Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. Juni 2013 ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung, selbstverschuldete Arbeitslosigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1978 geborene A.____ war vom 1. Oktober 2009 bis 30. Juni 2012 bei der Firma B.____ AG als Büroassistentin tätig. Am 24. April 2012 kündigte sie das Arbeitsverhältnis schriftlich und unter Einhaltung der zweimonatigen Künd igungsfrist per Ende Juni 2012. Am 3. Mai 2012 meldete sie sich zur Arbeitsvermittlung an u nd ersuchte gleichentags die Öffentli- che Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft (Arbeitslosenkasse) um Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Juli 2012. Mit Verfügung Nr. 1667/2012 vom 2 . August 2012 stellte die Arbeitslosenkas- se A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab d em 1. Juli 2012 für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Ein- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht spracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerb e und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA) mit Entscheid vom 18. Oktober 2012 ab. B. Hiergegen erhob A.____ mit Eingabe vom 15. Novembe r 2012 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht), und beantragte die Aufhe- bung des angefochtenen Einspracheentscheids und der ange fochtenen Verfügung sowie die Aufhebung der 24 Einstelltage, eventualiter deren Red uzierung. Zur Begründung machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass sie die Arbeitslosigkeit nicht selbstverschul- det verursacht habe. Ein weiterer Verbleib an der angestammten Stelle sei ihr aus gesundheitli- chen Gründen nicht zumutbar gewesen. C. Die Arbeitslosenkasse schloss in ihrer Vernehmlassung vom 31. Januar 2013 auf Abwei- sung der Beschwerde unter o/e Kostenfolge. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenz- entschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall beläuft sich der Streitwert bei einer Einstellungs- dauer von 24 Tagen und unter Berücksichtigung eines Tagge ldansatzes von Fr. 110.60 auf Fr. 2'654.40. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Arbeitslosenkasse die Beschwerdeführerin zu Recht infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberech- tigung eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Sch adenminderungspflicht; vgl. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2 a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einstell ung in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätt e vermeiden oder vermindern kön- nen. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Ver- schuldensprinzip beherrscht (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, 2. Auflage, Basel 2007, Rz. 822 ff.). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und so weit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in ei nem nach den persönlichen Umstän- den und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsv erhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Diese Bestimmung ist mit Art. 20 lit. c des für die Schweiz am 17. Oktob er 1991 in Kraft getretenen Übereinkom- mens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 vereinbar (vgl. BGE 124 V 236 f. E. 3c). 3.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihr e Grenze somit grundsätzlich im Zu- mutbarkeitsgedanken. So gilt in analoger Anwendung von Art. 16 Abs. 2 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesond ere den gesamt- und normalarbeits- vertraglichen Bedingungen entspricht, den Fähigkeiten u nd dem Gesundheitszustand der ar- beitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich erschwert. In beweisrechtlicher Hinsicht wird die Zumutb arkeit des Verbleibens an der Arbeits- stelle vermutet. Das Bundesgericht wendet hinsichtlich der Annahme der Unzumutbarkeit einen strengen Massstab an und schliesst generell subjektive Beweg gründe für die Kündigung von der Zumutbarkeitsprüfung aus. (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Schweizerisches Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilung en] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 4.4; vgl. ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 832; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Züri ch 1998, S. 116). Wenn nicht be- sondere Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (vgl. CHOPARD , a.a.O., S. 116). 3.4 Ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheite n mit Vorgesetzten oder Ar- beitskollegen vermögen grundsätzlich keine Unzumutbarke it der Fortführung des Arbeitsver- hältnisses zu begründen (Sozialversicherungsrecht – Rechtsp rechung [SVR] 1997 ALV Nr. 105 S. 324, C 128/96, E. 2a). Belegt die versicherte Perso n allerdings durch ein eindeutiges ärztli- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Be weismittel), dass ihr die Weiterarbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar ist, ist grundsätzlich von einer Unzumut- barkeit aus gesundheitlichen Gründen auszugehen (Urteil d es Bundesgerichts vom 13. März 2013, 8C_943/2012, E. 2; vgl. auch: Urteil des Bunde sgerichts vom 4. Mai 2010, 8C_12/2010, E. 3.1; BGE 124 V 238 E. 4b/bb, je mit Hinweisen; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I [Art. 1-58], Bern/Stuttgart 1988, N. 14 zu Art. 30 AVIG; CHOPARD , a.a.O., S. 123). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsat z gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten d er Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 4.2 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen ei ne vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vgl . § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung a ls verfügende Instanz und – im Beschwer- defall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicheru ngsrecht hat das Gericht seinen Ent- scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, n ach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Geri cht hat vielmehr jener Sachverhalts- darstellung zu folgen, die es von allen möglichen Gescheh ensabläufen als die wahrscheinlichs- te würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). Dabei stellt der Grundsatz, wonach die spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Schilderungen, die bewusst oder unbewusst von na chträglichen Überlegungen versi- cherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein kön nen, eine im Rahmen der freien Be- weiswürdigung zu berücksichtigende Entscheidungshilfe da r. Sie kann jedoch nur zur Anwen- dung gelangen, wenn von zusätzlichen Abklärungen keine n euen Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch: Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2008, 8C_827/2007, E. 5.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der recht serhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Die Beschwerdeführerin war seit dem 1. Oktober 2 009 bei der B.____ AG in einem Pen- sum von 80% als Büroassistentin angestellt. Mit Schreiben vo m 24. April 2012 kündigte sie das Arbeitsverhältnis auf den 30. Juni 2012 unter Hinweis auf einen zu tiefen Lohn, erfolglose Lohn- verhandlungen und den bevorstehenden Standortwechsel der Firma nach C.____. Im Antrag für Arbeitslosenentschädigung vom 3. Mai 2012 führte sie ebe nfalls die unangemessene Entlöh- nung und erfolglose Lohnverhandlungen als Gründe für die Kündigung an und erläuterte, dass der längere Arbeitsweg nach C.____ nicht mittels Spesen vergütet werde und somit eine zu- sätzliche, unzumutbare finanzielle Belastung darstelle. Di e Beschwerdeführerin gab weiter an, dass sie seit dem 24. Januar 2012 und bis auf Weiteres und somit auch im Zeitpunkt der Kün- digung wegen Krankheit an der Arbeitsleistung verhind ert gewesen sei. Anlässlich der Gewäh- rung des rechtlichen Gehörs vom 7. Juli 2012 wiederholte die Beschwerdeführerin die bereits genannten Gründe und ergänzte, dass sie das Arbeitsverhäl tnis auch aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst habe. Die Arbeitsbedingungen, insbe sondere auch der weitere Arbeitsweg, wären zu einer psychischen Belastung geworden, die ihre Gesundheit noch mehr angegriffen hätten. Mit Arztzeugnis vom 16. Juli 2012 gab die behan delnde Ärztin Dr. med. D.____, FMH Allgemeinmedizin, an, dass die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen keine ande- re Wahl gehabt habe, als das Arbeitsverhältnis ohne die Sicherheit einer neuen Festanstellung zu kündigen. Die Arbeitsbedingungen seien für sie zunehm end zu einer immer grösseren psy- chischen Belastung geworden. Mit Einsprache vom 15. Augus t 2012 brachte die Beschwerde- führerin vor, dass die Änderung des Arbeitsortes eine e inseitige Vertragsänderung dargestellt habe, die mit längeren Präsenzzeiten und erhöhten Pen delkosten einhergegangen sei. Da der ihr zugesprochene Lohn bereits vorher nicht den Empfehlungen des Kaufmännischen Verbands (KV) entsprochen habe, sei der Lohnabbau für sie fin anziell nicht mehr tragbar gewesen. Mit gesundheitlichen Problemen hätte sie bereits vorher zu schaffen gehabt. Die finanzielle Situati- on habe sie psychisch enorm belastet. Dies habe sich wiederh olt in psychosomatischen Be- schwerden geäussert. Bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 sei sie jeweils zwei bis drei Wochen krankheitsabwesend gewesen. Anfang 2012 sei sie g ar nicht mehr in der Lage gewe- sen zu arbeiten. Die langwierige Krankheit sei unter anderem aufgrund der psychischen Belas- tung am Arbeitsplatz entstanden. 5.2 Im vorliegenden Verfahren machte die Beschwerdefüh rerin geltend, dass sie seit Jahren bei Dr. D.____ in Behandlung sei und diese ihr bereits Monate vor der Kündigung geraten habe, aus gesundheitlichen Gründen die Stelle zu wechseln. E rst mit ihrer Kündigung sei sie in der Lage gewesen, die bei ihr gestellte Diagnose einer E rschöpfungsdepression zu akzeptieren. In ihrer Kündigung habe sie den gesundheitlichen Aspekt verschwiegen, um befürchtete Nachteile im zukünftigen beruflichen Werdegang abzuwenden. Vor der Kündigung, namentlich vom 18. Juni 2012 bis zum 29. Juni 2012, habe sie wieder im gewohnten Pensum gearbeitet, um ihre Nachfolgerin einzuweisen. Dies sei ihr möglich gewe sen, weil sie dafür Schultern, Arm und Hand nicht so sehr habe beanspruchen müssen. Im Rahmen der Beschwerdeerhebung reichte die Beschwerdeführerin ein weiteres ärztliches Zeugnis vo m 14. November 2012 ein. Darin di- agnostizierte Dr. D.____ eine beginnende Erschöpfungsde pression sowie ein Ulnaris-Syndrom und ein Thoracic outlet Syndrom. Die behandelnde Ärzti n führte aus, dass die Beschwerdefüh- rerin seit April 2005 bei ihr in Behandlung stehe. Im Sommer 2010 habe sich die Beschwerde- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht führerin von ihrem Partner getrennt und sei umgezogen. Neben diesen seelischen Belastungen sei gleichzeitig am Arbeitsplatz immer mehr Leistungsdruck a uf sie ausgeübt worden. Ab An- fang 2011 habe sich die Beschwerdeführerin zunehmend erschöpft gefühlt und habe Symptome wie Schlafstörungen, Nacken- und Kreuzschmerzen und thoracale Beschwerden entwickelt. Die Migräneanfälle hätten sich in dieser Zeit ebenfalls g ehäuft. Sie habe bei jeder Sprechstunde über die für sie zunehmend unerträglichen Arbeitsbedin gungen geklagt. Anfang 2012 seien die Migräneanfälle wieder aufgetreten und es habe sich ein e langwierige Nervenentzündung im rechten Arm gebildet, die immer wieder zu Arbeitsausfä llen geführt habe. Diese Entzündung und die hohe innere Anspannung hätten die Ärztin vera nlasst, der Patientin zur Kündigung zu raten. Dr. D.____ führte aus, dass sie befürchtete, die Beschwerdeführerin hätte bei einem tota- len psychischen Zusammenbruch nicht mehr für ihre Kinder sorgen können. 5.3 Festzuhalten ist zunächst, dass sich die Beschwerdeführer in im Rahmen der vorliegen- den Beschwerde und entgegen ihren ersten Angaben nicht mehr auf die Unzumutbarkeit der Entlöhnung und des Arbeitswegs beruft, sondern nurmehr vorbringt, die Kündigung sei in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen erfolgt. Bei wider sprüchlichen Aussagen darf die Beweis- maxime der sogenannten Aussage der ersten Stunde herangezogen werden, wonach die spon- tanen Angaben zu Beginn eines Verfahrens in der Regel als unbefangener und zuverlässiger anzusehen sind als spätere Darstellungen (Erwägung 4.2 hiervor). Wenn die Beschwerdeführe- rin dazu anführt, dass sie selbst die Diagnose der Erschöp fungsdepression erst habe akzeptie- ren müssen und habe verhindern wollen, dass ihr aufgrund einer auf gesundheitlichen Gründen basierende Kündigung Nachteile erwachsen, ist ihr entge gen zu halten, dass solche Nachteile zumindest seitens der Arbeitslosenkasse nicht zu erwarten g ewesen wären. Es ist somit nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin die Besch werdegegnerin nicht von Beginn weg über die gesundheitlichen Aspekte informiert hat. Bei der Prüfung der Akten fällt ausser- dem auf, dass kein echtzeitliches Arztzeugnis zu finden ist , das die Unzumutbarkeit des Verbleibs bei der angestammten Stelle aus psychischen Gründen bestätigt oder überhaupt eine psychiatrische Diagnose stellt. Gemäss Angaben der zuständigen Taggeldversicherung war die Beschwerdeführerin vom 24. Januar 2012 bis zum 22. Apri l 2012 zu 100%, danach vom 23. April 2012 bis zum 10. Juni 2012 zu 80% bzw. vom 11. Juni 2012 bis zum 17. Juni 2012 zu 70% arbeitsunfähig. Ab dem 18. Juni bzw. ab dem 1. Ju li 2012 war die Arbeitsfähigkeit wieder vollständig hergestellt. Diese Krankheitsabsenzen waren jedoch auf somatische Beschwerden, namentlich das Ulnaris-Syndrom und das Thoracic outlet S yndrom, zurückzuführen (vgl. ärztliches Zeugnis des HBZ Handzentrum E.____ vom 27. Juni 2012; Schreiben des Kran- kentaggeldversicherers vom 20. Juni 2012). Die Beschwerde führerin führt selbst aus, dass es ihr kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist möglich gewese n sei, an die Arbeitsstelle zurückzukeh- ren, weil sie bei der Einführung der neuen Mitarbeiterin die betroffenen Hand, Arm und Schulter nicht habe beanspruchen müssen. Dass die angestammte Ste lle aufgrund dieser somatischen Beschwerden nicht mehr zumutbar gewesen sein soll, ist auf grund der Akten nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Für einen psychosomati- schen Hintergrund der Beschwerden, wie dies von der Beschw erdeführerin vorgebracht wird, finden sich indessen keine Anhaltspunkte. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Unzumutbarkeit eines Verbleibs an der angestammten Stelle wegen psychischer Be- schwerden ist folglich ausschliesslich durch die erst nachträgl ich im Rahmen des Verfahrens bei der Arbeitslosenkasse erstellten Arztzeugnisse vom 16. Juli 2012 und 14. November 2012 belegt worden. Da sie in Widerspruch zu den Aussagen de r ersten Stunde stehen, kommt den Berichten keine erhebliche Aussagekraft zu. In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht ferner der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc mit Hinweisen). Indes- sen vermögen weder die Beschwerdeführerin noch ihre beh andelnde Ärztin glaubhaft zu sub- stantiieren, dass arbeitsplatzspezifische Gründe eine Künd igung notwendig gemacht haben. Vielmehr werden von Dr. D.____ im Rahmen der gelten d gemachten Erschöpfungsdepression neben allgemeinen beruflichen – aber nicht arbeitsplat zspezifischen – auch private Belastungen genannt. Sodann äussert sich das nach der Kündigung erst ellte ärztliche Zeugnis vom 14. November 2012 nicht darüber, ob seit Aufgabe der Stelle eine Besserung des psychischen Gesundheitszustands eingetreten ist, was gegebenenfalls fü r einen arbeitsplatzspezifische Be- lastung hätte sprechen können. Schliesslich lässt der Umst and, dass die Beschwerdeführerin vor Ablauf der Kündigungsfrist – wenn auch kurzzeitig – an die Arbeitsstelle zurückkehren konn- te und sich selbst bei der Anmeldung zum Leistungsbezug be i der Arbeitslosenkasse als ar- beitsfähig eingeschätzt hat, ebenfalls nicht auf eine derart grosse gesundheitliche Belastung schliessen, welche einen Verbleib am bisherigen Arbeitsort zumindest bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle unzumutbar gemacht hätte. Nach dem Ausgeführten ist zusammenfassend festzuhalten, dass es im Rahmen der Mitwirkungspflicht de r Parteien (vgl. Erwägung 4.1 hier- vor) an der Beschwerdeführerin gelegen wäre, die medizinische Notwendigkeit der Aufgabe der Arbeitsstelle glaubhaft zu machen, was ihr nicht gelung en ist. Es kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Aufgabe d er angestammten Stelle aus ent- schuldbaren gesundheitlichen Gründen erfolgt ist. 5.4 Im Übrigen kann festgehalten werden, dass der Verbl eib an der angestammten Stelle der Beschwerdeführerin auch nicht aus anderen Gründen unzumutbar war. 5.4.1 In finanzieller Hinsicht ist eine Arbeit gemäss Art . 16 Abs. 2 lit. a AVIG unzumutbar, wenn sie den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den g esamt- oder normalarbeitsvertragli- chen Bedingungen nicht entspricht. Differenzen über d ie Lohnhöhe an sich bewirken indessen keine Unzumutbarkeit (ARV 1982 N 12 S. 80; AVIG-Praxis ALE, Arbeitsmarkt und Arbeitslosen- versicherung, gültig ab Januar 2013 [AVIG-Praxis], Rz. D 26, vorher: Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung, gültig ab Januar 2003 [KS AL E], Rz. D 26). Die orts- und berufsüb- lichen Lohn- und Arbeitsbedingungen bestimmen sich nach den gesetzlichen Vorschriften, den Bedingungen für die gleiche Arbeit im Betrieb bzw. i n der Branche sowie den Gesamt- und Normalarbeitsverträgen. Für die Festlegung der branche nüblichen Ansätze können auch Richt- linien von Branchenverbänden oder Lohnstatistiken dienen. Die Verwaltung hat bei der Beurtei- lung der Berufs- und Ortsüblichkeit einen Ermessensspielr aum (vgl. AVIG-Praxis Rz. B 284, vorher: KS ALE Rz. B 284). Gemäss von der Beschwerdegeg nerin eingeholten Angaben betra- ge die Lohnempfehlung des KV Baselland für eine Büro assistentin mit eidgenössischem Be- rufsattest ca. Fr. 3'300.00 für ein Pensum von 80%. Da die Beschwerdeführerin keine solche Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausbildung absolviert hat, ist mit der Beschwerdegegnerin anzunehmen, dass der erzielte Lohn von Fr. 3'000.-- zwar im unteren Bereich liegt, jedoch nicht als unangemessen bzw. unzumutbar anzusehen ist. 5.4.2 Laut Art. 16 Abs. 2 lit. f AVIG ist eine Arbe it unzumutbar, die einen Arbeitsweg von mehr als zwei Stunden je für den Hin- und Rückweg notwendig macht und bei welcher für die versi- cherte Person am Arbeitsort keine angemessene Unterkunft vorhanden ist oder sie bei Vorhan- densein einer entsprechenden Unterkunft ihre Betreuungs pflicht gegenüber den Angehörigen nicht ohne grössere Schwierigkeiten erfüllen kann. Massgebend ist der Zeitaufwand von Tür zu Tür mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Unter Umständ en kann von der versicherten Person auch die Benützung eines vorhandenen privaten Verkehrsmi ttels verlangt werden, namentlich, wenn ihre Mobilität aufgrund der schlechten Erschliessu ng durch den öffentlichen Verkehr er- heblich eingeschränkt ist (Urteil des EVG vom 16. Mai 200 1, C 386/00, E. 3a; AVIG-Praxis Rz. B 294, vorher: KS ALE Rz. B 294). Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdefüh- rerin jeweils – je nach Verbindung – zwischen 1 Stunde 2 8 Minuten und 1 Stunde 54 Minuten hätte aufwenden müssen, um mit den öffentlichen Verke hrsmitteln von ihrem Wohnort an den neuen Arbeitsort und von dort wieder nach Hause zu gel angen. Damit liegt die Reisezeit noch innerhalb des Rahmens, der gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. f AVIG als zumutbar erachtet wird. Im Übrigen hat die Beschwerdegegnerin, wie weiter unten zu zeigen sein wird (vgl. E. 7.2 hier- nach), den Aspekt des langen Arbeitsweges bei der Fests etzung der Einstellungsdauer zu Gunsten der Beschwerdeführerin berücksichtigt. 6. Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin vorliegend zu Recht von einer selbstverschuldeten Arbeitsl osigkeit der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV ausgegangen ist. 7. Zu prüfen bleibt, ob die durch die Beschwerdegegne rin verfügte Einstellung in der An- spruchsberechtigung im Umfang 24 Tagen angemessen ist. 7.1 Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung begi nnt am ersten Tag nach der Beendi- gung des Arbeitsverhältnisses, wenn die versicherte Person aus eigenem Verschulden arbeits- los geworden ist (Art. 45 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Dau er der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei sc hwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV). Innerhalb dieses Rahmens fällt das KIGA seinen En tscheid nach pflichtgemässem Er- messen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtl iche Abteilung des Kantonsge- richts bzw. deren präsidierende Person bei Präsidialentsch eiden die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen, sie grei ft jedoch bei der Beurteilung der durch das KIGA angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in dessen Er- messensspielraum ein. 7.2 Gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV liegt schweres Ver schulden vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeit sstelle ohne Zusicherung einer neu- en Arbeitsstelle aufgegeben hat. Dementsprechend hat d ie Beschwerdegegnerin das Verhalten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beschwerdeführerin grundsätzlich als schweres Verschulden qualifiziert. Von den festgeleg- ten 36 Einstelltagen hat sie in der Folge zugunsten d er Beschwerdeführerin jedoch verschiede- ne Abzüge im Umfang von insgesamt zwölf Tagen vorgenommen. Die Beschwerdegegnerin hat damit zu Recht die Probleme am Arbeitsplatz, die gesund heitlichen Probleme der Beschwerde- führerin und den Arbeitsortswechsel berücksichtigt. Die v erfügte Einstellung in der Anspruchs- berechtigung im Umfang von 24 Tagen erscheint somit im Lichte der besonderen Umstände des Falles und der persönlichen Situation der Beschwerde führerin als angemessen und es be- steht kein Anlass, in das Ermessen der Arbeitslosenkasse einzugreifen. 8. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der angefo chtene Einspracheent- scheid vom 18. Oktober 2012 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten können wettgeschlagen werden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht