B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1668/2023 U r t e i l v o m 3 . A p r i l 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiber Matthias Neumann. Parteien A._______, geboren am (…), Kongo (Kinshasa), vertreten durch Marek Wieruszewski, Solidaritätsnetz Bern, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 16. März 2023 / N (…). E-1668/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein kongolesischer Staatsangehöriger, ersuchte die Vorinstanz am 20. November 2022 um Gewährung von Asyl. B. Ein Abgleich mit der Eurodac-Datenbank ergab, dass er am 9. November 2022 in Kroatien um Asyl nachgesucht hatte. C. Am 5. März 2022 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zugewie- sene Rechtsvertretung. D. Die Vorinstanz gewährte ihm am 5. Dezember 2022 im Rahmen des Dub- lin-Gesprächs das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensent- scheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Kroatien. Dabei machte er im Wesentlichen folgendes geltend: Er könne sich nicht mehr daran erinnern, wann er aus dem Kongo ausgereist sei. Er sei nach Burundi gegangen und von dort mit dem Flugzeug über Ruanda und Katar nach Serbien geflogen. Er sei mit einem Reisepass gereist, habe diesen inzwischen jedoch verloren. Er sei gemeinsam mit seiner minderjährigen Schwester gereist. Er habe mehrmals versucht, nach Kroatien einzureisen und sei immer wieder zurückgeschickt worden. Nachdem ihm die Einreise gelungen sei, hätten ihm die kroatischen Behörden die Fingerabdrücke ab- genommen. Die Polizei in Kroatien habe ihn geschlagen, schlecht behan- delt und ihm sei kein Essen gegeben worden. Seiner Schwester habe man in Kroatien keine Fingerabdrücke abgenommen. Er wisse nicht genau wes- halb, aber das Gerät habe nicht richtig funktioniert. In gesundheitlicher Hinsicht gehe es ihm nicht gut. Er könne nicht gut schlafen und würde in der Nacht vom Erlebten träumen. Ausserdem leide er an Schwindel. Dies habe drei Gründe: Erstens die Erinnerungen an die Erlebnisse in Kroatien, zweitens die Rückweisung seines Vaters und drit- tens die Unfreiheit in Burundi aufgrund seiner Homosexualität. Die Rec htsvertretung merkte im Rahmen des Gesprächs an, soweit im Falle seiner Schwester wegen deren Minderjährigkeit eine Zuständigkeit der Schweiz gegeben sei n sollte, werde in Bezug auf diese um einen Selbsteintritt der Schweiz ersucht. E-1668/2023 Seite 3 E. Die Vorinstanz ersuchte die kroatischen Behörden mit Gesuch vom 17. Ja- nuar 2023 um Rückübernahme des Beschwerdeführers. F. Die kroatischen Behörden stimmten diesem Gesuch am 31. Januar 2023 zu. G. Die kroatischen Behörden lehnten das Gesuch der Vorinstanz vom 22. Februar 2023 um Rückübernahme der Schwester des Beschwerdefüh- rers, B._______ (N [...]; fortan: A.W.), am 8. März 2023 ab. Sie führen zur Begründung an, A.W. sei in Kroatien nicht registriert worden und di ese habe nie um Schutz ersucht noch den Willen um Asylgewährung kundge- tan. Weiter hielten die kroatischen Behörden mit Bezug auf den Beschwer- deführer fest, dieser sei in Kroatien registriert und gemeinsam mit seiner Frau und Kindern gereist. Er habe in Kroatien um Asyl nachgesucht, habe die Person A.W. aber nicht erwähnt. H. Mit Verfügung vom 16. März 2023 (eröffnet am 17. März 2023) trat die Vo- rinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Überstellung nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte sie den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. I. Mit Eingabe vom 24. März 2023 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfügung vollständig aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei der Be- schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahmen die Vollzugsbehörden un- verzüglich anzuweisen, von einer Überstellung nach Kroatien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der a ufschiebenden E-1668/2023 Seite 4 Wirkung entschieden hat. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessfüh- rung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver- zichten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsge richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde- führer ist als Verfügungs adressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerde- instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 2.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichter - licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf ei- nen Schriftenwechsel verzichtet. 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a E-1668/2023 Seite 5 Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8 –15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 3.3 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in Kroatien ein Asylgesuch ge- stellt zu haben. Nachdem die kroatische n Behörden innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin -III-VO festgelegten Frist dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz zugestimmt haben, ist die Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben. 4. 4.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den zunächst a ls zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer un menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechte- charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied- staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu- stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit- gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 4.2 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, der FoK sowie der FK, und es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völker- rechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem davon ausge- gangen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für E-1668/2023 Seite 6 die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Wie das SEM in der ange- fochtenen Verfügung zu Recht dargelegt hat, bestehen zurzeit – auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde erwähnten Berichte diverser Or- ganisationen, in welchen das kroatische Asylwesen kritisiert wird – im Be- reich der (hier interessierenden) Wiederaufnahmeverfahren («take back») keine Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwach- stellen im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO auf- weisen (vgl. dazu statt vieler die Urteile des BVGer D -1069/2023 vom 1. März 2023 E. 7.2.1, D -5422/2022 vom 23. Januar 2023 E. 8.2 und E-5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2). 4.3 Insbesondere lassen auch die vom Beschwerdeführer bei seiner illega- len Einreise nach Kroatien angeblich erlebten Vorkommnisse (er sei ge- schlagen und ihm sei kein Essen gegeben worden), nicht den Schluss zu, er habe bei einer Überstellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine unmenschliche oder ernie drigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta zu gewärtigen. Selbst wenn diese Vorkommnisse sich ereignet haben sollten, ist darauf hinzu- weisen, dass gegen das Fehlverhalten von einzelnen Polizeibeamten in Kroatien rechtlich vorgegangen werden kann, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen. Der Umstand, dass dies möglicher- weise mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist per se nicht auf syste mische Schwachstellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. das Urteil des BVGer E -5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 4.4 Der Vollständigkeit halber ist mit Bezug auf die (implizit) vorgebrachten sogenannten Push-backs in Kroatien folgendes festzustellen: In der ange- fochtenen Verfügung hat bereits die Vorinstanz gestützt auf Abklärungen der Schweizer Botschaft in Kroatien ausführlich und zutreffend dargelegt, dass von Push-backs allenfalls Personen betroffen sind, welche illegal und direkt, in der Regel von Bosnien und Herzegowina herkommend, nach Kro- atien einreisen, nicht hingegen Personen, welche im Rahmen eines Dublin- Verfahrens nach Kroatien überstellt werden (vgl. dazu auch die Urteile des BVGer D-1069/2023 E. 7.2.3, E-113/2023 vom 12. Januar 2023 E. 7.4 und E-5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.4). Diesen droht grundsätzlich we- der eine (Ketten -)Abschiebung noch systematische Gewaltanwendung E-1668/2023 Seite 7 durch die kroatische Polizei, und der Zugang zu einem rechtsstaatlichen Asyl- und Wegweisungsverfahren steht ihnen offen. 4.5 4.5.1 Auch die gesundheitliche Verfassung des Beschwerdeführers steht einer Überstellung nicht entgegen. 4.5.2 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche- ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar- ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäischen Geric htshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine wei- tere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, r a- schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu- stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb- lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Gr osse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Der Beschwerdeführer konnte nicht nachweisen, dass er nicht reisefähig sei oder eine Überstel- lung seine Gesundhei t ernsthaft gefährden würde. Den im Vorverfahren eingereichten psychiatrischen Bericht, in welchem dem Beschwerdeführer eine mittelgradige Depression und eine Posttraumatische Belastungsstö- rung diagnostiziert werden (vgl. SEM -eAkten, [...]), greift er in der Be- schwerde nicht auf und macht auch nicht geltend, eine Überstellung würde seine gesundheitliche Verfassung ernsthaft gefährden. Im Ergebnis ver- mag sein Gesundheitszustand eine Unzulässigkeit im Sinne dieser restrik- tiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Die gesundheitlichen Prob- leme sind nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären Grün- den von einer Überstellung abgesehen werden müsste. Im Übrigen ist davon auszugehen, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten sind ve rpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumin- dest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von E-1668/2023 Seite 8 Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit beson- deren Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Kroatien dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern würde. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, werden den me- dizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen und die kroati- schen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen me- dizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). 4.5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstellung nach Kroatien keinen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO gravierenden und systemischen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt wäre oder in eine existenzielle Notlage geraten oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs und unter Verletzung des Non -Refoulement-Gebots in sei- nem Heimat- respektive Herkunftsstaat zurück überstellt würde. 4.6 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 5. 5.1 Eine Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III- VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisieren- den – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ist aus nachfolgenden Gründen ebenfalls nicht angezeigt. 5.2 Soweit der Beschwerdeführer sich auf ein besonderes Abhängigkeits- verhältnis zwischen ihm und seiner (angeblichen) Schwester A.W. beruft, ist der Vorinstanz zunächst darin beizupflichten, dass berechtigte Zweifel am geltend gemachten Verwandtschaftsverhältnis bestehen. Gemäss Aus- kunft der kroatischen Behörden im Rahmen des Übernahmeersuchens der Vorinstanz betreffend A.W. ist der Beschwerdeführer gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen Kindern (welche er gegenüber der Vorinstanz nie er- wähnte) gereist und hat die (angebliche) Schwester A.W. gegenüber den kroatischen Behörden nicht erwähnt und diese ist bei ihnen auch nicht re- gistriert worden (vgl. SEM -eAkten, [...]). Das diesbezügliche Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach in Kroatien das Fingerabdruck-Gerät bei E-1668/2023 Seite 9 A.W. nicht funktioniert habe, ist unglaubhaft (vgl. SEM-eAkten, [...]). Denn wenn dies zutreffen würde, hätten die kroatischen Behörden die Vorinstanz lebensnah über diesen Umstand informiert und A.W. wäre ihnen zumindest bekannt gewesen, was wie erwähnt jedoch nicht der Fall ist. Aber selbst wenn vom geltend gemachten Verwandtschaftsverhältnis auszugehen wäre, ist ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne des hie r einschlägigen Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO nicht gegeben. Diese Bestimmung soll die Zusam- menführung beziehungsweise die Vermeidung einer Trennung von Perso- nen gewährleisten, die Besonderheiten aufweisen, welche eine Hilfsbe- dürftigkeit begründen, so dass eine Zusammenführung zu einer humanitä- ren Pflicht wird (vgl. ULRICH KOEHLER, Praxiskommentar zum Europäi- schen Asylzuständigkeitssystem, Berlin 2018, Rz. 2 zu Art. 16 Dublin-III- VO). Solche Besonderheiten sind gemäss dieser Bestimmung namentlich eine Schwangerschaft, ein neugeborenes Kind, eine schwere Krankheit, eine ernsthafte Behinderung oder ein hohes Alter. Vorliegend ist weder beim Beschwerdeführer noch bei seiner (angeblichen) Schwester das Vorliegen eines solchen Hilfsbedürftigkeitsgrund s, welcher auf eine Ab- hängigkeit seiner (angeblichen) Schwester von ihm oder umgekehrt schliessen lassen würde, zu bejahen. Der Beschwerdeführer macht gel- tend, er habe seit dem Jahr 2018 und dem Tod seiner Grossmutter alleine mit seiner Schwester in Burundi gelebt un d sich um diese geküm- mert. Er nehme die Vaterrolle ein und habe seit klein auf eine Betreuungs- funktion für sie eingenommen. Dies genügt hier unter Berücksichtigung des Gesamtkontexts im Ergebnis aber nicht, um ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der genannten Bestimmung zu begründen. Bei Wahrunterstellung ist zwar naheliegend, dass die Übernahme der Verantwortung eines Kindes im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren eine besondere Abhängigkeit schafft. Er zeigt diesbezüglich in der Beschwerde aber nicht substantiiert auf, inwiefern diese Betreuung und Unterstützung auch heute n och im gleich hohen Mass notwendig und gegeben ist, insbesondere aus Si cht von A.W. Im Übrigen ist ohnehin fraglich, inwiefern es dem Beschwerde- führer angesichts seiner dokumentierten, diagnostizierten psychischen Be- einträchtigungen (mittelgradige Depression und Posttraumatische Belas- tungsstörung) effektiv möglich wäre, solche Unterstützung für seine Schwester zu leisten. Schliesslich vermag er auch mit dem Argument des Kindeswohls nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Er macht im Wesentlichen geltend, seine Schwester als seine Familienangehörige sei noch minderjährig und das Kindeswohl erlaube daher keine Trennung von ihm und seiner Schwester. Nach Einsicht in die Akten von A.W. (N [...]) ist zunächst festzustellen, dass E-1668/2023 Seite 10 die Vorinstanz die behauptete Minderj ährigkeit, namentlich gestützt auf eine forensische Altersabklärung, als nicht glaubhaft erachtete und in der Folge ihr Geburtsdatum im Zentralen Migrationsinformationssystem (Zemis) mit (…) eingetragen hat. Die Frage der Minderjährigkeit kann im vorliegenden Kontext im Raum stehen bleiben, denn gemäss eigenen An- gaben von A.W. und dem mit der Beschwerde eingereichten burundischen Schülerausweis (in Kopie) ist sie im heutigen Zeitpunkt siebzehn Jahre und elf Monate alt und wird am (…) – somit in weniger als zwei Wochen – die Volljährigkeit erreichen. Vor diesem Hintergrund ist eine Gefährdung des Kindeswohl durch eine Trennung vom Beschwerdeführer nicht ersichtlich. 6. Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat dessen Überstellung nach Kroatien angeordnet. 7. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die angefochtene Verfügung zu bestätigen. 8. 8.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses gegenstandslos geworden. 8.2 Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 8.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1668/2023 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Matthias Neumann Versand: