B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2003/2011 U r t e i l v o m 4 . Ju l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Franziska Halm, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. März 2011 / N . D-2003/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin Sri Lanka am 12. September 2010 von Colombo aus auf dem Luftweg und gelangte am 13. September 2010 via einen ihr unbekannten Zielflughafen u nkon- trolliert in die Schweiz, wo sie gleichentags im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) M._______ um Asyl nachsuchte. Anlässlich der B e- fragung vom 16. September 2010 zur Person (BzP) im EVZ M._______ sowie der Direktanhörung vom 30. September 2010 daselbst durch das BFM machte die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, sie sei sri -lankische Staatsangehö rige tamili- scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in N._______ (O._______). Sie habe nach erfolgreichem Studium am 27. März 2 010 das Lehrerdiplom erha l- ten. Anlässlich der Promotionsfeier habe sie mit einem ehemaligen Un i- versitätskollegen, welcher heute Parlamentarier sei, gesprochen. Dieser Kollege, welcher früher Studentensprecher und Verantwortlicher für die "Pongu-Tamil-Feste" gewesen sei, habe sie seinem Freund vorgestellt und angemerkt, sie sei "Usha". Weiter habe er gesagt, sie sei anlässlich der "Pongu-Tamil-Feste" in den Jahren 2004 und 2006 sehr aktiv gew e- sen, indem sie Propaganda gemacht und in einer Theatergruppe mitg e- wirkt habe. Später habe sie erfahren, dass es sich bei diesem Freund des ehemaligen Universitätskollegen um einen Angehörigen des CID (Crimi- nal Investigation Department) gehandelt habe. Am 21. Juli 2010 sei di e- ser CID-Angehörige mit zwei bzw. drei Männern zu ihr nach Hause g e- kommen. Sie hätten von ihr wissen wollen, wer die anderen Teilnehmer an diesen "Pongu -Tamil-Anlässen" gewesen seien und wo diese woh n- ten. Sie habe geantwortet, dies nicht zu wissen . Daraufhin hätten die Männer sie aufgefordert, am anderen Tag ins "Urelu" Camp zu kommen, und zwar alleine. In der Folge habe sie sich aus Angst vor Behelligungen seitens des CID mit ihrer Mutter und der jüngeren Schwester nach P ._______ begeben, um sich fortan bei der Schwiegermutter der älteren Schwester zu verstecken. Am 1. September 2010 seien sie zu dritt nach Colombo gereist und hätten sich mangels Alternative in einer Lodge auf- gehalten. In Colombo habe sie alsbald eine neue Identitätskarte bea n- tragt, weil ihr Name auf der alten Karte nicht mehr lesbar gewesen sei und die Behörden sie verschiedentlich aufgefordert hätten, sich eine neue Identitätskarte ausstellen zu lassen. Die neue ID sei ihr noch gleichentags ausgehändigt worden. Ein entfernter Verwandter der Mutter habe ihr in Colombo zudem einen Reisepass besorgt. Mit Hilfe dieses Mannes habe D-2003/2011 Seite 3 sie schliesslich am 12. September 2010 den Heimatstaat verlassen kö n- nen. A.b Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin eine am 2. September 2010 in Colombo ausgestellte Identitätskarte zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 3. März 2011 – eröffnet am 4. März 2011 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung machte das BFM im Wesentlichen geltend, die Vorbringen de r Beschwerdeführerin ve r- möchten aus verschiedenen Gründen nicht zu überzeugen, seien sie doch nicht nachvollziehbar, widersprüchlich und unsubstanziiert ausgefal- len. So habe sie beispielsweise erzä hlt, der ehemalige Universitätskolle- ge und heutige Parlamentarier sei an diesen "Pongu -Tamil-Anlässen" nicht nur aktiv beteiligt gewesen, sondern habe vielmehr alles organisiert. Er habe die Gruppen gebildet und ges agt, wer was zu tun habe. Auf die Frage, weshalb der CID ausgerechnet die Beschwerdeführerin behelligen sollte – es habe ungefähr sieben Theatergruppen, bestehend aus jeweils mindestens 50 Mitgliedern gegeben – und nicht vielmehr den ehemaligen Universitätskollegen und heutigen Parlamentarier, welcher der damalige Drahtzieher respektive Verantwortliche gewesen sei, habe sie geantwo r- tet, früher sei dieser zwar Anhänger der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gewesen, doch jetzt sei er Parlamentarier. Wahrscheinlich habe er bemerkt, dass er Schwierigkeiten bekommen könnte , und daher die Partei gewechselt. Jetzt verrate er alle, welche bei diesen "Pongu -Tamil- Anlässen" mitgemacht hätten. Diese Antwort vermöge nicht zu überze u- gen. Es dürfte nämlich einem ehe maligen LTTE-Anhänger nicht so ei n- fach gelingen, die Fronten vollständig zu wechseln, gar als Parlament a- rier gewählt zu werden, der die Anliegen der einstigen Gegner im Parl a- ment vertrete , und sich mit Angehörigen des CID zu befreunden. Dies gelte umso mehr, als er in der Vergangenheit als aktiver und exponierter Verfechter des LTTE -Gedankenguts aufgetreten sei. Zudem könne die Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar erklären, weshalb der CID sie befragen sollte, obwohl der einstige Studentensprecher und heutige Pa r- lamentarier als Organisator und "Gruppeneinteiler" viel besser über die damaligen Teilnehmer informiert gewesen sei als sie selbst. So bleibe sie denn auch eine konkrete Antwort schuldig, zumal sie lediglich vorge- bracht habe, diese Leute hätten sie unbedingt ins Camp mitnehmen wo l-D-2003/2011 Seite 4 len. Die Beschwerdeführerin könne auch nicht überzeugend darlegen, weshalb dieser Parlamentarier erst vier beziehungsweise sechs Jahre nach den geschilderten Vorfällen die ganze Geschichte wieder aufrollen und aktivieren sollte. Des Weiteren sei auch nicht ersichtlich, weshalb die vorgebrachten Theateraufführungen nach Jahren plötzlich eine derartige Wichtigkeit entfalten sollten, die den CID auf den Plan rufe. Schliesslich vermöge die Beschwerdeführerin in keiner Weise zu erklären, weshalb sie einerseits ausgesagt habe, sie habe noch im September 2010 nicht vorgehabt auszureisen, anderseits jedoch geltend gemacht habe, sie h a- be sich seit Juli 2010 versteck t gehalten und alles in die Wege geleitet, um ausreisen zu können. Die Schlussfolgerungen, wonach die Vorbri n- gen der Beschwerdeführerin, Probleme mit dem CID gehabt zu haben, nicht den Tatsachen entsprechen könnten, würden auch dadurch erhärtet, dass sie problemlos nach Colombo habe reisen und ohne Probleme eine neue Identitätskarte (allenfalls auch einen Reisepass) beantragen kö n- nen; sie habe diese auch anstandslos erhalten. Zusammengefasst b e- deute dies, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anfor derun- gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten, weshalb ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Aus den Akten ergäben sich kei ne Anhalts- punkte dafür, dass ihr im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit b e- achtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Das BFM verfolge im Übrigen die En twicklung der Lage in Sri Lanka laufend und sorgfältig. So hätten im Herbst 2010 Vertreter des BFM eine Diens t- reise nach Colombo sowie in den Osten und Norden von Sri Lanka durchgeführt, um sich vor Ort ein Bild über die aktuelle Situation zu ve r- schaffen. Das BFM sei zum Schluss gekommen, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka seit Mai 2009 deutlich entspannt habe. Ebenfalls sei festgestellt worden, dass sich die Lebensbedingungen s o- weit verbessert hätten, dass eine Rückkehr auch in den Norde n und Os- ten Sri Lankas grundsätzlich wieder zumutbar sei. Ferner handle es sich bei der Beschwerdeführerin um eine ge sunde, junge Frau, die im März letzten Jahres das Lehrerdiplom erworben habe. Zudem befänden sich sowohl die Mutter als auch eine jüngere S chwester in der Heimat. Mit i h- nen habe die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise in die Schweiz z u- sammengelebt. Sie könne somit in ihr vertrautes Umfeld zu ihrer Familie zurückkehren und verfüge über ein tragfähiges Beziehungsnetz. Schliess- lich könnten die Verwandten der Beschwerdeführerin, die sich in der Schweiz oder Deutschland befänden, die Beschwerdeführerin finanziell D-2003/2011 Seite 5 unterstützen, sollte dies von nöten sein. Dementsprechend sei die Weg- weisung nach Sri Lanka zumutbar. Ausserdem sei der Vollzug technisc h möglich und praktisch durchführbar. C. Mit Eingabe vom 4. April 2011 an das Bundesverwaltungsgericht liess die Beschwerdeführerin die nachfolgend aufgeführten Anträge stellen: Der Entscheid des BFM vom 3. März 2011 sei vollumfänglich aufzuheben. Der Beschwerdeführerin sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulä s- sigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festz u- stellen und die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz anzuordnen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschuss es sei zu verzichten und der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Das BFM sei anzuweisen, sämtliche Herkunftsländerinfo r- mationen, auf die es seinen Entscheid stütze, mittels Quellenangaben o f- fenzulegen. Ferner sei der Beschwerdef ührerin eine angemessene Frist einzuräumen, um zu diesen Informationen Stellung zu nehmen. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D. D.a Mit Zwischenverfügung vom 11. April 2011 hielt der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten, und teilte ihr mit, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfl e- ge im Sinne von Art. 65 A bs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) werde zu einem späteren Zei t- punkt entschieden. Gleichzeitig wies er das Gesuch um Beigabe eines Anwalts ab und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D.b Mit Zwischenverfügung vom 21. März 2012 räumte der Instruktion s- richter der Beschwerdeführerin die Gelegenheit ein, sich bis zum 5. April 2012 zum vorinstanzlichen Länderbericht zu Sri Lanka vernehmen zu lassen. Die Beschwerdeführerin liess am 5. April 2012 eine ents prechende Stel- lungnahme einreichen. D-2003/2011 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts Anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bun desrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i-D-2003/2011 Seite 7 tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich wide rsprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 In der Rechtsmitteleingabe macht die Beschwerdeführerin im Wesent- lichen geltend, die Vorinstanz habe die massgeblichen Quellen der He r- kunftsländerinformationen im Entscheid vom 3. März 2011 nicht offeng e- legt, weshalb sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt habe. Der vorinstanzliche Entscheid sei daher aufzuheben und die Sache an das BFM zu neuem Entscheid zurückzuweisen. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die angefochtene Verfügung auf einer un- zutreffenden Sachverhaltsfeststellung beruhe. So gehe etwa die Vori n- stanz davon aus, dass der Parlamentarier B._______, welcher zur Pr o- motionsfeier am 27. März 2010 gekommen sei, auch die "Pongu-Tamil- Feste" beziehungsweise die Theaterstücke organisiert habe. Deshalb sei es dem BFM zufolge nicht nachvollziehbar, weshalb die Männer des CID die Beschwerdeführerin und nicht diesen Parlamenta rier befragt hätten. Diese Feststellung sei indessen unzutreffend. Der Parlame ntarier sei nämlich lediglich Führer einer Studentenorganisation und nicht an den "Pongu-Tamil-Festen" oder an den Theaterstücken beteiligt gewesen . Ausserdem gewähre der Heimatstaat der Beschwerdeführerin grundsätz- lich keinerlei Schutz vor Gewalt, Verfolgung und Benachteiligung. Des Weiteren werde die Objektivität und Aussagekraft des Berichts der BFM - Dienstreise in Frage gestellt. Bezüglich der Menschenrechtslage werde festgehalten, dass die Schutzmöglichkeiten in Sri Lanka ungenügend se i- en. Es gebe immer noch schwere Verstösse gegen die Menschenrecht e. Wie gross die Gefahr für die Beschwerdeführerin in Sri Lanka nach wie D-2003/2011 Seite 8 vor sei, zeigten auch die jüngsten Ereignisse. Im Mai 2011 hätten Unbe- kannte zweimal in O._______ nach ihr gefragt. Im Dezember 2011, als nur die Mutter zu Hause gewesen sei, seien Armeeangehörige in Zivil ge- kommen und hätten gedroht, anstelle der Beschwerdeführerin deren jün- gere Schwester mitzunehmen. Im März 20 12 seien die Mutter und die Schwester der Beschwerdeführerin schliesslich nachts zu Hause überfa l- len, betäubt und ausgeraubt worden. Der gesamte Schmuck und alle Un- terlagen seien gestohlen worden. Die Polizei habe zwar eine Anzeige ge- gen Unbekannt entgegen genommen, jedoch nichts unternommen, um den Vorfall aufzuklären. Seither hielten sich die Mutter und die Schwester der Beschwerdeführerin aus Angst nicht mehr zu Hause auf, sondern in Q._______ bei entfernteren Verwandten. 5.2 Die Vorinstanz hätte der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum Bericht vom 22. Dezember 2011 zu den Erkenntnissen aus einer Dienstreise nach Sri Lanka gewähren müssen. Die entsprechende Verlet- zung des rechtlichen Gehörs ist indessen geheilt, n achdem der Instrukti- onsrichter des Bundesverwaltungsgerichts der Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 21. März 2012 eine Kopie des Berichts übermi t- telte und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme einräumte. Damit hat die Be- schwerdeführerin alle Herkunftsländerinformationen erhalten, auf die das BFM die angefochtene Verfügung stützte; ein weitergehender Anspruch besteht nicht. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, die angefochtene Ver- fügung zu kassieren und zu neuem Entscheid zurückzuweisen. 5.3 Die weiteren Vorbringen in der Beschwerdeschrift vermögen nicht zu einer veränderten Betrachtungsweise zu führen, weil die geltend gemach- te Verfolgungssituation nicht geglaubt werden kann. So machte die B e- schwerdeführerin etwa im Zusammenhang mit ihrer vorgeblichen Flucht aus dem Heimatstaat geltend, sie sei am 12. September 2010 von C o- lombo aus mit der sri-lankischen Luftfahrtsgesellschaft und in Begleitung eines Schleppers nach Europa geflogen. Allerdings könne sie den Zie l- flughafen nicht benennen, weil ihre ungeteilte Aufmerksamkeit während der Reise den Verlautbarungen ihres Schleppers gegolten und sie nichts Anderes aufgenommen habe ( vgl. A1/8 Ziff. 16 S. 5; A10/14 F33 S. 4). Nun mag die Hilfestellung eines ortskundigen Schleppers zwar von Vorteil sein, wenn jemand eine unwegsame Staatsgrenze unkontrolliert zu über- schreiten beabsichtigt. Bei Interkontinentalflügen bedarf es indessen kei- ner derartigen Hilfestellung, weshalb auch nicht anzunehmen ist, der für den Flug benützte Reisepass sei bei einer solchen Person geblieben oder die Beschwerdeführerin wisse tatsächlich nicht Bescheid über ihre exakte D-2003/2011 Seite 9 Reiseroute. Derartige Unstimmigkeiten bezüglich des Reisewegs bezi e- hungsweise de r dabei verwendeten Papiere lassen praxisgemäss auch Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Verfo l- gungssituation zu ( vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizer i- schen Asylrekurskommission [EMARK] 1998 Nr. 17 E. 4b S. 150). Dies bestätigt sich auch im vorliegenden Fall, kommt man doch aufgrund der Akten nicht zum Schluss, die Beschwerdeführerin habe sich lediglich b e- züglich des Reisewegs unglaubhaft geäussert. So ist etwa entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift weiterh in nicht anzunehmen, der sri-lankische Geheimdienst habe Anlass gehabt, sich um Auskünfte der Beschwerdeführerin zu den "Pongu-Tamil-Festen" zu bemühen, wenn gleichzeitig die Möglichkeit bestanden hätte, eine ungleich besser info r- mierte Person zu befragen. Entgegen den Ausführungen in der B e- schwerdeschrift war der von der Beschwerdeführer in bezeichnete Parla- mentarier nämlich nicht lediglich Führer einer Studentenorganisation , sondern an den "Pongu-Tamil-Festen" und an den Theaterstücken bete i- ligt (vgl. A10/14 F80/1 S. 10 , F87/8 S. 11 ). Wer alles organisiert, die Gruppen bildet und der Theatertruppe sagt, was sie machen soll, wäre wohl eher die geeignete re Auskunftsperson als die Beschwerdeführerin , die nach eigenem Bekunden wenig über die anderen Mitglie der weiss (vgl. A10/14 F55 /6 S. 8). Dementsprechend erscheinen die Vorbringen der Beschwerdeführerin als wirklichkeitsfremd. Zur Vermeidung von Wie- derholungen kann auf die zutreffenden Erwägungen in der vor - instanzlichen Verfügung verwiesen werden. Ausserd em widersprach sich die Beschwerdeführerin anlässlich ein- und derselben Anhörung bezüg- lich der Frage, ob sie bereits am 20. August 2010 aus dem Heimatstaat ausreisen wollte (vgl. A10/14 F4 S. 2, F11/12 S. 3, F34 S. 5, weshalb sich der Schluss aufdrängt, sie habe bei ihren Schilderungen nicht auf Erinne- rungen an tatsächliche Begebenheiten zurückgreifen können, sondern ei- ne Verfolgungssituation lediglich erfunden. 5.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführe- rin keine Gründe nach Art. 3 As ylG glaubhaft machen oder nachweisen kann. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführu n- gen in der Beschwerde einzugehen, da sie an der vorstehenden Festste l- lung nichts zu ändern vermögen. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den D-2003/2011 Seite 10 Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG verfügt das Bundesamt in der Rege l die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin ver- fügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ver- fügt. 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zuläss ig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völke r- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Da der Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht zukommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Z u- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 der Bu n- desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]); Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK. Weder aus den Aussagen de r Beschwerdeführerin noch aus den Akten ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwe i- sung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti m- mungen zulässig. D-2003/2011 Seite 11 8.3 8.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat i n BVGE E -6220/2006 (vom 27. Oktober 2011) eine Neubeurteilung der Lage in Sri Lanka vorgeno m- men. Dabei hat es festgestellt, dass sich seit Beendigung des militär i- schen Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die Sicherheitslage erheblich verbessert und stabilisiert hat. Die LTTE wurden militärisch vernichtend geschlagen, weshalb von ihr heute keine Verfolgung mehr ausgeht. Der Wegweisungsvollzug ist daher grundsätzlich zumutbar hinsichtlich des gesamten Gebiets der Ostprovinz und auch hinsichtlich der Nordprovinz, dort allerdings mit Ausnahme des Vanni-Gebiets (geografisch definiert in E. 13.2.2.); es gibt keinen Anlass, diese Beurteilung aufgrund der Eingabe de r Beschwerdeführerin vom 5. April 2012 in Frage zu stellen , zumal sie auch keiner Personengruppe zugehört, die mit einer erhöhten Gefährdung leben muss (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.7 ff.). Bei Personen, deren letzter Aufenthalt in der Nordpr o- vinz längere Zeit zurückliegt, sind allerdings bei der Prüfung der Zumu t- barkeit die aktuellen Lebens - und Wohnverhältnisse sowie das Vorha n- densein begünstigender Faktoren (Existenz eines tragfähigen Bezi e- hungsnetzes, Sicherung des Existenzminimums und der Wohn situation) in Betracht zu ziehen. Die junge und den Akten zufolge gesunde Beschwerdeführerin stammt aus N._______ (O._______) und somit nicht aus dem Vanni-Gebiet, weshalb der Vollzug der Wegweisung grundsätzlich zumutbar ist. Sodann sind den Akten keine Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach de r Be- schwerdeführerin aus individuellen Gründen eine Rückkehr in den He i- matstaat nicht zumutbar sein soll. Ausserdem verfügt sie über eine gute Ausbildung als Lehrerin, weshalb es keinen Anlass zur Annahme gibt, sie werde nach ihrer Rückkehr in den Heimatstaat mit einer existenzbedr o- henden Situation konfrontiert, dies umso weniger, als sie dort auf ein aus- reichendes Beziehungsnetz zurückgreifen kann, lebte sie doch schon vor ihrer Emigration aus dem Heimatstaat mit i hrer Mutter und einer Schwes- ter zusammen. Darüber hinaus hätte sie die Möglichkeit, sich von ihren in D-2003/2011 Seite 12 Deutschland und der Schweiz lebenden Schwestern unterstützen zu la s- sen. 8.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegwei- sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betra cht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwe r- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. 10.1 Mit vorliegendem Entscheid in der Hauptsache wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 10.2 In der Zwischenverfügung vom 11. April 2012 wird festgehalten, über das Gesuch um Gewährung der une ntgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde zu einem späteren Zeitpunkt entschi e- den. Nach dieser Bestimmung kann die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der B e- zahlung der Verfahrenskosten befreien, sofern ihr Begehren nicht au s- sichtslos erscheint. Es ist von der Bedürftigkeit de r Beschwerdeführerin auszugehen. Auch können die Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um Gewährung der unent geltlichen Prozessführung ist somit gutzuheissen, und es sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 10.3 Einem Beschwerdeführer ist auch trotz materieller Abweisung der Beschwerde eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen, wenn ein zu Recht gerügter Verfahrensmangel, welcher grundsätzlich zur Kassation der angefochtenen Verfügung hätte führen müssen, im B e-D-2003/2011 Seite 13 schwerdeverfahren geheilt wird (vgl. EMARK 2003 Nr. 5). Vorliegend wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum vorinstanzl i- chen Länderbericht vom 22. Dezember 2011 zu Sri Lanka nicht schon durch die Vorinstanz, sondern erst auf Beschwerdeebene gewährt. Dieser Mangel wurde erst durch die nachträgliche Gewährung der Akteneinsicht sowie die Möglichkeit einer Stellungnahme durch die Beschwerdeführerin geheilt. Für die diesbezüglichen Aufwendungen de r Beschwerdeführerin ist ihr trotz Abweisung ihrer Beschwerde eine vom BFM zu entrichtende Parteientschädigung zuzusprechen, die in Anwendung der zu berücksich- tigenden Faktoren auf Fr. 150.– zu bemessen is t (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). (Dispositiv nächste Seite) D-2003/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten gesprochen. 4. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 150.– (inkl. MWST und Auslagen) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: