<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 35 S.144</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">144</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>35 Zonenkonformität einer Selbstbedienungs-Autowaschanlage in einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gemischten Zone.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Verhältnis zwischen den Nutzungsvorschriften des kantonalen und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kommunalen Rechts und dem Umweltschutzrecht des Bundes</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/c). Anwendung dieser Grundsätze auf eine kommunale Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stimmung, welche als mässig störend Auswirkungen bezeichnet, die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>im Rahmen herkömmlicher Handwerks- und Gewerbebetriebe blei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ben, auf die üblichen Arbeits- und Öffnungszeiten beschränkt sind</b></span><br/> <span class="ft2"><b>und nur vorübergehend auftreten (Erw. 2/d/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Auslegung dieser Bestimmung (Erw. 2/e/aa). Eine Selbstbedienungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Autowaschanlage, die den Benützern täglich (einschliesslich des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Sonntags) von 06.00 bis 22.00 Uhr zur Verfügung steht, weist weder</b></span><br/> <span class="ft2"><b>"übliche" Arbeits- und Öffnungszeiten auf noch lässt sie sich als</b></span><br/> <span class="ft2"><b>"herkömmlichen" Gewerbebetrieb bezeichnen (Erw. 2/e/bb).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 30. März 2005 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen H. und Mitb. gegen Regierungsrat.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">145</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Die Beschwerdegegnerin beabsichtigt, auf der Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. 678 eine Selbstbedienungs-Autowaschanlage für Personenwagen</span><br/> <span class="ft1">zu erstellen. Geplant sind eine automatische Portal-Waschanlage mit</span><br/> <span class="ft1">Trocknungsanlage (2 Waschstrassen), 4 überdeckte Handwaschplätze</span><br/> <span class="ft1">sowie eine überdeckte und eine offene Staubsaugeranlage mit je 4</span><br/> <span class="ft1">Plätzen. Beim Waschvorgang sind die Tore der Portal-Waschanlage</span><br/> <span class="ft1">geschlossen. Zum Nachtrocknen sind 4 offene Parkplätze vorge-</span><br/> <span class="ft1">sehen. Auf der Nordost- und Nordwestseite ist die Anlage eingewan-</span><br/> <span class="ft1">det bzw. mit verglasten Fassaden versehen. Projektiert ist ferner ein</span><br/> <span class="ft1">mit Schotterrasen versehener Ausstellungsplatz für 4 bis 6 Neuwa-</span><br/> <span class="ft1">gen. Weiter soll im Grenzbereich zur Parzelle Nr. 676 eine abgewin-</span><br/> <span class="ft1">kelte, 4 m hohe und insgesamt rund 24 m lange Lärmschutzwand er-</span><br/> <span class="ft1">richtet werden. Die Waschanlage soll an 7 Tagen pro Woche jeweils</span><br/> <span class="ft1">von 6.00 bis 22.00 Uhr geöffnet sein; in bezug auf die Staubsau-</span><br/> <span class="ft1">geranlagen hat der Gemeinderat eingeschränkte Betriebszeiten ver-</span><br/> <span class="ft1">fügt, nämlich montags bis freitags von 6.00 bis 22.00 Uhr und sams-</span><br/> <span class="ft1">tags von 6.00 bis 20.00 Uhr. Die verkehrsmässige Erschliessung er-</span><br/> <span class="ft1">folgt westlich der Anlage über die bestehende Einmündung in die</span><br/> <span class="ft1">Bahnhofstrasse und über den Gartenweg.</span><br/> <span class="ft1">2. a) Die Parzelle Nr. 678 liegt gemäss dem Bauzonenplan der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde Dintikon vom 30. Mai / 28. Oktober 1997 in der Wohn-</span><br/> <span class="ft1">und Gewerbezone 2 Geschosse (WG 2). Diese Zone ist für Wohnen</span><br/> <span class="ft1">und Gewerbe gemäss § 25 Abs. 2 der Bau- und Nutzungsordnung der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde Dintikon (BNO, mit den gleichen Beschluss- und Geneh-</span><br/> <span class="ft1">migungsdaten wie der Zonenplan) bestimmt (§ 11 BNO). § 25 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BNO lautet unter dem Randtitel "Gewerbe" wie folgt:</span><br/> <span class="ft5">"Als mässig störend gelten Betriebe mit Auswirkungen, die im Rah-</span><br/> <span class="ft5">men herkömmlicher Handwerks- und Gewerbebetriebe bleiben, auf</span><br/> <span class="ft5">die üblichen Arbeits- und Öffnungszeiten beschränkt sind und nur</span><br/> <span class="ft5">vorübergehend auftreten. Betriebe, die ein hohes Mass von quartier-</span><br/> <span class="ft5">fremdem Verkehr verursachen, sind nur in der Gewerbezone zu-</span><br/> <span class="ft5">lässig."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">146</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Im Übrigen sind in der Zone WG 2 zwei Vollgeschosse und eine</span><br/> <span class="ft1">Ausnutzung von 0.45 zulässig, und es gelten ein Grenzabstand von</span><br/> <span class="ft1">4 m und die Empfindlichkeitsstufe III (§ 7 Abs. 1 BNO).</span><br/> <span class="ft1">b) Die Beschwerdeführer betrachten das Bauvorhaben als zo-</span><br/> <span class="ft1">nenwidrig. Eine Autowaschanlage sei weder ein herkömmlicher</span><br/> <span class="ft1">Handwerks- und Gewerbebetrieb, noch seien Betriebszeiten von</span><br/> <span class="ft1">Montag bis Sonntag, 6.00 bis 22.00 Uhr, als "übliche Arbeits- und</span><br/> <span class="ft1">Öffnungszeiten" zu qualifizieren. Beim Erlass der BNO habe man an</span><br/> <span class="ft1">einen Laden, an Bürobetriebe sowie Handwerksbetriebe mit 5-Tage-</span><br/> <span class="ft1">Woche, allenfalls 5½-Tage-Woche gedacht, nicht jedoch an einen 7-</span><br/> <span class="ft1">Tage-Betrieb mit erheblichsten Immissionen. Der Ermessensspiel-</span><br/> <span class="ft1">raum des Gemeinderats habe in einem Fall wie dem vorliegenden,</span><br/> <span class="ft1">wo die geplante Autowaschanlage neben vorbestehende Einfamilien-</span><br/> <span class="ft1">häuser gestellt werden solle, seine Grenze.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat hat im Wesentlichen erwogen, § 25 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BNO komme nur insofern selbständige Bedeutung zu, als er ortspla-</span><br/> <span class="ft1">nerisch motiviert sei. Nach den Angaben der Gemeindevertreter solle</span><br/> <span class="ft1">mittels dieser Bestimmung vermieden werden, dass ein Ge-</span><br/> <span class="ft1">werbebetrieb ein hohes Mass von quartierfremdem Verkehr durch ein</span><br/> <span class="ft1">Wohngebiet verursache. Dem entspreche es, Gewerbebauten im vor-</span><br/> <span class="ft1">deren, dem Kreisel bzw. der Kantonsstrasse zugewandten Abschnitt</span><br/> <span class="ft1">des nördlichen Teils der Zone WG 2 anzusiedeln. Dort befänden sich</span><br/> <span class="ft1">denn auch bereits eine unter dem Regime von § 25 Abs. 2 BNO be-</span><br/> <span class="ft1">willigte Tankstelle sowie das Betriebsgebäude der Firma K. AG. Der</span><br/> <span class="ft1">Begriff "herkömmlicher Handwerks- und Gewerbebetrieb" sei ob-</span><br/> <span class="ft1">jektiv-zeitgemäss auszulegen. Im fraglichen Gebiet sei das Flächen-</span><br/> <span class="ft1">verhältnis zwischen Wohnnutzung, Gewerbenutzung und unüber-</span><br/> <span class="ft1">bautem Land ungefähr je ein Drittel mit der Tendenz, die freie Fläche</span><br/> <span class="ft1">mit Gewerbebauten zu überbauen. Das Bauvorhaben würde sich in</span><br/> <span class="ft1">unmittelbarer Nachbarschaft zur bestehenden Tankstelle in optischer</span><br/> <span class="ft1">und funktionaler Hinsicht in das umliegende Gewerbegebiet einglie-</span><br/> <span class="ft1">dern. Angesichts der bereits vorhandenen Gewerbebauten im fragli-</span><br/> <span class="ft1">chen Teil der Zone WG 2 und des ortsbaulichen Charakters des</span><br/> <span class="ft1">Quartiers erfülle der geplante Betrieb die Voraussetzungen von § 25</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BNO; er sei also zonenkonform. Der Gemeinderat ergänzt, es</span><br/> <span class="ft1">gebe genügend Beispiele vergleichbarer Autowaschanlagen in andern</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gemeinden, etwa in Sarmenstorf, Fahrwangen und Holderbank. Was</span><br/> <span class="ft1">die "üblichen Arbeits- und Öffnungszeiten" anbelange, könne nicht</span><br/> <span class="ft1">der Bäckerladen mit einer Autowaschanlage verglichen werden.</span><br/> <span class="ft1">Tankstellen lägen da viel näher. Auch Gastgewerbebetriebe seien in</span><br/> <span class="ft1">der Zone WG 2 kaum bestritten, und Restaurants hätten</span><br/> <span class="ft1">üblicherweise andere Öffnungszeiten als Verkaufsgeschäfte. Anläss-</span><br/> <span class="ft1">lich der verwaltungsgerichtlichen Augenscheinsverhandlung bestä-</span><br/> <span class="ft1">tigte der Gemeindevertreter den Standpunkt des Gemeinderats, wo-</span><br/> <span class="ft1">nach das Bauvorhaben im fraglichen Bereich der WG 2 zonenkon-</span><br/> <span class="ft1">form sei.</span><br/> <span class="ft1">c) Normen des kantonalen und kommunalen Rechts, welche den</span><br/> <span class="ft1">direkten Schutz vor Immissionen regeln, haben mit dem Inkrafttreten</span><br/> <span class="ft1">des USG ihre selbständige Bedeutung verloren, soweit sich ihr</span><br/> <span class="ft1">materieller Gehalt mit dem Bundesrecht deckt oder weniger weit</span><br/> <span class="ft1">geht als dieses; es hat sie dort behalten, wo es die bundesrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Normen ergänzt oder, soweit erlaubt, verschärft. Das Bundesrecht</span><br/> <span class="ft1">regelt abschliessend namentlich die vorsorgliche Emissions-</span><br/> <span class="ft1">begrenzung, die Verschärfung der Emissionsbegrenzungen bei</span><br/> <span class="ft1">Überschreitung der Immissionsgrenzwerte und die Planungswerte für</span><br/> <span class="ft1">Lärm (Art. 1 Abs. 2, Art. 11 ff., Art. 23 und Art. 65 Abs. 2 USG;</span><br/> <span class="ft1">Art. 7 f., Art. 36 ff. und Art. 40 ff. LSV; Art. 1 Abs. 2, Art. 3 ff.,</span><br/> <span class="ft1">Art. 7 ff., Art. 27 ff., Art. 31 ff. LRV; BGE 118 Ia 114 f. und 118 Ib</span><br/> <span class="ft1">595 f., je mit Hinweisen; BGE vom 5. Juni 2001 [1A.199/2000,</span><br/> <span class="ft1">1P.373/2000], Erw. 1/b/aa; AGVE 1993, S. 394 ff., und 1998,</span><br/> <span class="ft1">S. 317 f., je mit Hinweisen). In diesem Sinne haben Nutzungsvor-</span><br/> <span class="ft1">schriften des kantonalen und kommunalen Rechts nach wie vor</span><br/> <span class="ft1">selbständigen Gehalt, soweit sie die Frage regeln, ob eine Baute am</span><br/> <span class="ft1">vorgesehenen Ort erstellt und ihrer Zweckbestimmung übergeben</span><br/> <span class="ft1">werden darf. Namentlich ist es weiterhin Sache des kantonalen und</span><br/> <span class="ft1">kommunalen Rechts, die für den Charakter eines Quartiers wesentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Vorschriften über Nutzungsart und -intensität zu erlassen.</span><br/> <span class="ft1">Kantonal- und kommunalrechtliche Begriffe wie "wenig oder mässig</span><br/> <span class="ft1">störendes Gewerbe" können daher trotz des erwähnten Inkrafttretens</span><br/> <span class="ft1">des USG noch eine selbständige Bedeutung behalten. So lassen sich</span><br/> <span class="ft1">etwa Bauten und Betriebe, die mit dem Charakter einer Wohnzone</span><br/> <span class="ft1">unvereinbar sind, untersagen, auch wenn die Lärmimmissionen, zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">148</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">denen sie führen, bundesrechtliche Schranken nicht überschreiten,</span><br/> <span class="ft1">sofern die Unzulässigkeit nicht einzig mit der konkreten</span><br/> <span class="ft1">Lärmbelästigung begründet wird. Auch erfasst das Umweltschutz-</span><br/> <span class="ft1">recht des Bundes nicht alle erdenklichen Auswirkungen oder</span><br/> <span class="ft1">Sekundärimmissionen (erwähnter BGE vom 5.</span> <span class="ft1">Juni 2001,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 1/b/aa; BGE 118 Ia 115 und 118 Ib 595, je mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1993, S. 395 mit Hinweisen; siehe zum Ganzen auch:</span><br/> <span class="ft1">VGE III/50 vom 6. Juli 2004 [BE.2004.00168], S. 11 f.).</span><br/> <span class="ft1">d) Im Folgenden ist zu prüfen, ob und inwieweit § 25 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BNO vor dem Hintergrund des Bundesumweltschutzrechts noch ein</span><br/> <span class="ft1">Anwendungsbereich verbleibt.</span><br/> <span class="ft1">aa) Der Regierungsrat hält dafür, § 25 Abs. 2 BNO knüpfe bei</span><br/> <span class="ft1">der Konkretisierung des Begriffs "mässig störend" an Kriterien an,</span><br/> <span class="ft1">die sich einerseits auf die mit den Gewerbebetrieben verbundenen</span><br/> <span class="ft1">Immissionen bezögen. Die Beschränkung auf Betriebe mit üblichen</span><br/> <span class="ft1">Arbeits- und Öffnungszeiten sowie der Ausschluss von Betrieben mit</span><br/> <span class="ft1">einem hohen Mass an quartierfremdem Verkehr deuteten darauf hin.</span><br/> <span class="ft1">Dass mit dem Kriterium "hohes Mass an quartierfremdem Verkehr"</span><br/> <span class="ft1">die vom Gewerbe zu erwartenden Sekundärimmissionen gemeint</span><br/> <span class="ft1">seien, die nicht vom Umweltschutzrecht erfasst würden, sei unwahr-</span><br/> <span class="ft1">scheinlich. Bei den in § 25 Abs. 2 BNO aufgeführten Kriterien gehe</span><br/> <span class="ft1">es in erster Linie um den Lärmschutz. Ob die geplante Autowasch-</span><br/> <span class="ft1">anlage als "mässig störend" betrachtet werden könne, sei demnach in</span><br/> <span class="ft1">erster Linie aufgrund des USG und der LSV zu beurteilen. Nicht zu</span><br/> <span class="ft1">übersehen sei allerdings, dass mit Begriffen wie "herkömmlicher</span><br/> <span class="ft1">Handwerks- und Gewerbebetrieb" und "Betriebe, die ein hohes Mass</span><br/> <span class="ft1">von quartierfremdem Verkehr verursachen" auch bestimmte</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsarten oder bestimmte Arten oder Typen von Gewerben und</span><br/> <span class="ft1">deren ortsbauliche Eingliederung in die betreffende Zone beschrie-</span><br/> <span class="ft1">ben würden. Nur soweit komme § 25 Abs. 2 BNO selbständige Be-</span><br/> <span class="ft1">deutung zu.</span><br/> <span class="ft1">bb) Geht es, wie im vorliegenden Falle, um die Anwendung</span><br/> <span class="ft1">kommunaler Bestimmungen, ist zu berücksichtigen, dass die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinden bei der Ausscheidung und Definition der verschiedenen</span><br/> <span class="ft1">Zonen (§§ 13 Abs. 1, 15 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a BauG) aufgrund von</span><br/> <span class="ft1">§ 106 KV verfassungsrechtlich geschützte Autonomie geniessen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">149</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(AGVE 2003, S. 190 mit Hinweis). Vor diesem Hintergrund hat der</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrat zu Recht erforscht, was für Intentionen des kommuna-</span><br/> <span class="ft1">len Gesetzgebers hinter der Schaffung von § 25 Abs. 2 BNO standen.</span><br/> <span class="ft1">Dabei zeigte sich - soweit auf Gemeindestufe überhaupt eigenstän-</span><br/> <span class="ft1">dige Überlegungen angestellt wurden, was darum nicht ganz klar er-</span><br/> <span class="ft1">scheint, weil die erwähnte Bestimmung offenbar eher unreflektiert</span><br/> <span class="ft1">aus der Musterbauordnung des Kantons übernommen worden war -,</span><br/> <span class="ft1">dass es nach Meinung des Gemeinderats bei den in § 25 Abs. 2 Satz</span><br/> <span class="ft1">1 BNO aufgeführten Kriterien in erster Linie um den Lärmschutz</span><br/> <span class="ft1">geht; jedenfalls wurde anlässlich der vorinstanzlichen Augenscheins-</span><br/> <span class="ft1">verhandlung die Frage des Verhandlungsleiters, ob § 25 Abs. 2 BNO</span><br/> <span class="ft1">neben den Lärmschutzbestimmungen des Bundes noch selbständige</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung zukomme, vom Gemeindeammann spontan verneint. Vor</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht hat sich nichts anderes ergeben.</span><br/> <span class="ft1">Die gemeinderätliche Auffassung muss nun freilich aufgrund</span><br/> <span class="ft1">des Gesetzeswortlauts, der bei jeder Auslegung den Ausgangspunkt</span><br/> <span class="ft1">bildet (Bundesgericht, in: ZBl 102/2001, S. 84, und BGE 125 II 525,</span><br/> <span class="ft1">je mit Hinweisen; AGVE 2003, S. 191 f.), kritisch hinterfragt wer-</span><br/> <span class="ft1">den. § 25 Abs. 2 BNO umschreibt die Auswirkungen bzw. Immissio-</span><br/> <span class="ft1">nen, welche den Typus des (höchstens) mässig störenden Betriebs</span><br/> <span class="ft1">kennzeichnen. Diese Auswirkungen müssen u.a. im Rahmen her-</span><br/> <span class="ft1">kömmlicher Handwerks- und Gewerbebetriebe bleiben und auf die</span><br/> <span class="ft1">üblichen Arbeits- und Öffnungszeiten beschränkt sein. Derartige Ka-</span><br/> <span class="ft1">tegorisierungen finden sich nun weder im USG noch in den ausfüh-</span><br/> <span class="ft1">renden Verordnungen (LSV und LRV). Zwar enthält Anhang 6 der</span><br/> <span class="ft1">LSV spezifische "Belastungsgrenzwerte für Industrie- und Gewer-</span><br/> <span class="ft1">belärm", wobei die in der Zone WG 2 geltende Empfindlichkeitsstufe</span><br/> <span class="ft1">III (vorne Erw. a) auf die Immissionsstufe der "mässig störenden</span><br/> <span class="ft1">Betriebe" abgestimmt ist (Art. 43 Abs. 1 lit. c LSV). Das spezi-</span><br/> <span class="ft1">fizierende Beiwort "herkömmlich" wird durch diese Bestimmungen</span><br/> <span class="ft1">aber nicht abgedeckt. Die LSV legt die Belastungsgrenzwerte für</span><br/> <span class="ft1">Anlagen der Industrie, des Gewerbes und der Landwirtschaft ganz</span><br/> <span class="ft1">allgemein fest (Ziff. 1 Abs. 1 lit. a des erwähnten Anhangs) und</span><br/> <span class="ft1">differenziert nicht in Bezug auf die Art der Anlage. Ebenso wenig</span><br/> <span class="ft1">wird der Anforderung der "üblichen" Arbeits- und Öffnungszeiten</span><br/> <span class="ft1">schon damit Rechnung getragen, dass es Belastungsgrenzwerte für</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">150</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">den Tag (07 bis 19 Uhr) und (um 10 dBA tiefere) für die Nacht (19</span><br/> <span class="ft1">bis 07 Uhr) gibt (Ziff. 2 und 31 der LSV des erwähnten Anhangs).</span><br/> <span class="ft1">Auch in dieser Hinsicht generalisiert die LSV ohne weitere Spezifi-</span><br/> <span class="ft1">zierung. Die Frage, ob § 25 Abs. 2 BNO selbständig anwendbar ist,</span><br/> <span class="ft1">muss folglich bejaht werden; es sind in dieser Bestimmung Elemente</span><br/> <span class="ft1">enthalten, welche die Nutzungsstruktur der Zone WG 2 als einer ge-</span><br/> <span class="ft1">mischten Zone definieren (vorne Erw. c). Auch dem Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">ist im Übrigen nicht entgangen, dass mit Begriffen wie "herkömmli-</span><br/> <span class="ft1">cher Handwerks- und Gewerbebetrieb" bestimmte Nutzungsarten</span><br/> <span class="ft1">oder bestimmte Arten und Typen von Gewerben und deren ortsbau-</span><br/> <span class="ft1">liche Eingliederung in die betreffende Zone beschrieben werden, was</span><br/> <span class="ft1">die selbständige Bedeutung derartiger Normen indiziert.</span><br/> <span class="ft1">e) aa) Einen fassbaren Sinn gewinnen die in Frage stehenden</span><br/> <span class="ft1">Umschreibungen in § 25 Abs. 2 Satz 1 BNO, wenn man sich auf das</span><br/> <span class="ft1">in den gemischten Zonen - die Zone WG 2 stellt klarerweise eine</span><br/> <span class="ft1">solche dar - geltende Nutzungsprinzip besinnt, wonach dort ein</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich gleichberechtigtes Nebeneinander von Wohnen und</span><br/> <span class="ft1">Gewerbe herrschen soll. Dies setzt voraus, dass keine der beiden</span><br/> <span class="ft1">Nutzungen so intensiv auf die andere einwirkt, dass diese andere</span><br/> <span class="ft1">Nutzung überhaupt nicht mehr oder nur noch unter übermässig er-</span><br/> <span class="ft1">schwerten Bedingungen ausgeübt werden kann. Wohnbauten können</span><br/> <span class="ft1">also insoweit nicht denselben Schutz beanspruchen wie in einer rei-</span><br/> <span class="ft1">nen Wohnzone; es ist ein Mehreres an unliebsamen Einwirkungen in</span><br/> <span class="ft1">Kauf zu nehmen. Anderseits muss aber auch nicht jede beliebige Be-</span><br/> <span class="ft1">einträchtigung geduldet werden; die Grenze ist dort zu ziehen, wo</span><br/> <span class="ft1">die Erholungsfunktion der Wohnnutzung nicht mehr gewährleistet</span><br/> <span class="ft1">ist. Insbesondere besteht ein gewisser Vorrang der Wohnnutzung,</span><br/> <span class="ft1">wenn es um den Schutz der Nacht- oder Sonntagsruhe geht</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1999, S. 253 f. mit Hinweisen). Gerade diesem Bedürfnis</span><br/> <span class="ft1">kommt es in hohem Masse entgegen, wenn Betriebe, die weder als</span><br/> <span class="ft1">"herkömmlich" bezeichnet werden können noch "übliche" Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">und Öffnungszeiten aufweisen, aus der Zone WG 2 ausgeschlossen</span><br/> <span class="ft1">werden. Damit entfallen jene Betriebe, welche der Nacht- und</span><br/> <span class="ft1">Sonntagsruhe nicht genügend Rechnung tragen. Die Kriterien der</span><br/> <span class="ft1">"Herkömmlichkeit" und der "Üblichkeit" verweisen dabei auf einen</span><br/> <span class="ft1">Massstab, der in der breiten Bevölkerung aufgrund einer längeren</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Übung Akzeptanz geniesst. Diese Deutung überzeugt das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht mehr als eine "objektiv-zeitgemässe, dynamische"</span><br/> <span class="ft1">Auslegungsmethode, deren sich der Regierungsrat bedient; dem steht</span><br/> <span class="ft1">namentlich entgegen, dass mit dem Begriff des "Herkömmlichen"</span><br/> <span class="ft1">zweifellos eine gewisse Tradition angesprochen wird. Auch kann</span><br/> <span class="ft1">nicht entscheidend sein, "ob sich der zu beurteilende Betrieb auf-</span><br/> <span class="ft1">grund seiner Dimensionierung und Nutzungsart optisch und funktio-</span><br/> <span class="ft1">nal in die betreffende Zone bzw. den Zonenabschnitt eingliedert";</span><br/> <span class="ft1">nach dem normalen Sprachgebrauch kann der Ausdruck "herkömm-</span><br/> <span class="ft1">lich" nicht derart kleinräumig verstanden werden.</span><br/> <span class="ft1">bb) Eine Autowaschanlage, wie sie die Beschwerdegegnerin</span><br/> <span class="ft1">erstellen will, entspricht dem erwähnten Anforderungsprofil nicht.</span><br/> <span class="ft1">Ein Betrieb, der an allen 7 Wochentagen von 6.00 bis 22.00 Uhr den</span><br/> <span class="ft1">Benützern zur Verfügung steht, weist klarerweise keine "üblichen"</span><br/> <span class="ft1">Arbeits- und Öffnungszeiten auf. Ein normaler Produktions- und</span><br/> <span class="ft1">Dienstleistungsbetrieb arbeitet in der Regel an den Werktagen ohne</span><br/> <span class="ft1">Inanspruchnahme der Abend- und Nachtstunden. Erschwerend</span><br/> <span class="ft1">kommt im vorliegenden Falle dazu, dass es sich um einen reinen</span><br/> <span class="ft1">Publikumsbetrieb mit sehr eingeschränkter Beaufsichtigung handelt.</span><br/> <span class="ft1">Zwar ist "in der ersten Phase (...) geplant, dass immer jemand vor Ort</span><br/> <span class="ft1">ist", und später soll "im Drei- bis Vierstundentakt kontrolliert" wer-</span><br/> <span class="ft1">den, doch hat dies offenbar primär damit zu tun, dass die Bezahlung</span><br/> <span class="ft1">mit Kassenautomaten erfolgt und man für einen reibungslosen Ab-</span><br/> <span class="ft1">lauf sorgen will. Bei einem "herkömmlichen" Gewerbebetrieb dage-</span><br/> <span class="ft1">gen unterstehen die Mitarbeiter, Kunden usw. einer Hausordnung, die</span><br/> <span class="ft1">jederzeit durchgesetzt werden kann. In Bezug auf die Immis-</span><br/> <span class="ft1">sionsintensität ist dieser Gesichtspunkt nicht ohne Bedeutung. Zu</span><br/> <span class="ft1">bedenken ist auch, dass bei einer Autowaschanlage ein grosser Teil</span><br/> <span class="ft1">des Umsatzes nebst dem Freitagabend und Samstag am Sonntag</span><br/> <span class="ft1">erwirtschaftet wird, an einem Tag also, an welchem den Anwohnern</span><br/> <span class="ft1">ein erhöhter Anspruch auf Ruhe und Erholung zugebilligt wird.</span><br/> <span class="ft1">Abgesehen davon erscheint fraglich, ob noch von "vorübergehend"</span><br/> <span class="ft1">auftretenden Auswirkungen (§ 25 Abs. 2 Satz 1 BNO) gesprochen</span><br/> <span class="ft1">werden kann, wenn auf der Anlage zumindest zeitweise ein praktisch</span><br/> <span class="ft1">pausenloser Betrieb herrscht. Insgesamt steht für das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht jedenfalls fest, dass die geplante Autowaschanlage den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">152</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Vorgaben von § 25 Abs. 2 Satz 1 BNO nicht entspricht, mehr als</span><br/> <span class="ft1">"mässig störend" und deshalb zonenwidrig ist; es stehen für sie an-</span><br/> <span class="ft1">dere Zonen wie namentlich die Gewerbezone (§ 12 BNO) zur Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung. Das Gericht ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass es im Hin-</span><br/> <span class="ft1">blick auf die autonome Stellung der Gemeinden (vorne Erw. aaa)</span><br/> <span class="ft1">Zurückhaltung zu üben hat und nicht ohne Not seine eigene Rechts-</span><br/> <span class="ft1">auffassung an die Stelle der gemeinderätlichen setzen darf. Die</span><br/> <span class="ft1">Autonomie der Gemeindebehörden hat jedoch dort ihre Grenzen, wo</span><br/> <span class="ft1">sich eine Auslegung mit dem Wortlaut sowie mit Sinn und Zweck</span><br/> <span class="ft1">des Gesetzes nicht mehr vereinbaren lässt (AGVE 2003, S. 190 mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweis). Ein solcher Fall ist hier gegeben. § 25 Abs. 2 Satz 1 BNO</span><br/> <span class="ft1">ist so abgefasst, dass der Wortlaut in einem unzulässigen Mass</span><br/> <span class="ft1">strapaziert werden müsste, wollte man das Bauvorhaben der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegnerin darunter subsumieren. Bei diesem Ergebnis</span><br/> <span class="ft1">kann offen bleiben, ob es sich auch um einen Betrieb handelt, der ein</span><br/> <span class="ft1">hohes Mass von quartierfremdem Verkehr verursacht (§ 25 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">Satz 2 BNO).</span><br/> <span class="ft1">cc) (...)</span><br/> <span class="ft1">f) Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass eine Auto-</span><br/> <span class="ft1">waschanlage der projektierten Art und Dimension keine "üblichen"</span><br/> <span class="ft1">Arbeits- und Öffnungszeiten aufweist und auch den Begriff des</span><br/> <span class="ft1">"Herkömmlichen" sprengt. Das Baugesuch der Beschwerdegegnerin</span><br/> <span class="ft1">ist daher wegen fehlender Zonenkonformität nicht bewilligungsfähig,</span><br/> <span class="ft1">was zur Gutheissung der Beschwerde führt. (...).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>