Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. April 2021 (720 20 415 / 98) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung medizinischer Gutachten Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Alex Hediger , Advo- kat, Hediger Aeberli Oeschger, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. O ktober 1990 bei der X.____ als LKW-Chauffeur. Am 11. April 2006 verletzte er sich beim Schliessen einer Schiebetüre seines Sattelschleppers an der rechten Hand, am Hals und an der Schulter. Am 1. Juni 2007 meldete er sich infolge von Hand-, Nacken- und Rückenbeschwerden sowie einer Depression bei der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Bezug von Leistun gen an. Mit Verfügung vom 3. März 2010 sprach die IV-Stelle A.____ gestützt auf das Gutachten der Ärztlichen Begutach- tungsinstitut GmbH (ABI) vom 10. September 2008 eine befristete Dreiviertelsrente vom 1. April 2007 bis 30. September 2008 zu. Die dagegen erhoben e Beschwerde von A.____, vertreten durch Dr. Alex Hediger, vom 20. April 2010 hiess das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 24. Septem ber 2010 gut und wies die Angelegen- heit zu weiteren medizinischen Abklärungen an die IV-Stelle zurück. Nach Eingang des Gutach- tens der ABI vom 23. August 2011, wonach der Versicherte in einer angepassten Tätigkeit 100 % arbeitsfähig sei, erliess die IV-Stelle am 27. Januar 2012 einen neuen Vorbescheid. Sie stellte in Aussicht, dass A.____ nach wie vor ab dem 1. A pril 2007 eine Dreiviertelsrente befris- tet bis zum 30. September 2008 ausgerichtet werde, basierend auf einem IV-Grad von 64 %. Nachdem der Beschwerdeführer im Rahmen des Einspracheverfa hrens weitere medizinische Unterlagen eingereicht hatte, entschied die IV-Stell e am 15. November 2012, dass eine ergän- zende psychiatrische Begutachtung notwendig sei. Mit der B egutachtung betraut wurde Dr. med. B.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherap ie. In seinem Gutachten vom 13. April 2013 und seiner Ergänzung vom 30. Juli 2013 kam er zum Schluss, dass aus psychiat- rischer Sicht bei leichtgradigem depressivem Zustandsbild ab 19. Februar 2013 eine Arbeitsun- fähigkeit zwischen 10 % und 30 % in einer den somatisch en Beschwerden angepassten Tätig- keit bestehe. Mit Vorbescheid vom 6. Mai 2014 teilte die IV-Stelle mit, dass der Versicherte ge- stützt auf die aktuellen medizinischen Abklärungen mit W irkung ab 1. April 2007 bis 30. Sep- tember 2008 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, info lge einer vorübergehenden Gesundheits- verschlechterung ab 1. Juni 2012 Anspruch auf eine ganze I V-Rente und schliesslich mit Wir- kung ab 1. Juni 2013 in Berücksichtigung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit gemäss Beurteilung von Dr. B.____ Anspruch auf eine Viertelsrente habe. Gegen diesen Vorbescheid wendete A.____ durch seinen Rechtsvertreter, Dr. Alex Hediger, ein, dass die gesundheitliche Situation falsch eingeschä tzt worden sei und reichte ergänzende medizinische Unterlagen ein. Daraufhin liess die IV-Stelle A.____ erneut begutachten. Mit bidis- ziplinärem Gutachten vom 11. April 2016 kamen Dr. med. C.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zum Schluss, dass die Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht seit Februa r 2012 zu 50 % eingeschränkt sei und aus rheumatologischer Sicht bereits seit Juli 2008 zu 50 %. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) prüfte das bidiszip linäre Gutachten und kam abschlies- send zum Schluss, dass es nicht verwertbar sei (vgl. Stellungn ahmen vom 2. September 2016 und 23. Januar 2017). Hinsichtlich der psychiatrischen Befunde sei weiterhin auf die Beurteilung von Dr. B.____ abzustellen. In somatischer Hinsicht sei na ch wie vor das ABI-Gutachten vom 23. August 2011 massgebend. Daraufhin erliess die IV-Stelle am 15. November 2017 einen neuen Vorbescheid. Die Empfeh- lung des RAD, in psychiatrischer Hinsicht auf das Gutachte n von Dr. B.____ abzustellen, liess sie dabei ausser Acht und hielt fest, dass neu von einer invalidisierenden Wirkung der psychi- schen Beschwerden seit Beginn der Arbeitsunfähigkeit am 1 1. April 2006 «keine Rede sein Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht könne». Lediglich die Einschränkungen im somatischen Bereich hätten Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit. Da die Einschätzung von Dr. C.____ nicht ver wertbar sei, gelte weiterhin die von der ABI attestierte Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit. Der ermittelte IV-Grad von 17 % sei rentenausschliessend. Auch gegen diesen Vorbescheid erhob der Versicherte du rch seinen Rechtsvertreter, Dr. Alex Hediger, Einwand und reichte weitere medizinische Unte rlagen ein, wonach sich der Gesund- heitszustand des Versicherten gemäss der Beurteilung der behandelnden Psychiaterin, Dr. med. E.____, seit Februar 2018 verschlechtert hab e. Nach ihrer Einschätzung sei zudem von einer Arbeitsunfähigkeit von 80 % seit März 2012 au szugehen. RAD-Arzt pract. med. F.____ erachtete daraufhin wegen des langen Verlaufe s der Abklärungen und der Wechselwir- kungen zwischen der Wirbelsäulenschmerzsymptomatik, der kardialen Symptomatik mit Trigge- rung von Ängsten und der depressiven Symptomatik eine ab schliessende polydisziplinäre Be- gutachtung mit interdisziplinärer Konsensbesprechung a ls gerechtfertigt. Dabei sollten die Dis- ziplinen Rheumatologie, Psychiatrie, Neuropsychologie un d Kardiologie berücksichtigt werden. Die polydisziplinäre Begutachtung wurde bei der MediCor e Bad Ragaz AG durchgeführt. Die Fachärzte kamen mit Gutachten vom 12. Januar 2020 zum Sch luss, dass der Versicherte an einem chronischen zervikospondylogenen Schmerzsyndrom, einem chronischen lumbospondy- logenen Schmerzsyndrom sowie an einer breitbasigen Diskush ernie L4/L5 leide. In psychiatri- scher Hinsicht könnten keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigk eit von 100 %. Gestützt auf dieses Gut- achten lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. Sep tember 2020 einen Anspruch des Versi- cherten auf eine IV-Rente bei einem ermittelten IV-Grad von 17 % ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Dr. Alex Hedi ger, mit Eingabe vom 20. Oktober 2020 Beschwerde ans Kantonsgericht. Er beantragte die A ufhebung der angefochtenen Verfü- gung und die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente basiere nd auf einem mindestens 70%igen IV- Grad mit Wirkung ab 1. April 2007. Auffallend sei der Umstand, dass sich die IV-Stelle mit ihren eigenen Entscheidungen in Widerspruch setze, indem sie no ch mit Vorbescheid vom 6. Mai 2014 vorgesehen habe, dem Versicherten zunächst befristet eine Dreiviertelsrente, dann befris- tet eine ganze IV-Rente und schliesslich unbefristet eine Viertelsrente auszurichten. Dies soll nun heute plötzlich so nicht mehr richtig sein. Nicht na chvollziehbar sei nicht zuletzt auch die Kehrtwendung, welche RAD-Arzt pract. med. F.____ gema cht habe, der zunächst das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene Gutachten von Dr. C.____ und Dr. D.____ vom 11. April 2016 als plausibel erachtet habe und gestützt darauf den Rente nanspruch des Versicherten habe festle- gen wollen, einige Monate später aber ohne erkennba ren Grund auf diese Einschätzung zu- rückgekommen sei und plötzlich die Meinung vertreten habe , das bidisziplinäre Gutachten sei nicht überzeugend. Dieses Vorgehen sei nicht akzeptabel. Im Übrigen fänden sich auch im neuesten Gutachten der MediCore Bad Ragaz AG keine zwin genden Argumente, die für eine Beweisuntauglichkeit der Begutachtung von Dr. C.____ und Dr. D.____ sprechen würden. Auf ihre Begutachtung müsse umso mehr abgestellt werden, als auch alle behandelnden Ärzte, vor allem aus psychiatrischer Sicht, eine deutlich höhere A rbeitsunfähigkeit attestieren würden als die Gutachter der MediCore Bad Ragaz AG. In diesem Zusa mmenhang sei auf den Bericht von Dr. E.____ vom 17. Februar 2020 zu verweisen, welche de n Verlauf der Arbeitsunfähigkeit wie- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dergebe und festhalte, dass der Versicherte eine schwere p sychische Verhaltensstörung auf- weise und nicht nachvollziehbar sei, dass im psychiatrischen G utachten der MediCore Bad Ra- gaz AG über Aggravation und Simulation gesprochen werde . Ihre Einschätzung habe Dr. E.____ in einem letzten Schreiben vom 7. August 2020 bestätigt. Ferner sei es nicht haltbar, dass die psychiatrische Gutachterin der MediCore Bad Raga z AG retrospektiv von einer vollen Arbeitsfähigkeit des Versicherten ausgehe. Als Fazit bleibe, dass von den insgesamt fünf Gutachten, d ie von der IV-Stelle im Verlaufe der Jahre angeordnet worden seien, wohl einzig das Gutachten von Dr. C.____ und Dr. D.____ als massgeblich angesehen werden könne. Aus diesem Gutachten ergebe sich, dass der Versi- cherte maximal 50 % arbeitsfähig sei für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit. Ausgehend von einem leidensbedingten Abzug von mindestens 20 % v om Invalideneinkommen, resultiere nach Einkommensvergleich ein IV-Grad von 70 %, womit dem Versicherten rückwirkend ab April 2007 eine ganze IV-Rente zustehe. C. Mit Vernehmlassung vom 7. Dezember 2020 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Nachdem das polydisziplinäre Gutachten der AB I vom 10. September 2008, das Verlaufsgutachten der ABI vom 23. August 2011 sowie das p sychiatrische Gutachten von Dr. B.____ vom 13. April 2013 vorgelegen hätten, sei en Dr. C.____ und Dr. D.____ mit einer bidisziplinären (rheumatologischen/psychiatrischen) Begutachtung beauftragt worden. Der RAD habe nach eingehender Befassung mit dem Gutachten vom 11. April 2016 mit Stellungnahmen vom 23. Januar 2017 schlüssig erläutert, weshalb nicht dara uf abgestellt werden könne. Viel- mehr sei der Expertise der MediCore Bad Ragaz AG vom 1 2. Januar 2020 zu folgen, wonach der Versicherte in einer angepassten Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Der geforderte leidensbedingte Abzug von 20 % rechtfertige sich nicht. Angemessen sei ein Abzug von 5 %. Bei einem ermittelten IV-Grad von 17 % bestehe kein Anspruch auf eine IV-Rente. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten vom 20. Oktober 2020 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Um festzustellen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest- stellungen auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, sind sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet d ie Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Vorliegend geht es darum, einen medizinischen Sachver halt über mehrere Jahre hin- weg mit fünf Gutachten zu würdigen und den Rentenan spruch des Beschwerdeführers zu beur- teilen. 4.1 Zur umfassenden Abklärung des Gesundheitszustandes n ach dem Unfall vom 11. April 2006 beauftragte die IV-Stelle die ABI mit der Erste llung einer Expertise. Mit Gutachten vom 10. September 2008 diagnostizierten die Fachärzte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches rezidivierendes Zervikalsyndrom mit Zervikozephal gien und Zervikobrachialgien links, ein chronisches rezidivierendes Lumbalsyndrom mit ischi algiformer Ausstrahlung links sowie ein Belastungsdefizit der rechten Hand nach Quetschtrauma am 11. April 2006. Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine an amnestisch mittelgradige depressive Episo- de, derzeit remittiert, eine Medikamentenmalcompliance sowie ein fortgesetzter Nikotinkonsum. Aufgrund der objektiven rheumatologischen Befunde seien dem Versicherten mittelschwere und schwere Tätigkeiten wie die angestammte Tätigkeit als LK W-Chauffeur nicht mehr zumutbar. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Überk opfarbeiten bestehe aus rheumatologi- scher Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Nach den m edizinischen Unterlagen sei davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit seit April 2006 bestehe. Aus psychiatrischer Sicht habe vorübergehend eine Einschränkung bis zur aktuell feststellbaren Remission vorgelegen. Über die Zeit gemittelt, von April 2006 bis Juni 2008, sei eine Arbeitsun- fähigkeit von 50 % zu bestätigen. Ab Juli 2008 sei von e iner vollen Arbeitsfähigkeit für leichte, adaptierte Tätigkeiten auszugehen. 4.2 Gestützt darauf sprach die IV-Stelle dem Versichert en am 3. März 2010 eine Dreivier- telsrente ab 1. April 2007 zu, welche sie per 30. Sep tember 2008 befristete, da ab 1. Juli 2008 von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Das K antonsgericht hob mit Urteil vom 24. September 2010 die Verfügung auf und wies die A ngelegenheit an die Vorinstanz zurück, damit sie den somatischen Gesundheitszustand weiter abklä re, da anlässlich einer MRT- Untersuchung vom 8. März 2010 neue Befunde beschrieben worden seien. 4.3 Die IV-Stelle beauftragte daraufhin die ABI mit einem Verlaufsgutachten. Mit Gutachten vom 23. August 2011 wurden in somatischer Hinsicht prakt isch die gleichen Diagnosen gestellt wie bereits 2008. Mit Einfluss auf die Arbeitsfähigke it wurden ein chronisches zervikospondylo- genes Schmerzsyndrom linksbetont, ein chronisches lumbo spondylogenes Schmerzsyndrom links sowie ein Belastungsdefizit der linken Hand bei Sch merzen im Daumengrundgelenk ge- nannt. Die im Rahmen der letzten Begutachtung im ABI im Jahr 2008 gestellten Diagnosen wie auch die dort attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit als LKW-Chauffeur und 100%ige Arbeitsfä- higkeit für leichte, adaptierte Tätigkeiten deckten sich mit der aktuellen Einschätzung. Die leich- te Zunahme der degenerativen Veränderungen im Zervika lbereich sei nicht derart gravierend, dass die Arbeitsfähigkeit darüber hinausgehend zusätzlich eingeschränkt werde. Hinweise für eine radikuläre Symptomatik oder Wurzelkompressionssymptoma tik im Zervikalbereich und Lumbalbereich gebe es keine. Ferner zeige sich wie dama ls eine Diskrepanz zwischen den demonstrierten massiven Einschränkungen im Rahmen der akti ven Untersuchung und der ins- gesamt besseren Beweglichkeit bei unbewussten Bewegungen. In psychiatrischer Hinsicht wurde als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine dys- funktionale Schmerzverarbeitung mit algogener Verstim mung (ICD-10 F54) festgehalten. Im Rahmen der aktuell beklagten Beschwerden stellten die Nackenschmerzen zweifellos das Leit- symptom dar. Aufgrund der Chronifizierung dieser Beschw erden träten auch reaktive psychi- sche Verstimmungen mit Deprimiertheit, Lustlosigkeit, Ge reiztheit, Verbitterung und Missmut auf. Eine Arbeitsunfähigkeit könne aber nicht attest iert werden. Auch eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung lasse sich nicht diagnostizieren, da h ierfür sowohl die emotionale Kon- fliktsituation bei Ausbruch der Störung, als auch die f rühen Stressfaktoren im Kindesalter fehl- ten. Auch aus psychiatrischer Sicht liege heute ein sehr ähnlicher Befund vor wie bei der Be- gutachtung im Jahr 2008. Im Verlauf hätten sich keine V eränderungen oder Neuerkrankungen ergeben. Zusammenfassend sei der Versicherte für eine kö rperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten zu 100 % arbeitsfähig. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Mit Vorbescheid vom 27. Januar 2012 teilte die IV -Stelle mit, dass der Versicherte gleich wie in der Verfügung vom 3. März 2010 Anspruch auf eine befristete Dreiviertelsrente vom 1. April 2007 bis 30. September 2008 habe. Nach E inwand des Versicherten, in dem er eine Verschlechterung, insbesondere des psychischen Gesundheitszustandes, geltend machte, gab die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. B.____ in Auftrag. In seinem Gutachten vom 13. April 2013 und seiner Ergänzung vom 30. Juli 20 13 diagnostizierte er mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (IC D-10 F32.0). Beim Versicherten habe sich zunehmend eine Krankheitsverfestigung entwickelt, verb unden mit einem sozialen Rück- zug und einer deutlichen Verbitterung aus dem Gefühl heraus, ungerecht behandelt worden zu sein. Das aktuelle psychopathologische Zustandsbild entsprech e unter Berücksichtigung der mangelnden Anstrengungsbereitschaft einem leichtgradige n depressiven Syndrom. Bei nur 20 % richtige Antworten bei zwei Antwortmöglichkeiten im Nonverbal Medical Symptom Validity Test sei ein Täuschungsverhalten wahrscheinlich. Der Explora nd habe überzufällig häufig die Antworten falsch gewählt. Auch die Antworttendenz in d er Symptom-Checkliste weise auf eine verstärkte Beschwerdewahrnehmung und Verdeutlichungstende nz hin. Die vom Exploranden präsentierten Beschwerden könnten kaum in der Form im A lltag vorhanden sein. Bei chroni- schen Schmerzen sei ferner eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung zu diskutieren (ICD-10 F45.4). Da jedoch entscheidende, ursächliche Ei nflüsse fehlten, sei die Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht zu stellen . Heute sei von einer Arbeitsunfä- higkeit zwischen 10 % und 30 % auszugehen. Eine präzise Ein schätzung sei aufgrund der Hin- weise auf Aggravation / Simulation nicht möglich. In Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähig- keit bis zur heutigen Untersuchung sei insgesamt von ein em wechselhaften Verlauf auszuge- hen. Wahrscheinlich habe zu Beginn der Symptomatik eine A rbeitsunfähigkeit von 50 % be- standen, wie in den Akten mehrfach dokumentiert sei. D r. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, habe sodann ab Mitte Januar 2011 eine vo lle Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. Bericht vom 2. Februar 2011). Das Zustandsbild habe sich offenbar zeitnah gebessert, da sei- tens der ABI in ihrem Gutachten vom 23. August 2011 keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert worden sei. Später sei es erneut zu einer Zunahme der d epressiven Symptomatik gekommen mit attestierter Arbeitsunfähigkeit von 80 % seitens de r behandelnden Psychiaterin (vgl. Berichte von Dr. E.____ vom 17. April 2012 und 8. November 2012 sowie Bericht der Kan- tonalen Psychiatrischen Klinik vom 7. Mai 2012). 4.5 Mit Vorbescheid vom 6. Mai 2014 kündigte die IV-S telle an, dass der Versicherte ge- stützt auf die bisherigen medizinischen Gutachten Anspruch auf eine befristete Dreiviertelsrente habe ab 1. April 2007 bis 30. September 2008, auf ei ne ganze Rente vom 1. Juni 2012 bis 31. Mai 2013 und ab 1. Juni 2013 auf eine Viertelsrente. Nach Einwand des Beschwerdeführers beauftragte die IV-Stelle Dr. C.____ und Dr. D.____ , ein bidisziplinäres Gutachten mit den Fachgebieten Rheumatologie und Psychiatrie zu erstatten. Mit Gutachten vom 11. April 2016 diagnostizierte Dr. C.____ mit Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit ein zervikobrachiales Schmerzsyndrom sowie Zervikozephalgien, ein chronisches lu mbospondylogenes Schmerzsyndrom linksbetont, eine beginnende Rhizarthrose links sowie ein Widespread Pain Syndrom. Insgesamt seien die degenerativen Veränderunge n im Bereich der Halswirbelsäule als ursächlich für die Beschwerdesymptomatik zu werten. Da s Ausmass der angegebenen Schmerzen sowie der Einschränkungen sei jedoch übersteige rt und sei als Fehlsteuerung im Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rahmen des Widespread Pain Syndroms zu sehen. Zudem s ei der Versicherte nicht fähig ge- wesen, ein adäquates Schmerzcoping zu etablieren über di e letzten zehn Jahre. Insgesamt würden die somatischen Beschwerden durch das Widespread Pain Syndrom stark überlagert, wobei insbesondere der Symptomscore sowie die funktione llen Beschwerden massgeblich sei- en. Die Vermutung liege nahe, dass eine Schmerzverarbei tungsstörung bzw. differenzialdiag- nostisch eine somatoforme Schmerzstörung vorliege. In Be zug auf die Arbeitsfähigkeit kam Dr. C.____ zum Schluss, dass abweichend vom ABI-Gutachten vom 23. August 2011 ab 1. Juli 2008 lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zumutbar gewesen wäre. Die aktuelle Beurteilung erfolge in Berücksichti gung der Zunahme der degenerativen Veränderungen an der Halswirbelsäule mit Schmerzausstrahlungen sowie der therapieresisten- ten Schmerzchronifizierung im Rahmen des Widespread Pai n Syndroms. Zu beachten sei wei- ter, dass anhaltende Überkopfarbeiten und Arbeiten übe r der Schulterhorizontalen mit einem Gewicht über 5 kg rechts und 2 kg links nicht möglich seien. Ferner seien Tätigkeiten mit repeti- tiven Kopf-Drehbewegungen sowie mit Reklinations- und Flexionshaltungen der Halswirbelsäu- le und der Lendenwirbelsäule zu vermeiden. Eine Geh dauer von 30 Minuten am Stück, eine Sitzdauer von 1 Stunde und eine Stehdauer von 30 Minut en seien die Limite. Somit wäre eine wechselbelastende Tätigkeit stehend, gehend und sitzend realisierbar. Dr. D.____ diagnosti- zierte in psychiatrischer Hinsicht eine rezidivierende dep ressive Störung, zurzeit leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0) sowie eine anhaltende somatof orme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Versichert e sei aufgrund der aktuellen, leichtgradi- gen depressiven Symptomatik mit reduziertem Antrieb, ve rminderten Interessen, erhöhter Er- müdbarkeit und Schlafstörungen sowie aufgrund der Schm erzen im Rahmen der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung in seiner Arbeitsfähigkeit b eeinträchtigt. Gemäss Aktenlage müsse davon ausgegangen werden, dass im Jahr 2012 und au ch im Sommer 2015 eine mittel- gradige depressive Symptomatik vorgeherrscht habe, im Jahr 2 013 jedoch lediglich eine leicht- gradige. Somit könne arbiträr aufgrund der rezidivie renden depressiven Störung und der anhal- tenden somatoformen Schmerzstörung eine durchschnittliche V erminderung der Arbeitsfähig- keit um 50 % ab 2012 angenommen werden. In der Konsensbesprechung kamen die Gutachter zum Schluss, dass gesamthaft von einer 50%igen Arbeitsfä higkeit ab 1. Juli 2008 auszugehen sei. 4.6 Am 2. September 2016 nahm RAD-Arzt pract. med. F. ____ zum Gutachten Stellung. Zwar scheine die von den Gutachtern attestierte Arbeit sunfähigkeit bei den gestellten Diagno- sen etwas hoch. Vor dem Hintergrund des langjährigen und chronifizierten Verlaufs der rezidi- vierenden depressiven Störung erweise sich die Einschätzun g der Gutachter aber als nachvoll- ziehbar, auch in Berücksichtigung der negativen Wechselwirkungen zwischen somatischen und psychiatrischen Befunden. Pract. med. F._____ evaluierte das Gutachten am 23. Ja nuar 2017 neu und stellte nunmehr fest, dass das psychiatrische Teilgutachten von Dr. D.____ insofern unvollständig sei, als eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Komplex Aggra vation und Simulation trotz diesbe- züglicher auffälliger Befunde im Vorgutachten von Dr. B.____ ausgeblieben und der Aspekt der Behandlungsmöglichkeiten der depressiven Störung nicht ge nügend berücksichtigt worden sei. Diese Punkte habe er in seiner Stellungnahme vom 2. Se ptember 2016 nicht ausreichend be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht achtet. Eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit könne aus Sich t des RAD bei den vorliegenden Befun- den nicht bestätigt werden, sodass psychiatrischerseits weite rhin auf die Beurteilung von Dr. B.____ vom 13. April 2013 abzustellen sei mit beg ründeter, maximaler 20%iger Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit. Für die Jahre davor seien bezüglich des Arbeitsunfähigkeitsverlaufs die Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. med. H.____, FMH Innere Medizin, vom 24. April 2013 und seine Stellungnahme vom 4. Februar 2014 zu beach ten. Zur Beurteilung der somatischen Seite werde der Fall an RAD-Arzt Dr. med. I.____, FM H Orthopädische Chirurgie und Trauma- tologie des Bewegungsapparates, weitergeleitet. Dr. I. ____ kam mit Stellungnahme vom 23. Januar 2017 zum Schluss, dass das rheumatologische Gutac hten von Dr. C.____ ebenfalls nicht verwertbar sei und weiterhin das Gutachten der ABI vom 23. August 2011 Geltung habe. Die Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % mit de r Begründung zunehmender degenerati- ver Veränderungen sei nicht nachvollziehbar. Die Veränd erungen seien genau betrachtet funk- tionell irrelevant, da sie keine klinischen, neurokompressiven Pathologien aufwiesen und zudem eine altersentsprechende Varianz nicht signifikant überschritten, zumal Dr. C.____ ausdrücklich die Ergebnisse der Vorgutachten von Dr. med. J.____, FM H Rheumatologie und Physikalische Medizin und Rehabilitation, aus dem Jahr 2007, der ABI aus den Jahren 2008 und 2011 und auch des RAD bestätigt habe, andererseits dann aber vom Resultat des ABI-Gutachtens vom 23. August 2011 punkto Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit massgeblich abweiche, ohne dies jedoch plausibel zu begründen. Im ABI-Gutachten 201 1 sei bezüglich der degenerativen Veränderungen zervikal im Verlauf, also seit dem ABI-Gu tachten 2008, nur eine mässige Pro- gredienz festgestellt worden, die ausdrücklich als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit be- urteilt worden sei. Die in der aktuellen MRT-Bildge bung vom 27. Januar 2016 neu aufgeführten degenerativen Veränderungen korrelierten klinisch auch mit dem Verlauf seit der Begutachtung der ABI vom 23. August 2011. So seien keine sensomot orischen Ausfälle objektiviert worden bei gesamthaft unveränderter, subjektiver Beschwerdepräsentation. 4.7 Mit Vorbescheid vom 15. November 2017 erkannte die IV-Stelle nunmehr, dass eine invalidisierende Wirkung der psychischen Beschwerden im Ges amtzeitraum seit dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit am 11. April 2006 nicht ausgew iesen sei. Die Erkenntnis von pract. med. F.____, dass die attestierte Arbeitsfähigkeit von Dr. B.____ ausschlaggebend sei, blieb unbe- achtet. Da aus somatischer Sicht ebenfalls von einer volle n Arbeitsfähigkeit auszugehen sei, bestehe bei einem ermittelten IV-Grad von 17 % kein Anspruch auf eine IV-Rente. 4.8 Auf Einwand des Beschwerdeführers vom 28. Dezember 2 017 hin holte die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten bei der MediCore Bad Ra gaz AG ein. Mit Gutachten vom 12. Januar 2020 stellten die Fachärzte als Diagnose mit A uswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zerviko- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom lin ks fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine koronare Mehrgefä sserkrankung, psychische Verhaltensstö- rungen und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypn otika (ICD-10 F13.1 und ICD-10 F13.2), eine arterielle Hypertonie bei leichtem Überg ewicht, eine Hypercholesterinämie, jahr- zehntelanger Zigarettenkonsum sowie ein Fibromyalgiesyndrom. In der angestammten Tätigkeit als LKW-Chauffeur sei der Versicherte seit seinem Unfall im Jahr 2006 arbeitsunfähig. In einer adaptierten, körperlich leichten, wechselbelastenden Tät igkeit ohne Überkopfarbeiten sei der Versicherte hingegen voll arbeitsfähig. In der rheuma tologischen Untersuchung seien positive Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Waddelzeichen zu erheben gewesen, vereinbar mit einer Verdeutlichungstendenz. Es seien aber funktionelle Einschränkungen zu objektivieren, auch in Berücksichtigung eines aggravie- renden Anteils bei der Beschwerdeschilderung. Aus psychia trischer Sicht sei die Arbeitsfähig- keit nicht eingeschränkt. Die Abklärung habe deutliche Hinweise für eine Aggravation ergeben. 5. Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Ge sundheitszustandes des Versicher- ten auf das Gutachten der MediCore Bad Ragaz AG vom 1 2. Januar 2020 und verneinte bei attestierter voller Arbeitsfähigkeit in einer adaptier ten Tätigkeit einen Anspruch auf eine IV- Rente. Der Versicherte erachtet das Gutachten vom 12. Jan uar 2020 dagegen als beweisun- tauglich und vertritt die Auffassung, dass einzig das bidi sziplinäre Gutachten von Dr. C.____ und Dr. D.____ vom 11. April 2016 mit attestierter A rbeitsunfähigkeit von 50 % überzeuge, weshalb ebendieses als Verfügungsbasis heranzuziehen sei. 5.1 In Würdigung aller medizinischer Gutachten ist zunä chst festzuhalten, dass die ABI- Gutachten vom 10. September 2008 und 23. August 2011 i nhaltlich überzeugen. Die im Gut- achten von 2008 festgestellten rheumatologischen Diagnose n – chronisches rezidivierendes Zervikalsyndrom mit Zervikozephalgien und Zervikobrachialgi en links sowie chronisches rezidi- vierendes Lumbalsyndrom – wurden im Jahr 2011 klar bestä tigt. Die leichte Zunahme der de- generativen Veränderungen im Zervikalbereich blieb ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Aus somatischer Sicht bestand folglich eine volle Arbeitsunfä higkeit des Versicherten im ange- stammten Beruf, in einer angepassten leichten Tätigkei t wurde ihm dagegen eine 100%ige Ar- beitsfähigkeit attestiert. Aufgrund einer mittelgrad igen depressiven Episode bestand eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit von April 2006 bis Juni 2008 . Danach – im Zeitpunkt der gutachterli- chen Untersuchung der ABI vom 10. September 2008 – gal t die mittelgradige depressive Epi- sode als remittiert. Im Gutachten der ABI vom 23. Au gust 2011 wurde psychiatrischerseits ein ähnlicher Befund wie 2008 festgestellt, eine Arbeitsunf ähigkeit resultierte folglich nicht. In die- sem Sinne ist die Feststellung der IV-Stelle in ihrem Vorbescheid vom 27. Januar 2012, dass der Versicherte gestützt auf die vorübergehende 50%ige A rbeitsunfähigkeit Anspruch auf eine befristete Dreiviertelsrente vom 1. April 2007 bis 30. September 2008 habe, nachvollziehbar. Auch das Gutachten von Dr. B.____ vom 13. April 2013 erweist sich als beweistauglich. Dr. B.____ bestätigte die Erkenntnisse der ABI-Gutachter un d stellte fest, dass es im Jahr 2012 offenbar zu einer vorübergehenden Verschlechterung der psychischen Situation gekommen sei mit einer 100%igen bzw. 80%igen Arbeitsunfähigkeit. Im Zeitpunkt der gutachterlichen Untersu- chung vom 19. Februar 2013 war lediglich noch die Dia gnose einer leichten depressiven Episo- de zu stellen. Diese lässt sich mit der Krankheitsverfestig ung, welche der Beschwerdeführer über die Zeit entwickelte, gut erklären. Im Weiteren verneinte er klar eine somatoforme Schmerzstörung, weil für die Diagnose entscheidende urs ächliche Einflüsse fehlten. Genauso anschaulich vermittelte er das Bild, dass beim Versichert en ein aggravierendes Verhalten bzw. sogar ein Täuschungsverhalten erkennbar sei, weshalb die B eurteilung der Einschränkung der Leistungsfähigkeit bei leichter depressiver Episode schwierig sei, aber im Rahmen von 10 % bis höchstens 30 % liegen dürfte. In ihrem Vorbescheid vom 6. Mai 2014 berücksichtigte die IV- Stelle hier die vorübergehende Verschlechterung des psych ischen Zustandes und stellte fest, dass der Versicherte wie bisher beurteilt, Anspruch auf eine Dreiviertelsrente vom 1. April 2007 Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis 30. September 2008 und neu auf eine ganze IV-Ren te vom 1. Juni 2012 bis 31. Mai 2013 habe. Da ab Untersuchungszeitpunkt bei Dr. B.____, de m 19. Februar 2013, von einem ver- besserten Zustand auszugehen sei, sei ab 1. Juni 2013 ( vgl. Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 19 61) von einer 20%igen (Mittel von 10% und 30%) Arbeitsunfähigkeit bzw. einer 80%igen Arbeit sfähigkeit auszugehen. Soweit ist die medizinische und von der IV-Stelle in Rentenbetreffni sse wiedergegebene Situation nachvoll- ziehbar und schlüssig. Der IV-Stelle kann jedoch insowei t nicht gefolgt werden, als sie in Be- rücksichtigung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ab 1. Jun i 2013 eine Viertelsrente ermittelte in Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 15 %. Dazu aber später. 5.2 Indes ist der Beurteilung der IV-Stelle hinsichtlic h des bidisziplinären Gutachtens von Dr. C.____ und Dr. D.____ vom 11. April 2016 zu folg en, dass eine fundierte Begründung für die attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit fehlt. Dr. C.____ nannte in seinem rheumatologischen Teilgutachten im Wesentlichen die gleichen Diagnosen wie die Gutachter der ABI. Neu diagnos- tizierte er ein Widespread Pain Syndrom (Fibromyalgie) . Insgesamt seien die degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule als ursächli ch für die Beschwerdesymptomatik zu werten. In der körperlichen Untersuchung stelle er diesbezüglich fest, dass das Ausmass der angegebenen Schmerzen sowie Einschränkungen jedoch übers teigert sei. Auch in Bezug auf die Schulterproblematik sei erkannt worden, dass der Ver sicherte in einem unbeobachteten Moment die Schultern frei hätte bewegen können. Dies korreliere nicht mit den Untersuchungs- befunden, weshalb lediglich von einem diskreten Befund gesprochen werden könne. Die Symp- tomatik sei eindrücklich und lasse vermuten, dass eine Sympt omverdeutlichung sowie ein Schonverhalten bestehe. Auch zeige der Versicherte beim spondylogenen Schmerzsyndrom bei mässig degenerativen Veränderungen eine stärkere Sc hmerzsymptomatik als erwartet. Dr. C.____ kam abschliessend zum Schluss, dass die somatischen B eschwerden durch das Wi- despread Pain Syndrom stark überlagert seien, ohne ein e differenzierte Beurteilung bezüglich der Verdeutlichungstendenz vorzunehmen. Hierzu äusserte er lediglich die Vermutung, dass eine Schmerzverarbeitungsstörung vorliege bzw. differe nzialdiagnostisch eine somatoforme Schmerzstörung. Schliesslich ist auch die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar, indem von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer ad aptierten Tätigkeit rückwirkend ab 1. Juli 2008 ausgegangen wurde. Vor allem deshalb, weil Dr. C .____ erklärte, dass die Gutachten der ABI vom 10. September 2008 sowie vom 23. August 2011 in sich konsistent seien und eine übereinstimmende polydisziplinäre Beurteilung über meh rere Jahre bestätigten. Seine Ein- schätzung begründete er mit zunehmenden degenerativen V eränderungen sowie einem Wi- despread Pain Syndrom. Eine höhere Einschränkung der A rbeitsfähigkeit wäre demzufolge wohl erst ab Untersuchungszeitpunkt von Dr. C.____ anzune hmen. Diesbezüglich ist aber auf die Beurteilung von RAD-Arzt Dr. I.____ vom 23. Janua r 2017 zu verweisen, wonach die dege- nerativen Veränderungen funktionell irrelevant seien, was später auch vom rheumatologischen Gutachter der MediCore Bad Ragaz AG bestätigt wurde (vgl. Gutachten vom 12. Januar 2020). In Bezug auf das psychiatrische Gutachten kann Dr. D.____ insoweit gefolgt werden, als er aufgrund der Symptomatik eine leichte depressive Episode diagnostizierte. Die Herleitung der Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung überzeugt dagegen nicht. Einerseits greift er nur ein diagnostisches Kriterium heraus, ohn e die weiteren zu beurteilen. Andererseits Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheint das beurteilte diagnostische Element nicht als de rart einschneidend. So schilderte Dr. D.____, dass sowohl der Versicherte als auch seine Eh efrau aus finanziellen Gründen im- mer sehr viel hätten arbeiten und deswegen auch eine r äumliche Trennung von den Kindern während 10 Jahren in Kauf hätten nehmen müssen. Da die Ehefrau zudem ca. ein bis zwei Jah- re vor dem Unfall des Versicherten wegen Rückenschmerzen ih re Arbeit verloren habe, könne davon ausgegangen werden, dass diese Situation eine grosse psychosoziale Belastung für den Versicherten dargestellt habe. Dass diese Situation all ein Grundlage für die Entwicklung einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sein soll, ist n icht plausibel. Braucht es doch hier- für einen andauernden, schweren und quälenden Schmer z, „der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden kann. Der Schmerz tritt in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozia len Problemen auf. Diese sollten schwerwiegend genug sein, um als entscheidende ursächlich e Einflüsse zu gelten.“ In Frage käme hier allenfalls die Kündigung durch den Arbeitgeber, welche der Versicherte als ungerecht empfand. Dazu erkannte Dr. B.____, dass die vom Versicher ten als massive Kränkung erlebte Kündigung Ende 2007 erfolgt sei, als er schon in psychia trischer Behandlung gewesen sei. Dem Bericht von Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. Juli 2006 sei zu entnehmen, dass bereits vor der Kündigung eine ein drückliche Zentrierung und Einengung des Denkens auf die Belange der körperlichen Schmerzen u nd existentiellen Schwierigkeiten vorhanden gewesen sei. Mit dem Versicherten sei damals ei ne Wiedereingliederung bespro- chen worden, eine stufenweise Wiederaufnahme der Arbei tstätigkeit hätte erfolgen sollen. Die Kündigung könne daher nicht als entscheidender ursächlich er Faktor gesehen werden. Fehle wie hier ein solcher Faktor, könne die Diagnose der anh altenden somatoformen Schmerzstö- rung nicht gestellt werden. Mit dieser überzeugenden B eurteilung setzte sich Dr. D.____ in kei- ner Weise auseinander; auch nicht mit den Feststellun gen in Bezug auf das aggravierende Verhalten des Beschwerdeführers. Es mangelt dem Gutachte n von Dr. C.____ und Dr. D.____ somit an einer fundierten Begründung für die beschein igte Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Hierzu kann auch auf die vertiefte Beurteilung von RAD-Arzt p ract. med. F.____ vom 23. Januar 2017 verwiesen werden. An dieser Stelle bleibt anzumerken, dass es zwar unglücklich ist, dass pract. med. F.____ in einer ersten Beurteilung sich vorschnell dem bidisziplinären Gutachten an- schloss und erst nachträglich seine Aussagen korrigierte. Es muss ihm aber zugestanden wer- den, seine Meinung revidieren zu dürfen und auf seine Beurteilung zurückzukommen, wenn das Ergebnis dann in sich schlüssig ist. Folglich kann auf das bi disziplinäre Gutachten von Dr. C.____ und Dr. D.____ vom 11. April 2016 nicht abgestellt werden. 5.3 Dem polydisziplinären Gutachten der MediCore Bad R agaz AG vom 12. Januar 2020, auf welches sich die IV-Stelle am Schluss stützte, kann n ur differenziert gefolgt werden. Die somatische Beurteilung des Gesundheitszustandes, wonach i m Wesentlichen von einem glei- chen Gesundheitszustand auszugehen ist wie bereits zu Zeit en der ABI-Begutachtungen, ist nicht zu beanstanden. Unbestritten ist einmal das Ergeb nis, dass aus kardiologischer und inter- nistischer Sicht keine funktionellen Einschränkungen für irgendeine Tätigkeit festgestellt werden konnten. Ferner decken sich die rheumatologischen Diagno sen weitgehend mit denjenigen in den vorangehenden Gutachten, wonach im Wesentlichen da s chronische zerviko- und lumbos- pondylogene Schmerzsyndrom Auswirkungen auf die Arbeitsf ähigkeit habe. Ohne Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit sei dagegen das Fibromyal giesyndrom (Widespread Pain Syn- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht drom). Mit den aktuellen, klinischen und radiologischen B efunden sei ein Teil der Beschwerden objektivierbar und plausibel, das subjektiv geschilderte A usmass der Beschwerden dagegen nicht. Es zeigten sich in der Untersuchung Verdeutlichun gstendenzen mit auffälligen Waddel- zeichen. Im angestammten Beruf als LKW-Chauffeur sei der Versicherte voll arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit liege die zumutbare Arbeit sfähigkeit hingegen bei 100 %. Eine ret- rospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei zwar sch wierig, der geschätzten Arbeitsunfähig- keit von 50 % seitens Dr. C.____ im Gutachten vom 11. April 2016 könne jedoch nicht gefolgt werden, da sie nicht plausibel sei. Namentlich werde die Diagnose des Fibromyalgiesyndroms als iv-relevante Diagnose beurteilt, was nicht richtig s ei. Die degenerativen Veränderungen hät- ten sicher nochmals eine Progredienz erfahren. Diese Ver änderung habe aber keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit. Für eine Schulterpathologie finde sich ferner weder klinisch noch radiologisch ein Hinweis. Die sonstigen Angaben von Schmerzen seien am ehesten dem Fibromyalgiesyndrom zuzuordnen. Die neuropsychologische Abklärung ergab – ähnlich wie bei Dr. B.____ –, dass aufgrund erheb- licher Inkonsistenzen und Unplausibilitäten keine gültige n Aussagen über das kognitive Leis- tungsvermögen des Versicherten getroffen werden konnten. Beim durchgeführten Symptomva- lidierungsverfahren hätten sich Auffälligkeiten ergeben, so dass die Leistungsbereitschaft als schwankend zu bewerten und die Validität der erhobenen Befunde anzuzweifeln sei. Die erziel- ten Minderleistungen in den Testverfahren zur Aufmerksamkeit und zum verbalen Lernen sowie Gedächtnis könnten nicht eindeutig als Funktionsstörungen interpretiert werden. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass bezüglich Aufmerksamkeit und Gedächt nis nicht das volle Potential abgerufen worden sei und eine Aggravation vorliege. I n dieser Hinsicht herrscht Übereinstim- mung mit den Aussagen von Dr. B.____. Auch hinsichtlich einer somatoformen Schmerzstörung findet sich eine übereinstimmende Beurteilung im psychia trischen Gutachten vom 12. Dezem- ber 2019. Auffallend ist jedoch, dass die Gutachterin der MediCore Bad Ragaz AG nicht auf die Beurteilung von Dr. B.____ einging, auch nicht auf se ine Ausführungen zur Diagnose einer leichten depressiven Episode. Sie stellte lediglich fest, dass das Zustandsbild des Versicherten in der gutachterlichen Situation keiner Störung auf d em psychiatrischen Fachgebiet zugeordnet werden könne. Der Versicherte schildere keine depressive n Symptome, weder aktuell noch in der Vergangenheit. Der psychopathologische Befund sei somit nicht mit einer Depressivität ver- einbar. Die Gutachterin hob zwar hervor, dass sich die Aussagen des Versicherten ausschliess- lich auf die Schmerzschilderung bezögen und dass er bei ihrem Versuch, eine andere Thematik anzusprechen, ausgewichen und stets wieder auf die Sch merzen zurückgekommen sei. Eine psychiatrische Bedeutung mass sie diesem Verhalten hingegen nicht zu. Die differenziertere Betrachtung von Dr. B.____, dass der Beschwerdeführer d adurch in der Krankenrolle verfestigt sei, liess sie ausser Acht. Die fehlende Auseinandersetzung mit den Vorgutachten stellt klarerweise einen Mangel dar. Zu einem beweisuntauglichen wird das psychiatrische Gutachten der MediCore Bad Ragaz AG als die Gutachterin unter der Rubrik „Diskussion und Bewertu ng divergierender Akteninformationen sowie vorhandener früherer fachlicher Einschätzungen“ fe sthält, dass generell eine rückwirken- de Beurteilung der Einschätzungen der anderen Fachperso nen kaum möglich sei. Auch nach intensiver Auseinandersetzung mit der Aktenlage habe eine retrospektive Einschätzung deshalb Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht nur hypothetischen Charakter. Vorliegend falle eine rü ckwirkende Beurteilung besonders schwer, da sich der Versicherte aktuell zu keinem psychiatri schen Krankheitsbild geäussert habe, sondern sich ausschliesslich mit der Schmerzsymptomatik befasst habe. Die Gutachterin verkennt mit dieser Aussage offenbar ihre Aufgabe, sich mit den vorangegangenen, psychiatri- schen Beurteilungen und Gutachten inhaltlich auseinander zusetzen. Die Feststellung letztlich, dass in Bezug auf den zeitlichen Verlauf der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit auch in sorgfälti- ger Abklärung ein genügender Grund für eine attestierte Arbeitsunfähigkeit zu keinem Zeitpunkt habe eruiert werden können, ist nicht nur falsch und widerspricht ihrer vorherigen Aussage, dass eine retrospektive Beurteilung kaum möglich sei, so ndern sie ist geradezu unhaltbar. Auf das Ergebnis der psychiatrischen Gutachterin der MediCor e Bad Ragaz AG, dass der Versi- cherte seit 2006 aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsfäh ig sei, kann demnach nicht abgestellt werden. 6. Die Würdigung des medizinischen Sachverhalts führt z ur abschliessenden Konklusion, dass in somatischer Hinsicht von einer vollen Arbeitsfähig keit in einer adaptierten Tätigkeit seit dem ABI-Gutachten vom 10. September 2008 auszugehen ist . Diese Einschätzung wurde im ABI-Gutachten vom 23. August 2011 sowie im rheumatologischen Gutachten der MediCore Bad Ragaz AG vom 28. November 2019 bestätigt. In psychiatrischer Hinsicht hat das Gutachten von Dr. B.____ vom 13. April 2013 auch heute noch eine hoh e Aussagekraft, im Gegensatz zum psychiatrischen Gutachten von Dr. D.____ vom 12. März 2016 und der MediCore Bad Ragaz AG vom 12. Dezember 2019. Die psychiatrische Situation ha t sich seit dem Gutachten von Dr. B.____ nicht grundsätzlich geändert, beschreiben doch a lle drei Gutachter ähnliche Beschwer- debilder, die diagnostische Einschätzung dieser und dere n Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit könnte aber unterschiedlicher nicht sein. Am Ende überzeugt Dr. D.____ in Bezug auf die Diag- nose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und wegen der fehlenden Auseinander- setzung mit dem Thema Aggravation nicht; und die Guta chterin der MediCore Bad Ragaz AG nicht mit ihrer retrospektiven Betrachtung, in der sie di e vorgängigen Beurteilungen vollends ausblendet. Folglich bleibt die schlüssige Beurteilung von Dr. B.____ mit der Quintessenz einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen. Die Berichte der behandelnden Psychia- terin, Dr. E.____, vom 17. Februar 2020 und 7. Augu st 2020 vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Dr. E.____ betreut den Versicherten s eit 2012 und attestiert seither eine Ar- beitsunfähigkeit von 80 % infolge einer schweren psychische n Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) mit hypochondrischen Zügen. Diese Einschätzung lässt sich über all die Jahre nicht mit der Krankengeschichte in Einklang bringen. 7. Demzufolge bleibt als Ergebnis festzuhalten, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine befristete Dreiviertelsrente vom 1. April 2007 bi s 30. September 2008 hat sowie auf eine ganze IV-Rente vom 1. Juni 2012 bis 31. Mai 2013. Weit er ist davon auszugehen, dass aus somatischer Sicht durchgehend eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar gewesen ist, aus psychiatrischer Sicht indes gestützt auf das Gutachten von Dr . B.____ vom 13. April 2013 seit 19. Februar 2013 lediglich eine 80%ige Arbeitsfähigke it besteht. Im Rahmen des Vorbescheids vom 6. Mai 2014, welcher im Anschluss an das Gutachten von D r. B.____ erfolgte, gewährte die IV-Stelle einen leidensbedingten Abzug von 15 %, w as dazu führte, dass bei einer Arbeits- fähigkeit von 80 % eine Viertelsrente in Aussicht gestell t wurde. Der leidensbedingte Abzug Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht erwies sich bei der Überprüfung jedoch als zu hoch. Im n achfolgenden Vorbescheid vom 15. November 2017 sowie in der Verfügung vom 21. September 2020 reduzierte die IV-Stelle die- sen auf 5 %. Da der Vorbescheid vom 6. Mai 2014 keine Bindungswirkung hatte für das weitere Verfahren (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juli 2019, 8C_203/2019, E. 5.2 mit weiteren Hin- weisen), war es der IV-Stelle erlaubt, auf den leiden sbedingten Abzug zurückzukommen und ihn zu korrigieren. Zu prüfen ist, ob der Abzug von 5 % zu schützen ist. 8.1 Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmal e, wie Art und Ausmass der Behin- derung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungs- grad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und j e nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg ver werten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2, Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2017, 8C_114/2 017, E. 3.1). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2; 126 V 75 E. 5b/bb-cc). 8.2 In Bezug auf das Zumutbarkeitsprofil ist dem Versiche rten aus rheumatologischer Sicht ein Vollzeitpensum zumutbar, sofern die funktionellen Ei nschränkungen berücksichtigt werden. Der Beschwerdeführer sollte keine Lasten von mehr als 5 bis 10 kg heben oder tragen, nicht länger als 2 Stunden am Stück stehen, nicht länger als 4 Stunden am Stück sitzen und repetiti- ve Bückbewegungen von mehr als 1 Stunde vermeiden. Ebenfalls sollte er keine Arbeiten über- kopf ausführen und keine knienden, kauernden oder geb ückten Zwangshaltungen einnehmen. Ebenfalls sind extreme Vornüberbeugungen und repetiti ve Rumpfrotationen ungünstig (vgl. Gutachten der MediCore Bad Ragaz AG vom 12. Janu ar 2020). In Berücksichtigung, dass dem Beschwerdeführer kein volles, sondern lediglich ein 80%-Pensum angerechnet wird, ist ein leidensbedingter Abzug von 5 % für die Funktionseinschrän kungen angemessen. Weitere Ab- zugskriterien sind nicht ersichtlich und werden auch nicht g eltend gemacht. Da weder das Vali- den- noch das Invalideneinkommen strittig sind, resultie rt bei einer Arbeitsfähigkeit von 80% ab 19. Februar 2013 und einem leidensbedingten Abzug von 5 % bei einem ermittelten IV-Grad von 33 % kein Anspruch auf eine IV-Rente. Selbst ein leidensbedingter Abzug von 10 % würde zu keiner IV-Rente führen. Die Beschwerde ist folglich i n dem Sinne teilweise gutzuheissen, als die Verfügung der IV-Stelle vom 21. September 2020 zwar aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer vom 1. April 2007 bis 30. Se ptember 2008 Anspruch auf eine Drei- viertelsrente und vom 1. Juni 2012 bis 31. Mai 2013 Ansp ruch auf eine ganze IV-Rente hat. Darüber hinaus ist die Beschwerde aber abzuweisen. 9.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwer- deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung od er die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Na ch § 20 Abs. 3 VPO werden die Ver- fahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerde- führer nur teilweise mit seinem Begehren durchgedrun gen. Entsprechend rechtfertigt es sich, die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- je hälfti g dem Beschwerdeführer und der IV-Stelle Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer ist mit Verfügung vom 16. November 2020 die unentgelt- liche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund wird sein Anteil an den Verfahrens- kosten von Fr. 400.-- vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Somit ist dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen . Gemäss Honorarnote vom 21. De- zember 2020 macht der Rechtsvertreter 11.42 Stunden geltend sowie Auslagen von Fr. 330.30, was angemessen ist. Die Parteientschädigung ist im gleichen Verhältnis wie die Verfahrenskos- ten zu verlegen. Dem Beschwerdeführer ist folglich eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'715.30 (5.71 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 165.15 sowie 7.7 % Mehrwertsteuer) zulasten der IV-Stelle zuzusprechen. Zuf olge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung sind die verbleibenden Bemühungen von 5. 71 Stunden zum praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 200.-- sowie die restlichen Auslag en von Fr. 165.15 zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer, mithin Fr. 1'407.80, aus der Gerichtskasse zu entgelten. Der Beschwerdeführer wird jedoch ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft vom 21. September 2020 aufgehob en und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer vom 1. April 2007 bis 30. September 2008 Anspruch auf eine Dreiviertelsrent e und vom 1. Juni 2012 bis 31. Mai 2013 Anspruch auf eine ganze I V-Rente hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden im Umfang von Fr. 400.-- der IV-Stelle Basel-Landschaft und im Umfang von Fr. 400.-- dem Beschwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung wird der dem Beschwerdeführer auferlegte Anteil an den Verfahrensko sten in der Höhe von Fr. 400.-- vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine redu- zierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'715.3 0 (inkl. Ausla- gen und 7.7 %Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers überdies ein Honora r in der Höhe von Fr. 1'407.80 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwe rtsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet.