B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-294/2014 U r t e i l v o m 2 . J ul i 2 0 1 4 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Dezember 2013 / N _______. D-294/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 4. April 2013 beziehungsweise am 4. Mai 2013 und reiste über Nepal und ihm unbekannte Länder am 6. Mai 2013 beziehungsweise am 8. Mai 2013 illegal in die Schweiz ein, wo er am 8. Mai 2013 ein Asylgesuch ein - reichte. Anlässlich seiner Kurzbefragung vom 22. Mai 2013 sowie der ein- lässlichen Anhörung vom 5. Dezember 2013 zu seinen Ausreise - und Asylgründen trug der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes vor: Er sei ethnischer Tibeter und Staat sangehöriger der Volksrepublik China, würde aus einem Dorf bei B._______ stammen und habe vom siebten Lebensjahr bis zur Ausreise am 4. April 2013 beziehungsweise am 4. Mai 2013 auf einem Berg bei B._______ gewohnt. Er habe nie die Schule be- sucht und bis zu seiner Ausreise als Einsie dler bei C._______ auf dem besagten Berg gelebt. Bei Händlern habe er zwei DVDs erstanden, diese kopiert und an Nachbarn verteilt. Die Nachbarn hätten die Kopien unte r- einander ausgeliehen. Er habe erfahren, dass diese Nachbarn dafür g e- büsst und bedroht wo rden seien, woraufhin ihnen empfohlen worden sei, ihr Heimatland zu verlassen. Er sei am 4. April 2013 um fünf Uhr bezi e- hungsweise am 4. Mai 2013 um d rei Uhr in der Früh vom Berg bei B._______ in einer Stunde nach B._______ gelaufen. Anschliessend sei er w eiter zu Fus s über D._______ und E._______ nach F._______ ge- langt. Die Grenze nach Nepal habe er in zwei Stunden überschritten. In Nepal habe er sich drei Tage beziehungsweise einen Monat lang au f- gehalten. Er habe Nepal auf dem Luftweg verlassen und sei ü ber unbe- kannte Orte und Länder nach Europa gelangt. B. B.a Im Auftrag des BFM wurde am 12. Juni 2013 mittels eines Telefoni n- terviews eine Sprach - und Herkunftsanalyse mit dem Beschwerdeführer durchgeführt (Lingua -Analyse). Die Sachverständige kam in ihrem lan- deskundlich-kulturellen sowie linguistischen Herkunftsgutachten zum Schluss, dass seine Hauptsozialisation ausserhalb der Autonomen Reg i- on Tibet beziehungsweise der Volksrepublik China, sehr wahrscheinlich in der tibetischen Exilgemeinschaft in Indien, erfolgt sein müsse. B.b Anlässlich der ergänzenden Anhörung vom 5. Dezember 2013 ge - währte das BFM dem Beschwerdeführer zum Abklärungsergebnis der Lingua-Analyse das rechtliche Geh ör. Der Beschwerdeführer wiederholte D-294/2014 Seite 3 in seiner Stellungnahme mehrheitlich seine bere its zuvor gemachten Aussagen beziehungsweise teilte er mit, an welche von den Fragen, die ihm gestellt worden seien, er sich erinnern könne und an welche nicht. C. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2013 – eröffnet am 19. Dezember 2013 – wies das BFM das Asylge such vom 8. Mai 2013 ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Voll- zug der Wegweisung an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die seitens des Beschwerdeführers geltend gemachten Vorbringen hielten teils den An forderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Asylgesetz (AsylG, SR 142.31 ), teils denjenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Die Sachverständige sei in ihrem Gut- achten zum Schluss gekommen, dass die landeskundlichen Kennt nisse des Beschwerdeführers nicht genügend detailliert seien, um die Herkunft aus Tibet und aus der behaupteten Region zu belegen. Zudem seien dem Beschwerdeführer zahlreiche Begriffe von Exiltibetern vertraut. Ein Tib e- ter, der wie vom Beschwerdeführer behauptet, noch vor wenigen Wochen in Tibet im von ihm genannten Sozialisationsraum gelebt habe, hätte dies kaum getan. Auch sei er nicht in der Lage gewesen, einfachste Sätze vom Tibetischen ins Chinesische zu übersetzen (vgl. BFM -Akten A15/3 S. 3). Darüber hinaus habe er kein Wort für eine Gemüsesorte auf Tib e- tisch gekannt und weder etwas über die Zutaten noch die Zuberei tung von Tsampa gewusst, oder welche Getreidesorten man in Tibet an baue (vgl. A15/3 S. 2). Der Beschwerdeführer habe im Rahmen des ihm g e- währten rechtlichen Gehörs den Abklärungsergebnissen der Lingua - Analyse nichts entgegensetzen können. Somit würden die aus de r Lin - gua-Analyse gezogenen Schlü sse, wonach die Hauptsozialisation des Beschwerdeführers mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nic ht im b e- haupteten Lebensraum stattgefunden habe, zumal ihm auch zahlreiche Begriffe v on Exiltibetern vertraut seien, was bei einem Tibeter, welcher noch vor wenigen Monaten in der autonomen Region Tibet gelebt habe , kaum möglich sei, seinen geltend gemacht en Ausreise- und Asylvorbrin- gen die Grundlage entziehen. Auch die Schilderung seines Reiseweges sei ohne jegliche Realkennzeichen und daher unglaubhaft ausgefallen. So habe er angegeben, Tibet illegal von einem Berg bei B._______ aus verlassen zu haben. E r sei allerdings nicht in der Lage gewesen, genau zu schildern, wie er von B._______ bis F._______ und schliesslich über die Grenze nach Nepal gelangt sei (A6/13 S. 6 f.; A20/15 S. 4 ff.), we s- halb davon auszugehen sei, dass er anders als in der von ihm geschilder- ten Weise nach Europa beziehungsweise in die Schweiz gelangt sei. D-294/2014 Seite 4 Nach dem Gesagten sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zum geltend gemachten Zeitpunkt nicht aus Tibet ausgereist sei respekt i- ve sich keinesfalls auf chinesischen Territorium aufgehalten habe und den chinesischen Behörden als Staatsangehöriger auch nicht bekannt sei. A l- lein die Tatsache, dass er Tibetisch spreche und vermutlich tibetischer Ethnie sei, würde naturgemäss keine n hinreichenden Beleg dafür bilden, dass er chinesischer Staatsbürger sei. D. Gegen diese vorinstanzliche Verfügung richtet sich die durch den Rechts- vertreter des Beschwerdeführers am 17. Januar 2014 beim Bundesve r- waltungsgericht erhobene Beschwerde mit den Anträgen auf Aufhebung der Verfügung des BFM und d eren Zurückweisung an die Vorinstanz für eine Neubeurteilung. Eventuell sei die Flüchtlingseigenschaft des B e- schwerdeführers festzustellen. Subeventuell sei die Unzulässigkeit, alle n- falls die Unzumutbarkeit des Vollzug der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht wurde der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung beantragt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurt eilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei - nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-294/2014 Seite 5 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung v on Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. In der Beschwerdeschrift wird in formeller Hinsicht gerügt, dass das Bun- desamt unvollständige Akteneinsicht gewährt habe. Das Lingua -Gut- achten, welches als Kernstück der angefochtenen Verfügung bezeichnet werden könne, sei dem Beschwerdeführer mit dem unbegründeten Ver - merk, es bestünden Geheimhaltungsinte ressen im Sinne von Art. 27 VwVG nicht ediert worden. Somit sei das Recht auf Einsicht in die Akten verletzt worden. Des Weiteren werden Zweifel an der fachlichen Kompe - tenz der Expertin geäussert. Sie spreche nicht den gleichen Dialekt wie der Beschwerdeführer und auch die deutsche Sprache habe sie sich erst in den letzten drei Jahren angeeignet. Die Lingua-Expertin könne zudem nicht als erfahren bezeichnet werden, da sie erst seit kurzem ( zwei Mo- nate vor Erstellung des vorliegenden Gutachtens ) bei Lingua unter Ver- trag stehe. Sie dürfte desha lb bei der Erstellung von Lingua -Gutachten noch nicht über viel Erfahrung verfügen. Auch habe das Gespräch nicht wie angegeben 62 Minuten, sondern den Angaben des Beschwerdefüh - rers zufolge höchstens 10 oder 15 Minute n gedauert. Die vorinstanzliche Verfügung sei deshalb aufzuheben und für eine Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. 3.1 Vorab ist an dieser Stelle festzuhalten, dass sämtliche am Asylverfah- ren teilnehmenden Personen hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit und charakterlichen sowie fachlichen Eignung sorgfältig geprüft werden und somit das volle Vertrauen der Behörden geniessen. Demnach kann auch aus einer relativ kurzen Anstellung beim BFM beziehungsweise bei der Lingua-Fachstelle nicht auf mangelnde fachl iche Qualifikation geschlos - sen werden. Vielmehr geht aus den aktenkundigen Qualifikationen der er-D-294/2014 Seite 6 wähnten Expertin hervor, dass diese über die notwendigen sprachlichen und geografischen Kenntnisse der vom Beschwerdeführer angeführten Herkunftsregion verfügt. Im Übrigen ist es für die Experten weder zwin - gend im Heimatdorf des Beschwerdeführers gelebt zu haben noch des - sen Muttersprache zu beherrschen. Vielmehr müssen sie befähigt sein, aufgrund ihrer Qualifikationen und ihres Wissens schlüssige und nac h- vollziehbare Erkenntnisse zu den sprachlichen und landeskundlich - kulturellen Begebenheiten der Heimatregion des Beschwerdeführers zu besitzen und dementsprechend die diesbezüglichen Angaben und Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers einordnen und beurteilen z u können. Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. 3.2 Im Rahmen der Anhörung vom 5. Dezember 2013 wurde dem Be - schwerdeführer zum Ergebnis des Lingua -Gutachtens das rechtliche Ge - hör gewährt. Dabei wurde ihm die Möglichkeit aufgezeigt, dass er jeder - zeit die Gesprächsaufzeichnung nach vorheriger Terminabsprache beim BFM anhören könne (vgl. BFM -Akten A20/15 S. 10 F. 91). Der Umstand, dass er diese Möglichkeit nicht wahrnahm, bedeutet nicht, dass das Recht auf Akteneinsicht von der Vorinstanz verletzt wurde. Auch wurde er auf seine teils falschen, teils widersprüchlichen sowie teils von auffallen - dem Nichtwissen gekennzeichneten Aussagen aufmerksam gemacht und über den Werdegang und den Herkunftsort der Spezialistin orientiert. Folglich wurde ihm nicht nur der wesentliche Inhalt des Gutachtens vol l- ständig und korrekt wiedergegeben sowie die Möglichkeit zur Stellun g- nahme eingeräumt, sondern er hätte auch die gesamte Ge- sprächsaufzeichnung anhören können. Somit sind die Anforderungen ge- mäss Art. 28 VwVG als erfüllt zu betrachten. Die Rüge, wonach das Ge - spräch kürzer gewesen sei, kann nicht gehört werden, da sich der Be - schwerdeführer diesbezüglich im Rahmen des ihm gewährten rechtlichen Gehörs anlässlich der Anhörung vom 5. Dezember 2013 nicht hat verneh- men lassen. Die entsprechenden Ausführungen sind vielmehr als Aus - flüchte zu werten. Es liegt demnach keine Verletzung des rechtlichen Ge- hörs vor. 3.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte für eine Gehörsverletzung vorliegen. Die entsprechenden Rügen erwei- sen sich nach dem Gesagten als unbegründet. Der Antrag auf Rückwei- sung zur Neubeurteilung ist deshalb abzuweisen. 3.4 Zur Frage, ob das BFM im angefochtenen Entscheid die Begrü n- dungspflicht verletzt hat, ist vorderhand festzuhalten , dass die Behörden verpflichtet sind, Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und D-294/2014 Seite 7 in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforder- lich ist jedoch, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausein andersetzt und jedes Vorbringen ausdrücklich wiede r- legt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2798/2014 vom 2. Juni 2014 E. 6.1 m.w.H.). 3.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub - haftmachen der Vorbringen in einem Entscheid dar gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen a usgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtling seigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig b egründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung zu Recht und mit ausführlicher Begründung – so dass zur Vermeidung von Wiederholungen darauf ve r- wiesen werden kann – festgestellt, dass die Vorbringen des Beschwerde- führers weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft standhalten und auch keine subjekt iven Nachfluchtgründe vorliegen . Gewichtige Zweifel an der Glaubhaftigkeit entstehen insbesondere aufgrund des Lingua -Gutachtens, wonach der Beschwerdeführer nicht aus der von ihm angegebenen Herkunftsregion (ein Dorf beziehungsweise ein Berg bei B._______), wo er sein Leben lang gewohnt haben will, stamme. Das Behar ren in seiner Beschwerd e-D-294/2014 Seite 8 schrift auf der Richtigkeit seiner Angaben bezüglich seines Herkunftso r- tes, den topographischen Verhältnissen sowie seiner Kenntnis der tibet i- schen Begriffe für drei ve rschiedene Gemüsesorten vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Auch der Hinweis auf ein "beinahe ve r- gessenes Grundsatzurteil " (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 1 ), welches nach wie vor seine Gültigkeit habe, und auch vom Bundesverwaltungsge- richt in einem neueren Entscheid (E -163/2012 vom 7. August 2012 ) be- rücksichtigt worden sei, vermag zu keiner anderen Be trachtungsweise zu führen. Im zur Publikation bestimmten Länderurteil E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 präzisierte nämlich das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Her kunft verschleiern oder verheimlichen, vermu- tungsweise davon auszuge hen sei, dass k eine flüchtlings- oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf- enthaltsort bestünden. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden fi n- det ihre Grenze an der Mitwir kungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmöglicht ein Asylsuchender tibetischer Ethnie durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien innehat, kann namentlich keine Drittstaatenab- klärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfi nden. Überdies wird durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. E-2981/2012 E. 5.9 f.). Somit kann der Besch werdeführer auch aus dem Urteil E-163/2012, wel- ches vor dem Urteil E-2981/2012 ergangen ist, nichts zu seinen Gunsten ableiten. 5.2 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an das Glaubhaft ma- chen im Sinne von Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigen- schaft im Sinne von Art. 3 AsylG genügen. An dieser Einschätzung kön- nen auch die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nichts ändern. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet D-294/2014 Seite 9 den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Möglich - keit des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Unte r- suchungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziie - rungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es ist jedoch nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegweisungshindernissen in hypothetischen Heimat - oder Herkunftsländern zu forschen, wenn eine asylsuchende Person ihre Herkunft verschleiert und keine eindeutigen Hinweise auf die tatsächliche Staatangehörigkeit vorliegen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2, mit weite - ren Hinweisen). Ein Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid ausdrücklich ausgeschlossen (vgl. BFM- Verfügung vom 17. Dezember 2013, Dispositivziffer 5). An dieser Stelle ist, im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Dispos i- tivziffer 5 der angefochtenen Verfügung, darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeter und Exil-Tibeterinnen ein Vollzug der Wegweisung nach Ch i- na auszuschliessen ist. 7.3 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer, der tibetischer Ethnie ist, keine Identitätspapiere eingereicht und auch seine behauptete chine- sische Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft gemacht. Hingegen erlaubt die Herkunftsanalyse der BFM -internen Fachstelle "Lingua" die Annah me, welchem Land beziehungsweise welcher Region der Beschwerdeführer aufgrund seiner sprachlichen und kulturellen Sozialisation zuzuordnen ist. Eine Zuordnung der Staatsangehörigkeit ist indes nicht möglich, da der Ort der Sozialisation mit demjenigen der Staatsangehörigkeit nicht gleich- zusetzen ist (vgl. EMARK, a.a.O. E. 3.2.1). D-294/2014 Seite 10 Aufgrund des ausführlichen Lingua -Gutachtens und der wenig überze u- genden Erklärungsversuche des Beschwerdeführers anlässlich des recht- lichen Gehörs sowie seiner unsubstanziierten Ausführungen, ist seine angebliche Herkunft aus der Volksrepublik China nicht glaubhaft. Viel - mehr ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er vor seiner Ankunft in der Schweiz in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat, wodurch sich allerdings noch keine schlüssigen Erkenntnisse hin - sichtlich seiner Staatsangehörigkeit ergeben. 7.4 7.4.1 Im zur Publikation bestimmten Länderurteil E-2981/2012 hat das Bundesverwaltungsgericht in E. 5 ausgeführt, dass seine Rechtspre - chung in Bezug auf die Frage der Staatsangehörigkeit von im Exil leben - den Personen tibetischer Ethnie (EMARK, a.a.O., E. 4.3) insoweit zu pr ä- zisieren sei, als dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre He r- kunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon au szuge- hen ist, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden. 7.4.2 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer, der tibetischer Ethnie ist, keine Identitätspapiere eingereicht. Z udem erscheint seine be- hauptete chinesische Staatsangehörigkeit aufgrund des Alltagswissens - tests – wie vorne dargelegt – nicht glaubhaft. Sodann sind seine Ausfüh- rungen bezüglich seiner Reise in die Schweiz unsubstanziiert ausgefallen und somit ebenfalls unglaubhaft. Es ist davon auszugehen, der Be- schwerdeführer habe nur unter Verwendung authentischer Identitäts- und Reisepapiere in die Schweiz gelangen können. Es kann seitens der Asy l- behörden nicht eruiert werden, welche Staatsangehörigkeit er besitzt, wodurch er die ihm obliegende Mitwirkungspflicht verletzt, deren Folgen er insofern zu tragen hat, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezo- gen werden muss, es spreche nichts gegen eine Rückkehr an den bish e- rigen Aufenthaltsort, da er keine konkreten glaubhaften Hinweise geltend gemacht hat, die gegen eine Rückkehr dorthin sprechen würden. 7.5 Es obliegt de m Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr allen - falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung D-294/2014 Seite 11 Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richt ig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos. 10. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Be schwerde aufgrund der vorstehenden Erwägungen (Verletzung der Mitwirkungspflicht) als aus - sichtslos erscheint. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind di e Kosten dem Beschwerd e- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-294/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen abgewiesen. 2. Der Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China wird ausg e- schlossen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Ulrike Raemy Versand: