B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1751/2024 U r t e i l v o m 3 . J u n i 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiberin Sarah Rutishauser. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Janine Hugentobler, Rechtsschutz für Asylsuchende, Bundesasylzentrum Region Zürich, Förrlibuckstrasse 110, 8005 Zürich, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); Verfügung des SEM vom 13. März 2024 / N (…). D-1751/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni- scher Ethnie – suchte am 16. Januar 2024 in der Schweiz um Asyl nach. Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Zürich zugewiesen. B. Der Beschwerdeführer wurde jeweils im Beisein seiner Rechtsvertretung am 24. Januar 2024 summarisch zu seiner Person ( PA) befragt und am 1. März 2024 zu seinen Asylgründen (nach Art. 29 AsylG [SR 142.31]) an- gehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs und zu seinem persönlichen Hinter- grund führte er im Wesentlichen aus, Probleme mit den Taliban zu haben, die in Pakistan begonnen hätten. Er sei in einem afghanischen Flüchtlings- camp in Peshawar (Pakistan) geboren und aufgewachsen . Nachdem er seine Ausbildung in Islamabad abgeschlossen habe, habe er im Jahr 2017 geheiratet und sei mit seiner Familie im Dezember 2019 nach Jalalabad, Afghanistan, gezogen, wo er bis zum Regierungssturz im Jahr 2021 als Lehrer Wirtschaft und Statistik unterrichtet habe . Nach seinem Stellenan- tritt im Jahr 2017 in Peshawar habe ihn sein damaliger Lehrer W.A., der zwischenzeitlich in der afghanischen Regierung mit zwei weiteren Gefähr- ten (H.N. und H.) Einsitz genommen habe, als zu wenig gläubig kritisiert , und sie hätten in der Schule beziehungsweise auf Facebook gegeneinan- der einen pro/contra -Taliban-Disput geführt. Alsdann sei er im Februar 2019 in Pakistan von den Taliban angehalten und im Beisein von W.A. wäh- rend dreier Nächte festgehalten und geschlagen worden. Für seine Frei- lassung habe er ein Glaubensbekenntnis ablegen sowie alle Posts auf Facebook löschen müssen. Danach habe er die Fachhochschule in Pesha- war abgeschlossen, sei ne Lehrerstelle gekündigt und dem afghanischen Konsulat die Zustände in den afghanischen Schulen in Peshawar berichtet. Er habe eine Anzeige gegen die Lehrer W.A und H.N. erstattet, woraufhin H.N. und dessen Bruder M. festgenommen worden seien. Deren Vater, jet- ziges Mitglied der afghanischen Regierung, habe dem Beschwerdeführer im Januar 2020 gedroht, sich dafür an ihm zu rächen. Im März 2021 sei der Beschwerdeführer mit seinem Cousin, der aus einer militärnahen Fa- milie stamme, und einem Ranger nach Kabul gefahren. Nach dem Verlas- sen des Wagens sei eine Bombe im hinteren Teil des Fahrzeugs explodiert. Im gleichen Monat habe er nach einem Angriff auf ein Kinderspital in Kabul die Taliban mit einem Social-Media-Beitrag als Terroristen bezeichnet, D-1751/2024 Seite 3 woraufhin dieser Post von W.A. mit einer Drohung gegen ihn kommentiert worden sei. Am Tag des Regierungssturzes (26. August 2021 ) sei er zwecks Ausreise spontan – ohne seine Ehefrau und die vier Kinder – zum Flughafen gegangen, habe jedoch aufgrund des Menschenandranges erst in der zweiten Nacht illegal aus Afghanistan ausfliegen können. Am 27. Au- gust 2021 habe er telefonisch von der Suche des Bildungsministeriums nach ihm erfahren. Nach der Ausreise hätten die Taliban bei ihm zu Hause mehrmals Razzien durchgeführt. Seinem Vater seien von H.N. im Rahmen der regelmässig stattfindende n Hausdurchsuchungen zwei an den Be- schwerdeführer gerichtete Drohbriefe der Taliban übergeben worden. Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer b eim SEM Kopien der Tazkara, des Passes sowie des pakistanischen Flüchtlingsaus- weises und zur Stützung seiner Vorbringen zwei Drohbriefe der Taliban und verschiedene Schuldiplome wie auch Arbeitsbestätigungen aus Afghanis- tan und Pakistan, ein. C. Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers reichte am 12. März 2024 im Rahmen des rechtlichen Gehörs beim SEM eine Stellungnahme zum Ent- scheidentwurf ein. D. Der Beschwerdeführer wurde am 13. März 2024 dem Kanton Aargau zu- geteilt. E. Mit gleichentags eröffnetem Entscheid vom 13. März 2024 lehnte das SEM unter Verneinung der Flüchtlingseigenschaft das Asylgesuch des Be- schwerdeführers vom 16. Januar 2024 ab , ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an und setzte den Vollzug zugunsten einer vorläufigen Auf- nahme einstweilen aus. F. Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 20. März 2024 erhob der Be- schwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwal- tungsgericht und beantragte die Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3 (Flüchtlingseigenschaft, Asyl, Wegweisung) der angefochtenen Verfügung und unter Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft die Gewährung von Asyl. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er unter Verzicht auf das D-1751/2024 Seite 4 Erheben eines Kostenvorschusses um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Der Beschwerde lag nebst dem angefochtenen Entscheid mit Empfangs- bestätigung und einer Vollmacht ein medizinisches Datenblatt vom 14. März 2024 mit der Diagnose «depressive Entwicklung» bei. G. Mit Schreiben vom 21. März 2024 bestätigte das Bundesve rwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. H. Der Instruktionsrichter wies mit Verfügung vom 10. April 2024 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab. Gleichzeitig for- derte er den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses auf, welche fristgerecht erfolgte. I. Mit Eingaben vom 24. April 2024 und 7. Mai 2024 reichte der Beschwerde- führer einen USB -Stick mit einem Video (Aufnahme einer Hausdurchsu- chung bei der Familie) und einen Fotoausdruck (Telefon-Screenshots) ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Ver- fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist nach Leistung des Kostenvorschusses einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. D-1751/2024 Seite 5 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solche n Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Subjektive Nachfluchtgründe führen zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, aber zum Ausschluss des Asyls (Art. 54 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verf älschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Beschwer- deführer sei aufgrund seiner Propaganda gegen die Taliban in der Zeit als Lehrer in Pakistan als ideologischer Gegner wahrgenommen worde n, je- doch hätten sich die Auseinandersetzungen mit dem Lehrer W.A. und des- sen Weggefährten bereits im Jahr 2017 ereignet . Der Social-Media-Post eines Fotos mit seinem militärnahen Onkel und Cousin sei bereits im Jahr 2014 veröffentlicht worden. Die mutmassliche Festnahme im Jahr 2019 in Pakistan könne zwar als Vergeltungsaktion gewertet werden. Danach be- ziehungsweise nach dem Umzug nach Jalalabad habe der Beschwerde- führer aber gemäss eigenen Angaben weder aktiv gegen die Taliban Pro- paganda betrieben noch sei er anderweitig politisch aktiv gewesen. Ferner sei das konkrete Ziel des mutmasslichen Autobombenanschlages im März 2021 unklar und das Militärfahrzeug des Cousins (Kommandant der afgha- nischen Special Forces) sei dafür wahrscheinlicher, als die Person des Be- schwerdeführers. Beim Beschwerdeführer sei nicht von einem genügend geschärften Profil als bedeutende m politischem und ideologischem Geg- ner auszugehen. Hätten die Taliban ein wahrhaftes Interesse an ihm ge- habt, hätten sie ihn bereits Jahre vor der Machtübernahme, als er noch politisch engagiert gewesen sei und Stellung gegen die Taliban bezogen D-1751/2024 Seite 6 habe, inhaftieren oder mundtot machen können. Im Weiteren sei ange- sichts des spontanen Entschlusses zur Ausreise (keine Vorbe reitungs- pläne) nicht von einem unerträglichen psychischen Druck des Beschwer- deführers auszugehen. Er habe unmittelbar nach dem Regierungssturz am 26. August 2021 und damit vor der Information vom 27. August 2021, dass er gesucht werde, erfolglos ausreisen wollen. Der Grund für die Ausreise habe daher vielmehr in generellen Bedenken aufgrund der Machtüber- nahme der Taliban als in einer konkreten Bedrohungssituation des Be- schwerdeführers bestanden. Die Vorbringen hinsichtlich einer Verfolgung durch die Taliban seien mangels Intensität und Gezieltheit nicht flüchtlings- rechtlich relevant. Ein erhöhtes Risikoprofil für sich alleine vermöge keine Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung zu begründen , son- dern es bedürfe zusätzlicher risikoschärfender El emente, eine abstrakte Gefährdung individuell zu konkretisieren. Da der Beschwerdeführer ge- mäss eigenen Angaben seit 2019 weder Handlungen gegen die Taliban vorgenommen, sich als Lehrer exponiert habe, noch politisch tätig gewe- sen sei, müsse er bei einer Rückkehr nach Afghanistan und in absehbarer Zukunft nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit mit flüchtlingsrechtlich re- levanten Verfolgungsmassnahmen rechnen. Seine subjektive Furcht vor künftigen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG sei objektiv nicht begründet und seine Vorbringen seien nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Aufgrund fehlender Asylrelevanz könne auf die Prüfung allfälli- ger Unglaubhaftigkeitselemente verzichtet werden, auch wenn ein Vorbe- halt betreffend Übergabe des (zweiten) Drohbriefes anzubringen sei. Den eingereichten Drohbriefen komme aber ohnehin kein Beweiswert zu ( da käuflich erhältlich, leicht fälschbar) und die Glaubhaftigkeit der nach seiner Ausreise bei der Familie durchgeführten Razzien könne mangels Bewei- sen und der Tatsache, dass es sich dabei um Informationen aus zweiter Hand handle, nicht überprüft werden. Der Stellungnahme der Rechtsvertretung zum Entscheidentwurf hinsicht- lich Glaubhaftigkeit komme wenig Gewicht zu, weil d ie Vorinstanz diese nicht in Frage stelle. Insofern der Beschwerdeführer alsdann einräume, er habe ab dem Jahr 2019 zwar keine Propaganda mehr gegen die Taliban verbreitet, jedoch einwende, er habe dennoch weiterhin Posts auf Face- book geteilt und sei von den G egnern (W.A., F., H.H.) mehrheitlich münd- lich und per WhatsApp bedroht worden, stelle das SEM die verbalen Dro- hungen der Taliban gar nicht in Frage, sondern nur deren Intensität und das Risikoprofil des Beschwerdeführers. Die Stellungnahme bringe hierzu keine neuen Erkenntnisse. Zudem handle es sich bei den angeblichen Dro- hungen per WhatsApp um ein nachgeschobenes Argument, das bisher D-1751/2024 Seite 7 weder erwähnt noch belegt worden sei . Im Weiteren würden in der Stel- lungnahme bisherige Vorbringen wiederholt und blieben un belegt (regel- mässige Hausdurchsuchungen bei der Familie). Zudem könne es sich bei den vorgebrachten Razzien um Routinehandlungen der Taliban zwecks Einschüchterung der Bevölkerung handeln. Im Weiteren überzeuge nicht, dass die Familie dem Beschwerdeführer wegen seines schlechten psychi- schen Gesundheitszustandes zwar von einmal pro Monat stattfindenden Razzien, jedoch nicht von zweimonatlichen erzählt habe, um ihn damit zu schonen. Alsdann handle es sich bei der Information, der Vater sei zweimal auf den Polizeiposten vorgeladen worden, um ein weiteres, nachgescho- benes Argument. Auch ändere die Präzisierung in der Stellungnahme, es habe sich beim im Militärfahrzeug mitfahrenden Cousin nicht um denjeni- gen bei den Special Forces, sondern um dessen jüngeren Bruder gehan- delt, nichts an der Unklarheit über das konkrete Angriffsziel. Das SEM halte an der Einschä tzung des fehlenden Risikoprofils des Beschwerdeführers fest, was durch das Fehlen von drastischeren Massnahmen (wie Festnah- men) gegen die Familienmitglieder trotz Razzien bestätigt werde. Zudem sei der Beschwerdeführer in den Monaten vor seiner Ausreise – abgese- hen von Social-Media-Kommentaren der Taliban – nie bedroht worden. 4.2 In der Beschwerde wird in Wiederholung der bisherigen Vorbringen im Wesentlichen die Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Beschwerdefüh- rers mittels detaillierter Aufzählung von Realkennzeichen dargelegt und die Stellungnahme zum Entscheidentwurf wiedergegeben. So bringt der Be- schwerdeführer nochmals vor, er habe sich mehrere hochrangige Mitglie- der der aktuellen Taliban-Regierung zu Feinden gemacht, habe ihre Unter- stützung bereits im Jahr 2019 abgelehnt, sei auf den Sozialen Medien tätig gewesen und sei entführt sowie gefoltert worden. Nach seinem Umzug mit der Familie nach Afghanistan habe er bis zu seiner Ausreise im August 2021 weiterhin talibanfeindliche Beiträge auf den Sozialen Medien geteilt und sei bis dahin mittels Facebook-Kommentaren und per Telefon bedroht worden. Aufgrund der Mach tübernahme der Taliban und der Einsetzung seiner Feinde in hohen Positionen der Regierung habe er sich zur Ausreise entschieden. Das Haus seiner Familie werde seither regelmässig auf Hin- weise auf seinen Verbleib durchsucht. 5. 5.1 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung die vom Beschwerde- führer geltend gemachten Vorbringen – ungeachtet ihrer Glaubhaftigkeit – zu Recht als nicht asylrelevant erachtet. Zur Vermeidung von Wiederho- lungen kann auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung sowie D-1751/2024 Seite 8 auf E. 4.1 hiervor verwiesen werden. Die Ausführungen auf Beschwerde- ebene führen, wie zu sehen sein wird, zu keiner anderen Betrach tungs- weise. Auf die Entgegnungen in der Beschwerde ist im Folgenden näher einzugehen. 5.2 Die Beschwerde enthält keine neuen Argumente und erschöpft sich in einer Wiederholung derer, mit denen sich die Vorinstanz bereits eingehend und zutreffend auseinandergesetzt hat. So hat die Vorinstanz in der ange- fochtenen Verfügung aufgrund der Stellungna hme der Rechtsvertretung zum Entscheidentwurf festgehalten, dass die Glaubhaftigkeit der Vorbrin- gen nicht in Frage gestellt wurde. Die hierzu dennoch (wiederholten) aus- führlichen Darlegungen in der Beschwerde (S. 6 bis 9) sind nicht relevant. Alsdann wird hauptsächlich an den Vorbringen zum Taliban-Disput auf Fa- cebook mit dem damaligen Lehrer W.A., zur Berichterstattung über die Schulbedingungen, der Entführung und Anzeige festgehalten, jedoch ha- ben sich diese allesamt vor dem Umzug nach Afghanistan in Pakistan er- eignet. Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass seit dem Jahr 2019 aus den Akten nicht hervorgeht, der Beschwerdeführer sei speziell politisch exponiert gewesen oder habe aktiv gegen die Taliban politisch propagiert und ebenso gibt es dafür in der Beschwerde keine Anhaltspunkte. Mit der blossen Wiederholung der bisherigen Argumente ohne rechtsgenügliche Auseinandersetzung mit der diesbezüglichen Begründung in der angefoch- tenen Verfügung und mit den weiterhin unsubstantiierten, unbelegten Be- hauptungen (talibanfeindliche Aktivitäten auf Social Media) vermag der Be- schwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten (Beschwerde, S. 9 f.). Es ist nicht von einem ernsthaften Interesse der Taliban an ihm auszuge- hen und der Vorinstanz zuzustimmen, dass die erstmals in der Stellung- nahme zum Entscheidentwurf dargelegten Drohungen per Telefon sowie die angeblichen Vorladungen des Vaters auf den Polizeiposten – auch auf Beschwerdeebene – nicht nur unbelegt geblieben sind, sondern auch als nachgeschoben zu erachten sind . An dieser Einschätzung vermag die (wiederholte) blosse Behauptung , die Cousine des Beschwerdeführers habe gegenüber der Rechtsvertretung die Angaben zur Periodizität der Hausdurchsuchungen und zur diesbezüglichen Anwesenheit von H.N. seit November 2023 sowie die Vorladungen des Vaters per WhatsApp bestä- tigt, nichts zu ändern. Einerseits sind solche Bestätigungen einer Drittper- son – umso mehr, wenn sie von nahen Verwandten stammen – von niedri- gem Beweiswert, da die Möglichkeit einer reinen Gefälligkeit nicht auszu- schliessen ist. Andererseits räumt der Beschwerdeführer gleichzeitig ein, H.N. sei seit November 2023 der Provinz der Familie (Nangarhar) zugeteilt, weshalb seine Anwesenheit bei Hausdurchsuchungen in seine m D-1751/2024 Seite 9 Zuständigkeitsbereich nicht überrascht (Beschwerde, S. 11). Selbst bei der Annahme von regelmässig durchgeführten Hausdurchsuchungen nach der Ausreise sind solche seit dem erfolgten Regierungssturz in Afghanistan nicht unüblich, weshalb daraus – mit Bezug auf das Asylverfahren – nicht ohne Weiteres etwas zu seinen Gunsten abgeleitet werden kann. Es be- stehen keine Hinweise darauf, der Beschwerdeführer sei aufgrund einer allfälligen Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko in Afghanistan ausgesetzt (vgl. dazu als eines von vielen das Urteil des BVGer D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.2 ff.), woran auch die bei der Vor- instanz eingereichten Beweismittel, welche leicht fälschbar und käuflich zu erwerben sind, nichts zu ändern vermögen. Gegen eine gezielte Verfol- gung des Beschwerdeführers spricht alsdann der Umstand, dass er seine Ehefrau und die vier Kinder im Heimatsta at zurückgelassen hat und ge- genüber diesen – ausser den Hausdurchsuchungen, bei denen nach sei- nem Verbleib gefragt werde – keine anderen beziehungsweise weiteren, gegen sie gerichtete Massnahmen, eingeleitet beziehungsweise dargetan wurden. Demgemäss kann der Beschwerdeführer aus dem nachgereich- ten Video eben dieser mutmasslichen Hausdurchsuchung bei seiner Fami- lie und dem dazugehörigen Handy -Screenshot, der das Datum der Auf- nahme vom 12. April 2024 bestätigen soll, nichts zu seinen Gunsten ablei- ten (act. 5 und 6). Das auf Beschwerdeebene eingereichte medizinische Dokument vom 14. März 2024 stellt die Diagnose einer depressiven Entwicklung fest (Be- schwerdebeilage 4). Der Beschwerdeführer reichte d ieses Dokument als Nachweis für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen (Anzahl Razzien) ein, jedoch wird eben diese im Grundsatz gar nicht bezweifelt respektive offen- gelassen, wobei insbesondere auch die tatsächliche Periodizität der Haus- durchsuchungen vorliegend nicht massgeblich relevant ist. Das beigelegte Dokument ist aber auch im Übrigen unbehelflich, weil ein Arztbericht eine psychische Störung beziehungsweise eine Depression zwar belegen kann, nicht aber deren genaue Ursache feststellen (BVGE 2015/11 E. 7.2.2). Das Argument des Beschwerdeführers , seine Familienmitglieder seien beim ehemaligen Militär tätig gewesen (Onkel als Brigadeadmiral in Jala- labad; Cousin als Kommandant bei den Special Forces; Beschwerde, S. 12), vermag keine aktuelle, persönliche asylrechtlich relevante Verfol- gung des Beschwerdeführers glaubhaft erscheinen zu lassen , zumal das gemeinsame auf Social Media veröffentlichte Foto aus dem Jahr 2014 aus Pakistan stammt. Ebensowenig besteht ein Grund für die Annahme einer D-1751/2024 Seite 10 Reflexverfolgung, da zudem auch nicht geltend gemacht wurde, die (bei- den) Verwandten seien aus Afghanistan ausgereist. Die geltend gemachte Furcht vor einer (bisherigen und künftigen) asylrele- vanten Verfolgung ist als unbegründet einzustufen. 5.3 Insgesamt ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine aktuell drohende Verfolgung nach Art. 3 AsylG darlegen konnte. Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers demnach zu Recht verneint und sein Asylgesuch folgerichtig abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das SE M das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt in der Schweiz insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. Nachdem die Vorin stanz den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Verfügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vor- liegen der weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Verfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht D-1751/2024 Seite 11 [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG). Der am 22. April 2024 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-1751/2024 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Sarah Rutishauser Versand: