B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5510/2014 thc/kna/ U r t e i l v o m 3. O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis, mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima; Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 12. September 2014 / N (…). D-5510/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger Afghanistans, gemäss eigenen Angaben am 22. Juni 2014 in die Schweiz gelangte und gle i- chentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum Z._______ um Asyl nachsuchte, dass er am 10. Juli 2014 summarisch zu seinen Asylgründen befragt wurde und ihm gleichentags – nach entsprechenden Abklärungen des BFM zu seiner Person auf sozialen Netzwerken – das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid aufgrund der mutmasslichen Verfahrenszuständigkeit Ungarns gemäss der Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehör i- gen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter- nationalen Schutz zus tändig ist (ABl. L180/31 vom 29.6.2013; nachfo l- gend Dublin-III-VO) sowie zur Überstellung in jenen Staat gewährt wurde, dass er dabei im Wesentlichen geltend machte, er habe von der pakist a- nischen Botschaft ein Visum für die Einreise nach Ungarn erhalten, wor- aufhin er am 14. oder 15. September 2013 in Ungarn eingereist sei und dort zu studieren begonnen habe, dass er aber die Kurse nicht bestanden habe, weshalb er Ungarn hätte verlassen und zurück nach Afghanistan gehen müssen, dass hinsichtlich seiner Asylvorbringen auf die Akten verwiesen wird, dass das BFM am 24. Juli 2014 Ungarn um Informationen im Sinne von Art. 34 Dublin-III-VO ersuchte, dass die ungarischen Behörden mit Schreiben vom 13. August 2014 mit- teilten, der Beschwerdeführer habe über eine ungarische Aufenthaltsbe- willigung (gü ltig bis 30. Juni 2014) verfüg t, deren Verlängerung am 7. August 2014 abgelehnt worden sei, dass die Aufenthaltsbewilligung auf Basis eines am 13. August 2013 aus- gestellten Schengen-Visums zu (…) erlassen worden sei, welches bis am 8. Juli 2014 gültig gewesen sei, D-5510/2014 Seite 3 dass das BFM am 25. August 2014 nach den Bestimmungen der Dublin - III-VO ein Ersuchen um Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO an Ungarn richtete, wobei es insbesonde- re auf das Antwortschreiben der ungarischen Behörden vom 13. August 2014 verwies, dass die ungarischen Behörden der Übernahme des Beschwerdeführers am 10. September 2014 explizit zustimmten, dass das BFM mit Verfügung vom 12. September 20 14 – eröffnet am 19. September 2014 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Ungarn anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ve r- lassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer verfügte, dass das BFM zur Begründung seines Nichteintretensentscheids im W e- sentlichen ausführte, Abklärungen in sozialen Netzwerken hätten erg e- ben, dass sich der Beschwerdeführer in Ungarn aufgehalten habe, was auch durch die Auskunft der ungarischen Behörden, gemäss welchen der Beschwerdeführer über eine ungarische Aufenthaltsbewilligung verfügt habe, bestätigt worden sei, dass die ungarischen Behörden das Ersuchen des BFM um Übernahme gutgeheissen hätten und somit die Zuständigkeit für das Asyl - und Weg- weisungsverfahren bei Ungarn liegen würde, dass es den ungarischen Behörden obliege, seine Asylgr ünde zu prüfen, seinen Aufenthaltsstatus zu regeln oder gegebenenfalls eine Wegweisung ins Heimatland anzuordnen, dass keine Hinweise vorlägen, dass die ungarischen Behörden das Asyl - und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würden, Ungarn zudem Signatarstaat der Konvention vom 4. November 1950 zum Schu t- ze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe D-5510/2014 Seite 4 (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) sei und somit keine begründ e- ten Anhaltspunkte dafür vorliegen würden, wonach Ungarn seinen völker- rechtlichen Verpflichtungen nicht nachkomme und dem Beschwerdeführer keinen effektiven Schutz vor Rückschiebung gewähren würde, dass der Wegweisungsvollzug nach Ungarn sowohl zulässig, zumutbar als auch technisch möglich und praktisch durchführbar sei, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 26. September 2014 (Post- stempel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht B e- schwerde erhob und zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewä h- rung von Asyl, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumu t- barkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges und die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz beantrage, dass er gleichzeitig um Erlass der Verfahrenskosten und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht ersuchte, wie auch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung, dass er ausserdem um eine Wiederherstellung der aufschiebenden Wi r- kung der Beschwerde ersuchte, sowie um Anordnungen an das BFM betreffend die Nicht -Kontaktnahme mit den Behörden der Heimat, eve n- tualiter eine diesbezügliche Information, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde in erster Linie auf seine Asylgründe einging und zur Situation in Ungarn im Wesentlichen ausfüh r- te, sein Visum sei nicht verlängert worden, da er die Kurse (…) aufgrund psychischer Probleme nicht bestanden habe, weshalb er zurück nach Af- ghanistan hätte gehen müssen, dass die Schweiz für ihn ein Land sei, das sich hilfsbedürftigen Menschen wie ihm annehme und viele humanitäre Organisationen beheimate, wes- halb er die Schweiz als letzte Chance gesehen habe, dass Ungarn niemals Abklärungen bezüglich seiner Sicherheit in Afgh a- nistan machen werde, da das Klima für Ausländer in Ungarn eher u n- freundlich sei und er bei einer allfälligen Rückführung sofort ins Gefängnis kommen und dann nach Afghanistan gebracht werden würde, D-5510/2014 Seite 5 dass er zur Stützung seiner Vorbringen ein Dokument in arabischer Spra- che, ein Schreiben aus Budapest in ungarischer Sprache, das Programm seiner Schule in Afghanistan (in Englisch) und Dokumente der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) zu den Akten reich- te, dass die vorinstanzlichen Akten am 1. Oktober 2014 beim Bundesverwal- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vor liegend – endgültig über Beschwerden gegen Verf ü- gungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V. m. Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an dere n Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vorbe- haltlich nachfolgender Erwägungen einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mi t Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art . 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), D-5510/2014 Seite 6 dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründethe it hin zu übe r- prüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der B e- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vori n- stanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.), dass die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl demgegenüber nicht Gegenstand des angefocht e- nen Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorliegenden Verfahrens bilden, weshalb auf die entsprechenden Beschwerdeanträge nicht einzutreten ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen kön nen, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass sich die staatsvertragliche Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens aus der Dublin-III-VO ergibt, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem ei n- zigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Krite rien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird, wobei die einzelnen Bestimmungskriterien in der Reihenfolge ihrer Auflistung im Kapitel III Anwendung finden (Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig- keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens z u- ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentl i- che Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Au f- nahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 d er Charta der Grundrechte der Europäischen Uni on (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den R e- geln der Dublin -III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden kann, dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag g e-D-5510/2014 Seite 7 stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin -III-VO aufzuneh- men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO), dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be- schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbstein- trittsrecht), dass den vorliegenden Akten sowie aus den Vorbringen des Beschwerde- führers zu entnehmen ist, dass sich der Beschwerdeführer vor seiner Ein- reise in die Schweiz in Ungarn aufgehalten hatte, dass das BFM die ungarischen Behörden am 25. August 2014 um Auf- nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO ersuchte, dass die ungarischen Behörden dem Gesuch um Übernahme am 10. September 2014 explizit zustimmten, dass die Zuständigkeit Ungarns somit gegeben ist, dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah- ren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Ungarn würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch- lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU– Grundrechtecharta mit sich bringen, dass Ungarn – wie dies bereits in der Verfügung des BFM ausgeführt wurde – Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK ist und sei nen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen grundsätzlich nach- kommt, dass Ungarn auf die unter anderem vom Amt des Hohen Flüchtling s- kommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) am ungarischen Asy lsys- tem geübte Kritik reagiert und sowohl auf gesetzlicher Ebene als auch in der Praxis die Behebung von Mängeln angekündigt beziehungsweise mit deren Umsetzung begonnen hat, wobei insbesondere der Verzicht auf e i- ne quasi-systematische Inhaftierung von Asylsuchenden und auf die Ei n- stufung von Serbien als sicherem Drittstaat sowie die materielle Prüfung der Asylgesuche von allen Personen, welche im Rahmen des Dublin -D-5510/2014 Seite 8 Abkommens nach Ungarn überstellt werden (Dublin -Rückkehrer), hervor- zuheben sind (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 5-8), dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in einem Urteil vom 6. Juni 2013 aufgrund dieser Verbesserungen zum Schluss ge- langte, asylsuchende Personen seien bei einer Überstellung nach Ungarn gestützt auf das Dublin -Abkommen nicht einer realen und individuellen Gefahr einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt (vgl. EGMR, Mohammed gegen Österreich [Appl. No. 2283/12], Urteil von 6. Juni 2013, § 106), dass da s Bundesverwaltungsgericht in seiner bisherigen Praxis davon ausging, Ungarn komme kraft seiner Mitgliedschaft im Dublin -System grundsätzlich seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach (vgl. etwa die Urteile D-443/2014 vom 22. August 2014, D-4044/2013 v om 23. Juli 2013, D-4197/2013 vom 25. Juli 2013, E-4194/2013 vom 13. August 2013 und D -4809/2013 vom 3. September 2013, D -2302/2014 vom 6. Mai 2014), dass jüngere Entwicklungen in Ungarn Anlass zu erneuter Kritik gegeben haben, dass zum einen die Asylgesu chszahlen in Ungarn erheblich anstiegen, was offenbar zu einer spürbaren Verschlechterung der Aufnahmebedi n- gungen geführt hat (vgl. Urteil E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 8.3), dass zum anderen am 1. Juli 2013 Änderungen des ungarischen Asylg e- setzes in Kraft getreten sind, die eine neue rechtliche Grundlage für die Inhaftierung von Asylsuchenden schaffen (vgl. Hungarian Helsinki Co m- mittee [HHC], Information Note on Asylum -Seekers in Detention and in Dublin Procedures in Hungary, Mai 2014 [http://helsinki.hu/en/information- note-on-asylum-seekers-in-detention-and-in-dublin-procedures-in- hungary]), dass diese Gesetzesänderungen aus der Sicht der ungarischen Regi e- rung die Umsetzung der Neufassung der Richtlinie 2013/33/EU des E u- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen, ins nationale Recht darstellen (vgl. Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 8.2), D-5510/2014 Seite 9 dass das UNHCR demgegenüber kritisiert, Ungarn hab e die Neufassung der Aufnahmerichtlinie, insbesondere die Berücksichtigung der speziellen Schutzbedürfnisse von verletzlichen Personen (Art. 11 und Art. 22 Ne u- fassung Aufnahmerichtline), unvollständig übernommen (vgl. UNHCR, Comments and recommendations on the draft modification of certain mig- ration-related legislative acts for the purpose of legal harmonisation, 12. April 2013, S. 12, 23), dass das Bundesverwaltungsgericht in einer Analyse der Situation von Asylsuchenden in Ungarn und des dortigen Asylver fahrens unter Einb e- zug der aktuellsten Entwicklungen zum Schluss gelangt ist, dass die Überstellung von Asylsuchenden nach Ungarn im Rahmen des Dublin - Regelwerks nicht generell die Gefahr einer unmenschlichen oder ernie d- rigenden Behandlung oder einer Verle tzung des Prinzips des Non - Refoulement mit sich bringt und daher nicht generell unzulässig ist (vgl. Urteil E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013E. 9), dass daher das nicht weiter substanziierte Vorbringen des Beschwerd e- führers, Ungarn werde seine Asylvorbringe n nicht prüfen , ihn in Haft nehmen und ihn nach Afghanistan zurück schicken, als unbegründet zu bezeichnen ist, dass jedoch die Vermutung, dieser Staat beachte die den betroffenen asylsuchenden Personen im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem zustehenden Grundrechte in angemessener Weise (vgl. E. 4.1 -4.3), nicht uneingeschränkt aufrechterhalten werden kann (analog zu Überstellu n- gen nach Malta, vgl. BVGE 2012/27), und daher die Asylbehörden auf der Grundlage der jeweils aktuellsten, zugänglichen Informatione n im Einzel- fall zu prüfen haben, ob die betroffene Person im Falle einer Überstellung nach Ungarn Gefahr laufen würde, wegen der dortigen Mängel des Asy l- verfahrens und/oder der Aufnahmebedingungen eine Verletzung ihrer Grundrechte zu erleiden, und diese P erson selbst nicht die volle Bewei s- last zu tragen hat, sondern lediglich, aber immerhin, ihre persönlichen Gründe (mit konkreten Hinweisen) geltend zu machen hat, die gegen die Zulässigkeit der Überstellung nach Ungarn sprechen könnten (vgl. Urteil E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 9.2), dass die Verfügung des BFM in Lichte dieser Ausführung en als äusserst knapp zu bezeichnen ist, da kaum eine individuelle Prüfung der Situation des Beschwerdeführers vorgenommen und auf diese vertieft eingega n- gen wurde, D-5510/2014 Seite 10 dass jedoch aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers nicht davon auszugehen ist, er habe in Ungarn keinen effektiven Zugang zum Asylver- fahren gehabt und im Rahmen des rechtlichen Gehörs sowie auch in der Beschwerde keine Gründe geltend macht, warum die Überstellung für ihn nach Ungarn als jungen, ledigen und grundsätzlich gesunden Mann nicht zulässig sein könnte, dass die Ausführungen des BFM aufgrund der klaren Sachverhaltskon s- tellation vorliegend als genügend zu bezeichnen sind, dass auch davon aus gegangen werden darf, Ungarn anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtl i- nie), ergeben, dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde ausführt, er habe in Ungarn psychische Probleme sowie Lernschwierigkeiten gehabt und er in der Befragung ausführte, er habe Probleme mit den Augen, was zu Kopf- schmerzen führe, dass diese geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen un- belegt blieben und somit nicht rechtsgenügend dargetan wurden und sich auch aus den Akten nicht schliessen lässt , inwiefern der Beschwerdefüh- rer überhaupt eine massgebliche medizinische Betreuung benötigt, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft zu machen vermag, die Über- stellung nach Ungarn setze ihn einer Gefahr für seine Gesundheit aus und verletze damit Art. 3 EMRK, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nämlich nur dann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstel- len kann, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet (vgl. BVGE 2011/9 E. 7, mit Hinweisen auf die Praxis des EGMR), was vorlie- gend offensichtlich nicht der Fall ist, D-5510/2014 Seite 11 dass, entgegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift, nicht ersichtlich ist, inwiefern im vorliegenden Verfahren Art. 17 Dublin -III-VO von Rel e- vanz wäre, da diese Bestimmung nur auf Ersuchen eines anderen Mi t- gliedstaates Anwendung finden kann (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K19 zu Art. 17), weshalb sich Ausführungen dazu erübrigen, dass es nach dem Gesagten keinen Grund für eine Anwendung der E r- messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle fes t- zuhalten bleibt, dass die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetre- ten ist und – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewill igung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Ungarn angeordn et hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]), dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das Fehlen von Überstellun gshindernissen bereits Voraussetzung des Nich t- eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10), dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verf ü- gung des BFM zu bestätigen ist, dass das Beschwerdeverfa hren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist, dass das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses mit vorliegendem Entscheid in der Hauptsache hinfällig wird, dass die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung abzuweisen sind, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, wesha lb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG nicht erfüllt sind, D-5510/2014 Seite 12 dass im Rahmen des Dublin -Verfahrens Kontakte mit dem Heimatstaat ohnehin nicht in Betracht fallen, weshalb auch die diesbezüglichen Antr ä- ge gegenstandlos sind, dass bei diesem Ausgan g des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-5510/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sin- ne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Anne Kneer Versand: