B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1278/2021 U r t e i l v o m 2 8 . A p r i l 2 0 2 1 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Sara Steiner. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 10. Februar 2021 / N (…). D-1278/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – gemischt singhalesischer und tamilischer Ethnie – verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am 24. Oktober 2015 und gelangte über die Vereinigten Arabischen Emirate und weitere ihm unbe- kannte Länder am 26. Oktober 2015 in die Schweiz, wo er am 29. Oktober 2015 ein Asylgesuch stellte. Am 10. November 2015 wurde er summarisch befragt und am 22. September 2016 einlässlich angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs gab er im Wesentlichen an, er habe von einem Soldaten ein (…) mit Aufnahmen von der letzten Kriegsphase erhalten und dieses an einen Freund seines Bruders weitergegeben. Er wisse nicht, was dieser mit dem (…) gemacht habe. Nachdem wahrschein- lich der Soldat beziehungsweise der Freund ihn verraten habe, sei auch er am (…) 2015 von Angehörigen der Terrorist Investigation Division (TID) verhaftet worden. Sie hätten ihn fotografiert, daktyloskopiert, verhört und einmal auch geohrfeigt. Weil die (…), deren Vorsitzender er gewesen sei, für ihn gebürgt habe, sei er wieder freigelassen worden. Zwei Tage später sei er für den (…) 2015 für eine Befragung in Colombo aufgeboten worden, woraufhin er das Land verlassen habe. Nach seiner Ausreise sei ihm ein Haftbefehl datiert auf den (…) 2015 zugestellt und seine Mutter nach ihm befragt worden. Er sei nicht Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen. Im Jahre 2006 habe er aber während ein bis zwei Monaten zwei bis fünf Mal für diese als Wache ar beiten müssen, als ihr Dorf von der sri -lanki- schen Armee umzingelt worden sei. Zudem hätten zwei Familienmitglieder wichtige Positionen in der Organisation gehabt. Diesen habe er geholfen, indem er ab dem Jahr 2003 Briefe auf Singhalesisch geschrieben und im Jahr 2006 (…) weitergegeben habe. Im Jahre 2007 sei er drei Tage als Terrorverdächtiger in Haft genommen worden. Danach sei er einem Richter vorgeführt und wieder entlassen worden. Bei der Rückübersetzung der Anhörung, welche aus Zeitgründen (Wohn- sitz des Beschwerdeführers im B._______) am 7. Oktober 2016 stattgefun- den hat, änderte der Beschwerdeführer seine Vorbringen in Bezug auf die Weitergabe der (…) in grundsätzlicher Weise und gab an, er habe solche (…) von Kriegshandlungen schon mehrere Male verkauft. Das sei ein Ge- schäft unter den Armeeobersten. Er erhalte das (…), verkaufe es, eine Per- son hole es ab, er (der Beschwerdeführer) zahle den Betrag auf ein Konto D-1278/2021 Seite 3 ein und erhalte 20% für sich. An der Anhörung habe er dies nicht so ange- geben, weil er von seinen Landsleuten vor einem bestimmten Übersetzer des SEM gewarnt worden sei. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er unter anderem Bestätigungen der Human Rights Commission und der Polizei bezüglich der Verhaftung vom (…) 2007, ein Gerichtsdokument vom (…) 2007, einen Haftbefehl vom (…) 2015 (wegen Nichterscheinens vor Gericht), Bestätigungen von (…) vom (…) 2007 sowie vom (…) 2015 und eine Quittung vom Polizeiposten vom (…) 2015 für die Beantragung eines Anzeigeberichts zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 9. November 2018 lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an. Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM im Wesentlichen fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. So habe er sich bezüglich der Anzahl Personen, welche ihn festgenommen hätten, und des Entlassungszeitpunktes widersprochen. Insbesondere habe er sich aber in Bezug auf die Ereignisse im Zusammenhang mit der Weitergabe der (…) in evidenter Weise widersproche n. Vor diesem Hintergrund enthalte sich das SEM einer Würdigung der eingereichten Beweismittel, zumal es sich dabei vorwiegend um Fotokopien und Dokumente ohne Beweiswert handle. C. Mit Eingabe vom 19. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer – han- delnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde. D. Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -7209/2018 vom 27. Februar 2019 wurde die Beschwerde gutgeheissen und die Sache zur Neubeurtei- lung ans SEM zurückgewiesen. Zur Begründung wurde festgehalten, der Sachverhalt sei anlässlich der Rückübersetzung stark abgeändert worden. Derartige Veränderungen des Sachverhalts auf der Ebene der Rückübersetzung, welche zudem stark verzögert nach der Anhörung stattgefunden habe, handschriftlich im Pro- tokoll einzufügen, entspreche nicht einer richtigen und vollständigen Fest- stellung des Sachverhaltes. Vor diesem Hintergrund wäre das SEM gehal- ten gewesen, den Beschwerdeführer erneut zu befragen. Zudem habe das D-1278/2021 Seite 4 SEM das rechtliche Gehör verletzt, indem es keine Risikoeinschätzung ge- mäss der Rechtsprechung im Referenzurteil des Bundesverwaltungsge- richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 vorgenommen habe. E. Am 17. September 2019 wurde der Beschwerdeführer erneut angehört. Das SEM erläuterte dabei, dass die erste Anhörung vom Bundesverwal- tungsgericht für ungültig erklärt worden sei und die Anhörung deshalb wie- derholt werden müsse. Zur Begründung seines Asylgesuches gab der Beschwerdeführer im We- sentlichen an, er sei im Jahr 2007 oder 2008 verh aftet worden. Nachdem er freigelassen worden sei, habe er das Land verlassen und sei im Jahr 2010 oder 2011 wieder zurückgekehrt. Nach seiner Rückkehr sei er über- wacht worden. Am (…) 2015 sei er erneut verhaftet worden. Sie hätten ein Dossier über ihn vorbereitet gehabt. Ihm sei vorgeworfen worden, dass er Menschen aus dem Rehabilitationscamp gerettet und sich für die LTTE en- gagiert habe. Durch die Hilfe der (…) sei er aus der Haft entlassen worden. Zu seinem Engagement für die LTTE gab er an, er habe diesen (…) gege- ben. Er habe Übersetzungsdienste geleistet, seinem (…), welcher bei den LTTE gewesen sei, aus dem Rehabilitationscamp geholfen und (…) über die letzten Kriegstage verkauft. Zwei (…) seiner Mutter hätten hohe Positi- onen bei den LTTE bekleidet. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er unter anderem diverse Fotogra- fien zum Beweis seiner familiären LTTE-Verbindungen und Dokumente zu seinen exilpolitischen Aktivitäten (Teilnahme Cricket-Match) zu den Akten. F. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2019 lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut ab und ordnete die Wegweisung sowie den Voll- zug an. G. Mit Eingabe vom 6. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. H. Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6466/2019 vom 4. Dezember 2020 wurde die Beschwerde gutgeheissen und die Sache wiederum zur Neubeurteilung ans SEM zurückgewiesen. D-1278/2021 Seite 5 Zur Begründung wurde festgehalten, das SEM habe den Sachverhalt nicht vollständig festgestellt und das rechtliche Gehör verletzt. Dabei wurde aus- geführt, entgegen der Ansicht des SEM sei die Anhörung vom 22. Septem- ber 2016 mit Urteil D -7209/2018 nicht aus dem Recht gewiesen worden. Der Sachverhalt sei demnach unter Verwendung des entsprechenden Pro- tokolls vollständig festzustellen. Weiter habe das SEM die Begründungs- pflicht verletzt, indem es wiederum keine Risikoanalyse gemäss Referenz- urteil E-1866/2015 vorgenommen habe. I. Mit Verfügung vom 10. Februar 2021 – eröffnet am 18. Februar 2021 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an. J. Mit Eingabe vom 22. März 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen die- sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Dabei beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, weil der Anspruch auf rechtliches Gehör (I., Ziff. 2) beziehungsweise eventualiter die Begrün- dungspflicht (I., Ziff. 3) verletzt sowie der Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden sei (I., Ziff. 4). Ebenfalls eventualiter sei seine Flücht- lingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren (I., Ziff. 5). Subeventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, und es sei ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren (I., Ziff. 6). In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er das Bundesverwaltungsge- richt habe nach dem Eingang der Beschwerde unverzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung der Sache betraut seien und gleichzeitig bekanntzugeben, ob diese tatsächlich zufällig ausgewählt wor- den seien und andernfalls die objektiven Kriterien bekanntzugeben, nach denen diese Ge richtspersonen ausgewählt worden seien . Dazu sei ihm Einsicht in die Datei der Software des Bundesverwaltungsgerichts zu ge- währen, mit welcher diese Auswahl nach Eingang der Beschwerde kreiert worden sei, und es sei offenzulegen, wer diese Auswahl getroffen habe (I., Ziff. 1). D-1278/2021 Seite 6 K. Mit Schreiben vom 23. März 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist – unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten. 2. Im Zusammenhang mit der Spruchkörperbildung beantragt der Beschwer- deführer, dass Auskunft darüber zu erteilen sei, ob in den Automatismus der Spruchkörperbildung eingegriffen wurde. Die automatisierte Ge- schäftsverteilung und Verfahrensabwicklung am Bundesv erwaltungsge- richt betreffen gerichtsinterne Arbeitsschritte. Diesbezüglich ist auf die gel- tende Praxis (Teilurteil des BVGer D -1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3) und die betreffenden Bestimmungen des Geschäftsreglements vom D-1278/2021 Seite 7 17. April 2008 für das Bundesverwaltungsgericht (VGR; SR. 173.320.1) zu verweisen. Auf diesen Antrag ist daher nicht einzutreten. Bei dieser Aus- gangslage ist auch auf den weiteren Teilantrag, im Falle eines Eingriffs die objektiven Kriterien bekannt zu geben, nicht einzutreten (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E -2110/2020 vom 11. Juni 2020 E. 2). Soweit darüber hinaus um Einsicht in die Softwaredatei des BVGer ersucht wird und um Bekanntgabe der Person, die diese Auswahl getroffen hat, ist auf diese Anträge ebenfalls nicht einzutreten, da diese Auskunftsersuchen in engem Zusammenhang mit den vorstehend erwähnten Anträgen stehen bezie- hungsweise deren vorgängige Behandlung bedingen (vgl. Urteil des BVGer E-3931/2020 vom 22. März 2021 E. 3). 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. In der Beschwerdeschrift werden der Vorinstanz Verletzungen des rechtli- chen Gehörs, der Begründungspflicht sowie eine unvollständige und un- richtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts vorgeworfen. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könn- ten, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 5.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1. m.w.H.). Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezogenes Mit- wirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, D-1278/2021 Seite 8 dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksich- tigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 m.w.H.). 5.2 In der Beschwerde wird gerügt, trotz zweimaliger Kassation habe das SEM die entsprechenden Anweisungen des Bundesverwaltungsgerichts wiederum nicht umgesetzt und einen Entscheid erlassen, welcher gross- mehrheitlich eine Kopie der vergangenen Entscheide darstelle. Eine voll- ständige Sachverhaltsabklärung, eine saubere Glaubhaftigkeitsprüfung oder eine wenigstens rudimentäre Auseinandersetzung mit den Risikofak- toren fehle. Der Entscheid müsse deshalb aufgehoben werden. Es werde zudem erneut darum ersucht, disziplinarische Massnahmen gegenüber den verantwortlichen Angestellten zu prüfen. Aufgrund der unhaltbaren Si- tuation sei vom Rechtsvertreter ein Schreiben an den Staatssekretär des SEM verfasst worden, welches vom Leiter des zuständigen Verfahrens - zentrums des SEM in einem seltsamen Rechtfertigungsversuch beantwor- tet worden sei. Weiter habe das SEM den Gesundheitszustand des Be- schwerdeführers trotz Hinweisen auf psychische Beschwerden nicht abge- klärt und den grossen zeitlichen Abstand zwischen der Befragung und der erneuten Anhörung nicht berücksichtigt. Schliesslich sei der Entscheid nicht durch die gleiche Person gefällt worden, welche die Anhörung durch- geführt habe. 5.3 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde handelt es sich bei der neusten Verfügung des SEM nicht um eine Kopie der vergangenen Verfü- gungen. Vielmehr hat das SEM nunmehr den Sachverhalt, wie im Urteil D- 6466/2019 gefordert, unter Verwendung des Protokolls der ersten Anhö- rung vom September 2016 sowie auch des Protokolls der erneuten Anhö- rung vom September 2019, in welchem auch die nachträglich anlässlich der Rückübersetzung der ersten Anhör ung handschriftlich eingefügten Sachverhaltselemente abgedeckt wurden, vollständig erstellt. Auch die Be- gründungspflicht ist vorliegend nicht als verletzt zu erachten. Zwar hat das SEM keine explizite Risikoanalyse im Sinne des Referenzurteils unter Ver- wendung entsprechender Textbausteine vorgenommen. In diesem Zusam- menhang hat es aber ausgeführt, die entsprechenden Vorbringen des Be- schwerdeführers seien nicht glaubhaft (Verwandte bei den LTTE, Rolle bei der […]) beziehungsweise hätten sich bereits vor seiner ersten Ausreise im Jahr 2007 ereignet , wobei er im Anschluss problemlos wieder nach Sri Lanka habe einreisen können (Haft im Jahr 2007) . Damit hat es die we-D-1278/2021 Seite 9 sentlichen Aspekte zumindest implizit einer Risikofaktorenprüfung unterzo- gen und überdies bei der Prüfung der Zulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs in der Folge festgestellt, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bestehe kein Risiko einer unmenschlichen Behandlung gemäss Art. 3 EMRK. Vor diesem Hintergrund würde eine erneute Kassation zu einem prozessualen Leerlauf führen und ist deshalb abzulehnen. Der Antrag um disziplinarische Massnahmen wurde mit Urteil D -6466/2019 abgehandelt, weshalb vorlie- gend nicht weiter darauf eingegangen wird. 5.4 Nach dem Gesagten ist auch eine erneute Anhörung des Beschwerde- führers zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes nicht not- wendig. Der Gesundheitszustand scheint ebenfalls rechtsgenüglich festge- stellt, zumal in den Beschwerden, abgesehen von den zuweilen unklaren Aussagen des Beschwerdeführers insbesondere an der zweiten Anhörung, diesbezüglich nichts Wesentliches geltend gemacht wird. Eine Abklärung des Gesundheitszustandes von Amtes wegen ist mit Verweis auf die Mit- wirkungspflicht des Beschwerdeführers abzulehnen. Die entsprechenden Beweisanträge sind somit abzuweisen. 5.5 Weiter wird in der Beschwerde d er lange zeitliche Abstand zwischen der Befragung und der Anhörung moniert, welche erst vier Jahre später stattgefunden habe, wobei dem Beschwerdeführer trotzdem Widersprüche vorgeworfen worden seien. Hierzu gilt es z unächst darauf hinzuweisen, dass die erste Anhörung nicht einmal ein Jahr nach der Befragung und die zweite Anhörung – begründet durch die Kassation – drei Jahre nach der ersten stattgefunden hat. Zudem hat das SEM nur diametrale Widersprü- che zwischen den Aussagen des Beschwerdeführers verwendet. Ein relativ kurzer Zeitraum zwischen der Befragung und der Anhörung ist zwar durch- aus wünschenswert. Es gibt aber keine zwingende, mit Rechtsfolgen ver- sehene gesetzliche Verpflichtung des SEM hierzu. Das Gleiche gilt für die Durchführung der Anhörung durch dieselbe Person, die über das Asylge- such befindet. Überdies ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdefüh- rer auch nicht substantiiert dargelegt, inwiefern ihm aus der Behandlung seines Falles durch verschiedene Personen ein konkreter Nachteil entstan- den sein soll. 5.6 Nach dem Gesagten ist der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzuweisen. D-1278/2021 Seite 10 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM im Wesentlichen fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. So habe er an der Befragung angegeben, er sei im Jahr 2015 einzig aufgrund eines (…) verhaftet worden, das er von einem befreundeten Soldaten , welcher später verhaftet worden sei, erhalten und an einen Freund seines Bruders weitergegeben habe. Dabei habe er, abgesehen von kurzen Wachdiensten im Jahr 2006 und zwei (…) in den Reihen der LTTE, welche er aber nicht mit seiner Person in Verbindung gebracht habe, jegliche Verbindung zu den LTTE verneint. An den beiden Anhörungen habe er das hingegen ganz an- ders dargestellt und ausgeführt, dass die Verhaftung mit der Befreiung von Personen aus den Rehabilitationscamps und der Weitergabe von (…) an die LTTE, auf welchen diese in der Folge ein Attentat verübt hätten, in Zu- sammenhang gestanden habe. Seine Erklärungsversuche, wonach er kein Vertrauen in die Schweizer Behörden gehabt habe beziehungsweise die entsprechenden Aussagen an der Befragung n icht gemacht habe, ver- möchten angesichts seiner Mitwirkungspflicht nicht zu überzeugen. Weiter habe er die Ereignisse betreffend den Erhalt und die W eitergabe der (…) an den beiden Anhörungen ganz anders geschildert und sich betreffend der Anzahl und des Inhalts der (…) widersprochen. An der ersten Anhörung habe er lediglich von einem (…) gesprochen, an der zweiten Anhörung hin- gegen angegeben, die (…) als Vermittler gegen Kommission verkauft zu D-1278/2021 Seite 11 haben. Zudem habe er an der ersten Anhörung angegeben, er habe zufäl- ligerweise ein Telefon mit diesen (...) gefunden und sie an einen Freund weitergegeben. Anlässlich der Rückübersetzung (recte: später an der An- hörung) habe er die Darstellung der Ereignisse aber komplett geändert und ausgesagt, er habe von einem Soldaten eine Speicherkarte mit den (...) erhalten. Weil er aber auf wiederholtes Nachfragen dessen Motivation nicht habe erklären können, habe er seine Darstellung anlässlich der Rücküber- setzung geändert. Auch die Angaben zur Person, an die er die (...) weiter- gegeben haben wolle, würden nicht übereinstimmen. So habe er an der Befragung gesagt, es sei ein Freund seines Bruders gewesen, während er an der zweiten Anhörung von einer Person gesprochen habe, die er über eine andere Person kennengelernt habe. Überdies habe er gemäss seinen Angaben an der Befragung gar keinen Bruder und habe in Bezug auf diese Person an einem gewissen Punkt von einem Cousin gesprochen, um ihn später wieder Bruder zu nennen. Seine Vorbringen anlässlich der Rück- übersetzung der ersten Anhörung seien so einfallsreich und weit entfernt von dem, was er an der ersten Anhörung selber gesagt habe, dass er sogar behauptet habe, einen anderen Namen gehabt zu haben, ohne dies aber mit entsprechenden Identitätspapieren zu belegen . Es entstehe der Ein- druck, dass er diese Version erfunden habe. Er sei aber wiederholt auf die Konsequenzen von unwahren Angaben und die Verschwiegenheitspflicht des SEM hingewiesen worden, weshalb sein Misstrauen gegenüber dem Dolmetscher nicht zu überzeugen vermöge. Schliesslich habe er an der Befragung behauptet, der Soldat, welcher ihm das (...) übergeben habe, sei verhaftet worden, während er später behauptet habe, von diesem nie wieder etwas gehört zu haben. Seine Erzählungen seien so voll von Wi- dersprüchen und vagen Aussagen, dass ihm weder die Gründe für seine Verhaftung noch seine Tätigkeiten für die LTTE geglaubt werden könnten noch, dass die Behörden davon Kenntnis gehabt hätten. Weiter habe de r Beschwerdeführer vage und widersprüchliche Angaben zur Fluchthilfe aus dem Rehabilitationscamp gemacht. Wie erwähnt, habe er einerseits an der Befragung behauptet, keine Verbindungen zu den LTTE gehabt zu haben, und auch diese Fluchthilfe nicht erwähnt. Anderer- seits habe er an der zweiten Anhörung widersprüchliche Angaben dazu ge- macht, ob er nur seinen (…) oder auch weitere Personen befreit habe. Ebenfalls widersprüchliche Angaben habe er zum Zeitpunkt gemacht, an dem er von der angeblich erfolgten Überwachung erfahren habe. An der zweiten Anhörung habe er z unächst behauptet, dies erst anlässlich der Festnahme bemerkt zu haben, während er später angegeben habe, hö- here Militärangehörige hätten ihn bereits zuvor gewarnt. Auch habe er sich D-1278/2021 Seite 12 bezüglich des Zeitraums seiner Rückkehr im Jahr 2011/2012 nach seinem Auslandaufenthalt bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2015 widersprochen. So habe er an der Befragung behauptet, keine Probleme gehabt zu haben, während er an der zweiten Anhörung Probleme erwähnt habe, auf Nach- frage dazu aber wirre und ausweichende Antworten gegeben habe. Zu seiner Verhaftung und den Räumlichkeiten der Inhaftierung habe er nicht einmal die grundlegendsten Details nennen können und trotz wieder- holtem Nachfragen stereotype, wirre, repetitive und auch widersprüchliche Antworten gegeben. Auch zu den Motiven des TID für seine Freilassung habe er widersprüchliche Aussagen gemacht. Das Gleiche gelte für die da- rauffolgenden Tage, welche er zudem konfus und wenig detailliert be- schrieben habe, wobei auch nicht nachvollziehbar sei, dass er trotz der Todesdrohungen noch einige Tage dortgeblieben sei. Überdies bestünden auch in Bezug auf die Verbindung zu den zwei (...), welche Mitglieder der LTTE gewesen seien, erhebliche Zweifel. An der Be- fragung habe er zwar erwähnt, dass er zwei (...) mütterlicherseits bei den LTTE habe. An der ersten Anhörung habe er ausgesagt, dass er die LTTE nicht möge, aber zwei entfernte (...) der Mutter in den Reihen dieser Orga- nisation habe, welche ihn unter Druck geset zt hätten, ihnen zu helfen. Zu deren Namen habe er ungenaue Angaben gemacht. Bei der zweiten Anhö- rung habe er hingegen geltend gemacht, dies seien zwei direkte (...) seiner Mutter und auch sein (...) sei bei den LTTE gewesen. Diese Versionen seien nicht miteinander in Einklang zu bringen. Nachdem er zuerst ange- geben habe, keine Verbindungen zu den LTTE zu haben, versuche er nach und nach diese V erbindung enger darzustellen, um schlussendlich anzu- geben, er habe nahe Angehörige in wichtigen Positione n gehabt und für diese diverse Dienste geleistet. Wenn es eine wahre Version gebe, sei es für das SEM unmöglich, diese herauszufinden. Zudem sei er nach Beendi- gung des Bürgerkrieges problemlos verschiedene Male im Ausland gewe- sen und wieder zurückgekehrt, was als Angehöriger von hohen LTTE-Mit- gliedern nicht möglich gewesen wäre. Auch sei davon auszugehen, dass er angesichts dieser Verwandten schon zu einem früheren Zeitpunkt Prob- leme mit den sri-lankischen Behörden bekommen hätte. Er habe aber nicht geltend gemacht, eine Reflexverfolgung aufgrund dieser Verwandten zu befürchten oder wegen diesen Probleme gehabt zu haben. Auch über seine Rolle bei der (…) habe er sehr vage und ausweichende Angaben gemacht. Zudem habe er angegeben, der Präsident dieser Organis ation gewesen zu sein, gleichzeitig aber geltend gemacht, der Präsident habe ihn aus der Haft geholt. Da seine Stellung völlig unklar bleibe, könne auch D-1278/2021 Seite 13 dies keinen Risikofaktor für eine Verfolgung durch die heimatlichen Behör- den darstellen. Die eingereichten Beweismittel hätten grösstenteils nichts mit seinen Asyl- vorbringen zu tun beziehungsweise könnten diese nicht belegen. Sie wür- den seine Identität, seine Arbeitstätigkeit und auch Vorbringen betreffen, welche sich vor seiner ersten Ausreise aus Sri Lanka ereignet hätten, wie die Haft im Jahr 2007, welche nichts mit seinen Motiven für die Ausreise im Jahr 2015 zu tun habe. Den Haftbefehl habe er nur in Kopie eingereicht. Dieser stehe auch im Widerspruch zu seinen Vorbringen, wonach die Ver- haftung im Jahr 2015 willkürlich und mit dem Ziel, ihn umzubringen, erfolgt sei. Zudem könnte es sich auch um ein Dokument für eine legitime staatli- che Massnahme handeln. D as Schreiben der (...) aus dem Jahre 2015 habe keinen Beweiswert, weil es sich um eine Kopie handle, welche von irgendjemandem hätte verfasst werden können. Das Gleiche gelte für die handgeschriebenen Briefe und die Anzeige. Auch die eingereichte Quittung für einen Polizeirapport vermöge seine Verfolgung nicht zu belegen. Die nach der erneuten Anhörung eingereichten Beweismittel hätten nichts mit der geltend gemachten Verfolgung zu tun und würden lediglich seine fami- liären Verbindungen zu den LTTE betreffen. Aber auch diese Beweismittel vermöchten die Zweifel an den Verbindungen zu den LTTE nicht aufzulö- sen. Zwar sei er auf den Fotografien mit Personen abgebildet, welche wohl bei den LTTE gewesen seien und Waffen tragen würden. Es sei aber nicht klar, wer das sei und wann diese Aufnahmen gemacht worden seien. Bei der Prüfung der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs hielt das SEM im Zusammenhang mit Art. 3 EMRK fest, dass bei einer Rückkehr des Be- schwerdeführers nach Sri Lanka nicht mit einer konkreten Gefährdung im Sinne dieses Artikels zu rechnen sei, da seine Vorbringen für unglaubhaft befunden worden seien und die alleinige familiäre Verbindung zu Personen mit einer LTTE-Vergangenheit eine solche Gefährdung nicht zu begründen vermöge. 7.2 In der Beschwerde wurde dem zunächst entgegengehalten, das SEM habe den Grundsatz verletzt, wonach der Bewe is einer Tatsache deren Glaubhaftmachung vorgehe. So würden für die geltend gemachten Verfol- gungshandlungen im (…) 2015 mehrere objektive Beweismittel vorliegen. Diese würden die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen erhöhen und eine Glaubhaftigkeitsprüfung obsolet machen, seien aber von der Vorinstanz nicht korrekt gewürdigt und mit einer fadenscheinigen Begründung zurück- gewiesen worden. Bei der Glaubhaftigkeitsprüfung wähne sich das SEM D-1278/2021 Seite 14 derart in Erklärungsnotstand, dass es auf rund sechs Seiten vermeintliche Widersprüche und Unsubstantiiertheiten in den Vorbringen des Beschwer- deführers aufliste. Auf diese Argumentation solle gar nicht vertieft einge- gangen werden. Tatsache sei, dass sich der Beschwerdeführer zwar auf- grund seiner psychischen Beeinträchtigung und der weit zurückliegenden Erstbefragung wohl tatsächlich teilweise abweichend und ungenau ausge- drückt habe, aufgrund seines belegten und unbestrittenen Profils aber klar die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Die Glaubhaftigkeitsprüfung des SEM sei somit auf einer unzureichenden Grundlage entstanden und ohnehin ob- solet. Weiter sei klar davon auszugehen, dass ihm bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgungshandlungen drohen würden. Er erfülle zahlreiche Risi- kofaktoren gemäss dem Referenzurteil E -1866/2015, welche im Kontext der aktuellen Lage verstärkt Geltung hätten. Er stamme aus einer LTTE - Familie und sei aufgrund seines Wohnsitzes im Vanni gehalten gewesen , für diese als Wache zu arbeiten. Er habe im Rahmen seiner Tätigkeit als Vorsteher des (…) regelmässig Kontakt zu Mitgliedern der LTTE gehabt und diese mit Informationen zu (…) der sri-lankischen Armee unterstützt. Im Jahr 2007 sei er während mehrerer Tage inhaftiert und zu allfälligen LTTE-Aktivitäten verhört worden. Danach habe er sich ins Ausland abg e- setzt. Nach seiner Rückkehr habe er sich um die Freilassung seines (...) aus der Rehabilitationshaft gekümmert. Zudem habe er einem Tamilen aus dem Exil (…) zu Menschenrechtsverletzungen der sri -lankischen Armee beim Ende des Bürgerkrieges zugespielt. Deshalb sei er wiederum von den sri-lankischen Sicherheitskräften gesucht worden. Nach dem Gesagten be- finde er sich mit Sicherheit auf der Stop - oder Watchlist. Mit seiner Flucht ins Ausland und dem mehrjährigen Aufenthalt in einem tamilischen Diasporazentrum, seinen exilpolitischen Aktivitäten und der Rückkehr mit temporären Reisedokumenten mache er sich weiter verdächtig. Zur Stützung seiner Beschwerde reichte der Beschwerdeführer unter an- derem einen von seinem Rechtsvertreter verfassten ausführlichen Rapport zur aktuellen Ländersituation in Sri Lanka zu den Akten. 8. 8.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge- gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen D-1278/2021 Seite 15 oder nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Ge- samtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentli- chen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, per- sönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller bzw. die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdar stellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 8.2 Die Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung, wonach die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers die oben genannten Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nic ht erfüllen, sind zu bestätigen. Insbesondere hat das SEM zutreffend hervorgehoben, dass der Beschwerdeführer die Verhaf- tung im Jahr 2015 an der Befragung mit der Weitergabe eines (...) begrün- dete, welches er von einem befreundeten Soldaten, welcher später verhaf- tet worden sei, erhalten und an einen Freund seines Bruders weitergege- ben habe. Im Gegensatz dazu, gab er an der Anhörung zunächst an, er habe das (...) zufällig gefunden und einem Freund gegeben, der danach verhaftet worden sei und ihn verraten habe (vgl. A13 F110). Später an der Anhörung sagte er aber aus, er habe eine Speicherkarte mit einem (...) von einem Soldaten erhalten, von dem er nie wieder etwas gehört habe, sodass er nicht wisse, wer ihn verraten habe (vgl. A13 F166 und F188 f.). Im kras- sen Wiederspruch dazu sprach er bei der Rückübersetzung der ersten An- hörung von einem regelmässigen Geschäft mit diesen (...), an dem er be- teiligt gewesen sei (vgl. A13 Anm. zu F169, S. 19 Rückseite). Diese sehr unterschiedliche Darstellung konnte er auch an der zweiten Anhörung nicht erklären und machte, wie vom SEM ausgeführt und in der Beschwerde auch eingestanden, allgemein sehr wirre und ausweichende Angaben. 8.3 Ebenfalls erhebliche Zweifel an den Aussagen des Beschwerdeführers entstehen dadurch, dass er an der Befragung die Verhaftung im Jahr 2015 lediglich mit dem (...) begründete und angab, mit den LTTE – abgesehen von Wachdiensten im Jahr 20 06 und zwei (...) in dieser Organisation – nichts zu tun gehabt zu haben. An der ersten Anhörung gab er hingegen an, er habe zudem im Jahr 2007 (…) an die LTTE weitergegeben und für zwei ranghohe Verwandte bei den LTTE diverse Dienste geleistet (vgl. A13 F113 und F116 ff.). Wiederum in krassem Gegensatz dazu brachte er an der zweiten Anhörung die Verhaftung im Jahr 2015 in erster Linie in Ver- bindung mit der Befreiung von Personen aus Rehabilitationscamps und der D-1278/2021 Seite 16 Weitergabe von (…) an die LTTE, welchen diese dann angegriffen hätten (vgl. A37 F76 und F104). Zur Befreiung aus den Rehabilitationscamps machte er sodann widersprüchliche und unsubstantiierte Aussagen, wobei diesbezüglich auf die ausführlichen Erwägungen des SEM verwiesen wer- den kann. In der Beschwerde wird denn auch eingestanden, dass er sich ausweichend und ungenau ausgedrückt habe. Dies lediglich auf die an- gebliche, in der Beschwerde nicht weiter substantiierte oder belegte und aus den Protokollen auch nicht hervorgehende psychische Beeinträchti- gung sowie auf die weit zurückliegende Erstbefragung zur ückzuführen, vermag nicht zu überzeugen. 8.4 Bestätigt werden die Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdefüh- rers durch seine durchwegs unsubstantiierten, wirren und zuweilen auch widersprüchlichen Aussagen zu seiner Inhaftierung, den Haftbedingungen, der Freilassung und der darauffolgenden Zeit . Zur Vermeidung von Wie- derholungen kann diesbezüglich auf die sehr ausführlichen und zutreffen- den Erwägungen des SEM verwiesen werden, welchen in der Beschwerde inhaltlich nichts Wesentliches entgegengehalten wird. Entgegen der Argu- mentation in der Beschwerde ist die sechsseitige detaillierte Glaubhaftig- keitsprüfung des SEM nicht auf einen Erklärungsnotstand zurückzuführen, sondern vielmehr darauf, dass die Sache zuvor zwei Mal mit Hinweis auf die Begründungspflicht kassiert worden war. 8.5 Die eingereichten Beweismittel hat das SEM im Rahmen der Glaubhaf- tigkeitsprüfung korrekt gewürdigt. Wie der Beschwerdeführer selber fest- hält, können Beweismittel die Glaubhaftigkeit der Aussagen zwar erhöhen. Sie machen aber die Glaubhaftigkeitsprüfung an sich nicht obsolet. Entge- gen den Ausführungen in der Beschwerde hat das SEM in Bezug auf die vorliegend eingereichten Beweismittel nicht lediglich pauschal auf den ge- ringen Beweiswert verwiesen, sondern die einzelnen Dokumente konkret gewürdigt. Inhaltlich wurde den Erwägungen des SEM in der Beschwerde denn auch nichts Wesentliches entgegengehalten. 8.6 Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, die Ausführungen in der Beschwerde vom 6. Dezember 2019 (Verfahren D -6466/2019) seien als integraler Bestandteil der vorliegenden Beschwerde zu würdigen. Dort wird inhaltlich jedoch nichts Weiteres zur Glaubhaftigkeit – und im Übrigen auch nicht zur Flüchtlingseigenschaft (vgl. E. 10) – ausgeführt. 8.7 Nach dem Gesagten vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers die Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG D-1278/2021 Seite 17 nicht zu erfüllen. Demzufolge erfüllte er im Zeitpunkt seiner Ausreise die Flüchtlingseigenschaft nicht. 9. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb die Flüchtlingseigenschaft fest- zustellen wäre. 9.1 Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlinge n kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründe). Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen werden als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Mass- gebend ist dabei, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsu- chenden Person als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei ei- ner Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Gan- zen auch BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1). 9.2 Im Referenzurteil E-1866/2015 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorge- nommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurück- kehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehr ern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofakto- ren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um Vorlie- gen früherer Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicher- weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. E - 1866/2015 E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor- derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs- weise nach Sri Lanka zurückgefüh rt werden oder die über die Internatio- nale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende D-1278/2021 Seite 18 Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Ein- zelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asyl- rechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. E - 1866/2015 E. 8.5.1). An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – zwar als volatil zu be- zeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungs- gericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheid- findung. Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso- nen zur Prä sidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. 9.3 Wie das SEM zutreffend festgestellt hat, bestehen Zweifel an den Ver- bindungen des Beschwerdeführers zu den LTTE. So hat er an der Befra- gung angegeben, nichts mit den LTTE zu tun und lediglich zwei (...) müt- terlicherseits bei dieser Organisation gehabt zu haben. Auch das Gericht geht davon aus, dass er schon zu diesem Zeitpunkt weitere Angaben ge- macht hätte, würde er aufgrund dieser Verwandten eine Reflexverfolgung befürchten. Dies mac hte er aber nicht geltend. An der ersten Anhörung sprach er dann von zwei (...) seiner Mutter, für welche er unter Druck di- verse Dienste (Übersetzung, Weitergabe von […]) geleistet habe, um an der zweiten Anhörung auch noch einen (...) bei den LTTE zu erwä hnen, welchem er aus dem Rehabilitationscamp geholfen habe. Somit entsteht der Eindruck, der Beschwerdeführer wolle seine Verbindung zu den LTTE übertrieben eng darstellen. Die eingereichten Fotografien vom Beschwer- deführer mit LTTE-Mitgliedern vermögen an dem Gesagten aus den vom SEM aufgezählten Gründen nichts zu ändern. Insbesondere gilt es zu be- tonen, dass der Beschwerdeführer nach sein er ersten Ausreise im Jahr 2007 später problemlos wieder nach Sri Lanka hat einreisen können und in den darauffolgenden Jahren nicht behelligt wurde. Vor diesem Hinter- grund ist nicht zu erwarten, dass er bei einer erneuten Wiedereinreise auf- grund dieser Verwandten Probleme mit den sri -lankischen Sicherheitsbe-D-1278/2021 Seite 19 hörden erhalten würde. Dasselbe gilt im Zusammenhang mit der ange bli- chen Haft im Jahr 2007, welche überdies beinahe vierzehn Jahre zurück- liegt und aus welcher er nach drei Tagen ordnungsgemäss entlassen wor- den sei. Auch diesbezüglich machte der Beschwerdeführer bei seiner Wie- dereinreise im Jahr 2012 und in den folgenden Jahren keinerlei Probleme geltend. Da ihm die Haft im Jahr 2015 nicht geglaubt werden kann, ist nicht ersichtlich, weshalb er nunmehr eine Verfolgung zu befürchten hätte. Da- ran vermag auch seine im Übrigen unklare – diesbezüglich ist auf die zu- treffenden Erwägungen des SEM zu verweisen – Position bei der (...) nichts zu ändern. Eine Gefährdung scheint auch nicht in Kombination mit dem langjährigen Auslandaufenthalt, zumal auch der vormalige Ausland- aufenthalt ab dem Jahr 2007 langjährig war, und der Rückkehr ohne Iden- titätspapiere ausreichend begründet, zumal es sich beim Beschwerdefüh- rer väterlicherseits um einen Angehörigen der singhalesischen Ethnie han- delt. Die Teilnahme an einem Cricket-Match kann sodann nicht als exilpo- litische Aktivität gewertet werden, welche bei einer Rückkehr zu einer Ge- fährdung führen könnte. Im vorliegenden Verfahren vermögen schliesslich auch die politischen Veränderungen seit November 2019 zu keiner ande- ren Beurteilung zu führen. Der Beschwerdeführer hat keinen persönlichen Bezug zu diesen Ereignissen. D ass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären, lässt sich, wie oben ausgeführt, nicht bestätigen 9.4 Gesamthaft ist es vorliegend nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu befürchten hätte. Das S EM hat demnach zu Recht festgestellt, dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, und das Asyl- gesuch abgelehnt. 10. 10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 10.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-1278/2021 Seite 20 11. 11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltend machen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 11.2 11.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 11.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung f inden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er- geben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt D-1278/2021 Seite 21 wäre. Gemäss Praxis des Europäis chen Gerichtshofes für Menschen- rechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprü- fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Menschen- rechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-3640/2020 vom 29. Januar 2021 E. 11.2.4). 11.3 11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 11.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen dortigen Ereigni sse und Entwicklungen. Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Ostprovinz zumutbar ist, wenn das Vorlie- gen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.4 und D-1278/2021 Seite 22 D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 betreffend Vanni -Gebiet). Diese Ein- schätzung hat weiterhin Gültigkeit (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-3640/2020 vom 29. Januar 2021 E. 11.3.2). 11.3.3 Das SEM hielt hierzu fest, der Beschwerdeführer stamme aus dem Osten Sri Lankas. Er verfüge dort mit seinen Eltern, seiner Schwester und deren Familie sowie weiteren Verwandten über ein solides familiäres Be- ziehungsnetz. Seine Familie besitze mehrere (…) für den Personentrans- port sowie verschiedene Grundstücke und verfüge über Einkommen aus der (…). Seine Mutter besitze ausserdem ein Haus, wo er bis zu seiner Ausreise gewohnt habe. Seine Familie gehöre einer oberen Kaste in Ab- stammung des singhalesischen Königs an. Er sei jung und absolut gesund. Er habe bis zum 16. Lebensjahr die Schule besucht, die englische Sprache erlernt und für eine internationale Organisation gearbeitet. Er sei somit qua- lifiziert genug, um eine Arbeitsstelle in Sri Lanka zu finden. Der Beschwerdeführer führte in seiner Beschwerde aus, aufgrund der all- gemeinen Lage in Sri Lanka bestehe für ihn insofern eine konkrete Gefähr- dung, als dass er jederzeit Opfer einer Festnahme, Verschleppung oder Tötung durch die Sicherheitskräfte werden könne. Hinzu komme, dass er aufgrund seiner Vergangenheit in Sri Lanka psychisch angeschlagen sei. 11.3.4 Das Gericht erachtet den Vollzug vorliegend ebenfalls als zumutbar. Diesbezüglich kann zu Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die überzeugenden vorinstanzlichen Erwägungen ve rwiesen werden. Der erneute Hinweis in der Beschwerde auf die allgemeine Gefährdungs- lage ist auch unter dem Aspekt der Zumutbarkeit unbeachtlich. Die angeb- lichen, in der Beschwerde nicht weiter substantiierten oder belegten und aus den Akten auch nicht hervorgehenden psychischen Probleme des Be- schwerdeführers vermögen vorliegend ebenfalls nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Im Weiteren wird den Erwägungen des SEM in individueller Hinsicht in der Beschwerde nichts Wesentliches entgegengehalten. 11.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). D-1278/2021 Seite 23 11.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da- rauf einzutreten ist. 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der sehr umfangrei- chen Beschwerde sind die Kosten praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1‘500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-1278/2021 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1‘500.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Mia Fuchs Sara Steiner Versand: