<h2>SubmittedText<h2><p>In den letzten Wochen und Monaten ist das SRK bezüglich Blutspendewesen verschiedentlich in die Medienschlagzeilen geraten. Die Öffentlichkeit ist verunsichert worden. Verschiedene widersprüchliche Aussagen bedürfen einer Richtigstellung.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, Klarheit zu schaffen und folgende Fragen zu beantworten.</p><p>1. Stimmt es, dass die Schweiz ihren gesamten Bedarf an Blut und Blutpräparaten aus eigener Kraft und ausschliesslich mit freiwilligen, unentgeltlichen Blutspenden abdecken kann, so, wie in der SRK-Broschüre "Und plötzlich brauchst Du Blut", Nr. 1/92, ausgesagt wird? Oder stimmt die Aussage der Pressemeldung der "BZ" vom 18. November 1993, wonach laut einer Umfrage des BAG über den Blutimport 400 000 bis 500 000 Liter Blut pro Jahr importiert werden?</p><p>2. Wie gross ist der Blut- und Plasmabedarf für die Schweiz? Wie lauten die Import- und Exportzahlen für Blut- und Plasmaprodukte im einzelnen und aufgeschlüsselt nach Herkunft, Verarbeitungsbetrieb/Vertriebsfirma und Verkaufsland.</p><p>Wie sehen die analogen Zahlen für jenes Blut und Blutplasma aus, die in der Schweiz gespendet werden?</p><p>3. Laut einer "sda"-Meldung vom 5. April 1994 hat die IKS ein gentechnisch hergestelltes virussicheres Blutgerinnungsmittel (Faktor VIII) für Hämophiliekranke zugelassen.</p><p>Wie wird sich diese Entwicklung auf den Blutbedarf in der Schweiz auswirken? Sind andere gentechnologisch hergestellte Ersatzpräparate in Entwicklung?</p><p>4. Zwischen dem SRK-Blutspendedienst (insbesondere Zentrallabor SRK) und der Pharmaindustrie (insbesondere Sandoz) finden eine enge Zusammenarbeit und ein Austausch von Blutprodukten statt. Welchen Umfang hat diese Zusammenarbeit?</p><p>5. Nach Informationen des Zentrallabors (ZLB) SRK findet in seinen Produktionsanlagen keine Vermischung von in- und ausländischem Plasma statt. Im Gegensatz dazu steht im Bericht "Blut und Aids" folgendes: "1986 wurden dann zum Plasma aus eigenen (ZLB-) Entnahmen auch Plasma des Amerikanischen Roten Kreuzes zugemischt." (Seite 54)</p><p>Welchen Umfang hatten und haben die Plasmavermischungen?</p><p>6. In der im vergangenen März veröffentlichten "Look back"-Studie werden 52 transfusionsassoziierte HIV-Infektionen dokumentiert. Laut Bericht "Blut und Aids" sind bis 1991 zudem 67 Hämophile durch Gerinnungspräparate angesteckt worden (Bericht "Blut und Aids", Seite 1). Aus Deutschland ist bekannt, dass auch Chirurgiepatientinnen und -patienten sowie Gebärende durch Gerinnungspräparate (PPSB) mit HIV infiziert worden sind.</p><p>Sind auch in der Schweiz nichthämophile Patientinnen und Patienten mit Plasmapräparaten (PPSB oder analoge Präparate) HIV-infiziert worden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Beide Aussagen sind richtig, allerdings meinen sie nicht dasselbe. Es gilt zwischen Blut (für das Transfusionswesen) und Blutpräparaten (stabile Endprodukte, die durch industrielle Verarbeitung aus Plasma gewonnen werden) zu unterscheiden. Es stimmt, dass die Schweiz ihren ganzen Bedarf an Transfusionsblut ausschliesslich mit eigenen, freiwilligen und unentgeltlichen Spenden decken kann. Es stimmt ebenfalls, dass jährlich ungefähr 400 000 Liter in die Schweiz importiert werden. Hier handelt es sich aber nicht um Transfusionsblut, sondern um getestetes Plasma zur industriellen Verarbeitung. Die daraus gewonnenen Endprodukte werden virusinaktivierenden und viruseliminierenden Massnahmen unterzogen. Sie werden sowohl in der Schweiz wie auch im Ausland vertrieben.</p><p>2. Das Zentrallaboratorium (Blutspendedienst SRK) sammelt mit seiner Spendeorganisation rund 280 000 Blutspenden jährlich, die regionalen Spendezentren und die Spitalblutbanken zusammen weitere rund 328 000 (1993). Das Zentrallaboratorium gewinnt aus den Blutentnahmen rund 72 000 Liter Plasma und kauft von den regionalen Spendezentren und den Spitalblutbanken insgesamt weitere rund 56 000 Liter an.</p><p>Laut der Verordnung vom 9. April 1986 über die Verhinderung der Übertragung von gefährlichen Infektionskrankheiten durch Blut und Blutprodukte sind Importe bewilligungspflichtig. So wurden 1993 mit Bewilligung des Bundesamtes für Gesundheitswesen (BAG) rund 338 000 Liter Plasma und 43 000 Liter Plasmaprodukte wie Trockenplasma oder Kryopräzipitat, hingegen kein Vollblut importiert. Davon stammten 74 Prozent aus den USA, 19,5 Prozent aus Grossbritannien und der Bundesrepublik Deutschland und die restlichen 6,5 Prozent aus sechs europäischen Ländern. Diese Importe wurden grösstenteils zur Herstellung stabiler Blutprodukte verwendet. In der Schweiz wurden 1993 rund 38 000 Liter stabile Blutprodukte vertrieben, gut 90 Prozent davon durch das Zentrallaboratorium in Bern und rund 9 Prozent durch vier weitere Firmen.</p><p>Exporte sind nicht bewilligungspflichtig. Anhand der Aussenhandelsstatistik-Zahlen ist für Blut- und Plasmaprodukte keine Aufschlüsselung nach Herkunft, Verarbeitungsbetrieb/Vertriebsfirma und Verkaufsland möglich.</p><p>3. Die Auswirkungen des gentechnologisch hergestellten und von der Interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel registrierten Faktor-VIII-Gerinnungspräparates auf die Entwicklung des Blutbedarfes in der Schweiz sind heute noch nicht absehbar. Das BAG hat keine Angaben, ob weitere Präparate in Entwicklung sind. Zurzeit ist aber noch kein zweites gentechnolgisch hergestelltes Präparat registriert.</p><p>4. Das Zentrallaboratorium arbeitet seit Jahren mit der Firma Sandoz Pharma AG zusammen. Das Zentrallaboratorium stellt ein intravenöses Immunglobulin her, das die Firma Sandoz im In- und Ausland verkauft. Für den Inlandbedarf wird ausschliesslich aus Schweizer Plasma produziert, für den Auslandbedarf vor allem aus Plasma ausländischer Herkunft. Die Zusammenarbeit entstand hauptsächlich, um überschüssige Blutkomponenten sinnvoll zu verwenden.</p><p>5. 1986 entstand wegen der Einführung des HIV-Tests die Ausnahmesituation eines Versorgungsengpasses. Nicht getestete Bestände durften nicht mehr verwendet und neues Ausgangsmaterial musste für Versuche zur Virusinaktivierung eingesetzt werden. 1986 wurde deshalb während einiger Zeit das Faktor-VIII-Konzentrat sowohl aus anti-HIV-getestetem Schweizer Plasma wie auch aus anti-HIV-getestetem Plasma des American Red Cross (ARC) hergestellt. Gemäss den Satzungen des Zentrallaboratorium wie des American Red Cross stützen sich beide ausschliesslich auf freiwillige, unentgeltliche Blutspenden ab.</p><p>6. HIV-positive Testergebnisse und Aidserkrankungen sind in der Schweiz seit 1987 meldepflichtig. Der meldende Arzt vermerkt auf dem betreffenden Formular zuhanden des BAG die wahrscheinlichste Infektionsquelle. Bei Bluttransfusions-/Blutprodukteempfängern wird ebenso wie bei Hämophilen auf dem Formular weder nach dem Grund der Verabreichung noch nach dem eingesetzten Produkt gefragt. Somit lässt sich die Frage, ob in der Schweiz nichthämophile und auch von der "Look back"-Studie nicht erfasste Patientinnen und Patienten mit den genannten Plasmapräparaten HIV-infiziert wurden, aufgrund der Ärztemeldungen nicht beantworten. (Die "Look back"-Studie schloss lediglich die folgenden labilen Blutprodukte in die Untersuchungen ein: Vollblut, Erythrocytenkonzentrate, Thrombocytenkonzentrate und frisch gefrorenes Plasma. Plasmapräparate konnten nicht eingeschlossen werden, da sie nicht aus Einzelspenden wie die labilen Blutprodukte hergestellt wurden und somit das gewählte "Look back"-Verfahren auf sie nicht anwendbar war.)</p><p>Mit den Angaben auf den Gesuchsformularen für "Leistungen des Bundes an HIV-infizierte Hämophile und Transfusionsempfänger und deren HIV-infizierten Ehegatten" verfügt das BAG über gewisse zusätzliche, allerdings häufig wenig detaillierte Informationen. So wurde einem Gesuch eines HIV-infizierten Fibrinogen-Empfängers entsprochen, weil die Ansteckung nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden konnte, obwohl die Wahrscheinlichkeit dieser Infektionsquelle als gering erachtet wurde. Daraus folgt, dass mindestens ein möglicher Fall im Sinne der Interpellation in der Schweiz existieren könnte.</p>