Seite 1 Entscheid vom 7. September 2018 (530 18 21) __________________________________________________ ___________________ Behinderungsbedingte Liegenschaftsverwaltungskosten Besetzung Steuergerichtspräsident A. Zähndler, Geri chtsschreiberin i.V. P. Blank Parteien A.____ , vertreten durch Kellerhals Carrard , Marco Sibold, Advokat, Hirschgässlein 11, Postfach 257, 4010 Basel Beschwerdeführer gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin betreffend direkte Bundessteuer 2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Pflichtige ist Eigentümer eines vermieteten Einfam ilienhauses in B.____. Mit Entscheid der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) C.____ vom 3. Februar 2015 wurde für den Steuerpflichtigen eine Vertretungsbeistandschaft mit Ve rmögensverwaltung gemäss Art. 394 i.V.m. Art. 395 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) errichtet. Mit Entscheid vom 12. Oktober 2016 hat die KESB dem Beistand zulasten des Pflich- tigen eine Entschädigung von Fr. 17‘704.55 zugesprochen. Mit Veranlagungsverfügung der direkten Bundessteuer 20 16 vom 18. Mai 2017 wurde die als behinderungsbedingte Kosten deklarierte Beistandsentsch ädigung nur zur Hälfte zum Abzug zugelassen. Zur Begründung führte die Steuerverwaltung aus, dass erneut keine Aufteilung der Beistandsentschädigung in Liegenschafts- und Vermögensverw altung erfolgt sei, obwohl der Steuerpflichtige bereits mit Veranlagungsverfügung der direkten Bundessteuer 2015 vom 19. Januar 2017 darauf hingewiesen worden sei. Daher werde die Aufteilung von Amtes wegen vorgenommen: Die Hälfte der Kosten, ausmachend Fr. 8‘85 2.--, würden auf die Liegenschafts- verwaltung entfallen, welche als Liegenschaftsunterhal tskosten abziehbar seien, aber vom Pauschalabzug von Fr. 20‘179.-- konsumiert würden. Die andere Hälfte würde zu 60%, ausma- chend Fr. 5‘312.--, als Vermögensverwaltungskosten und zu 40%, ausmachend Fr. 3‘540.--, als behinderungsbedingte Kosten qualifiziert und somit zum Abzug zugelassen. B. Mit Eingabe vom 31. Mai 2017 erhob der Beistand des P flichtigen Einsprache und beantragte, die gesamte Beistandsentschädigung von Fr. 17‘705.-- sei unter dem Titel der behinderungsbe- dingten Kosten zum Abzug zuzulassen. In der Rubrik Bemer kungen der Steuererklärung sei bereits dargelegt worden, dass der Steuerpflichtige sein e Liegenschaft ohne Behinderung sel- ber verwalten könnte und würde; die Liegenschaft wer de im Rahmen des erwachsenenschutz- rechtlichen Mandats vom Beistand verwaltet, sodass es sich um behinderungsbedingte Kosten handle und sich eine Aufteilung derselben erübrige. Mit abweisendem Einspracheentscheid vom 11. April 2018 erklärte die Steuerverwaltung, der Nachweis für eine andere als die von ihr vorgenommene K ostenaufteilung sei nicht erbracht worden. C. Mit Beschwerde vom 9. Mai 2018 beantragte der Vertret er des Pflichtigen, es seien zusätzlich behinderungsbedingte Kosten von Fr. 8‘853.-- zum Abzug zuzulassen, da die Liegenschafts- verwaltung durch die KESB an einen Beistand delegiert worden sei. Diese Kosten seien somit kausale Folge der Behinderung und als Assistenzkosten vollumfänglich abzugsfähig. Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2018 beantragte die S teuerverwaltung die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, der Kausalzusa mmenhang der angefallen Kosten mit der Behinderung sei nicht erbracht worden. Weiter sei dem Beschwerdeführer bei den Lie- genschaftskosten der Pauschalabzug gewährt worden, worin d ie Liegenschaftsverwaltungskos- ten bereits mitenthalten seien. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest. Seite 3 Erwägungen: 1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zu- ständig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 1 3. Dezember 1994 (VV DBG; SGS 336.21) i.V.m. § 129 Abs. 1 des Gesetzes vom 7. Febr uar 1974 über die Staats- und Ge- meindesteuern (Steuergesetz, StG; SGS 331) Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 2’000.-- nicht übersteigt , vom Präsidenten des Steuergerichts als Einzelrichter beurteilt werden. Da die in formeller H insicht an eine Beschwerde zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist auf das Rechtsmittel einzutreten. 2. Gegenstand des Verfahrens ist die mit der Führung der Beistandschaft zusammenhängende Kostenentschädigung für die Liegenschaftsverwaltung. Streitig und zu prüfen ist, ob die geltend gemachten Liegenschaftsverwaltungskosten als behinderungs bedingte Kosten zusätzlich, ne- ben der Liegenschaftsunterhaltspauschale, zum Abzug zugelassen werden können. Der Vertreter des Beschwerdeführers macht geltend, der Steuerpflichtige sei aufgrund seiner Behinderung nicht urteilsfähig und deshalb auch nich t in der Lage, einfachste Tätigkeiten aus- zuführen, bei denen kognitiven Fähigkeiten verlangt seien. Aufgrund seiner Behinderung sei die Verwaltung durch die KESB an einen Beistand delegiert worden. Die geltend gemachten Kos- ten seien eine kausale Folge der Behinderung und dah er als Assistenzkosten vollumfänglich abzugsfähig. Würde es sich bei den Kosten nicht gesamt haft um behinderungsbedingte Kosten handeln, hätte die KESB keine Entschädigung zugesprochen. Die Kosten des Beistands für die Liegenschaftsverwaltung seien deshalb als behinderung sbedingte Kosten abzugsfähig; nur wenn neben dem behinderungsbedingten auch nicht behin derungsbedingter Unterhalt ausge- führt werde, sei letzterer nur als Liegenschaftsunterha lt abzugsfähig. Schliesslich führe die An- sicht der Steuerverwaltung zu einer Benachteiligung vo n behinderten gegenüber gesunden Steuerpflichtigen; letztere könnten ihre Liegenschaft selber verwalten, weshalb sie ohne effekti- ve Kosten den Pauschalabzug voll beanspruchen könnten. Die Beschwerdegegnerin stellt sich dagegen auf den Standpunkt, der Unterhaltspauschalabzug für Liegenschaften umfasse bereits sämtliche Verwaltungskost en und es käme zu einem dop- pelten Abzug, wenn zusätzlich zum Pauschalabzug für den L iegenschaftsunterhalt auch Lie- genschaftsverwaltungskosten als behinderungsbedingte Kosten zum Abzug zugelassen wür- den. 3. 3.1 Gemäss Art. 33 DBG werden von den gesamten steuerbaren Einkünfte die zu ihrer Erzie- lung notwendigen Aufwendungen sowie die allgemeinen Abzüge abgezogen. Vom Rohein- kommen abgezogen werden können zunächst jene Aufwendunge n, welche mit der Erzielung der steuerbaren Einkünfte in einem Zusammenhang stehe n; durch die Berücksichtigung dieser sog. Gewinnungskosten wird die objektive Leistungsfähig keit des Steuerpflichtigen bestimmt (vgl. SCHWEIGHAUSER in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steue rgesetz des Kantons Basel-Landschaft, § 29 N 1 m.w.H.; R EICH /V ON AH/B RAWAND in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, 3. A ufl. 2017, Art. 9 N 1 ff.). So können bei Liegenschaften im Privatvermögen gemäss Art. 32 Abs. 2 Sa tz 1 DBG Unterhaltskosten, die Kosten der Instandstellung von neu erworbenen Liegenschaften, die Versicherungsprämien und die Kosten der Verwaltung durch Dritte abgezogen werd en, wobei der Steuerpflichtige gemäss Art. 32 Abs. 4 DGB für jede Steuerperiode anstelle der tatsächlichen Kosten und Prämien einen Seite 4 Pauschalabzug geltend machen kann. Daneben sind in Art. 33 DBG die sog. allgemeinen Ab- züge aufgeführt, welche zumeist aus ausserfiskalischen Überle gungen zum Abzug zugelassen sind (vgl. S CHWEIGHAUSER , a.a.O., § 29 N 2; vgl. dazu auch REICH /V ON AH/B RAWAND , a.a.O., Art. 9 N 21). Sie dienen neben den Sozialabzügen und Freibeträgen der Berücksichtigung der subjektiven Leistungsfähigkeit (vgl. SCHWEIGHAUSER , a.a.O., § 33 N 1 m.w.H.). Zu diesen allgemeinen Abzüge gehören u.a. die behinde rungsbedingten Kosten des Steuer- pflichtigen und der von ihm unterhaltenen Personen mi t Behinderung im Sinne des Bundesge- setzes vom 13. Dezember 2002 über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen (Behindertengleichstellungsgesetz, BehiG; SR 151.3), soweit der Steuerpflichti- ge die Kosten selber trägt (vgl. Art. 33 Abs. 1 lit. hbis DBG). 3.2 Unter die steuerlich abziehbaren Liegenschaftsunterhaltskosten gemäss Art. 32 Abs. 2 DBG fallen sowohl die Unterhaltskosten i.e.S., die dazu d ienen, den Nutzungswert der Liegenschaft zu erhalten, als auch die Betriebs- und Verwaltungskoste n (vgl. ZWAHLEN /L ISSI in: Zwei- fel/Beusch [Hrsg.] Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direk- te Bundessteuer, 3. Aufl. 2017, Art. 32 N 10 ff.). D ie Verwaltungskosten sind Aufwendungen, die durch echte Fremdverwaltung von Drittpersonen entst ehen (vgl. S CHWEIGHAUSER , a.a.O., § 29 N 123; ZWAHLEN /L ISSI , a.a.O., Art. 32 N 2 und N 23). Wie vorgängig erläutert, ist bei den Unterhaltskosten d ie Geltendmachung eines Pauschalab- zugs möglich. Mit dem Pauschalbetrag sind grundsätzlich al le ordentlichen Kosten, wie Unter- haltskosten, Versicherungsprämien, Drittverwaltungskosten, Energie- und Umweltschutzmass- nahmen abgegolten; zusätzlich zum Pauschalabzug kann die steuerpflichtige Person die (effek- tiven) Kosten für denkmalpflegerische Arbeiten geltend machen (vgl. R ICHNER /F REI / KAUFMANN /M EUTER , Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl. 2013, § 30 N 30 m.H.a. Der Steuerentscheid [StE] 1991 B 27.7 Nr. 9; vgl. dazu auch Z WAHLEN /L ISSI , a.a.O., Art. 32 N 31). Es handelt sich dabei um eine Ausnahme des Grund satzes der Nichtkumulierbarkeit von Effektiv- und Pauschalabzug, der rechtspolitische Motive un d Billigkeitserwägungen zugrunde liegen (vgl. Entscheid der Steuerrekurskommission Zürich vom 29. Juni 1990, E. 2 lit. a, in: StE 1991 B 27.7 Nr 9). Der Grundeigentümer, der im Interesse der Allgemeinheit Kosten für den Schutz von Natur und Heimat übernimmt, soll steuer lich keine Nachteile erleiden; er soll vielmehr ermuntert werden, dem Gemeinwesen bei der Er füllung des Verfassungsauftrags von Art. 24 sexties der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaf t vom 18. April 1999 (BV; SR 101) zu helfen (vgl. ZWAHLEN /L ISSI , a.a.O., Art. 32 N 29). Vor allem wenn mit sozialpoli- tisch motivierten Abzügen versucht wird, Anreize zu einem gesellschaftspolitisch erwünschten Verhalten zu vermitteln, gerät der Gesetzgeber oftmals in Konflikt mit dem Leistungsfähigkeits- prinzip (R EICH /V ON AH/B RAWAND , a.a.O., Art. 9 N 22). 3.3 Als behinderungsbedingte Kosten gelten die notwendig en Aufwendungen, die als kausale Folgen der Behinderung entstehen und nicht Lebenshalt ungskosten oder Luxusabgaben dar- stellen. Zu den Lebenshaltungskosten sind die Aufwendungen zu zählen, die zur Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse dienen. Darunter fallen d ie üblichen Kosten für Nahrung, Klei- dung, Unterkunft, Gesundheitspflege, Freizeit und Ver gnügen. Luxusausgaben sind Aufwen- dungen, die den Rahmen üblicher und notwendiger Massna hmen übersteigen, nur aus Grün- den der persönlichen Annehmlichkeit anfallen oder be sonders kostspielig sind, wie bspw. die Anschaffung eines Renn-Rollstuhls oder der Einbau eines Schwimmbads (vgl. zum Ganzen Kreisschreiben Nr. 11 der ESTV vom 31. August 2005 [KS Nr. 11], Ziff. 4.2). Das KS Nr. 11 bezeichnet u.a. Assistenzkosten, Kosten für H aushaltshilfen und auch etwa Transport- und Fahrzeugkosten als behinderungsbedingte K osten. Abzugsfähig als Assistenz- kosten sind die Kosten der behinderungsbedingt notwendig en ambulanten Pflege (Behand- lungs- und Grundpflege), Betreuung und Begleitung, d ie im Zusammenhang mit der Vornahme alltäglicher Verrichtungen, der Pflege angemessener sozi aler Kontakte, der Fortbewegung und der Aus- und Weiterbildung anfallen, ebenso wie die Kosten behinderungsbedingt notwendiger Seite 5 Überwachung (vgl. KS Nr. 11, Ziff. 4.3). Bei den Ko sten für Haushaltshilfen ist für die uneinge- schränkte Abzugsfähigkeit das Vorliegen einer ärztlichen Be scheinigung notwendig, worin at- testiert wird, welche Haushaltstätigkeiten als Folge d er Behinderung nicht mehr ohne Hilfe aus- geübt werden können (vgl. KS Nr. 11 der ESTV, Ziff. 4.3.2). Ebenfalls als behinderungsbedingte Kosten zum Abzug zugelassen werden nebst medizinisch notwendigen Fahrten sogar Mehrkos- ten für den Gebrauch eines Motorfahrzeugs für Freizeitf ahrten, sofern die behinderte Person glaubhaft machen kann, dass sie ohne ihre Behinderung ausschliesslich das öffentliche Ver- kehrsmittel benützt hätte (vgl. Entscheid des Steuergerichts [StGE] 510 13 63 vom 8. November 2013 in: Basellandschaftliche und baselstädtische Steuer praxis [BStPra] 2/2014 S. 55 ff.). Wei- ter können die Kosten des behinderungsbedingten Liegen schaftsunterhalts (z.B. Einbau eines Treppenlifts, einer Rollstuhlrampe, eines Behinderten -WC etc.) als behinderungsbedingte Kos- ten zum Abzug gebracht werden; (andere) werterhalten de Kosten des Wohneigentümers sind hingegen als ordentlicher Liegenschaftsunterhalt abzuzie hen (vgl. KS Nr. 11, Ziff. 4.3.9). So- dann führt etwa der Bau eines eingeschossigen Gebäudes für eine querschnittgelähmte Person wohl zu Wohnmehrkosten aufgrund der Behinderung; diese Aufwendungen sind aber bloss zweckmässig und nicht notwendig, was der Abzugsfähigkeit i m Wege steht (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts Bern vom 20. November 2009, in: StE 2010 B 27.5 Nr. 18). Das Steuerrekursgericht des Kantons Zürich hat mit Entsche id vom 7. Juni 2016 (2 DB.2016.33/ 2 ST.2016.38) Vormundschaftskosten, die sich im Wesentlichen wohl auf die Verwaltung von Vermögen bezogen hatten, als behinderun gsbedingt notwendige Kosten voll- umfänglich zum Abzug zugelassen, nachdem dargelegt worden war, dass der Pflichtige behin- derungsbedingt ausserstande ist, sich um finanzielle und administrative Aufgaben zu kümmern. Zur Begründung führte das Steuerrekursgericht an, aus d en Akten seien keine Bemühungen der KESB oder der Beiständin ersichtlich, die nicht ent weder als behinderungsbedingt oder als reine Vermögensverwaltung zu qualifizieren wären; insbes ondere gingen daraus keine Verrich- tungen hervor, die als rein persönliche Betreuung und s omit als Lebenshaltung oder als Anla- geberatung von der Abzugsfähigkeit ausgenommen wären. Zum Abzug zugelassen werden folglich Kosten, die als di rekte Folge der Behinderung anfallen; nicht abzugsfähig sind solche, die bloss zweckmässig, nicht a ber notwendig sind (vgl. dazu auch R ICHNER /F REI /K AUFMANN /M EUTER , Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Art. 33 N 167). 3.4 Die Abzugstatbestände betreffend behinderungsbedingte Kosten (Art. 33 Abs. 1 lit. h bis DBG) sollen die Steuerbelastung für Menschen reduzieren , die Einkommen für Kosten aufwen- den müssen, die im Zusammenhang mit ihrer Behinderung stehen (Urteile des Bundesgerichts [BGer] vom 12. Januar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016 , E. 3.2 m.H.a. Botschaft vom 11. Dezember 2000 zur Volksinitiative "Gleiche Rechte fü r Behinderte" und zum Entwurf eines Behindertengleichstellungsgesetzes, BBl 2001 1715 ff.). Sie wurden im Rahmen der Volksinitia- tive "Gleiche Rechte für Behinderte" und dem Inkrafttr eten des Behindertengleichstellungsge- setzes eingefügt und sollen die durch die Invalidität veru rsachten Kosten in voller Höhe vom steuerbaren Einkommen zum Abzug zulassen (vgl. R EICH /V ON AH/B RAWAND , a.a.O., Art. 9 N 30; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, a.a.O., Art. 33 N 159 f.). Steuerlich abzugsfähig sind nur jene Kosten, die durch eine Behinderung bedingt sind, d.h. grundsätzlich und masslich als direkte Folge der Behinderu ng im Sinne von Art. 2 Abs. 1 des Behindertengleichstellungsgesetzes entstehen (BGer vom 12. Januar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016, E. 3.4; vgl. dazu auch BGer 2C_130/ 2C_1 31/2012 vom 9. Mai 2012 E. 5). Der Behinderungsbegriff, der Art. 33 Abs. 1 lit. h bis DBG zugrunde liegt, hat die soziale und berufli- che Integration behinderter Menschen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft im Blick (BGer vom 12. Januar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016, E. 3.7 m.w.H.). Aus dieser Perspektive ist zu beurteilen, ob die zum Abzug beantragten Kosten ei ner Massnahme der Integration von kör- perlich, geistig oder psychisch behinderten Menschen in di e Gesellschaft dienen oder nicht (BGer vom 12. Januar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016 , E. 3.7 m.H.a. BGer 2C_588/2011 Seite 6 vom 16. Dezember 2011 E. 3.2.). Bei weiteren Privilegierungen, die über die Beseitigungen von behinderungsbedingten Benachteiligungen hinausgingen, bestünde jedoch die Gefahr, dass sie verfassungsrechtlich unstatthaft wären (BGer vom 12. Janu ar 2017 2C_479/2016 / 2C_480/2016, E. 3.7). 3.5 Tatsachen, welche einen bestimmten Aufwand als behin derungsbedingte Kosten im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. h bis DBG erscheinen lassen, sind steuermindernd und deshalb vo n der steuerpflichtigen Person darzutun und nachzuweisen. Dies er Nachweis muss in der Beschwer- deschrift durch substantiierte Sachdarstellung und durch Beschaffung oder Bezeichnung von Beweismitteln für die Richtigkeit seiner Darstellung ge leistet werden (StGE 510 13 63 vom 8. November 2013 E. 3 lit. d m.H.a. StGE vom 23. Febr uar 2007 [510 06 70] E. 3, in: BStPra 2/2014 S. 55 ff.; vgl. auch R ICHNER /F REI /K AUFMANN /M EUTER , Handkommentar zum DBG, a.a.O., Art. 33 N 167). 3.6 Aus dem Dargelegten ergibt sich, dass die Abzüge gemäss A rt. 32 Abs. 2 DBG und Art. 33 Abs. 1 lit. h bis DBG grundsätzlich nebeneinander geltend gemacht werde n können, da sie wei- testgehend unterschiedliche Sachverhalte normieren. Grund sätzlich stellt der behinderungsbe- dingte Abzug also keine Spezialbestimmung gegenüber dem Abzug für Liegenschaftsunterhalt dar, die nach dem Satze der lex specialis derogat legi generali ausschliessliche Geltung bean- spruchen würde (vgl. dazu BGE 82 II 411, E. 6.a). Im B ereich des Liegenschaftsunterhalts be- steht allerdings eine gewisse Überschneidung der Tatbest ände: Mit dem Pauschalbetrag ge- mäss Art. 32 Abs. 4 DBG sind alle ordentlichen Kosten des Unterhalts und der Verwaltung ab- gegolten (E. 3.2 hiervor). Unter dem Titel der behin derungsbedingten Kosten können weitere Unterhaltskosten, die eben durch die Behinderung bedingt und daher ausserordentlich anfallen, wie etwa Aufwendungen für den Einbau eines Treppenli fts, einer Rollstuhlrampe, eines Behin- derten-WC, etc. zum Abzug gebracht werden (E. 3.3 hiervor). In diesem Teilbereich ist aufgrund einer ausserfiskalisch motivierten Gesetzgebung ein kumul ativer Abzug zum ordentlichen Lie- genschaftsunterhalt möglich, ähnlich der Abzugsmöglichke it bei Aufwendungen für Denkmal- pflege, die ebenfalls eine Ausnahme vom Grundsatz der N ichtkumulierbarkeit effektiver und pauschaler Liegenschaftsunterhaltskosten darstellt (E. 3.2 hiervor): Gleiches muss gelten, wenn eine Liegenschaft aufgrund einer Behinderung durch ein en Dritten verwaltet wird und dem Pflichtigen bzw. dessen Vertreter der Nachweis gelingt, d ass der Pflichtige ohne die Behinde- rung die Liegenschaft selbst verwaltet hätte; es handel t sich dann gerade nicht um ordentliche Kosten der Verwaltung sondern um ausserordentliche beh inderungsbedingte Liegenschafts- verwaltungskosten. Die Abzugsmöglichkeit behinderungsbedingter Kosten besteh t aus ausserfiskalischen Motiven; sie soll die Steuerbelastung für Menschen mit Behinderung reduzieren, die Einkommen für Kos- ten aufwenden müssen, die im Zusammenhang mit ihrer Behinderung stehen und damit der Benachteiligung behinderter Menschen entgegenwirken. W ürden die unmittelbar auf die Behin- derung zurückzuführenden Liegenschaftsverwaltungskosten ber eits vom Unterhaltspauscha- labzug gemäss Art. 32 Abs. 4 DBG konsumiert, würde eine b ehinderte Person gegenüber den- jenigen Personen, die ihre Liegenschaft selbst verwalten können, benachteiligt werden. Die steuerliche Abzugsmöglichkeit wäre aufgrund der Behinderu ng stets von Vornherein geschmä- lert Ausschlaggebend ist damit neben der Voraussetzung des Vorl iegens einer Behinderung, das "innere Motiv" bzw. die Motivation die zur Bestellung de r Verwaltung geführt hat. Diese muss sich, damit der Nachweis der Behinderungsbedingtheit g elingt, nach aussen hin manifestieren und aus einer objektiven Betrachtungsweise nachvollziehbar sein. Im Zusammenhang mit Lie- genschaftsverwaltungskosten hat sie nachzuweisen, dass sie di e Liegenschaft ohne die Behin- derung selbst verwaltet hätte. Seite 7 4. Unstrittig ist, dass der Beschwerdeführer grundsätzlich zur Geltendmachung eines behinde- rungsbedingten Abzugs berechtigt ist. Offen ist einzig die Frage, ob die Kosten, die ihm aus der Verwaltung der Liegenschaft durch den Beistand entsteh en, nachgewiesenermassen behinde- rungsbedingte Kosten sind. Im vorliegenden Fall hat die KESB C.____ wie bereits ausgeführt mit Entscheid vom 3. Februar 2015 für den Steuerpflichtigen eine Vertretungsbeista ndschaft mit Vermögensverwaltung ge- mäss Art. 394 i.V.m. Art. 395 ZGB errichtet, u.a. mit den Aufgabebereichen, die verbeiständete Person beim Erledigen der administrativen Angelegenh eiten soweit nötig zu vertreten, insbe- sondere auch im Verkehr mit Behörden, Ämtern, Banken, Post, (Sozial-)Versicherungen, sons- tigen Institutionen und Privatperson (Ziff. 2 lit. a), sowie Einkommen und Vermögen der verbei- ständeten Person sorgfältig zu verwalten (Ziff. 2 lit. b). Nach den Ausführungen des Beistandes des Pflichtigen, ist der Beschwerdeführer aufgrund seine r Krankheit nicht urteilsfähig. Er kann die Tragweite seiner Entscheidungen nicht begreifen un d nur einfachsten Tätigkeiten nachge- hen, weshalb der Beistand u.a. dazu beauftragt ist, d ie Liegenschaft zu verwalten. Die vorlie- gend strittigen Aufwendungen betreffen nicht allgemei n die Vermögensverwaltung, sondern die Vermietung des sich im Eigentum des Beschwerdeführers bef indlichen Einfamilienhauses und umfassen den Zeitaufwand für verschiedene Telefonate un d kürzere Korrespondenzen. Weiter führt der Beistand aus, es sei auch auf die Behinderu ng zurückzuführen, dass der Pflichtige die Liegenschaft nicht selbst bewohnen würde. Mit Entscheid vom 12. Oktober 2016 hat die KESB dem Bei stand zulasten des Pflichtigen eine Entschädigung von Fr. 17‘704.55 zugesprochen. Es ist darg elegt worden, dass diese Entschä- digung insbesondere auch die Liegenschaftsverwaltung abdeckt. Da im vorliegenden Fall die Beistandschaft, die aufgrun d der Behinderung des Beschwerdefüh- rers angeordnet worden ist, die Verwaltung der Liegenschaft mitumfasst, ist davon auszugehen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der streitbetroffenen Aufwendung und der Behinde- rung besteht. Ähnlich wie ein Arztzeugnis, das die medizi nische Notwendigkeit einer Massnah- me bescheinigt, vermag die Bestellung einer Beistandschaf t in der oben ausgeführten Ausge- staltung den Nachweis zu erbringen, dass die pflichtige Pe rson aufgrund ihrer Behinderung nicht selbst in der Lage ist, ihre Liegenschaft zu verwa lten. Dies gilt umso mehr, wenn die KESB den entsprechenden Rechenschaftsbericht genehmigt und dem Beistand die gesamte geforderte Entschädigung zuspricht, wie sie dies vorliegen d mit ihrem Entscheid vom 12. Oktober 2016 getan hat. In Anbetracht des relativ geringfügigen Ausmasses des geltend gemachten Aufwands für die Liegenschaftsverwaltung, ist davon auszugehen, dass der Steuer- pflichtige ohne die Behinderung diese Verrichtungen sel bst vorgenommen und nicht eine (pri- vate) Liegenschaftsverwaltung beauftragt hätte. Es ist damit nachgewiesen worden, dass ein unmittelbare r Zusammenhang zwischen der kon- kreten Behinderung des Beschwerdeführers und den zum Abzug beantragten Liegenschafts- verwaltungskosten besteht; insbesondere ist auch nachvollzi ehbar dargelegt worden, dass es sich dabei um behinderungsbedingt notwendige (und nich t bloss zweckmässige) Mehrkosten handelt. Nach dem Ausgeführten hat dies im vorliegenden Fall zur Folge, dass neben dem Liegen- schaftsunterhaltspauschalabzug gemäss Art. 32 Abs. 4 DGB, d er alle Kosten des ordentlichen Liegenschaftsunterhalts umfasst, auch der Abzug für behin derungsbedingte Liegenschaftsver- waltungskosten zum Abzug zuzulassen ist. 5. 5.1 Ausgangsgemäss sind dem Beschwerdeführer gemäss Art. 144 A bs. 1 DBG keine Verfah- renskosten aufzuerlegen. Seite 8 5.2 Gemäss Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 bis 3 des Bundesgesetzes vom 20. De- zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsver fahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) kann der ganz oder teilweise obsiegenden Parte i für den Beizug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpart ei zugesprochen werden. Mit Ein- gabe vom 20. August 2018 machte der Vertreter des Besch werdeführers für die beiden Paral- lelverfahren Staats- und direkte Bundessteuer 2016 eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 5‘138.25 geltend, welche sich aus einem Honorar von 15.25 Stunden à Fr. 300.-- sowie Aus- lagen von Fr. 195.90 und Mehrwertsteuer (MWST) von Fr . 367.35 zusammensetzte. Diese Be- rechnung kann nicht unbesehen übernommen werden: Ein erseits beträgt der gerichtlich aner- kannte Stundensatz für Anwälte Fr. 250.-- (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 17. Juni 2009, publ. in: Basellandschaftliche und Bas elstädtische Steuerpraxis [BStPra], Bd. XIX, S. 559 ff.). Andererseits sind die Bemühungen für die Teilnahme an der heutigen Ver- handlung in Höhe von einer Stunde zusätzlich zu vergüten. Entsprechend ist dem Beschwerde- führer ein Honorar von Fr. 4'062.50 (16.25 Stunden à Fr. 250.--) bzw. eine Parteientschädigung von Fr. 4‘586.30 (inkl. Auslagen von Fr. 195.90 und MWS T von Fr. 327.90) bzw. für das vorlie- gende Verfahren die Hälfte davon, d.h. Fr. 2‘293.15 (= Fr. 4‘586.30 / 2) zuzusprechen. Über die andere Hälfte der genannten Parteientschädigung wurd e im Verfahren betreffend die Staats- steuer befunden. Seite 9 Demnach erkennt das Steuergericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Angelegenheit wi rd zur Korrektur der Veranlagung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Der bezahlte Kostenvor schuss von Fr. 500.-- wird dem Be- schwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine P arteientschädigung von Fr. 2‘293.15 (inkl. MWST) zu bezahlen. 4. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. des Besch werdeführers (2), die Eidgenössische Steuerverwaltung (1) und die Beschwerdegegnerin (3).