<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 57" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 57</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">353</span> </div> <div class="page" id="S353"> <div role="main"> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>57 Baubewilligungspflicht für die Gartengestaltung in der Landwirt-</b></span><br/> <span class="text"><b>schaftszone </b></span><br/> <span class="text"><b>Legitimation der Beschwerdeführenden zur Anfechtung einer</b></span><br/> <span class="text">Feststellungsverfügung (Erw. 1) </span><br/> <span class="text"><b>Baubewilligungspflicht einer Kirschlorbeerhecke (Erw. 4.3.1) </b></span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 29. Mai 2019 i.S. C. und N.W.</span><br/> <span class="text">gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt/Gemeinde-</span><br/> <span class="text">rats H. (RRB Nr. 2019-000606).</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">1. Feststellungsverfügung und Legitimation der Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führenden</span><br/> <span class="text">Die angefochtene Verfügung der Abteilung für Baubewilli-</span><br/> <span class="text">gungen BVU vom 8. August 2018 sowie der Entscheid des Gemein-</span><br/> <span class="text">derats H. vom 20. August 2018 stellen einzig und allein fest, dass die</span><br/> <span class="text">auf der Parzelle 42 erstellten Bauten (Einfriedung mit Kirschlorbeer-</span><br/> <span class="text">hecke, Zaun, Kiesweg und allfällige weitere) baubewilligungspflich-</span><br/> <span class="text">tig im Sinne von Art. 22 RPG und § 59 BauG seien. Es handelt sich</span><br/> <span class="text">somit um Feststellungsentscheide. Die Beschwerdeführenden führen</span><br/> <span class="text">grundsätzlich zu Recht aus, dass sie damit sinngemäss aufgefordert</span><br/> <span class="text">würden, ein Baugesuch einzureichen. Mit anderen Worten kann fest-</span><br/> <span class="text">gestellt werden, dass die in Frage stehende Feststellungsverfügung</span><br/> <span class="text">nach Eintritt ihrer Rechtskraft dem Gemeinderat erlauben würde, die</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführenden aufzufordern, ein Baugesuch einzureichen be-</span><br/> <span class="text">ziehungsweise das am 4. Dezember 2017 von Amtes wegen bereits</span><br/> <span class="text">eingeleitete Baubewilligungsverfahren durchzuführen. Die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführenden sind durch die damit verbundenen Kosten und</span><br/> <span class="text">das Risiko einer Baugesuchsabweisung mit Rückbauanordnung be-</span><br/> <span class="text">schwert und damit in schutzwürdigen eigenen Interessen betroffen.</span><br/> <span class="text">Die Legitimation der Beschwerdeführenden zur Erhebung der vor-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">354</span> </div> <div class="page" id="S354"> <div role="main"> <span class="text">liegenden Beschwerde ist somit zu bejahen (§ 42 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="text">VRPG).</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text">4.3</span><br/> <span class="text">4.3.1</span><br/> <span class="text">Des Weiteren machen die Beschwerdeführenden geltend, dass</span><br/> <span class="text">für Pflanzungen grundsätzlich keine Bewilligungspflicht bestehe.</span><br/> <span class="text">Die in Frage stehende Kirschlorbeerhecke sei daher nicht bewilli-</span><br/> <span class="text">gungspflichtig.</span><br/> <span class="text">Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es sich</span><br/> <span class="text">rechtfertigen, Pflanzungen - gleich wie Bodenveränderungen durch</span><br/> <span class="text">Zäune, Abschrankungen, Teiche etc. - Anlagen gleichzustellen. So</span><br/> <span class="text">kann das Pflanzen von Bäumen, Sträuchern und Hecken im Einzel-</span><br/> <span class="text">fall zu einer von Menschenhand geschaffenen, dauerhaften und mit</span><br/> <span class="text">dem Boden verbundenen wesentlichen Veränderung der Landschaft</span><br/> <span class="text">führen. Ob dies zutrifft, beurteilt sich danach, welche konkrete Aus-</span><br/> <span class="text">wirkung eine Pflanzung namentlich in ästhetischer Hinsicht auf die</span><br/> <span class="text">Landschaft hat. Dabei sind insbesondere die Bedeutung und Art der</span><br/> <span class="text">Bepflanzung, die Oberfläche, die Dichte und ihre Anordnung sowie</span><br/> <span class="text">ihre Eingliederung in die bestehende Umgebung zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="text">So führt etwa die Schaffung eines Gartens in der Landwirtschaftszo-</span><br/> <span class="text">ne in Form eines eigentlichen Landschaftsparks auf einer vorher</span><br/> <span class="text">landwirtschaftlich genutzten Fläche zu einem erheblichen Eingriff in</span><br/> <span class="text">die Landschaft (vgl. Urteil 1A.276/2006 vom 25. April 2007 E. 5.2</span><br/> <span class="text">mit Hinweis). Als baubewilligungspflichtig qualifizierte das Bundes-</span><br/> <span class="text">gericht zum Beispiel eine mannshohe Eibenhecke auf einem Attika-</span><br/> <span class="text">geschoss eines dreigeschossigen Hauses. Das Bundesgericht befand,</span><br/> <span class="text">dass die Hecke aufgrund ihrer Grösse, ihrer Position am obersten</span><br/> <span class="text">Dachrand und ihrer Verdichtung - gleich einem Dachaufbau - den</span><br/> <span class="text">optischen Eindruck einer entsprechenden Erhöhung des Gebäudes</span><br/> <span class="text">bewirke. Unter diesen Umständen führe die auf dem Dach gepflanzte</span><br/> <span class="text">Hecke zu einer erheblichen Veränderung der äusserlichen Raumer-</span><br/> <span class="text">scheinung des Gebäudes. Damit würden wichtige räumliche Folgen</span><br/> <span class="text">einhergehen, die ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn</span><br/> <span class="text">an einer vorgängigen Kontrolle begründeten (vgl. zum Ganzen Urteil</span><br/> <span class="text">1C_658/2013 vom 24. Januar 2014 E. 4.4).</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">355</span> </div> <div class="page" id="S355"> <div role="main"> <span class="text">Es kommt hinzu, dass das Anpflanzen nicht einheimischer Zier-</span><br/> <span class="text">sträucher, -hecken und -bäume in der Landwirtschaftszone einer zo-</span><br/> <span class="text">nenwidrigen Wohngartennutzung und damit der Erstellung einer zo-</span><br/> <span class="text">nenwidrigen Gartenanlage gleichkommt, was im Rahmen eines Bau-</span><br/> <span class="text">bewilligungsverfahrens festzustellen und zu untersagen ist. Kirsch-</span><br/> <span class="text">lorbeeren sind invasive gebietsfremde Neophyten, die ausserhalb der</span><br/> <span class="text">Bauzonen bekämpft werden (vgl. Art. 23 NHG, Art. 3 Abs. 1 lit. h</span><br/> <span class="text">und Art. 52 Abs. 1 FrSV), weshalb im Sinne von § 59 Abs. 1 BauG</span><br/> <span class="text">ein offensichtliches Interesse besteht, vor ihrer Anpflanzung im</span><br/> <span class="text">Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens die Zulässigkeit zu klären.</span><br/> <span class="text">Bei der Beurteilung der Bewilligungspflicht der in Frage ste-</span><br/> <span class="text">henden Kirschlorbeerhecke ist ferner zu berücksichtigen, dass die</span><br/> <span class="text">Hecke eine Einfriedung der Parzelle 42 darstellt. Dabei darf nicht</span><br/> <span class="text">ausser Acht gelassen werden, dass sich die Parzelle 42 in der Land-</span><br/> <span class="text">wirtschaftszone befindet. Einzelne Pflanzen können auf den Luftbil-</span><br/> <span class="text">dern nicht ausgemacht werden, vielmehr tritt die Hecke mauerartig in</span><br/> <span class="text">Erscheinung und grenzt die offene Landschaft der Landwirtschafts-</span><br/> <span class="text">zone markant ab. Der Abteilung für Baubewilligungen BVU ist daher</span><br/> <span class="text">beizupflichten, dass die Einfriedung geeignet ist, den Raum erheblich</span><br/> <span class="text">zu verändern. Des Weiteren führt die Abteilung für Baubewilligun-</span><br/> <span class="text">gen BVU ebenfalls zu Recht aus, dass die Hecke aufgrund ihres</span><br/> <span class="text">Ausmasses als sichtbehindernde Einfriedung gegenüber den Nach-</span><br/> <span class="text">bargrundstücken dient. Es bestehen somit sowohl öffentliche wie</span><br/> <span class="text">auch nachbarschaftliche Interessen an einer Kontrolle durch die Bau-</span><br/> <span class="text">bewilligungsbehörde.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>