Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. September 2012 (715 12 110) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung einer im Zwischenverdienst selbständigerwer- benden Person, keine rechtsmissbräuchliche Gesetzesumgehung; Prüfung der Vermitt- lungsfähigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Doris Vollenweider, Ad- vokatin, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1960 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. Jan uar 2010 als Geschäftsführer im Zentrum B.____ AG in C.____. Vom 1. Januar 2009 bis zu r Überführung des Alters- und Pfle- geheims B.____ der Gemeinde C.____ in eine privatrech tliche Aktiengesellschaft per 1. Januar 2010 war er zuvor als Heimleiter dieses Zentrums von der Gemeinde C.____ angestellt gewe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen. Am 29. März 2011 wurde sein Arbeitsverhältnis unte r Einhaltung der ordentlichen Kündi- gungsfrist von vier Monaten durch die Arbeitgeberin au fgelöst. Die Kündigungsfrist wurde mit Austritts- und Freistellungsvereinbarung vom 18. bzw. 24. Mai 2011 bis Ende August 2011 ver- längert. Gleichzeitig wurde der Arbeitnehmer unter d er Auflage, dem interimistischen Ge- schäftsführer für die Einarbeitung zur Verfügung zu stehen, von seiner Arbeitsleistung per sofort freigestellt, und die Arbeitgeberin verpflichtete sich zur Bezahlung eines Betrags von Fr. 15'000.-- bis Ende Mai 2011 für ein Outplacement. B. Mit öffentlicher Beurkundung vom 5. Juli 2011 gründ ete A.____ die D.____ GmbH (nachfolgend: GmbH), welche er am 19. Juli 2011 im Han delregister eintragen liess. In dieser GmbH fungierte er als Geschäftsführer und einzelzeichnun gsberechtigter Gesellschafter mit einer finanziellen Beteiligung von 20 Stammanteilen à je Fr. 1'000.--. C. Am 29. August 2011 meldete sich A.____ zur Arbeitsver mittlung an. Am 5. September 2011 erhob er Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. September 2011. Am 14. Sep- tember 2011 erklärte er gegenüber dem zuständigen Hand elsregisteramt des Kantons E.____ seinen Rücktritt als Geschäftsführer der GmbH und bat um Löschung des entsprechenden Ein- trags im Handelsregister. D. Mit Verfügung vom 29. September 2011 lehnte die Ö ffentliche Arbeitslosenkasse Basel- land (nachfolgend: Kasse) die Anspruchsberechtigung d es Versicherten für die Zeit ab 1. Sep- tember 2011 mit der Begründung ab, dass er als im Handelsregister eingetragene Person in der von ihm gegründeten GmbH eine arbeitgeberähnliche Ste llung ausübe. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Doris Vollenweider, Advokati n, am 28. Oktober 2011 Einsprache. Nachdem der Versicherte am 24. Oktober 2011 die GmbH du rch darlehensweise Übertragung aller Stammanteile verkauft hatte und als Geschäftsführ er aus der GmbH per sofort zurückge- treten war, liess er der Kasse mit Schreiben vom 1. Nove mber 2011 einen Handelsregisteraus- zug des Kantons E.____ zukommen, demgemäss er als Gesellsch after und Geschäftsführer per 26. Oktober 2011 aus der GmbH gelöscht worden war. E. Nach weiteren Abklärungen hiess die Kasse die Einsprach e des Versicherten mit Ent- scheid vom 23. Februar 2012 teilweise gut. Sie hielt f est, dass der Einsprecher ab 26. Oktober 2011 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung besitze, sofern er die übrigen Anspruchsvoraus- setzungen erfülle. Hiergegen erhob der Versicherte, wi ederum vertreten durch Doris Vollenwei- der, Advokatin, am 27. März 2012 Beschwerde beim Kanto nsgericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (nachfolge nd: Kantonsgericht). Er beantragte, es sei ihm in Aufhebung des angefochtenen Entscheids ab 1. September 2011 ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu gewähren. Zur Begründu ng wurde im Wesentlichen vorge- bracht, dass die Rechtsprechung betreffend die missbräuchliche Umgehung der Bestimmungen zur Kurzarbeit gemäss BGE 123 V 234 auf den strittigen Sachverhalt nicht anwendbar sei. Er habe die GmbH nach der Auflösung seines Arbeitsverhältni sses mit der Absicht gegründet, die Zwischenverdienstmöglichkeiten zu verbessern. Ein solcher Zwischenverdienst könne auch aus selbständiger Erwerbstätigkeit erzielt werden. Mit Blick a uf das Urteil des Bundesgerichts 8C_81/2009 sei lediglich zu prüfen, ob mit der Firmengründung das Ausmass der selbständigen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeit so weit fortgeschritten gewesen sei, dass die Annahme einer unselbständigen Tätig- keit nicht oder kaum mehr möglich gewesen wäre. Dies abe r sei offensichtlich zu verneinen, da von einer vorübergehenden, zeitlich beschränkten und invest itionsarmen selbständigen Zwi- schenerwerbstätigkeit auszugehen sei. F. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 28. Juni 201 2 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass das vom Beschwerdeführer zitierte Urteil des Bundesgerichts 8C_81/2009 nicht v erfange. Dieser habe im Gegensatz durch die Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit eine Anmeldung bei der Arbeitslosenversi- cherung nicht zu vermeiden versucht, sondern habe sich vie lmehr unmittelbar im Anschluss an die letzte Lohnzahlung per Ende August 2011 zur Arbeitsvermittlung angemeldet. G. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 27. September 2012 hielten beide Parteien an ihren Rechtsbegehren sowie an ihren bereits in den Rech tsschriften vorgebrachten Standpunk- ten fest. Auf deren Vorbringen sowohl in den Rechtssc hriften als auch anlässlich der Parteiver- handlung ist - soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungs gericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. a der Verord- nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigk eit des kantonalen Versicherungsge- richts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Kassen, welche die Arbeitslosenentschädigung betreffen, nach dem Ort, wo die versicherte Person die Kontroll- pflicht erfüllt. Vorliegend erfüllt der Beschwerdeführ er die Kontrollpflicht im Kanton Basel- Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kanto nsgerichts Basel-Landschaft zu beja- hen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kant onsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gege n Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auc h sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und for mgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten vom 27. März 2012 ist deshalb einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Arbeitslosenkasse d en Anspruch des Versicherten auf Arbeitslosenentschädigung für den Zeitraum vom 1. Septe mber 2011 bis 25. Oktober 2011 zu Recht abgelehnt hat. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nach Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 2.2 Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG haben Personen, d ie in ihrer Eigenschaft als Gesell- schafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Ent- scheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers be stimmen oder massgeblich be- einflussen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitsent- schädigung. Der Grund für diese Regelung liegt darin, dass Arbeitgeber und arbeitgeberähnli- che Personen über eine unternehmerische Dispositionsfre iheit verfügen, kraft derer sie die Möglichkeit haben, die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung - für sich oder ihre Ehegatten - selbst herbeizuführen. So k önnen sie insbesondere auch die dafür nötigen Bescheinigungen selber ausstellen bzw. solche Bes cheinigungen aus Gefälligkeit er- langen (vgl. R EGINA JÄGGI , Eingeschränkter Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung b ei ar- beitgeberähnlicher Stellung durch analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG in: SZS 48/2004, S. 4). Mit der Regelung in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG wollte der Gesetzgeber somit verhindern, dass arbeitgeberähnliche Personen missbräuchli ch Kurzarbeitsentschädigung er- halten. 2.3 Für den Bereich der Arbeitslosenentschädigung gibt es keine dem Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG entsprechende, unmittelbar anwendbare Norm. Wi e das damalige Eidgenössische Versi- cherungsgericht (EVG, ab 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) im Grundsatzentscheid 123 V 234 ff. erwog, kann Kurzarbeit nicht nur in einer Reduktion der Ar- beitszeit, sondern auch darin bestehen, dass der Betri eb für eine gewisse Zeit vollständig still- gelegt wird. Solange ein Arbeitnehmer mit arbeitgeb erähnlicher Stellung mit der betreffenden Unternehmung deshalb noch in einem Arbeitsverhältnis st eht, hat er aufgrund der Ausschluss- bestimmung in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG keinen Anspr uch auf Kurzarbeitsentschädigung. Wird dieses Arbeitsverhältnis hingegen gekündigt, so gilt die arbeitgeberähnliche Person nach den Erwägungen im zitierten Entscheid nunmehr als arbeitslo s und kann somit unter den Voraus- setzungen der Art. 8 ff. AVIG Arbeitslosenentschädigung beanspruchen. Behält sie nach der Entlassung allerdings ihre arbeitgeberähnliche Stellung im Betrieb jedoch bei und kann sie da- durch dessen Entscheidungen weiterhin bestimmen oder massgeblich beeinflussen, so läuft die Beanspruchung von Arbeitslosenentschädigung gemäss der Auffassung des höchsten Gerichts auf eine rechtsmissbräuchliche Umgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG hinaus, und es besteht auch bei grundsätzlich gegebenen Voraussetzungen nach Art. 8 ff. AVIG kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Das Gericht begründete den Um gehungstatbestand im erwähnten Entscheid damit, dass die arbeitgeberähnliche Person über die Dispositionsfreiheit verfüge, den Betrieb jederzeit zu reaktivieren und sich bei Bedarf erneut als Arbeitnehmer einzustellen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2007, C 3 2/06, E. 4.2). Andererseits könne dann nicht mehr von einer Gesetzesumgehung gesprochen werden, wenn der Betrieb ge- schlossen werde und das Ausscheiden des betreffenden Arbei tnehmers mit arbeitgeberähnli- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher Stellung definitiv sei, oder wenn das Unternehmen zwar weiter bestehe, die arbeitgeber- ähnliche Person jedoch mit der Kündigung endgültig au ch jene Eigenschaften verliere, deret- wegen sie bei Kurzarbeit aufgrund von Art. 31 Abs. 3 l it. c AVIG vom Anspruch auf Kurzarbeits- entschädigung ausgenommen wäre (vgl. BGE 123 V 238 f. E. 7b/bb). In seiner nachfolgenden Judikatur strich das Bundesgericht wiederholt heraus, dass die Rechtsprechung zur arbeitge- berähnlichen Stellung nicht nur dem ausgewiesenen M issbrauch an sich, sondern bereits dem Risiko eines solchen begegnen wolle (vgl. Urteil des EVG vom 15. März 2006, C 278/05, E. 2.3 und die Urteile des Bundesgerichts vom 20. Februar 200 7, C 151/06, E. 3 und vom 29. März 2007, C 32/06, E. 4.2). Im Anwendungsbereich von Art. 31 Abs. 3 AVIG ist deshalb nicht indivi- duell für den Einzelfall zu prüfen, ob tatsächlich ein e rechtsmissbräuchliche Absicht besteht; vielmehr genügt bereits die Möglichkeit eines solchen Mi ssbrauchs, um einen Leistungsaus- schluss zu rechtfertigen (vgl. REGINA JÄGGI , a.a.O., S. 6 ff.). 2.4 Zu beachten ist allerdings, dass das - potentiell - rechtsmissbräuchliche Vorgehen nach der dargelegten höchstrichterlichen Auffassung stets in der zweckwidrigen Verwendung des Rechtsinstituts der Kündigung liegt. Erst wenn mit der Kündigung nicht die endgültige Auf- lösung des Arbeitsverhältnisses bezweckt wird, sondern sie in erster Linie zum Zweck der vor- übergehenden Geltendmachung von Arbeitslosenentschädigun g ausgesprochen wird und von Anfang an eine Wiedereinstellung bei veränderter Gesc häftslage vorgesehen ist, liegt eine rechtsmissbräuchliche Umgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c A VIG vor. Mit dem Mittel der Kündi- gung soll diesfalls erreicht werden, was Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG just ausschliessen will, nämlich dass Personen mit arbeitgeberähnlicher Stellung für ein en vorübergehenden Arbeitsausfall in ihrem Betrieb Leistungen der Arbeitslosenversicherung be ziehen können. Unter diesem Aspekt ist für die Bejahung einer rechtsmissbräuchlichen Vorgehe nsweise deshalb stets notwendig, dass die Arbeitnehmertätigkeit und der Arbeits- sowie V erdienstausfall im selben Betrieb beste- hen, in welchem auch die arbeitgeberähnliche Stellung bestanden hat. Meldet sich die versi- cherte Person beispielsweise arbeitslos, nachdem ihr ein Anstellungsverhältnis beim Betrieb A gekündigt wurde, hat sie aber im Zeitpunkt ihrer Anme ldung zum Leistungsbezug bei der Ar- beitslosenversicherung eine arbeitgeberähnliche Stellung im Betrieb B inne, muss ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung grundsätzlich gewährt werden, da es an einem Arbeitsausfall im Betrieb B fehlt. Der Versicherungsfall und mithin ei n Arbeits- bzw. Erwerbsausfall ist diesfalls vielmehr deshalb eingetreten, weil die Stelle im Betr ieb A gekündigt worden ist. Die Analogie zur selbst bestimmten Kurzarbeit gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG ist in diesem Fall nicht dar- getan (vgl. REGINA JÄGGI , a.a.O., S. 9 ff.). Am klarsten ist der Fall, in dem eine arbeitgeberähnli- che Stellung im Betrieb B nie mit einer Arbeitnehmer tätigkeit verbunden war und im Gegenzug die Tätigkeit im angestammten Betrieb nie mit einer arbeitgeberähnlichen Stellung (vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 3. Dezem ber 2002, AL.2002.01056). Doch auch im Falle einer neuen Beschäftigung, welche erst nach der Entlassung aus der ange- stammten Tätigkeit entweder aufgenommen oder ausgedehnt wurde, kann nicht von einer Ana- logie zu Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG ausgegangen werde n (vgl. Urteil des Sozialversicherungsge- richts des Kantons Zürich vom 10. Juni 2002, AL.2002.0014 6). Diesfalls ist allerdings einge- hend die Vermittlungsbereitschaft der versicherten Person zu prüfen (vgl. REGINA JÄGGI , a.a.O., S. 12). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Die Anwendung der zitierten Rechtsprechung, wonach eine Überprüfung des An- spruchs auf Arbeitslosenentschädigung unter dem Gesichtspunk t einer allenfalls rechtsmiss- bräuchlichen Gesetzesumgehung zu erfolgen hat, rechtfer tigt sich gleichermassen bei selb- ständig Erwerbstätigen, welche sich zum Bezug von Arbeitslos enentschädigung angemeldet haben. Dabei ist jedoch massgebend, ob der Status des Sel bständigerwerbenden mit dem Ziel dauernder wirtschaftlicher und unternehmerischer Unabhängigkeit aufgenommen und beibehal- ten worden ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Dezember 2009, 8C_662/2009, E. 5.1 und vom 5. Juni 2009, 8C_49/2009, E. 4.3). Die Annahme, w onach die Ausübung einer selbständi- gen Erwerbstätigkeit dem Anspruch auf Arbeitslosenentschä digung grundsätzlich entgegen steht, trifft in dieser Absolutheit daher nicht zu. Auch wenn eine andauernd selbständig erwerbende Person en in der Regel bereits von vorn- herein vom Bezug von Arbeitslosentaggelder ausgeschlossen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Dezember 2009, 8C_662/2009, E. 5.1), gilt es im Zusammenhang mit der Prüfung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung selbständig Erwerbender ebenso, neben dem Aspekt der rechtsmissbräuchlichen Gesetzesumgehung vor allem den Aspekt der Vermittlungsfähigkeit zu beachten. Wichtiger Umstand hierbei ist, ob die Pers on ihr letztes Arbeitsverhältnis mit dem Ziel selbst gekündigt hat, sich selbständig zu machen, oder ob sie unfreiwillig aus diesem aus- geschieden ist und durch die Aufnahme einer selbständig en Erwerbstätigkeit ihre Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung zu vermeiden versucht hat. Nur letzteres rechtfertigt es grund- sätzlich, die Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädi gung unter dem Gesichtspunkt der Vermittlungsfähigkeit zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Dezember 2009, 8C_662/2009, E. 5.1). Gleiches gilt aber auch zugunsten einer Person, die nach der Kündigung ihrer früheren unselbständigen Erwerbstätigkeit arbe itslos wurde, Arbeitslosenentschädigung bezog und während der Dauer ihrer Arbeitslosigkeit einen Zwischenverdienst nach Art. 24 AVIG erzielt hat. Dies kann insbesondere auch dann der Fall sein, wenn arbeitslose Personen erst im Verlaufe ihrer Arbeitslosigkeit eine eigene GmbH gründ en (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Januar 2007, C 277/05, E. 3.4 mit Verweis auf das Urteil des EVG vom 15. Juni 2005, C 102/04, E. 4.2.1). Während im Falle einer neuen, selbständigen Beschäftigung, welche erst nach der Entlassung aus der angestammten Tätigkeit auf genommen wurde, insbesondere die Vermittlungsbereitschaft der versicherten Person zu prüfen ist, kann daher nicht ohne Weiteres von einer Analogie zu Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG ausgega ngen werden (vgl. Urteil des Sozialver- sicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 10. Juni 2002, AL.2002.00146; R EGINA JÄGGI , a.a.O., S. 12). Die Vermittlungsfähigkeit und damit wiederum ein Leistungsanspruch sind dies- falls allerdings dann zu verneinen, wenn die Absicht zur Aufnahme der selbständigen Tätigkeit soweit fortgeschritten ist, dass die Annahme einer unselb ständigen Tätigkeit nicht oder kaum mehr möglich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Ja nuar 2007, C 277/05, E. 3.4) "und demzufolge nicht mehr von einer nur vorübergehenden, ze itlich beschränkten und investitions- armen selbständigen Erwerbstätigkeit (im Sinne einer Zwischenverdiensttätigkeit nach Art. 24 AVIG) gesprochen werden kann. Die Tatsache, dass der V ersicherte eine juristische Person gründet und in das Handelsregister eintragen lässt, in welcher er eine arbeitgeberähnliche Stel- lung einnimmt, genügt für sich allein jedenfalls nicht, um bereits die Aufnahme einer auf Dauer ausgerichteten und nicht bloss vorübergehenden selbständi gen Erwerbstätigkeit zu bejahen" (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. August 2009, 8C_8 1/2009, E. 3.4). Diese Lösung ent- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht spricht der in Art. 24 AVIG statuierten Möglichkeit, au ch mittels selbständiger Erwerbstätigkeit einem Zwischenverdienst nachzugehen, der sich systemimmane nt aber immer nur auf eine vorübergehende, temporäre und investitionsarme Beschäfti gung beziehen kann (vgl. BGE 126 V 214 E. 3a; ARV 2002 Nr. 5 S. 56; T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherungsrecht, in: Ulrich Meyer, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band X IV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, S. 2300 Rz. 417). 3.1 Die Vermittlungsfähigkeit setzt sich aus zwei objekti ven Elementen – der Arbeitsfähigkeit und der Arbeitsberechtigung – und einem subjektiven El ement – der Vermittlungsbereitschaft – zusammen (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2258, Rz. 261). Mit den drei Elementen der Vermittlungsfähigkeit werden schwergewichtig subjektive Eigenschaften der arbeitslosen Per- son erfasst. Die Beurteilung der Vermittlungsfähigkeit hat aufgrund einer gesamten Würdigung der für die Anstellungschancen im Einzelfall wesentlichen , objektiven und subjektiven Faktoren zu erfolgen. Folgerichtig beurteilt sich die Vermittlun gsfähigkeit im Sinne von Art. 15 Abs. 1 AVIG aufgrund einer individuell-konkreten Betrachtungsw eise (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 26 und Nr. 42). 3.2 Hinsichtlich der zeitlichen und räumlichen Verfügbar keit wird von Vermittlungsunfähigkeit gesprochen, wenn eine versicherte Person aus persönlichen oder familiären Gründen ihre Ar- beitskraft nicht so einsetzen kann oder will, wie es ein A rbeitgeber normalerweise verlangt. Ver- sicherte, die sich im Hinblick auf anderweitige Verpflichtungen oder besondere Umstände ledig- lich während gewisser Tages- oder Wochenstunden erwerbl ich betätigen wollen, können nur sehr bedingt als vermittlungsfähig anerkannt werden (vgl. ARV 2004 Nr. 28 S. 275, 2001 Nr. 14 S. 147; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG) vom 21.04.2005 C 127/04, in: plädoyer 6/2005 S. 75 publiziert). Sind einer versichert en Person bei der Auswahl des Arbeits- platzes so enge Grenzen gesetzt, dass das Finden einer S telle sehr ungewiss ist, muss von einer Vermittlungsunfähigkeit ausgegangen werden. De r Grund für die Einschränkung in den Arbeitsmöglichkeiten spielt dabei keine Rolle (vgl. BGE 123 V 216 E. 3, 120 V 388 E. 3a m. Hinw.; ARV 2006 Nr. 3 S. 63 E. 2, 2004 Nr. 16 S. 13 2 E. 1, 2002 Nr. 5 S. 55 E. 2b, 2000 Nr. 29 S. 150, 1998 Nr. 46 S. 261, Nr. 20 S. 98). Wesentlicher Bestandteil der Vermittlungsfähigkeit ist daher die kurzfristige Verfügbarkeit. Sie bedeutet, dass die arbeitslose Person jederzeit erreich- bar und täglich zum Antritt einer Beschäftigung oder ar beitsmarktlicher Massnahme in der Lage ist (vgl. NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2261, RZ. 268). Das Gesetz verlangt die Vermittlungsfähigkeit auch bei Ausübung einer Zwischenverdiensttätigkeit. All erdings muss dabei beachtet werden, dass bei einer Zwischenverdiensttätigkeit die Vermittlun gsfähigkeit stark reduziert sein kann. Art. 24 AVIG erfasst sämtliche Formen (un-)selbständige r (Teil-) Erwerbstätigkeit, ungeachtet von Vorläufigkeit, Übergangscharakter und leichter Aufl ösbarkeit, weshalb es Sinn und Zweck der Zwischenverdienstregelung und der Schadensminderung spflicht (Art. 17 AVIG) widerspre- chen würde, wenn auf der einen Seite eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung als Zwischenver- dienst anerkannt würde, zugleich aber ein Leistungsan spruch mit der Begründung verweigert werden könnte, es fehle wegen der zeitlichen Beanspruch ung durch jene Tätigkeit an der Ver- mittlungsfähigkeit (vgl. N USSBAUMER , a.a.O., S. 2266, RZ. 288; ARV 2002 Nr. 13 S. 108, 1996/97 Nr. 38 S. 212 E. 2a). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Hinsichtlich der Vermittlungsbereitschaft wird von V ermittlungsunfähigkeit gesprochen, wenn die Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während der üblichen Arbeitszeit einzusetzen, fehlt (vgl. BGE 1 23 V 216 E. 3, 120 V 388 E. 3a, 120 V 394 E. 1; ARV 2004 Nr. 16 S. 132 E. 1, Nr. 13 S. 124, 2002 Nr. 13 S. 110 E. 4, 2001 Nr. 30 S. 233 E. 2a, Nr. 13 S. 146 E. 1, 1998 Nr. 5 S. 30 E. 3a). Der Versicherte ist gehalten, sich der öffentlichen Arbeitsvermittlung zur Verfügung zu stellen, angebotene zumutbare Arbeit anzunehmen und sich selbst intensiv nach einer zumutbare n Stelle umzusehen (Art. 17 AVIG; BGE 122 V 266 E. 4, 120 V 390 E. 4c/bb; ARV 2004 Nr. 13 S. 126 E. 2.3, 2001 Nr. 29 S. 232 E. 2a). Inhalt der Vermittlungsbereitschaft ist auch di e Bereitschaft, an Eingliederungsmass- nahmen teilzunehmen (Art. 15 Abs. 1 AVIG) und die We isungen der Durchführungsorgane zu befolgen. Darunter sind sämtliche Massnahmen zu verstehen, welche der möglichst raschen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt dienen (vgl. N USSBAUMER , a.a.O., S. 2262, RZ. 271). Um also im Umfang eines 100% Pensums vermittlungsfähig zu sein, muss die versicherte Per- son bereit sein, eine Anstellung in diesem Umfang zu suchen und die bestehende Zwischen- verdiensttätigkeit aufzugeben oder eine ergänzende Tätigkeit anzutreten. 4. Das Sozialversicherungsgericht beurteilt in der nacht räglichen Rechtspflege die Ge- setzmässigkeit strittiger Verwaltungsakte in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes gegeben war. Tatsachen, die den Sachverhalt nach dem Zeitpunkt eines Entscheids verändert haben, sol len mithin prinzipiell Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (vgl. BGE 117 V 293). Das Sozialversicherungsge- richt stellt bei der Beurteilung eines Falles deshalb g rundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheides (hier: 23. Februar 2012) eingetretenen Sachver- halt ab (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2, mit Hinweisen). Au s dem Untersuchungsgrundsatz folgt je- doch, dass eine spätere Entwicklung des Sachverhaltes insofern von Belang sein kann, als sich daraus Rückschlüsse auf den massgeblichen Sachverhalt ergeben (vgl. Urteil R des EVG vom 19. Mai 2003, U 246/02, E. 3.2). 5.1 Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten, dass der Versicherte ab 26. Oktober 2011 als Geschäftsführer und einzelzeichnungsberechtigt er Gesellschafter seiner GmbH aus dem Handelsregister gelöscht worden ist (vgl. Handelsregisterauszug des Kantons E.____ vom 27. Oktober 2011, Akt 60 der Kasse). Nach der Auflösung und Beendigung seiner Anstellung als Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsleitung im Zentrum B.____ per Ende August 2011 ist somit zunächst zu prüfen, ob infolge der Gründu ng seiner GmbH am 19. Juli 2011 und der Stellung als einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer dieser GmbH von einer Gesetzesumgehung auszugehen und die Anspruchs berechtigung bis zum 26. Okto- ber 2011 in analoger Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit . c AVIG abzusprechen ist. Dies ist zu verneinen. Um die Anspruchsberechtigung infolge einer ( analogen) Gesetzesumgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG abzulehnen, hätte die Künd igung des Arbeitsverhältnisses mit dem Zentrum B.____ AG in erster Linie zum Zweck einer vorübe rgehenden Geltendmachung von Arbeitslosenentschädigung ausgesprochen werden müssen. Ebe nfalls hätte von Anfang an eine Wiedereinstellung bei veränderter Geschäftslage vorgesehen sein müssen. Für die Beja- hung einer rechtsmissbräuchlichen Vorgehensweise ist nämli ch notwendig, dass die Arbeit- nehmertätigkeit sowie der Arbeits- bzw. Verdienstausfal l im identischen Betrieb bestehen, in Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem zuvor auch eine arbeitgeberähnliche Stellung bestan den hat. Ein - potentiell - rechtsmiss- bräuchliches Vorgehen hätte mit anderen Worten eine zweckwidrige Verwendung des Rechts- instituts der Kündigung durch die vormalige Arbeitgeber in des Zentrum B.____ AG bedingt. Ei- ne ebensolche ist jedoch nicht dargetan. Aufgrund der vorliegenden Unterlagen ist vielmehr davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine unselb ständige Anstellung gegen seinen Willen verloren hat (vgl. Schreiben des Zentrum B.___ _ vom 19. September 2011, Akt 147 der Kasse; ebenso Protokoll der Parteiverhandlung vom 27. September 2012). 5.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbringen lässt, die i n der Vernehmlassung der Kasse zitierten Entscheide würden sich auf Sachverhalte bezieh en, wonach die Versicherten beim ehemaligen Arbeitgeber weiterhin in arbeitgeberähnlicher Stellung verharrt haben, ist ihm zuzu- stimmen. Es ist daran zu erinnern, dass ein potentiell re chtsmissbräuliches Verhalten stets in der zweckwidrigen Verwendung des Rechtsinstituts der Kündig ung liegen muss. Im vorliegen- den Fall der unfreiwilligen Stellenauflösung im Zen trum B.____ ist eine solche Absicht aber ausgeschlossen, da im Zeitpunkt der Anspruchserhebung (n och) keine Arbeitnehmertätigkeit in der GmbH bestanden hatte. Mithin mangelt es an einem Zusammenhang zwischen der neuen GmbH und dem infolge unfreiwilliger Kündigung bei d em Zentrum B.____ erlittenen Ver- dienstausfall. Bestätigt wird diese Sichtweise im Übri gen durch das Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung, Stand Januar 2007 (KS ALE 2 007), wonach unter B14 ausgeführt wird, dass der Anspruch einer versicherten Person unter ana loger Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG nicht alleine deshalb abgelehnt wer den kann, weil sie während der laufenden Rahmenfrist für den Leistungsbezug eine arbeitgeberä hnliche Stellung aufgenommen hat. In- dem die Kasse eine analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG bejaht hat, hat sie folg- lich übersehen, dass eine arbeitgeberähnliche Stellung stets für den gleichen Betrieb vorliegen muss, für welchen zuvor noch eine Arbeitnehmertätigkeit bestanden hat. Es ist mit anderen Worten festzuhalten, dass jene Personen nicht unter die analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG fallen, die aufgrund des Verlustes einer Tätigkeit, in der sie keine arbeitgeberähnliche Stellung mehr innehaben, Arbeitslosenentschädigung gel tend machen und daneben in einem Drittbetrieb eine arbeitgeberähnliche Stellung beklei den. Daran ändert auch nichts, dass sich der Versicherte im Anschluss an die Kündigung seines Arbei tsverhältnisses mit der Gründung der eigenen GmbH selbständig gemacht hat (vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 10. Juni 2002, AL.2002.00146; REGINA JÄGGI , a.a.O., S. 12). So rechtfertigt ein unfreiwilliger Stellenverlust selbst dann nicht, die Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosen- entschädigung unter dem Gesichtspunkt des rechtsmissbräuchli chen Bezugs von Arbeitslosen- entschädigung zu prüfen, wenn die arbeitslose Person im Verlaufe ihrer Arbeitslosigkeit eine eigene GmbH gründet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1 2. Januar 2007, C 277/05, E. 3.4 mit Verweis auf das Urteil des EVG vom 15. Juni 2005, C 102/04, E. 4.2.1; Urteil des Bundes- gerichts vom 9. Dezember 2009, 8C_662/2009, E. 5.1). Di es gilt ebenso zugunsten des Be- schwerdeführers, der nach der Kündigung seiner frühere n unselbständigen Erwerbstätigkeit arbeitslos geworden ist und anschliessend einen Zwischenver dienst nach Art. 24 AVIG zu er- zielen versucht hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1 2. Januar 2007, C 277/05, E. 3.4 mit Verweis auf das Urteil des EVG vom 15. Juni 2005, C 102/04, E. 4.2.1). Alles andere würde der in Art. 24 AVIG statuierten Möglichkeit widersprechen, mittels selbständiger Erwerbstätigkeit einem Zwischenverdienst gemäss Art. 24 AVIG nachgehen zu können. Eine Analogie zur selbst Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestimmten Kurzarbeit gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG ist unter den gegebenen Umständen jedenfalls nicht gegeben (vgl. ebenso Urteil des Sozi alversicherungsgerichts des Kantons Zü- rich vom 10. Juni 2002, AL.2002.00146). 5.3 Erweist sich eine Ablehnung der Anspruchsberechtigu ng gestützt auf eine analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG im vorliege nden Fall als unrechtmässig, ist der Leis- tungsanspruch des Beschwerdeführers der bundesgerichtlichen Rechtsprechung folgend (vgl. oben, E. 2.5) unter dem Gesichtspunkt des Aufbau s einer entweder auf Dauer oder nur vorübergehenden Selbständigkeit und damit unter dem As pekt seiner Vermittlungsfähigkeit zu prüfen. Aufgrund der Akten ist erstellt, dass der Versiche rte die GmbH am 19. Juli 2011 nach seiner Kündigung noch während der Dauer seiner Freistel lung und mithin noch vor Ablauf der Beendigung des Arbeitsverhältnisses Ende August 2011 gegrü ndet hat (vgl. Handelsregister- auszug des Kantons E.____ vom 12. September 2011, Akt 1 65 der Kasse). Festzustellen ist im Weiteren, dass die Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenen tschädigung ab 1. September 2011 unmittelbar nach der Beendigung seines Arbeitsve rhältnisses beim Zentrum B.____ er- folgt ist (vgl. Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 5. September 2011, Akt 284 der Kas- se). Für die Beurteilung der Vermittlungsfähigkeit d es Beschwerdeführers kann sodann im We- sentlichen auf die bereits durch die Kasse vorgenommene n Erhebungen in deren Einsprache- entscheid (vgl. a.a.O., Ziffer 28) verwiesen werden. In sbesondere ist davon auszugehen, dass die Gründung der GmbH lediglich zum Zwecke der Schadenm inderung erfolgt ist (vgl. Protokoll über das Erstgespräch des Versicherten mit dem RAV vom 14. September 2011, Akt 139 ff. der Kasse). Diesem Protokoll kann im Weiteren entnommen wer den, dass mit der Gründung der GmbH keine Akquise verbunden war. Wie den weiteren Unterlagen entnommen werden kann, hatte der Beschwerdeführer mit seiner GmbH auch in der Folge keine Geschäftsaktivität zu ver- zeichnen; weder betrieb er nachweisbar irgendwelche Akq uisitionen, noch machte der Be- schwerdeführer im Namen seiner GmbH Werbung (vgl. Antwortschreiben des Versicherten vom 17. September 2011, Akt 75 der Kasse). Die GmbH verfü gte weder über Angestellte, noch sind je allfällige Anstellungsverträge ausgestellt worden. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang im Übrigen, dass die GmbH den vorliegenden Akten zufol ge bei keiner Ausgleichskasse für die Abrechnung von Sozialversicherungsbeiträgen angemeldet war. Wie die Kasse sodann richtig erhoben hat, beschränkten sich die Aufwendungen der GmbH auf deren Gründungskosten in Höhe von lediglich Fr. 2'500.--. Die GmbH verfügte wed er über eigene Büroräumlichkeiten, noch bestanden allfällige Pläne oder Strategien für die eigene Firma des Versicherten. Den un- bestritten gebliebenen Angaben des Versicherten zufolge war keine Buchhaltung eröffnet wor- den (vgl. Antwortschreiben des Versicherten vom 29. Septem ber 2011, Akt 134 f. der Kasse). Dessen "Angaben der ersten Stunde" gegenüber der Kasse decken sich denn auch vollumfäng- lich mit seinen Aussagen anlässlich der Parteiverhandlung vom 27. September 2012, wonach die GmbH lediglich als "Affiche" für eine weitere Anste llung gedient habe. Der Umstand, dass mit der eigenen GmbH keine langfristige Tätigkeit beab sichtigt war (vgl. Protokoll der Parteiver- handlung vom 27. September 2012), geht entsprechend b ereits aus dem Protokoll des Erstge- sprächs des Versicherten mit dem RAV vom 14. September 2011 hervor. Vor dem Hintergrund dieser Umstände ist davon auszugehen , dass keine auf Dauer gerichtete Selbständigkeit des Beschwerdeführers vorgelegen hat. Se ine selbständige Tätigkeit in der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht GmbH hatte nur vorübergehenden Charakter und ging let ztlich nicht über deren Gründung hin- aus. Infolge des unfreiwilligen Stellenverlustes beim Zentrum B.____ kann auch nicht davon gesprochen werden, der Weg in die Selbständigkeit habe einem lang gehegten Wunsch des Versicherten entsprochen (vgl. auch Protokoll über das Erst gespräch des Versicherten mit dem RAV vom 14. September 2011, Akt 139 ff. der Kasse). Die Gründung einer eigenen GmbH, der in der vorliegend massgebenden Periode vom 1. September bis 26. Oktober 2011 jegliche ope- rative Struktur abging, beschränkte sich auf die Idee, mi ttels einer selbständigen Tätigkeit die Phase der Stellenlosigkeit finanziell allenfalls abzufede rn. Das mithin auf die Erzielung eines Zwischenverdienstes ausgerichtete Engagement des Versichert en in dessen GmbH kann des- halb lediglich als vorübergehende, zeitlich beschränkte und investitionsarme Tätigkeit bezeich- net werden, welche eine allfällige Annahme einer uns elbständigen Tätigkeit weder erschwert noch verhindert hätte. Jedenfalls ist in keiner Weise d argetan, dass die Bestrebungen des Be- schwerdeführers auf die Aufnahme einer dauernden, selb ständigen Erwerbstätigkeit ausgerich- tet gewesen wären. Mangels Akquise kann auch nicht davon gesprochen werden, der Versi- cherte habe in der Absicht einer dauernden Selbständigk eit zunächst in Kauf genommen, mit seinem Vorhaben anfänglich nur wenig Umsatz zu erziele n. Sowohl die vorliegenden Akten als auch die erhobenen Parteiaussagen lassen keine andere Sch lussfolgerung zu, als dass sein Wille gerade nicht auf eine dauernde selbständige Tät igkeit ausgerichtet war. Zusammenfas- send bestehen keine Anhaltspunkte, wonach dem Versicherten durch die eigene GmbH so en- ge Grenzen gesetzt gewesen wären, dass das Finden einer unselbständigen Tätigkeit ungewiss gewesen wäre. Ebenso wenig liegen allfällige Indizien vor, dass die Bereitschaft des Versicher- ten, seine Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Ver hältnissen umfassend einzusetzen, durch das Engagement in der eigenen GmbH getrübt oder negativ beeinflusst worden wäre. Die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit auch dessen Leistungsanspruch sind deshalb grundsätzlich zu bejahen. 5.4 An diesem Ergebnis vermag nichts zu ändern, dass sich der Versicherte direkt im An- schluss an die letzte Lohnzahlung per 31. August 2011 zur Arbeitsvermittlung angemeldet hat. Es ist daran zu erinnern, dass die Tatsache, dass der Ver sicherte eine juristische Person grün- det und in das Handelsregister eintragen lässt, in wel cher er eine arbeitgeberähnliche Stellung einnimmt, für sich allein nicht genügt, um bereits die Aufnahme einer auf Dauer ausgerichteten und nicht bloss vorübergehenden selbständigen Erwerbstätigkeit zu bejahen (vgl. oben, E. 2.5). Entgegen der von der Kasse vertretenen Auffassung gilt dies mit Blick auf die gesetzlich statu- ierte Möglichkeit eines Zwischenverdienstes in selbständige r Stellung unabhängig des Zeit- punkts, in welchem die Gründung und der Handelsregister eintrag der GmbH erfolgt sind; im Gegenteil ist darauf hinzuweisen, dass eine zeitlich spät ere Anmeldung zu Leistungsbezug ei- ner Anspruchsberechtigung vielmehr dann entgegen stehen kann, wenn der Betroffene mit sei- ner selbständigen Tätigkeit die geplante Tätigkeit ber eits eine gewisse Zeit ausgeübt und ein entsprechendes (Zwischenverdienst-)Einkommen erzielt hat (vgl. Urteil des EVG vom 15. Juni 2005, C 102/04, E. 4.2.1). Auch ist in diesem Zusamme nhang darauf hinzuweisen, dass das Formular "Zeitliche Verfügbarkeit bei der Ausübung ei ner auf Dauer ausgerichteten selbständi- gen Erwerbstätigkeit" des RAV explizit darauf verweist, dass selbst eine auf Dauer ausgerichte- te selbständige Erwerbstätigkeit die Vermittlungsfähigkeit und mithin den Anspruch auf Arbeits- losenentschädigung nicht grundsätzlich ausschliesst. Diesfalls ist die festgestellte Verfügbarkeit Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der versicherten Personen vielmehr vom KIGA zu überprüfen (vgl. KS ALE 2007 B238 ff.). Vor- liegend hat der Versicherte seine Unternehmung deshalb gegründet, um im Sinne einer Über- brückung und Schadenminderung auf dem Arbeitsmarkt im G espräch zu bleiben und mögliche finanzielle Einbussen aufzufangen. Eine rechtsmissbräuchl iche Gesetzesumgehung ist darin nicht zu erblicken. Die übrigen Vorbringen der Kasse führ en zu keinem abweichenden Ergeb- nis. Auch wenn die Frage nach einer arbeitgeberähnlich en Stellung im Antrag auf Arbeitslosen- entschädigung fälschlicherweise verneint worden war, kan n festgestellt werden, dass der Be- schwerdeführer die Gründung einer eigenen GmbH letztl ich nicht verheimlicht, sondern seine Absicht anlässlich des Erstgesprächs mit dem RAV vom 14. Sept ember 2011 offen deklariert hat. Offen bleiben kann bei diesem Ergebnis auch, wesh alb der Verkauf seiner GmbH darle- hensweise von Statten ging. Massgebend bleibt, dass der Be schwerdeführer weder zur Zeit seiner Anspruchsanmeldung noch in der Zeit danach als G esellschafter oder Geschäftsführer seiner GmbH in irgendeiner Weise in seiner Vermittlungsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist. 5.5 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Besch werdegegnerin den An- spruch des Beschwerdeführers auf Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung gestützt auf die analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG zu Unr echt verneint hat. Vielmehr ist nach der geltenden Rechtsprechung im vorliegenden Fall dessen Vermittlungsfähigkeit zu prüfen. Diese ist dem Gesagten zufolge zu bejahen. Dies führt zur Feststellung, dass der Beschwerde- führer bereits ab 1. September 2012 Anspruch auf Arb eitslosenentschädigung besitzt, sofern auch die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Seine Beschwerde ist demnach gut- zuheissen. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens ent sprechend ist dem Beschwerdefüh- rer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschw erdegegnerin zuzusprechen. Der eingereichten Honorarnote vom 25. September 2012 zufolge beläuft sich der geltend gemachte Aufwand auf 10,5 Stunden. Zuzüglich den Bemühungen fü r die Parteiverhandlung im Umfang von zusätzlich 1,5 Stunden resultiert ein Aufwand von 12 Stunden. Der der Honorarnote vom 25. September 2012 beigelegten Deservitenkarte ist zu e ntnehmen, dass sich darunter zwei kleinere Bemühungen befinden, welche auf den Kontakt der Rechtsvertreterin mit der Rechts- schutzversicherung des Beschwerdeführers zurückzuführen sind. Diese Bemühungen würden im Falle einer nicht Rechtsschutz versicherten Person jedoch nicht anfallen und können daher nicht berücksichtigt werden. In casu sind die aufgeführte n Bemühungen im Zusammenhang mit der Rechtschutzversicherung vom 8. und 12. März 2012 im U mfang von insgesamt 25 Minuten zuzüglich den damit im Zusammenhang stehenden Auslagen i n Abzug zu bringen. Ebenfalls nicht zu entgelten sind die für die Nachbearbeitung ge ltend gemachten Aufwendungen im Um- fang von einer halben Stunde, da diese erst nach abgeschl ossenem Beschwerdeverfahren an- gefallen sind. Insgesamt resultiert ein von der Kasse zu entgeltender Aufwand von 11,083 Stunden (10,5 zuzüglich 1,5 Stunden abzüglich 0,916 St unden). Es ergibt sich demnach eine Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Parteientschädigung in der Höhe von total Fr. 3'221.2 5 (11,083 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 211.80 und 8 % Mehrwertsteuer). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden der Einsp racheentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basellandschaft vom 23. Fe bruar 2012 sowie deren Verfügung vom 29. September 2011 aufgehob en und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab 1. Sept ember 2011 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung besitzt, sofern di e übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Basellandschaft hat dem Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'221.25 zu bezahlen.