A bteilung III C -2656/2007 {T 0/2} U rte il v o m 4 . S e p te m b e r 2 0 0 7 R ichter Andreas Trom m er (Vorsitz), R ichter Blaise Vuille, R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident), G erichtsschreiber Philipp M äder. D ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Einreisebew illigung für V._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l B esetzung P arteien G egenstandC -2656/2007 Sachverhalt: A . D ie 1978 im Kosovo geborene V._______ (nachfolgend: G esuchstelle- rin) beantragte am 30. Januar 2007 beim Schw eizerischen Verbin- dungsbüro in Pristina ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsauf- enthalt bei ihrem B ruder D ._______ (nachfolgend: G astgeber bzw . Be- schw erdeführer) in W il (SG ). N ach form loser Verw eigerung leitete die Schw eizerische Vertretung das G esuch an das BFM (nachfolgend: Vor- instanz) zur Prüfung und zum form ellen Entscheid w eiter. B . N achdem das Ausländeram t des Kantons St. G allen beim G astgeber ergänzende Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G e- such um Bew illigung der Einreise m it Verfügung vom 28. M ärz 2007 ab. D ies m it der Begründung, es bestehe nicht genügend G ew ähr für eine anstandslose und fristgerechte W iederausreise der G esuchstelle- rin nach einem Besuchsaufenthalt. C . Am 13. April 2007 erhob der G astgeber Beschw erde und beantragte sinngem äss, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und das Vi- sum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt sei zu erteilen. Zur Begründung m acht er im W esentlichen geltend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, dass die W iederausreise der G esuchstellerin nicht gew ährleistet w äre. Sow ohl er als auch die G esuchstellerin garantier- ten für eine fristgerechte R ückreise. D . In ihrer Vernehm lassung vom 10. Juli 2007 hält die Vorinstanz an der angefochtenen Verfügung fest und schliesst auf Abw eisung der Be- schw erde. E. D er Beschw erdeführer replizierte m it Eingabe vom 14. August 2007. D ie G esuchstellerin sei (entgegen den Feststellungen der Vorinstanz in ihrer Vernehm lassung) nicht ledig und arbeitslos, sondern verlobt und arbeite seit zw ei Jahren als Verkäuferin. D em Schreiben legte der Beschw erdeführer einen Arbeitsvertrag inkl. Ü bersetzung bei. S eite 2C -2656/2007 F. Auf den w eiteren Akteninhalt und die Vorbringen der Parteien w ird, so- w eit rechtserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreise- bew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsge- richt (A rt. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Auf- enthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . A rt. 31 und A rt. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 G em äss A rt. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundes- verw altungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Ver- w altungsgerichtsgesetz nichts anderes bestim m t. 1.3 D as Bundesverw altungsgericht entscheidet in der Sache endgültig (A rt. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . A rt. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 2. D er Beschw erdeführer ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (A rt. 20 Abs. 2 AN AG , A rt. 48 ff. Vw VG ). 3. 3.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen Anspruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vor- behältlich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Be- w illigungsbehörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres E rm essens zu fällen (A rt. 4 und A rt. 16 Abs. 1 AN AG , A rt. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerin- nen und Ausländern [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin A rnold (H rsg.), Ausländerrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, P rivatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der S eite 3C -2656/2007 Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel/G enf/M ünchen 2000, S. 24). 3.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz einen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund beson- derer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (vgl. A rt. 1 bis 5 VEA). D ie G esuchstellerin kann sich auf keine Ausnahm erege- lung berufen; sie ist aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit visum spflichtig. 3.3 U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in A rt. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. G e- m äss A rt. 1 Abs. 2 Bst. c VEA haben sie unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten. D ie Vorinstanz verw eiger- te der G esuchstellerin die E rteilung eines solchen Visum s m it der Be- gründung, ihre fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinrei- chend gesichert. 3.4 3.4.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausreise erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einrei- segesuchen von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irtschaftlich vergleichsw eise ungünstigen Ver- hältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die per- sönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 3.4.2 D ie Sicherheitslage in der von der U N M IK verw alteten Provinz Kosovo konnte zw ar im Verlauf der letzten Jahre w eitgehend stabili- siert w erden und der W iederaufbau von Adm inistration und Infrastruk- tur ist unter Beteiligung internationaler O rganisationen und Staatenge- m einschaften in G ang gekom m en. Trotz grosser internationaler U nter- stützung ist es aber bisher nicht gelungen, eine W achstum sdynam ik einzuleiten; es herrscht w irtschaftliche Stagnation und die Arbeitslosig- keit bleibt hartnäckig hoch. So sind m ehr als die H älfte der Erw erbsfä- higen ohne oder zum indest ohne regelm ässiges Einkom m en. D ie R e- duktion der Arbeitslosigkeit und die Erhöhung des allgem einen Le- S eite 4C -2656/2007 bensstandards haben zw ar für die U N M IK hohe Priorität, doch in An- betracht dessen, dass von Experten für die nächsten Jahre ein m assi- ver R ückgang bei den H ilfsgeldern erw artet w ird, sind auch die w irt- schaftlichen Perspektiven zum indest m ittelfristig schlecht. G em äss W orld Bank Brief lag der A rm utsanteil der Bevölkerung im Kosovo im Jahr 2005 bereits bei 37% (Tendenz steigend). Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die versuchen, ins Ausland zu gelangen, um sich un- ter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz sichern zu können. Laut der "International O rganization for M igration" (IO M ) sol- len in einer zu Beginn des Jahres 2003 durchgeführten U m frage über 50% der Befragten angegeben haben, sie w ürden lieber im Ausland le- ben und arbeiten. U nter den M igrationsw illigen gilt vor allem W esteuro- pa und dam it auch die Schw eiz als W unschdestination. D er Trend zur Auswanderung zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Freunden bereits ein m i- nim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland besteht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim m ungen. 3.5 3.5.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solche allgem einen U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuch- steller bzw. einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflich- tungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könn- ten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das R isiko eines frem den- polizeilich nicht vorschriftsgem ässen Verhaltens (nach bew illigter Ein- reise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 3.5.2 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine 29-jährige, ledi- ge und kinderlose Frau. Ü ber ihre persönliche und fam iliäre Situation (Verw andtschaft, W ohnverhältnisse usw .) ist w eiter nichts bekannt. Erst m it seiner R eplik brachte der Beschw erdeführer vor, die G esuchstelle- rin sei verlobt und w erde im Januar 2008 in ihrem H eim atort heiraten. Inw iefern eine solche geplante H eirat von einer allfälligen Em igration abhalten sollte, w ird nicht erörtert. M angels irgendw elcher Aufschlüsse S eite 5C -2656/2007 zur Person des künftigen Ehepartners und dessen sozialem U m feld lässt sich auch nicht abschätzen, w elche Ausw irkungen auf die kon- krete Lebensgestaltung m it der H eirat zu erw arten sind. Solche Auf- schlüsse erw eisen sich aber als w ichtig, zeigt doch die Erfahrung, dass zurückbleibende Angehörige gerade in Situationen angespannter w irtschaftlicher Verhältnisse nicht verlässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Em igration zu fällen. Im G egenteil, der Ent- scheid kann dort von der H offnung getragen sein, die Angehörigen aus dem Ausland effizienter unterstützen und allenfalls später nachziehen zu können. Alles in allem ist aufgrund der vorhandenen Akten nicht da- von auszugehen, dass der Eingeladenen im H eim atland besondere persönliche oder fam iliäre Verpflichtungen obliegen, die sie ernsthaft von einer Em igration abzuhalten verm öchten. 3.5.3 G rosse U nklarheiten bestehen hinsichtlich der beruflichen und dam it auch der w irtschaftlichen Verhältnisse, in denen die G esuchstel- lerin lebt. Im Visum santrag vom 30. Januar 2007 deklarierte sie selbst unter der R ubrik "Berufliche Tätigkeit", sie arbeite nicht ("no job"). D ies bestätigte der Beschw erdeführer gegenüber den kantonalen Behörden im R ahm en der w eiteren Abklärungen, indem er in seiner Antw ort vom 15. M ärz 2007 auf eine entsprechende Frage handschriftlich festhielt, die G esuchstellerin habe keine Stelle und der Arbeitsm arkt im Kosovo sei nicht gut. An anderer Stelle im gleichen D okum ent verm erkte der Beschw erdeführer, die G esuchstellerin w erde nach ihrer R ückkehr in den Kosovo dort w eiter eine Stelle suchen. Auf die Feststellung der Vorinstanz in ihrer Vernehm lassung, w onach die G esuchstellerin ar- beitslos sei, replizierte der Beschw erdeführer nun insofern, als er be- hauptete, sie arbeite seit zw ei Jahren als Verkäuferin. D er Arbeitsver- trag w erde jährlich erneuert und die G esuchstellerin bekom m e für ih- ren Besuch unbezahlte Ferien. D er Beschw erdeführer edierte einen of- fenbar am 1. M ai 2007 ausgestellten, ab diesem D atum bis zum 30. April 2008 befristeten Arbeitsvertrag einer Firm a in Prizren. D ass das Arbeitsverhältnis schon vor dem 1. M ai 2007 bestanden hätte, er- gibt sich aus dem eingereichten Vertrag nicht. Ebenfalls nicht belegt ist die behauptete Absprache m it der Arbeitgeberin betreffend den unbe- zahlten U rlaub. Bei dieser Sachlage m uss offenbleiben, ob die G e- suchstellerin tatsächlich in der Zw ischenzeit eine Arbeitsstelle ange- treten hat oder der edierte Vertrag nicht vielm ehr einer G efälligkeit ent- spricht. Sicher ist, dass es keine Belege für die Behauptung gibt, w o- nach das Arbeitsverhältnis schon seit m ehreren Jahren bestehe. Vor dem aufgezeigten H intergrund kann jedenfalls nicht davon ausgegan- S eite 6C -2656/2007 gen w erden, die G esuchstellerin befinde sich in beruflicher H insicht in stabilen, gefestigten Verhältnissen, w elche besondere G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise nach dem angestreb- ten Besuchsaufenthalt bieten könnten. 3.5.4 Alles in allem sind in den Verhältnissen der G esuchstellerin kei- ne U m stände auszum achen, die geeignet w ären, von einer Em igration abzuhalten. 3.5.5 D er Beschw erdeführer hat sich dazu bereit erklärt, für die Le- bensunterhaltskosten der G esuchstellerin w ährend ihres geplanten Besuchsaufenthaltes aufzukom m en. W eiter w ill er für ihre anstandslo- se und fristgerechte R ückkehr ins H eim atland garantieren. D ie Integri- tät des Beschw erdeführers in seiner Eigenschaft als G astgeber w ird in keiner A rt und W eise in Zw eifel gezogen. Indessen sind bei der Abw ä- gung des R isikos einer nicht fristgerechten W iederausreise nicht so sehr die Einstellung oder Absichten des G astgebers, sondern in erster Linie das m ögliche Verhalten des G astes selbst von Bedeutung. N ur Letzterer ist in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise zu bieten. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken G arantie leisten, nicht aber - m angels rechtlicher und faktischer D urchsetzbarkeit - für ein bestim m tes Verhal- ten des G astes. 3.6 G estützt auf vorstehende Erw ägungen durfte die Vorinstanz davon ausgehen, die fristgerechte W iederausreise sei nicht gew ährleistet (vgl. A rt. 14 Abs. 1 i.V.m . A rt. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). Zw ar lässt sich die- se Prognose nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten, sie reicht aber aus, um die E rteilung einer Einreisebew illigung - auf w el- che w ie bereits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht - abzu- lehnen. D araus folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und voll- ständig festgestellt und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Erm es- sen pflichtgem äss und zutreffend ausgeübt (A rt. 49 Vw VG ). D ie Be- schw erde ist daher abzuw eisen. 4. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschw erdefüh- rer die Kosten aufzuerlegen (A rt. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (A rt. 1, A rt. 2 und A rt. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). S eite 7C -2656/2007 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer auferlegt. Sie w erden m it dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.- verrechnet. 3. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer (Einschreiben) - die Vorinstanz (Akten 2 279 691 retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf Philipp M äder Versand: S eite 8