<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 5 S.35</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">35</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>C. Nachbarrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>5</b></span> <span class="ft2"><b>§ 88 f. EG ZGB; Nachbarrecht; Abstandsvorschriften</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Messweise: Bei Hanglagen ist die Pflanzenhöhe stets vom ursprünglich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gewachsenen Terrain am Standort der Pflanze aus zu messen (Erw. 1/b;</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Präzisierung von AGVE 1956 Nr. 5 S. 30).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsschutzinteresse: Der Nachbar kann ohne Nachweis einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Überschreitung der zulässigen Höhe nicht generell verpflichtet werden,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>seine Pflanzen unter der Schere zu halten (Erw. 1/d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 28. April 2003,</span><br/> <span class="ft3">i.S. D.E. ca. B. u. G.B.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1. b) Im Kanton Aargau sind die je nach Pflanzenhöhe</span><br/> <span class="ft5">unterschiedlichen Abstandsvorschriften für Bäume und Hecken in</span><br/> <span class="ft5">den §§ 88 und 89 EGZGB statuiert. Aus deren Wortlaut ergibt sich</span><br/> <span class="ft5">nicht ausdrücklich, ob für die Bestimmung der Höhe einer Pflanze</span><br/> <span class="ft5">das tatsächliche Bodenniveau oder das mutmassliche Niveau des</span><br/> <span class="ft5">ursprünglich gewachsenen Bodens relevant ist und ob auch ein</span><br/> <span class="ft5">allfälliger Niveauunterschied zwischen den Grundstücken zu be-</span><br/> <span class="ft5">rücksichtigen ist. Auch aus den einschlägigen Materialien (Botschaft</span><br/> <span class="ft5">des Regierungsrates an den Grossen Rat von 1910, 1. und 2.</span><br/> <span class="ft5">Beratung des Grossen Rates von 1910 und 1911, Grossratsprotokoll</span><br/> <span class="ft5">von 1910) ergibt sich nichts dazu.</span><br/> <span class="ft5">Die Lehre und Rechtsprechung behandeln die Frage kontrovers:</span><br/> <span class="ft5">Nach herrschender Meinung ist die Höhe einer Pflanze nur dann von</span><br/> <span class="ft5">ihrem Fuss aus zu messen, wenn es sich um natürlich gewachsenen</span><br/> <span class="ft5">Boden handelt. Wurde der Boden dagegen künstlich aufgeschüttet,</span><br/> <span class="ft5">soll nicht das aufgeschüttete, sondern das mutmassliche Niveau des</span><br/> <span class="ft5">ursprünglich gewachsenen Bodens am Standort der Pflanze</span><br/> <span class="ft5">massgebend sein. Die Höhe der künstlichen Aufschüttung wird somit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">36</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">zur Höhe der Pflanze hinzugerechnet (PKG 1996 Nr. 16; Roos,</span><br/> <span class="ft5">Pflanzen im Nachbarrecht, Zürich 2002, S. 204 m.w.H.; a.A. EGVSZ</span><br/> <span class="ft5">1990 S. 124, wo die Höhe vom aufgeschütteten Terrain aus gemessen</span><br/> <span class="ft5">wurde). Auch die in AGVE 1956 Nr. 5 S. 30 vertretene Auffassung,</span><br/> <span class="ft5">wonach die Pflanzenhöhe vom gewachsenen Boden des angrenzen-</span><br/> <span class="ft5">den Grundstückes aus zu messen ist, wenn der Nachbar seinen</span><br/> <span class="ft5">Garten durch Aufschüttungen erhöht und auf dem aufgeschütteten</span><br/> <span class="ft5">Boden einen Grünhag an die Grenze gesetzt hat, folgt diesem Ansatz.</span><br/> <span class="ft5">An dieser Praxis ist im Grundsatz festzuhalten. Die Regeste von</span><br/> <span class="ft5">AGVE 1956 Nr. 5 S. 30 bedarf aber insofern der Präzisierung, als sie</span><br/> <span class="ft5">ausführt, die Pflanzenhöhe sei vom Boden des Nachbargrundstückes</span><br/> <span class="ft5">aus zu messen. Im damals beurteilten Fall trennte die Aufschüttung</span><br/> <span class="ft5">mit der darauf gepflanzten Hecke zwei benachbarte Grundstücke</span><br/> <span class="ft5">ohne natürliche Niveauunterschiede. Aus Praktikabilitätsgründen</span><br/> <span class="ft5">konnte daher die Pflanzenhöhe vom Nachbargrundstück aus gemes-</span><br/> <span class="ft5">sen werden, da dieses das ursprüngliche Bodenniveau widerspiegel-</span><br/> <span class="ft5">te. Diese Messweise lässt sich aber nicht auf Hanglagen übertragen,</span><br/> <span class="ft5">da ansonsten die natürlichen Niveauunterschiede unberücksichtigt</span><br/> <span class="ft5">blieben. Bei Hanglagen ist die Pflanzenhöhe daher stets vom</span><br/> <span class="ft5">ursprünglich gewachsenen Terrain am Standort der Pflanze aus zu</span><br/> <span class="ft5">messen (so auch Roos, a.a.O., S. 203; PKG 1996 Nr. 16). Andernfalls</span><br/> <span class="ft5">wäre es ein Leichtes, die kantonalen Abstandsvorschriften zu</span><br/> <span class="ft5">umgehen. Die Handhabung dieser Lösung dürfte auch keine unüber-</span><br/> <span class="ft5">windbaren Schwierigkeiten bereiten, da das natürlich gewachsene</span><br/> <span class="ft5">Terrain häufig in Bauplänen ausgewiesen oder anhand der Um-</span><br/> <span class="ft5">gebung zu schätzen ist (vgl. Roos, a.a.O., S. 206). Anzumerken</span><br/> <span class="ft5">bleibt, dass dem Kläger der Nachweis eines für ihn günstigeren</span><br/> <span class="ft5">Terrainverlaufs obliegt.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">d) Die Vorinstanz hat die Beklagten verpflichtet, die Föhren auf</span><br/> <span class="ft5">der Böschung ihres Grundstückes jeweils auf das gesetzliche Mass</span><br/> <span class="ft5">zurückzuschneiden, obwohl sie (...) zum Schluss kam, es liege keine</span><br/> <span class="ft5">Verletzung der nachbarrechtlichen Grenzabstandsvorschriften vor.</span><br/> <span class="ft5">Die Beklagten generell - d.h. ohne Vorliegen einer konkret zu beseiti-</span><br/> <span class="ft5">genden Überschreitung der Maximalhöhe - zu verpflichten, die Föh-</span><br/> <span class="ft5">ren und den Busch unter der Schere zu halten, ist aber mangels</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">37</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Rechtsschutzinteresses nicht zulässig. Der Kläger hat keinen An-</span><br/> <span class="ft5">spruch auf eine solche richterliche Anweisung an die Beklagten,</span><br/> <span class="ft5">wenn sich diese bislang rechtskonform verhalten haben.</span><br/></div> </div> </body> </html>