Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer II II 2024 89 Entscheid vom 25. November 2024 Besetzung Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident Dr.oec. Andreas Risi, Richter Dr.iur. Frank Lampert, Richter MLaw Fiona Schuler, a.o. Gerichtsschreiberin Parteien A.________ GmbH, Beschwerdeführerin, gegen Amt für Arbeit, Lückenstrasse 8, Postfach 1181, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Arbeitslosenversicherung (Kurzarbeit 1.8.2024 - 31.10.2024)2 Sachverhalt: A.Die seit dem 9. Januar 1998 im Handelsregister des Kantons Schwyz ein- getragene A.________ GmbH mit Hauptsitz in B.________ ist ein Unternehmen, das sich, sowohl im Einzel- als auch im Grosshandel, auf den Verkauf von Ori- ent- und modernen Teppichen spezialisiert hat. Darüber hinaus bietet sie Reini- gungs- und Restaurationsdienste an, die in ihrer eigenen Wäscherei und ihrem Restaurationsatelier durchgeführt werden. Zusätzlich verkauft sie eine Auswahl von Nebenprodukten wie Bronzefiguren, Hocker, Unikat-Holz-Harztische und ex- klusive Polstermöbelgruppen. Das Unternehmen beschäftigt zurzeit 12 Mitarbei- ter (vgl. Vi-act. 1 [Handelsregisterauszug und Tätigkeitsbeschreibung des Unter- nehmens S. 1]). B.Mit Gesuch vom 11. Juli 2024 reichte die A.________ GmbH beim Amt für Arbeit eine Voranmeldung von Kurzarbeit ab dem 1. August 2024 bis voraus- sichtlich 31. Oktober 2024 ein (vgl. Vi-act. 1). Hiergegen legte das Amt für Arbeit mit Verfügung vom 15. Juli 2024 Einspruch ein (vgl. Vi-act. 2). C.Am 7. August 2024 erhob die A.________ GmbH beim Amt für Arbeit Ein- sprache und verlangte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 15. Juli 2024 (vgl. Vi-act. 3). Mit Entscheid Nr. 187/24 vom 17. September 2024 wies das Amt für Arbeit die Einsprache ab (vgl. Vi-act. 4). D.Gegen diesen Einspracheentscheid erhebt die A.________ GmbH am 15. Oktober 2024 fristgerecht Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit den Anträgen: 1. Wir wünschen, dass der Einspracheentscheid aufgehoben, und unsere Vor- anmeldung von Kurzarbeit anerkannt wird. 2. Wir bitten Sie, uns für die genannte Zeit vom August – Oktober 2024 zu ent- schädigen. Am 16. Oktober 2024 reicht die Beschwerdeführerin mittels Beschwerdeergän- zung Akten (Flyer zum Thema "saubere Luft zu Hause" und Bronzefigurenflyer) nach. E.Mit Vernehmlassung vom 23. Oktober 2024 beantragt das Amt für Arbeit die Abweisung der Beschwerde. Hierzu äussert sich die Beschwerdeführerin mit Replik vom 31. Oktober 2024. 3 Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.Strittig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz mit Einspracheentscheid vom 17. September 2024 ihren Einspruch vom 15. Juli 2024 gegen die Auszahlung der Kurzarbeitsentschädigung (KAE) für den Zeitraum vom 1. August 2024 bis 31. Oktober 2024 zu Recht bestätigt hat. 2.1Arbeitnehmer, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz eingestellt ist, haben Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn u.a. der Ar- beitsausfall anrechenbar ist (Art. 31 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIG, SR 837.0) und der Arbeitsausfall voraussichtlich vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass durch Kurzarbeit ihre Arbeitsplätze erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 lit. d AVIG). Der Arbeitsausfall ist anrechenbar, wenn er auf wirtschaftliche Gründe zurückzu- führen und unvermeidbar ist (Art. 32 Abs. 1 lit. a AVIG) und je Abrechnungsperi- ode mindestens 10 Prozent der Arbeitsstunden ausmacht, die von den Arbeit- nehmern des Betriebs insgesamt normalerweise geleistet werden (Art. 32 Abs. 1 lit. b AVIG). Die Rechtsprechung legt den Begriff der wirtschaftlichen Gründe un- ter Berücksichtigung des präventiven Charakters der Kurzarbeitsentschädigung sehr weit aus. Darunter fallen sowohl ein Rückgang der Nachfrage nach den üb- lichen Gütern und Dienstleistungen eines Unternehmens als auch Faktoren, die entweder direkt vom Markt beeinflusst werden oder die Marktposition eines Pro- dukts beeinflussen (BGE 128 V 307 E. 3a; Urteil BGer 8C_549/2017 vom 20.12.2017 E. 3.2). Der auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführende Arbeitsausfall muss unver- meidbar gewesen sein. Diese kumulativ erforderliche Voraussetzung ist Aus- druck der Schadenminderungspflicht. Vom Arbeitgeber kann verlangt werden, dass er zumutbare Vorkehren zur Abwendung des Arbeitsausfalls trifft. Vermeid- bar ist die Kurzarbeit jedoch nicht bereits deshalb, weil der Arbeitgeber ihr durch Personalentlassung hätte vorbeugen können. Vielmehr muss sich die Annahme der Vermeidbarkeit des Arbeitsausfalls auf hinreichend konkrete Gründe stützen und die Verwaltung muss geeignete zumutbare Massnahmen nennen, die der Arbeitgeber zu ergreifen unterlassen hat (vgl. Nussbaumer, Arbeitslosenversi- cherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Soziale Sicher- heit, 3. Aufl. 2016, S. 2410 f. Rz. 480 m.H.). Ob der Arbeitsausfall voraussichtlich vorübergehend ist und der Arbeitsplatz durch Kurzarbeit erhalten werden kann, kann im Zeitpunkt der Voranmeldung in der Regel nur prognostisch anhand von Vermutungen geprüft werden. Nach der 4 bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist davon auszugehen, dass ein Arbeits- ausfall wahrscheinlich vorübergehend sein wird und die Arbeitsplätze durch die Einführung von Kurzarbeit erhalten werden können, solange nicht konkrete An- haltspunkte die gegenteilige Schlussfolgerung zulassen (BGE 121 V 371 E. 2a). Die Anspruchsvoraussetzung des voraussichtlich vorübergehenden Arbeitsaus- falles und der Eignung von Kurzarbeit zur Erhaltung der Arbeitsplätze gem. Art. 31 Abs. 1 lit. d AVIG beurteilt sich prospektiv vom Zeitpunkt der Voranmeldung aus und aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie beim Erlass des Ein- spracheentscheids bestanden haben (BGE 121 V 373 E. 2a). 2.2Nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er zum normalen Betriebsri- siko des Arbeitgebers gehört (Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG) oder wenn er branchen-, berufs- oder betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäftigungsschwankun- gen verursacht wird (Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind mit dem normalen Betriebsrisiko i.S.v. Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG die "gewöhnlichen" Arbeitsausfälle gemeint, mithin jene Ausfälle, die erfah- rungsgemäss regelmässig und wiederholt auftreten, demzufolge vorhersehbar und in verschiedener Weise kalkulatorisch erfassbar sind. Was in diesem Sinne noch als normal gelten soll, darf nicht nach einem für alle Unternehmensarten allgemeingültigen Massstab bemessen werden, sondern ist in jedem Einzelfall aufgrund der mit der spezifischen Betriebstätigkeit verbundenen besonderen Verhältnisse zu bestimmen (BGE 138 V 333 E. 4.2.2; BGE 119 V 498 E. 1). Da- bei kommt dem Gesichtspunkt der Vorhersehbarkeit i.d.R. massgebende Bedeu- tung zu (BGE 138 V 337 E. 4.2.2). Arbeitsausfälle, die jeden Arbeitgeber treffen können, gehören zum normalen Betriebsrisiko. Nur wenn sie ausserordentlicher oder aussergewöhnlicher Natur sind, sind sie anrechenbar und damit entschädi- gungsberechtigt (vgl. Nussbaumer, a.a.O., S. 2412 Rz. 485; Zeitschrift für Ar- beitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 1995 Nr. 20 S. 119 E. 1b). Unter das normale Betriebsrisiko fallen insbesondere jährlich wiederkehrende Auf- tragsschwankungen (vgl. Weisung AVIG KAE S. 42 D6). Zwischen den Aus- schlussgründen der Branchen-, Berufs- und Betriebsüblichkeit gem. Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG und demjenigen des normalen Betriebsrisikos gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG besteht ein enger Bezug, weshalb oftmals eine Differenzierung nicht möglich und auch nicht notwendig ist (vgl. Nussbaumer, a.a.O., S. 2413 Rz. 486; Weisung AVIG KAE S. 46 D10; vgl. auch BGE 121 V 376 E. 4e). Ein Arbeitsaus- fall ist nicht anrechenbar, wenn er durch saisonale Beschäftigungsschwankungen verursacht wird (Weisung AVIG KAE S. 47 D11). 2.3Die KAE hat die präventive Funktion, Ganzarbeitslosigkeit, d.h. Entlassun- gen zu verhindern und Arbeitsplätze zu erhalten. Neben sozialen und wirtschaft-5 lichen Überlegungen spielen dabei auch finanzielle Interessen der ALV mit hin- ein, weil Ganzarbeitslose höhere Kosten verursachen. Die Erhaltung der Arbeits- plätze liegt aber auch im Interesse des Arbeitgebers, indem der Produktionsap- parat über die Zeit der Kurzarbeit hinweg intakt und die Stammbelegschaft erhal- ten bleiben kann (Nussbaumer, a.a.O., S. 2401 Rz. 566, BGE 123 V 234 E. 7a m.H.). Indessen ist nicht zu verkennen, dass sich die gesetzliche Regelung der KAE am Grundsatz der Verhältnismässigkeit orientiert und somit nicht jede Verkürzung oder Einstellung der Arbeitszeit entschädigt wird (vgl. Art. 31-35 AVIG). Überdies ist zu beachten, dass das Institut der KAE - entsprechend dem aus Art. 31 BV hervorgehenden Grundsatz der Wettbewerbsneutralität (vgl. BGE 121 I 134 f. E. 3d) - dort seine Grenzen findet, wo es zur Erhaltung nicht mehr dem Markt ent- sprechender Betriebsstrukturen eingesetzt wird (ARV 1985 Nr. 17 S. 109; ALV- Praxis 92/2). Auch die Bestimmungen des AVIG sind in diesem Sinne verfas- sungskonform auszulegen (vgl. BGE 120 Ia 290 E. 2b; 119 V 130 E. 5b; Rhi- now/Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungs- band, Basel/Frankfurt a.M. 1990, Nr. 24 S. 76 ff.). 2.4Beabsichtigt ein Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer KAE geltend zu ma- chen, so muss er dies der kantonalen Amtsstelle mindestens zehn Tage vor Be- ginn der Kurzarbeit schriftlich voranmelden. Der Bundesrat kann für Ausnahme- fälle kürzere Voranmeldungsfristen vorsehen. Die Voranmeldung ist zu erneuern, wenn die Kurzarbeit länger als drei Monate dauert (Art. 36 Abs. 1 AVIG). In der Voranmeldung muss der Arbeitgeber unter anderem Ausmass und voraussichtli- che Dauer der Kurzarbeit angeben (Art. 36 Abs. 2 lit. b AVIG) sowie die Notwen- digkeit der Kurzarbeit begründen und anhand der durch den Bundesrat bestimm- ten Unterlagen glaubhaft machen, dass die Anspruchsvoraussetzungen nach den Artikeln 31 Abs. 1 und 32 Abs. 1 lit. a AVIG erfüllt sind. Die kantonale Amts- stelle prüft, ob die Anspruchsvoraussetzungen glaubhaft gemacht worden sind und die Notwendigkeit der Kurzarbeit begründet ist. Hält sie eine oder mehrere Anspruchsvoraussetzungen für nicht erfüllt, erhebt sie durch Verfügung Ein- spruch gegen die Auszahlung der Entschädigung (Art. 36 Abs. 4 Satz 1 AVIG). 3.1In der Voranmeldung von Kurzarbeit vom 11. Juli 2024 machte die Be- schwerdeführerin einen prozentualen monatlichen Arbeitsausfall von 80% gel- tend, wobei alle 12 Mitarbeiter von der Kurzarbeit betroffen seien (vgl. Vi-act. 1). Sie führte weiter aus, dass sie nach dem Lockdown infolge der Coronapandemie zunächst sehr optimistisch waren und hofften, dass sich alles wieder normalisie- ren würde. Kurz darauf habe jedoch der Krieg zwischen Russland und der Ukrai- ne begonnen, weshalb die Auftragslage von Februar bis Dezember 2022 schlep-6 pend gewesen sei. Auch in den Jahren 2023 und 2024 habe das Geschäft nicht wie erhofft floriert. Die Auftragslage sei konstant sehr schlecht geblieben. Man habe sich viele Überlegungen gemacht und Massnahmen getroffen, damit Ruhe in den Betrieb einkehre, um so ab Januar 2025 wieder Vollgas starten zu kön- nen. Man habe geplant, an Messen präsent zu sein. Die KAE würde sehr helfen, um ein paar Monate zu überbrücken, bis dann im Dezember hoffentlich das Weihnachtsgeschäft den lang ersehnten Aufschwung generiere. Um Kosten ein- zusparen seien ab Januar 2024 die Werbekosten um 50% und die bestellten und reservierten Messeauftritte um 55% reduziert worden. Weitere Messeauftritte seien nicht mehr gebucht worden. Eine weitere Massnahme wäre ein Personal- abbau, der jedoch mit allen Mitteln verhindert werden solle. 3.2Mit Verfügung vom 15. Juli 2024 lehnte die Vorinstanz einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung ab unter anderem mit der Begründung, dass die Be- schwerdeführerin bereits am 11. April 2024 eine Voranmeldung von Kurzarbeit eingereicht habe. Dagegen habe man mit Verfügung vom 15. April 2024 Ein- spruch erhoben (vgl. VGE II 2024 66 vom 24.9.2024 E. 3.1). Da in der Voran- meldung von Kurzarbeit vom 11. Juli 2024 grossmehrheitlich dieselben Argumen- te hinsichtlich der Begründung des Arbeitsausfalls aufgeführt worden seien, wie- derhole man ebenfalls die Begründung aus der Verfügung vom 15. April 2024. Die Beschwerdeführerin vermeide es zwar, die saisonalen Schwankungen expli- zit zu erwähnen, so wie dies in der Voranmeldung von Kurzarbeit vom 11. April 2024 geschehen sei. In der aktuellen Voranmeldung von Kurzarbeit werde je- doch ausgeführt, dass die Kurzarbeit ein paar Monate überbrücken würde, bis dann schliesslich das Weihnachtsgeschäft den lang ersehnten Aufschwung ge- neriere. In der Voranmeldung von Kurzarbeit vom 11. April 2024 sei explizit er- wähnt worden, dass bis September die schwachen Monate vor der Türe seien, für die die erneute Voranmeldung ab dem 1. August 2024 auch eingereicht wor- den sei. Bei saisonalen Schwankungen handle es sich nicht um ausserordentli- che, sondern um wiederkehrende Schwankungen, welche gemäss Randziffer D11 der Weisung AVIG KAE nicht anrechenbar seien. Zudem kritisiert die Vor- instanz auch die reduzierten Marketingmassnahmen, da diese dazu dienen wür- den, im Gespräch zu bleiben und im besten Fall Aufträge an Land zu ziehen. Be- züglich des Kriegs in Russland und der Ukraine führte die Vorinstanz aus, gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. d AVIG sei ein Arbeitsausfall nur dann anrechenbar, wenn er vorübergehend sei. Aus Sicht der Vorinstanz könne der Arbeitsausfall vorliegend nicht als vorübergehend bezeichnet werden, wenn die schlechte Auf- tragslage ununterbrochen seit dem Jahr 2022 anhalte. Zudem seien die Auswir- kungen der aktuellen geopolitischen Lage für einen Teppichhändler äusserst ge- ring. 7 3.3Mit Einsprache vom 7. August 2024 machte die Beschwerdeführerin gel- tend, dass sich die Wirtschaftslage auf die "Orientteppichbranche" viel schlechter auswirke, da es sich bei den jeweiligen Teppichen um "Luxusartikel" handle. In- dem die Medien nur noch negative Nachrichten veröffentlichten, würde dies di- rekt ihre Branche treffen, da dadurch die Kauflust der Kunden beeinträchtigt sei. Man sei in einer solchen Zeit nicht mehr bereit, unnötige Anschaffungen zu täti- gen, sondern beschränke sich auf die Deckung der Grundbedürfnisse. Dadurch würden auch die schwachen Monate nach schwächer werden. Man sei aber zu- versichtlich, dass der Verkauf von Orient- und modernen Teppichen in Zukunft wieder einen Aufschwung erfahren werde, weshalb es sich lediglich um eine vor- übergehende Unterstützung bzw. Überbrückung handle. Bezüglich der Marke- tingmassnahmen führte die Beschwerdeführerin aus, es wäre ein fataler Fehler gewesen, die Kosten für Messeauftritte und Werbung nicht zu reduzieren. Weni- ger Aufträge und hohe Werbekosten hätten einen bevorstehenden Konkurs der Firma ausgelöst. Sie versicherte jedoch, dass erfahrungsgemäss die Leute über die dunklen Monate gerne zuhause blieben, wodurch die Kauflust wieder ge- weckt werde. Zudem sei es das oberste Ziel, dass man kein Personal entlassen müsse. 3.4Im Einspracheentscheid vom 17. September 2024 führte das Amt für Arbeit aus, es sei vorliegend schwierig, sich neu mit dem Sachverhalt der Beschwerde- führerin auseinanderzusetzen. Dies läge daran, dass sich nicht nur die Argumen- tation der Beschwerdeführerin wiederhole, es würden gar mehrheitlich dieselben Schreiben wieder eingereicht wie schon bei der Einsprache vom 14. Mai 2024 (vgl. VGE II 2024 66 E. 3.3). Immer wieder komme die Beschwerdeführerin dar- auf zu sprechen, dass die Kauflust in der Gesellschaft aktuell gedrosselt sei. Die kantonale Amtsstelle teile die Sicht der Unternehmung hinsichtlich der allgemein gehemmten Kauflust nur bedingt. Die Konsumentenstimmung verharre auf eher tiefem Niveau im 10-Jahres-Vergleich, doch befinde sie sich auf dem höchsten Stand seit Mitte 2021. Die Erwartungen zur wirtschaftlichen Entwicklung und die Einschätzung des Zeitpunkts für grössere Anschaffungen hätten sich gemäss SECO ebenfalls positiv entwickelt, wenn auch die finanzielle Lage der Haushalte weiterhin kritisch gesehen werde. Diese Aufwärtstendenz habe sich seit dem Einspracheentscheid vom 10. Juni 2024 weiter fortgesetzt, wie Analysen zur ak- tuellen Konjunktur zeigten. Zudem wiederholte die Vorinstanz, dass die Auswir- kungen der geopolitischen Lage ab August 2024 auf einen Teppichhändler in der Schweiz äussert gering seien. Des Weiteren habe sich die Beschwerdeführerin darauf ausgerichtet, Luxusgüter zu verkaufen, mit all den damit einhergehenden Vor- und Nachteilen. Aus Sicht der kantonalen Amtsstelle liege ein branchen-, berufs- und betriebsüblicher Arbeitsausfall vor, welcher nicht anrechenbar sei. 8 Wenn die Unternehmung beschreibe, dass saisonbedingt die Umsätze anlässlich des Weihnachtsgeschäfts wieder anziehen würden, dann sei die Zeit vom 1. Au- gust 2024 bis 31. Oktober 2024 als Nebensaison zu bezeichnen, weshalb es sich um saisonale Beschäftigungsschwankungen handle. Was die Reduzierung der Marketingausgaben angehe, beharrte die Vorinstanz auf ihrem Standpunkt, dass es aus betriebswirtschaftlicher Sicht vorteilhafter sei, dass Unternehmen, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in Werbung investierten, häufig gestärkt daraus hervorgingen und Marktanteile gewinnen würden, während Unternehmen, die Werbeausgaben stark reduzieren würden, langfristige Nachteile erleiden könn- ten. 3.5Mit Beschwerde vor Verwaltungsgericht äussert die Beschwerdeführerin, sie habe viele Massahmen getroffen, um ab Januar 2025 wieder einen wirtschaft- lichen Aufschwung zu erzielen. Hierzu habe sie unter anderem diverse Messe- teilnahmen geplant. Zudem sei sie im Gespräch mit Grossfirmen, um neu Par- kett, Bodenbeläge, Vorhänge und Matratzen ins Sortiment aufzunehmen. Folg- lich beantrage sie nur eine kurzfristige Unterstützung. Bezüglich der Saison- schwankung macht die Beschwerdeführerin noch einmal geltend, dass diese branchenabhängig sei. Auch beharrt sie auf dem Standpunkt, dass sich die geo- politische Lage auf die Orientteppichbranche auswirke. 3.6Die Vorinstanz wendet vernehmlassend ein, die Beschwerdeführerin habe in der Beschwerde erwähnt, ihr Anspruch auf KAE würde bewilligt, wenn es nur um eine kurzfristig Hilfe gehen würde, um Arbeitsplätze zu sichern. Der Vor- instanz sei hierbei nicht klar, wie die Beschwerdeführerin zu diesem Schluss ge- kommen sei. Die Tatsache, dass es um eine vorübergehende Hilfe gehe und Ar- beitsplätze gesichert würden, sei nicht die einzige Voraussetzung, die erfüllt sein müsse, damit Kurzarbeitsentschädigung gewährt werden könne. Replizierend betont die Beschwerdeführerin erneut, es handle sich voraussicht- lich um einen vorübergehenden Arbeitsausfall. Damit erfülle sie die Vorausset- zungen für KAE, weshalb ihr Antrag gutzuheissen sei. Der Entscheid der Vor- instanz sei nicht korrekt und ihre Argumente unbegründet und ungenügend. 4.1In der Voranmeldung begründete die Beschwerdeführerin die Kurzarbeit mit der schwierigen Situation nach dem Corona-Lockdown und dem Kriegsaus- bruch in der Ukraine, den sie Februar bis Dezember 2022 richtig zu spüren be- kommen habe. Dann sei auch das Jahr 2023 sehr ruhig gewesen und entgegen der Hoffnung sei auch im 2024 die Auftragslage konstant sehr schlecht geblie- ben. Man habe Messeauftritte geplant, weshalb die KAE sehr helfen würde, die 9 paar Monate zu überbrücken, bis im Dezember das Weihnachtsgeschäft hoffent- lich den lang ersehnten Aufschwung generiere. Damit aber bringt die Beschwerdeführerin keine Gründe vor, welche einen An- spruch auf KAE begründen könnten. Sie trägt im Kern vielmehr die identische Begründung vor, wie sie bereits in der Voranmeldung für KAE vom 10. April 2024 (nota bene für einen Arbeitsausfall vom 1.5.2024 bis voraussichtlich 31.12.2024) angeführt und in den damaligen Rechtsmittelverfahren vorgetragen hatte (vgl. VGE II 2024 66 vom 24.9.2024). Sie bringt keine neuen Argumente und Tatsa- chen vor, welche belegen könnten, dass sich die Verhältnisse seither und na- mentlich für den neuen Anspruchszeitraum August bis Oktober 2024 geändert hätten. So hält die Vorinstanz zu Recht fest, es fehle bei der vorgetragenen Begründung offensichtlich schon an einem voraussichtlich vorübergehenden Arbeitsausfall, nachdem der Einbruch der Auftragslage mit dem Corona-Lockdown begann, seither anhielt und lediglich die Hoffnung besteht, mit dem Weihnachtsgeschäft 2024 beginne der lang ersehnte Aufschwung. Zudem erscheint es inkonsistent, wenn die Beschwerdeführerin weiterhin von einem "vorübergehenden Arbeits- ausfall" spricht, obwohl sie im April 2024 noch KAE für Mai bis Dezember 2024 beantragt und während des Rechtsmittelverfahrens (vgl. VGE II 2024 66) auf die maximal möglichen drei Monate (Mai bis Juli 2024) reduziert hatte und im vorlie- genden Verfahren Kurzarbeit für August bis Oktober 2024 geltend macht. Dies deutet darauf hin, dass der Arbeitsausfall nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern länger andauert, als dies dargestellt wird. Bleibt anzufügen, dass der vorübergehende Charakter eines Arbeitsausfalles gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. d AVIG ohnehin nicht die einzige Voraussetzung wäre, was die Vorinstanz ver- nehmlassend richtigerweise betonte. Die Beschwerdeführerin beschreibt in ihrer Voranmeldung, die KAE würde hel- fen, die paar Monate zu überbrücken, bis im Dezember das Weihnachtsgeschäft floriert. Die Monate, die es zu überbrücken gilt, also mithin August bis Oktober, sind betriebsübliche saisonale Schwankungen, welche keinen anrechenbaren Ausfall begründen (vgl. oben E. 2.2). Wenn das Geschäft jährlich im Dezember einen Aufschwung aufgrund des Weihnachtsgeschäfts erlebt und im Vergleich dazu die Monate zuvor eher schwach ausfallen, dann fällt dies unter das normale Betriebsrisiko, welches nicht zur KAE berechtigt (vgl. Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG). 4.2.1Auch eine rezessive Wirtschaftslage kann u.U. ausreichen, dass Unter- nehmen in Schwierigkeiten geraten. Die damit verbundenen Arbeitsausfälle sind nicht mehr dem normalen Betriebsrisiko zuzurechnen, sofern der Arbeitgeber plausibel zu begründen vermag, dass die Arbeitsausfälle effektiv auf die rezessi-10 ve Wirtschaftslage zurückzuführen sind. Es ist somit ein adäquater Kausalzu- sammenhang zwischen der rezessiven Wirtschaftslage und den Auftragseinbus- sen bzw. dem Arbeitsausfall darzulegen. Von einer rezessiven Wirtschaftslage ist insbesondere dann auszugehen, wenn Umsatzeinbussen oder Einbrüche im Auf- tragsbestand verbunden mit negativen Wirtschaftsprognosen bei einer erhebli- chen Anzahl von Betrieben in der gesamten Wirtschaft oder von bestimmten Branchen vorliegen. Ein anrechenbarer Arbeitsausfall infolge rezessiver Wirt- schaftslage kann etwa dann angenommen werden, wenn die Umsätze in den Monaten kurz vor der Voranmeldung eine Abnahme im Vergleich mit den ent- sprechenden Vorjahreswerten zeigen, der KOF Konjunkturbarometer deutlich rückläufig ist und die Anzahl Voranmeldungen von Kurzarbeit der fraglichen Branche im Vergleich zum Vorjahr erheblich angestiegen ist (vgl. AVIG-Praxis KAE, D 6b). 4.2.2Die Beschwerdeführerin verweist auf die schwierige Lage nach dem Coro- na-Lockdown und dem Ausbruch des Ukrainekrieges. Soweit sie damit - implizit und wie schon im Verfahren II 2024 66 - auf eine allgemeine rezessive Wirt- schaftslage hinweisen möchte, so konnte sie weder neue Argumente oder Tatsa- chen in den Prozess einbringen, noch ist eine solche im fraglichen Zeitraum aus- gewiesen. Das SECO veröffentlicht monatlich Daten zur Konsumentenstimmung in der Schweiz. Dabei konnte festgestellt werden, dass sich die Konsumenten- stimmung im Oktober 2024 gegenüber Oktober 2023 deutlich verbessern konnte (https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/wirtschaftslage---wirtschaftspolitik- /Wirtschaftslage/Konsumentenstimmung.html; eingesehen am 13.11.2024). Die Stimmungsaufhellung der Konsumenten setzte sich zuletzt breit abgestützt fort. Gründe dafür sind die allgemeine Wirtschaftsentwicklung als auch die günstigere Beurteilung der individuellen finanziellen Lage. Die Neigung, grössere Anschaf- fungen zu tätigen, ist ebenfalls angestiegen. Zudem waren die gewichtigsten Wachstumstreiber des privaten Konsums die Rubriken Wohnen und Gesundheit (htt- ps://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Publikationen_Dienstleistungen/Publikati nen_und_Formulare/konjunkturtendenz/konjunkturtendenzenherbst2024.html, Konjunkturtendenzen Herbst 2024 S. 4; eingesehen am 13.11.2024). Für die Wirtschaft insgesamt sahen die Konjunkturprognosen des Bundes im März für das Jahr 2024 ein Wachstum, wenn auch unterdurchschnittlich voraus und bis 2025 sollte sich das Wachstum erholen. Stützende Effekte wurden insbesondere vom privaten Konsum erwartet aufgrund eines schnelleren Beschäftigungs- wachstums, tieferer Arbeitslosenquote und Rückgang der Inflation (Konjunktur- prognose SECO, 19.3.2024; https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/- medienmitteilungen.msg-id-100449.html; eingesehen am 13.11.2024). Auch 11 economiesuisse bestätigte diese Prognose und betonte ebenfalls, die Binnensek- toren seien stabil, namentlich der private Konsum stütze die Konjunktur (Medi- enmitteilung vom 5.6.2024; www.economiesuisse.ch; eingesehen am 13.11.2024). Schliesslich stieg das KOF Konjunkturbarometer im September 2024. Der Anstieg in diesem Monat bestätigt den deutlich ausgeprägten Anstieg im Vormonat August (Medienmitteilung KOF 30.9.2024, www.kof.ethz.ch; einge- sehen am 13.11.2024). Zwar sinkt das KOF Konjunkturbarometer im Oktober 2024, die Konsumnachfrage folgt dieser Abwärtsbewegung allerdings nicht. Zu- dem deuten sich leicht günstigere Perspektiven für die Textil- und Bekleidungs- firmen an (Medienmitteilung KOF 30.10.2024, www.kof.ethz.ch; eingesehen am 13.11.2024). Damit aber sind die nicht weiter belegten Ausführungen der Be- schwerdeführerin hinsichtlich schlechter Wirtschaftslage und gebremstes Kon- sumverhalten widerlegt. Namentlich für den privaten Bereich, welcher für den Markt der Beschwerdeführerin im Zentrum steht, lassen sich ihre Behauptungen auch im vorliegenden Verfahren nicht bestätigen, noch konnte sie im Vergleich zum Verfahren II 2024 66 neue Argumente hervorbringen. Es gilt festzuhalten, dass sich die positive Entwicklung der Konsumentenstimmung im Herbst 2024 fortsetzt, der Optimismus hinsichtlich grösserer Anschaffungen im Vergleich zum Frühjahr 2024 weiterhin vorhanden ist und das KOF Konjunkturbarometer im Au- gust und September, verglichen mit den Monaten Juni und Juli, einen steilen Aufwärtstrend aufweist. Was schliesslich den Ukrainekrieg betrifft, konnte die Beschwerdeführerin auch im vorliegenden Verfahren nicht konkret aufzeigen, inwiefern der Krieg ihr Ge- schäft behindert und inwiefern er kausal für ihren - vorübergehenden - Arbeits- ausfall ist. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte fehlende Kauflust ist aufgrund der oben gemachten Erläuterungen nicht nachvollziehbar. Zwar kann der Beschwerdeführerin zugestimmt werden, dass sie mit dem Verkauf von Orient- und modernen Teppichen insbesondere Luxusgüter anbietet. Jedoch sind die Konsumenten im Gegensatz zu 2023 wieder vermehrt bereit, grössere finan- zielle Anschaffungen zu tätigen. Die Beschwerdeführerin ist somit auch nicht aufgrund des Verkaufs von Luxusgütern stärker als andere Arbeitgeber von der geopolitischen Lage betroffen, weshalb die Kausalität zwischen Arbeitsausfall und der geopolitischen Lage zu verneinen ist. 4.2.3Zusammenfassend vermag die Beschwerdeführerin nicht plausibel aufzei- gen, dass die geltend gemachten Arbeitsausfälle von prognostisch 80% aller Mit- arbeitenden effektiv auf eine rezessive Wirtschaftslage zurückzuführen sind. Zu- dem konnte die Beschwerdeführerin nicht substantiiert aufzeigen, inwiefern sich der Krieg zwischen Russland und der Ukraine spezifisch und ausserordentlich 12 auf ihr Unternehmen ausgewirkt hat. Darüber hinaus wäre es zu erwarten gewe- sen, dass sich die Beschwerdeführerin damit auseinandersetzt, inwiefern sich die aktuelle geopolitische und wirtschaftliche Lage im Vergleich zum im Verfahren II 2024 66 geltend gemachten Zeitraum (Mai 2024 bis Juli 2024) geändert hat, um vorliegend die Anspruchsvoraussetzungen für eine KAE in den Monaten August bis Oktober 2024 bejahen zu können. 4.3Da es sich vorliegend um einen nicht anrechenbaren Arbeitsausfall i.S.v. Art. 33 Abs. 1 lit. a und b AVIG handelt, erübrigt sich die Diskussion, ob die Wer- bekostenreduktion seitens der Beschwerdeführerin wirtschaftlich sinnvoll war oder nicht. 5.Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist daher abzuweisen. Die Vorinstanz hat den Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung mangels anrechen- barer Arbeitsausfalls für die Zeit vom 1. August bis 31. Oktober 2024 zurecht ab- gewiesen. Es werden keine Kosten erhoben (Art. 61 Abs. 1 lit. fbis ATSG). 13 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). 4. Zustellung an: -die Beschwerdeführerin (R) -die Vorinstanz (EB) -und das Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO, 3003 Bern (A). Schwyz, 25. November 2024 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die a.o. Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 18. Dezember 2024