Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Februar 2013 (725 12 321) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Massgeblicher Zeitpunkt der Rentenerhöhung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Markus Mat tle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin i.V. Michèle Trottmann Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch N icolai Fullin, Advokat, indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1950, war als B-Monteur bei der B .____ in einer Vollzeitstelle ange- stellt und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsans talt (SUVA) gegen Unfallfolgen obli- gatorisch versichert, als er am 27. Juli 1972 auf einer T reppe stürzte und dabei eine Distorsion des rechten Kniegelenks erlitt. Am 9. November 1975 zog sich der Beschwerdeführer beim Ballspiel erneut eine Knieverletzung rechts zu. Die SUVA erbrachte in beiden Fällen Versiche- rungsleistungen . Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach mehreren Rückfällen und nachdem A.____ am 24. Ok tober 2002 eine Knietotalprothese rechts eingesetzt worden war, sprach die SUVA ihm mit Ve rfügung vom 11. Juni 2004 eine Rente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 21 % sowie ein e Integritätsentschädigung entspre- chend einer Integritätseinbusse von 12 % zu. Mit Urteil vom 23. Mai 2006 setzte das von A.____ angerufene Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt den Invaliditätsgrad auf 26 % fest, während es die Beschwerde im Übrigen abwies. B. Im Sommer 2009 machte A.____ einen weiteren Rückf all geltend. Es wurden diverse Untersuchungen und am 12. Mai 2010 eine Kniegelenksar throskopie und Biopsie rechts durch- geführt. Am 7. September 2010 fand eine Entfernung der Knie-Totalprothese statt; eine neue Prothese wurde am 11. November 2010 wieder eingesetz t. Mit der kreisärztlichen Untersu- chung durch Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, vom 24. N ovember 2011 wurden die Untersu- chungen abgeschlossen. Mit Verfügung vom 4. Mai 2012 erhöhte die SUVA die seit dem 1. Juni 2004 bestehende Invali- denrente von 26 % auf 31 %. Die Veränderung gegenübe r der bestehenden Rente von 26 % sei erheblich, da sie 5 % betrage. Die Rentenerhöhung erfolge per 1. Dezember 2011. C. Am 4. Juni 2012 erhob A.____, vertreten durch Nicol ai Fullin, Advokat, Einsprache ge- gen die Verfügung der SUVA. Am 17. September 2012 erging der Einspracheentscheid d er SUVA, mit welchem die Einspra- che abgewiesen wurde. Die SUVA führte aus, dass, da der Behandlungsabschluss auf Ende November 2011 festgesetzt werden könne, es sich als korrekt erweise, die Rentenerhöhung auf den Beginn des folgenden Monats, also den 1. Dezember 2011, vorzunehmen. Ausserdem sei- en die Rückenbeschwerden nicht der Grund für den seit Dezember 2005 gegenüber der Invali- denversicherung bestehenden Rentenanspruch. Es seien in unf allbedingter Hinsicht allein die Kniebeschwerden rechts zu berücksichtigen. D. Am 19. Oktober 2012 reichte A.____, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, gegen den Einspracheentscheid vom 17. September 2012 Beschwerde be im Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgeri cht), ein. Es wurden die Rechts- begehren gestellt, es sei die Beschwerdegegnerin zu verp flichten, dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente mit einem Invaliditätsgrad von mehr al s 31 % ab einem noch zu ermittelnden Zeitpunkt vor dem 1. Dezember 2011, spätestens aber ab November 2009, zu leisten. Eventua- liter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weite re Abklärungen über den Arbeitsunfähig- keitsgrad und den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu tä tigen; unter o/e-Kostenfolge. Im Wesentli- chen wurde vorgebracht, die Abklärungen der Beschwerdege gnerin seien unvollständig; es be- stünden ausserdem erhebliche Zweifel an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Kreisarzt im Bericht vom 24. November 2011. Zudem sei die Rentenerhöhung mit Wirkung ab Eintritt des verschlechterten Gesundheitszustands zu gewäh ren. Da der Rückfall bereits im Sommer 2009 eingetreten sei, erweise sich eine Erhöhun g der Rente per Dezember 2011 als zu spät. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Am 19. Dezember 2012 liess sich die SUVA, vertreten durch Andrea Tarnutzer-Münch, Advokat, zur Beschwerde vom 19. Oktober 2012 vernehmen. Es wurde das Rechtsbegehren gestellt, es sei die Beschwerde samt allen Beweisanträgen vollumfänglich abzuweisen und es sei der Einspracheentscheid vom 17. September 2012, womi t die Verfügung der Beschwerde- gegnerin vom 4. Mai 2012 geschützt werde, zu bestätigen. Es könne festgehalten werden, dass der Zeitpunkt für das Einsetzen der revidierten Invalide nrente ab dem 1. Dezember 2011 nicht zu beanstanden sei und auch der berechnete Invaliditätsgrad von 31 % korrekt sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 Ab s. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 und Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) v om 20. März 1981 kann gegen Ein- spracheentscheide der Unfallversicherer beim zuständigen ka ntonalen Versicherungsgericht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 ATSG das Versi- cherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versichert e Person zur Zeit der Beschwerde- erhebung ihren Wohnsitz hat. Gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht Basel-Landschaft als einzige gerichtliche Instanz des Kant ons Beschwerden gegen Einspra- cheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATS G. Es ist somit sachlich und örtlich für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständ ig. Auf die frist- und formgerecht er- hobene Beschwerde ist einzutreten. 2.1.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, w enn sie infolge des Unfalls zu mindes- tens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustan ds der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederu ngsmassnahmen der Invalidenversiche- rung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleis- tungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die ver sicherte Person durch den Unfall eine dau- ernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rent enanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1.2 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu min destens 10 % invalid, so hat sie An- spruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Al s Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern de ganze oder teilweise Erwerbsunfähig- keit. Diese wiederum entspricht dem durch Beeinträchti gung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Art. 16 AT SG schliesslich hält fest, dass die Be- stimmung des Invaliditätsgrads bei erwerbstätigen Versi cherten anhand eines Einkommensver- gleichs zu erfolgen hat. Wie das damalige Eidgenössische V ersicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche Abteilungen des Bund esgerichts) aufgezeigt hat, brachte das ATSG hinsichtlich der unfallversicherungsrechtlichen Invalid itätsbemessung keine substanziel- len Änderungen gegenüber der bis zum 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Normenlage. Die im ATSG enthaltenen Definitionen der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG), der Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG) und der Invalidität (Art. 8 ATSG) entsp rechen ebenso wie die Vorschrift über die Bestimmung des Invaliditätsgrads (bei erwerbstätigen Ver sicherten; Art. 16 ATSG) den bisheri- gen, in der Unfallversicherung von der Rechtsprechung da zu entwickelten Begriffen und Grundsätzen. Die zur altrechtlichen Regelung ergangene Judikatur bleibt deshalb weiterhin massgebend (RKUV 2004 Nr. U 529 S. 573 ff. E. 1.2-1.4 ; Urteil des EVG vom 28. Juli 2004, U 12/04, E. 1.2). 2.2.1 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversichere r grundsätzlich nur unter der Voraus- setzung aufzukommen, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, I ntegritätsschädigung) ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusam- menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. n icht zur gleichen Zeit eingetreten ge- dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall di e alleinige oder unmittelbare Ursa- che gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige In tegrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht w eggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (B GE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitl ichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zus ammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.2.2 Um eine Leistungspflicht des Unfallversicherers beg ründen zu können, muss zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nur ein natürlicher, son- dern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. N ach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahr ung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eint ritt dieses Erfolges also durch das Ereig- nis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2). Der Voraussetzung des adäqua- ten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b). Ob bei Vorli egen eines natürlichen Kausalzusam- menhangs zwischen dem versicherten Ereignis und der einget retenen gesundheitlichen Schä- digung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtser hebliche Kausalzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Pra xis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). Die Adäquanz spie lt als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haft ung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127 V 103 E. 5b/bb). 2.2.3 Versicherungsleistungen werden gemäss Art. 11 der Verordnung über die Unfallversi- cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 auch für Rückfäll e und Spätfolgen gewährt. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer ve rmeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar z u (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar g eheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krank- heitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen schli essen somit begrifflich an ein bestehen- des Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistu ngspflicht des (damaligen) Unfall- versicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesu ndheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Nur wenn die Unfallkausalität mi t überwiegender Wahrscheinlichkeit er- stellt ist, entsteht eine erneute Leistungspflicht des Un fallversicherers; dabei sind an den Wahr- scheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stelle n, je grösser der zeitliche Ab- stand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundhe itlichen Beeinträchtigung ist (SVR 2005 MV Nr. 1 S. 1, M 1/02 E. 1.2; RKUV 1997 Nr. U 275 S. 188, U 93/96 E. 1c am Ende; Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_237/2009, E. 3.3). 2.3 Im Zusammenhang mit der Beurteilung des Rentenans pruchs des Versicherten ist zu prüfen, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer unfallb edingt arbeitsunfähig ist. Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leiste n (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe der Ä rztin bzw. des Arztes ist es, den Ge- sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehm en, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits unfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hin- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht weisen). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellung nahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialver si- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es mit d em Grundsatz der freien Be- weiswürdigung vereinbar, in Bezug auf bestimmte Forme n medizinischer Berichte und Gutach- ten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen ( vgl. die ausführlichen Zusammenstellun- gen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zah lreichen Hinweisen). So ist den im Rah- men des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten exte rner Spezialärztinnen und -ärzte, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Bef unde zu schlüssigen Ergebnissen gelan- gen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 12 5 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hin- weisen). Diese Beweiskraft gilt gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch für Beur- teilungen durch angestellte versicherungsinterne Arztpersonen, soweit die Berichte und Gutach- ten schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit vorliegen (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Jedoch sind die- se Kriterien bei versicherungsinternen Beurteilungen da nn nicht mehr erfüllt, wenn auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit d er ärztlichen Angaben bestehen (Ur- teil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/200 9, E. 3.2 mit Verweis auf BGE 122 V 157 E. 1d). 4.1 Im vorliegenden Fall stützt sich die SUVA auf den B ericht der kreisärztlichen Untersu- chung durch Dr. C.____ vom 24. November 2011. Dieser führt aus, dass sich die Belastbarkeit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht des rechten Kniegelenks verglichen mit dem Zustand nach de r primären Prothesenimplantation 2003 vermindert habe, weshalb die Zumutbarkeit neu be urteilt werden müsse. Aktuell sei dem Versicherten rein aufgrund des rechten Kniegelenks eine ü berwiegend sitzende Tätigkeit mit kurzen stehenden oder ebenerdig gehenden Intervallen ganztags zumutbar. Nicht mehr möglich seien Tätigkeiten in Zwangshaltung des rechten Kniegelenks wie kauernder oder kniender Stel- lung, ebenfalls seien Tätigkeiten auf Leitern, Gerüste n oder anderen absturzgefährdeten Positi- onen nicht mehr zumutbar. Der Integritätsschaden habe si ch verglichen mit der Erstbeurteilung nicht verändert. 4.2 Die SUVA bestreitet nicht, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers hinsichtlich seines rechten Knies einge treten ist. Sie erhöhte deshalb mit Verfügung vom 4. Mai 2012 die seit dem 1. Juni 2004 be stehende Invalidenrente von 26 % ab dem 1. Dezember 2011 auf 31 %. Der Beschwerdeführer macht nun geltend, dass nicht nur das Leiden am rechten Knie, sondern auch seine Rückenbeschwer den kausal zum Unfall vom 27. Juli 1972 bzw. vom 9. November 1975 seien und desh alb ein höherer Invaliditätsgrad vor- liegen würde. Er bringt vor, dass es sich bei diesen Rücke nschäden um Folgeschäden aus der einseitigen Belastung aufgrund des verletzten rechten K nies handeln würde. Die SUVA hinge- gen stellt sich auf den Standpunkt, dass sich keine Anhaltsp unkte dafür fänden, dass die Rü- ckenbeschwerden Folge einer einseitigen Belastung seien; diese seien auch nicht der Grund für den seit Dezember 2005 gegenüber der Invalidenversicherung bestehenden Rentenanspruch. 4.3 Den diversen medizinischen Berichten ist hinsichtlich de s geklagten Rückenleidens nichts zu entnehmen. Einzig der Bericht der D.____ vom 6. Mai 2009 sowie der vom Beschwer- deführer vorgebrachte Bericht der D.____ vom 7. Mai 20 12, in welchem eine Diskopathie be- schrieben wird, äussern sich zu den Rückenbeschwerden. Im Sch reiben vom 25. Mai 2012 zieht Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, den Schluss, dass die rechtsseitigen Beinschmerzen keinen Zusammenhang mit einem Rückenleiden hätten, sondern durch Fehlbe- lastung erklärbar seien. Die vom Beschwerdeführer vorgeb rachte einseitige Belastung ist aller- dings vor dem Hintergrund des Berichts der F.____ vom 14. September 2009 zu sehen, wel- cher dem Beschwerdeführer ein "auffälliges Demonstrationsverhalten" attestiert. Im Bericht wird ausgeführt, dass das Gangbild des Beschwerdeführers in beo bachteten Situationen rechts hin- kend gewesen sei, während in vermeintlich unbeobacht eten Situationen das Gangbild zügig, ohne Hinkkomponente und ohne Auffälligkeiten beobachte t habe werden können. Darüber hin- aus habe sich neben der Inkonstanz der Befunde auch eine Diskrepanz zwischen den subjektiv beklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden bzw. dem Verhalten und den Be- wegungsmustern des Patienten gezeigt. Auch der Kreisarzt b erichtet bei seiner Untersuchung vom 24. November 2011 von "leichtem Schonhinken rechts". Ob überhaupt eine Fehlbelastung vorliegt, wenn das Gangbild des Beschwerdeführers in verm eintlich unbeobachteten Situatio- nen keinerlei Auffälligkeiten zeigt, ist zumindest zweifelhaft. Festzuhalten ist, dass die Kausalität der geklagten Rückenbeschwerden zum Unfallereignis vom 2 7. Juli 1972 bzw. vom 9. Novem- ber 1975 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nac hgewiesen werden kann. Somit liess der Kreisarzt die Rückenbeschwerden bei der Beurteilun g vom 24. November 2011 zu Recht ausser Betracht. Diese wurden deshalb - wie schon bere its am 17. August 2009 - korrekterwei- se als unfallfremd taxiert. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Es ist sodann nicht ersichtlich, weshalb auf den Beri cht des Kreisarztes Dr. C.____ vom 24. November 2011 nicht abgestellt werden kann, zumal di e Anforderungen, welche die Recht- sprechung an ein ärztliches Gutachten stellt (E. 3.1 ff.) vorliegend erfüllt sind. Der Beschwerde- führer vermag denn auch nicht zu begründen, weshalb die Einschätzung durch den Kreisarzt in Zweifel zu ziehen sei. Nach der Rechtsprechung sind an die Beweiswürdigung strenge Anforde- rungen zu stellen, wenn allein gestützt auf eine versi cherungsinterne ärztliche Beurteilung ent- schieden wird. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen medizinischen Feststellungen, so sind e rgänzende Abklärungen vorzu- nehmen (BGE 135 V 465 E. 4, Urteil des EVG vom 26. Ja nuar 2007, U 365/06, E. 4.1, Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2012, 8C_685/2012, E . 4.2.1). Vorliegend sind keine Zweifel an der Einschätzung des Kreisarztes auszumachen. Dass die SUVA in ihrer Verfügung vom 4. Mai 2012 auf den genannten Kreisarztbericht abstellte, ist somit nicht zu beanstanden. 5.1 Zu prüfen ist weiter, ob die SUVA den Invalidität sgrad des Beschwerdeführers korrekt ermittelte. Gemäss Art. 16 ATSG wird zur Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In validität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k önnte, in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht inv alid geworden wäre. Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzie lbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln. Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarkes ist dabei ein theoretisch-abstrakter Begriff, der als Un terscheidungskriterium zwischen dem Leistungsbereich der Arbeitslosenversicherung und der Invalidenversicherung dient. Der Begriff beinhaltet einerseits ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage an Arbeits- kräften; andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fä- cher verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten intel- lektuellen Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körpe rlichen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4b). Soweit der Wegfall des Einkommens nicht auf ge sundheitliche, sondern auf konjunktu- relle Gründe zurückzuführen ist, liegt keine Invalidität vor (U ELI KIESER , ATSG - Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Rn 24 zu Art. 16). Es ist für die Invaliditätsbemessung also nicht darauf abzustellen, ob die versicherte Person unter den konkreten Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt vermittelt werden kann, sondern darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaft- lich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätz e dem Angebot an Arbeitkräften entspre- chen würden (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Oktober 200 9, 9C_82/2009, E. 5.5). Die Ver- wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist nur dann zu ve rneinen, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt prak- tisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittli- chen Arbeitgebers möglich wäre (Urteil des EVG vom 10. M ärz 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hin- weisen). 5.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist auch das fortgeschrittene Alter, ob- gleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, ein Kriterium, welches zusammen mit den weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die dem Versicherten ver- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht bliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar beitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird. Ist die Resterwerbsfähigkeit i n dem Sinne nicht mehr verwertbar, liegt vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die zum Anspruch auf eine ganze Invalidenrente führt (Ur- teil des Bundesgerichts vom 10. Februar 2010, 9C_979/2009, E. 3.1). Der Einfluss des Lebens- alters auf die Verwertbarkeit des verbliebenen Leistun gsvermögens auf dem allgemeinen Ar- beitsmarkt lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel b emessen, sondern hängt von den Umständen des Einzellfalls ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund- heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellu ngs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die Persönlichkeitsstruktur, vor handene Begabungen und Fer- tigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anw endbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008, E. 4.2.1). 5.3 Das Valideneinkommen wurde vorliegend von der SUV A gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers vom 14. Februar 2012 ermittelt und auf Fr. 76'180.-- festgesetzt. Da die Ermittlung des Vali deneinkommens vom Beschwerdeführer nicht beanstandet wurde und zudem korrekt erfolgte, e rübrigen sich weitere Ausführungen hier- zu. 5.4 Das Invalideneinkommen ermittelte die SUVA mittels Lohnangaben aus der Dokumenta- tion von Arbeitsplätzen (DAP). Unter dieser Bezeichnun g führt die SUVA eine laufend aktuali- sierte Dokumentation, die Beschreibungen von in der Wir tschaft konkret vorhandenen Arbeits- plätzen mit Angaben zu den ausbildungsmässigen und körp erlichen Anforderungen und zum Einkommen enthält. Diese Dokumentation dient der Inva liditätsbemessung anhand konkreter und zumutbarer Arbeitsmöglichkeiten. Im Entscheid 129 V 472 ff. hat sich das EVG ausführlich mit der Invaliditätsbemessung aufgrund von Arbeitsplatzbeschreibungen aus der von der SUVA geschaffenen DAP befasst und festgestellt, dass die für die Invaliditätsbemessung herangezo- genen DAP-Profile im konkreten Einzelfall repräsentat iv sein müssen. Es genügt daher nicht, wenn lediglich ein einziger oder einige wenige zumutba re Arbeitsplätze angegeben werden, weil es sich dabei sowohl hinsichtlich der Tätigkeit als a uch des bezahlten Lohnes um Sonder- oder Ausnahmefälle handeln kann. Vielmehr muss der Unf allversicherer mindestens fünf DAP- Blätter auflegen, damit die Repräsentativität der DAP -Profile als gegeben betrachtet werden kann. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der auf Grund der gegebenen Behinderung der versicherten Person in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den Tiefstlohn sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Gruppe. Dadurch wi rd eine hinreichende Überprüfung des dem Unfallversicherer bei der Auswahl der DAP-Blätter zu stehenden Ermessens ermöglicht. Sind die erwähnten verfahrensmässigen Anforderungen ni cht erfüllt, kann nicht auf den DAP- Lohnvergleich abgestellt werden (zitiertes Urteil, E. 4.2.2; vgl. auch die Urteile vom 14. Oktober 2003, U 347/00, E. 2.3.1 und vom 20. Oktober 2003, U 392/00, E. 5.2.2). 5.5 In ihrer Verfügung vom 4. Mai 2012 führte die SU VA aus, gestützt auf die kreisärztliche Untersuchung vom 24. November 2011 seien dem Beschwerdeführer mit den rein unfallbeding- ten Kniebeschwerden rechts überwiegend sitzende Tätigkei ten ganztags zumutbar. In Frage Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht kämen etwa leichte Montage- und Produktionsarbeiten m it Kleinteilen sowie Kontroll- und Überwachungsfunktionen. Vorliegend ermittelte die SU VA das Invalideneinkommen aufgrund der DAP und legte hierzu im Verwaltungsverfahren insg esamt fünf DAP-Blätter auf (DAP- Nr. 697, 1'767, 9'766, 10'390 und 732'981). Gestützt auf die darin enthaltenen Lohnangaben bezifferte sie das massgebliche Invalideneinkommen mit Fr. 52'653.-- pro Jahr. Darüber hinaus machte sie Angaben über die Gesamtzahl der auf Grund d er gegebenen Behinderung des Be- schwerdeführers in Frage kommenden dokumentierten Arbe itsplätze (insgesamt 62 DAP), über den dabei erzielbaren Höchstlohn (Fr. 80'665.--), übe r den Tiefstlohn (Fr. 42'250.--) sowie über den Durchschnittslohn der dem verwendeten Behinderungsp rofil entsprechenden Gruppe (Fr. 51'977.20). Der Durchschnittslohn wurde schliesslich a n die Teuerung angepasst. Die dar- aus resultierende Berechnung des Invalideneinkommens durch die Vorinstanz ist nicht zu be- anstanden. Der Beschwerdeführer vermag auch nicht aufzu zeigen, inwiefern die ausgewählten DAP-Arbeitsplätze dem Zumutbarkeitsprofil widerspreche n sollten. Der Sprechstundenbericht von Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa- rates, vom 1. Juni 2012, vermag daran nichts zu ändern, denn die Aussage, die Erhöhung des Rentenanspruchs um lediglich 5 % entspreche nicht der Ge samtsituation des Beschwerdefüh- rers, ist nicht begründet, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. 5.6 Auch eine Kontrollrechnung zur Ermittlung des In valideneinkommens mittels Angaben der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik führt zu keinem anderen Ergebnis. Wenn man für die Berechnung des Inva lideneinkommens die Angaben der LSE für das Jahr 2008, Tabelle A1, Männer im Anforde rungsniveau 4, Total, heranzieht (Fr. 4'806.--), eine Anpassung an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stun- den (Die Volkswirtschaft, 4-2012, Tabelle 9.2, Total, S . 94) vornimmt und schliesslich bis ins Jahr 2012 aufteuert, so ergibt sich ein massgebliches Invali deneinkommen von Fr. 61'993.-- jährlich. Bei einem aufgrund des Alters des Beschwerdefü hrers angezeigten leidensbedingten Abzug von 15 % resultiert ein massgebliches Invalidenein kommen von Fr. 52'699.--, welches mit dem von der SUVA mittels DAP errechneten Invalidene inkommen beinahe exakt überein- stimmt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Berechn ung des von der SUVA ermittel- ten Invaliditätsgrads von 31 % korrekt erfolgte. 6.1 Streitig ist sodann der Zeitpunkt, ab welchem die R entenerhöhung erfolgen soll. Der Beschwerdeführer stellt das Rechtsbegehren, es sei ihm ab einem noch zu ermittelnden Zeit- punkt vor dem 1. Dezember 2011, spätestens aber ab Nove mber 2009, die erhöhte Rente zu leisten. Eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustan ds sei spätestens im August 2009 eingetreten und damit seien die Revisionsvoraussetzungen nach Art. 17 ATSG bereits in jenem Zeitpunkt erfüllt gewesen. Der Beschwerdegegnerin sei spätestens mit Zustellung der entspre- chenden Berichte eine verschlechterte gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers mitge- teilt worden. Nehme man an, dass die Verschlechterung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im August 2009 eingetreten sei, so hätte der Beschwerd eführer spätestens ab November 2009 Anspruch auf eine erhöhte Rente, da dann eine mehr a ls drei Monate dauernde Verschlechte- rung bestanden habe. Die SUVA hingegen führt aus, da ss man erst zum Zeitpunkt der kreis- ärztlichen Untersuchung vom 24. November 2011 über die Rentenrevision habe entscheiden können, da man zuvor noch keine genaue Kenntnis über den Gesundheitszustand gehabt ha- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht be. Es sei somit nicht zu beanstanden, dass die Renten erhöhung erst ab 1. Dezember 2011 gewährt worden sei. 6.2 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Invaliditätsr enten für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditä tsgrad in einer für den Anspruch er- heblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt j ede wesentliche Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditä tsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesund- heitszustands der versicherten Person. Darüber hinaus ist d ie Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit H inweisen). Dagegen stellt die bloss un- terschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesen tlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich all ein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bund esgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.1 mit Hinweis). 6.3 Die Frage, ob eine für die revisionsweise Veränderu ng des Invaliditätsgrads relevante Änderung der tatsächlichen Verhältnisse vorliegt, beurte ilt sich durch den Vergleich des Sach- verhaltes im Zeitpunkt, in welchem die Rente rechtskräf tig gewährt bzw. materiell bestätigt wor- den ist, mit dem Sachverhalt im Zeitpunkt der Neubeurte ilung (BGE 109 V 265 E. 4a; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2 003, S. 254 Rn 5; K IESER , a.a.O., Rn 14 zu Art. 17). Ferner muss die Veränderung der Verhältnisse erheblich, d.h. hin- sichtlich der Auswirkungen auf den Invaliditätsgrad rente nwirksam sein (LOCHER , a.a.O, S. 255 Rn 8; K IESER , a.a.O., Rn 15 zu Art. 17). Im zu beurteilenden Fal l ist, wie bereits ausgeführt (E. 4.2), unstreitig, dass eine Rentenerhöhung zu erfol gen hat, da die Veränderung gegenüber der bestehenden Rente erheblich ist. 6.4 Es stellt sich jedoch die Frage, welcher Zeitpunkt fü r die Rentenanpassung relevant ist. Der Gesetzgeber hat in Art. 17 Abs. 1 ATSG die zeitlich e Wirkung der Anpassung offen um- schrieben. Klargestellt hat er mit der Formulierung "f ür die Zukunft" jedoch immerhin, dass er eine vor den Zeitpunkt der Veränderung zurückgehende Anpassung ausschliessen will (KIESER , a.a.O., Rn 32 zu Art. 17). In Frage kommen für die Fe stlegung des Anpassungszeitpunkts der Eintritt der massgebenden Sachverhaltsänderung, der f ür die Anpassungsüberprüfung vorge- sehene Termin, der Zeitpunkt des Gesuchs der rentenbezieh enden Person, der Zeitpunkt des Entscheids über die Anpassung oder ein zeitlich dem Anp assungsentscheid folgender Zeit- punkt. Es kann sich also jedenfalls so verhalten, dass mit d er Anpassungsverfügung die ent- sprechende Leistung auch rückwirkend angepasst wird (vgl. d azu etwa Art. 88bis Abs. 2 lit. b der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961; K IESER , a.a.O., Rn 32 zu Art. 17). 6.5 Im Gegensatz zur Unfallversicherung gibt es für den Bereich der Invalidenversicherung spezielle Anpassungsregelungen in der IVV, welche die zeitlichen Wirkungen für einzelne Sach- verhalte festlegen. So bestimmt unter anderem Art. 88a Abs. 2 IVV, dass eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu berücksichti- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen ist, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat. Das Bundesge- richt hat die Frage der zeitlichen Wirkung einer Rent enanpassung in der Unfallversicherung bisher noch nicht abschliessend beantwortet. Im Urteil vom 30. Juni 2011, 8C_301/2011, E. 3.5 hat es im Falle einer Meldepflichtverletzung stillschwe igend eine rückwirkenden Rentenaufhe- bung angenommen. In den Urteilen vom 8. August 2011, 8C_90/2011, E. 8.7 und vom 3. No- vember 2011, 8C_573/2011, E. 5.2 liess es offen, ob die gegenüber Art. 17 Abs. 1 ATSG stren- gere Regelung von Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV in der Unfallversicherung analog anzuwenden ist. Bei beiden Fällen ging es um eine Rentenaufhebung u nd nicht wie vorliegend um eine Renten- erhöhung. Gestützt auf die bundesgerichtlichen Rechtspr echung ist folglich nicht ersichtlich, welches der für eine Rentenerhöhung relevante Zeitpunkt im Bereich der Unfallversicherung ist, jedoch ist eine rückwirkende Rentenanpassung nicht ausgeschlossen. Anzumerken bleibt, dass sich die zu beantwortende Frage in dieser Form ledigli ch dann stellt, wenn - wie im vorliegen- den Fall - für die Dauer der Heilbehandlung keine Taggeldleistungen ausgerichtet wurden. 6.6 Den Akten lässt sich entnehmen, dass der vorliegende si ebte Rückfall des Beschwerde- führers wegen vermehrter Kniebeschwerden rechts im Somme r 2009 geltend gemacht wurde, woraufhin am 10. August 2009 mit Bericht von Dr. H.__ __ sinngemäss ein Gesuch um Renten- prüfung eingereicht wurde. Dr. H.____ ersuchte darin die Kollegen der SUVA um Beurteilung der Sachlage und Kostengutsprache. Im Anschluss wurden d iverse Untersuchungen und am 12. Mai 2010 eine Arthroskopie des rechten Kniegelenks und eine Biopsienentnahme bei Ver- dacht auf Low grade-Infekt durchgeführt. Am 7. Septem ber 2010 fand eine Entfernung der Knieprothese statt, da diese sich gelockert hatte. Eine neue Prothese wurde am 11. November 2010 wieder eingesetzt. Bis zur kreisärztlichen Abschlussunt ersuchung vom 24. November 2011 verging ein weiteres Jahr. 6.7 Aufgrund dieses Sachverhalts wird deutlich, dass de r Prothesenwechsel am 7. Septem- ber 2010 infolge des verschlechterten Gesundheitszustand es notwendig wurde. Demzufolge muss sich die gesundheitliche Situation des Versicherten vor diesem Eingriff massgebend ver- schlechtert haben. Das Vorgehen der SUVA, den Zeitpunkt für die Rentenerhöhung auf den Moment der kreisärztlichen Untersuchung (= November 2011) festzusetzen, lässt damit den Umstand unberücksichtigt, dass die wesentliche Gesundheitsverschlechterung bereits zu einem früheren Zeitpunkt eintrat und vom Beschwerdeführer au ch geltend gemacht wurde. Das Ge- richt ist bei der Frage, auf welchen Zeitpunkt für die Rentenerhöhung abzustellen ist, zum Schluss gekommen, dass keine sachlichen Gründe gegen eine analoge Anwendung der IV- rechtlichen Bestimmung des Art. 88a Abs. 2 IVV auf den vorliegenden unfallversicherungsrecht- lichen Fall entgegenstehen. Gemäss dieser Bestimmung ist eine Verschlechterung der Er - werbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesent liche Unterbrechung drei Monate gedauert hat. Die Anwendung dieser Regelung erweist si ch als zutreffend, da bei einer Ver- schlechterung, welche drei Monate gedauert hat, davon auszugehen ist, dass sie erheblich ist und von einer gewissen Dauerhaftigkeit. Vorliegend bede utet das Abstellen auf Art. 88a Abs. 2 IVV, dass die Rentenerhöhung ab dem Zeitpunkt zu erfolgen hat, ab welchem die Verschlechte- rung des Gesundheitszustands ohne Unterbrechung drei Monate bestanden hat. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.8 Die zunehmende Verschlechterung der Kniesymptomatik ist in den Akten zum ersten Mal im Schreiben von Dr. med. I.____, FMH Orthopädisch e Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, an Dr. H.____ vom 1. Juli 2009 dokum entiert. In diesem Schreiben führt Dr. I.____ aus, dass beim Versicherten nach der Implanta tion der Knietotalprothese im Oktober 2002 Spannungskopfschmerzen und vor allem Lumboischialgien auf der rechten Seite aufgetre- ten seien, welche bis zum lateralen Fussrand einstrahlten . Er bittet deshalb seinen Kollegen, den Gesundheitszustand des Versicherten neu zu beurteile n, gegebenenfalls stationär zu be- handeln. Da der Versicherte vor der Implantation im Jahr 2002 bis auf die Knieschmerzen keine Beschwerden hatte, ist aufgrund der neu nach der Impl antation aufgetretenen Beeinträchtigun- gen von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes au szugehen. Es rechtfertigt sich daher, bei der Bemessung der Dreimonatsfrist vom Zeitp unkt der Berichterstattung von Dr. I.____ vom 1. Juli auszugehen. Die Rentenerhöhung hat folglich per 1. Oktober 2009 zu erfol- gen. Die von der SUVA vertretenen Ansicht, es sei auf d en Zeitpunkt der kreisärztlichen Unter- suchung vom 24. November 2011 abzustellen, ist demnach nicht zu folgen. 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die geklagten Rückenbesch werden des Beschwer- deführers zur Recht als unfallfremd taxiert wurden. Der errechnete Invaliditätsgrad von 31 % erweist sich als korrekt und hat unbestrittenermassen eine Rentenerhöhung zur Folge. Was die Bestimmung des für die Rentenerhöhung massgeblichen Ze itpunkts betrifft, so ist Art. 88a Abs. 2 IVV analog heranzuziehen, gemäss welchem die Versch lechterung des Gesundheitszu- stands ohne wesentliche Unterbrechung mindestens drei Monate gedauert haben muss. Da die Verschlechterung der Knieproblematik zum ersten Mal am 1. Juli 2009 in den Akten dokumen- tiert ist, hat die Rentenerhöhung per 1. Oktober 2009 zu erfolgen. Dies führt zu einer teilweisen Gutheissung der Beschwerde. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit . a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vor- liegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be- schwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikost en. Dazu gehören in erster Linie die Vertretungskosten. Dem Verfahrensausgang entsprechend ist dem Beschwerdeführer daher eine Entschädigung für die Vertretungskosten zu Lasten d er Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in s einer Honorarnote vom 10. Januar 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 8 Stunden und 40 Minuten geltend gemacht. Allerdings sind darin auch die Kosten für das vorinstanzliche Verfahren enthalten, weshalb die in der Honorarnote ausgewiesenen Bemühunge n erst ab Datum des Einsprache- entscheids zu berücksichtigen sind. Somit ergibt sich ein A ufwand von 7 Stunden und 40 Minu- ten. Dies ist umfangmässig in Anbetracht der Komplexität der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen gerechtfertigt. Die Bemühungen sind zu de m in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung ge langenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind soda nn die in der Honorarnote ausge- wiesenen Auslagen, welche jedoch ebenfalls erst ab Datu m des Einspracheentscheids Berück- sichtigung finden und somit Fr. 56.-- betragen. Dem Be schwerdeführer ist deshalb eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'131.40 (7.67 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 56.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2009 Anspruch au f eine Rente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 31 % hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die SUVA hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 2'131.40 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) auszu- richten. Gegen diesen Entscheid wurde von der SUVA am 22. Mai 2013 Beschwerde beim Bundesge- richt (Verfahren-Nr. 8C_394/2013 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht