Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. Oktober 2012 (720 11 335) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Diet er Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Regula Steinemann, Rechtsanwältin, Gerbergasse 26, Postfach 644, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.9834.8289.81) A. A.____, geb. 1957, arbeitete bis 2007 als Betrie bsarbeiterin zu 100% und zusätzlich stundenweise als Reinigungsfrau. Am 30. November 2007 meldete sie sich zum Leistungsbe- zug bei der IV-Stelle Basel-Landschaft an. Mit Verfügu ng vom 17. August 2011 sprach die IV- Stelle A.____ eine halbe Rente ab 1. August 2011 und mit Verfügung vom 26. August 2011 eine halbe Rente rückwirkend ab 1. Mai 2008 bis 31. Juli 2011 zu. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügungen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Regula Steinemann, mit Eingabe vom 19. September 2011 Beschwerde ans Kant onsgericht, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügungen und die Ausrich- tung einer ganzen IV-Rente. Eventualiter seien weiter e spezialärztliche Abklärungen, insbeson- dere in Form eines gerichtlichen Obergutachtens vorzunehmen. Subeventualiter seien ihr weite- re gesetzliche Leistungen, insbesondere Umschulungsmassnah men zuzusprechen. Zur Be- gründung führte sie im Wesentlichen an, das Gutachten, a uf welches sich die IV-Stelle stütze, sei veraltet und stehe im Widerspruch zu den Einschätzungen der behandelnden Ärzte und des Hausarztes. Zudem würden die angefochtenen Verfügunge n auf falschen Sachverhalts- und Tatsachenfeststellungen beruhen. C. Mit Vernehmlassung vom 5. Januar 2012 beantragte di e Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 17. April 2012 und Duplik vom 17. Jul i 2012 hielten die Parteien an ihren Anträgen und Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdefüh- rerin Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. Soweit di e Versicherte auch die Zusprechung von Umschulungsmassnahmen beantragt, gehört dies weder zum A nfechtungs- noch zum Streitge- genstand des vorliegenden Verfahrens, sodass über diesen Antrag nicht zu befinden ist. Auf die Beschwerde ist deshalb, soweit mit ihr die Zusprechung vo n Umschulungsmassnahmen bean- tragt wird, nicht einzutreten. 2.1 In formeller Hinsicht rügt die Versicherte eine Ve rletzung des rechtlichen Gehörs. Mit Schreiben vom 11. Februar 2011 sei die IV-Stelle darau f aufmerksam gemacht worden, dass sich der Gesundheitszustand verschlechtert habe. Daraufhin seien zwar diverse Arztberichte angefordert worden, diese hätten aber keine Berücksicht igung bei der Entscheidfindung der IV- Stelle gefunden. Dies ergebe sich aus der Begründung der angefochtenen Verfügungen, wo- nach weder auf die Eingaben seit dem 11. Februar 20 11 noch auf den Arztbericht von Dr. med. B.____, FMH Chirurgie, vom 6. Juni 2011 eingegangen worden sei. Dazu komme, dass sie die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vo m 17. August 2011 erst auf Ver- langen und nach Erlass der Verfügungen erhalten habe. Es sei zu bezweifeln, dass der Inhalt dieser Stellungnahme in die Verfügungen vom 17. August 2011 und 26. August 2011 eingeflos- sen sei. 2.2 Die Vorinstanz hält in ihrer Stellungnahme vom 5 . Januar 2012 fest, dass sich aus der Verfügungsbegründung ergebe, dass alle bis zum 31. Mai 2 011 vorgelegenen medizinischen Stellungnahmen bei Erlass der angefochtenen Verfügungen berücksichtigt worden seien. Es sei auch dargelegt worden, weshalb die IV-Stelle von ein em unveränderten Gesundheitszustand ausgehe. Ungereimtheiten im Verfahren seien jedoch e inzuräumen und eine mangelhafte Be- gründung der Verfügungen vom 17. August und 28. Augu st 2011 einzugestehen, da versäumt Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht worden sei, auf die nach dem 31. Mai 2011 geltend g emachten Argumente einzugehen. In der Sache selbst seien die Einwände dem RAD aber vorgeleg t und die entsprechenden Stellung- nahmen der Rechtsvertreterin zugestellt worden. 3.1 Gemäss Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 sind Verfügunge n zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen. Aus eine r mangelhaften Begründung einer Ver- fügung darf der betroffenen Person kein Nachteil er wachsen. Die Begründungspflicht der Ver- waltungsbehörden ist wesentlicher Bestandteil des in Art . 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 verankerten Anspruchs auf recht- liches Gehör. Sie soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und der betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroffene Person als auch d ie Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. In die sem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die B ehörde hat leiten lassen und auf wel- che sich ihre Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht , dass sie sich ausdrücklich mit je- der tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen E inwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentl ichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 102 E. 2b, 124 V 181 E. 1a; LORENZ KNEUBÜHLER , Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Christoph Auer/Markus Mül ler/Benjamin Schindler [Hrsg.], Zü- rich/St. Gallen 2008, zu Art. 35, S. 511). Die Behör de darf sich aber nicht damit begnügen, die von der betroffenen Person vorgebrachten Einwände tatsäc hlich zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen; sie hat ihre Überlegungen der betroffenen Person gegenüber auch namhaft zu ma- chen und sich dabei ausdrücklich mit den (entscheidwesentli chen) Einwänden auseinanderzu- setzen oder aber zumindest die Gründe anzugeben, weshalb sie bestimmte Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124 V 182 E. 2b; Urteil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG] vom 16. August 2004, U 101/04, E. 2.4). Die Begründung muss nicht zwingend in der Verfügung selbst enthalten sein; die Rechtsprech ung hat als genügende Begründung auch den Verweis auf separate Schriftstücke, auf früher e Entscheide oder klare Angaben der Entscheidgründe in früheren Schreiben an die Verfügun gsadressatinnen oder -adressaten an- erkannt (BGE 123 V 31 E. 2c und d). 3.2 Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeac htet der Erfolgsaussichten der Be- schwerde in der Sache selbst grundsätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung (vgl. BGE 127 V 437 E. 3d/aa, 126 V 132 E. 2b mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs aber geheilt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor ei ner Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprü fen kann. Die Heilung eines - allfälligen - Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (vgl. BGE 127 V 437 E. 3d/aa; Urteil des Bundesge- richts vom 4. August 2008, 9C_234/2008, E. 2.1). Darübe r hinaus ist im Sinne einer Heilung des Mangels - selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gehörsanspruches - von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn un d soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen V erzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betr offenen Partei an einer beförderlichen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 133 I 201 E. 2.2, 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis). 3.3 Soweit in der Vorgehensweise der IV-Stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ge- sehen werden kann, wird diese im vorliegenden Verfahre n geheilt. Von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz kann deshalb abgesehen werden. Die Versicherte hat ihre Einwände umfassend dargestellt und das Kantonsgericht übe rprüft die Streitsache mit voller Kognition. Die IV-Stelle anerkennt zu Recht diverse U ngereimtheiten in Bezug auf den Erlass der Verfügungen sowie die Begründungsdichte. Wesentli ch ist aber zunächst, dass die ange- forderten Berichte des C.____ vom 26. April 2011 sowie von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 30. März 2011 der IV-Stelle vor dem 31. Mai 2011 vorlagen und damit in die Entscheidfindung einflossen. Danach wurde als me dizinische Akte einzig der Bericht von Dr. B.____ vom 6. Juni 2011 eingereicht. Ob die Stellungnahme des RAD vom 17. August 2011 berücksichtigt wurde, ist fraglich. Diese Versäumnisse werd en aber im Beschwerdeverfahren nachgeholt. 4. In materieller Hinsicht ist strittig, ob die Versicher te Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. 4.1 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG vom 6. Oktober 2000). Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur- sacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen , Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 4.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 5.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbe itsunfähigkeit die durch eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit b edingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 6. Bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit stützte sich die IV-Stelle in ihren Verfügungen vom 17. August 2011 u nd 26. August 2011 auf das Gutachten des E.____ vom 15. November 2009. Sie ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin für kör- perlich leichte bis mittelschwere adaptierte Tätigkeiten im Umfang von 70% arbeitsfähig sei. Die Beschwerdeführerin ist dagegen der Auffassung, dass es dem Gutachten des E.____ an Objek- tivität mangle. Insbesondere lasse die Einschätzung von Dr. med. F.____, FMH Rheumatologie, Zweifel an ihrer Unvoreingenommenheit und somit an d er Richtigkeit des Gutachtens aufkom- men. Zudem seien die Schlussfolgerungen nicht schlüssig. Weiter bestünden Diskrepanzen zwischen der Einschätzung der Gutachter und derjenigen de r behandelnden Ärzte des C.____, welche lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestierten. 6.1 Das polydisziplinäre Gutachten des E.____ vom 15. No vember 2009 basiert auf der all- gemeinmedizinischen Untersuchung von Dr. med. G.____, F MH für Allgemeinmedizin, der psy- chiatrischen Abklärung von Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, sowie der rheumatologischen Begutachtung von Dr. F.____. Dr. H. ____ stellte eine leichte depressive Störung fest. Die Versicherte weise relativ geringe Re ssourcen auf, wodurch sich die leichte depressive Störung etwas stärker auswirke. Sie sei bei der Ausübung einer ganztägigen Arbeit vermindert leistungsfähig. Die Einschränkung betrage al lerdings höchstens 20% und bestehe seit Februar 2007. Dr. F.____ diagnostizierte mit Auswi rkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rheu- matoide Arthritis, ein lumbales und cervicales Schmerzsyndro m, eine mediale Gonarthrose und eine beginnende Retropatellararthrose beidseits, eine Radiocarpalarthrose sowie eine Coxarth- rose beidseits. Bei der Versicherten lägen verschiedene Be schwerden vor, basierend auf einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, degenerativen Verä nderungen und einer somatisch nicht vollständig erklärbaren Schmerzproblematik. Die Arb eitsfähigkeit sei dadurch einge- schränkt. Der Versicherten seien heute aus rheumatologischer Sicht nur noch körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende und rückenadaptierte Tätigkeiten zu 70% zumutbar. Da- bei seien repetitive Rotationsbewegungen mit dem Ober körper, Zwangshaltungen - insbeson- dere vornüber gebeugte Haltungen - vermehrtes Treppen steigen, Arbeiten im Knien sowie mo- notone oder repetitive manuelle Tätigkeiten zu verm eiden. Die Einschränkung der Leistungsfä- higkeit in einer adaptierten Tätigkeit ergebe sich aus d er Schmerzsymptomatik und dem damit verbundenen Bedarf, mehrmals pro Arbeitstag kurze Paus en einschalten zu können. Diese Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht urteilung der Arbeitsfähigkeit decke sich weitgehend mi t derjenigen der Rheumatologen des C.____ vom 3. Juni 2009, ausser, dass diese von einer 5 0%igen Arbeitsfähigkeit in einer adap- tierten Tätigkeit ausgegangen seien. 6.2 Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte n Gutachten ist grundsätzlich volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. E. 5.4). Zunächst ist festzuhalte n, dass die somatischen Diagnosen von Dr. F.____ und den Ärzten des C.____ mit rheumato ider Arthritis und Panvertebralsyndrom bzw. Schmerzsyndrom grundsätzlich übereinstimmend sind. Ei ne Differenz besteht bei der Di- agnose der Fibromyalgie, welche seitens der Rheumato logen des C.____ in ihrem Bericht vom 3. Juni 2009 bestätigt wird, wogegen Dr. F.____ von einer nicht vollständig erklärbaren Schmerzproblematik ausgeht. Dies begründet sie damit, d ass das Rotationsausmass des Kop- fes und die Kraft in Armen und Schultergürtel in der Untersuchungs-situation deutlich einge- schränkt waren, bei Ablenkung aber ein normales Mass erre ichten. Die Diskrepanzen seien somatisch nicht erklärbar. Es stelle sich somit die Frage, ob eine somatoforme Schmerzstörung vorliege. In Bezug auf die Fibromyalgie führte Dr. F.____ an, dass diese durchaus sekundär bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auftreten könne. Heute könne diese Diagnose aber nicht bestätigt werden, da keine vornehmlich auf die ten der points beschränkte Druckdolenz vorliege, sondern vorwiegend die Gelenke druckschmerzhaft seien. Sowohl hinsichtlich der Fibromyalgie und der anhaltenden somatoformen Schmerzstö rung als auch eines vergleichba- ren ätiologisch-pathogenetischen unklaren syndromalen Zu stands (BGE 132 V 393 E. 3.2) be- steht die Vermutung, sie seien mit zumutbarer Willensan strengung überwindbar, das heisst mit der Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit vereinba r. Nur unter spezifischen Vorausset- zungen können sie Rentenleistungen auslösen (BGE 131 V 49; 130 V 352, E. 2.2.2) 6.3 Sowohl die behandelnden Ärzte des C.____ als auch D r. F.____ haben die Arbeitsfähig- keit allein aufgrund der somatischen Diagnosen beurteilt . Die Fibromyalgie wurde seitens der behandelnden Ärzte des C.____ offensichtlich nicht als die Arbeitsfähigkeit einschränkend beur- teilt. Dr. F.____ vermutete in Bezug auf die organisch nicht vollständig erklärbare Schmerzsym- ptomatik eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. D iese Diagnose schloss Dr. H.____ jedoch aus, erkannte aber, dass eine leichte depressive Störung die Arbeitsfähigkeit beeinflus- se. Diese Einschränkung sei aber - gemäss Konsensbesprechung der Gutachter - nicht kumula- tiv zur somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zu zählen. Im Ergebnis bleibt somit bei ver- gleichbaren Diagnosen eine Differenz in der Beurteil ung der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologi- schen Gründen, indem die behandelnden Ärzte des C.____ in ihrem Bericht vom 3. Juni 2009 von einer Einschränkung von 50 % und die Gutachterin Dr. F.____ von einer solchen von 30% ausgehen. Die Aussage von Dr. F.____, dass sich diese Dif ferenz mit der unterschiedlichen Erfahrung mit Schmerzpatienten erklärt, lässt nicht bere its auf eine Voreingenommenheit schliessen. Vielmehr ist die Frage zu beantworten, ob ih re abweichende Erkenntnis begründet und nachvollziehbar ist. 7.1 Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit muss der Mediziner in der Lage sein, die als Folge eines bestimmten krankhaften Befundes verbliebene n Leistungsmöglichkeiten und deren Einschränkungen abzuschätzen. Es geht dabei im Sinne ei ner Tatsachenfeststellung um die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschreibung vorhandener Defizite und funktionaler Ress ourcen. Jeder Schätzwert hat ein mehr oder weniger breites Vertrauensintervall. Die Ba ndbreite hängt ab von der Genauigkeit der von Auftraggeber und Explorand gelieferten und vo m Gutachter dazu erhobenen Daten. Es muss eine retrospektive und prospektive Beurteilung erfo lgen. Die retrospektive Beurteilung erfordert eine Arbeitsplatz- resp. Aufgabenbereichsbe schreibung und eine gewissenhafte Ein- schätzung der verbleibenden Fähigkeiten durch den Medizin er. Bei der prospektiven Beurtei- lung sollen die noch vorhandenen und noch möglichen Fäh igkeiten und Funktionen in Bezug auf sämtliche in Frage kommenden Tätigkeiten erhoben werden. Es geht dabei um das Erstel- len eines Leistungsprofils unter Berücksichtigung der gesu ndheitlichen Gegebenheiten sowie um eine Einschätzung des Umfangs des noch möglichen Leist ungseinsatzes in der Verweistä- tigkeit. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Hinblick auf ei nen möglichen Ziel- und Interessen- konflikt (Behandlung versus Begutachtung) - namentlich in umstrittenen Fällen - nicht unbese- hen auf die Angaben eines behandelnden Spezialisten ab gestellt werden kann. Notwendig ist der Rollenwechsel vom Arzt zum Sachverständigen (vgl. G ABRIELA RIEMER -KAFKA , Versiche- rungsmedizinische Gutachten, Basel 2007, S. 21 und S. 41 f.). 7.2 Es ist zunächst festzuhalten, dass Dr. F.____ ihre Beu rteilung der Arbeitsfähigkeit auf umfassende Untersuchungen stützte, sachlich über die Gesu ndheitsbeschwerden der Versi- cherten berichtete und Differenzen der subjektiv geschil derten Schmerzen und gezeigten Be- einträchtigungen zu den objektiven Befunden und Beobach tungen schilderte, ohne diese nega- tiv zu werten. In den Schlussfolgerungen begründete die Gutachterin einleuchtend, weshalb das Schmerzerleben objektiv nicht vollständig nachvollziehbar sei. Die körperlichen Einschränkun- gen aufgrund der rheumatologischen Diagnosen führte sie detailliert auf. Auch kam sie zum klaren Schluss, dass die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei. Gesamthaft ergibt sich ein stimmiges Bild der Arbeitsfähigkeit der Versicherten. Die Aussage, dass die divergierende Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit mit der unterschiedlichen Erfahrung mit Schmerzpatienten zu erklä- ren sei, beruht nicht auf einer Voreingenommenheit de r Gutachterin, sondern auf Erfahrungs- werte, welche sich auch auf die ausführlichen Untersuch ungsbefunde und ihre langjährige Tä- tigkeit stützen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Die Gut achtertätigkeit zeichnet sich durch die besondere Auftragssituation aus und die Aufgabe der Gu tachterin ist es, die Situation aus ei- nem neutralen Blickwinkel zu beurteilen. Solange die Ergebnisse nachvollziehbar und schlüssig sind, sich zudem ergänzend auf die Erfahrung der beguta chtenden Person mit vergleichbaren Situationen stützen, kann darauf abgestellt werden. Dies ist vorliegend der Fall. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gründet auf die ausführliche Be funderhebung und Beobachtung in der Un- tersuchungssituation. Zudem beeindruckt die detailliert e Umschreibung des Zumutbarkeitspro- fils. Die Einschätzung der Gutachterin, dass die Versicherte 70% in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist, ist schlüssig. In diesem Sinne kann in b eweisrechtlicher Hinsicht auf die Ergeb- nisse des E.____-Gutachtens abgestellt werden. 8. Im Rahmen des Einwandes vom 11. Februar 2011 wurde eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend gemacht. Daraufhin holte die IV-Stelle aktuelle Arztberichte ein. 8.1 Mit Bericht vom 26. April 2011 führten die Ärzte d es C.____ zum Vorbericht vom 3. Juni 2009 unveränderte Diagnosen an. Eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation wurde Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht beschrieben. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei en medizinisch-theoretisch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten denkbar. Vermieden werden sol lten Gelenksbelastungen und mono- tone Körperhaltungen sowie das Einnehmen von ergonom isch ungünstigen Körperhaltungen. Heben und Tragen von Gewichten über 10-15 kg seien zu v ermeiden. Eine zeitliche Beschrän- kung der Arbeitsfähigkeit wurde nicht genannt. 8.2 Der Bericht von Dr. D.____ vom 30. März 2011 vermag im Ergebnis ebenfalls keine Ver- schlechterung der Gesundheitssituation seit dem Gutachten des E.____ zu begründen. Als Di- agnose führte Dr. D.____ eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode und eine Arbeitsfähigkeit von 50% an. Gleichz eitig berichtete er, dass sich seit dem letzten Schreiben keine anhaltende Veränderung ergeben habe. In seinem Bericht vom 28. No- vember 2008 attestierte er eine Arbeitsunfähigkeit vo n 10-20% aus psychiatrischer Sicht. Am 16. Januar 2009 stellte er die Diagnose einer anhalte nden somatoformen Schmerzstörung mit einer nicht weiter begründeten höheren Einschränkung de r Arbeitsfähigkeit. Die somatoforme Schmerzstörung wurde dagegen von Dr. H.____ in seiner umfassenden Begutachtung ausge- schlossen. Die ursprünglich beurteilte Arbeitsfähigkeit von Dr. D.____ von 10-20% deckt sich mithin mit derjenigen von Dr. H.____. Die nun mit Be richt vom 30. März 2011 angeführte neue Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwä rtig mittelgradige Episode ist bei gleichbleibendem Gesundheitszustand nicht nachvollziehbar, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann (vgl. auch Stellungnahme von Dr. med. I.____ vom 3. Mai 2011). 8.3 Nicht zuletzt kann der Auffassung der Beschwerdeführe rin, dass die gemäss Bericht von Dr. B.____ vom 6. Juni 2011 aufgeführten Befunde chro nischer oesophagealer Reflux und atrophe Antrumsgastritis sowie die Erhöhung der Thyroxi n-Therapie Einfluss auf die Arbeitsfä- higkeit hätten, nicht beigepflichtet werden. Dazu äusserte sich Dr. B.____ nicht, er sprach ledig- lich von einer allenfalls im Herbst 2011 durchzuführende n Operation aufgrund der Gastritis. Zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung kann folgli ch aufgrund dieses Berichtes nicht von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Auswirku ng auf die Arbeitsfähigkeit ge- sprochen werden. Dazu führte auch Dr. I.____ in seiner S tellungnahme vom 14. Juni 2011 überzeugend an, dass die bariatrische Operation dazu die nen soll, die Adipositas zu reduzie- ren, was medizinisch wünschenswert sei. Doch sei auch fest zuhalten, dass die Adipositas ge- mäss E.____-Gutachten kein Grund für eine vollständige A rbeitsunfähigkeit für jegliche Ver- weistätigkeit darstelle (vgl. Stellungnahme Dr. I.____ vom 15. August 2011). 9. In Bezug auf die im Rahmen des Beschwerdeverfahren s erneute Geltendmachung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist darauf hinzuwei sen, dass bei der Prüfung des Anspruchs auf eine IV-Rente derjenige Sachverhalt massgebend ist, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen vom 17. und 26. August 2 011 entwickelte. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2, 169 E. 1, 356 E. 1). Da in den Berichten von Dr. med. J.____, FMH Allge- meine Medizin, vom 31. März 2012 und Dr. med. K.____, FMH Neurologie, vom 30. Mai 2012 ausschliesslich über die aktuelle gesundheitliche Situation der Versicherten berichtet wird, kann die geltend gemachte allfällige Verschlechterung des Gesundheitszustandes im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden. Auch der eingereichte Bericht des C.____ vom 30. März Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 enthält keine Hinweise auf eine bereits im Verfügungszeitpunkt vorhandene Verschlechte- rung. 10. Zusammenfassend hat die Vorinstanz eine Verschlechte rung des Gesundheitszustan- des seit dem Gutachten vom 19. November 2009 bis zum Erla ss der Verfügungen zu Recht verneint. Dementsprechend besteht für diesen Zeitraum ke in Bedarf an einer zusätzlichen me- dizinischen Abklärung. Folglich ist davon auszugehen, dass die Versicherte in einer leichten, leidensangepassten Tätigkeit zu 70% arbeitsfähig ist. 11. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar. Danach wird für die Bestimmung des IV-Grade s das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 12. In der Beschwerdeschrift kritisierte die Rechtsvertre terin die Berechnung des Validen- einkommens. Die Vorinstanz habe in den angefochtenen Ver fügungen die Einkünfte aus den Nebenbeschäftigungen der Beschwerdeführerin nicht vollu mfänglich berücksichtigt. Die Vorin- stanz hat daraufhin die entsprechenden Korrekturen i n ihrer Vernehmlassung vom 5. Januar 2012 vorgenommen, die Berechnung des Valideneinkomme ns angepasst und neu ein solches von Fr. 64'558.-- ermittelt. Dieses neu berechnete Vali deneinkommen ist unbestritten, weshalb darauf abgestellt werden kann. 13. In Bezug auf das Invalideneinkommen machte die Rec htsvertreterin geltend, dass eine Beschreibung der noch möglichen Verweistätigkeiten fehle. 13.1 An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten sind keine übermässigen Anforderun- gen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2 008, 8C_776/2008, E. 5.3). Die Sach- verhaltsabklärung hat vielmehr nur soweit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermitt- lung des IV-Grades gewährleistet ist. Zu berücksichtigen ist auch, dass das trotz der gesund- heitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Einkommen bezogen auf einen ausge- glichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln ist. Beim ausgegliche nen Arbeitsmarkt geht es jedoch nicht um reale oder offene Stellen, sondern um (gesundheit lich zumutbare) Beschäftigungsmöglich- keiten, welche der Arbeitsmarkt von seiner Struktur her, jedoch abstrahiert von den konjunktu- rellen Verhältnissen, umfasst (Urteil des Bundesgerichts vo m 16. Juli 2003, I 758/02, E. 3.3). Ein solcher Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch ein ge wisses Gleichgewicht zwischen Ange- bot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fä cher verschiedenster Tätigkeiten auf und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflic hen und intellektuellen Voraussetzun- gen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 11 0 V 273; Urteil des Bundesge- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht richts vom 28. November 2008, 9C_442/2008, E. 4.2 mit H inweisen). Nach diesen Gesichts- punkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Per son die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenau sschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; ZAK 1991, S. 318, E. 3b). 13.2 Gemäss Zumutbarkeitsprofil im Gutachten des E.____ vo m 19. November 2009 sind der Versicherten körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr m öglich. In einer Rücken adaptierten leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit besteht eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. Dabei sind repetitive Rotationsbewegungen mit dem Oberkörper, die Einnahme von Zwangshal- tungen, insbesondere vornüber gebeugte Haltungen, wiederholtes Treppensteigen und Arbeiten im Knien sowie manuell monotone oder repetitive Tätigkeiten zu vermeiden. Heben und Tragen von Gewichten sind im Rahmen von 10-15 kg ohne Einschränkung möglich (Bericht des C.____ vom 26. April 2011). Gemäss ständiger Rechtsprechung bi etet der Arbeitsmarkt auch für ein solches Zumutbarkeitsprofil ein genügendes Segment an einfachen und leichten Arbeitstätigkei- ten an (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. September 2012, 9C_818/2011). Zu denken sind beispielsweise an leichte manuelle Hilfsarbeiten oder Kontroll- und Überwachungsarbeiten. Die Rüge ist deshalb unbegründet. 13.3 Für die Ermittlung des Invalideneinkommens stellte die Vorinstanz auf Tabelle TA1, pri- vater Sektor, Anforderungsniveau 4, Frauen, der Schwei zerischen Lohnstrukturerhebung 2008 ab. Nach Anpassung an die wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und die Teuerung resul- tierte ein Einkommen von Fr. 52'572.--. Dieses ist unbestritten. 14.1 Bestritten wird dagegen die Höhe des leidensbedi ngten Abzugs. Dieser sei von 15% auf 20% zu erhöhen. 14.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche u nd berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe ha ben können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person de swegen die verbleibende Arbeitsfä- higkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur m it unterdurchschnittlichem erwerbli- chem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). De r Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einze lfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25% nicht übersteigen (BGE 126 V 75 E. 5b/bb-cc, 134 V 322 E. 5.2). 14.3 Die Beschwerdeführerin ist ohne Frage in der Aus übung einer Erwerbstätigkeit auf- grund der rheumatologischen Diagnosen eingeschränkt u nd benötigt wegen der Schmerzen vermehrt Pausen. Dieser Aspekt wurde in der Festlegung de s Arbeitspensums berücksichtigt, indem eine Teilarbeitsfähigkeit von 70% festgelegt w urde. Wegen der somatisch bedingten An- forderungen an das Arbeitsprofil rechtfertigt sich ein zusätzlicher Abzug. Eine weitere Vermin- derung des Invalideneinkommens aufgrund der Teilzeitar beit, des Alters, der Dienstjahre oder Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Nationalität ist dagegen nicht angezeigt. Der leid ensbedingte Abzug von 15% ist im Rah- men des Ermessens der Vorinstanz erfolgt und ist nicht zu beanstanden. 14.4 Eine Gegenüberstellung des Validen- und Invaliden einkommens ergibt folglich einen IV-Grad von 50% und damit Anspruch auf eine halbe IV- Rente. Diesbezüglich kann auf die Be- rechnungen der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 5 . Januar 2012 verwiesen werden. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht