Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. August 2018 (810 18 41) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Baugesuch für Einfamilienhaus mit Autounterstand / Grenzabstand zwischen Autounter- stand und Nachbarparzelle Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Daniel Ivanov, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Stefan Wirz , Advokat gegen Baurekurskommission des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstra s- se 29, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin A.B.____ und B.B.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Livio Marelli, Advokat Einwohnergemeinde C.____ , Beigeladene Betreff Baugesuch für Einfamilienhaus mit Autounter stand (Entscheid der Baurekurskommission vom 23. Januar 2018) A. A.B.____ und B.B.____ reichten am 19. Mai 2017 b eim Bauinspektorat des Kantons Basel-Landschaft (Bauinspektorat) das Baugesuch Nr. 0891/2017 für ein Einfamilienhaus mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Autounterstand auf der Parzelle Nr. 1725, Grundbuch (GB) C.____, ein. Beim Autounterstand handelt es sich um einen an der Südfassade des Einfamilienhauses angebauten auf drei Seiten offenen Dachvorsprung (Carport), welcher um 3.4 m üb er die Südfassade hinausragt. Die Dis- tanz zwischen der Südfassade und der benachbarten Parze lle Nr. 1293, GB C.____, beträgt 4.4 m, der Abstand zwischen dem Dachvorsprung und der bena chbarten Parzelle Nr. 1293 1.0 m. Gegen das genannte Baugesuch erhob A.____, Eig entümerin der Parzelle Nr. 1293, am 3. Juni 2017 beim Bauinspektorat Einsprache und monierte neben anderen hier nicht mehr inte- ressierenden geltend gemachten Gesetzesverletzungen die Ni chteinhaltung des gesetzlichen Grenzabstandes zu ihrem Grundstück durch das Vordach des geplanten Autounterstandes. B. Nachdem die Bauherrschaft bereinigte Pläne eingere icht hatte, wies das Bauinspekto- rat die Einsprache von A.____ mit Entscheid vom 16. Aug ust 2017 ab, soweit es darauf eintrat. Es wurde festgehalten, dass Haupt- und Vordächer gemäss § 53 Abs. 1 der Verordnung zum Raumplanungs- und Baugesetz (RBV) vom 27. Oktober 1998 die Fassade um bis zu 1 m über- ragen dürften, wenn der minimale Grenzabstand gegenü ber Nachbarparzellen eingehalten werde. Das “an der Fassade angehängte und nicht abgestü tzte Dach des Carports“ rage insge- samt 3.4 m über die Fassade hinaus. Nach Abzug des zulässige n Meters werde die für den Grenzabstand massgebende Fassade bei 2.4 m gemessen. Be i einer Fassadenlänge von 6.0 m und einer Fassadenhöhe von 3.0 m (Carportdach) werde der minimale Grenzabstand von 2.0 m zur Parzelle der Einsprecher exakt eingehalten. C. Mit Eingabe vom 25. August 2017 erhob A.____, nach folgend immer vertreten durch Stefan Wirz, Advokat, gegen den Entscheid des Bauinspekto rats bei der Baurekurskommission des Kantons Basel-Landschaft (Baurekurskommission) Beschwerd e. Beantragt wurde die Ab- weisung des Entscheids und die Aufhebung der Baubewillig ung bzw. eventualiter die Rückwei- sung der Sache zur neuen Feststellung des Sachverhalts und Neuentscheidung. Es wurde eine Verletzung des zulässigen Grenzabstands und des Anspruchs au f rechtliches Gehör geltend gemacht. D. Nach Durchführung eines Augenscheins wies die Baureku rskommission die Be- schwerde mit Entscheid Nr. 17-023 vom 23. Januar 2018 ab. Sie kam zum Schluss, dass weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs noch der Grenzabs tandsvorschriften vorliege. Sie führ- te unter anderem aus, von der Breite des Dachs des Car ports von 3.4 m werde gestützt auf § 53 Abs. 1 lit. a RBV 1.0 m abgezogen und beim Punkt 2.4 m des Carports und somit bei 2.4 m von der Fassade der Hauptbaute eine Fassade (des C arports) fingiert. Diese fingierte Fassade habe gemäss § 90 des Raumplanungs- und Baugesetzes ( RBG) vom 8. Januar 1998 2.0 m Grenzabstand einzuhalten, was vorliegend erfüllt sei. E. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe v om 7. Februar 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie bean- tragte, es seien der Entscheid der Baurekurskommission vom 23. Januar 2018 sowie der Ent- scheid des Bauinspektorats vom 16. August 2017 aufzuheben und das Baugesuch Nr. 891/2017 abzuweisen. Eventualiter sei der Entscheid der Baurekurskommission aufzuheben und die Sache zur neuen Feststellung des Sachverhalts un d Neuentscheidung an die Vor-Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht instanz zurückzuweisen; alles unter o/e-Kostenfolge. In i hrer ergänzenden Beschwerdebegrün- dung vom 12. März 2018 machte sie die Verletzung des re chtlichen Gehörs sowie der Grenz- abstandsvorschriften durch den Carport geltend. Im Zusamm enhang mit der Legitimation der Beschwerdeführerin wurde der Antrag auf Einholung ei ner amtlichen Auskunft bei der Einwoh- nerkontrolle C.____ gestellt. Des Weiteren wurden ein Augenschein und eine Parteibefragung beantragt. In seiner Vernehmlassung an das Kantonsgericht vom 18. April 2017 beantragte das Bauin- spektorat die Abweisung der Beschwerde. F. Mit präsidialer Verfügung vom 24. April 2018 wurde der Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Die Beweisanträge der Beschwerdeführ erin auf Einholung einer amtlichen Auskunft bei der Einwohnerkontrolle C.____, Anordnung eines Augenscheins sowie Parteibe- fragung wurden abgewiesen. G. Auf entsprechendes Gesuch der Bauherrschaft und nach E inreichung bereinigter Pläne erteilte das Bauinspektorat mit Verfügung vom 5. Juni 2018 der Bauherrschaft eine Teilbaube- willigung für das Einfamilienhaus ohne Carport. Mit Schreiben vom 10. Juli 2018 teilte das Bau- inspektorat A.____ mit, dass nur der Carport, nicht jedoch das Einfamilienhaus Gegenstand des hängigen Beschwerdeverfahrens vor Kantonsgericht sei. D er Carport sei demzufolge von der erteilten Teilbaubewilligung nicht berührt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Das Kantonsgericht prüft nach § 16 Abs. 2 VPO insbeson dere die Eintretensvoraus- setzungen von Amtes wegen. Gemäss § 134 Abs. 5 RBG in Ve rbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entscheide der Baurekurskommission beim Kanto nsgericht angefochten werden. Demnach ist das Kantonsgericht zur Beurteilung der vor liegenden Beschwerde örtlich und sachlich zuständig. Die Beschwerdeführerin ist Eigentümer in des Grundstücks, welches unmit- telbar an das Grundstück der Bauherrschaft angrenzt. Stre itpunkt ist der zulässige Grenzab- stand des geplanten Autounterstands zur gemeinsamen Grund stücksgrenze der Beschwerde- führerin und der Baugesuchsteller. Die Beschwerdeführ erin ist damit vom angefochtenen Ent- scheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an desse n Aufhebung. Da auch die übri- gen formellen Voraussetzungen gegeben sind, ist auf di e verwaltungsgerichtliche Beschwerde einzutreten. Anzumerken ist, dass die Legitimation der B eschwerdeführerin unbestritten ist, so dass die entsprechenden Anträge der Beschwerdeführerin au f Einholung einer amtlichen Aus- kunft bei der Einwohnerkontrolle der Gemeinde C.____ und auf Parteibefragung abzuweisen sind. 2. In der Beurteilung der vorliegenden gegen den Ent scheid der Baurekurskommission gerichteten verwaltungsgerichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefoch tenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen, ob di e Beschwerdegegnerin ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kan n beurteilt werden, ob diese den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt h at. Die Überprüfung der Angemessenheit des angefochtenen Entscheides der Baurekurskommission dagege n ist dem Kantonsgericht verwehrt (§ 45 lit. c VPO e contrario). 3.1. Die Beschwerdeführerin moniert vorerst eine Verl etzung ihres Anspruchs auf rechtli- ches Gehör in mehrfacher Hinsicht. 3.2. Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch der Parteien auf rechtliches Gehör ge- währleistet dem Einzelnen allgemein eine effektive Mi twirkung im Verfahren zum Erlass von Entscheidungen, die in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreifen (G EROLD STEINMANN , in: Ehrenzeller et al. [Hrsg.], St. Galler Kommentar zur schweizerischen Bundesverfassung, 3. Aufl., Zürich 2014, Art. 29 BV, Rz. 42 ff.). Die Behörde hat den Parteien nicht nur Gelegenheit zur Äusserung zu geben, sondern deren Argumente, Verfah rens- und Beweisanträge auch ent- gegenzunehmen, ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung angemessen zu berücksichti- gen. Die Begründungspflicht stellt dabei sicher, dass die Behörde die Vorbringen der Betroffe- nen tatsächlich prüft und allenfalls berücksichtigt (JÖRG PAUL MÜLLER /MARKUS SCHEFER , Grund- rechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 868; MICHELE ALBERTINI , Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren d es modernen Staates, Bern 2000, S. 360 f.). Dies gilt für alle form- und fristgerecht angebrachten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage ge eignet und erforderlich erscheinen. Erhebt die betroffene Person in diesem Sinne entscheidwesentl iche Einwände, so muss sich die Be- hörde ausdrücklich mit diesen auseinandersetzen, oder ab er zumindest die Gründe angeben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigt (Urtei l des BGer 2C_839/2016 vom 12. April 2017 E. 3.1.1; BGE 124 V 180 E. 2b; Urtei l des Kantonsgerichts, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 27. Juli 2016 [ 810 15 267] E. 7.1). Die Begrün- dung muss so abgefasst sein, dass sowohl die betroffene P erson wie auch die Rechtsmitte- linstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild ma chen können. Die Begründung braucht nicht ausführlich zu sein; sie muss aber zumindest kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten ei nlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (BGE 143 III 65 E. 5.2; 140 II 262 E. 6.2; 133 I 270 E. 3.1; KGE VV vom 20. Dezember 2017 [810 17 93] E. 5.1). 3.3.1. Die Beschwerdeführerin führt in ihrer Beschwerde begründung an das Kantonsgericht einleitend aus, bereits im Verfahren vor der Baurekursko mmission gerügt zu haben, dass die Begründung im Einspracheentscheid des Bauinspektorats nicht hinreichend gewesen sei. Nach Eingang der Stellungnahme des Bauinspektorats an die Baurekurskommission habe die Be- schwerdeführerin anlässlich der Augenscheinverhandlung eingehend darauf hingewiesen, dass sie eine kumulative Anwendung von § 53 Abs. 1 lit. a R BV und den Grenzabstandsvorschriften für unzulässig halte. Entweder der Carport werde von § 53 Abs. 1 lit. a RBV erfasst und bleibe daher bezüglich der Ermittlung des Grenzabstands unbe rücksichtigt oder er werde von dieser Bestimmung nicht erfasst und habe einen minimalen Grenzabstand von 2.0 m einzuhalten. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.2. Die Beschwerdeführerin rügt in der Beschwerde an das Kantonsgericht hinsichtlich der Verletzung des rechtlichen Gehörs, die Vorinstanz habe i hren Entscheid ungenügend begrün- det. Sie habe in den Erwägungen 2.3 und 2.4 nicht er wähnt, auf welcher Grundlage welcher konkreten Bestimmung sie den Grenzabstand von 2.0 m berechne. Des Weiteren habe die Vor- instanz die Rügen der Beschwerdeführerin betreffend de n unterschrittenen Grenzabstand nicht vollständig und insbesondere nicht richtig erfasst. Die Bau rekurskommission habe zwar die in Ziffer 17 der Beschwerde vom 15. September 2017 erhob enen Rügen erfasst. Sie gehe jedoch auf die in Ziffer 18 der Beschwerde vom 15. September 2017 erhobene und an der Augen- scheinverhandlung wiederholte Rüge nicht ein, dass zusätzlic h zur Anwendung der Bestim- mung von § 53 Abs. 1 lit. a RBV auf den Carport auch e in Grenzabstand für den Carport be- rechnet werde. Sie unterlasse jegliche Aussage über di e Unmöglichkeit einer kumulativen An- wendung von § 90 RBG und § 53 RBV sowie über das Verhä ltnis der Bestimmungen zueinan- der. 3.4.1. Die Baurekurskommission führt in ihrem Entscheid aus, der Grenzabstand des geplan- ten Carports sei umstritten. Sie hält fest, die Beschwer deführerin rüge, dass die Berechnung des Grenzabstands durch das Bauinspektorat unklar sei. Die Beschwerdeführerin selbst gehe gestützt auf den mit Hilfe aller Grenzabstände gebilde ten Polygon von einem erforderlichen Grenzabstand von 4.0 m aus, was bedeute, dass das Vordach in casu lediglich bis 3.0 m an die gemeinsame Parzellengrenze heranragen dürfe. Diese Auss agen finden sich in Ziffer 17 der Beschwerdeschrift vom 15. September 2017 an die Baurekurskommission. Die Baurekurskommission nennt in ihrem Entscheid die mas sgebenden gesetzlichen Be- stimmungen, nämlich § 90 RBG und §§ 52 ff. RBV. In de r Erwägung 2.2 erörtert die Baurekurs- kommission, dass den Abstandsvorschriften eine nachbarschützen de Funktion zukomme. In der Erwägung 2.3 führt sie aus, wie der Grenzabstand für die Hauptbaute berechnet werde. Aus der Erwägung 2.4 geht hervor, dass für den Autounterst and als Nebenbaute der Grenzabstand separat zu berechnen sei und dass dieser aufgrund seiner Masse 2.0 m betrage. Unter Hinweis auf die langjährige Praxis des Bauinspektorats erklärt die Baurekurskommission, dass nach § 53 Abs. 1 lit. a RBV 1.0 m vom Vordach über den Gre nzabstand von 2.0 m ragen dürfe. Auf den Augenschein Bezug nehmend wird erklärt, dass 2.40 m ab der Hauptbaute und damit 2.0 m von der Grenze entfernt, eine Fassade fingiert und von dort ein zusätzlicher Meter Vordachlän- ge erlaubt werde. Die Baurekurskommission begründet die se Berechnungsart damit, dass bis zur fingierten Fassade auch die Fassade eines Anbaus rei chen könne, wobei dann ab dieser Fassade gemäss § 53 Abs. 1 lit. a RBV ein bis zu 1.0 m hi nausragendes Vordach zulässig wä- re. Sie führt in dieser Erwägung auch aus, dass vor dem Hintergrund der baupolizeilichen Funk- tion der Grenzabstände festzustellen sei, dass eine der artige Baute mit Fassade (statt nur fin- gierter Fassade) bis 2.0 m an die Parzellengrenze für d ie Beschwerdeführerin weitaus tiefgrei- fendere Auswirkungen bezüglich Wohnhygiene hätte als das g eplante Carportdach, das eine deutlich geringere Beeinträchtigung darstelle. Aus die sem Grund sei nicht ersichtlich, weshalb die Bestimmung von § 53 Abs. 1 lit. a RBV für das Carp ortdach nicht zur Anwendung gelangen solle. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4.2. Zum einen hat die Baurekurskommission in den Erw ägung 2.2 bis 2.4 Schritt für Schritt aufgezeigt, wie der Abstand für den Carport berechnet wird. Zum anderen hat sie somit implizit ausgesagt, dass eine Kumulation der zwei fraglichen Best immungen stattfindet. Als Begrün- dung für diese Berechnungsweise und damit für die Ku mulation wird – zusätzlich zu den an- wendbaren Bestimmungen – einerseits auf die langjähri ge Praxis des Bauinspektorats verwie- sen und andererseits erklärt, dass diese Berechnungsweise den Sinn und Zweck des § 90 RBG und des § 53 RBV berücksichtige, weil die nachbarschützende Funktion dieser Bestimmungen eingehalten werde. Der Beschwerdeführerin ist insoweit Recht zu geben, als die Baurekurs- kommission nicht explizit die Auslegungsart der fragliche n Bestimmungen durch die Beschwer- deführerin widerlegt. Durch das Aufzeigen der durch das Bauinspektorat vorgenommenen Be- rechnungsart erklärt sie aber implizit, weshalb sie eine Kumulation für richtig erachtet. Damit ist die Baurekurskommission z.T. explizit und z.T. implizit auf die in Ziffer 18 der Beschwerde an die Baurekurskommission vorgebrachten und am Augenschein wiederholten Einwände der Be- schwerdeführerin eingegangen: erstens, weshalb nicht das g anze Dach ein fassadenüberra- gender Gebäudeteil nach § 90 Abs. 1 2. Satz RBG in Ve rbindung mit § 53 RBV darstelle, zwei- tens “zusätzlich zu § 53 Abs. 1 lit. a RBV ein Grenzabsta nd berechnet“ werde, drittens der Grenzabstand von 2.0 m eingehalten sei und viertens da s 3.4 m tiefe Vordach nicht selbst wie- derum ein Vordach aufweise. Zudem ermöglicht – wie aus der Beschwerde an das Kantonsge- richt ersichtlich ist – die Urteilsbegründung der Baure kurskommission sowohl der Beschwerde- führerin wie auch der Rechtsmittelinstanz sich über die T ragweite des Entscheids ein Bild zu machen. Die Begründung nennt die Überlegungen, von d enen sich die Baurekurskommission hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Zudem ist nochmals festzuhalten, dass es nicht erforderlich ist, dass sich die Rechtsmittelinstanz mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrückl ich widerlegt. Damit ist festzustellen, dass sowohl der Vorwurf der Beschwerdeführerin, es habe ke ine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der fraglichen Bestimmungen zueinander stat tgefunden, als auch die Rüge, dass zusätzlich zur Anwendung der Bestimmung von § 53 Abs. 1 li t. a RBV auf den Carport fälschli- cherweise auch ein Grenzabstand für den Carport berechn et werde, nicht berechtigt sind. Die Urteilsbegründung der Baurekurskommission ist somit rechtsgenüglich. 3.5.1. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, das rechtliche Gehör sei verletzt, weil die Vorinstanz am Augenschein kein Protokoll geführt un d auch nicht sämtliche entscheidrele- vanten Äusserungen der Beschwerdeführerin am Augenschei n im Urteil thematisiert habe. Die Baurekurskommission erfasse zwar in ihrem Entscheid die in Ziffer 17 der Beschwerde vom 15. September 2017 erhobenen Rügen. Sie gehe jedoch nicht auf die in Ziffer 18 ihrer Be- schwerde vom 15. September 2017 erhobene und an der Augenscheinverhandlung wiederholte Rüge ein, dass zusätzlich zur Anwendung von 53 Abs. 1 li t. a RBV auch ein Grenzabstand für den Carport berechnet werde. 3.5.2. Es entspricht einem aus dem Anspruch auf rechtliche s Gehör abgeleiteten allgemeinen Verfahrensgrundsatz, dass entscheidrelevante Tatsachen un d Ergebnisse schriftlich festzuhal- ten sind. Die wesentlichen Ergebnisse des Augenscheins sind in einem Protokoll, Aktenvermerk oder gemäss Rechtsprechung zumindest im Entscheid klar zum Ausdruck zu bringen (BGE 130 II 473 E. 4.24). Da vorliegendenfalls kein Augenschei nprotokoll geführt wurde, beurteilt sich die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rüge der Beschwerdeführerin danach, ob die wesentliche n Ergebnisse des Augenscheins im Entscheid klar zum Ausdruck gebracht werden. Augenschein, V erhandlung und Urteilsfällung fanden am gleichen Tag statt. Die Parteien waren anwe send und hatten daher Gelegenheit, sich zu den Beweiserhebungen der Baurekurskommission zu äusse rn. Da sogleich das Urteil gefällt wurde, käme dem Augenscheinprotokoll gegenüb er einer vollständigen Urteilsbegrün- dung keine selbständige Bedeutung zu. Gibt die Urteil sbegründung bei diesen Umständen die wesentlichen Ergebnisse des Augenscheins klar wieder, ist d as rechtliche Gehör gewahrt (vgl. zum Ganzen Urteil 1C_134/2007 vom 24. Januar 2008 E. 3 .2 f.). Vorliegendenfalls ist folglich zu prüfen, ob die Urteilsbegründung der Baurekurskommissi on die wesentlichen Ergebnisse des Augenscheins klar wiedergibt. 3.5.3. Wie in der Erwägung 3.4.2 hiervor ausgeführt, hat die Baurekurskommission auch die in Ziffer 18 der Beschwerde an die Baurekurskommission u nd am Augenschein wiederholten Rügen in ihr Urteil einfliessen lassen und behandelt. Die Urteilsbegründung gibt damit die we- sentlichen Ergebnisse des Augenscheins wieder, womit auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs wegen Fehlens eines Augenscheinprotokolls vorliegt. 4.1.1. Damit ist als nächstes zu prüfen, ob der Autount erstand die Grenzabstandsvorschriften zur Parzellengrenze der Beschwerdeführerin einhält. In Bezug auf den einzuhaltenden Abstand kommen die Beschwerdegegner und die Beschwerdeführerin zu unterschiedlichen Ergebnis- sen, weil die involvierten Parteien die für diesen Fal l relevanten Bestimmungen unterschiedlich auslegen. Diese Bestimmungen lauten wie folgt: “§ 90 RBG; Grenzabstände 1 Der Grenzabstand ist die Entfernung zwischen der pro jizierten Fassadenlinie und der Parzellengren- ze. Fassadenüberragende Gebäudeteile nach § 53 RBV ge lten als für die Ermittlung der projizierten Fassadenlinie unbedeutend vorspringende Gebäudeteile. § 52 RBV; Hauptbauten 1 Der Grenzabstand wird bestimmt durch das mit Hilfe aller Grenzabstände gebildete Polygon. 4 Ist der Baukörper a. in der Höhe gestaffelt und/oder in der Tiefe abg esetzt, oder b. … sind für jeden derart begrenzten Teil des Baukörpers die Grenzabstände gesondert zu berechnen. Die Messweise ergibt sich aus den Anhängen. § 53 RBV; Bauteile, welche die Fassade überragen 1 Über Fassaden, die den minimalen Grenzabstand gege nüber Nachbarparzellen einhalten, dürfen folgende Bauteile ragen: a. Haupt- und Vordächer bis 1 m“ Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.2. Ergänzend ist noch festzuhalten, dass in § 90 Abs. 2 RBG und in § 52 Abs. 2 RBV auf- grund der Kriterien Fassadenlänge und Geschosszahl der e inzuhaltende Grenzabstand zum Nachbargrundstück festgelegt wird. Zudem erteilt § 90 Ab s. 4 RBG dem Regierungsrat die Kompetenz, in der Verordnung unter anderem die Einze lheiten über die Berechnung der Grenzabstände vorzunehmen. Des Weiteren verweist § 52 Abs. 4 lit. a RBV auf Seite 4 des Anhangs 1 zur RBV, wo zwei Skizzen mit abgesetzten und/od er gestaffelten Baukörpern und den entsprechenden einzuhaltenden Grenzabständen abgebildet sind. 4.1.3. Bezüglich § 52 (vgl. Titel zu § 52 “Hauptbaut en #“) ist festzuhalten, dass § 52 RBV gemäss § 1a RBV ausschliesslich für die Gemeinden gilt, welche die Interkantonale Vereinba- rung über die Harmonisierung der Baubegriffe (IVHB) noch nicht übernommen haben. Für die- jenige Gemeinden, die ihre Zonenvorschriften noch nicht an die IVHB angepasst haben, gilt weiterhin das bisherige Recht (§ 139a RBG). Die durch die IVHB definierte Baubegriffe und Messweisen sind nicht direkt anwendbar, d.h. sie müssen erst ins kantonale Recht überführt werden (vgl. Vorlage an den Landrat des Kantons Basel- Landschaft Nr. 2008-229 zum Beitritt zur IVHB vom 23. September 2008, S. 2). Nach dem Bei tritt des Kantons Basel-Landschaft zur IVBH hat der Regierungsrat die erforderlichen Anpassun gen des RBG und der zugehörigen Verordnungen vorgenommen und per 1. Januar 2015 in Kr aft gesetzt. Die Gemeinden erhalten eine auf Gesuch hin erstreckbare Umsetzungsfrist von 15 Jahr en seit Inkrafttreten, innert wel- cher sie ihre kommunalen Vorschriften an die mit der Übernahme der IVHB verbundenen Ände- rungen anpassen müssen. In Anbetracht, dass das Zonenregl ement der Gemeinde C.____ letztmals an der Einwohnergemeindeversammlung vom 26. S eptember 2014 Mutationen erfah- ren hat (genehmigt durch den Regierungsrat mit Beschlu ss vom 21. Januar 2014), ist davon auszugehen, dass die Gemeinde die IVHB noch nicht übernommen hat, womit § 52 RBV vorlie- gendenfalls anwendbar ist. 4.2.1. Das Bauinspektorat berechnet aufgrund von § 52 A bs. 4 lit. a RBV die Grenzabstände für die Hauptbaute und den Carport je einzeln (siehe S. 4 des Anhangs 1 zum RBV). Gemäss Bauinspektorat ergibt sich für die Hauptbaute aufgrund von § 52 Abs. 2 RBV ein Abstand von der Nachbarsparzelle von 4.0 m und für den Carport vo n 2.0 m. An dieser Stelle fingiert das Bauinspektorat eine zur Hauptbaute parallel verlaufende Fassade (an dieser Stelle dürfte auch eine Fassade stehen) und lässt von der fingierten Fassade gemessen gemäss § 53 Abs. 1 lit. a RBV einen Meter darüber hinausragende Carportdachtie fe zu, da Haupt- und Vordächer bis zu 1.0 m als für die Ermittlung der projizierten Fassaden linie als unbedeutend vorspringende Ge- bäudeteile gelten. Das Bauinspektorat hat für die Berechnung von Grenzabstä nden bei Dachvorsprüngen und Vordächern eine langjährige Praxis. Gemäss dieser “sind Da chvorsprünge und Vordächer bis zu 1 m frei“. Überschreiten sie dieses Mass von 1.0 m, so ist das Übermass der Fassade hinzu- zurechnen. In seiner Vernehmlassung an das Kantonsgericht vom 18. April 2017 führt das Bau- inspektorat als Beispiel ein zweigeschossiges Gebäude an, w elches einen minimalen Grenzab- stand von 5.0 m zur Nachbarsparzelle einzuhalten hat. H at dieses Gebäude einen Dachvor- sprung von z.B. 1.5 m, so wird für die Berechnung des Grenzabstandes die Fassade, an wel- chem sich das Vordach befindet, um den den zulässigen Meter überschiessenden Teil, hier um Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 0.5 m (1.5 m - 1.0 m), in Richtung Parzellengrenze fin giert. Diese fingierte Fassade hat den Grenzabstand von 5.0 m einzuhalten. Damit befindet si ch die effektive Fassade mit einem Vor- dach von 1.5 m in einem Abstand von 5.5 m von der Parzel lengrenze. Das Vordach von 1.5 m Tiefe hält einen Abstand von 4.0 m ein. Vorliegendenf alls wurde von der Tiefe des Dachs des Carports von 3.4 m gestützt auf § 53 Abs. 1 lit. a RB V 1.0 m abgezogen und beim Punkt 2.4 m des Carports und somit bei 2.4 m Distanz von der Fassade der Hauptbaute eine Fassade (des Carports) fingiert. Diese fingierte Fassade hält den G renzabstand gemäss § 90 RBG von 2.0 m ein. Anders ausgedrückt macht das Bauinspektorat für di e Anwendung der Bestimmung § 90 Abs. 1 RBG i.V.m. § 53 Abs. 1 lit. a RBV keinen Unter schied, ob das Vordach genau 1.0 m tief oder tiefer ist. In beiden Fällen wird immer der letzte Meter, d.h. entweder genau das Vordach in der Tiefe von 1.0 m oder der letzte Meter des tiefere n Vordachs und damit nur ein Vordachan- teil in der Tiefe von 1.0 m, als zulässigen überragenden Gebäudeteil betrachtet. 4.2.2. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Stand punkt, dass die Vorinstanz § 90 RBG (i.V.m. § 52 RBV) und § 53 Abs. 1 lit. a RBV unzulässi gerweise kumulativ anwende. Sie macht geltend, dass es zwei mögliche Auslegungsarten gebe. Die erste Auslegungsart sei, dass ge- mäss explizitem Wortlaut in § 90 Abs. 1 RBG fassadenüberra gende Gebäudeteile zur Ermitt- lung der Grenzabstände nach § 53 RBV unberücksichtigt b lieben. Demzufolge seien von § 53 RBV nicht erfasste Gebäudeteile bei der Berechnung zu b erücksichtigen. Stelle der Carport ein Vordach nach § 53 RBV dar, so bleibe er demzufolge bezüglich der Ermittlung unberücksichtigt. Er dürfe damit den Grenzabstand für das Gebäude von 4. 0 m nicht überragen. Der Carport überrage die Fassade aber um 3.4 m. Damit sei § 53 Ab s. 1 lit. a RBV verletzt. Bei der zweiten Auslegungsart sei der Carport hingegen zur Ermittlung des Grenzabstandes zu berücksichtigen. Er habe demzufolge den gesetzlichen Grenzabstand von 2. 0 Metern einzuhalten. § 53 Abs. 1 RBV sei in diesem Fall nicht anwendbar. Der Carport r eiche in casu bis 1.0 m an die gemein- same Grundstücksgrenze heran. § 90 RBG und § 52 Abs. 2 R BV, welche die Grenzabstände anhand der Fassadenlängen und Geschosszahlen bzw. Fassadenhöhen festlegen würden, sei- en verletzt. Folglich sei richtigerweise entweder der Carport als Bauteil gemäss § 53 Abs. 1 lit. a RBV zu qualifizieren, womit er für die Ermittlung de s Grenzabstands unberücksichtigt bleibe und nur 1.0 m über den ohne diesen Bauteil berechnet en Grenzabstand hinausragen dürfe, oder der Carport stelle kein solcher Bauteil dar und h abe gesamthaft den minimalen Grenzab- stand von 2.0 m gemäss § 90 Abs. 2 RBG i.V.m. § 52 Abs. 2 RBV einzuhalten. 4.2.3. Wenn nun das Bauinspektorat für die Hauptbaut e den Grenzabstand nach § 90 Abs. 1 und 2 RBG i.V.m. § 52 Abs. 2 RBV berechnet und den Carport als Baukörper im Sinne von § 52 Abs. 4 RBV behandelt, für den ein separater Grenzabstan d nach § 90 Abs. 2 RBG i.V.m. § 52 Abs. 1, 2 und 4 RBV zu berechnen ist, so ist das nicht zu beanstanden. Diese Vorgehensweise widerspricht in keiner Weise dem Wortlaut und dem Sinn und Zweck der Bestimmungen. Viel- mehr entspricht es auch den Darstellungen auf Seite 4 d es Anhangs 1 zur RBV. Daraus resul- tiert ein Grenzabstand für die Südfassade der Hauptb aute von 4.0 m und für den Carport von 2.0 m. Wie der obigen Erwägung zu entnehmen ist, wird diese Betrachtungsweise von der Be- schwerdeführerin nicht bestritten und ist auch nicht zu beanstanden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.4. Des Weiteren qualifiziert das Bauinspektorat nun in Anwendung von § 90 Abs. 1 RBG i.V.m. § 53 Abs. 1 lit. a RBV den letzten Meter des C arportdachs als fassadenüberragenden Gebäudeteil (siehe Formulierung in § 90 RBG) bzw. al s über die Fassade ragenden Bauteil i.S. von Haupt- bzw. Vordach bis 1.0 m (siehe Formulierung in § 53 Abs. 1 RBV), welcher über den minimalen Grenzabstand gegenüber der Nachbarsparzelle h inausragen darf. Bestritten ist die kumulative Anwendung dieser zwei genannten Bestimmungen . Das Bauinspektorat behandelt den Carport weiter so, als ob in 2.0 m Distanz von de r Parzellengrenze eine Fassade stehen und über diese Fassade ein Vordach von 1.0 m ragen wür de. Es ist der Beschwerdeführerin beizupflichten, dass die Auslegung des Bauinspektorats nich t zwingend ist, da de facto keine Fassade steht, sondern eine fingiert wird. Die gesetzlichen Bestimmungen lassen aber – entge- gen der Auffassung der Beschwerdeführerin – keinen Zw eifel daran, dass, sofern diese fingierte Fassade – oder die fingierte Fassade zuzüglich einer Rück - und Vorwand und damit ein ge- schlossener Raum – gebaut würde, diese Fassade bzw. diese Anbaute in Anwendung von § 90 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 52 Abs. 1 und 4 RBV einen Absta nd von 2.0 m einhalten müsste und die- se Fassade von einem Vordach von 1.0 m gemäss § 90 Abs. 1 RBG i.V. § 53 Abs. 1 lit. a RBV überragt werden dürfte. Fraglich bleibt somit letztl ich nur, ob die Auslegung des Bauinspekto- rats mit dem Fingieren einer Fassade bzw. dem Abzug de s letzten Meters bei einem Vordach “als freier Meter“ gesetzeskonform ist. 4.3.1. Die Gesetzesauslegung hat zum Ziel, den rechtsver bindlichen Sinn eines Rechtssat- zes, über dessen Tragweite Unklarheiten bestehen, zu ermit teln. Auslegung ist notwendig, wo der Gesetzeswortlaut nicht klar ist oder wo Zweifel besteh en, ob ein scheinbar klarer Wortlaut den wahren Sinn der Norm wiedergibt (U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allge- meines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St. Gallen 20 16, Rz. 177 ff.). Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschie- dene Auslegungen möglich, so muss nach seiner wahren Trag weite gesucht werden unter Be- rücksichtigung aller Auslegungselemente, namentlich von Si nn und Zweck sowie der dem Text zugrunde liegenden Wertung. Wichtig ist ebenfalls der Sinn, der einer Norm im Kontext zu- kommt. Vom klaren, d.h. eindeutigen und unmissverständli chen Wortlaut darf nur ausnahms- weise abgewichen werden, wenn triftige Gründe dafür vo rliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Regelung wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsge- schichte der Bestimmung, aus ihrem Sinn und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit andern Gesetzesbestimmungen ergeben. Dabei kommt es namentlich a uf den Zweck der Regelung, die dem Text zugrundeliegenden Wertungen sowie auf den Sinnzusammenhang an, in dem die Norm steht. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmi ttelbar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, den Sinn der Norm zu erkennen. Sind versch iedene Auslegungen möglich, so muss nach der wahren Tragweite der Norm gesucht werden u nter Berücksichtigung aller Ausle- gungselemente, namentlich von Sinn und Zweck sowie der dem Text zugrunde liegenden Wer- tung (zur Gesetzesauslegung statt vieler: BGE 140 II 289 E. 3.2 m.w.H.; KGE VV vom 1. No- vember 2017 [810 17 125] E. 7.2; vgl. auch zur Auslegung von Abstandsprivilegien von vor- springenden Gebäudeteilen Urteil des BGer 1P.588/200 6 vom 6. März 2007 mit Bemerkungen, in: Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 2008, S. 205 ff.). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.2. Die Vorschriften über die Abstände sollen die zwi schen einer Baute und weiteren Um- weltelementen wie anderen Bauten, Verkehrsanlagen od er Waldflächen frei zu erhaltenden Räume bestimmen. Wie sämtliche baupolizeilichen Bestim mungen erfüllen die Abstandsrege- lungen primär feuer- und ordnungspolizeiliche sowie wo hnhygienische Aufgaben. Insofern kommt ihnen eine nachbarschützende Funktion zu. Die Gren zabstandvorschriften liegen grund- sätzlich nicht nur in einem allgemeinen öffentlichen I nteresse, sondern umschreiben auch die rechtlich geschützte Sphäre der Nachbarn (vgl. BGE 113 Ia 468 E. 1b; 112 Ia 88 E. 1b). Sie sollen insbesondere jegliche Einflüsse von Bauten und ih rer Benutzung auf Nachbargrundstü- cke mindern, namentlich die Beeinträchtigung von Belicht ung, Besonnung, Belüftung und Aus- sicht. Ferner sollen sie vor Schattenwurf und Einsicht schü tzen. Hinzu sind in neuster Zeit ge- stalterische, ästhetische, siedlungsstrukturierende oder so ziale Funktionen gekommen (Urteil des BGer 1P.134/2005 vom 19. Mai 2005 E. 1.4; D ANIELA IVANOV , Die Harmonisierung des Baupolizeirechts unter Einbezug der übrigen Baugesetzgebung, Zürich 2006, S. 58). 4.3.3. Die Praxis des Bauinspektorats führt dazu, dass ein e Fassade, welche einen minima- len Grenzabstand von z.B. 6.0 m einzuhalten hat, ein Vordach von 1.5 m statt nur von 1.0 m haben darf, sofern sie 6.5 m von der Parzellengrenze ent fernt steht. Oder, wie vorliegenden- falls, ein Carport zulässig ist, welcher 3.4 tief ist, wenn auch eine Anbaute bis zu 2.4 m Tiefe mit einem zusätzlichen Vordach von 1.0 m zulässig wäre. Das Baui nspektorat stellt durch seine Auslegung sicher, dass ein Vordach bzw. der von der Fassa de entfernteste Teil davon nicht mehr als 1.0 m in den minimalen Grenzabstand gemäss § 90 Abs. 2 RBG hineinragt. Diese Auslegung entspricht dem Sinn und Zweck des § 90 Abs. 1 RBG i.V.m. mit § 53 Abs. 1 lit. a RBV und erlaubt eine geringere Beeinträchtigung der nachbarrechtlichen Sphäre, sofern die grössere Beeinträchtigung auch zulässig wäre. Durch eine F assade, welche wie im ersten Bei- spiel eine um 0.5 m grössere Distanz von der Nachbarsgrenz e aufweist und an der dafür ein Vordach von 1.5 m statt 1.0 m gebaut wird, wird weder dem Sinn der feuer- noch der ordnungs- polizeilichen noch der wohnhygienischen Aufgaben weniger Rechnung getragen. Ebenso wenig findet eine grössere Beeinträchtigung des Nachbarn be züglich Belichtung, Besonnung, Belüf- tung und Aussicht statt. Dasselbe gilt für den geplanten Carport. Ein minimer Nachteil könnte für die Beschwerdeführerin darin liegen, dass eine ge schlossene Garage allenfalls besser vor Abgasen schützen würde. Je nach Wind, genauer Lage der Garage, Standort des Garagentors und der Fenster des Gebäudes der Beschwerdeführerin etc. könnte jedoch eine geschlossene Garage sogar dazu führen, dass die Beschwerdeführerin m ehr durch diese Abgase beeinträch- tigt wäre. Auch ist nicht davon auszugehen, dass von ein em offenen Carport eines Einfamilien- hauses mehr Lärm zu erwarten ist als von einer geschlossen en Anbaute. Demzufolge stellt ein offener Carport nicht eine Schlechterstellung der Be schwerdeführerin dar. Die langjährige Pra- xis des Bauinspektorats widerspricht somit keinesfalls dem Sinn und Zweck der Bestimmungen. Vielmehr wird dadurch eine allfällige Schlechterstell ung korrigiert, welche sich bei der im Sinne der Beschwerdeführerin vorgenommenen Auslegung ergeben würde, oder es wird zumindest eine Gleichbehandlung von gleichgelagerten Fällen vorgenommen. 4.4.1. Im Übrigen ist auch anzufügen, dass die aufgru nd des Beitritts zur IVHB bedingte Neu- fassung des § 90 Abs. 1 RGB per 1. Januar 2015 keinen A nlass zur Änderung dieser Praxis gibt. Bis zum 31. Dezember 2014 lautete § 90 Abs. 1 RB G dahingehend, dass der Grenzab- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht stand die kürzeste Entfernung zwischen Fassadenaussenfläche u nd Grundstücksgrenze sei. § 53 Abs. 1 RBV erfuhr hingegen per 1. Januar 2015 ke ine Veränderung. Damit enthielt die bis Ende 2014 geltende Fassung des RBG in § 90 Abs. 1 kei ne Erwähnung der Privilegierung der den minimalen Grenzabstand überragenden Bauteile und kein Verweis auf § 53 Abs. 1 RBV. 4.4.2. In den Materialien (Vorlage an den Landrat d es Kanton Basel-Landschaft Nr. 2013-139 vom 30. April 2013 betreffend Anpassung des RBG an die IVHB, S. 12) wird festgehalten, dass die Definition des Grenzabstands der IVHB (nämlich: “Der Grenzabstand ist die Entfernung zwi- schen der projizierten Fassadenlinie und der Parzellengre nze“) übernommen werde und den bisherigen § 90 Abs. 1 RBG ersetzen solle. Weiter wird Folgendes festgehalten: “Weil die projizierte Fassadenlinie als Messpunkt bzw. -linie per Definition nicht immer identisch ist mit der bis heute zugrunde gelegten Fassadenflucht, würden durch eine blosse Übernahme der neuen Grenzabstandsdefinition zahlreiche Gebäude und Anlagen mit Inkrafttreten des neuen § 90 Abs.1 RBG rechtswidrig werden; für neu zu bewilligende Gebäude m it Vorsprüngen (Balkon, Windfang etc.) würden plötzlich geringere Abstände gelten als bisher. Um d ies zu vermeiden und den Gemeinden ein in sich stimmiges System bei ihrer Zonenplanung zu ermöglichen, wird unter Verweis auf den § 53 RBV zusätz- lich bestimmt, dass die dort genannten fassadenüberr agenden Gebäudeteile als für die Berechnung der projizierten Fassadenlinie unbedeutend vorspringende Gebäudeteile gelten, d.h. dass solche Gebäude- teile nicht relevant sind für die Bestimmung der pro jizierten Fassadenlinie. Zur Illustration wird auf d ie Skizzen in Beilage 2 zu dieser Vorlage verwiesen.“ Die in der Vorlage genannten Skizzen in Beilage 2 entsp rechen den Skizzen auf Seite 8 des Anhangs 2 zur RBV. Dort wird die projizierte Fassadenlinie bei ebenem und geneigtem Gelände aufgezeigt. 4.4.3. In der Vorlage wird damit erstens klar festgehal ten, dass diese vorspringenden Gebäu- deteile nicht relevant sind für die Bestimmung der pro jizierten Fassadenlinien und damit für den Grenzabstand und zweitens eine Anpassung vorgenommen wu rde, damit nicht für neu zu be- willigende Gebäude mit Vorsprüngen (Balkon, Windfang etc.) plötzlich geringere Abstände gel- ten würden als bisher. Daraus ist ersichtlich, dass auch die Anpassung des § 90 Abs. 1 RBG an die IVHB bezüglich fassadenübergreifende Gebäudeteile keine strengeren Abstandsvorschrif- ten statuieren wollte. Des Weiteren ist die Abstandspri vilegierung von vorspringenden Gebäu- deteilen trotz der IVHB zulässig (vgl. Bemerkungen zum BGer 1P.588/2006 vom 6. März 2007, in: ZBl 2008, S. 208). 5. Die Beschwerdeführerin beantragte in ihrer Beschwe rdebegründung die Durchführung einer Parteiverhandlung mit Parteibefragung und Aug enschein. In Bezug auf die geltend ge- machte Verletzung des rechtlichen Gehörs kommt das Kant onsgericht wie in den Erwägun- gen 3.1 ff. dargelegt zum Schluss, dass keine Verletzung d es Anspruchs auf rechtliches Gehör vorliegt. Eine Parteibefragung hätte somit keine neue n entscheidrelevanten Erkenntnisse ge- bracht. In Bezug auf die Grenzabstandsvorschriften stellte sich die Frage der Auslegung von gesetzlichen Bestimmungen. Die Parteien haben ihre Sta ndpunkte klar in den verschiedenen schriftlichen Eingaben vorgebracht. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern ein Augenschein oder eine Parteibefragung sachdienlich hätten sein sollen. Sachve rhaltsfragen, welche am Augenschein Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. anlässlich einer Parteibefragung hätten geklärt wer den müssen, waren auch keine offen. Damit ist der Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung mit Augenschein abzulehnen. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder eine Verlet zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör noch der gesetzlichen Grenzabstandsvorschri ften vorliegt, womit die Be- schwerde abzuweisen ist. 7.1. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfa hrens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflic htig. Vorliegend sind die Verfah- renskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1‘400.-- der u nterliegenden Beschwerdeführerin auf- zuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2‘200.-- zu verrech- nen, womit der Beschwerdeführerin Fr. 800.-- zurückzuerstatten sind. 7.2. Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Rechtsvertreter de r privaten Beschwerdegegner reich- te am 23. Mai 2018 für seine Aufwendungen eine Honor arnote in der Höhe von Fr. 2‘125.-- zu- züglich Auslagen von 50.-- und 7.7 % MwSt. (Total Fr. 2 ‘342.45) ein, was nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerdeführerin hat den privaten Beschwerde gegnern damit eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 2‘342.45 zu bezahlen. Im Üb rigen werden die Parteikosten wettge- schlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 2‘200.-- verrechnet. Der zu viel bezahl te Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird der Beschwerdeführerin zurücker- stattet. 3. Die Beschwerdeführerin hat B.A.____ und B.B.____ eine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 2‘342.45 (inkl. Auslagen un d 7.7 % Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Partei kosten wettg e- schlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin