<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">469</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>95 Kniestock;</b></span> <span class="ft2"><b>Geschosshöhe</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Messweise der Kniestockhöhe, wenn die Fassade an den Gebäude-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ecken zurückversetzt und das Dach entsprechend eingeschnitten ist</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Begrenzt das kommunale Recht die Höhe eines Gebäudes, ist die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kantonale Vorschrift über die Begrenzung der durchschnittlichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Geschosshöhe nicht zusätzlich anwendbar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 11. März 2013</span><br/> <span class="ft5">(BVURA.13.6).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">470</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">6. Geschossigkeit</span><br/> <span class="ft1">...</span><br/> <span class="ft1">f)</span><br/> <span class="ft1">Weitere Voraussetzung für die Qualifizierung als Dachgeschoss</span><br/> <span class="ft1">ist die Einhaltung einer auf kommunaler Stufe festgelegten Knie-</span><br/> <span class="ft1">stockhöhe von 90 cm. Die Kniestockhöhe wird ab Oberkant des ferti-</span><br/> <span class="ft1">gen Dachgeschossbodens bis zum Schnittpunkt der Fassade mit der</span><br/> <span class="ft1">Dachoberfläche gemessen (§ 16 Abs. 3 ABauV; vgl. dazu Erläuterun-</span><br/> <span class="ft1">gen zum Bau- und Nutzungsrecht des Kantons Aargau [BNR], he-</span><br/> <span class="ft1">rausgegeben vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt, 3. Aufla-</span><br/> <span class="ft1">ge Juni 2012, S. 138). Die Messweise ist nicht Streitgegenstand.</span><br/> <span class="ft1">Vielmehr ist umstritten, wo der Kniestock zu messen ist: Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführenden vertreten die Ansicht, dass die Messung bei den</span><br/> <span class="ft1">Rücksprüngen der nordwestlichen und der südwestlichen Gebäude-</span><br/> <span class="ft1">ecken zu erfolgen habe, was Kniestockhöhen von 1,80 m bzw.</span><br/> <span class="ft1">2,85 m ergebe. Demgegenüber legt der Gemeinderat ... Dokumenta-</span><br/> <span class="ft1">tionsmaterial (Referat der Rechtsabteilung BVU anlässlich der Infor-</span><br/> <span class="ft1">mationsveranstaltung zur Umsetzung der Baugesetzgebung vom</span><br/> <span class="ft1">24. September 1997) mit folgendem Inhalt ins Recht:</span><br/> <span class="ft5">"... Bei einem Bauvorhaben ist die Fassade auf beiden Enden zurück-</span><br/> <span class="ft5">versetzt und das Dach entsprechend eingeschnitten. Wo die Fassade zurück-</span><br/> <span class="ft5">versetzt ist, überschreitet der Kniestock das für Dachgeschosse vorgeschrie-</span><br/> <span class="ft5">bene Mass. Dachgeschoss oder Vollgeschoss?</span><br/> <span class="ft5">Auffassung RA/BD:</span><br/> <span class="ft5">Hängt einerseits vom Ausmass der Rückversetzung und andererseits</span><br/> <span class="ft5">von der konkreten Belichtungssituation ab. Die Zurückversetzung wird als</span><br/> <span class="ft5">untergeordnet beurteilt, wenn ein Drittel der Fassadenlänge nicht überschrit-</span><br/> <span class="ft5">ten wird (vgl. Art. 2 Abs. 2 ABauV). Allerdings darf durch die Rückverset-</span><br/> <span class="ft5">zung nicht der Eindruck eines weiteren Geschosses entstehen, bzw. die Aus-</span><br/> <span class="ft5">nützungsmöglichkeit erhöht werden. Im zurückversetzten Dachteil dürfen</span><br/> <span class="ft5">somit keine Fenster angebracht werden. In diesem Rahmen ist trotz 'teilwei-</span><br/> <span class="ft5">ser Verletzung' der für Dachgeschosse als maximal erklärten Kniestocks-</span><br/> <span class="ft5">höhe von einem Dachgeschoss auszugehen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">471</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Die für den Bauherrn günstige Betrachtungsmethode rechtfertigt sich</span><br/> <span class="ft5">auch deshalb, weil der Gesetzgeber die rechteckige Grundrissform nicht pri-</span><br/> <span class="ft5">vilegieren wollte. ..."</span><br/> <span class="ft1">Die vom Gemeinderat eingereichte Textpassage gibt exakt die</span><br/> <span class="ft1">vom BVU konstant vertretene Rechtsauffassung wieder, wonach der</span><br/> <span class="ft1">Kniestock nicht im rückversetzten Teil gemessen wird, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Rückversetzung nur untergeordnet ist, das heisst (in Anlehnung an</span><br/> <span class="ft1">die Vorschriften über untergeordnete Gebäudeteile gemäss § 2 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">ABauV), wenn (a) die Rückversetzung einen Drittel der Fassaden-</span><br/> <span class="ft1">länge nicht überschreitet und (b) durch die Rückversetzung nicht der</span><br/> <span class="ft1">Eindruck eines weiteren Geschosses entsteht bzw. die Ausnützungs-</span><br/> <span class="ft1">möglichkeit erhöht wird, d.h. keine Fenster angebracht werden.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend halten sowohl der südwestliche als auch der nord-</span><br/> <span class="ft1">westliche Rücksprung mit je einer Breite von 2 m den erforderlichen</span><br/> <span class="ft1">Drittel der Fassadenlänge von 15,40 m ein; die Rücksprünge sind</span><br/> <span class="ft1">dementsprechend beide als untergeordnet zu bezeichnen. Sodann</span><br/> <span class="ft1">weisen beide Fassadenrücksprünge keine Fenster auf; ohne Belich-</span><br/> <span class="ft1">tung entsteht aber nicht der Eindruck eines zusätzlichen Geschosses.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten ist vorliegend der Kniestock nicht bei den Fassa-</span><br/> <span class="ft1">denrücksprüngen zu messen, sondern bei der Nord- bzw. Südfassade,</span><br/> <span class="ft1">welche beide einen Kniestock von 90 cm aufweisen; damit hält das</span><br/> <span class="ft1">Bauvorhaben die Vorschriften über den Kniestock ein. ...</span><br/> <span class="ft1">g)</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführenden bringen im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft1">Einhaltung der Grenzabstandsvorschriften vor, dass der Fitnessraum</span><br/> <span class="ft1">eine Geschosshöhe von 3,20 m aufweise, womit die zulässige Höhe</span><br/> <span class="ft1">von Vollgeschossen von 3,00 m gemäss § 14 Abs. 3 ABauV über-</span><br/> <span class="ft1">schritten werde. ...</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführenden berufen sich auf § 14 Abs. 3 ABauV,</span><br/> <span class="ft1">wonach die Höhe der Vollgeschosse im Durchschnitt höchstens 3 m</span><br/> <span class="ft1">beträgt, soweit die Gemeinden nichts anderes festlegen. Diesem Ar-</span><br/> <span class="ft1">gument ist entgegenzuhalten, dass die Bestimmung über die Ge-</span><br/> <span class="ft1">schosshöhe gemäss § 14 Abs. 3 ABauV nur dann Anwendung findet,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Gemeinde die zulässige Höhe einer Baute nicht direkt (mit-</span><br/> <span class="ft1">tels Gebäudehöhe) regelt, sondern die zulässige Höhe von Gebäuden</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich durch die Geschosszahlen bestimmt (vgl. dazu auch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">472</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die Erläuterungen im BNR, S. 56, zu § 22 BauV, welcher nach Über-</span><br/> <span class="ft1">nahme der IVHB in ihr kommunales Recht Geltung erlangt). Dies er-</span><br/> <span class="ft1">gibt sich bereits aus § 49 BauG, welcher bestimmt, dass die Gemein-</span><br/> <span class="ft1">den wahlweise die zulässige Höhe von Gebäuden bestimmen oder</span><br/> <span class="ft1">die Geschosszahlen (vgl. VGE III/9 v. 24. April 2008, S. 7 f.). Mit</span><br/> <span class="ft1">§ 14 Abs. 3 ABauV kann in den Fällen, in denen die Gemeinde die</span><br/> <span class="ft1">Höhe eines Gebäudes einzig über die Geschosszahlen definiert, indi-</span><br/> <span class="ft1">rekt die Höhe eines Gebäudes begrenzt werden, indem überhöhte</span><br/> <span class="ft1">einzelne Geschosse durch entsprechend kleinere Geschosse zu kom-</span><br/> <span class="ft1">pensieren sind, damit das Durchschnittsmass nicht verletzt wird. Le-</span><br/> <span class="ft1">gen im konkreten Fall aber die Zonenvorschriften eine einzuhaltende</span><br/> <span class="ft1">maximale Gebäudehöhe fest, wird der Rahmen für die Höhe einer</span><br/> <span class="ft1">Baute unabhängig von der Dimensionierung der Geschosse fixiert</span><br/> <span class="ft1">und es bedarf keiner zusätzlichen Beschränkungen über die durch-</span><br/> <span class="ft1">schnittliche Geschosshöhe mehr.</span><br/> <span class="ft1">In der Landhauszone von A. gilt eine Gebäudehöhe von 5,50 m</span><br/> <span class="ft1">(§ 51 Abs. 2 BO); § 14 Abs. 3 ABauV ist somit nicht anwendbar. Das</span><br/> <span class="ft1">ist auch ohne Weiteres nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen</span><br/> <span class="ft1">führt, dass in vorliegendem Fall mit einer regelkonformen Bauweise</span><br/> <span class="ft1">mit einem Untergeschoss gemäss § 15 ABauV (welches das gewach-</span><br/> <span class="ft1">sene Terrain um 80 cm überragen darf), einem auf 3,0 m beschränk-</span><br/> <span class="ft1">ten Vollgeschoss und einem Dachgeschoss mit einem Kniestock von</span><br/> <span class="ft1">90 cm die maximal zulässige Gebäudehöhe von 5,50 m überhaupt</span><br/> <span class="ft1">nie erreicht werden könnte. Damit ist die Geschosshöhe von 3,20 m</span><br/> <span class="ft1">des geplanten und mit einer Terrasse überdachten Fitnessraums nicht</span><br/> <span class="ft1">zu beanstanden.</span><br/></div> </div> </body> </html>