Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Juli 2018 (715 17 268 / 172) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selb stverschuldeter Arbeitslosigkeit. Mit Blick auf das der Versicherten vorgeworfene Feh lverhalten steht in casu Aussage gegen Aussage. Dieses kann bei der vorliegenden Aktenlage beweismässig nicht klar auf das Verhalten der Versicherten selbst zurückgeführt werden. Gutheissung der Be- schwerde. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____ war seit dem 1. Mai 2015 im Umfang von 10 0% bzw. seit dem 1. April 2016 im Umfang von 80% bei der B.____ AG als Mitarbeiterin der Klinikreinigung angestellt gewesen. Mit Schreiben vom 23. November 2016 kündigte die Ar beitgeberin das Arbeitsverhältnis per Ende Januar 2017, welches sich wegen einer operativen Hallux-Sanierung und einer in der Fol- ge vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vom 14. Dezember 2016 bis 30. Januar 2017 bis zum 30. April 2017 verlängerte. Am 2. Dezember 2016 meldete sich die Versicherte beim Regi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht onalen Arbeitsvermittlungszentrum Pratteln (RAV) zur Arb eitsvermittlung an und erhob am 7. Dezember 2016 bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung ab 1. Dezember 2016. Mit Verfü gung Nr. 1059 / 2017 vom 31. Mai 2017 stellte die Kasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Mai 2017 für die Dauer von 36 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. D ie hiergegen erhobene Einsprache hiess die Einspracheinstanz des KIGA Baselland, Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Entscheid vom 4. August 2017 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 5. September 2017 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanto nsgericht) und beantragte sinngemäss dessen Aufhebung. Zur Begründung brachte sie im Wesent lichen vor, das ihr zur Last gelegte Fehlverhalten sei unzutreffend. Die Aussagen ihrer ehemaligen Vorgesetzten entsprächen nicht der Wahrheit. Der wahre Kündigungsgrund sei vielmehr d ie Tatsache, dass sie sich einer Hallux-Operation habe unterziehen müssen, was ihre Vorge setzte jedoch nicht interessiert ha- be. Mit ergänzender Eingabe vom 31. Oktober 2017 reich te die Beschwerdeführerin eine Foto- dokumentation betreffend ihre Arbeit ein. Darauf sei ersichtlich, wie sie die Betten habe machen müssen, obschon sie als Reinigungskraft hierfür nicht zuständ ig gewesen sei und täglich mit Chemikalien zu tun gehabt habe. Die ihr zur Last gelegten Aussagen habe sie nie gemacht. C. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Januar 2018 schloss die Kasse auf Abweisung der Beschwerde. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kanton sgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachli ch und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.— durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vorl iegend, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht für die Dauer von 36 Tagen in der Anspruchsberechtigung einge- stellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 140.— beläuft sich der Streitwert somit auf Fr. 5‘040.— (Kassen-Dok 136). Die Angelegenheit ist somit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Kol- ler/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwalt ungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, Rz. 822 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeits- losigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitsl osigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielha ft Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selb stverschuldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Ver- letzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgebe rin Anlass zur Auflösung des Arbeitsver- hältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). D ie Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt kei ne fristlose Auflösung des Arbeitsverhält- nisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obliga- tionenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht unbe- dingt eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten inn erhalb und ausserhalb des Be- triebs berechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urte il des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozia lrechtliche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Dabei müssen nicht zwingend Beanstandungen in beruflicher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweise, dass cha- rakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Ar beitnehmer für den Betrieb als untrag- bar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (BG E 112 V 244, E. 1). Selbstverschulde- te Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt also immer dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objekti ven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009 , 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen, publ. in: ARV 2009 S. 264). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeit seinstellung ohne Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekü rzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 200 0, C 53/00). Aufgrund des grundsätzli- chen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Üb ereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Per- son, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urte il des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 2.4 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit . a AVIV dann anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen muss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der An- spruchsberechtigung erfolgen (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberech- tigung, Zürich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Ju ni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesgericht – unter Hinweis auf den im Strafrecht gel tenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvorsatz und bewusste Fahrlässigkeit auf der Wissensse ite übereinstimmen, indem der betroffenen Person die Möglichkeit des Risikos der Tatbestandsverwirklichung bewusst ist. Wer die Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung erkennt, kan n sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegsetzen, d.h. darauf vertrauen bzw. mit der Einste llung handeln, dass schon nichts pas- sieren werde (bewusste Fahrlässigkeit). Demgegenüber erfordert der Eventualvorsatz, dass der Täter sich für die Tatbestandsverwirklichung entscheidet, sie mithin in Kauf nimmt. Weitestge- hend ausser Frage stehen dürfte das Willenselement nu r, wenn der Betroffene die Tatbe- standsverwirklichung für so naheliegend hält, dass die Bereitschaft, sie als Folge seines Verhal- tens hinzunehmen, vernünftigerweise nicht mehr bezweif elt werden kann; oder wenn sie ihm, im eigentlichen Sinn des Wortes, erwünscht oder recht wa r, wie wohl auch noch im Falle schie- rer Gleichgültigkeit. Als Faustregel gilt: Dass die bet roffene Person die Tatbestandsverwirkli- chung in Kauf genommen hat, liegt grundsätzlich näher , je wahrscheinlicher es ihr erschien, dass sie eintreten könnte, und je weniger sie diese inne rlich ablehnte, bzw. umgekehrt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2008, 8C_50 4/2007, E. 5.4 mit Hinweis). Zu den Umständen, die allenfalls auf eventualvorsätzliches Verhalten schliessen lassen, gehören dabei die Grösse des Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schw ere der Sorgfaltspflichtverlet- zung, die Beweggründe und die Art der Tathandlung. D as Gericht darf vom Wissen der Be- troffenen auf deren Willen schliessen, wenn sich ihm de r Eintritt des Erfolgs als so wahrschein- lich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hin zunehmen, vernünftigerweise nur als Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Was die betroffene Person wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft innere Tatsachen und ist somit eine Tatfrage. Rechtsfrage ist hinge- gen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt er- scheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganze n: Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mi twirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 200 3, S. 446 f., 489 f.; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1978, S. 135). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bundesge- richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die ob ligatorische Arbeitslosenversi- cherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 1998, S. 77). Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sach- verhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 12 5 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die A nwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00 , E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last g elegte Verhalten in beweismäs- siger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellun g ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. O ktober 2002, C 392/00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV N r. 72 S. 220 E. 3b/bb; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). 3.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeber angewiesen. Dabei ist davon auszugehen , dass diese eine Sachverhaltsdar- stellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens interessiert zu sein und ohne ein Interesse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünsti gen Licht erscheinen zu lassen. So- lange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeitgeberin zu zweifeln, ist deshalb auf diese Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht abzustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht e inzig auf deren Aussagen zu den Um- ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt we rden (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versi- cherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt wurde. Ein derartiges Verhalten muss demnach als solches au ch bewiesen werden und nicht bloss mit dem ansonsten im Bereich des Sozialversicherungsre chts erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 112 V 245 E. 1; SRV 1996 ALV Nr. 72 S. 220). Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin un d dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbei tnehmers geschlossen werden, wenn die Arbeitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche sie keine Bewei- se anführen kann (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 200 1, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 4. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin zur Kündig ung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV selbst zu tra gen hat. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin zu Recht ein vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt worden ist. Wie bereits dargelegt, muss das der Beschwerdeführerin zur L ast gelegte Verhalten in beweismäs- siger Hinsicht klar feststehen, andernfalls eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung ausser Betracht fällt (oben, Erwägung 3.3 hiervor). 4.1 Dem Kündigungsschreiben vom 23. November 2016 ist zu e ntnehmen, dass die Ar- beitgeberin mit den Leistungen der Versicherten im Re inigungsdienst seit längerer Zeit nicht zufrieden gewesen sei. Ihre Vorgesetzte habe ihr dies w iederholt immer wieder in Gesprächen mitgeteilt und sie darauf hingewiesen, welche Mängel b eanstandet worden seien. Nachdem sie nun erneut eine sehr ausfällige Bemerkung über ihre V orgesetzte geäussert habe, würde ihr Arbeitsvertrag unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist gekündigt (Kassen-Dok 11) 4.2 Dem Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 7. Deze mber 2016 kann als Grund für die Kündigung entnommen werden, dass die Versicherte n icht damit einverstanden gewesen sei, dass ihr ihre Vorgesetzte mit der Kündigung gedroh t habe, falls sie sich ihrer Operation unterziehen werde (Kassen-Dok 34). 4.3 Gemäss Operationsbericht des Spitals C.____ vom 14. Dezember 2016 hat sich die Versicherte am 14. Dezember 2016 einer Hallux-Operation unterzogen (Kassen-Dok 43). 4.4 Gemäss Arbeitsunfähigkeitszeugnis des Spitals C.____ vo m 5. Januar 2017 war die Versicherte vom 14. Dezember 2016 bis 30. Januar 2017 vol lständig arbeitsunfähig (Kassen- Dok 44). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Als Grund für die Kündigung ist der Arbeitgeberbe stätigung vom 2. Mai 2017 zu ent- nehmen, dass die Arbeitgeberin seit längerer Zeit mit den Leistungen der Versicherten unzu- frieden gewesen sei. Ein Hinweis auf ein ungebührliches Verhalten erfolgte nicht. 4.6 Der Stellungnahme der B.____ vom 9. Mai 2017 ist zu entnehmen, dass der Versicher- ten bereits im Mitarbeitergespräch vom 26. September 20 16 mitgeteilt worden sei, dass man mit ihren Leistungen und ihrem Verhalten nicht zufr ieden sei. Sie habe Anweisungen fachlicher Art nicht befolgt. Der Umgang mit den Reinigungsmater ialen sei unsorgfältig gewesen. Trotz der Zurechtweisung und Hinweis auf ihre Fehler habe sie ihr Verhalten nicht verbessert. Sie habe Teamkolleginnen zur Opposition angestiftet. Teamm itglieder hätten Angst vor ihr gehabt. Die Reinigungsarbeiten seien nicht gut ausgeführt wo rden. Nach einer erneuten Zurechtwei- sung durch ihre Vorgesetzten am 18. November 2016 hab e sie eine vorgesetzte Person be- schimpft und ausgesagt, man solle ihr doch kündigen, d ies sei ihr egal. Nach diesem Vorfall sei eine Zusammenarbeit nicht mehr zumutbar gewesen (Kassen-Dok 134). 4.7 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hielt die Versicher te in ihrer Stellungnahme vom 18. Mai 2017 fest, dass der wahre Kündigungsgrund nicht das Nichtbefolgen von Anweisungen, die Beschimpfung von Vorgesetzten oder ein unsorgfält iger Umgang mit Reinigungsmitteln ge- wesen sei. Am 23. Oktober 2016 habe sie einen Arzttermin gehabt, an dem besprochen worden sei, dass sie sich am 14. Dezember 2016 einer operativen Hallux-Sanierung unterziehen werde. Sie sei daraufhin direkt zu ihrer Vorgesetzten gegange n. Diese habe ihr jedoch mitgeteilt, dass ihr gekündigt würde, falls sie sich operieren lasse. Obsch on sie mitgeteilt habe, dass sie die Schmerzen nicht mehr ertragen könne, habe ihre Vorge setzte geantwortet, dass sie dies nicht interessiere. Die Kündigung habe sie dann knapp einen Monat später erhalten. Sie habe Prob- leme mit ihrer ehemaligen Reinigungschefin gehabt, n achdem sie ihr mitgeteilt hatte, dass man als Putzfrau in keinem Spital das Bett von Patienten m achen müsse. Die Antwort der Vorge- setzten sei gewesen, dies sei normal und würde in allen anderen Spitälern auch so gehand- habt. Soviel sie wisse, mache eine Putzfrau die Betten der Patienten aber nicht, weil man zum Teil mit verschiedenen Putzmitteln in Berührung komme. Sie sei von ihrer ehemaligen Vorge- setzten gemobbt worden, diese habe sehr viele Lügen über sie verbreitet. Diese habe sie ein- fach loswerden wollen. Hierfür sei jedes Mittel recht gewesen (Kassen-Dok 140). 4.8 Gemäss der Aktennotiz der Kasse vom 29. Mai 2017 verste he die Personalverantwort- liche der ehemaligen Arbeitgeberin der Versicherten ni cht, weshalb die Kasse nochmals nach- gefragt habe, ob bezüglich des Mitarbeitergesprächs vo m 26. September 2016 Gesprächspro- tokolle oder ähnliches vorliegen würden. Sie habe im Sch reiben vom 9. Mai 2017 alles mitge- teilt. Als Personalchefin müsse man ihr glauben. Unterl agen, welche das Verhalten der Versi- cherten noch vor dem 26. September 2016 schriftlich bel egen würden, existierten keine. Es habe nur mündliche Gespräche gegeben, über welche es kei ne Unterlagen gebe (Kassen-Dok 144). 5.1 Aufgrund der dargelegten Aktenlage ist nicht erst ellt, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Verhalten der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat. Den Angaben ihrer ehemaligen Arbeitgeberin ist zwar zu entnehmen, dass sie bereits mehrfach Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht darauf hingewiesen worden sei, dass man mit ihren Lei stungen unzufrieden sei, da sie ihre Ar- beit mangelhaft verrichtet habe (Kassen-Dok 11). Insbeson dere anlässlich des Mitarbeiterge- sprächs Ende September 2016 sei ihr mitgeteilt worden, dass man weder mit ihren Leistungen noch mit ihrem Verhalten zufrieden sei (Kassen-Dok 134) . Diese Aussagen der ehemaligen Arbeitgeberin sind jedoch bestritten. So hält die Versicherte in ihrer Stellungnahme vom 18. Mai 2017 fest, dass der wahre Kündigungsgrund ihre anstehe nde Arbeitsunfähigkeit infolge einer operativen Hallux-Entfernung gewesen sei. In der Tat finden sich entsprechende Belege in den Akten, dass sich die Versicherte am 14. Dezember 2016 ein er Hallux-Operation mit anschlies- sender Arbeitsunfähigkeit während rund sechs Wochen hat unterziehen müssen (oben, Erwä- gungen 4.3 f.). Ausserdem hat die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdebegründung geltend gemacht, die von ihrer ehemaligen Vorgesetzten getäti gten Aussagen entsprächen nicht der Wahrheit. Dies hat sie damit begründet, dass ihre Vorgesetzte in Tat und Wahrheit mit der Kün- digung gedroht habe, falls sie sich der geplanten Hallux-Sanierung unterziehe. 5.2 Mit Blick auf das der Versicherten von der Beschwerde gegnerin vorgeworfene Fehl- verhalten steht damit letztlich Aussage gegen Aussage. Un terlagen, welche das von der ehe- maligen Arbeitgeberin erwähnte Mitarbeitergespräch hi nsichtlich eines bereits im Vorfeld zu kritisierenden Verhaltens der Versicherten protokollieren würden, bestehen schlicht keine. Es ist somit nicht erstellt, dass die Beschwerdeführerin trotz Wi ssen um eine Missbilligung ihr Verhal- ten nicht geändert hat und damit ihrer Arbeitgeberin mindestens eventualvorsätzlich Anlass zur Kündigung gegeben bzw. eine Kündigung in Kauf genommen hat. Zumal ihre ehemalige Arbeit- geberin auch nicht behauptet hat, eine Verwarnung geg enüber der Versicherten zuvor ausge- sprochen zu haben, vermag daran insbesondere nichts zu än dern, dass die ehemalige Arbeit- geberin gegenüber der Kasse angegeben hat, dass man ih r einfach glauben müsse. Weil im Zusammenhang mit dem Mitarbeitergespräch vom 26. Sept ember 2016 offenbar keinerlei schriftliche Protokolle vorliegen, kann eine solche Aussa ge dem oben Dargelegten alleine nicht genügen, ein allfälliges Fehlverhalten der Versicherte n klar genug nachzuweisen (oben, Erwä- gung 3.3 hiervor). Im Gegenteil: Zumindest in zeitlicher Hinsicht erweist sich die Darstellung der Versicherten, dass ihre Kündigung im Zusammenhang mit der operativen Sanierung ihres Hallux ausgesprochen worden sei, als durchaus plausibel. Ausserdem handelt es sich bei den von der ehemaligen Arbeitgeberin geltend gemachten Di vergenzen betreffend die Verrichtung der Reinigung nicht um derart gravierende Vorkommnisse, bei welchen sogleich ohne eine Verwarnung mit einer Entlassung zu rechnen gewesen wäre (vgl. eine ähnliche Konstellation im Urteil des Bundesgerichts vom 10. Januar 2007, C 354/05, E. 4.4). 5.3 Es ist zwar unbestritten, dass offensichtlich diverse Unst immigkeiten zwischen der Versicherten und ihrer direkten Vorgesetzten bestanden haben. Diese begründet die Versicher- te letztlich aber glaubwürdig mit Differenzen fachli cher Natur, welche dem zitierten Urteil des Bundesgerichts zufolge alleine nicht genügen, dass die Ve rsicherte ohne Verwarnung mit einer Entlassung hätte rechnen müssen. Aber auch im Zusammenha ng mit dem ihr in der Folge vor- geworfenen Verhalten steht Aussage gegen Aussage: Dass di e Versicherte ihre Vorgesetzte über Gebühr beschimpft und ausgesagt hätte, dass man ih r doch künden solle, ist ebenfalls bestritten. Hintergrund der erwähnten Unstimmigkeiten waren offenbar unterschiedliche Ansich- ten über die zu verrichtenden Arbeiten einerseits und der Umgang mit den Reinigungsmitteln Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht andererseits. Selbst wenn diese Spannungen zu lautstar ken Auseinandersetzungen geführt hätten, können sie bei der vorliegenden Aktenlage jedoc h beweismässig nicht klar auf das Ver- halten der Versicherten selbst zurückgeführt werden. Aus einandersetzungen zwischen Arbeit- nehmer und Arbeitgeber geben in arbeitslosenversicherung srechtlicher Hinsicht keinen Recht- fertigungsgrund für Ausfälligkeiten und mangelnde Le istungsbereitschaft. Es darf aber nicht leichthin auf ein fehlerhaftes Verhalten der Arbeitne hmerin geschlossen werden, wenn die Ar- beitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann. So verhält es sich auch hier: Nebst dem Umstand, dass keinerlei schriftliche Protokolle oder echtzeitliche Gesprächsnotizen in Bezug auf das Mitarbeitergespräch vom 26. September 2016 vorliegen, bleiben die Vorwürfe an die Versicherte wenig konkret. Ein Ver- halten der Versicherten, welches trotz unterschiedliche r Arbeitsauffassungen nicht zu tolerieren gewesen wäre, vermag die Kasse in arbeitslosenversicherun gsrechtlicher Hinsicht deshalb nicht rechtsgenüglich zu belegen. Dass die Versicherte m it ihrem Verhalten das Vertrauensver- hältnis gegenüber ihrer Arbeitgeberin letztlich derart strapaziert hat, dass sie damit rechnen musste, ihre Stelle zu verlieren, ist unter den dargelegten Umständen jedenfalls nicht dargetan. 5.4 Zusammenfassend ist nicht erstellt, dass die Beschwerdef ührerin die Kündigung und den Verlust ihrer Arbeitsstelle zumindest eventualvorsätzl ich in Kauf genommen hat. Damit er- übrigen sich weitere Abklärungen zu einem allfälligen Fehlverhalten. Kann der Beschwerdefüh- rerin kein eventualvorsätzliches oder gar vorsätzliches Fehlverhalten zur Last gelegt werden, ist von einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung abzuse hen. Dies führ zur Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids und zur Gutheissung der Beschwerde. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einsprac heentscheid der öffent- lichen Arbeitslosenkasse vom 4. August 2017 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.