Postulat Kohler Raoul 997 N 24 juin 1983 Landesring-/EVP-Fraktion in Auftrag gegebenen Gutachten von Prof. Dr. Silvio Borner vom Institut für angewandte Wirt- schaftsforschung an der Universität Basel basieren, beant- worten, weil nur dann die kritische Auseinandersetzung mit allen Aspekten der Sozialen Sicherheit möglich wird: 1. Existenzsicherung durch die AHV: Ist der Verfassungs- auftrag (Art. 34quater Abs. 2 BV), wonach die AHV den Exi- stenzbedarf zu decken hat, erfüllt, obschon immer noch 10 Prozent aller Rentner Ergänzungsleistungen beziehen müs- sen und überdies viele Rentner ihren Anspruch auf Ergän- zungsleistungen aus falscher Scham gar nicht erst geltend machen? 2. Leistungsziel in der Altersvorsorge: 21. Kann die Anwendung des sogenannten Mischindex unter der im Bericht geltenden Annahme der «goldenen Regel» bei der AHV nicht dazu führen, dass die heutigen Rentnerjahrgänge zu Lasten der späteren Rentnerjahr- gänge begünstigt werden, und dies bei ständig zunehmen- der Beitragsdauer und höheren Beitragssätzen der jungen Rentnergeneration? 22. Stellt das nicht die Erreichung der Leistungsziele der Altersvorsorge (Art. 34quater Abs. 2 und Abs. 3 BV) in Frage? 23. Falls dies zutrifft, mit welchen Vorkehren soll diese Fehlentwicklung korrigiert werden? 3. Finanzielles Gleichgewicht der Altersvorsorge: 31. Gefährdet die demographische Entwicklung (1970 ent- fielen auf 100 Erwerbstätige 21,9 Rentner, heute sind es bereits 26,6; im Jahre 2000 werden es gar 30,8 sein) nicht die finanziellen Grundlagen der Sozialversicherung? 32. Trifft es somit zu, dass bei wirtschaftlicher Stagnation und konstanten Rentenleistungen die Belastung der aktiven Generation allein durch die AHV bis ins Jahr 2000 um 16 Prozent ansteigen wird? 33. Mit welchen Massnahmen soll das derart gefährdete finanzielle Gleichgewicht der Altersversicherung gewährlei- stet werden? 4. Wirtschaftliche Lage der Rentner: 41. Trifft es zu, dass das für den individuellen Wohlstand massgebliche Nettoeinkommen nach Steuerabzug pro Kon- sumenteneinheit für Rentner wie auch für Arbeitnehmer im Durchschnitt in allen Einkommenskategorien praktisch gleich ist? 42. Welche Schlüsse werden daraus gezogen, falls dies zutrifft? 43. Sollte darum bei der Rentenfestsetzung künftig nicht auf das Nettoeinkommen nach Steuerabzug abgestellt wer- den? 5. Solidarität in der AHV: 51. Ist wegen der heutigen, auf dem Versicherungsprinzip basierenden Staffelung der AHV-Renten der Maximalrent- ner in Franken gerechnet nicht der grössere Nutzniesser der AHV-Solidarität als der Minimalrentner? 52. Ist nicht eine Neuordnung vorzuziehen, die künftig die Umverteilungsbeiträge der aktiven Generation so verteilt, dass die Minimal- und Maximalrentner gleich hohe Solidari- tätszuschüsse erhalten? 6. Internationale Konkurrenzfähigkeit und Soziale Sicher- heit: 61. Verringern relativ wachsende Soziallasten tatsächlich - wie dynamische Analysen vermuten lassen - die internatio- nale Konkurrenzfähigkeit der schweizerischen Wirtschaft? 62. Mit welchen zusätzlichen Belastungen ist künftig zu rechnen? 63. Gibt es wirtschaftliche Grenzen für die Tragbarkeit der künftigen Soziallasten, und wie lassen sie sich gegebenen- falls zahlenmässig umschreiben? 64. Warum haben die Verfasser des Berichtes darauf ver- zichtet, im Kapitel «finanzielle Perspektiven» Zahlenangaben zu diesen Fragen zu machen? 7. Bedürfnisse und Effizienz: 71. Fehlen in der schweizerischen Sozialpolitik trotz der über 33 Milliarden Franken Ausgaben für die Soziale Sicher- heit (1980) nicht sowohl eine gründliche aktuelle Bedürfnis- abklärung wie auch die unerlässliche Evaluation der Effi- zienz der heutigen Massnahmen und Institutionen? 72. Ist der Bundesrat bereit, diese Bedürfnisabklärung vor- zunehmen und gestützt darauf Massnahmen sowohl zur Schliessung effektiver Lücken in der Sozialen Sicherheit als auch zur Kosteneindämmung in der Kranken- und Invaliden- versicherung ohne Beeinträchtigung der Sozialen Sicher- heit und Gerechtigkeit zu treffen bzw. vorzuschlagen? Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates Rapport écrit du Conseil fédéral Mit der Veröffentlichung des Berichtes über versicherungs- technische, finanzielle und volkswirtschaftliche Aspekte der Sozialen Sicherheit in der Schweiz hat der Bundesrat eine Erklärung verabschiedet, in der er zu den Grundlagen für Perspektiven, dem Grundsatz der Anpassungsfähigkeit sowie zur Belastbarkeit mit Sozialabgaben seine Haltung festhält. Vor allem behält er sich ausdrücklich die volle Handlungsfreiheit gegenüber irgendwelcher programmarti- gen Sozialversicherungsgesetzgebung vor. Der Bundesrat ist sich auch bewusst, dass einerseits der gesamte Bereich der Sozialversicherung ein breitgefächer- tes Gebiet darstellt, andererseits die Entwicklung die Sozialversicherung dauernd beeinflusst, so dass kaum end- gültige Aussagen möglich sind. Er hat denn auch bereits das EDI beauftragt, Anschlussfragen in Abhängigkeit der Entwicklung weiterzubearbeiten. Im Auftrag ist auch die weitere Berichterstattung eingeschlossen. Der Bundesrat versteht das Postulat als Ergänzung des bereits erlassenen Auftrages und ist bereit, es in diesem Sinne entgegenzunehmen. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Überwiesen - Transmis #ST# 83.364 Postulat Kohler Raoul Nationalstrasse N 5. Förderung der Wirtschaft Route nationale N 5. Promotion de l'économie Wortlaut des Postulates vom 14. März 1983 Der Bundesrat wird eingeladen, im Rahmen der regionalpo- litischen Massnahmen zugunsten der wirtschaftlich bedroh- ten Regionen das dritte langfristige Nationalstrassen-Bau- programm vom 20. Dezember 1982 zu überprüfen und so zu ändern, dass mit dem Bau der N 5 von Solothurn nach Biel rascher begonnen und das Teilstück früher dem Ver- kehr übergeben werden kann. Texte du postulat du 14 mars 1983 Dans le cadre des mesures de politique régionale pour venir en aide aux régions dont l'économie est menacée, le Conseil fédéral est invité à reconsidérer le troisième pro- gramme de construction à long terme des routes natio- nales, du 20 décembre 1982, et de faire en sorte que la construction de la N 5, entre Soleure et Bienne, débute plus rapidement et que la mise en service de ce tronçon de route ait lieu dans des délais plus brefs. Mitunterzeichner - Cosignataires: Aubry, Sarchi, Borei, Cavadini, Cevey, Delamuraz, Deneys, Frey-Neuchâtel, Geh- ler, Gloor, Houmard, Jeanneret, Loetscher, Martignoni, Mül- ler-Scharnachtal, Räz, Rothen (17)24. Juni 1983 998 Postulat Keller Schriftliche Begründung - Développement par écrit Au nombre des mesures visant à renforcer l'économie on oublie souvent de mentionner les voies de communication. Chacun sait que le développement économique d'une région dépend, dans une large mesure, de la qualité de ses voies de communication. Or, la route nationale N 5 est, pour les populations de l'arc horloger, une voie de communica- tion d'importance vitale. Du fait de l'échelonnement de la construction des routes nationales, il se trouve, malheureu- sement, que ce sont précisément les régions qui en auraient le plus besoin qui sont servies les dernières. De nombreux conseillers nationaux, lors des débats sur la N 5, en juin 1982, et sur la situation économique, en octobre 1982, ont attiré l'attention du Conseil fédéral sur les ohéno- mènes de marginalisation et de cloisonnement dont était victime la région jurassienne. Ils ont insisté sur l'urgence de la construction de la route nationale N 5. Ils n'ont, hélas, pas été entendus. En effet, le troisième programme de construction à long terme des routes nationales suisses, approuvé par le Conseil fédéral le 20 décembre 1982, prévoit pour la N 5 entre Soleure et Bienne le début des travaux principaux en 1986 et la mise en service de ce tronçon en 1991 seule- ment. Ce programme révèle en outre que la N 5, sur toute sa longueur, ne pourra être ouverte au trafic qu'en 1995. Ces délais sont beaucoup trop longs si l'on veut rapide- ment rétablir l'équilibre du développement des différentes régions du pays et rattraper le retard qui affecte le pied du Jura. La topographie de la région traversée par l'autoroute ne présentant aucune difficulté susceptible d'en retarder la construction, il devrait être possible de réduire sensible- ment la phase des travaux préparatoires et la durée des tra- vaux principaux. C'est pourquoi le Conseil fédéral est invité à prendre les mesures qui s'imposent pour accélérer la construction de la N 5 entre Soleure et Bienne. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates Rapport écrit du Conseil fédéral Dans le troisième programme de construction à long terme des routes nationales, du 20 décembre 1982, la section Bienne-Soleure de la route nationale N 5 est classée, quant à sa priorité, en fonction de l'état actuel des travaux d'éta- blissement du projet. A cet égard, ce ne sont pas des considérations financières qui jouent un rôle, mais unique- ment les possibilités effectives de la mise au point du projet de la section, qui est en partie encore contestée. Si l'on parvient à mettre le projet au point dans des délais plus courts que prévus, les travaux de construction proprement dits pourraient être avancés en conséquence. Il est néan- moins prévu d'entamer les premiers travaux préliminaires déjà en 1984. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral est prêt à accepter le postulat. Präsident: Herr Herczog lehnt die Überweisung des Postu- lats ab. Die Diskussion wird verschoben. #ST# 83.407 Postulat Keller Umfahrung Zurzach. Bundesbeitrag Contournement de Zurzach. Subvention fédérale Wortlaut des Postulats vom 17. März 1983 Der Bundesrat wird ersucht, gemäss Artikel 36ter BV das ausführungsreife Projekt der Umfahrung Zurzach finanziell angemessen zu unterstützen. Zur Verwirklichung dieses Modellfalls einer umweltgerechten Verkehrssanierung (1,4 Kilometer langer Strassentunnel) wolle der Bundesrat die Aufnahme der Rheintalstrasse ins Hauptstrassennetz beschliessen und die Anschlussgesetzgebung für Absatz 1 Buchstabe d rasch verwirklichen. Texte du postulat du 17 mars 1983 Le Conseil fédéral est invité a accorder, en vertu de l'article 36er est., un appui financier approprié au projet de contour- nement de Zurzach, projet qui est prêt à être exécuté. Afin de réaliser ce modèle d'assainissement du trafic qui tient dûment compte de l'environnement, - soit un tunnel routier mesurant 1,4 kilomètre - le Conseil fédéral est prié d'incor- porer la route du Rheintal dans le réseau des routes princi- pales, ainsi que d'élaboration rapidement de la législation d'application que requiert l'alinéa 1>!r, lettre d. Mitunterzeichner - Cosignataires: Akeret, Biderbost, Bir- cher, Blunschy, Bundi, Bürer-Walenstadt, Cantieni, Cho- pard, Columberg, Dirren, Dürr, Feigenwinter, Fischer-Wein- felden, Fischer-Hägglingen, Fischer-Sursee, Huggenberger, Humbel, Jelmini, Kaufmann, Kühne, Landolt, Lang, Loretan, Mauch, Meier Werner, Müller-Luzern, Müller-Aargau, Mül- ler-Bern, Nauer, Neukomm, Nussbaumer, Ogi, Roth, Rütti- mann, Scherer, Schwarz, Segmüller, Spiess, Weber Leo, Wellauer, Zehnder, Ziegler-Solothurn (42) Schriftliche Begründung - Développement par écrit 1. Seit den sechziger Jahren wird der Verkehr an der Rheintalstrasse zunehmend als Last empfunden. Der Güter- transport verlagerte sich von der Bahn auf die Strasse und machte die Rheintalstrasse zur Transportachse Rheinhafen Basel-Ostschweiz. Die Sanierung der aargauischen Rhein- talstrasse bis Stein und der Ausbau der Zürcher Transit- strasse von Kaiserstuhl an Richtung Ostschweiz hat das schlechtere Zwischenstück so kurz gemacht, dass es von den Benutzern in Kauf genommen wird. Im weiteren hat die Entwicklung der Rheinbrücke Koblenz zu einer zentralen Zollabfertigungsstelle diesen Strassenabschnitt verkehrs- mässig zusätzlich belebt. Im Tagesdurchschnitt durchfah- ren Zurzach 10500 Motorwagen, davon 1700 Lastwagen. Vor allem die Belastung der Rheintalstrasse durch Lastwa- gen ist enorm, mehr als die Hälfte davon tragen kein aar- gauisches Nummernschild. Trotz dem hohen Anteil des Verkehrs, im besonderen des überregionalen Verkehrs, ist die Rheintalstrasse bis zur Stunde nicht ins Netz der Haupt- strassen aufgenommen worden. 2. Abgesehen von der andauernden Belästigung der Bevöl- kerung, ist die historische Bausubstanz - sie ist noch weit- gehend erhalten - dieses einstmaligen nationalen und inter- nationalen Messeortes in besonderer Weise bedroht: Über den geologischen Untergrund mit seinen Lehmterrassen wirken sich die Erschütterungen durch den Schwerverkehr sehr stark aus. Stets von neuem bilden sich an den Häusern Risse, Fassadenrenovationen halten nur kurze Zeit, die Abgase beschleunigen die Zersetzung von Baumaterialien. Daraus ergibt sich auch ein Missverhältnis zwischen dem baulichen Aufwand für den Unterhalt der Liegenschaften und ihrem Wohnwert. 3. In beachtenswerter Geschlossenheit hat die Einwohner- schaft von Zurzach die Initiative ergriffen, durch eine grund- legende Sanierung die missliche Lage zu ändern. An die Kosten von rund 55 Millionen will die Gemeinde (3300 Ein- wohner) selber annähernd 10 Millionen beisteuern. Sie hofft dabei, dass die Partner in Kanton und Bund nachziehen. Was besondere Beachtung verdient: Das Zurzacher Projekt trägt dem Umweltschutzgedanken in erfreulicher Weise Rechnung. Weil der grösste Teil der Strecke in einen Tunnel (1,4 Kilometer) verlegt wird, sind die dauerhaften Einbussen an der Landschaft sehr gering. Und eine besonders wich- tige Tatsache: die Umfahrung schafft keine neuen Opfer; sie verzichtet darauf, den Verkehr einfach in bisher wenig berührte Aussenquartiere zu verlegen. Das Zurzacher Projekt darf gerade mit Blick auf den SchutzSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Kohler Raoul Nationalstrasse N 5. Förderung der Wirtschaft Postulat Kohler Route nationale N 5. Promotion de l'économie In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1983 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 83.364 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 24.06.1983 - 08:00 Date Data Seite 997-998 Page Pagina Ref. No 20 011 540 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.