<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">188</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">[...]</span><br/> <span class="ft4"><b>34</b></span> <span class="ft4"><b>Bewertung der Angebote; "Strafabzüge"</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Unzulässigkeit von "Strafabzügen" für Offertmängel im Rahmen der</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Offertbewertung</b></span><br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 31. Mai</span><br/> <span class="ft2">2017, i.S. A. AG gegen Stadt B. (WBE.2016.540)</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">4.2.5.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin hat es insbesondere bei den Referenz-</span><br/> <span class="ft1">projekten Nrn. 1 und 3 unterlassen, detaillierte Informationen zur</span><br/> <span class="ft1">Bandbreite der ausgeführten Arbeitsleistungen bzw. zu den Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">gattungen zu machen, was jeweils zu einer "Bewertung" mit</span><br/> <span class="ft1">0 Punkten geführt hat (mit der Begründung "nicht vergleichbar" bzw.</span><br/> <span class="ft1">"unklar"). Die Beschwerdeführerin macht in diesem Kontext geltend,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">189</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die Vergabestelle hätte die aus ihrer Sicht fehlenden oder unklaren</span><br/> <span class="ft1">Angaben entweder bei ihr oder bei den angegebenen Referenzperso-</span><br/> <span class="ft1">nen einholen können. Ersteres war vom Ingenieurbüro, welches das</span><br/> <span class="ft1">Submissionsverfahren und die Auswertung durchführte, auch tat-</span><br/> <span class="ft1">sächlich beabsichtigt. So wurde die Beschwerdeführerin mit E-Mail</span><br/> <span class="ft1">vom 10. November 2016 zur Präzisierung ihrer Referenzangaben</span><br/> <span class="ft1">aufgefordert, damit die Bandbreite der Arbeitsleistungen mit dem</span><br/> <span class="ft1">ausgeschriebenen Projekt verglichen und angemessen beurteilt wer-</span><br/> <span class="ft1">den könnten. Aus der Beschreibung der verschiedenen Referenz-</span><br/> <span class="ft1">projekte sei nicht genau ersichtlich, welche Arbeitsleistungen abge-</span><br/> <span class="ft1">deckt worden seien. Das E-Mail wurde später zurückgerufen und der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin vom Stadtbauamt (...) mit E-Mail vom 14. No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2016 mitgeteilt, die Referenzobjekte würden jeweils anhand</span><br/> <span class="ft1">der Beschreibung in der Offerte, Beilage B.2, bewertet.</span><br/> <span class="ft1">Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist es</span><br/> <span class="ft1">unzulässig, fehlende oder ungenügende Angaben in der Offerte mit</span><br/> <span class="ft1">formal begründeten "Strafabzügen" zu bewerten. Erweisen sich vor-</span><br/> <span class="ft1">handene Mängel eines Angebots als nicht derart gravierend, dass das</span><br/> <span class="ft1">Angebot deswegen auszuscheiden wäre, und verzichtet die Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">stelle auch auf entsprechende Rückfragen, ist sie also der Auffas-</span><br/> <span class="ft1">sung, dass die Offerte in der Form, wie sie eingereicht worden ist,</span><br/> <span class="ft1">durchaus mit den anderen vergleichbar sei und einer sachlich haltba-</span><br/> <span class="ft1">ren Bewertung unterzogen werden könne, müssen formal motivierte</span><br/> <span class="ft1">Abzüge, soweit sie sich nicht (auch) sachlich, d.h. unter dem Aspekt</span><br/> <span class="ft1">der Ermittlung des wirtschaftlich günstigsten Angebots begründen</span><br/> <span class="ft1">lassen, unterbleiben (vgl. AGVE 1998, S. 397 ff.). Im vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Fall war die Vergabestelle bzw. vielmehr das von ihr mit der Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tung beauftragte Ingenieurbüro der Auffassung, die Angaben der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin insbesondere in Bezug auf die erbrachten</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsleistungen seien ungenügend und unpräzis, weshalb ein Ver-</span><br/> <span class="ft1">gleich und eine sachliche Bewertung nicht möglich seien. Mithin</span><br/> <span class="ft1">fehlten für eine korrekte materielle Bewertung der Referenzprojekte</span><br/> <span class="ft1">wesentliche Grundlagen, nämlich die Angaben der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin zu den beim jeweiligen Projekt effektiv ausgeführten Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">gattungen bzw. zum geleisteten Arbeitsumfang. Dass die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin die von ihr genannten Projekte tatsächlich ausgeführt hat</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">190</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">oder dafür jedenfalls in erheblichem Ausmass Baumeisterarbeiten</span><br/> <span class="ft1">erbracht hat, stellt auch die Vergabestelle nicht in Frage. Schon</span><br/> <span class="ft1">deshalb dürfte sich eine Bewertung mit 0 Punkten sachlich nicht</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigen. Unklar ist lediglich, um welche Arbeiten bzw. Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">gattungen es sich konkret gehandelt hat. In dieser Situation hätte die</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle die fehlenden Angaben nachträglich einholen müssen,</span><br/> <span class="ft1">um eine sachgerechte Bewertung vornehmen zu können, was wie</span><br/> <span class="ft1">erwähnt zuerst auch beabsichtigt war. Die bei den Referenzprojekten</span><br/> <span class="ft1">Nr. 1 (...) und Nr. 3 (...) mit den fehlenden Angaben über die Band-</span><br/> <span class="ft1">breite der Bauleistungen begründete Bewertung mit 0 Punkten beim</span><br/> <span class="ft1">Aspekt "Bandbreite Arbeitsleistungen" ist somit einzig aus formalen</span><br/> <span class="ft1">und nicht aus sachlichen Gründen erfolgt, was wie vorstehend aus-</span><br/> <span class="ft1">geführt unzulässig ist. Daran ändert auch nichts, dass die Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">stelle in den Ausschreibungsunterlagen ausdrücklich darauf hin-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen hat, dass fehlende oder unpräzise Angaben zu Arbeitsgat-</span><br/> <span class="ft1">tungen oder Umfang der Arbeiten zu einer niedrigeren Punktzahl bei</span><br/> <span class="ft1">der Bewertung des Zuschlagskriteriums führen würden. Es kann</span><br/> <span class="ft1">jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass eine entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Rückfrage oder Abklärung zu einer wesentlich besseren Bewertung</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin in den genannten beiden Punkten und damit</span><br/> <span class="ft1">beim Zuschlagskriterium "Referenzen Firma" insgesamt geführt</span><br/> <span class="ft1">hätte.</span><br/></div> </div> </body> </html>