<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">396</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>75</b></span> <span class="ft1"><b>§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT. Mit der expliziten Erwähnung des "mutmasslichen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Aufwands" neben der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles als Bemes-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sungskriterium in der per 1. Juli 2011 in Kraft getretenen Fassung von</b></span><br/> <span class="ft1"><b>§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT wurde der Charakter dieser Bestimmung als Pau-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>schaltarif nicht geändert.</b></span><br/> <br/> <span class="ft1"><b>§ 10 Abs. 1 AnwT. Der unentgeltliche Rechtsbeistand ist verpflichtet, die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Partei darauf aufmerksam zu machen, dass die unentgeltliche Rechtsver-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tretung nur die Kosten von objektiv notwendigen Vorkehren umfasst.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 17. Juni 2013 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen C.S. (ZSU.2013.124).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3.2.</span><br/> <span class="ft4">Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung be-</span><br/> <span class="ft4">misst sich nach den §§ 3 - 9 AnwT (§ 10 Abs. 1 AnwT). Gemäss § 3</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 lit. b AnwT beträgt die Grundentschädigung für die Vertre-</span><br/> <span class="ft4">tung einer Partei in ordentlichen Verfahren, die das Vermögen der</span><br/> <span class="ft4">Parteien weder direkt noch indirekt beeinflussen, nach dem mut-</span><br/> <span class="ft4">masslichen Aufwand des Anwalts, nach der Bedeutung und der</span><br/> <span class="ft4">Schwierigkeit des Falles Fr. 1'210.00 bis Fr. 14'740.00. Die Festset-</span><br/> <span class="ft4">zung familienrechtlicher Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge gilt</span><br/> <span class="ft4">nicht als vermögensrechtliche Streitsache (§ 3 Abs. 1 lit. d AnwT). In</span><br/> <span class="ft4">summarischen Verfahren beträgt die Grundentschädigung 25 - 100 %</span><br/> <span class="ft4">der Ansätze gemäss § 3 Abs. 1 AnwT (§ 3 Abs. 2 AnwT).</span><br/> <span class="ft4">Mit der expliziten Erwähnung des "mutmasslichen Aufwands</span><br/> <span class="ft4">des Anwalts" neben der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles als</span><br/> <span class="ft4">Bemessungskriterium in der per 1. Juli 2011 in Kraft getretenen Fas-</span><br/> <span class="ft4">sung von § 3 Abs. 1 lit. b AnwT wurde der Charakter dieser Bestim-</span><br/> <span class="ft4">mung als Pauschaltarif nicht geändert. Dieses Kriterium wurde viel-</span><br/> <span class="ft4">mehr der Klarheit halber in den Tarif aufgenommen und bei der ge-</span><br/> <span class="ft4">nannten Revision wurde davon ausgegangen, schon der Begriff</span><br/> <span class="ft4">"Schwierigkeit" habe unter anderem auch die Komponente des für</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">397</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">die Behandlung des Falls notwendigen anwaltlichen Aufwands ent-</span><br/> <span class="ft4">halten, obschon dies im Erlasstext bisher nicht explizit erwähnt ge-</span><br/> <span class="ft4">wesen war (Botschaft des Regierungsrats des Kantons Aargau an den</span><br/> <span class="ft4">Grossen Rat zum Dekret über die Entschädigung der Anwälte [An-</span><br/> <span class="ft4">waltstarif; Änderung] vom 26. Januar 2011 [Geschäftsnummer</span><br/> <span class="ft4">11.31], S. 13 und 15). Die Berücksichtigung des Zeitaufwandes - so-</span><br/> <span class="ft4">weit er nicht schon übliche Folge der bei Festsetzung der Grundent-</span><br/> <span class="ft4">schädigung gemäss § 3 Abs. 1 lit. b AnwT in Rechnung gestellten</span><br/> <span class="ft4">Schwierigkeit des Falles ist - erfolgt beim Pauschalhonorar im Übri-</span><br/> <span class="ft4">gen durch Zu- und Abschläge (vgl. BGE 5D_67/2010 Erw. 3.3;</span><br/> <span class="ft4">5D_78/2008 Erw. 4.2). Solche ordentlichen und ausserordentlichen</span><br/> <span class="ft4">Zu- und Abschläge zur Grundentschädigung richten sich nach den</span><br/> <span class="ft4">§§ 6 und 7 AnwT. Durch die Grundentschädigung sind abgegolten:</span><br/> <span class="ft4">Instruktion, Aktenstudium, rechtliche Abklärungen, Korrespondenz</span><br/> <span class="ft4">und Telefongespräche sowie eine Rechtsschrift und die Teilnahme an</span><br/> <span class="ft4">einer behördlichen Verhandlung (§ 6 Abs. 1 AnwT). Für zusätzliche</span><br/> <span class="ft4">Rechtsschriften und Verhandlungen erhöht sich die Grundentschädi-</span><br/> <span class="ft4">gung um je 5 - 30 %. Überflüssige Eingaben fallen nicht in Betracht</span><br/> <span class="ft4">(§ 6 Abs. 3 AnwT). Auf eine zweite Rechtsschrift oder eine zweite</span><br/> <span class="ft4">Verhandlung entfällt in der Regel ein Zuschlag von 20 %. Erfordert</span><br/> <span class="ft4">ein Verfahren ausserordentliche Aufwendungen eines Anwaltes, z.B.</span><br/> <span class="ft4">in Rechnungsprozessen, Patentprozessen, Verfahren mit ausseror-</span><br/> <span class="ft4">dentlich umfangreichem oder fremdsprachigem Aktenmaterial, bei</span><br/> <span class="ft4">Vertretung mehrerer Klienten, in Verfahren, in denen ausländisches</span><br/> <span class="ft4">Recht in Frage steht, oder bei ausgedehnten Beweiserhebungen, kann</span><br/> <span class="ft4">die Entschädigung gemäss den §§ 3 - 6 AnwT um bis zu 50 % erhöht</span><br/> <span class="ft4">werden. Erfordert ein Verfahren nur geringe Aufwendungen, vermin-</span><br/> <span class="ft4">dert sich die Entschädigung um bis zu 50 % (§ 7 AnwT).</span><br/> <span class="ft4">Ein unbedingter Anspruch auf Entschädigung eines unverhält-</span><br/> <span class="ft4">nismässig hohen Zeitaufwandes besteht nicht. Vielmehr ist der unent-</span><br/> <span class="ft4">geltliche Rechtsbeistand verpflichtet, die Partei darauf aufmerksam</span><br/> <span class="ft4">zu machen, dass die unentgeltliche Rechtsvertretung nur die Kosten</span><br/> <span class="ft4">der objektiv notwendigen Vorkehren umfasst (Bühler, Schweizeri-</span><br/> <span class="ft4">sche Zivilprozessordnung, Berner Kommentar, Bern 2012, N. 18a zu</span><br/> <span class="ft4">Art. 122 ZPO). Entschädigungspflichtig ist der im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft4">mit einer sachkundigen, engagierten und effektiven Wahrnehmung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">398</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">der Parteiinteressen notwendige, nützliche und verhältnismässige</span><br/> <span class="ft4">Aufwand (Bühler, a.a.O., N. 20 zu Art. 122 ZPO).</span><br/></div> </div> </body> </html>