Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. August 2021 (810 20 270) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung / Widerruf der Niederlassungsbewilligung / Sozialhilfeabhängigkeit Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Daniel Häring, Niklaus Ruckstuhl, Gerichtsschreiberin i.V. Giulia Kiefer Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, B.____ , Beschwerdeführerin, beide vertreten durch Johannes Mosimann, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung / Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung (RRB Nr. 1475 vom 27. Oktober 2020) A. Der kosovarische Staatsangehörige A.____ (geb. 1965) kam 1991 als Saisonarbeiter in die Schweiz und erhielt am 11. November 1996 eine Aufenthaltsbewilligung. Im Jahr 1999 erhielt seine Ehefrau B.____ (geb. 1968), kosovarische Staatsangehörige, im Rahmen des Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung. Seit dem 30. April 2004 verfügt A.____ über die Niederlassungsbewilligung. A.____ und B.____ haben vi er volljährige Kinder (geb. 1994, 1996, 1998 und 2000), welche ebenfalls in der Schweiz leben. B. Gemäss den Auszügen aus den individuellen Konten der Ausgleichskasse war A.____ letztmals im Jahr 2005 und B.____ letztmals im Jahr 2011 erwerbstätig. C. Seit dem 1. Mai 2006 wurden A.____ und B.____ un unterbrochen von der Sozial- hilfebehörde C.____ (Sozialhilfebehörde) unterstützt. Die Summe der ausgerichteten Fürsorge- leistungen beläuft sich auf Fr. 419'860.95 (Stand: 21. August 2019). D. Mit Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kant ons Basel-Landschaft (SVA BL) vom 10. Juli 2007 wurde das Gesuch von A.____ um Ausricht ung einer Invalidenrente (IV-Rente) vom 16. Mai 2006 abgelehnt. Das Kantonsger icht wies die von A.____ dagegen er- hobene Beschwerde am 20. April 2008 ab (Urteil des Ka ntonsgerichts, Abteilung Sozial- versicherungsrecht [KGE SV], vom 20. April 2008 [720 07 387]). E. Aufgrund ihrer fortgesetzten Sozialhilfeabhängigke it sowie der Schuldenwirtschaft von A.____ sprach das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM; heute: Amt für Migra- tion und Bürgerrecht [AfMB]) am 23. Juli 2008 gegenü ber A.____ und B.____ eine ausländer- rechtliche Verwarnung aus. Am 27. Mai 2009 ermahnte da s AfMB A.____ und B.____ aus den vorgenannten Gründen erneut. F. Am 26. April 2010 reichten A.____ und B.____ bei der SVA BL jeweils ein Gesuch um Ausrichtung einer IV-Rente ein. B.____ reichte am 12. November 2012 ein weiteres Gesuch ein. Mit Vorbescheid vom 29. April 2014 wies die SVA B L das erste Gesuch von B.____ ab. Mit Verfügung der SVA BL vom 7. Januar 2016 wurde das Ges uch von A.____ ebenfalls abgewie- sen. B.____ wurde zudem mit Verfügung der SVA BL vom 29. Juni 2016 erneut eine IV-Rente verweigert. Das Kantonsgericht wies die von B.____ dageg en erhobene Beschwerde am 2. Februar 2017 ab (KGE SV vom 2. Februar 2017 [720 16 274]). G. Am 11. Juli 2017 verwarnte das AfMB A.____ und B. ____ aus den bereits genannten Gründen erneut und verpflichtete sie namentlich zur Arb eitsaufnahme bzw. zum Nachweis von Arbeitsbemühungen. H. A.____ und B.____ reichten am 14. August 2017 jew eils erneut Gesuche um Aus- richtung einer IV-Rente bei der SVA BL ein. I. Wegen Pflichtverletzungen von A.____ verfügte die S ozialhilfebehörde am 2. Oktober 2017 einerseits eine Kürzung der Sozialhilfe, um die zu Unrecht bezogenen Leistungen zu ver- rechnen, sowie andererseits eine vorübergehende Reduktio n der finanziellen Unterstützung im Rahmen des Grundbedarfs um 30 %. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Mit Vorbescheid der SVA BL vom 8. Mai 2018 wurde au f das dritte Gesuch von B.____ um Zusprechung einer IV-Rente nicht eingetreten. Das Kantonsgericht wies die von B.____ dagegen erhobene Beschwerde am 28. Februar 2019 ab ( KGE SV vom 28. Februar 2019 [720 18 201]). K. Mit Verfügung der SVA BL vom 27. August 2019 wurd e auf das dritte Gesuch von A.____ um Zusprechung einer IV-Rente nicht eingetreten , wobei diese Verfügung unangefoch- ten in Rechtskraft erwuchs. L. Am 11. September 2019 gewährte das AfMB A.____ un d B.____ das rechtliche Gehör zum Widerruf der Niederlassungsbewilligung bzw. der Nicht verlängerung der Aufenthaltsbewil- ligung. A.____ und B.____ nahmen dazu mit Schreiben vom 25. September 2019 Stellung. M. Am 12. März 2020 ging bei der SVA BL das vierte Ges uch von B.____ um Ausrichtung einer IV-Rente ein. Das Verfahren ist derzeit hängig. N. Mit Verfügung vom 6. April 2020 widerrief das AfM B die Niederlassungsbewilligung von A.____ und verweigerte die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von B.____. O. Dagegen erhoben A.____ und B.____, vertreten dur ch Johannes Mosimann, Advokat, am 16. April 2020 Beschwerde beim Regierungsrat des K antons Basel-Landschaft (Regierungsrat), welcher diese mit Beschluss Nr. 2020-1475 vom 27. Oktober 2020 abwies. P. Mit Eingabe vom 9. November 2020 erhoben A.____ und B.____, vertreten durch Johannes Mosimann, Advokat, gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 27. Oktober 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilu ng Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Sie beantragen, der angefoch tene Entscheid sei aufzuheben und das AfMB anzuweisen, auf den Widerruf der Niederlassungsbew illigung von A.____ zu verzichten und die Aufenthaltsbewilligung von B.____ zu verlängern (Ziff. 1); eventualiter sei der angefoch- tene Entscheid aufzuheben und es sei die Angelegenheit zur ergänzenden Sachverhalts- abklärung an das AfMB, subeventualiter an den Regierun gsrat zurückzuweisen (Ziff. 2). Im Weiteren wurde die unentgeltliche Rechtspflege unter o/e-Kostenfolge beantragt (Ziff. 3). Q. Am 25. November 2020 reichte der Beschwerdeführer be i der SVA BL erneut ein Gesuch um Ausrichtung einer IV-Rente ein. Das Verfahren ist derzeit hängig. R. Der Beschwerdegegner beantragt in seiner Vernehmla ssung vom 16. Februar 2021 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. S. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 23. Februar 20 21 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Den Beschwerdeführenden wur de die unentgeltliche Prozess- führung und Verbeiständung bewilligt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgeset zlicher Ausschlusstatbestand vorliegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Die Beschwerdeführenden sind vom angefochtenen Entscheid berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraus- setzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem K antonsgericht – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Ab s. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Strittig ist, ob der Widerruf der Niederlassungsbew illigung des Beschwerdeführers und die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin und die damit ver- bundene Wegweisung der Beschwerdeführenden zu Recht erfolgten. 4.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, dass ihnen a ufgrund der langen Auf- enthaltsdauer sowie des engen Beziehungs- und (gegensei tigen) Abhängigkeitsverhältnisses zwischen ihnen und ihren Kindern ein Anwesenheitsanspruch gestützt auf das in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grund freiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 geschützte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens zustehe. 4.2.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK sow ie Art. 13 Abs. 1 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 1 8. April 1999 im Wesentlichen auf die eigentliche Kernfamilie, folglich auf die Ge meinschaft der Ehegatten mit ihren minder- jährigen Kindern, beschränkt. Das Verhältnis zwischen E ltern und ihren volljährigen Kindern ist lediglich geeignet, einen Bewilligungsanspruch zu begrün den, falls – über die üblichen Bindun- gen im Eltern-Kind-Verhältnis hinaus – ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis vorliegt. Ein solches kann sich aus Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen bei körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten ergeben . Nach der bundesgerichtlichen Praxis soll ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Eltern un d ihren erwachsenen Kindern indes- sen nicht leichthin bejaht werden. Allein das Vorliege n eines Pflege- und Betreuungs- bedürfnisses reicht nicht aus; erforderlich ist zusätzlich , dass die betreffende Pflege- und Betreuungsleistung unabdingbar von den in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Angehöri- gen erbracht werden muss. Bei Fehlen eines derartigen Verhältnisses ist der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV nicht berüh rt (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_757/2019 vom 21. April 2020 E. 2.1 f ., Urteil des Europäischen Gerichts- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hofs für Menschenrechte [EGMR] i.S. Slivenko gegen Let tland vom 9. Oktober 2003 [Nr. 48321/99] § 97; jeweils mit Hinweisen). 4.2.2 Im Hinblick auf die Volljährigkeit der Kinder d er Beschwerdeführenden sowie das fehlende Abhängigkeitsverhältnis bleibt den Beschwerdef ührenden die Berufung auf das Recht auf Achtung des Familienlebens im Sinne von Art. 8 Zi ff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV verwehrt. 4.2.3 Unabhängig vom Vorliegen einer familiären Bezi ehung kann eine ausländerrechtliche Fernhaltemassnahme unter gewissen Umständen den Anspruch a uf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 EMRK verletzen: Nach ständiger Rechtsprechu ng des Bundesgerichts genügen eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integration hierzu nicht; erforderlich sind besonders intensive, über eine normale Integratio n hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1; BGE 130 II 281 E. 3.2.1; BGE 126 II 377 E. 2c, jeweils mit Hinweisen). Nach einer re chtmässigen Aufenthaltsdauer von rund zehn Jahren kann regelmässig davon ausgegangen werden, dass die sozialen Beziehungen in diesem Land so eng geworden sind, dass es für eine Aufe nthaltsbeendigung besonderer Gründe bedarf, wobei es sich im Einzelfall anders verha lten und die Integration zu wünschen übriglassen kann. Es kann aber auch sein, dass schon zu ein em früheren Zeitpunkt der Anspruch auf Achtung des Privatlebens betroffen ist. Lie gt nach einer längeren bewilligten Aufenthaltsdauer, die zwar zehn Jahre noch nicht errei cht hat, eine besonders ausgeprägte Integration vor, kann es den Anspruch auf Achtung des Pr ivatlebens verletzen, wenn eine Bewilligung nicht erneuert wird (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.9). 4.2.4 Die Beschwerdeführenden leben mittlerweile sei t über 20 Jahren in der Schweiz. Angesichts dieser langen Anwesenheit in der Schweiz bed arf der Widerruf der Niederlassungs- und Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführenden ge mäss der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts grundsätzlich besonderer Gründe (vgl. a uch Urteil des Bundesgerichts 2C_564/2019 vom 6. Februar 2020 E. 5.1). 5.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über di e Ausländerinnen und Auslän- der und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, dauerhaft und in erheblichem Mass au f Sozialhilfe angewiesen ist. Dem- gegenüber reicht für den Widerruf einer Aufenthaltsb ewilligung nach Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG aus, dass der Ausländer oder die Ausländerin oder eine P erson, für die er oder sie zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. 5.2.1 Die Vorinstanz erwog, die Beschwerdeführenden seie n seit dem 1. Mai 2006 ununter- brochen von der Sozialhilfe unterstützt worden, wobei sich die bezogenen Unterstützungs- leistungen auf Fr. 419'860.95 (Stand: 21. August 201 9) belaufen würden. Weiter seien der Beschwerdeführer letztmals 2005 und die Beschwerdeführe rin letztmals 2011 einer Erwerbs- tätigkeit nachgegangen. Es handle sich folglich zweife llos um einen dauerhaften und er- heblichen Sozialhilfebezug. Sodann sei es unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführenden in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zukunft eine Arbeit aufnehmen, für ihren Lebensunterh alt selbständig aufkommen und sich von der Sozialhilfe ablösen würden. Obschon bereits mehrer e Gesuche um IV-Renten rechtskräftig abgewiesen worden seien, erachteten sich die Beschwerd eführenden nach wie vor als arbeits- unfähig. Nach den wiederholten Abweisungen der Gesuch e um Zusprechung einer IV-Rente durch die SVA BL sowie den diesbezüglich ergangenen Urteilen des Kantonsgerichts wären die Beschwerdeführenden gehalten gewesen, sich intensiv um e ine geeignete Arbeitsstelle zu bemühen und selbst für den Lebensunterhalt der Famil ie zu sorgen. Die Beschwerdeführenden hätten jedoch kein Interesse an einer Erwerbstätigkei t gezeigt und trotz wiederholter Auf- forderungen keine Bewerbungen zum Nachweis ihrer Stellensuche eingereicht. Im Weiteren sei festzustellen, dass die Beschwerdeführenden unmittelbar bzw. nahtlos nach Erreichen des AHV-Alters zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts lebensl ang und zu erheblichen Teilen auf Ergänzungsleistungen angewiesen wären, wodurch sie die öf fentliche Hand weiterhin belasten würden. Diese Konstellation läge auch im Fall vor, dass die Beschwerdeführenden in der Zukunft IV-Renten erhalten sollten, da ihre IV-Rente n infolge ihres äusserst geringen Einkom- mens und der langandauernden beruflichen Untätigkeit sehr bescheiden wären und ebenfalls nahtlos durch Ergänzungsleistungen abgelöst werden müssten. 5.2.2 Die Beschwerdeführenden bestreiten nicht, dass sie seit langem von der Sozialhilfe unterstützt werden. Sie berufen sich jedoch auf ihre Ar beitsunfähigkeit und bringen vor, dass neue IV-Verfahren hängig seien. 5.3.1 Nach geltender Praxis ist der Widerrufsgrund der S ozialhilfeabhängigkeit nach Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG erfüllt, wenn konkret die Gefahr ein er fortgesetzten und erheblichen Sozialhilfe- abhängigkeit besteht. Blosse finanzielle Bedenken genüge n hingegen nicht. Neben den bis- herigen und den aktuellen Verhältnissen ist auch die wa hrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen (vgl. Urteil des Bundesgeri chts 2C_1115/2018 vom 31. Oktober 2019 E. 4.1 mit Hinweisen). Dabei ist der Tatbestand gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG als erfüllt anzusehen, wenn eine Person hohe Unterstützungsleistun gen erhalten hat und wegen ihres Verhaltens nicht damit gerechnet werden kann, dass sie i n Zukunft selbst für ihren Lebens- unterhalt sorgen wird (vgl. S ILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Turn-herr [Hrsg], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Stämpflis Handkommentar, Bern 2010, N 21 zu Art. 63 AuG). Inwiefern die Sozialhilfeabhängigkeit im vorlie genden Fall auf ein Selbstverschulden der Beschwerdeführenden zurückzuführen ist, spielt einzig bzw. erst im Rahmen der Prüfung der Verhältnismässigkeit der ausländerrechtlichen Massnahme ein e Rolle (vgl. Urteil des Bundes- gerichts 2C_291/2019 vom 8. August 2019 E. 4.1). 5.3.2 Für die Beurteilung der Erheblichkeit des Sozialh ilfebezugs ist die Gesamtsumme der bisher entstandenen Sozialhilfeleistungen massgebend. Ei n Sozialhilfebezug kann bereits ab einem Betrag von Fr. 50'000.-- als erheblich gelten (v gl. Urteile des Bundesgerichts 2C_813/2019 vom 5. Februar 2020 E. 2.3; 2C_263/2016 vom 10. November 2016 E. 3.3.1; 2C_672/2008 vom 9. April 2009 E. 3.3). Gemäss den un bestrittenen Feststellungen der Vor- instanz haben die Beschwerdeführenden seit dem 1. Mai 20 06 insgesamt Fr. 419'860.95 (Stand: 21. August 2019) bezogen und werden nach wie vor von der Sozialhilfe unterstützt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Damit ist festzustellen, dass der bisher erfolgte Sozial hilfebezug der Beschwerdeführenden zweifellos als erheblich zu bezeichnen ist. 5.3.3 Hinsichtlich der Erfüllung des Kriteriums der Daue rhaftigkeit ist gemäss der Recht- sprechung des Bundesgerichts nicht die gegenwärtige Sozia lhilfeabhängigkeit entscheidend, sondern die Zeitspanne, in welcher diese rückblickend andauerte, sowie die Prognose, ob auch für die weitere Zukunft Unterstützung geleistet werde n muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_795/2008 vom 25. Februar 2009 E. 4.3). Von einer Dauerhaftigkeit ist auszugehen, wenn die Bezüge der Sozialhilfe mindestens zwei Jahre gedaue rt haben (vgl. KGE VV vom 18. April 2018 [810 17 276] E. 5.3.2; Urteile des Bundesgerich ts 2C_263/2016 vom 10. November 2016 E. 3.1; 2C_1085/2015 vom 23. Mai 2016 E. 4.3; 2C_672 /2008 vom 9. April 2009 E. 3.3). Mass- gebend ist allerdings auch eine Prognose zur voraussic htlichen Entwicklung der finanziellen Situation in Berücksichtigung der Einkommensaussichten sämt licher Familienmitglieder, wobei Ehegatten im Zusammenhang mit Sozialhilfeleistungen als wirtschaftliche Einheit zu betrachten sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_458/2019 vom 27. September 2019 E. 3.2 mit Hin- weisen). 5.3.4 Vorliegend ist in Anbetracht der seit dem 1. Ma i 2006 ununterbrochen bestehenden Sozialhilfeabhängigkeit das retrospektive Element der Da uerhaftigkeit unbestrittenermassen erfüllt. Ferner ist angesichts ihrer fehlenden Ausbildu ng und der langen Absenz vom Arbeits- markt mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass d ie Beschwerdeführenden auch künftig unterstützungsbedürftig bleiben werden. Eine Verbesserung der Situation wäre höchs- tens absehbar, wenn die Beschwerdeführenden – als wirt schaftliche Einheit – eine Anstellung finden oder IV-Renten erhalten würden. Selbst wenn d en Beschwerdeführenden allerdings IV-Renten zugesprochen würden, wäre aufgrund ihrer f ehlenden Erwerbstätigkeit seit mehr als 9 bzw. 15 Jahren sowie der daraus resultierenden fehl enden Sozialversicherungsbeiträge davon auszugehen, dass sie für ihren Lebensunterhalt in e rheblichem Mass auf Ergänzungs- leistungen angewiesen wären (vgl. Urteile des Bundesger ichts 2C_1018/2016 vom 22. Mai 2017 E. 6.2; 2C_562/2016 vom 14. Dezember 2016 E. 3.1.2). Vor diesem Hintergrund und Hin- blick auf den Umstand, dass bereits zahlreiche IV-Gesuch e der Beschwerdeführenden jeweils rechtskräftig abgewiesen wurden, ist es im vorliegenden Fall nicht geboten, mit dem Widerruf bzw. der Nichtverlängerung der Bewilligungen nur deshal b zuzuwarten, weil möglicherweise – ohne dass dies feststeht – eine Invalidenrente verbunden mit Ergänzungsleistungen zu- gesprochen werden könnte (vgl. Urteile des Bundesgericht s 2C_580/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 4.4.2; 2C_131/2020 vom 4. Mai 2020 E. 3.2.1, 2C_1048/2017 vom 13. August 2018 E. 4.2.2). 5.3.5 Nach dem Gesagten bejahte die Vorinstanz zu Recht d as Bestehen einer konkreten Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Sozialhilfe abhängigkeit. Damit sind die Vorausset- zungen des Widerrufsgrunds nach Art. 63 Abs. 1 lit. c AI G erfüllt. Da die Schwelle für den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung aufgrund von Sozi alhilfeabhängigkeit tiefer ist als diejenige für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung (E. 5 .1 hiervor), bejahte die Vorinstanz zu Recht auch die Voraussetzungen von Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Liegt ein Widerrufsgrund vor, so ist zu prüfen, ob die Massnahme im konkreten Fall auch verhältnismässig ist (vgl. Art. 96 Abs. 1 AIG; BGE 1 35 II 377 E. 4.3). Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen sowie privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzu wägen (vgl. M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., N 3 zu Art . 51 AuG; A NDREAS ZÜND / LADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer recht, 2. Aufl., Basel 2009, N 8.48; BGE 135 II 110 E. 2.1). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Beibehaltung der Bewilligu ng und der öffentlichen Interessen an deren Widerruf, wobei Letztere in dem Sinne überwieg en müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinw eisen). Dabei sind beim Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängigkeit insbesondere die Hintergr ünde, warum eine Person sozialhilfe- abhängig wurde, und somit das Verschulden der ausländisch en Person in den Entscheid mit- einzubeziehen und zu würdigen, aber auch der Grad ihrer Integration, die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die der betroffenen Person und sei ner Familie drohenden Nachteile zu beachten. Weiter ist die Qualität der sozialen, kulturellen und familiären Beziehungen sowohl im Gast- als auch im Heimatland zu beachten (vgl. Urteil de s Bundesgerichts 2C_709/2019 vom 17. Januar 2020 E. 4). 6.2 Im Rahmen der Interessenabwägung ist auch Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 BV Rechnung zu tragen (E . 4.2.3 hiervor). Mit Verweis auf die jüngste Praxis des Bundesgerichts ist festzuhalten, dass zur Eingriffsfeststellung gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK, zur Eingriffsrechtfertigung gemäss Art. 8 Ziff. 2 EMRK und zur allgemeinen Verhältnismässigkeitsprüfung eines Bewilligungswiderrufs nach Art. 96 Abs. 1 AIG auf nahezu identische Kriterien abzustellen ist (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.7 f.; BGE 139 I 31 E. 2.3.3), wes- halb die gebotenen Prüfschritte vorliegend in der nachfolgenden Gesamtabwägung zusammen- fallen (vgl. KGE VV vom 9. Dezember 2020 [810 20 150] E. 10.4 und vom 12. Februar 2020 [810 19 226] E. 5.1.2). 6.3 Zu prüfen ist somit, ob unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegen- den Falls die öffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbewilligung bzw. der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung die privaten Interessen der Beschwerdeführenden am Verbleib in der Schweiz überwiegen. 6.4 Ausgangspunkt der vorzunehmenden Interessenabwägun g ist das Interesse der Öffentlichkeit, Ausländer und Ausländerinnen, welche dau erhaft und in erheblichem Masse auf Sozialhilfe angewiesen sind und dadurch die öffentlich e Hand stark beanspruchen bzw. belas- ten, wegzuweisen. Vorliegend hält die Sozialhilfeabhän gigkeit der Beschwerdeführenden bereits seit Jahren an und diese bezogen in erheblichem Mass Sozialhilfegelder. Es besteht somit ein gewichtiges öffentliches Interesse an deren Wegweisung. 6.5 Bei der Verhältnismässigkeitsprüfung ist insbesondere d as Verschulden der aus- ländischen Person an der Sozialhilfeabhängigkeit zu berücksichtigen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie seie n infolge ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht arbeitsfähig. Dazu ist festzust ellen, dass sämtliche bisherigen IV-Gesuche der Beschwerdeführenden abgelehnt wurden, w obei die fraglichen Entscheide – soweit dagegen Beschwerde erhoben wurde – jeweils durch das Kantonsgericht bestätigt wurden. Im Rahmen der Verfügung der SVA BL vom 29. Ju ni 2016 wurde die Beschwerde- führerin in Anwendung der gemischten Methode mit Ante ilen von 40 % an Erwerbs- und von 60 % an Haushaltstätigkeiten als zu 100 % arbeitsfähig qualifiziert (vgl. KGE SV vom 2. Februar 2017 [720 16 274]). Diesbezügliche Grundlage bildete d ie interdisziplinäre Konsensbeurteilung von Dr. D.____, FMH Rheumatologie, FMH Innere Medizin , SAMM Manuelle Medizin, und von Dr. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 23. Ap ril 2015. Nach dieser Beurteilung besteht aus – einzig relevanter – rheumatologischer Sich t jeweils in einem Ganztagespensum bei körperlich mittelschweren bis schweren Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit und für jeg- liche leichte Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit. Dabei fällt insbesondere die Schilderung von Dr. E.____ ins Auge, wonach die Beschwerdeführerin wil lentlich Gedächtnis- und Orien- tierungsschwierigkeiten vorgetäuscht habe und sich anhand des durchgeführten "Test of Memo- ry Malingering" klar habe feststellen lassen, dass die bek lagten Gedächtnisstörungen eindeutig simuliert seien. Der Verfügung der SVA BL vom 7. Januar 2016 lässt sich entnehmen, dass dem Beschwerdeführer jede körperlich leichte bis mittelsch were Tätigkeit ohne länger an- dauernde Zwangshaltung vollumfänglich mit einer gesamt medizinischen Leistungs- einschränkung von 30 % (d.h. eine Invalidität von 30 %) in einem Ganztagespensum zumutbar ist. Aus der Verfügung geht weiter hervor, dass in den b isher ergangenen medizinischen Unter- lagen wiederholt von seiner fehlenden Motivation, der subjektiven Krankheitsüberzeugung so- wie Verdeutlichungstendenz mit übertriebenem Schmerzgebaren gesprochen werde. Nach dem Gesagten kann beim Beschwerdeführer somit von einer Arb eitsfähigkeit von mindestens 70 % und bei der Beschwerdeführerin von einer vollen Arbei tsfähigkeit in jeweils angepassten Tätig- keiten ausgegangen werden. 6.5.2 Die Beschwerdeführenden machen zudem geltend, vo n der sozialversicherungs- rechtlichen Beurteilung der IV-Stelle bezüglich der Inva lidität könne nicht auf eine tatsächlich umsetzbare Arbeitsfähigkeit und -möglichkeit geschlossen werden. So habe das Bundesgericht bestätigt, dass zwischen der sozialversicherungsrechtlichen Beur teilung der Erwerbsfähigkeit und den realen Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine Diskre panz bestehe. Dies lasse das Ab- stellen auf den im Sozialversicherungsverfahren festgestel lten IV-Grad für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit lediglich als "nicht willkürlich" erschei nen (Urteil des Bundesgerichts 2C_1048/2017 vom 13. August 2018 E. 3.4.1 f.). Die Beschwerdeführenden bringen weiter vor, dass sie neue IV-Verfahren anhängig gemacht hätten. Aus serdem bestätigten neue Arzt- berichte ihre Arbeitsunfähigkeit, weshalb das einseitige Abstellen der Vorinstanz auf die IV-Gutachten nicht nachvollziehbar sei. In diesem Zusam menhang verweisen sie unter anderem auf Berichte ihres behandelnden Psychiaters, Dr. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 9. September 2019. 6.5.3 Zu diesen Vorbringen ist festzuhalten, dass die v erschiedenen gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführenden in den zahlreichen IV-Verfahren eingehend geprüft wurden. Zuletzt wurde mit Verfügungen der SVA BL vom 8. Mai 2018 und 27. August 2019 auf Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht die IV-Gesuche der Beschwerdeführenden vom 14. August 20 17 jeweils mangels wesentlicher Veränderungen der beruflichen und medizinischen Situa tion nicht eingetreten. Während das Kantonsgericht die von der Beschwerdeführerin dagegen e rhobene Beschwerde abwies (KGE SV vom 28. Februar 2019 [720 18 201]), wuchs die Verfü gung des Beschwerdeführers unan- gefochten in Rechtskraft. Angesichts dieser Sachlage und d er durchgehend abgewiesenen IV-Gesuche der Beschwerdeführenden ist nicht zu beanstan den, dass die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Berichte des behandelnden Psychia ters der Beschwerdeführenden an der Überzeugung des Regierungsrats, deren Sozialhilfea bhängigkeit sei selbstverschuldet, nichts änderte. Mit dem Regierungsrat ist festzustellen, dass die Berichte des behandelnden Psychiaters, Dr. F.____, nicht auf einer umfassenden Würdi gung der Krankenakten der Beschwerdeführenden bzw. umfassenden Untersuchungen beru hen. Wie bereits dargelegt (E. 6.5.1 hiervor), wurden im Rahmen der medizinischen IV-Abklärungen zudem erhebliche Zweifel am effektiven Vorliegen psychischer Störungen der Beschwerdeführerin dokumentiert. In der den Beschwerdeführer betreffenden Verfügung der SVA BL wird auf seine fehlende Moti- vation, seine subjektive Krankheitsüberzeugung und Verdeutlichungstendenz mit übertriebenem Schmerzgebaren hingewiesen. Vor diesem Hintergrund hat der Regierungsrat den Fest- stellungen im IV-Verfahren zu Recht eine grössere Auss agekraft zugemessen als den die Beschwerdeführenden betreffenden neuen Arztberichten v om 9. September 2019. Zu berück- sichtigen gilt zudem, dass die Beschwerdeführenden selbst f ür den Fall, dass sie IV-Renten zugesprochen erhielten, mit überwiegender Wahrscheinlich keit weiterhin von der öffentlichen Hand finanziell unterstützt werden müssten. Vor diesem Hi ntergrund erscheint es, wie bereits dargelegt (E. 5.3.4 hiervor), nicht geboten, bei langjähriger und erheblicher Sozialhilfeabhängig- keit mit dem Widerruf der Bewilligungen lediglich des halb zuzuwarten, weil eventuell eine (Teil-)IV-Rente verbunden mit Ergänzungsleistungen zugesprochen werden könnte. 6.5.4 Nach dem Gesagten ist den Beschwerdeführenden vor zuhalten, dass sie es trotz wie- derholter Aufforderungen durch die Sozialhilfebehörd e und mehrerer ausländerrechtlicher Verwarnungen während Jahren unterlassen haben, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen, und keine einzige Bewerbung eingereicht haben. Die Beschwerd eführenden legen bis heute keine Belege ins Recht, die darauf schliessen liessen, dass sie sich immerhin (rechtzeitig) darum bemüht hätten, sich aus- oder weiterzubilden oder eine Arbeitsstelle zu finden, die ihnen erlaubt hätte, zumindest zu einem Teil für ihren Lebensunter halt aufzukommen. Dies, obwohl sie im Rahmen ihrer Stellungnahme vom 25. September 2019 si nngemäss angegeben hatten, sie wären bei Vorliegen einer angepassten Tätigkeit zur Ar beitsaufnahme bereit und würden sich eine Erwerbstätigkeit sogar wünschen, um vom Staat nicht mehr finanziell abhängig zu sein. Die Beschwerdeführenden legen jedenfalls nicht dar, in wiefern sie in naher Zukunft beab- sichtigen, intensiv eine Arbeitsstelle zu suchen. Vielmehr bringen sie wiederholt vor, sie seien gesundheitlich nicht in der Lage, einer Erwerbstätig keit nachzugehen und verweisen auf die neuen IV-Anmeldungen. Im Ergebnis ist festzustellen, da ss die Beschwerdeführenden bei Weitem nicht alles Zumutbare unternommen haben, um au f dem Arbeitsmarkt den eigenen Unterhalt möglichst autonom zu bestreiten und sich zumin dest teilweise von der Sozialhilfe lö- sen zu können (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_288/202 0 vom 18. August 2020 E. 5.5.1; 2C_1048/2017 vom 13. August 2018 E. 4.5.2; jeweils mit Hinweisen). Die Sozialhilfeabhängig- keit der Beschwerdeführenden muss somit als selbstverschuldet gelten. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Zu prüfen ist schliesslich, ob sich der Widerruf der Niederlassungs- und Aufenthalts- bewilligung unter den weiteren Aspekten als verhältnismässig erweist. 6.6.1 Als private Interessen an einem Verbleib in der S chweiz machen die Beschwerde- führenden ihre Verwurzelung in der Schweiz, ihr enges Verhältnis zu den hier lebenden Kindern sowie die gegenseitige Unterstützungsabhängigkeit inner halb der Familie geltend. Ungeachtet ihres vielleicht etwas zurückgezogenen Lebens befinde sic h das entscheidende soziale Umfeld in der Schweiz. Weiter sei die Lage im Kosovo in wirtsch aftlicher Hinsicht absolut prekär, zumal sie keine Ausbildung und dort weder finanzielle Hilfe d urch Familienangehörige noch ein trag- fähiges Beziehungsnetz hätten. Schliesslich seien sie im fo rtgeschrittenen Alter und infolge ihres angegriffenen Gesundheitszustands auf medizinische Be handlungen angewiesen, welche im Kosovo aufgrund des völlig unzureichenden Gesundheitssystems nicht gewährleistet seien. 6.6.2 Unter dem Aspekt der Integration und Aufentha ltsdauer der Beschwerdeführenden ist zu beachten, dass diese seit 1991 bzw. 1999 und somit seit 22 bzw. 30 Jahren hier leben. Der lange Aufenthalt spricht grundsätzlich für ein beachtlich es Interesse der Beschwerdeführenden am Verbleib in der Schweiz. Allerdings ist nicht zu ü bersehen, dass die Integration der Beschwerdeführenden ihre Aufenthaltsdauer in keiner Art und Weise widerspiegelt, wodurch die Aufenthaltsdauer erheblich zu relativieren ist. In beru flicher Hinsicht vermochten der Beschwer- deführer seit 2005 und die Beschwerdeführerin seit 20 11 nicht mehr Fuss zu fassen, wobei sie gemäss der Stellungnahme vom 25. September 2019 ohneh in lediglich eine Teilzeitstelle an- zustreben gedenken. Es sind folglich keine ernsthaften I ntegrationsbemühungen erkennbar, zumal die Beschwerdeführenden im Rahmen der Stellungna hme vom 25. September 2019 angaben, sie würden die Hoffnung nicht aufgeben, dass d ie IV-Stelle sie und ihre Befunde berücksichtigen werde. Somit ist von einer subjektiven K rankheitsüberzeugung der Beschwer- deführenden auszugehen, welche eine Reintegration ins Berufsleben massiv erschwert, wenn nicht sogar verunmöglicht. Im Weiteren ist den Betreib ungsregisterauszügen zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer trotz ununterbrochenem Sozialhilfebezug mit vier Betreibungen von insgesamt Fr. 52'599.25 und zwei Verlustscheinen von gesam thaft Fr. 51'923.30 (Stand: 23. August 2019) eingetragen ist, was zusätzlich negativ ins Gewicht fällt. In sozialer Hinsicht ist festzustellen, dass eine nennenswerte Verbindung der Besc hwerdeführenden zur Schweiz einzig aus ihrer Beziehung zu den hier lebenden volljä hrigen Kindern besteht. Gesamthaft ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführenden – insbeson dere unter Berücksichtigung ihrer langen Aufenthaltsdauer – weder in sozialer noch in wir tschaftlich-beruflicher Hinsicht integriert haben. 6.6.3 Hinsichtlich der den Beschwerdeführenden und ihrer Familie drohenden Nachteile gilt festzustellen, dass die Verbindung zwischen ihnen und ihr en volljährigen Kindern sowie den Familienmitgliedern des Beschwerdeführers aus dem Auslan d gelebt werden kann, zumal der Beschwerdeführer gegenüber Dr. F.____ angab, seine Ki nder hätten sich aufgrund seiner Gereiztheit und Gewalttätigkeit, die aus seinen Schmer zen resultierten, von ihm abgewandt (vgl. Bericht vom 9. September 2019, S. 2). Mit gegens eitigen Besuchen und den heutigen elektronischen Kommunikationsmitteln kann der Kontakt somit auch im Falle einer Wegweisung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufrechterhalten werden. Im Übrigen ist festzustellen, dass sämtliche Kinder der Beschwerde- führenden bereits ausgezogen sind und eigene Familien gegründet haben. Betreffend die finan- ziellen Verhältnisse der Beschwerdeführenden in ihrer Heimat ist festzuhalten, dass, sollten ihre Kinder sie künftig finanziell unterstützen, dies ohne Einschränkung auch dann möglich ist, wenn die Beschwerdeführenden im Kosovo leben, dies nicht zule tzt auch mit Blick auf die höhere Kaufkraft in diesem Land (vgl. die vom Bundesamt für Statistik [BFS] veröffentlichten Preis- niveauindizes im internationalen Vergleich für das Jahr 2019). Da die Beschwerdeführenden wie bereits dargelegt (E. 6.6.2 hiervor) keine berufli che Integration aufzuzeigen vermochten, kann ihr Vorbringen, sie würden angesichts ihrer fehlend en Ausbildung und ihres hohen Alters im Kosovo keine Anstellung finden, nicht gehört werden . Im Hinblick auf die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführenden ist anzumerken, dass Ge sundheitsbeschwerden nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine Wegw eisung erst dann als unverhältnis- mässig erscheinen lassen, wenn eine ungenügende Möglichke it der Weiterbehandlung im Heimatstaat eine drastische und lebensbedrohende Verschle chterung des Gesundheits- zustands nach sich ziehen würde (vgl. Urteile des Bundesge richts 2C_418/2015 vom 21. Dezember 2015 E. 4.6.4; 2C_721/2014 vom 15. Januar 2015 E. 3.2, jeweils mit Hinweisen). Der blosse Umstand, dass das Gesundheits- oder Sozialversicherungswesen in einem anderen Staat mit demjenigen in der Schweiz nicht vergleichbar ist und die hiesige medizinische Betreu- ung einem höheren Standard entspricht, kann nicht die Unzumutbarkeit der Rückreise zur Folge haben (vgl. BGE 128 11 200 E. 5.3; Urteile des Bundes gerichts 2C_418/2015 vom 21. Dezember 2015 E. 4.6.4; 2C_833/2011 vom 6. Juni 2012 E. 3.3.2). Hinsichtlich des Vor- bringens der Beschwerdeführenden, medizinische Behandlung en für ihre Erkrankungen seien im Kosovo nicht gewährleistet, ist darauf hinzuweisen, dass grundsätzlich alle registrierten Bewohner des Kosovo sowie Rückkehrer aus dem Ausland Zugang zum dortigen Gesundheits- system haben (vgl. Bericht des Staatssekretariats für Migration, Sektion Analysen, Focus Koso- vo, Medizinische Grundversorgung, vom 9. März 2017 [Beri cht SEM Grundversorgung], Ziff. 7 S. 28 und Ziff. 7.3 S. 30). Soweit die Notwendigkeit einer psychologischen bzw. psychiatrischen Behandlung geltend gemacht wird, ist festzuhalten, da ss eine solche im Kosovo gewährleistet ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_925/2011 vom 22. Juni 2012 E. 5.3; 2D_56/2010 vom 26. Mai 2011 E. 4.3; Bericht des Staatssekretariats für Migration, Sektion Analysen, Focus Kosovo, Behandlungsangebote bei psychischen Erkrankungen, vom 25. Oktober 2016 [Bericht SEM Psychiatrie]). Schliesslich ist hinsichtlich allfälliger weiterer medizinischer Behandlungen nicht ersichtlich, dass diese lediglich in der Schweiz durc hgeführt werden können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.188/2002 vom 2. Mai 2002 E. 2.1; Bericht SEM Grundversorgung, Ziff. 4 ff., S. 15 ff.). Vor diesem Hintergrund spr echen weder die finanzielle Situation der Beschwerdeführenden noch die medizinische Versorgung im Kosovo gegen eine Rückkehr. 6.6.4 Eine Rückkehr in ihre Heimat würde die Beschwerde führenden angesichts ihres langen Aufenthalts in der Schweiz zweifellos schwer treffen. Die Beschwerdeführenden haben einen grossen Teil ihrer bisherigen Erwachsenenjahre hier ver bracht. Da sie bis zu ihren jungen Erwachsenenjahren in ihrer Heimat gelebt haben, ist d er Vorinstanz aber darin beizupflichten, dass sie mit den dortigen Gepflogenheiten vertraut und der Landessprache mächtig sind. Weiter verbleiben ihnen im Kosovo ihre Mütter sowie je ein Geschwisterteil, welche ihnen bei der Rückkehr und Wiedereingliederung zur Seite stehen k önnen. Obschon sich die Beschwer- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht deführenden seit 22 bzw. 30 Jahren hier aufhalten, ist nicht von einer gelungenen Integration auszugehen. Wie in den vorstehenden Erwägungen erläutert, müssen ihre Sozialhilfeabhängig- keit als selbstverschuldet und ihre Integration als nicht g elungen angesehen werden. Hinzu kommt, dass es den Beschwerdeführenden zumutbar ist, die Kontakte zu den hier lebenden Familienmitgliedern mittels moderner Kommunikationsmi ttel zu pflegen. Dass die Beschwerde- führenden nach wie vor mit ihrer Heimat verbunden sind und nie den Kontakt zum Kosovo ab- gebrochen haben, ergibt sich weiter daraus, dass sie dort in der Vergangenheit mindestens einmal pro Jahr ihre Ferien verbrachten (vgl. Stellungn ahme vom 25. September 2019). Unter diesen Gesichtspunkten erscheint eine Rückreise in den Kosovo als zumutbar. 7. Im Weiteren ist anzumerken, dass sich die Situation de r Beschwerdeführenden dem Kantonsgericht nicht als persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG präsentiert. Die Beschwerdeführenden werden durch den Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung nicht un gleich härter getroffen als andere Aus- länderinnen und Ausländer in derselben Lage (vgl. BGE 130 II 39 E. 3). Die Vorinstanz durfte einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall demnach ohne Rechtsverletzung verneinen. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die öffentlichen Interessen an der Be- endigung des Aufenthalts der Beschwerdeführenden in der Schweiz deren private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen. Nach dem Gesagten erweisen sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Nichtverlängerun g der Aufenthaltsbewilligung sowie die damit verbundene Wegweisung als verhältnismässig. Die Besch werde ist demnach vollum- fänglich abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach § 20 Abs . 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegend en Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in de r Höhe von Fr. 1'500.-- sind ausgangs- gemäss den Beschwerdeführenden aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. Die Parteikosten sind gestützt auf § 21 Abs. 1 VPO wettzuschlagen. Dem Rec htsvertreter der Beschwerde- führenden wird zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'376.25 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr 1'500.-- werden den Be- schwerdeführenden auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'376.25 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) aus de r Gerichts- kasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 13. Januar 2022 Beschwer de beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_42/2022) erhoben.