Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. Mai 2012 (810 11 408) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Beat Walther, Bruno Gutzwiller, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichts- schreiberin i.V. Eleonor Gyr Parteien A.____ , vertreten durch Daniel Tschopp, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegw eisung (RRB Nr. 1543 vom 08. November 2011) A. Die 1989 in Brasilien geborene A.____ reiste am 1. Dezember 2008 zwecks Hei- ratsvorbereitung in die Schweiz ein und heiratete am 2 0. Mai 2009 den Schweizer B.____, ge- boren 1980. Nach der Eheschliessung am 25. Mai 2009 erteilte ihr das Amt für Migration Basel- Landschaft (AfM) eine Aufenthaltsbewilligung zum Verb leib beim Ehemann. Die Aufenthaltsbe- willigung wurde zuletzt bis zum 19. Mai 2011 verlängert. Vor der Heirat hielt sich A.____ bereits Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Juni 2005 bis Februar 2007 zeitweise bei ihrer Mutt er und ihrem Stiefvater in der Schweiz auf. Nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann zog A .____ am 18. September 2010 aus dem gemeinsamen Haushalt aus. Mit Schreiben des AfM vom 11. April 2011 erhielt A.___ _ und ihr Ehemann Gelegenheit, zur Trennung und dem drohenden Widerruf der Aufenthalts bewilligung und der Wegweisung aus der Schweiz Stellung zu nehmen. B.____ nahm mit Schre iben vom 15. März 2011 Stellung und beschuldigte seine Ehefrau der häuslichen Gewalt sowie d er Scheinehe. Sie habe ihn nur we- gen der Aufenthaltsbewilligung geheiratet. Er wolle sich von ihr scheiden lassen. A.____ ihrer- seits warf ihrem Ehemann vor, sie aus der gemeinsamen Woh nung geworfen zu haben. Sie sei aber gut in der Schweiz integriert, arbeite im Unter nehmen C.____ und besuche bald die Ge- werbeschule D.____. Zudem würden ihre wichtigsten Bezu gspersonen, ihre ältere Schwester und ihre Mutter, in der Schweiz leben. In Brasilien h abe sie kaum noch Familie und auch keine Freunde mehr. Eine Rückkehr wäre nicht einfach, da sie i n einer schwierigen Lebensphase sei und bei Null anfangen müsste. In Brasilien habe sie ni emanden mehr, der ihr nahe stehe. Auch könne sie bei einer Rückkehr ihre Ehe nicht mehr retten oder falls es zu einer definitiven Tren- nung kommen sollte, ihre Rechte wahrnehmen. Mit Verfügung vom 12. Mai 2011 widerrief das AfM die Aufenthaltsbewilligung und verfügte eine Wegweisung aus der Schweiz bis spätestens 13. Juni 2011. Im Wesentlichen führte das AfM aus, dass die Ehe unbestrittenermassen weniger als drei Jahre gedauert habe und von Seiten des Ehemannes keine Wiedervereinigung mehr in Betracht g ezogen würde. Ein Anspruch aus Art. 8 EMRK bestehe nicht, da sie volljährig und in kein em besonderen Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer in der Schweiz lebenden Mutter stehe. Auch ha lte sie sich erst rund zwei Jahre und sechs Monate in der Schweiz auf und sei in der Funktion a ls Betriebsmitarbeiterin im Unter- nehmen C.____ keine unentbehrliche Fachkraft. In Brasilien würden ihr Vater und Bruder leben, eine Rückkehr nach Brasilien sei ihr zumutbar. Dass sie sich beruflich, sozial und sprachlich gut integriert habe reiche unter Würdigung der gesamten U mstände nicht aus, um die Aufenthalts- bewilligung zu verlängern. B. Mit der dagegen erhobenen Beschwerde vom 17. Mai 2 011 an den Regierungsrat Ba- sel-Landschaft (Regierungsrat) beantragte A.____, die Verfügung des AfM vom 12. Mai 2011 sei vollumfänglich aufzuheben und die Aufenthaltsbewilli gung zu verlängern. Das AfM sei an- zuweisen, ihr für die Dauer des Beschwerdeverfahrens eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung auszustellen und die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien vom AfM zu tragen. In der Be- schwerdebegründung vom 15. Juli 2011 beantragte sie even tualiter eine Aufenthaltsbewilligung für die Dauer der Ausbildung. Zur Begründung der Besch werde führte A.____ aus, dass sie bereits seit längerer Zeit in der Schweiz lebe, rechne man den Aufenthalt bei der Mutter vom Juni 2005 bis Februar 2007 mit ein. Zudem sei sie entg egen der Annahme des AfM bereits am 23. März 2008 in die Schweiz eingereist. Sie habe beina he ein Jahr mit B.____ zusammenge- lebt, bevor sie ihn geheiratet habe. Die Ehe mit ihm sei schwierig gewesen, da er mit ihren Aus- bildungsplänen nicht einverstanden gewesen und bei Au seinandersetzungen handgreiflich ge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht worden sei. Er habe sie schlussendlich aus der Wohnung g eworfen, weil sie seinen Befehlen nicht folgen wollte. Deshalb sei ein eheliches Zusammenl eben zu dieser Zeit nicht möglich ge- wesen. Dennoch sei entgegen seinen Aussagen die Ehe n och nicht definitiv gescheitert, da sie noch immer Gefühle für ihn habe und er sie regelmässig kontaktiere. Ausserdem spreche sie gut deutsch und werde ab August 2011 die Gewerbeschule D.____ besuchen. Sie sei nie von einer öffentlichen Institution abhängig gewesen und we rde das auch in Zukunft nicht sein, da sie auch während der Schule mit dem gleichen Pensum wei ter arbeiten werde. Ihr Arbeitgeber sei mit ihren Leistungen sehr zufrieden. Das AfM habe b ei der Ermessensausübung den im kantonalen Integrationsgesetz verankerten Integrationsgrad nicht berücksichtigt. Eine Rückkehr nach Brasilien würde sich als schwierig erweisen, da ihre Bezugspersonen vor Ort (Grossmutter und jüngerer Bruder) bereits verstorben seien. Das Haus, in dem sie gewohnt habe, sei unter- dessen verkauft worden. Bei einer Rückkehr müsste sie sich mi t wenigen Mitteln eine neue Existenz aufbauen, weit weg von ihrer Familie, die ihr am nächsten stehe und in der Schweiz leben würde. Der Vater und Bruder würden weit entfe rnt von ihrem Heimatort leben und zum Vater habe sie praktisch keinen Kontakt. Von ihnen könne sie keine Unterstützung erwarten. Mit Regierungsratsbeschluss Nr. 1543 vom 8. November 20 11 wies der Regierungsrat die Be- schwerde ab. Im Wesentlichen wurde ausgeführt, dass davon auszugehen sei, dass A.____ und ihr Ehemann definitiv getrennt seien und ihr somi t kein Anspruch aus Art. 42 des Bundes- gesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 auf Verlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung zustehe, ebenso wenig gestützt auf Art. 50 AuG, da die Ehe vor weniger als drei Jahren geschlossen wurde. Auch wichtige Gründe, bzw. häusliche Gewalt sei- en nicht ersichtlich, da zwar trotz möglicherweise vorgekomm enen Handgreiflichkeiten zwi- schen den Eheleuten kein Nachweis für eine gewisse Intensi tät gemäss Art. 50 Abs. 2 AuG gegeben sei. Es seien keine wichtigen persönlichen Grü nde ersichtlich, welche ihr einen An- spruch auf eine Aufenthaltsbewilligung gegeben würden . Sie lebe erst rund dreieinhalb Jahre ausserhalb Brasiliens, ihr würden auch dort berufliche P erspektiven offenstehen, die ihr erlau- ben würden, eine eigene Existenz aufzubauen. Aufgrund fehlendem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Mutter oder Schwester sei auch kein Aufenthaltsrec ht gestützt auf Art. 8 EMRK vorhan- den. Ihre rund dreieinhalbjährige Aufenthaltsdauer in der Schweiz sowie ihre Arbeitsstelle als Betriebsmitarbeiterin im Unternehmen C.____ würden ke inen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu rechtfertigen vermögen. Auf das Begehren, dass A.____ eine Aufent- haltsbewilligung für die Dauer ihrer Ausbildung zu g ewähren sei, trat der Regierungsrat wegen Gegenstandslosigkeit nicht ein und erwähnte, dass die V orinstanz zu Recht festgehalten habe, dass für diese Bewilligung unter anderem eine gesicherte Wiederausreise vorausgesetzt werde, was bei A.____, die einen unbefristeten Verbleib anstr ebe, nicht gegeben sei. Die Nichtverlän- gerung der Aufenthaltsbewilligung sei auch verhältni smässig, da eine soziale Wiedereingliede- rung in ihrem Heimatland ihr durchaus zumutbar sei, da sie dank ihrem jugendlichen Alter, guter Gesundheit und dem Bestreben, sich aus- und weiterzubilden alle erforderlichen Voraussetzun- gen erfülle, um in Brasilien wieder Fuss fassen zu können. Eine persönliche Notlage, welche einen Härtefall rechtfertigen würde, sei nicht ersichtlich. C. Gegen den Beschluss des Regierungsrates erhob A.____ am 23. November 2011 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht recht (Kantonsgericht). Sie beantragte, der Beschluss se i vollumfänglich aufzuheben und ihre Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Für die Dauer de s Beschwerdeverfahrens sei das AfM anzuweisen, ihr eine Aufenthalts- und Arbeitsbewillig ung auszustellen und die Kosten des Be- schwerdeverfahrens seien den Vorinstanzen aufzuerlegen. Mi t Beschwerdebegründung vom 25. Januar 2012 beantragte sie eventualiter, es sei ihr eine Aufenthaltsbewilligung zur Absolvie- rung der Ausbildung zu gewähren. A.____ verwies auf die Beschwerdebegründung vom 15. Juli 2011 an den Regierungsrat, da sich ihre Situation zwische nzeitlich nicht geändert habe. Des Weiteren führte sie aus, dass sie nach wie vor verheiratet sei, obwohl sie nicht mehr mit ihrem Ehemann zusammenlebe. Die Schläge ihres Ehemannes und d er Druck, den er auf sie ausge- übt habe, habe sie als intensiv empfunden und wäre ins F rauenhaus gegangen, hätte sie nicht die Unterstützung ihrer Mutter gehabt. Sie sei zwar er wachsen, doch die ihr am nächsten ste- henden Personen, ihre Mutter und Schwester, würden in der Schweiz wohnen und in Brasilien habe sie keine Bezugspersonen mehr. Das Haus, in dem sie gewohnt habe, sei verkauft wor- den. Ihr Bruder in Brasilien wohne mit seiner Familie weit weg von der Heimatstadt und zu ih- rem Vater, der auch weit entfernt wohne, habe sie kei nen Kontakt. Ihre hier begonnene Ausbil- dung nütze ihr in Brasilien nur etwas, wenn sie sie auch beenden könne. Zudem sei ihre Mutter, welche an einem tumorartigen Geschwulst leide, auf ihre Hilfe angewiesen. Sie betonte ihre gute Integration, vor allem ihre schulischen Leistungen se ien gut, sie spreche gut deutsch und habe viele Kollegen gefunden. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 30. Dezember 2011 wurde A.____ die unentgeltliche Prozessführung bewilligt. Mit Vernehmlassung vom 17. Februar 2012 beantragte de r Regierungsrat die Abweisung der Beschwerde und hielt an der Begründung des Regierungsr atsbeschlusses fest. Der Regie- rungsrat ergänzte, dass nach wie vor keine Anzeichen dafür bestehen würden, dass das eheli- che Zusammenleben dereinst wieder aufgenommen werde. D ass die Beschwerdeführerin Drangsalierungen des Ehemannes ausgesetzt gewesen sei, kö nne zutreffen, doch könne nicht davon ausgegangen werden, dass sie Opfer ehelicher Gewalt wurde, zumal keine Hinweise wie Arztzeugnisse, Polizeirapporte etc. vorlägen. Auch sei ni cht ersichtlich, weshalb A.____ mittel- fristig keine neue Existenz in Brasilien aufzubauen vermö ge. Zudem sei sie als Betriebsmitar- beiterin beim Unternehmen C.____ keine Arbeitskraft, f ür die nicht innert nützlicher Frist ein Ersatz gefunden werden könne. Mit Schreiben vom 24. April 2012 zeigte Daniel Tschopp, Advokat, dem Kantonsgericht an, dass er neu mandatierter Rechtsvertreter von A.____ se i. Er beantragte, dass die Schwester von A.____, E.____, als Auskunftsperson geladen werde. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 25. April 2012 wurde die Schwester von A.____ als Auskunftsperson geladen. D. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung nehmen d ie Beschwerdeführerin mit ihrem Rechtsvertreter sowie ein Vertreter des Regierungsrates t eil. Die Parteien halten an ihren Rechtsbegehren fest. Auf die Aussagen der Auskunftsperson en und die Vorbringen der Partei- en wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen eingegangen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand gemäss § 44 VPO noch ein spezialg esetzlicher Ausschlusstatbe- stand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgericht s zur Beurteilung der vorliegenden An- gelegenheit gegeben. Als Adressatin ist die Beschwerdefü hrerin sodann vom angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Abände- rung. Es stellt sich jedoch die Frage, ob das Kantonsger icht auf das erst in der Beschwerdebe- gründung gestellte Eventualbegehren, wonach der Beschwe rdeführerin eine Aufenthaltsbewilli- gung zum Zwecke einer Ausbildung erteilt werden soll, eintreten kann. Gemäss § 6 Abs. 1 VPO können die Parteien Anträge, die sie im vorinstanzlichen Verfahren zur Sache gestellt haben zwar einschränken, nicht aber ausde hnen oder inhaltlich verändern. Die Vorinstanz ist auf das Eventualbegehren nicht eingetrete n, da es nicht Gegenstand der Verfü- gung des AfM darstelle. Trotzdem hat die Vorinstanz im Rahmen des Ermessens diesen Punkt materiell - wenn auch nur rudimentär - geprüft. Ang esichts dessen und in Anbetracht, dass die Beschwerdeführerin ohne anwaltliche Vertretung die Be schwerde eingereicht hat, ist auf das Eventualbegehren einzutreten. Auf das Begehren, ihr sei vom AfM oder vom Kanton Basel- Landschaft die Erwerbsausfälle zu ersetzen, wird nich t eingetreten und die Forderung wird auf den Zivilweg verwiesen. Im Übrigen sind die weiteren fo rmellen Voraussetzungen erfüllt womit auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO, e contrario). 3. § 16 Abs. 2 VPO statuiert den Grundsatz der richterl ichen Rechtsanwendung von Am- tes wegen. Das Gericht ist somit verpflichtet, auf den f estgestellten Sachverhalt den richtigen Rechtssatz anzuwenden. Dies bedeutet, dass es einerseits üb erprüfen muss, ob es zu Verfah- rensfehlern gekommen ist und andererseits, ob das rich tige Recht inhaltlich richtig angewendet worden ist, d.h. die an sich gültigen, zutreffenden Re chtssätze richtig ausgelegt, konkretisiert und auf den Sachverhalt bezogen worden sind (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER / CHRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bund es, Basel und Frankfurt am Main 1996, N 1034 ff.). Gemäss § 12 Abs. 1 VPO hat das Gericht sodann von Amtes wegen die für den Entscheid wesentlichen Tatsache n festzustellen. Es ist jedoch nicht verpflichtet, von sich aus über die tatsächlichen Vorbrin gen der Parteien hinaus den Sachver- halt vollständig neu zu erforschen. Es kann sich somit in der Regel damit begnügen, die Stich- haltigkeit der Vorbringen zu überprüfen. Der Untersuchu ngsgrundsatz bringt es daher mit sich, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass das Gericht den ihm vorgelegten Sachverhalt berichti gen oder ergänzen kann. Es muss ihn aber nicht weiter erforschen, wenn keine besondere n Umstände dies nahe legen (RHINOW/K OLLER /K ISS , a.a.O., N 1300; A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, N 268 ff.). 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (vgl. Art. 10 und 11 AuG). Die zuständige kantonale Be hörde entscheidet gemäss Art. 18 ff. AuG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträ ge mit dem Ausland – über die Zu- lassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigk eit. Einen Rechtsanspruch auf die Er- teilung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländi sche Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (vgl. BGE 133 I 189 E. 2.3; M ARC SPESCHA in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migra tionsrecht, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 3 AuG, N 1 ff.; PETER UEBERSAX in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg,], Ausländerrecht, Eine umfassende Da rstellung der Rechtsstellung von Aus- länderinnen und Ausländern in der Schweiz, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 4.2 Ein gesetzlicher Anspruch einer ausländischen Person au f Anwesenheit in der Schweiz liegt gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG insbesondere dann vor, wenn diese mit einer Schweizerin oder einem Schweizer verheiratet ist und mit dieser Person zu sammenwohnt. Das Erfordernis des Zusammenwohnens besteht nicht, wenn für getrennte Woh norte wichtige Gründe geltend ge- macht werden und die Familiengemeinschaft weiter beste ht (vgl. Art. 49 AuG). Als wichtige Gründe gelten gemäss Art. 76 der Verordnung über Zula ssung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 berufliche Verpflichtunge n oder eine vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme. Bei anhalten dem Getrenntleben, das heisst über eine Dauer von sechs bis zwölf Monaten hinaus, ist aufgrund d er Aussagen der Ehegatten, der ehe- lichen Kontakte und der weiteren Umstände zu eruieren, ob die Trennung definitiv und die Fa- miliengemeinschaft als aufgelöst zu betrachten ist (vgl. SPESCHA , a.a.O., Art. 49 AuG, N 3). 4.3 Nach Auflösung der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligun g nach Art. 50 Abs. 1 AuG allerdings wei- ter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre besta nden hat und eine erfolgreiche In- tegration vorliegt (lit. a) oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Art. 50 AuG kommt erst zur Anwendung, wenn mindestens faktisch von einer definitiven Auflösung der Familienge meinschaft auszugehen ist. Diese ist im Regelfall dann gegeben, wenn sich die Eheleute defin itiv getrennt haben und keine ernsthafte Aussicht mehr besteht, dass sie sich wieder vereinigen könn ten, wobei zusätzlich der Ehewille erloschen erscheinen muss. Für die Annahme einer Auflösung der Ehegemeinschaft ist somit weder eine eheschutzrichterliche oder gerichtliche Trennu ng noch eine Scheidung der Ehegat- ten erforderlich (vgl. SPESCHA , a.a.O., Art. 50 AuG, N 1). 5.1 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzuhalten, dass zwi schen der Schweiz und Brasi- lien keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, we lche der Beschwerdeführerin einen An- spruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würde. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegat ten von Schweizern einen An- spruch auf Erteilung und Verlängerung einer Aufenthal tsbewilligung, wenn sie mit diesen zu- sammenwohnen. Die Beschwerdeführerin heiratete am 20. Mai 2009 den Schweizer B.____. Am 18. September 2010 zog sie aus der gemeinsamen Wohnu ng aus. Mit Schreiben vom 15. März 2011 an das AfM hielt B.____ fest, dass er und seine Ehefrau seit dem Auszug aus der ehelichen Wohnung im September 2010 getrennt seien und die Ehegemeinschaft nicht wie- der aufgenommen wurde. Nach dem Auszug aus der ehelichen Wohnung zog die Beschwerde- führerin erst zur Mutter, dann zur älteren Schwester, wo sie nach wie vor wohnt. Die Beschwer- deführerin wohnt demnach seit mehr als einem Jahr nicht mehr mit ihrem Ehemann zusammen. 5.3 Gemäss Art. 49 AuG kann auch ohne Zusammenleben der Ehegatten ein Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz bestehen, wenn für das G etrenntleben wichtige Gründe geltend gemacht werden und die Familiengemeinschaft weiterhin besteht. Als wichtige Gründe gelten gemäss Art. 76 VZAE berufliche Verpflichtungen oder e ine vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme. Bei längerem Getren ntleben, das heisst länger als sechs bis zwölf Monate, ist näher zu eruieren, ob die Trennung definitiv und die Familiengemeinschaft als aufgelöst zu betrachten ist. Anlässlich der heutigen Part eiverhandlungen haben beide Ehegat- ten übereinstimmend ausgesagt, dass eine Wiedervereinigu ng ausgeschlossen sei. Es wurden auch keine Gründe geltend gemacht, die ein getrennte s Wohnen gemäss Art. 49 AuG rechtfer- tigen würden. Der Beschwerdeführerin kommt demnach kein Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung aus Art. 42 AuG zu. 5.4 Es ist im Weiteren zu prüfen, ob sich ein Anspruch au f Verlängerung der Aufenthalts- bewilligung aus Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG ergibt. Gem äss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG kann vom Er- fordernis des Zusammenwohnens abgesehen werden, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre gedauert hat und eine erfolgreiche Integr ation besteht. Gemäss übereinstimmenden Aussagen von A.____ und B.____ ist ihre Ehe gescheiter t und der Ehewille beiderseits erlo- schen. Die Ehe ist noch nicht geschieden, die eheliche G emeinschaft dauerte jedoch nur bis zum 18. September 2010, also rund 16 Monate. Das Erfor dernis der dreijährigen Ehe ist dem- nach nicht erfüllt. Ein Anspruch auf Bewilligungsverlängerung unter dem Titel von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG besteht demnach infolge zu geringer Dauer der Ehegemeinschaft nicht. Wie es sich mit der weiteren Voraussetzung einer erfolgreichen I ntegration verhält, kann unter diesen Um- ständen offen bleiben. 5.5 Die Aufenthaltsbewilligung kann ferner verlängert werden, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erfo rderlich machen (vgl. Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Wichtige persönliche Gründe können namen tlich gegeben sein, wenn ein Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und die soziale Wiederei ngliederung im Herkunftsland stark ge- fährdet erscheint (vgl. Art. 50 Abs. 2 AuG sowie Art. 77 Abs. 2 VZAE). In Betracht fallen weiter der Tod des in der Schweiz lebenden Ehepartners oder gemeinsame Kinder, zu welchen eine enge Beziehung besteht und die sich in der Schweiz gut integriert haben (vgl. SPESCHA , a.a.O., Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 50 AuG, N 7; Botschaft vom 8. März 2002 zum AuG, BBl 2002 S. 3754). Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG bezweckt, schwerwiegende Härtefälle zu verm eiden und lässt Behörden einen gewissen Ermessensspielraum in humanitärer Hinsicht (vgl. BGE 136 II 4 E. 5.3, in Pra 5/2010, S. 360; Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2009, 2C_216/2009, E. 2.1). Zu berücksichti- gen sind stets auch die Umstände, die zur Auflösung der eh elichen Gemeinschaft geführt ha- ben. Sind die Voraussetzungen von Art. 50 Abs. 1 lit. a oder lit. b AuG erfüllt, besteht ein grund- sätzlicher Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung und der Entscheid darüber steht nicht im Ermessen der Behörden (Urteil des Bundesgericht s vom 30. April 2010, 2C_711/2009, E. 2.2). 5.5.1 Es stellt sich nun die Frage, ob die Beschwerdeführ erin Opfer ehelicher Gewalt ge- mäss Art. 50 Abs. 2 AuG geworden ist. Auch wenn in Bezu g auf die Thematik der häuslichen Gewalt inzwischen zu Recht eine Politik der Nulltoleran z gefordert wird, muss hinsichtlich der Bestimmung von Art. 50 Abs. 2 AuG eine gewisse Erhebli chkeit der Gewalteinwirkung vorlie- gen, damit sich eine betroffene Person auf die vorgena nnte Bestimmung berufen kann (vgl. THOMAS GEISER /M ARC BUSSLINGER in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, a.a.O., N 14.54) . Ge- mäss Bundesgericht muss die eheliche Gewalt die im Familie nnachzug eingereiste Person so stark zu belasten drohen, dass ihr die Fortführung der eh elichen Gemeinschaft nicht länger zu- gemutet werden kann (vgl. BGE 136 II 4 E. 5.3, in Pr a 5/2010, S. 361). Unter ehelicher Gewalt ist sowohl rein körperliche als auch psychische Gewalt zu ver stehen. Dies geht aus dem St. Galler Leitfaden betreffend "Häusliche Gewalt im Rahm en der Migrationsproblematik" hervor, wonach die Gewalt mit Hilfe von Zeugenaussagen, Arztzeug nissen, psychiatrischen Gutachten oder Berichten und Einschätzungen von Fachstellen wie F rauenhaus und Opferhilfe glaubhaft gemacht werden muss (vgl. auch S PESCHA , a.a.O., N 10 zu Art. 50 AuG). Die Beweisanforde- rungen bei der Glaubhaftmachung sind herabgesetzt, so dass ein erheblicher Grad von Wahr- scheinlichkeit für die Annahme eines rechtserheblichen Sachu mstandes ausreicht (vgl. F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 272). B.____ schrieb in seiner Stellungnahme an das AfM vom 1 5. März 2011, die Beschwerdeführe- rin sei während ihres Zusammenlebens ihm gegenüber gewa lttätig geworden. Sie habe ihm einmal so massiv ins Gesicht geschlagen und den Hals zugedrückt , dass seine behandelnde Ärztin die Spuren davon gesehen habe. Es bestehe auch ein Attest. Die Beschwerdeführerin ihrerseits bezichtigte B.____ gegenüber den Vorinstanzen der häuslichen Gewalt, er sei ihr ge- genüber verschiedentlich handgreiflich geworden. Als Be weis reichte sie zwei Fotos ein. Nach dem "Rauswurf" aus der gemeinsamen Wohnung wäre sie in s Frauenhaus gegangen, hätte sie nicht Hilfe von ihrer Mutter bekommen. Anlässlich der he utigen Parteiverhandlung wollte sich der Ehemann bezüglich der häuslichen Gewalt nicht mehr ä ussern und verwies auf seine Stel- lungnahme an das AfM vom 15. März 2011. Die Schwester de r Beschwerdeführerin sagte an der heutigen Parteiverhandlung aus, dass es während der Ehe zu Handgreiflichkeiten gekom- men sei, diese Handlungen aber von beiden Parteien a usgegangen seien. Es ist festzuhalten, dass keiner der beiden Ehepartner je eine Strafanzeige eingereicht oder die Beschuldigungen mit ärztlichen Zeugnissen unterlegt hat. Da keine der P arteien ihre Beschuldigungen genügend substantiiert darlegen konnte und auch sonst keine hinr eichenden Hinweise auf häusliche Ge- walt (wie Arztzeugnisse, Polizeirapporte etc.) vorliegen, ist demzufolge davon auszugehen, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass keine häusliche Gewalt im Sinne des Gesetzes vorliegt u nd die Beschwerdeführerin keine Ansprüche aus Art. 50 AuG ableiten kann. 6.1 Gemäss Art. 33 AuG wird die Aufenthaltsbewilligun g für einen bestimmten Aufenthalts- zweck erteilt und kann mit weiteren Bedingungen verbunde n werden (Art. 33 Abs. 2 AuG). Sie ist gemäss Art. 33 Abs. 3 AuG befristet und kann verläng ert werden, wenn keine Widerrufs- gründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Die gesetzlichen R egelungen enthalten grundsätzlich kei- nen Anspruch auf Verlängerung der Bewilligung, sondern gewähren der kantonalen Behörde mit der "Kann-Bestimmung" einen Ermessensspielraum (P ETER BOLZLI in: Spescha/Thür/ Zünd/Bolzli [Hrsg.], a.a.O., Art. 33 AuG, N 4 ff.; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL in: Ueber- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 8.44 f.). Es ist zu prüfen, ob im vorliegenden Fall ein Widerrufsgrund im Sinne von Art. 62 AuG gegeben ist. 6.2 Gemäss Art. 62 lit. d AuG kann eine Aufenthaltsbew illigung unter anderem dann wider- rufen werden, wenn eine mit der Verfügung verbunden e Bedingung nicht eingehalten ist. Als "Bedingungen" definiert sind auch die Zwecke, zu welche n ausländischen Personen der Auf- enthalt in der Schweiz bewilligt werden kann (Art. 33 Abs. 2 AuG). Wird der ursprüngliche Zweck aus verschuldeten oder unverschuldeten Gründen nicht mehr verfolgt bzw. eingehalten – weil beispielsweise die Eheleute nicht mehr tatsächlich zusammenwohnen, obwohl dies vor- ausgesetzt wird (Art. 42 Abs. 1, Art. 43 Abs. 1, Art. 44 lit. a, Art. 45 lit. a AuG) – gilt der Aufent- haltszweck nach gängiger Terminologie als erfüllt. Infol gedessen kann die Bewilligung widerru- fen bzw. nicht verlängert werden und die ausländische Pe rson weggewiesen werden (vgl. SILVIA HUNZIKER in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 62 AuG, N 42 ff.). Gemäss den obigen Ausführungen ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die Bedingung des gemeinsamen Zusammenlebens nicht mehr erfüllt und dahe r der Widerrufsgrund gemäss Art. 62 lit. d AuG gegeben ist. 7.1 Wenn kein Anspruch auf Erteilung oder Verlängeru ng einer Aufenthaltsbewilligung be- steht, so ist selbst bei Vorliegen von Widerrufsgründen z u prüfen, ob die Bewilligung ermes- sensweise gewährt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 2 A.509/2001 vom 3. April 2002, E. 3.5; TAMARA NÜSSLE in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 33, N 33). Ein Widerrufsgrund ist dabei le- diglich Ausdruck dafür, dass an der Wegweisung der auslän dischen Person ein gewichtiges öffentliches Interesse besteht. Dieses muss gemäss Art. 96 AuG gegen die persönlichen und familiären Interessen der ausländischen Person am Verble ib in der Schweiz abgewogen wer- den. Dabei ist der Dauer der bisherigen Anwesenheit i n der Schweiz, dem Verhalten der aus- ländischen Person in dieser Zeit, ihrem Grad der Inte gration sowie den persönlichen, familiären und sozialen Beziehungen gebührend Rechnung zu tragen ( TAMARA NÜSSLE , a.a.o., Art. 33, N 33). 7.2 Das AfM und der Regierungsrat haben geprüft, ob d er Beschwerdeführerin ermes- sensweise ein Verbleib in der Schweiz zu gestatten ist. D abei wurden durch die Vorinstanzen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter korrekter Ausübung des Ermessens einerseits geprüft , ob die Nichtverlängerung der Auf- enthaltsbewilligung vorgenommen werden kann und and ererseits, ob ihr allenfalls ermessens- weise eine andere Bewilligung erteilt werden kann. D ie Vorinstanzen sind zum Schluss ge- kommen, dass keine Gründe ersichtlich sind, um der Beschwerdeführerin ermessensweise eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. auf die Nichtve rlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu verzichten. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ma chte anlässlich der heutigen Partei- verhandlung geltend, dass die persönlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin im Rahmen der Ermessensprüfung durch die Vorinstanz zu wenig berücksi chtigt worden seien. Die Be- schwerdeführerin habe den grössten Teil ihres Lebens zwar in Brasilien verbracht, doch habe sie gesamthaft bereits über fünf Jahre in der Schweiz gel ebt und ihren Lebensmittelpunkt hier- her verlegt. Ihre Mutter und Schwester sowie ihre Freunde würden in der Schweiz leben. Sie sei in einem Alter, wo sich Freundschaften zu festigen beginnen und eine längerfristige Perspektive bekommen würden. Gleichzeitig seien in der Heimat tra gische Vorfälle vorgekommen. Ihre wichtigsten Bezugspersonen nebst der Mutter und Schweste r seien verstorben. Durch die Er- mordung ihres Bruders durch ehemalige Schulfreunde se i sie auch nicht mehr eng mit ihrem Herkunftsland verbunden. Zu beachten sei ausserdem, dass ihre in der Schweiz lebende Mutter an rezidivierenden Tumoren leide und auf die Unterstüt zung ihrer Kinder angewiesen sei. Zu- dem habe die Vorinstanz die in der kantonalen Integrat ionsverordnung genannten Kriterien, vor allem den Grad der Integration, zu wenig berücksichtigt oder gar falsch beurteilt. Das Kantons- gericht kann dieser Auffassung nicht folgen. Die Vorinstanz hat in Erwägung 5 detailliert geprüft, ob der Beschwerdeführerin allenfalls ermessensweise eine Aufenthaltsbewilligung zu gewähren sei. Es kann somit festgehalten werden, dass die Ermessens ausübung sowohl durch das AfM als auch durch den Regierungsrat korrekt durchgeführt wo rden ist. Es ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass der Regierungsrat es abgelehnt hat, de r Beschwerdeführerin ermessens- weise die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Bezügli ch des Eventualbegehrens, der Be- schwerdeführerin sei für die Dauer der Ausbildung eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, kann festgehalten werden, dass diese Frage sich zwischenzeitlich erübrigt hat, da die Gewerbeschu- le gemäss Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich der heutigen Parteiverhandlung bereits im Juni dieses Jahres zu Ende geht. 8.1 Vorliegend ist noch zu prüfen, ob der Widerruf, resp. Nichtverlängerung der Aufent- haltsbewilligung der Beschwerdeführerin und die damit verbundene Wegweisung verhältnis- mässig sind. Die Verhältnismässigkeit umfasst die Eignung, die Erforderlichkeit und die Zumut- barkeit der Massnahme (vgl. HÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auf- lage, Zürich/St.Gallen 2010, N 581 ff.). Den private n Interessen der ausländischen Person ste- hen die öffentlichen Interessen an einer Fernhaltung insbesondere wegen strafrechtlich relevan- ten Verhaltens, zum Schutz des inländischen Arbeitsmarkts, d er Überfremdung sowie zur Si- cherstellung eines ausgewogenen Bevölkerungsverhältnisses g egenüber. Intensive familiäre Beziehungen oder die vorgängige Asylgewährung vermögen diese öffentlichen Interessen zu relativieren. Das öffentliche Interesse an der Massnahme muss die privaten Interessen der be- troffenen Personen überwiegen. Bei der Anordnung de r Wegweisung muss der Grad der Integ- ration unter Berücksichtigung der gesamten Umstände des Einzelfalles beachtet werden. Zu gewichten sind zudem laut konstanter Praxis des Bundesgerich ts vor allem die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und die ihm und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht seiner Familie drohenden Nachteile (vgl. AuG-Weisungen zum Ausländerbereich, Version vom 1.07.2009, Ziff. 8.2.1.2). 8.2 Vorliegend kann festgehalten werden, dass die Vorin stanz die Rückkehr der Be- schwerdeführerin in ihre Heimat zu Recht als geeignet, erforderlich und zumutbar erachtet. Sie hat dabei die Rechtslage zutreffend dargestellt und di e richtigen Schlüsse gezogen, weshalb grundsätzlich auf ihre Erwägungen zu verweisen ist. Insbesondere ist jedoch festzustellen, dass der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung der Beschwer deführerin geeignet ist, die mit dem AuG verfolgten fremdenpolizeilichen Interessen zu verwirkliche n, da die verfolgten Zwecke nicht durch eine weniger einschneidende Massnahme erreicht wer den können. Die Beschwerdefüh- rerin lebt erst seit dem 1. Dezember 2008 ununterbrochen in der Schweiz und verbrachte somit den überwiegenden Teil ihres Lebens in Brasilien. Aufg rund der kurzen Aufenthaltsdauer be- steht kein gewichtiges Interesse an einem Verbleib in de r Schweiz. In der Schweiz wohnen zwar ihre Mutter und ihre Schwester, in ihrer Heimat leben jedoch auch noch ihr Bruder und ihr Vater. Die Beschwerdeführerin übt in der Schweiz zwar e ine Erwerbstätigkeit aus, jedoch stellt sie als Betriebsmitarbeiterin im Unternehmen C.____ keine unentbehrliche Arbeitskraft auf dem hiesigen Arbeitsmarkt dar. Daran vermögen auch die gut en Zwischenzeugnisse vom 22. Juni 2011 und vom 18. Januar 2012 nichts zu ändern. Die Besc hwerdeführerin verfügt auch nicht über besondere berufliche Kenntnisse oder Fähigkeiten, d ie aus arbeitsmarktlicher Sicht zu ihren Gunsten in die Waagschale geworfen werden könnten, so dass auch unter diesem Aspekt kein signifikantes öffentliches Interesse besteht. Hinsichtli ch des persönlichen Verhaltens hat das AfM konstatiert, dass sich die Beschwerdeführerin seit ihrer Einreise in die Schweiz klaglos verhalten hat und auch ihren finanziellen Verpflichtu ngen nachgekommen ist. Dies stellt aller- dings angesichts der kurzen Aufenthaltsdauer in der Schwe iz keinen Leistungsausweis dar und darf von jeder Einwanderin und jedem Einwanderer er wartet werden. Die Vorinstanz hält der Beschwerdeführerin zu Recht zu Gute, dass sie sehr gut deutsch spreche und auch ein eigenes soziales Umfeld habe. Dies vermag im vorliegenden Fall je doch nichts an der Verhältnismäs- sigkeit der angefochtenen Verfügung zu ändern. 9. Abschliessend ist noch zu beurteilen, ob allenfalls e in Härtefall nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG vorliegt. Für die Auslegung dieser Bestimmung kan n auf die bisherige Härtefallpraxis im Rahmen von Art. 13 lit. f der ehemaligen Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Aus- länder (BVO) vom 6. Oktober 1986 abgestellt werden ( vgl. SPESCHA , a.a.O., Art. 30 AuG, N 5). Eine solche humanitäre Bewilligung wird erteilt, wen n beim Ausländer ein schwerwiegender persönlicher Härtefall bejaht wird oder wenn staatspol itische Gründe gegen eine Ausweisung sprechen (M ARC SPESCHA , Handbuch zum Ausländerrecht, Bern 1999, S. 80). Gemä ss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 119 Ib 43 ff. E. 4c) setzt ein massgeblicher Här- tefall voraus, dass sich die betreffende ausländische Per son in einer persönlichen Notlage be- findet. Das bedeutet, dass ihre Lebens- und Daseinsbedin gungen gemessen am durchschnittli- chen Schicksal von Ausländern in gesteigertem Masse in Frage gestellt sein müssen und die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung für den Bet roffenen schwere Nachteile zur Folge hät- te. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorliegend sind keine staatspolitischen Gründe, welche ein e Rückkehr in die Heimat der Be- schwerdeführerin als unzumutbar erscheinen lassen würden, ersichtlich. Die soziale Wiederein- gliederung der Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland kann nicht als stark gefährdet bezeich- net werden, da die Beschwerdeführerin den überwiegen den Teil ihres Lebens in Brasilien ver- bracht hat, die Landessprache beherrscht und ein Teil d er Familie dort lebt. Anlässlich der heu- tigen Parteiverhandlung wendet der Vertreter der Besc hwerdeführerin ein, die Beschwerdefüh- rerin müsse aufgrund der Ermordung ihres Bruders, der d urch ehemalige Freunde umgebracht worden sei, in ihrer Heimatstadt um ihr Leben fürchte n. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nicht gehalten ist, wieder in die g leiche Stadt zu ziehen. Brasilien ist ein grosses Land und die Beschwerdeführerin muss nicht zwingend in ihre Heimatstadt zurückkeh- ren. Auch die Erkrankung der Mutter mag für sich keine p ersönliche Notlage rechtfertigen. Es liegt kein Härtefall nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG vor. 10. Zusammenfassend steht fest, dass die Aufenthaltsbewilli gung der Beschwerdeführerin zu Recht widerrufen, bzw. nicht verlängert wurde. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat spätestens 30 Tage nach Recht skraft des vorliegenden Urteils die Schweiz zu verlassen. 11.1 Im Folgenden ist noch über die Kosten zu entscheide n. Das Verfahren vor Kantonsge- richt ist kostenpflichtig und die diesbezüglichen Kosten w erden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 1 und 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'100.-- gehen demzufolge zu Lasten d er Beschwerdeführerin. Zufolge Bewil- ligung der unentgeltlichen Prozessführung werden di ese Kosten jedoch von der Gerichtskasse übernommen. 11.2 Die Parteikosten werden in Anwendung von § 21 Ab s. 1 und 2 VPO wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'036 .-- (inkl. Auslagen und 8% MWSt) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Beschwerdeführerin hat die Schweiz spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des Urteils zu verlassen. 3. Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche Ve rbeiständung durch Herrn Daniel Tschopp, Advokat, bewilligt. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'100.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 5. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'036.-- (inkl. Auslagen und 8% MWSt) aus der Geri chtskasse aus- gerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.