Abteilung IV D-6000/2006 D-2026/2007/cvv {T 0/2} U r t e i l v o m 2 2 . J a n u a r 2 0 0 9 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Patrick Weber. A._______, geboren _______, und B._______, geboren _______, Türkei, vertreten durch lic. iur. Gabriel Püntener, _______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 15. Juni 2006 und 15. Februar 2007 / N _______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-6000/2006 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer die Türkei am 28. April 2006 auf dem Landweg und gelangte am 3. Mai 2006 von ihm unbekannten Ländern her kommend in die Schweiz, wo er glei- chentags ein Asylgesuch stellte. Dazu wurde er am 10. Mai 2006 in _______ summarisch befragt. Am 1. Juni 2006 führte die Vorinstanz gleichenorts eine Bundesanhörung durch. Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer - ein Kurde - im Wesentlichen geltend, aus _______ zu stammen und vor der Ausreise in _______ gelebt zu haben. Er sei Mitglied beziehungsweise Sympathisant der DEHAP (der heutigen DTP) und der IHD, welche er finanziell unterstützt habe. Weitere Aktivitäten für besagte Organisa- tionen habe er nicht ausgeübt. Während der Schulzeit, das heisst un- gefähr im Jahre 1979, sei er geschlagen worden. Dies habe zu medizi- nischen Problemen an seinen Beinen geführt. Er leide auch unter psy- chischen Beschwerden. Nach der im August 2001 erfolgten Verheira- tung sei er behördlich unterdrückt worden, weil sich der Cousin _______ seiner Ehefrau seit 1996 in Haft befinde. Er respektive seine Frau hätten diesem Geld ins Gefängnis geschickt. _______ sei im F- Typ-Gefängnis von _______ inhaftiert. Die Polizei sei immer wieder zuhause aufgetaucht und habe sich unter anderem nach Freunden von _______ erkundigt. Wegen der Geldüberweisungen seien sie beschimpft worden. In Anbetracht der polizeilichen Schikanen seien er und etwas später seine Frau zu Beginn des Jahres 2002 nach _______ umgezogen. Dort habe er anlässlich einer Newroz-Feier am 21. März 2002 ein Atatürk-Plakat zerrissen und sei dabei durch den Geheimdienst gefilmt worden. Zudem habe er ein Poster von Öcelan in die Höhe gehalten. Von den Filmaufnahmen habe er durch Freunde, bei welchen die Polizei seinetwegen vorgesprochen habe, erfahren. Die Polizei habe ihn so auf den Aufnahmen identifizieren können und deswegen in der Wohnung in _______ während seiner Abwesenheit eine Razzia durchgeführt. In der Folge sei er untergetaucht und habe in _______ ohne behördliche Anmeldung gelebt. Seit dem 25. Dezember 2002 bestehe ein Haftbefehl gegen ihn. Aus Angst, polizeilich festgenommen und wie viele seiner Verwandten gefoltert zu werden, habe er am 10. September 2005 einen Suizidversuch begangen. Er habe sich vor ein fahrendes Auto geworfen und sei erheblich verletzt worden. Unter der Identität seines Bruders habe er Seite 2D-6000/2006 sich anschliessend im Spital behandeln lassen. Da er die Situation vor Ort nicht mehr ausgehalten habe, sei er schliesslich ausgereist. Als Beleg für seine Vorbringen gab der Beschwerdeführer einen Haft- befehl des DGM _______ zu den Akten. Gemäss diesem Dokument werde er wegen der Mitgliedschaft bei einer illegalen Organisation be- hördlich gesucht. B. Am 15. Juni 2006 gewährte das BFM dem Beschwerdeführer mündlich das rechtliche Gehör zur vorgenommenen Analyse des von ihm einge- reichten Dokuments des DGM _______. Es handle sich dabei um einen total verfälschten Beleg. Der Beschwerdeführer beharrte darauf, in der Türkei behördlich gesucht worden zu sein, und stellte die Beschaffung entsprechender Beweismittel in Aussicht. Das BFM verzichtete in diesem Zusammenhang auf Fristansetzung und wies darauf hin, weitere Beweismittel könnten in einem allfälligen Beschwerdeverfahren eingereicht werden. C. Mit Verfügung vom 15. Juni 2006 - eröffnet am selben Datum - lehnte das Bundesamt das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Be schwerdeführers aus der Schweiz an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, allein aufgrund der Tatsache, dass sich einer oder mehrere Verwandte des Beschwerdeführers politisch exponiert hätten, könne nicht auf eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen ge- schlossen werden, zumal sich behördliche Behelligungen nicht auto- matisch auf die Angehörigen von Aktivisten erstrecken würden. Ferner habe der Beschwerdeführer zum einen ausgesagt, wegen der erwähn- ten anderen Verwandten keine behördlichen Probleme gehabt zu ha- ben, und sei abgesehen von einer Teilnahme an einer Newroz-Feier politisch nicht aktiv gewesen. Zum anderen stellten die behördlichen Be helligungen wegen _______ in der geschilderten Form keinen ernsthaften Nachteil dar. So sei der Beschwerdeführer dabei nie festgenommen worden. Dass er wegen _______ keine relevante Verfolgung zu gewärtigen habe, gehe auch aus dem Umstand, wonach seine mit dem Cousin ebenfalls verwandte Ehefrau weiterhin in der Türkei lebe, hervor. Die angebliche polizeiliche Suche wegen der Teilnahme an einer Newroz-Feier vom 21. März 2002 könne sodann aufgrund unsubstanziierter, stereotyper, nicht nachvollziehbarer und widersprüchlicher Aussagen nicht geglaubt werden. Dies auch Seite 3D-6000/2006 deshalb, weil er die letzten vier Jahre ohne jegliche Behelligungen in _______ habe leben und sich sogar im Spital habe behandeln lassen können. Schliesslich sei als Beleg für seine Vorbringen ein Dokument eingereicht worden, welches sich als eindeutig verfälscht erwiesen habe. Den Vollzug der Wegweisung in die Türkei erachtete das BFM für zulässig, zumutbar und möglich. D. Mit Eingabe vom 17. Juli 2006 beantragte der Beschwerdeführer bei der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) durch seine Vertre- tung die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Rückwei- sung der Sache an die Vorinstanz zur richtigen und vollständigen Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Eventualiter sei die ange- fochtene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. Vor Erlass eines gutheissenden Urteils sei eine angemessene Frist zur Einreichung einer Kostennote anzusetzen. Zur Begründung wurde auf die Besonderheit des zu beurteilenden Verfahrens hingewiesen. Der Be schwerdeführer habe glaubhaft gemacht, in der Türkei einen Suizid- versuch unternommen zu haben, um der befürchteten Festnahme zu entgehen. Diese mehrfach vorgetragene Aussage verbunden mit dem Erscheinungsbild eines offensichtlich unter körperlichen Beschwerden und Deformationen leidenden Menschen sowie dessen psychische Auffälligkeit hätten vor Erlass des erstinstanzlichen Entscheids medizi- nische Abklärungen unabdingbar gemacht. Diese seien jedoch offen- sichtlich unterblieben, und die Zumutbarkeit des Vollzugs sei mithin in Verletzung der Untersuchungsmaxime bejaht worden. Im Rahmen be- sagter Abklärungen hätte sich überdies möglicherweise die Frage er- geben, ob die dem Beschwerdeführer zugefügten Nachteile allenfalls asylrelevant seien. Anlässlich der Anhörung sei er jedoch daran gehin- dert worden, die bereits im Jahre 1979 erlittenen Nachteile zu konkre- tisieren. Ferner habe er namentlich im Zusammenhang mit dem vom BFM für gefälscht erachteten Haftbefehl die Einreichung von Beweis- mitteln in Aussicht gestellt, um die Wahrheit seiner Vorbringen zu bele- gen. Das BFM sei darauf aber am 15. Juni 2006 ebensowenig einge- gangen wie auf sein bereits anlässlich der Anhörung vom 1. Juni 2006 geäussertes Anerbieten, Beweismittel zu beschaffen. Vielmehr habe es die Vorinstanz im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs zum Fälschungsvorwurf am 15. Juni 2006 explizit abgelehnt, ihm eine entsprechende Frist anzusetzen. Die Begründung, wonach er besagte Seite 4D-6000/2006 Belege bereits früher hätte einreichen können, überzeuge nicht, da - wie erwähnt - bereits sein diesbezügliches Anerbieten vom 1. Juni 2006 unberücksichtigt geblieben sei. Entsprechend habe die Vorin- stanz wiederum die Untersuchungsmaxime verletzt. Eine Heilung die- ser schwerwiegenden Mängel erscheine als ausgeschlossen. Sollte dieser Ansicht nicht gefolgt werden, seien die gebotenen Abklärungen durch die Beschwerdeinstanz vorzunehmen. Allenfalls sei ihm eine Frist zur Einreichung eines fachärztlichen Berichts beziehungsweise zur Einreichung von Gegenbeweismitteln einzuräumen. Die vom BFM bezüglich des eingereichten Haftbefehls aufgelisteten Fälschungs- merkmale vermöchten im Übrigen nicht restlos zu überzeugen. Abge- sehen davon habe er während Jahren in der Türkei versteckt gelebt im Glauben beziehungsweise in der Gewissheit, behördlich gesucht zu sein. Die rechtsgenügliche Klärung der Frage, ob er tatsächlich in be- gründeter Furcht vor ernsthaften Nachteilen geflohen sei, erscheine als unabdingbar. Zusätzlich dränge sich eine erneute Anhörung des Be schwerdeführers auf, zumal - wie erwähnt - die Ereignisse seit 1979, welche zu einem unerträglichen psychischen Druck geführt hät- ten, bisher nicht umfassend abgeklärt worden seien. Bezüglich seiner allfälligen Flüchtlingseigenschaft und des angeordneten Vollzugs der Wegweisung stellte der Beschwerdeführer schliesslich weitere Darle- gungen nach Durchführung der erforderlichen Untersuchungsmass - nahmen in Aussicht. E. Mit Zwischenverfügung vom 21. Juli 2006 forderte die ARK den Be- schwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leisten. Gleichzeitig wurde ihm Frist zur Nachreichung eines Arztberichts und von Beweis- mitteln aus dem Ausland angesetzt. F. Mit Schreiben vom 7. August 2006 ersuchte der Beschwerdeführer un- ter Hinweis auf die beigelegte Erklärung für seine Bedürftigkeit um Er- lass des erhobenen Kostenvorschusses und allfälliger Verfahrenskos- ten. Diesen Begehren entsprach die ARK am 16. August 2006. G. Am 21. August 2006 beantragte der Beschwerdeführer eine Fristver- längerung zur Nachreichung des angeforderten Arztberichts. Der Ein- gabe lag ein Kurzschreiben des behandelnden Arztes bei. Darin wurde Seite 5D-6000/2006 die Überweisung des Beschwerdeführers an eine psychiatrische Fach- kraft festgehalten. H. Mit Zwischenverfügung vom 25. August 2006 lehnte die ARK das Fris- terstreckungsgesuch ab und verwies auf Art. 32 Abs. 2 des Bundes- gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). I. Mit Eingabe vom 21. September 2006 gab der Beschwerdeführer ei- nen gestützt auf einen Fragekatalog verfassten Bericht seines Haus- arztes vom 19. September 2006 samt Entbindungserklärung (ärztliche Schweigepflicht) sowie zwei weitere Arztberichte einer Privatklinik vom 18. August beziehungsweise 7. September 2006 zu den Akten. Ferner ersuchte er um Zuwarten mit der Entscheidfällung, da er im Rahmen der aufzunehmenden Therapie bei einer psychiatrischen Fachkraft ei- nen entsprechenden Bericht ebenfalls nachreichen werde. Ausserdem legte er dar, es sei ihm bisher nicht gelungen, weitere Beweismittel aus dem Ausland zu beschaffen. J. Mit Zwischenverfügung vom 26. September 2006 lehnte die ARK den Antrag auf formelle Sistierung des Verfahrens ab. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beibringung des in Aussicht gestellten Arztberichts wur- de verzichtet. K. Mit Vernehmlassung vom 15. November 2006 beantragte die Vorins- tanz die Abweisung der Beschwerde. Die vorgebrachten medizinischen Probleme des Beschwerdeführers stünden gemäss Aktenlage dem Vollzug der Wegweisung nicht entgegen. L. Mit Replik vom 5. Dezember 2006 hielt der Beschwerdeführer an sei- nen bisherigen Darlegungen fest. Das BFM habe die entsprechenden notwendigen Sachverhaltsabklärungen bezüglich allfälliger medizini- scher Vollzugshindernisse weder richtig noch vollständig durchgeführt. Die erneute Weigerung der Vorinstanz, gebotene diesbezügliche Ab- klärungen vorzunehmen, rechtfertige im Sinne der bereits dargelegten Argumentation die Kassation des angefochtenen Entscheids. Zudem habe sich das BFM in unzulässiger Weise über die Einschätzung in Seite 6D-6000/2006 den eingereichten Unterlagen, wonach im Zusammenhang mit den Rü- cken- und Beinschmerzen des Beschwerdeführers weitere Abklärun- gen in der Schweiz erforderlich seien, hinweggesetzt. Es behaupte ohne entsprechendes Sachverständigenwissen, dass die erforderli- chen medizinischen Massnahmen und die psychiatrische Therapie auch in der Türkei möglich seien. Es gehe aber nicht primär um die allfällige Durchführbarkeit einer psychiatrischen Behandlung vor Ort. Relevant sei vielmehr die Frage, ob der Beschwerdeführer, welcher versucht habe, sich in seinem Heimatland das Leben zu nehmen, in der Türkei mit einer guten Prognose behandelt werden könne, oder ob er dort relevant gefährdet wäre. Mit diesem Sachverhaltsaspekt habe sich das Bundesamt nach wie vor in keiner Weise auseinandergesetzt. Der Beschwerdeführer sei in der Schweiz mittlerweile in psychiatri- scher Behandlung. Es sei ihm für den Fall, dass die angefochtene Ver- fügung nicht kassiert werde, Frist zur Einreichung eines diesbezüg- lichen Berichts anzusetzen. Schliesslich stellte der Beschwerdeführer eventualiter weitere Beweismittel aus dem Ausland in Aussicht. M. Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin die Türkei am 19. Dezember 2006 auf dem Landweg und gelangte am 8. Januar 2007 von Italien her kommend in die Schweiz. Am 9. Januar 2007 stell- te sie durch ihren Rechtsvertreter ein Asylgesuch. Dazu wurde sie am 23. Januar 2007 in _______ summarisch befragt. Am 6. Februar 2007 führte die Vorinstanz gleichenorts eine Bundesanhörung durch. Anlässlich der Befragungen machte die Beschwerdeführerin - eine Kurdin - im Wesentlichen geltend, aus _______ zu stammen und vor der Ausreise in _______ gelebt zu haben. Ihre Familie sei politisch aktiv und habe bis ins Jahr 2000 immer wieder politische Aktivisten bei sich aufgenommen. Ihre Schwester sei im Jahre 1993 durch die Sicherheitskräfte ernsthaft verletzt und in der Folge in England als Flüchtling anerkannt worden. Ihr Cousin _______ befinde sich seit 1996 in Haft. Seinetwegen und wegen anderer politisch aktiver Ver- wandter seien sie und ihre Familie wiederholt behelligt worden. Ihr Va- ter sei 1998 erneut gefoltert worden und deswegen ein Jahr später verstorben. Sie selbst sei immer wieder - letztmals im Oktober 2006 - polizeilich bedroht und beschimpft worden. Mit _______ habe sie tele- fonischen Kontakt im Hause seines Vaters, welches behördlich ob- serviert worden sei, gehabt und ihn sowie weitere Inhaftierte zusam - men mit den Angehörigen finanziell unterstützt. Ihr Mann habe am Seite 7D-6000/2006 21. März 2002 in _______ an einer Newroz-Feier teilgenommen und sei dabei gefilmt worden. Die Behörden hätten ihren Gatten identifizieren können. Etwa sieben bis zehn Tage nach dem Anlass habe die Polizei wegen ihres Gatten, welcher zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend gewesen sei, zuhause eine Razzia durchgeführt. Später sei noch eine zweite Razzia erfolgt. In Anbetracht der geschilderten Situation sei sie im April 2002 nach _______ zurückgekehrt. Dort sei sie ohne behördliche Registrierung wohnhaft gewesen. Die lokale Polizei sei über die Fahndung nach ihrem Mann informiert worden. Aus diesem Grund sei auch sie unter Druck geraten. Es sei wiederholt zu Razzien gekom men, nachdem die Polizei ihren jeweiligen Aufenthaltsort herausgefunden habe. Im Anschluss an eine persönliche Auseinandersetzung mit ihrem Gatten habe dieser am 10. September 2005 einen Selbstmordversuch unternommen. Nach seiner Ausreise sei sie durch die Polizei immer wieder zum Aufenthaltsort ihres Gatten befragt worden. Da sie die Situation vor Ort nicht mehr ausgehalten habe, sei sie schliesslich auf Anraten ihres bereits geflohenen Mannes ebenfalls ausgereist. Als Beleg für ihre Vorbringen gab die Beschwerdeführerin _______ be- treffende Unterlagen - Plädoyer der Staatsanwaltschaft des DGM _______ vom 6. Mai 2004, eine Foto von _______ im Gefängnis, Brief von _______ an seine Familie - zu den Akten. N. Mit Verfügung vom 15. Februar 2007 - dem Rechtsvertreter eröffnet am 16. Februar 2007 - lehnte das Bundesamt das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, eine asylrechtlich re- levante Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin wegen des inhaf- tierten Cousins, ihrer Schwester, ihres Vaters oder ihres Ehemannes könne in Anbetracht der Aktenlage ausgeschlossen werden. So sei die diesbezügliche behördliche Willkür aufgrund der Reformen in der Tür- kei stark zurückgegangen. Ausserdem werde nach _______ nicht gefahndet, da er sich bereits in Haft befinde, was ebenfalls gegen eine drohende Reflexverfolgung spreche. Vorliegend komme hinzu, dass die Angaben der Beschwerdeführerin teilweise widersprüchlich ausgefal- len seien und auch nicht mit den Schilderungen ihres Ehemannes übereinstimmen würden. Dessen angebliche Reflexverfolgung müsse (im Nachhinein) mithin ebenfalls bezweifelt werden. Im Weiteren habe ihr Ehemann im erstinstanzlichen Asylverfahren die angebliche be- Seite 8D-6000/2006 hördliche Verfolgung wegen der Teilnahme an einer Newroz-Feier nicht glaubhaft machen können. Der von der Beschwerdeführerin geschil- derte behördliche Druck wegen ihres Gatten könne mithin ebenfalls nicht geglaubt werden, zumal sie auch keine Belege für dessen gel- tend gemachte Verfolgung beigebracht habe. Im Zusammenhang mit behördlichen Repressalien wegen ihres Vaters oder ihrer ins Ausland geflohenen Schwester bestünden keine konkreten Anhaltspunkte, wel- che die Annahme einer erlebten oder drohenden Reflexverfolgung rechtfertigen würden. Begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen sei mithin zu verneinen. Den Vollzug der Wegweisung in die Türkei er- achtete das BFM für zulässig, zumutbar und möglich. O. Mit Eingabe vom 6. März 2007 ersuchte der Beschwerdeführer das Bun desverwaltungsgericht, eventualiter Frist zur Einreichung eines Arztberichts anzusetzen. P. Mit Eingabe vom 19. März 2007 beantragte die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht durch ihre Vertretung die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur richtigen und vollständigen Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts. Ihr Verfahren sei mit demjenigen ihres Mannes zu vereinigen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuhe- ben, die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Weg weisungsvollzugs festzustellen. Vor Erlass eines gutheissenden Urteils sei eine angemessen Frist zur Einreichung einer Kostennote anzusetzen. Zur Begründung wurde geltend gemacht, die Beschwer- deführerin habe anlässlich der Anhörung vom 23. Januar 2007 mehre- re Beweismittel zu den Akten gegeben. Darunter befinde sich ein Schreiben von _______ vom 15. März 2006 an dessen Bruder. Gemäss be sagtem Schreiben stehe _______ unter einer Kontaktsperre. Aus den Aussagen des Beschwerdeführers gehe sodann hervor, dass sich _______ im Hungerstreik befinde. Die Beschwerdeführerin habe ausserdem erklärt, an der finanziellen Unterstützung von _______ beteiligt gewesen zu sein. Diese Sachverhaltselemente seien vom BFM bei der Prüfung einer allfälligen Reflexverfolgung nicht berücksichtigt worden. Dadurch sei der wesent- liche Teil des rechtserheblichen Sachverhalts nicht richtig und nicht vollständig abgeklärt worden. Es sei allgemein bekannt, dass Seite 9D-6000/2006 Politaktivisten in der Türkei versuchten, ihren Kampf vom Gefängnis aus weiterzuführen. Dies werde durch die Behörden geahndet, was auch im Falle von _______ geschehen sei. Gerade die Tatsache, dass _______ trotz langjährigem Gefängnisaufenthalt noch nicht verurteilt worden sei, deute darauf hin, dass gegen ihn - auch wegen Handlungen aus dem Gefängnis heraus - immer noch ermittelt werde. Entsprechend könnten entgegen der vorinstanzlichen Sichtweise auch Ange hörige bereits inhaftierter Personen wie die Beschwerdeführer, welche _______ in seinem Kampf unterstützten, Opfer von asylrelevanter Reflexverfolgung werden. Die Vorinstanz wäre gehalten gewesen, im Rahmen einer Botschaftsanfrage diesbezügliche, den Verfahrensstand von _______ betreffende weitere Nachforschungen zu veranlassen, um die den Beschwerdeführern allfällig drohende Reflexverfolgungsgefahr hinreichend abzuklären. Dies sei jedoch unterblieben. Im Weiteren habe das BFM der Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung Widersprüche in den Aussagen im Vergleich zu denjenigen ihres Gatten angelastet. Auf ihren Einwand, ihr Ehemann leide seit dem Selbstmordversuch unter psychischen Problemen und sei nicht in der Lage, kohärente Angaben zu machen, habe die Vorinstanz festgehalten, auch ein psychisch labiler Mensch könne erfahrunsgemäss zentrale Punkte seiner Verfolgung ohne Widersprüche schildern. Diese Behauptung wider spreche anderslautenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, weshalb vor- liegend aufgrund allfälliger widersprüchlicher Angaben des Beschwer- deführers nicht auf die Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin geschlossen werden dürfe. Vielmehr hätten deren widerspruchsfreie Aussagen als Beweismittel für beide Verfahren herangezogen und der psychische Zustand des Beschwerdeführers weiter abgeklärt werden müssen. Aus den genannten Gründen sei der angefochtene Entscheid zu kassieren. Sollte dieser Ansicht nicht gefolgt werden, seien die gebotenen Abklärungen durch die Beschwer- deinstanz vorzunehmen. Insbesondere die Fragen, warum es bei _______ zu einer Kontaktsperre gekommen sei, ob er sich tatsächlich im Hungerstreik befunden habe und ob gegen ihn allenfalls ein weiteres Verfahren wegen politischer Aktivitäten während der Haft eröffnet worden sei, bedürften der Klärung. Es sei Frist zur Nachreichung von Beweismitteln (Arztbericht und _______ betreffende Unterlagen) anzusetzen. Aufgrund der glaubhaften Aussagen der Beschwerdeführerin, welche in zentralen Punkten mit denjenigen ihres Gatten übereinstimmten, müsse sodann zu dessen Gunsten davon ausgegangen werden, dass er die geschilderte Unterdrückung Seite 10D-6000/2006 tatsächlich erlebt habe. Schliesslich sei ein allfälliger Vollzug der Wegweisung für unzumutbar zu erachten. Q. Mit Zwischenverfügung vom 30. März 2007 entsprach das Bundesver- waltungsgericht dem Gesuch um Vereinigung der beiden Beschwerde- verfahren. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzich- tet. Bezüglich weiterer Verfahrensanträge wurde auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. R. Mit Vernehmlassung vom 4. April 2007 schloss die Vorinstanz ohne de- taillierte Erwägungen auf Abweisung der Beschwerde. Diese Stellung- nahme des Bundesamtes wurde den Beschwerdeführern am 12. April 2007 zur Kenntnis gebracht. S. Mit Zwischenverfügung vom 23. Oktober 2008 räumte das Bundesver- waltungsgericht den Beschwerdeführern aufgrund des Zeitablaufs Frist zur Nachreichung allfälliger weiterer Beweismittel ein. T. Am 1. beziehungsweise 2. Dezember 2008 gaben die Beschwerdefüh- rer ein Schreiben einer türkischen Rechtsanwältin vom 26. November 2008 samt deutschsprachiger Übersetzung und einen den Beschwer- deführer betreffenden Arztbericht vom 26. November 2008 zu den Ak- ten. Im Begleitschreiben führten sie aus, auch das erwähnte Schreiben der Rechtsanwältin lasse eine Botschaftsabklärung als unabdingbar erscheinen, zumal die Schweizer Behörden über bessere Abklärungs- möglichkeiten verfügten als die Beschwerdeführer. Im Weiteren wurde die Vorgehensweise des BFM bezüglich Sachverhaltsabklärung bezie- hungsweise Verfahrenserledigung erneut als ungenügend bezeichnet. Die Beschwerdeführerin sei dadurch faktisch einer Instanz beraubt worden. Es hätte nahe gelegen, die beiden Verfahren auf erstinstanzli- cher Ebene zu vereinigen. Ausserdem machte der Rechtsvertreter in Wür digung des eingereichten Arztberichts detaillierte Ausführungen zur Gesundheit seines Mandanten und deren Relevanz im zu beurtei- lenden Verfahren. U. Auf eine entsprechende Fristeinräumung hin reichte der Vertreter der Be schwerdeführer am 9. Januar 2009 seine Kostennote ein. Seite 11D-6000/2006 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG , sofern keine Aus- nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31); das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernahm, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehemaligen ARK hängig gewesenen Rechtsmittel. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Die Beschwerden sind form- und fristgerecht eingereicht; die Be- schwerdeführer sind legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. VwVG). Auf die vereinigten Beschwerden ist mithin einzutreten. 3. 3.1 Die Beschwerdeführer beantragen die Kassation der angefochte- nen Verfügungen. Begründet wird dieser Antrag mit der mangelhaften Sachverhaltsermittlung durch die Vorinstanz. Seite 12D-6000/2006 3.2 Einleitend kann festgehalten werden, dass das BFM die Inhaftie- rung von _______ offenbar nicht bezweifelt. Dieser Einschätzung ist zu folgen. Gemäss einem auf dem Internet abrufbaren Artikel aus Özgür Gündem von _______ befindet beziehungsweise befand sich ein _______ tatsächlich im F-Typ-Gefängnis in _______. Auch die verwandtschaftliche Beziehung der Beschwerdeführerin zu _______ sowie eine dadurch unter Umständen drohende Reflexverfolgung als zentrale Elemente des rechtserheblichen Sachverhalts sind gemäss Aktenlage unbestritten. Die wiederholten Rügen der Beschwer- deführer, dieser sei durch die Vorinstanz mangelhaft ermittelt worden, erscheint entsprechend schon in diesem Lichte besehen als wenig überzeugend. Es trifft zwar zu, dass die Vorinstanz im Entscheid der Be schwerdeführerin im Sachverhalt offenbar von einer Verurteilung von _______ ausgeht. Dies lässt sich indes mit einer Aussage der Be- schwerdeführerin anlässlich der Anhörung vereinbaren, wobei sie aber eventuell keine Verurteilung im juristischen Sinne ausdrücken wollte (B 12/23, S. 8), zumal den eingereichten Beweismitteln eine solche je- denfalls nicht entnommen werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die Argumentation der Beschwerdeführer, gerade die Tatsache, dass _______ trotz langjährigem Gefängnisaufenthalt noch nicht verurteilt worden sei, deute auf andauernde Ermittlungen - auch wegen Handlungen aus dem Gefängnis heraus - hin, nicht aus der Luft gegriffen. Gestützt wird ihre Einschätzung durch den erwähnten Artikel aus der Özgür Gündem. Darin wird eine im Gefängnis abgehaltene Protestaktion erwähnt. _______ sei deswegen durch Wärter geschlagen worden. Doch selbst wenn man der Auffassung der Beschwerdeführer folgte, ist nicht einsehbar, inwiefern die beantragte Botschaftsanfrage einer weiteren und erforderlichen Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts dienlich ist respektive gewesen wäre, da auch bei angenommenen andauernden Ermittlungen gegen _______ eine damit verbundene asylrelevante Gefährdung der Beschwerdeführer gemäss untenstehenden Erwägungen gleichwohl zu verneinen ist beziehungsweise wäre. Der Umstand, wonach die auf S. 7 des Empfangsstellenprotokolls der Beschwerdeführerin ansatzweise übersetzten Beweismittel im zu beurteilenden Verfahren durch das BFM allenfalls nicht korrekt oder gebührend berücksichtigt worden sind, erweist sich somit nicht als entscheidwesentlich. Die Beschwerdeführerin wurde sodann im Rahmen ihrer Anhörung auf vorhandene und allfällige weitere Beweismittel angesprochen. Auf die Frage, weshalb sie keine die angebliche Verfolgung ihres Gatten betreffenden Beweismittel beigebracht habe, wirkte sie in keiner Weise Seite 13D-6000/2006 kooperativ (B 12/23, S. 20), wodurch sich eine entsprechende Fristansetzung für das BFM offensichtlich erübrigte. Es trifft des Weiteren zu, dass das BFM auch dem Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung vom 1. Juni 2006 keine Frist für die Beibringung angebotener Beweismittel ansetzte. Daraus aber eine Verletzung der Untersuchungsmaxime durch die Vorinstanz abzuleiten, erscheint vorliegend wiederum als unberechtigt, ist eine asylsuchende Person doch bereits im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht grundsätzlich gehal- ten, allfällige Beweismittel von sich aus zu beschaffen; es besteht kein genereller Anspruch auf diesbezügliche Fristansetzung (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG). Der Beschwerdeführer hat ferner einen gemäss Erkenntnissen des BFM gefälschten Haftbefehl beigebracht; die vor- instanzliche Vorgehensweise beziehungsweise der mutmasslich in antizipierender Beweiswürdigung erfolgte Verzicht auf die Einräumung einer Frist zur Beibringung von (Gegen) Beweismitteln am 15. Juni 2006 erscheint entsprechend entgegen den Beschwerdevorbringen als wiederum gerechtfertigt. Nicht einzusehen ist ausserdem, inwiefern das BFM vertieft auf vom Beschwerdeführer geltend gemachte, aber offenbar Jahrzehnte zurückliegende Ereignisse hätte eingehen sollen; eine Neubefragung kommt jedenfalls nicht in Betracht. Generell ist da- rauf hinzuweisen, dass sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander setzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Ge- sichtspunkte beschränken darf (BGE 126 I 97 E. 2b). Schliesslich wird auf Rekurseebene nicht geltend gemacht, die Urteilsfähigkeit des Be- schwerdeführers sei generell zu verneinen, und seine Aussagen zu all- fällig asylrelevanten Vorfällen erscheinen als durchaus verwertbar bei der Prüfung der Frage der Glaubhaftigkeit. Im Hinblick auf begründete Furcht gemäss Art. 3 AsylG drängten sich für die Vorinstanz demzu- folge keine weiteren Abklärungen auf; die auf diesen Punkt fokussierte Rüge der mangelhaften Sachverhaltsabklärung wegen seiner ange- schlagenen Gesundheit trifft demnach ins Leere. Soweit sich besagte Rüge und die Vorbringen in den Beschwerdeeingaben auf Vollzugshin- dernisse aus gesundheitlichen Gründen beziehen, ist an dieser Stelle man gels Relevanz nicht näher darauf einzugehen, da die Beschwer- deführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen werden (vgl. die Erwägungen unter Ziff. 7.4.2.) 3.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass sich die Rügen der Gehörs- verletzungen als unzutreffend beziehungsweise – so die Zumutbarkeit Seite 14D-6000/2006 des Vollzugs der Wegweisung betreffend – als nicht (mehr) relevant er- weisen. Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist entsprechend abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flücht- lingen Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, we gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, sol- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mass- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein- lichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substanzi- iert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüch- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsa- chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswech- selt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfah- ren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung be- Seite 15D-6000/2006 deutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Be- weismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt be- reits als glaubhaft gemacht, wenn der Richter von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demge- genüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie- gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise ab- zustellen (vgl. Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3c S. 43 f.; 1996 Nr. 28 E. 3a S. 270; 2005 Nr. 21 E. 6.1. S. 190 f.). An den genannten Kriterien ist nach wie vor festzuhalten, zumal die Rechtslage diesbezüglich keine Änderung erfahren hat. 4.3 Unter Reflexverfolgung versteht man behördliche Behelligungen von Angehörigen aufgrund des Umstandes, dass die Behörden einer gesuchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft werden oder schlechthin von deren Polit-Malus auf einen solchen auch bei Angehö- rigen schliessen. Der Zweck einer solchen Reflexverfolgung kann ins- besondere darin liegen, Informationen über effektiv gesuchte Perso- nen zu erlangen beziehungsweise Geständnisse von Inhaftierten zu erzwingen. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, ist namentlich dann gegeben, wenn nach einem flüchtigen Fa- milienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung hat, dass jemand mit dem Gesuchten in engem Kontakt steht. Diese Wahr scheinlichkeit erhöht sich, wenn der Reflexverfolgte aus einer den türkischen Sicherheitskräften als "staatsfeindlich" bekannten Familie stammt respektive mehrere illegal politisch tätige Verwandte aufweist. Auch ein eigenes, nicht unbedeutendes Engagement seitens des Re- flexverfolgten für illegale politische Organisationen erhöht das Risiko, Op fer einer Sippenhaft im weiteren Sinne zu werden (vgl. dazu EMARK 1994 Nr. 5). Je grösser das politische Engagement der Familie des Reflexverfolgten ist, desto geringere Anforderungen sind an den Um fang der eigenen Aktivitäten zu stellen. Schliesslich sind für die Be- urteilung der Wahrscheinlichkeit drohender Verfolgung für Familienan- gehörige von politisch verfolgten Personen aus Ländern wie insbeson- Seite 16D-6000/2006 dere der Türkei, welche Repressalien ausüben, erleichterte Vorausset- zungen anzunehmen (vgl. EMARK 1993 Nr. 6 S. 37 f.). 5. Nachfolgend ist zunächst zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausging, die Beschwerdeführer seien im Zeitpunkt ihrer Ausreise kei- ner asylrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt gewesen. 5.1 5.1.1Der Beschwerdeführer hat im erstinstanzlichen Verfahren einen Haftbefehl eingereicht, welchen das BFM im Rahmen einer Dokumen- tenanalyse für gefälscht erachtete. Die vom BFM dabei aufgelisteten Fälschungsmerkmale vermögen entgegen den Beschwerdevorbringen zu überzeugen. Entgegen mehrfacher Bestätigung vermochte der Be- schwerdeführer sodann keine weiteren Beweismittel einzureichen, die auf ein gegen ihn eingeleitetes Verfahren hindeuten würden. Abge- sehen davon stellte das BFM grundsätzlich zu Recht fest, die angeb- liche polizeiliche Suche wegen der Teilnahme an einer Newroz-Feier vom 21. März 2002 könne aufgrund unsubstanziierter, stereotyper, nicht nachvollziehbarer und widersprüchlicher Aussagen nicht ge- glaubt werden. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass das Aussage- verhalten des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung seiner ange- schlagenen Gesundheit besonders sorgfältig zu werten ist, entsteht in diesem Punkt im Ergebnis das Bild einer angeblichen Verfolgungs- situation ohne faktisch bestehender Gefährdung. Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer trotz guter finanzieller Lage noch bis ins Jahr 2006 im Heimatstaat verblieben ist, bestätigt die Zweifel an einer behördlichen gezielten Verfolgung wegen der Nevroz-Feier im Jahre 2002. Dies umso mehr, als die Angaben über den angeblichen Aufent- halt im Versteckten ebenso zahlreiche Widersprüche aufweisen. Die Be schwerdeführerin war zwar in der Lage, die angebliche diesbe- zügliche Verfolgung ihres Gatten etwas substanziierter zu schildern, wo bei indes wiederum kaum Realkennzeichen, aber wiederholt Stereotypien auszumachen waren (B 12/23, S. 8 ff.). Mangels stich- haltiger Beschwerdevorbringen ist im Ergebnis der Schluss zu ziehen, dass der Beschwerdeführer wegen allfälliger eigener politischer Tätig- keiten nicht in den Fokus der Behörden geriet (vgl. A 9/21, S. 11 f.). 5.1.2Aus dem eingereichten Arztbericht vom 26. November 2008 er- gibt sich, dass der Beschwerdeführer durch Folter schwer traumatisiert worden sei (Ziff. 5.1. des Berichts). Mit einem ärztlichen Gutachten Seite 17D-6000/2006 kann aber die Ursache einer geltend gemachten psychischen Krank- heit nur bedingt bewiesen werden. Der behandelnde Arzt bzw. Gutach- ter wird in der Regel eine einigermassen zuverlässige Diagnose des vorliegenden Krankheitsbildes stellen können. Bezüglich der Ursachen der Krankheit ist er indessen zu einem grossen Teil auf die Aussagen seines Patienten angewiesen, da er nicht aus eigener Wahrnehmung bestätigen kann, dass der Patient das Geschilderte tatsächlich erlebt hat; er wird somit einzig die Auffassung vertreten bzw. den Schluss ziehen können, er halte die vom Patienten vorgebrachten Gründe, die zur psychischen Erkrankung geführt hätten, als glaubhaft. Ob sich zum Beispiel eine Gewalterfahrung jedoch genau so und zu diesem Zeit- punkt zugetragen hat, kann nicht von einer ärztlichen Fachperson be- urteilt werden. Insgesamt kann ein ärztliches Gutachten zwar Hinweise darauf geben, dass die von der asylsuchenden Person geltend ge- machten Ursachen einer psychischen Erkrankung (und somit deren Vorbringen) glaubhaft sind; das Gutachten oder der Arztbericht ist in- des immer nur als ein Element in der gesamten Aktenlage anzusehen und kann deshalb in der Regel nicht Beweis für die Glaubhaftigkeit der Aussagen einer asylsuchenden Person bilden. Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen eines Beschwerdeführers ist ohnehin eine Rechtsfrage, deren Beantwortung - wie im Übrigen auch die Be- weiswürdigung - Aufgabe des Richters respektive der Richterin ist (vgl. die immer noch zu beachtende Rechtsprechung in EMARK 1996 Nr. 16 E. 3/e/bb S. 144). So ist zwar denkbar, dass der Beschwerde- führer im Sinne seiner Darlegungen während der Schulzeit Schläge er- litt und an deren Folgen heute noch leidet. Dabei jedoch von asyl- rechtlichen Erlebnissen auszugehen geht nicht an, zumal er danach noch jahrelang im Heimatstaat verblieben ist. Dass er aber gemäss Anam nese nach dem Jahr 2000 aus politischen Gründen wiederholt festgenommen und gefoltert worden wäre, kann seinen Befragungs- protokollen in keiner Weise entnommen werden. Demzufolge und in Be rücksichtigung vorstehender Erwägungen ist der Arztbericht nicht geeignet, eine asylrelevante Verfolgung zu belegen. 5.1.3Die Beschwerdeführerin legte anlässlich der Anhörung dar, nicht selber politisch aktiv gewesen zu sein. Die Probleme, welche sie ge- habt habe, seien auf ihre Familienangehörigen respektive ihren Gatten zurückzuführen (B 12/23, S. 21). Eine Gefährdung aufgrund eigener Aktivitäten machte sie demnach gar nicht geltend. Zu bemerken ist dazu, dass die Feststellung des Rechtsvertreters in der ergänzenden Eingabe vom 1. Dezember 2008, seine Mandantin (aufgrund ihrer Ver- Seite 18D-6000/2006 wandtschaft) und nicht sein Mandant sei als Ursache der Probleme die Hauptperson der zu beurteilenden erstinstanzlichen Verfahren, mit ih- ren Aussagen nur sehr bedingt zu vereinbaren ist und eher die Un- glaubhaftigkeit der angeblich gegen den Beschwerdeführer wegen dessen eigenen Aktivitäten eingeleiteten Fahndung erneut bestätigt. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit dieser Verfolgung ist mithin auch die von der Beschwerdeführerin daraus abgeleitete nicht glaubhaft. 5.1.4Die Vorbringen im Zusammenhang mit der geltend gemachten Re flexverfolgung machen sodann unbesehen der teilweise wiederum fraglichen Glaubhaftigkeit mangels Verfolgungsintensität keinen ernst- haften Nachteil gemäss Art. 3 AsylG aus. So brachten beide Be- schwerdeführer nicht vor, deshalb je inhaftiert worden zu sein. Der Be- schwerdeführerin wurde überdies vor der Ausreise ein echter Pass ausgestellt. Dass namentlich sie wegen ihrer Verwandtschaft und ins- besondere wegen der allfälligen Unterstützung von _______ bedroht und beschimpft wurde, erscheint zwar als durchaus realistisch. Derartige Behelligungen verbunden allenfalls mit einer Razzia stellen jedoch keine ernsthaften Nachteile im Sinne des Asylgesetzes dar. Entsprechend fällt die allfällige politische Aktivität von _______ aus dem Gefängnis und der Umstand, wonach er noch nicht ein Urteil erhalten haben soll, nicht entscheidend ins Gewicht, da die von ihm abgleiteten Verfolgungsmassnahmen nach dem Gesagten für die Beschwerdeführer ohnehin kein asylrelevantes Ausmass erreichten. 5.2 Weiter stellt sich die Frage, ob die Erwägungen der Vorinstanz auch in Bezug auf die Frage einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu bestätigen sind. 5.2.1Eine begründete Furcht vor künftigen staatlichen Verfolgungs- mass nahmen im Sinne von Artikel 3 AsylG liegt vor, wenn die betroffe- ne Person glaubhaft machen kann, dass begründeter Anlass zu der An nahme besteht, die Verfolgung werde sich mit erheblicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss ent- fernte Möglichkeit zukünftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen kon- krete Indizien und tatsächliche Anhaltspunkte dargelegt werden, die die Furcht vor einer real drohenden Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachvollziehbar erscheinen lassen. Dabei sind einerseits objek- tive Anhaltspunkte zu berücksichtigen, welche auch bei einem ver- nünftig denkenden, besonnenen Dritten eine Furcht vor Verfolgung be- gründen würden; andererseits sind jedoch auch subjektive Elemente Seite 19D-6000/2006 und Erfahrungen des Betroffenen zu würdigen, welche eine subjektive Furcht vor Verfolgung nachvollziehen lassen, auch wenn diese die ob- jektive Furcht eines besonnenen Dritten übersteigt. Insbesondere ist eine rein objektive Würdigung, ob die gegebenen Umstände eine Furcht vor künftiger Verfolgung begründet erscheinen liessen, zu er- weitern durch das vom Betroffenen bereits Erlebte, durch seine Zuge- hörigkeit zu einer bestimmten Ethnie oder sozialen Gruppe oder durch Kenntnisse von Erfahrungen seiner Bekannten und Verwandten (vgl. zu den Anforderungen einer begründeten Furcht EMARK 2004 Nr. 1 S. 1 ff. m.w.H.). 5.2.2In subjektiver Hinsicht ist die Furcht des Beschwerdeführers vor künftigen ernsthaften Nachteilen offensichtlich gegeben. Seine persön- lichen Ängste vor Folter und Misshandlung durch die türkischen Be- hörden sind manifest. Auch scheint der Beschwerdeführer tatsächlich davon auszugehen, dass er an der Nevroz-Feier gefilmt worden sei und deshalb gesucht werde. Dabei dürfte es sich indes mutmasslich um eine krankhaftsbedingte Paranoia handeln, welche nicht auf an- gebliche Foltererlebnisse zurückgeführt werden kann (vgl. Ziff. 5.1.1. vorstehend). Auch die Beschwerdeführerin artikuliert gewisse subjek- tive Befürchtungen. In objektiver Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass sich gemäss Aktenlage mehrere Verwandte der Beschwerdeführerin (und auch des Beschwerdeführers) offenbar ohne asylbeachtliche Be- helligungen nach wie vor in der Türkei aufhalten können (B 2/10, S. 3; A 2/9, S. 3). Bereits aufgrund dieses Umstands ist eine den Be- schwerdeführern drohende und relevante Verfolgung im Sinne begrün- deter Furcht - sei es für den damaligen Zeitpunkt, sei es aus heutiger Sicht - als unwahrscheinlich zu bezeichnen. Dass die Familie der Be- schwerdeführerin nach wie vor unter einem gewissen behördlichen Druck steht, mag zwar zutreffen, und die erfolgte Versachlichung in der Kurdenfrage wurde in der letzten Zeit durch eskalierende Spannungen namentlich im Südosten des Landes überschattet. Gleichwohl be- stehen in Anbetracht ihrer nicht intensiven Vorverfolgung und der ge- sam ten Aktenlage nach wie vor keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass allfällige behördliche Schikanen gegen die Beschwerdeführer we- gen _______ oder aus anderen Gründen ein asylrelevantes Ausmass annehmen könnten und entsprechend auch aus objektiver Sicht be- gründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen durch die türkischen Behörden zu bejahen wäre. An dieser Einschätzung mag das nachgereichte Schreiben einer Anwältin vom 26. November 2008 nichts zu ändern, da die Inhaftierung von _______ unbestritten ist und Seite 20D-6000/2006 die im Schreiben bestätigte Gefährdung der Beschwerdeführer nach dem Gesagten im geltend gemachten Ausmass nicht glaubhaft wirkt. Unter den gegebenen Umständen kann auch nicht von einem asylrechtlich relevanten unerträglichen psychischen Druck ausgegangen werden, wie dies in der Beschwerde impliziert wird, zumal auch dies aus objektiver Sicht eine intensive Unterdrückung bedingen würde, die in dieser Form nicht vorliegt. 5.3 Den Beschwerdeführern ist es demnach nicht gelungen, nachzu- weisen oder glaubhaft zu machen, dass sie im Zeitpunkt der Ausreise aus der Türkei ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt waren oder dass sie begründete Furcht haben, solche Nach teile im Falle der Rückkehr in absehbarer Zukunft mit erheblicher Wahr scheinlichkeit erleiden zu müssen. Das Bundesamt hat ihre Asyl- gesuche mithin zu Recht abgelehnt. Mangels Relevanz erübrigt es sich, auf weitere Beschwerdevorbringen, Beweismittel und Verfahrens- anträge bezüglich Asyl und Flüchtlingseigenschaft detailliert ein- zugehen. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.1 Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine fremdenpolizeili- che Aufenthaltsbewilligung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän- ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste- Seite 21D-6000/2006 hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Der Vollzug kann insbesondere nicht zumut- bar sein, wenn er für den Ausländer eine konkrete Gefährdung dar- stellt (Art. 83 Abs. 4 AuG). Im Weiteren ist der Vollzug nicht möglich, wenn der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in den Heimatstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.3 Die vorerwähnten Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwe- senheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. weiterhin EMARK 2001 Nr. 1 E. 6a S. 2). Ge- gen eine allfällige spätere Aufhebung der vorläufigen Aufname würde der betroffenen asylsuchenden Person wiederum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen stehen (vgl. Art. 105 AsylG), wo- bei in jenem Verfahren alle Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse von neuem zu prüfen sind (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.). 7.4 Aus humanitären Gründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schweiz, wird auf den Vollzug der Wegweisung auch ver- zichtet, wenn die Rückkehr in den Heimatstaat für die betroffene Per- son eine konkrete Gefährdung darstellt. Eine solche kann angesichts der im Heimatland herrschenden allgemeinen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgemeiner Gewalt kennzeichnet, oder aufgrund anderer Gefahrenmomente, wie beispielsweise einer notwendigen medizinischen Behandlung, ange- nom men werden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asyl- verfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 7.4.1Eine Situation, welche die Beschwerdeführer als "Gewalt- oder de-facto-Flüchtlinge" qualifizieren würde, ist aufgrund der heutigen Si- tuation in der Türkei nicht in genereller Form zu bejahen (vgl. nament- lich die weiterhin gültige Rechtsprechung der ARK in EMARK 2004 Nr. 8). 7.4.2Hingegen erscheint der Vollzug der Wegweisung des Beschwer- deführers im heutigen Zeitpunkt angesichts der schweren Beeinträchti- gung seiner Gesundheit nicht zumutbar. So werden im Bericht der psy- chiatrischen Fachstelle vom 26. November 2008 eine posttraumatische Belastungsstörung, eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung Seite 22D-6000/2006 und eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung diagnosti- ziert. Der Gesundheitszustand des Patienten wird als sehr schlecht bezeichnet. Er leide unter zahlreichen körperlichen und psychischen Problemen. Besonders hervorzuheben seien die Symptome einer post- traumatischen Belastungsstörung mit ausgeprägter Depressivität, star- ken Ängsten und Verfolgungswahn sowie die nahezu generalisierten Schmerzen nach multiplen Frakturen und anderen Verletzungen nach dem Suizidversuch vom September 2005. Das Bundesverwaltungsge- richt hat keinen Anlass, die gestellten Diagnosen in Frage zu stellen. De ren Ursache bleibt aber wie erwähnt letztlich unklar. Immerhin ist aufgrund der Akten offensichtlich davon auszugehen, dass sich das die Belastungsstörung auslösende traumatische Ereignis vor der Ein- reise in die Schweiz abgespielt haben dürfte. Auch wenn die Behand- lungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Stan- dard in der Schweiz entsprechen sollten, macht dies allein den Vollzug noch nicht unzumutbar. Von der Unzumutbarkeit ist hingegen dann auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehand- lung eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes nach sich zieht (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157). Eine psychiatrische Behandlung des Beschwerdeführers in der Türkei wäre grundsätzlich möglich (vgl. EMARK 1999 Nr. 5, E. 7c S. 33 am Ende) und wird von den Therapeuten im vorliegenden Bericht nicht bestritten. Sie begründen indes in nachvollziehbarer Weise die medizinische Notwendigkeit einer längerfristigen und im auch aus der Sicht des Patienten sicheren Rahmen fortgesetzten Therapie und hal- ten ausdrücklich fest, dass eine zwangsweise Rückführung des Be- schwerdeführers ins Heimatland den bisherigen Behandlungserfolg gefährden und voraussichtlich zu akuter Suizidalität führen würde. Unter diesen Gesichtspunkten kommt eine Weiterbehandlung des psychischen Leidens des Beschwerdeführers in der Türkei aktuell nicht in Betracht. Dies um so weniger, als die Beschwerdeführer aus einer politisch aktiven Familie stammen und - wie ausgeführt zwar nicht mit besonders intensiven - aber dennoch mit gewissen Be- helligungen durch die Behörden zu rechnen hätten. Ein solcher Kon- takt mit den Behörden dürfte wohl bereits genügen, bei dem psychisch kranken Beschwerdeführer zu einer drastischen und lebensbedroh- lichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu führen. 7.5 In Anbetracht dieser Sachlage – und nachdem den Akten keine Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG zu entnehmen sind – ist die Vorinstanz anzuweisen den Beschwerdeführer in Anwendung Seite 23D-6000/2006 von Art. 83 Abs. 4 AuG in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Die Beschwerdeführerin ist praxisgemäss in die vorläufige Aufnahme des Gatten einzubeziehen (vgl. EMARK 1995 Nr. 24 E. 10-11). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung soweit die Fragen der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung betreffend, Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und an- gemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesag- ten in diesen Punkten abzuweisen. Soweit die Frage des Wegwei- sungsvollzugs betreffend ist die Beschwerde gutzuheissen und die an- gefochtene Verfügung aufzuheben. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären den Beschwerdefüh- rern reduzierte Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nach- dem das Gesuch des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG am 16. August 2006 gutgeheissen wurde, wird bezüglich der Beschwerdeführerin ebenfalls auf eine Kostenauflage verzichtet (vgl. Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG). 9.2 Den Beschwerdeführern ist bei diesem Ausgang des Verfahrens eine reduzierte Parteientschädigung gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG zu- zusprechen (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG, Art. 7 Abs. 1 des Regle- ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der am 9. Januar 2009 eingereichten Kostennote ausgewiesene Aufwand bezieht sich auf alle geltend gemachten Anträge in beiden Verfahren und ist nach dem nur teilweise Obsiegen angemessen zu reduzieren. In Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren ist die Parteientschädigung auf Fr. 1'500.-- (inkl. Spesen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) Seite 24D-6000/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, indem festgestellt wird, dass der Wegweisungsvollzug unzumutbar ist. Soweit weitergehend, wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Vorinstanz wird angewiesen, die Beschwerdeführer vorläufig auf- zunehmen. 3. Es werden keine Kosten erhoben. 4. Das BFM hat den Beschwerdeführern für das Verfahren vor der Re- kursinstanz eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 1'500.-- zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter der Beschwerdeführer (Einschreiben) - das BFM, Abteilung Aufenthalt mit den Akten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie) - _______ Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: Seite 25