Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. September 2017 (720 17 122 / 252) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Prüfung der Beweistauglichkeit des polydisziplinären Verwaltungsgutachtens, Klärung der Höhe des Validen- und des Invalideneinkommens Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Ger- ber Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Stefan Rolli , Rechtsa n- walt , Bundesgasse 19, Postfach, 3001 Bern gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1962 geborene A.____ meldete sich am 19. Mär z 2013 bei der Invalidenversiche- rung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Lan dschaft (IV-Stelle) sprach ihm aufgrund der Amputation des linken Grosszehs und des rechten Vorfusses diverse Hilfsmittel (orthopädi- sche Spezialschuhe, Prothesen) zu. Nach Abklärung d es erwerblichen und medizinischen Sachverhalts, namentlich nach Einholung eines Gutachtens des ABI, Ärztliches Begutachtungs- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht institut GmbH, vom 4. November 2015 und eines Gutachte ns des Swiss Medical Assessment- and Business-Center (SMAB AG) vom 18. Juli 2016 und nach Durchführung des Vorbescheid- verfahrens sprach sie ihm mit Verfügung vom 6. März 2017 eine ganze Rente vom 1. Septem- ber 2013 bis 31. Dezember 2015 zu. Für die Zeit ab de m 1. Januar 2016 lehnte sie einen Ren- tenanspruch unter Hinweis auf einen IV-Grad von 34 % ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Stefan Rolli, mit Eingabe vom 24. April 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Lan dschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte die Aufhebu ng der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegeg nerin, damit diese im Sinne der Be- schwerdebegründung über den Rentenanspruch neu verfüge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Bewilligung der unent geltlichen Prozessführung und Ver- beiständung mit seinem Rechtsvertreter als unentgeltlichen Rechtsbeistand. C. Mit Verfügung vom 26. April 2017 bewilligte die i nstruierende Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts dem Beschwerdeführer für das vorliegende Ver- fahren die unentgeltliche Prozessführung und die unen tgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter. D. Die Beschwerdegegnerin schloss mit Vernehmlassung vom 5 . Juli 2017 auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 14. August 2017 nahm der Beschwerd eführer replizierend dazu Stel- lung. Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 21. August 2017 auf eine weitere Stellungnahme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde vom 24. April 201 7 zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Beschwerdegegnerin stellte für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf die Gut- achten des ABI und des SMAB ab. 4.2 Das ABI untersuchte den Beschwerdeführer im Auftrag der Beschwerdegegnerin im Rahmen seines Leistungsgesuchs betreffend berufliche Massna hmen und IV-Rente. Die ABI- Gutachter diagnostizieren im Gutachten vom 19. November 2015 im Rahmen der zusammen- fassenden polydisziplinären Konsensbeurteilung mit Auswir kungen auf die Arbeitsfähigkeit chronische Fussbeschwerden rechts und links aufgrund der erfolgten Amputationen, ein chroni- sches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne fassbare radikuläre Symptomatik, einen Diabe- tes mellitus Typ 2 sowie Verrucae vulgares an der Amputationsnarbe des linken Vorfusses. Aus polydisziplinärer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit i n den angestammten Tätigkeiten und in jeder anderen körperlich mittelschwer oder schwer belaste nden Tätigkeit. Auch mehrheitlich im Gehen oder im Stehen zu verrichtende Tätigkeiten seien nicht mehr zumutbar. Für körperlich leichte, mehrheitlich sitzende, adaptierte Tätigkeiten b estehe hingegen eine Arbeits- resp. Leis- tungsfähigkeit von 80 %, die vollschichtig realisiert werden könne. 4.3 Nachdem Dr. med. B.____, RAD, mit Aktennotiz vom 1 7. Februar 2016 eine Neubeur- teilung des Gesundheitszustands als notwendig erachtet hat te, beauftragte die Beschwerde- gegnerin die SMAB AG mit der erneuten polydisziplinär en Begutachtung des Beschwerdefüh- rers. Mit Gutachten vom 18. Juli 2016 diagnostizieren di e Fachärzte aus polydisziplinärer Sicht mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen Diabet es mellitus II, insulinpflichtig mit diabeti- schem Fusssyndrom und rechtsbetonter diabetischer Retinop athie, eine Amputation des linken Grosszehs und des rechten Vorfusses mit Behinderung beim Ge hen und Stehen, versorgt mit orthopädischen Massschuhen und einer Unterschenkel-Orthese rechts sowie eine mittelschwe- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht re depressive Episode. Im Rahmen der konsensualen Beur teilung gelangen sie zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 70-80 % in einer leidensadaptierten Ver- weistätigkeit zumutbar sei. Bezüglich des Belastungs- und Ressourcenprofils halten sie fest, dass die Orthopädin und der Internist körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit vor- wiegendem Sitzen und nur gelegentlichem Gehen als zumu tbar erachten. In Anbetracht des langjährigen, insulinpflichtigen Diabetes mellitus sei von mittelschweren bis schweren Arbeiten abzusehen. Erforderlich sei zudem ein sauberer Arbeitsp latz mit der Möglichkeit für Blutzucker- bestimmungen und Insulininjektionen. Schichtarbeit sei n icht möglich. Wegen der Schwindel- neigung und dem Fussleiden mit Sensibilitätsstörungen se ien Tätigkeiten, welche Anforderun- gen an das Gleichgewichtssystem stellen oder eine Abstur zgefahr beinhalten würden, zu ver- meiden. Für den Pneumologen bestehe für körperlich lei chte Arbeiten in schadstoffarmer Um- gebung volle Arbeitsfähigkeit. Vorsicht wäre geboten bei Tätigkeiten, wo höchste Konzentration und Wachheit gefordert seien. Auch für den Metzgerberu f müssten diesbezüglich Vorbehalte angemeldet werden. Aus psychiatrischer Sicht sei der Besch werdeführer aktuell in der Ausdau- er beeinträchtigt, weise eine reduzierte Stresstoleranz auf, verfüge über eine geringere Fähig- keit, verantwortungsvolle Arbeiten vor allem unter Zeit druck durchzuführen und über eine redu- zierte Umstellungsfähigkeit. 5.1 Der Beschwerdeführer äussert an den Gutachten an sich keine Kritik. Auch die festge- legten Einschränkungen in den einzelnen Fachbereichen kritisiert er nicht. Er lässt lediglich einwenden, dass der Ermessensspielraum bezüglich Festlegung der Arbeitsfähigkeit zu seinem Nachteil ausgeschöpft worden sei. Entgegen der Einschät zung der SMAB-Gutachter könne nicht von einer praktisch vollständigen Überlappung der Leistungseinschränkungen aus psychi- atrischer, internistischer und orthopädischer Sicht ausgega ngen werden. Die reduzierte Stresstoleranz, die geringere Fähigkeit, verantwortungsvo lle Arbeiten insbesondere unter Zeit- druck durchzuführen und die generell reduzierte Umstellu ngsfähigkeit seien qualitativ andere Leistungseinschränkungen als die des vermehrten Pausenbed arfs bedingt durch die Blutzu- ckerkontrollen und die Wundpflege. Zu den 20 %-igen Ei nschränkungen aus internistischer Sicht müsse die Hälfte der 30 %-igen Einschränkung aus p sychiatrischer Sicht addiert werden, sodass insgesamt eine Arbeitsunfähigkeit von 45 % resulti ere. Dies werde auch der Arbeitsun- fähigkeit eher gerecht, wie sie von den behandelnden Ä rzten attestiert werde, nämlich eine 80 %-ige Arbeitsunfähigkeit gemäss Hausarzt bzw. 50 %-i ge Arbeitsunfähigkeit gemäss Pneumologe und Psychiater. 5.2 Zur Überlappung der Einschränkungen aus den verschie denen Fachbereichen haben sich die SMAB-Gutachter am 31. August 2016 geäussert. Si e haben angegeben, dass aus or- thopädischer und pneumologischer Sicht bei entsprechende m Belastungsprofil keine Ein- schränkung bestehe. Die psychiatrische Einschränkung von 20-3 0 % decke auch einen guten Teil der internistisch bedingten Reduktion von 20 % ab. Der vermehrte Pausenbedarf entlaste auch die verstärkte Ermüdbarkeit. Mit anderen Worten wü rden sich die 20 %-ige Arbeitsunfä- higkeit aus internistischer Sicht und die 20-30 %-ige Ar beitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht addieren, sondern überlappen. Der genaue Prozentsatz dieser Überlappung unter- liege einem gewissen Ermessensspielraum, sei aber plausib el. Insgesamt sei also von einer 75 %-igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten auszugehen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Diese fachärztliche Begründung ist nachvollziehbar. De r Beschwerdeführer bringt kei- ne Argumente vor, welche diese Einschätzung in Frage stellen könnten. Die Beschwerdegegne- rin hat demzufolge der Invaliditätsbemessung zu Recht ei ne 75 %-ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Beschäftigung zugrunde gelegt. 6.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 6.2.1 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entsch eidend, was die versicherte Per- son im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdi enen würde. Dabei wird in der Re- gel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung un d der realen Einkommensentwicklung an- gepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesund- heitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 325 E . 4.1). Ist es nicht möglich, zur Be- stimmung des Valideneinkommens vom zuletzt vor Invaliditä tseintritt erzielten Lohn auszuge- hen, so ist es angezeigt, das Valideneinkommen anhand von Durchschnittswerten – wie etwa gestützt auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohn strukturerhebung (LSE) des Bundes- amtes für Statistik – zu ermitteln. Eine solche Konstellat ion liegt etwa vor, wenn ein konkreter Lohn nicht eruierbar ist, weil keine aussagekräftigen, ve rwertbaren Lohnangaben zu früheren Tätigkeiten vorliegen, wenn die versicherte Person seit längerem keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt hat, wenn sie zurzeit des Invaliditätseintritt s arbeitslos gewesen ist oder wenn sie die bisherige Stelle bis zum Rentenbeginn – beispielsweise au s wirtschaftlichen Gründen – ohne- hin, d.h. auch dann verloren hätte, wenn sie gesund geblieben wäre. 6.2.2 Weil der Beschwerdeführer die letzte Beschäftigun g aus invaliditätsfremden Gründen aufgegeben hat, hat die Beschwerdegegnerin für die Be messung des Valideneinkommens auf die Tabellenlöhne der LSE 2012 abgestellt. Dies wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten. Der Beschwerdeführer ist aber der Ansicht, da ss in der verwendeten Tabelle A1, Herstellung von Nahrungsmitteln und Getränken, das Komp etenzniveau 3 anstelle des Kompe- tenzniveaus 2 massgebend sei. Er verfüge über einen Ber ufsabschluss als Metzger und als Koch. Während über zehn Jahren sei er als Metzger bzw. a ls Abteilungsleiter Partyservice in einer Grossmetzgerei tätig gewesen. Nachher seien anspru chsvolle Tätigkeiten bei der C.____ AG, zuerst als stellvertretender Abteilungsleiter Metzgere i, nachher als Abteilungsleiter Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Food/Tabak und Mitglied des Kaders gefolgt. Ab 2007 s ei er als Küchenchef bzw. Leiter Gast- ronomie eines Hotels in Z.____ tätig gewesen. 6.2.3 Das Kompetenzniveau 3 umfasst komplexe praktische Täti gkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen. Die Berufsab schlüsse als Koch und Metzger und auch die nachherige Berufsausübung rechtfertigen kein e Einstufung ins Kompetenzniveau 3. Wie die Beschwerdegegnerin den Strafakten entnommen h at, ist der Beschwerdeführer in der C.____ AG für die Bestellung von Waren, die Kontrol le der Lieferscheine und die Weiterleitung der Dokumente an die Verwaltung verantwortlich gewesen . Auch die berufliche Tätigkeit für die C.____ AG entspricht somit nicht dem Kompetenzniveau 3, welches komplexe praktische Tä- tigkeiten umfasst. Ebenso wenig gibt es Hinweise darauf , dass der Beschwerdeführer solche Tätigkeiten während seines Aufenthaltes in Z.____ ab 2007 ausgeübt haben könnte. Das Vali- deneinkommen ist somit korrekt auf der Basis des Kompetenz niveaus 2 festgesetzt worden. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer bei der C.____ AG im Vergleich zum Validen- einkommen ein höheres Einkommen erzielt hat (in den Ja hren 2003 Fr. 72‘241.-- und 2004 Fr. 74‘375.--). Er hat diese Anstellung aus invaliditä tsfremden Gründen (Straftat) verloren, wes- halb nicht davon ausgegangen werden kann, dass er im Gesundheitsfall immer noch dort tätig wäre. Ebenso wenig kann angenommen werden, dass er im Gesundheitsfall in einer anderen Anstellung ein höheres Einkommen als das Valideneinkomm en, das die Beschwerdegegnerin aufgrund der LSE ermittelt hat, erzielen würde. Die Beschwerdegegnerin ist damit zu Recht von einem Valideneinkommen im Jahr 2013 von Fr. 67‘142.-- und im Jahr 2015 von Fr. 68‘351.-- ausgegangen. 6.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nac h der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzune hmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziall ohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom- men gegeben, namentlich weil die versicherte Person nac h Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue E rwerbstätigkeit aufgenommen hat, so sind für die Bemessung des Invalideneinkommen die LSE- Tabellenlöhne heranzuziehen (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juni 2017, 8C_228/2017, E. 2.2). Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von stat istischen Durchschnittswerten ermit- telt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensab- zug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätig- keit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eint ritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nich t erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behin- derungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem U mstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versiche rten Person wie Alter, Dauer der Be- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht triebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskate gorie sowie Beschäftigungsgrad Auswir- kungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, son- dern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspu nkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre g esundheitlich bedingte (Rest-) Ar- beitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mi t unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges i st der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Wür digung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2; vgl. zum Ganzen auch BGE 126 V 80 E. 5b/bb und cc). 6.3.2 Beim Invalideneinkommen hat die Beschwerdegegne rin sowohl eine Leistungsein- schränkung von 25 % als auch einen leidensbedingten Abzug von 10 % berücksichtigt, was zu keinen Beanstandungen Anlass gibt. Es ist damit davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh- rer bis Ende August 2015 kein Invalideneinkommen hätte erzielen können. Ab September 2015 ist die Beschwerdegegnerin gestützt auf die LSE 2012 jed och zu Recht davon ausgegangen, dass dem Beschwerdeführer die Erzielung eines Invalidenei nkommens in der Höhe von Fr. 44‘786.-- zumutbar ist. 6.3.3 Setzt man im Einkommensvergleich die oben ermitt elten Validen- und Invalidenein- kommen von Fr. 67‘142.-- (2013) bzw. von Fr. 68‘351.-- (2015) und von Fr. 0.-- (2013) bzw. von Fr. 44‘786.-- (2015) gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von 67‘142.-- ab dem 4. Mai 2013 und von Fr. 23'565.-- ab September 2 015, was einen massgebenden Invalidi- tätsgrad von 100 % bzw. von 34 % ergibt. Weil für die Zeit ab September 2015 eine Verweistä- tigkeit im Umfang einer Leistungsfähigkeit von 75 % wie der möglich gewesen ist, hat die Be- schwerdegegnerin drei Monate später, also auf Ende Dez ember 2015, die Rente aufgrund ei- nes rentenausschliessenden IV-Grades von 34 % somit zu Recht einstellen dürfen. 7.1 Schliesslich wendet sich der Beschwerdeführer gegen d ie Drittauszahlung der rückwir- kend zugesprochenen befristeten Rente an die Sozialberatung und den Sozialdienst. 7.2 Gemäss Art. 85 bis Abs. 1 IVV können Arbeitgeber, Einrichtungen der ber uflichen Vor- sorge, Krankenversicherungen, öffentliche und private F ürsorgestellen oder Haftpflichtversiche- rungen mit Sitz in der Schweiz, welche im Hinblick auf eine Rente der Invalidenversicherung Vorschussleistungen erbracht haben, verlangen, dass die Nachzahlung dieser Rente bis zur Höhe ihrer Vorschussleistungen verrechnet und an sie ausbe zahlt wird. Die bevorschussenden Stellen haben ihren Anspruch mit besonderem Formular frühestens bei der Rentenanmeldung und spätestens im Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle geltend zu machen. 7.3 Der Beschwerdeführer hat in der Vergangenheit un streitig Sozialhilfe bezogen. Die Rente, die als Erwerbsersatz dient, kann mit den für die gleiche Zeit erbrachten Sozialhilfeleis- tungen unbestrittenermassen verrechnet werden. Dass der Beschwerdeführer aus grundsätzli- cher Hinsicht mit der Verrechnung nicht einverstanden ist, ändert an der Zulässigkeit der Ver- rechnung nichts. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Zusammenfassend folgt aus dem Gesagten, dass sich die g egen die betreffende Ver- fügung vom 6. März 2017 erhobene Beschwerde als unbegrün det erweist, weshalb sie abge- wiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens seit 1. Juli 2016 einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Ihm ist allerdings mit Verfügung vom 26. April 2017 die unentgeltliche Prozessführung b ewilligt worden, weshalb die Verfah- renskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 9.2 Gemäss dem Ausgang des Verfahrens sind die ausserorden tlichen Kosten wettzu- schlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Zufolge Bewilligung der u nentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘980.50 (inklusive Auslagen von Fr. 280.70 und 8% Mehrwertsteuer) entspr echend dem in der Honorarnote vom 19. September 2017 ausgewiesenen Aufwand aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘980.50 (inklusive Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht