<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 45 S.194</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">194</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>45</b></span> <span class="ft1"><b>Unentgeltliche Rechtsverbeiständung in Sozialhilfeverfahren.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Wahrt eine Kürzung die Existenzsicherung nach § 15 Abs. 2 SPV, ist</b></span><br/> <span class="ft1"><b>die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters nur dann gebo-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ten, wenn besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten</b></span><br/> <span class="ft1"><b>hinzukommen, denen der Gesuchsteller auf sich alleine gestellt nicht</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gewachsen wäre.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 14. Dezember 2007 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen M.L. gegen das Bezirksamt Brugg (WBE.2007.291).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1.</span><br/> <span class="ft6">Ob eine unentgeltliche Rechtsvertretung sachlich notwendig ist,</span><br/> <span class="ft6">beurteilt sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalles. Die</span><br/> <span class="ft6">bedürftige Partei hat Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung,</span><br/> <span class="ft6">wenn ihre Interessen in schwerwiegender Weise betroffen sind und</span><br/> <span class="ft6">der Fall in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten</span><br/> <span class="ft6">bietet, die den Beizug eines Rechtsvertreters erforderlich machen.</span><br/> <span class="ft6">Droht das in Frage stehende Verfahren besonders stark in die Rechts-</span><br/> <span class="ft6">position der betroffenen Person einzugreifen, ist die Bestellung eines</span><br/> <span class="ft6">unentgeltlichen Rechtsvertreters grundsätzlich geboten, sonst nur</span><br/> <span class="ft6">dann, wenn zur relativen Schwere des Falles besondere tatsächliche</span><br/> <span class="ft6">oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Ge-</span><br/> <span class="ft6">suchsteller auf sich alleine gestellt nicht gewachsen wäre</span><br/> <span class="ft6">(BGE 130 I 180 Erw. 2.2).</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">Im angefochtenen Beschluss hat der Stadtrat X. während sechs</span><br/> <span class="ft6">Monaten den Grundbedarf I des Beschwerdeführers und seiner Ehe-</span><br/> <span class="ft6">frau um 30 % und den Grundbedarf II vollständig gekürzt. Eine Kür-</span><br/> <span class="ft6">zung in diesem Umfang stellt keinen besonders schweren Eingriff</span><br/> <span class="ft6">dar, zumal die Existenzsicherung i.S.v. § 15 Abs. 2 SPV gewahrt</span><br/> <span class="ft6">bleibt. Die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters ist des-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">halb nur dann geboten, wenn sich besondere tatsächliche oder recht-</span><br/> <span class="ft6">liche Schwierigkeiten stellen.</span><br/> <span class="ft6">Der Stadtrat X. hat die Kürzung der Sozialhilfe damit begrün-</span><br/> <span class="ft6">det, der Beschwerdeführer habe gegen die Mitwirkungs- und Melde-</span><br/> <span class="ft6">pflicht verstossen, indem er die Fragen im Schreiben des Stadtrats X.</span><br/> <span class="ft6">vom 26. Juni 2007, welche der Berechnung des Lebensunterhalts für</span><br/> <span class="ft6">die Monate Juni und Juli 2007 dienen sollten, nicht oder nur ungenü-</span><br/> <span class="ft6">gend beantwortet habe. Es handelte sich dabei um Fragen betreffend</span><br/> <span class="ft6">den Aufenthalt der Ehefrau und des Kindes nach dem Vorfall von</span><br/> <span class="ft6">häuslicher Gewalt, die Daten der Semesterferien 2007 und die Ar-</span><br/> <span class="ft6">beitsbemühungen in dieser Zeit, die Bemühungen um zinslose Dar-</span><br/> <span class="ft6">lehen sowie die Prüfungsergebnisse und Semesterzeugnisse. Im Zu-</span><br/> <span class="ft6">sammenhang mit der Kürzung der Sozialhilfe stellen sich somit</span><br/> <span class="ft6">keine besonderen tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten.</span><br/> <span class="ft6">Soweit der Beschwerdeführer darauf hinweist, er sei nicht deutscher</span><br/> <span class="ft6">Muttersprache, so ergibt sich aus den diversen Eingaben des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers an die Sozialbehörde, das Bezirksamt Brugg und</span><br/> <span class="ft6">das Verwaltungsgericht, dass seine Deutschkenntnisse ausreichen,</span><br/> <span class="ft6">um die Vorwürfe des Stadtrats X. zu verstehen und dazu Stellung zu</span><br/> <span class="ft6">nehmen. Die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters ist</span><br/> <span class="ft6">deshalb nicht notwendig, und die Vorinstanz hat das Gesuch des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers zu Recht abgewiesen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>