STEUERREKURSKOMMISSION I DES KANTONS ZÜRICH 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 Entscheid 17. November 2010 Mitwirkend: Präsident Anton Tobler, Mitglied Michael Ochsner, Ersatzmitglied Alexander Widl und Sekretärin Nadja Obreschkow In Sachen A, Rekurrentin/ Beschwerdeführerin, vertreten durch OBT AG, Hardturmstrasse 120, 8005 Zürich, gegen 1. S t a at Z üri c h, Rekursgegner, 2. S c hw ei zeri s ch e Ei d ge no ss en sc haf t , Beschwerdegegnerin, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Dienstleistungen, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Einschätzungen für die Steuerperioden 1.1. - 31.12.2005 und 1.1. - 31.12.2006 sowie Direkte Bundessteuer für die Steuerperioden 1.1. - 31.12.2005 und 1.1. - 31.12.2006 - 2 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 hat sich ergeben: A. Die in B domizilierte A (nachfolgend die Pflichtige) erbringt Dienstleistungen im Reinigungsbereich und besitzt im In - und Ausland verschiedene Zweigniederla s- sungen. Sie ist Mitglied der in Europa tätigen C, einem in Holland domiziliert en Famili- enunternehmen. In den Steuererklärungen 2005 und 2006 deklarierte sie Reingewinne der Geschäftsjahre 2005 und 2006 gemäss Abschlu ss von Fr. 3'007'985. - bzw. Fr. 4'455'976.-. Darin enthalten ist a ufwandseitig ein Verlust ihrer Zweigniederlassung in D/Italien von Fr. 897'566.- bzw. Fr. 318'085. -. Den steuerbaren Reingewinn für die Steuerperiode 1.1. - 31.12.2005 gab sie mit Fr. 1'365'800. - (Staats- und Gemeind e- steuern) bzw. Fr. 2'970'300. - (direkte Bundessteuer) und für die Steuerperiode 1.1. - 31.12.2006 mit Fr. 2'043'700.- bzw. Fr. 4'401'100.- an. Am 16./18. Dezember 2008 wurden die Geschäftsjahre 2005 und 2006 der Pflichtigen einer steueramtlichen Buchprüfung unterzogen. Im Anschluss daran ve r- langte der Revisor mit Auflage vom 4. Mai 2009 Unter lagen zu einer Gesellschaft in Italien sowie zu deren Leistungen an die Zweigniederlassung der Pflichtigen in D/Italien. Letztere antwortete, sie werde diese Unterlagen nicht einreichen, da die it a- lienische Gesellschaft für die eigene Veranlagung nicht von Bedeutung sei. Auf die nachfolgende Mahnung vom 28. Mai 2009 ersuchte die Pflichtige um Erstreckung der Einreichungsfrist bis 15. Juli 2009 mit dem Hinweis, dass bis dann die verlangten U n- terlagen verfügbar seien . Der Revisor wies dieses Gesuch ab. Am 29. Juni 2009 schätzte der Steuerkommissär die Pflichtige wie folgt ein: Steuerperiode 1.1. - 31.12.2005 Staats-/Gmd.st. Bundesst. Fr. Fr. Steuerbarer Reingewinn 1'786'500.- 3'885'200.- Satzbestimmender Reingewinn 3'934'400.- Gewinnsteuersatz 8% Steuerbares Eigenkapital 4'221'000.- Kapitalsteuersatz 0,75‰ - 3 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 Steuerperiode 1.1. - 31.12.2006 Steuerbarer Reingewinn 2'227'500.- 4'796'900.- Satzbestimmender Reingewinn 4'856'700.- Gewinnsteuersatz 8% Steuerbares Eigenkapital 4'565'000.- Kapitalsteuersatz 0,75‰. Dabei liess er den Verlust der Zweigniederlassung in Italien nicht zum Abzug zu, weil dieser von der Pflichtige n nicht nachgewiesen worden sei und daher nicht a n- erkannt werden könne. Die Veranlagung der direkten Bundessteuer wurde mit Steuerrec hnung vom 10. Juli 2009 formell eröffnet. B. Hiergegen liess die Pflichtige am 24. Juli 2009 Einsprache erheben und beantragen, den Verlust der Zweigniederlassung zum Abzug zuzulassen. Das kantonale Steueramt wies die Einsprachen am 29. Juli 2010 ab. Es er- wog, bei der Gegenstand des Auflage - und Mahnverfahrens bildenden italienischen Gesellschaft namens E handle es sich um eine Tochtergesellschaft der Pflichtigen, welche gegenüber der Zweigniederlassung der Pflichtigen in Italien Reinigungsleistun- gen e rbracht habe. Mithin sei für die steuerliche Anerkennung des Verlusts dieser Zweigniederlassung entscheidend, ob die E ihre Leistungen zu Preisen erbracht habe, die dem Drittvergleich standhielten. Dies könne mangels Erfüllung der entspr echenden Auflage ni cht beurteilt werden, sodass der fragliche Verlust wegen fehlendem Nach- weis nicht anerkannt werden könne. Die Zulassung des Betriebsstätteverlusts in früh e- ren Steuerperioden ändere daran nichts. C. Mit Rekurs bzw. Beschwerde vom 26. August 2010 liess d ie Pflichtige die Einspracheanträge erneuern und die Zusprechung einer Parteientschädigung verla n- gen. - 4 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 Das kantonale Steueramt schloss am 22. September 2010 auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen. Auf die Ausführungen der Parteien in diesen Rechtsschriften ist – soweit er- forderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Die Rekurskommission zieht in Erwägung: 1. a) Die Steuerpflicht juristischer Personen mit Sitz in der Schweiz bzw. im Kanton ist unbeschränkt; sie erstreckt sich jedoch nicht auf Geschäftsbetriebe, B e- triebsstätten und Grundstücke im Ausland bzw. ausserhalb des Kantons (Art. 52 Abs. 1 i.V.m. Art. 50 des Bundesgesetzes über die direkt e Bundessteuer vom 14. Deze m- ber 1990 [DBG]; § 57 Abs. 1 i.V .m. § 55 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG]). Die Abgrenzung der Steuerpflicht für Geschäftsbetriebe, Betriebsstätten und Grundstü- cke erfolgt im Verhältnis zu andern Kantonen und zum Ausland nach den Grundsätzen des Bundesrechts ü ber das Verbot der interkantonalen Do ppelbesteuerung (Art. 52 Abs. 3 Satz 1 DBG, § 57 Abs. 1 Satz 1 StG). Im interkant onalen und internat ionalen Steuerrecht kommt entweder die quotenmässige oder die objektmässige Ausscheidung smethode zur Anwendung (BGr, 26. Oktober 2004 = StE 2005 B 71.33 Nr. 1) . Nach der ersten Methode – diese eignet sich bei Unternehmen – erhält jedes steuerberechtigte Gemeinwesen eine be- stimmte Quote des Gesamteinkommens und Gesamtvermögens zur Besteuerung zu- geteilt, wobei die Quote direkt nach dem Buchhaltungsergebnis oder indirekt nach Er- werbsfaktoren ausgeschieden wird. Nach der Objektzuteilungs methode – diese eignet sich bei Liegenschaften – wird der ausserkantonale bzw. ausländische Vermögenswert (eine Liegenschaft oder ein Unte rnehmen) als selbst ständige Erscheinung behandelt und das daraus erzielte Einkommen sowie das darin liegende Vermögen ohne Rüc k- sicht auf das Gesamteinkommen und Gesamtvermögen dem andern Kanton oder dem Ausland zur Besteue rung zugewiesen, während innerkantonal ohne Rücksicht auf die Verhältnisse im Ausland oder im andern Kanton die verbleibenden Steuerfaktoren er- fasst werden (RB ORK 1947 Nr. 23 = ZBl 48, 508 = ZR 46 Nr. 78; vgl. auch Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. A., 2000, § 5 N 2 ff.). Der zweitgenannten - 5 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 Methode ist eigen, dass die Verluste des ausserkant onalen bzw. ausländischen Ve r- mögenskomplexes für die Ermittlung des steuerbaren Inlandeinko mmens unberüc k- sichtigt bleiben, während sie bei der Quoten zuteilungsmethode grundsätzlich zu übe r- nehmen sind. Ausländische Betriebsstätteverluste – und damit auch deren Verlustvorträge – werden demnach in Anwendung der quotenmässigen Ausscheidung zum Abzug zuge- lassen. Das gilt hinsichtlich der Staats - und Gemeindesteuern auch dann , wenn im Ausland der g anze Verlust berücksichtigt wird, we il der ausländische Fiskus eine o b- jektmässige Ausscheidung vo rnimmt. Der Kanton Zürich geht auch in diesen Fällen davon aus, dass alle beteiligten Staaten die quoten mässige Ausscheidung vornehmen und berücksichtigt deshalb den ausländischen Verlust i m Umfang der Quote in jede m Fall (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steue r- gesetz, 2. A., 2006, § 5 N 63) . Demgegenüber sind im Recht der direkten Bundessteu- er Verluste einer ausländischen Betri ebsstätte mit inländischen Gewinnen nur verr e- chenbar, soweit diese Verluste im Betriebsstättenstaat nicht bereits berücksichtigt wurden (Art. 52 Abs. 3 Satz 2 DBG). b) Verluste ausländischer Betriebsstätten stellen steuermindernde Umstände dar. Als solc he sind sie vom Steuerpflichtigen nachzuweisen (BGE 121 II 257 Erw. 4 c/aa; VGr, 14. Juli 1999 = StE 1999 B 72.14.2 Nr. 23; Martin Zweifel, Die Sachverhaltsermittlung im Steuerveranlagungsverfahren, 1989, S. 111 f., auch zum Folgenden). Der Steuerpflichtige hat dabei bis zum Ablauf der Rekurs-/Beschwerdefrist die zum Beweis für seine Darstellung erforderlichen Beweismittel einzureichen oder zumindest anzubieten (RB 1975 Nr. 55, 1986 Nr. 49). Fehlt es an einer hinreichenden Sachdarstellung oder Beweismittelo fferte, trifft die Rekurskommission keine weitere Untersuchungspflicht. Sie hat den Steuerpflichtigen weder zur Ergänzung seiner ma n- gelhaften Sachdarste llung noch zur Beibringung besserer Beweismittel anzuhalten. Diesfalls ist zu Ungunsten des beweisbelast eten Steuerpflichtigen der Nachweis der geltend gemachten Verluste als misslungen zu betrachten. Nur soweit dem Steue r- pflichtigen Substanziierung und/oder Beweisleistung aus Gründen, die er nicht zu ve r- treten hat, nicht möglich oder nicht zuzumuten sind, k ann dieser sich auf Schätzungen berufen, sofern seine Sachdarstellung wenigstens hinreichende Schätzungsgrundlagen enthält (RB 1975 Nr. 54 und 64). Diese Schätzung ist nach pflichtgemässem Ermessen gemäss Art. 130 Abs. 2 DBG bzw. § 139 Abs. 2 StG vorzunehmen (RB 2003 Nr. 92 = ZStP 2003, 343, auch zum Folgenden). Die Verluste sind jedoch auch dann nach - 6 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 pflichtgemässem Ermessen zu schätzen, wenn ihr Bestand erwiesen ist, nicht aber ihre Höhe. In einem solchen Fall wäre es sachwidrig und willkürlich, den A bzug nicht zu berücksichtigen, vielmehr muss diesfalls dessen Höhe nach pflichtgemässem Erme s- sen geschätzt werden ( Martin Zweifel, in: Kommentar zum Schweizerischen Steue r- recht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 46 N 30 ff. StHG). 2. Vorliegend ist nicht streitig , dass die Pflichtige in D über eine Zweignieder- lassung verfügt und dass sie allfällige Verluste derselben mit ihrem hier steuerbaren Gewinn in Anwendung der (direkten) Quotenzuteilungsmethode verrechnen kann. Streitig ist jedoch, ob solche Verluste in den streitbetroffenen Geschäftsjahren 2005 und 2006 tatsächlich angefallen sind. Die Pflichtige macht entsprechende Verluste von (umgerechnet) Fr. 897'566.- bzw. Fr. 318'085.- geltend und verweist für deren Existenz auf diesbezügliche Buchhaltungsabschlüsse der Zweigniederlassung. Demgegenüber verneint das kantonale Steueramt die geschäftsmässige Begründung der Ve rluste mit dem Hinweis, dass sie u.a. auf Belastungen der Zweigniederlassung für Lei stungen einer Tochtergesellschaft der Pflichtigen in Italien grün deten, von denen nicht nachg e- wiesen sei, dass sie einem Drittvergleich standhielten . Dies habe zur Fo lge, dass der Verlust der Zweigniederlassung nicht zugelassen werden könne. 3. a) Im Rekurs-/Beschwerdeverfahren ist nicht mehr streitig, dass es sich b ei der italienischen Gesellschaft um die E handelt und diese ein Tochterunternehmen der Pflichtigen ist. Dem Abschluss der Zweigniederlassung in Italien wurden sodann un- streitig Reinigungsleistungen dieses Unternehmens im Umfang von (umg erechnet) Fr. 770'000.- (2005) bzw. Fr. 1'370'000.- (2006) belastet (Revisionsbericht S. 7), wobei die Zahlung im Geschäftsjahr 2006 in monatlich stets gleich hohen Beträgen erfolgte . Zudem weist die Pf lichtige gegenüber der E Forderungen per Ende 2006 aus Konto- korrent von (umgerechnet) Fr. 673'773. - und aus Darlehen von (umgerechnet) Fr. 179'963.- aus. b) Da es sich bei der E um eine Tochtergesellschaft der Pflicht igen handelt, besteht zwar durchaus die Möglichkeit, dass deren Leistungen an die Zweigniederla s- sung in Italie n entweder ganz oder teilweise zu im Drittvergleich überhöhten Preisen erfolgten mit dem Resultat, dass der Verlust der Zweigniederlassung entsprechend - 7 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 höher ausfiel, als wenn marktkonforme Preise verrechnet worden wären. Nachfolgend ist zu prüfen, welche steuerliche Konsequenzen sich daraus ergäben. c) aa) Der steuerbare Reingewinn einer juristischen Person setzt sich gemäss Art. 58 Abs. 1 DBG bzw. § 64 Abs. 1 StG zusammen aus dem Saldo der Erfolgsrec h- nung, unter B erücksichtigung des Saldovortrags des Vo rjahres (lit. a bzw. Ziff. 1) und (unter anderem) aus offenen und verdeckten Gewinnausschüttungen sowie g e- schäftsmässig nicht begründeten Zuwendungen an Dritte (lit. b bzw. Ziff. 2 lit. e). Auf eine verdeckte Gewinnausschüttung ist zu schliessen, wenn e ine juristi- sche Person, sich entreichernd, ihren Gesellschaftern oder ihr sonst nahestehenden Personen, diese bereichernd, bewusst geldwerte Vorteile zuwendet, die sie unbeteili g- ten Dritten nicht einräumen würde (RB 1985 Nr. 42 = StE 1985 B 72.13.22 Nr. 4). Nach ihrer buchmässigen Erscheinung lassen sich zwei Hauptformen verdeckter Gewin n- ausschüttungen unterscheiden: Die verdeckte Gewinnausschüttung im enger en Sinn kennzeichnet sich dadurch, dass die Gesellschaft übersetzte Gewinnungs - oder A n- schaffungskosten aufwendet, was zu einer überhöhten Belastung eines Erfolgs - oder eines Bestandeskontos führt. Bei der Gewinnvorwegnahme liegt die Vorteilszuwe n- dung darin, dass die Gesellschaft auf Gewinn, d.h. auf ein mark tmässiges Entgelt für die von ihr erbrachten Leistungen oder veräusserten Aktiven zu Gunsten des Aktionärs oder einer ihm nahestehenden Person, welche auch ihre Muttergesellschaft sein kann, verzichtet (Markus Reich, Verdeckte Vorteilszuwendungen zwischen verbundenen U n- ternehmern, ASA 54, 613 ff.). Eine verdeckte Gewinnausschüttung im engeren Sinn kann im Konzernve r- hältnis darin bestehen, dass eine Gesellschaft Dienstleistungen für eine andere Ko n- zern- bzw. Schwestergesellschaft erbringt und sich diese Leistungen mit einem Entgelt vergüten lässt, das sie von einem unbeteiligten Dritten nicht erhalten würde , weil es überhöht ist . Bei diesem Drittvergleich (so genannter Grundsatz des "dealing at arm's length") wird bei Dienstleistungen mit andern Worten auf deren Marktwert abge- stellt. Es findet keine K onzerngesamtbetrachtung statt, indem die Frage nach der g e- schäftsmässigen Begründetheit eines Aufwands nicht aus Sicht des Konzerns, sondern aus derjenigen der leistenden bzw. empfangenden Gesel lschaft zu beurteilen ist (BGr, 19. November 2003 = StE 2004 B 72.13.22 Nr. 42). Existiert für die von einer Konzerngesellschaft erbrachten Dienstleistungen kein Marktwert, ist der sogenannte - 8 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 Verrechnungspreis zu ermitteln (vgl. hierzu Brülisauer/Poltera, in : Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 58 N 97 f. DBG). bb) Vorteilszuwendungen der Muttergesellschaft an die Tochtergesellschaft stellen aus Sicht der empfangenden Tochtergesellschaft Kapitalzuschüsse dar und aus Sicht der leistenden Muttergesellschaft Kapital einlagen (Brülisauer/Poltera, Art. 58 N 208 ff. DBG, auch zum Folgenden). Kapitaleinlagen können offen oder verdeckt erfolgen. Offen sind sie dann, wenn die Einlage in die Tochtergesellschaft in der Jahresrechnung der Muttergesel l- schaft mit dem tatsächlichen Wert ausgewi esen wird. Verdeckt e rscheinen sie, wenn die Einlage in der Jahresrechnung unter dem tatsächlichen Wert eingestellt ist. Wä h- rend bei einer verdeckten Gewinnausschüttung regelmässig eine Entreicherung der leistenden Gesellschaft eintritt, ist dies bei der Kapitaleinlage, d.h. wenn die Leistung in umgekehrter Richtung fliesst, in der Regel nicht der Fall. Unabhängig davon, ob die Muttergesellschaft stille Reserven auf die Tochter überträgt, zugunsten der Tochter überhöhte Au fwendungen tätigt oder auf Gewinn v erzichtet, erfolgt die Leistung der Muttergesellschaft – wirtschaftlich betrachtet – immer gegen ein angemessenes En t- gelt. Denn im Umfang, in welchem die empfangene Leistung wertmässig unter der e r- brachten Leistung liegt, erhöht sich der Wert der Beteiligu ng. Im Unterschied zur ve r- deckten G ewinnausschüttung werden also durch die verdeckte Kapitaleinlage weder Gläubigerinteressen noch Rechte allfälliger Minderheitsaktionäre gefährdet. Eine ve r- deckte Kapitaleinlage kann u.a. durch überhöhte Aufwendungen erfol gen, indem die Muttergesellschaft von der Tochter ein Aktivum zu einem übersetzten Preis erwirbt, oder für von der Tochter bezogene Dienstleistungen ein übersetztes Entgelt bezahlt (Brühlisauer/Poltera, Art. 58 N 219 DBG , auch zum Folgenden ). In letzterem Fall, d.h. wenn die Muttergesellschaft für eine von der Tochter bezogene Dienstleistung ein übersetztes Entgelt bezahlt, ist der Mehrpreis aktivierungspflichtig, da der Beteil i- gungswert dadurch erhöht wird. Bei direkter Verbuchung der Kosten über die Erf olgs- rechnung ist der entsprechende Aufwand als (verdeckte) Abschreibung auf der Beteil i- gung zu qualifizieren. Daraus folgt, dass verdeckte Kapitaleinlagen bei der Mutter - gesellschaft nicht zu einer Erhöhung des Ertrags führ en, weil ihre Vermögenslage durch die Kapitaleinlage unverändert bleibt. - 9 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 d) Die Pflichtige hat in den Geschäftsjahren 2005 und 2006 von der Tochte r- gesellschaft E in D Dienstleistungen für ihre Zweigniederlassung in Italien bezogen und Ersterer hierfür ein bestimmtes Entgelt entrichtet. War dieses Entgelt im Drittvergleich überhöht , läge darin nach dem Gesagten bloss eine verdeckte Kapitaleinlage der Pflichtigen an ihre Tochtergesellschaft begrün- det. Denn eine solche Einlage vermöchte den Ertrag der Pflichtigen als Muttergesell- schaft bzw. Aktionärin der E nicht zu erhöhen, weil in der überpreisigen Vergütung der Dienstleistungen ein Verzicht auf Gewinn zugunsten der Tochtergesellschaft zu erbl i- cken wäre und damit eine verdeckte Kapitalanlage vorläge. Nur dann, wenn die Pflic h- tige für die Dienstleistungen der Tochtergesellschaft einen im Drittvergleich zu niedr i- gen Preis entrichtet hätte, wäre eine Gewinnkorrektur bei der Pflichtigen ang ezeigt, da diesfalls – aber eben nur dann – eine verdeckte Gewinnausschüttung der Tochterg e- sellschaft zu Gunsten der Muttergesellschaft gegeben wäre. Dass die Pflichtige der E ein zu hohes Entgelt bezahlt hat, ist zwar ungewiss, jedoch i nsofern nicht von Belang, als diesfalls bei der Pflichtigen keine Korrektur des steuerbaren Reingewinns zu erfol- gen hätte. e) Ob sodann die Pflichtige ihrer Tochtergesellschaft für die bezogenen Dienstleistungen über ihre Zweigniederlassung ein zu tiefes Entgelt bezahlte und damit eine verdeckte Gewinnausschüttung der italienischen Tochtergesellschaft an die Pflich- tige vorläge, ist ebenfalls ungewiss. aa) Der steueramtliche Revisor verlangte mit Auflage vom 4. Mai 2009 für den Nachweis der Dienstleistungen der Ein den Geschäftsjahren 2005 und 2006 detaillierte Leistungsabrechnungen in Form der Stundenabrechnungen sowie für den Nac hweis der Forderungen gegenüber der E per Ende 2006 die zugrundeliegenden Darlehen s- verträge und Kontodetails sowie die Offenlegung der (marktüblichen) Verzi nsung und der Geldflüsse. Die Pflichtige ant wortete am 25. Mai 2009, sie werde diese Unte rlagen nicht einreichen, da sie für ihre eigene Veranlagung keine Bedeutung hätten. Mit den eingeforderten Unterlagen hätte die Frage, ob das von der Tochterge- sellschaft fakturierte Entgelt für ihre Dienstleistungen an die Pflichtige einem Drittver- gleich standhält, geklärt werden können. Da die Pflichtige für Bestand und Umfang des Verlusts der Zweigniederlassung beweisbelastet ist, war sie gehalten, bei der Klärung dieser Frage mitzuwirken. Sie weigerte sich jedoch mit dem – wie aus dem Gesagten - 10 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 hervorgeht – unzutreffenden Einwand, die verlangten Beweise seien für ihre Veranl a- gung unerheblich. Diese Weigerung hatte zur Folge, dass der Steuerkommissär nicht nur nicht überprüfen konnte, ob das der Tochtergesellschaft entrichtete Entgelt zu tief war, so n- dern auch, ob dieses Entgelt überhaupt eine Entschädigung für erbrachte Dienstlei s- tungen der Tochtergesellschaft war. Die Belastung der Betriebsstätterechnung mit den diesbezüglichen Fr. 770'000. - (2005) bzw. Fr. 1'370'000. - (2006) brauchte er daher mangels Na chweis nicht zu akzeptieren und er war daher berechtigt, diese Beträge ohne weiteres aufzurechnen. Gleiches galt sodann aber auch für den Betriebsstätte- verlust von Fr. 897'566. - bzw. Fr. 318'085. -, da dieser Verlust ohne die Belastung für die fraglichen Di enstleistungen im Geschäftsjahr 2006 vollumfänglich wegfiele und im Geschäftsjahr 2005 zwar nicht ganz, jedoch unter Berücksichtigung der weiteren nicht nachgewiesenen Belastungen der Betriebsstättebuchhaltung im Zusa mmenhang mit den Forderungen gegenüber der Tochtergesellschaft letztlich ebenfalls in vollem Um- fang (vgl. Revisionsbericht S. 2) . Mithin hatte der Revisor keinen Anlass, den Ve rlust zumindest teilweise zum Abzug zuzulassen und d iesen Teil nach pflichtgemä ssem Ermessen zu schätzen. Als Folge davon brauchte es für die Aufrechnung des Ve rlusts aber auch keine Mahnung, weil die Auflage und deren Nichterfüllung durch die Pflichti- ge allein schon genügt hätten. Trotzdem hat der Revisor am 28. Mai 2009 eine Mah- nung erlassen und ist damit der Pflichtigen lediglich entgegengekommen. Letztere rea- gierte darauf am 5. Juni 2009 zwar mit einem Fristerstreckungsgesuch bis 15. Juli 2009 und dem Hinweis, dass die verlangten Unterlagen aus Italien erst in zwei bis drei Wochen eintreffen würden. Diesem Fristerstreckungsgesuch musste der Rev isor aber nicht entsprechen, da es keiner Mahnung bedurft hätte und überdies die Mahnfrist von Gesetzes wegen nicht erstreckbar ist (§ 41 Abs. 2 der Verordnung zum Steuerg esetz vom 1. April 1998) . Zu Recht hat er daher das Fristers treckungsgesuch am 8. Juni 2009 abgelehnt und das kantonale Steueramt in der Folge den Verlust mit Einschät- zungsentscheid vom 29. Juni 2009 (vollumfänglich) aufgerechnet. bb) Die Pflichtige reichte die verlangten Unterlagen sodann weder im Einspra- che- noch im Rekurs -/Beschwerdeverfahren nach. Stattdessen hält sie in Rekurs und Beschwerde dafür, die Unterlagen hätten im Einspracheverfahren nochmals eingefo r- dert werden müssen, da die Veranlagungsbehörde in diesem Verfahren die gle ichen Befugnisse habe wie i m Einschätzungsverfahren. Eine diesbezügliche Auflage habe die Vorinstanz jedoch nicht er lassen. Aus dem Untätigsein der Einsprachebehörde - 11 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 habe sie, die Pflichtige, daher schliessen dürfen, diese stelle für die Überprüfung des streitigen Verlusts auf die E rfolgsrechnungen ab, umso mehr, als die Abschlüsse von einer renommierten Gesellschaft revidiert worden seien. Die Pflichtige verkennt, dass sie für Bestand und Umfang des streitigen Ve r- lusts nachweispflichtig ist und die diesbezüglich schon im Einschätzungsverfahren ver- langten Unterlagen im nachfolgenden Rechtsmittelverfahren von sich aus hätte nach- reichen müssen. Es ist daher nicht Sache der Rechtsmittelbehörde n, sie hierzu nochmals anzuhalten. Abgesehen davon wurde ihr die mangelnde Mitwirkung in den Einspracheentscheiden ja vorgehalten, sodass sie allen Anlass gehabt hätte, die Un- terlagen jedenfalls spätestens im Rekurs-/Beschwerdeverfahren noch einzureichen. Dies hat sie unterlassen, obwohl die Unterlagen nach ihrem eigenen Bekunden im Fristerstreckungsgesuch vom 8. Juni 2009 nun längst vorliegen müssten. Mithin hat es auch im vorliegenden Verfahren mangels Nachbringung der verlangten Unterlagen bei der Aufrechnung des Verlusts der Zweigniederlassung zu bleiben. 4. Ob die Verlustaufrechnung auch des halb gerechtfertigt ist, weil die Einric h- tung einer Zweigniederlassung in Italien durch die Pflichtige angesichts einer dort schon tätigen Tochtergesellschaft wirtschaftlich fragwürdig erschein en mag , kann an sich offen bleiben. Der Vollständigkeit halber sei hierzu jedoch Folgendes ausgeführt: a) Der steueramtliche Revisor führte aus, die Pflichtige hätte die Aufträge in Italien ohne Weiteres durch die dortige Tochtergesellschaft abwickeln lassen können. Die Errichtung einer Zweigniederlassung sei daher primär steuerplanerisch und nicht wirtschaftlich motiviert gewesen, sodass deren Verlust von der in den Niederlanden domizilierten Konzernspitze der C und nicht von der Pflichtigen als Mitglied dieser Gruppe zu tr agen sei (Revisionsbericht S. 7 ). Diese Ansicht liegt auch den Einspr a- cheentscheiden zugrunde (E. 1.). Dem hält die Pflichtige entgegen, die Zweigniederlassung sei gegründet wo r- den, um in Italien grössere Aufträge ausführen zu können, da der Name A in der dorti- gen Branche bekannt sei und die Auftraggeber darauf vertrauen könnten, dass die Ge- sellschaft über genügend Know How verfüge, um die Aufträge reibungslos zu bewältigen. Die E habe dieses Erfordernis noch nicht erfüllt. Steuerliche Überlegungen hätten bei der Gründung der Zweigniederlassung k eine Rolle gespielt, sondern aus-- 12 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 schliesslich wirtschaftliche. Solche Gedanken hätten im Jahr 2009 denn auch wi eder zur Schliessung der Zweigniederlassung geführt, da sie nur Verluste produziert habe. b) Wie sich ein Unternehmen organisiert bzw. mit welch en Strukturen sie ihre Geschäfte abwickelt, ist eine betriebswirtschaftliche Frage. D eren Beantwortung ist Sache des Unternehmens. Die Steuerbehörden sind nicht befugt, den wirtschaftl ichen Sinn der getroffenen betriebswirtschaftlichen Lösung anzuzweifeln und ihr E rmessen an Stelle desjenigen der Geschäftsleitung zu setzen (BGr, 26. N ovember 1981 = ASA 51, 54). Alles was nach kaufmännischer Auffassung in guten Treuen zu den Aufwe n- dungen zählt, muss steuerlich akzeptiert werden (BGr, 20. Fe bruar 1987 = ASA 5 7, 645 = StE 1988 B 27.6 Nr. 5 = StR 1988, 232). Eine Aufwendung muss daher auch nicht notwendig sein; es genügt die Möglichkeit der Gewinnerzielung. Nur dann, wenn eine Aufwendung auf ungewöhnlichen, sachwidrigen, absonderlichen Gepfl ogenheiten oder auf v öllig unangemessenen Massnahmen beruh t, oder anzunehmen ist, die G e- sellschaft habe damit lediglich Steuern einsparen wollen, die bei sachgemässer Or d- nung der Verhältnisse geschuldet wären, ist von einer mangelnden geschäftsmässigen Begründetheit der Aufwen dung auszugehen (Reimann/Zuppinger/Schärrer, Kommen- tar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Band, 1967, § 45 N 113). Ungeschickte Dispositionen sind aber ebenso hinzunehmen wie mangelnde Rentabilität einer Investition. Auch darf keine Kausalität mit einem spezifis chen Ertrag verlangt werden (Kuhn/Brülisauer in: Kommentar zum Schweizerischen Steue rrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 24 N 56 ff. StHG). Wenn daher die Pflichtige die Geschäft sabwicklung in Italien über ihre Zwei g- niederlassung vornahm und nicht über ih re dortige Tochtergesellschaft und sie hierfür betriebswirtschaftlich beachtliche Gründe vorzutragen vermag, so ist diese Geschäft s- organisation von der hiesigen Steuerbehörde hinzunehmen. Es steht Letzterer nicht zu, die Organisation der Pflichtigen als be trieblich wenig sinnvoll oder gar als ve rfehlt zu qualifizieren und den mit der Zweigniederlassung erlittenen Verlust schon aus diesem Grund als geschäftsmässig nicht begründet aufzurechnen. Allerdings ist die Verlustaufrechnung schon aus den genannten andern Grün- den gerechtfertigt. - 13 - 1 ST.2010.259 + 260 1 DB.2010.191 + 192 5. Dass das kantonale Steueramt de n Verlust der Zweigniederlassung in den Vorperioden zugelassen hat, steht de r Aufrechnung des Verlusts in den vorliegend streitbetroffenen Steuerperioden nicht entgegen. Denn die Einschätz ungsbehörde ist berechtigt und verpflichtet, die Gesetzmässigkeit eines Abzugs für jede Steuerperiode von neuem zu überprüfen. Ein Anspruch des Steuerpflichtigen auf weitere Gewährung des Abzugs in künftigen Steuerperioden besteht nicht. 6. Diese Erwägu ngen führen zur Abweisung der Rechtsmittel . Ausgangsge- mäss sind die Kosten des Verfahrens de r Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1 StG). Die Zusprechung einer Parteientschädigung entfällt (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 und § 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspfle- gegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). Demgemäss erkennt die Rekurskommission: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Beschwerde wird abgewiesen. […]