Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. Februar 2022 (720 21 243 / 44) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verwaltungsgutachten beweiskräftig und Entscheid einer befristeten Rente nicht zu be- anstanden. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichteri n Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Egzon Rexhaj Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advo- katin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 2102, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1966 geborene A.____ meldete sich am 15. Oktobe r 2013 unter Hinweis auf eine Sinusvenenthrombose bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Sie arbeitete seit 2007 als Büro-Aushilfe in einem 40%igen Pensum im Bet rieb ihres Ehemannes, bei der B.____ GmbH. Nach der Sinusvenenthrombose im Jahr 2013 g ab sie die Erwerbstätigkeit im Betrieb ihres Ehemannes auf. Im Verlauf des Verfahrens wurden psychische Probleme sichtbar Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und es kamen auch orthopädische Probleme hinzu. Zur Abklärung des Leistungsanspruchs wur- den von der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) wegen der langen und umfangreichen Krank- heitsgeschichte insgesamt drei Gutachten in Auftrag g egeben. Nach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens wurde A.____ mit Verfügung vom 13. Augu st 2021 eine befristete und folgen- dermassen abgestufte Rente zugesprochen: eine Dreiviertelsrente vom 1. September bis 31. De- zember 2015, eine ganze Rente vom 1. Januar bis Ende September 2016, eine ganze Rente vom 1. Mai bis 31. Dezember 2017, eine Viertelsrente vom 1. Januar 2018 bis 28. Februar 2019 und eine ganze Rente vom 1. März bis 30. Juni 2019. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokatin Raffaella Biaggi, mit Eingabe vom 25. August 2021 Beschwerde beim Kantonsger icht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei die gesetzliche Invalidenrente zu bezahlen. Eventu- aliter sei ein Gerichtsgutachten einzuholen. Subeventua liter sei die Sache zur gutachterlichen Abklärung des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts an die Beschwerdebeklagte zu- rückzuweisen. Die Beschwerdeführerin rügte zunächst die fehlende Beweiskraft des Gutachtens des Medizinischen Zentrum Römerhof (MZR). Es stehe in kra ssem Widerspruch zu sämtlichen früheren Beurteilungen und befasse sich insbesondere im psychiatrischen Teilgutachten nicht mit den Vorakten. Das MZR wäre verpflichtet gewesen, die Diagnose der rezidivierenden depressi- ven Störung zu übernehmen, weil es mangels eigener echtzeitlicher Untersuchungen nicht in der Lage gewesen sei, abweichende Beurteilungen der Diag nosen in der Vergangenheit zu stellen. Eine Diagnose, die über mehrere Jahre hinweg durch andere Fachärzte bestätigt wurde, einfach zu kippen, sei nicht zulässig. Das Argument, wonach die psychiatrische Behandlung seit zwei Jahren nicht mehr durchgeführt werde und deshalb nicht von einer depressiven Erkrankung aus- zugehen sei, greife nicht, weil eine psychiatrische Behandlung und die Medikation bei Vorliegen einer psychiatrischen Diagnose nicht zwingend erforderlich seien. Im Weiteren sei mittlerweile eine Verschlechterung eingetreten und es gebe neben d en Beschwerden, die sich im Rahmen des Pensums niederschlagen, auch Umstände, welche einen leidensbedingten Abzug begründen würden. C. Mit Vernehmlassung vom 20. September 2021 beantrag te die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen d es IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. De- zember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden j eweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (B GE 143 V 409, 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti- gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät- zen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4-3.6 und 4.1). Gemäss altem Verfahrensstandard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten verlieren nicht per se i hren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen s pezifischen Gegebenheiten und den er- hobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abste llen auf die vorhandenen Beweis- grundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 144 I 21 E. 2.1 mit Hinweisen). 3.3 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 141 V 20 E. 3.1). Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in w elchem Pensum sie hypothetisch er- werbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berück- sichtigen (BGE 125 V 150 E. 2c). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der lnvaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begr ündet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialver sicherungsprozess sind vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art . 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes w egen für die richtige und vollstän- dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dau- ert so lange, bis über die für die Beurteilung des stre itigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Unter- suchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln , dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerde führerin liegen im Wesentli- chen die folgenden ärztlichen Unterlagen vor: 6.1 Im Arztbericht vom 14. Mai 2013 hält Dr. med. C.__ __, FMH Allgemeine Innere Medizin, fest, dass bei der Patientin am 11. April 2013 nach ei nem MRI eine Sinusvenenthrombose im Sinus sagittalis superior, übergehend auf den rechten Sinus transversus, mit reaktiver beidseiti- ger meningealer Reizung, diagnostiziert wurde. Die in itiale notfallmässige Selbstvorstellung der Patientin sei am 10. April 2013 aufgrund einer Hypästhesie am linken Unterarm mit Ausbreitung auf die linke Gesichtshälfte sowie einer begleitenden Kraftminderung in der linken Hand erfolgt. Zudem habe sich die Patientin seit ca. zwei Wochen über generalisierte Kopfschmerzen mit re- zidivierendem Erbrechen beklagt. Während des Krankenhausaufenthaltes sei es auch zu fokalen epileptischen Anfällen gekommen. Ein Verlaufs-EEG vom 18. April 2013 habe aber einen Rück- gang der Epileptogenese im Vergleich zur Voruntersuchung vom 15. April 2013 gezeigt. Im Wei- teren habe eine Verlaufs-Bildgebung mittels MRT eine Regredienz der beschriebenen Sinus- venenthrombose gezeigt. Die Patientin sei am 2. Mai 20 13 in gebessertem Allgemeinzustand nach Hause entlassen worden. 6.2 Im Juni 2015 erging das von der IV-Stelle in Auft rag gegebene bidisziplinäre neurolo- gisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. D.____, FMH N eurologie, und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie. 6.2.1 Dr. D.____ hält in seinem neurologischen Teilg utachten vom 22. Juni 2015 fest, dass sich nur noch ein diskreter Hinweis auf die Sinusvenenthrombose finden lasse. Ansonsten würde ein unauffälliger Neurostatus bei normalem Hirnnervenbefund, symmetrischen Reflexen, intakter Kraft, Trophik und Sensibilität vorliegen. Im Bereich der Körperachse würde sich aktuell ein leicht bis mässig ausgeprägtes Cervicalsyndrom sowie ein leicht ausge prägtes Lumbovertebralsyn- drom finden lassen. Die verhaltensneurologische Unters uchung sei offensichtlich nicht valide. Einerseits würde ein ausgesprochen heterogenes Leistungsniveau vorliegen. Andererseits sei es im Untersuchungsverlauf zu Inkonsistenzen gekommen, konkret würden die durchgeführten Va- lidierungsverfahren auf einen ungenügenden Effort hin weisen. Es habe aber auch zusätzliche Auffälligkeiten gegeben, so habe die Versicherte im Rey-Auditory-Verbal-Learning-Test beim Spätabruf nur zwei Begriffe wiedergeben können. Im W eiteren sei auch die einfache Aufmerk- samkeit bei Sequenzabruf stark vermindert gewesen. Die bereits bei einfachsten Verfahren ver- minderten Leistungen würden in keiner Weise zum klinischen Eindruck und zur selbständigen Lebensführung passen. Es sei deshalb von nicht authentischen kognitiven Defiziten auszugehen, welche die Plausibilitätsgrenze von cerebral verursachten Funktionsstörungen nach einer Sinus- venenthrombose weit überschreiten würden. Gegen eine schwere Beeinträchtigung würden auch der EEG-Befund mit normaler Grundaktivität, ohne Herd befund sowie ohne Anhaltspunkte für cerebrale Übererregbarkeiten sprechen. Allfällige Restsym ptome der durchgemachten Sinus- venenthrombose kognitiver Art seien durch die artifizie lle Verzerrung verdeckt. Solche könnten allenfalls im Sinne einer leichten Beeinträchtigung vo rliegen. Aus neurologischer Sicht würden sich aktuell keine weiteren therapeutischen Massnahmen aufdrängen. Weiter sei aus neurologi- scher Sicht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab dem Zeitpunkt der Sinusvenenthrombose Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht im April 2013 bis im April 2014 auszugehen. Ab 1. Apri l bis 1. Oktober 2014 sei in der ange- stammten Tätigkeit als Mitarbeiterin im Betrieb des Ehemannes eine 50%ige Einschränkung be- zogen auf die damals ausgeübte Tätigkeit von 30 % nachvollziehbar; dasselbe gelte auch für den Haushalt in dieser Phase. Ab 1. Oktober 2014 gelte so wohl für den Haushalt als auch für die Tätigkeit im Betrieb eine 20%ige Einschränkung wegen der von der Versicherten beklagten Fati- gue. 6.2.2 Dr. E.____ diagnostizierte in seinem psychiatrische n Teilgutachten vom 22. Juni 2015 eine mittelgradig depressive Episode. Diese bestehe schon seit Längerem. Die Versicherte sei eindeutig gedrückter Stimmung, wirke interesselos, freudlos, der Antrieb sei vermindert, auch die Psychomotorik sei vermindert, die Stimme sei leise und schw ach. Weiter habe sie Konzentrati- ons-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprobleme. Das Selbst wertgefühl der Versicherten sei deutlich vermindert und sie hätte Mühe, mit ihrer Selb stveränderung zurechtzukommen. Weiter sei die affektive Schwingungsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Sie führe verglichen zu früher ein deutlich reduziertes Leben. Primär berichte sie über ihr e depressive Symptomatik, während die Schmerzproblematik nicht mehr das Gewicht von damals habe. Dass die Versicherte im Rahmen ihrer Depressivität die Schmerzen weniger gut verarbeite n könne, hänge mit der negativen Be- einflussung der Coping-Mechanismen als Folge der Depression zusammen. Gleichzeitig würden die Schmerzen die depressiven Gefühle der Versicherten verstärken. Betrachte man den bishe- rigen Verlauf, so müsse zumindest der Verdacht auf eine anhaltend somatoforme Schmerzstö- rung diagnostiziert werden. Zudem sei sie in der Anwendung ihrer fachlichen Kompetenzen auf- grund ihrer depressiven Symptomatik, ihrer Energielosigkeit und den kognitiven Einschränkungen beeinträchtigt. Berücksichtige man die zumutbare Willens anstrengung, die funktionellen Ein- schränkungen, die objektiven Befunde und den bisherigen Verlauf, so sei aus psychiatrischer Sicht eine 40%ige Beeinträchtigung der Arbeits- und L eistungsfähigkeit, bezogen auf eine 100%ige Tätigkeit, begründet. 6.2.3 Im Rahmen der Konsensbesprechung kamen die Ref erenten nach eingehender Diskus- sion zum Schluss, dass die neurologische Beurteilung im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit mass- gebend sei. 6.3 Da seit der bidisziplinären neurologisch-psychiatrisch en Begutachtung im Juni 2015 eine Knieoperation erfolgte und ein Sinusvenenthrombosen-Rezidiv auftrat, erging im November 2016 im Auftrag der IV-Stelle ein weiteres Gutachten. Diesmal handelte es sich um ein polydiszipilinä- res Gutachten von Dr. med. F.____, FMH Orthopädische C hirurgie und Traumatologie des Be- wegungsapparates, med. prakt. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. H.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. I.____, FMH Neurologie. 6.3.1 Med. prakt. G.____ hält in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 2. November 2016 fest, dass die von der Versicherten berichteten Wortfin dungsstörungen und Konzentrationsstö- rungen im 80-minütigen Explorationsgespräch nicht hätten beobachtet werden können. Sie habe dem Gespräch bestens folgen können und habe direkt und adäquat geantwortet. Das Teilgutach- ten von Dr. E.____ vom 22. Juni 2015 als solches bezeichnet med. prakt. G.____ dann auch als Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht in sich schlüssig und nachvollziehbar. Als objektivierbare B efunde liessen sich zu diesem Zeit- punkt eine depressive Symptomatik mit herabgesetzter Grund stimmung, eingeschränkter Schwingungsfähigkeit, Ängsten, vermindertem Antrieb, verminderten Vitalgefühlen, Müdigkeit und ohne Medikamente deutliche Schlafstörungen eruieren. Die Schwere der Befunde würde ei- ner mittelgradigen depressiven Störung entsprechen. Unter Berücksichtigung der Vorgeschichte und den Hinweisen, dass die Patientin wahrscheinlich schon seit vielen Jahren unter depressiven Symptomen gelitten habe, geht med. prakt. G.____ im W eiteren von einer rezidivierenden de- pressiven Störung bei der Versicherten aus. Auffallend se i, dass die Versicherte die depressive Symptomatik verdrängen würde und ihre Symptomatik neben den körperlichen Problemen vor allem auf die geschilderten kognitiven Einschränkungen beziehen würde. Durch die beschriebene mittelgradige depressive Symptomatik sei die Versicherte weniger belastbar, leicht verlangsamt und brauche mehr Pausen. Einschränkend sei weiter, dass die Versicherte eine gewisse Selbst- limitierung zeige, sich als krank ansehe und sich in einer Krankenrolle bewege. Bezüglich Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit geht med. prakt. G.____ aus rein psychiatrischer Sicht sowohl in der bisherigen wie auch in adaptierter Tätigkeit von einer 40%igen Einschränkung ab Gutachten- datum aus. 6.3.2 Dr. H.____ diagnostizierte in ihrem allgemein-i nternistischen Teilgutachten vom 2. No- vember 2016 keine Krankheiten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. 6.3.3 Im neurologischen Teilgutachten vom 2. November 2016 hält Dr. I.____ fest, dass das Hauptleiden auf neurologischem Gebiet eine Thrombophilieneigung mit Status nach zweimaliger Sinusvenenthrombose im April 2013 und April 2016 sei . Daher werde jetzt die Dauerantikoagu- lation durchgeführt, weshalb eigen- und fremdgefährde nde Tätigkeiten, auch Allgemeintätigkei- ten mit erheblicher Verletzungsgefahr nicht mehr durchgeführt werden könnten. Gemäss Angabe der Versicherten würden seit der Sinusvenenthrombose v om April 2013 neuro-kognitive Ein- schränkungen bestehen, welche sich durch die erneute Sinusvenenthrombose im April 2016 nicht verstärkt hätten. Gemäss Dr. I.____ würde sich klinisch-neurologisch, abgesehen von einer leich- ten Verlangsamung des Arbeitstempos, keine Einschränkun g der neurokognitiven Fähigkeiten erkennen lassen. Authentische kognitive Störungen in Sprache, Denken und exekutiven Funkti- onen seien aus neuropsychologischer Sicht genügend wahrsc heinlich, wobei der Funktions- schweregrad nicht bestimmt werden könne. Für das präsen tierte neuropsychologische Funkti- onsprofil seien bei gesamtheitlicher Bewertung aller Befunde die erlittenen beiden Sinus- venenthrombosen nicht vorwiegend ursächlich, sondern meh r der chronische Schlafmittelabu- sus, die Einnahme kognitiv dämpfender Antikonvulsiva und vorwiegend eine allgemeine psycho- pathologische Dsyfunktionalität. Neurologisch betrachtet seien nur minime hirnsubstanziell be- dingte, unspezifische kognitive Einschränkungen und der kognitiv dämpfende Einfluss von An- tikonvulsiva zu berücksichtigen. Eventuelle Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit infolge kogniti- ver Defizite seien aufgrund psychischer Störungen Gegenstand des psychiatrischen Teilgutach- tens. Bezüglich der von Dr. D.____ in seinem neurolo gischen Teilgutachten vom 22. Juni 2015 festgestellten 100%igen Arbeitsunfähigkeit zwischen April 2013 und April 2014 hält Dr. I.____ fest, dass diese schwierig nachzuvollziehen sei, da sich der Verlauf der Sinusvenenthrombose durch eine zunehmende Normalisierung, auch der bildmor phologischen Befunde, gekennzeich- net habe. Die ausschliesslich fokalen epileptischen Krampf anfälle seien nicht dyskognitiv und Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht darüber hinaus gut behandelbar. Aus neurologischer Sicht würden sich nur Einschränkungen be- züglich Tätigkeiten mit Eigen- und Fremdgefährdungspotenzial ergeben. Allerdings sei durch die rezidivierenden Gesichtsschmerzen rechts und durch die Einnahme von Antikonvulsiva mit kog- nitiv dämpfenden Effekten eine Leistungsminderung von 20 % in jeglicher Tätigkeit anzunehmen. 6.3.4 Dr. F.____ war für die orthopädische Begutacht ung verantwortlich. Sie hält in ihrem Teil- gutachten vom 2. November 2016 fest, dass die Versicherte an einem cervico-lumbalen Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik bei radiologi sch leicht degenerativen Verände- rungen leide. Weiter würde sie an belastungsabhängig en Schmerzen des rechten Kniegelenks bei leichter medial betonter Gonarthrose leiden. Am l inken Knie würden zudem schmerzhafte Bewegungseinschränkungen bei Status nach Knie-Totalendop rothese vom 2. September 2015 bestehen. Aus orthopädischer Sicht sei die Versicherte für leichte Tätigkeiten, wie die Bürotätig- keit in der Automechanikwerkstatt ihres Mannes, ohne die Notwendigkeit des Hebens schwerer Gegenstände und ohne Zwangshaltungen einsetzbar. Es bestehe aber die Notwendigkeit verlän- gerter Pausen, weshalb von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Aus polydiszipli- närer Sicht, unter Berücksichtigung des negativen Leistungsbildes, würde die Arbeitsunfähigkeit ab dem 1. Oktober 2016 40 % betragen und sei durch die psychische Verfassung begründet. 6.4 Im Bericht des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 16. November 2017 hält Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, fest, dass wegen persistierender Schmerzen im September 2017 eine Infiltration des linken Knies erfolgt sei. Dementsprechend habe sich der Heilungsprozess offensichtlich verzögert. Bei der Nachkontrolle im Oktober 2017 habe sich aber ein deutlich gebessertes Bild gezeigt, weshalb davon ausz ugehen sei, dass spätestens ab die- sem Zeitpunkt der Status quo ante wieder erreicht worden sei. Die Arbeitsunfähigkeit im Verlaufe der Zeit würde sich wie folgt zeigen: 40 % ab 1. Oktober 2016, 100 % ab 16. Februar 2017, 40 % ab 1. Oktober 2017. 6.5 Wegen der Verschlechterung des Gesundheitszustandes un d weiteren operativen Ein- griffen seit der Vorbegutachtung vom 2. November 2016 erfolgte im Auftrag der IV-Stelle das polydisziplinäre Gutachten vom 16. Dezember 2019. Es han delt sich um das Gutachten von Dr. med. K.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Dr. med. L.____, FMH Orthopädische Chirur- gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Dr. med . M.____, FMH Neurologie, Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie und Dr. sc. hum. Dipl. Psych. O.____. 6.5.1 Dr. K.____ hält im internistischen Teilgutacht en vom 16. Dezember 2019 fest, dass aus internistischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit würde eine Hypercholesterinämie vorliegen. In der bis- herigen Tätigkeit seien aus internistischer Sicht acht Stunden Arbeit am Tag in einem 100%igen Pensum möglich. 6.5.2 Im Teilgutachten Orthopädie vom 16. Dezember 2019 hält Dr. L.____ folgende Diagno- sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Ein C ervikalsyndrom ohne radikuläre Ausfälle, ein pseudoradikuläres Lumbalsyndrom bei diskreten multisegm entalen Spondylarthrosen und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Status nach Knie-Totalendoprothese mit Retropatellarersatz links. Ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit seien die Diagnosen beginnende mediale und retropatellare Gonarthrose rechts, Metatarsalgie beidseits und Übergewicht. Das linke und das rechte Kniegelenk seien beide reiz- los und frei beweglich gewesen. In den aktuellen Röntg enaufnahmen des linken Kniegelenkes vom 18. September 2019 würde sich eine intakte Knie-Totalendoprothese mit angedeutetem, la- teral betontem Osteolysesaum um die femorale Komponent e darstellen. Die angegebenen Blo- ckierungen im linken Kniegelenk beim Aufstehen aus dem Si tz hätten aufgrund der erhobenen Befunde nicht nachvollzogen werden können. Beide Sprunggelenke seien reizlos und frei beweg- lich gewesen. Aus orthopädisch-traumatologischer Sicht würden Einschränkungen für körperlich mittelschwere Tätigkeiten mit Zwangshaltungen der Hals - und Lendenwirbelsäule, mit Hocken oder Knien und mit erhöhter Sturzgefahr bestehen. Die Versicherte sehe sich subjektiv zu keiner beruflichen Tätigkeit in der Lage, weil sie nicht lä nger als 30 bis maximal 60 Minuten stehen, sitzen oder laufen könne. Gemäss Dr. L.____ sei dies diskrepant zu den angegebenen Aktivitä- tenniveaus in den Bereichen Freizeit und Haushalt. So sei die Versicherte in der Lage, ihren Haushalt mitzuversorgen, tagsüber zahlreichen Aktivitäten nachzugehen, Auto zu fahren, öffent- liche Verkehrsmittel zu benutzen und auch in den Urlaub nach X.____ zu fliegen. Auch die ange- gebene Stärke der Schmerzen sei diskrepant zu den erhob enen klinischen und radiologischen Untersuchungsbefunden gewesen. 6.5.3 Dr. M.____ hält in seinem neurologischen Teilgu tachten vom 16. Dezember 2019 fest, dass keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit vorliegen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei der Status nach Sinusvenenthro mbose im Sinus sagittalis superior und transversus rechts mit symptomatisch einfach fokal epileptischen Anfällen und mit rezidivierender passagerer brachiofazialer sensibler Hemisymptomatik links. Unter antikonvulsiver Therapie sei sie anfallsfrei. Auch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä higkeit sei der Status nach Rezidiv einer Sinusvenenthrombose im Sinus sigmoideus rechts nach Been digung der antikoagulatorischen Therapie. Ebenfalls ohne Auswirkung auf die Arbeitsfäh igkeit seien eine iatrogene Schädigung des Nervus saphenus links und ein chronisches zervikales und lumbales Syndrom. Die über viele Jahre bestehenden Nackenschmerzen würden sich aus neurolog ischer Sicht nicht erklären las- sen, weshalb diese in erster Linie orthopädisch eingeschä tzt werden müssten. Ähnlich sei die Situation in der lumbalen Wirbelsäule. Auch hier wür de die Versicherte einen lokalen Schmerz ohne jegliche Ausstrahlung in die Beine beklagen. Bezüglich neuropsychologischen Defiziten hält Dr. M.____ fest, dass es nicht gänzlich ausgeschlossen sei, da ss subtile neuropsychologische Einschränkungen Folge der zweimaligen Sinusvenenthrombo se seien. Wahrscheinlich sei dies aber nicht, da sich in der Bildgebung keine entsprechende strukturelle Hirnläsion habe nachwei- sen lassen. Aus Sicht von Dr. M.____ seien die Sinusvenenthrombosen komplett ausgeheilt. Die Versicherte habe keine Kopfschmerzen angegeben, welche i m Vorgutachten noch beklagt wor- den seien. Auch sei sie seit Jahren anfallsfrei. Sie habe lediglich noch ein gelegentliches kurzes Elektrisieren im Bereich des rechten Mundwinkels beklagt, welches schwierig einzuordnen sei, denn für einen fokalen sensiblen epileptischen Anfall sei die Episode zu kurz und das sensible Areal würde auch eher einem peripheren Nerv entsprechen. Die beidseitigen Kniebeschwerden und Schmerzen im Vorfussbereich hätten sich nicht neurologisch erklären lassen. Ebenso wenig hätten sich die beklagten neuropsychologischen Auffälligkeiten im Gespräch nachvollziehen las- sen. Eine Gesprächsführung sei, ohne Hinweise auf Konzentrations- oder Auffassungsstörungen, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht problemlos möglich gewesen. Im Vergleich zum Vorgutachten liessen sich aktuell weder ein Ge- sichtsschmerz noch ein chronischer Kopfschmerz diagnostizieren. Unklar sei die Bemerkung der Advokatin, wonach bei der Versicherten erneut epilepti sche Anfälle aufgetreten seien, aufgrund derer sie hätte hospitalisiert werden müssen. Die Versicherte habe dies nicht erwähnt und auch in den Akten würde sich nichts dazu finden. Dr. M.____ attestiert eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. 6.5.4 Frau O.____ war für das neuropsychologische Teilg utachten zuständig. Sie hält darin fest, dass aufgrund aggravierendem Verhalten weder eine Diagnose mit als auch ohne Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Unter diesen Umständen würden die Ergeb- nisse der Leistungstests inhaltlich nicht ausgewertet werden und wegen mangelnder Mitarbeit keine verwertbaren neuropsychologischen Befunde liefern können, da sie wahrscheinlich nicht das effektiv vorhandene Leistungsniveau abbilden würden. Andererseits würde auch das Risiko bestehen, dass tatsächliche und spezifische kognitive Defizite differenzialdiagnostisch nicht fest- gestellt werden könnten. 6.5.5 Dr. N.____ hält in seinem psychiatrischen Teilgu tachten vom 16. Dezember 2019 fest, dass keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit bestehen würden. Ohne Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit sei die chronische Schmer zstörung mit somatischen und psychi- schen Faktoren (ICD-10 F45.41). Aktuell würde seit zwe i Jahren keine psychiatrische Behand- lung mehr stattfinden. Bis auf Zolpidem habe die Ver sicherte auch keine Psychopharmaka ein- genommen, wobei die Laborbefunde gegen eine Abhängigkeit sprechen würden. Es liege keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor und die Versicherte könne in der zuletzt ausgeübten Tä- tigkeit als Bürogehilfin im Betrieb des Ehemannes acht Stunden am Tag arbeiten. Aus psychiat- rischer Sicht könne in der aktuellen Untersuchung die von med. prakt. G.____ bei der Versicher- ten festgestellte rezidivierende depressive Störung nicht bestätigt werden. Die Versicherte habe in den letzten zwei Jahren auf psychiatrische Behandlung verzichtet, ohne einen depressiven Rückfall zu erleiden. Gemäss ihrer Aussage brauche sie d as nicht und sie fühle sich psychisch gesund. 6.6 In der RAD-Beurteilung vom 19. Dezember 2019 hält Dr. med. P.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, fest, dass das MZR-Gutachten vom 16. Dezember 2019 die bekannten, justiziablen Kriterien erfülle. Formell seien die orthopädischen Diagnosen jedoch unter Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufzulisten, weil sie die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkei t ausdrücklich nicht limitieren würden. Ab 17. Mai 2017 sei bis anhin und bis auf Weiteres von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 6.7 Im RAD-Bericht vom 28. Juli 2020 hält Dr. P.____ fest, dass für die Zeitspanne zwischen dem 16. Februar und dem 1. Oktober 2017 entgegen der Arbeitsunfähigkeitsverlaufsbeurteilung des MZR-Gutachtens von einer 100%igen Arbeitsunfähigkei t gemäss Verlaufsbeurteilung des RAD vom 16. November 2017 auszugehen sei. Auch bezüglich der Zeitspanne zwischen dem 17. Dezember 2018 bis 18. März 2019 hält Dr. P.____ fest, dass vom MZR-Gutachten abzuwei- chen sei. Es sei dem ärztlichen Verlaufsbericht vom 28. Februar 2019 von Dr. med. Q.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegun gsapparates, zu folgen, wonach für Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht diese Zeitspanne aufgrund von Komplikationen nach Kryotherapie des Ramus infrapatellaris am linken Kniegelenk eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Vom 19. März 2019 an und bis auf Weiteres würde eine volle Arbeitsfähigkeit bestehen. 6.8 Im Verlaufsbericht vom 17. September 2020 von Dr. med. R.____, Fachärztin für Ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, erläutert sie die zwei Konsul- tationen vom 10. August 2020 und vom 17. September 2020. In der Konsultation vom 10. August 2020 habe sie beidseitig eine fortgeschrittene Tarsometatarsalgelenks-Arthrose (TMT-Arthrose) diagnostiziert. Beim linken Fuss würde im Weiteren der Verdacht auf ein grosses dorsales Ganglion bestehen. In der Konsultation vom 17. September 2020 sei das Ganglion durch ein MRI bestätigt worden. Die Patientin habe von massiven Beschwe rden berichtet. In der Folge habe Dr. R.____ bei beiden Füssen eine Infiltration durchgeführt. 6.9 Dem Einwand vom 6. Februar 2021 opponierend häl t Dr. P.____ im RAD-Bericht vom 16. Februar 2021 fest, dass am bisherigen Begutachtung sergebnis festzuhalten sei. Allein aus dem Umstand, dass die Begutachtung im MZR im September 2018/2019 erfolgt sei, würde sich das Argument der fehlenden Beweiskraft nicht nachvollziehen lassen, denn die Problematik rund um die Knieprothesensituation wie auch der Mittelfussge lenke sei vom MZR-Gutachten bereits hinlänglich gewürdigt worden. In diesem Sinne sei auch von orthopädischer Seite das Zumutbar- keitsprofil ermittelt worden. Bezüglich einer von der Re chtsvertreterin eingewendeten Neuropa- thie hält Dr. P.____ fest, dass die neurologische Begut achtung diesbezüglich keine objektivier- baren Befunde geliefert habe. Vielmehr hätten sich d ie schmerzgeprägte Symptompräsentation im Bereich des Achsenorgans zervikal und lumbal neurologisch nicht zuordnen lassen. Auch die subjektiven Beschwerdeangaben bezüglich Konzentrationsstörungen seien neurologisch im aus- drücklich langen Anamnesegespräch nicht verifizierbar gewese n. Neue medizinische Befunde, welche eine abweichende Beurteilung nahelegen würden oder gar belegen könnten, seien von der Rechtsvertreterin nicht vorgelegt worden, weshalb si ch auch keine erneute Begutachtung aufdrängen würde. Bezüglich der Einwände gegen das p sychiatrische Teilgutachten von Dr. N.____ hält Dr. P.____ fest, dass dieser aus psychiatrische r Sicht das Ergebnis der Vorbegut- achtung von med. prakt. G.____, der bei der Versicherten eine rezidivierende depressive Störung festgestellt habe, im Rahmen der aktuellen Untersuchun g nicht habe bestätigen können. Dr. N.____ würde dies letztlich nachvollziehbar damit begründen, dass die Versicherte in den letzten zwei Jahren trotz fehlender psychiatrischer Behandlung keinen depressiven Rückfall erlitten habe und auch in der aktuellen Begutachtung keine Hinweise auf eine depressive Störung feststellbar gewesen seien. Damit habe der psychiatrische Gutachter trotz knapper Ausführungen gleichwohl nachvollziehbar begründet, wie er zu seiner Beurteilung gekommen sei, die vom Vorgutachten in Sachen zumutbarer Arbeitsfähigkeit abweichen würde. Die angemahnte fehlende Diskussion ei- ner Dissimulation in der aktuellen Begutachtung würde sich in der jüngsten Begutachtung offen- sichtlich nicht stellen, weil die Versicherte diesbezüglich auch in der gezielten Exploration keiner- lei Angaben gemacht habe und bereits seit zwei Jahren v or der Begutachtung keine psychiatri- sche Behandlung mehr in Anspruch genommen worden sei. Im Weiteren sei es so, dass Dr. N.____ entgegen der Behauptung der Rechtsvertreterin sehr wohl die chronische Schmerzprob- lematik in eine Diagnose gefasst habe, indem er sie nämlich als chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, allerdings unter Diag nosen ohne Auswirkung auf die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsfähigkeit, eingestuft habe. Zusammenfassend seien auch auf psychiatrischem Fachgebiet keine neuen medizinischen Erkenntnisse präsentiert worden, welche eine Abweichung vom vor- liegend psychiatrischen Gutachten oder gar eine erneute Begutachtung begründen würden. 7. Vorweg ist festzuhalten, dass die von der IV-Stelle vorgenommene Aufteilung der Berei- che Haushalt und Erwerb sowie auch die Einschränkung im Haushaltsbereich von der Beschwer- deführerin zu Recht nicht beanstandet werden. Auch die ermittelten Arbeitsunfähigkeiten gemäss den Vorgutachten werden von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht infrage gestellt. Sie erge- ben sich aus der dokumentierten gesundheitlichen Entwicklung und den erforderlichen Rehabili- tationszeiten nach den operativen Eingriffen. Hingegen wird die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss MZR-Gutachten vom 16. Dezember 2019 bestritten. Dieses Gutachten beleuchtet die Entwicklung des Gesundheitszustandes seit dem medexperts-Gut achten vom 2. November 2016. Gemäss den Gutachtern des MZR sei es aus somatischer Sicht zu einer vorübergehenden Verschlechterung durch den Knietotalprothesenwechsel lin ks am 16. Februar 2017 gekommen. Dieser Eingriff habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit drei Monate postoperativ nach sich gezo- gen. Anschliessend ab Mitte Mai 2017 haben die Gutachter eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Beschäftigung attestiert. Diese 100%ige Arbeitsfähigkeit würde sich durch den Wegfall einer Einschränkung aus psychiatrischer Sicht erklären lassen. 7.1 Im Gegensatz zum MZR-Gutachten hat die IV-Stelle nach dem Knietotalprothesenwech- sel vom 16. Februar 2017 bis 1. Oktober 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und nach verzö- gerter Heilung des Knies per 2. Oktober 2017 bis 16. D ezember 2018 eine 40%ige Arbeitsunfä- higkeit angenommen. Für die 40%ige Arbeitsunfähigkeit ab 2. Oktober 2017 lassen sich, abge- sehen von der Erklärung von Dr. J.____ vom 16. November 2017, der ab diesem Zeitpunkt die gleiche Arbeitsunfähigkeit wie vor der Operation vom 16. Februar 2017 annahm, keine ärztlichen Begründungen finden. Folgt man dem MZR-Gutachten, müsste für diese Zeit korrekterweise wohl von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepasste n Tätigkeit ausgegangen werden. Dies kann aber schlussendlich offenbleiben, da bei der Anwendung der gemischten Methode des Ein- kommensvergleiches für diese Zeit so oder anders kein rentenbegründender Invaliditätsgrad re- sultiert. Entgegen dem MZR-Gutachten und unter Bezugn ahme auf den Verlaufsbericht vom 28. Februar 2019 von Dr. Q.____ nahm die IV-Stelle sodann für die Zeit vom 17. Dezember 2018 bis 18. März 2019 zu Recht eine 100%ige Arbeitsunfähigke it an, weil sich bei der Beschwerde- führerin nach Kryotherapie des Ramus infrapatellaris am linken Knie eine heftige, aber vorüber- gehende Schmerzzunahme eingestellt hatte. 7.2 Die Beschwerdeführerin lässt einwenden, dass sich der psychiatrische Gutachter nicht mit den Vorakten befasst habe, insbesondere nicht mit den früheren Beurteilungen. Sie macht geltend, dass der psychiatrische Gutachter des MZR verpflicht et gewesen wäre, die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung aus den früheren Gutachten zu übernehmen, weil er mangels echtzeitlicher eigener Untersuchungen gar nicht in der Lage gewesen sei, eine abwei- chende Diagnose für die Vergangenheit zu stellen. Zwar ist der Beschwerdeführerin dahingehend beizupflichten, dass es wünschenswert gewesen wäre, eine Erklärung des psychiatrischen Gut- achters des MZR, Dr. N.____, zur Entwicklung zu erhalten. Allerdings muss diesbezüglich be- rücksichtigt werden, dass die Beschwerdeführerin sich in den zwei Jahren vor der Begutachtung Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch das MZR nicht mehr psychiatrisch hat behandeln lassen und darum auch keine echtzeitli- chen Berichte für diese Zeit vorliegen. Ohne diese war es Dr. N.____ nicht möglich, eine aussa- gekräftige Bewertung vorzunehmen. Er gibt denn auch nicht an, dass zu keiner Zeit eine depres- sive Störung vorhanden gewesen wäre, sondern lediglich, dass im Untersuchungszeitpunkt diese Diagnose von ihm nicht mehr habe gestellt werden können, weil er in der Untersuchungssituation keine Anhaltspunkte für eine solche Störung feststellen konnte. Im Hinblick auf die Untersu- chungsergebnisse erscheint dies auch nachvollziehbar. Des Weiteren ist der Beschwerdeführerin wohl zuzustimmen, wenn sie sagt, dass die Diagnose auf r emittierte depressive Episode hätte lauten müssen. Für die Invalidenversicherung kommt es aber nicht vorwiegend auf die Diagnose an, sondern auf die Auswirkungen eines Leidens auf die Arbeitsfähigkeit. Bezüglich diesem Punkt gibt das psychiatrische Teilgutachten für die Zeit ab Dezember 2019 schlüssig Antwort, weshalb auch darauf abgestellt werden kann. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat Dr. N.____ auch Bezug auf die Vorbegutachtung durch med. p rakt. G.____ und die damals festge- stellte rezidivierende depressive Störung mittelgradiger Ausprägung genommen. Allein der Ver- zicht auf psychiatrische Behandlung und Medikation in den zwei Jahren zuvor, ohne einen de- pressiven Rückfall zu erleiden, spricht an sich noch nich t gegen eine psychische Beeinträchti- gung. Relevant ist aber die darüber hinausgehende, sch lüssig begründete Feststellung von Dr. N.____, dass es aktuell keine Hinweise auf eine depressi ve Störung geben würde. Damit ist für das Kantonsgericht erstellt, dass es seit der Begutachtun g durch Dr. E.____ und med. prakt. G.____ zu einer Besserung des Gesundheitszu standes in psychiatrischer Hinsicht gekommen ist. Dass die Beschwerdeführerin seit zwei Jahr en keine psychiatrische Behandlung und Medikation in Anspruch genommen hat, ist folglich für die Einschätzung nicht ausschlagge- bend gewesen. 7.3 Die Beschwerdeführerin wendet im Weiteren ein, da ss Dr. N.____ im Gegensatz zu den Vorbegutachtern Dr. E.____ und med. prakt. G.____ die fehlenden Ressourcen nicht erkannt habe. Diesbezüglich muss ihr entgegengehalten werden, da ss Dr. N.____ ein Mini-ICF-APP durchgeführt hat, mit welchem Fähigkeitsbeeinträchtigu ngen erfasst und ihre Schwere beurteilt werden. Dieses zeigte eine weitgehend uneingeschränkte F unktionsfähigkeit. Leichte Beein- trächtigungen waren nur in den Bereichen Verkehrsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit und Kontaktfä- higkeit zu Dritten auszumachen. Weiter wird eingewendet, dass Dr. N.____ nicht auf die Proble- matik eines allfälligen Medikamentenübergebrauchs einge gangen sei. Hierzu ist festzuhalten, dass Dr. N.____ Laborbefunde vorlagen und er keine Auffälligkeiten feststellen konnte. Gemäss Dr. N.____ habe der von der Beschwerdeführerin angegebene regelmässige Konsum von Zolpi- dem zwar für eine iatrogene Abhängigkeit gesprochen, allerdings sei der Plasmaspiegel des Zol- pidems hierfür zu tief gewesen. Dr. N.____ hat sich de mentsprechend durchaus mit den Res- sourcen und einem allfälligen Medikamentenübergebrauch auseinandergesetzt. Aus der blossen Tatsache, dass er die Ressourcen als vorhanden betrachte t hat, kann die Beschwerdeführerin keine fehlende Beweiskraft des MZR-Gutachtens ableiten. 7.4 Die Beschwerdeführerin spricht in ihrer Beschwerde auch die Aggravation an, die von Frau O.____ im neuropsychologischen Teilgutachten vom 16. Dezember 2019 festgestellt wurde. Diese Aggravation ging aus dem Antwortverhalten der B eschwerdeführerin im Rahmen der Ab- klärung hervor. Die Beschwerdeführerin wendet ein, dass allein schon die Tatsache, dass das Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten nur gestützt auf nicht näher dargelegte Test ungen ohne Beilage der Testbögen eine Aggravation feststelle, führe dazu, das Gutachten in Zweifel ziehen zu müssen. Diesbezüglich ist zu bemerken, dass es üblich ist, Testbögen nicht beizulegen. Dies wird damit begründet, dass die Testbögen unter Verschluss bleiben müssen, weil anson sten ständig andere Symptomvali- dierungsverfahren zur Prüfung eines aggravatorischen Ver haltens entwickelt werden müssten. Diese Frage muss jedoch vorliegend nicht weiter vertieft werden. Entscheidend ist, dass einer- seits die neuropsychologische Abklärung keine verwertbaren neuropsychologischen Befunde er- geben hat, es andererseits aber dem neurologischen Guta chter Dr. M.____ gleichwohl möglich war, zu eruieren, ob die erlittenen Sinusvenenthrombosen weiterhin einschränkende Folgen ha- ben. Dr. M.____ hat unter Verweis auf die Bildgebung und die Tatsache, dass die Beschwerde- führerin laut eigener Aussage keine Kopfschmerzen mehr habe und im Weiteren seit Jahren an- fallsfrei sei, feststellen können, dass diesbezüglich eine komplette Heilung eingetreten ist. 7.5 Die Beschwerdeführerin wendet im Weiteren ein, d ass die Beweiskraft des MZR- Gutachtens auch deshalb anzuzweifeln sei, weil es die inzwi schen eingetretene Verschlechte- rung nicht berücksichtige. Sie hat im vorliegenden Verfahren die Untersuchungsberichte der be- handelnden Orthopäden eingereicht, die nach dem MZR-Gutachten datieren. Daraus ergibt sich, dass sich die Beschwerdeführerin wegen der Knieproblema tik und Problemen mit den Füssen Infiltrationen unterzogen hat, die zum Teil eine Ver besserung des Zustandes gebracht haben. Ausserdem hat sie sich neue Schuheinlagen anpassen lassen . Hier verkennt die Beschwerde- führerin aber, dass die Kniebeschwerden nach Knietotalprothesenwechsel nicht nur in den Diag- nosen, sondern auch in der Beurteilung der Arbeitsfä higkeit berücksichtigt worden sind. Weiter wurden von der Beschwerdeführerin schon in der gutachter lichen Untersuchung Schmerzen in beiden Füssen angegeben. Die Experten sind davon ausgeg angen, dass nur noch körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten möglich sind, ohne Zwangshaltung der Hals- und Lendenwirbelsäule, ohne Knien und ohne Hocken, sowie ohne er- höhte Sturzgefahr. In einer solchen Tätigkeit attestie ren sie eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ab Mitte Mai 2017, drei Monate nach dem Knietotalprothe senwechsel. Dr. P.____ hat die neuen Berichte in der RAD-Beurteilung vom 17. September 202 1 analysiert. Er erklärt darin schlüssig, dass sich mit den zusätzlichen Beschwerden und der eingeschr änkten Belastbarkeit der Füsse nichts am gutachterlich ermittelten Zumutbarkeitsprofil ändert, weil die Gutachter bezüglich der unteren Extremitäten bereits massgebliche Funktionseinschränkungen berücksichtigt haben. Die Fussproblematik wirkt sich also nicht additiv zur Knieprobl ematik aus. Dr. P.____ erklärt darin weiter, dass die Versicherte in ihrer angestammten Täti gkeit rein administrativ, also körperlich leicht, schwerpunktmässig sitzend, in der Autowerkstatt ihres Ehemannes tätig gewesen ist, so- dass bei massgeblich eingeschränkter Funktion der unteren Extremitäten, wie sie aus der Knieproblematik links schon berücksichtigt worden sind, nichts dazu komme. Folglich wurden die Problematiken rund um das Knie und die Füsse im MZR-Gutachten dadurch genügend gewürdigt, dass im Hinblick auf körperliche Tätigkeiten weitreichend e Einschränkungen attestiert wurden. Der Ansicht der Beschwerdeführerin, wonach dem MZR-Gutachten aufgrund der zwischenzeitlich eingetretenen Verschlechterungen keine Beweiskraft zukom me, kann dementsprechend nicht gefolgt werden. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.6 Die Beschwerdeführerin möchte sodann bei der Ber echnung des Invalideneinkommens einen leidensbedingten Abzug berücksichtigt haben. Allerdings hat die IV-Stelle den Invaliditäts- grad gestützt auf die Lohnverhältnisse in der letzten An stellung im Betrieb des Ehemannes er- mittelt. Dabei handelte es sich um konkrete Einkommenszah len, die einerseits abgestimmt auf die Löhne ohne gesundheitliche Einschränkung unter Ber ücksichtigung des Erwerbspensums, dass die Versicherte im Gesundheitsfall gemäss ihren Angaben ausgeübt hätte, und andererseits des medizinisch zumutbaren Pensums im Betrieb des Ehemannes, abgestuft nach den fachärzt- lich attestierten Arbeitsunfähigkeiten, berechnet wurd en. Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung zu Recht ausführt, entfällt bei einem solchen Prozentvergleich die Möglichkeit eines leidensbedingten Abzugs (vgl. Urteil des Bundesgeri chts vom 21. November 2011 8C_241/2011 E. 3.2). 7.7 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 13. August 2021 nicht zu be- anstanden und die dagegen erhobene Beschwerde somit abzuweisen. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ei nheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, wes- halb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden der Beschwerde- führerin auferlegt und mit dem bereits geleisteten Ko stenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.