B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2074/2013 U r t e i l v o m 2 3 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), Nigeria, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. April 2013 / N (…). E-2074/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein gemäss eigenen Angaben in (…), Ebonyi- State, geborener und der Ethnie der Igbo angehöriger Nigerianer – ver- liess seinen Heimatstaat an geblich am 26. Oktober 2012 und gelangte auf dem Luftweg nach Deutschland. Von dort aus reiste er mit dem Zug am 30. Oktober 2012 in die Schweiz ein , wo er gleichentags im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe ein Asylgesuch stellte. Am 8. November 2012 wurde er im EVZ Kreuzlingen summarisch befragt und am 20. März 2013 durch das BFM eingehend zu seinen Asylgründen a n- gehört. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem Kan ton Glarus zugewiesen. Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Asylgesuchs aus, sein Vater sei verstorben, als er [ein kleiner Junge] gewesen sei, und sei- ne Mutter sei in einem (…) ums Leben gekommen , als er 16 Jah re alt gewesen sei. In der Folge habe ihn der Besitzer (Master) des "[Name des Clubs" – eines geheimen Homosexuellen -Clubs – in Lagos unter seine Fittiche genommen. Seine Aufgabe sei es gewesen, für diesen Club neue Mitglieder anzuwerben. Einmal habe er in einem anderen Club einen Jungen namens B._______ kennen gelernt und sie hätten mit d essen Mobiltelefon Fotos von sich gemacht. Anschliessend habe er B._______ zu sich nach Hause genommen, d .h. in das Haus des Masters. Letzterer habe Gefallen an B._______ gefunden und ihn in dieser Nacht vergewa l- tigt. B._______ habe am nächsten Tag seinem Vater – einem Polizeidi- rektor – alles berichtet. Der Direktor habe dann ein Bild des Beschwerde- führers ausgedruckt und ihn damit in verschiedenen Polizeistationen zur Fahndung ausgeschrieben. Der Master sei daraufhin nach London g e- flüchtet und habe dem Beschwerdeführer von dort aus die Anweisung gegeben, in Jos mit einem Mann Kontakt aufzunehmen, der ein Clubmi t- glied sei und ihm zur Ausreise aus Nigeria verhelfen werde. Er habe sich daher nach Jos begeben, dieses Mitglied habe ihm einen Reisepass mit Visum besorgt und so sei er nach mehr als einem Monat Aufenthalt mit diesem zurück nach Lagos und von dort aus nach Deutschland gereist. In Deutschland habe der Schlepper ihm – ebenso wie schon sein Master – damit gedroht, dass er von Clubmitgliedern umgebracht werde, falls e r nach Lagos zurückkehren würde, um so zu verhindern, dass er seinen im Club geltenden Verschwiegenheitseid brechen könnte. Er sei früher auch homosexuell ausgerichtet gewesen, zum heutigen Zeitpunkt jedoch nicht mehr. E-2074/2013 Seite 3 Betreffend vorhandene Identitätspapiere führte er aus, der Schlepper h a- be seinen Pass im Hotel in Deutschland zerrissen und verbrannt, er habe einmal eine ID besessen, wisse aber nicht, wo dies e sich befinde, bezie- hungsweise er sei niemals im Besitz eines nigerianischen Ausweises g e- wesen. B. Mit Verfügung vom 3. April 2013 – eröffnet am 9. April 201 3 – trat das BFM gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. C. Mit Beschwerde vom 12. April 2013 focht der Beschwerdeführer die v o- rinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht an und bea n- tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung und im Sinne eines Eventua l- begehrens die Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Un- möglichkeit des Wegweisungsvollzuges und die Gewährung der vorläufi- gen Aufnahme. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bun- desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) , um Verzicht auf die Erhebung eines Ko stenvor- schusses und um Wiederherstellung der aufsch iebenden Wirkung der Beschwerde. Zudem beantragte er, die Vorinstanz sei vorsorglich anz u- weisen, von einer Datenweitergabe an den Heimat - oder Herkunftsstaat abzusehen und falls solche Daten bereits übermi ttelt worden seien, sei ihm dies in einer separaten Verfügung mitzuteilen. D. Am 16. April 2013 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. E. Auf den detaillierten Inhalt der Verfügung und der Beschwerdeschrift wird – soweit urteilsrelevant – in den nachstehenden Erwägungen eingegan- gen. E-2074/2013 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungs gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachge biet betreffende Aus nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver waltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Asylbereich endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsers u- chens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Ein solches ist vorliegend nicht gegeben, womit das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä n- derung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.5 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begrün detheit hin zu überprüfen (Art. 32-35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be schränkt, ob die Vorin stanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretens entscheid als unrecht mässig erachtet – enthält sich demnach einer materiel len Prüfung. Sie hebt diesfalls einzig die ang e- fochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2011/30 E. 3, 2011/9 E. 5). Im Falle des Nichteintretens auf ein Asylgesuch ge mäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG ist indessen über das Nicht bestehen der Flüchtlings -E-2074/2013 Seite 5 eigenschaft abschliessend materiell zu ent scheiden, soweit dies im Rah - men einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.5 S. 90 f.). Dementsprechend bildet in einem diesbezüglichen Beschwerde- verfahren – ungeachtet der vorzu nehmenden Überprüfung eines formel- len Nichteintretensentscheids – auch die Flüchtlingseigenschaft Prozess- gegenstand (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73). Die Asylgewäh rung bildet jedoch nicht Gegen stand des vor liegenden Verfahrens, weshalb auf den diesbezüglichen Beschwerdeantrag nicht einzutreten ist. Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine mate rielle Prüfung vorgenom men, wes halb dem Bundesverwa l- tungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 2. 2.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterl i- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zw eiten Richters beziehung s- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb der B e- schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf A rt. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 2.2 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu (Art. 42 AsylG, Art. 55 Abs. 1 VwVG). Da die Vorinstanz in der ang e- fochtenen Verfügung einer allfälligen Beschwerde dagegen die aufschi e- bende Wirkung nicht entzogen hat (Art. 55 Abs. 2 VwVG), ist auf das Be- gehren, die aufschiebende Wirkung sei wiederherzustellen, mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. 3. Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ei n Asylgesuch nicht einge- treten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitäts papiere abge ben. Diese Bestimmung findet jedoch keine Anwendung, wenn Asylsu chende glaubhaft machen können , sie seien dazu aus entschuldba ren Gründen nicht in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), oder wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG), oder sich aufgru nd der An- hörung die Notwendigkeit zu sätzlicher Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder e ines Wegweisungsvollzugshindernisses e r- gibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG). E-2074/2013 Seite 6 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheides im W esentlichen a us, der Beschwerdeführer habe den Behörden trotz Aufforderung innert 48 Stunden keine Identitätsdokumente eingereicht und habe hierfür keine entschuldbaren Gründe glaubhaft machen kö n- nen; seine Schilderungen, wonach der Schlepper seinen Pass v ernichtet habe, seien unglaubhaft, denn vielmehr sei davon auszugehen, dass er legal mit seinem eigenen Pass eingereist sei und diese n den schweizeri- schen Behörden – zum Zwecke der Verschleierung seiner wahren Ident i- tät und zur Erschwerung oder Verunmöglichung eines allfälligen Wegwei- sungsvollzuges – vorenthalte. Aufgrund seiner widersprüchlichen Verfol- gungsvorbringen und seiner wenig detaillierten und unplausiblen Schilde- rungen erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht; es zeige sich aufgrund der Aktenlage keine Notwendigkeit zusätzlicher Abklärungen zur Feststellung der Flüchtling s- eigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe wiederholte der Beschwerdeführer im We- sentlichen seine bereits im vorinstanzlichen Verfahren geäusserten Vo r- bringen (vgl. ausführlich unter Bst. A), wich jedoch in folgenden Punkten von den ursprünglichen Schilderungen ab: Er führte aus, sein Vater sei gestorben, als er ein kleiner Junge gewesen sei, und seine Mutter sei bei einem [Unfall] ums Leben ge kommen, als er 16 Jahre alt gewesen sei. Danach – dies sei im Jahre (…) gewesen – habe der Clubbesitzer, sein Master, ihn unter seine Obhut genommen. Er habe für den Homosexuel- len-Club und für zwei weitere Clubs junge Männer angeworben. Als die Polizei nach dem Vorfall mit der Vergewaltigung von B._______ (des Po- lizeidirektorsohnes) durch seinen Master bei ihnen zu Hause nach ihnen gesucht habe, habe der Master entschieden, dass sie beid e das Land verlassen sollten. Der Master habe ihn nach Jos geschickt und sei selbst nach London geflüchtet. Am 26. November 2012 sei er dann zusammen mit dem Schlepper via Lagos ausgereist. Mit den ausführlichen vorinstanzlichen Erwägungen setzte der Beschwerdeführer sich in der Beschwerde nicht auseinander. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer hat innert 48 Stunden keine rechtsgenüglichen Identitätsdokumente (Art. 1a Bst. a und b und Art. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) ein-E-2074/2013 Seite 7 gereicht und sich offensichtlich auch nicht darum bemüht, solche zu be- schaffen. Die gänzlich unsubstantiierten Angaben zu seinem Reiseweg, wonach er weder den Namen der Airline noch den Ankunftsort in Deutschland angeben könne (A5 S. 6 f.), und auch zum angeblichen V i- sum im Pass oder zu den Reisekosten, zu denen er ebenfalls keinerlei Angaben machen könne (A16 S. 3 f.), sind wirklichkeitsfremd. Zudem wi- derspricht er sich, indem er an der Erstbefragung darlegt, er habe einmal eine ID besessen, w isse aber nicht, wo diese sei und glaube, diese sei verloren gegangen (A5 S. 5); an der Anhörung behauptet er dann, er h a- be nie irgendwelche Papiere besessen, ausser dem Pass (A16 S.5). Wei- ter steht seine Aussage an der Erstbefragung, der Schlepper habe ih m den Pass erst in Deutschland gezeigt (A5 S. 6), in Widerspruch zur Aus- sage an der Anhörung, wonach er den Pass bei der Einreise nach Deutschland selbst in der Hand gehalten habe (A16 S. 4). Sein Verhalten und die erfolgten Schilderungen führen – wie von der Vorinstanz zu Recht festgehalten – zum Schluss, er verweigere die Abgabe rechtsgenüglicher Ausweispapiere in Missachtung seiner Mitwirkungspflicht bewusst. Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, glaubhaft darzulegen, er sei durch nicht selbstverantwortete Umstände an der unverzüglichen Ein- reichung von Reise - oder Identitätspapieren i m Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gehindert worden (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG). 5.2 Die dargelegte Verletzung der dem Beschwerdeführer obliegenden Mitwirkungspflicht und sein soeben geschildertes A ussageverhalten b e- einträchtigen seine Glaubwürdigkeit bereits dah ingehend, dass sie die Annahme einer allfälligen Verfolgungssituation in den Hintergrund rücken lassen. Es bleibt dennoch zu prüfen , ob das BFM aufgrund der sich im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids präsentierenden Aktenlage im Rahmen einer summarischen Prüfung zu Recht erwogen hat , dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und auch keine zusätzlichen Abklärun gen zu r Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses nötig seien (Art. 32 Abs. 3 Bst. b und c AsylG; vgl. BVGE 2007/8 E. 5.5 und 5.6; vgl. oben Erw. 1.5). 5.3 Zunächst fällt auf, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers die notwendige Plausibilität vermissen lassen; so ist nicht nachzuvollziehen, dass er sich nach seinem Fortgehen aus Lagos nicht einmal darüber i n- formierte, was mit dem Homosexuellen-Club geschehen ist (A16 S. 10 f.). Da er mehrere Jahre für diesen Club gearbeitet haben will, wä re aber zu erwarten gewesen, dass er sich dafür interessiert, ob der Club beispiel s- weise inzwischen von der Polizei geschlossen wurde und/oder was mit E-2074/2013 Seite 8 den Mitglieder geschehen ist , zumal im homosexuellen Milieu ein hartes Vorgehen der nigerianischen Behörden angenommen werden muss. Sein diesbezüglicher Rechtfertigungsversuch, er habe mit den Mitgliedern ke i- nen Kontakt gehabt (A16 S. 10 f.) , läuft ins Leere, da er ein paar Sätze vorher im Widerspruch dazu berichtet hatte, (auch) Clubmitglieder hätten ihn über die in den Polizeistationen aufgehängten Fotos gewarnt (A16 S. 8 f.). Wie von der Vorinstanz zu Recht aus geführt, wirkt die Schilderung, er sei von Jos dann wieder nach Lagos zurückgeke hrt, um via Flughafen auszureisen (A5 S. 6) , wenig überzeugend. Denn angesichts der vom Beschwerdeführer dargelegten polizeilichen Fahndung nach ihm in Lagos widerspricht es dem Verhalten eines Verfolgten, nach der Flucht wieder an den Ort der Verfolgung z urückzukehren und sich dort den Kontrollen der Behörden, die am Flughafen zwingend sind, auszusetzen. Die Äusserungen des Beschwerdeführers sind sodann geprägt von u n- substantiierten Angaben: So kannte er den Namen des Quartiers in Jos, wo er eineinhalb Mo nate vor seiner Ausreise gelebt haben will, nicht, konnte ausser dem Ausreisedatum aus Nigeria keine Daten betreffend seiner Reise nach Jos, den Beginn der polizeilichen Fahndung (A16 S. 8), der A usreise des Masters (A16 S. 9) und des letzten Kontakts zum Master (A16 S. 9) nennen, obwohl es sich hier bei um wichtige Ereignisse in der von ihm geltend gemachten Verfolgungsgeschichte handelt. Im Übrigen häuft en sich im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens die U n- stimmigkeiten der Aussagen des Beschwerdeführers zusätzlich. So führte er in seiner Beschwerdeschrift (vgl. oben Erw. 4.2) aus, er sei im Jahr (…) in die Hände des Clubbesitzers gelangt , nachdem seine Mutter veru n- glückt sei. Gemäss dem von ihm angegebenen Geburtsjahr (…) müsste er im Jahre (…) jedoch 10 Jahre und nicht – wie angegeben – mindes- tens 16 Jahre alt gewesen sein. Unstimmig sind freilich auch die zeitl i- chen Angaben in den Befragungen, wonach der Beschwerdeführer im Jahr (…) geboren sei soll und im Alter von 16 Jahren bzw. bereits im Jahr (…) oder (…) in den Homosexuellen-Club gelangt sein soll (vgl. A5 S. 4, 7; A16 S. 2, 7). In seiner Rechtsmittelschrift hält er sodann auch fest, er habe sowohl für den "[Name des Clubs]" als auch für zwei weitere Clubs Mitglieder geworben. Aus den Schilderungen i m vorinstanzlichen Verfah- ren ergibt sich demgegenüber , dass er in zwei anderen Clubs verkehrte, um dort Mitglieder für den "[Name des Clubs]" zu suchen (A16 S. 7). Das angebliche Vorgehen, wie der Beschwerdeführer junge Männer für einen Homosexuellen-Club angeworben habe, würdigte die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung im Lichte des nigerianischen Kontextes zu E-2074/2013 Seite 9 Recht als wirklichkeitsfremd. Schliesslich wurde das Ausreisedatum aus Nigeria in der Beschwerde a uf den 26. November 2012 festgelegt , und nicht – wie bisher – auf den 26. Oktober 2012 (A5 S. 6 und A16 S. 2). 6. Zusammenfassend stellt das Gericht bereits aufgrund einer summari- schen Prüfung fest, dass der Beschwerdeführer angesichts der fehlenden Plausibilität, der Unsubstantiiertheit und Widersprüchlichkeit seiner Aus- sagen die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Gemäss Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG ist jedoch auch dann auf ein Asylgesuch einzutreten, w enn sich aufgrund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur Feststellung eines Wegweisungsvollzugshindernisses (gemäss Praxis nur in Bezug auf Unzulässigkeit, vgl. BVGE 2009/50) nötig sind. Da im Falle des Beschwerdeführers – wie sich aus den nachfolgenden Erwä gungen ergibt – keine Unzulässigkeit vorliegt, erweisen sich diesbezügliche z u- sätzliche Abklärungen nicht als notwendig. Die Vorinstanz ist somit g e- stützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG zu Recht nicht auf das Asylgesuch eingetreten. 7. 7.1 Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Beschwerdeführer besitzt keine Au fenthalts- oder Niederlas sungs- bewilligung oder einen entsprechenden Anspruch, weshalb die Vorinstanz gestützt auf Art. 44 Abs. 1 AsylG zu Recht seine Wegweisung verfügt hat (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). E-2074/2013 Seite 10 8.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgege n- stehen. Da der Beschwerdeführer – worauf die Vorinstanz in ihrer Verf ü- gung zutreffend hinwies – die Flüchtlingseigenschaft ni cht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des A b- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs - und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]); Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 g e- gen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende B e- handlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten [EMRK, SR 0.101]. Aus den Aussagen der Beschwerdeführers und den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in sein Heimatland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der Wegweisu ng ist somit zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Eine Rückkehr nach Nigeria ist im Allgemeinen zumutbar. Den Akten sind auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass der B e- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Nigeria aus individuellen Grü n- den wirtschaftlicher und sozialer Natur in eine existenzbedrohende Situ a- tion geraten würde. Zwar macht er geltend, er habe seine Eltern früh ve r- loren und zum Rest seiner Familie keinerlei Kontakt. Aufgrund der darge- legten Unglaubhaftigkeit seiner Verfolgungsge schichte im Zusamme n- hang mit dem Master des Nachtclubs muss jedoch geschlossen werden, dass auch die Angaben betreffend seine Verwandtschaft nicht der Wahr- heit entsprechen. Es mag sein, dass seine Eltern verstorben sind, jeden- falls aber ist unbestritten, dass er sein ganzes bisheriges Leben in Nigeria verbrachte, womit davon auszugehen ist, dass er dort über ein tragfäh i- ges soziales Netz verfügt. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerde- führers erweist sich daher als zumutbar. E-2074/2013 Seite 11 8.4 Schliesslich obliegt es dem B eschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb de r Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt e i- ne Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 11. 11.1 Mit dem negativen Entscheid in der Hauptsache sind die prozessua- len An träge des Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, der vorsorglichen Anweisung an die zu ständige Behörde, die Kontaktauf- nahme mit den Behörden des Heimat - oder Herkunftsstaates sowie der Unterlassung jeglicher Datenweitergabe an diese gegenstandslos gewo r- den. Aus den Akten geht nicht hervor, dass dem Heimatstaat des B e- schwerdeführers Daten weitergegeben worden wären. 11.2 Da sich die Beschwerde aufgrund vorstehender Erwägun gen als aussichtslos darstellt, ist schliesslich auch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG a b- zuweisen. 12. Bei dies em Ausgang des Verfahrens sind die Kosten in der Höhe von Fr. 600.-- (Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-2074/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand: