B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-4888/2025 U r t e i l v o m 10 . J u l i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichter Gregor Chatton Mit Zustimmung von Richter Yannick Antoniazza-Hafner Gerichtsschreiber Matthew Pydar. Parteien A._______, geboren am (…), alias B._______, geboren am (…), Algerien, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 26. Juni 2025 / (…). F-4888/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Der algerische Beschwerdeführer (geboren 2000) ersuchte am 21. Juni 2025 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerab- druck-Datenbank «Eurodac» ergab, dass er bereits am 12. Juni 2025 in Deutschland ein Asylgesuch gestellt hatte. B. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rahmen des persönlichen Dublin-Gesprächs am 24. Juni 2025 ersuchte die Vorinstanz gleichentags die deutschen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ge- stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu- ropäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaat sangehörigen oder Staatenlosen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO). Am 25. Juni 2025 hiessen die deutschen Behörden das Ersuchen gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO gut. C. Mit Verfügung vom 26. Juni 2025 (eröffnet am 27. Juni 2025) trat das SEM auf das Asylgesuch nicht ein, verfügte die Überstellung des Beschwerde- führers nach Deutschland und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 3. Juli 2025 (Poststempel gleichentags) ge- langte der Beschwerdeführer ans Bundesverwaltungsgericht und bean- tragte, die genannte Verfügung sei aufzuheben, es sei ihm die Flüchtlings- eigenschaft zuzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. D es Weiteren sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumut- bar und unmöglich sei, weswegen die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. Darüber hinaus seien die zuständigen Behörden anzuweisen, keinen Kontakt zu den Behörden des Heimatstaates des Beschwerdeführers auf- zunehmen oder Daten an diesen weiterzuleiten. Sollten bereits Daten wei- tergeleitet worden sein, sei der Beschwerdeführer diesbezüglich zu infor- mieren. In prozessrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer den Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten und Kostenvorschuss sowie die Aufschiebung der Vollstreckung. F-4888/2025 Seite 3 E. Am 4. Juli 2025 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen Vollzugsstopp an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG (SR 172.021), dem VGG (SR 173.32) und dem BGG (SR 173.110), soweit das AsylG (SR 142.31) nicht anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). 1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs- gericht zur Beurteilung v on Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu- ständig. Der Beschwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde legiti- miert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 1.3. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit An- gabe der Beweismittel und die U nterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; die Ausfertigung der angefochtenen Verfü- gung und die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, so- weit der Beschwerdeführer sie in Händen hat (Art. 52 Abs. 1 VwVG). Ge- nügt die Beschwerde diesen Anforderungen nicht oder lassen die Begeh- ren des Beschwerdeführers oder deren Begründung die nötige Klarheit vermissen und stellt sich die Beschwerde nicht als offensichtlich unzulässig heraus, so räumt die Beschwerdeinstanz de m Beschwerdeführer eine kurze Nachfrist zur Verbesserung ein (Art. 52 Abs. 2 VwVG). 1.4. Ein Teil der Beschwerde (Beschwerdegründe) ist auf Französisch und Deutsch verfasst, während ein anderer Teil (Anträge des Beschwerdefüh- rers) auf Arabisch verfasst ist. Eb enso hat der Beschwerdeführer die Be- schwerde nicht unterzeichnet (siehe act. 1). Da der arabische Teil der Be- schwerde mit geringem Aufwand ins Deutsche übersetzt werden konnte, rechtfertigt es sich vorliegend, aus prozessökonomischen Gründen und mit Verweis auf das Verhältnismässigkeitsgebot (Art. 5 Abs. 2 BV), ausnahms- weise auf eine Berichtigung zu verzichten (vgl. Urteil des BVGer F - 2287/2025 vom 9. April 2025 E. 1.3). Analoges gilt für die fehlende Unter- schrift (vgl. Urteile des BVGer F -5880/2024 vom 25. September 2024 E. 1.3; F-3386/2020 vom 8. Juli 2020, S. 4). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit unter dem vorgenannten Vorbehalt ein- zutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). F-4888/2025 Seite 4 1.5. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1 bis 3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 1.6. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren der einzelrichterlichen Zuständigkeit mit Zustimmung ei- nes zweiten Richters bezi ehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit sum- marischer Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 1.7. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss d er Dublin-III- VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zuge- stimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 2.2. Gestützt auf Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO wird jeder Asylantrag von ei- nem einzigen Mitgliedstaat geprüft, dessen Zuständigkeit sich nach den Kriterien des Kapitels III bestimmen lässt. Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitglied- staat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän- digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An- nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für ihn in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prü- fen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig F-4888/2025 Seite 5 bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be- stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu- ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 2.3. Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet grundsätzlich keine (erneute) Zustä ndigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2019 VI/7 E. 4 -6; 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflich- tet, einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsge- biet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Ma s- sgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO). Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann je- der Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsange- hörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 2.4. Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, dass gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO grundsätzlich Deutschland für die Behandlung des Asylge- suchs des Beschwerdeführers zuständig ist, da er dort am 12. Juni 2025 um Asyl ersucht hatte (vgl. SEM-act, Nr. 1424077-13/3). Die deutschen Be- hörden stimmten am 25. Juni 2025 dem Rückübernahmegesuch der Schweiz zu (vgl. SEM -act, Nr. 1424077-23/3). Das dortige Asylsystem weist rechtsprechungsgemäss keine systemischen Mängel auf (vgl. Urteile des BVGer F-4321/2025 vom 24. Juni 2025 E. 2.4; F-3839/2025 vom 5. Juni 2025 E. 3.1; F-3296/2025 vom 15. Mai 2025 E. 6), aufgrund derer die Zuständigkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO auf die Schweiz über- ginge. Des Weiteren sind vorliegend keine völkerrechtlichen Vollzugshin- dernisse ersichtlich, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO verpflichten würden. Die Vorinstanz hat na- mentlich die Vorbringen des Beschwerdeführers im Hinblick auf seine ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen ( Magen- und Rückenschmerzen ) be- rücksichtigt und gewürdigt (siehe SEM-act, Nr. 1424077-24/1; SEM-Verfü- gung, S. 2). Weiter hat sie in rechtsfehlerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) zukommenden Ermessens von ei- nem freiwilligen Selbsteintritt der Schweiz abgesehen. Sie ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat in Anwendung von F-4888/2025 Seite 6 Art. 44 AsylG seine Wegweisung nach Deutschland angeordnet. Im Übri- gen wird auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen. 2.5. Bezüglich der vom Beschwerdeführer auf Rechtsmittelebene vorge- brachten gesundheitlichen Beschwerden lässt sich festhalten, dass deren Schweregrad nicht ausreicht, um einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK zu begründen (vgl. dazu auch BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H. und Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kam- mer, Nr. 41738/10, §§ 180–193, bestätigt durch Urteil des EGMR Savran gegen Dänemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, Nr. 57467/15, §§ 121 ff., wonach zwangsweise Rückweisungen von Personen mit ge- sundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen können). 2.6. Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, dass die deutschen Behörden ihn schlecht behandelt hätten. Konkret hätten sie ihm Geld ab- genommen und nicht mehr zurückgeg eben. Aus den Akten geht hervor, dass das Polizeipräsidium Ravensburg dem Beschwerdeführer gestützt auf das deutsche Asylbewerberleistungsgesetz vorläufig EUR 2000.00 ab- genommen hat (siehe SEM -act, Nr. 1424077-21/1). Diesbezüglich lässt sich festhalten, dass Deutschland ein Rechtsstaat mit einer funktionieren- den Polizeibehörde ist. Der Beschwerdeführer kann sich bezüglich der Bar- geldabnahme nach seiner Rückkehr an die zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland wenden. 2.7. Hinsichtlich der Anträge des Beschwerdeführers bezüglich Kontaktauf- nahme/Datenaustausch mit seinem Herkunftsstaat lässt sich abschlies- send festhalten, dass diese vorliegend nicht Verfahrensgegenstand sein können, da es sich beim Dublin -Verfahren um ein reines Zuständigkeits- verfahren zwischen den Dublin-Staaten ohne Beizug von Drittstaaten han- delt. Aus diesem Grund ist auf die genannten Anträge vorliegend nicht ein- zutreten. 3. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 26. Juni 2025 nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. Mit vorliegendem Urteil fällt der am 4. Juli 2025 angeord- nete Vollzugsstopp dahin. 4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750. – F-4888/2025 Seite 7 festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Ausgangsgemäss fällt eine Parteientschädigung ausser Betracht. 5. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). (Dispositiv nächste Seite) F-4888/2025 Seite 8 Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Gregor Chatton Matthew Pydar