B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-799/2020 U r t e i l v o m 8 . A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Barbara Balmelli, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiberin Michelle Nathalie Nef. Parteien A._______, geboren am (…), China (Volksrepublik), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. Januar 2020. E-799/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reiste am 28. Oktober 2015 in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 4. November 2015 fand die Befra- gung zur Person (BzP) und am 14. September 2017 die vertiefte Anhörung zu den Asylgründen statt. Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei chinesische Staatsangehörige, tibetischer Ethnie und stamme aus B._______, Gemeinde C._______ beziehungsweise D._______, Bezirk E._______, Präfektur F._______. Dort habe sie mit ih- ren Grosseltern und ihrem Vater gelebt. Ihre Mutter sei verstorben. Identi- tätsdokumente habe sie nie besessen oder beantragt. Sie sei mit (…) Jah- ren eingeschult geworden. Bis zur (…) Klasse habe sie die Schule besucht. Zwischendurch habe sie die Schule ein Jahr lang unterbrochen und im Al- ter von zehn Jahren abgebrochen. Einen Beruf habe sie nicht erlernt. Sie habe sich um ihre Grosseltern gekümmert. Manchmal habe sie ihrer Gross- mutter bei der Herstellung von (…) geholfen. Ihre Grosseltern hätten ihr erzählt, dass v or einigen Jahren Chinesen junge Frauen aus der Region entführt und Zwangssterilisationen durchgeführt hätten. Im Jahr 20(…) sei sie mit ihren Grosseltern legal mit einem Reisedokument für eine Pilger- reise nach Nepal gegangen. Ihr Vater sei im Jahr 20(…) beziehungsweise anfangs 20(…) inhaftiert worden, da er Texte über den Dalai-Lama verfasst und verteilt habe. Sie wisse nicht, in welchem Gefängnis er sich befinde . Sie hätten nichts unternommen, um ihn zu finden. Sie selbst habe keine konkreten Probleme gehabt. Ihre Grosseltern hätten sie aus Furcht vor al- lenfalls künftigen Schwierigkeiten mit den chinesischen Behörden wegen ihres Vaters ausser Landes bringen wollen. Mitte April 2015 habe sie Tibet illegal verlassen. B. Aufgrund von Zweifeln an der Hauptsozialisation in Tibet führte eine sach- verständige Person der Fachstelle LINGUA im Auftrag der Vorinstanz am 30. November 2017 ein Telefon interview mit der Beschwerdeführerin durch. Diese kam gestützt darauf in der «Evaluation zum Alltagswissen» vom 22. Dezember 2017 zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit klein sei, dass die Beschwerdeführerin im behaupteten geographischen Raum gelebt haben könnte. C. Mit Schreiben vom 31. Januar 2019 gewährte die Vor instanz d er Be- schwerdeführerin das rechtliche Gehör zu den wesentlichen Ergebnissen E-799/2020 Seite 3 der Evaluation und informierte sie über den Werdegang sowie die Qualifi- kation der sachverständigen Person. D. In der schriftlichen Stellungnahme vom 11. Februar 2019 hielt die Be- schwerdeführerin daran fest, in der angegebenen Region geboren worden zu sein und bis zur Ausreise dort gelebt zu haben. E. Mit Verfügung vom 9. Februar 2020 stellte die Vorinstanz fest, die Be- schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asyl- gesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schloss den Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China aus und beauftragte den zu- ständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. F. Mit Eingabe vom 10. Februar 2020 reichte die Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Sie be- antragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig beziehungs- weise unzumutbar sei und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeven- tualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei ihr die unentgelt- liche Rechtspflege zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses sei zu verzichten. Es sei ihr ein amtlicher Rechtsbeistand ihrer Wahl zu bestellen. Der Beschwerde lagen folgende Beweismittel bei: eine Teilnahmebestäti- gung der (…) vom 19. April 2016, eine Bestätigung betreffend ein (…) vom 30. August 2017, ein Arbeitszeugnis betreffend (…) vom 29. März 2018, eine Beschäftigungsbestätigung der (…) vom 7. August 2018, ein Zertifikat telc Deutsch B1 vom 15. August 2019, ein Referenzschreiben des Berufs- bildungszentrums G._______ vom 20. Januar 2020, ein Zeugnis des Be- rufsvorbereitungsjahrs vom 31. Januar 2020 sowie eine Ausbildungsbestä- tigung des Alters- und Pflegezentrums (…) vom 1. Februar 2020. G. Mit Zwischenverfügung vom 24. Februar 2020 stellte die Instruktionsrich- terin fest, die Beschw erdeführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in E-799/2020 Seite 4 der Schweiz abwarten, wies die Gesuche um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung und Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands ab und forderte die Beschwerdeführer in zur Leistung eines Kostenvorschus- ses in Höhe von Fr. 750.– auf. H. Die Beschwerdeführerin leistete den Kostenvorschuss am 9. März 2020 fristgerecht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än- derung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom- men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich- nung verwenden wird. 2. 2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffen de Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 2.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist E-799/2020 Seite 5 durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhe bung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben. Diese sind vorab zu prüfen, da diese bei berechtigtem Vorbringen zur Kassation der ange- fochtenen Verfügung führen würden. 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü- fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein- lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi- derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 5.3 Sodann hat jede Person in Verfahren vor Gerichts - und Verwaltungs- instanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung. Art. 29 Abs. 1 BV wird durch Art. 10 Abs. 1 VwVG konkretisiert, welcher die Gründe für den Ausstand von Personen benennt, die eine Verfügung zu treffen oder vorzubereiten haben (vgl. STEPHAN BREITENMOSER/MARION SPORI FEDAIL E-799/2020 Seite 6 in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 10, N 17). Mit den Ausstandsregeln soll die ob- jektive Beurteilung durch eine unparteiische und unvoreingenommene Be- hörde gewährleistet werde n (vgl. BGE 127 I 196 E. 2b, BGE 119 V 456 E. 5b; SCHINDLER, a.a.O., S. 91 f.). 5.4 5.4.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst, die Vorinstanz habe den An- spruch auf rechtliches Gehör verletzt, da sie die Aufzeichnung des erstell- ten LINGUA-Gutachtens (Evaluation des Alltagswissens) nicht habe anhö- ren können. 5.4.2 Wie aus den vorinstanzlichen Akten hervorgeht, hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 31. Januar 2019 das rechtliche Gehör zur LINGUA-Analyse gewährt und darin festgehalten, sie habe die Möglichkeit, die Gesprächsaufzeichnung nach vorheriger T erminabspra- che anzuhören. Diese Möglichkeit hat die Beschwerdeführerin ungenutzt gelassen. Das Unterlassen der Beschwerdeführerin, sich um einen ent- sprechenden Termin bei der Vorinstanz zu bemühen, kann dieser nicht an- gelastet werden. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist zu verneinen. Der Subeventualantrag ist abzuweisen. 5.5 5.5.1 Weiter bringt die Beschwerdeführerin sinngemäss vor, die Fachspe- zialistin der Vorinstanz sei anlässlich der Anhörung befangen gewesen . Der Befragungsstil und die Atmosphäre anlässlich der Anhörung seien un- angenehm gewesen. Sie habe das Gefühl, ihr sei von Anfang an nicht ge- glaubt worden. Dies gehe auch aus dem Bericht der anwesenden Hilfs- werksvertretung hervor. 5.5.2 Dem Anhörungsprotokoll sowie der ausführlich begründeten ange- fochtenen Verfügung lassen sich keine Hinweise entnehmen, die darauf schliessen lassen, die Fachspezialistin der Vorinstanz habe sich einzig da- rauf fokussiert, eine Bestätigung für eine bereits vorgefasste Entscheidung zu erhalten. Vielmehr befragte sie die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung ausführlich zu ihrer Sozialisierung in Tibet sowie zu ihren Flucht- gründe. Dass die Fachspezialistin die Beschwerdeführerin bereits im Rah- men der Anhörung mit als unglaubhaft scheinenden Aussagen konfrontiert hat, führt nicht zum Anschein der Befangenheit. An dieser Einschätzung vermögen auch die Anmerkungen der zur Beobachtung eines korrekt E-799/2020 Seite 7 durchgeführten Verfahrens anwesende Hilfswerksvertretung nichts zu än- dern. Aus objektiver Betrachtungsweise ist das Vorliegen des Anscheins der Befangenheit der F achspezialistin der Vorinstanz zu verneinen. Die Rüge erweist sich ebenfalls als unbegründet und der Antrag auf Rückwei- sung der Sache an die Vorinstanz ist abzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder w egen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder de r Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 6.3 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Sie müssen ihre Identität offenlegen sowie Reisepapiere und Identitätsausweise abgeben. Der Untersuchungsgrundsatz findet unter an- derem seine Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG, vgl. BVGE 2014/12 E. 6 S. 213 f.). 7. 7.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Aufgrund von Zweifeln E-799/2020 Seite 8 an der behaupteten Herkunft sei ein Spezialist mit der Durchführung eines Alltagswissenstests beauftragt worden. Dieser sei zum Schluss gekom- men, dass die Beschwerdeführerin über sehr wenig Alltagswissen über die angegebene Heimatregion in Tibet habe. Sie habe nur grobe Angaben ma- chen können und in allen abgefragten Bereichen des Alltags häufig mit un- realistischen beziehungsweise falschen Angaben geantwortet. Sie habe Begriffe verwendet, die in exiltibetischen Gemeinschaften üblich seien, nicht aber in Tibet selbst. Es seien keine überzeugenden Punkte festzu- stellen, die auf einen Aufenthalt in der angegeb enen Region in Tibet hin- weisen würden. Deshalb sei der Alltagsspezialist zum Schluss gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit klein sei, dass sie im behaupteten geographi- schen Raum gelebt habe. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Ge- hörs habe sie nichts Su bstantielles dagegen vorgebracht. Angesichts des Ergebnisses des Alltagswissenstests und den fehlenden Identitäts - oder Reisepapieren sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht aus dem Dorf B._______, Gemeinde D._______, Bezirk E._______, Prä- fektur F._______, Provinz Tibet, stamme beziehungsweise sie dort ihr gan- zes Leben sozialisiert worden sei. Die eingereichten Fotos würden an die- ser Einschätzung nichts ändern. Im Weiteren seien d ie Angaben zu den Problemen ihres Vaters und den deshalb für sie entstehenden Schwierigkeiten vage sowie widersprüchlich ausgefallen. Trotz Vertiefungsfragen habe sie nicht erlebnisgeprägt be- gründen können, weshalb sie wegen ihres Vaters Schwierigkeiten bekom- men sollte. Stattdessen habe sie gesagt, sie habe bis zur Ausreise weder wegen ihres Vaters noch den Zwangssterilisationen Probleme gehabt. In Bezug auf den Zeitpunkt der Festnahme des Vaters habe sie sich wider- sprochen. Sie habe sodann angegeben, nicht zu wissen, in welchem Ge- fängnis sich ihr Vater befinde und n icht nachvollziehbar erklären können, weshalb sie und ihre Familie nicht versucht hätten, seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Es würden Zweifel an der Festnahme des Vaters be- stehen, was die Zweifel an der von ihr gegen sie gerichteten geltend ge- machten Verfolgung bestätige. Der Beschwerdeführerin sei es nicht gelun- gen, ihre Herkunft aus der Volksrepublik China sowie die Asylgründe glaub- haft zu machen. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus- zugehen, dass sie vor der Ankunft in der Schwei z in einer exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da es keine glaubhaften Hinweise auf einen länge- ren Aufenthalt in einem Drittstaat gebe, werde angenommen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestünden. E-799/2020 Seite 9 7.2 Die Beschwerdeführerin macht in der Rechtsmitteleingabe geltend, die Vorinstanz habe ihre Vorbringen zu Unrecht als unglaubhaft beurteilt und damit Bundesrecht verletzt. Die Vorinstanz habe nur jene Elemente der LINGUA-Analyse berücksichtigt, die gegen die Glaubhaftigkeit sprechen würden. Die richtigen Antworten anlässlich des Telefongesprächs, die An- gaben bei der Anhörung sowie die schriftliche Stellungnahme vom 11. Feb- ruar 2019 habe die Vorinstanz nicht ausreichend gewürdigt. Die geringen geographischen Kenntnisse seien darauf zurückzuführen, dass sie ihr gan- zes Leben in ihrem Heimatdorf verbracht und nur wenige Jahre die Schule besucht habe. Dementsprechend kenne sie sich mit Daten nicht gut aus. Da sie bei den Befragungen aufgefordert worden sei, genaue Angaben zu machen, habe sie in der Folge die Daten geschätzt. Ihre Chinesischkennt- nisse seien gering, weil sie im Dorf aufgewachsen sei und dort weniger Chinesisch gesprochen werde als in der Stadt. Beim Telefoninterview habe sie nicht gesagt, dass sie nie gearbeitet habe, sondern dass sie lediglich mitgeholfen und nicht wie andere gearbeitet habe. Anlässlich der Anhörung sei es zu Missverständnissen gekommen. Sie sei vier Jahre zur Schule gegangen und nicht als (…) eingeschult worden. Den Schulunterbruch von ungefähr zehn Monaten habe es gegeben, da sie sich um ihre kranke Grossmutter habe kümmern müssen. Ab der Frage 128 sei es ebenfalls zu Unklarheiten gekommen. Für die Pilgerreise im Jahr 20 (…) habe sie ein Ausreisedokument besessen. Bei der Frage 136 habe sie sich ebenfalls auf dieses Dokument bezogen. Die Ausreise im Jahr 2015 sei illegal und ohne Dokument erfolgt. Anlässlich der BzP sei es zu einem Fehler gekom- men. Ihr Vater sei nicht im Jahr 20(…) verhaftet worden. Dass das Protokoll der BzP fehlerhaft sei, zeig e sich auch darin, dass als Einreisedatum der 28. Oktober 2010 festgehalten worden sei, was offensichtlich falsch sei. Sie habe glaubhaft dartun könne n, ethnische Tibeterin sowie chinesische Staatsangehörige zu sein, aus dem Dorf B._______ in Tibet zu stammen, wegen den politischen Aktivitäten ihres Vaters von den chinesischen Be- hörden verfolgt worden und illegal aus Tibet ausgereist zu sein. 8. 8.1 Die Fachstelle LINGUA hat vorliegend eine «Evaluation des Alltagswis- sens» (vgl. BVGE 2015/10) durchgeführt. Eine solche durch die Fachstelle LINGUA in Auftrag gegebene und durch amtsexterne Sachverständige er- stellte Analyse beschränkt sich – anders als die herkömmlichen LINGUA- Analysen mit zusätzlich li nguistischer Komponente – auf landeskundlich- kulturelle Elemente und ist vergleichbar mit einer LINGUA-Analyse im her- kömmlichen Sinn (vgl. a.a.O. E. 5.1). Ebenfalls wie die herkömmliche LIN-E-799/2020 Seite 10 GUA-Analyse stellt auch die Herkunftsanalyse kein Sachverständigengut- achten dar (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern eine schriftliche Auskunft einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG). Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität der sachverstän- digen Person wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollzieh- barkeit der Analyse erfüllt sind, ist einer LINGUA-Analyse nach der Recht- sprechung erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.). 8.2 Der im vorliegenden Fall erstellten Evaluation sind keine Hinweise zu entnehmen, dass die von der Rechtsprechung definierten Mindeststan- dards (BVGE 2014/12) nicht eingehalten worden wären. Entsprechendes macht die Beschwerdeführerin auch nicht geltend. Die Evaluation ist fun- diert und mit einer überzeugenden sowie ausgewogenen Begründung ver- sehen. Sie basiert auf einer Vielzahl unterschiedlicher Fragen, die sich auf das Alltagswissen sowie das spezifische Profil der Beschwerdeführerin be- ziehen. Da der Bericht die inhaltlichen Qualitätsanforderungen erfüllt und aufgrund des Werdeganges – welcher der Beschwerdeführerin bekannt gegeben wurde (vgl. SEM-Akte A22/1) – die Qualifikation der sachverstän- digen Person nicht anzuzweifeln ist, kommt dem Fazit des Berichts, dass die Wahrscheinlichkeit klein sei, dass die Beschwerdeführerin im behaup- teten geographischen Raum gelebt haben könnte, ein erhöhter Beweiswert zu. 8.3 Die Vorinstanz hat sich in der angefochtenen Verfügung auf die «Eva- luation des Alltagswissens» gestützt, welcher ein erhöhter Beweiswert zu- kommt, und unter Berücksichtigung der Stellungnahme der Beschwerde- führerin vom 11. Februar 2019 festgehalten, die Sozialisation in der von ihr angegebenen Region sei unglaubhaft. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde hat die Vorinstanz die Elemente in die Erwägungen aufge- nommen und entsprechend gewürdigt, die für eine Sozialisation in der an- gegebenen Region sprechen. Das Argument in der Beschwerde, bei Frage 38 an der Anhörung sei es zu einem Irrtum gekommen, überzeugt nicht. Die Aussage «Ich glaube, ich habe mit der Schule, als ich (…) Jahre alt war, angefangen» erscheint unmissverständlich und lässt sich nicht derart interpretieren, dass sie vier Jahre lang zur Schule gegangen sei (vgl. SEM- Akte A17/26 F38). Zudem hat die Beschwerdeführerin die Richtigkeit der entsprechenden Angabe im Rahmen der Rückübersetzung unterschriftlich bestätigt. Inwiefern es ab Frage 128 an der Anhörung erneut zu Missver-E-799/2020 Seite 11 ständnissen gekommen sein soll, ist nicht ersichtlich, zumal der Beschwer- deführerin in der angefochtenen Verfügung diesbezüglich nichts vorgehal- ten wird. Aus den Fragen und den entsprechenden Antworten geht klar her- vor, dass es dabei um die Pilgerre ise nach Nepal mit einem Reisedoku- ment im Jahr 20(…) ging (vgl. SEM-Akte a.a.O. F128 ff.). Das Vorbringen, sie kenne sich mit Daten nicht aus, ist als Schutzbehauptung zu werten. Weder dem Protokoll der BzP noch jenem der Anhörung lassen sich ent- sprechende Hinweise entnehmen. Sodann macht sie – wie bereits in der Stellungnahme – pauschal geltend , sie habe anlässlich der Telefonge- sprächs mit dem LINGUA-Experten nicht gesagt, nie gearbeitet zu haben. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den vorinstanzlichen Darlegun- gen betreffend die Herkunft und Sozialisation findet in der Beschwerde nicht statt. Sie bringt nichts vor, das ihre vorgebrachte Herkunft glaubhaft erscheinen lassen würde. 8.4 Darüber hinaus ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin trotz der ihr bekannten Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG keine Reise - oder Identitätspapiere zu den Akten gereicht hat. Sie berief sich lediglich in un- substantiierter Weise darauf, das Beschaffen von Identitätspapieren sei zu gefährlich (vgl. SEM-Akte A5/14 Ziff. 4.07 sowie A17/26 F155) und gestand ein, sie habe nichts unternommen, um solche Dokumente erhältlich zu ma- chen (vgl. SEM -Akte A17/26 F154). In der Beschwerde äussert sie sich nicht weiter zu den nicht eingereichten Identitätspapieren. Es ist aber da- von auszugehen, dass die Beschaffung von Dokumenten aus ihrem Hei- matstaat nicht ausgeschlossen wäre. Die Beschwerdeführerin verheimlicht somit ihre Identität. 8.5 Die Einschätzung, dass die Beschwerdeführerin ihre Herkunft ver- schleiert, wird auch dadurch bestärkt, dass ihre Ausführungen zu den Aus- reisegründen unglaubhaft sind. Die Vorinstanz hat mit nachvollziehbarer Begründung dargelegt, weshalb die Fluchtgründe der Beschwerdeführerin oberflächlich und vage ausgefallen sind, mithin den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. Die Beschwerdeführerin hält in der Rechtsmitteleingabe in dieser Hinsicht ein- zig fest, sie habe anlässlich der BzP nicht gesagt, ihr Vater sei im Jahr 20(…) inhaftiert worden, und wie sich aus dem falsch vermerkten Einreise- datum ergebe, sei das Protokoll fehlerhaft. Es trifft zwar zu, dass im Proto- koll der BzP als Einreisejahr fälschlicherweise 2010 statt 2015 festgehalten wurde. Daraus lässt sich aber nicht schliessen, dass das ganze Protokoll fehlerhaft ist. Weitergehend hält die Beschwerdeführerin den diesbezügli- chen Ausführungen der Vorinstanz nichts entgegen, insbesondere legt sie E-799/2020 Seite 12 nicht dar, weshalb sie die Festnahme des Vaters entgegen der vorinstanz- lichen Schlussfolgerung hat glaubhaft machen können. 8.6 Folglich ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin zwar ti- betischer Ethnie ist, ihre Vorbringen betreffend die hauptsächliche Soziali- sation in Tibet sowie ihre Ausreisegründe indes insgesamt unglaubhaft sind und sie keine Veranlassung sieht, ihre wahre Herkunft offenzulegen. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann im Übrigen auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 8.7 Im Urteil BVGE 2014/12 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen würden, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsvollzugsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort sprächen. Denn die Ab- klärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungs- pflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche eine tibetische Asylsu- chende durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, wel- chen effektiven Status si e in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschlei- erung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseig enschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmög- licht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). Wie sich aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt, ist weder die Identität noch die Staatsangehörigkeit beziehungsweise das Herkunftsland der Beschwerdeführerin geklärt. Bemühungen, entsprechende Beweismit- tel einzureichen, hat sie keine aufgezeigt. Ihr Verhalten stellt eine Verlet- zung der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) dar. Dadurch verunmöglicht sie den Behörden nähere Abklärungen. Sie hat demnach die Folgen dieses Verhaltens zu verantworten, und es ist gemäss dargelegter Rechtsprechung davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr in das effektive Heimat- land bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). 8.8 Insgesamt ist festzustellen, dass die Vorinstanz zu Recht die Flücht- lingseigenschaft verneint und das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab- gelehnt hat. E-799/2020 Seite 13 9. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 10.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wen igstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Eine weitergehende Prüfung von Vollzugshindernissen erübrigt sich angesichts des Umstan- des, dass die Beschwerdeführerin die ihr obliegenden und zumutbaren Mit- wirkungspflicht (Art. 8 AsylG) hinsichtlich Herkunft, Staatsangehörigkeit und Identität nicht nachzukommen gewillt ist. Ein Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China ist im angefochtenen Entscheid ausdrücklich ausgeschlossen worden. Es kann auf die Erwägungen der Vorinstanz so- wie auf E. 5.3 und E. 6 des erwähnten Urteils BVGE 2014/12 verwi esen werden. 10.4 Da die Beschwerdeführerin durch ihr Verhalten eine abschliessende Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verunmöglicht, erüb- rigt es sich auch, näher auf die vorgebrachte Integration in der Schweiz einzugehen. Ohnehin stellt das Bemü hen, sich in die Schweizer Gesell- schaft einzugliedern, für sich allein keinen Aspekt dar, welcher zur An- nahme der Unzumutbarkeit des Vollzugs führt. Im Übrigen steht es der Be- schwerdeführerin offen, sich betreffend eine Härtefallbewilligung an die kantonalen Behörden zu wenden. E-799/2020 Seite 14 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht keine Veranlassung. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be - schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 9. März 2020 e inbezahlte Kostenvor- schuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-799/2020 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Der am 9. März 2020 einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Barbara Balmelli Michelle Nathalie Nef