Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. April 2017 (725 16 375 / 92) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht zu Recht verneint; beim massgebenden Ereignis handelt es sich weder um einen Unfall nach Art. 4 ATSG noch um eine unfallähnliche Körperschädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV. Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person ist meist auf die „Aussagen der ersten Stunde“ abzustellen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Mar kus Mattle, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Isabelle Salathe Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Schmid, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen ÖKK , Leistungen Unfall, Bahnhofstrasse 13, 7302 Landquart, Be- schwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Peter Philipp, Rechtsanwalt, Hartbertstrasse 11, Postfach 180, 7002 Chur Betreff Leistungen A. Der 1989 geborene A.____ ist seit dem 1. Januar 2015 bei der B.____ AG tätig und durch die Arbeitgeberin bei der ÖKK Kranken- und Un fallversicherungen AG (ÖKK) obligato- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht risch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheit en versichert. Am 24. Mai 2016 liess der Versicherte der ÖKK durch seine Arbeitgeberin meld en, dass er sich am 22. Mai 2016 bei einem American Footballspiel das Knie verdreht habe. Gemäss „Fragebogen zum Ereignis vom 22. Mai 2016“ habe er eine schnelle Richtungsänderung vo rgenommen. Bei dieser Aktion habe es im Knie gezwickt. B. Mit Verfügung vom 9. August 2016 verneinte die Ö KK einen Anspruch des Versicher- ten auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung für den Vorfall vom 22. Mai 2016. Es liege weder ein Unfall noch ein unfallähnliches Ereignis vor, vielmehr seien die Beschwerden gemäss Beurteilung vom 3. August 2016 durch Dr. C____, auf die aktivierte vorbestehende posttraumatische Gonarthrose zurückzuführen. Zudem sei das vordere Kreuzband-Transplantat insuffizient und nicht frisch rupturiert. Die dagegen e rhobene Einsprache des Versicherten wies die ÖKK mit Einspracheentscheid vom 13. Oktober 2016 ab . Ihre Begründung ergänzte sie da- mit, dass zudem keine Listenverletzung nach Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversi- cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 vorliege und es am Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 22. Mai 2016 und den geklagten Beschwerden fehle. C. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanw alt Markus Schmid, am 11. November 2016 Beschwerde ans Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Es sei der Einsprach eentscheid aufzuheben und die ÖKK zu verpflichten, ihm die gesetzlichen UVG-Leistungen für das Schadenereignis vom 22. Mai 2016 auszurichten. Eventualiter sei der Einspra cheentscheid aufzuheben und die Sa- che zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts an die Beschwerdebeklagte zurückzuweisen; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, ein abrupter Rich- tungswechsel im vollen Lauf während eines Footballspiel s sei als unfallähnliches Ereignis ein- zustufen. Weiter liege gemäss Operationsbericht vom 24. Juni 2016, erstellt durch Dr. D.____, sowohl ein lateraler Meniskusriss gemäss Art. 9 Abs. 2 lit . c UVV als auch eine Ruptur des vor- deren Kreuzbandes gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. g UVV vor. Bei Zweifeln am Vorliegen entspre- chender Körperschädigungen wäre zumindest der Beizug ei nes externen Gutachters angezeigt gewesen. D. In der Beschwerdeantwort vom 3. Januar 2017 schloss di e ÖKK, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Philipp, auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegend befindet sich dieser in E.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. De-zember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, Leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise a rbeitsunfähig, hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). 2.2 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den me nschlichen Körper, die eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Der äusse- re Faktor ist das zentrale Begriffscharakteristikum eine s jeden Unfallereignisses; er ist Gegen- stück zur – den Krankheitsbegriff konstituierenden – i nneren Ursache (BGE 134 V 76 E. 4.1.1). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahme n des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. 2.3 Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körpersch ädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbezie hen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 UVV vom 20. Dezember 1982 in der bis zum 31. Dezember 2016 geltenden Fassung Gebrauch gemacht und folgende Körpersch ädigungen, sofern sie nicht ein- deutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhn- liche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt: a . Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h. Trommelfellverletzungen. Diese Aufz ählung der den Unfällen gleichgestell- ten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, mit Hinweisen). 2.4 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung müssen be i unfallähnlichen Körper- schädigungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversiche- rers mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit die übrigen Tat bestandsmerkmale des Unfalls erfüllt sein. Besondere Bedeutung kommt hierbei der Voraussetzun g des äusseren Ereignisses zu, das heisst eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv f eststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 E. 2.2). Die schädigende äussere Einwirkung kann in einer körpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 E. 4.1 mit Hinweisen, vgl. auch BGE 139 V 327 E. 3.3.1). Das Auftreten von Schmerzen alle in gilt noch nicht als äusserer Faktor im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 9 Abs. 2 UVV, ein solche r ist also nicht gegeben, wenn die versicherte Person einzig das (erstmalige) Auftreten von Sc hmerzen angibt, aber keine gleich- zeitig mitwirkende äussere Komponente zu benennen verma g (BGE 129 V 466 E. 4.2.1). Auch Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist das Erfordernis eines äusseren schädigenden Faktors nicht erfüllt, wenn das Auftreten von Schmerzen bloss mit einem von der versicherten Person be schriebenen gewöhnlichen Bewe- gungsablauf einhergeht. Verlangt wird vielmehr ein G eschehen, welchem ein gesteigertes Ge- fährdungspotenzial innewohnt, was zutrifft, wenn die als Schmerzauslöser angegebene Betäti- gung im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahren lage vorgenommen wird, wie dies bei vielen sportlichen Aktivitäten der Fall ist. Ein äusserer Faktor mit erheblichem Schädigungspo- tenzial liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch behe rrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, verbunden ist, wie beispielsweise bei einem Wut- anfall mit Stampfen auf den Betonboden (BGE 139 V 3 27 E. 3.3.1). Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV fallen deshal b als massgebender äusserer Faktor nicht in Betracht, wenn sie bei einer alltäglichen Leb ensverrichtung auftreten, ohne dass ein davon unterscheidbares äusseres Moment mitspielen würde . Wer also etwa beim blossen Auf- stehen, Absitzen, Abliegen, bei Bewegungen im Raum, H andreichungen usw. einen einschies- senden Schmerz verspürt, kann allein deswegen noch keine unfallähnliche Körperschädigung geltend machen. Die physiologische Beanspruchung des Skele tts, der Gelenke, Muskeln, Seh- nen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, dem ein gegenüber der gewohnten, üblichen körperlichen Belastung gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnen würde (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Erfüllt ist das Erfordernis des äusseren sch ädigenden Faktors demgegenüber bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinische r Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufst ehen aus der Hocke, bei heftigen und/oder belastenden Bewegungen oder bei einer wege n äusserer Einflüsse unkontrollierbar gewordenen Positionsänderung (BGE 129 V 466 E. 4.2.3) . Für die Bejahung eines äusseren Faktors ist demnach ein gesteigertes Schädigungspotenzia l vonnöten, sei es zufolge einer all- gemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit einer an sich alltäglichen Verrichtung führenden Elementes (BG E 139 V 327 E. 3.3.1, 129 V 466 E. 4.3; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 8. Mai 2014, 8C_40/2014, E. 2.2.3, vom 16. Juli 2014, 8C_147/2014, E. 2.4, vom 10. Oktober 2 014, 8C_451/2014, 8C/453/2014, E. 6 und vom 21. November 2014, 8C_620/2014, E. 2.2, je mit weiteren Hinweisen). 2.5 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – zunächst voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und de m eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integrit ätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Si nne des natürlichen Kausalzusam- menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. n icht zur gleichen Zeit eingetreten ge- dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall di e alleinige oder unmittelbare Ursa- che gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige In tegrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht w eggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (B GE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitl ichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zus ammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Die Adäquanz spielt als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlich en Kausalzusammenhang ergeben- den Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch o bjektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, vgl. auch E. 3.3 hiervor). 2.6 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversiche rers erst, wenn der Unfall nicht die na- türliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darst ellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich n ach dem schicksalsmässigen Verlauf ei- nes krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung –Rech tsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326, U 180/93 E. 3b mit Hi nweisen). Da es sich hierbei um eine an- spruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislas t – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicher- ten Person, sondern beim Unfallversicherer (Sozialversicherungsrecht – Rechtsprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2). 3.1 Vorliegend stellt sich die Frage, ob die ÖKK ihr e Leistungspflicht in Bezug auf das Er- eignis vom 22. Mai 2016 zu Recht verneint hat. Dabei ist unbestritten, dass es sich beim fragli- chen Ereignis nicht um einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG handelt. Dagegen strittig und im Weiteren zu prüfen ist, ob es sich um eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV handelt. 3.2 Nach der Rechtsprechung hat die versicherte Person die Umstände des Ereignisses, welches zu einer unfallähnlichen Körperschädigung führt e, glaubhaft zu machen. Zur Glaub- haftmachung müssen über das konkrete Geschehen genaue und möglichst detaillierte Angaben namhaft gemacht werden, aufgrund derer der Versichere r in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein klares Bild zu machen und diese in ob jektiver Weise abzuschätzen (vgl. BGE 114 V 305 E. 5b; Urteil des EVG vom 25. November 2 004, U 209/04, E. 1.2, Urteil des EVG vom 15. September 2004, U 234/04). Unvollständige , ungenaue oder widersprüchliche Angaben zum Geschehensablauf können die Verneinung de r Leistungspflicht der Unfallversi- cherung zur Folge haben. Im Streitfall hat das Sozialver sicherungsgericht zu beurteilen, ob die einzelnen Merkmale des Unfallbegriffs bzw. der unfallähn lichen Körperschädigung gegeben sind. Dabei kommt ihm ein nicht unerheblicher Beurteilu ngsspielraum zu (vgl. BGE 112 V 202 E. 1; RKUV 2003 U 485 S. 259; A LFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 168). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten P erson ist gemäss Rechtspre- chung den Angaben, die von der versicherten Person kurz n ach dem Unfall gemacht wurden, meist grösseres Gewicht beizumessen als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers. Der Grundsatz, wonach die spontanen "Aussa gen der ersten Stunde" in der Re- gel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Schil derungen, die bewusst oder unbe- wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlich er oder anderer Art beeinflusst sein können, stellt eine im Rahmen freier Beweiswürdig ung zu berücksichtigende Entschei- dungshilfe dar. Sie kann jedoch nur zur Anwendung gel angen, wenn von zusätzlichen Abklä- rungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (Urtei l des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 m.w.H.; vgl. auch: Urteil des Bundesg erichts vom 22. September 2008, 8C_827/2007, E. 5.2). 3.4 Gemäss „Schadenmeldung UVG“ vom 24. Mai 2016 hat sich der Beschwerdeführer beim American Footballspiel das Knie verdreht. Es habe k ein Kontakt mit anderen Personen stattgefunden. Auf dem „Fragebogen zum Ereignis vom 22. Mai 2016“, ausgefüllt am 28. Mai 2016, führte der Beschwerdeführer weiter aus, er habe beim American Footballspiel einen schnellen Richtungswechsel gemacht, wobei es im Knie „gezwickt“ habe. Es sei weder etwas Aussergewöhnliches geschehen, noch seien Drittpers onen involviert gewesen. Unmittel- bar nach der Aktion habe er beim Gehen ein „Klicken“ ve rnommen, jedoch keine Schmerzen. Nach Erhalt der formlosen Ablehnungsverfügung der ÖKK vom 20. Juni 2016 ergänzte der Be- schwerdeführer den Sachverhalt mit Schreiben vom 28. Ju ni 2016 dahingehend, dass er beim American Footballspiel einem Gegenspieler habe ausweic hen müssen, der „seine Hände an ihm gehabt habe“. Nach diesem Manöver habe er direkt e in kleines „Knartschen“ im Knie ver- nommen, es habe sofort „gezwickt“ und er sei zu Boden geg angen. Als er wieder aufgestanden sei, habe er einen Schmerz und ein dauerndes „Klicken“ im Knie vernommen und sei direkt zum Arzt am Spielfeldrand gegangen. In der Beschwerde vom 1 1. November 2016 wird der Vorfall als abrupter Richtungswechsel im vollen Lauf geschildert. 3.5 Beim Vergleichen der verschiedenen Sachverhaltsschilde rungen fällt auf, dass diese deutlich voneinander abweichen. So ist zunächst keine Rede von Drittpersonen oder direkt auf- tretenden Schmerzen. Dies wird erst zu einem späteren Ze itpunkt geltend gemacht. Unter An- wendung des Grundsatzes des Abstellens auf die „Aussage n der ersten Stunde“ ist vorliegend bei der Bestimmung des rechtserheblichen Sachverhalts au f die „Schadenmeldung UVG“ vom 24. Mai 2016 und auf den „Fragebogen zum Ereignis vom 22. Mai 2016“ vom 28. Mai 2016 ab- zustellen (vgl. oben E. 3.3). Demgemäss ist von einem schn ellen Richtungswechsel im Spiel- verlauf ohne direkten Kontakt mit Drittpersonen auszugehen. 3.6 Der Beschwerdeführer bringt sodann in seiner Be schwerde vom 11. November 2016 vor, das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung sei zu bejahen, da im Vergleich zum Unfall gemäss Art. 4 ATSG das Element des ungewöhnlich en äusseren Faktors entfalle. Ge- mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung könne der äussere Faktor in einer heftigen und/oder belastenden Bewegung und die durch äussere Einflüsse un kontrollierbare Änderung der Kör- perlage erfüllt werden (BGE 129 V 466 E. 4.2.3). Ei ne abrupte Richtungsänderung in vollem Lauf könne sodann nicht einem normalen und gleichmässigen Jogging gleichgestellt werden, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondern vielmehr einem Fehltritt beim Tennis (Urteil d es EVG U 368/05 vom 21. Dezember 2005). Zudem wohne dem American Footbal lspiel aufgrund der immanenten Kraftanstrengung und der ständigen Belastungswechsel i n kurzer Abfolge als Ganzem eine erhöhte Verletzungsgefahr inne, weshalb auch eine besondere Gefahrenlage zu bejahen sei. 3.7 Die Beschwerdegegnerin führt in ihrer Beschwerde antwort vom 3. Januar 2017 indes- sen aus, dass Sportarten wie Fussball oder – wie vorlieg end – American Football zwar eine Reihe einzelner Aktionen mit Bewegungsabläufen beinh alten würden, die mit einer erhöhten Gefahrenlage verbunden seien. Sie seien aber nicht in i hrer Gesamtheit als besonders risiko- reich einzustufen, gebe es dabei doch auch einzelne A ktivitäten, welchen ohne Hinzutreten be- sonderer Vorkommnisse kein erhebliches Gefährdungspotenzia l innewohne (Urteil des Bun- desgerichts vom 23. April 2015, 8C_172/2015 E. 3.2). B ei einem schnellen Richtungswechsel handle es sich um eine für den Beschwerdeführer alltägl iche Handlung. Weder sei etwas Aus- sergewöhnliches geschehen noch seien Drittpersonen involvi ert gewesen. Das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung sei daher zu verneinen. 3.8 Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin muss bei gepflichtet werden. Es kann bei einem American Footballspiel nicht von einer gesamtha ft erhöhten Gefahrenlage während des ganzen Spiels ausgegangen werden. So fehlt es bei ein zelnen Aktivitäten – wie vorliegend ei- nem schnellen Richtungswechsel ohne Kontakt zu Drittpersonen – an einer physiologisch mehr als normalen Beanspruchung des Körpers (vgl. oben E. 2. 4). Die zur Diskussion stehende Be- wegung kann beispielsweise nicht mit der Intensität eine s Squat-Jumps verglichen werden (Ur- teil des Bundesgerichts vom 8. Mai 2014, 8C_40/2014). Zudem ist davon auszugehen, dass ein schneller Richtungswechsel ohne Kontakt zu Drittpersonen im Rahmen des Beherrschbaren liegt. So kann aufgrund der Sachverhaltsschilderungen kei n Faktor ausgemacht werden, wel- cher zur Unkontrollierbarkeit der Bewegung geführt hätt e. Das Auftreten von Schmerzen allein genügt hingegen nicht zur Geltendmachung einer unfal lähnlichen Körperschädigung. Das Vor- liegen eines ausserhalb des Körpers liegenden, objekti v feststellbaren, sinnfälligen, eben un- fallähnlichen Vorfalles muss daher im Ergebnis verneint werden (vgl. oben E. 2.4). Es kann so- mit offen bleiben, ob es sich vorliegend um eine Liste nverletzung gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV handelt und ob ein Kausalzusammenhang zwischen dem fraglichen Ereignis und den geklagten Beschwerden besteht. Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen. 4. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für den vo rliegenden Prozess keine Verfah- renskosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Verfahrensausgang entspre- chend wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. "Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 7.7.2017 Beschwerde beim Bun- desgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_483/2017 ) erhoben." http://www.bl.ch/kantonsgericht