Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Dezember 2015 (720 15 137) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenaufhebung bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerden ohne nachweisbare organische Grundlage. Die Ausschlussklausel von lit. a der massgebenden Schlusstitelbestimmung setzt vo- raus, dass im Zeitpunkt der Einleitung des Revisionsverfahrens ein 15-jähriger Renten- bezug vorgelegen hat. Die einleitenden Schritte des Revisionsverfahrens sind innerhalb von drei Jahren seit dem Inkrafttreten der Schlusstitelbestimmung in die Wege zu leiten. Beurteilung der verbleibenden Ressourcen anhand des in BGE 141 V 281 ff. vorgegebe- nen strukturierten, normativen Prüfrasters. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Daniel Riner , Adv o- kat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1970 geborene A.____ war letztmals vom 1. Januar 1994 bis 31. Juli 1999 als Bau- arbeiter und Kranführer beschäftigt. Nachdem er Ende September 1999 einen Auffahrunfall erlitten hatte, meldete er sich am 30. Mai 2001 unter Hinweis auf Rückenschmerzen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezu g an. Nach Abklärung der ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sprach ihm di e IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) mit Verfügung vom 6. März 2003 auf der Basis e ines IV-Grads von 64% gemäss den dazumal geltenden Bestimmungen rückwirkend per 1. September 2000 eine halbe IV-Rente zu. Diese Rente wurde im Zuge der 4. IV-Revision mit Verfü gung vom 14. Juli 2004 auf eine Drei- viertelrente erhöht. Mit Mitteilungen vom 7. August 2 007 sowie 14. September 2010 wurden diese Leistungen jeweils revisionsweise bestätigt. Im Rah men einer weiteren im September 2013 eingeleiteten Revision von Amtes wegen hob die IV- Stelle nach Abklärung der gesund- heitlichen Verhältnisse mit Verfügung vom 5. März 2015 die bisher ausgerichtete IV-Rente ge- stützt auf die Schlussbestimmungen der Änderungen des B undesgesetzes über die Invaliden- versicherung (IVG) vom 18. März 2011 per Anfang Mai 2015 auf. B. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Dr . D. Riner, Advokat, am 17. April 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, dass von ei ner Einstellung der Invalidenrente abzusehen und ihm weiterhin eine Dreiviertelrente der IV auszurichten sei. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen durchzuführen, unter o /e-Kostenfolge. Zur Begründung wur- de zusammenfassend geltend gemacht, dass die ursprüngliche Rente keinesfalls hauptsächlich oder gar ausschliesslich aufgrund eines pathogenetisch-ätio logisch unklaren syndromalen Be- schwerdebilds ohne nachweisbare organische Grundlage zuge sprochen worden sei. Ein Teil der damals erhobenen Beschwerden sei durchaus erklärbar und nachvollziehbar gewesen. Die erklärbaren Beschwerden liessen sich gestützt auf das damal s anlässlich der ursprünglichen Rentenzusprache eingeholte Gutachten nicht von den unkla ren Beschwerden abgrenzen. Vie- les spreche dafür, dass das unklare Beschwerdebild für die Bestimmung der damals massge- benden Arbeitsunfähigkeit keine Rolle gespielt habe. Damit liege per dato lediglich eine andere Beurteilung eines gleich gebliebenen somatischen Sachv erhalts vor, was aber keinen Revisi- onsgrund darstelle. In Bezug auf das neuerdings eingeho lte Gutachten fände sich in Bezug auf die Prüfung der massgebenden Überwindbarkeitskriterien ke ine eigentliche Begründung. Auf die entsprechende Beurteilung könne deshalb nicht abg estellt werden, da insbesondere die 15- jährige Frist bis zur Einleitung des Revisionsverfahrens n ur relativ knapp eingehalten worden sei und die entsprechenden Kriterien daher besonders rest riktiv zu prüfen seien. Festzustellen sei ausserdem, dass die Vergabe des aktuellen bidisziplinäre n Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ nicht nach dem Zufallsprinzip erfolgt sei u nd bereits deshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Schliesslich sei bei der Bemessung des Inval ideneinkommens der leidensbe- dingte Abzug auf 25% zu erhöhen, da nach einer über 15-jährigen Abwesenheit des Beschwer- deführers vom Arbeitsmarkt mit einer ganz erheblichen Lo hneinbusse gerechnet werden müs- se. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 30. April 2015 auf Abweisung der Be- schwerde. Hinsichtlich des angezweifelten Beweiswerts des an lässlich der strittigen Revision eingeholten bidisziplinären Gutachtens habe keine Verga be nach dem Zufallsprinzip erfolgen müssen. Die ursprüngliche Rentenzusprache sei sowohl auf grund somatischer als auch auf- grund unklarer Beschwerden ohne nachweisbare organische Grundlage zugesprochen worden. Die strittige Schlussbestimmung sei daher anwendbar. D em Versicherten könne gestützt auf das Gutachten der Dres. B.____ und C.____ zugemutet w erden, trotz seiner geklagten Be- schwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, ga nztags einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Die Zumutbarkeit des Wiedereinstiegs in de n Arbeitsprozess sei somit zu beja- hen. Auch der leidensbedingte Abzug sei angemessen beme ssen worden. Zusammenfassend sei eine Aufhebung der bisher ausgerichteten Rente aber auch unter dem Titel der der Revision zulässig, da von einer wesentlichen Verbesserung des psychiat rischen Gesundheitszustandes auszugehen sei. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 2. Juli 2015 besc hloss das Gericht, die Angelegen- heit auszustellen und den Parteien Gelegenheit zur Ste llungnahme im Zusammenhang mit der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts betreffend die in validisierende Wirkung von soma- toformen Schmerzstörungen und vergleichbaren pathogene tisch-ätiologisch unklaren Be- schwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage zu geben. Gleichzeitig stellte das Gericht zur Diskussion, ob eine Aufhebung der bisher ausge richteten Rente gestützt auf die Schlussbestimmungen der 6. IV-Revision in zeitlicher Hinsich t überhaupt in Frage komme, da die angefochtene Verfügung erst nach Ablauf der gesetzl ich massgebenden dreijährigen Frist erlassen worden sei. Ausserdem räumte es den Parteien die Gelegenheit ein, sich zur erst in der Vernehmlassung der IV-Stelle thematisierten revisio nsweisen Aufhebung der bisher ausge- richteten Rente zu äussern. E. Mit Stellungnahme vom 2. August 2015 hielt der B eschwerdeführer zusammenfassend fest, dass die Rentenaufhebung gestützt auf die fragliche Schlussbestimmung unzulässig sei, weil die hierfür massgebende Dreijahresfrist nicht ei ngehalten worden sei. Die vom Bundesge- richt für ein konkretes Leistungsvermögen neuerdings vor ausgesetzten Indikatoren seien nicht erfüllt. Ein allfälliger Revisionsgrund sei ausserdem zu verneinen. Die IV-Stelle vertrat mit Ein- gabe vom 6. August 2015 die Auffassung, dass für die An wendung der fraglichen Schlusstitel- bestimmung nicht das Datum der rentenaufhebenden Verfü gung vom 5. März 2015, sondern die Einleitung des Revisionsverfahrens massgeblich sei. Gestü tzt auf den Bericht ihres regio- nal-ärztlichen Dienstes (RAD) resultiere bei der Prüfun g der entsprechenden Indikatoren ge- mäss Vorgabe der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts ei ne vollständige Arbeitsfähig- keit in einer angepassten Verweistätigkeit. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist – sowe it notwendig – in den nachfolgenden Erwä- gungen einzugehen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.5 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die d em Versicherten seit 1. September 2000 ausgerichtete IV-Rente zu Recht per Anfang Mai 2015 aufgehoben hat. 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 4.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urteil J. des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle stützt ihre Renteneinstellung im vo rliegenden Fall jedoch in erster Linie nicht auf Art. 17 ATSG, sondern auf lit. a Abs. 1 Schl B IVG ab. Danach werden Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdeb ildern ohne nachweisbare or- ganische Grundlage (nachfolgend: unklare Beschwerden) g esprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt o der aufgehoben, auch wenn die Vorausset- zungen von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Die se Bestimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 ff.). Sie findet indessen laut lit. a Abs. 4 SchlB IVG keine An- wendung auf Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttrete ns dieser Änderung das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunkt, in dem die Über prüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen. 5.2 Was zunächst den Beginn des Zeitpunkts betrifft, ab w elchem eine versicherte Person eine IV-Rente bezogen hat, hat das Bundesgericht in BGE 139 V 442 E. 3 f. in Auslegung des vorstehend letztzitierten Satzteils (vgl. oben, Erwägung 5 .1 hiervor) erkannt, dass auf den Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ginn des Rentenanspruchs und nicht auf den Zeitpunkt d es Erlasses der rentenzusprechenden Verfügung abzustellen sei. Nur diese Interpretation d er Ausschlussklausel trage den Kernanlie- gen der darin verankerten Besitzstandsgarantie (Gewährleistung von Rechtssicherheit und Ver- trauensschutz; Vermeidung aussichtsloser Eingliederungsver suche) angemessen Rechnung. Vorliegend ist dem Versicherten erstmals mit Verfügung d er IV-Stelle vom 6. März 2003 rück- wirkend per 1. September 2000 eine halbe IV-Rente zug esprochen worden. Unter dem Blick- winkel der Ausschlussklausel von lit. a Abs. 1 SchlB IVG i st für den Beginn des Rentenbezugs somit auf den 1. September 2000 abzustellen. 5.3 Was den Zeitpunkt betrifft, „in dem die Überprüf ung eingeleitet wird," hat das Bundes- gericht in seinem Urteil 8C_576/2014 vom 20. November 2 014 festgehalten, dass sich dieser nicht anhand des Momentes bestimme, in welchem die versi cherte Person erstmals schriftlich Kenntnis von der gestützt auf lit. a SchlB IVG ins Auge gefassten Rentenaufhebung erhalte (SVR 2014 IV Nr. 17 S. 65, 8C_773/2013 E. 3.1 in Ve rbindung mit E. 3.3.2). Der massgebende Zeitpunkt richte sich vielmehr nach dem mit überwiegend er Wahrscheinlichkeit nachgewiese- nen Beginn des betreffenden Verfahrens (SVR 2015 IV N r. 13 S. 37, 8C_576/2014 E. 4.3.2 mit Hinweisen). Der Beweis der Rechtzeitigkeit der Einlei tung eines Revisionsverfahrens sei daher nicht vom Empfang eines schriftlichen Vorbescheids oder e iner anderen schriftlichen Mitteilung abhängig. Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass d as strittige Revisionsverfahren mit dem Versand des Revisionsfragebogens bereits am 12. Septe mber 2013 eingeleitet worden ist (vgl. IV-Dok 58). Nachdem die IV-Stelle im Rahmen ihre r Abklärung der gesundheitlichen Ver- hältnisse am 28. Januar 2014 eine bidisziplinäre Beguta chtung bei den Dres. B.____ und C.____ in die Wege geleitet hatte (vgl. IV-Dok 65), f and am 8. Dezember 2014 ein Gespräch mit dem Versicherten hinsichtlich einer allfälligen Eing liederung statt (vgl. IV-Dok 87). Daraus geht hervor, dass sich der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sehe, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (vgl. IV-Dok 87), weshalb ihm in der Folge am 9. Dezember 2014 der Vorbescheid betreffend die nunmeh r strittige Rentenaufhebung zuge- stellt worden ist (vgl. IV-Dok 86). Mit Blick auf die ur sprüngliche Rentenzusprache per 1. Sep- tember 2000 erhellt somit, dass im Zeitpunkt, in welche m das Revisionsverfahren eingeleitet worden ist, noch kein 15-jähriger Rentenbezug vorgelegen hat. Der Versicherte gelangt deshalb nicht in den Genuss der betreffenden Ausschlussklausel. 5.4 In seiner Stellungnahme vom 2. August 2015 vertr itt der Beschwerdeführer die Auffas- sung, dass die Rentenaufhebung gestützt auf die fragliche Schlussbestimmung von lit. a Abs. 1 SchlB IVG unzulässig sei, weil die hierfür massgebende D reijahresfrist nicht eingehalten wor- den sei. Die Auslegung der entsprechenden Bestimmung habe restriktiv zu erfolgen, wonach die Überprüfung der Rente innerhalb von drei Jahren seit Inkrafttreten dieser Übergangsbe- stimmung am 1. Januar 2012 abgeschlossen sein müsse. Dieser A nsicht kann nicht gefolgt werden. Dem soeben Gesagten zufolge hat die IV-Stel le die Überprüfung der ursprünglich zu- gesprochenen Rente im Zeitpunkt der Zustellung ihres V orbescheids am 9. Dezember 2014 und somit noch innerhalb der massgebenden Dreijahresfrist seit dem Inkrafttreten der fraglichen Übergangsbestimmung am 1. Januar 2012 nicht nur eingele itet, sondern auch bereits abge- schlossen. Für eine abweichende Interpretation, wonach für die Dauer der dreijährigen Frist gemäss lit. a Abs. 1 SchlB IVG entgegen der vom Bunde sgericht in Bezug auf Absatz 4 dersel- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben Bestimmung präzisierten Rechtsprechung auf den Erla ss der Renten aufhebenden Verfü- gung vom 5. März 2015 abzustellen wäre, besteht kein An lass. Bereits der Wortlaut von lit. a Abs. 4 SchlB IVG spricht klar dafür, dass die einleitende n Überprüfungsschritte innerhalb von drei Jahren seit dem Inkrafttreten der Schlusstitelbestimmung am 1. Januar 2012 lediglich in die Wege zu leiten, jedoch nicht mittels Erlasses einer forme llen Revisionsverfügung abzuschlies- sen sind. Es ist daran zu erinnern, dass der abschliessende Erlass einer Renten aufhebenden Verfügung stets von zahlreichen Faktoren wie beispielswe ise von der Verfügbarkeit von Gut- achtern, allfälligen Ergänzungsfragen an die medizinisch en Experten, einem längeren Vorbe- scheidverfahren und dergleichen abhängt. Auch im Zusammenhang mit der Einhaltung der drei- jährigen Frist gemäss lit. a Abs. 1 SchlB IVG würde die Berücksichtigung solcher einzelfallbe- zogener Abweichungen einer objektivierten Betrachtungswei se zuwider laufen, und es würde das Ziel der Rechtsgleichheit verfehlt, gleichgelagerte Fällen letztlich gleich zu behandeln. Da- ran ändert auch der Verweis des Beschwerdeführers auf da s Urteil des Bundesgerichts 9C_754/2014 vom 11. Juni 2015 nichts. Gerade weil sich d er Gesetzgeber der Problematik der voraussetzungslosen Aufhebung einer Rente bewusst gewese n ist, hat er gewisse Abfede- rungsmechanismen ergriffen. Im Lichte der Rechtsgleichhe it darf es nicht den erwähnten Zu- fallsmomenten überlassen werden, ob eine Rente gemäss l it. a Abs. 1 SchlB IVG aufgehoben werden kann oder nicht. Als Zwischenergebnis ist deshalb festzuhalten, dass die IV-Stelle die Rentenüberprüfung unter dem Titel der fraglichen Schlusstitelbestimmung insgesamt rechtzeitig vorgenommen hat. 5.5 Für die Herabsetzung oder Aufhebung der Rente g estützt auf die SchlB IVG müssen rechtsprechungsgemäss drei Voraussetzungen erfüllt sein: Die seinerzeitige Rentenzusprache muss aufgrund der Diagnose eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Be- schwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage er folgt sein. Weiter ist erforderlich, dass auch im Revisionszeitpunkt ein unklares Beschwerdebild vorliegt. Schliesslich ist im Rah- men der zwischenzeitlich ergangenen Änderung der bundesg erichtlichen Rechtsprechung in einem strukturierten Beweisverfahren das tatsächliche Leist ungsvermögen der versicherten Person ergebnisoffen und einzelfallgerecht zu bewerten (BGE 141 V 281; nachfolgende Erwä- gungen) und zu prüfen, ob eine Validitätseinbusse auf diese Weise - trotz des hinsichtlich der invalidisierenden Folgen nicht objektivierbaren Beschwerd ebildes - nachweisbar ist (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2014, 8C_436/2013, E. 4 mit Verweis auf BGE 139 568 f. E. 9.4 und 10). Da es sich bei den erwähnten Punkten, vo n deren Beantwortung der Bestand laufender Renten abhängt, in erster Linie um solche medizinischer Art handelt, sind an die ent- sprechenden Abklärungen besonders hohe Anforderungen zu st ellen. Wie das Bundesgericht im Grundsatzurteil BGE 139 V 547 ff. ausdrücklich beton t hat, setzt die Anwendung der ge- nannten SchlB IVG denn auch eine fachgerechte und u mfassende Begutachtung der betroffe- nen Person voraus. Namentlich muss verlangt werden, dass di e Untersuchungen im Zeitpunkt der Revision aktuell sind und sich mit der massgeblichen Fr agestellung auseinandersetzen (Ur- teil W. des Bundesgerichts vom 23. Januar 2014, 8C_436/2 013, E. 4 mit Verweis auf BGE 139 568 f. E. 9.4 und 10.2). 6.1 Die IV-Stelle stützte sich bei ihrer ursprünglichen Rentenzusprache auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre Gutachten des D.____ vom 28. Februar 2002. Darin hielten die Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fachärzte als Hauptdiagnose mit Auswirkung auf die Arbei tsfähigkeit ein chronisches Panver- tebral-Syndrom sowie eine somatoforme Schmerzstörung b ei einfachst strukturierter und be- eindruckbarer Persönlichkeit fest. Der neurologischen Beu rteilung zufolge bestehe eine funktio- nelle Überlagerung mit Symptomausweitung. Der Versicher te sei kaum zu untersuchen. Das Verhalten in unbeobachteten Situationen widerspreche seinem sonstigen Verhalten. Aus neuro- logischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Der orthopädischen Beurteilung zufolge könne das massive Beschwerdebild im Bereich der Wirbelsäule im g eklagten Ausmass nicht objekti- viert werden. Die festgestellten Diskushernien würden di e lumbosakralen Rückenschmerzen nur teilweise erklären. Gemäss psychiatrischer Beurteilun g habe sich seit der im Jahre 1999 erlittenen HWS-Distorsion eine deutliche Symptomausweitu ng eingestellt. Es bestehe ein deut- liches Missverhältnis zwischen den somatisch-objektivierbaren Befunden und dem Ausmass der aktuell geklagten subjektiven Beschwerden. Diese Diskre panz müsse einer Schmerzfehl- verarbeitung im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zugeschrieben wer- den. Der Explorand befinde sich in einer schwierigen psych osozialen Drucksituation, da seine Gattin seit dem erlittenen Unfall gänzlich arbeitsunfä hig sei und ständig eheliche Spannungen bestünden. Aufgrund der einfachen psychischen Struktur des Exploranden verwundere es nicht, dass sich die psychische Problematik zusehends auf die somatische Ebene verlagert habe. Der Konsensbeurteilung ist zu entnehmen, dass ein massives Missverh ältnis zwischen dem Aus- mass der somatisch objektivierbaren Befunde und den bei nahe grotesk anmutenden subjekti- ven Schmerzangaben bestehe. Diese Diskrepanz sei auf eine somatoforme Schmerzstörung zurückzuführen. Bei dieser Fehlverarbeitung fänden sich auch deutlich demonstrative Züge, welche sich nur schwer von einer bewussten Aggravation un d von Begehrungstendenzen ab- grenzen liessen. In der angestammten Tätigkeit als Ba uarbeiter mit körperlicher Schwerbelas- tung bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von 20%. Für eine leichte Tätigkeit ohne repetitives Las- tenheben und ohne körperliche Zwangshaltungen sei von einer Restarbeitsfähigkeit im Umfang von mindestens 50% auszugehen (vgl. IV-Dok 15). Nichts anderes geht im Ergebnis bereits aus dem Austrittsbericht der Klinik E.____ vom 19. April 2 000 hervor, wonach nebst belastungs- und bewegungsabhängigen Lumbosakralbeschwerden deutlich e Zeichen einer Symptomaus- weitung zu erheben seien (vgl. IV-Dok 8). Die bereits ursprünglich diagnostizierte somatoforme Sch merzstörung gehört zweifellos zu den hiervor genannten unklaren Beschwerden ohne nachweisbare organische Grundlage (BGE 139 V 549 f. E. 2.2). Daran vermag nichts zu ände rn, dass nebst dessen auch somati- sche Diagnosen erhoben worden sind. Wie das Bundesgericht in einem unlängst ergangenen Entscheid festgehalten hat, ist für die Anwendung des f raglichen Schlusstitels von lit. a Abs. 1 SchlB IVG nicht vorausgesetzt, dass die ursprüngliche Rente ausschliesslich aufgrund unklarer Beschwerden zugesprochen worden ist. Vielmehr st ehe der Umstand, dass eine lau- fende Rente sowohl für unklare Beschwerden als auch für andere Gesundheitsschäden, also auch für erklärbare Beschwerden, zugesprochen worden sei, einer Anwendung der fraglichen Bestimmung nicht entgegen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2014, 8C_74/2014, E. 6.2.3). Laufende Renten sind daher vom Anwendungsbereich von lit. a Abs. 1 SchlB IVG nur dann auszunehmen, wenn und soweit sie (ausschliesslich) auf erklärbaren Beschwerden beru- hen. Diese Voraussetzung aber liegt vorliegend offensi chtlich nicht vor. Gemäss dem dazumal massgebenden Gutachten des D.____ war der Versicherte in neurologischer Hinsicht voll ar- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsfähig. Da ihm mit Ausnahme von Rücken belastenden Tätigkeiten auch in orthopädischer Hinsicht keine relevante Arbeitsunfähigkeit attestier t worden war, erhellt, dass die dazumal ge- samthaft ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit von 50% in er ster Linie auf die psychiatrische Diag- nose der somatoformen Schmerzstörung zurückzuführen war. Daran vermag nichts zu ändern, dass der orthopädische Gutachter anlässlich seiner neuerli chen Begutachtung im Jahre 2014 festgehalten hat, dass im D.____-Gutachten aus dem Jahre 2002 keine prozentgenaue Aus- scheidung der entsprechenden Anteile vorgenommen word en sei. Jedenfalls kann nicht gesagt werden, dass die damalige Rente nicht auch aufgrund eines unklaren Beschwerdebilds zuge- sprochen worden ist, wie der Beschwerdeführer dies in se iner Beschwerdebegründung vorbrin- gen lässt. 6.2 Unbestrittenermassen liegt im Revisionszeitpunkt ebenfa lls ein unklares Beschwerde- bild vor, haben doch die Dres. B.____ und C.____ in i hrem von der IV-Stelle eingeholten bidis- ziplinären Gutachten vom 17. Juni und 26. Juni 2014 al s Diagnose ohne Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung festgehalten. Auch hier steht der Umstand, dass nebst unklaren Beschwerden auch erklärbare Beschwerden or thopädischer Genese mit Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert worden sin d, einer Anwendung von lit. a Abs. 1 SchlB IVG nicht entgegen (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2014, 8C_104/2014, E. 3.1). 6.3 Indem die IV-Stelle im Rahmen des vorliegenden Re visionsverfahrens bei den Dres. B.____ und C.____ das bidisziplinäre Gutachten vom 17. Juni bzw. 26. Juni 2014 einge- holt hat, hat sie sich bei der Rentenüberprüfung sowoh l auf umfassende als auch auf - im Revi- sionszeitpunkt - aktuelle medizinische Abklärungen stützen können. 6.3.1 In seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 17. Juni 2014 erhob Dr. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, keine Diagnosen mit Einflu ss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu diagnostizieren. Der Explorand leide seit seinem Autounfall im Jahre 1999 an Rücken- und Nackenschmerzen. Seither sei er keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgegangen. Das Ausmass der geklagten somatischen Beschwer den und die subjektive Überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, könnten dur ch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektiviert werden, so dass eine psychische Üb erlagerung angenommen werden müsse. Es handle sich um eine chronische Schmerzstörung mit so matischen und psychischen Faktoren. Eine weitere psychiatrische Diagnose könne nich t gestellt werden. Der Explorand habe sich noch nie in psychiatrischer oder psychologischer Be handlung befunden und sei noch nie psychopharmakologisch behandelt worden. Er sei belast et durch wirtschaftliche Schwierig- keiten, da die IV-Rente seiner Ehefrau im Jahre 2013 si stiert worden sei. Er klage über schmerzbedingte Durchschlafstörungen sowie über angstbeset zte Träume. Er habe jedoch nie schwere Belastungszustände oder Traumatisierungen erlebt und klage auch sonst nicht über Ängste im Alltag. Es fänden sich demnach keine Hinweise für eine eigentliche Angststörung. Auch eine depressive Störung könne nicht diagnostiziert we rden. Der Explorand berichte von einer gewissen Gereiztheit und einem gewissen Desintere sse gegenüber seinem Umfeld. Im Verlauf der Untersuchung hätten hingegen keine psychomo torischen Hemmungen festgestellt werden können. Die Angaben betreffend die Zeit nach dem Unfall würden erheblich von der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aktenlage abweichen. Der Explorand gestalte seinen Allt ag etwas passiv, mache aber Spazier- gänge. Er fühle sich jedoch nicht in der Lage, im Haus halt mitzuhelfen. Die Kontakte zu seiner Familie seien etwas angespannt. Er treffe sich regelmässig mit Kollegen, auch wenn er sich von ihnen etwas zurückgezogen habe. Aus psychiatrischer Sicht best ehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Es liege weder eine ausgeprägte psyc hiatrische Komorbidität noch eine schwere, chronische körperliche Begleiterkrankung vor. Der Umstand, dass alle therapeuti- schen Bemühungen gescheitert seien, hänge wesentlich dami t zusammen, dass der Explorand auf Grund seiner ausgeprägten Krankheitsüberzeugung wenig Motivation zeige, sich trotz allfäl- liger Restbeschwerden aktiv um seine Genesung zu bemühen u nd sich den Belastungen der Arbeitswelt wieder auszusetzen. Aus psychiatrischer Sicht kön ne es ihm jedoch zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden die nötige Wil lensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Er s ei in jeder beruflichen Tätigkeit, die sei- nen körperlichen Einschränkungen angepasst sei, vollschichti g und ohne jede Leistungsein- schränkung arbeitsfähig. Im Alltag sei er durch psychopatho logische Symptome nicht einge- schränkt. Dass er gelegentlich etwas gereizt sei, hänge mit der angespannten, wirtschaftlichen Situation nach der Sistierung der IV-Rente seiner Ehe frau zusammen. Eigentliche depressive Verstimmungen lägen aber nicht vor. Die ausgeprägte Krankheitsüberzeugung habe keinen Krankheitswert und werde sich auch durch eine psychiatrisc he Behandlung kaum beeinflussen lassen. 6.3.2 In seinem rheumatologischen Teilgutachten vom 26 . Juni 2014 diagnostizierte Dr. B.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, mit Ei nfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chro- nisches lumbal betontes Panvertebralsyndrom bei deutliche r Osteochondrose L4/5 mit zirkulä- rer Protrusion L4/5 sowie bei einer Osteochondrose L5/S1 mit kleiner mediolateraler Diskusher- nie L5/S1 rechts ohne Neurokompression. Aktuell gebe d er Explorand seit seinem Unfall im September 1999 vorhandene Schmerzen im Bereich der gan zen Wirbelsäule an. Lumbal seien diese am stärksten. Die Schmerzen bestünden jeden Tag und hätten in den letzten zwei bis drei Jahren zugenommen. Am stärksten seien die Schmerzen am Ta g, aber auch nachts würde er mehrfach schmerzbedingt aufwachen. Die klinische Untersuchu ng zeige einen Exploranden, der ein zunächst unbeeinträchtigtes Gangbild zeige. Während der bewussten Untersuchung der Wirbelsäule nehme er eine leicht vornübergebeugte Haltung ein, welche im weiteren Verlauf bis zu einem richtigen Vorbeugen zunehme. Im Gehen zeige er zeitweilig ein leichtes Hinken und ein etwas steif wirkendes Gangbild. Während der Anamnese sitze er über eine halbe Stunde problemlos im Stuhl und drehe die Halswirbelsäule (HWS ) ohne Beeinträchtigung. Die HWS könne als frei beurteilt werden. Dieser Befund sei diskr epant zur bewussten Prüfung, bei wel- cher die HWS komplett verriegelt werde. Eine aktive Prüfung von HWS, BWS und LWS sei nicht möglich. Eine Beurteilung könne nur indirekt erfolgen , so beim Ausziehen und beim Verhalten während nicht offensichtlicher Untersuchungssituationen. H ier falle keine Einschränkung auf. Insbesondere beuge sich der Explorand dann gut hinunter . Eine radikuläre Symptomatik beste- he nicht. Kraft, Sensibilität und Reflexe seien norma l. Auffallend sei seine gut ausgebildete Muskulatur. Bei einer relevanten Schonung würde beispi elsweise der Muskel im Kniebereich atrophieren. Dieser aber sei kräftig ausgeprägt. Der p eriphere Gelenkstatus sei altersentspre- chend und normal. Auch hier fänden sich aber gewisse Diskre panzen. So ziehe der Explorand das T-Shirt völlig problemlos mit voll erhobenen Armen auf beiden Seiten aus. Dies entspreche Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer kombinierten Flexions- und Abduktionsbewegung von beidseits 180 Grad. Die aktive Prü- fung ergebe aber nur 90 Grad und habe schmerzbedingt a bgebrochen werden müssen. Zu- sammenfassend fänden sich multiple Diskrepanzen. Die aktue lle Bildgebung zeige im Bereich der HWS und der BWS altersentsprechende Veränderunge n. Im Bereich der LWS fänden sich keine neuen Befunde gegenüber früher. Die nachgewiesenen Diskopathien würden die Arbeits- fähigkeit zwar einschränken, allerdings würden sie weder bildgebend noch klinisch zu einer neurogenen Wurzelkompression führen. Die angestammte Tä tigkeit als Bauarbeiter und Kran- führer sei nicht mehr zumutbar. In einer körperlich le ichten und wechselbelastenden Verweistä- tigkeit mit Heben, Stossen oder Ziehen von Gewichten bis 7,5 Kilogramm, ohne dauernde Ar- beiten in Zwangsstellung und ohne repetitives Bücken best ehe eine vollständige Restarbeitsfä- higkeit. Bereits im D.____-Gutachten im Jahr 2002 sei eine funktionelle Überlagerung mit Symptomausweitung und deutlichen Diskrepanzen beschrieben worden. Diese zeige der Explo- rand auch anlässlich der aktuellen Untersuchung, wobei sie nicht auf eine bewusste Aggravati- on oder Simulation zurückzuführen sei. Zweifelsohne bestehe aber eine klare Überlagerung mit Ausweitung. Die somatischen Befunde seien gegenüber der Vorbegutachtung in etwa identisch. 6.3.3 Der ausführlich telefonisch geführten Konsensbeu rteilung der Dres. B.____ und C.____ zufolge gelte das rheumatologische Gutachten als Gesamtbeurteilung, da aus psychiat- rischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. 6.4 Das zitierte Gutachten der Dres. B.____ und C.___ _ erfüllt alle rechtsprechungsge- mässen Voraussetzungen an eine taugliche medizinische Beurt eilungsgrundlage. Es weist we- der formale noch inhaltliche Mängel auf und ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 f. hiervor) - für die streitigen Belange umfassend. Es beruht auf allseitigen Untersu- chungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in K enntnis der Vorakten abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Auch weist es keinerlei Widersprüche auf und setzt sich mit den bei den Akten liegenden fachärztlichen Einschätzunge n auseinander. Die vorinstanzliche Rentenüberprüfung entspricht somit auch in dieser Hinsich t den von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung formulierten Anforderungen (vgl. E. 5.5 hiervor und die dortigen Hinweise). Der Beschwerdeführer bringt keine inhaltliche Kritik im en geren Sinne an dem von der IV-Stelle ak- tuell eingeholten Gutachten der Dres. B.____ und C._ ___ vor. Er lässt allerdings einwenden, dass die IV-Stelle ihren Begutachtungsauftrag fälschlich erweise direkt und nicht nach dem Zu- fallsprinzip vergeben habe. Diesem Einwand ist zu entge gnen, dass die Anforderungen an die medizinische Begutachtung, wie sie in BGE 137 V 210 für polydisziplinäre MEDAS- Begutachtungen umschrieben worden sind, grundsätzlich au ch auf mono- und bidisziplinäre Expertisen anwendbar sind. Dies gilt sowohl für die just iziablen Garantien als auch für die ap- pellativen Teilgehalte. Eine Ausnahme für Begutachtun gen mit weniger als drei Fachdisziplinen ist allerdings hinsichtlich des Zufallsprinzips hinzunehmen (BGE 139 V 349 E. 5.4). Die IV-Stelle war demnach nicht gehalten, das lediglich bidisziplinär in Auftrag gegebene Gutachten nach dem Zufallsprinzip zu vergeben. 7. Der Beschwerdeführer stellt sich in seiner Stellung nahme vom 2. August 2015 auf den Standpunkt, dass der vom Bundesgericht in dessen neuer Rechtsprechung aufgestellte Kriteri- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht enkatalog der Standardindikatoren gestützt auf das G utachten der Dres. B.____ und C.____ erfüllt sei. Die IV-Stelle vertritt in ihrer Stellung nahme vom 6. August 2015 die gegenteilige Auf- fassung. Die massgeblichen Indikatoren seien nicht erfüllt. 7.1 Mit Leitentscheid vom 3. Juni 2015 hat das Bundesg ericht seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörunge n und vergleichbaren psycho- somatischen Leiden revidiert und sich von der bisherigen Überwindbarkeitsvermutung verab- schiedet (BGE 141 V 281 ff.). Die Rechtsprechungsänderun g findet grundsätzlich auf laufende Verfahren wie das vorliegende Anwendung. Eine Einschrä nkung der Leistungsfähigkeit kann weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge e iner fachärztlich einwandfrei diagnosti- zierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig w ird der Rentenanspruch – in Nachach- tung der verfassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. Apri l 1999 (Rechtsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters – beurteilt, und es braucht medizinische Evidenz, dass die E rwerbsunfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht de r seit längerem namentlich aus medi- zinischer, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusser- ten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsverm utung nicht weiter fest. Anstelle des bisherigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiert es, normatives Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standard- indikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermöge n ergebnisoffen und symmetrisch be- urteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsf aktoren wie den vorhandenen Res- sourcen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerich ts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 7.2 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Stell ungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargeta n werden kann, trägt weiterhin die ma- teriell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. E ine anhaltende somatoforme Schmerz- störung und vergleichbare Leiden können somit eine Inval idität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlich en Anspruchsgrundlage im Einzel- fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider spruchsfrei mit zumindest überwiegen- der Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Au smass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Licht e dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten – wie das hier vorliegende Guta chten der Dres. B.____ und C.____ – nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen e iner gesamthaften Prüfung des Einzel- falls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhob enen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrun dlagen vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-b eweisrechtlich geänderten Anforde- rungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die b eigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfal ls im Kontext mit weiteren fachärztli- chen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte d er massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8 mit Hinweis). 7.4.1 Das Bundesgericht hat die massgeblichen Abklärunge n in zwei Bereiche eingeteilt: In einem ersten Teil sind unter dem Stichwort des funktion ellen Schweregrades drei Indikatoren- Komplexe zu klären, welche wiederum in weitere Indikato ren unterteilt sind. In einem zweiten Teil sind die Ergebnisse aus dem ersten Teil einer Konsistenzprüfung zu unterziehen. 7.4.2 Der erste Indikatoren-Komplex steht unter dem Ti tel “Gesundheitsschädigung“. Dabei stellt sich zunächst die Frage nach der Ausprägung der d iagnoserelevanten Befunde. Zu würdi- gen ist unter dem Aspekt der Schwere des Krankheitsgesc hehens, wie stark die Alltagsfunktio- nen beeinträchtigt sind und ob Hinweise auf Aggravation oder Simulation ersichtlich sind. Aus dem psychiatrischen Gutachten von Dr. C.____ vom 17. Juni 2014 geht hervor, dass der Be- schwerdeführer mit seiner Ehefrau und seinen 1995 und 2007 geborenen Söhnen zusammen in einer gemeinsamen Wohnung wohnt und einen eher passiven, nichts desto trotz aber durchaus strukturierten Tagesrhythmus verfolgt. Er beteiligt sich zwar schmerzbedingt nicht am Haushalt, begleitet den jüngeren Sohn jedoch gelegentlich in de n Kindergarten. Mindestens halbtags un- ternimmt er regelmässig kurze Spaziergänge (IV-Dok 71, S . 8). Auch wenn er seinen Alltag of- fenbar vorwiegend zu Hause verbringt, ist seinen anamne stischen Angaben bis auf ein allge- meines Desinteresse und eine gelegentliche Gereiztheit n icht zu entnehmen, dass der Be- schwerdeführer in seinen Alltagsfunktionen überdurchschn ittlich beeinträchtigt wäre. So trifft er sich gelegentlich mit Kollegen und verreist regelmässig i n die Ferien. Einen Lebensüberdruss hat er explizit verneint. Ebenso wenig haben sich aus se inen Schilderungen allfällige Hinweise auf eine Antriebsveränderung ergeben. Hinsichtlich eine r allfälligen Aggravation geht aus dem rheumatologischen Gutachten von Dr. B.____ hervor, dass d ie deutlichen Diskrepanzen zwi- schen den somatisch objektivierbaren Befunden und den subjektiv beklagten Beschwerden zwar nicht auf eine bewusste Aggravation oder Simulation zurückzuführen sind. Dennoch aber ist zweifelsohne von einer klaren Überlagerung mit Auswei tung auszugehen. In diesem Zu- sammenhang ist ergänzend festzuhalten, dass sich gemäss D.____-Gutachten im Zeitpunkt der Abklärung der medizinischen Verhältnisse im Jahre 2002 no ch deutlich demonstrative Züge gezeigt hatten, welche sich nur schwer von einer bewussten Aggravation und von Begehrungs- tendenzen nach Versicherungsleistungen abgrenzen liessen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4.3 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht d en Behandlungs- und Eingliede- rungserfolg oder -resistenz. Dabei sind Verlauf und Au sgang der bisher durchgeführten Thera- pien und Eingliederungsversuche zu würdigen und zu prüf en, ob die therapeutischen Möglich- keiten ausgeschöpft wurden. Dem psychiatrischen Gutachten von Dr. C.____ ist zu entnehmen, dass aufgrund der subjektiv ausgeprägten Krankheitsüberze ugung keine beruflichen Massnah- men erfolgsversprechend durchführbar sind. Hinsichtlich d er Therapien geht daraus hervor, dass sich der Beschwerdeführer seit seiner letzten Begutacht ung im Rahmen der Exploration durch das D.____ nie in psychiatrischer oder psychopharmakol ogischer Behandlung befunden hat. Die ausgeprägte Krankheitsüberzeugung hat zwar kei nen Krankheitswert. Der Einschät- zung des psychiatrischen Gutachters zufolge wird sie sich durch eine psychiatrische Behand- lung kaum beeinflussen lassen. Trotz dieses Umstands kann jedoch nicht von einem definitiven Scheitern einer mit optimaler Kooperation des Versicher ten durchgeführten Therapie gespro- chen werden. Auch wenn aufgrund der mangelnden Intro spektionsfähigkeit des Versicherten eine Psychotherapie bereits im D.____-Gutachten vom 28. Februar 2002 als kaum realisierbar bezeichnet worden war, ist immerhin festzustellen, dass der Versicherte bisher nie Gebrauch von der bereits dazumal empfohlenen Schmerz distanzierenden Medikation in Form einer Kom- bination eines Antidepressivums mit einem milden Neurol eptikum gemacht hat (vgl. IV-Dok 15, S. 28). Der Umstand, dass alle therapeutischen Bemühunge n gescheitert sind, hängt gemäss den Gutachtern zudem wesentlich damit zusammen, dass der Explorand auf Grund seiner aus- geprägten Krankheitsüberzeugung wenig Motivation zeig e, sich trotz allfälliger Restbeschwer- den aktiv um seine Genesung zu bemühen und sich den Belastu ngen der Arbeitswelt wieder auszusetzen. 7.4.4 Als weiterer Indikator sind die Komorbiditäten zu würdigen. Der psychischen Komorbi- dität ist nach der neuen Praxis keine vorrangige Bedeut ung mehr einzuräumen, vielmehr sind auch körperliche Begleiterkrankungen zu würdigen. Vor liegend liegt neben der chronischen Schmerzstörung keine weitere psychiatrische Diagnose vor. A ls körperliche Begleiterkrankung besteht eine deutliche Osteochondrose auf Höhe L4/5 oh ne Neurokompression, welche über die Jahre konstant geblieben ist. Diese vermag die panvertebralen Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule mit Ausnahme der mechanischen Beschwerden au f Höhe L4/5 allerdings nicht zu erklären. Da der Versicherte in einer diesen somatischen Befunden angepassten Verweistätig- keit vollständig arbeitsfähig ist, sind die Komorbidität en insgesamt somit als eher gering einzu- stufen. 7.4.5 Im zweiten die Persönlichkeit betreffenden Indika toren-Komplex wird nach der Persön- lichkeitsentwicklung und der Persönlichkeitsstruktur gefragt , und es sind die persönlichen Res- sourcen zu eruieren. Aus dem Gutachten von Dr. C.____ geht hervor, dass der Beschwerdefüh- rer in seiner Urteilsbildung nicht gestört ist. Sein Ge dankengang ist formal unauffällig. Zeichen für eine Konzentrationsschwäche oder für eine Einengu ng des Denkens sind keine vorhanden. Vielmehr besteht ein bewusstseinsklarer Realitätsbezug. Daran ändert nichts, dass im D.____- Gutachten vom Februar 2002 von einer einfachst strukturie rten und beeindruckbaren Persön- lichkeit die Rede ist (vgl. IV-Dok 15, S. 21). Trotz ledi glich bescheidener intellektueller Fähigkeit scheinen die persönlichen Ressourcen insgesamt deshalb noch erhalten zu sein, um einer in somatischer Hinsicht leidensadaptierten Tätigkeit nachgehen zu können. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4.6 Im dritten Indikatoren-Komplex ist unter dem Tit el „sozialer Kontext“ die Abgrenzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorzune hmen. Diese Faktoren bleiben als invaliditätsfremd nach wie vor unbeachtlich. Im vorliege nden Fall führte Dr. C.____ aus, dass die gelegentliche Gereiztheit des Versicherten mit der angespannten wirtschaftlichen Situation im Zusammenhang mit der Sistierung der IV-Rente seiner Ehefrau zusammenhänge. Dem D.____-Gutachten aus dem Jahre 2002 ist zu entnehmen, d ass sich der Explorand bereits da- zumal in einer schwierigen psychosozialen Drucksituation be funden habe, da seine Gattin seit dem erlittenen Unfall gänzlich arbeitsunfähig sei und aufgrund ihres psychischen Zustands ständige eheliche Spannungen zu verzeichnen seien. Insge samt bestehen somit erhebliche psychosoziale Einflüsse auf das Krankheitsgeschehen. 7.4.7 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht in diesem Indikatoren-Komplex – wie auch im Indikatoren-Komplex der Persönlichkeit – die Er uierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds. Beachtlich sind dabei die Verankerung u nd die Vernetzung im sozialen Um- feld und die daraus mobilisierbaren Ressourcen der versiche rten Person. Der Beschwerdefüh- rer lebt zusammen mit seiner Ehefrau und zwei Söhnen i m gleichen Haushalt. Er verfolgt einen eher passiven, dennoch aber durchaus strukturierten Tagesr hythmus. Auch wenn er sich mit Ausnahme der morgendlichen Einkäufe schmerzbedingt am Haushalt nicht beteiligt, begleitet er den jüngeren Sohn gelegentlich in den Kindergarten u nd trifft sich hin und wieder mit Kollegen. Ebenfalls verreist er regelmässig in die Ferien. Von sein em sozialen Umfeld geht somit zweifel- los auch weiterhin eine gewisse Stütze aus. 7.5 Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich e ine „Konsistenzprüfung“ vorzuneh- men. Dabei ist zu prüfen, ob die vom Gutachter bzw. von der IV-Stelle festgestellten Auswir- kungen auf die Leistungsfähigkeit aufgrund des medizini sch festgestellten Gesundheitsscha- dens anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfre i mit überwiegender Wahrschein- lichkeit nachgewiesen sind. Ein wichtiger Indikator ist dabei die Frage, ob die diskutierte Ein- schränkung in der Erwerbsfähigkeit gleich ausgeprägt ist wie die Einschränkungen in den sons- tigen Lebensbereichen. Ferner ist zu beachten, ob di e versicherte Person Therapieangebote wahrnimmt oder mögliche Behandlungen auslässt. Vorliegend hat der Beschwerdeführer insbe- sondere noch nie eine psychopharmakologische Medikation i n Anspruch genommen. Ausser einem täglichen Schmerzmittelkonsum besteht aktuell a uch keine spezifische somatische The- rapie mehr, was als Indiz dafür zu werten ist, dass der g eschilderte Schmerz grösser ist als der tatsächlich erlebte. In diese Richtung weist auch die T atsache, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich der rheumatologischen Exploration durch Dr. B. ____ in unbeobachteten Momenten freier als im Rahmen der aktiven Untersuchung zu bewegen sowie entgegen den anamnesti- schen Angaben ohne Beeinträchtigung über 30 Minuten e ine sitzende Position einzunehmen in der Lage war. Aufgrund der erwähnten Indikatoren sind insgesamt beträchtliche Restressour- cen erkennbar, welche mit Blick auf eine den somatischen Befunden angepasste leichte und wechselbelastende Verweistätigkeit auch im Rahmen des Er werbslebens verwertbar sein dürf- ten. Die nur geringen Einschränkungen des Beschwerdeführ ers im Alltag stehen demnach durchaus im Einklang mit der von den Dres. B.____ und C .____ entsprechend veranschlagten, vollständigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass d as bidisziplinäre Gutachten der Dres. B.____ und C.____ vom 17. Juni und 26. Juni 201 4 genügend Aufschluss über die mass- geblichen Indikatoren gibt. Die von den Gutachtern vo rgenommene Zumutbarkeitsbeurteilung erweist sich auch in Würdigung der nach neuer Rechtsprec hung zu berücksichtigenden Indika- toren als überzeugend, so dass vollumfänglich darauf a bgestellt werden kann. Das fragliche Gutachten lässt mithin eine zuverlässige Beurteilung der v erbleibenden Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu, weshalb in antizipierter Beweiswürdigu ng (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlrei- chen Hinweisen) auf allfällige zusätzliche Abklärungen ver zichtet werden kann. Insgesamt re- sultiert in medizinischer Hinsicht, dass der Beschwerdefüh rer hinsichtlich einer seinen somati- schen Leiden angepassten, leichten und wechselbelastenden Verweistätigkeit keine Leistungs- beeinträchtigung aufweist. 9.1 Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim men (vgl. Art. 16 ATSG). Dieser Einkommensvergleich ist zwischen den Parteien grundsätzlich zu Recht unbestritten geblieben. Auf der Basis der Lohnstrukturerhebung (LSE) 2010 ergi bt sich ein an die betriebsübliche wö- chentliche Arbeitszeit und an die Nominallohnentwicklung per 2015 angepasstes, hypotheti- sches Valideneinkommen des Versicherten als ehemaliger Ba uarbeiter und Kranführer in der Höhe von CHF 67‘564.— pro Jahr (vgl. LSE 2010, Tabelle TA1, Sektor Baugewerbe, Anforde- rungsniveau 4, Spalte Männer; CHF 5‘310.— x 12 Monate / 40 x 41,5 Stunden x 1,022). Aus der Gegenüberstellung mit dem anhand des Totalwerts zu bemessenden und an die durch- schnittliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden anzupasse nden Invalideneinkommen von jährlich CHF 62‘906.— für leichte Arbeiten (vgl. LSE 20 10, Tabelle TA1, Totalwert, Männer, Anforderungsprofil 4, CHF 4‘901.— x 12 Monate / 40 x 41 ,7 Stunden zuzüglich Nominallohn- entwicklung von + 2,6%) resultiert nach Vornahme eines l eidensbedingten Abzugs im Umfang von 15% eine Erwerbseinbusse von CHF 14‘094.— und dami t ein IV-Grad von aufgerundet 21%. Die bisher ausgerichtete IV-Rente ist mangels E rreichens des hierfür massgebenden Schwellenwerts somit aufzuheben. 9.2 Daran ändert auch nichts, dass über die ärztliche Bezeichnung der massgebenden Zumutbarkeitsbeurteilung hinaus zusätzlichen Einschränkungen mit einem leidensbedingten Abzug bis maximal 25% Rechnung getragen werden kann. En tgegen der vom Beschwerdefüh- rer in seiner Beschwerdebegründung vertretenen Auffassung lässt sich im vorliegenden Fall ein leidensbedingter Abzug von mehr als 15%, wie ihn die IV -Stelle in der angefochtenen Verfü- gung vom 5. März 2015 vorgenommen hat, nicht begründe n. So rechtfertigt nach der bundes- gerichtlichen Rechtsprechung der Umstand, dass eine vollzeitlich arbeitsfähige versicherte Per- son gesundheitlich bedingt nur reduziert leistungsfähig ist, grundsätzlich keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2011, 9C_582/2011, E. 3.1). Auch im vorliegenden Fall ist der Versicherte in einer sein en somatisch bedingten Leiden angepass- ten Verweistätigkeit weiterhin vollzeitlich arbeitsfäh ig. Weitere Kriterien, die eine Erhöhung des Abzuges vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind ebe nfalls nicht ersichtlich. So nehmen sowohl die Bedeutung des Alters als auch diejenige der Dienstjahre der Versicherten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, weshalb diese Faktoren bei einfachen und repetitiven, dem Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anforderungsniveau 4 der LSE 2010 entsprechenden Tätigkeiten keinen Anlass zu einem (wei- teren) Abzug vom Tabellenlohn geben (BGE 126 V 79 E . 5a/cc). Unbesehen dessen resultiert selbst bei einem maximal zulässigen Abzug von 25% kein Ren ten begründender IV-Grad. Das Invalideneinkommen beliefe sich diesfalls auf CHF 47‘1 79.—, weshalb sich bei einer Erwerbs- einbusse von CHF 2‘0385.— ein IV-Grad von 30% ergeben würde. 9.3 Damit bleibt es so oder anders bei einem IV-Grad unter 40%. Die Vorinstanz hat den Rentenanspruch des Versicherten ab dem ersten Tag des zwe iten, der angefochtenen Verfü- gung vom 5. März 2015 folgenden Monats (vgl. Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, vom 17. Januar 1961) im Ergeb nis somit zu Recht verneint, wes- halb die hiergegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 600.-- zu verrechnen sind. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.