D I Y B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5951/2018 U r t e i l v o m 7 . A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richterin Mia Fuchs, Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Katarina Socha, Caritas Schweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 21. September 2018. D-5951/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 20. November 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Am 3. Januar 2018 erfolgte die vertiefte Bundesanhörung (BA) durch die Vorinstanz. B. Zur Begründung seines Asy lgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei afghanischer Staatsbürger und der Ethnie der B._______ zugehörig. Seit seiner Geburt bis zu seiner Ausreise habe er im Dorf C._______ im Distrikt D._______ in der Provinz E._______ gelebt. Weil sein Vater befürchtet habe, er sei vom Glauben abgekommen, habe er ihn in die Obhut eines Mulla hs in eine Moschee geschickt. In der Mo- schee habe er verschiedene Arbeiten verrichten müssen und mit dem Mul- lah über den Koran diskutiert. Der Mullah habe ihm auf seine Fragen, wes- halb im Koran zur Gewalt, insbesondere gegen Frauen, aufgerufen werde, keine Antwort geben können. Der Mullah sei verärgert gewesen und habe junge Leute geschickt, die ihn geschlagen hätten. Er habe zu seiner Schwester fliehen können, wo er sich versteckt habe. Zwei Tage später, als er von seiner Schwester wieder nach Hause gegangen sei, sei er von vier Männern auf zwei Motorrädern aufgehalten, zusammengeschlagen, mit Benzin übergossen und anschliessend angezündet worden. Passanten hätten ihm geholfen und seine Angehörigen benachrichtigt, die ihn ins Spi- tal in C._______ gebracht hätten. Dort sei er verarztet und anschliessen d zur weiteren Behandlung ins Spital F._______ in E._______ überstellt wor- den. Während seines Spitalaufenthalts sei er von seinem Cousin besucht worden, der ihm zum Verl assen Afghanistans geraten habe. Es bestehe eine ernsthafte Gefahr, dass er von diesen Leuten umgebracht würde. Nach einem fast zweijährigen Aufenthalt im G._______ sei er via H._______, I._______ und J._______ in die Schweiz gelangt. Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen der An hörung eine Tazkera im Original, einen USB-Stick sowie Fotos zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 21. September 2018 – eröffnet am 24. September 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht (Dispositivziffer 1), lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2) und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) an. Weil der Vollzug der Wegweisung zurzeit nicht z umutbar sei, wurde die D-5951/2018 Seite 3 vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers verfügt (Dispositivziffern 4 – 6). D. Mit Eingabe vom 18. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 im Dispositiv der angefochtenen Verfügung, die Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei das Verfahren zur weiteren Bearbeitung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. In verfahrensrec htlicher Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän- dung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E. Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2018 forderte die Instruktionsrich- terin den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses oder Einreichung einer Fürsorgebestätigung auf und hiess das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt der rechtzei- tigen Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut . Gleichzeitig hielt sie fest, über das Gesuch um Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertre- tung werde nach Ablauf der angesetzten Frist entschieden. F. Am 31. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestäti- gung zu den Akten. G. Mit Zwischenverfügung vom 5. November 2018 hiess die Instruktionsrich- terin das Gesuch um Gewährung der amtlichen Rechtsverbeiständung gut und ordnete den damaligen Rechtsvertreter als unentgeltlichen Rechtsbei- stand bei. Die Akten wurden dem SEM zur Vernehmlassung übermittelt. H. In ihrer Vernehmlassung vom 20. November 2018 schloss die Vorinstanz sinngemäss auf Abweisung der Beschwerde. I. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am 22. November 2018 zur Kenntnis gebracht. J. Mit Zwischenverfügung vom 5. März 2019 wurde der eingesetzte amtliche D-5951/2018 Seite 4 Rechtsbeistand, K._______, antragsgemäss von seinem Amt entbunden und die neu einzusetzende amtliche Rechtsbeiständin, Katarina Socha aufgefordert, innert 7 Tagen ab Erhalt der Verfügung eine schriftliche Voll- macht einzureichen. K. Mit Zwischenverfügung vom 18. März 2019 erfolgte die Beiordnung von Katarina Socha als amtliche Rechtsbeiständin. L. Das Bundesverwaltungsgericht räumte dem Beschwerdeführer mit Zwi- schenverfügung vom 12. März 2020 Frist zur Darlegung seiner ak tuellen finanziellen Verhältnisse ein. Die angesetzte Frist verstrich ungenutzt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, er ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. D-5951/2018 Seite 5 3. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverf ahrens bilden die Fragen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegwei- sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be- schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu- fig aufgenommen hat. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gr uppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Leb ens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie- hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genü gt nicht; vielmehr müssen konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei- genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaub- haft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhan- densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit- tel abgestützt werden (Abs. 3). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). D-5951/2018 Seite 6 5. 5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor- bringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaub- haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, weshalb deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 5.2 Den abweisenden Entscheid begründet das SEM damit , dass es im Verlauf des Verfahrens zu unvereinbaren Angaben zur Person de s B e- schwerdeführers gekommen sei. So habe er unterschiedliche Angaben zum Namen seiner Mutter gemacht und die Erklärung, wonach er bei der Erstregistrierung aus Müdigkeit seine Schwester L._______ als seine Part- nerin angegeben habe, vermöge wenig zu überzeugen. Seine Asylkernvor- bringen habe er aufgrund der unsubstantiierten Darlegungen, der Vielzahl an Ungereimtheiten und logischen Lücken nicht zu plausibilisieren ver- mocht. Seine Ausführungen seien allgemein äusserst oberflächlich und de- tailarm ausgefallen. Sodann habe er keinerlei Initiative gezeigt, seine Aus- reisegründe von sich aus zu Protokoll geben zu wollen, vielmehr hätten die für den Asylentscheid massgeblichen Fakten durch ständiges Nachfragen seitens der befragenden Person in Erfahrung gebracht wer den müssen. Insbesondere lasse die Herleitung seiner Abkehr vom Glauben «jegliche Ausführungen zu allfälligen Gedanken - und Gefühlsvorgängen missen». Die diesbezüglichen Darlegungen würden auch deshalb nicht überzeugen, da er sich, entgegen seinen späteren Behauptungen in der Anhörung, im Rahmen der Erstregistrierung sehr wohl dem islamischen Glauben zuge- ordnet habe. Sodann sei auch unter Berücksichtigung seines jungen Alters schleierhaft, weshalb er sich trotz der aussagegemäss in der Heimatregion vorherrschenden fundamental islamischen Parteien wie von ihm geschil- dert verhalten hätte. Insbesondere bleibe offen, wie genau er seine Abkehr vom Glauben publik gemacht hätte . Im Übrigen sei schleierhaft, weshalb der Vater – angesichts der mutmasslichen Abkehr vo m Glauben – hätte riskieren sollen, dass, indem er diese dem einflussreichen und fundamen- talen Mullah zur Kenntnis gebracht hätte, damit auch die Familie in Gefahr bringen würde. Die Angabe, dass er sich bei der Schwester in C._______ während zweier Tage versteckt gehalten habe, vermöge wenig zu überzeu- gen. Er habe nicht zu begründen vermocht, weshalb ihn die Verfolger im Nachbardorf bei der Schwester nicht hätten suchen beziehungsweise fin- den können, hätte man seiner tatsächlich habhaft werden wollen. Sodann stellte die Vorinstanz bei den Zeitangaben weitere Unstimmigkeiten fest. Bezüglich des Vorbringens, wonach er mit Benzin übergossen und ange- zündet worden sei, sei festzustellen, dass ein Unfall beziehungsweise ein Überfall nicht gänzlich in Abrede gestellt werde. Jedoch habe er die in der D-5951/2018 Seite 7 Anhörung vorgebrachten Umstände seiner Verletzungen beziehungs- weise, dass ihm diese im Rahmen der vorgebrachten gezielten Verfolgung seiner Person zugefügt worden seien, nicht glaubhaft machen können. Die Vorbringen hielten insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. 5.3 In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen an der Glaubhaf- tigkeit seiner Angaben festgehalten und ausgeführt, er habe seine Asyl- gründe frei und umfangreich geschildert. Seine Ausführungen würden zahl- reiche Realkennzeichen aufweisen wie beispielsweise Weinen, Gestikulie- ren und das Wi edergeben von Gesprächen in indirekter Rede. Sodann werden verfahrensrechtliche Rügen geltend gemacht. Aus dem Entscheid sei nämlich nicht ersichtlich, weshalb im vorliegenden Fall keine Befragung zur Person (BzP) durchgeführt worden sei. Zu den Hauptaufgaben einer BzP gehörten die umfassende Erhebung der Personalien der asylsuchen- den Person (inklusive Identitätsdokumente), der Identität und Herkunft so- wie der Lebensumstände. Dem Beschwerdeführer sei aufgrund der nicht durchgeführten BzP die Möglichkeit genommen worden, die Eintragungen im Personalienblatt, welche allein oder mit Hilfe ande rer Asylsuchenden vorgenommen würden, im Rahmen der BzP unter Beisein eines professio- nellen Dolmetschers zu korrigieren und zu erklären. Ob damit ein formeller Fehler vorliege oder ob die durchgeführte Anhörung als Beurteilungsgrund- lage für das Asylverfahren ausreiche, sei durch das Bundesverwalt ungs- gericht zu entscheiden . In der angefochtenen Verfügung sei sodann mit keinem Wort auf die vo n der Hilfswerksvertretung gemachten Bemerkun- gen eingegangen worden, wonach der Beschwerdeführer starke Anzei- chen einer Traumatisierung durch die Vorfälle in Af ghanistan zeige, wes- halb ein medizinisches Gutachten angeregt werde. Eine e ntsprechende Begutachtung der psychischen Situation sei nun durch d as M._______ in Auftrag gegeben worden. Sobald erste Ergebnisse vorlägen, würden diese nachgereicht. 6. 6.1 Vorab sind die formellen Rügen zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, R z. 1043 ff. m.w.H.). 6.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–33 VwVG kon- kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst unter anderem das D-5951/2018 Seite 8 Recht, mit eigenen Begehren gehört zu werden und zu den für die Ent- scheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können. Dazu gehört die Pflicht der Behörden, die Begründung eines Entscheides so abzufas- sen, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. Deshalb müssen die für den Entscheid bedeutsamen Überlegungen zumindest kurz genannt werden (vgl. Urteil des BVGer D -383/2015 vom 17. Januar 2017 E. 5.1). Nicht erforderlich ist dagegen, dass sich die Begründung mit allen Partei- standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Zudem stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum- stände berücksichtigt werden. 6.3 Aus der Tatsache, dass die Vorinstanz im vorliegenden Fall keine se- parate Befragung zur Person (BzP) durchgeführt hat, ergibt sich keine Ver- letzung der Untersuchungspflicht. Im vorliegen den Fall hat das SEM den Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung vom 3. Januar 2018 in einem ersten Teil ausführlich zu seiner Person, seiner Herkunft, seinen Lebens- umständen (A11/24 S. 3 – 9) und in einem zweiten Teil zu seinen Asylgrün- den (A11/24 S. 9 ff.) angehört. Sodann ist anzumerken, dass Asylsuchende keinen Anspruch auf die Durchführung einer separaten BzP haben; die Durchführung derselben liegt vielmehr im Ermessen der V orinstanz (aArt. 26 Abs. 2 AsylG). Dem Beschwerdeführer war es sodann möglich und zumutbar, allfällige Abänderungen beziehungsweise Korrekturen im Zusammenhang mit dem Personalienblatt anzubringen, weshalb ihm aus dem Umstand der Nichtdurchführung einer BzP kein Nachteil erwachsen ist. 6.4 Bezüglich der gesundheitlichen Situation ist fe stzuhalten, dass d em Protokoll nicht zu entnehmen ist, der Beschwerdeführer hätte Mühe bekun- det, sich zu konzentrieren oder sonst aufgrund gesundheitlicher Probleme die Anhörung nicht zu bewältigen vermocht. Es sind aus dem Protokoll keine Auffälligkeiten erkennbar, die auf krankheitsbedingt herabgesetzte Konzentrations- und Verständigungsschwierigkeiten hinweisen würden. Auf die Frage der Hilfswerkvertretung nach seinem Gesundheitszustand antwortete der Beschwerdeführer «Zurzeit geht es mir sowohl körperli ch als auch geistig gut». Auf die Anschlussfrage nach seinem psychischen Zustand, erklärte der Beschwerdeführer , keine besonderen Probleme zu D-5951/2018 Seite 9 haben, und fügte an, dass er auf Anraten eines Allgemeinarztes in Bezug auf allfällige N._______ in ein Spital für weitere Untersuchungen geschickt worden sei. Dabei sei ihm attestiert worden, dass keine besonderen Prob- leme vorlägen, er jedoch noch einen weiteren Untersuchungstermin wahr- zunehmen habe (A11/24 S. 9). Die anwesende Hilfswerkvertretung wies zwar auf d ie gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers hin, ohne jedoch zu bemängeln, dieser sei in seiner Fähigkeit , bei der Anhörung sachgerecht mitzuwirken, nachhaltig beeinträchtigt. Bei dieser Sachlage sah die Vorinstanz keine Notwendigkeit, sich ausdrück lich zu dieser An- merkung zu äussern. Sodann ist anzumerken, dass es der Beschwerde- führer denn auch bis dato unterlassen hat, das auf Beschwerdeebene – Rechtsmitteleingabe vom 18. Oktober 2018 – in Aussicht gestellte Gutach- ten zur gesundheitlichen Situation einzureichen. 6.5 Nach dem Gesagten erweisen sich die geltend gemachten verfahrens- rechtlichen Rügen als unbegründet. Es besteht somit keine Veranlassung, die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache zur Abklärung und Feststellung des vollständigen und richt igen rechtserheblichen Sachver- halts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das ent- sprechende Begehren ist abzuweisen. 7. 7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG gestützt auf die geltend ge- machten Vorfluchtgründe zu Recht verneint hat. 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach dem Aktenstudium zum Schluss, dass die Vorinstanz die vom Beschwerde führer vorgebrachten Asylgründe zu Recht als unglaubhaft beurteilt hat. 7.3 Die asylbegründenden Schilderungen sind insgesamt vage, detailarm und teilweise widersprüchlich ausgefallen . Die Einschätzung der Vorin- stanz, wonach der Eindruck entsteht, er versuche eine Verfolgungsge- schichte in allgemein bekannte Umstände in seinem Heimatland einzubet- ten, ohne jedoch selbst in genannter Form und mit den vorgebrachten Fol- gen davon betroffen gewesen zu sein, ist zu bestätigen. Insbesondere ver- mag der Beschwerdeführer seine Abkehr vom Glauben nicht überzeugend darzulegen. Entgegen seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift ver- mag er die behaupteten Übergriffe nicht authentisch und mit Realkennzei- chen versehen – so insbesondere Detailreichtum der Schilderung, freies D-5951/2018 Seite 10 assoziatives Erzählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonder- heiten – darzulegen. Seine entsprechenden Erklärungen erweisen sich als wenig substanziiert und überzeugen nicht. Wohl zeigte sich der Beschwer- deführer – wie in der Beschwerdeschrift an geführt – im Zusammenhang mit den Ausführungen zum Übergriff auf dem Nachhauseweg emotional berührt (so ist dem Protokoll zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer weinte, worauf vom Befrager ein kurzer Unterbruch d er Anhörung ange- setzt wurde), jedoch vermag diese Feststellung noch keinen Beleg für die Glaubhaftigkeit seiner gesamten Schilderungen darzustellen. Bezüglich des ersten Übergriffs gab der Beschwerdeführer sodann lediglich zu Pro- tokoll, es seien fünf oder sechs Leute gewesen, welche, ohne etwas zu sagen, angefangen hätten, ihn zu schlagen, worauf er weggerannt sei. Auf wiederholtes Nachfragen, wie ihm in dieser Situation die Flucht gelungen sei, führte er aus, er sei weggerannt und sie hätten ihn nicht erwischt (vgl. A11/24 S. 14). Seinen Schilderungen kann indes nicht entnommen werden, wie es ihm gelungen sein soll, sich den Schlägen der sich in der Überzahl befindlichen Täter (fünf oder sechs Personen) zu entziehen, sich von ihnen loszulösen und anschliessend zu fliehen. Sodann erscheinen seine Anga- ben bezüglich seiner Glaubensabkehr wenig plausibel. Der Beschwerde- führer begründete diese unter anderem damit, dass er Gewalt gegen Frauen erlebt habe und «wie die Mullahs sich verhielten». Er unterliess es vollständig, die von ihm pauschal angeprangerte Gewalt gegen Frauen mit tatsächlich erlebten Vorkommnissen, Erzählungen oder sonstigen Schilde- rungen zu untermauern bzw. zu erläutern und aufzuzeigen, welche realen Vorkommnisse ihn schlussendlich zur Glaubensabkehr bewogen hätte n. Ebensowenig lässt sich aus seinen Aussage n erschliessen, welche kon- kreten Verhaltensweisen der Mullahs ihn zur Glaubensabkehr bewogen hätten. So führte der Beschwerdeführer lediglich aus, alle Moscheen wür- den von Mulla hs verwaltet, d iese hätten grosse Macht und könnten tun, was sie für richtig hielten. Die Mullahs würden von den Leuten respektiert und würden als geistliche Führungspersönlichkeit anerkannt. Das von den Mullahs Gesagte werde von den Menschen akzeptiert und die Mullahs wür- den als Vorbildinstanz dienen. Menschen wie er, welche sich von der Reli- gion abgewendet hätten, würden bestraft (vgl. A11/24 S. 13). Sowohl seine Ausführungen zur geltend gemachten Gewalt an Frauen als auch zur Ver- haltensweise der Mullahs sind frei von persönlich Erlebtem und konkreten Schilderungen von Vorkommnissen , aus welchen der Beschwerdeführer seine Beweggründe zu seiner Abkehr vom Glauben nachvollziehbar zu er- klären beziehungsweise herzuleiten vermag. Gleichermassen unsubstan- ziiert sind auch seine Aussagen betreffend den geltend gemachten Aufent- halt beim Mullah ausgefallen, wo hin ihn sein Vater zur Festigung seines D-5951/2018 Seite 11 Glaubens geschickt haben soll. So erklärte er einerseits, fast Tag und Nacht bei diesem Mullah gelebt zu haben, und andererseits erschöpfen sich seine Angaben zum Tagesablauf in rudimentären Angaben. So habe er für den Mullah Tee und Essen zubereitet und die Moschee geputzt. Wäh- renddessen hätten sie über den Koran diskutiert (vgl. A11/24 S. 10). Im Weiteren erscheint realitätsfremd, dass er – in Kenntnis der drakonischen Strafen, welche einem Ungläubigen drohen würden, und in Anbetracht sei- ner Aussage, dass es niemanden gegeben habe, mit dem er offen und ohne Schwierigkeiten über seine Zweifel in Bezug auf die Religion habe sprechen können – dem Mullah gegenüber erklärt habe «Du kannst meine Fragen nicht beantworten. Vielleicht ist deine Religion falsch» (vgl. A11/24 S. 10 und 15). Auch seine Schilderung, wonach ihn sein Vater aufgrund seiner Abkehr vom Glauben zu einem mehrwöchigen Aufenthalt bei einem Mullah geschickt haben soll, erscheint wenig nachvollziehbar. So wird denn auch auf Beschwerdeebene a uf die hohen gesellschaftlichen und straf- rechtlichen Strafen für Apostasie verwiesen und angeführt, dass sogar eine Enthauptung angeordnet werden könne. Dass ein Vater vor diesem Hinter- grund die Glaubensabkehr seines Sohnes publik machen würde, indem er seinen Sohn zur Glaubensbekräftigung zu einem Mullah schickt, erscheint eher unwahrscheinlich. Bezeichnenderweise sind seine diesbezüglichen Schilderungen denn auch rudimentär, oberflächlich und frei von Detailschil- derungen ausgefallen. Insgesamt vermögen die blossen Hinweise auf vor- gebrachte Details (und damit sinngemäss auf vorhandene Realkennzei- chen) die mangelnde Substanz und die fehlenden Ausführungen hinsicht- lich der oben erwähnten Sachverhaltselemente nicht aufzuwiegen, zumal ein Asylgesuchsteller grundsätzlich nur eigene Erlebnisse zu schildern hat und nicht komplizierte theoretische oder abstrakte Erörterungen anzustel- len braucht. Ergänzend ist festzuhalten, dass aufgrund der auf den einge- reichten Fotos (…). Allerdings muss die tatsächliche Ursache dieser Ver- letzungen angesichts der überwiegenden Zweifel an der Darstellung des Beschwerdeführers offen bleiben. 7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt der Ausreise aus Afghanistan bestehende oder unm ittelbar drohende asyl - respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Gleichzeitig liegen keine konkreten Anhaltspunkte für eine für die Flüchtlingseigenschaft relevante Verfolgung vor, welche ihm heute bei einer (hypothetischen) Rückkehr nach Afghanistan mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft drohen würde. Die Vorinstanz hat D-5951/2018 Seite 12 demzufolge zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge- such abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Be- schwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthalts- bewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8.2 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich nicht der Schluss, der Beschwerdeführer sei im heutigen Zeitpunkt in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Eine solche Gefährdung ist aber nur unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 3 oder 4 AIG zu prüfen, wonach der Wegweisungsvollzug für ausländische Personen nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche Verpflich- tungen der Schweiz einer Weiterreise in den Heimat -, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen, beziehungsweise unzumutbar sein kann, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der Gefährdung des Beschwerdeführers aufgrund der ak- tuellen Situation in Afghanistan hat das SEM mit der Anordnung der vor- läufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. Da die Vollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4), ist vorliegend die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nicht zu prüfen. Im Rahmen einer allfälligen späte- ren Aufhebung der vorläufigen Aufnahme wäre ex nunc zu prüfen, ob der Vollzug der Wegweisung völkerrechtlich zulässig, zumutbar und möglich ist (vgl. Art. 84 Abs. 2 i.V.m. Art. 83 AIG). 9. Aus di esen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 10. 10.1 Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktobe r 2018 wurde – unter Vorbe- halt der rechtzeitigen Nachreichung einer Fürsorgeabhängigkeitsbestäti- gung – das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung D-5951/2018 Seite 13 (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutgeheissen. Am 31. Oktober 2018 reichte der Be- schwerdeführer die entsp rechende Bestätigung seiner Mittellosigkeit zu den Akten. Aus dem Zentralen Migrationssystem (Zemis) geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit dem 1. September 2019 einer Erwerbstätigkeit als O._______ nachgeht. Entsprechend wurde er mit Zwischenverfügun g vom 12. März 2020 zur Darlegung seiner finanziellen Verhältnisse aufge- fordert. Zwar äusserte er sich innert angesetzter Frist nicht, dennoch er- scheint es unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände nicht gerechtfer- tigt, Ziffer 2 des Dispositivs der Instru ktionsverfügung vom 25. Oktober 2018 aufzuheben. Dem Beschwerdeführer sind keine Kosten aufzuerle- gen. 10.2 Mit Zwischenverfügung vom 5. März 2019 wurde der damalige Rechtsbeistand (…) – seinem Gesuch vom 27. Februar 2019 entsprechend – von seinem Amt als amtlicher Rechtsbeistand enthoben. Gleichzeitig hielt die Instruktionsrichterin fest, dass ein allfälliges amtliches Honorar an seine Nachfolgerin Katarina Socha beziehungsweise an die Caritas Schweiz, Ab- teilung Anwaltschaft, zu übertragen sei. Die Rechtsvertretung machte im Rahmen der Beschwerdeschrift (S. 16) einen zeitlichen Aufwand von 5 Stunden geltend. Dieser erscheint ange- messen, wobei für den Aufwand seit Beschwerdeerhebung zusätzlich 0.5 Stunden hinzuzurechnen sind. Der Stunden ansatz ist entsprechend den Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 5. November 2018 auf Fr. 150.– festzusetzen. Auslagenersatz wird nicht geltend gemacht. Kata- rina Socha ist somit zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von gerundet insgesamt Fr. 890.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-5951/2018 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Katarina Socha, Caritas Schweiz, wird zulasten der Gerichtskasse ein amt- liches Honorar von Fr. 890.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Regula Frey Versand: