<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen umfassenden Bericht über das in der Schweiz in unterschiedlichsten Bereichen erbrachte freiwillige und ehrenamtliche Engagement zu unterbreiten, der auch eine Klärung der Begriffe enthält und Massnahmen aufzeigt, mit denen diesem Engagement zu dem ihm gebührenden Stellenwert in der Gesellschaft verholfen werden kann.</p><p>Unter anderem sind folgende Fragen zu beantworten:</p><p>- Was ist der Umfang dieses Engagements im formellen und informellen Sektor?</p><p>- Welche Art von freiwilligem Engagement wird bereits heute vom Bund gefördert?</p><p>- Welche Art von freiwilligem Engagement wird im Rahmen der Bundesverwaltung zu welchen Bedingungen erbracht und ermöglicht?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich des Stellenwertes der ehrenamtlichen und freiwilligen unbezahlten Leistungen für die Gesellschaft bewusst. Der gesellschaftliche und ökonomische Wert dieser unbezahlten Arbeiten ist gross, sowohl für die Nutzniessenden als auch für die Ausführenden. Das Bundesamt für Statistik (BFS) schätzt den Geldwert dieser unbezahlten Tätigkeiten für das Jahr 1997 auf 19,4 Milliarden Franken.</p><p>Die Datenbasis für diese Berechnungen bildet ein Spezialmodul zum Thema "Unbezahlte Arbeit", welches in eine Umfrage von 1997 des BFS bei einer Stichprobe von Arbeitskräften in der Schweiz, der so genannten Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung, eingebaut wurde; diese Umfrage wird alle drei Jahre wiederholt. Im Rahmen dieses Frageblocks wurden Daten zu ehrenamtlichen und freiwilligen sowie zu informellen unbezahlten Tätigkeiten erhoben. Angesichts der Tatsache, dass drei Viertel der geleisteten unbezahlten Arbeiten die Haus- und Familienarbeit ausmacht, konnten nur die nötigsten Angaben zu ehrenamtlichen und freiwilligen sowie informellen unbezahlten Tätigkeiten erhoben werden. Es steht somit eine regelmässige Informationsgrundlage zur Verfügung, mit der der Umfang des Engagements in der Freiwilligenarbeit hochgerechnet werden kann. Diese als minimal zu bezeichnenden Informationen genügen jedoch nicht, um die Freiwilligenarbeit im formellen und informellen Sektor vertieft und umfassend beschreiben und analysieren zu können, wie dies in der Motion verlangt wird.</p><p>Das BFS hat zu dieser Thematik 1999 zwei Publikationen veröffentlicht ("Unbezahlt - aber trotzdem Arbeit. Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit, Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und Nachbarschaftshilfe", BFS, Neuchâtel 1999 und "Monetäre Bewertung der unbezahlten Arbeit. Eine empirische Analyse für die Schweiz anhand der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung", BFS, Neuchâtel 1999). Es ist vorgesehen, diese Informationen alle drei Jahre zu publizieren. Zudem können voraussichtlich Ende 2002 Ergebnisse der Volkszählung 2000 veröffentlicht werden, in der erstmals eine Frage nach dem Umfang der Hausarbeit und den freiwilligen Tätigkeiten gestellt wird. Diese Resultate werden u. a. dazu dienen, den Geldwert der Freiwilligenarbeit auf der Grundlage einer Vollerhebung zu berechnen.</p><p>Allerdings sind bei der Freiwilligenarbeit weitere Aspekte zu berücksichtigen. Von grosser Bedeutung sind insbesondere die indirekten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Zu denken ist beispielsweise an indirekte Effekte auf die Schwarzarbeit, die Erwerbsquote, das Bildungswesen, die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern oder auf die Arbeitszeit. Über die quantitativen Auswirkungen dieser indirekten Effekte ist noch wenig bekannt, weshalb der Bundesrat einen Bericht mit einer solchen erweiterten Thematik begrüssen würde.</p><p>Der Bericht könnte zudem auch zeigen, wie im Rahmen des Personalrechtes des Bundes dem Bundespersonal bereits heute Freiwilligenarbeit ermöglicht wird, so z. B. im Zusammenhang mit der Urlaubsregelung bei der Ausübung eines öffentlichen Amtes, bei internationalen Einsätzen des Schweizerischen Katastrophenhilfekorps oder bei friedenserhaltenden Aktionen usw.</p><p>Die Zentralstelle für Familienfragen im Bundesamt für Sozialversicherung unterstützt eine Reihe von Dachverbänden, die im Bereich der Familienpolitik aktiv sind. In diesen Organisationen wird ein überwiegender Teil der Arbeit ehrenamtlich geleistet. Angesichts der lokalen und kantonalen Verankerung der Dachverbände ist jedoch eine Erfassung der ehrenamtlichen Arbeit mit unverhältnismässigem Aufwand verbunden.</p><p>Mit der 10. AHV-Revision wurde die Betreuungsgutschrift eingeführt und damit die Wichtigkeit der Betreuungsarbeit für pflegebedürftige Verwandte in der Familie anerkannt. Zudem fördern AHV und IV bereits seit Jahren in beträchtlichem Ausmass die Alters- und die Invalidenhilfe. Diverse unterstützte Organisationen, die in diesen Bereichen tätig sind (Selbsthilfeorganisationen, Schweizerisches Roten Kreuz, Pro Senectute usw.), haben u. a. zum Ziel, Freiwilligenarbeit zu ermöglichen. Da aber die freiwillige Arbeit auf lokaler Ebene und somit sehr dezentral erfolgt, würde eine Erfassung vom Bund her einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern.</p><p>Die Erarbeitung eines umfassenden Berichtes, in dem die Thematik der Freiwilligenarbeit systematisch und kohärent behandelt und die in der Motion aufgeworfenen Fragen vertieft beantwortet würden, wäre mit einigem Aufwand verbunden, da in den Informationsgrundlagen noch etliche Lücken bestehen. Diese Ressourcen stehen der Bundesverwaltung in dieser Legislaturperiode grundsätzlich nicht zur Verfügung. Der Bundesrat ist jedoch bereit zu prüfen, ob und wie mit den vorhandenen Ressourcen und den bestehenden, allerdings lückenhaften Informationen ein aussagekräftiger Bericht erstellt werden könnte.</p>  Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.