200 17 542 IV FUR/SCM/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 9. August 2017 Verwaltungsrichterin Fuhrer, Kammerpräsidentin Verwaltungsrichter Scheidegger Gerichtsschreiberin Schädeli A.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 27. April 2017 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1975 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) meldete sich am 24. Oktober 2016 unter Hinweis auf seit einem Autounfall im Jahr 2011 bestehende multiple Beschwerden der unteren Extremitäten bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV, Antwortbeilagen [AB] 1). Im Rahmen der erwerblichen und medizinischen Abklärungen holte die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Be- schwerdegegnerin) insbesondere eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 9. Januar 2017 (AB 21) sowie einen Ab- klärungsbericht Haushalt vom 7. März 2017 (AB 23) ein. Gestützt darauf stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 9. März 2017 (AB 24) bei einem Status von 50 % Erwerb und 50 % Haushalt sowie einem ermittelten Invaliditätsgrad von 5 % die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Der Aufforderung um Nachbesserung der dagegen erhobenen Einwände (AB 25 f.) kam die Versicherte nicht nach, woraufhin die IVB am 27. April 2017 (AB 27) wie vorbescheidweise angekündigt verfügte. B. Hiergegen erhob die Versicherte am 1. Juni 2017 (Postaufgabe) Be- schwerde. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die Zusprache einer Invalidenrente. Gleichzeitig stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Befreiung von der Be- zahlung der Verfahrenskosten. Mit Beschwerdeantwort vom 5. Juli 2017 beantragt die Beschwerdegegne- rin die Abweisung der Beschwerde. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Verfügun- gen. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gege- ben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs- rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer- de einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 27. April 2017 (AB 27). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier- besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 4 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Nach ständiger Rechtsprechung begründen Alkoholismus, Medika- mentenmissbrauch und Drogensucht für sich allein keine Invalidität im Sin- ne des Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungs- rechtlich erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Er- werbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c S. 268; SVR 2016 IV Nr. 3 S. 7 E. 2.2.1). 2.3Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren lassen sich oft nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinne des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche Invaliditätsbegriff klar zwischen dem Gesundheitsschaden, an dem die versicherte Person leidet, und der durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, welche durch soziale Um- stände verursacht werden und bei Wegfall der Belastung wieder ver- schwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Zwar kann einer fachge- recht diagnostizierten psychischen Krankheit der invalidisierende Charakter nicht mit dem blossen Hinweis auf eine bestehende psychosoziale Belas-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 5 tungssituation abgesprochen werden. Je stärker aber psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Nur wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart verselbst- ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlim- mern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (BGE 139 V 547 E. 3.2.2 S. 552; SVR 2010 IV Nr. 19 S. 59 E. 5.2). In diesem Sinn werden Wechselwirkungen zwischen sich körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen Umwelt berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark als nach dem in der Medizin verbreiteten bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 204 E. 4.2). 2.4Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.5Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird bei einer erwerbs- tätigen versicherten Person das Erwerbseinkommen, das sie nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätig- keit nicht zugemutet werden kann (Art. 5 Abs. 1 IVG und Art. 8 Abs. 3 ATSG), wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Mass sie unfähig sind, sich im Aufga- benbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; spezifische Methode [Betäti- gungsvergleich]; BGE 142 V 290 E. 4 S. 293). Nach Art. 28a Abs. 3 IVG wird bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgelt-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 6 lich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit gestützt auf einen Betätigungsvergleich ermittelt (Art. 28a Abs. 2 IVG). In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. gemischte Methode; BGE 142 V 290 E. 4 S. 293). 2.6Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 3. 3.1Die angefochtene Verfügung vom 27. April 2017 (AB 27) stützt sich in medizinischer Hinsicht auf die RAD-Stellungnahme vom 9. Januar 2017 (AB 21). Darin führte Dr. med. B.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Tropen- und Rei- semedizin, aus, die Beschwerdeführerin sei am 31. Juli 2011 mit dem Auto in eine Mauer gefahren und habe sich die folgenden Verletzungen zugezo- gen: •Distale intraartikuläre Femurfraktur links, Osteosynthese •Intraartikuläre Calcaneusfraktur links, Osteosynthese •Talusfraktur rechts, Osteosynthese •Patellafraktur rechts, konservativ •Claviculafraktur links mit Pseudoarthrose, konservativ Das Hauptproblem sei das linke Knie mit eingeschränkter Beweglichkeit, Problemen bei längerem Gehen und Stehen sowie beim Lastentragen. Mit intensiver Physiotherapie und allenfalls operativen Massnahmen könne die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 7 Beweglichkeit verbessert werden. Die Streckung sei frei, womit ein mehr oder weniger normaler Gang erwartet werden könne. Eine leichte wechsel- belastende Tätigkeit könne vollzeitig zugemutet werden, wobei die Lasten nicht mehr als 10 kg betragen sollten, längeres Gehen und Stehen nicht sowie Treppensteigen wenig zugemutet werden könnten und beim Sitzen auf Beinfreiheit geachtet werden sollte. Bei einer solchen angepassten Tätigkeit bestehe keine Leistungseinschränkung. 3.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1). 3.2.1Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.2.2Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be- gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Glei- ches gilt, wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wieder-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 8 holt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Miss- trauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet er- scheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unpartei- lichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354). Der RAD steht den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus- setzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Er setzt die für die IV nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versi- cherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben- bereich auszuüben (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 3. Oktober 2014, 8C_197/2014, E. 4.1). Nicht zwingend erforderlich ist, dass die versi- cherte Person untersucht wird. Nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) führt der RAD für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leis- tungsanspruchs nur „bei Bedarf“ selber ärztliche Untersuchungen durch. In den übrigen Fällen stützt er seine Beurteilung auf die vorhandenen ärztli- chen Unterlagen ab. Das Absehen von eigenen Untersuchungen ist somit nicht an sich ein Grund, um einen RAD-Bericht in Frage zu stellen. Dies gilt insbesondere, wenn es im Wesentlichen um die Beurteilung eines festste- henden medizinischen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Befas- sung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Entscheid des BGer vom 25. März 2011, 9C_58/2011, E. 2.2). 3.3Vorliegend geht es im Wesentlichen um die Beurteilung eines fest- stehenden medizinischen Sachverhalts, womit der RAD von einer eigenen ärztlichen Untersuchung absehen konnte (E. 3.2.2 hiervor). Die Beurteilung durch den RAD-Arzt Dr. med. B.________, welcher über die hier gefragten fachlichen und persönlichen Qualifikationen verfügt, beruhte auf einem lü- ckenlosen Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status. Bei vollständiger Aktenlage konnte er sich ein umfassendes Bild zu den Befun- den machen (vgl. RKUV 2006 U 578 S. 175 E. 3.4, 1988 U 56 S. 371 E. 5b). Damit erfüllt sein Bericht die beweisrechtlichen Anforderungen und es kann vollumfänglich darauf abgestellt werden. Daran vermag die Be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 9 schwerdeführerin mit ihrer vorwiegend pauschalen Bestreitung und ohne Einreichung weiterer Arztberichte, welche allenfalls neue Erkenntnisse zur medizinischen Sachlage zu liefern vermöchten, nichts zu ändern. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie sei nicht nur körperlich behin- dert, sondern auch drogensüchtig (Beschwerde S. 1), so ist sie darauf hin- zuweisen, dass eine Drogensucht für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes begründet (E. 2.2 hiervor). Gemäss Angaben der Beschwer- deführerin bestand bereits im Alter von 16 Jahren eine Heroinabhängigkeit. Nach einem danach offenbar erfolgten Entzug, schildert sie mehrere Rück- fälle unter anderem in den Jahren 2001 und 2012 (vgl. Beschwerde). Die Drogensucht hat keine Krankheit oder keinen Unfall bewirkt, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beein- trächtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist. Sie ist auch nicht selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsscha- dens, dem Krankheitswert zukommt (E. 2.2 hiervor). Zwar fiel ein unmittel- bar nach dem Autounfall vom 31. Juli 2011 vorgenommenes Drogenscree- ning positiv auf Methadon, Opiate, Paracetamol und Kokain aus (AB 19 S. 25 und 32), doch schränken die Folgen dieses Unfalls die Erwerbsfähig- keit der Beschwerdeführerin in einer entsprechend angepassten Tätigkeit nicht mehr ein (siehe sogleich). Weiter wird aus dem in der Beschwerde geschilderten Lebenslauf ersichtlich, dass erhebliche psychosoziale Belas- tungsfaktoren bestanden und auch weiterhin bestehen. So berichtet die Beschwerdeführerin insbesondere von einer aufgrund der Krankheit der Mutter schwierigen Kindheit, einer Entwurzelung durch die Einreise in die Schweiz ohne entsprechende Sprachkenntnisse im Alter von 14 Jahren, einem tragischen Tod der Mutter, Tod zweier Partner durch Autounfall so- wie einer Fremdplatzierung der eigenen Kinder. Ohne Zweifel besteht da- mit eine erhebliche Belastung, doch vermag diese keinen eigenständigen Gesundheitsschaden zu bewirken (vgl. E. 2.3 hiervor). Weiter ist der Um- stand, dass die Beschwerdeführerin nie regelmässig erwerbstätig war (vgl. AB 1 S. 4, 23 S. 3 f.), als invaliditätsfremder Faktor unbeachtlich. Aufgrund der Akten ist erstellt und unbestritten, dass die Beschwerdeführe- rin infolge der beim Unfall vom 31. Juli 2011 erlittenen multiplen Frakturen bzw. sonstigen Verletzungen zunächst in keiner Tätigkeit mehr arbeitsfähig Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 10 war (vgl. AB 19). Im Bericht vom 17. Juli 2013 (AB 19 S. 2 f.) hielten die Ärzte des Spitals C.________ zur Untersuchung des linken Knies fest, es bestünden palpable Plattenenden über dem lateralen Knie, ein reizloses Gelenk, stabile Seiten- und Kreuzbänder sowie kein Hinweis auf einen In- fekt. Radiologisch zeigte sich die Fraktur vollständig konsolidiert, wobei die Beschwerdeführerin keine Metallentfernung wünschte. Sie gab an, dass die Schwester Physiotherapeutin sei und sich um das Flexionsdefizit kümmern werde. Der Hausarzt Dr. med. D.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt im Bericht vom 21. November 2016 (AB 17) fest, seit dem Autounfall und den operativen Eingriffen leide die Beschwerdeführerin un- ter erheblichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen besonders im linken Knie, wodurch die Mobilität und damit auch die Selbständigkeit stark eingeschränkt sei. Gleichzeitig attestierte er keine Arbeitsunfähigkeit und führte aus, längeres Stehen, Gehen und Tragen von Lasten sei nicht mög- lich (S. 3, vgl. zu den Einschränkungen beim Treppensteigen und längeren Stehen auch seinen Bericht vom 5. Mai 2017 [AB 33]). Insoweit überzeugt, wenn der RAD-Arzt Dr. med. B.________ im von ihm formulierten Zumut- barkeitsprofil festhielt, längeres Gehen und Stehen könne nicht und Trep- pensteigen möglichst wenig zugemutet werden (AB 21 S. 2). Von weiteren medizinischen Erhebungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden kann (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d S. 162). 3.4Nach dem Ausgeführten ist in schlüssiger Weise erstellt, dass in einer angepassten, körperlich leichten und wechselbelastenden Tätigkeit (ohne Lasten über 10 kg, ohne längeres Gehen und Stehen, mit wenig Treppensteigen sowie mit Beinfreiheit beim Sitzen) eine vollständige Ar- beits- und Leistungsfähigkeit besteht. 4. Auf dieser Basis ist im Folgenden die Invaliditätsbemessung zu prüfen. 4.1Der im Abklärungsbericht Haushalt vom 7. März 2017 (AB 23) fest- gelegte Status von 50 % Erwerb und 50 % Haushalt wird von der Be- schwerdeführerin nicht bestritten und es besteht kein Anlass zur Annahme Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 11 dessen Unrichtigkeit. Damit ist nachfolgend der Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode zu ermitteln (vgl. E. 2.5 hiervor). 4.2Zunächst ist die Einschränkung im Erwerbsbereich zu bestimmen. 4.2.1Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe- ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222). Im Zeitpunkt der Anmeldung zum Leistungsbezug am 24. Oktober 2016 (AB 1) war das Wartejahr bereits abgelaufen, so dass der Rentenanspruch frühes- tens am 1. April 2017 beginnt (Art. 28 Abs. 1 lit. b sowie Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Auf diesen Zeitpunkt hin ist nachfolgend die Invaliditätsbemessung vorzunehmen. 4.2.2Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 134 V 322 E. 4.1 S. 325). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht hinrei- chend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte gemäss Tabellenlohn abzustellen. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditäts- bemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzel- fall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren ab- gestellt werden (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30; Entscheid des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG; heute BGer] vom 30. Oktober 2002, I 517/02, E. 1.2). 4.2.3Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 593; SVR 2016 UV Nr. 13 S. 40 E. 2.2). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheits- schadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbs-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 12 tätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöh- ne gemäss den vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstruk- turerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 142 V 178 E. 2.5.7 S. 188, 139 V 592 E. 2.3 S. 593; SVR 2016 UV Nr. 13 S. 40 E. 2.2). 4.2.4Da die Beschwerdeführerin über keine Ausbildung verfügt, zu kei- nem Zeitpunkt einer regelmässigen erwerblichen Tätigkeit nachging (vgl. AB 1 S. 4 f., 23 S. 3 f.) und damit die ihr zumutbare Arbeitsfähigkeit nicht verwertet, ist sowohl das Validen- wie auch das Invalideneinkommen an- hand des gleichen Tabellenlohns zu bestimmen (mangels neuster Zahlen gemäss LSE 2014, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Frauen, Total). Dies- falls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit (0 %) unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. Entscheid des BGer vom 7. April 2016, 9C_898/2015, E. 1). Ein solcher Abzug ist hier jedoch nicht gerechtfertigt. Die behinderungsbedingten Einschränkungen sind bereits im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils berücksichtigt und allfälli- ge invaliditätsfremde Gründe (Alter, Dienstjahre, Nationalität / Aufenthalts- kategorie, Beschäftigungsgrad) wären bei beiden Einkommen zu berück- sichtigen (vgl. Entscheid des BGer vom 19. Januar 2009, 8C_42/2008, E. 5). Aufgrund der vollständigen Arbeits- und Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ergibt sich für den Teilbereich Erwerbstätigkeit ein Invaliditätsgrad von 0 %. 4.3Im Weiteren ist die Einschränkung im Aufgabenbereich Haushalt zu bestimmen. 4.3.1Für den Beweiswert eines Abklärungsberichts sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumli- chen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge- benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Anga- ben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Mei- nungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel begründet und bezüglich der einzelnen Ein- schränkungen angemessen detailliert sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Ab- klärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift in das Ermessen der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 13 die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein- schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 S. 547, 130 V 61 E. 6.2 S. 63). 4.3.2Der Abklärungsbericht Haushalt vom 7. März 2017 (AB 23) erfüllt die Anforderungen der vorerwähnten höchstrichterlichen Rechtsprechung und überzeugt. Die darin enthaltenen Feststellungen der fachkundigen Ab- klärungsperson basieren auf eigenen, vor Ort und in Anwesenheit der Be- schwerdeführerin durchgeführten Erhebungen. Hinsichtlich der Gewichtung der Tätigkeitsbereiche ist der Bericht ausreichend detailliert und den Anga- ben der Beschwerdeführerin wurde angemessen Rechnung getragen. Die Abklärungsperson hat eine Einschränkung von gesamthaft 10.8 % bzw. gewichtet 5.4 % ermittelt. Dabei ging sie von einer Einschränkung von 2 % (gewichtet 0.8 %) im Bereich Ernährung (Grossreinigung), 10 % (gewichtet 1 %) im Bereich Einkauf und weitere Besorgungen (Grosseinkauf) sowie 90 % (gewichtet 9 %) bei der Betreuung der Kinder aus. Auch wenn der Obhutsentzug betreffend den 2007 geborenen Sohn vor dem Unfall vom 31. Juli 2011 erfolgte (vgl. AB 23 S. 3) und damit an der Annahme, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit bzw. ohne den Unfall die Betreuung des Sohnes übernehmen würde (vgl. AB 23 S. 10), gewisse Zweifel aufkommen, so lässt sich die Einschätzung nicht hinreichend beanstanden. Die Beschwerdeführerin bringt denn auch nichts vor, was die ermittelten Einschränkungen in den einzelnen Aufgabengebie- ten in Frage zu stellen vermöchte. Eine klar feststellbare Fehleinschätzung der fachlich kompetenten und näher am konkreten Sachverhalt stehenden Abklärungsperson ist jedenfalls nicht ausgewiesen, womit für das Gericht kein Anlass besteht, in deren Ermessen einzugreifen. Demnach ist im Auf- gabengebiet Haushalt von einer Einschränkung von 10.8 % bzw. gewichtet von 5.4 % auszugehen. 4.4Bei einer fehlenden Einschränkung im Erwerbsbereich und einer gewichteten Einschränkung von 5.4 % im Aufgabenbereich Haushalt resul- tiert ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von gerundet 5 % (E. 2.4 hiervor sowie zur Rundung BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 14 5. Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 27. April 2017 (AB 27) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen. 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah- lung auferlegt. Vorbehalten bleibt das nachstehend zu prüfende Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (E. 6.3 hiernach). 6.2Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr- schluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). 6.3Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Verfahrenskosten, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 111 Abs. 1 VR- PG; vgl. auch Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272]). 6.3.1Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Pro- zesskosten aufzukommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des Grundbedarfs für sie und ihre Familie notwendig sind (BGE 128 I 225 E. 2.5.1 S. 232). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung (BGE 122 I 5 E. 4a S. 6; SVR 2009 UV Nr. 12 S. 50 E. 4.1). Die Grenze für die Annahme von Be- dürftigkeit im Sinne der Regeln über die unentgeltliche Verbeiständung liegt Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 15 höher als diejenige des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (RKUV 2000 KV 119 S. 155 E. 2). Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Praxis Prozessbegeh- ren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Par- tei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen oder aber davon absehen würde (BGE 140 V 521 E. 9.1 S. 537). 6.3.2Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist aufgrund der einge- reichten Akten ohne weiteres zu bejahen. Zudem kann die vorliegend ohne anwaltliche Vertretung erhobene Beschwerde gerade noch nicht als aus- sichtslos im hiervor dargelegten Sinn (E. 6.3.1) bezeichnet werden. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist deshalb gutzuheissen und die Beschwerdeführerin ist damit – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozess- ordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272), d.h. sobald sie innert zehn Jahren nach Abschluss des Verfahrens zur Nachzahlung in der Lage ist – vorläufig von der Pflicht zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu be- freien.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Aug. 2017, IV/17/542, Seite 16 Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird hinsichtlich der Ver- fahrenskosten gutgeheissen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach- zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Zu eröffnen (R): - A.________ - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.