Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 16. Januar 2019 (810 18 118) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / Nachehelicher Härtefall, Verhält- nismässigkeit der Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Hans Furer, Daniel Ivanov, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichtsschreibe- rin i.V. Manuela Stierli Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Gioele Ballarino, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegw eisung (RRB Nr. 563 vom 17. April 2018) A. Der ägyptische Staatsangehörige A.____, geboren 1 984, heiratete am 15. Januar 2013 die Schweizerin B.____ (Ledigname C.____), geboren 1988, in D.____, Ägypten. B. Am 31. August 2013 stellte B.____ ein Einreisegesuc h für ihren Ehemann A.____. Mit Verfügung des Amtes für Migration Basel-Landschaft (AfM ; heute: Amt für Migration und Bür- gerrecht [AFMB]) vom 25. September 2013 wurde A.____ die Einreiseerlaubnis erteilt. A.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht reiste am 7. Dezember 2013 in die Schweiz ein und erhielt am 13. Dezember 2013 eine Aufent- haltsbewilligung. C. Mit Strafbefehl vom 31. Juli 2014 verurteilte di e Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft A.____ wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu e iner bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 30.-- mit einer Probezeit von 2 Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 600.--. D. Per 1. August 2014 zogen die Ehegatten von E.____, wo sie in der Wohnung der Tante der Ehefrau wohnten, nach F.____ um. E. Ab dem 8. Dezember 2014 war A.____ mit unregelmä ssigem Einsatz auf Abruf bei der Firma G.____ in H.____ beschäftigt. Am 23. März 2015 t rat A.____ eine Stelle als Servicemit- arbeiter bei der I.____ AG in H.____ an mit einer w öchentlichen Arbeitszeit von 8 bis 42 Stun- den und war dort bis zum 31. Januar 2017 angestellt. Seit dem 5. Oktober 2016 ist A.____ als Servicemitarbeiter im Stundenlohn bei der J.____ AG in H.____ angestellt. F. Mit Strafbefehl vom 17. November 2016 verurteilte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt A.____ wegen mehrfacher Verletzung der Verkehrsregeln und grober Verletzung der Verkehrs- regeln zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 60.-- sowie einer Busse von Fr. 200.--. Die mit Urteil der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 31. Juli 2014 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 30.-- wurde widerrufen und vollziehbar erklärt. G. Mit Entscheid der Gerichtspräsidentin des Zivilkreisger ichts Basel-Landschaft West vom 23. März 2017 wurde festgestellt, dass die Ehegatten seit dem 1. Juni 2016 getrennt leben. B.____ war am 31. Juli 2016 nach K.____ (JU) umgezogen. H. Am 29. September 2017 gewährte das AfM A.____ und B.____ das rechtliche Gehör in Bezug auf den möglichen Widerruf der Aufenthaltsbewi lligung von A.____. Mit Schreiben vom 4. Oktober 2017 und 13. Oktober 2017 nahmen B.____ bzw. A.____ dazu Stellung. I. Mit Verfügung vom 14. November 2017 widerrief das A fM die Aufenthaltsbewilligung von A.____ und wies ihn aus der Schweiz weg. J. Gegen diese Verfügung erhob A.____, im Folgenden vertreten durch Gioele Ballarino, Advokat, mit Eingabe vom 22. November 2017 Beschwerde beim Regierungsrat. K. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 563 vom 17. Apri l 2018 wurde die Beschwerde abgewiesen. L. Gegen den RRB Nr. 563 vom 17. April 2018 erhob A. ____ am 27. April 2018 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Er beantragt die vollumfänglich e Aufhebung des angefochtenen Ent- scheids sowie das Belassen und die Verlängerung der Aufent haltsbewilligung; alles unter o/e-Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt e A.____ die Anordnung einer Partei- verhandlung. Die Beschwerdebegründung reichte er am 2. Juli 2018 ein. M. Mit Vernehmlassung vom 25. September 2018 beantrag t der Regierungsrat die Abwei- sung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. N. Mit Verfügung vom 26. September 2018 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung überwiesen und der Verfahrensantrag des Beschwerdeführ ers auf Durchführung einer Partei- verhandlung abgewiesen. Am 26. Oktober 2018 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerde- führers seine Honorarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzli cher Ausschlusstatbestand vor- liegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beur teilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Der Beschwerdeführer ist durch den angefo chtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung (§ 47 A bs. 1 lit. a VPO). Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Die widerrufene Aufenthaltsbewilligung des Beschwe rdeführers ist am 6. Dezember 2017 abgelaufen. Streitgegenstand des vorliegenden Ve rfahrens bildet demnach die Frage, ob die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegwei- sung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 3.2 Der vorliegende Fall wirft keine Sachverhalts- oder Rechtsfragen auf, die nicht auf- grund der Akten und der schriftlichen Vorbringen der Parteien beurteilt werden können. Es ist deshalb nicht ersichtlich, inwiefern durch die vom Beschwer deführer beantragte Parteiverhand- lung neue Erkenntnisse erlangt werden könnten bzw. inwi efern eine Parteiverhandlung zur Klä- rung der strittigen Fragen beitragen könnte. Demzufol ge kann vorliegend auf die Durchführung einer Parteiverhandlung verzichtet werden. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländer innen und Ausländer und über die In- tegration [AIG] vom 16. Dezember 2005 [bis 31. Dezembe r 2018 und soweit im Folgenden die altrechtliche Fassung massgeblich ist: AuG]; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständige kantonale Behörde entscheidet nach Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen üb er die Zulassung zu einem Aufent- halt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsansp ruch auf die Erteilung einer Aufenthalts- bewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzl ich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 13 5 II 1 E. 1.1; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 4.2 Zwischen der Schweiz und Ägypten besteht keine staat svertragliche Vereinbarung, welche dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würde. Demnach sind, vorbehältlich anderer völkerrechtlicher V erträge, die Bestimmungen des AuG anwendbar. 5.1 Ein gesetzlicher Anspruch einer ausländischen Person au f Anwesenheit in der Schweiz liegt gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG dann vor, wenn diese mit einem Schweizer bzw. einer Schwei- zerin verheiratet ist und mit dieser Person zusammenwoh nt. Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 50 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 42 AuG weiter, wenn die Ehege- meinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration vorliegt (lit. a) oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). 5.2.1 Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG verlangt eine dreijäh rige Ehegemeinschaft in der Schweiz (BGE 136 II 113 E. 3.3.5). Die Dreijahresfrist in Ar t. 50 Abs. 1 lit. a AuG gilt absolut (Urteil des Bundesgerichts 2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 5.1). Massgeblicher Zeitpunkt für die retro- spektive Berechnung der Dauer der ehelichen Gemeinscha ft ist in der Regel die Aufgabe der Haushaltsgemeinschaft; demgegenüber ist nicht relevant, wie lange die Ehe nach Beendigung des Zusammenlebens formell noch bestanden hat (BGE 136 II 113 E. 3.2). 5.2.2 Der Beschwerdeführer reiste am 7. Dezember 2013 in die Schweiz ein und lebte mit seiner Ehefrau zusammen, bis diese am 31. Juli 2016 aus d er ehelichen Wohnung in F.____ nach K.____ (JU) umzog. Die Dauer der ehelichen Gemeinschaft in der Schweiz betrug somit 2 Jahre, 7 Monate und 24 Tage, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird. Der Beschwer- deführer bringt vor, der Beschwerdegegner sei fälschlic herweise davon ausgegangen, seine Ehe habe nicht mindestens drei Jahre bestanden, obwohl es aktenkundig sei, dass die Ehegat- ten bereits vor ihrer Einreise in die Schweiz rund 11 Monate in Ägypten verheiratet gewesen seien. Die Rüge geht fehl, da der Beschwerdegegner in seinem Entscheid klar auf die Dauer der ehelichen Gemeinschaft in der Schweiz abstellte und somit zutreffend feststellte, dass das Erfordernis der dreijährigen Ehegemeinschaft in der S chweiz nicht erfüllt ist. Die in Ägypten gelebte Ehedauer ist für die Beurteilung der Dreija hresfrist im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG nicht von Bedeutung und die Dreijahresfrist ist so mit, obwohl die Ehegatten insgesamt in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ägypten und der Schweiz bis zur Trennung über drei Jahre verheiratet waren, nicht erfüllt. Nach dem Gesagten besteht folglich kein Aufenthaltsanspruch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG. 5.3.1 Zu prüfen ist weiter, ob ein Anspruch auf Verlän gerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG besteht. Dieser ist gegeben, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Nach Art. 50 Abs. 2 AuG können wich- tige persönliche Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 li t. b AuG namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung i m Herkunftsland stark gefährdet er- scheint. Dabei ist etwa an geschiedene Frauen (mit Kind ern) zu denken, welche in ein patriar- chalisches Gesellschaftssystem zurückkehren und dort wegen ihres Status als Geschiedene mit Diskriminierungen oder Ächtungen rechnen müssten. Mögliche weitere Anwendungsfälle bilden (gescheiterte) unter Zwang eingegangene Ehen oder solc he im Zusammenhang mit Men- schenhandel. Der Verbleib in der Schweiz kann sich zudem a uch dann als erforderlich erwei- sen, wenn der Ehegatte, von dem sich die Aufenthaltsbe rechtigung ableitet, verstirbt (vgl. BGE 137 II 1 E. 3 f.). Schliesslich ist nach der Ehe auch de n Interessen gemeinsamer Kinder Rech- nung zu tragen, falls eine enge Beziehung zu ihnen best eht und diese in der Schweiz ihrerseits gut integriert sind (Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [Botschaft AuG], BBl 2002, 3754 Ziff. 1. 3.7.6). Ein wichtiger persönlicher Grund kann sich aber auch aus anderen Umständen oder Aspekten im In- oder Heimatland der be- troffenen Person ergeben. Die in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 erwähnten Gesichtspunkte können bei der ent- sprechenden Wertung eine Rolle spielen, auch wenn sie einzeln betrachtet grundsätzlich noch keinen Härtefall begründen, so etwa der Grad der Int egration, die Respektierung der Rechts- ordnung, die Familienverhältnisse, die finanziellen U mstände, die Dauer der Anwesenheit oder der Gesundheitszustand des Betroffenen und seiner Fami lie (BGE 137 II 345 E. 3.2.3; M ARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/ Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migr ationsrecht, 4. Aufl., Zürich 2015, Art. 50 AuG N 7). Ein persönlicher, nacheheliche r Härtefall setzt aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Fa- milienleben der ausländischen Person voraus, die mit ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfal- len der gestützt auf Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AuG abgeleiteten Anwesenheitsberechti- gung verbunden sind (BGE 137 II 345 E. 3.2.3). Der H ärtefall muss sich auf die Ehe und den damit verbundenen Aufenthalt beziehen (BGE 137 II 34 5 E. 3.2.3). Hat der Aufenthalt nur kür- zere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt (BGE 137 II 345 E. 3 .2.3; Botschaft AuG, BBl 2002, 3754 Ziff. 1.3.7.6). Praxisgemäss besteht in diesem Fall auch dann kein Anspruch auf einen weiteren Verbleib, wenn die betroffene ausländische Person in der Schweiz nicht straffällig geworden ist, gearbeitet hat und sich inzwischen auch in der am Wohnor t gesprochenen Landessprache ver- ständigen kann (Urteil des Bundesgerichts 2C_295/2012 vo m 5. September 2012 E. 3.3.1). Entscheidend ist, ob die persönliche, berufliche und fam iliäre Wiedereingliederung als stark gefährdet zu gelten hat, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre (Urteil des Bun- desgerichts 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 3). Der blosse Umstand, dass die ausländi- sche Person in Lebensverhältnisse zurückkehren muss, die in ihrem Herkunftsland allgemein Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht üblich sind, stellt keinen wichtigen Grund im Sinne von Art. 50 AuG dar, auch wenn diese Le- bensumstände weniger vorteilhaft sein mögen als diejen igen in der Schweiz (Urteil des Bun- desgerichts 2C_1000/2012 vom 21. Februar 2013 E. 5.2.1). 5.3.2 Im angefochtenen Entscheid führte der Beschwerdege gner aus, es sei beim Be- schwerdeführer kein wichtiger persönlicher Grund im Sinn e von Art. 50 AuG ersichtlich. Der Beschwerdeführer habe bis zum Zeitpunkt der Auflösung de r ehelichen Wohngemeinschaft 2 Jahre, 7 Monate und 24 Tage in der Schweiz verbracht und während seines Aufenthalts in der Schweiz seine Heimat etwa fünfmal besucht. Er verfüge i n Ägypten sowohl über familiäre als auch freundschaftliche Bindungen, weshalb seine Wiedere ingliederung in dieser Hinsicht als unproblematisch erscheine. Dies gelte auch in Bezug auf seine berufliche Wiedereingliederung in Ägypten, zumal er in seiner Heimat an der Universität D.____ studiert und in diversen Stellen gearbeitet habe, zuletzt als Real Estate Manager. Er kenne die Regeln seines Heimatlandes und spreche als Akademiker die Sprache seines Heimatlandes sehr gut. Insgesamt könne nicht von einer erheblichen Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben und einer starken Gefährdung bei einer Rückkehr gesprochen werden, weshalb das Vorliegen eines nachehelichen Härtefalls im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG zu verneinen sei. 5.3.3 Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, es bestehe ein Härtefall, da er einzig deshalb seine Existenz in Ägypt en aufgegeben und in die Schweiz gezo- gen sei, um seiner Ehefrau, welche an Hepatitis erkrankt sei, bessere Heilungschancen zu bie- ten. Er habe Deutschkurse besucht, sich früh um eine Arb eit bemüht und sich nebenbei um seine kranke Ehefrau gekümmert. Diese habe ihn jedoch, kaum sei sie geheilt gewesen, aus für ihn unerklärlichen Gründen verlassen. Der Beschwerdegegne r habe verkannt, dass die Um- stände, die zur Auflösung der ehelichen Gemeinschaft ge führt hätten, sowie voreheliche Bezie- hungszeiten zu berücksichtigen seien. Das Zusammenleben bzw. nach religiöser Ansicht auch die Ehe des Beschwerdeführers mit seiner Ehefrau habe beinahe fünf Jahre gedauert. Zudem erscheine seine soziale Wiedereingliederung in Ägypten al s unzumutbar. Er verfüge neben sei- nen Eltern und seinem Bruder über keinerlei familiäre und freundschaftliche Bindungen in Ägyp- ten. Seine Eltern seien betagt, seine Mutter zudem krank und er kenne D.____, wo seine Eltern lebten, seit 2003 nur noch aus sporadischen Kurzbesuchen. D ie politische und wirtschaftliche Situation in Ägypten habe sich seit seiner Einreise in die Schweiz dramatisch verschlechtert, weshalb es ausgeschlossen sei, dass er sich in Ägypten zurechtfi nden würde. Er habe dort kei- nerlei Aussicht auf eine Arbeit. Zudem sei er in der Schweiz gut integriert. Im Weiteren sei er zu keinem Zeitpunkt auf Unterstützungsbeiträge angewiesen g ewesen, habe innerhalb kurzer Zeit die deutsche Sprache gelernt und verfüge in der Schwe iz über ein weites Netz von Freunden und Bekannten. Die zwei Strafbefehle gegen ihn hätte n als Bagatellen zu gelten, aus welchen ihm in ausländerrechtlicher Hinsicht keinerlei negative Ko nsequenzen angedroht werden könn- ten. 5.3.4 Vorliegend wird kein Fall von ehelicher Gewalt oder Zwangsheirat geltend gemacht. Es bleibt somit zu prüfen, ob die soziale Wiedereingliede rung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint oder andere wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Das durch den Beschwerdeführer gel tend gemachte Aufenthaltsmotiv der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht besseren Heilungschancen für seine Ehefrau sowie der Umst and, dass diese ihn nach ihrer Heilung aus für ihn unerklärlichen Gründen verliess, stell en keine wichtigen persönlichen Grün- de dar, die den weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz erforderlich machen. Der Umstand, dass eine Ehe scheitern kann, ist – auch wen n dies aus für den Beschwerdefüh- rer unerklärlichen Gründen geschehen sein mag – kein Här tefall, sondern vielmehr eine ge- wöhnliche Lebenswendung. Das Zusammenleben der Ehegatt en vor der Einreise in die Schweiz kann sodann zwar im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG berücksichtigt werden; dass dies im vorliegenden Fall bei einer im Ausland gele bten Ehedauer von lediglich 11 Mona- ten sowie einer vorehelichen Beziehungszeit unter religiö sem Ehevertrag von rund 16 Monaten einen Härtefall zu begründen vermag, ist jedoch nicht ersichtlich. Ferner ist nicht ersichtlich, dass der sozialen Wiedereingliederung des Beschwerdefü hrers in Ägypten Gründe entgegen- stehen, die diese als stark gefährdet erscheinen liessen. Der Beschwerdeführer lebt seit mitt- lerweile rund fünf Jahren und somit erst seit relati v kurzer Zeit in der Schweiz und hielt die Ver- bindung zu seinem Herkunftsland während dieser Zeit du rch mehrere Besuche aufrecht. Die Eltern sowie ein Bruder des Beschwerdeführers leben in Ägypten, weshalb der Beschwerdefüh- rer über familiäre Bindungen im Herkunftsland verfügt . Das Alter oder der Gesundheitszustand der Eltern des Beschwerdeführers beeinträchtigen seine familiäre Wiedereingliederung nicht. Aus der Ehe des Beschwerdeführers sind keine Kinder he rvorgegangen, womit keine engen familiären Bindungen in der Schweiz bestehen. Der Beschwerdeführer verfügt über einen ägyp- tischen Universitätsabschluss sowie eine vielseitige beruf liche Erfahrung in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie und Immobilienwirtschaft, was se ine berufliche Wiedereingliederung in Ägypten erleichtern wird. Da somit die erneute Integ ration im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt, der Beschwerdeführer sich nur für eine relativ kurze Zeit in der Schweiz aufge- halten und keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft hat, vermag auch die geltend ge- machte fortgeschrittene Integration des Beschwerdeführers keinen Anspruch auf einen weiteren Verbleib zu begründen. Ein Anspruch des Beschwerdeführe rs gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist demnach nicht gegeben. 6.1 Besteht nach dem Gesagten kein Rechtsanspruch des Beschw erdeführers auf Ertei- lung der Aufenthaltsbewilligung, bleibt zu prüfen, ob die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbe- willigung und die damit verbundene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) gestützt auf eine umfassende Güterabwägung verhältnismässig erscheinen (Art. 96 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.2.1; BENJAMIN SCHINDLER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Auslände- rinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 10 ff. zu Art. 96 AuG). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und pr ivaten Interessen sorgfältig gegenei- nander abzuwägen (MARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 3 zu Art. 51 AuG). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten In teressen an der Erteilung der Bewilli- gung und der öffentlichen Interessen an deren Verweige rung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). 6.2 Als zulässiges öffentliches Interesse fällt dabei grund sätzlich das Durchsetzen einer restriktiven Einwanderungspolitik in Betracht. Eine solche rechtfertigt sich im Hinblick auf ein Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und auslä ndischer Wohnbevölkerung, auf die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Ein gliederung der in der Schweiz bereits ansässigen Ausländer und die Verbesserung der Arbeitsmar ktstruktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung (BGE 135 I 153 E. 2.2.1; BGE 135 I 143 E. 2.2). 6.3 Es steht ausser Frage, dass die Wegweisung eine für die Erreichung der fremdenpoli- zeilichen Ziele geeignete Massnahme darstellt. Ausländer, deren Aufenthaltszweck weggefallen ist, haben die Schweiz unter bestimmten Umständen zu ver lassen. Dieses fremdenpolizeiliche Ziel kann auch nicht durch eine weniger einschneidende Massnahme erreicht werden. 6.4 Diesem öffentlichen Interesse sind die privaten Inter essen des Beschwerdeführers gegenüberzustellen. Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei in der Schweiz vollumfänglich in- tegriert und habe sich eine neue Existenz aufgebaut. E r habe stets am Erwerbsleben teilge- nommen und nie Unterstützung durch die öffentliche Hand benötigt. Zudem habe er sein Her- kunftsland in einer äusserst prägenden Lebensphase und in sbesondere aufgrund der gesund- heitlichen Beschwerden seiner Ehefrau verlassen. 6.5 Der Beschwerdeführer lebt mittlerweile seit rund fünf Jahren in der Schweiz, was einer eher kurzen Aufenthaltsdauer entspricht. Er geht seit de m 8. Dezember 2014 einer Erwerbstä- tigkeit nach, ist seit dem 5. Oktober 2016 als Servicemit arbeiter bei der J.____ AG angestellt und musste während seiner Anwesenheit in der Schweiz nich t durch die Sozialhilfe unterstützt werden. Obwohl die berufliche und wirtschaftliche Int egration des Beschwerdeführers somit gelungen ist, muss auch in Betracht gezogen werden, dass der Beschwerdeführer als Ser- vicemitarbeiter auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt keine qualifizierte Arbeitskraft darstellt. In Bezug auf die Integration des Beschwerdeführers ist zud em die Beachtung der öffentlichen Si- cherheit und Ordnung von Bedeutung. Der Beschwerdeführ er wurde wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 30.-- und einer Busse von Fr. 600.-- sowie wegen mehrfacher Verletzung der Ver kehrsregeln und grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à F r. 60.-- und einer Busse von Fr. 200.-- verurteilt. Obwohl eine berufliche Integra tion vorliegt, kann somit nicht von einer voll- umfänglich gelungenen Integration des Beschwerdeführer s gesprochen werden. In Bezug auf die Möglichkeiten der Wiedereingliederung im Herkunft sland ist auf die Ausführungen in E. 5.3.4 zu verweisen, in welchen festgestellt wurde, da ss die erneute Integration des Be- schwerdeführers im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt. Folglich ist eine Rückkehr des Beschwerdeführers zumutbar und der angefochtene Ent scheid erweist sich demnach als verhältnismässig. Ein schwerwiegender persönlicher Härtefa ll im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG ist im vorliegenden Fall nicht ersichtlich. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 7. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahren s zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht ko stenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterl iegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.-- sind demzu- folge dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerleg en und mit dem geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 23. April 2019 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_375/2019) erhoben.