B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5870/2017 U r t e i l v o m 2 7 . M a i 2 0 1 9 Besetzung Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richter William Waeber, Gerichtsschreiber Olivier Gloor. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 14. September 2017 / (…). E-5870/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess den Iran gemäss eigenen Angaben am 15. November 2015. Am 2. Dezember 2015 reiste er in die Schweiz ein suchte am gleichen Tag um Asyl nach. Am 14. Dezember 2015 wurde er zur Person befragt und am 19. Oktober 2016 vertieft zu seinen Asylgrün- den angehört. Aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes musste die An- hörung abgebrochen werden. Sie wurde am 4. November 2016 fortgesetzt. Am 15. Mai 2017 fand eine ergänzende Anhörung statt. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er stamme aus der Stadt B._______, wo auch seine Mutter und weitere Verwandte leben würden. Seit dem (…) 2014 sei er für die (…) als (…) tätig gewesen. Als im (…) 2015 von ihm verlangt worden sei, in den Syrienkrieg zu ziehen, habe er sich dem verweigert und sich gegenüber seinem Vorgesetzten verbal vom Islam abgewandt. Daraufhin sei er untergetaucht, die Behörden hätten ihn jedoch aufgespürt. Nach einem missglückten Flu chtversuch mit dem Auto sei er wegen Befehlsverweigerung und Beleidigung des Islams in Haft genommen worden. Während seines mehrmonatigen Gefängnisaufenthal- tes sei er misshandelt und vergewaltigt worden. Anlässlich eines Haftur- laubs, welcher ihm gegen Kaution gewährt worden sei, habe er das Land verlassen. Gemäss telefonischer Auskunft der Tante sei seine Mutter, die Kautionsgeberin, im (…) 2017 verhaftet worden. Während seines Aufent- halts in der Schweiz sei er zum Christentum konvertiert. Anlässlich der er sten Anhörung vom 19. Oktober 2016 reichte der Be- schwerdeführer ein Dokument betreffend seine Dispensation vom Militär- dienst, seine Geburtsurkunde, ein behördliches Schreiben, diverse Fotos, einen Taufschein sowie medizinische Berichte zu den Akten. Am 27. No- vember 2016 liess er dem SEM weitere Unterlagen zukommen. B. Am 18. Mai 2017 forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer dazu auf, insbesondere in Bezug auf die vorgebrachte Verhaftung der Mutter, seine eigene Festnahme sowie die geleistete Kaution geeignete Beweismittel zu beschaffen und einzureichen. C. Mit Schreiben vom 19. Juni 2017 erklärte der Beschwerdeführer gegenüber E-5870/2017 Seite 3 dem SEM, die Beschaffung weiterer Beweismittel sei nicht möglich. Er be- antrage eine Botschaftsabklärung. D. Das SEM forderte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 28. Juni 2017 ein weiteres Mal dazu auf, geeignete Beweismittel zu beschaffen und ein- zureichen. E. In seiner Antwort vom 31. Juli 2017 erklärte der Beschwerdeführer, der ira- nische Anwalt der Familie weigere sich, sein Man dat weiterzuführen. Die Beschaffung und Zustellung weiterer Beweismittel sei nicht möglich und er ersuche ein weiteres Mal um Durchführung einer Botschaftsabklärung. Weiter reichte er einen Arztbericht von «(…)» vom 10. Juli 2017 zu den Akten. F. Mit Verfügung vom 14. September 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll- zug der Wegweisung an. G. Mit Eingabe vom 16. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer gegen den Entscheid der Vorinstanz Beschwerde beim Bundesverwaltungsge- richt ein. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des Sachverhaltes sowie zur Neubegründung zurückzuweisen. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Sub- eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft an zuerkennen und die vorläu- fige Aufnahme anzuordnen. Sub -subeventualiter sei die Unzulässigkeit und sub-sub-subeventualiter die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzu- ges festzustellen. In prozessualer Hinsicht beantragt er, es sei Einsicht in das Aktenstück A3/8, eventualiter da s rechtliche Gehör sowie Ansetzung einer angemessenen Frist zur Beschwerdeergänzung zu gewähren. Weiter sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und er sei von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien. Eventualiter sei eine angemessene Frist zur Einreichung eines Gerichtskostenvorschusses an- zusetzen. E-5870/2017 Seite 4 H. Mit Zwischenverfügung vom 26. Oktober 2017 wies die Instruktionsrichte- rin die Gesuche um Einsicht in das Aktenstück A3/8, Gewährung des recht- lichen Gehörs und um Fristansetzung zur Beschwerdeergänzung ab, hiess das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter lud sie die Vorinstanz zur Ein- reichung einer Vernehmlassung ein. I. Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 8. November 2017 sinngemäss die Abweisung der Beschwerde und äusserte sich insbeson- dere zur Durchführung der Anhörungen sowie zur Beweismittelwürdigung. J. Am 14. November 2017 wurde dem Beschwerdeführer die Vernehmlas- sung des SEM zur Kenntnisnahme zugestellt. K. Mit Eingabe vom 23. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer diverse Fotos sowie eine Aufstellung von Internetlinks als Beweismittel zu den Ak- ten. L. Mit Eingabe vom 2. März 2018 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Aufstellung von Internetlinks sowie diverse Internetausdrucke und Screenshots als Beweismittel zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än- derung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vo rliegend anzuwendende Ge-E-5870/2017 Seite 5 setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom- men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich- nung verwenden wird. 2. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtli ngen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 4.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil- aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Begrün- deter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rück- kehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1). Dabei muss hinreichend Anlass zur Annahme bestehen, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab- sehbarer Zukunft verwirklichen – eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). E-5870/2017 Seite 6 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus- schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 5. Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht- lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand. Es sei nicht von vornherein auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer in Haft gewesen sei oder Schlimmes erlebt habe. Es sei aber nicht nach- vollziehbar, dass der militärisch nicht ausgebildete Beschwerdeführer zu einem Zeitpunkt, als vorwiegend Offiziere der iranischen Revolutionsgarde in Syrien eingesetzt worden seien, zwangsweise hätte rekrutiert werden sollen. Selbst wenn er sich gegenüber den Vorgesetzten dahingehend ge- äussert haben sollte, er sei kein Moslem, sei die befürchtete Verfolgung nicht glaubhaft. Er habe einerseits freiwillig ein Jahr als (…) nach den Vor- schriften des Islams die (…), andererseits sich nicht öffentlich negativ über den Islam geäussert. Er habe keine beweiskräftigen Unterlagen vorleg t. Zudem seien seine Aussagen zur Tätigkeit als (…), zur Befehlsverweige- rung und auch zur Haft unsubstantiiert, detailarm sowie ohne jegliche Re- alkennzeichen. Es sei ihm somit nicht gelungen, die Furcht vor einer Ver- folgung durch die iranischen Behörden glaubhaft zu machen. Schliesslich habe der Beschwerdeführer den in der Schweiz angenommen en christli- chen Glauben nicht in missionarischer Weise ausgeübt und es sei nicht davon auszugehen, die heimatlichen Behörden hätten von der Konversion Kenntnis erhalten. 6. In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer vorab geltend, mittels unkorrekter Datierung des Anhörungsprotokolls versuche die Vor - instanz zu verschleiern, dass die ursprüngliche Anhörung unter dramati- schen Umständen habe abgebrochen werden müssen und die Rücküber- setzung dieser ersten Anhörung erst zwei Wochen später erfolgt sei. Die Vorladung für die nächste Anhörung sei nicht dem Rechtsvertreter, sondern direkt ihm zugestellt worden. Entgegen dem Wortlaut der Vorladung, wel-E-5870/2017 Seite 7 che ihn lediglich zur Rückübersetzung aufgeboten habe, habe es sich tat- sächlich um eine Fortsetzung der Anhörung gehandelt. Weiter habe die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt. Sodann sei zwischen der Ein- reichung des Asylgesuchs und der Anhörung über ein Jahr vergangen und hätte das SEM zur vollständigen Abklärung des Sachverhaltes eine weitere Anhörung durchführen sowie eine Botschaftsabklärung veranlassen müs- sen. Die Vorinstanz habe den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt so- wie den Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt. Weiter bringt d er Beschwerdeführer vor, entgegen der Feststellung der Vorinstanz seien (…) längst vor dem September 20 15 nach Syrien ge- schickt worden. Dabei habe bereits der Iran-Irak Krieg gezeigt, dass solche Kämpfer als „Kanonenfutter“ hinhalten müssten und deren m ilitärische Ausbildung keine grosse Rolle spiele. Sofern die Vorinstanz dieser Rekru- tierungspraxis die Logik abspreche, handle es sich dabei um Drittverhalten, welches ihm nicht angelastet werden könne. Entgegen den vorinstanzli- chen Erwägungen könnten die Dienstverweigerung sowie die Abwendung vom Islam ohne Weiteres zu Haft und Folter führen. Sodann habe die Vorinstanz im Zusammenhang mit dem Vorwurf, seine Ausführungen zur geltend gemachten Furcht vor Verfolgung seien unsub- stantiiert und detailarm, in keiner Weise die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung berücksichtigt. Weiter müss- ten die frappanten Rechtsverletzungen bei der Durchführung der Anhörun- gen berücksichtigt werden. Auch das SEM gehe offensichtlich davon aus, er sei gefoltert worden, schenke jedoch den beschriebenen Umständen keinen Glauben. Trotz seiner Schwierigkeiten sei es ihm gelungen, detail- lierte und ausführliche Angaben zu machen. Bezüglich seiner Konversion zum christlichen Glauben sei festz uhalten, dass seine Mutter sowie seine Schwester darüber informiert seien und er sich durch sein kirchliches Engagement klar religiös exponiert habe. Die iranischen Behörden hätten mit höchster Wahrscheinlichkeit davon Kennt- nis erlangt, weshalb er bei einer Rückkehr verfolgt würde. Ausserdem könnte er seinen Glauben im Iran nicht mehr offen ausüben. Darüber hin- aus habe er sich exilpolitisch betätigt. 7. In ihrer Vernehmlassung vom 8. November 2017 führt die Vorinstanz aus, den Akten könne klar entnommen werden, dass die erste Anhörung unter-E-5870/2017 Seite 8 brochen worden und am 4. November 2016 in identischer Zusammenset- zung, jedoch ohne Protokollführer, abgeschlossen worden sei. Es liege keine Verschleierung vor. Anlässlich der fortgesetzten Anhörungen habe der Beschwerdeführer erklärt, dass er in der Lage sei, die Richtigkeit des Protokolls zu bestätigen. Es tre ffe zu, dass die Vorladung für die fortge- setzte Anhörung versehentlich nicht dem Rechtsvertreter, sondern direkt dem Beschwerdeführer zugestellt worden sei. Auf die Teilnahme der ergän- zenden Anhörung vom 15. Mai 2017 habe der Rechtsvertreter verzichtet. Die Forderung, die Vorinstanz hätte eine weitere Anhörung durchführen müssen, sei nicht nachvollziehbar. Weiter werde in der Beschwerde nicht dargelegt, welche Beweismittel unberücksichtigt geblieben seien. 8. Mit Schreiben vom 2. März 2018 teilt der Beschwerdeführer mit, er habe im Anschluss an die im Iran ausgebrochenen Proteste an Demonstrationen und Aktionen in der Schweiz teilgenommen. Darunter Falle auch eine Pro- testaktion (…) C._______, wobei das (…) mit (…). Diese Protesthandlun- gen seien im Iran in den sozialen Medien verbreitet worden. 9. 9.1 Die vom Beschwerdeführer erhobenen formellen Rügen der Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie der unrichtigen Sachverhaltserstellung sind vorab zu behandeln, da sie geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 9.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, der zeitliche Abstand zwischen der BzP und der Anhörung habe rund ein Jahr betragen und sei zu gross. Eine zeitnahe Anhörung ist durchaus wünschen swert. Gemäss konstanter Rechtsprechung ist daraus nicht auf eine Verletzung des rechtlichen Ge- hörs zu schliessen, zumal es sich dabei nicht um eine justiziable Verfah- renspflicht handelt (vgl. Urteil des BVGer E-1277/2018 vom 3. April 2018 E. 4.3). 9.3 Zum Vorbringen der unkorrekten Datierung des Anhörungsprotokolls ist festzuhalten, dass aus dessen Lektüre klar hervorgeht, dass die ursprüng- liche Anhörung vom 19. Oktober 2016 aus gesundheitlichen Gründen un- terbrochen werden musste und am 4. November 2016 fortgeführt wurde. Dass das Protokoll auf den 4. November 2016 datiert , ist zugegebener- massen nicht nachvollziehbar, jedoch kann darin kein Verschleierungswille der Vorinstanz erblickt werden. Ausserdem kann nicht festgestellt werden, E-5870/2017 Seite 9 dass die Wiedergabe der Gesche hensabläufe dadurch irgendwie ver- fälscht worden wäre. 9.4 Entgegen den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe wurde die An- hörung vom 19. Oktober 2016 mehrmals für Pausen von 15 bis 25 Minuten (SEM-Akten A15/28 nach F82, F160, F209 und F215) unterbrochen. Es ist sodann dokumentiert, dass der Beschwerdeführer erst gegen Ende der ersten Anhörung von Übelkeit geplagt war (a.a.O. F209) und einen disso- ziativen Anfall erlitt (a.a.O. nach F224) , welcher zum Abbruch der Befra- gung führte . Jedoch ist aufgrund des protokollierten Aussageverhaltens des Beschwerdeführers nicht davon auszugehen, er sei anlässlich der ers- ten Anhörung grundsätzlich nicht befragungsfähig gewesen. Bis zum er- wähnten Anfall war er durchaus in der Lage , Fragen zu beantworten und seine Schilderungen vorzutragen. Die vereinzelt aufgetretenen Gedächt- nislücken und gelegentlichen Erklärungen, er könne über gewisse Dinge nicht sprechen, vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Auch die zur Beobachtung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerkver- tretung sah sich zu keinen Einwänden oder Anregungen zum Gesprächs- verlauf veranlasst (vgl. a.a.O., letzte Seite). Anlässlich der fortgesetzten Anhörung bestätigte der Beschwerdeführer die Richtigkeit und Vollständig- keit der ersten Anhörung (vgl. a.a.O., S. 22). Weiter wurde am 15. Mai 2017 eine ergänzende Anhörung durchgeführt, an welcher der Beschwerdefüh- rer seine Ausführungen im Wesentlichen wiederholte. 9.5 Aufgrund des Umstandes, dass die Vorladung für die Anhörung vom 4. November 2016 nicht dem Rechtsvertreter, sondern dem Beschwerde- führer zugestellt wurde (vgl. Art. 11 Abs. 3 VwVG), sind Letzterem keine ersichtlichen Nachteile erwachsen. Es wäre vorliegend ohne Wei teres möglich gewesen, nach Kenntnis des Zustellungsmangels innert nützlicher Frist die ordnungsgemässe Zustellung zu verlangen, wofür jedoch offen- sichtlich kein Bedarf bestand (vgl. dazu VERA MARANTELLI / SAID HUBER, in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, N. 30 zu Art. 11 VwVG). Im Übrigen hat der Rechtsvertreter an der Anhö- rung vom 19. Oktober 2016 nicht teilgenommen, obwohl der zu diesem Zeitpunkt vom Beschwerdeführer bereits mandatiert war. Es trifft sodann zu, dass die Vorladung für die fortgesetzte Anhörung vom 4. November 2016 lediglich erwähnt, dass anlässlich dieses Termins die Rückübersetzung sowie die Unterzeichnung des Protokolls erfolgen soll, jedoch die eigentliche Fortsetzung der Anhörung nicht erwähnt wird. Eine E-5870/2017 Seite 10 transparente Verfahrensführung gebietet im Grundsatz, dass der Gesuch- steller über die Vorladungsgründe vollständig informiert wird, soweit dies dem Vorladungszweck nicht entgegensteht (vgl. für den Strafprozess Art. 201 Abs. 2 lit. c der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Insofern weist die Vorladung vom 25. Oktober 2016 einen in- haltlichen Mangel auf. Aufgrund der Umstände, insbesondere der Tatsa- che, dass die erste Anhörung unterbrochen werden musste, war für den Beschwerdeführer jedoch durchaus ersichtlich, dass die Asylbehörden wei- tere Informationen erheben würden. Sodann wurde die Fortsetzung der An- hörung weder anlässlich des Termins selber, noch zu einem späteren Zeit- punkt gegenüber dem SEM beanstandet. Weiter ist dem Protokoll auch nicht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer durch die Fortsetzung der Befragung in irgendeiner Art überrumpelt worden wäre, welche ihm die ver- nünftige und kohärente Beantwortung der gestellten Fragen verunmöglicht hätte. Sodann ist nicht ersichtlich, dass die Befragungsfähigkeit an dieser fortgesetzten Anhörung in irgendeiner Weise eingeschränkt gewesen wäre. Die Mängel der Vorladung sind insgesamt nicht derart gravierend, dass sie die Verfahrensrechte des Beschw erdeführers in einer relevanten Weise tangiert hätten. 9.6 Anlässlich der Rückübersetzung erklärte der Beschwerdeführer, er fühle sich grundsätzlich im Stande, diese durchzuführen (a.a.O. F225). Be- vor er seine Unterschrift leistete, brachte er diverse Anmerkun gen an (a.a.O. S. 21 und S. 22). Weshalb die Durchführung der Rückübersetzung zwölf Arbeitstage nach der Anhörung nicht möglich sein soll, wie er in der Rechtsmitteleingabe nun geltend macht, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht substantiiert dar gelegt. Namentlich gilt festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer mit der Ambulanz abtransportiert werden musste, mithin die Rückübersetzung nicht bereits in den nächsten zwei, drei Tagen ange- zeigt war. Überdies mussten derselbe Befrager, Dolmetscher und Hilfs- werksvertreter aufgeboten werden. Schliesslich dient die Rückübersetzung dazu, zu überprüfen, ob die eigenen Aussagen vom Dolmetscher richtig verstanden und übersetzt wurden. Da es dabei um die Wiedergabe selbst Erlebtem geht, ist eine solche Überprüfung auch nach insgesamt 16 Tagen möglich. Eine Verletzung der Verfahrensrechte des Be schwerdeführers kann nicht erblickt werden. Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Ge- hörs ist insoweit unbegründet. E-5870/2017 Seite 11 9.7 Am 19. Oktober 2016 und 4. November 2016 wurden vertiefte Anhö- rungen zu den Fluchtgründen und am 15. Mai 2017 eine ergänzende An- hörung durchgeführt. Soweit in der Rechtsmitteleingabe geltend gemacht wird, aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes wäre eine weitere Anhö- rung geboten gewesen, ist nicht ersichtlich, welchen zusätzlichen Erkennt- nisgewinn ein solches Vorgehen gebracht hätte. Dies wird in der Rechts- mitteleingabe auch nicht dargelegt. Es ist daher nicht ersichtlich, wozu eine erneute Befragung dienen sollte, weshalb der entsprechende Antrag abzu- weisen ist. Soweit der Beschwerdeführer weiter vorbringt, aufgrund der Umstände hätte sich eine Botschaft sabklärung zwingend aufgedrängt, ist festzuhal- ten, dass die im Verwaltungsverfahren geltende Untersuchungsmaxime (vgl. Art. 12 Abs. 1 VwVG) nicht so zu verstehen ist, dass die Behörden nach der Existenz sämtlicher vom Gesuchsteller behaupteten Tatsachen zu forschen hätten. Insbesondere findet der Grundsatz seine Schranken in der Mitwirkungspflicht (Art. 13 VwVG; Art. 8 AsylG) sowie dem Erfordernis des Glaubhaftmachens der Fluchtgründe durch den Gesuchsteller (Art. 7 AsylG). Der Beschwerdeführer konnte als einzigen Hinweis für eine mögliche Verfolgung durch die iranischen Behörden ein staatsanwaltliches Schreiben vorlegen, welches festhält, der durch die Polizei (…) werde an diese zurückgegeben (SEM-Akten A12/1, Beweismittel 3-5). Gemäss der beiliegenden Übersetzung nennt das Schreiben weder die Person des (…), den Grund des Polizeieinsatzes, noch das Datum des Vorfalles. Die Vo- rinstanz hält zu Recht fest, dass unter anderem aufgrund des angeblichen Gefängnisaufenthaltes, der anschliessenden Beurlaubung sowie der Kau- tionsleistung aussagekräftigere Beweismittel vorhanden sein müssten. Der Beschwerdeführer hätte bis zur angeblichen Verhaftung seiner Mutter über ein Jahr Zeit gehabt, solche aussagekräftigen Unterlagen aus seinem Hei- matland zu beschaffen. Vor diesem Hintergrund ist der Entscheid des SEM, auf eine Botschaftsabklärung zu verzichten, nicht zu beanstanden und der entsprechende Antrag abzuweisen. Damit hat die Vorinstanz weder die Untersuchungsmaxime noch die Pflicht zur sorgfältigen Sachverhaltsabklärung verletzt hat. Die Rüge erweist sich als unbegründet. 9.8 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung der Begründungs- pflicht. Aus der angefochtenen Verfügung sei nicht ersichtlich, dass die An- hörung hätte unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt weitergeführt werden müssen. Dieser Einwand trifft zu. Allerdings zeigt die Beschwerde E-5870/2017 Seite 12 selbst, dass eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt nicht vor. 9.9 Das Akteneinsichtsgesuch wurde schliesslich bereits mit Zwischenver- fügung vom 26. Oktober 2017 abgelehnt und es kann auf die dort enthal- tenen Erwägungen verwiesen werden. Weiter ist festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist, inwiefern das SEM eingereichte Beweismittel ignoriert haben soll. Dies wird in der Rechtsmitteleingabe auch nicht substantiiert darge- legt. Die Rüge geht fehl. 9.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die formellen Rügen als unbegründet erweisen, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache deswegen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der ent- sprechende Antrag ist abzuweisen. 10. 10.1 In der Rechtsmitteleingabe rügt der Beschwerdeführer weiter, die Vorinstanz habe den Massstab des Glaubhaftmachens nicht richtig ange- setzt, mithin Art. 7 AsylG nicht richtig angewendet. Ebenfalls rügt er, die Vorinstanz habe ihn zu Unrecht nicht als Flüchtling anerkannt. 10.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Vorinstanz es nicht als erwiesen er- achtet, dass der Beschwerdeführer inhaftiert und misshandelt wurde. Viel- mehr führte sie in der angefochtenen Verfügung aus, es sei nicht von vorn- herein auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer im Iran in Haft gewe- sen sei oder traumatisierende Erlebnisse hatte. Die G esamtwürdigung führe indes zum Schluss, dass die geltend gemachte Asylbegründung in einer Gesamtschau als nicht glaubhaft zu erachten sei. 10.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Gesundheitszustand sei bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussag en zu berücksichti- gen. Zunächst ist festzuhalten, dass die gesundheitliche Verfassung des Beschwerdeführers, insbesondere der Zusammenbruch anlässlich der ers- ten Anhörung, keine verlässlichen Rückschlüsse auf die angeblichen Vor- fälle in seinem Heimatland z ulässt. Dies unter anderem deshalb, weil ge- mäss den medizinischen Berichten des (…) C._______ vom 22. Januar 2016 sowie vom 19. Oktober 2016 zu entnehmen ist, dass der Beschwer- deführer bereits seit dem Jahre 2013 – und somit noch vor den angeblichen Folterungen während seines geltend gemachten Gefängnisaufenthaltes im Jahre 2015 – an dissoziativen Anfällen leide (vgl. SEM -Akten A12/1, Be- weismittel 9 sowie A16/13). Hinzu kommt, dass zumindest der Bericht der E-5870/2017 Seite 13 (…) C._______ vom 22. Februar 2017 festhält, die Diagnose Posttrauma- tische Belastungsstörung könne beim Beschwerdeführer nicht gestellt wer- den (vgl. SEM-Akten A12/1, Beweismittel 9). Die gesundheitlichen Beein- trächtigungen stellen deshalb kein Indiz für die Glaubhaftigkeit seiner Schil- derungen dar. Entgeg en seinen Vorbringen ist nicht von offensichtlichen Misshandlungen im Heimatland auszugehen und es kann auch nicht fest- gestellt werden, die Vorinstanz hätte solche explizit anerkannt. 10.4 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung unter Verweis auf das Urteil E-3459/2016 des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Ja- nuar 2017 zum Schluss, die vom militärisch unerfahrenen Beschwerdefüh- rer geltend gemachte Rekrutierung für den Kampf in Syrien sei zu bezwei- feln. Im zitierten Urteil wurde festgestellt, freiwillige Kämpfer der (…) seien ab September 2015 nach Syrien gesendet worden. Der Beschwerdeführer macht geltend, man habe ihn bereits im Februar 2015 rekrutieren wollen. Soweit er unter Verweis auf den eingereichten Länderbericht «Iran-Report 04/17 Heinrich Böll Stiftung» geltend macht, Mitglieder der (…) seien be- reits vor September 2015 in den Krieg entsandt worden, lässt sich dies der angegebenen Stelle nicht entnehmen. Vielmehr wird dort insbesondere über die Rekrutierung ausländischer Kämpfer berichtet. Ausserdem ist der im Urteil zitierten Quelle zu entnehmen, dass aufgrund des grossen An- drangs an Freiwilligen nur militärisch ausgebildete und erfahrene Bewerber für den Einsatz in Syrien berücksichtigt wurden (vgl. Foreign Policy [FP], Iran has more volunteers for the Syrian war than it knows what do with, Mai 2016, <https://foreign-policy.com/2016/05/12/iran-suleimani-basij-irgc-as- sad-syria/>; besucht am 6. Mai 2019). Insofern bestehen Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers, da sich seine Ausführungen nicht mit dem zeitlichen und persönlichen Rahmen der beschriebenen Rekrutie- rungspraxis decken. 10.5 Weiter ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer weder einen di- rekten Nachweis für seine Mitgliedschaft bei der (…), seinen Gefängnis- aufenthalt, noch betreffend die damit zusammenhängende Kautionsleis- tung zu liefern vermag. Die diesbezügliche Erklärung, der Anwalt der Mut- ter habe den Kontakt abgebrochen, vermag nicht zu befriedigen, hätte der Beschwerdeführer doch schon vor deren angeblichen Verhaftung über ein Jahre Zeit gehabt, aussagekräftige Beweismittel zu organisieren (vgl. E. 9.7). Das eingereichte Justizdokument sowie die beigelegten Fotos weisen keinen direkten Bezug zum Beschwerdeführer auf und geben auch keine Auskunft über die Ursache des dokumentie rten Polizeieinsatzes. Ferner weist das Dokument keine nennenswerten Sicherheitsmerkmale auf. E-5870/2017 Seite 14 10.6 Bezüglich des geltend gemachten Gefängnisaufenthaltes beschrieb der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung auf Frage hin die Gefäng- niszelle, die Besucher regelung und die allgemeine Tagesstruktur (vgl. SEM-Akten A15/28 F177 -F190). Konkreten Fragen bezüglich Mitin- sassen, Wachpersonal, Beschreibungen und eigener Tagesgestaltung wich er aus oder gab an, nicht darüber sprechen zu können (vgl. SEM - Akten A15/25 F178, F182, F183 sowie F190). Dadurch gelingt es ihm nicht, diesen zentralen Punkt seiner Asylvorbringen glaubhaft zu machen. Soweit er vorbringt, es sei ihm aufgrund seiner Traumatisierung nicht möglich über gewisse Dinge zu sprechen, vermag dies am Beweismass des Glaubhaft- machens von Art. 7 AsylG und an der daraus fliessenden Beweisfolgenlast letztlich nichts zu ändern. Dasselbe gilt für das Vorbringen, es sei ihm auf- grund seines Gesundheitszustandes nicht möglich gewesen, ein kohären- tes Bild der Geschehni sse zu zeichnen (zur Befragu ngsfähigkeit vgl. be- reits E. 9.4 und E. 9. 5). Im Rahmen d er ergänzenden Anhörung vom 15. Mai 2017, welche ohne gesundheitlichen Zwischenfälle durchgeführt werden konnte, erhielt der Beschwerdeführer im Übrigen nochmals Gele- genheit, sich ausführlich zu seinen Fluchtgründen zu äussern. Schliesslich vermag der Beschwerdeführer mit dem Wiederholen seiner Vorbringen und dem Festhalten an deren Tatsächlichkeit nicht substantiiert darzulegen, in- wiefern die Vorinstanz zu Unrecht auf Unglaubhaftigkeit geschlossen hat. 10.7 Nach dem Ausgeführten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine geltend gemachten Vorfluchtgründe im Ergebnis nicht glaubhaft ma- chen kann. 11. 11.1 Hinsichtlich der in der Rechtsmitteleingabe geltend gemachten Kon- version zum Christentum und der exilpolitischen Tätigkeit in der Schweiz ist das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu prüfen (vgl. dazu E. 4.2). 11.1.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist bei ei- nem Glaubenswechsel dann von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ge- fahr vor Verfolgung auszugehen, wenn die Konversion aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeit den heimatlichen Behörden bekannt ist und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversionen im Ausland muss bei der Prüfung im Einzelfall neben der Glaubhaftigkeit der Konversion auch E-5870/2017 Seite 15 das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit für die betroffene Person in Be- tracht gezogen werden (vgl. Urteil des BVGer D-3445/2018 vom 29. März 2019 E. 5.4.3. m.w.H.). Weiter ist allgemein bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Ausland überwachen und erfassen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist dabei davon auszuge- hen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Perso- nen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrigprofilierten Er- scheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). 11.1.2 Den Akten lässt sich entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer am (…) 2016 taufen liess und er seither regelmässig an kirchlichen Veran- staltungen teilnimmt, wobei er auch bei den Vorbereitungen und den Auf- räumarbeiten mithilft sowie allgemeine Freiwilligendienste leistet . Diese Glaubensbetätigung stellt keine flüchtlingsrechtlich relevante Tätigkeit im beschriebenen Sinne dar. Die Furch t vor einer Denunziation durch seine Angehörigen (Mutter und Schwester) scheint sodann unbegründet, da diese sich gemäss seinen Angaben nicht negativ zu seinem Glaubens- wechsel geäussert haben (vgl. SEM -Akten A15/28 F238). Es bestehen keine Anzeichen dafür, dass die iranischen Behörden von der christlichen Glaubensausübung Kenntnis genommen hätten. 11.1.3 Aufgrund der vorliegenden Angaben ist davon a uszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in der Schweiz an vier exilpolitischen Veranstal- tungen beteiligt hat. Zwei davon fanden (…) C._______ statt, wobei der Beschwerdeführer (…). Offensichtlich existieren Bilder und Videoaufnah- men im Internet, auf welchen der Beschwerdeführer als Teilnehmer der Ak- tionen zu sehen ist. Bereits aufgrund der Anzahl der vom Beschwerdefüh- rer besuchten Veranstaltungen kann nicht von einer erheblichen politi- schen Betätigung gesprochen werden. Auch wenn der Beschwerdeführer auf einigen Bildern als Darsteller einer Protestaufführung zu sehen ist, ist dadurch noch nicht von einer Exponiertheit auszugehen, welche ihn als besondere Gefahr für das iranische Regime erscheinen lässt. Dasselbe gilt für die geltend gemachte (…), deren politische Bedeutung eher als nieder- schwellig einzustufen ist. Auf dem diesbezüglichen Bildmaterial ist der Be- schwerdeführer zudem nicht zu erkennen. Auch macht er nicht geltend, er E-5870/2017 Seite 16 sei während der (…) durch (…) worden. Die übrigen Aufnahmen zeigen ihn als gewöhnlichen Demonstrationsteilnehmer. Weiter ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer seit März 2018, mithin seit 14 Monaten, nicht mehr exilpolitisch t ätig war beziehungsweise im Rahmen seiner Mitwirkungs- pflicht (Art. 8 AsylG) keine weiteren Belege für sein exilpolitisches Engage- ment eingereicht hat. Es drängt sich mithin der Eindruck auf, das politische Engagement bezwecke insbesondere die Chancen auf ein Aufenthalts- recht in der Schweiz zu erhöhen. Nach Praxis des Bundesverwaltungsge- richts kann davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheits- behörden zu unterscheiden vermögen zwischen tatsächlich politisch enga- gierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chance auf ein Aufenthaltsrecht zu erhö hen versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). Auch wenn nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, dass die Sicher- heitsdienste von den exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers Notiz genommen haben, ist aufgrund des Ausgeführten nicht anzunehmen, dass er in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise in den Fokus der heimatli- chen Behörden geraten wäre. 11.1.4 Da den religiösen und politischen Betätigungen des Beschwerde- führers in der Schweiz aufgrund deren Niederschwelligkeit auch in ihrer Kombination kein flüchtlingsrechtlich relevantes Ausmass zu attestieren ist, ist das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen im Ergebnis zu ver- neinen. 12. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Flüchtlingsei- genschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneinte und sein Asylgesuch ablehnte. 13. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge- such abweist oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 14. E-5870/2017 Seite 17 14.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsv ollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis- standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 14.2 Nach Art. 83 Abs. 4 A IG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ni cht anwendbar. Die Zu- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche o der erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er- geben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wah rscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre. Insbesondere vermag der Beschwerdeführer kein „real risk“ im Sinne der massgeblichen Rechtsprechung darzutun, zumal die blosse Möglichkeit einer mensc henrechtswidrigen Behandlung nicht ausreicht (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124 ff. m.w.H.). Der EGMR geht ebenfalls davon aus, dass eine möglicherweise drohende Verletzung von Art. 3 EMRK je- weils aufgrund der persönlichen Situation des Beschwerdeführers zu beur- teilen ist. Die Berichte über schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen im Iran begründen für sich allein noch keine Gefahr einer unmenschlichen Behandlung (vgl. Urteil des EGMR S.F. et al. gegen Schweden vom 15. Mai 2012, 52077/10, §§63 f.; vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer D -830/2016 vom 20. Juni 2016.). Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig. E-5870/2017 Seite 18 14.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Die allgemeine Lage im Iran ist weder durch Krieg, Bürgerkrieg noch durch eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, weshalb diesbezüglich keine Vollzugshindernisse vorliegen. In Bezug auf die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs zu schliessen ist, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes führt (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Die Vorinstanz hat bereits zutreffend ausgeführt, dass der Heimatstaat des Beschwerdeführers über eine aus- reichende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. dazu auch Urteile des BVGer D-3834/2014 vom 27. November 2014 oder D -5456/2014 vom 15. Oktober 2014 sowie Home Office, Country Policy and Information Note Iran: Background information, including actors of protection and internal relocation, S. 63 und 64, <https://assets.publishing.service.gov.uk/govern- ment/uploads/system/uploads/attachment_data/file/ 741321/Iran_ -_Back- ground_-_CPIN_-_v5.0__September_2018_.pdf>; abgerufen am 8. Mai 2019). Weiter wurde bereits zutreffend auf die Möglichkeit der medizini- schen Rückkehrhilfe hingewiesen. Schliesslich hat der Beschwerdeführer im Iran mit seinen – zwar getrennt- lebenden – Eltern sowie zahlreichen Onkel und Tanten ein hinreichendes soziales Beziehungsnetz. Sodann verfügt er über eine n (…) Schulab- schluss sowie über mehrjährige Arbeitserfahrung als Selbständigerwer- bender im (…). Es ist davon auszugehen, dass ihm mit den ihm zumutba- ren Anstrengungen die soziale sowie wirtschaf tliche Wiedereingliederung gelingen wird. Der Vollzug der Wegweisung ist auch in individueller Hin- sicht als zumutbar zu erachten. 14.4 Der Wegweisungsvollzug ist als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG). Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen irani- schen Vertretung die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12). E-5870/2017 Seite 19 14.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 15. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig s o- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 16. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Beschwerde ge- stellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wurde jedoch mit Zwischenverfügung vom 26. Oktober 2017 gutgeheissen, womit der Beschwerdeführer von der Kostentragungspflicht befreit ist. (Dispositiv nächste Seite) E-5870/2017 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Barbara Balmelli Olivier Gloor