Seite 1 Entscheid vom 25. Oktober 2013 (510 13 43) __________________________________________________ ___________________ Splittingtarif / Kinderabzug Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter Dr. Philippe Spitz, Dr. Pascal Leumann, Gerichtsschreiberin I. Wissler Parteien A. B., vertreten durch C. Rekurrent gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staatssteuer 2011 Seite 2 S a c h v e r h a l t : 1. Mit Veranlagungsverfügung zur Staatssteuer 2011 vom 25. Oktober 2012 wurde der im Konkubinat lebende Pflichtige unter Anwendung des T arifs für Einzelpersonen zu einem steu- erbaren Einkommen von Fr. 84'499.-- veranlagt. 2. Mit undatiertem Schreiben, welches der Steuerver waltung am 26. November 2012 ein- gegangen ist, erhob der Pflichtige gegen diese Vera nlagung Einsprache und begehrte die Gut- heissung seiner Einsprache. Zur Begründung führte e r aus, er sei mit der Veranlagung als Ein- zelperson nicht einverstanden, da er mit seiner Toc hter D. und seinem Sohn E. im gemeinsa- men Haushalt lebe und vollumfänglich für deren Unterhalt aufkomme. 3. Mit Schreiben vom 15. Januar 2013 forderte die S teuerverwaltung den Pflichtigen u.a. auf, den von der Vormundschaftsbehörde genehmigten Unterhaltsvertrag betr. die Tochter D., sämtliche Nachweise über effektive Unterhaltszahlun gen für D., Angaben darüber, wie er und die Lebenspartnerin D‘s Unterhalt bestreiten und die Betreuung wahrnehmen würden und allfäl- lige Vereinbarungen darüber einzureichen. Betreffen d des volljährigen Sohnes E. forderte die Steuerverwaltung, den Nachweis betr. das Studium so wie den Nachweis über Unterhaltszah- lungen an diesen. Mit Schreiben vom 7. März 2013 führte der Pflichti ge aus, er und seine Lebenspartnerin würden seit mehr als 25 Jahren einen gemeinsamen Ha ushalt mit den Kindern führen. Für den Lebensunterhalt sei er vollumfänglich aufgekommen. Die Lebenspartnerin erziele erst seit Mitte 2010 ein eigenes Einkommen. Seither würden beide Ei nkommen für den Lebensunterhalt und Renovationen am Miteigentum verwendet. Eine schrift liche Vereinbarung darüber liege nicht vor. Betreffend die Tochter D. sei man einverstande n, dass die Lebenspartnerin den Kinderab- zug geltend machen dürfe und die Unterhaltszahlunge n bei ihr aufgerechnet würden. Im Ge- genzug sei bei ihm der Unterhaltsabzug von Fr. 7'20 0.-- pro Jahr anzuerkennen. Der Unter- haltsvertrag werde noch nachgeliefert. Betreffend d en volljährigen Sohn werde geltend ge- macht, dass er nach wie vor für seinen Lebensunterhalt aufkomme. Seite 3 Mit Schreiben vom 11. April 2013 reichte der Pflichtig e eine Kopie des Unterhaltsver- trags betreffend E. ein. Für D. sei damals ein identisch er Vertrag aufgesetzt worden, der aber leider nicht mehr auffindbar sei. 4. Mit Einsprache-Entscheid vom 23. April 2013 hiess di e Steuerverwaltung die Einsprache teilweise gut. Zur Begründung führte sie u.a. aus, fü r die steuerliche Beurteilung in Bezug auf den Steuertarif und die Kinderabzüge würde am releva nten Stichtag keine gemeinsame elterli- che Sorge vorliegen. Damit seien Kinderabzug und Vollsplitting zu Recht der Mutter zugeordnet worden. Betr. die Tochter D. sei die Steuerverwaltung bereit analog der Vereinbarung betr. den Sohn E. 12 x Fr. 600.-- = Fr. 7'200.-- zum Abzug zuzulassen. Betr. E. führte die Steuerverwaltung aus, gemäss § 3 3 Abs. 1 lit. a StG könne für jede erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Person e in Abzug von Fr. 2'000.-- geltend ge- macht werden, falls sie vom steuerpflichtigen in mindeste ns der Höhe des Abzugs unterstützt werde. Aufgrund der andauernden Ausbildung könne de r Sohn als unerstützungsbedürftig an- gesehen werden, weshalb ein pauschaler Abzug von Fr. 2'000.-- nachgetragen werden könne. 5. Mit Schreiben vom 22. Mai 2013 erhob die Lebenspar tnerin als Vertreterin des Pflichti- gen Rekurs und begehrte, 1. Es sei für die Staats- und Gemeindesteuern 2011 von A. B. das Vollsplitting anzuwenden. 2. Es sei der Kinderabzug f ür E. zu gewähren. 3. Die Kosten des Re- kursverfahrens seien dem Rekursgegner aufzuerlegen. Zur Be gründung führte sie aus, der Vollsplittingtarif und der Kinderabzug seien dem Pfli chtigen bereits die Jahre zuvor gewährt worden. Die Kinder seien im Jahre 1991 und 1999 gebo ren. Das Recht auf das gemeinsame Sorgerecht für Eltern, die im Konkubinat leben würd en, sei erst im Jahre 2000 eingeführt wor- den. Da sie faktisch als Ehepaar und somit faktisch das gem einsame Sorgerecht ausüben wür- den, habe es für sie keinen Grund gegeben den von Gese tzes wegen abgeschlossenen Unter- haltsvertrag anzupassen. Ein Antrag auf das gemeinsame So rgerecht sei nie gestellt worden. E. stehe seit 2009 ohnehin nicht mehr unter der elterl ichen Sorge. Dass der Pflichtige für D. die Unterhaltszahlungen anstatt einen Kinderabzug geltend machen könne werde akzeptiert. Bei im gleichen Haushalt lebenden volljährigen geme insamen Kindern in Ausbildung habe derjenige Konkubinatspartner Anspruch auf das Vollsplitting, der finanziell zur Hauptsache für das Kind aufkomme. E. studiere seit dem 1. August 2011 an der Uni F. und erziele kein ei- Seite 4 genes Einkommen. Somit werde der Kinderabzug für E. beantragt, weshalb ebenfalls der An- spruch auf Vollsplitting gegeben sei. Es sei zudem stossend das Vollsplitting nur demjenigen Steuerpflichtigen zu gewähren der mit dem Kinderabzug sogar einen negativen Steuerbetrag erziele. 6. Mit Vernehmlassung vom 17. Juni 2013 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie u.a. aus, seien Personen nicht verheiratet, so komme der Kinderabzug wie auch der dazugehörende Vollsplittin gtarif immer nur einer Person zu. Der an unmündige Kinder Alimente zahlende Elternteil könne nur die familienrechtlichen, periodisch zu zahlenden Kinderalimente abziehen. Voraussetzung für die Gewährung des Kindesabzuges sei die lnnehabung der elterlichen Sorge. Im Falle ei nes Konkubinatspaares habe nur derjenige Partner Anspruch auf den Kinderabzug und den Vollsplit tingtarif, der die elterliche Sorge inne habe und für den Unterhalt des Kindes aufkomme. Entrichte der Lebenspartner Kinderalimente, so könne er diese abziehen, während er keinen Anspruch au f den Kinderabzug und den Voll- splittingtarif habe. Verfüge ein Partner nicht über das gemeinsame Sorgerecht oder die Obhut über das Kind, so habe dieser schon aus dem Grunde keinen Anspruch auf den Kinderabzug und den Vollsplittingtarif. Die rein faktische Obhut g enüge nicht. Welcher Elternteil den Unter- halt des Kindes zur Hauptsache bestreite, sei ausschliesslich dort von Bedeutung, wo ein ge- meinsames Sorgerecht bestehe. Vorliegend lebe der Reku rrent mit seiner Lebenspartnerin im Konkubinat, wobei die elterliche Sorge über die gemei nsamen Kinder der Lebenspartnerin zu- stehe. Aufgrund der vorgenannten Argumente sei der Tarif für Einzelpersonen anzuwenden und dem Rekurrenten der Kinderabzug zu verweigern. Das Steuergericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Seite 5 Gemäss § 129 Abs. 2 StG werden Rekurse, deren umstritt ener Steuerbetrag wie im vor- liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr nicht üb ersteigt, vom Präsidenten und zwei Richterin- nen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten. 2. Der Beurteilung unterliegt vorliegend, ob dem Reku rrenten der Vollsplittingtarif, sowie der Kinderabzug zu gewähren sind. a) Gemäss § 34 Abs. 2 StG wird für in ungetrennter Eh e lebende Steuerpflichtige sowie für verwitwete, getrennt lebende, geschiedene od er ledige Steuerpflichtige, die mit unter- stützungsbedürftigen Personen oder Kindern, für die ei n Kinderabzug gemäss Abs. 4 gewährt wird, in häuslicher Gemeinschaft leben, der Steuersatz d es halben steuerbaren Gesamtein- kommens angewendet, mindestens aber der Minimalsteuersa tz. Für den anwendbaren Steuer- satz gemäss den Absätzen 1 und 2 sind die Verhältnisse am E nde der Steuerperiode bezie- hungsweise der Steuerpflicht massgebend (§ 34 Abs. 3 StG). Der gemäss den Absätzen 1 und 2 ermittelte Einkommen ssteuerbetrag ermäs- sigt sich um 750 Franken pro Steuerjahr für jedes minderjährige, erwerbsunfähige oder in beruf- licher Ausbildung stehende Kind, das mit dem Steuerpflichtigen in häuslicher Gemeinschaft lebt und für das er die elterliche Sorge hat beziehungsweise hatte. Bei Zuteilung des gemeinsamen Sorgerechts (gemäss Artikel 133 Abs. 3 oder Artikel 298a Absatz 1 ZGB) steht der Abzug dem- jenigen Elternteil zu, der den Unterhalt des Kindes zu r Hauptsache bestreitet. Der Abzug kann pro Kind nur einmal geltend gemacht werden. Sofern d as Einkommen des Kindes die Steuer- freigrenze übersteigt, entfällt der Abzug. Für die Ge währung des Abzugs sind die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode beziehungsweise der Steuerpflicht massgebend (§ 34 Abs. 4 StG). b) Gemäss Art. 296 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuche s (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in der für das Jahr 2011 geltenden Fassung stehen Kinder, solange sie un- mündig sind, unter elterlicher Sorge. Während der Ehe üben die Eltern die elterliche Sorge ge- meinsam aus (Art. 297 Abs. 1 ZGB). Sind die Eltern gemäss Art. 298 Abs. 1 ZGB nicht verheira- tet, so steht die elterliche Sorge der Mutter zu. Die Begründung für diese Regelung sah der Ge- Seite 6 setzgeber darin, dass das Kindsverhältnis zur Mutter schon mit der Geburt zustande kommt und das Kind meist auch bei ihr aufwächst (BSK ZGB I - Schwenzer, Art. 298 N 2). Haben die Eltern sich in einer genehmigungsfähigen Vereinbarung über ihre An- teile an der Betreuung des Kindes und die Verteilung der Unterhaltskosten verständigt, so über- trägt ihnen die Vormundschaftsbehörde auf gemeinsamen Antrag die elterliche Sorge, sofern dies mit dem Kindeswohl vereinbar ist (Art. 298a Abs. 1 ZGB). c) Der Begriff der elterlichen Sorge ist ein zivilrecht licher. Das Steuerrecht knüpft hier an die zivilrechtlichen Bestimmungen an und schafft so mit keine Disparitäten. Der Geset- zeswortlaut ist in dieser Beziehung klar und nicht inter pretationsbedürftig. Die Vorschrift nimmt auch keine Rücksicht auf das Haushaltsverhältnis, das heisst, es ist unerheblich, ob die Eltern im gemeinsamen Haushalt leben oder nicht (vgl. Entscheid des Bundesgerichts (BGE) 2A.37/2006 vom 1. September 2006, E. 3.2, www.bger.ch ). Sind Personen nicht verheiratet, so kommt der Kinderabzug immer nur einer Person zu, wie au ch der dazugehörende Vollsplitting- tarif immer nur einer Person zusteht. Der an unmündige Kinder Alimente zahlende Elternteil kann nur die familienrechtlichen, d.h. die gemäss Gerich tsurteil oder gemäss dem von der Vor- mundschaftsbehörde genehmigten Unterhaltsvertrag gesch uldeten, periodisch zu zahlenden Kinderalimente abziehen. Voraussetzung für die Gewährun g des Kindesabzuges ist die Inne- habung der elterlichen Sorge. Hat ein Konkubinatspaar Kinder, hat derjenige Partner, der die elterliche Sorge besitzt und für den Unterhalt des Kin des aufkommt, Anspruch auf den Kin- derabzug und den Vollsplittingtarif. Dies ist in der R egel die Frau, welcher die Kinderalimente zufliessen. Zusammen mit ihren eigenen Beiträgen kommt sie regelmässig zur Hauptsache für das Kind auf. Entrichtet der Lebenspartner Kinderalimente, so kann er diese abziehen, während er keinen Anspruch auf den Kinderabzug und den Vollspl ittingtarif hat. Verfügt der Mann nicht über das gemeinsame Sorgerecht oder ist ihm nicht die O bhut über das Kind formell durch ein Gericht oder durch die Vormundschaftsbehörde zugewiesen worden, so hat er schon aus die- sem Grunde keinen Anspruch auf den Kinderabzug und den Vollsplittingtarif. Die rein faktische Obhut genügt insbesondere aus Gründen der Rechtssicherheit und der einheitlichen Auslegung der im Gesetz verwendeten zivilrechtlichen Begriffe nicht . Welcher Elternteil den Unterhalt des Kindes zur Hauptsache bestreitet, ist ausschliesslich dort von Bedeutung, wo ein gemeinsames Sorgerecht besteht (vgl. zum Ganzen: Roman Blöchliger in Steuer Revue Nr. 3/2009 S. 154 ff.; BGE 133 II 305 vom 4. September 2007, www.bger.ch ). Seite 7 d) Nach § 29 Abs. 1 lit. i StG sind die Unterhaltsbei träge für den geschiedenen oder getrennt lebenden Ehegatten sowie die Unterhaltsbeit räge an einen Elternteil für die unter des- sen elterlicher Sorge stehenden Kinder, nicht jedoch Lei stungen in Erfüllung anderer familien- rechtlicher Unterhalts- oder Unterstützungspflichten von d en steuerbaren Einkünften abzugsfä- hig. Der gewährte Abzug ist in diesem Sinne korrekt. W erden periodische Unterhaltsbeiträge (Alimente) an den Ehegatten und/oder für die minder jährigen Kinder geleistet, so können diese Zahlungen von der leistenden Person vom Einkommen in Abzug gebracht werden. Diejenige Person, welche die Alimente erhält, muss diese jedoch a ls Einkommen versteuern (Merkblatt zur Ehe- und Familienbesteuerung, gültig ab Steuerja hr 2007, www.steuern.bl.ch). Eine Kumu- lation des Abzugs für Unterhaltsbeiträge für Kinder ( …) und des Verheiratetentarifs für die glei- chen Kinder bei einer einzigen steuerpflichtigen Person ist ausgeschlossen. Denn leben unver- heiratete Eltern zusammen mit einem gemeinsamen Kind im gleichen Haushalt, ist der Verhei- ratetentarif demjenigen Elternteil zu gewähren, aus dessen Einkünften der Unterhalt des Kindes zur Hauptsache bestritten wird (dem also der Kinderabzug zukommt) (vgl. Handkommentar zum DBG, 2. Auflage Zürich 2009, Art. 214 N 39). Diese An sicht hat auch hier zu gelten, denn die Bestimmungen im kantonalen Steuergesetz und im Gesetz de r direkten Bundessteuer stimmen praktisch überein. Das Kantonsgericht hielt in seinem Urteil vom 8. Dezem ber 2010 in einem ähn- lich gelagerten Fall fest, in Bezug auf die Definitio n des „Bestreitens des Unterhalts des Kindes zur Hauptsache“ kann somit festgehalten werden, dass ste uerrechtlich grundsätzlich derjenige den Unterhalt bestreitet, der das Kind betreut und Un terhaltsbeiträge für das Kind erhält (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Abteilung Verfassungs- und Ver waltungsrecht [KGE VV] vom 8. De- zember 2010, 810 10 243/392 E. 5.4). e) Auch das Bundesgericht führt in seinem Urteil vom 4 . September 2007 aus, wenn Konkubinatspaare ein Kind haben, für dessen Unte rhalt sie sorgen, hat einer der Partner Anspruch auf den Sozialabzug für Kinder und den Versicherungsabzug für das Kind. Er wird für die Alimente besteuert, die er grundsätzlich vom anderen Partner erhält, und hat vorausgesetzt, dass er mit dem Kind im gleichen Haushalt lebt und die Hauptlast seines Unterhalts trägt - An- spruch auf den Tarif für Ehepaare. Der andere Konkubi natspartner kann von seinem Einkom- men die Alimente abziehen, die er für das Kind leiste t, über das der Erstgenannte die elterliche Gewalt ausübt (vgl. Die Praxis des Bundesgerichts [Pra] 2008, Nr. 39, E. 6.7). Seite 8 3. a) Beantragt wird sowohl der Vollsplittingtarif al s auch der Kinderabzug für den Sohn E., u.a. mit dem Argument, Vollsplitting und Ki nderabzug seien dem Rekurrenten, bereits in den Vorjahren gewährt worden. In der Veranlagung für das Jahr 2010 wurde beiden Elterntei- len sowohl das Vollsplitting als auch jeweils ein Kinde rabzug gewährt. Das gemeinsame Sorge- recht für D., E. war bereits im Jahre 2009 volljährig, wurde bis zum Stichtag 31. Dezember 2011 weder beantragt noch erteilt. Die Mutter hat für di e Tochter D. demzufolge das alleinige Sorge- recht. In der Veranlagungsverfügung Staatsteuer betreffen d das umstrittene Jahr 2011 wurden sowohl das Vollsplitting als auch der Kinderabzug (für zwei Kinder) der Mutter zuge- standen. Der bei ihr veranlagte Steuerbetrag von Fr. 948.35 wird durch den Kinderabzug in Hö- he von insgesamt Fr. 1‘500.-- völlig absorbiert. Rund 1/ 3 dieses Betrages (Fr. 551.65) kann je- doch nicht weiter verrechnet werden und fällt damit i ns Leere. Dem Rekurrenten wurden im Jahr 2011 der Tarif für Einzelpersonen ohne Kinderabz ug, jedoch der Abzug für Unterhaltszah- lungen für die Tochter zugestanden (gemäss Einsprache-E ntscheid analog dem bis zum 31. Dezember 2010 gültigen Unterhaltsvertrag betreffend d en Sohn E. in Höhe von Fr. 7‘200.--). Diejenigen Unterhaltsbeiträge an den volljährigen So hn E. belaufen sich gemäss einer neuen Unterhaltsvereinbarung vom 3. Januar 2011 auf jährlich Fr. 14‘400.--. Für den Sohn wurde ein pauschaler Unterstützungsabzug in Höhe von Fr. 2‘000.-- zugelassen. Während dem die Mutter den Kinderabzug nicht vollstä ndig ausnutzen kann und damit rund ein Drittel des Kinderabzugs in diesem Fall nicht steuerwirksam ist, wird dem Rekur- renten keine weitere Steuerreduktion zugestanden, was dieser als stossend empfindet. b) In Bezug auf die Tochter D. ist demzufolge festzu halten, dass die Mutter als In- haberin des alleinigen Sorgerechts die Hauptlast des Unterhalts für die Tochter trägt. Mit den empfangenen Unterhaltszahlungen bestreitet somit die Mutter die Kosten des täglichen Lebens der Tochter - und nicht etwa der unterhaltszahlende R ekurrent. Unterhaltszahlungen bedeuten eine Verschiebung der Ressourcen: Der Steuerpflichtige, d er Alimente erhält, verwendet sie für den Unterhalt des Kindes an Stelle eigener Ressourcen; d ie Alimente werden diesen gleichge- stellt, und sie werden bei ihm besteuert. Steuerrechtli ch gesehen sorgt somit dieser Steuer- pflichtige ganz oder zur Hauptsache für den Unterhalt d es Kindes und hat Anspruch auf den Sozialabzug für Kinder (vgl. Pra 2008, Nr. 39, E. 6.5, a.a.O.). Seite 9 Dass die Mutter ein geringes Einkommen hat und dami t bereits schon eine ge- ringe steuerliche Belastung trägt, wobei hier auch die Unterhaltszahlungen nicht besonders ins Gewicht fallen, spielt keine Rolle. Die Anrechnung de s Unterhalts beim einen Elternteil, wie auch dessen Abzug beim anderen, wäre im Falle beide Elternteile einen gleich hohen Verdienst erzielen würden, nicht anders zu handhaben (Entscheid d es Steuergerichts [StGE] vom 2. De- zember 2011, 510 11 35, E 4a, www.bl.ch/steuergericht ). Anlässlich der Akteneinsicht reichte der Rekurrent eine Kopie des genehmigten Unterhaltsvertrags betreffend die Tochter D. ein. Gemä ss diesem Vertrag hat der Pflichtige bis zum Erreichen des 12. Altersjahrs der Tochter (30.11.1999) monatlich Fr. 830.-- und danach Fr. 880.-- zu leisten. Der korrekte Unterhaltsbeitrag für das Jahr 2011 errechnet sich demnach wie folgt: 11 x Fr. 830.-- + 1 x Fr. 880.-- = Fr. 10‘010. -- x 116,3 (Index Nov. 2010) : 107,1 (Basisin- dex gemäss Unterhaltsvertrag) = Fr. 10‘870.--. Der abzug sfähige Unterhaltsbeitrag des Rekur- renten an die Tochter ist demzufolge um Fr. 3‘670.-- von Fr. 7‘200.-- auf Fr. 10‘870.-- zu erhö- hen. Der Rekurs ist in diesem Punkt gutzuheissen. c) In Bezug auf den volljährigen Sohn E. ist festzuhalt en, dass Alimente für Kinder zeitlich nur bis zum Erreichen der Volljährigkeit des Kindes vom Einkommen abgezogen werden können. Zahlungen nach dem 18. Geburtstag können steue rlich nicht mehr als Alimente be- rücksichtigt werden (vgl. E. 2d). Dafür kann ab diesem Zeitpunkt der Unterstützungsabzug nach § 33 StG geltend gemacht werden, wenn das Kind wege n seiner beruflichen Ausbildung noch unterstützt werden muss. Auf der anderen Seite fliessen d iese Alimente aus steuerlicher Sicht neu dem Kind zu und nicht mehr dem sorgeberechtigten El ternteil, der diese Kinderalimente bisher versteuern musste. Solche Unterhaltsleistungen an das volljährige Kind werden im Ge- setz als steuerfrei erklärt, soweit es sich nur um Zahlung en für den notwendigen Lebensunter- halt und die berufliche Erstausbildung handelt (vgl. Me rkblatt zur Ehe- und Familienbesteue- rung, a.a.O.). Aus den bisherigen Darstellungen folgt zudem, dass der Kinderabzug für den Sohn E. gemäss § 34 Abs. 4 StG - über die Minderjährig keit hinaus - […] „ für das in beruflicher Ausbildung stehende Kind, das mit dem Steuerpflichtig en in häuslicher Gemeinschaft lebt und für das er die elterliche Sorge hat beziehungsweise ha tte“ - ebenfalls der Mutter zufällt (vgl. hierzu ebenfalls Merkblatt zur Ehe- und Familienbesteuerung, a.a.O.). Gemäss § 33 lit. a StG wird vom Reineinkommen für di e Steuerberechnung Fr. 2‘000.-- für jede erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Person, die vom Steuerpflich- Seite 10 tigen in mindestens der Höhe des Abzuges unterstützt wird, zum Abzug gebracht. Gemäss der Immatrikulationsbestätigung der Universität F. ist E. sei t dem 1. August 2011 immatrikuliert und steht somit in Ausbildung. Gemäss der Unterhaltsvereinba rung zwischen dem Rekurrenten und dem Sohn E. erhält dieser monatlich Fr. 1‘200.--. Di e Steuerverwaltung hat dem Pflichtigen demzufolge den Unterstützungsabzug zu Recht gewährt. 4. a) Aufgrund der bisherigen Ausführungen ist festzu stellen, dass der Pflichtige die geleisteten Unterhaltszahlungen gemäss dem im Verfahr en vor Steuergericht eingereichten Kopie des Unterhaltsvertrages betreffend die Tochter D. , in Höhe von Fr. 10‘870.-- von seinen Einkünften in Abzug bringen kann, was bereits eine steue rliche Entlastung für den Pflichtigen darstellt. Diese Unterhaltszahlungen werden bei der sorgeberechtigten Mutter als Einkommen besteuert, wobei sie im Gegenzug - da sie den Lebensunt erhalt des Kindes ganz oder haupt- sächlich aus diesen Einkünften bestreitet - den Vollsplit tingtarif sowie in diesem Fall den Kin- derabzug für beide Kinder für sich beanspruchen kann. Das Kantonsgericht fasste in seinem Urteil vom 8. Dez ember 2010 die bundes- gerichtliche Rechtsprechung insoweit zusammen, als dass da s Bundesgericht die Anknüpfung an die Innehabung der elterlichen Sorge geschützt und auch in mehreren Urteilen ausgeführt hat, dass nur bei demjenigen Konkubinatspartner der Ve rheiratetentarif anwendbar ist, der die elterliche Sorge innehat. Überdies hat das Bundesgerich t mehrmals erörtert, dass derjenige Elternteil, der Unterhaltsbeiträge erhält, steuerlich gesehen ganz oder zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes sorgt (vgl. [KGE VV] vom 8. Dezember 2010, 810 10 243/392 E. 7). In Bezug auf E. ist demzufolge festzustellen, dass dem Rekurrenten lediglich der pauschale Unterstützungsabzug gewährt werden kann. b) Eine Kumulierung des Abzugs für Unterhaltsbeiträg e für Kinder sowie des Ver- heiratetentarifs für die gleichen Kinder bei einer ei nzigen steuerpflichtigen Person ist, wie be- reits ausgeführt, nicht möglich. Die gesetzliche Ordnung i st für den Rekurrenten verbindlich, und er kann nicht frei dasjenige Korrektiv wählen, das i hm in seiner besonderen Situation die grösste Steuerentlastung offeriert (vgl. Entscheid des Bu ndesgerichts [BGE] 2C_437/2010 vom 11. Oktober 2010, E. 2.2). Seite 11 c) Aus der Tatsache, dass dem Rekurrenten bislang sowohl ein Kinderabzug und der Vollsplittingtarif gewährt worden sind, kann sich di eser nichts ableiten. Die in einer früheren Steuerperiode getroffenen Taxationen entfalten zudem grundsätzlich keine Rechtskraft für spä- tere Veranlagungen. Vielmehr kann die Steuerbehörde im Rahmen jeder Neuveranlagung eines Steuerpflichtigen sowohl die tatsächliche als auch die r echtliche Ausgangslage vollumfänglich überprüfen und, soweit erforderlich, abweichend würdi gen. In Rechtskraft erwächst jeweils nur die einzelne Veranlagung, die als befristeter Verwalt ungsakt ausschliesslich für die betreffende Steuerperiode Rechtswirkungen entfaltet. Die späteren Veranlagungen sind daher jederzeit einer erneuten umfassenden Überprüfung zugänglich (vgl. Der Steuerentscheid [StE] 2003 B 72.14.2 Nr. 31 E. 4.2; vgl. auch BStPra, Bd. XVI, S. 468; Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 20. November 2009, 510 09 36, E 6; [StGE] vom 01. 03.2013, 510 12 81, E. 9 www.bl.ch/steuergericht ). Der Antrag des Pflichtigen auf Gewährung des Vollsplitt ingtarifs sowie des Kinderabzugs für den Sohn E. ist demzufolge abzuweisen. 5. Ausgangsgemäss sind dem Rekurrenten reduzierte Verfa hrenskosten in Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]). Seite 12 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Der Rekurs wird im Sinne der Erwägungen teil weise gutgeheissen. 2. Das steuerbare Einkommen gemäss Einsprache-Entscheid vom 23. April 2013 ist von Fr. 75‘299.-- um Fr. 3‘670.-- auf Fr. 71‘629.-- zu reduzieren. 3. Dem Rekurrenten werden gemäss § 130 StG i.V.m. § 2 0 VPO reduzierte Verfahrens- kosten in der Höhe von Fr. 600.-- (inkl. Auslagen von pa uschal Fr. 100.--) auferlegt, welche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechne t werden. Der zu viel bezahlte Kostenvorschuss von Fr. 200.-- wird dem Rekurrenten zurückerstattet. 4. Mitteilung an die Vertreterin, für sich und zhd. des Rekurrenten, die Gemeinde G. (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiberin: I. Wissler