<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">374</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>68</b></span> <span class="ft3"><b>Schuldzinsenabzug (§ 40 lit. a StG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Der hälftige Miteigentümer einer Liegenschaft kann bei Solidarhaftung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>auch die über seinen Miteigentumsanteil hinaus selbst bezahlten Hypo-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>thekarschuldzinsen abziehen.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft4">vom 26. Mai 2016 in Sachen T.S. (3-RV.2016.26).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">375</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Vertreter beantragt weiter, es seien die vom Rekurrenten be-</span><br/> <span class="ft1">glichenen Hypothekarzinsen von CHF 9'058.00 für die sich je hälftig</span><br/> <span class="ft1">in seinem und im Miteigentum seiner Konkubinatspartnerin</span><br/> <span class="ft1">befindenden, selbstbewohnten Liegenschaft in vollem Umfang zum</span><br/> <span class="ft1">Abzug zuzulassen.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz hat lediglich die Hälfte der geltend gemachten</span><br/> <span class="ft1">Hypothekarschuldzinsen zum Abzug zugelassen, weil sich die frag-</span><br/> <span class="ft1">liche Liegenschaft je zur Hälfte im Miteigentum des Rekurrenten</span><br/> <span class="ft1">und dessen Konkubinatspartnerin befinde. Abzugsfähig seien aber</span><br/> <span class="ft1">nur die Schuldzinsen, welche eine eigene Schuld respektive einen</span><br/> <span class="ft1">eigenen Schuldanteil betreffen. Schuldzinsleistungen, welche in der</span><br/> <span class="ft1">Eigenschaft als Solidarschuldner für nicht eigene Schuldanteile</span><br/> <span class="ft1">geleistet werden, seien steuerlich nicht abzugsfähig (Einspracheent-</span><br/> <span class="ft1">scheid, S. 2 f.).</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">4.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Von den Einkünften werden die privaten Schuldzinsen im Um-</span><br/> <span class="ft1">fang der nach den §§ 29 und 30 StG steuerbaren Vermögenserträge</span><br/> <span class="ft1">und weiterer CHF 50'000.00 abgezogen (§ 40 lit. a StG; ebenso</span><br/> <span class="ft1">Art. 33 Abs. 1 lit. a DBG sowie Art. 9 Abs. 2 lit. a StHG). Schuldzins</span><br/> <span class="ft1">ist die Vergütung, die für die Gewährung oder Vorenthaltung einer</span><br/> <span class="ft1">Geldsumme zu entrichten ist, falls dieses Entgelt nach der Zeit und</span><br/> <span class="ft1">als Quote des Kapitals regelmässig in Prozenten berechnet wird.</span><br/> <span class="ft1">Rechtlich ist das Vorhandensein einer Geldschuld Voraussetzung für</span><br/> <span class="ft1">die Entstehung einer steuerlich relevanten Zinsschuld. Deshalb sind</span><br/> <span class="ft1">stets nur Zinszahlungen für eigene Schulden der steuerpflichtigen</span><br/> <span class="ft1">Person abziehbar. Übernimmt der oder die Steuerpflichtige für einen</span><br/> <span class="ft1">Dritten die Zahlung von Schuldzinsen, wird er bzw. sie dadurch nicht</span><br/> <span class="ft1">zur Schuldnerin im Sinne von § 40 lit. a StG (bzw. Art. 33 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">lit. a DBG bzw. Art. 9 Abs. 2 lit. a StHG) und kann daher die ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechende Zahlung steuerlich nicht absetzen (VGE vom 17. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2013 in Sachen KStA/H.S. [WBE.2013.294]).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">376</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgericht hat zur Frage des Vorliegens einer "eigenen"</span><br/> <span class="ft1">Schuld das Folgende ausgeführt (Urteil vom 13. April 2015 in Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen KStA/H.S. [2C_142/2014] = StR 2015 S. 984):</span><br/> <span class="ft6">"3.4.2 Wenn auch der steuerrechtliche Begriff der Schuldzinsen einen</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftlichen Gehalt aufweist (vorne E. 2.3.1 ff.), entbindet dies nicht</span><br/> <span class="ft6">von der Prüfung dessen, ob überhaupt Zinsen im zivilrechtlichen Sinne</span><br/> <span class="ft6">vorliegen (vorne E. 2.2.4), ob die Zinsen tatsächlich entrichtet worden sind</span><br/> <span class="ft6">(vorne E. 2.3.2) und wer - zivilrechtlich - als Schuldner zu gelten hat. Das</span><br/> <span class="ft6">Steuerrecht folgt der Idee nach dem Zivilrecht, herrscht doch das Gebot der</span><br/> <span class="ft6">Einheit der Rechtsordnung. Dem Einheitsgebot kommt im Abgaberecht, das</span><br/> <span class="ft6">in enger Wechselwirkung zu vielfältigen weiteren Rechtsgebieten steht, be-</span><br/> <span class="ft6">sonders hohe Bedeutung zu (BGE 140 I 153 E. 2.2 S. 155 f.</span><br/> <span class="ft6">[IVG/MWSTG]; 139 II 460 E. 3.3 S. 467 [BVG/MWSTG]; 138 II 32</span><br/> <span class="ft6">E. 2.3.1 S. 39 [BGBB/StHG], 300 E. 3.6.2 S. 308 [ZGB/DBG]; 136 V 258</span><br/> <span class="ft6">E. 4.7 S. 266 f. [OR/AHVV]).</span><br/> <span class="ft6">3.4.3 Im konkreten Fall ist unstreitig, dass die hypothezierende Bank</span><br/> <span class="ft6">sowohl in der 'Vereinbarung für die Immobilienfinanzierung' als auch in den</span><br/> <span class="ft6">Verträgen 'für Ihre UBS-Festhypothek' ausdrücklich beide Konkubinats-</span><br/> <span class="ft6">partner als Kreditnehmer aufführt. Sie beide haften der Bank gegenüber</span><br/> <span class="ft6">solidarisch. Solidarität setzt indes voraus, dass tatsächlich mehrere zivil-</span><br/> <span class="ft6">rechtliche Schuldner vorliegen. Die bisherigen Alleinschuldner werden ein-</span><br/> <span class="ft6">zig aufgrund dessen solidarisch haftbar, dass sie erklären, dem Gläubiger</span><br/> <span class="ft6">gegenüber 'jeder einzeln für die Erfüllung der ganzen Schuld' haften zu wol-</span><br/> <span class="ft6">len (Art. 143 Abs. 1 OR). Der Gläubiger kann alsdann nach seiner Wahl von</span><br/> <span class="ft6">allen Solidarschuldnern je nur einen Teil oder das Ganze fordern (Art. 144</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 OR). Spiegelbildlich hat dies zur Folge, dass sämtliche Schuldner so</span><br/> <span class="ft6">lange verpflichtet bleiben, bis die ganze Forderung getilgt ist (Art. 144 Abs.</span><br/> <span class="ft6">1 OR).</span><br/> <span class="ft6">3.4.4 Es zielt am Kern vorbei, wenn das Steueramt den Standpunkt</span><br/> <span class="ft6">einnimmt, solidarische Haftung genüge nicht, um eine eigene Schuld zu be-</span><br/> <span class="ft6">gründen. Gegenteils ist die Solidarität die Folge dessen, dass die Schuldner-</span><br/> <span class="ft6">eigenschaft mehreren Personen zukommt, die dem Gläubiger gegenüber den</span><br/> <span class="ft6">Willen zur Bildung einer Solidargemeinschaft äussern. Nichts Anderes er-</span><br/> <span class="ft6">gibt sich aus dem bundesgerichtlichen Präjudiz, welches das Steueramt an-</span><br/> <span class="ft6">ruft (Urteil 2A.508/2001 vom 26. Juni 2002 E. 2.1 in: StR 57/2002 S. 564).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">377</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Zum Grundsatz erwog das Bundesgericht in diesem Urteil: 'Cette déduction</span><br/> <span class="ft6">suppose l'existence d'une dette <i>dont le contribuable répond personnellement</i></span><br/> <span class="ft7"><i>et définitivement</i>.' Den Aspekt der Solidarhaftung greift das Bundesgericht</span><br/> <span class="ft6">im nachfolgenden Satz auf, wobei es ausführt: 'Lorsque le contribuable est</span><br/> <span class="ft7"><i>codébiteur solidaire</i>, il ne peut déduire les intérts passifs <i>qu' concurrence</i></span><br/> <span class="ft7"><i>de la part de la dette dont il répond définitivement</i>'. Das Bundesgericht be-</span><br/> <span class="ft6">zieht sich an dieser Stelle auf Locher, a.a.O., N. 5 zu Art. 33 DBG (vorne E.</span><br/> <span class="ft6">2.3.2). Dieser führt dort freilich nichts weiter aus, als dass (einzig) der</span><br/> <span class="ft6">Schuldner zum Abzug der Schul[d]zinsen berechtigt sei.</span><br/> <span class="ft6">3.4.5 Für die auf dem Hypothekenvertrag ruhende Grundforderung ha-</span><br/> <span class="ft6">ben mithin die Konkubinatspartner gleichermassen geradezustehen, woge-</span><br/> <span class="ft6">gen die davon zu unterscheidende Sicherungsforderung einzig auf den Kon-</span><br/> <span class="ft6">kubinatspartner zielt, und zwar in dessen Eigenschaft als Alleineigentümer</span><br/> <span class="ft6">des Pfandobjekts. Die beiden Forderungen stehen nebeneinander (vorne E.</span><br/> <span class="ft6">2.2.3). Dies alles verdeutlicht, dass die Steuerpflichtige, obwohl weder</span><br/> <span class="ft6">Eigentümerin noch Pfandschuldnerin, durchaus als Schuldnerin der Bank</span><br/> <span class="ft6">qualifiziert. Ihre Schuld ist eine 'eigene' im Sinne des Zivilrechts und daher</span><br/> <span class="ft6">auch des Steuerrechts. Nichts daran ändert die Tatsache, dass die Steuer-</span><br/> <span class="ft6">pflichtige überdies Mitbewohnerin des Pfandobjekts ist. Schuldzinsen kön-</span><br/> <span class="ft6">nen steuerlich zum Abzug gebracht werden, gleichviel, ob die Schuld zur</span><br/> <span class="ft6">Beschaffung von Wohneigentum oder zu anderen Zwecken eingegangen</span><br/> <span class="ft6">wurde. Entsprechend kann es auch kein massgebliches Kriterium sein, ob</span><br/> <span class="ft6">das Wohneigentum alleine oder gemeinsam bewohnt wird. Die streitbe-</span><br/> <span class="ft6">troffenen, der Bank tatsächlich erbrachten Passivzinsen sind daher abzugs-</span><br/> <span class="ft6">fähig. Zahlungsrythmus, Zahlungsmodus, die Überweisung auf ein gemein-</span><br/> <span class="ft6">sames Konto und dergleichen sind dem Bereich der Abwicklung zuzuord-</span><br/> <span class="ft6">nen. Für die Beurteilung dessen, ob eine 'eigene' Schuld vorliege, kommt</span><br/> <span class="ft6">diesen Gesichtspunkten lediglich die Wirkung von Indizien zu.</span><br/> <span class="ft6">3.4.6 Von Bedeutung ist alsdann, in welcher Weise der Zinsaufwand</span><br/> <span class="ft6">im Innenverhältnis verteilt worden ist."</span><br/> <span class="ft1">Daraus folgt, dass von einem Steuerpflichtigen effektiv bezahlte</span><br/> <span class="ft1">Hypothekarschuldzinsen bei Bestehen einer Solidarhaftung auch</span><br/> <span class="ft1">ohne Eigentum an einer Liegenschaft abzugsfähig sind (vgl. auch</span><br/> <span class="ft1">SGE vom 21. Februar 2013 in Sachen H.Q. [3-RV.2011.196]; ZStP</span><br/> <span class="ft1">2013 Nr. 6). Es besteht kein Grund, diese Rechtsprechung nicht auch</span><br/> <span class="ft1">auf Fälle von hälftigem Miteigentum anzuwenden. Die vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">378</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kantonalen Steueramt vertretene Auffassung, es seien bei Mit- und</span><br/> <span class="ft1">Gesamteigentumsverhältnissen weiterhin die Eigentumsanteile für</span><br/> <span class="ft1">den Abzug der Schuldzinsen massgebend (Konferenz der Sektion na-</span><br/> <span class="ft1">türliche Personen vom 25. September 2015, S. 10), ist abzulehnen.</span><br/> <span class="ft1">4.4.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent und S.J. sind Miteigentümer zu je der</span><br/> <span class="ft1">selbstbewohnten Liegenschaft GB K. Nr. 1363, Kat.-Plan 66, Par-</span><br/> <span class="ft1">zelle 1874 (vgl. Grundbuchmeldung Grundbuchamt Z. vom</span><br/> <span class="ft1">15. August 2011). Die auf dieser Liegenschaft lastende Hypothekar-</span><br/> <span class="ft1">schuld beläuft sich im Jahr 2012 auf CHF 520'000.00, das Total der</span><br/> <span class="ft1">Hypothekarschuldzinsen auf CHF 9'058.00 (vgl. Hypothekarkonto</span><br/> <span class="ft1">Nr. X der Zürcher Kantonalbank, lautend auf den Rekurrenten und</span><br/> <span class="ft1">S.J., Auszug per 31. Dezember 2012).</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent und S.J. haben den "Darlehensvertrag für ZKB</span><br/> <span class="ft1">Variable Hypothek" von CHF 520'000.00 vom 14. Juli 2011 als</span><br/> <span class="ft1">"Darlehensnehmer" bzw. "Solidarschuldner" gemeinsam unterzeich-</span><br/> <span class="ft1">net. Darin wird der Bank der Auftrag erteilt, "Zinsen, Gebühren usw.</span><br/> <span class="ft1">jeweils dem Konto Nr. Y, ltd. auf T.S., zu belasten" (Ziff. 1 [Kon-</span><br/> <span class="ft1">ditionen]). Den "Kontobuchung Details" betreffend diesem auf den</span><br/> <span class="ft1">Rekurrenten lautenden Konto kann entnommen werden, dass per</span><br/> <span class="ft1">31. März, 30. Juni, 30. September und 31. Dezember 2012 je</span><br/> <span class="ft1">CHF 2'264.50, total also CHF 9'058.00, belastet wurden. Damit ist</span><br/> <span class="ft1">nachgewiesen, dass der Rekurrent als Solidarschuldner die geltend</span><br/> <span class="ft1">gemachten Schuldzinsen von CHF 9'058.00 beglichen hat. Sie sind</span><br/> <span class="ft1">daher steuerlich vollumfänglich (und nicht nur hälftig) zum Abzug</span><br/> <span class="ft1">zuzulassen.</span><br/></div> </div> </body> </html>