B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3153/2012/sps U r t e i l v o m 1 0 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren (…), Jemen, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM vom 10. Mai 2012 / N (…). D-3153/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein jemenitischer Staatsangehöriger mit let z- tem Wohnsitz in B._______, verliess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am 25. April 2008 und stellte am 28. April 2008 sein erstes Asy l- gesuch in der Schweiz. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er ha- be Anfang April 2008 eine neue Stelle in Saada angetreten, welche ihm sein Freund H. vermittelt habe. Am Tag des Arbeitsantritts hätten er und H. von zwei unbekannten Männern eine besser bezahlte Stelle in der Elektronikbranche angeboten bekommen. Sie seien mit den beiden Mä n- nern mitgegangen, um sich den potentiellen Arbeitsplatz anzuschauen. Dort angekommen, hätten sie festgestellt, dass es sich um eine Tätigkeit im Zusammenhang mit Waffen und Sprengstoff handeln würde, worauf sie das Stellenangebot umgehend abgelehnt hätten. Die Männer hätten sie aufgefordert, nochmals darüber nachzudenken, und hätten ihnen n a- hegelegt, den Behörden nicht zu erzählen, was sie gesehen hätten, a n- sonsten sie umgebracht würden. H. und er seien daraufhin nach Hause gegangen. Mitte April 2008 habe er eine weitere Drohung erhalten. Aus diesen Gründen habe er sein Heimatland am 25. April 2008 verlassen. Nach seiner Ausreise, am 27. April 2008, habe sein Vater für ihn eine Po- lizeivorladung entgegengenommen. A.b Mit Verfügung vom 19. Februar 2009 stellte das BFM fest, die Asy l- vorbringen seien unglaubhaft, lehnte das erste Asylgesuch des B e- schwerdeführers ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug. Auf die dagegen erhobene Beschwerde vom 25. März 2009 trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 24. April 2009 nicht ein. Für den weiteren Inhalt des ersten Asylverfahrens wird auf die Akten D- 1973/2009 verwiesen. B. B.a Mit Eingabe an das BFM vom 25. Januar 2010 liess der Beschwerde- führer ein zweites Asylgesuch stellen. Zur Begründung wurde im Wesent- lichen ausgeführt, er sei in der Schweiz exilpolitisch tätig , womit subjekti- ve Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) vorlägen. Er sei aktives Mitglied der verbotenen TAJ (Demokratische Vereinigung des Südens) und habe zwischen Mai 2009 und Januar 2010 an verschiedenen Anlässen dieser Organisation sowie Kundgebungen gegen die jemen itische Regierung teilgenomme n. Teilweise seien über die Kundgebungen auf der Website der TAJ respe k-D-3153/2012 Seite 3 tive auf Aden TV berichtet worden, wobei auch Bilder der Teilnehmer ver- öffentlicht worden seien. Der Beschwerdeführer sei darauf zu erkennen. Er habe ausserdem einen politischen Artikel verfasst, worin er seine Landsleute auffordere, für die Unabhängigkeit zu kämpfen. Dieser Artikel sei auf einschlägigen oppositionellen Websites veröffentlicht worden. Er habe im Weiteren von seinem Vater sowie von seinem Bruder je einen Brief erhalten. Darin werde ihm mitgeteilt, er werde nach wie vor von den jemenitischen Behörden gesucht. Die jemenitische Regierung gehe hart gegen Oppositionelle vor. Ausserdem sei davon auszugehen, dass das jemenitische Regime die Aktivitäten seiner Bürger im Exil genau beo- bachte. Der Beschwerdeführer sei den heimatlichen Behörden daher s i- cherlich bekannt. Bei einer Rückkehr ins Heimatland wäre er daher ko n- kret gefährdet, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Er sei daher wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll zugs vorläufig aufzunehmen. Im Übrigen sei der Wegweisungsvollzug auch unzumutbar. Dem zweiten Asylgesuch lagen folgende Beweismittel bei: Fotos der Ge- neralversammlung der TAJ in Bern am 2. Mai 2009, Fotos einer Demonst- ration in Zürich vom 20. Juni 2009, F otos einer Kundgebung in Genf vom 4. Juli 2009 sowie Internetausdruck eines Berichts darüber auf taj a- den.org, Fotos und Internetbericht betreffend eine Demonstration in Bern vom 22. November 2009, Fotos einer Demonstration in Genf vom 7. J a- nuar 2010, zwei Briefe (inkl. Übersetzung) von Oktober/November 2009 (vom Vater des Beschwerdeführers sowie von W.), ein vom Beschwerde- führer verfasster Internetartikel für Al Taif vom 29. November 2009. B.b Mit Verfügung vom 2. Februar 2010 teilte das BFM dem Beschwerde- führer mit, auf das zweite Asylgesuch werde eingetreten, er könne sich bis zum Abschluss des Verfahrens in der Schweiz aufhalten und es werde kein Kostenvorschuss erhoben. B.c Mit weiteren Eingaben vom 3. Juni, 24. September und 16. Nove m- ber 2010 sowie 25. März 2011 liess der Beschwerdeführer mitteilen, sein Vater habe im Zusammenhang mit seiner exilpolitischen Tätigkeit in der Schweiz zwei Vorladungen erhalten. Dies zeige, dass die jemenitischen Behörden seine Aktivitäten in der Schweiz genau beobachteten. Ferner habe er einen weiteren regimekritischen Text verfasst, welcher unter se i- nem Namen auf einschlägigen Websites veröffentlicht worden sei. Er h a- be zudem an einer weiteren Kundgebung am 21. April 2010 in Bern tei l- genommen. Auf der Website der TAJ sei ein B ericht darüber publiziert worden, wobei auch Fotos der Demonstranten sowie eine Teilnehmerliste D-3153/2012 Seite 4 (unter anderem mit dem Namen des Beschwerdeführers) veröffentlicht worden seien. An der Mitgliederversammlung der TAJ vom 8. Mai 2010 sei er zum Verantwortlichen für Aktivitäten im Kanton Bern gewählt wo r- den. Sodann habe er am 26. Juni 2010 an einer grossen Kundgebung in Bern teilgenommen. Darüber sei im Internet berichtet worden. Die beili e- genden Fotos zeigten ihn beim Demonstrieren. Die Demonstranten hä t- ten Slogans skandiert und die Unabhängigkeit des Südjemen gefordert. Die TAJ habe ausserdem einen Brief an das Schweizer Parlament betref- fend die Besetzung von Südjemen verfasst. Eine Delegation der TAJ - Schweiz, darunter auch er, habe zudem Vertretern des interna tionalen Strafgerichtshofs eine Dokumentation über die an der Bevölkerung des Südjemen verübten Verbrechen übergeben. Ein Bericht über diesen A n- lass sei auf einschlägigen Websites veröffentlicht worden. Am 23. Okt o- ber 2010 habe er an einer weiteren Veranst altung der TAJ in Bern teilge- nommen. Auf den einschlägigen Internetseiten sei ein Bericht über den Ablauf dieser Veranstaltung veröffentlicht worden. Anlässlich des 43. Jah- restags der Unabhängigkeit Jemens habe er am 29. November 2010 e i- nen kritischen Artikel verfasst, in welchem er die frühere britische Kolon i- alherrschaft mit der Herrschaf t des Regimes von Präsident Sali h verglei- che. Dieser Artikel sei unter seinem Namen und mit seinem Foto auf zwei verschiedenen Internetseiten veröffentlicht worden. Ausse rdem habe er am 27. November 2010 aus demselben Anlass an einer Demonstration in Bern teilgenommen. Auch diese Demonstration sei im Internet mit Fotos dokumentiert worden. Das Recht auf freie Meinungsäusserung werde in Jemen regelmässig missachtet, und gem äss Berichten internationaler Menschenrechtsorganisationen ge he das Regime von Präsident Sali h äusserst repressiv gegen Kritiker vor, die Lage habe sich in letzter Zeit verschlechtert. Da er selber regelmässig kritische Artikel zur aktuellen po- litische Lag e in Jemen verfasse und aktives Mitglied der exilpolitischen jemenitischen Bewegung in der Schweiz sei, hätte er bei einer Rückkehr nach Jemen zweifellos mit flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen zu rechnen. Den vorgenannten Eingaben lagen folgende Beweismittel bei: eine Vorla- dung vom 21. Dezember 2009 sowie ein Haftbefehl vom 2. Januar 2010 (beide an den Vater des Beschwerdeführers gerichtet) , ein vom B e- schwerdeführer verfasster, im Internet publizierter Artikel vom 18. Februar 2010 (inkl. Übersetzung), Mitgliedsbestätigung der TAJ Schweiz vom 30. November 2009, Bestätigungsschreiben der TAJ vom 14. März 2010, Un- terlagen zur Demonstration vom 21. April 2010 in Bern, Internetbericht über die Wahlen der TAJ Schweiz (inkl. Übersetzung), Fotos und Inte r-D-3153/2012 Seite 5 netartikel (inkl. Übersetzung) betreffend die Kundgebung vom 26. Juni 2010 in Bern, Internetbericht vom 16. August 2010 über eine Veranstal- tung der TAJ Schweiz mit dem internationalen Strafgerichtshof, Internet- bericht ü ber die Veranstaltung der TAJ vom 23. Oktober 2010 in Bern (inkl. Übersetzung), Internetartikel des Beschwerdeführers vom 29. N o- vember 2010 (inkl. Übe rsetzung), Unterlagen zur Kundgebung vom 27. November 2010 in Bern, Bericht von UNHCR Refworld " Attacks on the Press 2010 – Yemen". B.d Am 8. Mai 2012 hörte das BFM den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 29 Abs. 1 AsylG zu seinen neuen Asylgründen an. Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er habe seine exilpolitische Tätigkeit bereits am 30. November 2008 aufgenommen; er habe damals an einem Podium teilgenommen. Er verwies sodann auf einen von ihm verfassten Artikel über die Unterdrückung und Bekämpfung des südjemenitischen Volkes durch den Nor djemen und führte im Weiteren aus, er sei ungefähr seit dem Jahr 2011 für den oppositionellen TV -Sender Aden live in Bern als Grafiker tätig, wobei er Bilder für die Nachrichtensendungen bearbeite und zusammenstelle. Er habe auch Karikaturen gestaltet. Das Nachrich- tenbulletin von Aden live TV könne man sich auch auf Youtube anschau- en. Im Abspann seien jeweils die Namen der Mitarbeitenden, darunter auch sein Name, ersichtlich. Er unterhalte zudem zwei eigene Webseiten ([…]), worauf er Nachrichten sowie Karikaturen veröffentliche. Diese Webseiten seien jedoch schon mehrfach gehackt worden, wobei er b e- schimpft worden sei. Die Hacker stammten vermutlich aus Nordjemen. Der Beschwerdeführer wies sodann darauf hin, dass es sich bei W., von welchem er einen Brief erhalten habe, nicht – wie von seinem Anwal t fälschlicherweise angenommen – um seinen Bruder, sondern um einen Kollegen handle. Er machte im Weiteren geltend, er sei ein aktives Mi t- glied der TAJ und inzwischen nicht mehr für die Aktivitäten im Kanton Bern sondern für die C._______ zuständig. In die ser Funktion ziehe er die Mitgliederbeiträge ein, bezahle Rechnungen und erstelle die Jahresbi- lanz. Früher, als Verantwortlicher für Aktivitäten im Kanton Bern, habe er jeweils die Mitglieder über bevorstehende Anlässe informiert und diesb e- zügliche Vorbereitungen getroffen (z.B. Flugblätter drucken, Flaggen o r- ganisieren). Er verschicke zudem immer wieder Unterlagen betreffend Menschenrechtsverletzungen im Jemen an verschiedene Organisationen. Zu seinen Angehörigen in Jemen habe er nur unrege lmässig Kontakt. Seine Familie werde wegen seiner exilpolitischen Aktivitäten behelligt und unter Druck gesetzt, ausserdem habe er erfahren, dass die Polizei immer wieder nach ihm suche und ab und zu das Haus durchsuche. Bei einer D-3153/2012 Seite 6 Rückkehr ins Heimatland m üsste er aufgrund von Art. 125 des jemenit i- schen Strafgesetzes mit einer Verurteilung zum Tod rechnen. Der jemeni- tische Nachrichtendienst habe eine Akte über ihn angelegt, und bei einer Rückkehr nach Jemen würde er gerichtlich angeklagt werden. Er befürch- te zudem, dass es in Jemen aufgrund der Verschlechterung der human i- tären Situation bald zu einem Bürgerkrieg kommen werde. Anlässlich dieser Anhörung reichte der Beschwerdeführer folgende B e- weismittel ein: ein von ihm verfasster (unübersetzter) Artikel vom 28. April 1012 über die Unterdrückung und Bekämpfung des südjemenitischen Volkes durch den Nordjemen , drei Muster seiner Grafikerarbeiten für Aden live TV, CD mit zwei Nachrichtenbulletins von Aden live TV vom (…), sechs Seiten Internetausdrucke von den be iden Webseiten des B e- schwerdeführers als Beispiele für den Inhalt der Seiten sowie zum Beleg der Hackerangriffe, drei Ausdrucke von Youtube von einem Podium vom 30. November 2008, Internetartikel über die Inbetriebnahme von Aden li- ve TV mit Foto von der Eröffnungssitzung (inkl. Übersetzung), Unterlagen (inkl. Übersetzung) zu einer Demonstration im Juli 2011 in Bern, Bestäti- gung der TAJ vom 1. Mai 2012 betreffend die Tätigkeit des Beschwerde- führers innerhalb der TAJ Schweiz, unübersetzter Auszug aus dem jeme- nitischen Strafgesetzbuch (Internetausdruck), Quittung der schweizer i- schen Post, Kopie des Mitgliederausweises der TAJ, (unübersetzter) I n- ternetbericht betreffend die humanitäre Situation in Je men, Bericht von Amnesty International vom 17. Oktober 2011 (ar abisch und französisch) über aussergerichtliche Verurteilungen und Hinrichtungen in Je men, (un- übersetzte) Internetmeldung vom 23. April 2012 über einen Freund des Beschwerdeführers, welcher im Gefängnis verletzt wurde, (unübersetzter) Bericht vom 26. April 2012 über Menschenrechtsverletzungen in jemeniti- schen Gefängnissen. C. Das BFM stellte mit Verfügung vom 10. Mai 2012 – eröffnet am 14. Mai 2012 – fest, die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe hielten den Anforderungen an die Asylrelevanz im Sin ne von Art. 3 AsylG nicht stand. Demzufolge verneinte das BFM die Flüchtlingseigenschaft und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es infolge Unzumutba r- keit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme des Beschwerde- führers in der Schweiz. D-3153/2012 Seite 7 D. Mit Eingabe an das BFM vom 10. Mai 2012 reichte der Beschwerdeführer Beispiele von Karikaturen zu den Akten. E. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 12. Juni 2012 liess der Beschwerdeführer beantragen, die angefochtene Verfügung sei teilweise aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen , und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wu r- de um Gewährung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverf ahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses ersucht. Der Beschwerde lagen die angefochtene vorinstanzliche Verfügung sowie eine Vollmacht vom 13. Januar 2010 (beide in Kopie) bei. F. Der Instruktionsrichter verzichtete mit Verfügung vom 18. Juni 2012 a n- tragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, wies das G e- such um unentgeltliche Verbeiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) ab und teilte dem Beschwerdeführer gleichzeitig mit, über das G esuch um G e- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde im Endentscheid befunden. Der Beschwerdeführer wurde in diesem Zusammenhang aufgefordert, umgehend einen Beleg für die ge l- tend gemachte Bedürftigkeit nachzureichen. G. Mit Eingabe vom 22. Juni 2012 liess der Beschwerdeführer eine Bestät i- gung der Fürsorgeabhängigkeit vom 21. Juni 2012 zu den Akten reichen. H. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 25. Juni 2012 vollumfäng- lich an seiner Verfügung fest und beantragte d ie Abweisung der B e- schwerde. Diese Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 29. Juni 2012 zur Kenntnis gebracht. I. Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe vom 26. Oktober 2012 weitere Beweismittel nachreichen: zwei von ihm verfasste, auf www.adenalghad.net respektive www.aden.fm publizierte kritische Artikel vom 28. April und 7. Juli 2012 (inkl. Übersetzung), Unterlagen (Fotos, I n-D-3153/2012 Seite 8 ternetbericht inkl. Übersetzung) einer Demonstration vom 7. Juli 2012 in Bern, Internetartikel von Amnesty International (AI) vom 30. August 2012, zwei unübersetzte Internetberichte von www.swissinfo.ch und www.alwfaqnews.net, mehrere Fotos (Farbkopien) sowie Kopien der Identitätskarte sowie des Parteiausweises von M. H. F.. J. Mit Eingabe vom 10. April 2013 (Poststempel) teilte der Beschwerdefü h- rer mit, er habe am 24. November sowie am 1. Dezember 2012 an zwei weiteren Demonstrationen teilgenommen, und reichte entsprechende F o- tos und Internetberichte (inkl. Übersetzung) zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 des Ve r- waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) B e- schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, welche von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des BFM, welche in Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich endgültig, aus- ser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor we l- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme besteht vorliegend nicht, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei se Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-3153/2012 Seite 9 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer polit i- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind in sbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Wer sich darauf beruht, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst g e- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüch t- lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuc h- lich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Pe r- sonen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren Hinweisen). D-3153/2012 Seite 10 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, es sei zwar davon auszugehen, dass der jemeniti- sche Staat Oppositionelle im Exil beobachte, allerdings hätten die jemeni- tischen Behörden nur dann Interesse an der namentlichen Identifizierung einer Person, wenn deren Aktivitäten über den Rahmen massentyptischer und niedrig profilierter Ers cheinungsformen exilpolitischer Proteste h i- nausgingen und den Asylsuchenden somit als ernsthaften und gefährl i- chen Regimegegner erscheinen liessen. Vorliegend ergebe sich aus den Ausführungen des Beschwerdeführers sowie den eingereichten Bewei s- mitteln kein derartiges herausragendes politisches Profil. Seine Tätigke i- ten seien vergleichbar mit denjenigen einer Vielzahl von Exil -Jemeniten und hebe sich davon nicht ab. Mit Blick auf die Beschreibung seiner Akt i- vitäten ergebe sich aus seiner Funktion innerhalb der TAJ keine exponier- te Stellung in der Öffentlichkeit. Bei den von ihm erledigten Aufgaben handle es sich nämlich hauptsächlich um interne, administrative Aktivit ä- ten. Auch durch die Arbeit beim TV-Sender Aden live werde er wohl kaum als ernstzunehmende Bedrohung für das jemenitische Regime wahrge- nommen. Am Ende des Nachrichtenbulletins erscheine zwar sein Name, jedoch sei der Beschwerdeführer als Grafiker hauptsächlich für die Bilder und Gestaltung zuständig und nicht verantwortlich für die politischen I n- halte. Sollten die jemenitischen Behörden überhaupt je davon Kenntnis erhalten, seien seine Aktivitäten in Anbetracht der gesamten Umstände jedenfalls nicht geeignet, ihn als Person mit klar definierten opposition s- politischen Vorstellungen und persönlichem Agitationspotential, welche zu einer Gefahr für das Regime werden könnte, erscheinen zu lassen. Sein Verhalten in der Schweiz sei daher insgesamt nicht geeignet, ein erns t- haftes Vorgehen der jemenitischen Behörden zu bewirken. In Anbetracht dessen sei das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach seine Fami- lienangehörigen seinetwegen von den Behörden belästigt würden, als reine Schutzbehauptung zu werten. Bezüglich der eingereichten Vorl a- dungen für den Vater sei festzustellen, dass derartige Dokumente in J e- men leicht käuflich erworben werden könnten und nicht fälschungssicher seien. Die Briefe des Vaters und von Kollegen seien als Gefälligkeit s- schreiben zu qualifizieren. Insgesamt änderten diese Beweismittel nichts an der vorgenommenen Einschätzung. Es könne auch darauf verzichtet werden, die in Aussicht gestellte Einreichung von Karikaturen abzuwa r- ten. Zusammenfassend sei festzustellen, dass die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe nicht asylrelevant seien, weshalb der B e- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. D-3153/2012 Seite 11 4.2 In der Beschwerde wird zunächst der Sachverhalt wiederholt, wobei namentlich die bereits aktenkundigen exilpolitischen Aktivitäten des B e- schwerdeführers nochmals einzeln aufgelistet werden. Anschliessend werden die Erwägunge n des BFM zusammengefasst wiedergegeben. Sodann wird auf das Urteil D -5395/2006 des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. Juni 2009 verwiesen , worin es ebenfalls um das Vorliegen su b- jektiver Nachfluchtgründe durch exilpolitische Aktivitäten eines jemenit i- schen Staatsangehörigen ging, und ausgeführt, im Unterschied zu dem im erwähnten Urteil behandelten Fall habe sich der Beschwerdeführer in ausserordentlicher Weise exilpolitisch exponiert. Er sei seit Ende Nove m- ber 2008 exilpolitisch tätig, also nicht erst unmittelbar nach der rechtskräf- tigen Ablehnung seines Asylgesuchs. Er sei aktives Mitglied der TAJ, h a- be an diversen Versammlungen und Demonstrationen teilgenommen, sei eine Zeitlang Verantwortlicher für die Aktivitäten im Kanton Bern gewesen und sei mittlerwe ile D._______ der TAJ Schweiz. Der Beschwerdeführer bekleide innerhalb der TAJ eine sehr wichtige Funktion. Seine vorwiegend internen Tätigkeiten zeigten sein echtes politisches Engagement: Er b e- schränke sich nicht nur darauf, sich in der Öffentlichkeit zu exponieren, sondern übernehme auch Verantwortung innerhalb der TAJ. Dieser Ei n- druck werde mit Blick auf seine Tätigkeit als Grafiker und Verantwortlicher für Montage beim oppositionellen TV-Sender Aden live verstärkt. Entge- gen der Auffassung des BFM lasse diese Tätigkeit den Beschwerdeführer als Person mit klar oppositionspolitischen Vorstellungen und persönl i- chem Agitationspotenzial erscheinen, zumal Aden live TV in Jemen und England ausgestrahlt werde, das Nachrichtenbulletin zudem täglich auf Youtube zu sehen sei und der Beschwerdeführer als Mitglied des Nac h- richtenteams jeweils am Schluss des Bulletins namentlich erwähnt werde. Auch seine regimekritischen Karikaturen seien auf diesem Fernsehse n- der veröffentlich worden. Der Beschwerdeführer betreibe ausserdem zwei eigene Websites und veröffentliche regelmässig regimekritische Artikel im Internet. Die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers hätten ein Ausmass erreicht, welches sich von den üblichen Aktivitäten anderer exil- politisch tätigen Jemeni ten abhebe. Es sei davon auszugehen, dass er damit das Interesse der jemenitischen Behörden auf sich gezogen habe. Im Weiteren treffe es nicht zu, dass das Vorbringen, wonach die Angeh ö- rigen des Beschwerdeführers von den jemenitischen Behörden behelligt würden, eine reine Schutzbehauptung sei. Vielmehr sei diese Aussage glaubhaft. Immerhin habe der Beschwerdeführer den Akten zufolge em o- tional reagiert, als er anlässlich der Anhörung auf seine Familienangeh ö- rigen in Jemen angesprochen worden sei. Er habe in der Anhörung glaubhaft dargelegt, dass Hausdurchsuchungen stattfänden, immer wie-D-3153/2012 Seite 12 der Beamte erschienen, um nach seinem Verbleib zu fragen, und sein Va- ter Vorladungen erhalten habe. Die Existenz der Vorladungen bestätige, dass die Aktivitäten des Beschwerdeführers in der Schweiz durch die j e- menitischen Behörden genau beobachtet würden. Bei der Feststellung der Vorinstanz, wonach die eingereichten Vorladungen leicht käuflich e r- werbbar und nicht fälschungssicher seien, handle es sich um eine blosse Behauptung, zumal in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes offe n- sichtlich weder eine Botschaftsabklärung noch eine Laboruntersuchung vorgenommen worden sei. Zusammenfassend sei festzustellen, dass konkrete Anhaltspunkte bestünden, wonach der Beschwerdeführer ta t- sächlich ins Visier der jemenitischen Behörden geraten und als regim e- feindliches Element registriert worden sei. Somit bestehe für den B e- schwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Jemen eine konkrete Ve r- folgungsgefahr seitens der heimatlichen Behör den. Er erf ülle daher die Flüchtlingseigenschaft. 4.3 In der Eingabe vom 26. Oktober 2012 wird angefügt, der Beschwe r- deführer habe in der Zwischenzeit zwei weitere regimekritische Artikel verfasst, welche am 28. April respektive am 7. Juli 2012 im Internet (auf www.adenalghad.net respektive www.aden.fm) unter seinem Namen und mit seinem Foto versehen veröffentlicht worden seien. Ausserdem habe er am 7. Juli 2012 eine Demonstration in Bern organisiert bzw. daran tei l- genommen. Auf den diesbezüglich eingereichten Fotos sei er klar zu e r- kennen. Die Demonstranten hätten Transparente getragen und ausse r- dem beim Schweizer Parlament e ine Motion eingereicht, welcher ein B e- richt einer Menschenrechtsorganisation beigelegt worden sei. In der Ei n- gabe wird im Weiteren auf einen Bericht von AI vom 30. August 2012 verwiesen, worin das gewalttätige Vorgehen der jemenitischen Siche r- heitskräfte gegen Studenten und politische Aktivisten thematisiert wird. Schliesslich wird unter Hinweis auf diesbezüglich eingereichte Beweismit- tel geltend gemacht, ein Onkel des Beschwerdeführers, E._______, sei im März 2012 aus Grossbritannien nach Südjemen zurückgekehrt, worauf die Sicherheitsbehörden versucht hätten, ihn zu eliminieren, da er exilp o- litisch tätig gewesen sei. 4.4 Mit Eingabe vom 1 0. April 2013 verweis der Beschwerdeführer unter Beilage entsprechender Beweismittel auf seine Teilnahme an zwei weit e- ren Demonstrationen im November und Dezember 2012. 5. Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch sein Verha l-D-3153/2012 Seite 13 ten nach der Ausreise aus dem Heimatland, namentlich durch die geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz, Grund für eine zu- künftige Verfolgung durch die jemenitischen Behörden gesetzt hat und aus diesem Grund (das heisst infolge Vorliegens subjektiver N achflucht- gründe) die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. 5.1 Es ist unbestritten, dass sich der Beschwerdeführer im geltend g e- machten Umfang in der Schweiz exilpolitisch betätigt hat. Exilpolitische Aktivitäten können jedoch nur dann im Sinne von subjektiven Nachf lucht- gründen die Flüchtlingseigenschaft begründen, wenn zumindest glaubhaft gemacht wird, dass im Falle einer Rückkehr ins Heimatland infolge der Exilaktivitäten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mit politischer Ve r- folgung zu rechnen wäre. 5.2 Zunächst ist festzustellen, dass sich die politische Lage im Heima t- land des Beschwerdeführers im letzten Jahr unter dem Einfluss des so- genannten "arabischen Frühlings" deutlich verändert hat: Der frühere Staatspräsident Ali Abdullah Salih ist am 21. Februar 2012 zurück getre- ten, und es wurde eine Übergangsregierung unter der Führung von Abdu- rabbo Mansour Hadi gebildet, welche Reformprozesse eingeleitet hat. Zurzeit findet in Jemen ein sogenannter "nationaler Dialog" statt über die Frage, wie die grossen Konflikte im Land zu lösen seien und dauerhafte Stabilität geschaffen werden könne. Dabei wird insbesondere auch der zukünftige Status von Südjemen diskutiert . Der erfolgte politische U m- sturz und die in Gang gesetzten Umstrukturierungen lassen den allg e- meinen Willen erkennen, politische und gesellschaftliche Probleme im Di- alog zu lösen anstatt mit Gewalt. Dementsprechend konnte beispielswe i- se bereits eine verbesserte Gewährleistung der Meinungsäusserungsfre i- heit und Versammlungsfreiheit festgestellt werden ( vgl. Frankfurter Allge- meine Zeitung, Jemens Zukunft, 08. März 2013; Human Rights Watch , World Report 2013: Yemen). Eine generelle Verfolgungsgefahr für Befür- worter eines unabhängigen Südens besteht zurzeit nicht (vgl. dazu das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -656/2010 vom 22. März 2012, E. 3.2.4.1, mit weiteren Hinweisen). 5.3 Den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts zufolge trifft es im Weiteren zwar grundsätzlich zu, dass die jemenitische Diaspora durch die jemenitischen Behörden überwacht wird. Angesichts der erwähnten politi- schen Umstrukturierung und der immer noch relativ schwachen Kontrolle der (neuen) Zentralregierung erscheint es allerdings fraglich, ob und mit welcher Intensität diese aktuell gewillt beziehungsweise in der Lage ist, D-3153/2012 Seite 14 diese Überwachungstätigkeit aufrechtzuerhalten. Abgesehen davon reicht der Umstand, dass die jemenitischen Behörden die exilpolitischen Aktiv i- täten ihrer Staatsbürger allenfalls beobachten, für sich allein genommen nicht aus, um eine begründete Verfolgungsfurcht glaubhaft zu mac hen. Vielmehr müssen zusätzliche konkrete Anhaltspunkte – nicht lediglich abstrakte oder rein theoretische Möglichkeiten – dafür vorliegen, dass der Beschwerdeführer tatsächlich das Interesse der jemenitischen Behörden auf sich gezogen respektive als regim efeindliches Element namentlich registriert wurde. Zudem sind die häufig vorkommenden, massentypisch und geringprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste kaum geeignet, das Interesse des jemenitischen Geheimdienstes zu wecken. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass sich die jemenitischen Behörden gegebenenfalls auf die Erfassung von Personen konzentrieren, welche sich von der Masse der exilpolitisch tätigen Jemeniten abheben, sei es durch die von ihnen wahrgenommenen Funktionen oder durch die von ih- nen ausgeübten Aktivitäten, welche die jeweilige Person als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen. Die optische Erken n- barkeit und Individualisierbarkeit einer Person ist dabei zweitrangig. Pr i- mär massgebend ist vielmehr, ob die asylsuchende Person aufgrund ihrer Persönlichkeit, der Form ihrer exilpolitischen Auftritte und der Inhalte der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, sie stelle eine Gefahr für den Fortbestand des jemenitischen Regimes dar. 5.4 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzustellen, dass der Beschwerde- führer vor seiner Ausreise aus dem Heimatland im April 2008 nicht pol i- tisch tätig war (vgl. dazu insbesondere A1 S. 5). Insbesondere ist au f- grund der Akten davon auszugehen, dass er sich im Heimatland in keiner Weise für die südjemenitische Unabhängigkeitsbewegung interessiert oder gar aktiv dafür eingesetzt hat. Demzufolge ist auch auszuschliessen, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatland bei den he i- matlichen Behörden als regimefeindliche Person registriert war. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers ist aufgrund der Aktenlage auch nicht davon auszugehen, dass er im heutigen Zeitpunkt im Visier der j e- menitischen Behörden steht. Zwar macht der Beschwerde führer geltend, die heimatlichen Behörden wüssten von seiner exilpolitischen Tätigkeit, er werde behördlich gesucht, sein Vater habe in diesem Zusammenhang Vorladungen erhalten und es sei zu Hausdurchsuchungen gekommen. Al- lerdings sind diese Vorbringen wen ig überzeugend. Insbesondere sind die diesbezüglich eingereichten Dokumente ( Vorladung und Haftbefehl) nicht geei gnet glaubhaft zu machen, dass die jemenitischen Behörden von der exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerdeführers wissen und ihn D-3153/2012 Seite 15 deswegen suchen. Der Vorladung vom 21. Dezember 2009 ist lediglich zu entnehmen, der Vater des Beschwerdeführers müsse wegen seinem Sohn vorstellig werden. Mangels weiterführender Angaben könnte damit auch der Bruder des Beschwerdeführers gemeint sein. Jedenfalls ist w e- der der Vorladung vom 21. Dezember 2009 noch dem Haftbefehl vom 2. Januar 2010 ein konkreter Hinweis darauf zu entnehmen, dass die j e- menitischen Behörden von der exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerd e- führers Kenntnis haben. Im Weiteren ist ohnehin die Au thentizität dieser Dokumente zu bezweifeln . Insbesondere die Tatsache, dass der Vater des Beschwerdeführers seit dem angeblichen Erhalt des Haftbefehls im Januar 2010 offenbar keine weiteren Verfolgungshandlungen, namentlich keine Verhaftung, erleiden musste, und gleichzeitig mangels anderweit i- ger aktenkundigen Angaben davon auszugehen ist, er sei nach wie vor am Herkunftsort wohnhaft, lässt den Schluss zu, dass es sich bei der ge l- tend gemachten Verfolgung des Vaters um einen mit Hilfe gefälschter Do- kumente konstruierten Sachverhalt handelt. Derartige Dokumente sind im Übrigen offensichtlich nicht fälschungssi cher und können in Jemen aus- serdem ohne weiteres käuflich erworben werden. Der in der Beschwerde erhobene Vorwurf, das BFM habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem es die eingereichten Dokumente weder durch ein Urkundenlabor noch mittels Botschaftsabklärung habe überprüfen lassen, erscheint mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen als unbegründet, zumal der r e- levante Sachverhalt als ausreichend erstellt zu erachten und eine Echt- heitsprüfung von Dokumenten ohne spezifische Sicherheitsmerkmale oh- nehin nicht erfolgsversprechend ist. Bezüglich der geltend gemachten Hausdurchsuchungen ist festzustellen, dass diese nicht belegt werd en. Ausserdem erscheint der vom Beschwerdeführer dargestellte Sachve r- halt, wonach die jemenitischen Behörden einerseits angeblich von seiner exilpolitischen Tätigkeit in der Schweiz wissen, andererseits dennoch mehrfach am Herkunftsort nach ihm suchen, völ lig unplausibel. Der B e- schwerdeführer verweist zum Beleg seiner Verfolgung durch den Siche r- heitsdienst ausserdem auf zwei Briefe (von seinem Vater und von W.), worin er gewarnt wird, er solle nicht nach Jemen zurückkehren, da der Sicherheitsdienst nach ihm suche. Diese Briefe sind frappant ähnlich fo r- muliert und enthalten im Wesentlichen lediglich eine pauschale Skizzi e- rung der angeblichen Gefährdungslage sowie die auffallend häufig wie- derholte Aufforderung an den Beschwerdeführer, er solle unter keinen Umständen nach Jemen zurückkehren. Mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen ist davon auszugehen, dass es sich bei diesen Briefen um reine Gefälligkeitsschreiben zwecks Verwendung im Asylverfahren des Beschwerdeführers handelt. Insgesamt erscheint es nach dem Gesagten D-3153/2012 Seite 16 als überwiegend unglaubhaft, dass der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt von den jemenitischen Behörden als Regimegegner und exilpo- litischer Aktivist registriert ist und gesucht wird. 5.5 Selbst für den Fall, dass die jemenitischen Behörden z ukünftig Kenntnis von der exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerdeführers in der Schweiz erlangen sollten, erscheint es unwahrscheinlich, dass der B e- schwerdeführer deswegen eine asylrelevante Verfolgung zu gewärtigen hätte. Die geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerde- führers (Teilnahme an Anlässen und Kundgebungen der TAJ, Verfassen regimekritischer Artikel, buchhalterische Arbeiten für die TAJ, Hinte r- grundarbeiten für Aden live TV, Unterhalt eigener Webseiten mit polit i- schem Inhalt) sin d nämlich aus nachfolgenden Gründen nicht geeignet, ihn als ernsthafte Gefahr für das jemenitische Regime erscheinen zu la s- sen: Die Teilnahme an Veranstaltungen der TAJ und das Verfassen von regimekritischen Artikeln sind unter Angehörigen der jemenitische n Dias- pora beliebte und häufige exilpolitische Ausdrucksformen. Der Beschwe r- deführer hebt sich dadurch nicht von der Masse seiner Landsleute im Exil ab, zumal er sich anlässlich der Kundgebungen nicht übermässig exp o- niert hat. Bezüglich seiner Artikel ist festzustellen, dass diese im Wesent- lichen allgemeine Kritik am Regime von Präsident Salih sowie Unterstü t- zungsbekundungen für die Sezessionsbewegung des Südens enthalten. Jemenitische Asylsuchende verfassen sehr häufig derartige Texte, of t- mals mit dem Ziel , dadurch subjektive Nachfluchtgründe zu konstruieren; solche Artikel sind daher inzwischen als massentypisches Phänomen zu bezeichnen. Der Inhalt respektive die Aussagen der vom Beschwerdefüh- rer eingereichten Artikel sowie auch seiner Karikaturen (vgl. di e entspre- chenden Beweismittel B16) sind zwar durchaus kritisch, aber keineswegs originell. Die fraglichen Texte heben sich nicht von anderen derartigen Pamphleten ab, weshalb ihnen auch kein eigentliches Agitationspotential zuzusprechen ist. Gleiches gilt auch für seine Karikaturen. Im Weiteren ist festzustellen, dass die beiden Websites des Beschwerdeführers ([…]), auf welchen er eigenen Angaben zufolge jeweils seine regimekritischen Art i- kel und Karikaturen veröffentlicht hat, offenbar seit längerer Zeit n icht mehr aktiv sind. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die vom Beschwerdeführer verfassten Texte und Karikaturen im Wesentlichen g e- gen die Regierung des Ex-Präsidenten Salih respektive gegen deren Poli- tik richteten. Salih ist inzwischen nicht m ehr im Amt. Es ist nicht akte n- kundig, dass der Beschwerdeführer mit seinen Texten und Karikaturen auch die aktuelle Regierungsspitze, namentlich den aktuellen Übe r- gangspräsidenten Hadi konkret angegriffen hat. Hinsichtlich der geltend D-3153/2012 Seite 17 gemachten Tätigkeit f ür die TAJ Schweiz ist zu bemerken, dass der B e- schwerdeführer innerhalb der TAJ keine Führungsposition einnimmt (oder je innehatte), sondern den Akten zufolge lediglich administrative respekt i- ve buchhalterische Arbeiten erledigt. Er ist keine treibende Kra ft dieser Organisation, sondern muss als Mitläufer bezeichnet werden. Auch seine aktenkundige Tätigkeit für Aden live TV beschränkte sich im Wesentlichen auf Hintergrundarbeiten formaler, nicht inhaltlicher Natur (Bildbearbe i- tung). Aufgrund der Aktenlage i st im Übrigen davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nur einmal und für kurze Zeit für Aden live TV tätig war. Er wird lediglich in zwei Nachrichtenbulletins, beide vom (…), im Ab- spann namentlich genannt (vgl. dazu die als Beweismittel eingereichte CD-ROM). In weiteren, auf Youtube einsehbaren Nachrichtenbulletins von Aden live TV (darunter namentlich mehrere Sendungen von Oktober 2011 sowie aus dem Jahr 2013) erscheint der Name des Beschwerdeführers nirgends mehr. Bezeichnenderweise hat er auch keinen Anstellungsver- trag mit Aden live TV eingereicht. Nach dem Gesagten liegen aufgrund der Aktenlage insgesamt keine hinreichenden Anhaltspunkte für die A n- nahme vor, das exilpolitische Engagement des Beschwerdeführers gegen das Salih-Regime und für die Unabhä ngigkeit des Südens übersteige in quantitativer und/oder qualitativer Hinsicht dasjenige vieler seiner Land s- leute im Exil deutlich und er habe sich dadurch erheblich exponiert. Au f- grund seiner exilpolitischen Tätigkeiten erscheint er nicht als besonders engagierter, hartnäckiger und gewandter Regimekritiker, der das Potential hat, die Massen aufzuwiegeln. Im Übrigen ist an dieser Stelle zu beme r- ken, dass der Beschwerdeführer sein Engagement gegen die Regierung Salih respektive für die südjemenitische Unabhä ngigkeitsbewegung zur Hauptsache erst im Anschluss an die rechtskräftige Abweisung seines ersten Asylgesuchs entfaltete, was gewisse Zweifel an seiner ideellen Motivation beziehungsweise an der Authentizität seines Engagements aufkommen lässt. Es ist davon auszugehen, dass allfällige jemenitische Beobachter aus dieser Chronologie der Ereignisse ähnliche Schlussfolge- rungen ziehen würden. Insgesamt erscheint es nach dem Gesagten – selbst für den Fall, dass seine Aktivitäten den heimatlichen Behörden b e- kannt g eworden wären – unwahrscheinlich, dass die jemenitischen B e- hörden den Beschwerdeführer als ernsthafte Gefahr für das Regime wahrnehmen würden. Angesichts der bereits vorstehend (vgl. E. 5.2) e r- wähnten politischen Umstrukturierung in Jemen und der schwachen Kon- trolle der Zentralregierung ist ohnehin fraglich, inwieweit die jemenit i- schen Behörden aktuell gewillt beziehungsweise in der Lage sind, exilp o- litische Aktivitäten zu überwachen und gegebenenfalls zu verfolgen. Die Übergangsregierung scheint sich zurze it bezüglich des Südjemen eher D-3153/2012 Seite 18 um Versöhnung zu bemühen und muss sich daneben aufgrund ihrer b e- schränkten Ressourcen auf die Bekämpfung von Terroristen und gewal t- tätigen Separatisten konzentrieren; zu dieser Gruppe gehört der B e- schwerdeführer klarerweise nicht. 5.6 Das in der Eingabe vom 26. Oktober 2012 nachgeschobene Vorbri n- gen, wonach die jemenitischen Sicherheitskräfte versucht hätten, einen exilpolitisch aktiven Onkel des Beschwerdeführers namens E._______, welcher im März 2012 aus Grossbritannien nach Sü djemen zurückg e- kehrt sei, zu töten, vermag ebenfalls keine asylrelevante Gefährdungsl a- ge des Beschwerdeführers zu begründen. Aufgrund der Aktenlage ist es völlig unglaubhaft, dass es sich bei E._______ tatsächlich um einen Ver- wandten des Beschwerdeführers handelt. (Die eingereichten Ausweisko- pien beziehen sich denn bezeichnenderweise auch nicht auf E._______, sondern auf eine Person namens F._______.) E._______ ist eine b e- kannte Persönlichkeit innerhalb der südjemenitischen Unabhängigkeit s- bewegung. Wäre der Beschwerdeführer tatsächlich mit ihm verwandt, hätte er dies mit Sicherheit bereits im Verlauf des erstinstanzlichen Ve r- fahrens kundgetan. Im Weiteren liegt die Verfolgung von E._______ durch die jemenitischen Sicherheitskräfte offensichtlich darin begründet, dass dieser wie erwähnt eine Gallionsfigur der Unabhängigkeitsbew e- gung von Südjemen ist; dessen allfällige exilpolitische Tätigkeit in Gros s- britannien dürfte die jemenitischen Behör den dagegen kaum interessiert haben. Im Vergleich zu E._______ ist der Beschwerdeführer eine völlig unbedeutende Randfigur, weshalb selbst im Falle einer glaubhaften Ve r- wandtschaft aus der Verfolgung von E._______ nicht per se auf eine Ge- fährdung auch des Beschwerdeführers geschlossen werden könnte. 5.7 Insgesamt steht aufgrund der Aktenlage fest , dass der Beschwerd e- führer nicht das Profil eines exponierten Regimegegners erfüllt. Es ist d a- her nicht davon auszugehen, dass die jemenitischen Behörden ihn als ernsthafte Bedrohung für das politische System in Jemen wahrnehmen und an seiner Verfolgung interessiert sind . Nach dem Gesagten kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass der B e- schwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Jemen aufgru nd seiner exilpolitischen Tätigkeit in der Schweiz dort ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte; eine entsprechende begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung ist daher zu verneinen. 5.8 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführe r nicht gelungen, asylrelevante subjektive Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) nachzuweisen D-3153/2012 Seite 19 oder glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt. An dieser Ei nschätzung vermögen weder die weiteren Ausführungen auf Beschwerdeebene noch die beigelegten Beweismittel etwas zu ändern. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine auslände rrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Da der Beschwerdeführer bereits mit Verfügung des BFM vom 10. Mai 2012 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen wurde, erü brigen sich jegliche Ausführungen zur Frage des Wegweisungsvollzugs. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Ar t. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch die Beschwerde nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden konnte und aufgrund der Aktenlage nach wie vor von der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist (vgl. die Bestätigung D-3153/2012 Seite 20 der Fürsorgeabhängigkeit vom 21. Juni 2012), ist in Gutheissung des Ge- suchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege von einer Ko s- tenauflage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-3153/2012 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: