2017 Verwaltungsrechtspflege 263 Damit ist der angefochtene Beschluss aus formellen Gründen aufzuheben. Ein Entscheid in der Sache durch das Verwaltungsge - richt ist ausgeschlossen, weshalb die Angelegenheit zum Erlass eines hinreichend begründeten Entscheids an die V orinstanz zurückzuwei- sen ist (vgl. § 49 VRPG). Beweismittel sind bei diesem Ergebnis nicht zu erheben. 2. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als begründet. Der an gefochtene Beschluss ist aufzuheben und die Angelegenheit zum Erlass eines genügend motivierten Entscheids an den Regierungsrat zurückzuweisen. Beim Erlass ihres Entscheids wird die V orinstanz ihre Ent - scheidgrundlagen offenzulegen haben. Will sie an ihrem Ent scheid festhalten, wird sie zur Begründung des Revierzusammen schlusses wesentlich auf jagdliche und wildbiologische Kriterien ( § 3 Abs. 1 AJSG) abzustellen haben. Diese können insbesondere anhand der topographischen Verhältnisse, Landschaftskammern und Waldgebiete aufgezeigt werden (vgl. dazu das Schreiben der Abteil ung Wald, wo Mindestgrösse, Reviergrenzen, Bejagbarkeit, Lebensraum nutzung und Schutzgebiete als Kriterien genannt werden). Wie ausgeführt, ist eine von der Em pfehlung der Fachstelle abweichende Entscheidung eingehender zu begründen. Der erwähnte "Widerstand" einer be - troffenen Ge meinde und Jagdgesellschaft ist konkretisierungs be- dürftig und kann mit Blick auf das Anhörungs recht bei der Revier - einteilung ( § 3 Abs. 2 AJSG) bzw. im Hinblick auf die Mit bestim- mung bei der künftigen Pachtvergabe (§ 4 Abs. 2 AJSG) Berücksich- tigung finden. 47 Beschwerdebefugnis/Legitimation Beschwerdebefugnis der (Einwohner -)Gemeinde in Bausachen; Präzisie - rung der Rechtsprechung bezüglich Beschwerdeführung "pro Bauherr - schaft" 264 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2017 Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 23. Novem- ber 2017, i.S. Einwohnergemeinde A. gegen Gemeinderat A. und Departement Bau, Verkehr und Umwelt (V orinstanzen) sowie B. und C. (Baugesuchsteller) (WBE.2017.138) Aus den Erwägungen 2. 2.1. Gemäss § 42 VRPG ist zur Beschwerde befugt a) wer ein schutzwürdiges eigenes Interesse an der Aufhebung oder der Ände - rung des Entscheids hat, b) jede andere Person, Organisation oder Behörde, die durch Bun desrecht oder kantonales Recht zur Be - schwerde ermächtigt ist. 2.2. (...) 2.3. 2.3.1. Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts kann sich auch eine (Einwohner-)Gemeinde auf § 42 lit. a VPRG (bzw. früher § 38 Abs. 1 des Verwal tungsrechtspflegegesetzes vom 9. Juli 1968 [aVRPG]) berufen. Gleich wie beim privaten Beschwer deführer ist vorausgesetzt, dass sie ein schutz würdiges eigenes Interesse geltend machen kann. Die öffentlichen Inte ressen einer (Einwohner -)Ge- meinde sind eigene, wenn sie dem spezifi schen lokalen Lebens - bereich entspringen; gemeint sind jene Belange, welche die Gemeindeeinwohner erheblich anders als die Kantonseinwoh ner im Allgemeinen berühren (vgl. AGVE 2016, S. 324; 1989, S. 305 f.; 1988, S. 373; 1986, S. 322; VGE III/98 vom 30. Juni 2017 [WBE.2016.466, WBE.2016.470], S. 5; VGE III/73 vom 31. Mai 2017 [WB E.2017.45], S. 4; VGE III/18 vom 2. März 2009 [WBE.2006.430], S. 4). Zudem ist Gemeinden die Beschwerde - befugnis nach Massgabe von Art. 89 Abs. 2 lit. c i.V .m. Art. 111 Abs. 1 BGG einzuräumen. Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist die Gemeinde (bzw. der Gemeinderat) in Bausachen nur dann zur Be -2017 Verwaltungsrechtspflege 265 schwerde befugt, wenn die kantonale Instanz entgegen der gemein - derätlichen Verfügung eine Baubewilligung erteilt hat – weil dies zu Veränderungen in der Gemeinde führt, welche der Gemeinde rat für unzulässig hält – (vgl. AGVE 2016, S. 324; 1989, S. 306; 1986, S. 322; VGE III/111 vom 24. August 2017 [WBE.2017.132], S. 4; VGE III/98 vom 30. Juni 2017 [WBE.2016.466, WBE.2016.470], S. 5; VGE III/73 vom 31. Mai 2017 [WBE.2017.45], S. 4; VGE III/5 vom 23. Januar 2014 [WBE.2013.113], S. 3; VGE III/18 vom 2. März 2009 [WBE.2006.430], S. 5; MICHAEL MERKER, Rechts - mittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38- 72 [a]VRPG, Diss., Zürich 1998, § 38 N 206), nicht hingegen, wenn eine Baubewilligung des Gemeinderats aufgehoben wird, weil dann die Si tuation der Gemeinde, wenn der Baugesuchsteller auf ein Rechtsmittel verzichtet, nicht anders ist, als wenn überhaupt kein Baugesuch eingereicht worden wäre (AGVE 2016, S. 324 f.; 1989, S. 306 mit diver sen Hinweisen; VGE III/98 vom 30. Juni 2017 [WBE.2016.466, WBE.2016.470], S. 6; VGE III/73 vom 31. Mai 2017 [WBE.2017.45], S. 4 f.; MERKER, a.a.O., § 38 N 206). Begrün- det wurde le tzteres damit, dass selbst wenn die Baubewilligung im Beschwerdeverfahren erteilt werde, der Gemeinderat keine Mittel habe, die Ausführung der Baute durchzu setzen; dies hänge völlig vom Willen des Baugesuchstellers ab (bei dem angenommen werden könne, da ss er selbst ein Rechtsmittel er greife, wenn er fest entschlossen sei zu bauen, so dass es in dieser Situation gar keiner ei- genen Beschwerdelegitimation der Gemeinde bedürfe). Es bleibe deshalb immer ungewiss, ob die Gemeinde die angestrebten Auswirkungen ihrer Beschwerde überhaupt erreichen könne. Ausser- dem habe sie, wenn sie die Bautätigkeit fördern wolle, dies durch generell anwendbare und wirksame Massnahmen zu tun. Die beson - ders intensive Unterstützung eines Bauwilligen im Einzelfall – auch in prozessualer Hin sicht – erfülle diese V oraussetzung nicht; sie sei nicht allgemein vorgese hen und könne es auch nicht sein, weil dies darauf hinausliefe, dass die Gemeinde in jedem Fall prozessiere, wenn sie vor der Beschwerdeinstanz nicht recht erha lten habe, also letztlich aus reiner Rechthaberei. Zudem bestünde bei derartigem 266 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2017 Handeln im Einzelfall die erhebliche Gefahr ob jektiv nicht be - gründbarer Ungleichbehandlung (AGVE 2016, S. 325; 1989, S. 307; VGE III/73 vom 31. Mai 2017 [WBE.2017.45], S. 5). An der genannten Rechtsprechung ist grundsätzlich festzuhalten (siehe zum Ganzen z.B. auch MICHAEL PFLÜGER, Die Legitimation des Gemeinwesens zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten, Diss., Zürich/St. Gallen 2013, Rz. 679 f. sowie MICHAEL PFLÜGER, Die Be schwerdebefugnis von Gemeinwesen in der berni - schen Verwaltungsrechtpflege, in: BVR 2013, S. 220). Eine Aus - nahme gilt allerdings in Fällen, in denen die Gemeinde "pro Bauherr- schaft" neben dieser eine Be schwerde erhebt. Ein Verzicht der Bau - herrschaft auf das Bauvorhaben kann dann nicht angenommen wer - den (vgl. PFLÜGER, Die Legitimation des Gemeinwesens zur Be - schwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, a.a.O., Rz. 681). Voraussetzung ist allerdings, dass die (Einwohner -)Gemeinde eine Verletzung der Gemeindeautonomie geltend macht. In diesen Fällen ist sie als Trägerin hoheitlicher Gewalt betroffen und auch dann zur Beschwerde befugt, wenn eine Baubewilli gung des Gemeinde rats aufgehoben wird. Ob ihr im betreffenden Ber eich tatsächlich Autonomie zusteht, ist nach konstanter bundesgerichtlicher Recht - sprechung nicht eine Frage des Ein tretens, sondern der materiellen Beurteilung (vgl. VGE III/98 vom 30. Juni 2017 [WBE.2016.466, WBE.2016.470], S. 6 mit Hinweis auf BGE 140 II 380; 135 I 45; 124 I 226; Urteil des Bundesge richts vom 7. Dezember 2015 [1C_465/2015], Erw. 1.2; Urteil des Bun desgerichts vom 12. November 2013 [1C_180/2013], Erw. 1.2; Urteil des Bundesge - richts vom 4. September 2001 [1P.678/2000, 1P.682/2000], E rw. 2c; ferner: Thurgauische Verwal tungsrechtspflege [TVR] 2016 Nr. 8, BR 2017, S. 313). 2.3.2. Im konkreten Fall führt nicht nur die Beschwerdeführerin, son - dern auch die Bauherrschaft gegen den vorinstanzlichen Entscheid Beschwerde. Die Beschwerde der Bauherrschaft wird im Parallelver- fahren WBE.2017.128 beurteilt. Die Beschwerde der Beschwerde - führerin richtet sich "pro Bau herrschaft", und die Be schwerde- führerin macht u.a. explizit geltend, die V orinstanz habe die Gemein-2017 Verwaltungsrechtspflege 267 deautonomie (§ 106 KV; Art. 50 BV) verletzt. Unter diesen Umstän- den ist die Beschwerdeführerin zur Verwaltungsgerichtsbe schwerde zuzulassen (siehe Erw. 2.3.1). Ob ihr im Zusammenhang mit der gerügten Interessenabwägung tatsächlich Autonomie zusteht und falls ja, ob diese durch die V orinstanz verletzt wurde, ist eine Frage der materiellen Beurteilung.