Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 3. Juni 2015 (810 14 341) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Zweckänderung von einem Melkstall in einen Kunststall Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Parteien Kantonale Natur - und Landschaftskommission (NLK) , Beschwerdeführerin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner A.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Dieter Völlmin, Advokat Betreff A.____, Zweckänderung von einem Melkstall i n einen Kunststall (RRB Nr. 1620 vom 28. Oktober 2014) A. Am 11. April 2013 ging beim Bauinspektorat (BIT) das Baugesuch Nr. 0633/2013 der A.____, vertreten durch B.____, ein. Die öffentlich e Planauflage fand vom 12. April 2013 bis 29. April 2013 statt. Das Bauvorhaben betrifft die sich in der Landwirtschaftszone befindliche Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Parzelle Nr. X.____, Grundbuch C.____, und beabsichti gt die vollständige Zweckänderung ei- nes ehemaligen Melkstalls in einen Kunststall. Der Kunstst all soll in Ergänzung des bereits be- stehenden Skulpturenwegs genutzt werden, um in seinem Inneren Skulpturen auszustellen. B. Die NLK erhob am 25. April 2013 Einsprache. In i hrer Begründung vom 8. Mai 2013 führte sie aus, der Stall befinde sich in national und kommunal geschützten Gebieten und es sei zu verhindern, dass zufolge der Umnutzung neu zu erstellend er Lagerraum für landwirtschaft- liche Zwecke benötigt werde. Ferner entstehe durch die Umnutzung eine intensivere Nutzung der Landschaftskammer durch Besucher, was sich negativ auf die Natur- und Landschaftswerte auswirke. C. Mit Schreiben vom 27. Juni 2013 informierte das BIT die A.____ über die Einsprache der NLK und hielt gleichzeitig fest, dass mit dem einge reichten Baugesuch einerseits Verände- rungen des äusseren Erscheinungsbildes einhergehen würden (Mergelplatz, Stahlgeländer, Aufenthaltsplatz für Besucher) und andererseits eine In tensivierung des Besucherverkehrs zu erwarten sei. Aus Gründen des Landschaftsschutzes sei auf al le äusseren Veränderungen (Mergelplatz, Mergelweg, grössere Betonbodenplatten, Geländer) zu verzichten, ansonsten das Baugesuch mit Art. 24a des Bundesgesetzes über die Raumpl anung (RPG) vom 22. Juni 1979 unvereinbar sei. Überdies wäre mittels Auflage in ein er allfälligen Bewilligung sicherzustellen, dass durch die Umnutzung kein neuer zusätzlicher Raumbeda rf für die landwirtschaftliche Nutzung ausgelöst werde. In der Folge reichte die Bauge suchstellerin bereinigte Pläne ein. Die NLK hielt mit Eingabe vom 26. September 2013 an ihrer Einsprache fest. D. Mit Entscheid der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft (BUD) Nr. 149/2013 vom 28. März 2014 wurde die Einspra che der NLK (wie auch eine weitere Einsprache) abgewiesen und der A.____ gestützt auf Art. 24a RPG eine Ausnahmebewilligung mit folgenden Auflagen erteilt: “3.a) Es sind keine Ku nstinstallationen im Aussenraum des Stal- les zulässig. 3.b) Es ist keine Beleuchtung und Beschallung des Aussenraumes zulässig. 3.c) Es dürfen keine neuen Infrastrukturinstallationen erstel lt werden.“ Ferner wurde die Ausnahme- bewilligung unter dem Vorbehalt erteilt, dass bei ge änderten Verhältnissen neu verfügt werde. In ihrer Begründung führte sie aus, dass unter objektiven Gesichtspunkten wie etwa der kleinen Bodenfläche des Melkstalls (152 m 2), der bescheidenen Infrastruktur, den eingeschränkten Be- lichtungsmöglichkeiten und der rudimentären Erschliessung nicht damit zu rechnen sei, dass eine bedeutend grössere Besucherzahl generiert werde. Die Umnutzung des ehemaligen Melkstalls in einen Kunststall bewirke weder in räumlicher Hinsicht noch im Hinblick auf die Nutzungsintensität eine zusätzliche Belastung des Landschaftsraumes. E. Am 11. April 2014 erhob die NLK beim Regierungsra t des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) Beschwerde gegen den Entscheid der BUD N r. 149/2013 vom 28. März 2014 mit den Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Entsche id aufzuheben und die Erteilung der Ausnahmebewilligung zu verweigern. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen , unter o/e-Kostenfolge. Sie machte zusammengefasst geltend, Art. 24a RPG sei durch die Erte ilung der Bewilligung verletzt wor- den, weil es mit der Zweckänderung zu “neuen Auswirkungen“ komme. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Am 4. Juli 2014 liess sich die BUD vernehmen und schloss auf kostenfällige Abwei- sung der Beschwerde. Zur Begründung hielt sie fest, mit der Zweckänderung seien lediglich geringe bauliche Massnahmen und nicht baubewilligungspf lichtige Unterhaltsarbeiten geplant, weshalb ein Anwendungsfall von Art. 24a RPG vorliege . Unbestrittenermassen dürften dadurch keine neuen Auswirkungen auf Raum, Erschliessung und Umw elt entstehen. Dies sei vorlie- gend der Fall und durch die Anordnung der Auflagen im Entscheid sichergestellt worden. Es sei nicht ersichtlich und würde von der NLK nicht geltend g emacht, inwiefern Fussgänger Raum, Erschliessung und Umwelt zusätzlich belasten würden. Sofe rn die Voraussetzungen gemäss Art. 24a RPG vorliegen würden, müsse eine Bewilligung erteilt werden. Dass die betreffende Parzelle sich innerhalb des Perimeters des Schutzgebietes Belchen-Passwang sowie weiterer kommunal geschützter Naturobjekte befinde, ändere daran nichts. G. Mit Vernehmlassung vom 10. Juni 2014 beantragte die A.____, nachfolgend vertreten durch Dr. Dieter Völlmin, Advokat in Muttenz, die koste nfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Sie stellte i nsbesondere in Abrede, dass durch die Zweckänderung neue Auswirkungen entstehen würden, da we der die bestehende Infrastruktur noch Raum ausgebaut werde. H. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1620 vom 28. O ktober 2014 wies der Regie- rungsrat die Beschwerde der NLK mit der Begründung ab, die vermehrten Besuche der Ausstel- lungsobjekte, also auch des geplanten Kunststalls, würde n keine rechtserhebliche Mehrbelas- tung von Raum, Erschliessung und Umwelt darstellen. Die r enovationsbedürftigen baulichen Anpassungen würden keine Massnahmen im Sinne von Art. 22 RPG darstellen und die Er- schliessungsinfrastruktur bleibe unverändert, sodass nicht er sichtlich sei, inwiefern die Zweck- änderung zu neuen Auswirkungen führen würde. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin es versäumt, darzulegen, aus welchen Gründen die Zweckände rung nicht mit den Schutzzielen des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler v on nationaler Bedeutung (BLN) vereinbar sei. I. Mit Eingabe vom 10. November 2014 erhob die NLK B eschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsge richt), und stellte in der verbesserten Eingabe vom 24. November 2014 die Anträge, es sei de r RRB Nr. 1620 vom 28. Oktober 2014 aufzuheben, eventualiter sei der angefochtene Beschluss aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen, unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegner. J. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Januar 2015 schloss di e A.____ (Beschwerdegegne- rin) auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. In ver fahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die vorgängige Durchführung eines Augenscheins. K. Der Regierungsrat, vertreten durch die Rechtsabte ilung der BUD (Beschwerdegegner), liess sich am 16. Februar 2015 vernehmen und schloss ebenfal ls auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht L. Mit Präsidialverfügung vom 16. März 2015 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung mit vorangehendem Augenschein überwiesen. Gleichzeitig wurde der Beweisantrag auf Befragung von B.____ abgewiesen. M. Anlässlich der heutigen Verhandlung hat das Kanton sgericht vorgängig einen Augen- schein an Ort und Stelle durchgeführt. An der anschliesse nden Parteiverhandlung haben die Parteien an ihren schriftlich gestellten Anträgen festgehalten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügunge n und Entscheide des Regierungs- rates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsg ericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegt, ist die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben. 2. Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. a RPG gewährleistet das kantonale Recht gegen Verfügungen und Nutzungspläne, die sich auf das RPG und seine kanton alen und eidgenössischen Ausfüh- rungsbestimmungen stützen, die Legitimation mindesten s im gleichen Umfang wie für die Be- schwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an d as Bundesgericht. Ferner schreibt Art. 111 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 die Einheit des Verfahrens vor: Wer zur Beschwerde an das Bundesgericht b erechtigt ist, muss sich am Ver- fahren vor allen kantonalen Vorinstanzen als Partei bet eiligen können (Art. 111 Abs. 1 BGG); die unmittelbare Vorinstanz des Bundesgerichts muss grundsä tzlich mindestens die Rügen nach den Artikeln 95-98 BGG prüfen können (Art. 111 A bs. 3 BGG). Aus dem kantonalen Ver- fahrensrecht ergibt sich nichts anderes. Gemäss § 47 Abs. 1 VPO ist zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefo chtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung h at (lit. a); jede andere Person, Organisation oder Behörde, die durch besondere Vorschr ift zur Beschwerde ermächtigt ist (lit. b); die vollziehende Behörde der Gemeinden bei Verfügungen und Entscheiden letztinstanz- licher Verwaltungsbehörden des Kantons (lit. c). Es ist som it zu prüfen, ob die NLK durch be- sondere Vorschrift zur Beschwerde ermächtigt ist. § 20 Ab s. 2 des Gesetzes über den Natur- und Landschaftsschutz vom 20. November 1991 bestimmt, dass die Kommission in allen Be- langen des Natur- und Landschaftsschutzes einsprache- und b eschwerdeberechtigt ist. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich die NLK in ihrer B eschwerde klar auf den Landschafts- schutz beruft. Somit ist sie ohne weiteres beschwerdelegiti miert. Da die weiteren formellen Vo- raussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO ebenfalls erfüllt sind, ist auf die vorliegende Be- schwerde einzutreten. 3. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 4. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob der Beschwerdegegnerin die geplante Umnutzung des Melkstalls in einen Kunststall zu Recht bewilligt worden ist. 5.1 Erfordert die Änderung des Zwecks einer Baute oder Anlage ausserhalb der Bauzonen keine baulichen Massnahmen im Sinne von Art. 22 Abs. 1 RP G, ist gemäss Art. 24a Abs. 1 RPG die Bewilligung zu erteilen, wenn dadurch keine n euen Auswirkungen auf Raum, Er- schliessung und Umwelt entstehen (lit. a); und sie nach keinem anderen Bundeserlass unzuläs- sig ist (lit. b). Gemäss Art. 24a Abs. 2 RPG ist die Ausna hmebewilligung unter dem Vorbehalt zu erteilen, dass bei veränderten Verhältnissen von Amtes wegen neu verfügt wird. 5.2.1 Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, da ss die Umnutzung des Stalles auch diverse bauliche Veränderungen im Innern des Melkst alls benötige und Art. 24a RPG somit nicht zur Anwendung kommen könne. 5.2.2 Gemäss Art. 24a RPG darf eine Zweckänderung keine baulichen Massnahmen im Sinne von Art. 22 Abs. 1 RPG nach sich ziehen. Solche Ver änderungen waren im ursprüng- lichen Baugesuch zwar enthalten, wurden jedoch im Rahm en der Bereinigung von der Bauge- suchstellerin gestrichen (vgl. Lit. C hiervor). Unter Ber ücksichtigung, dass der Beschwerdegeg- nerin die Bewilligung nur unter Auflagen (Unzulässig keit von Beleuchtung und Beschallung des Aussenraums etc.) erteilt hat und das Baugesuch bezüglich d er ursprünglich beabsichtigten baulichen Vorhaben angepasst wurde, ist n icht ersichtlich, und wird von der Beschwerdeführe- rin auch nicht substantiiert geltend gemacht, welche angeblichen baulichen Massnahmen durch die Umnutzung erforderlich werden. Zu beachten ist dabei, dass kleinere Arbeiten im Innern des Stalles nicht der Baubewilligungspflicht unterstehen, sow eit sie dem Unterhalt dienen (vgl. Revue de droit administratif et de droit fiscal [RDAF] 1992 S. 488 ff.). Anlässlich des heutigen Augenscheins hat die Baugesuchstellerin bestätigt, dass ke ine neuen Bauvorhaben getätigt werden. Es werde einzig ein Fenster am Melkstall ersetzt. Der Ersatz eines Fensters stellt eine Unterhaltsarbeit dar, welche nicht baubewilligungspfl ichtig ist. Daraus erhellt, dass das Bauge- such keine Vorkehren nötig macht, welche baubewilligungsp flichtig sind, und das diesbezüg- liche Vorbringen der Beschwerdeführerin geht ins Leere. Sollten entgegen den Plänen dennoch weitergehende bauliche Massnahmen vorgenommen werden, so müsste zufolge veränderter Verhältnisse von Amtes wegen neu verfügt werden (vgl. Entscheid der BUD Nr. 149/2013 vom 28. März 2014). Mit den Vorinstanzen ist festzuhalten, d ass das vorliegend zu beurteilende Baugesuch jedenfalls keine baulichen Massnahmen im Sinne von Art. 22 Abs. 1 RPG erfordert und Art. 24a RPG − vorbehältlich der nachfolgenden A usführungen – zur Anwendung gelangt. 5.3 Die Beschwerdeführerin rügt ferner, dass die erhöh te Frequentierung der Ausstel- lungsobjekte eine rechtserhebliche Mehrbelastung bewirke und somit Art. 24a Abs. 1 RPG ver- letze. Sie führt aus, im Vergleich zur jetzigen Nutzung d es Melkstalls würden die Immissionen durch die neue Nutzung stark zunehmen, da der Skulpturen park jährlich 7‘000 Besucher, wel- che folglich auch den Kunststall aufsuchen würden, anzie he. Im Rahmen der bisherigen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nutzung seien demgegenüber lediglich wenige Fahrten de s Pächters zu verzeichnen gewesen. Zudem würden sich die Fussgänger ausserhalb des bewillig ten Perimeters bewegen, wenn sie den Kunststall besuchen. Durch diese erhebliche Steigerung würde die Verkehrserschliessung stärker beansprucht, wodurch eine Mehrbelastung im Sinne von Art. 24a RPG entstehe. Darüber hinaus sieht die Beschwerdeführerin eine neue Auswirkung darin, dass aufgrund der Zweckänderung der Bau eines neuen Geräteschopfs erforderl ich werde, da der Pächter seine Maschinen und Geräte bisher im Melkstall gelagert habe. Schliesslich würden sich weitere, kommunal geschützte Naturobjekte in unmittelbarer Nachb arschaft zum D.____ befinden, wel- che durch die Mehrbelastung beeinträchtigt würden (v gl. Beschwerdebegründung vom 12. Mai 2014, S. 4 ff.). 5.4 Die Beschwerdegegner bringen dagegen übereinstimm end vor, die zusätzlichen Fuss- gängerbewegungen seien nicht als neue Auswirkungen au f Raum, Erschliessung und Umwelt im Sinne von Art. 24a RPG zu qualifizieren. Beim betr effenden Gebiet handle es sich um ein beliebtes Wandergebiet, und eine Umnutzung könne zwar eine erhöhte Fussgängerfrequenz mit sich bringen, was jedoch nicht als umweltschädigende zusätzliche Einwirkung zu qualifizie- ren sei. 5.5 Für die Beurteilung der ersten Voraussetzung, wonach durch die Erteilung einer Aus- nahmebewilligung gemäss Art. 24a Abs. 1 RPG keine neuen Auswirkungen auf Raum, Er- schliessung und Umwelt entstehen dürfen, ist nicht massgeblich, ob es sich um erhebliche oder bloss geringfügige Auswirkungen handelt (vgl. B ERNHARD WALDMANN /PETER HÄNNI , Stämpflis Handkommentar zum Raumplanungsgesetz, Bern 2006, N 6 zu A rt. 24a). Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass auf der zum Melkstall führenden, zirka 250 Meter langen (asphaltierten) Strasse ein Fahrverbot herrscht. Im Rahmen der gestatteten Zubringerdienste wird es unbestrit- tenermassen zu Transporten der Kunstgegenstände kommen . Darin ist aber keine Zunahme des Verkehrs erkennbar, sind doch bis anhin regelmässig lan dwirtschaftliche Fahrzeuge zum Melkstall gefahren. Insofern ist mit der Vorinstanz festzu halten, dass die Zweckänderung keine Mehrbelastung der Erschliessung bewirken wird. Selbst wenn die Verkehrserschliessung als solche ausreichend ist, kann eine Mehrbelastung durch die stärkere Beanspruchung der Ver- kehrsinfrastruktur entstehen. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass durch das zusätzliche Ausstellungssubstrat grundsätzlich grössere Besucherzahlen generiert werden als bisher. Dafür spricht auch die Tatsache, dass der beim D.____ gelegene Parkplatz unverändert bestehen bleibt und die Parkplatzzahl nicht erhöht wird. Die B esucherzahl des Skulpturenparks von jähr- lich 7‘000 bedeutet im Durchschnitt 19 Besucher pro Tag . Eine Mehrbelastung der Verkehrser- schliessung kann aber nicht allein von dieser Tatsache abgel eitet werden, da nicht belegt ist, dass tatsächlich jeder einzelne Besucher des Skulpturenpar ks auch den Kunststall aufsuchen wird. Unabhängig davon wird der betreffende Strassenabschnitt von einer unbekannten Vielzahl von Wanderern betreten, da es sich dabei um einen Wand erweg in einem beliebten Naherho- lungsgebiet handelt. Die allenfalls durch die Umnutzung generierten weiteren rund 20 Personen fallen somit nicht massgeblich ins Gewicht. Auch ist kein si ch auf das Gebiet auswirkender Un- terschied zwischen Wanderern und den Besuchern des Kunststal ls erkennbar. Vor diesem Hin- tergrund liegt somit keine neue Auswirkung auf die Ersch liessung im Sinne von Art. 24a Abs. 1 lit. a RPG vor. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, d ass es sich beim betreffenden Abschnitt um Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein beliebtes und stark frequentiertes Wandergebiet ha ndelt und es grundsätzlich keine zah- lenmässige Beschränkung von Wanderern in einem Wandergeb iet gibt. Auch der Erläuterungs- bericht des BLN bezeichnet das Belchen-Passwang-Gebiet als “beliebtes Wandergebiet mi t bekannten Aussichtsbergen“ (vgl. Werkstattbericht des Kant ons Basel-Landschaft, BUD, Amt für Raumplanung, vom 13. Februar 2015, Ziff. 2.6.1). Daraus erhellt, dass mit der Aufnahme des Gebietes in das BLN auch dessen Schutz als Wandergebie t bezweckt wurde. Hinzu kommt, dass die Ausstellungen im Stall ausschliesslich in den Sommermonaten stattfinden, wodurch die Zunahme der Besucherzahl des Kunststalles au f das ganze Jahr bezogen zusätz- lich relativiert wird. In den Wintermonaten wird der Stall weiterhin als Unterstand für die Geräte und Maschinen des Pächters dienen und somit einer zonenko nformen Nutzung entsprechen. Nach dem Gesagten stellt also selbst eine allfällig er höhte Besucherzahl keine neue Auswir- kung im Sinne von Art. 24a RPG dar. Dem Vorbringen d er Beschwerdeführerin, wonach aufgrund der Umnutzung ein neuer Geräte- schopf gebaut würde, wurde damit begegnet, als die Auf lagen das nicht erlauben, nachdem bereits das BIT zuvor darauf hingewiesen hatte, dass siche rzustellen sei, dass kein neuer zu- sätzlicher Raumbedarf für die landwirtschaftliche Nutzung ausgelöst werde (vgl. Lit. C und D hiervor). Vor diesem Hintergrund vermag dieses Argument die Zulässigkeit der Bewilligungser- teilung nicht zu beeinträchtigen. Die Beschwerdeführerin moniert ferner, dass die Umnutzu ng des Melkstalls, selbst bei einer unveränderten Besucherzahl, dazu führe, dass sich die Besucher auch ausserhalb des bewillig- ten Perimeters des Skulpturenparks bewegen würden. Daraus folge, dass die Zweckänderung sowohl hinsichtlich der Erschliessungsinfrastruktur als auch i n Bezug auf die Umwelt eine Mehrbelastung bewirke. Es ist zutreffend, dass sich der Melkstall (Parzelle Nr. X.__ __) ausser- halb des gemäss Baubewilligung vom 18. Dezember 1998 bet reffend das Baugesuch Nr. 1950/98 ursprünglich bewilligten Perimeters befi ndet. Dieser Umstand ist jedoch irrelevant, weil hier ein weiteres separates Baugesuch auf seine Bew illigungsfähigkeit zu überprüfen ist. Soweit die Voraussetzungen nach Art. 24a RPG gegeben sin d, ist dieses Gesuch unabhängig von seinem Standort zu bewilligen. Demnach ist der Perimeter des Skulpturenparks nicht mass- geblich für die Beurteilung des vorliegenden Baugesuchs. 5.6 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass durch di e Umnutzung des Melkstalls zahlreiche Natur- und Landschaftswerte beeinträchtigt w ürden. Sie legt dar, dass sich westlich des D.____ das Naturschutzgebiet E.____ befinde und ein e grosse Fläche des Melkstalls im Wertgebiet F.____ des ornithologischen Inventars beider Basel liege. Die wildlebenden Tiere würden durch die menschlichen Aktivitäten gestört, was gravi erende Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand habe. Es mag zutreffen, dass die menschliche Präsenz in diesem Gebiet eine Störung der Tiere be- wirkt. Diese ist allerdings nicht auf das geplante Kunstprojekt zurückzuführen, sondern vielmehr generell auf die Tatsache, dass es sich beim betroffenen Gebiet um ein beliebtes und stark fre- quentiertes Wandergebiet handelt. Es (waren und) sind unabhängig der bewilligten Zweckände- rung zahlreiche Wanderer zugegen. Mit anderen Worte n wird der betroffene Strassenabschnitt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit oder ohne Halt beim Kunststall von Fussgängern betr eten. Zudem ist, wie bereits erwähnt, aufgrund der Umnutzung nicht mit einer relevanten Zunahme der Besucherzahl zu rechnen. Der zum Stall führende Weg grenzt schliesslich nur für wenig e Meter an das Naturschutzgebiet und die Naturobjekte für seltene Vögel befinden sich allesa mt fernab vom Melkstall. Eine konkrete Beeinträchtigung von Natur- und Landschaftswerten spezi ell auf diesem Strassenabschnitt ist nicht ersichtlich und wurde von der Beschwerdeführerin au ch nicht geltend gemacht. Daraus folgt, dass der Kunststall keine neuen Auswirkungen auf den Raum und die Umwelt zeitigt. 6.1 Weiter beruft sich die Beschwerdeführerin darauf, dass der Melkstall (Parzelle Nr. X.____) im BLN-Gebiet Nr. 1012 liege und die Um nutzung desselben zu einer schleichen- den Beeinträchtigung des BLN-Objektes führe. 6.2 Gemäss Art. 24a Abs. 1 lit. b RPG ist die Ausnahmebe willigung nur zu erteilen, wenn sie nach keinem anderen Bundeserlass unzulässig ist. Nach d ieser zweiten Voraussetzung können Zweckänderungen unter anderem dann, wenn sie lä rmschutzrechtliche Massnahmen erfordern oder mit einer Mehrbelastung der Erschliessun g verbunden sind, nicht gestützt auf Art. 24a RPG bewilligt werden (vgl. BERNHARD WALDMANN /PETER HÄNNI ; a.a.O, N 6 zu Art. 24a; WALTER HALLER /P ETER KARLEN , Raumplaungs-, Bau- und Umweltrecht, 3. Auflage, Zür ich 1999, N 721). Vorliegend ist zu prüfen, ob die Vorschri ften nach dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) vom 1. Juli 1966 eingeha lten worden sind. Das BLN ist ein Bundesinventar gemäss Art. 5 Abs. 1 NHG. Durch die Aufn ahme eines Objektes von nationaler Bedeutung in ein Inventar des Bundes wird dargetan, d ass es in besonderem Masse die unge- schmälerte Erhaltung, jedenfalls aber unter Einbezug vo n Wiederherstellungs- oder angemes- senen Ersatzmassnahmen die grösstmögliche Schonung verdient (Art. 6 Abs. 1 NHG). Das BLN verpflichtet Bund und Kantone in Erfüllung von Bu ndesaufgaben, wozu die Erteilung einer Ausnahmebewilligung gehört (vgl. Art. 2 NHG). Die Be deutung des geologisch und naturräum- lich reichhaltigen und vielfältigen BLN-Gebietes Nr. 1 012, in welchem sich der Melkstall befin- det, ist unbestritten. Das Belchen-Passwang-Gebiet stell t gleichzeitig ein beliebtes und stark frequentiertes Wandergebiet dar (vgl. E. 5.5 hiervor). Gemäss kantonaler Richtplanung soll die Erholungsqualität im Kanton mit angepassten Besucherlenk ungen bzw. lokalen und zeitlichen Einschränkung von Freizeitaktivitäten, welche Naturobjekt e beeinträchtigen könnten, erhalten und aufgewertet werden. Somit widersprechen das Wande rn und das Spazieren offenbar nicht grundsätzlich den Schutzzielen des BLN. Wenn die Beschwer deführerin die schleichende Be- einträchtigung des BLN-Objekts somit massgeblich von den F ussgängerbewegungen ableitet, kann ihr nicht gefolgt werden und es ist nicht ersichtlich, inwiefern der projektierte Kunststall das BLN-Objekt schmälern soll. Es gilt überdies zu berücksicht igen, dass die Umnutzung zeitlich beschränkt ist, indem der Kunststall nur in den Sommermonaten und während den Öffnungszei- ten zugänglich ist. Räumlich tangiert das Projekt ledig lich einen kurzen Strassenabschnitt (250 Meter), welcher darüber hinaus ein offizieller Wanderw eg ist. Schliesslich wird durch den Kunststall keine neue “menschliche Aktivität“ im betreffend en Gebiet ausgelöst (vgl. E. 5.5 ff.). Daraus ergibt sich zusammenfassend, dass die Umnutzung des Melkstalls mit den Bestimmun- gen des NHG vereinbar ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Sind – wie vorliegend – die Voraussetzungen gemäss A rt. 24a RPG erfüllt, “ist die Be- willigung zu erteilen“. Die vorinstanzlichen Entscheide sind somit nicht zu beanstanden und die Erteilung der Ausnahmebewilligung ist zu Recht erfolgt. 8.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfah rens entsprechend sind die Ver- fahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- gestützt auf § 20 Abs. 4 VPO der unterlegenen Be- schwerdeführerin aufzuerlegen. 8.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwer- deführerin der Beschwerdegegnerin eine Parteientschädig ung zu bezahlen. Der in der Hono- rarnote des Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin vom 24. März 2015 ausgewiesene eigene Aufwand von 8 Stunden à Fr. 250.-- sowie der A ufwand von 6 Stunden à Fr. 90.-- der Volontärin erscheinen angemessen. Hinzu kommt der Auf wand für die heutige Parteiverhand- lung von 2 Stunden à Fr. 250.--, woraus ein Honorar von Fr. 3‘040.--, zuzüglich Auslagen von Fr. 125.50 und 8 % MWSt, d.h. insgesamt Fr. 3‘418.75, resultiert, welches von der Beschwerde- führerin auszurichten ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. 3. Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘418.75 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin