Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. April 2013 (810 12 270) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Archäologische Schutzzone Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Christian Haidlauf, Bruno Gutzwiller, Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther , Gerichts- schreiber Marius Wehren Parteien Einwohnergemeinde C.____ , vertreten durch Roman Zeller , Adv okat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Gemeinde C.____, Quartierplanvorschriften "X._ ___" (RRB Nr. 1366 vom 28. August 2012) A. Am 7. November 2011 beschloss der Einwohnerrat C.__ __ die Quartierplanvor- schriften "X.____", welche die Parzelle Nr. 440, Grundb uch C.____, mit einer Fläche von 2'989 m 2 umfassen. Die Planauflage fand vom 24. November 201 1 bis 30. Dezember 2011 statt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Schreiben vom 29. März 2012 unterbreitete der G emeinderat C.____ die Quar- tierplanvorschriften "X.____" dem Regierungsrat des Ka ntons Basel-Landschaft zur Geneh- migung und ersuchte um Abweisung der dagegen erhobenen Einsprache. C. Mit Entscheid des Regierungsrats Basel-Landschaft vom 28 . August 2012 wurden die vom Einwohnerrat C.____ am 7. November 2011 beschlossenen Quartierplanvorschriften "X.____" im Sinne der Erwägungen genehmigt und allgemeinverbindlich erklärt. Die Gemein- de wurde beauftragt, innert nützlicher Frist eine arch äologische Schutzzone gemäss Ziffer 1.6 der Erwägungen zu beschliessen und mit entsprechende n Schutzbestimmungen zu ver- sehen. Sie wurde ausserdem beauftragt, für die in Ziff er 1.7 der Erwägungen umschriebene Fläche ohne Nutzung innerhalb von zwei Jahren Art und Mass der Nutzung festzulegen und beschliessen zu lassen. Zur Begründung des Auftrags auf Erlass einer archäologischen Schutzzone wurde ausgeführt, dass im Bereich des Quartie rplans bei Bauarbeiten ein ein- zelner Schädel einer vermutlich frühmittelalterlichen Bestattung gefunden worden sei. Auf- grund des wissenschaftlich-archäologischen Wertes dieser Fu ndstelle und deren Bedeutung als kulturelles Erbe werde der Gemeinderat angehalten , eine archäologische Schutzzone nach § 2 Abs. 3 lit. c der Verordnung zum Archäologie gesetz (ArchVo) vom 22. November 2005 innert nützlicher Frist in die Quartierplanvorschriften aufzunehmen. D. Am 10. September 2012 erhob die Einwohnergemeind e C.____ gegen den Ent- scheid des Regierungsrats Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie b eantragte, es sei der angefochte- ne Entscheid bezüglich der in Ziffer 2 des Dispositivs gen annten Aufträge aufzuheben. In ihrer Beschwerdebegründung vom 12. November 2012 beschränkte die Einwohnergemeinde, neu vertreten durch Roman Zeller, Advokat in Basel, ih r Begehren auf die Aufhebung des angefochtenen Entscheids, soweit dieser die Planungsanwe isung an die Gemeinde auf Er- lass einer archäologischen Schutzzone betreffe. E. In seiner Vernehmlassung vom 10. Januar 2013 beantr agt der Regierungsrat die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werde. F. Mit Präsidialverfügung vom 17. Januar 2013 wurde d er Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. G. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten di e Parteien vollumfänglich an den gestellten Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Nichtgenehmigung von Zonenvorschriften gilt nach ständiger Praxis des Kan- tonsgerichts als aufsichtsrechtliche Massnahme, welche von d en Gemeinden gestützt auf § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwa ltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in Verbindung mit § 47 Abs. 1 lit. c VPO mit der verwaltungsgericht- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfass ungs- und Verwaltungsrecht, an- gefochten werden kann. Die verwaltungsgerichtliche Bes chwerde verdrängt in diesem Be- reich die Beschwerde wegen Verletzung der Gemeindeauto nomie nach § 41 VPO (vgl. BLVGE 2002/2003 S. 139). Die Beschwerdeführerin ist d emnach befugt, gegen die teilweise Nichtgenehmigung der Quartierplanvorschriften "X.____" der Einwohnergemeinde C.____ vom 7. November 2011 verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zu erhe- ben. Da auch die weiteren formellen Voraussetzungen e rfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2.1 Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 A bs. 1 lit. a und b VPO grund- sätzlich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes- sens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung de s Sachverhalts beschränkt. Die Unangemessenheit kann nach § 45 Abs. 1 lit. c VPO nur in den in dieser Bestimmung ge- nannten Ausnahmefällen überprüft werden. Entscheide be treffend die Genehmigung von Zonenvorschriften fallen nicht darunter. 2.2 Nach Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 hat das kantonale Recht die volle Überpr üfung von Verfügungen und Nut- zungsplänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde zu ge währleisten. Diesen Anforde- rungen genügt es nach ständiger Rechtsprechung, wenn der Regierungsrat als Plangeneh- migungsbehörde als einzige Instanz mit voller Kognition über Einsprachen und Beschwerden entscheidet (vgl. BGE 127 II 238 E. 3b/bb; 119 Ia 321 E. 5 c; BGE 114 Ia 233 E. 2b; P ETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, Bern 2008, S. 528; B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 33 N 74 f.). Vol le Überprü- fung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur die fre ie Prüfung des Sachverhalts und der sich stellenden Rechtsfragen, sondern auch eine Erme ssenskontrolle. Die Überprüfung hat sich dabei dort sachlich zurückzuhalten, wo es um lokale Angelegenheiten geht, hinge- gen so weit auszugreifen, dass die übergeordneten, vom Kanton zu sichernden Interessen einen angemessenen Platz erhalten (vgl. H EINZ AEMISEGGER /S TEPHAN HAAG , Kommentar zum Raumplanungsgesetz, Zürich 1999, Art. 33 N 56; BGE 1 27 II 238 E. 3 b/aa). Bei der Angemessenheitsprüfung ist jeweils der den Planungsträge rn durch Art. 2 Abs. 3 RPG zuer- kannte Gestaltungsbereich zu beachten. Nach Art. 2 Abs. 3 RPG achten die mit Planungs- aufgaben betrauten Behörden darauf, den ihnen nachgeordneten Behörden den zur Erfüllung ihrer Aufgabe nötigen Ermessensspielraum zu lassen. Ein Planungsentscheid ist gestützt darauf zu schützen, wenn er sich als zweckmässig erweist, unabhängig davon, ob sich weite- re, ebenso zweckmässige Lösungen erkennen lassen (vgl. HÄNNI , a.a.O., S. 529). 2.3 Die Forderung nach einer vollen Überprüfung der Nutzungspläne kann sich als problematisch erweisen, wenn Rechtsmittel- und Genehmi gungsverfahren in einem Zug ab- gewickelt werden. Während im Genehmigungsverfahren gem äss Art. 26 Abs. 2 RPG und § 31 Abs. 5 des Raumplanungs- und Baugesetzes (RBG) vom 8. Januar 1998 eine Recht- mässigkeitsprüfung bzw. eine auf kantonale Anliegen beschr änkte Prüfung der Zweckmäs- sigkeit genügt, verpflichtet Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG zu einer umfassenden Zweckmässig- keitsprüfung (vgl. W ALDMANN /H ÄNNI , a.a.O., Art. 33 N 67). Das kann dazu führen, dass Nut - Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zungspläne in Bezug auf diejenigen Grundstücke, die von R echtsmitteln betroffen sind, um- fassend überprüft werden und in Bezug auf die restliche n Gebiete im Wesentlichen nur einer eingeschränkten Überprüfung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens unterzogen werden (vgl. AEMISEGGER /H AAG , a.a.O., Art. 33 N 61). Beurteilt der Regierungsrat die Nutzungspla- nung nicht im Rahmen des Rechtsmittel-, sondern des Gene hmigungsverfahrens, so liegt daher keine den Anforderungen von Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG genügende volle Überprüfung vor. Das Kantonsgericht hat in diesen Fällen als einzige kantonale Rechtsmittelinstanz eine freie Ermessens- und Zweckmässigkeitskontrolle vorzunehmen, a uch wenn ihm eine solche im Allgemeinen nicht zusteht (vgl. Urteil des Kantonsge richts [KGEVV] vom 5. November 2008 [810 08 57], E. 3; KGEVV vom 01. November 2006 [810 06 98], E. 2.1; siehe auch BGE 114 Ib 81 E. 3). Vorliegend hatte der Regierungsrat in Bezug auf die hier strittigen Fragen keine Beschwerden, sondern lediglich die Frage der Gene hmigung zu beurteilen, weshalb dem Kantonsgericht die volle Überprüfungskompetenz im Sinne von Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG zusteht. 3.1 Strittig ist die Anweisung des Regierungsrats an di e Beschwerdeführerin, innert nützlicher Frist eine archäologische Schutzzone im Sinne von § 2 Abs. 3 lit. c der Verordnung zum Archäologiegesetz (ArchVo) vom 22. November 2005 in d ie Quartierplanvorschriften "X.____" aufzunehmen und mit entsprechenden Schutzbestimmungen zu versehen. 3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass das Area l des Quartierplans "X.____" bereits heute überbaut sei und weitere bauliche Massna hmen im Rahmen der Quartierplan- vorschriften zulässig sein müssten. Der Schutz archäologischer Stätten und Zonen könne gemäss § 6 ArchG durch verschiedene Massnahmen erreicht wer den. Im Hinblick auf die Kann-Formulierung dieser Bestimmung müssten archäologisch e Stätten und Zonen nicht zwingend unter Schutz gestellt werden. Definitionsgemäss sei deshalb nicht jede archäologi- sche Zone im Sinne des Archäologiegesetzes als Schutzzone i m Sinne des Raumplanungs- und Baugesetzes auszuscheiden. Im Weiteren sei die Bedeu tung der strittigen Schutzzone gemäss § 2 Abs. 3 lit. c ArchVo nicht vollständig klar. W erde die Bestimmung, wie vorliegend durch den Regierungsrat, weit ausgelegt, so führe sie zum Erlass einer Planungszone bzw. zu einem Bauverbot mit dem einzigen Zweck, sicherzustellen , dass vor einer baulichen Mas- snahme eine archäologische Untersuchung durchgeführt we rden könne. Es sei jedoch nicht Aufgabe der Gemeinde, mit dem langfristigen Instrument der Zonenplanung kurzfristig Unter- suchungen kantonaler Behörden an archäologischen Funde n zu sichern. Dieser Schutz sei bereits durch das Raumplanungs- und Baugesetz sowie das Archäologiegesetz gegeben. Namentlich sei bei sämtlichen grösseren baulichen Verände rungen eine Baubewilligung er- forderlich und es sei diesbezüglich die Einsprachemögli chkeit der Fachstelle im Sinne von § 13 ArchG gegeben. Im Weiteren obliege der Vollzug des Archäologiegesetzes nach § 15 ArchG der kantonalen Fachstelle, wobei als Massnahm en die archäologische Untersu- chung sowie die Aufnahme von archäologischen Stätten un d Zonen in das Inventar gemäss § 7 ArchG speziell erwähnt seien. Mit der orientierend en Aufnahme der archäologischen Schutzzone in die Nutzungsplanung werde zur Genüge auf diese gesetzlichen Bestimmun- gen des Archäologiegesetzes hingewiesen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Der Regierungsrat führt in seiner Vernehmlassung aus, dass § 6 ArchG die mögli- chen Massnahmen, welche zum Schutz von archäologischen Stätt en und Zonen ergriffen werden könnten, regle. Nach § 8 Abs. 1 ArchG seien Kant on und Gemeinden verpflichtet, im Rahmen der Nutzungsplanung Schutzzonen zur Erhaltung d er ortsfesten archäologischen Schutzobjekte zu erlassen. Entgegen der Auffassung der B eschwerdeführerin seien archäo- logische Schutzzonen auf Dauer angelegt und würden demn ach den Charakter von dauer- haften Schutzzonen im Sinne von § 29 RBG aufweisen. Di e vorliegend strittige Schutzzone im Sinne von § 2 Abs. 3 lit. c ArchV lasse konventionelle s Bauen in Abhängigkeit der durch- zuführenden archäologischen Untersuchung zu. Sie liege im öffentlichen Interesse, zumal am Standort des Quartierplans "X.____" im Falle von bauli chen Bodeneingriffen mit weiteren archäologischen Funden zu rechnen sei. Es sei zwingend erfo rderlich, die archäologische Schutzzone im rechtsverbindlichen Teil des Zonenplans fes tzusetzen. Damit sei für die be- troffene Grundeigentümerschaft bekannt, in welchem Be reich sie archäologische Untersu- chungen zu dulden habe und die kantonale Fachstelle f ür Archäologie befugt sei, Untersu- chungen durchzuführen. Demgegenüber gehe es im vorliege nden Fall nicht darum, den Standort, an dem ein archäologischer Fund dokumentiert sei, in das Inventar der geschützten archäologischen Stätten und Zonen gemäss § 7 ArchG aufzun ehmen. Dieses Inventar um- fasse aktuell nur wenige Objekte, was damit zu tun habe, dass darin nur Objekte aufgenom- men würden, welche von erheblichem wissenschaftlichem Wer t seien und entsprechend zu schützen seien. Eine Aufnahme in das Inventar sei vorliegen d nicht angezeigt gewesen, an- sonsten grundsätzlich jede archäologische Fundstelle so gesch ützt werden müsste. Ebenso seien die weiteren Massnahmen, welche der Kanton gemäss § 6 ArchG ergreifen könne, um archäologische Stätten und Zonen zu schützen, im vorliegenden Fall nicht zweckmässig. 4.1 Nach § 18 Abs. 1 RBG erlassen die Gemeinden für d as ganze Gemeindegebiet Zo- nenvorschriften, welche aus Zonenplänen und Zonenregle menten bestehen. Die in § 19 Abs. 1 RBG kantonalrechtlich vorgesehenen Nutzungszonen könn en durch Schutz- und Ge- fahrenzonen überlagert werden (§ 19 Abs. 2 RBG). Schu tzzonen umfassen gemäss § 29 Abs. 1 RBG Gebiete, die bestimmte im öffentlichen Int eresse liegende Funktionen erfüllen und deren Nutzung auf das Schutzziel ausgerichtet sein muss. Gemäss § 19 der Verordnung zum Raumplanungs- und Baugesetz (RBV) vom 27. Oktober 1998 bezwecken archäologi- sche Schutzzonen die Erhaltung archäologischer Stätten. 4.2.1 Die Anliegen der Archäologie werden im Archäol ogiegesetz im Besonderen geregelt (§ 1 ArchG). Das Archäologiegesetz bezeichnet als Schutz objekte ortsfeste archäologische Stätten und Zonen sowie bewegliche archäologische Objek te aus dem Kantonsgebiet, die aufgrund ihres wissenschaftlich-archäologischen Wertes als B estandteile des kulturellen Er- bes von Bedeutung sind (§ 3 Abs. 1 ArchG). Archäologisch e Zonen werden definiert als er- forschte und unerforschte Gebiete, Schichtzusammenhänge, Geländeformationen usw., an denen sich nachweislich archäologische Spuren menschlichen Wirkens erhalten haben oder wo solche mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind (§ 4 Abs. 2 ArchG). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.2 Nach § 6 ArchG kann der Schutz von archäologischen Stätten und Zonen erreicht werden durch Aufnahme in das Inventar der geschützten archäologischen Stätten und Zonen (lit. a), Ausscheidung und Bezeichnung in Zonenplänen (lit. b), archäologische Untersuchung (lit. c), Konservierung und Restaurierung (lit. d) sow ie Erwerb durch den Kanton (lit. e). Der Regierungsrat nimmt nach Anhören der Einwohnergemein de archäologische Stätten und Zonen in das Inventar der ortsfesten Schutzobjekte auf und ordnet die nötigen Schutzvorkeh- ren und Nutzungsbeschränkungen an (§ 7 Abs. 1 ArchG). D as Inventar enthält eine Be- schreibung der Stätte oder Zone sowie die Begründung i hrer Schutzwürdigkeit und nennt die vom Regierungsrat angeordneten Schutzvorkehren und Nutz ungsbeschränkungen (§ 7 Abs. 3 ArchG). Unter dem Titel raumplanerische Massnahmen regelt § 8 ArchG, dass Kanton und Gemeinden im Rahmen der Nutzungsplanung Schutzzonen zur Erhaltung der ortsfesten archäologischen Schutzobjekte erlassen (Abs. 1). Die gesch ützten archäologischen Stätten und Zonen werden in den Zonenvorschriften bezeichnet u nd umschrieben (Abs. 2). Die Ver- ordnung zum Archäologiegesetz statuiert in § 2 Abs. 3, da ss in Bauzonen im Rahmen der Nutzungsplanung für Schutzzonen zur Erhaltung ortsfest er archäologischer Schutzobjekte eine Abstufung anzustreben ist in: Schutzzonen, welche der archäologischen Forschung vor- behalten sind und welche Nutzungen sowie Bauten und Anl agen, welche dieser Zielsetzung widersprechen, untersagt (lit. a); Schutzzonen, welche e ine Bautätigkeit ohne wesentlichen Eingriff in die archäologische Substanz zulassen (Bauen ü ber den Ruinen; lit. b); Schutzzo- nen, in welchen konventionelles Bauen je nach Ergebnis einer durchzuführenden archäologi- schen Untersuchung zulässig ist (lit. c). 4.2.3 Nebst dem Inventar nach § 7 ArchG sowie raumplan erischen Massnahmen nach § 8 ArchG verfügt die kantonale Fachstelle über die Mö glichkeit, unter den gesetzlichen Vo- raussetzungen eine archäologische Untersuchung im Sinne von § 9 ArchG durchzuführen. Sie kann sodann gemäss § 13 Abs. 1 ArchG bei Bauvorhaben , von denen bekannt ist oder vermutet wird, dass sie archäologische Stätten oder Zonen berühren oder beeinträchtigen, im Rahmen des Baugesuchsverfahrens Einsprache erheben un d die Einplanung einer archäo- logischen Untersuchung in das Bauvorhaben verlangen. Di ese Möglichkeit ist nach dem Wortlaut des Gesetzes unabhängig vom Bestehen einer Schutzzone gegeben. 4.2.4 Der Vorlage an den Landrat betreffend das Geset z über den Schutz und die Erfor- schung von archäologischen Stätten und Objekten [Archäolo giegesetz] vom 8. Mai 2001 kann entnommen werden, dass die Tätigkeit der kantonalen Archäologie mit dem Archäolo- giegesetz auf eine rechtsverbindliche Basis gestellt werde n sollte (S. 3). Das Inventar der gefährdeten archäologischen Denkmäler und Fundstellen ( archäologische Stätten und Zo- nen) verschaffe der Archäologie die Möglichkeit, viele der noch unerforschten Fundstätten zu sichern (S. 3). Den Fachstellen der Verwaltung gebe da s Gesetz mit seinem Inventar die Möglichkeit, mit Prospektionen und Voruntersuchungen arch äologisch aktiv zu werden. Das Inventar der ortsfesten archäologischen Schutzobjekte (§ 7) solle primär die Wirkung haben, dem Grundeigentümer bewusst zu machen, dass bei seinem G rundstück mutmasslich mit archäologischen Befunden und daher mit einer Untersuchu ng zu rechnen sei (S. 6). Die be- kannten und die mutmasslichen wichtigen und gefährdeten Fundstellen seien als archäologi- sche Stätten oder Zonen zu definieren und administrativ für die Aufnahme in das Inventar Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch Regierungsratsbeschluss vorzubereiten. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle sol- le der Eintrag im Inventar primär eine archäologische Untersuchung vor allfälligen baulichen Eingriffen gewährleisten (S. 7). Bezüglich der in § 8 ArchG vorgesehenen raumplanerischen Massnahmen lässt sich der Landratsvorlage, abgesehen vom Hinweis, dass diese Bestim- mung verwandt sei mit § 6 des Gesetzes über den Denkmal - und Heimatschutz (DHG) vom 9. April 1992, nichts entnehmen (S. 9). 4.2.5 Die Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft sind be i der Ausgestaltung der Nut- zungspläne und Nutzungszonen autonom (vgl. Urteil des Bu ndesgerichts 1P.678/2000 vom 4. September 2001 E. 4a; WALDMANN /HÄNNI , a.a.O., Art. 14 N 23). Bei der vorliegend stritti- gen Schutzzone handelt es sich um eine Schutzzone im Sinne von § 29 RBG, wie sie unter anderem auch im Bereich von Bauzonen als überlagernde Z onen ausgeschieden werden können (§ 19 RBG). Es liegt demgemäss grundsätzlich in d er Zuständigkeit der Gemeinde, im Rahmen ihres Planungsermessens zu prüfen, ob die Vo raussetzungen für den Erlass ei- ner Schutzzone gemäss § 8 ArchG gegeben sind oder nicht. D em entspricht, dass sich § 8 ArchG sowohl an den Kanton als auch an die Gemeind en richtet und der Kanton somit seinerseits über die Möglichkeit verfügt, im Rahmen ei nes kantonalen Nutzungsplans eine Schutzzone im Sinne dieser Bestimmung zu erlassen. 4.2.6 Vorliegend teilte die Archäologie Baselland al s zuständige kantonale Fachstelle dem kantonalen Amt für Raumplanung im Rahmen der Vorprüf ung der Quartierplanung "X.____" mit Schreiben vom 10. August 2007 mit, dass sich im Bereich des Quartierplans eine archäo- logische Schutzzone befinde, die man zu berücksichtigen b itte. Dem Schreiben beigelegt ist ein Objektblatt mit einer Beschreibung der Fundstell e und dem Hinweis, dass in diesem Be- reich mit weiteren Funden zu rechnen sei. Zur Begründ ung der Unterschutzstellung wird ausgeführt, dass es sich bei der Fundstelle um eine arch äologische Zone nach § 4 des Ar- chäologiegesetzes handle, die aufgrund ihres wissenschaftli ch-archäologischen Wertes als Bestandteil des kulturellen Erbes von Bedeutung sei. Die Beschreibung der archäologischen Fundstelle durch die kantonale Fachstelle entspricht der Definition eines Schutzobjekts ge- mäss § 3 Abs. 1 ArchG. Ortsfeste archäologische Schutzobj ekte im Sinne von § 3 Abs. 1 ArchG werden gemäss § 7 Abs. 1 ArchG in das Inventar de r geschützten archäologischen Stätten und Zonen aufgenommen. In Bezug auf die vorliegend in Frage stehende archäologi- sche Fundstelle hat der Regierungsrat von der Aufnahme in das Inventar abgesehen. Er führt in diesem Zusammenhang aus, dass in das Inventar einzig Ob jekte aufgenommen würden, die von erheblichem wissenschaftlichem Wert seien und en tsprechend zu schützen seien. Eine Aufnahme in das Inventar sei vorliegend nicht ange zeigt, ansonsten grundsätzlich jede archäologische Fundstelle so geschützt werden müsste. Dazu ist festzustellen, dass es dem Regierungsrat freisteht, eine archäologische Fundstelle in das Inventar der ortsfesten archäo- logischen Schutzobjekte nach § 7 ArchG aufzunehmen oder nicht. Soweit der Regierungsrat jedoch, wie im vorliegenden Fall, von der Aufnahme i n das Inventar absieht, kann er sich nicht zugleich darauf berufen, dass in Bezug auf eine ar chäologische Fundstelle ein ortsfes- tes archäologisches Schutzobjekt im Sinne von § 3 Abs. 1 ArchG vorliege. Der Regierungsrat verfügt in einem solchen Fall über keine Grundlage, di e Gemeinde rechtsverbindlich anzu- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht weisen, eine Schutzzone zur Erhaltung eines ortsfesten ar chäologischen Schutzobjekts im Sinne von § 8 Abs. 1 ArchG auszuscheiden. 4.2.7 Die vorliegend strittige Schutzzone nach § 2 Abs. 3 lit. c ArchVo lässt wie bereits ausgeführt konventionelles Bauen je nach Ergebnis einer durchzuführenden archäologischen Untersuchung zu. Inhalt dieser Zone ist es somit im Wese ntlichen, sicherzustellen, dass je- weils vorgängig eines Bauvorhabens eine archäologische Un tersuchung durchgeführt wer- den kann, wobei sich die Zulässigkeit des Bauvorhabens na ch dem Ergebnis der archäologi- schen Untersuchung zu richten hat. Wie bereits ausgefüh rt, verfügt die kantonale Fachstelle bereits gestützt auf § 13 ArchG und unabhängig vom Be stehen einer Schutzzone über die Möglichkeit, bei Bauvorhaben im Rahmen einer Baueinsp rache eine archäologische Unter- suchung zu verlangen. Es ist nicht ersichtlich und wird vom R egierungsrat auch nicht näher dargelegt, inwieweit mit der Schutzzone gemäss § 2 Abs. 3 lit. c ArchVo ein Schutz verbun- den wäre, welcher über diese, der kantonalen Fachstell e gestützt auf § 13 ArchG zustehen- den Befugnisse hinausgeht. Wenn die Gemeinde unter diesen Umständen davon abgesehen hat, im vorliegenden Fall eine Schutzzone im Sinne von § 2 Abs. 3 lit. c ArchVo rechtsver- bindlich zu erlassen, so bewegte sie sich im Rahmen des ihr zustehenden Planungsermes- sens. Was die Bezeichnung einer "Archäologischen Schutzzone" als orientierender Inhalt des Quartierplans "X.____" anbelangt, so wurde anlässlich de r heutigen Verhandlung von Seiten des Regierungsrats ausgeführt, dass die kantonale Fachstelle die archäologischen Fundstel- len im Rahmen eines behördeninternen Inventars verzeich ne. Entsprechende Informationen sind im Geoinformationssystem (GIS) des Kantons Basel-Lan dschaft im Themenbereich Ar- chäologie als "Archäologische Schutzzonen" verzeichnet. Das Vorgehen der Gemeinde, eine "Archäologische Schutzzone" im orientierenden Planinhal t auszuweisen, ist vor diesem Hin- tergrund nicht zu beanstanden. 5. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen erweist sich d ie Anweisung des Regie- rungsrats an die Beschwerdeführerin, eine Schutzzone im Sinne von § 2 Abs. 3 lit. c ArchVo als rechtsverbindlichen Inhalt in die Quartierplanvorschr iften "X.____" aufzunehmen, als un- zulässig. Die Beschwerde ist demzufolge gutzuheissen. 6.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem K antonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem A usmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Den kantonalen Behörden werden in Fällen wie d em vorliegenden keine Verfahrens- kosten auferlegt (§ 20 Abs. 4 VPO). 6.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gem äss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemesse ne Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemeinden und a ndere Träger öffentlicher Aufga- ben haben Anspruch auf eine Parteientschädigung, sof ern der Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin gerechtfertigt war (§ 21 Abs. 2 VPO). Nach der Rechtsprechung des Kantons- gerichts besteht gestützt auf § 21 Abs. 2 VPO ein Anspruc h auf Parteientschädigung in den- jenigen Fällen, in denen der Beizug eines externen Rech tsvertreters im Einzelfall auch für Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gemeinden mit juristischer Fachkompetenz innerhalb der ei genen Verwaltung gerechtfertigt erscheint. Dies ist namentlich der Fall, wenn für eine a ngemessene Prozessvertretung recht- liches Spezialwissen gefordert ist, über welches gemeind eeigene Rechtsdienste normaler- weise nicht verfügen (vgl. statt vieler Urteil des Kantons gerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 23. Januar 2013 [810 11 146] E. XIV/2 mit Hinweisen). Die sich im vorliegenden Verfahren stellenden Rechtsfragen er weisen sich nicht als derart kom- plex, dass für eine angemessene Prozessvertretung juristisc hes Spezialwissen im vorge- nannten Sinn erforderlich wäre. Die Voraussetzungen f ür die Zusprechung einer Parteient- schädigung an die Beschwerdeführerin sind demzufolge nich t gegeben und die Parteikosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200. -- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber