BRKE II Nr. 0232/2004 vom 2. November 2004 in BEZ 2004 Nr. 73 Mit Entscheid vom 12. Mai 2004 verweigerte der Gemeinderat X die baurechtliche Bewilligung für Sonnenkollektoren auf dem Dach eines Gebäudes in der Kernzone. Die 14,8 m breiten und 1,1 m hohen Sonnenkollektoren sollten im Bereich des zweiten Dachgeschosses eingebaut werden, oberhalb einer ca. 15 m breiten Schleppgaube. Gegen die Bewilligungs verweigerung erhoben die Grundeigentümer Rekurs. Aus den Erwägungen: 3. b) (...) Nach § 238 Abs. 2 PBG ist auf Objekte des Natur - und Heimatschutzes besondere Rücksicht zu nehmen. Ein derartiger Anwendungsfall liegt in casu klarerwe i- se vor, gehört da s streitbetroffene Gebäude doch einerseits einer nach § 205 PBG eine planungsrechtliche Schutzmassnahme darstellenden Kernzone an und handelt es sich beim Ortsbild von X zudem um ein solches von kantonaler Bedeutung. f) Nach dem Dafürhalten der Rekurrieren den hätte die Vorinstanz bei ihrem En t- scheid neben rein ortsbaulichen Gesichtspunkten insbesondere auch umweltrechtliche Aspekte b erücksichtigen müssen. Beim streitbetroffenen Gebäude handelt es sich um ein ohne fossile Brennstoffe auskommendes, dem «Miner gie»-Standard entsprechendes Gebäude. Gemäss rekurrentischen Angaben anlässlich des Lokaltermins ist eine au s- reichende Energieverso rgung des streitbetroffenen Gebäudes ohne die fraglichen So n- nenkollektoren nicht mehr g ewährleistet bzw. müssen aufwendige Er satzmassnahmen getroffen werden (Tiefenbohrung). Den Rekurrierenden ist ohne weiteres darin beizupflichten, dass an der nicht mit zusätzlichen CO 2 -Emissionen verbundenen Nutzung erneuerbarer Energien ein erhebl i- ches öffentliches Interesse besteht. Dieses z eigt sich vorab daran, dass sich Bund und Kantone gemäss Art. 89 BV (u.a.) für eine umweltverträgliche Energieversorgung einz u- setzen haben. Eines der vom Energiegesetz (EnG) definierten Ziele besteht in der ve r- stärkten Nutzung erneuerbarer Energien (Art. 1 Abs. 2 lit. c, Art. 3 Abs. 1 lit. c und Art. 5 Abs. 3 EnG). Soweit die Rekurrierenden allerdings sinngemäss dafürhalten, dass di e- sem Ziel ortsbauliche G esichtspunkte ohne weiteres unterzuordnen seien, so ist dem zu widersprechen. Auch an der Erhaltung wei tgehend intakter Dorfbilder wie demjenigen von X besteht ein gewichtiges ö ffentliches Interesse. Dies manifestiert sich etwa darin, dass der Bund bei der Erfüllung se iner Aufgaben Rücksicht auf die Anliegen des (in die Zuständigkeit der Kantone fallenden; Art. 78 Abs. 1 BV) Natur - und Heimatschutzes zu nehmen und Ortsbilder zu schonen sowie sie gar ungeschmälert zu erhalten hat, wenn es das öffentliche Interesse gebietet (Art. 78 Abs. 2 BV; vgl. auch Art. 3 Abs. 1 des Bu n- desgesetzes über den Natur- und Heimatschutz, NHG, welche Norm diese Verpflichtung auch auf die Kantone ausdehnt). Es stehen sich mithin gleichrangige öffentliche Intere s- se gegenüber, welche sorgfältig gegeneinander a bzuwägen sind. W ährend in «norm a-- 2 - len» Bauzonen das öffentliche Interesse an der Nutzung erneuerbarer Energien zumeist prävalieren dürfte, ist der diesbezügliche Entscheid in durch die Festsetzung einer Ker n- zone planungsrechtlich geschützten Ortsbildern differenzierend nach den im konkreten Einzelfall bestehenden Gegebenheiten zu t reffen. Selbst diesfalls bestünde allerdings kein Raum für eine Interessenabwägung, sofern die Kernzonenvo rschriften Sonnenko l- lektorenanlagen ausdrücklich untersagten, womit die Interessenabw ägung auf Gese t- zesstufe vorweggenommen wäre. Dies ist in casu nic ht der Fall. Doch ist den Kernz o- nenbestimmungen wie erwähnt zu entnehmen, dass Durchbrechungen der Dachhaut im zweiten Dachgeschoss nicht oder höchstens in untergeordnetem Umfang z ugelassen werden sollen. Tendenziell wird hiermit der Erhaltung der bestehen den Dachlandschaft in dem wie erwähnt kantonal bedeutsamen Ortsbild von X eine besondere Bedeutung zugemessen. Dieser von einem wesentlichen öffentlichen Interesse gedeckten W ertung haben sich die (öffentlichen und privaten) Interessen an der Nutzung erneu erbarer Energien, soweit solche Massnahmen dem erwähnten Anliegen zuwiderlaufen, unterz u- ordnen. In der vorliegend fraglichen Kernzone sind Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien daher nur insoweit als zulässig anzusehen, als sie mit den ortsbaulich verf olg- ten Absichten vereinbar sind (Erdwärmesonden, W ärmepumpen, ebenerdig aufgestellte oder im Bereich des ersten Dachgeschosses situierte Sonnenkollektoren).