Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. November 2019 (725 19 175 / 282) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beweiswürdigung; auf die Beurteilung des Kreisarztes kann abgestellt werden Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Markus Mattle, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Marco Chevalier , Rechtsanwalt, Elisabethenstrasse 28, Postfach 425, 4010 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1967 geborene A.____ war seit dem 1. April 20 14 bei der B.____AG als Chauffeur angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerisch en Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 31. Mai 2018 sprang er beim Entla- den eines Lastwagens wegen einer kippenden Palette von einer Hebebühne. Dabei zog er sich gemäss Bericht des Kantonsspitals C.____ vom 2. Juni 201 8 am oberen Sprunggelenk (OSG) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechts eine undislozierte fissulare Fraktur des dorsalen C orpus tali rechts mit Ausläufer in das untere Sprunggelenk (USG) und am linken OSG einen Ver dacht auf eine fissure Fraktur der ventralen Tibia zu. Die Suva erbrachte in der Folge di e gesetzlichen Leistungen (Taggelder, Heilbehandlung) für die Folgen dieses Ereignisses. Nach w eiteren Abklärungen teilte die Suva A.____ mit Verfügung vom 19. Februar 2019 mit, dass d ie Fussbeschwerden nicht mehr auf den Unfall vom 31. Mai 2018 zurückzuführen seien, weshal b die Leistungen per 28. Februar 2019 eingestellt würden. Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 25. April 2019 fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Marco Chevalier, am 27. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte, in Gutheissung der Beschwerde sei der Einspr acheentscheid vom 25. April 2019 auf- zuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm über den 28. Februar 2019 hinaus die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen. Ev entualiter sei die Angelegenheit zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegn erin zurückzuweisen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassun g vom 30. Juli 2019 unter Hin- weis auf die Stellungnahme des Kreisarztes Dr. med. D.__ __, Facharzt für Chirurgie, vom 26. Juli 2019 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 27. Mai 2019 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die gesetzlic hen Leistungen zu Recht per 28. Februar 2019 eingestellt hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilwe iser Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderli chen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundhei tsschadens darstellt, wenn also Letz- terer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursac hen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er u nmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, w ie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistun gsbegründende natürliche Kausalzusam- menhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung vo n unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Di e blosse Möglichkeit nunmehr gänz- lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genüg t nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kaus alzusammenhang gegeben ist – nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Dies e Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten mass- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebend (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2 014, 8C_419/2014, E. 3.2 mit Hinwei- sen). 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie insbeso ndere der Feststellung natürli- cher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist di e rechtsanwendende Behörde re- gelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bew eismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4.3 Rechtsprechungsgemäss kann auch reinen Aktengutach ten voller Beweiswert zukom- men, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beur- teilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverha lts geht (RKUV 1993 Nr. U 167 S. 95; nicht publ. E. 5b des Urteils BGE 114 V 109, v eröffentlicht in RKUV 1988 Nr. U 56 S. 366; vgl. auch Urteile U 181/06 vom 21. Juni 2007 , E. 2.3, und U 223/06 vom 8. Februar 2007, E. 5.1.2). Aktengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Be- funde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bere its erhoben worden sind, aber die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zuordnung zu einer Diagnose oder der Kausalzusammenhan g und das Ausmass der Behinde- rung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen ka nn sehr wohl in einem Aktengutachten das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die überwiegende Wahrschein- lichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich gemach t werden (H ANS KIND , So entsteht ein medizinisches Gutachten, in: René Schaffhauser/Franz Schl auri [Hrsg.], Rechtsfragen der me- dizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, Veröffe ntlichungen des Schweizerischen Instituts für Verwaltungskurse an der Universität St. Gallen/Band 42, St. Gallen 1997, S. 52). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwer deführerin liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht allesamt g ewürdigt wurden. Im Folgenden wer- den indessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wiedergegeben, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. 6.2 Gemäss Bericht des Kantonsspitals C.____ vom 2. Juni 2018 wurde infolge des axialen Stauchungstraumas am 31. Mai 2018 am rechten OSG eine undislozierte fissulare Fraktur des dorsalen Corpus tali mit Ausläufer in das USG und am linken OSG ein Verdacht auf eine fissure Fraktur der ventralen Tibia diagnostiziert. Zudem bestü nde ein Status nach einer Calcaneus- fraktur beidseits nach einem Strauchungstrauma im 23. Lebensjahr. 6.3 Am 18. Juli 2018 wurde eine klinisch-radiologische Verlaufskontrolle durchgeführt. Ge- mäss Sprechstundenbericht des Kantonsspitals C.____ vom 24. Juli 2018 bestünde ein reizlo- ses Integumentum. Druckdolenzen oder ein vermehrter Talusvorschub seien nicht festzustellen. Das aktuelle CT vom OSG und vom Fuss zeige eine zunehme nde Konsolidation der Querfissur im Corpus tali. Anzeichen für eine Nekrose oder eine sekundäre Dislokation bestünden nicht. 6.4 Gemäss Sprechstundenbericht des Kantonsspitals C.____ vom 30. August 2018 zeige der Patient rund drei Monate posttraumatisch klinisch und CT-radiologisch einen regelrechten Verlauf. Auf expliziten Wunsch des Versicherten hin werde ab dem 3. September 2018 eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert. 6.5 Im Bericht des Kantonsspitals C.____ vom 26. Novembe r 2018 wurde festgehalten, dass die aktuelle Bildgebung eine Horizontalisierung de s Talus bei Status nach Calcaneusfrak- tur sowie eine beginnende Arthrose resp. Mehrbelastun g im Bereich des OSG zeige. Im Zu- sammenhang mit der Vorgeschichte von dem axialen Strauchu ngstrauma am 31. Mai 2018 so- wie dem Status nach der Calcaneusfraktur beidseits im 2 3. Lebensjahr zeige sich eine Arthro- se, beginnend im USG beidseits mit Horizontalisierung d es Talus. Aufgrund der klinischen und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht radiologischen Diagnostik sei eine operative Versorgung mit einer korrigierenden und aufrich- tenden USG-Arthrodese angezeigt, um das OSG vor einer Arthrose zu schützen. 6.6 Im Bericht vom 14. Januar 2019 hielten die behan delnden Ärzte des Kantonspitals C.____ fest, dass der Versicherte knapp acht Monate posttraumatisch über belastungsabhängi- ge Schmerzen in beiden Füssen berichte. Das aktuelle Veri ty-CT vom OSG und vom rechten Fuss zeige eine Horizontalisierung des Talus bei Status na ch Calcaneusfraktur sowie Arthrose und Mehrbelastung im OSG. Mit einer USG-Arthrodese sol le der fortschreitenden Arthrose mit Befall des OSG vorgebeugt werden. Da der Versicherte zudem einen Rückfussvalgus aufweise, werde je nach intraoperativem Befund nach der Arthrod ese auch eine Medial-Sliding- Osteotomie des Calcaneus vorgenommen. 6.7 Am 13. Februar 2019 hielt der Kreisarzt Dr. D.___ _ fest, dass die Fraktur im Talus aus- geheilt und ohne Folge für den Fuss sei. Die geplante Umstellungsosteotomie und die USG- Arthrodese seien aufgrund der alten Calcaneusfraktur (im 23. Lebensjahr) erforderlich. Die Fol- gen des Unfalls vom 31. Mai 2018 seien Ende Januar 2019 als ausgeheilt zu betrachten. 6.8 In seinem Bericht vom 15. Februar 2019 führte der Kreisarzt Dr. D.____ weiter aus, dass es hinsichtlich der am 31. Mai 2018 erlittenen Verletzungen zu einer vollständigen Durchbauung der Fraktur ohne Dislokation gekommen sei. Die Folgen des Unfalls vom 31. Mai 2018 seien ohne Folgen spätestens im Januar 2019 ausgeheilt. Es zei ge sich jedoch eine USG-Arthrose bedingt durch die vorbestehende Verletzung aus dem Jahr 1990. Aufgrund der schlechten Be- lastungsverhältnisse in dieser Region werde eine aufri chtende USG-Arthrodese empfohlen. Die geplante Operation diene ausschliesslich der Behebung d er degenerativen Veränderung be- dingt durch den Vorschaden und stehe nicht im Zusammenh ang mit dem Unfall vom 31. Mai 2018. 6.9 Am 26. März 2019 hielt Prof. Dr. med. E.____, FM H Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, Chefarzt der Klinik f ür Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates des Kantonsspitals C.____, fest, dass der Versicherte mit den zurückge- bliebenen Fehlstellungen am Fuss bedingt durch die Cal caneusfraktur im Alter von 23 Jahren keine Probleme gehabt habe. Seit dem Unfall vom 31. M ai 2018 würden indes Schmerzen per- sistieren. Es sei eine nicht dislozierte Fraktur im Talus si chtbar, was eine Schädigung des USG bestätige. 6.10 Am 26. Juli 2019 nahm Dr. D.____ erneut Stellun g. Er hielt fest, dass die unfallnahmen Aufnahmen vom 31. Mai 2018 die fissurale Fraktur im Bereich des Talus am rechten Sprungge- lenk zeigen würden. Die ergänzende Computertomographie könne den Befund deutlich darstel- len. Es zeige sich eine Frakturlinie, die zum USG etw as geöffnet sei, während sie das OSG nicht erreiche. Die Kontinuität der knöchernen Fläche des Talusdoms sei durch die Fraktur nicht beeinflusst. Es bestünden jedoch Zeichen einer bereits zu diesem Zeitpunkt sehr fortgeschritte- nen Arthrose subtalar (USG), bedingt durch den Vorschade n mit Calcaneusfraktur im Alter von 23 Jahren. Im Bereich des Talus bestünden degenerative zystische Veränderungen, jedoch ohne Erreichen der Gelenkflächen. Bei Inspektion der Strukturen des OSG würden sich leichte Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Randkantenausziehungen in der tibialen Gelenkfläche sowie eine Verschmälerung des talotibia- len Gelenkabstands als Hinweis auf eine auch hier begi nnende arthrotische Veränderung zei- gen. Im weiteren Verlauf sei die fissurale Veränderung im Bereich des Talus sehr gut dokumen- tiert und ihr Ausheilungsergebnis insofern im CT vom 14. Januar 2019 sehr exakt dargestellt. Im Bereich der Gelenksfläche zum OSG seien keine Gelenkstufe n erkennbar. Die Fraktur sei als solche nicht mehr nachweisbar. Auch zum USG hin seien keine Dislokationen zu erkennen. Der Frakturspalt sei vollständig durchbaut. Aufgrund der vorl iegenden Röntgenaufnahmen zeige sich, dass vor dem Unfall am 31. Mai 2018 bereits beginn end degenerative Veränderungen im Bereich des OSG nachgewiesen worden seien, die auf der letztmaligen Aufnahme vom 14. Januar 2019 unverändert zur Darstellung kommen wür den. Es sei nicht zu erkennen, dass zwischen Mai 2018 und Januar 2019 eine Progredienz der d egenerativen Veränderungen des OSG stattgefunden hätten. Auch in Bezug auf die vorb estehende Deformierung des USG sei hier die Defektsituation identisch zur Darstellung gekom men. So werde im Röntgenbefund vom 14. Januar 2019 eindeutig von einer subtalaren Arth rose gesprochen. Gemeint sei hier die De- formation zwischen Calcaneus und Talus und somit die Teile des USG. Aufgrund der vollstän- digen Ausheilung der Fraktur, die der Versicherte im M ai 2018 erlitten habe und der daraus re- sultierenden gelenkstufenfreien Ausheilung ergebe sich ke in Hinweis, dass die vorbestehende Arthrose durch den Unfall richtungsgebend verschlimmert worden sei. Die hier bestehende sub- talare Arthrose sei Folge des Unfalls im 23. Altersjahr des Versicherten. Der Unfall vom 31. Mai 2018 habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung gef ührt. Dies sei auf verschiedenen Röntgenaufnahmen dokumentiert und ende in der Bemerkung, dass die Fraktur des Corpus tali ohne sekundäre Dislokation konsolidiert sei. Auch das D emineralisierungsareal zentral in der Talusrolle sei bereits in den Vorbefunden dargestellt worden und bestünde unverändert. Die geplante aufrichtende Arthrodese des USG diene der St abilisierung des Rückfusses. Eine sol- che Arthrodese führe jedoch keineswegs zu einer Verhinde rung einer OSG-Arthrose, da die Fixierung des Nachbargelenks sicherlich keinen protektiven Einfluss auf die Beweglichkeit und Belastung des darüber liegenden Gelenks habe. Der Ein griff erscheine trotzdem sinnvoll zu sein, um den Fuss zu stabilisieren. Behandelt würden hi er jedoch die Folgen des Vorzustands und nicht die Folgen einer Verletzung, die nachweislic h stufenfrei verheilt sei. Der therapeuti- sche Ansatz, ein Fortschreiten der OSG-Arthrose durch ein e USG-Arthrodese zu verhindern, führe zwar zu einer Verbesserung der Stellung des OSG, jedoch gleichzeitig zu einer Mehrbe- lastung durch fehlende Bewegungselemente unterhalb de s OSG. Es sei daher damit zu rech- nen, dass die ansatzweise bereits im Mai 2018 bestehende b eginnende arthrotische Verände- rung des OSG keineswegs durch den Eingriff verlangsamt werde. Es bleibe jedoch festzuhal- ten, dass die beschriebenen Veränderungen im Bereich des rechten Fusses durch den Unfall vom 31. Mai 2018 nicht verschlimmert worden seien und d ie knöcherne Ausheilung inzwischen vollständig sei. 7.1 Die Suva stützte sich im angefochtenen Einspracheen tscheid vom 25. April 2019 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts vollumfänglich auf die Beurteilungen von Dr. D.____ vom 13. und 15. Februar 2019 und ging da von aus, dass zum Zeitpunkt der Leis- tungseinstellung per 28. Februar 2019 überwiegend wah rscheinlich keine Folgen des Unfaller- eignisses vom 31. Mai 2018 mehr vorlagen. Wie bereits a usgeführt (vgl. E. 4.2 hiervor), sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn sich der angefochtene Entscheid Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlage n stützt. Bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztl ichen Feststellungen sind ergänzen- de Abklärungen vorzunehmen. Vorliegend bestehen jedoch keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der chirurgischen Beurteilung von Dr. D.____. Diese wurde in Kenntnis der Vorakten verfasst und die geklagten Beschwerden wurden berücksichtigt. Es wird deutlich, dass es infolge des axialen Stauchungstrauma am 31. Mai 2018 zu einer fissuralen Fraktur des Talus rechts und zu einer solchen im Bereich der distalen Tibi a links gekommen war, diese Verlet- zungen aber spätestens im Januar 2019 vollständig knöch ern konsolidiert waren und deshalb im Beschwerdebild und für die Leistungsfähigkeit des Ver sicherten keine Rolle mehr spielen. Demgegenüber dienen die geplante Umstellungsosteotomi e und die USG-Arthrodese aus- schliesslich der Behebung der degenerativen Veränderung b edingt durch die Calcaneusfraktur (im 23. Lebensjahr) und stehen nicht im Zusammenhang mit dem Unfall vom 31. Mai 2018. Die Beurteilung des Kreisarztes Dr. D.____ erweist sich sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen S chlussfolgerungen als überzeu- gend. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin darauf abgestellt hat. 7.2 Daran ändern auch die Ausführungen in der Beschwer de nichts. Zunächst bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Kreisarzt Dr. D.____ bei seiner Beurteilung vom 15. Februar 2019 den Bericht des Kantonsspitals C.____ vom 14. Januar 2019 nicht miteinbe- zogen hätte. Weiter kann entgegen der Auffassung des Be schwerdeführers aus den Berichten des Kantonsspitals C.____ vom 26. November 2018 und 14 . Januar 2019 weder geschlossen werden, dass die USG-Arthrodese eine Folge des Unfal ls vom 31. Mai 2018 ist, noch geht dar- aus hervor, dass die Arthrose am OSG aufgrund der Unf alls vom 31. Mai 2018 verursacht wor- den wäre. Vielmehr ist aufgrund der detaillierten un d überzeugenden Stellungnahme des Kreis- arztes Dr. D.____ vom 26. Juli 2019 davon auszugehen, d ass die Arthrose am USG in einem Zusammenhang steht mit der Calcaneusfraktur im Alter vo n 23 Jahren und sich deren Zustand durch den Unfall vom 31. Mai 2018 nicht richtungsgebend verschlimmert hat. Sodann hielt der Kreisarzt nachvollziehbar fest, dass hinsichtlich der berei ts vor dem Unfall bestandenen dege- nerativen Veränderungen im Bereich des OSG auf der let zten CT-Aufnahme vom 14. Januar 2019 unverändert seien, weshalb eine richtungsgebende Verschlechterung des Zustands durch den Unfall vom 31. Mai 2018 ausgeschlossen werden kann. Selbst wenn es – wie sich aus dem Bericht des Kantonspitals C.____ vom 26. November 2018 ergibt – bei der USG-Arthrodese darum geht, das OSG vor einer Arthrose zu schützen, änd ert dies nichts an der Tatsache, dass die USG-Arthrose durch einen früheren Unfall verursac ht worden war, mit dem Unfall vom 31. Mai 2018 aber in keinem ursächlichen Zusammenhang st eht. Daran vermag auch der Be- richt von Prof. Dr. E.____ vom 26. März 2019 nichts zu ä ndern, zumal er seine Vermutung ei- nes Kausalzusammenhangs (vgl. E. 6.9 hiervor) nicht nac hvollziehbar begründet. Seine Argu- mentation, wonach der Versicherte mit den zurückgeblie benen Fehlstellungen am Fuss bedingt durch die Calcaneusfraktur im Alter von 23 Jahren keine Probleme gehabt habe, seit dem Unfall vom 31. Mai 2018 indes Schmerzen persistieren würden, l äuft zudem auf eine beweisrechtlich unzulässige "Post-hoc-ergo-propter-hoc-Argumentation“ hinaus. Insgesamt liegt nichts vor, was auf eine aktenwidrige oder unzutreffende Beurteilung von Dr. D.____ schliessen lassen würde oder Zweifel an seiner Beurteilung zu begründen vermö chte. Aufgrund der differenzierten und deshalb massgebenden Beurteilungen des Kreisarztes vom 13. und 15. Februar 2019 sowie Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 26. Juli 2019 ist vielmehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die unfallkausalen strukturellen Veränderungen im Zeitpunkt der Leistungsei nstellung am 28. Februar 2019 alle- samt ausgeheilt waren und die geplante Umstellungsosteo tomie und die USG-Arthrodese aus- schliesslich der Behebung der degenerativen Veränderung im Zusammenhang mit dem Unfall vom 31. Mai 2018 stehen, weshalb in antizipierter Bewe iswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf zusätzliche Abklärungen verzichtet werden kann. 7.3 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Versi- cherungsleistungen per 28. Februar 2019 eingestellt hat . Die gegen den betreffenden Ein- spracheentscheid vom 25. April 2019 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht