<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 66 S.285</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">285</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>66</b></span> <span class="ft2"><b>Auflagen und Weisungen bei der Sozialhilfe. Verwandtenunterstützungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>pflicht.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Weisungen müssen sich an den Sozialhilfeempfänger richten, nicht an</b></span><br/> <span class="ft2"><b>seine betreuenden Angehörigen (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Sozialbehörde hat mögliche Verwandtenunterstützung abzuklä-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ren. Auskunftspflicht der Verwandten (Erw. 3)</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 23. Mai 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen K.L. gegen Entscheid des Bezirksamts B.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">M.L., geboren 1918, ist seit langer Zeit verwitwet und lebt im</span><br/> <span class="ft1">Altersheim A. Ihr Sohn T.L. wandte sich im Mai 2002 an die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde Z., da das Vermögen von M.L. aufgebraucht sei und die Ein-</span><br/> <span class="ft1">nahmen nicht ausreichten, um die Heim- und übrigen Kosten zu</span><br/> <span class="ft1">decken. Die Beratungsstelle Pro Senectute klärte die Frage von</span><br/> <span class="ft1">Ergänzungsleistungen ab und stellte im Namen von M.L. beim</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat Z. ein Gesuch um materielle Hilfe, wobei das Formular</span><br/> <span class="ft1">durch K.L. (ebenfalls ein Sohn von M.L.) unterzeichnet wurde. Nach</span><br/> <span class="ft1">Abklärungen, namentlich über die Möglichkeit höherer</span><br/> <span class="ft1">Ergänzungsleistungen, verfügte der Gemeinderat Z. am 27. Novem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2002:</span><br/> <br/> <span class="ft1">"1. M.L. wird monatlich mit einem Betrag von Fr. ... unterstützt.</span><br/> <span class="ft1">2. M.L. ist durch die Angehörigen beim Altersheim B. für einen</span><br/> <span class="ft1">Eintritt anzumelden. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt</span><br/> <span class="ft1">ca. 3 Monate. Die Berechnung des Fehlbetrages wird nach</span><br/> <span class="ft1">dem Übertritt bzw. auf den 1. April 2003 neu berechnet und</span><br/> <span class="ft1">angepasst.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3. Für M.L. muss auf den 1. Januar 2003 eine neue Kranken-</span><br/> <span class="ft1">versicherung abgeschlossen werden. Es ist dabei darauf zu</span><br/> <span class="ft1">achten, dass eine günstige Lösung gesucht wird.</span><br/> <span class="ft1">4. Die Angehörigen werden beauftragt, ein Gesuch um Ergän-</span><br/> <span class="ft1">zungsleistung samt den dazu erforderlichen Unterlagen ein-</span><br/> <span class="ft1">zureichen.</span><br/> <span class="ft1">5. Die Nachkommen von M.L. werden aufgefordert, dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat über ihr Einkommen und Vermögen Auskunft zu</span><br/> <span class="ft1">erteilen. Der beiliegende Fragebogen ist zu diesem Zweck</span><br/> <span class="ft1">der Gemeindekanzlei bis am 23. Dezember 2002 ausgefüllt</span><br/> <span class="ft1">wieder zuzustellen."</span><br/> <br/> <span class="ft1">K.L. erhob Beschwerde und beantragte, Disp. Ziff. 2-5 des Be-</span><br/> <span class="ft1">schlusses seien aufzuheben.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Gemäss § 14 SHV kann die Zusprechung materieller Hilfe</span><br/> <span class="ft1">mit Auflagen und Weisungen verbunden werden, welche die richtige</span><br/> <span class="ft1">Verwendung sichern oder die Lage des Hilfeempfängers (und seiner</span><br/> <span class="ft1">Angehörigen) verbessern. Werden Auflagen oder Weisungen nicht</span><br/> <span class="ft1">befolgt oder erforderliche Auskünfte nicht erteilt, kann die materielle</span><br/> <span class="ft1">Hilfe nach erfolgloser Verwarnung gekürzt oder verweigert werden</span><br/> <span class="ft1">(§ 15 SHV; zum neuen Recht vgl. § 13 SPG und § 14 SPV).</span><br/> <span class="ft1">Ist, wie im vorliegenden Fall, die Hilfeempfängerin urteilsfähig</span><br/> <span class="ft1">und bestehen keine vormundschaftlichen Massnahmen, so sind der-</span><br/> <span class="ft1">artige Weisungen an die Hilfeempfängerin zu richten, sonst verfehlen</span><br/> <span class="ft1">sie ihren Zweck. Es ist Sache der Hilfeempfängerin, sich weisungs-</span><br/> <span class="ft1">gemäss zu verhalten - oder gegebenenfalls auf dem Rechtsmittelweg</span><br/> <span class="ft1">gegen die Weisungen vorzugehen - und dazu nach ihrem Gutdünken</span><br/> <span class="ft1">Unterstützung von anderen Personen anzunehmen; die Angehörigen</span><br/> <span class="ft1">können nicht an ihrer Stelle handeln, ohne von ihr ausdrücklich be-</span><br/> <span class="ft1">vollmächtigt zu werden, und die Sozialbehörde kann die Angehöri-</span><br/> <span class="ft1">gen dazu nicht verpflichten. Andererseits können Sanktionen ge-</span><br/> <span class="ft1">genüber der Hilfeempfängerin im Sinne von § 15 SHV nicht damit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">287</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">begründet werden, dass deren Angehörige sich nicht an Weisungen</span><br/> <span class="ft1">hielten. Auch dass der Beschwerdeführer das Gesuch um materielle</span><br/> <span class="ft1">Hilfe in Vertretung seiner Mutter unterzeichnete und einreichte,</span><br/> <span class="ft1">ändert nichts. Anordnungen richten sich an die vertretene Person,</span><br/> <span class="ft1">nicht an ihren Vertreter; lediglich die Zustellung hat an den Vertreter</span><br/> <span class="ft1">zu erfolgen. Disp. Ziff. 2-4 des Gemeinderatsbeschlusses auferlegen</span><br/> <span class="ft4"><i>den Angehörigen</i> Verpflichtungen (bei Ziff. 3 etwas weniger ein-</span><br/> <span class="ft1">deutig, aber mit der Ausdrucksweise "<i>Für</i> M.L. muss ..." doch genü-</span><br/> <span class="ft1">gend klar), die diese ohne das ausdrückliche Einverständnis der</span><br/> <span class="ft1">Hilfeempfängerin M.L. gar nicht erfüllen können und dürfen. Es ist</span><br/> <span class="ft1">nicht ihre Sache, sich um dieses Einverständnis zu bemühen, sondern</span><br/> <span class="ft1">vielmehr Sache der verfügenden Behörde, ihre Weisungen an die</span><br/> <span class="ft1">richtige Person zu richten. Auch wenn der Beschwerdeführer allein</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde erhoben hat, sind diese Ziffern, die sich an die falschen</span><br/> <span class="ft1">Adressaten richten, aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">3.</span> <span class="ft1">Für die Unterstützungspflicht der Verwandten verweist</span><br/> <span class="ft1">§ 23 SHG auf die Art. 328 f. ZGB (zum neuen Recht vgl. § 7 SPG</span><br/> <span class="ft1">und § 6 SPV). Die Sozialbehörde der kostenpflichtigen Gemeinde ist</span><br/> <span class="ft1">berechtigt und sogar verpflichtet, zu klären, ob rechtzeitig</span><br/> <span class="ft1">ausreichende Verwandtenunterstützung erhältlich ist, sodass gar</span><br/> <span class="ft1">keine materielle Hilfe erforderlich wird (§ 29 SHV; zum neuen Recht</span><br/> <span class="ft1">§ 7 Abs. 1 SPG, § 6 SPV); dies impliziert entsprechende Auskunfts-</span><br/> <span class="ft1">pflichten der möglicherweise unterstützungspflichtigen Verwandten</span><br/> <span class="ft1">der Hilfebedürftigen (in § 7 Abs. 3 SPG jetzt ausdrücklich statuiert).</span><br/> <span class="ft1">Wurde materielle Hilfe erbracht und ist der Anspruch auf Verwand-</span><br/> <span class="ft1">tenunterstützung gemäss Art. 329 Abs. 3 ZGB auf die Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">übergegangen, so ist die Leistung der unterstützungspflichtigen Ver-</span><br/> <span class="ft1">wandten nötigenfalls auf dem (Zivil-)Prozessweg durchzusetzen</span><br/> <span class="ft1">(§ 29 SHG, § 33 Abs. 1 SHV; zum neuen Recht § 7 Abs. 1 und</span><br/> <span class="ft1">2 SPG, § 6 Abs. 1 SPV; vgl. dazu AGVE 1997, S. 23 ff., 63 f.). Wie</span><br/> <span class="ft1">das Gesundheitsdepartement in seiner Vernehmlassung zutreffend</span><br/> <span class="ft1">ausführt, ist deshalb Disp. Ziff. 5 des Gemeinderatsbeschlusses</span><br/> <span class="ft1">inhaltlich nicht zu beanstanden. Der Gemeinderat sprach materielle</span><br/> <span class="ft1">Hilfe zu und war gehalten abzuklären, ob gegenüber Kindern der</span><br/> <span class="ft1">Hilfebedürftigen ein - auf die Gemeinde übergehender - Anspruch</span><br/> <span class="ft1">auf Verwandtenunterstützung bestehe. Auch wenn der Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führer der Ansicht ist, mit Ergänzungsleistung sei keine Verwandten-</span><br/> <span class="ft1">unterstützung nötig, berechtigt ihn dies nicht zur Auskunfts-</span><br/> <span class="ft1">verweigerung. Beizupflichten ist auch der vom Gesundheitsdeparte-</span><br/> <span class="ft1">ment vertretenen Ansicht, dass es, weil es sich um eine vom Zivil-</span><br/> <span class="ft1">und Zivilprozessrecht geregelte Materie handelt, jedenfalls vorzu-</span><br/> <span class="ft1">ziehen ist, mit Korrespondenz und nicht mittels formellen Verfügun-</span><br/> <span class="ft1">gen vorzugehen. Im vorliegenden Fall wurden an das Nichthandeln</span><br/> <span class="ft1">bzw. die fehlende Kooperation der Verwandten keine Rechtsnachteile</span><br/> <span class="ft1">geknüpft oder auch nur angedroht, sodass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">durch Disp. Ziff. 5 nicht wirklich beschwert wurde. Unter dieser</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung erscheint der Fehler in der gewählten Form (indem</span><br/> <span class="ft1">verfügt wurde) allein zu wenig gewichtig, um eine Aufhebung der</span><br/> <span class="ft1">streitigen Ziffer zu rechtfertigen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>