Abkommen vom 14. Juli 2000 zwischen der Schweiz und dem Königreich Marokko über die Überstellung verurteilter Personen <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><akomaNtoso xmlns="http://docs.oasis-open.org/legaldocml/ns/akn/3.0" xmlns:fedlex="http://fedlex.admin.ch/"><act name="publicLaw"><meta><identification source="#ch.bk"><FRBRWork><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2003/203/20021001/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2003/203/20021001"/><FRBRdate date="2002-10-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRdate date="2002-10-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2000-07-14" name="jolux:dateDocument"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRcountry value="CH"/><FRBRnumber value="0.344.549"/><FRBRname xml:lang="fr" value="Convention du 14 juillet 2000 entre la Suisse et le Royaume du Maroc sur le transfèrement des personnes condamnées" shortForm=""/><FRBRname xml:lang="de" value="Abkommen vom 14. Juli 2000 zwischen der Schweiz und dem Königreich Marokko über die Überstellung verurteilter Personen" shortForm=""/><FRBRname xml:lang="it" value="Convenzione del 14 luglio 2000 tra la Svizzera e il Regno del Marocco sul trasferimento dei condannati" shortForm=""/><FRBRauthoritative value="true"/></FRBRWork><FRBRExpression><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2003/203/20021001/de/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2003/203/20021001/de"/><FRBRdate date="2002-10-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRdate date="2002-10-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2000-07-14" name="jolux:dateDocument"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRlanguage language="de"/></FRBRExpression><FRBRManifestation><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2003/203/20021001/de/xml/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2003/203/20021001/de/xml"/><FRBRdate date="2002-10-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRdate date="2002-10-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2000-07-14" name="jolux:dateDocument"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRformat value="xml" fedlex:generator="2024-q4-rel-1.6.5"/></FRBRManifestation></identification><references source="#ch.bk"><TLCOrganization eId="ch.bk" href="https://fedlex.data.admin.ch/vocabulary/legal-institution/2" showAs="Bundeskanzlei"/><TLCRole eId="publisher" href="http://data.legilux.public.lu/resource/ontology/jolux#publisher" showAs="Editeur"/><TLCRole eId="rightsHolder" href="http://data.legilux.public.lu/resource/ontology/jolux#rightsHolder" showAs="Détenteur des droits"/><TLCReference name="language" href="http://publications.europa.eu/resource/authority/language/DEU" showAs="de"/><TLCReference name="format" href="https://fedlex.data.admin.ch/vocabulary/user-format/xml" showAs="xml"/></references></meta><preface><p>0.344.549 (Stand am 20. Mai 2003)</p><p><docNumber>0.344.549 </docNumber></p><p> AS <b>2003 </b>1185; BBl <b>2001</b> 4687</p><p xmlns:mig="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:migration">Übersetzung<i><authorialNote><p> Der Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der französischen Ausgabe dieser Sammlung.</p></authorialNote></i></p><p><docTitle>Abkommen<br/>zwischen der Schweiz und dem Königreich Marokko<br/>über die Überstellung verurteilter Personen</docTitle></p><p>Abgeschlossen am 14. Juli 2000</p><p>Von der Bundesversammlung genehmigt am 4. Juni 2002<authorialNote><p> <ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/oc/2003/202" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">AS <b>2003 </b>1184</ref></p></authorialNote></p><p>In Kraft getreten durch Notenaustausch am 1. Oktober 2002</p><p> (Stand am 20. Mai 2003)</p></preface><preamble><p>Die Schweizerische Eidgenossenschaft<br/>und<br/>das Königreich Marokko,</p><p>im Bestreben, die freundschaftlichen Beziehungen und die Zusammenarbeit im Bereich der Rechtshilfe zwischen den beiden Staaten zu fördern;</p><p>in dem Wunsch, die Fragen betreffend die Überstellung verurteilter Personen in gegenseitigem Einvernehmen zu regeln;</p><p>in dem Wunsch, verurteilten Personen die Verbüssung ihrer freiheitsentziehenden Strafe oder Massnahme in ihrem Heimatland zu ermöglichen, zur Erleichterung ihrer sozialen Wiedereingliederung;</p><p>in der festen Absicht, nach den in diesem Abkommen festgelegten Regeln und Bedingungen weitestgehend zusammenzuarbeiten bei der Überstellung von Personen, die zu freiheitsentziehenden Strafen oder Massnahmen verurteilt worden sind,</p><p>haben nachstehende Bestimmungen vereinbart:</p></preamble><body><chapter eId="chap_I"><num>I. Kapitel: </num><heading>Allgemeine Bestimmungen</heading><article eId="art_1"><num><b>Art. 1</b></num><heading>Begriffsbestimmungen</heading><paragraph eId="art_1/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_1/para/listintro">Im Sinne dieses Abkommens bezeichnet der Ausdruck:</listIntroduction><item eId="art_1/para/lbl_a"><num>a) </num><p>«Sanktion» jede freiheitsentziehende Strafe oder Massnahme, die von einem Gericht wegen einer Straftat für eine bestimmte Zeit oder auf unbestimmte Zeit verhängt worden ist;</p></item><item eId="art_1/para/lbl_b"><num>b) </num><p>«Urteil» eine Entscheidung eines Gerichts, durch die eine Sanktion verhängt wird;</p></item><item eId="art_1/para/lbl_c"><num>c) </num><p>«Urteilsstaat» den Staat, in dem die Sanktion gegen die Person, die überstellt werden kann oder überstellt worden ist, verhängt worden ist;</p></item><item eId="art_1/para/lbl_d"><num>d) </num><p>«Vollstreckungsstaat» den Staat, in den die verurteilte Person zum Vollzug der gegen sie verhängten Sanktion überstellt werden kann oder überstellt worden ist;</p></item><item eId="art_1/para/lbl_e"><num>e) </num><p>«verurteilte Person» jede Person, gegen die im Hoheitsgebiet des einen oder des anderen Staates eine rechtskräftige Verurteilung ergangen ist und die sich in Haft befindet.</p></item></blockList></content></paragraph></article><article eId="art_2"><num><b>Art. 2</b></num><heading>Grundsätze</heading><paragraph eId="art_2/para_1"><num>1.</num><content><p>Die beiden Staaten verpflichten sich, unter den in diesem Abkommen festgelegten Bedingungen weitestgehend zusammenzuarbeiten, um die im Hoheitsgebiet des einen Staates verurteilten Personen in das Hoheitsgebiet des anderen Staates zum Vollzug des Restes der verhängten Sanktion zu überstellen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_2/para_2"><num>2.</num><content><p>Zu diesem Zweck kann die verurteilte Person oder – in Anbetracht ihres Alters, ihres körperlichen oder geistigen Zustandes – ihr gesetzlicher Vertreter dem Urteils- oder dem Vollstreckungsstaat gegenüber den Wunsch äussern, nach diesem Abkommen überstellt zu werden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_2/para_3"><num>3.</num><content><p>Das Ersuchen um Überstellung kann entweder vom Urteils- oder vom Vollstreckungsstaat gestellt werden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_2/para_4"><num>4.</num><content><p>Jede verurteilte Person, auf die dieses Abkommen angewendet werden kann, wird vom Urteilsstaat über die Möglichkeit informiert, dass sie nach diesem Abkommen zum Vollzug ihrer Sanktion in ihr Heimatland überstellt werden kann.</p></content></paragraph></article><article eId="art_3"><num><b>Art. 3</b></num><heading>Ablehnungsgründe</heading><paragraph eId="art_3/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_3/para/listintro">Die Überstellung kann verweigert werden:</listIntroduction><item eId="art_3/para/lbl_a"><num>a) </num><p>wenn die Tat, derentwegen die Sanktion verhängt worden ist, sich auf strafbare Handlungen bezieht, die vom Vollstreckungsstaat als politische, als damit im Zusammenhang stehende strafbare Handlungen oder als fiskalisch strafbare Handlungen angesehen werden;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_b"><num>b) </num><p>wenn die strafbare Handlung, für welche die Person verurteilt worden ist, von einem der beiden Staaten als militärisch strafbare Handlung angesehen wird;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_c"><num>c) </num><p>wenn einer der beiden Staaten der Ansicht ist, dass die Überstellung geeignet wäre, seine Souveränität, seine Sicherheit, seine öffentliche Ordnung oder andere wesentliche Interessen zu beeinträchtigen;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_d"><num>d) </num><p>wenn die Sanktion, die Anlass zum Ersuchen gegeben hat, eine Tat betrifft, derentwegen die Person im Vollstreckungsstaat rechtskräftig freigesprochen oder verurteilt worden ist;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_e"><num>e) </num><p>wenn die der Sanktion zu Grunde liegende Tat Gegenstand einer Strafverfolgung im Vollstreckungsstaat ist;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_f"><num>f) </num><p>wenn die verurteilte Person im Urteils- oder Vollstreckungsstaat in den Genuss eines Gnaden- oder Amnestieerlasses gelangt;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_g"><num>g) </num><p>wenn die Sanktion nach dem Recht des Vollstreckungsstaates verjährt ist;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_h"><num>h) </num><p>wenn die zuständigen Behörden des Vollstreckungsstaates entschieden haben, für die gleiche Tat keine Strafverfolgung einzuleiten oder die Strafverfolgung zu beenden;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_i"><num>i) </num><p>wenn die verurteilte Person die Staatsangehörigkeit des Urteilsstaates besitzt;</p></item><item eId="art_3/para/lbl_j"><num>j) </num><p>wenn die verurteilte Person nicht in einem vom Urteilsstaat als befriedigend erachteten Mass die ihr auferlegten Bussen, Verfahrenskosten, Schadenersatzzahlungen und Geldstrafen aller Art beglichen hat.</p></item></blockList></content></paragraph></article><article eId="art_4"><num><b>Art. 4</b></num><heading>Voraussetzungen für die Überstellung</heading><paragraph eId="art_4/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_4/para/listintro">Die Überstellung kann nach diesem Abkommen nur unter den folgenden Voraussetzungen erfolgen:</listIntroduction><item eId="art_4/para/lbl_a"><num>a) </num><p>die verurteilte Person ist Staatsangehörige des Vollstreckungsstaates;</p></item><item eId="art_4/para/lbl_b"><num>b) </num><p>das Urteil ist rechtskräftig und vollstreckbar;</p></item><item eId="art_4/para/lbl_c"><num>c) </num><p>im Zeitpunkt der Einreichung des Ersuchens um Überstellung hat die ver-urteilte Person noch mindestens ein Jahr der Strafe zu verbüssen; in Ausnahmefällen können die beiden Staaten die Überstellung auch bewilligen, wenn der Rest der Strafe weniger als ein Jahr beträgt;</p></item><item eId="art_4/para/lbl_d"><num>d) </num><p>die verurteilte Person stimmt der Überstellung freiwillig und im vollen Bewusstsein der rechtlichen Folgen zu; sofern das Alter der verurteilten Person oder ihr körperlicher oder geistiger Zustand es erfordert und einer der beiden Staaten es als notwendig erachtet, erteilt der gesetzliche Vertreter die Zustimmung zur Überstellung im vollen Bewusstsein der rechtlichen Folgen;</p></item><item eId="art_4/para/lbl_e"><num>e) </num><p>die Handlungen oder Unterlassungen, derentwegen die Sanktion verhängt worden ist, stellen nach dem Recht des Vollstreckungsstaates eine Straftat dar oder würden eine Straftat darstellen, wenn sie in seinem Hoheitsgebiet begangen worden wären; und</p></item><item eId="art_4/para/lbl_f"><num>f) </num><p>der Urteils- und der Vollstreckungsstaat haben sich auf die Überstellung geeinigt.</p></item></blockList></content></paragraph></article></chapter><chapter eId="chap_II"><num>II. Kapitel: </num><heading>Verfahren</heading><article eId="art_5"><num><b>Art. 5</b></num><heading>Übermittlungswege</heading><paragraph eId="art_5/para_1"><num>1.</num><content><p>Die Ersuchen werden vom Justizministerium des ersuchenden Staates an das Justizministerium des ersuchten Staates gerichtet. Die Antworten werden innert nützlicher Frist auf demselben Weg übermittelt.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_5/para_2"><num>2.</num><content><p>Jeder Staat teilt dem anderen Staat die als zuständig erklärte Behörde schriftlich mit.</p></content></paragraph></article><article eId="art_6"><num><b>Art. 6</b></num><heading>Überstellungsersuchen und Antworten</heading><paragraph eId="art_6/para_1"><num>1.</num><content><p>Ein Ersuchen um Überstellung und die Antwort bedürfen der Schriftform.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_2"><num>2.</num><content><p>Das Ersuchen enthält insbesondere die vollständige Identität der verurteilten Person, ihre Adresse im Vollstreckungsstaat und den Ort ihrer Inhaftierung.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_3"><num>3.</num><content><p>Der ersuchte Staat unterrichtet den ersuchenden Staat unverzüglich über seine Entscheidung, dem Ersuchen um Überstellung stattzugeben oder es abzulehnen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_4"><num>4.</num><content><p>Die verurteilte Person wird über den Stand ihres Dossiers sowie über jede von einem der beiden Staaten getroffene Entscheidung betreffend ihre Überstellung informiert.</p></content></paragraph></article><article eId="art_7"><num><b>Art. 7</b></num><heading>Unterlagen</heading><paragraph eId="art_7/para_1"><num>1.</num><content><blockList><listIntroduction eId="art_7/para_1/listintro">Der Urteilsstaat liefert mit seinem Ersuchen oder als Antwort auf das Ersuchen des Vollstreckungsstaates:</listIntroduction><item eId="art_7/para_1/lbl_a"><num>a) </num><p>eine beglaubigte Abschrift des Urteils mit einer Bestätigung seiner Vollstreckbarkeit und der angewendeten Rechtsvorschriften;</p></item><item eId="art_7/para_1/lbl_b"><num>b) </num><p>eine Darstellung des Sachverhalts, aus der die Tatumstände, der Zeitpunkt und der Ort der Begehung der Straftat hervorgehen;</p></item><item eId="art_7/para_1/lbl_c"><num>c) </num><p>Angaben über die Dauer der Sanktion, über den Beginn der freiheitsentziehenden Sanktion unter Berücksichtigung der Untersuchungshaft und über alle weiteren Umstände, die für den Vollzug der Sanktion von Bedeutung sind;</p></item><item eId="art_7/para_1/lbl_d"><num>d) </num><p>eine von der zuständigen Behörde eingeholte Erklärung, aus der die Zustimmung der verurteilten Person oder ihres gesetzlichen Vertreters im Sinne von Artikel 4 hervorgeht;</p></item><item eId="art_7/para_1/lbl_e"><num>e) </num><p>jede nützliche Information über die Modalitäten des Vollzugs der Sanktion im Urteilsstaat.</p></item></blockList></content></paragraph><paragraph eId="art_7/para_2"><num>2.</num><content><blockList><listIntroduction eId="art_7/para_2/listintro">Der Vollstreckungsstaat liefert mit seinem Ersuchen oder als Antwort auf das Ersuchen des Urteilsstaates:</listIntroduction><item eId="art_7/para_2/lbl_a"><num>a) </num><p>ein Schriftstück oder eine Erklärung, woraus hervorgeht, dass die verurteilte Person Staatsangehörige des Vollstreckungsstaates ist;</p></item><item eId="art_7/para_2/lbl_b"><num>b) </num><p>eine Abschrift der Rechtsvorschriften des Vollstreckungsstaates, aus denen hervorgeht, dass die Handlungen oder Unterlassungen, derentwegen die Sanktion im Urteilsstaat verhängt worden ist, nach dem Recht des Vollstreckungsstaates eine Straftat darstellen oder, wenn sie in seinem Hoheitsgebiet begangen worden wären, darstellen würden;</p></item><item eId="art_7/para_2/lbl_c"><num>c) </num><p>ein Schriftstück, aus dem die Art und Dauer der nach der Überstellung im Vollstreckungsstaat zu verbüssenden Sanktion sowie die Modalitäten des Vollzugs der Sanktionen hervorgehen.</p></item></blockList></content></paragraph><paragraph eId="art_7/para_3"><num>3.</num><content><p>Jeder der beiden Staaten kann um Übermittlung der Unterlagen oder Informationen ersuchen, die ihm notwendig erscheinen, bevor er um Überstellung ersucht oder eine Entscheidung darüber trifft, ob er dem Ersuchen um Überstellung stattgibt oder es ablehnt.</p></content></paragraph></article><article eId="art_8"><num><b>Art. 8</b></num><heading>Nachprüfung der Zustimmung</heading><paragraph eId="art_8/para"><content><p>Der Urteilsstaat gibt dem Vollstreckungsstaat Gelegenheit, sich durch einen Konsularbeamten oder eine andere in gegenseitigem Einvernehmen bezeichnete Person zu vergewissern, dass die Zustimmung freiwillig und im vollen Bewusstsein der rechtlichen Folgen erteilt worden ist.</p></content></paragraph></article><article eId="art_9"><num><b>Art. 9</b></num><heading>Widerruf der Zustimmung</heading><paragraph eId="art_9/para"><content><p>Die Zustimmung der verurteilten Person ist unwiderruflich, sobald sich die beiden Staaten über die Überstellung geeinigt haben.</p></content></paragraph></article><article eId="art_10"><num><b>Art. 10</b></num><heading>Unterrichtung über den Vollzug</heading><paragraph eId="art_10/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_10/para/listintro">Der Vollstreckungsstaat unterrichtet den Urteilsstaat über den Vollzug der Sanktion:</listIntroduction><item eId="art_10/para/lbl_a"><num>a) </num><p>wenn er den Vollzug der Sanktion für abgeschlossen erachtet;</p></item><item eId="art_10/para/lbl_b"><num>b) </num><p>wenn die verurteilte Person vor Abschluss des Vollzugs der Sanktion aus der Haft flieht; oder</p></item><item eId="art_10/para/lbl_c"><num>c) </num><p>wenn der Urteilsstaat um einen besonderen Bericht ersucht.</p></item></blockList></content></paragraph></article><article eId="art_11"><num><b>Art. 11</b></num><heading>Befreiung von der Beglaubigung</heading><paragraph eId="art_11/para"><content><p>Die Schriftstücke, die in Anwendung dieses Abkommens übermittelt werden, bedürfen keiner Art von Beglaubigung.</p></content></paragraph></article><article eId="art_12"><num><b>Art. 12</b></num><heading>Sprache</heading><paragraph eId="art_12/para"><content><p>Jeder Staat kann verlangen, dass ihm die Ersuchen und Unterlagen mit einer Übersetzung in seine Amtssprache oder in eine seiner Amtssprachen übermittelt werden.</p></content></paragraph></article><article eId="art_13"><num><b>Art. 13</b></num><heading>Eskorte und Kosten</heading><paragraph eId="art_13/para_1"><num>1.</num><content><p>Der Vollstreckungsstaat stellt die Eskorte für die Überstellung.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_13/para_2"><num>2.</num><content><p>Die Kosten der Überstellung, einschliesslich derjenigen der Eskorte, werden vom Vollstreckungsstaat getragen, ausser wenn die beiden Staaten etwas anderes vereinbaren.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_13/para_3"><num>3.</num><content><p>Die Kosten, die ausschliesslich im Hoheitsgebiet des Urteilsstaates entstehen, gehen zu dessen Lasten.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_13/para_4"><num>4.</num><content><p>Der Vollstreckungsstaat kann die Überstellungskosten jedoch ganz oder teilweise bei der verurteilten Person eintreiben.</p></content></paragraph></article></chapter><chapter eId="chap_III"><num>III. Kapitel: </num><heading>Folgen der Überstellung</heading><article eId="art_14"><num><b>Art. 14</b></num><heading>Auswirkungen im Urteilsstaat</heading><paragraph eId="art_14/para_1"><num>1.</num><content><p>Mit der Übernahme der verurteilten Person durch die Behörden des Vollstreckungsstaates wird der Vollzug der Sanktion im Urteilsstaat ausgesetzt. Entzieht sich die verurteilte Person nach der Überstellung dem Vollzug, so erlangt der Urteilsstaat wieder das Recht, den Teil der Strafe zu vollziehen, den die Person im Vollstreckungsstaat hätte verbüssen müssen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_14/para_2"><num>2.</num><content><p>Der Urteilsstaat darf die Sanktion nicht mehr vollziehen, wenn der Vollstreckungsstaat deren Vollzug für abgeschlossen erachtet.</p></content></paragraph></article><article eId="art_15"><num><b>Art. 15</b></num><heading>Auswirkungen im Vollstreckungsstaat</heading><paragraph eId="art_15/para_1"><num>1.</num><content><p>Die vom Urteilsstaat verhängte Sanktion wird im Vollstreckungsstaat direkt vollzogen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_15/para_2"><num>2.</num><content><p>Der Vollstreckungsstaat ist an die Feststellungen über den Sachverhalt, an die rechtliche Art und die Dauer der Sanktion, wie sie vom Urteilsstaat festgelegt worden sind, gebunden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_15/para_3"><num>3.</num><content><p>Ist die Sanktion jedoch nach Art oder Dauer mit dem Recht des Vollstreckungsstaates nicht vereinbar, so kann dieser Staat die Sanktion an die nach seinem eigenen Recht für eine Straftat derselben Art vorgesehene Strafe oder Massnahme anpassen. Diese Strafe oder Massnahme muss ihrer Art nach so weit wie möglich der Sanktion entsprechen, die durch die zu vollstreckende Entscheidung verhängt worden ist. Sie darf nach Art oder Dauer die im Urteilsstaat verhängte Sanktion nicht verschärfen und das nach dem Recht des Vollstreckungsstaates vorgesehene Höchstmass nicht überschreiten.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_15/para_4"><num>4.</num><content><p>Der Vollzug der Sanktion im Vollstreckungsstaat richtet sich nach dem Recht dieses Staates. Er allein ist zuständig, Entscheidungen über die Modalitäten des Vollzugs der Sanktion, einschliesslich derjenigen über die Dauer der Inhaftierung der verurteilten Person, zu treffen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_16"><num><b>Art. 16</b></num><heading>Folgen der Überstellung</heading><paragraph eId="art_16/para_1"><num>1.</num><content><p>Eine Person, die nach den Bestimmungen dieses Abkommens überstellt wird, kann im Vollstreckungsstaat wegen der Tat, derentwegen im Urteilsstaat die Sanktion verhängt worden ist, nicht erneut ins Recht gefasst oder verurteilt werden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_16/para_2"><num>2.</num><content><p>Die überstellte Person kann jedoch im Vollstreckungsstaat in Haft gehalten, ins Recht gefasst und verurteilt werden für eine Tat, die nicht zur Verhängung der Sanktion im Urteilsstaat geführt hat, sofern diese Tat nach dem Recht des Vollstreckungsstaates strafrechtlich verfolgt wird.</p></content></paragraph></article><article eId="art_17"><num><b>Art. 17</b></num><heading>Beendigung des Vollzugs der Sanktion</heading><paragraph eId="art_17/para_1"><num>1.</num><content><p>Der Urteilsstaat unterrichtet den Vollstreckungsstaat unverzüglich über jede Entscheidung oder Massnahme, die auf seinem Hoheitsgebiet erfolgt ist und den Vollzug beendet.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_17/para_2"><num>2.</num><content><p>Der Vollstreckungsstaat beendet den Vollzug der Sanktion, sobald ihn der Urteilsstaat von einer Entscheidung oder Massnahme in Kenntnis gesetzt hat, auf Grund deren ihre Vollstreckbarkeit erlischt.</p></content></paragraph></article><article eId="art_18"><num><b>Art. 18</b></num><heading>Begnadigung und Amnestie</heading><paragraph eId="art_18/para"><content><p>Jeder Staat kann im Einklang mit seiner Verfassung oder anderen Gesetzen eine Begnadigung, eine Amnestie oder eine gnadenweise Abänderung der Sanktion gewähren.</p></content></paragraph></article><article eId="art_19"><num><b>Art. 19</b></num><heading>Wiederaufnahme</heading><paragraph eId="art_19/para"><content><p>Der Urteilsstaat allein hat das Recht, über einen gegen das Urteil gerichteten Wiederaufnahmeantrag zu entscheiden.</p></content></paragraph></article><article eId="art_20"><num><b>Art. 20</b></num><heading>Durchlieferung</heading><paragraph eId="art_20/para_1"><num>1.</num><content><p>Überstellt einer der beiden Staaten eine verurteilte Person aus einem Drittstaat, so wirkt der andere Staat mit, um die Durchlieferung durch sein Hoheitsgebiet zu erleichtern. Der Staat, der eine solche Durchlieferung vorzunehmen beabsichtigt, teilt dies dem anderen Staat vorgängig mit.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_20/para_2"><num>2.</num><content><blockList><listIntroduction eId="art_20/para_2/listintro">Jeder Staat kann die Durchlieferung verweigern:</listIntroduction><item eId="art_20/para_2/lbl_a"><num>a) </num><p>wenn es sich bei der durchzuliefernden Person um eine seiner Staatsangehörigen handelt; oder</p></item><item eId="art_20/para_2/lbl_b"><num>b) </num><p>wenn die Handlung, derentwegen die Sanktion verhängt worden ist, nach seinem Recht keine Straftat darstellt.</p></item></blockList></content></paragraph></article></chapter><chapter eId="chap_IV"><num>IV. Kapitel: </num><heading>Schlussbestimmungen</heading><article eId="art_21"><num><b>Art. 21</b></num><heading>Zeitlicher Geltungsbereich</heading><paragraph eId="art_21/para"><content><p>Dieses Abkommen gilt für den Vollzug von Sanktionen, die vor oder nach seinem Inkrafttreten verhängt worden sind.</p></content></paragraph></article><article eId="art_22"><num><b>Art. 22</b></num><heading>Verhältnis zu anderen Abkommen</heading><paragraph eId="art_22/para"><content><p>Dieses Abkommen berührt nicht die Rechte und Pflichten der beiden Staaten aus Auslieferungsabkommen und aus anderen Abkommen über die internationale Zusammenarbeit in Strafsachen, welche die Überstellung verhafteter Personen zum Zweck der Gegenüberstellung oder der Zeugenaussage vorsehen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_23"><num><b>Art. 23</b></num><heading>Meinungsaustausch und Konsultationen</heading><paragraph eId="art_23/para_1"><num>1.</num><content><p>Die zuständigen Behörden der beiden Staaten können, wenn sie es als notwendig erachten, ihre Meinung über die Anwendung dieses Abkommens im Allgemeinen oder in Bezug auf einen Einzelfall mündlich oder schriftlich austauschen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_23/para_2"><num>2.</num><content><p>Jeder Staat kann die Einberufung einer Expertentagung verlangen, die sich aus Vertretern der Justizministerien und der Aussenministerien zusammensetzt, um Fragen der Auslegung oder der Anwendung dieses Abkommens oder eine Frage im Zusammenhang mit einem Einzelfall zu besprechen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_23/para_3"><num>3.</num><content><p>Jede Meinungsverschiedenheit wird durch Verhandlungen zwischen den beiden Staaten geregelt.</p></content></paragraph></article><article eId="art_24"><num><b>Art. 24</b></num><heading>Vorläufige Anwendung und Inkrafttreten</heading><paragraph eId="art_24/para_1"><num>1.</num><content><p>Dieses Abkommen ist ab der Unterzeichnung vorläufig anwendbar.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_24/para_2"><num>2.</num><content><p>Dieses Abkommen tritt am ersten Tag des zweiten Monats nach der letzten Notifikation, wonach die gemäss Verfassung erforderlichen Verfahren in jedem der beiden Staaten abgeschlossen sind, in Kraft.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_24/para_3"><num>3.</num><content><p>Dieses Abkommen wird für eine unbeschränkte Dauer abgeschlossen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_25"><num><b>Art. 25</b></num><heading>Kündigung</heading><paragraph eId="art_25/para"><content><p>Jeder Staat kann dieses Abkommen jederzeit durch eine schriftliche Notifikation an den anderen Staat kündigen. Die Kündigung wird sechs Monate nach Eingang der Notifikation wirksam.</p></content></paragraph></article></chapter><signature><p><i>Zu Urkund dessen</i> haben die von ihren Regierungen gehörig Bevollmächtigten dieses Abkommen unterzeichnet.</p><p>So geschehen in Rabat, am 14. Juli 2000, im Doppel in französischer und arabischer Sprache, wobei jeder Wortlaut in gleicher Weise verbindlich ist.</p><table fedlex:function="layout"><tr><td><p>Für die <br/>Schweizerische Eidgenossenschaft:</p></td><td><p>Für das <br/>Königreich Marokko:</p></td></tr><tr><td><p>Daniel von Muralt</p></td><td><p>Omar Azziman</p></td></tr></table></signature></body></act></akomaNtoso>