Familienasyl 2019 VI/8 BVGE / ATAF / DTAF VI 85 2019 VI/8 Auszug aus dem Urteil der Abteilung V i.S. A. gegen Staatssekretariat für Migration E‒5669/2016 vom 18. Januar 2019 Familienasyl. Familienmitglieder von vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen. Art. 51 Abs. 1 AsylG. Art. 51 Abs. 1 AsylG findet Anwendung auf den Einbezug von in der Schweiz anwesenden Familienmitgliedern von vorläu fig auf- genommenen Flüchtlingen ( Bestätigung der Rechtsprechung ge - mäss den Grundsatzurteil en BVGE 2017 VI/4 E. 4 und EMARK 1995 Nr. 24 E. 11a/aa; Präzisierung von BVGE 2017 VII/8 E. 5.3). Asile accordé aux familles. Membres de la famille de réfugiés au béné- fice d'une admission provisoire. Art. 51 al. 1 LAsi. L'art. 51 al. 1 LAsi s 'applique aux membres de la famille , pré- sents en Suisse, de réfugiés au bénéfice d'une admission provisoire (confirmation de la jurisprudence conformément aux arrêts de principe ATAF 2017 VI/4 consid. 4 et JICRA 1995 n o 24 consid. 11a/aa; précision de l'ATAF 2017 VII/8 consid. 5.3). Asilo accordato alle famiglie. Familiari di rifugiati ammessi provviso- riamente. Art. 51 cpv. 1 LAsi. L'art. 51 cpv. 1 LAsi si applica all'inclusione dei familiari presenti in Svizzera di rifugiati ammessi provvisoriamente (conferma della giurisprudenza secondo le decisioni di principio DTAF 2017 VI/4 consid. 4 e GICRA 1995 n. 24 consid. 11a/aa; precisazione della DTAF 2017 VII/8 consid. 5.3). Der Ehemann der Beschwerdeführerin ist chinesischer Staatsangehöriger und seit Oktober 2014 in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenom - men. 2019 VI/8 Familienasyl 86 VI BVGE / ATAF / DTAF Die Beschwerdeführerin stellte am 11. Mai 2013 in der Schweiz ein Asyl- gesuch. Mit Verfügung vom 12. Januar 2015 verneinte das Staatssekre- tariat für Migration (SEM) die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh- rerin, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung sowie den V ollzug an, wobei es den V ollzug in die V olksrepublik China ausschloss. Am 27. Mai 2016 stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes. Mit Verfügung vom 22. August 2016 wurde das Gesuch der Beschwerde- führerin um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes ab - gelehnt, jedoch wurde sie in dessen vorläufige Aufnahme einbezogen. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin am 15. September 2016 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die an- gefochtene Verfügung teilweise aufzuheben und sie in die Flüchtlingsei - genschaft ihres Ehemannes einzuschliessen. Aus den Erwägungen: 4. 4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) werden Ehegatten und minderjährige Kinder eines Flüchtlings, die in eigener Person die Flücht - lingseigenschaft nicht erfüllen, in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehe - partners respektive Elternteils einbezogen und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Grundsatzurteil BV GE 2017 VI/4 Art. 51 Abs. 1 AsylG ausgelegt. Es hielt fest, dass gemäss Rechtsprechung der ehemaligen Asylrekurskommission (ARK) zur V orgängerregelung von Art. 51 Abs. 1 AsylG (Art. 3 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 1 des am 1. Oktober 1999 aufgehobenen [AS 1999 2262] Asylgesetzes v om 5. Oktober 1979 [aAsylG, AS 1980 1718] ) Art. 3 Abs. 3 aAsylG auf vorläufig aufgenom - mene Flüchtlinge anwendbar sei, da ein einheitlicher R echtsstatus für Familien anzustreben sei. Ferner würden sich aufgrund des revidierten Art. 51 AsylG keine Änderungen an der bisherigen Rechtslage ge - mäss Art. 3 Abs. 3 und Art. 7 aAsylG ergeben (BVGE 2017 VI/4 E. 4). Diese Rechtsprechung des Bundesverwalt ungsgerichts ist vorliegend zu bestätigen, wonach Art. 51 Abs. 1 AsylG auch beim Einbezug von in der Schweiz anwesenden Familienmitgliedern von vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen zur Anwendung kommt (Präzisierung von BVGE 2017 VII/8 E. 5.3). Familienasyl 2019 VI/8 BVGE / ATAF / DTAF VI 87 Ein besonderer Umstand kann gemäss langjähriger Praxis des Bundesver- waltungsgerichts und seiner V orgängerorganisation, der ARK, unter ande- rem dann vorliegen, wenn die in die Flüchtlingseigenschaft einzube - ziehende Person eine andere Staatsangehörigkeit besitzt als die als Flüchtling anerkannte Person (vgl. dazu Urteil des BVGer E ‒1683/2013 vom 21. April 2015 E. 6.2.4 m.w.H.; Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 1996 Nr. 14). Die Beweislast für das V orliegen beson- derer Umstände liegt beim SEM (vgl. EMARK 1995 Nr. 15 E. 3). Wenn der Einbezug des Ehepartners in die Flüchtlingseigenschaft des Ehe- gatten aufgrund des zuvor erwähnten Umstands unterschiedlicher Natio - nalitäten verweigert wird, ist praxisgemäss ‒ in hypothetischer Weise ‒ zu untersuchen, ob sich die ganze Familie gegebenenfalls im Heimatland des nicht verfolgten Ehepartners niederlassen könnte (vgl. EMARK 1996 Nr. 14 E. 8b S. 121 f.; vgl. auch EMARK 1997 Nr. 22 E. 4b S. 179 f.; BVGE 2012/32 E. 5.1). 4.2–5.3 (…) 6. Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass das SEM in seiner Ver- fügung vom 22. August 2016 zu Unrecht das Bestehen besonderer Um - stände angenommen hat, die einem Einbezug der B eschwerdeführerin in die Flücht lingseigenschaft ihres Ehemannes entgegenstünden. Die Be - schwerde ist gutzuheissen, Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung ist auf - zuheben und das SEM anzuweisen, die Beschwerdeführerin (unter Einbe- zug in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes) gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG derivativ als Flüchtling anzuerkennen.