Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Januar 2019 (735 18 269 / 30) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Verspätete Geltendmachung der Kapitaloption Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Kläger gegen Basellandschaftliche Pensionskasse , Mühlemattstrasse 1B, Pos t- fach, 4410 Liestal, Beklagte, vertreten durch Dr. Manfred Bayerdörfer, Advokat, Rathausstrasse 40/42, 4410 Liestal Betreff Forderung A. Der am 30. April 1957 geborene A.____ ist seit d em 1. August 2001 als Sachbearbeiter der B.____ tätig gewesen. In dieser Eigenschaft war er bei der Basellandschaftlichen Pensionskas- se (PK) berufsvorsorgeversichert. Am 18. April 2016 hat er sich in einem persönlichen Ge- spräch mit einer Mitarbeiterin der PK nach den Vora ussetzungen eines Kapitalbezugs bei Weg- zug ins Ausland erkundigt. Anlässlich dieses Gesprä chs ist ihm das Formular für die Ausübung der Kapitaloption abgegeben worden. Am 1. September 2016 hat der Versicherte der PK per Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mail mitgeteilt, dass er sich mit Wirkung per 30. April 2017 frühpensionieren lassen wolle. Er plane, per 1. Mai 2017 nach Spanien auszuwandern und möchte wissen, wie er vorgehen müs- se, damit ihm seine Pensionskassengelder ausbezahlt würden, und wann er dies schriftlich mit- teilen müsse. Die zuständige Mitarbeiterin der PK hat dem Versicherten in der Folge am 2. Sep- tember 2016 mitgeteilt, dass sie von ihm, wie bereits im Beratungsgespräch vom 18. April 2016 besprochen, drei Monate vor dem Pensionierungszeitpunkt das ausgefüllte und unterzeichnete Formular „Antrag Kapitalbezug bei Pensionierung“ ben ötigen würde. Dieses Formular sei ihm beim Beratungsgespräch abgegeben worden. Falls er da s Formular nicht mehr besitze, könne er es auf der Homepage der PK abrufen. Falls er anste lle des Kapitalbezugs eine Rente bezie- hen wolle, brauche er nichts weiter vorzukehren. B. Mit Mail vom 6. Februar 2017 hat der Versicherte na chgefragt, ob die PK die Mitteilung sei- nes Arbeitgebers betreffend seine Frühpensionierung per 30. April 2017 erhalten habe. Darüber hinaus teilte er mit, dass er bezugnehmend auf die Au szahlung seines gesamten Pensionskas- senkapitals noch die Frage habe, ob diese Auszahlung auf ein ausländisches oder auch auf ein inländisches Bankkonto erfolgen könne. Die Mitarbeiteri n der PK hat dem Versicherten noch gleichentags geantwortet, dass sie bis zum jetzigen Zeitpun kt keine Pensionierungsmeldung des Arbeitgebers erhalten habe, und dass betreffend des Kapitalbezugs ein Problem aufgetre- ten sei. Das Formular „Antrag zum Kapitalbezug“ sei n icht bei der PK eingegangen. Somit kön- ne die Anmeldefrist von drei Monaten bis zum 30. April 2017 nicht eingehalten werden, und ein Kapitalbezug sei deshalb nicht möglich. Am darauffol genden Tag, am 7. Februar 2017, ist das entsprechende Formular mit Austrittsdatum vom 30. Apr il 2017 vom Versicherten unterzeichnet bei der PK eingegangen. Am 22. Februar 2017 hat die PK sodann die Meldung der Arbeitgebe- rin des Versicherten erhalten, wonach sich der Versicherte per 30. April 2017 vollständig pensi- onieren lasse. In der Folge hat die PK den Versicherte n am 9. März 2017 orientiert, dass der Arbeitgeber mitgeteilt habe, dass das Arbeitsverhältnis p er 30. April 2017 enden werde und damit auch das Versicherungsverhältnis mit der PK aufgel öst werde. Er habe der PK am 7. Februar 2017 das Austrittsformular zur Barauszahlun g eingereicht. Ein Kapitalbezug im Zeit- punkt seiner Pensionierung sei daher leider nicht mehr möglich. Der Antrag zum Bezug des gesamten Kapitals, sofern er auf den Zeitpunkt der Pe nsionierung die Schweiz verlassen wer- de, müsse spätestens drei Monate vor Pensionierungstermi n schriftlich bei der PK eingetroffen sein. Trotz vorgängiger Information durch die PK sei ei n solcher Antrag nicht fristgerecht bei ihr eingegangen. C. Am 17. Mai 2018 hat der Versicherte verwaltungsgeri chtliche Klage beim Verwaltungsge- richt des Kantons Graubünden erhoben und beantragt, di e PK sei zu verpflichten, ihm das Al- terskapital, abgerechnet per 30. April 2017, nebst 5% Zins seit 1. Mai 2017 oder seit wann rech- tens, auszubezahlen. Mangels örtlicher Zuständigkeit ist das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit Urteil vom 21. August 2018 nicht auf se ine Klage eingetreten und hat diese zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht des Kantons Basel -Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht), zur Beurteilung über wiesen. Mit Eingabe vom 24. August 2018 hat der Versicherte dem Verwaltungsgericht des Ka ntons Graubünden mitteilen lassen, dass er die Klage nunmehr beim zuständigen Versicherungsg ericht Basel-Landschaft einge- reicht habe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Am 24. August 2018 hat der Versicherte beim Kantonsg ericht mit dem gleichen Rechtsbe- gehren, wie zuvor bereits gegenüber dem Verwaltungsgeri cht des Kantons Graubünden bean- tragt, Klage einreichen lassen. Die PK sei zu verpflichten, ihm das Alterskapital abgerechnet per 30. April 2017 nebst 5% Zins seit 1. Mai 2017 oder seit wann rechtens, auszubezahlen. Mit Klagantwort vom 9. Oktober 2018 hat die PK, vertreten durch Advokat Dr. Manfred Bayerdörfer, beantragt, die Klage sei abzuweisen. Auf die Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzu- gehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Nach Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufli che Alters- und Hinterlasse- nen- und Invalidenversicherung (BVG) vom 25. Juni 1982 so wie § 54 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist für die Beur- teilung der vorliegenden Streitigkeit über die Ansprü che einer versicherten Person gegenüber einer Vorsorgeeinrichtung der beruflichen Vorsorge das Kantonsgericht zur Beurteilung sachlich zuständig. Gemäss Art. 73 Abs. 3 BVG gilt als Gerichtsstand der schweizerische Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebs , bei dem die versicherte Person ange- stellt worden war. Der Sitz der Beklagten und der ehem aligen Arbeitgeberin des Klägers befin- det sich im vorliegenden Fall beide im Kanton Basel-La ndschaft. Zumal das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden die Angelegenheit zuständigkeitsh alber an das Kantonsgericht über- wiesen hat, ist das Kantonsgericht damit für die Beurtei lung der gegen die Beklagte am 24. August 2018 direkt beim Kantonsgericht noch einmal erhobenen Klage auch örtlich zustän- dig. Die Klagbegehren sowie deren Begründung in den beiden Klagen stimmen inhaltlich über- ein, so dass die neu eingereichte Klage vom 24. August 2 018 keine eigenständige Bedeutung aufweist. Es ist somit auf die vom Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zuständigkeits- halber an das Kantonsgericht überwiesene Klage einzutreten. 2. Der Kläger lässt zusammenfassend geltend machen, dass di e Haltung der PK treuwidrig sei. Seine berechtigten Interessen an einer Kapitalausza hlung seines Alterskapitals zwecks Auswanderung und Kaufs von Wohneigentum würden die Arg umente der PK klarerweise über- wiegen. Er habe den Kapitalbezug der PK acht Monate vor seiner geplanten Frühpensionierung schriftlich gemeldet und damit die fragliche Frist einge halten. Die Weigerung der PK, ihm sein Alterskapital auszubezahlen, sei deshalb rechtsmissbräuchlich. Die Beklagte lehnt das strittige Begehren mit der Begründung ab, der Kläger habe das Formular zur Ausübung der Kapitalopti- on verspätet eingereicht. 3.1 Nach Art. 37 Abs. 1 BVG werden die Leistungen der beruflichen Vorsorge in der Regel als Rente ausgerichtet. Der Versicherte kann verlangen, da ss ihm ein Viertel seines Altersgut- habens, das für die Berechnung der tatsächlich bezogene n Altersleistungen (Art. 13 und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 13a) massgebend ist, als einmalige Kapitalabfindun g ausgerichtet wird (Art. 37 Abs. 2 BVG). Darüber hinaus kann die Vorsorgeeinrichtung in ihrem Reglement vorsehen, dass die Anspruchsberechtigten eine Kapitalabfindung an Stelle einer Alters-, Hinterlassenen- oder Inva- lidenrente wählen können, und dass sie eine bestimmte Frist für die Geltendmachung der Kapi- talabfindung einhalten müssen (Art. 37 Abs. 4 BVG). D er Kläger weist in diesem Zusammen- hang zu Recht darauf hin, dass das Gesetz vor der ersten B VG-Revision noch vorgeschrieben hatte, dass die entsprechende Erklärung zum Kapitalbezug spätestens drei Jahre vor Entste- hung des Anspruchs hatte abgegeben werden müssen. Mit d er ersten BVG-Revision sollte die Möglichkeit einer Kapitalabfindung in der Höhe eines Viertels des BVG-Altersguthabens neu und zwingend allen Versicherten offenstehen, wobei es de r Gesetzgeber der einzelnen Vorsor- geeinrichtung überlassen wollte, eine allfällige Frist für deren Geltendmachung zu bestimmen (Botschaft vom 1. März 2000 zur Revision des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hin- terlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; 1. BVG-Revision], BBl 2000 2664 Ziff. 2.5, 2693; vgl. auch HANS-ULRICH STAUFFER, Berufliche Vorsorge, 2. Aufl. 2012, S. 286 f. Rz. 782-784). In diesem Zusammenhang hat das Bundesgericht präzisiert, da ss die Beachtung einer allfälligen, angemessenen Frist für die Geltendmachung der Kapitalo ption nicht nur mit Blick auf die Prak- tikabilität, sondern auch unter dem Aspekt der Antiselekt ion zum Schutze der Vorsorgeeinrich- tung sinnvoll sei (vgl. STAUFFER, a.a.O., S. 287 Rz. 78 2; ISABELLE VETTER-SCHREIBER, Kommentar zur berufliche Vorsorge, 3. Aufl., 2013, N. 6 zu Art. 37 BVG). Dadurch werde der Zweck von Art. 37 Abs. 2 BVG (Ermöglichung eines teilweisen Kapitalbezugs für alle Versicher- ten) nicht vereitelt (Urteil des Bundesgerichts 9C_86/2017 vom 18. Juli 2017, E. 3.3.2). 3.2 Gemäss Art. 40 Abs. 5 des in der ab 1. Januar 2015 g eltenden Fassung des Vorsorge- reglements der PK (Beilage 1 zur Klagantwort) kann d as Vorsorgekapital voll bezogen werden, falls die versicherte Person auf den Zeitpunkt ihrer Pensi onierung hin die Schweiz endgültig verlässt, oder wenn das Kapital zum Erwerb von Wohneig entum für den Eigenbedarf oder zur Amortisation von darauf lastenden Hypothekardarlehen ver wendet wird. Absatz 6 derselben Bestimmung sieht vor, dass der Kapitalbezug spätestens drei Monate vor der Pensionierung schriftlich mit dem Formular, das von der PK zur Verfügu ng gestellt wird, beantragt werden muss. Ab diesem Zeitpunkt ist der Antrag unwiderruflich . Diese reglementarischen Vorschriften der Beklagten stehen unzweifelhaft im Einklang mit der vorliegend anwendbaren Bestimmung von Art. 37 Abs. 4 BVG. Weiter ist unbestritten, dass de r Kläger seine Kapitaloption im vorlie- genden Fall bis spätestens Ende Januar 2017 hätte ausüb en müssen, um auf den Zeitpunkt seiner Frühpensionierung Ende April 2017 hin von einer Kapitalauszahlung profitieren zu kön- nen. 3.3 Der Kläger hatte die Kapitaloption ursprünglich m it der Begründung ausüben wollen, dass er ab 1. Mai 2017 in Spanien leben würde (Beilag e 3 zur Klagantwort). Wie es sich damit verhält, dass er die Schweiz entgegen seiner Ankündigun g indes nicht endgültig verlassen hat, sondern im Zeitpunkt der Einreichung seiner Klage noch i mmer Wohnsitz in der Schweiz hatte, kann an dieser Stelle letztlich offen bleiben. Zu prüf en ist, ob er die Kapitaloption fristgerecht ausgeübt hat. Er bringt in diesem Zusammenhang vor, das Antragsformular „Barauszahlung der Austrittsleistung“ am 31. Januar 2017 unterzeichnet zu hab en (Klagebegründung, S. 3, Ziffer 3.). Unterzeichnet ist allerdings nicht gleichzusetzen m it einer postalischen Aufgabe oder Ein- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht reichung bei der PK. Zumal die PK behauptet, das ausg efüllte Antragsformular erst am 7. Feb- ruar 2017 erhalten zu haben (Beilage 9 zur Klagantwor t), kann in diesem Zusammenhang auf den im Sozialversicherungsrecht allgemein gültigen Grund satz hingewiesen werden, wonach das Gericht eine Tatsache nur dann als bewiesen annehm en darf, wenn es von seinem Beste- hen überzeugt ist, bzw. das Gericht im Sozialversicherungsrecht, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, seinen Entscheid nach dem Beweisgra d der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen hat. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht (BGE 115 V 142 E. 8b mit Hinweisen). Hinsichtlich der Zustellung von Verfügungen, Mitteilungen und sonstigen Postsendun gen enthalten die Sozialversiche- rungsgesetze keine Bestimmungen. Gemäss bundesgerichtlich er Rechtsprechung und Lehre gilt eine nicht eingeschriebene Postsendung als gültig zugestellt, wenn sie der betroffenen Per- son in den Briefkasten oder in ihr Postfach gelegt wo rden ist. Bei Bestreitung des Datums der Zustellung oder der Zustellung überhaupt muss im Zweife l auf die Darstellung des Empfängers abgestellt werden (BGE 103 V 66 E. 2a). Die zustellende Partei trägt somit für die Tatsache und den Zeitpunkt der Zustellung den Zustellungsbeweis im Si nne einer objektiven Beweislast (ZAK 1992 S. 370). Sofern ihr dieser Beweis misslingt, muss der Entscheid zu ihren Ungunsten ausfallen (BGE 96 V 95). Wenn es wegen drohender Ver wirkung oder auch aus anderen Gründen auf den genauen Zustellungszeitpunkt ankommt, drängt sich deshalb die Zustellung mit eingeschriebener Sendung oder auf andere nachweisbare Art auf (BGE 103 V 63). 3.4 Weil der Versand gemäss der klägerischen Behauptung (Klagbegründung, Ziffer 11) mittels A-Post erfolgt ist, verfügt der Kläger vor diesem Hintergrund über keinen Beweis, dass die Übergabe an die Post tatsächlich am 31. Januar 201 7 stattgefunden hat. Er vermag dem- nach auch nicht rechtsgenügend zu belegen, dass er das fragliche Formulare tatsächlich noch innert Frist der PK zugestellt hat. Die zeitlichen Verh ältnisse lassen eine rechtzeitige Postauf- gabe ohnehin als unwahrscheinlich erscheinen. Zwischen de r behaupteten Postaufgabe am 31. Januar 2017 und der Zustellung an die Beklagte ist eine ganze Woche verstrichen, was an- gesichts der üblichen Beförderungszeiten für mittels A-Post im Inland versandte Briefe notorisch gegen die klägerische Darstellung spricht. Darüber weist die Beklagte zu Recht darauf hin, dass sich der Kläger in seiner Mail-Anfrage vom 6. Februar 2017 (Beilage 4 zur Klagantwort) lediglich nach dem Eingang der Pensionierungsmeldung seines Arbe itgebers, nicht aber nach dem Ein- gang des seiner Darstellung zufolge rund eine Woche zuvo r versandten, eigenen Antrags er- kundigt hat. Hätte er das Antragsformular tatsächlich bereits am 31. Januar 2017 bei der Post aufgegeben, so wäre es naheliegender gewesen, dass sich se ine Nachfrage vom 6. Februar 2017 auch auf die Rechtzeitigkeit des Eintreffens seine s Formulars betreffend die Kapitaloption bezogen hätte, da die Postaufgabe diesfalls quasi am letzten möglichen Tag vor Ablauf der dreimonatigen Frist bis zur gewünschten Pensionierung En de April 2017 von ihm äusserst eng terminiert gewesen wäre. Zumindest aber wäre mit Blick auf die Antwort der PK vom 6. Februar 2017 (Beilage 4 zur Klagantwort), wonach sein Formular nicht eingegangen sei, eine sofortige Reaktion unter Hinweis auf die bereits erfolgte Postauf gabe von ihm zu erwarten gewesen. Im Raum steht daher durchaus auch die Möglichkeit, dass dem K läger sein Versäumnis erst nach der abschlägigen Antwort der PK am 6. Februar 2017 be wusst geworden ist, und er das An- tragsformular mithin erst am 6. Februar 2017 der Post aufgegeben haben könnte. So oder an- ders ist eine Rechtzeitigkeit der Ausübung der Kapitalo ption bei beiden Varianten nicht ausge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiesen. Ohnehin ist zu berücksichtigen, dass der Kläger in seiner nachfolgenden Korrespon- denz an die PK vom 5. April 2017 eingestanden hat, die fragliche Frist nicht eingehalten zu ha- ben (Beilage 10 zur Klagantwort, S. 2). Insofern verma g auch nicht zu überzeugen, wenn er zugleich behauptet, von der PK nie darauf hingewiesen worden zu sein, dass sein Antrag spä- testens drei Monate vor seiner Pensionierung bei der P K eintreffen müsse (Beilage 10 zur Klagantwort, S. 1). Das Gegenteil ist der Fall: Die PK hatte dem Kläger nachweisbar bereits am 2. September 2016 mitgeteilt, dass das ausgefüllte und unterzeichnete Formular drei Monate vor dem Pensionierungszeitpunkt benötigt werde (Beilage 3 zur Klagantwort). Als Zwischener- gebnis ist demnach festzustellen, dass der Kläger seine K apitaloption nicht innerhalb der reg- lementarisch vorgeschriebenen Frist eingereicht hat. 4.1 Nicht gefolgt kann dem Kläger, soweit er der PK ein treuwidriges Verhalten und einen überspitzten Formalismus vorwirft, weil er ihr seinen Wu nsch nach einer Kapitalauszahlung be- reits im Jahr 2016 mitgeteilt habe. Die Regelung in A rt. 40 Abs. 5 des Vorsorgereglements der PK, wonach die Mitteilung des Kapitalbezugs spätesten s drei Monate vor der Pensionierung beantragt werden muss, kann von einer vernünftigen Pers on in guten Treuen nur dahingehend verstanden werden, dass der Bezugswille des Versicherten kla rerweise noch vor Ablauf dieser Frist mitzuteilen ist. Dem Gesagten zufolge war dies hie r aber nicht der Fall. Die PK hat zwar davon gewusst, dass sich der Kläger bereits früh vor seiner Pensionierung über eine Kapital- auszahlung Gedanken gemacht und dazu auch entsprechende Auskünfte bei ihr eingeholt hat (Beilage 2 f. der Klagantwort). Vor der Einreichung des entsprechenden Antrags mittels Formu- lars hatte sich der Versicherte im Vorfeld aber nie verbi ndlich für eine Kapitaloption ausgespro- chen. Nachdem ihm anlässlich des Beratungsgesprächs vom 18. April 2016 das entsprechende Formular abgegeben worden war, hat der Kläger am 1. September 2016 per Mail lediglich mit- geteilt, er „plane“ nach Spanien auszuwandern. Weiter hat er wiederholt und nur generell nach- gefragt, wie er vorgehen müsse, damit ihm das Kapital ausbezahlt würde (Beilage 3 zur Klagantwort). In der Antwort der PK vom 2. September 2016 wurde er sodann nochmals da- raufhin hingewiesen, dass das ausgefüllte und von ihm u nterzeichnete Formular drei Monate vor dem Pensionierungszeitpunkt benötigt würde. Auf ei ne weitere Nachfrage vom 2. Septem- ber 2016, ob er sein Kapital bei einer Ausreise ins Au sland in bar beziehen könne (a.a.O.), hat ihm die PK mitgeteilt, dass dies als Auszahlungsgrund au f dem Antrag zum Kapitalbezug bei Pensionierung entsprechend aufgeführt sei. Gemäss diesen i m Vorfeld nur unverbindlichen Diskussionen zwischen den Parteien lag klarerweise noch kein e eindeutige und unwiderrufliche Ausübung der Kapitaloption vor. Damit aber kann im V erhalten der PK auch kein treuwidriges Verhalten erkannt werden. 4.2 Art. 40 Abs. 6 des massgebenden Vorsorgereglements d er PK bestimmt, dass der Kapi- talbezug mit dem von der PK zur Verfügung gestellten Formular spätestens drei Monate vor der Pensionierung schriftlich beantragt werden muss. Diese M itteilung ist unwiderruflich. Für eine Kapitalauszahlung ist die entsprechende Regelung kein Ordnungs-, sondern ein Gültigkeitser- fordernis. Entgegen der Auffassung des Klägers ist dabei insbesondere auch das Schriftlich- keitserfordernis keine unangebrachte Formstrenge, noch stellt dieses einen überspitzten For- malismus im Sinne von Art. 29 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung (BV) vom 18. April 1999 dar (BGE 142 V 152 E. 4.2). Wie beisp ielsweise auch im Zusammenhang mit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Nachweis einer qualifizierten Lebensgemeinschaft (Ar t. 59 Abs. 1 lit. d des Vorsorgereg- lements der PK) drängen sich im vorliegenden Fall eines Kapitalbezugs formelle Zusatzerfor- dernisse wie eine fristgerechte und schriftliche Erklärung geradezu auf. Hier wie dort erhöht das Wissen des Leistungsansprechers um die erforderlichen for mellen Vorgaben die Rechtssicher- heit erheblich. Von einem dadurch bewirkten rigorosen Formalismus kann daher nicht die Rede sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_196/2018 vom 20. Jul i 2018, E. 2.4). Dies gilt umso mehr, weil die bindende Wirkung eines schriftlichen Antrags in casu durch die damit verbundene Rechtsfolge der Unwiderruflichkeit unterstrichen wird (Art. 40 Abs. 6 des Vorsorgereglements der PK). Andere Willensäusserungen – sei es im vorlieg enden Fall im Rahmen des Beratungs- gesprächs vom 18. April 2016 (Beilage 2 zur Klagantwort ) oder im Rahmen des darauffolgen- den Mailverkehrs zwischen den Parteien – sind damit zwangsl äufig unverbindlich. Bei einer versicherten Person, die ihren Kapitalbezug gestützt auf eine formlose und damit jederzeit wi- derrufbare Willenserklärung erwirken könnte, würde ande rnfalls eine Besserstellung gegenüber jenen Versicherten erfolgen, welche ihre schriftliche Mit teilung frist- und formgerecht vorge- nommen haben und im Falle einer späteren Änderung ihres Willens bei ihrer Erklärung behaftet würden. Eine solche Ungleichbehandlung aber wäre unsta tthaft. Zumal die PK die Frist zur Ausübung der Kapitaloption in ihrem Vorsorgeregleme nt mit drei Monaten verhältnismässig kurz angesetzt hat, führen weder die vorliegend vorgeschr iebene Formularpflicht noch die Schriftlichkeit zu einer unangemessenen Erschwerung der Geltendmachung von Leistungsan- sprüchen. Ein legitimes Interesse der PK, von den Versich erten spätestens drei Monate vor ihrer Pensionierung eine verbindliche Erklärung zu erha lten, ob sie sich für den Renten- oder allenfalls für einen Kapitalbezug entschieden haben, ist jedenfalls zu bejahen. Ausserdem er- fordert die rechtzeitige Abwicklung der Leistungsansprü che auch eine angemessene Bearbei- tungszeit, die mit drei Monaten wie soeben erwähnt nur kurz bemessen ist. Wie die PK sodann zu Recht einräumt, dient das Erfordernis einer eindeut igen Willenserklärung letztlich auch dem Schutz der Versicherten, die sich über die Tragweite ihrer Entscheidung im Klaren sein müssen. Schliesslich handelt es sich bei einer fristgerechten Formu larabgabepflicht und der damit ver- bundenen Schriftlichkeit weder um eine unklare noch um eine ungewöhnliche Regelung (Urteil des Bundesgerichts 9C_85/2017 vom 24. Mai 2017, E. 5.2. 2). Die fraglichen Vorgaben der PK stellen deshalb kein ungebührliches Hindernis für die allfällige Bekanntgabe der Kapitaloption dar. Gerade im vorliegenden Fall, in dem der Kläger schon weit im Voraus mit den Modalitäten seiner vorzeitigen Pensionierung befasst war, wäre es ihm ohne Weiteres zumutbar gewesen, die Kapitaloption form- und fristgerecht auszuüben. Dies aber hat er unterlassen. 4.3 Entgegen der Ansicht des Klägers besteht grundsätzlic h auch kein Spielraum bei der Frage, ob eine fristgebundene Willenserklärung rechtze itig erfolgt ist. Es ist daher auch uner- heblich, ob die Frist nur knapp oder deutlich verpasst wo rden ist. Eine Ausnahme käme allen- falls nur dann in Frage, wenn die leistungsansprechende Person durch unverschuldetes Verhal- ten, wie beispielsweise eine schwere Erkrankung von einem rechtzeitigen Handeln abgehalten worden wäre. Ein solcher Umstand wird vom Kläger wede r geltend gemacht, noch bestehen hierfür allfällige Anhaltspunkte in den Akten. Daran ve rmag auch nichts zu ändern, dass die PK bereits vor Fristablauf von den klägerischen Absichten bezüg lich Kapitaloption gewusst hat (oben, E. 4.1). Zusammenfassend ergibt sich, dass der Kl äger seine Kapitaloption nicht recht- zeitig ausgeübt hat. Damit muss auch nicht geprüft wer den, ob die weiteren Voraussetzungen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht für eine Auszahlung seiner Pensionskassengelder, wie ins besondere ein endgültiger Wegzug ins Ausland (oben, E. 3.3), überhaupt vorliegen. Die Klage ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. 5. Gestützt auf Art. 73 Abs. 2 BVG sind für das vorlieg ende Verfahren keine or- dentlichen Kosten zu erheben. Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.