<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 146 S.637</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">637</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>146</b></span> <span class="ft3"><b>Ausweisung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Verhältnis von Art. 10 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über Aufenthalt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und Niederlassung von Ausländern (ANAG) vom 26. März 1931 zur</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Richtlinie 64/221/EWG vom 25. Februar 1964 des Rates der Europäi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schen Wirtschaftsgemeinschaft zur Koordinierung der Sondervorschrif-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ten für die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern, soweit sie aus</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit gerecht-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fertigt sind.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">638</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2">Auszug aus dem Entscheid des Rechtsdienstes des Migrationsamts Kanton</span><br/> <span class="ft2">Aargau vom 10. Juli 2002 in Sachen X.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der deutsche Staatsbürger X. wurde im Jahr 2000 wegen mehr-</span><br/> <span class="ft1">facher Vergewaltigung und Nötigung rechtskräftig zu einer Zucht-</span><br/> <span class="ft1">hausstrafe von drei Jahren verurteilt.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1 Der Einsprecher ist deutscher Staatsbürger und hat die Nie-</span><br/> <span class="ft1">derlassungsbewilligung. Weil diese unbefristet ist (Art. 6 Abs. 1 Satz</span><br/> <span class="ft1">1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Nie-</span><br/> <span class="ft1">derlassung der Ausländer [ANAG, SR 142.20]), bedarf sie auch nicht</span><br/> <span class="ft1">der Verlängerung. Auf ihre Fortdauer hat der Inhaber ohne weiteres</span><br/> <span class="ft1">Anspruch. Die angefochtene Verfügung stützt sich auf die Auswei-</span><br/> <span class="ft1">sungstatbestände gemäss Art. 10 ANAG. Im vorliegenden Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang ist unter intertemporalrechtlichem Blickwinkel aber die</span><br/> <span class="ft1">Frage der Anwendbarkeit des Abkommens zwischen der Europäi-</span><br/> <span class="ft1">schen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Eidgenossenschaft andererseits über die Freizügig-</span><br/> <span class="ft1">keit vom 21. Juni 1999 (FZA) zu klären. Ist dies der Fall, so stellt</span><br/> <span class="ft1">sich die weitere Frage des Verhältnisses der dort statuierten Fernhal-</span><br/> <span class="ft1">tegründe (vgl. Art. 5 Anhang I zum FZA) zu den Ausweisungsgrün-</span><br/> <span class="ft1">den gemäss Art. 10 ANAG.</span><br/> <span class="ft1">1.2</span><br/> <span class="ft1">1.2.1 Der rechtserhebliche Sachverhalt hat sich im Zeitraum</span><br/> <span class="ft1">verwirklicht, als das FZA noch nicht in Kraft war. Es geht dabei nicht</span><br/> <span class="ft1">um einen Fall der Vorwirkung (Anwendung künftigen Rechts), son-</span><br/> <span class="ft1">dern einen solchen der echten Rückwirkung (Anwendung neu gelten-</span><br/> <span class="ft1">den Rechts auf zeitlich abgeschlossene Sachverhalte). Die echte</span><br/> <span class="ft1">Rückwirkung ist grundsätzlich dann zulässig, wenn sie sich für die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">639</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">betroffene Person nicht belastend auswirkt (Pierre T</span><span class="ft2">SCHAN</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft2">NEN</span><span class="ft1">/Ulrich Z</span><span class="ft2">IMMERLI</span><span class="ft1">/Regina K</span><span class="ft2">IENER</span><span class="ft1">, Allgemeines Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">recht, Bern 2000, S. 131, e contrario). Dies bedeutet, dass die beiden</span><br/> <span class="ft1">Eingriffsnormen (Art. 10 ANAG und Art. 5 Anhang I zum FZA) zu</span><br/> <span class="ft1">vergleichen sind und das FZA dann zur Anwendung gelangt, wenn es</span><br/> <span class="ft1">den milderen Eingriff in die zur Diskussion stehende Rechtsposition</span><br/> <span class="ft1">des Einsprechers vorsieht.</span><br/> <span class="ft1">1.2.2 Was die Rangordnung der anzuwendenden Rechtssätze</span><br/> <span class="ft1">betrifft, so gehen nach dem aktuellen Stand von Lehre und</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung neue völkerrechtliche Normen älteren Bundesgeset-</span><br/> <span class="ft1">zen unter dem Vorbehalt grober Missachtung zentraler Prinzipien des</span><br/> <span class="ft1">nationalen Rechts vor. Eine solche Missachtung ist bei den bilatera-</span><br/> <span class="ft1">len Verträgen nicht auszumachen (vgl. Daniel T</span><span class="ft2">HÜRER</span><span class="ft1">/Rolf H.</span><br/> <span class="ft1">W</span><span class="ft2">EBER</span><span class="ft1">/Roger Z</span><span class="ft2">ÄCH</span><span class="ft1">, Bilaterale Verträge Schweiz - EG, Ein Hand-</span><br/> <span class="ft1">buch, Zürich 2002, S. 21 f.). Die bilateralen Verträge haben ferner</span><br/> <span class="ft1">self-executing-Charakter, was bedeutet, dass sie direkt anwendbar</span><br/> <span class="ft1">sind, da beim hier zur Diskussion stehenden Art. 5 Abs. 2 des An-</span><br/> <span class="ft1">hangs I zum FZA die Richtlinien, welche diese Norm als anwendbar</span><br/> <span class="ft1">erklärt, inhaltlich hinreichend bestimmt und klar sind, um im Einzel-</span><br/> <span class="ft1">fall Grundlage eines Entscheides zu bilden (T</span><span class="ft2">HÜRER</span><span class="ft1">/W</span><span class="ft2">EBER</span><span class="ft1">/Z</span><span class="ft2">ÄCH</span><span class="ft1">,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 22 ff.).</span><br/> <span class="ft1">1.3</span><br/> <span class="ft1">1.3.1 Grundsätzlich fällt der Einsprecher als deutscher Staatsan-</span><br/> <span class="ft1">gehöriger in den Anwendungsbereich des FZA (vgl. Art. 3 f. FZA)</span><br/> <span class="ft1">und untersteht nicht der Einschränkung durch die Kontingentsregeln</span><br/> <span class="ft1">von Art. 10 FZA, weil er nicht neu eingereist ist. Art. 5 Abs. 1 des</span><br/> <span class="ft1">Anhangs zum FZA sieht als Korrektiv zum unbeschränkten Einreise-</span><br/> <span class="ft1">und Aufenthaltsanspruch von EU-Ausländern vor, dass die aufgrund</span><br/> <span class="ft1">des Abkommens eingeräumten Rechte nur durch Massnahmen ein-</span><br/> <span class="ft1">geschränkt werden dürfen, die aus Gründen der öffentlichen Ord-</span><br/> <span class="ft1">nung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind. Abs. 2 dieser</span><br/> <span class="ft1">Norm nimmt Bezug auf (d.h. erklärt für anwendbar) die Richtlinie</span><br/> <span class="ft1">64/221/EWG des Rates vom 25. Februar 1964 zur Koordinierung der</span><br/> <span class="ft1">Sondervorschriften für die Einreise und den Aufenthalt von Auslän-</span><br/> <span class="ft1">dern, soweit sie aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit</span><br/> <span class="ft1">und Gesundheit gerechtfertigt sind (nachfolgend RL 64/221) sowie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">640</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die hier nicht weiter interessierenden Richtlinien 72/194/EWG und</span><br/> <span class="ft1">75/35/EWG. Soweit für die Anwendung des FZA Begriffe des Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinschaftsrechtes herangezogen werden, ist hierfür nach Art. 16</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 FZA die einschlägige Rechtsprechung des Gerichtshofes der</span><br/> <span class="ft1">Europäischen Gemeinschaften (EuGH) vor dem Zeitpunkt der Un-</span><br/> <span class="ft1">terzeichnung dieses Abkommens (21. Juni 1999) zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft1">Die RL 64/221 umschreibt zunächst die von ihrem Geltungsbereich</span><br/> <span class="ft1">erfassten Vorschriften (u.a. die Entfernung aus dem Hoheitsgebiet</span><br/> <span class="ft1">eines Vertragsstaates, Art. 2 Abs. 1 RL 64/221). Sodann konkretisiert</span><br/> <span class="ft1">sie in Art. 3 Abs. 1 die öffentliche Ordnung und Sicherheit dahinge-</span><br/> <span class="ft1">hend, dass bei solchen Massnahmen ausschliesslich das persönliche</span><br/> <span class="ft1">Verhalten der in Betracht kommenden Einzelperson ausschlaggebend</span><br/> <span class="ft1">sein soll, womit zugleich gesagt ist, dass generalpräventive Erwä-</span><br/> <span class="ft1">gungen eine Ausweisung nie rechtfertigen können.</span><br/> <span class="ft1">In seinem Entscheid in der Rechtssache C-348/96 vom 19. Ja-</span><br/> <span class="ft1">nuar 1999 (Calfa) führte der EuGH diesbezüglich in E. 25 aus, ein</span><br/> <span class="ft1">Gemeinschaftsbürger könne nur dann ausgewiesen werden, wenn er</span><br/> <span class="ft1">nicht nur gegen das (Betäubungsmittel-)Gesetz verstossen habe,</span><br/> <span class="ft1">sondern "sein persönliches Verhalten darüber hinaus eine tatsächliche</span><br/> <span class="ft1">und hinreichend schwere Gefährdung" darstellt, die ein "Grundinte-</span><br/> <span class="ft1">resse der Gesellschaft" berührt. Art. 3 Abs. 2 RL 64/221 sieht vor,</span><br/> <span class="ft1">dass strafrechtliche Verurteilungen allein ohne weiteres diese Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen nicht begründen können, was nach dem EuGH bedeutet,</span><br/> <span class="ft1">"dass eine strafrechtliche Verurteilung nur insoweit berücksichtigt</span><br/> <span class="ft1">werden [darf], als die ihr zugrunde liegenden Umstände ein persönli-</span><br/> <span class="ft1">ches Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung</span><br/> <span class="ft1">der öffentlichen Ordnung darstellt" (Urteil Calfa a.a.O, E. 24, ähnlich</span><br/> <span class="ft1">bereits das Urteil in der Rechtssache 30-77 vom 27. Oktober 1977</span><br/> <span class="ft1">i.S. Bouchereau E. 27/28). Über die Gegenwart der Gefährdung hi-</span><br/> <span class="ft1">naus kann aber auch auf die zukünftige Entwicklung im Sinne einer</span><br/> <span class="ft1">Prognose abgestellt werden. Allerdings ist diese Prognose nicht</span><br/> <span class="ft1">zwingend, wenn die Umstände im Beurteilungszeitpunkt auf die</span><br/> <span class="ft1">geforderte Gefährdung schliessen lassen. Der EuGH führt im Urteil</span><br/> <span class="ft1">Bouchereau (a.a.O.) E. 29/30 Folgendes aus:</span><br/> <span class="ft1">"(...) Wenn auch in der Regel die Feststellung einer derartigen</span><br/> <span class="ft1">Gefährdung eine Neigung des Betroffenen nahelegt, dieses Verhalten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">641</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">in Zukunft beizubehalten, so ist es doch auch möglich, dass schon</span><br/> <span class="ft1">allein das vergangene Verhalten den Tatbestand einer solchen Ge-</span><br/> <span class="ft1">fährdung der öffentlichen Ordnung erfüllt. Es obliegt den nationalen</span><br/> <span class="ft1">Behörden und gegebenenfalls den nationalen Gerichten, diese Frage</span><br/> <span class="ft1">in jedem Einzelfall zu beurteilen, wobei sie die besondere Recht-</span><br/> <span class="ft1">stellung der dem Gemeinschaftsrecht unterliegenden Personen und</span><br/> <span class="ft1">die entscheidende Bedeutung des Grundsatzes der Freizügigkeit zu</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigen haben. (...)"</span><br/> <span class="ft1">Zu beachten ist ferner Art. 2 Abs. 2 RL 64/221, der klarstellt,</span><br/> <span class="ft1">dass die Fernhaltegründe nicht für wirtschaftliche Zwecke geltend</span><br/> <span class="ft1">gemacht werden dürfen. Dies ist bei der Anwendung der Auswei-</span><br/> <span class="ft1">sungstatbestände des ANAG allerdings nie der Fall.</span><br/> <span class="ft1">1.3.2 Nach Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG wird ausgewiesen, wer</span><br/> <span class="ft1">wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde,</span><br/> <span class="ft1">wobei eine besondere Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 11</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 in Verbindung mit Art. 16 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung</span><br/> <span class="ft1">vom 1. März 1949 zum ANAG (ANAV, SR 142.201) und eine</span><br/> <span class="ft1">Interessenabwägung vorzunehmen ist. Genau diese Prüfung sichert,</span><br/> <span class="ft1">dass eine Ausweisung nicht einzig aufgrund der Verurteilung ausge-</span><br/> <span class="ft1">sprochen werden kann, sondern alle Umstände des Einzelfalls und</span><br/> <span class="ft1">die auf dem Spiel stehenden Interessen zu berücksichtigen sind.</span><br/> <span class="ft1">1.3.3 Was die Voraussetzungen einer Entfernungsmassnahme</span><br/> <span class="ft1">gemäss FZA betrifft, zitieren die Weisungen und Erläuterungen des</span><br/> <span class="ft1">Bundesamtes für Ausländerfragen (BFA) über die schrittweise</span><br/> <span class="ft1">Einführung des freien Personenverkehrs zwischen der Schweizeri-</span><br/> <span class="ft1">schen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft und</span><br/> <span class="ft1">ihren Mitgliedstaaten sowie den EFTA-Mitgliedstaaten Norwegen,</span><br/> <span class="ft1">Island und dem Fürstentum Liechtenstein (Weisungen VEP) in Ziff.</span><br/> <span class="ft1">10.1.1 S. 58 f. im Wesentlichen den Inhalt der RL 64/221, und stellen</span><br/> <span class="ft1">fest:</span><br/> <span class="ft5">"(...) Diese Anforderungen entsprechen weitgehend der geltenden</span><br/> <span class="ft5">fremdenpolizeilichen Praxis im Zusammenhang mit der Anordnung der</span><br/> <span class="ft5">Wegweisung, des Widerrufs von Bewilligungen, der Ausweisung und der</span><br/> <span class="ft5">Einreisesperre.</span><br/> <span class="ft5">Diese Massnahmen sind insbesondere zulässig:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">642</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">· bei schwerwiegenden strafrechtlichen Verbrechen und Vergehen, na-</span><br/> <span class="ft5">mentlich bei Delikten gegen Leib und Leben oder bei Drogendelikten,</span><br/> <span class="ft5">bei Menschenhandel oder der Förderung der illegalen Einreise von</span><br/> <span class="ft5">Drittstaatsangehörigen,</span><br/> <span class="ft6">· zur Vermeidung zukünftiger konkreter Störungen der öffentlichen Ord-</span><br/> <span class="ft5">nung und Sicherheit beispielsweise durch Hooligans oder gewalttätige</span><br/> <span class="ft5">Demonstranten, selbst wenn sie sich noch nicht strafbar gemacht haben.</span><br/> <span class="ft5">In diesen Fällen ist regelmässig davon auszugehen, dass kein Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft5">anspruch nach den Bestimmungen des FZA besteht (Ziffer 3.3). Das Ab-</span><br/> <span class="ft5">kommen dürfte deshalb keine wesentliche Änderung der fremdenpolizeili-</span><br/> <span class="ft5">chen Praxis zur Folge haben. (...)"</span><br/> <span class="ft1">Dies bedeutet, dass bei der Prüfung der Ausweisung von EU-</span><br/> <span class="ft1">oder EFTA-Staatsangehörigen letztlich die einschlägigen Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen des ANAG und der ANAV analog zur Anwendung gelangen.</span><br/> <span class="ft1">Diese sind - was die Ausweisung wegen strafbaren Verhaltens be-</span><br/> <span class="ft1">trifft - gegenüber den Fernhaltegründen des FZA insofern milder -</span><br/> <span class="ft1">als bei ihnen immer eine Prognose über die (in die Zukunft gerich-</span><br/> <span class="ft1">tete) öffentliche Sicherheit vorzunehmen ist. Die Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft1">der Ausweisung nach ANAG sind unter diesem Gesichtspunkt zu</span><br/> <span class="ft1">Gunsten der betroffenen ausländischen Person strenger als jene nach</span><br/> <span class="ft1">FZA.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der angefochte-</span><br/> <span class="ft1">ne Entscheid auf Art. 10 Abs. 1 lit. a sowie lit. b ANAG stützt und</span><br/> <span class="ft1">somit über eine genügende gesetzliche Grundlage verfügt. Er be-</span><br/> <span class="ft1">zweckt den Schutz der öffentlichen Sicherheit durch Verhinderung</span><br/> <span class="ft1">weiterer</span> <span class="ft1">strafbarer</span> <span class="ft1">Handlungen.</span> <span class="ft1">Erweist</span> <span class="ft1">sich</span> <span class="ft1">nun</span> <span class="ft1">der</span><br/> <span class="ft1">Ausweisungsentscheid nach Art. 10 Abs. 1 lit. a und b ANAG als</span><br/> <span class="ft1">rechtlich begründet und verhältnismässig und berücksichtigt man die</span><br/> <span class="ft1">in Ziff. 1.3.3 dargelegte Rechtserkenntnis, hält die Ausweisung des</span><br/> <span class="ft1">Einsprechers erst recht auch vor dem FZA stand. Schliesslich über-</span><br/> <span class="ft1">wiegt das öffentliche Interesse an der Entfernung und Fernhaltung</span><br/> <span class="ft1">des Einsprechers dessen Interessen am Verbleib in der Schweiz deut-</span><br/> <span class="ft1">lich. Aus Art. 8 EMRK vermag der Einsprecher zum Vornherein</span><br/> <span class="ft1">keine Rechte abzuleiten. Die Einsprache erweist sich in ihren Haupt-</span><br/> <span class="ft1">anträgen als unbegründet und ist abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>