<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">341</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>58</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 91 ZPO. Berechnung des Streitwerts der Klage auf Bestreitung oder</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Feststellung des neuen Vermögens gemäss Art. 265a Abs. 4 SchKG.</b></span><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 16. März 2016</span><br/> <span class="ft3">(ZOR.2015.102).</span><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft5">4.</span><br/> <span class="ft5">4.1.</span><br/> <span class="ft5">Der Streitwert wird durch das Rechtsbegehren bestimmt</span><br/> <span class="ft5">(Art. 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Lautet das Rechtsbegehren nicht auf</span><br/> <span class="ft5">eine bestimmte Geldsumme, so setzt das Gericht den Streitwert fest,</span><br/> <span class="ft5">sofern sich die Parteien darüber nicht einigen oder ihre Angaben</span><br/> <span class="ft5">offensichtlich unrichtig sind (Art. 91 Abs. 2 ZPO).</span><br/> <span class="ft5">4.2.</span><br/> <span class="ft5">Der Kläger hat mit Klage vom 11. März 2013 beantragt, es sei</span><br/> <span class="ft5">in der Betreibung Nr. xxx des Betreibungsamts Y (Zahlungsbefehl</span><br/> <span class="ft5">vom xxx) festzustellen, dass kein pfändbares Vermögen des Schuld-</span><br/> <span class="ft5">ners/Klägers vorhanden sei. Als Streitwert bezeichnete er in der</span><br/> <span class="ft5">Klage den ungedeckt gebliebenen Betrag der Forderung der Beklag-</span><br/> <span class="ft5">ten von Fr. 1'200'371.86, wie er im Verlustschein im Sinn von</span><br/> <span class="ft5">Art. 265 SchKG aufgeführt ist. Die Vorinstanz setzte gestützt darauf</span><br/> <span class="ft5">den vom Kläger zu leistenden Kostenvorschuss mit Verfügung vom</span><br/> <span class="ft5">13. März 2013 auf Fr. 25'675.00 fest. Mit Verfügung vom 15. März</span><br/> <span class="ft5">2013 hob sie diese Verfügung wieder auf und setzte den vom Kläger</span><br/> <span class="ft5">zu leistende Kostenvorschuss auf Fr. 1'750.00 fest. Die Beklagten</span><br/> <span class="ft5">folgten in ihrem Gesuch um Sicherheit für die Parteientschädigung</span><br/> <span class="ft5">vom 21. Oktober 2013 der Auffassung des Klägers betreffend den</span><br/> <span class="ft5">Streitwert und beantragten gestützt darauf eine vom Kläger zu</span><br/> <span class="ft5">leistende Sicherheit von Fr. 34'000.00 (Nachforderungsrecht aus-</span><br/> <span class="ft5">drücklich vorbehalten). Der Kläger revidierte darauf in der Stellung-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">342</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">nahme vom 3. Dezember 2013 seine Auffassung und erklärte, mit der</span><br/> <span class="ft5">Vorinstanz seien der Streitwert auf Fr. 8'337.00 und die Sicherheit für</span><br/> <span class="ft5">die Parteientschädigung entsprechend auf Fr. 1'450.00 festzusetzen.</span><br/> <span class="ft5">In der Klageantwort vom 11. Februar 2015 schlossen sich die</span><br/> <span class="ft5">Beklagten der Auffassung, der Streitwert betrage Fr. 8'337.00 und</span><br/> <span class="ft5">nicht Fr. 1'200'371.86, an und begründeten das in der Duplik vom</span><br/> <span class="ft5">15. April 2015, während der Kläger in der Replik vom 24. März</span><br/> <span class="ft5">2015 wieder auf seine in der Klage geäusserte Auffassung zurück-</span><br/> <span class="ft5">kam und erklärte, der Streitwert entspreche dem ungedeckt geblie-</span><br/> <span class="ft5">benen Betrag der Forderung der Beklagten von Fr. 1'200'371.86, wie</span><br/> <span class="ft5">er im Verlustschein im Sinn von Art. 265 SchKG ausgeführt sei. Die</span><br/> <span class="ft5">Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid bei der Festsetzung der</span><br/> <span class="ft5">Entscheidgebühr einen Streitwert von Fr. 1'200'371.86 angenommen,</span><br/> <span class="ft5">dem Entscheid über die Verlegung der Prozesskosten dann aber einen</span><br/> <span class="ft5">Streitwert von Fr. 8'337.00 zugrunde gelegt. Parteien und Vorinstanz</span><br/> <span class="ft5">sind demnach je nach eingenommenem Standpunkt einmal vom</span><br/> <span class="ft5">Streitwert von Fr. 1'200'371.86, das andere Mal vom Streitwert von</span><br/> <span class="ft5">Fr. 8'337.00 ausgegangen, was nicht angeht. Der Streitwert ist viel-</span><br/> <span class="ft5">mehr in einem Prozess für alle seine Funktionen nach der gleichen</span><br/> <span class="ft5">Methode, mit den gleichen Grundlagen und damit auch mit dem glei-</span><br/> <span class="ft5">chen Resultat zu berechnen, sodass es in einem Prozess grundsätzlich</span><br/> <span class="ft5">nur einen Streitwert geben kann (Rickli, Der Streitwert im schwei-</span><br/> <span class="ft5">zerischen Zivilprozessrecht, Diss. 2014, N. 225).</span><br/> <span class="ft5">4.3.</span><br/> <span class="ft5">Das Bundesgericht hat in nicht in der amtlichen Sammlung</span><br/> <span class="ft5">publizierten Entscheiden erklärt, der Streitwert im ordentlichen</span><br/> <span class="ft5">Verfahren betreffend Feststellung oder Bestreitung des neuen Vermö-</span><br/> <span class="ft5">gens entspreche der in Betreibung gesetzten Forderung (Entscheid</span><br/> <span class="ft5">des Bundesgerichts 5A_650/2013 vom 19. November 2013 E. 1.2).</span><br/> <span class="ft5">Dieser Auffassung ist die Lehre teilweise gefolgt (Amonn/Walther,</span><br/> <span class="ft5">Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 9. A. 2013,</span><br/> <span class="ft5">§ 48 N. 44; Vock/Müller, SchKG-Klagen nach der Schweizerischen</span><br/> <span class="ft5">Zivilprozessordnung, 2012, S. 103). Weder das Bundesgericht noch</span><br/> <span class="ft5">die genannten Autoren haben ihre Auffassung begründet. Richtig ist</span><br/> <span class="ft5">sie, wenn der Richter im summarischen Bewilligungsverfahren den</span><br/> <span class="ft5">Rechtsvorschlag vollumfänglich bewilligt oder vollumfänglich nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">343</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">bewilligt und der Gläubiger oder Schuldner im ordentlichen Verfah-</span><br/> <span class="ft5">ren auf Feststellung respektive Bestreitung des neuen Vermögens</span><br/> <span class="ft5">klagt, weil dann die ganze in Betreibung gesetzte Forderung im Streit</span><br/> <span class="ft5">liegt. Ebenfalls richtig ist sie, wenn der Richter im summarischen</span><br/> <span class="ft5">Bewilligungsverfahren den Rechtsvorschlag nur teilweise bewilligt</span><br/> <span class="ft5">und sowohl der Gläubiger als auch der Schuldner im ordentlichen</span><br/> <span class="ft5">Verfahren auf Feststellung respektive Bestreitung des neuen Vermö-</span><br/> <span class="ft5">gens klagen, weil dann ebenfalls die ganze in Betreibung gesetzte</span><br/> <span class="ft5">Forderung im Streit liegt. Als nicht richtig erachtet das Obergericht</span><br/> <span class="ft5">die Auffassung hingegen, wenn der Richter im summarischen</span><br/> <span class="ft5">Bewilligungsverfahren den Rechtsvorschlag nur teilweise bewilligt</span><br/> <span class="ft5">und nur entweder der Gläubiger oder der Schuldner im ordentlichen</span><br/> <span class="ft5">Verfahren auf Feststellung respektive Bestreitung des neuen Vermö-</span><br/> <span class="ft5">gens klagt, weil in diesem Fall nur noch die Differenz zwischen dem</span><br/> <span class="ft5">im summarischen Verfahren festgestellten neuen Vermögen und dem</span><br/> <span class="ft5">im ordentlichen Verfahren gestellten Begehren im Streit liegt. Das</span><br/> <span class="ft5">folgt daraus, dass der Richter im ordentlichen Verfahren zufolge der</span><br/> <span class="ft5">Geltung der Dispositionsmaxime an die Begehren des Klägers</span><br/> <span class="ft5">gebunden ist und nicht zu dessen Ungunsten über den Entscheid im</span><br/> <span class="ft5">summarischen Verfahren hinausgehen darf (Gut/Rajower/ Sonnen-</span><br/> <span class="ft5">moser, Rechtsvorschlag mangels neuen Vermögens, AJP 1998</span><br/> <span class="ft5">S. 537; Fürstenberger, Einrede des mangelnden und Feststellung</span><br/> <span class="ft5">neuen Vermögens nach revidiertem Schuldbetreibungs- und Kon-</span><br/> <span class="ft5">kursgesetz, Diss. 1999, S. 102 f., 111). Wie im Rechtsmittelverfahren</span><br/> <span class="ft5">gilt das Verbot der reformatio in peius; insofern gleicht das ordent-</span><br/> <span class="ft5">liche Verfahren im Verhältnis zum summarischen Verfahren einem</span><br/> <span class="ft5">Rechtsmittel (Fürstenberger, a.a.O., S. 99, 103; BGE 134 III 528</span><br/> <span class="ft5">E. 1.3).</span><br/> <span class="ft5">4.4.</span><br/> <span class="ft5">Die Vorinstanz hat im summarischen Verfahren neues Vermö-</span><br/> <span class="ft5">gen des Klägers von Fr. 8'337.00 festgestellt. Da nur der Kläger im</span><br/> <span class="ft5">ordentlichen Verfahren auf Bestreitung des neuen Vermögens geklagt</span><br/> <span class="ft5">hat, lag einzig dieser Betrag im Streit, sodass der Streitwert</span><br/> <span class="ft5">Fr. 8'337.00 beträgt. Daran vermag entgegen der Auffassung des</span><br/> <span class="ft5">Klägers nichts zu ändern, dass die Vorinstanz im angefochtenen</span><br/> <span class="ft5">Entscheid den Rechtsvorschlag im Betrag von Fr. 1'192'964.86 be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">344</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">willigt hat, da dieser im summarischen Verfahren bereits im Umfang</span><br/> <span class="ft5">von Fr. 1'192'034.80 bewilligt worden ist und somit auch dies-</span><br/> <span class="ft5">bezüglich im Verhältnis zur in Betreibung gesetzten Forderung von</span><br/> <span class="ft5">1'200'371.86 nur noch Fr. 8'337.00 im Streit lagen. Die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft5">hat folglich entgegen der Auffassung des Klägers kein Recht verletzt,</span><br/> <span class="ft5">indem sie ihm unter der Annahme eines Streitwerts von Fr. 8'337.00</span><br/> <span class="ft5">die Prozesskosten auferlegt hat mit der Begründung, weil neues</span><br/> <span class="ft5">Vermögen im Umfang von Fr. 7'407.00 festgestellt worden sei, habe</span><br/> <span class="ft5">er nur zu rund 10 % obsiegt. Recht verletzt hat die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft5">dagegen bei der Festsetzung der Entscheidgebühr, weil sie diese zu</span><br/> <span class="ft5">Unrecht aufgrund des Streitwerts von Fr. 1'200'371.86 festgesetzt hat</span><br/> <span class="ft5">und es willkürlich ist, bei der Bemessung der Entscheidgebühr von</span><br/> <span class="ft5">einem Streitwert von Fr. 1'200'371.86 auszugehen, beim Entscheid</span><br/> <span class="ft5">über die Verlegung der Prozesskosten dagegen einen Streitwert von</span><br/> <span class="ft5">Fr. 8'337.00 anzunehmen (Rickli, a.a.O., N. 225). Die Entscheid-</span><br/> <span class="ft5">gebühr ist daher nach dem Streitwert von Fr. 8'337.00 tarifgemäss</span><br/> <span class="ft5">auf Fr. 1'750.00 festzusetzen (§ 7 Abs. 1 VKD). Da der Kläger diesen</span><br/> <span class="ft5">Betrag bereits mit dem Kostenvorschuss in Raten bezahlt hat, ist ihm</span><br/> <span class="ft5">die Entscheidgebühr nicht mehr im Rahmen der von der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft5">in der Erwägung 5.2 bewilligten unentgeltlichen Rechtspflege</span><br/> <span class="ft5">einstweilen vorzumerken.</span><br/></div> </div> </body> </html>