Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 3. Oktober 2022 BEK 2022 39 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsident lic. iur. Stefan Weber, Kantonsrichter Clara Betschart und Josef Reichlin, Gerichtsschreiber MLaw Patrick Neidhart. In Sachen A.________ GmbH, Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin, gegen B.________, Gesuchsgegner und Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt C.________, betreffend provisorische Rechtsöffnung (Beschwerde gegen die Verfügung des Einzelrichters am Bezirksgericht Ein- siedeln vom 4. März 2022, ZES 2022 007);- hat die Beschwerdekammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. a) Mit Zahlungsbefehl vom 13. Dezember 2021 (Betreibung Nr. xx des Betreibungsamtes Einsiedeln) betrieb die Beschwerdeführerin den Beschwer- degegner für eine Forderung von Fr. 8‘400.00 nebst Zins zu 5 % seit 10. De- zember 2021 (Vi-act. B/B1). Für die Ausstellung des Zahlungsbefehls sind Fr. 73.30 notiert (Vi-act. B/B1). Der Beschwerdegegner erhob am 16. Dezem- ber 2021 Rechtsvorschlag (Vi-act. B/B1 S. 2). b) Am 24. Januar 2022 stellte die Beschwerdeführerin ein Rechtsöffnungs- begehren für die in Betreibung gesetzte Forderung unter Kostenfolge zulasten des Beschwerdegegners (Vi-act. A/A1). Mit Stellungnahme vom 1. Februar 2022 beantragte der Beschwerdegegner die vollumfängliche Abweisung des Rechtsöffnungsbegehrens unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeführerin (Vi-act. A/A2). Mit Verfügung vom 4. März 2022 wies der Einzelrichter am Bezirksgericht Einsiedeln das Rechtsöffnungsbegehren ab, auferlegte der Beschwerdeführerin die Gerichtskosten und verpflichtete sie, den Beschwerdegegner zu entschädigen (Vi-act. A/A3 Dispositivziffern 1- 3). Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, der Beschwerdegegner habe mit seiner Formulierung in der „Kündigungsmail“ vom 2. August 2021 unmissverständlich mitgeteilt, dass er die Suche nach einem Ersatzmieter nicht als seine, sondern als Sache der Beschwerdeführerin gesehen habe. Dass die Beschwerdeführerin dieser Auffassung widersprochen und den Be- schwerdegegner aufgefordert habe, einen tauglichen Ersatzmieter zu stellen, sei nicht behauptet und ergebe sich auch nicht aus den Akten. Der Beschwer- degegner habe mit seinen Ausführungen sowie den ins Recht gelegten Bele- gen glaubhaft dargetan, dass die Beschwerdeführerin die fragliche Wohnung vor Ablauf der Kündigungsfrist wieder vermietet habe bzw. hätte vermieten können (angefochtene Verfügung E. 6).Kantonsgericht Schwyz 3 c) Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 15. März 2022 (Postaufgabe) Beschwerde. Die Beschwerde datiert (wohl versehentlich) vom 14. Februar 2022. Massgebend ist jedoch das Datum der Postaufgabe. Die Beschwerdeführerin stellte folgende Anträge (KG-act. 1): 1. Es sei festzustellen, dass der Entscheid vom 04.03.2022 des Bezirksge- richts Einsiedeln ZES 2022 007 in Sachen provisorische Rechtsöffnung (ZB Nr. xx BA Einsiedeln) nichtig ist. 2. Der Schuldner habe der Gläubigerin CHF 8‘400.00 nebst 5% Zins seit Zustellung 10.12.2021 zu bezahlen. 3. Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. xx Betreibungsamt Einsiedeln sei aufzuheben. 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Schuldners. Am 21. März 2022 erstattete der Beschwerdegegner die Beschwerdeantwort und beantragte, die Beschwerde sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeführerin vollumfänglich abzuweisen (KG-act. 7). 2. Gegen den Rechtsöffnungsentscheid ist die Beschwerde zulässig (Art. 319 lit. a i.V.m. Art. 309 lit. b Ziff. 3 ZPO). Mit der Beschwerde kann die unrichtige Rechtsanwendung und die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). a) Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, die Einwände, die der Beschwerdegegner geltend gemacht habe, würden nicht für eine Ab- lehnung der provisorischen Rechtsöffnung sprechen. Es spiele keine Rolle, dass die Kündigung knapp drei Monate vor dem vorgesehenen Mietantritt er- folgt sei. Die Suche eines zumutbaren Ersatzmieters bei der vorzeitigen Rückgabe der Mietsache sei Sache des Mieters. Zudem habe die Beschwer- deführerin danach den Beschwerdegegner per E-Mail darauf aufmerksam Kantonsgericht Schwyz 4 gemacht, dass durch die Kündigung drei Monatsmieten geschuldet seien. Die Beschwerdeführerin reichte dazu als Beleg den gesamten E-Mail-Verkehr vom 13. Juli 2021 bis zum 8. August 2021 ein (KG-act. 1/5). Weiter bringt die Be- schwerdeführerin vor, ihr könne nicht angelastet werden, sie habe keine Ver- mietungsbemühungen unternommen. Angebliche Suchen nach dem Mietob- jekt auf homegate.ch würden weder die Vermietung noch die Nicht- Vermietung beweisen. Einzig der beiliegende Mietvertrag vom 17./20. Sep- tember 2021 (KG-act. 1/6) zeige, dass das Mietobjekt ab dem 1. April 2022 vermietet sei. Somit sei auch bewiesen, dass die Beschwerdeführerin sehr wohl Bemühungen zur Vermietung des besagten Objekts vorgenommen habe, obwohl dies nicht in ihrer Pflicht gestanden habe (KG-act. 1 S. 3). b) Der Beschwerdegegner macht zusammengefasst geltend, aus der Be- schwerde ergebe sich nicht, inwiefern die Vorinstanz das Recht falsch ange- wendet oder einen offensichtlich unrichtigen Sachverhalt festgestellt haben soll. Die neu eingereichten Beilagen hätten bereits vor der Vorinstanz vorge- bracht werden müssen und seien im Beschwerdeverfahren als Beweismittel ausgeschlossen. Im Übrigen würden die Belege ohnehin den vorinstanzlichen Entscheid nicht widerlegen, sondern vielmehr bestätigen. Die Kündigung des Beschwerdegegners vom 2. August 2021 sei knapp drei Monate vor dem ur- sprünglich per 1. November 2021 vorgesehenen Mietantritt erfolgt. Der Be- schwerdeführerin wäre somit genug Zeit zur Verfügung gestanden, um für eine Vermietung bereits per 1. November 2021 mit einem anderen Ersatzmie- ter besorgt zu sein. Der Beschwerdeführerin stehe daher keine Forderung gegen den Beschwerdegegner zu (KG-act. 7 S. 4). c) Gemäss Art. 264 Abs. 1 OR ist der Mieter bei Rückgabe der Mietsache ohne Einhaltung der Kündigungsfrist von seinen Verpflichtungen nur befreit, wenn er einen für den Vermieter zumutbaren neuen Mieter vorschlägt, der zahlungsfähig ist und den Mietvertrag zu den gleichen Bedingungen über- nimmt. Der Vermieter muss sich anrechnen lassen, was er an Auslagen er-Kantonsgericht Schwyz 5 spart und durch anderweitige Verwendung der Sache gewinnt oder absichtlich zu gewinnen unterlassen hat (Art. 264 Abs. 3 lit. a und lit. b OR). Das Anbie- ten eines Ersatzmieters hat somit nach dem Gesetzeswortlaut durch den Mie- ter zu erfolgen; der Vermieter ist grundsätzlich zu eigenen Suchbemühungen nicht verpflichtet (Higi/Wildisen, in: Higi/Bühlmann/Wildisen [Hrsg.], Zürcher Kommentar, Die Miete, Art. 253–265 OR, 5. A. 2019, Art. 264 OR N 29; Bättig, in: SVIT-Kommentar, 4. A. 2018, Art. 264 OR N 35; Spirig, in: Mietrecht für die Praxis, 9. A. 2016, N 28.2.12.1). Der Mieter kann sich von der Pflicht einen zumutbaren Ersatzmieter zu finden nur befreien, wenn das Untätigbleiben des Vermieters gegen Treu und Glauben verstösst. Ein solches ist indessen nicht leichthin anzunehmen. Insbesondere deshalb, weil Art. 264 Abs. 3 lit. b OR ein absichtliches Unterlassen verlangt (BGE 117 II 156 E. 3.a; Higi/Wildisen, a.a.O., Art. 264 OR N 31; Bättig, a.a.O., Art. 264 OR N 35). Demzufolge führt nur eine bewusste und schwerwiegende Unterlassung des Vermieters zu ei- ner Reduktion des Anspruchs auf Mietzins (BGer Urteil 4C_118/2002 vom 19. August 2002 E. 3.1; Giger, in: Aebi-Müller/Müller [Hrsg.], Berner Kommen- tar, Schweizerisches Zivilgesetzbuch, Das Obligationenrecht, Die Miete, Art. 260 – 266o OR, 2020, Art. 264 OR N 38). Dem Vermieter obliegt jedoch eine Schadensminderungsplicht. Diese verlangt, dass sich der Vermieter mög- lichst rasch um eine Wiedervermietung bemüht und sich anrechnen lassen muss, was er durch anderweitige Verwendung der Sache absichtlich unterlas- sen hat zu realisieren. Darüber hinaus muss er sich die Auslagen, welche er durch den Leerstand eingespart hat, anrechnen lassen. Hingegen darf die Schadensminderungspflicht nicht zu einem Rollentausch führen, da es weiter- hin der Mieter ist, der den Vertrag verletzt hat (Giger, a.a.O., Art. 264 OR N 77). Der Vermieter muss sich insbesondere dann um einen Nachmieter kümmern, wenn er dies dem Mieter in Aussicht gestellt hat oder wenn für ihn erkennbar wird, dass der Mieter keinen zumutbaren Ersatzmieter stellen kann (Weber, in: Widmer Lüchinger/Oser [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationen- recht I, 7. A. 2020, Art. 264 OR N 10 m.w.H.).Kantonsgericht Schwyz 6 d) Der Beschwerdegegner kündigte die Mietwohnung mit E-Mail vom 2. August 2021, mithin knapp drei Monate vor Mietantritt (Vi-act. C2 und B2). In der E-Mail vom 2. August 2021 schrieb der Beschwerdegegner: „Ich möchte Sie so schnell wie möglich informieren, damit Sie Zeit haben, das Haus wieder zu buchen und viele Angebote zur Vermietung zu erhalten“ (Vi-act. C2). Zwar geht daraus hervor, dass der Beschwerdegegner offenbar annahm, die Be- schwerdeführerin werde sich um die Weitervermietung der Wohnung küm- mern. Dies belegt aber keine bewusste und schwerwiegende Unterlassung der Beschwerdeführerin, die gegen Treu und Glauben verstösst. Ebenso we- nig führt diese fälschliche Annahme des Beschwerdegegners dazu, dass er von der gesetzlich vorgesehenen Pflicht, einen geeigneten Nachmieter vorzu- schlagen, befreit wird, und zwar unabhängig davon, ob die Beschwerdeführe- rin ihn darauf hinwies oder nicht. Selbst wenn die Behauptung des Beschwer- degegners zutreffen sollte, dass das Mietobjekt im August 2021 auf home- gate.ch inseriert war und später nicht mehr, kann daraus nicht geschlossen werden, dass sich die Beschwerdeführerin um die Nachmietersuche kümmert und der Beschwerdegegner davon entbunden ist, weil der Vermieter unab- hängig von der Pflicht des Mieter, einen geeigneten Nachmieter vorzuschla- gen, eigene Suchbemühungen anstellen darf (und im Rahmen seiner Scha- denminderungspflicht auch tun sollte) und weil er zudem für die Wiederver- mietung nach Ablauf der Kündigungsfrist selber verantwortlich ist. Soweit der Beschwerdegegner vorbringt, es hätte genug Zeit für die Beschwerdeführerin bestanden, um eine Vermietung per 1. November 2021 mit einem anderen Mieter besorgt zu sein, trifft dies gleichermassen auf ihn selber zu, zumal er in der Pflicht steht, einen geeigneten Nachmieter vorzuschlagen. Indem die Be- schwerdeführerin dem Beschwerdegegner die Nebenkosten erlassen hat, ist sie sodann ihrer Schadensminderungspflicht nach Art. 264 Abs. 3 OR nach- gekommen. Somit ist entgegen der vorinstanzlichen Begründung nicht darge- tan, dass es Sache der Beschwerdeführerin war, einen Ersatzmieter zu su- chen, bzw. dass der Beschwerdegegner davon entbunden war.Kantonsgericht Schwyz 7 e) Im Beschwerdeverfahren ist das Vorbringen neuer Anträge, neuer Tat- sachenbehauptungen und neuer Beweismittel gemäss Art. 326 Abs. 1 ZPO ausgeschlossen. Das Verfahren vor der Beschwerdeinstanz dient ausschliess- lich der Rechtskontrolle des angefochtenen Entscheids und hat nicht den Zweck, das erstinstanzliche Verfahren fortzusetzen. Das Novenverbot ist um- fassend und gilt sowohl für echte als auch für unechte Noven (Steininger, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Kommentar Schweizerische Zivilprozess- ordnung, 2. A. 2016, Art. 326 ZPO N 1). Die Parteien stützen sich in ihren Vorbringen teilweise auf die von der Beschwerdeführerin mit Beschwerde neu eingereichten Beilagen (KG-act. 1/5 und 1/6). Diese sind aufgrund des umfas- senden Novenverbots indessen als Beweismittel ausgeschlossen. 3. a) Der Beschwerdegegner bringt sodann wie bereits im erstinstanzlichen Verfahren vor, das Rechtsöffnungsbegehren sei auch aus formellen Gründen abzuweisen (KG-act. 7 S. 6; Vi-act. A2 S. 3 f.). Das Rechtsöffnungsgericht habe bei periodischen Forderungen von Amtes wegen zu prüfen, ob der Zeit- raum, für den die Forderung geschuldet sei, im Zahlungsbefehl genau be- zeichnet sei. Die Angaben zum Forderungsgrund sollen dem Betriebenen zu- sammen mit dem übrigen Inhalt des Zahlungsbefehls über den Anlass der Betreibung Aufschluss geben. Bei Betreibungen für periodische Leistungen müsse daher im Betreibungsbegehren und Zahlungsbefehl die Periode ange- geben werden, für welche die Betreibung eingeleitet werde. Es genüge bei Dauerschuldverhältnissen mit periodischen Zahlungspflichten nicht, einfach für „Lohn“, „Unterhalt“ oder „Mietzins“ zu betreiben. Vorliegend sei eine Sum- me von Fr. 8‘400.00 für „Miete für drei Monate; Wohnung OG, D.________“ betrieben worden. Erst aus dem Rechtsöffnungsbegehren ergebe sich, dass damit die Miete für die Monate November 2021, Dezember 2021 und Januar 2022 verlangt werde. Dies genüge den strengen Anforderungen der Praxis nicht. Zudem sei die in Betreibung gesetzte Forderung bei Einleitung der Be- treibung nicht fällig gewesen, was ebenfalls Voraussetzung für eine Rechtsöffnung sei. Gemäss Ziff. 4.3 des Mietvertrags wäre die Miete jeweils Kantonsgericht Schwyz 8 per 1. des jeweiligen Monats geschuldet. Die Miete für den Januar 2022 wäre somit erst am 1. Januar 2022 fällig geworden und sei jedenfalls am 16. De- zember 2021 (Zustellung des Zahlungsbefehls) noch nicht fällig gewesen (KG- act. 7 S. 5). Der Entscheid der Vorinstanz sei daher nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen (KG-act. 7 S. 6). b) Heisst die Rechtsmittelinstanz die Beschwerde gut, hebt sie den Ent- scheid oder die prozessleitende Verfügung auf und weist die Sache an die Vorinstanz zurück (Art. 327 Abs. 3 lit. a ZPO) oder entscheidet sie neu, wenn die Sache spruchreif ist (Art. 327 Abs. 3 lit. b ZPO). Art. 327 Abs. 3 lit. a ZPO regelt, dass die Beschwerde bei Gutheissung grundsätzlich ein kassatorisches Rechtsmittel bildet (Spühler, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2017, Art. 327 ZPO N 5). Spruchreif ist die Sache, wenn der entscheidrelevante Sachverhalt auf- grund des erstinstanzlich erhobenen Beweismaterials vollständig feststeht, so dass die korrekte Rechtsanwendung durch die Rechtsmittelinstanz keiner zu- sätzlichen Abklärung mehr bedarf, was beispielsweise bei den betreibungs- rechtlichen Summarsachen der Fall ist (Sterchi, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band II, 2012, Art. 327 ZPO N 8a; Spühler, a.a.O., Art. 327 ZPO N 6; Freiburghaus/Afheldt, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweize- rischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, Art. 327 ZPO N 11). c) Die Vorinstanz prüfte die Vorbringen des Beschwerdegegners (vgl. E. 3.a) im angefochtenen Entscheid nicht. Weil sich die Parteien erstin- stanzlich dazu äussern konnten und die entsprechenden Beweismittel einrei- chen konnten, steht der entscheidrelevante Sachverhalt fest und es bedarf keiner zusätzlichen Abklärung für die korrekte Rechtsanwendung. Folglich ist reformatorisch zu entscheiden und die Vorbringen des Beschwerdegegners sind zu prüfen.Kantonsgericht Schwyz 9 d) Damit eine Urkunde einen provisorischen Rechtsöffnungstitel darstellen kann, muss der Schuldner sowohl seine Schuld als auch seine Zahlungs- bzw. Sicherstellungspflicht anerkennen. Aus der Schuldanerkennung muss sich weiter die Höhe der geschuldeten Summe ergeben und diese muss fällig sein (Vock/Aepli-Wirz, in: Kren Kostkiewicz/Vock [Hrsg.], Kommentar SchKG, 4. A. 2017, Art. 82 SchKG N 4 ff.). Ein Mietvertrag enthält eine Schuldanerkennung für die Mietzinse bis zum Vertragsablauf (BGE 134 III 267 E. 3; Staehelin, in: Staehelin/Bauer/Lorandi [Hrsg.], Basler Kommentar, Schuldbetreibung und Konkurs I, 3. A. 2021, Art. 82 SchKG N 116). Er bleibt auch dann ein gültiger Rechtsöffnungstitel, wenn der Mieter das Mietobjekt vorzeitig zurückgibt, ohne gleichzeitig einen zumutbaren Nachmieter zu stellen (BGE 134 III 267 E. 3). Damit die Rechtsöffnung erteilt werden kann, müssen im Verhältnis zwischen dem Rechtsöffnungstitel und dem Betreibungsverfahren ausserdem die drei Identitäten gewahrt sein. Erstens muss die Schuldanerkennung vom Schuld- ner stammen, der im Zahlungsbefehl genannt ist. Zweitens muss der im Zah- lungsbefehl genannte Gläubiger, der die Rechtsöffnung verlangt, Adressat der Schuldanerkennung sein und drittens muss sich die Schuldanerkennung auf diejenige Forderung beziehen, welche im Zahlungsbefehl genannt ist (Vock/Aepli-Wirz, a.a.O., Art. 82 SchKG N 9). Bei periodischen Leistungen ist zudem genau die Periode anzugeben, für welche die Leistung gefordert wird (BGE 141 III 173 = Pra 106 [2017] Nr. 38 E. 2.2.2 m.w.H.; EGV-SZ 2013, A 6.3, E. 3). Fehlt die Bezeichnung der Periode, kann auch der Rechtsöff- nungsentscheid den Zahlungsbefehl nicht spezifizieren, was zur Abweisung führt (Staehelin, a.a.O., Art. 80 SchKG N 40). Diese strenge Praxis rechtfertigt sich unter anderem dadurch, dass für die Prüfung der Fälligkeit klar sein muss, auf welche Periode sie sich bezieht (EGV-SZ 2013, A 6.3, E. 3.c). e) Im Rechtsöffnungsbegehren stützt sich die Beschwerdeführerin auf den Mietvertrag über die Wohnung vom 25. bzw. 26. Juni 2021 (Vi-act. A1 und B2). Sowohl der Schuldner als auch der Gläubiger stimmen im Zahlungsbefehl Kantonsgericht Schwyz 10 mit den im Mietvertrag genannten Parteien überein. Die Beschwerdeführerin fordert gemäss Zahlungsbefehl „Miete für drei Monate; Wohnung OG, D.________“ (Vi-act. B1). Daraus ist nicht ersichtlich, für welche Periode diese Miete gefordert wird. Zwar führt die Beschwerdeführerin im Rechtsöffnungs- begehren aus, es handle sich um die Miete „für die Monate November, De- zember und Januar“ (Vi-act. A1 S. 2), dies vermag aber wie dargelegt den Zahlungsbefehl nicht zu spezifizieren. Folglich sind die im Zahlungsbefehl ge- nannten Forderungen nicht identisch mit denjenigen gemäss Rechtsöffnungs- begehren (vgl. Staehelin, a.a.O., Art. 80 N 40), weshalb das Rechtsöffnungs- begehren abzuweisen bzw. die vorinstanzliche Verfügung im Ergebnis zu bestätigen ist. Angesichts dessen kann offenbleiben, ob die geltend gemach- ten Forderungen fällig sind. 4. Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 450.00 der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO; Art. 48 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 GebV SchKG) und von ihrem geleisteten Kostenvorschuss zu beziehen. Zudem hat sie den Beschwerdegegner angemessen zu entschädigen (Art. 105 Abs. 2 ZPO). Im Beschwerdeverfahren beträgt das Honorar Fr. 180.00 bis Fr. 2‘400.00 (§ 12 GebTRA). Innerhalb dieses Tarifrahmens bestimmt sich die Höhe der Entschädigung nach der Wichtigkeit der Streitsache, ihrer Schwie- rigkeit, dem Umfang und der Art der Arbeitsleistung sowie dem notwendigen Zeitaufwand (§ 2 Abs. 1 GebTRA). Reicht eine Partei keine spezifizierte Kos- tennote ein, wird die Vergütung nach pflichtgemässen Ermessen festgesetzt (vgl. § 6 Abs. 1 und Abs. 3 lit. a GebTRA). Die Beschwerdeantwort umfasst sechs Seiten, es stellten sich keine komplexen Rechtsfragen und es liegt kei- ne besondere Wichtigkeit vor. Zudem stellte der Beschwerdegegner im We- sentlichen auf die bereits im erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachten Argu- mente ab. Eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 600.00 (inkl. Auslagen und MWST) erscheint daher angemessen;- Kantonsgericht Schwyz 11 beschlossen: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 450.00 werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und aus dem Vorschuss gedeckt. 3. Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das Beschwer- deverfahren mit Fr. 600.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 113 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Verfassungsbeschwerde beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; vorbehalten bleibt die Geltendmachung einer Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung mit Beschwerde in Zivilsachen gemäss Art. 72 ff. BGG, die in der glei- chen Rechtsschrift bzw. bei alleiniger Einlegung innert derselben Frist einzureichen ist. Die Beschwerdeschrift muss Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert beträgt Fr. 8‘400.00. 5. Zufertigung an die Beschwerdeführerin (1/R), Rechtsanwalt C.________ (2/R), die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vor- instanz (1/R, mit den Akten) und an die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv) Namens der Beschwerdekammer Der Kantonsgerichtsvizepräsident Der Gerichtsschreiber Versand 13. Oktober 2022 kau