Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 19. Mai 2014 (470 13 120) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Kostentragungspflicht der Beschuldigten bei Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Gerichtsschreiber i.V. Adrian Kägi Parteien A. ____, vertreten durch Advokat Marco Albrecht, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Sissach, Hauptstrasse 2, 4450 Sissach Beschwerdegegnerin B. ____, Privatkläger Gegenstand Verfahrenseinstellung Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Sissach, vom 23. Mai 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Strafbefehl vom 23. Mai 2013 verurteilte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Sissach, A.____ wegen geringfügigen Diebstahls, begangen am 7./8. Januar 2013 (Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 172 ter StGB, Verfahrens-Nr. SI2 13 4952). Zudem stellte die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 23. Mai 2013 das Verfahren SI1 13 22 gegen A.____, wegen mehrfachen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 StGB), begangen in der Zeit vom 5. September 2011 bis 22. November 2012 in Anwendun g von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ein (Dispositiv-Ziffer 1). Gemäss Dispositiv-Ziffer 4 a uferlegte die Staatsanwaltschaft die Kosten dieses Verfahrens von insgesamt CHF 545.-- in Anwendung von Art. 426 Abs. 2 StPO A.____. B. Mit Eingabe vom 3. Juni 2013 liess A.____, vertret en durch Advokat Marco Albrecht, Be- schwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staats anwaltschaft vom 23. Mai 2013 erheben und beantragte, es sei unter Kosten- und Entschädig ungsfolge Ziffer 4 der Verfügung aufzuhe- ben. C. Mit Stellungnahme vom 17. Juni 2013 beantragte die Staatsanwaltschaft, es sei die Be- schwerde unter Auflage der Verfahrenskosten abzuwei sen. Im Weiteren stellte sie folgende Verfahrensanträge: Es sei das vorliegende Beschwerd everfahren bis zum Vorliegen des rechtskräftigen Entscheids, ob sich die Beschwerdef ührerin des geringfügigen Diebstahls schuldig gemacht habe, zu sistieren. Nach Eingang d es rechtskräftigen Urteils sei der Staats- anwaltschaft Frist zu setzen um zu erklären, ob sie an der angefochtenen Verfügung festhalte. D. Mit Verfügungen vom 18. Juni 2013 und 14. Januar 2014 sistierte das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, das Verfahr en bis längstens zum 31. Dezember 2013 beziehungsweise 30. Juni 2014. Ferner wurde die Sta atsanwaltschaft angewiesen, das Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, umgehend über den weiteren Verlauf des Verfahrens und einen allenfalls ergehenden Entscheid des Strafgerichts zu informieren. E. Mit Eingabe vom 19. März 2014 beantragte die Staats anwaltschaft die Aufhebung der Verfahrenssistierung und die Fortsetzung des Beschw erdeverfahrens. Mit Urteil des Strafge- richtspräsidiums Basel-Landschaft vom 14. März 2014 sei nachgewiesen und richterlich festge- stellt, dass A.____ einen geringfügigen Diebstahl b egangen habe. Die Staatsanwaltschaft halte daher vollumfänglich an der angefochtenen Verfügung fest und begehre, wie in der Stellung- nahme vom 17. Juni 2013 festgehalten, die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. F. Mit Stellungnahme vom 28. März 2014 teilte die Besc hwerdeführerin dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, mit, dass g egen die Aufhebung der Verfahrenssistie- rung nichts einzuwenden sei und sie an ihren Anträg en und ihrer Begründung gemäss Be- schwerde vom 3. Juni 2013 festhalte. G. Mit Verfügung vom 7. April 2014 hob das Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, die Verfahrenssistierung auf und schloss den Schriftenwechsel. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formelles 1.1 Gemäss Art. 322 Abs. 2 StPO können die Parteien Ein stellungsverfügungen, die von der Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 319 StPO erlas sen wurden, innert 10 Tagen bei der Be- schwerdeinstanz anfechten. Die Zulässigkeit der Bes chwerde gegen Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft ergibt sich auch aus Art. 39 3 Abs. 1 lit. a StPO, wonach gegen Verfü- gungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltsch aft Beschwerde erhoben werden kann. Mit der Beschwerde können sämtliche Punkte der Eins tellungsverfügung angefochten werden, d.h. die Einstellung an sich sowie die Kosten- und Entschädigungsregelung (R OLF GRÄDEL /MATTHIAS HEINIGER , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 322 N 5). Die Einstellungsver- fügung der Staatsanwaltschaft vom 23. Mai 2013 kann also mit Beschwerde angefochten wer- den. Die angefochtene Einstellungsverfügung wurde d er Beschwerdeführerin am 24. Mai 2013 eröffnet. Die vom 03. Juni 2013 datierende Beschwer de, die gleichentags bei der Schweizeri- schen Post zum Versand aufgegeben wurde, ist damit rechtzeitig innert der 10-tägigen Frist erfolgt. 1.2 Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interess e an der Aufhebung oder Änderung ei- nes Entscheides hat, ist gemäss Art. 382 Abs. 1 StP O zur Ergreifung eines Rechtsmittels legi- timiert. Mit Verfügung vom 23. Mai 2013 wurde das g egen die Beschwerdeführerin eingeleitete Strafverfahren (Verfahrensnummer SI1 13 22) betreff end mehrfachen Diebstahls eingestellt. Diesbezüglich wurden der Beschwerdeführerin die Ver fahrenskosten auferlegt. Sie ist daher durch diese Verfügung beschwert und hat ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung derselben. Die Beschwerdeführerin ist deshalb trotz Einstellung des Verfahrens beschwerdelegitimiert. 1.3 Gemäss Art. 395 lit. b StPO in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie § 15 Abs. 2 EG StPO ist die Verfahrensleitung der B eschwerdeinstanz für Beschwerden betref- fend die wirtschaftlichen Nebenfolgen eines Entsche ides bei einem strittigen Betrag von nicht mehr als CHF 5'000.-- zuständig. Die Beschwerdeführerin beantragt den Erlass der Kosten des Strafverfahrens die aufgrund des eingestellten Stra fverfahrens entstanden sind. Aus den Akten ergibt sich, dass das Begehren der Beschwerdeführer in mit insgesamt CHF 545.--, bestehend aus den Kosten der Staatsanwaltschaft von CHF 219.- - und denjenigen der Polizei von CHF 125.-- sowie aus der Gebühr für die Einstellung sverfügung (inkl. Porto) von CHF 201.--, beziffert wird. Damit ist das Präsidium des Kantons gerichts, Abteilung Strafrecht, alleine für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Die formellen Voraussetzungen sind damit erfüllt. A uf die Beschwerde kann eingetreten wer- den. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Materielles 2.1 In Ziffer 1 der Einstellungsverfügung vom 23. Mai 2 013 wurde das Strafverfahren gegen die Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 319 Ab s. 1 lit. a StPO eingestellt. Als Begrün- dung führte die Staatsanwaltschaft dazu Folgendes aus: „Vom 5. September 2011 bis 8. Januar 2013 ereignete n sich im Alters- und Pflegeheim X.____ diverse Diebstähle zum Nachteil diverser Hei mbewohner. Mehrfach geschädigt wur- de B.____. In dessen Portemonnaie wurde eine Diebes falle, bestehend aus einer mit Silber- nitrat präparierten Banknote, installiert. Am 8. Ja nuar 2013 meldete B.____ einen weiteren Diebstahl. Daraufhin wurden alle während der Tatzeit diensthabenden Personen auf Silberni- tratspuren überprüft. Bei A.____ – und nur bei ihr – fanden sich an ihren Händen und der Kleidung Rückstände von Silbernitrat. A.____ wurde vorläufig festgenommen. Sie bestritt sämtliche Taten mit Nachdruck. Aufgrund der Indizie nlage kann ihr jedoch der Diebstahl nachgewiesen werden. Diesbezüglich wird auf den zu erlassenden Strafbefehl verwiesen. Bezüglich der übrigen Diebstähle fehlen entsprechen de Beweise. Ein Vergleich des Dienst- plans mit den Tatzeiten zeigte, dass A.____ zu mehreren Tatzeiten Dienst hatte, an anderen jedoch nicht. Eine Hausdurchsuchung bei A.____ verlief negativ. Es ist daher - im Zweifel zu Gunsten der Beschuldigten – davon auszugehen, dass A.____ die übrigen Diebstähle nicht verübt hat. Ein hinreichender Beweis der Täterschaf t kann nicht erbracht werden, weshalb das Verfahren einzustellen ist (Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO).“ Weiter wurden der Beschwerdeführerin in Ziffer 4 der Einstellungsverfügung die Verfahrenskos- ten in Anwendung von Art. 426 Abs. 2 StPO auferlegt . Als Begründung führte die Staatsanwalt- schaft aus, die Beschwerdeführerin habe durch den b egangenen geringfügigen Diebstahl die Eigentumsrechte von Y.____ (Pflegeheimleiter) verletzt. Auch habe sie Kenntnis davon gehabt, dass sich an ihrem Arbeitsort in der Vergangenheit Diebstähle ereignet hätten. Aufgrund dieses in zivilrechtlicher Weise vorwerfbaren Verhaltens h abe sie selbst den Anlass für den Tatver- dacht auf weitere Delikte begründet. Dementsprechen d habe die Beschwerdeführerin durch ihr Verhalten rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt. 2.2 Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Besc hwerde vom 3. Juni 2013 geltend, die Begründung der Staatsanwaltschaft für eine Aufe rlegung der Verfahrenskosten, nämlich dass die Beschwerdeführerin bei Begehung des zur Last gelegten Delikts hätte wissen müssen, dass die Untersuchungsbehörde auch weitere Vorfälle aus der Vergangenheit untersuchen werde, nicht angehe. Diese Vorgehensweise stelle nichts anderes als eine implizite Verurteilung dar, wodurch die Staatsanwaltschaft gegen das Prinz ip der Unschuldsvermutung verstosse. Im Übrigen würde die Staatsanwaltschaft unberücksichtigt lassen, dass die strafrechtliche Verurtei- lung der Beschwerdeführerin gar nicht rechtskräftig geworden sei. Aufgrund ihrer Einsprache vom 31. Mai 2013 gegen den Strafbefehl vom 23. Mai 2013 gelte sie weiterhin als unschuldig, weshalb die Begründung der Staatsanwaltschaft, die Beschuldigte habe einen Diebstahl be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gangen, nicht zu hören sei. Insofern könne der Besc huldigten somit keinerlei zivilrechtlich rele- vantes Verschulden zur Last gelegt werden. 2.3 In ihrer Stellungnahme vom 17. Juni 2013 hält die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen fest, dass die Beschwerdeführerin einen geringfügig en Diebstahl im sicheren Wissen darum begangen habe, dass an ihrem Arbeitsort bereits zah lreiche gleichgelagerte Diebstähle began- gen worden seien. Damit habe sie zweifelsohne die Eigentumsrechte des Geschädigten verletzt und überdies auch gegen die ihr als Arbeitnehmerin beziehungsweise als Pflegekraft im besag- ten Alters- und Pflegeheim obliegenden Sorgfalts- u nd Treuepflichten verstossen. Folglich liege bezüglich des einen geringfügigen Diebstahls ein ni cht nur straf-, sondern auch zivilrechtlich vorwerfbares Verhalten vor. Auch hätte sie anhand i hres Wissens bei der Begehung der Tat zumindest annehmen müssen, dass – wenn sie für dies e Tat belangt werden kann – ihr auch weitere ähnlich gelagerte Diebstähle am selben Tatort angelastet werden könnten. 2.4 Bei einer Einstellungsverfügung im Rahmen des Vorv erfahrens im Sinne eines Verzichts auf die Weiterverfolgung wird bewusst von einer for mellen Schuldfeststellung abgesehen, wes- halb der beschuldigten Person grundsätzlich keine V erfahrenskosten auferlegt werden (F RANK RIKLIN , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Vor Art. 52 -55 N 35). Eine Kostenauflage ist ausnahmsweise möglich, falls die Voraussetzungen, w elche eine Kostentragungspflicht der beschuldigten Person trotz Verfahrenseinstellung re chtfertigen, gegeben sind (T HOMAS DOMEISEN , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 426 N 8). Gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO können auch bei Einstellung des Verfahrens die Verfahrensk osten der beschuldigten Person ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn diese die Einleitu ng des Verfahrens rechtswidrig und schuld- haft bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat . Widerrechtlichkeit liegt hierbei nur vor, wenn entweder ein Rechtsgut oder eine Verhaltensnor m, die den Schutz des Geschädigten bezweckt, verletzt wird. Im Weiteren setzt die Kost enauflage schuldhaftes Verhalten voraus. Dabei ist vom zivilrechtlichen Verschuldensbegriff auszugehen, da die Kostenauflage mit einer den zivilrechtlichen Grundsätzen angenäherten Haftu ng begründet wird (BGer 1B_180/2012 vom 24. Mai 2012 E. 2.2; NIKLAUS SCHMID , Handbuch StPO, 2. Aufl. 2013, N. 1787). Diese Bestimmung kodifiziert die Praxis des Bundesg erichts und der EMRK-Organe, wonach eine Kostenauflage möglich ist, wenn die beschuldig te Person in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise gegen eine geschriebene oder ungeschriebene V erhaltensnorm klar verstossen und dadurch die Einleitung des Strafverfahrens veranlas st hat. Das Verhalten muss unter rechtli- chen Gesichtspunkten vorwerfbar sein (Urteil 6B_181 /2013 vom 29. August 2013 E. 1.3 mit Hinweisen). Dabei darf sich die Kostenauflage in ta tsächlicher Hinsicht nur auf unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen (B Ger 1B_180/2012 vom 24. Mai 2012 E. 2.2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts verstösst eine Kostenauf- lage bei Freispruch oder Einstellung des Verfahrens gegen die Unschuldsvermutung gemäss Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK, wenn der beschuldigten Person in der Begründung des Kostenentscheids direkt oder indirekt vorgeworf en wird, es treffe sie ein strafrechtliches Verschulden. Damit käme die Kostenauflage einer Ver dachtsstrafe gleich (BGer 6B_229/2013 vom 4. Juli 2013 E. 1.3 mit Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Gemäss den vorstehenden Erwägungen können der Besch werdeführerin die Kosten des Verfahrens betreffend mehrfachen Diebstahls, begangen in der Zeit vom 5. September 2011 bis 22. November 2012 (SI1 13 22) bei Einstellung desse lben also nur dann auferlegt werden, wenn sie die Einleitung genau dieses eingestellten Verfahrens rechtswidrig und schuldhaft be- wirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (vgl. Art. 426 Abs. 2 StPO). 3.1 Die Staatsanwaltschaft begründet die Auflage der K osten für das zuvor erwähnte Verfah- ren betreffend mehrfachen Diebstahls, begangen in d er Zeit vom 5. September 2011 bis 22. November 2012 (SI1 13 22) im Wesentlichen damit , dass die Beschwerdeführerin durch den begangenen geringfügigen Diebstahl vom 7./8. Ja nuar 2013 die Eigentumsrechte des Ge- schädigten sowie die ihr obliegenden Treuepflichten ihrem Arbeitgeber gegenüber verletzt ha- be. 3.2 Die Beschwerdeführerin wurde mit Strafbefehl der S taatsanwaltschaft vom 23. Mai 2013 in der Tat des geringfügigen Diebstahls für schuldi g erklärt und es wurden ihr gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO gleichzeitig die diesbezüglich en Verfahrenskosten auferlegt. Dieser Schuldspruch betraf den Diebstahl vom 7./8. Januar 2013 (Verfahren SI2 13 4952). Das Straf- gerichtspräsidium Basel-Landschaft bestätigte am 14 . März 2014 diesen Strafbefehl. Hinsicht- lich der Rechtskraft dieses Urteils ist indessen ni chts aktenkundig. Aus dem besagten Schuld- spruch darf jetzt aber nicht einfach geschlossen we rden, dass die Beschwerdeführerin auch für die anderen Diebstähle, begangen in der Zeit vom 5. September 2011 bis 22. November 2012, verantwortlich ist. Soweit geht die Staatsanwaltsch aft denn auch nicht. Aus der angefochtenen Einstellungsverfügung vom 23. Mai 2014 ist zu entne hmen, dass für eine Täterschaft der Be- schwerdeführerin an den weiteren zwischen dem 5. Se ptember 2011 und 22. November 2012 begangenen Diebstählen kein hinreichender Beweis er bracht werden könne, zumal weder durch den Vergleich des Dienstplans mit den Tatzeit en noch aufgrund der durchgeführten Hausdurchsuchung der Tatverdacht gegen die Beschwer deführerin erhärtet worden sei. Diese Feststellung bedeutet, dass der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Diebstähle im Zeitraum vom 5. September 2011 bis 22. November 2012 kein st rafrechtlicher Vorwurf gemacht werden kann. Eine Kostenauflage kommt also allein und auss chliesslich dann in Frage, wenn die Be- schwerdeführerin in zivilrechtlich vorwerfbarer Wei se die Einleitung des nunmehr eingestellten Verfahrens rechtswidrig und schuldhaft bewirkt hat. Dieses zivilrechtliche Fehlverhalten kann indessen nicht einfach aus einer anderweitigen Veru rteilung, in casu der Schuldspruch wegen dem Diebstahl vom 7./8. Januar 2013, abgeleitet wer den. Diese einmalige Verurteilung kann keine derartige, fallübergreifende Auswirkung haben . Die erfolgte Verletzung der Eigentums- rechte des Geschädigten sowie der Treuepflichten ih rem Arbeitgeber gegenüber kann also nur im Verfahren betreffend den Diebstahl vom 7./8. Jan uar 2013 berücksichtigt werden und darf nicht zu einer generellen zivilrechtlichen Verantwo rtlichkeit der Beschwerdeführerin hinsichtlich weiterer Diebstähle führen. Die Staatsanwaltschaft verkennt also, dass für die vorliegend zu beurteilende Rechtmässigkeit der Auferlegung der Verfahrenskosten bezüglich des eingestellten Verfahrens alleine die Ereig- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nisse in der Zeit vom 5. September 2011 bis 22. November 2012 als massgeblich zu betrachten sind und nicht etwa der sich am 7./8. Januar 2014 zugetragene Vorfall. 3.3 Die Staatsanwaltschaft macht weiter geltend, die B eschwerdeführerin habe davon Kennt- nis gehabt, dass sich an ihrem Arbeitsort in der Ve rgangenheit Diebstähle ereignet hätten. Mit der Begehung des Diebstahls vom 7./8. Januar 2013 h abe sie deshalb davon ausgehen müs- sen, dass sie wegen weiterer ähnlich gelagerter Die bstähle am selben Tatort angeschuldigt resp. deswegen gegen sie ein Verfahren eröffnet werden könnte. Aufgrund dieses in zivilrechtli- cher Weise vorwerfbaren Verhaltens habe sie selbst den Anlass für den Tatverdacht auf weitere Delikte begründet. Dementsprechend habe die Beschwe rdeführerin durch ihr Verhalten rechts- widrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt. 3.4 Diesem Argument ist Folgendes entgegenzuhalten: Di e Diebstähle, um die es in der an- gefochtenen Verfügung geht, betreffen die Zeit vom 5. September 2011 bis 22. November 2012. Demgegenüber wurde der geringfügige Diebstahl , für den die Beschwerdeführerin mit Strafbefehl vom 23. Mai 2013 verurteilt wurde, am 7 ./8. Januar 2013 – mithin mehr als ein Jahr später – begangen. In Anbetracht dieses zeitlichen Unterbruchs lässt sich kein kausaler Konnex zwischen den besagten Diebstählen konstruieren. Im Übrigen ist es bei einem strafrechtlich relevanten Vorfall nicht unüblich, dass die Strafbe hörde nachfolgend auch noch weitere, mög- licherweise damit in Zusammenhang stehende Vorfälle untersucht. Insofern ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass die Staatsanwaltschaft weg en des geringfügigen Diebstahls vom 7./8. Januar 2013 auch Untersuchungen bezüglich der reichlich früher, in der Zeit vom 5. Sep- tember 2011 bis 22. November 2012 erfolgten Diebstä hle in die Wege leitete. Diese routine- mässig durchgeführte Ermittlungshandlung vermag ind essen die als Ausnahme vorgesehene und nur in den Schranken von Art. 426 Abs. 2 StPO z ulässige Auferlegung der Kosten für das eingestellte Verfahren ebenfalls nicht zu rechtfertigen. In casu ist demnach nicht ersichtlich, inwiefern di e Beschwerdeführerin durch ihr Handeln in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise klar gegen eine V erhaltensnorm verstossen hätte. Folgerichtig ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin d ie Einleitung des Strafverfahrens nicht rechtswidrig und schuldhaft bewirkte. Demnach aufer legte die Staatsanwaltschaft der Be- schwerdeführerin gestützt auf Art. 426 Abs. 2 StPO zu Unrecht die vorinstanzlichen Kosten des eingestellten Verfahrensteils. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. 4. Kosten Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien im Rechtsmittelverfahren die Kosten nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Da die Beschwerdeführerin vorliegend mit ihrem Begehren vollumfänglich durchgedrungen ist, gehen bei diesem Verfahrensausgang die Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 800.-- zu Lasten des Staates. Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens ist der Bes chwerdeführerin zudem gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Parteientschädigun g zuzusprechen. Hierfür hat der Rechtsver- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht treter der Beschwerdeführerin die vom 3. Juni 2013 datierende Honorarnote eingereicht und einen Aufwand von 4.25 Stunden à CHF 250.-- geltend gemacht. Die Höhe der Entschädigung richtet sich grundsätzlich nach den kantonalen Anwaltstarifen. Da das Strafverfahren vorliegend im Kanton Basel-Landschaft durchgeführt wurde, gela ngt die Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) zur Anwendung. Bei der Festsetzung des Honorars ist somit der konkret an- gefallene Zeitaufwand massgebend (vgl. § 2 Abs. 1 T O). Grundsätzlich werden die Verteidi- gungskosten voll entschädigt. Die Bemühungen des An waltes müssen im Umfang aber den Verhältnissen entsprechen, d.h. sachbezogen und ang emessen sein. Wird eine Honorarnote als unverhältnismässig beurteilt, kann sie in entsp rechendem Umfang gekürzt werden, wobei die Herabsetzung lediglich bei massgeblichen Abweichungen von der Kostennote zu begründen ist. Im Weiteren gilt praxisgemäss für mittlere bzw . durchschnittliche Fälle ein Stundenansatz von CHF 250.--, während für leichte Fälle ein Ansat z von CHF 220.-- bis 230.-- pro Stunde zu- grunde gelegt wird. In komplexen Fällen kann ausnah msweise ein höherer Stundenansatz von CHF 270.-- bis 280.-- bestimmt werden, wobei hier Zurückhaltung am Platze ist. Angesichts des in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht eher leic hten Schwierigkeitsgrades des vorliegenden Falles ist der Stundenansatz von CHF 250.-- auf CHF 230.-- zu reduzieren. Ferner erscheint ein Zeitaufwand von 4.25 Stunden unter Berücksichtigung des Umfangs der Beschwerdeschrift und der getätigten Konsultationen als zu hoch, weshalb er von 4.25 auf 3.00 Stunden zu reduzieren ist. Dementsprechend ist der Beschwerdeführerin ein e Parteientschädigung von 3 Stunden à CHF 230.--, zuzüglich Auslagen von CHF 10.-- und 8 % Mehrwertsteuer von CHF 56.--, mithin ein Betrag von CHF 756.-- zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde vom 03. Juni 2013 wird Ziffer 4 der Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Sissach, vom 23. Mai 2013 aufgehoben und wie folgt lautend geän- dert: „Die Kosten des eingestellten Verfahrensteils in de r Höhe von insg e- samt CHF 545.--, bestehend aus den Kosten für die S taatsanwalt- schaft von CHF 219.--, den Kosten für die Polizei v on CHF 125.-- und den Kosten für die Gebühr der Einstellungsverfügung (inkl. Porto) von CHF 201.--, gehen zu Lasten des Staates.“ 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahren s in der Höhe von CHF 800.-- gehen zu Lasten des Staates. 3. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschäd igung in der Höhe von CHF 756.-- (inkl. Auslagen von CHF 10.-- und Me hrwertsteuer von CHF 56.--) zulasten der Staatskasse zugesprochen. 4. Dieser Entscheid wird den Parteien schriftlich eröffnet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber i.V. Adrian Kägi