<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 3] </div> <div class="para">2A.373/1998/bol </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i> II. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG</i> </div> <div class="para"> *********************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Sitzung vom 21. Januar 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Wurzburger, Präsident der </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter Hartmann,</i> </div> <div class="para">Betschart, Hungerbühler, Bundesrichterin Yersin und Ge- </div> <div class="para">richtsschreiber Hugi Yar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Joseph S p r i n g</u>, 6 Pleasant Avenue, Kew, Melbourne 3103, </div> <div class="para">Australien, Kläger, vertreten durch Rechtsanwalt Paul </div> <div class="para">Rechsteiner, Oberer Graben 44, St. Gallen, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Schweizerische Eidgenossenschaft</u>, handelnd durch das Eidge- </div> <div class="para">nössische Finanzdepartement, Rechtsdienst, Beklagte, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para">Staatshaftung, </div> <div class="para">hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>A.- </u> </div> <div class="para"> Der am 18. Januar 1927 in Berlin geborene Joseph </div> <div class="para">Sprung bzw. Joseph Spring, welcher seine polnische Staats- </div> <div class="para">bürgerschaft auf Grund eines gegen die Juden gerichteten </div> <div class="para">Erlasses verloren hatte, lebte seit 1939 als Emigrant in </div> <div class="para">Belgien. Nachdem im August 1942 die Deportationen durch die </div> <div class="para">Nationalsozialisten eingesetzt hatten, floh er nach Frank- </div> <div class="para">reich, während seine Mutter und sein Bruder in Belgien un- </div> <div class="para">tertauchten. Joseph Spring verfügte über einen französischen </div> <div class="para">Personalausweis auf den Namen Joseph Dubois, Protestant, aus </div> <div class="para">Metz, als er - noch nicht ganz 17-jährig - im November 1943 </div> <div class="para">mit zwei Cousins, Henri (21-jährig, tuberkulosekrank) und </div> <div class="para">Sylver Henenberg (14-jährig), sowie mit dem französischen </div> <div class="para">Staatsbürger Pierre Rollin (20-jährig) die Schweizer Grenze </div> <div class="para">zu überschreiten versuchte. Dabei wurden sie von den </div> <div class="para">schweizerischen Grenzbeamten unter der Androhung, bei einer </div> <div class="para">erneuten Einreise direkt den deutschen Behörden übergeben zu </div> <div class="para">werden, nach Frankreich zurückgewiesen. Wenige Tage später </div> <div class="para">sind sie erneut im schweizerischen Grenzgebiet bei "La Cure" </div> <div class="para">angehalten und den deutschen Grenzorganen übergeben worden. </div> <div class="para">Dabei händigten die Schweizer Beamten den deutschen Behörden </div> <div class="para">- nach Darstellung von Joseph Spring - nicht nur die fal- </div> <div class="para">schen, sondern auch die richtigen Papiere aus, die ihn und </div> <div class="para">seine Cousins als Juden auswiesen. In der Folge kamen Joseph </div> <div class="para">Spring und seine beiden Verwandten zunächst ins Gefängnis </div> <div class="para">von "Bourg-en-Bresse", danach wurden sie in das Sammellager </div> <div class="para">"Drancy" bei Paris und im Dezember 1943 nach "Auschwitz" </div> <div class="para">deportiert. Henri und Sylver Henenberg sollen noch am Tag </div> <div class="para">ihrer Ankunft umgekommen sein. Joseph Spring überlebte das </div> <div class="para">Konzentrationslager und vermochte sich im April 1945 in ame- </div> <div class="para">rikanische Obhut zu retten. Seine Mutter und sein jüngerer </div> <div class="para">Bruder überlebten die Naziherrschaft im belgischen Unter- </div> <div class="para">grund; Pierre Rollin wurde von seinen Begleitern getrennt </div> <div class="para">und soll im März 1962 verstorben sein. </div> <div class="para"> <u>B.- </u> </div> <div class="para"> Am 26. Januar 1998 reichte Joseph Spring beim Eid- </div> <div class="para">genössischen Finanzdepartement gestützt auf Art. 3 in Ver- </div> <div class="para">bindung mit Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 14. März </div> <div class="para">1958 über die Verantwortlichkeit des Bundes und seiner Be- </div> <div class="para">hördemitglieder und Beamten (VG; SR 170.32) ein Genugtuungs- </div> <div class="para">begehren über Fr. 100'000.-- ein. Der Bundesrat nahm hierzu </div> <div class="para">am 22. Juni 1998 negativ Stellung. Dabei hielt er fest, dass </div> <div class="para">ihn die Eingabe des Beschwerdeführers "menschlich tief be- </div> <div class="para">troffen" habe. Der persönlichen Tragik des Schicksals des </div> <div class="para">Gesuchstellers werde eine rein rechtliche Betrachtungsweise </div> <div class="para">kaum gerecht; der Bundesrat sei sich des "unermesslichen </div> <div class="para">Leids", welches der Gesuchsteller im Zweiten Weltkrieg </div> <div class="para">durchlitten habe, bewusst und drücke ihm sein tief empfunde- </div> <div class="para">nes Mitgefühl und Bedauern aus. In rechtlicher Hinsicht sei </div> <div class="para">indessen davon auszugehen, dass der geltend gemachte An- </div> <div class="para">spruch verwirkt oder verjährt sei. Auch wenn der geschilder- </div> <div class="para">te Sachverhalt "menschlich zutiefst betroffen" mache, stelle </div> <div class="para">"nach rechtlicher Beurteilung das Verhalten der Schweizer </div> <div class="para">Grenzbehörden namentlich keine Gehilfenschaft zu einem Akt </div> <div class="para">des Völkermordes im Sinne von Art. III der Genozidkonvention </div> <div class="para">dar". Weiter sei anzumerken, "dass sich der menschenrechtli- </div> <div class="para">che Ansatz des non-refoulement-Prinzips, d.h. die Ausgestal- </div> <div class="para">tung als subjektives Recht des Flüchtlings, erst nach dem </div> <div class="para">Zweiten Weltkrieg durchgesetzt" habe. Die Schweiz - so der </div> <div class="para">Bundesrat weiter - habe, zusammen mit anderen Staaten, wäh- </div> <div class="para">rend des Zweiten Weltkriegs "vielen Flüchtlingen Zuflucht </div> <div class="para">gewährt", wobei festzustellen sei, "dass auch andere Staaten </div> <div class="para">gewisse Flüchtlinge aufgenommen und andere zurückgewiesen" </div> <div class="para">hätten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>C.- </u> </div> <div class="para"> Am 13. Juli 1998 klagte Joseph Spring die Schweize- </div> <div class="para">rische Eidgenossenschaft beim Bundesgericht auf Ausrichtung </div> <div class="para">einer Genugtuung von Fr. 100'000.-- ein. Das Verhalten der </div> <div class="para">schweizerischen Grenzorgane bzw. die deren Handeln bestim- </div> <div class="para">menden Weisungen seien rechtswidrig gewesen, da sie den </div> <div class="para">"Tatbestand der Beihilfe zum Völkermord" erfüllt und eine </div> <div class="para">rechtswidrige Auslieferung dargestellt bzw. geschützt hät- </div> <div class="para">ten; zudem sei gegen das Verbot der Rückschiebung in den </div> <div class="para">Verfolgerstaat verstossen worden. Der Genugtuungsanspruch </div> <div class="para">sei weder verwirkt noch verjährt, beruhe die entsprechende </div> <div class="para">Forderung doch auf Kriegsverbrechen und strafrechtlich un- </div> <div class="para">verjährbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Schweizerische Eidgenossenschaft beantragte am </div> <div class="para">15. Oktober 1998, die Klage abzuweisen. Die Forderung sei </div> <div class="para">verwirkt; zudem sei das Verhalten der schweizerischen Behör- </div> <div class="para">den damals weder völkerrechtswidrig noch sonstwie rechtswid- </div> <div class="para">rig gewesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Kläger und Beklagte hielten in Replik und Duplik an </div> <div class="para">ihren Ausführungen und Anträgen fest. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>D.- </u> </div> <div class="para"> Am 21. April 1999 wies der Instruktionsrichter ein </div> <div class="para">Gesuch der Eidgenossenschaft um Sistierung des Verfahrens </div> <div class="para">ab, nachdem der Kläger erklärt hatte, sich an den in den </div> <div class="para">Vereinigten Staaten von Amerika hängigen "Class-Action"- </div> <div class="para">Verfahren nicht zu beteiligen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Am 28. Mai 1999 teilte die Eidgenossenschaft auf </div> <div class="para">Anfrage des Gerichts mit, dass sie Vergleichsverhandlungen </div> <div class="para">unter der Leitung einer gerichtlichen Delegation ablehne, da </div> <div class="para">sich Rechtsfragen stellten, deren höchstrichterlicher Beur- </div> <div class="para">teilung "Grundsatzcharakter" zukomme. An der Instruktions- </div> <div class="para">verhandlung vom 8. Juni 1999 wurde deshalb von entsprechen- </div> <div class="para">den Gesprächen abgesehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Am 21. Juli 1999 wies der Instruktionsrichter ein </div> <div class="para">Gesuch der Beklagten ab, das Verfahren auf die Frage der </div> <div class="para">Verwirkung zu beschränken, da die entsprechende Problematik </div> <div class="para">mit den weiteren haftungsrechtlichen Voraussetzungen "derart </div> <div class="para">eng verknüpft" sei, dass eine sinnvolle Abgrenzung nicht </div> <div class="para">möglich erscheine. Gleichzeitig erklärte er das Vorberei- </div> <div class="para">tungsverfahren für geschlossen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Nachdem die Parteien am 29. September 1999 im Hin- </div> <div class="para">blick auf ihre Parteivorträge über das Sitzungsdatum infor- </div> <div class="para">miert worden waren, wies der Kläger am 10. Januar 2000 "der </div> <div class="para">guten Ordnung halber" darauf hin, dass er sich zur Begrün- </div> <div class="para">dung seiner Eingabe auch auf den im Dezember 1999 erschiene- </div> <div class="para">nen Bericht "Die Schweiz und die Flüchtlinge zur Zeit des </div> <div class="para">Nationalsozialismus" der Unabhängigen Expertenkommission </div> <div class="para">Schweiz - Zweiter Weltkrieg ("Bergier"-Kommission) stützen </div> <div class="para">werde. Die Beklagte opponierte nicht. Verfahrensweiterungen </div> <div class="para">erübrigten sich, da das Gericht den Bericht unmittelbar nach </div> <div class="para">seinem Erscheinen von Amtes wegen beigezogen und zur Kennt- </div> <div class="para">nis genommen hatte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> An der heutigen Sitzung hielten die Parteien in ih- </div> <div class="para">ren mündlichen Vorträgen an den im Schriftenwechsel gestell- </div> <div class="para">ten Anträgen fest, wobei sie ihre Ausführungen - soweit </div> <div class="para">schriftlich vorliegend - zu den Akten gaben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para"> a) Der Kläger stützt seinen Haftungsanspruch auf </div> <div class="para">Vorkommnisse aus dem Jahre 1943. Damals galt noch das Bun- </div> <div class="para">desgesetz vom 9. Dezember 1850 über die Verantwortlichkeit </div> <div class="para">der eidgenössischen Behörden und Beamten (BS 1 462; vgl. </div> <div class="para">hierzu: <u>Otto K. Kaufmann</u>, Die Verantwortlichkeit der Beamten </div> <div class="para">und die Schadenersatzpflicht des Staates in Bund und Kanto- </div> <div class="para">nen, in: ZSR NF 72/1953 S. 201a ff.). Dieses kommt vorlie- </div> <div class="para">gend indessen nicht mehr zur Anwendung, da gemäss Art. 26 </div> <div class="para">Abs. 2 des Verantwortlichkeitsgesetzes von 1958 die Haftung </div> <div class="para">des Bundes nach den Art. 3 ff. auch für Schaden besteht, der </div> <div class="para">vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes (auf den 1. Januar </div> <div class="para">1959) entstanden ist, "sofern weder Verjährung noch Verwir- </div> <div class="para">kung gemäss Artikel 20 eingetreten ist". Demnach muss in </div> <div class="para">Anwendung des neuen Rechts geprüft werden, ob der Anspruch </div> <div class="para">bei dessen Inkrafttreten bereits verwirkt oder verjährt war; </div> <div class="para">in diesem Fall wäre die Haftung gemäss <span class="artref">Art. 3 ff. VG</span> zu ver- </div> <div class="para">neinen. Es würde dann - was der Wortlaut von <span class="artref">Art. 26 Abs. 2 VG</span> </div> <div class="para">nicht klar zum Ausdruck bringt - auch keine Haftung gemäss </div> <div class="para">dem bisherigen Recht mehr bestehen, da der Gesetzgeber in </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 27 VG</span> alle dem neuen Recht widersprechenden Bestim- </div> <div class="para">mungen aufgehoben hat, so insbesondere auch das Verantwort- </div> <div class="para">lichkeitsgesetz von 1850 (<span class="artref">Art. 27 lit. a VG</span>; vgl. <u>Moritz</u> </div> <div class="para"> <u>Kuhn</u>, Die vermögensrechtliche Verantwortlichkeit des Bundes </div> <div class="para">sowie seiner Behördemitglieder und Beamten auf Grund des </div> <div class="para">Verantwortlichkeitsgesetzes vom 14. März 1958, mit besonde- </div> <div class="para">rer Berücksichtigung von Art. 3 und Art. 12, Zürich 1971, </div> <div class="para">S. 169). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) aa) Nach <span class="artref">Art. 10 Abs. 1 VG</span> in seiner Fassung </div> <div class="para">vom 4. Oktober 1991 (in Kraft seit dem 1. Januar 1994 </div> <div class="para">[AS 1992 288; SR 173.110.01]) erlässt die zuständige Behörde </div> <div class="para">über streitige Ansprüche gegen den Bund eine Verfügung, die </div> <div class="para">im Rahmen der allgemeinen Bestimmungen über die Bundes- </div> <div class="para">rechtspflege beim Bundesgericht angefochten werden kann. </div> <div class="para">Eine Ausnahme gilt, soweit die Haftung aus der Amtstätigkeit </div> <div class="para">von Personen im Sinne von Artikel 1 Absatz 1 Buchstaben a-c </div> <div class="para">des Gesetzes (Haftung für das Verhalten von Mitgliedern des </div> <div class="para">National- und Ständerats, des Bundesrats oder des Bundesge- </div> <div class="para">richts) abgeleitet wird. In diesem Fall entscheidet das Bun- </div> <div class="para">desgericht als einzige Instanz im Verfahren der verwaltungs- </div> <div class="para">rechtlichen Klage (<span class="artref">Art. 116 ff. OG</span>); diese kann eingereicht </div> <div class="para">werden, wenn die zuständige Behörde zum Anspruch innert drei </div> <div class="para">Monaten nicht oder negativ Stellung genommen hat (<span class="artref">Art. 10 </span></div> <div class="para">Abs. 2 VG). Lehnt der Bund den Anspruch ab oder erhält der </div> <div class="para">Geschädigte innert drei Monaten keine Stellungnahme, so hat </div> <div class="para">er innert weiterer sechs Monate beim Bundesgericht zu kla- </div> <div class="para">gen, ansonsten er sein Recht verwirkt (<span class="artref">Art. 20 Abs. 3 VG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> bb) Joseph Spring leitet den Haftungsanspruch gegen </div> <div class="para">die Eidgenossenschaft sowohl aus dem Verhalten der beteilig- </div> <div class="para">ten Beamten an der Grenze als auch aus jenem des Bundesrats </div> <div class="para">ab. Er stellt damit nicht nur das Handeln des Grenzpersonals </div> <div class="para">und der damaligen Polizeiabteilung, sondern auch die Amtstä- </div> <div class="para">tigkeit des Bundesrats und indirekt des Parlaments in Frage. </div> <div class="para">Über seinen Anspruch ist deshalb im Verfahren der verwal- </div> <div class="para">tungsrechtlichen Klage zu entscheiden. Eine Aufspaltung in </div> <div class="para">ein Beschwerde- und Klageverfahren ist weder nötig noch </div> <div class="para">zweckmässig, änderte diese doch an der letztinstanzlichen </div> <div class="para">Zuständigkeit des Bundesgerichts nichts und stellen sich </div> <div class="para">doch in beiden Verfahren zudem dieselben Fragen. Der Kläger </div> <div class="para">hat seinen Anspruch am 26. Januar 1998 beim Eidgenössischen </div> <div class="para">Finanzdepartement eingereicht. Der Bundesrat nahm dazu am </div> <div class="para">22. Juni 1998 in abweisendem Sinne Stellung, worauf der </div> <div class="para">Kläger am 13. Juli 1998 - und damit innerhalb der Frist von </div> <div class="para">sechs Monaten - an das Bundesgericht gelangte. Seine Eingabe </div> <div class="para">ist somit, weil frist- und formgerecht eingereicht, als ver- </div> <div class="para">waltungsrechtliche Klage an die Hand zu nehmen. Auf das Ver- </div> <div class="para">fahren sind Art. 120 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 105 Abs. 1 OG</span> </div> <div class="para">und <span class="artref"><artref id="CH/273/3" type="start"></artref>Art. 3 - 85 BZP</span><artref id="CH/273/85" type="end"></artref> [SR 273] anwendbar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> a) Nach <span class="artref">Art. 3 Abs. 1 VG</span> haftet der Bund unabhängig </div> <div class="para">von einem Verschulden für den Schaden, den ein Beamter in </div> <div class="para">Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit Dritten widerrechtlich </div> <div class="para">zufügt. Ist das Verhalten schuldhaft, hat, wer widerrecht- </div> <div class="para">lich in seiner Persönlichkeit verletzt wird, überdies An- </div> <div class="para">spruch auf eine Geldsumme als Genugtuung, sofern die Schwere </div> <div class="para">der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders wieder </div> <div class="para">gutgemacht worden ist (<span class="artref">Art. 6 Abs. 2 VG</span>). Die Haftung des </div> <div class="para">Bundes erlischt, wenn der Geschädigte sein Begehren nicht </div> <div class="para">innert eines Jahres seit Kenntnis des Schadens stellt; auf </div> <div class="para">alle Fälle jedoch nach zehn Jahren seit dem Tag der schädi- </div> <div class="para">genden Handlung (<span class="artref">Art. 20 Abs. 1 VG</span>). Werden die entsprechen- </div> <div class="para">den Fristen nicht eingehalten, geht der Entschädigungsan- </div> <div class="para">spruch durch Verwirkung unter (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F86-I-60%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page60">BGE 86 I 60</a> E. 5 S. 64 ff.; </div> <div class="para"> <u>Jost Gross</u>, Staats- und Beamtenhaftung, in: <u>Geiser/</u> </div> <div class="para"> <u>Münch</u> (Hrsg.), Schaden, Haftung, Versicherung, Basel 1999, </div> <div class="para">Rz. 3.22, 3.35, 3.69; <u>derselbe</u>, Schweizerisches Staatshaf- </div> <div class="para">tungsrecht, Bern 1995, S. 334; <u>Tobias Jaag</u>, Staats- und </div> <div class="para">Beamtenhaftung, in: <u>Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli</u> (Hrsg.), </div> <div class="para">Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Basel/Frankfurt a.M. </div> <div class="para">1996, Rz. 168 f. u. Rz. 181; <u>Hans Rudolf Schwarzenbach-</u> </div> <div class="para"> <u>Hanhart</u>, Grundriss des allgemeinen Verwaltungsrechts, Bern </div> <div class="para">1997, S. 286; <u>derselbe</u>, Die Staats- und Beamtenhaftung in </div> <div class="para">der Schweiz, Zürich 1985, 2. Aufl., S. 104; <u>Pierre Moor</u>, </div> <div class="para">Droit administratif, Bd. II, Bern 1991, 1.3.2 u. 6.2.1.5; </div> <div class="para"> <u>André Grisel</u>, Traité de droit administratif, Neuenburg 1984, </div> <div class="para">S. 663; <u>Reinhold Hotz</u>, Die Haftpflicht des Beamten gegenüber </div> <div class="para">dem Staat, Zürich 1973, S. 148; <u>Moritz Kuhn</u>, a.a.O., </div> <div class="para">S. 166 f.). Zwar hat das Bundesgericht insofern terminolo- </div> <div class="para">gisch nicht immer einheitlich zwischen Verwirkung und Ver- </div> <div class="para">jährung unterschieden (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F106-IB-357%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page357">BGE 106 Ib 357</a> E. 3a S. 364 und </div> <div class="para">BGE 108 Ib 417 ff.), weshalb die Rechtsprechung in der Lehre </div> <div class="para">teilweise auf Kritik gestossen ist (vgl. <u>Balz Gross</u>, Die Haft- </div> <div class="para">pflicht des Staates, Zürich 1996, S. 181/182). Im vorliegen- </div> <div class="para">den Fall erübrigt es sich indessen, sich hiermit auseinander </div> <div class="para">zu setzen, da die Unterschiede zwischen den beiden Rechts- </div> <div class="para">instituten (vgl. zu diesen <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-IB-386%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page386">BGE 116 Ib 386</a> E. 3c S. 392 f.; </div> <div class="para">113 V 66 E. 1c S. 69 f.; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-IB-65%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page65">111 Ib 65</a> E. 4 S. 68; <u>Attilio R.</u> </div> <div class="para"> <u>Gadola</u>, Verjährung und Verwirkung im öffentlichen Recht, in: </div> <div class="para">AJP 1/1995 S. 56 ff.) zu keinem anderen Ausgang des Verfah- </div> <div class="para">rens führen können: Die Frist von zehn Jahren wurde weder </div> <div class="para">gehemmt, unterbrochen, wiederhergestellt noch erstreckt, und </div> <div class="para">die Beklagte hat die Einrede der Verjährung/Verwirkung erho- </div> <div class="para">ben, womit das Bundesgericht die Auswirkungen des Zeitab- </div> <div class="para">laufs auf den Genugtuungsanspruch sowohl als Verjährungs- </div> <div class="para">wie als Verwirkungsfrist zu beurteilen hat. Es ist somit </div> <div class="para">nicht erforderlich, die bisherige Praxis (Verwirkungsfris- </div> <div class="para">ten) zu überprüfen. Im Folgenden wird deshalb von Verjährung </div> <div class="para">gesprochen, wenn es um Grundsätze geht, die zu diesem Insti- </div> <div class="para">tut entwickelt wurden und deren Übertragung auf die Verwir- </div> <div class="para">kung zur Diskussion steht; im Übrigen ist von Verjährung </div> <div class="para">bzw. Verwirkung die Rede. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Ausgangspunkt der subsidiären absoluten Verjäh- </div> <div class="para">rung oder Verwirkung von zehn Jahren ist die unerlaubte </div> <div class="para">Handlung im weiteren Sinn, d.h. das schädigende Verhalten, </div> <div class="para">das eine Rechtsgutsverletzung nach sich zieht, und zwar </div> <div class="para">unabhängig davon, ob der Geschädigte vom Verhalten, vom </div> <div class="para">verursachten Schaden oder der Person des Ersatzpflichtigen </div> <div class="para">Kenntnis hat ( <u>Willi Fischer</u>, Die Verjährung von Haftpflicht- </div> <div class="para">ansprüchen, in: <u>Alfred Koller</u>, Haftpflicht- und Versiche- </div> <div class="para">rungsrechtstagung 1997, S. 118 ff.; <u>Oftinger/Stark</u>, Schwei- </div> <div class="para">zerisches Haftpflichtrecht, Bd. II/1, 4. Aufl. 1987, S. 113, </div> <div class="para">Rz. 372; <u>Alfred Keller</u>, Haftpflicht im Privatrecht, Bd. II, </div> <div class="para">Bern 1987, S. 227; <u>Werner Schwander</u>, Die Verjährung ausser- </div> <div class="para">vertraglicher und vertraglicher Schadenersatzforderungen, </div> <div class="para">Diss. Fribourg 1963, S. 23/24). Es ist deshalb möglich, dass </div> <div class="para">die absolute Verjährung bzw. Verwirkung eintritt, bevor der </div> <div class="para">Geschädigte seine Ersatzansprüche kennt (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F87-II-155%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page155">BGE 87 II 155</a> </div> <div class="para">E. 3a S. 160; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F106-II-134%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page134">106 II 134</a> E. 2a S. 136; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-II-216%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page216">119 II 216</a> E. 4a/aa </div> <div class="para">S. 219/220; vgl. <u>Heinz Rey</u>, Ausservertragliches Haftpflicht- </div> <div class="para">recht, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 1634, mit weiteren Hin- </div> <div class="para">weisen). Der Genugtuungsanspruch ist vorliegend an sich in </div> <div class="para">diesem Sinne verwirkt: Der Kläger versuchte im November 1943 </div> <div class="para">mit seinen Begleitern in die Schweiz zu flüchten, wobei sie </div> <div class="para">an der Grenze zurückgewiesen und - wie bei ihrem ersten Ein- </div> <div class="para">reiseversuch angedroht - den deutschen Behörden übergeben </div> <div class="para">wurden. Den eingeklagten Genugtuungsanspruch leitet er aus </div> <div class="para">dem entsprechenden - nach seiner Ansicht rechtswidrigen - </div> <div class="para">Handeln der Grenzbehörden bzw. der damaligen Verordnungs- </div> <div class="para">und Weisungspraxis des Bundesrats bzw. der Eidgenössischen </div> <div class="para">Polizeiabteilung im Asyl- und Flüchtlingsbereich ab. Der </div> <div class="para">Genugtuungsanspruch ist somit seit rund 40 Jahren verwirkt, </div> <div class="para">selbst wenn für die zeitliche Berechnung nicht auf das schä- </div> <div class="para">digende Ereignis, sondern auf das Kriegsende bzw. die Flucht </div> <div class="para">des Klägers abgestellt würde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> Es bleibt zu prüfen, ob der Berücksichtigung der </div> <div class="para">Verwirkungsfrist, wie sie <span class="artref">Art. 20 Abs. 1 VG</span> für das Bundes- </div> <div class="para">gericht verbindlich vorsieht (vgl. Art. 113 Abs. 3 bzw. </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 114bis Abs. 3 aBV</span>; <span class="artref">Art. 191 BV</span>), im vorliegenden Fall </div> <div class="para">Rechtssätze des internationalen oder schweizerischen Rechts </div> <div class="para">entgegenstehen, die es gebieten, dem Zeitablauf keine Rech- </div> <div class="para">nung zu tragen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> a) Der Kläger macht geltend, dass verschiedene Um- </div> <div class="para">stände seiner Rückweisung an der Grenze und seiner Übergabe </div> <div class="para">an die deutschen Behörden mit der Öffnung gewisser Archive </div> <div class="para">und dank der erst kürzlich eingeleiteten kritischen Aufar- </div> <div class="para">beitung der Schweizer Geschichte dieser Periode bekannt ge- </div> <div class="para">worden seien. Er übersieht dabei indessen, dass sich die ab- </div> <div class="para">solute Verwirkungsfrist weder ab der Kenntnis des Schadens </div> <div class="para">oder des Schädigers noch gar des Anspruchs selber berechnet, </div> <div class="para">sondern einzig ab dem Tag der "schädigenden Handlung des Be- </div> <div class="para">amten", was bei einer Kausalhaftung, wie sie das Verantwort- </div> <div class="para">lichkeitsgesetz vorsieht, als Tag des haftungsbegründenden </div> <div class="para">Ereignisses zu verstehen ist (vgl. <u>Fischer</u>, a.a.O., S. 120; </div> <div class="para"> <u>Rey</u>, a.a.O., Rz. 1645 ff.; <u>Heinrich Honsell</u>, Schweizerisches </div> <div class="para">Haftpflichtrecht, 2. Aufl., Zürich 1996, S. 109, Rz. 4; </div> <div class="para"> <u>Stephen V. Berti</u>, in: <u>Honsell/Vogt/Wiegand</u>, Obligationen- </div> <div class="para">recht I, Basel 1992, Rz. 8 zu Art. 60; <u>Oftinger/Stark</u>, </div> <div class="para">a.a.O., S. 111, Rz. 366; <u>Peter von Tuhr</u>, Allgemeiner Teil </div> <div class="para">des Schweizerischen Obligationenrechts, Bd. 1, Zürich 1979, </div> <div class="para">S. 439; <u>Karl Spiro</u>, Die Begrenzung privater Rechte durch </div> <div class="para">Verjährungs-, Verwirkungs- und Fatalfristen, Bd. 1, </div> <div class="para">Bern 1975, S. 78; unveröffentlichtes Urteil vom 25. Februar </div> <div class="para">1997 i.S. X. c. EFD, E. 3b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) aa) Verwirkungsfristen sind in der Regel weder </div> <div class="para">einer Erstreckung noch einer Unterbrechung oder Wiederher- </div> <div class="para">stellung zugänglich (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-V-123%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page123">BGE 114 V 123</a> E. 3b S. 124, mit Hin- </div> <div class="para">weis), doch haben Rechtsprechung und Lehre gewisse Locke- </div> <div class="para">rungen der damit verbundenen Strenge anerkannt ( <u>Gadola</u>, </div> <div class="para">a.a.O., S. 57). Das Eidgenössische Versicherungsgericht geht </div> <div class="para">davon aus, dass im Falle einer unverschuldeten Verhinderung </div> <div class="para">an der rechtzeitigen Vornahme rechtlich bedeutsamer Handlun- </div> <div class="para">gen eine Wiederherstellung von gesetzlichen Verwirkungsfris- </div> <div class="para">ten möglich sei; es spricht in diesem Zusammenhang von einem </div> <div class="para">generell anerkannten "allgemeinen Grundsatz" (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-V-123%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page123">BGE 114 V 123</a> </div> <div class="para">E. 3b S. 125; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F108-V-109%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page109">108 V 109</a> ff.; vgl. neuerdings auch BGE 123 II </div> <div class="para">241 E. 3). Nach gewissen Lehrmeinungen können zudem nicht </div> <div class="para">nur Verjährungs-, sondern auch Verwirkungsfristen gehemmt </div> <div class="para">werden, insbesondere, wenn der Gläubiger aus rechtlichen </div> <div class="para">Gründen nicht in der Lage war, seinen Anspruch rechtzeitig </div> <div class="para">geltend zu machen ("agere non valenti non currit praescrip- </div> <div class="para">tio"; <u>Gadola</u>, a.a.O., S. 55; <u>Fritz Zweifel</u>, Zeitablauf als </div> <div class="para">Untergangsgrund öffentlich-rechtlicher Ansprüche, Diss. </div> <div class="para">Basel 1960, S. 48; vgl. zur entsprechenden Diskussion in </div> <div class="para">Deutschland: <u>Lutz Frauendorf</u>, Die Entschädigung von NS- </div> <div class="para">Zwangsarbeit - ein aktuelles Problem, in: Zeitschrift für </div> <div class="para">Rechtspolitik, 32/1999 Heft 1 S. 5). Im Übrigen gilt der </div> <div class="para">Zeitablauf als Hinderungsgrund für die Durchsetzbarkeit bzw. </div> <div class="para">als Untergangsgrund für einen Anspruch nur unter dem all- </div> <div class="para">gemeinen Vorbehalt von Treu und Glauben ( <u>Gadola</u>, a.a.O., </div> <div class="para">S. 55 f.; <u>Moor</u>, a.a.O., 1.3.1 [S. 54] u. 1.3.2 [S. 57]). </div> <div class="para">Eine Berufung auf die Verjährung kann dann als rechtsmiss- </div> <div class="para">bräuchlich bzw. deren Beachtung als stossend empfunden </div> <div class="para">werden, wenn der Schuldner den Gläubiger durch ein dessen </div> <div class="para">Vertrauen erweckendes Verhalten von der rechtzeitigen Gel- </div> <div class="para">tendmachung seines Anspruchs abgehalten, d.h. ihn veranlasst </div> <div class="para">hat, die Frist unbenutzt verstreichen zu lassen, nicht aber, </div> <div class="para">wenn die Verjährung ohne Zutun des Schuldners eingetreten </div> <div class="para">ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F95-I-512%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page512">BGE 95 I 512</a> E. 6 S. 521; <u>Max Imboden/René A. Rhinow</u>, </div> <div class="para">Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Bd. I, 5. Aufl., </div> <div class="para">Basel 1976, Nr. 74, XI. b, S. 464). Das Verhalten des Schuld- </div> <div class="para">ners muss zwar nicht geradezu arglistig sein. Es kann allen- </div> <div class="para">falls schon eine Handlung genügen, mit der beim Gläubiger </div> <div class="para">die berechtigte Hoffnung auf eine gütliche Einigung geweckt </div> <div class="para">wird, was ihn von einer rechtzeitigen wirksamen Geltendma- </div> <div class="para">chung bzw. von einer verjährungsunterbrechenden Handlung </div> <div class="para">abhält (vgl. <u>Spiro</u>, a.a.O., S. 214). Voraussetzung für die </div> <div class="para">Nichtbeachtung der Verjährung und allenfalls der Verwirkung </div> <div class="para">ist jedoch stets ein Verhalten des Schuldners, das kausal </div> <div class="para">dafür ist, dass der Gläubiger seinen Anspruch nicht innert </div> <div class="para">Frist geltend gemacht bzw. durchgesetzt hat. Ein wie auch </div> <div class="para">immer geartetes Handeln des Schuldners bei der Entstehung </div> <div class="para">der Forderung kann daher für sich allein mit Blick auf deren </div> <div class="para">Verjährung/Verwirkung nicht berücksichtigt werden, wenn der </div> <div class="para">Gläubiger es ohne Zutun des Schuldners versäumt hat, seinen </div> <div class="para">Anspruch vor Ablauf der Verjährungs- bzw. Verwirkungsfrist </div> <div class="para">rechtlich durchzusetzen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> bb) Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich unter </div> <div class="para">keinem dieser Titel, ausnahmsweise von einer Berücksichti- </div> <div class="para">gung der absoluten Verjährung bzw. der Verwirkung abzusehen; </div> <div class="para">es erübrigt sich deshalb, abzuklären, ob und in welchem Um- </div> <div class="para">fang die dargelegten, in erster Linie zur Verjährung ent- </div> <div class="para">wickelten Grundsätze überhaupt auf die haftungsrechtlichen </div> <div class="para">Verwirkungsfristen übertragen werden können: Der Kläger ist </div> <div class="para">- zumindest vor Ablauf der absoluten Verwirkungsfrist und </div> <div class="para">damit vor den in Amerika hängig gemachten "Class-Action"- </div> <div class="para">Verfahren - von der Beklagten nicht davon abgehalten worden, </div> <div class="para">eine allfällige auf das Verhalten der Grenzorgane und des </div> <div class="para">Bundesrats zurückgehende haftungsrechtliche Forderung gel- </div> <div class="para">tend zu machen. Selbst bei Berücksichtigung der Tatsache, </div> <div class="para">dass er dies allenfalls sinnvollerweise erst ab Inkrafttre- </div> <div class="para">ten des Verantwortlichkeitsgesetzes von 1958 und gestützt </div> <div class="para">auf die dadurch eingeführte primäre Kausalhaftung der Be- </div> <div class="para">klagten tun konnte, wäre sein Anspruch heute offensichtlich </div> <div class="para">verwirkt. Der Kläger hat in der Nachkriegszeit seine Forde- </div> <div class="para">rungen gegenüber Deutschland geltend gemacht, wobei er eine </div> <div class="para">Genugtuungssumme von 5 Mark pro KZ-Tag erhalten haben soll. </div> <div class="para">Spätestens seit dem Inkrafttreten des Verantwortlichkeits- </div> <div class="para">gesetzes am 1. Januar 1959 hätte er aber auch allfällige An- </div> <div class="para">sprüche gegen die Schweiz rechtlich wie tatsächlich geltend </div> <div class="para">machen können und müssen; dies auch bei Berücksichtigung des </div> <div class="para">damaligen historischen Kenntnisstands über die entsprechende </div> <div class="para">Periode, soweit es hierauf im Rahmen der absoluten Verwir- </div> <div class="para">kungsfrist überhaupt ankommen kann: Die schweizerische Asyl- </div> <div class="para">und Flüchtlingspolitik bildete bereits während des Krieges </div> <div class="para">(vgl. <u>Georg Kreis</u>, Zwischen humanitärer Mission und inhuma- </div> <div class="para">ner Tradition, Zur schweizerischen Flüchtlingspolitik der </div> <div class="para">Jahre 1938-1945, in: <u>Sarasin/Wecker</u>, Raubgold, Reduit, </div> <div class="para">Flüchtlinge, Zürich 1998, S. 132 f.; <u>Alfred Cattani</u>, Die </div> <div class="para">schweizerische Flüchtlingspolitik 1933-1945, Bern 1999, </div> <div class="para">S. 34 ff.; <u>Carl Ludwig</u>, "Die Flüchtlingspolitik der Schweiz </div> <div class="para">in den Jahren 1933 bis 1955", Bern 1957, S. 174 ff.) wie un- </div> <div class="para">mittelbar danach Gegenstand kontroverser Diskussionen, wes- </div> <div class="para">halb der Bundesrat Mitte der fünfziger Jahre Professor Carl </div> <div class="para">Ludwig beauftragte, diese nachzuzeichnen und zu analysieren. </div> <div class="para">In dessen Bericht "Die Flüchtlingspolitik der Schweiz in den </div> <div class="para">Jahren 1933 bis 1955" wurden in der Folge die umstrittene </div> <div class="para">Politik und deren rechtliche Grundlagen der Öffentlichkeit </div> <div class="para">umfassend zugänglich gemacht. Wenn heute zusätzliche Unter- </div> <div class="para">lagen vorliegen und gestützt darauf gewisse Korrekturen an- </div> <div class="para">gezeigt erscheinen - etwa bezüglich der Zahl der zurückge- </div> <div class="para">wiesenen Schutzsuchenden im Vergleich zu den damaligen Schät- </div> <div class="para">zungen (vgl. <u>Guido Koller</u>, Entscheidungen über Leben und Tod, </div> <div class="para">Die behördliche Praxis in der schweizerischen Flüchtlingspoli- </div> <div class="para">tik während des Zweiten Weltkrieges, in: Die Schweiz und die </div> <div class="para">Flüchtlinge 1933-1945, Studien und Quellen Nr. 22, Zeitschrift </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesarchivs, Bern/Wien/Stuttgart 1996, </div> <div class="para">S. 91 ff.) -, hätte der Kläger seine Ansprüche doch spätes- </div> <div class="para">tens ab Ende der fünfziger Jahre geltend machen können. Ende </div> <div class="para">der sechziger und anfangs der siebziger Jahre erschienen er- </div> <div class="para">neut verschiedene Werke, welche wiederum die Konsequenzen </div> <div class="para">der schweizerischen Flüchtlings- und Asylpolitik, deren </div> <div class="para">Opfer der Kläger geworden ist, unterstrichen, so etwa 1967 </div> <div class="para">das Werk von <u>Alfred A. Häsler</u> "Das Boot ist voll". <u>Edgar</u> </div> <div class="para"> <u>Bonjour</u> schrieb seinerseits 1970 in seiner "Geschichte der </div> <div class="para">Schweizerischen Neutralität" (Bd. VI, 1939-1945, S. 26) : </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> "Der Winter 1942/43 und der Sommer 1943 sind [...] </div> <div class="para"> als dunkle Epochen in die Geschichte der schweize- </div> <div class="para"> rischen Asylgewährung eingegangen. Die Unsumme von </div> <div class="para"> menschlichem Jammer, der sich in diese Monate zu- </div> <div class="para"> sammendrängt, belastet noch heute das Gewissen des </div> <div class="para"> ganzen Volkes". </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> cc) Der inzwischen vorliegende Bericht der Unab- </div> <div class="para">hängigen Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg "Die </div> <div class="para">Schweiz und die Flüchtlinge zur Zeit des Nationalsozialis- </div> <div class="para">mus" (EDMZ, Bern 1999; "Bergier"-Bericht) unterstreicht dies </div> <div class="para">mit zusätzlichen neuen Einzelheiten, welche das Bild abrun- </div> <div class="para">den, dieses gegenüber den bereits vorliegenden Erkenntnissen </div> <div class="para">indessen nicht grundsätzlich neu zu zeichnen vermögen (vgl. </div> <div class="para">auch <u>Cattani</u>, a.a.O., S. 56 f.). Andere Gründe, die den Klä- </div> <div class="para">ger daran gehindert hätten, seinen Genugtuungsanspruch frü- </div> <div class="para">her einzuklagen, wobei der Sachverhalt allenfalls im Beweis- </div> <div class="para">verfahren weiter hätte erstellt werden können, sind weder </div> <div class="para">geltend gemacht noch ersichtlich. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para"> a) Nach <span class="artref">Art. 75 </span></div> <div class="para">bis </div> <div class="para"> Abs. 1 StGB (bzw. allenfalls </div> <div class="para">Art. 56bis des Militärstrafgesetzes vom 13. Juni 1927 </div> <div class="para">[MStG, SR 321.0], soweit es um Handlungen von Angehörigen </div> <div class="para">der Armee geht) tritt keine Verjährung ein für Verbrechen, </div> <div class="para">die: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> "1. auf die Ausrottung oder Unterdrückung einer Be- </div> <div class="para"> völkerungsgruppe aus Gründen ihrer Staatsange- </div> <div class="para"> hörigkeit, Rasse, Religion oder ihrer ethni- </div> <div class="para"> schen, sozialen oder politischen Zugehörigkeit </div> <div class="para"> gerichtet waren oder </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2. in den Genfer Übereinkommen vom 12. August 1949 </div> <div class="para"> und den andern von der Schweiz ratifizierten </div> <div class="para"> internationalen Vereinbarungen über den Schutz </div> <div class="para"> der Kriegsopfer als schwer bezeichnet werden, </div> <div class="para"> sofern die Tat nach Art ihrer Begehung besonders </div> <div class="para"> schwer war oder </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3. als Mittel zu Erpressung oder Nötigung Leib und </div> <div class="para"> Leben von Menschen in Gefahr brachten oder zu </div> <div class="para"> bringen drohten, namentlich unter Verwendung von </div> <div class="para"> Massenvernichtungsmitteln, Auslösen von Kata- </div> <div class="para"> strophen oder in Verbindung mit Geiselnahmen". </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Kläger macht geltend, die Schweiz habe durch </div> <div class="para">ihre Flüchtlings- und Asylpolitik während des Zweiten Welt- </div> <div class="para">krieges Beihilfe zu Genozid und Kriegsverbrechen geleistet, </div> <div class="para">weshalb seine Genugtuungsforderung nicht verjähren könne; </div> <div class="para">Völkermord sei unverjährbar. Dies ergebe sich haftungsrecht- </div> <div class="para">lich aus <span class="artref">Art. 60 Abs. 2 OR</span> (in Verbindung mit Art. 75bis </div> <div class="para">StGB), wenn dieser für unerlaubte Handlungen vorsehe, dass </div> <div class="para">die längere strafrechtliche Verjährungsfrist auch für den </div> <div class="para">Zivilanspruch gelte, falls die Klage aus einer strafbaren </div> <div class="para">Handlung hergeleitet wird. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Dieser Einwand ist weder rechtlich noch histo- </div> <div class="para">risch berechtigt, wie die folgenden Ausführungen zeigen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> aa) Art. 75bis StGB und Art. 56bis MStG sind erst </div> <div class="para">durch das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über Internationale </div> <div class="para">Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) im Anschluss an </div> <div class="para">die bundesrätliche Ausweisung von Pieter Nicolaas Menten </div> <div class="para">eingeführt worden, dem seine heimatlichen Behörden vorgewor- </div> <div class="para">fen hatten, im Sommer 1941 als Offizier der deutschen SS auf </div> <div class="para">damals polnischem Gebiet bei der willkürlichen Erschiessung </div> <div class="para">mehrerer hundert Personen mitgewirkt zu haben, und dessen </div> <div class="para">Taten nach schweizerischem Recht (Art. 70 und 72 Ziff. 2 </div> <div class="para">Abs. 2 StGB) 1971 absolut verjährt waren (vgl. Zusatzbot- </div> <div class="para">schaft vom 6. Juli 1977 zum Entwurf eines Bundesgesetzes </div> <div class="para">über internationale Rechtshilfe in Strafsachen; in: BBl 1977 </div> <div class="para">II 1249). Die Frage der damit verbundenen Aufhebung der Ver- </div> <div class="para">jährungsfristen für entsprechendes strafrechtlich relevantes </div> <div class="para">Verhalten gab in den parlamentarischen Beratungen zu inten- </div> <div class="para">siven Diskussionen Anlass (vgl. AB 1977 S 612 ff.; AB 1979 </div> <div class="para">N 647 ff.), wobei <span class="artref">Art. 75bis StGB</span> schliesslich im Wesentli- </div> <div class="para">chen in der vom Bundesrat vorgeschlagenen Formulierung und </div> <div class="para">mit der Übergangsbestimmung angenommen wurde, dass Art. 75bis </div> <div class="para">StGB nur gelte, wenn die Strafverfolgung oder die Strafe </div> <div class="para">nach bisherigem Recht im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser </div> <div class="para">Änderung nicht bereits verjährt war. Diese Einschränkung </div> <div class="para">gilt gemäss dem Grundsatz "aut dedere aut judicare" (auslie- </div> <div class="para">fern oder verfolgen) lediglich nicht für die Auslieferung </div> <div class="para">und die anderen Formen der internationalen Rechtshilfe in </div> <div class="para">Strafsachen (vgl. <span class="artref">Art. 110 Abs. 3 IRSG</span>; <u>Stefan Trechsel</u>, </div> <div class="para">Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl., </div> <div class="para">Zürich 1997, Rz. 7 zu Art. 75bis; <u>Robert Zimmermann</u>, La </div> <div class="para">coopération judiciaire internationale en matière pénale, </div> <div class="para">Bern 1999, Rz. 504 ff.; <u>Jean-Dominique Schouwey</u>, Crimes de </div> <div class="para">guerre: un état des lieux du droit suisse, in: Revue inter- </div> <div class="para">nationale de criminologie et de police technique, 1995/1 </div> <div class="para">S. 46 ff.). Wäre die im November 1943 erfolgte Übergabe des </div> <div class="para">Klägers an die deutschen Behörden tatsächlich strafrechtlich </div> <div class="para">relevant, wären die entsprechenden Taten bei Inkrafttreten </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 75bis StGB</span> am 1. Januar 1983 - analog dem Fall </div> <div class="para">Menten - absolut verjährt gewesen, weshalb der Kläger aus </div> <div class="para">dem Grundsatz, dass bei einer längeren strafrechtlichen Ver- </div> <div class="para">jährung diese auch für den Zivilanspruch gilt, nichts zu </div> <div class="para">seinen Gunsten abzuleiten vermag. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> bb) Diese Regel kann im Übrigen auch nicht, wie von </div> <div class="para">einem Teil der Lehre verallgemeinernd angenommen wird (vgl. </div> <div class="para"> <u>Jost Gross</u>, Staats- und Beamtenhaftung, Rz. 3.22 u. 3.69; </div> <div class="para"> <u>Gadola</u>, a.a.O., S. 52; <u>Rhinow/Krähenmann</u>, Schweizerische </div> <div class="para">Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel/Frankfurt </div> <div class="para">a.M. 1990, Nr. 34 III. b., S. 98), unbesehen auf das Verant- </div> <div class="para">wortlichkeitsrecht des Bundes übertragen werden (vgl. auch: </div> <div class="para"> <u>Jaag</u>, Staats- und Beamtenhaftung, Rz. 168) : Der kausalhaf- </div> <div class="para">tungsrechtliche Anspruch gemäss <span class="artref">Art. 3 und <artref id="CH/170.32/6" type="start"></artref>Art. 6 VG</span><artref id="CH/170.32/3" type="end"></artref> gegen </div> <div class="para">die Eidgenossenschaft ist öffentlichrechtlicher Natur. Das </div> <div class="para">Verantwortlichkeitsgesetz sieht in Art. 23 Abs. 2 zwar vor, </div> <div class="para">dass die vom Strafrecht vorgeschriebene längere Verjährung </div> <div class="para">auch gilt, wenn der Schadenersatzanspruch aus einer straf- </div> <div class="para">baren Handlung herrührt; aus Abs. 1 derselben Bestimmung </div> <div class="para">ergibt sich indessen, dass dies nur für die kurzen Fristen </div> <div class="para">bezüglich des "Schadenersatzanspruchs des Bundes gegenüber </div> <div class="para">einem Beamten aus Amtspflichtverletzungen" im Sinne von </div> <div class="para"><span class="artref"><artref id="CH/170.32/8" type="start"></artref>Art. 8 und 19 VG</span><artref id="CH/170.32/19" type="end"></artref> gelten kann, d.h. für die durch den Beamten </div> <div class="para">dem Bund unmittelbar in vorsätzlicher oder grobfahrlässiger </div> <div class="para">Verletzung seiner Dienstpflicht zugefügten Schäden. <span class="artref">Art. 9 </span></div> <div class="para">Abs. 1 VG erklärt zwar auf die Ansprüche des Bundes gemäss </div> <div class="para">Art. 7 (Rückgriff auf den Beamten) und Art. 8 (unmittelbare </div> <div class="para">Haftung des Beamten dem Bund gegenüber) die Bestimmungen des </div> <div class="para">Obligationenrechts über die Entstehung von Obligationen </div> <div class="para">durch unerlaubte Handlungen sinngemäss anwendbar, dabei geht </div> <div class="para">es aber gerade nicht - wie hier - um die kausalhaftungs- </div> <div class="para">rechtlichen Ansprüche von Dritten gegen den Bund. Die ent- </div> <div class="para">sprechende öffentlichrechtliche Verwirkungsregelung im Ver- </div> <div class="para">antwortlichkeitsgesetz gilt abschliessend; für eine ergän- </div> <div class="para">zende Anwendung von <span class="artref">Art. 60 OR</span> bleibt kein Raum. Das Ver- </div> <div class="para">antwortlichkeitsgesetz enthält insofern ein qualifiziertes </div> <div class="para">Schweigen, wäre doch nicht einzusehen, weshalb der Gesetzge- </div> <div class="para">ber bezüglich der Ansprüche des Bundes gegen den Beamten die </div> <div class="para">Frage ausdrücklich geregelt, hingegen dieselbe Problematik </div> <div class="para">für Ansprüche seitens Dritter gegen den Bund offen gelassen </div> <div class="para">haben sollte. Hätte er die Regelung von <span class="artref">Art. 60 Abs. 2 OR</span> </div> <div class="para">auch auf diese Fälle anwendbar erklären wollen, hätte ein </div> <div class="para">allgemeiner Verweis auf <span class="artref">Art. 60 OR</span> genügt. Seine detaillier- </div> <div class="para">te Regelung für die Haftung des Beamten als natürliche Per- </div> <div class="para">son macht nur Sinn, wenn sie für die kausale Staatshaftung </div> <div class="para">gerade nicht in dieser Weise gelten soll (vgl. <u>Jaag</u>, Staats- </div> <div class="para">und Beamtenhaftung, Rz. 168). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Schliesslich kann - entgegen den Einwänden des </div> <div class="para">Klägers - auch nicht davon ausgegangen werden, dass sich der </div> <div class="para">Beamte, welcher den Kläger 1943 androhungsgemäss den deut- </div> <div class="para">schen Behörden übergeben hat (bzw. allenfalls indirekt die </div> <div class="para">Beklagte mit ihrer Gesetzgebung), durch Beihilfe zum Völker- </div> <div class="para">mord, zu Kriegsverbrechen oder zu einem Genozid straf- bzw. </div> <div class="para">haftbar gemacht hat, was nach dem damals geltenden Recht zu </div> <div class="para">beurteilen ist (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F92-I-516%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page516">BGE 92 I 516</a> E. 4 S. 523 und <u>Arthur</u> </div> <div class="para"> <u>Kaufmann</u>, "Die Radbruchsche Formel vom gesetzlichen Unrecht </div> <div class="para">und vom übergesetzlichen Recht in der Diskussion um das im </div> <div class="para">Namen der DDR begangene Unrecht, in: Neue Juristische Wochen- </div> <div class="para">schrift, 1995/2 S. 81 ff., insbesondere S. 86; siehe zu den </div> <div class="para">damaligen rechtlichen Grundlagen vertiefend die Darstellung </div> <div class="para">von <u>Walter Kälin</u>, Rechtliche Aspekte der schweizerischen </div> <div class="para">Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg, Beiheft zum Bericht </div> <div class="para">"Die Schweiz und die Flüchtlinge zur Zeit des Nationalsozia- </div> <div class="para">lismus", Bern 1999; im Folgenden zitiert als <u>Kälin</u>, Rechtli- </div> <div class="para">che Aspekte, sowie den bereits erwähnten Bericht von <u>Carl</u> </div> <div class="para"> <u>Ludwig</u>, Die Flüchtlingspolitik der Schweiz seit 1933 bis zur </div> <div class="para">Gegenwart, Bern 1957) : </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> aa) Auf den 1. Januar 1934 trat das gestützt auf </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 69ter BV</span> erlassene Bundesgesetz vom 26. März 1931 über </div> <div class="para">Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer in Kraft (ANAG; </div> <div class="para">BS 1 121 ff.). Dessen Art. 21 sah vor, dass der Bundesrat </div> <div class="para">einem Ausländer, dem eine Bewilligung verweigert wurde und </div> <div class="para">der glaubhaft machte, dass er Zuflucht vor politischer Ver- </div> <div class="para">folgung suchte, Asyl in Form einer Toleranzbewilligung ge- </div> <div class="para">währen konnte, indem er einen Kanton zur Duldung des Betrof- </div> <div class="para">fenen verpflichtete. <span class="artref">Art. 7 Abs. 3 ANAG</span> erlaubte, die Dul- </div> <div class="para">dung von Emigranten und politischen Flüchtlingen mit Aufla- </div> <div class="para">gen zu versehen; <span class="artref">Art. 14 Abs. 2 ANAG</span> gestattete, sie zu in- </div> <div class="para">ternieren, soweit ihnen weder der Bund noch ein Kanton eine </div> <div class="para">Toleranzbewilligung zusprach ( <u>Kälin</u>, Rechtliche Aspekte, </div> <div class="para">S. 121). Eine Rechtspflicht zur Asylgewährung bestand weder </div> <div class="para">gestützt auf das nationale noch auf das internationale </div> <div class="para">Recht. Das Asylrecht bildete in der umstrittenen Periode in </div> <div class="para">erster Linie ein Recht des einzelnen Staates, Flüchtlinge </div> <div class="para">aufzunehmen oder zurückzuweisen ( <u>Alberto Achermann/Christina</u> </div> <div class="para"> <u>Hausamman</u>, Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl., Bern 1991, </div> <div class="para">S. 27 u. 39; <u>Walter Kälin</u>, Grundriss des Asylverfahrens, </div> <div class="para">Basel/Frankfurt a.M. 1990, S. 1 ff.; " <u>Bergier"-Bericht</u>, </div> <div class="para">S. 44 ff.; <u>Ludwig</u>, a.a.O., S. 21; <u>Koller</u>, a.a.O., S. 23; </div> <div class="para"> <u>Bonjour</u>, a.a.O., S. 38); die Schweiz war im fraglichen Zeit- </div> <div class="para">punkt an keine internationale Konvention gebunden, die dies- </div> <div class="para">bezüglich ihren Spielraum eingeschränkt und sie gezwungen </div> <div class="para">hätte, innerstaatlich einen über den in <span class="artref">Art. 21 ANAG</span> - aus- </div> <div class="para">lieferungsrechtlich geprägten ( <u>Kälin</u>, Rechtliche Aspekte, </div> <div class="para">S. 23 ff.) - hinausgehenden Flüchtlingsbegriff zu verwenden; </div> <div class="para">dies auch wenn andernorts bereits eine grosszügigere Praxis </div> <div class="para">bestanden haben sollte ( <u>Kälin</u>, Rechtliche Aspekte, S. 49). </div> <div class="para">Angesichts der fallbezogenen Vorgehensweise und der Ad-hoc- </div> <div class="para">Lösungen des Völkerbunds existierte noch kein gewohnheits- </div> <div class="para">rechtlicher Flüchtlingsbegriff ( <u>Kälin</u>, Rechtliche Aspekte, </div> <div class="para">S. 50). Juden aus Deutschland, welche früher die Staatsan- </div> <div class="para">gehörigkeit dieses Landes besessen hatten, wurden zwar von </div> <div class="para">der provisorischen Übereinkunft vom 4. Juli 1936 betreffend </div> <div class="para">die Rechtsstellung der Flüchtlinge aus Deutschland erfasst </div> <div class="para">(" <u>Bergier"-Bericht</u>, S. 134; zu deren Inhalt: <u>Kälin</u>, Recht- </div> <div class="para">liche Aspekte, S. 37 f.), doch galt diese gerade nicht für </div> <div class="para">die von Deutschland besetzten Gebiete, weshalb insofern </div> <div class="para">ebenfalls keine Verpflichtungen bestanden ( <u>Kälin</u>, Rechtliche </div> <div class="para">Aspekte, S. 50). </div> <div class="para"> bb) Die Freiheit des Staates im Asylbereich ist </div> <div class="para">durch das völkerrechtliche Rückschiebeverbot begrenzt. Nach </div> <div class="para">Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstel- </div> <div class="para">lung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention; SR 0.142.30, </div> <div class="para">für die Schweiz am 21. April 1955 in Kraft getreten) darf </div> <div class="para">kein vertragsschliessender Staat einen Flüchtling in irgend- </div> <div class="para">einer Form in das Gebiet eines Landes ausweisen oder zurück- </div> <div class="para">stellen, wo sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner </div> <div class="para">Rasse, Religion, Staatszugehörigkeit, seiner Zugehörigkeit </div> <div class="para">zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen </div> <div class="para">Anschauungen gefährdet wäre (Ziff. 1). Art. 3 der Konvention </div> <div class="para">vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grund- </div> <div class="para">freiheiten (EMRK; SR 0.101, für die Schweiz am 28. November </div> <div class="para">1974 in Kraft getreten) bestimmt seinerseits, dass niemand </div> <div class="para">der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe </div> <div class="para">oder Behandlung unterworfen werden darf (vgl. diesbezüglich </div> <div class="para">auch Art. 7 des Internationalen Paktes vom 16. Dezember 1966 </div> <div class="para">über bürgerliche und politische Rechte; SR 0.103.2, für die </div> <div class="para">Schweiz am 18. September 1992 in Kraft getreten; grundlegend </div> <div class="para">zu den entsprechenden Bestimmungen: <u>Thomas Hartl</u>, Das völ- </div> <div class="para">kerrechtliche Refoulementverbot abseits der Genfer Flücht- </div> <div class="para">lingskonvention, Frankfurt a.M. 1999 bzw. <u>Achermann/Caroni/</u> </div> <div class="para"> <u>Kälin</u>, Die Bedeutung des UNO-Paktes über bürgerliche und po- </div> <div class="para">litische Rechte für das schweizerische Recht, in: <u>Kälin/</u> </div> <div class="para"> <u>Malinverni/Novak</u>, Die Schweiz und die UNO-Menschenrechts- </div> <div class="para">pakte, 2. Aufl., Basel 1997, S. 165 ff.). Bei diesen Normen, </div> <div class="para">die ein subjektives Menschenrecht verkörpern (vgl. <u>Walter</u> </div> <div class="para"> <u>Kälin</u>, Das Prinzip des Non-Refoulement. Das Verbot der Zu- </div> <div class="para">rückweisung, Ausweisung und Auslieferung von Flüchtlingen in </div> <div class="para">den Verfolgerstaat im Völkerrecht und im schweizerischen </div> <div class="para">Landesrecht, Diss. Bern 1982, S. 13 ff.; im Weitern zitiert </div> <div class="para">als <u>Kälin</u>, Das Prinzip des Non-Refoulement), handelt es sich </div> <div class="para">indessen um heutiges Recht, das sich aus den Erfahrungen der </div> <div class="para">Kriegszeit heraus entwickelt hat. Zum hier relevanten Zeit- </div> <div class="para">punkt wurde das Prinzip des Rückschiebeverbots im Wesentli- </div> <div class="para">chen noch rein völkerrechtlich verstanden, d.h. als </div> <div class="para">Rechtsregel im zwischenstaatlichen Verkehr und bloss ansatz- </div> <div class="para">weise menschenrechtlich als ein individueller Rechtsan- </div> <div class="para">spruch. Das Prinzip des Non-Refoulement stellte zudem kein </div> <div class="para">zwingendes völkerrechtliches Gewohnheitsrecht dar (vgl. </div> <div class="para"> <u>Kälin</u>, Das Prinzip des Non-Refoulement, S. 72; <u>D. Vagts</u>, </div> <div class="para">Editorial Comment: Switzerland, International Law and World </div> <div class="para">War II, in: American Journal of International Law, 91/1997 </div> <div class="para">S. 471 f.; <u>G. Goodwin-Gill</u>, The Refugee in international </div> <div class="para">Law, 2. Aufl., Oxford 1996, S. 167; <u>Guido Poulin</u>, Le pro- </div> <div class="para">blème des réfugiés, in: Schweizerisches Jahrbuch des Inter- </div> <div class="para">nationalen Rechts 1946 III S. 117), sondern galt nur, soweit </div> <div class="para">die einzelnen Staaten entsprechende Verpflichtungen völker- </div> <div class="para">vertragsrechtlich übernommen hatten ( <u>Gunnel Stenberg</u>, Non- </div> <div class="para">Expulsion and Non-Refoulement, The Prohibition against Re- </div> <div class="para">moval of Refugees with Special Reference to Articles 32 and </div> <div class="para">33 of the 1951 Convention relating to the Statutes of Refu- </div> <div class="para">gees, Uppsala 1989, S. 45). Soweit die Schweiz Flüchtlinge </div> <div class="para">aus Deutschland an der Grenze (inklusive des grenznahen </div> <div class="para">Raums) abwies und nach Deutschland zurück verbrachte, ver- </div> <div class="para">letzte sie keine damaligen völkerrechtlichen Bestimmungen </div> <div class="para">zum Schutze der Flüchtlinge. Dasselbe gilt für die Rück- </div> <div class="para">schiebung und Abweisung von Flüchtlingen aus anderen Län- </div> <div class="para">dern, wie hier aus Frankreich (so <u>Kälin</u>, Rechtliche Aspekte, </div> <div class="para">S. 91). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> cc) Die Flüchtlings- und Asylpolitik der Schweiz </div> <div class="para">während des Zweiten Weltkriegs beruhte auf einer Vielzahl </div> <div class="para">bundesrätlicher Beschlüsse und Verordnungen sowie darauf ge- </div> <div class="para">stützter Kreisschreiben. Rechtsgrundlage dafür war der so </div> <div class="para">genannte Vollmachtenbeschluss vom 30. August 1939 (Bundes- </div> <div class="para">beschluss über Massnahmen zum Schutze des Landes und zur </div> <div class="para">Aufrechterhaltung der Neutralität vom 30. August 1939; </div> <div class="para">BBl 1939 II 216), worin die Bundesversammlung dem Bundesrat </div> <div class="para">weitreichende Befugnisse übertrug, die ihn berechtigten, von </div> <div class="para">der Bundesverfassung abzuweichen (vgl. die Analyse bei </div> <div class="para"> <u>Kälin</u>, Rechtliche Aspekte, S. 100 ff. und insbesondere </div> <div class="para">S. 112 ff.). Das Parlament erteilte dem Bundesrat darin in </div> <div class="para">extrakonstitutionellem Kriegsnotrecht "Vollmacht und Auf- </div> <div class="para">trag, die zur Behauptung der Sicherheit, Unabhängigkeit und </div> <div class="para">Neutralität der Schweiz, zur Wahrung des Kredites und der </div> <div class="para">wirtschaftlichen Interessen des Landes und zur Sicherung des </div> <div class="para">Lebensunterhaltes erforderlichen Massnahmen zu treffen" </div> <div class="para">(Art. 3). Der Bundesrat hatte der Bundesversammlung halb- </div> <div class="para">jährlich "über die von ihm in Ausführung dieses Beschlusses </div> <div class="para">getroffenen Massnahmen Bericht zu erstatten", worauf sie zu </div> <div class="para">entscheiden hatte, "ob diese Massnahmen weiter in Kraft </div> <div class="para">bleiben sollen" (Art. 5 des Beschlusses). Dieses Vorgehen </div> <div class="para">war als solches nicht völkerrechtswidrig. Die Derogations- </div> <div class="para">klauseln der nach dem Zweiten Weltkrieg erarbeiteten Men- </div> <div class="para">schenrechtsverträge lassen sich schon aus zeitlichen Gründen </div> <div class="para">für die Beurteilung des Vollmachtenbeschlusses von 1939 und </div> <div class="para">das darauf gestützte Notrecht nicht heranziehen; zudem exis- </div> <div class="para">tierten Menschenrechte als juristisches Konzept im damaligen </div> <div class="para">Völkerrecht erst ansatzweise (vgl. <u>Walter Kälin</u>, Die Allge- </div> <div class="para">meine Erklärung der Menschenrechte: Eine Kopernikanische </div> <div class="para">Wende im Völkerrecht?, in: <u>Amnesty International</u>, Menschen- </div> <div class="para">rechte im Umbruch: 50 Jahre Allgemeine Erklärung der Men- </div> <div class="para">schenrechte, Neuwied 1998, S. 7 ff., mit weiteren Hinweisen; </div> <div class="para"> <u>derselbe</u>, Rechtliche Aspekte, S. 183). Die Derogationsklau- </div> <div class="para">seln in den wichtigsten Menschenrechtskonventionen belegen, </div> <div class="para">dass auch dem heutigen Völkerrecht der Gedanke nicht fremd </div> <div class="para">ist, dass ein Staatsnotstand unter gewissen Voraussetzungen </div> <div class="para">das Zurückdrängen individueller Positionen zu rechtfertigen </div> <div class="para">vermag ( <u>Kälin</u>, Rechtliche Aspekte, S. 117). Eine solche Si- </div> <div class="para">tuation war während des Zweiten Weltkriegs für die Schweiz, </div> <div class="para">welche 1942 von den Kriegsparteien umschlossen war und eine </div> <div class="para">Invasion deutscher Truppen nicht ausschliessen konnte, aus </div> <div class="para">der damaligen Sicht grundsätzlich gegeben ( <u>Bonjour</u>, a.a.O., </div> <div class="para">S. 13, 22, 40; <u>Hans Senn</u>, "Ich war dabei, habe nachgeforscht </div> <div class="para">und nachgedacht", in: "...denn es ist alles wahr", Erinne- </div> <div class="para">rungen und Geschichte 1939-1999, Bundesarchiv Dossier 11, </div> <div class="para">S. 121 f.; <u>Cattani</u>, a.a.O., S. 8, 24 ff.; differenzierend </div> <div class="para"> <u>Kreis</u>, Zwischen humanitärer Mission und inhumaner Tradition, </div> <div class="para">S. 132 ff.), selbst wenn sich nachträglich eine andere Beur- </div> <div class="para">teilung aufdrängen sollte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> dd) Am 4. August 1942 stellte der Bundesrat mit </div> <div class="para">Blick auf die Zunahme des Flüchtlingsstroms aus den be- </div> <div class="para">setzten Gebieten gestützt auf seine Vollmachtenbefugnisse </div> <div class="para">fest (zitiert nach <u>Ludwig</u>, a.a.O., S. 204) : </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> "1. Art. 9 des BRB über Änderungen der fremdenpoli- </div> <div class="para"> zeilichen Regelung vom 17. Oktober 1939 sieht vor, </div> <div class="para"> dass die Kantone Ausländer, die rechtswidrig in die </div> <div class="para"> Schweiz kommen, ohne weiteres auszuschaffen haben </div> <div class="para"> in das Land, aus dem sie gekommen sind oder dem sie </div> <div class="para"> angehören. Die Polizeiabteilung des Eidgenössischen </div> <div class="para"> Justiz- und Polizeidepartementes, der die Fälle un- </div> <div class="para"> erlaubter Einreise von Ausländern in der Regel un- </div> <div class="para"> terbreitet werden, hat aus Gründen der Menschlich- </div> <div class="para"> keit sowie aus aussen- und innenpolitischen Erwä- </div> <div class="para"> gungen immer mehr von der Rückweisung rechtswidrig </div> <div class="para"> eingereister ausländischer Flüchtlinge abgesehen </div> <div class="para"> und deren Aufnahme (mit Internierung) angeordnet, </div> <div class="para"> so dass der erwähnte Art. 9 schliesslich nur noch </div> <div class="para"> ausnahmsweise angewandt wurde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2. Der Zustrom fremder Zivilflüchtlinge ist nun </div> <div class="para"> aber festgestelltermassen mehr und mehr organi- </div> <div class="para"> siert, wird von gewerbsmässigen 'Passeurs' geför- </div> <div class="para"> dert und hat in den letzten Monaten ein Ausmass und </div> <div class="para"> einen Charakter angenommen, dass eine wieder stren- </div> <div class="para"> gere Anwendung des Art. 9 des BRB vom 7. Oktober </div> <div class="para"> 1939 geboten ist, künftig also in vermehrtem Masse </div> <div class="para"> Rückweisungen von ausländischen Zivilflüchtlingen </div> <div class="para"> stattfinden müssen, auch wenn den davon betroffenen </div> <div class="para"> Ausländern daraus ernsthafte Nachteile (Gefahr für </div> <div class="para"> Leib und Leben) erwachsen können". </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Nach einem erneuten Anwachsen der Flüchtlingszahlen </div> <div class="para">im Dezember 1942 erliess die Polizeiabteilung des Eidgenös- </div> <div class="para">sischen Justiz- und Polizeidepartements mit Zustimmung des </div> <div class="para">Bundesrats am 29. Dezember 1942 folgende Weisung (zitiert </div> <div class="para">nach <u>Ludwig</u>, a.a.O., S. 229 f.) : </div> <div class="para">I. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.Ausländer, die beim illegalen Überschreiten der </div> <div class="para"> Grenze oder unmittelbar nachher in der Grenzgegend </div> <div class="para"> von Grenzwacht- oder Polizeiorganen angehalten wer- </div> <div class="para"> den, sind von diesen über die Grenze zurückzuwei- </div> <div class="para"> sen. Nicht zurückzuweisen sind Ausländer der in Ab- </div> <div class="para"> schnitt II aufgezählten Kategorien. Als Grenzgegend </div> <div class="para"> im Sinne dieser Weisung ist ein Gebietsstreifen von </div> <div class="para"> etwa 10-12 km der Grenze entlang zu betrachten. Da- </div> <div class="para"> zu gehören somit beispielsweise der ganze Kanton </div> <div class="para"> Genf, der Teil des Kantons Wallis westlich Martigny </div> <div class="para"> (inkl.), der Pruntruter Zipfel, der ganze Kanton </div> <div class="para"> Schaffhausen, das sanktgallische Rheintal usw. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.Die Rückweisung hat sofort und ohne weiteres zu </div> <div class="para"> erfolgen, es sei denn, die Zeit- oder Witterungs- </div> <div class="para"> verhältnisse oder der körperliche Zustand des </div> <div class="para"> Flüchtlings lassen einen Aufschub von einigen Stun- </div> <div class="para"> den geboten erscheinen; wenn nötig sind die Flücht- </div> <div class="para"> linge, soweit es nach den Umständen möglich ist, zu </div> <div class="para"> verpflegen. </div> <div class="para"> Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass </div> <div class="para"> Flüchtlinge, die zurückgewiesen werden müssen, mit </div> <div class="para"> niemandem (Verwandten, Bekannten, Anwälten, Ge- </div> <div class="para"> sandtschaften, Konsulaten, Flüchtlingsorganisatio- </div> <div class="para"> nen usw.) direkt oder indirekt (namentlich telepho- </div> <div class="para"> nisch) Fühlung nehmen können. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.Die Rückweisung hat grundsätzlich so zu gesche- </div> <div class="para"> hen, dass dem Flüchtling Gelegenheit geboten wird, </div> <div class="para"> in gleicher Weise und möglichst am selben Ort über </div> <div class="para"> die Grenze zurückzugehen, wie und wo er gekommen </div> <div class="para"> ist. Wenn das aus technischen Gründen nicht mehr </div> <div class="para"> durchführbar ist, sind die Flüchtlinge den auslän- </div> <div class="para"> dischen Grenzorganen zu übergeben. Ebenso ist zu </div> <div class="para"> verfahren, wenn sich die Flüchtlinge auch nach An- </div> <div class="para"> drohung der Übergabe an die ausländischen Grenzor- </div> <div class="para"> gane der Rückweisung widersetzen. Bei jeder Rück- </div> <div class="para"> weisung ist die Übergabe an die ausländischen </div> <div class="para"> Grenzorgane anzudrohen für den Fall nochmaliger un- </div> <div class="para"> erlaubter Einreise. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.Über die Rückweisung ist auf dem Dienstweg an </div> <div class="para"> die Polizeiabteilung eine kurze Meldung zu erstat- </div> <div class="para"> ten, diese soll Namen, Vornamen, Geburtsdatum, Na- </div> <div class="para"> tionalität, Konfession (ob Israelit) des Flücht- </div> <div class="para"> lings sowie Ort und Zeit des Grenzübertrittes und </div> <div class="para"> der Rückweisung enthalten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Nicht zurückzuweisen, sondern dem Polizeioffizier </div> <div class="para"> des zuständigen Territorialkommandos zu melden und </div> <div class="para"> zur Verfügung zu halten sind: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> [...] </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.Ausländer, die sich bei der ersten Befragung so- </div> <div class="para"> fort von sich aus ausdrücklich als politische </div> <div class="para"> Flüchtlinge erklären und diese Behauptung glaubhaft </div> <div class="para"> machen. </div> <div class="para"> Politischer Flüchtling im Sinne dieser Weisung </div> <div class="para"> ist nicht schon derjenige, der gesinnungsmässig mit </div> <div class="para"> dem politischen Regime seines Heimat- bzw. Her- </div> <div class="para"> kunftsstaates nicht übereinstimmt, sondern nur der- </div> <div class="para"> jenige, der wegen dieser Gesinnung oder entspre- </div> <div class="para"> chender politischer Tätigkeit im Heimat- bzw. Her- </div> <div class="para"> kunftsstaat persönlich gesucht oder sonstwie ver- </div> <div class="para"> folgt wird. Beispiele: Der Franzose, der sich als </div> <div class="para"> Anhänger de Gaulles erklärt, ist deswegen noch </div> <div class="para"> nicht als politischer Flüchtling zu betrachten, </div> <div class="para"> sondern nur, wenn er glaubhaft macht, dass seine </div> <div class="para"> politische Einstellung den Behörden bekanntgeworden </div> <div class="para"> ist und er deswegen oder wegen aktiver gaullisti- </div> <div class="para"> scher Umtriebe persönlich verfolgt wird; der </div> <div class="para"> Deutsche ist nicht schon deshalb als politischer </div> <div class="para"> Flüchtling zu betrachten, weil er seinerzeit So- </div> <div class="para"> zialdemokrat oder Gewerkschafter war, sondern nur, </div> <div class="para"> wenn er glaubhaft macht, dass er heute wegen re- </div> <div class="para"> gimefeindlicher Gesinnung oder Umtriebe persönlich </div> <div class="para"> verfolgt wird. </div> <div class="para"> Franzosen, die zur Arbeitsleistung in Deutsch- </div> <div class="para"> land verpflichtet worden sind und sich dem durch </div> <div class="para"> Übertritt in die Schweiz zu entziehen suchen, sind </div> <div class="para"> aus diesem Grund allein noch nicht als politische </div> <div class="para"> Flüchtlinge im Sinne dieser Weisungen zu betrachten </div> <div class="para"> und sind daher über die Grenze zurückzuweisen. Das- </div> <div class="para"> selbe gilt für andere ausländische zivile Arbeits- </div> <div class="para"> kräfte, die freiwillig oder zwangsweise zur Arbeit </div> <div class="para"> in Deutschland eingesetzt worden sind. </div> <div class="para"> Flüchtlinge nur aus Gründen der Rassenverfolgung </div> <div class="para"> sind nicht als politische Flüchtlinge im Sinne die- </div> <div class="para"> ser Weisung zu betrachten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3. Härtefälle: </div> <div class="para"> a. offenbar kranke Personen und schwangere </div> <div class="para"> Frauen, </div> <div class="para"> b. Flüchtlinge im Alter von über 65 Jahren; Ehe- </div> <div class="para"> gatten, wenn wenigstens einer 65 Jahre alt </div> <div class="para"> ist, </div> <div class="para"> c. alleinreisende Kinder unter 16 Jahren, </div> <div class="para"> d. Eltern mit eigenen Kindern bis zu 6 Jahren; </div> <div class="para"> Eltern mit mehreren eigenen Kindern, wenn we- </div> <div class="para"> nigstens eines von diesen 6 Jahre alt oder </div> <div class="para"> jünger ist, </div> <div class="para"> e. Flüchtlinge, die sofort geltend machen, dass </div> <div class="para"> sich Ehegatte, Eltern oder eigene Kinder in </div> <div class="para"> der Schweiz befinden, ferner gebürtige </div> <div class="para"> Schweizerinnen und ihr Ehegatte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> [...] </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5. Ausländer, die auf einer den Grenzbehörden über- </div> <div class="para"> mittelten Liste von Personen stehen, die im Fall </div> <div class="para"> einer heimlichen Einreise nicht zurückzuweisen </div> <div class="para"> sind." </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> ee) Der Kläger ist gestützt auf diese Regelung an </div> <div class="para">der Grenze ein erstes Mal zurückgewiesen worden, wobei ihm </div> <div class="para">mitgeteilt wurde, dass er im Wiederholungsfall an die deut- </div> <div class="para">schen Grenzbehörden übergeben würde, was in der Folge ge- </div> <div class="para">schah. Ob die vom handelnden Beamten bzw. Grenzwächter voll- </div> <div class="para">zogenen Weisungen aus heutiger Sicht weiter gingen, als an- </div> <div class="para">gesichts der damaligen kriegsbedingten Verhältnisse in sach- </div> <div class="para">licher und zeitlicher Hinsicht erforderlich war, bzw. ob sie </div> <div class="para">an sachfremde Kriterien anknüpften und insofern auch den </div> <div class="para">Massstäben des damaligen Notrechts nicht zu genügen vermoch- </div> <div class="para">ten (vgl. <u>Kälin</u>, Rechtliche Aspekte, S. 119 ff.), was den </div> <div class="para">Wegweisungsakt und die Übergabe an die deutschen Grenzorgane </div> <div class="para">allenfalls als widerrechtlich im Sinne von <span class="artref">Art. 6 Abs. 2 VG</span> </div> <div class="para">erscheinen liesse, braucht hier nicht abschliessend geklärt </div> <div class="para">zu werden. Ebenso wenig ist der Problematik nachzugehen, ob </div> <div class="para">der bei der Übergabe des Klägers an die deutschen Behörden </div> <div class="para">an sich im Rahmen seiner Amtspflicht handelnde Grenzwächter </div> <div class="para">seinerseits insofern unverhältnismässig vorgegangen ist, als </div> <div class="para">er den Kläger offenbar nicht nur den deutschen Behörden </div> <div class="para">überstellte, sondern diesen auch noch seine echten Reise- </div> <div class="para">papiere aushändigte, die ihn als Juden auswiesen. Eine "ein- </div> <div class="para">fache" allfällige Rechtswidrigkeit der von der Beklagten zu </div> <div class="para">verantwortenden Handlungen ihrer Beamten oder Magistratsper- </div> <div class="para">sonen allein lässt die Verwirkung nicht dahin fallen; nur </div> <div class="para">wenn darin tatsächlich eine Beihilfe zum Völkermord, zu </div> <div class="para">Kriegsverbrechen oder zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit </div> <div class="para">zu sehen wäre, könnte sich die Frage einer dem nationalen </div> <div class="para">Recht allenfalls vorgehenden Unverwirkbarkeit des geltend </div> <div class="para">gemachten Genugtuungsanspruchs überhaupt stellen, wobei </div> <div class="para">zweifelhaft bliebe, ob völkerrechtlich ein einzelnes Indivi- </div> <div class="para">duum - ausserhalb des nationalen Staatshaftungsrechts - sich </div> <div class="para">hierauf berufen könnte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Auf jeden Fall kann das damalige Verhalten der </div> <div class="para">schweizerischen Behörden nicht als Teilnahme an einem Geno- </div> <div class="para">zid qualifiziert werden: Die Schweiz war im Zweiten Welt- </div> <div class="para">krieg nicht Kriegspartei. Ihre Staatsangehörigen konnten so- </div> <div class="para">mit grundsätzlich keine Kriegsverbrechen, auch nicht in der </div> <div class="para">Form der Gehilfenschaft, begehen. Zwar ist die Genozid-Kon- </div> <div class="para">vention vom 9. Dezember 1948 nicht auf Taten im Rahmen be- </div> <div class="para">waffneter Konflikte beschränkt und Völkermord auch dann </div> <div class="para">strafbar, wenn er in Friedenszeiten begangen wird (vgl. die </div> <div class="para">Botschaft des Bundesrates vom 31. März 1999 betreffend das </div> <div class="para">Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völker- </div> <div class="para">mordes sowie die entsprechende Revision des Strafrechts, </div> <div class="para">BBl 1999 S. 5333 und 5359, Art. I), doch gilt dieses Über- </div> <div class="para">einkommen für die Schweiz noch nicht; es geht im Übrigen </div> <div class="para">seinerseits gerade weitgehend auf die Erfahrungen im Zweiten </div> <div class="para">Weltkrieg zurück (zur geschichtlichen Entwicklung des völ- </div> <div class="para">kerrechtlichen Strafrechts und des humanitären Völkerrechts: </div> <div class="para"> <u>Astrid Becker</u>, Der Tatbestand des Verbrechens gegen die Men- </div> <div class="para">schlichkeit, Berlin 1996, S. 35 ff.; BBl 1999 S. 5329 ff.). </div> <div class="para">Auch nach schweizerischer Auffassung zählt das Verbot des </div> <div class="para">Völkermords zwar zum zwingenden Völkergewohnheitsrecht mit </div> <div class="para">Wirkung "erga omnes" (BBl 1999 S. 5332, mit weitern Hinwei- </div> <div class="para">sen), doch lag hier, auch wenn Hinweise für eine andere </div> <div class="para">Rechtswidrigkeit des Verhaltens der Grenzbeamten bestehen </div> <div class="para">könnten, keine entsprechende verpönte, von der Beklagten zu </div> <div class="para">vertretende Tat vor. Nach dem Statut des Internationalen </div> <div class="para">Militärgerichts in Nürnberg vom 8. August 1945 sowie den Re- </div> <div class="para">solutionen 3 (I) und 95 (I) der Vereinten Nationen (UNO) </div> <div class="para">vom 13. Februar und 11. Dezember 1946 gelten als Kriegs- </div> <div class="para">verbrechen insbesondere die "schweren Delikte", die in den </div> <div class="para">Genfer Übereinkommen vom 12. August 1949 zum Schutze der </div> <div class="para">Kriegsopfer aufgezählt sind. Als solche nennen das Genfer </div> <div class="para">Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und </div> <div class="para">Kranken der bewaffneten Kräfte im Felde (SR 0.518.12; </div> <div class="para">Art. 50), das Abkommen zur Verbesserung des Loses der Ver- </div> <div class="para">wundeten, Kranken und Schiffbrüchigen der bewaffneten Kräfte </div> <div class="para">zur See (SR 0.518.23; Art. 51), das Abkommen über die Be- </div> <div class="para">handlung der Kriegsgefangenen (SR 0.518.42; Art. 130) und </div> <div class="para">das Abkommen über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegs- </div> <div class="para">zeiten (SR 0.518.51; Art. 147) übereinstimmend: Mord, Fol- </div> <div class="para">terung, unmenschliche Behandlung einschliesslich biologi- </div> <div class="para">scher Experimente, vorsätzliche Verursachung grosser Leiden </div> <div class="para">oder schwere Beeinträchtigung der körperlichen Integrität </div> <div class="para">oder Gesundheit und die Zerstörung oder Aneignung von Gut, </div> <div class="para">die nicht durch militärische Erfordernisse gerechtfertigt </div> <div class="para">sind und in grossem Ausmass auf unerlaubte und willkürliche </div> <div class="para">Weise vorgenommen werden. Die beiden letzten Abkommen führen </div> <div class="para">zusätzlich die ungesetzliche Deportation oder Versetzung, </div> <div class="para">das ungesetzliche Gefangenhalten, die Nötigung einer ge- </div> <div class="para">schützten Person zur Dienstleistung in den bewaffneten Kräf- </div> <div class="para">ten der feindlichen Macht und den Entzug des Anrechts auf </div> <div class="para">ein ordentliches und unparteiisches Gerichtsverfahren an. </div> <div class="para">Die Genozid-Konvention nennt die Ermordung von Mitgliedern </div> <div class="para">einer Bevölkerungsgruppe; die schwere Beeinträchtigung der </div> <div class="para">physischen oder geistigen Integrität von Mitgliedern der </div> <div class="para">Gruppe; die absichtliche Unterwerfung der Gruppe unter </div> <div class="para">Existenzbedingungen, die ihre vollständige oder teilweise </div> <div class="para">Vernichtung zur Folge haben müssen; Massnahmen zur Verhin- </div> <div class="para">derung von Geburten in der Gruppe, sowie die zwangsweise </div> <div class="para">Verbringung von Kindern aus der Gruppe in eine andere. Diese </div> <div class="para">Handlungen werden durch die dabei vorherrschende Absicht, </div> <div class="para">eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe </div> <div class="para">der Bevölkerung ganz oder teilweise zu vernichten, als Ver- </div> <div class="para">brechen gegen die Menschlichkeit qualifiziert (BBl 1977 II </div> <div class="para">1254). Eine solche Absicht - auch lediglich im Sinne eines </div> <div class="para">Beitrags zur Förderung der entsprechenden Politik des Nazi- </div> <div class="para">Regimes - ist bezüglich der damaligen Flüchtlings- und Asyl- </div> <div class="para">politik der Schweiz nicht dargetan und wird auch im Bericht </div> <div class="para">der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz - Zweiter Welt- </div> <div class="para">krieg nicht behauptet (vgl. " <u>Bergier"-Bericht</u>, S. 285). Die </div> <div class="para">Flüchtlingspolitik der Schweiz war in der Zeit ab August 1942 </div> <div class="para">hart, und sie mag aus heutiger Sicht, insbesondere soweit </div> <div class="para">sie die jüdischen Flüchtlinge betraf, als unmenschlich be- </div> <div class="para">zeichnet werden. Aber sie ist aus der damaligen Zeit heraus </div> <div class="para">zu verstehen, als die Schweiz von den Achsenmächten um- </div> <div class="para">schlossen war und sich - nicht zuletzt mit Blick auf inner- </div> <div class="para">staatliche Probleme, etwa der Versorgung des eigenen Volkes </div> <div class="para">mit Lebensmitteln - in einer Situation des Notstands befand </div> <div class="para">oder doch wähnte. Mit der Rückweisung bzw. der Überstellung </div> <div class="para">bei einer erneuten Einreise an die Grenzorgane der Nachbar- </div> <div class="para">staaten nahm die Beklagte im Rahmen des damaligen Völker- </div> <div class="para">rechts ihre territoriale Souveränität wahr (vgl. <u>Kälin</u>, </div> <div class="para">Rechtliche Aspekte, S. 183); mangels des für den Genozid </div> <div class="para">erforderlichen subjektiven Tatbestands, kann von einer Teil- </div> <div class="para">nahmehandlung an den Greueltaten des Nazi-Regimes auch dann </div> <div class="para">nicht die Rede sein, wenn 1942 bereits Kenntnis über die den </div> <div class="para">Juden bei einer Rückweisung allenfalls drohenden Konsequen- </div> <div class="para">zen bestand. Vor allem dem damals handelnden Grenzwächter </div> <div class="para">lässt sich der subjektive Tatbestand einer Beihilfe zum Völ- </div> <div class="para">kermord nicht nachweisen, weshalb nicht weiter darauf einzu- </div> <div class="para">gehen ist, wieweit er über die Konsequenzen, welche den zu- </div> <div class="para">rückgewiesenen jüdischen Flüchtlingen drohten, informiert </div> <div class="para">war (vgl. zur Informationsproblematik während des Aktiv- </div> <div class="para">dienstes: <u>Hans Senn</u>, a.a.O., S. 112; <u>Valérie Boillat</u>, </div> <div class="para">"Enfin, moi je pensais...", Entretien avec Joseph Voyame, </div> <div class="para">in: "...denn es ist alles wahr, S. 138 f.). Die Schweiz </div> <div class="para">wurde für ihre Flüchtlingspolitik kritisiert; seitens der </div> <div class="para">Siegermächte ist aber - soweit ersichtlich - nie der Vorwurf </div> <div class="para">erhoben worden, sie habe damit Beihilfe zu Verbrechen gegen </div> <div class="para">den Frieden, zu Kriegsverbrechen oder zu Verbrechen gegen </div> <div class="para">die Menschlichkeit im Sinne der Nürnberger Grundsätze ge- </div> <div class="para">leistet (vgl. zur Nachkriegszeit: <u>Eduard Zellweger</u>, Die </div> <div class="para">Schweiz und die Nürnberger Grundsätze, in: Die Schweiz - ein </div> <div class="para">nationales Jahrbuch, 21/1950 S. 144 ff.), zumal ihre Politik </div> <div class="para">diesbezüglich derjenigen anderer Staaten entsprach. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>5.- </u> </div> <div class="para"> a) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der vom </div> <div class="para">Kläger geltend gemachte Genugtuungsanspruch als absolut ver- </div> <div class="para">wirkt zu gelten hat, weshalb seine Klage abzuweisen ist, </div> <div class="para">ohne dass auf die weiteren Einwände noch eingegangen werden </div> <div class="para">muss. Es braucht demnach nicht geprüft zu werden, ob der </div> <div class="para">Bundesrat als Kollegialbehörde - unter dem Vollmachtenregime </div> <div class="para">(vgl. zur richterlichen Überprüfbarkeit der von ihm gestützt </div> <div class="para">auf die entsprechende Ermächtigung erlassenen Beschlüsse: </div> <div class="para">BGE 68 II 308 E. 2 S. 317 ff.<span class="artref">; <span class="bgeref_err">78 I 258</span></span> E. 5 S. 263) - über- </div> <div class="para">haupt vom Beamtenbegriff des Art. 3 bzw. 6 Abs. 2 VG erfasst </div> <div class="para">wird (vom Bundesgericht im unveröffentlichten Entscheid vom </div> <div class="para">2. November 1984 i.S. F.D. verneint); dahin gestellt kann </div> <div class="para">auch die Frage bleiben, wieweit eine Staatshaftung für ge- </div> <div class="para">setzgeberische Akte des Parlaments bestehen könnte (vgl. zu </div> <div class="para">dieser Problematik: <u>Tobias Jaag</u>, La responsabilité de l'Etat </div> <div class="para">en tant que législateur en Suisse, in: International </div> <div class="para">Congress of Comparative Law, Rapports suisses présentés au </div> <div class="para">XVème Congrès international de droit comparé, Zürich 1998, </div> <div class="para">S. 255 ff.; <u>derselbe</u>, Staats- und Beamtenhaftung, Rz. 74/75) </div> <div class="para">und ob allenfalls das damals gültige Auslieferungsrecht ver- </div> <div class="para">letzt wurde. Ist der Genugtuungsanspruch nach dem Verant- </div> <div class="para">wortlichkeitsgesetz verwirkt, entfällt auch eine allfällige </div> <div class="para">Haftung direkt gestützt auf Verfassungsrecht für rechtmässi- </div> <div class="para">ges Handeln des Staates (vgl. zur entsprechenden strengen </div> <div class="para">Praxis des Bundesgerichts: <u>Jost Gross</u>, Staats- und Beamten- </div> <div class="para">haftung, Rz. 3.13 bzw. 3.37); der Richter kann mit Blick auf </div> <div class="para">den Legalitätsgrundsatz nicht von den gesetzlichen Verwir- </div> <div class="para">kungs- und Verjährungsfristen absehen und eine Haftung über </div> <div class="para">den Gesetzgeber hinweg statuieren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Es bleibt über die Kosten und die Parteientschä- </div> <div class="para">digungen zu befinden: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> aa) Nach <span class="artref">Art. 156 Abs. 1 OG</span> werden die Gerichts- </div> <div class="para">kosten in der Regel der vor Bundesgericht unterliegenden </div> <div class="para">Partei auferlegt. Dem Bund, der in seinem amtlichen Wir- </div> <div class="para">kungskreis und ohne dass es sich um seine Vermögensinteres- </div> <div class="para">sen handelt, das Bundesgericht in Anspruch nimmt, oder gegen </div> <div class="para">dessen Verfügungen in solchen Angelegenheiten Beschwerde ge- </div> <div class="para">führt worden ist, dürfen in der Regel keine Kosten auferlegt </div> <div class="para">werden (<span class="artref">Art. 156 Abs. 2 OG</span>). Hat keine Partei vollständig </div> <div class="para">obsiegt oder durfte sich die unterliegende Partei in guten </div> <div class="para">Treuen zur Prozessführung veranlasst sehen, können die Kos- </div> <div class="para">ten verhältnismässig verlegt werden (<span class="artref">Art. 156 Abs. 3 OG</span>). </div> <div class="para">Die unterliegende Partei wird im Übrigen in der Regel ver- </div> <div class="para">pflichtet, der obsiegenden alle durch den Rechtsstreit ver- </div> <div class="para">ursachten notwendigen Kosten zu ersetzen, indessen darf im </div> <div class="para">Verfahren der verwaltungsrechtlichen Klage obsiegenden Be- </div> <div class="para">hörden oder mit öffentlichrechtlichen Aufgaben betrauten Or- </div> <div class="para">ganisationen in der Regel keine Parteientschädigung zuge- </div> <div class="para">sprochen werden (<span class="artref">Art. 159 Abs. 2 OG</span>). Fällt der Entscheid </div> <div class="para">nicht ausschliesslich zugunsten einer Partei aus oder durfte </div> <div class="para">sich die unterliegende Partei in guten Treuen zur Prozess- </div> <div class="para">führung veranlasst sehen, so können die Entschädigungen ver- </div> <div class="para">hältnismässig verteilt werden (<span class="artref">Art. 159 Abs. 3 OG</span>). Diese </div> <div class="para">Grundsätze gelten auch im Verfahren der verwaltungsrechtli- </div> <div class="para">chen Klage ( <u>Thomas Hugi Yar</u>, Direktprozesse, in: <u>Geiser/</u> </div> <div class="para"> <u>Münch</u>, Prozessieren vor Bundesgericht, 2. Aufl., Basel/ </div> <div class="para">Frankfurt a.M. 1998, Rz. 7.55). Der Gebühren- und Entschädi- </div> <div class="para">gungsrahmen nach <span class="artref">Art. 153 ff. OG</span> ist sehr flexibel ausge- </div> <div class="para">staltet und räumt dem Gericht einen weiten Ermessensspiel- </div> <div class="para">raum ein ( <u>Thomas Geiser</u>, Grundlagen, in: <u>Geiser/Münch</u>, Pro- </div> <div class="para">zessieren vor Bundesgericht, a.a.O., Rzn. 1.9 ff.). Bei aus- </div> <div class="para">sergewöhnlichen Umständen kann es die obsiegende Partei aus </div> <div class="para">Billigkeitsgründen auch verpflichten, die Kosten der unter- </div> <div class="para">liegenden ganz oder teilweise zu übernehmen (vgl. <u>Jean-</u> </div> <div class="para"> <u>François Poudret</u>, Commentaire de la loi fédérale d'organisa- </div> <div class="para">tion judiciaire, Bd. V, Bern 1992, S. 163, N 4 zu Art. 159). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> bb) Mit Blick auf die aussergewöhnlichen Umstände </div> <div class="para">des vorliegenden Falles (Überstellung des Klägers </div> <div class="para">an die deutschen Behörden unter den beschriebenen Umständen) </div> <div class="para">rechtfertigt es sich, von dieser Möglichkeit hier ausnahms- </div> <div class="para">weise Gebrauch zu machen und damit der menschlichen Tragik </div> <div class="para">nicht nur in Worten Rechnung zu tragen. Der Kläger unter- </div> <div class="para">liegt zwar mit seinem Genugtuungsbegehren vollumfänglich, </div> <div class="para">doch waren die von ihm aufgeworfenen Fragen von grundlegen- </div> <div class="para">der Bedeutung und komplexer Natur, so dass er sich in guten </div> <div class="para">Treuen zur Prozessführung veranlasst sehen durfte; dies umso </div> <div class="para">mehr, als der Bundesrat seinerseits unter Hinweis darauf, </div> <div class="para">dass "es Sache des Bundesgerichts" sein werde, "eine umfas- </div> <div class="para">sende und abschliessende rechtliche Beurteilung vorzuneh- </div> <div class="para">men", ausdrücklich darauf verzichtet hatte, den aufgewor- </div> <div class="para">fenen Fragen im Einzelnen nachzugehen, und sich darauf be- </div> <div class="para">schränkte, zu den "wichtigsten Rechtsfragen" bloss kurz </div> <div class="para">Stellung zu nehmen. Unter diesen Umständen ist weder von der </div> <div class="para">obsiegenden Beklagten noch vom Kläger eine Gerichtsgebühr zu </div> <div class="para">erheben. Der obsiegenden Beklagten ist von Gesetzes wegen </div> <div class="para">keine Parteientschädigung geschuldet (vgl. <span class="artref">Art. 159 </span></div> <div class="para">Abs. 2 OG), hingegen rechtfertigt es sich, dass sie den in </div> <div class="para">guten Treuen Prozess führenden Kläger für das bundesgericht- </div> <div class="para">liche Verfahren angemessen entschädigt. Der Kläger hat eine </div> <div class="para">Genugtuungssumme von Fr. 100'000.-- eingeklagt; bei diesem </div> <div class="para">Streitwert ist eine Entschädigung von bis zu Fr. 30'000.-- </div> <div class="para">vorgesehen (Art. 5 Abs. 1 des Tarifs vom 9. November 1978 </div> <div class="para">über die Entschädigungen an die Gegenpartei für das Verfah- </div> <div class="para">ren vor dem Bundesgericht; SR 173.119.1). Das Bundesgericht </div> <div class="para">kann indessen in Streitsachen, "die aussergewöhnlich viel </div> <div class="para">Arbeit beanspruchten, namentlich bei langwieriger und </div> <div class="para">schwieriger Sammlung oder Zusammenstellung des Beweismate- </div> <div class="para">rials, bei umfangreichem Beweisverfahren oder Aktenmaterial, </div> <div class="para">bei besonders verwickelten tatbeständlichen oder rechtlichen </div> <div class="para">Verhältnissen usw.", in der Bemessung des Honorars über die- </div> <div class="para">sen Ansatz hinausgehen (Art. 7 Abs. 1 des Tarifs). Das Ver- </div> <div class="para">fahren warf heikle Fragen auf, was eine intensive Auseinan- </div> <div class="para">dersetzung mit einer tatbeständlich und rechtlich komplexen </div> <div class="para">Materie nötig machte. Die Beklagte verfügte über ein umfas- </div> <div class="para">sendes Gutachten der Direktion des Völkerrechts, welches </div> <div class="para">seitens des Klägers zeitaufwendige Abklärungen erforderte. </div> <div class="para">Im Übrigen war seine Prozessführung insofern erschwert, als </div> <div class="para">er sich heute in Australien aufhält, was besondere Koordina- </div> <div class="para">tionsprobleme und Reisekosten verursachte. In Abwägung aller </div> <div class="para">Umstände und unter Berücksichtigung, dass der Kläger von An- </div> <div class="para">fang an darauf verzichtet hat, sich an den amerikanischen </div> <div class="para">"Class-Action"-Verfahren zu beteiligen, weshalb er dort, </div> <div class="para">sollten diese zu einem Abschluss kommen, keine Entschädigung </div> <div class="para">erhalten wird, rechtfertigt es sich, die Parteientschädigung </div> <div class="para">für das vorliegende Verfahren auf Fr. 100'000.-- festzule- </div> <div class="para">gen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Bundesgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para"> Die Klage wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> Die Beklagte hat den Kläger für das bundesgericht- </div> <div class="para">liche Verfahren mit Fr. 100'000.-- zu entschädigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para"> Dieses Urteil wird den Parteien schriftlich mitge- </div> <div class="para">teilt. </div> <div class="para">_____________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 21. Januar 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>