<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 43</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">43</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft4"><b>10</b></span> <span class="ft4"><b>§ 14 Abs. 1 EG BGFA</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Kostentragung im Disziplinarverfahren, obwohl der Anzeige keine Folge</b></span><br/> <span class="ft4"><b>gegeben wurde: Schuldhafte Veranlassung des Verfahrens durch die be-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>anzeigte Anwältin.</b></span><br/> <br/> <span class="ft1">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 26. Mai 2011, i.S. Y.</span><br/> <span class="ft1">(AVV.2010.17).</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft3">2.4.</span><br/> <span class="ft3">Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die bean-</span><br/> <span class="ft3">zeigte Anwältin nicht gegen Art. 12 lit. a BGFA verstossen hat, da</span><br/> <span class="ft3">keine Anhaltspunkte für eine krasse Verletzung der Pflicht zur be-</span><br/> <span class="ft3">förderlichen Mandatsführung vorliegen. Für eine Disziplinierung</span><br/> <span class="ft3">gibt es demnach keine Veranlassung.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">44</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">3.</span><br/> <span class="ft3">(...)</span><br/> <span class="ft3">4.</span><br/> <span class="ft3">Gemäss § 14 EG BGFA sind die Verfahrenskosten von der an-</span><br/> <span class="ft3">zeigenden Person zu tragen, wenn die Anzeige mutwillig oder tröle-</span><br/> <span class="ft3">risch erstattet wurde, von der Anwältin oder dem Anwalt, wenn sie</span><br/> <span class="ft3">oder er bestraft wird oder das Verfahren schuldhaft veranlasst hat, in</span><br/> <span class="ft3">den übrigen Fällen vom Staat.</span><br/> <span class="ft3">4.1.</span><br/> <span class="ft3">Im vorliegenden Fall wurde das Verfahren von der beanzeigten</span><br/> <span class="ft3">Anwältin schuldhaft veranlasst.</span><br/> <span class="ft3">4.1.1.</span><br/> <span class="ft3">So hat sie (die beanzeigte Anwältin) es der Anzeigerin (und der</span><br/> <span class="ft3">Anwaltskommission) aufgrund des mangelhaft geführten Klienten-</span><br/> <span class="ft3">dossiers verunmöglicht, präzise abzuklären, was sie genau zu wel-</span><br/> <span class="ft3">chem Zeitpunkt für ihre Klientin unternommen hat. Um die Anzeige-</span><br/> <span class="ft3">rin bei einer allfälligen Nachfrage jederzeit über ihre Aktivitäten und</span><br/> <span class="ft3">den Inhalt der geführten Telefongespräche zuverlässig informieren zu</span><br/> <span class="ft3">können, wäre ein lückenloses Festhalten dieser in Schriftform unab-</span><br/> <span class="ft3">dingbar gewesen. Erst eine solche Mandatsführung stärkt das Ver-</span><br/> <span class="ft3">trauen in einen Anwalt bzw. eine Anwältin und zeigt dem Klienten</span><br/> <span class="ft3">bzw. der Klientin auf, dass der Anwalt bzw. die Anwältin das Mandat</span><br/> <span class="ft3">ernst nimmt und alles unternimmt, um dieses beförderlich zu behan-</span><br/> <span class="ft3">deln.</span><br/> <span class="ft3">Die beanzeigte Anwältin konnte aber, auch nach Aufforderung</span><br/> <span class="ft3">durch die Anwaltskommission, zur Untermauerung ihrer Behauptun-</span><br/> <span class="ft3">gen bezüglich der geführten Telefongespräche keine Handnotizen</span><br/> <span class="ft3">o.ä. einreichen. Im beigezogenen Klientendossier befanden sich</span><br/> <span class="ft3">ebenfalls keine entsprechende Hinweise. Infolge dieser schlechten</span><br/> <span class="ft3">Dokumentation des Klientendossiers ist denn davon auszugehen,</span><br/> <span class="ft3">dass sie das Mandat entsprechend unsorgfältig geführt und die An-</span><br/> <span class="ft3">zeigerin auch dadurch das Vertrauen in die beanzeigte Anwältin ver-</span><br/> <span class="ft3">loren hat.</span><br/> <span class="ft3">4.1.2.</span><br/> <span class="ft3">Angesichts dieser Umstände ist es nachvollziehbar, dass die</span><br/> <span class="ft3">Anzeigerin mit dem Vorgehen der beanzeigten Anwältin nicht mehr</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">einverstanden und eine Anzeige gegen sie eingereicht hat. Aus-</span><br/> <span class="ft3">schlaggebend für die Anzeige dürfte aber insbesondere auch das</span><br/> <span class="ft3">Nichtreagieren der beanzeigten Anwältin auf das Schreiben der An-</span><br/> <span class="ft3">zeigerin vom (...) gewesen sein, auf welches die beanzeigte Anwäl-</span><br/> <span class="ft3">tin nach eigenen Aussagen nicht geantwortet und lediglich die Kün-</span><br/> <span class="ft3">digung des Mandats durch die Anzeigerin abgewartet hat. Nachdem</span><br/> <span class="ft3">sich die ganze Angelegenheit bereits sehr lange dahingezogen hat,</span><br/> <span class="ft3">hätte die beanzeigte Anwältin umgehend auf dieses Schreiben reagie-</span><br/> <span class="ft3">ren und ihrer Klientin die gestellten Fragen beantworten bzw. mit ihr</span><br/> <span class="ft3">die Sache klären müssen. Mit ihrer unterlassenen Reaktion hat sie</span><br/> <span class="ft3">ihre Klientin weiter im Ungewissen gelassen und das Vertrauen voll-</span><br/> <span class="ft3">ständig zerstört. Bei einer anderen Reaktion der beanzeigten An-</span><br/> <span class="ft3">wältin hätte wohl die vorliegende Anzeige vermieden werden kön-</span><br/> <span class="ft3">nen.</span><br/> <span class="ft3">4.2.</span><br/> <span class="ft3">Angesichts der obigen Erwägungen ist festzuhalten, dass die</span><br/> <span class="ft3">beanzeigte Anwältin die vorliegende Anzeige schuldhaft veranlasst</span><br/> <span class="ft3">hat. Die beanzeigte Anwältin hat somit die Hälfte der Verfahrensko-</span><br/> <span class="ft3">sten zu tragen. Parteikosten werden keine zugesprochen.</span><br/></div> </div> </body> </html>