<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 44 S.151</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>44</b></span> <span class="ft3"><b>Anstaltseinweisung; Zuständigkeit; Zwangsmassnahmen.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Die Regelung des Ausgangs ist eine Anordnung der Klinik im Rahmen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>des Vollzugs einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung und kann als</b></span><br/> <span class="ft3"><b>solche nicht durch das Verwaltungsgericht überprüft werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2/c/aa).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Eine Zwangsmassnahme i.S.v. § 67e</b></span><span class="ft4"><sup><b>bis</b></sup></span> <span class="ft3"><b>EGZGB liegt vor, wenn neben</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dem Entzug der Bewegungsfreiheit ein zusätzlicher Eingriff in die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>körperliche oder psychische Integrität des Betroffenen erfolgt; die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vorübergehende Streichung des Gruppenspaziergangs ist keine</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Zwangsmassnahme (Erw. 2c/bb).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 15. April 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen R.F. gegen Entscheid der Klinik Königsfelden.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Das Verwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen für-</span><br/> <span class="ft1">sorgerische Freiheitsentziehungen (§ 52 Ziff. 14 VRPG; Art. 397d</span><br/> <span class="ft1">ZGB und § 67o EGZGB). Die verwaltungsgerichtliche Zuständigkeit</span><br/> <span class="ft1">beschränkt sich dabei auf die Beurteilung der Rechtmässigkeit der</span><br/> <span class="ft1">Einweisung in eine Anstalt oder der Verweigerung der Entlassung</span><br/> <span class="ft1">(Zurückbehaltung bzw. Abweisung des Entlassungsgesuchs). Anord-</span><br/> <span class="ft1">nungen in der Anstalt im Rahmen des Vollzugs einer fürsorgerischen</span><br/> <span class="ft1">Freiheitsentziehung überprüft es hingegen nicht (AGVE 1989,</span><br/> <span class="ft1">S. 198 f.; 1987, S. 217; Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und</span><br/> <span class="ft1">Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38 - 72 VRPG, Diss.</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1998, § 52 N 118).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">152</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) Gemäss § 67e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">Abs. 4 EGZGB kann auch ein Entscheid der</span><br/> <span class="ft1">Psychiatrischen Klinik Königsfelden betreffend Zwangsmassnahmen</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung, einschliesslich</span><br/> <span class="ft1">der nach §</span> <span class="ft1">15 PD notfallmässig durchgeführten Zwangs-</span><br/> <span class="ft1">behandlungen (AGVE 2000, S. 177 f.), mit Beschwerde beim Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgericht angefochten werden. Das Verwaltungsgericht über-</span><br/> <span class="ft1">prüft, ob die Zwangsmassnahme nach Massgabe des Einweisungs-</span><br/> <span class="ft1">grundes medizinisch indiziert und ob sie verhältnismässig ist. Das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht ist indessen grundsätzlich nicht zuständig zur</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung von konkreten ärztlichen Anordnungen, wie die Wahl</span><br/> <span class="ft1">des Medikaments, der Dosierung, der Anordnung einer bestimmten</span><br/> <span class="ft1">therapeutischen Behandlung, Wahl der Abteilung, etc. Dies gehört in</span><br/> <span class="ft1">den Fachbereich der Ärzte (AGVE 1987, S. 217; AGVE 1989, S. 198</span><br/> <span class="ft1">f.; Eugen Spirig, Zürcher Kommentar, Art. 397a - 397f ZGB, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1995, Art. 397d N 42 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">c) Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der Entscheid</span><br/> <span class="ft1">der Klinik, dem Beschwerdeführer bei Entweichen während des</span><br/> <span class="ft1">Gruppenspaziergangs den Ausgang für drei Tage zu streichen.</span><br/> <span class="ft1">aa) Es handelt sich dabei um eine Vorkehr der Klinik zur Er-</span><br/> <span class="ft1">füllung ihrer Aufsichtspflicht gegenüber dem Beschwerdeführer, der</span><br/> <span class="ft1">sich - zur Zeit zu Recht - mittels fürsorgerischer Freiheitsentziehung</span><br/> <span class="ft1">in der Klinik als geschlossene Anstalt befindet. Die Regelung des</span><br/> <span class="ft1">Ausgangs liegt im Ermessen der Klinikärzte. Es handelt sich um eine</span><br/> <span class="ft1">Frage der Ausgestaltung gewisser Freiheiten im Rahmen des</span><br/> <span class="ft1">Klinikalltags. Wenn der Beschwerdeführer diese Freiheiten für</span><br/> <span class="ft1">Fluchtversuche missbraucht, ist die darauffolgende Streichung des</span><br/> <span class="ft1">Spaziergangs eine Anordnung im Rahmen des Vollzugs der fürsorge-</span><br/> <span class="ft1">rischen Freiheitsentziehung. Diese kann nicht Gegenstand der ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgerichtlichen Prüfung einer fürsorgerischen Freiheitsentzie-</span><br/> <span class="ft1">hung sein (siehe vorne, Erw. 2/a).</span><br/> <span class="ft1">bb) Weiter stellt sich die Frage, ob eine Zwangsmassnahme im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von § 67e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EGZGB vorliegt. Eine Zwangsmassnahme im</span><br/> <span class="ft1">Sinne dieser Bestimmung ist eine Behandlung oder eine andere Vor-</span><br/> <span class="ft1">kehr, die im Rahmen einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung gegen</span><br/> <span class="ft1">den Willen der betroffenen Person vorgenommen wird, und die ne-</span><br/> <span class="ft1">ben dem Entzug der Bewegungsfreiheit einen zusätzlichen Eingriff</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">153</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">in die körperliche oder psychische Integrität der betroffenen Person</span><br/> <span class="ft1">bedeutet (BGE 125 III 172 f.). Der Gesetzgeber dachte im Wesentli-</span><br/> <span class="ft1">chen an Zwangsmedikation, Isolation und Fixierung. Das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht hat entschieden, dass auch das Besuchsverbot der Spi-</span><br/> <span class="ft1">talpfarrerin und der Entzug der Bibel eines isolierten Patienten</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmassnahmen darstellen, weil durch diese Anordnungen die</span><br/> <span class="ft1">persönliche Freiheit des Patienten weitergehend als durch den</span><br/> <span class="ft1">Zwangsaufenthalt in der Anstalt eingeschränkt wurde (AGVE 2000,</span><br/> <span class="ft1">S. 195 ff.). Durch die vorliegend angeordnete und inzwischen mehr-</span><br/> <span class="ft1">mals vollzogene vorübergehende Streichung des Gruppenspazier-</span><br/> <span class="ft1">gangs wird die persönliche Freiheit des Beschwerdeführers nicht</span><br/> <span class="ft1">weitergehend eingeschränkt, als sie es durch den Entzug der Bewe-</span><br/> <span class="ft1">gungsfreiheit in der psychiatrischen Klinik Königsfelden als ge-</span><br/> <span class="ft1">schlossene Anstalt grundsätzlich schon ist. Es handelt sich somit</span><br/> <span class="ft1">nicht um eine Zwangsmassnahme im Sinne von § 67e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EGZGB,</span><br/> <span class="ft1">weshalb auch unter diesem Titel keine verwaltungsgerichtliche</span><br/> <span class="ft1">Überprüfung der Klinikanordnung vom 8. April 2003 erfolgen kann.</span><br/></div> </div> </body> </html>