B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4064/2020 U r t e i l v o m 2 6 . N o v e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. Parteien A._______, geboren am (…), Sudan, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer, Gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Familienzusammenführung (Asyl); Verfügung des SEM vom 6. Juli 2020 / N (…). D-4064/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 2. August 2016 anerkannte die Vorinstanz den Be- schwerdeführer als Flüchtling und gewährte ihm Asyl. B. Mit Schreiben vom 25. Juni 2020 seitens des Sozialamts des Kantons B._______ reichte der Beschwerdeführer beim SEM ein Gesuch um Ein- reisebewilligung und Familienzusammenführung für seine Tochter, C._______, geboren am (…) ein, in welchem er im Wesentlichen geltend machte, er habe sich drei Monate vor der Geburt seiner Tochter von seiner Ehefrau, der Kindsmutter, scheiden lassen. Diese sei nach der Geburt nach D._______ oder E._______ ausgewandert und habe die Tochter bei seiner Mutter zurückgelassen. Die Tochter sei in der Folge bei seiner Grossmutter aufgewachsen, welche jedoch im Dezember 2019 verstorben sei. An- schliessend sei seine Tochter vorübergehend durch seine Schwester be- treut worden, was jedoch zukünftig nicht mehr möglich sei. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Kopien der Identitätsdoku- mente seiner Tochter ein. C. Mit Verfügung vom 6. Juli 2020 – eröffnet am 14. Juli 2020 – wies das SEM das Gesuch um Einreisebewilligung und Familienzusammenführung ab. D. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 13. August 2020 reichte der Be- schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den vorinstanzlichen Entscheid ein und be antragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft seiner Tochter C._______ gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG festzustellen, ihr Asyl zu ge- währen und die Einreisebewilligung gemäss Art. 51 Abs. 4 AsylG zu ertei- len. Ebenso sei ihr gestützt auf Art. 8 EMRK eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung nach Gewährung der Ak- teneinsicht durch die Vorinstanz und beantragte die une ntgeltliche Pro- zessführung sowie die Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. D-4064/2020 Seite 3 E. Mit Schreiben vom 14. August 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. F. Mit Eingabe vom 26. August 2020 ergänzte der Beschwerdeführer seine Ausführungen und reichte Kopien seines Reiseausweises für Flüchtlinge mit ägyptischen Visa und Reisestempeln, Kopien des sudanesischen Pas- ses seiner Tochter mit Reisestempeln, Kopien des sudanesischen Passes seiner Mutter mit Reisestempeln, diverse Fotografien von ihm und seinen Verwandten (gemäss eigenen Angaben in Ägypten aufgenommen) sowie eine Sozialhilfebestätigung der Stadt F._______ vom 17. August 2020 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Ver- fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. Angesichts dessen, dass es dem Beschwerdeführer möglich war, seine Beschwerde mit der Eingabe vom 26. August 2020 zu ergänzen, ist der in der Beschwerde gestellte entsprechende Prozessantrag als gegenstands- los zu betrachten. D-4064/2020 Seite 4 4. 4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalte n Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen (Familienasyl). Wur- den die anspruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt und be- finden sie sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG). 4.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt eine vorbestandene Familiengemeinschaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die feste Absicht der Vereinigung der Familie in der Schweiz voraus (vgl. BVGE 2012/32 E. 5). 4.3 Zentrale Bedingung für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist, dass bereits vor der Flucht aus dem Ver- folgerstaat eine Familiengemeinschaft zwischen der gesuchstellenden und der anspruchsberechtigten Person bestanden hat. Das Familienasyl dient insbesondere nicht der Aufnahme von vor der Flucht noch gar nicht geleb- ten familiären Beziehungen oder der Wiederaufnahme zuvor abgebroche- ner Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2 m.w.H.). Bei Familien, die bereits vor der Ausreise des asylberechtigten Mitglieds im Heimatstaat getrennt lebten, geht das Gericht ausnahmsweise gleichwohl von einer vorbestandenen gelebten Familiengemeinschaft aus, wenn zwin- gende Gründe für das Getrenntleben in der Heimat vorgelegen haben (vgl. hierzu BVGE 2018 VI/6 E. 5.2). 4.4 Der Erteilung einer Einreisebewilligung dürfen sodann keine besonde- ren Umstände entgegenstehen. Dem Einbezug in die Flüchtlingseigen- schaft und der Asylgewährung entgegenstehende besondere Umstände sind gemäss der Rechtsprechung unter anderem dann anzunehmen, wenn das Familienleben während einer längeren Zeit nicht gelebt wurde und er- kennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben (BVGE 2012/32 E.5.1 m.w.H.). 5. 5.1 Zur Begründung seiner Verf ügung führte das SEM im Wesentlichen aus, dass sich der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben bei der Be- fragung zur Person (BzP) bereits im Juni 2014, mithin vor der Geburt der Tochter am (…), von der Kindsmutter getrennt habe. Nach der Geburt habe sich die Tochter bei der Kindsmutter aufgehalten. Er habe den Sudan am D-4064/2020 Seite 5 13. November 2014 verlassen und seine Tochter bei seiner Mutter zurück- gelassen. Somit sei nicht glaubhaft gemacht, dass zum asylrechtlich rele- vanten Zeitpunkt seiner Flucht aus dem Sudan im N ovember 2014 eine Familiengemeinschaft beziehungsweise ein eigener Haushalt im familien- asylrechtlichen Sinne zwischen ihm und seiner Tochter bestanden habe, welcher durch die Flucht getrennt worden sei. Folglich seien vorliegend die Kriterien der "vorbestandenen Familiengemeinschaft" sowie der "Familien- trennung durch die Flucht" nicht glaubhaft gemacht respektive nicht erfüllt, sodass sein Gesuch um Familienasyl bereits aus diesem Grund abzu- lehnen sei. Die ratio legis der Familienzusammenführung bestehe nämlich darin, die Wiederherstellung einer vorbestandenen Familiengemeinschaft zu ermöglichen, nicht aber die nachträgliche Begründung einer Beziehung zwischen einem Elternteil und dessen Kind. Des Weiteren würden in sei- nem Fall auch noch andere Umstände gege n das ersuchte Familienasyl sprechen. Für die Beurteilung der Anspruchsberechtigung sei auch das Verhalten der Familienangehörigen nach der Flucht wesentlich und könne – wenn von einer zwischenzeitlichen Aufgabe der familiären Beziehungen auszugehen sei – im Sinne besonderer Umstände gegen den Familien- nachzug sprechen . Diesbezüglich ergebe sich aus seinen Angaben im Rahmen des Asylverfahrens und seinem Gesuch um Familienasyl Folgen- des: Er sei im November 2014 aus dem Sudan ausgereist und habe seine Tochter bei der Mutter im Sudan zurückgelassen. Am 24. November 2014 habe er in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht, welches mit Entscheid vom 2. August 2016 gutgeheissen worden sei. Sein Gesuch um Familien- asyl habe er aber erst am 26. Juni 2020, mithin vier Jahre nach der Aner- kennung als Flüchtling, eingereicht. Für den vierjährigen Zeitraum bestün- den keine glaubhaften und aktenkundigen Hinweise, wonach er mit seiner Tochter in regelmässigen Kontakt gestanden habe oder versucht hätte, sie in die Schweiz zu hole n. Zusammenfassend könne daher festgehalten werde, dass er während längerer Zeit und ohne plausiblen Grund keine konkreten Bemühungen zum Familiennachzug für seine Tochter im Rah- men des Familienasyls habe erkennen lassen. Seine Behauptung, dass seine Tochter bei seiner Mutter aufgewachsen und diese im Dezember 2019 verstorben sei, vermöge an dieser Schlussfolgerung nichts zu än- dern. Sein Verhalten lasse vielmehr auf eine seit seiner definitiven Ausreise aus dem Suda n im November 2014 abgebrochene Beziehung zu seiner Tochter schliessen, weshalb zusätzlich von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG auszugehen sei. D-4064/2020 Seite 6 5.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen im Wesentlichen vor, dass im vorliegenden Fall die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG ent- gegen der Einschätzung der Vorinstanz erfüllt seien. Gemäss Praxis könne von einer vorbestandenen gelebten Familiengemeinschaft auch ausgegan- gen werden, wenn zwingende Gründe für das Getrenntleben in der Heimat bestanden hätten. Als zwingender Grund sei in seinem Fall seine politische Verfolgung und die damit zusammenhängende Flucht aus dem Sudan zu nennen. Er habe demnach gar keine Möglichkeit gehabt, mit seiner Tochter zusammenzuwohnen. Er habe den Kontakt zu seiner Familie im Heimat- land auch nach s einer Ausreise gepflegt und diesen trotz der räumlichen Trennung aufrechterhalten und die Verantwortung für seine geliebte Toch- ter im Rahmen des Möglichen wahrgenommen. Der Kontakt sei mittels re- gelmässigen Telefonaten, jährlichen Zusammentreffen in G._______ (Ägypten) und Videoanrufen erfolgt. Auch habe er seine Tochter nach Mög- lichkeit finanziell unterstützt. Bei minderjährigen Kindern könn ten an das Erfordernis der gelebten Beziehung im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG auch keine zu hohen Anforderungen gestellt werden. Es würde dazu führen, dass zum einen Neugeborene und Kleinkinder gegenüber Jugend- lichen benachteiligt würden, weil diese aktiv eine Beziehung mit ihren El- tern führen könnten, wohingegen Kleinkinder dazu noch gar nicht in der Lage seien. Schliesslich möge sich ein diesbezüglich strenger Massstab allenfalls bei Ehegatten, nicht jedoch bei minderjährigen Kindern rechtfer- tigen. Das Kind und seine Interessen gelte es zu schützen. Schliesslich stelle die Verweigerung der Einreise auch einen Ei ngriff in das Recht auf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 Abs. 1 EMRK dar. Dieser Eingriff erweise sich zudem auch als nicht gerechtfertigt, da die privaten Interessen überwiegen würden. Folglich sei die Ablehnung des Gesuchs um Familien- asyl unverhältnismässig und verstosse gegen Art. 8 EMRK. In seiner Beschwerdeergänzung bringt der Beschwerdeführe r vor, dass seine Tochter, als er den Sudan Ende 2014 verlassen habe, gerade einmal drei Monate alt gewesen sei; für ihn sei es undenkbar gewesen, mit einem Säugling aus dem Sudan zu fl iehen. Die Mutter des Mädchens habe das Land ebenfalls verlassen und das Neugeborene bei der Mutter des Be- schwerdeführers zurückgelassen. Eine Flucht mit ihm, hätte seine Tochter stark gefährdet, weshalb er sich schweren Herzens dazu entschieden habe, sie bei seiner Mutter zu lassen und alleine zu fliehen. Er habe sich zudem nicht dazu im Stande gefühlt, in einem fremden Land einen Säug- ling grosszuziehen. In der Schweiz habe er über keine Verwandten oder Bekannten verfügt, die ihn dabei hätten unterstützen können. Zudem habe er zuerst an seiner Integration arbeiten müssen, damit er für das Kind habe D-4064/2020 Seite 7 aufkommen können. Die Beziehung zu seiner Tochter habe er jedoch durch fast täglichen Kontakt aufrechterhalten. Er habe oft mit seiner Tochter tele- foniert und sie auch finanziell unterstützt, was er auch heute noch tue. Zu- dem sei er einmal im Jahr nach G._______ gereist, wo diverse Tanten von ihm lebten. Seine Mutter und seine Tochter seien ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt nach G._______ gereist und so habe es jährliche Familienzu- sammenkünfte gegeben. Der Tod seiner Mutter im Dezember 2019 habe einiges verändert. Seine Tochter habe infolgedessen keine Betreuungsper- son mehr in der Heimat gehabt. Zwar habe seine Schwester sie zu sich genommen, dies jedoch nur vorübergehend. Die primären Bezugsperso- nen der Tochter seien eindeutig seine (verstorbene) Mutter und er. Mit ihrer Tante beziehungsweise seiner Schwester pflege sie kein so inniges Ver- hältnis und zu der Kindsmutter, seiner früheren Ehefrau, habe sie bloss sporadischen Kontakt, weshalb einzig er als nächste Bezugsperson für die weitere Betreuung in Frage komme. Schliesslich sei im v orliegenden Fall auch das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: Kinderrechtskonvention [KRK], SR 0.107) zu beach- ten. Gemäss Art. 3 Ziff. 1 KRK sei das Wohl des Kindes bei allen Massnah- men, die Kinder betreffen würden, ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu be- achten sei. In casu spreche das Kindeswohl klar für eine Familienvereini- gung und für einen Aufenthalt des Kindes in der Schweiz. 6. 6.1 Nach Prüfung der Akten erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Einschätzung der Vorinstanz als rechtmässig und zutreffend, während die Einwände in der Beschwerde und deren Ergänzung daran nichts zu ändern vermögen, wie den nachfolgenden Erwägungen zu entnehmen ist. 6.2 Zunächst ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz fraglich, ob zum Zeitpunkt der Ausreise aus dem Sudan überhaupt eine Familiengemein- schaft im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG bestanden hat. So hat sich der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben in der BzP im Juni 2014, mithin (…) Monate vor der Geburt seiner Tochter, von der Kindsmutter scheiden lassen (vgl. […]). Zwar gab der Beschwerdeführer bereits anlässlich der BzP im November 2014 an, seine Tochter befinde sich bei der Mutter (vgl. […]), indessen bleibt unklar, wann sie dorthin gekommen ist. Ohnehin wird sowohl im Gesuch um Familienzusammenführung (vgl. […]) als auch in der Beschwerde (vgl. […]) und deren Ergänzung (vgl. […]) jeweils davon ge- sprochen, dass die Kindsmutter die Tochter bei der Mutter des Beschwer- deführers zurückgelassen habe, was nicht den Anschein einer (wenn auch D-4064/2020 Seite 8 nur sehr kurzzeitig) gelebten Familiengemeinschaft mit dem Beschwerde- führer erweckt. 6.3 Zusätzlich zu den Zweifeln am Vorliegen eines tatsächlich bestande- nen Familienlebens vor der Ausreise des Beschwerdeführers sprich t ins- besondere auch das Verhalten des Beschwerdeführers nach seiner Aus- reise gegen eine tatsächlich gelebte Beziehung. 6.3.1 Der Beschwerdeführer wurde am 2. August 2016 als Flüchtling aner- kannt und ihm wurde in der Schweiz Asyl gewährt. Das Gesuch um Bewil- ligung der Einreise zwecks Familienvereinigung zugunsten seiner Tochter reichte er indessen erst am 26. Juni 2020, also fast vier Jahre nach seiner Asylgewährung ein. Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer in diesem Zeitraum den Nachzug seiner Tochter an- gestrebt hätte. Je länger das Getrenntleben andauert, desto höher werden letztlich die Anforderungen an den Nachweis der Kontaktpflege im Rahmen des Möglichen gestellt. 6.3.2 Wohl gab der Beschwerdeführer in der Anhörung an, seine Verwand- ten würden ihn jeden Tag kontaktieren (vgl. […]), jedoch ist ein N achweis für diese intensive Kontaktpflege unterblieben. Auch die Aussage, er unter- stütze seine Tochter nach Möglichkeit finanziell, wurde nicht belegt. So- dann ist zwar aufgrund der mit Beschwerdeergänzung eingereichten Be- weismittel ( Kopien der Reisedokumente mit entsprechenden Stempeln, Fotos) als glaubhaft zu erachten, dass es in den Jahren 2017, 2018 und 2019 jeweils zu einem Zusammentreffen des Beschwerdeführers und sei- ner Tochter in Ägypten gekommen ist, indessen wäre damit ein Kontakt erst ab April/Mai 2017 belegt und das auch nur für einen begrenzten Zeit- raum des jeweiligen Jahres. Ohnehin sind dem Beschwerdeführer auch genau jene Zusammentreffen entgegenzuhalten. Dass er sich über meh- rere Jahre damit begnügte, seine Tochter einmal jährlich in Ägypten zu se- hen, ohne dabei Anstrengungen zu deren Nachzug einzuleiten, erweckt den Anschein, dass er sich mit der Situation arrangiert hat. Soweit der Be- schwerdeführer auf Beschwerdeebene vor bringt, er habe sich in der Schweiz zuerst integrieren müssen , damit er für seine Tochter habe auf- kommen können , vermag insbesondere auch angesichts der jährlichen Auslandreisen nicht zu überzeugen . Schliesslich war der Auslöser für die Einreichung des Gesuches offensichtlich der (angebliche) Tod der Mutter des Beschwerdeführers (vgl. […]) und nicht der vorbestandene Wunsch seitens des Beschwerdeführers mit seiner Tochter eine familiäre Gemein- schaft zu bilden. D-4064/2020 Seite 9 6.4 Im Sinne eines Zwischenfazits kann festgehalten werden, dass der Be- schwerdeführer insgesamt während fast vier Jahre ohne plausiblen Grund keine Bemühungen zum Nachzug erkennen liess. Unter diesen Umstän- den ist weder der Wille noch die Absicht, mit der Tochter eine Familienge- meinschaft zu bilden und zu leben erkennbar. Sein Verhalten lässt vielmehr auf eine abgebrochene Beziehung – sollte eine solche überhaupt bestan- den haben – schliessen, weshalb von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 A sylG auszugehen ist, zumal das Familienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG praxisgemäss nicht der Wiederaufnahme von zuvor abgebrochenen oder noch gar nicht gelebten Beziehungen dient (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2). 6.5 Die KRK vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, da dieses Übereinkommen weder dem Kind noch einem Elternteil ein Recht zur Ein- reise und zum Aufenthalt in der Schweiz im Sinne einer Familienzusam- menführung gewährt (vgl. Botschaft des Bundesrats betreffend den Beitritt der Schweiz zur KRK vom 29. Juni 1994 BBl 1994 V 1 ff., bezüglich Art. 10 KRK S. 33 ff. und 73 f.; BGE 126 II 377 E. 5d S. 392 und 124 II 361 E. 3b S. 367). Ausserdem ist angesichts der im Sudan lebenden Tante, welche die Tochter gegenwärtig betreut, letztere dort nicht auf sich allein gestellt, so dass nicht von einer Gefährdung des Kindswohls gesprochen werden kann. Abschliessend bleibt anzumerken, dass im Verfahren vor den Asylbehör- den Art. 8 EMRK nicht ergänzend angewendet werden kann, wenn die Vo- raussetzungen des Familienasyls gemäss Art. 51 AsylG nicht erfüllt sind (vgl. bspw. Urteile des BVGer D-5588/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 3.2; D-150/2016 vom 25. Oktober 2017 E. 5.3 und D-7400/2015 vom 28. Juni 2017 E. 7.3.1). Die Frage nach ein em allfälligen Anspruch auf einen Auf- enthalt der Tochter des Beschwerdeführers wäre im Rahmen eines aus- länderrechtlichen Familiennachzugsverfahrens zu beurteilen, in dem wie- derum Art. 8 EMRK Rechnung zu tragen wäre. Unter diesen Umständen ist vorliegend ni cht näher auf die Ausführungen in der Beschwerde und deren Ergänzung zu Art. 8 EMRK einzugehen, da sie an obiger Erkenntnis nichts zu ändern vermögen. 6.6 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht das Gesuch des Beschwer- deführers um asylrechtliche Familienzusammen führung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG abgelehnt und die Einreise von C._______ in die Schweiz nicht bewilligt. Dem Beschwerdeführer bleibt es unbenommen, D-4064/2020 Seite 10 bei den zuständigen kantonalen Behörden ein ausländerrechtliches Ge- such um Nachzug seiner Tochter zu stellen (vgl. hierzu die vorstehenden Ausführungen unter E. 6.5). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 8. 8.1 Das Gesuch um Kostenvorschussverzicht ist mit dem vorliegenden Di- rektentscheid gegenstandslos geworden. Der Beschwerdeführer ersuchte um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begeh- ren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfül- lenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb das Gesuch ungeachtet einer allfälligen Mittellosigkeit abzuweisen ist. Dementspr echend ist auch das Gesuch um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes abzuwei- sen. 8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglement s vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4064/2020 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Andrea Beeler Versand: