<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp296032"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>111 Ib 114<br/><br/><br/><div class="paraatf">25. Urteil des Kassationshofes vom 10. Juli 1985 i.S. Polizei-Departement des Kantons Solothurn gegen M. und Verwaltungsgericht des Kantons Solothurn (Verwaltungsgerichtsbeschwerde)</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp297344"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 16 Abs. 3 lit. d SVG</span>; Führerausweisentzug <div class="paratf">Der Entzugsgrund der Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch liegt auch dann vor, wenn der Täter den privilegierten Tatbestand von <span class="artref">Art. 94 Ziff. 1 Abs. 2 SVG</span> (Entzug zum Nachteil eines Familienangehörigen) erfüllt hat. </div> </div> </div> <a name="idp302784"></a> <a name="idp306592"></a> <br/><div> <a name="idp308912"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 114</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page114"></a><div class="center pagebreak">BGE 111 Ib 114 S. 114</div> </div> <div class="paraatf"> Frau M. lebt von ihrem Ehemann getrennt. Am 3. April 1984 entwendete sie dessen Personenwagen aus der Garage in S. Sie benutzte das Fahrzeug bis zum 6. April 1984.</div> <div class="paraatf"> <a name="page115"></a><div class="center pagebreak">BGE 111 Ib 114 S. 115</div> </div> <div class="paraatf">Auf Strafantrag des Ehemannes hin wurde Frau M. durch den Gerichtsstatthalter von Olten-Gösgen am 3. Juli 1984 wegen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Nachteil eines Familienangehörigen (<span class="artref">Art. 94 Ziff. 1 Abs. 2 SVG</span>) mit Fr. 100.-- gebüsst. Das Urteil ist in Rechtskraft erwachsen.</div> <div class="paraatf">Das Polizei-Departement des Kantons Solothurn entzog Frau M. in der Folge am 16. Oktober 1984 den Führerausweis gestützt auf <span class="artref">Art. 16 Abs. 3 lit. d SVG</span> für die Dauer eines Monats. Dagegen reichte sie Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Solothurn ein. Diese wurde mit Urteil vom 17. Dezember 1984 gutgeheissen und die Verfügung des Polizei-Departementes aufgehoben.</div> <div class="paraatf">Dagegen richtet sich die vorliegende Verwaltungsgerichtsbeschwerde des Polizei-Departementes mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Urteils. Vorinstanz und Beschwerdegegnerin beantragen Abweisung, das Bundesamt für Polizeiwesen dagegen Gutheissung der Beschwerde.</div> <div class="paraatf">Das Bundesgericht heisst die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gut mit folgender</div> <br/><div> <a name="idp319280"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Erwägung:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp320208"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span><span class="artref">Art. 16 Abs. 3 lit. d SVG</span> bestimmt, dass der Führerausweis entzogen werden muss, wenn der Führer ein Motorfahrzeug zum Gebrauch entwendet hat. In casu geht es um die (von der Vorinstanz verneinte) Frage, ob dieser obligatorische Entzugsgrund auch dann vorliege, wenn der Täter den privilegierten Tatbestand von <span class="artref">Art. 94 Ziff. 1 Abs. 2 SVG</span> erfüllt hat (Entwendung zum Nachteil eines Familienangehörigen).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp325136"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Gemäss <span class="artref">Art. 16 Abs. 3 lit. d SVG</span> stellt die Entwendung eines Fahrzeuges zum Gebrauch (ohne jede Einschränkung) einen obligatorischen Entzugsgrund dar. Der Wortlaut des Gesetzes lässt keine Ausnahme von dieser Regel zu (ebenso SCHULTZ, Die Strafbestimmungen des SVG, Bern 1964, S. 245). Dass die Tat im Falle von <span class="artref">Art. 94 Ziff. 1 Abs. 2 SVG</span> nur auf Antrag strafbar ist, spielt hinsichtlich der Administrativmassnahme keine Rolle. Ebenso ist unerheblich, ob im konkreten Fall eine Bestrafung mangels Antrag unterbleibt. Der Tatbestand der Entwendung hat als solcher den Entzug des Führerausweises zur Folge. Der Nachweis einer Verkehrsgefährdung ist nicht Voraussetzung. Die Angemessenheit der eindeutigen gesetzlichen Regelung ist von den Entzugsbehörden nicht zu überprüfen.</div> </div></body></html></html>