Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. September 2015 (725 15 159 / 229) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Leistungspflicht des Unfallversicherers aufgrund des fehlenden Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis aus dem Jahr 1999 und den im Jahr 2014 als Rückfall ge- meldeten Schulterbeschwerden verneint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Helsana Unfall AG , Recht , Postfach , 8081 Zürich , Beschwerdege g- nerin Betreff Leistungen A. A.____ arbeitete als Gärtnermeister in seiner ei genen Firma und war dadurch bei der Helsana Unfall AG (Helsana) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankhei- ten versichert. Am 6. Februar 1999 erlitt er einen Unfall (Unfallmeldung vom 13. Februar 1999). Dabei zog er sich bei einem Sturz von einer Leiter aus einer Höhe von 2.5 bis 3 Metern eine Kontusion der Halswirbelsäule mit Nervenkompression zu. Die Helsana anerkannte dieses Er- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eignis als Unfall und erbrachte die gesetzlichen Leistung en. In der Folge ereigneten sich in den Jahren 2003 bis 2010 weitere Unfälle, die zwischenzeit lich abgeschlossen werden konnten. Mit Verfügung vom 6. Juni 2011 schloss die Helsana den Unfall aus dem Jahr 1999 ab und sprach A.____ per 1. Juni 2011 eine Rente in der Höhe von 2 5 % sowie eine Integritätsentschädigung in der Höhe von total Fr. 29‘880.-- zu. Die Übernahm e weiterer Kosten für die Heilbehandlung lehnte sie dagegen ab. Die Einsprache vom 29. Juni 2011 wies sie mit Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2011 ab. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 17. September 2014 meldete die Klinik B.____ impl izit einen Rückfall zum Unfallereignis vom 6. Februar 1999 und reichte bei der Helsana ein K ostengutsprachegesuch betreffend eine arthroskopische Operation der rechten Schulter ein (sub akromiales Débridement, AC- Gelenkstoilette und Rekonstruktion der Bicepssehne). Diagn ostisch bestünden in der rechten Schulter eine Supraspinatus- und Bicepssehnenläsion sowie eine AC-Gelenksarthrose. Am 2. Oktober 2014 wurde die rechte Schulter operiert. Mit Verfügung vom 20. Januar 2015 lehnte die Helsana das Kostengutsprachegesuch mit der Begründung ab, dass es sich bei den Beschwer- den an der rechten Schulter nicht um Unfallfolgen h andle. Daran hielt die Helsana auf Einspra- che des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 10. A pril 2015 fest. In der Begründung wurde zusammenfassend festgehalten, dass der beratende A rzt der Helsana, Prof. Dr. med. C.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traum atologie des Bewegungsapparates FMH, der Auffassung sei, dass die aktuellen Beschwerden in der rechten Schulter mit keinem von der Helsana übernommenen Traumatas (insbesondere demjenigen vom 6. Februar 1999) in eine überwiegend wahrscheinliche, kausale Beziehung gebracht werden könnten. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 1 . Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er sinn- gemäss, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es seien weitere Abklärungen zu treffen. Bei den Schmerzen der rechten Schulter handle es sich um Spätfolgen. C. Die Helsana beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Juni 2015 die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 18. August 2015 (Eingang Kantonsger icht am 3. September 2015) reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein. E. Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 7. September 2015 auf eine wei- tere Stellungnahme. Auf die Vorbringen der Parteien sowie die zu würdigen den Akten wird – soweit für die Ent- scheidfindung notwendig – in den nachfolgenden Erwägu ngen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde vom 1. Mai 2015 ist demna ch einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegneri n die Übernahme von Versiche- rungsleistungen im Zusammenhang mit den in der Rückfal lmeldung vom 17. September 2014 geltend gemachten Schulterbeschwerden rechts zu Recht abg elehnt hat. Die Beschwerdegeg- nerin ist der Auffassung, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen den Beschwerden in der rechten Schulter und dem Unfallereignis vom 1999 bestehe . Der Beschwerdeführer rügt in ers- ter Linie, dass der Sachverhalt von der Beschwerdegegner in nicht in genügender Weise abge- klärt worden sei. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Gemäss Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behand lung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Dazu gehören nach lit. a der genannten Be stimmung insbesondere die ambulante Behandlung durch den Arzt oder auf dessen Anordnung du rch eine medizinische Hilfsperson und nach lit. b die vom Arzt verordneten Arzneimittel un d Analysen. Der Unfallversicherer hat die Pflegeleistungen so lange zu erbringen, als davon e ine namhafte Besserung des Gesund- heitszustandes erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG). 3.2 Nach Art. 11 der Verordnung über die Unfallversich erung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Ta tbestände dar (Art. 22 UVG; BGE 127 V 457 E. 4b, 118 V 297 E. 2d). Bei einem Rü ckfall handelt es sich um das Wiederauf- flackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglich- erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit o rganische oder psychische Veränderun- gen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbi ld führen können. Rückfälle und Spät- folgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis an (Kranken- und Unfall- versicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Entsprechend könne n sie eine Leistungspflicht des Un- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht fallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut gelt end gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesu ndheitsschädigung ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (RKUV 1994 N r. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). In diesem Zusammen hang gilt es klarzustellen, dass der Unfallversicherer in Bezug auf den geltend gemachten Rü ckfall nicht auf der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhangs beim Grundfall behaftet werden kann, weil die unfallkausa- len Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. 3.3 Es obliegt der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammen- hangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall m it dem im Sozialversicherungs- recht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei nlichkeit nachzuweisen. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftre ten der gesundheitlichen Beeinträch- tigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den W ahrscheinlichkeitsbeweis des natürli- chen Kausalzusammenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c in fine). Bei Be- weislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherte n Person aus (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 4.1 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse ist di e rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärztinnen und Ärzte n zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweise n). Das Gericht hat diese Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grund satz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismi ttel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbes ondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht e rledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Berichtes ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Bew eismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnah me als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinweisen). 4.2 Rechtsprechungsgemäss kann auch reinen Aktengutachte n voller Beweiswert zukom- men, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beur- teilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverh alts geht (Urteil des Bundesge- richts vom 22. Januar 2010, 9C_1063/2009, E. 4.2). Akte ngutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befunde mehrfach und o hne wesentlichen Widerspruch be- reits erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu eine r Diagnose oder der Kausalzusammen- hang und das Ausmass der Behinderung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen kann sehr wohl in einem Aktengutachten das Für und Wider de r verschiedenen Meinungen erwogen und die überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine besti mmte Beurteilung deutlich gemacht werden (H ANS KIND , So entsteht ein medizinisches Gutachten, in: René Scha ffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinischen Beguta chtung in der Sozialversicherung, Ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht öffentlichungen des Schweizerischen Instituts für Verw altungskurse an der Universität St. Gallen/Band 42, St. Gallen 1997, S. 52). 5.1 Die medizinische Aktenlage präsentiert sich bezüglich d er Problematik der rechten Schulter im Wesentlichen wie folgt: 5.2 Die Beschwerdegegnerin liess den Beschwerdeführer du rch das Begutachtungszent- rum D.____ begutachten. Im polydisziplinären Gutachten vom 18. Juni 2002 halten Dr. med. E.____, Psychiatrie, Dr. med. F.____, Neurologie, und Dr. med. G.____, Rheumatologie, und Dr. med. H.____, Orthopädie, folgende Diagnosen fest : Leitersturz am 6. Februar 1999 mit axialer HWS-Kontusion, intermittierender Torticollis-Sym ptomatik, radikulärem Ausfallsyndrom C6 rechts, bei traumatischer Diskushernie in Rückbildung, chronischem posttraumatischem Impingementsyndrom linke Schulter, Status nach arthrosko pischem Débridement, Bursektomie und Akromioplastik am 11. April 2002. Die Beeinträchtig ungen an der HWS und der linken Schulter stünden in überwiegendem Kausalzusammenhang zu m Unfallereignis. In Bezug auf die rechte Schulter vermerken die Gutachter einzig, dass der Versicherte Beschwerden im rech- ten Arm schildere (S. 8). 5.3 In der Folge liess die Beschwerdegegnerin den Ver lauf der gesundheitlichen Be- schwerden durch Dr. H.____ orthopädisch begutachten. Dr. H.____ diagnostiziert in seinem Gutachten vom 1. September 2003 den Leitersturz am 6. Februar 1999 mit axialer HWS- Kontusion mit intermittierender Torticollis-Symptomati k, Osteochondrose, rechtsbetonte Unkarthrose, Spondylarthrose C5/6, chronisches posttraumatisches Impingementsyndrom linke Schulter mit Status nach arthroskopischem Débridement, Bur sektomie und Akromioplastik am 1. April 2002 sowie ein intermittierendes Impingemen t-Syndrom der rechten Schulter. In der Anamnese hält Dr. H.____ fest, dass der Versicherte im Bereich der rechten Schulter seit eini- gen Monaten wieder Beschwerden habe. Hier habe er ja nach dem Unfall sehr starke Schmer- zen gehabt, welche jedoch nach einer oder zwei Injektion en fast vollständig verschwunden sei- en. Nun träten diese wieder auf, seien aber nicht gar so schlimm wie damals. In der Beurteilung kommt Dr. H.____ zum Schluss, dass nach wie vor erhebliche posttraumatische Veränderun- gen vorliegen würden, welche die Symptomatik erklären wü rden. Diese seien klinisch wie auch radiologisch zu objektivieren. An der rechten Schulter so llte vorerst nochmals konservativ mit- tels lokalen Infiltrationen therapiert werden. Ein Endzustand sei noch nicht erreicht. 5.4 Dr. H.____ begutachtete den Beschwerdeführer ein d rittes Mal am 30. Oktober 2006. Im Gutachten vom 9. November 2006 diagnostiziert er i n Bezug auf die rechte Schulter ein chronisches Impingementsyndrom. Der Unfall von 1999 sei zumindest Teilursache der aktuellen Beschwerden. Zeitlich sei eindeutig ein Zusammenhang gegeben, denn gemäss den Angaben des Exploranden hätten vorher nie Schulterbeschwerden b estanden. Objektiv gesehen müsse ein Kausalzusammenhang mit dem Unfall zumindest als mög lich eingestuft werden. Es müsse aber auch berücksichtigt werden, dass berufliche Tätigkeit en mit häufigem Überkopfarbeiten zu einer erhöhten Belastung der Rotatorenmanschette und entsprechend zu degenerativen Verän- derungen führen würden. Dies könne auch ohne ein Unfal lereignis immer wieder zu Impinge- mentsymptomatiken führen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 In seinem (vierten) orthopädischen Gutachten vom 9. Dezember 2008 diagnostiziert Dr. H.____ in Bezug auf die rechte Schulter ein chron isches Impingementsyndrom mit Partial- ruptur der Supraspinatussehne (MRI vom 11. September 2 007). In der Beurteilung führt er aus, dass bei der rechten Schulter nur eine diskrete Druckdolen z ventral im Kapselbereich bestehe. Der subacromiale Impingementtest rechts falle negativ aus. An der rechten Schulter scheine die Situation stabil zu sein. Die Beweglichkeit sei praktisch normal, ohne eindeutige Rotatorenzei- chen. Auch wenn im MRI vom 11. September 2007 eine tra nsmurale kleine Ruptur der Supra- spinatussehne festgestellt worden sei, sollte hier die B ehandlung wohl am besten abwartend konservativ bleiben. Zum Kausalzusammenhang äussert sich Dr. H.____ nicht. 5.6 Dr. med. I.____, Facharzt für Orthopädie und Tra umatologie des Bewegungsapparates FMH, hält in seiner auf Akten basierenden Stellungnah me vom 21. April 2010 fest, dass ein Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis aus dem Jahr 1999 und den bestehenden Schulterbeschwerden rechts lediglich möglich sei. Der Unf allmechanismus (forcierter Abrollvor- gang) führe normalerweise nicht zu einer Partialrupt ur mit konsekutivem Schulterimpingement. Die im weiteren Verlauf durchgeführten Bildgebungen würden auf ein chronisch degeneratives Geschehen hinweisen. Die Wahrscheinlichkeit, einen solche n Befund ohne vorangegangenes Trauma aufzuweisen, betrage in der Altersklasse und Ber ufsbelastung des Patienten weit über 90 %. 5.7 Mit orthopädischem Fachgutachten vom 31. Dezember 2010 hält PD Dr. J.____, Ober- arzt der Orthopädischen Klinik K.____, fest, dass er im Bereich der rechten Schulter keine Be- schwerden mehr sehe. 5.8 Prof. C.____ hält in seiner Stellungnahme vom 1 4. Januar 2015 fest, dass die Schul- terbeschwerden rechts nicht kausal zum Unfall aus dem Jahr 1999 seien. Im Gutachten von Dr. J.____ sei dargelegt worden, dass bei der Untersuchung ke ine Symptome an der rechten Schulter hätten ausgelöst werden können, die eine wese ntliche Pathologie an diesem Gelenk aufgedeckt hätten. Die aktuell durchgeführte Operation habe ihre Berechtigung durch die Ent- wicklung einer akuten Symptomatik an der rechten Schulte r im Jahr 2014 erhalten. Im MRI- Bericht sei festgehalten worden, dass die chronischen Schulterbeschwerden exazerbiert hätten. Die Beschwerden stünden im Zusammenhang mit der rapide zunehmenden Degeneration von intraartikulären Strukturen an der rechten Schulter. Im MRI-Befund vom 15. Januar 2014 sei noch eine altersentsprechend normale Schulter festge stellt worden. Innerhalb weniger Monate hätten sich krankheitsbedingt erhebliche pathologische B efunde eingestellt. Diese degenerati- ven Pathologien würden gehäuft bei Patienten fortgesc hrittenen Alters auch ohne Traumaätio- logie auftreten. Eine nochmalige Zunahme der Inzidenz finde sich bei Diabetikern. 6.1 Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist unbe stritten. Differenzen bestehen zwischen den Parteien lediglich bezüglich der Kausalität der Beschwerden in der rechten Schul- ter. Im Jahr 1999 erlitt der Beschwerdeführer eine HWS -Kontusion mit Nervenkompression. Die nun zur Diskussion stehende Operation der rechten Schult er wurde aufgrund einer Supraspi- natus- und Bicepssehnenläsion sowie einer AC-Gelenksart hrose vorgenommen. Die Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einsprachee ntscheid bei der Beurteilung der Frage, ob die Schulterbeschwerden rechts mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall des Beschwerdeführers aus dem Jahr 1999 zurückzuführen sind, auf die Ausführungen im Ak- tengutachten von Prof. C.____ vom 14. Januar 2015. 6.2 Soweit der Beschwerdeführer rügt, dass die Untersuch ungen anlässlich der Begutach- tungen nicht korrekt vorgenommen worden seien, ist auszuführen, dass die Rüge nicht substan- tiiert ist. Die vom Beschwerdeführer geschilderten Unte rsuchungshandlungen sind medizinisch anerkannt. Aus den Gutachten ergeben sich auch keine Anh altspunkte, dass diese nicht lege artis erstellt worden wären. 6.3 Zur von der Beschwerdegegnerin veranlassten Stellun gnahme von Prof. C.____ ist fest- zuhalten, dass eine körperliche Untersuchung anhand des kl ar feststehenden medizinischen Sachverhalts nicht erforderlich gewesen ist. Die Stellun gnahme von Prof. C.____ ist zudem schlüssig und berücksichtigt die medizinische Aktenlage. Auf das Aktengutachten kann somit abgestellt werden. In diesem Zusammenhang ist festzuhal ten, dass nach dem Unfall im Jahr 1999 keine strukturelle Schulterverletzung festgestellt wurde. Die in die Arme ausstrahlenden Schmerzen wurden bezüglich der rechten Schulter – im Gegensatz zur linken Schulter, wo von einem posttraumatischen Impingement ausgegangen und w o eine arthroskopische Operation durchgeführt wurde – als durch ein zerviko-radikuläres Reizsym ptom bedingt beurteilt (Gutach- ten des Begutachtungszentrums D.____ vom 18. Juni 2002, S . 14/15). Dr. H.____ hält in sei- nem Gutachten vom 1. September 2003 zwar auch rechts ein diskretes Impingement fest. Die- ses wird aber ausdrücklich als Folge der Ausdünnung der Rotatorenmanschette und damit als nicht unfallkausal beurteilt. Im Gutachten vom 9. Novem ber 2006 bezeichnet Dr. H.____ das Impingement auf entsprechende Frage hin nur als mögl icherweise unfallkausal. Im Gutachten vom 9. Dezember 2008 erachtet er nur die Beschwerden der linken Schulter als unfallkausal (S. 8). PD Dr. J.____ stellt in seinem Gutachten vom 31. Dezember 2010 gar keine Impingement- problematik rechts mehr fest. Diese Feststellung ist nicht widersprüchlich zu den anderen ärztli- chen Beurteilungen, da die Impingementproblematik von Dr. H.____ als intermittierend be- zeichnet wird. Hinzu kommt, dass die Problematik der rech ten Schulter im Bericht zur MRI- Untersuchung vom August 2014 als degenerativ bezeichnet wird. Damit ist allerdings noch nicht ausgeschlossen, dass diese degenerative Entwicklung durch ei nen unfallbedingten pathologi- schen Vorzustand begünstigt wird. Wie in den früheren G utachten aber übereinstimmend fest- gehalten wird, ist der diskrete Vorzustand nicht (gemäss Gutachten des Begutachtungszent- rums D.____) oder höchstens möglicherweise unfallbedingt . Somit kann auch der Zustand der rechten Schulter im heutigen Zeitpunkt höchstens möglicherweise als Spätfolge des Unfalls aus dem Jahr 1999 bezeichnet werden. Damit ist ein Kausalz usammenhang zwischen dem Unfall vom 6. Februar 1999 und den Beschwerden der rechten Schulter nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Die Beschwerden der rechten Schulter lösen damit keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin a us. Der angefochtene Einspracheent- scheid vom 10. April 2015 ist somit nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen wird. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht