Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 15. Juli 2014 (400 14 83) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Streitwert bei Arbeitsstreitigkeiten / Weiterleitung der Berufung von der unzuständigen Vorinstanz an die Rechtsmittelinstanz von Amtes wegen / Vertreter als Zustellungsemp- fänger der Vorladung Besetzung Präsidentin Christine Baltzer, Richterin Barbara Jermann Richterich (Re- ferentin), Richter Edgar Schürmann; Gerichtsschreiber Andreas Linder Parteien A. ____, vertreten durch Rechtsanwalt Martin Frana, Studer Anwälte und Notare AG, Hintere Bahnhofstrasse 11A, 5080 Laufenburg, Klägerin gegen B. ____ AG , vertreten durch Advokat Marco Albrecht, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz, Beklagte und Berufungsklägerin Gegenstand Arbeitsrecht / Entscheid des Bezirksgerichtspräsidenten Arlesheim vom 19. Februar 2014 A. Die B. ____ AG mit Sitz in X. ____ betreibt ein Un ternehmen für Handel mit und Installati- on von Kühlanlagen und elektrischen Apparaten. A. _ ___ schloss am 14. Mai 2012 mit der B. ____ AG einen schriftlichen Arbeitsvertrag. Dana ch arbeitete sie ab 14. Mai 2012 als kauf- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht männische Angestellte im Büro für die B. ____ AG, wob ei ein monatlicher Lohn von CHF 5‘000.00 brutto bei einem Arbeitspensum von 100 % vereinbart wurde. Am 25. September 2013 sprach die Geschäftsleitung mündlich die Kündigung des Arbeitsverhältnisses aus und stellte A. ____ gleichentags von der Arbeit frei. Mit S chlichtungsgesuch vom 7. November 2013 leitete A. ____ beim Bezirksgericht Arlesheim (ab 1. Ap ril 2014 neu Zivilkreisgericht Basel- Landschaft West) ein Verfahren ein. Sie verlangte die Zahlung der Löhne für die Monate Okto- ber bis Dezember 2013, des 13. Monatslohnes sowie des re stlichen Ferienlohnes. Am 3. Dezember 2013 liess die Advokatur Albrecht & Riedo au s Muttenz dem Bezirksgericht Arles- heim die Übernahme des Mandates als Rechtsvertreterin d er B. ____ AG mitteilen. Anlässlich der Schlichtungsverhandlung vom 16. Dezember 2013, we lche in Anwesenheit der Klägerin sowie einer Anwältin der Advokatur Albrecht & Riedo a bgehalten wurde, unterzeichneten die Parteien eine Vereinbarung unter Widerrufsvorbehalt. Mit Schreiben vom 19. Dezember 2013 widerrief der Rechtsvertreter der Beklagten den Vergleich vom 16. Dezember 2013, worauf das Bezirksgericht Arlesheim am 20. Dezember 2013 die Klagebewilligung ausstellte. B. Mit Klage vom 8. Januar 2014 gelangte A. ____ an da s Bezirksgericht Arlesheim und be- antragte unter Verwendung eines entsprechenden Formu lars, dass die Beklagte zu einer Zah- lung des Lohnes für den Monat Dezember 2013 in der H öhe von CHF 5‘000.00 brutto, eines 13. Monatslohnes von CHF 5‘000.00 brutto und eines Ferienlohnes von CHF 2‘500.00 brutto zu verurteilen sei. Ferner habe die Beklagte noch die Lo hnabrechnungen für Dezember 2013 und bezüglich des 13. Monatslohns, ein Arbeitszeugnis sowie al le notwendigen Dokumente für den Stellenaustritt auszustellen. Am 10. Januar 2014 lud da s Bezirksgericht Arlesheim die Klägerin und die Beklagte zur Hauptverhandlung vor. In Abwesenheit der Beklagten hiess der Bezirksge- richtspräsident Arlesheim die Klage mit Entscheid vom 19. Februar 2014 gut und verurteilte die Beklagte, der Klägerin CHF 9'800.00 netto zu bezahlen. Zudem wurde die Beklagte verurteilt, der Klägerin ein Abschlusszeugnis auszustellen, welches in haltlich dem Zwischenzeugnis von 18. April 2013 entspreche, und der Klägerin einer Arb eitgeberbescheinigung sowie die Stellen- austrittsdokumente zukommen zu lassen. Gerichtskosten wurden keine erhoben und gegensei- tig keine Parteientschädigungen zugesprochen. Am Folget ag eröffnete das Bezirksgericht Arlesheim den Parteien den Entscheid durch Zustellung d es Dispositivs. Mit Schreiben vom 26. Februar 2014 verlangte Advokat Marco Albrecht eine schriftliche Begründung des massge- blichen Entscheides. In der Folge wurde den Parteien die verlangte schriftliche Begründung des Entscheids abgegeben. Auf die massgebliche Begründung i st in den Erwägungen zurückzu- kommen, soweit dies notwendig ist. C. Mit Berufung vom 11. April 2014 gelangte Advokat Mar co Albrecht namens und in Vertre- tung der B. ____ AG an das Kantonsgericht Basel-Landschaf t, Abteilung Zivilrecht, 4144 Arles- heim. Sie liess beantragen, es sei festzustellen, dass der Entscheid des Bezirksgerichts Arles- heim vom 19. Februar 2014 nichtig sei, eventuell sei de r Entscheid des Bezirksgerichts Arles- heim vom 19. Februar 2014 aufzuheben, unter o/e Koste nfolge. In der Begründung wurde im Wesentlichen vorgetragen, es werde im Entscheid ausgef ührt, die Beklagte und Berufungsklä- gerin sei nicht zur Hauptverhandlung erschienen. Diese Be merkung sei zwar richtig, jedoch sei der Umstand des Nichterscheinens auf eine fehlerhafte Vo rladung durch das Bezirksgericht zurückzuführen: Wie sich aus der Verfügung vom 16. Dezemb er 2013 ergebe, sei die Beklagte Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht anlässlich der Einigungsverhandlung anwaltlich vertreten gewesen. Der dort abgeschlossene Vergleich sei von Advokat Albrecht am 19. Dezember 2013 widerrufen worden. In der daraufhin ausgestellten Klagebewilligung vom 20. Dezember 2013 s ei der gleiche Advokat wiederum als Vertreter der Berufungsklägerin vermerkt. Die aufgrund der Klagebewilligung erfolgte Vorladung vom 10. Januar 2014 sei der Berufungsklägerin zugestellt w orden, nicht jedoch dem Anwalt. Die Berufungsklägerin sei davon ausgegangen, dass der Anw alt sie, wie anlässlich der Eini- gungsverhandlung, auch an der Verhandlung vom 19. Febr uar 2014 vertreten werde. Die In- struktion sei bereits vorgängig erfolgt, so dass deren Anwe senheit nicht notwendig gewesen sei. Entsprechend habe Advokat Albrecht vom Verhandlungst ermin nicht erfahren und von der Beklagtenseite sei niemand erschienen. Ungeachtet desse n habe das Bezirksgericht ein Kon- tumazurteil erlassen und die Ausführungen und Begehren der Klägerin ohne weiteres als zutref- fend und begründet erachtet. Säumnis könne jedoch nur a ngenommen werden, wenn die Vor- ladung korrekt erfolgt sei. Die Zustellung allein an d en Vertretenen statt an den Vertreter sei nichtig. Sei die Verhandlung aufgrund einer nichtigen Vorladung durchgeführt worden und seien entsprechend allein die Vorbringen der Klägerin berücksichtigt worden, sei das darauf beruhen- de Urteil ebenfalls nichtig. Dies sei im Berufungsverfah ren so festzustellen. Sollte wider Erwar- ten keine Feststellung der Nichtigkeit des angefochtenen Entscheids erfolgen, dann wäre dieser aufzuheben, weil der Berufungsklägerin die Geltendmac hung ihrer zivilprozessualen Rechte verunmöglicht worden sei. Insbesondere sei der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt wor- den. Die weitergehenden Rügen der Berufungsklägerin z ur Sache sind in den Erwägungen wi- derzugeben, soweit dies notwendig wird. Am 14. April 2014 übermittelte das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West die Berufung an den Sitz des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, nach Liestal. D. In ihrer Berufungsantwort vom 16. Juni 2014 beantra gte die Berufungsbeklagte, mittler- weile vertreten durch Rechtsanwalt Martin Frana aus Lau fenburg, es sei auf die Berufung der Beklagten vom 11. April 2014 nicht einzutreten. Eventualiter sei in Abweisung der Berufung und Bestätigung des massgeblichen Entscheids des Präsidenten des B ezirksgerichts Arlesheim die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin CHF 9‘800.00 zu bezahlen und ein Abschlusszeugnis auszustellen, welches inhaltlich dem Zwischenzeugnis vom 1 8. April 2013 entspreche, sowie der Klägerin eine Arbeitgeberbescheinigung und die S tellenaustrittsdokumente zukommen zu lassen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzü glich MWST. Auf die Berufung vom 14. April 2014 sei in Ermangelung von Berufungsanträge n, welche durch das angerufene Ge- richt entschieden werden könnten, nicht einzutreten. Für beide Begehren der Beklagten könne festgestellt werden, dass es sich nicht um Rechtsbegehren im zivilprozessualen Sinne handle, sondern lediglich um ein Ersuchen, in welcher Weise das angerufene Gericht seinen Entscheid zu fällen habe. Die Berufungsschrift habe Rechtsmittel anträge zu enthalten. Dabei könne sich der Berufungskläger nicht darauf beschränken, lediglich die Aufhebung des angefochtenen erst- instanzlichen Entscheides zu beantragen, sondern er müsse einen Antrag in der Sache stellen. Ferner könne auch in Ermangelung eines ausreichenden Streitwerts von CHF 10‘000.00 auf die Berufung nicht eingetreten werden. Die Beklagte sei i n Gutheissung der Klage mit Entscheid vom 19. Februar 2014 verurteilt worden, der Klägerin CHF 9‘800.00 zu bezahlen. Sodann fehle es an einer Beschwer. Im Zeitpunkt der Vorladung sei für die Vorinstanz nicht klar gewesen, ob die Beklagte sich überhaupt vertreten lassen würde und gegebenenfalls durch wen. Art. 68 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 3 ZPO verlange zur Vermeidung solcher Unklarheiten bezüglich des Vertretungsverhält- nisses ausdrücklich, dass die Vertreterin oder der Vertreter sich durch eine Vollmacht auszu- weisen habe. Seien die Vertretungsverhältnisse jedoch w ie vorliegend unklar und ein Rechts- vertreter nicht durch eine Vollmacht zur Prozessführung legitimiert, müsse eine Vorladung im Zweifel ohne weiteres an die betreffende Partei selbst erfolgen können. Dies habe vorliegend umso mehr zu gelten, wo die Beklagte sich in der Schlichtungsverhandlung durch Rechtsanwäl- tin Glanzmann habe vertreten lassen, den dort unter W iderrufsvorbehalt geschlossenen Ver- gleich dann aber durch Rechtsanwalt Albrecht widerrufen lasse, wobei dieser sich nicht durch eine Vollmacht ausgewiesen habe. Dass die Vorinstanz ang esichts der unklaren Verhältnisse die Vorladung direkt an die Beklagte veranlasst habe, müsse sich diese entgegenhalten lassen. Die Vorladung sei unter Androhung eines Säumnisentscheides erfolgt und der Beklagten mitge- teilt worden, dass das Gericht seinem Entscheid die Akte n sowie die Vorbringen der Anwesen- den zugrunde legen könne. Eine kurze Mitteilung an die Vorinstanz hätte genügt, um die Ver- hältnisse zu klären. Es wäre an der Beklagten gewesen, ih re Vertretung in der Hauptverhand- lung sicherzustellen. Andernfalls hätte sie selbst erschein en müssen. Schliesslich sei die Beru- fungseingabe nach 4144 Arlesheim erfolgt. Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West in Arle- sheim habe die Berufung daraufhin zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, nach Liestal weitergel eitet. Der Eingang beim Kantonsgericht sei am 15. April 2014 erfolgt - mithin nach Ablauf d er Rechtsmittelfrist von 30 Tagen gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO. Die Zivilprozessordnung kenne keine Bestimmung, wonach Eingaben, die innert Frist einer unrichtigen Gerichts- oder Verwaltun gsstelle eingereicht würden, als rechtzei- tig gelten und von Amtes wegen an die zuständige Ste lle überwiesen würden. Dementspre- chend könne von einer fristwahrenden Postaufgabe vorliegend nicht die Rede sein. Es wäre der Beklagten unbenommen gewesen, die Eingabe persönlich und damit rechtzeitig der Kanzlei des Kantonsgerichts Basel-Landschaft in Liestal zu übergeben . Auf die materiellen Ausführungen der Berufungsbeklagten wird in den Erwägungen einzuge hen sein, sofern sich dies als notwen- dig erweist. E. Mit Verfügung vom 17. Juni 2014 wurde der Schriftenw echsel vor dem Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, geschlossen und die Akten der Dreierkammer zum Entscheid unterbreitet. Erwägungen 1.1 Gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid in einer ve rmögensrechtlichen Angelegen- heit ist die Berufung zulässig, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegeh- ren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO). Das Erfordernis eines minimalen Streitwerts für das ordentliche Hauptrechtsmittel entspricht bewährter Tradition des vormaligen kantonalen Rechts; solche Rechtsmittel sollen nicht für Lappalien zur Verfügung stehen. Der Rechtsvertreter der Klägerin und heutigen B erufungsbeklagten hält dafür, dass die notwendige Streitwertgrenze nicht erreicht sei. Die Beklagte sei in Gutheissung der Klage mit Entscheid des Präsidenten des Bezirksgerichts Arlesheim vom 19. Februar 2014 verurteilt wor- den, der Klägerin CHF 9‘800.00 zu bezahlen. Dies ents preche dem von der Klägerin gestellten Rechtsbegehren. In Ermangelung eines ausreichenden Streitwerts könne auf die Berufung vom 11. April 2013 daher nicht eingetreten werden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Für die Berechnung des Streitwerts sind die Art. 91 – 94 ZPO massgeblich. So sieht Art. 91 Abs. 1 ZPO vor, dass der Streitwert durch das Re chtsbegehren bestimmt wird. Zinsen und Kosten des laufenden Verfahrens oder einer allfäll igen Publikation des Entscheids sowie allfällige Eventualbegehren werden nicht hinzugerech net. Bei Klagenhäufung werden die gel- tend gemachten Ansprüche laut Art. 93 Abs. 1 ZPO zusam mengerechnet, sofern sie sich nicht gegenseitig ausschliessen. Die Bestimmung des Streitwerts erfolgt nach den zuletzt aufrechter- haltenen Rechtsbegehren (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Mit „ zuletzt aufrechterhalten“ sind jene Rechtsbegehren gemeint, welche die Klagpartei durch E ntscheid der Vorinstanz zugesprochen zu erhalten hoffte und daher unmittelbar vor der Eröf fnung des erstinstanzlichen Entscheides noch strittig waren. Die Rechtsmittelanträge sind grun dsätzlich nicht von Bedeutung, da ver- mieden werden soll, dass das Rechtsmittel nur einer Part ei zur Verfügung steht. Bei Streitigkei- ten im Zusammenhang mit Lohnforderungen bemisst sich de r Streitwert gemäss herrschender Ansicht nach dem eingeklagten Bruttolohn ohne Abzug von Arbeitnehmerleistungen und ohne Berücksichtigung der Arbeitgeberbeiträge (D IGGELMANN , in: DIKE-Kommentar ZPO, N 48 zu Art. 91 ZPO; S EILER , Die Berufung nach ZPO, N 717 (4) mit weiteren Nac hweisen). Streitigkei- ten um Ausstellung und Inhalt von Arbeitszeugnissen sin d nach bundesgerichtlicher Rechtspre- chung vermögensrechtlicher Natur (BGE 116 II 379), wobei unter der Herrschaft der ZPO und in Fortführung vorbestehender basellandschaftlicher Praxis der Streitwert in der Regel ein Brutto- Monatslohn beträgt (S EILER , a.a.O., N 717 (4) mit weiteren Nachweisen). Vorlieg end verlangte die vormalige Arbeitnehmerin mit ihrer Klage, dass die Beklagte zur Zahlung des Lohnes für den Monat Dezember 2013 in der Höhe von CHF 5‘000.00 brutto, des 13. Monatslohnes für das Jahr 2013 von CHF 5‘000.00 brutto sowie eines Ferienlo hnes von CHF 2‘500.00 brutto zu ver- urteilen sei. Ferner habe die Beklagte noch die Lohnabrechnungen für Dezember 2013 und den 13. Monatslohn, ein Arbeitszeugnis sowie alle notwendig en Dokumente für den Stellenaustritt auszustellen. Diese Begehren wiederholte sie in ihrem m ündlichen Vortrag anlässlich der Hauptverhandlung vom 19. Februar 2014. Werden die meh reren vermögensrechtlichen An- sprüche der Klägerin inkl. Ausstellung eines Arbeitszeugn isses in Anwendung von Art. 93 Abs. 1 ZPO zusammengerechnet, resultiert bereits ein S treitwert von CHF 17‘500.00, selbst wenn die Herausgabe von Unterlagen nicht kapitalisiert wird. Der verlangte Mindeststreitwert wird allemal klar übertroffen und es steht der Beklagte n daher das Rechtsmittel der Berufung offen. 1.3 Sachlich zuständig für die Beurteilung der vorliegen den Berufung ist laut § 6 Abs. 1 lit. c EG ZPO (SGS 221) die Dreierkammer der Abteilung Zivil recht des Kantonsgerichts und es gilt das vereinfachte Verfahren (Art. 243 Abs. 1 ZPO). In Anbetracht der Kostenlosigkeit des Ent- scheidverfahrens in Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhält nis bis zu einem Streitwert von CHF 30‘000.00, war kein Kostenvorschuss für das Rechtsmittelverfahren zu leisten (Art. 114 lit. c ZPO). Gemäss Art. 316 ZPO kann die Rechtsmittelinstanz eine Verhandlung durchführen, aufgrund der Akten entscheiden (Art. 316 Abs. 1 ZPO) od er einen zweiten Schriftenwechsel anordnen (Art. 316 Abs. 2 ZPO). Diese Regelung stell t es ins Ermessen der Rechtsmitte- linstanz, das für den konkreten Fall Geeignete vorzukehren (V OLKART , in: DIKE-Kommentar ZPO, N 1 zu Art. 316). Die vorliegende Sache ist spruch reif, so dass bereits nach dem ersten Schriftenwechsel aufgrund der Akten zu entscheiden ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Die Berufung ist schriftlich und begründet innert 30 T agen seit Zustellung des begründe- ten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung d er Entscheidbegründung bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO) . Die einlässliche schriftliche Begrün- dung des Entscheids des Bezirksgerichtspräsidenten Arlesheim vom 19. Februar 2014 wurde der Beklagten am 12. März 2014 zugestellt. Die Rechtsmit telfrist scheint durch die Aufgabe der Berufung am 11. April 2014 eingehalten. Der Rechtsver treter der Beklagten adressierte die Be- rufung allerdings an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, Bahnhofplatz 16, 4144 Arlesheim. Die Berufungsschrift gelangte daher am 14. April 2014 an das Zivilkreisge- richt Basel-Landschaft West, welches die Berufung gleichent ags an den Sitz des Kantonsge- richts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, nach Liestal übermittelte, wo sie am 15. April 2014 eintraf. Die Berufungsbeklagte meint nun, die Zivilpro zessordnung kenne keine Bestimmung, wonach Eingaben, die innert Frist einer unrichtigen Gerichts- oder Verwaltungsstelle eingereicht worden seien, als rechtzeitig gelten und von Amtes wegen an die zuständige Stelle zu überwei- sen seien. Da es sich bei der Zuständigkeit um eine Proze ssvoraussetzung handle und im Rechtsmittelverfahren eine Weiterleitungspflicht weder ausdrücklich statuiert noch implizit her- geleitet werden könne, hätte die Eingabe der Beklagte n durch das Zivilkreisgericht Basel- Landschaft West zufolge Unzuständigkeit an die Absender in retourniert und nicht an das Kan- tonsgericht weitergeleitet werden müssen. Die Zustell ung an das Kantonsgericht Basel- Landschaft am 15. April 2014 falle damit nicht mehr i n den Anwendungsbereich des Expediti- onsprinzips gemäss Art. 143 Abs. 1 ZPO. Es könne festgestel lt werden, dass es sich bei der Einreichung der Eingabe bei einer unzuständigen Behör de um einen Mangel an der Eingabe selbst handle, für welche im Rechtsmittelverfahren aufg rund des Charakters als gesetzliche Frist durch die Rechtsmittelinstanz keine Nachfrist zur Be hebung des Mangels angesetzt wer- den dürfe. Vielmehr sei auf eine wegen Einreichung bei der unzuständigen Behörde verspätet bei der Rechtsmittelinstanz eintreffende Eingabe nicht einzutreten. 2.2 Entgegen der Regelung in der ZPO Basel-Landschaft, w onach das damals ordentliche Rechtsmittel der Appellation bei jenem Gericht einzurei chen war, welches das Urteil erlassen hatte, sieht die Schweizerische ZPO vor, dass die Berufung bei der Rechtsmittelinstanz zu er- klären ist. Fraglich ist daher in der Tat, was gilt, wen n die Berufungsschrift bei der sachlich un- zuständigen Vorinstanz eingereicht wird. Im vorliegenden Fall kann das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, diese Frage allerdi ngs grundsätzlich offen lassen, zumal die Berufung nicht an das Bezirksgericht Arlesheim resp. das Z ivilkreisgericht Basel-Landschaft West adressiert wurde, sondern an das Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, Bahnhofplatz 16. Allein in der Bezeichnung des Ortes führte die Beklagte fälschlicherweise 4144 Arlesheim an. Nach Ansicht des Kantonsgerichts Base l-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, handelt es sich mithin bloss um einen offensichtlichen Ver schreiber des Rechtsvertreters der Beklagten, welcher unbeachtlich ist und keine nachteilige n Rechtsfolgen nach sich zieht. Es ist auszuschliessen, dass der besagte Rechtsanwalt, welcher rege lmässig vor der Rechtsmitte- linstanz auftritt, den Sitz des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, tatsächlich in Arlesheim wähnte. Selbst wenn man dem Rechtsvertre ter der Berufungsklägerin keinen un- beachtlichen Irrtum in der Bezeichnung des Sitzes des obe ren Gerichtes zubilligen wollte, so verpflichtet § 46 Abs. 4 des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG, SGS 170) die unzuständige basellandschaftliche Gerichts- oder Verwaltungsbehörde zur unverzüglichen Weiterleitung von Amtes wegen an die zuständige Behörde, wobei die Frist als eingehalten gilt. Zumindest inner- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht kantonal ist daher die Einreichung der Berufung bei d er Vorinstanz allemal fristwahrend. Dar- über hinaus rechtfertigt es sich, auch für das Rechtsmittelverfahren auf kantonaler Ebene den in Art. 48 Abs. 3 BGG (SR 173.110) normierten Rechtsgru ndsatz insofern analog anzuwenden, als eine Berufung, die bei der funktionell unzuständige n Vorinstanz eingereicht wird, von Amtes wegen an die Berufungsinstanz weiterzuleiten ist (glei cher Meinung etwa R EETZ /T HEILER , in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2. Aufl., N 42 zu Art. 311 ZPO und N 19 zu Art. 312 ZPO; STERCHI , in: Berner Kommentar zur ZPO, N 4 zu Art. 311 ZPO; BENN , in: Bas- ler Kommentar zur ZPO, 2. Aufl., N 3 zu Art. 143 ZPO; HOFFMANN -NOWOTNY , in: Kurzkommen- tar ZPO, N 4 zu Art. 143 ZPO). Nach dem Vorstehenden steht für das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, fest, dass die Rechtsmitt elfrist durch die Berufungsklägerin als klar gewahrt zu gelten hat. 3.1 Im Weiteren lässt die Klägerin und Berufungsbeklagte d ie Rechtsbegehren der Beklagten und Berufungsklägerin monieren. Auf die Berufung vom 1 4. April 2014 sei in Ermangelung von (tauglichen) Berufungsanträgen, welche durch das angeruf ene Gericht entschieden werden könnten, nicht einzutreten. Mit ihrer Berufung vom 11. April 2014 habe die Beklagte das Begeh- ren gestellt, es sei festzustellen, dass der Entscheid des Be zirksgerichts Arlesheim vom 19. Februar 2014 nichtig sei oder aber eventualiter sei der Entscheid des Bezirksgerichts Arles- heim vom 19. Februar 2014 aufzuheben. Für beide Bege hren könne festgestellt werden, dass es sich nicht um Rechtsbegehren im zivilprozessualen Sinn e handle, sondern lediglich um ein Ersuchen, in welcher Weise das angerufene Gericht seinen Entscheid zu fällen habe. Offen- sichtlich suche die Beklagte um Fällung eines reformatori schen Entscheides nach. Von einem Rückweisungsbegehren an die erste Instanz finde sich in de r Berufung kein Wort. Die als „Rechtsbegehren" bezeichneten Anträge könnten nur dahi ngehend verstanden werden, dass die Beklagte in jedem Falle die Aufhebung des Entscheids des Präsidenten des Bezirksgerichts Arlesheim vom 19. Februar 2014 wünsche. Die Berufungssch rift habe Rechtsmittelanträge zu enthalten. Dabei könne sich die Berufungsklägerin nicht d arauf beschränken, lediglich die Auf- hebung des angefochtenen erstinstanzlichen Entscheides zu be antragen, sondern sie müsse einen Antrag in der Sache stellen. 3.2 Grundsätzlich hat die Berufung einen materiellen Antrag zu enthalten, d.h. der Berufungs- instanz ist klar aufzuzeigen, welchen Endentscheid der Be rufungskläger letztlich anstrebt. Mit seinen Anträgen legt der Appellant fest, was er mit sei nem Rechtsbegehren erreichen will, in- dem er der Berufungsinstanz bekannt gibt, wie sie den Entscheid zu seinen Gunsten ändern soll. Die Anträge sind dabei so zu formulieren, dass sie bei Gutheissung des Rechtsmittels zum Dispositiv des Berufungsentscheids erhoben werden können ( BGE 137 III 617 E. 4.3 mit Hin- weisen). Der Berufungskläger kann sich daher in der Reg el nicht damit begnügen, die Aufhe- bung des erstinstanzlichen Entscheids und die Rückweisung an die Vorinstanz zu verlangen. In seinem Rechtsbegehren muss er also vielmehr angeben, welch en materiellen Ausgang des Verfahrens er anstrebt. Dieses Erfordernis ergibt sich d araus, dass das Berufungsgericht einen reformatorischen Entscheid fällen können soll (Art. 318 ZPO), d.h. dass die Berufung grund- sätzlich reformatorische und nicht bloss kassatorische Wirkung hat. Dementsprechend ist ein Antrag auf "Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids" od er "Rückweisung an die Vorinstanz" im Allgemeinen als unzureichend zu betrachten (vgl. BL KGE 400 13 28 vom 16. Juli 2013; 400 13 90 vom 25. Juni 2013; 400 11 306 vom 3. Januar 2012) . Allein wenn ein Entscheid in der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sache wegen fehlender Spruchreife nicht möglich ist, kann sich der Rechtsmittelkläger darauf beschränken, bloss die Rückweisung der Angelegenheit an di e Vorinstanz zu verlangen (vgl. HUNGERBÜHLER , in: DIKE-Kommentar ZPO, N 17 f zu Art. 311). So i st etwa bei einem Rechts- mittel gegen einen Nichteintretensentscheid oder bei einer Verletzung des rechtlichen Gehörs in der Regel zu beantragen, dass die Sache zur materiell en Prüfung an die Vorinstanz zurückzu- weisen sei (BGE 137 II 313 E. 1.3; M EYER , in: ZBJV 2010 S. 862 mit Hinweisen), ausser die Sache sei ausnahmsweise spruchreif. Allerdings liegt es oft mals im Ermessen der Rechtsmitte- linstanz, ob sie Sachverhaltserhebungen selber treffen wi ll, weshalb für den Rechtsmittelkläger bei Ergreifung des Rechtsmittels häufig noch nicht ersic htlich ist, ob dereinst Spruchreife er- reicht werden wird (vgl. K UNZ , in: ZPO-Rechtsmittel, Berufung und Beschwerde, N 71 zu Art. 311 ZPO; SEILER , a.a.O., N 877; je mit weiteren Nachweisen). Mutati s mutandis sind dieselben Überlegungen auch für das vorliegende Verfahren massge bend. Soweit das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, nachfolgend zum Schluss gelangen sollte, dass der Entscheid der Vor- instanz vom 19. Februar 2014 nichtig sein sollte, wird die Sache in Anwendung von Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO an die erste Instanz zurückzuweisen sein. Vor diesem Hintergrund kann der Antrag der Beklagten in der Berufung, es sei die Nicht igkeit des Entscheids des Bezirksge- richtspräsidenten Arlesheim festzustellen, den formellen Erfordernissen genügen. 4.1 Gemäss Art. 310 ZPO können mit der Berufung unrichtige Rechtsanwendung und unrich- tige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werde n. Der Begriff der unrichtigen Rechtsanwendung umfasst jeden Verstoss gegen geschriebenes u nd ungeschriebenes Recht. Dabei spielt es keine Rolle, ob Bundesrecht oder kantona les Recht falsch angewendet wurde; auch nicht, ob es sich dabei um einen verfahrens- oder materiellrechtlichen Fehler der Vo- rinstanz handelt. Zu erwähnen sind insbesondere die fe hlerhafte Anwendung der Zivilprozess- ordnung und ihrer Ausführungsbestimmungen. Die Rechtsmi ttelinstanz überprüft die Rüge der unrichtigen Rechtsanwendung mit sog. freier Kognitio n. Die Berufungsbegründung mit den ent- sprechenden Rügen umschreibt grundsätzlich den Umfang de r Prüfungsbefugnis und der Prü- fungspflicht der Berufungsinstanz. Die Berufungsinstanz kann die gerügten Mängel mithin frei und unbeschränkt überprüfen und sie muss sie auch überprüf en (REETZ /H ILBER , a.a.O., N 5 f. zu Art. 310 ZPO). Dabei ist sie aufgrund der umfassenden Überprüfungsbefugnis nicht an die mit den Rügen vorgebrachten Argumente oder an die Er wägungen der Vorinstanz gebunden, sie kann die Rügen auch mit abweichenden Erwägungen gu theissen oder abweisen. Nichtig- keit, d.h. absolute Unwirksamkeit eines Entscheides wird allerdings nur dann angenommen, wenn der ihm anhaftende Mangel besonders schwer wiegt, wenn er offensichtlich oder zumin- dest leicht erkennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherh eit durch die Annahme der Nichtig- keit nicht ernsthaft gefährdet wird (sog. Evidenztheorie ; vgl. BGE 132 II 21 E. 3.1). Inhaltliche Mängel haben somit nur in seltenen Ausnahmefällen die Nichtigkeit eines Entscheides zur Fol- ge. Als Nichtigkeitsgründe fallen hauptsächlich funktionelle und sachliche Unzuständigkeit einer Behörde sowie schwer wiegende Verfahrensfehler in Betracht (vgl. ZINGG, in: Berner Kommen- tar zur ZPO, N 50 ff. zu Art. 60 ZPO mit diversen Nachweisen). Die Nichtigkeit eines Entscheids ist von sämtlichen rechtsanwendenden Behörden jederzeit v on Amtes wegen zu beachten (BGE 133 II 366 E. 3.1 und 3.2; 129 I 361 E. 2, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung; Urteil 5A.45/2007 vom 6. Dezember 2007 E. 5.2.5). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Die Beklagte lässt mit der Berufung sinngemäss rügen, di e Säumnis an der Hauptver- handlung vom 19. Februar 2014 sei dem Umstand einer f ehlerhaften Vorladung durch die Vor- instanz geschuldet. Wie sich aus der Verfügung vom 16. Dez ember 2013 ergebe, sei die B. ____ AG anlässlich der Einigungsverhandlung anwaltl ich vertreten gewesen. Der dort abge- schlossene Vergleich sei von Advokat Albrecht am 19. Dezemb er 2013 widerrufen worden. In der daraufhin ausgestellten Klagebewilligung vom 20. D ezember 2013 sei der gleiche Advokat wiederum als Vertreter der Berufungsklägerin vermerkt. D ie aufgrund der Klagebewilligung er- folgte Vorladung vom 10. Januar 2014 sei jedoch der Be rufungsklägerin zugestellt worden, nicht jedoch dem Anwalt. Die Berufungsklägerin sei davon ausgegangen, dass der Anwalt sie - wie an der Schlichtungsverhandlung – ebenfalls an der Hauptverhandlung vom 19. Februar 2014 vertreten werde. Die Instruktion sei bereits vorgäng ig erfolgt, so dass deren Anwesenheit nicht notwendig gewesen sei. Dementsprechend habe Advok at Albrecht vom Verhandlungster- min nicht erfahren und von der Beklagtenseite sei niema nd erschienen. Ungeachtet dessen habe das Bezirksgericht ein Kontumazurteil erlassen und die Ausführungen und Begehren der Klägerin ohne weiteres als zutreffend und begründet e rachtet. Säumnis könne jedoch nur an- genommen werden, wenn die Vorladung korrekt erfolgt sei. Die Zustellung allein an den Vertre- tenen statt an den Vertreter sei nichtig. Sei die Ver handlung trotzdem durchgeführt worden und seien bloss die Vorbringen der Klägerin berücksichtigt wo rden, sei das darauf beruhende Urteil ebenfalls nichtig. Die Klägerin und Berufungsbeklagte lässt im Wesentlich en entgegnen, es fehle der Be- klagten in diesem Zusammenhang an einer Beschwer. Die Beklagte verkenne, dass dem Ge- richt das Vertretungsverhältnis bekannt sein müsse, damit Art. 137 ZPO zur Anwendung kom- men könne. Im Zeitpunkt der Vorladung sei für die Vor instanz nicht klar gewesen, ob die Be- klagte sich überhaupt vertreten lassen würde und gegeben enfalls durch wen. Art. 68 Abs. 3 ZPO verlange zur Vermeidung solcher Unklarheiten ausdr ücklich, dass die Vertreterin oder der Vertreter sich durch eine Vollmacht auszuweisen habe. Se ien die Vertretungsverhältnisse je- doch wie vorliegend unklar und ein Rechtsvertreter nicht durch eine Vollmacht zur Prozessfüh- rung legitimiert, müsse eine Vorladung im Zweifel ohn e weiteres an die Partei selbst erfolgen können. Dies habe vorliegend umso mehr zu gelten, wo die Beklagte in der Schlichtungsver- handlung durch Rechtsanwältin Glanzmann vertreten gewes en sei, den dort unter Widerrufs- vorbehalt geschlossenen Vergleich dann aber durch Rechtsanw alt Albrecht widerrufen lasse, wobei dieser sich nicht durch eine Vollmacht ausgewiesen habe. Dass die Vorinstanz ange- sichts der unklaren Verhältnisse die Vorladung an die Bekl agte direkt veranlasst habe, müsse sich diese entgegenhalten lassen. Die Vorladung sei unte r Androhung eines Säumnisentschei- des erfolgt und der Beklagten mitgeteilt worden, dass d as Gericht seinem Entscheid die Akten sowie die Vorbringen der Anwesenden Partei zugrunde l egen könne. Eine kurze Mitteilung an die Vorinstanz hätte genügt, um die Verhältnisse zu klären. Es wäre an der Beklagten gewesen, ihre Vertretung in der Hauptverhandlung sicherzustellen. Andernfalls hätte sie selbst erscheinen müssen. 4.3 Jede prozessfähige Partei kann sich im Prozessverfahren v ertreten lassen, wobei der Gesetzgeber für die berufsmässige Vertretung von Parteien vor Gericht gewisse Einschränkun- gen vorsieht (Art. 68 Abs. 2 ZPO). Grundsätzlich sind An wältinnen und Anwälte, welche die Voraussetzungen nach dem Anwaltsgesetz (BGFA; SR 935.6) erfüllen, dazu berechtigt. Ist eine Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Partei vertreten, so erfolgt die Zustellung an die V ertretung (Art. 137 ZPO). Die nämliche Be- stimmung stellt eine Ausnahme zum Grundsatz dar, dass die gerichtliche Zustellung an die Wohnsitz- oder Geschäftsadresse der Parteien zu erfolge n hat. Ist eine Partei in einem Pro- zessverfahren vertreten, so hat die Zustellung mithin l ediglich an die Vertretung zu erfolgen. Das Gericht hat die Partei nicht etwa gleichzeitig mit einer Kopie der Gerichtsurkunde zu bedie- nen. Die Parteien und ihre Vertretung dürfen sich darauf verlassen, dass das Gericht sich an die massgebliche Bestimmung hält. Der vertretenen Partei dürfen daher keine Nachteile daraus erwachsen, dass das Gericht eine Zustellung zwar an die Partei, nicht aber an deren Vertretung vorgenommen hat. Erfolgt die Zustellung nicht an den r echtmässigen Vertreter, gilt sie als nicht gehörig und damit nicht rechtsgültig erfolgt und muss wi ederholt werden. Dies ist selbst dann der Fall, wenn bei einer Vorladung die vertretene P artei zur Verhandlung erscheint, nicht aber der Rechtsvertreter; es ist nicht Pflicht der Partei, d afür zu sorgen, dass auch ihre Vertretung von einer Vorladung Kenntnis erhält. Die beklagte Part ei verdient ferner auch dann Schutz, so- weit die klagende Partei deren Vertreter in der Klag eschrift unterschlägt und die beklagte Partei in der Folge nicht bemerkt, dass die Zustellung ihrem Ve rtreter nicht zugegangen ist. Die Beru- fung auf den Formmangel findet ihre Grenze indes im G rundsatz von Treu und Glauben und es ist nach den konkreten Umständen des Einzelfalls zu prüfen, ob die Partei durch den Mangel tatsächlich irregeführt und dadurch benachteiligt worde n ist (F REI , in: Berner Kommentar zur ZPO, N 4 zu Art. 137 ZPO; Huber, in: DIKE-Kommentar ZPO N 21 f. zu Art. 137 ZPO; WEBER : in Kurzkommentar ZPO, N 3 zu Art. 137 ZPO ). Die Vorladung selbst ist ein reiner Verfahrens- akt, der für sich allein nicht rechtsmittelfähig ist. Di e gehörige Vorladung ist jedoch Bedingung für die Gewährung des rechtlichen Gehörs. Trotz Vorla dungsfehlern angeordnete Säumnisfol- gen bewirken einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil. Erfolgt anlässlich einer Verhandlung ein Säumnisurteil, obwohl nicht gehörig vorgeladen wurde, ist der Entscheid resp. der Vorla- dungsmangel anfechtbar. Nicht gehörige Vorladung bilden mithin einen Nichtigkeitsgrund (FREI , a.a.O., N 22 zu Art. 133 ZPO mit weiteren Nachweisen). 4.4 Vorliegend lässt sich aus den beigezogenen Akten der Vor instanz erschliessen, dass die Klägerin mit Gesuch vom 7. November 2013 beim Bezirksge richt Arlesheim ein Schlichtungs- verfahren einleitete. Am 3. Dezember 2013 liess die A dvokatur Albrecht & Riedo aus Muttenz dem Bezirksgericht Arlesheim die Übernahme des Mandates als Rechtsvertreterin der Beklag- ten mitteilen und ersuchte um Akteneinsicht. Als Vertr eter mit Substitutionsermächtigung wies sich Advokat Marco Albrecht mit Vollmacht vom 2. Dezember 2013 aus. Anlässlich der Schlich- tungsverhandlung vom 16. Dezember 2013, welche in Anwese nheit der Klägerin sowie einer Anwältin der Advokatur Albrecht & Riedo durchgeführt wurde, unterzeichneten die Parteien eine Vereinbarung unter Widerrufsvorbehalt. Mit Schreiben vom 19. Dezember 2013 widerrief Advo- kat Marco Albrecht als Rechtsvertreter der Beklagten den V ergleich vom 16. Dezember 2013. Das besagte Schreiben, welches sich im Original in den Sch lichtungsakten findet, trägt die Un- terschrift von Advokat Albrecht. In der Klagebewilligung vom 20. Dezember 2013 des Bezirks- gerichts Arlesheim wurde Advokat Marco Albrecht sodann als Vertreter der Beklagten erfasst. Mit Klage vom 8. Januar 2014 gelangte A. ____ an das B ezirksgericht Arlesheim. Sie verwen- dete dazu ein entsprechendes Formular, welches die Vo rinstanzen den Rechtsuchenden zur Verfügung stellen (vgl. Art. 400 Abs. 2 ZPO) und reicht e dazu die Klagebewilligung und weitere Urkunden ein. In diesem Formular vermerkte die Kläger in Advokat Marco Albrecht als Vertreter der Beklagten. Da die Klage keine Begründung enthielt, wurden die Parteien in Anwendung von Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 245 Abs. 1 ZPO am Folgetag zur Verhandlung gela den. Die Gerichtskanzlei versäumte es jedoch offensichtlich, den namentlich bekannten Anwalt zu erfassen, so dass die Vorladung am 13. Januar 2013 allein an die B. ____ AG gelangte. A us dem Protokoll der Hauptverhandlung vom 19. Februar 2014 lässt sich zwar ein Vermerk ersehen, dass die Vorladung als für „in Ord- nung“ befunden worden sei, jedoch erhellt aus den Akte n nicht weiter, dass damit eine recht- mässige Zustellung der Vorladung an den Rechtsvertreter der Beklagten gemeint sein konnte. In der Folge verlangte Advokat Marco Albrecht am 26. Au gust 2014 eine Begründung des Ent- scheides. In dieser Begründung finden sich keine Erwägung en, die erkennen liessen, dass der Vorinstanz die fehlerhafte Zustellung der Vorladung b ewusst geworden wäre. Aus der Prozess- geschichte der Vorinstanz ergibt sich letztlich zweifelsfr ei, dass dem Vertreter der Beklagten in Verletzung von Art. 137 ZPO keine Vorladung zugestellt wurde. Das Säumnisurteil des Bezirks- gerichtspräsidenten Arlesheim vom 19. Februar 2014 krankt daher an einem wesentlichen Ver- fahrensmangel. Die Beklagte wurde ihres Anspruches auf r echtliches Gehör beraubt, indem sie die Darstellung ihrer Sichtweise überhaupt nicht in da s Verfahren einbringen konnte. Der An- spruch auf rechtliches Gehör ist grundsätzlich formeller N atur. Seine Verletzung führt in der Regel - ungeachtet der Frage der materiellrechtlichen Begründetheit des Rechtsmittels - zur Gutheissung des Rechtsmittels und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides (BGE 137 I 195 E. 2.2; 135 I 279 E. 2.6.1 je mit weiteren Nachw eisen). Nachdem somit überhaupt keine gültige Vorladung erfolgt ist, kann das Kantonsgericht B asel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, ausdrücklich offen lassen, ob im Falle eines unentschuldigt en Fernbleibens der Beklagten so- gleich auf Grund der Akten entschieden werden darf, se lbst wenn die Angelegenheit spruchreif erscheint. Ein Teil der Lehre vertritt hierzu die Meinu ng, dass eine zweite Vorladung sachge- recht wäre (vgl. K ILLIAS , in: Berner Kommentar zur ZPO, N 8 zu Art. 245 ZPO; B RUNNER , in: DIKE-Kommentar ZPO, N 7 ff. zu Art. 245 ZPO). Im Er gebnis ist die Berufung somit gutzuheis- sen und der Entscheid des Gerichtspräsidenten Arlesheim vo m 19. Februar 2014 ist für nichtig zu erklären. Da der Beklagten resp. ihrem Rechtsvertreter im Rahmen einer neuen Verhand- lung Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen und d er Sachverhalt somit in wesentlichen Teilen zu vervollständigen sein wird, ist der Fall an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West zurückzuweisen. Es erübrigen sich daher weitere Erwägungen des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, zur Sache. 5. Abschliessend ist noch über die Verlegung der Prozesskost en für das vorliegende Rechtsmittelverfahren zu befinden, wobei auch im Berufun gsverfahren bei Streitigkeiten aus einem Arbeitsverhältnis bis zu einem Streitwert von CH F 30‘000.00 keine Gerichtskosten erho- ben werden (Art. 114 lit. c ZPO). Für die Regelung der Parteikosten sind die Bestimmungen von Art. 106 f. ZPO anzuwenden, die auch im Berufungsverf ahren gelten (S EILER , a.a.O., N 1560). Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unt erliegenden Partei auferlegt. Entsprechend dem vorliegenden Verfahrensausgang hat die Berufungsbeklagte der Berufungs- klägerin somit eine Parteientschädigung auszurichten. Ei ne Anwendung von Art. 107 ZPO, der ein Abweichen von den Verteilungsgrundsätzen und die Verteilung der Prozesskosten nach Ermessen erlaubt, ist selbst in Anbetracht des schweren Ve rfahrensmangels durch die Vo- rinstanz nicht angebracht. Der Rechtsvertreter der Berufun gsklägerin hat weder mit seiner Be- rufungsschrift noch im Anschluss an die Verfügung vom 17. Juni 2014, wonach der Fall ohne Parteiverhandlung gestützt auf die Akten entschieden w erde, eine Honorarrechnung einge- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht reicht, so dass das Gericht in Anwendung von § 18 Abs. 1 Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO; SGS 178.112) die Parteientschädigung von Amtes wegen nach Ermessen fest- setzen kann. Für die Berechnung des Honorars ist der Stre itwert massgeblich, wobei das Grundhonorar für die Vertretung vor zweiter Instanz grundsätzlich nach den für die erste Instanz geltenden Grundsätzen zu berechnen ist. Mit einer schrift lichen Berufungsbegründung beträgt das Grundhonorar höchstens bis zu 100 % des jeweils zutr effenden Grundhonorars und allfälli- ger Zuschläge gemäss § 8 TO. Massgebend ist dabei der zwei tinstanzliche Streitwert. Im vor- liegenden Falle beläuft sich der Streitwert auf wenig er als CHF 20‘000.00, so dass ein volles Honorar mindestens CHF 2‘250.00 ausmachen würde. Zuma l in Anbetracht der Schwierigkeit des Falles sowie des Umfangs der gesamten Bemühungen ein unterer Ansatz zur Anwendung zu bringen ist und die Rechtsschrift vor zweiter Instanz dar über hinaus kurz und knapp ausge- fallen ist, erscheint dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, ein Honorar von CHF 1‘200.00 als angemessen und verdient, ansonsten ein offenbares Missverhältnis zwischen Streitwert und Bemühungen des Anwaltes resp. der Bede utung der Sache manifest wäre. Zu- sätzlich zu vergüten ist sodann die Mehrwertsteuer von 8 %, so dass die Berufungsbeklagte der Berufungsklägerin für das Rechtsmittelverfahren eine Par teientschädigung von CHF 1‘296.00 inkl. Auslagen und MWST zu bezahlen hat. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird gutgeheissen und der Entschei d des Gerichtspräsi- denten Arlesheim vom 19. Februar 2014 wird für nichti g erklärt. Die Streitsache wird zur neuen Entscheidung an die Vorinst anz zurückge- wiesen. 2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 3. Die Berufungsbeklagte hat der Berufungsklägerin ei ne Parteientschä- digung von CHF 1‘296.00 inkl. Auslagen und MWST zu bezahlen. Präsidentin Christine Baltzer Gerichtsschreiber Andreas Linder 7. Oktober 2014: Mit Urteil vom 1. Oktober 2014 ist das Bundesgericht auf die Beschwerde der Klägerin nicht eingetreten (Verfahren 4A __500/2014).