<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VK.2004.00002</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=204659&amp;W10_KEY=4467139&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VK.2004.00002</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Zwischenentscheid vom 08.12.2004</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">1. Abteilung/1. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine staatsrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid am 18.05.2006 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Erschliessung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Ausstandsbegehren der Beklagten<br/>Darstellung der Rechtsprechung (E. 3.1)<br/>Wie aus der dargestellten Rechtsprechung hervorgeht, stellt allein die Tatsache, dass ein Richter in einem früheren Verfahren bereits zu Vorfragen Stellung genommen hat, die sich im neuen Verfahren wiederum stellen, noch keinen Ausstandsgrund dar. (...) Gegen eine zu strenge Handhabung der Unvereinbarkeit sprechen schliesslich nicht nur die praktischen Schwierigkeiten, die sich für die Gerichtsorganisation und den Verfahrensablauf ergeben können. Zu beachten ist auch die Gefahr unkoordinierter, widersprüchlicher Entscheide, wie sie gerade im vorliegenden Fall deutlich zutage tritt. Wird hier zum Beispiel die Frage, ob ein gültiger öffentlichrechtlicher Vertrag vorliegt, in den Verfahren betreffend Kostenersatz, Fertigstellung des Strassenbaus, Enteignung und Entschädigung unterschiedlich beantwortet, so kann dies insgesamt zu einem widersprüchlichen bzw. lückenhaften Ergebnis führen. Aus dieser Sicht erscheint die Mitwirkung derselben Richter nicht nur als zulässig, sondern als erwünscht (E. 3.2).<br/>Das Verbot unzulässiger Vorbefassung bezieht sich auf richterliche Funktionen, die nach dem Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung unabhängig voneinander ausgeübt werden sollen. Es will verhindern, dass deren unabhängige Ausübung durch eine Teilnahme derselben Personen in mehreren Funktionen unterlaufen wird. Eine derartige Trennung der Funktionen wird aber bei weiten nicht in allen Fällen gefordert, in denen ein Richter mehrere Verfahren behandelt, die denselben Lebenssachverhalt betreffen oder durch andere Gemeinsamkeiten verbunden sind. In vielen Fällen ist es vielmehr gerade der Zweck der Zuständigkeitsordnung, eine einheitliche Beurteilung zu gewährleisten und widersprüchliche Entscheide zu verhindern. Aus der Tatsache allein, dass das Gericht zwei Verfahren, die es ohne weiteres gleichzeitig hätte beurteilen dürfen, nicht gemeinsam, sondern nacheinander behandelt, lässt sich keine unzulässige Vorbefassung ableiten (E. 3.3). Abweisung</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsprozessrecht UR: Allgemeines ST: AUSSTAND">AUSSTAND</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEFANGENHEIT">BEFANGENHEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BINDUNGSWIRKUNG">BINDUNGSWIRKUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MATERIELLE RECHTSKRAFT">MATERIELLE RECHTSKRAFT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VORBEFASSUNG">VORBEFASSUNG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">§ 5a VRG</span><br/><span class="ungerade">§ 86 VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">BEZ 2005 Nr. 4</span><br/><span class="ungerade">RB 2004 Nr. 9</span><br/> </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b><span>A. </span></b><span>Am 28. Januar 1986 beschloss der Gemeinderat X, welche Anlagen fÃ¼r die Groberschliessung der unÃ¼berbauten GrundstÃ¼cke im Gebiet K notwendig seien. Da das Gebiet nach der Erschliessungsplanung erst in den Jahren 1990 bis 1994 erschlossen werden sollte, schlug er gleichzeitig die Details fÃ¼r einen vorzeitigen Bau der dritten Etappe der L-Strasse und der M-Strasse durch die beiden betroffenen GrundeigentÃ¼mer vor, darunter die B AG. Am 25. MÃ¤rz 1986 genehmigte der Gemeinderat X das Strassenprojekt der B AG fÃ¼r die dritte Etappe der L-Strasse. Die Strasse wurde in der Folge 1986/1987 bis auf den heute noch fehlenden Deckbelag unter Inanspruchnahme von 942 m<sup>2 </sup>Land der B AG auf deren Kosten gebaut. Im gleichen Zug wurde auch die fÃ¼r die Groberschliessung notwendige M-Strasse erstellt, fÃ¼r deren Trottoir die B AG damals 314 m<sup>2 </sup>Land zur VerfÃ¼gung stellte. Sowohl die L-Strasse wie auch die M-Strasse werden seit ihrer Erstellung von der Ãffentlichkeit benutzt.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b><span>B. </span></b><span> </span><span>Am 14. Juni 1989 ersuchte die B AG den Gemeinderat X um RÃ¼ckerstattung der von ihr bezahlten Kosten der Kanalisation in der L-Strasse, was die Gemeinde ablehnte. Am 28. April und am 8. Mai 1995 ersuchte die B AG den Gemeinderat X erneut um KostenrÃ¼ckerstattung â diesmal fÃ¼r den Strassen- und den Kanalisationsbau â sowie um EntschÃ¤digung fÃ¼r das eingeworfene Land. Der Gemeinderat X lehnte dieses Gesuch mit Beschluss vom 17. Oktober 1995 ab und setzte der B AG Frist, um allfÃ¤llige SchÃ¤den an der Tragschicht der L-Strasse zu beheben und den Deckbelag einzubauen. Anschliessend habe innert zwei Monaten die unentgeltliche Ãbertragung ins Ã¶ffentliche Eigentum zu erfolgen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Gegen diese VerfÃ¼gung gelangte die B AG mit Rekurs an die Baurekurskommission 4. Diese hiess das Rechtsmittel am 30. April 1996 gut, soweit sie darauf eintrat, und hob die Anordnungen betreffend die Vollendung der Bauarbeiten und EigentumsÃ¼bertragung der Strassenparzelle mangels gesetzlicher Grundlage auf. FÃ¼r die Beurteilung der RÃ¼ckerstattung bzw. Ãbernahme der Kosten fÃ¼r den Strassenbau erachtete sich die Baurekurskommission 4 fÃ¼r unzustÃ¤ndig und empfahl dafÃ¼r, das Verfahren nach dem Gesetz vom 30. November 1879 Ã¼ber die Abtretung von Privatrechten (AbtrG) einzuleiten. Der Entscheid der Baurekurskommission erwuchs unangefochten in Rechtskraft.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b><span>C. </span></b><span>Noch wÃ¤hrend des Verfahrens vor Baurekurskommission, ersuchte die B AG die Baudirektion des Kantons ZÃ¼rich, die Gemeinde X zur Fertigstellung der L-Strasse anzuhalten und zu verpflichten, der Gesuchstellerin sÃ¤mtliche Kosten der Erstellung der L-Strasse inklusive Kanalisation sowie fÃ¼r die Landabtretung fÃ¼r das Trottoir M-Strasse zurÃ¼ckzuerstatten. Die Baudirektion lehnte das Gesuch am 21. Juli 1997 ab; den gegen diesen Entscheid erhobenen Rekurs der B AG wies der Regierungsrat am 16. Juni 1998 ab.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b><span>D. </span></b><span>In der Folge liess die Gemeinde X ein SchÃ¤tzungsverfahren einleiten, im Wesentlichen um feststellen zu lassen, dass die B AG gegenÃ¼ber der KlÃ¤gerin keinen Anspruch auf RÃ¼ckerstattung irgendwelcher Baukosten oder auf eine EntschÃ¤digung fÃ¼r Landabtretungen im Zusammenhang mit der L-Strasse sowie dem Trottoir an der M-Strasse habe. Weiter sollte die Beklagte verpflichtet werden, an der L-Strasse den Deckbelag einzubringen sowie die Ã¼brigen Fertigstellungsarbeiten auszufÃ¼hren. Die Beklagte ihrerseits wollte die Gemeinde X dazu bringen, sie formell zu enteignen und mit Fr. 700.-/m<sup>2</sup> zu entschÃ¤digen sowie Kostenersatz fÃ¼r die Kanalisation und den Bau der L-Strasse zu leisten.</span></p> <p class="Urteilstext">Die SchÃ¤tzungskommission 3 stellte am 26. September 2000 fest, dass die KlÃ¤gerin der Beklagten weder die Kosten des Strassenbaus und der Kanalisation der L-Strasse noch die Landkosten der L- und M-Strasse zu bezahlen habe. Auf die AntrÃ¤ge betreffend die formelle Enteignung des Strassen- und Trottoirlandes der Beklagten und betreffend Fertigstellung der L-Strasse trat die SchÃ¤tzungskommission nicht ein.</p> <p class="Urteilstext"><span>Gegen diesen Entscheid der SchÃ¤tzungskommission rekurrierte die B AG an das Verwaltungsgericht (VR.2001.00001), ebenso die Gemeinde X (VR.2001.00002). Am 20. September 2001 schrieb die 3. Kammer des Verwaltungsgerichts â unter Mitwirkung der Richter JÃ¼rg Bosshart, Theodor H. Loretan, Rudolf Bodmer und des GerichtssekretÃ¤rs Urs Steimen â das Rekursverfahren der Gemeinde X wegen RÃ¼ckzugs erledigt von der Kontrolle ab. Den Rekurs der B AG wies sie ab, soweit sie darauf eintrat. Das Gericht ging im Wesentlichen davon aus, dass die Parteien einen gÃ¼ltigen Ã¶ffentlichrechtlichen Vertrag geschlossen hatten, wonach die Rekurrentin den fraglichen Abschnitt der L-Strasse samt Kanalisation auf eigene Kosten errichte und das dafÃ¼r nÃ¶tige Land unentgeltlich zur VerfÃ¼gung stelle. Da der Strassenbau nicht im Ã¶ffentlichen Verfahren erfolgt sei, kÃ¶nne die Rekurrentin nicht verlangen, dass das dafÃ¼r zur VerfÃ¼gung gestellte Land formell enteignet werde. Ob ein vertraglicher Anspruch auf eine unentgeltliche EigentumsÃ¼bertragung bestehe, hatte das Gericht nicht zu beurteilen. Auf eine gegen diesen Entscheid erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde und eine staatsrechtliche Beschwerde trat das Bundesgericht am 19. April 2002 nicht ein.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Am 29. April 2004 liess die Gemeinde X beim Verwaltungsgericht Klage erheben mit dem Antrag, die Beklagte sei zu verpflichten, den Deckbelag auf der Fahrbahn der L-Strasse innert 90 Tagen einzubauen, wobei bestehende SchÃ¤den an der Tragschicht vorgÃ¤ngig zu beheben seien. Der im Eigentum der Beklagten stehende Teil der L-Strasse (Fahrbahn und Gehweg) auf dem GrundstÃ¼ck Kat.-Nr. 1 im Halte von 942 m<sup>2 </sup>und das im Eigentum der Beklagten stehende Trottoir auf dem GrundstÃ¼ck Kat.-Nr. 2 im Halte von 314 m<sup>2</sup> seien der Gemeinde zuzusprechen, eventuell sei die Beklagte zur EigentumsÃ¼bertragung der genannten FlÃ¤chen zu verpflichten, alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten der Beklagten. Zur BegrÃ¼ndung der Klage stÃ¼tzt sich die KlÃ¤gerin ausschliesslich auf den Ã¶ffentlichrechtlichen Vertrag zwischen den Parteien.</p> <p class="Urteilstext">Die B AG verlangte in ihrer Klageantwort vom 29. Juli 2004 die Klageabweisung und bestritt das Zustandekommen eines Ã¶ffentlichrechtlichen Vertrags. In ihrer Replik vom 29. September 2004 und der Duplik vom 19. Oktober 2004 hielten die Parteien an ihren AntrÃ¤gen fest. Die Beklagte verlangte zusÃ¤tzlich, dass alle mit dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom 20. September 2001 befassten Justizpersonen wegen Befangenheit in den Ausstand treten mÃ¼ssten.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>1. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext">Ãber Ausstandsbegehren gegen Mitglieder einer KollegialbehÃ¶rde entscheidet diese BehÃ¶rde unter Ausschluss der betreffenden Mitglieder (§ 5a Abs. 2 in Verbindung mit § 86 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]). Zum Entscheid ist die Kammer berufen (§ 21 lit. b der Verordnung Ã¼ber die Organisation und den GeschÃ¤ftsgang des Verwaltungsgerichts vom 26. Juni 1997).</p> <p class="Erwgung1"><b><span>2. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext">GemÃ¤ss § 5a VRG in Verbindung mit § 86 VRG treten Personen, die eine Anordnung zu treffen, dabei mitzuwirken oder sie vorzubereiten haben, in den Ausstand, wenn sie in der Sache persÃ¶nlich befangen erscheinen. Der Anschein der Befangenheit im Sinn dieser Generalklausel kann sich unter anderem daraus ergeben, dass sich die Entscheidungsbefugten durch die Mitwirkung an frÃ¼heren Entscheiden in Bezug auf einzelne Fragen bereits derart festgelegt haben, dass sie nicht mehr als unvoreingenommen gelten kÃ¶nnen (vgl. BGE 114 Ia 50 E. 3d; Regina Kiener, Richterliche UnabhÃ¤ngigkeit, Bern 2001, S. 135 ff.; Alfred KÃ¶lz/Isabelle HÃ¤ner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. A., ZÃ¼rich 1998, N. 254; Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 5a N. 12; RenÃ© Rhinow/Heinrich Koller/Christina Kiss, Ãffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel/ Frankfurt am Main 1996, Rz. 161 ff.; alle auch zum Folgenden).</p> <p class="Urteilstext">Die vorliegende Streitigkeit betrifft die gleichen Parteien wie in den Rekursverfahren VR.2001.00001 und VR.2001.00002 und basiert auf dem identischen Sachverhalt, namentlich dem privat finanzierten Bau der L-Strasse 3. Etappe und der M-Strasse. Ebenso wie im Verfahren VR.2001.00001 ist heute unter anderem die Frage zu beantworten, ob zwischen den Parteien ein Vertrag Ã¼ber den vorzeitigen Strassenbau zustande gekommen sei, ob dieser allenfalls widerrechtlich sei und ob daraus noch AnsprÃ¼che der einen oder anderen Vertragspartei abgeleitet werden kÃ¶nnen. Im damaligen Verfahren ging es darum, ob die KlÃ¤gerin der Beklagten die fÃ¼r den Strassen- und Kanalisationsbau entstandenen Kosten zu ersetzen habe und ob das fÃ¼r den Strassen- und Trottoirbau von der Beklagten eingebrachte Land formell zu enteignen und entschÃ¤digen sei. DemgegenÃ¼ber liegt heute der Anspruch der KlÃ¤gerin auf Fertigstellung des Strassenbaus und die direkte Ãbereignung der Strassen- und TrottoirflÃ¤che durch die Beklagte im Streit. </p> <p class="Urteilstext">Die Frage einer Vorbefassung stellt sich insoweit nicht, als der verwaltungsgerichtliche Rekursentscheid vom 20. September 2001 (VR.2001.00001) materiell rechtskrÃ¤ftig ist, da die Rechtskraft alle im vorliegenden Verfahren mitwirkenden EntscheidtrÃ¤ger unabhÃ¤ngig von einer allfÃ¤lligen Mitwirkung am Rekursentscheid bindet. Die materielle Rechtskraft erstreckt sich jedoch nur auf die im Rekursverfahren beurteilten AnsprÃ¼che, nicht auf die in den ErwÃ¤gungen getroffenen Feststellungen Ã¼ber das Vorliegen eines verwaltungsrechtlichen Vertrages, selbst wenn diese Frage fÃ¼r die Beurteilung des Rekurses unerlÃ¤sslich war (vgl. KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, Vorbem. zu §§ 86a-86d N. 5, § 66 N. 2 f.; StrÃ¤uli/Messmer, Kommentar zur zÃ¼rcherischen Zivilprozessordnung, 3. A., ZÃ¼rich 1997, § 191 N. 11 mit Hinweisen). Soweit keine Bindungswirkung besteht, bleibt Raum fÃ¼r die BefÃ¼rchtung der Beklagten, dass sich die am damaligen Entscheid beteiligten Personen stÃ¤rker von den damals angestellten ErwÃ¤gungen leiten lassen, als dies bei anderen, nicht vorbefassten Mitwirkenden der Fall wÃ¤re.</p> <p class="Erwgung1"><b><span>3. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.1 </span></b><span>Aus der Sicht einer Partei besteht oft die Besorgnis der Voreingenommenheit, wenn derselbe Richter sich bereits frÃ¼her mit einer Angelegenheit befasst hat. Dieser Umstand fÃ¼hrt jedoch nicht in jedem Fall zu einer Ausstandspflicht.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Rechtsprechung hat eine Ausstandspflicht wegen Vorbefassung insbesondere angenommen, wenn dieselbe Person bereits als Mitglied einer Vorinstanz Ã¼ber denselben Rechtsstreit entschieden hat (vgl. KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 5a N. 13); wenn eine Person zunÃ¤chst als Untersuchungsrichter (BGE 112 Ia 290) bzw. als Zulassungs- oder Ãberweisungsrichter (BGE 114 Ia 50) und hernach als Strafrichter Ã¼ber dieselbe Strafsache entschied (wobei aufgrund der neueren Rechtsprechung des EGMR fraglich ist, ob die im letztgenannten Entscheid beurteilte Situation heute noch als Verstoss gegen Art. 6 Ziff. 1 EMRK gewertet wÃ¼rde; vgl. Frank SchÃ¼rmann, EuropÃ¤ischer Gerichtshof fÃ¼r Menschenrechte â Chronik der Rechtsprechung (III), AJP 1994, S. 1621 f.); und wenn derselbe Richter zunÃ¤chst einen Strafbefehl erlassen hat und anschliessend, nach erhobenem Einspruch, bei der gerichtlichen Beurteilung mitwirkt (BGE 114 Ia 143 E. 7; vgl. zum Ganzen auch die Zusammenstellung Rhinow/Koller/Kiss, Rz. 161 ff.; ferner Kiener, S. 135 ff.).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>In zahlreichen anderen Situationen geht die Rechtsprechung dagegen trotz vorangegangener Befassung mit derselben oder einer vergleichbaren Sache nicht davon aus, dass eine Ausstandspflicht besteht. Eine unzulÃ¤ssige Vorbefassung wird danach nicht angenommen,</span></p> <p class="Einzug2"><span>â wenn ein Richter in frÃ¼heren FÃ¤llen oder in Publikationen zu abstrakten Rechtsfragen Stellung genommen hat (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 5a N. 14);</span></p> <p class="Einzug2"><span>â wenn das Gericht eine andere Frage oder nur einen beschrÃ¤nkten Teil des hÃ¤ngigen Verfahrens zu behandeln hatte wie etwa bei der Anordnung vorsorglicher Massnahmen, dem Entscheid Ã¼ber die aufschiebende Wirkung oder der Beurteilung eines Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege (vgl. KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 5a N. 12);</span></p> <p class="Einzug2"><span>â wenn derselbe Richter zunÃ¤chst als Eheschutzrichter und hernach im Scheidungsverfahren mitgewirkt hat; dass sich in den beiden Verfahren zum Teil Ã¤hnliche Teilfragen wie etwa der Unterhalt oder die Kinderzuteilung stellen, Ã¤ndert nach den ErwÃ¤gungen des Bundesgerichts nichts am Ergebnis (BGr, 26. Juni 1996, 1P.208/1996 auszugsweise publiziert in: ZBl 1997, S. 515 ff., E. 3b; zur Kritik an dieser Rechtsprechung vgl. JÃ¶rg Paul MÃ¼ller, Staatsrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts der Jahre 1994 und 1995, ZbJV 1996, S. 742 und Kiener, S. 168 f.);</span></p> <p class="Einzug2">â wenn der Richter, der ein Abwesenheitsurteil gefÃ¤llt hat, spÃ¤ter bei der Neubeurteilung der Strafsache im ordentlichen Verfahren mitwirkt (BGE 116 Ia 32);</p> <p class="Einzug2">â wenn sich das Gericht nach der RÃ¼ckweisung durch eine obere Instanz erneut mit derselben Sache befasst (vgl. KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 5a N. 12);</p> <p class="Einzug2">â wenn das Gericht eine Sache an die Vorinstanz zurÃ¼ckgewiesen hat und gegen deren Entscheid anschliessend erneut Beschwerde erhoben wird. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist dieses im zweiten Beschwerdeverfahren nicht an die ErwÃ¤gungen des eigenen RÃ¼ckweisungsentscheids gebunden (vgl. RB 1984 Nr. 16; 1981 Nr. 23);</p> <p class="Einzug2">â wenn das Gericht Ã¼ber ein Revisionsbegehren gegen einen von ihm gefÃ¤llten Entscheid zu befinden hat (vgl. KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 5a N. 12); </p> <p class="Einzug2">â wenn der Haftrichter (BGE 116 Ia 387 E. 2) oder der Richter, der einen Angeklagten verurteilt hat (BGE 119 Ia 221 E. 3), spÃ¤ter Ã¼ber dessen Begehren um HaftentschÃ¤digung entscheidet;</p> <p class="Einzug2">â wenn ein Richter in einem frÃ¼heren Strafverfahren gegen andere Personen mitgewirkt hat, dem z.T. derselbe Lebenssachverhalt zugrunde lag (BGE 115 Ia 34; das Bundesgericht fÃ¼hrt dazu aus, dass der Richter sich im frÃ¼heren Prozess zwar zu LebensvorgÃ¤ngen geÃ¤ussert habe, die auch dem neuen Verfahren zugrunde lÃ¤gen. Zum Delikt, das dem Angeklagten des neuen Verfahrens vorgeworfen werde, habe er sich aber noch nicht festgelegt [E. 2c/bb, S. 39]).</p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.2 </span></b><span>Wie aus dieser Rechtsprechung hervorgeht, stellt allein die Tatsache, dass ein Richter in einem frÃ¼heren Verfahren bereits zu <i>Vorfragen</i> Stellung genommen hat, die sich im neuen Verfahren wiederum stellen, noch keinen Ausstandsgrund dar. Auch in FÃ¤llen, in denen die Rechtsprechung eine unzulÃ¤ssige Vorbefassung verneinte, hatten die Richter anlÃ¤sslich ihrer frÃ¼heren Befassung bereits zu Vorfragen rechtlicher oder tatsÃ¤chlicher Art Stellung genommen. Aufgrund der ErwÃ¤gungen des Bundesgerichts in den zitierten Entscheiden muss lediglich die Beurteilung der "konkreten Rechtsfrage" noch offen sein; darunter ist offenbar vor allem der Entscheid Ã¼ber die im neuen Verfahren angestrebte Rechtsfolge zu verstehen. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Als wesentlicher Gesichtspunkt ist hervorzuheben, dass durch die Teilnahme eines Richters in mehreren Verfahren nicht einer vom Gesetzgeber beabsichtigten Trennung bestimmter richterlicher Funktionen zuwider gehandelt werden darf. So wies das Bundesgericht mit Bezug auf die TÃ¤tigkeiten eines Untersuchungs- oder Ãberweisungsrichters einerseits und eines Strafrichters anderseits darauf hin, dass es sich dabei um Funktionen handle, die der Gesetzgeber verschiedenen Organen zugeordnet habe; diese Verfahrensordnung dÃ¼rfe nicht unterlaufen werden (vgl. BGE 116 Ia 32 E. 3b/bb, S. 39). Aufgrund dieser funktionalen Betrachtung besteht jedoch ebenfalls kein Anlass, einen Richter schon deswegen als befangen auszuschliessen, weil er an einem frÃ¼heren Verfahren mitgewirkt hat, das mit dem neuen Verfahren gewisse Gemeinsamkeiten aufweist, z.B. sich auf denselben Lebenszusammenhang bezieht.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Gegen eine zu strenge Handhabung der Unvereinbarkeit sprechen schliesslich nicht nur die praktischen Schwierigkeiten, die sich fÃ¼r die Gerichtsorganisation und den Verfahrensablauf ergeben kÃ¶nnen. Zu beachten ist auch die Gefahr unkoordinierter, widersprÃ¼chlicher Entscheide, wie sie gerade im vorliegenden Fall deutlich zutage tritt. Wird hier z.B. die Frage, ob ein gÃ¼ltiger Ã¶ffentlichrechtlicher</span> Vertrag vorliegt, in den Verfahren betreffend Kostenersatz, Fertigstellung des Strassenbaus, Enteignung und EntschÃ¤digung unterschiedlich beantwortet, so kann dies insgesamt zu einem widersprÃ¼chlichen bzw. lÃ¼ckenhaften Ergebnis fÃ¼hren. Aus dieser Sicht erscheint die Mitwirkung derselben Richter nicht nur als zulÃ¤ssig, sondern als erwÃ¼nscht. Zum selben Ergebnis fÃ¼hrt die Ãberlegung, dass es bei rechtzeitiger Einleitung aller in Frage stehenden Verfahren ohne weiteres mÃ¶glich und zulÃ¤ssig gewesen wÃ¤re, diese gleichzeitig und in der Besetzung mit denselben Gerichtspersonen zu behandeln. Aus der Tatsache allein, dass eines der Verfahren erst nachtrÃ¤glich durchgefÃ¼hrt wird, kann keine unzulÃ¤ssige Vorbefassung abgeleitet werden. </p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.3 </span></b><span>Zusammengefasst lassen sich aus der dargestellten Rechtsprechung fÃ¼r die hier interessierenden Fragen die folgenden GrundsÃ¤tze ableiten: Das Verbot unzulÃ¤ssiger Vorbefassung bezieht sich auf richterliche Funktionen, die nach Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung unabhÃ¤ngig voneinander ausgeÃ¼bt werden sollen. Es will verhindern, dass deren unabhÃ¤ngige AusÃ¼bung durch eine Teilnahme derselben Personen in mehreren Funktionen unterlaufen wird. Eine derartige Trennung der Funktionen wird aber bei weitem nicht in allen FÃ¤llen gefordert, in denen ein Richter mehrere Verfahren behandelt, die denselben Lebenssachverhalt betreffen oder durch andere Gemeinsamkeiten verbunden sind. In vielen FÃ¤llen ist es vielmehr gerade der Zweck der ZustÃ¤ndigkeitsordnung, eine einheitliche Beurteilung zu gewÃ¤hrleisten und widersprÃ¼chliche Entscheide zu verhindern. Aus der Tatsache allein, dass das Gericht zwei Verfahren, die es ohne weiteres gleichzeitig hÃ¤tte beurteilen dÃ¼rfen, nicht gemeinsam, sondern nacheinander behandelt, lÃ¤sst sich keine unzulÃ¤ssige Vorbefassung ableiten.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Wieweit diese GrundsÃ¤tze auch dann zutreffen, wenn an den verschiedenen Verfahren unterschiedliche Parteien beteiligt sind, braucht vorliegend nicht geklÃ¤rt zu werden. Bei wechselnden Parteien besteht die zusÃ¤tzliche Schwierigkeit, dass das Gericht bei seinen frÃ¼heren Entscheiden von den Rechts- und Sachdarlegungen der damaligen Verfahrensbeteiligten auszugehen hatte. Wollen die Beteiligten eines spÃ¤teren Verfahrens neue Argumente vorbringen, werden sie allenfalls die BefÃ¼rchtung hegen, dass das Gericht diese nicht mehr unvoreingenommen prÃ¼ft, nachdem es bereits einmal entschieden hat. Aufgrund der dargestellten Rechtsprechung kann aber wohl auch in diesen FÃ¤llen nicht von vornherein eine Ausstandspflicht angenommen werden.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>4. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext">Der Einwand der Beklagten, die mit dem Urteil vom 20. September 2001 (VR.2001.00001) befassten GerichtsangehÃ¶rigen seien wegen ihrer Beteiligung an jenem Verfahren befangen, ist nach dem Gesagten nicht begrÃ¼ndet. Weitere AusstandsgrÃ¼nde wurden von der Beklagten nicht geltend gemacht. Ihr Ausstandsbegehren ist daher abzuweisen. </p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss beschliesst </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Einzug2">1. Das Ausstandsbegehren wird abgewiesen.</p> <p class="Einzug2">2. Ãber die Kosten wird im Endentscheid befunden.</p> <p class="Einzug2">3. Mitteilung an â¦</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>