<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">126</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><span class="ft2"><b>28</b></span> <span class="ft2"><b>Widerruf der Niederlassungsbewilligung; Verhältnismässigkeit; Auslän-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der der zweiten Generation; Rückfallgefahr</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Grundsätzlich ist eine positive Persönlichkeitsentwicklung im Rah-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>men der privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>berücksichtigen und nicht bei der Qualifizierung des öffentlichen In-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teresses an der Entfernung aus der Schweiz. Wenn aber bei einem</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ausländer der zweiten Generation eine Rückfallgefahr aufgrund der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>konkret vorliegenden Persönlichkeitsentwicklung praktisch ausge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schlossen werden kann, ist dies bei der Bemessung des öffentlichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Interesses an der Wegweisung zu berücksichtigen und generalprä-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ventive Überlegungen haben in den Hintergrund zu treten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3.2.7.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ist der Widerruf der Niederlassungsbewilligung grundsätzlich ange-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zeigt, aber den Umständen nicht angemessen, ist die betroffene Per-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>son unter Androhung des Widerrufs zu verwarnen (Erw. 5.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2.</span> <span class="ft5">Kammer, vom</span><br/> <span class="ft5">20. September 2013 in Sachen A. gegen das Amt für Migration und Integra-</span><br/> <span class="ft5">tion (WBE.2011.1072).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend wurde der Beschwerdeführer mit Urteil des Bezirks-</span><br/> <span class="ft1">gerichts K. vom 30. März 2010 zu einer Freiheitsstrafe von 27 Mo-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">127</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">naten verurteilt. Die dagegen erhobene Berufung wies das Oberge-</span><br/> <span class="ft1">richt des Kantons Aargau mit Urteil vom 7. April 2011 ab. Der</span><br/> <span class="ft1">Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 2 AuG i.V.m. Art. 62 lit. b AuG ist</span><br/> <span class="ft1">damit erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Widerruf bzw. die Verweigerung einer Bewilligung recht-</span><br/> <span class="ft1">fertigt sich nur, wenn die jeweils im Einzelfall vorzunehmende In-</span><br/> <span class="ft1">teressenabwägung die entsprechende Massnahme als verhältnismäs-</span><br/> <span class="ft1">sig erscheinen lässt (BGE 135 II 377, Erw. 4.3). Konkret muss bei</span><br/> <span class="ft1">Gegenüberstellung aller öffentlichen und privaten Interessen ein</span><br/> <span class="ft1">überwiegendes öffentliches Interesse an der Entfernung aus der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz resultieren.</span><br/> <span class="ft1">Ob sämtliche relevanten Kriterien berücksichtigt und richtig an-</span><br/> <span class="ft1">gewandt worden sind bzw. ob sich der Widerruf als verhältnismässig</span><br/> <span class="ft1">erweist, ist als Rechtsfrage durch das Verwaltungsgericht frei zu prü-</span><br/> <span class="ft1">fen.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">3.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Beim Vorliegen von Widerrufsgründen infolge Straffälligkeit</span><br/> <span class="ft1">bestimmt sich das Mass des öffentlichen Interesses vorab anhand der</span><br/> <span class="ft1">Schwere des Verschuldens des Betroffenen. Ausgangspunkt und</span><br/> <span class="ft1">Massstab dafür sind die vom Strafrichter verhängten Strafen. Das</span><br/> <span class="ft1">heisst, je höher eine Strafe ausfällt, umso höher ist das Verschulden</span><br/> <span class="ft1">eines Betroffenen zu qualifizieren. Bei Festsetzung des Strafmasses</span><br/> <span class="ft1">werden strafmildernde Umstände überdies stets mitberücksichtigt,</span><br/> <span class="ft1">weshalb auf die Beurteilung des Strafrichters grundsätzlich abzustel-</span><br/> <span class="ft1">len ist (BGE 129 II 215, Erw. 3.1 sowie Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">vom 12. Juni 2012 [2C_797/2011], Erw. 2.2). Wird ein Strafurteil in</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf die Strafzumessung nicht angefochten, bleibt damit in der</span><br/> <span class="ft1">Regel kein Raum, im migrationsrechtlichen Verfahren die diesbezüg-</span><br/> <span class="ft1">liche Beurteilung des Strafrichters zu relativieren (Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gerichts vom 19. Januar 2005 [2A.570/2004], Erw. 3.3). Bei schwe-</span><br/> <span class="ft1">ren Straftaten, insbesondere bei Gewalt-, Sexual- und schweren</span><br/> <span class="ft1">Betäubungsmitteldelikten, sowie bei wiederholter Delinquenz bzw.</span><br/> <span class="ft1">erneuter Delinquenz nach Untersuchungshaft, nach verbüsster Frei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">128</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">heitsstrafe oder nach migrationsamtlicher Verwarnung erhöht sich</span><br/> <span class="ft1">aus migrationsrechtlicher Sicht das öffentliche Interesse am Widerruf</span><br/> <span class="ft1">bzw. an der Verweigerung der Bewilligung entsprechend.</span><br/> <span class="ft1">3.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Bezirksgerichts K.</span><br/> <span class="ft1">vom 30. März 2010, bestätigt mit Urteil des Obergerichts des Kan-</span><br/> <span class="ft1">tons Aargau vom 7. April 2011, wegen mehrfacher Gefährdung des</span><br/> <span class="ft1">Lebens, Gehilfenschaft zu Diebstahl, versuchten Diebstahls, Dieb-</span><br/> <span class="ft1">stahls, mehrfachen bandenmässigen, teilweise versuchten Diebstahls,</span><br/> <span class="ft1">mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs</span><br/> <span class="ft1">zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten verurteilt, wobei der Vollzug</span><br/> <span class="ft1">von 21 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben</span><br/> <span class="ft1">wurde.</span><br/> <span class="ft1">In migrationsrechtlicher Hinsicht ist angesichts der Dauer der</span><br/> <span class="ft1">teilbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten von einem schweren</span><br/> <span class="ft1">Verschulden und damit von einem grossen öffentlichen Interesse an</span><br/> <span class="ft1">der Verweigerung eines weiteren Aufenthalts in der Schweiz auszu-</span><br/> <span class="ft1">gehen; dies umso mehr, als das Obergericht des Kantons Aargau mit</span><br/> <span class="ft1">Urteil vom 7. April 2011 die vom Beschwerdeführer an den Tag</span><br/> <span class="ft1">gelegte kriminelle Energie, in Anbetracht der erschreckenden Rück-</span><br/> <span class="ft1">sichtslosigkeit gegenüber fremdem Eigentum, als hoch einstufte. (...)</span><br/> <span class="ft1">Es besteht vorliegend kein Anlass, von den diesbezüglichen Be-</span><br/> <span class="ft1">urteilungen der Strafrichter in migrationsrechtlicher Hinsicht abzu-</span><br/> <span class="ft1">weichen. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem der Beschwerdeführer mit Entscheid der Jugendan-</span><br/> <span class="ft1">waltschaft des Kantons Aargau vom 16. Juni 2006 wegen mehrfacher</span><br/> <span class="ft1">sexueller Nötigung, mehrfach versuchter sexueller Nötigung und</span><br/> <span class="ft1">versuchter Nötigung zu 10 Tagen Einschliessung, unter Gewährung</span><br/> <span class="ft1">einer Probezeit bis zum 24. April 2007, verurteilt werden musste, ist</span><br/> <span class="ft1">aufgrund der Art der begangenen Delikte aus migrationsrechtlicher</span><br/> <span class="ft1">Sicht grundsätzlich von einem erhöhten öffentlichen Interesse auszu-</span><br/> <span class="ft1">gehen. Dies auch wenn zu berücksichtigen ist, dass der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer die Sexualdelikte im Alter von 16 Jahren beging und das</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Interesse nicht gleich stark zu erhöhen ist, wie wenn er</span><br/> <span class="ft1">die Delikte als Erwachsener begangen hätte.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">129</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Erschwerend kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer seit</span><br/> <span class="ft1">2004 wiederholt wegen Widerhandlungen gegen das SVG bestraft</span><br/> <span class="ft1">werden musste; letztmals gar mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft</span><br/> <span class="ft1">L. vom 9. März 2011 wegen Führens eines Motorfahrzeugs in ange-</span><br/> <span class="ft1">trunkenem Zustand sowie Verursachens von unnötigem Lärm durch</span><br/> <span class="ft1">hohe Motordrehzahlen in niedrigen Gängen, begangen am 9. Januar</span><br/> <span class="ft1">2011, d.h. nach der erstinstanzlichen Verurteilung durch das Bezirks-</span><br/> <span class="ft1">gericht K. vom 30. März 2010 und während des laufenden Beru-</span><br/> <span class="ft1">fungsverfahrens am Obergericht.</span><br/> <span class="ft1">3.2.4.</span><br/> <span class="ft1">Schliesslich ist zu den Ausführungen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">betreffend die Gewährung des bedingten Strafvollzugs und der er-</span><br/> <span class="ft1">neuten Straffälligkeit am 9. Januar 2011 zweierlei anzumerken: Dass</span><br/> <span class="ft1">einem Betroffenen die Rechtswohltat des teilbedingten Vollzugs</span><br/> <span class="ft1">einer Freiheitsstrafe zuteil wird oder man ihn vor Ablauf der aus-</span><br/> <span class="ft1">gefällten Freiheitsstrafe bedingt aus dem Strafvollzug entlässt, be-</span><br/> <span class="ft1">deutet nicht, dass deshalb aus migrationsrechtlicher Sicht das öffent-</span><br/> <span class="ft1">liche Interesse an einer Entfernung aus der Schweiz entscheidend</span><br/> <span class="ft1">tiefer zu veranschlagen wäre oder gar dahinfallen würde. Vielmehr</span><br/> <span class="ft1">wäre das öffentliche Interesse noch höher zu veranschlagen, wenn</span><br/> <span class="ft1">einem Betroffenen der teilbedingte Vollzug der Freiheitsstrafe oder</span><br/> <span class="ft1">die vorzeitige Entlassung verwehrt würde, da in diesem Fall der</span><br/> <span class="ft1">Strafrichter bzw. die Strafvollzugsbehörde dem Betroffenen eine ne-</span><br/> <span class="ft1">gative Bewährungsprognose stellen musste. Des Weiteren steht es</span><br/> <span class="ft1">den Migrationsbehörden frei, diesbezüglich einen strengeren Mass-</span><br/> <span class="ft1">stab anzulegen, da bei schwerwiegenden Delikten oder wiederholter</span><br/> <span class="ft1">Delinquenz - wie sie beim Beschwerdeführer vorliegt - kein Restri-</span><br/> <span class="ft1">siko bezüglich der Rückfallgefahr hinzunehmen ist (RGAE vom</span><br/> <span class="ft1">9. Juli 2009 [1-BE.2008.32], Erw. 4.2.2). Daher kann der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer aus der Gewährung eines teilbedingten Strafvollzugs nichts</span><br/> <span class="ft1">zu seinen Gunsten ableiten. Zudem genügt die Tatsache, dass eine</span><br/> <span class="ft1">ausländische Person im Strafvollzug zu keinen Klagen Anlass gege-</span><br/> <span class="ft1">ben hat, angesichts der vergleichsweise engmaschigen Betreuung</span><br/> <span class="ft1">und intensiven Kontrolle in einer Strafanstalt für sich alleine nicht,</span><br/> <span class="ft1">um eine Rückfallgefahr auszuschliessen (Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">vom 12. November 2007 [2C_271/2007], Erw. 3.3; Urteil des Bun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">130</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">desgerichts vom 4. April 2006 [2A.688/2005], Erw. 3.1.3). Daher</span><br/> <span class="ft1">kann der Beschwerdeführer auch diesbezüglich nichts zu seinen</span><br/> <span class="ft1">Gunsten ableiten.</span><br/> <span class="ft1">3.2.5.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer bringt vor, dass das Führen eines Motor-</span><br/> <span class="ft1">fahrzeugs am 9. Januar 2011 in alkoholisiertem Zustand keine</span><br/> <span class="ft1">schwere Delinquenz mit einem schweren Verschulden darstelle und</span><br/> <span class="ft1">zudem keine hochwertigen Rechtsgüter verletzt worden seien. Seine</span><br/> <span class="ft1">Entwicklung in persönlicher Hinsicht sei seit den dem Urteil des</span><br/> <span class="ft1">Obergerichts vom 7. April 2011 zugrundeliegenden Straftaten sehr</span><br/> <span class="ft1">positiv und stabil. Der Beschwerdeführer lebe seit mehr als vier Jah-</span><br/> <span class="ft1">ren in einer festen Partnerschaft mit seiner Freundin und unterstütze</span><br/> <span class="ft1">diese mit Rat und Tat. Zudem habe er nach der Untersuchungshaft im</span><br/> <span class="ft1">April 2007 den Kontakt zu sämtlichen früheren Kollegen, mit denen</span><br/> <span class="ft1">er die dem Urteil vom 7. April 2011 zugrunde gelegenen Delikte be-</span><br/> <span class="ft1">gangen habe, abgebrochen. Sein Verhalten im Vollzug der Halbge-</span><br/> <span class="ft1">fangenschaft habe keinerlei Anlass zu Beschwerden gegeben, was</span><br/> <span class="ft1">das positive Bild des Beschwerdeführers abrunde und sein heutiges</span><br/> <span class="ft1">Bemühen um tadelloses Verhalten zeige. Auch finanziell seien seine</span><br/> <span class="ft1">Verhältnisse positiv und er habe seine Geldstrafe und die Bussen,</span><br/> <span class="ft1">sämtliche Kosten der Gerichtsverfahren und der Halbgefangenschaft</span><br/> <span class="ft1">sowie alle Anwaltshonorare pünktlich bezahlt. Auch beruflich könne</span><br/> <span class="ft1">eine äusserst positive Bilanz gezogen werden. Nach der Lehre habe</span><br/> <span class="ft1">er bei seiner Arbeitgeberin bleiben können. Er sei aufgrund seiner</span><br/> <span class="ft1">guten Leistungen diverse Male betriebsintern ausgezeichnet worden,</span><br/> <span class="ft1">habe Zusatzausbildungen absolviert und zudem an eine Stelle mit</span><br/> <span class="ft1">komplexerem Anforderungsprofil wechseln können.</span><br/> <span class="ft1">3.2.6. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.2.7.</span><br/> <span class="ft1">Soweit der Beschwerdeführer auf seine Persönlichkeitsentwick-</span><br/> <span class="ft1">lung verweist, ist Folgendes festzuhalten: Grundsätzlich ist eine posi-</span><br/> <span class="ft1">tive Persönlichkeitsentwicklung im Rahmen der privaten Interessen</span><br/> <span class="ft1">an einem Verbleib in der Schweiz zu berücksichtigen und nicht bei</span><br/> <span class="ft1">der Qualifizierung des öffentlichen Interesses an der Entfernung aus</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz. Dies jedoch nur dann, wenn die positive Persönlich-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">131</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">keitsentwicklung durch die Beendigung des Aufenthalts in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz zunichte gemacht würde.</span><br/> <span class="ft1">Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine positive Persönlichkeits-</span><br/> <span class="ft1">entwicklung im Rahmen der Beurteilung des öffentlichen Interesses</span><br/> <span class="ft1">gänzlich ausser Acht zu lassen wäre.</span><br/> <span class="ft1">Liegt bei einem Zweitgenerationsausländer eine Persönlich-</span><br/> <span class="ft1">keitsentwicklung vor, die darauf hindeutet, dass sich der Betroffene</span><br/> <span class="ft1">massgeblich gewandelt hat und dass gerade aufgrund der Persönlich-</span><br/> <span class="ft1">keitsentwicklung (und nicht nur aufgrund des Wohlverhaltens wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend einer gewissen Zeit seit letzter rechtskräftiger Verurteilung) eine</span><br/> <span class="ft1">Rückfallgefahr praktisch ausgeschlossen werden kann, ist das öffent-</span><br/> <span class="ft1">liche Interesse an der Wegweisung nicht gleich hoch zu veranschla-</span><br/> <span class="ft1">gen, wie wenn keine konkreten Umstände darauf hindeuten, dass</span><br/> <span class="ft1">eine Rückfallgefahr praktisch ausgeschlossen werden kann. In die-</span><br/> <span class="ft1">sem Fall haben generalpräventive Überlegungen in den Hintergrund</span><br/> <span class="ft1">zu treten.</span><br/> <span class="ft1">Zur Persönlichkeitsentwicklung des Beschwerdeführers ist Fol-</span><br/> <span class="ft1">gendes anzumerken: Der Beschwerdeführer besuchte die 4. Klasse</span><br/> <span class="ft1">der Bezirksschule, als er gegenüber einer zwei Jahre jüngeren Mit-</span><br/> <span class="ft1">schülerin zusammen mit Kollegen im Sommer 2004 massive sexuel-</span><br/> <span class="ft1">le Übergriffe beging. In der Folge wurde er von der Schule verwie-</span><br/> <span class="ft1">sen und musste seine Grundschulausbildung an einer anderen Schule</span><br/> <span class="ft1">abschliessen, erreichte jedoch offenbar aufgrund des teilweise unter-</span><br/> <span class="ft1">schiedlichen Unterrichtsstoffes keinen genügenden Abschluss. Trotz-</span><br/> <span class="ft1">dem konnte er am 1. August 2005 bei einem Krankenversicherungs-</span><br/> <span class="ft1">unternehmen eine kaufmännische Lehre beginnen, welche er am</span><br/> <span class="ft1">31. Juli 2008 abschloss. Von Oktober 2006 bis April 2007 verübte er,</span><br/> <span class="ft1">unter anderem zusammen mit den gleichen Kollegen, mit denen er</span><br/> <span class="ft1">bereits wegen der begangenen Sexualdelikte bestraft werden musste,</span><br/> <span class="ft1">eine Vielzahl von Vermögensdelikten und wurde zudem wegen</span><br/> <span class="ft1">mehrfacher Gefährdung des Lebens verurteilt, weil er zusammen mit</span><br/> <span class="ft1">seinen Kollegen am 21. und 26. März 2007 Steine auf Autos, die auf</span><br/> <span class="ft1">der kantonalen Autobahn T5 fuhren, warf. Gemäss eigenen Aussagen</span><br/> <span class="ft1">hat der Beschwerdeführer den Kontakt zu seinen früheren Kollegen</span><br/> <span class="ft1">nach seiner Verhaftung am 11. April 2007 abgebrochen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">132</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Aufgrund der Akten sowie der Partei- und Zeugenbefragung an-</span><br/> <span class="ft1">lässlich der Verhandlung präsentiert sich der Beschwerdeführer heute</span><br/> <span class="ft1">in einem vollkommen anderen Bild. Offensichtlich hat er aufgrund</span><br/> <span class="ft1">seines beruflichen Erfolges, seiner inzwischen wahrgenommenen</span><br/> <span class="ft1">Verantwortung gegenüber seinen Eltern und seinem Bruder sowie</span><br/> <span class="ft1">aufgrund seiner Beziehung zu seiner langjährigen Freundin sein Le-</span><br/> <span class="ft1">ben neu ausgerichtet: Der Beschwerdeführer ist seit Beginn der</span><br/> <span class="ft1">Lehre beim gleichen Krankenversicherungsunternehmen angestellt</span><br/> <span class="ft1">und heute im Bereich der Beratung von Privat- und Halbprivatversi-</span><br/> <span class="ft1">cherten tätig. Nach Abschluss der Lehre absolvierte er eine Zusatz-</span><br/> <span class="ft1">ausbildung zum Marketingfachmann BVS und befindet sich derzeit</span><br/> <span class="ft1">in einer Weiterbildung zum eidg. dipl. Fachmann Sozialversicherun-</span><br/> <span class="ft1">gen. Diese wird er voraussichtlich im Oktober 2014 abschliessen.</span><br/> <span class="ft1">Geplant ist eine weitere Ausbildung zum Experten im Bereich So-</span><br/> <span class="ft1">zialversicherungen. Seine Arbeitgeberin schätzt die Arbeitsleistung</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers offenbar sehr. Aufgrund der Akten und den</span><br/> <span class="ft1">Äusserungen des Vorgesetzten des Beschwerdeführers anlässlich der</span><br/> <span class="ft1">Zeugenbefragung ist erstellt, dass die Arbeitgeberin des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers mit seiner Arbeitsleistung äusserst zufrieden ist. Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer konnte per 1. Juni 2012 einen firmeninternen Stel-</span><br/> <span class="ft1">lenwechsel vornehmen und wirkte am Aufbau der neu zentral geführ-</span><br/> <span class="ft1">ten Beratungsabteilung für Privat- und Halbprivatversicherte mit.</span><br/> <span class="ft1">Seither betreut der Beschwerdeführer Privat- und Halbprivatver-</span><br/> <span class="ft1">sicherte mit entsprechend höherer Verantwortung. Der Vorgesetzte</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers führt darüber hinaus aus, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer über das Potenzial für eine Führungsposition verfüge und</span><br/> <span class="ft1">sich für eine Kaderfunktion eigne.</span><br/> <span class="ft1">In familiärer Hinsicht ist aufgrund der Partei- und Zeugenbefra-</span><br/> <span class="ft1">gung erstellt, dass der Beschwerdeführer in hohem Masse seine</span><br/> <span class="ft1">Familienmitglieder unterstützt. Der Beschwerdeführer lebt mit sei-</span><br/> <span class="ft1">nen Eltern, seinem Bruder und dessen Ehefrau zusammen. Die Eltern</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers beziehen jeweils eine IV-Rente und sind</span><br/> <span class="ft1">krankheitsbedingt nicht in der Lage, selbständig sämtliche anfallen-</span><br/> <span class="ft1">den Arbeiten zu erledigen, insbesondere in administrativen Belangen</span><br/> <span class="ft1">sind sie auf die Hilfe des Beschwerdeführers angewiesen. Vor allem</span><br/> <span class="ft1">die Mutter des Beschwerdeführers ist auf seine Unterstützung an-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">133</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gewiesen. Sie befindet sich seit dem Jahr 2002 aufgrund einer an-</span><br/> <span class="ft1">dauernden depressiven Störung sowie einer Angst- und Panikstörung</span><br/> <span class="ft1">in psychiatrischer Behandlung. Der Bruder des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">leidet an einer seit seiner Kindheit bestehenden neuropsychologi-</span><br/> <span class="ft1">schen Funktionsstörung, aufgrund derer er in administrativen Be-</span><br/> <span class="ft1">langen ebenfalls auf Hilfe angewiesen ist. Der Beschwerdeführer un-</span><br/> <span class="ft1">terstützt sämtliche Familienmitglieder in administrativen Angelegen-</span><br/> <span class="ft1">heiten. Darüber hinaus erledigt der Beschwerdeführer auch anfallen-</span><br/> <span class="ft1">de Arbeiten im Haushalt, zu denen seine Eltern nicht in der Lage</span><br/> <span class="ft1">sind. Von seinem monatlichen Brutto-Einkommen in Höhe von</span><br/> <span class="ft1">CHF</span> <span class="ft1">5'433.00 bezahlt der Beschwerdeführer monatlich</span><br/> <span class="ft1">CHF 3'000.00 auf das gemeinsame Konto der Familie, welches zur</span><br/> <span class="ft1">Deckung der alltäglichen Kosten der gesamten Familie dient. Nach</span><br/> <span class="ft1">dem Gesagten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer seine Familien-</span><br/> <span class="ft1">mitglieder im Alltag sowohl in administrativen Belangen, als auch im</span><br/> <span class="ft1">Haushalt und auch in finanzieller Hinsicht, weit über das übliche</span><br/> <span class="ft1">Mass hinaus unterstützt und in Bezug auf die Mutter und den Bruder</span><br/> <span class="ft1">von einem eigentlichen Abhängigkeitsverhältnis vom Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer auszugehen ist.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer hat seit sechs Jahren eine Freundin. Ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss den Ausführungen seiner Freundin hat der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">auch sie massgeblich unterstützt. Insbesondere hat der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer seiner Freundin in schulischer und beruflicher Hinsicht</span><br/> <span class="ft1">bezüglich Bewerbungsschreiben und der Vorbereitung auf Bewer-</span><br/> <span class="ft1">bungsgespräche Hilfe geleistet und war nach Aussagen seiner Freun-</span><br/> <span class="ft1">din dafür verantwortlich, dass sie heute eine Ausbildung absolviert.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund des durch den Beschwerdeführer manifestierten Rei-</span><br/> <span class="ft1">feprozesses, in dessen Verlauf er sein Leben neu ausgerichtet hat,</span><br/> <span class="ft1">kann heute die Gefahr, dass der Beschwerdeführer erneut straffällig</span><br/> <span class="ft1">wird, praktisch ausgeschlossen werden. Das mit Urteil des Oberge-</span><br/> <span class="ft1">richts des Kantons Aargau vom 7. April 2011 festgestellte Motiv der</span><br/> <span class="ft1">Langeweile für die 2006/2007 als 18-jähriger begangenen Straftaten</span><br/> <span class="ft1">fällt heute vollkommen ausser Betracht. An der heute praktisch in-</span><br/> <span class="ft1">existenten Rückfallgefahr vermag auch der Strafbefehl der Staatsan-</span><br/> <span class="ft1">waltschaft Aarau-Lenzburg vom 9. März 2011 wegen Führens eines</span><br/> <span class="ft1">Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustand und Verursachens von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">134</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">unnötigem Lärm durch hohe Motorendrehzahlen in niedrigen</span><br/> <span class="ft1">Gängen nichts zu ändern. Dabei handelt es sich zwar auch um einen</span><br/> <span class="ft1">Verstoss gegen die Rechtsordnung, jedoch steht dieser in keinem Zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenhang mit den beiden Verurteilungen durch die Jugendanwalt-</span><br/> <span class="ft1">schaft und das Obergericht des Kantons Aargau. Unter diesen</span><br/> <span class="ft1">Umständen ist das öffentliche Interesse vorliegend nicht gleich hoch</span><br/> <span class="ft1">zu veranschlagen, wie wenn noch von einer potentiellen Rückfallge-</span><br/> <span class="ft1">fahr ausgegangen werden müsste.</span><br/> <span class="ft1">3.2.8.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ist unter Berücksichtigung der praktisch inexistenten</span><br/> <span class="ft1">Rückfallgefahr primär aufgrund der ausgefällten Freiheitsstrafe von</span><br/> <span class="ft1">einem grossen öffentlichen Interesse am Widerruf der Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung des Beschwerdeführers und an seiner Wegweisung</span><br/> <span class="ft1">auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Dem festgestellten grossen öffentlichen Interesse an der Entfer-</span><br/> <span class="ft1">nung des Beschwerdeführers aus der Schweiz ist sein privates Inte-</span><br/> <span class="ft1">resse am weiteren Verbleib gegenüberzustellen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Bezüglich des privaten Interesses ist im Rahmen der Verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässigkeitsprüfung vorab die Anwesenheitsdauer in der Schweiz zu</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigen. Je länger eine ausländische Person in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">anwesend war, desto strengere Anforderungen sind grundsätzlich an</span><br/> <span class="ft1">den Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu stellen</span><br/> <span class="ft1">(BGE 130 II 176, Erw. 4.4.2). (...) Allerdings ist selbst bei einem</span><br/> <span class="ft1">Ausländer der "zweiten Generation", der in der Schweiz geboren ist</span><br/> <span class="ft1">und sein ganzes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht hat und</span><br/> <span class="ft1">deshalb dieses Land als seine Heimat betrachtet, ein Widerruf der</span><br/> <span class="ft1">Niederlassungsbewilligung nicht in jedem Fall ungerechtfertigt</span><br/> <span class="ft1">(BGE 122 II 433, Erw. 2c).</span><br/> <span class="ft1">3.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde in der Schweiz geboren und hat</span><br/> <span class="ft1">sein ganzes bisheriges Leben hier verbracht. Vom 2. September 2011</span><br/> <span class="ft1">bis zum 26. Februar 2012 befand er sich im Strafvollzug. Da die</span><br/> <span class="ft1">anrechenbare Aufenthaltsdauer praxisgemäss abstrakt - unter Abzug</span><br/> <span class="ft1">der in Unfreiheit verbrachten Zeitspanne - zu berechnen ist, ergibt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">135</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sich für ihn eine Aufenthaltsdauer von gut 24 Jahren, während der er</span><br/> <span class="ft1">ununterbrochen in der Schweiz lebte (vgl. RGAE vom 25. Juni 2010</span><br/> <span class="ft1">[1-BE.2009.23], Erw. II/4.3.1). Aufgrund dieser sehr langen Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsdauer ist ihm bereits ein sehr grosses privates Interesse am Ver-</span><br/> <span class="ft1">bleib in der Schweiz zuzubilligen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf die Umstände des Einzelfalls spielen insbesondere</span><br/> <span class="ft1">die familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers, d.h. seine Bezie-</span><br/> <span class="ft1">hungssituation, und dabei namentlich die Auswirkungen und Nach-</span><br/> <span class="ft1">teile eines Widerrufs der Niederlassungsbewilligung auf sie, eine</span><br/> <span class="ft1">Rolle.</span><br/> <span class="ft1">Der volljährige Beschwerdeführer ist ledig und hat keine Kin-</span><br/> <span class="ft1">der. Er wohnt zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder, der</span><br/> <span class="ft1">wegen einer neuropsychologischen Störung offenbar vermehrt Unter-</span><br/> <span class="ft1">stützung bedarf. Beide Elternteile beziehen Renten der Invalidenver-</span><br/> <span class="ft1">sicherung. Der Beschwerdeführer bringt vor, er unterstütze seine Fa-</span><br/> <span class="ft1">milie persönlich, finanziell und in administrativen Belangen. Zudem</span><br/> <span class="ft1">habe er sich auch während des Strafvollzugs in Halbgefangenschaft</span><br/> <span class="ft1">um seine Familie gekümmert und würde dies auch nach einem</span><br/> <span class="ft1">allfälligen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung tun. Es bestehe</span><br/> <span class="ft1">mithin ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis und seine Wegwei-</span><br/> <span class="ft1">sung aus der Schweiz hätte gravierende Folgen für die Familie.</span><br/> <span class="ft1">Den Akten ist zu entnehmen, dass der Vater des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers wegen eines Rückenleidens nicht mehr arbeitsfähig ist und</span><br/> <span class="ft1">eine IV-Rente bezieht. Die Mutter des Beschwerdeführers ist seit</span><br/> <span class="ft1">2002 u.a. wegen einer andauernden depressiven Störung sowie einer</span><br/> <span class="ft1">Angst- und Panikstörung in psychiatrischer Behandlung. Die Erkran-</span><br/> <span class="ft1">kung steht gemäss Gutachten der Psychiatrischen Klinik K. vom</span><br/> <span class="ft1">13. September 2005 im Zusammenhang mit einem schweren Unfall,</span><br/> <span class="ft1">bei dem ihre Schwester in Kroatien unmittelbar neben ihr von einem</span><br/> <span class="ft1">betrunkenen Autofahrer angefahren und schwer verletzt wurde. Die-</span><br/> <span class="ft1">ser Unfall sowie weitere Vorfälle in ihrem unmittelbaren familiären</span><br/> <span class="ft1">Umfeld führten bei der Mutter des Beschwerdeführers offenbar zu</span><br/> <span class="ft1">Verlustängsten in Bezug auf ihren Ehemann und ihre beiden Söhne.</span><br/> <span class="ft1">Seit dem Strafurteil des Obergerichts vom 7. April 2011 gegen den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer und dem damit einhergehenden migrationsrecht-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">136</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lichen Verfahren betreffend seine Wegweisung aus der Schweiz hat</span><br/> <span class="ft1">sich ihr Zustand massiv verschlechtert.</span><br/> <span class="ft1">Der Bruder des Beschwerdeführers leidet an einer leichten früh-</span><br/> <span class="ft1">kindlichen Hirnschädigung. Obschon er beruflich integriert werden</span><br/> <span class="ft1">konnte, ist er insbesondere in administrativen Belangen auf Hilfe an-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen und nicht in der Lage, seine Eltern zu unterstützen.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der Akten sowie der Partei- und Zeugenbefragung ist</span><br/> <span class="ft1">erstellt, dass sich der Beschwerdeführer in den letzten Jahren ver-</span><br/> <span class="ft1">mehrt um seine Familie, insbesondere um seine Mutter und seinen</span><br/> <span class="ft1">Bruder, kümmert und sie im täglichen Leben unterstützt. Eine Weg-</span><br/> <span class="ft1">weisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz würde vor allem</span><br/> <span class="ft1">die Mutter des Beschwerdeführers stark beeinträchtigen. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">Stellungnahme der Klinik S. vom 14. Dezember 2011, würde eine</span><br/> <span class="ft1">Wegweisung des Beschwerdeführers dessen Mutter "in eine massive</span><br/> <span class="ft1">Krise stürzen und die sozialpsychiatrische Begleitung und Behand-</span><br/> <span class="ft1">lung im ambulanten Setting unmöglich machen".</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten ist der Bruder des Beschwerdeführers von</span><br/> <span class="ft1">ihm in gewissen, jedoch nicht sehr grossen Umfang abhängig, woge-</span><br/> <span class="ft1">gen die Mutter des Beschwerdeführers in besonderem Masse von</span><br/> <span class="ft1">ihm abhängig ist. Dies ist auch daraus ersichtlich, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer während seiner Halbgefangenschaft frühmorgens</span><br/> <span class="ft1">und über Mittag seine Mutter aufsuchte und diese bereits unter der</span><br/> <span class="ft1">Abwesenheit des Beschwerdeführers während der Wochenenden litt.</span><br/> <span class="ft1">Dem Beschwerdeführer ist unter diesen Umständen ein erhöhtes pri-</span><br/> <span class="ft1">vates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz zuzubilligen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer hat seit sechs Jahren eine Freundin, wel-</span><br/> <span class="ft1">che er offenbar zu heiraten beabsichtigt. Die Partnerschaft zwischen</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer und seiner Freundin scheint sich trotz Voll-</span><br/> <span class="ft1">zug der Freiheitsstrafe gefestigt zu haben. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">macht geltend, ein Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung und</span><br/> <span class="ft1">die damit verbundene Wegweisung aus der Schweiz sei unverhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässig und verstosse gegen die Achtung des Familienlebens (Art. 8</span><br/> <span class="ft1">EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV). Dem kann so nicht gefolgt werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Freundin des Beschwerdeführers wusste offenbar schon vor ihrer</span><br/> <span class="ft1">Beziehung von seiner kriminellen Vergangenheit. Wie die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">zutreffend ausgeführt hat, mussten der Beschwerdeführer und seine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">137</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Freundin aufgrund seiner Straffälligkeit zumindest damit rechnen,</span><br/> <span class="ft1">ihre Beziehung allenfalls nicht in der Schweiz leben zu können.</span><br/> <span class="ft1">Demnach kann der Beschwerdeführer in Bezug auf seine Freundin</span><br/> <span class="ft1">allenfalls ein leicht erhöhtes privates Interesse am weiteren Verbleib</span><br/> <span class="ft1">in der Schweiz ableiten.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ist dem Beschwerdeführer bezüglich der Beziehung</span><br/> <span class="ft1">zu seinen Familienangehörigen und zu seiner Freundin vor allem we-</span><br/> <span class="ft1">gen der Unterstützung seiner kranken Mutter ein erhöhtes privates</span><br/> <span class="ft1">Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz zuzubilligen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.4.</span><br/> <span class="ft1">In persönlicher Hinsicht ist sodann insbesondere auf die wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche Integration des Beschwerdeführers einzugehen sowie auf</span><br/> <span class="ft1">seine Chancen einer ökonomischen Eingliederung in die heimatli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verhältnisse.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer absolvierte eine Ausbildung zum Kauf-</span><br/> <span class="ft1">mann bei einer Versicherungsgesellschaft und blieb nach Lehrab-</span><br/> <span class="ft1">schluss bei dieser angestellt. Gemäss den Zwischenzeugnissen und</span><br/> <span class="ft1">den Ausführungen des Vorgesetzten des Beschwerdeführers anläss-</span><br/> <span class="ft1">lich der Zeugenbefragung ist die Arbeitgeberin sehr zufrieden mit</span><br/> <span class="ft1">den Leistungen des Beschwerdeführers, welchen sie als sehr selb-</span><br/> <span class="ft1">ständig und verantwortungsbewusst wahrnimmt. Am 20. April 2011</span><br/> <span class="ft1">erlangte der Beschwerdeführer das Diplom zum Marketingfachmann</span><br/> <span class="ft1">BVS. Per 1. Juni 2012 wurde er in eine Abteilung der Versicherung,</span><br/> <span class="ft1">welche Privat- und Halbprivatversicherte betreut, befördert. Zudem</span><br/> <span class="ft1">begann der Beschwerdeführer im Oktober 2012 eine Ausbildung zum</span><br/> <span class="ft1">Sozialversicherungsfachmann. Sein Vorgesetzter qualifiziert den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer u.a. als äusserst engagierten und hilfsbereiten Mitar-</span><br/> <span class="ft1">beitenden. Seine offene und positive Art werde bei seinen Teamkolle-</span><br/> <span class="ft1">gen und auch bei den Vorgesetzten sehr geschätzt. Die Leistungen</span><br/> <span class="ft1">seien hinsichtlich Arbeitsqualität und -quantität sehr zufrieden-</span><br/> <span class="ft1">stellend, was ebenfalls für sein Fachwissen und sein Teamverhalten</span><br/> <span class="ft1">gelte. Auch sei Potential für eine allfällige spätere Führungsposition</span><br/> <span class="ft1">vorhanden. Dies geht auch aus der Zielvereinbarung und -beurteilung</span><br/> <span class="ft1">vom 15. April 2013 hervor, wonach der Beschwerdeführer sich für</span><br/> <span class="ft1">eine Kaderfunktion und mehr Verantwortung eignet. Schliesslich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">138</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bringen mehrere vom Beschwerdeführer betreute Kunden ihre</span><br/> <span class="ft1">Zufriedenheit in Schreiben an die Arbeitgeberin zum Ausdruck.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer kommt für sich selbst auf, ist wirtschaft-</span><br/> <span class="ft1">lich unabhängig und wird von seiner Arbeitgeberin, seinen Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">kollegen und den durch ihn betreuten Kunden sehr geschätzt. Mit</span><br/> <span class="ft1">seiner bereits abgeschlossenen und seiner gegenwärtigen, bis Ok-</span><br/> <span class="ft1">tober 2014 dauernden, Weiterbildung zeigt er Engagement im Hin-</span><br/> <span class="ft1">blick auf seine berufliche Laufbahn in der Versicherungsbranche. Zu</span><br/> <span class="ft1">Gunsten des Beschwerdeführers ist daher auf eine sehr erfolgreiche</span><br/> <span class="ft1">berufliche Integration in der Schweiz zu schliessen.</span><br/> <span class="ft1">Hingegen ist zu dem Vorbringen des Beschwerdeführers, in</span><br/> <span class="ft1">Bosnien-Herzegowina gäbe es keine Krankenversicherung, womit</span><br/> <span class="ft1">ihm seine bisher erworbenen Kenntnisse in der Versicherungsbran-</span><br/> <span class="ft1">che dort gar nichts nützen würden, Folgendes anzumerken: Wie der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zu Recht vorbringt, ist dieser</span><br/> <span class="ft1">kroatischer Staatsangehöriger. Die Familie des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">mag zwar ursprünglich aus Bosnien-Herzegowina stammen; vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gend ist jedoch die Eingliederung des Beschwerdeführers in</span><br/> <span class="ft1">Kroatien, seinem Heimatland, zu prüfen. Folglich kann offen gelas-</span><br/> <span class="ft1">sen werden, ob dem Beschwerdeführer eine soziale und berufliche</span><br/> <span class="ft1">Integration in Bosnien-Herzegowina unzumutbar wäre. Vielmehr ist</span><br/> <span class="ft1">mit der Vorinstanz festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer mit sei-</span><br/> <span class="ft1">ner Ausbildung und Berufserfahrung eine berufliche Integration auch</span><br/> <span class="ft1">in seinem Heimatland Kroatien möglich ist. Damit sind seine</span><br/> <span class="ft1">Eingliederungschancen in den heimatlichen Arbeitsmarkt - selbst un-</span><br/> <span class="ft1">ter Berücksichtigung der im Vergleich zur Schweiz schlechteren</span><br/> <span class="ft1">Wirtschaftslage und allfälligen Startschwierigkeiten - intakt.</span><br/> <span class="ft1">Über die finanzielle Situation des Beschwerdeführers lässt sich</span><br/> <span class="ft1">den Akten nichts entnehmen, was sein Interesse am Verbleib in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz erhöhen würde. Der Beschwerdeführer kann denn auch aus</span><br/> <span class="ft1">der Bezahlung seiner Schulden infolge Straffälligkeit nichts zu sei-</span><br/> <span class="ft1">nen Gunsten ableiten.</span><br/> <span class="ft1">Nach Massgabe der sehr erfolgreichen beruflichen Integration</span><br/> <span class="ft1">in der Schweiz und den gleichwohl intakten beruflichen Integrations-</span><br/> <span class="ft1">aussichten im Heimatland ist dem Beschwerdeführer schliesslich ein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">139</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zusätzlich erhöhtes Interesse an einem weiteren Verbleib in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz zuzubilligen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.5.</span><br/> <span class="ft1">Zur Feststellung der privaten Interessen des Beschwerdeführers,</span><br/> <span class="ft1">die gegen einen Widerruf der Niederlassungsbewilligung sprechen,</span><br/> <span class="ft1">sind weiter mit Blick auf den Grad der Integration insbesondere die</span><br/> <span class="ft1">sprachlichen Fähigkeiten und das persönliche Umfeld sowie seine</span><br/> <span class="ft1">Persönlichkeitsentwicklung zu beachten. Zu prüfen ist mithin, ob der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer bei einem Verlassen der Schweiz in unzumutbarer</span><br/> <span class="ft1">Weise aus einem sozialen Umfeld herausgerissen bzw. ob er im Hei-</span><br/> <span class="ft1">matland auf unüberwindbare (Re-)Integrationsprobleme stossen wür-</span><br/> <span class="ft1">de oder ob durch die Ausreise eine positive Persönlichkeitsentwick-</span><br/> <span class="ft1">lung zunichte gemacht würde. Dabei sind in Fällen wie dem Vor-</span><br/> <span class="ft1">liegenden auch jene Aspekte zu beachten, die eine Rückkehr ins</span><br/> <span class="ft1">Heimatland aufgrund der dort aktuell bestehenden Situation als unzu-</span><br/> <span class="ft1">mutbar erscheinen lassen (BGE 135 II 110, Erw. 4.2).</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer macht geltend, er kenne sein Heimatland</span><br/> <span class="ft1">kaum. Er habe dort nur einige Male ferienhalber verweilt. Schliess-</span><br/> <span class="ft1">lich habe er ungenügende Kenntnisse in der kroatischen Sprache und</span><br/> <span class="ft1">sei nicht in der Lage, sich darin schriftlich auszudrücken. (...) Auch</span><br/> <span class="ft1">wenn die Gepflogenheiten seines Heimatlandes ihm nicht gleich ver-</span><br/> <span class="ft1">traut sein dürften, wie einem dort aufgewachsenen jungen Mann, so</span><br/> <span class="ft1">stellt die Vorinstanz zu Recht fest, dass seine Eingliederungschancen</span><br/> <span class="ft1">in die heimatliche Gesellschaft grundsätzlich intakt sind. Dies insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere auch aufgrund seiner Sprachkenntnisse, die er bereits in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz beruflich einsetzt. Unüberwindbare Integrationsprobleme</span><br/> <span class="ft1">sind nicht erkennbar. Im Sinne eines Vergleichs gilt es im Übrigen</span><br/> <span class="ft1">festzuhalten, dass bei jungen Erwachsenen aus dem Herkunftsland</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers, die neu in die Schweiz übersiedeln und über</span><br/> <span class="ft1">keine Kenntnisse einer Landessprache verfügen, ohne Weiteres ange-</span><br/> <span class="ft1">nommen wird, dass sie grundsätzlich in der Lage sind, sich in die</span><br/> <span class="ft1">schweizerischen Verhältnisse zu integrieren. Es ist vor diesem Hin-</span><br/> <span class="ft1">tergrund nicht ersichtlich, weshalb die Integrationsprobleme des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers im Heimatland grösser sein sollten als die Inte-</span><br/> <span class="ft1">grationsprobleme, welche die Vorgenannten in der Schweiz zu be-</span><br/> <span class="ft1">wältigen haben. An der Annahme intakter Integrationsaussichten än-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">140</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dert auch nichts, wenn die nächsten Verwandten und die Freundin</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers in der Schweiz bleiben. Insgesamt dürfte da-</span><br/> <span class="ft1">her in Anbetracht dieser Umstände sowie der allgemeinen wirtschaft-</span><br/> <span class="ft1">lichen Lage eine Rückkehr in sein Heimatland zwar mit Schwierig-</span><br/> <span class="ft1">keiten verbunden, aber keinesfalls unzumutbar, sein.</span><br/> <span class="ft1">Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, seine persönliche</span><br/> <span class="ft1">Entwicklung seit den dem Urteil vom 7. April 2011 zugrundeliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Taten sei sehr positiv und stabil. Seine einzige Verfehlung beste-</span><br/> <span class="ft1">he in einem Fahren in angetrunkenem Zustand, welche er am</span><br/> <span class="ft1">9. Januar 2011 begangen hatte. Selbst wenn man den Vorfall vom</span><br/> <span class="ft1">9. Januar 2011 ausser Acht lassen würde, könnte der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer aus seiner ansonsten effektiv äussert positiven Persönlichkeitsent-</span><br/> <span class="ft1">wicklung nichts ableiten. Weder legt der Beschwerdeführer dar noch</span><br/> <span class="ft1">ist aus den Akten ersichtlich, dass diese positive Persönlichkeitsent-</span><br/> <span class="ft1">wicklung aufgrund einer Wegweisung zunichte gemacht würde.</span><br/> <span class="ft1">3.3.6.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend beruht das private Interesse des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz primär auf seinem</span><br/> <span class="ft1">Status als Ausländer der zweiten Generation und seiner sehr langen</span><br/> <span class="ft1">Anwesenheitsdauer, auf der Beziehung des Beschwerdeführers zu</span><br/> <span class="ft1">seinen in der Schweiz lebenden Familienangehörigen, insbesondere</span><br/> <span class="ft1">zu seiner Mutter sowie zu seiner Schweizer Freundin. Hinzu kom-</span><br/> <span class="ft1">men Nachteile im Zusammenhang mit dem Abbruch seiner äusserst</span><br/> <span class="ft1">erfolgreichen beruflichen Integration und gewisse, jedoch nicht un-</span><br/> <span class="ft1">überwindbaren Integrationsprobleme im Heimatland. Insgesamt ist</span><br/> <span class="ft1">das private Interesse als sehr gross zu qualifizieren.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Gesamtwürdigung der sich gegenüber stehenden öffent-</span><br/> <span class="ft1">lichen und privaten Interessen ist letztlich nicht von einem über-</span><br/> <span class="ft1">wiegenden öffentlichen Interesse an der Entfernung des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers auszugehen. Ausschlaggebend ist das sehr grosse private</span><br/> <span class="ft1">Interesse an einem Verbleib in der Schweiz (vgl. oben 3.3.6). Mit</span><br/> <span class="ft1">Blick auf das öffentliche Interesse ist massgebend, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer die gravierenden Sexualdelikte als Jugendlicher be-</span><br/> <span class="ft1">gangen hatte und keine weiteren derartigen Delikte folgten. Mit</span><br/> <span class="ft1">Blick auf die Deliktsserie, welche zu einer Freiheitsstrafe von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">141</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">27 Monaten führte, ist entscheidend, dass sich der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">von seinen früheren Mittätern distanzierte und aufgrund seiner Ent-</span><br/> <span class="ft1">wicklung heute lediglich noch von einer verschwindend kleinen</span><br/> <span class="ft1">Rückfallgefahr auszugehen ist, weshalb das öffentliche Interesse an</span><br/> <span class="ft1">einer Entfernung aus der Schweiz trotz langjähriger Freiheitsstrafe</span><br/> <span class="ft1">lediglich als gross zu qualifizieren ist.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen wären der Widerruf der Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung des Beschwerdeführers und seine Wegweisung aus</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz zwar grundsätzlich angezeigt, jedoch mangels überwie-</span><br/> <span class="ft1">genden öffentlichen Interesses unverhältnismässig.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">Ist eine Massnahme begründet, aber den Umständen nicht ange-</span><br/> <span class="ft1">messen, kann die betroffene Person unter Androhung dieser Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG).</span><br/> <span class="ft1">Auch wenn mangels überwiegenden öffentlichen Interesses im</span><br/> <span class="ft1">heutigen Zeitpunkt vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers und seiner Wegweisung aus der Schweiz abzuse-</span><br/> <span class="ft1">hen ist, bedeutet dies nicht, dass damit eine entsprechende Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme definitiv nicht mehr zur Diskussion steht. Dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer wird lediglich eine letzte Chance eingeräumt, sein Leben in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz deliktsfrei zu gestalten. Er wird ausdrücklich auf Art. 63</span><br/> <span class="ft1">AuG aufmerksam gemacht, wonach insbesondere ein erneuter</span><br/> <span class="ft1">schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-</span><br/> <span class="ft1">nung zum Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung führen kann.</span><br/> <span class="ft1">Sollte der Beschwerdeführer weitere Straftaten begehen, steht es dem</span><br/> <span class="ft1">Migrationsamt frei, seine Anwesenheitsberechtigung erneut in Frage</span><br/> <span class="ft1">zu stellen und dabei seine früheren Verurteilungen mitzuberücksich-</span><br/> <span class="ft1">tigen. Diesfalls müsste sich der Beschwerdeführer gar den Vorwurf</span><br/> <span class="ft1">gefallen lassen, das vorliegende Verfahren habe ihn unbeeindruckt</span><br/> <span class="ft1">gelassen und nicht davon abhalten können, weiter zu delinquieren.</span><br/> <span class="ft1">Zudem wäre eine weitere Delinquenz wohl so zu verstehen, dass der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer trotz drohender Trennung von seiner Familie nicht</span><br/> <span class="ft1">fähig oder willens ist, sich rechtskonform zu verhalten.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem unter diesen Umständen sämtliche Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft1">für eine Verwarnung erfüllt und keine weiteren Abklärungen notwen-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">142</span></div> <div class="page" id="S17"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dig sind, ist die Verwarnung in Anwendung von § 49 VRPG direkt</span><br/> <span class="ft1">durch das Verwaltungsgericht auszusprechen.</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten ist der Einspracheentscheid der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">vom 16. November 2011 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben</span><br/> <span class="ft1">und der Beschwerdeführer unter Androhung des Widerrufs der Nie-</span><br/> <span class="ft1">derlassungsbewilligung und der Wegweisung aus der Schweiz zu</span><br/> <span class="ft1">verwarnen.</span><br/></div> </div> </body> </html>