<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">529</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Jagdrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>101 Wildschadenabschätzung</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Wer Anspruch auf Schadenersatz für eine Schadenfläche geltend</b></span><br/> <span class="ft2"><b>macht, muss gemäss Art. 8 ZGB den Nachweis dafür erbringen, wie</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gross die geschädigte Fläche ist. Gelingt dem Beschwerdeführer die-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ser Beweis nicht, wird die Richtigkeit der Abschätzung der kantona-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>len Fachstelle angenommen und entsprechend zu Ungunsten des Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schwerdeführers entschieden.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Allein aus dem Umstand, dass beim Kantonsangestellten eine be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stimmte Nähe zum Staat vorliegt, kann die Vermutung pflichtwidri-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ger Handlungen nicht abgeleitet werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 3. April 2013 i. S. M. G. gegen</span><br/> <span class="ft5">die Verfügung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (RRB Nr. 2013-</span><br/> <span class="ft5">000377).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft7">Die verfahrensrechtlichen Fragen des Verwaltungsrechts sind</span><br/> <span class="ft7">im VRPG geregelt. § 24 VRPG enthält Vorschriften über Beweismit-</span><br/> <span class="ft7">tel und verweist in Abs. 4 in Bezug auf übrige Fragen des Beweis-</span><br/> <span class="ft7">rechts auf das Zivilprozessrecht, soweit die Unterschiede der beiden</span><br/> <span class="ft7">Verfahrensarten dies nicht ausschliessen. Im Verfahren vor den Ver-</span><br/> <span class="ft7">waltungsbehörden sind namentlich die Grundsätze der Gesetzmässig-</span><br/> <span class="ft7">keit und die Ermittlung des Sachverhalts durch die Behörden unter</span><br/> <span class="ft7">Beachtung der Vorbringen der Parteien zu beachten (§§ 2 und 17</span><br/> <span class="ft7">VRPG). Die Beweisfragen sind in Art. 150 ff. ZPO und in Art. 8</span><br/> <span class="ft7">ZGB geregelt.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">530</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 17 Abs. 2 VRPG würdigen die Behörden das Ergeb-</span><br/> <span class="ft7">nis der Untersuchung frei. Nach Art. 8 ZGB trägt jene Person die Be-</span><br/> <span class="ft7">weislast, die aus der behaupteten Tatsache Rechte ableitet. Wer sich</span><br/> <span class="ft7">daher auf das Bestehen eines Anspruchs beruft, hat die rechtsbegrün-</span><br/> <span class="ft7">denden Tatsachen zu beweisen. Wo der Natur der Sache nach ein ab-</span><br/> <span class="ft7">soluter Beweis unmöglich ist, muss eine an Sicherheit grenzende</span><br/> <span class="ft7">Wahrscheinlichkeit (BGE 94 II 80) oder gelegentlich eine auf der Le-</span><br/> <span class="ft7">benserfahrung beruhende überwiegende Wahrscheinlichkeit genügen</span><br/> <span class="ft7">(BGE 130 III 325, 132 III 720). Auch die Folgen der Beweislosigkeit</span><br/> <span class="ft7">sind in Art. 8 ZGB geregelt: Gelingt der Beweis nicht, so wird die</span><br/> <span class="ft7">Unrichtigkeit der behaupteten Tatsache angenommen und zu Lasten</span><br/> <span class="ft7">der beweisbelasteten Partei entschieden (Peter Tuor/Bernhard</span><br/> <span class="ft7">Schnyder/Jörg Schmid/Alexandra Rumo-Jungo, Das Schweizerische</span><br/> <span class="ft7">Zivilgesetzbuch, 13. Auflage, Zürich 2009, S. 69). Gegenstand des</span><br/> <span class="ft7">Beweises ist im vorliegenden Fall die Grösse der geschädigten Flä-</span><br/> <span class="ft7">che. Da der Beschwerdeführer behauptet, dass er einen Anspruch auf</span><br/> <span class="ft7">Schadenersatz für eine Schadenfläche von mindestens 50 Aren hat,</span><br/> <span class="ft7">muss er gemäss Art. 8 ZGB den Nachweis dafür erbringen, dass</span><br/> <span class="ft7">nicht 25, sondern 50 Aren geschädigt wurden.</span><br/> <span class="ft7">Gelingt ihm dieser Beweis nicht, wird die Richtigkeit der Ab-</span><br/> <span class="ft7">schätzung der kantonalen Fachstelle angenommen und entsprechend</span><br/> <span class="ft7">zu Ungunsten des Beschwerdeführers entschieden. Nach der Beurtei-</span><br/> <span class="ft7">lung des Schadenabschätzers A. B., der gemäss der Stellungnahme</span><br/> <span class="ft7">der Sektion Jagd und Fischerei BVU über grosse Erfahrung in der</span><br/> <span class="ft7">Abschätzung von Wildschäden, unter anderen auch in Maiskulturen</span><br/> <span class="ft7">verfügt, beträgt die Grösse der geschädigten Fläche 25 Aren. Die</span><br/> <span class="ft7">Wildschadenabschätzung erfolgte nach gängiger Praxis im Kanton</span><br/> <span class="ft7">Aargau. Die insgesamt abgeschätzte Schadenfläche setzte sich aus</span><br/> <span class="ft7">verschiedenen grösseren und kleineren Teilflächen zusammen, die</span><br/> <span class="ft7">als zu 100% geschädigt beurteilt wurden.</span><br/> <span class="ft7">Der Regierungsrat hat keinen Anlass, an der Beurteilung seiner</span><br/> <span class="ft7">Fachstelle zu zweifeln. Zudem verfügt die Rechtsmittelbehörde zu-</span><br/> <span class="ft7">meist nicht über die entsprechenden Fachkenntnisse. So wird der Re-</span><br/> <span class="ft7">gierungsrat die Schadenabschätzung einer Fachperson des zuständi-</span><br/> <span class="ft7">gen Departements nur dann korrigieren, wenn ein sachlicher Grund</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">531</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">für begründete erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Abschät-</span><br/> <span class="ft7">zung vorliegt. Das ist zum Beispiel denkbar, wenn bei der Schaden-</span><br/> <span class="ft7">abschätzung Verfahrensfehler vorgekommen sind, die das Abschät-</span><br/> <span class="ft7">zungsergebnis massgeblich zu Ungunsten des Beschwerdeführers be-</span><br/> <span class="ft7">einflusst haben, oder wenn offensichtlich falsche Bewertungen der</span><br/> <span class="ft7">Schäden an der geschädigten Flächen vorgenommen worden sind.</span><br/> <span class="ft7">Das Bundesgericht hat ausdrücklich festgestellt, dass solche Ein-</span><br/> <span class="ft7">schränkungen der Kognition nicht gegen das Verbot der Rechtsver-</span><br/> <span class="ft7">weigerung verstossen, soweit die Natur der Streitsache einer unbe-</span><br/> <span class="ft7">schränkten Nachprüfung der angefochtenen Verfügung entgegensteht</span><br/> <span class="ft7">(vgl. BGE 106 Ia 1 ff.; 115 Ia 6). Als Beweismittel für die Richtigkeit</span><br/> <span class="ft7">der eigenen Abschätzung bringt der Beschwerdeführer die Schätzun-</span><br/> <span class="ft7">gen von zwei weiteren Personen (C. D. und E. F.) vor, die mit seiner</span><br/> <span class="ft7">Schätzung übereinstimmen. Im Schreiben vom 18. Februar 2013 teil-</span><br/> <span class="ft7">te der Beschwerdeführer mit, dass die beiden von ihm als Auskunfts-</span><br/> <span class="ft7">personen oder Zeugen beantragten Personen über grosse Erfahrung</span><br/> <span class="ft7">in der Landwirtschaft und über eine gewisse Erfahrung in Wildscha-</span><br/> <span class="ft7">denabschätzung verfügen. Daraus kann aber nicht abgeleitet werden,</span><br/> <span class="ft7">dass ihre Qualifikationen und Erfahrungen in Wildschadenabschät-</span><br/> <span class="ft7">zung höher als diejenigen von A. B. einzustufen sind. Dement-</span><br/> <span class="ft7">sprechend kann auf Grund ihrer abweichenden Schätzungen nicht</span><br/> <span class="ft7">mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen wer-</span><br/> <span class="ft7">den, dass die Abschätzung von A. B. fehlerhaft ist. Eine zusätzliche</span><br/> <span class="ft7">Schadenabschätzung durch eine unabhängige Fachperson kann nicht</span><br/> <span class="ft7">mehr vorgenommen werden, da der Beschwerdeführer die geschä-</span><br/> <span class="ft7">digte Anbaufläche schon abgeerntet und Massnahmen zur Beweissi-</span><br/> <span class="ft7">cherung unterlassen hat. Eine andere Möglichkeit für die Beurteilung</span><br/> <span class="ft7">des Schadenausmasses besteht nicht mehr. Aus den vorliegenden</span><br/> <span class="ft7">Verfahrensakten sind weitere Gründe, die ein Eingreifen des Regie-</span><br/> <span class="ft7">rungsrats rechtfertigen und zur Korrektur der geschätzten Schaden-</span><br/> <span class="ft7">fläche auf 50 Aren führen würden, nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft7">4.</span><br/> <span class="ft7">Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, die Unab-</span><br/> <span class="ft7">hängigkeit des beim Kanton im Stundenlohn angestellten Schadenab-</span><br/> <span class="ft7">schätzers sei zweifelhaft. Es ist dem Beschwerdeführer beizupflich-</span><br/> <span class="ft7">ten, dass bei der vorliegenden Konstellation eine gewisse Befangen-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">532</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">heit des Kantonsangestellten bestehen kann, denn wenn die Summe</span><br/> <span class="ft7">geleisteter Abgeltungen und Beiträge an Verhütungsmassnahmen ei-</span><br/> <span class="ft7">nen Viertel des Jahrespachtzinses einer Jagdgesellschaft übersteigt,</span><br/> <span class="ft7">muss der Kanton für den Rest des Jahres die Abgeltungen und Bei-</span><br/> <span class="ft7">träge übernehmen (§ 26 Abs. 1 AJSG). Allein aus dem Umstand, dass</span><br/> <span class="ft7">beim Kantonsangestellten eine bestimmte Nähe zum Staat vorliegt,</span><br/> <span class="ft7">kann die Vermutung pflichtwidriger Handlungen aber nicht abgelei-</span><br/> <span class="ft7">tet werden. Sonst würden alle Staatsangestellten dieser Vermutung</span><br/> <span class="ft7">unterliegen. Weitere Anhaltspunkte für eine pflichtwidrige Handlung</span><br/> <span class="ft7">infolge Befangenheit von R. E. sind nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft7">Aus den Akten folgt zwar, dass die vom Beschwerdeführer als</span><br/> <span class="ft7">Auskunftspersonen oder Zeugen beantragten C. D. und E. F. vertrau-</span><br/> <span class="ft7">enswürdige Personen sind; Vertrauenswürdigkeit und Pflichtbewusst-</span><br/> <span class="ft7">sein schliessen aber Befangenheit nicht völlig aus. Wegen der Be-</span><br/> <span class="ft7">kanntschaft mit dem Beschwerdeführer liegt auch bei den vom Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer genannten Sachverständigen eine gewisse Befangen-</span><br/> <span class="ft7">heit vor.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>