Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 6. September 2018 BEK 2018 87 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin lic. iur. Daniela Pérez-Steiner, Kantonsrichter Clara Betschart und Josef Reichlin, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch, a.o. Gerichtsschreiberin M.A. HSG Melanie von Rickenbach. In Sachen A.________, Gesuchsgegner und Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin B.________, gegen C.________, Gesuchstellerin und Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwältin D.________, betreffend definitive Rechtsöffnung (Beschwerde gegen den Entscheid des Bezirksgerichts Einsiedeln vom 1. Ju- ni 2018, ZES 2018 122);- hat die Beschwerdekammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Der Einzelrichter am Bezirksgericht Einsiedeln verfügte mit superprovi- sorischer Verfügung vom 13. Dezember 2017 im Eheschutzverfahren zwi- schen den Parteien u.a. das Folgende (Vi-act. B.3): 4. Der Gesuchsgegner wird mit sofortiger Wirkung verpflichtet, der Ge- suchstellerin monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Mo- nats für die beiden Kinder E.________ und F.________ einen Unter- haltsbeitrag von je CHF 2‘000.00 zu bezahlen. 5. Der Gesuchsgegner wird mit sofortiger Wirkung verpflichtet, der Ge- suchstellerin an deren persönlichen Unterhalt monatlich im Voraus je- weils auf den Ersten eines jeden Monats CHF 2‘500.00 zu bezahlen. 8. Dem Gesuchsgegner wird Frist angesetzt innert 14 Tagen ab Erhalt der vorliegenden Verfügung, zur Eingabe der Gesuchstellerin vom 06.12.2017 Stellung zu nehmen. Im Säumnisfall erfolgt Nachfristanset- zung unter Androhung von Rechtsnachteilen. Der Gesuchsgegner reichte am 4. April 2018 seine Stellungnahme zur super- provisorischen Verfügung ein (Vi-act. C.2). 2. Laut Zahlungsbefehl Nr. zz des Betreibungsamtes Einsiedeln vom 12. April 2018 betreibt die Gesuchstellerin den Gesuchsgegner, der rechtzeitig Rechtsvorschlag erhob, für ausstehenden Unterhalt im Betrag von Fr. 3‘157.20 nebst 5% Zins seit 1. Februar 2018, Fr. 3‘280.90 nebst 5% Zins seit 1. März 2018 sowie Fr. 3‘846.05 nebst 5% Zins seit 1. April 2018 (Vi- act. B.2). Am 3. Mai 2018 ersuchte sie beim Bezirksgericht Einsiedeln um de- finitive Rechtsöffnung (Vi-act. A.1). Der Einzelrichter hiess das Rechtsöff- nungsbegehren für alle drei Beträge je mit Zinsen ab 12. April 2018 am 1. Juni 2018 teilweise gut. Der Gesuchsgegner beantragt mit Beschwerde vom 14. Juni 2018 dem Kantonsgericht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und das Rechtsöffnungsgesuch vollumfänglich abzuweisen. Ausserdem er- sucht er darum, seiner Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen Kantonsgericht Schwyz 3 (KG-act. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2018 verlangt die Gesuch- stellerin, die Beschwerde abzuweisen und keine aufschiebende Wirkung zu erteilen (KG-act. 6). Am 18. Juli 2018 gewährte die Verfahrensleitung die auf- schiebende Wirkung (KG-act. 8). 3. Der Gesuchsgegner stellt infrage, ob der vorinstanzliche Richter nicht in den Ausstand hätte treten müssen, weil er schon im laufenden Eheschutzver- fahren die superprovisorische Verfügung vom 13. Dezember 2017 erliess (KG-act. 1, S. 23). Ein Ausstandsgesuch ist gemäss Art. 49 Abs. 1 ZPO unverzüglich nach Kenntnis des Ausstandsgrundes an dasjenige Gericht zu stellen, dessen Ge- richtsperson in den Ausstand treten soll. Der Gesuchsgegner wusste spätes- tens ab Erhalt der Verfügung des Rechtsöffnungsrichters bezüglich Fristver- längerung vom 4. Mai 2018 (Vi-act. D.2), dass derselbe Richter aus dem Ehe- schutzverfahren auch über die Rechtsöffnung entscheiden wird. Er hätte das Ausstandsgesuch umgehend noch vor seiner Stellungnahme vom 23. Mai 2018 an die Vorinstanz richten müssen (BGE 132 II 485, E. 4.3; Weber, BSK, 3. A. 2017, Art. 49 ZPO N 2). Die Infragestellung der Unbefangenheit des Vorderrichters ist mithin verspätet. 4. Der Gesuchsgegner wirft dem Rechtsöffnungsrichter vor, zu Unrecht davon auszugehen, die Verfügung vom 13. Dezember 2017 (vgl. oben E. 1) stelle einen definitiven Rechtsöffnungstitel dar und sei vollstreckbar. Es ist rechtlich zu prüfen, ob diese gestützt auf Art. 265 ZPO superprovisorisch er- gangene Verfügung einen Rechtsöffnungstitel im Sinne eines vollstreckbaren gerichtlichen Entscheids nach Art. 80 Abs. 1 SchKG ist (Art. 320 lit. a ZPO). Der Vorderrichter bejahte dies gestützt auf einen ihn überzeugenden Ent- scheid des Kantonsgerichts Graubünden (KSK 17 50 vom 9. Oktober 2017), wonach es einem schützenswerten Bedürfnis der berechtigten Partei entspre- che, in einem zur endgültigen Festlegung der Unterhaltsbeiträge längere Zeit Kantonsgericht Schwyz 4 beanspruchenden Verfahren für superprovisorisch zugesprochenen Unterhalt definitive Rechtsöffnung zu erteilen, solange die Unterhaltsbeiträge nicht durch den unverzüglich zu erlassenden Entscheid nach Art. 265 Abs. 2 ZPO ex tunc ersetzt würden. Er hielt fest, dass in vorliegendem äusserst umfang- reichem Eheschutzverfahren frühestens Mitte 2018 mit dem Entscheid zu rechnen wäre und es gerichtsnotorisch sei, dass die Gesuchstellerin kein Er- werbseinkommen zu erzielen vermöge (vgl. angef. Verfügung E. 7). a) Beruht die Forderung auf einem vollstreckbaren gerichtlichen Entscheid, so kann der Gläubiger beim Richter die Aufhebung des Rechtsvorschlags ver- langen (definitive Rechtsöffnung, Art. 80 Abs. 1 SchKG). Laut Art. 336 Abs. 1 ZPO ist ein Entscheid vollstreckbar, wenn er rechtskräftig ist und das Gericht die Vollstreckung nicht aufgeschoben hat oder wenn er noch nicht rechtskräftig ist, jedoch die vorzeitige Vollstreckung bewilligt wurde. Eine su- perprovisorische Massnahme kann gemäss Art. 265 Abs. 1 ZPO bei besonde- rer Dringlichkeit sofort und ohne Anhörung der Gegenpartei vom Gericht an- geordnet werden und es steht kein Rechtsmittel beziehungsweise keine Ein- sprachemöglichkeit zur Verfügung (Sprecher, BSK, 3. A. 2017, Art. 265 ZPO N 32 mit Hinweisen; Reetz/Theiler in Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar, 3. A. 2016, Art. 308 ZPO N 34; CAN 3/2012 Nr. 53), weshalb sie zumindest vorübergehend im Sinne von Art. 336 Abs. 1 ZPO vollstreckbar scheint. Indes werden auf Geldzahlung lautende Entscheide nach den Be- stimmungen des SchKG vollstreckt (Art. 335 Abs. 2 ZPO), weshalb der gel- tend gemachte Rechtsöffnungstitel nach diesem Gesetz zu prüfen ist. Immer- hin ist an dieser Stelle anzumerken, dass eine superprovisorische Verfügung im Sinne von Art. 265 Abs. 1 ZPO zufolge des unverzüglich notwendigen Ent- scheids des Massnahmerichters in einem kontradiktorischen Verfahren (Art. 265 Abs. 2 ZPO) nicht rechtskräftig (Müller, PraxiZ 2014 S. 72 mit Hin- weisen) bzw. zufolge ihrer voraussetzungslosen Modifizierbarkeit nicht rechts- kraftfähig ist (Droese, Res iudicata – ius facit, 2015, S. 150). Soweit es sich aber um eine Verfügung handelt, die nicht rechtskräftig werden kann, wäre Kantonsgericht Schwyz 5 deren Vollstreckbarkeit durch Art. 336 ZPO strenggenommen gar nicht er- fasst. Neben der Vollstreckbarkeit wird daher auch der Entscheidbegriff von Art. 80 Abs. 1 SchKG erheblich sein. b) Das Bundesgericht definierte vor Erlass der Schweizerischen Zivilpro- zessordnung den Begriff des vollstreckbaren gerichtlichen Zivilurteils gemäss Art. 80 Abs. 1 SchKG als ein Urteil über eine zwischen zwei oder mehreren Parteien bestrittene Frage, nachdem den Parteien in einem vorausgegange- nen Verfahren Gelegenheit zur Vernehmlassung über das streitige Begehren geboten worden war (BGE 67 I 6 E. 2). Diese Rechtsprechung wurde in späte- ren Bundesgerichtsurteilen bestätigt (BGE 87 I 61 E. 5b; 101 Ia 13 E. 3). Das Element des kontradiktorischen Verfahrens, bei welchem sich beide Parteien vor Ergehen des Entscheids zur Streitsache äussern können, ist gemäss die- ser Rechtsprechung ein Definitionsmerkmal eines gerichtlichen Urteils im Sin- ne von Art. 80 Abs. 1 SchKG (BGE 101 Ia 13 E. 3). Im Zuge der Einführung der Schweizerischen Zivilprozessordnung wurde im SchKG einzig die Termi- nologie angepasst und dadurch der Begriff des Urteils durch Entscheid er- setzt, dagegen der vollstreckungsrechtliche Dualismus beibehalten, wonach sich die Realvollstreckung nach den Bestimmungen der ZPO und die Vollstre- ckung von Geldzahlungen nach dem SchKG richten (Staehelin, BSK, 2. A. 2010, Art. 80 SchKG N 2b; Droese, BSK, 3.A. 2017, Art. 335 ZPO N 2). Ent- sprechend änderte sich der Wortlaut von Art. 80 Abs. 1 SchKG ansonsten auch nicht. Das Bundesgericht definiert eine Zivilrechtsstreitigkeit nach wie vor als kontradiktorisches Verfahren zwischen mindestens zwei Parteien, das auf die endgültige, dauernde Regelung zivilrechtlicher Verhältnisse im Sinne einer res iudicata abzielt (BGE 136 III 178 E. 5.2; BGer 4A_273/2015 vom 8. Sep- tember 2015 E. 4.1), worunter auch Verfahren auf Erlass vorsorglicher Mass- nahmen etwa im Eheschutzverfahren fallen (Vock/Nater, BSK, 3. A. 2017, Art. 1 ZPO N 5 m. Hinw.). Dass die Herkunft eines Entscheids aus einem kon- tradiktorischen Verfahren weiterhin für die Annahme eines definitiven Rechtsöffnungstitels nach Art. 80 Abs. 1 SchKG vorauszusetzen ist, unter-Kantonsgericht Schwyz 6 streicht der Umstand, dass auch die in Abs. 2 dieses Artikels weiteren zuläs- sigen definitiven Rechtsöffnungstitel in Verfahren entstehen, in die der Schuldner involviert ist (dazu Vock/Aepli-Wirz, SK, 2017, Art. 80 SchKG, N 26 f., 31 und 35; Staehelin, a.a.O., Art. 80 SchKG, N 58a, 58d und 121). c) Aufgrund der Lehre drängen sich keine anderen Schlussfolgerungen auf. Schon früh betrachtet sie die gesetzmässige Beteiligung der Parteien an einem Entscheidverfahren als Rechtskraftvoraussetzung (Blumenstein, Hand- buch des Schweizerischen Schuldbetreibungsrechtes, 1911, S. 288) und folgt der Praxis, wonach das kontradiktorische Verfahren ein Begriffsmerkmal des Urteils im Sinne von Art. 80 Abs. 1 SchKG ist (Panchaud/Caprez, Die Rechtsöffnung, 1980, § 99 II Ziff. 1; Fritzsche/Walder, Schuldbetreibung und Konkurs nach schweizerischem Recht, Band I, 1984, S. 233, N 4; Jae- ger/Walder/Kull/Kottmann, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Kon- kurs I, 1997, Art. 80 SchKG, S. 346; Vock, KUKO, 2.A. 2014, Art. 80 SchKG, N 3). Ein definitiver Rechtsöffnungstitel liegt nur dann vor, wenn der Schuldner im vorangegangenen materiellrechtlichen Verfahren ausreichend Gelegenheit hatte, sich sowohl zum Bestand als auch zum Quantitativ der Forderung zu- mindest in einem Rechtsbehelf oder Rechtsmittel zu äussern (Stücheli, Die Rechtsöffnung, Zürich 2000, S. 213; Staehelin, a.a.O., Art. 80 SchKG, N 14; Peter, La mainlevée de l’opposition – La mainlevée définitive, in CIVPRO 5, 2014, S. 8). d) Unter der Ägide des kantonalen Prozessrechts genügte die vorläufige Vollstreckbarkeit nicht (Panchaud/Caprez, a.a.O., § 109 Ziff. 4 unter Hinweis auf einen Entscheid aus dem Kanton Thurgau, dagegen jedoch in Bezug auf eine atypische nach Anhörung der Parteien ergangene superprovisorische Massnahme RBOG TG 2005 Nr. 22, E. 2b). So entschied auch das Kantons- gericht Schwyz (EGV-SZ 1985 Nr. 38) und wich von dieser Praxis auch nach einer Änderung der Gerichtsordnung, wonach der Einsprache gegen eine su- perprovisorische Verfügung keine aufschiebende Wirkung mehr zukam, mit Kantonsgericht Schwyz 7 der Begründung nicht ab, dass die Verpflichtung zu regelmässig wiederkeh- rendem Unterhalt nicht in einem kontradiktorischen Verfahren erfolgte (KG 138/97 RK2 vom 20. Juni 1997 E. 6). Daran ist angesichts der Voraussetzung der definitiven Rechtsöffnung, dass der Vollstreckung mit einer gewissen Si- cherheit keine materiellrechtlichen Hindernisse entgegenstehen (Blumenstein, a.a.O., S. 261), und des in der Bundesgerichtspraxis ausgebildeten Urteilsbe- griffs (vgl. oben lit. b) festzuhalten. Der vom Vorderrichter zitierte Entscheid des Kantonsgerichts Graubünden geht davon aus, dass für superprovisorisch angeordnete Unterhaltsbeiträge nur solange definitive Rechtsöffnung erteilt werden kann, als sie nicht durch den unverzüglich zu erlassenden Entscheid im Sinne von Art. 265 Abs. 2 ZPO ersetzt worden sind, was für den vorliegen- den Fall nachfolgend zu thematisieren ist. e) Vorauszuschicken ist, dass im Rechtsöffnungsverfahren abgesehen vom Fall der Nichtigkeit (vgl. dazu Stücheli, a.a.O., S. 214) die Zulässigkeit von superprovisorischen Entscheiden über Unterhaltszahlungen im Ehe- schutzverfahren nicht geprüft werden darf (Vock/Aepli-Wirz, a.a.O., Art. 80 SchKG N 2). Mithin darf das Erfordernis eines unverzüglichen Entscheides nach einem Superprovisorium im Sinne von Art. 265 Abs. 1 ZPO nur in Bezug auf dessen Art und Vollstreckbarkeit beurteilt werden. Nach Erlass der super- provisorischen Verfügung ist die Gegenpartei schnellstmöglich anzuhören und über das Gesuch unverzüglich zu entscheiden (Art. 265 Abs. 2 ZPO; Sutter- Somm/Chevalier in Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar, 3.A. 2016, Art. 53 ZPO N 23; Sprecher, a.a.O., Art. 265 ZPO N 35). Im Falle zeitli- cher Dringlichkeit ist es mit dem Gehörsanspruch ohne weiteres vereinbar, der Gegenpartei für die Ausübung ihres Äusserungsrechts eine Frist anzusetzen, solange dies eine gehörige Wahrung ihres Anhörungsanspruches effektiv er- laubt (Waldmann, BSK, 2015, Art. 29 BV, N 47). Effektiv geheilt werden kann die Möglichkeit einer Gehörsverletzung indes nur dann, wenn vor einer Voll- streckung der zunächst nicht angehörten Partei das rechtliche Gehör ein- geräumt wird, bzw. die Verletzung ihres Äusserungsrecht in einem späteren Kantonsgericht Schwyz 8 Verfahrensabschnitt derart geheilt wird, dass die umfassende Geltung des Fairnessgebots nicht relativiert oder gar ausser Kraft gesetzt wird (dazu Waldmann, ebd., N 17). Daher muss das rechtliche Gehör im Zuge des Mass- nahmeverfahrens gewährt und ein Entscheid nach Art. 265 Abs. 2 ZPO schnellstmöglich ergehen, mithin bevor überhaupt ein Rechtsöffnungsverfah- ren spruchreif werden kann. In solcher Verfahrensweise und nicht durch eine Rechtsöffnung ist der allfälligen Notlage einer Gläubigerin Rechnung zu tra- gen. Wenn der Richter von einem umfangreichen langdauernden Eheschutz- verfahren ausgeht, hat er superprovisorisch angeordneten Unterhalt vorab im Verfahren von Art. 265 Abs. 2 ZPO zu überprüfen, zumal auch dieser Ent- scheid vorläufiger Natur und mithin änder- bzw. aufhebbar ist (Art. 268 Abs. 1 ZPO). Eine Anhörung im Rechtsöffnungsverfahren kann die fehlende An- hörung im Eheschutzverfahren nicht heilen, weil der Rechtsöffnungsrichter prinzipiell wie gesagt keine – auch nicht summarische – materiellrechtliche Beurteilung vornimmt. So können vorsorgliche Massnahmen erst nach erfolg- ter Anhörung vollstreckt werden (Gehri, BSK, 3. A. 2017, Art. 53 ZPO N 14). Damit sind superprovisorische Massnahmen nur unter erfüllter suspensiver Bedingung einer nach Anhörung der Gegenpartei ergehenden richterlichen Bestätigung vollstreckbar. In diesem Sinne hat das Bundesgericht betreffend ausländische superprovisorische Massnahmen nach LugÜ präzisiert, dass sie nur dann anerkannt werden, wenn der Schuldner sie im Urteilsstaat nachträg- lich überprüfen lassen und damit seinen Anspruch auf rechtliches Gehör aus- üben kann (BGE 129 III 626 E. 5.2.2) und zwar in einem kontradiktorischen Verfahren und bevor um Anerkennung und Vollstreckung der Massnahme in einem anderen Vertragsstaat ersucht wurde (BGer 4P.331/2005 vom 1. März 2006, E. 7.4). Somit ist festzuhalten, dass es mit der Verfahrensfair- ness nach Art. 29 Abs. 1 BV nicht zu vereinbaren ist, aufgrund von superpro- visorischen Verfügungen definitive Rechtsöffnung zu gewähren, die noch nicht in einem Verfahren nach Art. 265 Abs. 2 ZPO bestätigt worden sind.Kantonsgericht Schwyz 9 f) Die Rechtsöffnung ist schliesslich auch nicht mit dem Argument zu rechtfertigen, zufolge Ausbleibens des gesetzlich erforderlichen unverzügli- chen Massnahmeentscheids könne mit einer Beschwerde wegen formeller Rechtsverweigerung (dazu Art. 319 lit. c ZPO und Sprecher, a.a.O., Art. 265 ZPO N 32) vorläufiger Rechtsschutz erwirkt werden (Art. 325 Abs. 2 ZPO). Ein Aufschub ist logischerweise nur insofern möglich, als, was vorliegend gerade nicht der Fall ist, ein anfechtbarer Entscheid vorliegt (Spühler, BSK, 3. A. 2017, Art. 325 ZPO N 3). Deshalb soll die nicht angehörte Gegenpartei das kontradiktorische Verfahren vor dem Massnahmerichter durchlaufen und ge- gen dessen definitiven Entscheid vorläufigen Rechtsschutz erwirken. Der Rechtsuchende kommt bei der Weiterverfolgung des Massnahmeverfahrens nach Art. 261 ff. ZPO in aller Regel rascher zum Ziel als mit einem anderen Rechtsmittel, dessen Ergreifung zudem zu Doppelspurigkeiten führen würde. Es entspricht dem System des Massnahmeverfahrens, dass dieses rasch vor- angetrieben und abgeschlossen wird (BGE 137 III 417 E. 1.2). Dass im vorlie- genden Fall derselbe Richter dieses System aushebelte, indem er das Ehe- schutzverfahren nach superprovisorischer Anordnung von Unterhaltsbeiträgen nicht in der gesetzlich geforderten Schnelligkeit erledigte, und als Rechtsöff- nungsrichter die Zwangsvollstreckung zuliess, ist abgesehen von der Gesetz- widrigkeit mit den Grundsätzen eines fairen Verfahrens nicht vereinbar und kann nicht dem Gesuchsgegner angelastet werden. Mangels Durchführung der Bestätigung in einem kontradiktorischen Verfahren beruhen die superpro- visorischen Unterhaltsbeiträge nicht auf vollstreckbare Entscheide im Sinne von Art. 80 Abs. 1 SchKG. Es kann keine Rechtsöffnung gewährt werden, abgesehen davon, dass das Gesuch um eine superprovisorische Anordnung entgegen den vereinbarten Regeln der gerichtlich geforderten Mediation ge- stellt wurde. 5. Die vorstehenden Erwägungen zusammenfassend ist die nicht in einem kontradiktorischen Verfahren erlassene superprovisorische Verfügung vom 13. Dezember 2017 für den betriebenen Unterhaltsbetrag angesichts ihrer von Kantonsgericht Schwyz 10 Gesetzes wegen stark relativierter Beständigkeit (Art. 265 Abs. 2 ZPO) kein definitiver Rechtsöffnungstitel (Art. 80 Abs. 1 SchKG). Daher ist in Gutheis- sung der Beschwerde und Aufhebung der angefochtenen Verfügung das Rechtsöffnungsgesuch abzuweisen. Ausgangsgemäss sind die Prozesskos- ten (Art. 95 Abs. 1 ZPO) vor beiden Instanzen der unterliegenden Gesuchstel- lerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). a) Die Gesuchstellerin beantragte nur erstinstanzlich (Vi-act. A.1, Rz. 7, Art. 119 Abs. 5 ZPO) die unentgeltliche Rechtspflege. Das Gericht muss zur Beurteilung des Gesuchs in Hinblick auf Art. 117 lit. a ZPO im Stande sein, die Berechnung des prozessualen Existenzminimums vorzunehmen (BGE 125 IV 161 E. 4a; Wuffli, Die unentgeltliche Rechtspflege in der Schwei- zerischen Zivilprozessordnung, 2015, Rz. 681 und 697). Die anwaltlich vertre- tene Gesuchstellerin legte vorinstanzlich ihre Bedürftigkeit nicht dar (Art. 119 Abs. 2 ZPO), weshalb auf das erstinstanzliche Gesuch nicht einzutreten ist. b) Das Gericht bemisst die Parteientschädigung (Art. 105 Abs. 2 i.V.m. Art. 96 ZPO) gestützt auf den kantonalen Gebührentarif der Rechtsanwälte (GebTRA). Die Vergütung richtet sich innerhalb der festgesetzten Mindest- und Höchstansätze nach der Wichtigkeit der Streitsache, ihrer Schwierigkeit, dem Umfang und der Art der Arbeitsleistung sowie dem notwendigen Zeitauf- wand (§ 2 Abs. 1 GebTRA). Im summarischen Verfahren richtet sich der Ta- rifrahmen nach § 10 GebTRA und im Beschwerdeverfahren nach § 12 Geb- TRA. Bei Fehlen einer angemessenen Kostennote setzt das Gericht die Ver- gütung ermessensweise fest (§ 6 Abs. 1 GebTRA), die Mehrwertsteuer gilt als in diesem Betrag enthalten (§ 2 Abs. 2 GebTRA). Der Gesuchsgegner ver- langt unbegründet und ohne Kostennote eine Entschädigung von ca. Fr. 7‘500.00 (KG-act. 1 S. 30), was in Anbetracht des Streitwerts von Fr. 10‘284.15 und des Umfangs der Schreitsache nicht angemessen ist, zumal die Beschwerdeschrift teils unerhebliche Ausführungen über den materiellen Bestand der betriebenen Forderung enthält (ebd. Ziff. B.2.9 – B.2.14). Die Kantonsgericht Schwyz 11 pauschale Entschädigung für beide Instanzen wird daher auf insgesamt Fr. 1‘500.00 (inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt;- beschlossen: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung auf- gehoben und das Rechtsöffnungsgesuch in der Betreibung Nr. zz des Betreibungsamtes Einsiedeln abgewiesen. 2. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens von Fr. 300.00 und diejeni- gen des Beschwerdeverfahrens von Fr. 450.00 werden der Gesuchstel- lerin auferlegt und es wird auf ihr erstinstanzliches Gesuch um unent- geltliche Rechtspflege nicht eingetreten. 3. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, den Gesuchsgegner für die Verfah- ren vor beiden Instanzen mit insgesamt Fr. 1‘500.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 113 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Verfassungsbeschwerde beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; vorbehalten bleibt die Geltendmachung einer Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung mit Beschwerde in Zivilsachen gemäss Art. 72 ff. BGG, die in der glei- chen Rechtsschrift bzw. bei alleiniger Einlegung innert derselben Frist einzureichen ist. Die Beschwerdeschrift muss Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert beträgt Fr. 10‘284.15.Kantonsgericht Schwyz 12 5. Zufertigung an die Parteivertreterinnen (je 2/R) und an die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten) und an die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der Beschwerdekammer Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Der Gerichtsschreiber Versand 6. September 2018 kau