Abteilung III C-3490/2009/ {T 0/2} U r t e i l v o m 2 . J u l i 2 0 1 0 Richter Beat Weber (Vorsitz), Richter Michael Peterli, Richterin Elena Avenati-Carpani, Gerichtsschreiberin Susanne Flückiger. A._______, Z.________ (Türkei), z.H. B._______, Y._______, Beschwerdeführer, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, X._______, Vorinstanz. Invalidenrente (Revision); Verfügung der IVSTA vom 21. April 2009. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-3490/2009 Sachverhalt: A. A.________, geboren 1970, türkischer Staatsangehöriger, heiratete im August 1991 eine in der Schweiz niedergelassene Türkin und reiste im November 1991 in die Schweiz ein. Er arbeitete bis Januar 1993 als Hilfsarbeiter in einer Druckerei in W.________. Danach war er arbeitslos. Von April 1994 bis April 1995 arbeitete er in einer anderen Druckerei und bezog danach bis Ende April 1996 nochmals Arbeitslosenentschädigung. Insgesamt leistete er während 5 Jahren bzw. 60 Monaten Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Inva- lidenversicherung (act. IV/1, 16 S. 2, 31). Im September 1993 erlitt er ein Subduralhämatom links-hemisphärisch [spezielle Form des Schlaganfalls], welches im Oktober 1993 mittels Aneurysma-Clipping operiert wurde. Im Anschluss an den Eingriff traten chronische Kopfschmerzen mit frontaler Betonung auf, die per- sistierten und trotz analgetischer und antidepressiver Behandlung therapieresistent blieben (act. IV/1 S. 6, 5, 9). Am 27. November 2000 stellte er bei der IV-Stelle V._______ (nach- folgend: IV V._______) einen Antrag auf eine Invalidenrente (act. IV/1). Als Begründung gab er an, aufgrund der sehr starken Kopfschmerzen nicht mehr arbeiten zu können. B. Die IV V._______ erstellte den Sachverhalt, holte insbesondere neurologische und psychiatrische Verlaufsakten ein und klärte die Eingliederungsfähigkeit des Versicherten ab (act. IV/5, 6, 9 – 11, 15 – 18, 20 – 27). Mit Beschluss vom 18. März 2002 sprach die IV V._______ dem Ver- sicherten per 1. November 1999 eine ganze Rente bei einem IV-Grad von 100% zu (act. IV/29). Die Ausgleichskasse erliess am 11. und am 24. Juni 2002 die Abrechnungsverfügungen zur laufenden Rente und zu den Nachzahlungen inklusive drei Kinderrenten, koordiniert mit der bereits laufenden ganzen Invalidenrente der Ehefrau (inkl. Kinder- renten, act. IV/30 – 34). C. Am 10. März 2006 übermittelte die IV V._______ die Akten an die Seite 2C-3490/2009 Invalidenversicherungsstelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nach- folgend: Vorinstanz), da der Versicherte seinen Wohnsitz unterdessen in die Türkei verlegt hatte (act. IV/39 – 40). D. D.a Am 12. Oktober 2006 teilte die IVSTA dem Versicherten mit, seine Invalidenrente werde revidiert (act. IV/47). Sie holte in der Folge einen Bericht des behandelnden Arztes in der Türkei vom 8. November 2006 (act. IV/51) ein und organisierte eine pluridiziplinäre Begutachtung beim Zentrum C._______, U._______ (allgemeinmedizinisch, psychiat- risch, neurologisch; act. IV/55 – 58). D.b Der Versicherte machte gegenüber der Vorinstanz geltend, er kön- ne wegen der Folgen der Gehirnblutung nicht in die Schweiz reisen, ausserdem leide er nach einem überlebten Flugunglück unter Flug- angst, er könne indes auch nicht mit dem Zug reisen, weil die Reise zu weit sei (act. IV/59, 61, 63, 69 – 71). Am 26. November 2007 (Eingang bei der Vorinstanz) reichte er weitere spezialärztliche Berichte und Untersuchungsunterlagen, jeweils mit Teilübersetzung ins Deutsche, ein (act. IV/72 – 81). Nach Einholung einer Stellungnahme ihres ärztlichen Dienstes (nach- folgend: RAD) bestand die IVSTA auf einer Begutachtung in der Schweiz und teilte dem Versicherten mit, sie werde aufgrund der Akten entscheiden, falls er ohne Entschuldigung der Untersuchung keine Folge leiste (act. IV/84, 86). Der Beschwerdeführer erklärte sich in der Folge einverstanden, trotz Bedenken seines behandelnden Arztes in die Schweiz zu reisen (act. IV/88). Die Begutachtung fand am 16. und 17. September 2008 in U._______ und W._______ statt (act. IV/99, 103 – 105). Der RAD nahm am 13. Dezember 2008 nochmals Stellung. D.c Mit Vorbescheid vom 29. Dezember 2008 teilte die IVSTA dem Versicherten mit, seit dem 17. September 2008 könne er wieder eine dem Gesundheitszustand angepasste Tätigkeit ausüben, dabei könne er mehr als 60% des Erwerbseinkommens erzielen, das er heute errei- chen würde, wenn keine Invalidität vorliegen würde. Es bestehe des- halb kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente (act. IV/108). D.d Der Versicherte wendete mit Schreiben vom 29. Januar 2009 (Ein- gang bei der Vorinstanz) unter Beilage eines neuen medizinischen Seite 3C-3490/2009 Attests aus der Türkei sinngemäss ein, er sei nicht in der Lage, irgend eine Tätigkeit auszuüben, sein Gesundheitszustand habe sich nicht verbessert. Er verlangte gleichzeitig eine neue ärztliche Untersuchung (act. 112 – 115). D.e Der RAD nahm am 8. März 2009 nochmals Stellung (act. IV/120). Mit Verfügung vom 21. April 2009 hob die IVSTA die bisher ganze Ren- te per 1. Juni 2009 auf. Den Antrag auf eine neue Untersuchung wies sie ab (Zustellung am 2. Mai 2009, act. IV/124, 125). D.f Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer am 25. Mai 2009 (Poststempel, Eingang beim Bundesverwaltungsgericht am 2. Juni 2009) unter Beilage von medizinischen Akten aus den Jahren 2007 und 2009 Beschwerde (act. 1). D.g Die Vorinstanz teilte in ihrer Vernehmlassung vom 1. Oktober 2009 mit, der RAD hätte sich aufgrund des eingeholten polydisziplinä- ren Gutachtens ein schlüssiges und nachvollziehbares Bild der vorlie- genden Leiden bilden und den darin erhobenen Befunden und Schlussfolgerungen widerspruchsfrei folgen können. Der Beschwerde- führer sei im Revisionszeitpunkt in seiner letzten Tätigkeit als Drucke- reimitarbeiter oder ähnlichen Beschäftigungen zu mindestens 75% ar- beitsfähig. Deshalb sei die Rentenaufhebung zu Recht erfolgt. Ent- sprechend beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfügung (act. 10). D.h Der Beschwerdeführer leistete innerhalb der auferlegten Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 300.-- (act. 13) und liess am 5. Novem - ber 2009 replikweise Stellung nehmen (eingereicht beim Bundesge- richt, act. 14). Er stellte fest, er könne sich nicht erklären, weshalb die Gutachter im September 2008 von einer Arbeitsfähigkeit von 75% ausgehen würden. Er habe mehrfach versucht zu arbeiten, dies sei aber jeweils am zweiten Tag aus gesundheitlichen Gründen miss- lungen. Er reichte einen neuen Arztbericht ein und schlug vor, eine 25%-Stelle zu suchen, demgemäss beantragte er bis auf Weiteres eine Dreiviertelsrente. Sobald es ihm besser gehe, melde er sich und werde seinen Lebensunterhalt selber verdienen. D.i Die Vorinstanz hielt in ihrer Duplik vom 8. Dezember 2009 an ihren Anträgen fest. Das Bundesverwaltungsgericht schloss den Schriften- wechsel am 11. Dezember 2009 ab. Seite 4C-3490/2009 D.j Auf weitere Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 Verwaltungsgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge- nommen; er ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 des Bundes- gesetzes über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 [ATSG, SR 830.1]; entsprechend: Art. 48 Abs. 1 VwVG). Er ist daher zur Beschwerde legitimiert. 1.3 Da die Beschwerde fristgemäss eingereicht wurde (Art. 60 ATSG), den Formerfordernissen gemäss Art. 52 VwVG entspricht und der Kostenvorschuss innert der auferlegten Frist gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG geleistet wurde, ist darauf einzutreten. 2. 2.1 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundes- verwaltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVG), soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Indes findet das Verwaltungsverfahrensgesetz aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) anwendbar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung (Art. 1a – 26bis und 28 – 70) anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Ab- weichung vom ATSG vorsieht. Seite 5C-3490/2009 2.2 Der Beschwerdeführer ist türkischer Staatsangehöriger, weshalb das Abkommen vom 1. Mai 1969 zwischen der Schweiz und der Re- publik Türkei über soziale Sicherheit (SR 0.831.109.763.1; im Folgen- den: Abkommen) Anwendung findet. Nach Art. 2 Abs. 1 des Abkom - mens sind die Staatsangehörigen der einen Vertragspartei in ihren Rech ten und Pflichten aus der Gesetzgebung der anderen Vertrags- partei – wozu auch die schweizerische Bundesgesetzgebung über die Invalidenversicherung gehört (vgl. Art. 1 Bst. B Abs. 1 Bst. b des Ab- kom mens) – einander gleichgestellt, soweit nichts anderes bestimmt ist. Insbesondere steht türkischen Staatsangehörigen bei anwendba- rem Schweizer Recht ein Anspruch auf ordentliche Invalidenrenten unter den gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürgern zu (Art. 10 Abs. 1 des Abkommens). Vorbehalten bleibt die Regelung, dass ordentliche Renten für Versicherte, die weniger als zur Hälfte invalid sind, türkischen Staatsangehörigen, welche die Schweiz end- gültig verlassen, nicht ausgerichtet werden können (Art. 10 Abs. 2 Satz 1 des Abkommens). Weitere, im vorliegenden Verfahren relevante Ab- weichungen vom Gleichbehandlungsgrundsatz finden sich weder im Ab kom men selbst noch in der dazugehörigen Verwaltungsvereinba- rung vom 14. Januar 1970 (SR 0.831.109.763.11). Demnach bestimmt sich der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invali- denversicherung nach schweizerischem Recht, insbesondere dem IVG sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.201). 2.3 Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass gebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führen- den Tatbestandes Geltung haben, und weil ferner die Gerichte bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des angefochtenen Verwaltungsaktes, hier der Verfügung vom 21. April 2009, eingetretenen Sachverhalt abstellen (BGE 130 V 329, BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweisen), sind die ab 1. Januar 2003 geltenden Be- stimmungen des ATSG anwendbar. Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechts- wech sel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata temporis; BGE 130 V 445). Ent- sprechend ist das IVG für den Zeitraum vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 in der Fassung vom 21. März 2003 (4. IV-Revision; AS 2003 3837, nachfolgend „aIVG“) anwendbar, ab dem 1. Januar 2008 in der Fassung gemäss 5. IV-Revision (Änderungen vom 6. Okto- Seite 6C-3490/2009 ber 2006 [AS 2007 5129], nachfolgend „IVG“). Die IVV ist für den Zeit- raum vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 in ihrer Fassung vom 21. Mai 2003 (4. IV-Revision; AS 2003 3859) anwendbar, ab dem 1. Januar 2008 in der Fassung gemäss 5. IV-Revision (Änderungen vom 28. Sep tember 2007 [AS 2007 5155]). 3. 3.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerde- verfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss der Über- schreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemes senheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG). 3.2 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). Im Sozialversicherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, so- fern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanfor- derungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstel- lung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). 4. Im vorliegenden Verfahren ist streitig und vom Bundesverwaltungs- gericht zu prüfen, ob die IV-Stelle die dem Beschwerdeführer bisher gewährte ganze Invalidenrente zu Recht aufgehoben hat. Zunächst sind jedoch zur Beurteilung der Streitsache massgebenden gesetzlichen Grundlagen und die von der Rechtsprechung entwickel- ten Grundsätze darzulegen. 4.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist gemäss Art. 7 Seite 7C-3490/2009 ATSG der durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Ge- sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie- derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich- keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teil- weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut- bare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä- tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 4.2 Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 aIVG, Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkom - men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche- ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom men), in Be ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen; Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 aIVG bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG). 4.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Ge sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits- leistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Die – arbeitsmedizinische – Aufgabe der Ärz- te und Ärztinnen besteht darin, sich dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen oder geistigen Funktionen lei- densbedingt eingeschränkt ist. Seite 8C-3490/2009 Die Frage, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten auf Grund der medizinischen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fä- higkeiten der versicherten Person in Frage kommen, ist demgegenüber nicht von der Ärztin oder dem Arzt, sondern von der Verwaltung bzw. von der Berufsberatung zu beantworten (vgl. Urteil des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts I 457/04 vom 26. Oktober 2004, in: SVR 2006 IV Nr. 10, E. 4.1 mit Verweis auf BGE 107 V 17 E. 2b). 4.4 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismit- tel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerde- verfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach ha- ben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini- schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expert- innen und Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Be- weiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder als Gutachten (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2006 [I 268/2005] E. 1.2, mit Hin- weis auf BGE 125 V 352 E. 3a). In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aus- sagen. Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht, Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 E. 2a in fine) anzubringen. Den Berichten und Gut- achten versicherungsinterner Ärzte kommt schliesslich Beweiswert zu, sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine konkreten Indizien gegen ihre Zu- verlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen. Es be- Seite 9C-3490/2009 darf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Un- parteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a und 3b, 122 V 160 E. 1c, 123 V 178 E. 3.4 sowie U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 43 Rz. 35). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gut- achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Aus dem Grundsatz der Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Person, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüs- sigkeit der ärztlichen Feststellungen der versicherungsinternen Fach- personen in Zweifel zu ziehen. Diese Berichte behandelnder Ärzte ver- folgen nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen An- forderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a, weshalb im Streitfall eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt auf die An gaben der behandelnden Ärzte denn auch kaum in Frage kommt. Diese Erfahrungstatsache befreit das Gericht indessen nicht von sei- ner Pflicht zu einer korrekten Beweiswürdigung, bei der auch die von der versicherten Person aufgelegten Berichte mitzuberücksichtigen sind. Es würde einen Verstoss gegen die Waffengleichheit und somit eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK bedeuten, die Eignung der Be- richte der behandelnden Ärzte zur Weckung derartiger Zweifel von letztlich unerfüllbaren Anforderungen abhängig zu machen. Bei Be- stand von Zweifeln an den versicherungsinternen Berichten wird das Ge richt vielmehr entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sa che an den Versicherungsträger zurückzuweisen haben, damit die- ser eine Begutachtung veranlasst (BGE 135 V 465 E. 4.4 in fine und E. 4.5 f.). Die fachliche Qualifikation des Experten spielt für die richterliche Wür- digung einer Expertise eine erhebliche Rolle. Bezüglich der medizini- schen Stichhaltigkeit eines Gutachtens müssen sich Verwaltung und Ge richte auf die Fachkenntnisse des Experten verlassen können. Des- halb ist für die Eignung eines Arztes als Gutachter in einer bestimmten medizinischen Disziplin ein entsprechender, dem Nachweis der erfor- derlichen Fachkenntnisse dienender, spezialärztlicher Titel des berich- Seite 10C-3490/2009 tenden oder zumindest des den Bericht visierenden Arztes vorausge- setzt (Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2000 [I 178/00] E. 4a). 5. Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist die anspruchs- beeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenom - men werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentli- che Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiter andauern wird (Art. 88a Abs. 1 IVV). 5.1 Ein Revisionsgrund ergibt sich aus jeder wesentlichen Änderung der tatsächlichen Verhältnisse, die geeignet sind, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 343 E. 3.5, mit weiteren Hinweisen, SVR 2004 IV Nr. 5 S. 13 E. 2). Keine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse bedeuten eine unter- schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sach- verhalts (zum Beispiel eine andere Einschätzung der zumutbaren Ar- beitsleistung, vgl. SVR 2004 IV 5, E. 3.3; 1996 IV Nr. 70 E. 3a). Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat in seiner älteren Rechtspre- chung jeweils festgehalten, dass ein Revisionsgrund, welcher zur Auf- hebung oder Herabsetzung der Rente nach Art. 41 IVG (bzw. heute Art. 17 ATSG) führt, aktenmässig zuverlässig ausgewiesen sein muss (z.B. Urteil I 559/02 vom 31. Januar 2003 E. 3.2 mit weiteren Hinwei- sen sowie THOMAS LOCHER , a.a.O. § 38 Rz. 6 f. und U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, Rz. 16 f. zu Art. 17). Die Revisionsbestimmungen dürfen nicht als Grundlage für eine voraussetzungslose Neuprüfung des Rentenanspruchs verstanden werden (R UDOLF RÜEDI , Die Verfügungs- anpassung als verfahrensrechtliche Grundfigur namentlich von In- validenrevisionen, in: R ENÉ S CHAFFHAUSER /FRANZ S CHLAURI [HRSG .], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 15 mit Verweis auf BGE 112 V 371 E. 4). 5.2 Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheb- lichen Änderung bildet die letzte der versicherten Person eröffnete rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Be- Seite 11C-3490/2009 weiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei An haltspunkten einer Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Ge sundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4). Eine materielle Abklärung findet sich anlässlich der Rentenzusprache mit Beschluss vom 18. März 2002 (act. 5, 9 – 11, 15 f., 20 f., 26 f., 29, 40.4 f.). Bei der Annahme eines Invaliditätsgrades von 100% wurde kein Erwerbsvergleich erstellt. Es ist somit auf diese Akten abzu- stellen. 6. 6.1 Gemäss den Akten erlitt der Beschwerdeführer ca. im September 1993 eine links-hemisphärische Subarachnoidalblutung (Gelangen von Blut in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum ["spinnen- artige Hirnhaut"]), welche im Oktober 1993 mittels eines Aneurysma- Clippings operiert wurde (act. IV/1 S. 6, IV/9). Die Akten enthalten Berichte des Kantonsspitals W._______ (neuro- logische Universitätsklinik vom 13. September 2000, act. IV/9; neurolo- gisch-neurochirurgische Poliklinik vom 27. November 2000 bis 23. April 2001, act. IV/5, 10, 11, 15; sowie psychiatrische Universitätspoliklinik vom 2. Mai 2001, act. IV/16). Weiter finden sich Berichte des Zentrums D._______, W._______, vom 10. Oktober 2001 bis zum 8. Februar 2002 (act. IV/20, 21, 26 und 27). Ausserdem nahm der IV-Arzt Stellung (act. IV/40.4 f., Einträge vom 23. Dezember 2001 bis 9. März 2002). 6.1.1Im Bericht vom 13. September 2000 stellt die neurologische Uni- versitätsklinik im Nachgang zu einer zweiwöchigen Hospitalisation die aktuellen Diagnosen: (1) chronische therapieresistente Kopfschmerzen vom Spannungstyp, (2) reaktive Depression bei Diagnose 1. Trotz aus- gebauter analgetischer und zuletzt auch antidepressiver Therapie ha- be keine Regredienz der Kopfschmerzen erreicht werden können. Der Patient sei deshalb seit sechs Jahren invalidisiert und arbeitsunfähig. Aufgrund der langjährigen Anamnese bei fehlenden morphologischen Korrelaten im Zentralnervensystem (ZNS) handle es sich um chronisch fixierte Kopfschmerzen, die schwierig zu durchbrechen seien (act. IV/9). 6.1.2Die neurologisch-neurochirurgische Universitätspoliklinik stellt anlässlich der Nachkontrollen im November 2000 weiterhin posttrau- ma tische migräniforme Kopfschmerzen und chronische Spannungs- Seite 12C-3490/2009 kopfschmerzen mit Zervikalsyndrom fest, die sich nicht verändert hät- ten und den Patienten im täglichen Leben wie im Berufs- und Sozial- leben stark behindern würden. Der Patient sei bis zur nächsten Kontrolle / momentan zu 100% arbeitsunfähig (act. IV/5). Im IV-Bericht vom 13. März 2001 (act. IV/10) sowie dem Bericht vom 27. März 2001 (act. IV/11) wurden zusätzlich die Diagnosen Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung und rezidivierendes Lumboverte- bral-Syndrom ohne Hinweise auf radikuläre Reiz- oder Ausfallerschei- nungen gestellt. Die Rückenschmerzen hätten seit der Lumbalpunktion vom August 2000 zugenommen. Die Kopfschmerzen seien auch unter Behandlung von Surmontil [Antidepressivum, auch eingesetzt gegen schwe re Schmerzzustände] unverändert. Die Motivation des Patienten zu einem neuen Behandlungsversuch mit Surmontil (Steigerung zur Zieldosis) sei zur Zeit bei depressivem Stimmungs zustand und chroni- fizierter somatoformer Schmerzstörung mit möglicherweise sekundä- rem Krankheitsgewinn fragwürdig. Aus neurologischer Sicht seien die zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen bald erschöpft. Der Gesund heitszustand sei stationär, aber unter intensiver, psychiatri- scher, medikamentöser und physikalischer Therapie potenziell besse- rungsfähig. Es bestehe seit 1995 eine volle Arbeitsunfähigkeit im an- gestammten Beruf als Buchbinder und für körperlich schwere Tätigkei- ten. Die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess habe nach einer ausführlichen Abklärung durch die Invalidenversicherung schrittweise zu erfolgen. 6.1.3Die psychiatrische Universitätsklinik stellte in ihrem Bericht an die IV-Stelle unter Bezugnahme auf die Berichte der Poliklinik vom 13. März 2001 sowie den Bericht vom 27. März 2001 (act. IV/11) fest, der Patient leide seit der Subarachnoidalblutung 1993 an andauern- den, schweren und quälenden Kopfschmerzen sowie an seit August 2000 auftretenden lumbalen Schmerzen. Diese seien unter Vorbehalt eines Ausschlusses einer neurologischen Erkrankung nicht vollständig erklärt. Unter Vorbehalt eines Ausschlusses einer neurologischen Er- krankung leide der Patient an einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Seit 1995 arbeite er nicht mehr. Er habe aufgrund der Schmerzen und des Verlusts der Tagesstruktur zunehmend ein de- pressives Zustandsbild entwickelt, das zur Zeit leichtgradig ausgeprägt sei (ICD-10: F 32.0). Trotz dieser Beschwerden sei es dem Patienten jedoch gelungen, einen Hochschulabschluss in Betriebswissenschaft zu absolvieren, was zeige, dass er durchaus fähig sei, trotz der vor- Seite 13C-3490/2009 handenen Beschwerden eine beachtenswerte Leistung zu erbringen. Der Patient sei aufgrund der Beschwerden in einer den somatischen Beschwerden angepassten Tätigkeit zu maximal 25% arbeitsunfähig. Da er indessen jahrelang nicht mehr gearbeitet habe und entspre- chend dekonditioniert sei, empfehle sie dringend eine Wiedereinglie- derung in das Erwerbsleben mit Hilfe der Invalidenversicherung, wenn möglich unter Berücksichtigung des Diploms als Betriebswirtschafter. Im Übrigen sei eine neurologische Abklärung angezeigt. 6.1.4Vom 14. August 2001 bis zum 8. Oktober 2001 wurde der Ver- sicherte im Ambulatorium des Zentrums D.________ interdisziplinär abgeklärt (act. IV/40.4). Dieses stellte am 8. Oktober 2001 anlässlich einer interdisziplinären Nachsorgeuntersuchung die Diagnosen: Status nach Bohrlochtrepana- tion eines spontanen chronischen Subduralhämatoms temporopanetal links mit maximal 3 cm Ausdehnung 1993, mit den Folgen konsekutive (residuelle) chronische therapieresistente Kopfschmerzen (am ehesten vom vasomotorischen Typ), Verdacht auf posttraumatische Epilepsie, leichte bis mittelschwere Hirnleistungsdefizite (letzte Testung 09/01, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis, Visuellfähigkeit) sowie reaktiv se- kundär entwickelte depressive Stimmungslage (act. IV/21). In der Zwi- schenanamnese wird angegeben, dass der Patient nach wie vor über persistierende Kopfschmerzen, vor allem stressbedingt, klage, licht- empfindlich sei und Gedächtnis-, Konzentrationsprobleme, Schwindel- gefühle und Tinnitus v.a. beim Liegen habe. Bezüglich seiner Arbeits- fähigkeit sei der Patient derzeit nur in geschütztem Rahmen zu thera- peutischen Zwecken arbeitsfähig, d.h. auf dem freien Wirtschaftsmarkt zur Zeit zu 100% arbeitsunfähig (act. IV/21). Die volle Arbeitsunfähig- keit bestätigte sie am 31. Oktober 2001 (act. IV/20). Am 30. Januar 2002 teilte das Zentrum D._______ der IV W._______ mit, es hätten sich bei den Untersuchungen vom 19. und 27. September 2001 erhebliche, mehrheitlich multifokale Hirnleistungs- defizite gefunden, welche eindeutig auf eine fronto-basale Hirn- funktionsstörung im Rahmen des frontalen Subduralhämatoms links 1993 hinweisen würden. Ein am 15. November 1999 von einem Neurologen erstelltes Schlafentzugs-EEG habe ebenfalls eine dies- bezügliche hirnlokalisatorische Aussage erbracht. Das Beschwerdebild werde aus neurorehabilitationsmedizinischer Sicht als zu einem hohen Anteil hirnorganisch bedingt betrachtet. Diesbezüglich sei der Patient Seite 14C-3490/2009 voll erwerbsunfähig, berufliche Aktivitäten seien, wenn überhaupt, nur im geschützten Rahmen möglich (act. IV/26). 6.1.5Der IV-Arzt gab am 23. Dezember 2001 an, die Ergebnisse des Zentrums D._______ würden stark mit den bisherigen Akten di- vergieren, weshalb er genauere Auskünfte anforderte (act. IV/25 und 40.4). Am 6. März 2002 stellte er fest, dass die Beurteilung durch das Zentrum D._______ nachvollziehbar und in Ordnung sei. Das hirn- organische Syndrom erkläre die therapieresistenten Beschwerden, welche medizinisch kaum beeinflussbar seien (act. IV/40.4). 6.2 Aus den seit 2006 bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung erstellten medizinischen Akten ergibt sich folgendes Bild: 6.2.1Der behandelnde Arzt, Dr. E._______, schloss in seinem Bericht vom 8. November 2006 auf eine gleichbleibende volle Arbeitsunfähig- keit des Beschwerdeführers seit Behandlungsbeginn bei ihm (August 2003). Als Diagnosen gab er eine posttrauma tische Epilepsie mit einer Depression und eine mittlere kognitive Dysfunktion nach chronischer Subdural-Operation an. Der Patient stehe unter Behandlung von Tegretol [Antiepilepsiemittel, auch eingesetzt zur Verstärkung der Wirkung von Analgetika]. 6.2.2Der Psychiater und Neurologe Dr. F._______ diagnostizierte in seinem Zeugnis am 12. September 2007 ein posttraumatisches Stresssyndrom aufgrund eines Flugerlebnisses, weshalb der Patient nicht mehr habe fliegen können. Es bestehe die Gefahr, dass dieser beim Besteigen eines Flugzeugs in Panik gerate. Die Störung werde mit einem Antidepressivum behandelt (Sertralin, SSRI, act. IV/69, 71, vgl. auch Bericht vom 23. Oktober 2007, act. 74 f.). 6.2.3Aufgrund des neuropsychometrischen Testberichts vom 13. No - vem ber 2007 von Dr. G._______, Facharzt für Neurologie, wurde im verbalen Gedächtnis ein verzögerter Abruf (delayed recall) und eine signifikante Beeinträchtigung der betroffenen frontalen Region fest- gestellt (act. IV/76 f.). Der Bericht wird ergänzt durch eine Stellungnah- me der Dres. H._______, Chefarzt, und I._______, Facharzt für Neurologie. Darin wurde bei überstandenem Subduralhämatom eine „unangemeldete Art von epileptischen Anfällen“ beschrieben, welche mit Tegretol 200 mg behandelt werde. Seite 15C-3490/2009 6.2.4Weiter finden sich in den vom Beschwerdeführer eingereichten Akten ein Elektroenzephalogramm (EEG) vom 19. November 2007 (Übersetzungsdatum, act. IV/72 f.) und ein Magnetresonanzbericht (MR) des Kopfes vom 15. November 2007 (act. IV/78 f.). 6.2.5Im Nachgang zum Vorbescheid reichte der Beschwerdeführer einen einseitigen Bericht des „Erforschungs- und Praxis-Hospital“ der türkischen Republik, T._______, vom 21. Januar 2009 (act. IV/113, 115) ein, welcher die Unterschriften von acht Spezialärzten trägt. Der Bericht wurde auf Wunsch des Patienten ausgestellt. Es werden darin als klinische Befunde aus neurologischer Sicht 3 – 5 x wiederholte komp lexe partielle [Epilepsie-]Anfälle sowie depressive Stimmung und Angstreaktionen, sowie aus psychiatrischer Sicht Traurigkeit, Unlust, Schlaflosigkeit, übermässige Nervosität und Suizidgedanken angege- ben. Die Befunde wurden aufgrund eines kranialen MR und eines EEGs erhoben. Als Diagnosen wurden gestellt: Erlebtes Subdural- hämatom (ICD-10: I 69.3), Epilepsie (G 40), Depression: (F 32.8), Span nungskopfschmerzen (G 44.2). Beim Bericht handelt es sich um eine Bestandesaufnahme. Mit der Replik reichte der Beschwerdeführer eine neue Bestandesauf- nahme vom 27. Oktober 2009 ein (act. IV/14.3). 6.3 Nach Vorlage der Akten aus der Türkei (oben E. 6.2.2 – 6.2.4) stellte Dr. J._______, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, Phlebologie SGP, vom RAD am 26. Dezember 2007 zuhanden der Vorinstanz fest, aus den vorgelegten Unterlagen gingen keine Elemente hervor, die gegen eine Flugreise in die Schweiz sprächen, weshalb an der Unter- suchung in der Schweiz festzuhalten sei (act. IV/84). 6.4 6.4.1Im später erstellten interdisziplinären Gutachten in der Schweiz vom 31. Oktober 2008 hielt Dr. K._______, FMH für Allgemeinme- dizin, nach einer Zusammen fassung der zu Grunde liegenden medizi- nischen Vorakten, einleitend die Vorgeschichte fest, erhob eine Anam- nese und äusserte sich zu aktuellen medizinischen Problemen des Ex- ploranden und dessen derzeitiger Therapie (ärztliche Behandlung und Me dikamente). Er beschrieb weiter, dass der Explorand im Wartezim- mer kurzzeitig kollabiert sei (act. IV/105, S. 10 – 12). 6.4.2In seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 18. September 2008 (act. IV/103 und 105 S. 12 ff.) stellte Dr. L.________, FMH für Seite 16C-3490/2009 Psychiatrie und Psychotherapie, einen ähnlichen Zustand fest, wie er bereits im Gutachten von der psychiatrischen Universitätspoliklinik vom 2. Mai 2001 (act. IV/16) beschrieben worden sei. Die depressive Symptomatik habe nicht zugenommen, insbesondere die objektivier- baren Befunde seien sehr gering. Aufgrund der mittlerweile seit meh- reren Jahren dauernden Störung müsse eine chronifizierte depressive Störung angenommen werden (ICD 10: F34.1). Die Körperbeschwer- den seien aus somatischer Sicht in diesem Ausmass nicht nachvoll- ziehbar, weshalb die Diagnose einer somatoformen Störung (ICD 10: F.45.2) übernommen werde. Gesamthaft könne deshalb aus psychiat- rischer Sicht höchstens eine leichte Einschränkung der Arbeitsfähig- keit von 25% begründet werden. Die angegebene Flugangst und die Angst vor Erdbeben (ICD-10 F.40.2) halte er nicht für invalidisierend, insbesondere auch deshalb, weil der Beschwerdeführer in der Lage gewesen sei, für die Untersuchung mit dem Flugzeug in die Schweiz zu reisen. 6.4.3Der Neurologe Dr. M._______ (act. IV/104 und 105 S. 16 ff.) stützte seine Angaben im neurologischen Teilgutachten auf die eige- nen Untersuchungen sowie die Vorakten, wobei er angab, weitere Ak- ten und Auskünfte sowohl im Kantonsspital W._______ wie auch im Zentrum D._______ eingeholt zu haben. Aufgrund des aktuellen EEGs stellte er leichte Allgemeinveränderungen mit Betonung der vorderen Hirnregionen fest, aber ohne Nachweis epilepsietypischer Potenziale. Die abgekürzte orientierende Testung (übersetzt durch den Dolmet- scher) zeige hingegen fast durchwegs Leistungsminderungen, teils sehr stark ausgeprägt. Dieses Ergebnis sei indessen mit Vorsicht zu bewerten und stehe im Widerspruch zu den Feststellungen im länge- ren Explorationsgespräch, wo keine Verlangsamung oder Einschrän- kungen manifestiert worden seien. Die von der Zentrum D._______ aufgrund von Indizien vermutete Epilepsie, welche sich auch in den türkischen Akten finde, könne er nicht sicher bestätigen. Die beiden während des Explorationsgesprächs beschriebenen anfallsartigen Er- eignisse seien hochgradig verdächtig auf psychogene Episoden (act. 104 S. 16). In starkem Widerspruch stünden auch die Feststellungen des Zentrums D._______, wonach eine leichte bis mittelschwere Hirn- leistungsstörung vorliege, der Versicherte aber trotzdem in der Lage gewesen sei, ein Hochschulstudium in Betriebswissenschaft zu ab- solvieren und abzuschliessen. Aus neurologischer Sicht bestehe in der angestammten Tätigkeit als Seite 17C-3490/2009 Be triebsarbeiter in einer Druckerei eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 80%. Die 20%-ige Einschränkung ergebe sich aufgrund des durchge- machten chronischen Subduralhämatoms und der raschen Ermüdbar- keit. Es sei von einer erheblichen funktionellen Überlagerung auszu- gehen. Gleiches gelte für die (aus heutiger Sicht als unwahrscheinlich zu bezeichnende) Epilepsie und die formalen neuropsychologischen Störungen. Eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes seit der Rentenzusprechung könne nicht postuliert werden, jedoch könne die frühere Beurteilung aus neurologischer Sicht heute nicht mehr zwanglos nachvollzogen werden. 6.4.4In ihrer Zusammenfassung und Beurteilung stellten die Gutach- ter fest, aufgrund der von Dr. M._______ erhobenen Ergebnisse sei aus rein neurologischer Sicht eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar. Die Diagnose der Epilepsie sei entschieden zu bezweifeln, auch bezüglich der in den Berichten des Zentrums D.________ dokumentierten neuropsychologischen Funktionsstörung bestünden erhebliche Fragezeichen hinsichtlich deren hirnorganischer Relevanz, trotz der auch von Dr. M._______ in der orientierenden neuropsychologischen Testung festgestellten teilweise erheblichen Leistungsdefizite. Insbesondere stünden die von der Zentrum D._______ festgestellten leichten bis mittelschweren Hirn- leistungsdefizite in einem Widerspruch mit dem vom Exploranden im Jahr 2000 absolvierten Hochschulstudium in Betriebswissenschaft. Gesamtmedizinisch gingen die Gutachter von einer zumutbaren Ar- beitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in einer Druckerei von 75% aus. Sie hielten indes klar fest, dass grundsätzlich keine Ände- rung der gesundheitlichen Situation eingetreten sei. 6.5 Dr. J._______ des medizinischen Dienstes der IVSTA stellte am 13. Dezem ber 2008 gestützt auf das eingeholte Gutachten zu Handen der Vorinstanz fest, der Versicherte sei nun also für die angeordnete Be gutachtung reisefähig gewesen. Die Gutachter hätten wenig bis praktisch keine objektivierbaren Funktionsausfälle feststellen können. Es werde klar auf die nicht nachvollziehbare frühere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hingewiesen. Man müsse die damalige Dauerberen- tung klar als falsch und unrichtig beurteilen. Der Mann gelte ab Unter- suchungsdatum sicher zu 75% arbeitsfähig in der bisherigen Tätigkeit, ebenso in vielen anderen ähnlichen Tätigkeiten (act. IV/107). Seite 18C-3490/2009 In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 8. März 2009 hielt Dr. J._______ insbesondere bezüglich der von den türkischen Ärzten im Bericht vom 21. Januar 2009 (act. IV/113, 115) weiterhin diagnostizierten Epilepsie fest, der Schweizer Gutachter habe sich mit dieser behaupteten Diagnose auseinandergesetzt, es gebe ja bisher überhaupt keine Beweise dafür, weder apparativ noch (noch weniger) klinischer Natur. Der Versicherte habe ja anlässlich der Begutachtung versucht, einen solchen Anfall vorzuspielen, was aber vom Neurologen klar erkannt worden sei. Dr. J._______ sah deshalb keine Ver- anlassung, an der Begutachtung durch die Schweizer Experten zu zweifeln. Ergänzend stellte er am 28. November 2009 fest, es ergäben sich aus den bereits aktenkundigen Unterlagen und dem neuen Attest vom 27. Oktober 2009, welches identisch sei mit jenem vom 21. Januar 2009, keine neuen Aspekte. 7. Die Vorinstanz begründete die Aufhebung der Rente in der Verfügung damit, aufgrund der neu erhobenen Dokumente sei erstellt, dass der Versicherte wieder in der Lage sei, eine angepasste Tätigkeit auszu- üben. Dabei könne er mehr als 50% des Erwerbseinkommens erzielen, das er heute erreichen würde, wenn er nicht invalid geworden wäre (act. IV/124 S. 2). In ihrer Vernehmlassung stellte sie fest, sie habe die Rente aufgrund einer wesentlichen Verbesserung der Erwerbsfähigkeit aufgehoben. In casu seien die gesundheitlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der ur- sprünglichen Verfügung vom 11. Juni 2002 mit denjenigen vom 21. Juni 2009 zu vergleichen. Sie verwies weiter auf die Stellungnah- men des RAD und gab an, der IV-Arzt habe sich gestützt auf das ein- geholte polydisziplinäre Gutachten ein schlüssiges und nachvollzieh- bares Bild der vorliegenden Leiden bilden und insofern den darin erho- benen Befunden und Schlussfolgerungen widerspruchsfrei folgen kön- nen, weshalb die Rentenaufhebung zu Recht erfolgt sei. 7.1 Da es sich vorliegend um einen Revisionsfall handelt, bei welchem dem Beschwerdeführer im Jahr 2002 aufgrund eines hirnorganischen Syndroms nach chronischem Subduralhämatom im Jahr 1993, mit konsekutiven (residuellen) chronischen therapieresistenten Kopf- schmerzen, Verdacht auf posttraumatische Epilepsie sowie reaktiv Seite 19C-3490/2009 sekundär entwickelte depressive Stimmungslage (vgl. act. IV/27 und 40.4 f.) bei 100% Arbeitsunfähigkeit per 1. November 1999 eine ganze Invalidenrente zugesprochen wurde, ist – wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht ausführt – abzuklären, ob sich der Gesund- heitszustand des Beschwerdeführers seit der Rentenzusprache in einem Mass verbessert hat, dass ihm keine Rente mehr zusteht (BGE 130 V 343, siehe oben E. 5.1). 7.2 Bezüglich des für die Vorinstanz entscheidrelevanten Gutachtens von Dr. K._______, Dr. M._______ und Dr. L.________ ist vorab fest- zuhalten, dass es sich um ein verwaltungsexternes Gutachten gemäss Art. 44 ATSG handelt. Entscheidend ist demnach, dass das Gutachten umfassend ist und den vollständigen Sachverhalt beurteilt, die geklag- ten Beschwerden berücksichtigt werden, die Darlegung der Zusam- men hänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Gutachter begründet sind (ausführlich siehe oben E. 4.5). Die Gutachter sind sich im Ergebnis einig, dass sich der Gesundheits- zustand des Beschwerdeführers seit der letzten Beurteilung im Jahr 2002 kaum verändert habe. Aus neurologischer Sicht werden grosse Zweifel an der Beurteilung des Zentrum D._______ in den Jahren 2001 und 2002 angebracht, sowohl bezüglich Vorliegens einer Epi- lepsie – wobei Dr. M._______ aus dem EEG vereinzelte Indizien für cerebrale Übererregbarkeit (jedoch ohne Nachweis epilepsietypischer Potenziale dafür) feststellt und zwei anfallsartige Ereignisse mit atypischer, nicht organisch anmutender Semiologie beschreibt, welche durch Ansprechen sofort hätten unterbrochen werden können – als auch der vom Zentrum D._______ dokumentierten neuropsycho- logischen Funktionsstörungen. Der Neurologe stellt zwar im Rahmen der abgekürzten, orientierenden neuropsychologischen Testung fast durchwegs Leistungsminderungen, teils leichtgradig, teils stark aus- geprägt, fest. Diese stünden jedoch im Widerspruch zu den Fest- stellungen im längeren Explorationsgespräch. Die Zweifel werden unter anderem auch damit begründet, dass der Beschwerdeführer gemäss den Akten nach der Gehirnblutung und trotz der angeblichen Hirnleistungsdefizite in der Lage gewesen sei, ein universitäres Fern- studium in Betriebswissenschaft (vgl. act. IV/104 S. 7) erfolgreich zu absolvieren. Aus psychiatrischer Sicht wird eine chronifizierte depressive Störung Seite 20C-3490/2009 festgestellt. Die ebenfalls geltend gemachte Flugangst wird als nicht invalidisierend angesehen. Die Anreise in die Schweiz zur Begutach- tung beweise, dass er diese Angst überwinde, falls es sein müsse (vgl. act. IV/105 S. 15 und 107). 7.3 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass aufgrund des extern eingeholten Gutachtens – entgegen den Ausführungen der Vorinstanz – keine Verbesserung des Gesundheitszustandes festzustellen ist. Die Gutachter gehen auch nicht davon aus, dass aufgrund der langjäh- rigen Situation und der Tatsache, dass der Beschwerdeführer in der Türkei lebt, noch Ressourcen für eine Gesundheitsverbesserung oder eine Eingliederungsfähigkeit vorhanden sein könnten. Die Gutachter gehen indessen von einer ursprünglich nicht zutreffen- den Beurteilung des Gesundheitszustandes im Jahr 2002 aus. Auch der RAD äussert sich dahingehend, der Beschwerdeführer habe von Anfang an zu Unrecht eine Rente erhalten. Indessen ist fraglich, wie- weit dessen Ausführungen überhaupt verwertbar sind. Seine Feststel- lungen lassen sich kaum auf das Gutachten stützen, sind unpräzis (z.B. erlitt der Beschwerdeführer im Jahr 1993 ein Subarachnoidal- hämatom und nicht eine "Aneurysmablutung" [act. IV/54]; die Gutach- ter finden sehr wohl Indizien für eine Gehirnschädigung, beurteilen diese aber differenziert; act. IV/113/115 und act. 14.2 sind nicht ident- isch) und erscheinen zudem tendenziös. Schliesslich verfügt Dr. J._______ weder über eine neurologische noch über eine psychiatrische Fachausbildung (vgl. E. 4.5). Gestützt auf diese Schlussfolgerungen wurde vorliegend ein im We- sentlichen unveränderter Sachverhalt neu beurteilt. Die Aufhebung einer ganzen Invalidenrente durch Revision gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG ist unter diesen Umständen unzulässig (siehe oben E. 5.1). 8. Da die Vorinstanz aufgrund der von den Gutachtern bzw. den vom RAD ermittelten Aussagen offenbar davon ausging, bereits die ur- sprüngliche Rentenzusprache sei zu Unrecht erfolgt, hätte sie korrek- terweise die Angelegenheit als Wiedererwägung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG prüfen müssen. 8.1 Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügun- gen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos Seite 21C-3490/2009 unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die Wiedererwägung dient mithin der Korrektur einer anfänglich un- richtigen Rechtsanwendung (unter Einschluss unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts; BGE 117 V 8 E. 2c und 115 V 314 E. 4a/cc). Dies verhindert, dass die Wiedererwägung nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung formell zugespro- chener Dauerleistungen wird, was sich mit dem Wesen der Rechtsbe- ständigkeit nicht verträgt. Die formell rechtskräftige Rentenzuspre- chung stünde diesfalls unter dem Vorbehalt einer jederzeit möglichen Neubeurteilung laufender Ansprüche zufolge späterer besserer Ein- sicht der Durchführungsorgane, was nicht dem Sinn einer Wiedererwä- gung entspricht. Es handelt sich zum Beispiel bei der Invalidität bzw. des Invaliditätsgrades um Anspruchsvoraussetzungen, deren Beurtei- lung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Schätzungen, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendigerweise Ermes- senszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung der materiellen An- spruchsvoraussetzungen vor dem massgeblichen Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot (BGE 125 V 383 E. 3 mit Hinweisen), als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (vgl. Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 222/02 vom 12. Dezember 2002, E. 3.2 und I 375/02 vom 6. Mai 2003 E. 2.2, je mit weiteren Hinweisen sowie Urteil C-4223/2007 des Bundesverwaltungs- gerichts vom 25. Mai 2009 E. 6.3). 8.2 Demnach ist zu prüfen, ob die in Frage stehende Rente wieder- erwägungsweise aufzuheben gewesen wäre. Aus den Akten ergeben sich indes für das Bundesverwaltungsgericht sowohl im Rentenzuspracheverfahren als auch im aktuellen Verfahren Un klarheiten im Sachverhalt, weshalb die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist (E. 9). Dies ist nach- folgend auszuführen. 8.2.1Bezüglich des ersten IV-Verfahrens ist festzuhalten, dass sich weder Akten zum Subarachnoidalhämatom und der Operation im Jahr 1993, vollständige (Verlaufs-)Akten aus dem Kantonsspital W.________ – wobei sich Dr. M._______ teilweise auf weitere Akten bezieht (act. IV/104 S. 15) – noch umfangreiche Daten des Zentrum Seite 22C-3490/2009 D._______ finden, obwohl der Beschwerdeführer vom 14. August 2001 bis 8. Oktober 2001 interdisziplinär abgeklärt wurde. Ebenso fehlen die Akten des damals behandelnden Neurologen Dr. N._______, welcher am 15. November 1999 epileptische Potenziale festgestellt habe (vgl. act. IV/26). Hier ist zu ergänzen, dass im Beschwerdedossier der Ehe- frau des Beschwerdeführers die Vorakten bereits in den Jahren 1995 – 1997 Hinweise für die Diagnose und Behandlung einer Epilepsie beim Beschwerdeführer durch Dr. N.________ enthalten [C-3623/2008, act. IV/71 S. 2, 73 S. 2 und 76 S. 2], vgl. Beschwerdeakten act. 18). Hinzu kommt, dass die IV V._______ bei ihrer ersten Prüfung grosse Divergenzen zwischen den Stellungnahmen des Kantonsspitals W.________ und des Zentrums D._______ feststellte, weshalb sie die Akten dem IV-Arzt zur Stellungnahme unterbreitete, und dieser in der nachfolgenden Stellungnahme vom 6. März 2002 festhielt, im Nach- hinein sei die Beurteilung der Situation durch das Zentrum D._______ nachvollziehbar, weshalb dessen Einschätzung in Ordnung sei (act. IV/40.4). Das Zentrum D._______ ist auf Hirnverletzungen spezialisiert und die IV V._______ hat sich im Jahre 2002 ohne Vorbehalte auf dessen Ab- klärungen abgestützt – welche allerdings nur lückenhaft aktenkundig sind. Unter Berücksichtigung der hohen Anforderungen, die an eine Wiedererwägung zu stellen sind, erweist sich die Beurteilung des Zentrum D._______ im damaligen Zeitpunkt aus Sicht des Bundes- verwaltungsgerichts nicht als zweifellos unrichtig (oben E. 8.1), womit eine Aufhebung der rentenzusprechenden Verfügung gestützt auf Art. 53 Abs. 2 ATSG ausser Betracht fällt. 8.3 Die im aktuellen Verfahren eingereichten Arztberichte aus der Türkei stammen überwiegend von Fachärzten (vgl. act. IV/69 ff., 72 f., 74 f., 76 f., 78 f., 80 f.; 113, 115, Beschwerdeakte 14.2 – wobei die letzten beiden Atteste kaum begründet sind). Sie sind deshalb – soweit sie den Anforderungen an Begründung und Nachvollziehbarkeit genü- gen – grundsätzlich für die Beurteilung massgeblich (oben E. 4.5). Da sie indessen nur unzureichend ins Deutsche übersetzt worden sind, wurden sie von den Schweizer Gutachtern kaum berücksichtigt. Die von den Schweizer Gutachtern erwähnten, anlässlich der Begutach- tung mitgebrachten, nicht übersetzten Akten (act. IV/105 S. 9) sind im Übrigen nicht aktenkundig. Seite 23C-3490/2009 Gestützt auf die aktenkundigen türkischen Berichte kann jedoch fest- gestellt werden, dass Beschwerdeführer in der Türkei weiterhin wegen einer Epilepsie und einer Depression/Angstproblematik behandelt wird. Bezüglich des von Dr. K._______ beschriebenen Kollapses finden sich im Gutachten keine Angaben, wie dieser einzuordnen sei (act. IV/105 S. 10). Was die beiden von Dr. M._______ beobachteten Ereignisse betrifft, beurteilt er diese als atypisch, nicht organisch anmutender Semiologie. 8.4 Für das Bundesverwaltungsgericht ungeklärt bleibt auch die Frage nach dem vom Beschwerdeführer angeblich absolvierten Fern-Hoch- schulstudium. Dieser Abschluss ist in mehr als einem Arztbericht Grundlage dafür zu schliessen, der Bescherdeführer sei in einer Ver- weistätigkeit arbeitsfähig. Es finden sich in den Akten weder Belege für einen solchen Abschluss noch Angaben über den Umfang und den Zeitrahmen, in welchem dieses Studium absolviert worden sei. Auch fehlen Hinweise dazu, ob der Beschwerdeführer den Studienabschluss für seinen weiteren Werdegang einsetzen wollte und konnte. Auch die Schweizer Gutachter haben ihn anlässlich der Untersuchung nicht da- rauf angesprochen. Hingegen finden sich in den aktenkundigen Unter- lagen des Zentrum D._______ – welche im Jahr 2002 für die Zu- sprache einer Rente ausschlaggebend waren – keine Hinweise auf einen solchen Abschluss. Es ist aus der Sicht des Bundesverwaltungsgerichts unter diesen Um- ständen nicht zulässig, das Vorliegen dieses Diploms anzunehmen und den Umkehrschluss ziehen, die sowohl vom Zentrum D._______ wie auch von Dr. M._______ neu festgestellten neurologischen Aus- fälle seien nicht nachvollziehbar. 8.5 Zur von den Gutachtern als nicht invaliditätsrelevant betrachteten Flugangst ist zu ergänzen, dass das vom Beschwerdeführer einge- reichte Zeugnis des behandelnden Psychiaters (act. IV/69, 71) sowie die weiteren eingereichten türkischen fachärztlichen Berichte (act. IV/72 – 81) nur von Dr. J._______ als Nichtfacharzt als nicht aus- reichend betrachtet wurden (act. IV/84). Der Versicherte sah sich in der Folge gezwungen, in die Schweiz zu reisen, in seiner diesbezüglichen Zusage gab er indessen an, sein Arzt übernehme für die Reise keine Verantwortung (act. IV/88). Seite 24C-3490/2009 8.6 Schliesslich ist festzustellen, dass sich in den Akten – auch aus der neuen Begutachtung – kaum Angaben zu den weiterhin geltend gemachten Kopf- und Rückenschmerzen finden. 9. 9.1 Aufgrund dieser Unklarheiten und Widersprüche erachtet es das Bundesverwaltungsgericht als unumgänglich, dass die Vorinstanz die medizinische Situation und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit neu prüft. Die Vorinstanz hat vorgängig sowohl im Kantonsspital W.________, im Zentrum D._______ sowie vom damals behandelnden Neurologen Dr. N.________ fehlende Akten aus den Jahren 1993 – 2002 sowie die fehlenden Akten aus der Türkei einzuholen und die aktenkundigen begründeten Berichte aus der Türkei sachdienlich über- setzen zu lassen. Diese sind anschliessend fachärztlich neu zu be- urteilen. Falls sich danach die Einholung eines Obergutachtens als notwendig erweist, ist aus fachärztlicher Sicht zu klären, ob dem Be- schwerdeführer eine Flugreise in die Schweiz zumutbar ist. Falls dies nicht der Fall sein sollte, ist ein geeignetes (Ober-)Gutachten in der Türkei einzuholen und dieses fachgerecht in eine Schweizer Amts- sprache übersetzen zu lassen. 9.2 Zusammenfassend gelingt es der Vorinstanz aufgrund der vorlie- genden Akten nicht, eine wesentliche Verbesserung der gesundheit- lichen Situation des Beschwerdeführers rechtsgenüglich darzulegen, um die Aufhebung der bisher ganzen Rente zu rechtfertigen. Aufgrund der vorliegenden Akten sind auch keine rechtsgenüglichen Gründe er- sichtlich, die eine wiedererwägungsweise Aufhebung der im Jahr 2002 zugesprochenen Rente erlauben würden. Die Verfügung vom 21. April 2009 erweist sich deshalb als bundes- rechtswidrig und ist deshalb aufzuheben. Die Vorinstanz hat im Sinne der Erwägungen den Gesundheitszustand sowohl per März 2002 als auch aktuell ergänzend zu ermitteln. Anschliessend hat sie die Angele- genheit neu zu beurteilen, allenfalls einen Erwerbsvergleich zu er- stellen, den Invaliditätsgrad zu berechnen und neu zu verfügen. 10. Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Partei- entschädigung. 10.1 Weder der unterliegenden Vorinstanz noch dem obsiegenden Beschwerdeführer sind Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Seite 25C-3490/2009 und 2 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 300.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 10.2 Dem obsiegenden, nicht vertretenen Beschwerdeführer, welchem durch die Beschwerdeführung keine notwendigen, verhältnismässig hohen Kosten erwachsen sind, ist keine Parteientschädigung zuzu- sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als dass die Verfügung vom 21. April 2009 aufgehoben und die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, damit diese nach Vervollstän- digung der Akten den Sachverhalt neu ermittelt und anschliessend neu verfügt. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kosten- vorschuss von Fr. 300.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an: - den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) - die Vorinstanz (Ref-Nr. [...]) - das Bundesamt für Sozialversicherungen Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Beat Weber Susanne Flückiger Seite 26C-3490/2009 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Vor- aussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent- scheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG). Versand: Seite 27