B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1638/2023 U r t e i l v o m 4 . A p r i l 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Roswitha Petry, mit Zustimmung von Richter Manuel Borla; Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. Parteien A._______, geboren am (…), Russland, vertreten durch Marek Wieruszewski, Solidaritätsnetz Bern, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 14. März 2023 / N (…). E-1638/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am (…). Januar 2023 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab- druck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am (…) 2023 illegal in Kroatien eingereist war und gleichentags dort um Asyl ersucht hatte. B. Am 2. Februar 2023 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zuge- wiesene Rechtsvertretung. C. Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 8. Februar 2023 im Rah- men des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), das rechtliche Ge- hör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Kroatien, dessen Zuständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Ausserdem fragte es den Be- schwerdeführer nach seinem Gesundheitszustand. Der Beschwerdeführer führte aus, er habe sein Heimatland am (…) 2023 verlassen und sei via Türkei und Bosnien nach Kroatien gereist. Dort habe er nicht um Asyl ersucht, da sein Ziel von Anfang an die Schweiz gewesen sei. Die Zeit in Kroatien sei schrecklich gewesen. Er sei zu sammen mit anderen Asylsuchenden an der Grenze angehalten, für fünf bis sechs Stun- den festgehalten und schliesslich in ein geschlossenes Polizeifahrzeug ge- setzt worden. Im Auto hätten die Polizisten absichtlich die Klimaanlage ein- geschaltet, obwohl sie all e nasse Füsse gehabt hätten. Sie seien in ein schmutziges Camp gebracht worden, wo sie nicht genug zu essen erhalten hätten. Er habe keinen sauberen Platz zum Beten finden und sich vor dem Beten nicht waschen können. Alle Leute dort seien inkompetent und islam- feindlich. Ausserdem würden russische Staatsbürger überall erniedrigt. Mit einem Taxi sei er daher über Slowenien und Italien in die Schweiz gereist. In Bezug auf den medizinischen Sachverhalt gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er sei nervlich sehr belastet, habe im Camp aber Personen, die ihn beruhigen könnten, und die Arbeit lenke ihn ab. Vor ungefähr fünf Tagen E-1638/2023 Seite 3 sei er von maskierten Leuten gesucht worden, weshalb er sehr aufgeregt gewesen sei und mit den Fäusten an die Wände geschlagen habe. Er habe (…). Er habe deshalb einen Psychologen aufgesucht. Ausserdem könne er nachts nicht schlafen und habe (…), weshalb er halbjährlich zur Kontrolle gehen müsse. Die (…). Er müsse seine Nerven schonen und Schläge (…) vermeiden. D. Neben diversen persönlichen Dokumenten reichte der Beschwerdeführer einen Bericht betreffend eine Magnetresonanzbildgebung (…) vom 28. Februar 2018 sowie die entsprechenden Bilder zu den Akten. Das SEM holte ausserdem die medizinischen Berichte der Pflege des BAZ B._______ – darunter einen Befundbericht von Dr. med. C._______, (…) vom 16. Februar 2023 – ein. E. Die kroatischen Behörden hiessen das am 8. Februar 2023 gestellte Ge- such des SEM um Über nahme des Beschwerdeführers am 22. Februar 2023 gut. F. Mit Verfügung vom 14. März 2023 – tags darauf eröffnet – trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Über- stellung nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz a m Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte es den zuständigen Kanton ( D._______) mit dem Vollzug der Wegweisung, ver- fügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. G. Am 15. März 2023 teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dem SEM mit, dass er sein Mandat niedergelegt habe. H. Am 22. März 2023 liess der Beschwerdeführer durch seine neu manda- tierte Rechtsvertretung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhe- ben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten; eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. E-1638/2023 Seite 4 In prozessualer Hinsicht beantragt er die die Aussetzung des Vollzugs und die Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Es sei ihm zudem die unent- geltliche Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses zu gewähren. Der Beschwerde legte er unter anderem einen Brief der Assembly of Che- chens of Europe an den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Natio- nen (UNHCR) Deutschland vom 23. Januar 2023 bei. I. Am 24. März 2023 ordnete die zuständige Instruktionsrichterin eine n su- perprovisorischen Vollzugsstopp an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri- gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG]) sind offensichtlich erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari- scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des E-1638/2023 Seite 5 Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitglieds taat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). Nachdem die kroatischen Behörden innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin -III- VO festgelegten Frist dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz zuge- stimmt haben, ist die Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben. Die Angabe des Beschwerdeführers, er habe in Kroatien kein Asylgesuch ein- reichen wollen, hat auf die Zuständigkeit keinen Einfluss. Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 3.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in diesem M itgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU –Grund- rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit- gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest- zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an de n ersten Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied- staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 3.4 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO kann jeder Mitgliedsta at beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die E-1638/2023 Seite 6 Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses so- genannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti- siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu- manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III- VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 4. 4.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich- tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per- sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er- geben. 4.2 Im kürzlich ergangenen und als Referenzurteil zu publizierenden Urteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 hat sich das Bundesverwaltungsgericht einlässlich mit der Situation von Dublin -Rückkehrern in Kroatien befasst . Dabei hat es festgehalten, dass im heutigen Zeitpunkt keine Hinweise für die Annahme vorliegen, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen von Antragstellenden in Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO auf, die eine Überstellung generell als unzulässig erscheinen liessen. Dies gelte sowohl für das Aufnahmeverfahren (Take charge) als auch für das Wiederaufnah- meverfahren (Take back, vgl. a.a.O. E. 9.5). Selbst unter Berücksichtigung der auf Beschwerdeebene zitierten Berichte sowie der vom Beschwerde- führer geschilderten Erlebnisse mit Polizeibeamten sowie im Flüchtlings - camp während seines fünftägigen Aufenthaltes in Kroatien ist nicht davon auszugehen, Kroatien verstosse zum heutigen Zeitpunkt systematisch ge- gen seine vertraglichen Verpflichtungen als zuständiger Dublin -Mitglied- staat im Falle einer Rücküberstellung von Asylsuchenden. E-1638/2023 Seite 7 4.3 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 5. 5.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin -III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 auszu- üben ist. 5.2 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen gelte nd, dass nicht si- chergestellt sei, dass er in Kroatien tatsächlich ein Asylverfahren durchlau- fen werden könne. Er führt aus, dass bei einer Rückweisung nach Kroatien die Gefahr der Kettenabschiebung nach Russland bestehe. Dies sei auch dem Bericht der Assembly of Chechens of Europe vom 23. Januar 2023 an den UNHCR zu entnehmen. Des Weiteren weist er auf die schlechten Behandlungen sowie die menschenunwürdigen Aufnahmebedingungen in Kroatien hin. 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt angesichts der vom Be- schwerdeführer geschilderten Erlebnisse und den Ausführungen in der Be- schwerdeeingabe, dass das Verhalten der kroatischen Grenzbehörden und die Behandlung von Asylsuchenden im Rahmen der Erstaufnahme bis zur Gesuchstellung in Kroatien problematisch ist. Der Beschwerdeführer konnte jedoch nicht darlegen, dass die ihn bei einer Rückführung im Rah- men des Dublin-Verfahrens nach Kroatien erwartenden Bedingungen der- art schlecht sind, dass diese zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könnten. Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass er sich nach der Dublin-Rücküberstellung in einer anderen Situation als bei seiner ersten Einreise nach Kroatien befinden wird (vgl. zit. Urteil des BVGer E-1488/2020 E. 9.4. sowie u.v. Urteil des BVGer D-668/2023 vom 9.2.2023 E. 7.2 m.w.H.). Daran vermögen auch die auf Beschwerdeebene zitierten Berichte von kroatischen NGO’s nicht zu ändern. Kroatien ist ein Rechts- staat mit einem funktionierenden Justizsystem. Bei einer allfälligen vo- rübergehenden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingun- gen könnte sich der Beschwerdeführer an die kroatischen Behörden wen- den und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnah- merichtlinie). Dies gilt auch in Bezug auf die geltend gemachte Behandlung seitens der kroatischen Behörden. Den Akten – so auch dem Bericht der Assembly of Chechens of Europe – sind denn auch keine konkreten, den Beschwerdeführer betreffenden Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde ihn als Tschetschenen nach Russland überführen und ihn somit unter Missachtung des Non-Refoulement-Gebots zur Ausreise in ein E-1638/2023 Seite 8 Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. 5.4 In Bezug auf die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers ist darauf hinzuweisen, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstel- lung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Un- terstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behand- lung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns- ten, raschen und unwied erbringlichen Verschlechterung ihres Gesund- heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Den vorhandenen medizinischen Unterlagen ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer wegen (…) mehrfach bei der Pflege im BAZ gemel- det und den Wunsch geäussert hat, den Facharzt für Kinder- und Jugend- psychiatrie und -psychotherapie E._______ sprechen zu dürfen. Eine ent- sprechende Anmeldung ist erfolgt (Wartezeit von mehreren Wochen). Der Beschwerdeführer erhält unter anderem (…). Am 16. Februar 2023 wurde ein MRI des (…) durchgeführt, welches ergab, dass (…) (vgl. SEM-Akte 1230356-16/14, Bericht von Dr. med. C._______, […] vom 16. Februar 2023). Eine erneute Verlaufskontrolle sei in zwei Jahren vorzunehmen. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Beschwerden stellen keine gravierenden Erkrankun-gen dar und können in Kroatien behandelt wer- den. Sollte der Beschwerdeführer nach der Rückkehr nach Kroatien eine medizinische Behandlung benötigen, ist darauf hinzuweisen, dass die Mit- gliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern die erforderliche medizini- sche Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt er- forderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö- rungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden Personen mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderli- che medizinische oder sonstige Hilfe, einschliesslich psychologischer E-1638/2023 Seite 9 Betreuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Die Vo- rinstanz hielt zutreffend fest, dass Kroatien über eine ausreichende medi- zinische Infras truktur verfügt. Sodann bestehen in Kroatien nebst den staatlichen Einrichtungen auch Angebote von Nichtregierungsorganisatio- nen für die psychische Betreuung, womit von einem genügenden psycho- logischen Behandlungsangebot auszugehen ist (vgl. Urteile des BVGer E- 5310/2022 und E -5302/2022 vom 6. März 2023 E. 7.2.3 sowie E- 4754/2022 vom 18. Januar 2023 E. 9.1.3). Zudem sind die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragten schweizerischen Behörden ge- halten, dem aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei der Organisation der Überstellung nach Kroatien Rechnung zu tragen . Es lie- gen folglich keine Anhaltspunkte vor, wonach die Gesundheit des Be- schwerdeführers bei einer Überstellung nach Kroatien ernsthaft gefährdet würde. Mithin besteht kein Anlass für einen zwingenden Selbsteintritt der Schweiz. 5.5 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz bei der Anwendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens- spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist auch unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Ak- ten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch respektive ein Über- oder Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 5.6 Es sind weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse, welche die Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler bei der Ermessensbetätigung ersichtlich. Damit liegt kein Grund für einen Selbst- eintritt der Schweiz gemäs s Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin -III-VO vor. Kroatien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer wieder- aufzunehmen. 6. Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach Kroatien angeordnet. Die Beschwerde ist abzu- weisen. 7. 7.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirku ng und um Verzicht auf die Erhebung eines E-1638/2023 Seite 10 Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Der mit superprovisori- scher Massnahme vom 24. März 2023 angeordnete Vollzugsstopp fällt da- hin. 7.2 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren. 7.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1638/2023 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Regina Seraina Goll Versand: