<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">452</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>91</b></span> <span class="ft4"><b>Brandschutz und Feuerungskontrolle</b></span><br/> <span class="ft6">-</span> <span class="ft4"><b>Aufsichtsbehörde im Bereich des Brandschutzes</b></span><br/> <span class="ft6">-</span> <span class="ft4"><b>Vergabe einer Kaminfegerkonzession und Wahl eines Brandschutz-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>beauftragten sowie Feuerungskontrolleurs</b></span><br/> <span class="ft6">-</span> <span class="ft4"><b>Gebührentarif für die Leistungen des Kaminfegers, Brandschutzbe-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>auftragten und Feuerungskontrolleurs</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">453</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Aus der Aufsichtsanzeigebeantwortung des Regierungsrats vom 13. August</span><br/> <span class="ft8">2014 i.S. H.B. gegen Gemeinderat S. (RRB-Nr. 2014-000823).</span><br/> <span class="ft10"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 38 Abs. 1 VRPG kann jede Person jederzeit Tat-</span><br/> <span class="ft1">sachen, die im öffentlichen Interesse ein Einschreiten von Amtes</span><br/> <span class="ft1">wegen gegen Behörden erfordern, der Aufsichtsbehörde anzeigen. Es</span><br/> <span class="ft1">stellt sich zunächst die Frage, wer im vorliegenden Fall zuständige</span><br/> <span class="ft1">Aufsichtsbehörde ist.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 100 Abs. 2 GG sind der Regierungsrat und die De-</span><br/> <span class="ft1">partemente Aufsichtsbehörden über die Gemeinden. Welches De-</span><br/> <span class="ft1">partement zuständig ist, ergibt sich praxisgemäss aufgrund des</span><br/> <span class="ft1">Rechts, das bei der in der Aufsichtsanzeige beanstandeten Handlung</span><br/> <span class="ft1">oder Unterlassung angewandt wurde oder hätte angewendet werden</span><br/> <span class="ft1">müssen. Der Rechtsdienst der Gemeindeabteilung DVI ist zu Recht</span><br/> <span class="ft1">davon ausgegangen, dass vorliegend nicht die Anwendung von Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderecht Gegenstand der Aufsichtsanzeige bildet, weshalb das</span><br/> <span class="ft1">Departement Volkswirtschaft und Inneres zur Behandlung der Auf-</span><br/> <span class="ft1">sichtsanzeige nicht zuständig ist. Bei der Vergabe einer Kaminfeger-</span><br/> <span class="ft1">konzession, der Wahl eines Brandschutzbeauftragten und der Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mung der Gebühren, welche Kaminfeger und Brandschutzbeauftrag-</span><br/> <span class="ft1">ter erheben dürfen, geht es primär um Brandschutz. Das BSG regelt</span><br/> <span class="ft1">in § 20 die Erteilung der kommunalen Kaminfegerkonzession, in</span><br/> <span class="ft1">§ 19 die Voraussetzungen zur Ausübung des Kaminfegerberufs und</span><br/> <span class="ft1">in den §§ 23 und 24 die Gebührenerhebung, welche Thema der</span><br/> <span class="ft1">Aufsichtsanzeige bilden. Es ist deshalb aufgrund des Brandschutz-</span><br/> <span class="ft1">gesetzes die zuständige Aufsichtsbehörde zu bestimmen. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 12 Abs. 1 BSG führt der Gemeinderat die Aufsicht über den Brand-</span><br/> <span class="ft1">schutz im Gemeindegebiet. Er kann aber nicht die Aufsicht über sich</span><br/> <span class="ft1">selbst wahrnehmen. Gemäss § 13 Abs. 1 BSG sorgt die Aargauische</span><br/> <span class="ft1">Gebäudeversicherung (AGV) für die Sicherstellung des Brandschut-</span><br/> <span class="ft1">zes im Kantonsgebiet, namentlich durch Überwachung des Vollzugs</span><br/> <span class="ft1">der Brandschutzvorschriften und Erlass der erforderlichen Weisun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">454</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen. Aus diesem Grund erachtete die Gemeindeabteilung DVI die</span><br/> <span class="ft1">AGV als zuständige Aufsichtsbehörde, ist letztere doch auch für die</span><br/> <span class="ft1">Behandlung von Beschwerden gegen Verfügungen des Gemeindera-</span><br/> <span class="ft1">tes auf dem Gebiet des Brandschutzes zuständig (§ 25 Abs. 1 BSG).</span><br/> <span class="ft1">Die AGV wandte allerdings ein, sie sei zwar Fachinstanz für Brand-</span><br/> <span class="ft1">schutz- und Kaminfegerfragen, jedoch kein Departement im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von § 100 Abs. 2 GG. Gegen die Zuständigkeit der AGV spricht</span><br/> <span class="ft1">überdies der Wortlaut von § 11 BSG: "Der Brandschutz steht unter</span><br/> <span class="ft1">der Aufsicht des Regierungsrates". Im Gesetzesentwurf vom 10. Au-</span><br/> <span class="ft1">gust 1987 hatte die Bestimmung noch gelautet (damaliger § 10),</span><br/> <span class="ft1">"Der Brandschutz steht unter der Aufsicht des für das Gebäudever-</span><br/> <span class="ft1">sicherungswesen zuständigen Departements und des Regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rates" und die Botschaft erläuterte, die Aufsicht sei wie bisher vom</span><br/> <span class="ft1">Baudepartement und Regierungsrat wahrzunehmen. Aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">Änderungsanträge der grossrätlichen Kommission vom 9. August</span><br/> <span class="ft1">1988 wurde jedoch in der 1. Beratung vom 18. Oktober 1988 die</span><br/> <span class="ft1">heutige Fassung beschlossen; die Aufsicht des für das Gebäudeversi-</span><br/> <span class="ft1">cherungswesen zuständigen Departements wurde also bewusst gestri-</span><br/> <span class="ft1">chen und der Regierungsrat als einzige Aufsichtsbehörde bestimmt.</span><br/> <span class="ft1">Dementsprechend hat die Gebäudeversicherung die Aufsichtsanzeige</span><br/> <span class="ft1">zu Recht zwecks Instruktion zuhanden des Regierungsrats an den</span><br/> <span class="ft1">regierungsrätlichen Rechtsdienst überwiesen. Da bei den in der Auf-</span><br/> <span class="ft1">sichtsanzeige thematisierten Handlungen kein Departement invol-</span><br/> <span class="ft1">viert war, wäre zwar eine Beschwerdeinstruktion durch das Departe-</span><br/> <span class="ft1">ment Gesundheit und Soziales als heute für die Gebäudeversicherung</span><br/> <span class="ft1">zuständiges Departement oder das Departement Bau, Verkehr und</span><br/> <span class="ft1">Umwelt als für den Umweltschutz bzw. die Luftreinhaltung zustän-</span><br/> <span class="ft1">diges Departement zuhanden des Regierungsrats denkbar. Nachdem</span><br/> <span class="ft1">die Aufsichtsanzeige aber Aspekte beider Departemente betrifft (pri-</span><br/> <span class="ft1">mär Brandschutz und sekundär Luftreinhaltung), ist eine gesamthafte</span><br/> <span class="ft1">Instruktion durch den regierungsrätlichen Rechtsdienst sachgerecht.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">§ 38 Abs. 1 VRPG sieht vor, dass jede Person jederzeit Tat-</span><br/> <span class="ft1">sachen, die im öffentlichen Interesse ein Einschreiten von Amtes</span><br/> <span class="ft1">wegen gegen Behörden gemäss § 1 Abs. 2 VRPG und deren Mitar-</span><br/> <span class="ft1">beitende erfordern, der Aufsichtsbehörde anzeigen kann. Handelt sie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">455</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nicht rechtsmissbräuchlich, hat die anzeigende Person Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">Beantwortung; sie besitzt jedoch - anders als bei der Ergreifung</span><br/> <span class="ft1">eines formellen Rechtsmittels - weder Parteirechte noch Anspruch</span><br/> <span class="ft1">auf materielle Behandlung ihrer Eingabe (§ 38 Abs. 2 VRPG). Die</span><br/> <span class="ft1">Aufsichtsanzeige dient deshalb in erster Linie dazu, die Aufsichtsbe-</span><br/> <span class="ft1">hörden auf Pflichtverletzungen der unterstellten Behörden sowie von</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeitenden aufmerksam zu machen. Sie kann sich sowohl gegen</span><br/> <span class="ft1">Verfügungen und Entscheide als auch gegen verfügungsfreies Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungshandeln richten. Der Umfang dieser Aufsicht ist ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend der Natur der Aufsichtsanzeige jedoch beschränkt auf den</span><br/> <span class="ft1">Geschäftsgang und die pflichtgemässe Ausübung der Funktionen</span><br/> <span class="ft1">durch die Behörden sowie ihrer Mitglieder. Die Aufsichtsbehörde</span><br/> <span class="ft1">greift sodann nur dort ein, wo durch den beanstandeten Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">akt bzw. die Amtsführung klares Recht verletzt ist, wesentliche Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrensvorschriften oder öffentliche Interessen offensichtlich miss-</span><br/> <span class="ft1">achtet worden sind, sofern der betreffende Entscheid nicht gleich-</span><br/> <span class="ft1">zeitig mit einem Rechtsmittel angefochten wurde. Sofern ein Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittel zur Verfügung steht, ist die Aufsichtsanzeige im Grundsatz</span><br/> <span class="ft1">subsidiär und wird entsprechend nicht behandelt (vgl. A</span><span class="ft8">LFRED</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft8">ÖLZ</span><span class="ft1">/</span><br/> <span class="ft1">I</span><span class="ft8">SABELLE</span> <span class="ft1">H</span><span class="ft8">ÄNER</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft8">ARTIN</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft8">ERTSCHI</span><span class="ft1">, Verwaltungsverfahren und</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf</span><br/> <span class="ft1">2013, Rz. 777; sowie zur unveränderten Rechtslage: A</span><span class="ft8">NDREAS</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft8">UR</span><span class="ft2">-</span><br/> <span class="ft8">REN</span><span class="ft1">, Die Aufsichtsbeschwerde im Verwaltungsverfahren, insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere nach aargauischem Recht, Diss. Basel 1978, S. 145 ff.; A</span><span class="ft8">TTILIO</span><br/> <span class="ft1">R.</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft8">ADOLA</span><span class="ft1">, Das verwaltungsinterne Beschwerdeverfahren,</span><br/> <span class="ft1">Diss. Zürich 1991, S. 156 ff.; M</span><span class="ft8">ICHAEL</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft8">ERKER</span><span class="ft1">, Kommentar zu den</span><br/> <span class="ft1">§§ 38-72 VRPG, Diss. Zürich 1998, N 10 ff. zu § 59a; AGVE 1993</span><br/> <span class="ft1">S. 630).</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">H.B. stellt in Frage, ob H.K. alle Voraussetzungen für die</span><br/> <span class="ft1">Erteilung einer Kaminfegerkonzession und die Wahl als Brand-</span><br/> <span class="ft1">schutzbeauftragter erfüllt und ob der Gemeinderat S. das Vorliegen</span><br/> <span class="ft1">dieser Voraussetzungen gehörig geprüft hat.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 19 Abs. 1 BSG bedarf die Ausübung des Kamin-</span><br/> <span class="ft1">fegerberufs im Gemeindegebiet einer Konzession des Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">rates. Wer sich um eine Konzession bewirbt, hat sich auszuweisen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">456</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">über a) die mit Erfolg bestandene eidgenössische Meisterprüfung, b)</span><br/> <span class="ft1">einen guten Leumund, c) Wohnsitz im Kanton, d) ausreichende</span><br/> <span class="ft1">Kenntnisse der Brandschutzvorschriften, e) den Abschluss einer</span><br/> <span class="ft1">genügenden Berufshaftpflichtversicherung (§ 19 Abs. 2 BSG). Nach-</span><br/> <span class="ft1">dem die Bewerbungsunterlagen von H.K. zunächst unvollständig</span><br/> <span class="ft1">waren, hat der Gemeinderat S. den Bewerber am 16. Dezember 2013</span><br/> <span class="ft1">zur Nachreichung der fehlenden Nachweise aufgefordert. Dieser</span><br/> <span class="ft1">Aufforderung kam der Bewerber am 24. Dezember 2013 nach. Einen</span><br/> <span class="ft1">schriftlichen Nachweis für einen guten Leumund reichte er zwar</span><br/> <span class="ft1">auch am 16. Dezember 2013 nicht ein. Nachdem der in der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">de wohnende Bewerber aber bereits seit 1992 als Kaminfegermeister</span><br/> <span class="ft1">und Brandschutzbeauftragter für die Gemeinde und zwei Nachbar-</span><br/> <span class="ft1">gemeinden tätig war, war der Verzicht auf Strafregister- und Betrei-</span><br/> <span class="ft1">bungsregisterauszug vertretbar. Der Bewerber war dem Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">bereits seit langem bekannt und ein den Leumund trübendes</span><br/> <span class="ft1">Verhalten wäre dem Gemeinderat zweifellos bekannt geworden. So-</span><br/> <span class="ft1">mit stand der Konzessionserteilung für eine weitere Amtsdauer von</span><br/> <span class="ft1">vier Jahren (vgl. § 20 Abs. 1 BSG) nichts entgegen. Nicht zu bean-</span><br/> <span class="ft1">standen ist auch die erneute Wahl als Brandschutzbeauftragter, lagen</span><br/> <span class="ft1">doch ein entsprechender Ausbildungsnachweis und langjährige Er-</span><br/> <span class="ft1">fahrungen vor.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1</span><br/> <span class="ft1">H.B. beanstandet ferner die gemeinderätliche Gutheissung des</span><br/> <span class="ft1">von H.K. beantragten Gebührentarifs als ungesetzlich, unklar, falsch</span><br/> <span class="ft1">und nicht durchsetzbar. Mit Protokollauszug vom 6. Januar 2014</span><br/> <span class="ft1">beschloss der Gemeinderat S., für den Kaminfegerdienst gelte der</span><br/> <span class="ft1">kantonale Höchsttarif des Regierungsrats; der von H.K. beantragte</span><br/> <span class="ft1">und von ihm offenbar selbst entworfene Gebührentarif vom</span><br/> <span class="ft1">November 2013, gültig ab 1. Januar 2014, werde gutgeheissen. Tarif-</span><br/> <span class="ft1">anpassungen, eingeschlossen Änderungen in den Leistungen, seien</span><br/> <span class="ft1">vorgängig durch den Gemeinderat bewilligen zu lassen.</span><br/> <span class="ft1">5.2</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 23 Abs. 1 BSG legt der Gemeinderat den Tarif fest,</span><br/> <span class="ft1">nach dem der Kaminfeger für die ihm übertragenen Reinigungs-</span><br/> <span class="ft1">arbeiten einschliesslich der Kontrollen der Feuerungs- und Rauchab-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">457</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zugsanlagen Rechnung stellen darf. § 24 Abs. 1 BSG bestimmt fer-</span><br/> <span class="ft1">ner, dass die Gemeinde für die Behandlung von Gesuchen um Ertei-</span><br/> <span class="ft1">lung von Bewilligungen und die Ausübung von Kontroll- und Voll-</span><br/> <span class="ft1">streckungsfunktionen im Sinne des Brandschutzgesetzes Gebühren</span><br/> <span class="ft1">erheben kann. Im Anwendungsbereich von § 24 BSG sind jedoch nur</span><br/> <span class="ft1">die Gemeindeversammlung oder der Einwohnerrat einer Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">zum Erlass eines Gebührenreglements zuständig. Der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">darf lediglich gestützt auf § 23 BSG ein kommunales Gebühren-</span><br/> <span class="ft1">reglement erlassen. Dabei ist er nicht nur an den regierungsrätlichen</span><br/> <span class="ft1">Höchsttarif, sondern auch an dessen Struktur gebunden (§ 23 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BSG). In § 1 des Kantonalen Höchsttarifs für Kaminfegerarbeiten</span><br/> <span class="ft1">vom 25. Oktober 1995 hat der Regierungsrat den Richttarif für</span><br/> <span class="ft1">Kaminfegerarbeiten der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen</span><br/> <span class="ft1">vom 7. Juni 1995 (nachfolgend: Richttarif) als kantonalen Höchstta-</span><br/> <span class="ft1">rif im Sinne von § 23 Abs. 2 BSG bestimmt, den Stundenansatz auf</span><br/> <span class="ft1">Fr. 79.80 zuzüglich Mehrwertsteuer und die Grundtaxe auf 17 Minu-</span><br/> <span class="ft1">ten festgesetzt. Mit der Grundtaxe, welche nur ein Mal pro selbstän-</span><br/> <span class="ft1">digen Haushalt verrechnet werden darf, wird ein Teil jener Kosten</span><br/> <span class="ft1">abgegolten, welche dem einzelnen Reinigungsobjekt nicht direkt</span><br/> <span class="ft1">zugerechnet werden können. Es geht dabei um Arbeitsweg, Reini-</span><br/> <span class="ft1">gungsanzeige, Arbeitsvorbereitung und Arbeitsanweisungen, Feuer-</span><br/> <span class="ft1">polizei-Rapportwesen, Bereitstellen und Versorgen der Geräte, Fahr-</span><br/> <span class="ft1">zeuge, Werkzeuge und Maschinen, Abrechnung, Arbeitspausen und</span><br/> <span class="ft1">persönliche Reinigung des Kaminfegers gemäss Gesamtarbeitsver-</span><br/> <span class="ft1">trag (Art. 8 Richttarif). Gemäss Art. 4 Abs. 1 Richttarif bemisst sich</span><br/> <span class="ft1">die Entschädigung im Übrigen nach Vorgabezeiten und Grundtaxe</span><br/> <span class="ft1">oder nach effektivem Zeitaufwand und Grundtaxe.</span><br/> <span class="ft1">5.3</span><br/> <span class="ft1">In formeller Hinsicht fällt auf, dass der Gemeinderat S. in</span><br/> <span class="ft1">seinem Protokollauszug vom 6. Januar 2014, welcher lediglich dem</span><br/> <span class="ft1">als Kaminfeger und Brandschutzbeauftragten gewählten H.K. sowie</span><br/> <span class="ft1">den kommunalen Abteilungen Bau bzw. Finanzen zugestellt wurde,</span><br/> <span class="ft1">einerseits den kantonalen Höchsttarif für Kaminfegerarbeiten des</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrates für verbindlich erklärt und andererseits den von</span><br/> <span class="ft1">H.K. erarbeiteten Gebührentarifentwurf gutgeheissen hat. Der Erlass</span><br/> <span class="ft1">eines gültigen gemeinderätlichen Gebührentarifs hätte aber erfordert,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">458</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die vom Gemeinderat als massgeblich erklärten Gebührenbestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen samt Inkrafttretenstermin auf einem Dokument mit dem</span><br/> <span class="ft1">Kopf des Gemeinderats festzuhalten, zu datieren, zu unterzeichnen</span><br/> <span class="ft1">und zu publizieren. Das vom Gemeinderat eingereichte und mit "Ge-</span><br/> <span class="ft1">bührentarif" bezeichnete Dokument gibt dagegen im Kopf den Ka-</span><br/> <span class="ft1">minfegermeister und Brandschutzbeauftragten H.K. als Verfasser an</span><br/> <span class="ft1">und enthält keinerlei Hinweise, dass es vom Gemeinderat als kom-</span><br/> <span class="ft1">munaler Gebührentarif beschlossen wurde und wann dies erfolgt ist.</span><br/> <span class="ft1">Vermutlich wurde der Tarif auch nicht publiziert, im Online-Portal</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinde findet es sich nicht unter den Reglementen der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde S.</span><br/> <span class="ft1">5.4</span><br/> <span class="ft1">In materieller Hinsicht ist festzustellen, dass der Gebührentarif</span><br/> <span class="ft1">von H.K. eine Vielzahl von Gebühren enthält, welche offenbar mehr-</span><br/> <span class="ft1">heitlich pauschal erhoben und vereinzelt nach Aufwand pro Stunde</span><br/> <span class="ft1">erhoben werden sollen, was die Frage aufwirft, ob sich die Gebühren</span><br/> <span class="ft1">durchwegs an die verbindliche Struktur des regierungsrätlichen Ka-</span><br/> <span class="ft1">minfegerhöchsttarifs halten. Einerseits wollte der Gemeinderat S.</span><br/> <span class="ft1">vermutlich den Kaminfegerhöchsttarif vollständig ausschöpfen,</span><br/> <span class="ft1">wenn er diesen als verbindlich bezeichnete, ohne Gebühren unter den</span><br/> <span class="ft1">Höchstgebühren festzusetzen. Anderseits hat er aber zusätzlich den</span><br/> <span class="ft1">persönlichen Gebührentarif von H.K. gutgeheissen, welcher teilweise</span><br/> <span class="ft1">die regierungsrätlichen Höchsttarife überschreitet und in einzelnen</span><br/> <span class="ft1">Positionen auch in Widerspruch zur Gebührenordnung der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">S. steht, welche die Gemeindeversammlung am 3. März 1994 be-</span><br/> <span class="ft1">schlossen und der Grosse Rat am 23. April 1996 genehmigt haben.</span><br/> <span class="ft1">Es steht dem Gemeinderat nicht zu, die Brandschutzgebühren, wel-</span><br/> <span class="ft1">che die Gemeindeversammlung in Ziffer 4 der Gebührenordnung</span><br/> <span class="ft1">festgesetzt hat, abweichend oder detaillierter zu regeln. So sieht die</span><br/> <span class="ft1">Gebührenordnung z.B. für Brandschutzbewilligungen einen Gebüh-</span><br/> <span class="ft1">renrahmen von Fr. 150.- bis Fr. 1'200.- vor, während nach dem Tarif</span><br/> <span class="ft1">von H.K. die Gebühr für Brandschutzbewilligungen nach Aufwand</span><br/> <span class="ft1">zu einem Stundenansatz von Fr. 88.- bestimmt werden soll, was Ge-</span><br/> <span class="ft1">bühren von unter Fr. 150.- und über Fr. 1'200.- nicht ausschliesst.</span><br/> <span class="ft1">Für nachträgliche Brandschutzbewilligungen soll H.K. ferner gemäss</span><br/> <span class="ft1">gemeinderätlich gutgeheissenem Tarif eine "Bewilligungs- und Straf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">459</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gebühr" von pauschal Fr. 128.- erheben. Diesbezüglich hat der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat S. in seiner Stellungnahme vom 26. März 2014 sinnge-</span><br/> <span class="ft1">mäss zugestanden, dass Strafen und Bussen nur Behörden ausspre-</span><br/> <span class="ft1">chen können, eine Strafkompetenz aber nicht an den Kaminfeger</span><br/> <span class="ft1">oder Brandschutzbeauftragten übertragen werden kann. Dem ist</span><br/> <span class="ft1">nichts beizufügen.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem der gutgeheissene Gebührentarif von H.K. eine Viel-</span><br/> <span class="ft1">zahl gerügter und fragwürdiger Gebühren enthält, ist sodann festzu-</span><br/> <span class="ft1">halten, dass es nicht Aufgabe des Regierungsrats sein kann, im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen eines Aufsichtsanzeigeverfahrens sämtliche Gebühren wie</span><br/> <span class="ft1">bei einer abstrakten Normenkontrolle auf Einhaltung des übrigen</span><br/> <span class="ft1">kommunalen, des kantonalen und eidgenössischen Rechts zu über-</span><br/> <span class="ft1">prüfen und eine Beurteilung vorzunehmen, ob das Kostendeckungs-</span><br/> <span class="ft1">und das Aequivalenzprinzip bei jeder Gebühr eingehalten sind. Das</span><br/> <span class="ft1">Kostendeckungsprinzip bedeutet, dass der Gesamtertrag der Gebüh-</span><br/> <span class="ft1">ren die gesamten Kosten des betreffenden Verwaltungszweigs nicht</span><br/> <span class="ft1">übersteigen darf. Nach dem Äquivalenzprinzip muss die Höhe der</span><br/> <span class="ft1">Gebühr im Einzelfall in einem vernünftigen Verhältnis stehen zum</span><br/> <span class="ft1">Wert, den die staatliche Leistung für die Abgabepflichtigen hat.</span><br/> <span class="ft1">Der Anzeiger H.B. kann, wenn ihm gestützt auf den be-</span><br/> <span class="ft1">anstandeten Tarif eine Gebühr auferlegt wird, eine anfechtbare Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung verlangen und dagegen Beschwerde führen. Die Aufsichtsan-</span><br/> <span class="ft1">zeige ist gegenüber den verfügbaren ordentlichen Rechtsmitteln sub-</span><br/> <span class="ft1">sidiär.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem der Gemeinderat S. den gesamten Tarif ordnungsge-</span><br/> <span class="ft1">mäss neu zu erlassen hat, sind ihm aber zumindest einige generelle</span><br/> <span class="ft1">Hinweise zu offensichtlichen systematischen Mängeln zu geben,</span><br/> <span class="ft1">damit die gemachten Fehler im neuen Erlass vermieden werden</span><br/> <span class="ft1">können.</span><br/> <span class="ft1">Dass die Gebühren im Vergleich zum früheren Tarif teilweise</span><br/> <span class="ft1">gesenkt wurden für Fälle, in denen der Aufwand reduziert ist, weil</span><br/> <span class="ft1">z.B. in einer Liegenschaft mehrere Anlagen zu kontrollieren sind, ist</span><br/> <span class="ft1">korrekt und entspricht dem Prinzip der Gebührenerhebung nach</span><br/> <span class="ft1">Aufwand. Zu beanstanden sind aber Stundenansätze von Fr. 88.- bei</span><br/> <span class="ft1">einem für den Gemeinderat verbindlichen Höchsttarif von Fr. 79.80.</span><br/> <span class="ft1">Ins Auge stechen auch die unterschiedlich hohen Gebühren für die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">460</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">administrativen Aufwendungen bei der Kontrolle von Oel- und Gas-</span><br/> <span class="ft1">feuerungen. Erfolgt die Feuerungskontrolle bei einer Oel- oder</span><br/> <span class="ft1">Gasheizung durch H.K. selbst, soll er für die Erfassung und die</span><br/> <span class="ft1">Auswertung der Messwerte eine Gebühr von Fr. 28.- erheben dürfen.</span><br/> <span class="ft1">Erfolgt die Feuerungskontrolle dagegen durch eine externe Service-</span><br/> <span class="ft1">firma soll er für die administrativen Aufwendungen Fr. 43.-, also</span><br/> <span class="ft1">Fr. 15.- mehr erheben dürfen. Das erweckt den Eindruck einer</span><br/> <span class="ft1">unzulässigen Entschädigung von Fr. 15.- für entgangenen Gewinn.</span><br/> <span class="ft1">Wird die Feuerungskontrolle durch eine Servicefirma vorgenommen,</span><br/> <span class="ft1">ist nämlich der administrative Aufwand des Feuerungskontrolleurs</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinde nicht grösser, sondern kleiner, was für eine Gebühr</span><br/> <span class="ft1">von weniger als Fr. 28.- spricht. Nimmt eine Servicefirma die</span><br/> <span class="ft1">Feuerungskontrolle vor, erfasst sie auf dem Feuerungskontrollrapport</span><br/> <span class="ft1">sämtliche Messwerte und nimmt eine Beurteilung (Auswertung) vor,</span><br/> <span class="ft1">ob die Anforderungen der Luftreinhalteverordnung eingehalten sind.</span><br/> <span class="ft1">Ist dies nicht der Fall, stellt sie zuhanden des Gemeinderats auch</span><br/> <span class="ft1">noch einen Antrag für die zu verfügende Instandstellungsfrist. Sämt-</span><br/> <span class="ft1">liche Arbeiten einschliesslich der administrativen Leistungen des</span><br/> <span class="ft1">Servicegewerbes werden diesem direkt vom Heizungseigentümer</span><br/> <span class="ft1">oder -betreiber entschädigt. Die vom Servicegewerbe geleisteten</span><br/> <span class="ft1">administrativen Arbeiten bleiben dem Kaminfeger und Feuerungs-</span><br/> <span class="ft1">kontrolleur also erspart, wenn eine Servicefirma an seiner Stelle die</span><br/> <span class="ft1">Feuerungskontrolle vornimmt. Er kann sich dann darauf beschrän-</span><br/> <span class="ft1">ken, den ausgefüllten Feuerungskontrollrapport entgegenzunehmen,</span><br/> <span class="ft1">eine kurze Plausibilitätskontrolle vorzunehmen und die erfolgte Feu-</span><br/> <span class="ft1">erungskontrolle zu erfassen. Das dauert zusammen nur wenige Mi-</span><br/> <span class="ft1">nuten und rechtfertigt keine Gebühr von Fr. 43.-, welche bei einem</span><br/> <span class="ft1">Höchsttarif von Fr. 79.80 pro Stunde einem Arbeitsaufwand von über</span><br/> <span class="ft1">einer halben Stunde entspräche, wobei die unter anderem für das</span><br/> <span class="ft1">Feuerpolizei-Rapportwesen bestimmten 17 Minuten Grundtaxe noch</span><br/> <span class="ft1">gar nicht berücksichtigt sind. Eine Gebühr von rund Fr. 10.- für</span><br/> <span class="ft1">administrative Aufwendungen bei Vornahme der Feuerungskontrolle</span><br/> <span class="ft1">durch eine Servicefirma dürfte dem effektiven durchschnittlichen</span><br/> <span class="ft1">Aufwand gerecht werden, zumal der Tarif für zweite und dritte</span><br/> <span class="ft1">Mahnungen noch eine zusätzliche Gebühr von Fr. 20.- vorsieht. Bei</span><br/> <span class="ft1">Holzfeuerungen setzt der Tarif denn auch für den administrativen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">461</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Aufwand eine Gebühr von lediglich Fr. 9.50 fest. Zu beanstanden ist</span><br/> <span class="ft1">schliesslich der in einer Fussnote zur Gebühr von Fr. 43.- ange-</span><br/> <span class="ft1">brachte Hinweis, die Rechnungstellung erfolge an die Servicefirma.</span><br/> <span class="ft1">Zahlungspflichtig ist nach dem Verursacherprinzip von Art. 2 USG</span><br/> <span class="ft1">nicht die Servicefirma (welche die Feuerungskontrolle nicht verur-</span><br/> <span class="ft1">sacht und dem Heizungseigentümer oder -betreiber nur ihren eigenen</span><br/> <span class="ft1">Aufwand verrechnen kann), sondern die Eigentümerschaft der Hei-</span><br/> <span class="ft1">zungsanlage bzw. diejenige Person, welche die Anlage betreibt. Der</span><br/> <span class="ft1">Tarif leidet auch insofern an einem Mangel, als er abgesehen vom</span><br/> <span class="ft1">erwähnten falschen Hinweis keine weiteren Hinweise auf die gebüh-</span><br/> <span class="ft1">renpflichtige Person enthält.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>