<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 9 S.53</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">53</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>9</b></span> <span class="ft2"><b>§ 321 Abs. 1 und 3 ZPO.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Novenrecht bezüglich zivilrechtlicher Einwendungen. Auch im Falle einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zivilrechtlichen Einwendung wie Erfüllung, welche als eine Frage der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsanwendung in jeder Instanz von Amtes wegen zu beachten ist,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>müssen die dafür erforderlichen Tatsachen, d.h. tatsächlichen Behaup-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tungen und Beweismittel, wie bei den zivilrechtlichen Einreden rechtzei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tig vorliegen, andernfalls sie vom Novenverbot erfasst werden und die zi-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vilrechtliche Einwendung deshalb nicht geprüft werden kann (Präzisie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rung der Rechtsprechung zu AGVE 1996 Nr. 20 S. 69 ff.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 19. Mai 2004 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Z. F. GmbH gegen C. B.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Gemäss § 321 Abs. 1 ZPO können in der schriftlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung von Appellation und Anschlussappellation sowie in der</span><br/> <span class="ft1">Antwort auf diese neue Angriffs- und Verteidigungsmittel vorge-</span><br/> <span class="ft1">bracht werden, wenn eine Partei dartut, dass sie diese im erstinstanz-</span><br/> <span class="ft1">liche Verfahren nicht mehr hat vorbringen können. Einer Partei, die</span><br/> <span class="ft1">vor erster Instanz säumig war, steht dieses Recht nicht zu (§ 321</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 Satz 1 ZPO).</span><br/> <span class="ft1">Der Beklagte reichte trotz zweimaliger Aufforderung durch den</span><br/> <span class="ft1">Gerichtspräsidenten keine Klageantwort ein, d.h. er blieb vor erster</span><br/> <span class="ft1">Instanz säumig. Ihm steht deshalb das Recht, neue Angriffs- und</span><br/> <span class="ft1">Verteidigungsmittel, d.h. tatsächliche Behauptungen und Bestreitun-</span><br/> <span class="ft1">gen, Beweismittel, Beweisanträge und Beweiseinreden sowie zivil-</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Einreden und Gestaltungsrechte (Bühler, Das Novenrecht</span><br/> <span class="ft1">im neuen Aargauischen Zivilprozessrecht, Zürich 1986, S. 80) im</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahren vorzubringen, nicht zu. Sinngemäss macht er</span><br/> <span class="ft1">mit Appellation (zumindest teilweise) Erfüllung geltend. Dabei han-</span><br/> <span class="ft1">delt es sich um eine zivilrechtliche Einwendung, welche zivilrecht-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">54</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lich die (teilweise) Aufhebung des Anspruchs zur Folge hat, und</span><br/> <span class="ft1">nicht um ein Angriffs- oder Verteidigungsmittel im Sinne des Noven-</span><br/> <span class="ft1">rechts. Eine solche zivilrechtliche Einwendung ist als eine Frage der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsanwendung in jeder Instanz von Amtes wegen zu beachten,</span><br/> <span class="ft1">sofern die dafür erforderlichen Tatsachen vorliegen (Bühler, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 81 ff.). Dies ist indessen nicht der Fall, da der Beklagte die der</span><br/> <span class="ft1">(teilweisen) Erfüllung zu Grunde liegenden tatsächlichen Behaup-</span><br/> <span class="ft1">tungen erstmals mit Appellation vorträgt und die dazu notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Beweismittel, Zahlungsbelege und Quittungen, erstmals mit Appel-</span><br/> <span class="ft1">lation einreicht. Damit aber ist er infolge Säumnis vor Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen, weshalb der Einwendungstatbestand der (teilweisen)</span><br/> <span class="ft1">Erfüllung nicht geprüft werden kann, da die dafür erforderlichen</span><br/> <span class="ft1">Tatsachen nicht vorliegen und eine erneute Prüfung des Sachverhalts</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf die neuen Belege vor Obergericht nicht zulässig ist, zu-</span><br/> <span class="ft1">mal es sich dabei um unechte Noven, d.h. um solche handelt, die sich</span><br/> <span class="ft1">bereits vor Eröffnung des erstinstanzlichen Entscheids verwirklicht</span><br/> <span class="ft1">haben und dem Beklagten auch bereits bekannt waren (Bühler,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 93).</span><br/> <span class="ft1">Die damalige 2. und heutige 4. Zivilkammer des Obergerichts</span><br/> <span class="ft1">hat in publizierter Rechtsprechung (AGVE 1996 Nr. 20 S. 69 ff.)</span><br/> <span class="ft1">bisher anders entschieden und den Einwendungstatbestand der Til-</span><br/> <span class="ft1">gung im Rechtsöffnungsverfahren beachtet, auch wenn er sich auf</span><br/> <span class="ft1">Tatsachenbehauptungen und Beweismittel stützte, die bereits vor</span><br/> <span class="ft1">erster Instanz hätten vorgebracht werden können, aber erst in zweiter</span><br/> <span class="ft1">Instanz vorgebracht wurden. Daran kann jedoch nicht festgehalten</span><br/> <span class="ft1">werden, da zwar der Einwendungstatbestand der Erfüllung als eine</span><br/> <span class="ft1">Frage der Rechtsanwendung jederzeit geltend gemacht werden kann</span><br/> <span class="ft1">und von Amtes wegen zu beachten ist, die dazu notwendigen Tatsa-</span><br/> <span class="ft1">chenbehauptungen und Beweismittel aber rechtzeitig vorliegen müs-</span><br/> <span class="ft1">sen. Mit anderen Worten gilt bezüglich der Tatsachenbehauptungen</span><br/> <span class="ft1">und Beweismittel nichts anderes als bei den zivilrechtlichen Einre-</span><br/> <span class="ft1">den, sie müssen rechtzeitig vorliegen, andernfalls sie vom Novenver-</span><br/> <span class="ft1">bot erfasst werden (vgl. dazu auch Bühler/Edelmann/Killer, Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, Aarau/Frankfurt am</span><br/> <span class="ft1">Main/Salzburg 1998, N 5 zu § 183 mit Hinweisen).</span><br/></div> </div> </body> </html>