Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Januar 2014 (725 13 276) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Rückweisung an Vorinstanz zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Markus Mattle, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Monika Guth, Advo- katin, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel gegen Basler Versicherung AG , Aeschengraben 21, Postfach , 4002 Basel , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. A.____ arbeitete im Zeitpunkt ihres Unfalls in ein em Teilzeitpensum von 40% als Pfle- gefachfrau FH im Spital B.____ und war in dieser Eig enschaft bei der Basler Versicherung AG (Basler) gegen die Folgen von Betriebs- und Nichtbetrie bsunfällen versichert. Gemäss Scha- denmeldung UVG der Arbeitgeberin vom 11. April 2013 habe die Versicherte am 2. Oktober 2012 bei sich zuhause einen Fehltritt auf einer Treppe gemacht und dabei die rechte Grosszehe Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht geprellt. Am 12. April 2013 schilderte die Versicherte der Basler das Ereignis vom 2. Oktober dahingehend, dass sie zwei Treppenstufen übersehen habe und dabei gestolpert sei. B. Die Basler klärte in der Folge den medizinischen Sach verhalt ab. Am 31. Mai 2013 teilte sie der Versicherten mit, dass sie für die Folgen des Unfalls vom 2. Oktober 2012 (Befund rechte Grosszehe) und die damit verbundene Heilbehandlu ng bis 2. Januar 2013 Versiche- rungsleistungen erbringe. Für die ab 3. Januar 2013 en tstandenen Heilbehandlungskosten sei die Basler mangels natürlicher Kausalität nicht mehr le istungspflichtig. Die gegen diesen Ent- scheid erhobene Einsprache wies die Basler am 30. August 2013 ab. C. Hiergegen richtet sich die Beschwerde, welche die Ve rsicherte, vertreten durch Advoka- tin Dr. Monika Guth, am 26. September 2013 beim Kant onsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), erhob. Sie be antragte, dass die Verfügung vom 31. Mai 2013 und der Einspracheentscheid vom 30. August 2013 aufzuheben und die Basler zu verpflichten sei, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Eventualiter sei die Sache zur Einho- lung von weiteren medizinischen Berichten und zur anschli essenden Neubeurteilung an die Beschwerdebeklagte zurückzuweisen. Unter o/e-Kostenfolge zu lasten der Beschwerdegegne- rin. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen sinngemä ss vor, dass sich die Beschwerde- gegnerin auf unzureichende medizinische Unterlagen stütze. D. Die Basler, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer -Münch, schloss in ihrer Vernehm- lassung vom 1. November 2013 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bunde sgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Da die Beschwerdeführerin in Reinach wohnt, ist das Kantonsgericht örtlich für die Behand- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Deze mber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formge recht erhobene Beschwerde der Versi- cherten vom 26. September 2013 ist demnach einzutreten. 2. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 31. Mai 2013, die mit Einsprache- entscheid vom 30. August 2013 bestätigt wurde, den A nspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen aus der Unfallversicherung bis 2. Januar 2013 festgelegt. Streitig und zu prüfen ist, Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ob die Beschwerdeführerin über dieses Datum hinaus wei terhin Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat. 3.1 Versicherungsleistungen im Sinne von Art. 10 ff. UV G (Taggelder / Heilbehandlung / Rente) hat der Unfallversicherer nur zu erbringen, wen n zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfä higkeit) ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausa lzusammenhangs sind alle Um- stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erf olg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit e ingetreten gedacht werden kann. Entspre- chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natü rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmit telbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper- liche oder geistige Integrität der versicherten Person b eeinträchtigt hat, das Ereignis mit ande- ren Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auc h die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 119 V 337 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). 3.2 Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand ver schlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversiche rers erst, wenn der Unfall nicht die na- türliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darste llt, wenn also letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht (vgl. ALFRED MAURER , Schweizeri- sches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 474). Dies tr ifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder spä ter eingestellt hätte (status quo si- ne), erreicht ist (RKUV 1992, S. 75 E. 4b). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bede utung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachge wiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des U nfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt , liegt aber die entsprechende Beweis- last - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Un fallversicherer (RKUV 1992, S. 76 mit Hinweisen). 3.3 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer ges undheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrag e, worüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli chen Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b mit weiteren Hinweisen) zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für d ie Begründung eines Leistungsan- spruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1, 119 V 338 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). 3.4.1 Zur Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen a ngewiesen, die ihr vorab von Ärztin- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterla gen nach dem für den Sozialversiche- rungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an fö rmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi alversicherungsgericht alle Be- weismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be urteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, weshalb es auf die eine und nicht auf di e andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entsc heidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a , 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.4.2 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bund esgerichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Für die Beurteilung der Frage, ob die Basler über den 2. Januar 2013 hinaus Versiche- rungsleistungen zu erbringen hat, sind im Wesentlichen na chfolgende Berichte zu berücksichti- gen: 4.1 Dem Bericht der C.____ zuhanden des behandelnden H ausarztes Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Medizin, vom 18. April 2013 ist zu entnehmen, dass bei der Beschwerdeführe- rin ein Status nach Distorsionsverletzung des Grosszehengrundgelenks rechts vor sechs Mona- ten vorliege. Seither bestünden eine Schwellung und eine eingeschränkte Zehenheberfunktion. Die C.____ klärte ab, ob eine Sehnenläsion oder eine alte Fraktur erkennbar sei. Der Befund und die Beurteilung der Untersuchung ergaben, dass sich bei der Beschwerdeführerin eine schwere Grosszehengelenksarthrose mit grossflächig viertgrad igen Knorpeldefekten und sub- chondral ödematösen reaktiven Knochenmarkveränderungen fi nden lasse. Auch die Gelenke zwischen dem Köpfchen Metatarsale I und den plantarseit igen Sesambeinen seien betroffen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Köpfchen von Metatarsale I zeige erhebliche osteophyt äre Appositionen. Eine Fehlstellung liege nicht vor. Weiter bestünde ein unauffälliger Be fund an den Flexoren- und Extensorenseh- nen Digitale I. Es seien jedoch perartikuläre ödematö se Weichteilveränderungen und eine ge- kammerte Flüssigkeitskollektion zwischen den MTP-Gelenken Dig itale I und II im Sinne eines synovialen Ganglions bzw. einer Bursitis intermetatarsal erkennbar. 4.2 Dr. D.____ führte am 24. April 2013 zuhanden de r Basler aus, dass bei der Beschwer- deführerin eine traumatisierte Grosszehengrundgelenksart hrose rechts vorliege. Bereits am 22. April 2013 hatte er gegenüber der Klinik E.____ geäussert, dass die Beschwerdeführerin am 2. Oktober 2012 eine Distorsion der rechten Grosszehe e rlitten und sie ihn deshalb am 10. April 2013 erstmals aufgesucht habe. 4.3 Am 7. Mai 2013 führte der beratende Arzt der Besch werdegegnerin Dr. med. F.____, Allgemeine Medizin, aus, dass der Status quo ante nach Ze hengrundgelenkkontusion innert drei Monaten erreicht sei. Die weiteren Abklärungen u nd Behandlungen seien nicht mehr über- wiegend wahrscheinlich unfallkausal, sondern auf den erheblichen Vorzustand zurückzuführen. 4.4 Dr. D.____ hielt am 23. September 2013 gegenübe r der Rechtsvertreterin der Be- schwerdeführerin fest, dass er vor dem MRI vom 18. April 2013 keine Grosszehengrundge- lenkarthrose in seinen Akten festgehalten habe. Aufgru nd der Schwere der Arthrose sei er da- von ausgegangen, dass sich diese nicht innerhalb von 6 Mo naten habe entwickeln können. Er habe deshalb die Erstdiagnose „traumatisierte Grosszeheng rundgelenkarthrose rechts“ erho- ben. Ferner führte Dr. D.____ aus, dass Dr. med. G.___ _, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Klinik E.____, in seiner Erstbeurteilung am 13. Mai 2013 einen posttraumatischen Hallux rigidus des rechten Fu sses nach Anpralltrauma am 2. Oktober 2012 mit intraartikulärer Fraktur diagno stiziert habe. Die aktuell geklagten Be- schwerden seien, so Dr. D.____ weiter, mit überwiegende r Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 2. Oktober 2012 zurückzuführen, da die Beschwerdeführ erin sich ihm gegenüber vor die- sem Zeitpunkt nie über Schmerzen im rechten Fuss geäusser t habe. Die lange Dauer der Be- schwerden und Behandlung lasse sich durch die erhebliche A rthrose erklären. Die Arthrose sei naturgemäss chronisch und könne bis zum meist unausweichlich en Gelenkersatz mittels ab- schwellenden, entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt werden. Zur Frage, ob diese Arthrose als Folge des Unf alls zu verstehen sei, müsse sich Dr. G.____ äussern. 4.5 Dr. G.____ führte am 25. September 2013 aus, dass bei der Beschwerdeführerin kein Vorzustand bestanden habe und die Grosszehengrundgelenk arthrose als posttraumatisch zu verstehen sei. Die aktuell geklagten Beschwerden seien mi t überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 2. Oktober 2012 zurückzuführen. Die lange Dauer der Beschwerden und der Behandlung seien aufgrund der verpassten intraartikulären Fraktur, welche eine Reizung verur- sacht habe, und durch die posttraumatische Arthrose erklärbar. 5.1 Gestützt auf die Ausführungen ihres beratenden Arzt es Dr. F.____ vom 7. Mai 2013 kam die Basler in ihrem Einspracheentscheid vom 30. Augu st 2013 zum Schluss, dass kein Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 2. Oktober 2012 und den über den 2. Januar 2013 hinaus geklagten Beschwerden am rechten Fuss vorliege. Die Beschwerdefüh- rerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass der natürliche Kausalzusammenhang zu bejahen sei. 5.2 Eine Würdigung der medizinischen Unterlagen ergib t, dass eine zuverlässige Beurtei- lung der streitigen Sache gestützt auf die vorstehend en Berichte nicht möglich ist. Fest steht, dass die Beschwerdeführerin am 2. Oktober 2012 auf einer Treppe stolperte und sich dabei die rechte Grosszehe verletzte. Nachdem die Schmerzen persistiert en, suchte sie im April 2013 ihren Hausarzt Dr. D.____ auf, der eine MRI-Untersuchu ng veranlasste, welche am 18. April 2013 durchgeführt wurde. Die Beschwerdegegnerin legte den MRI-Bericht der C.____ vom 18. April 2013 ihrem beratenden Arzt Dr. F.____ vor. Am 7. Mai 2013 nahm er dazu Stellung und führte unter Hinweis auf die schwere Grosszehengrundgelenkarthrose, Osteophytien, intak- te Sehnen und eine Begleitbursitis aus, dass der Statu s quo ante drei Monate nach dem Ereig- nis erreicht sei und die nunmehr geltend gemachten Be schwerden nicht mehr unfallkausal sei- en. Dieser Begründung kann nicht gefolgt werden, ent spricht sie doch keineswegs den recht- sprechungsgemäss geforderten Anforderungen an einen med izinischen Bericht (vgl. E. 3.4.2). Allein die Tatsache, dass Dr. F.____ beratender Arzt de r Beschwerdegegnerin ist, relativiert die Aussagekraft seiner Beurteilung zwar nicht grundsätzlich u nd lässt auch nicht auf mangelnde Objektivität oder auf Befangenheit schliessen. Hingegen liegen Indizien vor, die gegen die Zu- verlässigkeit seiner Beurteilung sprechen. So wiederhol te Dr. F.____ nur die bereits bekannten Diagnosen und kam zum Schluss, dass der Status quo ante sp ätestens drei Monate nach dem Ereignis vom 2. Oktober 2012 erreicht sei. In seinem Beri cht legt er jedoch nicht dar, weshalb die unfallbedingte Heilbehandlung der Verletzung an der Grosszehe und die in der Folge persis- tierenden Beschwerden lediglich drei Monate in Anspru ch genommen hätten. Seine knappe Einschätzung der medizinischen Situation ist - entgegen d en Ausführungen der Beschwerde- gegnerin - weder schlüssig noch nachvollziehbar, weshalb da rauf nicht abgestellt werden kann. Dieser Schluss drängt sich insbesondere auch unter Berücksich tigung der Tatsache auf, dass die Beschwerdeführerin bereits in ihrer E-Mail vom 17. Mai 2013 - und damit vor Erlass der Ver- fügung vom 31. Mai 2013 - der Beschwerdegegnerin mit teilte, die zwischenzeitlich erfolgten Untersuchungen hätten ergeben, dass sie sich am 2. Oktob er 2012 das Grosszehengrundge- lenk gebrochen habe und die nunmehr beklagten Beschwerd en auf diesen Umstand zurückzu- führen seien. Da dem Bericht der C.____ vom 18. Apri l 2013 kein Hinweis auf eine Fraktur des Grosszehengrundgelenks zu entnehmen ist, hätte die Beschwer degegnerin aufgrund der ihr obliegenden Untersuchungspflicht im Sinne von Art. 43 A bs. 1 ATSG den medizinischen Sach- verhalt weiter abklären und die Angaben der Beschwerdeführerin überprüfen müssen. 5.3 Schliesslich ist festzustellen, dass auch die Berichte der behandelnden Ärzte (Dres. D.____ und G.____) nicht überzeugen und nicht al s Entscheidgrundlage dienen können. Dr. D:____ begründete die Kausalität der Beschwerden i n erster Linie damit, dass vor dem Un- fall keine Beschwerden bestanden haben. Er legte seiner Argumentation somit die Formel "post hoc, ergo propter hoc" zu Grunde, nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, was aber unzulässig ist (vgl. dazu auch M AURER , a.a.O., S. 460, N 1205). Dr. G.____ Feststellung, wo- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach die Beschwerdeführerin am 2. Oktober 2012 eine i ntraartikulärer Fraktur erlitten habe, widerspricht den Angaben im Bericht der C._____ vom 18. April 2013. Allerdings ist unklar, ob Dr. G.____ diese Unterlagen bei seiner Untersuchung zur Verfügung standen. Es erstaunt aber, dass er anlässlich seiner Erstkonsultation vom 13. Mai 2013 (vgl. Angaben im Bericht von Dr. D.____ vom 23. September 2013) einen Bruch festst ellte, nachdem ein solcher anlässlich der MRI-Untersuchung vom 18. April 2013 ausgeschlossen wur de. Das Ergebnis von Dr. G.____ ist daher nicht nachvollziehbar. Zudem stützt auch er seine Beurteilung auf die un- zulässige Beweisregel „post hoc, ergo propter hoc“, weshal b nicht auf seine Ausführungen ab- gestellt werden kann. 6.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der medizinische S achverhalt weiterer Abklä- rungen bedarf, da er namentlich in Bezug auf die Ursäch lichkeit der geklagten Beschwerden nicht genügend Aufschluss gibt und widersprüchlich ist. 6.2 Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung könn en die Sozialversicherungs- gerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Strei tsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielme hr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskrä ftig ist (vgl. BGE 137 V 263 ff. E. 4.4.1 ff). Da die Beschwerdegegnerin nicht alle no twendigen Abklärungen zur Beurteilung der natürlichen Kausalität vorgenommen hat und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte medizinische Abklär ungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz auch unter Berücksichtigung de r neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts nichts entgegen. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung des angefoch- tenen Einspracheentscheids vom 30. August 2013 zur weit eren Abklärung an die Beschwerde- gegnerin zurückzuweisen. Diese hat die Beschwerdeführerin insbesondere in Bezug auf die Frage, ob die noch bestehenden Beschwerden im Bereich der rechten Grosszehe natürlich kausal zum Unfallereignis vom 2. Oktober 2012 sind, von e iner unabhängigen Ärzteschaft un- tersuchen zu lassen. Gestützt auf die Ergebnisse der Ak tenergänzung wird die Beschwerde- gegnerin über die Ansprüche der Beschwerdeführerin neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde führ ende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt un d ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schw ierigkeit des Prozesses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts ist unter Obsiegen im Streit um eine Leistung in der Sozialversicherung nicht nur das materielle Obsiegen in dem Sinne zu verstehen, dass die Be- schwerde führende Person die beantragte Leistung erhäl t. Vielmehr genügt für den bundes- rechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem Sinne, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass der Beschwerde führenden Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und der Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur wei teren Abklärung und neuen Beurtei- lung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leist ung gewahrt bleiben (ZAK 1987, S. 266 ff.). Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Basler zurückzuweisen ist, hat diese der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. In ihrer Honorar note vom 26. November 2013 hat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin einen Aufwand von 6.41 Stunden und Auslagen in Höhe von Fr. 48.-- geltend gemacht, was angemessen ist. B ei einem praxisgemässen Stun- denansatz von Fr. 250.-- hat die Basler der Beschwerdeführerin demnach eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 1‘784.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 30. August 2013 aufgehoben und die Angelegenheit zu weiteren Ab- klärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1‘784.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu entrichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht