Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. August 2022 (720 22 64 / 194) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die angefochtene Verfügung beruht auf unzureichenden medizinischen Abklärungser- gebnissen; Rückweisung Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Claude Wyssmann , Rechtsanwalt und Notar, Schachenstrasse 34b, Postfach 368, 4702 Oensingen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1970 geborene A.____ arbeitete nach der obli gatorischen Schulzeit und einer An- lehre als Koch in verschiedenen Berufen. Am 8. Januar 2 013 meldete er sich bei der Eidgenös- sischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an . Nach Abklärungen – insbesondere Einholung eines polydisziplinären Gutachtens bei der MED AS Zentralschweiz vom 20. August Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2014 – ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) einen Invaliditätsgrad von 1 %. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte sie mit Ve rfügung vom 9. Januar 2015 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.2 Am 30. März 2016 meldete sich A.____erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. In der Folge führte die IV-Stelle wiederum Abklärungen durch und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 15 %, worauf sie auch mit Verfügung 12. März 2019 eine n Rentenanspruch abwies. Hiergegen erhob A.____ am 8. April 2019 Beschwerde beim Kantonsg ericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht; Verfahren 720 19 120). Nach dem die IV-Stelle die angefochtene Verfügung lite pendente zwecks Durchführung weiterer med izinischer Abklärungen aufgehoben hatte, schrieb die instruierende Präsidentin des Kanto nsgerichts das Beschwerdeverfahren in- folge Gegenstandslosigkeit ab (Beschluss vom 2. Mai 2019) . Am 17. September 2019 beauf- tragte die IV-Stelle die PMEDA AG mit einem polydiszip linären Gutachten, welches am 30. März 2020 erstattet wurde. Nach wiederholter Nachf rage bei der PMEDA AG und Rück- sprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) lehnt e die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. Januar 2022 einen Anspruch von A.____ auf eine R ente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 15 % ein weiteres Mal ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwal t Claude Wyssmann, am 17. Feb- ruar 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung der IV-Stelle vom 13. Januar 2022 aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen (berufliche Massnahmen, Invalidenrente) nach Massgabe einer Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40 % zuzüglich einem Verzugszins zu 5 % zuzusp rechen. Eventualiter sei ein medizinisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Sub eventualier sei die Angelegenheit zu weiteren medizinischen und/oder beruflich-erwerbsbezogene n Abklärungen an die Beschwer- degegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In ve rfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung un d um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Rechtsanwalt Claude Wyssmann als Rechtsv ertreter. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entschei d auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 1. März 2022 wurde dem Beschwerd eführer für das vorliegende Ver- fahren die unentgeltliche Prozessführung und die unen tgeltliche Verbeiständung mit Rechtsan- walt Claude Wyssmann als Rechtsvertreter bewilligt und auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses verzichtet. D. Am 21. März 2022 und am 13. April 2022 reichte der Beschwerdeführer weitere medizi- nische Unterlagen ein (Berichte von Prof. Dr. med. B._ ___, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, vom 4. März 2022, der C.____AG vom 11. März 2022 und von Prof. Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chi rurgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, vom 22. März 2022 und 1. April 2022). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. In ihrer Vernehmlassung vom 28. April 2022 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. E.____, Praktischer Arzt, vom 22. März 2022 bei. F. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 18. August 2022 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. med. F .____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, vom 17. August 2022 zu den Akten. Auf die Au sführungen der Parteien wird – soweit notwendig – im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist . Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 17. Februar 2022 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 ist die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft ge treten. Weil in zeitlicher Hinsicht grund- sätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V 466 E. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Fall s grundsätzlich auf den bis zum Zeit- punkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 13. Ja nuar 2022) eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b), sin d im vorliegenden Fall die Bestimmungen des IVG in der ab Januar 2022 geltenden Fassung anwen dbar (BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweis). Zu beachten sind aber die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 19. Juni 2020 (vgl. dazu auch Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozia lversicherungen [BSV] zu den Über- gangsbestimmungen zur Einführung des linearen Rentensyst ems [KS ÜB WE IV], gültig ab 1. Januar 2022). 2. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführer s. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügu ng vom 13. Januar 2022 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Be stimmung des Invaliditätsgrads das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.4 Auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung nach rechtskräftiger Verneinung ei- nes Rentenanspruchs hat die Verwaltung nur einzutreten , wenn die versicherte Person glaub- haft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise ge- ändert hat (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die I nvalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der An- spruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend ge- machten Umstände als richtig erweisen sollten (SVR 2014 IV Nr. 33 E. 2). Tritt die Verwaltung auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung ein, so h at sie die Sache materiell abzuklä- ren und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verände- rung des Invaliditätsgrads auch tatsächlich eingetreten ist (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b). Stellt sie fest, dass der Invalid itätsgrad seit Erlass der früheren rechts- kräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern- falls hat sie zu prüfen, ob die festgestellte Veränder ung genügt, um nunmehr eine rentenbe- gründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschl iessen. Im Beschwerdefall obliegt die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (SV R 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbe sondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheiden d, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfa hrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unter- schiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisc h tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fa chmedizinischen Experten anderseits (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/ 00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administra- tiv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen un d zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte oder Ärztinnen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte und Ärztinnen wichtige – u nd nicht rein subjektiver ärztlicher Inter- pretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rah men der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 4.5 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2 , 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht ent- schieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen e inem strukturierten Be- weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwi- ckelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, di e – unter Berücksichtigung von leis- tungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits u nd von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erre ichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gel ingt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, wel che sich für den vorliegenden Ent- scheid als zentral erweisen. 6.2 Anlässlich der erstmaligen Rentenprüfung beauftrag te die IV-Stelle die MEDAS Zentral- schweiz mit einem polydisziplinären Gutachten. Am 20. Augu st 2014 diagnostizierten die medi- zinischen Experten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbospondyloge- nes Syndrom und eine morbide Adipositas Grad III. Ohn e Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine Akzentuierung von Persönlichkeitszügen (IC D-10 Z73.1), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (IC D-10 F45.41), eine Meralgia paraesthetica beidseits, asymptomatische Knick-Senk-Spreizfü sse beidseits, chronische Span- nungskopfschmerzen, einen Status nach mehreren synkopalen Ereignissen/Kollapsen und neu- rologische Nebenbefunde. Rheumatologisch zeige sich auf der Höhe LWK 4/5 eine irritierte Lendenwirbelsäule (LWS). Hinweise für eine lumboradi kuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik oder für eine Segmentinstabilität seien nicht ersichtli ch. Bezüglich der angegebenen Kniebe- schwerden weise der Versicherte ergussfreie, bandstabile u nd weitgehend frei bewegliche Kniegelenke beidseits auf. lm Rahmen des neurologische n Status zeige sich eine Hypästhesie im Bereich des Ausbreitungsgebiets des Nervus cutaneus fem oris lateralis entsprechend der Meralgia paraesthetica beidseits. Die aktuelle nativ-ra diologische Standortbestimmung bestäti- ge eine lumbale Hyperlordose und eine diskrete linkskonvexe Skoliose. Bezüglich der Kniege- lenke würden die aktuellen Röntgenaufnahmen eine leich te Gelenkspaltverschmälerung ent- sprechend einer leichtgradigen medialen Gonarthrose beidseits sowie eine initiale Femoropatel- lararthrose beidseits zeigen. Die vom Versicherten als völlig invalidisierend empfundenen Be- schwerden könnten durch die objektivierbaren Befunde nicht vollumfänglich erklärt werden. Das auffällige Schmerzverhalten deute auf eine Überlager ungssymptomatik hin. Aus neuropsycho- logischer Sicht verfüge der Versicherte mit Ausnahme von l eichten exekutiven Dysfunktionen in sprachlichen Teilbereichen und einer Lese- und Rechtsch reibeschwäche über eine alters- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit. In p sychiatrischer Hinsicht seien weder Zwänge noch formale oder inhaltliche Denkstörungen noc h Hinweise auf depressive Phasen oder einen organischen Abbau festzustellen. Der Versicher te sei in seiner Kindheit und Jugend mehrfach schwer traumatisiert worden, einerseits durch die zerbrochenen Familienverhältnisse mit gewalttätigem Vater und andererseits durch einen schweren sexuellen Missbrauch unter Anwendung der sogenannten "Party-Droge" Poppers. Erstau nlicherweise scheine er diese Traumata sehr gut bewältigt zu haben. Die Symptome ei ner posttraumatischen Belastungsstö- rung (PTBS) oder einer Depression seien nicht festzustell en. Der Versicherte führe ein ausser- ordentlich aktives Leben. Er besitze ein Generalabonnement für den Regionalverkehr und habe viele Kollegen und Freunde. Die angestammte Tätigkeit als Koch sei dem Versicherten im Um- fang von maximal 30 % möglich. In einer körperlich leichten, vorzugsweise wechselbelastenden Tätigkeit bestünde eine 90%ige Arbeitsfähigkeit. Unz umutbar seien aber Arbeitspositionen in vorgeneigter oder abgedrehter Zwangshaltung, langdau ernde nur sitzende oder stehend- gehende Zwangspositionen, das Gehen in unebenem Gelän de, das Besteigen von Treppen oder Leitern sowie gebückte oder kauernde Arbeiten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 In der angefochtenen Verfügung vom 13. Januar 20 22, mit welcher ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers abgewiesen wurde, stützte sich die IV -Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit auf das pol ydisziplinäre Gutachten der PMEDA AG vom 30. März 2020. Darin wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Spondylode- se LWK 4/5 sowie eine laterale und femoropatellare Go narthrose beidseits bei einliegender medialer Schlittenprothese beider Kniegelenke diagnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit bestünden ein Status nach rezidivierenden Synko pen, anamnestisch eine Dyslipidä- mie, eine Adipositas Grad II/III, eine Meralgia paräst hetica beidseits, eine Migräne und eine leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0). Aus p sychiatrischer Sicht hinterlasse der Versicherte einen leicht beeinträchtigten Eindruck. Die Konzentrationsfähigkeit und die Auf- merksamkeitsleistungen seien vermindert. Es bestünde eine Gr übelneigung sowie ein auf die schwierige Zukunftsperspektive und krankheitsspezifische Theme n eingeengtes Denken. Der Versicherte berichte über Zukunfts- und Existenzängste. Es bestünde eine Interessenreduktion, ein sozialer Rückzug und eine Freudlosigkeit. Der Antrie b wirke aber unauffällig. Zur vereinbar- ten Blutentnahme sei der Versicherte nicht erschienen. Während der Untersuchung sei die Stimmung wechselhaft, streckenweise euthym wirkend, dann wieder depressiv verstimmt und mit plötzlich auftretendem Weinen, insbesondere bei der Schilderung des sexuellen Miss- brauchs in der Jugend. Dabei sei der Versicherte ablenkb ar und ausreichend emotional schwingungsfähig. Synoptisch sei aufgrund der ICD-10-Krit erien eine leichte depressive Episo- de festzustellen. Anamnestisch und interaktiv fänden sich zwar Hinweise für akzentuierte Per- sönlichkeitszüge im Sinne einer verstärkten lmpulsivität und Selbstunsicherheit, die jedoch nicht die lntensität einer manifesten Persönlichkeitsstörung erreichen würde. Diesbezüglich bestünde Übereinstimmung mit der Einschätzung des psychiatrischen V orgutachters aus dem Jahre 2014. Zwar stelle sich die berufliche Anamnese brüchig u nd inkonstant mit häufigen Arbeits- platzwechseln dar. Dies reiche jedoch für die Diagnose e iner Persönlichkeitsstörung nicht aus, zumal der Versicherte anamnestisch durchaus in der Lage gewesen sei, mehrere Jahre einer Arbeit nachzugehen. Auch die erhaltene Fähigkeit zur Beziehungskonstanz spreche gegen eine ausgeprägte Persönlichkeitsproblematik. Inwieweit der sexuelle Missbrauch im Kindesalter ei- nen Einfluss auf die aktuelle psychiatrische Problematik habe, müsse an dieser Stelle offenblei- ben. Sie sollte aber im Rahmen der zu empfehlenden B ehandlung aufgegriffen werden, am sinnvollsten in einer traumaspezifisch orientierten Psychoth erapie. Dadurch sei eine Stabilisie- rung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Aus psychiatrischer Sicht bestünden keine namhaften Einschränkungen des Aktivitätsniveaus. Es sei davon auszugehe n, dass der Versicherte min- destens seit der Begutachtung im Jahr 2014 vollständig arbeitsfähig sei. Erhebliche internisti- sche/kardiologische Gesundheitsstörungen mit Einfluss auf d ie Arbeitsfähigkeit würden nicht vorliegen. Die synkopalen Ereignisse seien kardiologisch u nd neurologisch ohne Erklärung ge- blieben. Die orthopädischen Befunde hätten eine reduzi erte qualitative Belastbarkeit zur Folge. Überwiegend stehende und körperlich schwere Arbeiten seien aufgrund der Gonarthrose und des postoperativen spinalen Status sowie der derzeit bes tehenden erheblichen Adipositas limi- tiert. Die erheblich auffällige Symptomvalidierung spreche für ein verfälschtes Antwortverhalten. Der Versicherte habe bei der Labordiagnostik und der Bi ldgebung nicht kooperiert. Aufgrund der erkennbaren Inkonsistenzen sei der gesamte Beschwerd evortrag zweifelhaft. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei dem Versicherten im Umfang zu 50 % zumutbar. In einer angepassten Verweistätigkeit bestünde eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Am 7. April 2020 erachtete Dr. E.____ das Gutacht en der PMEDA AG vom 30. März 2020 als unvollständig. Mangelhaft seien namentlich der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit und die Auseinandersetzung mit den bisherigen medizinischen Beurteilungen. 6.5 Nach wiederholten Aufforderungen nahm die PMEDA AG am 2. Oktober 2020 zu den von der IV-Stelle bezeichneten abweichenden medizinisch en Berichten Stellung. Sie hielt fest, dass die frühere Beurteilung des RAD vom 18. Septembe r 2014 nicht auf einer eigenen Unter- suchung des Versicherten beruhe und deshalb nicht relevan t sei. Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bew egungsapparates, und Prof. Dr. B.____ würden lediglich kurzfristig Arbeitsun fähigkeiten von zwei und vier Wochen in den Jahren 2018 und 2019 attestieren, was gegen eine dauerhafte invalidisierende Gesund- heitsstörung spreche. Weiter habe Dr. med. H.____, FM H Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, in seinen Berichten v om März 2017 keine Arbeitsunfähig- keit in angepassten Tätigkeiten attestiert. Seine Angab en liessen eine volle Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten zu. Schliesslich sei das Gutachte n der MEDAS Zentralschweiz vom 20. August 2014 schlüssig diskutiert und in die Beurteilu ng einbezogen worden. Die bei der ak- tuellen Untersuchung erhobenen deutlichen Hinweise auf eine Aggravation seien in jenem Gut- achten nicht erkennbar erhoben bzw. nicht erkennbar ausre ichend einbezogen worden, wes- halb die heutige Arbeitsfähigkeitsbewertung höher ausfalle. Zudem seien nun auch die Indikato- ren berücksichtigt worden. Der zeitliche Verlauf sei im Gutachten schlüssig beantwortet worden. Dass zwischen 2016 und 2019 aus orthopädischen Gründen ein e Arbeitsunfähigkeit von mehr als 50 % bestanden habe, sei möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich. 6.6 Am 28. Oktober 2020 hielt Dr. E.____ fest, dass a uf das Gutachten der PMEDA AG vom 30. März 2020 abgestellt werden könne. Mit Verweis auf die Ausführungen im Gutachten, wo- nach die Symptomvalidierung erheblich auffällig gewese n sei, der Versicherte bei der Labordi- agnostik und der Bildgebung nicht kooperiert habe und aufgrund erkennbaren Inkonsistenzen der gesamte Beschwerdevortrag zweifelhaft sei, bejahte er das Vorliegen von Ausschlusskrite- rien. Die Standardindikatoren seien mit nachvollziehb arem Ergebnis geprüft worden. Es sei da- von auszugehen, dass der Versicherte in der angestammten T ätigkeit zu 50 % und in einer an- gepassten Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. 6.7 Der Versicherte war vom 28. Oktober 2021 bis 5. Nove mber 2021 in der Klinik I.____ hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 7. Dezember 202 1 wurden eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und sonstige spezifische Persönlichk eitsstörungen (ICD-10 F60.8) di- agnostiziert. Der Versicherte sei zur psychischen Stabilisi erung in die Klinik eingetreten. Er kla- ge vor allem über Antriebs- und Energielosigkeit, In teressenverlust, Müdigkeit und eine ge- drückte Stimmung. Er sei in der Vergangenheit wiederholt suizidal gewesen. Es bestünden Auf- fassungs-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Ängste, Zwänge oder ein Wahn seien nicht eruierbar. Der Versicherte sei im Affekt niederg estimmt, ratlos, erschöpft und antriebsarm. Der Schlaf und der Appetit seien im Normbereich. Er s ei nach erfolgreicher Stabilisierung in deutlich gebessertem psychischen und physischen Zustand aus d er Klink austreten. Während der Dauer der stationären Behandlung bestünde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.8 Am 4. März 2022 diagnostizierten die Dres. med. B._ ___ und G.____ eine Femoropatel- larthrose beidseits, ein Status nach unikondylärer med ialer Knie-Teil-Prothese beidseits, eine Omarthrose links, eine Adipositas per magna, ein chronisc hes lumbosakrales Schmerzsyn- drom, ein Infekt, rezidivierende Synkopen unklarer Ätiol ogie und ein Status nach Covid- Infektion. Im erlernten Beruf als Koch bestünde eine d auerhafte Arbeitsunfähigkeit. Eine lei- densangepasste Tätigkeit sei dem Versicherten aus orthopädischer Sicht zumutbar. 6.9 Am 22. März 2022 diagnostizierte Prof. Dr. D.____ ein chronisches lumbosakrales und aktuell auch tiefthorakales Schmerzsyndrom. Als Nebend iagnosen nannte er ein Status nach Magenbandbypassoperation, nach Knie-Teilprothesen beidseits sowie eine Schulterproblematik links. 6.10 Am 1. April 2022 führte Prof. Dr. D.____ aus, d ass die aktuelle Bildgebung im Vergleich zu derjenigen aus dem Jahr 2020 keine wesentlichen Unt erschiede zeige. Im tieflumbalen und operierten Bereich seien die Verhältnisse eigentlich g leichbleibend. Dies gelte auch für die Bandscheibe L5/S1. Allenfalls gebe es eine diskrete Ver schlechterung bei der Bandscheibe zwischen LWK1/2. 6.11 Die behandelnde Psychiaterin Dr. F.____ diagnostizi erte am 17. August 2022 eine an- dauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung ( ICD-10 F62.0) und eine rezidivie- rende depressive Störung mit Somatisierung und intermit tierenden präsuizidalen Phasen (ICD- 10 F33.2). Es bestünde eine komplexe Mehrfachtraumatisi erung in der Kinder- und Jugendzeit mit "broken home" Situationen, traumatischem Beziehun gserleben sowie einer systematischen pädokriminellen Misshandlung im Alter von 10 bis 14 Jahren. Der Versicherte wirke angespannt und belastet. Er sei psychomotorisch verlangsamt und zeige e in zurückgenommenes Sprech- verhalten. Die Grundstimmung sei bedrückt und die affekt ive Modulationsfähigkeit sei deutlich eingeschränkt. Hinweise auf ein wahnhaftes Geschehen, S innestäuschungen oder Ich- Demarkierungspathologien bestünden nicht. Das Denken sei formal kohärent aber verlangsamt. Es bestünde eine Grübelneigung und die Leistungsfähig keit sei hochgradig eingeschränkt. Me- dizinisch-theoretisch sei eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. 7.1 Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügu ng vom 13. Januar 2022 gestützt auf die Beurteilung im Gutachten der PMEDA AG vom 30. März 20 20, deren ergänzenden Stellung- nahme vom 2. Oktober 2020 sowie der Einschätzung des RA D-Arztes Dr. E.____ vom 28. Oktober 2020 davon aus, dass dem Versicherten angepasste Tätigkeiten vollständig zu- mutbar seien. Der Beschwerdeführer bemängelt die medi zinischen Abklärungsergebnisse. Er macht geltend, dem neuropsychologischen Gutachter der P MEDA AG, Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, fehle es an der fachli chen Qualifikation für die neuropsy- chologische Abklärung, weshalb seine Expertise schon aus diesem Grund nicht beweiswertig sei. Da dieses Teilgutachten Auswirkungen auf die Gesam tbeurteilung habe, sei eine erneute Begutachtung in allen Disziplinen erforderlich. Zudem s ei der psychische Gesundheitszustand nicht hinreichend abgeklärt und es sei rechtswidrig auf das strukturierte Beweisverfahren ver- zichtet worden. Zudem sei das orthopädische Teilgutachte n veraltet und beruhe auf unvollstän- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht digen Akten und Untersuchungen. Namentlich sei das linkss eitige Schulterleiden unberücksich- tigt geblieben und die PMEDA AG habe es zu Unrecht unt erlassen, bildgebende Abklärungen vorzunehmen. Schliesslich sei nicht hinreichend abgeklärt worden, ob das Übergewicht des Versicherten eine IV-relevante Gesundheitsschädigung sei. 7.2 Wie in Erwägung 4.4 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und S pezialärzten volle Beweiskraft zuzuer- kennen, wenn diese aufgrund eingehender Beobachtunge n und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, und solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen. Solche Indizien sind vorliegend jedoch ni cht von der Hand zu weisen, wie die nachstehenden Erläuterungen aufzeigen. 7.3 Zunächst wirft das psychiatrische Teilgutachten Frage n auf. Der Gutachter bejahte das Vorliegen einer leichtgradigen depressiven Epsiode, vern einte aber den Bestand einer ausge- prägten Persönlichkeitsproblematik resp. einer namhafte n psychischen Erkrankung. Allerdings fehlt im Gutachten eine eingehende Auseinandersetzung mit den einschlägigen Diagnosekrite- rien. Das Erfordernis einer einwandfrei festgestellten resp. für den Rechtsanwender nachvoll- ziehbar begründeten Diagnostik aufgrund klassifikatorischer Vorgaben ist demnach nicht erfüllt. Zudem lassen die Feststellungen des Gutachters (Grübel neigung, Zukunfts- und Existenzängs- te, eingeengtes Denken, Konzentrationsstörungen, Aufme rksamkeitsdefizite, Interessen- und Freudlosigkeit, sozialer Rückzug) Zweifel an der Schwere der affektiven Störung aufkommen. Die Diagnostik steht zudem in einem unaufgelösten Wide rspruch zu den Beurteilungen der be- handelnden Ärzte der Klinik I.____ vom 7. Dezember 20 21, die beim Versicherten eine mittel- gradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und sonstige sp ezifische Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F60.8) bescheinigten (vgl. E. 6.7 hiervor), u nd Dr. F.____, die eine andauernde Per- sönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) und eine rezidivierende depressive Störung mit Somatisierung und intermittierenden präsuizidalen Phasen (ICD-10 F33.2) diagnos- tizierte (vgl. E. 6.11 hiervor). Die diagnostischen Diskr epanzen werden in der nur sehr ober- flächlich begründeten ergänzenden Stellungnahme der P MEDA AG vom 2. Oktober 2020 nicht aufgelöst. Dazu kommt, dass der psychiatrische Gutachter di e von sexuellem Missbrauch, häuslicher Gewalt und Heimunterbringungen geprägte Ki ndheit und Jugend des Versicherten nur oberflächlich explorierte resp. würdigte. Indem e r zudem explizit offen liess, inwieweit der sexuelle Missbrauch im Kindesalter einen Einfluss auf die a ktuelle psychische Symptomatik habe, überging er gravierende traumatische Ereignisse in der Lebensgeschichte des Versicher- ten, was ein schwerwiegender Mangel darstellt und erhe bliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Expertise begründet. Zweifelhaft erscheint auch die Beurteilung des Gutachters, wonach aus psychiatrischer Sicht keine namhaften Einschränkungen d es Aktivitätsniveaus festzustellen seien. Aus dem Gutachten ergibt sich, dass der Beschwerde führer die meiste Zeit des Tages zuhause verbringt, am Computer spielt und im Internet surft, fern sieht, gelegentlich spazieren geht und nur wenige (soziale) Kontakte hat, was aber g egen ein uneingeschränktes Aktivitäts- niveau spricht. Zudem zeigt sich im Vergleich zu den Ang aben im Gutachten der MEDAS Zent- ralschweiz aus dem Jahr 2014, wonach der Versicherte ein ausserordentlich aktives Leben füh- re und rege soziale Kontakte pflege, ein deutlich anderes Bild und spricht für eine zwischenzeit- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht liche Verschlechterung des Gesundheitszustands. Vor diesem Hintergrund erscheint die Beur- teilung, wonach aus psychiatrischer Sicht (weiterhin) kei ne namhaften Einschränkungen des Aktivitätsniveaus und keine namhafte Minderung der Arbe itsfähigkeit auszumachen sei, zwei- felhaft. Der Hinweis des Gutachters, wonach mittels (tr aumaspezifischer) psychotherapeuti- scher und gegebenenfalls medikamentöser Therapie eine S tabilisierung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden könne, legt vielmehr den Schluss nahe, dass im Zeitpunkt der Begutachtung keine stabile Arbeitsfähigkeit bestand. Folglich ist sein e Einschätzung, wonach der Versicherte seit der Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz im Jahr 2014 eine vollständige Arbeits- fähigkeit aufweise, nicht überzeugend. Insgesamt vermi ttelt die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge kein einleuchtendes und stimmiges Bild übe r den Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit des Versicherten. Das psychiatrische Gutachten der PMEDA AG vom 30. März 2020 ist auch im Kontext mit den ergänzenden Ausführungen vom 2. Oktober 2020 unvollständig und widersprüchlich, so dass ihm kein hinr eichender Beweiswert zukommen kann. Vielmehr bestehen erhebliche Zweifel, ob der Ges undheitszustand und die Leistungsfä- higkeit des Beschwerdeführers im Rahmen der Begutachtung zutreffend erfasst wurden. 7.4 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer gerügten fehlen den fachlichen Qualifikation des neuropsychologischen Gutachters Dr. J.____ ist festzustell en, dass dieser gemäss den Anga- ben im öffentlich zugänglichen Medizinalberuferegister des Bundesamtes für Gesundheit (MedReg; http://www.medregom.admin.ch) nicht über ein en anerkannten Fachtitel oder einen Ausweis über eine sonstige anerkannte, spezifische Weiterbildung in Neuropsychologie verfügt. Daher fehlt es ihm an einer hinreichenden, ausgewies enen Qualifikation zur Erstellung neu- ropsychologischer Gutachten. Dass er trotzdem Fachkenntnisse aufweist, welche diesem Ni- veau entsprechen, ist zwar denkbar, bei dieser Sachlage a ber nicht hinreichend nachgewiesen. Auch wenn neuropsychologische Untersuchungsresultate von begutachtenden Psychiaterinnen und Psychiatern gewürdigt und eingeordnet werden müsse n (Urteile des Bundesgerichts vom 16. April 2020, 8C_98/2020, E. 5.2 und vom 13. Nove mber 2018, 8C_584/2018, E. 4.1.1.2), bedeutet dies noch nicht, dass diese ohne weiteres selb er eine neuropsychologische Untersu- chung durchführen dürfen (vgl. zum Ganzen: Urteil des Ver sicherungsgerichts des Kantons Solothurn vom 8. März 2021 [VSBES.2019.227]). Das neur opsychologische Teilgutachten von Dr. J.____ stellt sich folglich mangels ausgewiesener fachlicher Qualifikation des Gutachters als nicht beweiswertig heraus. Es bedarf daher einer erneu ten neuropsychologischen Begutach- tung durch eine Gutachterperson mit entsprechender Fachkompetenz. 7.5 Nach dem Gesagten bestehen erhebliche Zweifel an d er Vollständigkeit und Richtigkeit der Ausführungen im psychiatrischen Teilgutachten. Zudem ist das neuropsychologische Teil- gutachten mangels ausgewiesener fachlicher Qualifikation des Gutachters nicht beweistauglich. Dies hat jedoch auch Auswirkungen auf die übrigen Teil e des polydisziplinären PMEDA- Gutachtens. Um die neuropsychologischen Befunde in einen Gesamtzusammenhang zu stellen und in eine Konsensdiskussion einzubeziehen, ist es daher a ngezeigt, die Begutachtung in sämtlichen Disziplinen zu wiederholen. Da im PMEDA-Gutac hten nicht ansatzweise nachvoll- ziehbar aufgezeigt wird, welche konkreten Gründe für ei n erheblich verfälschtes Antwortverhal- ten und eine mangelhafte Kooperation des Versicherten sprechen, verbietet sich die Annahmen eines Ausschlussgrunds. Hierfür wäre eine eindeutige u nd verlässliche medizinische Ent- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheidgrundlage erforderlich. Eine solche liegt aber mi t dem PMEDA-Gutachten nicht vor. So- weit der RAD-Arzt Dr. E.____ gestützt darauf das Vorl iegen von Ausschlusskriterien bejaht, kann ihm deshalb nicht gefolgt werden. So wie sich die Aktenlage präsentiert, ist der massge- bende medizinische Sachverhalt nicht ausreichend abgeklär t, weshalb die Auswirkungen der gesundheitlichen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der bestehenden Aktenlage nicht abschliessend beurteilt werde n können. Folglich ist der rechtser- hebliche Sachverhalt durch geeignete medizinische Abklär ungen zu vervollständigen. Von wei- teren Abklärungen kann nicht abgesehen werden, da nicht von vornherein angenommen wer- den kann, eine ergänzende Begutachtung vermöge zu kein en besseren Erkenntnissen führen. Damit steht fest, dass die angefochtene Verfügung vom 13. Januar 2022 auf unzureichenden medizinischen Abklärungsergebnissen beruht und deshalb aufzuheben ist. 8. Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die Sozialversicherungs- gerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Strei tsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielme hr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräfti g ist. Eine Rückweisung an die IV- Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in de r notwendigen Erhebung einer bisher voll- ständig ungeklärten Frage begründet ist, oder wenn led iglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1). Vor- liegend erweist sich das der angefochtenen Verfügung zu grunde gelegte Gutachten der PMEDA AG vom 30. März 2020 sowie die Beurteilung des R AD vom 28. August 2020 als nicht beweistauglich. Da es die IV-Stelle unterlassen hat, d en massgeblichen medizinischen Sach- verhalt mit der gebotenen Sorgfalt widerspruchsfrei a bzuklären, und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumt e medizinische Abklärungen nach- zuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts e ntgegen. Diese wird angehalten, über die Vergabeplattform SuisseMed@P eine polydiszipli näre Begutachtung des Versicherten anzuordnen, wobei sie nicht nochmals durch die PMEDA AG erfolgen darf. Die Expertise hat die Disziplinen Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie , Orthopädie und Neuropsychologie zu umfassen. Dabei sind auch in somatischer Hinsicht sämtlich e Beschwerden des Versicherten abzuklären. Falls die Fachexperten aufgrund ihrer Unt ersuchungen zusätzlich bildgebende Ab- klärungen oder Laboruntersuchungen für angezeigt halte n, werden sie solche anzuordnen ha- ben. Hernach ist eine interdisziplinäre Konsensbeurteil ung durchzuführen. Gestützt auf die Er- gebnisse dieser Aktenergänzung wird die IV-Stelle über das Leistungsbegehren des Beschwer- deführers neu zu befinden haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Es bleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Art . 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwer- deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung od er die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfah- rensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge- legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen eine Parteiverhandlung durchgeführt wurde, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrah- mens einheitlich auf Fr. 1’000.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend hat die IV-Stelle als unterliegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. 9.2 Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache z ur erneuten Abklärung im Sin- ne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, h at der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Die ser wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Str eitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Der Rechtsvertreter des Beschwerd eführers hat in seiner Honorar- note vom 18. August 2022 für das vorliegende Verfahre n einen Zeitaufwand von 18 Stunden 5 Minuten geltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen angemessen ist. Zusätzlich gewährt das G ericht eine weitere Stunde Auf- wand für die Parteiverhandlung. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsrecht übli- chen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Hono- rarnote vom 18. August 2022 ausgewiesenen Auslagen von Fr. 184.10. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'336.45 (19,06 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 184.10 zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zus tändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nac hteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 13. Januar 2022 aufgehob en und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erw ägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel -Landschaft zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1’000.-- w erden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 5'336.45 (inkl. Ausl agen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht