B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-4616/2011 U r t e i l v o m 1 8 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richter Pascal Mollard, Gerichtsschreiber Jürg Steiger. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Mehrwertsteuer (1. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2009); Umsatzschätzung Taxibetrieb. A-4616/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______ betreibt in der Rechtsform der Einzelunternehmung einen T a- xibetrieb in der Stadt Basel. Da er die Mehrwertsteuerabrechnungen für die Zeit vom 1. Quartal 2007 bis 2. Quartal 2008 nicht einreichte, nahm die Eidgenössische Steuerverwal tung (ESTV) eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. In der Folge stellte sie mit Ergänzungs- abrechnung (EA) Nr. 379'381 vom 1. Dezember 2008 betreffend die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2007 Fr. 5'000.-- und mit EA Nr. 379'380 vom 1. Dezember 2008 betreffend die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 2008 Fr. 3'000.-- in Rechnung. B. Da A._______ auch die Abrechnungen für die Zeit vom 3. Quartal 2008 bis 4. Quartal 2009 nicht einreichte, nahm die ESTV auch für diese Qua r- tale eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Mit der EA Nr. 591'877 vom 8. September 2010 stellte sie betreffend die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 2008 eine Steuerforderung von Fr. 5'000.-- und mit EA Nr. 591'878 vom 8. September 2010 für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2009 eine solche von Fr. 12'000.-- in Rechnung. C. Am 25. Oktober 2010 reichte A._______ die Abrechnungen für das Jahr 2008 und a m 30. Oktober 2010 die jenigen für die Jahre 2007 und 2009 ein. In der Folge korrigierte die ESTV ihre Steuernachforderungen g e- mäss den eingereichten Abrechnungen. Mit den Gutschriftsanzeigen (GS) Nr. 655'806 und 655'805, beide vom 9. November 2010, schrieb sie A._______ Fr. 1'554.-- (für das 1. und 2. Quartal 2008) bzw. Fr. 3'554.-- (für das 3. und 4. Quartal 2008) sowie mit den GS Nr. 655'811 und 655'812, beide vom 11. November 2010, Fr. 5'739. -- (für das 1. bis 4 . Quartal 2007) bzw. Fr. 8'840.-- (für das 1. bis 4 Quartal 2009) gut. D. Mit Verfügung vom 18. November 20 10 bestätigte die ESTV ihre Steuer- forderung gegenüber A._______ für d ie Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2009 – gemäss seinen eingereichten Abrechnungen – in der Höhe von Fr. 3'160.--. Am 22. November 2010 erhob er Einsprache gegen die se Verfügung. Er m achte geltend, er sei gar nicht meh r- wertsteuerpflichtig. Nach weiterem Schriftenwechsel ergänzte er a m 10. Januar 2011, er habe die Abrechnungen 2008 und 2009 nur erstellt, um aufzuzeigen, dass er nicht mehrwertsteuerpflichtig sei. A-4616/2011 Seite 3 E. Mit Schreiben vom 17. Januar 2011 forderte die ESTV A._______ insbe- sondere auf, die gesamte Buchhaltung einschliesslich Kassabücher , Ta- gesrapporte und Monatszusammenstellungen sowie die Fahrtenschrei- berscheiben und Kontrollkarten betreffend die Jahre 2007 bis 2009 einzu- reichen. Fristgerecht kam A._______ dieser Aufforderung mit Bezug auf die verlangten Servicerechnungen, Fahrtenschreiber scheiben und Ko n- trollkarten nach. Aufgrund dieser Unterlagen nahm die ESTV für die Jahre 2007 und 2008 eine neue ermessensweise Umsatzschätzung vor. In der Folge forderte sie von A._______ mit Verfügung vom 28. März 2011 für das 1. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2008 Fr. 8'434.-- nach (mit der EA Nr. 695'821 vom 28. März 2011 stellte die ESTV den Differenzbetrag , ausmachend Fr. 6'281.--, zu i hrer bisherigen Nachforderung hinsichtlich der genannten Zeit in Rechnung). Am 7. April 2011 erhob A._______ ge- gen diese Verfügung Einsprache. Zur Begründung führte er im Wesentl i- chen aus, die Pauschale von 100 Kilometer (km) pro Woche für private Fahrten könne er nicht akzeptieren. Dieses Vorgehen stelle einen Eingriff in seine persönliche Freiheit dar. Zudem lege die ESTV jedem Fahrzeug die gleichen Kosten zugrunde, obwohl diese je nach Fahrzeugtyp unte r- schiedlich hoch seien. F. Am 15. April 2011 machte die ESTV den Beschwerdeführer darauf auf- merksam, sie beabsichtige , im Einspracheverfahren die Umsatzschä t- zung betreffend das Jahr 2009 ( vgl. Verfügung vom 18. November 2010 , E. D) aufgrund der eingereichten Fahrtenschreiberscheiben zu seinen Ungunsten abzuändern. Für dieses Jahr resultiere eine Steuerforderung von Fr. 4'281.-- bzw. für die Jahre 2007 bis 2009 eine solche von insg e- samt Fr. 12'715.-- (Fr. 4'281.-- und Fr. 8'434.--). Unter Darlegung der ge- nauen Berechnung gewährte die ESTV dem Beschwerdefü hrer die Mög- lichkeit zur Stellungnahme. Mit Schreiben vom 27. April 2011 wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass die Berechnung der ESTV im Jahr 2009 fälschlicherweise den Flughafendienst nicht berücksichtigt habe. G. Mit Einspracheentscheid vom 23. Juni 2011 vereinigte die ESTV die Ein- spracheverfahren betreffend die Verfügung en vom 18. November 2010 (betreffend die Steuerperioden vom 1. bis 4. Quartal 2009 ) sowie vom 28. März 2011 (betreffend die Steuerperioden vom 1. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2008 ). Im Weiteren wies die ESTV die Einsprachen ab und stellte fest, A._______ sei vom 1. Januar 2007 bis 31. Dezember 2009 A-4616/2011 Seite 4 steuerpflichtig gewesen. Zudem erkannte sie, e r schulde ihr für die Steu- erperioden vom 1. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2009 Fr. 12'641.-- Mehr- wertsteuer zuzüglich Verzugszins. Zur Begründung legte die ESTV im Wesentlichen dar, die Voraussetzungen für die Vornahme einer Schä t- zung nach pflichtgemässem Ermessen seien gegeben, da A._______ weder Geschäftsbücher noch Kassabücher geführt habe. Grundlage für die Umsatzkalkulation hätten die Angaben auf den eingereichten Fah r- tenschreiberscheiben gebildet unter Berücksichtigung eines Anteils für private Fahrten. Den von ihr verwendete Ansatz von Fr. 2.15/km habe sie aufgrund von 38 Datensätzen ermittelt. Die erhobenen Daten würden An- gestellte von diversen Taxibetrieben in der Stadt Basel betreffen. Der Er- fahrungswert stelle den durchschnittlichen Erlös eines selbständigen Taxi- fahrers pro geschäftlich gefahrenen Kilometer in der betreffenden Region dar. Im Betrag von Fr. 2.15/km seien auch die sogenannten "Leerfahrten" berücksichtigt worden. Im Weiteren habe sie ebenfalls berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer gemäss der Bestätigung der Taxi -Zentrale vom 28. Februar 2011 zwischen dem 1. Januar 200 7 und dem 30. Juni 2009 regelmässig Flughafendienst geleistet habe. An Tagen mit nachge- wiesenem Flughafendienst s ei ein Arbeitsweg von 12 km in Abzug g e- bracht worden. Im Übrigen seien d ie je nach Fahrzeug unterschiedlich hohen Unterhaltskosten bei der Ermi ttlung des genann ten Ansatzes von Fr. 2.15/km irrelevant, da dieser einzig das Verhältnis zwischen dem e r- zielten Umsatz und den geschäftlich gefahrenen Kilometern beinhalte. A._______ habe die für die Steuerpflicht massgebende Umsatzgrenze von Fr. 75'000.-- in den Jahren 2006 bis 2009 überschritten. Im Weiteren habe er ebenfalls die Steuerzahllast von Fr. 4'000.-- (berechnet nach dem für Taxiunternehmen geltenden Saldosteuersatz [SSS] von 5,2%) in den Jahren 2006, 2007 und 2009 überschritten. Er sei deshalb in den Jahren 2007 bis 2009 steuerpflichtig. Mit EA Nr. 737'602 vom 23. Juni 2011 for- derte die ESTV die Differenz von Fr. 687.-- zwischen den Steuerforderun- gen gemäss den Verfügungen vom 18. November 2010 und 28. März 2011 (ausmachend insgesamt Fr. 11'954.--) einerseits und dem Einspr a- cheentscheid vom 23. Juni 2011 (Fr. 12'641.--) andererseits nach. H. Mit Eingabe vom 22. August 2011 führte A._______ (Beschwerdeführer) Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 23. Juni 2011 an das Bundesverwaltungsgericht. Darin machte er geltend, der Einspracheen t- scheid weise insbesondere für das Jahr 2008 einen Rech enfehler auf. Um das Verfahren zu vereinfachen , habe er die E STV mit einem gleich- zeitigen Schreiben (d.h. ebenfalls von 22. August 2011 ) auf den Fehler A-4616/2011 Seite 5 hingewiesen. Im Weiteren ersuche er das Gericht um Fristerstreckung für die weitere Begründung seiner Beschwerde. Im erwähnten Schreiben vom 22. August 2011 an die ESTV führte der Beschwerdeführer aus, er habe die Fahrtenschreiberscheiben geprüft und festgestellt, dass für das Jahr 2008 richtigerweise von einer Anzahl gefahrener Kilometer von insgesamt 42'577 und nicht – wie im Einspr a- cheentscheid dargelegt – von 43'025 km auszugehen sei. Er bitte deshalb um eine entsprechende Korrektur. Am 24. August 2011 leitete die ESTV dieses Schreiben in Anwendung von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren ( VwVG, SR 172.021) an das Bundesverwaltungsgericht weiter. I. Auf Aufforderung des Bundesverwaltungsgerich ts reichte der Beschwe r- deführer am 29. August 2011 eine Beschwerdeverbesserung ein. Darin führte er nochmals aus, die ESTV sei für das Jahr 20 08 von insgesamt 35'073 geschäftlich gefahrenen Kilometern ausgegangen. Richtigerweise habe er jedoch gemäss den Fahrtenschreiberscheiben im Jahr 2008 in s- gesamt 42'577 km zurückgelegt . Nach Abzug der "Privatkilometer" und des Arbeitswegs resultiere für das Jahr 2008 somit eine Anzahl geschäft- lich gefahrener Kilometer von bloss 34'625. Bei Anwendung des strittigen Ansatzes von Fr. 2.15/km ergebe sich ein Umsatz von Fr. 74'443.--. Damit habe er die massgebende Umsatzschwelle für die Steuerpflicht nicht e r- reicht. Er beantrage deshalb , die ESTV anzuweisen, die Abrechnung 2008 zu korrigieren und die in Rechnung gestellte Me hrwertsteuer wieder gutzuschreiben. J. Mit Schreiben vom 6. September 2011 stellte der Beschwerdeführer das Gesuch, das Verfahren zu sistieren. Er sei bereit, ein Teil der Steuerforde- rung in Raten zu bezahlen und suche dazu das Gespräch mit der ESTV. Im Weiteren sei er nicht in der Lage , den vom Bundesverwaltungsgericht geforderten Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- zu leisten. Am 22. September 2011 nahm die ESTV Stellung zum Sistierungsgesuch des Beschwerdeführers. Sie hielt an ihren bisherigen Ausführungen un d an der Steuerforderung gemäss ihrem Einspracheentscheid vom 23. Juni 2011 fest. Das Sistierungsgesuch sei ihrer Ansicht nach unbegründet. A-4616/2011 Seite 6 K. Mit Zwischenverfügung vom 27. September 2011 wies das Bundesve r- waltungsgericht das Sistierungsgesuch ab. Im Weiteren forderte es den Beschwerdeführer auf, das beigelegte Formular "Gesuch um unentgeltl i- che Rechtspflege" ausgefüllt und mit den nötigen Beweismitteln vers e- hen, einzureichen. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer am 12. Oktober 2011 nach. Mit Z wischenverfügung vom 19. Oktober 2011 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gut. In ihrer Vernehmlassung vom 15. November 2011 schloss die ESTV auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung ihres Einspracheentscheids vom 23. Juni 2011. L. Auf Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts teilte die Kantonspolizei Basel-Stadt mit E-Mail vom 18. April 2012 mit, der Beschwerdeführer ha- be als Taxihalter vom 16. März 2005 bis am 2. Juni 2009 über eine A-Bewilligung verfügt. Am 2. Juni 2009 sei diese in eine B -Bewilligung umgeschrieben worden. Mit Verfügung vom 23. April 2012 forderte das Bundesverwaltungsgericht die ESTV auf, sich zu den Auswirkungen der Auskunft der Kantonspoliz ei Basel-Stadt auf das vorliegende Verfahren zu äussern. Am 8. Mai 2012 antwortete die ESTV, sie se i der Auffassung, die Art der Konzession sei für die vorliegende Ermessenseinschätzung irrelevant. Da in dieser Sache vor dem Bundesgericht ein Verfahren hän gig sei, bitte sie, das vorliegende Beschwerdeverfahren bis zum betreffenden Urteil des Bundesgerichts zu sistieren. In seiner Stellungnahme vom 14. Mai 2012 erklärte sich der Beschwerde- führer mit der Sistierung des vorliegenden Verfahrens einverstanden. M. Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2012 sistierte das Bundesverwa l- tungsgericht das vorliegende Verfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesgericht betreffend das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-7809/2012 vom 5. September 2011. Am 4. Juni 2012 fällte das Bundesgericht sein Urteil im Verfahren 2C_835/2011. Mit Zwischenverfügung vom 9. Juli 2012 sandte das Bu n-A-4616/2011 Seite 7 desverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer ein anonymisiertes E x- emplar dieses Urteil s zu. Im Weiteren hob es die Sistierung des vorli e- genden Verfahrens auf und gab ihm Gelegenheit, sich bis am 31. Juli 2012 zum weiteren Verlauf des Verfahrens zu äussern. A._______ liess diese Frist jedoch unbenutzt verstreichen. Auf die Eingaben der Parteien wird – soweit entschei dwesentlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) beurteilt dieses Gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. E ine sol- che liegt nicht vor und die Vorinstanz ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig . Auf die im Übrigen frist - und nach Verbesserung formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2. Am 1. Januar 2010 ist das Bundesgesetz vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vo r- schriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltung s- dauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse anwendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Da sich der vorliegende Sachve r- halt in den Jahren 200 7 bis 2009 zugetragen hat, untersteht das vorli e- gende Verfahren deshalb in materieller Hinsicht dem Bundesgesetz vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer (aMWSTG, AS 2000 1300). Demgegenüber ist das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht im Sinn von Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkraft- tretens hängige Verfahren anwendbar. Allerdings ist Art. 113 Abs. 3 MWSTG insofern restriktiv zu handhaben, als nur eigentliche Verfahrens- normen sofort auf hängige Verfahren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung von neuem materiell en Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen darf (ausführlich: Urteil des Bundesverwaltungsge- richts A-1113/2009 vom 23. Februar 2010 E. 1.3; s.a. Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts A -4360/2008 und A -4415/2008 vom 4. März 2010 A-4616/2011 Seite 8 E. 1.2). Kein Verfahrensrecht in diesem engen Sinn stellen im vorliegen - den Entscheid etwa Themen wie die Buchführungspflicht, das Selbstve r- anlagungsprinzip oder die Ermessensveranlagung dar, so dass vorli e- gend diesbezüglich noch altes Recht anwendbar ist. Keine Anwendung finden d eshalb beispielsweise Art. 70, 71, 72 oder 79 MWSTG, obwohl sie unter dem Titel "Verfahrensrecht für die Inland - und die Bezugsteuer" stehen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A -1605/2006 vom 4. März 2010 E. 1.5). Hingegen kann unter anderem Art. 81 MWS TG unter die von Art. 113 Abs. 3 MWSTG anvisierten Verfahrensbestimmungen su b- sumiert werden ( PASCAL MOLLARD/XAVIER OBERSON/ANNE TISSOT BENE- DETTO, Traité TVA, Basel 2009, S. 1235 N. 670). Art. 81 MWSTG gilt d a- mit grundsätzlich auch für hängige Verfahren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht. 2. 2.1. 2.1.1. Die für die Entscheidfindung (Rechtsanwendung) vorzunehmende Tatsachenfeststellung setzt voraus, dass die Sachlage korrekt und voll - ständig ermittelt wurde. Das Verwaltungsverfahren und die Verwaltung s- rechtspflege werden de shalb grundsätzlich von der Untersuchungsmax i- me beherrscht. Demnach muss die entscheidende Behörde den Sach - verhalt von sich aus abklären. Der Untersuchungsgrundsatz gilt auch im Mehrwertsteuerrecht. Nach Art. 81 Abs. 1 MWSTG findet der Vorbehalt für Steuerverfahren gemäss Art. 2 Abs. 1 VwVG auf das Mehrwertsteue r- recht keine Anwendung mehr (vgl. aber E. 1. 2). Der Untersuchung s- grundsatz wird im Mehrwertsteuerverfahren aber dadurch relativiert, dass dem Steuerpflichtigen spezialgesetzlich statuierte Mitwirkun gspflichten auferlegt werden (vgl. BVGE 2009/60 E. 2.1.2). Insbesondere gilt es zu beachten, dass für die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer das Selbstveranlagungsprinzip gilt (vgl. unten E. 2.3). 2.1.2. Gemäss dem Untersuchungsgrundsatz trägt die Beh örde die B e- weisführungslast (subjektive oder formelle Beweislast). Wie sich allfällige Zweifel nach abgeschlossener Sachverhaltsermittlung auf den Entscheid der Behörde auswirken, wird hingegen nicht geregelt. Für die (materielle) Beweislast ist – mangels spezialgesetzlicher Regelung – Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) in analoger Anwendung massgebend. Gemäss dem darin veran- kerten Rechtsprinzip trägt derjenige den Nachteil der "Nichtnachweislic h- keit" einer Tatsache, der aus ihr Rechte ableiten wollte (Zum Ganzen statt vieler: Urteil e des Bundesverwaltungsgerichts A -5938/2011 vom 4. Juli A-4616/2011 Seite 9 2012 E. 2.1.2, A-5166/2011 vom 3. Mai 2012 E. 2.1.2 mit weiteren Hi n- weisen). Im Steuerrecht gilt grundsätzlich, dass die Steuerb ehörde für die steuer - begründenden und -mehrenden Tatsachen den Nachweis zu erbringen hat, während der steuerpflichtigen Person der Nachweis der Tatsachen obliegt, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (Urteil des Bu n- desgerichts vom 14. Juli 2005, veröffentlicht in Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 75 S. 495 ff. E. 5.4; zum Ganzen: Urteil e des Bun- desverwaltungsgerichts A-5166/2011 vom 3. Mai 2012 E. 2.1.2 mit weite- ren Hinweisen ; vgl. auch ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 454). 2.2. Der Mehrwertsteuer unterliegen insbesondere die Umsätze, die durch steuerpflichtige Personen im Inland mit entgeltlich erbrachten Liefe- rungen von Gegenständen und Dienstleistungen getätigt werden (Art. 5 Bst. a und b aMWSTG). Steuerpflichtig ist grundsätzlich, wer eine mit der Erzielung von Einna h- men verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig aus - übt, sofern seine Lieferungen und seine Dienstleistungen im Inland jäh r- lich gesamthaft Fr. 75'000.-- übersteigen (Art. 21 Abs. 1 aMWSTG). Eine Ausnahme von der Steuerpflicht besteht insofern, als die nach Abzug der Vorsteuer verbleibende Steuer (Steuerzahllast) regelmässig nicht mehr als Fr. 4'000.-- beträgt; diese Ausnahme bleibt auf Jahresu msätze bis zu Fr. 250'000.-- beschränkt (Art. 25 Abs. 1 Bst. a aMWSTG; vgl. dazu die von der ESTV herausgegebene Spezialbroschüre n Nr. 02, Steuerpflicht bei der Mehrwertsteuer, vom September 2000 sowie vom Dezember 2007, je Ziff. 2.2.3). Für bestehende Bet riebe, bei welchen im Zeitpunkt der Aufnahme der Tätigkeit keine Steuerpflicht gegeben war, beginnt die Steuerpflicht am 1. Januar, wenn im vorangehenden Jahr die oben e r- wähnten Betragsgrenzen kumulativ überschritten worden sind (Art. 28 Abs. 1 aMWSTG). Die Rechtsprechung hat sich auch mit dem in Art. 25 Abs. 1 Bst. a aMWSTG verwendeten Begriff "regelmässig" befasst. Dabei wurde fes t- gestellt, dass dieser Begriff mehrere Jahre umfasst und der Umstand, dass der Betrag der Steuerzahllast von Fr. 4'000. -- gelegentlich – für ein isoliertes Jahr – nicht überschritten wird, nicht von der Mehrwertsteue r- pflicht befreit. Damit wird vermieden, dass sich Löschungen und Wiede r- eintragungen folgen, was dem Prinzip der Erhebungswirtschaftlichkeit w i-A-4616/2011 Seite 10 derspricht. Es handelt si ch um ein zusätzliches Kriterium, dessen Vo r- handensein separat geprüft werden muss (Urteil e des Bundesverwa l- tungsgerichts A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 2.3, A-1597/2006 und A1598/2006 vom 17. August 2009 E. 2.4; implizite auch Urteil des Bu n- desgerichts 2A.429/1999 vom 20. September 2000 E. 2b). 2.3. Die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer erfolgt nach dem Selbstveranlagungsprinzip (Art. 46 f. aMWSTG; BLUMEN- STEIN/LOCHER, a.a.O., S. 421 ff.; ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAU- ER/KLAUS A. VALLENDER, Handb uch zum Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], Bern 2003, 2. Aufl., Rz. 78). Dies bedeutet vorab, dass der Leistungserbringer bereits für die Feststellung seiner Mehrwertsteue r- pflicht selbst verantwortlich ist und sich gegebenenfalls unaufgefordert anzumelden hat ( Art. 56 Abs. 1 aMWSTG; vgl. Urteile des Bundesg e- richts 2A.109/2005 vom 10. März 2006 E. 2.1, 2A.304/2003 vom 14. N o- vember 2003 E. 3.5). Bei festgestellter Steuerpflicht hat er sodann selbst und unaufgefordert über seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode den g e- schuldeten Mehrwertsteuerbetrag (Steuer vom Umsatz abzüglich Vo r- steuern) an die ESTV abzuliefern. Die ESTV ermittelt die Höhe des g e- schuldeten Mehrwertsteuerbetrags nur dann an Stelle der s teuerpflichti- gen Person, wenn diese ihren Pflichten nicht nachkommt (Art. 60 aMWSTG; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1371/2012 vom 12. Juli 2012 E. 4.3, A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 2.4, mit Hi n- weisen). 2.4. 2.4.1. Zu den Obliegenheiten der steuerpflichtigen Person gehört insbe - sondere die Buchführung (vgl. dazu die Urteile des Bundesgerichts 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.1, 2A.109/2005 vom 10. März 2006 E. 2.1 f.). Gemäss Art. 58 Abs. 1 aMWSTG hat die Mehr - wertsteuerpflichtige ihre Geschäftsbücher ordnungsgemäss zu führen und so einzurichten, dass sich aus ihnen die für die Feststellung der Mehrwertsteuerpflicht sowie für die Berechnung der Steuer und der ab - ziehbaren Vorsteuern massgebenden Tatsachen leicht u nd zuverlässig ermitteln lassen. 2.4.2. Die mehrwertsteuerliche Buchführungspflicht knüpft nach dem kl a- ren Wortlaut von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG und sachgerechterweise an e i- ne bestehende Mehrwertsteuerpflicht an. Insofern missverständlich, da logisch nicht denkbar, ist damit die Aussage, das Mehrwertsteuerrecht A-4616/2011 Seite 11 gebiete die Führung von Geschäftsbüchern im oben erwähnten Sinn schon betreffend Feststellung der Steuerpflicht, besteht doch vor Entst e- hung der Steuerpflicht eben gerade noch keine steuerpflichtige Person, welche unter den Anwendungsbereich von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG fallen könnte. Da indessen die Selbstveranlagung auch die Anmeldepflicht u m- fasst (Art. 56 aMWSTG), sind auch Unternehmerinnen und Unternehmer, die noch nicht mehrwertsteuerpflichtig sind, gehalten, durch geeignete Massnahmen periodisch zu überprüfen, ob sie der Mehrwertsteuerpflicht unterliegen (BVGE 2009/60 E. 2.5.1; Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts A-1371/2012 vom 12. Juli 2012 E. 4.4.2, A-6370/2011 vom 1. Juni 2012 E. 2.6.2, A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 2.5.2). 2.4.3. Über die Buchführungspflicht kann die ESTV nähere Bestimmun - gen aufstellen. Von dieser Befugnis hat sie im Rahmen des Erlasses der Wegleitung für Mehrwertsteuerpflichtige (in erster Auflage erschienen im Herbst 1994 [neu herausgegeben im Frühling 1997]; als Wegleitung 2001 zur Mehrwertsteuer [Wegleitung 2001] neu herausgegeben per 1. Januar 2001 [und per 1. Januar 2008 als Wegleitung 2008 zur Mehrwertsteuer]) Gebrauch gemacht. In de n – vorliegend einschlägigen – Wegleitungen 2001 und 2008 sind genauere Angaben enthalten, wie eine derartige Buchhaltung auszugestalten ist ( je Rz. 878 ff.). Alle Geschäftsvorfälle müssen fortlaufend, chronologisch und lückenlos aufgezeichnet werden (je Rz. 884 f.) und alle Eintragungen haben sich auf e ntsprechende Bele- ge zu stützen, so dass die einzelnen Geschäftsvorfälle von der Eintr a- gung in die Hilfs - und Grundbücher bis zur Steuerabrechnung und bis zum Jahresabschluss sowie umgekehrt leicht und genau verfolgt werden können (sog. "Prüfspur"; vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.297/2005 vom 3. Februar 2006 E. 3.1). 2.4.4. Nach der Rechtsprechung ist der Steuerpflichtige selbst bei geri n- gem Barverkehr zur Führung zumindest eines einfachen ordentlichen Kassabuchs verpflichtet. Er ist zwar mehrwertsteuerrechtlich nicht gehal- ten, kaufmännische Bücher im Sinne des Handelsrechts zu führen; die Bücher müssen die erzielten Umsätze jedoch lückenlos erfassen und die entsprechenden Belege sind aufzuheben (Urteile des Bundesgerichts 2A.693/2006 vom 26. Juli 2007 E. 3.1, 2A. 569/2006 vom 28. Februar 2007 E. 3.1). Damit befinden sich die mehrwertsteuerlichen Anforderu n- gen an die Aufzeichnungspflicht auch im Einklang mit den bei den dire k- ten Steuern geltenden Regelungen. Die detaillierte und chronologische Führung eines Kassabuc hes muss besonders hohen Anforderungen g e- nügen. Soll also ein Kassabuch für die Richtigkeit des erfassten Bargel d-A-4616/2011 Seite 12 verkehrs Beweis erbringen, ist zu verlangen, dass in diesem die Barei n- nahmen und -ausgaben fortlaufend, lückenlos und zeitnah aufgezeichnet werden und durch Kassenstürze regelmässig – in bargeld-intensiven Be- trieben täglich – kontrolliert werden. Nur auf diese Weise ist gewährlei s- tet, dass die erfassten Bareinnahmen vollständig sind, das heisst den e f- fektiven Bareinnahmen entsprechen (vgl. Urteil e des Bundesgerichts 2C_835/2011 vom 4. Juni 2012 E. 2.2.2, 2C_302/2009 vom 15. Oktober 2009 E. 4.2, 2A.693/2006 vom 26. Juli 2007 E. 3.1; Urteile des Bunde s- verwaltungsgerichts A-5938/2011 vom 4. Juli 2012 E. 2.4.3, A-5166/2011 vom 3. Mai 2012 E. 2.5.4 , A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 2.5.4 mit weiteren Hinweisen). 2.5. 2.5.1. Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor oder stimmen die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt offensichtlich nicht überein, so nimmt die ESTV gemäss Art. 60 aMWSTG eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Diese Bestimmung ist auch heranzuziehen, falls mangels Aufzeichnungen – worunter nicht nur Geschäftsbücher im Sinne von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG zu verstehen sind (vgl. dazu PASCAL MOLLARD, TVA et taxa tion par estimation, veröf - fentlicht in ASA 69 S. 518) – die sachverhaltsmässigen Grundlagen zur Beantwortung der Frage, ob überhaupt eine Steuerpflicht vorliegt, nicht einwandfrei ermittelt werden können (zur Ermessensveranlagung als Sachverhaltsermittlung durch Schätzung vgl. grundlegend BLUMEN- STEIN/LOCHER, a.a.O., S. 404; zur Rechtslage bei den direkten Steuern THOMAS STADELMANN, Beweislast oder Einschätzung nach pflichtgemäs - sem Ermessen, veröffentlicht in SteuerRevue [StR] 2001, S. 258 ff., S. 260). 2.5.2. Art. 60 aMWSTG unterscheidet nach dem Gesagten zwei vonein - ander unabhängige Konstellationen, welche zu einer Ermessenstaxation führen. Die erste ist diejenige der ungenügenden Aufzeichnung (Konstel - lation 1). In diesem Fall hat eine Schätzung insbesondere a uch dann zu erfolgen, wenn – bei feststehender Steuerpflicht – die Verstösse gegen die formellen Buchhaltungsvorschriften als derart gravierend zu qualifizie- ren sind, dass sie die materielle Richtigkeit der Buchhaltungsergebnisse in Frage stellen (statt vi eler: BGE 105 Ib 181 E. 4a, Urteile des Bunde s- gerichts 2C_429/2009 vom 9. November 2009 E. 3, 2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.1; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A -4450/2010 vom 8. September 2011 E. 4.1, A-705/2008 vom 12. April 2010 E. 2.4). Zweitens kann selbst eine formell einwandfreie Buchführung die Durc h-A-4616/2011 Seite 13 führung einer Schätzung erfordern, wenn die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt offensichtlich nicht übereinstimmen (Konstellation 2). Dies ist nach der Rechtsprechung der Fal l, wenn die in den Büchern enthaltenen Geschäftsergebnisse von den von der Steue r- verwaltung erhobenen branchenspezifischen Erfahrungszahlen wesen t- lich abweichen, vorausgesetzt die kontrollierte Person ist nicht in der L a- ge, allfällige besondere Umstände, a uf Grund welcher diese Abweichung erklärt werden kann, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1371/2012 vom 12. Juli 2012 E. 4.5.2, A-5110/2011 vom 23. Januar 2012 E. 2.5.2, A -4450/2010 vom 8. September 2011 E. 4.1). 2.6. 2.6.1. Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, so ist die ESTV nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine solche nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen. Die Fälle, in denen die Ste u- erpflichtigen ihre Mitwirkungspflichten nicht wahrnehmen bzw. keine, u n- vollständige oder ungenügende Aufzeichnungen über ihre Umsätze (bzw. hinsichtlich Feststellung oder Überprüfung der Steuerpflicht) führen, dü r- fen keine Steuerausfälle zur Folge haben (Urteile des Bundesgerichts 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.2, 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5110/2011 vom 23. Januar 2012 E. 2.6.1). 2.6.2. Die Vornahme der Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen bedeutet insbesondere, dass die ESTV dabei diejenige Schätzungsme- thode zu wählen hat, die den individuellen Verhältnissen im Betrieb des Steuerpflichtigen soweit als möglich Rechnung trägt, auf plausiblen An - gaben beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situation möglichst nahe kommt (Urteile des Bundesgeri chts 2C_426/2007 vom 22. November 2007 E. 3.2, 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.3; CAMEN- ZIND/HONAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1682). In Betracht kommen eine r- seits Schätzungsmethoden, die auf eine Ergänzung oder Rekonstruktion der ungenügenden Buchhaltun g hinauslaufen, andererseits Umsat z- schätzungen aufgrund unbestrittener Teil -Rechnungsergebnisse in Ve r- bindung mit Erfahrungssätzen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-4450/2010 vom 8. September 2011 E. 4.2, A -2184/2008 und A-2185/2008 vom 3. Juni 2010 E. 5.1; vgl. auch MOLLARD, a.a.O., S. 530 ff.). Die brauchbaren Teile der Buchhaltung und allenfalls vorhandene Be- lege sind soweit als möglich bei der Schätzung mitzuberücksichtigen. Sie können durchaus als Basiswerte der Ermessenstaxation fungieren (Urte i-A-4616/2011 Seite 14 le des Bundesverwaltungsgerichts A-1371/2012 vom 12. Juli 2012 E. 4.6.2, A-5110/2011 vom 23. Januar 2012 E. 2.6.2). 2.7. Die Vorinstanz zieht bei ihrer Arbeit Erfahrungszahlen heran, sei es im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen der Ermessensveranl a- gung oder sei es für die Vornahme der Schätzung. Nach der Rechtspr e- chung ist das Abstellen auf Erfahrungszahlen grundsätzlich nicht zu b e- anstanden (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-689/2012 vom 31. Mai 2012 E. 2.7). 2.7.1. Erfahrungszahlen sind Ergebnisse, die aus zuverlässigen Buchha l- tungen gewonnen und nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sta- tistisch verarbeitet werden. Sie sind keine Rechtssätze und auch keine Beweismittel (solange sie nicht z.B. durch ein Sachverständigengutac h- ten erwiesen sind), die den Geschäftsbüchern gleichgestellt wären ( MAR- TIN ZWEIFEL/SILVIA HUNZIKER, Beweis und Beweislast im Steuerverfahren bei der Prüfung von Leistung und Gegenleistung unter dem Gesichtswi n- kel des Drittvergleichs ["dealing at arm's length"], ve röffentlicht in ASA 77 S. 658 ff., 665, 679 mit Hinweisen). 2.7.2. Erfahrungszahlen drücken Gesetzmässigkeiten in den Verdiens t- verhältnissen einzelner Branchen aus. Diese Funktion kommt ihnen aber nur dann zu, wenn sie auf einer sicheren Grundlage beruhen (vgl. ZWEI- FEL/HUNZIKER, a.a.O., S. 679). Sollen Erfahrungswerte Aufschluss über durchschnittliche Umsatzziffern geben, müssen sie deshalb breit abg e- stützt sein und sollten nebst der Betriebsstruktur und den regionalen G e- gebenheiten auch die Betriebsgrösse berücks ichtigen (MOLLARD, a.a.O., S. 553). Mit anderen Worten müssen sie aufgrund umfassender, repr ä- sentativer, homogener und aktueller Stichproben gewonnen werden. Das verlangt, dass sie aufgrund einer genügenden Anzahl von Fällen ermittelt werden müssen. Der St ichprobenumfang lässt sich nicht in einer absol u- ten Zahl bestimmen, welche für alle Branchen gültig wäre. Die Wahl der Stichproben darf nicht einseitig nur günstige oder ungünstige Verhältnisse betreffen. Sie muss alle Verhältnisse in angemessener Anzahl u mfassen, um repräsentative Ergebnisse ermitteln zu können (Urteil e des Bundes- verwaltungsgerichts A-4506/2011 vom 30. April 2012 E. 2.5.2, A-3123/2008 vom 27. April 2010 E. 2.8.2). 2.7.3. Die Steuerbehörde hat die Pflicht, der steuerpflichtigen Person die Grundlagen der Erfahrungszahlen kundzugeben (vgl. ZWEIFEL/HUNZIKER, a.a.O., S. 682 f. mit zahlreichen Hinweisen). Dies folgt aus der Begrün -A-4616/2011 Seite 15 dungspflicht. Die Behörde hat dem Steuerpflichti gen die Art und Weise, wie die Ermessensveranlagung zustande gekommen ist – beinhaltend auch die Zahlen und Erfahrungswerte –, bekannt zu geben. Sie hat zu er- läutern, dass die zum Vergleich herangezogenen Betriebe nicht nur der gleichen Branche entstammen wie das eingeschätzte (gegebenenfalls) steuerpflichtige Unternehmen, sondern auch in anderer Hinsicht ve r- gleichbar sind, wie zum Beispiel betreffend Standort, Betriebsgrösse, Kundenkreis usw. Nur so ist es der steuerpflichtigen Person möglich, die Veranlagung sachgerecht anzufechten (Urteil des Bundesgerichts 2A.284/2000 vom 5. Dezember 2000 E. 3 mit Hinweisen). 2.7.4. Da es sich bei Erfahrungszahlen prinzipiell um Durchschnittswerte handelt, dürfen sie im Einzelfall nicht lediglich in schematischer Weise angewendet werden. In Ausübung des pflichtgemässen Ermessens muss bei der Anwendung von Erfahrungszahlen deshalb deren Streubreite (zwischen Maximal- und Minimalwert) beachtet werden, wenn eine den individuellen Verhältnissen gerecht werdende Schätzung erfolgen s oll (Urteile des Bundesgerichts vom 4. Mai 1983, veröffentlicht in ASA 52 S. 234 E. 4; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A -3123/2008 vom 27. April 2010 E. 2.8.4, A-1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 6.3). Inwi e- fern die Verwaltung ihr Ermessen ausgeübt ha t, ist in der Entscheidb e- gründung darzulegen (BVGE 2009/60 E. 2.8.4; zum Ganzen: Urteil e des Bundesverwaltungsgerichts A-4506/2011 vom 30. April 2012 E. 2.5.4, A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 2.8.4). 2.8. 2.8.1. Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einspra- cheentscheid grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwe r- deführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der U n- angemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG). 2.8.2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft das Vorliegen der Vor - aussetzungen für die Vornahme einer Ermessenstaxation – als Rechts- frage – uneingeschränkt (statt vieler: Urteil des Bunde sverwaltungsge- richts A-3678/2007 und A-3680/2007 vom 18. August 2009 E. 5). Als aus- serhalb der Verwaltungsorganisation und Behördenhierarchie stehendes, von der richterlichen Unabhängigkeit bestimmtes Verwaltungsgericht auf - erlegt dieses sich trotz des mög lichen Rügegrundes der Unangemessen- heit bei der Überprüfung von zulässigerweise erfolgten Ermessensvera n-A-4616/2011 Seite 16 lagungen jedoch eine gewisse Zurückhaltung und reduziert dergestalt seine Prüfungsdichte. Grundsätzlich setzt das Bundesverwaltungsgericht nur dann sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei der Schätzung erhebliche Ermessensfehler unterlaufen sind (statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1371/2012 vom 12. Juli 2012 E. 4.8.2, A-5110/2011 vom 23. Januar 201 2 E. 2.8.2 ). Diese Praxis wurde vom Bundesgericht bestätigt (Urteil des Bundesg e- richts 2C_426/2007 vom 22. November 2007 E. 4.3). 2.8.3. Für das Vorliegen der Voraussetzungen zur Vornahme einer E r- messenseinschätzung ist nach den allgemeinen Beweislastregeln (E. 2.1.2) die ESTV beweisbelastet (Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts A -1960/2007 vom 1. Februar 2010 E. 2.4.2, A -1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 5.3, A-1527/2006 und A-1528/2006 vom 6. März 2008 E. 2.4). Gelangt das Gericht somit in freier Beweiswürdigung nicht zur Überzeugung, eine der beiden tatbestandsmässig vorausgesetzten Kons- tellationen von Art. 60 aMWSTG (vgl. dazu oben, E. 2.5.2) habe sich ve r- wirklicht, so ist gemäss der objektiven Beweislastregel zu Ungunsten der ESTV zu entscheiden (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-4506/2011 vom 30. April 2012 E. 2.4.2, A -5110/2011 vom 23. Januar 2012 E. 2.8.3). Waren die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation im Einzelfall er - füllt und hat die ESTV damit zulässigerweise eine Schätzung nach Er - messen durchgeführt, obliegt es – in Umkehr der allgemeinen Beweislast- regeln – der steuerpflichtigen Person, den Beweis für die Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen (statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 2C_171/2008 vom 30. Juli 2008 E. 4.3, 2A.642/200 4 vom 14. Juli 2005 E. 5.4; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5460/2008 vom 12. Mai 2010 E. 2.5.4 ). Sie kann sich gegen eine zulässigerweise durchgeführte Ermessenseinschätzung deshalb nicht mit allgemeiner Kritik zur Wehr setzen. Vielmehr hat sie dar zulegen, dass die von der ESTV vorgeno m- mene Schätzung offensichtlich fehlerhaft ist, und sie hat auch den Beweis für ihre vorgebrachten Behauptungen zu erbringen (anstatt vieler: Urteil des Bundesgerichts 2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.3 unter Verweis auf MOLLARD, a.a.O., S. 559 und die dort zitierte Rechtsprechung; zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-6370/2011 vom 1. Juni 2012 E. 2.10.3). A-4616/2011 Seite 17 3. Im vorliegenden Fall hat die ESTV den Umsatz des Beschwerdeführers ermessensweise ermittelt. In einem ersten Schritt ist darüber zu befinden, ob die ESTV zu Recht das Vorliegen der Voraussetzungen für eine E r- messenseinschätzung bejaht hat (E. 3.1). Erst und nur falls dies zutrifft, gilt es in einem zweiten Schritt zu überprüfen, ob sich die Ermessensve r- anlagung in ihrer Höhe als korrekt erweist (E. 3.2 und 3.3). 3.1. Die ESTV begründet die Vornahme der Ermessensveranlagung mit dem Umstand, der Beschwerdeführer habe trotz expliziter Aufforderung keine Geschäftsbücher und insbesondere keine Kassabücher betreffen d die vorliegend massgebenden Jahre 2007 bis 2009 eingereicht. Es mü s- se davon ausgegangen werden, dass er über keine Buchhaltung verfüge. Diese Ausführungen der ESTV bestreitet der Beschwerdeführer nicht. Nach der Rechtsprechung war er gehalten, durch geei gnete Massna h- men periodisch zu überprüfen, ob er die Voraussetzungen der Steue r- pflicht erfüllt (E. 2.4.2). Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass der vorliegende Taxibetrieb einen bargeldintensiven Betrieb darstellt (vgl. Urteile des Bundesverwaltung sgerichts A-2998/2009 vom 11. November 2010 E. 3.2.1, A-281/2009 vom 14. Oktober 2010 E. 6.1.2, A-2149/2008 und A-2170/2008 vom 17. Mai 2010 E. 6.1.2), weshalb für diese Prüfung die Führung eines tagfertigen Kassabuch s zwingend erforderlich ist. Die Bareinnahmen und Barausgaben müssen in diesem fortlaufend, lücke n- los und zeitnah aufgezeichnet und durch Kassenstürze kontrolliert we r- den (E. 2.4.4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2A.109/2005 vom 10. März 2006 E. 2.2 und E. 4.3 mit insoweit ähnlicher Sachverhaltskons- tellation). Bereits aufgrund des Fehlens eines solchen Kassabuchs ist die Buchführung des Beschwerdeführers deshalb mangelhaft. Es fehlen die sachverhaltsmässigen Grundlagen zur Beantwortung der Frage, ob eine Steuerpflicht gegeben ist. Bei diese m Resultat erübrigt es sich, auf die weiteren von der ESTV genannten Gründe für die Vornahme der Erme s- senseinschätzung einzugehen. Die Voraussetzungen für eine Ermessenseinschätzung waren demnach gegeben (E. 2.5) und die ESTV war deshalb nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, eine solche vorzunehmen. 3.2. Zu prüfen ist nun, ob die von der ESTV vorgenommene Ermes - senseinschätzung den individuellen Verhältnissen des Beschwerdefü h- rers soweit als möglich Rechnung trägt, auf plausiblen Angaben beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situation möglichst nahe kommt A-4616/2011 Seite 18 (E. 2.6.2). Bereits ausgeführt wurde, dass das Bundesverwaltungsgericht bei dieser Prüfung nur dann sein eigenes Ermessen an die Stelle desj e- nigen der Vorinstanz setzt, wenn dieser erhebliche Erm essensfehler un- terlaufen sind (E. 2.8.2). Die Beweislast für die Unrichtigkeit der Schä t- zung trägt der Beschwerdeführer (E. 2.8.3). 3.2.1. Die Berechnung der Anzahl geschäftlich gefahrener Kilometer wird vom Beschwerdeführer nur noch in einem Punkt bestritten. Na ch seiner Ansicht beträgt die Anzahl total gefahrener Kilometer im Jahr 2008 nicht wie von der ESTV dargelegt 43'025 km, sondern bloss 42'577 km. Mit seiner Eingabe vom 24. August 2011 reichte der Beschwerdeführer zum Nachweis seiner Behauptung die Fahrtenschreiberscheiben und Kontroll- karten des Jahres 2008 ein. Eine Überprüfung derselben ergibt, dass die Fahrtenschreiberscheibe vom 1. Januar 2008 einen Anfangskilomete r- stand von 707'975 und diejenige vom 1. Januar 2009 einen solchen von 750'956 aufweist (vgl. amtl. Akten Nr. 17) . Im Jahr 2008 hat der B e- schwerdeführer mit seinem Taxi somit nachweislich 42'981 km zurückge- legt und nicht bloss 42'577 km, wie von ihm behauptet. Die Berechnung der ESTV ist jedoch insoweit zu korrigieren, als für das Jahr 2008 die An- zahl gefahrener Kilometer von 43'025 auf 42'981 herabzusetzen ist. Der Fehler der ESTV beruht darauf, dass sie für den Kilometerstand per 1. Januar 2008 die Fahrtenschreiberscheibe vom 30. Dezember 2007 he- rangezogen hat, die einen Endkilometerstan d von 707'931 aufweist und der Beschwerdeführer offensichtlich am 31. Dezember 2007 mit seinem Taxi noch 44 k m gefahren ist (Differenz zwischen 707'975 km und 707'931 km). Die Berechnung der ESTV ist aber auch mit Bezug auf das Jahr 2007 zu korrigieren. Die Fahrtenschreiberscheibe vom 1. Januar 2007 weist einen Anfangskilometerstand von 659'662 km und d iejenige vom 1. Januar 2008 eine solchen von 707'975 km auf. Für das Jahr 2007 ist deshalb von insgesamt 48'313 und nicht – gemäss Berechnung der ESTV im Einspracheentscheid – von 48'269 gefahrenen Kilometern aus- zugehen. Im Ergebnis hat die ESTV 44 km fälschlicherweise dem Jahr 2008 anstatt dem Jahr 2007 zugerechnet. Die gesamthaft in den Jahren 2007 bis 2009 von der ESTV ermittelte Anzahl Kilometer ist demnach kor- rekt. 3.2.2. Im Übrigen wird die Berechnung der Anzahl geschäftlich gefahr e- ner Kilometer vom Beschwerdeführer nicht mehr weiter bestritten. Die von der ESTV vorgenommene Berechnung anhand der Fahrtenschre i- berscheiben der Jahre 2007 bis 2009 erweist sich denn – abgesehen von der oben aufgezeigten Korrekter – auch als rechtmässig. Die ESTV b e-A-4616/2011 Seite 19 rücksichtigte den individuellen Arbeitsweg des Beschwerdeführers. Im Weiteren erscheint die für private Zwecke in Abzug gebrachte Anzahl K i- lometer (100 km pro Arbeitswoche, sofern nicht mehr belegt worden ist) dem Gericht angemessen und entspricht auch dem Vorgehen der ESTV in anderen, ähnlich gelagerten Fällen (vgl. Urteil des Bundesverwaltung s- gerichts A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 3.4.4 mit Hinweisen). In der Folge ist für die Berechnung der Mehrwertsteuer für das Jahr 2007 von 40'061 km, für 2008 von 35'029 km und für 2009 von 37'990 km ausz u- gehen. 3.3. Der Beschwerdeführer bestreitet den von der ESTV aufgrund ihrer Erfahrungswerte geschätzten Ansatz von Fr. 2.15 Umsatz pro Kilometer, ohne dies jedoch näher zu begründen. Zunächst ist daran zu erinnern, dass die fraglichen Erfahrungszahlen vor- liegend nicht im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen der Ermes - sensveranlagung, sondern für die Vornahme der eigentlichen Schät zung herangezogen worden sind. Bei Beweislosigkeit trägt der Beschwerdefüh- rer die Beweislast dafür, dass die von der ESTV verwendeten Erfah - rungswerte für seinen Betrieb nicht sachgerecht sind (E. 2.8.3). Die ESTV hat ihm diesen Nachweis aber zu ermöglich en, indem sie ihm die Grund - lagen der Erfahrungszahlen kundgibt. Dies hat die ESTV in ihre r Verfü- gung vom 28. März 20 11 sowie in ihrem Einspracheentscheid vom 23. Juni 2011 getan. Sie legte darin insbesondere dar, sie habe den E r- fahrungswert von Fr. 2.15/k m aus 38 Datensätzen berechnet. Die erh o- benen Daten würden Angestellte von diversen Taxibetrieben in der Stadt Basel betreffen. Dabei seien Vollzeit - und Teilzeitangestellte, Tag - und Nachtchauffeure, solche mit und ohne Funk und auch Fahrten zu Spe - zialpreisen berücksichtigt worden. Zudem seien bei den erhobenen Daten alle Arten von Fahrten inbegriffen (Flughafen, Kundenkarte, Kreditkarte, Fahrten für Pharmafirmen etc.). Im Weiteren legte die ESTV insbesond e- re detailliert dar, welche Leer - und Privatfahrten beim ermittelten Ansatz berücksichtigt worden seien (vgl. Ziff. 3.6 des Einspracheentscheids). Die ESTV ist demnach ihrer Begründungspflicht und insbesondere auch der Vorgabe, sie habe darzulegen , inwiefern der beschwerdeführerische B e- trieb mit jenen , die Grundlage der Erfahrungszahlen bildeten, vergleic h- bar ist, zumindest implizit und in genügender Weise nachgekommen. In der Folge ist zu prüfen, ob die ESTV sich bei ihrer Schätzung zu Recht auf diese Erfahrungszahlen gestützt hat. Dies wäre der Fall, wenn sie auf einer sicheren Grundlage beruhen und aufgrund umfassender, re -A-4616/2011 Seite 20 präsentativer, homogener und aktueller Stichproben gewonnen worden sind (E. 2.7.2). 4. 4.1. Das Bundesverwaltungsgericht hatte bereits mehrfach in konkreten Anwendungsakten Gelegenheit, er messensweise Umsatzschätzungen der ESTV bezüglich Taxibetriebe in der Stadt Basel zu überprüfen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1371/2012 vom 12. Juli 2012 E. 5.3, A-6370/2011 vom 1. Juni 2012 E. 3.4, A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 3.5.1 mit weiteren Hinweisen). Die ESTV wendete bei diese n Schät- zungen die gleichen Erfahrungszahlen wie im vorliegenden Fall an. Im Weiteren handelte es sich bei den genannten Fällen ebenfalls um Einzel- unternehmer, d ie an eine Taxizentrale angeschlossen sind (vgl. vorlie- gend das Schreiben der Taxi-Zentrale AG Basel vom 28. Februar 2011, das den Anschluss an ihre Zentrale bestätigt; amtl. Akten Nr. 15) und ein normales Taxi betreiben . Das Bundesverwaltungsgericht kam in d iesen Fällen zum Ergebnis, dass sich die ESTV bei der Ermittlung des Ansatzes von Fr. 2.15/km (inkl. Fr. 0.11 Trinkgeld) auf Datensätze gestützt habe, welche die lokalen und betrieblichen Eigenheiten des betreffenden Tax i- betriebs berücksichtigt hätten. Die Datenerhebung könne als genügend breit und aktuell sowie für den jeweiligen Beschwerdeführer repräsentativ bezeichnet werden. Ebenfalls korrekt gewesen sei, dass die ESTV den Mittelwert der bei den 38 Datensätzen ermittelten Umsätze pro Kilometer angewendet habe. Es bestünden keine Hinweise auf indivi duelle Verhält- nisse bei den betreffenden Taxibetrieben, die einen davon abweichenden Ansatz nahe legen würden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 3.5.1). Im Weiteren hat das Bu n- desgericht in einem konkreten Anwendu ngsfall diesen Kilometeransatz von Fr. 2.15 (inkl. Trinkgeld) bestätigt und zudem entschieden, es sei für die Höhe des Ansatzes nicht massgebend, ob der betreffende Taxihalter über eine A - oder B -Bewilligung verfüg t (Urteil des Bundesgerichts 2C_835/2011 vom 4. Juni 2012 E. 4.5). Da vorliegend analoge Verhältnisse wie bei den genannten Urteilen des Bundes- und Bundesverwaltungsgerichts gegeben sind, kann der von der ESTV ermittelte Ansatz von Fr. 2.15/km auch hier der ermessensweisen Umsatzschätzung zugrunde gelegt werden. Es ist darauf hinzuweisen, dass bei der Festsetzung dieses Ansatzes selbstverständlich gewisse Ungenauigkeiten in Kauf zu nehmen sind, die sich systemimmanent bei der Ermittlung von Durchschnittswerten ergeben. Der Beschwerdeführer hätte es aber in der Hand gehabt, durch ordnungsgemässe Aufzeichnu n-A-4616/2011 Seite 21 gen von vornherein Klarheit über seine tatsächlich erzielten Umsätze zu schaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_429/2009 vom 9. November 2009 E. 5.2). Bereits erwähnt wurde, dass gemäss der jüngsten bundes- gerichtlichen Rechtsprechung keine Rolle spielt, dass der Beschwerd e- führer ab dem 2. Juni 2009 bloss noch über eine B -Bewilligung verfügt hat, da für die Höhe des Ansatzes nicht massgebend ist, über welche Bewilligung der Taxihalter verfügt. 4.2. Der Beschwerdeführer weist unter Anwendung d es als rechtmässig befundenen Ansatzes von Fr. 2.15/km die folgenden Umsätze aus: 2007 Fr. 86'131.-- (40'061 mal 2.15), 2008 Fr. 75'312.-- (35'029 mal 2.15) und 2009 Fr. 81'678.-- (37'990 mal 2.15). Danach hat der Beschwerdeführer die Umsatzgrenze in allen Jahren zwischen 2007 und 2009 überschritten. Zudem überschritt er in den Jahren 2007 (Fr. 4'478. --) und 2009 (Fr. 4'247.--) ebenfalls d ie Steuerzahllast von Fr. 4'000. -- (unter Anwen- dung des damals massgeblichen S SS von 5,2%) . Im Weiteren hat der Beschwerdeführer unbestrittenermassen nach dem bereits in Rechtskraft erwachsenen Einspracheentscheid vom 6. April 2010 auch im Jahr 2006 einen Umsatz von über Fr. 75'000.-- sowie eine Steuerzahllast von mehr als Fr. 4'000.-- erzielt. Es kann demnach festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Überschreitens der massgeblichen U m- satz- und Steuerzahllastgrenzen in den Jahren 2007 bis 2009 steue r- pflichtig war (vgl. E. 2.2). Keine Rolle spielt, dass die Steuerzahllast im Jahr 2008 (Fr. 3'916.--) unterschritten worden ist, da ein Unternehmen nach Art. 25 Abs. 1 Bst. a aMWSTG nur dann von der Steuer pflicht aus- genommen ist, wenn es die Steuerzahllast von Fr. 4'000.-- "regelmässig" unterschreitet (E. 2.2). Dies war vorliegend nicht der Fall. Der angefoch- tene Einspracheentscheid ist demnach mit Bezug auf die Berechnung des steuerbaren Umsatzes für die Jahre 2007 bis 2009 von insgesamt Fr. 243'120.-- (gerundet) und der betreffenden Steuerforderung von Fr. 12'641.-- (unter Anwendung des SSS von 5,2%) zu bestätigen. Im Weiteren ist anzumerken, dass die ESTV nicht nur bei der Besti m- mung der Steuerzahllast, sondern auch bei der Berechnung der Steue r- schuld die Saldosteuersatzmethode angewendet hat. Sie hat bei der Er- messenseinschätzung somit Vorsteuern berücksichtigt und ist damit dem Beschwerdeführer entgegengekommen. Das Bundesverwaltungsgericht hat keinen Anlass, dieses Entgegenkommen in Frage zu stellen (vgl. d a- zu auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1371/2012 vom 12. Juli 2012 E. 5.3, A-6370/2011 vom 1. Juni 2012 E. 3.4, A-2998/2009 vom 11. November 2010 E. 3.6). A-4616/2011 Seite 22 5. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Verfa h- rensausgang wären de m Beschwerdeführer als unterliegender Partei grundsätzlich sämtliche Kosten für das Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Au f- grund der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. Zwische n- verfügung vom 19. Oktober 2011) werden indessen keine Verfahrenskos- ten erhoben. Eine Parteientschädigung ist nicht auszurichten. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Salome Zimmermann Jürg Steiger A-4616/2011 Seite 23 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Bewei smittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: