Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. November 2018 (720 18 141 / 318) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revision der zugesprochenen Hilflosenentschädigung schweren Grades. Gestützt auf einen vor Ort erhobenen Abklärungsbericht besteht ein regelmässiger und erheblicher Bedarf an Dritthilfe nur noch in den alltäglichen Lebensverrichtungen der Körperpflege und der Fortbewegung. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Martina Somo- gyi Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A. Die 1995 geborene A.____ wurde am 3. Juni 1996 d urch ihre Eltern unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen bei der Eidgenössischen Invali denversicherung (IV) angemeldet. Ihr wurden verschiedene medizinische und berufliche Mas snahmen zugesprochen. Gestützt auf die Verfügung vom 4. Juni 2009 bezieht sie seit Nov ember 2007 eine Hilflosenentschädigung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht schweren Grades. Die schwere Hilflosigkeit wurde im Rahme n von Revisionsverfahren sowohl im Jahr 2011 als auch – bei Erreichen des Erwachsenenal ters – im Jahr 2013 gestützt auf vor Ort erhobene Abklärungsberichte bestätigt. Mit Verfügun g vom 9. Dezember 2016 sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) der Versicherte n eine ganze Rente der IV zu. Zudem wurden der Versicherten mehrere Hilfsmittel zugesprochen. Die IV-Stelle leitete von Amtes we- gen erneut ein Revisionsverfahren ein und überprüfte d en Anspruch auf Hilflosenentschädi- gung. Mit Vorbescheid vom 17. November 2016 stellte sie die Reduzierung der seit November 2007 ausgerichteten Hilflosenentschädigung schweren Grade s auf eine solchen leichten Gra- des in Aussicht. Daran hielt sie in ihrer Verfügung vom 28. März 2018 fest. B. Gegen die Verfügung vom 28. März 2018 erhob A.____ am 25. April 2018 Beschwerde bei der Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft, welche an das zuständige Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan tonsgericht), übermittelt wurde. Sie beantragte sinngemäss, es sei in Aufhebung der angefochte nen Verfügung festzustellen, dass sie weiterhin Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung schweren Grades habe. Zudem stellte sie am 8. Mai 2018 den Antrag, ihr sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. C. Das Gesuch vom 8. Mai 2018 lehnte das Kantonsgerich t mit Verfügung vom 6. Juni 2018 ab. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 29. Juni 2018 auf Abweisung der Be- schwerde. E. Mit Replik vom 27. Juli 2018 ersuchte die Beschwerde führerin das Kantongericht um Gewährung einer Frist bis zum 3. September 2018 zur Ein reichung eines in Aussicht gestellten Berichts von Prof. Dr. med. B.____, FMH Neurologie sowie Kinder- und Jugendmedizin. Zudem machte sie geltend, dass sie bei der Ausübung in mindesten s zwei alltäglichen Lebensverrich- tungen dauerhaft überwacht werden müsse, um die Gefahr eines Sturzes mit Folge lebensläng- licher Lähmung einzudämmen. Sie könne sich auf unebene n, steinigen, gewölbten Flächen nicht selbstständig fortbewegen. Es sei ihr auch unmöglich , sich selbstständig in der Wohnung fortzubewegen, selbstständig in die Badewanne zu steigen und ohne Dritthilfe die Wohnung zu verlassen. Abgesehen von An- und Auskleiden werde sie rundu m in allen alltäglichen Lebens- verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise betreut. Dementsprechend sei sie mindestens mittelschwer hilflos. Da sie bei allen alltäglichen Lebe nsverrichtungen Dritthilfe benötige, sei sie sogar als schwer hilflos einzustufen. F. Mit Schreiben vom 4. September 2018 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer Duplik. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht an das örtlich wie s achlich zuständige Gericht übermittel- te Beschwerde vom 25. April 2018 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle zu Rec ht die Hilflosenentschädigung schwe- ren Grades auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades reduzierte. 3.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Nach Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist eine Per- son hilflos, die wegen der Beeinträchtigung der Gesund heit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Übe rwachung bedarf. Als hilflos gilt ebenfalls eine Person, welche zu Hause lebt und wegen der Beein trächtigung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 IVG). 3.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwe rer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt als leicht , wenn die versicherte Person trotz der Abga- be von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Leben sverrichtungen regelmässig in erhebli- cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist; einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf; wegen einer schweren Sinnesschädigung oder ein es schweren körperlichen Gebre- chens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistun gen Dritter gesellschaftliche Kon- takte pflegen kann oder dauernd auf lebenspraktische Be gleitung im Sinne von Art. 38 der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Jan uar 1961 angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a-e IVV). Die Hilflosigkeit gilt gemäss Ar t. 37 Abs. 2 IVV als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in d en meisten alltäglichen Lebensverrich- tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a); sie in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden Üb erwachung bedarf (lit. b); oder in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig i n erheblicher Weise die Hilfe Drit- ter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist (lit. c). Gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV gilt die Hilflosi gkeit als schwer, wenn die versicherte Per- son vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen täglichen Lebensverrichtungen re- gelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter a ngewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf. 3.3 Nach ständiger Gerichtspraxis sind die folgenden sechs al ltäglichen Lebensverrichtun- gen massgebend: An-/Auskleiden; Aufstehen/Absitzen/Ablie gen; Essen; Körperpflege; Verrich- tung der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausser Haus) und Kontaktaufnahme (BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c, 121 V 90 E. 3; Urteil des Eid genössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 1. April 2004, I 815/03, E. 1). Weiter muss die Hilfe Dritter regelmässig und erheblich sein. D er Begriff der Erheblichkeit ist in Relati- on zu setzen zum zeitlichen Aufwand, den die Hilfsperson hat. Die Hilfe ist mithin insbesondere erheblich, wenn die versicherte Person mindestens die T eilfunktion einer einzelnen Lebensver- richtung überhaupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem A ufwand oder nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zust andes nicht vornehmen würde Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Urteil des EVG vom 18. April 2002, I 660/01, E. 2b/ aa mit Hinweisen; Kreisschreiben des Bun- desamtes für Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversi- cherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2015, Stand 1. Ja nuar 2018, Rz. 8026). Die Hilfe ist regel- mässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötigt o der eventuell täglich nötig hat (ROBERT ETTLIN , Die Hilflosigkeit als versichertes Risiko in der Sozialversicherung [Hilflosigkeit], Freiburg 1998, S. 150). Bei Lebensverrichtungen, welch e mehrere Teilfunktionen umfassen, wird nach der Rechtsprechung nicht verlangt, dass die v ersicherte Person bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich, dass sie bei einer die- ser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe ange- wiesen ist (BGE 121 V 91 E. 3c). In diesem Sinne ist d ie Hilfe beispielsweise bereits erheblich bei Fortbewegung und Kontaktaufnahme, wenn sich die ve rsicherte Person im oder ausser Haus nicht selbst fortbewegen kann oder wenn sie bei der Kontaktaufnahme Dritthilfe benötigt. Solange durch geeignete Massnahmen bei einzelnen Lebe nsverrichtungen die Selbstständig- keit erhalten werden kann, liegt diesbezüglich keine Hilflosigkeit vor (ROBERT ETTLIN , Sozialver- sicherungsrechtliche Aspekte bei Verlust der Selbstversorgu ngsfähigkeit [Selbstversorgungsfä- higkeit], in: Haftpflicht und Versicherung [HAVE] 2003, S. 117 und Fn. 8). 3.4 Gemäss Art. 38 Abs. 1 IVV liegt ein Bedarf an lebe nspraktischer Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG vor, wenn eine volljährige versiche rte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbstständig wohnen kann (lit. a), für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist (lit. b) oder ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (lit. c). Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Beglei- tung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Abs. 1 erwähnten Situationen erforder- lich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretung s- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen vormundschaftlicher Massnahmen nach Art. 398-419 des Schwei zerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 (Art. 38 Abs. 3 IVV). Nac h der Rechtsprechung beinhaltet die lebenspraktische Begleitung weder die (direkte oder ind irekte) Dritthilfe bei den sechs alltägli- chen Lebensverrichtungen noch die Pflege oder Überwachun g. Vielmehr stellt sie ein zusätzli- ches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 466 E. 9). Sie ist notwendig, damit der Alltag selbstständig bewältigt werden kann, und l iegt vor, wenn die versicherte Person auf Hilfe bei der Tagesstrukturierung, Unterstützung bei de r Bewältigung von Alltagssituationen oder Anleitung zur Erledigung des Haushalts angewiese n ist. Bei ausserhäuslichen Verrichtun- gen ist die lebenspraktische Begleitung notwendig, damit die versicherte Person in der Lage ist, das Haus für bestimmte notwendige Verrichtungen und Kontakte (Einkaufen, Freizeitaktivitäten, Kontakte mit Amtstellen oder Medizinalpersonen, Coiff eurbesuch, etc.) zu verlassen (KSIH Rz. 8050 f.; vgl. BGE 133 V 465 f. E. 8.2.3). Die Frage, ob eine entsprechende Hilfsbedürftigkeit besteht, ist objektiv, nach dem Zustand der versicherten Pe rson, zu beurteilen (BGE 133 V 461 E. 5 mit Hinweisen). Nicht erforderlich ist sodann, dass die lebenspraktische Begleitung durch fachlich qualifiziertes oder speziell geschultes Betreuun gspersonal erbracht wird (KSIH Rz. 8047). 4.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüge rin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 A bs. 1 ATSG). Auch jede andere formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung – wie die Hilflosenentschädigung – wird von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder a ufgehoben, wenn sich der ihr zu Grun- de liegende Sachverhalt erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 ATSG). Anlass zur Revision einer Rente oder einer anderen Dauerleistung gibt je de wesentliche Änderung in den tatsächli- chen Verhältnissen, die geeignet ist, den Leistungsanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Leistung nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund- heitszustands auf die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise di e Hilfsbedürftigkeit erheblich verän- dert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Ei ne Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnos e vor, wenn aus der Veränderung der Intensität und der Auswirkungen eines Leidens eine Vermi nderung oder Erhöhung des Arbeits- fähigkeitsgrads beziehungsweise der Hilflosigkeit resultie rt (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03, E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkun gen eines im Wesentlichen unverän- dert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsf ähigkeit respektive die Hilflosigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG dar. 4.2 Zeitlicher Referenzpunkt für die Beantwortung der Frage, ob eine erhebliche Änderung des Sachverhalts eingetreten ist, bildet die letzte der versicherten Person eröffnete rechtskräfti- ge Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung d es Anspruchs auf Hilflosenentschädigung mit einer rechtskonformen Sachverhaltsabklärung und ein er entsprechenden Beweiswürdigung beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 114 E. 5.4 mit Hinweis). Vorliegend wurde der Versicherten mit Verfügung vom 21. Oktober 2013 mitgeteilt, dass ihr eine Hilflosenen tschädigung schweren Grades zustehe. Diese Verfügung stützte sich auf eine vor Ort erfolgte A bklärung resp. den Abklärungsbericht vom 24. Mai 2013. Sie erwuchs in Rechtskraft. Am 28. Mär z 2018 erging die vorliegend ange- fochtene Verfügung, mit welcher der Versicherten nunmeh r noch eine Hilflosenentschädigung leichten Grades zugesprochen wurde. Demgemäss beurteilt si ch die Frage, ob eine erhebliche Änderung des Sachverhalts eingetreten ist, die eine revi sionsweise Herabsetzung der bis anhin ausgerichteten Hilflosenentschädigung rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Verfügung vom 21. Oktober 2013 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der strittigen Verfügung vom 28. März 2018. 5.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eige ner Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für d ie richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten d er Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachperso nen oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen v orzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5.4 Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Beme ssung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Ver waltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Person in ihr en körperlichen bzw. geistigen Funktio- nen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungs träger kann an Ort und Stelle weite- re Abklärungen vornehmen, wobei bei Unklarheiten über physische und psychische Störungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und/oder deren Auswirkungen in der Alltagspraxis Rückfra gen an die medizinischen Fachper- sonen nicht nur zulässig, sondern notwendig sind (BGE 130 V 61 f. E. 6.1.1). Damit dem Abklä- rungsbericht voller Beweiswert zukommt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Als Berichterstatter oder Berichterstatterin wirkt eine qu alifizierte Person, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse hat sowie mit den seitens de r Medizin gestellten Diagnosen und den sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen vertraut ist. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen a lltäglichen Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der lebenspraktischen Be gleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhoben en Angaben zu stehen. Genügt der Be- richt über die Abklärung vor Ort den einzelnen rechtspre chungsgemässen Beweisanforderun- gen, greift das Gericht in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen (vgl. BGE 130 V 63 E. 6.2, 133 V 468 E. 11.1.1, Urteil des Bundesgerichts vom 13. Januar 2017, 9C_562/2016, E. 4.1). 6.1 Für die Beurteilung der gesundheitlichen Situati on bzw. für die Bemessung der Hilflo- sigkeit der Beschwerdeführerin stehen die nachfolgenden Unterlagen zur Verfügung: 6.2 Nachdem am 7. April 2009 die Hilflosigkeit vor Ort abgeklärt wurde, hielt die Abklä- rungsperson mit Bericht vom 8. April 2009 fest, dass die Versicherte regelmässiger und erhebli- cher Dritthilfe bei sämtlichen alltäglichen Lebensverrichtungen bedürfe. Ausserdem bestehe ein Anspruch auf einen leichten Intensivpflegezuschlag. 6.3 Am 22. Mai 2013 erfolgte erneut eine Hilflosigkei tsabklärung vor Ort. Mit Bericht vom 24. Mai 2013 legte die Abklärungsperson dar, dass aufgru nd der Schwere der festgestellten Hilflosigkeit auf eine Abklärung der lebenspraktischen Be gleitung verzichtet werden könne. Die Versicherte sei wie bisher in sämtlichen Bereichen der a lltäglichen Lebensverrichtungen auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen. 6.4.1 Mit Arztbericht vom 7. September 2015 diagnostizi erten Dr. med. C.____, FMH Neuro- logie, Dr. med. D.____, FMH Neurologie, und Dr. med . E.____ eine Leukodystrophie Typ Van der Knaap mit einer Makrozephalie, einer Gang- und R umpfataxie sowie einer leichten spasti- schen Tetraparese. Die Patientin habe zudem einen Knick -Senkfuss rechts sowie ein Genu recurvatum links. Als weitere Diagnose wurde eine Sinusta chykardie unklarer Ätiologie festge- halten. Die Selbstständigkeit der Patientin sei bei e ingeschränkter Muskelkraft und Ataxie der unteren und oberen Extremitäten im öffentlichen Berei ch beeinträchtigt. Zur Verbesserung der Transportmöglichkeiten habe die Ergotherapie mit der Patientin das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln mit zwei Gehstöcken und einer Begleitpe rson trainiert. Dies sei nach Austritt sicher möglich. Für den detaillierten Verlauf der Physio - und Ergotherapie verwiesen die Ärzte auf die jeweiligen Abschlussberichte. 6.4.2 Im Abschlussbericht der Physiotherapie vom 17. Juli 2015 wurde festgehalten, die Ver- sicherte könne auf ebenem Gelände mit Stöcken und in Be gleitung einer Person ca. eine Stun- de ohne Pause gehen. Es sei ihr zudem ohne Probleme m öglich, wieder vom Boden hochzu- kommen. Ihr Gleichgewicht im Stand sei stark eingeschränkt , weshalb sie sich irgendwo fest- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht halten können müsse. Treppen mit einem Handlauf könn e sie mehrere Stockwerke hoch- und runtersteigen. Für lange Strecken und bei sehr unebene m Gelände könne sie ihren Rollstuhl benützen. Insgesamt sei sie selbstständig in allen „activities of daily living (ADL)“. 6.4.3 Der Abschlussbericht der Ergotherapie vom 19. Juli 2015 hält fest, dass die Muskel- kraft der Patientin in den unteren Extremitäten deutl ich vermindert sei, insbesondere in den Hüftabduktoren und –extensoren. Es bestehe wenig Stabi lität im linken Kniegelenk mit Hyper- extension in jeder Standbeinphase. Beim Gehen mit einer Unterschenkelschiene zeige sie deut- lich weniger Hyperextension im Kniegelenk. In der linken oberen Extremität zeige sich eine Ver- langsamung bei Bewegungen in Supination und Dorsalext ension gegenüber der rechten Seite, welche im Alltag jedoch nicht auffalle. Die Versicherte habe Kompensationsstrategien erlernt, um bei Alltagsaktivitäten längere Zeit im Stehen bzw. G ehen arbeiten zu können. Beispielswei- se habe sie erlernt im Stehen einen Kleiderständer zusa mmenzusetzen. Dabei stabilisiere sie ihr Becken am Tisch und könne deshalb längere Zeit (45 M inuten) arbeiten. Im Garten könne sie die Giesskanne selbstständig transportieren, indem sie links den Gehstock und rechts die halbvolle Giesskanne trage. Generell könne sie Gegenstände bis zu einem Gewicht von ca. drei Litern mit der rechten Hand transportieren, wenn sie links den Gehstock verwende. Die Patien- tin sei Teilfussgängerin. Draussen sei sie auf Begleitu ng angewiesen, da sie vor allem bei un- ebenem Gelände und abschüssigen Strecken sturzgefährdet se i. Die Gehschiene trage sie nur in der Therapie, für ihren Alltag akzeptiere sie diese nicht. Das Benutzen von Tram und Bus sei in Begleitung einer Hilfsperson mit zwei Gehstöcken mö glich. Die Patientin sei in allen alltägli- chen Verrichtungen unter mässig erhöhtem Zeit- und Ener gieaufwand selbstständig. Zur Büro- anlehre bei Worktrain werde sie von der Familie mit dem Auto gefahren. 6.5.1 In der Folge führte der Abklärungsdienst am 19. Oktober 2016 eine Hilflosigkeitsabklä- rung durch. In seinem Bericht vom 17. November 2016 hie lt er fest, dass die Versicherte wei- terhin bei der Körperpflege und bei der Fortbewegun g regelmässig und erheblich auf Dritthilfe angewiesen sei. Ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung bestehe hingegen nicht. 6.5.2 Der Abklärungsdienst nahm am 8. Dezember 2016 S tellung zu der im Einwandverfah- ren gemachten Kritik. Er verwies sowohl beim An-/Auskleide n, Aufstehen/Absitzen/Abliegen als auch beim Verrichten der Notdurft und beim Bedarf de r persönlichen Überwachung auf die Bestimmungen des KSIH. Die jeweiligen Voraussetzungen f ür die einzelnen Lebensverrichtun- gen seien nicht erfüllt. Beim An-/Auskleiden fehle es an der Regelmässigkeit der nötigen Dritt- hilfe. Diese fehle auch beim Aufstehen/Absitzen/Abliege n und beim Ordnen der Kleider als Un- terpunkt der Hauptkategorie Verrichten der Notdurft. In Bezug auf die persönliche Überwachung machte der Abklärungsdienst geltend, dass es an einer Ei gen- oder Fremdgefährdung fehle. Ausserdem würde die Versicherte den Sturzhelm nur noch in gewissen Situationen tragen. Die Neubeurteilung der Hilflosenentschädigung entspreche d er aktuellen Erhebung vor Ort, dem Ergotherapiebericht und der von der Familie vor Ort g eschilderten Situation. Der Versicherten und ihrer Familie sei während und nach dem Gespräch durchaus bewusst gewesen, dass durch die Verbesserungen die Hilflosenentschädigung entsprech end angepasst werden müsse. Die anlässlich des Abklärungsgesprächs erhaltenen Antworten seien jeweils mit präzisen Rück- bzw. Verständnisfragen verifiziert worden. Somit würden diese als Aussagen der ersten Stunde Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelten und könnten nun nicht aus versicherungstechnischen Ü berlegungen verworfen werden. Insgesamt sei am Entscheid mit der Dritthilfe in den be iden alltäglichen Lebensverrichtungen der Körperpflege und Fortbewegung festzuhalten. In a llen anderen Bereichen bestehe keine regelmässige und erhebliche Dritthilfe gemäss den geltenden Richtlinien. 6.6 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens äusserte sich Prof. Dr. B.____ mit Bericht vom 5. April 2018 folgendermassen zum medizinischen Sachve rhalt: Seine Patientin leide an einer „vanishing white matter disease“. Aufgrund dieser Krankheit sei sie motorisch schwer behindert. Sie habe sehr starke Gleichgewichtsprobleme und könne nur ganz kurze Strecken (wenige Me- ter) alleine gehen. Stürze müssten vermieden werden, d a diese zu epileptischen Anfällen füh- ren könnten. Ihre motorische Hilflosigkeit müsse deswegen als schwer eingestuft werden. 6.7 Mit Bericht vom 11. August 2018 legte Prof. Dr. B. ____ der Beschwerdegegnerin ge- genüber dar, dass er die von ihr in Aussicht gestellte Ei nstufung als leichte Hilflosigkeit nicht nachvollziehen könne. Er begleite die Beschwerdeführerin seit ihrer frühsten Kindheit. Sie zeige eine schwere angeborene neurodegenerative Erkrankung u nd sei deswegen sehr stark gehbe- hindert resp. beim Gehen auf fremde Hilfe angewiesen . Daneben zeige sie eine sehr starke Gangataxie und müsse z.B. auch beim Duschen wegen Instabil ität beim Stehen unterstützt werden. Ein einfacher Sturz könne zu einer starken Versch lechterung der Symptomatik führen. Deswegen sei sie, sobald sie sich fortbewege, auf fremde Hilfe angewiesen. Vor einigen Jahren habe ein banaler Sturz zu einer akuten irreversiblen Verschlechterung der Gehfähigkeit geführt. Im Bereich der oberen Extremitäten sei sie nur leicht ataktisch und könne deswegen einen Computer bedienen. Ebenso bestehe zurzeit keine geistige Behinderung. Wegen der schweren motorischen Behinderung im Bereich der Beine sei sie n ach Ansicht von Prof. Dr. B._____ als mittelschwer hilflos einzustufen. 6.8 Im Arztbericht vom 11. August 2018 legte Prof. Dr . B.____ gegenüber dem behandeln- den Arzt Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medi zin, dar, dass die Beschwerdeführerin einen normalen mentalen Status zeige, aber an einer schweren leicht spastischen, insbesonde- re ataktischen Bewegungsstörung mit einer sehr starken Gan gataxie leide. Sie sei deswegen auf fremde Hilfe angewiesen. Mit den Händen könne sie relativ gut selbstständig arbeiten. Die Physiotherapie solle unverändert fortgesetzt werden. 7.1 In ihrer leistungsreduzierenden Verfügung vom 28. M ärz 2018 stützte sich die Be- schwerdegegnerin auf den Abklärungsbericht vom 17. Nove mber 2016. Sie ist der Ansicht, dass dieser alle rechtsprechungsgemäss erforderlichen Vorau ssetzungen erfülle und kam des- halb zum Ergebnis, dass die Beschwerdeführerin nur noch A nspruch auf eine Hilflosenentschä- digung leichten Grades habe. 7.2 Streitig ist, ob sich der Gesundheitszustand und – d amit einhergehend – der Grad der Hilflosigkeit der Versicherten seit Oktober 2013 tatsächli ch in einer anspruchserheblichen Wei- se verbessert hat. Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin in den Bereichen Körperpflege und Fortbewegung regelmässig und in erheblichem Masse auf Dritthilfe angewiesen ist. Hingegen ist insbesondere fraglich, ob die Versicherte in den anderen alltägli- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Lebensverrichtungen (An-/Auskleiden, Aufstehen/Absitze n/Abliegen, Essen, Verrichten der Notdurft) auf Dritthilfe angewiesen ist. 7.3 Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Abklärungsberichten, die sich plausibel, begründet und detailliert zu den Tatbestand selementen äussern sowie in Überein- stimmung mit den vor Ort erhobenen Angaben stehen und von einer qualifizierten Person, wel- che Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse so wie der medizinisch gestellten Diag- nose und der sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen hat, abgefasst wurden, ist volle Be- weiskraft zuzuerkennen, solange keine klar feststellbaren Fehleinschätzungen vorliegen. Sol- che liegen vorliegend nicht vor. Der Bericht vom 17. Nov ember 2016 beruht auf einer von einer Fachperson vor Ort vorgenommenen Abklärung und führt di e festgestellten Beeinträchtigungen detailliert aus. Die Abklärungsperson hatte genügende Kenntnis der medizinischen Diagnosen und der ärztlich festgestellten Einschränkungen. Die Fami lienmitglieder waren beim Abklä- rungsgespräch anwesend. Ihnen war durchaus bewusst, da ss durch die Verbesserung des Ge- sundheitszustands die Hilflosenentschädigung entsprechend angepasst werden muss. Ebenso gibt der Austrittbericht vom 7. September 2015 zuverl ässig Auskunft über den Gesundheitszu- stand der Beschwerdeführerin. Er verweist auf die Physio- und Ergotherapieabschlussberichte vom 17. Juli 2015 resp. 19. Juli 2015. Daraus wird ersichtlich, dass sich die Auswirkungen ihres Gesundheitszustands auf die Hilfsbedürftigkeit positiv verän dert haben, was auf das Erlernen von Kompensationsstrategien zurückzuführen ist. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Be- schwerdegegnerin in ihrem Entscheid auf den Abklärungsber icht vom 17. November 2016 und den Austrittsbericht vom 7. September 2015 resp. den Physio- und Ergotherapieaustrittsbericht abstellte. Gestützt darauf wird deutlich, dass die Beschw erdeführerin im Verfügungszeitpunkt nur in den Lebensverrichtungen Körperpflege und Fortbe wegung regelmässig und in erhebli- cher Weise auf Dritthilfe angewiesen war und ansonsten keiner besonders aufwendigen Pflege, lebenspraktischen Begleitung oder Überwachung bedurfte. Unter diesen Umständen waren nur noch die Voraussetzungen einer leichten Hilflosigkeit erfüllt. 7.4.1 Daran ändert auch die Argumentation der Beschwe rdeführerin nichts. Sie bringt zu- nächst vor, dass ihre Hilflosigkeit als schwer einzustufen sei , da sich ihre gesundheitlichen Be- schwerden nicht verändert hätten. Bei der Körperpflege bedürfe sie der Hilfe ihrer Familie. Sie könne beispielsweise nicht alleine in resp. aus der Wanne steigen. Auch bezüglich der Fortbe- wegung macht sie geltend, dass sie sich trotz Gehstöcken nich t frei bewegen könne. Aufgrund ständiger Sturzgefahr müsse sie stets von einer Person be gleitet werden. Da sie sich nicht frei bewegen könne, falle es ihr ausserdem schwer, sich sozial einzubinden. Sie besuche weiterhin viele Therapien, zu denen sie von ihrer Mutter beglei tet werden müsse. Bezüglich der geltend gemachten Dritthilfe bei der Körperpflege als auch b ei der Fortbewegung ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf den Abklärungsbericht vom 17. November 2016 aner- kennt, dass die Beschwerdeführerin in diesen beiden Lebe nsverrichtungen regelmässiger und erheblicher Dritthilfe bedarf. 7.4.2 Weiter moniert die Beschwerdeführerin, dass sie mo rgens, teils auch am Abend, beim An- und Auskleiden Schwierigkeiten habe. Auch beim Au fstehen/Absitzen/Abliegen und beim Verrichten der Notdurft sei sie auf die Mithilfe ihrer Familie angewiesen. Beim An- und Ausklei- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht den habe die Beschwerdeführerin laut Abklärungsbericht eigene Strategien und Techniken er- lernt, um diesen Aufgaben selbstständig nachgehen zu können. Einzig wenn sie müde sei, stei- ge die Gefahr zu stürzen und die Mutter müsse ihr helfen . Die Beschwerdeführerin habe laut Abklärungsbericht ebenfalls gelernt, sich selbstständig zu setzen und aufzustehen. Nur teilwei- se benötige sie die Hilfe ihrer Mutter. Zu Hause gehe sie inzwischen meist ohne Stöcke und könne auf den Rollstuhl verzichten. In der Regel komme sie selbstständig in und aus dem Bett. Mit der nötigen Konzentration könne sie auch die Bei ne selbst ins Bett heben und sich in die- sem positionieren und zudecken. Ebenso beim Gang zur Toilette bedürfe die Beschwerdeführe- rin lediglich unregelmässiger Unterstützung von ihrer M utter. Der Abklärungsbericht vom 17. November 2016 führt insgesamt klar aus, dass zwar ge legentlich Bedarf an Dritthilfe be- steht. Es fehlt jedoch bei allen drei Lebensverrichtung en an der Voraussetzung der Regelmäs- sigkeit. Damit kann auch dieser Argumentation der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden. 7.4.3 Des Weiteren wird vorgebracht, dass es ihr ohne D ritthilfe nicht gelinge, selbstständig Essen vorzubereiten. Entsprechend dem KSIH gehören zur alltäglichen Lebensverrichtung Es- sen die Kategorien Nahrung ans Bett bringen, Nahrung zerkleinern, Nahrung zum Mund führen, Nahrung pürieren und Sonderernährung (vgl. dazu Rz. 8010 und 8018 ff. des KSIH). Die Vorbe- reitung des Essens ist keine anerkannte Unterkategorie de r Lebensverrichtung Essen. Der Be- schwerdeführerin kann deshalb auch in dieser Hinsicht nicht gefolgt werden. 7.4.4 Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, dass die bei ihr diagnostizierte Leukodystrophie des Typ Van der Knaap sich dadurch auszeichn e, dass sie sich mit den Jah- ren verschlechtere und eine Besserung ausgeschlossen sei . Die Therapien würden lediglich dazu dienen, dass sich der Gesundheitszustand nicht verschle chtere. Die Beschwerdeführerin verweist dabei auf die Arztberichte von Prof. Dr. B.____ vom 5. April 2018 und 11. August 2018. Diese Arztberichte halten jedoch lediglich fest, dass die Beschwerdeführerin beim Duschen und bei der Fortbewegung wegen Instabilität unterstützt werden müsse. Beschrieben wird ein Sturz- risiko, welches die Gefahr von irreversiblen Folgeschäden i n sich berge. Detailliertere Ausfüh- rungen enthalten die Berichte nicht. Sie machen dami t bloss Angaben zu der bereits anerkann- ten Beeinträchtigung bei der Köperpflege und der Fo rtbewegung. Es ist den Arztberichten nicht zu entnehmen, inwiefern die Beschwerdeführerin in den übrigen alltäglichen Lebensverrichtun- gen beeinträchtigt sein soll, weshalb die Beweiskraft d es Abklärungsberichts vom 17. November 2016 durch sie nicht in Zweifel gezogen wird. 7.5 Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen steht fest , dass der Argumentation der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden kann. Sie macht insbesondere nicht geltend, dass der Abklärungsbericht vom 17. November 2016 nicht korrekt erste llt worden sei. Mangels klar fest- stellbarer Fehleinschätzungen bestehen keine Zweifel an diesem. Da die Beschwerdeführerin einzig in den Lebensverrichtungen Körperpflege und For tbewegung regelmässig und in erhebli- cher Weise Dritthilfe bedarf, hat sie neu noch Anspruch a uf eine Hilflosenentschädigung leich- ten Grades im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV. Bei einer allfälligen Verschlechterung des Ge- sundheitszustands steht es der Beschwerdeführerin offen, ei n Revisionsgesuch bei der IV ein- zureichen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Reduktion d es Anspruchs auf eine Hilflo- senentschädigung schweren Grades auf jene leichten Grades nicht zu beanstanden ist. Die Auswirkungen des Gesundheitszustands haben sich insofern e rheblich verändert, als dass die Beschwerdeführerin nur noch in zwei Lebensverrichtungen regelmässiger und erheblicher Dritt- hilfe bedarf. Die gegen die Verfügung vom 28. März 20 18 erhobene Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahr en bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.– bis 1000.– festgelegt. B ei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens seit 1. Juli 2016 einheitlich auf Fr. 800.– fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.