Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Februar 2017 (720 16 211 / 56) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Invalidenrente, Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sowie Einschränkung im Haushalt, Be- messung der Invalidität Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Noémie Müller Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1959 geborene A.____ meldete sich mit Gesuc h vom 11. Juli 2014 bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) unter Hinweis auf die Diagnose Multiple Sklerose zum Leistungsbezug an. Nach Abklärungen der gesundheitl ichen, der erwerblichen und der haus- wirtschaftlichen Verhältnisse ermittelte die IV-Ste lle Basel-Landschaft (IV-Stelle) bei der Versi- cherten, in Anwendung der gemischten Methode der In validitätsbemessung, einen Invaliditäts- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht grad von 36 %. Mit Verfügung vom 27. Mai 2016 lehnte die IV-Stelle einen Rentenanspruch der Versicherten ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Daniel Al termatt, Rechtsanwalt, mit Schreiben vom 30. Juni 2016 Beschwerde am Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehren, es s ei die Verfügung vom 27. Mai 2016 aufzuheben und es sei ihr auf den frühest möglichen Ze itpunkt eine ganze Rente zuzuspre- chen, unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung gab sie im Wesentlichen an, es sei nicht zulässig, bei der medizinischen Einschätzung einer Restarbeitsfähigkeit von 20 – 30 % auf den Mittelwert von 25 % abzustellen. Des Weiteren sei die verbleibende Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich nicht mehr verwertbar. Hinsichtlich der Einschränkungen im Haushalt macht sie geltend, dass mindestens von einer 50 %igen Einschränkung auszugehen sei. Des Weiteren beanstandet die Beschwerdeführerin die von der IV-Stelle vorgenommene Berechnungsart (gemischte Metho- de), da deren Anwendung die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihei- ten (EMRK) verletze. C. Mit Vernehmlassung vom 2. September 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 30. November 2016 hielt die Beschwer deführerin an ihren Rechtsbegeh- ren fest. Sie bestreitet insbesondere, dass im Aufgabenbe reich Haushalt keine Einschränkung bestehen soll. Der Abklärungsbericht weise Unvollständigkeiten und viele Widersprüche auf. E. Mit Duplik vom 16. Januar 2017 hielt die Beschwerdeg egnerin vollumfänglich an ihrem Rechtsbegehren der Vernehmlassung vom 2. September 2016 fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versicher- ungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Ver- fahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-L andschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 30. Juni 201 6 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des IV-Grades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG d arauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Au fgabenbereich tätig, so wird die Invali- dität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG fe stgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzu legen und der IV-Grad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bunde sgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versich erten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 27. Mai 2016) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforder lich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.2 In der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2016 hat die IV-Stelle die Be- schwerdeführerin im Gesundheitsfall als teilerwerbstät ig eingestuft und den Invaliditätsgrad an- hand der gemischten Methode bemessen. Bei der Festlegu ng der Anteile der Erwerbs- und der Haushaltstätigkeit ist sie in ihrer Verfügung davon ausg egangen, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer Erwerbstät igkeit im Umfang von 60 % nachgehen und den Haushalt im Umfang der restlichen 40 % besorgen würde. 4.3 Die Anwendung der gemischten Methode wird von der Beschwerdeführerin unter Hin- weis auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Men schenrechte (EGMR) in Sachen Di Trizio g. Schweiz (Nr. 7186/09) beanstandet. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass sich der EGMR im unterdessen rechtskräftigen Urteil D i Trizio g. Schweiz vom 2. Februar 2016 (Nr. 7186/09) mit der Frage der EMRK-Konformit ät der gemischten Methode der Invalidi- tätsbemessung zu befassen hatte. Dabei hat der EGMR fe stgestellt, dass mit dem bei ihm an- gefochtenen, in dieser Angelegenheit ergangenen bunde sgerichtlichen Urteil die Bestimmung des Art. 14 (Diskriminierungsverbot) in Verbindung mit A rt. 8 (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) EMRK verletzt worden sei. Wie das Bundesgericht mit Urteil vom 20. De- zember 2016 ausführt, betrifft das Urteil des EGMR vom 2. Februar 2016 eine versicherte Per- son, welche unter dem Status einer Vollerwerbstätigen eine Invalidenrente beanspruchen konn- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht te und diesen Anspruch zu einem späteren Zeitpunkt all ein aufgrund des Umstandes verliert, dass sie wegen der Geburt ihrer Kinder und der damit e inhergehenden Reduktion des Er- werbspensums für die Invaliditätsbemessung neu als Teile rwerbstätige mit einem Aufgabenbe- reich qualifiziert wird (Urteil des Bundesgerichts vom 20 . Dezember 2016, 9F_8/2016, E. 4.1). In Ziff. 4.4 weist das Bundesgericht darauf hin, dass das EGMR-Urteil vom 2. Februar 2016 unter der geltenden Rechtslage nichts daran ändert, d ass die gemischte Methode in Fällen, welche ausserhalb der in E. 4.1 beschriebenen Konstellati on (vgl. IV-Rundschreiben Nr. 355 des Bundesamt für Sozialversicherungsrecht vom 31. Oktober 2016) liegen, weiterhin Anwen- dung finden könne. Zu denken sei beispielsweise an ein e versicherte Person, deren Statusfest- setzung als Teilerwerbstätige mit einem Aufgabenbereich nicht familiär bedingt sei (Urteile des Bundesgerichts vom 11. August 2016, 9C_179/2016, E. 5 u nd vom 11. August 2016, 9C_650/2015, E. 5.5), oder an die erstmalige Rentenzu sprache an eine während des ganzen massgebenden Beurteilungszeitraums als teilerwerbstätig m it Aufgabenbereich zu qualifizie- rende versicherte Person (in diesem Sinne auch Urteil d es Bundesgerichts vom 12. Februar 2016, 8C_633/2015, E. 4.3). Aus diesem Urteil lässt sich für den vorliegenden Fall somit keine Unzulässigkeit der Anwendung der gemischten Methode able iten. Einerseits ist hier nicht eine Rentenrevision, sondern eine erstmalige Rentenzusprache str eitig, und andererseits hat die Beschwerdeführerin, welche mit ihrem Ehemann zusammenwo hnt, keine Betreuungspflicht ge- genüber ihren mittlerweile erwachsenen Kindern mehr. Somit ist die Wahl der Berechnungsme- thode in diesem Fall nicht zu beanstanden. 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls au ch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der E rfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic he Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussag en. Bei der Abschätzung des Beweis- werts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswür digung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und um- fassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft w ertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Beha ndlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-) Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil d es damaligen Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht , sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die beh andelnden Ärzte zu anderslauten- den Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fäll e, in denen sich eine abweichende Be- urteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wich tige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgeri chts vom 25. Mai 2007 I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arb eitsfähigkeit der Versicherten stellte die IV-Stelle auf die Einschätzungen der behan delnden Ärzte der neurologisch- neurochirurgischen Poliklinik B.____ ab. Gemäss Bericht vom 21. Juli 2015 von Dr. med. C.____, FMH Neurologie, Oberarzt, und Dr. med. D.____, Assistenzärztin, leidet die Beschwer- deführerin an einer Multiplen Sklerose mit V. a. pri mär progredienten Verlauf. Dem Bericht der Kontrolluntersuchung vom 17. Juli 2015 lässt sich entneh men, dass sich bei der Beschwerde- führerin nach erfolgtem zweiten Rituximab-Zyklus im Früh jahr 2015 ein stabiler Verlauf mit fort- bestehender mässiger Extremitäten- sowie Gangataxie, Dysar thrie, mässigem Harndrang mit seltener Inkontinenz sowie reduzierter Konzentrationsfähigkeit und Fatigue zeige. Aufgrund der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht klinisch-neurologischen Ausfälle mit deutlicher organisch bedingter Konzentrationsstörung so- wie Fatigue und zu erwartender Zunahme der Beschwerde n unter Leistungsdruck erachten die behandelnden Neurologen die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin in einer Metzgerei mit vorwiegend stehender/gehender Tä tigkeit, regelmässigem Kundenkontakt sowie Erledigung von Telefonaten für nicht arbeitsfähig . In einer Verweistätigkeit mit körperlich leichten, sitzenden Arbeiten, vermehrten Pausen sowie ge ringem Leistungsdruck und einem verständnisvollen Arbeitgeber bestehe eine Arbeitsfähigk eit von 20 - 30 %. Die Einschränkun- gen bestünden zum einen auf Grund der körperlichen Bee inträchtigungen, und zum andern aufgrund der kognitiven Einschränkungen mit organischer Fatigue. 6.2 Die IV-Stelle ging demzufolge unter Berücksichtigu ng der Befunde von einer noch zu- mutbaren Restarbeitsfähigkeit von 25 % aus. 6.2.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet im Zusammenha ng mit dem medizinischen Sach- verhalt einzig, dass es unzulässig sei, einfach auf den Mittelwert von 25 % abzustellen. Diesbe- züglich kann auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung verwi esen werden, wonach eine sol- che Annahme des Mittelwertes grundsätzlich und im Regelf all nicht zu beanstanden ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2011, 9C_280/ 2010, E. 4.2). So trifft es zwar zu, dass jeder Wert innerhalb des angegebenen Spektrums im Rahm en einer mathematisch- statistischen Betrachtungsweise die gleiche Wahrscheinlichk eit für sich hat. Zu beachten ist jedoch, dass es sich bei den medizinischen Angaben zur Arbe itsfähigkeit regelmässig um Nä- herungswerte handelt, welche ihrerseits eine Grössenordn ung darstellen (dementsprechend erfolgt die Bezifferung in aller Regel in runden Zah len). Umschreibt nun ein Gutachten diese Grössenordnung ohne weitere Angaben mit "30 bis 40 %", so lässt sich daraus schliessen, dass 30 % als eher zu niedrig, 40 % dagegen als eher zu hoc h angesehen werden. Für die Invalidi- tätsbemessung rechtfertigt sich in dieser Konstellation das Heranziehen des Mittelwertes, wel- cher von den beiden Extremwerten am wenigsten abweicht. Dieses Vorgehen vermeidet zudem Rechtsungleichheiten, welche daraus resultieren, dass der jeweilige Gutachter dieselbe Beurtei- lung in einem einzigen Wert oder aber in einer mehr oder weniger grossen Spannbreite aus- drückt (vgl. Urteil des EVG vom 21. April 2004, I 822/04 E. 4.4). 6.2.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet im Weiteren d ie Verwertbarkeit der ihr noch zumut- baren Restarbeitsfähigkeit. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, dass sie nicht mehr über eine verwertbare Arbeitsfähigkeit verfüge, wesha lb ein Invalideneinkommen von Fr. 0.-- eingesetzt werden müsse. Auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt würden keine entsprechenden Stellen existieren, welche es ihr ermöglichen würden, ei n Invalideneinkommen zu generieren. Den Einwänden der Versicherten, dass in ihrem Fall von einer Unverwertbarkeit der Restar- beitsfähigkeit auszugehen sei, kann nicht beigepflichte t werden. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person u nter den konkreten Arbeitsmarktverhält- nissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbleibende Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeits- kräften entsprechen würden (Urteil des Bundesgerichts vo m 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4.2; Urteil des EVG vom 16. Juni 2004, I 824/02, E. 2.2.1 zu Art. 28 Abs. 2 AIVG). Gemäss Art. 16 ATSG (vgl. oben E.3.2) ist bei der Bestimmung des IV-Grades deshalb von einer ausge- glichenen Arbeitsmarktlage auszugehen. Der Begriff umfasst einerseits ein gewisses Gleichge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage an Stellen , andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von der Struktur her einen Fächer versch iedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen u nd intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diese n Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu ver- werten (BGE 110 V 276 E. 4b; Zeitschrift für die Ausgl eichskassen [ZAK] 1991 S. 318 E. 3b). Das restliche erwerbliche Leistungsvermögen hat sich somit in einem fiktiven Arbeitsmarkt zu bewähren, der definitionsgemäss unter anderem konjunktu rell ausgeglichen ist (Urteil des EVG vom 17. Dezember 2002, I 601/01, E. 4.3; R UDOLF RÜEDI , Im Spannungsfeld zwischen Scha- denminderungspflicht und Zumutbarkeitsgrundsatz bei der Invaliditätsbemessung nach einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, in: Schaffhauser/Schlauri [H rsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 35). Bei de r Prüfung der wirtschaftlichen Verwert- barkeit der Restarbeitsfähigkeit darf allerdings nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen und insbesondere dort nicht von einer Arb eitsgelegenheit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgegli- chene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unt er nicht realistischem Entgegen- kommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entspre- chenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen e rscheint (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4.1 mit Hinweisen). 6.2.3 Im Lichte der dargelegten Grundsätze, ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwer- degegnerin einen IV-rechtlich erheblichen fehlenden Z ugang der Beschwerdeführerin zum Ar- beitsmarkt verneinte. Im Arztbericht von Dr. D.____ wird eine 20 – 30 %ige Restarbeitsfähigkeit für körperlich leichte und sitzende Arbeiten mit geringem Leistungsdruck sowie mit der Möglich- keit, vermehrt Pausen einzulegen, und einem verständnisvollen Arbeitgeber festgehalten. So ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass gemäss der Um schreibung von Dr. C.____ der Beschwerdeführerin unter Beachtung ihrer gesundheitlich en Beeinträchtigungen nach wie vor ein relativ breiter Fächer verschiedenster Hilfsarbeiter tätigkeiten offen steht . Die Beschwerde- führerin war im massgebenden Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit ihrer Erwerbstätigkeit (BGE 138 V 457 ff.) mit einer verbleibenden Arbeitsfähigkeit von 25 % für leich- te Arbeiten zwar nicht mehr leicht vermittelbar, denno ch dürfen die Anstellungschancen auf dem von Gesetzes wegen als ausgeglichen unterstellten Ar beitsmarkt für intakt erachtet wer- den. So werden Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausg eglichenen Arbeitsmarkt (Art. 28 Abs. 2 IVG) grundsätzlich auch altersunabhängig nachge fragt (vgl. Urteil des EVG vom 20. Juli 2004, I 39/04). Zudem erscheint auch das aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen ver- langte Entgegenkommen des Arbeitgebers noch im Rahmen des Zumutbaren. Insbesondere im Bereich von kleineren Hilfsarbeiten setzen die oben er wähnten Anforderungen (vgl. hiervor E. 5.2.3) kein überdurchschnittliches Entgegenkommen des Arbeitgebers voraus. Eine Anstel- lung ist daher noch als realistisch zu bezeichnen. Unter d iesen Umständen ist die Beschwerde- gegnerin vorliegend zu Recht von der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerde- führerin ausgegangen. 7.1 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hi ervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgr und eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen. Da die Versicherte aktuell keiner Erwerbstätigke it nachgeht und keine verlässlichen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und verwertbaren Lohnangaben zu den früher ausgeübten Tätigkeiten vorliegen, hat die IV- Stelle sowohl das Invaliden- als auch Valideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabellen- löhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 12 4 V 322 E. 3b/aa). Dies wird von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten. Anhand d er Gegenüberstellung des Validenein- kommens von Fr. 33‘048.-- und des zumutbaren Invalidenei nkommens in Höhe von Fr. 19‘969. --, hat die IV-Stelle eine Einschränkung im Erwerbsbereich von 60,42 % ermittelt. 7.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet im Zusammenhang mit dem vorinstanzlichen Einkommensvergleich einzig, dass die IV-Stelle zu Unrecht keinen leidensbedingten Abzug vorgenommen habe. Zur Begründung führt sie aus, dass die behandelnde Ärztin für die theore- tisch möglichen Verweistätigkeiten umfangreiche Einschränkungen formuliert habe. So bestehe eine Arbeitsfähigkeit nur für körperlich leichte, sitzen de Arbeiten, mit der Möglichkeit, vermehrt Pausen einzulegen, sowie mit geringem Leistungsdruck und einem verständnisvollen Arbeitge- ber. Diese Einschränkungen ergäben sich aus der körperlich en Beeinträchtigung und aus der organisch bedingten Fatigue. In jedem Fall aber sei de m vermehrten Pausenbedarf mit einem leidensbedingten Abzug von 25 % Rechnung zu tragen. 7.3 Praxisgemäss kann von dem anhand der LSE-Tabellenlöh ne ermittelten Invalidenein- kommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedin gter Abzug vorgenommen wer- den. Dieser soll persönlichen und beruflichen Umständen (leidensbedingte Einschränkung, Al- ter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad) Rechnung tragen, welche negative Auswirkungen auf die Lohnhöhe der gesun dheitlich beeinträchtigten Person haben können. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das I nvalideneinkommen ist nach pflicht- gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens 25 % zu be- grenzen ist (BGE 126 V 80 E. 5b). 7.4 Vorliegend hat die IV-Stelle keinen Abzug vom Ta bellenlohn vorgenommen, was nicht zu beanstanden ist. So ist zu beachten, dass der Erkrankun g der Beschwerdeführerin bereits durch die Annahme eines reduzierten Arbeitspensums von 20 - 30 % Rechnung getragen wur- de. Eine zusätzliche Berücksichtigung der gesundheitlichen E inschränkungen unter dem Titel des leidensbedingten Abzugs im Sinne von BGE 126 V 75 wü rde somit zu einer unzulässigen doppelten Anrechnung desselben Faktors führen. Insbeson dere der von der Beschwerdeführe- rin geltend gemachte vermehrte Pausenbedarf wurde bei der Ermittlung der Restarbeitsfähig- keit genügend berücksichtigt. 8.1 Zu prüfen bleibt, in welchem Masse die Beschwerdefüh rerin zufolge ihrer gesundheitli- chen Beeinträchtigungen im Haushalt eingeschränkt ist. Hierzu bedarf es im Regelfall einer Ab- klärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV), welche die IV -Stelle auch vorliegend in Auftrag gege- ben hat. Im “Abklärungsbericht Haushalt“ vom 28. Juli 20 15 kam die Abklärungsperson zum Schluss, dass keine Einschränkungen vorhanden sind. Dieses Ergebnis wird von der Versicher- ten in Frage gestellt. Sie beanstandet im Wesentlichen, dass der “Abklärungsbericht Haushalt“ nicht sämtliche gesundheitlichen Beschwerden berücksichtige und widersprüchliche Ausführun- gen enthalten würde. So sei die zusätzliche Mitwirkung i hres Ehemannes bei der Wohnungs- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflege nicht mehr im Rahmen der Schadensminderungspflicht als zumutbar zu bewerten, arbei- te er doch zu 100 %. Dass die Beschwerdeführerin bei leichten Arbeiten, wie dem Ein- und Aus- räumen der Waschmaschine, auf nachbarschaftliche Hilfe ang ewiesen sei, zeige auf, wie stark sie im Haushalt eingeschränkt sei. 8.2 Hinsichtlich des Beweiswertes des Abklärungsberichts sind – analog zur Rechtspre- chung zur Beweiskraft von Arztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsabklärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizier- ten Person verfasst wird, welche Kenntnis der örtlichen u nd räumlichen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Behinderungen hat, die sich au s den medizinischen Diagnosen erge- ben. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau- sibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein so- wie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erh obenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige E ntscheidungsgrundlage im eben um- schriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abkläru ngsperson nur ein, wenn klar fest- stellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass d ie fachlich kompetente Abklärungs- person näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Besch werdefall zuständige Gericht (Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2008, 8C_107/ 2008, E. 3.2.1 mit Hinweis; BGE 128 V 93 f. E. 4). 8.3 Im “Abklärungsbericht Haushalt“ vom 28. Juli 2015 h ielt die Abklärungsperson eine Einschränkung im Aufgabenbereich Haushalt von 0 % fest. Aus dem Abklärungsbericht geht hervor, dass die Versicherte den Bereich “Haushaltführun g“ (Ziff. 6) weiterhin ohne Einschrän- kungen ausführen kann. In diesem Bereich attestiert di e Abklärungsperson der Versicherten deshalb keine Einschränkungen. Im Bereich “Ernährung“ (Ziff. 6.2) wird keine grosse Verlage- rung der Tätigkeit auf andere Personen festgestellt. Die Reinigung des Küchenkastens und das Staubsaugen des Küchenbodens werden nun vom Ehemann ü bernommen, auch bewirtet die Versicherte weniger Gäste als vor ihrer Erkrankung. Die Abklärungsperson erachtet diese Ein- schränkungen aber im Rahmen der Schadensminderungspflicht als zumutbar, weshalb sie die Einschränkung mit 0 % beziffert. Der Bereich “Einkauf und weitere Besorgungen“ (Ziff. 6.4) würde unverändert durch beide Ehe- leute besorgt werden. Der Bereich “Wäsche und Kleiderp flege“ (Ziff. 6.5) werde weiterhin von der Versicherten übernommen, wobei sie beim Auf- und A bhängen der Wäsche, sowie bei Ein- und Ausräumen der Waschmaschine und des Tumblers gelegent lich nachbarschaftliche Hilfe erhalten würde. Der Transfer der Wäsche zur Waschmaschine werde weiterhin vom Ehemann übernommen. Bügelarbeiten, kleine Flickarbeiten und d as Versorgen der Wäsche werde von der Versicherten getätigt. Im Bereich “Verschiedenes“ (Zi ff. 6.7) in welchem die Pflanzen- und Gartenpflege sowie andere spezielle Aktivitäten aufgefü hrt werden, lägen keine erkennbaren Einschränkungen vor. Die Pflanzen würden weiterhin von d er Versicherten gepflegt, jedoch sei dies mit einem grösseren Zeitaufwand verbunden. Die Versicherte übe weiterhin ihre ehrenamt- liche Tätigkeit in einer Freikirche aus und engagiere si ch im Seniorenbesuchsdienst. Aus dem Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bericht geht hervor, dass keine gegenüber früher festges tellten Veränderungen vorliegen wür- den, mit Ausnahme davon, dass sich der Ehemann der Versi cherten bei der Abfallentsorgung mehr engagieren würde. Gemäss Abklärungsperson sei dies a ber noch im Rahmen der fami- lienüblichen Mithilfe durchaus zumutbar und generiere deshalb keine Einschränkungen. Im Be- reich “Wohnungspflege“ (Ziff. 6.3) werden ebenfalls ke ine Einschränkungen festgehalten. Vor der Erkrankung wurde diese Arbeit ausschliesslich von der Versicherten bewältigt. Da ihr beim Stehen und Bücken schwindlig werde, übernehme der Ehem ann das Staubsaugen, das feucht Aufnehmen der Böden und die gründliche Reinigung vo n Bad und WC. Das Abstauben und Reinigen der Fenster werde weiterhin von der Versicher ten erledigt, dazu gehöre auch das Be- ziehen der Betten. Obwohl nun etliche Aufgaben vom Eh emann übernommen werden müssen, hält die Abklärungsperson fest, dass diese Hausarbeiten im Rahmen der Schadensminde- rungspflicht dem Ehemann zumutbar seien, sodass die Ve rsicherte unter der Berücksichtigung dieser Mithilfe in der Betätigung im Haushaltbereich n icht beeinträchtigt sei. Im Wesentlichen geht aus dem “Abklärungsbericht Haushalt“ vom 28. Juli 201 5 hervor, dass die Beschwerdefüh- rerin zahlreiche im Haushalt anfallende Tätigkeiten se lbständig ausführen könne, diese jedoch mit einem höheren Zeitaufwand verbunden seien. Deshalb werde die Einschränkung im Haus- halt mit 0 % beziffert. 8.4 Der Einwand der Beschwerdeführerin, dass der Beri cht widersprüchlich sei, und nicht alle medizinischen Beschwerden berücksichtigt worden seien, erweist sich als unbegründet. Der Haushaltsbericht vom 28. Juli 2015 ist umfassend u nd berücksichtigt die Beschwerden der Versicherten sowie die medizinischen Vorakten. Die versch iedenen Aufgabenbereiche (Haus- haltsführung, Ernährung, Wohnungspflege, Einkauf, Wä sche und spezielle Aktivitäten) wurden sorgfältig und ausführlich untersucht und gewichtet. 8.5 Die Ergebnisse der Haushaltsabklärung lassen sich nicht beanstanden und sind auch durch die Vorbringen der Versicherten nicht in Zweifel zu ziehen. Insbesondere macht sie all- gemein geltend, dass in der Haushaltstätigkeit infolge ihrer Verlangsamung von einer höheren Einschränkung auszugehen sei. Im Hinblick auf diese Einsch ränkung ist darauf hinzuweisen, dass im Haushalt die Möglichkeit besteht, die Arbeitsabläu fe an die Erkrankung anzupassen und jederzeit Pausen einzulegen. Was die geltend gema chte Verlangsamung anbelangt, so ist nicht die im Haushalt aufgewendete Zeit, sondern die Einschränkung in den nach der Recht- sprechung umschriebenen Bereichen massgebend (Urteil des EVG vom 18. November 2003, I 835/02, E. 6.5). Was die Mithilfe des Ehemannes anbe langt, ist darauf hinzuweisen, dass ge- mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei im Haushalt t ätigen Personen ein invaliditätsbe- dingter Ausfall nur insoweit angenommen werden darf, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entl öhnung oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerb seinbusse oder doch eine unver- hältnismässige Belastung entsteht. Mit Bezug auf die Mita rbeit von Familienangehörigen ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Nach dieser Rechtsprechung ist für die Feststel- lung der Einschränkungen nicht entscheidend, was die Ve rsicherte als gesunde Person im Haushaltsbereich leisten konnte. Die im Rahmen der In validitätsbemessung bei einer Hausfrau zu berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen geht daher weiter als die ohne Gesund- heitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung (BGE 133 V 504 E. 4.2 S. 509 mit Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht zahlreichen Hinweisen). Eine wesentliche Einschränkun g ist vorliegend nur dann gegeben, wenn die Mithilfe ihres Ehemannes nicht mehr mit der Schadenminderungspflicht vereinbar wä- re und die Versicherte deshalb für die Arbeiten, wel che sie nicht mehr erledigen kann, eine Hilfskraft gegen Entlöhnung beiziehen müsste. Dieser Fal l trifft – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – vorliegend nicht zu, werden die me isten im Haushalt anfallenden Aufga- ben von der Versicherten bewältigt oder, wie vor ihrer Erkrankung, von den Eheleuten gemein- sam getätigt. Auch die Tatsache, dass die Versicherte bei m Ein- und Ausräumen der Wasch- maschine, sowie beim Auf- und Abhängen der Wäsche geleg entlich nachbarschaftliche Hilfe erhält, führt nicht zu einer zusätzlichen Einschränkung, w elche im Haushaltsbericht zu berück- sichtigen wäre. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, da ss sich die IV-Stelle bei der Beur- teilung der Einschränkungen im Haushalt zu Recht auf den Abklärungsbericht vom 28. Juli 2015 stützte und von keiner Einschränkung im Haushalt ausging. 9. In Anwendung der gemischten Methode der Invalidität sbemessung ergibt sich auf Grund des Gesagten in Berücksichtigung der zeitlichen Bea nspruchung von 60 % im Erwerbs- und von 40 % im Haushaltbereich bei einer Einschränkung im Erwerbsbereich von 36,25 % (0,6 x 60,42 %) und einer solchen im Haushaltbereich von 0 % (0,4 x 0.00 %) insgesamt ein Invalidi- tätsgrad in der Höhe von 36,25 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 36 %. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2016 zu Recht einen Anspruch der Versicherten auf eine IV-Rente ab- gelehnt hat. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. Sollte sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ver- schlechtern, so sind erneute Abklärungen vorzunehmen. 10. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfah ren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlege n sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht