Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12.Mai 2016 (720 15 305 / 112) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Prüfung der Frage, ob die Versicherte im Gesundheit sfall ganztägig oder zeitweilig er- werbstätig wäre / Würdigung des medizinischen Sachv erhalts: Auf das schlüssige Ver- waltungsgutachten kann abgestellt werden Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Markus Schä- fer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Elisabeth Maier, Advo- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1970 geborene, seit ihrer Einreise in die Sc hweiz im Haushalt tätige A.____ melde- te sich am 21. Juni 2013 unter Hinweis auf verschie dene Gesundheitsbeeinträchtigungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklä- rung der gesundheitlichen, der erwerblichen und der hauswirtschaftlichen Verhältnisse ermittel- te die IV-Stelle Basel-Landschaft bei der Versicher ten in Anwendung der gemischten Bemes- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sungsmethode - mit Anteilen von 75 % an Erwerbs- und v on 25 % an Haushalttätigkeit - einen Invaliditätsgrad von 15 %. Nach Durchführung des Vorbesch eidverfahrens lehnte die IV-Stelle deshalb mit Verfügung vom 19. August 2015 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokatin Elisabeth Mai er namens und im Auftrag von A.____ am 21. September 2015 Beschwerde beim Kantons gericht. Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei zur weiteren Abklärung des Sachverhalts ein Ge- richtsgutachten in Auftrag zu geben. Subeventualiter se i die Angelegenheit - in Aufhebung der angefochtenen Verfügung - zu weiteren Abklärungen an d ie IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge, wobei der Beschwerdeführerin die unen tgeltliche Prozessführung und die un- entgeltliche Verbeiständung mit ihr als Rechtsvertret erin zu bewilligen seien. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, auf das von der IV-St elle eingeholte und als massgeblich erachtete polydisziplinäre Gutachten der Begutachtungsstelle B.____ vom 23. September 2014 könne nicht abgestellt werden. Sodann sei die Invalidit ät der Beschwerdeführerin nach der all- gemeinen Methode zu bemessen, da sie im Gesundheitsfal l zu 100 % erwerbstätig wäre. Schliesslich sei der Versicherten bei der Ermittlung des I nvalideneinkommens ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 20 % zu gewähren. C. Mit Verfügung vom 25. September 2015 bewilligte das Kantonsgericht der Beschwer- deführerin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltli che Verbeiständung mit Advokatin Elisa- beth Maier als Rechtsvertreterin. D. Am 11. November 2015 reichte die Beschwerdeführerin eine Aufstellung über das von ihr in den Jahren 1987 bis 2001 in der Türkei erzielte Einkommen nach. Dieses Dokument be- lege, dass sie im genannten Zeitraum einer Erwerbstätig keit nachgegangen sei und Einkom- men erzielt habe. E. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Februar 2016 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. F. Da die IV-Stelle ihrer Vernehmlassung einen nachtr äglich eingeholten, von Dr. med. C.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie/FMH Allgemeine Medizin, und Frau D.____, Dip- lom-Psychologin, verfassten Bericht vom 20. November 2015 sowie die Stellungnahmen zweier Ärzte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) beider Base l, nämlich von Dr. med. E.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom 15. Dezember 2015 u nd von pract. med. F.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. Januar 2016 b eigelegt hatte, ordnete das Kan- tonsgericht die Durchführung eines zweiten Schriftenwech sels an. In der Folge hielt die Be- schwerdeführerin in ihrer Replik vom 9. März 2016 an de n in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren fest. Für den Leistungsentscheid könne auf den nunmehr vorliegenden Arztbe- richt des behandelnden Psychiaters Dr. C.____ und der be handelnden Psychologin Frau D.____ vom 20. November 2015 abgestellt werden; event ualiter sei ein Gerichtsgutachten in Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auftrag zu geben. Die IV-Stelle wiederum teilte am 11. März 2016 mit, dass sie auf die Einrei- chung einer Duplik verzichte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 21. September 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil H. des Bu ndesgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 19. August 2015) entwickelt haben, wobei für d ie hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderl ich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.2 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d der Versicherten nach der gemischten Methode bemessen. Was die im Rahmen dieser Methode zu b erücksichtigenden Anteile an Erwerbs- und an Haushalttätigkeit betrifft, ist sie da von ausgegangen, dass die Versicherte oh- ne gesundheitliche Beeinträchtigungen in einem Pensu m von 75 % eines Vollpensums einer Erwerbstätigkeit nachgehen und im Umfang von 25 % de n Haushalt besorgen und die Kinder betreuen würde. Die IV-Stelle stützte sich bei dieser Beurteilung auf die Einschätzung, zu wel- cher die Abklärungsperson anlässlich der Haushaltabkläru ng vom 18. November 2014 gelangt war. In deren Rahmen gab die Versicherte ursprünglich an, dass sie früher in der Türkei in einer Fabrik und später als Praxisassistentin bei einem Arzt jew eils zu 100 % erwerbstätig gewesen sei und dass sie im Gesundheitsfall auch heute wieder zu 100 % einer Erwerbstätigkeit nach- gehen würde. Auf Nachfrage der Abklärungsperson, wie si e die Betreuung der beiden Kinder, die im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses 14 bzw . 7½ Jahre alt waren, organi- sieren würde, gab die Versicherte an, dass sie jeweils an den Vormittagen und an den Aben- den, wenn ihr Ehemann zu den Kindern schaue, arbeiten würde. Die Abklärungsperson wies die Versicherte deshalb darauf hin, dass dies eher ein em Arbeitspensum von 70 - 80 % ent- spreche. Dieser Feststellung wurde von Seiten der Versiche rten nicht widersprochen. Die Ab- klärungsperson hielt deshalb im “Fragebogen zur Ermittl ung der Erwerbstätigkeit“ fest, dass die Versicherte ohne gesundheitliche Einschränkungen zu 75 % beruflich tätig wäre und dass sie die restliche Zeit für den Haushalt und die Kinder ver wenden würde. In der Folge bestätigte die Versicherte - nach einer Überlegungszeit - am 24. Novem ber 2014 mit ihrer Unterschrift explizit die Richtigkeit dieser Angabe. 4.3 In ihrer Beschwerde bestreitet die Versicherte nun a llerdings die von der IV-Stelle übernommene Einschätzung der Abklärungsperson, wonach in ihrem Fall von einem Er- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht werbsanteil von 75 % auszugehen sei. Sie macht im Wesentlichen geltend, es sei auf die soge- nannte “Aussage der ersten Stunde“ abzustellen, sie hab e nämlich bereits anlässlich der Be- gutachtung der Begutachtungsstelle B.____, die zeitlich vor der Haushaltabklärung stattgefun- den hatte, erklärt, dass sie im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig wäre. Es trifft zwar zu, dass sich die Versicherte gegenüber dem Facharzt, der den psychiatrischen Fachteil des Gut- achtens der Begutachtungsstelle B.____ verfasst hat, in diesem Sinne geäussert hat, auf Nach- frage dieses Gutachters, wie sie es „mit den Kindern anst ellen würde“, präzisierte sie dann aber, dass sie bis anhin wegen dem jüngeren Sohn wohl n icht gearbeitet hätte; nunmehr hätte sie mit dem Ehemann jedoch „einen Plan aufstellen“ kö nnen, um die Arbeit zu 50 % aufzuneh- men (vgl. S. 25 des Gutachtens vom 23. September 2014). Im Lichte dieser Angabe der Versi- cherten, dass sie aufgrund der Kinderbetreuungssituatio n eine Erwerbstätigkeit im Umfang ei- nes 50 %-Pensums aufgenommen hätte, lässt sich festhalten, dass die Einschätzung der Ab- klärungsperson, wonach im Gesundheitsfall von einer 75 % -igen ausserhäuslichen Erwerbstä- tigkeit ausgegangen werden könne, nicht zum Nachteil der Versicherten, sondern wohl eher zu deren Gunsten ausgefallen ist. In Berücksichtigung der k onkreten persönlichen, familiären, so- zialen und erwerblichen Verhältnisse - samt den Erziehun gs- und Betreuungsaufgaben gegen- über den Kindern - einerseits und der unterschriftlich bestätigten Angabe im “Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit“ anderseits erweist sich die Einschätzung der Abklärungsper- son, wonach die Versicherte im Gesundheitsfall zu 75% er werbstätig wäre, jedenfalls als über- zeugender als deren nicht mit weitern stichhaltigen Ar gumenten untermauerte Schilderung, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen zu 100 % erwerbstätig wäre. Somit ist im Ergebnis aber nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 19. August 2015 den Invaliditätsgrad der Versicherten in Anwendung der gemischten Methode mit einem Erwerbsanteil von 75 % und einem Haushaltanteil von 25 % ermittelt hat. 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 99 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des medizinischen S achverhalts bei der Begutach- tungsstelle B.____ eine polydisziplinäre Begutachtung de r Versicherten mit fachärztlichen Un- tersuchungen in den Bereichen Innere Medizin, Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Psychiat- rie und Rheumatologie in Auftrag. In ihrem ausführl ichen Gutachten, welches sie am 23. Sep- tember 2014 erstatteten, erheben die beteiligten Ärzt e folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: (1) Zustand nach subokzipital er Entfernung eines Vestibularis- schwannoms links am 14.03.2007 (ICD-10 H93.3) mit funkti oneller Taubheit links (ICD-10 H91.9), dekompensiertem Tinnitus links (ICD-10 H93.1), V estibularisausfall links (ICD-10 H81.8), zentral inkomplett kompensiert, und residueller Facialisparese links (ICD-10 G51.0); (2) leichte bis mittelschwere depressive Störung mit mögli cher sekundärer Somatisierungsten- denz (ICD-10 F32.0); (3) Status nach periarthro-pathi schen Schulterbeschwerden, links mehr als rechts, mit Impingement ab Mai 2012 gemäss Aktenlage bei (3.1) Partialläsion der Supra- spinatussehne und der Subscapularissehne rechts und Einen gung des Subacromialraumes gemäss MR-Arthrographie der rechten Schulter vom 19.10.2012 (ICD-10 M 75.1) und (3.2) Sta- tus nach deutlicher Impingement-Symptomatik an der rechten Schulter 2012 (ICD-10 M75.4). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten führen die Gutachter aus, dass aus otoneuro- logischer Sicht verschiedene qualitative Einschränkungen best ünden: So seien Tätigkeiten, die Anforderungen an das Gehör stellen oder ein intaktes Ri chtungshören voraussetzen würden, für die Explorandin nicht geeignet. Zudem sollten im Rahmen des dekompensierten Tinnitus Tätigkeiten unter erhöhtem Umgebungsgeräuschpegel gem ieden werden. Aufgrund des post- operativen Vestibularisausfalls links seien sodann sturzgefä hrdende Beschäftigungen oder Tä- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tigkeiten mit häufigen Rotationsbewegungen nicht geei gnet. In Anbetracht der zentral inkom- plett kompensierten vestibulären Störung mit Beschwerde auslösung bei schnelleren Bewegun- gen sowie des dekompensierten Tinnitus mit erhöhten Pausenbedarf zwecks Erholung ergäben sich zusätzlich auch quantitative Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, die mit 40 % beziffert werden könnten. Zusammenfassend bestünde somit aus rein otoneurologischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit, welche die erwähnten qualitativen Einschränkungen berücksichtige, eine 40 %-ige Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit. Aus rein psychiatrischer Sicht könne - bezo- gen auf eine ganztägige einfach strukturierte Tätigkeit - von einer 30 %-Leistungseinschränkung ausgegangen werden. Die Explorandin sei als vermindert belastbar einzustufen und im Verlaufe des Tages dürften die kognitiven Beeinträchtigungen zunehmen, sodass die Explorandin länge- re Erholungsphasen benötige. Aus rheumatologischer Sicht schliesslich habe vorübergehend von Mai 2012 bis Ende 2012 eine 10 %-ige Einschränkung wegen der Schulterproblematik be- standen. In Berücksichtigung der geschilderten Beeinträc htigungen attestieren die Gutachter der Begutachtungsstelle B.____ der Explorandin im Rah men der abschliessenden, gemeinsam erfolgten interdisziplinären Gesamtbeurteilung - bezogen auf ein vollschichtiges Arbeitsvolumen - eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 40 %, wo bei bei der Ausübung einer zumutba- ren Tätigkeit die aus otoneurologischer Sicht gemachten qualitativen Einschränkungen zu be- rücksichtigen seien. 6.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 19. August 2015 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen die Gutachter der Begutachtungsstelle B.____in ihrem polydiszip- linären Gutachten vom 23. September 2014 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherten die Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit, welche die aus otoneurologi- scher Sicht gemachten qualitativen Einschränkungen berücksic htige, im Umfang von 60 % - bezogen auf ein Vollzeitpensum - zumutbar sei. Diese vori nstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, die aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das polydisziplinäre Gutachten der Begutachtungsstelle B.____ vom 23. September 2014 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesger icht verlangt wird (vgl. E. 5.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf a llseitigen Untersuchungen, es berücksich- tigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. d er Beurteilung der aktuellen medi- zinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Einschät- zungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Insbesondere nimmt es auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. 6.3 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des polydisziplinären Gutachtens der Begutachtungsstelle B.____ vom 23. September 2014 in Frage zu stellen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.1 Die Versicherte moniert in formeller Hinsicht, da ss den Gutachtern der Begutachtungs- stelle B.____ die Arztberichte des Spitals G.____, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesicht- schirurgie, vom 18. Mai 2011 sowie vom 10. und 11. Juni 2 014 nicht vorgelegen hätten. Dieser Einwand trifft zwar zu, er ändert jedoch nichts an der b eweisrechtlichen Verwertbarkeit des Gutachtens der Begutachtungsstelle B.____. Wie der RAD- Arzt Dr. E.____ in seiner Beurtei- lung vom 15. Dezember 2015 zutreffend festhält, enth alten diese Berichte keine zusätzlichen Informationen, von denen die Gutachter hätten Kenntn is haben müssen. So stellt der Bericht vom 18. Mai 2011 gegenüber dem Status von 2007, der d en Ärzten der Begutachtungsstelle B.____ vorlag, keine Veränderungen fest. Im Schreib en vom 11. Juni 2014 wird ausgeführt, dass bis auf die Schwindelbeschwerden und das chronische Schmerzsyndrom ein unauffälliger und unveränderter Befund vorliege und dass der Fall ab geschlossen werde. Laut radiologi- schem Befundbericht vom 10. Juni 2014 schliesslich sind keine Hinweise auf ein Lokal-Rezidiv in Bezug auf das Vestibularisschwannom gefunden worden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 6.1 hiervor), wurde im Rahmen der Begutachtung der Begutachtungsstelle B.____ eine eingehende otorhinolaryngologische Untersuchung durchgeführt, bei welcher sich der begutachtende Fach- arzt ein umfassendes Bild vom Gesundheitszustand und dess en Auswirkungen auf die Arbeits- fähigkeit machen konnte. Die von der Beschwerdeführerin angesprochenen Berichte bringen im Vergleich zu den Ergebnissen des otorhinolaryngologischen Teilgutachtens keine neuen Er- kenntnisse. Somit kann aber nicht gesagt werden, dass die Gutachter der Begutachtungsstelle B.____ ein lückenhaftes Bild von der gesundheitlichen En twicklung der Versicherten gehabt hätten. 6.3.2 Die Versicherte beruft sich sodann auf den Berich t von Dr. C.____ und Frau D.____ vom 20. November 2015. Darin werden als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstö- rung (nach langjähriger Folter in der Türkei; ICD-1 0 F43.1), eine andauernde Persönlichkeits- änderung nach Extrembelastung aufgrund der erstgenannt en Diagnose (ICD-10 F62.0), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra dige Episode mit somatischem Syn- drom (ICD-10 F33.11) und Schwierigkeiten bei der kult urellen Eingewöhnung (ICD-10 Z60.3) festgehalten. Die Versicherte sei aufgrund dieser Beein trächtigungen zu 100 % arbeitsunfähig. Bei der Würdigung dieses Berichts des behandelnden Arzt es und der therapierenden Psycho- login fällt nun allerdings auf, dass darin vorwiegend und in ausführlichem Masse die von der Versicherten geschilderten Beschwerden wiedergegeben werden, weshalb ihm bereits aus die- sem Grund ein geringerer Beweiswert zukommt als den aus führlich motivierten gutachterlichen Beurteilungen des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfä higkeit der Versicherten. Auffallend ist sodann, dass die Beschwerdeführerin die Behandlung be i Dr. C.____ und Frau D.____ aus- gerechnet nach der Zustellung des Vorbescheids, in welchem ihr ein negativer Rentenentscheid in Aussicht gestellt worden war, aufgenommen hat. Im Er gebnis ist deshalb der Bericht von Dr. C.____ und Frau D.____ vom 20. November 2015 nich t geeignet, den Beweiswert des schlüssigen und überzeugenden psychiatrischen Fachteils des Gut achtens der Begutachtungs- stelle B.____ - und somit des Gutachtens als Ganzes - in Frage zu stellen. 6.3.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin i st auch nicht von einer Verschlech- terung ihres Gesundheitszustandes seit der Begutachtung d er Begutachtungsstelle B.____ Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht auszugehen. Der Schwindel und die Lähmung der linken Gesichtshälfte, auf welche die Versi- cherte hinweist, sind bereits im Gutachten berücksichtigt worden. Die neu geltend gemachten Bauchschmerzen dürften laut Bericht des Spitals H.____, B auchzentrum, vom 9. Oktober 2015 auf eine Lactoseintoleranz zurückzuführen sein, wobei davo n auszugehen ist, dass aus einer solchen keine zusätzlichen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit resultieren. 6.4 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhaltes zu, so ist dem Antrag der Beschwerdeführe- rin, wonach zur weiteren Abklärung des Sachverhalts ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu ge- ben sei, nicht stattzugeben. Der Anspruch auf rechtlich es Gehör umfasst zwar das Recht, Be- weisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Bewei- se sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indesse n nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache er heblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zu- verlässiges Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend abge- klärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzicht et werden. Die damit verbundene antizi- pierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 64 E. 3.3, 122 V 162 E. 1d). 7.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), ist ge mäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkomme nsvergleichs zu bestimmen. Dassel- be gilt im Rahmen der gemischten Methode der Invalidi tätsbemessung für die Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich. Die IV-Stelle gi ng in der angefochtenen Verfügung vom 19. August 2015 - auf der Basis einer 75%-igen Erwerbst ätigkeit - von einem Valideneinkom- men von Fr. 38‘851.-- und - unter Annahme eines zumu tbaren Pensums von 60 % - von einem Invalideneinkommen von Fr. 31‘081.-- aus. Anhand ein er Gegenüberstellung dieser Zahlen er- rechnete sie sodann für den Erwerbsbereich einen Invaliditätsgrad der Versicherten von 20 %. 7.2 Die Versicherte beanstandet im Zusammenhang mit d er konkreten Berechnung, dass ihr die IV-Stelle bei der Bemessung des Invalideneinkomm ens keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährt habe. 7.2.1 Gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte, die ni cht mehr voll leistungsfähig sind, ha- ben erfahrungsgemäss eine Reduktion des üblichen Lohna nsatzes hinzunehmen. Von einem anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) erhobenen Invalideneinkommen sind d eshalb praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damal ige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterent wickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persön- lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalle s abhängt (leidensbedingte Ein- schränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität /Aufenthaltskategorie und Beschäfti- gungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaf t zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung al ler jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.2 Vorliegend hat die IV-Stelle in der angefochte nen Verfügung keinen Abzug vom Tabel- lenlohn vorgenommen. Demgegenüber macht die Beschwerdef ührerin geltend, dass ihr ein Abzug vom Tabellenlohn von 20 % zu gewähren sei. Entgegen der Auffassung der Versicherten lässt sich in ihrem Fall ein Abzug im geforderten Umfan g kaum rechtfertigen, zumal die vorhan- denen Einschränkungen mit der Annahme einer 40 %-ige n Leistungseinbusse bei der Aus- übung eines Ganztagespensums schon in erheblichem Masse ber ücksichtigt sind. Wie es sich damit verhält, kann letztlich aber offen bleiben. We nn man der Versicherten den von ihr postu- lierten Abzug von 20 % vom Tabellenlohn gewähren wür de, resultierte daraus im Erwerbsbe- reich ein Invaliditätsgrad von 36 %. Wie weiter unten zu zeigen sein wird (vgl. E. 9 hiernach), würde sich vorliegend in Anwendung der gemischten Bemessungsmethode aber auch bei einer Einschränkung von 36 % im Erwerbsbereich kein rentenbegrü ndender Invaliditätsgrad von min- destens 40 % ergeben. 7.3 Die vorinstanzliche Bemessung des massgebenden Validen- und des zumutbaren In- valideneinkommens erweist sich in den übrigen Punkten als korrekt. Die von der IV-Stelle ermit- telten Zahlen sind denn auch - abgesehen vom vorstehend e rörterten Einwand - in der vorlie- genden Beschwerde nicht weiter beanstandet worden. Un ter diesen Umständen kann hier von weiteren Ausführungen zum Einkommensvergleich abgesehe n und stattdessen vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle i n der Verfügung vom 19. August 2015 verwiesen werden. 8.1 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltberei ch hat die IV-Stelle eine Haus- haltabklärung in Auftrag gegeben. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung stellt die in Art. 69 Abs. 2 IVV vorgesehene Abklärung an Ort und St elle eine grundsätzlich geeignete und im Regelfall genügende Basis dafür dar, unter Berücksicht igung der konkreten Verhältnisse die Unmöglichkeit der versicherten Person festzustellen, sich i m bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Im Rahmen der Haushaltabklärung werden di e im Haushalt anfallenden Arbeitspro- zesse von einer qualifizierten Abklärungsperson, deren fach liche Kompetenz vorausgesetzt wird (vgl. dazu BGE 128 V 93 f. E. 4 und 130 V 62 f. E. 6.1 und 6.2), an Ort und Stelle einzeln besprochen und allfällige Einschränkungen werden im jeweiligen Bereich festgehalten. Von den Ergebnissen einer solchen Abklärung ist nur ausnahmsweise abzuweichen, handelt es sich doch bei der Einschätzung der Behinderungen im Rahmen eines Betätigungsvergleichs um einen Ermessensentscheid (vgl. BGE 114 V 316, 98 V 131). 8.2 Vorliegend ergab die am 18. November 2014 erfolg te Haushaltabklärung vor Ort ge- mäss Bericht vom 1. Dezember 2014 lediglich eine Einschrä nkung von 1,8 %. Dazu kommt, dass auch die Gutachter der Begutachtungsstelle B.____ d ie Einschränkungen der Versicher- ten im Haushaltbereich als gering eingeschätzt haben. D as Ergebnis der Haushaltabklärung wird von der Versicherten in ihrer Beschwerde denn auc h nicht in Frage gestellt. Da sich aus den Akten ebenfalls keine Anhaltspunkte für eine Unricht igkeit der durch den Abklärungsdienst ermittelten Einschränkung im Haushaltbereich ergeben, kann an dieser Stelle ohne weitere Ausführungen vollumfänglich auf dessen Bericht verwiesen werden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. In Anwendung der gemischten Methode der Invaliditä tsbemessung ergeben sich auf Grund des Gesagten in Berücksichtigung der zeitlichen Beans pruchung von 75 % im Erwerbs- und von 25 % im Haushaltbereich folgende Invaliditäts grade: Geht man mit der IV-Stelle von einer Erwerbseinbusse von 20 % aus (vgl. E. 7.1 hiervor), so führt dies bei einer Einschränkung im Erwerbsbereich von 15 % (0,75 x 20 %) und einer solch en im Haushaltbereich von 0,45 % (0,25 x 1,8 %) insgesamt zu einem Invaliditätsgrad vo n 15,45 % bzw. gerundet (vgl. zur Run- dungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 15 %. Würde man de r Versicherten den von ihr geltend gemachten Abzug von 20 % vom Tabellenlohn gewähren ( vgl. dazu E. 7.2.2 hiervor), so würde sich die Erwerbseinbusse im Erwerbsbereich auf 36 % belaufen, was insgesamt zu einem Inva- liditätsgrad von 27,45 % ([0,75 x 36 %] + [0,25 x 1,8 %]) bzw. gerundet von 27 % führen würde. Somit liegt der Invaliditätsgrad der Versicherten aber in jedem Fall unter dem für einen Renten- anspruch mindestens erforderlichen Invaliditätsgrad von 40 %. Die IV-Stelle hat deshalb einen Rentenanspruch der Versicherten zu Recht abgelehnt. D ie gegen die betreffende Verfügung vom 19. August 2015 erhobene Beschwerde erweist sich als un begründet, weshalb sie abge- wiesen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sin d. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 25. September 2015 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorlä ufig auf die Gerichtskasse genom- men. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 25 . September 2015 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1 . Januar 2014 geltenden Fassung) be- trägt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertrete- rin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honorarnote v om 29. März 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 10 Stunden und 25 M inuten geltend gemacht, was sich um- fangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts - und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewies enen Auslagen von Fr. 200.--. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe v on Fr. 2‘466.-- (10 Stunden und 25 Mi- nuten à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 200.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse auszurichten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘466.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht