Beschwerdeführer A. vertreten durch: RA AA. Vorinstanz IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden, Neue Steig 15, Postfach, 9102 Herisau Gegenstand Rente der Invalidenversicherung Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden vom 1. April 2020 Obergericht Appenzell Ausserrhoden 3. Abteilung Zirkular-Urteil vom 17. Juni 2021 Mitwirkende Obergerichtspräsident W. Kobler Oberrichter H.P. Fischer, F. Windisch, M. Schneider, E. Ganz Obergerichtsschreiberin A. Mauerhofer Verfahren Nr. O3V 20 20 Seite 2 Rechtsbegehren a) des Beschwerdeführers: 1. Die Verfügung der Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden vom 1. April 2020 sei auf- zuheben. 2. Dem Beschwerdeführer sei ab 1. Januar 2019 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. 3. Eventuell sei die Vorinstanz zu verpflichten, auf das Erhöhungsgesuch einzutreten und die entsprechenden Abklärungen vorzunehmen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. b) der Vorinstanz: Die Beschwerde sei abzuweisen. Sachverhalt A. […] A. (nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich im Mai 2006 bei der IV -Stelle Appenzell Ausser rhoden (nachfolgend: Vor instanz) wegen seit rund einem Jahr andauernden krankheitsbedingten Beeinträchtigungen zum Leistungsbezug an. Gleichzeitig ersuchte die aktuelle Arbeitgeberin die Vorinstanz um Kontaktaufnahme im Zusammenhang mit der Prüfung, wie der Be schwerdeführer allen falls trotz seiner gesundhei tlichen Beschwerden unter Berücksichtigung der ihm verbleibenden Leis tungsfähigkeit im Geschäftsbetrieb weiterbeschäftigt werden könnte (IV-act. 1). B. In der Folge holte die Vorinstanz zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts zunächst verschiedene Arztberichte bei den Behandlern ein. Hausarzt Dr. B. berichtete im Schrei ben vom 27. Juni 2006 (IV -act. 7, S. 1 ff.), der Beschwerdeführer habe seit 2004 zunehmende rechtsseitige Kopfschmerzen, Dysfunktionen im Trigeminusbereich und Schwin delzustände beklagt. Nachdem schliesslich ein gros ses Akustik-Neurinom rechts entdeckt wurde, wur de der Beschwerdeführer Ende Ma i 2005 im Kantonsspital C. operiert. Dr. B. teilte der Vorinstanz auf deren zusätzliche Rückfrage hin mit Schreiben vom 19. September 2006 (IV-act. 14, S. 2) mit, der Beschwerdeführer sei zur Zeit Seite 3 zu 50% am früheren Arbeitsort tätig, was nach Möglichkeit auch beibehalten werden sollte. Er überliess der Vorinstanz diverse Arztberichte der behandelnden Ärzte des Kantonsspitals C. Aus dem Bericht vom 12. Januar 2006 der Neurochirurgie Kantonsspital C. ergibt sich, dass sich bei einem MR des Schädels vom 6. Januar 2006 unverändert ein minimaler Resttumor im Bereich des Meatus acusticus internus rechts ohne Anhalt für Grössenprogr edienz gezeigt ha be (IV -act. 7, S. 5). Aus neuropsy chologischer Sicht liessen sich nach durchgeführter Rehabilitation nach der Operation keine kognitiven De fizite mehr feststellen (IV-act. 7, S. 9). Ge mäss späterem Be richt der Neurochirurgie Kantonsspital C. vom 24. August 2006 (IV -act. 14, S. 3) wur de im August 2006 ein weiteres Kontroll -MRI des Schädels durchgeführt, welches regel rechte Verhält nisse ohne Zunahme des bekannten geringen Resttumors zeigte. Die Behandler wiesen da rauf hin, da ss Schwindel - und Kopfschmerzsymptomatik auch bei regel rechten Verläufen von Patienten mit ope riertem Akustikneurinom nicht selten seien, ebenso wenig wie neuro psychologische Coping - Probleme; in der Regel empfehle sich eine begleitende psychologische Mitbetreuung. C. Beruflich war der Beschwerdeführer vor seiner Erkrankung im Vollzeitpensum als Teamleiter AVOR bei der D. in E. beschäftigt gewesen. Die Arbeitgeberin berichtete im Arbeit - geberfragebogen (IV -act. 8), dass er seine Arbeit in einem reduzierten Pen sum wieder aufgenommen habe. Am 27. September 2006 wurde eine ar beitsvertragliche Vereinbarung (IV-act. 18) getroffen, wonach die Anstellung des Be schwerdeführers als Mitarbeiter AVOR und der ihm ausgerichtete Lohn daran angepasst wurde, dass der Beschwerdeführer seit der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach abgeschlossener Operation und Rehabilitation bei einer zeitlichen Präsenz von rund 70% nurmehr eine deut lich reduzierte Arbeitsleistung von 50% zu erbringen ver mochte. D er Berufsberater der Vor instanz be richtete in seiner Stellungnahme vom 27. Oktober 2006 (IV -act. 22), aus seiner Sicht ver werte der Beschwerdeführer die ihm verbleibende Arbeitsfähigkeit bereits bestmöglich. Eine berufliche Umorientierung mache keinen Sinn, weil das Einkommen damit kaum gesteigert werden könnte. Der Beschwerdeführer hadere zwar persönlich mit der ihm nur noch reduziert möglichen Leistungsfähigkeit, weil er Verantwortung tragen möchte und viel von sich selbst verlange; zudem sei er we gen des reduzierten Lohnes (vorerst Fr. 3‘125. -- pro Monat zusätzlich 13. Monatslohn) beunruhigt. Aus Sicht des Berufsberaters ver halte sich der Arbeitgeber sehr kulant und die beruflichen Perspektiven lägen daher in diesem Betrieb. Die Berufsberatung empfehle eine Prüfung der Rentenberechtigung. Der beigezogene RAD-Arzt Dr. F. schloss sich dieser Empfehlung der Berufsberatung im RAD-Bericht vom 9. November 2006 (IV-act. 24) auch aus medizinischer Sicht an und ging gestützt auf das ihm vorgelegte Seite 4 Dossier davon aus, dass die zumutbaren Therapien etabliert seien und die Arbeitsfähigkeit voraussichtlich nicht mehr verbessert werden könne. Der Beschwerdeführer sei ideal einge- gliedert und es sei die Rentenprüfung vorzunehmen. D. Mit Vorbescheid vom 13. November 2006 (IV-act. 25) teilte die Vorinstanz dem Beschwerde- führer mit, bei einem Invaliditätsgrad von 63% basierend auf einem Valideneinkommen von Fr. 108‘875.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 40‘625. -- habe er ab 1. März 2006 Anspruch auf ei ne Dreiviertelrente und verfügte schliesslich die entsprechenden Ren ten- zahlungen (IV-act. 31). E. Kurz darauf teilte der Beschwerdeführer der Vorinstanz am 22. Januar 2007 telefonisch mit, er werde aufgrund einer betrieblichen Neustrukturierung seine Anstellung bei der D. per Ende April 2007 verlieren. Da er neu vermehrt unter Kopfschmerzen und Schwin del leide, habe seine Motivation zwar etwas nachgelassen, er suche aber wieder eine Ar beit, um seine Restarbeitsfähigkeit verwerten zu können und werde sich hierfür auch beim RAV anmelden (IV-act. 34). Mit Mitteilung vom 14. Februar 2007 (IV-act. 37) sprach die Vorinstanz dem Beschwerdefüh- rer hierauf Berufsberatung und Abklärung der Eingliederungs möglichkeiten zu. Dr. F. vom RAD wies in der bei ihm eingeholten Einschätzung vom 15. März 2007 (IV -act. 43) auf mehrfache Aktenhinweise einer inadäquaten Krankheitsver arbeitung hin und sprach sich dafür aus, dass der Beschwerdeführer, sofern die Invalidenversicherung weiterhin berufliche Massnahmen finanzieren solle, mit den einglie derungsrelevanten Reali täten kon frontiert werden müsse. Es wäre wünschbar , wenn nicht sogar not wendig, eine begleitende Psychotherapie mit dem Ziel Krankheitsverarbeitung und beru fliche Realitätsfindung zu etablieren; eine Notwendigkeit für zusätzliche medizinische Abklä rungen sehe er dagegen aktuell nicht. Die Vorinstanz forderte hierauf bei den Behandlern zunächst noch weitere Arztberichte zur Komplettierung des medizinischen Dossiers an. Gemäss neuropsychologischem Bericht der G.-Klinik vom 4. Mai 2005 (IV -act. 47, S. 4 ff.) wurde beim Beschwerdeführer während der Rehabilitation eine leichte neuropsychologische Funktions störung mit Belastbarkeitsmin - derung diagnostiziert. Die behandelnden Ärzte wiesen damals darauf hin, dass zu befürchten sei, dass sich der zu einem raschen beruflichen Wiedereinstieg motivierte Beschwerdeführer überfordere und es wurde zur Begleitung der Krankheits verarbeitung, zur verbesserten Wahrnehmung eigener Leistungsgrenzen und zur Vorbe reitung auf einen beruflichen Wiedereinstieg eine neuropsychologische Therapie empfohlen. Gemäss Austrittsbericht der Seite 5 Klinik für Neurologie Kantonsspital C. vom 25. Mai 2005 (IV -act. 47, S. 1 ff.) zeigten sich leichte Funktionsstörungen mit Belastbar keitsminderung und Beein trächtigung in den Aufmerksamkeitsfunktionen sowie gewisse Leis tungsschwankungen, z.B. in der verbalen Einfallsfülle. In den übrigen geprüften Funktions bereichen (Erfas sungsspannen, verbales und figurales Lernen und Gedächtnis, visuell-räumliche Wahrnehmung, Analyse und visuell- konstruktive Verarbeitung, konzeptuelles, schlussfolgerndes Denken, Interferenzanfälligkeit, Grundrechnen, figurale Ideenproduktion) fielen keine Beei nträchtigungen auf. Auch in den basalen und erweiterten Aktivitäten des täg lichen Lebens wurden keine Einschränkungen festgestellt. Der Beschwerdeführer fand inzwischen eine zum Vornherein befristete 50% -Anstellung als Logistikassistent bei der H. in I. (IV-act. 48) und trat schliesslich per 1. August 2007 ebenfalls in einem 50%-Pensum eine unbefristete Anstellung als Fachmitarbeiter Technischer Dienst im Schulheim J. an (IV-act. 50). Der Berufsberater teilte der Vorinstanz mit, zur Zeit sei aus gesundheitlicher Sicht keine weitergehende Integrierung in den Arbeitsmarkt und auch keine Umschulungsmassnahme mög lich (IV -act. 51). Die Vorinstanz schloss die beruflichen Massnahmen hierauf ab (IV-act. 52). Nachdem Dr. B. im Verlaufsbericht vom 22. Dezember 2009 von einem statio nären Gesundheitszustand berichtete, teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 13. Januar 2010 im Rahmen der von Amtes wegen vorgenommenen ersten Renten - überprüfung mit, es bestehe unverändert Anspruch auf eine Dreivie rtelrente bei einem IV - Grad von 63% (IV -act. 56). Auch bei der im Jahr 2015 erneuten Überprüfung wurde der Anspruch auf eine Drei viertelrente bestätigt (IV -act. 64) und vorläufig von weiteren Rentenrevisionen abgesehen (IV-act. 65, S. 2). F. Im Mai und Juni 2019 schickte der Beschwerdeführer der Vorinstanz neue medizinische Berichte zu und teilte mit, er sei demnächst im Kantonsspital C. zu neurologischen Untersuchungen aufgeboten (IV-act. 67, S. 1; IV-act. 70, S. 1). Dem Bericht der Reha K. vom 30. April 2019 (IV-act. 67, S. 2 ff.) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vom 27. Februar bis 6. April 2019 wegen ausgeprägter Erschöpfung und extremem Energiemangel auf Zuweisung des Hausarztes hin stationär behandelt wurde. Bei der Diagnose einer Neurasthenie wurde für den Beschwerdeführer ein mul timodales Therapiekonzept aufgestellt. Im Anschluss an den stationären Aufenthalt wur den eine ambulante Psychotherapie, sowie urologische, neu rologische und neuro psychologische Abklärungen empfohlen. Seite 6 Die psychotherapeutische Behandlung wurde bei Dr. L. aufgegleist, welche im Bericht vom 23. April 2019 (IV -act. 67, S. 5 f.) von einem hohen Leidensdruck bezüglich Er schöpfung, Ermüdbarkeit und Schlafstörungen berichtete und verschied ene therapeutische Schrit te in Aussicht stellte. Im Bericht über die neuropsy chologische Untersuchung im Kantonsspital C. vom 13. Juni 2019 (IV-act. 70) gelangten die Ärzte zur Auffassung, dass aus neuropsychologischer Sicht von einer leicht bis mittelgradigen Funktionsstörung auszugehen sei, dies bei einem klinischen Bild eines kognitiv-affektiven Syndroms, wobei eine hirnorganische Komponente wahrscheinlich sei. Zusätzlich bestehe eine stark verminderte psychophysische Belastbarkeit bei vorbestehendem Schlaf-Apnoe-Syndrom und es lägen Hinweise vor für eine Progression der Grunderkrankung. Im Rahmen einer maximal möglichen zeitlichen Präsenz von 4 Stun- den pro Tag bestehe eine Ein schränkung der Leistungsfähigkeit von 30 -50%; allfällig z u- sätzliche Einschränkungen durch körperliche oder andere medizinische Störungen seien in dieser Angabe noch nicht berücksichtigt. G. Am 11. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein Erhöhungsgesuch für seine Rente ein (IV-act. 71) wegen vollständiger Arbeitsunfähigkeit seit Januar 2019. Die Vorinstanz holte beim RAD eine Stellungnahme zu den neuen medizinischen Unterlagen ein. Im Bericht vom 3. August 2019 (IV -act. 75) erklärte Dr. M., es sei medizi nisch nicht plausibel nachvollz iehbar, dass sich der Gesundheitszustand mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verändert haben könnte. Die anfangs 2019 diagnostizierte Neurasthenie mit Erschöpfungssymtomatik sei in der stationären Rehabilitation erfolgreich behandelt worden und erreich e nicht die Krankheitslast, um als invalidisierend anerkannt zu werden. Rein medizinisch handle es sich um einen „glücklichen Umstand, dass 2005 der Hirntumor erfolgreich operiert wurde und seitdem kein Rezidiv vorliegt. Die bisherige Berentung auf dieser Grundlage kann als recht entgegenkommend bezeichnet werden. Dr. M. ging von einer unveränderten mindestens 50%-igen Arbeitsfähigkeit adaptiert aus. Für die Arbeit als Chauffeur sei die 100% -ige Arbeitsunfähigkeitsschreibung aber nachzuvollziehen, da der Beschwerdeführer sich nicht mehr fahrfähig sehe und e ntsprechend eine alternative Erwerbsarbeit aufnehmen sollte. Mit Vorbescheid vom 23. August 2019 stellte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer hierauf eine Abweisung seines Rentenerhöhungsgesuchs in Aussicht (IV-act. 76). Der Beschwerde- führer erhob gegen diesen Vorbescheid Einsprache und reichte der Vorinstanz einen psycho- logischen Verlaufsbericht von Dr. N. vom 11. Dezember 2019 ein (IV -act. 79), in welchem diese nebst einer Neurasthenie eine mittelgra dige neuropsychologische Funk tionsstörung mit schwer eingeschränkter psychophysischer Belastbarkeit diagnosti zierte und davon Seite 7 ausging, der Beschwerdeführer verfüge momentan über keine arbeits bezogene Leistungsfähigkeit, sondern im Moment stehe die Be wältigung des privaten Alltags im Vordergrund. Im Bericht vom 6. Februar 2020 der Schlafsprechstunde Kantonsspital C. (IV- act. 82) wurde bei den Diagnosen nebst der Neurasthenie u.a. eine chronische Insomnie angeführt und auf ein obstruktives schwergradige s Schlaf -Apnoe-Syndrom (ED 04/2016) hingewiesen. Gemäss Beurteilung von Dr. M. im RAD-Bericht vom 10. Februar 2020 ergab sich aus den neu eingereichten medizinischen Unterlagen keine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation. Die medizinischen Ber ichte würden vor allem die subjektive Beschwerdeschilderung aufgreifen und es dürfe „bemerkt werden, dass eine Begutachtung auch zu dem Ergebnis einer geringeren als der bisherigen ¾ Rente führen kann.“ Mit Verfügung vom 1. April 2020 hielt die Vorinstanz daraufhin an der bereits in Aussicht gestellten Abweisung des Rentenerhöhungsgesuchs fest (IV -act. 83). Die gängige Recht - sprechung beurteile eine Neurasthenie als nicht invalidisierend. Entsprechend bestehe bei einer mindestens 50%-igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten weiterhin Anspruch auf eine Dreiviertelrente. H. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer am 19. Mai 2020 erhobene Beschwerde ans Obergericht mit den eingangs erwähnten Anträgen (act. 1). Mit Vernehm- lassung vom 10. August 2020 (act. 6 ) verlangte die Vorinstanz deren Abweisung. Der Beschwerdeführer reichte am 3. September 2020 eine Replik ein (act. 10). Nach dem der Vorinstanz Frist für Einreichung einer Duplik angesetzt wor den war, verzich tete diese stillschweigend auf die Einreichung einer weiteren Stellungnahme zur Angelegenheit und der Schriftenwechsel konnte abgeschlossen werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde beim Obergericht bereits im ersten Halbjahr 2020 von Beratungen vor Ort weitgehend abgesehen. Als nach bloss vorübergehender Wiederaufnah- me des ordentlichen Verhandlungs- und Sitzungsbetriebs im Spätsommer 2020 infolge der weiteren Ent wicklung der Pandemie bereits ab Herbst 2020 erneut soweit möglich von Beratungen vor Ort abge sehen werden musste, fällten die Richter schliesslich ein stimmig das vorliegende Zirkular-Urteil. I. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den IV-Akten sowie die Vorbringen der Partei- en in den Rechtsschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. Seite 8 Erwägungen 1. Formelles 1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Da eine Verfügung der IV- Stelle Appenzell Ausserrhoden angefochten ist, ist die örtliche Zuständigkeit gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]). 1.2 Das Gesamtgericht hat Be schwerden in Sozialversicherungssachen mit medizinischen Fragestellungen (unter Vorbehalt der hier nicht betroffenen Zuständigkeiten des Einzelrich- ters) der 3. Abteilung zur Beurteilung zugewiesen (so publiziert im aktuellen Staatskalender Appenzell Aus serrhoden, abrufbar unter https://staatskalender.ar.ch/organizations/pdf, Ziff. 2.6.1.2), weshalb diese zur Beurteilung der Beschwerde zuständig ist. 1.3 Die von Amtes wegen vorzunehmende Prü fung der weiteren Pro zessvoraussetzungen ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Be schwerdeberechtigung auf Seiten des Beschwerdeführers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die Beschwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG). 1.4 Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.5 Gestützt auf Art. 2 der Verordnung über COVID-19-Massnahmen: Gerichte (bGS 113.2) kann das Obergericht zur Bewältigung der aktuell ausserordentlichen Lage in allen Fällen auf dem Zirkularweg entscheiden, wenn das Gesetz keine Verhandlung vorschreibt. Entscheide, die auf dem Zirkularweg gefällt werden, bedürfen der Einstim migkeit (Art. 52 Abs. 2 JG). Da vorliegend keine Durchführung einer Verhandlung vorge schrieben ist und die Par teien auf die Durchführung einer solchen verzichteten, hat das Obergericht den vorliegenden Entscheid im Zirkularverfahren gefällt. Seite 9 2. Materielles 2.1 Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde geltend, sein Gesundheitszustand habe sich seit Ende 2018 erheblich verschlechtert und er sei seit Anfang 2019 vollumfänglich arbeitsunfähig. Die Diagnose einer Neurasthenie sei unumstritten. Der Beschwerdeführer könne gemäss neuropsychologischen Untersuchungen im Kantonsspital C. bei einer zeitlichen Präsenz von maximal vier Stunden pro Tag eine Leistungsfähigkeit von 30 -50% erbringen. Das Valideneinkommen des Beschwerdeführers betrage Fr. 123‘069. -- (ent- sprechend Fr. 8‘375.-- x 13, unter zusätzlicher Berücksichtigung der Indexierung). Bei einer adaptierten Arbeit im Kompetenzniveau 1 von weniger als 50% (vier Stunden am Tag) und einer mittle ren Leistungsfähigkeit von 40% während dieser vier Stunden ergebe sich ein Invalideneinkommen von Fr. 12‘249. --. Unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 10-15% resultiere ein Invaliditätsgrad von 92%, was offensichtlich Anspruch auf eine volle Invalidenrente begründe. 2.2 Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die versicherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt ge mäss Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheits- schaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid sind. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkom- men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätig keit bei aus geglichener Arbeits- marktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Be ziehung gesetzt zum Erwerbs- einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Vali den- einkommen). 2.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtene n Verfügung vom 1. April 2020 keinen konkreten Einkommensvergleich vorgenommen, sondern hielt zur Begründung der Abweisung einer Rentenerhöhung folgendes fest: „Die gängige Rechtsprechung beurteilt eine Neurasthenie als nicht invalidisierend. Ent sprechend ge[h]en wir zusammengefasst weiterhin von einer Seite 10 mindestens 50%-igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten aus. Sie haben weiterhin Anspruch auf die bisherige ¾-Rente“ (IV-act. 83, S. 1). Dazu ist folgendes in Erwägung zu ziehen: a. Grundsätzlich kann offengelassen werden, ob die beim Beschwerdeführer diagnostizierte Neurasthenie zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustand s geführt hat oder nicht, wenn bereits bei Annahme der seitens der Vorinstanz ausdrücklich anerkannten Arbeits un- fähigkeit des Beschwerdeführers von 50% in adaptierter Tätigkeit ein IV -Grad resultieren würde, der Anspruch auf die von ihm beantragte volle Invalidenrente gibt. Entgegen der von der Vorinstanz in der Vernehmlassung geäusserten Ansicht bestehen bei einer Gesamtwür- digung der vorhandenen Unterlagen derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass vertiefte medi- zinische Abklärungen zu einer höheren Arbeitsfähigkeitseinschätzung führen könnten. Auch der von der Vorinstanz konsultierte RAD-Arzt ging in seiner Stellungnahme gestützt auf die inzwischen neu eingereichten medizinischen Unterlagen unverändert von einer 50% -igen Arbeits(un)fähigkeit des Beschwerdeführers aus (vgl. IV -act. 75; in IV -act. 81 wurde die bereits abgegebene Arbeitsunfähigkeitseinschätzung nicht neu beurteilt). Die vorhandenen medizinischen Unterlagen sprechen nicht dafür, dass beim Beschwerdeführer eine höhere Arbeitsfähigkeit als 50% vorliegen könnte (die aktuelle Einschätzung von Dr. O. im Bericht vom 13. Juni 2019 [IV-act. 70] würde sogar eher für eine tiefere Arbeitsfähigkeit sprechen). b. Die angefochtene Verfügung enthält keinen Einkommensvergleich. Wie auch der Teamleiter der Vorinstanz im Protokoll zu den IV -Akten (Eintrag vom 1. April 2020) sinn gemäss richtig vermerkte, ist das konkr ete Ausmass der Invalidität allerdings immer durch einen Einkom- mensvergleich zu ermitteln. Die einer Person medizinisch attestierte Arbeitsunfähigkeit kann also nicht einfach direkt dem Invaliditätsgrad dieser Person gleichgesetzt werden. c. Bei der ursprünglichen Rentenzusprache am 1. Januar 2007 (vgl. dazu IV-act. 25, IV-act. 30) ermittelte die Vorinstanz - gestützt auf die Angaben im Arbeitgeberfragebogen zum Validen- einkommen (IV-act. 8, S. 3 Ziff. 16; dem gemäss hätte der Beschwerdeführer i m Gesund- heitsfall ein Jahreseinkommen von Fr. 108‘875. -- verdient) und den da mals gemäss der Auskunft des Berufsberaters vom Beschwer deführer tatsächlich erzielten Lohn (Fr. 40‘625.--, entsprechend Fr. 3‘125. -- x 13, vgl. IV -act. 22, S. 1 unten) - eine gesund- heitsbedingte Erwerbseinbusse im Betrag von Fr. 68‘250.--, was rechnerisch zu einem Invali- ditätsgrad von 63% führte. Seite 11 Valideneinkommen Fr. 108‘875.-- Invalideneinkommen Fr. 40‘625.-- Erwerbseinbusse Fr. 68‘250.-- IV-Grad 63% Den in diesem Einkommensvergleich angeführten Invalidenlohn von Fr. 40‘625. -- verdiente der Beschwerdeführer allerdings nur bis Frühling 2007, als er seine Stelle bei der D. verlor. Der Berufsberater der Vorinstanz regte in der Folge ausdrücklich die Klärung der Frage an: „Kommt der Versicherte als Avor -Mitarbeiter, mit Schwerpunktkenntnissen EDV, ein - geschränkte Leistung weiter in Frage (bezieht ¾ Rente, sollte Fr. 3‘000. -- bis 3‘800.-- Mt. x 13 verdienen können, evtl. dafür bis 70% prä sent sein) oder müssen Sie einen ande ren Berufsweg mit weniger intellektuellen Leistungen empfehlen?“ (IV-act. 43, S. 2 oben). Dr. F. vom RAD sah hingegen gemäss Bericht vom 15. März 2007 (IV -act. 43, S. 3 unten) keine Notwendigkeit für zusätzliche medizinische Abklärungen, so dass diese Frage in der Folge nicht weiter abgeklärt und auch vom RAD nicht konkret beantwortet wurde. Wie bereits im Sachverhalt erwähnt, wurde der Beschwerdeführer vom Berufsberater der Vorinstanz weiterhin bei der Stellensuche unterstützt und fand schliesslich bereits per August 2007 im Schulheim J. erneut eine unbefristete 50%-Stelle als Fachmitarbeiter Technischer Dienst. Sein Jahresverdienst an dieser Stelle belief sich auf Fr. 35‘836.45 (Fr. 2‘756.65 x 13, vgl. IV-act. 50 und 51). Ein Einkommensvergleich mit diesem tie feren Invalideneinkommen führte zu einem IV-Grad von rund 67% und damit unverändert zum An spruch der ¾ Rente, die dem Beschwerdeführer auch nach dieser beruflichen Neuorientierung ausgerichtet wurde: Valideneinkommen Fr. 108‘875.-- Invalideneinkommen Fr. 35‘836.45 Erwerbseinbusse Fr. 73‘038.55 IV-Grad 67% d. Rechtsprechungsgemäss sind bei der Invaliditätsbemessung die beiden Vergleichseinkom- men immer so konkret wie möglich zu bestimmen (vgl. anstelle vieler: Urteil des Bundesge- richts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 6.3). Aktuell ist daher Folgendes zu berück- sichtigen: Das Valideneinkommen von Fr. 108‘875. -- im Jahr 2006 (Index 2014; Basis 1939 = 100) beträgt indexiert per 2018 (Index 2260) rund Fr. 122‘174.-- (Hinweis: die Indexierung erfolgt per 2018, da, wie sich nachfolgend zeigt, beim Invalideneinkommen ebenfalls die Werte 2018 heranzuziehen sein werden - so ist eine direkte Vergleichbarkeit gegeben). Anders, als dies der Beschwerdeführer auf S. 8, Ziff. 21 der Beschwerde gemacht hat, ist bei der Indexierung Seite 12 nicht auf die je weiligen Totalwerte (Index 2140 bzw. 2407) abzustellen, so ndern es ist gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts nach Geschlechtern zu differenzieren (Urteil des Bundesgerichts 8C_72/2019 vom 11. Juni 2019 E. 4.1 mit Verweis auf BGE 129 V 408). Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grund - sätzlich der tatsächlich erzielte Verdie nst als Invalidenlohn (Urteil des Bundesgerichts 9C_479/2018 vom 22. Februar 2019 E. 2.2) . Während im Z eitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache für die Ermittlung des IV -Grads noch vom tatsächlich erzielten Invali den- lohn ausgegangen werden konnte (sie he dazu oben, E. 2.3c), hat der Beschwerdeführer inzwischen seine langjährige Anstellung im Schulheim J. verloren und seither keine neue Stelle angetreten. Für die Festlegung des Invalideneinkommens ist unter diesen Umständen auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen, wobei die aktuellsten statistischen Daten zu verwenden sind (vgl. dazu anstelle vieler: BGE 143 V 295 E. 2.2 f.). Die derzeit aktuellsten LSE-Tabellenwerte beziehen sich auf das Jahr 2018. Im Fall des Beschwerdeführers ist bei der Anwendung von LSE -Tabellenwerten für die Festlegung des Invalideneinkommens auf das Anforderungsniveau 1 oder allenfalls 2 abzu- stellen. Ein höheres Anforderungsniveau scheidet bei einer Würdigung der Gesamtumstände klar aus. Der Beschwerdeführer war seit seiner Erkrankung vor rund 15 Jahren nicht mehr im angestammten Bereich als AVOR Mitarbeiter tätig, womit ihm eine fachspezifische laufende Aktualisierung des nötigen Wissens für diese Tätigkeit inzwischen fehlen würde und schon allein aus diesem Grund die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit im angestammten Beruf im höheren Anforderungsniveau 3 oder gar 4 offensichtlich ausscheidet. Eine Umschulung oder Weiterbildung hat der Beschwerdeführer inzwischen nicht absol viert, so dass seine aktuell möglichen Tätigkeiten auf das Anforderungsniveau 1 oder allen falls 2 beschränkt bleiben. Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung von einer „mindestens 50% -igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten“ aus, ohne allerdings zu definieren, welche Tätig- keiten konkret als adaptiert angesehen werden. Je nachdem, wie die Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit aussehen, wäre ein zusätzlicher Leidens abzug oder ein tieferes Invali- deneinkommen als der LSE Durchschnittswert zu berücksichtigen. Auch die Frage nach den konkreten Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit kann allerdings offengelassen werden, Seite 13 wenn bereits bei der Anwendung der Durch schnittswerte e in Anspruch auf eine volle Invalidenrente resultieren würde. Variante 1: 50% Arbeitsfähigkeit bei adaptierter Arbeit in Anforderungsniveau 1 Gestützt auf die Tabellenwerte der LSE 2018 aus TA1, Privater Sektor ergibt sich bei einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit ein Invalidenjahreseinkommen von Fr. 32‘502.-- (50% des Durch- schnittslohns für Männer im Vollzeitpensum à Fr. 5‘417. -- x 12). Damit würde, auch ohne Prüfung, ob bzw. inwieweit im konkreten Fall allenfalls ein Leidensabzug oder die Annahme eines tieferen Invalideneinkommens als der LSE -Durchschnittswert angezeigt wäre, bei einem Einkommensvergleich mit den Zahlen per 2018 ein IV -Grad von mehr als 70% resultieren, was zu einem Anspruch auf eine volle Invalidenrente führen würde: Valideneinkommen Fr. 122‘174.-- (entsprechend Fr. 108‘875.-- + Indexierung per 2018) Invalideneinkommen Fr. 32‘502.-- Erwerbseinbusse Fr. 89‘672.-- IV-Grad 73.4% Variante 2: 50% Arbeitsfähigkeit bei adaptierter Arbeit in Anforderungsniveau 2 Gestützt auf die Tabellenwerte der LSE 2018 aus TA1, Privater Sektor ergibt sich bei einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit ein Invalidenjahreseinkommen von Fr. 33‘894.-- (50% des Durch- schnittslohns für Männer im Vollzeitpensum à Fr. 5‘649.-- x 12). Damit würde auch hier ohne Prüfung, ob bzw. inwieweit im konkreten Fall allenfalls ein Leidensabzug oder die Annahme eines tieferen Invalideneinkommens als der LSE -Durchschnittswert angezeigt wäre, bei einem Einkommensvergleich mit den Zahlen p er 2018 ein IV -Grad von mehr als 70% resultieren, was unverändert zu einem Anspruch auf eine volle Invalidenrente führen würde: Valideneinkommen Fr. 122‘174.-- (entsprechend Fr. 108‘875.-- + Indexierung per 2018) Invalideneinkommen Fr. 33‘894.-- Erwerbseinbusse Fr. 88‘280.-- IV-Grad 72.23% 2.4 Geht man von der soweit unbestrittenen und durch den RAD bestätigten Annahme aus, dass der Beschwerdeführer unverändert zu 50% arbeitsunfähig ist, ergibt der Einkommens ver- gleich, der ang esichts des Stellenverlustes des Beschwerdeführers neu unter Beizug von LSE-Tabellenwerten durchzuführen ist, unabhängig davon, ob der Beschwerdeführer seine verbleibende Arbeitsfähigkeit im Anforderungsniveau 1 oder 2 verwerten könnte, einen IV- Grad von über 70%. Dies hat den Anspruch auf eine volle Invalidenrente zur Folge (Art. 28 Seite 14 Abs. 2 IVG). Auch eine Umrechnung der Tabellenwerte auf die gesamtwirtschaftlich betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden ändert daran nichts. 2.5 Unter diesen Umständen erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen zum Gesund - heitszustand und zu den Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit, jedenfalls, solange keine Anhaltspunkte für eine Verbesserung des Gesundheitszustands vorliegen: Die aktuell vorhandenen Unterlagen der Behandler sprechen allenfalls für eine Verschlechterung des Gesundheitszustands, nicht für eine Verbesserung (siehe dazu auch den mit der Replik eingereichten psychologischen Verlaufsbericht vom 18. Mai 2020 [act. 11]). Die Vorinstanz ging in der angefochtenen Verfügung zu Recht nicht von einer Verbesserung des Gesund - heitszustands aus, sondern ihre Verfügung basierte auf der seit der ersten Rentenzusprache unveränderten Annahme einer 50%-igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers. Ob und inwieweit allenfalls inzwischen eine Verschlechterung vorliegt, kann offen gelassen werden, da der Beschwerdeführer gemäss obigen Erwägungen bei einem Einkom mensvergleich unter Beibehaltung der bisherigen 50% -igen Arbeitsunfähigkei t als Grund lage für die Bemessung des Invalideneinkommens bereits Anspruch auf eine volle Invali denrente begründet. 2.6 Gemäss Art. 88 bis Abs. 1 Invalidenversicherungsverordnung (IVV, SR 831.201) erfolgt die Erhöhung einer Rente, sofern der Versiche rte die Revision verlangt, frühestens von dem Monat an, in dem das Revisionsbegehren gestellt wurde. Der Beschwerdeführer hat sein Rentenerhöhungsgesuch im Juli 2019 bei der Vorinstanz eingereicht (IV-act. 71). Bereits seit anfangs 2019 war er zu 100% ar beitsunfähig geschrieben, wobei es sich allerdings damals noch nicht um einen stabilen gesundheitlichen Zustand handelte, sondern gemäss RAD - Bericht vom 3. August 2019 (IV -act. 75) wurde seine Erschöpfungssymptomatik zunächst erfolgreich behandelt und de r RAD ging entsprechend von einer unverändert 50% -igen Arbeitsfähigkeit adaptiert aus. Allerdings war schon im Zeitpunkt des Rentenerhöh ungs- gesuchs absehbar, dass er künftig nicht mehr an seiner Stelle im Schulheim J., welche er seit 2007 ausgeübt hatte , tätig sein können wird: Wie auch Dr. M. festhielt, ist die vom Beschwerdeführer im Schulheim J. ausgeübte Tätigkeit eines Schul busfahrers nicht mehr möglich und der RAD -Arzt wies schon im August 2019 ausdrücklich darauf hin, dass eine alternative Erwerbsarbeit auf genommen wer den sollte; dem Be schwerdeführer wurde inzwischen per Ende 2019 gekündigt. Damit ist eine wesentliche Ver änderung bezüglich Erwerbsmöglichkeiten eingetreten. Die Rentener höhung ist unter den gegebenen Umständen rückwir kend ab der Einreichung des Erhöh ungsgesuchs im Juli 2019 Seite 15 vorzunehmen. Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen und die IV -Stelle anzuweisen, dem Beschwerdeführer ab Juli 2019 eine volle Invalidenrente auszurichten. 3. Kosten und Entschädigung 3.1 Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. In IV-Verfah- ren vor Obergericht betragen diese üblicherweise Fr. 800. --, sofern keine besonderen Umstände vorliegen, die ein Abweichen nach oben oder unten erfordern. Die Gerichtskosten für das Verfahren O3V 20 20 werden dementsprechend auf Fr. 800.-- festgesetzt. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind beim obsiegenden Beschwerdeführer keine Kosten zu erheben (Art. 19 Abs. 3 e contrario i.V.m. Art. 53 Abs. 1 Verwaltungsrechtspflege- gesetz [VRPG, bGS 143.1]). Die Gerichtskasse ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer den einbezahlten Kostenvorschuss zurückzuerstatten. Da der IV-Stelle gestützt auf Art. 22 Abs. 1 VRPG keine Verfahrenskosten auferlegt werden, sind die Gerichtskosten auf die Staatskasse zu nehmen. 3.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat eine im Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht obsiegende Beschwerde führende Person - im vorliegenden Verfahren O3V 20 20 also der Beschwerdeführer - Anspruch auf Ersatz seiner Parteikosten. Diese werden vom Versiche - rungsgericht festgesetzt und sind ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwie rigkeit des Prozesses zu b emessen. Im Übrigen ist die Bemessung der Parteientschädigung dem kantonalen Recht überlassen (Urteil des Bundes- gerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016 E. 3.1). Gemäss Art. 13 Abs. 1 lit. c der kantonalen Verordnung über den Anwaltstarif (AT, bGS 145.53) gelangt in Ver waltungssachen vor Obergericht die pauschale Bemessung zur Anwendung. Für das Honorar ist grund sätzlich ein Rahmen zwischen Fr. 1‘000. -- bis Fr. 10‘000.-- vorgesehen (Art. 16 Abs. 1 AT). Im vorliegenden Fall erscheint das in vergleich- baren Fällen mit für einen IV -Fall durchschnittlichem Aufwand ohne besonders schwierige Rechts- und/oder Sachverhaltsfragen üblicherweise zugesprochene Honorar von pauschal Fr. 2‘500.-- als angemessen. Zuzüglich der praxis gemäss üblichen Bar auslagenpauschale von 4% sowie der Mehrwertsteuer von 7.7% ergibt sich somit eine Ent schädigung im Gesamtbetrag von Fr. 2‘800.20, welche dem Be schwerdeführer zulasten der Vorinstanz zuzusprechen ist. Seite 16 Demgemäss erkennt das Obergericht: 1. Die Beschwerde von A. wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung der Vorinstanz wird aufgehoben. Die Vorinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer ab Juli 2019 eine volle Invalidenrente auszurichten. 2. Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden auf die Staatskasse genommen. Die Gerichtskasse wird angewiesen, dem Beschwerdeführer den geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zurückzuerstatten. 3. Die Vorinstanz wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 2‘800.20 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 4. Rechtsmittel: Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit der Zustellung Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. Die Zulässigkeit einer solchen Beschwerde richtet sich nach Art. 82 ff. Bundesgerichtsgesetz (BGG, SR 173.110). Die Beschwerde ist beim Schweizerischen Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, schriftlich ein - zureichen. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Be- weismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die al s Beweismittel angerufenen Urkunden sind - soweit vorhanden - beizulegen (Art. 42 BGG). Die Beschwerde hat in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Art. 103 BGG). 5. Zustellung an den Beschwerdeführer über dessen Anwalt, die Vorinstanz und an das Bundesamt für Sozialversicherungen sowie nach Rechtskraft an die Gerichtskasse (im Dispositiv). Im Namen der 3. Abteilung des Obergerichts Der Obergerichtspräsident: lic. iur. Walter Kobler Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. Annika Mauerhofer versandt am: 24. Juni 2021