B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3326/2014 U r t e i l v o m 1 . O k t ob e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren (…), und deren Kind B._______, geboren (…), Eritrea, c/o schweizerische Botschaft in Khartum, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 9. Januar 2014 / N_______. D-3326/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Eingabe vom 23. Mai 2011 (Eingangsstempel Botschaft) reichte die Beschwerdeführerin bei der schweizerischen Botschaft in Khartum (in der Folge: die Botschaft) für sich und ihr Kind ein Asylgesuch ein. B. B.a Mit Schreiben vom 6. August 2013 teilte das BFM de r Beschwerde- führerin mit Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesver - waltungsgerichts (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3.2) mit, dass im vorliegenden Fall kein zulässig gestelltes Asylgesuch vorliege und forderte sie auf, eine unterzeichnete Willensäusserung einzureichen, wonach sie die Schweiz wegen einer as ylrelevanten Verfolgung um Schutz durch Asyl ersuch e, sowie eine umfassende Begründung ihres Asylgesuches anhand des bei- liegenden Fragenkataloges. Des Weiteren könne aufgrund des begren z- ten Personalbestandes sowie fehlender Voraussetzungen im sicherheit s- technischen und räumlichen Bereich keine Befragung durch die Botschaft durchgeführt werden. Aus diesem Grund unterbreitete ihr das BFM eine Reihe konkreter Fragen zur Abklärung des Sachverhalts. B.b Mit Schreiben vom 1. Dezember 2013 (Eingangsstempel der Bot - schaft) liess sich die Beschwerdeführerin fristgerecht vernehmen. C. C.a Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie sei am 7. März 1984 in C._______ (Eritrea) geboren, sie sei tigrinischer Ethnie, christlich -orthodoxen Glaubens, Mut- ter eines Kindes und wohne zur Zeit in Khartum. Ihre Probleme hä tten Mitte der 1990er Jahre begonnen, als die eritreische Regierung ihren Ehemann zwangsverpflichtet und nach den vorgesehenen 18 Monaten Dienst nicht wieder entlassen habe. Im Mai 2000 sei ihr Ehemann wäh - rend des Grenzkonfliktes mit Äthiopien umgebracht worden. Dieses E r- eignis habe grosse Verzweiflung in ihr Leben gebracht. Daraufhin habe sie sich entschieden, nach D._______ zu gehen, da sie sich dort ein bes- seres Einkommen erhofft habe. In D._______ habe sie begonnen, in ei- nem privaten Café zu arbeiten. Nach einiger Zeit und mit Hilfe von and e- ren habe sie ein eigenes Café - und Teegeschäft eröffnen können. Die Si- cherheitskräfte hätten alle Ladenbesitzer in dieser Region, so auch die Beschwerdeführerin, auf ihre Pflicht hingewiesen, Flüchtlinge zu melden . Am 17. Februar 2009 seien die Sicherheitskräfte in ihr Café gekommen, hätten sie in ihr Büro nach E._______ gebracht und dann für zwei W o-D-3326/2014 Seite 3 chen ohne Befragung inhaftiert. Sie sei beschuldigt worden, jungen Män- nern zur Flucht verholfen zu haben, danach hätten sie zwei Männer in die Wildnis gebracht, dort geschlagen und vergewaltigt. Insgesamt sei sie drei Monate in E._______ in Haft gewesen. Am 21. April 2009 sei sie nach der Unterzeichnung eines falschen Geständnisses frei gelassen worden. Am 20. Juni 2009 sei sie aus Eritrea in Richtung Sudan geflüc h- tet. Im UNHCR Flüchtlingslager Shegerab sei sie registriert, aber nach drei Tagen und noch vor Ausstellung ihre Flüchtlingskarte von der Ra s- haida entführt worden. Ihre Verwandten hä tten das Lösegeld bezahlt, so dass sie wieder freigekommen sei. Aus Angst vor einer erneuten Entfü h- rung sei sie nicht ins Flüchtlingslager zurückgekehrt, sondern habe sich nach Khartum begeben. Auch in Khartum lebe sie in grosser Angst. B e- reits zweimal sei en Diebe in ihr Haus gekommen, hätten sie mit einem Messer bedroht und ausgeraubt. Im März 2010 habe sie eine Beziehung mit einem Eritreer begonnen, welcher nach Libyen weitergeflohen sei, als sie im zweiten Monat schwanger gewesen sei. Sie wisse nicht, w o sich dieser Mann heute befinde. Sie lebe alleine in Khartum und bestreite i h- ren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Tee und mit anderen Haus- haltsarbeiten. Im Sudan sei sie in ihren Rechten beschnitten, sie werde von Individuen terrorisiert und gefoltert und könne sich diesbezüglich nicht an die Polizei wenden, da diese Sudanesen begünstige. Zudem h a- be sie grosse finanzielle Probleme. C.b Die Beschwerdeführerin reichte eine Kopie ihres UNHCR-Flüchtlings- ausweises zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 9. Januar 201 4 – eröffnet am 1. Mai 2014 – verwei- gerte das BFM den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte deren Asylgesuch ab. E. Mit Eingabe vom 2. Juni 2014 (Eingangsstempel der Botschaft) erhoben die Beschwerdeführenden in englischer Sprache Besch werde gegen die Verfügung des BFM vom 9. Januar 2014. Die Botschaft überwies die Ein - gabe zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht zur Behand- lung (Eingangsstempel des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Juni 2014). Die Beschwerdeführenden machte n sinngemäss geltend, die a n- gefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. Sie fühlten sich in ihrem Aufenthaltsstaat nicht s i- cher. In Khartum würden sie sich in ständiger Gefahr um ihr Leben und D-3326/2014 Seite 4 ihre Freiheit befinden. Im UNHCR -Flüchtlingslager Shegerab fehle es an lebensnotwendigen Dingen wie Schutz und Nahrung. Zudem komme es dort zu Entführungen und "human trafficking" durch verschiedene krimi - nelle Gruppierungen , insbesondere durch Angehörige der Rashaid a- Nomaden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, s o auch vorliegend, endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 und 105 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indes - sen verzichtet werden, da der in Englisch abgefassten Beschwerdeein - gabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begrün - dung zu entnehm en sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann. 1.4 Die Beschwerdeführenden sind legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG), und sie haben ihre Beschwerde gemäss Aktenlage fristgerecht bei der schweizerischen Botschaft in Khartum eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 20 Abs. 3 VwVG). Die Beschw erde ist auch formgerecht (Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.5 Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vo r- liegende Entscheid in deutscher Sprache. 1.6 Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. D-3326/2014 Seite 5 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblic hen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, wurden unter anderem die Bestimmungen betreffend die Einrei - chung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergang s- bestimmung (Ziffer III) hält jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel (aArt. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorli e- genden Fall die altrechtlichen Bestimmungen betreffend das Asyl - verfahren anzuwenden. 4. 4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ve r- fahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfr agen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1); ist dies nicht mö g- lich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ih- re Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befra- gung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Pe r- son ist aber in diesem Fall im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelege n- heit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumi n- dest schriftlich zu äussern (BVGE 2007/30 E. 5.7 S. 367). 4.2 Im vorliegenden Fall wurde die Beschwerdeführerin von der Botschaft in Khartum zu ihren Asylgesuchen nicht befragt. Indes wurde sie im Rah - men des rechtlichen Gehörs mittels Schreiben vom 6. August 2013 zur weiteren Konkretisierung ihrer Asylgründe aufgefordert (vgl. Bst. B.a hier - vor). In Verbindung mit den bere its vorgängig enthaltenen Fragestellun - gen sowie den entsprechenden Antworten der Beschwerdeführe rin dazu D-3326/2014 Seite 6 (vgl. Bstn. B.a und B.b hiervor) konnte das BFM letztlich davon ausge - hen, dass sämtliche für die Beurteilung der Asylgesuche aus dem Aus - land notwendigen Aspekte abgedeckt waren, namentlich die genauen Personalien der asylsuchenden Personen, die detaillierten Asylvorbrin - gen, die unternommenen Massnahmen zur Schutzsuche oder die Mö g- lichkeit einer innerstaatlichen Fluchtalternative. Dabei ist fes tzustellen, dass sich die Beschwerdeführerin in allen ihren Eingaben grundsätzlich auf den gleichen Sachverhalt be rief. Aufgrund der Schilderungen der B e- schwerdeführerin durfte das BFM davon ausgehen, dass sämtliche für die Beurteilung de s Asylgesuches aus dem Ausland notwendigen Sachve r- haltsaspekte vorgebracht wurden. Das BFM ist zudem der Begründung s- pflicht des Anhörungsverzichts nachgekommen, so dass im vorliegenden Verfahren dem Anspruch der Beschwerdeführerin (Mutter) auf Gewä h- rung des rechtlichen Ge hörs Rechnung getragen und der entscheidw e- sentliche Sachverhalt in genügender Weise und umfassend abgeklärt wurde. 5. 5.1 Beim Entscheid für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten r e- striktive Voraussetzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessens - spielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Mö g- lichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Bezie - hungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit un d objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgericht s E-5509/2011 vom 22. November 2011 E. 4.4). 5.2 Nach aArt. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. 5.3 Im Rahmen einer Gesamtschau ist dabei zu prüfen, ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung erforderlichen Schutz gewähren soll. Dabei sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Be- ziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und obje k- tive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche sowie die voraus - sichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu D-3326/2014 Seite 7 ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128; vgl. auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D -2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). 6. 6.1 6.1.1 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung fest, aus den Schilderungen der Beschwerdeführerin in ihrem Asylgesuch vom 23. Mai 2011 sowie in ihrer Stellungnahme vom 1. Dezember 2013 lasse sich schliessen, dass sie ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritrei - schen Behörden gehabt habe. 6.1.2 Unglaubhaft würden jedoch ihre Angaben erscheinen, wonach sie Mitte der 1990er Jahre bereits verheiratet gewesen sein wolle, und ihr an- geblicher Ehemann bereits im Jahr 2000 getötet worden sei. Zu diesem Zeitpunkt wäre die Beschwerdeführerin gerade elf Jahre alt gewesen. Zu- dem habe sie bei den persönlichen Angaben in ihrem Schrei ben vom 1. Dezember 2013 weder ihren Zivilstand mit verwitwet angegeben, noch Angaben zu ihrem Ehemann gemacht. 6.2 Es sei zu prüfen, ob einer allfälligen Asylgewährung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG entgegen - stehe. Danach könne einer Person das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Die Beschwerdeführerin sei gemäss ihren Angaben beim UNHCR als Flüchtling registriert worden und habe sich drei Tage lan g im Flüchtlings- lager Shegerab aufgehalten. Sie sei im Sudan in ihren Rechten beschni t- ten worden, Individuen würden sie terrorisieren sowie foltern und sie kön- ne damit nicht zur Polizei, da diese sudanesische Personen begünstigen würde. Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge und Asylsuchende im Sudan aufhalten. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für diese Menschen wie auch für die Beschwerdeführerin und ihr Kind nicht einfach sei. Den noch b estünden keine konkreten Anhaltspunkte zur Annahme, wonach ein weiterer Verbleib im Sudan nicht zumutbar oder nicht möglich wäre. D-3326/2014 Seite 8 Flüchtlinge im Sudan, welche vom UNHCR registriert worden seien und einem Flüchtlingslager zugeteilt würden, bekämen dort die nötige Versor- gung. Die Beschwerdeführerin und ihr Kind verfügten im Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land. Daher sei ihnen zuzumu - ten, beim UNHCR um Schutz zu ersuchen, sollte ihre Situation tatsäch - lich kritisch sein. Unbestrittenermassen sei für eritreische Flüchtlinge das Leben in Khar - tum nicht einfach. Aus den Angaben der Beschwerdeführerin gehe hervor, dass sie mit ihrem Kind seit mehreren Jahren dort leben würde. Die Hür- den für eine zumutbare Existenz in Khar tum seien somit in ihrem Fall nicht unüberwindbar. Überdies lebe im Sudan eine grosse eritreische D i- aspora, die für in Not geratene Landsleute bereit stehe und weitgehend Unterstützung biete. Bei der Anwendung von aArt. 52 Abs. 2 AsylG sei zudem in einer Ge - samtschau die Beziehungsnähe zur Schweiz und die Beziehungsnähe zu anderen Staaten zu prüfen. Den Akten zufolge seien keine Hinweise auf allfällige Anknüpfungspunkte zur Schweiz ersichtlich. Aufgrund dessen sei keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz g egeben, welche die v o- rangegangenen Feststellungen umstossen könnte. Die Be schwerdefüh- renden benötigten den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz g e- mäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht, weshalb ihnen ein weiterer Verbleib im Sudan zugemutet werden könne. Nach dem Gesagten seien sowohl das Asylgesuch als auch der Einreise- antrag abzulehnen. 7. 7.1 Seit rund 40 Jahren suchen eritreische Flüchtlinge im Ostsudan Zu - flucht. Laut UNHCR sind zur Zeit mehr als 100'000 Flüchtlinge in diesem Gebiet untergebracht. Der Ostsudan ist zu einer massgeblichen Transitre- gion für Personen geworden, die aus Eritrea fliehen , und in den Flüch t- lingslagern des UNHCR müssen die Flüchtlinge bis zu drei Monate auf Ausweispapiere warten, weshalb viele vor Erhalt der entsprechenden P a- piere ihr Lager verlassen. Schätzungen des UNHCR zufolge verlassen 80 % der Flüchtlinge die Lager innert den ersten drei Monaten nach ihrer Ankunft und setzen ihren Weg weiter nach Khartum, den Nahen Osten oder Europa fort. Der Sudan verfolgt eine sogenannte "e ncampment po- licy", der zufolge Asylsuchende und Flüchtlinge gehalten sind, sich in ei - nem der zwölf Flüchtlingslager aufzuhalten. Die sudanesischen Behörden D-3326/2014 Seite 9 beschränken die Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge durch diese "encamp- ment policy" und durch die gesetzlich vorgesehene Bestrafung von Flüchtlingen, welche die Flüchtlingslager verlassen. Da die Flüchtlinge oft weder über Identitätspapiere noch über eine Reisebewilligung verfügen, sind sie für ihre Weiterreise – in den Grossraum Khartum, in den Nahen Osten oder nach Europa – von Schleppern abhängig. Sie sind besonders gefährdet, Opfer von Menschenhändlern zu werden. Eritreische Flücht - linge werden namentlich entlang der sudanesisch -eritreischen Grenze aus den Flüchtlingslagern und den Städten im Ostsu dan entführt und de- ren Verwandte um Lösegelder erpresst (vgl. Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts E-3288/2013 vom 11. November 2013 E. 6.3.1 m. w. H.). Im Zusammenhang mit diesem Menschenhandel, den Entführungen und Verschleppungen tritt häufig der arabi sche Nomadenstamm der Rasha i- da, welcher im sudanesischen -eritreischen Grenzgebiet lebt, in Ersche i- nung. Die Rashaida kontrollieren einen grossen Teil des Handels und Schmuggels in dieser Grenzregion; eine kleinere Anzahl von Angehörigen dieses Nomadensta mmes ist auch für den Menschen schmuggel und – handel verantwortlich. Darüber hinaus verfügen die Rashaida über ein gut organisiertes Netzwerk und arbeiten mit anderen Nomadenstämmen und mit ägyptischen Beduinen zusamme n (vgl. E -3288/2013 E. 6.3.1 m. w. H.). Eritreische Flücht linge werden nicht nur aus den Lagern des Ostsudan entführt, es kommt auch zu "Schlepper - bzw. Schmuggelmiss- bräuchen" ("smuggler abuses") entlang den Migrationsrouten Richtung Mittelmeer, wobei die Routen vom Sudan aus insbesondere na ch Nord- westen in Richtung Libyen oder nach Norden in den Nahen Osten, nach Ägypten, führen. 7.2 Die Beschwerdeführerin hat zwar vorgetragen, bereits während ihres dreitägigen Aufenthaltes im UNHCR Flüchtlingslager Shegerab Opfer e i- ner Entführung durch die Ras hida-Nomaden geworden zu sein, welche sie erst nach der Bezahlung eines Lösegelds durch ihre Verwandten wi e- der freigelassen hätten. Danach habe sie sich nach Khartum begeben, wo am 19. Dezember 2010 ihr Kind zur Welt gekommen sei, und wo sie gemäss Aktenla ge noch heute lebt. Folglich befinden sich die Be - schwerdeführenden nicht auf einer der als gefährlich einzustufenden Migrationsrouten. An dieser Stelle ist nochmals darauf hinzuweisen, dass nach Einschätzung des UNHCR das Risiko einer Entführung oder Ver - schleppung ("kidnapping") für eritreische Flüchtlinge und Asylsuchende bei der Einreise in den Sudan am höchsten ist (vgl. E-3288/2013 E. 6.3.2 S. 15). An ihrem derzeitigen Aufenthaltsort in Khartum sind die Beschwer- deführenden hingegen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von D-3326/2014 Seite 10 einer entsprechenden Entführung bedroht. Sie haben daher keine b e- gründete Furcht im Sinne der asylrechtlichen Rechtsprechung, dass eine Verschleppung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit k onkret erfol gen wird. Zusammenfassend ist festzustellen , dass keine konkrete Grund lage für die Annahme besteht, dass die Beschwerdeführenden als eritrei sche Flüchtlinge in Khartum befürchten müssten, Opfer eines Menschen - schmuggels zu werden. 7.3 Das Gericht teilt die Ansicht der Beschwerdeführerin, dass das BFM ihr in der angefochtenen Verfügung zu Unrecht die geltend gemachte "Verwitwung" mit 13 Jahren nicht geglaubt hat. Vor dem Hintergrund der in Eritrea üblichen Zwangsverheiratungen im Kindesalter kan n es durch - aus zu derartigen Konstellationen kommen. Weitere diesbezügliche Au s- führungen erübrigen sich jedoch, da die Vorbringen der Be - schwerdeführenden, wie nachfolgend dargelegt wird, insgesamt nicht asylrelevant sind. 7.4 7.4.1 Die Beschwerdeführerin bringt zwar vor, die Verhältnisse in Khartum seien viel prekärer und gefährlicher als in der angefochtenen Verfü gung dargestellt ("random round ups", Forderungen der sudanesischen Polizei nach Geldleistungen unter Androhung der Deportation und Festnahmen sowie d ie Sorge um ihren Lebensgefährten ). Abgesehen aber von der Festnahme im April 2014 durch die Polizei hat sie keine konkreten Behe l- ligungen während ihres Aufenthalts in Khartum geltend gemacht. Auch ist es ihr gemäss eigenen Angaben gelungen, durch den Ve rkauf von Tee und durch Arbeiten in verschiedenen Haushalten ein Auskommen zu fi n- den. 7.4.2 Es ist nicht abzusprechen, dass die Lebensbedingungen in Khartum generell, und somit auch für die Beschwerdeführerin und ihr Kind, schwie- rig sind. Dennoch ist nicht anz unehmen, dass sie im Sudan den Leben s- unterhalt für sich und ihr Kind nicht mehr wird bestreiten können. Sie lebt gemäss ihren Angaben seit nahezu fünf Jahren in Khartum, wo sie eine Arbeit und eine Unterkunft gefunden hat. Sie verkauf t Tee und besorg t gegen Entgelt in verschiedenen Haushalten verschiedene Tätigkeiten wie Kleider waschen und bügeln oder Putzen. Das Bundesverwaltungsgericht erkennt keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführe- rin inskünftig nicht mehr für den notwendigen Leben sunterhalt wird au f-D-3326/2014 Seite 11 kommen können; allenfalls kann sie auch mit der in Khartum lebenden grossen eritreischen Diaspora rechnen. Dies umso mehr, als sie in ihrer Eingabe vom 1. Dezember 2013 ausdrücklich erklärte, sie habe zwar kei- ne Verwandten im Sudan, abe r ihre Nachbarn seien eritreische Flüchtlin- ge (vgl. Eingabe vom 1. Dezember 2013 S. 7). Sollten die Beschwerd e- führenden einen weiteren Aufenthalt in Khar tum nicht mehr in Betracht ziehen, haben sie die Möglichkeit, sich wieder in das ihnen zugewiesene Flüchtlingslager zu begeben, wo sie mit Schutz und einer ausreichenden Versorgung rechnen können, auch wenn es dort – wie oben dargelegt – in der Vergangenheit zu Entführungen von Flüchtlingen aus dem Camp und um das Camp herum gekommen ist. Zwar kann mith in die Gefahr (respektive die schwierig einzuschätzende Wahrscheinl ichkeit) einer En t- führung im She garab-Lager nicht ausgeschlossen werden; indessen g e- nügt eine aktuell für die Beschwerdeführenden gar nicht in unmittelbar absehbarer Zukunft und konkret bev orstehende Möglichkeit einer allfäll i- gen Gefährdung den flüchtlingsrechtlichen Anforderungen an eine b e- gründete Furcht vor Verfolgung nicht (vgl. E-3288/2013 E. 6.4). 7.5 Die Beschwerdeführenden halten sich in einem Drittstaat, dem Sudan auf. Wie vorstehend bereits ausgeführt wurde, anerkennt die Vorinstanz und das Gericht, dass die Umstände im Sudan schwierig und teilweise unbefriedigend sind. Dennoch sind sie nicht dergestalt, dass auch ohne Bezug zur Schweiz eine Einreise in die Schweiz bewilligt werden mü sste (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekur s- kommission [EMARK] 2005 Nr. 19). 7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass den Beschwerdeführenden ein weiterer Verbleib im Sudan zumutbar ist und sie auf den Schutz der Schweiz nicht angewiesen sind. Die Vorinstanz hat demnach den B e- schwerdeführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den re chtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da - her abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). A us ver-D-3326/2014 Seite 12 waltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3326/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden , das BFM und die schweizerische Botschaft in Khartum. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Ulrike Raemy Versand: