Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Oktober 2021 (720 21 96 / 282) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Marco Chevalier, Rechtsanwalt, Elisabethenstrasse 28, Postfach 425, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1977 geborene, bis Ende Januar 2004 als Lager mitarbeiter und Verkaufsberater bei der B.____ AG angestellt gewesene A.____ hatte sich am 10. August 2004 unter Hinweis auf einen am 14. Oktober 2002 erlittenen Autounfall und seither bestehende Bandscheibenbe- schwerden und Beschwerden im rechten Bein bei der Eidg enössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemeldet. Nach Abklärun g der medizinischen und erwerbli- chen Situation sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft dem Versicherten mit Verfügung vom 25. November 2009 für den Zeitraum vom 1. Oktober 2 003 bis 31. März 2004 eine befristete Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht halbe Rente zu. Gleichzeitig hielt sie fest, dass ab 1. April 2004 kein Rentenanspruch mehr be- stehe. Die vom Versicherten gegen diese Verfügung erhob ene Beschwerde wies das Kantons- gericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgerich t), mit Urteil vom 9. Juni 2010 (Ver- fahren-Nr. 720 09 377/139) ab. Am 7. Dezember 2010 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands erneut bei der IV-Stelle zum Leistu ngsbezug an. Mit Verfügung vom 15. Februar 2011 trat die IV-Stelle aber auf dieses Leistungsbegehren nicht ein. Zur Begrün- dung machte sie im Wesentlichen geltend, der Versicherte habe nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Ve rfügung wesentlich verändert hätten. Mit derselben Begründung trat die IV-Stelle mit Verfügun g vom 9. Januar 2012 auch auf ein weite- res neues Leistungsbegehren, welches der Versicherte am 2 8. September 2011 eingereicht hatte, nicht ein. Die von A.____ gegen diese Verfügu ng erhobene Beschwerde hiess das Kan- tonsgericht jedoch mit Urteil vom 4. Oktober 2012 (V erfahren-Nr. 720 12 51/268) dahingehend gut, als es die angefochtene Verfügung der IV-Stelle aufhob und diese anwies, auf das Leis- tungsbegehren vom 28. September 2011 einzutreten. In der Folge gab die IV-Stelle zur Abklärung des medi zinischen Sachverhalts ein polydisziplinä- res Gutachten bei der MEDAS Ostschweiz in Auftrag, das am 20. August 2013 erstattet wurde. Gestützt auf dessen Ergebnisse ermittelte die IV-Stelle beim Versicherten einen Invaliditätsgrad von 1 %, worauf sie mit Verfügung vom 29. Januar 2015 einen Rentenanspruch von A.____ ablehnte. Hiergegen erhob der Versicherte Beschwerde b eim Kantonsgericht. Während des Beschwerdeverfahrens zog die IV-Stelle vor Einreichung ihrer Vernehmlassung die angefochte- ne Verfügung in Wiedererwägung und hob sie lite pend ente zwecks Vornahme weiterer medizi- nischer Abklärungen auf. Zur Begründung machte sie gelt end, das Gutachten der MEDAS Ost- schweiz leide an einem „schwerwiegenden Mangel“, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne. Das Kantonsgericht schrieb deshalb das Beschwerdeve rfahren mit Präsidialbeschluss vom 5. Juni 2015 (Verfahren-Nr. 720 15 90/1046) als g egenstandslos ab. In der Folge veran- lasste die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen, na mentlich holte sie bei der PMEDA AG Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen (nachfolgend: PMEDA) das polydisziplinäre Gutach- ten vom 22. April 2016 ein. Gestützt auf dessen Ergebn isse ermittelte die IV-Stelle beim Versi- cherten nunmehr einen Invaliditätsgrad von 0 %, weshalb sie mit Verfügung vom 16. März 2018 einen Rentenanspruch von A.____ erneut ablehnte. Die vom Versicherten hiergegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht mit Urteil vom 11. Okt ober 2018 (Verfahren-Nr. 720 18 136/275) in dem Sinne gut, als es die angefochtene V erfügung aufhob und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu m Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückwies. In Nachachtung dieses Urteils holte die IV-Stelle beim Begutachtungszentrum BL (BEGAZ) das polydisziplinäre Gutachten vom 31. März 2020 ein. Gestützt auf dessen Ergebnisse ermittelte die IV-Stelle beim Versicherten ab 21. Januar 2011 ein en Invaliditätsgrad von 34 % und ab 1. April 2016 einen solchen von 55 %. Nach durchgefü hrtem Vorbescheidverfahren sprach die IV-Stelle deshalb A.____ rückwirkend ab 1. April 2016 eine halbe Rente zu. Die Rentenzuspra- che erfolgte dabei in Form von zwei Verfügungen: In e iner ersten Verfügung vom 9. Februar Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2021 setzte die IV-Stelle die laufende Rente ab 1. März 2021 fest und in der zweiten Verfügung vom 5. März 2021 entschied sie über den Rentenanspruch f ür den Zeitraum vom 1. April 2016 bis 28. Februar 2021. Zudem regelte sie in der zweite n Verfügung die aus der rückwirkenden Rentenzusprache resultierende Nachzahlung. B. Gegen diese Verfügungen vom 9. Februar 2021 und 5. März 2021 erhob Rechtsanwalt Dr. Marco Chevalier namens und im Auftrag von A.____ a m 11. März 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, wobei er folgende Rechtsbegehren stellte: „1. Die Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 9. Fe bruar 2021 sowie vom 5. März 2021 seien aufzuheben. 2. Es sei die Beschwerdebeklagte zu verpflichten, dem B eschwerdeführer ab dem 1. März 2012 ei- ne Viertelsrente sowie ab dem 1. April 2016 eine Dreiviertelsrente auszurichten. 4. Es sei die in der Verfügung vom 5. März 2021 verf ügte "Drittauszahlung Verrechnung Sozialhilfe" aufzuheben und dem Versicherten der rechtmässige Betrag auszubezahlen. 5. Eventualiter für den Fall, dass den Rechtsbegehre n 1 und 2 nicht stattgegeben wird, sei die Sa- che zur umfassenden medizinischen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 6. Unter o/e-Kostenfolge." C. Da sich die Beschwerde von A.____ vom 11. März 2021 n icht nur gegen die Höhe und den Beginn des von der IV-Stelle verfügten Rentenansp ruchs (halbe Rente ab 1. April 2016), sondern darüber hinaus auch gegen die in der Verfügun g vom 5. März 2021 angeordnete Dritt- auszahlung der Rente in der Höhe von Fr. 35'370.-- an die Sozialhilfebehörde C.____ richtete, lud das Kantonsgericht mit Verfügung vom 19. März 2021 die genannte Behörde und die für die Berechnung und die Vornahme der strittigen Drittausza hlung zuständige Ausgleichskasse Ba- sel-Landschaft zum vorliegenden Beschwerdeverfahren bei. Bereits kurz zuvor, am 15. März 2021, hatte die IV-Stelle die (mit-)angefochtene Verfügung vom 5. März 2021, in welcher sie die Drittauszahlung der I V-Rente des Versicherten geregelt hatte, aufgehoben und durch eine neue Verfügung mit einer ko rrigierten Nachzahlungsberechnung ersetzt. Wie der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 26. M ärz 2021 mitteilte, wurde dadurch seinem Rechtsbegehren gemäss Ziff. 4 der Beschwerde vom 11. März 2021 entsprochen. Das Kantonsgericht schrieb deshalb mit Verfügung vom 30. März 2021 das Beschwerdeverfahren, soweit es sich gegen die am 5. März 2021 verfügte Dritt auszahlung der IV-Rente richtete, als gegenstandslos geworden ab. Gleichzeitig hielt es fest, dass der Prozess mit dem Beschwerde- führer und der IV-Stelle Basel-Landschaft als einzigen V erfahrensparteien und mit der Renten- verfügung der IV-Stelle vom 9. Februar 2021 als Anfechtungsobjekt weitergeführt werde. D. In ihrer Vernehmlassung vom 7. Mai 2021 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. E. Am 3. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer zwei Arzt berichte von Dr. med. D.____, Angiologie FMH, vom 12. Februar 2014 und 3. November 2015 ein. Am 15. Juni 2021 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf eine Stellungnahme hierzu verzichte. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden . Anfechtungsobjekte des vorliegenden Verfahrens bilden zwei Verfügungen der IV-Stelle Base l-Landschaft, sodass die örtliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejah en ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordn ung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde de s Versicherten vom 11. März 2021 richtete sich ursprünglich nicht nur gegen die Höhe und den Beginn des von der IV-Stelle ver- fügten Rentenanspruchs (halbe Rente ab 1. April 2016), sondern darüber hinaus auch gegen die in der Verfügung vom 5. März 2021 angeordnete Drittauszahlung der Rente in der Höhe von Fr. 35'370.-- an die Sozialhilfebehörde C.____ (Ziff . 4 der Rechtsbegehren). In der Folge hob die IV-Stelle jedoch die (mit-)angefochtene Verfügun g vom 5. März 2021 wiedererwägungswei- se auf und ersetzte sie lite pendente durch eine neue V erfügung vom 15. März 2021 mit einer korrigierten Nachzahlungsberechnung. Wie der Beschwerde führer mit Eingabe vom 26. März 2021 bestätigte, wurde durch diese neue Verfügung seinem Rechtsbegehren gemäss Ziff. 4 der Beschwerde vom 11. März 2021 entsprochen. Das Kantonsgerich t konnte deshalb das Be- schwerdeverfahren, soweit es sich gegen die am 5. März 2021 verfügte Drittauszahlung der IV- Rente richtete, am 30. März 2021 als gegenstandslos gewo rden abschreiben. Auf Ziff. 4 der Rechtsbegehren der Beschwerde vom 11. März 2021 ist desh alb im Rahmen des vorliegenden Urteils nicht mehr einzugehen; lediglich im Rahmen des K ostenentscheids wird nochmals da- rauf zurückzukommen sein (vgl. E. 8 hiernach). 2. Strittig und im Folgenden zu beurteilen bleiben die Höhe des dem Beschwerdeführer zustehenden Rentenanspruchs und dessen Beginn. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, ob und gegebe- nenfalls in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrun d ihrer gesundheitlichen Beein- trächtigungen arbeitsunfähig ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die ander e medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach entschei- dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntn is der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). 5.1 In Nachachtung des kantonsgerichtlichen Rückweisungsent scheids vom 11. Oktober 2018 (Verfahren-Nr. 720 18 136/275) gab die IV-Stel le beim BEGAZ eine polydisziplinäre Be- gutachtung des Versicherten in Auftrag. Die betreffende Expertise, die Abklärungen in den Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, O rthopädie, Psychiatrie und Neuropsy- chologie beinhaltet, wurde am 31. März 2020 erstattet. Darin erhoben die beteiligten Fachärzte als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkei t: (1) ein generalisiertes Schmerzsyn- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht drom mit somatischen und psychischen Faktoren (chronisches lum bospondylogenes Schmerz- syndrom mit ischialgiformer Ausstrahlung beidseits, chroni sches zervikogenes Schmerzsyn- drom, Spannungskopfschmerz), (2) eine andere rezidivierende affektive Störung im Sinne einer möglichen Verbitterungsstörung (ICD-10 F38.1) und (3) einen Status nach akuter Belastungs- reaktion (ICD-10 F43.0) mit persistierender Restsymptoma tik. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit des Versicherten hielten die Gutachter gestützt auf ihr e interdisziplinäre Konsensbeurteilung fest, dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in einem Möbelgeschäft anhaltend von einer voll- ständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Was die Ar beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit betreffe, so sollte eine solche aus rein ne urologischer Sicht auf leichte Hebe- und Tragbelastungen limitiert und körperlich wechselbelast end sein (keine Körperzwangshaltun- gen), nicht mit repetitivem Bücken/Aufrichten und nic ht mit repetitiven Drehbewegungen des Rumpfs einhergehen und überdies keine überdurchschnittli che Beanspruchung der Gleichge- wichtsfunktionen beinhalten, insbesondere auch keine n icht ebenerdigen Arbeiten. In einer die- sen Kriterien angepassten Tätigkeit bestehe aus rein neu rologischer Sicht unter Berücksichti- gung des organischen Beschwerdekerns eine Einschränkung der Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 30 %. Diese Einschätzung gelte spätestens ab Zeitpunk t des chirurgischen Eingriffs an der Wirbelsäule vom 21. Januar 2010, bzw. nach einer posto perativ einzuräumenden vorüberge- henden 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit von einem halben Jahr, ca. ab August 2010. Aus rein orthopädischer Sicht sollte dem Exploranden eine leich te, wechselbelastende Tätigkeit ohne häufiges Bücken und ohne Zwangshaltung der Wirbelsäule medizinisch-theoretisch an sich vollschichtig zumutbar sein. Aufgrund der subjektiven Beschwe rden könne jedoch ein vermin- dertes Rendement infolge vermehrten Pausenbedarfs von 20 % attestiert werden. Diese Ein- schätzung gelte ebenfalls ab ca. August 2010. Insgesamt l iege somit aus somatischer Sicht ab August 2010 in einer ideal adaptierten Tätigkeit ein e Einschränkung von 30 % vor. Aus psychi- atrischer Sicht wirke sich die diagnostizierte rezidivierend e affektive Störung in jeder Tätigkeit aus. Seit April 2016 sei aus rein psychiatrischer Sicht von einer 40 %-igen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Aufgrund des mehrjährigen chronifizierten Verlaufs und den un- günstigen Verarbeitungsstrategien erachte man eine teil additive Beurteilung mit den körperli- chen Beeinträchtigungen als gegeben und komme somit gesa mtmedizinisch zu einer Ein- schränkung von 50 % ab April 2016. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 9. Februar 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfäh igkeit des Versicherten auf die Ergeb- nisse, zu denen die BEGAZ-Gutachter in ihrem polydisziplinären Gutachten vom 31. März 2020 gelangten. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Ver sicherten nach einer vorübergehen- den - postoperativen - vollständigen Arbeitsunfähigkeit von Januar 2010 bis Juli 2010 die Aus- übung einer angepassten Tätigkeit ab August 2010 wiede r zu 70 % und ab April 2016 noch im Umfang von 50% zumutbar gewesen sei. Dieser vorinstan zlichen Beweiswürdigung ist im Er- gebnis beizupflichten. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, die aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach E insicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liege n hier keine vor. Das polydisziplinäre Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht BEGAZ-Gutachten vom 31. März 2020 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf und es vermag den vom Bundesgericht verlangten Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 4.2 hiervor) zu genügen . Dies gilt insbesondere, soweit es um die Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustands und der daraus resultierenden Arbeitsfähig- keit des Versicherten geht. Diesbezüglich ist das Gutacht en für die streitigen Belange umfas- send, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es ber ücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leu chtet in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen m edizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Ei nschätzungen auseinander und es enthält diesbezüglich überzeugende Schlussfolgerungen. Eher knapp begründen die Gutachter hingegen ihre retrospektive Einschätzung der Arbeitsfäh igkeit des Versicherten. Wie nachfol- gend im Zusammenhang mit der Prüfung der Einwände d es Beschwerdeführers zu zeigen sein wird (vgl. insbes. E. 5.4.2 hiernach), kann im Ergebni s aber auch in dieser Hinsicht auf die Be- urteilung der BEGAZ-Gutachter abgestellt werden. 5.3 Im Zusammenhang mit der gutachterlichen Beurteilun g des aktuellen medizinischen Sachverhalts kritisiert der Beschwerdeführer, es sei unkla r, ob und wie eine Kumulation oder Wechselwirkung der Einschränkungen aus neurologischer, o rthopädischer, psychiatrischer und neuropsychologischer Sicht in der Konsensbeurteilung berü cksichtigt worden sei. Dieser Ein- wand erweist sich als unzutreffend. Wie die IV-Stelle i n ihrer Vernehmlassung zu Recht geltend macht, wird im neurologischen Teilgutachten aufgezeigt, dass die neurologische Einschränkung von 30 % nicht mit der aus orthopädischer Sicht attestier ten 20 %-igen Beeinträchtigung kumu- liert werden kann, da sich die in den beiden Fachgebi eten erhobenen Diagnosen überschnei- den. Einzig die Spannungskopfschmerzen wurden vom neurolo gischen Gutachter zusätzlich berücksichtigt. Aus diesem Grund attestierte dieser dem Exploranden denn auch im Vergleich zum orthopädischen Facharzt eine leicht höhere Arbeitsun fähigkeit. Hinsichtlich der somati- schen und der psychischen Beeinträchtigungen von 30 % bzw. vo n 40 % wiederum bejahten die Gutachter hingegen eine teiladditive Wirkung. En tsprechend hielten sie in ihrer Konsensbe- urteilung fest, dass aufgrund des mehrjährigen chronifi zierten Verlaufs und der ungünstigen Verarbeitungsstrategien gesamtmedizinisch von einer Einschr änkung von 50 % ausgegangen werden könne. Diese Einschätzung ist, wie auch der Regi onale Ärztliche Dienst (RAD) beider Basel in seiner Stellungnahme vom 27. Juli 2020 anerke nnt, nachvollziehbar. Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Beschwerdeführer sodann aus dem von ihm angerufenen Bericht von Dr. phil. E.____, Fachpsychologe für Psychotherapie, und Dr. med. F.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 31. März 2019. Wie die IV-Stelle zutreffend geltend macht, werden darin mit dem Hinweis, dass die Hauptbelastung in der langjährigen Konfliktsituation mit der Invalidenversicherung und dem Sozialamt liege, vor allem psychosoziale Belastungsfaktoren angeführt. Dazu kommt, dass die Dres. E.____ und F.____ nicht etwa eine Vollberentung des Versicherten postulieren, sondern die Ausrichtung einer mindestens halben Rente befürworten und bekanntlich ist dem Beschwerdeführer eine solche in der Folge in der angefochtenen Ver- fügung zugesprochen worden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Der Beschwerdeführer erachtet sodann die retrospekti ve Einschätzung der Arbeitsfä- higkeit des Versicherten durch die BEGAZ-Gutachter als unvollständig und nur vage begründet. Zudem stehe sie im Widerspruch zu den vorhandenen echtzeitlichen Arztberichten. 5.4.1 Bei der Beurteilung des psychischen Gesundheitszustan ds und der Arbeitsfähigkeit kann - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - n icht auf die echtzeitlichen Einschät- zungen der damals behandelnden Dr. med. G.____, Psychi atrie und Psychotherapie FMH, ab- gestellt werden. Als einzige involvierte Fachärztin diagn ostizierte diese beim Versicherten eine posttraumatische Belastungsstörung (vgl. den Bericht vom 12. August 2011) - ein Befund, der jedoch in keinem der in den Jahren 2006 bis 2020 einge holten insgesamt fünf Gutachten aus psychiatrischer Sicht bestätigt wurde. Darüber hinaus ist d er Beweiswert der Einschätzung von Dr. G.____ auch zu relativieren, weil sie im genannten Bericht in ihrer Beurteilung der Arbeits- fähigkeit - fachfremd - auch die somatischen Leiden des Versicherten mitberücksichtigte. 5.4.2 Nur ausgesprochen knapp begründen die BEGAZ-Gut achter ihre retrospektive Ein- schätzung, wonach beim Versicherten die aus psychiatrischer Si cht attestierte 40 %-ige Ar- beitsunfähigkeit seit April 2016 bestehen soll. Diesbezüglich ist die Kritik des Beschwerde füh- rers ein Stück weit nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz kann letztlich aber auch in diesem Punkt auf die gutachterliche Beurteilung abgestellt werden. Im betreffenden Fachteil des Gutachtens führt der psychiatrische BEGAZ-Experte aus, aufgrund des e rhöhten Pausen- und Erholungs- bedarfs sei eine 40 %-ige Einschränkung der Arbeitsfäh igkeit anzunehmen. Anlässlich der Be- gutachtung im Jahre 2016 sei aus psychiatrischer Sicht ni cht zur Leistungsfähigkeit Stellung bezogen worden. Es zeige sich heute ein ähnlicher Expl orand wie schon im Vorfeld. Es sei da- her anzunehmen, dass die heute festgestellte Einschränkung mit grosser Wahrscheinlichkeit schon anlässlich der Begutachtung im April 2016 in diesem Ausmass bestanden habe (S. 24 des psychiatrischen Teilgutachtens). Somit begründen die BEGAZ-Gutachter zwar knapp, aber eben doch ausreichend, weshalb sie dem Versicherten die 40 %-ige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht (erst) ab dem Zeitpunkt ihrer Begutachtung, sondern bereits ab April 2016 attestieren. Dieser Einschätzung kann, wie auch d ie RAD-Ärztin Dr. med. H.____, Psychi- atrie und Psychotherapie FMH, in ihrer Stellungnahme vo m 12. April 2021 anerkennt, gefolgt werden. Für den Zeitraum davor - die Phase zwischen der Neuanmeldung im Jahr 2011 und April 2016 - liegen keine verwertbaren Berichte vor, d ie sich aus psychiatrischer Sicht nachvoll- ziehbar und schlüssig zur damals aktuellen Arbeits- und L eistungsfähigkeit des Versicherten äussern. Dass auf die echtzeitlichen Berichte der behan delnden Ärztin Dr. G.____ nicht abge- stellt werden kann, wurde bereits vorstehend (vgl. E. 5.4.1 hiervor) dargelegt. Die Folgen dieser Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer als Leistungsansprecher zu tragen. 5.4.3 Was die Auswirkungen der somatischen Beeinträchti gungen auf die Arbeitsfähigkeit betrifft, beruft sich der Beschwerdeführer auf die Be richte der behandelnden Ärzte. So sei etwa dem Bericht von Dr. med. I.____, Facharzt für Rheumato logie, vom 6. Juli 2019 zu entnehmen, dass allein aus rheumatologischer Sicht von einer anhal tenden, mindestens 50 %-igen Arbeits- unfähigkeit auszugehen sei. Daraus kann der Beschwerdeführ er vorliegend jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten. In diesem Zusammenhang ist vo rab darauf hinzuweisen, dass Dr. I.____ dem Versicherten bereits im Jahr 2008 aus rheumatologischer Sicht eine vollständige Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsunfähigkeit seit 2002 attestiert hatte. In sei nem Urteil vom 9. Juni 2010 (Verfahren- Nr. 720 09 377/139) war das Kantonsgericht jedoch zum Sc hluss gelangt, dass diese Einschät- zung des behandelnden Arztes nicht geeignet sei, die aussc hlaggebende Beweiskraft des da- mals zu würdigenden Gutachtens des Zentrums für Medizinisch e Begutachtung (ZMB) vom 4. Mai 2006, welches lediglich von einer minimalen Be einträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht ausgegangen war, in Frage zu stellen . Dasselbe kann auch heute festgehal- ten werden, denn der neurologische BEGAZ-Experte set zt sich in seinem Teilgutachten aus- führlich mit der weiterhin abweichenden Meinung von Dr . I.____ auseinander. Dabei weist er darauf hin, dass eine durchgehende Diskrepanz zwischen den wiederholten Einschätzungen des behandelnden Rheumatologen einerseits und den Beur teilungen der verschiedenen bis anhin involvierten neurologischen Voruntersucher und Vorgutachter andererseits bestehe. Letz- tere seien - ebenso wie er - der Auffassung, dass das erhebliche Ausmass der geltend gemach- ten Beschwerden und Einschränkungen mit objektivierbaren Befunden nicht begründet werden könne (S. 38 und 40 des neurologischen Teilgutachtens). 5.5 Zusammenfassend ist die IV-Stelle in der angefocht enen Verfügung demnach zu Recht davon ausgegangen, dass dem Beschwerdeführer nach einer vo rübergehenden - postoperati- ven - vollständigen Arbeitsunfähigkeit von Januar 2010 b is Juli 2010 die Ausübung einer ange- passten Tätigkeit ab August 2010 wieder zu 70 % und ab April 2016 noch im Umfang von 50% zumutbar war bzw. nach wie vor ist. 6.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim men. In der angefochtenen Ver- fügung vom 9. Februar 2021 nahm die IV-Stelle die er forderlichen Einkommensvergleiche vor. Da der Beschwerdeführer seit Eintritt der gesundheitli chen Beeinträchtigungen keiner oder je- denfalls keiner zumutbaren Erwerbstätigkeit mehr nachg ing, setzte die IV-Stelle das Invaliden- einkommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhe- bung (LSE) des Bundesamtes für Statistik fest (vgl. dazu BGE 126 V 75 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 321 E. 3b/aa). Auf diese Weise errechnete sie ab 21. Januar 2011 (Ablauf des War- tejahres) auf der Basis der gutachterlich attestierten 3 0 %-igen Arbeitsfähigkeit und unter Ge- währung eines Abzugs von 5 % vom ermittelten Tabellen lohn ein zumutbares Invalidenein- kommen in der Höhe von Fr. 41'180.-- sowie ab 1. April 2016 auf der Grundlage der gutachter- lich attestierten Arbeitsfähigkeit von nunmehr 50 % un d unter Gewährung eines Tabellenlohn- abzugs von neu 10 % ein solches von Fr. 30'062.--. Diese Beträge stellte sie den ebenfalls ge- stützt auf die LSE-Tabellenlöhne ermittelten Validene inkommen von Fr. 61‘925.-- (im Januar 2011) bzw. von Fr. 66'803.-- (im April 2016) gegenübe r und gelangte so zu Invaliditätsgraden von 34 % ab 21. Januar 2011 bzw. von 55 % ab 1. April 2016. 6.2 Der Beschwerdeführer beanstandet im Zusammenhang mi t den genannten Berech- nungen einzig, dass ihm die IV-Stelle bei der Bemessung der beiden Invalideneinkommen je- weils einen unzureichenden Abzug vom Tabellenlohn gewährt habe. 6.2.1 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Perso- nen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur noch be schränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesu nder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzu g entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobe i die Rechtsprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufli che Merkmale der versicherten Per- son wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nation alität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes h aben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, we nn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür be- stehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehr erer dieser Merkmale ihre gesund- heitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem al lgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmun g der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesa mt auf höchstens 25 % des Tabel- lenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2; vgl. z um Ganzen auch BGE 126 V 80 E. 5b/bb und cc). 6.2.2 Vorliegend nahm die IV-Stelle bei der Berechnu ng der beiden Invalideneinkommen einen Abzug vom Tabellenlohn von 5 % ab Ablauf des Wa rtejahres bzw. einen solchen von 10 % ab April 2016 vor. Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, dass ihm für bei- de Phasen ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 20 % zu gewähren sei. Entgegen der Auffassung des Versicherten lässt sich in seinem Fall ein Abzug im geforder- ten Umfang nicht rechtfertigen. In diesem Zusammenhan g ist vorab darauf hinzuweisen, dass der gesamthaft vorzunehmende Abzug vom Tabellenlohn g rundsätzlich eine Schätzung dar- stellt. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum ge hen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle des Sozialversicherers setzt (BGE 126 V 75 E. 6). Das kan- tonale Versicherungsgericht greift daher in das Ermessen des Sozialversicherers nur bei trifti- gen Gründen ein. Dabei muss sich das kantonale Gericht a uf Gegebenheiten abstützen kön- nen, die eine abweichende Ermessensausübung als naheli egender erscheinen lassen (BGE 123 V 150 E. 2). Vorliegend sind keine solche triftig en Gründe ersichtlich, aufgrund derer sich ein Abweichen von der vorinstanzlichen Ermessensausübung aufdrängen würde. Es ist viel- mehr festzuhalten, dass den beim Versicherten durchaus vor handenen Beeinträchtigungen be- reits durch die gutachterlich attestierte Leistungseinschränkung von 20 % ab Ablauf des Warte- jahres bzw. von 40 % ab April 2016 Rechnung getragen w urde, sodass diesbezüglich die Ge- währung des vom Beschwerdeführer als angemessen erachteten leidensbedingten Abzugs zu einer unzulässigen doppelten Berücksichtigung dieser Beeinträchtigungen führen würde. Weite- re Kriterien, die eine Erhöhung des Abzugs vom Tabell enlohn rechtfertigen würden, sind eben- falls nicht ersichtlich. So nehmen sowohl die Bedeutun g des Alters als auch diejenige der Dienstjahre der Versicherten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, weshalb diese Faktoren bei Tätigkeiten, die dem Kompetenzniveau 1 der Tätig keit gemäss LSE (“einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art“) entsprechen, in der Regel keinen Anlass zu einem (wei- teren) Abzug vom Tabellenlohn geben (vgl. BGE 126 V 75 E. 5a/cc). Unter Würdigung der ge- gebenen Umstände und in Berücksichtigung der in Betrach t fallenden Merkmale lässt sich des- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht halb die vom Beschwerdeführer in seinem Fall verlangte Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von mindestens 20 % nicht begründen. 6.3 Die vorinstanzliche Bemessung der massgebenden Valide n- und der zumutbaren Inva- lideneinkommen erweist sich (auch) in den übrigen Punk ten als korrekt. Die von der IV-Stelle ermittelten Zahlen sind denn auch - abgesehen vom vorste hend erörterten Einwand - in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Ausführungen zu den Einkommensvergleichen ab gesehen und stattdessen vollum- fänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV- Stelle in der Verfügung vom 9. Februar 2021 verwiesen werden. 7. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV -Stelle dem Versicherten in der angefochtenen Verfügung vom 9. Februar 2021 zu Recht mit Wirkung ab 1. April 2016 eine hal- be Rente zugesprochen hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend is t der Beschwerdeführer im Haupt- punkt, dem Streit um die Höhe und den Beginn des von der IV-Stelle verfügten Rentenan- spruchs, unterliegende Partei. Gleichzeitig hat er jedoch bezüglich der ebenfalls angefochtenen, in der Verfügung vom 5. März 2021 angeordneten Dritt auszahlung der IV-Rente obsiegt. Wie oben geschildert (vgl. E. 1.2 hiervor) hob die IV-Stelle die genannte Verfügung lite pendente auf und ersetzte sie durch eine neue Verfügung vom 15. März 2021 mit einer korrigierten Nachzah- lungsberechnung. Dadurch entsprach sie, wie der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 26. März 2021 bestätigte, seinem Rechtsbegehren gemäss Ziff. 4 der Beschwerde vom 11. März 2021. Bei diesem Streitpunkt handelte es sich jedoch klarerwe ise um einen nebensächlichen Aspekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, in Bezug auf den gesamten Prozess von einem Obsiegen des Versicherten im Umfang von einem Fünftel und von einem Unterliegen im Umfang von vier Fünfteln auszugehen. 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Ab s. 3 VPO in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Dem P rozessausgang entsprechend hat deshalb der Beschwerdeführer als zu vier Fünfteln unter liegende Partei Verfahrenskosten von Fr. 640.-- ( 4/5 von Fr. 800.--) zu tragen. Für die restlichen Verfahr enskosten von Fr. 160.-- (1/5 von Fr. 800.--) hat die im Umfang von einem Fünftel unterliegende IV-Stelle aufzukommen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer teilwei se obsiegende Partei ist, ist ihm eine reduzierte Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in seiner Kostennote vom 21. Mai 2021 für das vorliegende Verfah- ren eine Entschädigung (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrw ertsteuer) von etwas mehr als Fr. 5'000.-- geltend. In Anbetracht dieser Honorarre chnung und des Umstands, dass nach dem Gesagten von einem Obsiegen des Beschwerdeführers im Um fang von einem Fünftel auszu- gehen ist, rechtfertigt es sich, ihm eine reduzierte Part eientschädigung in der Höhe von pau- schal Fr. 1'000.-- zu Lasten der IV-Stelle Basel-Landscha ft zuzusprechen. Im Übrigen sind die ausserordentlichen Kosten wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 800.-- werden im Umfang von Fr. 640.-- dem Beschwerdeführer und im Um fang von Fr. 160.-- der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Anteil des Beschwerdeführers an den Verfahrenskosten wird mit dem von ihm geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von F r. 800.-- verrechnet. Der zu viel geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 160.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Dem Beschwerdeführer wird eine reduzierte Parteie ntschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 1'000.-- zu Lasten der IV-Ste lle Basel- Landschaft zugesprochen. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht