B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-230/2011 U r t e i l v o m 6 . M ä r z 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Tu-Binh Truong. Parteien 1. A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), und deren gemeinsame Tochter C._______, geboren (…), Serbien, 2. D._______, geboren (…), Serbien, alle vertreten durch Samuel Häberli, Freiplatzaktion Zürich, Rechtshilfe Asyl und Migration, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Dezember 2010 / N (…). E-230/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden – serbische Roma aus E._______, Gemeinde F._______ – verliessen eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland am 13. Oktober 2010 und reisten am 14. Oktober 2010 in die Sch weiz ein. Gleichentags reichten sie im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) G._______ ein Asylge such ein, wo sie (die Eltern und die Tochter D._______) am 19. Oktober 2010 summarisch befragt und am 1. Novem- ber 2010 einlässlich zu ihren Asylgründen angehört wurden. Zur Begründung ihres Gesuches machten sie im Wesentlichen geltend, dass sie wegen der Anstellung des Beschwerdeführers von (…) bis Sep- tember (…) als Beamter und Koordinator für die Angelegenheiten der Roma bei der Gemeindeverwal tung von F._______ sowie wegen seiner Wahl als Vertreter der Demokratischen Partei ins Gemeindeparlament von F._______ im Jahre (…) beziehungsweise wegen der in diesen Funk- tionen ausgeübten Tätigkeiten seitens anderer Roma verbalen Angriffen und telefonischen Belästigun gen sowie Drohungen durch einen "reichen Serben" in F._______ ausgesetzt gewesen seien. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 10. Dezember 2010 – am 13. D e- zember 2010 eröffnet – fest, d ie Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte deren Asylgesuch ab, verfüg- te ihre Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass es den Vorbringen der Beschwerdeführenden an der Asylrelevanz fehle. Die Folge der A b- lehnung eines Asylges uches sei in der Regel die Wegweisung , deren Vollzug es als zulässig, möglich und zumutbar erachtete. C. Mit Beschwerde vom 11. Januar 2011 beantragten die Beschwerdefü h- renden durch ihren Rechtsvertreter, dass die Dispositivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung aufzuheben seien. Es sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzumutbar sei, und die Beschwerdeführenden seien vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und u m Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. E-230/2011 Seite 3 D. Das Bundesverwaltungsgericht stellte mit Verfügung vom 18. Januar 2011 fest, dass nur der Wegweisungsvollzug Gegenstand des Verfahrens bilde. Über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werde im Endentscheid befunden und auf die Erhebung eines Kost envor- schusses werde verzichtet. E. Das BFM hielt in der Vernehmlassung vom 11. März 2011 an seiner Ver- fügung fest und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. F. Mit an das BFM gerichte tem Schreiben vom 21. Juni 2011, welches ans Bundesverwaltungsgericht übermittelt wurde, zog die volljährig geworde- ne Beschwerdeführererin 2, D._______, ihr Asylgesuch zurück, da sie selber nicht direkt den Bedrohungen ausgesetzt gewesen sei und in ihre Heimat zurückkehren wolle, um sich dort zu verheiraten und m it ihrem zukünftigen Ehemann in Serbien ein selbstständiges Leben zu führen. G. In der Replik vom 23. Juni 2011 verwiesen die Beschwerdeführenden vollumfänglich auf die Ausführungen der Beschwerde. Ferner reichten sie diverse weitere Beweismittel ein, welche belegen würden, dass sie in i h- rer Heimat einerseits Drohungen von Seiten der Roma ausgesetzt seien und andererseits sich inmitten des Spannungsfelds der lokalen polit i- schen Parteien befinden würden. H. Mit Schreiben vom 26. April 2012 liessen die Beschwerd eführenden durch ihren Rechtsvertreter mitteilen, dass die Eltern des Beschwerdefüh- rers, H._______ und I._______ (N […] ), am 15. Februar 2012 in die Schweiz eingereist seien und ebenfalls ein Asylgesuch eingereicht hätten. Ferner sei die Tochter D._______ (N […]), welche die Schweiz am 5. Juli 2011 ohne das Wissen ihrer Eltern verlassen habe, bereits am 14. August 2011 in die Schweiz zurückgekehrt und habe erneut ein Asylgesuch ge- stellt. In den Befragungen hätten sie sich jeweils zu den Problemen des Beschwerdeführers geäussert, weshalb darum gebeten wurde, diese be i- den Dossiers bei der Urteilsfällung zu berücksichtigen. E-230/2011 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu ndesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Reg el – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgese t- zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Zufolge des von der erwachsenen Tochter D._______ (Beschwerde- führerin 2) am 21. Juni 2011 erklärten Rückzugs ihres Asylgesuchs ist das Beschwerdeverfahren sie betreffend als gegenstandslos abzuschreiben. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Vorab ist festzuhalten, dass die Verfügun g des BFM vom 10. Dezember 2010, soweit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewäh- rung betrifft (Ziffern 1 und 2 des Dispositivs), in Rechtskraft erwachsen ist. Auch die Anordnung der Wegweisung (Ziffer 3 des Dispositivs) ist grun d- sätzlich nicht mehr zu überprüfen. Gegenstand des vorliegenden Verfah-E-230/2011 Seite 5 rens bildet somit lediglich die Frage, ob die Wegweisung zu vollziehen oder ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige Annahme anzuordnen ist. Die Beschwerdebegründung vom 11. Januar 2011 und die Replik vom 23. Juni 2011 enthalten indes eine Reihe von Ausführungen und Beweis- mitteln, welche die von Dritten ausgehenden Drohungen gegen den Be- schwerdeführer und die mangelnde polizeiliche Schutzgewährung betref- fen. Da diese Vorbringen lediglich für die Beurteilung der Flüchtlingsei- genschaft und der Asylrelevanz beachtlich gewesen wären, beschlagen sie nicht den Prozessgegenstand und finden in den nachfolgenden Erwä- gungen keine Beachtung. 4. 4.1. Die Vorinstanz führte in ihrer Begründung zum V ollzug der Wegwe i- sung aus, dass ein solcher als zulässig, zumutbar und möglich zu erac h- ten sei. Insbesondere würden weder die in Serbien herrschende polit i- sche Situation noch individuelle Gründe gegen einen Wegweisungsvol l- zug in dieses Land sprechen. 4.2. Dem h ielten die Beschwerdeführenden in ihrer Rechtsmitteleingabe vorab entgegen, die Vorinstanz habe es versäumt, den Wegweisungsvoll- zug der Beschwerdeführenden vor dem i m Urteil BVGE 2009/51 E. 5.7 dargestellten Hintergrund – wonach die Lebensumstände für die Roma in Serbien u.a. geprägt seien von "Feindseligkeiten", "extrem hoher Arbeit s- losigkeit (ca. 60%)", "Armut", "behördlichen Diskriminierungen", "e r- schwerter Zugang zur Gesundheitsvorsorge und zu anderen sozialen Diensten", "minderwertigem Angebot an Schulbildung" – zu prüfen. Fe r- ner drohe den Beschwerdeführenden im Falle eine r Rückkehr konkret Ar- beitslosigkeit und Armut, da nach der freiwilligen Aufgabe des Gemeinde- ratsmandats durch den Beschwerdefüh rer kaum anzunehmen sei, dass er erneut eine Stelle b ei der Verwaltung finden werde, und die Ersparni s- se der Beschwerdeführenden mittlerweile aufgebraucht seien. Mithin würde ihnen dasselbe ökonomische Schicksal wie den meisten anderen Roma in Serbien droh en. Zudem könnten die Beschwerdeführenden auf keinerlei Unterstützung von Seiten der Roma in Serbien zählen. Zu b e- rücksichtigen sei ferner, dass – abgesehen von den betagten Eltern des Beschwerdeführers – keine Mitglieder der Kernfamilie in Serbien leben würden. Ob angesichts der politischen Tätigkeiten des Beschwerdefü h- rers auf die Solidarität der er wähnten Onkel und Tanten gezählt werden könne, sei höchst ungewiss. Hinzu komme, dass die in Serbien wohnha f- ten Verwandten ebenfalls von Armut betroffen seien. Die Beschwerdefüh-E-230/2011 Seite 6 renden würden somit im Fall einer Rückkehr nicht auf ein tragfähiges s o- ziales Netz zurückgreifen können. Zudem sei die Beschwerdeführerin in Serbien seit 2003 ununterbrochen wegen einer Depression und Herzb e- schwerden in Behandlung gewesen, und die Tochter C._______ habe an Bauchschmerzen und Schlafstörungen gelitten. Die seit dem Aufenthalt in der Schweiz eingetretene Verbesserung der Gesundheitszustände würde durch eine Rückkehr und Konfrontation mit der Bedrohungssituation zu- nichte gemacht werden. Schliesslich würden die aktenkundigen Integrat i- onsschwierigkeiten der Tochter D._______ nach der seinerzeitigen Rück- kehr aus Deutschland darauf hindeuten, dass der Tochter C._______ an- gesichts der Betroffenheit der Roma vo n allgemeinen Benachteiligungen im Bildungssystem das gleiche Sch icksal (d.h. Reintegrationsschwierig- keiten) drohe und folglich das Kindeswohl mit grosser Wahrscheinlichkeit gefährdet wäre. 4.3. Dem hielt die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 11. März 2011 entgegen, dass entgeg en der Auffassung des Rechtsvertreters der B e- schwerdeführenden aufgrund der Aktenlage und der persönlichen Situati- on der Beschwerdeführenden keine Hindernisse erkennbar seien, die den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen lassen würden. Zum e i- nen ve rfüge der Beschwerdeführer über eine langjährige Berufserfa h- rung. Er habe rund zehn Jahre als [Beruf] gearbeitet und sei zuletzt meh- rere Jahre in der Gemeindeverwaltung von F._______ tätig gewesen. Zum anderen könnten sich die aus Serbien stammenden Beschwerdefüh- renden in der Gemeinde F._______ sowie in J._______ – namentlich würden die Eltern und mehrere Onkel und Tanten des Beschwerdeführers in E._______, K._______ und L._______ sowie ein Onkel beziehungs- weise eine Tante und zwei Onkel der Beschwerd eführerin in E._______ beziehungsweise in J._______ leben – über ein weit gefasstes familiäres Familiennetz abstützen. Ferner würden keine medizinischen Wegwe i- sungsvollzugshindernisse vorliegen, zumal aus der Be schwerdeschrift klar hervorgehe , dass weder d ie Beschwerdeführerin noch die Tochter C._______ gegenwärtig in Behandlung seien, da der Gesundheitsz u- stand der beiden Frauen sich deutlich verbessert habe. Auch sei eine entsprechende Behandlung in Serbien gewährleistet, falls die Beschwe r- deführerin oder ihre Tochter diese nach der Rückkehr benötigen sollten. 5. Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmöglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzl i- chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländer n E-230/2011 Seite 7 (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. D e- zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts un d seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu bew eisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 5.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 5.1.1. So darf keine Person in irgendeiner Fo rm zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) d arf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.1.2. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asy l- rechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu m a- chen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschi e- bung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Serbien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 5.1.3. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen E-230/2011 Seite 8 Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europä i- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN - Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 ff., m .w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den We g- weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Ferner stelle n gesundheitliche Probleme selbst dann unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK kein völkerrechtliches Wegweisung s- vollzugshindernis dar, wenn im Heimatland der medizinische Standard schlechter sein soll als in der Schweiz, zumal die Ausweisung einer unter gesundheitlichen Beschwerden leidenden Person nur unter ganz ausse r- gewöhnlichen Umständen eine Verletzung von Art. 3 EMRK zur Folge hat (vgl. Urteil des EGMR i.S. N. gegen Grossbritannien vom 27. März 2008, Beschwerde Nr. 26565/05, §§ 34 und 42 ff.; BVGE 2009 /2 E. 9.1.3; Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 2004 Nr. 6 E. 7). Solche ganz aussergewöhnlichen Umstä n- de sind vorliegend nicht vorhanden. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner G ewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.2.1. Angesichts der heutigen Lage in Serbien kann gemäss konstanter Praxis ni cht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder kriegerischen respektive bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen werden. Ferner sind auch keine individuellen Gründe ersichtlich, welche die Rück- kehr der – soweit aktenkundig – zum jetzigen Zeitpunkt gesunden und asylbeachtliche Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden verne i- nenden Beschwerdeführenden als unzumutbar erscheinen lassen wü r- den. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist vorab auf die zutreffen den Ausführungen der Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 11. März 2011 E-230/2011 Seite 9 (vgl. E. 4.3 oben) zu verweisen, welche vollumfänglich zu bestätigen sind. Ergänzend ist z ur geltend gemachten drohenden Arbeitslosigkeit und Verarmung der Beschwerdeführenden anzumerken, dass allein wir t- schaftliche Schwierigkeiten, von welchen die vor Ort ansässige Bevölk e- rung generell betroffen ist, wie beispielsweise Wohnungsno t oder ein schwieriger Arbeitsmarkt, für sich allein keine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darstellt (vgl. EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). Dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr angeblich auf keinerlei Unterstützung der Roma-Gemeinschaft hoffen dürfen , stellt ebenfalls kein Weg weisungsvollzugshindernis dar, zumal sie – wie von der Vorinstanz richtig festgestellt – in der Heimat über ein weitläufiges familiäres Beziehungsnetzes verfügen. Dieses wird ihnen, auch wenn es nicht umfassend für sie aufkommen kann, doch stützend zur Seite stehen können. Hinsichtlich eines medizinischen Hindernisses eines Wegwe i- sungsvollzugs ist zudem festzuhalten, dass Gründe ausschliesslich medi- zinischer Natur den Wegweisungsvollzug im Allgemeinen nicht als unz u- mutbar erscheinen lassen, es sei denn, die erforderliche Behandlung sei zur Abwendung einer konkreten Gefährdung notwendig und im Heima t- land nicht erhältlich. Entsprechen ferner die Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizini schen Standard in der Schweiz, so bewirkt dies allein noch nicht die Unzumutbarkeit des Vollzugs. Von einer solchen Unzumutbarkeit ist erst dann auszugehen, wenn die ungenüge n- de Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedr o- hende Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach sich zieht (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3 m.w.H.). Die angeblich nach der Rückkehr aus Deutschland ab dem Jahr 2003 bestandenen – aber während des Au f- enthalts in der Schweiz verschwundenen – gesundheitlichen Beschwer- den der Beschwerdeführerin (Depression, Herzbeschwerden) und der Tochter (Bauchschmerzen, Schlafstörungen) könnten auch in Serbien behandelt werden, sollten sie sich aufgrund einer Rückkehr wieder a k- zentuieren. Ferner ist aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen, dass eine allfällige gesundheitliche Verschlechterung das verlangte lebensb e- drohende Ausmass erreichen würde. Schliesslich sind auch die angebl i- chen Integrationsschwierigkeiten, die die Tochter D._______ bei ihrer sei- nerzeitigen Rückkehr gehabt haben soll, als Wegweisungsvollzugshi n- dernis unbeachtlich, zumal sie mit Schreiben vom 21. Juni 2011 ihr Asyl- gesuch zurückgezogen hat und freiwillig nach Serbien zurückgekehrt ist (und nicht mehr Partei im vorliegenden Verfahren ist). Die heute [Zahl]- jährige Tochter C._______ verbrachte den Grossteil ihrer Kindheitsjahre mit ihren Eltern in Serbien, namentlich von 2003 bis 2010. Einer Rüc k- kehr nach Serbien nach einem lediglich 3 -jährigen Aufenthalt in der E-230/2011 Seite 10 Schweiz hat somit keine Härten zur Folge, welche im Lichte von Art. 3 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 (KRK, SR 0.107) zu beachten wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2). Ergänzend ist zu bemerken, dass für die Beurteilung des Wegweisung s- vollzuges weder die Wiedereinreise der Tochter D._______ im August 2011 noch die Einreise und Asylgesuchstellung der Eltern des Beschwe r- deführers beachtlich sind, weshalb das Bundesverwaltungsgericht davon abgesehen hat, die entsprechenden Dossiers im vorliegenden Verfahren beizuziehen. Zusammenfassend lassen sich in den Akten keine konkreten Anhalt s- punkte dafür finden, dass die Beschwerdeführenden aus Gründen wir t- schaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedr o- hende Situation gera ten würden, weshalb nach dem Gesagten sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar erweist. 5.3. Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich auch möglich, da keine Vollzugshindernisse bestehen und die Beschwerdeführenden im Besitz von gültigen serbischen Reisepässen sind (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.4. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. 7.1. Den vorhergehenden Erwägungen ist zu entnehmen , d ass die Rechtsbegehren bereits im Zeitpunkt ihrer Einreichung aussichtslos w a- ren, weshalb das mit der Rechtsmitteleingabe vom 11. Januar 2011 ge- stellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzulehnen ist. 7.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten folglich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf in s- gesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar E-230/2011 Seite 11 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). E-230/2011 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie (bezüglich der Beschwerde- führerin 2) nicht gegenstandslos geworden ist. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gelehnt. 3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden (1) auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und di e z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Tu-Binh Truong Versand: