<h2>SubmittedText<h2><p>Die Ammoniakemissionen in der Schweiz verharren seit 20 Jahren auf viel zu hohem Niveau. Nun zeigt der Bericht "Wie geht es unserem Wald? 38 Jahre Walddauerbeobachtung" des Instituts für Angewandte Pflanzenbiologie, dass diese Ammoniakemissionen, die zu einem übermässigen Stickstoffeintrag in den Wäldern führt, ein grosses Problem für die Bäume sind: Auf fast 90 Prozent der Waldflächen würden die kritischen Grenzwerte für Stickstoff überschritten, zum Teil massiv. Deswegen sowie der zunehmenden Hitze und Trockenheit wegen, habe die Baummortalität sprunghaft zugenommen. In den letzten vier Jahren seien etwa in der Ajoie gebietsweise über 80 Prozent der Bäume abgestorben. </p><p>Gleichzeitig analysiert der Bericht "Ammoniak: die Situation in ausgewählten Kantonen", im Auftrag von verschiedenen Umweltorganisationen, in neun Kantonen die Instrumente zur Reduktion von übermässigen Ammoniakemissionen. Aus dem Bericht geht hervor, dass es bei der Entwicklung und Durchsetzung dieser Instrumente seit vielen Jahren ein Vollzugsdefizit gibt.</p><p>Ich bitte den Bundesrat deshalb, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Aufgaben erfüllt der Wald für unsere Gesellschaft, wie lassen sich diese Dienstleistungen monetarisieren und wie hoch ist der entsprechende Wert, pro Jahr?</p><p>2. Welche nicht-monetären Werte hat der Wald in der Schweiz und wie lassen sich diese beschreiben?</p><p>3. Wenn in den letzten 4 Jahren der Wald in gewissen Gebieten der Schweiz zu über 80 Prozent abgestorben ist: Welche Prognosen stellt der Bund für den Wald in den nächsten vier Jahren aus und was bedeutet dies genau?</p><p>4. Was bedeuten diese Erkenntnisse in Anbetracht der drohenden Zunahme von Trocken- und Hitzeperioden sowie von Starkniederschlägen?</p><p>5. Was bedeutet sie, angesichts der zentralen Rolle, die den Wäldern im Kampf gegen die fortschreitende Klimaerhitzung zugeschrieben wird?</p><p>6. Wer trägt die Kosten der Baummortalität und ihrer Folgen und nach welchem Prinzip: Die Stickstoff-Emittierenden nach dem Verursacherprinzip, der Bund und die Kantone (also die Steuerzahlenden) oder andere Akteurinnen und Akteuere, wie etwa kommende Generationen?</p><p>7. Wie würde sich eine stärkere Berücksichtigung der Kostenwahrheit (Internalisierung von Externalitäten) auswirken, wie es der Bundesrat in seiner Stellungnahme zum Bericht der GPK-S "Schutz der Biodiversität in der Schweiz" zugesagt hat?</p><p>8. Welche nächsten Schritte plant der Bundesrat?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Wald erfüllt eine breite Palette von ganz unterschiedlichen Aufgaben für unsere Gesellschaft. Die Bedeutung dieser Leistungen wird in Artikel 77 der Bundesverfassung und in Artikel 1 Absatz 1 des Waldgesetzes (WaG; SR 921.0) deutlich. Die Monetarisierung dieser Waldfunktionen und der darin enthaltenen Waldleistungen ist komplex. Je nach betrachteter Waldleistung gibt es verschiedene Bewertungsmethoden. Zurzeit liegt keine Gesamtbewertung für den Schweizer Wald vor.</p><p>2. Eine Beschreibung der nicht-monetären und monetären Werte des Waldes, der sogenannten Waldfunktionen und Waldleistungen, kategorisiert nach Regulierungsleistungen, Versorgungsleistungen und kulturellen Leistungen, ist derzeit beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Erarbeitung.</p><p>3. Der Wald kann seine Leistungen im Wesentlichen aufrechterhalten, obwohl regional (z.B. Ajoie) in den letzten Jahren teilweise um die 80 Prozent der Bäume abgestorben sind. Der Klimawandel stellt für die Natur und die Gesellschaft eine grosse Herausforderung dar, dies nicht nur für die nächsten vier Jahre. In den letzten Jahren wurden durch Trockenheit und Hitzesommer bedingte Waldschäden sichtbar. Die Forschungsresultate zeigen, dass die Trockenheitsschäden sowohl kurzfristig als auch langfristig negative Auswirkungen auf den Wald haben können. Mit verschiedenen Instrumenten werden auf allen Ebenen präventive Massnahmen zur Stärkung der Resilienz (Anpassungsfähigkeit) des Waldes vorangetrieben. Die Elemente für eine Erhöhung der Resilienz sind Naturverjüngung, Erhöhung der Strukturvielfalt und standortgerechte Bestände.</p><p>4. Die Erkenntnisse aus den Entwicklungen der letzten Jahre bestätigen, dass eine grössere Vielfalt bei den Baumarten und ein hoher Laubbaumanteil die Waldleistungen auch künftig sicherstellen können. Als Massnahme gegen die Auswirkungen von Starkregenereignissen ist die Schutzwaldpflege weiterhin von grosser Bedeutung.</p><p>5. Wald und Holz haben drei wichtige Auswirkungen auf den Klimaschutz: die Sequestrierung von CO2 im Wald, die Speicherung von CO2 in den Wäldern und in den Holzprodukten und die Substitution von energieintensiven Materialien und fossilen Energien durch Holz als kohlenstoffneutrales Material. Um dies zu gewährleisten, ist eine nachhaltige Waldbewirtschaftung von entscheidender Bedeutung. Damit wird sich für die Waldeigentümer bei der Waldverjüngung grundsätzlich die Frage nach zukünftig klimaangepassten Baumarten vermehrt stellen. Wenn die Naturverjüngung die erforderlichen Baumarten nicht bereitstellen kann, werden gezielte Pflanzungen erforderlich sein.</p><p>6. Die Kosten werden von den Waldeigentümern, denen auch der Erlös aus der Holzernte zukommt, und teilweise von der öffentlichen Hand getragen. Das Parlament hat zur Umsetzung der Motion Fässler (20.3745) beschlossen, die Mittel für den Wald um jährlich 25 Millionen Franken ab 2021 bis 2024 zu erhöhen. Es hat diesbezüglich mittels eines Nachtragskredits einen Zusatzkredit in Höhe von 100 Millionen gutgeheissen. Für das Jahr 2022 sind im Kredit Wald folglich 143.6 Millionen Franken budgetiert. Zusätzlich wird die Pflege der Jungwälder mit Bundesmitteln aus den Programmvereinbarungen unterstützt. Erhöhte Kosten infolge der Stickstoffeinträge (durch reduziertes Wachstum, grösseren Pflegeaufwand des Jungwuchses etc.) können vom Bund nicht abgegolten werden, da im Einzelfall die Ursachen schlecht belegt werden können.</p><p>7. Die Kostenwahrheit stärker berücksichtigen heisst bezogen auf den Wald insbesondere, Massnahmen zur Reduktion von Ammoniak umzusetzen. Der Bundesrat sieht deshalb in seiner Stellungnahme zum Bericht "Schutz der Biodiversität in der Schweiz" der GPK-S vom 19. Februar 2021 Handlungsbedarf bei der Reduktion von Ammoniak. Fast der gesamte Schweizer Wald ist von übermässig hohen Stickstoffeinträgen betroffen. Auf knapp 90 Prozent des Waldes werden die kritischen Eintragsraten überschritten. In der Folge versauert der Boden und Nährstoffe werden ausgewaschen. Langfristig wird der Wald geschwächt.</p><p>8. Der Bundesrat hat am 13. April 2022 das erste Verordnungspaket für sauberes Trinkwasser und eine nachhaltigere Landwirtschaft verabschiedet. Mit dem Verordnungspaket sollen auch die Nährstoffverluste von Stickstoff um 20 Prozent reduziert werden. Dies dient auch als Massnahme gegen die übermässigen Stickstoffeinträge im Wald. Das Inkrafttreten ist grösstenteils für Januar 2023 vorgesehen. In Erfüllung des Postulats 21.3015 der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates (WAK-N) zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik, hat der Bundesrat in seinem Bericht vom 22. Juni 2022 die weiteren Perspektiven betreffend Schliessung der Nährstoffkreisläufe aufgezeigt.</p>  Antwort des Bundesrates.