<h2>SubmittedText<h2><p>Das Ökosystem Wald hat vielfältige Funktionen für das Gemeinwohl. Unter anderem speichert und filtert es Trinkwasser. Der Wald ist aber unter Druck: Durch die Klimaerhitzung und der damit verbundenen Trockenheit und durch übermässige Stickstoffeinträge ist der Wald einem Dauerstress ausgesetzt. Ich bitte den Bundesrat in diesem Kontext um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass der Wald für die Trinkwasserbereitstellung eine unverzichtbare Rolle spielt? Welche Rolle wird das Grundwasser aus Wäldern für die zukünftige Wasserversorgung der Schweiz, insbesondere im Mittelland, einnehmen?</p><p>2. Wie viel Prozent der Grundwasserschutzzonen befinden sich in Wäldern, bzw. wie viel Prozent der Schweizer Waldfläche befindet sich in einer Grundwasserschutzzone?</p><p>3. Welchen Einfluss hat die Forstwirtschaft bzw. die Art der Bewirtschaftung auf den Wasserhaushalt von Wäldern? Wo sieht der Bund Zusammenhänge zwischen der Waldbewirtschaftung (Entwässerungssysteme, Bodenverdichtung, Artenzusammensetzung) und der Resilienz des Waldes in Bezug auf das Grundwassersystem?</p><p>4. Kann der Bundesrat abschätzen, welchen Einfluss die Klimaerhitzung und die Stickstoffeinträge auf die Quantität und Qualität des Grund- und Trinkwassers in den Wäldern hat?</p><p>5. Wo bestehen in der Forschung noch Wissenslücken (z.B. Mykorrhiza, Mikrobielle Gemeinschaften), welchen gemäss dem Vorsorgeprinzip grössere Beachtung zukommen sollten?</p><p>6. Wo sieht der Bund seitens Waldbewirtschaftung mit Bezug auf das Grundwasser Handlungsbedarf, bzw. welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor zur Gewährleistung der Trinkwasserversorgung aus Grundwasserschutzgebieten innerhalb des Waldes?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Wald spielt für die Trinkwasserbereitstellung eine wichtige Rolle. Der Wald hat einen positiven Einfluss auf die Qualität des Grundwassers, da die Verwendung umweltgefährdender Stoffe grundsätzlich verboten ist und der Waldboden einige Schadstoffe zurückhalten und filtern kann. Die Waldnutzung belastet das Grundwasser nur wenig. Heute und in Zukunft wirkt sich eine nachhaltige Waldbewirtschaftung positiv auf die Sicherung der Wasserversorgung aus.</p><p>2. Gestützt auf Daten aus 20 Kantonen befinden sich flächenmässig rund 42 Prozent aller Grundwasserschutzzonen in Wäldern, dies entspricht gut 9 Prozent der Schweizer Waldfläche.</p><p>3. Zahlreiche Studien haben einen Zusammenhang zwischen der Art der Waldbewirtschaftung und der Qualität des aus dem Wald stammenden Wassers nachgewiesen. Der naturnahe Waldbau ist eine gute Rahmenbedingung für den Grundwasserschutz. Zudem haben die Baumarten einen Einfluss auf die Menge der Grundwasserspende aus dem Wald. So versickert unter Laubbäumen mehr Wasser in den Boden und damit in das Grundwasser als unter Nadelbäumen. Diesbezüglich hat der Schweizer Wald eine gute Durchmischung.</p><p>4. Die Stickstoffeinträge über die Luft und das Regenwasser sind nach wie vor zu hoch und haben einen negativen Einfluss auf die Qualität des Wassers. Diese Belastung führt mit der Zeit zur Auswaschung wichtiger Mineralien, was eine einseitige Nährstoffversorgung der Bäume zur Folge hat. Durch zu hohe Stickstoffeinträge nimmt die Anfälligkeit gegenüber Windwurf, Trockenheit, Pflanzenkrankheiten und Schädlingen zu. Dies sind Faktoren, bei denen mit dem Klimawandel eine Zunahme zu erwarten ist. Mit der Versauerung wächst auch das Risiko einer verstärkten Nitrat- und Schadstoffbelastung des Grundwassers aus bewaldeten Einzugsgebieten. Je saurer die Waldböden, desto höher sind die Konzentrationen an Aluminium, Eisen und Mangan im abfliessenden Sicker- und Oberflächenwasser.</p><p>5. Bezüglich "Mykorrhiza und Stickstoff" wurde 2017 eine vom Bundesamt für Umwelt geförderte Studie publiziert, in welcher der Einfluss der Stickstoffeinträge auf die Menge und Zusammensetzung der Mykorrhiza in der Schweiz nachgewiesen wurde (www.sciencedirect.com &gt; Nitrogen deposition changes ectomycorrhizal communities in Swiss beech forests). Forschungsbedarf besteht insbesondere noch hinsichtlich der Interaktionen zwischen Stickstoffeinträgen und Klimawandel auf den Wald.</p><p>6. Eine Massnahme bei der Waldbewirtschaftung mit Bezug auf das Grundwasser ist die Erhöhung der Baumarten- und Strukturvielfalt sowie des Laubbaumanteils. Dies wird auch im Rahmen der Anpassung an den Klimawandel angestrebt. Handlungsbedarf besteht insbesondere bei der Reduktion der zu hohen Stickstoffeinträge, welche sich auf die Qualität und Quantität der Wasserversorgung auswirken (vgl. Bericht des Bundesrats in Erfüllung des Postulats 13.4201 Von Siebenthal). Am 13. April 2022 hat der Bundesrat sein Verordnungspaket für sauberes Trinkwasser und eine nachhaltigere Landwirtschaft verabschiedet. Für Stickstoffverluste hat er darin eine Reduktion um mindestens 20 Prozent bis 2030 festgelegt. Zudem begrüsst der Bundesrat freiwillige Partnerschaften zwischen Waldwirtschaft und Wasserversorgung zur Förderung der Qualität und Quantität des Grund- und Trinkwassers aus den Wäldern.</p>  Antwort des Bundesrates.