B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4621/2013 U r t e i l v o m 2 7 . O k t o b e r 2 0 1 5 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Pakistan, vertreten durch Ozan Polatli, Advokatur Gysin + Roth, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Juli 2013 / N (…). E-4621/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der pakistanische Beschwerdeführer aus der Provinz Punjab sei am (…) 2012 von Islamabad über ein arabisches Land in ein ihm unbekanntes Land in Europa ausgereist, von wo aus er am 11. Januar 2012 mit einem Auto in die Schweiz gefahren sei, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen wurde er am 18. Januar 2012 summarisch zu seiner Person und seinem Reiseweg be- fragt; am 5. Juli 2013 wurde er eingehend zu seiner Asylbegründung ange- hört. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, sein Stiefvater habe ihn misshandelt und er werde aufgrund seines Glaubens – er sei ein Angehö- riger der Ahmadiyya – ständig belästigt und bedroht. B. Mit Verfügung vom 15. Juli 2013 – eröffnet am 16. Juli 2013 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug dieser Wegweisung an. Es begründete sei- nen Entscheid im Wesentlichen damit, dass seine Vorbringen unglaubhaft (Art. 7 AsylG) und asylirrelevant (Art. 3 AsylG) seien. Der Vollzug der Weg- weisung sei zudem zulässig, zumutbar und möglich. C. Der Beschwerdeführer reichte am 16. August 2013 durch seinen Rechts- vertreter eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und bean- tragte dabei, dass nach Aufhebung der Verfügung vom 15. Juli 2013 das Asylgesuch des Beschwerdeführers gutzuheissen und ihm Asyl zu gewäh- ren sei. Eventualiter sei ein Vollzugshindernis festzustellen und die vorläu- fige Aufnahme zu verfügen. In prozessrechtlicher Hinsicht sei die unent- geltliche Rechtspflege zu gewähren sowie auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses zu verzichten. Der Eingabe lagen unter anderem je eine Kopie eines "(…)" vom (…) 2008 des "(…)", Karachi, und eines undatierten "(…)" des " (…)" über den Ab- schluss des Beschwerdeführers als Automec haniker sowie Berichte über die Lage der Ahmadis in Pakistan bei. D. Mit Verfügung vom 23. August 2013 verzichtete das Bundesverwaltungs- gericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies das Gesuch E-4621/2013 Seite 3 um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab. Die Behandlung des Ge- suchs um unentgeltliche Prozessführung wurde auf einen s päteren Zeit- punkt verschoben. E. Im Rahmen einer Vernehmlassung hielt das BFM am 7. Oktober 2013 fest, dass die Besc hwerdeschrift keine neu en erhebliche Tatsachen oder Be- weismittel enthalte, die eine Änderung seines Entscheides rechtfertigen könnten. F. In seiner Replik unterstrich der Beschwerdeführer am 25. Oktober 2013 die Bedrohungslage der Ahmadis in Pakistan und wies auf seine persönliche Situation hin. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsge richt Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM bzw. BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent- scheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh- rende Person Sch utz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung bzw. Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-4621/2013 Seite 4 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderu ng des Asylge- setzes vom 14. Dezember 2012 gilt für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Rechtsänderung (am 1. Februar 2014) hängigen Verfahren mit Aus- nahmen das neue Recht. Unter den Begriff "hängige Verfahren" sind auch beim Bundesverwaltungsgericht hängige Beschwerdeverfahren zu subsu- mieren (vgl. Urteil des BVGer E -662/2014 vom 17. März 2014 E. 2.3 und 2.4.1 ff. m.w.H.). Auf diese ist somit neues Recht anzuwenden, sofern keine der in den Abs. 2-4 der Übergangsbestimmungen genannten Aus- nahmen greift. Da hier keine Ausnahme zur Anwendung gelangt, ist auf das vorliegende Beschwerdeverfahren neues Recht anzuwenden. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situ- ation im Zeitpunkt des Asylentscheides. Ausgangspunkt der Prüfung ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Furcht vor einer absehbaren Verfolgung im Heimatstaat. Veränderungen der objektiven Si- tuation im Heimatland zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zuguns- ten oder zulasten der schutzsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.2; 2010/57 E. 2.4 und 3.2, je m.w.H.; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 135 ff.). 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen E-4621/2013 Seite 5 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Der Beschwerdeführer brachte zu Protokoll, dass er ab seinem (…) Le- bensjahr, d.h. nach der Scheidung seiner Eltern (A16 S. 3), bei seiner Mut- ter in B._______ (Provinz Punjab) gewohnt habe (A6 S. 5; A16 S. 13). Mit (…) Jahren (ca. im Jahr 1994/95) sei er zu seinen Grosseltern ins Chak (= Dorf) (...) (bei C._______, Provinz Punjab) – ca. (…) Autostunden von B._______ entfernt – umgesiedelt (A16 S. 13). Regelmässig während der Schulferien habe er jedoch seine Mutter besucht (A16 S. 4 f. und 13). Diese habe ca. im Jahr 2004/05 (A6 S. 9) wieder geheiratet, doch dieser Stiefvater habe ihn immer, wenn er betrunken war – was zwei- bis dreimal in der Woche geschehen sei –, geschlagen. Zudem habe dieser ihn auch, um an Geld zur Befriedigung seiner Alkoholsucht zu kommen, verkaufen wollen (A6 S. 9; A16 S. 3 f., 6 und 11 f.). Im Chak (...) sei er als praktizierender Ahmadi gewohnheitsmässig durch die Dorfbewohner und die Mullahs bedroht, beschimpft und belästigt wor- den. Man habe ihn auch schlagen wollen (A6 S. 9; A16 S. 3 f., 7 und 9). Sein Grossvater sei der Präsident ihrer Glaubensgemeinschaft gewesen, weshalb der Beschwerdeführer kleinere Arbeiten, wie z.B. Kinder zu unter- richten, in der Gemeinschaft übernommen habe (A16 S. 7 f.). Eines Nachts (ca. im Jahr 2010) hätten Unbekannte versucht, seinen Grossvater zu ent- führen: Während der Beschwerdeführer im Haus gewesen sei, habe sein Grossvater mit Gästen draussen in einem offenen Aufenthaltsraum gele- gen, dann habe der Beschwerdeführer Schüsse und laute Stimmen gehört und sie – die im Haus waren – hätten sich versteckt. Später sei der Gross- vater ins Haus gekommen. Er habe berichtet, dass zwei bewaffnete Per- sonen ihn während des Schlafs überrascht und versucht hätten, ihn fest- zuhalten; als er wach geworden sei, habe er sich mit einem Kopfkissen gewehrt. Dabei sei eine der unbekannten Personen auf den Boden gefallen und ein Schuss habe sich gelöst. Danach sei der Grossvater ins Haus ge- flüchtet (A16 S. 8, 10 f. und 13). Der Grossvater habe dem Beschwerde- führer deshalb – nach dem Tod seiner Mutter im Herbst 2011 (A6 S. 9; A16 S. 5 und 13 f.) – geraten, ins Ausland zu gehen (A6 S. 9; A16 S. 9). Am (…) 2012 habe er dann das Land verlassen (A6 S. 7). Der Vater des Beschwerdeführers – D._______ (N […]) – ist am (…) 1995 in die Schwei z eingereist und stellte ein Asylgesuch; seit dem Jahr 2014 E-4621/2013 Seite 6 sind er, seine Ehefrau und seine zwei minderjährigen Kinder eingebürgert. D._______ habe ungefähr im Jahr 2008/ 09 mit dem Beschwerd eführer Kontakt aufgenommen (A16 S. 4). 5.2 Das BFM hielt in seiner Verfügung vom 15. Juli 2013 fest, dass die Vor- bringen nicht glaubhaft seien im Sinne von Art. 7 AsylG. So habe der Be- schwerdeführer die versuchte Entführung seines Grossvaters an der Be- fragung nicht erwähnt; an der späteren Anhörung sei die Schilderung die- ser Tat schliesslich widersprüchlich ausgefallen, welche zudem der allge- meinen Erfahrung und der Logik des Handelns widerspreche. Auch sei un- klar, ob der Beschwerdeführer nach seiner Schulzeit gearbeitet habe und wann genau seine Mutter verstorben se i. Darüber hinaus seien seine An- gaben hinsichtlich des Treffens mit dem Schlepper und des Reisewegs ebenfalls nicht konsistent. Die geschilderten Beeinträchtigungen und Beschimpfungen, denen der Be- schwerdeführer als Angehöriger der Ahmadiyya ausgesetzt gewesen sei, würden die erforderliche Schwelle der Intensität nicht erreichen, um im Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevant zu sein. Es gelte festzuhalten, dass die Diskriminierungen und Schikanen, welche die Ahmadis in Pakistan zu er- leiden hätten, keine Kollektivv erfolgung darstellen würden. Die Befürch- tung, entführt zu werden, könne, so das BFM weiter, nicht geteilt werde n. Zudem habe der Beschwerdeführer keine besondere Position innerhalb der Gemeinschaft inne gehabt und seinen Glauben im privaten Rahmen praktiziert. Aufgrund des tiefen Gefährdungsprofils und des Fehlens asyl- relevanter Verfolgungsmassnahmen könne nicht von einer befürchteten Furcht vor Verfolgung ausgegangen werden. Den angeblichen Misshandlungen durch den Stiefvater des Beschwerde- führers und dessen Absicht, ihn verkaufen zu wollen, sei der Beschwerde- führer mit dem Tod der Mutter nicht länger ausgesetzt, weshalb darauf ver- zichtet werden könne, die Glaubhaftigkeit dieser Angaben zu prüfen. 5.3 Demgegenüber argumentierte der Beschwerdeführer in seiner Rechts- mittelschrift vom 16. August 2013 im Wesentlichen, dass behauptete Un- glaubhaftigkeitselemente auf eine fehler - oder lückenhafte Übersetzung seiner Aussagen zurückzuführen seien, da der Übersetzer kein Ahmadi ge- wesen sei. Die genaue Um schreibung der ver suchten Entführung spre- chen weiter dafür, dass diese tatsächlich stattgefunden habe. Darüber hin- aus seien entgegen der Behauptung der Vorinstanz hinsichtlich des zeitli- chen Ablaufs der versuchten Entführung keine Widersprüche erkennbar. E-4621/2013 Seite 7 Zudem habe der Besc hwerdeführer – wie das beigelegte Attest belege – einen Automechanikerkurs von ca. drei bis vier Monaten besucht; aufgrund seiner Glaubenszugehörigkeit habe er indes nie eine Arbeitsstelle gefun- den. Ferner sei bezüglich der Angaben des Todeszeitpunkts der Mutter nur eine Abweichung von drei Monaten festzustellen; dass dieser Tod nur vor- geschoben sei, sei somit nicht haltbar. Letztlich seien die Vorgaben insge- samt als glaubhaft zu qualifizieren (Art. 7 AsylG). Da der Beschwerdeführer unbestrittenermassen ein Ahmadi sei und deswegen von staatlicher wie auch von nichtstaatlicher Seite verfolgt werde, habe er wegen dieser Reli- gionszugehörigkeit bei einer Rückkehr mit ernsthaften Nachteilen zu rech- nen (Art. 3 AsylG). 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht legt hinsichtlich der Fragen der Flücht- lingseigenschaft und der Asylgewährung im Folgenden das Gewicht auf die Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers (Art. 3 AsylG). 6.2 Die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya sind in Pa- kistan in ihrem religiösen Leben in einschneidender Weise eingeschränkt. Sie verstehen sich selber als Muslime, werden von den orthodoxen Musli- men jedoch als Ketzer betrachtet, da sie das fundamentale Glaubensprin- zip des Islams – Muhammed sei der letzte aller Propheten gewesen – ver- worfen haben. 1974 wurden die Ahmadi s durch Beschluss der pakista ni- schen Nationalversammlung aus der Gemeinschaft der Muslime ausge- schlossen und zu einer nicht-muslimischen Minderheit erklärt. Seither wur- den einige Strafgesetzbestimmungen ins pakistanische Strafgesetz -buch aufgenommen (unter anderem der sogenannte "Blasphemiepara graph"), die diskriminierenden Charakter haben und sich insbesondere auch gegen die Ahmadis richten. Sämtliche Formen, mit denen die Ahmadis ihren mus- limischen Glauben ausdrücken und ausüben, können daher bewirken, dass orthodoxe Muslime sich in ihrem religiösen Empfinden beleidigt und ihren wahren Glauben beeinträchtigt sehen, und vermögen Reaktionen der Betroffenen (und grundsätzlich auc h strafrechtliche Verfolgung) ausz ulö- sen (vgl. BVGE 2014/32 E. 6.4; Urteile des BVGer D-5941/2013 vom 8. Ja- nuar 2014 E. 5.6.2 und E-4992/2006 vom 10. Mai 2011 E. 7.3; EMARK 2002 Nr. 3 E. 7.d.bb). 6.3 Der Beschwerdeführer gab an, dass ca. im Jahr 2010 (A16 S. 8) be- waffnete Unbekannte versucht hätten, seinen Grossvater – der Präsident der Ahmadiyya des Chak (...), welche ungefähr (…) Mitglieder habe (A16 S. 7) – zu entführen. Nach diesem Vorfall sei er meistens – seine Mutter E-4621/2013 Seite 8 sei im (…) 2011 verstorben (A6 S. 9; A16 S. 5 und 13 f.) – im Dorf geblie- ben; weitere Entführungsversuche oder andere Vorfälle habe es nicht ge- geben (A16 S. 9). Dieser Vorfall habe ihn indes bewogen, das Land zu ver- lassen (A16 S. 9). Tatsächlich sei er aber erst am (…) 2012 – also fast zwei Jahre später – ausgereist (A6 S. 7). Diese angebliche Verfolgungssituation ist indes nach fast zwei Jahren nicht mehr als aktuell zu bezeichnen, d.h. zwischen dem Ereignis und der Flucht besteht durch die längere Zeit- spanne kein zeitlicher Kausalzusammenhang (vgl. E. 4.2). Es besteht zu- dem kein Anlass zur Annahme, dass sich im Falle einer Rückkehr eine sol- che Verfolgungsmassnahme mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab- sehbarer Zeit verwirklicht , zumal der mutmassliche Entführ ungsversuch sich nicht gegen den Beschwerdeführer persönlich gerichtet habe. Letztlich genügt es nicht, dass diese Furcht lediglich mit Vorkommnissen oder Um- ständen, die sich früher oder später möglicherweise ereignen könnten, be- gründet wird. Folglich sind diese Ereignisse, die den Beschwerdeführer zur Ausreise bewogen haben sollen , nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG. 6.4 Des Weiteren gab er an, er werde – weil er der Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya zugehöre – im Chak (...) ständig bedroht, beschimpft und belästigt. Der Beschwerdeführer sei ein praktizierender Ahmadi; er habe regelmässig drei bis vier Kinder der Gemeinschaft über den Koran sowie über die Art und Weise des Betens unterrichtet und habe das Gotteshaus zum Beten besucht. Dies sei indes nicht öffentlich geschehen, weil dies verboten sei (A16 S. 7 f.), obwohl jeder im Dorf gewusst habe, dass er ein Ahmadi sei (A16 S. 8). Dass der Beschwerdeführer ein Ahmadi ist, wurde vom BFM in seiner Verfügung vom 15. Juli 2013 nicht bestritten. 6.4.1 Die flüchtlingsrechtlich zu beurteilenden Massnahmen müssen nicht nur gezielt und kausal für die Flucht sein , sondern auch eine bestimmte Intensität aufweisen. Nicht bestritten wird, dass der Beschwerdeführer als Ahmadi mit Belästigungen von Privatpersonen aus dem Dorf zu kämpfen hatte: Er sei früher in der Schule verprügelt worden, man habe ihn als Un- gläubigen beschimpft und er durfte damals das Wasser in der Schule nicht trinken (A16 S. 9). Auch nach der Schule sei er grundlos beschimpft und belästigt worden, weswegen er die meiste Zeit zu Hause ges essen habe. Ihre Gebetshäuser du rften sie nicht Moschee nennen (A16 S. 9). Die Ahmadis hätten überall in ganz Pakistan (z.B. Karachi, Lahore etc.) Prob- leme; egal, wohin man gehen würde (A16 S. 12). Diese Behelligungen sind nicht genügend intensiv, um als asylrelevant zu gelten, auch wenn durch E-4621/2013 Seite 9 ihre Regelmässigkeit eine gewisse Zermürbung nicht bestritten wird. Wei- ter fällt auf, dass der Beschwerdeführer immer nur von Behelligungen im Chak (...) – dem Wohnort des Grossvaters – gesprochen hat; indes hat er nie von Belästigungen in B._______ berichtet, wo seine Mutter gewohnt hat. Dies mag daran liegen, dass von der Bevölkerung der Stadt B._______, die im Jahr (…) von Angehörigen der Ahmadiyya Muslim Ja- maat (AMJ) gegründet und die gegen den Willen der Einwohner im Jahr (…) in E._______ umbenannt wurde, mehr als 95% der Ahmadiyya ange- hören. 6.4.2 Die Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwal tungsgerichts sehr hoch (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2; 2013/21 E. 9.1; 2013/12 E. 6, je m.w.H.). Nach konstanter Rechtsprechung anerkennt das Bundesverwaltungsgericht be- treffend Ahmadis keine Kollektivverfolgung. Es geht aber in ständiger Pra- xis davon aus, dass der besonderen Situation der Ahmadis dadurch Rech- nung zu tragen ist, dass bereits die Zugehörigkeit zu dieser Glaubensge- meinschaft als starkes Indiz für die Annahme der Unzumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs gilt (vgl. E. 8.3); die Beurteilung im Einze lfall ist in- des nach den Regeln der Individualprüfung vorzunehmen (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.4 m.w.H.). 6.4.3 Dem Urteil des Gerichtshofs der EU (EuGH) vom 5. September 2012 (in den Rechtssachen C -71/11 und C-99/11) kommt für den vorliegenden Fall keine Bedeutung zu. Der Gerichtshof stellte sich wie auch die schwei- zerischen Asylbehörden auf den Standpunkt, dass nicht jeder Eingriff in die Religionsfreiheit eine Verfolgungshandlung im Sinne der jeweils zu beach- tenden Bestimmungen bedeutet. Wie die schweizerischen Asylbehörden geht der EuGH davon aus, dass bei einem Antragssteller, der nach seiner Rückkehr in sein Herkunftsland religiöse Betätigungen vornehmen werde, die ihn der tatsächlichen Gefahr einer Verfolgung aussetzten, begründete Furcht vor Verfolgung vorliegen könne. Beim Beschwerdeführer ist davon auszugehen, dass er sich nach einer allfälligen Rückkehr nach Pakistan religiös betätigen wird, da er schon seit Geburt ein Ahmadi war (A16 S. 3) und sich als praktizierend – indes nicht als religiös aktiv (A6 S. 10) – bezeichnet (A16 S. 7). Diese Tatsache sei im Chak (...) auch allgemein bekannt gewesen (A16 S. 8). Aufgrund seiner Religion war er zwar Behelligungen ausgesetzt, die indes bis anhin nicht intensiv genug waren (vgl. E. 6.4.1). Deshalb kann nicht davon ausgegan- gen werden, dass er nach einer Rückkehr in seine Heimat aufgrund seiner E-4621/2013 Seite 10 bekannten Glaubenszugehörigkeit oder der Art und Weise, wie er seinen Glauben lebt, verfolgt würde. 6.5 Dem Beschwerdeführer ist es nach de m Gesagten nicht gelungen, asylrechtlich relevante Verfolgungsgründe im Sinne von Art. 3 AsylG vor- zubringen, weshalb die Vorinstanz zu Recht das Asylgesuch ablehnte. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorlä ufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK]). E-4621/2013 Seite 11 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung ( BV), Art. 3 des Überein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK) und der Praxis zu Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pa- kistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh- rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl . Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124 ff. m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pakistan lässt den Weg- weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 Die Vorinstanz bemerkte in ihrer Verfügung vom 15. Juli 2013 im We- sentlichen, dass aus den Akten keine konkreten Hinweise darauf ersichtlich seien, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Pakistan E-4621/2013 Seite 12 aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation gerate, welche einen Vollzug der Wegweisung unzumutbar erscheinen lassen würde. Im Rahmen der Vernehmlassung vom 7. Oktober 2013 hielt das BFM zudem fest, dass kein zusätzliches Gefährdungsindiz e rkennbar sei, zumal er keine exponierte Stellung innerhalb der Ahmadiyya-Gemeinschaft eingenommen habe. 8.3.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hielt demgegenüber fest, dass – mit Hinweis auf verschiedene Bericht e und Zeitungsartikel – das religiöse Leben der Ahmadis in Pakistan in einschneidender Weise ein- geschränkt sei. Als starkes Indiz für einen unzumutbaren Vollzug der Weg- weisung sei seine Abstammung aus einer bekannten Ahmadi-Familie; zu- dem habe er Kindern auch zum Thema Religion unterrichtet. Als A hmadi könne er weder über eine geregelte Wohnsituation noch über ein gesicher- tes Einkommen verfügen. 8.3.3 In Pakistan herrscht keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, weshalb der Wegweisungsvollzug als generell zumutbar zu erachten ist. 8.3.4 Der schwierigen Lage, der die Ahmadis in Pakistan ausgesetzt sind, wird praxisgemäss dadurch Rechnung getragen, dass bereits die Zuge - hörigkeit zu dieser Glaubensgemeinschaft als "starkes Indiz" für die An- nahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges qualifiziert wird , wobei die Beurteilung im Einzelfall nach den Regeln der Individualprüfung vorzunehmen ist. Die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist dann anzunehmen, wenn sich aus der persönlichen Situation des betreffenden Beschwerdeführers ein zusätzliches – das heisst über die schwierige All- tagslage der Ahmadi s hinausgehendes – individuelles Gefährdungsindiz ergibt (vgl. Urteil BVGer E-4992/2006 vom 10. Mai 2011 E. 7.3). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Lage der Ahmadi s sich in den letzten Jahren mit der zunehmenden Islamisierung in Pakistan verschärft hat. Gemäss diversen Berichten stieg die Zahl der Übergriffe, Tötungen und Festnahmen von Ahmadis in den letzten Jahren kontinuierlich an. Am 28. Mai 2010 kam es zu zwei Terr oranschlägen auf Ahmadi s in Lahore/Punjab, bei welchen insgesamt 86 Menschen ums Leben kamen und 124 verletzt wurden (vgl. U.S. Department of State, International Reli- gious Freedom Report 2010, 17. November 2010, S. 1 und 8 ff.; Amnesty International Report 2010, Pakistan, S. 250 und 252 f.). Auch sind seither immer wieder Übergriffe auf Ahmadis und deren Institutionen zu verzeich- nen, wobei die Behörden meist nicht oder nur unzureichend intervenieren (vgl. NZZ [Neue Zürcher Zeitung] vom 17. März 2015, Christen im Visier, E-4621/2013 Seite 13 Kommentar von ANDRES WYSLING; UK Home Office, Country Information and Guidance, Pakistan: Ahmadis, Februar 2015; U.S. Commission on In- ternational Religious Freedom, Annual Report 2012, März 2012, S. 120 ff.; U.S. Department of State, Interna tional Religious Freedom Report 2012 Executive Summary, 20. Mai 2013). Im Jahr 2014 wurden elf Ahmadis für ihren Glauben getötet (vgl. Report on the Persecution of Ahmadis in Paki- stan during the Year 2014, S. 1 ff. [https://www.persecutionof-ahma- dis.org/wp-content/uploads/2010/03/Per-secution-of-Ahmadis-in-Pakis- tan-2014.pdf, besucht am 29. September 2015]). 8.3.5 Der heute (…)-jährige Beschwerdeführer stammt aus der Provinz Punjab und somit aus einer der Provinzen (Punjab und Sindh), in denen die Übergriffe auf Ahmadis vermehrt vorkommen. Es ist indes festzuhalten, dass er in seiner Heimat keine besonders exponierte Stellung in der Ahmadiyya im Chak (...) inne hatte. Zwar sei sein Grossvater Präsident dieser Gemeinschaft (A16 S. 7), doch diese Stellung bezieht sich auf Letzt- genannten und hat keine erkenntliche n Auswirkungen auf den Beschwer- deführer. Im Chak (...) leben ca. (…) Ahmadis in (…) Häusern (A16 S. 7), also eine eher kleine Gruppe. Der Beschwerdeführer gab an, er habe ca. drei bis vier Kinder des Dorfes über den Koran unterrichtet und sei als Vor- beter tätig gewesen (A16 S. 7). Doch diese Funktionen sind nicht als aus- sergewöhnlich zu bezeichnen, zumal er diese nur ausübte, wenn keine an- dere erwachsene Person anwesend gewesen sei (A16 S. 8). Konflikte mit Behörden oder Organisationen habe er nie gehabt (A6 S. 10). Aus den Ak- ten geht weiter hervor, dass er in F._______ über eine verheiratete Schwester (A6 S. 6) verfügt, welche indes ihre Adresse häufig aufgrund derselben Problemen wechsle (A6 S. 10; A16 S. 12). Folglich habe er nur über seinen Grossvater Kontakt mit ihr (A16 S. 3). In B._______ habe er einen Onkel, der ihm indes auch nicht helfen könne (A16 S. 12). Indes kennt er die Stad t B._______ bzw. E._______ (vgl. E. 6.4.1) seit seiner Kindheit, da er teilweise dort aufgewachsen sei und immer wieder seine dort wohnhaft gewesene Mutter besucht habe. Es kann folglich davon aus- gegangen werden, dass er dort oder auch im Chak (...), wo er den grössten Teil seines Lebens verbracht habe und wo sein Grossvater und seine Grossmutter noch leben würden (A16 S. 3 und 13), über ein solides Bezie- hungsnetz verfügt. Seinem Grossvater gehe es gut; er habe monatlich Kontakt zu ihm (A16 S. 2 f.). Hinzu kommt, dass er mit der Unterstützung seines hier in der Schweiz anwesenden Vaters rechnen kann. Der junge und gesunde Beschwerdeführer verfügt zudem über eine f ast (…)jährige Schulbildung und über eine Ausbildung von drei bis vier Monaten als Auto- mechaniker (A6 S. 4; unklar ist, ob er auf diesem Beruf vor seiner Ausreise E-4621/2013 Seite 14 tätig gewesen ist [A16 S. 11]), weshalb er in der Lage sein wird, sich in der Heimat wirtschaftlich zu integrieren. Die Rückkehrhilfe der Schweiz , die ihm allenfalls gewährt wird, wird ihm den Wiedereinstieg in Pakistan eben- falls erleichtern (Art. 93 AsylG und Art. 62 ff. AsylV 2). 8.3.6 Nach Berücksichtigung aller Umstände ist festzuhalten, dass sich vorliegend kein ausreichendes zusätzliches – d.h. über die schwierige Aus- gangslage der Ahmadis hinausgehendes – individuelles Gefährdungsindiz ergibt, das den Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers als unzumut- bar erscheinen lassen würde. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Beschwerdeschrift vom 16. August 2013 ein Gesuch um Gewährung er unentgeltlichen Prozess- führung ein. Mit Verfügung vom 23. August 2013 wurde der Entscheid über dieses Gesuch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. 10.2 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die nicht über die er- forderlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfah- renskosten befreit, wenn ihr Begehren im Zeitpunkt der Gesuchseinrei- chung nicht aussichtslos erscheint. 10.3 Aus den vorstehenden Erwägungen wird ersichtlich, dass die Rechts- begehren im Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht aussichtslos waren. Trotz der Tätigkeit des Beschwerdeführers als Betriebsmitarbeiter im (…) in E-4621/2013 Seite 15 G._______ ist aufgrund des geringen Lohnes von seiner Bedürftigkeit aus- zugehen. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher gutzuheissen und es sind keine Verfahrens- kosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-4621/2013 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Dem Beschwerdeführer werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe