B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1243/2012 U r t e i l v o m 7 . M a i 2 0 1 3 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), Sri Lanka, vertreten durch Marcel Bosonnet, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Februar 2012 / N_______. D-1243/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein aus B._______/C._______ (Nordprovinz) stammender ethnischer Tamile mit letztem Wohnsitz in D._______ ver- liess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben am 31. August 2011 auf dem Luftweg und gelangte über E._______ am 1. September 2011 illegal in die Schweiz, wo er mittels Schreiben seines Rechtsvertreters vom 2. September 2011 und persönlich am 5. September 2011 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) in F._______ um Asyl nachsuchte. Nach der dort am 16. September 2011 durchgeführten Kurzbefragung wurde der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 21. September 2011 für den Aufenthalt während des Asylverfahrens dem Kanton G._______ zugewie- sen. Am 5. Dezember 2011 fand die direkte Anhörung durch das BFM statt. Zur Begründung seines Gesuchs führte er im Wesentlichen aus, er sei im Jahre (...) den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) beigetreten und nach Beendigung der militärischen Grundausbild ung als (...) von H._______, (...), eingesetzt worden. Diese Aufgabe habe er bis im Jahre (...) ausgeführt und sei danach bis am (...) dessen (...) gewesen. An die- sem Tag habe er H._______ gesagt, dass er seine Familie aus Siche r- heitsgründen an einen ander en Ort bringen müsse. Nachdem er in der Folge mit seiner Familie nach I._______ gereist sei, habe ihn die Armee dort am folgenden Tag festgenommen und in ein Internierungslager nach J._______ gebracht. Dort sei er bis am (...) gewesen, worauf man ihn in das (Nennung Camp) in K._______ überstellt habe. Im Camp sei er wä h- rend der ersten vier Monate jede zweite Woche befragt und dabei fast j e- des Mal mit einem Stock auf die Fersen geschlagen worden oder man habe ihm eine mit Benzin getränkte Plastiktasche über den Kopf gestülpt und diese erst dann entfernt, wenn er in Atemnot geraten sei. Man habe ihn in diesem Camp bis im (...) festgehalten. Danach sei er (...) im Ge- fängnis von L._______ inhaftiert gewesen, wo er und die übrigen Insa s- sen zwar nicht gezielt gesc hlagen, aber schikaniert worden seien. A n- schliessend habe er sich vom (...) bis (...) im Internierungslager von M._______ im Distrikt N._______ aufgehalten, wo sie täglich im Wald hätten arbeiten müssen. Man habe ihm regelmässig die Freilassung in Aussicht gestellt, ohne dass aber lange Zeit effektiv etwas in diese Ric h- tung geschehen sei (vgl. act. A8/13 S. 11), beziehungsweise es sei ihm gesagt worden, er werde nicht freigelassen (vgl. act. A 17/14 S. 4 F31, S. 6 F50, S. 9 F72) . Im (...) sei er dann plötzlich freigelassen worden u n-D-1243/2012 Seite 3 ter der Auflage, das Land nicht zu verlassen. Fünfzehn Tage nach seiner Freilassung sei er von Angehörigen des Criminal Investigation Depar t- ment (CID) bei seinen Eltern in B._______ gesucht worden. Da er sich zu diesem Zeitpunkt g erade nicht zu Hause aufgehalten habe, hätten ihm seine Eltern bei seiner Rückkehr erklärt, dass die Beamten des CID nach ihm gefragt hätten und er sich bei deren Büro in C._______ melden müs- se. Da er bei der Haft seine Wohnadresse im Vanni -Gebiet angegeben habe, sei er im (...) sowohl vom CID als auch von Angehörigen der Eelam People's Democratic Party (EPDP) in O._______ gesucht worden. So hätten sich die Beamten bei seinen dortigen Nachbarn erkundigt, ob sie ihn gesehen hätten. In der Folge sei er unterg etaucht und habe sich bei Verwandten und Bekannten in verschiedenen Orten aufgehalten und sei schliesslich über L._______ aus seiner Heimat ausgereist. Seine Ehefrau und die Kinder habe er letztmals am (...) gesehen. Ferner habe er wä h- rend seines Aufenthaltes im (Nennung Camp) die Angehörigen des Inter- nationalen Komitees des Roten Kreuzes, welche ihn dort zwei Mal b e- sucht hätten, gebeten, Nachforschungen über den Verbleib seiner näch s- ten Angehörigen anzustellen. Bis zu seiner Ausreise habe er keine Info r- mationen erhalten und auch über seine Eltern, die ihn diesbezüglich u n- terstützt hätten, nichts erfahren. Auf die weiteren Ausführungen wird, s o- weit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. B. Mit Verfügung vom 1. Februar 2012 – eröffnet am 2. Februar 2012 – lehn- te das BFM das Asylbegehren des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig die Wegweisung und deren Vollzug an. Die Vorinstanz b e- gründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers die Anforderung en von Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten. Der Vollzug der Wegweisung sei als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. C. Mit an das Bundesverwaltungsgericht gerichteter Eingabe vom 5 . März 2012 beantragte der Beschwerdeführer, es sei der vorinstanzliche En t- scheid aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) D-1243/2012 Seite 4 sowie um Beigabe eines unentgel tlichen Rechtsbeistandes im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG. Auf die Begründung wird, soweit entscheidwesen t- lich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 12. März 2012 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausg ang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne und über das Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung wurde abgewi esen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Die Vorinstanz wurde in Anwendung von Art. 57 Abs. 1 VwVG zur Einreichung einer Stellungnahme eingeladen. E. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 27. März 2012 die Abweisung der Beschwerde, da diese – unter gleichzeitigem Hinweis auf diverse Bemerkungen – keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel enthalte, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfe r- tigen könnten. F. Mit Verfügung vom 29. März 2012 wurde dem Beschwerdeführer die Ver- nehmlassung der Vorinstanz zugestellt und ihm gleichzeitig die Gelege n- heit eingeräumt, bis zum 13. April 2012 eine Replik einzureichen. G. Mit Eingabe vom 13. April 2012 reichte der Beschwerdeführer seine Ste l- lungnahme zu den Akten und ergänzte s ie m it Schreiben vom 8. Mai 2012. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u-D-1243/2012 Seite 5 ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozi alen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Fr eiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. D-1243/2012 Seite 6 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des ablehnenden Asylen t- scheids im Wesentlichen an, der Beschwerdeführer mache geltend, im (...) von der Armee verhaftet und anschliessend in verschiedenen Inte r- nierungslagern inhaftiert gewesen zu sein. Zwei Wochen nach seiner Haftentlassung im (...) sei er zuhause bei seinen Eltern in B._______ vom CID gesucht worden. Die vom Beschwerdeführer angeführte (...) Inhaftie- rung an verschiedenen Orten in Sri Lanka sei mit seiner Freilassung im (...) als beendet zu betrachten. Die lange Dauer der Haft habe auch se i- ner Überprüfung gegolten, ob es sich bei ihm um eine Führungsperson oder einen Kämpfer der LTTE handle. Die sri -lankischen Behörden wol l- ten ein Wiedererstarken der LTTE unterbinden. Es sei aber davon auszu- gehen, dass der Beschwerdeführer im (...) in erster Linie deshalb bedi n- gungslos aus dem Camp von M._______ entlassen worden sei, weil man ihn nicht mehr ernsthaft verdächtigt habe, eine Gefahr für die Sicherhei t des sri-lankischen Staates darzustellen. Nicht auszuschliessen sei, dass er auch nach seiner Freilassung unter Beobachtung der sri -lankischen Behörden gestanden habe und ihn das CID habe befragen wollen. Derar- tige Massnahmen, die im Zusammenhang mit der allgemeinen Bekämp- fung des Terrorismus der LTTE durch die sri -lankischen Behörden zu s e- hen seien, komme indessen aufgrund mangelnder Intensität kein Verfo l- gungscharakter im Sinne von Art. 3 AsylG zu. Wäre der Beschwerdefü h- rer zudem auch nach seiner Haftentlassung ernsthaft verdächtigt worden, an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein, wäre er entweder gar nicht erst freigelassen oder erneut festgenommen worden, was j e- doch nicht der Fall gewesen sei. Diese Vorbringen seien daher nicht asyl- relevant. Der Beschwerdeführer mache ferner eine Verfolgung durch die EPDP gel- tend, da er nach seiner Freilassung aus dem Internierungslager im (...) zweimal von Angehörigen der EPDP an seinem ehemaligen Arbeitsort in O._______ gesucht worden sei. Grundsätzlic h sei zu vermerken, dass der Einfluss der bewaffneten Gruppierungen in Sri Lanka seit dem Ende der Kriegshandlungen im Mai 2009 stark abgenommen habe. Auch b e- stünden keinerlei Hinweise mehr auf eine Unterstützung derselben durch die sri-lankische Armee und den Staat. Es komme jedoch vor, dass sich frühere Angehörige solcher Gruppierungen weiterhin kriminell betätigten und die lokale Bevölkerung mit Drohungen und Erpressungsversuchen unter Druck setzten. Dies seien jedoch Verfolgungshandlungen seitens Dritter, die von den sri-lankischen Behörden geahndet würden. Bei weite- ren Belästigungen bestehe demnach für ihn die Möglichkeit, sich an die zuständigen lokalen Instanzen zu wenden, um Schutz zu ersuchen. Der D-1243/2012 Seite 7 vorliegenden Aktenlage könnten keine Hinweise entnom men werden, welche in seinem Fall auf eine grundsätzliche Schutzunwilligkeit des Staates hindeuteten. Die Vorbringen bezüglich einer Verfolgung durch die EPDP seien demnach nicht asylrelevant. 3.2 In der Beschwerdeschrift machte der Beschwerdeführer im Wesentl i- chen zunächst Ausführungen zur aktuellen Situation in seiner Heimat und verwies dabei auf die Untätigkeit der sri -lankischen Regierung, das Prob- lem der Straflosigkeit für die in der Vergangenheit begangenen Me n- schenrechtsverletzungen in wirksamer Weise an zugehen. So würden Menschen respektive (mutmassliche) LTTE-Mitglieder nach wie vor gefol- tert oder verschwinden und tamilische Bürger, die verdächtigt würden, Verbindungen mit der LTTE zu haben, würden weiterhin ohne Anklage in Haft gehalten. Auch weigere s ich die sri -lankische Regierung, die Listen ihrer Gefangenen zu veröffentlichen , und den Gefangenen würden zen t- rale Prozessgarantien verwehrt. Zudem gebe das Gesetz zur Verhütung von Terrorismus der Polizei eine grosse Macht über ihre in Unters u- chungshaft befindlichen Verdächtigen. Im Speziellen gab der Beschwe r- deführer weiter an, er habe bislang die Tatsache, dass er das Lager in M._______ aufgrund einer Schmiergeldzahlung habe verlassen können, nicht zu Protokoll gegeben. Für dieses Geld sei sein in der S chweiz le- bender Bruder aufgekommen. Es bestehe die begründete Vermutung, dass er ohne diese Geldzahlung noch heute in Haft wäre. Er habe diese Tatsache bisher verschwiegen, da er befürchtet habe, sowohl seinem Bruder als auch ihm würden daraus Nachteile en tstehen. In Sri Lanka – wie auch in anderen Staaten – stelle eine solche Schmiergeldzahlung ein Delikt dar, das mit einer hohen Strafe geahndet werden könne. Ferner sei er aufgrund seiner langjährigen Zugehörigkeit zu den LTTE und seiner Tätigkeit für deren (...) für die sri-lankischen Behörden ein Zeuge der Ge- schehnisse des Bürgerkrieges, de r Verhandlungen zur Einstellung der Kriegshandlungen, der Niederlegung der Waffen der LTTE und de s Schicksals von H._______, der zusammen mit weiteren Personen von der sri-lankischen Armee am (...) erschossen worden sei, obwohl die G e- töteten zuvor die weisse Flagge gehisst und sich ergeben hätten. Auch wenn er nicht der einzige Zeuge sein möge, der über H._______ Be- scheid wisse, hätten die sri-lankische Regierung und die Sicherheitskräfte ein sehr grosses Interesse, solche Zeugen "verschwinden" zu lassen. Zur Suche der EPDP nach seiner Person sei anzuführen, dass diese tamil i- sche Partei zur Koalitionsregierung des Präsidenten gehöre und den g e- gen die LTTE gerichteten Krie g unterstützt habe. Die EPDP habe einen paramilitärischen Flügel, der eng mit den Streitkräften der Regierung z u-D-1243/2012 Seite 8 sammenarbeite und regelmässig politische Gegner bedrohe und angreife und die örtliche Bevölkerung auf den Inseln vor der Halbinsel von C._______ systematisch einschüchtere. Die Kontrolle von tamilischen Städten wie C._______, J._______, N._______ und P ._______ obliege wesentlich diesen Parteien. Seine Ausführungen in den Befragungen würden übereinstimmen und stünden zudem im Einklang mit den bekann- ten historischen Ereignissen. Auch das BFM ziehe seine Vorbringen nicht in Zweifel, weshalb es unverständlich sei, dass es sich zu dieser darg e- legten Gefährdungssituation im Entscheid nicht geäussert habe. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka müsse er mit se iner erneuten Verhaftung rech- nen, wobei er erneuten Misshandlungen ausgesetzt würde und gar mit seiner Ermordung rechnen müsste. Die Vorinstanz habe geltend g e- macht, er wäre allenfalls erneut festgenommen worden, wenn ihn die B e- hörden ernsthaft verdächtigt hätten, an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein, was jedoch nicht der Fall gewesen sei. Tatsache sei aber, dass ihn das CID und Angehörige der EPDP bereits vierzehn Tage nach seiner Haftentlassung gesucht hätten. Je stärker der internatio nale Druck auf Sri Lanka wachse, die Kriegsverbrechen zu untersuchen, umso grösser werde auch die Gefahr für allfällige Zeugen dieser Verbrechen. Die Vorinstanz verweigere ihm die Anerkennung als Flüchtling und die Gewährung von Asyl, obwohl zurückkehrende Tamilen am Flughafen von Colombo befragt und je nach Sachlage für lange oder sogar unbestimmte Zeit festgehalten würden und während der Haft Erpressung und sogar Folter erleiden müssten. Da er ein bekanntes Mitglied der LTTE sei, mü s- se er in seinem Fall z wangsläufig mit einer Verhaftung rechnen. Zudem würde bekannt, dass er sich einen Monat nach seiner Entlassung aus dem Internierungslager von M._______ vorschriftswidrig nicht beim Army- Camp gemeldet habe. Die verletzte Meldepflicht alleine würde zu seiner erneuten Inhaftierung führen, da dadurch feststünde, dass er sich durch Flucht in die Schweiz der Kontrollpflicht entzogen habe. Voraussichtlich würde dannzumal auch bekannt, dass er aufgrund der Zahlung eines Schmiergeldes in rechtswidriger Weise entlass en worden sei. Obwohl er die in den früheren Haften erlittenen Misshandlungen im M._______- Internierungslager gemeldet habe, habe man bewusst nichts gegen die Folterer unternommen. Selbst wenn er bei der Einreise den Flughafen wieder verlassen könnte, müsste er auf dem Weg in seine Herkunftsstadt Übergriffe von paramilitärischen Gruppierungen oder der Polizei und auch seine Verhaftung befürchten. Es sei bekannt, dass Personen nach Bee n- digung der Haft "häufig wieder inhaftiert" würden, weshalb die vorinstan z- lichen Feststellungen zu einer möglichen erneuten Verhaftung seiner Person unzutreffend seien. Entgegen den Ausführungen des BFM im a n-D-1243/2012 Seite 9 gefochtenen Entscheid sei nicht davon auszugehen, dass seine (...) Haft mit seiner Freilassung im (...) beendet sei. Aus d en obigen Gründen s o- wie des Umstandes, dass das CID ihn bei seiner allfälligen Rückkehr ve r- dächtigen würde, sich wieder de n LTTE respektive einer deren Nachfo l- georganisationen angeschlossen zu haben, würde er mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit erneut auf unbestimmte Zeit inhaftiert und während der Haft misshandelt. 3.3 In ihrer Vernehmlassung vom 27. März 2012 brachte die Vorinstanz vor, die Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche die im angefochtenen Entscheid gezogenen Schlussfolgerungen in einem anderen Licht erscheinen lassen könnten. Der Beschwerdeführer mache geltend, bei einer Rückkehr in die Heimat einer erheblichen Gefährdungssituation ausgesetzt zu sein. Als ehemal i- ges und behördlich bekanntes Mitglied der LTTE würde er bereits bei sei- ner Ankunft im Flughafen in Colombo verhaftet und wäre mit an Siche r- heit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Folter und Misshandlungen ko n- frontiert. Überdies habe er seine Entlassung aus dem Internierungslager nur mit einer Geldzahlung bewerkstelligen können. An der Glaubhaftigkeit des mit der Beschwerde nachgeschobenen Vorbringens, wonach er für seine Freilassung Lösegeld bezahlt habe, bestünden jedoch erhebliche Zweifel, zumal sich auch etliche im Verfahren zu Protokoll gegebene Aus- sagen damit nicht in logische Vereinbarung bringen lassen würden. Be i- spielsweise habe er anlässlich seiner Anhörung zu den Asylgründen a n- gegeben, gleichzeitig mit (...) anderen Häftlingen freigelassen worden zu sein. Zudem habe man ihn angewiesen, nach sein er Entlassung einer Meldepflicht nachzugehen, was bei einer inoffiziellen Freilassung kaum der Fall gewesen wäre. Sodann sei seine Freilassung unerwartet g e- schehen. Insgesamt dürfe aufgrund dieser Aussagen angenommen we r- den, dass seine Entlassung aus dem I nternierungslager ordentlich ange- ordnet und rechtmässig durchgeführt worden sei. Dass man ihn nach sei- ner Entlassung bereits fünfzehn Tage später zu Hause gesucht habe, sei entgegen dem Dafürhalten des Beschwerdeführers gar nicht unüblich. Bereits im Asylentscheid sei darauf hingewiesen worden, dass ehemalige LTTE-Personen, welche eine längere Haft oder Rehabilitation durchlaufen hätten, nach ihrer Freilassung weiterhin unter Beobachtung der Siche r- heitskräfte stünden. Keinesfalls könne der Schluss gezogen werden, dass dem Beschwerdeführer aufgrund des Umstandes, dass man ihn zu Ha u- se gesucht habe, asylrelevante Verfolgungsmassnahmen gedroht hätten. Hinsichtlich der Furcht, bei einer Einreise in Sri Lanka festgenommen zu werden, sei festzuhalten, dass allein die subjektive Angst vor einer allfällig D-1243/2012 Seite 10 künftig möglichen Bedrohung nicht genüge, um auf das Vorliegen einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung zu schliessen. Zwar sei nicht in Abrede zu stellen, dass die Identität von sri-lankischen Staatsangehöri- gen, die sich während längerer Zeit im Ausland aufgehalten hätten, von den zuständigen Behörden genauer überprüft werde und die Heimkehrer zu diesem Zwecks auch befragt würden. Solchen staatlichen Massna h- men komme jedoch aufgrund mangelnder Intensität ke in Verfolgungscha- rakter im Sinne von Art. 3 AsylG zu. 3.4 In seiner Replik vom 13. April 2012 hielt der Beschwerdeführer fest, das BFM habe zu Recht geltend gemacht, die Lösegeldzahlung sei von ihm erst in der Rechtsmitteleingabe dargelegt worden. An der Glaub haf- tigkeit dieses Vorbringens könne jedoch nicht gezweifelt werden. Die Ent- lassung mit anderen Häftlingen stehe nicht im Widerspruch zur Lösegel d- zahlung. So habe damit der Eindruck erweckt werden sollen, es handle sich um eine gesetzmässige Entlassung. Das andere mit ihm entlassene LTTE-Mitglied sei Q._______(Übername), der ebenfalls in die Schweiz geflohen sei. Inwieweit andere Inhaftierte ihre Entlassung ebenfalls durch Geldzahlungen erwirkt hätten, sei ihm nicht bekannt. Jedenfalls müsste der Umstand, dass Entlassungen in Sri Lanka teilweise aufgrund von so l- chen Zahlungen vorgenommen würden, auch den Schweizer Behörden bekannt sein. Generell würden die singhalesischen Beamten in C._______ und im Vanni-Gebiet als bestechlich gelten. Auch die ihm au f- erlegte Meldepflicht spreche nicht gegen eine Lösegeldzahlung, da eine solche Pflicht üblich sei für ehemalige LTTE-Mitglieder. Tatsächlich sei die Freilassung überraschend geschehen, da das Lösegeld in verschiedenen Raten gezahlt worden sei. Er habe Zweifel ge hegt, ob diese Zahlungen zu seiner Freilassung führen würden, weshalb das tatsächliche Ende der Haft für ihn überraschend gekommen sei. Entgegen der vorinstanzlichen Ansicht erreiche gemäss Einschätzungen der Schweizerischen Flüch t- lingshilfe (SFH) und der International Crisis Group (ICG) die Überw a- chung des Personenkreises von ehemaligen Entlassenen eine solche I n- tensität, dass die Reintegration der Betroffenen in die Gesellschaft u n- möglich sei. Selbst das BFM sei nicht in der Lage, den genauen Grund anzugeben, weshalb er fünfzehn Tage nach seiner Entlassung wieder ge- sucht worden sei. Vielmehr stelle die Vorinstanz Vermutungen an, die o f- fensichtlich im Widerspruch zu den Abklärungen der SFH und der ICG stünden, und sie sei auch nicht in der Lage gewesen, die Quelle ihrer an- geblichen Erkenntnisse anzugeben. Ferner verkenn e das BFM, dass es sich bei ihm um eine bekannte Person handle, die in direktem Kontakt mit den Führungskräften der LTTE gestanden habe. Hinsichtlich der subjekti-D-1243/2012 Seite 11 ven Angst, die gemäss BFM noch keinen Asylgrund darzustellen verm ö- ge, sei nochmals auf die verschiedenen Berichte von Menschenrechtso r- ganisationen hingewiesen, in welchen die Kontrollen am Flughafen detail- liert beschrieben würden. Allein seine frühere Tätigkeit und Kontakte i n- nerhalb d er LTTE genügten, damit er auf dem Flughafen von Colombo verhaftet und während der Haft Misshandlungen ausgesetzt würde. Seine Eltern hätten sich im Übrigen bereit erklärt, eine Stellungnahme zum A b- lauf der Lösegeldzahlungen zu verfassen. Dieses Schreiben liege nicht vor, weshalb zur Nachreichung desselben eine zweiwöchige Fristerstr e- ckung beantragt werde. Mit Eingabe vom 8. Mai 2012 teilte der B e- schwerdeführer mit, beim LTTE -Mitglied, Q._______, das zusammen mit ihm entlassen worden sei, handle es sich um R._______. 4. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Abwägung sämtlicher Au s- sagen und unter Berücksichtigung des Länderurteils zu Sri Lanka vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24), welches sich einlässlich mit den Ris i- kogruppen der auch nach Beendigung des Bürg erkriegs noch gefährd e- ten Personen auseinandersetzt, zum Schluss, dass das BFM das Asylge- such des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. Der Beschwerd e- führer weist – nach Beendigung der Kriegshandlungen – kein solches Ri- sikoprofil auf, dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mit Verfol- gung zu rechnen hat. 4.1 Das erwähnte Urteil definiert diverse Personenkreise, die trotz der verbesserten Sicherheitslage seit Beendigung des militärischen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind. Dazu ge- hören unter anderem Personen, welche auch nach Beendigung des Kri e- ges verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen bezi e- hungsweise gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex-Generals Sa- rath Fonseka. Auch unabhängige Journalisten b eziehungsweise regi e- rungskritische Medienschaffende haben ein erhöhtes Risikoprofil. Im Wei- teren ist bei Opfern und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen und Personen, die entsprechende Übergriffe behördlich angezeigt haben, mit erhöhter Verfolgungsgefahr zu rechnen. Ausserdem laufen abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz unter Umständen Gefahr, bei der Rückkehr behördlich belangt zu werden, weil ihnen Kontakte zu fü h- renden LTTE-Kadern in der Schweiz unterstellt werden. Die Einschätzung einer diesbezüglich gearteten Gefahr kann nicht generell vorgenommen werden, sondern hängt von den Gegebenheiten im Einzelfall ab. Unter Umständen müssen sodann Personen, die über beträchtliche finanzielle D-1243/2012 Seite 12 Mittel verfügen, als weitere Risikogruppe betrachtet wer den, deren Zuge- hörige einer erhöhten Gefahr von Erpressungen, Kidnapping und anderen Verfolgungshandlungen unterliegen. Bei allen Personen, die dieser Ris i- kogruppe angehören, muss allerdings bei der Prüfung der Flüchtlingse i- genschaft das Motiv der jeweilig en Verfolgungshandlungen sorgfältig u n- tersucht werden. Sofern ausschliesslich ein finanzielles Verfolgungsint e- resse auszumachen ist, wäre diesem Aspekt bei der Prüfung der We g- weisungshindernisse Rechnung zu tragen (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.5). 4.2 Seit dem Ende des Bürgerkriegs hat sich die Lage in Sri Lanka erheb- lich verbessert. Zwar gehören Personen, die einer Verbindung zu den LTTE verdächtigt werden, gemäss der oben erwähnten Praxis des Bu n- desverwaltungsgerichts auch heute noch potenziell zu einer Risikogru p- pe. Der Beschwerdeführer führte an, im (...) – kurz vor Ende des Bürge r- kriegs – von der sri-lankischen Armee verhaftet und anschliessend in ver- schiedenen Internierungslagern, einem Camp der Armee und einem G e- fängnis in L._______ untergebracht respektive inhaftiert gewesen zu sein. Danach sei er im (...), ohne Unterschrift leisten zu müssen, freigelassen worden, wobei er jedoch weiterhin in Sri Lanka habe bleiben müssen (vgl. act. A8/13 S. 9) beziehungsweise man habe ihm nach seiner Freilassung eine Meldepflicht auferlegt, gemäss welcher er sich nach einem Monat im Camp der Armee zu melden habe (vgl. act. A17/14 S. 10 F73). Zu Recht stellte die Vorinstanz diesbezüglich fest, dass die Inhaftierung des B e- schwerdeführers mit seiner Freilassung im (...) als beendet zu betrachten ist, zumal er zu diesem Zeitpunkt von den sri -lankischen Behörden offen- sichtlich nicht mehr ernsthaft verdächtigt wurde, eine Gefahr für die S i- cherheit des sri -lankischen Staates darzustellen. Weiter ist darauf hinz u- weisen, dass das schweizerische Asylrecht nicht dem Ausgleich erlittenen Unrechts dient. Insofern vermögen die während der angeführten Inhafti e- rung(en) in Sri Lanka erlittenen psychischen und physischen Beeinträc h- tigungen heute eine Asylgewährung in der Schweiz nicht zu begründen . Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift erstmals vo r- bringt, seine Freilassung sei nur dank der Bezahlung eines hohen Schmiergeldes zustande gekommen, ist dieses Vorbringen als nachg e- schoben und daher als unglaubhaft zu qualifizieren. Die Vor instanz führte in ihrer Vernehmlassung einige stichhaltige Argumente an, weshalb sich diese Aussage mit den früheren Schilderungen des Beschwerdeführers im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens logisch nicht in Überei n- stimmung bringen lassen. Dem Beschw erdeführer gelingt es in seiner Stellungnahme nicht, diese Ungereimtheiten plausibel aufzulösen. Der Hinweis, die sri -lankischen Behörden hätten seine Entlassung und diej e-D-1243/2012 Seite 13 nige der weiteren (...) Gefangenen wie eine gesetzmässige Entlassung darstellen wollen, vermag nicht zu überzeugen. So wird dadurch nicht e r- sichtlich, warum und wem gegenüber die fragliche Entlassung als eine rechtmässige hätte dargestellt werden sollen, hätten doch sowohl die B e- hörden als auch die Entlassenen im Falle einer Lösegeldzahlung die wah- ren Umstände der Entlassung ohnehin gekannt und im Falle einer ordent- lichen Entlassung hätten die sri -lankischen Behörden erst recht keine Veranlassung gehabt, diese wie eine rechtmässige erscheinen zu lassen. Weiter ist der vorgebrachte Grund, wa rum er die Tatsache einer Lös e- geldzahlung nicht bereits bei der Vorinstanz geltend machte, als nicht stichhaltig zu erachten. So ist nicht einzusehen, welche Nachteile die Nennung dieses Umstandes für seinen in der Schweiz lebenden Bruder, der die Zahlung( en) effektiv geleistet haben soll, gehabt haben könnte, befindet sich dieser doch mit einem dauernden Aufenthaltsrecht in der Schweiz. Auch das Vorbringen, er habe für ihn selber – nicht näher b e- zeichnete – Nachteile befürchtet, ist als blosse Schutzbehaup tung zu werten, zumal er sich zum Zeitpunkt der Kenntnisgabe des Umstandes, dass eine Lösegeldzahlung geleistet worden sei, ja bereits in der Schweiz befand. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass er a n- lässlich der vorinstanzlichen Anhörung zu Beginn derselben auf seine Wahrheits- und Mitwirkungspflicht hingewiesen und dabei der Umstand hervorgehoben wurde, wonach er für seine Aussagen die Verantwortung trage und insbesondere unwahre Angaben negative Konsequenzen für ihn haben könnten. Die Mitw irkungspflicht von Asylsuchenden umfasst nach Lehre und Praxis auch die Pflicht, wahrheitsgemässe und vollstä n- dige Angaben zum Sachverhalt zu machen (vgl. Entscheidungen und Mit- teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 18 S. 186 ff.). Zudem wurde ihm die Verschwiegenheitspflicht aller am Verfahren beteiligten Personen zur Kenntnis gebracht und ihm versichert, dass seine Aussagen nicht an die heimatlichen Behörden weitergeleitet würden und er deshalb ohne Furcht reden könne (vgl. ac t. A17/14 S. 2). Es ist somit als unlogisch zu erachten, dass er wissentlich für sein Asy l- gesuch bedeutsame Angaben hätte verschweigen sollen, begab er sich doch mit dem Ziel in die Schweiz, Schutz vor Verfolgung durch die sri - lankischen Behörden zu erlangen. Die Vorstellung erscheint als abwegig, wonach eine sich tatsächlich verfolgt fühlende Person ohne echte Not bis zur Einreichung der Beschwerde mit der Offenlegung ihrer sämtlichen echten Asylgründe zuwarten und auf diese Weise die Ausfällung eines al- lenfalls negativen Asylentscheids geradezu provozieren würde. An dieser Erkenntnis vermag auch das Vorbringen, seine Eltern hätten sich bereit erklärt, eine Stellungnahme zum Ablauf der Lösegeldzahlungen zu ve r-D-1243/2012 Seite 14 fassen, nichts zu ändern. In seiner Stellungnahm e vom 13. April 2012 e r- suchte der Beschwerdeführer, da dieses Schreiben noch nicht vorliege, um die Einräumung einer zweiwöchigen Frist. Zwar wurde im Instrukt i- onsverfahren nicht explizit auf diesen Beweisantrag eingegangen, jedoch mit der Ausfällung des U rteils entsprechend zugewartet und somit dem Beschwerdeführer implizit die von ihm ersuchte Frist zugestanden (vgl. auch Art. 32 Abs. 2 VwVG). Diesbezüglich ist nun festzustellen, dass di e- ses Schreiben bisher nicht ins Recht gelegt wurde, weshalb an der E r- kenntnis der Unglaubhaftigkeit der Lösegeldzahlung weiterhin festzuha l- ten ist und durch diesen Umstand sogar noch bestärkt wird. Lediglich am Rande festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer auch nicht über se i- nen in der Schweiz lebenden Bruder, der seine n Angaben zufolge die Zahlungen geleistet haben soll, irgendwelche Belege zur fraglichen Gel d- zahlung einreicht e, obwohl dies relativ einfach möglich gewesen wäre, würden solche Belege tatsächlich existieren. Überdies verstrickte sich der Beschwerdeführer hinsichtlich der Umstände seiner Entlassung respekt i- ve der damit verbundenen Auflagen in einen Widerspruch, will er doch gemäss seinen Ausführungen im EVZ freigelassen worden sein, ohne ei- ne Unterschrift leisten zu müssen. Er habe lediglich das Land nicht v er- lassen dürften (vgl. act. A8/13 S. 9). Demgegenüber sei er – laut seinen Vorbringen in der Anhörung – nach seiner Freilassung einer Meldepflicht unterstellt gewesen und hätte sich einen Monat nach der Entlassung im Camp der Armee melden müsse (vgl. act. A17/14 S. 10 F73). Es ist somit insgesamt davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im (...) offiziell aus dem Internierungslager von M._______ entlassen wurde. Zudem e r- halten nach den Erkenntnissen der schweizerischen Asylbehörden die in einem Internierungslager festgehaltenen Tamilen bei ihrer Entlassung e i- ne spezielle militärische Identitätskarte, welche bei einer allfälligen Ko n- trolle bestätigt, dass eine sicherheitsdienstliche Durchleuchtung bereits stattgefunden hat. Der Beschwerdeführer dürfte dahe r grundsätzlich im Besitz eines solchen Entlassungsscheins sein, weshalb der wiederholte Hinweis auf seine LTTE -Vergangenheit und die Tätigkeit bei H._______, die den sri -lankischen Behörden bekannt sei, keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu entfalten ve rmag. Das Vorbringen, wonach es sich bei ihm um eine bekannte Person handle, die in direktem Kontakt mit den Fü h- rungskräften der LTTE gestanden habe, vermag deshalb nicht zu übe r- zeugen, weil er im Rahmen seiner Tätigkeit als (...) weder an Sitzungen teilgenommen haben noch in die Strategien oder Pläne der LTTE in i r- gendeiner Weise eingeweiht worden sein dürfte. Er führte denn auch se l- ber an, H._______ habe nie über Politik mit ihm oder den anderen Ang e- stellten gesprochen (vgl. act. A17/14 S. 10 unten). Es b estehen daher D-1243/2012 Seite 15 keine Anhaltspunkte, dass er aufgrund seiner LTTE -Vergangenheit in na- her Zukunft Verfolgungsmassnahmen der sri -lankischen Behörden au s- gesetzt würde. Zudem war diesen seine Adresse und der ständige Au f- enthaltsort nach der Entlassung offensichtlich bekannt, zumal Angehörige des CID sich fünfzehn Tage später bei seinen Eltern nach ihm erkundigt hätten. Die sri -lankischen Behörden respektive das CID hätte sich des Beschwerdeführers demnach problemlos bemächtigen können, wäre er tatsächlich ernsthaft in deren Visier gestanden. So ist davon auszugehen, dass das CID nochmals bei seinen Eltern vorgesprochen oder dem B e- schwerdeführer abgepasst hätte, hätte man ihn tatsächlich wieder fes t- nehmen wollen. Stattdessen habe man den Eltern – welche bestätigt hät- ten, dass er sich bei ihnen aufhalte – ausgerichtet, er solle sich beim Büro des CID in C._______ melden (vgl. act. A17/14 S. 5 F33). Einer solchen Massnahme kommt indessen in der Tat keine asylrechtliche Relevanz zu. Ausserdem wäre dieses Vorgehen des CID, hätte es sich des Beschwer- deführers tatsächlich bemächtigen wollen, als unlogisch zu erachten, z u- mal dieses eine Einladung für die Betroffenen darstellte, rechtzeitig unter- zutauchen. Das Gleiche hat auch für die geltend gemachte spätere S u- che des CID im (...) an seinem ehemaligen Wohn- und Arbeitsort zu gel- ten, zumal er, seine Ehefrau und die dort geborenen Kinder entsprechend registriert gewesen seien und die Behörden gewusst hätten, dass sie dort leben würden (vgl. act. A8/13 S. 5). Überdies lassen die Umstände der Ausreise ebenfalls nicht den Schluss zu, dass er das Augenmerk der sri - lankischen Behörden in irgendeiner Weise auf si ch gezogen haben könn- te. So sei er eigenen Angaben zufolge mit einem vom Agenten beschaf f- ten Reisepass, der sowohl seinen Namen als auch sein Foto enthalten habe, über den gut bewachten internationalen Flughafen von Colombo unbehelligt ausgereist (vgl. act. A8/13, S. 8). Aus dem Umstand, dass ein LTTE -Mitglied, das gleichzeitig mit ihm en t- lassen worden sei, ebenfalls in der Schweiz sei, kann der Beschwerd e- führer nichts für sich ableiten. Bei der Anhörung gab er zu Protokoll, es handle sich um S._______ (vgl. act. 17/14 S. 10 F.73), in der Replik vom 13. April 2012 wird diese Person jedoch als Q._______ bezeichnet. Die geltend gemachte Suche seitens privater Dritter – Anhänger der EPDP hätten sich ebenfalls an seiner früheren Wohnadresse im Vanni - Gebiet im (...) bei Nachbarn nach ihm erkundigt – vermag die Flüchtlings- eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG ebenfalls nicht zu begründen. Die Au s- sage, er sei der Einzige, der heute über H._______ Bescheid wisse, und das Problem von H._______ werde auf der internationalen Bühne disku-D-1243/2012 Seite 16 tiert, weshalb man ihn suche (vgl. act. A17/14 S. 5), ist in dieser Form überwiegend zu bezweifeln. So hatte der Beschwerdeführer, auch wenn er eigenen Angaben zufolge ein enges Verhältnis zu H._______ gehabt haben will, einerseits keinerlei Ein blick in dessen politische Tätigkeit und andererseits bestand das Umfeld von H._______ aus vielen weiteren Personen; alleine dessen Leibw achte habe zehn Personen umfasst (vgl. act. A17/14 S. 4 ff.). Dass die erwähnte Suche politisch motiviert gewesen sein könnte, ist daher im vorliegenden Kontext mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auszuschliessen. Hinsichtlich allfälliger Erpressungs - oder Entführungsversuche aus finanziellen Motiven ist anzuführen, dass dem sri-lankischen Staat nicht von vornherein jegli cher Schutzwille abgespr o- chen werden kann. Ausserdem ist nicht davon auszugehen, dass der B e- schwerdeführer im heutigen Zeitpunkt als besonders wohlhabende Pe r- son wahrgenommen würde. 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht aufgrund der gesamten Aktenl a- ge und in W ürdigung der gesamten Umstände nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer von den sri-lankischen Sicherheitskräften oder von pa- ramilitärischen Gruppierungen landesweit gesucht wurde beziehungswe i- se in Zukunft verfolgt würde. Alleine der Umstand, dass er se it über e i- nem Jahr landesabwesend gewesen ist und in der Schweiz ein Asylg e- such eingereicht hat , das nun abgewiesen wird , vermag seine Flüch t- lingseigenschaft ebenfalls nicht zu begründen. Es ist somit festzustellen, dass der Beschwerdeführer nicht darzutun vermochte, dass er einer Ve r- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war oder objektiv begründe- te Furcht hat, einer solchen ausgesetzt werden zu können. Er kann daher nicht als Flüchtling anerkannt werden. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt, weshalb es sich erübrigt, auf die Vorbri n- gen in den Eingaben auf Beschwerdeebene und die mit der Beschwerde eingereichten Unterlagen im Einzelnen noch näher einzugehen, da sie an obiger Einschätzung nichts zu ändern vermögen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l-D-1243/2012 Seite 17 chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nic ht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft. Das heisst, sie sin d zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgende iner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Deze m- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nieman d der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwe r- deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG vera n- kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den He i- matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. D-1243/2012 Seite 18 6.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerd e- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gef ahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK -widrige Behandlung für Tamilen befasst, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen. Der EGMR hält fest, dass dem Umstand ge bührende Beachtung geschenkt werden müsse, dass die in seiner Rechtsprechung erwähnten einzelnen Fakt o- ren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellten, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, namentlich unter der weiteren Berücksichtigung der aktuellen, gegebenenfalls erhöhten Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden allgemeinen Lage (vgl. BVGE 2011/ 24 E. 10.4.2 mit weite- ren Hinweisen). 6.2.4 Was die Prüfung derartiger Risikofakto ren betreffend die Situation des Beschwerdeführers anbelangt, ist an dieser Stelle auf die vorang e- gangenen Erwägungen zu verweisen, aus welchen sich ergibt, dass er im Hinblick auf die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keiner Risikogruppe zugerechnet werden kann (vgl. E. 4.2 und 4.3). Da der Beschwerdeführer nicht nachweisen beziehungsweise glaubhaft machen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland zu befürchten, die Aufmerksamkeit der sri-lanki- schen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Aus mass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung im Heima t- land drohen. Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Faktoren in Bezug auf se ine Situation lassen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig ersche i- nen. 6.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. D-1243/2012 Seite 19 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 A uG ist der Vollzug der Wegweisung insb e- sondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausg e- setzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen a n- gewendet, da s heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingse i- genschaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips er- füllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder eine r Situa- tion allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f., BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367). 6.3.2 In der angefochtenen Verfügung vom 1. Februar 2012 hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Wesentliche n fest, der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den separatistischen LTTE sei im Mai 2009 mit deren Niederlage zu Ende g e- gangen. Seither befinde sich das ganze Land wieder unter Regierung s- kontrolle und die allgemeine Sicherheitsla ge habe sich seither deutlich verbessert. Der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostpr o- vinz sei grundsätzlich zumutbar. Ebenso sei der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz – mit Ausnahme des Vanni-Gebietes – grundsätzlich zu- mutbar, wobei sich ei ne sorgfältige Beurteilung der individuellen Zumu t- barkeitskriterien aufdränge. Für Personen, deren letzer Aufenthalt in der Nordprovinz längere Zeit zurückliege, seien zudem die aktuellen Lebens - und Wohnverhältnisse und das Vorhandensein begünstigender Fa ktoren zu prüfen. Im Weiteren sei der Wegweisungsvollzug in das Vanni -Gebiet unzumutbar. Für die aus diesem Gebiet stammenden Personen sei de s- halb das Bestehen einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative in die a n- deren Landesteile Sri Lankas zu prüfen. Sodann sei der Wegweisung s- vollzug für Personen, die aus dem übrigen Staatsgebiet stammten, grundsätzlich zumutbar. Der Beschwerdeführer habe vor seiner Interni e- rung von (...) bis (...) in O._______, Distrikt T._______, gelebt. Er habe D-1243/2012 Seite 20 somit im Vanni-Gebiet gearbeitet. Da die Rückkehr in dieses Gebiet u n- zumutbar sei, müsse geprüft werden, ob für ihn eine zumutbare inne r- staatliche Wohnsitzalternative bestehe. Diese sei im vorliegenden Fall zu bejahen. Seine Eltern würden in B._______, Distrikt C._______, leben. Er verfüge somit über ein tragfähiges Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation. Er sei jung und könne deshalb eine wirtschaftliche L e- bensgrundlage aufbauen. Auch habe er nach seiner Freilassung aus dem Internierungslager schon einmal bei seinen E ltern gelebt. Somit erweise sich der Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat auch als zumutbar. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und pra k- tisch durchführbar. 6.3.3 In BVGE 2011/24 nahm das Bundesverwaltungsgericht angesichts der veränderten Lage nach dem Ende des sri -lankischen Bürgerkriegs im Mai 2009 eine vertiefte Beurteilung vor. Demzufolge ist seit dem Ende des bewaffneten Konflikts von einer erheblich verbesserten Mensche n- rechts- und Sicherheitslage auszugehen, wobei sich die Situ ation nicht in allen Landesteilen gleich präsentiert. In das sogenannte "Vanni -Gebiet" – die Distrikte von Kilinochchi und Mullaitivu und die nördlichen Teile der Distrikte von Mannar und Vavuniya sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna-Distrikts südlich von Nagarkovil umfassend – ist eine Rückkehr aufgrund der weitgehend zerstörten Infrastruktur und der Verminung weiterhin unzumutbar. In das übrige Staatsgebiet ist der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar, wobei bei aus der Nordpro- vinz stammenden Personen – wie dem Beschwerdeführer – wie folgt zu differenzieren ist: Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 ve r- lassen haben, ist die Rückkehr als grundsätzlich z umutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsituation zurückgreifen kann, und dem Wegweisungsvollzug auch anderweitig nichts entgege n- steht. Liegt der letzte Aufen thalt der betreffenden Person in der Nordpr o- vinz indessen längere Zeit zurück oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Aus- reise massgeblich verändert haben könnten, sind die aktuell vorliegenden Lebens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären. Liegen keine b e- günstigenden Faktoren wie die Existenz eines tragfähigen Beziehung s- netzes und die konkrete Möglichkeit der Sicherung des Existenzminiums und der Wohnsituation in der Nordprovinz vor, ist die Z umutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namen t-D-1243/2012 Seite 21 lich im Grossraum Colombo, zu prüfen (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1.1 – 13.3 S. 511 ff.). 6.3.4 Den Akten zufolge war der aus B._______/Distrikt C._______ stammende Beschwerde führer seit seiner Kindheit bis im Jahre (...) ebendort wohnhaft. Anschliessend lebte und arbeitete er in den Jahre n (...) bis (...) in O._______/Distrikt T._______, somit im Vanni -Gebiet. Ein Wegweisungsvollzug in das Gebiet seines letzten Wohnsitzes ist daher im Lichte obiger Rechtsprechung als unzumutbar zu erachten. Bei der Prüfung der Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative in den Norden des Landes respektive in sein e Herkunftsregion B._______ sind vorliegend begünstigende Faktoren w ie die Existenz eines tragfäh i- gen Beziehungsnetzes und die konkrete Möglichkeit der Sicherung des Existenzminiums und der Wohnsituation zu bejahen. So wohnen die E l- tern des Beschwerdeführers noch immer in B._______, weshalb er dort ein tragfähiges Beziehungsnetz hat und über eine gesicherte Wohnsitu a- tion verfügt. Er hielt sich denn auch nach seiner Entlassung aus dem I n- ternierungslager M._______ während einiger Zeit bereits dort auf. Es ist weiter davon auszugehen, dass ihm angesichts seines Alters und der bisherigen Berufserfahrung – insbesondere als (...) – der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz – allenfalls auch mit Hilfe seiner Familie – mög- lich sein wird. Auch wenn er seit über einem Jahr landesabwesend war, bestehen keine konkreten Anhaltspunkte da für, dass er bei einer Rüc k- kehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zus tändi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergi bt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und D-1243/2012 Seite 22 vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 12. März 2012 wurde die Behandlung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf ei- nen späteren Zeitpunkt verwiesen, das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abgewiesen und auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses verzichtet. Hinsichtlich des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist festzustellen, dass von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Auch können die Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist somit gut- zuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-1243/2012 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: