A bteilung III C -21/2006 {T 0/2} U rteil vom 8. Juni 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler (Vorsitz); R ichterin Avenati-C arpani; R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); G erichtsschreiber Segessenm ann. P._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Einreisesperre (W iedererw ägungsgesuch). B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer ist kroatischer Staatsangehöriger und w urde m it U r- teil des Landgerichts Baden-Baden vom 19. Juni 1996 w egen versuchten Totschlags in Tateinheit m it vorsätzlichem unerlaubtem Erw erb und Führen einer halbautom atischen Selbstladekurzw affe sow ie vorsätzlicher uner- laubter Ausübung der tatsächlichen G ew alt über eine halbautom atische Selbstladekurzw affe unter Berücksichtigung m ehrerer früherer Strafurteile - unter anderem w egen gem einschaftlichen schw eren Bandendiebstahls - zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren und 6 M onaten verurteilt. B. N ach der Entlassung aus dem Strafvollzug ersuchte die dam als in der Schw eiz lebende Ehefrau, eine italienische Staatsangehörige, am 22. N o- vem ber 2002 bei den Einw ohnerdiensten des Kantons Basel-Stadt um Er- teilung einer Aufenthaltsbew illigung zu G unsten des Beschw erdeführers. D as entsprechende G esuch w urde am 27. Februar 2003 abgelehnt. D er gegen diese Verfügung erhobene R ekurs w urde m it Entscheid des Polizei- und M ilitärdepartem ents des Kantons Basel-Stadt vom 2. Juli 2003 eben- falls abgew iesen. C . Am 15. Juli 2003 verhängte die Vorinstanz auf Antrag des Kantons Basel- Stadt gegen den Beschw erdeführer eine zehnjährige Einreisesperre, w eil sein Verhalten zu Klagen Anlass gegeben habe (gerichtliche Verurteilun- gen im Ausland). D . Am 22. Septem ber 2003 erhob der Beschw erdeführer dagegen beim Eid- genössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) Beschw erde und be- antragte die Aufhebung der Verfügung. E. M it Schreiben vom 11. D ezem ber 2003 zog der Beschw erdeführer seine Beschw erde indessen zurück, w oraufhin das Verfahren am 16. D ezem ber 2003 als gegenstandslos gew orden abgeschrieben w urde. F. Am 25. August 2004 w andte sich der Beschw erdeführer an die Vorinstanz und ersuchte erneut um Aufhebung der gegen ihn verhängten Einreise- sperre. Er habe seine Strafe verbüsst und das gegen ihn von deutschen Behörden verhängte "Schengen-Verbot" sei schon ca. im Juni 2003 aufge- hoben w orden. Vor knapp zw ei M onaten sei er Vater gew orden und lebe seit seiner Ausreise aus der Schw eiz Ende O ktober 2003 m it seiner Frau und seiner Tochter in St. Louis (Frankreich). Seine Frau arbeite in Basel und sein Kind w erde in näherer Zukunft eventuell nach Basel gehen w ollen oder m üssen. W enn seiner Frau beispielsw eise etw as zustossen sollte, dann w üsste er nicht, w ie er ihr helfen könnte, da er nicht in die Schw eiz einreisen dürfe. Ausserdem w ünsche er sich, selber w ieder einm al nach Basel gehen zu können. Im W eiteren m üsse er einen sehr grossen U m w eg in Kauf nehm en, w enn er in sein H eim atland oder in dasjenige seiner Ehe- frau fahren w olle. Schliesslich seien zw ischen der Einreichung des G e- suchs um Fam iliennachzug bis zur Anordnung der Fernhaltem assnahm e rund acht M onate verstrichen und er habe erst bei seiner Ankunft am Flug- hafen am 21. August 2003 von der gegen ihn verfügten Einreisesperre er-3 fahren bzw . seine dam alige R echtsvertretung habe die Verfügung erst am 17. Septem ber 2003 erhalten. Es sei daher offensichtlich, dass m an ihn habe reinlegen w ollen. G . M it Verfügung vom 22. O ktober 2004 w ies die Vorinstanz das G esuch um (w iedererw ägungsw eise) Aufhebung der Einreisesperre ab, w eil sich die Sach- und R echtslage seit Erlass der Fernhaltem assnahm e nicht w esent- lich verändert habe. D er Vorw urf, von den Behörden reingelegt w orden zu sein, ziele im Ü brigen offensichtlich ins Leere. D ie Einreisesperre habe selbstredend erst nach Abschluss des kantonalen Aufenthaltsverfahrens verhängt w erden können. Zudem sei die Verfügung dem dam aligen R echtsvertreter um gehend zugestellt w orden, als dieser das Vertretungs- verhältnis gegenüber dem BFM angezeigt habe. H . G egen diese Verfügung erhob der Beschw erdeführer am 18. N ovem ber 2004 Beschw erde beim EJPD . D arin beantragt er sinngem äss die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung sow ie der gegen ihn verhängten Ein- reisesperre. D er Eingabe legte er eine Kopie seiner französischen Aufent- haltsbew illigung bei. I. In der Vernehm lassung vom 20. Januar 2005 beantragt die Vorinstanz die Abw eisung der Beschw erde. J. M it R eplik vom 14. M ärz 2005 hält der Beschw erdeführer sinngem äss an seinen Anträgen und der Beschw erdebegründung fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht, unter Vorbe- halt der in Art. 32 VG G genannten Ausnahm en, Beschw erden gegen Ver- fügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), w elche von einer in Art. 33 VG G aufgeführten Behörde erlassen w urden. D arunter fallen gem äss Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer (AN AG , SR 142.20) die Verfügungen des BFM , die sich auf Art. 13 Abs. 1 AN AG stüt- zen. W iedererw ägungsentscheide unterliegen grundsätzlich den gleichen R echtsm itteln w ie die ursprüngliche Verfügung (Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 67.109 E. 1d m it H inw eis). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der am 1. Januar 2007 bei den Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erdediensten der D eparte- m ente hängigen R echtsm ittel und w endet das neue Verfahrensrecht an (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Vw VG , sow eit das G esetz nichts anderes bestim m t. 1.3 D er Beschw erdeführer ist als Adressat durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an deren Aufhebung (Art. 48 4 Abs. 1 Vw VG ). Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist som it einzu- treten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. D as W iedererw ägungsgesuch ist der form lose R echtsbehelf, m it w elchem eine betroffene Person die erstinstanzliche Verw altungsbehörde darum er- sucht, auf eine form ell rechtskräftige Verfügung zurückzukom m en und die- se abzuändern oder aufzuheben (U LR IC H H ÄFELIN /G EO R G M Ü LLER /FELIX U H L- M AN N , Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Aufl., Zürich/Basel/G enf 2006, R z. 1828; PIER R E TSC H AN N EN /U LR IC H ZIM M E R LI, Allgem eines Verw altungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, § 31 R z. 26). Im Verw altungsverfahren des Bundes ist die W iedererw ägung form ell rechtskräftiger Verfügungen nicht ausdrück- lich geregelt. D ie R echtsprechung leitet dieses Institut direkt aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) sow ie insbesondere aus Art. 66 Vw VG ab, w elcher die M öglichkeit der R evision von Beschw erdeentscheiden vorsieht (VPB 67.109 E. 3a m it H inw eisen). D em Einzelnen steht ein Anspruch auf W iedererw ägung zu, w enn sich die Verhältnisse seit Erlass der ursprüngli- chen Verfügung erheblich verändert haben oder w enn Tatsachen und Be- w eism ittel angeführt w erden, die im früheren Verfahren nicht bekannt w a- ren oder die schon dam als geltend zu m achen rechtlich oder tatsächlich unm öglich w ar oder keine Veranlassung bestand. D ie W iedererw ägung darf indessen nicht dazu dienen, rechtskräftige Verw altungsentscheide im - m er w ieder in Frage zu stellen oder R echtsm ittelfristen zu um gehen (BG E 120 Ib 42 E. 2b S. 46 f. m it H inw eisen). 3. Auf R ekursebene beschränkt sich der Beschw erdeführer nam entlich da- rauf, die im W iedererw ägungsgesuch vorgebrachten m ateriellen G ründe zu w iederholen. D iese Vorbringen sind indessen nicht geeignet darauf schliessen zu lassen, die vom BFM verfügte Einreisesperre leide an einer ursprünglichen Fehlerhaftigkeit im oben beschriebenen Sinne bzw . die Sach- oder R echtslage habe sich seit Erlass der Fernhaltem assnahm e w esentlich verändert. 3.1 W ie aus dem Sachverhalt hervorgeht, hat der Beschw erdeführer am 22. Septem ber 2003 beim EJPD Beschw erde eingereicht gegen die ihm am 21. August 2003 eröffnete Einreisesperre. D iese Beschw erde hat er m it schriftlicher Erklärung vom 11. D ezem ber 2003 w ieder zurückgezogen. In der Folge ist die Einreisesperre in form elle R echtskraft erw achsen. D ass der R ückzug der Beschw erde m it einem W illensm angel behaftet gew esen w äre, ist aus den Akten nicht ersichtlich und w ird vom Beschw erdeführer auch nicht geltend gem acht. Bei dieser Sachlage kann das bereits im ordentlichen Beschw erdeverfah- ren angeführte Argum ent des Beschw erdeführers, w onach gegen ihn schon seit Juni 2003 keine Einreisesperre m ehr für den Schengenraum be- stehe, im vorliegenden Verfahren grundsätzlich nicht m ehr gehört w erden (vgl. Art. 66 Abs. 3 Vw VG ). 3.2 Sow eit sich der Beschw erdeführer sodann auf nachträglich veränderte 5 Sachum stände beruft, erw eist sich seine Beschw erde als unbegründet. D er Beschw erdeführer m acht sinngem äss geltend, seit seiner Entlassung aus dem Strafvollzug nicht m ehr delinquiert zu haben. Er unterlässt es je- doch, diese Behauptung m it entsprechenden Bew eism itteln - nam entlich einem aktuellen Strafregisterauszug - zu belegen. D ie m it dem W iederer- w ägungsgesuch eingereichte Kopie einer französischen Aufenthaltsbew il- ligung ist diesbezüglich kein genügender Bew eis, zum al nicht bekannt ist, gestützt auf w elchen Kenntnisstand die französischen Behörden die ent- sprechende Bew illigung erteilt haben. Insofern erw eisen sich die Ausfüh- rungen des Beschw erdeführers als unsubstantiiert und lassen nicht auf ei- ne w esentlich veränderte Sachlage schliessen. D ie blosse Tatsache schliesslich, dass der Beschw erdeführer inzw ischen Vater gew orden ist, stellt ebenfalls keinen neuen Sachum stand dar, der zu einer N eubeurtei- lung der verhängten Fernhaltem assnahm e führen könnte. D ie fam iliäre Si- tuation des Beschw erdeführers w urde bereits im Zeitpunkt des Erlasses der Einreisesperre und im vorangegangenen Aufenthaltsverfahren geprüft. 3.3 Selbst w enn jedoch die vom Beschw erdeführer vorgebrachten G ründe als hinreichend substantiiert erachtet w ürden und sich das Bundesverw al- tungsgericht veranlasst sehen w ürde, von Am tes w egen w eitere Sachver- haltsabklärungen vorzunehm en, w ürden diese vorliegend durch den U m - stand erschw ert, dass die aktuelle Adresse des Beschw erdeführers, der sich letztm als vor knapp zw ei Jahren beim dam als für die Behandlung der Beschw erde zuständigen EJPD gem eldet hat, unbekannt ist. 4. N ach dem G esagten hat das BFM das W iedererw ägungsgesuch des Be- schw erdeführers vom 25. August 2004 zu R echt abgew iesen (vgl. Art. 49 Vw VG ). D ie vorliegende Beschw erde erw eist som it als unbegründet und ist daher abzuw eisen. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschw erdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D iese sind auf Fr. 600.- festzuset- zen (Art. 1, Art. 2 Abs. 1 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D e- zem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]) und m it dem am 17. D ezem ber 2004 geleisteten Kostenvorschuss in gleicher H öhe zu verrechnen. (D ispositiv nächste Seite)6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt und m it dem am 17. D ezem ber 2004 geleisteten Kostenvorschuss in gleicher H öhe verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (durch Publikation im Bundesblatt) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. 2 038 557 retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf Thom as Segessenm ann Versand am :