<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 128 S.597</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Tierschutz</span> <span class="page_no">597</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>V. Tierschutz</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>128 Anpassung der Spaltenböden im Mastschweinestall.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Bei Mastschweinen von mehr als 50 kg Gewicht gilt eine Spal-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tenweite von maximal 18 mm als "angepasst" im Sinne von</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Art. 13 Abs. 2 TSchV. Dabei wird nicht unterschieden, ob ein</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Spaltenboden in einer Teil- oder Vollspaltenbucht eingebaut ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Bei der Sanierung der Spaltenböden handelt es sich um eine</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zwingende Anpassung bzw. Investition. Den in Frage stehen-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den tierschützerischen Interessen an einer artgerechten Hal-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tung (Art. 1-7 TSchV) kommt erhebliches Gewicht zu (Erw. 2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Regierungsrates vom 28. Februar 2001 in Sachen F.V. gegen</span><br/> <span class="ft5">Finanzdepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">1. a) Die von der Abteilung Landwirtschaft beanstandeten</span><br/> <span class="ft7">Spaltenböden befinden sich in einem Mastschweinestall, welcher</span><br/> <span class="ft7">gemäss eigenen Angaben von F.V. (nachfolgend: Beschwerdeführer)</span><br/> <span class="ft7">heute rund 30 Jahre alt ist. Es handelt sich hierbei um sog. Teilspal-</span><br/> <span class="ft7">tenböden, d.h., nur im Kotbereich sind Balken verlegt; diese weisen</span><br/> <span class="ft7">einen Abstand von mehr als 20 mm voneinander auf.</span><br/> <span class="ft7">b) Gemäss Art. 3 Abs. 2 des Tierschutzgesetzes (TSchG) vom 9.</span><br/> <span class="ft7">März 1978 darf die für ein Tier notwendige Bewegungsfreiheit nicht</span><br/> <span class="ft7">dauernd oder unnötig eingeschränkt werden, wenn damit für das Tier</span><br/> <span class="ft7">Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind. Diese gesetzliche</span><br/> <span class="ft7">Bestimmung wird u.a. in Art. 5 Abs. 3 der Tierschutzverordnung</span><br/> <span class="ft7">(TSchV) vom 27. Mai 1981, der sich im 1. Kapitel "Allgemeine</span><br/> <span class="ft7">Tierhaltungsvorschriften" befindet, wie folgt konkretisiert: Gehege,</span><br/> <span class="ft7">in denen sich Tiere dauernd oder überwiegend aufhalten, müssen so</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">598</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">gross und so gestaltet sein, dass die Tiere sich artgemäss bewegen</span><br/> <span class="ft7">können. Die Gehege und deren Böden müssen so beschaffen sein,</span><br/> <span class="ft7">dass die Gesundheit der Tiere nicht beeinträchtigt wird. Für</span><br/> <span class="ft7">Stallböden im Speziellen bestimmt Art. 13 Abs. 1 TSchV, dass diese</span><br/> <span class="ft7">leicht gleitsicher und trocken zu halten sind. Sie müssen im Liegebe-</span><br/> <span class="ft7">reich dem Wärmebedürfnis der Tiere genügen. Nach Absatz 2 der-</span><br/> <span class="ft7">selben Bestimmung müssen Spalten-, Loch- und Gitterböden der</span><br/> <span class="ft7">Grösse und dem Gewicht der Tiere angepasst sein. Spaltenböden</span><br/> <span class="ft7">müssen plan und die einzelnen Balken unverschiebbar verlegt sein.</span><br/> <span class="ft7">Sinn und Zweck von Art. 13 TSchV ist es, Verletzungen der Tiere zu</span><br/> <span class="ft7">verhindern. So können durch das Ausrutschen der Tiere auf nicht</span><br/> <span class="ft7">gleitsicheren oder nicht plan verlegten Böden schlimme Verletzun-</span><br/> <span class="ft7">gen (Brüche, Prellungen etc.) an den Beinen oder anderen Körper-</span><br/> <span class="ft7">teilen entstehen; weiter können die Schweine mit ihren Klauen bei zu</span><br/> <span class="ft7">weiten Spalten zwischen die Balken des Bodens geraten und sich so</span><br/> <span class="ft7">bzw. an nicht abgeschliffenen Kanten Verletzungen zufügen. Den</span><br/> <span class="ft7">vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) am 26. Februar 1998</span><br/> <span class="ft7">erlassenen Richtlinien für die Haltung von Schweinen ist zu entneh-</span><br/> <span class="ft7">men, dass bei Mastschweinen von mehr als 50 kg Gewicht eine</span><br/> <span class="ft7">Spaltenweite von maximal 18 mm als "angepasst" im vorgenannten</span><br/> <span class="ft7">Sinne gilt (vgl. Ziffer 4.2). Dabei wird nicht unterschieden, ob ein</span><br/> <span class="ft7">Spaltenboden in einer Teil- oder Vollspaltenbucht eingebaut ist (vgl.</span><br/> <span class="ft7">auch Stellungnahme der Fachstelle Tierschutz ..., Schreiben des</span><br/> <span class="ft7">BVET ...).</span><br/> <span class="ft7">Gestützt auf diese Bestimmungen ist festzuhalten, dass die</span><br/> <span class="ft7">strittigen Bodenspalten im Mastschweinestall des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft7">grundsätzlich auf eine Weite von maximal 18 mm anzupassen sind.</span><br/> <span class="ft7">2. a) Der Beschwerdeführer weist darauf hin, er arbeite seit 30</span><br/> <span class="ft7">Jahren im beanstandeten Stall und habe nie Bein- oder Klauenschä-</span><br/> <span class="ft7">den festgestellt; der Spaltenbereich von rund 2.4 m</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span> <span class="ft7">pro Bucht von</span><br/> <span class="ft7">total etwa 11.4 m</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span> <span class="ft7">für ungefähr 11 Schweine werde von den Tieren</span><br/> <span class="ft7">überhaupt sehr wenig begangen. Bei einer Anpassung der Spalten-</span><br/> <span class="ft7">weiten würde der dortige Boden infolge des Kots glitschig und Ver-</span><br/> <span class="ft7">letzungen von Mensch und Tier seien vorprogrammiert; da der</span><br/> <span class="ft7">Mistplatz zu klein sei, um den Kot herunterzutreten, benötige er für</span><br/> <span class="ft7">die Beseitigung des Mistes enorm viel Wasser. Die Luft im Stall</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Tierschutz</span> <span class="page_no">599</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">werde infolge des erhöhten Ammoniakgehalts schlechter, was zu</span><br/> <span class="ft7">Geruchsbelästigungen, aber auch zu einem höheren Futterverbrauch</span><br/> <span class="ft7">und damit verbunden zu einer Lohneinbusse führe. Er habe zudem</span><br/> <span class="ft7">die Sorge, alsdann in den Schlachthof keine sauberen Tiere mehr</span><br/> <span class="ft7">liefern zu können. Im Übrigen hätten verschiedene fachkundige Per-</span><br/> <span class="ft7">sonen diesen Stall als "sehr gut" bezeichnet.</span><br/> <span class="ft7">b) aa) Diese Einwendungen vermögen dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">indes nichts zu nützen: Vorweg ist nachdrücklich darauf hinzuwei-</span><br/> <span class="ft7">sen, dass es sich bei der Sanierung der Spaltenböden um eine zwin-</span><br/> <span class="ft7">gende Anpassung bzw. Investition handelt. Den in Frage stehenden</span><br/> <span class="ft7">tierschützerischen Interessen an einer artgerechten Haltung (Art. 1-7</span><br/> <span class="ft7">TSchV) kommt erhebliches Gewicht zu. Die Tierschutzgesetzgebung</span><br/> <span class="ft7">hat dem Schutz der Tiere um ihrer selbst Willen zu dienen. Durch die</span><br/> <span class="ft7">in der Tierschutzgesetzgebung verbrieften Minimalstandards soll</span><br/> <span class="ft7">dementsprechend den Interessen der Tiere nach artgerechter</span><br/> <span class="ft7">Bewegung, Ernährung und Pflege Nachachtung verschafft werden</span><br/> <span class="ft7">(vgl. RRB Nr. ...). Die in den oben genannten Richtlinien des BVET</span><br/> <span class="ft7">festgelegte Spaltenweite von maximal 18 mm für Mastschweine von</span><br/> <span class="ft7">mehr als 50 kg basiert auf einer Interessenabwägung bzw. Wertung</span><br/> <span class="ft7">im Rahmen der dem BVET zustehenden Oberaufsicht über den Voll-</span><br/> <span class="ft7">zug des Tierschutzgesetzes (vgl. Art. 35 TSchG). Diese Interessen-</span><br/> <span class="ft7">abwägung beruht u.a. auch auf Untersuchungs- und Forschungser-</span><br/> <span class="ft7">gebnissen und berücksichtigt einerseits die Interessen des Tierschut-</span><br/> <span class="ft7">zes, den Tieren ein art- und verhaltensgerechtes Leben zu ermögli-</span><br/> <span class="ft7">chen, andererseits aber auch die Interessen an einer möglichst ratio-</span><br/> <span class="ft7">nellen Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere. Es muss daher davon</span><br/> <span class="ft7">ausgegangen werden, dass Spaltenböden, welche diese Masse nicht</span><br/> <span class="ft7">erfüllen, einer tiergerechten Haltung diametral entgegenstehen; dass</span><br/> <span class="ft7">das BVET in seinem Schreiben vom (...) lediglich auf das <i>besondere</i></span><br/> <span class="ft7">Verletzungsrisiko von frisch eingestallten Masttieren von rund 25 kg</span><br/> <span class="ft7">hinweist, der Beschwerdeführer aber erst für Tiere ab 50 kg die</span><br/> <span class="ft7">Spaltenweite bei mehr als 18 mm belassen will, läuft dem nicht zu-</span><br/> <span class="ft7">wider. Ein Abweichen von den in den Richtlinien vorgesehenen</span><br/> <span class="ft7">Weiten kann somit grundsätzlich nicht über einen längeren Zeitraum</span><br/> <span class="ft7">hin toleriert werden (vgl. RRB Nr. ...). Auf die Meinung verschiede-</span><br/> <span class="ft7">ner Personen, die vom Beschwerdeführer als fachkundig bezeichnet</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">600</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">werden und die den bestehenden Stall offenbar als "sehr gut" befun-</span><br/> <span class="ft7">den haben, kann es hierbei nicht ankommen.</span><br/> <span class="ft7">bb) Auch die vom Beschwerdeführer vorgebrachten wirtschaft-</span><br/> <span class="ft7">lichen Interessen (Lohneinbusse, hoher Wasserverbrauch, schwieri-</span><br/> <span class="ft7">gerer Verkauf der Tiere) vermögen einen Verzicht auf die Anpassung</span><br/> <span class="ft7">der Spaltenböden nicht zu rechtfertigen. Es kann nämlich nicht ange-</span><br/> <span class="ft7">hen, mit rein finanziellen Erwägungen die Durchsetzung zumindest</span><br/> <span class="ft7">der wichtigsten Grundsätze der art- und verhaltensgerechten Tier-</span><br/> <span class="ft7">haltung zu verhindern. Es ist denn auch offensichtlich, dass an-</span><br/> <span class="ft7">sonsten im Bereich der Nutztierhaltung der Tierschutz Gefahr liefe,</span><br/> <span class="ft7">toter Buchstabe zu bleiben; aus rein finanziellen Überlegungen liesse</span><br/> <span class="ft7">sich letztlich jede den Betrieb verteuernde Massnahme verhindern</span><br/> <span class="ft7">(vgl. Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE]</span><br/> <span class="ft7">1987 S. 311). In diesem Zusammenhang bleibt zu beachten, dass die</span><br/> <span class="ft7">Fachstelle Tierschutz in ihrer Stellungnahme vom (...) die Kosten für</span><br/> <span class="ft7">die Anpassung der Spaltenweiten in den 14 Buchten mit Tieren von</span><br/> <span class="ft7">mehr als 50 kg Gewicht auf insgesamt lediglich rund Fr. 4'000.--</span><br/> <span class="ft7">veranschlagt. Sollten sich aufgrund der Anpassungen tatsächlich</span><br/> <span class="ft7">lufthygienische Probleme ergeben, schätzt die Kantonstierärztin die</span><br/> <span class="ft7">Kosten für ein neues Lüftungssystem zusätzlich auf etwa Fr. 500.--</span><br/> <span class="ft7">bis Fr. 1'500.--; der Beschwerdeführer teilte mit Schreiben (...) aber</span><br/> <span class="ft7">ohnehin mit, das Lüftungssystem funktioniere bestens. Im Übrigen</span><br/> <span class="ft7">sollte es dem Beschwerdeführer zumutbar sein, die Tiere vor der</span><br/> <span class="ft7">Auslieferung in den Schlachthof nötigenfalls zu reinigen; sowieso ist</span><br/> <span class="ft7">der Beschwerdeführer verpflichtet, die gesetzlichen Bestimmungen</span><br/> <span class="ft7">über die Pflege der Tiere, mithin der Hygiene, einzuhalten (vgl. etwa</span><br/> <span class="ft7">Art. 3 TSchG, Art. 1 Abs. 2 TSchV).</span><br/> <span class="ft7">3. a) In Anbetracht des hohen Stellenwertes gesetzeskonformer</span><br/> <span class="ft7">Stalleinrichtungen ist zu fordern, die Spaltenböden baldmöglichst</span><br/> <span class="ft7">anzupassen. In diesem Zusammenhang ist denn der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft7">rer auch darauf hinzuweisen, dass er bereits seit nunmehr rund</span><br/> <span class="ft7">14 Jahren verpflichtet gewesen wäre, diese anzupassen. Der zwi-</span><br/> <span class="ft7">schenzeitlich aufgehobene Art. 73 Abs. 1 lit. b Ziffer 2 TSchV sah</span><br/> <span class="ft7">nämlich hinsichtlich der oben genannten Bestimmung von Art. 13</span><br/> <span class="ft7">TSchV (Gestaltung der Stallböden) für am 1. Juli 1981 bestehende</span><br/> <span class="ft7">Tierhaltungen eine Übergangsfrist bis Ende 1986 vor. Die im Bereich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Tierschutz</span> <span class="page_no">601</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">der Stallböden gestützt auf Art. 13 TSchV ergangenen Richtlinien</span><br/> <span class="ft7">des BVET haben im Übrigen für Schweine mit dem genannten Ge-</span><br/> <span class="ft7">wicht stets eine Spaltenweite von maximal 18 mm gefordert (vgl.</span><br/> <span class="ft7">Richtlinien des BVET vom 18. April 1986 und 17. September 1990,</span><br/> <span class="ft7">je Ziffer 4.2). Die Spaltenböden hätten daher unlängst umgehend</span><br/> <span class="ft7">angepasst werden müssen. Mithin konnte der Beschwerdeführer also</span><br/> <span class="ft7">bereits jahrelang von einer nicht gesetzeskonformen Tierhaltung</span><br/> <span class="ft7">profitieren. Ein weiterer Verzicht auf eine Anpassung der Spaltenbö-</span><br/> <span class="ft7">den erscheint daher nicht tragbar.</span><br/> <span class="ft7">b) Der Regierungsrat kommt somit zum Schluss, dass die öf-</span><br/> <span class="ft7">fentlichen Interessen an einer artgerechten Tierhaltung die privaten</span><br/> <span class="ft7">Interessen des Beschwerdeführers an einem Verzicht auf die Anpas-</span><br/> <span class="ft7">sung der Spaltenböden im Mastschweinestall überwiegen. Die Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerde ist daher vollumfänglich abzuweisen. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>