<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 148 S.653</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">653</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>148</b></span> <span class="ft2"><b>Naturschutz; Entschädigungszahlung für ökologische Massnahmen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ob ökologischer Ausgleich mittels Geldzahlung erbracht werden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kann, erscheint fraglich; fehlende gesetzliche Grundlage für die Er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hebung einer Ersatzabgabe für den ökologischen Ausgleich.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Regierungsrates vom 6. März 2002 in Sachen B.L. gegen</span><br/> <span class="ft4">Baudepartement und Gemeinderat M.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">B.L. führte ohne Baubewilligung auf einem Teil einer Parzelle,</span><br/> <span class="ft6">welcher in der von der Landschaftsschutzzone überlagerten Land-</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftszone liegt, eine Terrainveränderung sowie eine Verfesti-</span><br/> <span class="ft6">gung der Einfahrt aus. Dem nachträglichen Baugesuch verweigerte</span><br/> <span class="ft6">das Baudepartement die Zustimmung; auf eine Wiederherstellung</span><br/> <span class="ft6">des ursprünglichen Terrains wurde indessen aus Verhältnismässig-</span><br/> <span class="ft6">keitsgründen verzichtet. B.L. wurde vom Baudepartement u.a. als</span><br/> <span class="ft6">"Kompensation für den Eingriff eine vom Gemeinderat zu bestim-</span><br/> <span class="ft6">mende Entschädigung für ökologische Massnahmen" auferlegt. Der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderat M. setzte diese Entschädigung auf Fr. 800.-- fest.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">6. a)</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">Wie der Verfügung der Koordinationsstelle Baugesuche zu ent-</span><br/> <span class="ft6">nehmen ist, kann die Terrainauffüllung "mit der Abgeltung in Form</span><br/> <span class="ft6">einer ökologischen Leistung toleriert werden". Deren Höhe wurde in</span><br/> <span class="ft6">das Ermessen des Gemeinderates gestellt. Der Gemeinderat hat in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">654</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">seiner Vernehmlassung ausgeführt, die verfügte Entschädigung sei</span><br/> <span class="ft6">nicht als Steuer, sondern als Ersatzabgabe zu verstehen, d.h. eine</span><br/> <span class="ft6">Ersatzabgabe als Kompensation für den Verzicht auf die Wiederher-</span><br/> <span class="ft6">stellung des ursprünglichen Terrains. Bei der Festlegung habe sich</span><br/> <span class="ft6">der Gemeinderat nicht auf eine gesetzliche Grundlage gestützt, son-</span><br/> <span class="ft6">dern auf die Auskunft eines Unternehmers. Danach käme der Auf-</span><br/> <span class="ft6">wand für die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes auf ca.</span><br/> <span class="ft6">Fr. 3'000.- zu stehen. Anlässlich des Augenscheins führte der Ver-</span><br/> <span class="ft6">treter des Baudepartementes aus, Art. 18b NHG sei die rechtliche</span><br/> <span class="ft6">Grundlage für die Erhebung einer Gebühr für einen ökologischen</span><br/> <span class="ft6">Ausgleich (vgl. Protokoll der Augenscheinsverhandlung ...).</span><br/> <span class="ft6">b) Wie bereits vorstehend dargelegt, sind die Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft6">zur Anordnung einer ökologischen Massnahme im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft6">nicht gegeben. Die umstrittene Entschädigung kann daher nicht auf</span><br/> <span class="ft6">Art. 18b Abs. 2 NHG abgestützt werden. Im Übrigen sei an dieser</span><br/> <span class="ft6">Stelle auch darauf hingewiesen, dass es äusserst fraglich erscheint,</span><br/> <span class="ft6">ob ein ökologischer Ausgleich mittels einer Geldzahlung erbracht</span><br/> <span class="ft6">bzw. angeordnet werden kann, selbst wenn diese Zahlung - wie dies</span><br/> <span class="ft6">der Gemeinderat M. beabsichtigt (vgl. Protokoll der Augenscheins-</span><br/> <span class="ft6">verhandlung ... ) - möglicherweise im Rahmen eines Schutzgebietes</span><br/> <span class="ft6">verwendet werden soll. In den einschlägigen Erlassen wird von</span><br/> <span class="ft6">"Ausgleich" gesprochen (Art. 18b Abs. 2 Satz 2 NHG; Art. 15 der</span><br/> <span class="ft6">Verordnung über den Natur- und Heimatschutz [NHV] vom 16. Ja-</span><br/> <span class="ft6">nuar 1991; §§ 13 ff. NLV). Ausgleich ist aber nicht dasselbe wie</span><br/> <span class="ft6">"Ersatz" (vgl. Art. 18 Abs. 1</span><span class="ft7"><sup>ter</sup></span> <span class="ft6">NHG; vgl. ferner die im Gesetz über</span><br/> <span class="ft6">den Natur- und Landschaftsschutz des Kantons Luzern vom</span><br/> <span class="ft6">18. September 1990 getroffene Unterscheidung zwischen Ersatz bzw.</span><br/> <span class="ft6">Ersatzabgabe und ökologischem Ausgleich, insbesondere § 30).</span><br/> <span class="ft6">Auch wenn man, was vorliegend eher als zutreffend erscheint,</span><br/> <span class="ft6">die Fr. 800.- als Ersatzabgabe für die durch die Terrainaufschüttung</span><br/> <span class="ft6">in Mitleidenschaft gezogene Natur bzw. als Ersatz für einen ökologi-</span><br/> <span class="ft6">schen Ausgleich auffasst, fehlt es an einer entsprechenden gesetzli-</span><br/> <span class="ft6">chen Grundlage. Öffentliche Abgaben müssen in einer generell-ab-</span><br/> <span class="ft6">strakten Rechtsnorm vorgesehen sein, die genügend bestimmt ist.</span><br/> <span class="ft6">Diese Rechtsnorm muss in einem Gesetz im formellen Sinne veran-</span><br/> <span class="ft6">kert sein; hierbei ist mindestens der Kreis der Abgabenpflichtigen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">655</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">der Gegenstand der Abgabe sowie deren Höhe in den Grundzügen</span><br/> <span class="ft6">festzulegen (vgl. dazu sowie zum Begriff der Ersatzabgabe: Ulrich</span><br/> <span class="ft6">Häfelin/Georg Müller, Grundriss des allgemeinen Verwaltungsrechts,</span><br/> <span class="ft6">3. Auflage, Zürich 1998, Rz 2068 und 2094 ff.). Art. 18 Abs. 1</span><span class="ft7"><sup>ter</sup></span><br/> <span class="ft6">NHG, welcher in diesem Sinne von Ersatz spricht, ist denn auch</span><br/> <span class="ft6">nicht direkt anwendbar, sondern verlangt ein entsprechendes kanto-</span><br/> <span class="ft6">nales Ausführungsrecht (vgl. dazu Kommentar NHG, a.a.O., Art. 18</span><br/> <span class="ft6">N 23 und 38). An einer solchen gesetzlichen Grundlage fehlt es in-</span><br/> <span class="ft6">dessen im Kanton Aargau. Das Dekret über den Natur- und Land-</span><br/> <span class="ft6">schaftsschutz kennt keine Bestimmung über Ersatzabgaben im Rah-</span><br/> <span class="ft6">men des ökologischen Ausgleichs bzw. bei einer nicht vermeidbaren</span><br/> <span class="ft6">Beeinträchtigung eines schutzwürdigen Lebensraums (Art. 18 Abs.</span><br/> <span class="ft6">1</span><span class="ft7"><sup>ter</sup></span> <span class="ft6">NHG).</span><br/> <span class="ft6">Demgemäss ist festzuhalten, dass die in den Ziffern 2.2 und 5.1</span><br/> <span class="ft6">der angefochtenen Verfügung des Gemeinderates M. auferlegte</span><br/> <span class="ft6">Zahlung von Fr. 800.- rechtlich nicht haltbar ist. Eine solche Lösung</span><br/> <span class="ft6">mag allenfalls, wie dies offenbar der Praxis des Baudepartementes</span><br/> <span class="ft6">entspricht, im Rahmen eines Vergleichs durchaus eine gewisse Be-</span><br/> <span class="ft6">rechtigung haben. Eine rechtliche Grundlage für eine hoheitliche</span><br/> <span class="ft6">Anordnung fehlt indessen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>