<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 54 S.269</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">269</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>54</b></span> <span class="ft1"><b>Ausgangsregelung in der Anstalt; Zuständigkeit; Zwangsmassnahmen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Keine Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Überprüfung der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Ausgangsregelung im Rahmen einer fürsorgerischen Freiheitsentzie-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>hung (Erw. 2.3.1.).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Eine Zwangsmassnahme i.S.v. § 67e</b></span><span class="ft2"><sup><b>bis</b></sup></span> <span class="ft1"><b>EGZGB liegt vor, wenn neben</b></span><br/> <span class="ft1"><b>dem Entzug der Bewegungsfreiheit ein zusätzlicher Eingriff in die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>körperliche und psychische Integrität des Betroffenen erfolgt; das</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Nichtgewähren von Einzelausgang ist keine Zwangsmassnahme</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 2.3.2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 11. Oktober 2005 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen E.P.-G. gegen Entscheid der Klinik Königsfelden.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">I.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">2.2. Gemäss § 67 e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft5">Abs. 4 EGZGB kann auch ein Entscheid</span><br/> <span class="ft5">der Psychiatrischen Klinik Königsfelden betreffend Zwangsmass-</span><br/> <span class="ft5">nahmen im Rahmen einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung, ein-</span><br/> <span class="ft5">schliesslich der nach § 15 PD notfallmässig durchgeführten Zwangs-</span><br/> <span class="ft5">behandlungen (AGVE 2000, S. 177 f.), mit Beschwerde beim Ver-</span><br/> <span class="ft5">waltungsgericht angefochten werden. Das Verwaltungsgericht über-</span><br/> <span class="ft5">prüft, ob die Zwangsmassnahme nach Massgabe des Einweisungs-</span><br/> <span class="ft5">grundes medizinisch indiziert und ob sie verhältnismässig ist. Das</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht ist indessen grundsätzlich nicht zuständig zur</span><br/> <span class="ft5">Beurteilung von konkreten ärztlichen Anordnungen, wie die Wahl</span><br/> <span class="ft5">des Medikaments, der Dosierung, der Anordnung einer bestimmten</span><br/> <span class="ft5">therapeutischen Behandlung, Wahl der Abteilung, etc. Dies gehört in</span><br/> <span class="ft5">den Fachbereich der Ärzte (AGVE 1987, S. 217; AGVE 1989, S. 198</span><br/> <span class="ft5">f.; Eugen Spirig in: Zürcher Kommentar, Art. 397a - 397f ZGB,</span><br/> <span class="ft5">Zürich 1995, Art. 397d N 42 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft5">2.3. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der Entscheid</span><br/> <span class="ft5">der Klinik Königsfelden, mit welchem unter dem Titel "Aufhebung</span><br/> <span class="ft5">der Ausgangssperre" ein entsprechendes Gesuch der Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">270</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">führerin um Gewährung von Ausgang in Begleitung ihres Ex-Ehe-</span><br/> <span class="ft5">mannes abgewiesen wurde. Zur Begründung wurde im Wesentlichen</span><br/> <span class="ft5">darauf hingewiesen, dass sich die Beschwerdeführerin im Rahmen</span><br/> <span class="ft5">einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung in einer geschlossenen</span><br/> <span class="ft5">Anstalt befinde, weil sie sich trotz vielfältigen Bemühungen in der</span><br/> <span class="ft5">Vergangenheit immer wieder auf gefährliche Art und Weise</span><br/> <span class="ft5">prostituiere.</span><br/> <span class="ft5">2.3.1. Bei der Ausgangsregelung handelt es sich um eine Vor-</span><br/> <span class="ft5">kehr der Klinik zur Erfüllung ihrer Aufsichtspflicht gegenüber der</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführerin, die sich mittels rechtskräftiger fürsorgerischer</span><br/> <span class="ft5">Freiheitsentziehung in der Klinik als geschlossene Anstalt befindet.</span><br/> <span class="ft5">Die Regelung des Ausgangs liegt im Ermessen der Klinikärzte. Es</span><br/> <span class="ft5">handelt sich um eine Frage der Ausgestaltung gewisser Freiheiten im</span><br/> <span class="ft5">Rahmen des Klinikalltags. Diese kann nicht Gegenstand der ver-</span><br/> <span class="ft5">waltungsgerichtlichen Prüfung einer fürsorgerischen Freiheitsent-</span><br/> <span class="ft5">ziehung sein (AGVE 2003, S. 151 f.). (...) Das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft5">darf daher auf die Beschwerde nicht eintreten.</span><br/> <span class="ft5">2.3.2. Der Vollständigkeit halber ist die Frage zu prüfen, ob die</span><br/> <span class="ft5">Verweigerung von Ausgang eine Zwangsmassnahme im Sinne von</span><br/> <span class="ft5">§ 67 e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft5">EGZGB darstellt. Eine Zwangsmassnahme im Sinne dieser</span><br/> <span class="ft5">Bestimmung ist eine Behandlung oder eine andere Vorkehr, die im</span><br/> <span class="ft5">Rahmen einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung gegen den Willen</span><br/> <span class="ft5">der betroffenen Person vorgenommen wird, und die neben dem</span><br/> <span class="ft5">Entzug der Bewegungsfreiheit einen zusätzlichen Eingriff in die</span><br/> <span class="ft5">körperliche oder psychische Integrität der betroffenen Person be-</span><br/> <span class="ft5">deutet (BGE 125 III 172 f.). Der Gesetzgeber dachte im Wesentli-</span><br/> <span class="ft5">chen an Zwangsmedikation, Isolation und Fixierung. Das Verwal-</span><br/> <span class="ft5">tungsgericht hat entschieden, dass auch das Besuchsverbot der Spi-</span><br/> <span class="ft5">talpfarrerin und der Entzug der Bibel eines isolierten Patienten</span><br/> <span class="ft5">Zwangsmassnahmen darstellen, weil durch diese Anordnungen die</span><br/> <span class="ft5">persönliche Freiheit des Patienten weitergehender als durch den</span><br/> <span class="ft5">Zwangsaufenthalt in der Anstalt eingeschränkt wurde (AGVE 2000,</span><br/> <span class="ft5">S. 195 ff.). Durch den vorliegendenfalls nicht gewährten Einzelaus-</span><br/> <span class="ft5">gang in Begleitung ihres Ex-Ehemannes wird die persönliche Frei-</span><br/> <span class="ft5">heit der Beschwerdeführerin nicht weitergehender eingeschränkt, als</span><br/> <span class="ft5">sie es durch den Entzug der Bewegungsfreiheit durch fürsorgerische</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">271</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Freiheitsentziehung in der Psychiatrischen Klinik Königsfelden als</span><br/> <span class="ft5">grundsätzlich geschlossene Anstalt schon ist. Es handelt sich somit</span><br/> <span class="ft5">nicht um eine Zwangsmassnahme im Sinne von § 67 e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft5">EGZGB,</span><br/> <span class="ft5">weshalb auch unter diesem Titel keine verwaltungsgerichtliche</span><br/> <span class="ft5">Überprüfung des Klinikentscheids vom 29. September 2005 erfolgen</span><br/> <span class="ft5">kann (vgl. AGVE 2003, S. 152 f.).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>