<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 9 S.49</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">49</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Zivilprozessrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Zivilprozessordnung</b></span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>9</b></span> <span class="ft3"><b>§§ 16 und 19 ZPO; §§ 3 Abs. 1 und 4 AnwT. Bemessung des Grundhono-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rars in Scheidungssachen.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Der in der Klage respektive Widerklage festgelegte Streitwert bleibt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>grundsätzlich für das ganze Verfahren massgebend, unabhängig da-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>von, ob die Parteien in dessen Verlauf eine Scheidungskonvention ab-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schliessen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid der Inspektionskommission vom 25. Oktober 2001.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. In seiner Beschwerde vom 7. März 2001 beantragt der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer die Zusprechung eines (streitwertabhängigen) Hono-</span><br/> <span class="ft6">rars von total Fr. 14'015.85 statt des angewiesenen Honorars von</span><br/> <span class="ft6">Fr. 5'297.--. Strittig und im vorliegenden Verfahren vorab zu prüfen</span><br/> <span class="ft6">ist die Frage, ob es sich vorliegend um eine vermögensrechtliche</span><br/> <span class="ft6">Streitsache gemäss § 3 Abs. 1 lit. a AnwT oder um eine solche ohne</span><br/> <span class="ft6">vermögensrechtliche Wirkungen gemäss § 3 Abs. 1 lit. b AnwT</span><br/> <span class="ft6">handelt.</span><br/> <span class="ft6">a) Familienrechtliche Prozesse, wie eine Scheidungsklage, sind</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich nicht vermögensrechtliche Angelegenheiten (Hab-</span><br/> <span class="ft6">scheid Walther, Schweizerisches Zivilprozess- und Gerichtsorgani-</span><br/> <span class="ft6">sationsrecht, 2.A. Basel 1990, N. 783). Aus einer familienrechtlichen</span><br/> <span class="ft6">Beziehung kann ein Vermögensrecht entstehen, welches als Neben-</span><br/> <span class="ft6">folge des Gestaltungsurteils geregelt wird, wie der Unterhaltsan-</span><br/> <span class="ft6">spruch oder die güterrechtlichen Ansprüche. Der aargauische An-</span><br/> <span class="ft6">waltstarif sieht in § 3 Abs. 1 lit. d ausdrücklich vor, dass die Festset-</span><br/> <span class="ft6">zung familienrechtlicher Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge als</span><br/> <span class="ft6">nicht vermögensrechtliche Streitsache gilt, währenddem für güter-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">50</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">rechtliche Ansprüche lit. a und c zur Anwendung kommen, wonach</span><br/> <span class="ft6">sich das Honorar nach dem Streitwert bemisst.</span><br/> <span class="ft6">b) Gemäss § 4 Abs. 1 AnwT sowie § 16 und 19 ZPO bestimmt</span><br/> <span class="ft6">sich der Streitwert grundsätzlich nach den gestellten Begehren in der</span><br/> <span class="ft6">Klage respektive Widerklage (Guldener M., Schweizerisches Zivil-</span><br/> <span class="ft6">prozessrecht, 3. A. Zürich 1979, S. 109 f.). Vorliegend verlangten</span><br/> <span class="ft6">beide Parteien in ihren Rechtsbegehren, es sei die güterrechtliche</span><br/> <span class="ft6">Auseinandersetzung vorzunehmen, ohne hierzu konkrete Anträge zu</span><br/> <span class="ft6">stellen (Klagebegehren, Ziff. 7 / Widerklagebegehren Ziff. 7). Daraus</span><br/> <span class="ft6">darf nicht ohne weiteres geschlossen werden, dass keine vermögens-</span><br/> <span class="ft6">rechtliche Streitsache vorliegt, geht doch sowohl aus den Anträgen</span><br/> <span class="ft6">als auch den Ausführungen in Klage und Widerklage eindeutig her-</span><br/> <span class="ft6">vor, dass beide Parteien güterrechtliche Ansprüche erhoben und diese</span><br/> <span class="ft6">streitig waren.</span><br/> <span class="ft6">c) Die Vorinstanz vertritt im Weiteren die Ansicht, aufgrund des</span><br/> <span class="ft6">Abschlusses einer Scheidungskonvention zwischen den Parteien,</span><br/> <span class="ft6">worin sie sich als beim damaligen Besitzstand güterrechtlich ausein-</span><br/> <span class="ft6">andergesetzt erklärten, sei die vermögensrechtliche Natur der Streit-</span><br/> <span class="ft6">sache vorliegend entfallen. Wie oben ausgeführt, ist für die Streit-</span><br/> <span class="ft6">wertberechnung auf die in der Klage respektive Widerklage gestell-</span><br/> <span class="ft6">ten Begehren abzustellen. Der damit festgelegte Streitwert bleibt</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich für den ganzen Prozess massgebend, Teilanerkennun-</span><br/> <span class="ft6">gen, -rückzüge oder -vergleiche sind ohne Einfluss auf die Streit-</span><br/> <span class="ft6">wertberechnung (Bühler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargaui-</span><br/> <span class="ft6">schen Zivilprozessordnung, Aarau/Frankfurt a.M./Salzburg 1998,</span><br/> <span class="ft6">N 6 zu §§ 16/17). Dies entspricht auch dem Sinn von § 4 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">AnwT, der auf die beim Prozessbeginn gestellten Begehren abstellt.</span><br/> <span class="ft6">Somit kann es für die Streitwertberechnung nicht darauf ankommen,</span><br/> <span class="ft6">ob die Parteien sich im Verlauf des Prozesses über die streitigen An-</span><br/> <span class="ft6">sprüche einigen. Mit Ziff. 6 der Scheidungskonvention (act. 93) er-</span><br/> <span class="ft6">klärten die Parteien denn auch lediglich, dass sie sich über ihre güter-</span><br/> <span class="ft6">rechtlichen Ansprüche geeinigt haben, und nicht, dass diese nicht</span><br/> <span class="ft6">bestanden hätten, weil nichts (mehr) zu teilen gewesen wäre.</span><br/> <span class="ft6">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es sich vorliegend um</span><br/> <span class="ft6">eine vermögensrechtliche Streitsache handelt und das Honorar des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">51</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführers sich demgemäss grundsätzlich nach dem Streit-</span><br/> <span class="ft6">weit berechnet, unter Vorbehalt von § 3 Abs. 1 lit. c AnwT.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>