Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. April 2016 (715 15 389) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung infolge Nichtantritts eines Kurses; die versi- cherte Person hat den geltend gemachten entschuldbaren Grund (Krankheit der Tages- mutter) nicht glaubhaft dargelegt; Reduktion der Einstelldauer aufgrund Vorliegen be- sonderer Umstände Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen KIGA Baselland , Postfach , 4133 Pratteln 1 , Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Mit Schreiben vom 2. Oktober 2015 wies das Regio nale Arbeitsvermittlungszentrum X.____ (RAV) die 1987 geborene, ledige A.____ an, d en Basiskurs "Job Express" vom 19. bis 30. Oktober 2015 in Y.____ zu besuchen. Mit E-Mail vom 18. Oktober 2015 informierte die Ver- sicherte ihre Personalberaterin, dass sie den Kurs nicht antreten könne, weil ihre Tagesmutter kurzfristig krank geworden und die Betreuung ihrer am 12. Dezember 2009 geborenen Tochter am 19. Oktober 2015 nicht sichergestellt sei. In de r Folge stellte das Kantonale Amt für Indust- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rie, Gewerbe und Arbeit Baselland (KIGA) mit Verfügung vom 27. Oktober 2015 die Anspruchs- berechtigung von A.____ wegen Nichtbefolgens einer Weisung der Kantonalen Amtsstelle ohne entschuldbaren Grund für die Dauer von 12 Tagen ein. Die von der Versicherten hiergegen er- hobene Einsprache wies das KIGA mit Entscheid vom 3. Dezember 2015 ab. B. Dagegen reichte A.____ am 7. Dezember 2015 per E- Mail Beschwerde beim KIGA ein, welches die Sache zur weiteren Behandlung zuständi gkeitshalber ans Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) überwies. C. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2015 setzte das Kant onsgericht der Versicherten eine Frist zur Verbesserung der Beschwerde. Die verbessert e Beschwerdeeingabe vom 18. Dezember 2015 ging am 21. Dezember 2015 ein. Da rin machte sie geltend, dass sie sich nie geweigert habe, den ihr zugewiesenen Kurs anzutre ten. Sie habe den Kurs nicht beginnen können, weil ihre Tagesmutter krank gewesen sei. Am Folge tag wäre es ihr aber möglich ge- wesen, am Kurs teilzunehmen. Es sei deshalb nicht gerechtfertigt, sie dafür mit 12 Einstelltagen zu sanktionieren. D. In seiner Vernehmlassung vom 19. Januar 2016 beantr agte das KIGA die Abwei- sung der Beschwerde und verwies für die Begründung auf den Einspracheentscheid vom 3. Dezember 2015. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide au s dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist laut Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherun g und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desj enigen Kantons, in dem die versi- cherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrol lpflicht erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltu ngsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi cherungsgericht Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 5 6 ATSG. Die Versicherte erfüllt die Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft, womit das Kantonsgericht örtlich und sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig ist. Auf die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 3. Dezember 2015 ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts durch Präsidiale ntscheid Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.--. Vorliegend belä uft sich der Streitwert bei einer Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einstellungsdauer von 12 Tagen unter Fr. 10'000.--. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Versi cherte zu Recht wegen Nichtbefolgens einer Weisung der Kantonalen Amtsstelle ohne entschuldbaren Grund für die Dauer von 12 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde. 2.2 Nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 AVIG hat die versicherte Person, die Versicherungsleis- tungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie ver- pflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserha lb ihres bisherigen Berufes. Die entspre- chenden Bemühungen müssen nachgewiesen werden. Eine ver mittelte zumutbare Arbeit hat die versicherte Person anzunehmen. Im Weiteren hat sie a uf Weisung der zuständigen Amts- stelle an arbeitsmarktlichen Massnahmen teilzunehmen, wel che ihre Vermittlungsfähigkeit för- dern (Art. 17 Abs. 3 lit. a AVIG). 3.2 Mit arbeitsmarktlichen Massnahmen soll laut Art. 59 Abs. 2 AVIG die Eingliederung von versicherten Personen gefördert werden, welche aus Gr ünden des Arbeitsmarktes er- schwert vermittelbar sind. Solche Massnahmen beabsichtigen insbesondere: die Vermittlungs- fähigkeit der Versicherten zu verbessern, damit diese rasch und dauerhaft wieder eingegliedert werden können (lit. a); die beruflichen Qualifikati onen entsprechend den Bedürfnissen des Ar- beitsmarktes zu fördern (lit. b); die Gefahr von Langzei tarbeitslosigkeit zu vermindern (lit. c); oder die Möglichkeit zu bieten, Berufserfahrungen zu sammeln (lit. d). 3.3 Zur Durchsetzung der verschiedenen in Art. 17 AVIG statuierten Pflichten der versi- cherten Person, insbesondere der Schadenminderungspfl icht, sieht das Gesetz bei Verhal- tensweisen, die sich negativ auf Eintritt oder Dauer der Leistungspflicht der Arbeitslosenversi- cherung auswirken, Sanktionen vor (vgl. dazu THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrech t [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel/Genf/München 2007, S. 2 423 Rz 822). So ist die versicherte Per- son gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der Anspruchsb erechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder Weisungen der zuständigen Amt sstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktli che Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren Durchführung oder Zweck durch ihr Verhalten beein- trächtigt oder verunmöglicht. Die Einstellung hat die F unktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätt e vermeiden oder vermindern kön- nen. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Ver- schuldensprinzip beherrscht (NUSSBAUMER , a.a.O., Rz 822). 4.1 Im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren und im Sozialversiche- rungsprozess gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach habe n Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz g ilt indessen nicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht uneingeschränkt; er wird ergänzt durch die Mitwirkungsp flichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachte n ist jedoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Bewei sführungslast begriffsnotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversiche- rungsgerichts ist, für die Zusammentragung des Beweisma terials besorgt zu sein. Im Sozial- versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Reg el eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wo llte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungs- grundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entspre chen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 4.2 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssache n eine vollständige Überprüfungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwal tung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodan n nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abw eichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fälle n. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von alle n möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). 5.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Versi cherte den ihr am 2. Oktober 2015 zugewiesenen Kurs "Job Express" für die Zeit vom 1 9. bis 30. Oktober 2015 nicht besuchte. Streitig und zu prüfen ist, ob sie dafür ein en entschuldbaren Grund geltend machen kann. Was ein entschuldbarer Grund im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ist, wird im Gesetz nicht näher definiert. Es liegt indessen nahe, einen sol chen für das Nichtantreten eines Kurses anzuerkennen, wenn dessen Besuch der versicherten Person nicht zumutbar war (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Bundesge richte] vom 25. Juni 2004, C 43/04, E. 2.2; ARV 1999 Nr. 9 S. 42). Dem Grundsat z der Zumutbarkeit kommt im Sozialversicherungsrecht im Allgemeinen und im Arbeitslo senversicherungsrecht im Besonderen zentrale Bedeutung zu (Urteil des EVG vom 25. Juni 2004, C 43/04, E. 2.2). 5.2 Ein Kurs, zu dessen Besuch die versicherte Person ange wiesen wurde, ist unzumutbar, wenn er ihren persönlichen Verhältnissen od er ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen ist (vgl. Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG). Nach de r Rechtsprechung fallen - in Nachachtung des Art. 21 des Übereinkommens Nr. 168 der In ternationalen Arbeitsorganisation (IAO) über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 - bei der Prüfung der Zumutbarkeit einer Arbeit oder eines Kursbesuches unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse insbesondere d ie gesundheitlichen und familiären Umstände der Versicherten in Betracht (BGE 120 V 375; ARV 1999 Nr. 9 S. 42 E. 2b mit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinweisen). Betreuungspflichten gegenüber minderjähri gen Kindern stellen aber grundsätzlich keinen persönlichen Grund dar, der eine arbeitsmarktliche Massnahme unzumutbar macht. Dies ist höchstens dann denkbar, wenn eine Kinderbetreu ung durch Drittpersonen bei objektiver Betrachtungsweise auch potenziell nicht in Fra ge kommt, was nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubes regelmässig nicht mehr der Fall sein dürfte (Urteil des EVG vom 25. Juni 2004, C 43/4, E. 2.2). 6.1 In ihrer Beschwerde vom 18. Dezember 2015 wies die Versicherte darauf hin, dass sie den Besuch des Kurses "Job Express" nicht verweigert habe, sondern infolge Krankheit der Tagesmutter am 19. Oktober 2015 niemanden gehabt habe , der ihre Tochter nach dem Kindergarten betreut hätte. Ihre vorherigen Äusserung en, dass sie sich keine Tagesmutter leisten könne und deshalb vom Kurs befreit werden möcht e, hätten sich nicht auf die Kursteilnahme bezogen, sondern auf eine vollzeitliche B eschäftigungsmassnahme. Die Vorinstanz hielt die Behauptung der Beschwerdeführerin , sie habe den Kurs am 19. Oktober 2015 nicht antreten können, weil die Tagesmutter kran k geworden sei, für nicht sehr glaubwürdig. Sie zweifle an der Sachverhaltsschilderung der Versicherten, weil diese zuvor mehrmals in Aussicht gestellt habe, dass sie den Kurs "Job E xpress" nicht antreten werde. Zudem fehle es an einem ärztlichen Zeugnis der Tagesmut ter. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Versicherte nicht verhindert gewesen sei, den ihr zugewiesenen Kurs am 19. Oktober 2015 anzutreten. 6.2 Aufgrund des E-Mail-Verkehrs, der Einträge im Verl aufsprotokoll und der Aktennoti- zen steht die Sachverhaltsschilderung der Versicherten, won ach ihre Tagesmutter ihr am Abend vor Kursbeginn mitgeteilt habe, dass sie krank sei und deshalb die Betreuung ihrer Tochter nicht übernehmen könne, zu ihren vorherigen Au ssagen im Widerspruch. Denn kurz nach der Kurszuweisung am 2. Oktober 2015 sagte sie am 5. Oktober 2015 zu ihrer Personal- beraterin, sie könne am Kurs "Job Express" nicht teilnehmen , weil sie sich keine Tagesmutter leisten könne (vgl. Eintrag ins Verlaufsprotokoll). Sie bitte deshalb, vom Kurs befreit zu werden. Am 8. Oktober 2015 informierte sie eine Sachbearbeiter in, dass sie keine Tagesmutter für die Betreuung ihrer Tochter habe und sich deshalb vom Kurs a bmelde. Dabei habe sie abermals betont, dass sie keine Tagesmutter während ihrer Arbeitsl osigkeit bezahlen könne (vgl. Akten- notiz vom 12. November 2015). Am Abend vor Kursbeginn am 18. Oktober 2015 teilte die Ver- sicherte ihrer Personalberaterin per E-Mail nun mit, dass sie am 19. Oktober 2015 am Kurs nicht teilnehmen könne, da ihre Tagesmutter plötzlich kr ank geworden sei. Aufgrund ihrer vor- her mehrmals geäusserten Absicht, sie werde vom Kurs fern bleiben, ist es nachvollziehbar, dass die Vorinstanz Bedenken über den Wahrheitsgehalt de r Aussage äusserte, sie könne we- gen Erkrankung der Tagesmutter den ersten Kurstag nicht besuchen. Die telefonische Auskunft der Tagesmutter vom 11. November 2015, wonach diese ih re Erkrankung und ihre Betreuungs- zusage während der Kursdauer bestätigte, erweist sich im H inblick auf die Vorgeschichte nicht als beweiskräftig genug, um darauf abstellen zu können. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Tagesmutter die Tochter der Versicherten seit Jahren betreut. Zum einen fehlt es an einem ärztlichen Zeugnis und zum anderen kann nich t mit überwiegender Wahrschein- lichkeit ausgeschlossen werden, dass es sich bei der Aussage d er Tagesmutter um eine reine Gefälligkeit handelt. Da die Versicherte den Nachweis d es krankheitsbedingten Ausfalls der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tagesmutter im Zusammenhang mit ihrem geltend gemacht en entschuldbaren Grund für den Nichtantritt des Kurses am 19. Oktober 2015 nicht zu erbringen vermag, hat sie in dieser Hin- sicht die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Es liegt somit kein entschuldbarer Grund vor, welcher die Versicherte von der Teilnahmepflicht am zugew iesenen Kurs "Job Express" ent- bunden hätte. Infolgedessen sind die Voraussetzungen von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG erfüllt, womit sich die vorübergehende Einstellung in der Anspruchsberechtigung rechtfertigt. 7.1 Als Nächstes ist die Einstellungsdauer zu überprüfen. Die Dauer einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je nach Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (Art. 30 Abs. 3 AVI G). Nach Art. 45 Abs. 3 AVIV wird die Einstellung abgestuft und dauert 1 bis 15 Tage bei le ichtem (lit. a), 16 bis 30 Tage bei mittel- schwerem (lit. b) und 31 bis 60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Innerhalb dieses Rah- mens fällt die Verwaltung ihren Entscheid nach pflichtg emässem Ermessen. Gemäss § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ka ntonsgerichts bzw. deren präsidie- rende Person bei Präsidialentscheiden zwar die angefocht ene Verfügung auch auf deren An- gemessenheit zu überprüfen; sie greift jedoch bei der B eurteilung der durch die Verwaltung an- geordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhal tung in deren Ermessensspiel- raum ein. 7.2.1 Die Vorinstanz hat das Verhalten der Versicherten als leichtes Verschulden qualifiziert und die Einstellungsdauer in Anlehnung an das Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung des Staatssekretariats für Wirtscha ft (AVIG-Praxis ALE) auf 12 Tage festgesetzt. Danach wird bei erstmaligem, unent schuldigtem Nichtantritt oder Abbruch eines Kurses ohne entschuldbaren Grund je nach Dauer des Kurses eine Einstellung in der Höhe von 1 bis 20 Tagen vorgegeben (AVIG-Praxis ALE Rz. D72 Ziff. 3.D). Bei einem Kurs mit weniger als 10 Kurstagen, wird um die Anzahl der effekt iv nicht besuchten Kurstage eingestellt (AVIG-Praxis ALE Rz. D72 Ziff. 3.D 1). Für Kurse mit einer Dauer von ca. 3 Wochen beträgt die Einstelldauer 10 - 12 Tage (vgl. Rz. D72 Ziffer 3.D 2) . In Beachtung, dass der Kurs "Job Express" 10 Tage dauerte, legte die Vorinstanz die Sankt ion an der obersten Grenze des Verschuldens fest. Verschuldensmindernde Umstände berücksichtigte sie nicht. 7.2.2 Entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Auffa ssung liegen jedoch Umstände vor, die das Verschulden der Versicherten mindern. Den Akt en ist zu entnehmen, dass die Ver- sicherte nicht beabsichtigte, dem Kurs für die ganze Dauer fernzubleiben, sondern sich - entge- gen ihrer früheren Aussagen - entschloss, ihn ab Donne rstag, 22. Oktober 2015, zu besuchen. Denn gemäss E-Mail der Personalberaterin vom 19. Oktobe r 2015, 8.38 Uhr, musste die Versi- cherte sich darüber erkundigt haben, ob sie am Donnersta g einsteigen könne; ansonsten die Personalberaterin keinen Anlass gehabt hätte, gleichentags eine Anfrage bei der Abteilung "Er- gänzende Massnahmen" über die Möglichkeit eines späteren E instiegs vorzunehmen. Indem die Personalberaterin ihr versicherte, dies abzuklären, w ird ersichtlich, dass sie einen späteren Kurseintritt nicht für ausgeschlossen hielt (vgl. hierzu E-Mail der Personalberaterin vom 25. No- vember 2015, 12.36 Uhr). Dass eine solche Abklärung nich t vorgenommen wurde und die Ver- sicherte letztlich gar nicht am Kurs (Job Express) teilnah m, beruht auf der von der Vorinstanz am 19. Oktober 2015 sofort veranlassten Kursabmeldung und kann der Versicherten deshalb Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht angelastet werden (vgl. Aktennotiz vom 12. November 2015; E-Mail der Personalberaterin vom 19. Oktober 2015, 14.01 Uhr). Die Versicherte äusse rte in ihrer E-Mail vom 19. Oktober 2015 (14.21 Uhr) denn auch glaubhaft ihr Befremden über die Kursabmeldung und dass es ihr möglich gewesen wäre, den Kurs ab 22. Oktober 2015 zu b esuchen. Damit sagte sie auch im- plizit, dass die Tagesbetreuung ihrer Tochter ab diesem Z eitpunkt gewährleistet war. Aus den Akten gibt es zudem keine Anhaltspunkte, dass sie den Ku rs am Donnerstag, 22. Oktober 2015, nicht angetreten hätte. Solche bringt die Vorinstanz auch nicht vor. Damit steht fest, dass die Versicherte die Nichtteilnahme am Kurs ab 22. Oktober 2015 nicht zu verantworten hat. Das Vorgehen der Vorinstanz, welche die Versicherte während 12 Tagen in der Anspruchsberechti- gung einstellte, ist somit zu streng. Unter Berücksichtig ung der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung, wonach zwar kein entschuldbarer Grund für den Ni chtantritt des Kurses, wohl aber be- sondere Umstände im Einzelfall vorliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. August 2011, 8C_285/2011, E. 3.2.1), rechtfertigt es sich daher, die Einstellungsdauer auf 6 Tage zu reduzie- ren. Diese Reduktion widerspricht auch nicht dem Einstel lraster von Rz. D72 Ziff. 3.D AVIG- Praxis ALE, geht aus dem Ingress zu Rz. D72 doch hervor, dass die Durchführungsorgane im konkreten Einzelfall vom Raster abweichen können. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis teilweise gutzuheissen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern teilweise gutgehei ssen, als in Abänderung des Einspracheentscheids vom 3. Dezember 2015 die Einst ellungsdauer von 12 Tagen auf 6 Tage herabgesetzt wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.