B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-7848/2024 U r t e i l v o m 6 . J a n u a r 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Christa Preisig, Gerichtsschreiberin Annina Mondgenast. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 6. Dezember 2024. F-7848/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 27. September 2024 in der Schweiz um Asyl und gab auf dem Personalienblatt an, er sei am (…) geboren wor- den. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab- duck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 13. September 2024 in Bul- garien um Asyl nachgesucht hatte. B. Am 1. Oktober 2024 ersuchte die Vorinstanz die bulgarischen Behörden um Informationen zum Registrierungsprozess des Beschwerdeführers ge- stützt auf Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Par- laments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, d er für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied- staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol- gend: Dublin-III-VO). In ihrer Antwort vom 4. Oktober 2024 hielten sie fest, der Beschwerdeführer sei bei ihnen mit den Personalien B._______, gebo- ren am (…), registriert. C. Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer anlässlich der Erstbefra- gung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender am 17. Oktober 2024 das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Bulgarien, welches grundsätzlich für die Behandlung seines Asylgesuchs zuständig sei gestützt auf die Dublin-III- VO. Er wurde am Ende des Gesprächs informiert, dass bei ihm eine medi- zinischen Altersabklärung vorgenommen werde, weil Zweifel an seinem geltend gemachten Alter bestünden. D. Zur Erstellung des Altersgutachtens (datierend vom 4. November 2024) durch das Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des Universitätsspitals Zürich wurden eine körperliche, eine zahnröntgenologi- sche sowie eine radiologische Untersuchung der linken Hand und ein CT der medialen Anteile der Schlüsselbeine durchgeführt. E. Die Vorinstanz teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 18. N o- vember 2024 mit, sie werde sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…) an- passen und gewährte ihm dazu das rechtliche Gehör. Seine Stellung- nahme datiert vom 21. November 2024. F-7848/2024 Seite 3 F. Die Vorinstanz ersuchte die bulgarischen Behörden am 22. November 2024 um Rückübernahme des Beschwerdeführers, welche dem Ersuchen am 30. November 2024 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu- stimmten. G. Mit Verfügung vom 6. Dezember 2024 (eröffnet gleichentags) trat die Vor- instanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz nach Bulgarien und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Ferner hielt sie fest, das Geburtsdatum im ZEMIS werde auf den (…) fest- gelegt und mit einem Bestreitungsvermerk versehen. H. Die zugewiesene Rechtsvertretung des Beschwerdeführers zeigte mit Schreiben vom 6. Dezember 2024 die Beendigung des Mandatsverhältnis- ses an. I. Mit Rechtsmitteleingabe an das B undesverwaltungsgericht vom 1 3. De- zember 2024 beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfü- gung sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durch- zuführen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese sei anzuweisen, sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…) zu ändern. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. J. Mit superprovisorischer Massnahme vom 16. Dezember 2024 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus. K. Die Instruktionsrichterin gewährte mit Zwischenverfügung vom 20. Dezem- ber 2024 der Beschwerde aus organisatorischen Gründen die aufschie- bende Wirkung. F-7848/2024 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG [SR 142.31]). 1.2. Der Beschwerdeführer beantragt, die Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben. Damit richtet sich die Beschwerde sowohl gegen den Nicht- eintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG als auch gegen den ZEMIS -Eintrag betreffend sein Geburtsdatum. Das Beschwerdever- fahren hinsichtlich ZEMIS -Datenbereinigung wird separat vom vorliegen- den Asylverfahren unter der Nummer F-7918/2024 geführt und es werden zwei separate Urteile gefällt. Die Festlegung des Geburtsdatums des Be- schwerdeführers – Ziffer 4 der angefochtenen Verfügung – bildet damit nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. 1.3. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die üb- rigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG bzw. Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ger ügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2. Die Beschwerde erweist sich – trotz der mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2024 aus rein organisatorischen Gründen gewährten auf- schiebenden Wirkung – als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Ver- fahren einzelric hterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Be- gründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin -III-VO zur Anwen- dung. F-7848/2024 Seite 5 3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (v gl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Staats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asyl- antrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wieder- aufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 3.3. Im Falle einer unbegleiteten minderjährigen Person ohne familiäre An- knüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf inter- nationalen Schutz gestellt hat, wobei von der Situation zum Zeitpunkt der ersten Antragstellung in einem Mitgliedstaat ausgegangen wird (vgl. Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Als Minderjähriger gilt ein Drittstaatsangehöriger un- ter achtzehn Jahren (Art. 2 Bst. i Dublin-III-VO; Art. 1a Bst. d der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Unbegleitete Min- derjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen (vgl. FILZ- WIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8). Vorliegend bestünde deshalb bei Minderjährigkeit des Beschwerdeführers im Zeit- punkt der Stellung seines Asylantrags in der Schweiz eine der grundsätzli- chen Wiederaufnahmezuständigkeit Bulgariens vorrangige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. unter anderen: Urteil des BVGer F-6213/2020 vom 5. Ja- nuar 2021 E. 3.4). 4. 4.1. Die Beweislast für die Minderjährigkeit liegt im Asylverfahren alleine bei der gesuchstellenden Person und diese ist zumindest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.3). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtig- keit der betreffenden Altersangaben sprechen, vorz unehmen. Wesentlich sind dabei als für echt befundene Identitätspapiere oder eigene Angaben der betroffenen Person. Das Resultat eines Altersgutachtens stellt ein Ele- ment bei der Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend ge- machten Minderjährigkeit dar (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.). 4.2. Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung zusammenfas- send aus, der Beschwerdeführer habe keine rechtsgenüglichen Identitäts- papiere eingereicht, welche die von ihm vorgebrachte Minderjährigkeit zweifelsfrei belegen würden. Die in Kopie eingereichte Tazkira sei nicht F-7848/2024 Seite 6 geeignet, ein rechtsgenügliches Dokument zu ersetzen, da eine solche leicht manipulierbar und käuflich erhältlich sei. Dasselbe gelte für den ein- gereichten Impfausweis sowie für die Fotos aus dem Heftchen seines Va- ters. Der eingereichten Tazkira lasse sich kein genaues Geburtsdatum ent- nehmen, sondern es stehe, dass das Alter im Jahre 1390 (entsprechend 2011/2012) auf vier Jahre geschätzt worden sei. Der Impfausweis weise kein Ausstellungsdatum aus, weshalb unklar sei, welches der Dokumente zuerst ausgestellt worden sei. Im Heftchen des Vaters, worin angeblich alle Geburtsdaten der Kinder aufgeschrieben sein sollen, erschein e das vom Beschwerdeführer angegebene Geburtsdatum nicht. Seine Aussagen seien äusserst vage, unplausibel und nicht überprüfbar ausgefallen. Von der Grenzwache in der Schweiz sei er mit dem Geburtsdatum (…) erfasst und in Bulgarien mit dem Datum (…) registriert worden. Dies deute darauf hin, dass er in Bulgarien dieses Datum angegeben habe. Daneben komme das in der Schweiz durchgeführte Altersgutachten zum Schluss, dass so- wohl eine Voll- als auch eine Minderjährigkeit des Beschwerdeführers mög- lich sei. Gesamthaft würden die Hinweise für eine Volljährigkeit diejenigen zugunsten der geltend gemachten Minderjährigkeit überwiegen. 4.3. Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, er sei minderjährig. Es sei üblich, dass die Tazkira nicht bei der Geburt, sondern erst später ausge- stellt werde. Deren primäre Funktion sei nicht die Altersangabe und zudem würden bei der Übersetzung sowie Umrechnung in den gregorianischen Kalender Fehler entstehen. Deshalb sei nicht verwunderlich, dass die Tazkira mit dem Geburtsdatum auf dem Impfausweis nicht übereinstimme. In Bulgarien sei ihm eine Karte ausgehändigt worden, er habe diese jedoch nicht lesen können, weshalb er nicht wisse, ob sein Geburtsdatum darauf vermerkt sei. Es sei ihm nicht bekannt gewesen, dass er mit dem Datum (…) (recte wohl: […[) (…) erfasst worden sei und habe dies deshalb auch nicht korrigieren können. Aufgrund der erfahrenen Gewalt in Bulgarien sei zudem nicht davon auszugehen, dass er die Anpassung seines Geburts- datums hätte verlangen können. Seine Aussagen zu seinem Alter seien zwar kurz aber widerspruchsfrei ausgefallen. Er habe seine Minderjährig- keit glaubhaft machen können. 4.4. Der Beschwerdeführer vermag sein angebliches Geburtsdatum nicht anhand rechtsgenüglicher Identitätsdokumente zu belegen. Er hat lediglich Kopien seiner Tazkira und des Impfausweises sowie ein Foto des Heft- chens seines Vaters eingereicht. Die Vorinstanz hält zu Recht fest, dass diesen Kopien und Fotos nahezu keine Beweiskraft zukomme. Tazkiras gelten ferner nicht als fälschungssichere Dokumente. Deshalb ist hinsicht- lich der Frage der Identität von Inhabern eines solchen Dokumen ts F-7848/2024 Seite 7 praxisgemäss von einem geringen Beweiswert auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E-322/2021 vom 17. Februar 2021 E. 3.4). Dasselbe gilt für die Ko- pie des Impfausweises (vgl. Urteil des BVGer F -5539/2024 vom 19. Sep- tember 2024 E. 7.2) und das Foto des Heftchens des Vaters. 4.5. Aus dem Altersgutachten des Instituts für diagnostische und interven- tionelle Radiologie des Universitätsspitals Zürich vom 4. November 2024 kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Im Gutach- ten wird aufgrund der zahnärztlichen Untersuchung und der Röntgenunter- suchung der Hand ein durchschnittliches Alter von 18.5 bis 22.7 Jahren angegeben. Das Mindestalter gemäss Röntgen der Zähne liegt bei 17.6 Jahren. Aufgrund des Vorliegens von Normvarianten der Schlüssel- beine konnte für diese Untersuchung kein durchschnittliches Alter angege- ben werden. Gemäss dem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsge- richts BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2 sind in einem solchen Fall sowohl eine Voll- als auch eine Minderjährigkeit möglich, ohne dass sich eine verlässliche Aussage darüber machen lässt, was wahrscheinlicher ist. Folglich vermag das vorliegende Altersgutachten weder ein Indiz für die geltend gemachte Minderjährigkeit darzustellen noch die Volljährigkeit mit Sicherheit festzu- stellen. 4.6. Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Alter fallen wider- sprüchlich aus. Bei Einreichung seines Asylgesuchs am 27. September 2024 gab er auf dem Personalienblatt an, am (…) geboren zu sein. Anläss- lich der Erstbefragung vom 17. Oktober 2024 führte er aus, seinen Vater vor einer Woche nach seinem Geburtsdatum gefragt zu haben, da er es vergessen hätte und ihn seine Rechtsvertretung danach gefragt habe. Er habe gewusst, dass er 17 Jahre alt sei, jedoch nicht, wann er geboren wor- den sei (SEM-Akten act. 15 F 1.06). Unklar bleibt bei seiner Aussage, wes- halb er bereits beim Ausfüllen des Personalienblatts sein Geburtsdatum vermerken konnte, wenn er dieses doch vergessen und erst durch einen später erfolgten Anruf bei seinem Vater in Erfahrung gebracht hatte. Abklä- rungen der Vorinstanz ergaben sodann, dass der Beschwerdeführer in Bul- garien unter einem anderen Namen mit Geburtsdatum (…) registriert wurde. Die Angabe eines konkreten Tages deutet darauf hin, dass er selbst dieses Datum genannt hatte. Bei der Schweizer Grenzwache wurde er mit dem Geburtsdatum (…) erfasst, so wie auch sechs weitere gleichzeitig auf- gegriffene Personen. Im Protokoll der Grenzwache steht diesbezüglich, dass die Personenangabe gemäss Aussage erfolgt sei (SEM -Akten act. 22). Jedoch geht nicht klar hervor, ob der Beschwerdeführer sein exaktes Geburtsdatum genannt oder lediglich sein Alter angegeben hat. Die F-7848/2024 Seite 8 diesbezügliche Divergenz zu seinen Angaben im Personalienblatt ist des- halb nicht zu berücksichtigen. 4.7. In einer Gesamtwürdigung ist es dem Beschwerdeführer nicht gelun- gen, seine Minderjährigkeit glaubhaft zu machen. Die einzigen objektiven Beweismittel – die Kopien der Tazkira und des Impfausweises – sind von geringem Beweiswert und lassen keinen eindeutigen Schluss in Bezug auf die Frage seiner Voll- oder Minderjährigkeit zu. Umso mehr hätte es dem Beschwerdeführer oblegen, konsistente Angaben zu seinen Personalien zu machen, was er indessen nicht getan hat. 5. Nachdem die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft gemacht zu erachten ist, hat die Vorinstanz zu Recht die bulgarischen Be- hörden um seine Wiederaufnahme ersucht. Die Zuständigkeit Bulgariens für das Asylverfahren des Beschwerdeführers ist angesichts des Eurodac -Treffers und nachdem Bulgarien das Wieder- aufnahmeersuchen am 30. November 2024 gutgeheissen hat, grundsätz- lich gegeben. 6. 6.1. Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da- von aus, das bulgarische Asylsystem weise keine systemischen Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz Dublin-III-VO auf (vgl. Referenzurteil des BVGer F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 E. 6.6.7, sowie statt vieler Urteil des BGer F-5429/2024 vom 6. September 2024 E. 7.3). Demnach sind Dublin-Überstellungen grundsätzlich zulässig. 6.2. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge- nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 kann zudem das SEM das Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin -III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Entscheidung darf das Bundesverwaltungsgericht sein eigenes F-7848/2024 Seite 9 Ermessen nicht an Stelle desjenigen des SEM setzen (BVGE 2015/9 E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 6.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe in Bulgarien schlimme Polizeigewalt erfahren. Die Umstände seien sehr schwierig gewesen. Er habe keine medizinische Unterstützung erhalten, obwohl diese dr ingend nötig gewesen wäre. Er habe Demütigungen und unmenschliche Behand- lung erlebt. Zudem befürchte er eine Kettenabschiebung nach Afghanistan. 6.4. Die geltend gemachte Polizeigewalt wird weder belegt noch substan- tiiert dargelegt. Der Beschwerdeführer vermag nicht darzutun, dass die ihn bei einer Rückführung nach Bulgarien zu erwartenden Bedingungen derart schlecht wären, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könn- ten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zu- stehenden Aufnahmebedingungen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die bulgarischen Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechts- weg einfordern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [Aufnahmerichtlinie]). Dies gilt auch in Bezug auf ein allfälliges Fehlverhal- ten der bulgarischen Polizei. Des Weiteren steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. 6.5. Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde keine gesundheitli- chen Probleme mehr geltend. Anlässlich der Anhörung führte er diesbe- züglich noch aus, aufgrund der Schläge in Bulgarien Schmerzen in einem Oberschenkel zu h aben. Psychische Beschwerden habe er keine (SEM - Akten act. 15 F 8.02). Abklärungen der Vorinstanz beim Gesundheitsdienst des BAZ ergaben, dass keine Beschwerden bekannt seien und auch kein Arztbesuch vorgesehen sei (SEM-Akten act. 31). Soweit der Beschwerde- führer vorbringt, er hätte in Bulgarien keinen Zugang zu medizinischer Ver- sorgung, ist darauf hinzuweisen, dass Bulgarien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt (statt vieler: Urteil des BVGer F-5429/2024 vom 6. September 2024 E. 8.2) und verpflichtet ist, den An- tragstellenden die erforderliche medizinische Versorgung zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden mit beson- deren Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). 6.6. Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III- VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die F-7848/2024 Seite 10 Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch sind humanitäre Gründe ersichtlich, welche einen Selbsteintritt nahelegen würden. 7. Soweit der Beschwerdeführer die Rückweisung der Sache zur weiteren Ab- klärung beantragt, ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz den rechts- erheblichen Sachverhalt angemessen abgeklärt hat. Es ist weder dargetan noch ersichtlich, inwiefern weitere Abklärungen hätten vorgenommen wer- den müssen. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vor- instanz ist abzuweisen. 8. Die Vorinstanz ist zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach Bulgarien angeordnet. 9. Die Beschwerde ist abzuweisen. Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 16. Dezember 2024 angeordnete superprovisorische Vollzugsstopp dahin. 10. 10.1. Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen ist. 10.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-7848/2024 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Beschwerdeverfahren betreffend Datenbereinigung im ZEMIS wird vom vorliegenden Dublin -Verfahren getrennt und unter der Verfahrens- nummer F-7918/2024 geführt. 2. Die Beschwerde wird abgewiesen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser B etrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Annina Mondgenast Versand: