<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: SB.2002.00096</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=107370&amp;W10_KEY=4467143&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>SB.2002.00096</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 27.08.2003</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Steuerrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Einschätzung 1999 (2. Rechtsgang)</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Einzelrichterkompetenz der Vizepräsident(inn)en der Steuerrekurskommissionen<br/><br/>Die Regelung von § 9 Abs. 2 der Verordnung über die Organisation und das Verfahren der Steuerrekurskommissionen vom 29. April 1998, wonach die Vizepräsidien der RK als Einzelrichter amten können, findet keine formellgesetzliche Stütze in § 114 StG und verstösst gegen den in Art. 30 BV statuierten Anspruch auf ein verfassungsmässiges Gericht. Kassierung des Entscheids der Vizepräsidentin der RK.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AKZESSORISCHE PRÃFUNG">AKZESSORISCHE PRÃFUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AUSLEGUNG">AUSLEGUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Steuerrecht UR: Organisation der SteuerbehÃ¶rden und Verfahrensgr. ST: ORGANISATION DER STEUERBEHÃRDE">ORGANISATION DER STEUERBEHÃRDE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Staats- und Verfassungsrecht UR: Grundrechte ST: RECHT AUF DEN VERFASSUNGSMÃSSIGEN RICHTER">RECHT AUF DEN VERFASSUNGSMÃSSIGEN RICHTER</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERFASSUNGSMÃSSIGES GERICHT">VERFASSUNGSMÃSSIGES GERICHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VIZEPRÃSIDENT">VIZEPRÃSIDENT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZUSTÃNDIGKEIT">ZUSTÃNDIGKEIT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 30 BV</span><br/><span class="ungerade">§ 28 GVG</span><br/><span class="gerade">§ 112 StG</span><br/><span class="ungerade">§ 114 StG</span><br/><span class="gerade">§ 3 VO [St]RK</span><br/><span class="ungerade">§ 8 VO [St]RK</span><br/><span class="gerade">§ 9 VO [St]RK</span><br/><span class="ungerade">§ 38 VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">RB 2003 Nr. 96 S. 214</span><br/> </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 1 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. A und B wurden vom kantonalen Steueramt mit EinschÃ¤tzungsentscheid vom 5. Juli 2001 und Einspracheentscheid vom 12. September 2001 fÃ¼r die Steuerperiode 1999 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 115'400.- und einem steuerbaren VermÃ¶gen von Fr. 1'829'000.- eingeschÃ¤tzt. Abweichend von der Deklaration der Pflichtigen, welche einen Eigenmietwert von Fr. 24'751.- fÃ¼r die selbst bewohnte Liegenschaft [...] verfochten hatten, ermittelte das kantonale Steueramt ausgehend von dem aus der Neubewertung 1999 sich ergebenden Brutto-Eigenmietwert von Fr. 49'500.- einen solchen von Fr. 33'413.-. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Den dagegen erhobenen Rekurs wies die VizeprÃ¤sidentin der Steuerrekurskommission III am 6. Februar 2002 ab, soweit sie darauf eintrat. Sie liess die streitige Frage, ob die von den Pflichtigen geltend gemachte Unternutzung gegeben sei, offen und erwog im Wesentlichen, der vom SteuerkommissÃ¤r festgelegte Eigenmietwert von Fr. 33'413.- Ã¼berschreite die verfassungsmÃ¤ssig vorgegebene HÃ¶chstgrenze von 90% der hypothetischen Marktmiete nicht. Unter diesen UmstÃ¤nden kÃ¶nne der von den Pflichtigen zusÃ¤tzlich anbegehrte Einschlag wegen Unternutzung der Liegenschaft nicht geltend gemacht werden. Auf den von den Pflich­tigen mit Eingabe vom 12./13. November 2002 gestellten Antrag, worin sie einen Einschlag auf dem Eigenmietwert fÃ¼r HÃ¤rtefÃ¤lle beantragten, trat die VizeprÃ¤sidentin infolge verspÃ¤teter Eingabe nicht ein. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>III. Das Verwaltungsgericht hiess die dagegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 26. Juni 2002 (SB.2002.00021) teilweise gut, soweit es darauf eintrat. Die Einzelrichterin erwog, da der formelmÃ¤ssig ermittelte Gesamteigenmietwert von Fr. 49'500.- weder im angefochtenen Einspracheentscheid noch im Rekursverfahren umstritten gewesen sei, hÃ¤tten die Pflichtigen nicht mit der dargelegten, erstmals durch die Rekurskommission vorgenommenen rechtlichen WÃ¼rdigung rechnen mÃ¼ssen. Da es diese unterlassen habe, die Pflichtigen zu dieser massgeblichen Ãnderung des rechtlichen Standpunkts anzuhÃ¶ren, habe sie dergestalt deren rechtliches GehÃ¶r verletzt, weshalb die AnhÃ¶rung im zweiten Rechtsgang nachzuholen sei. Das Begehren um einen Einschlag auf dem Eigenmietwert in HÃ¤rtefÃ¤llen wurde abgewiesen. Schliesslich wies das Verwaltungsgericht die Rekurskommission an, sich im zweiten Rechtsgang mit der von den Pflichtigen aufgeworfenen Frage auseinander zu setzen, ob der Entscheid der VizeprÃ¤sidentin im Lichte von § 114 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG), wonach der PrÃ¤sident und nicht der VizeprÃ¤sident zu entscheiden habe, eine Verletzung des Anspruchs auf ein verfassungsmÃ¤ssiges Gericht (Art. 30 Abs. 1 BV) darstelle. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>IV. Im zweiten Rechtsgang hiess die VizeprÃ¤sidentin der Steuerrekurskommis­sion</span> <span>III wiederum als Einzelrichterin den Rekurs am 30. September 2002 teilweise gut, soweit sie darauf eintrat. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>V. Mit Beschwerde vom 7. November 2002 beantragten A und B dem Verwaltungsgericht unter anderem sinngemÃ¤ss, der Entscheid der Steuerrekurskommission sei infolge Verletzung diverser Verfahrensgarantien aufzuheben und die Sache sei zum Neuentscheid an die Vorinstanz zurÃ¼ckzuweisen. Ferner verlangten sie die Zusprechung einer ParteientschÃ¤digung.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>WÃ¤hrend die Einzelrichterin der Steuerrekurskommission III auf Vernehmlassung verzichtete, schloss das kantonale Steueramt in ihrer â allerdings verspÃ¤tet eingereichten <br/> â Beschwerdeantwort auf Abweisung der Beschwerde. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Am 22. Mai 2003 reichten A und B ein Urteil des eidgenÃ¶ssischen Versicherungsgerichts vom 20. Februar 2003 ein.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Einzelrichterin Ã¼berwies am 18. Juli 2003 den Fall der Kammer zur Entscheidung.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. a) Mit der Steuerbeschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen laut § 153 Abs. 3 StG alle Rechtsverletzungen, einschliesslich Ãberschreitung oder Missbrauch des Ermessens, und die unrichtige oder unvollstÃ¤ndige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Das Verwaltungsgericht hat sich infolgedessen auf die reine Rechtskontrolle zu beschrÃ¤nken; dazu gehÃ¶rt auch die PrÃ¼fung, ob die Vorinstanzen den rechtserheblichen Sachverhalt gesetzmÃ¤ssig festgestellt haben. Dem Gericht ist es daher verwehrt, das von der Re­kurskommission in Ãbereinstimmung mit dem Gesetz ausgeÃ¼bte Ermessen auf Angemessenheit hin zu Ã¼berprÃ¼fen und so sein Ermessen anstelle desjenigen der Rekursinstanz zu setzen. Die PrÃ¼fungsbefugnis des Verwaltungsgerichtes erstreckt sich lediglich auf rechtsverletzende Ermessensfehler, d.h. auf ErmessensÃ¼berschreitungen und auf Ermessensmissbrauch (RB 1999 Nr. 147). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Mangels Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels ist die am 22. Mai 2003 eingereichte Eingabe aus dem Recht zu weisen (§ 148 Abs. 2 in Verbindung mit § 153 Abs. 3 StG).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. a) GemÃ¤ss § 3 Abs. 1 lit. a der Verordnung Ã¼ber die Organisation und das Verfahren der Steuerrekurskommissionen vom 29. April 1998 (VO RK) entscheidet die Rekurskommission III Ã¼ber Grundsteuern. Aus wichtigen GrÃ¼nden kann die PrÃ¤sidentenkonferenz eine abweichende ZustÃ¤ndigkeit anordnen (§ 3 Abs. 2 VO RK). Die RÃ¼ge der Pflich‑tigen, die Rekurskommission III hÃ¤tte nicht Ã¼ber den vorliegenden Streitgegenstand urteilen dÃ¼rfen, erweist sich als unbegrÃ¼ndet. Denn dieser betrifft zwar die Einkommens- und VermÃ¶genssteuer, steht aber genauso wie die Grundsteuern im Zusammenhang mit Liegenschaftenbewertungen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Die Pflichtigen machen erneut geltend, indem die VizeprÃ¤sidentin an Stelle des in Art. 114 StG vorgesehenen PrÃ¤sidenten als Einzelrichterin entschieden habe, sei ihnen der in Art. 30 Abs. 1 BV garantierte Anspruch auf ein verfassungsmÃ¤ssiges Gericht versagt worden.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>aa) Die Organisation der Rechtspflege und des gerichtlichen Verfahrens ist grundsÃ¤tzlich Sache des kantonalen Prozessrechts. Die Bundesverfassung schreibt den Kantonen nicht eine bestimmte Gerichtsorganisation oder ein bestimmtes Verfahren vor. Aus Art. 30 BV ergeben sich indessen gewisse Minimalanforderungen an das kantonale Verfahren. Zum einen hat der Rechtsuchende Anspruch auf ein durch das Gesetz bestimmtes, unabhÃ¤ngiges, unparteiisches und unvoreingenommenes Gericht. Zum anderen verbietet die Verfassungsbestimmung Ausnahmegerichte und die Bestellung von ad hoc oder ad personam berufenen Richtern und verlangt damit zum Zweck der Verhinderung jeglicher Manipulation eine durch Rechtssatz bestimmte Gerichts- und Verfahrensordnung (BGE 127 I 196 E. 2b; BGE 123 I 49 E. 2b).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Nach § 114 Abs. 1 StG entscheidet der PrÃ¤sident als Einzelrichter Ã¼ber Rekurse, soweit der Streitwert den Betrag von Fr. 2'500.- nicht Ã¼bersteigt. § 9 Abs. 2 VO RK sieht vor, dass auch die VizeprÃ¤sidentin oder der VizeprÃ¤sident als Einzelrichter/in tÃ¤tig sein kann. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die vom Regierungsrat erlassenen Bestimmungen unterliegen einer akzessorischen Normenkontrolle durch die zÃ¼rcherischen VerwaltungsjustizbehÃ¶rden (zu derjenigen des Verwaltungsgerichts vgl. Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 50 N. 117 ff.). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>bb) Vorliegend steht einzig im Raum, ob § 114 StG eine Auslegung in dem Sinn erlaubt, dass unter dem Begriff PrÃ¤sident auch der VizeprÃ¤sident bzw. die VizeprÃ¤sidentin zu verstehen ist. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Ziel der Auslegung ist es, den Sinngehalt einer Norm zu ergrÃ¼nden. Auszugehen ist dabei vom Wortlaut der auszulegenden Bestimmung, doch kann dieser nicht allein massgebend sein, namentlich wenn der Text unklar ist oder verschiedene Deutungen zulÃ¤sst. Vielmehr muss nach der wahren Tragweite des Wortlauts gesucht werden unter BerÃ¼cksichtigung der weiteren Auslegungselemente, wie namentlich Entstehungsgeschichte und Zweck der Norm. Wichtig ist auch die Bedeutung, welche der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt. GemÃ¤ss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist stets von einem Methodenpluralismus auszugehen, wobei vom klaren Wortlaut nur dann abgewichen werden darf, wenn triftige GrÃ¼nde dafÃ¼r sprechen, dass dieser nicht den wahren Sinn der Be­stimmung wiedergibt. Solche GrÃ¼nde kÃ¶nnen sich aus der Entstehungsgeschichte, dem Sinn und Zweck der Vorschrift sowie aus dem Zusammenhang mit anderen Normen erge­ben (vgl. etwa BGE 125 II 177 E. 3; Ulrich HÃ¤felin/Walter Haller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 5.A. ZÃ¼rich 2001, N. 91). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Nach § 8 lit. a-c VO RK obliegt dem PrÃ¤sidenten oder der PrÃ¤sidentin die Verantwortung fÃ¼r den ordnungsgemÃ¤ssen GeschÃ¤ftsgang der Rekurskommission, die Ãberwachung der PflichterfÃ¼llung der Mitglieder und der Ersatzmitglieder sowie die Bestimmung der Referentin oder des Referenten. Die PrÃ¤sidialbefugnisse sind daher die allgemeine GeschÃ¤fts- und Verfahrensleitung sowie die Ãberwachung der Mitglieder. Die Aufgabe des VizeprÃ¤sidenten, der VizeprÃ¤sidentin ist es, den/die PrÃ¤sidenten/in in diesen Aufgaben zu vertreten. Auch wenn die GeschÃ¤fte des Einzelrichters gemÃ¤ss gesetzlicher Anordnung dauernd dem PrÃ¤sidenten Ã¼bertragen werden, ist indessen die EinzelrichtertÃ¤tigkeit keine prÃ¤sidiale Funktion. Ein Blick auf andere Gesetzgebungen zeigt, dass die Einzelrichterfunktion der PrÃ¤sidenten nicht mit der Befugnis des VizeprÃ¤sidenten als Einzelrichter zu amten einhergeht. Nach § 19 Abs. 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 13. Juni 1976 (GVG) Ã¼bertrÃ¤gt das Bezirksgericht die GeschÃ¤fte des Einzelrichters dauernd dem PrÃ¤sidenten oder â mit Bewilligung des Obergerichts â einem oder mehreren Mitgliedern. GemÃ¤ss § 28 GVG wÃ¤hlt das Bezirksgericht aus seiner Mitte einen oder mehrere VizeprÃ¤sidenten sowie die Einzelrichter. § 38 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) bestimmt, dass die vollamtlichen oder teilamtlichen Mitglieder als Einzelrichter Rekurse, Beschwerden und Klagen behandeln. Im Rahmen dieser formellgesetzlichen Vorgaben ist sodann § 10 der GeschÃ¤ftsverordnung des Verwaltungsgerichts vom 26. Juni 1997 einschlÃ¤gig: Soweit der ZustÃ¤ndigkeitsbereich der Abteilung Streitigkeiten mit Einzelrichterkompetenz umfasst, bestimmt sie selbstÃ¤ndig, welchem oder welchen ihrer Mitglieder sie diese Funktion Ã¼bertrÃ¤gt. Im Unterschied zu diesen Regelungen wird in § 114 StG die Einzelrichterei allein dem PrÃ¤sidenten Ã¼bertragen. Der Hinweis auf weitere Mitglieder fehlt. Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus den Materialien. Im Protokoll des Kantonsrats ist ausschliesslich nur vom PrÃ¤sidenten die Rede (Prot KR 1995-99 S. 4868, 4874 und 6662; vgl. auch Weisung Amtsblatt 1994 [Textteil] S. 1503). Abgesehen von dieser unterschiedlichen Funktion kommt hinzu, dass der WahlkÃ¶rper fÃ¼r PrÃ¤sidium und VizeprÃ¤sidium nicht identisch ist. Letzteres wird nicht gemÃ¤ss § 113 Abs. 1 StG durch den Regierungsrat gewÃ¤hlt, sondern von der Steuerrekurskommission aus dem Kreis der vollamtlichen Mitglieder bestimmt (§ 9 Abs. 1 VO RK). Auch wenn der Regierungsrat die Einstufung in die entsprechende Besoldungsklasse genehmigt, sanktioniert er damit lediglich die durch den Entscheid der Rekurskommission sich ergebenden lohnmÃ¤ssigen Folgen. Von einer Wahl durch den Regierungsrat kann indessen nicht ausgegangen werden. Im Weiteren vermag das Argument, bei einer allgemeinen Verhinderung des PrÃ¤sidenten mÃ¼sse eine Stellvertretung sichergestellt sein, nicht zu Ã¼berzeugen. PraktikabilitÃ¤tsÃ¼berlegungen vermÃ¶gen eine nicht gesetzeskonforme Bestimmung nicht zu rechtfertigen (vgl. VGr 18.12.2002, RG.2002.00001, E. 4, </span>www.vgrz<a id="_Hlt49843040">h</a>.ch/rechtsprechung<span>, zur VerÃ¶ffentlichung vorgesehen in RB 2002 Nr. 122). Soll das GeschÃ¤ft bei gegebenen Voraussetzungen von § 114 Abs. 1 StG in Einzelrichterbesetzung behandelt werden, so kann einer voraussehbaren Verhinderung eines PrÃ¤sidenten im Rahmen der Zuteilung Rechnung getragen werden (vgl. ErwÃ¤gung 2a). Ansonsten ist der Entscheid in ordentlicher Dreierbesetzung zu fÃ¤llen (§ 114 Abs. 3 StG).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Zusammenfassend erweist sich die Auslegung von § 114 StG, wonach unter dem PrÃ¤sidenten auch der VizeprÃ¤sident bzw. die VizeprÃ¤sidentin zu verstehen ist, als sachlich schlechthin nicht vertretbar. Damit hÃ¤lt § 9 Abs. 2 VO RK einer akzessorischen Normenkontrolle nicht stand. Dass der angefochtene Entscheid deswegen aber als nichtig zu bezeich­nen wÃ¤re, trifft nicht zu. Im Sinn der sogenannten Evidenztheorie ist eine Anordnung nÃ¤mlich nur dann nichtig, wenn sie einen schweren, offensichtlich oder zumindest leicht erkennbaren Mangel aufweist und die Nichtigkeit die Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefÃ¤hrdet (Ulrich HÃ¤felin/Georg MÃ¼ller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. A. ZÃ¼rich 2002, N. 956 ff., mit Beispielen und Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur; vgl. etwa auch BGE 127 II 32 E. 3b sowie insbesondere BGE 128 V 82 in Verbindung mit dem Entscheid des eidgenÃ¶ssischen Versicherungsgerichts I 450/01 vom 20. Februar 2003 [zur Publikation vorgesehen]). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>cc) Selbst wenn man davon ausginge, dass neben dem PrÃ¤sidenten auch der VizeprÃ¤sident bzw. VizeprÃ¤sidentin als Einzelrichter/in entscheiden kÃ¶nnte, fÃ¼hrte dies im vorliegend zu beurteilenden Fall zu einer Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids. Die Garantie des verfassungsmÃ¤ssigen Gerichts ergÃ¤nzt das Gewaltenteilungsprinzip, indem es dem Betroffenen Anspruch auf die Einhaltung der einmal getroffenen staatlichen ZustÃ¤ndigkeitsordnung einrÃ¤umt. Daraus ergibt sich der Anspruch auf den primÃ¤r zustÃ¤ndigen Richter. Jede Abweichung davon steht auch bei Vorliegen von AusstandsgrÃ¼nden in einem gewissen SpannungsverhÃ¤ltnis dazu (BGE 123 I 49 E. 3c). Die Einzelrichterin erwÃ¤hnt zwar in ihrem Entscheid vom 30. September 2002, dass bei Verhinderung des PrÃ¤sidenten die VizeprÃ¤sidentin zu entscheiden habe. Es wird indessen nicht dargelegt noch geht solches aus den Akten hervor, dass der zustÃ¤ndige PrÃ¤sident im vorliegenden Fall beispielsweise durch Krankheit, Ferienabwesenheit oder einem Ausstandsgrund an seiner richterlichen TÃ¤tigkeit verhindert gewesen wÃ¤re. Die generelle Einsetzung des/der VizeprÃ¤sidenten/in an Stelle des PrÃ¤sidenten als Einzelrichter verletzte nach dem Gesagten auch in diesem Licht die Garantie des verfassungsmÃ¤ssigen Gerichts. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>dd) Die Beschwerde erweist sich infolgedessen als begrÃ¼ndet und ist gutzuheissen. Unter diesen UmstÃ¤nden braucht auf die von den Pflichtigen vorgebrachten Ã¼brigen RÃ¼gen nicht eingegangen zu werden. Angemerkt sei lediglich, dass sich die Rekurskommission â sollte deren PrÃ¤sident im dritten Rechtsgang den Entscheid einer Dreierbesetzung unterbreiten und die VizeprÃ¤sidentin an diesem Entscheid mitwirken â mit der Frage von deren Befangenheit zu befassen haben wÃ¼rde.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 in Verbindung mit § 153 Abs. 4 StG) und hat dieser den BeschwerdefÃ¼hrenden eine ParteientschÃ¤digung auszurichten (§ 17 Abs. 2 VRG in Verbindung mit § 152 und 153 Abs. 4 StG).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet die Kammer:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid der VizeprÃ¤sidentin der Steuerrekurs­kommission III vom 30. September 2002 wird im Sinn der ErwÃ¤gungen aufgehoben.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 1'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 1'560.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Der Beschwerdegegener wird verpflichtet, den BeschwerdefÃ¼hrenden eine ParteientschÃ¤digung von je Fr. 250.- zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>5. ...</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>