<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 50 S.182</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">182</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>50</b></span> <span class="ft2"><b>Buchwert der Geschäftsaktiven. Geschäftlich begründete Aufwendungen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Wer den Betrieb erbt, muss die Buchwerte (Einkommenssteuerwert)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>weiterführen. Wenn er neu Buch führt, sind die Anlagewerte für die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Eröffnungsbilanz gleich zu berechnen wie beim Erblasser, also unter</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Berücksichtigung</b></span> <span class="ft2"><b>der</b></span> <span class="ft2"><b>diesem</b></span> <span class="ft2"><b>zuzurechnenden Abschreibungen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Wer Taglöhner anstellt, ohne für die Löhne Quittungen ausstellen zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lassen, hat keinen Anspruch auf Abzug von (geschätzten) Lohnkosten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>als Aufwendungen (Erw. 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 18. April 2002 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen T.G. gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">O. S., die Mutter von A.G.-W., war Eigentümerin eines Land-</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftsbetriebs, den sie 1952 durch Erbschaft erworben hatte. Zu</span><br/> <span class="ft1">diesem gehörten zwei Grundstücke, die T. G.-W. mit Vertrag vom</span><br/> <span class="ft1">12. Januar 1978 erworben und anschliessend an O. S. verpachtet</span><br/> <span class="ft1">hatte.</span><br/> <span class="ft1">Der Betrieb von O. S. wurde schon seit langer Zeit durch T. und</span><br/> <span class="ft1">A. G.-W. auf Rechnung der Eigentümerin bewirtschaftet. O. S. starb</span><br/> <span class="ft1">1991. Als ihre Alleinerbin wurde A. G.-W. damit Eigentümerin des</span><br/> <span class="ft1">Landwirtschaftsbetriebs.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">183</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Eröffnet ein Landwirt erstmals eine Buchhaltung, nachdem</span><br/> <span class="ft1">sein Berufseinkommen zuvor nach der Punktiermethode (§ 6 der</span><br/> <span class="ft1">Verordnung zum Steuergesetz (StGV; SAR 651.111) vom 13. Juli</span><br/> <span class="ft1">1984 festgesetzt worden war, so muss für die Eröffnungsbilanz der</span><br/> <span class="ft1">Wert der einzelnen Vermögenswerte ermittelt werden. Dieser setzt</span><br/> <span class="ft1">sich zusammen aus dem seinerzeitigen Erwerbspreis und den getä-</span><br/> <span class="ft1">tigten wertvermehrenden Aufwendungen; davon kommen die Ab-</span><br/> <span class="ft1">schreibungen in Abzug, die grundsätzlich nach den im punktierten</span><br/> <span class="ft1">volkswirtschaftlichen Einkommen enthaltenen Abschreibungssätzen</span><br/> <span class="ft1">berechnet werden (Walter Koch, in: Kommentar zum Aargauer Steu-</span><br/> <span class="ft1">ergesetz, Muri/BE 1991, § 22 N 105; vgl. auch AGVE 1995, S. 198</span><br/> <span class="ft1">ff.). Dies ist unbestritten; streitig ist einzig die Frage, ob sich die</span><br/> <span class="ft1">Abschreibungen ab 1952 (Erwerb des Betriebs durch O. S.) oder ab</span><br/> <span class="ft1">1991 (Erwerb durch A. G.-W.) berechnen.</span><br/> <span class="ft1">b) Der Erbgang und im Speziellen der durch den Tod des Be-</span><br/> <span class="ft1">triebsinhabers verursachte Übergang der Geschäftsaktiven auf die</span><br/> <span class="ft1">Erben stellt weder eine entgeltliche Veräusserung noch eine Privat-</span><br/> <span class="ft1">entnahme dar. Nach dem Grundsatz der Universalsukzession treten</span><br/> <span class="ft1">die Erben an die Stelle des Erblassers. Sie übernehmen Geschäfts-</span><br/> <span class="ft1">vermögen unverändert, also zum Einkommenssteuerwert, der beim</span><br/> <span class="ft1">Erblasser galt. Es tritt keine Realisierung stiller Reserven ein; eine</span><br/> <span class="ft1">Liquidation, namentlich wenn die Erben den Betrieb nicht weiterfüh-</span><br/> <span class="ft1">ren, bzw. Privatentnahmen erfolgen erst nach dem Erbgang; die ein-</span><br/> <span class="ft1">kommenssteuerlichen Auswirkungen tragen die Erben (AGVE 1974,</span><br/> <span class="ft1">S. 244 f.; Koch, a.a.O., § 22 N 231; Zuppinger/Schärrer/Fessler/</span><br/> <span class="ft1">Reich, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, Ergänzungsband,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Bern 1983, § 19 lit. b N 47; Ernst Höhn/Robert Waldbur-</span><br/> <span class="ft1">ger, Steuerrecht, Band II, 8. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 1999, § 40</span><br/> <span class="ft1">Rz. 2). Allfällige Konsequenzen einer Erb<i>teilung</i> sind im vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Fall, wo es sich um eine Alleinerbin handelt, bedeutungslos.</span><br/> <span class="ft1">Dass der Erbgang für die einkommenssteuerrechtliche Behandlung</span><br/> <span class="ft1">der Geschäftsaktiven keine Änderung bewirkt, hat nicht nur zur</span><br/> <span class="ft1">Folge, dass der Alleinerbe, der das Geschäft weiterführt, die steuer-</span><br/> <span class="ft1">lich massgeblichen Buchwerte fortzuschreiben hat, sondern auch,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">184</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wenn er neu Buch führt, dass für die Eröffnungsbilanz die Anlage-</span><br/> <span class="ft1">werte gleich wie beim Erblasser berechnet werden, also unter Ein-</span><br/> <span class="ft1">rechnung der von diesem in Anspruch genommenen Abschreibungen.</span><br/> <span class="ft1">Dies ist denn auch sachlich richtig. Die Mutter der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin profitierte bei der jeweiligen Einkommensveranlagung nach der</span><br/> <span class="ft1">Punktiermethode von den darin enthaltenen Abschreibungen; ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend sank der (ideelle) Buchwert der abschreibungsberechtigten</span><br/> <span class="ft1">Geschäftsaktiven. Blieben diese Abschreibungen jetzt unberücksich-</span><br/> <span class="ft1">tigt, so liefe dies auf eine einkommenssteuerneutrale Aufwertung an-</span><br/> <span class="ft1">lässlich des Erbgangs hinaus, was systemwidrig wäre, da Gewinne</span><br/> <span class="ft1">durch</span> <span class="ft1">buchmässige</span> <span class="ft1">Aufwertung</span> <span class="ft1">von</span> <span class="ft1">Geschäftsvermögen</span> <span class="ft1">der</span><br/> <span class="ft1">Einkommenssteuer unterliegen (§ 22 Abs. 1 lit. b StG).</span><br/> <span class="ft1">c) Bei den Betriebsgebäuden handelt es sich um das Wohnhaus</span><br/> <span class="ft1">einerseits und die Ställe andererseits. Der Abschreibungssatz von</span><br/> <span class="ft1">2.5% vom Anschaffungswert ist angemessen (vgl. "Merkblatt über</span><br/> <span class="ft1">Abschreibungen auf dem Anlagevermögen landwirtschaftlicher Be-</span><br/> <span class="ft1">triebe (A 1979)" der Eidgenössischen Steuerverwaltung, wiederge-</span><br/> <span class="ft1">geben in: Heinz Masshardt, Kommentar zur direkten Bundessteuer,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Zürich 1985, Art. 22 N 26; Richtlinien Aufzeichnungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht Landwirte vom 20. August 1992, Ziff. 2.2) und wird von den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführern denn auch gar nicht in Frage gestellt. Da im Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt der Eröffnungsbilanz die Besitzesdauer ab der Hofübernahme</span><br/> <span class="ft1">durch O. S. im Jahre 1952 mehr als 40 Jahre betrug, wurde der Bi-</span><br/> <span class="ft1">lanzwert zu Recht auf Fr. 0.-- festgelegt.</span><br/> <span class="ft1">4. Nach den Aussagen der Beschwerdeführer waren namentlich</span><br/> <span class="ft1">der Sohn und der Schwiegersohn auf dem Betrieb als Taglöhner tä-</span><br/> <span class="ft1">tig; Bescheinigungen seien diesen nicht ausgestellt worden, es handle</span><br/> <span class="ft1">sich um Barauslagen ohne Quittung. Mit ihrem Vorgehen, verbunden</span><br/> <span class="ft1">mit dem Begehren, die Aufwendungen für Taglöhner seien ermes-</span><br/> <span class="ft1">sensweise festzusetzen, wollen sie erreichen, dass diese Lohnkosten</span><br/> <span class="ft1">bei ihnen als Aufwendungen erscheinen, ohne dass die Empfänger</span><br/> <span class="ft1">sie als Nebenerwerbseinkommen versteuern müssen. Das verdient</span><br/> <span class="ft1">keinen Schutz. Zu Recht haben die Vorinstanzen verlangt, dass sol-</span><br/> <span class="ft1">che Lohnkosten belegt und nachgewiesen seien - insbesondere bei</span><br/> <span class="ft1">einem Buchhaltungsbetrieb -, um Anerkennung zu finden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">185</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(Hinweis: Auf eine staatsrechtliche Beschwerde gegen diesen</span><br/> <span class="ft1">Entscheid ist das Bundesgericht nicht eingetreten.)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>