<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 25" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 25</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Wahlen und Abstimmungen</span> <span class="page_no">271</span> </div> <div class="page" id="S271"> <span class="text"><b>VII. Wahlen und Abstimmungen </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>25 </b> <b>Gemeindebeschwerde (§ 30 GG)</b></span><br/> <span class="text">Fehlende Referendumsfähigkeit von (formellen) Gemeindeversamm-</span><br/> <span class="text">lungsbeschlüssen, insbesondere Nichteintretens- und Rückweisungs-</span><br/> <span class="text">beschlüsse </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom</span><br/> <span class="text">15. September 2017, in Sachen A. gegen Einwohnergemeinde Z. und DVI</span><br/> <span class="text">(WBE.2017.152).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">1.3.</span><br/> <span class="text">Gemäss § 30 GG entscheidet die Gemeindeversammlung über</span><br/> <span class="text">die zur Behandlung stehenden Sachgeschäfte abschliessend, wenn</span><br/> <span class="text">die beschliessende Mehrheit wenigstens einen Fünftel der Stimmbe-</span><br/> <span class="text">rechtigten ausmacht. Positive und negative Beschlüsse der</span><br/> <span class="text">Gemeindeversammlung, die von weniger als einem Fünftel der</span><br/> <span class="text">Stimmberechtigten gefasst wurden, unterstehen gemäss § 31 Abs. 1</span><br/> <span class="text">GG dem fakultativen Referendum. Nach geltendem Recht unter-</span><br/> <span class="text">stehen demnach sowohl die inhaltlich festgelegten und von der Ge-</span><br/> <span class="text">meindeversammlung angenommenen Rechtssätze und Verwaltungs-</span><br/> <span class="text">akte als auch entsprechend abgelehnte Vorlagen dem fakultativen Re-</span><br/> <span class="text">ferendum (ANDREAS BAUMANN, Aargauisches Gemeinderecht,</span><br/> <span class="text">4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2017, S. 197). Wie sich bereits aus</span><br/> <span class="text">ihrem Wortlaut ergibt, beziehen sich die Bestimmungen über die ab-</span><br/> <span class="text">schliessende Beschlussfassung und das Referendum (§ 30 f. GG) auf</span><br/> <span class="text">Sachgeschäfte (s. auch BAUMANN, a.a.O., S. 194 f.). Von diesen (un-</span><br/> <span class="text">ter Vorbehalt der abschliessenden Beschlussfassung gemäss § 30</span><br/> <span class="text">GG) referendumsfähigen materiellen Beschlüssen zu unterscheiden</span><br/> <span class="text">sind formelle Beschlüsse, die ihrer Natur nach nicht dem Referen-</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">272</span> </div> <div class="page" id="S272"> <div role="main"> <span class="text">dum unterstellt werden können. Nicht referendumsfähig sind dem-</span><br/> <span class="text">nach Nichteintretens- und Rückweisungsbeschlüsse der Gemeinde-</span><br/> <span class="text">versammlung. Auch mit dem Beschluss, einen früheren Beschluss</span><br/> <span class="text">nicht in Wiedererwägung zu ziehen, tritt die Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="text">auf ein Geschäft nicht ein. Analog verhält es sich in Gemeinden mit</span><br/> <span class="text">Einwohnerrat. Zu den nicht referendumsfähigen formellen</span><br/> <span class="text">Beschlüssen des Einwohnerrats zählen jene über den Gang und den</span><br/> <span class="text">Ablauf des parlamentsinternen Meinungsbildungs- und Entschei-</span><br/> <span class="text">dungsverfahrens, namentlich die (Nicht-)Eintretens- und Rückwei-</span><br/> <span class="text">sungsbeschlüsse (BAUMANN, a.a.O., S. 196).</span><br/> <span class="text">Daraus, dass der Gemeindeammann nicht im Voraus, sondern</span><br/> <span class="text">erst nach der Abstimmung über die Frage, ob der Gemeinde-</span><br/> <span class="text">versammlungsbeschluss vom 26. November 2012 betreffend den</span><br/> <span class="text">Verkauf der gemeindeeigenen Parzelle Nr. yyy an die B. Holding AG</span><br/> <span class="text">in Wiedererwägung gezogen werden soll, darauf hingewiesen hat,</span><br/> <span class="text">dass gegen diesen Beschluss das Referendum nicht ergriffen werden</span><br/> <span class="text">kann, kann der Beschwerdeführer somit nichts zu seinen Gunsten</span><br/> <span class="text">ableiten. Er ist in seiner Erwartung, gegen jeden ihm nicht genehmen</span><br/> <span class="text">Beschluss das Referendum ergreifen zu können, von vornherein</span><br/> <span class="text">nicht zu schützen, soweit es um formelle Beschlüsse geht, da diese -</span><br/> <span class="text">wie dargelegt - von Gesetzes wegen gar nicht referendumsfähig sind.</span><br/> <span class="text">Dass der Beschwerdeführer diesbezüglich vom Gegenteil ausging,</span><br/> <span class="text">ändert nichts, zumal ihm die Abstimmungsfragen und das Abstim-</span><br/> <span class="text">mungsprozedere aufgrund der gemeinderätlichen Erläuterungen zu</span><br/> <span class="text">Traktandum 12 mindestens 14 Tage vor der Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="text">bekannt waren. Deshalb hätte er sich ohne weiteres im Voraus beim</span><br/> <span class="text">Gemeinderat oder beim DVI über die Referendumsmöglichkeiten</span><br/> <span class="text">erkundigen können. Folglich bleibt es dabei, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführer sein Beschwerderecht verwirkt hat.</span><br/> <span class="text">(Hinweis: Das Bundesgericht hat eine Beschwerde gegen diesen</span><br/> <span class="text">Entscheid mit Urteil vom 19. April 2018 [1C_596/2017] abgewie-</span><br/> <span class="text">sen.)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>