Beschluss vom 30. November 2012 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Andreas J. Keller und Tito Ponti, Gerichtsschreiber Stefan Graf Parteien A., vertreten durch Rechtsanwalt Patrick Lafranchi, Beschwerdeführer gegen BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin Vorinstanz BUNDESSTRAFGERICHT, Strafkammer Gegenstand Beschlagnahme (Art. 263 ff. StPO) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: BB.2012.102 - 2 - Sachverhalt: A. Im u. a. gegen A. geführten Strafverfahren wegen des Verdachts der Betei- ligung an bzw. der Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260 ter StGB) sowie der qualifizierten Geldwäscherei ( Art. 305bis Ziff. 2 StGB) wur- den diesem direkt und indirekt zugerechnete Vermögenswerte und Ge lder beschlagnahmt und Grundbuchsperren errichtet. Mit Ent scheid vom 8. J u- li 2009 (SK.2008.18) sprach die Strafkammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend „Strafk ammer“) A. von den ihm gegenüber erhobenen Vo r- würfen frei und ordnete die Freigabe sämtlicher beschlagnahmter Verm ö- genswerte an. Mit Urteil vom 22. Februar 2011 (6B_609/2009) hiess das Bundesgericht die von der Bundesanwaltschaft gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde gut, hob diesen auf und wies die Sache zur neuen Beurteilung und Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Mit Ur teil vom 21. März 2012 sprach die Strafkammer (SK.2011.5 ) u. a. auch A. ein zwei- tes Mal in allen Anklagepunkten frei und ordnete erneut die Freigabe sämt- licher diesem zuzurechnender Vermögenswerte (Kontoguthaben, Bargeld und Grundstücke) nach Rechtskraft des Urteils an (act. 4.2). Das begrü n- dete Urteil liegt noch nicht vor. B. A. verlangte bereits am 20. April 2011 bei der Strafkammer die Freigabe al- ler auf ihn bzw. seine Gesellschaften lautenden Vermögenswe rte (act. 1.6, Beilage 1). Gegen den dieses Gesuch abweisenden Beschluss der Stra f- kammer vom 15. Juli 2011 (SN.2011.14 ; act. 1.6, Beilage 2 ) erhob er B e- schwerde bei der Besc hwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Mit Be- schluss BB.2011.145 vom 23. Februar 2012 trat die Beschwerdekammer soweit auf die Beschwerde ein, als A. bezüglich auf ihn lautende Verm ö- genswerte Beschwerde erhoben hatte , und wies diese kostenfällig ab. S o- weit er für die von ihm wirtschaftlich beherrschten Gesellschaften B e- schwerde erhoben hatte, trat die Beschwerdekammer auf die Beschwe rde nicht ein (vgl. E. 1.3 des angeführten Beschlusses). C. Mit Eingabe vom 4. Mai 2012 gelangte A. erneut an die Stra fkammer und ersuchte wiederum um Freigabe der auf ihn bzw. seine Gesellschaften la u- tenden Vermögenswerte. Gleichzeitig verlangte er den Rückzug der gegen ihn laufenden Rec htshilfeersuchen an Spanien, insbesondere desjenigen vom 23. Januar 2006 (act. 1.6). Die Strafk ammer wies mit Beschluss SN.2012.15 vom 20. Juni 2012 den Antrag auf Freigabe der Vermögen s-- 3 - werte erneut ab und trat mangels Zuständigkeit auf das Gesuch um Rüc k- zug der Rechtshilfeersuchen nicht ein (act. 1.1). D. Dagegen lässt A. am 4. Juli 2012 Besc hwerde an die B eschwerdekammer einreichen mit dem Antrag, die Ziff. 1 (Abweisung des Gesuchs um Freiga- be der Vermögenswerte) und 3 (Kosten) des angefochtenen Beschlusses seien aufzuheben und es seien sämtliche Beschlagnahmungen gegen ihn sowie seine Unternehmungen B. SA, C. SA, D. SA, E. Trust und F. umge- hend aufzuheben und es seien sämtliche Vermögenswerte umgehend an ihn bzw. dessen Unternehmen zur freien Verfügung zu stellen, unter Ko s- ten- und Entschädigungsfolge (act. 1). Mit Eingabe vom 17. Juli 2012 lehnt die Bundesanwaltschaft eine Freigabe der Vermögenswerte ab und stellt in Aussicht, den erneuten Freispruch des Beschwerdeführers wiederum ans Bundesgeric ht weiterzuziehen (act. 3). Die Strafkammer beantragt am 18. Juli 2012 die Abweisung der Beschwe r- de, soweit darauf einzutreten sei (act. 4). Mit Beschwerdereplik vom 30. Ju- li 2012 lässt A. an den gestellten Anträgen festhalten (act. 6). Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, s o- weit erforderlich, in den folgenden rechtlic hen Erwägungen Bezug geno m- men. Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie gegen die Verfahrenshandlu n- gen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts als erstinstanzliches Gericht des Bundes kann – ausser gegen der en verfahrensleitende Entscheide – bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 35 Abs. 1 und Art. 37 Abs. 1 StBOG). Zur Beschwerde b e- rechtigt ist jede Partei oder jeder andere Verfahrensbeteiligte, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änd e- rung des angefochtenen Entscheides haben (Art. 382 Abs. 1 StPO; Bo t- schaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichun g des Strafprozes s- rechts, BBl 2006 S. 1308). Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet einz u- reichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt werden können gemäss - 4 - Art. 393 Abs. 2 StPO R echtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzög e- rung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachve r- halts (lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c). 1.2 Die grund sätzliche Anfechtbarkeit des vorliegenden Beschlusses ist ge- stützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung erstellt (Urteil des Bu n- desgerichts 1B_569/2011 vom 23. Dezember 2011, E. 2; in diesem Sinne bereits GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozess- ordnung, Berner Diss., Zürich/St. Gallen 2011 , N. 168 ff.). Danach unterlie- gen Entscheide der Strafkammer, die einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können, der Beschwerde nach den Bestimmungen der Art. 393 ff. StPO . Die Beschlagnahme von Vermögenswerten bewirkt g e- mäss ständiger Rechtsprechung grundsätzlich einen solchen nicht wieder gutzumachenden Nachteil (zuletzt das Urteil des Bundesgerichts 1B_694/2011 vom 12. Januar 2012, E. 1.1. m.w.H.), weshalb vorliegend ein zulässiges Anfechtungsobjekt vorliegt. 1.3 Nicht eingetreten werden kann auf die Beschwerde, soweit der allein in e i- genem Namen auftretende Beschwerdeführer mit ihr die Aufhebung der Beschlagnahme von Vermögenswerten verschiedener drittbetroffener G e- sellschaften verlangt. Als persönlich und direkt betroffen gilt im Falle der Beschlagnahme von Vermögenswerten nur der jeweilige Inhaber. Bloss wirtschaftlich an den Vermögenswerten Berechtigte sind nur in Ausnahm e- fällen selbständig beschwerdelegitimiert (vgl. für Bankkonten TPF 2007 158 E. 1.2; Beschluss des Bundesstrafg erichts BB.2011.10 vom 18. Mai 2011, E. 1.5; siehe auch GUIDON, a.a.O., N. 242, 254, 310). Ein solcher Ausna h- mefall liegt hier nicht vor. Das Bestehen eines solchen wird vom B e- schwerdeführer auch nicht geltend gemacht. 1.4 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde die Aufhebung der B e- schlagnahme der ihm direkt zustehenden Vermögenswerte beantragt, g e- ben die Eintretensvoraussetzungen zu keinen weiteren Bemerkungen A n- lass. Auf die Beschwerde ist daher in diesem Umfang einzutreten. 2. 2.1 Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson können beschlagnahmt werden, wenn die Gegenstände und Vermögenswerte voraussichtlich einzuziehen sind (Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO). Die Beschlagnahme ist eine provisorische „konservatorische“ pr o- zessuale Massnahme zur vorläufigen Sicherstellung der allenfalls einzuzie-- 5 - henden Vermögenswerte (Urteil des Bundesgerichts 1B_694/2 011 vom 12. Januar 2012, E. 2.1) und greift dem Entscheid über die endgültige Ein- ziehung nicht vor (TPF 2010 22 E. 2.2.2; TPF 2005 84 E. 3.2.1 S. 87). Für die Einziehungsbeschlagnahme bedarf es eines hinreichenden, obje k- tiv begründeten konkreten Verdachts (Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO; TPF 2005 84 E. 3.1.2), wonach die be troffenen Vermögenswerte durch eine Straftat erlangt worden sind, dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veranlassen oder zu belohnen (siehe Art. 70 Abs. 1 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in seiner bis 31. Dezember 2006 gel tenden Fassung [nachfolgend „a. F.“]) oder der Verfügungsmacht einer kriminellen Organisation unterli e- gen (siehe Art. 72 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 3 StGB a.F. ). Der „hinreichende“ Verdacht setzt nicht voraus, dass Beweise und Indizien bereits für eine e r- hebliche oder hohe Wahrscheinlic hkeit einer Verurteilung sprechen; alle r- dings muss er sich im Verlaufe der Ermittlungen weiter verdichten. Die Verdachtslage unterliegt mit anderen Worten einer umso strengeren Pr ü- fung, „je weiter das Verfahren fortgeschritten ist“ (TPF 2010 22 E. 2.1 S. 24 f.; Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2011.25 vom 30. Mai 2011, E. 3.2; BAUMANN, Basler Kommentar, 2. Auf l., Basel 2007, Art. 72 StGB N. 21). Die Einziehungsbeschlagnahme hat schliesslich im öffentlichen Interesse zu liegen und den Grundsatz der Ver hältnismässigkeit zu wahren (Art. 197 Abs. 1 lit. c und d StPO; TPF 2005 84 E. 3.2.2). Sie ist solange gerechtfe r- tigt, als eine spätere Einziehung wahrscheinlich erscheint (Urteil des Bu n- desgerichts 1B_694/2011 vom 12. Januar 2012, E. 2.1 in fine; TPF 2010 22 E. 2.1 S. 25; Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2011.25 vom 30. Mai 2011, E. 3.2 m.w.H.). Die allgemeinen gesetzlichen Voraussetzu n- gen für die konservatorische Beschlagnahme gelten auch im Hauptverfa h- ren (TPF 2009 40 E. 2.1). 2.2 Vorliegend fallen vers chiedene Bestimmungen in Betracht, welche als Grundlage einer Einziehung herangezogen werden könnten. Einerseits ver- fügt das Gericht die Einziehung aller Vermögenswerte, welche der Verf ü- gungsmacht einer kriminellen Organisation unterliegen. Bei Verm ögens- werten einer Person, die sich an einer kriminellen Organisation im Sinne von Art. 260ter StGB beteiligt oder sie unterstützt hat, wird die Verfügung s- macht der Organisation bis zum Beweis des Gegenteils vermutet (Art. 72 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 3 StGB a.F.). Andererseits verfügt das Gericht die Einziehung von Vermögenswerten, die durch eine Straftat erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veranlassen oder zu b e- lohnen (Art. 70 Abs. 1 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 1 Abs. 1 StGB a. F.). Sind die - 6 - der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vorhanden, so erkennt das Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in gleicher Höhe (Art. 71 Abs. 1 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 2 Abs. 1 StGB a. F.). Zur Sicherung einer solchen Ersatzforderung können die Vermögenswerte des Betroff e- nen ebenfalls mit Beschlag belegt werden (Art. 71 Abs. 3 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 2 Abs. 3 StGB a. F.). Zusätzlich zur Einziehungsbeschlagnahme kann neu seit 1. Januar 2011 gestützt auf Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO ein e Beschlagnahme auch erfolgen zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und En t- schädigungen. Aufgrund des intertemporalen Charakters des Strafprozess- rechts gilt die lex -mitior-Regel von Art. 2 Abs. 2 StGB grundsätzlich nicht, weshalb der prozessual neurechtliche Beschlagnahmegrund für Kosten zur Anwendung gelangen kann (Art. 448 Abs. 1 und Art. 453 Abs. 2 StPO ; SCHMID, Übergangsrecht der Schweizerischen Strafprozessordnung, Zü- rich/St. Gallen 2010, N. 13). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer macht vor liegend geltend, die beschlagnahmten Vermögenswerte würden nicht aus dem im vorliegenden Verfahren zu b e- urteilenden Zigarettengeschäft stammen, vor allem rügt er aber die Unver- hältnismässigkeit der fortdauernden Beschlagnahme. Er führt dazu die Ver- fahrens- und Beschlagnahmedauer von neun Jahren an, gibt an, sich au f- grund der Beschlagnahmen in finanzieller Not zu befinden, auch nicht mehr wirtschaftlich tätig sein zu können und rügt einen Verstoss gegen das B e- schleunigungsgebot. Aufgrund des zweimaligen Frei spruchs fehle es auch an einem öffentlichen Interesse an einer Fortdauer der Beschlagnahme (act. 1, S. 3 ff. ). In prozessualer Hinsicht beanstandet er eine nur rudime n- täre und damit ungenügende Begründung des angefochtenen Entscheids (act. 1, S. 10). 3.2 Die Rüge der ungenügenden Begründung tangiert den in Art. 29 Abs. 2 BV verankerten Anspruch auf rechtliches Gehör. Die Begründungspflicht für andere als Endentscheide (Art. 81 f. StPO sowie für einzelne hier nicht inte- ressierende Entscheide) wird in der StPO nicht weiter konkretisiert. Art. 80 Abs. 2 StPO hält einfach fest, dass Entscheide schriftlich ergehen und b e- gründet werden. Damit gilt weiterhin der von der Rechtsprechung unter Art. 29 Abs. 2 BV erarbeitete Mindeststandard. Danach müssen Beg rün- dungen so abgefasst sein, dass der vom Entscheid Betroffene diesen g e- gebenenfalls sachgerecht anfechten kann. So müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess - 7 - und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BG E 138 IV 81 E. 2.2 in fine; 134 I 83 E. 4.1 S. 88) . Der angefochtene Entscheid setzt sich mit den w e- sentlichen Argumenten in der Eingabe des Beschwerdefüh rers vom 20. Mai 2012 zwar nur kurz, jedoch in für eine Anfechtbarkeit ausreiche n- den Art und Umfang a useinander. Der Entscheid spricht das Spannungs- feld zwischen freisprechendem Urteil, dessen fehlender Rechtskraft, der rechtlichen Möglichkeit damit eines anderen Prozessa usgangs, der nicht wieder gutzumachenden Folgen einer Freigabe vor Rechtskraft und der Verfahrensdauer an und bezieht sich auch auf die Rüge der finanziellen Not. Damit genügt der angefochtene Entscheid den oben skizzierten B e- gründungsanforderungen. Die diesbe zügliche Rüge erweist sich als unb e- gründet. 3.3 Der Beschwerdeführer bestreitet den Z usammenhang zwischen den b e- schlagnahmten Vermögenswerten und dem Zigarettenhandel, in welchem gemäss Anklage die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Straftaten li e- gen sollen. Allein der Umstand, dass Vermögenswerte erst nach Abschluss der auf die Zeit zwisc hen 1. August 1994 und Frühjahr 2000 festgesetz ten inkriminierten Sachverhalte (vgl. den Beschluss SN.2011.38 des Bunde s- strafgerichts vom 12. Dezember 2011, E. 3.3.3 ; act. 1.6, Beilage 4 ) erwor- ben bzw. geäufnet wurden, lässt sich nichts zu Gunsten der Posi tion des Beschwerdeführers ableiten. Solche Vermögenswerte könnten aus den i n- kriminierten Sachverhalten stammen und unterlägen damit der Einziehung unter Art. 70 Abs. 1 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 1 Abs. 1 StGB a.F. Anders ver- hält es sich mit Vermögenswerten, welche vor dem fraglichen Zeitraum er- worben wurden. Diesbezüglich ist allerdings auf die Möglichkeit der Ersat z- forderung im Sinne von Art. 71 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 2 StGB a. F. hinz u- weisen. Schliesslich bleibt für den Fall eines anderen Ausgangs des Stra f- verfahrens auch die von der Vorinstanz in den Vordergrund gestellte Mög- lichkeit der Einziehung gemäss Art. 72 StGB bzw. Art. 59 Ziff. 3 StGB a.F. von Vermögenswerten, die der Verfügungsmacht einer kriminellen Organ i- sation unterliegen . Alle drei Einziehung smöglichkeiten hängen im vorli e- genden Fall entscheidend vom Ausgang des Strafverfahrens in den ve r- schiedenen Anklagepunkten gegenüber dem Beschuldigten ab. Die Sac h- verhalte sind von hoher Komplexität, es stellten sich umfangreiche Beweis- und Rechtsfragen, die Strafkammer hatte den Beschwerdeführer (und we i- tere Beschuldigte) zwar bereits 2009 freigesprochen und die dem B e- schwerdeführer zuzurechnenden Vermögenswerte freigegeben. Dieses U r- teil ist indessen vom Bundesgericht aufgehoben und zur erneuten Beurte i- lung an die Strafkammer zurückgewiesen worden. In ihrem Beschluss SN.2011.38 vom 12. Dezember 2011 hatte die Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass der Tatverdacht (konkret bezüglich Un terstützung einer - 8 - kriminellen Organisation) durch die Anklageerhebung dargetan sei und sich aufgrund der Aufhebung durch das Bundesgericht aufgrund des freispr e- chenden Urteils vom 8. Juli 2009 nichts daran ändere (vgl. E. 3.2.3). Im Er- gebnis ist die Vorinstanz im zweiten Urteil SK.2011.5 vom 21. März 2 012 zwar wiederum zum gleichen freisprechenden Ergebnis gelangt. Dennoch bleibt es hinsichtlich Tatverdacht bei der zutreffenden Feststellung der Vor- instanz im vorerwähnten Beschluss vom 12. Dezember 2011. Denn auch der zweite Freispruch ist nicht recht skräftig. Aufgrund der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin (act. 3), wonach es hoch wahrscheinlich sei, dass sie den Freispruch erneut beim Bundesgericht anzufechten und - implizit - einen Schuldspruch auch gegen den Beschwerdeführer zu erzwingen ge- denke, ist nicht von ein em kurzfristigen Eintritt der Rechtskraft zu rechnen . Bei dieser Sachlage mag zwar die Verurteilungswahrscheinlichkeit sich weiter reduziert haben, die Möglichkeit eines Schuldspruchs, ganz oder partiell, lässt sich aber weiterhin nicht ausschliessen. 3.4 Die Fortdauer der Beschlagnahme muss trotz der oben beschriebenen, un- gewöhnlichen Konstellation verhältnismässig bleiben. Um für den weiterhin möglichen Fall eines anderen Ausgangs des Stra fverfahrens die unter den verschiedenen Titeln zu begründenden Einziehungen wirksam sicherzustel- len, bleibt als einziges Mittel das Aufrechthalten der Beschlagnahme inte g- ral über sämtliche direkt oder indirekt dem Beschwerdeführer zuzurec h- nenden Vermögenswerte. Die Beschlagnahme ist in diesem Sinne einziges sicheres Mittel um eine möglicherweise doch noch zu erfolgende Einzi e- hung sicherzustellen; eine mildere Massnahme wäre nicht zielfüh rend (Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO). Dass die Beschlagnahme mit neun Jahren sehr lange dauert, kann nicht ernsthaft bestritten werden. Entsp rechend erheblich ist die wirtschaftliche Selbstbestimmungsfreiheit des Beschwerdeführers eingeschränkt, auch wenn dieser eine eigentliche finanzielle Notsituation (auch im Beschwerd e- verfahren) nicht glaubhaft gemacht hat. Auf der anderen Seite fallen ins Gewicht die schwerwiegenden Vorwürfe, vor allem aber auch die hohe Ein- ziehungsforderung, welche die Anklagebehörde geltend macht. Sie erlaubt unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit auch keine partielle Freigabe einzelner Güter. 3.5 Wenn der Beschwerdeführer drohende Rechtsverluste we gen angedrohter Zwangsversteigerung der Liegenschaft anführt sowie ungenügende Ve r- mögensverwaltung im Sinne von Art. 266 Abs. 6 StPO i.V.m. der Veror d- nung vom 3. Dezember 201 0 über die Anlage beschlagnahmter Verm ö- genswerte (SR 312.057) geltend macht, so verkennt diese Argumentation, - 9 - dass beide Fragestellungen nicht den Entscheid über die Beschlagnahme der Güter an sich, sondern die Art der Verwaltung betreffen. Diese bildet aber nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerd everfahrens. Die dies- bezügliche Argumentation ist mit Bezug auf die Frage nach der Aufrecht- haltung der Beschlagnahme nicht entscheidrelevant. 3.6 Schliesslich rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des Beschleun i- gungsgebots. Die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin, wonach allfällige Verletzungen des Beschleunigungsgebots im Verantwor- tungsbereich der Gerichte liegen, sind insofern nicht zielführend, als sich daraus nichts für eine Fortdauer der Beschlagnahme ableiten lässt. Welche Amtsstellen im Rahmen einer langdauernden Beschlagnahme allenfalls welche Verzögerungen zu verantworten haben, ist für die Beurteilung einer Verletzung des Beschleunigungsgebots irrelevant: Der Staat hat insgesamt für ein beförderliches Strafverfahren einzustehen. Zwa r dauert das Stra f- verfahren bzw. die Beschlagnahme gegenüber dem Beschwerdeführer mit neun Jahren sehr lange, indessen ist einerseits zu berücksichtigen, dass es sich dabei um eines der umfangreichsten (über 1000 Bundesordner Akten) und komplexesten überha upt handelt, in welchem bisher zahllose B e- schwerdeentscheide und Entscheide des erstinstanzlichen Strafgerichts ergangen sind. Andererseits ist ein erheblicher Teil der Verfahrensdauer seit 2009 im Rechtsmittelsystem des Bundes selbst angelegt und darin, dass alle Parteien ihre Interessen mittels Rechtsmittel durchzusetzen ve r- suchen können. Die lange Verfahrensdauer ist damit auf objektive Gründe zurückzuführen. Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots, welche eine Aufhebung der Beschlagnahme rechtfertigen könnte, ist deshalb zu vernei- nen. 4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die G e- richtskosten zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 1'500.-- festzusetzen (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reg- lements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR, SR 173.713.162]). - 10 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wird. 2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500. -- wird dem Beschwerdeführer zur Beza h- lung auferlegt. Bellinzona, 3. Dezember 2012 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: Zustellung an - Rechtsanwalt Patrick Lafranchi - Bundesstrafgericht, Strafkammer - Bundesanwaltschaft Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide der Beschwerdekammer über Zwangsmassn ahmen kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde geführt werden (Art 79 und 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005; BGG). Das Verfahren richtet sich nach den Artikeln 90 ff. BGG. Eine Beschwerde hemmt den Vollzug des angefochtenen Entscheides nur, wenn der Instruktionsrichter oder die Instruktionsrichterin es anordnet (Art. 103 BGG).