B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4757/2013/she U r t e i l v o m 3 . S e p t e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), Georgien, vertreten durch Dipl. iur. Tilla Jacomet, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 24. Juli 2013 / N (…). D-4757/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge reiste n die Beschwerdeführerin sowie C._______ am 23. Juni 2013 gemeinsam in die Schweiz ein, wo sie am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ ein Asylgesuch einreichten. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 1. Juli 2013 machte die Beschwerdeführerin insbesondere geltend, sie habe ihr Heimatland am 4. August 2012 verlassen und sei nach Polen ge- reist, wo sie um Asyl ersucht habe. Am 10. August 2012 habe sie sich nach Italien begeben , wo sie sich bis zu ihrer Reise in die Schweiz au f- gehalten habe. Am 30. Januar 2013 sei ihr Freund C._______ in Italien zu ihr gestossen und sie seien am 22. Juni 2013 gemeinsam in die Schweiz gereist. B. Gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin sowie den Treffer in der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (EURODAC), gemäss dem die Beschwerdeführerin am 8. August 2012 in Polen um Asyl ersucht hat- te, gewährte das BFM der Beschwerdeführerin anlässlich der BzP das rechtliche Gehör zu einem möglichen Nichteintretensentscheid und zur Zuständigkeit Polens für die Durchführung des Asylverfahrens bezi e- hungsweise zu einer allfälligen Wegweisung dorthin. C. Am 2. Juli 2013 trennte die Vorinstanz die bis anhin gemeinsam geführten Asylverfahren der Beschwerdeführerin und von C._______ (N […]) und führte die Verfahren separat weiter. D. Das BFM stellte am 18. Juli 2013 an Pol en ein Ersuchen um Wiederau f- nahme der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 [Dublin - II-Verordnung] zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Besti m- mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaat s- angehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zu ständig ist. Mit Fax-Schreiben vom 23. Juli 2013 stimmten die polnischen Behörden der Übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. d Dublin-II-Verordnung zu. E. Mit Verfügung vom 24. Juli 2013 – eröffnet am 19. August 2013 – trat das D-4757/2013 Seite 3 BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerd e- führerin vom 23. Juni 2013 nicht ein und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz nach Polen sowie den Wegweisungsvollzug an. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme, und es wurde die Aushändigung der editionspflicht i- gen Akten gemäss Aktenverzeichnis verfügt. Für die Begründung wird auf die angefochtene Verfügung verwiesen. F. Mit Verfügung vom 13. August 2013 informierte das BFM C._______ über die Beendigung des ihn betreffenden Dublin -Verfahrens. Aufgrund eines Informatikproblems war dieses Schreiben sowohl an ihn als auch an die Beschwerdeführerin gerichtet. G. Mit Schreiben vom 22. August 2013 in formierte die Vorinstanz die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführ erin darüber, dass das Schreiben vom 13. August 2013 für die Beschwerdeführerin nicht relevant sei und das BFM an seiner Verfügung vom 24. Juli 2013 festhalte. H. Mit Beschwerde vom 22. August 2013 (Poststempel: 23. August 2013) ans Bundesverwaltungsgericht liess die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin beantragen, es sei die Verfügung des BFM vom 24. Juli 2013 aufzuheben und das Amt anzuweisen, sich für das vorli e- gende Asylgesuch ge mäss Art. 7 Dublin -II-Verordnung für zuständig zu erklären. Eventualiter sei das BFM anzuweisen, eine Prüfung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung vorzunehmen und sein Ermessen betreffend Selbsteintritt auszuüben. Eventualiter sei das BFM anzuweisen, die Sa- che neu zu beurteilen und Abklärungen dahingehend zu treffen, wie eine Trennung der Lebensgefährten durch eine gemeinsame Rücküberstellung vermieden werden könne. Zudem sei im Sinne vorsorglicher Massna h- men der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung der Beschwerdeführerin nach Polen abzusehen, bis das Bundesverwaltung s- gericht über den Suspensiveffekt der eingereichten Beschwerde en t- schieden habe. Im Weiteren liess die Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bunde s- gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-D-4757/2013 Seite 4 schusses ersuchen. Auf die Beschwerdebegründung wird, soweit en t- scheidrelevant, in den Erwägungen eingegangen. I. Die vorinstanzlichen Akten gingen am 28. August 2013 beim Bundesve r- waltungsgericht ein (Art. 109 Abs. 2 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor we l- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art . 105 AsylG i.V.m. Art. 31 - 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor, das Bundesverwaltungsgericht entscheidet demnach endgültig. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Die B e- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung, weshalb sie zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden D-4757/2013 Seite 5 (Art. 111 Abs. 1 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vo rliegend auf die Durch - führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Das vorliegende Verfahren bezieht sich auf einen Nichteintretensen t- scheid gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG, weshalb einzig zu prüfen ist, ob das BFM zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist und ihre Wegweisung aus der Schweiz nach Polen ang e- ordnet hat. 5. Vorab ist festzustellen, dass die an C._______ adressierte Verfügung des BFM vom 13. August 2013 betreffend Beendigung des Dublin -Verfahrens aufgrund eines Informa tikproblems fälschlicherweise auch an die B e- schwerdeführerin gerichtet war. Mit Schreiben vom 22. August 2013 kor- rigierte die Vorinstanz diesen Fehler und informierte die Beschwerdefüh- rerin diesbezüglich. Die Beschwerdeführerin kann aus diesem Versehen der Vorinstanz nichts zu ihren Gunsten ablei ten, insbesondere kann sie sich nicht auf den öffentlich -rechtlichen Vertrauensschutz berufen, zumal sich aus der Verfügung vom 13. August 2013 ohne weiteres auf Seite 2 ergibt, dass nur C._______ Verfügungsadressat ist. 6. 6.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfü h- rung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). 6.2 Aus den Akten – insbesondere dem EURODAC -Treffer – ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin am 8. August 2012 in Polen daktylosko- pisch registriert wurde und dort am selben Tag ein Asylgesuch stellte, das von ihr während der Antragsprüfung zurückgezogen wurde. Gemäss der auch für die Schweiz verbindlichen Dublin-II-Verordnung wurde dadurch die Zuständigkeit Polens zur Prüfung des Asylgesuchs der Beschwerd e- führerin begründet. Diese Zuständigkeit ist bis heute nicht erloschen (vgl. Art. 16 Abs. 2 bis 4 Dublin-II-Verordnung), zumal sich die Beschwerdefüh- rerin gemäss eigenen Aussagen anlässlich der BzP bis zu ihrer Ankunft in D-4757/2013 Seite 6 der Schweiz immer im Hoheitsgebiet der Dublin -Staaten aufgehalten h a- ben will. Polen hat dem Ersuchen des BFM um Wiederaufnahme der B e- schwerdeführerin (nach Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin -II-Verordnung) am 23. Juli 2013 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. d Dublin -II-Verordnung ent- sprochen und seine Zuständigkeit gemäss Dubliner Verfahrensregelung akzeptiert (Art. 20 Abs. 1 Bst. d Dublin -II-Verordnung), wodurch die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist. 6.3 In d er BzP beziehungsweise in der Beschwer de machte die Be- schwerdeführerin geltend, sie führe seit November 2011 mit C._______, der sich ebenfalls in der Schweiz aufhalte, eine Beziehung. Sie hätten zusammen den Entschluss gefasst, aus Georgien auszureisen, und sich später in Italien gemeinsam durchgeschlagen. Zudem seien sie zusa m- men in die Schweiz gereist, wo sie e benfalls zusammenlebten. Aus die- sen Gründen sei die Schweiz gestützt auf Art. 7 Dublin-II-Verordnung zur Prüfung ihres Asylgesuchs zuständig. Aus den vom Bundesverwaltung s- gericht beigezogenen Akt en von C._______ (N […]) ist ersichtlich, dass dieser sich nach wie vor in der Schweiz im Asylverfahren befindet. Dieser Umstand vermag jedoch kein neues Zuständigkeitsprüfungsverfahren auszulösen, da die Schweiz nach der Asylgesuchseinrei chung der Be- schwerdeführerin in der Schweiz gar kein solches mehr einleiten ko nnte, zumal keine erste Asylantragsstellung i .S.v. Art. 4 Abs. 1 Dublin -II- Verordnung mehr vorlag, und die Zuständigkeit zur Prüfung des Asylg e- suchs der Beschwerdeführerin ja bereits bei Polen lag und – wie in E. 6.2 dargelegt – in der Zwischenzeit nicht erloschen ist. Daraus folgt eine r- seits, dass sich die Schweiz nicht gemäss Art. 7 Dublin -II-Verordnung für die Prüfung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin zuständig erklären kann, weshalb deren Antrag, die Verfügung des BFM vo m 24. Juli 2013 sei aufzuheben und das Amt sei anzuweisen, sich für das vorliegende Asylgesuch gemäss Art. 7 Dublin -II-Verordnung für zuständig zu erac h- ten, abzuweisen ist. Andererseits ist die von der Vorinstanz in der ang e- fochtenen Verfügung behandelte Frage, ob es sich bei der Beschwerde- führerin um eine "Familienangehörige" i.S.v. Art. 2 Bst. i Dublin -II- Verordnung von C._______ handle, im vorliegenden Fall nicht zu prüfen , zumal sich eine derartige Frage lediglich in einem Zuständigkeitspr ü- fungsverfahren (vgl. Art. 7 f. Dublin-II-Verordnung) stellen würde, das vor- liegend – wie gezeigt – jedoch nicht durchzuführen ist. Es erübrigt sich daher, auf die diesbezüglichen Vorbringen in der Beschwerde weiter ein- zugehen. D-4757/2013 Seite 7 6.4 Wenn sich – wie im vorliegenden Fall geltend gemacht – sowohl die asylsuchende Person a ls auch deren Lebenspartner im gleichen Staat aufhalten, kann eine Trennung dieser Personen allenfalls durch Au s- übung des Selbsteintrittsrechts nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung verhindert werden (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II- Verordnung, 3. Aufl., Wien/Graz 2010, K11 zu Art. 15). Nach der Bestim- mung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung kann die Schweiz ein Asy l- gesuch materiell prüfen, auch wenn gemäss den einschlägigen Kriterien der Dublin-II-Verordnung ein anderer Staat zuständig wäre. Diese B e- stimmung ist nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts anger u- fen werden (BVGE 2010/45 E. 5). Droht ein Verstoss gegen übergeordne- tes Recht, namentlich ein Verstoss gegen eine zwingende Norm des Vö l- kerrechts, so besteht ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts (BVGE a.a.O. E. 7.2). Erweist sich demnach im Ei n- zelfall, dass durch die Überstellung nach den Bestimmungen der Dublin - II-Verordnung völkerrechtlich geschützte Ansprüche verletzt würden, so muss vom Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung Gebrauch gemacht werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/9 E. 4.1). 6.5 6.5.1 Die Beschwerdeführerin machte in der Rechtsmittelschrift geltend , ihre Ausschaffung nach Polen verstosse gegen Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101), da sich ihr Lebensgefährte C._______, mit dem sie eine sehr enge Partnerschaft führe, in der Schweiz aufhalte . Im Fol- genden ist demnach zu prüfen, ob die Schweiz von ihrem Selbsteintritt s- recht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung i.V.m. Art. 8 EMRK Gebrauch machen und sich für die Prüfung des Asylgesuch s der Be- schwerdeführerin zuständig erklären muss. 6.5.2 Art. 8 EMRK gewährleistet den Schutz des Familienlebens. Die E u- ropäische Menschenrechtskonvention verschafft an sich kein Recht auf Aufenthalt in einem bestimmten Konventionsstaat. Hat ein Ausländer n a- he Verwandte in der Schweiz und ist diese Beziehung intakt und wird sie tatsächlich gelebt, kann es hingegen das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. in Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenosse n- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) garantierte Recht auf Achtung des Familienlebens verletzen, wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz u n- tersagt wird. In den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallen auch nicht rechtlich begründete familiäre Verhältnisse wie beispielsweise das Ko n-D-4757/2013 Seite 8 kubinat, sofern eine gen ügend nahe, echte und tatsächlich gelebte B e- ziehung besteht; entscheidend ist die Qualität des Familienlebens und nicht dessen rechtliche Beg ründung (vgl. Urteil des Bundesgericht s 2C_634/2011 vom 27. Juni 2012 E. 4.2.2). Der sich hier aufhaltende A n- gehörige beziehungsweise Konkubinatspartner muss dabei über ein g e- festigtes Anwesenheitsrecht verfügen. Dies ist der Fall, wenn er das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzt oder über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem gefestig- ten Rechtsanspruch beruht (vgl. statt vieler BGE 135 I 143 E. 1.3.1). 6.5.3 C._______ ist georgischer Staatsangehöriger und befindet sich in der Schweiz in einem Asylverfahren. Er verfügt somit über kein gefesti g- tes Anwesenheitsrecht in der Sc hweiz, weshalb die Beschwerdeführerin aus Art. 8 EMRK schon allein deshalb keine Ansprüche abzuleiten ve r- mag. Nach dem Gesagten kann die Frage offen bleiben, ob zwischen der Beschwerdeführerin und C._______ eine genügend nahe, echte und ta t- sächlich gelebte Beziehung besteht, die es der Beschwerdeführerin er- lauben würde, sich auf Art. 8 EMRK zu berufen, weshalb es sich erübrigt, auf die diesbezüglichen Vorbringen in der Beschwerde einzugehen. 6.5.4 Die Beschwerdeführerin kann sich auch nicht auf Art. 13 f. BV ber u- fen, zumal auch für die Anwendung dieser Bestimmungen C._______ über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügen müsste, was jedoch – wie soeben dargelegt – nicht der Fall ist (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.1). 6.6 6.6.1 Anlässlich der BzP machte die Besc hwerdeführerin geltend, sie sei vor der Gewalt ihres Ehemannes , von dem sie seit zwei Jahren getrennt lebe, aus Georgien geflüchtet. Kurz nach ihrer Ankunft in Polen seien fünf Männer aus dem Dorf ihres Ehemannes nach Polen gekommen, weshalb sie befürchtet habe, dass ihr Ehemann von ihrem Aufenthalt in Polen e r- fahren und sie dort finden würde. 6.6.2 Die schweizerischen Behörden müssen zwar dafür sorgen, dass die Beschwerdeführerin im Falle einer Überstellung nach Polen nicht einer dem internationalen Recht und i nsbesondere Art. 3 EMRK widerspr e- chenden Behandlung ausgesetzt ist. Polen ist indessen Vertragspartei des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtli n- ge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Fol ter und andere grausame, unmenschliche D-4757/2013 Seite 9 oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105). Es best e- hen keine konkreten Hinweise dafür, Polen würde sich nicht an die da r- aus resultierenden Verpflichtungen halten. Polen hat zudem die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 (Aufnahmerichtlinie) ohne Beanstandungen von Seiten der Europäischen Kommission umgesetzt und es existieren nebst den staatlichen Strukturen zahlreiche private Hilfsorganisationen, welche Asylsuchende betreuen. Somit sind k eine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich, die Beschwerdeführerin würde im Falle einer Rückkehr nach Polen in eine existenzbedrohende Notlage geraten. Sie kann sich bei allfällig drohenden Übergriffen seitens ihres Ehemannes an die polnischen Behörden wenden, die gegenüber u n- rechtmässigen Nachstellungen durch ihren Ehemann zweifelsohne schutzwillig und schutzfähig sind. 6.7 Unter diesen Umständen liegen keinerlei Hindernisse, insbesondere auch keine humanitären Gründe im Sinne von Art. 29 a Abs. 3 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, die eine Überstellung der Beschwerdeführerin nach Polen als unzulässig erscheinen lassen. 6.8 Demnach gibt es keinen Grund für die Anwendung der Souveränitäts- klausel (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin -II-Verordnung). Folglich ist der Eventualantrag, das BFM sei anzuweisen, eine Prüfung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung vorzunehmen und sein Ermessen betreffen d Selbsteintritt auszuüben, abzuweisen. Ebenfalls ist nach dem Gesagten der Eventualantrag abzuweisen, es sei das BFM anzuweisen, die Sache neu zu beurteilen und Abklärungen dahingehend zu treffen, wie eine Trennung der Lebensgefährten durch eine gemeinsame Rücküberstellung vermieden werden könne. 7. Nach dem Gesagten erübrigt es sich, auf die Ausführungen und Einwä n- de in der Beschwerde weiter einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ä n- dern. Das BFM ist in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG im E r- gebnis zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eing e- treten. 8. 8.1 Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Weg - weisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend ist D-4757/2013 Seite 10 keine Ausnahme von diesem Grundsatz ersichtlich (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 8.2 Im Rahmen des Dublin -Verfahrens – bei dem es sich, wie bereits e r- wähnt, um ein Überstellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylg e- suches zuständigen Staat handelt – bleibt systembedingt kein Raum für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländ e- rinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). Eine entsprec hende Prüfung muss, soweit notwendig, vielmehr bereits im Rahmen des Dublin - Verfahrens stattfinden (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 und vorstehende E r- wägungen). 8.3 Die vom BFM verfügte Wegweisung und deren Vollzug n ach Polen sind daher zu bestätigen. 9. Der Beschwerdeführerin ist es demnach nicht gelungen darzutun, inwi e- fern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserhebli- chen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangeme s- sen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 10. Mit dem Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie um Anweisung der Vollzugsb ehörden, von einer Überstellung nach Polen abzusehen, bis das Bundesverwa l- tungsgericht über den Suspensiveffekt der eingereichten Beschwerde entschieden habe, gegenstandslos geworden, zumal vorsorgliche Mas s- nahmen ohnehin lediglich für die Dauer des Beschw erdeverfahrens wirk- sam wären. 11. 11.1 Aufgrund vorstehender Erwägungen erweist sich die Beschwerde als aussichtslos, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG – unbesehen der Bedürf- tigkeit der Beschwerdeführerin – vollumfänglich abzuweisen ist. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwe r- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 D-4757/2013 Seite 11 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4757/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: