B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-4028/2022 U r t e i l v o m 1 9 . N o v e m b e r 2 0 2 4 Besetzung Richter David Aschmann (Vorsitz), Richter Keita Mutombo, Richter Jürg Steiger, Gerichtsschreiberin Laura Rikardsen. Parteien A._______ B.V., vertreten durch lic. iur. Heinz Schreier, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), Direktionsbereich Strafverfolgung, Vorinstanz. Gegenstand Zoll; Leistungspflicht. A-4028/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Die A._______ B.V. (nachfolgend: Zollpflichtige) liess am 25. bzw. 27. Ok- tober 2021 zwei Wohnfahrzeuge ohne Zollanmeldung in die Schweiz brin- gen, um sie an der Messe Suisse Caravan Salon vom 28. Oktober bis 1. November 2021 in Bern auszustellen und dann wieder auszuführen. Die Wohnaufbauten der Fahrzeuge hatte sie selbst entworfen und auf handels- übliche Chassis montiert. B. Die Eidgenössische Zollverwaltung (heute: Bundesamtes für Zol l und Grenzsicherheit [BAZG]), Zollfahndung Nord (nachfolgend: Vorinstanz) be- schlagnahmte die Fahrzeuge am 28. Oktober 2021 auf dem Messege- lände, eröffnete eine Zollstrafuntersuchung gegen Herrn B._______ (Fah- rer und Verkäufer bei der Zollpflichtigen) und unbekannte Täterschaft we- gen Verdachts auf Nichtanmeldung eines Fahrzeuges mit Wohnkabine bei der Einfuhr in die Schweiz und hob die Beschlagnahmung später gegen Kaution wieder auf. C. Mit Verfügung über die Leistungspflicht vom 14. Juli 2022 verpflichtete die Vorinstanz die Beschwerdeführerin gestützt auf das Ergebnis der Strafun- tersuchung, Fr. 4'960.-- Zoll und Fr. 23'392.70 Mehrwertsteuer, total Fr. 28'352.70, zu bezahlen. Die Wohnaufbauten seien eigenständige Wa- ren und keine Fahrzeuge, die zoll- und steuerfrei eingeführt werden dürf- ten, begründete sie den Entscheid. D. Mit Beschwerde vom 14. September 2022 ans Bundesverwaltungsgericht verlangte die Zollpflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführerin), diese Ver- fügung aufzuheben und ihr die Sicherheitszahlung zurückzuerstatten; un- ter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie macht geltend, die Wohnaufbau- ten seien Beförderungsmittel zur vorübergehenden Verwendung und des- halb zoll- und steuerbefreit. E. Mit Vernehmlassung vom 7. Dezember 2022 hielt die Vorinstanz an ihrem Standpunkt fest und beantragt , die kostenpflichtige Abweisung der Be- schwerde, soweit darauf eingetreten werden kann. A-4028/2022 Seite 3 F. Mit Schreiben der Beschwerdeführerin vom 4. März 2024 und der Vorin - stanz vom 29. Mai 2024 äusserten sich beide Seiten zu Vertretungskosten und dem Akteneinsichtsrecht vor der Vorinstanz. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 VwVG (Art. 31 VGG). Die Beschwerdeführerin rügt eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG der Vorinstanz betreffend die Bezah- lung von Zollabgaben und Mehrwertsteuer. Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung dieser Beschwerde zuständig (Art. 32 VGG e contrario sowie Art. 31 i.V.m. Art. 33 Bst. d VGG). Die Beschwerdeführerin ist als Ad- ressatin der angefochtenen Verfügung zur Erhebung der vorliegenden Be- schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). 1.2 Der zuerst teilweise geleistete Kostenvorschuss für das Beschwerde- verfahren wurde angemahnt und vor Ablauf der Zahlungs (nach)frist voll- ständig beglichen, womit die Zahlung rechtzeitig erfolgt ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten. 1.3 Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt – nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG). Der Ausschluss gemäss Art. 3 Bst. e VwVG betrifft nur das Zollverfahren bis und mit Erlass der Ver- anlagungsverfügung und ist somit vorliegend nicht einschlägig (vgl. BGE 142 II 433 E. 3.2.6). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid im Rahmen des Streitgegenstands in vollem Umfang überprüfen. Die Be- schwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Unange- messenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG). Streitgegenstand in der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet, soweit es im Streit liegt. Die Verfügung vom 14. Juli 2022 begrenzt den A-4028/2022 Seite 4 beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand (vgl. BGE 136 II 457 E. 4.2, 133 II 35 E. 2 und 131 V 164 E. 2.1; Urteile des BVGer A- 6605/2019 vom 28. März 2020 E. 2.4.1 und A-1088/2018 vom 16. Oktober 2019 E. 3.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl., Basel 2022, Rz. 2.7 und 2.208), wäh- rend der Beschwerdeantrag den Streitgegenstand im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht bestimmt. Dabei legt die beschwer deführende Partei mit ihrem Begehren fest, in welche Richtung und inwieweit sie das streitige Rechtsverhältnis überprüfen lassen will (Urteil des BVGer A-3484/ 2018 vom 7. September 2021 E. 5.2.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAY- SER, a.a.O., Rz. 2.8 und 2.213 f.). 2. 2.1 Waren, die ins schweizerische Zollgebiet verbracht werden, unterliegen der allgemeinen Zollpflicht und sind nach dem Zollgesetz vom 18. März 2005 (ZG, SR 631.0) und dem Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) zu veranlagen (Art. 7 ZG). Zudem unterliegt eine s olche Ein- fuhr von Gegenständen der Einfuhrsteuer (Art. 50 ff. des Mehrwertsteuer- gesetzes vom 12. Juni 2009 [MWSTG, SR 641.20]). Vorbehalten bleiben Zoll- und Steuerbefreiungen, die sich aus besonderen Bestimmungen von Gesetzen und Verordnungen oder aus Staatsverträgen ergeben (Art. 2 Abs. 1 und Art. 8 ff. ZG, Art. 1 Abs. 2 ZTG, Art. 53 MWSTG). Die Zollzahlungspflicht obliegt der Zollschuldnerin bzw. dem Zollschuldner (Art. 70 Abs. 1 ZG). Zum entsprechenden Kreis gehör en, unter solidari- scher Haftbarkeit , die Personen, welche die Waren über die Zollgrenze bringen, deren Auftraggeber sowie Personen, die zur Zollanmeldung ver- pflichtet bzw. damit beauftragt sind oder auf deren Rechnung die Ware n ein- oder ausgeführt werden (Art. 70 Abs. 2 ZG). Der Rückgriff unter ihnen richtet sich nach dem Obligationenrecht (Art. 70 Abs. 3 ZG). Als Auftragge- berin gilt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung diejenige Person, die die Ware über die Grenze bringen lässt. Als solche gilt nicht nur die (natür- liche oder juristische) Person, die im zivilrechtlichen Sinne mit dem Trans- porteur einen Frachtvertrag abschliesst, sondern jede Person, welche die Wareneinfuhr tatsächlich veranlasst ( statt vieler: Urteil des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014 E. 3.3 f.; Urteil des BVGer A-4111/2021 vom 20. Dezember 2022 E. 3.3 m.w.H.). Zollschuldner nach Art. 70 ZG sind auch für die Einfuhrsteuer steuerpflichtig (Art. 51 Abs. 1 MWSTG). 2.2 Zur Gewährleistung der allgemeinen Zollpflicht bestimmt das ZG, dass Waren mit Überschreiten der Zollgrenze unverzüglich und unverändert der A-4028/2022 Seite 5 nächstgelegenen Zollstelle zuzuführen sind (vgl. Art . 21 Abs. 1 ZG). Die zuführungspflichtige Person oder die von ihr Beauftragten müssen die der Zollstelle zugeführten Waren gestellen und summarisch anmelden (Art. 24 Abs. 1 ZG). Sodann muss die anmeldepflichtige Person die zugeführten, gestellten und summarisch angemeldeten Waren innerhalb der von der Zollverwaltung bestimmten Frist zur Veranlagung anmelden und die Be- gleitdokumente einreichen (Art. 25 Abs. 1 ZG; vgl. BGE 143 II 646 E. 2.2.1 und E. 2.3.2). In der Zollanmeldung ist die zollrechtliche Bestimmung der Waren festzulegen (Art. 25 Abs. 2 ZG). Waren, die in ein Zollverfahren überführt werden sollen, sind zum betreffenden Verfahren anzumelden (Art. 47 Abs. 1 ZG). Wählbar ist hier unter anderem das Verfahren der vo- rübergehenden Verwendung (Art. 47 Abs. 2 Bst. d ZG). Werden Waren zur vorübergehenden Verwendung ins Zollgebiet verbracht, sind sie zum gleichnamigen Verfahren anzumelden (Art. 58 Abs. 1 ZG). In diesem Verfahren werden die Einfuhrzollabgaben oder allfällige Ausfuhr - zollabgaben mit bedingter Zahlungspflicht veranlagt, wird die Identität der Ware gesichert, die Dauer der vorübergehenden Verwendung festgesetzt und werden die nichtzollrechtlichen Erlasse des Bundes angewendet (Art. 58 Abs. 2 Bst. a-d ZG). Wird das Verfahren der vorübergehenden Ver- wendung nicht ordnungsgemäss abgeschlossen, werden die vera nlagten Abgaben fällig; es sei denn, die Waren wurden innerhalb der festgesetzten Frist wieder aus dem Zollgebiet bzw. ins Zollgebiet verbracht und ihre Iden- tität kann nachgewiesen werden (vgl. Art. 58 Abs. 3 ZG; Urteile des BVGer A-3628/2021 vom 13. Mai 2 024 E. 2.5.2 und A-4077/2021 vom 11. Mai 2022 E. 2.3.3; vgl. nachstehend, E. 3). 2.3 Die Zollanmeldung bildet die Grundlage der Zollveranlagung (vgl. BGE 143 II 646 E. 2.1). Sie basiert auf dem Selbstdeklarationsprinzip, wodurch von der anmeldepflichtigen Person eine vollständige und richtige Deklaration der Ware verlangt wird. An die Sorgfalt der anmeldepflichtigen Person werden dabei hohe Anforderungen gestellt ( Urteil des BVGer A - 5962/2014 vom 14. Januar 2016 E. 3.3.3; Botschaft vom 15. Dezember 2003 über ein neues Zollgesetz, BBl 2004 567, 601; BARBARA SCHMID, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Handkommentar zum Zollgesetz, 2009 [nachfolgend: Zollkommentar], Art. 18 Rz. 3 f. ). Zollpflichtige haben sich vorweg über die Zollpflicht und die jeweiligen Abfertigungsverfahren zu in- formieren. Sie sind für die rechtmässige und richtige Deklaration ihrer grenzüberschreitenden Warenbewegungen verantwortlich und haben die Waren entsprechend zur Veranlagung anzumelden (BVGE 2015/35 E. 3.3.3). Die Mitwirkungs- und Sorgfaltspflichten des Zollverfahrens gelten A-4028/2022 Seite 6 auch für die Erhebung der Einfuhrsteuer (vgl. Art. 50 MWSTG; Urteil des BVGer A-675/2015 vom 1. September 2015 E. 2.3.2). 2.4 Eine Zollwiderhandlung begeht, wer vorsätzlich oder fahrlässig Zollab- gaben durch Nichtanmelden, Verheimlichen oder unrichtige Zollanmeldung der Waren oder in irgendeiner anderen Weise ganz oder teilweise hinter- zieht, oder sich oder einer anderen Person sonst wie einen unrechtmässi- gen Zollvorteil verschafft (Art. 118 ZG) . Nach Art. 96 Abs. 4 MW STG begeht eine Steuerhinterziehung (der Mehrwertsteuer), wer zulasten des Staates die Steuerforderung verkürzt, indem er Waren bei der Einfuhr vor- sätzlich oder fahrlässig nicht oder unrichtig anmeldet oder verheimlicht (Bst. a) oder im Rahmen einer behörd lichen Kontrolle oder eines Verwal- tungsverfahrens, welches auf die Festsetzung der Steuerforderung oder den Steuer erlass gerichtet ist, vorsätzlich auf entsprechende Nachfrage hin keine, unwahre oder unvollständige Angaben macht (Bst. b). Sowohl die Zoll - als auch die Mehrwertsteuergesetzgebung gehören zur Verwaltungsgesetzgebung des Bundes. Entsprechend findet bei Wider- handlungen in den jeweiligen Bereichen, zumindest teilweise (vgl. Art. 101 Abs. 1 MWSTG), das Bundesgesetz vom 22. März 1974 über das Verwal- tungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0) Anwendung (vgl. Art. 128 Abs. 1 ZG und Art. 103 Abs. 1 MWSTG; zum Ganzen: Urteile des BVGer A -3783/2021 vom 17. Mai 2023 E. 3.5.1, A-4510/2018 vom 20. Mai 2019 E. 4.4). Ge- mäss Art. 12 Abs. 1 Bst. a VStrR sind Abgaben nachzuentrichten, wenn sie infolge einer Widerhandlung gegen die Verwaltungsgesetzgebung des Bundes zu Unrecht nicht erhoben worden sind. Dies gilt ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person (Art. 12 Abs. 1 VStrR). Zu den Nachleistungspflichtigen gemäss Art. 12 Abs. 2 VStrR gehört nach dem Gesetzeswortlaut «insbesondere der zur Zahlung der Abgabe Verpflich- tete», d.h. für Zollabgaben alle Zollschuldnerinnen und Zollschuldner ge- mäss Art. 70 ZG (s.o. E. 2.1). 3. 3.1 Waren, die nur vorübergehend in ein Zollgebiet verbracht und dort ge- nutzt werden, gehen nicht endgültig in den wirtschaftlichen Kreislauf dieses Gebietes ein. Sie können daher anders behandelt werden als Waren, die uneingeschränkt am Binnenmarkt teilnehmen (vgl. Urteil des BVGer A-3628/2021 vom 13. Mai 2024 E. 2.4; HEINZ SCHREIER, Zollkommentar, Art. 9 N. 1; REMO ARPAGAUS, Zollrecht, in: Schweizerisches Bundesverwal- tungsrecht, Bd. XII, 2. Aufl. 2007, § 9 Rz. 822). Entsprechend ist für sie das Verfahren der vorübergehenden Verwendung vorgesehen. A-4028/2022 Seite 7 Eine völkerrechtliche Grundlage dafür findet sich im Übereinkommen über die vorübergehende Verwendung, abgeschlossen in Istanbul am 26. Juni 1990 [Istanbul-Übereinkommen, «IÜ», SR 0.631.24]), das die beteiligten Staaten verpflichtet, die in den Anlagen aufgeführten Waren, einschliess- lich Beförderungsmitteln, nach den Bestimmungen über die vorübergehen- de Verwendung, d.h. frei von Einfuhrabgaben, zuzulassen (Art. 2 Abs. 1 IÜ). Zu den Einfuhrabgaben zählen nach Art. 1 Bst. b IÜ nebst den Zollab- gaben auch die Automobilsteuer und die Einfuhrsteuer (Urteile des BVGer A-5962/2014 vom 14. Januar 2016 E. 4.2 und 4.3, A-675/2015 vom 1. Sep- tember 2015 E. 3.1.1). Die Bestimmungen des IÜ sind grundsätzlich direkt anwendbar und die Betroffenen können si ch unmittelbar darauf berufen (vgl. Urteile des BVGer A -3628/2021 vom 13. Mai 2024 E. 2.4.1, A-3078/ 2021 vom 7. Juli 2023 E. 3.4.1, A-3783/2021 vom 17. Mai 2023 E. 3.2.3). Waren, die auf Ausstellungen, Messen, Kongressen oder ähnlichen Veran- staltungen aus gestellt oder verwendet werden sollen , werden in Anlage B.1 zum IÜ geregelt, die unter das Übereinkommen fallende n Beförde- rungsmittel hingegen in Anlage C. 3.2 Für Waren, die unter Anlage C IÜ fallen, bestimmt Art. 6 Anlage C IÜ: Art. 6 Für die vorübergehende Verwendung von Beförderungsmitteln wird weder die Vorlage eines Zollpapiers noch eine Sicherheitsleistung verlangt. Als Zollpapier gilt dabei jedes «als Zolldeklaration gültige internationale Zollpapier, durch das die Nämlichkeit der Waren ( einschliesslich Beförde- rungsmittel) gesichert werden kann und das eine international gültige Si- cherheit für die Entrichtung der Eingangsabgaben einschliesst» (Art. 1 Bst. d IÜ). Ob damit die Veranlagung bei der Einfuhr von Beförderungsmit- teln im Sinne der Anlage C des IÜ zur vorübergehenden Verwendung form- los erfolgen kann, wie die Beschwerdeführerin sinngemäss argumentiert (vgl. Art. 25 Abs. 1 Bst. b der Zollverordnung vom 4. April 2007 des BAZG [ZV-BAZG, SR 631.013]; Urteil des BVGer A-825/2016 vom 10. November 2016 E. 6.6), braucht vorliegend allerdings nicht geklärt zu werden. Diese Frage kann offenbleiben, wie die nachfolgende Erwägung ergibt. 3.3 Die Vorinstanz erfasste in der angefochtenen Verfügung die Wohnauf- bauten nach Anlage B.1 und die Fahrzeuge nach Anlage C des IÜ (vgl. angefochtene Verfügung, S. 6 E. 3.7.4). Sie präzisiert in der Vernehmlas- sung, mindestens die Wohnaufbauten würden unter Anlage B.1 fallen. Die Beschwerdeführerin rügt diese Veranlagung nur im Hinblick auf die Wohn- aufbauten und macht geltend, die se seien fest mit den Fahrzeugen A-4028/2022 Seite 8 verbunden, zur integralen Verwendung auf Reisen bestimmt und daher als Beförderungsmittel nach Anlage C des IÜ zu qualifizieren. Die Aufbauten liessen sich nicht getrennt von den Fahrzeugen verwenden und würden in den anderen Mitgliedsländern des IÜ wie Wohnmobile erfasst. Dass die Aufbauten aus anderen Herstellungsprozessen als die Fahrzeuge stam- men, rechtfertige die zollrechtlich unterschiedliche Behandlung der Aufbau- ten nicht. Eine solche würde vielmehr das IÜ verletzen, das vorrangig vor dem nationalen Recht Geltung beanspruche. Die Beschwerdeführerin übersieht damit, dass Anlage C des IÜ bei Stras- senfahrzeugen nicht nur die Ware, sondern auch bestimmte Verwendungs- zwecke, nämlich Beförderungsmittel zur gewerblichen Verwendung oder zum eigenen Gebrauch, voraussetzt (Art. 2 Bst. a Anlage C IÜ) . Als «ge- werbliche Verwendung» erfasst Anlage C nämlich ausschliesslich Mittel zur «Beförderung von Personen gegen Entgelt oder zur gewerblichen Beför- derung von Waren gegen oder ohne Entgelt» (Art. 1 Bst. b Anlage C IÜ). Sind die Wohnaufbauten – auch wenn sie untrennbar mit Fahrzeugen ver- bunden sein sollten – von Anfang an (nur) dazu bestimmt, an einer Messe wie dem Suisse Caravan Salon oder der Auto Zürich ausgestellt zu werden, dient ihr Zweck der vorübergehenden Verwendung im Zeitpunkt der Einfuhr gerade nicht der Beförderung von Personen gegen Entgelt oder von Waren gegen oder ohne Entgelt. Eine Subsumption unter Anlage C des IÜ schei- det darum aus. Ob dies – wie die Vorinstanz nunmehr vorbringt – auch für die Fahrzeuge gelten müsste bzw. Wohnaufbauten und Fahrzeuge als Ein- heit betrachtet werden müss ten (vgl. SCHREIER, Zollkommentar, Art. 6 Rz. 17), ist vorliege nd nicht zu beurteilen, da die Fahrzeuge weder vom Anfechtungsgegenstand noch vom Beschwerdeantrag und darum nicht vom Streitgegenstand erfasst werden (s.o. E. 1.4). Mit ihren Ausführungen zu Anlage C IÜ kann die Beschwerdeführerin daher nichts für sich ableiten. 3.4 Die Beschwerdeführerin argumentiert darüber hinaus, auch unabhän- gig von Anlage C IÜ, das IÜ befreie jede vorübergehende Verwendung un- beschadet von der Einhaltung des einzelstaatlichen Verfahrensrechts auf- grund des wirtschaftsfördernden Gedankens des europäischen Gemein- schaftszollrechts von Abgaben. Das ist jedoch unzutreffend. Obwohl das IÜ eine weitgehende Vereinfachung und Harmonisierung der Zollverfahren als wünschbar bezeichnet (vgl. Präambel, fünfte Erwägung zum IÜ), be- kräftigt es mit den Vorbehalten des Zollpapiers (Art. 4 Abs. 1 und Art. 5 IÜ), der Sicherheitsleistung (Art. 4 Abs. 2-4 IÜ) und der Nämlichkeitssicherung (Identität, Art. 6 IÜ) selbst einschlägige Verfahrenshürden, um die Vollstän- digkeit und Richtigkeit der Selbstdeklaration, wie sie auch die A-4028/2022 Seite 9 Anmeldepflicht bezweckt, zu sichern (vgl. vorne, E. 2.2-2.3). Namentlich darf jeder Mitgliedstaat für die vorübergehende Verwendung von Waren (einschliesslich Beförderungsmitteln) die Vorlage eines Zollpapiers und die Leistung einer Sicherheit verlangen, wenn die betreffende Anlage nichts anderes bestimmt (Art. 4 Abs. 1 IÜ), weshalb das IÜ einem normalen Ein- fuhrzollverfahren nicht entgegensteht, in dem die Vorlage fehlt, selbst wenn die Ware in der Frist einer vorübergehenden Verwendung wieder aus dem Zollgebiet ausgeführt wurde. 3.5 Nach dem Gesagten fallen die Wohnaufbauten, weil sie eingeführt wur- den, um an der Messe Suisse Caravan Salon ausgestellt zu werden, der Vorinstanz folgend in den Anwendungsbereich von Anlage B.1 zum IÜ (s.o. E. 3.1 und 3.3). 3.6 Anders als im Falle der Beförderungsmittel sieht Anlage B.1 zum IÜ sodann keine Befreiung von der Anmeldepflicht vor, wie dies für Anlage C zum IÜ offenblieb (s.o. E. 3.2). Unbestrittenermassen hat die Beschwerde- führerin die Wohnaufbauten ohne Anmeldung eingeführt. Unbestritten ist auch, dass es sich bei der Messe Suisse Caravan Salon um eine Veran- staltung im Sinne von Art. 1 Anlage B.1 IÜ handelt und die streitbetroffenen Aufbauten zur Ausstellung an dieser eingeführt wurden (vgl. Art. 2 Abs. 1 Anlage B.1 IÜ; s.o. E. 3.3). Zwei Aufbauten sind im Hinblick auf die Zweck- bestimmung der Ausstellung sodann eine angemessene Anzahl (vgl. Art. 2 Abs. 2 Bst. a Anlage B.1 IÜ). Im Ergebnis wurden die Aufbauten damit zurecht unter Anlage B.1 erfasst. 3.7 Nicht stichhaltig ist im Übrigen auch der Einwand der Beschwerdefüh- rerin, es seien im vorliegenden Fall alle Voraussetzungen einer Abgaben- befreiung nach Art. 58 Abs. 4 (recte: Abs. 3) ZG erfüllt. Nach dieser Bestim- mung wird keine Zollabgabe fällig, falls die zur vorübergehenden Verwen- dung eingeführte Ware innerhalb der festgese tzten Frist wieder aus dem Zollgebiet verbracht worden und ihre Identität nachgewiesen ist. Dieses besondere Berichtigungsverfahren ersetzt entgegen der Ansicht der Be- schwerdeführerin die Anmeldepflicht allerdings nicht, sondern wird, wie auch jenes für die aktive Veredelung in Art. 59 Abs. 4 ZG, erst angewendet, wenn das Verfahren «nicht ordnungsgemäss abgeschlossen» wurde, was wiederum voraussetzt, dass die Ware ordnungsgemäss angemeldet und das Verfahren der vorübergehenden Verwendung bewilligt worden is t (Art. 58 Abs. 1 ZG; vgl. betreffend aktive Veredelung BGE 143 II 646 E. 2.4.2). Dies ist vorliegend gerade nicht der Fall. A-4028/2022 Seite 10 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist es auch nicht überspitzt formalistisch, dass das Gesetz auf der Anmeldepflicht beharrt, da die Iden- tität der Ware nicht durch die Ausfuhr verschleiert werden soll. Dass die Beschwerdeführerin fristgerecht ein Gesuch um Abschluss des Verfahrens der vorübergehenden Verwendung gestellt habe (vgl. Art. 58 Abs. 3 Satz 2 ZG) – was im Übrigen vor dem Hintergrund der unbestrittenen Nichtanmel- dung der Wohnaufbauten für Ausstellungszwecke (s.o. E. 3.6) nichts am vorliegenden Ergebnis ändern würde –, behauptet sie überdies zurecht nicht. 3.8 Indem die Beschwerdeführerin die streitbetroffenen Fahrzeuge bzw. Wohnaufbauten in der Schweiz ohne vorgängige Zollanmeldung zu Aus- stellungszwecken verwendete, beging sie eine objektive Widerhandlung gegen die Verwaltungsgesetzgebung des Bundes. Die zu Unrecht nicht er- hobenen Abgaben sind von ihr als solidarisch haftende r Zollpflichtiger nachzuentrichten (s.o. E. 2.4). 3.9 Die Beschwerdeführerin ficht die subjektive Leistungsp flicht (Art. 12 Abs. 2 VStrR) und die Bemessung der Zoll- und Steuerschuld im Einzelnen nicht an, die damit nicht zu prüfen sind (s.o., E. 1.4). Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen. 4. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten, die auf Fr. 3'500.– festzuset- zen sind, der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. Eine Parteientschädi- gung ist bei diesem Ergebnis nicht auszurichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE). A-4028/2022 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 3'500.– werden der Beschwerdefüh- rerin auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin einbezahlte Kostenvor- schuss in derselben Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten ver- wendet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: David Aschmann Laura Rikardsen A-4028/2022 Seite 12 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Be- weismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: A-4028/2022 Seite 13 Zustellung erfolgt an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde)