B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1494/2013 U r t e i l v o m 11 . D e z e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter François Badoud, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______ (Beschwerdeführerin 1), und deren Kind B._______ (Beschwerdeführerin 2), Äthiopien (angeblich Eritrea), beide vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Februar 2013 / N (…). E-1494/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin 1 gelangte gemäss eigenen Angaben am 10. Juli 2010 auf unbekanntem Weg in die Schweiz und suchte tags darauf im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person vom 15. Juli 2010 und der eing e- henden Anhörung zu den Asylgründen vom 18. Oktober 2010 brach te sie im Wesentlichen vor , sie sei als Kind eritreischer Eltern in Addis Abeba geboren. Ihre Mutter sei bei ihrer Geburt gestorben, so dass sich ihre Grossmutter um sie gekümmert habe. Als sie (…) Jahre alt gewesen sei, habe ihr Vater sie verlassen. 1997 sei ihre Grossmutter gestorben. Da- nach habe sie mit ihrem Cousin m ütterlicherseits zusammengelebt, bis dieser in die Provinz Wollo (Äthiopien) gezogen sei. Am 19. Hamle (26. Juli) 1999 seien vier äthiopische Soldaten zu ihr g e- kommen. Diese hätten zunächst die Wohnung durchsucht und einige D o- kumente ihres Vaters an sich genommen. Dann hätten diese sie zum Bü- ro der Kebele gebracht und gefragt, wo ihr Vater sei. Am nächsten Tag sei sie gemeinsam mit etwa 50 weiteren Personen nach Eritrea deportiert und von den dortigen Behörden nach C._______ gebracht worden. Dort habe sie zunächst einen Monat in einem Hotel gewohnt, bevor sie zu e i- ner Frau namens D._______ habe ziehen können, die ihr Arbeit in ihrem Restaurant gegeben habe. In Eritrea habe sie von Verwandten bezi e- hungsweise von D._______ erfahren, dass ihr Vater (…) verstorben sei. Da sie keine eritreischen Papiere habe erhältlich machen können, sei sie am 30. Yakatit (9. März) beziehung sweise Maga bit (8 . April) 2000 aus Eritrea ausgereist und über Djibouti nach Äthiopien zurückgekehrt. Fortan habe sie ausserhalb von Addis Abeba gewohnt und als Verkäuferin, Wä- scherin und Putzfrau gearbeitet. Am (…) 2004 sei sie vergewaltigt wo r- den. In der Folge habe sie ihren Sohn E._______ geboren. Eines Abends sei sie auf dem Nachhauseweg von der Polizei angehalten und nach i h- rem Ausweis gefragt worden. Da sie keinen gehabt habe, sei sie auf das Polizeirevier gebracht worden, wo ihre Personalie n aufgenommen wo r- den seien. Am nächsten Tag habe sie den Posten verlassen dürfen, weil eine Frau, mit der sie zusammengearbeitet habe , für sie mit 300 Birr g e- bürgt habe. Danach sei sie für den 19. Sene (26. Juni) 2005 von einem Gericht vorgeladen worden, um zu erklären, warum sie keine Papiere h a- be. Sie sei der Vorladung nicht nachgekommen, was keine Folgen gehabt habe. Weil sie nach der Vergewaltigung jedoch nicht mehr in Äthiopien E-1494/2013 Seite 3 habe bleiben wollen beziehungsweise weil sie gewusst habe, dass das Gericht sie für ihre Papierlosigkeit bestraft hätte, habe sie sich Ende 2005 alleine in den Sudan begeben . Ihren Sohn habe sie bei ihrer Vermieterin zurückgelassen. In den kommenden Jahren habe sie sich in einem Ort namens F._______ beziehungsweise im Quartier F._______ in Khartum bei einem Mann namens G._______ aufgehalten. 2010 sei sie auf dem Luftweg von einem unbekannten Flughafen aus in ein unbekanntes Land geflogen und mit dem Zug weiter in die Schweiz gereist. Zum Beweis ihrer Identität reichte die Beschw erdeführerin 1 am 19. Juli 2011 eine Kopie einer eritreischen Identitätskarte zu den Akten und brachte vor, dabei handle es sich um jene ihres Vaters. B. Am (…) wurde die Beschwerdeführerin 2 geboren und in das Asylverfah- ren ihrer Mutter einbezogen. C. Mit Verfügung vom 15. Februar 2013 – eröffnet am 19. Februar 2013 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlings- eigenschaft nicht, wies die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. D. Dagegen erhoben die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe vom 21. März 2013 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die vorinstanzliche Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren, eventu- aliter sei die Unzulässigkeit oder die Unzumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In ve r- fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit ihrer Eingabe reichten die Beschwerdeführerinnen als weitere Be- weismittel eine Taufurkunde betreffend die Beschwerdeführerin 1 (samt Briefumschlag), eine Kopie eines Reisepasses (bei dem es sich um jenen des Bruders der Beschwerdeführerin 1 handle), die angeblichen Identi- tätskarten des Bruders und des Vaters der Beschwerdeführerin 1 im Ori- ginal (samt Briefumschlag) und ein Schreiben der Beschwerdeführerin 1 vom 19. März 2013 zu den Akten. E-1494/2013 Seite 4 E. Mit Instruktionsverfügung vom 28. März 2013 stellte die Instruktionsrichte- rin fest, die Beschwerdeführerinnen dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Zugleich hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. F. Am 29. April 2013 anerkannte H._______ (N […], anerkannter Flüchtling) seine Vaterschaft betreffend die Beschwerdeführerin 2. G. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2013 setzte die Instruktionsrichterin den Beschwerdeführerinnen Frist an zur Mitteilung, ob sie ein Gesuch um Einbezug der Beschwerdeführerin 2 in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters gestellt hätten beziehungsweise beabsichtigen würden und wie der Stand eines allfälligen Verfahrens sei. Im Unterlassungsfall werde davon ausgegangen, die Beschwerdeführerinnen verzichteten auf die Gelten d- machung entsprechender Ansprüche. H. Die Beschwerdeführerinnen orientierten das Bundesverwal tungsgericht mit Schreiben vom 28. November 2013 über die gleichentags erfolgte Einreichung eines Gesuchs um Einbezug der Beschwerdeführerin 2 in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters. Mit rechtskräftiger Verfügung vom 20. Juni 2014 lehnte das BFM das G e- such ab. Zur Begründung führte es insbesondere aus, es bestehe keine Familiengemeinschaft zwischen den Beschwerdeführerinnen und dem Kindsvater und gegenwärtig könne nicht von einem gelebten oder inta k- ten Vater-Kind-Verhältnis ausgegangen werden. Zudem habe der Kind s- vater kein Einverständnis für den Einbezug der Beschwerdeführerin 2 in seine Flüchtlingseigenschaft gegeben. Die Voraussetzungen gemäss Art. 51 Abs. 1 und 3 AsylG (SR 142.31) seien nicht gegeben. E-1494/2013 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vo rliegen ei- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingereicht. Die B e- schwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung; sie sind da her zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 2. Die Kognition und die Rügemöglichkeiten richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des E-1494/2013 Seite 6 Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringe n, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM begründete seinen ablehnenden Ents cheid mit der U n- glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin 1. Betreffend das eingereichte Beweismittel (Kopie einer eritreischen Ident i- tätskarte, die dem Vater der Beschwerdeführerin 1 gehört haben solle) stellte die Vorinstanz fest, diesem ko mme keine Beweiskraft zu. Zum e i- nen sei der Echtheitsgrad nicht überprüfbar, zum Anderen sei die Bezi e- hung zwischen dem Besitzer der Identitätskarte und der Beschwerdefü h- rerin 1 nicht belegt. Sodann führte sie insbesondere aus, die Beschwe r- deführerin 1 hab e widersprüchliche Angaben gemacht und ihre Vorbri n- gen nicht hinreichend begründet. So habe sie betreffend ihre Herkunft an- lässlich der Erstbefragung angegeben, in Äthiopien geboren und aufg e- wachsen zu sein, aber die eritreische Staatsangehörigkeit zu besitzen. Im weiteren Verlauf der Befragung habe sie vorgebracht, sie habe die eritrei- sche Staatsbürgerschaft nie erlangt, ihre Eltern seien jedoch eritreischer Herkunft. Anlässlich der eingehenden Anhörung zu den Asylgründen habe sie geäussert, sie sei eritreische Staatsangehörige, habe in Eritrea jedoch keine Identitätspapiere erhalten. Das Prozedere (der erfolglosen Papie r- beschaffung) habe sie hingegen kaum schildern können. Sie sei überdies nicht imstande gewesen, substanziierte Aussagen zur Herkunft ihrer El- tern zu machen. Sie kenne weder deren Herkunftsorte noch -regionen und könne keine Angaben zu Verwandt en machen, obgleich sie vorg e- bracht habe, dass ihre Grossmutter, mit der sie bis zu ihrem 12. Leben s- jahr zusammengewohnt habe, ihr von der eritreischen Herkunft ihrer E l- tern erzählt habe. Die Aussagen der Beschwerdeführerin 1 zur Herkunft ihrer Eltern würden auch deswegen unglaubhaft erscheinen, weil sie a n- gegeben habe, dass ihr Vater äthiopischer Soldat gewesen sei. Zudem mangle es ihren Vorbringen zufolge ihrer fehlenden Tigrinya -Kenntnisse E-1494/2013 Seite 7 an Glaubhaftigkeit. Es erscheine unrealistisch, dass sie von ihrer Gros s- mutter, die ebenfalls aus Eritrea stammen solle, kein Tigrinya gelernt h a- be und sich während ihres halbjährigen Aufenthalts in C._______ aus- schliesslich mit ihrer amharisch -sprechenden Vermieterin unterhalten ha- be. Sodann habe die Beschwerdeführerin 1 die Deportation nach C._______ und ihren Aufenthalt in jener Stadt nicht glaubhaft schildern können. Über wesentliche Ereignisse während der Dep ortation, wie den Grenzübertritt, den Aufenthaltsort nach der Ankunft in C._______ und die Registrierung durch die eritreische Behörde, habe sie fast nichts beric h- ten können. An die Stadt, in welcher sie während sechs Monaten ge lebt haben wolle, erinnere sie sich kaum. Ferner habe sie sich zu ihrer Ausrei- se aus Eritrea widersprochen, indem sie bei der Befragung zur Person angegeben habe, sie sei nach äthiopisch em Kalender am 30. Yakatit (9. März) 2000 nach Äthiopien zurückgereist, während sie bei der Anhöru ng vorgebracht habe, Eritrea am 30. Magabit (8. April) 2000 verlassen zu haben. Die Angaben der Beschwerdeführerin 1 betreffend ihren Hinte r- grund, ihre Lebensumstände und ihre angebliche eritreische Herkunft und Nationalität müssten mithin als unglaubhaft eingestuft werden. Da sich die Beschwerdeführerin 1 bereits im Zusammenhang mit ihrer Nationalität und Herkunft widerspreche, würden grundsätzliche Zweifel an ihren Vorbringen aufkommen. Nachdem sie sich gemäss eigenen Ang a- ben von der Geburt bis Ende 2005 mit einem angeblichen Unterbruch von sechs Monaten in Äthiopien aufgehalten habe, sei davon auszugehen, dass sie zumindest über ein Aufenthaltsrecht in diesem Staat, wenn nicht sogar über die ät hiopische Staatsbürgerschaft verfüge. Im Übrigen habe sie sich auch bezüglich der geltend gemachten geschlechtsspezifischen Verfolgung in zahlreiche Widersprüche verwickelt. Zwischen der angebl i- chen Vergewaltigung und der Ausreise sei sodann kein direkter Kausa l- zusammenhang erkennbar. Da der Vorfall (…) Jahre zurückliege und auch die Angaben der Beschwerdeführerin 1 zu den angeblichen Schwie- rigkeiten mit den äthiopischen Behörden aufgrund ihrer Herkunft als u n- glaubhaft einzustufen seien, könne davon ausgegangen werden, dass sich die Beschwerdeführerin 1 diesbezüglich in Äthiopien in Sicherheit wähnen könne. Damit erübrige es sich, auf weitere Ungereimtheiten in den Vorbringen der Beschwerdeführerin 1 einzugehen. Deren Ausführungen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass die Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Mithin würde die B e-E-1494/2013 Seite 8 schwerdeführerinnen die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und das Asylgesuch sei abzulehnen. 5.2 Die Beschwerdeführerin 1 hält den Erwägungen des BFM insbeso n- dere Folgendes entgegen: Die Ausführungen des BFM zu den angeblich widersprüchlichen Angaben zu ihrem (familiären herkunftsmässigen) Hintergrund seien äusserst spitz- findig. Ein Widerspruch könne nicht ausgemacht werden. Fakt sei, dass sie als Tochter eritreischer Eltern in Äthiopien geboren worden sei und dort wegen der Herkunft ihrer Eltern als Eritreerin gelte. Wegen ihrer Ge- burt in Äthiopien könne sie in Eritrea keine Dokumente erlangen. Hin- sichtlich ihrer Kenntnisse betreffend ihre Eltern sei zu festzuhalten, dass ihre Mutter bereits bei der Geburt gestorben sei und ihr Vater sie verla s- sen habe, als sie (…) Jahre alt gewesen sei. Sie habe folglich zu ihrer Mutter keine und zum Vater nur eine geringe Beziehung gehabt, wodurch sich erklären lasse, dass sie über deren Herkunftsorte keine detaillierten Angaben machen könne. Möglicherweise habe ihre Grossmutter i hr ge- wisse Dinge über ihre Eltern erzählt, die sie aber wieder vergessen habe. In diesem Zusammenhang sei zu berücksichtigen, dass ihre Grossmutter verstorben sei, als sie 12 Jahre alt gewesen sei. Der Umstand, dass ihr Vater Soldat der DERG (Militärjunta Äthiopiens von 1974 bis 1987) gewe- sen sei, spreche nicht dagegen, dass er ursprünglich aus Eritrea stamme, da sich Eritrea erst im Jahre 1993 als unabhängig erklärt habe. Kurz zu- vor sei ihr Vater verschwunden. Zu ihren Sprachkenntnissen sei zu b e- merken, da ss sie abgesehen von einem knappen Jahr ihre gesamte Kindheit und Jugend in Äthiopien verbracht habe. Mit ihrer Grossmutter habe sie Tigrinya gesprochen, weshalb sie die Sprache teilweise verst e- he. Da Tigrinya sprechende Kinder in Addis Abeba jedoch bes chimpft worden seien, habe sie sich geschämt und nur noch Amharisch gespro- chen. Zum Zeitpunkt ihrer Deportation nach Eritrea sei sie (…) Jahre alt gewe- sen, und anläs slich der vorinstanzlichen Befra gung habe dieses Ereignis 11 Jahre zurückgelegen. Insofern se i durchaus nachvollziehbar, dass sie keine detaillierten Erinnerungen mehr daran habe. In C._______ habe sie sodann lediglich ein knappes Jahr gelebt. Sie habe die Sprache nicht g e- sprochen und sei deshalb nicht in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung gekommen. Ihre einzige Bezugsperson sei ihre Chefin gewesen. Imme r- hin habe sie sich daran erinnern können, manchmal ans Meer gegangen zu sein. Es könne nicht erwartet werden, dass sie detailliert über mehr als E-1494/2013 Seite 9 10 Jahre zurückliegende , im Kindesalter erlebte Geschehnisse berichten könne. Hinsichtlich des Datums der Ausreise aus Eritrea habe sie bereits bei der Anhörung angemerkt, dass sie bei der Erstbefragung keinen M o- nat genannt habe. Dass im Befragungsprotokoll dennoch festgehalten worden sei, sie sei am 30. Ye katit ausgereist, sei auf ein Missverständnis oder einen Übersetzungsfehler zurückzuführen. Jedenfalls habe sie Äth i- opien am 30. Magabit verlassen. Ferner beziehe sich das BFM auf zahlreiche Widersprüche in ihren Vo r- bringen betreffend die erlittene Vergewaltigung, nenne jedoch nur deren zwei. Die durch die Vorinstanz geschilderten Ungereimtheiten würden j e- doch keine Abstützung in den Akten finden beziehungsweise seien e r- klärbar (vgl. im Einzelnen die Beschwerdeschrift S. 7). Schliesslich b e- haupte das BFM zu Unrecht, dass sie gestützt auf ihren langjährigen Auf- enthalt in Äthiopien über ein Aufenthaltsrecht beziehungsweise die Staatsangehörigkeit verfüge. Dem Bericht der Schweizerischen Flüch t- lingshilfe (SFH) vom 11. Mai 2009 ( ALEXANDRA GEISER, Äthiopien: eritrei- sche Herkunft) sei zu entnehmen, dass vor 2003 von Äthiopien nach Eri t- rea deportierte Personen rein eritreischer oder gemischt äthiopisch - eritreischer Herkunft nach Auffassung der äthiopischen Behörden (mit Durchführung der Überst ellung nach Eritrea) keine äthiopische Staat s- bürgerschaft mehr gehabt hätte n. Weder den Deportierten noch den überwiegend illegal in Drittländer ausgereisten eritreisch -stämmigen Äthi- opiern stehe die Möglichkeit offen, die äthiopische Staatsbürgerschaft (wieder) zu beantragen. Nach dem Gesagten wäre ihr, selbst wenn sie diese gehabt hätte, die äthiopische Staatsbürgerschaft nach der Deport a- tion im Jahre 1999 entzogen worden. Nach ihrer Rückkehr nach Äthi o- pien habe sie sich illegal in Addis Abeba aufgehalten . Es könne somit nicht davon ausgegangen werden, dass sie sich bei einer erneuten Rück- kehr nach Äthiopien legal dort aufhalten oder gar die Staatsbürgerschaft beantragen könnte. Ihre eritreische Herkunft könne sie durch die nu n- mehr eingereichten neuen Bewe ismittel (Taufurkunde, Kopie des Reis e- passes ihres Bruders, Originale der Identitätskarten von Bruder und V a- ter) untermauern. Ihr Bruder habe die Familie im Jahre 1991 gemeinsam mit dem Vater verlassen. Kürzlich sei er aus Eritrea in den Sudan geflüch- tet. Mit dem beigelegten Schreiben bestätige sie, dass I._______ ihr Bru- der sei. Zusammenfassend sei davon auszugehen, dass sie wie ihre Eltern und ihr Bruder aus Eritrea stamme . Eine Rückkehr dorthin komme nicht in Frage, weil sie sich im w ehrdienstpflichtigen Alter befinde und die Dienst-E-1494/2013 Seite 10 pflicht in Eritrea seit dem Grenzkrieg von 1998 zeitlich nicht befristet sei. Es sei somit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon au s- zugehen, dass sie bei einer allfälligen Wegweisung nach Erit rea für den Militärdienst rekrutiert würde. Ausserdem habe sie aufgrund ihres langjäh- rigen Auslandaufenthalts und der Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz begründete Furcht, bei einer Rückkehr nach Eritrea als regim e- kritisch eingestuft und bestraft zu werden. Nachdem sie ihre Flüchtlings- eigenschaft zumindest glaubhaft gemacht habe, seien sie und ihre Toch- ter als Flüchtlinge anzuerkennen, und es sei ihnen Asyl zu gewähren. 6. Nach eingehender Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsg e- richt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die B e- schwerdeführerinnen bis heute keiner Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG ausgesetzt waren und weder im Zeitpunkt der Ausreise noch he ute kon- kret befürchten mussten beziehungsweise müssen, einer solchen Gefahr ausgesetzt zu sein. 6.1 Die Beschwerdeführerin 1 bringt vor, sich Zeit ihres Lebens illegal in Äthiopien aufgehalten zu haben, weil sie eritreischer Herkunft sei. Mit der Vorinstanz ist indes festzustellen, dass ihre diesbezüglichen Ausführu n- gen widersprüchlich und unsubstanziiert ausgefallen sind. 6.1.1 Zunächst ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bis heute keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere eingereicht hat, welche ihre angebliche eritreische Staatsangehörigkeit respektive ihre Identität bel e- gen könnten. Wie die Vorinstanz zutreffend feststellte, kann von der ei n- gereichten eritreischen Identitätskarte, die ihrem Vater gehört haben soll, kein Bezug zur Beschwerdeführerin hergestellt werden. Dasselbe gilt für die nunmehr eingereichte eritreische Identitätskarte und die Kopie des Reisepasses ihres Bruders. Selbst wenn diese Personen die eritreische Staatsangehörigkeit besitzen respektive besassen, so lässt sich daraus nicht ohne Weiteres ableiten, dass auch die Beschwerdeführerin 1 selbst Eritreerin ist. Betreffend die eingereichten Papiere ihres Bruders ist z u- dem nicht nachvollziehbar, warum sie anlässlich der Befragung zur Pe r- son angab, keine Geschwister zu haben (vgl. A1/12 Zi ff. 12 S. 4), und erstmals auf Beschwerdeebene einen sieben Jahre älteren Bruder er- wähnt, der sich aktuell im Sudan aufhalte. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, dass sie anlässlich der Anhörung zunächst angab, nie Dokumente wie eine Geburtsurkunde, ein S chulzeugnis oder ähnliches besessen zu h a- ben (A21/22 F7 S. 2), auf die Frage, wo sich ihr Taufschein befinde, indes E-1494/2013 Seite 11 angab, sie habe diesen auf dem Weg in den Sudan verloren (vgl. A21/22 F109 S. 10). Wie sie nunmehr in der Lage gewesen sein soll, die Taufu r- kunde auf Beschwerdeebene dennoch einzureichen, führt sie nicht aus (vgl. die Beschwerdeschrift S. 8). Mithin kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um eine authentische Taufurkunde der Beschwerde- führerin 1 handelt. Ohnehin vermöchte aber auch d ieses Dokument ihre Identität nicht zu belegen. 6.1.2 Die Beschwerdeführerin 1 äusserte sich hinsichtlich ihrer eritre i- schen Herkunft sodann nur vage und oberflächlich. So gab sie an, bereits ihre Grosseltern mütterlicher- wie väterlicherseits hätten in Äthiopie n (be- ziehungsweise im Gebiet des heutigen Äthiopiens) gelebt. Sie wisse j e- doch nicht, wann ihre Vorfahren nach Äthiopien gegangen seien. Sie h a- be gehört, dass ihre Familie aus Eritrea stamme und ihre Grossmutter habe ihr erzählt, dass ihre Eltern Tigrinya gesprochen hätten (vgl. A1/12 Ziff. 15 S. 6; A21/22 F22ff. S. 3 f.). Sie bringt ausserdem vor, auch ihre Grossmutter habe mit ihr Tigrinya gesprochen, sie selbst verstehe Tigr i- nya aber nur "poco" (wenig) (gemäss der Dolmetscherin "molto poco", vgl. A1/12 Ziff. 9 S. 3). 6.1.3 Sodann erweist sich die Deportation der Beschwerdeführerin 1 nach Eritrea als unglaubhaft. Dabei kann weitgehend auf die vorinstanzliche Erwägung I/1 S. 3 f. verwiesen werden, der auf Beschwerdeebene keine substanziierten Einwände entgegenhalten werden. Auch unter Berüc k- sichtigung ihres damalig jugendlichen Alters von (…) Jahren darf erwartet werden, dass die Beschwerdeführerin 1 zumindest widerspruchsfrei über ihren Aufenthalt in Eritrea berichten könnte. Hingegen schilderte sie a n- lässlich der beiden vorinstanzlichen Befragungen d ie Überstellung nach Eritrea nur sehr knapp (vgl. A1/12 Ziff. 15 S. 7 und A21/22 F64–68 S. 6f.) und äusserte sich über den weiteren Verbleib in C._______ widersprüch- lich. Sie wusste nichts über die Stadt zu berichten und bezeichnete die einzige Frau, mit der sie sich während ihres Aufenthalts in Eritrea unte r- halten habe, bei der Erstbefragung als Pächterin des Hotels (affituaria dell'albergo, vgl. A1/12 Ziff. 3 S. 2 ) und bei der Anhörung als Besitzerin eines Restaurants (vgl. A21/22 F75 S. 8). Ihre diesbezüglichen Erkl ä- rungsversuche (vgl. A21/22 F198 S. 19) vermögen den Widerspruch nicht aufzulösen. Betreffend die Aufenthaltsdauer machte die Beschwerdefü h- rerin – auch auf Beschwerdeebene – ebenfalls widersprüchliche Angaben (vgl. A1/12 Ziff. 3 S. 1; A21/22 F64 S. 6 f. und F77 S. 8 sowie F194 f. S. 19; Beschwerdeschrift S. 7). Schliesslich gab sie an, Eritrea nach einem Aufenthalt von sechs bis neun Monaten wieder verlassen zu haben, weil E-1494/2013 Seite 12 die Regierung ihr kein e Ausweisdokumente gegeben h abe (vgl. A1/12 Ziff. 15 S. 6) und macht keine Schwierigkeiten bei der Ausreise geltend. Dies erscheint mit der damals in Eritrea herrschenden Einschränkung der Reisefreiheit nicht vereinbar. 6.1.4 Im Zusammenhang mit dem Nachweis ihr er Identität in Äthiopien verstrickte sich die Beschwerdeführerin 1 sodann in Widersprüche. Auf die Frage, wie sie sich in Addis Abeba ausgewiesen habe, antwortete sie anlässlich der Anhörung zunächst, sie sei zu ihrer Identität nie befragt worden und habe sich ausserhalb der Stadt versteckt (vgl. A21/22 F8 S. 2). Im weiteren Verlauf gab sie jedoch als Ausreisegrund aus Äthiopien an, dass sie infolge der Anhaltung durch die Polizei zur Ausweiskontrolle von einem Ge richt vorgeladen worden sei und dort ihre P apierlosigkeit hätte begründen müssen, was sie nicht habe tun wollen (vgl. A21/22 F146 S. 14). Zudem brachte sie vor, sie habe ihre Vermieterin im Jahr 2004 gebeten, für sie einen Ausweis zu organisieren. Diese habe ihr j e- doch nicht geholfen (vgl. A21/22 F9 S. 2). In den Folgefragen gab sie an, ihre Vermieterin sei zum Verwaltungsort gegangen und habe versucht, eine Identitätskarte zu besorgen, was nicht funktioniert habe (vgl. A21/22 F10 f. S. 2). 6.1.5 Die Identität und eritreische Herkunft der Beschwerdeführerin 1 sind durch die eingereichten Beweismittel und ihre Angaben nicht glaubhaft gemacht. Vielmehr deuten ihr langjähriger Aufenthalt in Äthiopien, ihre ru- dimentären passiven Kenntnisse der Sprache Tigrinya, die nicht glaubhaf- te Deportation nach Eritrea und die widersprüchlichen Angaben zum Vor- handensein und zum Erhalt von äthiopischen Identitätsdokumenten auf eine äthiopische Herkunft hin. Die Einwände der Beschwerdefüh rerin 1 betreffend die Schwierigkeiten von Eritreern beim Erhalt äthiopischer Ausweispapiere (vgl. die Beschwerdeschrift S. 9 f.) erweisen sich damit als unbehelflich. 6.2 Nachdem die Beschwerdeführerin 1 ihre Herkunft und die Deportation nach Eritrea nicht glaubhaft machen konnte, können ihr auch ihre übrigen Asylvorbringen nicht geglaubt werde n. Damit erübrigt es sich, auf ihre weiteren Vorbringen detailliert einzugehen. Anzumerken ist jedoch, dass sie sich auch hinsichtlich ihres Aufenthalts in Äthiopien ab dem Jahr 2000 und dem angeblich fünfjährigen Verbleib im Sudan widersprüchlich und unsubstanziiert äusserte. Insbesondere widersprach sie sich mehrfach betreffend den Täter der angeblichen Vergewaltigung in Äthiopien (vgl. A1/12 Ziff. 11 S. 4 und Ziff. 15 S. 7f.; A21/22 F170 f. S. 16), den Umgang E-1494/2013 Seite 13 mit den Männern J._______ und K._______ (vgl. A21/22 F97ff. S. 9, F107 f. S. 10 und F160 –168 S. 15f.) sowie den Ausreisegrund aus Äthio- pien (vgl. A1/12 Ziff. 15 S. 8; A21/22 F146 S. 14) und vermochte die W i- dersprüche auch auf Nachfrage hin nicht zu entkräften. Hinsichtlich ihres Aufenthalts im Sudan – der aus dem Aufenthalt im Haus eines ihr bis d a- hin unbekannten Mannes bestanden habe, der sie zuweilen eingesperrt habe, sie aber dennoch bis in die Schweiz begleitet und die gesamte Rei- se finanziert habe – äusserte sie sich sodann oberflächlich und realität s- fremd (vgl. A1/12 Ziff. 16 S. 9). 6.3 Zusammenfassend ist es der Beschwerdeführerin 1 nicht gelungen, die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft zu machen. Nach dem Gesagten hat das BFM zu Recht das Asylgesuch abgewiesen und die Flüchtlingseigen- schaft verweigert. Bei diesem Ergebnis erübrigt es sich, auf die weiteren Aus führungen auf Beschwerdeebene einzugehen. Für die nachfolgende Prüfung des We g- weisungsvollzugs ist von der äthiopischen Herkunft und Staatsangehöri g- keit der Beschwerdeführerinnen auszugehen. 7. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksich- tigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrechtl i- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspru ch auf Erteilung einer solchen. Das Gesuch um Einbezug der Beschwerdeführerin 2 in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters wurde durch das BFM mit Verfügung vom 20. Juni 2014 rechtskräftig abgewiesen. Weitere Ansprüche auf E r- teilung einer Aufenthaltsbewilligung sind nicht ersichtlich und werden nicht geltend gemacht. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ang e- ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9). 8. Im Hinblick auf die Prüfung allfälliger Wegweisungshi ndernisse stellt sich vorliegend die Frage, ob der diesbezüglich relevante Sachverhalt durch das BFM in rechtsgenüglicher Weise erhoben und gewürdigt worden ist. 8.1 Im Verwaltungsverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollständigen un d richtigen Abklärung des rechtserheblichen E-1494/2013 Seite 14 Sachverhalts (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG; für das Asyl- verfahren ausserdem Art. 6 AsylG). Mithin ist die zuständige Behörde ver- pflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sachver- halt von Amtes wegen festzustellen. Sind Kinder von einem allfälligen Wegweisungsvollzug betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesicht s- punkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf einen Wegweisungsvollzug we sentlich erscheinen (BVGE 2009/51 E. 5.6 m.w.H.). 8.2 In Bezug auf Äthiopien ist in allgemeiner Hinsicht Folgendes festz u- halten: Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von e i- ner grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekursko m- mission [EMARK] 1998 Nr. 22). Die sozioökonomische Situation allei n- stehender Frauen in Äthiopien muss jedoch als überaus schlecht b e- zeichnet werden. Die Arbeitslosigkeit von Frauen in Addis Abeba wird auf 40 bis 55 % geschätzt. Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Frau in Äthiopien einer eigenständigen Erwerbstätigkeit nac h- gehen kann, sind insbesondere eine höhere Schulbildung, das Leben in der Stadt, das Verfügen über finanzie lle Mittel und die Unterstützung durch ein soziales Netzwerk. Ohne diese Voraussetzungen bleiben Fra u- en oft nur berufliche Aktivitäten – wie namentlich Prostitution – die aus ethischer Sicht oder mit Blick auf gesundheitliche Risiken nicht zumutbar wären ( vgl. ALEXANDRA GEISER, SFH, Äthiopien: Rückkehr einer jungen alleinstehenden Frau, Bern, 13. Oktober 2009). Für alleinstehen de, nach Äthiopien zurückkehrende Frauen ist es nach Kenntnis des Bundesve r- waltungsgerichts schwer, sozialen Anschluss zu finden, da unverheiratete und allein lebende Frauen von der Gesellschaft – auch der städtischen – nicht akzeptiert werden, weil die kulturelle Norm für Frauen ein Leben in der Familie vorsieht (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.5 S. 521 f. m.w.H.). 8.3 Bei den Beschwerdeführerinne n handelt es sich um eine alleinst e- hende Frau und ihr (…)jähriges Kind. Es erweist sich somit als von en t- scheidwesentlicher Bedeutung, ob sie in Äthiopien über ein hinreichendes E-1494/2013 Seite 15 familiäres oder anderweitiges soziales Netz ver fügen und der Vollzug der Wegweisung mit dem Kindeswohl somit vereinbar ist. 8.3.1 Die Beschwerdeführerin 1 gab diesbezüglich zu Protokoll, seit ihrer Geburt und vor der Ausreise in den Sudan in Addis Abeba beziehung s- weise in einem Vorort namens L._______ gelebt zu haben. I hre Eltern und ihre Grossmutter seien gestorben. Ihr (mittlerweile etwa […]jähriger) Sohn lebe bei ihrer ehemaligen Vermieterin. Ansonsten verfüge sie über keine Verwandten (vgl. A1/12 Ziff. 12 S. 4). Anlässlich der Anhörung führ- te sie aus, sie habe einen Cousin mütterlicherseits, der in der Provinz Wollo lebe (vgl. A21/22 F 55–61 S. 6). In der Beschwerdeschrift erwähnt sie sodann erstmals einen Bruder, der sich im Zeitpunkt der Beschwerde- erhebung im Sudan aufgehalten haben soll. 8.3.2 Die Vorinstanz führte betref fend die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung insbesondere aus, die familiären, sozialen und allgemeinen Lebensumstände der Beschwerdeführerinnen seien zufolge der unglau b- haften Darlegung nicht gesichert. Für die Zumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs sp reche aufgrund der Aktenlage allerdings, dass es sich bei der Beschwerdeführerin 1 um eine junge und gesunde Frau handle, die vor ihrer Ausreise in Äthiopien verschiedenen Tätigkeiten nachgega n- gen und selbständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen imstand e gewe- sen sei. Zudem könne davon ausgegangen werden, dass sie in Äthiopien auf ein taugliches Beziehungsnetz zurückgreifen könne. Ihr Sohn sei dort bei der ehemaligen Vermieterin wohnhaft, zu der sie ein offenbar vertrau- tes Verhältnis gepflegt habe. Im vorliegenden Fall sei somit von begünsti- genden, individuellen Faktoren auszugehen, die eine Reintegration mö g- lich machen würden und aufgrund welcher angenommen werden könne, dass die Beschwerdeführerin nen durch den Vollzug der Wegweisung nach Äthiopien nicht an Leib und Leben gefährdet würde n. Aufgrund der unglaubhaften Angaben der Beschwerdeführerin 1 im Zusammenhang mit ihrer Herkunft und Identität sei zudem davon auszugehen, dass sie in Äthiopien über weitere Verwandte verfüge. 8.3.3 Die Beschwerdeführerinnen sin d besonders schutzbedürftig. Um dem Untersuchungsgrundsatz Genüge zu tun, erscheint es – insbesonde- re mit Blick auf das Kindeswohl – notwendig, vor der Beurteilung der Z u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs weitere Abklärungen vorzunehmen. Aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin 1 steht derzeit nicht fest, dass ihr im Falle einer Rückkehr nach Äthiopien ein soziales Bezi e-E-1494/2013 Seite 16 hungsnetz zur Verfügung stünde, welches ihr und der kleinen Tochter die erforderlichen Existenzbedingungen – wie Unterkunft und weitere Fakt o- ren einer gesicherten Existenz – notfalls bieten könnte . Das Vorhanden- sein eines solchen Netzes ist indes zentral, damit die Beschwerdeführ e- rin 1 ihrem Kind ein zumutbares Leben ermöglichen kann. Alleine au f- grund ihrer Sozialisierung in Addis Abeba kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie bei einer Rückkehr die notwendige Unterstüt zung vor- finden wird. Der Verweis des BFM auf ihren minderjährigen Sohn und die ehemalige Vermieterin reicht ebenfalls nicht aus, um von einem tragfäh i- gen Beziehungsnetz auszugehen. Angesichts der Altersangabe der B e- schwerdeführerin 1 ist ihr Sohn noch nicht in der Lage, für sich selber zu sorgen, womit er auch seiner Mutter und Schwester keine Unterstützung bieten kann. Dass die ehemalige Vermieterin d er Beschwerdeführerin 1 ihr die notwendige Unterstützung bieten könnte beziehungsweise würde, erweist sich sodann als Spekulation. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM den entscheidwesent- lichen Sachverhalt betreffend die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Massachtung der behördlichen Untersuchungs pflicht nicht vollständig und rechtsgenüglich abgeklärt und damit auch die Begründungspflicht verletzt hat. Da eine Heilung dieser erheblichen Verfahrensmängel im Beschwerdeverfahren nicht angebrach t ist, ist der angefochtene En t- scheid aufzuheben und die Sache ist zur Neubeurteilung an die Vori n- stanz zurückzuweisen. Diese ist aufzufordern, in Bezug auf das Bestehen eines familiären und sozialen Netzes der Beschwerdeführerinnen in Addis Abeba Abklärungen vor Ort vorzunehmen. 9. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die vorinstanzliche Verfügung betreffend den Wegweisungsvollzug aufzuh e- ben ist. Die Sache ist diesbezüglich zur erneuten Beurteilung im Sinne der Erwägungen an das B FM zurückzuweisen. Im Flüchtlings- und Asyl- punkt sowie betreffend die Wegweisung als solche ist die Beschwerde abzuweisen. 10. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 und 64 Abs. 1 VwVG). E-1494/2013 Seite 17 10.1 Beim Ausgang des vorliegenden Verfahrens ist von einem hälftigen Obsiegen der Beschwerdeführerinnen auszugehen. Demzufolge wären ihnen die Hälfte der Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist jedoch angesichts des mit Verfügung vom 28. März 2013 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung zu verzichten. 10.2 Angesichts ihres teilweisen Obsiege ns ist den vertretenen B e- schwerdeführerinnen sodann ist in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine häftige Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Auf das Einfordern einer Ko s- tennote kann verzichtet werden, da sich der notwendige Vertretungsau f- wand aufgrund der Akten hinreichend zuverlässig abschätzen lässt. G e- stützt auf die in Be tracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) ist den Beschwerdeführerinnen zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 85 0.– (inkl. Auslagen und MwSt) zuzuspr e- chen. (Dispositiv nächste Seite) E-1494/2013 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird b etreffend Asyl, Flüchtlingseigenschaft und die Wegweisung als solche abgewiesen. 2. Betreffend die vorinstanzliche Anordnung des Wegweisungsvollzuges wird die Beschwerde gutgeheissen. Die Dispositivziffern 4 un d 5 der Ver- fügung des BFM werden aufgehoben und die Sa che wird im Sinne der Erwägungen zur Vornahme weiterer Abklärungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben 4. Das BFM wird angewiesen, den Besch werdeführerinnen eine um die Hälfte reduzierte Parteientschädigung von Fr. 850.– (inkl. MwSt und Aus- lagen) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: