B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3627/2014 U r t e i l v o m 1 6 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Staatsangehörigkeit unbekannt, angeblich China (Volksrepublik, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Juni 2014 / N (…). D-3627/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu- folge am 11. Dezember 2012 und reiste über Nepal, wo er zirka drei Mo- nate geblieben sei, und weitere ih m unbekannte Länder am 18. März 2013 illegal in die Schweiz, wo er am selben Tag ein Asylgesuch einreich- te. Am 4. April 2013 erhob das BFM im Empfangs - und Verfahrenszent- rum (EVZ) B._______ seine Personalien und befragte ihn zu seinem Re i- seweg sowie zu seinen Asylgründen. Mit Zwischenverfügung vom 31. Mai 2013 wies ihn das BFM für die Dauer des Verfahrens dem Kanton C._______ zu. Am 23. April 2014 hörte ihn das BFM einlässlich zu seinen Asylgründen an. Ausserdem befragte es ih n über Einzelheiten in Bezug auf seine angebliche tibetische Herkunftsregion. Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei chinesischer Staatsangehöri- ge tibetischer Ethnie. Er stamme aus dem Dorf D._______, Gemeinde D._______, Kreis E._______, Präfektur F._______ und habe dort bis zur Ausreise gelebt. Er habe nie eine Schule besucht. Die älteren Leute im Dorf hätten kein Interesse daran gehabt, Chinesi sch zu sprechen. Aus diesem Grunde habe er selbst nie Chinesisch gelernt. Seit dem Jahr 2000 habe er bei seinem Onkel mütterlicherseits ge lebt, der Geistlicher sei. Er habe dessen Haushalt besorgt und sei von ihm unterrichtet wo r- den. Dieser Onkel habe für die Dorfbewohner gebetet, ihnen die tibet i- sche Kultur erläutert und sie auch über die aktuelle Situation im Tibet i n- formiert. Eines Tages, am 10. Dezember 2012, hätten viele Leute im Dorf D._______ an einer Gebetsversammlung teilgenommen, zu welcher er und sein Onkel aufgerufen und anlässlich der Versammlung auch g e- sprochen hätten. Im Verlaufe der Veranstaltung sei es anstelle von Gebe- ten zu einer Demonstration gegen die chin esische Besatzungsmacht ge- kommen, worauf chinesische Geheimpolizisten aufgetaucht seien. In der Folge hätten er und sein Onkel die Flucht ergriffen, wobei sie sich in einer Höhle beziehungsweise im Haus eines Dorfbewohners versteckt hätten. Am Abend habe ihm sein Vater in der Höhle beziehungsweise seine Mut- ter zu Hause mitgeteilt, dass er seinen Wohnort möglichst rasch verla s- sen müsse, ansonsten er Probleme mit den Chinesen bekommen würde. Daraufhin hätten er und sein Onkel das Dorf D._______ verlassen und seien über Tsangdong, Tashigang, Pengyelinh und Dha nach Dram g e- langt, worauf sie China am 11. Dezember 2012 in Richtung Nepal verla s-D-3627/2014 Seite 3 sen hätten. Dort sei er allein per Flugzeug nach Europa und von dort auf ihm nicht näher bekannter Route per Zug am 18. März 2013 in die Schweiz gelangt. Auf die Frage nach Identitätspapieren gab der Beschwerdeführer an, nie einen eigenen Reisepass besessen zu haben, während seine im Jahr 2007 ausgestellte chinesische Identitätskarte bei seinem Onkel in Nepal zurückgeblieben sei. Den Flug nach Europa habe er mit einem gefälsc h- ten nepalesischen Reisepass auf den Namen " G._______" angetreten. Es sei ihm auch von der Schweiz aus nicht möglich gewesen, seine Ide n- titätspapiere zu beschaffen, da er weder zu seinem Onkel noch zu seinen Familienangehörigen im Tibet habe Kontakt herstellen können. Das BFM teilte dem Beschwerdeführer am Ende der Anhörung vom 23. April 2014 mit, es gehe aufgrund seiner fehlenden Chinesisch -Kennt- nisse, seines mangelhaften Länderwissens, der fehlenden Ausweispapie- re, seiner dürftigen Aussagen seine Ausreise aus Tibet betreffend sowie seiner widersprüchlichen Asylgründe davon aus, dass er nicht Staatsa n- gehöriger der Volksrepublik China, sondern Exil -Tibeter sei. Gleichzeitig gewährte ihm das BFM zu diesen Vorhalten das rechtliche Gehör. B. Mit Verfügung vom 3. Juni 2014 – eröffnet am 4. Juni 2014 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung unter Ausschluss der Volksr e- publik China an. Zur Begründung hielt das BFM fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge - mäss Art. 7 Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. C. Mit Eingabe vom 30. Juni 2014 (Datum des Poststempels) erhob der Be- schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Dabei beantragte er, die Verfügung des BFM v om 3. Juni 2014 sei aufzuheben und in der Sache neu zu beurteilen. Es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventuali- ter sei festzustel len, dass subjektive Na chfluchtgründe im Sinne von Art. 54 Asyl vorlägen, und es sei eine vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu erteilen. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegwe i- sung unzulässig und unmöglich sei und die vorläufige Aufnah me anz u-D-3627/2014 Seite 4 ordnen. Im Weiteren beantragte er in verfahrensrechtlicher Hinsicht, es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Der Beschwerdeführer fügte se i- ner Rechtsmittelschrift eine Fürsorge abhängigkeitsbestätigung vom 23. Juni 2014 bei. D. Am 2. Juli 2014 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. E. Mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 201 4 stellte de r Instruktionsrichter fest, de r Beschwerdeführer könne den Ausgang des Ve rfahrens in der Schweiz abwarten. Im Weiteren verwies er den Entscheid über das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Schliesslich lud er die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. F. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 9. Juli 2014 die Ab- weisung der Beschwerde. G. Das Bundesverwaltungsgericht stellte dem Beschwerdeführer die Ve r- nehmlassung des BFM am 15. Juli 2014 zur Kenntnisnahme und allfällige Replik zu. H. In seiner Replik vom 29. Juli 2014 nahm der Beschwerdeführer zur Ver- nehmlassung des BFM Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist D-3627/2014 Seite 5 daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerd e kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die e inen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den D-3627/2014 Seite 6 Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforde- rungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Bereits anlässlich der Befragung zur Person seien erste Zweifel an der angeblichen chinesischen Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers aufgekommen. Dies unter anderem auch wegen seiner fehlenden Chin e- sisch-Kenntnisse. Deshalb habe das BFM anlässlich der Befragung zu seinen Asylgründen auch dessen Alltagswissen, seine Aussagen den Rei- seweg betreffend sowie die Glaubhaftigkeit fehlender Reisepapiere einge- hend geprüft. Hinsichtlich seines Länderwissens sei festzuhalten, dass er zwar in der Lage gewesen sei, einige geographische Angaben betreffend sein He i- matdorf und die nähere Umgebung zu machen. Sobald die Fragen jedoch seine konkreten Lebensumstände betroffen hätten, seien seine Antworten vage und undifferenziert geworden und teilweise auch falsch gewesen. So habe er beispielsweise erklärt, es habe in seinem Heimatdorf keine Geschäfte gegeben, weshalb die dortige Bevölkerung in der Stadt H._______ habe einkaufen müssen. Dennoch habe er über diese Stadt nichts berichten können , da er ang eblich nur ein Mal dort gewesen sei, obwohl er für seinen Onkel gekocht, die Wäsche gewaschen und allg e- mein die Hausarbeiten verrichtet haben wolle. Sein diesbezüglicher Erklä- rungsversuch, er habe nie Einkäufe in H._______ tätigen müssen, weil sein Onkel als Dank für seine Gebete alle Esswaren von der Dorfbevölke- rung erhalten habe, vermöge nicht zu überzeugen. Im Weiteren habe er nicht zu sagen vermocht, ob Kinder aus seinem Dorf, wo es keine Schule gegeben habe, in ein Nachbardorf zur Schule gegangen seien . Derlei Aussagen überzeugten nicht. Es dränge sich dabei der Verdacht auf, dass die rein geographischen Angaben des Beschwerdeführers in Bezug auf die Situierung seines Heimatdorfes oder die Nennung von Nachba r- dörfern von ihm gelernt worden seien, um den Anschein zu erwecken, aus dieser Gegend zu stammen. Darüber hinaus seien auch seine Aussagen in Bezug auf die landschaftli- che Gestaltung seines angeblichen Reisewegs nach Nepal über D-3627/2014 Seite 7 D._______, Tsangdong, Tashigang, Pengyeling bis zur Grenzregion Dram sehr allgemein ausgefallen. Er habe weiter keine zeitlichen Angaben über die Reise zwischen D._______ und Dram machen können und diesen Umstand auf Eile und Hektik zurückgeführt. Schliesslich habe er trotz e i- nem sechsstündigen Fussmarsch in der Grenzregion Dram nach Nepal einzig die Erklärung abgegeben, die ganze Gegend sei voller Wald gewe- sen, ohne – auf Nachfrage hin – weitere Details beziehungsweise Eindrü- cke zu benennen. Seine dürftigen und sehr allgemein gehaltenen Auss a- gen erweckten nicht den Eindruck, das s er diese Strecke tatsächlich se l- ber zurückgelegt habe. Damit erhärte sich die Annahme, dass er nicht in D._______ sozialisiert worden sei. Überdies habe der Beschwerdeführer keine Ausweispapiere zu den Akten gegeben, welche die geltend gemachte Staatsang ehörigkeit oder den zu- rückgelegten Reiseweg belegen würden. Ausserdem seien seine Auss a- gen bezüglich seiner Ausweispapiere widersprüchlich ausgefallen. Ferner habe er nicht nachvollziehbar zu erklären vermocht, weshalb es ihm i n- nert eines Jahres nicht hätte möglich sein sollen, seine im Tibet bezi e- hungsweise in Nepal befindliche Identitätskarte erhältlich zu machen. Sein diesbezüglicher Erklärungsversuch, er würde niemanden kennen, der ihm hätte helfen können, überzeuge nicht. Vielmehr sei davon ausz u- gehen, dass der Beschwerdeführer den Schweizer Behörden seine Ide n- titätspapiere bewusst vorenthalte, um seine Identität und seinen Reis e- weg zu verschleiern, um so den Vollzug einer möglichen Wegweisung in seinen tatsächlichen Heimatstaat zu erschweren oder g ar zu verunmögli- chen. Schliesslich sei auch die Schilderung seiner Asylgründe dürftig , un- substanziiert und widersprüchlich ausgefallen und würden das BFM in der Annahme bestärken, dass er nicht in D._______ geboren und aufg e- wachsen sei und während 29 Jahre n dort gelebt habe. Aufgrund der mangelhaften Länderkenntnisse, der fehlenden Chinesisch -Kenntnisse, der fehlenden Identitätspapiere, des unglaubhaften Reisewegs sowie der unglaubhaften Asylgründe sei nicht davon auszugehen, dass er in der von ihm angegebe nen Region sozialisiert worden sei beziehungsweise die chinesische Staatsangehörigkeit besitze, da im Exil geborenen Tib e- tern die chinesische Staatsangehörigkeit nicht zuerkannt werde. 4.2 Der Beschwerdeführer wandte hiergegen in seiner Rechtsmittelschrift ein, die Tatsache, dass er kein Chinesisch beherrsche, beruhe darauf, dass er aus einem kleinen und unterentwickelten Dorf stamme, nie zur D-3627/2014 Seite 8 Schule gegangen sei und sein näheres Umfeld nur aus Tibetern besta n- den habe. Seine Angaben zu seinem Heimatdorf würden e ntgegen der Annahme der Vorinstanz der Wahrheit entsprechen . Ferner habe das BFM in seiner Verfügung vom 3. Juni 2014 eingeräumt, dass seine Anga- ben in Bezug auf umliegende Orte seines Heimatortes korrekt gewesen seien. Er verwahre sich gegen die Behauptun g der Vorinstanz, er habe diese Dinge einfach "gelernt", um den Anschein zu erwecken, aus dieser Gegend zu stammen. Im Übrigen habe er ausführlich und detailliert über seinen Alltag berichtet. Seine chinesische Identitätskarte befinde sich bei seinem Onkel. Da er in- dessen über keinerlei Kontaktdaten seiner Familie verfüge, sei es ihm bis heute nicht gelungen, sie zu kontaktieren beziehungsweise persönliche Identitätspapiere beizubringen. Die Unterstellung des BFM, er habe nie eine chinesische Identitätskar te besessen beziehungsweise nie im Tibet gelebt, weise er in aller Form zurück. Hinsichtlich seiner Asylgründe gehe die Vorinstanz zu Unrecht davon aus, diese seien zufolge Widersprüchlichkeiten unglaubhaft. Er verweise in diesem Zusammenhang auch auf Ents cheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3, wonach den Aussagen in der Empfangsstelle zu den Asylgründen angesichts des summarischen Charakters dieser Befragung für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der vorgeb rachten Asylgründe nur ein beschränkter B e- weiswert zukomme. So dürften Widersprüche für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit nur herangezogen werden, wenn klare Aussagen in der Empfangsstelle in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Befragung beim Kanton oder beim BFM diame- tral voneinander abweichen würden, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt wü r- den, nicht bereits in der Empfangsstelle zumindest ansatzweise erwäh nt würden. Diametral abweichende Vorbringen würden in Bezug auf seine Asylvorbringen keine vorliegen. Hinsichtlich des vorinstanzlichen Vorwurfs, er habe seinen Reiseweg äusserst unsubstanziiert geschildert, weise er darauf hin, dass seine Flucht für ihn e ine sehr traumatische Erfahrung gewesen sei und er sich deswegen in einem absoluten Ausnahmezustand befunden habe. Er h a- be damals andere Sorgen gehabt, um sich jedes einzelne Dorf zu merken und in seinem "Gedächtnis eine Landkarte des Fluchtwegs zu zeichne n". D-3627/2014 Seite 9 Aus diesem Grunde sei er nicht zu einer ausführlicheren Schilderung se i- nes Reisewegs in der Lage gewesen. Da er die chinesische Staatsangehörigkeit besitze und bis zuletzt im Tibet gelebt habe, müsse seine flüchtlingsrelevante Gefährdung in Bezug auf China geprüft werden. Gemäss dem Grundsatzurteil EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.1–4.3 sei bereits auf die chinesische Staatsangehörigkeit zu schlie s- sen, wenn eine tibetische Ethnie als erstellt zu erachten sei, was in se i- nem Fall gegeben sei. Im Weiteren erfülle er die Flüchtlingseigenschaft gemäss EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1 ff. durch seine illegale Ausreise aus dem Tibet aufgrund sub- jektiver Nachfluchtgründe. Das Bundesverwaltungsgericht habe in BVGE 2009/29 die Praxis der ARK bestätigt und sogar präzisiert, dass subje kti- ve Nachfluchtgründe unabhängig von der Dauer eines Auslandaufenthalts zu bejahen seien. Eine Rückschiebung nach Nepal käme in seinem Fall ebenfalls nicht in Betracht, da er dort nur einige Monate illegal gelebt habe , weshalb er auch nicht im Besitz eine r nepalesischen Aufenthaltsbewilligung oder Staatsbürgerschaft sei. Ausserdem bestünde die grosse Gefahr, dass ihn die nepalesischen Behörden nach Tibet beziehungsweise China ausli e- fern könnten, womit er zufolge der Asylantragstellung im Ausland bei e i- ner Rückschaffung an Leib und Leben gefährdet wäre. 4.3 In seiner Vernehmlassung führte das BFM aus, für Angehörige der ti- betischen Ethnie bestehe sowohl in Nepal als auch in Indien die Möglic h- keit, unter gewissen Bedingungen eine Aufenthaltsbewilligung zu erha l- ten, beziehungsweise es sei unter engen Voraussetzungen möglich, die entsprechende Staatsangehörigkeit zu erwerben, womit die chinesische Staatsangehörigkeit – durch den Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit – wegfalle (vgl. das zur Publikation bestimmte Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts E-2981/2012). Diesfalls wäre die Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf Nepal beziehungsweise Indien zu prüfen. Vermutungsweise gelte, dass die asylsuchende Person im Land ihrer neu erlangten Staat s- angehörigkeit keine asylrelevante Gefährdung zu befürchten habe, wenn sie keine entsprechenden Vorbringen glaubhaft vortrage. Besitze die betreffende Person die chinesische Staatsangehörigkeit und verfüge sie gleichzeitig über eine Aufenthaltsbewilligung im Drittstaat N e- pal oder Indien oder werde die Person im betreffenden Drittstaat zumi n-D-3627/2014 Seite 10 dest geduldet, wäre eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG durch die Asylbehörden möglich, vorausg e- setzt, die asylsuchende Person lege den schweizeris chen Behörden alle Fakten im Verfahren dar. Die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze jedoch an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche ein tibet i- scher Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien i n- nehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Darüber hinaus werde auch die Pr ü- fung der Flüchtlingseigenschaft der betreffe nden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht. Vorliegend habe der Beschwerdeführer, welcher unbestrittenermassen t i- betischer Ethnie sei, unglaubhafte Angaben zu seiner Sozialisierung, zu seiner wahren Herkunft und zu seinen bisherigen Aufenthaltsorten vor der Einreise in die Schweiz gemacht. Aufgrund dieser unglaubhaften Ang a- ben könne seitens der Asylbehörden nicht eruiert werden, welche der oben genannten Fallkonstellationen auf ihn zutreffe, womit er die ihm o b- liegende Mitwirkungspflicht verletzt habe. Er habe daher die Folgen se i- ner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der Asylbehö r- den der Schluss gezogen werden müsse, es spreche nichts gegen eine Rückkehr, da er keine konkreten Hinweise geliefert habe, die gegen eine entsprechende Rückkehr sprechen würden. Da der Beschwerdeführer unbestrittenermassen tibetischer Ethnie sei und dadurch auch die Möglichkeit nicht auszuschliessen sei, dass er die chinesische Staatsangehörigkeit besitze, sei bereits in der Verfügung vom 3. Juni 2014 der Wegweisungsvollzug nach China ausgeschlossen wo r- den, da ihm dort gegebenenfalls eine Refoulement-Verletzung drohe. 4.4 In seiner Replik vom 29. Juli 2014 wiederholte der Beschwerdeführer im Wesentlichen Teile der Beschwerdebegründung vom 30. Juni 2014. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüc h- lich sein oder der inneren Logik entbeh ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die D-3627/2014 Seite 11 asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder u n- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfah ren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit de r Sachverhalts- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f.; BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 5.2 Einleitend ist zunächst festzustellen, dass die Asylvorbringen des Be- schwerdeführers zufolge erheblicher Widersprüche und Ungereimtheiten als unglaubhaft erscheinen. So erklärte er zunächst in der Empfangs stelle, er und sein Onkel hätten im Mai 2011 heimlich Flyers verteilt, weswegen sie nach wenig en Tagen Probleme mit den Behörden erhalten hätten, welche sie im Rahmen einer Untersuchung befragt, geschlagen, schliesslich aber wieder freigelassen hätten. Am 10. Dezember 2012 habe er zusammen mit seinem Onkel so - wie 50 bis 60 weiteren Personen vor dem Sitzungssaal in H._______ ge- gen die Chinesen protestiert, bis plötzlich nach etwa einer Stunde Polizis- ten aufgetaucht seien, worauf sämtliche Demonstrationsteilnehmer g e- flüchtet seien. Er und sein Onkel seien dabei in die Höhle geflüchtet, wo sein Onkel r egelmässig meditiert habe. Abends sei sein Vater zur Höhle gekommen und habe ihm und dem Onkel geraten, möglichst rasch zu fliehen, ansonsten sie Probleme mit den Chinesen bekommen könnten (vgl. act. A6 S. 8). Anlässlich der Befragung vom 23. April 2014 sa gte er demgegenüber aus, er habe im Jahr 2011 Gebete gemacht und sei der Anstifter der hier-D-3627/2014 Seite 12 an anschliessenden Demonstration gewesen. In der Folge hätten ihn die Chinesen zusammen mit seinem Onkel zufolge eines entsprechenden Verdachts festgenommen, sie aber später mangels Beweisen wieder fre i- gelassen (vgl. act. A16 F110–114). Am 10. Dezember 2012 sei er nach Gebeten, welche si ch zu einer Demonstration entwickelt hätten, zusa m- men mit seinem Onkel vor der anrückenden Polizei geflohen, wo sie sich in der Folge im Haus eines Dorfbewohners namens "I._______" versteckt hätten. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sei er (der Beschwerdeführer) dann nach Hause zurückgekehrt, worauf ihn seine Mutter dahingehend gewarnt habe, er und sein Onkel müssten fliehen, da der Polizei ihre Rol- le während besagter Demonstration bekannt geworden sei (vgl. act. A 16 F95 und F105 f.). Diese Widersprüche hins ichtlich der Art seiner (einen Anfangsverdacht der chinesischen Behörden auslösenden) angeblichen Aktivitäten im Jahr 2011 sowie der Modalitäten seiner – ausreisebestimmenden – Flucht un- mittelbar nach der Demonstration vom 10. Dezember 2012 wiegen derart schwer, dass ohne Weiteres auf Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers geschlossen werden muss. Bezeichnenderweise konnte der Beschwerdeführer diese Widersprüche auf Vorhalt nicht auflö- sen, sondern erwiderte einzig, die Vorfälle hätten sich effektiv so zugetra- gen, wie er sie während seiner Anhörung vom 23. April 2014 dargelegt habe (vgl. act. A 16 F108 f. und F 115 und 117). Diese Aussage erscheint indessen in keiner Weise geeignet, die aufgezeigten, durchaus als zentral zu wertenden Widersprüche in seinen Asylvorbringen in einem verständli- chen Licht erscheinen zu lassen. Aufgrund des Gesagten ist festzustellen, dass die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe den Tibet wegen drohender Verfolgung durch die chinesischen Behörden verlassen, n icht den Tatsachen entsprechen kann. 5.3 Darüber hinaus muten aber auch die Angaben des Beschwerdefü h- rers in Bezug auf seine anschliessende Flucht nach Nepal substanzarm an. Er war zwar in der Lage , die Abfolge der Städte auf seiner angebl i- chen Reiseroute nach Nepal ( Tsangdong, Tashigang, Pengyeling, Dha, Dram, Tatopani; vgl. act. A6 S. 6, Ziff. 5.02) geographisch korrekt zu b e- nennen. Mit dieser Exaktheit der Angaben kontrastiert demgegenüber sein offensichtliches Unvermögen, hinsichtlich spezifischer landschaf tli- chen Eigenarten seiner Reiseroute auch nur annähern d stichhaltige An- gaben zu machen. Seine diesbezüglichen Ausführungen erschöpften sich in dem lapidaren Hinweis, in seiner Region sei es generell so, dass es auf den Bergen keine Bäume habe und die Gegend felsig und steinig sei (act. D-3627/2014 Seite 13 A16 F84). Auch sein Hinweis, es sei damals dunkel gewesen, weshalb er nicht so viel habe sehen können (vgl. act. A16 F84), vermag schon de s- wegen nicht zu überzeugen, weil der Beschwerdeführer wenig später b e- hauptete, er sei w ährend der ganzen Fahrt bis Dram hinten in einem L a- deraum versteckt gewesen, weshalb er nichts habe sehen können (vgl. act. A16 F86) , was wiederum mit seiner ersten Aussage nicht vereinbar wäre. Ganz abgesehen davon bleibt schwer vorstellbar, dass der B e- schwerdeführer während seines angeblich beinahe 30 -jährigen Aufen t- halts in D._______ die Gelegenheit nie genutzt hätte, die nähere Umg e- bung seines Wohnortes zu erkunden, womit er auch ohne Weiteres in der Lage hätte sein müssen, die dortige Landschaft aus se iner Erinnerung heraus in anschaulicher Form zu schildern. So besehen, entsteht zufolge der deskriptiv sehr allgemeinen und kurzen Ausführungen des Beschwer- deführers in keiner Weise der Eindruck, er hätte diese Ausreise tatsäch- lich selber erlebt. So erklärte er beispielsweise auf die Frage, ob er die Gegend von Dram beschreiben könne: "Ich glaube, wir waren nicht inner- halb von Dram – wir waren irgendwo über Dram. Es war dunkel, als der Fahrer hielt. Als wir ausstiegen, war es dunkel und wir haben nicht viel gesehen" (act. A16 F88) . Auf die Frage, wie sich die Umgebung von Dram bis nach Tatopani präsentiert habe , antwortete er: "Sie hatten Ta- schenlampen dabei und wir gingen durch Wald" (act. A16 F90), und auf die Nachfrage "Geht es noch etwas konkreter?": "Di e ganze Gegend war voller Wald" (act. A16 F91). Weiter fällt auf, dass der Beschwerdeführer auch bezüglich seiner Weiterreise via Nepal in die Schweiz keinerlei sub- stanziierte Angaben machen konnte (vgl. act. A6 S. 6, Ziff. 5.02). Insbe- sondere ist nicht gl aubhaft, dass er weder die Fluglinie noch den Ort se i- ner Zwischenlandung benennen kann. Diesbezüglich ist nämlich zu e r- wähnen, dass Flughäfen und Fluglinien sowohl im Flugzeug als auch vor Ort immer wieder bei Ansagen namentlich erwähnt werden. Zudem ist auch davon auszugehen, dass ihm der Schlepper die angeflogenen Flu g- häfen genannt hat. Das Gericht gelangt auch diesbezüglich zum Schluss, der Beschwerdeführer versuche, den Schweizer Behörden seine Herkunft und seine Identität zu verschleiern, um den Behörden eine Rückschaffung zu erschweren beziehungsweise zu verunmöglichen. 5.4 Die Zweifel an der angeblichen, beinahe 30 Jahre betragenden Sozia- lisation des Beschwerdeführers im Tibet werden weiter genährt durch markante Wahrnehmungslücken desselben in Bezu g auf Geschehnisse des Alltags. Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass es das Dorf D._______ im Tibet, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde als ab gelegen, rückständig und vom chinesischen Einfluss noch ve r-D-3627/2014 Seite 14 gleichsweise wenig tangiert beschre ibt (a.a.O. S. 5), tatsächlich gibt. Dass sich dort keine Schule befinden soll, kann trotz einer Dorfbevölk e- rung von 40 bis 50 Familien ebenfalls nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, was wiederum eine Erklärung dafür sein könnte, dass der B e- schwerdeführer nie Chinesisch gelernt h ätte. All diesen Überlegungen zum Trotz fällt nun aber auf, dass der Beschwerdeführer, der angeblich nicht zur Schule gegangen, indessen von seinem Onkel mütterlicherseits, bei dem er seit seinem 17. Altersjahr gelebt habe, ge schult worden sei, keinerlei Angaben dazu machen konnte, ob Kinder aus seinem Dorf in ein Nachbardorf zur Schule gegangen seien. Angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer bis zu seinem 17. Lebensjahr bei seinen ebenfalls in D._______ wohnhaften Eltern gelebt und in seiner Jugendzeit auch mit anderen Kindern seines Dorfes gespielt haben will (vgl. act. A16 F80), bleibt völlig unerfindlich, weshalb der Beschwerdeführer diese Fr a- ge nicht spontan zu beantworten wusste. Seine diesbezügliche Antwo r- ten, er könne nicht für die 40 bis 50 Familien sprechen beziehungsweise, er sei ab seinem 17. Lebensjahr Mönch gewesen, habe seinem Onkel gedient und bei ihm ge lernt, weshalb er nicht wissen könne, "was alle Leute machen" (act. A16 F31 f.) , muten lebensfremd an, weshalb sie Zweifel wecken, dass der Beschwerdeführer tatsächlich im behaupteten kulturellen und sozialen Kontext in einem tibetanischen Dorf gelebt hat. In eine ähnliche Richtung weist auch die Behauptung des Beschwerdefü h- rers, H._______, wo sämtliche Familien seines Heimatdorfes eingekauft hätten, weil es in ihrem Dorf D._______ keine Geschäfte gegeben habe , kaum zu kennen, weil er dieses während seines ganzen Lebens nur ei n- mal besucht habe (vgl. act. A16 F37–43). Seine erst auf die Frage hin, ob er, für seinen Onkel kochend , nicht auch für diesen eingekauft habe, a b- gegebene Erklärung, dieser habe von der Dorfbevölkerung sämtliche L e- bensmittel als Gegenleistung für die Gebete erhalten (vgl. act. A16 F61 f.), vermag nicht zu überzeugen. Vi elmehr entsteht bei der Lektüre des Protokolls der Eindruck, dass der Beschwerdeführer mit seiner diesb e- züglichen Antwort versucht, den bloss einmaligen Besuch der Einkauf s- stadt H._______ nachträglich in einem plausiblen Licht erscheinen zu lassen. 5.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass die Identität des Beschwerdefü h- rers nicht feststeht. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat er trotz ausdrücklicher Aufforderung keinerlei Reise - oder Identitätspapiere zu den Akten g e- reicht, die es erlauben würden, verbindliche Rückschlüsse auf seine Iden- tität zu ziehen. Es liegen auch keine weiteren Dokumente vor, die zumi n- dest Hinweise auf seine wahre Identität geben könnten. Gemäss Art. 8 D-3627/2014 Seite 15 AsylG obliegt es den Asylsuchenden im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht unter anderem, ihre Ident ität offenzulegen und Reisepapiere und Ident i- tätsausweise abzugeben. Anlässlich der Befragungen erklärte der B e- schwerdeführer, eine Identitätskarte besessen zu haben , welche sich bei seinem Onkel in Nepal befinde (vgl. act. A6 S. 6, Ziff. 4.03 und act. A16 F9 i.V.m. S. 14 ["Anmerkungen anlässlich der Rückübersetzung "]). Sein Reisebegleiter (nach Europa) habe ihn allerdings keine Dokumente mi t- nehmen lassen (act. A16 F12). Selbst wenn letztere Behauptung zutreffen sollte, erscheint es indessen wenig glaubhaft, dass der Beschwerdefü h- rer, welcher gemeinsam mit seinem Onkel nach Nepal gegangen und bis zu seiner Weiterreise nach Europa drei Monate lang dort geweilt haben will, nicht Vorkehrungen getroffen hätte, um später wieder in Kontakt zu seinem Onkel treten z u können. Vor diesem Hintergrund wäre zu erwa r- ten gewesen, dass er zumindest nachträglich mittels Kontaktierung se i- nes Onkels seine Identitätskarte erhältlich gemacht und diese zu den Ak- ten gereicht hätte. Der Beschwerdeführer blieb indessen passiv und wies lediglich pauschal darauf hin, er sehe keinen Weg, Kontakt zu seinem Onkel in Nepal herzustellen (vgl. act. A16 F13). Damit hat er es unterla s- sen, die ihm obliegende zumutbare und mögliche Mitwirkungspfl icht hin- sichtlich der Papierbeschaffung wahrzunehmen, weshalb er die daraus resultierenden nachteiligen Konsequenzen in Eigenverantwortung zu tr a- gen hat. 5.6 Abschliessend und der Vollständigkeit halber ist auf das zur Publikati- on bestimmte Urteil des Bundesve rwaltungsgerichts E –2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.10 zu verweisen, das in Präzisierung der bis anhin gü l- tigen Praxis (EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.3 sowie BVGE 2009/29) festhält, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschle i- ern oder ve rheimlichen, vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsrechtlichen Gründe gegen eine Rück- kehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen. Mithin erübrigen sich Erörterungen im Zusammenhang mit dem Vorliegen von subjekt iven Nachfluchtgründen. 5.7 Aufgrund der ausführlich und schlüssig begründeten Verfügung der Vorinstanz ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, son dern in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte exiltibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist daher vermutungswei-D-3627/2014 Seite 16 se anzunehmen, dass er in Indien oder Nepal aufgewachsen ist resp ekti- ve dort gelebt hat. Folglich wäre grundsätzlich zu prüfen, ob er über die chinesische Staat s- angehörigkeit verfügt, was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Si n- ne von Art. 31a Abs. 1 AsylG mit sich bringen würde, oder ob er die Staatsangehörigkeit von Indien oder Nepal erlangt hat, was zur Folge hät- te, dass das Vorliegen asylrelevanter Gefährdung hinsichtlich jenes Sta a- tes zu prüfen wäre. Wie bereits in Erwägung 5.5 ausgeführt, ist das Gericht mit der Vori n- stanz der Auffassung, dass der Beschwerdefüh rer die Mitwirkungspflicht in nicht entschuldbarer Weise verletzt hat und dadurch den Behörden n ä- here Abklärungen und eine Rückschaffung in seinen tatsächlichen He i- matstaat verunmöglicht. Durch die Verletzung dieser Pflicht verunmöglicht er auch die Abklär ung, welchen effektiven Status er in Indien respektive Nepal innehat. Er hat die Folgen dieses Verhaltens zu verantworten. 5.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG in Bezug auf die Volksrepublik Chi- na nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag und de s- halb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abge lehnt. Der Antrag, die Sache sei neu zu beurteilen, ist nach dem Gesagten a b- zuweisen. 6. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwe i- sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylg e- such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt w e- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung ist nicht zu beanstanden. 7. 7.1 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs stellt sich die Vorinstanz vorli e- gend auf den Standpunkt, da die vom Beschwerdeführer geltend g e- machte Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft sei, müsse diese als unb e- kannt gelten. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägungen. Zwecks Ver-D-3627/2014 Seite 17 meidung von Wiederholungen kann auf den Entscheid des Bundesamtes verwiesen werden. 7.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvol l- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchung s- pflicht findet, wie die Vorinstanz zu Recht sowohl in ihrer Verfügung vom 3. Juni 2014 als auch in ihrer Vernehmlassung vom 9. Juli 2014 hervorge- hoben hat , ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Beschwerdefü h- rers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshinde r- nissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Vermutungswe i- se ist vorliegend davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen, was insbesond ere für Nepal und Indien gilt, welche als mögliche Herkunftsstaaten in Frage kommen. Ein Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid ausdrücklich ausgeschlossen worden (vgl. BFM-Verfügung vom 3. Juni 2014, Dispositiv Ziff. 5). Mit dem Vorenthalten von Informationen und dem Fehlen jeglicher Bemü- hungen, Ausweispapiere und Beweismittel zu beschaffen, die seine Ide n- tität, Herkunft und Vorbringen beweisen könnten, ist der Beschwerdefü h- rer selber dafür verantwortlich, wesha lb sich zuerst die Vorinstanz und nun auch das Gericht mit den Fragen der Wegweisung und deren Vol l- zugs nur in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise gemäss den vo r- stehenden Ausführungen befasst. Er entzieht mit seinem Verhalten die für genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, und es ist nicht Sache des Gerichts, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu ergehen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 4. Juli 2014 wurde die Behandlung des Gesuchs um Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen und auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses verzichtet. D-3627/2014 Seite 18 Hinsichtlich des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist festzustellen, dass von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Auch können die Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist somit gut- zuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3627/2014 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand: