B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5479/2011 U r t e i l v o m 2 8 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Johannes Mosimann, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. August 2011 / N (…). D-5479/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerde führer Sri Lanka am (…) Mai 2009 und gelangte nach einem längeren Aufenthalt in Syrien von Italien herkommend am 1. Oktober 2010 in die Schweiz, wo er am 4. Oktober 2010 um Asyl nachsuchte. Am 12. Oktober 2010 führte das BFM eine Summarbefragung durch. Die Anhörung des damals noch minderjäh- rigen Beschwerdeführers fand am 26. Oktober 2010 im Beisein seines Rechtsvertreters statt. A.b Der Beschwerdeführer – ein Tamile – machte geltend, aus B._______ zu stammen. Seit 2006 sei er von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu Unterstützungshandlungen genötigt worden. In die sem Z u- sammenhang sei er nach C._______ mitgenommen worden. Bei der Rückkehr sei er an einem Armeeposten kontrolliert worden. Die Sicher- heitskräfte, welche über sein Engagement Bescheid gewusst hät ten, sei- en Anfang 2008 zuhause vorbeigekommen. Sie hätten ihn mitgenommen, geschlagen und einer Meldepflicht unterstellt. Nachdem andere Personen mit Meldepflicht erschossen worden seien, habe er die Melde pflicht An- fang 2009 nicht mehr befolgt und sich wegen der behördlichen Suche bei Verwandten versteckt gehalten. Der Vater sei seinetwegen von Armeean- gehörigen geschlagen worden. Wegen der sich zuspitzenden Lage sei er am 1. Mai 2009 nach D._______ und von dort aus ins Ausland ge flohen. Nach der Flucht habe er erfahren, dass ihn Armeeangehörige wie derholt zuhause gesucht hätten. Ein Onkel sei bei der Rückkehr aus In dien in Sri Lanka umgebracht worden. Im Fall der Rückkehr befürchte er, dasse lbe Schicksal zu erleiden. A.c Für die eingereichten Beweismittel ist auf die Akten zu verweisen (vgl. die Auflistung gemäss vorinstanzlichem Beweismittelumschlag A 1 und A 14/15 S. 12). B. Am 3. November 2010 wurde dem Beschwerdeführer eine Vertrauensper- son zugeordnet. C. C.a Mit Verfügung vom 30. August 2011 – eröffnet am 1. September 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schw eiz und den Wegweisungsvollzug. Die Vorin -D-5479/2011 Seite 3 stanz erachtete die geltend gemachte Verfolgung für unglaubhaft. Seine Aussagen müssten als unsubstanziiert, realitätsfremd und stereotyp be - zeichnet werden; sie vermittelten nicht den Eindruck von tatsächlich E r- lebtem. Zudem habe er gewisse Vorbringen erst bei der Anhörung er - wähnt. Die ungereimten und spärlichen Schilderungen deuteten auf ein Sachverhaltskonstrukt hin. Die seinem Vater zugefügten Nachteile habe er in zeitlicher Hinsicht nicht einordnen können. Z u den beigebrach ten Beweismitteln – den Empfehlungsschreiben – habe er keine Angaben be- treffend Zustandekommens machen können. Deren Beweiswert sei ohne- hin zu vernachlässigen, da die Identität des Beschwerdeführers nicht fest- stehe. C.b Den Vollzug der We gweisung erachtete das BFM für zulässig, z u- mutbar und möglich. Im Hinblick auf die Zumutbarkeit erwog die Vorin - stanz, in Gebie ten, die seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stün - den, herrsche weit gehend ein normales Alltagsleben. Der Beschwerd e- führer stamme aus B._______. Dort sei von ei nem familiären Bezi e- hungsnetz und einer gesicherten Wohnsituation aus zugehen. Es spr ä- chen demnach weder die vor Ort herrschende Sicher heitslage noch indi- viduelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs. D. Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 3. Oktober 2011 beantragte der Beschwerdeführer beim Bun desverwaltungsgericht die Auf hebung des vorinstanzlichen Entscheids im Vollzugspunkt, die Feststellung der Unzu- lässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll zugs verbunden mit der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz sowie in pro zes- sualer Hinsicht die un entgeltliche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De zember 1968 [VwVG, SR 172.021]) samt Ent bindung von der Vorschusspflicht. Zur Begründung machte er unter Verweis auf Publikationen verschiede ner Organisationen eine vor Ort nach wie vor angespannte Lage geltend. Das BFM verkenne die relevanten Umstände und habe den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig festgestellt. Er wäre bei einer Rückkehr allein durch das Faktum seiner Flucht erneut dem Verdacht einer Kooperation mit den LTTE ausgesetzt, und zwar unabhängig von dessen inhaltlicher Substanziiertheit. Rückkehrende Flüchtlinge würden von den Behörden ri- gide überprüft. Da alle Einreisen über den Flughafen Colombo erfolgten, sei die Überprüfung ein Leichtes. Überdies sei er als ehemaliger Asylsu - chender durch seine temporären Reisepapiere gut erkennbar. D er srilan- kische Geheimdienst überprüfe die Rückkehr s ystematisch und halte die D-5479/2011 Seite 4 Betroffenen für Verhöre fest. Solche Festhaltungen könn ten monatelang dauern. Die Rückkehrer würden erst nach einer positiven Sicherheitsprü - fung wieder freigelassen. Könnten dazu nötige Informationen nicht b e- schafft werden, müssten diese Personen mit längeren Inhaftierungen und Folter rechnen. Der Beschwerdeführer, welcher über keine gülti gen Rei- sepapiere verfüge, sei bei der Rückkehr besonders gefährdet. E. Mit Zwischenverfügung vom 1 9. Oktober 2011 verzichtete das Bunde s- verwaltungsgericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. F. Mit Vernehmlassung vom 1. November 2011 beantragte das BFM die Ab- weisung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am 3. November 2011 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Ver fahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die D-5479/2011 Seite 5 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Beschwerde richtet sich allein gegen den Vollzu g der angeordneten Wegweisung. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet somit einzig die Frage, ob das BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht angeord - net hat oder ob anstelle des Vollzugs die vorläufige Aufnahme anzuord - nen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V .m. Art. 83 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslän derinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 4. 4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 4.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vor - gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Aus- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 5. 5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgege nstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge -D-5479/2011 Seite 6 zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Au sreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar - auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr - dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfah ren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 5.3 5.3.1 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerd e- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschli - che Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kam mer], Saadi ge- gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). 5.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht nahm in BVGE 2011/24 zur Frage der Gefährdung von Beschwerdeführenden aus Sri Lanka eine Lageana - lyse vor. Es gebe Personenkreise, die immer noch einer erhöhten Verfol - gungsgefahr ausgesetzt sein könnten. Dazu gehörten unter anderem Per-D-5479/2011 Seite 7 sonen, die auch nach Be endigung des Bürgerkriegs verdächtigt wür den, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex -Generals Sarath Fonseka, Journalisten und an dere in der Medienbranche tätige Personen, international und lokal tätige Vertr e- ter von NGOs, die sich für die Menschenrechte einsetzten oder Verstösse kritisierten, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen so wie Personen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigten, abgewie - sene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE -Kader oder Personen, die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügten (E. 8). 5.3.3 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick au f ei- ne EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem e u- ropäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt b e- fasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, En t- scheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011; vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Der Gerichtshof unterstreicht, dass nicht in genereller Weise davon au s- zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behan d- lung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschi e- dene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürch- tung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrierung als verdäc htigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines o f- fenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die A n- werbung als Informant der Siche rheitskräfte, die Existenz von Körperna r- ben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland ode r die Verwandtschaft mit einem LTTE -Mitglied. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dass dem Umstand gebührende Beachtung g e- schenkt werden müsse, dass diese einzelnen Faktoren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellen, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, namentlich unter der weiteren Berücksichtigung der aktuellen, gegebenenfalls erhö h- ten, Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden al l- gemeinen Lage (vgl. T.N. v. Denmark, a.a.O., § 93,° S. 28). D-5479/2011 Seite 8 5.3.4 Eine entsprechende konkrete Gefahr, die dem Beschwerdeführer drohen könnte, ergibt sich vorliegend jedoch nicht. So wurde bereits rechtskräftig festgestellt, dass die angeblich en Nachstellungen durch die Sicherheitskräfte nicht glaubh aft sind . Auch im Übrigen lassen sich den Akten keine konkreten Hin weise auf eine drohende menschenrechtswid - rige Behandlung des Be schwerdeführers wegen ihm unterstellter LTTE - Nähe entnehmen. Dass bei abgewiesenen Asylsuchen den bei der Wi e- dereinreise ei ne gewisse Gefährdung im Sinne der Be schwerdevor- bringen besteht, ist aufgrund der skizzierten Rechtssprechung des EGMR und anderer Quellen zwar nicht von der Hand zu weisen. Hinreichend konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer aufgrund se i- nes Persönlichkeitsprofils bei der Wiedereinreise eine unzulässige B e- handlung gewärtigen muss, be stehen nach dem Gesagten indes nicht. So leben auch die Familienangehörigen weiterhin in Sri Lanka, ohne dass der Beschwerdeführer hätte glaubhaft ma chen k önnen, sie seien erns t- haft gefährdet. 5.3.5 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt entgegen den wenig stich - haltigen Beschwerdevorbringen ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6. 6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. 6.2 Im erwähnt en Urteil BVGE 2011/24 aktualisierte das Bundesverwal - tungsgericht die letztmals in BVGE 2008/2 definierte Lage analyse Sri Lankas und passte die Wegweisungspraxis an. Hinsichtlich des Wegwei - sungsvollzugs hält das Gericht fest, dass dieser in das ge samte Gebiet der Ostprovinz grundsätzlich zumutbar sei (a.a.O. E. 13.1). Auch der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz – mit Ausnahme des Vanni -Ge- biets – sei grundsätzlich zumutbar, wobei sich eine zurückhal tende Beur- teilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien sowie eine Be rücksichti- gung des zeitlichen Elementes aufdränge (a.a.O. E. 13.2.1). Weiterhin als unzumutbar müsse der Wegweisungsvollzug, übereinstim mend mit dem D-5479/2011 Seite 9 BFM, für das Vanni -Gebiet gelten, welches zu Beginn des Jahres 2008 noch von den LTTE kontrolliert worden sei und in welchem sich in der Folge bis zum endgültigen Sieg über die LTTE die Kriegshand lungen ab- gespielt hätten (a.a.O. E. 13.2.2). Für Personen, die aus dem übri gen Staatsgebiet von Sri Lanka (d.h. die Provinzen North Central, North Wes- tern, Central, Western [namentlich der Grossraum Colombo], Southern, Sabarugamuwa und die Uva -Provinz) stammten und dorthin zu rückkehr- ten, sei der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar (a.a.O. E.13.3). 6.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, aus B._______ zu stammen. Eine Rückkehr dorthin ist nach neuer Rechtsprechung grundsätzlich als zumutbar zu betrachten, wobei aber eine sorgfältige, zu rückhaltende Be- urteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien vorzunehmen ist. Das bedeutet, dass den sozio -ökonomischen und den me dizinischen Aspek- ten, dem Kindeswohl und auch dem zeitlichen Ele ment gebührend Rech- nung zu tragen sind. 6.4 Gemäss Aktenlage wohnen die Angehörigen des Beschwerdeführers nach wie vor am angegebenen Herkunftsort. Dort arbeitete er nach der Schulzeit in der Land wirtschaft. Sein Vater sei Bauer. Er verfügt somit in seinem Heimatstaat über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz, wel - ches ihm eine sozi ale und wirtschaftliche Wiedereingl iederung ermögli - chen kann. Medizini sche Leiden werden nicht geltend gemacht (14/15 Antwort 132) . Ins gesamt ist nicht davon auszugehen, der Beschwerd e- führer könnte vor Ort in eine existenzgefährdende Situation geraten. 6.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi gen Reise- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Die gerügte ungenügende beziehungweise falsche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalt s D-5479/2011 Seite 10 liegt nicht vor. Nach dem Gesagten fäl lt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wären dessen Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da er aber nach wie vor über kein Erwerbseinkommen verfügt, ist in Gutheissung des Gesuchs im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG von der Kostenauflage abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) D-5479/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. In Gutheissung des Gesuchs gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: