Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30 Oktober 2020 (720 20 73 / 265) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilfsmittel; Prüfung des Anspruchs auf eine elektrisch höhenverstellbare Arbeitsfläche in der Küche. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Katja Wagner Parteien A.___, Beschwerdeführerin, vertreten durch Th omas Wehrlin, Rechts- anwalt, WEISSBERG BÜTIKOFER, Zentralstrasse 47, Postfach 93, 2502 Biel/Bienne gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. Die 1971 geborene A.____ leidet an einer komplett en Tetraplegie (sub C5 [AIS A]). In der Vergangenheit sprach ihr die IV-Stelle Basel-La ndschaft (IV-Stelle) deshalb bereits diverse Leistungen, namentlich in Form von Hilfsmitteln, zu. Am 28. August 2018 ersuchte A.____ die IV- Stelle um Kostengutsprache für entstandene Mehrkosten d urch invaliditätsbedingte Anpassun- gen an ihrer neuen Eigentumswohnung. Daraufhin wurde ihr gemäss Mitteilung der IV-Stelle vom 11. April 2019 unter anderem Kostengutsprache für diverse Anpassungen in der Küche, so unter anderem auch für elektrisch verstellbare Komponenten, erteilt. Der Anspruch auf eine elektrisch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht höhenverstellbare Arbeitsfläche wurde indessen abgelehnt. Nachdem auf Intervention der Versi- cherten hin erneute Abklärungen erfolgt waren, hielt die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren mit Verfügung vom 15. Januar 2020 an der Verweigerung der Kostenübernahme mit der Begründung fest, dass die elektrisch höhenverstellbare Arbeitsfläche nicht eine einfache, zweckmässige und wirtschaftliche, sondern eine bestmögliche Versorgung darstelle. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte mit Ei ngabe vom 18. Februar 2020, ver- treten durch Thomas Wehrlin, Advokat, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, in Aufhebung der Verfü- gung vom 15. Januar 2020 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr Kostengutsprache für eine höhenverstellbare Arbeitsfläche in der Küche inkl. Elektroinstallation in der Höhe von Fr. 10'599.85 zu erteilen. Als Begründung machte sie im W esentlichen geltend, dass sie zwingend auf eine höhenverstellbare Arbeitsfläche angewiesen sei. Eine fix installierte Arbeitsfläche stelle keine zweckmässige Lösung dar, wie dies von der Beschwerdegegnerin angeführt werde. C. In ihrer Vernehmlassung vom 17. April 2020 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Dabei legte sie ihrer Vernehmlassung eine weitere Stellungnahme der Schweizeri- schen Arbeitsgemeinschaft Hilfsmittelberatung für Behinderte und Betagte (SAHB) vom 3. April 2020 ins Recht. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten sow ohl die Beschwerdeführerin mit Replik vom 29. Mai 2020 als auch die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 24. Juni 2020 an ihren Anträgen und Standpunkten fest. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gerich t form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die IV-Stelle zu Recht Kostengutsprache für eine elektrisch h öhenverstellbare Arbeitsfläche in der Küche im Umfang von Fr. 10'599.85 verweigert hat. Der Streitwert liegt damit unter der erwähnten Grenze von Fr. 20'000.--, weshalb die Angelegenheit in die Kompetenz der präsidierenden Per- son der Abteilung Sozialversicherungsrecht fällt. 2.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Ver sicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 lit. d des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Anspruch auf die Abgabe von Hilfsmitteln . Dieser Anspruch bezieht sich gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung oder zum Zwecke der funk- tionellen Angewöhnung bedürfen. 2.2 Der Bundesrat hat in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 die ihm durch Art. 21 Abs. 2 und 4 IV G übertragene Befugnis, einschliesslich derjenigen zum Erlass näherer Bestimmungen über Beiträge an die Kosten invaliditätsbedingter Anpassungen von Geräten und Immobilien, an das Eidgenössische Departement des Innern sub- delegiert, welches die Verordnung des EDI über die Ab gaben vom Hilfsmitteln durch die Invali- denversicherung (HVI) vom 29. November 1976 erlassen hat. Gemäss deren Art. 2 besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbe- wegung, die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt ode r für die Selbstsorge notwendig sind (Abs. 1). Anspruch auf die mit (*) bezeichneten Hilfsmit tel besteht nur, soweit diese für die Aus- übung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbil- dung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in d er zutreffenden Ziffer des Anhangs aus- drücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2). 2.3 Art. 21 IVG beschränkt den Leistungsanspruch ausdrückli ch auf Hilfsmittel, die in der entsprechenden Liste enthalten sind. Der Gesetzgeber hat dem Bundesrat damit die Kompetenz übertragen, in der aufzustellenden Liste aus der Vielzahl zweckmässiger Hilfsmittel eine Auswahl zu treffen. Dabei nahm er in Kauf, dass mit einer solchen Aufzählung nicht sämtliche sich stellen- den Bedürfnisse gedeckt werden. Der Bundesrat oder das Departement sind daher durch das Gesetz nicht verpflichtet, sämtliche Hilfsmittel, derer eine invalide versicherte Person zur Einglie- derung bedarf, in die Hilfsmittelliste aufzunehmen. Die Liste der abzugebenden Hilfsmittel ist in- sofern abschliessend, als sie die in Frage kommenden Hilfsmittelkategorien aufzählt; dagegen ist innerhalb der einzelnen Kategorien jeweils zu prüfen, ob die Aufzählung der einzelnen Hilfsmittel ebenfalls abschliessend oder bloss exemplifikatorisch ist ( vgl. BGE 131 V 114 E. 3.4.3). Lässt sich ein Hilfsmittel keiner der im HVI-Anhang aufgeführten Kategorien zuordnen, ist es nicht zu- lässig, den Anspruch auf Kostenübernahme durch die IV direkt aus der Zielsetzung des Gesetzes abzuleiten, da damit das dem Bundesrat bzw. dem Departement eingeräumte Auswahlermessen durch dasjenige der Verwaltung und des Gerichts ersetzt würde (BGE 131 V 14 E. 3.4.2 mit Hin- weisen). 2.4 Nach der Rechtsprechung unterliegt die Hilfsmitte lversorgung den allgemeinen An- spruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erforderlichkeit, Eingliederungswirk- samkeit; BGE 122 V 212 E. 2c). Leistungen, die im Anhang zur HVI aufgeführt sind, werden nicht ohne weiteres, sondern nur soweit erforderlich und lediglich in einfacher und zweckmässiger Aus- führung erbracht (Art. 21 Abs. 3 IVG; Art. 2 Abs. 2 u nd Abs. 4 HVI). Die IV ist auch im Bereich der Hilfsmittel keine umfassende Versicherung, welche sämtliche durch die Invalidität verursach- ten Kosten abdecken will; das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit sicherstellen als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist und zudem der voraussichtliche Erfolg der Ein- gliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten steht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2014, 9C_886/2013, E. 2.3 mit Hinweisen). Nach der Rechtspre- chung bezieht sich die Notwendigkeit des Hilfsmittels auf die konkrete Situation, in welcher die versicherte Person lebt (BGE 135 I 161 E. 5.1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Unter der Marginalie "13 – Hilfsmittel am Arbeit splatz, im Aufgabenbereich, zur Schulung und Ausbildung sowie bauliche Vorkehren zur Überwindun g des Arbeitsweges" vergütet die In- validenversicherung gemäss Ziffer 13.04(*) des Anhangs der HVI invaliditätsbedingte bauliche Änderungen am Arbeitsplatz und im Aufgabenbereich. In Ziffer 13.01(*) sind Arbeits- und Haus- haltgeräte sowie Zusatzeinrichtungen, Zusatzgeräte und Anpassungen für die Bedienung von Apparaten und Maschinen erwähnt. 3.1 Zwischen den Parteien vorliegend nicht streitig ist , dass die Küche zum Aufgabenbereich der Beschwerdeführerin zu zählen ist und sie infolgedessen in grundsätzlicher Hinsicht Anspruch auf bauliche Änderungen hat. Wie von der Beschwerdegeg nerin im Grundsatz anerkannt wird, kann die beantragte höhenverstellbare elektrische Arbei tsfläche konkret unter die in Zif- fer 13.04(*) des Anhangs zur HVI erwähnten invaliditätsbedingten baulichen Änderungen am Ar- beitsplatz und im Aufgabenbereich subsumiert werden. Der Anspruch ist indessen an die Voraus- setzung geknüpft, dass das Hilfsmittel für die Tätigkeit im Aufgabenbereich erforderlich ist (vgl. E. 2.4 hiervor; ferner Urteil des Bundesgerichts vom 20. Februar 2017, 9C_573/2016, E. 4.1). 3.2 Wie bereits dargelegt (vgl. E. 2.4 hiervor), unte rliegt jede Hilfsmittelversorgung den all- gemeinen Anspruchsvoraussetzungen des Art. 8 Abs. 1 IVG. Sie hat somit den dort mit Blick auf die vom Gesetz anerkannten Eingliederungsbereiche ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit zu genügen. Gemäss Rz. 10 21 des Kreisschreibens über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI) können Hilfsmittel für die Tätig- keit im Aufgabenbereich nur abgegeben werden, wenn di e Arbeitsfähigkeit dadurch beachtlich gesteigert werden kann (in der Regel mindestens 10% gemäss Haushaltabklärung). Diese Wei- sung stellt eine Konkretisierung der im Rahmen des Verh ältnismässigkeitsgrundsatzes verlang- ten Eingliederungswirksamkeit eines Hilfsmittels dar. Die 10%-Klausel ist nicht als absolutes Mi- nimum zu verstehen, sondern hat vielmehr als Richtmass zur Beurteilung der Beachtlichkeit zu gelten, das Abweichungen im Einzelfall zugänglich ist (vgl. BGE 129 V 67 E. 1.1.2 und 2.2). Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts die angefoch- tene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprü fen. Sie greift jedoch praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in den Ermessensspielraum der Verwaltung ein. Ohne triftigen Grund darf das Gericht sein Ermessen nicht an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; vielmehr muss es sich auf Argumente abstützen können, welche seine abw eichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 123 V 152 E. 2 mit Hinweisen). 4. Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsbereich bedarf es im Regelfall einer Ab- klärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich d es Beweiswertes des Abklärungsberichts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von Ar ztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Abklärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, welche Kenntni s der örtlichen und räumlichen Verhält- nisse sowie der Beeinträchtigungen und Behinderungen hat, die sich aus den medizinischen Di- agnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der versiche rten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliess- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich muss plausibel, begründet und angemessen detaillie rt bezüglich der einzelnen Einschrän- kungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort un d Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern der Bericht ei ne zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für d ie Unrichtigkeit der Abklärungsresul- tate vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklä- rungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2008, 8C_107/ 2008, E. 3.2.1 mit Hinweis; BGE 128 V 93 f. E. 4). 5.1 Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin im Sinne der vorstehenden Erwä- gungen die Vergütung von mehreren invaliditätsbedingten baulichen Anpassungen sowie damit verbundene Mehrkosten zugesprochen (vgl. zu den einzelnen Anpassungen die Stellungnahme der SAHB vom 10. Januar 2019, IV-act. 322). Was die elektrisch höhenverstellbare Arbeitsfläche in der Küche anbelangt, so stellt sie sich hingegen auf den Standpunkt, dass diese eine bestmög- liche Eingliederung darstelle, für deren Kosten die In validenversicherung nicht aufzukommen habe. 5.2 In der den einzelnen baulichen Anpassungen zugrund eliegenden fachtechnischen Be- urteilung der SAHB vom 10. Januar 2019 wird für den Bereich der Küche ausgeführt, dass die am alten Wohnort der Versicherten bestehende Küche besichtigt und die Details, welche für die Versicherte relevant seien, besprochen worden seien. Es könne nun beurteilt werden, auf welche der invaliditätsbedingten Besonderheiten die Versicherte bei der Küche am neuen Wohnort an- gewiesen sei. Im Weiteren sei der Geschäftsführer der B.____ AG, welcher die rollstuhlgängige Küche geplant und realisiert habe, empfangen worden, um die geplante Neubauküche zu bespre- chen und die Mehrkosten festzulegen. Invaliditätsbedingt müsse ein Teil der Arbeitsfläche unter- fahrbar und die Oberschränke elektrisch absenkbar realisiert werden sowie der Stauraum in den Schränken mit einzelnen Schubladen herausziehbar sein. Die Arbeitsfläche müsse auf der für die Versicherte idealen Höhe fix installiert werden. Ergänz end wird unter Position 13 festgehalten, dass die Versicherte sich die Arbeitsplatte indessen in ei ner elektrisch höhenverstellbaren Ver- sion erstellen lasse, was Mehrkosten im Umfang von Fr. 10'599.85 zur Folge habe. Hierfür werde eine Ablehnung der Kostengutsprache empfohlen. Die V ersicherte habe bei der Abklärung an ihrem alten Wohnort erklärt, dass die elektrische Höhenver stellbarkeit wichtig sei, damit auch andere Personen stehend an dieser Küche arbeiten könnten. Eine fix installierte Arbeitsplatte auf der mit dem Rollstuhl zugänglichen Höhe sei für stehend e Arbeiten in der Küche sehr unange- nehm. 5.3 Im Abklärungsbericht Haushalt vom 22. März 2019 hält die Abklärungsperson der IV- Stelle zur Situation vor dem Küchenumbau fest, dass die Versicherte alleinstehend lebe und sich abends meistens eine warme Mahlzeit zubereitet habe. Die Speisen seien von der Versicherten gerüstet und zubereitet worden. Eine Dritthilfe sei dabei nicht erfolgt. Die Zubereitung der Speisen sei seitwärts sitzend zur Arbeitsfläche erfolgt, da sie d en Rollstuhl nicht anderweitig habe annä- hern können. Die Standardhöhe des Herdes habe es der V ersicherten bei hohen Töpfen und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pfannen nicht erlaubt, hineinsehen zu können. Sie habe sich deshalb oft die Beine verbrüht. Die oberflächliche Küchenreinigung sei durch die Versicherte mit viel Mühe erfolgt, da die Arbeitsflä- che zu hoch gelegen sei. Das Geschirr sei von der Versicher ten in den Geschirrspüler ein- und aus diesem ausgeräumt worden. Die Bedienung des Geschirrspülers sei durch sie erfolgt. Zur aktuellen Situation bzw. zur Situation nach dem Küchenumbau habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie sich meistens abends eine warme Mahlzei t zubereite, da sie ganztags in X.____ (im Sinne einer Tagesstruktur) erwerbstätig sei. Das Rüsten der Zutaten erfolge sitzend auf der Arbeitsfläche, wo sie ein Brett als Unterlage nutzen könne. Dank des Umbaus sei es ihr auch möglich, mit dem Rollstuhl unter die Arbeitsfläche der höhenverstellbaren Küche zu fahren und sich so nicht nur seitwärts an das Spülbecken anzunähern . Die oberflächliche Küchenreini- gung erfolge durch die Versicherte. Die oberen Schränke könne die Versicherte noch knapp se- hen. Den Geschirrspüler könne die Versicherte alleine ein- und ausräumen. Dank der höhenver- stellbaren Schränke könne die Versicherte das Besteck und d as Geschirr selbstständig versor- gen. Die erfolgten baulichen Änderungen in der Küche hatt en eine Steigerung im Aufgabenbereich von 17.5% zur Folge. 5.4 In ihrem Einwand vom 29. April 2019 gegen den ge stützt auf die Beurteilung der SAHB ergangenen, ablehnenden Vorbescheid begründete die Versicherte die invaliditätsbedingte Not- wendigkeit damit, dass eine einheitliche Fläche von Arbeitsbereich, Kochbereich und Spülbecken ohne die höhenverstellbare Arbeitsfläche nicht möglich gewesen sei, insbesondere um das prob- lemlose Hin- und Herschieben von Töpfen und Geschirr auf der Arbeitsfläche zu gewährleisten. Alsdann sei an ihrem alten Wohnort mit der optimalen Höhe des (unterfahrbaren) Arbeitsbereichs ein Unterfahren des Kochbereichs nicht möglich gewesen, und noch weniger ein Unterfahren des Spülbeckens. Die höhenverstellbare Fläche ermögliche es ihr zudem, den Oberkörper darauf zu legen, sich auszuruhen, zu entspannen sowie das Gesäss bed ingt zu entlasten. Gelegentlich koche auch jemand für sie. Für diese Personen sei es eine Zumutung gewesen, auf der für Roll- stuhlfahrer zugänglichen Höhe zu kochen. 5.5 Nachdem die Beschwerdegegnerin die SAHB daraufhin mit einer erneuten Abklärung zu dieser Frage beauftragt hatte, hielt diese hierzu am 14. August 2019 fest, dass die Versicherte die Eigentumswohnung in der Planungsphase gekauft habe. Es sei ihr daher möglich gewesen, die Küche mit einer fixen Arbeitshöhe so zu planen, dass sie in einfacher und zweckmässiger Art zu Recht gekommen wäre. Die elektrische Höhenverstellbarkeit sei für die Versicherte unbestrit- ten sehr zweckmässig. Sie stelle die optimale Lösung dar un d könne als die im Einzelfall best- mögliche Versorgung betrachtet werden. Für die bestmög liche Versorgung bestehe für Versi- cherte aber kein Anspruch. 6.1 Aus den vorliegenden Unterlagen kann einhellig g eschlossen werden, dass zentraler Aspekt bei den sich aus den invaliditätsbedingten Beeinträchtigungen ergebenden Schwierigkei- ten am alten Wohnort der Versicherten namentlich die fehlende Möglichkeit bildete, den Bereich des Spülbeckens sowie den Kochbereich mit dem Rollstuhl unterfahren zu können. So lässt sich Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der in der Beschwerde angerufenen, nach Bezug der behinderungsangepassten Eigentumswoh- nung erstellten Haushaltabklärung vom 22. März 2019 ent nehmen, dass die Versicherte für die Zubereitung ihrer Mahlzeiten zwar bereits zuvor keine Dritthilfe in Anspruch nehmen musste. In- dessen erfolgte die Zubereitung der Speisen seitwärts zur Arbeitsfläche, da die Versicherte diese sowie das dazugehörige Spülbecken nicht anderweitig mit dem Rollstuhl hat annähern können. In ihrer Beschwerde vom 18. Februar 2020 sowie ihrer R eplik vom 29. Mai 2020 bekräftigt die Beschwerdeführerin in Übereinstimmung mit diesen Fest stellungen, dass die gegebenen Um- stände beim Hantieren mit heissen Speisen und kochendem Wasser eine erhebliche Gefahr dar- stellten. Es sei für sie kaum möglich gewesen, in einer Pfanne zu rühren und heisses Wasser abzuschütten. Damit steht fest, dass für die Versicherte die Möglichkeit gewährleistet sein muss, auch den Bereich des Spülbeckens sowie den Kochbereich mit ihrem Rollstuhl unterfahren zu können. Darüber hinaus ist die invaliditätsbedingte Notwendigkeit zur Erfüllung der Kocharbeiten unstreitig auch hinsichtlich den auf einer einheitlichen Höhe anzubringenden Elementen Kochbe- reich und Spülbecken zu bejahen. Ebenfalls im Einklang mit den Ausführungen der Beschwerde- führerin hält die SAHB in ihrer jüngsten Stellungnahme vom 3. April 2020 fest, dass es der Ver- sicherten nur möglich ist, eine (bspw.) mit heissem Wasser gefüllte Pfanne über eine ebene Flä- che zu schieben, um diese abzugiessen. Das seitliche Arbei ten in dieser Situation wäre für die Versicherte nicht möglich. 6.2 Während sich die Beschwerdegegnerin unter Verweis au f die fachtechnischen Beurtei- lungen der SAHB sowie die der Beschwerdeführerin oblie gende Schadenminderungspflicht auf den Standpunkt stellt, dass den hiervor genannten Erfordernissen mit einer auf der gleichen Höhe unterfahrbaren, hingegen fix installierten Arbeitsfläche entsprochen werden könne, macht die Be- schwerdeführerin geltend, dass sie zwingend auf eine elekt rische Höhenverstellbarkeit der ein- zelnen Elemente angewiesen sei. Damit sie auf der Arbe itsfläche Rüstarbeiten durchführen könne, dürfe diese maximal 74 cm hoch sein. Würde sich da s Spülbecken auf derselben Höhe befinden, könne sie dieses nicht unterfahren. Das Spülbecken sei erst ab einer Höhe von 79 cm unterfahr- und benutzbar, da sie sich aufgrund ihrer eingeschränkten Rumpfinstabilität nicht nach vorne beugen könne. Der Kochbereich hingegen müsse wiederum möglichst tief eingestellt wer- den. Wie nachfolgend darzulegen sein wird, kann der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden. 6.3.1 Bei der Versicherten liegt unbestrittenermassen e ine ungenügende Rumpfstabilität vor, womit ebenso unstreitig eine invaliditätsbedingte Notwendigkeit hinsichtlich der Unterfahrbarkeit des gesamten Arbeitsbereichs zu bejahen ist. Das seitliche Arbeiten vor der Küchenkombination an einer der Standardhöhe entsprechenden Arbeitsfläche kann der Versicherten nicht zugemutet werden (vgl. E. 5.1 hiervor). Soweit die Beschwerdefü hrerin in ihrer Beschwerde unter Verweis auf die Haushaltabklärung vom 22. März 2019 nun aber e rstmals geltend macht, dass sie bei einem – zwar unterfahrbaren – aber fix installierten Kochbereich auf der optimalen Höhe des Spülbeckens (79 cm) keine Einsicht in Pfannen nehmen kö nne und deshalb zwingend darauf angewiesen sei, die Bereiche auf eine unterschiedliche Höhe einstellen zu können, kann ihr nicht beigepflichtet werden. Der Haushaltabklärung vom 22. März 2019 ist zwar zu entnehmen, dass die Versicherte an ihrem alten Wohnort bei hohen Töpfen und Pfannen nicht in das Kochgut hineinsehen konnte. Massgebliche Ursache hierfür bildete aber insbesondere die im Vordergrund Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht stehende Problematik, dass die Versicherte diesen Bereich nur seitlich bedienen konnte, sowie ferner die Standardhöhe des Herdes (vgl. Haushaltabklärung vom 22. März 2019, S. 3; vgl. auch E. 5.1 hiervor). Dementsprechend war gemäss Beurteilung der SAHB vom 10. Januar 2019 nach Rücksprache mit dem zuständigen Architekten eine unterfahrbare, auf der für Rollstuhlfahrer op- timalen Höhe fix installierte Arbeitsfläche geplant. I m jüngsten Bericht der SAHB vom 3. April 2020 wird hierzu ausgeführt, dass der Einblick in das Kochgut (ohne Einsatz hoher Pfannen und Töpfe) bei einer auf der Höhe des Spülbeckens fix installierten Arbeitsfläche von 79 cm gewähr- leistet wäre. Entsprechend den weiteren Ausführungen d er SAHB trifft es sodann zu, dass in einem Einpersonenhaushalt in der Regel keine hohen Pfannen und Töpfe eingesetzt werden bzw. die Verwendung von entsprechendem Küchengeschirr namen tlich nicht zum alltäglichen Ge- brauch dient. Vielmehr dürfte ein Einsatz solcher Pfannen und Töpfe allenfalls bei Besuchen von nahen Angehörigen oder Drittpersonen in Frage kommen . Diesfalls ist es der Versicherten im Rahmen der Schadenminderungspflicht möglich und zuzumuten, dass ihr diese Personen bei der Verrichtung der Küchenarbeiten entsprechend zur Hilfe gehen, zumal – wie die Beschwerdefüh- rerin selbst ausführt – ab und an jemand für sie koche. Nicht gefolgt werden kann in diesem Zusammenhang auch dem mit Schreiben vom 29. April 2019 geltend gemachten Einwand, wo- nach die Höhenverstellbarkeit auch für Dritte eine E ntlastung beim Kochen ermöglichen solle. Den Auswirkungen für Dritte kann bei der Beurteilung der Frage nach der invaliditätsbedingten Notwendigkeit eines für die Versicherte zur Diskussion steh enden Hilfsmittels keine (relevante) Bedeutung beigemessen werden. Es ist sodann in Erinnerung zu rufen, dass die Schadenminde- rungspflicht naher Angehöriger weitergeht als die ohn e Gesundheitsschaden üblicherweise zu erwartende Unterstützung (Urteile des Bundesgerichts vo m 1. April 2010, 9C_410/2009, E. 5.5 mit Hinweisen und vom 27. Juli 2012, 8C_828/2011, E. 4.1). 6.3.2 Auch die weiteren Vorbringen sind nicht geeigne t, von den durch die SAHB getätigten Abklärungen abzuweichen und in das der Beschwerdegegnerin zustehende Ermessen einzugrei- fen (vgl. E. 3.2 hiervor). Mit Blick auf den im Gebiet der Invalidenversicherung geltenden allge- meinen Grundsatz, wonach die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumut- bare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern, kann den in Kenntnis der eingeschränkten Funktion der Arme und Hän de gemachten Ausführungen der SAHB (vgl. Stellungnahme vom 10. Januar 2019, S. 1) auch in dieser Hinsicht beigepflichtet wer- den. Diese hält hierzu fest, dass die Versicherte bei einer auf der Höhe von 79cm fix installierten Arbeitsfläche die Rüstarbeiten bspw. am Küchentisch vo rnehmen könne. Hierbei gilt es sodann zu beachten, dass im Jahr 2011 eine Rekonstruktion und Ver besserung der Handfunktion der Versicherten erfolgte. Durch den vorgenommenen tetrachirurgischen Eingriff kann mit der rechten Hand in Handgelenksflexion nunmehr eine Daumenabduktion erreicht und der Lateralgriff somit verbessert eingesetzt werden (vgl. Austrittsbericht des Sch weizer Paraplegiker Zentrums vom 12. Juli 2011, IV-act. 290). Vor diesem medizinischen Hintergrund ist nicht einsehbar, weshalb es der Versicherten nicht möglich sein soll, bspw. in einen geeigneten Behälter umgefüllte gerüs- tete Nahrungsmittel vom Küchentisch zum Kochbereich zu transportieren. Dies umso weniger als sie – wie die Beschwerdegegnerin zu Recht einwendet – d ie in der Küche anfallenden weiteren Arbeiten, wie bspw. den Transport von Lebensmitteln vo m Kühlschrank zur Arbeitsfläche sowie die Bedienung des auf ihre Bedürfnisse angepassten Backo fens, selbstständig zu verrichten in der Lage ist. Gemäss Haushaltabklärung vom 22. März 2019 ist es ihr auch ohne fremde Hilfe Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht möglich, den Geschirrspüler ein- und auszuräumen und dam it eingeschlossen das Geschirr in die – invaliditätsbedingt zwar absenkbaren – aber sich über der Arbeitsfläche befindlichen Schränke zu versorgen (vgl. E. 4.3 hiervor). Des Weitere n verrichtet die Versicherte auch ihre Einkäufe ohne fremde Hilfe (vgl. Haushaltabklärung vom 22. März 2019, S. 2). Unter Berücksich- tigung der Tatsache, dass die Rüstarbeiten lediglich einen Teil der Küchenarbeiten ausmachen, hat die Versicherte den damit verbundenen zusätzlichen Aufwand im Rahmen der Schadenmin- derungspflicht zu leisten, zumal dadurch sowie mit Rücksi cht auf das unter Erwägung E. 6.3.1 hiervor Ausgeführte isoliert betrachtet, das als Richtmass z ur Beurteilung der Beachtlichkeit er- forderliche Minimum (vgl. E. 3.2) nicht erreicht werden dürfte. Aus dem geltend gemachten Um- stand, wonach ihr ab und an gerüstete Nahrungsmittel zu Boden fallen, kann jedenfalls nicht auf eine Unzumutbarkeit geschlossen werden. 6.3.3 Hinsichtlich dem mit der vorliegenden Beschwerde nicht mehr aufrechterhaltenen Vor- bringen, wonach sie die Arbeitsfläche auch zur Entspann ung benötige, ist mit der Beschwerde- gegnerin darauf hinzuweisen, dass die Geeignetheit und die Notwendigkeit von invaliditätsbe- dingten Anpassungen in einer Küche nicht an diesen Aspekt en gemessen werden können. So- dann gilt es zu beachten, dass die Küchenarbeiten lediglich einen Teil der Betätigung im Haushalt als anerkannter Aufgabenbereich darstellen. Die Versicherte kann ihre Arbeiten frei einteilen, was ihr auch das Einlegen von Pausen ermöglicht. 6.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist davon au szugehen, dass die Beschwer- deführerin mit einer unterfahrbaren, auf derselben H öhe fix installierten Arbeitsfläche über ein einfaches und zweckmässiges Hilfsmittel verfügt, welches ihr die Verrichtung der Arbeiten in der Küche erleichtert. Es sind mit Blick auf die von der IV-Stelle getätigten Abklärungen keine Gründe ersichtlich, die es rechtfertigen würden, von dieser Auff assung abzuweichen. Es ist für das Ge- richt nachvollziehbar und verständlich, dass die Versicherte die bestmögliche Versorgung – vor- liegend in Form einer elektrisch höhenverstellbaren Arbeitsfläche – bevorzugt. Für die bestmög- liche Eingliederung ist die Invalidenversicherung praxisgemäss jedoch nicht leistungspflichtig. Die angefochtene Verfügung vom 15. Januar 2020 ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 7. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Bei Präsidialentsche iden wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einhe itlich auf Fr. 400.-- fest. Vorlie- gend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuer- legen sind. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird keine Parteientschädigung ausge- richtet. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht