2001 1 Art. 12 und Art. 18 ff. NHG; Art. 6b NHG/SH; Art. 6 2 und Art. 63 BauG; Art. 11 und Art. 13 BauO/Stadt Schaffhausen. Pflicht der ideellen Organisationen zur Beteiligung am erstinstanzlichen Baubewilligungs- verfahren; Zulässigkeit der Verbandsbeschwerde zur Rüge der fehler- haften Anwendung der Regeln über empfindliche Gebie te nach der Bau- ordnung der Stadt Schaffhausen im Baubewilligungsverfahren (Entscheid des Obergerichts Nr. 60/2000/24 vom 27. April 2001 i.S. Pro Natura Schaff- hausen und Pro Natura Schweiz). Wer gegen eine Baubewilligung Rekurs erheben will, muss innerhalb der Auflagefrist des Baugesuchs entweder Einwendungen g egen das Bauprojekt erheben oder den baurechtlichen Entscheid verlangen . Dies gilt auch für i- deelle Organisationen, die gestützt auf Art. 6b NHG /SH bzw. Art. 12 NHG Rekurs erheben wollen. Eine Vollmacht der zuständig en Organe kann nach- gereicht werden (E. 3a und b). Die blosse Behauptung ökologischer Nachteile begrün det kein Rekurs- und Beschwerderecht der Natur- und Heimatschutzorga nisationen nach Art. 6b NHG/SH. Die betreffenden Organisationen müssen vielmehr auch die Ver- letzung von Vorschriften geltend machen, welche den Schutz der von ihnen verfolgten öffentlichen Interessen bezwecken (E. 3c cc). Schutzziel für die empfindlichen Gebiete gemäss Art . 11 Abs. 1 lit. d BauO/Stadt Schaffhausen ist die Erhaltung und Förde rung der Durch- grünung, des Baumbestands und der ökologischen Wert e innerhalb des Bau- gebiets, insbesondere im Bereich von An- und Aussic htslagen. Damit sind ne- ben Aspekten des Landschafts- und Ortsbildschutzes auch Naturschutzbelan- ge angesprochen. Ob die entsprechenden, grundsätzli ch nur behördenver- bindlichen Planungsgrundlagen haltbar seien und wel che Auswirkungen sie gegebenenfalls auf ein Bauprojekt haben, ist erst b ei der materiellen Prüfung zu beurteilen (E. 3c dd aaa) Handelt es sich bei der Bezeichnung von "empfindlic hen Gebieten" im Sinn von Art. 11 Abs. 1 lit. d BauO um eine Umsetzu ng des eidgenössischen Biotopschutzrechts? (Frage offengelassen; E. 3c dd bbb). Im Bereich des "Empfindlichen Gebietes Nr. 45 (Lahn -Säckelamtshüsli)" ist der Bau einer Terrassensiedlung mit 12 Wohnunge n sowie einer Autoein- stellhalle mit 23 Einstellplätzen und 13 Abstellplä tzen im Freien geplant, was eine Erhöhung der Ausnützung von 0,35 auf 0,45 erfo rdert. Gegen eine ent- 2001 2 sprechende Baubewilligung der Stadt Schaffhausen bz w. des kantonalen Bau- departements rekurrierten die Pro Natura Schaffhaus en und die Pro Natura Schweiz an den Regierungsrat. Dieser trat wegen feh lender Rekursberechti- gung auf den Rekurs nicht ein. Das Obergericht hies s eine Verwaltungsge- richtsbeschwerde der erwähnten Organisationen gut, hob den Rekursentscheid des Regierungsrats auf und wies diesen an, den Reku rs materiell zu behan- deln. Aus den Erwägungen: 3. – a) Zu prüfen ist nachfolgend die Beschwerde- bzw. Rekursberechti- gung der beiden Beschwerdeführerinnen als ideelle Organisationen . Diese ist für den Bereich des kantonalen Rechts in Art. 6b des Gesetzes über den Na- tur- und Heimatschutz im Kanton Schaffhausen vom 12 . Februar 1968 (NHG/SH, SHR 451.100) wie folgt geregelt: Soweit gegen Verfügungen oder Erlasse des Kantons o der der Gemeinden Rechtsmittel zulässig sind, steht das Beschwerderec ht auch ideellen Vereinigun- gen zu, die sich statutengemäss hauptsächlich dem N atur- oder Heimatschutz widmen, gesamtschweizerisch oder auf dem ganzen Kan tonsgebiet tätig sind und seit mindestens 5 Jahren bestehen. Unter den gleichen Voraussetzungen steht das Beschw erderecht regionalen und lokalen Organisationen zu gegen Verfügungen und Erl asse, die ihr Tätigkeitsge- biet betreffen. Soweit es um die Anwendung von Bundesrecht geht, steht den ideellen Organisationen sodann ein Beschwerderecht auch nach Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz vom 1. Juli 1966 (NHG, SR 451) zu. Diese Bestimmung lautet wie folgt: Den Gemeinden sowie den gesamtschweizerischen Organ isationen, die sich dem Naturschutz, dem Heimatschutz, der Denkmalpflege od er verwandten, rein ideel- len Zielen widmen und mindestens seit zehn Jahren b estehen, steht das Beschwer- derecht zu, soweit gegen kantonale Verfügungen oder gegen Verfügungen von Bundesbehörden letztinstanzlich die Beschwerde an d en Bundesrat oder die Ver- waltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht zulässig ist. Gemäss Art. 12 Abs. 2 NHG bezeichnet der Bundesrat die zur Be- schwerde berechtigten Organisationen, wobei dieser Bezeichnung bei der Anwendung von Art. 12 Abs. 1 NHG aber nicht konstit utive, sondern nur de- klaratorische Bedeutung zukommt (vgl. dazu auch Peter Keller in: Kel- ler/Zufferey/Fahrländer [Hrsg.], Kommentar zum Bund esgesetz über den Na- tur- und Heimatschutz, Zürich 1997, Art. 12 N. 13, S. 262). Art. 12a NHG 2001 3 enthält sodann verschiedene Vorschriften über die E röffnung der Verfügun- gen und den Verfahrenseintritt ideeller Organisatio nen. Von Bedeutung ist insbesondere Art. 12a Abs. 2 NHG, wonach die erwähn ten Organisationen – soweit das Bundesrecht oder das kantonale Recht ein Einspracheverfahren vor dem Erlass der Verfügung vorsieht – nur beschwerdeb efugt sind, wenn sie sich an diesem Einspracheverfahren als Partei beteiligt haben. Das Gesetz über die Raumplanung und das öffentlich e Baurecht im Kan- ton Schaffhausen vom 1. Dezember 1997 (Baugesetz, B auG, SHR 700.100) sieht zwar vor dem Erlass des baurechtlichen Entsch eids kein förmliches, ob- ligatorisches Einspracheverfahren vor, ermöglicht j edoch die Erhebung von Einwendungen auf die Publikation des Baugesuchs hin (Art. 62 BauG). Wer anschliessend Rekurs erheben will, muss innerhalb d er Auflagefrist entweder solche Einwendungen erheben oder den baurechtlichen Entscheid verlangen. Andernfalls verwirkt das Rekursrecht (Art. 63 BauG). Die erwähnte Regelung des Baugesetzes gilt sinngemäss auch für beschwerde befugte ideelle Organi- sationen und zwar auch insoweit, als sie sich auf d ie Beschwerdeberechtigung nach Art. 12 Abs. 1 NHG berufen (vgl. für die ähnli che Regelung des Kan- tons Zürich BGE 121 II 228 ff.). b) Im vorliegenden Fall macht die private Beschwerdeg egnerin zunächst geltend, die Beschwerdeführerinnen hätten nicht inn ert der Auflagefrist ge- mäss Art. 63 Abs. 1 BauG gültig Einwendungen erhobe n bzw. den baurecht- lichen Entscheid verlangt. M. habe zwar mit Schreib en vom 27. Januar 2000 auf Papier der Pro Natura Schaffhausen Einwendungen gegen das Bauvorha- ben erhoben, aber dieses Schreiben als Einziger unt erzeichnet. Zuständig zur Erhebung von Einwendungen gegen Bauvorhaben sei abe r nach den Statuten nur der Vorstand oder die Generalversammlung. Der V orstand habe erst nach Ablauf der Einwendungsfrist seine Zustimmung zum Vo rgehen von M. gege- ben, weshalb keine gültige Einwendung der Pro Natur a Schaffhausen vorlie- ge. Eine Bevollmächtigung durch die Pro Natura Schweiz fehle überdies noch heute. Die Beschwerdeführerinnen hätten daher ein i hnen allenfalls zustehen- des Rekursrecht jedenfalls verwirkt. Diese Auffassung trifft jedoch – wie bereits der R egierungsrat zu Recht festgehalten hat – nicht zu. M., Präsident der Pro Natura Schaffhausen, hat die mit Eingabe vom 27. Januar 2000 eingereichten Einwe ndungen ausdrücklich namens der Pro Natura Schaffhausen und der Pro Natu ra Schweiz erhoben. Zwar ist eine Ermächtigung durch den Vorstand erst am 16. Februar 2000 er- folgt, doch entspricht es allgemeiner Gepflogenheit, dass der Vereinspräsident in dringlichen Angelegenheiten und zur Fristwahrung vorsorglich die nötigen Schritte einleiten und sich nachträglich vom Vorsta nd bevollmächtigen lassen 2001 4 kann. Eine entsprechende Vollmacht kann nachgereicht werden, und es ist der betreffenden Partei gegebenenfalls eine Nachfrist z ur Beibringung der Voll- macht anzusetzen. Die Anwendung von Säumnisfolgen o hne entsprechende Fristansetzung würde überspitzten Formalismus darstellen. Dies gilt selbst für formelle Prozessverfahren und muss daher um so mehr für das fakultative und wenig formstrenge Einwendungsverfahren nach Art. 62 f. BauG bzw. das Be- gehren um Zustellung des baurechtlichen Entscheids gelten (vgl. für das Re- kurs- und Verwaltungsgerichtsverfahren Art. 21 Abs. 2 und Art. 40 Abs. 2 des Gesetzes über den Rechtsschutz in Verwaltungssa chen vom 20. September 1971 [VRG, SHR 172.200] und dazu Kölz/Bosshart/Röhl , Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kan tons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 22 N. 16 f., S. 449 f.). Was die Bes chwerdeführerin 2 angeht, trifft es zu, dass eine schriftliche Bevollmächtigu ng der handelnden Personen seitens der Pro Natura Schweiz bis heute nicht vorl iegt. Da bisher keine Auf- forderung zur Einreichung einer entsprechenden Vollmacht ergangen ist, kann daraus aber ebenfalls nichts abgeleitet werden. Auf eine entsprechende Auf- forderung im verwaltungsgerichtlichen Verfahren kan n im übrigen deshalb verzichtet werden, weil die bundesgerichtliche Rech tsprechung bisher ohne- hin sogar eine stillschweigende Vertretung der gesa mtschweizerischen Orga- nisationen durch ihre kantonalen Sektionen zugelass en hat (BGE 125 II 53 f. E. 2a und b). Entgegen der Auffassung der privaten Beschwerdegegnerin trifft es somit nicht zu, dass die beiden Beschwerdeführer innen ein ihnen allenfalls zustehendes Rekursrecht verwirkt hätten. c) Unbestritten ist sodann, dass den Beschwerdeführe rinnen grundsätz- lich das Beschwerderecht nach Art. 6b NHG/SH bzw. A rt. 12 Abs. 1 NHG zukommt, da sie die entsprechenden allgemeinen Anfo rderungen erfüllen (vgl. für das bundesrechtliche Beschwerderecht auch die Verordnung über die Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes sowie des Natur- und Hei- matschutzes beschwerdeberechtigten Organisationen v om 27. Juni 1990 [SR 814.076], Anhang, Ziff. 6). Umstritten ist jedoch, ob dieses Beschwerde- bzw. Rekursrecht im konkret zugrundeliegenden Baubewilli gungsverfahren zur Anwendung kommen könne. aa) Die Beschwerdeführerinnen haben zur Begründung ihre r Rechtsmit- telbefugnis bereits in der Rekursschrift vorgebrach t, das fragliche Bauprojekt liege in einem ausgewiesenen Gebiet mit besonderen städtebaulichen und landschaftlichen Qualitäten, für welche nach Art. 1 1 der Bauordnung der Stadt Schaffhausen vom 1. Juni 1982/29. Oktober 199 6 (BauO) erhöhte An- forderungen gälten (Erhaltung und Förderung der Dur chgrünung, des Baum- bestandes und der ökologischen Werte innerhalb des Baugebietes). Damit würden zentrale Anliegen des Vereinszwecks von Pro Natura betroffen. ... 2001 5 bb) Der Regierungsrat begründet im angefochtenen Ents cheid die Ver- weigerung der Rekursberechtigung der Beschwerdeführ erin 1 und aufgrund der Beschwerdeantwort sinngemäss auch der Beschwerd eführerin 2 damit, es handle sich im vorliegenden Fall bei den Bauparzellen um ein vollständig von Bauten umgebenes Gebiet in der Bauzone. Da weder ei n inventarisiertes Schutzobjekt noch ein Gebiet, welches unter Schutz gestellt werden müsste, betroffen sei, fehle das von Art. 6b NHG/SH für die Beschwerdebefugnis ver- langte öffentliche Interesse. Würde anders entschie den, hätte dies zur Folge, dass die ideellen Organisationen gegen jede baurech tliche Anordnung rekur- rieren könnten. Dies aber entspreche nicht der Absi cht des Gesetzgebers, der die Anfechtungsbefugnis ausdrücklich im Sinne von A rt. 6b NHG/SH habe einschränken wollen. Die Rekursmöglichkeit der idee llen Organisationen sei daher einzig auf Vorbringen beschränkt, die einen B ezug zum Natur- und Heimatschutz hätten. Unbestrittenerweise seien die Natur- und Heimatschutz- organisationen dann beschwerdeberechtigt, wenn eine Anordnung ein Objekt betreffe, das bereits durch eine förmliche Massnahme geschützt sei. ... cc) Es trifft zu, dass die Rechtsmittelbefugnis gemäs s Art. 6b NHG/SH den ideellen Organisationen nach feststehender Prax is grundsätzlich nur zur Geltendmachung von Rügen zur Verfügung steht, welch e einen Bezug zum Natur- und Heimatschutz aufweisen (OGE vom 20. März 1992 i.S. Einwoh- nerverein Altstadt Schaffhausen, E. 2b, Amtsbericht 1992, S. 173 ff., 175; vgl. auch Arnold Marti , Die Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton Schaff- hausen, Diss. Zürich 1986, S. 190 f.). Als Anfechtu ngsobjekt kommen aber ebenfalls nach feststehender Praxis nicht nur Verfü gungen und Erlasse in Be- tracht, die sich auf das NHG/SH stützen, sondern alle Verfügungen und Erlas- se von Kanton und Gemeinden, welche irgendwelche Au swirkungen auf die Belange des Natur- und Heimatschutzes haben, also i nsbesondere auch Pla- nungsakte und Baubewilligungen (OGE vom 2. Oktober 1987 i.S. F.G., E. 1c, Amtsbericht 1987, S. 162 ff., 166; vgl. auch Marti , S, 189). Zu prüfen ist da- her, ob tatsächlich gesagt werden könne, die von de n Beschwerdeführerinnen vorgebrachten Rügen hätten keinen Zusammenhang zum Natur- und Heimat- schutz, wie dies der Regierungsrat und die private Beschwerdegegnerin gel- tend machen. dd) aaa) Nach Auffassung einer Gerichtsmehrheit trifft dies nicht zu. Die von den Beschwerdeführerinnen erhobenen Rügen h aben einen klaren Bezug zum Naturschutz, wird doch geltend gemacht, e s werde ein ökologisch wertvolles Gebiet durch eine übermässige Überbauung beeinträchtigt. Die blosse Behauptung ökologischer Nachteile vermag all erdings ein Beschwer- derecht nach Art. 6b NHG/SH auch nach Auffassung de r Gerichtsmehrheit noch nicht zu begründen, da andernfalls praktisch j edes Bauprojekt mit der 2001 6 ideellen Verbandsbeschwerde angefochten werden könn te, was nicht dem Sinn von Art. 6b NHG/SH entsprechen kann (vgl. auch den Entscheid des Zürcher Verwaltungsgerichts vom 11. Juni 1991, E. 4 b, ZBl 1991, S. 494 ff., 500, zur Regelung des Verbandsbeschwerderechts im Kanton Zürich). Im Un- terschied zum Kanton Zürich ist das Verbandsbeschwe rderecht nach Art. 6b NHG/SH allerdings in sachlicher Hinsicht nicht auf bestimmte Verfügungen beschränkt, doch muss zumindest gefordert werden, d ass die beschwerdebe- rechtigten Organisationen die Verletzung von Vorsch riften geltend machen, welche den Schutz der von ihnen verfolgten öffentli chen Interessen bezwe- cken. Dies aber ist vorliegend der Fall. Es ist unbestritten, dass die Bauparzel- len im "Empfindlichen Gebiet Nr. 45 (Lahn-Säckelamt shüsli)" liegen (vgl. Merkblatt der Stadt Schaffhausen für das Bauen in G ebieten mit besonderen städtebaulichen und landschaftlichen Qualitäten vom April 1997). In solchen "empfindlichen Gebieten" sind gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. d BauO Bauwerke und deren Umgebung besonders sorgfältig zu gestalte n, und es ist alles vor- zukehren, um eine einwandfreie städtebauliche Wirku ng zu erzielen, wobei zusätzliche Vorschriften erlassen werden können. Das erwähnte Merkblatt gibt sodann Auskunft über d ie Lage der Schutz- gebiete und die verfügbaren Entscheidungsgrundlagen im Rahmen der städti- schen Richtplanung, welche gemäss Art. 11 Abs. 4 Ba uO für die Anwendung von Art. 11 Abs. 1 BauO massgebend ist. Unterschied en werden hierbei nach dem neuen Wortlaut von Art. 11 BauO drei Arten von Schutzgebieten: Quar- tierschutzgebiete, empfindliche Gebiete und schutzw ürdige Ensembles. Schutzziel für die empfindlichen Gebiete ist entsprechend dem Merkblatt "Er- haltung und Förderung der Durchgrünung, des Baumbes tandes und der öko- logischen Werte innerhalb des Baugebietes, insbesondere im Bereich von An- und Aussichtslagen". Als Schutzmassnahmen werden genannt: "Bauwerke und ihre Umgebung sind besonders sorgfältig zu gest alten, insbesondere ist die gute Durchgrünung zu erhalten und zu fördern (Art. 11 Abs. 1 BauO). Der Baumbestand ist nach Möglichkeit zu erhalten (Art. 13 Abs. 1 BauO). Bei grösseren Projekten ist ein Bepflanzungs- bzw. Umge bungsgestaltungsplan auszuarbeiten (Art. 13 Abs. 3 BauO)." Als Grundlagen für die Bezeichnung der "empfindlichen Gebiete" werden genannt: "Grundl agen zur Ausscheidung empfindlicher Gebiete, Anhang (Hesse+Schwarz+P, Apr il 1995), Leitbild der altstadtnahen Grün- und Freiräume (H+S+P, Mai 1992) und Grünplanung Herblingen (Stern & Partner, 1988)." Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegner kann aufgrund dieser Unterlagen nicht gesagt werden, die Zuweisung der B augrundstücke zu den empfindlichen Gebieten sei einzig aus ästhetisch-st ädtebaulichen Gründen, nicht etwa auch Naturschutzgründen erfolgt. Vielmeh r wird auch die Erhal- tung und Förderungen ökologischer Werte und die Anordnung entsprechender 2001 7 Schutzmassnahmen in den massgebenden Planungsgrundl agen ausdrücklich erwähnt. Ob die blosse Bezeichnung von Schutzgebiet en, Schutzzwecken und -massnahmen im Rahmen der lediglich behördenverbind lichen Richtplanung in jeder Hinsicht den gesetzlichen Anforderungen ge nügt und sich auf eine genügende gesetzliche Grundlage stützen kann, muss hier nicht geprüft wer- den. Dies wird vielmehr – wie auch die allfälligen Konsequenzen dieser pla- nerischen Anordnungen für das vorliegende Bauprojek t – Gegenstand einer materiellen Prüfung bilden müssen. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass die entsprechende Richtplanung aufgrund von Art. 11 Abs . 4 BauO grundsätzlich zumindest als Richtlinie für die rechtsgleiche Anwe ndung von Art. 11 Abs. 1 BauO beachtlich sein dürfte. Allenfalls könnte man sich überdies auch auf den Standpunkt stellen, es handle sich bei der auf Art. 11 Abs. 1 lit. d und Abs. 4 BauO gestützten Bezeichnung als "empfindlich es Gebiet" um eine Massnahme der kommunalen Inventarisierung von Schut zzonen und Schutz- objekten im Sinne von Art. 6 NHG/SH, wobei jedoch n och zu prüfen wäre, ob alle entsprechenden Anforderungen erfüllt seien. Diese Fragen können je- doch offen gelassen werden. Für die Bejahung der Re chtsmittelbefugnis der Beschwerdeführerinnen muss die Anrufung von Art. 11 Abs. 1 lit. d BauO in Verbindung mit den entsprechenden, nicht zum vornhe rein unbeachtlichen Planungsgrundlagen der Stadt Schaffhausen, welche u nter anderem die Erhal- tung und Förderung ökologischer Werte bezwecken, genügen. bbb) Nach Auffassung der Gerichtsmehrheit stellt sich im übrigen auch die von den Beschwerdeführerinnen aufgeworfene Frag e, ob sich eine Re- kursberechtigung nicht auch aus Art. 12 Abs. 1 NHG ergebe. Dies würde zu- treffen, wenn es sich bei der Zuweisung in einem em pfindlichen Gebiet i.S.v. Art. 11 Abs. 1 lit. d BauO um eine Massnahme zur Um setzung des 1985 und 1988 in Kraft getretenen Biotopschutzrechts des Bun des handeln würde (Art. 18 ff. NHG; vgl. dazu insbesondere Karl Ludwig Fahrländer in: Kel- ler/Zufferey/Fahrländer, Art. 18 N. 1 ff., S. 345 f f., sowie zur Pflicht der Ge- meinden zur eigenständigen Umsetzung dieses neuen R echts bei fehlenden Umsetzungsmassnahmen des Kantons auch BGE 118 Ib 48 5 ff. und Pra 1999 Nr. 130). Es kann hier aber offen gelassen werden, ob die Bezeichnung be- stimmter Flächen als "empfindliche Gebiete" im Sinn e von Art. 11 Abs. 1 lit. d BauO als Umsetzung der bundesrechtlichen Biotopsc hutzvorschriften zu betrachten sei, zumal die erwähnten Bundesvorschriften – soweit ersichtlich – nicht oder jedenfalls nicht ausdrücklich als Rechts grundlagen der dargelegten kommunalen Planungs- bzw. Schutzmassnahmen genannt werden und die "empfindlichen Gebiete" weder selber eigentliche (u nüberbaubare) Biotop- schutzgebiete oder ökologische Ausgleichsflächen bi lden, noch zwingend die Schaffung solcher Gebiete vorsehen, sondern nur ein e besondere Rücksicht auf ökologische Werte verlangen (vgl. dazu die oben erwähnten Ausführun- gen zu Schutzziel und Schutzmassnahmen; zum eigentl ichen Biotopschutz 2001 8 auch die näheren Vorschriften in Art. 13 ff. der Ve rordnung über den Natur- und Heimatschutz vom 16. Januar 1991 [NHV, SR 451.1 ]; zu weiteren Mass- nahmen i.S.v. Art. 18 Abs. 1 NHG freilich auch Pra 1999 Nr. 130 und Fahr- länder, Art. 18 N. 9 ff., S. 351 ff.). ee) Eine Gerichtsminderheit ist demgegenüber in Übereinstimmung mit dem Regierungsrat der Auffassung, eine Rekurs- bzw. Beschwerdebefugnis der Beschwerdeführerinnen hinsichtlich des fraglich en Bauprojektes bestehe weder nach kantonalem noch nach eidgenössischem Rec ht. Der von den Be- schwerdeführerinnen angerufene Art. 11 Abs. 1 BauO bezwecke lediglich ei- ne einwandfreie städtebauliche Einordnung in einem die architektonische Ge- staltung und den Ortsbildschutz umfassenden Sinn. E ine Erweiterung auf ei- gentliche ökologische bzw. Naturschutzaspekte, wie sie der Stadtrat im Zu- sammenhang mit der Bauordnungsrevision von 1997 in seiner Richtplanung vorgenommen habe, sei durch den Wortlaut von Art. 1 1 Abs. 1 BauO nicht gedeckt und vermöge daher eine Rechtsmittelbefugnis der Beschwerdeführe- rinnen im Sinne von Art. 6b NHG/SH nicht zu begründ en. Zur Diskussion stehen könnten im vorliegenden Fall nur architekton ische und Ortsbildfragen, welche aber ausserhalb des statutarischen Zwecks der Beschwerdeführerinnen lägen und daher von diesen nicht vorgebracht werden könnten. Die blosse Geltendmachung ökologischer Anliegen, welche sich nicht auf entsprechende, zu deren Schutz erlassene gesetzliche Vorschriften stützen können, vermöge für die Begründung eines Verbandsbeschwerderechts n ach Art. 6b NHG/SH nicht zu genügen, da andernfalls jedes Bauprojekt u nter dem Vorwand ökolo- gischer Anliegen angefochten werden könnte, was nic ht dem Sinn dieses In- stituts entspreche. Auch das Biotopschutzrecht des Bundes (vgl. dazu oben E. 3c dd ccc) könne im übrigen von den Beschwerdeführe rinnen nicht angerufen werden, da im Gebiet der Baugrundstücke im Rahmen d er nach Inkrafttreten des neuen Bundesrechts erfolgten rechtskräftigen Ba uordnungs- und Zonen- planrevision kein Biotopschutzgebiet im Sinne des B undesrechts ausgeschie- den worden sei und daher nun auch nicht nachträglic h Biotopschutzmassnah- men verlangt werden könnten. ff) Zusammenfassend ergibt sich jedoch, dass den Beschw erdeführerin- nen nach Auffassung der Gerichtsmehrheit die Rekursberechtigung im Sinne von Art. 6b NHG/SH im zugrundeliegenden Baubewillig ungsverfahren zu- steht. Der angefochtene Entscheid ist deshalb in Gu theissung der vorliegen- den Beschwerde aufzuheben und der Regierungsrat anz uweisen, den Rekurs materiell zu behandeln.