt zusammen leben; dass </div> <div class="para">dabei nur ein legaler Aufenthalt in der Schweiz in Betracht </div> <div class="para">fällt, bedarf keiner weiteren Ausführungen. Im Gegensatz </div> <div class="para">zur Person, die Ergänzungsleistungen geltend macht und die, </div> <div class="para">handelt es sich um einen Ausländer oder eine Ausländerin </div> <div class="para">mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, </div> <div class="para">sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz auf- </div> <div class="para">gehalten haben muss (<span class="artref">Art. 2 Abs. 2 lit. a ELG</span>), damit sie </div> <div class="para">Anspruch auf Ergänzungsleistungen hat, gelten für die Be- </div> <div class="para">rücksichtigung der Einnahmen und Ausgaben von Ehegatten und </div> <div class="para">Kindern im Rahmen der EL-Berechnung keine vergleichbaren </div> <div class="para">Einschränkungen, namentlich keine Mindestdauer des Aufent- </div> <div class="para">haltes in der Schweiz. Ebensowenig ist nach dem Gesetzes- </div> <div class="para">wortlaut der fremdenpolizeiliche Status der Familienangehö- </div> <div class="para">rigen entscheidend, wie der Beschwerdegegner richtig be- </div> <div class="para">merkt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Den unwidersprochen gebliebenen Ausführungen des </div> <div class="para">Beschwerdegegners zufolge leben seine Ehefrau und die drei </div> <div class="para">Kinder seit Juni 1998 bei ihm. Dieser Sachverhalt wird </div> <div class="para">durch die Verfügung des Rechtsdienstes des Regierungsrates </div> <div class="para">Basel-Landschaft vom 22. Juni 1999 bestätigt, mit der die </div> <div class="para">Beschwerde gegen die Verweigerung der Aufenthaltsbewilli- </div> <div class="para">gung im Rahmen des Familiennachzugs zu Gunsten der Ehefrau </div> <div class="para">und der Kinder abgeschrieben wurde. Danach reisten Ehegat- </div> <div class="para">tin und Kinder zunächst auf Grund von Besuchsvisa in die </div> <div class="para">Schweiz ein, welche in der Folge wegen der kritischen Lage </div> <div class="para">im Kosovo verlängert wurden. Während ihres Aufenthalts in </div> <div class="para">der Schweiz hätten Ehefrau und Kinder in Haushaltsgemein- </div> <div class="para">schaft mit dem Beschwerdegegner gelebt. </div> <div class="para"> Da die Voraussetzungen für die Berücksichtigung der </div> <div class="para">Einnahmen und Ausgaben der Ehegattin sowie der an der Inva- </div> <div class="para">lidenrente beteiligten Kinder bei der Ermittlung des </div> <div class="para">EL-Anspruchs im vorliegenden Fall schon vor der Erteilung </div> <div class="para">der Aufenthaltsbewilligung gemäss Verfügung der Fremden- </div> <div class="para">polizei des Kantons Basel-Landschaft vom 28. Mai 1999 er- </div> <div class="para">füllt waren, hätte der Versicherte bei materieller Beurtei- </div> <div class="para">lung der Beschwerde vermutlich obsiegt. Die Zusprechung </div> <div class="para">einer Parteientschädigung durch die Vorinstanz ist damit </div> <div class="para">gerechtfertigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5.- Die Gerichtskosten sind der unterliegenden Aus- </div> <div class="para">gleichskasse aufzuerlegen (Art. 135 in Verbindung mit </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 156 OG</span>). Dem Prozessausgang entsprechend ist dem Be- </div> <div class="para">schwerdegegner eine Parteientschädigung zuzusprechen </div> <div class="para">(Art. 135 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 159 OG</span>). Das Gesuch um </div> <div class="para">unentgeltliche Rechtspflege, einschliesslich der unentgelt- </div> <div class="para">lichen Verbeiständung, erweist sich damit als gegenstands- </div> <div class="para">los. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Aus-</i> </div> <div class="para"> gleichskasse Basel-Landschaft auferlegt und mit dem </div> <div class="para"> geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>III. Die Ausgleichskasse Basel-Landschaft hat dem Beschwer-</i> </div> <div class="para"> degegner für das Verfahren vor dem Eidgenössischen </div> <div class="para"> Versicherungsgericht eine Parteientschädigung von </div> <div class="para"> Fr. 1027.60 (einschliesslich Mehrwertsteuer) zu bezah- </div> <div class="para"> len. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>IV. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungs-</i> </div> <div class="para"> gericht des Kantons Basel-Landschaft und dem Bundesamt </div> <div class="para"> für Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 8. Februar 2000 </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>