Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. April 2013 (720 12 307) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Beweiswürdigung; somatoforme Schmerzstörung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin Elisabe th Berger Götz, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Eduard Schoch, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 28, 4143 Dornach 1 gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene A.____ war zuletzt vom 2. August 2005 bis Ende 2010 als Hilfsar- beiterin für die Firma B.____ AG in C.____ tätig. Am 23. April 2009 stürzte sie beim Überqueren der Strasse über das Trottoir und fiel mit beiden Händ en auf den Boden. Die in der Folge durchgeführten neurographischen Untersuchungen bestätig ten ein mässig ausgeprägtes Kar- paltunnelsyndrom (CTS) rechts. Nachdem die Schmerzen nach der Aufnahme einer hälftigen Arbeitsfähigkeit wieder zugenommen hatten, fand Mitt e März 2010 ein operativer Eingriff in Form einer Neurolyse am rechten Handgelenk statt. Ei ne zunächst wieder in vollem Umfang Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht erreichte Arbeitsfähigkeit musste in der Folge wegen e rneuter Schmerzen im rechten Unterarm ab Mitte Mai 2010 auf 50% reduziert werden. Die Schwe izerische Unfallversicherungsanstalt SUVA erbrachte für die Folgen des im April 2009 erli ttenen Unfalls ihre Versicherungsleistun- gen und richtete der Versicherten mit Verfügung vom 18 . Februar 2011 eine Invalidenrente ba- sierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 10% aus. Diese V erfügung bestätigte sie mit Einspra- cheentscheid vom 4. Juli 2011. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht mit Urteil vom 29. März 2012 ab. B. Am 27. Januar 2010 hatte sich die Versicherte zum B ezug von Leistungen der Invali- denversicherung (IV) angemeldet. Nach Abklärung der gesun dheitlichen und erwerblichen Ver- hältnisse, insbesondere nach den von der Versicherten erhobenen Einwänden im Vorbescheid- verfahren und einem bidisziplinären Gutachten bei Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, sowie bei Dr. E.____, FMH Innere Medizin un d Rheumatologie, sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) der Versicherten mit Verf ügung vom 5. September 2012 ab Juli 2010 eine ganze und ab September 2010 eine halbe IV- Rente befristet bis Ende Februar 2011 zu. Für die Zeit ab März 2011 verneinte sie einen Rentenanspruch. C. Gegen diese Verfügung vom 5. September 2012 erho b die Versicherte, vertreten durch Eduard Schoch, Rechtsanwalt, frist- und formgerecht Beschwerde am Kantonsgericht des Kan- tons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht ( Kantonsgericht), und beantragte, die angefochtene Verfügung sei teilweise aufzuheben u nd es sei ihr ab 1. Juli 2010 eine unbe- fristete ganze IV-Rente zuzusprechen. Zur Begründung wur de im Wesentlichen geltend ge- macht, dass nicht auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. D.____ und E.____ abgestellt wer- den könne. Bei der Beurteilung des rheumatologischen Gu tachters sei von einer Momentauf- nahme auszugehen und auch der psychiatrische Gutachter hab e seine Beurteilung aufgrund einer einmaligen Untersuchung abgegeben. Im Gegensat z dazu habe das Spital F.____ eine mittelschwere depressive Episode diagnostiziert. Auch gehe der Hausarzt von einer vollständi- gen Arbeitsunfähigkeit aus, was mit den Berichten der Klinik G.____ übereinstimme. Die Beur- teilung der beiden Gutachter sei somit in Unkenntnis de r gesamten Aktenlage erfolgt, weshalb das entsprechende Gutachten nicht verwertbar sei. Die Ve rsicherte sei vollständig arbeitsunfä- hig und habe demnach Anspruch auf eine ganze unbefristete Rente. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 15. Oktobe r 2012 auf Abweisung der Beschwerde. Auf die entsprechenden Vorbringen beider Parteien ist - soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde vom 11. Oktober 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternati- ve Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwal- tung und im Streitfall das Gericht - auf Unterlagen a ngewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist e s, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungn ahmen eine wichtige Grundlage für die Be- urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des Gesundheitszustand es und zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei Dr. med. E.____, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, und Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein rheumatologisch- psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches am 9. März 201 2 erstattet wurde. Darin hielten die Experten als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits fähigkeit ein chronisches zervikal- und lumbalbetontes Panvertebralsyndrom mit linksbetontem lumbospondylogenem Schmerzsyn- drom bei Osteochondrosen, aktuell fehlendem Hinweis auf ein lumboradikuläres und zervikora- dikuläres Reizsyndrom, bei Wirbelsäulenfehlform und Fehlhaltung sowie bei muskulärer Dysba- lance vom Schulter-/Nackengürteltyp, sowie ein residuelles se nsomotorisches Karpaltunnel- syndrom rechts bei Status nach CTS-Operationen im Februa r 2009 und März 2010 fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten d ie Gutachter unter anderem ein unspezifi- sches multilokuläres Schmerzsyndrom im Rahmen einer Sympto mausweitung bei Chronifizie- rungsproblematik mit Schmerzfehlverarbeitung, eine anh altende somatoforme Schmerzstörung sowie ein Status nach depressiver Episode. In der rheuma tologischen Beurteilung kam der Gutachter zum Schluss, dass sich insbesondere kein Hinweis auf eine neurokomprimierende Pathologie im Sinne von objektivierbaren Diskushernien finden lasse. Es bestünden im Rahmen der aktuellen Untersuchung keine klinischen Hinweise auf eine radikuläre Reizsymptomatik. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Insgesamt hätten sämtliche bisher durchgeführten Therapi emassnahmen zu keinerlei positiver Beeinflussung der Beschwerden geführt. Es bestünden klar e Hinweise auf eine Symptomaus- weitung mit zunehmender Manifestation einer chronischen Schmerzstörung bei bestehender Schmerzfehlverarbeitung sowie aktenkundig zusätzlich bee influssender psychischer Faktoren. Es könne eine verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts s owie beider Hände vor allem für mittelschwere und schwere Tätigkeiten ausgewiesen werden . Bezüglich einer geeigneten, so- wohl das Achsenskelett wie auch die Handgelenke leicht be lastenden Tätigkeit in Wechselhal- tung, abwechslungsweise sitzend, stehend und gehend, sowi e ohne repetitive Überkopfarbei- ten, bestehe spätestens ab dem Zeitpunkt der aktuellen Begutachtung aus rheumatologischer Sicht eine volle zumutbare Arbeitsfähigkeit ohne Leistungseinschränkung. Zeitpunkt und Beginn der möglichen Durchführung einer derart geeigneten Tä tigkeit könne retrospektiv nicht mehr eruiert werden, da die Explorandin durch den Hausarzt vor allem aus psychischen Gründen arbeitsunfähig geschrieben worden sei. In psychiatrischer Hinsicht gelangte Dr. D.____ zum Schluss, dass sich die Explorandin in einer psychosozial belastenden Situation befinde. Einerseits lägen objektivierbare Befunde vor; ande- rerseits bestünde schon seit längerer Zeit offensichtlich eine sich in den vergangenen zwei Jah- ren stark erhöhte Körperschmerzsymptomatik, wobei sich diesb ezüglich nicht genügend objek- tivierbare Befunde finden liessen. Es müsse deshalb die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung oder mindestens einer Schmerzfehlentwicklung angenommen werden, da eine ursächliche Beteiligung an der Schmerzentwicklung durch die psychosoziale Belastung vorlie- ge. Im Rahmen von finanziellen Schwierigkeiten und unkla ren Zukunftsperspektiven habe die Explorandin auch eine depressive Symptomatik entwickelt. Mit Ausnahme einer emotionalen Labilität und allenfalls einer im Gespräch leicht ge drückten Stimmung fänden sich heute keine Hinweise, welche auf eine Depression schliessen liessen. Es müsse demnach von einer deutli- chen Besserung ausgegangen werden, was von der Explorand in auch entsprechend bestätigt werde. Bezüglich Förster-Kriterien müsse festgestellt w erden, dass keine psychische Komorbi- dität bestehe. Es bestehe eine körperliche Begleiterkra nkung mit mehrjährigem Verlauf. Der Krankheitsverlauf könne jedoch nicht als mehrjährig mit unveränderter oder progredien- ter Symptomatik bezeichnet werden, da erst in den letze n ein bis zwei Jahren eine Zunahme der Körperschmerzproblematik beobachtet worden sei. Es be stehe kein ausgesprochener sozi- aler Rückzug in allen Lebenslagen, wobei die Explorand in angebe, nur wenig soziale Kontakte zu pflegen, was aber eher mit der Arbeitssituation zusam menhänge. Grundsätzlich habe sie keine Schwierigkeiten im sozialen Bereich. Von einem verf estigten, therapeutisch nicht mehr beeinflussbaren innerseelischen Verlauf könne nicht ausgeg angen werden, da die Entwicklung noch nicht lang anhaltend genug sei. Es sei bisher auch keine längerfristig konsequente psy- chiatrische Behandlung durchgeführt worden. In ihrer Konsensbeurteilung kamen die beiden Gutachter zum Schluss, dass aus psychiatri- scher Sicht keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfä higkeit begründet werden könne. Ge- samtmedizinisch sei daher die aus somatischer Sicht angegebe ne Arbeitsfähigkeit heranzuzie- hen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Den übrigen medizinischen Akten ist sodann ein Unfal lschein der SUVA, eingegangen bei der IV-Stelle am 16. Dezember 2010, zu entnehmen . Den darauf von Dr. G.____, FMH In- nere Medizin, vermerkten Eintragungen zufolge war die Versicherte vom 11. Mai 2010 bis 14. Januar 2011 durchgehend im Umfang von 50% arbeitsu nfähig. Darüber hinaus sind folgen- de medizinische Unterlagen von Relevanz zu berücksichtigen: 5.2.1 Gemäss ärztlichem Zwischenbericht von Dr. G.____, FHM Innere Medizin, vom 28. Mai 2010 bestünde nach der Arbeitsaufnahme seit dem 3. Mai 2010 ab 12. Mai 2010 wieder eine hälftige Arbeitsfähigkeit sowie deutliche tendom yopathische Schmerzen rechts und vor allem neu auch links durch Überlastung beim repetitive n Packen von Gewichten von zwei bis drei Kilogramm im Akkord. Eine leichtere Arbeit sei nicht vorhanden. 5.2.2 Mit kreisärztlichem Untersuchungsbericht vom 11. Nov ember 2010 diagnostizierte Dr. H.____ bei der Versicherten einen Status nach fragl icher distaler Radiusfraktur rechts, ein rechts mässiges und links leichtes CTS sowie einen Statu s nach Neurolyse des Nervus media- nus carpales im rechten Handgelenkssegment. Unfallfremd bestünde ein Status nach CTS rechts und nach Carpaltunnelspaltung am 23. Februar 20 09. Bezüglich des rechten Handge- lenks bestünde Konkordanz. Die Beschwerden am linken Handg elenk sowie an der Hals- und Lendenwirbelsäule seien hingegen unfallfremd. Trotz o perativer Revision des rechten Carpal- kanals im März 2010 zeige sich im Vergleich mit der kreisär ztlichen Untersuchung vom 1. Oktober 2009 eine identische Situation. Aus objektive r Sicht sei die Schmerzsymptomatik an der rechten Hand etwas geringer. Die Versicherte sei da rüber aufgeklärt worden, dass einer- seits eine Zumutbarkeit in unfallkausaler Hinsicht und an dererseits eine Zumutbarkeit unter Be- rücksichtigung der unfallfremden Leiden erstellt werde. Aus rein medizinischer Sicht sei zwei- felsfrei ein Endzustand eingetreten. Eine erneute, ob jektivierbar neurologische Schädigung des rechten Carpalkanals könne nicht festgestellt werden. Es lägen vielmehr Residuen der erfolgten Eingriffe mit erneuten Vernarbungen vor, sodass von we iteren operativen Interventionen am rechten Carpalkanal aktuell abgesehen werden sollte. Zumutbar seien der Versicherten in Be- zug auf das rechte Handgelenk ganztags leichte Tätigkeite n ohne Vibration, ohne Stück- und Zeitakkord, unter Meidung von Nässe, Kälte und Zugluft bei leichter bis manchmal knapp mittel- schwerer Arbeit. Schwere manuelle Arbeiten sowie dauer nd mittelschwere Tätigkeiten seien zu unterlassen. Unter Berücksichtigung der unfallfremden L eiden in Bezug auf das linke Handge- lenk und auf die HWS sowie LWS seien der Versicherten leichte, wechselbelastende Tätigkei- ten ganztags zumutbar. 5.2.3 Auf Anfrage des Taggeldversicherers vom 21. April 2011 beantwortete Dr. G.____ die Frage der Arbeitsunfähigkeit der Versicherten dahingehend, dass diese für die zuletzt ausgeüb- te Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig sei. Für rüc kenschonende Tätigkeiten ohne manuelle Be- lastung betrage die Arbeitsfähigkeit seit Anfang Dezember 2010 schätzungsweise 50%. 5.2.4 Im Bericht vom 12. Mai 2011 sah Dr. I.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Me- dizin, Klinik F.____, zur weiteren Abklärung der lumboradikulären Reizsymptomatik ein MRT der LWS vor. Aufgrund der chronischen und generalisierten Schmerzsymptomatik sei eine stationä- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht re Aufnahme zur Durchführung einer Etagendiagnostik un d einer multimodalen Schmerzthera- pie empfohlen worden. 5.2.5 Gemäss Bericht von Dr. J.____, FMH medizinischen Radi ologie, vom 19. Mai 2011 sei am 17. Mai 2011 eine triplanare, native und kontrastm ittelverstärkte MRI der LWS und der Ilio- sacralgelenke durchgeführt worden. Radiologisch könnten keine Diskushernien oder anderwei- tige Neurokompressionen diagnostiziert werden. Spondylolyse n bestünden keine. Die Iliosac- ralgelenke seien normal konfiguriert. Es fänden sich minimale Spondylarthrosen auf Höhe L2/L3 bis L5/S1, allesamt mit diskreten Reizergüssen, jedoch o hne Synovitis oder einem entzündli- chen Kapselödem. 5.2.6 Dem Wiedererwägungsgesuch der Klinik F.____ vom 24. Mai 2011 betreffend die Kos- tengutsprache für einen stationären Aufenthalt ist zu en tnehmen, dass bei der Versicherten die ambulant durchführbaren therapeutischen Massnahmen ausge schöpft seien. Die Situation mit nunmehr psychophysischer Dekompensation bei multiplen schme rzhaften Problemen am Be- wegungsapparat, insbesondere im HWS-Bereich, sei ambulant nicht mehr beherrschbar. Es sei schnellstmöglich ein multimodaler, stationärer Behandlun gsansatz notwendig, um die Patientin aufzufangen. Insbesondere müsse die Arbeitsfähigkeit wi eder hergestellt und verbessert wer- den. Selbst im Haushalt sei die Patientin zur Zeit nicht einsatzfähig. 5.2.7 Gemäss Arztzeugnis zu Handen der Arbeitslosenversicherun g von Dr. G.____ vom 4. Juli 2011 sei die Versicherte seit 27. August 2010 b is Ende November 2010 zu 100% ar- beitsunfähig gewesen. Seit Anfang Dezember 2010 sei si e in einer leichten, körperlichen Tätig- keit ohne Kraftanwendungen der Arme und Hände bis auf weiteres bzw. voraussichtlich dau- ernd zu 50% arbeitsunfähig. 5.2.8 Zufolge dem Bericht der Klinik F.____ vom 12. Ju li 2011 an den Krankentaggeldversi- cherer klage die Patientin über chronische Schmerzen im Bereich des Rückens, der Handgele- genke und über eine lumboradikuläre Schmerzausstrahlung rechtsbetont mit Sensibilitätsstö- rungen und Kribbelparästhesien. Des weiteren beklage sie eine zervikoradikuläre Reizsympto- matik C6 linksbetont und eine Kraftlosigkeit der Hände. Das am 17. Mai 2011 durchgeführte MRT habe keine Diskushernie und auch keine Spinalsteno se gezeigt. Eine leichte Wechseltä- tigkeit könne möglich werden, sobald es zu einer Linderu ng der lumboradikulären Reizsympto- matik gekommen sei. Da die Behandlung erst begonnen ha be, könnten zunächst noch keine weiterführenden Angaben gemacht werden. Aufgrund de r multilokulären Schmerzsymptomatik, einer somatoformen Schmerzstörung und einer depressiven Entwicklung sei davon auszuge- hen, dass die Arbeitsfähigkeit längerfristig wohl nicht über maximal 50% gesteigert werden kön- ne. Wenn es gelinge, die lumboradikuläre Reizsymptomati k zu lindern, wäre eine moderate Steigerung der Arbeitsfähigkeit bis maximal 50% in le ichter Wechseltätigkeit denkbar. Eine Nachkontrolle sei im August 2011 vorgesehen. 5.2.9 Mit Arztbericht vom 13. September 2011 diagnosti zierte Dr. K.____, Leitender Arzt Neurologie des Spitals L.____, ein panvertebrales Schmer zsyndrom bei degenerativen Verän- derungen lumbal, eine mittelschwere depressive Episode, e ine intermittierende CK-Erhöhung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht unklarer Ätiologie, ein Gewichtsverlust unklarer Ätiologie sowie einen Vitamin D-Mangel. Anam- nestisch sei Anfang des Jahres auf der rechten Seite ei n CTS operiert worden, wobei bisher keine Besserung eingetreten sei. Die Versicherte habe sei t Anfang des Jahres ebenso linkssei- tige Beschwerden mit beinahe täglichen Problemen, zu dem auch Taubheitsgefühle links mehr als rechts. In der Beurteilung hätten sich keine manifeste n Paresen gezeigt, die mit einer Myo- pathie vereinbar gewesen wären. Aufgrund der beklagt en und zunehmenden Beschwerden im Sinne eines CTS rechts mehr als links sei eine erneute Unt ersuchung durchgeführt worden, wobei sich jedoch mit Ausnahme eines residuellen sensomo torischen, leichtgradigen CTS rechts insgesamt Normalbefunde gezeigt hätten. Die beklagten Beschwerden hätten somit nicht objektiviert werden können. Insgesamt sei am Wahrscheinli chsten von einer nicht organischen, sondern von einer depressiven Genese auszugehen. 5.2.10 Mit Bericht vom 27. Oktober 2011 berichtete Dr. M.____, FMH Neurologie, über eine am 27. Oktober 2011 durchgeführte Elektroneurographi e. Es lasse sich lediglich ein leichtes sensibles Karpaltunnelsyndrom links feststellen. Des Weiteren fänden sich Hinweise für eine noch nicht vollständige Restitution bei Status nach zwei operativen Behandlungen eines Karpal- tunnelsyndroms rechts. Im Übrigen bestünden keine Auff älligkeiten. Die Anamnese sowie die Befunde der klinisch-neurologischen Untersuchung zeigten hingegen eine massive Symptom- ausweitung mit ausgedehnten Sensibilitätsstörungen, die sich nicht einem neuralen oder radiku- lären Versorgungsgebiet zuordnen liessen. 5.2.11 Gemäss Bericht der Klinik F.____ vom 8. Dezember 2011 habe die Versicherte anläss- lich der letzten Konsultation am 1. Dezember 2011 von weiterhin generalisierten Schmerzen zervicobrachial und lumboradikulär berichtet. Die linksbet onten Nackenschmerzen hätten sich inzwischen leicht gebessert. Es bestehe weiterhin eine voll ständige Arbeitsunfähigkeit. Nach wie vor bestünde keine Indikation für Rückenoperationen . Ebenfalls werde versucht, weitere Infiltrationen möglichst zu vermeiden. 6.1 Strittig sind die gesundheitlichen Verhältnisse und deren Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit. Die Beschwerdeführerin lässt vorbringen, dass si e vollständig arbeitsunfähig sei. Ihr Hausarzt gehe von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus, was mit den Berichten der Klinik F.____ übereinstimme. Ausserdem sei das Gutachten der Dr es. E.____ und D.____ nicht ver- wertbar. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Ent gegen der von der Beschwerdeführerin vertretenen Auffassung kann zunächst nicht davon ausgegang en werden, dass die Dres. E.____ und D.____ ihre Beurteilung in Unkenntnis der gesamten Aktenlage getroffen haben, weil ihnen die Berichte der Klinik F.____ vom 12. Mai und 12. Juli 2011 nicht vorgelegen hätten. Diese beiden Berichte enthalten keine Angaben, die in den späteren Berichten der Klinik F.____, insbesondere in deren Bericht vom 8. Dezember 2 011, nicht auch aufgenommen wor- den wären. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass insbe sondere die Beurteilung von Dr. I.____ im Bericht der Klinik F.____ vom 12. Mai 2011 durch die nachfolgenden, bildgebenden Untersuchungen als überholt zu bezeichnen ist und damit so oder anders keine abweichende Beurteilung hätte begründen können. So hat Dr. I.___ _ in jenem Bericht namentlich zu Recht zusammengefasst, dass klinisch zunächst zwar eine lumboradikuläre Reizsymptomatik mit sen- siblem Ausfallsyndrom im Vordergrund gestanden sei, mitt els in der Folge durchgeführter MRT Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 17. Mai 2011 eine Neurokompression hingegen ausgesc hlossen werden konnte (vgl. Be- richt von Dr. J.____, vom 19. Mai 2011). Ebenso wenig a ber kann aus dem Umstand, dass der rheumatologische Gutachter Dr. E.____ demzufolge zu Re cht aktuell keine Hinweise für ein radikuläres Reizsymptom festgestellt hat, abgeleitet werde n, dass in einem früheren Zeitpunkt ein radikuläres Schmerzsyndrom bestanden habe. Das aufgrun d alleine des klinischen Ein- drucks der Patientin von den Ärzten der Klinik F.____ zunä chst diagnostizierte, radikuläre Reiz- syndrom vermag mithin nicht zu implizieren, dass ein solc hes in einem früheren Zeitpunkt be- reits einmal vorhanden gewesen wäre, zumal Dr. I.____ in seinem Bericht vom 12. Juli 2011 zum Ergebnis kommt, dass eine Schmerzausweitung imponiere. Bereits mit Arztbericht vom 13. September 2011 war denn auch das Spital L.____ zum Ergebnis gelangt, dass mit Aus- nahme eines leichtgradigen Karpaltunnelsyndrom rechts in neurologischer Hinsicht insgesamt Normalbefunde erhoben worden seien und die beklagten Beschwerden nicht hätten objektiviert werden können. Entgegen der von der Beschwerdeführeri n vertretenen Auffassung kann dem- nach gerade nicht davon ausgegangen werden, bei der B eurteilung des rheumatologischen Gutachters sei von einer Momentaufnahme auszugehen. Da a uch der Neurologe der Klinik F.____, abgesehen von einem bekannten leichten Karpalt unnelsyndrom, keine weiteren Auffäl- ligkeiten festgestellt, sondern vielmehr ebenfalls auf e ine massive Symptomausweitung hinge- wiesen hat (vgl. Bericht von Dr. M.____ vom 27. Oktober 2 011), kann zusammenfassend fest- gestellt werden, dass zwischen dem rheumatologischen Gutac hter Dr. E.____ und den behan- delnden Ärzten im Wesentlichen Einigkeit darüber best eht, dass die geklagten Beschwerden der Versicherten grösstenteils somatisch nicht erklärbar sind (vgl. ebenso Arztbericht von Dr. K.____ vom 13. September 2011). Weitere neurologische Untersuchungen können somit unter- bleiben. 6.2 Die in diesem Zusammenhang von der Versicherten post ulierte vollständige Arbeitsun- fähigkeit vermag daran nichts zu ändern. Nichts zu ihren Gunsten abzuleiten vermag sie zu- nächst aus dem abschliessenden Bericht der Klinik F.____ v om 8. Dezember 2011. Die darin erwähnte vollständige Arbeitsunfähigkeit bezieht sich ger ade nicht auf eine noch zumutbare Verweistätigkeit und widerspricht den eigenen Einschätz ungen der Klinik F.____ in deren Be- richt vom 12. Juli 2011. Sodann hat der Hausarzt Dr. G. ____ im Unfallschein der SUVA ab 11. Mai 2010 bis 14. Januar 2011 durchgehend eine Arbeitsunfähigkeit von lediglich 50% bestä- tigt. Auf Anfrage des Taggeldversicherers hat der Hausar zt die Arbeitsfähigkeit für rückenscho- nende Tätigkeiten ohne manuelle Belastung seit Anfang Dezember 2010 ebenfalls auf 50% eingeschätzt (vgl. ebenso Arztzeugnis zu Handen der Arbeitslosenversicherung von Dr. G.____ vom 4. Juli 2011). Diese jeweils auf eine noch zumutbare Verweistätigkeit ausgerichteten Ein- schätzungen sind jedoch alle entweder noch vor der am 17 . Mai 2011 durchgeführten MRT von Dr. J.____ bzw. in Unkenntnis von deren Ergebnis ergange n oder erfolgten noch vor dem Be- richt der Klinik F.____ vom 12. Juli 2011, demzufolge a ber in Übereinstimmung mit dem rheu- matologischen Gutachter Dr. E.____ und der übrigen Är zte nicht von einer organisch, sondern vielmehr von einer psychiatrisch bedingten Genese auszugehen ist (vgl. Bericht von Dr. M.____ vom 27. Oktober 2011). Dies gilt insbesondere auch für das Schreiben der Klinik F.____ vom 24. Mai 2011, wonach aktuell eine psychophysische Dekompensa tion vorliege. Damit aber er- gibt sich in somatischer Hinsicht, dass auf die nachvollziehbare Beurteilung von Dr. E.____ und seine daraus gezogenen Schlüsse zur Arbeitsfähigkeit abgest ellt werden kann. Wie oben aus- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht geführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl ässigkeit der Expertise sprechen. Sol- che Hinweise liegen dem Gesagten zufolge hier keine vo r. Der begutachtende Rheumatologe hat die Versicherte eingehend untersucht, er geht in se inem ausführlichen Bericht einlässlich auf deren Beschwerden ein, setzt sich mit den bei den A kten liegenden medizinischen Unterla- gen auseinander und vermittelt so ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin. Schliesslich erweist sich mit Blick auf di e mehrheitlich fehlende Objektivie- rung der beklagten Beschwerden auch seine vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten als überzeugend. 6.3 Nichts anderes gilt für den psychiatrischen Teil des bidisziplinären Gutachtens von Dr. D.____. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin vermag der Umstand, dass der psy- chiatrische Gutachter seine Beurteilung anhand einer ei nzigen Untersuchung abgegeben hat, dessen Beurteilung nicht zu mindern. So ist es rechtspre chungsgemäss der Einschätzung der Gutachter zu überlassen, ob weitere Abklärungen angezei gt sind, ist es doch letztlich alleinige Aufgabe der Ärztin oder des Arztes, den Gesundheitszust and zu beurteilen (BGE 125 V 256 E. 4 S. 261 f.), und lässt sich ein genereller Zeitrahmen für eine Untersuchung nicht allgemeingül- tig definieren (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Febru ar 2011, 8C_1055/2010, E. 4.2; vgl. auch Andreas Traub, Neues aus den sozialrechtlichen Abteil ungen des Bundesgerichts: Zum Beweiswert psychiatrischer Gutachten unter dem Aspekt der Untersuchungsdauer, SZS 2008 S. 393 f.). Vorliegend sind dem psychiatrischen Gutachter alle relevanten medizinischen Vorak- ten zur Verfügung gestanden und er hat aufgrund der aktuellen Untersuchung keine depressive Episode bei der Versicherten mehr feststellen können. W ie die Beschwerdeführerin zu Recht einwenden lässt, vermag dieser Umstand alleine nicht au szuschliessen, dass in der Zeit zuvor vorübergehend eine mittelgradige depressive Episode bes tanden haben könnte, wie dies im Arztbericht des Spitals L.____ vom 13. September 2011 a ngegeben worden ist. Zumal dieser Einschätzung gerade keine fachpsychiatrische Untersuchung vo rangegangen ist, bestehen in den psychiatrischen Akten jedoch keine Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten längerfristig aus psychischen Gründen eingeschränkt g ewesen wäre, weshalb jene Di- agnose hinsichtlich eines auch befristeten Rentenanspruc hs ohne Auswirkung bleiben muss. Hierfür spricht ebenso die von der Versicherten selbst er wähnte Verbesserung ihrer psychi- schen Befindlichkeit anlässlich der Exploration durch Dr. D.____ (vgl. Gutachten der Dres. E.____ und D.____ vom 9. März 2012, S. 16 und 20). 6.4 Mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin kritis ierte Beurteilung der Überwindbarkeit der diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung ist schli esslich darauf hinzuweisen, dass die von der Rechtsprechung verlangten, sogenannten "För ster-Kriterien", welche die Schmerz- bewältigung intensiv und konstant behindern und Wieder einstieg in den Arbeitsprozess unzu- mutbar machen können, insgesamt zu Recht verneint worden sind (vgl. E. 2.4 hievor; BGE 130 V 352). Die dagegen vorgebrachten Argumente sind nic ht stichhaltig. Soweit die Beschwerde- führerin bestreitet, dass der soziale Rückzug einzig auf ihre Arbeitssituation zurückzuführen sei, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie dies von Dr. D.____ angegeben wird, so ist ihr zwar darin zuzustimmen, dass diese Aussa- ge in ihrer Kürze widersprüchlich erscheinen mag. Hinge gen hat Dr. D.____ in Übereinstim- mung mit den anamnestischen Angaben darauf hingewiese n, dass die Versicherte gerne ver- mehrt mit Kolleginnen abmachen würde, dies jedoch nic ht gut möglich sei, weil diese wegen ihrer Erwerbstätigkeit zeitlich zu sehr eingebunden se ien. Diese Aussage der Versicherten selbst erklärt demnach diesen nur scheinbaren Widerspruch und weist gerade nicht auf einen sozialen Rückzug hin. Aufgrund des bei ihr bestehenden, l eichten Karpaltunnelsyndroms ist die Versicherte zwar in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtig t, hingegen für angepasste Tätigkeiten weiterhin voll arbeitsfähig. Was ihre darüber hinausgehenden Beschwerden betrifft, fehlt es den übereinstimmenden medizinischen Akten zufolge an einem o rganisch objektivierbaren Korrelat, wonach eine chronische Begleiterkrankung mithin ausgeschlossen werden muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Dezember 2011, 9C_771/2011, E. 6 .3). Die von der Versicherten mit Ausnahme der nachvollziehbaren Beschwerden infolge des K arpaltunnelsyndroms geklagte Schmerzsymptomatik ist vielmehr Ausdruck eigenen Schmerzgeschehens und stellt somit keine Komorbidität dar. Ebenso wenig liegt letztlich ein S cheitern einer konsequent durchgeführten Behandlung trotz kooperativer Haltung der Versicherten vor, hat die Beschwerdeführerin doch den anamnestischen Angaben zufolge ihre erst 2011 begon nene psychiatrische Behandlung wieder abgebrochen, weil sie mit ihrer Psychiaterin nicht zurecht gekommen sei (vgl. Gutachten der Dres. E.____ und D.____ vom 9. März 2012, S. 15). Damit aber kann aus psychiatrischer Sicht keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden, weshalb in ge- samtmedizinischer Hinsicht nachvollziehbar auf die aus somatischer Sicht angegebene Arbeits- fähigkeit des rheumatologischen Gutachters abzustellen ist. 6.5 Dem Gesagten zufolge ist demnach nicht zu beanstan den, dass die IV-Stelle in Über- einstimmung mit dem von ihr in Auftrag gegebenen Guta chten der Dres. E.____ und D.____ davon ausgegangen ist, dass die Versicherte bezüglich ei ner geeigneten, sowohl das Achsen- skelett wie auch die Handgelenke leicht belastenden Tät igkeit in Wechselhaltung, abwechs- lungsweise sitzend, stehend und gehend, sowie ohne repet itive Überkopfarbeiten, ab dem Zeit- punkt der Begutachtung anfangs Februar 2012 voll arbe itsfähig ist. Gestützt auf die Aussage des rheumatologischen Gutachters, wonach Zeitpunkt und B eginn der Durchführung einer ge- eigneten Tätigkeit retrospektiv nicht mehr eruiert werden könne, hat sie für die Zeit zuvor eben- falls zu Recht zunächst auf die hausärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und sodann auf die kreisärztliche Zumutbarkeitsbeurteilung vom 11. November 2010 abgestellt. Den erwähnten Eintragungen von Dr. G.____ im Unfallschein der SUVA zu folge war die Versicherte seit Mai 2010 im Umfang von 50% arbeitsunfähig. Diese Einschätzu ng, welche sich auf die zuvor aus- geübte Tätigkeit bezogen hat, deckt sich für die Zeit der erstmaligen Anspruchsberechtigung ab Juli 2010 - infolge verspäteter Anmeldung zum Leistung sbezug (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) - denn auch mit dem ärztlichen Zwischenbericht des Hausarztes vom 28. Mai 2010 (vgl. E. 6.2 hievor). Gestützt auf den kreisärztlichen Untersuchungsbericht von D r. H.____ vom 11. November 2010, der schliesslich wiederum mit den gutachterlich erho benen Untersuchungsbefunden der Dres. E.____ und D.____ übereinstimmt, ist die IV-Ste lle sodann bereits ab November 2010 ebenfalls zu Recht von einer ganztags zumutbaren Verweistätigkeit ausgegangen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Gegen die konkrete Invaliditätsbemessung sind beschwerd eweise keine Einwände erhoben worden. Auch wenn allenfalls fraglich erscheint, ob für die Berechnung des Validenein- kommens nicht auf den letzten, effektiv erzielten Verdienst bei Firma B.____ AG abgestellt wer- den müsste, wirkt sich das Heranziehen der Lohnstrukturerheb ung infolge des dabei nur unter- durchschnittlichen Lohns letztlich aber zu Gunsten der Versi cherten aus. Schliesslich stellt sich die Frage, ob für die Phase der vollständigen Arbeit sfähigkeit in einer körperlich leichten Ver- weistätigkeit nicht ein leidensbedingter Abzug berechtigt gewesen wäre. Selbst wenn allerdings ein solcher Abzug in maximal zulässiger Höhe im Umfang vo n 25% berücksichtigt würde, än- dert dies jedoch nichts daran, dass der massgebende Schwel lenwert für eine Viertelsrente ab November 2010 nicht überschritten würde. Gestützt auf ei ne hälftige Arbeitsfähigkeit ab Mai 2010 sowie eine vollständige Arbeitsfähigkeit ab Novemb er 2010 hat die IV-Stelle der Versi- cherten unter Berücksichtigung der dreimonatigen Karenzfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV somit zu Recht eine für Juli bis August 2010 befristete ganze I V-Rente und im Anschluss sodann bis Februar 2011 eine halbe IV-Rente ausgerichtet. Die d agegen gerichtete Beschwerde ist dem- nach abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihr ist allerdings mit Verfügung vom 20. Dezember 2012 die unentgeltliche Prozessführung be willigt worden, weshalb die Verfah- renskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin mit prozessleitender Verfügung vom 20. Dezember 2012 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertr eter bewilligt worden ist, hat dessen Entschädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 180.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 7. Februar 2013 für das vorliegende V erfahren einen Zeitaufwand von 6 1/2 Stunden geltend gemacht, was umfangmässig nicht zu beanst anden ist. Nicht zu beanstanden sind schliesslich die geltend gemachten Auslagen von insge samt Fr. 48.--. Dem Parteivertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'315.45 (6 1/2 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich Aus- lagen von Fr. 48.-- sowie 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'315.45 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet.