B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-1429/2013 U r t e i l v o m 1 2 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Jean-Daniel Dubey, Richterin Marie-Chantal May Canellas, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, vertreten durch Stephanie Motz, Barrister, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot. C-1429/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die aus Mazedonien stammende Beschwerdeführerin (geb. 1989) wurde am 14. Februar 2013 anlässlich einer Kontrolle durch die Kantonspolizei Zürich in einer Wohnung in Z._______ angetroffen. Ermittlungen vor Ort ergaben, dass sich X._______ dort um die zweijä hrige Tochter ihrer Freundin kümmert e, währendem diese der Arbeit nach ging. Infolgedes- sen wurde die Beschwerdeführerin aufgrund des Verdachts der Schwarz- arbeit verhaftet. B. Noch am gleichen Tag erfolgte die Einvernahme der Beschwerdeführerin durch die Kantonspolizei Zürich. Anlässlich dieser wurde ihr i m Hinblick auf allfällige Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen auch das rechtliche Gehör gewährt. C. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 14. Februar 2013 wurde die Beschwerdeführerin der Widerhandlung gegen das Au s- ländergesetz schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je Fr. 30.- und einer Busse von Fr. 300.- verurteilt. Die zuständige Behörde sah es als erwiesen an, dass die Beschwerdeführ e- rin in der Zeit vom 12. Februar 2012 bis 29. April 2012 (mit einem Unte r- bruch für einen Aufenthalt nicht näher bekannter Dauer in Deutschland), vom 11. August 2012 bis 1. November 2012 (mit einem Unterbruch für ei- nen Aufenthalt nicht näher bekannter Dauer in Deutschl and) sowie vom 10. Februar 2013 bis 14. Februar 2013 in der Wohnung ihrer Freundin S._______ in Z._______ gewohnt habe und von Montag bis Freitag von 5.30 Uhr bis 15.00 Uhr deren Ba by Z._______ gehütet habe, während- dem diese der Arbeit nachging; ein Entgelt in bar habe sie dafür nicht e r- halten. D. Mit Verfügung vom 15. Februar 2013 wies das Migrationsamt des Ka n- tons Zürich die Beschwerdeführerin aus dem Schengen -Raum weg und ordnete gleichzeitig den sofortigen Vollzug der Wegweisung an. E. In der Folge verhängte das BFM mit Verfügung vom 15. Februar 2013 ein dreijähriges Einreiseverbot gegen die Beschwerdeführerin . Zur Begrü n- dung wurde darauf hingewiesen, dass sie vom 12. Februar 2012 bis C-1429/2013 Seite 3 29. Februar (recte: April) 2012, vom 11. August 2012 bis 1. Novem ber 2012 sowie vom 10. Februar 2013 bis 14. Februar 2013 in der Schweiz erwerbstätig gewesen sei, ohne im Besitz der erforderlichen auslände r- rechtlichen Bewilligung zu sein. Gemäss ständiger Praxis und Rechtspr e- chung liege damit ein schwerer Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) vor. Die im Rahmen des rechtl i- chen Gehörs gemachten Angaben vermöchten keinen anderen Entscheid zu rechtfertigen. Gleichzei tig erfolgte der Hinweis , dass das Einreiseve r- bot zu einer Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) füh- re. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entz o- gen. F. Am 17. Februar 2013 wurde die Beschwerdeführerin nach Skopje (Maze- donien) ausgeschafft. G. Die Beschwerdeführerin gelangte mit Rechtsmitteleingabe vom 18. März 2013 an das Bundesverwaltungsger icht. Sie beantragt darin, die vor - instanzliche Verfügung und das Einreiseverbot seien aufzuheben. Eve n- tualiter sei die Dauer des Einreiseverbots auf ein Jahr herabzusetzen. In prozessualer Hinsicht ersucht sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege samt Verbeiständung. Zur Begründung lässt sie im Wesent- lichen geltend machen, die Verhängung eines Einreiseverbots sei vorli e- gend nicht gerechtfertigt. Sie habe Verwandte in der Schweiz und Deutschland, welche sie regelmässig besuche. Zudem habe sie keine Vorstrafen. Sie habe sich in der Schweiz in Unwissenheit des Gesetzes durch das Hüten des Babys ihrer Freundin, welche s ihr sehr nahe stehe, strafbar gemacht. Erst anlässlich der polizeilichen Einvernahme sei ihr klar geworden, dass sie sich mit ihrem Verhalten strafrechtlich schuldig gemacht habe. Es sei auch zu betonen, dass sie durch ihre Unterstü t- zung nicht erst die Erwerbstätig keit ihrer Freundin ermöglicht habe. Die Freundin sei auch berufstätig, wenn sie nicht in der Schweiz sei, da deren Sohn primär für das Hüten seiner Schwester verantwortlich sei. Auch h a- be sie sich nicht jeden Tag um das Kind gekümmert, sondern nur ab und zu. Sie habe zudem bis anfangs 2013 im Sekretariat der […] gearbeitet und bisher über einen einwandfreien Leumund verfügt. Sie hätte sich nie um die Tochter ihrer Freundin gekümmert, wenn ihr bewusst gewesen wäre, dass dieses Verhalten strafbar sei. Es ste he ausser Zweifel, dass sie in Zukunft keine weitere Straftat mehr begehen würde. Damit müsse C-1429/2013 Seite 4 die Gefahr einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Or d- nung verneint oder zumindest als äusserst gering eingestuft werden. Soll- te das Gericht wider erwarten zum Schluss gelangen, das Verhängen e i- nes Einreiseverbots sei gerechtfertigt, so müsse dessen Dauer bea n- standet werden. Die Fernhaltemassnahme beinträchtige ihre privaten I n- teressen, namentlich ihre Bewegun gsfreiheit innerhalb des gesamten Schengenraums und ihre Beziehungen zu Familie und Freunde n in Deutschland und der Schweiz. Ein Besuch bei ihrer Verwandschaft und ihren Freunden sei ihr während der nächsten drei Jahre aufgrund des Einreiseverbots für den Schengenraum verwehrt. Damit sei die Dauer der Fernhaltemassnahme klar unverhältnismässig. Eine vergleichbare Kon s- tellation liege dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-4463/2010 vom 14. August 2012 zugrunde. Das Bundesverwaltungsgericht habe die Beschwerde dort teilweise gutgeheissen und di e Dauer des dreijährigen Einreiseverbots auf das Datum des Entscheides begrenzt, womit dieses knapp über zwei Jahre gedauert habe. Damit sei vorliegend das Einreise- verbot auf ein, maximal zwei Jahre zu begrenzen. H. Nachdem die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 25. März 2013 au f- gefordert worden war, dem Bundesverwaltungsgericht das Formular "G e- such um unentgeltliche Rechtspflege" mit den nötigen Beweismitteln ve r- sehen einzureichen, retournierte sie dieses ausgefüllt mit Schreiben vom 25. April 2013. Des Weiteren reichte sie einen aktuellen, mazedonischen Strafregisterauszug zu den Akten. I. In ihrer Vernehmlassung vom 21. Mai 2013 schloss die Vorinstanz auf die Abweisung der Beschwerde. J. Mit Schreiben vom 27. Mai 2013 stellte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführerin ein Doppel dieser Vernehmlassung zu. K. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C-1429/2013 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrens - gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Al s Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das BFM, das mit der Anordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts a n- deres bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die sowohl frist - als auch formg e- rechte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Beschwerde ist somit einzutreten. 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange- legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhaltes sowie – falls nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrü n- dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1, BVGE 2011/43 E. 6.1 sowie BVGE 2011/1 E. 2). C-1429/2013 Seite 6 3. 3.1 Das BFM verfügt Einreiseverbote gegenüber weggewiesenen Au s- länderinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachg e- kommen ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AuG). Es kann sodann nach Art. 67 Abs. 2 AuG Einreiseverbote gegen ausländische Perso nen erlassen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Aus- land verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG), Sozialhilfekosten verursacht haben (Art. 67 Abs. 2 Bst. b AuG) oder in Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genommen wo r- den sind (Art. 67 Abs. 2 Bst. c AuG). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt. Es kann für eine längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Die Behörde kann aus humanitären oder anderen wichtigen Grü n- den von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Einre i- severbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG). 3.2 Wird gegen eine Person, die nicht das Bürgerrecht eines Mitglied - staates der Europäischen Union (EU) besitzt, ein Ein reiseverbot ve r- hängt, so wird sie in der Regel im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. die Art. 21 und Art. 24 der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember 2006 über die Ei n- richtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informationssy s- tems der zweiten Generation [SIS II], ABl. L 381 vom 28. Dezember 2006, S. 4-23 [nachfolgend SIS-II-VO], welche per 9. April 2013 die in den hier relevanten Punkten gleichlautenden Art. 94 und Art. 96 des Schengener Durchführungsübereinkommens [SDÜ, Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62] abgelöst haben [vgl. den Beschluss des Rates 2013/158/EU vom 7. März 2013, Abl. L 87 vom 27. März 2013, S. 10 -11 i.V.m. Art. 52 Abs. 1 SIS-II-VO]). Damit wird dem Betroffenen die Einreise in das Hoheitsgebiet der Schengen -Mitgliedstaaten verboten (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. d sowie Art. 13 Abs. 1 Sche ngener Grenzkodex [SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1-32]). Die Mitgliedstaaten können einer so l- chen Person aus humanitären Gründen oder Gründen des nationalen I n- teresses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen die Einreise in das eigene Hoheitsgebiet gestatten bzw. ihr ein Schengen-Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit ausstellen (vgl. Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 C-1429/2013 Seite 7 Bst. c SGK sowie Art. 25 Abs. 1 Bst. a [ii] Visakodex, Abl. L 243 vom 15. September 2009). 3.3 Das in Art. 67 AuG geregelt e Einreiseverbot bildet eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Botschaft], BBl 2002 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgü- ter; sie umfasst u.a. die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). In diesem Sinne liegt nach Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung u.a. vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet werden. Wider handlungen gegen das Ausländerrecht fallen unter diese Begriffsbestimmung und können ein Einreiseverbot nach sich ziehen (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3813). Die Verhängung eines Einreis e- verbots knüpft an das Risiko einer künftigen Gefährdung an. Gestützt auf sämtliche Umstände des Einzelfalls ist eine entsprechende Prognose zu stellen. Dabei ist naturgemäss primär das vergangene Verhalten der b e- troffenen Person zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungs- gerichts C-820/2009 vom 9. März 2011 E. 5 mit Hinweisen). 4. 4.1 Die Vorinstanz stützt das Einreiseverbot auf Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG. Die Beschwerdeführerin sei vom 12. Februar 2012 bis 29. Februar (recte: April) 2012, vom 11. August 2 012 bis 1. November 2012 und vom 10. Februar 2013 bis 14. Februar 2013 in der Schweiz erwerbstätig g e- wesen, ohne im Besitz der erforderlichen ausländerrechtlichen Bewill i- gung zu sein. Damit liege gemäss ständiger Praxis ein schwerer Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung vor. 4.2 Vorliegend steht ausser Frage, dass die Beschwerdeführerin anläs s- lich ihres Aufenthalts in der Schweiz einer unbewilligten Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, gilt doch als Erwerbstätigkeit jede üblicherweise gegen Entgelt ausgeübte unselbstständige oder selbstständige Tätigkeit, selbst wenn sie – wie in casu – unentgeltlich erfolgte (Art. 11 Abs. 2 AuG). Ohne Belang für die Qualifikation als (unselbstständige) Erwerbstätigkeit ist u n-C-1429/2013 Seite 8 ter anderem we iter, ob die Beschäftigung nur stunden - oder tageweise oder vorübergehend ausgeübt wird (Art. 1a Abs. 1 VZAE). Die Beschwerdeführerin selbst stellt zu Recht nicht in Abrede, anlässlich ihrer Aufenthalte in der Schweiz die Tochter ihrer Freundin gehütet zu ha- ben. Diesbezüglich gilt es im Übrigen auch auf den rechtskräftigen Straf- befehl der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 14. Februar 2013 zu verweisen, von dem vorliegend nicht abzuweichen ist (vgl. dazu BGE 136 II 447 E. 3.1). Sie macht hingegen geltend, sie habe sich aus Unwisse n- heit des Gesetzes durch das Hüten des Babys ihrer Freundin, welches ihr sehr nahe stehe, strafbar gemacht und sei sich der Strafbarkeit dieser Handlung offensichtlich nicht bewusst gewesen. Erst bei der polizeilichen Einvernahme sei ihr klar geworden, dass sie sich einer Straftat schuldig gemacht habe. Sie habe bis anfangs 2013 im Sekretariat der […] gearbei- tet und habe über einen einwandfreien Leumund verfügt. Sie hätte sich nie um die Tochter ihrer Freundin gekümmert, wenn ihr bewusst gewesen wäre, dass dies strafbar sei. Mit dieser Argumentation verkennt die Beschwerdeführerin, dass für die Verhängung eines Einreiseverbots kein vorsätzlicher Verstoss gegen aus- länderrechtliche Bestimmungen erforderlich ist , sondern eine Fernhalte- massnahme bereits dann gerechtfertigt ist, wenn der ausländischen Per- son eine Sorgfaltspflichtverletzung zugerechnet werden kann. Unkenntnis oder Fehlinterpretationen der Einreise - oder Aufenthaltsvorschriften ste l- len normalerweise keinen hinreichenden Grund für ein Absehen von einer Fernhaltemassnahme dar. Von einer ausländischen Person kann denn auch erwartet werden, sich rechtzeitig über die sie betreffenden auslä n- derrechtlichen Rechte und Pflichten zu informieren (vgl. Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts C-4463/2008 vom 29. April 2009 E. 5.4 mit Hi n- weisen). 4.3 Ohne Belang ist, dass der Beschwerdeführerin das Kind ihrer Freu n- din sehr nahe steh t bzw. sie dieses in ihr Herz geschlossen habe . Insbe- sondere begründet dieser Umstand noch keine Ausnahme von der Bewil- ligungspflicht. Eine solche kommt höchstens in Fällen in Betracht, in we l- chen die Arbeitsleistungen im Haushalt und/oder Familie durch nahe Verwandte vorgenommen werden und gerade wegen der verwandtschaft- lichen und emotionalen Nähe der betreuenden zur betreuten Person nicht durch diejenige einer Drittperson ersetzt werden könnte n, ohne dass der besondere Charakter der Tätigkeit verloren ginge (vgl. Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts C-7263/2008 vom 31. August 2010 E. 5.1.2 mit Hi n-C-1429/2013 Seite 9 weisen). Davon kann vorli egend bereits aufgrund des fehlenden ve r- wandschaftlichen Verhä ltnisses zwischen der Beschwerdeführerin und dem Kind ihrer Freundin nicht ausgegangen werden, womit es sich erüb- rigt, auf die weiteren Vorbringen, primär sei der Sohn ihrer Freundin für die Betreuung des Kindes zustän dig; ihre Gastgeberin gehe auch dann einer Erwerbstätigkeit nach, wenn sie sich nicht in der Schweiz aufhal te, einzugehen (vgl. dazu ausführlich PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Au s- länder, Bern 2010, Art. 11 N. 8 sowie MARC SPESCHA in: Sp e- scha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 3. Auflage, Zürich 2012, Art. 11 AuG N 3). 4.4 Auch die beschwerdeweise getätigte, pauschale und nicht weiter sub- stantiierte Ausführung, X._______ habe sich nicht jeden Tag um das Kind ihrer Freundin gekümmert, ist nicht geeignet, die Verhängung einer Fer n- haltemassnahme in Frage zu stellen. Nicht näher bekannt ist zudem, wie lange sich die Beschwerdeführerin anl ässlich ihrer Besuche in der Schweiz auch noch bei Verwandten in Deutschland aufgehalten habe. Diesbezügliche Beweise hätte die Beschwerdeführerin erbringen müssen. 4.5 Durch die Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung hat die Beschwerdefü h- rerin ohne Zweifel den Fernhaltegrund nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG ge- setzt. Zudem wurde sie mit Verfügung des Migra tionsamtes des Kantons Zürich vom 15. Februar 2013 aus der Schweiz weggewiesen, wobei die Wegweisung sofort vollstreckt wurde (vgl. Art. 64d Abs. 2 Bst. a AuG). Damit ist vorliegend auch der Fernhaltegrund des Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG erfüllt. 4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass hinreichende Gründe für die Verhängung einer Fernhaltemassnahme vorliegen. 5. 5.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des E r- messens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältni s- mässigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine wertende Abwägung zwischen dem öffent lichen Interesse an der Massnahme und den beeinträchtigten privaten Interessen des Betroff e- nen vorzunehmen. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Recht s- güter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die pe r-C-1429/2013 Seite 10 sönlichen Verhältnisse des V erfügungsbelasteten bilden dabei den Au s- gangspunkt der Überlegungen (vgl. statt vieler ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Z ü- rich/St. Gallen 2010, Rz. 613 ff.). 5.2 Aufgrund obgenannter Sachverhaltsfeststellung gi lt es als erwiesen, dass die Beschwerdeführerin über eine gewisse Zeit hinweg eine nicht bewilligte Erwerbstätigkeit ausübte und deshalb aus der Schweiz wegg e- wiesen wurde. Wie bereits an obiger Stelle ausgeführt, setzt die Missac h- tung einer ausländerrechtlichen Bestimmung kein vorsätzliches Verhalten voraus. Negativ ins Gewicht fällt, dass sie innerhalb eines Jahres anläss- lich dreier verschiedenen Aufenthalte in der Schweiz während mehrere n Monate (zumindest zeitweise) das Kind ihrer Freundin beaufsichtigte und somit über eine beachtliche Zeit hinweg ausländerrechtliche Normen missachtete, denen zur Wahrung einer funktionierenden Rechtsordnung zentrale Bedeutung zukommt. Dass sie das gesamte Verfahren sehr mi t- genommen habe ist nachvollziehbar, allerdings gilt es im Rahmen der In- teressenabwägung – abgesehen von der aktuellen Gefährdung der öf- fentlichen Ordnung und Sicherheit, die von der betroffenen Person aus- geht – auch generalpräventive Gesichtspunkte zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_679/2011 vom 21. Februar 2012 E. 3. 1) , wobei hier insbesondere der Schutz der ausländerrechtlichen Ordnung durch eine konsequente Massnahmepraxis ins Gewicht fällt. Zudem liegt eine spezialpräventive Zielsetzung der Massnahme darin, die betroffen e Person zu ermahnen, bei einer allfälligen künftigen Wiedereinreise in die Schweiz nach Ablauf der Dauer des Einreiseverbots die für sie geltenden Regeln einzuhalten (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-2771/2010 vom 3. Februar 2012 E. 6.1). Vor diesem Hintergrund be- steht ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Fernhaltung der B e- schwerdeführerin. 5.3 An persönlichen Interessen bringt die Beschwerdeführerin vor, das Einreiseverbot beeinträchtige ihre Bewegungsfreiheit innerhalb des g e- samten Schengenraums sowie ihre Beziehungen zu Familie und Freu n- den in Deutschland und in der Schweiz. Diese lediglich sehr pauschal gehaltene Aussage rechtfertigt es hingegen nicht, von einem Einreisever- bot abzusehen. Immerhin ist es der Beschwerdeführerin möglich, wä h- rend der Gültigkeit des Einreiseverbots auch auf andere Weise mit ihren Verwandten und Freunden im Schengenraum zu kommunizieren (z. B. Briefverkehr, Telefonie, Internet usw.). Sodann kann das Einreiseverbot nach Art. 65 Abs. 5 AuG auf begründetes Gesuch hi n aus wichtigen C-1429/2013 Seite 11 Gründen befristet suspendiert werden . Auch die übrigen Schengen - Staaten kennen in ähnlicher Weise die Möglichkeit, die Einreise in das ei- gene Hoheitsgebiet ungeachtet eines Einreiseverbots unter bestimmten Voraussetzungen zu gestatten. 5.4 Sofern sich die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit zw i- schenmenschlichen Beziehungen auf Art. 8 Abs. 1 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) bezieht, gilt es auszuführen, dass weder geltend gemacht wird noch sich aus den Akten ergibt, dass es sich in vorliegen- dem Verfahren überhaupt um schützenswerte familiäre Beziehungen, d.h. um ein Familienleben im Sinne von Art. 8 EMRK sowie Art. 13 der Bun- desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenscha ft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) handelt (vgl. dazu M ARK E. V ILLIGER, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention [EMRK], 2. Aufl., Zürich 1999, Rz 572 sowie BGE 125 II 521 E. 5 S. 529, BGE 120 Ib 257 E. 1d S. 261). Letztlich kann diese Frage jedoch offen bleiben, wäre doch ein Eingriff in eine geschützte Grundrechtsposition gestützt auf Art. 8 Ziff. 2 EMRK o h- nehin als zulässig zu betrachten. 5.5 Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden Interessen führt demna ch zum Ergebnis, dass das Einreiseverbot sowohl vom Grundsatz her als auch in Bezug auf seine Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt. Vollständigkeitshalber gilt darauf hinzuweise n, dass vorliegendes Verfahren gerade nicht mit dem in der Beschwerde zi- tierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -4463/2010 vom 14. A u- gust 2012 vergleichbar ist. Es handelt sich dort um unbewilligte Erwerb s- tätigkeit, welche lediglich wenige Stunden an dauerte. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin jedoch über mehrere Monate hinweg das Kind ihrer Freundin gehütet, ohne im Besitz der entsprechenden Bewilligung zu sein, womit die Verfahren bereits von ihrem zeitlichen Ablauf nicht mitei n- ander vergleichbar sind. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt; sie ist auch angemessen (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. C-1429/2013 Seite 12 7. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird die Beschwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). In ihrer Beschwerde vom 18. März 2013 ersucht e sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs 1 und Abs. 2 VwVG. Mit schriftlicher Eingabe vom 25. April 2013 liess die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsg e- richt das ausgefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" zukommen und stellte gleichzeitig die Zusendung einer Bestätigung ih res Arbeitgebers mit Übersetzung innert zwei Wochen in Aussicht. Eine so l- che wurde dem Gericht hingegen bis heute nicht zugesandt. Ebenso fe h- len Belege bezüglich der monatlichen Einkünfte (vgl. Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege, S. 5 , Ziffer V). Damit hat es die B e- schwerdeführerin unterlassen, ihre Bedürftigkeit überhaupt nachzuwei- sen. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist daher abzuweisen. Bei dieser Sachlage kann offen gelassen werden, ob die Begehren nicht als von vornherein aussichtslos zu bezeichnen wären. (Dispositiv nächste Seite) C-1429/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird nicht stattgegeben. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 900. - werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Erhalt des vorliegenden Ur- teils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: