B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5644/2014 U r t e i l v o m 11 . M a i 2 0 1 6 Besetzung Richterin Esther Marti (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Tu-Binh Tschan. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, p.A. Schweirzerische Botschaft in Khartum (Sudan), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 24. Juli 2014 / N (…). E-5644/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin ersuchte mit an die Schweizer Vertretung in Khartum (Sudan) gerichtetem, handschriftlich in englischer Sprache abgefasstem, Schreiben vom 9. Juli 2012 sinngemäss um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Gewährung von Asyl. Als Asylgrund gab sie im Wesentlichen an, ihr habe im Zeitpunkt der Ausreise aus ihrem Heimatstaat Eritrea (Mai […]) eine Inhaftierung gedroht, da sie vehement gegen die In haftierung ihres Ehemannes vom November/Dezember (…) protestiert habe. Dessen Verhaftung sei erfolgt, da er sich öffentlich gegen seine nicht bewilligte Entlas sung aus dem Nationaldienst, in welchem er 18 Jahre gedient habe, ausgesprochen habe. Er habe diese beantragt, da die Beschwerdeführerin an einer (…) leide und deshalb auf seinen Beistand angewiesen gewesen sei. Sie lebe seit ihrer Ausreise aus Eritrea in K hartum bei Freunden, welche sich um sie kümmern und sie finanziell unterstützen würden. Diese würden indes den Sudan in Kürze verlassen. Beim UNHCR ("United Nations High Commissioner for Refugees") habe sie sich nicht als Flüchtling registrieren lassen und erhalte deshalb keine Unterstützung oder Beratung. Als Belege für ihre Vorbringen reichte sie unter anderem Kopien eines ärztlichen Attests des " (…)" sowie ihr "Marriage Ce rtificate" vom 23. Februar 2008 ein. B. Der Beschwerdeführerin wurde vom damaligen Bundesamt für Migration (BFM, heute SEM ) mittels Zwi schenverfügung vom 24. Oktober 2013 mitgeteilt, die Schweizer Botschaft in Khartum habe mit Schreiben vom 23. März 2010 darüber informiert, dass ab Sommer 2009 das Arbeitsvolumen namentlich im konsularischen Bereich stark zugenommen habe. Die grosse eritreische Diaspora im Sudan und die Anzahl der täglich neu eingereichten Asylgesuche lasse dieses Volumen zusätzlich ansteigen. Deshalb sei die Schweizer Botschaft aufgrund des begrenzten Personalbestandes sowie fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht mehr in der Lage, Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen. Dem SEM erscheine die Begründung der Schweizer Botschaft zum Verzicht auf eine Befragung überzeugend; das von der Beschwerdeführerin eingereichte schriftliche Asylgesuch lasse indes noch einige Fragen offen, die im Rahmen der Sachverhaltsabklärung schriftlich zu beantworten seien. Sie wurde deshalb E-5644/2014 Seite 3 darum ersucht, einen detaillierten Fragenkatalog zu beantwort en und erhielt gleichzeitig die Gelegenheit, sich zu einer allfälligen Ablehnung des Asylgesuches und der Verweigerung der Einreise in die Schweiz zu äussern. Gleichzeitg wurde festgestellt, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin bisher noch keine ihm zu rechenbare Willensäusserung kundgetan habe, mit der er zu erkennen gegeben hätte, dass er die Schweiz wegen einer asylrelvanten Verfolgung um Schutz durch Gewährung von Asyl ersuche. Somit habe er kein im Sinne der Rechtsprechung zulässiges Asylgesuch gestellt (mit Hinweis auf BVGE 2011/39). Dieser Mangel könne geheilt werden, indem er eine unterzeichnete Willensäusserung sowie eine umfassende Begründung seines Asylgesuches mittels Beantwortung des detaillierten Fragenkataloges einreiche. C. Die Beschwerdeführerin ergänzte ihr Asylgesuch mit Schreiben vom 7. Mai 2014 – Eingang bei der Schweizer Vertretung am 8. Mai 2014 – in strukturierter Weise. Einleitend führte sie ihr en Ehemann betreffend aus, dieser befinde sich zurzeit immer noch im Gefängnis und könne deshalb den Schweizer Behörden nicht persönlich berichten. Sie stelle nur für sich selbst ein Asylgesuch. Weiter präzisierte sie ihre Asylgründe dahingehend, dass sie sich aufgrund ihres nach der Hochzeit am 23. Februar 2008 eingetretenen unerfüllten Kinderwunsches habe untersuchen lassen ; die Diagnose habe auf (…) gelautet. S ie habe deshalb im August 2008 aufgehört zu arbeiten, namentlich ihren Nationaldienst als (…) in B._______ zu leisten. Obschon die Erkrankung vom "(…)" im Juni 2010 bestätigt worden sei, und sie sich gemäss dessen Empfehlung zur Behandlung der (…) ins Ausland hätte begeben sollen, sei dem Ersuchen ihres Ehemannes zur Entlassung aus dem Nationaldienst, um sie finanziell und moralisch zu unterstützen, von seinen direkten Vorgesetzten nicht stattgegeben worden. Da der Ehemann insbesondere aufgrund ihres immmer schlechter werden den Gesundheitszustandes seine Vorgesetzten öffentlich für diesen Mangel an Sensibilität und an Rücksicht in der Behandlung der Wehrpflichten kritisiert habe, seien seine Anträge zur Entlassung aus dem Nationaldienst dahingehend gewertet worden, er wolle damit gegen die offzielle Staatspolitik protestieren, weshalb er am (…) inhaftiert worden sei . Zu E-5644/2014 Seite 4 dieser Zeit seien bei ihr weitere Beschwerden aufgetreten, namentlich leide sie an intermittierenden Becken-, Rückgrat- und Oberschenkelschmerzen. Diese seien zurückzuführen auf die in der Zwischenzeit bei ihr diagnostzierte (…), welche eine Folge der (…) sei. Da sie erbittert gegen die Inhaftierung ihres Ehemannes protestiert und bei seinen Vorgesetzten diesbezüglich fast täglich vorgesprochen habe, sei ihr Fall auch der breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden und exemplarisch gewesen, um die Brutalität des Regimes aufzuzeigen, was zu Irr itationen bei den Behörden geführt habe. Sie hätten ihre Proteste als ernsthafte Angriffe gegen die staatliche Politik den Nationaldienst betreffend betrachtet, was die Popularität der eritreiischen Regierung vermindere. In der Folge sei sie wiederholt vor geladen und gewarnt worden, es würden unangenehme Massnahmen gegen sie ergriffen werden, sollte sie nicht aufhören gegen die Inhaftierung ihres Ehemannes zu protestieren. Zudem habe man ihr mit Inhaftierung gedroht, sie stundenlang gegen ihren Willen festgehalten und zudem ihre sozialen Aktivitäten überwacht. Da sie nicht aufgehört habe gegen die ungerechte und brutale Vorgehensweise der Behörden zu protestieren, sei ihre Verhaftung unausweichlich gewesen. Aus diesem Grund habe sie sich zur Flucht in den Sudan entschieden. Sie sei am 20. Mai (…) aus Eritrea ausgereist und in Kassala angekommen, jedoch , wegen der besseren medizinischen Behandlung dort, direkt nach Khartum gereist. Da sie nicht als Flüchtling anerkannt sei, könne sie sich zur Erlangung der medizinischen Behandlung indes nicht frei bewegen. Eine Reise ins UNHCR -Flüchtlingslager sei ohne Flüchtlingsausweis nicht möglich. Der Weg ins Flüchtlingslager sei zudem aufgrund von Entführern nicht sicher. Auch das Lager selber sei im Allgemeinen für Fr auen und inbesondere aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung für sie nicht sicher. Ihre Versuche , beim UNHCR-Hauptbüro in Khartum als Flüchtling registriert zu werden , seien erfolglos geblieben. Die (…) sei diagnostiziert worden, nachdem am 17. Februar und 8. März 2014 im "(…)" in Khartum eine "Magnetresonanz- tomographie" (MRT ) und eine Knochendichteüberprüfung im " (…)" in Khartum duchgeführt worden sei. Zudem sei eine moderate Erhöhung der Frakturanfälligkeit festgestellt worden. Auf Anraten des A rztes habe sie darauf hin ihre physischen Aktivitäten begrenzen müssen, sie sei auch nicht mehr imstande gewesen, längere Zeit zu stehen beziehungsweise längere Distanzen zu gehen. Aufgrund ihres Gesundheitszustandes könne sie nicht arbeiten. Dadurch habe sich ihre physische und finanzielle Abhängigkeit von ihren Freunden, mit welchen sie in den letzten zwei Jahren in Khartum gelebt habe und welche mit ihren Einkommen auch den E-5644/2014 Seite 5 Lebensunterhalt der Beschwerdeführerin mitbestritten hätten, verstärkt. Aufgrund ihrer beschränkten finanziellen Mittel habe sie nur jeweils einen Arzt aufsuchen können, wenn ihre Schmerzen schier unerträglich gewesen seien. Ihre "Unterstütz er" würden jedoch den Sudan in Kürze verlassen. Zudem würden sudanesische Personen und Sicherheitskräfte Flüchtlinge aufgreifen und es käme zu Lösegeld -erpressungen und sexuellen Übergriffen. Auch komme es dabei zu Deportationen nach Eritrea. In der Schweiz lebe ein Verwandter der Beschwerdeführerin. Seine und die Grossmutter der Beschwerdeführerin seien Schwestern gewesen (Cousin zweiten Grades). Zur Belegung ih rer Vorbringen reichte sie die medizinischen Unterlagen von der oben erwähnten MRT und der Knochendichteüberprüfung ein. D. Das damalige BFM verweigerte der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 24. Juli 2014 die Einreise in die Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. Diese Verfügung wurde ihr am 5. August 2014 durch die Schweizer Vertretung in Khartum eröffnet. E. Mit in englischer Sprache abgefasster Eingabe vom 3. September 2014 wurde dagegen Beschwerde erhoben. Das Rechtsmittel ging gleichentags bei der Schweizer Vertretung in Khartum ein, welche es an das Bundesverwaltungsgericht weiterleitete. Dar in beantragte die Beschwerdeführerin sinngemäss, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben, die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und ihr Asylgesuch gutzuheissen sei. E-5644/2014 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt n icht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde wurde in englischer Sprache und somit nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Be- schwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann in- dessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss verzichtet wer- den, zumal der Eingabe der Beschwerdeführenden genügend klare, sinn- gemässe Rechtsbegehren sowie deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann. 1.3 Die Beschwerde ist fristgerecht und in der Form akzeptiert eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreich ung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist nach dem Gesagten einzutreten. 2. Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vorlie- gende Entscheid in deutscher Sprache. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (Zur Kognition im Auslandverfahren vgl. BVGE 2015/2). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-5644/2014 Seite 7 5. 5.1 Die Möglichkeit, im Ausland ein Asylgesuch bei einer Schweizer Ver- tretung zu stellen, ist mit Wirkung ab 29. September 2012 aufgehoben wor- den, wobei für Asylgesuche, die vor dem Inkrafttreten gestellt worden sind – was vorliegend der Fall ist –, die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung des Gesetzes gelten (Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012; AS 2012 5359). 5.2 Gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG konnte ein Asylgesuch im Ausland bei einer Schweizer Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Bericht an das BFM zu überweisen hatte (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Die Schweizer Vertretung hatte mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra- gung durchzuführen (aArt. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 über Verfahrens- fragen [AsylV 1, SR 142.311]) und, wenn dies nicht möglich war, wurde die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 As ylV 1). Eine persönliche Befra- gung oder schriftliche Sachverhaltsabklärung konnte sich indes erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs er- stellt war, wobei jedoch bei einem sich abzeichnenden negativen Entscheid der asylsuchenden Person diesbezüglich das rechtliche Gehör zu gewäh- ren war und das BFM den Verzicht auf eine Befragung zu begründen hatte (vgl. BVGE 2007/30 E. 5). 5.3 Das damalige BFM begründete in seiner Zwisc henverfügung vom 24. Oktober 2013 den Verzicht auf eine Befragung und forderte die Be- schwerdeführerin im Hinblick auf die vollständige Erfassung des Sachver- haltes zur Beantwortung eines detaillierten Fragenkataloges – welcher Hin- weise auf die Entscheidgrundlage der Vorinstanz lieferte – auf. Gleichzeitig erteilte es ihr im Hinblick auf die allfällige negative Beurteilung des Asylge- suchs und der Einreisebewilligung die Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Vorinstanz hat damit den verfahrensrechtlichen Anforde rungen Ge- nüge getan. 6. Das BFM kann ein vor dem 1. Oktober 2012 im Ausland gestelltes Asylge- such ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3 und Art. 7 AsylG, aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Es kann den Asylsuchen- den gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG die Einreise zur Abklärung des Sach-E-5644/2014 Seite 8 verhalts bewilligen, wenn ihnen nicht zu gemutet werden kann, im Wohn- sitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land ausz urei- sen. Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus- setzungen. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG nament- lich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Mög- lichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilli- gung ist die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prü- fung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob ihr der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BGVE 2011/10 E. 3.3 S. 126). 7. 7.1 Zur Begründung in Bezug auf die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Bedrohungen seitens der eritreischen Behörden führte das da- malige BFM aus, ihren Schilderungen seien keine glaubhaft gemachten und konkreten Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea von einreiserelevanten Nachteilen gemäss Art. 3 AsylG betroffen gewesen sei, oder ihr solche gedroht hätte n. Sie könne aus der Inhaf tierung ihres Ehemannes Ende (…) keine Einreiserelevanz für ihre Person herleiten. Auch seien ihren Angaben keine konkreten An- haltspunkte auf eine gezielte Reflexverfolgung aufgrund der Inhaftierung ihres Ehemannes zu entnehmen. Zudem sei sie gemäss eigenen Angaben nur bis ins Jahr (…) im Nationaldienst gewesen und habe somit weder im Zeitpunkt der Verhaftung ihres Ehemannes, noch im Zeitpunkt ihrer Aus- reise aus Eritrea im eritreischen Nationaldienst gedient. Ihre Vorbringen im Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea seien somit nicht einreiserelevant im Sinne des Asylgesetzes. Es sei indes davon auszugehen, dass sie ihr Hei- matland illegal verlassen und dadurch die Flüchtlingseigenschaft erlangt habe. Unter diesen Umständen sei ihre Einreise trotz allfälligen Bestehens der Flüchtlingseigenschaft und Beziehungsnähe zur Schweiz nicht zu be- willigen, da sie aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen vom Asyl aus- zuschliessen sei (vgl. zu subjektiven Nachfluchtgründen BVGE 2009/29 E. 6. 2. - 6.5; im eritreischen Kontext: Urteil des Bundesverwaltungsge- richts D-3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3 - 5.3.3). Zusammenfassend sei festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea aktuelle Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darzulegen. Da die drohende Verfolgung alleine auf subjektive E-5644/2014 Seite 9 Nachfluchtgründe zurückzuführen sei , sei ihr die Einreisebewilligung zu verweigern und das Asylgesuch aus dem Ausland abzulehnen. Bei dieser Sachlage würden sich weitere Erörterungen zum Schutz beziehungsweise zur Zumutbarkeit des Verbleibs im Drittstaat — in casu der Sudan — und zu einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz erübrigen. "Der Vollständigkeit halber" stellte das SEM sodann bezüglich der gesund- heitlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin Folgendes fest: Gemäss ih- ren Schilderungen sei sie trotz der geltend gemachten Erkrankung in den eritreischen Nationaldienst einberufen worden und habe von (…) Dienst geleistet. Gemäss ihren Angaben sei s ie in Khartum bezüglic h ihrer ge- sundheitlichen Schwierigkeiten am 17. Februar und 8. März 2014 in ärztli- che Behandlung gewesen. Den Akten seien keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass diese Behandlungen nicht adäquat gewesen wären. Ihre Vorbringen, sie habe vergeblich versucht, sich beim UNHCR-Hauptbüro in Khartum als Flüchtling registrieren zu lassen, widerspreche den gesicher- ten Erkenntnissen des BFM, weshalb ihre Schilderungen als tatsachenwid- rig eingestuft werden müss ten. Sie habe keine glaubhaften Gründe dafür nennen können, weshalb eine Registrierung als Flüchtling beim UNHCR - Hauptbüro in Khartum respektive in einem Flüchtlingslager des UNHCR für sie nicht möglich oder nicht zumutba r sein sollte. Sie habe infolge dessen die Möglichkeit, beim UNHCR um Schutz und Unterstützung zu ersuchen, falls dies notwendig sein sollte. Das UNHCR stelle zusammen mit dem su- danesischen "Commissioner for Refugees Office" (CR O) in den Flücht- lingslagern die medizinische Versorgung sicher und sämtliche Flüchtlinge hätten Zugang zu unentgeltlichen medizinischen Leistungen. Flüchtlinge, die über ein Einkommen verfügen und sich nicht in einem Lager aufhalten würden, müssten medizinische Leistungen selber bezahlen. Erwerbslose Flüchtlinge, die sich ausserhalb eines Lagers aufhalten würden, würden vom UNHCR auf Anfrage hin einen Überweisungsschein für eine unent- geltliche Behandlung erhalten. Solche Überweisungsscheine würden auch für in den Lagern nicht behandelbare Krankheiten ausgestellt. Viele eritre- ische Flüchtlinge würden sich nicht lange in den F lüchtlingslagern aufhal- ten, sondern würden nach Erhalt des Flüchtlingsausweises nach Khartum weiterziehen. Wenn sie dort kostenfreie medizinische Behandlung benöti- gen würden, müssten sie sich mit dem UNHCR oder dem CRO in Verbin- dung setzen. Entgegen ihrer Behauptung habe die Beschwerdeführerin da- her durchaus Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung. Sie müsse sich dazu allerdings beim UNHCR oder CRO in Khartum melden. Damit wäre es ihr auch möglich, die geltend gemachten gesundheitlichen E-5644/2014 Seite 10 Schwierigkeiten mit entsprechenden aktuellen ärztlichen Berichten zu be- legen. Dies sei aber bisher nicht erfolgt. Betreffend die medizinischen Vor- bringen sei darauf hingewiesen, dass bei ernsthafter und akuter Gefahr für Leib und Leben allenfalls bei der Schweizer Vertretung vor Ort ein huma- nitäres Visum beantragt werden könne. Nach dem Gesagten sei sowohl das Asylgesuch als auch der Einreisean- trag abzulehnen. 7.2 Die Beschwerdeführerin schilderte in der Beschwerdeschrift eindrück- lich die bürokratischen Schwierigkeiten un d Einschränkungen aufgrund des obligaten Nationaldienstes, welche eritreische Bürger im Allgemeinen und sie aufgrund ihrer Erkrankung habe erdulden müssen. So führt sie prä- zisierend aus, dass sie im August (…) aufgrund ihrer Erkrankung zwar auf- gehört habe zu arbeiten, indes sie offiziell nicht aus dem Nationaldienst entlassen worden sei. Dafür habe sie ein medizinisches Zertifikat des höchsten medizinischen Gremiums benötigt, das sie indes erst zwei Jahre und vier Monate später im Juni (…) erhalten habe. In der Zwischenzeit habe sie nicht gearbeitet, weswegen sie auch keinen Sold erhalten und sich nicht legal habe bewegen können. Auch nach Erlangung dieses me- dizinischen Zertifikats sei die Beschwerdeführerin indes nicht umgehend aus dem Militärdienst entlassen worden, sondern dies könne erst nach ei- ner erneuten medizinischen Untersuchung durch die Ärzte des Verteidi- gungsdepartementes erfolgen. Als ihr Ehemann im November (…) inhaf- tiert worden sei, sei ihr entsprechendes Gesuch noch hängig gewesen. Seine Inhaftierung habe automatisch zur Sistierung ihres Gesuches ge- führt. Zusammenfassend sei sie zur Zeit ihrer Ausreise noch nicht aus dem Militärdienst entlassen gewesen, folglich sei sie nicht nur illegal ausgereist, sondern habe sich auch der Desertion schuldig gemacht . Ihr würde aus diesen Gründen – wie auch bereits zum Zeitpunkt der Ausreise wegen ihrer Proteste gegen die Inhaftierung ihres Ehemannes – bei einer Rückkehr nach Eritrea eine Inhaftierung drohen. Der Hauptgrund für ihre Angst vor einer drohenden Haft in Eritrea, Belästi- gungen durch sudanesische Polizeikräfte, physisch herausfordernden Le- bensbedingungen im Sudan, physisch rauen Reiseumständen zu und dem Verbleib in einem Flüchtlingslager, wo keine fortgeschrittene medizinische Einrichtungen zu finden sei en, sei ihr medizinisches Leiden, woraus irre- parable Schäden entstehen könnte n, sollte es denn einmal ausser Kon- trolle geraten. Die Krankheit an welcher sie leide (…) sei sehr selten und habe zur Folgeerkrankung (…) geführt. Die aktuellste E-5644/2014 Seite 11 Knochendichteüberprüfung zeige, dass sie als (…)-jährige über eine Knochenstruktur einer Frau zwischen 65 und 85 Jahren verfüge. Aufgrund dessen müsse sie täglich Ergänzungspräparate von unzähligen Mineralien, Hormon- und Vitamintabletten zu sich nehmen und ihr Blut auf eine Überdosierung hin überprüfen. Das Hauptproblem sei, dass die medizinischen Experten vor Ort über relativ wenig Wissen über ihre Erkrankung verfügen würden, da sie so selten sei. Die sie behandelnden Ärzte hätten sie zudem informiert, dass Probleme betreffend der Verkalkung von Niere, Herz sowie der Hirnanhangdrüse denkbar seien. Folglich könne sie sich unter keinen Umständen in ein Flüchtlingslager begeben und damit ihr Leben riskieren. Sollten ihre Knochen auf der Reise brechen, wäre das irreparabel. Schliesslich würden die sie unterstützenden Freunde und die Ärzte, in deren Behandlung sie sich seit geraumer Zeit befinden würde und welche ihre Probleme zu verstehen gelernt hätten, von Khartum fortgehen. Zum Beleg dieser Vorbringen wurden Kopien der mit dem Schreiben vom 7. Mai 2014 bereits zu den Akten gereichten medizinischen Unterlagen eingereicht. 8. 8.1 Da das Bundesverwaltungsgericht an die rechtliche Begründung der vorinstanzlichen Verfügung nicht gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG), kann es eine angefochtene Verfügung im Ergebnis gleich belassen, dieser aber eine andere Begründung zu Grunde legen. Die Möglichkeit einer sol- chen Motivsubstitution ist im Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen begründet (vgl. MOSER / BEUSCH / KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 226 f. Rz. 3.197). Im vor- liegenden Fall ist nach Ansicht des Gerichts die Ableh nung des Asylge- suchs und die Verweigerung der Einreise im Ergebnis zu bestätigen. Indes ist sowohl bez üglich der asylrelevanten Gefährdung (vgl. Erwägung 8.2) als auch der Zumutbarkeit der Inanspruchnahme einer Zufluchtsalternative im Sudan (vgl. Erwägung 8.4) eine Motivsubstitution im erwähnten Sinn aufgrund diverser Gründe vorzunehmen. 8.2 So sieht sich das Gericht nach Würdigung der gesamten Aktenlage dazu veranlasst, die Frage einer akuten Gefährdung der Beschwerdefüh- rerin zur Zeit der Ausreise aus nachfolgenden Gründen anders zu beurtei- len als die Vorinstanz. E-5644/2014 Seite 12 Es ist festzustellen, dass die diesbezügliche Begründung in der angefoch- ten Verfügung (vgl. Ausführungen in Erwägung 7.1, 1. Absatz) diverse rechtliche Mängel aufweist: So hat das SEM einige Sachverhaltselemente der Verfolgungsgeschichte nicht aufgenommen und entsprechend keiner rechtlichen Würdigung zugeführt. Dies betrifft insbesondere die geltend ge- machten Verfolgungsmassnahmen, welche der Beschwerdeführerin auf- grund ihres anhaltenden Protestes gegen die Inhaftierung ihres Eheman- nes gedroht hätten. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Beschwer- deführerin mit ihren glaubhaft gemachten Vorbringen in keiner Weise, wie von der Vorinstanz insinuiert, eine Reflexverfolgung aufgrund der Verhaf- tung ihres Ehemannes geltend macht. Vielmehr zeigt sie überzeugend und eindrücklich auf, wie ihr Ehemann und sie – ausgelöst durch ihre Erkran- kung – Opfer des von Willkür und Repression geprägten eritreischen Re- gimes geworden sind, und dass ihre Weigerung , diese Behandlung still- schweigend hinzunehmen, als politischer Protest gewertet worden ist (vgl. zum Ganzen Prozessgeschichte Bst. C, 3. Absatz). Der Aktenlage bis zur Beschwerdeerhebung sind somit durchaus Hinweise zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Ausreise allenfalls einer asylrele- vanten Gefährdung ausgesetzt gewesen war , wäre der rechtserhebliche Sachverhalt vollständig festgestellt und einer korrekten rechtlichen Würdi- gung zugeführt worden. Diese Frage muss vorliegend indes nicht ab- schliessend beurteilt werden, da das Gericht aufgrund der Präzisierungen in der Beschwerdesch rift zum Ablauf der Entlassung aus dem National- dienst zum Ergebnis gelangt, die Beschwerdeführerin habe begründete Furcht, dass sie bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat nicht nur Bestra- fung wegen der illegalen Ausreise sondern auch aufgrund von Desertion aus dem aktiven Dienst zu gewärtigen hätte (vgl. dazu die einschlägige Rechtsprechung gemäss Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize- rische Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3), da sie aus diesem vor ihrer Ausreise nicht regulär entlassen worden ist. Es ist somit Gefährdung in Bezug auf Eritrea von einer Gefährdung der Beschwerdeführerin auszu- gehen, die im Sinne von Art. 3 AsylG asylrechtlich relevant wäre. 8.3 Die vorinstanzlichen Ausführungen zur bundesverwaltungsgerichtli- chen Rechtsprechung, wonach die Einreise zu verweigern sei, da die Be- schwerdeführerin lediglich aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling anzuerkennen und sie deshalb vom Asyl auszuschliessen wäre, erweisen sich angesichts der oben festgestellten asyl rechtlich relevanten Gefährdung der Beschwerdeführerin somit als unbeachtlich. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz statt auf die einschlägige Recht- sprechung (BVGE 2011/10 und BVGE 2012/26) auf BVGE 2009/29 und E-5644/2014 Seite 13 das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3892/2008 vom 6. April 2010 verwies. 8.4 8.4.1 Betreffend die von der Vorinstanz "der Vollständigkeit halber" vorge- nommene Überprüfung der Inanspruchnahme einer Zufluchtsalternative im Sudan durch die Beschwerdeführerin trotz ihres geltend gemachten prekä- ren Gesundheitszustandes, ist vorab festzuhalten, dass die entsprechen- den vorinstanzlichen Ausführungen unvollständig sind. So wird unter ande- rem vorliegend die Frage einer möglichen Beziehungsnähe zur Schweiz vollkommen negiert (vgl. dazu Erwägung 8.4.4 unten), obschon gemäss ständiger Rechtsprechung bei Asylgesuchen aus einem Drittstaat in jedem Einzelfall stets eine Abwägung zwischen der Zumutbarkeit der Zuflucht- nahme in diesem oder einem allfälligen anderen Land (z.B. d er Schweiz) vorzunehmen ist, wobei die Beziehungsnähe zur Schweiz ein gewichtiges Kriterium bildet. Zudem deckt sich das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie habe vergeblich versucht sich beim UNHCR-Hauptbüro in Khartum als Flüchtling registrieren zu lassen, entgegen der Vorhaltung der Vorinstanz, es handle sich dabei um eine tatsachenwidrige Schilderung, durchaus mit der bekannten Faktenlage. So erwähnte das UNHCR bereits im April 2013, dass die Registrierung als Flüchtling in Khartum seit 2010 nicht mehr mög- lich sei (UNHCR, The Implementation of UNHCR’s Policy on Refugee Pro- tection and Solutions in Urban Areas - Global Survey - 2012, 04.2013, http://www.unhcr.org/516d658c9.html). 2014 führte das UNHCR erneut aus, da der Prozess der "Flüchtlingsstatusbest immung" ("Refugee status determination", RSD) im Sudan lediglich durch die CRO in den Flüchtlings- lagern im Osten und in Darfur erfolge, könnten sich Asylsuchende in Khar- tum nicht als Flüchtlinge registrieren lassen und ihnen seien die entspre- chenden Unters tützungsleistungen verwehrt ( UNHCR / UN Volunteers [UNV], Protection Assistant, Closing Date: 15 May 2014, abgerufen auf http://www.sudanjob.net/jobview.php?id=3137&s=). Auch die vorinstanzli- che Feststellung, die Beschwerdeführerin habe keine glaubhaften Gründe dafür nennen können, weshalb eine Registrierung als Flüchtling in einem Flüchtlingslager des UNHCR für sie nicht möglich oder nicht zumutbar sein sollte, kann nicht vorbehaltlos gestützt werden. Aus den auf vorinstanzli- cher Ebene eingereichten medizinischen Unterlagen kann durchaus abge- leitet werden , dass der Beschwerdeführerin eine solche beschwerliche Reise aufgrund ihres medizinischen Zustandes, insbesondere der diagnos- tizierten (…), wohl nicht zuzumuten wäre. Nicht nachvollziehbar ist schliesslich der vorinstanzliche Hinweis, die Beschwerdeführerin könne bei E-5644/2014 Seite 14 ernsthafter und akuter Gefahr für Leib und Leben allenfalls bei der schwei- zerischen Vertretung vor Ort ein humanitäres Visum beantragen. So wäre die Vorinstanz bei der Überprüfung des vorliegenden Asylgesuches aus dem Ausland von Amtes wegen gehalten gewesen zu prüfen, ob aufgrund der Beschwerdeführerin aufgrund ihres Krankheitsbildes die akute Gefahr für Leib und Leben drohen würde, was zur Erteilung einer Einreisebewilli- gung führen würde. 8.4.2 Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass die Vorinstanz in der Überprüfung der Inanspruchnahme einer Zufluchtsalternative im Su- dan ihre aus dem Untersuchungsgrundsatz fliessenden Pflichten (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) verletz t hat, indem sie insbesondere den Sachverhalt unvollständig feststellte, da nicht alle für den Entscheid rechts- relevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vor - instanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist ins- besondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die Entschei- dungsreife kann zwar grundsätzlich auch durch die Bes chwerdeinstanz hergestellt werden, wenn dies aus prozess ökonomischen Gründen ange- bracht erscheint (vgl. BVGE 2012/21 E. 5); sie kann und soll aber die Grundlagen des rechtserheblichen Sachverhalts nicht gleichsam an Stelle der verfügenden Verwaltungsbehörde erheben, zumal die Partei bei die- sem Vorgehen eine Instanz verlöre. Vorliegend ist nach Ansicht des Ge- richts indes von einer bestehenden oder leicht herstellbaren Entscheidreife auszugehen, zumal auch auf Beschwerdeebene betreffend die medizini- schen Vorbringen keine neuen Tatsachen vorgebracht oder Beweismittel eingereicht wurden (vgl. Erwägung 7.2 oben, 2. Absatz). 8.4.3 So stellt das Gericht nach Würdigung der gesamt en Aktenlage fest, dass die Beschwerdeführerin offenbar in einer Weise von namentlich nicht genannten "Freunden" in Khartum finanziell unterstützt wird, dass dadurch ihr Unterhalt und ihre (minimale) medizinische Versorgung gewährleistet sind. Damit wird die allgemein prekäre Lage für eritreische Flüchtlinge in Khartum nicht verkannt sowie die besonders schwierigen Umstände des vorliegenden Falles – die Beschwerdeführerin kann sich beim UNHCR in Khartum nicht als Flüchtling registrieren lassen, leidet an einer (…) und daraus folgend an (…) und (…) und kann sich deshalb nicht ins UNHCR - Flüchtlingslager begeben – werden durchaus berücksichtigt. Indes muss E-5644/2014 Seite 15 betreffend das gesamte geltend gemachte Krankheitsbild festgestellt wer- den, dass es sich bei der schwerer wiegenden (…) um eine Erkrankung handelt, bei welcher durch eine ausreichende Behandlung das Fortschrei- ten der Erkrankung gehemmt und das Risiko für Komplikationen verringert werden kann. Betroffene haben dann in den meisten Fällen eine normale Lebenserwartung. Hingegen führt sie lediglich in seltenen Fällen irgend- wann, und dann auch eher indirekt, zum Tode. Eine solche Gefahr droht zum Beispiel, wenn es zu wiederholten Knochenbrüchen mit langer Bettlä- gerigkeit kommt (vgl. zum Beispiel http://www.navigator-medizin.de/osteo- porose/die-wichtigsten-fragen-und-antworten-zu-osteoporose/verlauf-und- prognose/506-kann-man-an-osteoporose-sterben.html). Gemäss den An- gaben der Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift "hätten die sie seit geraumer Zeit behandelnden Ärzte ihre Probleme zu verstehen gelernt", so dass davon ausgegangen werden kann, di e Beschwerdeführerin erfahre – wie einleitend ausgeführt – in Khartum eine adäquate medizinische Behandlung. Der sowohl im vorinstanzlichen Verfahren als auch auf B eschwerdeebene geltend gemachte "baldige" Verlust ihrer "Unterstützer" beziehungsweise Ärzte durch deren Wegzug wird hingegen vollkommen pauschal beziehungsweise unsubstantiiert vorgetragen und auch nicht in irgendeiner Art und Weise belegt. Dieses Vorbringen kann deshalb nicht als glaubhaft gemacht erachtet werden. Zusammenfassend ist also davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin zuzumuten ist, an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort Khartum zu verbleiben, da sie dort zwar nicht vom UNHCR indes aber von nicht konkret genannten "Freun- den" finanzielle und physische Unterstützung beziehungsweise eine adä- quate medizinische Versorgung erhält. 8.4.4 Überdies verfügt die Beschwerdeführerin über keine besonders nahe Beziehung zur Schweiz. Im vorinstanzlichen Verfahren wird ein Cousin zwei- ten Grades erwähnt, ohne dass weitere Hinweise den Akten entnommen wer- den könnten, zwischen diesem und der Beschwerdeführerin würde ein beson- deres (Unterstützungs-)Verhältnis bestehen. Die blosse Anwesenheit eines entfernten Verwandten der Beschwerdeführerin in der Schweiz genügt nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts indes nicht, damit ein gewichtiger An- knüpfungspunkt zur Schweiz geschaffen würde. Somit führt auch eine Abwä- gung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht zur Feststellung, es müsse gerade die Schweiz sein, die den erforderlichen Schutz gewährt. Die vorinstanzliche Verfügung is t somit im Ergebnis zu stützen. E-5644/2014 Seite 16 8.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin über keine genügende Beziehungsnähe zur Schweiz, jedoch über die faktische und zumutbare Möglichkeit eines anderweitigen Schutzersuchens verfügt. Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts ist es ihr zuzumuten, im Su- dan, einem Eritrea geographisch und kulturell näher liegenden afrikani- schen Land, um Schutz nachzusuchen beziehungsweise dort zu ver blei- ben (vgl. dazu aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 9. 9.1 Unter diesen Umständen hat das SEM der Beschwerdeführerin im Er- gebnis zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und ihr Asylgesuch abgelehnt. 9.2 Der Beschwerdeführerin ist es somit nicht gelungen darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt oder den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), aus verwaltungsökonomi- schen Gründen ist indessen von einer Kostenauflage abzusehen (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 6 Bst. b VGKE). (Dispositiv nächste Seite) E-5644/2014 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die Schweizer Vertretung in Khartum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Tu-Binh Tschan Versand: