<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 156 S.681</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">681</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>156</b></span> <span class="ft1"><b>Prüfungsfreier Übertritt von der Sekundar- in die Bezirksschule.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Fehlen einer einheitlichen Regelung für das Übertrittsverfahren.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Erziehungsrates vom 12. Dezember 2002 in Sachen D. W. ge-</span><br/> <span class="ft3">gen den Entscheid des Bezirksschulrates B.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">II. Materielles</span><br/> <span class="ft5">1. a) Gemäss § 73 Abs. 2 SchulG entscheidet die Schulpflege</span><br/> <span class="ft5">u.a. über die Zuweisung der Schüler und Schülerinnen in Stufen und</span><br/> <span class="ft5">Typen, wenn sich die Inhaber der elterlichen Sorge der Beurteilung</span><br/> <span class="ft5">der Schule nicht anschliessen können. Grundsätzlich erfolgt der</span><br/> <span class="ft5">Übertritt eines Schülers bzw. einer Schülerin von der Primar- an die</span><br/> <span class="ft5">Oberstufe oder in einen ,,höheren" Schultypus innerhalb der Sekun-</span><br/> <span class="ft5">darstufe I somit aufgrund der Beurteilung der Schule bzw. der zu-</span><br/> <span class="ft5">ständigen Lehrperson.</span><br/> <span class="ft5">b) Im Zusammenhang mit dem Übertrittsverfahren von der</span><br/> <span class="ft5">Sekundar- in die Bezirksschule existiert keine einheitliche Regelung.</span><br/> <span class="ft5">aa) Explizit geregelt ist der Fall, bei dem ein Sekundarschüler</span><br/> <span class="ft5">bzw. eine Sekundarschülerin am Ende der 3. Klasse der Sekundar-</span><br/> <span class="ft5">schule in die 3. Klasse der Bezirksschule eintreten möchte. Gemäss</span><br/> <span class="ft5">§ 21 Abs. 3 des Reglements für die Sekundarschulen vom</span><br/> <span class="ft5">20. Februar 1964 (SAR 421.511) kann ein Übertritt erfolgen, wenn</span><br/> <span class="ft5">ein Sekundarschüler oder eine Sekundarschülerin, welcher bzw. wel-</span><br/> <span class="ft5">che die 3. Klasse mit Erfolg durchlaufen hat, die Aufnahmeprüfung</span><br/> <span class="ft5">besteht oder wenn er bzw. sie aufgrund seines bzw. ihres Zeugnisses</span><br/> <span class="ft5">in den Promotionsfächern einen Notendurchschnitt von 5 hat.</span><br/> <span class="ft5">bb) Ebenfalls eine Regelung gibt es für den Übertritt von der</span><br/> <span class="ft5">1. Klasse Sekundarschule in die 1. Klasse der Bezirksschule. Gemäss</span><br/> <span class="ft5">den Weisungen des Erziehungsrates vom 1. Oktober 1973, Band B,</span><br/> <span class="ft5">II. Teil, 421. L, können gute Schüler und Schülerinnen am Ende der</span><br/> <span class="ft5">1. Klasse der Sekundarschule auf Empfehlung des Lehrers prüfungs-</span><br/> <span class="ft5">frei in die 1. Klasse der Bezirksschule übertreten. Die Empfehlung</span><br/> <span class="ft5">der Lehrperson hat sich dabei - gemäss den vorerwähnten Weisun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">682</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">gen - an den erbrachten Leistungen, der Arbeitsdisziplin und der</span><br/> <span class="ft5">Entwicklungsprognose eines Schülers bzw. einer Schülerin auszu-</span><br/> <span class="ft5">richten. In der Praxis hat sich aus diesem Empfehlungsverfahren</span><br/> <span class="ft5">heraus aus Praktikabilitätsgründen der prüfungsfreie Übertritt zum</span><br/> <span class="ft5">Regelfall entwickelt. Durch die Neufassung von § 73 Abs. 2 SchulG</span><br/> <span class="ft5">wurde dieser Entwicklung in der Praxis auf gesetzlicher Ebene Rech-</span><br/> <span class="ft5">nung getragen. Entgegen den §§ 14 bzw. 15 der Reglemente für die</span><br/> <span class="ft5">Sekundar- bzw. Bezirksschulen vom 20. Februar 1964 (SAR</span><br/> <span class="ft5">421.511/421.711), in denen für sämtliche Schüler und Schülerinnen</span><br/> <span class="ft5">das Absolvieren einer Aufnahmeprüfung vorsehen ist, haben nur</span><br/> <span class="ft5">noch diejenigen Schüler und Schülerinnen eine Aufnahmeprüfung</span><br/> <span class="ft5">abzulegen, deren Eltern sich mit der Beurteilung der Schule und dem</span><br/> <span class="ft5">daran anschliessenden Übertrittsentscheid der Schulpflege nicht ein-</span><br/> <span class="ft5">verstanden erklären können.</span><br/> <span class="ft5">cc) Keine ausdrückliche Regelung findet sich für den Übertritt</span><br/> <span class="ft5">aus der 2. Klasse der Sekundarschule in die 2. Klasse der</span><br/> <span class="ft5">Bezirksschule. Zwar geht das Schulgesetz vom Grundsatz der Durch-</span><br/> <span class="ft5">lässigkeit der Oberstufe aus, allerdings wird dieser Grundsatz da-</span><br/> <span class="ft5">durch eingeschränkt, dass der vorerwähnte Übertritt - geht man vom</span><br/> <span class="ft5">Willen des Gesetzgebers aus - der Ausnahmefall bleiben soll. Denn</span><br/> <span class="ft5">hätte der Regierungsrat gewollt, dass für den Übertritt aus der</span><br/> <span class="ft5">2. Klasse dieselbe Übertrittsregelung wie für die 1. oder die 3. Klasse</span><br/> <span class="ft5">gelten soll, hätte er dies sicherlich so normiert. Beim Wechsel aus der</span><br/> <span class="ft5">2. Klasse der Sekundarschule in die 2. Klasse der Bezirksschule soll</span><br/> <span class="ft5">es hingegen nur einem ausserordentlich guten Schüler oder einer</span><br/> <span class="ft5">ausserordentlich guten Schülerin möglich sein, nach Beendigung der</span><br/> <span class="ft5">2. Klasse - auf Empfehlung der Lehrperson - in den höheren Schul-</span><br/> <span class="ft5">typus zu wechseln. Des Weiteren sollte ein solcher Schulstufenwech-</span><br/> <span class="ft5">sel nur dann durchgeführt werden, wenn die Lehrperson eines Schü-</span><br/> <span class="ft5">lers bzw. einer Schülerin einen Übertritt für notwendig erachtet, weil</span><br/> <span class="ft5">ein Kind in der Sekundarschule unterfordert scheint. Hinsichtlich der</span><br/> <span class="ft5">Empfehlung besteht demnach ein relativ grosser Ermessensspiel-</span><br/> <span class="ft5">raum, der es ermöglicht, den konkreten Umständen des Einzelfalles</span><br/> <span class="ft5">Rechnung zu tragen.</span><br/> <span class="ft5">Begründet werden kann die oberwähnte Haltung damit, dass ein</span><br/> <span class="ft5">Kind in der Sekundarschule nicht in ständiger Erwartung oder auch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">683</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">unter permanentem Druck sein soll, in die Bezirksschule wechseln zu</span><br/> <span class="ft5">können. Nach der 1. Klasse der Sekundarschule, nach welcher ein</span><br/> <span class="ft5">Übertritt möglich ist, sollen die Schüler und Schülerinnen einzeln als</span><br/> <span class="ft5">auch als Klassenverband zur ,,Ruhe" kommen. In der 2. und</span><br/> <span class="ft5">3. Klasse kann dann ein Kind über einen längeren Zeitraum zeigen,</span><br/> <span class="ft5">dass es fähig ist, konstant gute Leistungen zu erbringen. Ist dies der</span><br/> <span class="ft5">Fall, dann steht einem Übertritt, wie bereits oben erwähnt, nach Be-</span><br/> <span class="ft5">endigung der 3. Klasse der Sekundarschule nichts mehr im Weg. Für</span><br/> <span class="ft5">das Übertrittsverfahren aus der 2. Klasse der Sekundarschule in die</span><br/> <span class="ft5">2. Klasse der Bezirksschule ist aber weder der Notendurchschnitt von</span><br/> <span class="ft5">5 allein ausschlaggebend noch kann von den Eltern oder vom Kind</span><br/> <span class="ft5">selber verlangt werden, dass es eine Aufnahmeprüfung ablegen kann,</span><br/> <span class="ft5">wenn die Lehrperson keine Empfehlung für den Übertritt in den ,,hö-</span><br/> <span class="ft5">heren" Schultypus abgibt.</span><br/> <span class="ft5">2. b) In casu verlangt der Beschwerdeführer einen prüfungsfrei-</span><br/> <span class="ft5">en Übertritt in die 2. Klasse der Bezirksschule, obwohl er von seinem</span><br/> <span class="ft5">damaligen Klassenlehrer und auch den anderen Lehrpersonen nicht</span><br/> <span class="ft5">für den Wechsel in die Bezirksschule empfohlen wurde. In Erman-</span><br/> <span class="ft5">gelung einer ausdrücklichen Regelungen ist im vorliegenden Fall -</span><br/> <span class="ft5">analog zur Regelung des prüfungsfreien Übertritts von der 1. Klasse</span><br/> <span class="ft5">der Sekundarschule in die 1. Klasse der Bezirksschule - zu überprü-</span><br/> <span class="ft5">fen, ob ein Übertritt in die Bezirksschule aufgrund einer Gesamtbe-</span><br/> <span class="ft5">urteilung der schulischen Leistungen und der geistigen Haltung des</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführers sinnvoll erscheint oder nicht. Als Hilfsmittel für</span><br/> <span class="ft5">die Entscheidfindung dienen die unter Ziff. 1. lit. b) bb) hiervor er-</span><br/> <span class="ft5">wähnten Weisungen. Diese stellen auf die erbrachten Leistungen, die</span><br/> <span class="ft5">Arbeitsdisziplin und die Entwicklungsprognose eines Kindes ab. (...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>