Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 5. Februar 2015 (810 14 310) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Prüfung von Kindesschutzmassnahmen Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, G erichtsschreiber Stefan Suter Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Fedaije Sejdini , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Beigeladener C.____ Betreff Prüfung von Kindesschutzmassnahmen / Bestät igung vorsorglicher Entscheid (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 1. Oktober 2014) A. A.____ und C.____ sind die geschiedenen Eltern v on D.____ (geb. 2007) und E.____ (geb. 2009), wobei die Eltern gemäss der Scheidungs konvention die elterliche Sorge gemein- sam ausüben und der Wohnort der Kinder bei der Mutt er ist. Nachdem die Staatsanwaltschaft Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht F.____ der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) am 14. August 2014 mit- geteilt hatte, dass sie auf Anzeige der Kindsmutter ei n Strafverfahren gegen den Kindsvater wegen sexueller Handlungen zum Nachteil seiner Kinder eröffnet habe, errichtete die KESB mit Verfügung vom 15. August 2014 eine Vertretungsbeistandsc haft für die Kinder und leitete ein Verfahren zur Prüfung weiterer Kindesschutzmassnahmen ein. B. Mit superprovisorischem Entscheid vom 29. August 2014 e ntzog die KESB A.____ und C.____ vorläufig das Aufenthaltsbestimmungsrecht über i hre Töchter und platzierte die Kinder im Durchgangs- und Beobachtungsheim G.____ in F.____. Zur Begründung führte sie zusam- menfassend aus, mehrere Beratungsstellen hätten ihr gem eldet, dass die Kindsmutter an sie gelangt sei und sie um Hilfe ersucht habe. Dabei hätte n die involvierten Stellen den Eindruck gewonnen, dass die Mutter äusserst verunsichert und verwirrt sei. Die KESB kam zum Schluss, dass das Familiensystem stark unter Druck stehe und die Kindsm utter das Kindeswohl nicht mehr in genügendem Mass gewährleisten könne. Aufgrund der gesamten Umstände benötigten die Kinder eine neutrale Umgebung in einem Kinderhe im, um zur Ruhe zu kommen. Nach der Anhörung der Eltern und weiteren Abklärungen bestätig te die Vizepräsidentin der KESB ihre superprovisorische Massnahme mit Entscheid vom 1. Oktober 201 4. Einer allfälligen Be- schwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung. C. Gegen den Entscheid der KESB vom 1. Oktober 2014 ha t A.____, vertreten durch Fedaije Sejdini, Advokatin, mit Eingabe vom 13. Okto ber 2014 beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde erho- ben. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Kinder seien unverzüg- lich in die Obhut der Beschwerdeführerin zu übergeben. Dies habe unter o/e-Kostenfolge zu geschehen, wobei der Beschwerdeführerin die unentgelt liche Rechtspflege zu bewilligen sei. Zur Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, der Entzug des Aufenthaltsbestim- mungsrechts sei unbegründet. Dass die Beschwerdeführerin b ei verschiedenen Beratungsstel- len um Hilfe ersucht habe, sei angesichts ihrer Situatio n verständlich und nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin habe stets mit der KESB zusammengear beitet und habe sich zur von die- ser vorgeschlagenen Psychiaterin in Behandlung begeben. Es stünden andere, mildere Mittel zur Sicherstellung des Kindeswohls zu Verfügung, weshalb der Entscheid auch als unverhält- nismässig zu qualifizieren sei. D. In ihrer Vernehmlassung vom 25. November 2014 stell t die KESB den Antrag auf Ab- weisung der Beschwerde. Eventualiter sei ein Gutachten über die Erziehungsfähigkeit der El- tern in Auftrag zu geben. Weiter sei die Stellungnahme der von ihr eingesetzten Vertretungsbei- ständin der beiden Kinder einzuholen. E. Mit Verfügung vom 9. Dezember 2014 setzte das Kan tonsgericht die Vertretungsbei- ständin im Verfahren der KESB wie auch im Strafverfa hren, Martina Horni, Rechtsanwältin, für das vorliegende kantonsgerichtliche Verfahren als Kindesv ertreterin von D.____ und E.____ ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. In ihrer Stellungnahme vom 23. Dezember 2014 stell t die Kindesvertreterin den Antrag, die Beschwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. We iter informiert sie darüber, dass die Staatsanwaltschaft F.____ das Strafverfahren gegen den Kindsvater mit Verfügung vom 16. Dezember 2014 eingestellt habe, da der Verdacht der sexuellen Handlungen mit Kindern nicht habe erhärtet werden können. G. Der beigeladene Kindsvater hat sich nicht vernehmen lassen. H. Am 29. Dezember 2014 wurde der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzb uches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide der Ki ndes- und Erwachsenenschutzbe- hörde das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 4 50e ZGB. Im Übrigen sind die Bestim- mungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind sämtliche Endentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vorsorgliche Massnahmen (Art. 445 A bs. 3 ZGB). Beim angefochte- nen (Vize-)Präsidialentscheid, welcher die Anordnung vo rsorglicher Massnahmen zum Gegen- stand hat, handelt es sich um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Streitsa che liegt in Anwendung von § 66 Abs. 2 EG ZGB i.V.m. § 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der präsidier enden Person. Die Beschwerdeführe- rin ist als direkt Verfahrensbeteiligte ohne Weiteres n ach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Be- schwerdeerhebung legitimiert. Die Beschwerdefrist von ze hn Tagen (Art. 445 Abs. 3 ZGB) ist vorliegend eingehalten. Da auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. Da d er angefochtene Zwischenentscheid auf einer summarischen und ermessensgeprägten Prüfung b eruht (vgl. C HRISTOPH AUER / MICHÈLE MARTI , in: Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Thomas Geiser [Hrsg.], Basler Kommen- tar zum Zivilgesetzbuch, 5. Aufl., Basel 2014, Art. 4 45 Rz. 27 ff.), kann die Beurteilung durch das Kantonsgericht allerdings nicht detaillierter ausfallen (Entscheid des Kantonsgerichts, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 17. Januar 2014 [810 13 383] E. 2; KGE VV vom 13. Februar 2013 [810 12 343] E. 2). Zude m auferlegt sich das Kantonsgericht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht entsprechend der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei de r Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe und bei der Ermessenskontrolle eine gewi sse Zurückhaltung und weicht nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab. Dies insbes ondere deshalb, weil die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden als Fachbehörden anzusehen sind (vgl. Art. 440 Abs. 1 ZGB; KGE VV vom 17. Juli 2013 [810 13 134] E. 2; KGE VV vom 8. Mai 2013 [810 13 10] E. 1.4; DANIEL STECK , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Art. 450a Rz. 17 ff.). 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ist gemäss Art . 307 Abs. 1 ZGB dazu verpflichtet, bei einer Gefährdung des Kindeswohls die g eeigneten Massnahmen zum Schutze des Kindes zu ergreifen, wenn die Eltern nicht von sich a us für Abhilfe sorgen oder dazu aus- serstande sind. Die Behörde trifft gemäss Art. 445 Abs. 1 ZGB die für die Dauer des Verfahrens notwendigen vorsorglichen Massnahmen. Sie kann insbesondere von Amtes wegen eine Mass- nahme des Kindesschutzes vorsorglich anordnen. Vorsorgliche Massnahmen müssen unum- gänglich, d.h. so dringlich sein, dass der ordentliche, s pätere Entscheid nicht abgewartet wer- den kann, ohne einen erheblichen Nachteil für die bet roffene Person in Kauf zu nehmen (vgl. CHRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Erwachsenenschutzrecht, Bern 2013, S. 285) . Materiell- rechtlich beruht der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrech ts auf Art. 310 Abs. 1 ZGB, wo- nach die Kindesschutzbehörde das Kind den Eltern wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen hat, wenn einer Gefährdung des Kindes n icht anders begegnet werden kann. Die Gefährdung muss darin liegen, dass das Kind in der e lterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geist ige und sittliche Entfaltung nötig wäre. Un- erheblich ist, auf welche Ursachen die Gefährdung zurückz uführen ist. Desgleichen spielt keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft. Entscheidend ist, dass die Vorkehr das richtige Mittel zur Verwirklichung des Ziels ist; d.h. die Unterbringung (z.B. in einem Heim) muss besser als jene beim bisherigen Obhutsinhaber Gewähr dafür bieten, dass das Kind in seiner Entfaltung geschützt und gefördert wird (Urteil des BGer 5A_322/2014 vom 14. Juli 2014 E. 2; Urteil des BGer 5C.34/2002 vom 3. April 2002 E . 2a; KGE VV vom 13. August 2014 [810 14 61] E. 3.2; vgl. auch C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, Rz. 27.36). Eine Kindeswohlgefährdung kann sich unter a nderem - und im vorliegenden Zu- sammenhang interessierend - bei Unfähigkeit der Eltern ergeben, sich adäquat um das Kind zu kümmern, weil sie durch persönliche Probleme übermässig a bsorbiert oder weil sie allgemein überfordert sind; weiter kann sie bei psychischer Erkranku ng der Eltern mit entsprechend kon- kreten, objektivierbaren Auswirkungen auf das Wohl des Kin des sowie bei allen Formen der Misshandlung angezeigt sein (vgl. P ETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Art. 310 Rz. 5; HÄFELI , a.a.O., S. 350). Wie alle Kindesschutzmassnahmen muss auc h der Ent- zug des Aufenthaltsrechts erforderlich sein (Subsidiarit ät) und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Proportionalität); d iese sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität). Das Aufenthaltsrecht ist nur zu entzie- hen, wenn andere Massnahmen ohne Erfolg geblieben sind oder von vornherein als ungenü- gend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden (vgl. Ar t. 389 ZGB; Urteil des BGer 5A_561/2013 vom 10. Januar 2014 E. 7.2; B REITSCHMID , a.a.O., Art. 310 Rz. 4). Als vorsorgli- che Massnahme ist die Aufhebung der Obhut für die Dauer einer Abklärung hingegen zulässig (ALBERT GULER , in: Jolanta Kren Kostkiewicz et al. [Hrsg.], Orell Fü ssli Kommentar zum Zivilge- setzbuch, 2. Aufl., Zürich 2011, Art. 310 Rz. 2; HÄFELI , a.a.O., S. 349). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die KESB erwog im angefochtenen Entscheid, die Kin dsmutter sei an verschiedene Beratungsstellen gelangt und habe um Hilfe ersucht, wob ei sie bei diesen einen verunsicherten und verwirrten Eindruck hinterlassen habe. Das Familiensystem stehe zur Zeit stark unter Druck und die Beschwerdeführerin könne das Kindeswohl ihrer T öchter nicht mehr in genügendem Mass gewährleisten. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Nov ember 2014 führt sie weiter aus, dass diverse Berichte und Gefährdungsmeldungen von Fachpe rsonen vorlägen. Diese zeigten auf, dass die Beschwerdeführerin einen ruhelosen Aktivism us an den Tag lege und ihre Kinder unter Druck setze, ihren Vater im Zusammenhang mit der Strafanzeige zu belasten. Auch habe sie weitere Missbrauchsvorwürfe gegen die Familie des Vat ers wie auch gegen die Jugendan- waltschaft und Lehrerinnen der Töchter erhoben. Dieses V erhalten führe zu einer psychischen Gefährdung der Kinder, der einzig mit dem vorsorglichen Entzug des Aufenthaltsbestimmungs- rechts und der Fremdplatzierung der Kinder in einem sich eren und kindsgerechten Umfeld be- gegnet werden könne. Die bereits laufenden Abklärungen und Behandlungen bei der Kinder- psychologin, der Psychiaterin der Beschwerdeführerin und d ie Alltagsbeobachtungen der Kin- der durch das Heim sollten vorläufig mit dem Ziel einer Stabilisierung der familiären Situation weitergeführt werden. 4.2 Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, der En tzug des Aufenthaltsbestimmungs- rechts sei absolut unbegründet. Wenn sie sich hilfesuchend an Beratungsstellen gewandt habe, so sei dies angesichts der Situation verständlich und nachvol lziehbar und kein Grund für einen behördlichen Eingriff. Sie habe ihre Kinder schützen wollen und versucht, die bestmögliche Hilfe zu erhalten. Sie habe stets mit der KESB zusammengearbe itet, was sich auch dadurch zeige, dass sie sich auf deren Anraten freiwillig bei einer Psychi aterin in Behandlung begeben habe. Die KESB hätte mit einem anderen, milderen Mittel a ls dem Entzug des Aufenthaltsbestim- mungsrechts unterstützend helfen können, weshalb sich der angefochtene Entscheid auch als unverhältnismässig erweise. 4.3 Die Kinderanwältin führt in ihrer Stellungnahme vom 23. Dezember 2014 im Wesentli- chen aus, diverse Gegebenheiten gäben einen begründet en Anlass zur Annahme einer Kin- deswohlgefährdung durch die Beschwerdeführerin. So wei se ihr Verhalten psychologische Auf- fälligkeiten auf, verschiedentlich habe sie gegenüber de r Polizei und Staatsanwaltschaft von Ängsten geprägte, zusammenhanglose und wirre Angaben gemacht. Sie äussere weiter Miss- brauchsvorwürfe gegen eine Vielzahl von Personen. Sie scheine ihre Töchter mit Druck zu Aussagen bewegen zu wollen, welche diese nicht machen wo llten. Es gelte deshalb, die psy- chische Drucksituation durch die Fremdplatzierung zu beruh igen und vorerst die weitere Ent- wicklung abzuwarten. 5. Aus den vorinstanzlichen Akten geht hervor, dass die Besc hwerdeführerin am 8. August 2014 die Polizei alarmierte und den Verdacht äusserte, dass ihre Töchter sexuell missbraucht worden seien. Offenbar hatte sie in der Ver gangenheit bereits mehrfach den Poli- zeiposten H.____ aufgesucht und dabei zusammenhanglose, wirre Angaben - auch im Zusam- menhang mit Missbrauch - gemacht, ohne allerdings je f örmlich Anzeige zu erstatten (vgl. E- Mail vom 8. August 2014 von der Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft an die Staatsanwalt- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaft F.____). An der polizeilichen Einvernahme vom 8. A ugust 2014 gab sie zu Protokoll, dass der Kindsvater sowie beide Grosseltern väterlicherseit s in die sexuellen Handlungen mit den Kindern involviert seien. Sie seien dazu von einer in I.____ lebenden (…) Landsfrau, von der sie nur den Vornamen kenne, angestiftet worden. D ie Kinderschutzgruppe des J.____spitals berichtete in einer Gefährdungsmeldung vo m 14. August 2014, die gynäkologi- sche wie auch die übrigen körperlichen Untersuchungen de r Mädchen seien unauffällig verlau- fen. Der Verdacht auf einen sexuellen Übergriff habe weder bestätigt noch ausgeschlossen werden können. Insgesamt hätten die Mädchen aber ein au ffälliges, sehr aufgedrehtes Verhal- ten gezeigt. Die Beschwerdeführerin selber habe aufgelöst, zittrig und mit der Situation komplett überfordert gewirkt. Anlässlich der am 21. August 2014 (in Abwesenheit der Kindsmutter) durchgeführten Videobefragung der Kinder machten dies e keine belastenden Aussagen. Aus dem entsprechenden Bericht geht jedoch hervor, dass E.____ während der Befragung sehr verschlossen gewesen sei. D.____ gab an, die Mutter wolle , dass sie etwas erzähle, aber sie wolle es nicht sagen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs sei es dem Kind dann sichtlich unwohl geworden und es habe den Raum unvermittelt verlassen. Na chdem die Beschwerdeführerin nach Abschluss der Befragung darüber informiert worden war, dass die Kinder den Verdacht der sexuellen Misshandlung nicht bestätigt hätten, verla ngte sie von der Staatsanwaltschaft vergeblich eine sofortige Wiederholung der Befragung in ihrer Anwesenheit, noch am selben Abend verbrachte sie zudem die Kinder erneut ins J.____ spital und insistierte dort ebenfalls erfolglos, dass diese durch die anwesenden Ärzte erneut untersucht und befragt würden (vgl. E- Mail vom 22. August 2014 von der Sozialarbeiterin der Ju gendanwaltschaft F.____ an die KESB). Am 27. August 2014 rapportierte sie der Polizei , gemäss den Angaben ihrer älteren Tochter sei diese von ihrer Lehrerin und abermals auch von ihrem Vater missbraucht worden. Am Tag darauf berichtete die Opferhilfe F.____ der K ESB, dass die Beschwerdeführerin bei ihr vorgesprochen habe und sich im Verlaufe des Gesprächs im mer mehr Ungereimtheiten erge- ben hätten, so habe sie gegenüber dem Kindsvater und d essen Familie, der Jugendanwalt- schaft, der Staatsanwaltschaft und den Lehrerinnen der K inder Missbrauchsvorwürfe erhoben. Sie scheine stark unter Druck zu stehen (vgl. Aktennotiz der KESB vom 28. August 2014). Nachdem die Kinder am 29. August 2014 superprovisorisch im Kinderheim fremdplatziert wor- den waren, erstattete die Beschwerdeführerin am 30. Au gust 2014 bei der Polizei wiederum Anzeige und äusserte den Verdacht, dass der Kindsvater die Kinder im Heim missbraucht habe. Die nicht weiter identifizierte Person aus I.____ habe zudem sie und ihre Kinder bedroht und dafür gesorgt, dass sie ihre Stelle verloren habe. Da s Kinderheim hielt im Rahmen des Be- obachtungsauftrags fest, dass die Beschwerdeführerin di e Kinder praktisch täglich besucht ha- be und sie mehrmals in der Schule oder im Kindergarten aufgesucht habe. Es falle unter diesen Umständen schwer, den wahren Willen der Kinder zu ermit teln. Auf jeden Fall wirkten die Kin- der dominant und es scheine der Mutter schwer zu fallen, ihnen Grenzen zu setzen (vgl. Proto- koll 1. Standortgespräch vom 30. September 2014). 6.1 Die vorgehend dargelegten Auszüge aus den Akten wei sen gesamthaft gesehen hin- reichend konkrete Anhaltspunkte auf für eine zumindest drohende Gefährdung des Kindes- wohls beider Töchter der Beschwerdeführerin. Es ergibt sich in der Tat das von der Vorinstanz gezeichnete Bild einer Mutter, deren Angstzustände und ruheloser Aktivismus im Zusammen- hang mit diffusen - und zum Teil offensichtlich unglau bhaften - Missbrauchsvorwürfen gegen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Vielzahl von Personen zu begründeter Besorgnis um das psychische Wohlergehen der Mutter wie der Kinder bietet. Die Beschwerdeführerin hat sich und die Kinder mehrfach als Op- fer eines Verschwörungskomplotts bezeichnet. Sie hat ihre Töchter wiederholt, drängend und in suggestiver Weise immer wieder nach Übergriffen befrag t und zudem regelmässig deren Geni- talbereich inspiziert (vgl. Gefährdungsmeldung des J.___ _ vom 14. August 2014). Vor diesem Hintergrund erscheint die Schlussfolgerung der Vorinsta nz nachvollziehbar, dass die Mutter verwirrt erscheine und ihre Kinder unter einen permane nten psychischen Druck gesetzt habe. Augenscheinlich versuchte sie die Kinder zu Aussagen beweg en, zu denen diese nicht bereit waren. Diese Einschätzung deckt sich auch mit derjenigen der Kinderanwältin, die ebenfalls von einer akuten psychischen Gefährdung der Kinder spricht. Mit der Vorinstanz ist davon auszuge- hen, dass das von der Beschwerdeführerin an den Tag gele gte Verhalten einer gesunden Ent- wicklung der Töchter abträglich ist, worauf auch das von den Fachpersonen beobachtete auffäl- lige Verhalten hindeutet. Weiter weist das Gebaren d er Beschwerdeführerin auf psychische Schwierigkeiten hin, weshalb sich auch in dieser Hinsich t weitere Abklärungen aufdrängen. Zurzeit scheint sie von persönlichen Problemen zu absorb iert, um sich adäquat um die Kinder kümmern zu können. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin waren das Einschreiten der KESB von Amtes wegen und der vorsorgliche Erlass von Kinde sschutzmassnahmen unter den vorliegenden Umständen somit geboten. Wenn die Beschwe rdeführerin ausführt, sie habe sich lediglich hilfesuchend an Beratungsstellen gewandt, so ka nn ihr nicht beigepflichtet werden, denn sie gibt damit den Sachverhalt verkürzt wieder. Wi e aus den verschiedenen Berichten dieser Stellen klar hervorgeht, ersuchte sie diese nicht um Ratschläge, vielmehr versuchte sie die staatlichen Stellen von den Missbrauchsvorwürfen zu überzeugen und für ihre Ziele einzu- spannen. Es bestand nach dem Gesagten somit begründete r Anlass für die Eröffnung eines Kindesschutzverfahrens und den Erlass von vorsorglichen Kindesschutzmassnahmen. 6.2 Die Beschwerdeführerin rügt weiter, der Entzug d es Aufenthaltsbestimmungsrechts sei eine unverhältnismässige Kindesschutzmassnahme. Gemäss ihrer Auffassung hätte die KESB mit einem milderen Mittel als dem Entzug des Aufenthal tsbestimmungsrechts reagieren müs- sen. Einleitend ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuwei sen, dass der Entzug des Aufenthalts- bestimmungsrechts vorliegend als vorsorgliche Massnahme erlassen wurde und die auf die konkrete familiäre Situation zugeschnittene verhältnismässi ge Kindesschutzmassnahme im laufenden Verfahren erst noch zu bestimmen sein wird. D ie vorübergehende Fremdplatzierung der Kinder erfolgte zunächst als kurzfristige Intervention in einer akuten familiären Krisensituati- on. Die vorläufige Platzierung der Töchter der Beschwer deführerin in einer ruhigen ausserfami- liären Umgebung war nach den überzeugenden Erwägunge n der Vorinstanz erforderlich, um dadurch Druck von ihnen wegzunehmen und um ihnen das nöti ge Umfeld zu geben, damit sie fürs Erste zur Ruhe kamen. Ihr Aufenthalt im Kinderhe im verfolgt weiter den Zweck einer päda- gogischen Beobachtung und dient damit der Sachverhaltsa bklärung. Diese ist nur möglich, wenn die Kinder in einer neutralen kindsgerechten Umg ebung dem ständigen Einfluss der Mut- ter entzogen sind und wenn sie über einen längeren Zeitraum von den mit der Abklärung beauf- tragten Fachpersonen direkt betreut werden. Dieses Vorg ehen der Behörde drängte sich nicht zuletzt auch deshalb auf, weil sich die Kinder gegenübe r aussenstehenden Personen (auch Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegenüber ihrer Vertretungsbeiständin) stets verschlossen gezeigt und wenig von sich preisge- geben haben, so dass ihre Befindlichkeiten schon aus die sem Grund nicht ambulant abgeklärt werden konnten. Soweit die Beschwerdeführerin vorbring t, sie habe stets mit der KESB zu- sammengearbeitet und sich auch auf deren Anraten freiw illig in psychiatrische Behandlung be- geben, so ist darin ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft zu erblicken. Im erfahrungsgemäss längerdauernden psychiatrischen Behandlungsprozess ist aufgrund der Dringlichkeit der Krisen- intervention und dem dringenden Abklärungsbedarf vorliegend jedoch kein taugliches Mittel zur Abwendung einer unmittelbar drohenden oder bereits e ingetretenen Kindeswohlgefährdung zu erblicken. Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit ist eben falls zu berücksichtigen, dass sich die Zusammenarbeit zwischen der KESB und der Beschwerde führerin - möglicherweise auch aufgrund von kulturellen und sprachlichen Verständig ungsschwierigkeiten - nicht immer rei- bungslos gestaltet hat. So war auf die Angaben der Bes chwerdeführerin teilweise kein Verlass, etwa als sie der KESB mitteilte, die von der Staatsan waltschaft zugezogene Spezialistin des Instituts für Rechtsmedizin habe bestätigt, dass mit den K indern etwas passiert sei, allerdings nichts Gravierendes (vgl. Protokoll der KESB zur Anhörung vom 2. September 2014). Sodann bekundete sie Mühe, sich an Vereinbarungen mit der KES B zu halten. Wie dem Protokoll zum ersten Standortgespräch zu entnehmen ist, hat sie sich versch iedentlich nicht an die Abma- chung gehalten, ihre Töchter nicht im Kindergarten ode r der Schule aufzusuchen und davon abzusehen, den Taxifahrten der Kinder beizuwohnen. Auch unter diesem Aspekt vermag die Beschwerdeführerin nicht Gewähr dafür zu geben, dass sie - allenfalls auch mit enger Beglei- tung durch die KESB - in eigener Verantwortung der Kindeswohlgefährdung angemessen be- gegnen könnte. Eine andere innerfamiliäre Lösung kam a ufgrund der vorliegenden Fallkonstel- lation von vornherein nicht in Betracht. Der von der Vorinstanz angeordnete vorsorgliche Entzug d es Aufenthaltsbestimmungsrechts erweist sich somit unter den vorliegenden Umständen als erforderliche und die mildeste Erfolg versprechende einstweilige Massnahme, um der Gefährdung des Kindeswohls zu begegnen und um die für das Kindesschutzverfahren erforderlichen S achverhaltserhebungen durchzufüh- ren. Die KESB wird nach den erfolgten Abklärungen über allfällige weitere Massnahmen neu zu entscheiden haben. 6.3 Nach dem Gesagten erweisen sich der vorsorglich ange ordnete Entzug des Aufent- haltsbestimmungsrechts und die damit verbundene ausser häusliche Platzierung der Töchter der Beschwerdeführerin gestützt auf die gebotene summari sche Würdigung der Sach- und Rechtslage als sachgerecht, verhältnismässig und angemesse n. Die Geeignetheit des gewähl- ten Durchgangs- und Beobachtungsheims und der Auftrag zur Begutachtung werden von der Beschwerdeführerin zudem zu Recht nicht in Frage geste llt. Die Beschwerde erweist sich nach dem Dargelegten als unbegründet und ist deshalb abzuweisen. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegend werden Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 500.-- erhoben. Als Verfahrenskosten eben- falls zu berücksichtigen sind die Kosten der Kindesvertretu ng (KGE VV vom 23. Juli 2014 [810 14 202] E. 8.1; Urteil des BGer 5A_840/2011 vom 13. Januar 2012 E. 6; vgl. A UER /M ARTI , a.a.O., Art. 449a Rz. 25). Für die gerichtlich eingese tzte anwaltliche Kindesvertretung wird pra- xisgemäss ein Stundenansatz von Fr. 200.-- zu Grunde ge legt, welcher dem Honorar bei un- entgeltlicher Verbeiständung und amtlicher Verteidigu ng nach § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 entspricht und eine sorgfältige Ver- tretung des Kindes zu gewährleisten vermag (vgl. KGE V V vom 23. Juli 2014 [810 14 202] E. 8.1). Die Kindesvertreterin beantragt ein Honorar von 6 Stunden und 20 Minuten à Fr. 200.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 13.--, was nicht zu beanstanden ist. Das Honorar der Kindesvertreterin ist demnach auf Fr. 1'382.10 (in kl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die vorliegenden Verfahrenskosten in der Hö he von insgesamt Fr. 1'882.10 wer- den der Beschwerdeführerin auferlegt und gehen zufolg e Bewilligung der unentgeltlichen Pro- zessführung zulasten der Gerichtskasse. Der Kindesvertreter in ist für das vorliegende Verfah- ren ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'382.10 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Parteikosten sind ausgangsgemäss wettzuschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g ist der Rechtsvertreterin der Be- schwerdeführerin ein Honorar aus der Gerichtskasse auszuricht en. In ihrer Honorarnote vom 12. Januar 2015 macht die Rechtsvertreterin einen Zeitau fwand von 7.05 Stunden und Ausla- gen von Fr. 77.40 geltend, was der Sache angemessen erscheint. Beim nach § 3 Abs. 2 TO zur Anwendung gelangenden Stundenansatz für unentgeltlich e Verbeiständung von Fr. 200.-- re- sultiert daraus ein aus der Gerichtskasse auszurichtendes Ge samthonorar in der Höhe von Fr. 1'606.40 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer). 7.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hing ewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in d er Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'882.10 (inkl. Kosten der Kindesvertreterin) werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführu ng gehen die der Beschwerdeführerin auferlegten Verfahrenskosten zulasten der Ge- richtskasse. 3. Der Kindesvertreterin wird ein Honorar in der Höh e von Fr. 1'382.10 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'606.40 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zulasten der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiber