1/ 3 Freiheits- und Grundrechte PVG 2005 Verfassungsbeschwerde. Anwaltsprüfungen. Zuständig- keit des Verwaltungsgerichts. – Verfügungen der Aufsichtskommission über die Rechts- anwälte sind unter dem Aspekt von Art. 6 Ziff. 1 EMRK nur anfechtbar, wenn formelle Mängel zur Diskussion stehen ( E.1a, b). – Soweit der Rekurrent die Verletzung verfassungsmäs- siger Rechte rügt, ist der Rekurs als Verfassungsbe- schwerde nach Art. 55 Abs. 2 KV zu behandeln ( E.1d ). Ricorso costituzionale. Esami d’avvocato. Competenza del Tribunale amministrativo. – Le decisioni della commissione di vigilanza sugli avvo- cati sono impugnabili in ossequio all’art. 6 cifra 1 CEDU solo se vengono invocati vizi formali (cons. 1a, b). –Per quanto il ricorrente invochi la violazione di diritti costituzionali, l’istanza deve essere trattata come un ri- corso per violazione di diritti costituzionali ai sensi del- l’art. 55 cpv. 2 CstC (cons. 1d ). Erwägungen: 1. a ) Vor der materiellen Beurteilung der Streitsache ist zu prüfen, ob und inwieweit gegen den angefochtenen Entscheid überhaupt der Rechtsweg an das Verwaltungsgericht offen steht. b ) Auszugehen ist dabei zunächst von Art.17 der Anwalts- verordnung. Danach können Entscheide der Aufsichtskommission an das Verw altungsgericht weitergezogen werden, wenn nach Art. 6 Ziff. 1 E M R K eine letztinstanzliche Beurteilung durch ein kanto- nales Gericht erforderlich ist. Diesbezüglich hat das Verw altungs- gericht in VGU U 99 103 ( = PVG 1990 Nr. 67 ) erwogen, dass Verfü- gungen der Aufsichtskommission insofern unter dem Aspekt von Art. 6 Ziff. 1 E M R K als anfechtbar zu qualifizieren seien, als formelle Mängel zur Diskussion stünden. Dagegen könne auf Vorbringen, w elche die Bewertung einer Prüfungsarbeit als solcher in Frage stellen, nicht eingetreten werden. Auch das Bundesgericht verfolgt in einem neuen Entscheid diese Praxis ( BGE 131 I 467 ). Es knüpft dabei – wie schon das Verw altungsgericht – an die bereits früher vom Europäischen Gerichtshof für M enschenrechte in den Fällen van Marle und San Juan getroffene Unterscheidung zwischen den formellen Fragen der Rechtmässigkeit des Verfahrens und den ma- teriellen Fragen einer Prüfung, ob ein Kandidat die gesetzlichen Anforderungen erfüllt und die erforderlichen Kenntnisse aufweist. 24 31/ 3 Freiheits- und Grundrechte PVG 2005 Soweit es um die Beurteilung der notwendigen Kenntnisse und Er- fahrungen geht, die erforderlich sind, um einen bestimmten Beruf unter Führung eines bestimmten Titels auszuüben, bleibt die Prü- fung vom Anwendungsbereich der Konvention mangels ( justizia- bler ) «Streitigkeit» ( frz. «contestation» ) im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes ausge- schlossen ( vgl. BGE 131 I 467 E.2.9, S. 472 f. ). Für das Verwaltungs- gericht besteht daher kein Anlass, von seiner bisherigen Praxis abzuweichen. Die materiellen Rügen des Rekurrenten können in- folgedessen nicht unter dem Blickwinkel von Art. 6 Ziff. 1 EMRK ge- prüft werden. d) Der Rekurrent ist weiter der Ansicht, der angefochtene Entscheid sei aufgrund von Art. 55 Abs. 2 Ziff. 1 und Abs. 3 KV beim Verwaltungsgericht anfechtbar. Darin ist ihm beizupflichten. Ge- mäss Art. 55 Abs. 2 KV beurteilt das Verwaltungsgericht als Verfassungsgericht u. a. Beschwerden wegen Verletzung verfas- sungsmässiger Rechte. Dabei können nicht nur Gesetz und Verord- nungen unmittelbar, sondern auch Einzelfallentscheidungen ange- fochten werden. Von ihrem Gehalt her entspricht die kantonale Verfassungsbeschwerde im W esentlichen der staatsrechtlichen Be- schwerde an das Bundesgericht. Mit der Beschwerde kann nicht die Verletzung irgendwelcher Bestimmungen der Kantons- und der Bundesverfassung gerügt werden. Wie bei der staatsrechtlichen Beschwerde kann nur die Verletzung solcher verfassungsmässigen Rechte geltend gemacht werden, die dem Bürger einen Schutzbe- reich gegen staatliche Eingriffe sichern sollen ( BGE 104 la 287 ). Konkret handelt es sich dabei im W esentlichen um die in Art. 7 ff. BV normierten Grundrechte. Im Vordergrund stehen dabei die Grundsätze der Rechtsgleichheit ( Art. 8 BV ), der Schutz vor Willkür ( Art. 9 BV ), die Eigentumsgarantie ( Art. 26 BV ), der Anspruch auf rechtliches Gehör ( Art. 29 Abs. 2 BV ) und der Schutz vor unzulässi- gen Einschränkungen von Grundrechten ( Art. 36 BV ). Insoweit der Rekurrent die Verletzung verfassungsmässiger Rechte rügt, ist somit auf den Rekurs einzutreten bzw. ist dieser wie eine Verfas- sungsbeschwerde nach Art. 55 Abs. 2 KV zu behandeln. U 05 62 Urteil vom 20 . Januar 2006 Dagegen an das Bundesgericht erhobene staatsrechtliche Be- schwerde noch hängig. 25