Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Juni 2018 (730 18 21 / 142) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Kostenübernahmepflicht der Krankenkasse für Eisentherapien mit Venofer Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Atupri Gesundheitsversicherung , Zieglerstrasse 29 , 3000 Bern , Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. A.____ (Jahrgang 1953) ist bei der Atupri Gesund heitsversicherung (Krankenkasse) obligatorisch krankenpflegeversichert. Im Frühling 2017 führte Dr. med. B.____, FMH Innere Medizin, bei A.____ Eiseninfusionsbehandlungen mit Venofer durch. Mit Schreiben vom 6. Juli 2017 teilte die Krankenkasse der Versicherten mit, dass sie für die Kosten dieser Behandlungen in Höhe von Fr. 901.45 nicht leistungspflichtig sei. Auf Ersuchen der Versicherten hin erliess die Krankenkasse am 23. August 2017 eine Verfügung, mit welcher sie die Kostenübernahme für Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Eiseninfusionsbehandlungen ablehnte. Die gegen die se Verfügung erhobene Einsprache wies die Krankenkasse mit Entscheid vom 7. Dezember 2017 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob die Versicherte am 18. Ja nuar 2018 Beschwerde ans Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es seien in Aufhebung des angefochtenen E inspracheentscheides die Kosten für die im Frühjahr 2017 vorgenommenen Eiseninfusionsbehan dlungen mit Venofer in der Höhe von Fr. 901.45 zu übernehmen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung machte sie im Wesent- lichen geltend, dass die Eiseninfusionsbehandlungen auf grund einer entzündlichen Magen- Darm-Erkrankung notwendig gewesen seien. Damit sei eine Indikation zur Verabreichung von Venofer gemäss Spezialitätenliste (SL) gegeben, weshalb Anspruch auf eine Kostenübernahme der Behandlungen bestehe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 2. März 2018 beantragte die Krankenkasse mit Verweis auf die vertrauensärztliche Beurteilung von Dr. med. C. ____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 1. März 2018 die Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes ü ber die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1995 auf die Krankenversicherung anw endbar sind, kann gegen Ein- spracheentscheide der Krankenversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht des- jenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Ze it der Beschwerdeerhebung ihren Wohn- sitz hat. Vorliegend haben die Versicherten ihren Wohnsi tz in X.____, weshalb die örtliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordn ung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden aus dem Bereich der Krankenversicherung . Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. 1.2. Laut § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts durch Präsidialentscheid St reitigkeiten bis zu einem Streit- wert von Fr. 10‘000.--. Vorliegend liegt eine Rechnu ng für die Eiseninfusionsbehandlungen bei Dr. B.____ im Betrag von Fr. 901.45 im Streit. Demgemäss fällt die Beurteilung der Beschwerde in die Kompetenz der präsidierenden Person der Abtei lung Sozialversicherungsrecht des Kan- tonsgerichts. 2.1 Materiell streitig und zu prüfen ist, ob die Krank enkasse die Kostenübernahme für die bei der Versicherten im Frühling 2017 durchgeführten Eiseninfusionsbehandlungen zu Recht ablehnte. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Art. 24 KVG verpflichtet die Krankenkassen, die K osten für die in Art. 25 - 31 KVG auf- gelisteten Leistungen nach Massgabe der in Art. 32 - 34 KVG festgelegten Voraussetzungen zu übernehmen. Gemäss Art. 25 Abs. 1 KVG übernimmt die o bligatorische Krankenversicherung die Kosten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Fol- gen dienen (Art. 25 Abs. 1 KVG). Diese Leistungen umfa ssen unter anderem die ärztlich ver- ordneten Arzneimittel (Art. 25 Abs. 2 lit. b KVG). Die Vergütungspflicht erstreckt sich nach Art. 52 Abs. 1 lit. b KVG grundsätzlich nur auf Arzneimittel , die in der SL aufgeführt sind. Die SL zählt die pharmazeutischen Spezialitäten und konfektionierten Arzneimittel im Sinne einer Posi- tivliste abschliessend auf. Aufgenommen werden nur Spezi alitäten, für welche die Pharmaher- steller oder Importeure einen Antrag stellen (BGE 139 V 375 E. 4.2 mit Hinweisen). 2.3 Kassenpflichtig sind pharmazeutische Spezialitäten de s Weiteren nur im Rahmen von Indikationen und Anwendungsvorschriften, die bei Swissmed ic registriert sind. Die Anwendung eines Arzneimittels ausserhalb der registrierten Indikati onen und Anwendungsvorschriften macht dieses zu einem solchen "ausserhalb der Liste" bezie hungsweise zu einem "off-label- use" und damit grundsätzlich zur Nichtpflichtleistung (B GE 139 V 375 E. 4.3 mit Hinweisen). Nach der gesetzlichen Regelung muss und darf die Kranken kasse im Rahmen der obligatori- schen Krankenversicherung Arzneimittel nicht übernehmen, we lche gemäss dem gesetzlichen Zulassungssystem (Art. 52 KVG; Art. 60 ff. der Verordnun g über die Krankenversicherung [KVV] vom 27. Juni 1995) keine Pflichtleistungen sind (BG E 134 V 83 E. 4.1 S. 86, 132 V 18 E. 7 S. 26), auch wenn der Arzt bzw. die Ärztin solche ver schrieben haben sollte. Das gilt grundsätzlich auch, wenn ein in der SL aufgeführtes Medi kament für andere als zugelassene Indikationen oder in höherer als zugelassener Dosierung ve rwendet wird (BGE 131 V 349 E. 3 S. 351 ff., 130 V 532 E. 3.4 S. 540) oder wenn es e ntgegen einer Limitierung (Art. 73 KVV) ver- wendet worden ist (RKUV 2003 Nr. KV 262 S. 311, K 46/03). 2.4 Eine weitere Voraussetzung für eine Kostenübernah me ist die Wirksamkeit, Zweck- mässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Behandlung, wobei die Wirksamkeit nach wissenschaftli- chen Methoden nachgewiesen sein muss (Art. 32 Abs. 1 KVG) . Eine Leistung gilt als wirksam, wenn sie objektiv geeignet ist, auf den angestrebten med izinischen Nutzen hinzuwirken bzw. wenn sie den Verlauf einer Krankheit günstig beeinfluss t (vgl. BGE 133 V 115 E. 3.1). Massge- bend ist dabei, ob eine therapeutische oder diagnosti sche Massnahme von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis als geeignet erachtet wird, das angestrebte therapeutische oder diagnostische Ziel zu err eichen (Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2008, I 601/06, E. 5.1). Der Nachweis der Wirksamkeit, dem eine objektivierbare Sicht zugrunde zu liegen hat, ist am ehesten mit Hilfe von statistischen Vergleichswerten zu belegen, welche mit entsprechenden Studien zu dokumenti eren sind (BGE 123 V 67 E. 4c). Unter klinisch kontrollierten Studien sind in der Rege l in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizierte Doppelblindstudien zu verstehen. Eine Stud ie, die sich noch nicht der Diskussion und dem Urteil der Fachwelt gestellt hat, ist nur von sehr beschränktem Beweiswert (RKUV 1995 K 645 S. 231 E. 4a). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Die Abklärung des für die Beurteilung von Ansprüche n versicherter Personen notwen- digen Sachverhalts hat gemäss dem im Sozialversicherungsre cht geltenden Untersuchungs- grundsatz die verfügende wie auch die eine Verfügung überprüfende Behörde bzw. das Gericht von Amtes wegen vorzunehmen. Das heisst sowohl die Kranke nkasse wie auch das Sozialver- sicherungsgericht haben von sich aus, ohne Bindung an die Parteibegehren, für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen. Rech tserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, in welcher Art über die Rechte und Pflichten einer versicherten Person zu entscheiden ist (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, § 68 Rz. 3 f. mit Hinweisen). 3.2 Die erhobenen Beweismittel sind frei zu würdigen. Für das verwaltungsgerichtliche Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle B eweismittel – unabhängig davon, von wem sie stammen – objektiv zu prüfen und danach zu ent scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten (L OCHER , a.a.O., zu § 68 Rz. 38). Das Sozialversicherungsgericht da rf eine rechtserhebliche Tatsache erst dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Beste hen überzeugt ist. Dabei hat es seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsie ht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Das Ge richt hat vielmehr jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein- lichste würdigt (vgl. LOCHER , a.a.O., § 74 Rz. 25 mit Verweis auf § 68 Rz. 37 ff.; BGE 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). 3.3 Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parte ien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entsch eid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich e rweist, im Rahmen des Untersu- chungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zu- mindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklich keit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 4.1 Das Arzneimittel Venofer ist in der SL aufgeführt (vgl. Spezialitätenliste des Bundesam- tes für Gesundheit [BAG], Nr. 15398 078). Somit hande lt es sich im Rahmen der bei der Swissmedic registrierten Indikation um eine kassenpflicht ige Arznei. Die Indikation für Venofer lautet wie folgt (vgl. Arzneimittel-Kompendium, [online] https://compendium.ch): Eisenmangel bei Patienten, bei denen eine orale Eisentherapie ungenügend wirksam oder nicht durchführbar ist, wie: - Bei Unverträglichkeit oraler Eisenpräparate. - Bei entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen (z.B. Col itis ulcerosa), die sich durch eine orale Eisentherapie ve r- schlimmern können. - Bei therapierefraktären Eisenmangelzuständen mit Verdacht auf unzuverlässige Einnahme oraler Eisenpräparate. Venofer soll nur verabreicht werden, wenn die Indikation durch entsprechende Untersuchungen gesichert ist. Geeig- nete Laboranalysen sind Hämoglobin, Serumferritin, Transferrinsättigung. Wegen fehlender Erfahrung wird die Verabreichung von Venofer an Kinder unter 3 Jahren nicht empfohlen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss ist die Indikation für die Verabreichung von V enofer gegeben, wenn ein Eisen- mangel vorliegt und eine orale Verabreichung ungenügend oder nicht möglich ist. 4.2 Die Diagnose eines Eisenmangels erfolgt durch eine Blutuntersuchung. Dabei werden in erster Linie die Hämoglobinkonzentration, der Fer ritinspiegel und die Transferrinsättigung gemessen. Es gibt noch weitere Parameter des Blutbilde s wie das MCV (mittleres corpusculä- res Volumen) und die MCHC (mittlere corpusculäre Hämog lobinkonzentration), mit welchen eine Eisenmangelanämie nachgewiesen werden kann. Abhän gig von diesen Werten kann Eisenmangel in drei Stadien eingeteilt werden: Von e inem Eisenmangel (Speicherdefizit, Stadi- um 1) wird gesprochen, wenn das Ferritin und das Trans ferrin vermindert, aber das MCV, das MCHC und das Hämoglobin normal sind. Ein Eisenmangel m it beginnender Beeinträchtigung der Blutbildung (Stadium 2) liegt vor, wenn das Ferr itin, das Transferrin, das MCV und die MCHC erniedrigt sind, aber das Hämoglobin normal ist. Sind das Ferritin, das Transferrin, das MCV, die MCHC sowie das Hämoglobin unter der Norm, ha ndelt es sich um einen Eisenman- gelanämie (Speicherdefizit, Stadium 3; vgl. Orale oder parenterale Behandlung des Eisenman- gels, in: Bericht des Swiss Medical Board vom 24. Oktober 2014, S. 2). Gemäss der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt der Ferri tinwert bei einer Eisenmangelanämie unter 15 ng/ml und der Hämoglobinwert bei Frauen un ter 12 - 15 g/dl (vgl. H ALID BAS , Eisen- mangelanämie, in: Ars Medici 2007, S. 733 f.). 4.3 Im Allgemeinen wird von einer Anämie (= Blutarmu t) gesprochen, wenn der Hämoglo- binwert erniedrigt ist; d.h. die Zahl der roten Blut körperchen ist im Körper zu gering oder der Hämoglobingehalt in den Zellen vermindert. Dadurch wi rd der Sauerstofftransport im Körper erschwert. Es gibt verschiedene Formen der Anämie, die u nterschiedliche Grunderkrankungen zur Ursache haben. So gibt es beispielsweise Anämien aufg rund von Vitaminmangel, chroni- schen Erkrankungen oder Entzündungen, Nierenerkrankungen, medikamentös bedingter Anä- mien und nicht zuletzt auch Eisenmangel. Eine Anämie ist somit nicht zwingend auf eine Eisenmangelanämie zurückzuführen. Bei speziellen Patienten gruppen, etwa solchen mit ent- zündlichen Erkrankungen, ist zu beachten, dass der Ferritinspiegel keine verlässliche Aussagen über die Eisenspeicher gibt; denn bei Entzündungen kann der Ferritinwert trotz Eisenmangel normal oder erhöht sein. Hier ist ein Eisenmangel auch bei einem Ferritinwert zwischen 50 und 100 ng/ml möglich, bei einem Wert > 100 ng/ml schon we niger wahrscheinlich (vgl. UWE BEISE , Anämie bei chronischen Erkrankungen, in: Ars Medici 15, 20 06, S. 733; CHRISTOPH MERLO , Anämie: Praktische Abklärung, in: Primary and Hospital C are – Allgemeine Innere Medizin, 2017, S. 317; CHRISTOPH GASCHE , Eisenmangel aus der Sicht eines Gastroenterologen, in: Arzt & Praxis 2012, S. 1). 4.4 Eine grobe Orientierung hinsichtlich der Ursache ein er Anämie erlaubt die Bestimmung des MCV. Ein MCV < 80 fl bedeutet eine mikrozytäre Anä mie (= klassische Eisenmangelanä- mie). Bei einem normalen MCV (80 – 100 fl) handelt es um eine normozytäre Anämie (= klas- sisch renale Anämie). Bei einem MCV > 100 fl spricht man von einer makrozytären Anämie (klassisch Folsäure- und Vitamin-B 12 -Mangel-Anämie; PETER STIEFELHAGEN , Echter Eisenman- gel oder chronische Entzündung?, in: der informierte a rzt, August 2012, S. 64; M ERLO , a.a.O., S. 316). Bei polymorbiden, chronisch kranken Patienten müssen häufig weitere Parameter her- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht beigezogen werden. Diese sind beispielsweise der lösliche T ransferrinrezeptor (erhöht bei Eisenmangel) oder die Transferrinsättigung (unter 20 % bei Eisenmangel; M ERLO , a.a.O., S. 317; STIEFELHAGEN , a.a.O., S. 64). 5.1 In den Akten liegt das Schreiben der Hausärztin, Dr. med. D.____ vom 22. Dezember 2017 vor, in welchem die Krankengeschichte der Versicher ten aufgeführt ist. Gemäss Ver- laufseintrag vom 3. Februar 2017 war bei der Versiche rten aufgrund der Laborergebnisse (Hä- moglobinwert unter der Norm) die Abklärung eines Eisen mangels indiziert. In der Folge über- wies Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, die Versicherte am 8. Februar 2017 für die Durchführung einer Kolonoskopie an Dr. med. F.___ _, FMH Gastroenterologie und FMH Allgemeine Innere Medizin. Dieser hielt in seinen Ber ichten vom 7. März 2017 fest, dass die Magenspiegelung eine korpusbetonte leichte erosive Gastr itis (Differentialdiagnose: Helicobac- ter-Infekt) sowie eine Bulbitis duodeni und die Darmsp iegelung einen unauffälligen Befund er- geben hätten. Er mass damals einen Hämoglobinwert von 1 1,6 g/dl und ein MCV von 87 fl. Die histologische Abklärung im Spital G.____ bestätigte das Vorliegen einer Helicobacter-Gastritis (vgl. Bericht vom 9. März 2017). Gemäss der von Dr. B.__ __ durchgeführten Labormessung betrug der Hämoglobinwert am 13. April 2017 12 g/dl und der Ferritinwert 33 ng/ml. Zur Indika- tion der Eiseninfusionen äusserten sich lediglich Dr. D.____ und Dr. B.____. Im bereits erwähn- ten Schreiben vom 22. Dezember 2017 bestätigte Dr. D .____, dass die strittige Eiseninfusion aufgrund eines Verdachts auf eine Blutungsanämie medi zinisch indiziert gewesen sei. Dr. B.____ führte am 2. Januar 2018 aus, dass die int ravenöse Eisentherapie wegen Eisen- mangel, dessen Ursache in der erosiven Gastritis zu suchen sei, notwendig geworden sei. Wei- ter sind den Beilagen der Beschwerde vom 1. März 2018 E rgebnisse von weiteren Blutuntersu- chungen zu entnehmen. Die in den Akten vorliegenden Werte des Hämoglobins, des Ferritins und des MCV vor den Ei- seninfusionen im Frühjahr 2017 können folgender Tabelle entnommen werden: Datum der Blutuntersuchung Hämoglobin in g/dl Ferriti n in ng/ml MCV in fl 30.06.2015 12,1 -- 86 06.12.2016 11,3 -- 88 10.12.2016 11,9 -- 86 17.01.2017 11.1 -- 88 03.02.2017 10.7 52 84 07.03.2017 11,6 52 87 13.04.2017 12,0 33 -- 5.2 Zu dieser Aktenlage nahm der Vertrauensarzt der Krankenkasse, Dr. C.____, am 1. März 2018 Stellung. Er stellte fest, dass die vor den Eiseninfusionen durchgeführten Blutun- tersuchungen einen erniedrigten Hämoglobinwert aufgezeigt hätten. Da der am 3. Februar 2017 gemessene Ferritinwert mit 52 ng/ml im Normbereich ge legen sei, habe die Hausärztin richtig- erweise keine Eisenaufsättigung in Erwägung gezogen. Um Blutungen auszuschliessen, habe sie eine Kolonoskopie bei Dr. F.____ veranlasst, dessen U ntersuchung jedoch keine Blutungs- ursache ergeben habe. Auch die weiteren Einträge der Hausärztin in der Krankengeschichte Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherten zeigten, dass kein Grund für eine Eisenaufsättigung bestanden habe. Desglei- chen habe Dr. F.____ in seinem Bericht vom 7. März 2017 nicht von einer Eisenmangelanämie, sondern von einer "unklaren Anämie" gesprochen. Anhand der Ergebnisse der Blutuntersu- chungen nach den Eiseninfusionen könne anhand des immer n och tiefen Hämoglobinwertes von 10,9 g/dl geschlossen werden, dass rückblickend keine du rch einen Eisenmangel bedingte Anämie vorgelegen habe. Die von Dr. B.____ gemessenen Blutwerte lägen denn auch im Nor- malbereich. Ausserdem gebe es bei einem Ferritinwert in der Höhe von 33 ng/ml keinen wis- senschaftlichen Wirksamkeitsnachweis, dass die geklagten Besch werden wie Müdigkeit, De- pression, Schwindel und Haarausfall auf einen Eisenmangel zurückzuführen seien. 6.1 In Würdigung der ärztlichen Berichte und Laborerg ebnisse ist festzustellen, dass der Ferritinwert über 15 ng/ml und der Hämoglobinwert d er Versicherten rund 10 Monate vor den Eiseninfusionen unter dem Schwellenwert von 12 g/dl l agen. Einzig der von Dr. B.____ am 13. April 2017 angegebene Hämoglobinwert entsprach e xakt dem Schwellenwert. Aufgrund der über einen längeren Zeitraum gemessenen weitgehend e rniedrigten Hämoglobinwerte ist – in Übereinstimmung mit Dr. C.____ - davon auszugehen, da ss die Versicherte zum Zeitpunkt der Eiseninfusionen an einer Anämie litt. Aufgrund der Fe rritinwerte der Versicherten von jeweils über 15 ng/ml ist es jedoch fraglich, ob die Anämie auf einen Eisenmangel zurückgeführt wer- den kann. In diesem Zusammenhang ist aber auch zu berücksich tigen, dass bei der Versicher- ten kurz vor Beginn der Eiseninfusionsbehandlungen eine Gastritis sowie eine Bulbitis duodeni festgestellt wurden. Aufgrund dieser Entzündungen kan n nicht ausgeschlossen werden, dass bei der Versicherten trotz der Ferritinwerte im Norm bereich eine Eisenmangelanämie vorlag (vgl. FERDINAND MARTIUS , Eisenmangel ohne Anämie – ein heisses Eisen?, in: Swi ss Medical Forum 2009, S. 297). Der Nachweis einer Eisenmangela nämie ist jedoch aufgrund der Labor- werte nicht möglich. Die Werte des MCV über 80 fl sp rechen eher gegen das Vorliegen einer Eisenmangelanämie (vgl. Erwägung 4.4). Weitere Parameter der Labordiagnostik, welche einen Eisenmangel bestätigen könnten, sind nicht vorhanden. Au ch das klinische Erscheinungsbild (Müdigkeit, Depression, Schwindel und Haarausfall) ist nicht geeignet, eine Eisenmangelanä- mie zuverlässig zu diagnostizieren (vgl. B AS , a.a.O., S. 735; vgl. auch Urteil des Kantonsge- richts vom 11. August 2016, 730 16 92/94). Da nicht zu er warten ist, dass von nachträglichen Abklärungen das Bestehen einer Eisenmangelanämie zum Zei tpunkt der Eiseninfusionsbe- handlungen nachgewiesen werden kann, ist auf die Einh olung weiterer Berichte zu verzichten. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 132 V 393 E. 3.3, 131 I 15 3 E. 3, 126 V 130 E. 2a). Damit ist nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen B eweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die bei Dr. B.____ durc hgeführten Eiseninfusionen auf eine durch einen Eisenmangel bedingte Anämie zurückzuführen sin d. Selbst wenn davon ausge- gangen wird, dass aufgrund des von Dr. B.____ gemessenen Hämoglobinwertes von 12 g/dl im April 2017 ein Eisenmangel ohne Anämie vorlag, besteht kein Leistungsanspruch der Versi- cherten. Für die Indikation zur Abgabe von Venofer bed arf es eines Eisenmangels, für dessen Vorliegen aber der Nachweis fehlt. 6.2 Mit dem Hinweis auf die in der Indikation für Ven ofer erwähnte entzündliche Magen- Darm-Erkrankung kann die Versicherte nichts zu ihren Gunst en ableiten. Eiseninfusionen mit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Venofer sind auch bei einer entzündlichen Magen-Darm- Erkrankung nur dann angezeigt, wenn ein Eisenmangel vorliegt. Dass die bei ihr nachgewiesene n Entzündungen im Verdauungstrakt mit einem Eisenmangel einhergingen, ist – wie die obi gen Ausführungen gezeigt haben – eben nicht nachgewiesen. Die weiteren Vorbringen der Versich erten betreffen nicht das Rechtsver- hältnis zwischen ihr und der Krankenkasse, weshalb nicht nä her darauf eingegangen wird. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass sich das Gericht im Urteil vom 11. August 2011 (730 16 92/730 16 94) mit der Kostenübernahmepf licht der vorliegenden Krankenkasse von durch Dr. B.____ durchgeführten Eisentherapien mit Venofer auseinandersetzte. Ange- sichts dieser Tatsache und dem Umstand, dass es dem verschreib enden Arzt im Rahmen sei- ner Aufklärungspflicht obliegt, seine Patientinnen und Patienten über die finanziellen Folgen der gewählten Therapie zu informieren, erstaunt es, dass die Kostenfrage der Eisentherapie Streit- gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet (vgl. zur A ufklärungspflicht des Arztes: Arzt- recht in der Praxis, Moritz Kuhn / Toma Poledna ([Hrsg. ], Zürich/Basel/Genf 2007, S. 133; Art. 40 lit. e des Bundesgesetzes über die universitären Medizinalberufe vom 23. Juni 2006). 6.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass mangels rechtsgenüg lichen Nachweises die Indika- tion Eisenmangel zur Abgabe des Arzneimittels Venofer n icht gegeben ist. Die Folgen der Be- weislosigkeit hat die Versicherte zu tragen, die aus dem unbewiesenen behaupteten Sachver- halt Rechte ableiten möchte (vgl. Urteil des Bundesger ichts vom 12. Juni 2014, 9C_701/2013, E. 4.1; BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Damit le hnte die Krankenkasse zu Recht eine Kostenübernahme der Eisenfusionsbehandlungen bei Dr. B .____ ab. Die Beschwerde ist dem- gemäss abzuweisen. 7. Art. 61 lit. g ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb vorliegen d keine Kosten zu erheben. Die aus- serordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.