Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Januar 2019 (725 18 257 / 16) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Adäquater Kausalzusammenhang bei mittelschwerem Unfall abgelehnt Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Marco Chevalier, Rechtsanwalt, Elisabethenstrasse 28, Postfach 425, 4010 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1976 geborene A.____ arbeitete seit 4. Juli 2016 im Auftrag der B.____ AG in C.____ als Schaler A bei der Firma D.___ AG in E.__ __. In dieser Eigenschaft war er bei der Schweizerischen Unfallversicherungsgesellschaft (Su va) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Gemäss Schadenmeldung UVG vom 29. Juli 2016 erlitt A.____ am 15. Juli 2016 einen Unfall, als er beim Verschalen einer Decke von 2 herunter- fallenden Schalungselementen (3 m x 0.5 m) am Kopf getroffen wurde und sich eine Commotio Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cerebri und ein axiales Stauchungstrauma der Wirbelsäul e zuzog. Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und gewährte die gesetzlichen Leistunge n (Heilungskosten/Taggelder). Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse hat die Suv a den Fall mit Verfügung vom 3. Okto- ber 2017 in Einstellung der gesetzlichen Versicherungslei stungen per 15. Oktober 2017 folgen- los abgeschlossen. Die gegen diese Verfügung erhobene E insprache wies die Suva mit Ent- scheid vom 27. Juni 2018 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Marco Chevalier, am 17. August 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, dass die Beschwerdegegne rin in Aufhebung des angefochte- nen Einspracheentscheids zu verpflichten sei, ihm die ges etzlichen Leistungen über den 15. Oktober 2017 hinaus zu erbringen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur ergänzenden Sach- verhaltsabklärung an die Suva zurückzuweisen; unter o/e-Koste nfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der rechtserhebliche Sachverhal t ungenügend abgeklärt worden sei und die Beschwerdegegnerin sich auf unzulässige Adäquanzkriterien stütze. C. Mit Vernehmlassung vom 6. September 2017 schloss die S uva auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Be- findet sich dieser im Ausland, so ist das Versicherungsgerich t desjenigen Kantons zuständig, in welchem sich ihr letzter Schweizerischer Wohnsitz befand oder in welchem ihr letzter Schweize- rischer Arbeitgeber Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer w ohnt in F.____, womit bei der örtli- chen Zuständigkeit der Wohnsitz des letzten schweizerischen A rbeitgebers massgeblich ist, welcher sich in C.____ befindet. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 b eurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Ka ntons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidier- ten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten. Zu den ge änderten Normen gehören auch die Bestimmungen von Art. 10 Abs. 1 und Art. 18 Abs. 1 UVG, welche die Ansprüche auf Heilbe- handlung und auf eine Invalidenrente regeln. Laut der Übergangsbestimmung von Art. 118 Abs. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1 UVG werden jedoch Versicherungsleistungen für Ereigni sse, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen zugetragen haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewäh rt. So verhält es sich auch im vor- liegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherig e Recht und die dazu ergangene Recht- sprechung Bezug genommen wird. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe r über den 15. Oktober 2017 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweise r Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am drit- ten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wie dererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 3.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers gemäss UVG se tzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Kr ankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ursache n im Sinne des natürlichen Kau- salzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhand ensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen W eise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetre- ten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibun g ist für die Bejahung des natürli- chen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfa ll die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass da s schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 1 19 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage , worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegend en Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruches nicht (BGE 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen). 3.3.1 Um eine Leistungspflicht des Unfallversicherers begr ünden zu können, muss zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen S chaden auch ein adäquater Kausal- zusammenhang bestehen. Nach der wiederkehrenden Formuli erung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der all gemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetreten en herbeizuführen, der Eintritt dieses Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als begünstig t erscheint (BGE 125 V 456 E. 5a, 123 III 110 E. 3a, 123 V 98 E. 3d und E. 3c, 122 V 415 E. 2a, je mit Hinweisen). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funkti on einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 456 E. 5c, 123 V 98 E. 3b mit Hinweisen) . Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und d er eingetretenen gesund- heitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den v on Doktrin und Praxis entwickelten Re- geln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 30 E. 1b). 3.3.2 Die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich a us dem natürlichen Kausalzusam- menhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Ber eich organisch objektiv ausgewie- sener Unfallfolgen spielt praktisch keine Rolle, da sich h ier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127 V 102 E. 5b/bb m it Hinweisen). Anders verhält es sich bei natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht objek tiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfallbezogene Kriterien einz ubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 mit Hinweisen). Bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall werden diese Adäquanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 115 V 133 E. 6c/aa), während bei Schleu- dertraumen (BGE 117 V 359 E. 6a) und äquivalenten V erletzungen der Halswirbelsäule (HWS; vgl. SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67, E. 2, U 183/93) sowie Schädel-Hirntraumen (BGE 117 V 369 E. 4b) auf eine Differenzierung zwischen physischen und psyc hischen Komponenten verzichtet wird (vgl. zum Ganzen auch BGE 127 V 102 E. 5b/bb und SVR 2007 UV Nr. 8 S. 27, E. 2 ff., U 277/04, je mit Hinweisen). 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anz ugeben, weshalb es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die str eitigen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach alleine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum V ersicherungsträger nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BG E 125 V 351 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 465 E. 4.7). In Bezug auf Berichte von behandeln- den Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsa che Rechnung tragen, dass diese mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauen sstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns- ten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 1 25 V 351 E. 3b/cc). Der Umstand, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingehol t und in das Verfahren eingebracht wird, rechtfertigt für sich allein aber nicht Zweifel am Bewe iswert des betreffenden Parteigutachtens (BGE 125 V 351 E. 3b/dd). 5.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerd eführers und der Frage der Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 15. Juli 2016 und den heute noch geklagten ge- sundheitlichen Beschwerden sind im Wesentlichen folgende Unterlagen zu berücksichtigen: 5.2 Gemäss Bericht des Gesundheitszentrums G.____, Spital H.____ AG, vom 18. Juli 2016 erlitt der Beschwerdeführer am 15. Juli 2016 bei einem Arbeitsunfall eine Commotio ce- rebri und ein axiales Stauchungstrauma der Wirbelsäule, als ihn herunterfallende Schalungs- elemente am Kopf getroffen hätten. Durch den Anprall am Kopf sei der Beschwerdeführer sofort in die Knie gegangen, habe Wärme- und Kältegefühle empfunden und sich übergeben. Nach dem Unfall habe er Schmerzen am Kopf, entlang der gesa mten Wirbelsäule und auch in der Gesässmuskulatur gehabt. Aufgrund der gleichentags im Spital I.____ veranlassten Röntgenun- tersuchung hätten an der Lenden- (LWS), der Brust- (B WS) und der Halswirbelsäule (HWS) keine Frakturen und keine ossären Traumafolgen festgestellt werden können. Der Beschwerde- führer leide an einer linkskonvexen Skoliose der BWS un d weise einen Apex auf Höhe des Brustwirbelkörpers (BWK) 10 auf. In der Beurteilung wu rde festgestellt, dass er wahrscheinlich eine Commotio cerebri und ein axiales Stauchungstrauma erlitten habe. Zudem sei der Babinski links positiv, rechts negativ gewesen. Es wurde ihm vom 18. Juli 2016 bis 22. Juli 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Dem Dokumentati onsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma ist zu entnehmen, dass nach dem Unfall vom 15. Juli 2016 keine Bewusstlosigkeit und Gedächtnislücken a ufgetreten seien. Sofort nach dem Unfall habe der Versicherte aber unter Kopf- und Nacke nschmerzen sowie über Schmerzen im Bereich der gesamten Wirbelsäule und an Schwindel, Üb elkeit und Erbrechen gelitten. Die Be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht weglichkeit der HWS sei schmerzhaft gewesen und es habe eine leicht verminderte Kniestre- ckung sowie beim Unterberger-Tretversuch eine pathologi sche Abweichung nach links vorgele- gen. Es bestünde ein Verdacht auf eine HWS-Distorsion G rad II in Anlehnung an die Quebec Task Force (QTF) Klassifikation. Am 22. Juli 2016 diagnostizierte das Gesundheitszentrum G .____, Spital H.____ AG, (1) ein postcommotionelles Syndrom bei Status nach stattgehabter Commotio cerebri mit/bei Arbeits- unfall am 15. Juli 2016 und Babinski links initial positi v, aktuell komplett regredient und (2) ein axiales Stauchungstrauma der Wirbelsäule mit/bei linkskonvex er Skoliose der BWS mit Apex auf Höhe BWK 10. Insgesamt läge eine Besserung der Be schwerden im Vergleich zur ersten Untersuchung am 18. Juli 2016 vor. Die 100%ige Arbeit sunfähigkeit wurde bis zum 31. Juli 2016 verlängert. 5.3 Gemäss Bericht von Dr. med. J._____, Facharzt (FA) Allgemeinchirurgie, welchen der Beschwerdeführer am 1. August 2016 aufsuchte, habe ein Druck- und ein Klopfschmerz über der Wirbelsäule (BWS 10 - LWS 5) bestanden, welcher an algetisch behandelt worden sei. Dr. J.____ ging davon aus, dass der Beschwerdeführer vorau ssichtlich am 15. August 1976 (recte wohl 2016) wieder arbeitsfähig sei. 5.4 Das K.____ Klinikum diagnostizierte im Bericht vom 1 7. Oktober 2016 ein postcommo- tionelles Syndrom nach stattgehabter Commotio cerebri, ein axiales Stauchungstrauma und eine linkskonvexe Skoliose der BWS. Der Beschwerdeführer habe anlässlich der letzten Unter- suchung vom 12. August 2016 über Schmerzen im Bereich der unteren LWS geklagt. Dort fän- de sich ein Druckschmerz über der alten Narbe nach Bandsch eiben-Operation L4/L5 links und Spinalkanalerweiterung im Januar 2016. 5.5 Am 6. Januar 2017 unterzog sich der Versicherte ein er MRT-Untersuchung des Schä- dels. Im Bericht vom 9. Januar 2017 von Dr. med. L.____ , FA Diagnostische Radiologie und Strahlentherapie, wurden keine intrakraniellen Traum afolgen genannt. Hingegen sei ein kleiner unspezifischer T2-signalreicher Herdbefund von circa 7 mm im zerebellären Kortex rechts er- kennbar. Am 21. April 2017 fand eine weitere MRT-Unt ersuchung des Schädels und der Wir- belsäule durch Dr. L.____ statt. Dabei wurde eine konsta nte Darstellung einer rechts zerebellä- ren Signalanhebung mit einem Durchmesser von 8 mm festgestellt, wobei der Radiologe keinen Befundwandel im Vergleich zur Untersuchung vom 6. Januar 2017 annahm. An der Wirbelsäule bestünde ein leichter Wasserverlust des Bandscheibenfachs LWK 3/4 mit linksbetonter Protru- sion ohne sichere Nervenwurzelalteration und ohne spinale oder neuroforaminale Enge. 5.6 Dr. med. M.____, FA Anästhesie und Chirotherapie, diagnostizierte am 10. Juli 2017 ein chronisches Schmerzsyndrom, ein chronisches pseudoradicu läres Lumbalsyndrom und Kopfschmerzen. Seit dem Unfall leide der Beschwerdeführe r an einschiessenden stechenden und auch ziehenden drückenden Schmerzen im LWS-Bereich mit Ausstrahlung bis in den rech- ten Oberschenkel. Zudem habe er seit dem Unfall täglich piekende Hinterkopfschmerzen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 In der Aktenbeurteilung wies der Suva-Kreisarzt Dr . med. N.____, FMH Chirurgie, am 29. September 2017 darauf hin, dass der Status nach Se questrektomie, Teilhemilaminektomie und Nucleotomie im Bereich der LWS mit Wurzeldekompressi on der Wurzel L4 links vom 18. Januar 2016 unfallfremd sei. Der Versicherte habe am 15 . Juli 2016 einen Unfall erlitten, als ihm zwei Schalungselemente auf den Kopf gefallen seie n. Das Spital I.____ habe drei Tage nach dem Unfall eine Röntgendiagnostik der HWS, der BWS und der LWS in zwei Ebenen durchgeführt. Strukturell objektivierbare Läsionen zufolg e des Unfalls vom 15. Juli 2016 hätten dabei nicht festgestellt werden können. Im weiteren Verlauf sei am 6. Januar 2017 ein MRT des Kopfs durchgeführt worden. Hierbei habe sich ein unspezi fischer signalreicher zerebellärer Herdbefund rechts gezeigt. Der behandelnde Radiologe habe aber keine Anhaltspunkte für eine intrakranielle Traumafolge erkannt. Es handle sich daher um einen unspezifischen Befund des zerebellären Cortexes. Eine MRI-Verlaufskontrolle des Schädels sei am 21. April 2017 durchge- führt worden. Hierbei habe sich unverändert der rechts zerebellär kortikal gelegene Befund dar- gestellt. Am 21. April 2017 sei zudem eine MRI-Diagno stik der LWS und des Beckens durchge- führt worden, mit welchem ebenfalls keine Läsionen zu objektivieren seien. Dr. N.____ kam deshalb zum Schluss, dass unter Berücksichtigung der radiolo gischen Diagnostik im Bereich der LWS, des Schädels und des Beckens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu- gehen sei, dass der Unfall vom 15. Juli 2016 nicht zu stru kturell objektivierbaren Läsionen ge- führt habe. Der Beschwerdeführer habe eine Prellung i m Bereich des Schädels erlitten. Echt- zeitlich sei im Bericht des Gesundheitszentrums G.____ vom 18. Juli 2016 auf der Glasgow Koma Skala (GCS) zur Abschätzung einer Bewusstseinsstöru ng ein Wert von 15 dokumentiert. Es sei daher offensichtlich keine schwerwiegende neurologische Komplikation wie zum Beispiel eine Bewusstlosigkeit aufgetreten. Der Versicherte sei i nsgesamt sehr gut untersucht worden und es bestehe eine ausführliche Diagnostik. Mit überwi egender Wahrscheinlichkeit könne von weiteren Behandlungen im Bereich des Schädels mit ke iner namhaften Besserung des unfall- bedingten Gesundheitszustands gerechnet werden. Die Besc hwerden an der LWS würden un- fallbedingt ab Berichterstattung keine Rolle mehr spielen. 5.8 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens reicht e die Suva einen Bericht von Dr. med. O.____, FMH Neurologie, vom 18. Septembe r 2018 ein. Gemäss HWS- Dokumentationsbogen habe der Beschwerdeführer unmittel bar nach dem Unfall an Kopf- und Nackenschmerzen, an Schmerzen an der gesamten Wirbelsäule sowie an Schwindel, Übelkeit und Erbrechen gelitten. Die Erstkonsultation habe am 1 8. Juli 2016 stattgefunden, wobei Be- schwerden an der Wirbelsäule, aber keine Verletzungszeichen am Kopf festgestellt worden sei- en. Es sei der Verdacht auf eine Commotio cerebri ge äussert worden, wobei kein Anlass für eine zerebrale Bildgebung bestanden habe. Dr. O.____ schloss, dass der Beschwerdeführer bei einem Arbeitsunfall am 15. Juli 2016 mutmasslich ei ne leichte traumatische Hirnverletzung erlitten habe. Die im Januar 2017 angefertigten MRT -Bilder hätten im Kortex der rechten Klein- hirnhemisphäre eine rundliche, gut abgrenzbare Signal veränderung gezeigt, die im Verlauf grössenkonstant gewesen sei und nicht den Merkmalen eine r posttraumatischen Veränderung entspreche. Auch sonst habe es bildgebend keine Hinweise auf intrakranielle Verletzungsfolgen gegeben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Die Suva stützte sich in den angefochtenen Entscheiden (Verfügung vom 3. Oktober 2017 und Einspracheentscheid vom 27. Juni 2018) auf die Ausführungen von Dr. N.____ vom 29. September 2017. Sie ging deshalb davon aus, dass zwi schen dem Ereignis vom 15. Juli 2016 und den noch geklagten Beschwerden am Kopf und an der Wirbelsäule mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit keine Kausalität mehr vorliege, weshalb sie über den 15. Oktober 2017 hinaus keine Leistungen schulde. Dieser Auffassung ist zu folgen. Zwar ist Dr. N.____ als Kreisarzt ein verwaltungsinterner Arzt, weshalb ergänzend e Abklärungen vorzunehmen wären, falls auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit un d Schlüssigkeit seines Berichts bestün- den (vgl. oben E. 4.4; BGE 139 V 225 E. 5.2 und 135 V 465 E. 4.2, je mit Hinweisen). Solche Zweifel sind in Bezug auf seine Ausführungen nicht zu e rkennen. Dr. N.____ führte unter Be- rücksichtigung der ausführlichen bildgebenden Abklärungen und den bis dahin ergangenen Be- richten einleuchtend aus, dass der Beschwerdeführer im Zei tpunkt der Leistungseinstellung nicht mehr an traumatischen Beschwerden gelitten hat. In sbesondere nahm er überzeugend Stellung zum durch Dr. L.____ am 6. Januar 2017 und 2 1. April 2017 im Rahmen der MRT- Untersuchung festgestellten unspezifischen signalreichen z erebellären Herdbefund rechts. In Übereinstimmung mit dem behandelnden Radiologen kam er zum Schluss, dass dies keine intrakranielle Traumafolge sei, sondern einen unspezifischen Befund des zerebellären Cortexes darstelle. Damit wird deutlich, dass entgegen der Auff assung des Beschwerdeführers keine strukturellen objektivierbaren Läsionen infolge des Ereig nisses vom 15. Juli 2016 feststellbar waren. Auch die Tatsache, dass Dr. L.____ in der MRI-Ve rlaufskontrolle am 21. April 2017 ei- nen um 1 mm grösseren Herdbefund als im Januar 2017 be schrieb, ändert daran nichts, ist diese Abweichung - wie es auch die Beschwerdegegnerin erwähnt - mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auf eine Messungenauigkeit zurückzuführen. Da Dr. L.____ nicht Facharzt der Neurologie ist und seine Einschätzung aus radiologischer Sicht erfolgte, versuchte die Suva mehrfach von der behandelnden Neurologin dipl. med. P.____, FA Neurologie, eine Beurteilung einzuholen. Diese Bemühungen waren jedoch erfolglos, weshalb die Suva das medizinische Dossier des Beschwerdeführers ihrer Abteilung Versicherungsmedizin zur neurologischen Beur- teilung unterbreitete. Dr. O.____ beschrieb in seine r Stellungnahme vom 18. September 2018 den Herdbefund als "in der rechten Kleinhirnhemisphäre kortikal gelegene, gut abgrenzbare rundliche Läsion", die im Zeitverlauf von drei Monate n grössenkonstant geblieben sei und kei- nen Gewebsdefekt oder eine umschriebene Atrophie (Hirn substanzminderung) darstelle. Die weisse Substanz des Kleinhirns sei nicht betroffen und es l äge keine Störung des Gewebege- füges durch eine allfällige unfallbedingte Gliose (Hirngewebsnarbe) vor. Schliesslich entspreche das Signalverhalten der Läsion keinem Residualzustand nach Einblutung. Somit würden die wichtigsten Varianten posttraumatischer Hirnpathologien fehlen. Auch seien im übrigen Hirnpa- renchym keine Hinweise auf etwaige posttraumatische Verän derungen vorhanden. Damit be- stätigte Dr. O.____ aus neurologischer Sicht, dass keine o rganisch (hinreichend) nachweisba- ren Unfallfolgeschäden mehr vorliegen. Insgesamt ergibt sich aus den vorliegenden medizini- schen Akten nichts, was geeignet wäre, den Beweiswert de r kreisärztlichen Beurteilung, wo- nach die Unfallfolgen spätestens im Untersuchungszeitpunkt durch Dr. N.____ ausgeheilt seien, in Zweifel zu ziehen. Die Frage, ob – wie der Beschwerd eführer demgegenüber geltend macht – die bestehenden Beschwerden in einem natürlichen Kausa lzusammenhang mit dem Ereignis vom 15. Juli 2016 stehen, kann vorliegend aber letztlich offen bleiben, da die für die Bejahung einer Leistungspflicht erforderliche adäquate Kausalitä t ohnehin verneint werden muss (vgl. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Urteil des Bundesgerichts vom 2. Juli 2010, 8C_182/2010 , E. 3.2), wies sich aus den nachste- henden Ausführungen ergibt. 7.1 Liegen - wie im hier zu beurteilenden Fall - ke ine organisch (hinreichend) nachweisba- ren Unfallfolgeschäden vor, hat eine besondere Adäquan zprüfung zu erfolgen. Dabei ist recht- sprechungsgemäss (BGE 127 V 102 E. 5b/bb mit Hinweisen) wie folgt zu differenzieren: Hat die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der H WS, einen äquivalenten Verlet- zungsmechanismus oder ein Schädel-Hirntrauma, dessen Folg en sich mit jenen eines Schleu- dertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 369 E. 4b), erlitten und liegt in der Folge das für diese Verletzung typische bunte Beschwerdebild vor (diff use Kopfschmerzen, Schwindel, Kon- zentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Erm üdbarkeit, Visusstörungen, Reiz- barkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw., vgl. BGE 119 V 338 E. 1), so ist die Adäquanz nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. entwickelten und mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten (vgl. die nachfolgende E. 8 f.) Grundsätz e zu prüfen. Liegt kein Unfall mit einem Schleudertrauma oder einer adäquanzrechtlich äquivalente n Verletzung vor oder fehlt es nach einer solchen Verletzung an dem hierfür typischen bunte n Beschwerdebild, so hat die Adä- quanzbeurteilung psychischer Folgeschäden des Unfalls nach den in BGE 115 V 133 ff. entwi- ckelten Kriterien zu erfolgen. Der Unterschied besteht darin, dass bei Unfällen mit einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verl etzung auf eine Differenzierung zwi- schen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (BGE 134 V 109 E. 6.2.1, 117 V 359 E. 6a in fine), während bei den übrigen Unfälle n für die Beurteilung der Adäquanz psychi- scher Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen körper- lichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen ma ssgebend sind (BGE 115 V 133 E. 6c/aa). Als Ausnahme von diesen Regeln greift allerd ings die auf die objektiven, physischen Unfallfolgen beschränkte Adäquanzbeurteilung auch bei Unfällen mit Schleudertrauma oder einer äquivalenten Verletzung Platz, wenn die zum hie rfür typischen Beschwerdebild (vgl. dazu BGE 119 V 335 E. 1, 117 V 369 E. 4b) gehörenden Bee inträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer vorhandenen, ausgeprägten psyc hischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 98 E. 2a mit Hinweisen). 7.2 Im vorliegenden Verfahren hat die Suva die Adäqu anz aufgrund der Schleudertrauma- Praxis beurteilt. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden, weshalb die Adäquanzprüfung auch vorliegend nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. darge legten, mit BGE 134 V 109 ff. modifi- zierten (vgl. die nachfolgende E. 8.2) Grundsätzen erfolgen kann. 8.1 In BGE 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgericht ausf ührlich mit der bisherigen Praxis zur Kausalitätsprüfung bei Unfall mit Schleudertrauma, äquivalenter Verletzung der HWS oder Schädel-Hirntrauma ohne organisch objektiv ausgewiesene Beschwerden (so genannte Schleudertrauma-Praxis nach BGE 117 V 359 ff.) befasst. Dabei hat es entschieden, dass am Erfordernis einer besonderen Adäquanzprüfung bei Unfä llen mit solchen Verletzungen festzu- halten sei (E. 7-9). Auch bestehe keine Veranlassung, die bewährten Grundsätze über die bei dieser Prüfung vorzunehmende Einteilung der Unfälle n ach deren Schweregrad und den ab- hängig von der Unfallschwere gegebenenfalls erforderl ichen Einbezug weiterer Kriterien in die Adäquanzbeurteilung zu ändern (E. 10.1). Demnach ist f ür die Bejahung des adäquaten Kau- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht salzusammenhangs im Einzelfall nach wie vor zu verlangen, dass dem Unfall eine massgeben- de Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erw erbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Ge- wicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - aus- gehend vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen ban alen bzw. leichten Unfällen einer- seits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwi schen liegenden mittleren Be- reich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalz usammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem mittle ren Bereich nicht aufgrund des Unfall- geschehens allein schlüssig beantworten. Es sind weitere, o bjektiv erfassbare Umstände, wel- che unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubezieh en. Je nachdem, wo im mittleren Be- reich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, o b einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung d es adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden (E. 10.1 mit Hinweisen). 8.2 Im Übrigen hat das Bundesgericht jedoch die bisheri ge Schleudertrauma-Praxis im genannten Urteil BGE 134 V 109 ff. in mehrfacher Hinsicht präzisiert. So hat es die Anforderun- gen an den Nachweis einer natürlich unfallkausalen Verl etzung, welche die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigt, erhöht (E. 9) und die adäquanzrelevanten Kriterien teilwei- se modifiziert (E. 10.2 und 10.3). Dies betrifft zunäch st das Kriterium der "ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung", das nur dann vorliegt , wenn nach dem Unfall fortgesetzt spezifische und für die versicherte Person eine belasten de ärztliche Behandlung im Zeitraum bis zum Fallabschluss notwendig gewesen war (E. 10.2.3). Weiter wird für die Erfüllung des Kriteriums "Dauerbeschwerden" vorausgesetzt, dass diese erh eblich sind, was aufgrund glaub- haft geltend gemachter Schmerzen und nach der Beeint rächtigung, welche die verunfallte Per- son im Lebensalltag erfährt, zu beurteilen ist (E. 10.2 .4). Hinsichtlich des Kriteriums "Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit" schliesslich ist nicht die D auer an sich, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche massgeblich, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt (E. 10.2.7). Zusammenfassend hat das Bundesgericht den Katalog der bisherigen adäquanzrelevanten Kriterien (BGE 117 V 359 E. 6a, 117 V 369 E. 4b) in BGE 134 V 109 wie folgt neu gefasst (E. 10.3): - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verle tzungen; - fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; - erhebliche Beschwerden; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen er heblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikatio nen; - erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener An strengung. 9.1 Im Rahmen der erforderlichen besonderen Adäquanzp rüfung ist zunächst auf die Fra- ge der Unfallschwere einzugehen. Massgebend für deren B eurteilung ist der augenfällige Ge- schehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften ( vgl. RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. bb), nicht jedoch die Folgen des Unfalles oder die Begleitumstände, die nicht direkt dem Un- fallgeschehen zugeordnet werden können. Derartigen de m eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnenden Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäqu anzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die – ein eigenes Kriterium bilden den – Verletzungen, welche sich die versi- cherte Person zuzieht, aber auch für – unter dem Gesicht spunkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Un falls zu prüfende – äussere Umstän- de, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall für andere Personen nach sich zieht. Dieser G rundsatz gilt sowohl in Bezug auf die Adäquanzbeurteilung bei psychischen Fehlentwicklungen nac h Unfall (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 27 E. 5.3.1) als auch bei Anwendung der Schleudertrauma-Praxis (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni 2008, 8C_536/2007, E. 6.1). 9.2.1 In Bezug auf die Schwere des Unfallereignisses erg ibt sich Folgendes: Der Beschwer- deführer arbeitete am Unfalltag (alleine) auf einer Baustelle in X.____, als sich von der Decke zwei 3 m x 0.5 m lange Schalungselemente lösten, herunterfielen und ihn am Kopf trafen. 9.2.2 Aufgrund dieses Unfallhergangs ist nicht zu bea nstanden, dass die Suva von einem mittelschweren Unfall ausgegangen ist. Fraglich und zu prüfen ist aber, ob er innerhalb des mittleren Bereichs einen Grenzfall zu einem leichten Ereignis darstellt. Hierzu kann ein Ver- gleich mit anderen in der Rechtsprechung beurteilen Unf allereignissen dienen. Als eigentlich mittelschwere Unfälle wurden beispielsweise folgende Ere ignisse qualifiziert: 15 kg schwere Reklametafel fiel auf den mit einem Helm geschützten K opf eines Versicherten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2010, 8C_715/2009, E. 6.2); ein Gast sass in einem Restaurant, als sich eine Deckenplatte löste und auf ihn fiel (Urte il des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2009 8C_488/2009, E. 5.3); die Versicherte sass als Gast einer Geburtstagsfeier auf einer Bank an einer Hausfassade, als eine "Hollywoodschaukel", welch e sich auf der darüber liegenden Dachterrasse befand, durch eine Windböe erfasst wurde und über das Geländer auf sie fiel (Ur- teil des Bundesgerichts vom 1. Mai 2009, E. 4.3.1); ein dreijähriges, etwa 13 kg schweres Kind fiel von der zweit- oder drittobersten Stufe einer etw a 2,55 m hohen Sprossenwand auf die Schulter seiner etwa 1,65 m grossen Mutter (Urteil des B undesgerichts vom 3. Februar 2009, 8C_792/2008, E. 5.3); dem als Bauarbeiter beschäftigt en Versicherten fiel aus einer Höhe von ca. 12 m eine etwa 4,4 kg schwere Packung mit Isolationsm aterial auf den behelmten Kopf und auf das Gesicht (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2008 , 8C_57/2008 E. 8.1); bei "Ab- spitzarbeiten" an einer Betondecke wurde ein Versicherter von einem herunterfallenden Ge- steinsstück getroffen und am Kopf sowie an der Schulter links verletzt (Urteil des Bundesge- richts vom 29. Juni 2007, U 568/06, E. 3.1); ein ander er wurde von einer aus fünf Metern Höhe zu Boden fallenden 15,6 kg schweren Schaltafel am Kopf getroffen (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2003, U 282/00, E. 4.2). Vor dem Hin tergrund dieser Vergleichsfälle ist das vorliegende Ereignis vom 15. Juli 2016 in Übereinstimmun g mit der Suva wohl eher als mittel- schwerer Unfall mit Tendenz zu einem leichten zu qualifizieren. Zugunsten des Beschwerdefüh- rers wird nachfolgend jedoch von einem Unfall im eigen tlichen mittleren Bereich ausgegangen. Damit die Adäquanz bejaht werden könnte, müsste von d en in die Beurteilung einzubeziehen- den Adäquanzkriterien somit entweder ein einzelnes in be sonders ausgeprägter Weise vorlie- gen oder mehrere gehäuft erfüllt sein (BGE 134 V 1 26 E. 10.1, 117 V 367 E. 6a). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitum stände oder der besonderen Ein- drücklichkeit des Unfalles ist objektiv zu beurteilen und n icht aufgrund des subjektiven Empfin- dens bzw. des Angstgefühls der versicherten Person (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Janu- ar 2008, U 56/07, E. 6.1). Der vorliegend zu beurte ilende Unfall war objektiv betrachtet und un- ter Berücksichtigung der Tatsache, dass jeder mittelschwere Unfall eine gewisse Bedeutung hat, weder von besonderer Eindrücklichkeit noch liegen besonders dramatische Begleitumstän- de vor. Damit ist dieses Kriterium nicht erfüllt. 9.4 Auch das Kriterium Schwere und besondere Art der erlittenen Verletzung (BGE 134 V 109 E. 10.2.2) kann nicht als erfüllt gelten, genügt doch die Diagnose eines Schädel- Hirntraumas für sich allein nicht für dessen Bejahung. Es bedarf dazu vielmehr einer besonde- ren Schwere der für das Schleudertrauma, die äquivale nte Verletzung der HWS oder das Schädel-Hirntrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Be- schwerdebild beeinflussen können (BGE 134 V 109 E. 10. 2.2 mit Hinweisen). Für die Erfüllung des Kriteriums liegen keine Anhaltspunkte vor, liegen hie r doch keine entsprechenden erhebli- chen Verletzungen vor, welche sich der Versicherte nebst dem Schädel-Hirntrauma zusätzlich zugezogen hätte. 9.5 Für das Kriterium der ärztlichen Behandlung ist we sentlich, ob nach dem Unfall eine fortgesetzte spezifische, die versicherte Person belastende ärztliche Behandlung bis zum Fall- abschluss notwendig war (BGE 134 V 128 E. 10.2.3). Die ses Kriterium ist nicht allein nach ei- nem zeitlichen Massstab zu beurteilen. Von Bedeutung sind vielmehr auch Art und Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustands resp. der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist. Es muss, ge samthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer vorl iegen. Manualtherapeutische Mass- nahmen, die nur der Erhaltung des Zustandes dienen und ärztliche Verlaufskontrollen sowie eine medikamentöse Schmerzbekämpfung allein genügen die sen Anforderungen nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2007, U 365/05, E. 5.2 m it weiteren Hinweisen). Dieses Krite- rium ist damit vorliegend nicht erfüllt. 9.6 Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Un fallfolgen erheblich verschlimmert hätte (BGE 134 V 109 E. 10.2.5), oder von einem schwie rigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6 S. 129) kann ebenfalls nicht gesprochen werden. 9.7 Zu prüfen bleibt, ob allenfalls die Kriterien "e rhebliche Beschwerden" (BGE 134 V 109 E. 10.2.4) und "erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz a usgewiesener Anstrengungen" (BGE 134 V 109 E. 10.2.7) als erfüllt betrachtet werden können. I n Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit ist nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des ihm nach der Schadenminderungspflicht Zumutbaren ern sthafte Anstrengungen zur Wiederein- gliederung in den Arbeitsprozess (BGE 134 V 109 E. 10. 2.7 S. 129) unternommen hätte. Hin- sichtlich der erheblichen Beschwerden ist ebenfalls von einem nichterfüllten allenfalls nicht aus- geprägten Kriterium auszugehen. Die Frage nach dem V orliegen dieser beiden Kriterien muss Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht indessen nicht abschliessend geklärt werden, denn selbs t wenn dem Versicherten erhebliche Beschwerden und eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit tro tz ausgewiesener Anstrengungen zu- gebilligt werden könnten, wären lediglich zwei der relevanten Kriterien - und dies jedenfalls nicht in ausgeprägtem Masse - erfüllt, was für eine Bejahung der adäquaten Unfallkausalität bei ei- nem mittelschweren Unfall im mittleren Bereich nicht genügt (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2013, 8C_747/2012, E. 5.4.4). Die Adäquan z kann demnach auch bei der für den Beschwerdeführer günstigeren Prüfung nach BGE 134 V 109 nicht bejaht werden. 10. Zusammenfassend kann höchsten eines der sieben Kriteri en (erhebliche Beschwer- den) als erfüllt betrachtet werden, wobei dieses jedoc h weder in besonders ausgeprägter Form noch in auffallender Weise besteht. Die Beschwerdegegn erin hat demnach den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 15. Juli 2016 und den vom Versicher- ten über den 15. Oktober 2017 hinaus geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu Recht verneint. Bei diesem Ergebnis kann, wie oben ausgeführt (vgl. E. 6 hiervor), die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall u nd den heute bestehenden Be- schwerden letztlich offen bleiben. Die gegen den Einspra cheentscheid vom 27. Juni 2018 erho- bene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 11. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Da der Beschwerdeführer unterliegend e Partei ist, hat er keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. b ATSG g contrario). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.