B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4663/2012 U r t e i l v o m 8 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. August 2012 / N (…). E-4663/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Tamile hinduistischen Glaubens, verliess sei- nen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 11. Mai 2009 auf dem Luft- weg und reiste nach Kenia. Am 17. Mai 2009 suchte er am Flughafen Zü- rich um Asyl nach. Er wurde daselbst am 21. Mai 2009 zur Person, zu seinen Asylgründen und zum Reiseweg summarisch bef ragt (BzP). Die direkte Bundesanhörung erfolgte am 25. Mai 2009. Zur Begründung seines Asylgesuches brachte der Beschwerdeführer vor, es sei nicht möglich, in Sri Lanka zu leben. Die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) hätten ihn rekrutieren wollen, weshalb er in die Schweiz ge- kommen. Er habe für die Organisa tion (…) und (…) müssen. Im Camp B._______ sei er von Leuten des CID ( Criminal Investigation Depar t- ments) befragt worden. Für die weiteren Aussagen wird auf die Akten und auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. B. Mit Verfügung vom 26. Mai 2009 wurde dem Beschwerdeführer die Ei n- reise in die Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuches bewilligt. C. Das BFM stellte in seiner Verfügung vom 6. August 2012 – eröffnet am 8. August 2012 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht. Es lehnte das Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg; der Kanton C._______ wurde mit dem Vollzug der Wegweisung b e- auftragt. D. Der Beschwerdeführer liess die vorinstanzliche Verfügung durch seine n Rechtsvertreter mit Eingabe vom 7. September 2012 beim Bundesverwal- tungsgericht anfechten. Er beantragte – unter Kosten - und Entschä di- gungsfolge – in materieller Hinsicht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Gewährung von Asyl . E ventualiter sei das Verfahren an das Bundesamt zur ergänzenden Sachverhaltsfeststellung und zum neuen Entscheid zurückzuweisen; subeventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig sei , und das BFM sei anzuwe i- sen, ihm eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. E. Mit Zwischenverfügung des Gerichts vom 12. September 2012 hielt der E-4663/2012 Seite 3 Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde Letzterer aufge- fordert, unter der Androhung des Nichteintretens auf die Beschwerde e i- nen Kostenvorschuss innert Frist einzuzahlen. Dieser wurde in d er Folge fristgerecht überwiesen. F. In seiner Vernehmlassung vom 28. September 2012 hielt das Bundesamt an seiner angefochtenen Verfügung vollumfä nglich fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Über Beschwerden gegen Ver- fügungen, die gestützt auf da s Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) durch das BFM erlassen worden sind, entscheidet das Bu n- desverwaltungsgericht in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet- zung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, die unricht ige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt we r- den (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3. 3.1 Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heima t- staat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt E-4663/2012 Seite 4 ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, L e- ben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psych i- schen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden. Glaubhaft gemacht ist die Flücht lingseigen- schaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wah r- scheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbri n- gen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wide r- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich au f gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründung seines ablehnenden Entscheides aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 Asyl G nicht stand. Er habe sich in zahlreiche Ungereimtheiten verstrickt. Sodann müss ten die Vorbringen vor dem Hintergrund der allgemein angespannten Situation betrachtet werden, welche während des Bürgerkriege s in Sri Lanka geherrscht h a- be. Es treffe zwar zu , dass die sri -lankischen Behörden auch nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen alles daran setzen wü r- den, ein Wiedererstarken der LTTE zu verhindern und deshalb nach wie vor gegen ehemalige Kämpfer und Führungspersönlichkeiten d ieser Or- ganisation vorgehen würden. Der Beschwerdeführer habe allerdings nie geltend gemacht, ein aktives oder sogar führendes Mitglied der LTTE g e- wesen zu sein. Die Folge der Ablehnung des Asylgesuches sei gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Da der Beschwer- deführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, könne auch der Grun d- satz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 AsylG nicht angewandt we r- den. Ferner würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür erg e- ben, dass ihm im Falle ei ner Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtl i- cher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. Novem- ber 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Seit der bewaffnete Konfl ikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den separatistischen LTTE im Mai 2009 zu Ende gegangen sei, befinde E-4663/2012 Seite 5 sich das gesamte Land wieder unter Regierungskontrolle. Die allgemeine Sicherheitslage habe sich seither deutlich verbessert. Der Beschwerd e- führer stamme aus D._______ im Distrikt Jaffna. In Anbetracht der Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei der Vollzug der Wegwe i- sung in den Heimatstaat somit zumutbar, da weder die vor Ort her r- schende Sicherheitslage noch individuelle Gründe gegen e inen Wegwei- sungsvollzug sprechen würden. Er habe den grössten Teil seines Lebens in Sri Lanka verbracht, dort die Schule besucht und als (…) gearbeitet. Er könne sich in seinem Heimatland auf ein familiäres und soziales Bezi e- hungsnetz stützen. 4.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien keineswegs nicht ausreichend glaubhaft ge- macht im Sinne von Art. 7 AsylG. Es sei davon auszugehen, dass er intel- lektuell und zum Teil auch verhaltensmässig etwas zurüc kgeblieben sei. Seine Vorbringen seien daher anders zu gewichten und zu interpretieren, als dies im Normalfall zu geschehen habe. Indem das BFM gleichwohl, obschon aus den eigenen Anmerkungen während den Befragungen das Unvermögen des Beschwerdeführers her vorgehe, den "normalen Sta n- dard" zur Anwendung gebracht habe, habe es seine Vorbringen in una n- gemessener sowie unfairer Weise gewürdigt und demzufolge auch einen falschen und unangemessenen Entscheid gefällt. Abzustellen sei auf die narrativen und bildhaft en Schilderungen des Beschwerdeführers, die u n- ter diesen Umständen als besonders glaubhaft erscheinen würden. So- fern konkrete Angaben gemacht worden seien, seien diese mit äusserster Zurückhaltung zu berücksichtigen. Die Ausführungen des Bundesamtes zur Veränderung der Situation in Sri Lanka würden nur teilweise zutreffen. Es sei zwar richtig, dass der b e- waffnete Konflikt mit der Zerschlagung der LTTE im Mai 2009 zu Ende gegangen sei; an der staatlichen Repression und Verfolgung der tamil i- schen Minderheit h abe sich aber dadurch wenig geändert. Die singhal e- sische Regierung sehe sich in ihrer Machtposition gestärkt und weigere sich, auf die berechtigten Anliegen der tamilischen Minderheit überhaupt einzugehen. Schwere Menschenrechtsverletzungen seien nach wie vor an der Tagesordnung. Das Bundesamt nehme vorliegend zwar zu Recht an, dass eine Rückkehr in das Vanni-Gebiet nicht zumutbar sei. Diese Annahme werde jedoch beim Beschwerdeführer nicht berücksichtigt, obwohl er und seine Ker n- familie seit (…) im Vanni-Gebiet leben würden und dort ihre Existen z-E-4663/2012 Seite 6 grundlage hätten. Es sei zwar richtig, dass er ursprünglich aus D._______ im Jaffna-Distrikt stamme. Mit noch nicht einmal (…) sei er aber mit seinem Vater in das Vanni-Gebiet umgezogen. Die Beziehungen zu D._______ seien abgebrochen , und der Beschwerdeführer verfüge dort über kein Beziehungsnetz mehr. Angesichts der höchst mangelhaften Ausbildung und seiner eingeschränkten intellektuellen Fähigkeiten sei auch die Einschätzung, dass er "dort Schulbildung" genossen ha be, un- zutreffend. 5. 5.1 Von entscheidender Relevanz ist vorliegend die neue Lagebeurteilung des Gerichts, wie sie im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 (vom 27. Oktober 2011) zur Darstellung gelangt. Gemäss diesem Urteil hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts die allgemeine Lage in Sri Lanka erhe b- lich verbessert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich weitgehend stab i- lisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar zu erachten ist (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist gebietsweise sehr unte r- schiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit u n- ter Regierungskontrolle stehen (die Nord provinz unter Ausschluss des Vanni-Gebietes) keine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem ist die polit i- sche Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Für Personen, die aus dem übrigen Staatsgebiet von Sri Lanka (das heisst: die Provinzen North Central, North Western, Central, Wes tern [namentlich: Grossraum C o- lombo], Southern, Sabarugamuwa und die Uva -Provinz) stammen und dorthin zurückkehren, ist der Weg weisungsvollzug grundsätzlich zumu t- bar (vgl. a.a.O. E.13.3). 5.2 Gemäss diesem Grundsatzurteil sind Personen einer erhöhten Ve r- folgungsgefahr ausge setzt, die gewissen Risikogruppen angehören. Zu diesen Risikogruppen gehören namentlich der politischen Opposition ve r- dächtigte Personen, kriti sch auftretende Journalisten und Medienscha f- fende, Menschenrechtsaktivisten und Vertreter regime kritischer Nichtr e- gierungsorganisationen, weiter Personen, die Opfer oder Zeuge schwerer Menschenrechtsverstösse wurden oder diesbe züglich juristische Schri tte einleiten, sowie Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kon takte zu den LTTE unterstellt werden beziehungs weise die über beträchtliche f i- nanzielle Mittel verfügen (vgl. a.a.O. E. 8.1 bis 8.5). E-4663/2012 Seite 7 5.3 Die LTTE sind vernichtend geschlagen worden, und es besteht heute für eine Furcht vor einer Verfolgung durch diese Organisation kein Anlass mehr. Der Beschwerdeführer gehört zu keiner der vorgenannten Risiko- gruppen. Er macht zwar geltend, er habe für die LTTE (…) und (…) müs- sen. Angesichts dieser niedrig profilierten Tätigkeiten ist jedoch nicht d a- von auszugehen, die Sicherheitskräfte, deren Mittel beschränkt sind und wohl nach klaren Prioritäten eingesetzt werden, hätten an ihm aktuell ein Interesse. Er dürfte daher nicht in den Fokus der Sicherheitsbehörden ge- raten, selbst wenn er anlässlich der Einreise vielleicht mit Fragen zu rechnen hat. Demnach ist nicht zu schliessen, der Beschwerdeführer könnte in Zukunft ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG au s- gesetzt sein. Weitergehend und zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die E r- wägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, die mit der Einschätzung des Gerichts im Wesentlichen überei n- stimmen. 5.4 Mit dieser Feststellung erhellt, dass dem Beschwerdeführer nach Auf- fassung des Gerichts vor dem Hintergrund der neuen Lageanalyse im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka keine Verfolgung – von welcher Sei- te auch immer – droht. Damit ergibt sich ohne weiteren Begründungsau f- wand, dass das BFM zutreffend zum Schluss ge langt ist, der Beschwer- deführer habe kei ne asylrelevante Verfolgung glaubhaft ge macht und würde so mit die Flüchtlingseigenschaft im Sinne des Art. 3 AsylG nicht erfüllen. Das Asylgesuch wurde demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder üb er eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässi g, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach E-4663/2012 Seite 8 den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf nahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über d ie Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land ge zwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht linge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfas sung der Schweizeri schen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Fol ter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschli- cher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Der Beschwerdeführer wäre bei einer Rückkehr – wie vorstehend darge- legt – in Sri Lanka keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausg e- setzt. Aus seinen Vorbringen ergeben sich keine konkre ten und gewichti- gen Anhaltspunkte für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge setzt wäre (vgl. aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenr echte [EGMR] etwa die Urteile i.S. Ben said, Rep. 2001-I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Beschwerde Nr. 37201/06, Pa - ra. 124 ff., jeweils mit weiteren Hinweisen). Der V ollzug der Wegweisung ist somit so wohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völker recht- lichen Bestimmungen zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren ( vgl. Botschaft zum Bundesgesetz E-4663/2012 Seite 9 über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.3.1 Der Beschwerdeführer ist eigenen Angaben zufolge in D._______ im Jaffna-Distrikt aufgewachsen, wo er bis (…) gelebt hat. Sein Vater be- sitzt dort einen (…), in welchem der Beschwerdeführer damals gearbeitet hat. Anschliessend zogen sie mit der neuen Partnerin des Vaters und den Halbgeschwistern des Beschwerdeführers nach E._______ in das Vanni- Gebiet. Bis (…) hat er dort (…) gearbeitet. In der Folge hat er oft umzie- hen müssen und lebte in verschiedenen Camps. 7.3.2 Wie vorstehend ausgeführt, ist für Personen, die aus dem Vanni - Gebiet stammen, aufgrund der aktuellen Lage, namentlich der weitg e- hend zerstörten Infrastruktur und der Verminung, der Vollzug der We g- weisung dorthin grundsätzlich unzumutbar. Für die aus diesem Gebiet stammenden Personen ist jedoch zu prüfen, ob eine im Sinne der Rech t- sprechung zumutbare Aufen thaltsalternative existiert. Dies ist bei Vorli e- gen besonders begünstigender Faktoren, insbesondere die Existenz e i- nes tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie die Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation, zu b e- jahen (vgl. a.a.O. E. 13.2.2.3). Der Beschwerdeführer hatte seinen letzten festen Wohnsitz im Vanni - Gebiet. Es ist daher zu prüfen, ob für ihn eine zumutbare Aufenthaltsa l- ternative besteht. Dies ist vorliegen d unter Würdigung der Gesamtu m- stände zu verneinen. Zwar wohnt einer seiner Brüder in F._______, doch ist festzustellen , das s der Beschwerdeführer seit (…) – also seit (…) – nicht mehr dort gelebt und auch einen Grossteil seiner Jugendjahre nicht im Distrikt Jaffna, sondern im Vanni -Gebiet verbracht hat . Weiter ist u n- klar, ob er in dieser langen Zeitspanne überhaupt noch Kontakt zu seinem Bruder gehabt hat. Sodann ist darauf hinzuweisen, dass er sich nun b e- reits seit rund vier Jahren in der Schweiz aufhält und eine Reintegration nicht einfach werden würde , dies nicht zuletzt auch aufgrund seiner eher bescheidenen Ausbildung. 8. Die Beschwerde ist nach dem G esagten bezüglich der Nichtaner ken- nung der Flüchtlingseigenschaft und der Verweigerung des Asyls sowie der Anordnung der Wegweisung abzuweisen; soweit die Anordnung des Wegweisungsvollzugs betreffend, ist die Beschwerde demgegenüber gut- zuheissen. Das BFM ist anzuweisen, den Aufenthalt des Beschwerdefü h-E-4663/2012 Seite 10 rers nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (Art. 83 Abs. 4 AuG). Einer solchen steht auch kein Hind e- rungsgrund im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG entgegen. 9. 9.1 Bei diesem Verfahrensausgang ist die Hälfte der Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 300. –, dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG); der Restbetrag in der Höhe von Fr. 300.– ist ihm zu- rückzuerstatten. 9.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art. 7 Abs. 1 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg ericht [VGKE, SR 173.320.2]). Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdeführer mit seinen Begehren im Sinne eines hälftigen Obsiegens durchgedru n- gen. Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden kann (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten Be- stimmungen und unter Berücksichtigung der massgeblichen Beme s- sungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) wird die von der Vorinstanz auszurich- tende Parteientschädigung demnach von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. (Dispositiv nächste Seite) E-4663/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Besch werde wird teilweise gutgeheissen, indem festgestellt wird, dass der Wegweisungsvollzug unzumutbar ist. Soweit weitergehend, wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Vorinstanz wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzu - nehmen. 3. Die Hälfte der Verfa hrenskosten, ausmachend Fr. 300. –, werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag wird dem geleisteten Kosten- vorschuss entnommen. Der Restbetrag von Fr. 300 .– ist dem Beschwer- deführer zurückzuerstatten. 4. Das BFM hat dem Beschwerdeführer eine Parteien tschädigung in der Höhe von Fr. 600.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und an das Migra- tionsamt des Kantons C._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand: