Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. Mai 2016 (810 15 279) ____________________________________________________________________ Steuerrecht Staatssteuer 2012 Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Stefan Schulthess, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdefü h- rerin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Beschwerdegegner A.____ AG , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Pricewaterhouse- Coopers AG Betreff Staatssteuer 2012 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 19. Juni 2015) A. Mit Entscheid der Taxationskommission des Kanton s Basel-Landschaft (Taxations- kommission) vom 12. Dezember 2002 wurde der A.____ AG ab 1. Januar 2003 das Domizilpri- vileg gemäss § 64 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 7. Februar 1974 gewährt und die Quote der Einkünf te aus der ausländischen Tätigkeit auf 10 % festgelegt (§ 64 Abs. 1 lit. c StG). Die Staats- u nd Gemeindesteuern wurden seither bei der Spartenrechnung vollumfänglich in der Sparte Schweiz zum Abzug zugelassen. Am 26. Juni 2014 veranlagte die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (Steuerver- waltung) die A.____ AG für die Staats- und Gemeindest euern 2012. Dabei wurden die Staats- und Gemeindesteuern – gleich wie bei der direkten Bu ndessteuer − anteilsmässig auf die Spar- ten Schweiz und Ausland aufgeteilt. B. Gegen diese Veranlagungsverfügung erhob die A.___ _ AG, vertreten durch Pricewa- terhouseCoopers AG (PwC), am 18. Juli 2014 Einsprache. C. Mit Entscheid der Steuerverwaltung vom 19. Dezember 2014 wurde die Einsprache abgewiesen. D. Dagegen erhob die A.____ AG , weiterhin vertreten durch PwC, am 16. Januar 2015 Rekurs beim Steuer- und Enteignungsgericht Basel-Landsch aft, Abteilung Steuergericht (Steu- ergericht). Dieser wurde mit Entscheid des Steuergerichts vom 19. Juni 2015 gutgeheissen . E. Am 1. Oktober 2015 erhob die Steuerverwaltung da gegen Beschwerde beim Kantons- gericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (K antonsgericht), mit den Rechtsbegeh- ren: (1) Es sei der Entscheid des Steuergerichts vom 19. J uni 2015 betreffend Staatssteuer 2012 aufzuheben und der Einsprache-Entscheid der kant onalen Steuerverwaltung vom 19. Dezember 2014 zu bestätigen, (2) eventualiter sei die Sache zur materiellen Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, (3) unter Kostenfolge. F. Am 28. Oktober 2015 liess sich das Steuergericht verneh men und schloss auf Abwei- sung der Beschwerde. G. Innert erstreckter Frist reichte die A.____ AG, wied erum vertreten durch PwC, ihre Vernehmlassung ein. Sie beantragte, es sei der Entschei d des Steuergerichts vom 19. Juni 2015 zu bestätigen, unter o/e-Kostenfolge zu Lasten de r Beschwerdeführerin unter Einschluss des Verfahrens vor der Vorinstanz. H. Mit Präsidialverfügung vom 27. November 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Nach § 131 Abs. 1 StG können Entscheide des Steuerge richts mit Verwaltungsge- richtsbeschwerde beim Kantonsgericht als letzte kantonale I nstanz angefochten werden. Ge- mäss § 131 Abs. 2 lit. c StG ist die kantonale Steuerverwa ltung zur Beschwerde befugt. Die weiteren formellen Voraussetzungen nach den §§ 43 ff . des Gesetzes über die Verfassungs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der Beschwerde in Steuersachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden. Das Kan- tonsgericht prüft somit den vorliegend angefochtenen Entscheid mit voller Kognition. 3. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob d ie Beschwerdegegnerin nach der bisherigen Praxis, wonach die Staats- und Gemeindesteuern vollständig in der Sparte Schweiz zum Abzug zugelassen wurden, oder nach der neuen Praxis, we lche die betreffenden Steuern anteilsmässig in den Sparten Schweiz und Ausland verlegt, zu besteuern ist. 4.1 Im angefochtenen Entscheid wies die Vorinstanz zunä chst darauf hin, dass das Steuerprivileg gemäss Art. 28 Abs. 3 und 4 des Bundesgese tzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990 lediglich die Ebene der kantonalen Steuern betreffe und für alle K antone verbindlich sei. Bei der direkten Bundessteuer folge die Besteuerung demgegenüber den or dentlichen Regeln. Weiter sei zu beachten, dass die Steuerprivilegierungen künftig aufgehoben werden sollen (vgl. zum Ganzen: Botschaft vom 5. Juni 2015 zum Unternehmenssteuerreformgesetz [BBl 2015 5069 ff.]). Wie die künftige Unternehmensbesteuerung vorgenommen werde, ob liege daher dem nationalen Ge- setzgeber. In Berücksichtigung des Gewaltenteilungsprinzips sei daher eine richterliche Zu- rückhaltung geboten. Die Vorinstanz verwies ferner auf einen Entscheid vom 18. Oktober 2013, in welchem sie in einem ähnlich gelagerten Fall bereit s festgehalten habe, es erscheine gebo- ten, dem Gesetzgeber nicht vorzugreifen und im jetzige n Zeitpunkt, in welchem die Verände- rungen absehbar seien, eine Praxisänderung vorzunehmen. Darin führte es zur Begründung weiter aus, der von der Steuerverwaltung gezogene Anal ogieschluss zur Lösung bei der direk- ten Bundessteuer sei unbehelflich, da dort, im Untersc hied zu den kantonalen Steuern gerade kein Domizilprivileg gegeben und die Basis der Besteuerun g eine andere sei. Auch bei den Hinweisen der Steuerverwaltung auf das mathematisch korr ekte Berechnungsmodell bzw. da- rauf, dass die alte Praxis zu Ergebnissen führe, die vom Ge setzgeber so nicht gewollt seien, handle es sich nicht um ernsthafte sachliche Gründe. Es s ei zwar zutreffend, dass gewisse Kantone eine der neuen Praxis des Kantons Basel-Landscha ft entsprechende Lösung anwen- den würden, dennoch gehe die Mehrheit der Kantone de r Nordwestschweiz entsprechend der bisherigen Praxis vor, weshalb die Steuerverwaltung aus einem Vergleich mit anderen Kanto- nen nichts ableiten könne. Es würden keine ernsthaften sac hlichen Gründe vorliegen, welche eine Praxisänderung rechtfertigen würden (vgl. Urteil d es Steuergerichts vom 18. Oktober 2013 [510 13 27] E. 4.c). Insoweit habe die Einzelfallgerech tigkeit vor dem Prinzip der Gewaltentren- nung zurückzustehen. Ferner gebe es für die vorliegend u mstrittene Frage weder Kreisschrei- ben noch eine Harmonisierung zwischen den Kantonen. Die bisherige Praxis erscheine zudem nicht falsch. Daran ändere die Handhabung betreffend d ie direkte Bundessteuer nichts, welche sich von derjenigen auf kantonaler Ebene auch insofern u nterscheide, als die direkte Bundes- steuer keine Domizilprivilegien kenne. Demnach erweise sich die Praxisänderung der Steuer- verwaltung als unzulässig, verstosse gegen das Gewaltentei lungsprinzip und würde in Anbe- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tracht dessen, dass die bisherige Praxis in absehbarer Z eit ohnehin aufgehoben werde, zu Rechtsunsicherheiten führen. 4.2 Die Beschwerdeführerin macht zunächst eine Verletzu ng des Anspruchs auf rechtli- ches Gehör im Sinne einer Rechtsverweigerung geltend m it der Begründung, die Vorinstanz habe die von der Beschwerdeführerin angeführten recht lichen Erwägungen weder gewürdigt noch sei sie auf die dargelegten sachlichen Gründe, welch e für eine Praxisänderung erforder- lich seien, eingegangen. 4.3 Vorliegend hat das Steuergericht ein für die Steu erverwaltung negatives Urteil gefällt und seine Auffassung hinreichend begründet. Die Steuerverwaltung konnte den Entscheid denn auch sachgerecht anfechten. Der Beschwerdeführerin kann somit nicht gefolgt werden, soweit sie von einer materiellen Rechtsverweigerung im Sinne ei nes allfälligen Begründungsmangels (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerisch en Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) ausgeht. Das Steuergericht hat sich im a ngefochtenen Entscheid dahingehend geäussert, als es die bisherige Praxis der Steuerverwaltun g als nicht falsch beurteilte bzw. de- ren Weiterführung als geboten erachtete (vgl. angefochtener Entscheid des Steuergerichts vom 19. Juni 2015 E. 5.e). Damit hat es zu den materiellen Vorbringen der Beschwerdeführerin, ins- besondere zum Vorliegen der Voraussetzungen für eine Praxisänderung, Stellung genommen. Folglich liegt keine Verletzung des Verbots der Rechtsverw eigerung bzw. des Anspruchs auf rechtliches Gehör der Beschwerdeführerin vor. 4.4 Weiter moniert die Beschwerdeführerin, eine nicht proportionale Aufteilung auf die Sparten Schweiz und Ausland könnte dazu führen, dass ein e Gesellschaft trotz Gewinnen im In- und Ausland letztlich einen Verlust in der Sparte Schweiz deklariere, was zu einem unbilli- gen Gesamtergebnis führen würde. Die vorgenommene Pra xisänderung sei aufgrund des Grundsatzes der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leis tungsfähigkeit notwendig gewor- den. Das StG bestimme lediglich, dass der geschäftsmässig be gründete Aufwand, welcher mit bestimmten Erträgen in wirtschaftlichem Zusammenhang ste he, vorher abgezogen werde. Wie die allgemeinen Aufwendungen zu verlegen seien, lasse das Gesetz demgegenüber offen. In- nerhalb der Spartenrechnungen bei Domizil- und gemisc hten Gesellschaften würden Aufwen- dungen (z.B. Personalaufwand) praxisgemäss meist proporti onal verlegt. Daher erachte die Steuerverwaltung dieses Vorgehen auch beim Steuerauf wand als sachgerecht, es sei mit § 64 StG resp. Art. 28 StHG vereinbar und gewährleiste de n Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 127 Abs. 2 BV und § 133 Abs. 1 lit. a der Verfassung des Kantons Basel-Landschaft [KV] vom 17. Mai 1984). Es sei wohl nicht die Intention des Ge- setzgebers gewesen, dass aufgrund der vollständigen Übern ahme des gesamten Steuerauf- wands in der Sparte Schweiz aus Inlandgewinnen in der Höhe von Fr. 579‘895.-- ein Verlust in der Höhe von Fr. -72‘634.-- resultiere. Ein Vergleich mit anderen Kantonen zeige, dass die Zu- teilung in die Sparte Schweiz nur bei Auslandanteilen mit höheren Quoten (ab 15 %) erfolge, ansonsten in der Nordwestschweiz praxisgemäss eine proporti onale Verlegung des Steuerauf- wandes stattfinde. Eine Praxis müsse geändert werden, we nn sich herausstelle, dass das Recht bisher unrichtig angewendet bzw. ausgelegt worde n sei oder eine andere Rechtsanwen- dung dem Sinn des Gesetzes oder den veränderten Verhä ltnissen besser entspreche. Die Pra- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht xisanpassung sei der Beschwerdegegnerin bereits für das S teuerjahr 2011 angezeigt worden und gelte für alle im Kanton domizilierten gemischten Gesellschaften gleichermassen. 4.5 Gemäss Art. 28 Abs. 3 StHG entrichten Kapitalgesell schaften, Genossenschaften und Stiftungen, die in der Schweiz eine Verwaltungstätigkeit, aber keine Geschäftstätigkeit ausüben, die Gewinnsteuer wie folgt: Erträge aus Beteiligungen im Sinne von Absatz 1 sowie Kapital- und Aufwertungsgewinne auf solchen Beteiligungen sind steuerfrei (lit. a); die übrigen Einkünfte aus der Schweiz werden ordentlich besteuert (lit. b); die übrigen Einkünfte aus dem Ausland werden nach der Bedeutung der Verwaltungstätigkeit in der Sc hweiz ordentlich besteuert (lit. c); der geschäftsmässig begründete Aufwand, der mit bestimmten E rträgen in wirtschaftlichem Zu- sammenhang steht, wird vorher abgezogen. Verluste auf Beteiligungen im Sinne von Buchsta- be a können nur mit Erträgen gemäss Buchstabe a verre chnet werden (lit. d). Kapitalgesell- schaften und Genossenschaften, deren Geschäftstätigkeit übe rwiegend auslandbezogen ist und die in der Schweiz nur eine untergeordnete Geschä ftstätigkeit ausüben, entrichten die Ge- winnsteuer gemäss Absatz 3. Die übrigen Einkünfte aus de m Ausland gemäss Absatz 3 Buch- stabe c werden nach Massgabe des Umfangs der Geschäftstätigk eit in der Schweiz besteuert (Art. 28 Abs. 4 StHG). Eine entsprechende Bestimmung enthält das kantonale Gesetz in § 64 Abs. 1 und 2 StG. 4.6 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdegegn erin ab dem Steuerjahr 2003 das Domizilprivileg gewährt, die Quote aus dem Ausland auf 10 % festgelegt wurde (vgl. Entscheid der Taxationskommission vom 12. Dezember 2002) und Art. 28 Abs. 3 und 4 StHG resp. § 64 Abs. 1 und 2 StG hinsichtlich der Berechnung der Gemeinde- und Staatssteuern der Beschwer- degegnerin grundsätzlich zur Anwendung gelangten. Der Wortlaut von Art. 28 Abs. 3 StHG wurde durch Häufung unbestimmter Rechtsbegriffe offen gehalten und einer “flexiblen“ Ausle- gung zugänglich gemacht. Aufgrund der Offenheit des T atbestands, der im Dienst einer flexib- len Anwendung steht, obliegt es den Kantonen, die Gre nzen des kantonalrechtlichen Tatbe- stands zu ziehen. Der Bundesgesetzgeber weist ihnen hierbei einen recht weit gehaltenen Ge- staltungsspielraum zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_379/2015 vom 29. März 2016 E. 2.4). Vorliegend entspricht die umstrittene Norm von § 64 Ab s. 1 und 2 StG beinahe wörtlich der bundesrechtlichen Vorgabe von Art. 28 Abs. 3 und 4 StHG und der Gestaltungsspielraum wur- de bislang insofern ausgeschöpft, als die kantonalen Steu ern vollumfänglich der Sparte Schweiz zugeordnet und entsprechend abgezogen wurden. Mit der definitiven Veranlagungs- verfügung Staatssteuer 2011 hat die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin angekün- digt, dass die Staats- und Gemeindesteuern in der Spart enrechnung ab kommendem Jahr – gleich wie die direkte Bundessteuer – anteilsmässig auf die Sparten Schweiz und Ausland ver- teilt werden. Die Vorinstanzen stimmen (zwischenzeitlich) überein, dass es sich dabei um eine Praxisänderung handelt. 4.7 Das Gleichheitsprinzip und der Grundsatz der Rechtssicherh eit verlangen, dass an einer Praxis in der Regel festgehalten wird. Der Tatbestand der Praxisänderung setzt begrifflich voraus, dass erstens eine gefestigte Praxis einer Verwalt ungs- oder Gerichtsbehörde besteht, zweitens diese bei unverändertem Wortlaut der Rechtsno rm einer Neubeurteilung unterzogen und drittens die bisherige Auslegung revidiert wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_509/2013 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 8. Juni 2014 E. 2.4.2). Nicht jede Änderung einer bestehenden Verwaltungs- oder Ge- richtspraxis ist zulässig; sie ist mit der Rechtsgleichheit ve reinbar, sofern diese sich auf ernst- hafte und sachliche Gründe stützt. Sodann muss die Änder ung grundsätzlich erfolgen, d.h. die Praxis muss für die Zukunft wegleitend sein für alle glei chartigen Fälle. Das Interesse an der richtigen Rechtsanwendung muss gegenüber demjenigen an der Rechtssicherheit überwiegen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung lässt sich eine Pr axisänderung an sich nur be- gründen, wenn die neue Lösung besserer Erkenntnis der ratio legis, veränderten äusseren Ver- hältnissen oder gewandelten Rechtsanschauungen entsprich t. Die Praxisänderung darf schliesslich keinen Verstoss gegen Treu und Glauben darstell en (U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER /FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, St. Gallen 2016, N 589 ff.; Urteil des Bundesgerichts 2C_509/2013 vom 8. Juni 2014 E. 2.4.2). 4.8 Vorliegend ist zwar mit der Beschwerdeführerin fes tzuhalten, dass das StG offen lässt, wie die allgemeinen Aufwendungen zu verlegen sind. Ger ade aber bei einem unveränderten Normwortlaut bringt die Änderung einer gefestigten Praxis zwangsläufig Ungleichbehandlungen und Unsicherheiten mit sich. Rechtsgleichheit und Recht ssicherheit verlangen daher eine ge- wisse Zurückhaltung mit Praxisänderungen (vgl. P IERRE TSCHANNEN /ULRICH ZIMMERLI /MARKUS MÜLLER , Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Bern 2014 , S. 188). Die Änderung muss sich auf ernsthafte und sachliche Gründe stützen können, di e − vor allem im Hinblick auf das Gebot der Rechtssicherheit – umso schwerer gewichten müss en, je länger die als falsch oder nicht mehr zeitgemäss erkannte Rechtsanwendung für zutreffend erachtet worden ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_509/2013 vom 8. Juni 2014 E. 2.4. 2). Es muss demgegenüber auch möglich sein, dass die Behörden jederzeit von der Überzeugung der Richtigkeit ihrer bisherigen Rechtsauffassung abweichen können. Diese Überzeugung kann im Laufe der Zeit aus ver- schiedenen Gründen schwinden, z.B. wenn die Behörde zum Schluss kommt, die bisherige Sinndeutung eines bestimmten Rechtssatzes sei das Ergebnis e iner falschen Auslegung, oder wenn veränderte Verhältnisse eine neue Sinndeutung nah elegen. Dann muss es zulässig sein, eine jetzt als unrichtig erkannte Rechtsanwendungspraxis aufzugeben. S tets aber soll die Pra- xisänderung unter dem Zwang besserer Einsicht erfolgen u nd vom Willen zur dauernden Neu- ausrichtung der Rechtsanwendung getragen sein ( vgl. T SCHANNEN /Z IMMERLI /MÜLLER , a.a.O., S. 188) . 4.9 Den Verfahrensakten lässt sich entnehmen, dass das Ste uergericht in einem Entscheid vom 18. Oktober 2013 betreffend Verlegung der kantonal en Steuern bei einer Domizilgesell- schaft (510 13 27) die vorliegend umstrittene Praxisände rung bereits als unzulässig beurteilt hatte. Dieses Urteil hat die Steuerverwaltung nicht an gefochten und es ist in Rechtskraft er- wachsen. Der vorliegende Sachverhalt ist mit dem damals vom Steuergericht beurteilten Sach- verhalt vergleichbar und betrifft ebenfalls die Verlegu ng der Staatssteuer. Da der vorliegend umstrittene Sachverhalt (Staatssteuer 2012) in einen Z eitraum vor dem erwähnten Steuerge- richtsentscheid fällt, kann die neue Praxis – unter Berücksi chtigung des Gleichheitsprinzips und des Grundsatzes der Rechtssicherheit – keine Anwendung a uf die hier zu beurteilende Angele- genheit finden. Dabei ist zu beachten, dass die Beschwe rdeführerin, indem sie das Urteil des Steuergerichts vom 18. Oktober 2013 nicht angefochten ha t, die Unzulässigkeit der zu beurtei- lenden Praxisänderung akzeptiert hat. Dennoch hat sie d ie Beschwerdegegnerin, nur wenige Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Monate nachdem das vorstehend erwähnte Urteil in Rechtskraft erwachsen ist, erneut nach der neuen Praxis veranlagt. Ein solches Vorgehen ist widersp rüchlich und stellt insbesondere an- gesichts des kurzen Zeitraumes zwischen der Eröffnung des steuergerichtlichen Urteils und der Veranlagung der Beschwerdegegnerin einen Verstoss gegen den Grundsatz von Treu und Glauben dar. Wie erwähnt, hat eine Praxisänderung grundsätzlich für alle gleichartigen Fälle zu erfolgen. Wie aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, trifft dies vorliegend nicht zu, weshalb sich die Praxisänderung schon aus diesem Grund als unzulässi g erweist. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, die weiteren Voraussetzungen für eine Praxisänderung zu prüfen. Vor diesem Hintergrund ist der angefochtene Entscheid des Steuergerichts nicht z u beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 5.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von ins- gesamt Fr. 1'400.-- der unterlegenen Beschwerdeführerin aufzuerlegen. 5.2 Nach § 21 Abs. 3 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei bei Be- schwerden in Steuersachen für den Beizug eines Vertreter s oder einer Vertreterin eine ange- messene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zug esprochen werden. Entsprechend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens ist der Beschwe rdegegnerin eine Parteientschädi- gung zulasten der Beschwerdeführerin zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 11. Dezem- ber 2015 geltend gemachte Aufwand von 64 Stunden à F r. 150.-- erscheint überhöht. Aus der detaillierten Auflistung ergibt sich, dass für die Ausf ertigung der Vernehmlassung ein Aufwand von 61 Stunden geltend gemacht wird. Dieser wird auf 2 9 Stunden gekürzt. Die Honorarnote ist dementsprechend zu kürzen und der Beschwerdegegnerin e in Zeitaufwand von 32 Stunden zu entschädigen. Der Stundenansatz von Fr. 150.-- erscheint angemessen (vgl. Urteil des Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrech t [KGE VV], vom 25. Juni 2008 [810 08 86/130] E. 5.1). Hinzuzurechnen sind die nicht zu be anstandenden Auslagen in der Höhe von Fr. 481.50. Damit hat die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 5‘704 .-- (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) zu bezahlen. Im Übrigen sind die Parteikosten wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. 3. Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 5‘704.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin