Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. März 2019 (720 18 347 / 69) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Überprüfung der Beweistauglichkeit des bidisziplinären Verwaltungsgutachtens sowie Beurteilung des leidensbedingten Abzugs Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Markus Schmid , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1970, war vom 30. März 2000 bis 31. Dezember 2016 als Plattenle- ger für die B.____ AG tätig und in dieser Eigenscha ft bei der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- un d Nichtberufsunfällen versichert. Am 10. April 2006 stiess er sich während der Arbeit den re chten Ellbogen an und zog sich eine nicht dislozierte Radiusköpfchenfraktur zu. Die Suva aner kannte ihre Leistungspflicht für das Unfall- ereignis und erbrachte die gesetzlichen Versicherun gsleistungen. Etwas mehr als zwei Monate Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach dem Unfall arbeitete der Versicherte wieder zu 10 0 % in seiner angestammten Tätigkeit. In der Folge ist es in den Jahren 2007 und 2009 zu Rückf ällen gekommen, wobei die Suva die Unfallkausalität der Beschwerden jeweils bejahte. Mit V erfügung vom 19. August 2015 sprach sie ihm für die verbliebenen Beeinträchtigungen am re chten Ellbogen eine Integritätsentschädi- gung gestützt auf einen Integritätsschaden von 10 % z u. Am 22. Februar 2016 meldete A.____ der Suva erneut einen Rückfall. Am 8. September 2016 wurde aufgrund der anhaltenden Be- schwerden am rechten Ellbogen eine Arthroskopie mit Sha ving und Gelenkdébridement durch- geführt, womit aber keine Verbesserung der Schmerzsituation erreicht wurde. Seit dem Rückfall arbeitet der Versicherte nicht mehr. Nach weiteren Ab klärungen, namentlich nach Einholung einer kreisärztlichen Beurteilung, ermittelte die Suva schliesslich mit Einspracheentscheid vom 30. Mai 2018 einen Invaliditätsgrad von 13 %. Dagegen erhob der Versicherte am 27. Juni 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Mit Urteil vom 29. November 2018 wies das Kantonsgericht die Beschwerde ab. Seit Frühjahr 2016 verspürt der Versicherte neben den B eschwerden im rechten Ellbogen zu- dem tieflumbale Schmerzen rechtsseitig, mit dorsolateral er Ausstrahlung in das rechte Bein bis in die Grosszehe. Bilddiagnostisch wurde eine Chondrose LWK 4/5 sowie eine Diskushernie LWK 4/5 mit Wurzeltangierung L5 diagnostiziert. In der Folge stellten sich nach dem Verlust der Arbeitsstelle per Ende 2016 auch psychische Beschwerden ein. Mit Gesuch vom 16. Juni 2016 meldete sich A.____ unter Hi nweis auf die Unfallfolgen bei der Schweizerischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) veranlasste weitere medizinische Abklärungen. Insbesondere holte sie ein bidisziplinäres rheumatologisch-psychiatrisches Gutachte n bei Dr. med. C.____, Facharzt FMH für Rheumatologie und FMH für Innere Medizin, un d Dr. med. D.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein (Gutachten vom 4. Ju ni 2018). Ausserdem zog sie die Ak- ten der Suva bei. Mit Verfügung vom 18. September 20 18 lehnte die IV-Stelle einen Rentenan- spruch von A.____ bei einem Invaliditätsgrad von 31 % ab . In der Begründung führte sie zu- sammenfassend aus, dass aufgrund des bidisziplinären Gutacht ens, welches durch die kreis- ärztliche Beurteilung bestätigt werde, in einer angep assten Tätigkeit mit leichten bis mittel- schweren Arbeiten eine Arbeitsfähigkeit von 100 % beste he. In Berücksichtigung eines leidens- bedingten Abzugs von 10 % resultiere ein Invaliditätsgrad von 31 %. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Marku s Schmid, mit Eingabe vom 22. Oktober 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin bea ntragte er unter o/e-Kostenfolge die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 18. Septem ber 2018 und die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin, ihm basierend auf einem Invaliditä tsgrad von mindestens 70 % ab Feb- ruar 2017 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Event ualiter liess er die Aufhebung der an- gefochtenen Verfügung und die Einholung eines gericht lichen polydisziplinären medizinischen Gutachtens beantragen. Subeventualiter beantragte er die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin, damit diese ein zufallbasierte s polydisziplinäres medizinisches Gut- achten einhole und dann neu über den Leistungsanspruch entscheide. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltli- chen Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter. In der Be gründung wurde im Wesentlichen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. D.____ und Dr. C. ____ in Zweifel gezogen sowie die Höhe des leidensbedingten Abzugs gerügt. Insbesondere das Gutachten von Dr. D.____ sei widersprüchlich und nicht valid. Der Beschwerdeführer sei aus orthopädischer Sicht maximal 50 % arbeitsfähig. Aus psychiatrischer Sicht bestehe gemäs s mündlicher Auskunft des behan- delnden Psychiaters aufgrund der schwergradigen Depression eine 100 %-ige Arbeitsunfähig- keit. Zudem seien Magendarmbeschwerden aktenkundig, weshalb ein polydisziplinäres Gutach- ten in Auftrag zu geben sei. Es bestehe ein Invalidit ätsgrad von 100 % und damit Anspruch auf eine ganze Rente. Der leidensbedingte Abzug von 20 % se i zu berücksichtigen, wenn es dem Beschwerdeführer psychisch wieder besser gehe und er in d er Verfassung sei, eine Arbeit an- zunehmen. C. Mit Verfügung der instruierenden Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts vom 23. Oktober 2018 wurde dem Beschw erdeführer die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Markus Schmid als Rechts- vertreter bewilligt. D. Mit Vernehmlassung vom 14. Dezember 2018 beantragt e die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Stritt ig und zu prüfen ist, ob die Ablehnung des Rentenanspruchs durch die Beschwerdegegnerin korrek t ist. Massgebend für diese Beur- teilung sind die tatsächlichen Verhältnisse bis zum Erlass d er angefochtenen Verfügung vom 18. September 2018. 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). E rwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeg lichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erw erbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern könn en (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindeste ns 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindest ens 40 % invalid sind (lit. c). Bei ei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspru ch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Ren te, bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person sowie um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf- gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszus tand zu beurteilen und dazu Stel- lung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Ausk ünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der P erson noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 2.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E . 1c). Dennoch erachtet es die Recht- sprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung a ls vereinbar, in Bezug auf be- stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externe r Spezialärztinnen und -ärzte, wel- che aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Ak- ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen , solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 1 25 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hin- weisen). 2.6 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 121 V 47 E. 2a, 115 V 142 E. 8b, je mit Hinweisen). 2.7 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass das Adm inistrativverfahren und der kanto- nale Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsa tz beherrscht sind (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben di e Verwaltung und das Sozialversiche- rungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vol lständige Abklärung des rechtserhebli- chen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht da uert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tats achen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_16 3/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 3.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. C.____ un d Dr. D.____ vom 4. Juni 2018. Ge- stützt auf diese fachärztlichen Beurteilungen ging sie da von aus, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. 3.2 Dr. C.____ diagnostiziert in seinem rheumatologi schen Teilgutachten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine beginnende Ellbogenarthrose rechts mit/bei Status nach konserva- tiver Therapie einer Radiusköpfchenfraktur rechts am 10. April 2006, bei Status nach Ellbogen- arthroskopie rechts mit arthroskopischem Shaving und Gelen kdébridement bei beginnender Ellbogenarthrose rechts am 8. September 2016 und sensib ler Irritation des Nervus ulnaris im Ellbogenbereich; mit einem chronischen Lumbovertebralsynd rom mit spondylogener Ausstrah- lung rechts mit/bei Chondrose L4/5 mit initial recht grosser mediolateraler rechtsgelegener Dis- kushernie mit wahrscheinlich radikulärer Reizung L5 rech ts und bei Regredienz der medio rechts-lateralen Diskushernie L4/5 auf mediane Protrusion bis mediane Hernie ohne Wurzel- kompression. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gebe es keine rheumatologische Diagnose. Nicht nachvollziehbar sei, weshalb sich der Explorand nach erlittener Fraktur am Ellbogen mit dokumentiertem Fremdkörper nicht habe operieren lassen. So sei die Arthrose vorprogrammiert gewesen. Ferner sei nicht nachvollziehbar, weshalb die e rfolgten Therapiemassnahmen lumbal Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Besserung bewirkt hätten. Und schliesslich sei auch ni cht nachvollziehbar, weshalb der Explorand infiltrative Massnahmen konsequent abgelehnt habe. Einerseits sei deshalb am Lei- densdruck des Beschwerdeführers zu zweifeln, andererseits sei damit aber auch ein positiver Verlauf verhindert worden. Konsistenz und Ressourcen des Exploranden könnten nicht beurteilt werden, da dieser auf entsprechende Fragen keine Auskun ft gebe. Klinisch bestehe heute kei- ne radikuläre Problematik mehr. Es gebe Hinweise, dass di e Schmerzgenese zumindest teil- weise psychogen bedingt sei. Berufliche Massnahmen seien a n motivationellen Problemen ge- scheitert. Der Explorand gehe subjektiv von einer Arbeit sunfähigkeit von 100 % aus. Zwischen den Angaben des Exploranden und den objektiv erhebbare n Befunden gebe es aber Diskre- panzen. So sei die angegebene Schmerzintensität von lumbal VAS 7-8 und von VAS 7 im rech- ten Bein beim nicht leidend wirkenden Exploranden ni cht erklärbar. Nicht nachvollziehbar sei ausserdem, dass subjektiv seit zwei Jahren eine unverändert e Schmerzsituation angegeben werde, obwohl bildgebend ein rückläufiger Befund der Diskopathie L4/5 dokumentiert sei. Es gebe somit klare Hinweise für eine Selbstbehinderungsüberzeugung. In seiner zuletzt ausgeüb- ten Tätigkeit als Plattenleger wie auch in allen kör perlich mittelschweren bis schweren Tätigkei- ten sei der Explorand zu 100 % arbeitsunfähig. In ein er angepassten Tätigkeit mit einer Belas- tung des rechten Arms mit max. 5 kg und ohne repetitive Bewegungen, ohne dauernde schwere oder mittelschwere Rückenbelastungen, sondern mit nur leichten bis gelegentlich mittelschwe- ren Rückenbelastungen, ohne nur Sitzen oder nur Stehen und ohne Zwangshaltungen wie dau- ernd in der Vorhalte, ohne repetitives Vornüberbeugen und ohne dauernd über Kopf arbeiten zu müssen, sei der Explorand bezogen auf ein Ganztagespensum se it dem 25. Februar 2017 zu 100 % arbeitsfähig. 3.3 Dr. D.____ diagnostiziert in seinem Gutachten vom 4. Juni 2018 eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (IC D-10 F45.41), die keine Aus- wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe. In der Beurteilung hält er fest, dass sich der Explorand praktisch kaum arbeitsfähig fühle. Er sei auch nicht i n der Lage gewesen, einer einfachen Be- schäftigung im Rahmen eines Sozialhilfeprogrammes nachzug ehen. Das Ausmass der geklag- ten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, praktisch nicht arbeiten zu kön- nen, könne durch die somatischen Befunde nicht hinreiche nd objektiviert werden, sodass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Es fänden sich keine Hinweise auf langanhaltende vorbestehende psychosoziale Belastungen. Di agnostisch handle es sich um eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen F aktoren. Eine eigenstän- dige depressive Erkrankung liege nicht vor. Der Explorand leide unter leichten, schmerzbeding- ten Schlafstörungen. Er habe am Morgen keine Mühe, au fzustehen. Tagsüber unternehme er Spaziergänge, schone sich, lege sich meistens auf dem Sofa hin, da er im Liegen weniger Schmerzen habe. Die Beziehung zu seiner Ehefrau und den Söhnen sei gut. Er treffe sich gele- gentlich mit Bekannten auf der Strasse und habe regel mässigen Kontakt mit seinen Familien- angehörigen. Er berichte von einem gewissen Lebensüberd russ, distanziere sich aber klar von Suizidgedanken. Er sei auch in der Lage, Auto zu fahren . Er sei alleine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Untersuchung nach Basel gefahren. Im letzten Jahr sei er auch mit dem Flugzeug in seine Heimat gereist. Er sei noch nie statio när psychiatrisch behandelt worden. Es fänden sich somit keine Hinweise auf eine mittelgradige oder schwere depressive Störung. Die gelegentlich auftretenden, leichten depressiven Verstimmu ngen seien im Rahmen der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerzstörung einzuordnen. In Bezug auf die Arbeitsfä higkeit hält Dr. D.____ fest, dass dem Beschwerdeführer die zuletzt ausgeübte Tätigkeit zu 10 0 % zugemutet werden könne. Es be- stünden dabei keine Einschränkungen der Leistungsfähigke it. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit im Verlauf nie eingeschränkt gewesen. Auch jede andere Tätigkeit sei dem Versicherten aus psychiatrischer Sicht zu 100 % zumutbar. 3.4 Dr. C.____ und Dr. D.____ gelangen im Rahmen ih rer interdisziplinären Gesamtbeur- teilung in Bezug auf die funktionellen Auswirkungen de r Befunde und Diagnosen zur Auffas- sung, dass der Explorand im Alltag durch die psychischen Beschwerden nicht beeinträchtigt sei. Es gelte daher die rheumatologische Beurteilung. Es be stünden körperliche Einschränkungen, definiert durch die Ellbogenarthrose und die Diskopath ie. Allerdings würden diese organischen Kernbefunde keine vollständige Arbeitsunfähigkeit impli zieren, wie dies der Explorand erwarte. Die Arbeitsfähigkeit sei nicht durch die Persönlichkeit des Exploranden beeinträchtigt. In Bezug auf die Belastungsfaktoren und Ressourcen halten die Gu tachter aus rheumatologischer Sicht fest, dass zweifelsohne Belastungsfaktoren bestehen würde n. Es bestehe eine Situation ohne Berufsausbildung, ein mittlerweile etwas fortgeschritt enes Alter, schlechte Deutschkenntnisse, eventuell auch mangelnde Integration und die Arbeitslo sigkeit der Ehefrau. All diese Faktoren seien aber IV-fremd. In psychiatrischer Hinsicht halten di e Gutachter fest, dass der Explorand durch die finanziellen Schwierigkeiten und die ungewisse Zukunft belastet sei. Er sei aber in der Lage gewesen, während Jahren gute Arbeitsleistungen zu erzielen. Er pflege nach wie vor gute Kontakte zu seinen Familienangehörigen, unternehme Sp aziergänge, fahre Auto und pflege auch Kontakte mit Bekannten. In Bezug auf die Konsiste nzprüfung halten die Gutachter fest, dass im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung keine Inkonsiste nzen aufgefallen seien. Aus rheumatologischer Sicht könne dazu mangels genügende n Informationen nicht Stellung genommen werden. 4.1 Das bidisziplinäre Gutachten von Dr. C.____ und Dr. D.____ erfüllt alle Voraussetzun- gen, die das Bundesgericht an die Beweistauglichkeit ei ner verwaltungsexternen Begutachtung (vgl. Erwägung 2.5 hiervor) stellt. Es weist weder form ale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird – für die strei tigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, ist in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation schlüssig, setzt sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und e nthält einleuchtende Schlussfolge- rungen. Es ist damit grundsätzlich darauf abzustellen, s olange nicht konkrete Indizien Zweifel an der Beweistauglichkeit hervorrufen. 4.2.1 Der Beschwerdeführer stellt die Beweiskraft des Gu tachtens in Frage, da die Be- schwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten in Auf trag hätte geben müssen. Er verweist dabei auf BGE 139 V 349 E. 3.2, wonach die umfassende administrative Erstbegutachtung re- gelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzule gen sei. Die direkte Auftragserteilung solle die Ausnahme bleiben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.2 Vor Erteilung des Begutachtungsauftrags lagen de r Beschwerdegegnerin namentlich der Austrittsbericht des Spitals E.____ vom 25. Februar 2017 und der Bericht des Hausarztes Dr. med. F.____, Innere Medizin FMH, vom 31. Juli 201 7 vor. Das Spital E.____ diagnostiziert nach einem zweieinhalbwöchigen stationären Aufenthalt eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bei chronischer Lumboisc hialgie rechts und anhalten- den Ellbogenschmerzen rechts. Dr. F.____ hält in seinem Bericht vom 31. Juli 2017 ebenfalls lediglich eine chronische Lumbalgie, zeitweise Lumboischi algie rechts, chronische Schmerzen im rechten Ellbogen bei beginnender posttraumatischer Arthrose und eine chronische Schmerzstörung fest. Damit beschlägt der Gesundheitszusta nd des Versicherten zwar unter- schiedliche medizinische Aspekte. Diese betreffen aber klar nur die Fachgebiete der Rheumato- logie oder Orthopädie sowie der Psychiatrie. Weitere m edizinische Fachrichtungen, die eine polydisziplinäre Abklärung notwendig machen würden, sind in den Akten nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer behauptet zwar zusätzliche Magendarmbesch werden, die aktenkundig sei- en. In den Akten lassen sich aber hierzu keine entsprechend en Hinweise finden. Auch macht der Beschwerdeführer keine weiteren Angaben hierzu, ins besondere legt er nicht substantiiert dar, um was für Magendarmbeschwerden es sich handelt und inwiefern diese die Arbeitsfähig- keit beeinflussen würden. Gegenüber den Gutachtern ga b er jedenfalls neben den Schmerzen im Rücken und im Ellbogen nur an, manchmal an Kopfschm erzen und dadurch unter einer ge- wissen Nervosität zu leiden (Gutachten Dr. C.____, S. 31). Es ist deshalb nicht nachvollziehbar, weshalb eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag h ätte gegeben werden müssen. Unter diesen Voraussetzungen genügte die Anordnung eines bidi sziplinären psychiatrischen- rheumatologischen Gutachtens durch die Beschwerdegegnerin (BGE 139 V 349 E. 3.2). 4.3.1 Hinsichtlich der psychiatrischen Abklärung durch die B eschwerdegegnerin rügt der Beschwerdeführer, dass keine Berichte beim behandelnden Psychiater Dr. med. G.____, Fach- arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, eingeholt wo rden seien, was eine Verletzung der Untersuchungspflicht bedeute. Eine kurze Notiz als schrift liches Festhalten der telefonischen Auskunft durch den Gutachter selbst könne nicht mit der Einholung eines Arztberichtes gleich- gestellt werden. 4.3.2 Dr. D.____ nahm im Rahmen der Begutachtung mit Dr. G.____ telefonischen Kontakt auf und hatte damit Kenntnis von der diagnostischen Ei nschätzung und der Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit durch Dr. G.____. Der Inhalt der Angaben von Dr. G.____ wird auf S. 29 des psy- chiatrischen Teilgutachtens folgendermassen wiedergegeben : Sein Patient sei mittel- bis schwergradig depressiv. Er sei einfach strukturiert, so dass si ch seine Depression in Schmer- zen ausdrücke. Von aussen sehe man eher wenig. Aktuell bet rage die Arbeitsunfähigkeit 100 %, wobei in zwei bis drei Jahren eine Verbesserung eintreten könnte. Auch ohne schriftli- chen Arztbericht hatte Dr. D.____ damit Kenntnis von der diagnostischen Einschätzung und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. G.____. Di es ermöglichte ihm, auch ohne einen schriftlichen Bericht zur Einschätzungen von Dr. G.____ Stellung zu nehmen, was er in der Fol- ge auch tat. Da gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung A uskünfte oder Berichte des be- handelnden Arztes zwar häufig wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich sind (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 7. Februar 2012, 8C_768/2 011, E. 5.3.3), ist in dieser Vorge- hensweise kein Mangel zu erkennen. Dr. D.____ nimmt auss erdem ausführlich Stellung zur Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auffassung von Dr. G.____. Dabei begründet er in nachv ollziehbarer und schlüssiger Weise, weshalb eine depressive Erkrankung ausgeschlossen werden könn e. In diesem Zusammen- hang gilt es auch zu berücksichtigen, dass selbst nach eine r zweiwöchigen stationären Schmerztherapie von den behandelnden Ärzten des Spitals E .____ keine depressive Erkran- kung diagnostiziert wurde (vgl. dazu Austrittsbericht vom 25 . Februar 2017). Stattdessen wurde ebenfalls eine Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert. 4.4.1 Der Beschwerdeführer lässt weiter einwenden, dass e ntgegen den Feststellungen von Dr. D.____ eine schwere Depression nicht zwingend eine stationäre psychiatrische Behandlung voraussetze. Die Aussage von Dr. D.____ sei auch falsch, da bekannt sei, dass er vom 6. Feb- ruar bis 25. Februar 2017 sowie vom 21. August 2017 b is 26. August 2017 im Spital E.____ in stationärer Behandlung gewesen sei, wo er unter ander em auch psychiatrisch behandelt wor- den sei. Dort seien massive Schlafstörungen und wiederh oltes Aufwachen in der Nacht zufolge Schmerzen festgestellt worden. Es sei aus psychiatrischer Sicht eine 100 %-ige Arbeitsunfähig- keit bis zum 21. März 2017 attestiert worden. Es sei somit nicht glaubhaft, wenn Dr. D.____ davon ausgehe, keinerlei depressive Symptome feststellen zu können. Zudem gehe aus dem Austrittsbericht vom 26. August 2017 hervor, dass der Besch werdeführer antidepressiv mit Cymbalta behandelt werde. Ferner seien die Ressourcen d es Beschwerdeführers – entgegen der Einschätzung von Dr. D.____ – stark limitiert. Aufg rund der schwergradigen Depression bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. 4.4.2 Dazu ist festzuhalten, dass Dr. D.____ in seinem Gu tachten keineswegs behauptet, dass eine schwere Depression zwingend eine stationäre psych iatrische Behandlung zur Folge habe. Er impliziert lediglich, dass eine stationäre Beh andlung ein Indiz für eine mittel- bis schwergradige Depression sein könne, und er stellt fest, da ss dieses Indiz beim Beschwerde- führer nicht vorliege. Soweit sich der Beschwerdeführer auf die Austrittsberichte des Spitals E.____ vom 25. Februar 2017 und vom 26. August 2017 b eruft, ist festzustellen, dass diese nicht im Widerspruch zur Beurteilung von Dr. D.____ ste hen. Bei keinem der stationären Auf- enthalte wurde eine schwerwiegende affektive Störung d iagnostiziert, sondern ebenfalls eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakt oren. Auch der Umstand, dass dem Beschwerdeführer beim Austritt das Antidepressi vum Cymbalta verschrieben wurde, lässt nicht den eindeutigen Schluss auf eine schwerwiegende affektive Erkrankung zu. Cymbal- ta wird auch in der Schmerztherapie verwendet, obwohl es sich um ein klassisches Antidepres- sivum handelt. Was die Schlafstörungen angeht, so hält Dr. D.____ fest, dass der Beschwerde- führer lediglich unter leichten schmerzbedingten Schla fstörungen leide und dass er am Morgen keine Mühe habe, aufzustehen. Damit sind die dokumentie rten Schlafstörungen zu Recht nicht als Symptom einer Depression qualifiziert worden. Was schliesslich den Einwand der limitierten Ressourcen angeht, so ist die dokumentierte Passivität des Be schwerdeführers gemäss Dr. D.____ nicht auf fehlende Ressourcen, sondern auf die R ückenschmerzen zurückzuführen. Die eigentlichen Ressourcen des Beschwerdeführers sind intakt, f unktionierende soziale Beziehun- gen sind ausreichend vorhanden. Damit sind die Einwände des Beschwerdeführers gegen den Beweiswert des psychiatrischen Teilgutachtens nicht stichhaltig. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Gegen das rheumatologische Teilgutachten von Dr. C. ____ wendet der Beschwerde- führer ein, dass seine Ellbogen- und Rückenschmerzen objekt ivierbar seien, so dass die von Dr. C.____ attestierte volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht nachvollziehbar sei. Vielmehr sei aus rheumatologischer Sicht gestützt auf die Beurteilung des behandelnden Arztes Dr. med. H.____, Facharzt FMH für Handchirurgie, von einer Arbeitsunfähigkeit von min- destens 50 % auszugehen. Auch dieser Einwand kann nicht gehört werden. Dr. C.____ setzt sich auf S. 47 seines Gutachtens ausführlich mit den Einsch ätzungen von Dr. H.____ ausei- nander und begründet nachvollziehbar, weshalb auf desse n Zumutbarkeitsbeurteilung nicht abgestellt werden könne. 4.6 Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, dass er sei ne Schadenminderungspflicht durch die Weigerung, die Ellbogenfraktur operativ beha ndeln zu lassen, keineswegs verletzt habe. Der entsprechende Vorwurf von Dr. C.____ sei nicht gerechtfertigt. Ob der Beschwerde- führer seine Schadenminderungspflicht mit seiner Weiger ung, die Fraktur operativ beheben zu lassen, verletzte und der Vorwurf gerechtfertigt ist od er nicht, kann letztlich offen bleiben. Die Zumutbarkeitsbeurteilung berücksichtigt nachweislich sämtliche tatsächlich bestehenden Beein- trächtigungen des Beschwerdeführers und damit auch diej enigen Gesundheitsschäden, welche durch eine Operation allenfalls hätten vermieden werden können. Eine mögliche Verletzung der Schadenminderungspflicht wurde dem Beschwerdeführer somit gar nicht angelastet. 4.7 Insgesamt ist damit zum Schluss zu kommen, dass sämtliche Rügen gegen das Gut- achten vom 4. Juni 2018 keine Zweifel an dessen Verlässl ichkeit wecken können, so dass zur Beurteilung des Leistungsvermögens des Beschwerdeführers d arauf abzustellen ist. Damit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer le idensangepassten Tätigkeit, wie sie von Dr. C.____ auf S. 41 des Teilgutachtens umschrieben wird, zu 100 % arbeitsfähig ist. 5.1 Auf der beruflich-erwerblichen Seite der Invalidit ätsbemessung ist schliesslich die Höhe des Leidensabzuges vom Tabellenlohn für die Ermittlung des Invalideneinkommens umstritten. 5.2 Die Beschwerdegegnerin nahm in der angefochtenen V erfügung vom 18. September 2018 den erforderlichen Einkommensvergleich vor. Dabei ermittelte sie bei einem 100 %-igen Pensum als Plattenleger ein Valideneinkommen in der Hö he von Fr. 87‘021.--. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzun ehmen wäre und die konkrete Be- rechnung des Valideneinkommens gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten worden ist, erüb rigt sich eine detaillierte Auseinander- setzung mit der Berechnung. Es kann diesbezüglich grund sätzlich vollumfänglich auf die ent- sprechenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung verwie- sen werden. 5.3.1 Bezüglich des Invalideneinkommens ist die Beschwerd egegnerin von einem leidens- bedingten Abzug in der Höhe von 10 % ausgegangen. Der Beschwerdeführer beantragt die Vornahme eines leidensbedingten Abzugs von 20 %. Es sei zu berücksichtigen, dass er auf- grund der starken Schmerzen am dominanten rechten Ellbog en, Unterarm und Handgelenk Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie der dadurch bewirkten Bewegungs- und Funktionsein schränkung faktisch einarmig sei. Daher sei ein Abzug von lediglich 10 % nicht angemessen . Zusätzlich zur faktischen Einarmig- keit sei zu berücksichtigen, dass er über keine Berufsausbild ung verfüge und sprachlichen Hür- den ausgesetzt sei. Wenn überhaupt eine Arbeitsfähigkeit gegeben sein sollte, betrage diese maximal 50 %, weshalb dem Umstand, dass Teilzeitstellen sc hwerer zu erhalten seien, Rech- nung zu tragen sei. 5.3.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allen falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und beruflic he Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäf- tigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 142 V 178 E. 1.3; 124 V 321 E. 3b/aa) und die versicherte Person je nach Ausprägung deswegen die verbliebene Arbeitsfä- higkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur m it unterdurchschnittlichem erwerbli- chem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). De r Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einze lfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen ( BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2; 126 V 75 E. 5b/bb-cc). Die gesundheitlich bedingt e Unmöglichkeit, körperlich schwere Ar- beit zu verrichten, führt nicht automatisch zu einer wei teren Verminderung des hypothetischen Invalidenlohns, da der Tabellenlohn gemäss der LSE-Tabe lle TA1, Kompetenzniveau 1, bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (vgl. etwa Urteil des Bundes- gerichts vom 7. August 2017, 8C_381/2017, E. 4.2.2). 5.3.3 Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte einen Abzug von 10 % aufgrund der funktio- nellen Einschränkungen. Die Voraussetzungen für einen de rartigen Abzug sind insofern erfüllt, als der Beschwerdeführer selbst bei leichtesten Arbeiten e ingeschränkt und sein erwerbliches Leistungsvermögen entsprechend beschränkt ist, so dass er sich mit einem geringeren Lohn zu begnügen haben wird als voll leistungsfähige und entsp rechend einsetzbare Arbeitnehmer (vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.3). Die Gewährung eines A bzugs vom Tabellenlohn in der Höhe von 10 % erscheint unter diesem Blickwinkel als angemessen . Kein Abzug zu erfolgen hat ge- mäss höchstrichterlicher Rechtsprechung aufgrund des Beschäft igungsgrads, da der Be- schwerdeführer gemäss medizinischer Beurteilung ein 100 % Pensum ausüben könnte. Auch die fehlende Berufsausbildung und die geringen Deutsch kenntnisse rechtfertigen keinen höhe- ren Abzug, da mit dem Tabellenlohn TA1, Kompetenzniv eau 1, vor allem Hilfsarbeiten erfasst werden, welche keine Ausbildung und auch keine guten Deutschkenntnisse voraussetzen. Un- ter gebotener gesamthafter Berücksichtigung aller Aspekte erscheint ein Abzug von 10 %, wie ihn die Beschwerdegegnerin vorgenommen hat, daher al s angemessen. Soweit sie damit ein Invalideneinkommen von Fr. 59‘987.-- berechnet hat, ist dies korrekt erfolgt. Für die konkrete Berechnung wird auf die angefochtene Verfügung verwiesen. 5.4 Stellt man das Valideneinkommen von Fr. 87‘021.-- dem Invalideneinkommen von Fr. 59‘987.-- gegenüber, resultiert ein IV-Grad von 31 %. Damit liegt die Einbusse unter der leis- tungsbegründenden Schwelle von 40 %. Die Beschwerdegeg nerin hat somit zu Recht festge- stellt, dass der Beschwerdeführer kein Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Damit ist die ange- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht fochtene Verfügung vom 18. September 2018 nicht zu bean standen. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 23. Oktober 2018 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde, werden die Verfahrenskos- ten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 6.2 Dem Prozessausgang entsprechend wird keine Parteien tschädigung zugesprochen. Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 23. Oktob er 2018 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühun- gen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die An- wältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbei- ständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Hono- rarnote vom 3. Januar 2019 für das vorliegende Beschwer deverfahren einen Zeitaufwand von 14,4 Stunden und Auslagen von insgesamt Fr. 159.30 ausg ewiesen, was angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Allerdings sind die geltend gemachten Bemühungen im Umfang der vorprozessualen Auf wendungen zu reduzieren, was zu einem Abzug von insgesamt 0,2 Stunden führt. Dem Rechtsvertreter ist daher ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘272.30 (14,2 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 158.30 sowie 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 6.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufme rksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Dem Beschwerdeführer wird keine Parteientschädigun g ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘272.30 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse bezahlt. http://www.bl.ch/kantonsgericht