B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-2015/2024 U r t e i l v o m 1 0 . A p r i l 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien 1. A._______, geboren (...), sowie der Kinder, 2. B._______, geboren (...), 3. C._______, geboren (...), 4. D._______, geboren (...), Türkei, alle vertreten durch Laura Aeberli, Rechtsanwältin, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 19. März 2024 / N (...). F-2015/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin 1) ersuchte für sich und ihre drei minderjährigen Kinder B._______ (nachfolgend: Beschwerdefüh- rerin 2), C._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer 3) und D._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer 4) am (...) in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Daten- bank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass sie am 4. November 2023 in Kroatien registriert worden waren und dort gleichentags um Asyl ersucht hatten. A.b Am 21. Februar 2024 beauftragte die Beschwerdeführerin die ihr und ihren Kindern zugewiesene Rechtsvertretung mit der Wahrung ihrer Rechte. A.c Gleichentags fand mit der Beschwerdeführerin 1 die Personalienauf- nahme und am 26. Februar 2024 das persönliche Gespräch statt gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah- ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei- nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mi tgliedstaat ge- stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Dabei wurde ihr unter anderem das rechtliche Gehör zur allfälligen Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung der Asyl- und Weg- weisungsverfahren gewährt. Zugleich wurde sie nach ihrem Gesundheits- zustand und demjenigen ihrer Kinder befragt. Die Beschwerdeführerin 1 führte dazu aus, sie seien bereits in Kroatien gewesen, wo es Probleme gegeben habe. Sie seien dort kontrolliert und auf einem Polizeiposten in Gewahrsam genommen worden. Die Beamten hätten ihnen die Fingerabdrücke abgenommen. Am Abend hätten sie das Land verlassen müssen, worauf sie freiwillig in die Türkei zurückgekehrt seien. Sie seien aufgrund der Reise sehr erschöpft und hungrig gewesen, weshalb es ihnen nicht gut gegangen sei. Sie habe ihre Kinder in ein Spital gebracht. Sie verfüge über mehrere Belege, die beweisen würden, dass sie in die Türkei zurückgegangen seien. Sie habe diese Beweise ihrer Rechtsvertretung zugestellt, welche sie dem SEM einreichen w erde. Sie habe in Kroatien kein Asylgesuch gestellt. Ihr Sohn sei hyperaktiv und die Polizei in Kroatien h abe sich über ihn geärgert. Ohnehin hätten sie nicht dort bleiben wollen beziehungsweise nicht dieses Land als Reiseziel ge- habt. Sie hätten beabsichtigt weiterzureisen. Sie seien nach ihrem F-2015/2024 Seite 3 Grenzübertritt in einem Wald von kroatischen Polizisten festgehalten wor- den. Es sei sehr kalt gewesen und sie hätten nicht einmal aufstehen dürfen. Mehrere Stunden nach ihrer Anhaltung seien sie in einem dunklen Wagen zum Polizeiposten gebracht worden. Am Morgen hätte ein Beamter am Ohr ihres Sohnes gezogen. Auf Grund dieser schlechten Behandlung seien sie in die Türkei zurück gekehrt, wo sie bis am 10. Februar 2024 geblieben seien. Sie seien an diesem Tag wieder in Richtung Europa aufgebrochen respektive mit einem Lastwagen von E._______ auf einer Fähre nach F._______ gelangt und anschliessend in die Schweiz weitergereist. Zu ihrem Gesundheitszustand befragt, gab sie an, dass es ihr gut gehen würde. Sie habe aber keine Vitamine mehr, ihre Nägel würden abbrechen und ihre Haare ausfallen. Sie habe sich deswegen noch nicht bei der me- dizinischen Betreuung gemeldet. Sie sei lediglich einmal wegen (Nennung Grund) dort gewesen und habe eine Cr ème erhalten , welche geholfen habe. Zur Beschwerdeführerin 2 gab sie an, sie wolle wieder zur Schule gehen; gesundheitlich gehe es ihr gut. Ihre Tochter sei nur müde und ge- langweilt. Zum Beschwerdeführers 3 führte sie aus, er sei sehr ermüdet und verängstigt gewesen und habe nicht mehr aus der Türkei ausreisen wollen. Schliesslich gab sie hinsichtlich de n Beschwerdeführer 4 an, er habe seine Brille verloren und benötige eine Bandage. Auch er sei sehr verängstigt. Ihre Kinder würden psychologische Unterstützung brauchen. A.d Mit Eingabe vom 26. Februar 2024 liessen die Beschwerdeführenden mehrere aus der Türkei stammende Beweismittel (Aufzählung Beweismit- tel) einreichen. A.e Am 4. März 2024 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Rückübernahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Am 16. März 2024 stimmten die kroatischen Behörden dem Übernahmeersuchen zu. A.f Mit Datum vom 19. März 2024 holte die Vorinstanz Informationen und medizinische Unterlagen zum Gesundheitszustand der Beschwerdefüh- renden ein, die ihr gleichentags zugingen. B. Mit Verfügung vom 19. März 2024 – eröffnet am 25. März 2024 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz nach Kroatien an und forderte sie auf, die Schweiz F-2015/2024 Seite 4 spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Ferner beauftragte es den Kanton G._______ mit dem Vollzug der Wegweisung, ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. C. Die Beschwerdeführenden fochten die Verfügung des SEM mit Be- schwerde vom 3. April 2024 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie bean- tragen, die Verfügung sei aufzuheben, auf ihre Asylgesuche sei einzutreten und die Sache sei zur Durchführung des materiellen Asylverfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei die Sache zwecks weiterer Ab- klärungen betreffend die Zuständigkeit an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen sie, es sei der Beschwe rde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Ferner sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihre Rechtsanwältin sei als unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen. D. Mit Verfügung vom 4. April 2024 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 Bst. b VGG). Auf dem G ebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil- genommen, sind durch die angefochtene Verfügung berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). F-2015/2024 Seite 5 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine B egründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 2.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite- rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat (respektive innert Frist auf die entsprechende Anfrage nicht geantwor- tet hat; vgl. Art. 22 Abs. 1 und 7 Dublin -III-VO), auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den im Kapitel III dargelegten Kri- terien (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat best immt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). 3.3 Die Pflicht eines Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme eines Antragstel- lers nach Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO erlischt, wenn der zuständige Mitgliedstaat nachweisen kann, dass der Antragsteller das Hoheitsgebiet F-2015/2024 Seite 6 der Mitgliedstaaten für mindestens drei Monate verlassen hat (Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO). 4. 4.1 Nachdem die kroatischen Behörden dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz am 16. März 2024 zugestimmt haben, ist die Zuständigkeit Kro- atiens grundsätzlich gegeben. 4.2 Indem die Beschwerdeführenden vorbringen, sie hätten über drei Mo- nate ausserhalb des Dublin-Raums verbracht, machen sie geltend, die Zu- ständigkeit Kroatiens sei erloschen. 4.3 Vorliegend ist zu prüfen, ob die Zuständigkeit tatsächlich erloschen ist beziehungsweise ob die am (...) in der Schweiz gestellten Gesuche – an- gesichts des von den Beschwerdeführenden behaupteten zwischenzeitli- chen Aufenthalts in ihrer Heimat Türkei – neue Anträge im Sinne von Art. 20 Abs. 5 UAbs. 3 (i.V.m. UAbs. 2) Dublin-III-VO darstellen. 4.4 Die Vorinstanz führte in diesem Zusammenhang aus, den Beschwer- deführenden sei es nicht gelungen, den von ihnen behaupteten Aufenthalt ausserhalb des Dublin-Raums für mehr als drei Monate glaubhaft zu ma- chen. In ihren Vorbringen und den eingereichten Dokumenten würden sich zwar Hinweise dafür finden, dass sie sich in den Monaten (Nennung Mo- nate und Dauer) in der Türkei aufgehalten haben könnten. Insgesamt seien aber die Unterlagen zum Beleg eines physischen, lückenlosen, mehr als drei Monate dauernden Aufenthaltes in der Tür kei nicht hinreichend. Die aufgeführten Dokumente (Nennung Beweismittel) würden einerseits nur ei- nen Zeitraum vom (...) bis (...), mithin weniger als drei Monate abdecken. Andererseits seien diese Dokumente augenscheinlich alle elektronisch , mithin digital ausgestellt worden. Keines weise beispielsweise irgendeine Unterschrift auf. Im Übrigen hätten die kroatischen Behörden dem Ersu- chen des SEM um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden explizit zu- gestimmt, weshalb diese ebenfalls nicht von tauglichen Indizien und einem physischen Aufenthalt ausserhalb des Dublin -Raumes von mehr als drei Monaten ausgegangen sein dürften. Damit liege keine Übertragung der Zu- ständigkeit auf die Schweiz nach Art. 19 Abs. 2 VO Dublin vor. 4.5 Die Beschwerdeführenden entgegnen auf Bes chwerdeebene, sie seien am (Nennung Zeitpunkt) aus Kroatien ausgereist und auf illegalem Weg in die Türkei zurückgefahren. Wann genau sie in die Türkei eingereist seien, wüssten sie nicht. Am (...) seien sie in H._______ angekommen, wo F-2015/2024 Seite 7 sie sich zu I._______ – dem (Nennung Verwandter) der Beschwerdefüh- renden – begeben und für einige Tage bei ihm gewohnt hätten. Am (...) seien sie mit dem Bus nach J._______ gefahren, wo sie am folgenden Tag angekommen seien. In der Folge hätten sie dort vom (...) bis (...) im Haus eines weiteren (Nennung Verwandter) (K._______) – wo auch ihre (Nen- nung Verwandte) wohnten – gelebt. (Nennung Zeitpunkt) seien sie mit ei- nem Bekannten der Familie nach L._______ gefahren und hätten während (Nennung Dauer) bei einer (Nennung Verwandte) der Beschwerdeführerin 1 gewohnt. Am 10. Februar 2024 seien sie vom Schlepper abgeholt wor- den. Sie könnten für ihren Aufenthalt in der Türkei weitere Indizien (vgl. Beschwerdebeilagen 4 -9) einreichen, so (Aufzählung Beweismittel) . Im Übrigen hätten sie Auszüge betreffend zwei Arzttermine der Familie vom (...) und vom (...) sowie der verschriebenen Medikamente bei der Vor - instanz eingereicht. Diesbezüglich sei es ih nen nicht möglich, "Originale" zu den Akten zu reichen. Die Auszüge stammten aus der staatlichen, digi- talen Anwendung "e -Nabiz", mit welcher Privatpersonen Arzttermine bu- chen könnten und über die Arztbesuche und die verschriebenen Medika- mente Buch geführt werde. Es handle sich um eine Applikation parallel zum türkischen "e-devlet". Die Beschwerdeführerin 1 wäre demgegenüber be- reit, sich in Anwesenheit des SEM oder des Bundesverwaltungsgerichts in ihr persönliches Konto einzuloggen, damit die Echtheit der Terminbestäti- gungen überprüft werden könnte. 4.6 Das SEM vertrat gegenüber den kroatischen Behörden die Auffassung, dass die Beschwerdeführenden mit den eingereichten Unterlagen einen mehr als drei Monate dauernden Aufenthalt ausserhalb des Dublin-Raums nicht hätten belegen können und übermittelte ihnen auch die von den Be- schwerdeführenden vorgelegten Beweismittel betreffend den angeblichen Aufenthalt in der Türkei. 4.6.1 In BVGE 2015/41 (E. 7–7.3, m.w.H.) kam das Bundesverwaltungsge- richt zum Schluss, dass die Dublin -III-VO für die Bestimmung des für ein Asylgesuch zuständigen Mitgliedstaates ein reduziertes Beweismass fest- legt. Die Zuständigkeit für ein Asylverfahren sei mit einem möglichst gerin- gen Beweisaufwand zu bestimmen. Um dieses Ziel zu erreichen, definiert die Dublin -III-VO nicht nur Zuständigkeitskriterien, sondern äussert sich auch dazu, welche Beweismittel und Indizien die Dublin -Staaten zum Be- leg ihrer Zuständigkeit beziehungsweise Unzuständigkeit gelten lassen müssen. Art. 22 Abs. 2 ff. Dublin -III-VO unterscheidet diesbezüglich zwi- schen "Beweismitteln und Indizien", die in zwe i Verzeichnissen festgelegt werden (vgl. Anhang 2 der Durchführungsverordnung [EU] Nr. 118/2014 F-2015/2024 Seite 8 der Kommission vom 30. Januar 2014 zur Änderung der Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rats zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist). Als "Beweismittel" gelten etwa Ausreisestempel, Auszüge aus den Re- gistern des Drittstaates oder eine amtliche Bescheinigung über die tatsäch- liche Rückführung der betreffenden Person (vgl. Anhang II, Verzeichnis A, Ziff. II.3 der Durchführungsverordnung). Zu den Indizien für die Ausreise zählen beispielsweise Hotelrec hnungen, Fahrausweise, Terminkarten für Arztbesuche in einem Drittland oder auch eine Bestätigung der Angaben durch Familienangehörige oder Mitreisende. Ausführliche und nachprüf- bare Erklärungen eines Asylsuchenden gelten ebenfalls als Indiz (vgl. An- hang II, Verzeichnis B, Ziff. II.3 der Durchführungsverordnung). Nachdem Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO dahin auszulegen ist, dass diese Be- stimmung, insbesondere ihr Unterabsatz 2, auf einen Drittstaatsangehöri- gen anwendbar ist, der nach der Stellung eines ersten Asylantrags in einem Mitgliedstaat den Nachweis erbringt, dass er das Hoheitsgebiet der Mit- gliedstaaten für mindestens drei Monate verlassen hat, bevor er einen neuen Asylantrag in einem anderen Mitgliedstaat gestellt hat (vgl. auch Ur- teil des BVGer E-253/2022 vom 3. Februar 2022 E. 9.1) – was vorliegend der Fall ist – finden die oben erwähnten Ausführungen zum Beweismass denn auch entsprechend Anwendung. 4.6.2 Im vorinstanzlichen Verfahren reichten die Beschwerdeführenden kein taugliches Beweismittel im erwähn ten Sinne ein. Ihre Vorbringen so- wie die von ihnen auf vorinstanzlicher Ebene – und auf Beschwerdeebene eingereichten und ihren Angaben zufolge aus der Türkei stammenden Do- kumente (Aufzählung Beweismittel) – stellen bestenfalls Indizien im Sinne von Art. 22 Abs. 3 Bst. b/i Dublin -III-VO in Verbindung mit Anhang II, Ver- zeichnis B der Durchführungsverordnung dar, die mit Blick auf die Frage der Plausibilität ihrer geltend gemachten Ausreise aus dem Dublin -Raum zu würdigen sind. 4.6.3 Die auf Beschwerdeebene e ingereichten Dokumente sind ungeeig- net, eine Ausreise aus dem Dublin-Raum beziehungsweise einen über drei Monate dauernden Aufenthalt in der Türkei glaubhaft zu machen. Zunächst ist hinsichtlich der bereits bei der Vorinstanz eingereichten Unterlagen auf die nach wie vor als zutreffend zu qualifizierenden Erwägungen des SEM in seinem Nichteintretensentscheid vom 19. März 2024 hinzuweisen. Die F-2015/2024 Seite 9 Beschwerdeführenden setzen den dortigen Ausführungen zum Beweiswert der eingereichten Belege auf Beschwerdeebene nic hts Stichhaltiges ent- gegen, sondern verweisen auf die zusätzlich eingereichten Dokumente, welche Indizien beinhalten. Die Beschwerdeführenden unterlassen es so- mit, auf die einzelnen, einlässlich begründeten Vorbehalte des SEM zur Beschaffung und zum Beweis wert der bei ihm eingereichten Unterlagen näher einzugehen; die überzeugenden Schlussfolgerungen des SEM sind zu bestätigen. Hinsichtlich der zum Beleg ihres mehrmonatigen Aufenthalts in der Türkei eingereichten weiteren Indizien ist zunächst Folgendes zu be- merken: Die Beschwerdeführenden führen in ihrer Rechtsmitteleingabe an, sie hät- ten mit dem Schlepper von Anfang an vereinbart, dass er sie in die Schweiz bringe, weshalb dieser sie nach dem Aufgriff in Kroatien abgeholt und auf illegalem Weg in die Türkei zurückgefahren habe. Diese angebliche Abma- chung mit dem Schlepper ist jedoch als realitätsfremd zu erachten. So ist nicht nachvollziehbar, weshalb er die Beschwerdeführenden (die geschie- dene Beschwerdeführerin 1 mit ihren drei teilweise noch kleinen Ki ndern) – nachdem diese mit der Ankunft in Kroatien bereits rund vier Fünftel ihres beabsichtigten Reiseweges hinter sich gebracht hatten – wieder den gan- zen Weg zurück in die Türkei hätte bringen sollen, wäre doch auf dem Weg in die Schweiz nurmehr ein ver gleichsweise kleiner Abschnitt durch P._______ nötig gewesen, um bereits das Nachbarland F._______ zu er- reichen. Zwischen dem Ort ihrer Anhaltung in Kroatien ( M._______) und der Schweiz (N._______) liegen denn auch lediglich etwas mehr als 680 Kilometer, h ingegen zwischen M._______ und ihrem Herkunftsort O._______ rund 2'700 K ilometer. Wenig überzeugend erscheint sodann auch das Vorbringen, dass der Schlepper in seinem vorgegebenen Preis bereits eine zweite Flucht aus der Türkei inklusive des Rücktransports aus demjenigen Land, in welchem die Reise allenfalls unterbrochen würde, mit- einkalkuliert haben soll. Vor dem Hintergrund obiger Überlegungen ist es auch als kaum glaubhaft zu erachten, dass die Beschwerdeführenden nun nebst der langen Rückreise auch noch etwas mehr als drei Monate abge- wartet haben sollen, um dann die Türkei wieder in Richtung Europa zu ver- lassen, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich die Beschwerdeführerin 1 vor ihrem gewalttätigen Ex -Ehemann fürchte und deshalb auch nicht in ihre frühere Wohnung habe zurückkehren können (vgl. Beschwerdeschrift S. 4 unten). Sodann stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die eingereichten Unterlagen einen über drei Monate dauernden Aufenthalt in der Türkei F-2015/2024 Seite 10 nicht darzulegen vermögen. Die (Nennung Beweismittel) datieren vom (...) und die Aufenthaltsbestätigungen der (Nennung Personen) weisen einen Aufenthalt bis längstens (Nennung Zeitpunkt) aus, was auch in der An- nahme, die Beschwerdeführenden hätten sich tatsächli ch in ihre Heimat zurückbegeben, lediglich einen knapp zweieinhalb Monate dauernden Auf- enthalt ausserhalb des Dublin-Raums zu belegen vermöchte. Weiter stel- len die (Nennung Beweismittel) alleine keinen Nachweis dafür dar, dass diese tatsächlich benutzt respektive entwertet wurden. Auch die ihren An- gaben zufolge (Nennung Zeitpunkt) entstandenen Fotos, welche im Haus einer Bekannten aufgenommen worden seien, lassen keine überprüfbaren Rückschlüsse auf den Ort und den Zeitpunkt ihrer Entstehung zu und stel- len lediglich eine Momentaufnahme dar. Ferner lässt die mit wenigen hand- schriftlichen Zeilen verfasste Aufenthaltsbestätigung des (Nennung Ver- wandter) als solche keine Rückschlüsse darauf zu, ob sie tatsächlich von (Nennung Verwandter) verfasst wurde und deren Wahrheitsgehalt kann nicht überprüft werden. Sodann erstaunt, dass die Bestätigung des (Nen- nung Person) lediglich die Beschwerdeführerin 1, nicht jedoch die übrigen Beschwerdeführenden erwähnt. Im Weiteren sind den Vorbringen der Be- schwerdeführenden keinerlei Details zu ihrem angeblich mehrmonatigen Aufenthalt an verschiedenen Orten in der Türkei respektive in J._______ / O._______ zu entnehmen, so beispielsweise hinsichtlich ihres Tagesab- laufs oder der näheren Umstände ihrer jeweiligen Wohnsituation. Die bei- gebrachten Dokumente vermögen insgesamt n icht darzulegen, dass sie sich nach der Ausreise aus Kroatien während über drei Monaten aus- serhalb des Dublin -Raums auf gehalten hätten. Vor diesem Hintergrund kann auf die Nachforderung der in Aussicht gestellten Originale der auf Be- schwerdeebene eingereichten Unterlagen sowie von weiteren Beweismit- teln verzichtet werden, da sie an vorliegender Einschätzung nichts zu än- dern vermöchten (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 357). Der entsprechende Beweisantrag (vgl. Beschwerdeschrift S. 6), gemäss welchem eine Frist von zwei Wochen zur Einreichung weiterer Be- weismittel anzusetzen sei, ist abzuweisen. 4.6.4 Im Übrigen ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden weitere Dokumente hätten einreichen können, wenn sie tatsächlich über den behaupteten längeren Zeitraum in der Türkei gelebt hätten. So fehlen beispielsweise Fotos oder Urkunden, die auf eine über drei Monate dau- ernde Anwesenheit der Beschwerdeführenden in der Türkei schliessen las- sen würde, was wenig lebensnah erscheint. F-2015/2024 Seite 11 4.6.5 Insgesamt ist vor dem Hintergrund der fehlenden Eignung der einge- reichten Belege sowie der fehlenden Glaubhaftigkeit der behaupteten Aus- reise festzuhalten, dass es den Beschwerdeführenden – auch unter Be- rücksichtigung des im Rahmen der Dublin -III-VO anzuwendenden redu- zierten Beweismasses – nicht gelungen ist, den behaupteten Aufenthalt ausserhalb des Dublin-Raums für mehr als drei Monate nachzuweisen. Der eventualiter gestellte Rückweisungsantrag ist daher abzuweisen. 4.7 Nach dem Gesagten liegt kein Übergang der Zuständigkeit auf die Schweiz nach Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO vor. Die am 17. Februar 2024 in der Schweiz gestellten Asylgesuche stellen keine neuen Anträge im Sinne von Art. 20 Abs. 5 UAbs. 3 Dublin-III-VO dar, die ein neues Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates auslösen würden. 4.8 Weiter sind auch aus Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO keine Gründe ersicht- lich, die eine Pflicht der Schweiz zur Prüfung des Asylgesuchs der Be- schwerdeführenden begründen könnten. Ihre in der Schweiz lebende Ver- wandte (Schwester der Beschwerdeführerin 1) stellt keine Familienange- hörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO dar, weshalb die Zuständig- keitskriterien zum Schutz der Familieneinheit (Art. 9 ff. Dublin-III-VO) nicht einschlägig sind. Auch fällt die Beziehung zu dieser Verwandten, die in der Beschwerdeschrift nicht weiter konkretisiert wird, nicht in den Anwen- dungsbereich von Art. 16 Abs. 1 der Dublin-III-VO. Die grundsätzliche Zu- ständigkeit Kroatiens (vgl. auch E. 7.1 hievor) bleibt deshalb bestehen. 4.9 Demnach sind vorliegend sowohl die Antragsstellung in Kroatien als auch der Umstand als erstellt zu erachten, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für die Asylgesuche der Beschwerdeführenden zu- ständigen Mitgliedstaates gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch nicht abgeschlossen wurde und nach ihrer Rücküberstellung fortgesetzt wird (vgl. Urteil des BVGer F -5023/2022 vom 23. November 20 22 E. 4.4 f. m.H.). Sodann ist in grundsätzlicher Hinsicht festzuhalten, dass die Dublin- III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prü- fenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). Ferner sind sämtliche Dublin -Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, Drittstaatsangehörige oder Staatenlose, die beim illegalen Überschreiten einer Aussengrenze aufgegriffen werden, zu registrieren (vgl. dazu Art. 14 Abs. 1 der Verord- nung [EU] Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 [Eurodac -Verordnung]; Urteil des BVGer F -3304/2022 vom 15. August 2022 E. 3.2). F-2015/2024 Seite 12 5. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es we- sentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnah- mebedingungen f ür Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU -Grund- rechtecharta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden. 5.1 Kroatien ist Signata rstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30 ) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner- kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt- linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah- merichtlinie) ergeben. 5.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht derzeit – auch unter Berücksichti- gung kritischer Berichte nationaler und internationaler Organisationen – nicht davon aus, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kro- atien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf. Der Zugang zum dortigen Asylverfahren ist ge- währleistet, und zwar unabhängig davon, ob die gesuchstellende Person im Rahmen eines Aufnahme- oder eines Wiederaufnahmeverfahrens nach Kroatien zu überstelle n ist. Darüber hinaus besteht keine beachtliche Wahrscheinlichkeit einer Verletzung der aus dem Refoulement-Verbot flies- senden Rechte (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 E. 9 sowie insbesondere E. 9.4.2 m.H. auf die Rechtsprechung anderer Dublin -Staaten). Die nicht weiter belegten Ausführungen der Beschwerdeführ erin 1 zur erlebten schlechten Behandlung in Kroatien im Zusammenhang mit ihrer illegalen Einreise (vgl. SEM act. 13 15145-20/3) sind nicht geeignet, die Annahme zu widerlegen, wonach Kroatien seinen völ kerrechtlichen Verpflichtungen im Rahmen eines Asylverfahrens nachkommt (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 E. 8 und E. 9.5). Gegen ein allfälliges Fehlverhalten von ein- zelnen Polizeibeamten könnten sie im Übrigen rechtlich vorgehen, allen -F-2015/2024 Seite 13 falls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen. Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten ver- bunden sein könnte als in der Schweiz, weist nicht per se auf systemische Schwachstellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. das Urteil des BVGer E-5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 5.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. 6. 6.1 Weiter ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugshinder- nisse nach Art. 3 EMRK (oder einer anderen die Schweiz bindenden völ- kerrechtlichen Bestimmung) bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO ergeben würden (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 6.2 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso- nen in der Situation der Beschwerdeführenden nachkommt und insbeson- dere die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens- und der Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. bspw. Urteile des BVGer E-1515/2023 vom 23. März 2023; E -5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2; je m.H.). Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die vom Betroffenen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). Die Beschwerdeführenden vermögen jedoch kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die Behörden würden sich weigern, sie aufzunehmen und einen allfälligen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kro- atien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwun- gen zu werden. Die Behörden haben ihrer Aufnahme explizit zugestimmt. Ausserdem haben sie nicht dargetan, die sie bei einer Rückführung erwar- tenden Bedingungen seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 Folterkon- vention (SR 0.105) führen könnten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung wären sie nötigenfalls gehalten, sich an die dortigen F-2015/2024 Seite 14 Behörden zu wenden und die ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Dies gilt auch in Bezug auf die geltend gemachte schlechte Behandlung seitens der kroatischen Behörden respektive der dortigen Polizei, was sich im Übrigen auf Vorkommnisse nach ihrer illegalen Einreise und nicht auf den Aufent- halt in den dortigen Aufenthaltsstrukturen bezieht. Es kann in Übereinstim- mung mit der aktuellen Rechtsprechung davon ausgegangen werden, dass die Familie Zugang zu adäquater Unterbringung und Unterstützung erhal- ten wird (vgl. Urteil des BVGer E -4341/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 7.4.1). Schliesslich ist festzuhalten, dass eine Verängstigung der Be- schwerdeführer 3 und 4 oder auch allfällige psychische Beeinträchtigungen einzelner Beschwerdeführender angesichts der Erlebnisse leider nicht überraschen. Es sind indes keine Hinweise auf unverzüglich behandlungs- bedürftige Beeinträchtigungen ersichtlich (vgl. nachstehend E. 6.3). 6.3 Zum Gesundheitszustand ist festzuhalten, dass es den Angaben der Beschwerdeführerin 1 zufolge ihr – bis auf kleinere Beschwerden – und der Beschwerdeführerin 2 momentan gut gehe. Die Söhne (Beschwerdeführer 3 und 4) seien verängstigt und der Beschwerdeführer 4 habe seine Brille verloren und benötige eine Bandage. Ihre Kinder würden psychologische Unterstützung benötigen (vgl. SEM act. 1315145-20/3). Vorgesehene Arzt- termine sind keine aktenkundig. Die erwähnten medizinischen Probleme physischer und psychischer Art sind aufgrund der Aktenlage offensichtlich nicht derart schwerwiegend, dass davon ausgegangen werden müsste, die Beschwerdeführenden könnten nicht auch in Kroatien adäquat (weiter-)behandelt werden, wo grundsätzlich eine durchaus ausreichende medizinische Infrastruktur zur Verfügung steht (vgl. insbes. Referenzurteil E-1488/2020 a.a.O. E. 10.2, statt vieler das Urteil BVGer E -2952/2023 vom 31. Mai 2023 E. 7.3, je m.w.H.). Die Mitgliedstaaten sind denn auch verpflichtet, den Antragstel- lenden die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Not- versorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); Antragstellenden mit besonderen Be- dürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (ein- schliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Auch ist unter Berücksichti- gung allfälliger Schwierigkeiten beim Zugang zu medizinischer Versorgung nicht davon auszugehen, dass Kroatien seinen Verpflichtungen im Rah- men der Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht in genereller Weise nicht F-2015/2024 Seite 15 nachkomme. Neben den staatlichen Stellen unterstützt insbesondere auch das Kroatische Rote Kreuz vulnerable Asylsuchende, die in den Empfangs- zentren untergebracht sind (vgl. Urteile des BVGer E -3851/2023 vom 14. Juli 2023 E. 7.4.5 und D-1428/2023 vom 7. Juli 2023 E. 6.4.2, je m.w.H.). 6.4 Nach dem Ausgeführten konnten die Beschwerdeführenden kein kon- kretes und ernsthaftes Risiko dartun, dass ihre Überstellung nach Kroatien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Ein not- wendiger Selbsteintritt gebietet sich daher nicht. 7. 7.1 Bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 verfügt das SEM sodann über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Es bestehen vorliegend keine Hinweise auf eine Ermes - sensunterschreitung oder eine andere, nicht gesetzeskonforme Ausübung des Ermessens (Ermessensmissbrauch, Überschreitung des Ermessens). Bei dieser Sachlage enthält sich das Gericht diesbezüglicher weiterer Äusserungen. 7.2 Nach dem Gesagten bleibt Kroatien der für die Behandlung de r Asyl- gesuche der Beschwerdeführenden zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 8. Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. Die Über- stellung nach Kroatien wurde in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet. 9. Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 10. Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erteilung der auf- schiebenden Wirkung gegenstandslos geworden. Der am 4. April 2024 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vor- liegenden Urteil dahin. 11. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beigabe einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin sind abzuweisen, da die F-2015/2024 Seite 16 Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aus- sichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-2015/2024 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beigabe einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Besc hwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und die Vorinstanz. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Stefan Weber Versand: