B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-3988/2012 U r t e i l v o m 2 6 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiber Kilian Meyer. Parteien 1. X._______, Thailand, 2. Y._______, beide vertreten durch Marc Spescha, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum. C-3988/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die thailändische Staatsangehörige X._______ (geb. 1979, n achfolgend: Gast bzw. Beschwerdeführerin) beantragte am 29. März 2012 bei der Schweizerischen Botschaft in Bangkok ein Schengen -Visum für einen rund zehnwöchigen Besuchsaufenthalt vom 5. Mai bis am 17. Juli 2012 bei Y ._______ in Z._______ (nachfolgend: Gastgeber bzw. Beschwerd e- führer; vgl. Akten des Bundesamts für Migration [BFM act.] 4 S. 98 ff. ). Vorgängig hatte der Gastgeber mit Einladungsschreiben vom 23. März 2012 um Ausstellung eines Besuchervisums für X._______ ersucht (vgl. BFM act. 1 S. 24 ff.). B. Mit Verfügung vom 5. April 2012 lehnte es die Botschaft ab, das g e- wünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Haltung damit, dass eine fristgerechte Wiederausreise der Beschwerdeführerin aus dem Schengen-Raum nicht gesichert erschei ne (vgl. BFM act. 4 S. 96). Die Botschaft lehnte in der Folge am 27. April 2012 ein Wiedererwägungsg e- such von Y ._______ ab und verwies auf die Möglichkeit, den Entscheid mittels Einsprache überprüfen zu lassen (vgl. BFM act. 1 S. 7). C. X._______ und Y ._______ erhoben am 4. Mai 2012 Einsprache beim Bundesamt für Migration (nachfolgend: Bundesamt; vgl. BFM act. 1 S. 30 ff.). Das Bundesamt liess über die Migrationsbehörde des Wohnsitzka n- tons schriftliche Auskünfte des Gastgebers einholen (vgl. BFM act. 7) und wies die Einsprache mit Verfügung vom 20. Juni 2012 ab (vgl. BFM act. 8). Zur Begründung wurde ausgeführt , der Gast stamme aus einer Region, aus welcher der Zuwanderungsdruck nach wie vor stark anhalte. Das Risiko einer nicht fristgerechten Rückkehr sei daher grundsätzlich hoch. X._______ sei jung, unverheiratet und gehe keiner Erwerbstätigkeit nach. Sie habe keine besonderen Verpflichtungen, welche das Risiko e i- ner nicht fristgerechten Rückreise als gering erscheinen liessen. Die Vor- aussetzungen zur Erteilung des beantragten Visums seien daher nicht er- füllt. D. Mit Beschwerde vom 27. Juli 2012 beantragen die Beschwerdeführer die Aufhebung der vor instanzlichen Verfügung und die Ausstell ung eines Schengen-Visums für X._______. Zur Begründung wurde im Wesentl i- chen vorgebracht, die Vorinstanz habe den Anspruch auf rechtliches G e-C-3988/2012 Seite 3 hör verletzt, indem sie wichtige Sachumstände nicht berücksichtigt und ihren Entscheid mangelhaft begründet habe. Der Entscheid sei willkürlich, rechtsungleich und unverhältnismässig. Die Annahme einer nicht ges i- cherten Wiederausreise sei unbegründet. Die Ini tiative für den Besuch s- aufenthalt sei vom Gastgeber ausgegangen, der seinen Gast besser kennenlernen wolle. Der Besuch und der geplante Deutschkurs erfolgten im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft. Dies zu verweigern heisse, vernünftiges Handeln zu bestrafen. E. Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 27. September 2012 die Abweisung der Beschwerde. Der Entscheid sei hinreichend begrü n- det, und die Einschätzungen der kantonalen Behörde und der Schweizer Vertretung seien berücksichtigt worden. Die Beschwerdeführerin sei jung, ledig, kinderlos und nicht erwerbstätig. Sie stamme aus einem Land, aus dem de r Zuwanderungsdruck stark sei , und könne keine besonderen Verpflichtungen im Heimatland geltend machen. Es liege in der Natur der Sache, dass sich zum Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise lediglich eine Voraussage machen lasse, dies unter Berück sichtigung der Erfahrungen in zahlreichen ähnlich gelagerten Fällen. F. Die Beschwerdeführer hielten mit Replik vom 5. November 2012 an den gestellten Anträgen fest und führten aus, der Hinweis des Bundesamtes, bei der Beurteilung seien die Einschätzungen d er kantonalen Behörde und der Schweizer Vertretung berücksichtigt worden, sei beweismässig nicht verwertbar, da diese Einschätzungen nicht aktenkundig seien. Die Vernehmlassung enthalte nur drei kurze einzelfallbezogene Sätze , dies genüge dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht. Das Bundesamt stelle falsche Behauptungen auf. Die 33 -jährige Beschwerdeführerin sei weder ledig noch kinderlos, sondern geschieden und Mutter eines 9 -jährigen Sohnes. Sie sei obhuts - und sorgeberechtigt, wobei die Obhut von den geschiedenen Eltern und den Grosseltern ausgeübt werde. Sie halte e i- nen engen Kontakt zum Sohn , weshalb eine Bindung zum Herkunftsland bestehe. Es sei nur ein Besuchsaufenthalt zwecks Spracherwerbs ge- plant. Der Gastgeber wolle in wenigen Jahren nach Thailand auswandern und seinen Lebensabend mit der Beschwerde führerin dort verbringen. Diese sei nicht erwerbslos, sondern Bäuerin und Hausfrau. Das Bunde s- amt setze sich nicht mit den Garantieerklärungen auseinander. Die S i- cherheitsleistung minimiere das Restrisik o einer nicht gesicherten Wi e-C-3988/2012 Seite 4 derausreise. Es seien keine begründeten Zweifel am Aufenthaltszweck ersichtlich, namentlich sei kein dauerhafter Aufenthalt geplant. G. Die Vorinstanz führte mit Duplik vom 7. Januar 2013 aus, sie verfolge bei Visumsgesuchen aus Thailand eine restriktive Praxis, weil der Zuwande- rungsdruck aus diesem Land stark anhalte. Es gehe um ein Visumsg e- such zwecks Besuchs einer Bekanntschaft, die sich über den Arbeitgeber des Gastgebers via Skype ergeben habe. Das Paar habe sich erst einmal anlässlich eines zehntägigen Urlaubs im März 2012 getroffen. Es könne keine Rede von einer besonders engen Beziehun g sein. Ebenso falle der grosse Altersunterschied auf. Bei dieser Konstellation bestehe grosse Zu- rückhaltung bei der Visumserteilung. Visa würden nur erteilt, wenn eine lange und intensive Beziehung nachge wiesen werde. In der Praxis wü r- den deshalb regelmässig mehrfache Besuchsaufenthalte des Schweizer Gastgebers vo rausgesetzt als Beleg für eine intensive und gelebte B e- ziehung, die das Migrationsrisiko zu relativieren vermöge. Der Entscheid stütze sich auf die aktenkundigen Beurteilungen der Schweizer Vertr e- tung in Bangkok (BFM act. 4 S. 102) und die ebenfalls aktenkundigen I n- landabklärungen der kantonalen Migrationsbehörde ( BFM act. 7 ). Diese Behörden beurteilten das Gesuch negativ. Der angefochtene Entscheid sei allenfalls knapp, aber ausreichend begründet. H. Mit Triplik vom 5. Februar 2013 bringen die Beschwerdeführer vor, sie hätten sich schon mehr als einmal getroffen. Vom 21. Oktober 201 2 bis 9. November 2012 hätten sie in Bangkok ihre Beziehung vertieft. Der nächste Besuch finde vom 6. bis am 18. Februar 2013 statt. Die Skype- Kontakte und regelmässigen Besuche zeigten, dass die Beziehung ernst sei. Einen Besuch in der Schweiz zu verwehren , nachdem bereits drei Besuche in Thailand stattgefunden hätten , sei unverhältnismässig . Für den Besuch eine langdauernde Beziehung zu verlangen, liefe darauf hi n- aus, potenziellen Ehepartnern Besuchsaufenthalte zu verwehren. Poten- ziell Ehewillige dürften nicht zu r überstürzten Eheschliessung genötigt werden. Der Altersunterschied sei nicht aussagekräftig und in Konstellati- onen wie diese r üblich. Weder der Einspracheentscheid noch die Ve r- nehmlassung enthielten eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Einzelfall. Auch Kautionsleistungen von Drittpersonen seien zu berüc k- sichtigen. Zudem werde während dem Aufentha lt in der Schweiz ein Ab- hängigkeitsverhältnis bestehen, das ein Untertauchen des Gastes als C-3988/2012 Seite 5 unwahrscheinlich erscheinen lasse . Die Kautionsofferten bezeugten die Vertrauenswürdigkeit des Gastes. I. Mit einer weiteren Stellungnahme vom 8. März 2013 legten die Be- schwerdeführer – nach durch die Vorinstanz gewährter Einsichtnahme in ihre Akten – dar, die Vorinstanz verweise auf interne Informationen der Botschaft, die nicht geeignet seien, einen Entscheid zu begründen. Die Inlandabklärungen beinhalteten nur eine Kopie de s ZEMIS-Eintrags mit dem Vermerk « drei Monate, Bangkok, Freund besuchen ». Die Dok u- mente enthielten willkürliche Annahmen und Falschangaben. BFM act. 4 S. 102 f. sei ein von einer Frau K._______ gezeichnetes Dokument, das vom 9. Mai 2012 dat iere, obwohl die Beschwerdeführerin am 29. März 2012 befragt worden sei. Es sei nicht nachvollziehbar, wie weit sich die se Angaben auf deren Aussagen abstützen liessen. Die Beschwerdeführerin sei nicht arbeitslos, sondern Bäuerin. Zweck des Besuchs sei nicht eine Arbeitsaufnahme, sondern der Besuch eines Deutschkurs es. Die Sac h- bearbeiterin könne sich nicht in der Sprache des For mulars ausdrücken, weshalb den von ihr angekreuzten Feldern keine Beweiskraft zu komme. Die Beschwerdeführerin sei geschieden und ha be ein Kind, nicht wie im Formular angekreuzt Ehepartner und Kinder. Der Sohn lebe teilweise auch bei Vater und Grosseltern mütterlicherseits ; von diesen werde er in der Abwesenheit der Mutter betreut und versorgt. Dass die Wiederausre i- se nicht gesichert s ei, sei eine willkürliche Behauptung, dasselbe gelte betreffend den Verdacht einer Gefälligkeitseinladung. Die Bemerkung, die Beschwerdeführer seien gemäss thailändischer Tradition verheiratet, la s- se unerklärt, dass es sich um rituelle Symbolik handle. Gän zlich haltlos sei die Behauptung, die Beschwerdeführerin plane, mit dem Gastgeber in der Schweiz vier bis fünf Jahre zu leben. Diese Aussage habe sie nie gemacht bzw. sie sei allenfalls falsch interpretiert worden. Sie habe vom Gastgeber gewusst, dass er noch vier bis fünf Jahre in der Schweiz arbei- ten möchte, bis er nach seiner Pensionierung den Lebensabend in Tha i- land verbringen werde. Bis zur Auswanderung seien weitere Besuchsau f- enthalte möglich, wobei allen klar sei, dass solche in Zukunft nur erlaubt würden, wenn der erste Besuch ordnungsgemäss verlaufe. J. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C-3988/2012 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17 . Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrens - gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Darunter fallen u.a. Entscheidungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen- Visums verweigert wird (vgl. Art. 32 f. VGG). 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts a n- deres bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführe r s ind gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur B e- schwerde legitimiert . Auf die frist - und formgerecht einge reichte B e- schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange- legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige F eststellung des rechtser- heblichen Sachverhaltes sowie – falls nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün- dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1, BVGE 2011/43 E. 6.1 sowie BVGE 2011/1 E. 2). 3. 3.1 Die Beschwerdeführer rügen in formeller Hinsicht eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfa s- sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101] sowie Art. 29 ff. VwVG). Die Vorinstanz habe wesentliche Sachumstände nicht berücksichtigt und ihren Entscheid nur schematisch C-3988/2012 Seite 7 begründet. Auch die Vernehmlassung setze sich nicht mit dem Einzelfall auseinander. 3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst eine Anzahl verschiede- ner verfassungsrechtlicher Garantien (vgl. etwa MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsve r- fahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.; ANDREAS AU- ER/GIORGIO MALINVERNI/MICHEL HOTTELIER, Droit constitutionnel suisse Vol. II. Les droits fondamentaux, 2. Aufl., Bern 2006, S. 606 ff.; JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 846 ff.). Gleichsam das Kernelement des rechtlichen Gehörs ist das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung, welches den Betrof- fenen einen Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhalts s i- chert. Die Behörde muss diese Äusserungen zur Kenntnis nehmen und sich damit in der Entscheid findung und -begründung sachgerecht ause i- nandersetzen. Diese Prüfungs- und Berücksichtigungspflicht liegt bereits Art. 30 VwVG zu Grunde, kommt aber besonders deutlich in Art. 32 Abs. 1 VwVG zum Ausdruck, der bestimmt, dass die Behörde alle erhe b- lichen und rechtzeitigen Vorbringen der Parteien würdigt, bevor sie ve r- fügt (vgl. BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL, in: Waldmann/Weissen - berger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, Art. 29 N 80 ff., Art. 30 N 3 ff. u. Art. 32 N 7 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bu n- des, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, N 214 ff. u. N 546 f.). Aus dem An- spruch auf rechtliches Gehör folgt sodann auch die Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 VwVG). Die Begründungspflicht soll verhindern, dass die Behörden sich von unsachlichen Motiven leiten lassen, und ist demnach ein Element rationaler und transparenter En t- scheidfindung. Die Betroffenen sollen in die Lage versetzt werden , den Entscheid sachgerecht anzufechten. Zudem ermöglicht die Begründung die Kontrolle durch die Rechtsmittelinstanz. Die Behörde hat die wesentli- chen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt . Die Anforderungen an die Begründung sind umso höher, je weiter der Entscheidungsspielraum und je komplexer die Sach- und Rechtslage ist (vgl. BGE 137 II 266 E. 3.2; BGE 136 I 229 E. 5.2; BGE 133 I 270 E. 3.1; BVGE 2012/24 E.3.2.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1; BVGE 2007/27 E. 5.5.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., N 629 ff.; LORENZ KNEUBÜHLER, Die Begründungspflicht, Bern 1998, S. 22 ff.; RENÉ WIEDERKEHR, Die Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2 BV und die Heilung bei Verletzung, ZBl 2010 S. 484 ff.). C-3988/2012 Seite 8 3.3 Die Begründung des angefochtenen Entscheids erscheint prima facie als relativ ausführlich; freilich handelt es sich überwiegend um Textba u- steine. Mit Bezug auf das im vorliegenden Fall zentrale Kriterium der ge- sicherten Wiederausreise (vgl. Art. 5 Abs. 2 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 [AuG, SR 142.20 ] sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex [Abl. L 243 vom 15. September 2009] ) legte die Vorinstanz die Praxis betreffend Visa-Gesuche von Personen aus Regi o- nen mit starkem Zuwanderungsdruck dar und führt e anschliessend Fol- gendes aus: « Wie den Gesuchsunterlagen zu entnehmen ist, handelt es sich bei der Gesuchstellerin um eine […] ungebundene Person; sie ist jung, unverheiratet und geht keiner Erwerbstätigkeit nach. Mangels and e- rer Belege und Umstände ist daher davon auszugehen, dass ihr keine besonderen beruflichen, familiären oder gesellschaftlichen Verpflichtu n- gen obliegen, welche das vorgängig beschriebene Risiko einer nicht a n- standslosen Wiederausreise als entsprechend gering erscheinen lassen könnte. » Die Vorinstanz setzte sich jedoch weder mit den in der Einspra- che vom 4. Mai 201 2 gemachten Ausführungen des Rechtsvertreters betreffend Garantie erklärungen, Zweck des Besuchs etc. noch mit den Erklärungen des Beschwerdeführers vom 5. Juni 2012 betreffend Bezie- hung, Zukunftspläne, familiäre und berufliche Situation des Gasts etc. auseinander (vgl. BFM act. 1 u. act. 7, S. 127 ff.). Es fällt sodann auf , dass in der Begründung nicht darauf Bezug genommen wird, dass die 34- jährige Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2011 geschieden ist, auf einem Bauernhof mit ihren Eltern als Landwirtin arbeitet und einen 9-jährigen Sohn hat, der zwar – gemäss Aussagen des Beschwerdeführers – beim Vater und dessen neuer Partnerin lebe, der aber ca. zweimal monatlich am Wochenende bei der Beschwerdeführerin auf Besuch sei, wobei di e- ser Kontakt für Mutter und Kind sehr wichtig sei (vgl. BFM act. 7 S. 102 f. u. S. 133). Wohl darf sich die Behörde bei der Nennung der Überlegu n- gen, von denen sie sich bei ihrem Entscheid leiten liess , auf die wesentli- chen Gesichtspunkte beschränken, und muss sich dementsprechend nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und j e- des einzelne Vorbri ngen ausdrücklich widerlegen (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2). Zudem ist das Visumverfahren ein sog. Massengeschäft, in dem die erstinstanzliche Behörde gestützt auf den Effizienz grundsatz speditiv entscheiden muss, weshalb von ihr nicht allzu einlässliche Begründungen erwartet werden dürfen (vgl. KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 179). Diese Überle- gungen sind auch dann zu beachten , wenn der Behörde – wie bei der Beurteilung von Visagesuchen – ein relativ weiter Entscheidungsspie l- raum zukommt. Aus Gründen der Praktikabilität und Speditivität darf die Behörde sodann auch Textbausteine einsetzen. Deren Einsatz darf indes C-3988/2012 Seite 9 nicht dazu führen, dass keine dem konkreten Fall noch angemessene Begründung mehr erfolgt. Die Würdigung der Parteivorbringen muss sich auch in solchen Fällen insoweit in der Begründung niederschlagen, als die vorgebrachten Einwendungen für den Entscheid wesentlich sind ( vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., N 630 ff.; WALTER KÄLIN, Rechtliche A n- forderungen an die Verwendung von Textbausteinen für die Begründung von Verwaltungsverfügungen, ZSR 1988 I S. 452 ff.; BGE 121 I 54 E. 2c; BVGE 2008/47 E. 3.3.3). Vorliegend hat das BFM jedoch mit dem nur schematisch begründeten, kaum auf den konkreten Fal l Bezug nehme n- den Einspracheentscheid nicht zu erkennen gegeben, inwieweit es sich mit den wesentlichen Vorbringen der Beschwerdeführer auseinanderg e- setzt und eine einzelfallbezogene Prüfung vorgenommen hat, wie sie Art. 32 VwVG verlangt. Die angefochtene Verfügung vom 20. Juni 2012 ist deshalb mangelhaft begründet und lässt überdies darauf schliessen, dass weder der Sachverhalt noch die erheblichen Parteivorbringen mit dem – auch im sog. Massengeschäft – erforderlichen Mindestmass an Sorgfalt geprüft wurden (vgl. Art. 12 und Art. 32 VwVG ; KÄLIN, a.a.O., S. 455; WALDMANN/BICKEL, Praxiskommentar VwVG, Art. 32 N 18). 3.4 Die Vorinstanz hat auf diese Weise den Anspruch der Beschwerd e- führer auf rechtliches Gehör verletzt. 4. 4.1 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt ungeac h- tet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst grundsät z- lich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung . Darauf kann in nicht besonders schwerwiegenden Fällen verzichtet werden, wenn die unte r- lassene Verfahrensha ndlung im Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird und das rechtliche Gehör vom Betroffenen nachträglich wahrgenommen werden kann. Die se « Heilung » der Gehörsverletzung setzt überdies voraus, dass kein Kognitionsgefälle besteht und der betroffenen Partei kein unzumutbarer Nachteil entsteht (vgl. BGE 138 III 225 E. 3.3; BGE 135 I 279 E. 2.6; BVGE 2012/24 E. 3.4 je mit Hinweisen). Bei Ver- stössen gegen die Begründungspflicht wird der Mangel als behoben e r- achtet, wenn die erstinstanzliche Behörde im Beschwerdeverfahren eine hinreichende Begründung nachschiebt und die Partei dazu angehört wird (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., N 645; KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 214; Urteil des Bundesgerichts 2C_762/2011 vom 15. Juni 2012 E. 4.1; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C-970/2010 vom 11. März 2013 E. 3.4 und A-1681/2006 vom 13. März 2008 E. 2.4). Auf diese Weise sollen un- nötige Verzögerungen vermieden werden, die nicht mit dem Interesse der C-3988/2012 Seite 10 Betroffenen an ei ner beför derlichen Beurteilung der Sache in Einklang gebracht werden könnten. Hingegen gilt es zu vermeiden, dass die Auf- gaben der erstinstanzlich verfügenden Behörde auf die Beschwerdei n- stanz ver lagert werden (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.4 mit Hinweisen) , und dass die Vorinstanz darauf vertraut, von ihr missachtete Verfahrensrechte würden systematisch nachträglich geheilt. Ansonsten verlören die gerade für das erstinstanzliche Verfahren vorgesehenen prozessualen Garantien ihren Sinn (vgl. BGE 126 II 111 E. 6b/aa in fine mit Hinweisen). 4.2 Die Vorinstanz brachte in ihrer Vernehmlassung vor, ihr Entscheid sei entgegen der Ausführungen in der Beschwerdeschrift nicht knapp und schematisch begründet: « Bei der Beurteilung wurden die Einschätzu n- gen der kantonalen Behörde und der Schweiz er Vertretung in Bangkok, die mit den Verhältnissen vor Ort bestens vertraut ist, berücksichtigt. Die Beschwerdeführerin ist jung, ledig und hat keine Kinder. Zudem ist sie nicht erwerbstätig. » Die Beschwerdeführer beanstandeten in ihrer Replik u.a. diese – insbesondere in Bezug auf den Zivilstand und die Kinderl o- sigkeit klarerweise aktenwidrige – Aussage ausdrücklich ( « Der B e- schwerdegegner […] hat namentlich verkannt, dass aufgrund des ta t- sächlich gelebten Kindesverhältnisses eine Bindung zum Herkunftsland besteht, die gegen die Annahme einer nicht gesicherten Wiederausreise spricht »). Die Vorinstanz setzte sich daraufhin in der Duplik zwar erst- mals mit verschiedenen anderen Vorbringen der Beschwerdeführer aus- einander (insb. betreffend Dauer un d Intensität der Beziehung, geplante Wohnsitznahme in Thailand, angebotene Garantieleistungen), nahm j e- doch wiederum keinerlei Bezug auf das Kindsverhältnis resp. auf die gel- tend gemachte familiäre Bindung ans Herkunftsland. 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht verfügt im vorliegenden Verfahren über die gleiche Kognition wie die Vorinstanz und ist zur freien Prüfung al- ler Sachverhalts - und Rechtsfragen befugt. Eine Vorau ssetzung für die ausnahmsweise Heilung d er Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör wäre somit gegeben. Die vorliegende Gehörsverletzung wiegt j e- doch nicht leicht, zumal aus der mangelhaften Begründung auch auf eine Verletzung der Prüfungspflicht geschlossen werden muss (s. vorne, E. 3.3). Die Vorinstanz ist im Rahmen des zweifachen Schriftenwechsels erst in der Duplik auf verschiedene Vorbringen der Beschwerdeführer eingegangen, die nicht zum Vornherein als unwesentlich bezeichnet we r- den können, und hat insbesondere in keiner Weise auf die geltend g e- machte familiäre Bindung ans Herkunftsland Bezug genommen . Stat t- dessen wurde in der Vernehmlassung die aktenwidrige Behauptung au f-C-3988/2012 Seite 11 gestellt, die Beschwerdeführerin sei ledig und kinderlos. Die unterlass e- nen Verfahrenshandlungen wurden mithin im R echtsmittelverfahren nicht nachgeholt: weder ist die Vorinstanz ihrer Prüfungspflicht mit der erforder- lichen Sorgfalt nachgekommen , noch hat sie eine hinreichende Begrün- dung nachgeschoben. Die festgestellte Gehörsverletzung kann daher vor- liegend nicht als geheilt erachtet werden. 5. Bei dieser Sachlage ist auf die materiellen Rügen der Beschwerdeführer nicht einzugehen. Fest steht, dass die angefochtene Verfügung Bunde s- recht verletzt (Art. 49 Bst. a VwVG). Die Beschwerde ist gutzuheisse n, der angefochtene Ein spracheentscheid vom 20. Juni 2012 ist aufzuhe- ben, und die Sache ist im Sinne der Erwägungen an das BFM zur Ne u- beurteilung zurückzuweisen. 6. 6.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind de n Beschwerdeführern keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; BGE 132 V 215 E. 6.1; MAILLARD, Praxiskommentar VwVG, Art. 63 N 14). 6.2 Den Beschwerdeführern ist für die im Verfahren vor dem Bundesve r- waltungsgericht erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschäd i- gung zuzusprechen (vgl. Art. 64 VwVG; Art. 7 ff. des Reglement s vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2 ]). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer reicht e keine detaillierte Kostennote ein (vgl. Art. 14 Abs. 1 VGKE), bezifferte jedoch seinen Zeitaufwand auf 17 Stunden und macht ein Honorar von Fr. 5'150. zuzüglich 8% MwSt. und Barauslagen von Fr. 180. geltend. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand erscheint indes angesichts der Vorbefassung des Rechtsvertreters, der teils unnötig ausführlichen Rechtsschriften und des nicht besonders komplexen Ver- fahrens als zu hoch. Zu beachten ist allerdings, dass die Vorinstanz dafür verantwortlich zeichnet, dass im vorliegenden Verfahren mehrere Schrif- tenwechsel erforderlich war en. In Würdigung aller Bemessungsfaktoren erscheint es daher als angemessen, die Parteientschädigung auf Fr. 3'000. (inkl. Auslagen und MwSt.) festzusetzen. C-3988/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefochtene Einsprache- entscheid vom 20. Juni 2012 wird aufgehoben. 2. Die Sache wird zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der bezahlte Kostenvo r- schuss von Fr. 800. wird zurückerstattet. 4. Die Vorinstanz wird verpflichtet, den Beschwerdeführern eine Parteien t- schädigung von Fr. 3'000. (inkl. Barauslagen und MwSt.) zu bezahlen. 5. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Formular Zahladresse) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Akten retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich (Ref.-Nr. […]) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Ruth Beutler Kilian Meyer Versand: