Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 16. August 2017 (460 16 240) ____________________________________________________________________ Strafrecht Fahrlässige Tötung / Genugtuung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Haupt - abteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin Aa.____ und Ab.____ vertreten durch Rechtsanwalt Denis G. Giovannelli, Hirzbodenweg 95, Postfach, 4020 Basel, Privatkläger B.____ , vertreten durch Advokat Martin Lutz, Falknerstrasse 3, 4001 Basel, Privatklägerin und Anschlussberufungsklägerin gegen C.____ , vertreten durch Advokat Jacques Butz, Dorfplatz 2, Postfach, 4123 Allschwil, Beschuldigter und Berufungskläger D.____ , vertreten durch Advokatin Wicky Tzikas, Oberwilerstrasse 3, Postfach, 4123 Allschwil, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Fahrlässige Tötung etc. (Berufung und Anschlussberufung gegen das Urteil des Strafge- richtspräsidiums Basel-Landschaft vom 16. August 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landsc haft vom 16. August 2016 wurde C.____ der fahrlässigen Tötung schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je CHF 140.-- verurteilt, be i einer Probezeit von zwei Jahren und in Anwendung von Art. 117 StGB (in Verbindung mit Art. 82 Abs. 1 UVG, Art. 3 VUV, Art. 6 VUV und Art. 8 BauAV) sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB und Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Von der Anklage der vorsätzlichen Ver letzung der Regeln der Baukunde wurde C.____ freigesprochen. Mit gleichem Urteil wurde au ch D.____ der fahrlässigen Tötung schul- dig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geld strafe von 160 Tagessätzen zu je CHF 30.-- verurteilt, bei einer Probezeit von zwei Jahren und in Anwendung von Art. 117 StGB (in Verbin- dung mit Art. 11 Abs. 2 VUV und Art. 8 BauAV) sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB und Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Von der Anklag e der vorsätzlichen Verletzung der Regeln der Baukunde wurde D.____ ebenso freigesprochen. Des Weiteren wurden C.____ und D.____ in solidarischer Haftung zu folgenden Leistungen ve rurteilt: Schadenersatz in der Höhe von CHF 9'417.95 an Aa.____, Schadenersatz in der Höhe von CHF 115.-- an Ab.____, Genugtu- ung in der Höhe von jeweils CHF 20'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Mai 2011 an A.____ (die Mehrforderungen wurden auf den Zivilweg verwiesen), Genugtuung in der Höhe von CHF 30'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Mai 2011 an E.____ (gesetzlich vertreten durch B.____), Entschädigung gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO in der Höhe von CHF 9'727.25 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) an A.____, Entschädigung gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO in der Höhe von CHF 2'262.60 (inkl. Auslagen und Mehrw ertsteuer) an E.____ (gesetzlich vertre- ten durch B.____) und B.____. Hingegen wurden die S chadenersatz- und Genugtuungsforde- rungen von B.____ in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 StPO auf den Zivilweg verwiesen. So- dann wurden die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 10'675.-- und der Gerichtsgebühr von CHF 6'000. --, im Verhältnis von CHF 8'326.-- zu Lasten von C.____ zu CHF 8'349.-- zu Lasten von D.____ verteilt. Schliesslich wurden die Kos- ten der amtlichen Verteidigung von D.____ im Umfang von CHF 12'783.45 unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beschuldigten nach Ar t. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskas- se entrichtet, und es wurde dem Opfervertreter ein Honorar in der Höhe von CHF 19'979.90 aus der Staatskasse ausgerichtet. Auf die Begründung di eses Urteils sowie der nachfolgenden Ein- gaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel -Landschaft vom 16. August 2016 meldete der Beschuldigte D.____ mit Schreiben vom 2 3. August 2016 die Berufung an. In sei- ner Berufungserklärung vom 25. Oktober 2016 begehrt e der Beschuldigte Folgendes: Es sei der Berufungskläger in Aufhebung von Ziff. II.1 des angefochtenen Urteils vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung vollumfänglich und kostenlos fr eizusprechen (Ziff. 1). Es seien in Aufhe- bung von Ziff. III.1. lit. a, b, c, e und f des ang efochtenen Urteils die Zivilforderungen abzuwei- sen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen, su beventualiter seien die Genugtuungsforde- rungen gemäss Ziff. III.1. lit. b und c angemessen zu reduzieren (Ziff. 2). Sodann sei Ziff. III.2 des angefochtenen Urteils dahingehend zu ändern, da ss die Verfahrenskosten zu Lasten des Staates verlegt werden (Ziff. 3). Ebenso sei Ziff. III.3 des angefochtenen Urteils dahingehend zu ändern, dass die Kosten der amtlichen Verteidigung ohne Vorbehalt einer Rückzahlungsver- pflichtung zu Lasten der Gerichtskasse verlegt werden (Ziff. 4). Dies alles unter o/e Kostenfolge (Ziff. 7), wobei dem Berufungskläger für das Berufu ngsverfahren die amtliche Verteidigung zu bewilligen (Ziff. 5) und ihm eine angemessene Frist zur Berufungsbegründung anzusetzen sei (Ziff. 6). In seiner Berufungsbegründung vom 26. Ja nuar 2017 hielt der Berufungskläger an sei- nen bereits in der Berufungserklärung gestellten Begehren fest. C. Gleichermassen meldete auch der Beschuldigte C.___ _ mit Schreiben vom 24. August 2016 die Berufung an und stellte sodann in seiner B erufungserklärung vom 12. Oktober 2016 folgende Rechtsbegehren: Das angefochtene Urteil se i vollumfänglich aufzuheben, und der Berufungskläger sei vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freizusprechen (Ziff. 1). Des Weiteren seien jegliche Zivilforderungen der Privatkläger E. ____ und B.____ sowie A.____ vollumfäng- lich abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu v erweisen (Ziff. 2). Dies alles unter o/e Kos- tenfolge zu Lasten des Staates sowohl für das erst- wie das zweitinstanzliche Verfahren (Ziff. 3). Im Sinne eines Beweisantrags wurde begeh rt, es sei der Vorarbeiter des Berufungs- klägers, F.____, als Zeuge einzuvernehmen (Ziff. 4) . In seiner Berufungsbegründung vom 1. Februar 2017 wiederholte der Berufungskläger sei ne bereits in der Berufungserklärung vor- gebrachten Rechtsbegehren und stellte darüber hinau s den Antrag, es sei die Anschlussberu- fung der Staatsanwaltschaft abzuweisen, und es sei Ziff. I.2 des angefochtenen Urteils in Bezug auf den Freispruch des Beschuldigten vom Vorwurf der vorsätzlichen Verletzung der Regeln der Baukunde zu bestätigen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Die Staatsanwaltschaft erklärte mit Eingaben vom 8 . November 2016 die Anschlussberu- fung sowohl bezüglich des Beschuldigten D.____ als auch hinsichtlich des Beschuldigten C.____ und stellte dabei folgende Anträge: Es sei Z iff. I.2 bzw. II.2 des angefochtenen Urteils aufzuheben, und es seien D.____ sowie C.____ der vo rsätzlichen Gefährdung durch Verlet- zung der Regeln der Baukunde schuldig zu sprechen ( Ziff. 1). Ferner seien die Berufungen der beiden Beschuldigten abzuweisen (Ziff. 2), und es s ei das jeweilige Strafmass entsprechend dem zusätzlichen Schuldspruch zu erhöhen (Ziff. 3). Mit Datum vom 21. Dezember 2016 reichte die Staatsanwaltschaft die jeweilige Begründung bezüglich ihrer Anschlussberufungen ein. E. Die Privatklägerin B.____ erklärte mit Eingabe vom 17. November 2016 die Anschlussbe- rufung mit folgenden Berufungsanträgen: Es sei die Schadenersatzforderung aus Versorger- schaden gegenüber beiden Berufungsklägern im Grunds atz nach gutzuheissen, und es seien die Berufungskläger in solidarischer Haftung zu ver urteilen, der Anschlussberufungsklägerin eine Genugtuung von CHF 45'000.-- zuzüglich Zins vo n 5 % seit dem 6. Mai 2011 zu bezahlen (Ziff. 1). Dies unter o/e Kostenfolge, wobei der An schlussberufungsklägerin die unentgeltliche Rechtpflege zu gewähren sei (Ziff. 2 und 3). In ihr er Anschlussberufungsbegründung vom 1. Februar 2017 präzisierte die Privatklägerin ihr Rechtsbegehren in Ziff. 1 wie folgt: Es sei die Schadenersatzforderung aus Versorgerschaden gegenüb er den Berufungsklägern im Grund- satz nach gutzuheissen, und es seien die Berufungsk läger in solidarischer Verbindung – bzw. im Falle eines Freispruchs eines der beiden Berufun gskläger der verurteilte Berufungskläger – zu verurteilen, der Anschlussberufungsklägerin eine Genugtuung von CHF 45'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Mai 2011 zu bezahlen; gege nüber dem Freigesprochenen sei die Ge- nugtuungsforderung auf den Zivilweg zu verweisen. F. Mit Schreiben vom 9. März 2017 begehrten die Priva tkläger A.____ die Bestätigung des angefochtenen Urteils und verwiesen zur Begründung auf die Erwägungen im erstinstanzlichen Urteil. G. Mit Eingaben vom 23. März 2017 reichte die Staatsa nwaltschaft ihre Berufungsantworten zu den Berufungen der beiden Beschuldigten ein. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. In seiner Anschlussberufungsantwort vom 6. April 2 017 beantragte der Beschuldigte D.____, es seien die Anschlussberufungen der Staats anwaltschaft und der Privatklägerschaft unter o/e Kostenfolge abzuweisen. I. Der Beschuldigte C.____ stellte in seiner Anschlus sberufungsantwort vom 10. April 2017 die folgenden Rechtsbegehren: Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei abzuweisen, und Ziff. I.2 des angefochtenen Urteils in Bezug au f den Freispruch des Berufungsklägers vom Vorwurf der vorsätzlichen Verletzung der Regeln der Baukunde sei zu bestätigen (Ziff. 1). Die Anschlussberufung der Privatklägerin B.____ sei abz uweisen und ihre Zivilforderung vollum- fänglich auf den Zivilweg zu verweisen (Ziff. 2); d ies alles unter o/e Kostenfolge zu Lasten des Staates sowohl für das erst- wie das zweitinstanzliche Verfahren (Ziff. 3). J. Ebenfalls mit Datum vom 10. April 2017 reichte auc h die Anschlussberufungsklägerin B.____ ihre Berufungsantwort ein und begehrte dabei , es seien die Berufungen der beiden Be- schuldigten abzuweisen, und es sei das angefochtene Urteil betreffend der Strafbarkeit der Be- rufungskläger sowie der Zivilforderungen von E.____ vollumfänglich zu bestätigen (Ziff. 1). Dies unter o/e Kostenfolge, wobei der Privatklägerin die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei (Ziff. 2 und 3). K. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgeric hts Basel-Landschaft, Abteilung Straf- recht, vom 12. April 2017 wurde der Beweisantrag vo n C.____, es sei F.____ als Zeuge einzu- vernehmen, insoweit gutgeheissen, als der Genannte als Auskunftsperson vor das Kantonsge- richt geladen wurde. Demgegenüber wurden die Beweis anträge der Privatklägerin B.____, es seien sie selbst, G.____, Aa.____, Ab.____, H.____ und I.____ bezüglich des Verhältnisses der Anschlussberufungsklägerin zum Verstorbenen vor Ger icht zu befragen, als nicht erforderlich und ungeeignet abgewiesen. Des Weiteren wurde der A ntrag von D.____, es sei ihm für das Berufungsverfahren die unentgeltliche amtliche Vert eidigung zu bewilligen, zufolge unzu- reichender Begründung abgewiesen. Hingegen wurde Advokatin Annalisa Landi als notwendige amtliche Verteidigerin eingesetzt, wobei über die A uferlegung der Kosten mit vorliegendem Ur- teil entschieden wird. Schliesslich wurde der Priva tklägerin B.____ für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Martin Lutz bewilligt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht L. Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Kantonsge richt sind der Beschuldigte C.____ mit seinem Rechtsvertreter Advokat Jacques Butz, de r Beschuldigte D.____ mit seiner Rechts- vertreterin Advokatin Wicky Tzikas, Advokat Martin Lutz als Rechtsvertreter der Privatklägerin B.____ sowie Anne-Kathrin Goldmann als Vertreterin der Staatsanwaltschaft anwesend. Auf die von den Anwesenden getätigten Ausführungen wird, so weit erforderlich, im Rahmen der nach- folgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen 1. Formalien, Verfahrensgegenstand und Beweisanträg e 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeri chts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung de r vorliegenden Berufungen und der An- schlussberufungen ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 li t. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zu lässig gegen Urteile erstinstanzlicher Ge- richte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechts verweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Festst ellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unange- messenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten um- fassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nac h Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zu- nächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schrift liche Berufungserklärung einzureichen. Die Anschlussberufung ist Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO f olgend innerhalb von 20 Tagen seit Empfang der Berufungserklärung schriftlich zu erklären. Die Legitimation der Staatsanwaltschaft zur Er- greifung des Rechtsmittels wird in Art. 381 Abs. 1 StPO und diejenige der beiden Beschuldigten sowie der Privatklägerin in Art. 382 Abs. 1 StPO no rmiert. Nachdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, sowohl die beiden Beschuldigten als auch die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin berufungs - bzw. anschlussberufungslegitimiert sind, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zulässige Rügen erheben und die Rechtsmittelfristen gewahrt haben sowie der Erklärungs- pflicht nachgekommen sind, ist im Folgenden ohne Weiteres auf alle Rechtsmittel einzutreten. 1.2 Gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel -Landschaft vom 16. August 2016 haben sowohl die beiden Beschuldigten als auch die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin B.____ ein Rechtsmittel ergriffen. Während die beid en Beschuldigten vollumfängliche Freisprü- che vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung mitsamt Abw eisung der jeweiligen Genugtuungs- und Entschädigungsbegehren der Privatklägerschaft unter o/e Kostenfolge zu Lasten des Staates beantragen, stellt die Staatsanwaltschaft das Begeh ren um zusätzliche Verurteilung der beiden Beschuldigten wegen vorsätzlicher Verletzung der Re geln der Baukunde und entsprechende Erhöhung des Strafmasses. Die Privatklägerin beanst andet sodann die Verweisung ihrer Scha- denersatz- und Genugtuungsforderung auf den Zivilweg und ersucht in diesem Zusammenhang um Gutheissung ihrer Schadenersatzforderung aus Ver sorgerschaden dem Grundsatz nach und um Zusprechung einer Genugtuungssumme von CHF 45'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Mai 2011. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO bilden im vorliegenden Berufungsverfahren nur noch die vorgängig genannten Punkte Gegenstand der richterlichen Überprüfung. 1.3 Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wiederho lt die Privatklägerin B.____ ihren Be- weisantrag auf Befragung von ihr selbst sowie der Z eugen G.____, Aa.____, Ab.____, H.____ und I.____. Dieser Beweisantrag ist bereits mittels verfahrensleitender Verfügung des Kantons- gerichts vom 12. April 2017 als nicht erforderlich und ungeeignet abgewiesen worden. Nach Art. 389 Abs. 1 StPO beruht das Rechtsmittelverfahr en auf den Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben wor den sind. Gemäss Abs. 2 von Art. 389 StPO werden Beweisabnahmen des erstinstanzlichen Ge richts nur wiederholt, wenn: Beweis- vorschriften verletzt worden sind (lit. a); die Bew eiserhebungen unvollständig gewesen sind (lit. b); die Akten über die Beweiserhebungen unzuv erlässig erscheinen (lit. c). In Anwendung von Art. 389 Abs. 3 StPO erhebt die Rechtsmittelins tanz von Amtes wegen oder auf Antrag ei- ner Partei die erforderlichen zusätzlichen Beweise. In casu weist der Spruchkörper des Kan- tonsgerichts den im Rahmen der Hauptverhandlung noc hmals gestellten Beweisantrag auf Be- fragung der vorgängig genannten Zeugen zur Frage de r Stabilität des zwischen dem Verstor- benen und der Privatklägerin gelebten Konkubinats e rneut ab, was sich wie folgt begründet: Wie dargelegt werden vor dem Kantonsgericht nur die jenigen Beweise erhoben, welche zur Beurteilung eines Anspruchs erforderlich erscheinen . Im Zusammenhang mit dem von der Pri- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vatklägerin gestellten Begehren um Verurteilung der beiden Beschuldigten zu Schadenersatz und Genugtuung liegen dem Spruchkörper indes bereit s diverse Beweise vor, wie namentlich vier Schreiben der Leiterin der Anlaufstelle für Sa ns-Papiers Basel-Stadt, H.____, vom 7. Janu- ar 2010, 8. November 2010, 8. März 2011 und 28. Apr il 2011 an die SID, Bevölkerungsdienste und Migration Basel-Stadt, betreffend Gesuch um Anm eldebestätigung zwecks Heirat, Vater- schaftsanerkennung und Familiennachzug, ein gemeins amer Mietvertrag vom 5. März 2007 sowie eine nachgeburtliche Anerkennung des gemeinsa men Sohnes vom 8. März 2011. Diese vorhandenen Beweise reichen nach Ansicht des Kanton sgerichts ohne Weiteres aus, um die aufgeworfene Frage nach der Stabilität des zwischen dem Verstorbenen und der Privatklägerin gelebten Konkubinats schlüssig beurteilen zu können (vgl. dazu im Detail unten E. 6.2.1 ff.), womit sich die Erhebung weiterer Beweismittel als obsolet erweist. 2. Ausführungen der Parteien 2.1.1 (…) 2.1.2 (…) 2.2.1 (…) 2.2.2 (…) 2.3.1 (…) 2.3.2 (…) 2.4.1 (…) 2.4.2 (…) Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Tatbestand der fahrlässigen Tötung 3.1.1 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art . 10 Abs. 2 StPO) hat das urteilen- de Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seine r persönlichen Überzeugung aufgrund ge- wissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Ge- richt trifft sein Urteil unabhängig von der Zahl de r Beweismittel, welche für eine bestimmte Tat- sache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Form des Beweismittels (R OBERT HAUSER / ERHARD SCHWERI / KARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Ba sel 2005, § 54 N 3 f., mit Hinweisen). Nach der bundesg erichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 BV (bzw. Art. 4 aBV) fliesse nden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime „in dubio pro reo“ bis zum gesetzlichen Nach weis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschu ldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO). Als Be- weiswürdigungsregel besagt die Maxime ausserdem, da ss sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sa chverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Art. 10 Abs. 3 StPO). Die Beweiswürdigungsregel ist verletz t, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und abso lute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unter drückende Zweifel handeln, d.h. um sol- che, die sich nach der objektiven Sachlage aufdräng en (BGE 124 IV 87 E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Insgesamt steht dem Sachgericht im Bereich der Beweiswürdigung praxisge- mäss ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132 E. 4.2; 129 IV 6 E. 6.1). 3.1.2 Bei der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverha lts sind folgende Beweise und Indi- zien zu würdigen: Die Aussagen von C.____ als besch uldigte Person anlässlich seiner Einver- nahme durch die Staatsanwaltschaft vom 20. August 2 012 (act. 609 ff.), vom 27. März 2014 (act. 655 ff.), vom 9. Juli 2015 (act. 677 ff.) und vom 1. März 2016 (act. 713.29 ff.), anlässlich der Verhandlung vor dem erstinstanzlichen Strafgeri cht vom 15. August 2016 (act. 1473 ff. und 1497 ff.) sowie vor dem Kantonsgericht (Protokoll K G), diejenigen von D.____ als Auskunfts- person anlässlich seiner Einvernahme durch die Staa tsanwaltschaft vom 9. Mai 2011 (act. 603 ff.), als beschuldigte Person anlässlich seiner Einvernahme durch die Staatsanwalt- schaft vom 10. September 2012 (act. 621 ff.), vom 2 7. März 2014 (act. 669 ff.) und vom 2. De- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zember 2015 (act. 713.16 ff.), anlässlich der Verhandlung vor dem erstinstanzlichen Strafgericht vom 15. August 2016 (act. 1473 ff. und 1497 ff.) so wie vor dem Kantonsgericht (Protokoll KG), die Depositionen von F.____ anlässlich seiner Einve rnahme als Zeuge durch die Staatsanwalt- schaft vom 16. April 2013 (act. 631 ff.), als Ausku nftsperson vom 27. März 2014 (act. 663 ff.) sowie vor dem Kantonsgericht (Protokoll KG), diejen igen von J.____ anlässlich seiner Einver- nahme als Zeuge durch die Staatsanwaltschaft vom 16 . April 2013 (act. 643 ff.), diejenigen von L.____ anlässlich seiner Einvernahme als Zeuge durch die Staatsanwaltschaft vom 17. Novem- ber 2015 (act. 713.1 ff.), der Unfallbericht der Po lizei Basel-Landschaft, Hauptposten Allschwil, vom 23. Mai 2011 (act. 299 ff.), der kriminaltechni sche Bericht der Polizei Basel-Landschaft, Kriminaltechnik, vom 25. Mai 2011 (act. 319 ff.), d as Sektionsprotokoll des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Basel (IRM) vom 9. Ma i 2011 (act. 361 ff.), das forensisch- toxikologische Gutachten des IRM vom 21. Juni 2011 (act. 387 ff.), das forensische Abschluss- gutachten des IRM vom 12. Juli 2011 (act. 393 ff.) und der kriminaltechnische Bericht der Poli- zei Basel-Landschaft, Kriminaltechnik, vom 8. November 2013 (act. 485 ff.). a) Gestützt darauf kommt das Kantonsgericht wie berei ts die Vorinstanz zum Schluss, dass der inkriminierte Sachverhalt gemäss der Anklagesch rift im Wesentlichen als erstellt zu erach- ten ist. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die b eiden Beschuldigten den Sachverhalt grund- sätzlich anerkennen, wobei lediglich die Fragen im Raum stehen, ob auf dem Weg durch das Innere des Gebäudes beim Abstieg auf das darunter l iegende Eternitdach eine Leiter vor Ort gewesen ist, ob der Beschuldigte D.____ genügend Ma terial zur Sicherung der Baustelle auf dem Dach zur Verfügung gehabt und ob er diesbezüglich mit dem Beschuldigten C.____ telefo- niert hat sowie ob der Mitarbeiter J.____ sich eben falls auf dem Dach aufgehalten hat. Nach Ansicht des Kantonsgerichts ergibt sich aus den Akt en, dass zum Zeitpunkt der Begehung und Besichtigung der Baustelle am 26. April 2011 auf dem Weg durch das Innere des Gebäudes für den Abstieg auf das Eternitdach, auf welchem das Gerüst hätte montiert werden sollen, zweifel- los eine mobile Aluminiumleiter der Firma W.____ AG zur Verfügung gestanden hat (act. 713.32; Protokoll KG S. 3 ff.), diese Frage für den Zeitpunkt des Unfalls aber als nicht rele- vant offen gelassen werden muss, nachdem die fragli che Leiter offenbar nicht fest installiert gewesen, sondern jeweils hinausgehievt worden ist ( act. 713.5) und zudem von den drei einzi- gen Arbeitern vor Ort – D.____, K.____ und J.____ – der Weg zum Einsatzort via Gebäudein- neres und Leiter tatsächlich nie begangen worden is t. Hinsichtlich der Frage des Sicherungs- materials ist festzustellen, dass D.____ anlässlich seiner Einvernahme vom 2. Dezember 2015 Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie vor dem Kantonsgericht deponiert hat, er habe C.____ von der Baustelle aus angerufen und diesem gesagt, es sei nicht sicher auf dem Dach , er brauche zur Sicherung der Baustelle Flächen, welche auf der Materialliste gefehlt hätte n, was ihm aber verweigert worden sei (act. 713.18; Protokoll KG S. 4 f.). Diese Aussage wird von C.____ anlässlich dessen Einver- nahme vom 1. März 2016 sowie vor dem Kantonsgericht zurückgewiesen, und zwar sowohl was das angeblich fehlende Material betrifft als au ch das behauptete Telefonat (act. 713.32; Protokoll KG S. 6). Nachdem die Aussagen der beiden direkt Beteiligten sich diametral wider- sprechen, keine weiteren Beweise erhoben worden und keine Hinweise vorhanden sind, wes- sen Ausführungen als glaubhafter zu qualifizieren w ären, ist im Zweifel zwar davon auszuge- hen, dass dem Beschuldigten D.____ tatsächlich Sich erungsmaterial gefehlt hat (vgl. den Vor- halt der Staatsanwaltschaft gegenüber C.____ vom 1. März 2015, wonach auf der Unfallstelle kein entsprechendes Material vorzufinden gewesen se i; act. 713.31), es ist aber nicht nachge- wiesen, dass der Beschuldigte C.____ ihm dieses Mat erial mit Verweis auf den Zeitverlust ver- weigert hat. In Bezug auf die von der Vorinstanz ve rneinte Frage, ob J.____ ebenfalls über das Eternitdach gegangen ist, ist das Kantonsgericht so dann entgegen der strafgerichtlichen Schlussfolgerung der Ansicht, dass dieser trotz sei ner Aussage, ein Bodenmann zu sein (act. 645 f.), sich als dritte Person auf dem Dach aufgehalten hat. Hierzu hat D.____ ausgesagt, er sei als Chefmonteur eingeteilt und zusammen mit dem Verstorbenen und J.____ auf dem Dach gewesen (Einvernahme vom 10. September 2012; act. 623) bzw. alle drei seien mehrfach auf dem Dach hin- und hergelaufen (Einvernahme vom 2. Dezember 2015; act. 713.18), sie seien zu dritt oben gewesen (Protokoll KG S. 8). b) Demzufolge ist bei der nachfolgenden rechtlichen W ürdigung zusammengefasst davon auszugehen, dass C.____ zusammen mit K.____, F.____ und J.____ am 26. April 2011 bei der Firma W.____ AG in Z.____ eine Begehung der Baustel le durchgeführt hat, anlässlich welcher er mit den Anwesenden die verschiedenen Einsatzorte besichtigt und die auszuführenden Ar- beiten sowie den zum Einsatzort zu benützenden Weg besprochen hat. Ihre Aufgabe hat darin bestanden, das Firmengebäude für nachfolgende Dachd eckerarbeiten einzurüsten, wobei die Dächer entweder mit Ziegeln oder mit Eternitplatten bedeckt gewesen sind. D.____ hat an be- sagter Besichtigung nicht teilgenommen, da zu jenem Zeitpunkt nicht vorgesehen gewesen ist, diesen auf der fraglichen Baustelle einzusetzen. Infolge einer Planänderung ist D.____ kurzfris- tig anstelle des ursprünglich vorgesehen F.____ als Chefmonteur auf der fraglichen Baustelle eingesetzt worden. Der Einsatzort für die Erstellun g des Gerüstes auf dem Dach hat sich im Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nordwesten des Gebäudes befunden und ist nicht dire kt zugänglich gewesen. Am Morgen des 6. Mai 2011 ist D.____ am Firmensitz in Y.____ von F.____ über die auszuführenden Arbeiten unterrichtet worden. Hierbei sind aber weder spezie ll zu beachtende Sicherheitsmassnahmen zur Sprache gekommen, namentlich sind keine Weisung en zur Sicherung der Baustelle erteilt worden, noch ist D.____ von C.____ über den zu nehm enden Weg zum Arbeitsort orientiert worden, vielmehr ist er diesbezüglich an K.____ ver wiesen worden, welcher bei der Besichti- gung vom 26. April 2011 anwesend gewesen ist und be reits zuvor auf der Baustelle gearbeitet hat. In der Folge hat D.____ zusammen mit K.____ un d J.____ die Arbeit auf der fraglichen Baustelle aufgenommen, in deren Verlauf alle drei m ehrfach via Gerüst an der Südfassade das Ziegeldach der Fabrik erklommen und dieses überquer t haben, dann über ein weiteres Gerüst auf ein tiefer gelegenes Eternitdach hinabgestiegen und schliesslich diesem auf dem First über weitere Eternitdächer bis zur Einsatzstelle gefolgt sind. Den ursprünglich vorgesehenen Weg durch das Gebäudeinnere und dann via eine ca. vier Meter hohe, auf einer einbetonierten Re- genrinne von ca. 32 Zentimetern Breite abgestellte, mobile Aluminiumleiter hat am 6. Mai 2011 keiner der drei Arbeiter benützt. D.____ hat zwar d ie zwei ihm unterstellten Mitarbeiter ange- wiesen, die Eternitdächer nur dort zu betreten, wo die Platten mittels Schrauben auf den Dach- trägern befestigt gewesen sind, er hat es aber in s einer Funktion als Chefmonteur unterlassen, K.____ und J.____ am grundsätzlichen Betreten der n icht durchbruchsicheren Eternitdächer zu hindern. Desgleichen hat es D.____ unterlassen, sic h bei C.____ nach einem sicheren Weg zu erkundigen oder den als gefährlich erkannten Weg mi t entsprechenden Vorkehrungen abzusi- chern. Nach der Mittagspause am 6. Mai 2011 hat K._ ___ festgestellt, Kleinmaterial auf der Südseite des Firmengebäudes vergessen zu haben. Um dieses zu holen ist K.____ wie bereits am Vormittag über die ungesicherten Eternitdächer g elaufen und hat sich an der Südfassade das Material mit einer Rollwinde hinauf transportie ren lassen, um damit zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Auf seinem Rückweg ist K.____ sodan n neben dem First durch das mit Eter- nitplatten abgedeckte Dach eingebrochen und aus ein er Höhe von ca. 9,5 Metern auf den Be- tonboden der Fabrikhalle gestürzt, was zu solch sch weren Verletzungen geführt hat, dass er noch auf der Unfallstelle verstorben ist. Im Rahmen der Obduktion hat das Institut für Rechts- medizin der Universität Basel festgestellt, dass de r Verstorbene aus forensisch-toxikologischer Sicht zum Zeitpunkt seines Todes unter der direkten Wirkung von THC gestanden hat. 3.2.1 Nach Art. 117 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht. D er Täterkreis der fahrlässigen Tötung ist Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht eingeschränkt. Wie bei allen Tötungsdelikten ist die Tathandlung beliebig. Mit dem Eintritt des Todes ist der Tatbestand vollendet. Die herrsch ende Lehre und Praxis setzen für das Vor- liegen eines fahrlässigen Tötungsdelikts in tatbest andsmässiger Hinsicht folgende Merkmale voraus: Ein unvorsätzliches Bewirken eines tatbesta ndsmässigen Erfolgs; ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen Handlung und Erfolg; die Missachtung einer Sorg- faltspflicht; sowie die Relevanz der Sorgfaltspflic htverletzung für den Erfolgseintritt (Vorausseh- barkeit und Vermeidbarkeit des Erfolgs bei pflichtg emässem Verhalten). Der Tatbestand von Art. 117 StGB kann auch durch Unterlassen begangen werden. Vorausgesetzt wird dabei wie bei allen unechten Unterlassungsdelikten, dass der Täter eine Garantenstellung innehat (CHRISTIAN SCHWARZENEGGER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 2 zu Art. 117 StGB, mit Hinweisen; BGE 129 IV 119 E. 2.2). 3.2.2 Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhalten s aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pf lichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen Fahrlässigkeit (vgl. zum Ganzen BGer 6B_435/2015 vom 16. Dezember 2015 E . 3.1) setzt voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Ein Verhalten ist sorgfaltswid- rig, wenn der Täter im Zeitpunkt der Tat aufgrund d er Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die Gefährdung der Rechtsgüter des Opfe rs hätte erkennen können und müssen, und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risi kos überschritten hat. Das Mass der im Einzelfall zu beachtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der Unfallverhütung und der Si- cherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten g ebieten, in erster Linie nach diesen Vor- schriften. Fehlen solche, kann auf Regeln privater oder halbprivater Vereinigungen oder auf allgemeine Rechtsgrundsätze, wie etwa den allgemein en Gefahrensatz, abgestellt werden (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 134 IV 193 E. 7.2; 130 IV 7 E. 3.3; 127 IV 62 E. 2d; 118 IV 130 E. 3a; je mit Hinweisen). Die zum Erfolg führenden Geschehens abläufe müssen für den konkreten Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhn- lichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Leben s einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschu lden des Opfers beziehungsweise ei- nes Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler , als Mitursache hinzutreten, mit denen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlechthin nicht hat gerechnet werden müssen und d ie derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Er folgs erscheinen und so alle anderen mit- verursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten der beschuldigten Person – in den Hin- tergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 131 IV 145 E. 5.1; 130 IV 7 E. 3.2; 127 IV 62 E. 2d; je mit Hinweisen). Damit der Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten des Täters zu- rückzuführen ist, wird weiter vorausgesetzt, dass der Erfolg vermeidbar gewesen ist. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und gep rüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Für die Zur echnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs gebildet hat (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 130 IV 7 E. 3.2; je mit Hinweisen). Bei einem Unter- lassungsdelikt (vgl. Art. 11 StGB) ist der hypothet ische Kausalzusammenhang zwischen Unter- lassung und Erfolg anzunehmen, wenn bei Vornahme de r gebotenen Handlung der Erfolg mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit nicht einget reten wäre. Die blosse Möglichkeit des Nichteintritts des Erfolgs bei Vornahme der geboten en Handlung reicht zur Bejahung dieses hypothetischen Zusammenhangs nicht aus (BGE 117 IV 130 E. 2a; 116 IV 182 E. 4a; 115 IV 189 E. 2; BGer 6B_800/2010 vom 24. Februar 2011 E. 6; je mit Hinweisen). Ob ein hypotheti- scher Kausalzusammenhang gegeben ist, betrifft eine Tatfrage, sofern die entsprechende Schlussfolgerung auf dem Weg der Beweiswürdigung au s konkreten Anhaltspunkten getroffen worden ist und nicht ausschliesslich auf allgemeine r Lebenserfahrung beruht (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.3; 127 III 453 E. 5d mit Hinweisen; BGer 6 B_342/2012 vom 8. Januar 2013 E. 6.3 und 6B_779/2009 vom 12. April 2010 E. 3.3.2). 3.2.3 Für die auf dem Bau zu beachtenden Sicherheitsvors chriften sind insbesondere die Ver- ordnung vom 29. Juni 2005 über die Sicherheit und d en Gesundheitsschutz der Arbeitnehme- rinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten (BauAV) und die Verordnung vom 19. Dezember 1983 über die Verhütung von Unfällen und Berufskran kheiten (VUV) massgebend. Zu den Auf- gaben der Bauleitung zählen die Koordination und Üb erwachung der gesamten Bauarbeiten. Sie muss die durch die Umstände gebotenen Sicherhei tsvorkehrungen anordnen und generell für die Einhaltung der anerkannten Regeln der Bauku nde sorgen. Die Bauleitung muss die Bauarbeiter sorgfältig auswählen, ihnen die notwend igen Anleitungen erteilen und sie überwa- chen. Wesentliche Entscheide hat sie selber zu tref fen. Eine Pflicht zur permanenten Überwa- chung erfahrener Mitarbeiter besteht hingegen nicht (BGer 1C_4/2012 vom 19. April 2012 Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 5.3; 6B_566/2011 vom 13. März 2012 E. 2.3.3; 6B_ 1016/2009 vom 11. Februar 2010 E. 5.2; je mit Hinweisen). 3.3.1 Ausgehend vom inkriminierten Sachverhalt ist das V erhalten der beiden Beschuldigten nachfolgend einer rechtlichen Würdigung zu unterzie hen. Dem Beschuldigten C.____ wird in Bezug auf den Anklagepunkt der fahrlässigen Tötung vorgeworfen, er habe es als Inhaber und Sicherheitsverantwortlicher der Firma X.____ pflich twidrig unterlassen, D.____ als verantwortli- chen Einsatzleiter betreffend eines sicheren Weges zum Einsatzort auf dem Dach im Nordwes- ten des Gebäudes zu instruieren bzw. überhaupt für einen vorschriftsmässig gesicherten Weg besorgt zu sein. Der Beschuldigte C.____ ist demgeg enüber im Wesentlichen der Ansicht, die durch eine allenfalls mangelnde Instruktion von D.____ erfolgte Sorgfaltspflichtverletzung könne nicht als Ursache des tödlichen Unfalls von K.____ angesehen werden, nachdem sich dieser über die klare und unmissverständliche Weisung seines Chefs, den Arbeitsweg durch das Inne- re des Gebäudes zu nehmen, hinweggesetzt habe. a) Gestützt auf Art. 328 Abs. 2 OR (wonach der Arbeit geber zum Schutz von Leben, Ge- sundheit und persönlicher Integrität der Arbeitnehm enden die Massnahmen zu treffen hat, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Te chnik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes angemessen sind, soweit es ihm billig erweise zugemutet werden kann) sowie Art. 82 Abs. 1 UVG (wonach der Arbeitgeber zur Verh ütung von Berufsunfällen und Berufs- krankheiten alle Massnahmen zu treffen hat, die nac h der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den gegebenen Verhä ltnissen angemessen sind) ist der Ar- beitgeber verpflichtet, Massnahmen zur Verhütung vo n Berufsunfällen zu ergreifen. Diese Pflicht begründet eine grundsätzliche Garantenstell ung des Arbeitgebers. Ferner sind Perso- nen, welche im Rahmen der Leitung oder Ausführung v on Bauwerken Gefahren schaffen, an- gehalten, für ihren Verantwortungsbereich die Siche rheitsregeln einzuhalten (sogenannte Ga- rantenstellung aus Ingerenz). In casu ergibt sich d ie Garantenstellung des Beschuldigten C.____ in seiner Funktion als Inhaber und Sicherheitsverantwortlicher der Firma X.____ sowohl aus Ingerenz als auch aus der Stellung als Arbeitge ber, was vom Beschuldigten soweit aner- kannt wird. Ebenso klar ist die Nichtvornahme der z ur Erfolgsabwehr gebotenen Handlung sei- tens des Beschuldigten, oder mit anderen Worten, dass er es unterlassen hat, D.____ über den sicheren Weg durch das Gebäudeinnere zum Arbeitsort auf dem Dach zu informieren und in- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht struieren bzw. für geeignete Massnahmen gegen ein D urchbrechen durch die Eternitdächer zu sorgen. b) Desgleichen wird auch die Verletzung einer Sorgfal tspflicht nicht ernstlich bestritten. Nach Art. 3 Abs. 1 VUV muss der Arbeitgeber zur Wahrung und Verbesserung der Arbeitssicherheit alle Anordnungen erteilen und alle Schutzmassnahmen treffen, die den Vorschriften dieser Ver- ordnung und den für seinen Betrieb zusätzlich gelte nden Vorschriften über die Arbeitssicherheit sowie im Übrigen den anerkannten sicherheitstechnis chen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen. Gemäss Art. 6 Abs. 1 VUV sorgt der Arb eitgeber dafür, dass alle in seinem Be- trieb beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich d er dort tätigen Arbeitnehmer eines anderen Betriebes, ausreichend und angemessen informiert un d angeleitet werden über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren sowie über die Ma ssnahmen der Arbeitssicherheit. Nach Art. 17 VUV sind Dächer, die aus betrieblichen Grün den oft betreten werden müssen, so zu gestalten, dass sie von den Arbeitnehmern sicher be gangen werden können (Abs. 1). Bevor andere Dächer betreten werden, sind Massnahmen zu t reffen, die den Absturz von Arbeitneh- mern verhindern (Abs. 2). Art. 8 Abs. 1 BauAV legt fest, dass die Arbeitsplätze sicher und über sichere Verkehrswege zu erreichen sein müssen. Ausserdem sind bei nicht durchbruchsicheren Flächen, Bauteilen und Abdeckungen Abschrankungen a nzubringen oder andere Massnahmen zu treffen, damit sie nicht versehentlich begangen werden; nötigenfalls sind sie mit tragfähigen Abdeckungen oder Laufstegen zu überbrücken (Art. 8 Abs. 2 lit. b BauAV). In diesem Zusam- menhang bestimmt Art. 33 BauAV, dass vor Beginn der Arbeiten abzuklären ist, ob die Dachflä- chen durchbruchsicher sind (Abs. 1). Kann nicht nac hgewiesen werden, dass die Dachflächen durchbruchsicher oder beschränkt durchbruchsicher sind, so müssen die entsprechenden Mas- snahmen nach Art. 35 BauAV getroffen werden (Abs. 2 ). Schliesslich beinhaltet die Norm von Art. 7 VUV, dass der Arbeitgeber, welcher einen Arb eitnehmer mit bestimmten Aufgaben der Arbeitssicherheit betraut hat, diesen in zweckmässi ger Weise aus- und weiterbilden und ihm klare Weisungen und Kompetenzen erteilen muss (Abs. 1). Ausserdem entbindet die Übertra- gung solcher Aufgaben an einen Arbeitnehmer den Arb eitgeber nicht von seinen Verpflichtun- gen zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit (Abs. 2). In casu steht aufgrund des Beweiser- gebnisses fest, dass der Beschuldigte C.____ mit de m Verstorbenen am Tage der Begehung der Baustelle am 26. April 2011 den zu nehmenden We g zum Einsatzort auf dem Dach durch das Innere des Gebäudes besichtigt hat. Gleichermas sen unbestritten ist, dass C.____ hinge- gen den am Tag des Unfalles verantwortlichen Chefmonteur D.____ diesen Weg weder gezeigt Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht noch ihn in anderer Weise darüber adäquat informier t hat. Vielmehr hat er offenbar den Ver- storbenen angewiesen, seinem Vorarbeiter D.____, we lcher bei der ursprünglichen Besichti- gung nicht anwesend gewesen ist, den korrekten Weg zu zeigen. Eine solche Delegation von sicherheitsrelevanten Fragen an den sicherheitstechnisch nicht geschulten Temporärmitarbeiter muss als von vornherein nicht zulässig eingestuft w erden. Gestützt auf die vorgängig zitierten Normen wäre es ohne Zweifel die Pflicht von C.____ in seiner Funktion als Arbeitgeber und zugleich Sicherheitsverantwortlicher seiner Firma g ewesen, alle wesentlichen Instruktionen be- treffend die Sicherheit der auszuführenden Arbeiten an den vor Ort verantwortlichen Vorarbeiter D.____ zu übermitteln, damit dieser wiederum seine eigene Verantwortung bezüglich Sicherheit gegenüber den ihm unterstellten K.____ und J.____ h ätte ordnungsgemäss wahrnehmen und diese bei Ausübung ihrer risikobehafteten Tätigkeit überwachen können. Selbst wenn eine ent- sprechende Übertragung der Aufgabe an den Verstorbenen zulässig gewesen wäre, würde dies C.____ nicht von seiner Verpflichtungen zur Gewährl eistung der Arbeitssicherheit entbinden. Indem C.____ aber die Instruktion bezüglich des zu nehmenden Weges via Gebäudeinneres zum Einsatzort auf dem Dach dem Temporärmitarbeiter K.____ delegiert hat, welcher sowohl aufgrund seiner untergeordneten Funktion im Betrieb als auch angesichts seines Wissens- und Erfahrungsstands hierfür offensichtlich ungeeignet gewesen ist, muss dies als Verstoss gegen einschlägige Normen qualifiziert werden, was ohne W eiteres eine Sorgfaltswidrigkeit darstellt. Ebenso pflichtwidrig ist es gewesen, als Arbeitgebe r und Sicherheitsverantwortlicher entgegen den vorgängig zitierten gesetzlichen Bestimmungen n icht von Anfang an geprüft zu haben, ob das zu betretende Dach durchbruchsicher gewesen ist, bzw. mittels Massnahmen dafür gesorgt zu haben, dass seine Mitarbeiter vor einem Durchbrechen geschützt gewesen sind. c) In Bezug auf die Voraussehbarkeit der zum Erfolg f ührenden Geschehensabläufe, wofür der Massstab der Adäquanz massgeblich ist, ist zu e rwägen, dass nach Ansicht des Kantons- gerichts trotz der Tatsache, wonach C.____ dem Vers torbenen am Tag der Besichtigung der Baustelle den korrekten Weg zum Einsatzort via das Innere des Gebäudes gezeigt hat, durch- aus damit hat gerechnet werden müssen, dass K.____ am Tag des Unfalles einen anderen Weg wählen könnte. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es keine schriftliche Anweisung bezüglich des zu nehmenden Weges gegeben hat, sondern lediglich eine mündliche Anweisung im Zusammenhang mit der Besichtigung des zukünftige n Arbeitsortes am 26. April 2011 (act. 611). Insofern lässt sich zum heutigen Zeitpu nkt nicht mehr eruieren, wie verbindlich und eindeutig die fragliche Anweisung von C.____ bezügl ich des Weges überhaupt gewesen ist. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sodann hat sich die Baustelle zum Zeitpunkt des Unf alles am 6. Mai 2011 anders präsentiert als bei der Besichtigung am 26. April 2011, insbeso ndere ist durch das neu erstellte Gerüst auf der Südseite des Gebäudes ein Zugang zu den Dächern geschaffen worden, welcher bei der ursprünglichen Begehung noch nicht existiert hat. A ngesichts der sich verändernden Baustelle mit neuen Zugangsmöglichkeiten zum eigentlichen Einsatzort ist fraglos damit zu rechnen, dass ein Arbeiter einen neu erstellten und damit einen a nderen Weg wählt als denjenigen, welcher ihm anlässlich einer einmaligen Besichtigung zehn T age zuvor mündlich aufgetragen worden ist. Umso elementarer wäre es gewesen, dem Verstorb enen den von diesem zu nehmenden, sicheren Weg gestützt auf den aktuellen Stand der B austelle am 6. Mai 2011 unter Berücksich- tigung aller alternativen, gefährlichen Zugänge ver bindlich vorzugeben. Dies gilt in verstärktem Masse, als zufolge der fehlenden Instruktion von D. ____ bezüglich des korrekten Weges und der Abschiebung der entsprechenden Verantwortung au f K.____ eine diesbezügliche Überwa- chung des Verstorbenen durch seinen Vorarbeiter von Anfang an nicht gewährleistet gewesen ist. Darüber hinaus ist der vom Verstorbenen gewähl te Weg offenbar auch nicht so abwegig gewesen, immerhin hat D.____ diesen Weg über die Dächer sogar ausdrücklich als Möglichkeit gesehen, zum Einsatzort zu gelangen, zumal er das e rste Mal voraus gegangen ist und K.____ und J.____ ihm hinterher gekommen sind (act. 627). Sodann vermag das Kantonsgericht keine Umstände zu erkennen, welche so aussergewöhnlich wä ren und mit denen schlechthin nicht hätte gerechnet werden müssen, dass sie das Verhalt en der beschuldigten Person in den Hin- tergrund drängten und dadurch zur Unterbrechung der Adäquanz führten. Namentlich ist das Verhalten des Verstorbenen, indem dieser entgegen d er mündlichen Anweisung einen anderen Weg zum Einsatzort auf dem Dach gewählt hat als den vorgegebenen, unter der vorgängig ge- schilderten Situation im Rahmen des zu Erwartenden. Ebenfalls keine Rolle spielt vorliegend, dass der Verstorbene zum Zeitpunkt des Unfalles unt er der direkten Wirkung von THC gestan- den hat. Entscheidend ist diesbezüglich, dass C.___ _ mit seiner Verantwortung zur Auswahl, Instruktion und Überwachung der betreffenden Person en hätte dafür sorgen müssen, dass sich K.____ von vornherein nicht im Gefahrenbereich aufh ält bzw. er hätte diesen Gefahrenbereich mittels geeigneter Massnahmen entschärfen müssen. N achdem es als durchaus voraussehbar eingestuft werden kann, dass es auf Eternitdächern auch ohne Beeinträchtigung der Wahrneh- mung zu Fehltritten mit fatalen Folgen kommen kann, vermag der Drogenkonsum des Verstor- benen das ursächliche und pflichtwidrige Verhalten von C.____ nicht zu verdrängen, womit die Adäquanz zwischen dem Verhalten des Beschuldigten und dem Erfolgseintritt zu bejahen ist. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht d) Bezüglich der Frage der Vermeidbarkeit des Erfolge s ist der Beschuldigte der Auffassung, der Verstorbene hätte sich auch bei pflichtgemässer Instruktion von D.____ hinsichtlich des Weges über die Weisung hinweggesetzt, nachdem er be reits zuvor Weisungen missachtet ha- be, soweit sich D.____ selbst überhaupt an die Weis ung gehalten hätte. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Praxisgemäss wird unter diese m Titel ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtge mässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre, wobei es für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters mindes- tens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs gebildet hat. Abge- sehen davon, dass der Beschuldigte es versäumt hat, den Gefahrenbereich mittels sicherheits- relevanten Massnahmen zu entschärfen, ergeben sich aus den Akten keine Hinweise, wonach D.____ seine Arbeit mangelhaft ausgeführt oder scho n früher Weisungen missachtet hätte, an- sonsten er zum Unfallzeitpunkt sicherlich nicht sch on drei Jahre bei C.____ gearbeitet und vor allen Dingen keine Vorarbeiterstellung (nach eigene m Bekunden ist er Chefmonteur gewesen; act. 605, 623) innegehabt hätte. Gleichermassen sin d keine Anzeichen ersichtlich, dass sich der Verunfallte den Weisungen seines vor Ort anwesenden Vorarbeiters D.____ widersetzt hät- te, soweit dieser über den sicheren Weg informiert gewesen wäre. Korrekt ist zwar, dass K.____ sich über die anlässlich der Besichtigung er teilte Weisung hinsichtlich des zu nehmen- den Weges hinweggesetzt hat, allerdings hat dies de r bei der Begehung ebenfalls anwesende J.____ offenbar auch getan (Aussage D.____ vom 10. September 2012 [act. 627]: Er sei das erste Mal vorausgelaufen und die beiden seien hinte rher gekommen, beide hätten nichts von einem anderen Weg gesagt, er sei diesen Weg viermal gelaufen, K.____ dreimal und J.____ zweimal), was zumindest Zweifel an der Verbindlichk eit der genannten Weisung offenlässt. Ab- gesehen davon bestehen keine Anhaltspunkte, dass si ch der Verstorbene generell nicht um Weisungen gekümmert hätte. Bei einem solchen Verhal ten wäre K.____ von seinem obersten Chef kaum als guter Monteur und seine Arbeit als ti ptop bezeichnet worden (Aussage C.____ vom 20. August 2012; act. 613). Zudem wäre es dem V erstorbenen bei einem wiederholten Fehlverhalten kaum möglich gewesen, mit D.____ ca. drei Jahre bei der Firma X.____ zusam- men zu arbeiten (Einvernahme D.____ vom 9. Mai 2011 ; act. 605) bzw. seit ungefähr fünf Jah- ren wiederholt bei der Firma X.____ temporär einges etzt zu werden (Aussage F.____ vom 16. April 2013; act. 633). D.____ hat ihn folgerich tig als nicht schlechten Mann eingeschätzt, wenn man ihm etwas gesagt habe, habe er dies tun kö nnen; er habe über die Arbeit Bescheid gewusst (Aussage D.____ vom 10. September 2012; act . 627). K.____ sei zwar teilweise ein Lausbub gewesen, aber er habe grundsätzlich schon g emacht, was man ihm gesagt habe. Er Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht (D.____) mache den Beruf schon lange, wenn er etwas sage, werde es theoretisch auch befolgt (Aussage D.____ vor Kantonsgericht; Protokoll KG S. 8). Unter diesen Umständen muss davon ausgegangen werden, dass D.____ nach pflichtgemässe r Instruktion durch C.____ im Wissen um den sicheren Weg diesen auch genommen und in sei ner Funktion als Vorarbeiter sodann den Verstorbenen davon abgehalten hätte, den als un sicher erkannten Weg über die Eternitdä- cher zu benutzen. Insofern sind mit einem hohen Gra d an Wahrscheinlichkeit sowohl die feh- lende Instruktion von D.____ als auch die fehlende Sicherung der nicht durchbruchsicheren Eternitdächer ursächlich für den tödlichen Unfall, womit im Resultat die Vermeidbarkeit des Er- folgseintritts zweifellos zu bejahen ist. Keine Fra gen stellen sich schliesslich zur Gleichwertig- keit von Unterlassung und aktivem Tun. Bei pflichtg emässem Alternativverhalten von C.____, d.h. bei Absicherung des Gefahrenbereichs bzw. bei Instruktion von D.____ bezüglich des si- cheren Weges zum Einsatzort auf dem Dach, hätte Let zterer höchstwahrscheinlich den Ver- storbenen entsprechend überwacht und es wäre nicht zum tödlichen Unfall gekommen. Demnach ist der Beschuldigte C.____ in Bestätigung des angefochtenen Urteils und demzufol- ge in Abweisung seiner Berufung der fahrlässigen Tö tung durch Unterlassung nach Art. 117 StGB in Verbindung mit Art. 82 Abs. 1 UVG, Art. 3 V UV, Art. 6 VUV und Art. 8 BauAV schuldig zu erklären. 3.3.2 Dem Beschuldigten D.____ wird im Zusammenhang mit der Anklage der fahrlässigen Tötung im Wesentlichen angelastet, er habe es in se iner Funktion als Chefmonteur auf dem Weg zum Einsatzort pflichtwidrig unterlassen, den V erstorbenen am Betreten der Eternitdächer zu hindern, obwohl ihm sowohl die tatsächliche Gefa hr eines Durchbruchs wie auch die ent- sprechenden gesetzlichen Vorschriften bekannt gewes en seien; des Weiteren habe er keine Rücksprache mit C.____ genommen, um sich nach einem sicheren Weg zu erkundigen. D.____ andererseits ist der Ansicht, dass eine Verletzung des Akkusationsprinzips vorliege, nachdem aus der Anklageschrift nicht genau hervorgehe, was ihm überhaupt konkret vorgeworfen werde. Abgesehen davon hätten weder eine Anweisung noch ei n Verbot von seiner Seite den Verstor- benen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon abgehalten , den gefährlichen Weg über die Eternit- dächer zu nehmen, nachdem sich dieser bereits zweim al über die gleiche Weisung hinwegge- setzt habe. Im Übrigen sei der Verstorbene der Fach mann bezüglich des sicheren Weges auf die Gebäuderückseite gewesen, und er habe diesbezüg lich eine Garantenstellung gegenüber dem Beschuldigten gehabt. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht a) Gestützt auf die Darlegungen des Beschuldigten D._ ___ ist in einem ersten Schritt des- sen Rüge im Hinblick auf die geltend gemachte Verle tzung des Akkusationsprinzips zu prüfen. Der Anklagegrundsatz nach Art. 9 Abs. 1 StPO bedeutet, dass eine Straftat nur dann gerichtlich beurteilt werden kann, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen G ericht Anklage erhoben hat. Dem An- klageprinzip kommen folgende Funktionen zu: Rollentrennung - die Person, welche den Vorwurf erhebt, soll nicht dieselbe sei, die ihn beurteilt; Umgrenzung - das Thema des Strafprozesses soll klar umschrieben sein; Immutabilität - der erh obene Vorwurf soll sich im Verlauf des Pro- zesses nicht beliebig ändern können; Information - der Beschuldigte soll wissen, was ihm vor- geworfen wird, damit er sich verteidigen kann. Umgr enzungs- und Informationsfunktion stehen gleichwertig nebeneinander. Gegenstand des gerichtl ichen Verfahrens können nur Sachverhal- te sein, die dem Beschuldigten in der Anklageschrif t vorgeworfen werden (S TEFAN HEIMGARTNER / MARCEL ALEXANDER NIGGLI , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro- zessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 16 ff. zu Ar t. 9 StPO, mit Hinweisen). Welchen Inhalt die Anklageschrift aufweisen muss, ergibt sich aus Art. 325 StPO. Gestützt auf Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Per- son vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, D atum, Zeit, Art und Folgen der Tataus- führung. Diese Bestimmung ist so zu lesen, dass der Anklagevorwurf sich grundsätzlich auf eine präzise, konzise Bezeichnung der Sachverhaltse lemente zu beschränken hat, die für eine Subsumption der anwendbaren Straftatbestände erford erlich sind. Wie detailliert der Sachver- halt umschrieben sein muss, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, insbesondere der Schwere der Vorhalte, der Komplexität der Subsumpti on und der Beweislage. Das Akkusati- onsprinzip ist verletzt, wenn die Anklage nicht die jenigen Umstände anführt, welche auf das Vorliegen der Kernelemente eines Tatbestandes schli essen lassen (H EIMGARTNER / NIGGLI , a.a.O., N 19, 25 und 37 zu Art. 325 StPO, mit Hinwe isen). Nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Ganzen BGE 120 IV 348 E. 3c, mit Hinweisen) ist bei unechten Unterlassungsdelikten in der Anklageschrift auszuführen, aus welchen tats ächlichen Umständen auf die Garantenstel- lung zu schliessen ist. Bei Fahrlässigkeitsdelikten sind sämtliche tatsächlichen Umstände anzu- führen, aus denen sich die Pflichtwidrigkeit des vo rgeworfenen Verhaltens sowie die Vorher- sehbarkeit und Vermeidbarkeit des eingetretenen Erf olges ergeben sollen. Es ist dazu insbe- sondere möglichst genau darzulegen, inwiefern es de r Beschuldigte an der Beachtung der ge- botenen Sorgfalt oder Vorsicht habe fehlen lassen (BGE 116 Ia 455 E. 3a). Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im vorliegenden Fall vermag das Kantonsgericht kein e Verletzung des Anklageprinzips zu er- kennen. Praxisgemäss muss die beschuldigte Person u nter dem Gesichtspunkt der Informa- tionsfunktion aus der Anklage ersehen können, wesse n sie angeklagt ist. Das bedingt eine zu- reichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, d ass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein Ve rhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann (BGE 143 IV 63 E. 2.2). D.____ wird in con- creto zur Last gelegt, er habe es in seiner Funktio n als Chefmonteur pflichtwidrig unterlassen, erstens den Verstorbenen am Betreten der Eternitdäc her zu hindern, obwohl ihm sowohl die tatsächliche Gefahr eines Durchbrechens wie auch di e entsprechenden gesetzlichen Vorschrif- ten bekannt gewesen seien, und zweitens Rücksprache mit C.____ zu nehmen, um sich nach einem sicheren Weg zu erkundigen. Mit der Umschreib ung dieses realen Lebenssachverhalts genügt in casu die Anklage den gesetzlichen Anforde rungen an die Informations- und Umgren- zungsfunktion. Die Anklageschrift nennt die Umständ e, aus welchen sich eine Garantenpflicht des Beschuldigten ergeben soll, sie umschreibt, worin die Pflichtwidrigkeit bestanden haben soll und was die gebotenen Handlungen gewesen wären, sie legt die Vorhersehbarkeit dar und sie enthält sämtliche Normen, die verletzt sein sollen. Wenngleich die Anklageschrift eine konkrete Auseinandersetzung mit der Vermeidbarkeit des Erfol ges sowie insgesamt eine kohärente Strukturierung etwas vermissen lässt, besteht kein Zweifel, dass der Beschuldigte gewusst hat, wogegen er sich hat verteidigen müssen. Nachdem die Anklageschrift keinem Selbstzweck dient und nach der Rechtsprechung auch eine fehlerh afte und unpräzise Anklage einem Schuldspruch nicht entgegensteht, solange für die b eschuldigte Person klar ist, welcher Sach- verhalt ihr vorgeworfen wird, zumal die nähere Begr ündung der Anklage vor den Schranken erfolgt und es Sache des Gerichts ist, den Sachverh alt verbindlich festzustellen (BGer 6B_894/2016 vom 14. März 2017 E. 1.1.1), kann den d iesbezüglichen Rügen des Beschuldig- ten nicht gefolgt werden. b) Vorliegend ergibt sich die Garantenstellung des Be schuldigten D.____ sowohl aus Inge- renz als auch aus dessen Stellung als Chefmonteur u nd damit Vorgesetztem gegenüber dem Verstorbenen in dessen Funktion als Temporärmitarbe iter, was denn auch vom Beschuldigten im Rahmen der diversen Einvernahmen sowie in seiner Berufungsschrift mehrfach anerkannt wird (act. 605, 623). Zwar negiert D.____ mangels e ntsprechender Ausbildung sowie Lohnes eigentlicher Vorarbeiter gewesen zu sein (Protokoll KG S. 8), es steht aber aufgrund der Akten Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht zweifellos fest, dass er am Unfalltag diese Funktio n von F.____ auf der fraglichen Baustelle faktisch übernommen hat, wobei die beiden als Chefm onteure offenbar einander gegenüber grundsätzlich gleichgestellt gewesen sind (act. 665), dies nicht zuletzt aufgrund der langjährigen Erfahrung des Beschuldigten als Gerüstbauer (act. 713.19; gemäss eigenen Aussagen seit dem Jahre 2000; act. 1501). Ebenso klar ist die Nichtvo rnahme der zur Erfolgsabwehr gebotenen Handlung seitens des Beschuldigten, oder mit andere n Worten, dass er es unterlassen hat, K.____ den als gefährlich erkannten Weg über die Et ernitdächer zu untersagen und sich statt- dessen bei seinem Vorgesetzten C.____ über einen si cheren Weg zum Arbeitsort auf dem Dach zu erkundigen. c) Des Weiteren ist auch die Verletzung einer Sorgfal tspflicht nicht ernstlich in Zweifel zu ziehen. In diesem Zusammenhang legt Art. 8 Abs. 1 B auAV fest, dass die Arbeitsplätze sicher und über sichere Verkehrswege zu erreichen sein müs sen. Ausserdem sind bei nicht durch- bruchsicheren Flächen, Bauteilen und Abdeckungen Abschrankungen anzubringen oder andere Massnahmen zu treffen, damit sie nicht versehentlic h begangen werden; nötigenfalls sind sie mit tragfähigen Abdeckungen oder Laufstegen zu über brücken (Art. 8 Abs. 2 lit. b BauAV). Nach Art. 11 Abs. 2 VUV muss sodann ein Arbeitnehme r, wenn er Mängel feststellt, welche die Arbeitssicherheit beeinträchtigen, diese sogleich b eseitigen bzw. soweit er dazu nicht befugt oder nicht in der Lage ist, sie unverzüglich dem Arbeitgeber melden. In casu steht aufgrund des Beweisergebnisses fest, dass der Beschuldigte D.___ _ sich weder bei seinem Vorgesetzten nach einer ungefährlichen Alternativroute informier t noch K.____ von der als gefährlich (act. 623, 713.17 f., 1507) erkannten Begehung der Eternitdächer abgehalten hat. Vielmehr hat der Beschuldigte zusammen mit dem Verstorbenen und J.____ selber mehrfach den gefährli- chen Weg genommen, wobei zum heutigen Zeitpunkt nic ht mehr eruierbar ist, ob der Beschul- digte oder der Verstorbene beim ersten Mal vorausge gangen ist (Aussage D.____ vom 10. September 2012 [act. 627]: Er sei das erste Mal vorausgelaufen und die beiden seien hin- terher gekommen; Aussage D.____ vom 27. März 2014 [ act. 669 f.]: K.____ sei den Weg vo- rausgegangen, er habe keinen anderen Weg gekannt bz w. er sei ihm hinterher gelaufen; Aus- sage D.____ vom 2. Dezember 2015 [act. 713.17]: Er sei K.____ lediglich gefolgt). Mit dem blossen Hinweis, wonach die Mitarbeiter auf diejeni gen Stellen auf dem Dach treten sollten, welche mit dem Dachträger verschraubt gewesen sind, ist D.____ seinen Pflichten als Vorarbei- ter bzw. Chefmonteur nur in ungenügendem Masse nach gekommen. Infolgedessen muss sein Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhalten als Verstoss gegen einschlägige Normen qualifiziert werden, was ohne Weiteres eine Sorgfaltswidrigkeit darstellt. d) In Bezug auf die Voraussehbarkeit der zum Erfolg f ührenden Geschehensabläufe ist fest- zustellen, dass D.____ zwar nicht korrekt instruier t worden ist bezüglich des zu nehmenden Weges, unabhängig davon hat er aber erkannt, dass d er tatsächlich genommene Weg über die Eternitdächer gefährlich gewesen ist (act. 623, 713 .17 f., 1507), ansonsten auch keine Veran- lassung bestanden hätte, seine ihm untergebenen Mit arbeiter darauf hinzuweisen, dass diese wenigstens auf den Schrauben über die Dächer gehen sollten (Protokoll KG S. 8). Demnach liegt es auf der Hand, dass bei einem allfälligen F ehltritt auf einem Eternitdach ohne jegliche Schutzvorkehrungen mit einem Erfolg wie dem tatsäch lich eingetretenen hat gerechnet werden müssen. Keine Rolle spielt vorliegend wiederum, das s der Verstorbene zum Zeitpunkt des Un- falles unter der direkten Wirkung von THC gestanden hat. Entscheidend ist diesbezüglich, dass D.____ hätte dafür sorgen müssen, dass sich K.____ von vornherein nicht im Gefahrenbereich aufhält. Gestützt auf diese Erwägungen ist die Adäq uanz zwischen dem Verhalten des Be- schuldigten und dem Erfolgseintritt zweifellos zu bejahen. e) Bezüglich der Frage der Vermeidbarkeit des Erfolge s vertritt auch der Beschuldigte D.____ die Meinung, der Verstorbene hätte sich trot z allfälliger Anordnung von ihm, die Eternit- dächer nicht zu betreten, darüber hinweggesetzt, na chdem er bereits zuvor die entsprechende Weisung von C.____ missachtet habe. Dieser Ansicht kann wiederum nicht gefolgt werden. Praxisgemäss wird unter diesem Titel ein hypothetis cher Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Tät ers ausgeblieben wäre, wobei es für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten d es Täters mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolges gebildet hat. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach sich der Verunfallte den Wei sungen seines vor Ort anwesenden Vor- arbeiters D.____ widersetzt hätte. Korrekt ist zwar , dass K.____ sich über die anlässlich der Besichtigung erteilte Weisung hinsichtlich des zu n ehmenden Weges hinweggesetzt hat, aller- dings hat dies der bei der Begehung ebenfalls anwes ende J.____ offenbar auch getan (Aussa- ge D.____ vom 10. September 2012 [act. 627], er sei das erste Mal vorausgelaufen und die beiden seien hinterher gekommen, beide hätten nicht s von einem anderen Weg gesagt, er sei diesen Weg viermal gelaufen, K.____ dreimal und J._ ___ zweimal), was zumindest Zweifel an der Verbindlichkeit der genannten Weisung offenläss t. Abgesehen davon bestehen keine An- Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht haltspunkte, dass sich der Verstorbene generell nic ht um Weisungen gekümmert hätte. Bei ei- nem solchen Verhalten wäre K.____ von seinem oberst en Chef kaum als guter Monteur und seine Arbeit als tiptop bezeichnet worden (Aussage C.____ vom 20. August 2012; act. 613). Zudem wäre es dem Verstorbenen bei einem wiederholt en Fehlverhalten kaum möglich gewe- sen, mit D.____ ca. drei Jahre bei der Firma X.____ zusammen zu arbeiten (Einvernahme D.____ vom 9. Mai 2011; act. 605) bzw. seit ungefäh r fünf Jahren wiederholt bei der Firma X.____ temporär eingesetzt zu werden (Aussage F.___ _ vom 16. April 2013; act. 633). D.____ hat ihn folgerichtig als nicht schlechten Mann eing eschätzt, wenn man ihm etwas gesagt habe, habe er dies tun können; er habe über die Arbeit Be scheid gewusst (Aussage D.____ vom 10. September 2012; act. 627). K.____ sei zwar teil weise ein Lausbub gewesen, aber er habe grundsätzlich schon gemacht, was man ihm gesagt hab e. Er (D.____) mache den Beruf schon lange, wenn er etwas sage, werde es theoretisch auch befolgt (Aussage D.____ vor Kantonsge- richt; Protokoll KG S. 8). Unter diesen Umständen muss mit einem hohen Grad an Wahrschein- lichkeit das fehlende Verbot von D.____ an K.____, die als gefährlich erkannten Eternitdächer ungesichert zu betreten, als ursächlich für den töd lichen Unfall bezeichnet werden, womit im Resultat die Vermeidbarkeit des Erfolgseintritts zw eifellos zu bejahen ist. Keine Fragen stellen sich schliesslich zur Gleichwertigkeit von Unterlas sung und aktivem Tun. Bei pflichtgemässem Alternativverhalten von D.____, d.h. wenn dieser K. ____ das ungeschützte Betreten der nicht durchbruchsicheren Eternitdächer untersagt hätte, w äre es höchstwahrscheinlich nicht zum tödlichen Unfall gekommen. Gestützt auf die vorgängigen Ausführungen ist auch der Beschuldigte D.____ in Abweisung seiner Berufung und demzufolge in Bestätigung des a ngefochtenen Urteils der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB in Verbindung mit Art. 11 Abs. 2 VUV und Art. 8 BauAV schuldig zu erklären. 4. Tatbestand der Gefährdung durch vorsätzliche Ver letzung der Regeln der Baukun- de 4.1 Die Staatsanwaltschaft bemängelt in diesem Zusamme nhang in erster Linie, dass der Freispruch des Strafgerichts lediglich unter Berufu ng auf die sogenannte Repräsentationstheo- rie erfolgt sei. Diese Theorie werde jedoch ledigli ch von einem Teil der Lehre vertreten und ste- Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht he im Widerspruch zur Rechtsprechung des Bundesgerichts, welches in BGE 115 IV 45 wörtlich festgehalten habe, Art. 229 StGB wolle Leib und Leb en aller Menschen schützen, die im Zu- sammenhang mit einem Bau betroffen werden könnten, insbesondere aber alle am Bau betei- ligten Mitarbeiter. Demgegenüber sind die beiden Be schuldigten der Ansicht, Art. 229 StGB sei vorliegend nicht anwendbar, da zu dessen Erfüllung die konkrete Gefährdung einer Person oder eines bestimmten Personenkreises nicht ausreiche, s olange diese nicht vom Zufall ausgewählt seien. 4.2 Nach Art. 229 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe – wobei mit Freiheitsstrafe eine Geldstrafe zu verbinden ist – bestraft, wer vorsätzlich bei der Lei- tung oder Ausführung eines Bauwerkes oder eines Abb ruches die anerkannten Regeln der Baukunde ausser Acht lässt und dadurch wissentlich Leib und Leben von Mitmenschen gefähr- det. Nach Lehre und Praxis kann die Tathandlung sow ohl in aktivem unsachgemässem Han- deln als auch im Unterlassen gebotener Schutzmassna hmen bestehen. Art. 229 StGB statuiert im Ergebnis eine Garantenstellung des Täters aus In gerenz, indem er Personen, die im Rah- men der Leitung oder Ausführung von Bauwerken Gefah ren schaffen, anhält, für ihren Verant- wortungsbereich die Sicherheitsregeln einzuhalten. Täter nach Art. 229 StGB kann nur jemand sein, in dessen Verantwortungsbereich die Einhaltun g von Regeln der Baukunde fällt. Art. 229 StGB wird nach überwiegender Meinung als konkretes Gefährdungsdelikt angesehen. Hat sich niemand oder nur der Täter in der Gefahrenzone befunden oder sind lediglich Sachen gefährdet gewesen, entfällt die Anwendung. Da es sich um ein gemeingefährliches Delikt handelt, wel- ches neben einem bestimmten Gefährdungserfolg ein g emeingefährliches Verhalten verlangt, genügt die konkrete Gefährdung einer Person oder eines bestimmten Personenkreises nicht. Im Sinne der Repräsentationstheorie ist die Bestimmung anwendbar, wenn auch nur eine einzelne Person gefährdet worden ist, vorausgesetzt wird jedoch, dass diese nicht von vornherein indivi- duell bestimmt, sondern vom Zufall ausgewählt ist ( G ÜNTER STRATENWERTH / FELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, BT II, 7. Auflage, Bern 2013, § 30 Rz. 32, mit Hinweisen; B RUNO ROELLI / PETRA FLEISCHANDERL , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 9, 20 und 41 zu Art. 229 StGB, mit Hinweisen; S TEFAN TRECHSEL / THOMAS FINGERHUTH , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2 . Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 2 vor Art. 221 StGB, mit Hinweisen). Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Die Staatsanwaltschaft lehnt die Anwendung der Rep räsentationstheorie im Zusammen- hang mit Art. 229 StGB ab und beruft sich diesbezüglich auf BGE 115 IV 45. Im genannten Ent- scheid wird erstens unter E. 2.b) der Begriff des B auwerks in einem umfassenden Sinne defi- niert und zweitens unter E. 2.c) dargelegt, dass Ar t. 229 StGB Leib und Leben aller Menschen schützen will, die im Zusammenhang mit einem Bau be troffen werden können, insbesondere aber alle am Bau beteiligten Mitarbeiter. Hierbei i st zu bemerken, dass das Bundesgericht bei seiner zitierten Erwägung 2.c) ausdrücklich auf S TRATENWERTH verweist, welcher seinerseits ein unmissverständlicher Verfechter der Repräsentationstheorie ist. Dies legt den Schluss nahe, dass die von der Staatsanwaltschaft aufgenommenen D arlegungen des Bundesgerichts nicht im Widerspruch zur Repräsentationstheorie zu verste hen sind, sondern vielmehr in allgemeiner Form den Kreis der möglichen Betroffenen umfasst. D afür, dass es dem Bundesgericht im ge- nannten Entscheid nicht darum gegangen ist, den Kre is der Betroffenen in dem von der Staats- anwaltschaft verstandenen Sinne verbindlich zu defi nieren, spricht auch, dass in der Regeste des betreffenden Entscheides der Personenkreis kein en Wiederklang gefunden hat und hier lediglich in Ziffer 3 dargelegt wird "Unsorgfältiges Manövrieren mit einem Bagger als Verletzung der Regeln der Baukunde, jedenfalls bei Verwirklichung einer bautypischen Gefahr; sinngemäs- se Anwendung der Vorschriften des Strassenverkehrsr echts". Infolgedessen vermag die Staatsanwaltschaft aus dem zitierten Entscheid nich ts zu ihren Gunsten abzuleiten. Nachdem Art. 229 StGB im Strafgesetzbuch unter dem siebente n Titel "gemeingefährliche Verbrechen und Vergehen" eingeordnet ist, erscheint es nach Ansicht des Kantonsgerichts als sachgerecht, der neueren und soweit ersichtlich herrschenden Lehre zum Begriff der Gemeingefahr zu folgen und in diesem Zusammenhang vorauszusetzen, dass es zur Erfüllung des Tatbestandes zwar genügt, wenn tatsächlich nur eine Person konkret in Gefahr gerät, dies aber ausschliesslich nur dann, wenn der Kreis der möglichen Betroffenen nicht von vornherein individuell bestimmt, son- dern vom Zufall ausgewählt ist. a) Im vorliegenden Fall wird dem Beschuldigten C.____ zur Last gelegt, er habe den Be- schuldigten D.____, den tödlich verunglückten K.___ _ sowie den Mitarbeiter J.____ durch vor- sätzliche Verletzung der Regeln der Baukunde gefährdet, indem er weder D.____ bezüglich des gangbaren Weges instruiert noch überhaupt für einen gesicherten Weg zum Einsatzort auf dem Dach gesorgt habe. Gestützt auf die Anklageschrift steht somit fest, dass zum Zeitpunkt der allfälligen Gefährdung bereits von vornherein indiv iduell bestimmt gewesen ist, wer konkret da- von betroffen sein könnte, nämlich D.____, K.____ ( bei welchem der vorliegende Tatbestand Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch denjenigen der fahrlässigen Tötung konsumiert würde) und J.____. Nachdem in Beach- tung der Repräsentationstheorie zur Bejahung einer Gemeingefahr vorausgesetzt wird, dass auch andere, die Allgemeinheit zufällig repräsentie rende Individuen, und nicht nur der ge- schlossene Kreis der drei genannten Personen Zugang zum ungesicherten Arbeitsort auf dem Dach gehabt haben, dies aber weder behauptet noch d argelegt wird, fällt eine Anwendung des Tatbestandes von Art. 229 Abs. 1 StGB ausser Betrac ht. Demnach ist in Abweisung der An- schlussberufung der Staatsanwaltschaft der Beschuldigte C.____ in Bestätigung des angefoch- tenen Urteils vom Vorwurf der Gefährdung durch vors ätzliche Verletzung der Regeln der Bau- kunde freizusprechen. b) In Bezug auf den Beschuldigten D.____ gilt gleiche rmassen das bereits vorgängig zum Beschuldigten C.____ Ausgeführte. D.____ wird vorge worfen, er habe den tödlich verunfallten K.____ und J.____ gefährdet, indem er diese weder a m Betreten der Eternitdächer gehindert noch dafür gesorgt habe, dass die Baustelle mit tra gfähigen Unterlagen und einem seitlichen Absturzschutz gesichert worden sei. Hier ist ebenso von vornherein klar gewesen, dass der Kreis der allenfalls gefährdeten Personen aus zwei genau definierten, individuellen Personen, nämlich K.____ (wobei wiederum der vorliegende Tatb estand durch denjenigen der fahrlässi- gen Tötung konsumiert würde) und J.____ bestanden h at. Da dies in Nachachtung der Reprä- sentationstheorie jedoch nicht ausreicht, um vom Vo rliegen eines gemeingefährlichen Delikts auszugehen, ist auch der Beschuldigte D.____ in Bes tätigung des angefochtenen Urteils und demnach in Abweisung der Anschlussberufung der Staa tsanwaltschaft vom Vorwurf der Ge- fährdung durch vorsätzliche Verletzung der Regeln der Baukunde freizusprechen. 5. Strafzumessung Das Begehren der Staatsanwaltschaft, die beiden Bes chuldigten seien zu einer bedingt voll- ziehbaren Geldstrafe von jeweils zehn Monaten, bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu verur- teilen, gründet auf dem Antrag, wonach diese zusätz lich zur erstinstanzlichen Verurteilung we- gen fahrlässiger Tötung wegen Gefährdung durch vors ätzliche Verletzung der Regeln der Bau- kunde schuldig zu sprechen seien. Auf der anderen S eite wird von den beiden Beschuldigten lediglich ein vollumfänglicher Freispruch von Schul d und Strafe gefordert. Im Ergebnis wird die Strafzumessung per se gestützt auf die Schuldsprüche des Strafgerichts jedoch von keiner Sei- Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht te als unkorrekt oder unangemessen angefochten, wes halb es sich angesichts der mit vorlie- gendem Urteil vollumfänglich zu bestätigenden erstinstanzlichen Schuldsprüche wegen fahrläs- siger Tötung sowie der Freisprüche von der Anklage der Gefährdung durch vorsätzliche Verlet- zung der Regeln der Baukunde in Anwendung von Art. 404 Abs. 1 StPO rechtfertigt, die vor- instanzlichen Strafmasse unter Verweis auf die ents prechenden Erwägungen des Strafgerichts (vgl. E. II. S. 19 ff.) ohne Weiteres zu bestätigen. Infolgedessen ist der Beschuldigte C.____ der fahrlässigen Tötung schuldig zu erklären und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu jeweils CHF 140.--, bei einer Probez eit von zwei Jahren, zu verurteilen. Des Weiteren ist auch der Beschuldigte D.____ der fahrl ässigen Tötung schuldig zu sprechen und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 160 T agessätzen zu jeweils CHF 30.--, bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu verurteilen. 6. Zivilforderungen 6.1.1 In Anwendung von Art. 122 Abs. 1 StPO kann die ges chädigte Person zivilrechtliche An- sprüche aus der Straftat als Privatklägerschaft adh äsionsweise im Strafverfahren geltend ma- chen. Das gleiche Recht steht auch den Angehörigen des Opfers zu, soweit sie gegenüber der beschuldigten Person eigene Zivilansprüche geltend machen (Art. 122 Abs. 2 StPO). Nach Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO entscheidet das Gericht über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht. D ie Zivilklage wird gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Pr ivatklägerschaft ihre Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat. Wäre die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhält- nismässig aufwendig, so kann das Gericht die Zivilk lage nur dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO). Nach Praxis und herr- schender Lehre soll das Strafgericht, wenn immer mö glich, selbst und zusammen mit dem Strafurteil über die Zivilklage befinden. Im Rahmen der richterlichen Fragepflicht ist das Gericht gehalten, in der Hauptverhandlung möglichst noch für Aufklärung zu sorgen, soweit die Zivilkla- ge ungenügend beziffert und begründet ist. Wird jed och für die bezifferte und substantiierte Klage der Beweis nicht oder nicht vollständig erbracht, ist die Klage im unbewiesen gebliebenen Umfang abzuweisen. Aufgrund der Dispositionsmaxime ist ein entsprechender Antrag der Zivil- klägerschaft auf einen blossen Grundsatzentscheid z u respektieren. Der unverhältnismässige Aufwand muss sich auf die Beweiserhebung beziehen, nicht auf die rechtliche Beurteilung; ein- Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht fach zu erhebende Beweise sind abzunehmen. Zumeist ist es die Höhe des Schadenersatzes, welche eine vollständige Beurteilung der Klage veru nmöglicht, Genugtuungsansprüche können und sollen in der Regel sofort entschieden werden ( ANNETTE DOLGE , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 1, 37 f., 45 f. zu Art. 126 StPO, mit Hinweisen). Die materielle Beurteilung der Adhä sionsklage ist, unter Vorbehalt der gesetzli- chen Ausnahmen von Abs. 2 bis 4, zwingend und muss vollständig sein (vgl. Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafpr ozessrechts, BBl 2006 1174 Ziff. 2.3.3.4; BGer 6B_604/2012 und 6B_613/2012 vom 16. Januar 201 4 E. 6.2.2, mit Hinweisen); sie steht nicht im Ermessen des Gerichts (BGer 6B_75/2014 vom 30. September 2014 E. 2.4.4). 6.1.2 Nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Ganze n BGer 6B_1070/2015 vom 2. August 2016 E. 1.3.2) kann gemäss Art. 47 OR der Richter bei Tötung eines Menschen unter Würdigung der besonderen Umstände der verletzten Pe rson eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene seelische Unbill. Ihre Bemessung richtet sich im Wesentlichen nach der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die P ersönlichkeit des Betroffenen, dem Grad des Verschuldens des Haftpflichtigen, einem allfäll igen Selbstverschulden des Geschädigten sowie der Aussicht auf Linderung des Schmerzes durc h die Zahlung eines Geldbetrags (BGer 6B_857/2015 vom 21. März 2016 E. 3.2; 6B_768/2014 vom 24. März 2015 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 141 IV 97). Die Festsetzung der Höhe der Genugt uung ist eine Entscheidung nach Billig- keit und beruht auf richterlichem Ermessen. Sie ist nicht schematisch vorzunehmen, sondern muss dem Einzelfall angepasst werden. Dabei kann in zwei Phasen vorgegangen werden, in- dem zuerst ein Basisbetrag festgelegt und anschlies send die besondere individuelle Situation berücksichtigt wird (BGE 132 II 117 E. 2.2.3). Nach neuerer Praxis des Bundesgerichts sind auch Konkubinatspartner als Angehörige im Sinne von Art. 47 OR zu betrachten, womit ein stabiles Konkubinatsverhältnis einen Anspruch auf G enugtuung zu Gunsten des überlebenden Partners zu begründen vermag (BGE 138 III 157 E. 2. 3.2 = Pra 2012 S. 856; M ARTIN A. KESSLER , in: Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 6. Auf lage, Basel 2015, N 9 zu Art. 47 OR). Das schweizerische Recht definiert den Begriff des stabilen Konkubinatsverhältnisses nicht. Ein solches ist als eine auf längere Zeit, w enn nicht auf Dauer angelegte, umfassende Lebensgemeinschaft von zwei Personen unterschiedlic hen Geschlechts mit grundsätzlich Aus- schliesslichkeitscharakter zu verstehen, die sowohl eine geistig-seelische als auch eine körper- liche und ein wirtschaftliche Komponente aufweist u nd auch etwa als Wohn-, Tisch- und Bett- Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemeinschaft bezeichnet wird. Wenngleich in mehrere n Rechtsbereichen das Konkubinatsver- hältnis über dessen Dauer definiert wird (z.B. drei Jahre unter der Geltung des neuen Ehe- rechts, zwei Jahre oder Zusammenleben mit einem gem einsamen Kind im Rahmen des Sozial- hilferechts, Lebensgemeinschaft von mindestens fünf Jahren bei Hinterlassenenleistungen nach dem BVG) kann praxisgemäss keine bestimmte Dauer fe stgelegt werden, bei deren Unter- schreitung der Genugtuungsanspruch eines Konkubinat spartners automatisch verneint werden könnte. Das Gericht muss im Einzelfall eine Würdigu ng der gesamten Umstände der Lebens- gemeinschaft vornehmen, um deren Eigenschaften zu b estimmen und festzustellen, ob ein stabiles Konkubinatsverhältnis vorliegt (BGE 138 III 157 E. 2.3.3 = Pra 2012 S. 856). 6.1.3 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. z um Ganzen BGE 114 II 144 E. 2a), die sich insbesondere auf den Wortlaut von Art. 45 Abs. 3 OR abstützt, ist eine gesetzliche Un- terstützungspflicht nicht Voraussetzung der Versorg ereigenschaft. Entscheidend ist vielmehr, dass tatsächlich Versorgungsleistungen erbracht wor den sind und mit grosser Wahrscheinlich- keit in Zukunft erbracht worden wären. Der Umstand, dass die unterstützte Person (lediglich) Konkubinatspartner des oder der Verstorbenen gewese n ist, steht ihrem Anspruch auf Ersatz des Versorgerschadens grundsätzlich nicht entgegen. Ausschlaggebend ist die rein tatsächliche Frage, ob sich die Konkubinatspartner während der D auer der Lebensgemeinschaft unterstützt haben und auch in Zukunft mit grosser Wahrscheinlic hkeit unterstützt hätten. Ein schemati- sches Abstellen auf eine bestimmte Mindestdauer des Konkubinatsverhältnisses fällt deshalb ausser Betracht (K ESSLER , a.a.O., N 8 zu Art. 45 OR, mit Hinweisen). 6.2.1 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz von der Ve rurteilung zur Bezahlung einer Genug- tuung an die Privatklägerin B.____ abgesehen mit de r massgeblichen Begründung, es lägen keine Angaben betreffend die Qualität der Beziehung vor und auch der Eingabe vom 4. Juli 2016 seien keine Anhaltspunkte bezüglich der Stabil ität der Beziehung zu entnehmen. Es kön- ne darum nicht gesagt werden, wie konsolidiert und gefestigt die Beziehung zum Zeitpunkt des tödlichen Unfalles gewesen sei, zumal auch die Daue r (der Beziehung) von fünf Jahren nicht per se für ein stabiles Konkubinatsverhältnis sprec he. Auch in Bezug auf die geltend gemachte Zusprechung eines Versorgerschadens bestünden Unsic herheiten hinsichtlich der Stabilität der Beziehung, zumal aus der schriftlichen Eingabe nich t hervorgehe, wie konsolidiert und innig die Beziehung zwischen der Privatklägerin und dem Verst orbenen gewesen sei; zudem gebe es Unklarheiten betreffend die Arbeitssituation des Ve rstorbenen. Dieser Argumentation kann in Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht verschiedener Hinsicht nicht gefolgt werden. Zunäch st ist darauf hinzuweisen, dass die materi- elle Beurteilung der Adhäsionsklage grundsätzlich z wingend ist und damit nicht im Ermessen des Gerichts steht. Sodann hat die Vorinstanz die E rhebung diverser von Seiten der Privatklä- gerin in der Adhäsionsklage vom 4. Juli 2016 angebo tenen Beweismittel wie namentlich die Befragung von mehreren Zeugen unterlassen, auf der anderen Seite aber die Verweisung de- ren Forderung auf den Zivilweg damit begründet, das s keine Angaben betreffend die Qualität der Beziehung vorlägen, was in sich widersprüchlich ist und eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellt. Drittens ist auch die Schlussfolg erung des Strafgerichts, wonach die Stabilität der Beziehung zwischen der Privatklägerin und dem V erstorbenen nicht nachgewiesen sei, nach Ansicht des Kantonsgerichts materiell falsch. Aus den Akten ergibt sich, dass die Privat- klägerin mit Eingabe vom 4. Juli 2016 (act. 1197 ff .) adhäsionsweise eine Teilklage eingereicht und dabei sowohl eine Genugtuung für sich selbst un d für ihren bzw. den Sohn des Verstorbe- nen als auch eine Forderung aus Versorgerschaden bi s zum 31. August 2016 begehrt hat. In diesem Zusammenhang gilt es beweismässig als erstel lt, dass die Privatklägerin den Verstor- benen im Mai 2006 kennengelernt und mit ihm am 5. M ärz 2007 einen gemeinsamen Haushalt bezogen hat (act. 1269 ff.). Des Weiteren ist nachg ewiesen, dass am 23. August 2007 das ge- meinsame Kind E.____ zur Welt gekommen ist (act. 12 43), welches vom Verstorbenen am 8. März 2011 nachgeburtlich anerkannt worden ist (a ct. 1245). Ebenso erhellen die diversen Schreiben der Leiterin der Anlaufstelle für Sans-Pa piers Basel-Stadt, H.____, vom 7. Januar 2010, 8. November 2010, 8. März 2011 (jeweils Beilagen zur Anschlussberufungserklärung vom 17. November 2016) und 28. April 2011 (act. 1253) an die SID, Bevölkerungsdienste und Migra- tion, Basel-Stadt betreffend Gesuch um Anmeldebestä tigung zwecks Heirat, Vaterschaftsaner- kennung und Familiennachzug, dass zwischen der Priv atklägerin und dem Verstorbenen die ernsthafte Absicht zur Heirat und Gründung einer Fa milie bestanden hat. Belegt ist ebenfalls, dass die Privatklägerin mit Hilfe des Verstorbenen ihr Kind aus erster Ehe aus Brasilien in die Schweiz geholt hat. Sodann steht ausser Zweifel, da ss der Verstorbene wirtschaftlich für die Privatklägerin und die zwei Kinder aufgekommen ist. Nachgewiesen ist ferner, dass der Ver- storbene zum Unfallzeitpunkt zwar nur temporär beim Beschuldigten C.____ beschäftigt gewe- sen ist, dies aber zum wiederholten Male in den vergangenen mehreren Jahren (act. 1275 ff.). 6.2.2 Im Präjudiz BGE 138 III 157 (= Pra 2012 S. 856) ha t das Bundesgericht erkannt, dass die Beschwerdeführerin und der Verstorbene seit mehr al s vier Jahren zusammen gelebt und Hei- ratspläne gehabt haben und dass ihre Beziehung eng und harmonisch gewesen ist, womit im Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lichte dieser Eigenschaften zwischen den beiden ein stabiles Konkubinatsverhältnis bestanden hat, was der Beschwerdeführerin einen Anspruch auf Genugtuung im Sinne von Art. 47 OR verliehen hat. In casu lassen die aktenmässig beleg ten Umstände, wonach die Privatklägerin und der Verstorbene seit fünf Jahren eine Beziehung geführt und davon über vier Jahre in einer gemeinsamen Wohnung gelebt haben, ein gemeinsames und vom Verstorbenen rechtlich aner- kanntes Kind gehabt haben, das Kind der Privatkläge rin aus erster Ehe von Brasilien in die Schweiz geholt und mehrfach die Absicht zur Heirat bekundet haben, keinen anderen Schluss zu, als dass die Beziehung offensichtlich auf Dauer angelegt gewesen ist, womit zweifellos von einem gefestigten Konkubinat ausgegangen werden mus s, in welchem vom Verstorbenen fi- nanzielle Leistungen erbracht worden sind und – man gels anderweitiger Hinweise – mit grosser Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft erbracht worden wären. Nebst der Bejahung eines gefestig- ten Konkubinats ist ohne Zweifel auch die für einen Genugtuungsanspruch geforderte immate- rielle Unbill gegeben. Gleichermassen liegt gestützt auf die vorgängigen Ausführungen zur fahr- lässigen Tötung (s. oben E. 3) eine widerrechtliche Tötung vor sowie ein Kausalzusammenhang zwischen dem pflichtwidrigen und schuldhaften Verha lten der beiden Beschuldigten und dem Erfolgseintritt. Im Sinne eines Zwischenresultats i st somit von einem Anspruch der Privatkläge- rin B.____ auf Genugtuung und Ersatz des Versorgers chadens gegenüber den beiden Be- schuldigten auszugehen. 6.2.3 Hinsichtlich der Bemessung der Höhe der Genugtuung gilt Folgendes: Grundsätzlich wird in vergleichbaren Fällen als Basisbetrag ein Genugt uungsanspruch beim Verlust eines Ehegat- ten im Bereich zwischen CHF 30'000.-- und CHF 40'00 0.-- bzw. bis zu CHF 50'000.-- als ange- messen erachtet (vgl. dazu K ESSLER , a.a.O., N 21 zu Art. 47 OR, mit Hinweisen; VITO ROBERTO , Schweizerisches Haftpflichtrecht, Zürich 2002, § 35 Rz. 929, mit Hinweisen). Dieser Basisbe- trag ist unter Berücksichtigung der besonderen indi viduellen Situation anzupassen (vgl. zur Bemessung der Genugtuungssumme auch W ILLI FISCHER , in: Kommentar zu den schweizeri- schen Haftpflichtbestimmungen, Zürich/St. Gallen 20 16, N 48 ff. zu Art. 47 OR, mit Hinweisen; ROLAND BREHM , in: Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Obligationenrecht, Die Entstehung durch unerlaubte Handlungen, 4. Auflage, Bern 2013, N 62 ff. zu Art. 47 OR, mit Hinweisen). Im Verlaufe der Jahre haben sich insbes ondere folgende genugtuungserhöhende und -senkende Faktoren herauskristallisiert: Versch ulden des Täters, langfristige Folgen des Ereignisses, besondere Tragik des Ereignisses und j ugendliches Alter des Geschädigten als genugtuungserhöhend; Selbstverschulden des Opfers, vom Opfer zu vertretende Betriebsge- Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht fahr, Gefälligkeit, höheres Alter des Geschädigten, krankheitsbedingte Prädisposition und er- hebliche Kaufkraftunterschiede zum Wohnort des Opfe rs als genugtuungssenkend (vgl. CHRISTIAN JAEGGI , Die aktuellen Entwicklungen im Genugtuungsrecht, plädoyer 3/14, S. 28 ff., mit Hinweisen). a) Von Relevanz sind im vorliegenden Fall bei der Anpa ssung des Basisbetrags von durch- schnittlich CHF 40'000.-- in erster Linie zwei Fakt oren, einerseits das junge Alter des Verstor- benen, und andererseits dessen Selbstverschulden. D ie Rechtsprechung sieht Zuschläge bis zum Alter von 40 Jahren vor, womit sich die Tatsache, wonach K.____ mit knapp 26 Jahren den tödlichen Unfall erlitten hat, genugtuungserhöhend niederschlägt. Auf der anderen Seite führt das Selbstverschulden des Verstorbenen zu einer pra xisgemässen Reduktion von ungefähr einem Viertel bis zu einem Drittel. In diesem Zusam menhang ist zu konstatieren, dass allein aus der blossen Ausübung von gefahrbehafteten Dacha rbeiten nicht auf ein haftungsreduzie- rendes Selbstverschulden des Verstorbenen geschloss en werden kann. Ein solches wird aber dann angenommen, wenn dieser ein unangemessenes, pf lichtwidriges Verhalten an den Tag gelegt hat. Ein derartiges Verhalten ist in casu zu bejahen. So ist zwar nicht mehr eruierbar, weshalb der Verstorbene letztlich durch das Eternit dach eingebrochen ist, es steht aber auf- grund des forensisch-toxikologischen Gutachtens des IRM vom 21. Juni 2011 (act. 387 ff.) zweifelsfrei fest, dass der Verstorbene zum Zeitpun kt des Unfalls in erheblichem Masse unter der direkten Wirkung von THC gestanden und dies zu einer Beeinträchtigung unmittelbar vor seinem Tod geführt hat, was das Dacharbeiten bereit s grundsätzlich inhärente Risiko für Leib und Leben in signifikantem Umfang gesteigert hat. H inzu kommt, dass gestützt auf die zum Tatbestand der fahrlässigen Tötung dargelegten Erwä gungen zum Sachverhalt (s. oben E. 3.1.2) feststeht, dass dem Verstorbenen von Seit en des Beschuldigten C.____ am 26. April 2011 anlässlich einer Begehung der Baustelle gezeig t worden ist, welchen Weg dieser zum Erreichen seines Arbeitsortes auf dem Dach zu nehme n hat. Indem nun der Verstorbene unge- achtet seines Wissens um den korrekten Weg stattdes sen den unsicheren Weg über die noto- risch nicht durchbruchsicheren Eternitplatten gewäh lt hat, ist dieses sorgfaltswidrige Verhalten gleichermassen wie der Drogenkonsum anspruchsminder nd zu berücksichtigen. Insgesamt ist damit unter Bemessung aller massgeblichen Faktoren der Genugtuungsanspruch der Privatklä- gerin auf den Betrag von CHF 35'000.-- festzusetzen , zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Mai 2011. Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Bezüglich der Festsetzung der Höhe des Versorgersch adens ist festzustellen, dass die Privatklägerin im Verfahren vor dem Kantonsgericht keine konkrete Summe mehr begehrt, son- dern lediglich eine Gutheissung der Forderung dem G rundsatz nach. Gestützt auf die vorgängi- gen Erwägungen zum stabilen Konkubinatsverhältnis zwischen der Privatklägerin und dem Ver- storbenen sowie zu den von diesem erbrachten Versorgerleistungen (s. oben E. 6.2.1 f.) ist die- sem Begehren ohne Weiteres zu entsprechen, womit di e Forderung nach Ersatz des Versor- gerschadens gegenüber den beiden Beschuldigten im G rundsatz nach gutgeheissen und im Übrigen auf den Zivilweg verwiesen wird. c) Zufolge Bestätigung der jeweiligen Schuldsprüche w egen fahrlässiger Tötung sind im Üb- rigen auch die weiteren – im Wesentlichen basierend auf einem beantragten Freispruch ange- fochtenen und nicht substantiiert gerügten – Schade nersatz- und Genugtuungszahlungen an Aa.____ (Schadenersatz von CHF 9'417.95, Genugtuung von CHF 20'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Mai 2011), an Ab.____ (Schadenersat z von CHF 115.--, Genugtuung von CHF 20'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Ma i 2011) und an E.____ (Genugtuung von CHF 30'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Ma i 2011) sowie die zugesprochenen Partei- entschädigungen an A.____ von CHF 9'727.25 und an B .____ von CHF 2'262.60 weder im Grundsatz nach zu beanstanden noch in der Höhe zu korrigieren. Demzufolge werden in teilweiser Gutheissung der Ans chlussberufung von B.____ C.____ und D.____ in solidarischer Haftung dazu verurteilt, der Privatklägerin eine Genugtuung in der Höhe von CHF 35'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6 . Mai 2011 zu bezahlen. Des Weiteren wird die Schadenersatzforderung der Privatklägerin aus Versorgerschaden im Grundsatz nach gutgeheissen und bezüglich Festlegung der Höhe auf den Zivilweg verwiesen. 7. Kostenfolge Bei diesem Verfahrensausgang – indem erstens die Be rufungen der beiden Beschuldigten C.____ und D.____ vollumfänglich abgewiesen werden und die jeweilige Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung bestätigt wird, zweitens die An schlussberufung der Staatsanwaltschaft, in welcher diese eine zusätzliche Verurteilung der beiden Beschuldigten wegen Gefährdung durch vorsätzliche Verletzung der Regeln der Baukunde begehrt, ebenfalls vollumfänglich abgewiesen Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird, und drittens die Anschlussberufung der Privat klägerin in dem Sinne teilweise gutgeheis- sen wird, als dieser eine Genugtuungssumme im Betra g von CHF 35'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Mai 2011 zugesprochen und des Weite ren ihr Anspruch auf Ersatz des Versor- gerschadens im Grundsatz nach gutgeheissen wird – r echtfertigt es sich gestützt auf Art. 428 Abs. 1 StPO, die ordentlichen Kosten des Berufungsv erfahrens in der Höhe von CHF 15'200.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 15'000.-- [zehn St unden Verhandlung zu CHF 1'500.--/h] sowie Auslagen von CHF 200.--) im Umfang von 40 % ( = CHF 6'080.--) zu Lasten des Beschul- digten C.____, im Umfang von ebenfalls 40 % (= CHF 6'080.--) zu Lasten des Beschuldigten D.____ und im Umfang von 20 % (= CHF 3'040.--) zu L asten des Staates zu verteilen. Hinzu kommen beim Beschuldigten D.____ bei den Auslagen g estützt auf Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO die Kosten für seine amtliche Verteidigung. In dies em Zusammenhang ist bereits mit verfah- rensleitender Verfügung vom 12. April 2017 dessen A ntrag auf Bewilligung der unentgeltlichen amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren a bgewiesen worden mit der Begründung, dass das Gesuch nicht hinreichend begründet und belegt ist. In der Folge ist zwar eine notwen- dige amtliche Verteidigung eingesetzt worden, dies allerdings mit dem Vorbehalt, dass über die Auferlegung der Kosten mit dem Urteil entschieden w ird. Nachdem nun der Beschuldigte D.____ bis zum Urteilszeitpunkt trotz mehrfacher Au fforderung durch das Kantonsgericht, zu- letzt anlässlich der heutigen Parteiverhandlung, se ine finanzielle Situation nicht substantiiert dargelegt hat, hat er die Kosten für das vom Staat zu bevorschussende Honorar der notwendi- gen amtlichen Verteidigerin in der Höhe von CHF 6'0 96.90 im Rahmen der Auslagen selbst zu tragen, womit sich seine ordentlichen Kosten im Res ultat auf insgesamt CHF 12'176.90 belau- fen. Zu Lasten des Staates gehen hingegen wiederum die Kosten für die Dolmetscherin in der Höhe von CHF 140.--. In Bezug auf die ausserordentlichen Kosten wird Fol gendes entschieden: Der Beschuldigte C.____ hat die Kosten seiner Wahlverteidigung anges ichts des vorliegenden Verfahrensaus- gangs selbst zu tragen. Der Rechtsvertreterin des B eschuldigten D.____, Advokatin Wicky Tzi- kas, wird zufolge Bewilligung der notwendigen amtli chen Verteidigung ein Honorar gemäss de- ren Honorarnote vom 14. August 2017 in der Höhe von insgesamt CHF 6'096.90 (27,0833 Stunden [inklusive sieben Stunden Aufwand für die H auptverhandlung, den Weg und die Ur- teilseröffnung] zu jeweils CHF 200.--/h plus CHF 22 8.60 Auslagen plus CHF 451.60 Mehrwert- steuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Ferner wird dem Rechtsvertreter der Privatklägerin B.____, Advokat Martin Lutz, zufolge Bewilligung de r unentgeltlichen Rechtspflege ein gegen- Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht über seiner Honorarnote vom 15. August 2017 um fünf Stunden Aufwand reduziertes Honorar in der Höhe von insgesamt CHF 4'653.30 (20,84 Stund en [inklusive sieben Stunden Aufwand für die Hauptverhandlung, den Weg und die Urteilser öffnung] zu jeweils CHF 200.--/h plus CHF 140.60 Auslagen plus CHF 344.70 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Die Reduktion begründet sich damit, dass der Anwend ungsbereich der unentgeltlichen Rechts- pflege nach Art. 136 Abs. 1 StPO zugunsten der Priv atklägerschaft auf die Durchsetzung der mit der Straftat konnexen privatrechtlichen Ansprüc he beschränkt ist (G ORAN MAZZUCCHELLI / MARIO POSTIZZI , in: Basler Kommentar, 2. Auflage, Basel 2014, N 4 zu Art. 136 StPO). Dies schliesst zwar eine grundsätzliche Entschädigung fü r Tätigkeiten im Strafpunkt nicht aus, diese müssen sich aber auf das Notwendige beschränken und dem primären Ziel der Durchsetzung der Zivilforderungen dienen. In concreto wird ein Teil der Bemühungen für die Berufungsantwort vom 10. April 2017, welche sich nach Ansicht des Ka ntonsgerichts nicht auf das Notwendige beschränkt und ausschliesslich mit strafrechtlichen Gesichtspunkten auseinandersetzt, sowie ein Teil der Bemühungen für die Eingabe vom 1. Febr uar 2017, welche eine Präzisierung der eigenen Rechtsbegehren sowie teilweise eine Wiederh olung der Berufungserklärung vom 17. November 2016 beinhaltet, gestrichen, woraus im Ergebnis eine Kürzung der Honorarrech- nung im vorgängig definierten Umfang von rund fünf Stunden resultiert. Schliesslich hat das Kantonsgericht zufolge Bestätigung der erstinstanzlichen Schuld- und Frei- sprüche in Abweisung der Berufungen der beiden Besc huldigten C.____ und D.____ sowie in Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltsch aft keine Veranlassung, am Kostenent- scheid des Strafgerichts eine Änderung vorzunehmen. Seite 38 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Base l-Landschaft vom 16. August 2016, lautend: "I. 1. C.____ wird der fahrlässigen Tötung schuldig er klärt und ver- urteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 160 Tagessät- zen zu je Fr. 140.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 117 StGB (i.V.m. Art. 82 Abs . 1 UVG, Art. 3 VUV, Art. 6 VUV, Art. 8 BauAV), Art. 34 StGB , Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK. 2. C.____ wird von der Anklage der vorsätzlichen V erletzung der Regeln der Baukunde freigesprochen. II. 1. D.____ wird der fahrlässigen Tötung schuldig er klärt und ver- urteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 160 Tagessät- zen zu je Fr. 30.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 117 StGB (i.V.m. Art. 11 Abs . 2 VUV, Art. 8 BauAV), Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, A rt. 44 Abs. 1 StGB sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK. 2. D.____ wird von der Anklage der vorsätzlichen V erletzung der Regeln der Baukunde freigesprochen. III. 1. a) C.____ wird in solidarischer Haftung mit D.__ __ dazu verur- teilt, Aa.____ Schadenersatz von Fr. 9'417.95 und A b.____ Schadenersatz von Fr. 115.-- zu bezahlen. b) C.____ wird in solidarischer Haftung mit D.___ _ dazu verur- teilt, A.____ je eine Genugtuung von Fr. 20'000.-- zzgl. Zins Seite 39 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 5 % seit 6. Mai 2011 zu bezahlen. Die Mehrforde rungen werden auf den Zivilweg verwiesen. c) C.____ wird in solidarischer Haftung mit D.____ dazu verur- teilt, E.____, gesetzlich vertreten durch B.____, e ine Genugtu- ung von Fr. 30'000.-- zzgl. Zins von 5 % seit 6. Ma i 2011 zu bezahlen. d) Die Schadenersatz- und die Genugtuungsforderung von B.____ werden in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 StPO auf den Zivilweg verwiesen. e) C.____ wird in solidarischer Haftung mit D.____ dazu verur- teilt, A.____ gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in Höhe von Fr. 9'727.25 (inkl. Auslagen und 8 % Me hrwert- steuer) zu bezahlen. f) C.____ wird in solidarischer Haftung mit D.___ _ dazu verur- teilt, B.____ und E.____, letzterer gesetzlich vert reten durch B.____, gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädig ung in Höhe von Fr. 2'262.60 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrw ertsteu- er) zu bezahlen. 2. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten de s Vorver- fahrens von Fr. 10'675.-- und der Gerichtsgebühr vo n Fr. 6'000.--. Die Beurteilten tragen den sie betreffenden Teil d er Kosten des Vorverfahrens. Demnach trägt C.____ Fr. 5'326.- - und D.____ Fr. 5'349.--. Zudem wird den Beurteilten die Gerichts- gebühr in folgendem Verhältnis auferlegt: C.____ un d D.____ tragen jeweils Fr. 3'000.--. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und wird kein beg ründetes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die str afgerichtliche Gebühr auf Fr. 3'000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT) . In die- sem Fall beträgt der von C.____ und D.____ zu trage nde An- teil der Gerichtsgebühr jeweils Fr. 1'500.--. 3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung von D.__ __ in Höhe von Seite 40 http://www.bl.ch/kantonsgericht Honorar 2012/13 (13.33 h à Fr. 180.--) Fr. 2'400 .00 Honorar 2014/15/16 inkl. HV (43.75 h à Fr. 200.-- )Fr. 8'750.00 Fahrtspesen Fr. 122.00 Fahrtspesen 216 km à Fr. 0.70 Fr. 151.20 Kopien Fr. 359.50 Porto, Telefon Fr. 53.85 Mehrwertsteuer 8 % Fr. 946.90 Total Fr. 12 '783.45 werden unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflicht ung von D.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtska sse ent- richtet. D.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhä ltnisse er- lauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtl ichen Ver- teidigung zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidi gung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vol- len Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). 4. Advokat Martin Lutz wird für die Opfervertretun g aus der Staatskasse ein Honorar in Höhe von Fr. 19'979.90 ( inkl. Aus- lagen und 8% Mehrwertsteuer) zugesprochen." wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten C.____, in Ab- weisung der Berufung des Beschuldigten D.____ und in Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sowie in teilweiser Gutheissung der Anschlussberufung der Privatklägeri n B.____ in Ziffer III.1.d wie folgt geändert : III. 1. d) C.____ wird in solidarischer Haftung mit D.__ __ dazu ver- urteilt, B.____ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 35'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 6. Ma i 2011 zu bezahlen. Des Weiteren wird die Schadenersatzfor de- rung aus Versorgerschaden der Privatklägerin im Gru nd- Seite 41 http://www.bl.ch/kantonsgericht satz nach gutgeheissen und bezüglich Festlegung der Höhe auf den Zivilweg verwiesen. Im Übrigen wird das angefochtene Urteil bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 15'200.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 15'0 00.-- sowie Auslagen von CHF 200.--) gehen im Umfang von 40 % (= CHF 6'080.--) zu Lasten des Beschuldigten C.____ , im Umfang von 40 % (= CHF 6'080.--) zu Lasten des Beschuldigt en D.____ – zuzüglich der Kosten der notwendigen amtlichen Verteidigung in der Höhe von CHF 6'096.90 (somit insgesamt in der Höhe von CHF 12'176.90) – und im Umfang von 20 % (= CHF 3'04 0.--) zu Lasten des Staates. Die Kosten für die Dolmetscherin in der Höhe von CHF 140.-- gehen zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der notwendigen amtlichen Verteidigung wird der Rechtsvertreterin des Beschuldigten D.____, Adv okatin Wicky Tzikas, ein Honorar in der Höhe von insgesamt CHF 6'096.90 (inklu- sive Auslagen und CHF 451.60 Mehrwertsteuer) zu Las ten des Staates ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfleg e wird dem Rechtsvertreter der Privatklägerin B.____, Advokat Martin Lutz, ein reduziertes Honorar in der Höhe von CHF 4'653.30 (i nklusive Ausla- gen und CHF 344.70 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausge- richtet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann