Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Juni 2018 (720 17 395 / 159) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf IV-Kinderrente Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin i. V. Merve Yavuz Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Kinderrente A. Der 1969 geborene A.____ bezieht seit dem 1. Sep tember 2005 eine halbe Rente der Invalidenversicherung (IV) und eine Kinderrente für seine 1998 geborene Tochter B.____. Am 15. August 2017 erfuhr die Ausgleichskasse Arbeitgeber Basel (Ausgleichskasse), dass B.____ ihre Ausbildung an der C.____ per 9. Dezember 2016 abgebrochen hatte. Am 27. Oktober 2017 verfügte die IV-Stelle, dass für die Monate Januar bis Juli 2017 kein Anspruch auf Kinderrente bestehe. Der Vollzeitkurs, welchen B.____ vom 16. J anuar bis am 10. Februar 2017 im D.____ besucht hatte, sowie die Praktikas vom 1. März bis 28. April 2017 bei der E.____ und vom 8. Mai bis 31. Juli 2017 bei der F.____ wurden von der IV-Stelle nicht als Ausbildungen im Sin- ne der gesetzlichen Anforderungen gewertet. Die während dieser Zeit bezogene Kinderrente im Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Betrag von Fr. 2‘975.– sei der Ausgleichskasse zurückzuerstatt en. Da B.____ seit 1. August 2017 eine Lehrausbildung bei F.____ absolviere, wurde A.____ ab diesem Zeitpunkt wieder ein Anspruch auf Kinderrente zugesprochen. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Eingabe vom 24. November 2017 Beschwerde am Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Der Beschwerdeführer beantragte, die Ve rfügung der IV-Stelle vom 27. Oktober 2017 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die A uszahlung der Kinderrente für die Zeit von Januar bis Juli 2017 zu Recht erfolgt sei. Eventuali ter sei festzustellen, dass der Anspruch auf Kinderrente für die Monate Januar und Februar 20 17 bestehe. Subeventualiter sei für den Fall, dass die Kinderrente von Januar bis Juli 2017 zu Unrecht bezogen worden sei, auf eine Rückerstattung der bezogenen Leistungen zu verzichten; alles unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 11. Dezember 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte sie unter Verweis auf die Stellungnahme der Ausgleichs- kasse vom 6. Dezember 2017 geltend, dass die von B.____ ab solvierten Praktikas nicht als Ausbildung gewertet werden könnten und der besuchte B erufsintegrationskurs im D.____ keine vier Wochen gedauert hätte, womit die zeitliche Mindesta nforderung an eine Ausbildung nicht erfüllt sei. Des Weiteren könne auf das Erlassgesuch nicht eingetreten werden. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 9. Februar 2017 / Duplik vom 5. März 2018) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. E. Am 18. Juni 2018 reichte A.____ ein Verlaufsbericht der IV-Stelle zur Revision der Leistungen bei Jugendlichen vom 7. März 2017 sowie eine sich bereits in den Akten befindende Stellungnahme vom 8. Februar 2017 ein, worin die Fach ärzte der Kinder- und Jugendpsychiat- rie der Universitären Psychiatrischen Klinik bestätigten, dass sich B.____ wegen ihrer Krankheit in regelmässiger psychiatrischer Behandlung befinde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Al lgemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mit Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Verfügungen der kantona- len IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versiche rungsgericht am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsgericht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Au f die im Übrigen form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind gr undsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vor- gängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stell ung genommen hat. Insoweit bestimmt die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sa churteilsvoraussetzung, wenn und in- soweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a mit Hinweisen). Gegenstand der vorliegend angefochtenen Verfügung vo m 27. Oktober 2017 bildet die rückwir- kende Aufhebung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf eine IV-Kinderrente für B.____ für die Zeit von Januar 2017 bis Juli 2017 sowie die darau s resultierende Rückforderung seither zu Unrecht ausgerichteter Leistungen in der Höhe von Fr. 2‘ 975.–. Die vorliegend angefochtene Verfügung befasst sich jedoch nicht mit den Voraussetzun gen des Erlasses. Ob dem Be- schwerdeführer die Rückforderung zu erlassen ist, bildet d aher nicht Streitgegenstand des vor- stehenden Beschwerdeverfahrens. Ein allfälliges Erlassge such könnte zum heutigen Zeitpunkt ohnehin noch nicht beurteilt werden. Gegenstand eine s Rückforderungserlasses kann nur eine rechtskräftige Rückforderungsverfügung bilden. Dies ist hier jedoch erst der Fall, wenn das vor- liegende Urteil in Rechtskraft erwachsen ist. 1.3 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis z u einem Streitwert von Fr. 10'000.– durch Präsidialentscheid. Vorliegend beträgt der Streit wert Fr. 2‘975.– (7 Monate à Fr. 425.–). Der Fall ist somit präsidial zu entscheiden 2. Streitig ist, ob der Beschwerdeführer von Januar bi s Juli 2017 Anspruch auf eine Kin- derrente für seine Tochter B.____ hat. Zu prüfen ist dabei, ob sich die Tochter des Beschwerde- führers im betreffenden Zeitraum noch in Ausbildung befand. 2.1 Gemäss Art. 35 Abs. 1 IVG i. V. m. Art. 22 ter Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Al- ters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dez ember 1946 haben Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Wai- senrente der Alters- und Hinterlassenenversicherung beansp ruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente. Nach Art. 25 Abs. 4 AHVG erlischt der Ans pruch auf eine Waisenrente (und damit auf die Kinderrente) mit der Vollendung des 18. Alte rsjahrs. Über das 18. Altersjahr hinaus be- steht der Anspruch auf eine Kinderrente nur für Kinder , die noch in der Ausbildung sind, bis zu deren Abschluss, längstens aber bis zum vollendeten 25. Altersjahr (Art. 25 Abs. 5 AHVG). 2.2 Unter Anwendung von Art. 25 Abs. 5 Satz 2 AHVG h at der Bundesrat Art. 49 bis der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicher ung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 erlassen. Gemäss Art. 49 bis Abs. 1 AHVV ist ein Kind in Ausbildung, wenn es sich a uf der Grundlage eines ordnungsgemässen, rechtlich oder zuminde st faktisch anerkannten Bildungs- ganges systematisch und zeitlich überwiegend auf einen Berufsabschluss vorbereitet. Falls die Ausbildung nicht zum vornherein auf einen besti mmten Beruf ausgerichtet ist, muss sie eine allgemeine Grundlage für eine Mehrzahl von Berufen bilden bzw. eine Allgemeinausbil- dung beinhalten. Ausbildungen sind insbesondere anerka nnte Berufslehren und Studiengänge an Hochschulen, an deren Ende ein Diplom erworben wir d. Von einer Ausbildung kann aber auch gesprochen werden, wenn "kein spezieller Berufsabsc hluss beabsichtigt oder nur die Ausübung des betreffenden Berufes angestrebt wird" (vg l. BGE 108 V 56 E. 1c). Nach der Pra- xis gelten Personen als in Ausbildung, die während einer bestimmten Zeit Schulen oder Kurse Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (auch im Hinblick auf die Allgemeinbildung) besuchen. Ni cht als in Ausbildung gelten dagegen Personen, die zur Hauptsache einem Erwerb nachgehen und nur nebenbei Schulen oder Kurse besuchen, wie auch Studierende, die neben dem Studium durch eine Erwerbstätigkeit überwie- gend beansprucht sind. 2.3 Gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung wi rd gemäss der Wegleitung über die Renten in der Eidgenössischen Alters- Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (RWL in der Fassung vom 1. Januar 2017) des Bundesamts für Sozial versicherungen (BSV) auch ein Praktikum als Ausbildung anerkannt, wenn es gesetzlich ode r reglementarisch für die Zulas- sung zu einem Bildungsgang oder zu einer Prüfung vorausg esetzt wird oder wenn es zum Er- werb eines Diploms oder eines Berufsabschlusses verlangt wir d (Rz. 3361 RWL). Ein Prakti- kum, welches diese Voraussetzungen nicht erfüllt, wird d ennoch als Ausbildung anerkannt, wenn es für eine bestimmte Ausbildung faktisch geboten i st und mit dem Antritt des Praktikums tatsächlich die Absicht besteht, die angestrebte Ausbildu ng zu realisieren (BGE 139 V 209 E. 5.3). Nicht erforderlich ist, dass im Anschluss an das P raktikum im selben Betrieb eine Lehr- stelle tatsächlich angetreten werden kann (vgl. BGE 13 9 V 209 E. 5.2, 5.3). Übt das Kind hin- gegen lediglich eine praktische Tätigkeit aus, um sich d abei einige Branchenkenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, um die Anstellungschancen bei sch wieriger Beschäftigungssituation zu verbessern oder um eine Berufswahl zu treffen, liegt keine Ausbildung vor (Urteil des Bun- desgerichts vom 1. April 2008, 9C_223/2008, E. 1.2; Rz. 3362 RWL). 2.4 Schliesslich gelten Kinder, die zwischen der Schulzeit und einer Anschlusslösung (et- wa eine Lehrstelle) ein Brückenangebot wie das Motivati onssemester (arbeitsmarktliche Mass- nahme) oder eine berufsorientierende Vorlehre wahrn ehmen, ebenfalls in Ausbildung. Dabei muss ein Schulanteil (Schulfächer, Werkstattunterricht) von mindestens 8 Lektionen (à 45 bis 60 Minuten) pro Woche bestehen (Rz. 3363 RWL). 3. Verwaltungsweisungen, zu welchen auch die RWL zählt, richten sich primär an die Durchführungsstellen und sind für das Kantonsgericht som it nicht verbindlich. Deren Regeln werden vom Kantonsgericht dennoch berücksichtigt, sofern si e eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht daher nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben da rstellen. Insofern wird dem Bestre- ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine recht sgleiche Gesetzesanwendung zu ge- währleisten, Rechnung getragen (vgl. BGE 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen). Vorliegend sind die Regeln der RWL in der Fassung vom 1. Januar 2017 zu berücksichtigen. 4.1 Die Abklärung des Sachverhaltes ist gemäss dem im Sozia lversicherungsverfahren gel- tenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen vorzunehmen. Danach haben Versiche- rungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Parteibe- gehren für die richtige und vollständige Feststellung de s Sachverhaltes zu sorgen (vgl. THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Durch die Mitwirkungspflichten der Parteien wird der Untersuchun gsgrundsatz in gewisser Weise ergänzt und gleichzeitig eingeschränkt (vgl. BGE 121 V 210 E. 6c) . Im Sozialversicherungsprozess tra- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosig- keit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, d ie aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (vgl. LOCHER , a.a.O., S. 451). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b). 5.1 Vorweg ist zu prüfen, ob die Tochter des Beschwerde führers ihre Ausbildung von Ja- nuar 2017 bis Juli 2017 wegen krankheitsbedingten Gründen unterbrechen musste. 5.2 Wird eine Ausbildung vorzeitig abgebrochen, gilt sie als beendet. Bis zur allfälligen Wiederaufnahme einer Ausbildung befindet sich das Kin d nicht mehr in Ausbildung (Rz. 3368 RWL). Kinder, die ihre Ausbildung wegen einer Krankhe it maximal bis zu einem Jahr unterbre- chen müssen, gelten unter der Annahme, dass sie nach Wied ererlangen ihrer Gesundheit ihre Ausbildung fortführen werden, auch während der Unte rbruchszeit als in Ausbildung (Rz. 3373). Der Beschwerdeführer bringt vor, dass seine Tochter im Sinne dieser Regelung ihre Ausbildung wegen krankheitsbedingten Gründen bis zu einem Jahr hätte unterbrechen können. Zwar kann aus den medizinischen Akten entnommen werden, dass sie seit geraumer Zeit gesundheitliche Probleme hatte. Daraus lässt sich jedoch nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Massstab der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststellen, dass der C.____-Abbruch tatsäch- lich wegen krankheitsbedingten Gründen erfolgte. Insbe sondere kann nicht entnommen wer- den, dass die Tochter des Beschwerdeführers im streitigen Zeitraum zu 100% leistungsunfähig war und keiner Ausbildung mehr nachgehen konnte. Auf der anderen Seite liegen Hinweise vor, dass die Tochter mit der C.____-Ausbildung überfordert gewesen war, während der C.____- Ausbildung ihr Interesse an dieser verloren hatte un d sich für neue, andere Ausbildungswege interessierte. Gemäss den geltenden Beweislastmaximen tr ägt der Beschwerdeführer das Be- weisrisiko für die anspruchsbegründenden Tatsachen. Ihm wurde in mehreren Verfahrensschrit- ten die Gelegenheit gegeben, sich zu den Geschehnissen zu äussern. Dennoch ist es ihm nicht gelungen darzulegen, dass seine Tochter aus krankheitsbed ingten Gründen ihre Ausbildung unterbrechen musste. Berücksichtigt man, dass sie sich unver züglich nach ihrem C.____- Abbruch zunächst für einen Kurs der Berufsintegration a ngemeldet hat und anschliessend di- verse Praktikas absolvierte, um eine Lehrstelle zu finden, erscheint es im Rahmen der mögli- chen Sachverhaltsdarstellungen am wahrscheinlichsten, dass d er C.____-Abbruch deshalb erfolgte, um einen neuen Ausbildungsweg einzuschlagen . Somit kann der Ausbildungsabbruch vom 6. Dezember 2016 nicht als krankheitsbedingter Unter bruch gewertet werden. Die Vo- rinstanz ist zu Recht von einem vorzeitigen Ausbildungsabbruch ausgegangen und war berech- tigt, die IV-Kinderrente bis zur Aufnahme einer ande ren Ausbildung einzustellen. Auch unter Berücksichtigung der am 18. Juni 2018 nachträglich eingereichten Akten lässt sich kein anderer Schluss begründen. Die Stellungnahme der UPK-Fachärzte vom 8. Februar 2017 befand sich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bereits in den Akten. Aus dem Verlaufsbericht zu Handen der IV-Stelle vom 1. Februar 2017 gehen keine neuen, bisher unbekannten Erkenntnisse hervor. 6.1 Des Weiteren ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer ein Anspruch auf Kinderrente für die Monate Januar und Februar 2017 geltend machen ka nn, weil seine Tochter ab 16. Januar bis und mit 10. Februar 2017 das Vollzeitprogramm der D.____ besucht hat. 6.2 Die Vorinstanz wendet ein, dass die Mindestanforder ung an eine Ausbildungsdauer nicht erfüllt worden sei. Gemäss ihrer tagesgenauen Ber echnung habe die Tochter des Be- schwerdeführers das Vollzeitprogramm im D.____ drei Woch en und fünf Tage lang besucht. Abgesehen davon erfülle der besuchte Berufsintegrationsku rs die Voraussetzungen an eine Ausbildung im Sinne des Art. 49 bis AHVV nicht. 6.2.1 Soweit die Vorinstanz den Ausbildungscharakter des Kurses in Frage stellt, ist ihr ent- gegenzuhalten, dass dem Vollzeitprogramm der D.____ ein Ausbildungscharakter im Sinne eines Brückenangebots zuzusprechen ist. Der Kurs bietet jun gen Schulabgängern die Möglich- keit, sich auf einen Lehrstellenantritt systematisch vorzu bereiten. Im Vordergrund steht das Er- lernen korrekter Verhaltensweisen im Arbeitsumfeld und das Schreiben von Bewerbungen. Auch wird an drei halben Tagen Unterricht in allgeme inen Schulfächern wie Deutsch und Ma- thematik angeboten. 6.2.2 Die Ausgleichskasse macht ferner geltend, dass gemäss Rz. 33 58 RWL eine Ausbil- dung mindestens vier Kalenderwochen dauern müsse. Ihrer Berechnung nach würden der Tochter des Beschwerdeführers hierfür zwei Tage fehlen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz geht aus dem Wortlaut des Rz. 3358 nicht hervor, dass es sich bei den geforderten 4 Wochen um Kalenderwochen handelt. Da erfahrungsgemäss eine A usbildung und allgemein betrachtet die obligatorische Schule jeweils von Montag bis Freitag stattfindet, ist davon auszugehen, dass für die Definition der Ausbildungsdauer Schulwochen ma ssgebend sind. Die Tochter des Be- schwerdeführers hat den Kurs der D.____ effektiv ab 16. Januar bis und mit am 10. Februar 2017 besucht, womit die Anforderung an die Ausbildun gsdauer von mindestens vier Schulwo- chen erfüllt ist. Der Anspruch auf Kinderrente entsteht grundsätzlich im Monat des Beginns der Ausbildung (Rz. 3346). Es erlischt mit Ablauf des Monat s, in welchem die Ausbildung beendet wird (Rz. 3350). Gemäss Art. 35 Abs. 4 IVG wird eine I V-Kinderrente entsprechend den Regeln der Invalidenrente, zu der sie gehört, ausbezahlt. Ren ten der Invalidenversicherung stellen pe- riodische Geldleistungen dar und werden für ganze Kale ndermonate ausbezahlt (Art. 19 Abs. 2 ATSG, vgl. Zahltermin Art. 82 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961 i.V.m. Art. 72 AHVV). Anspruch auf Ausz ahlung einer IV-Rente hat man ab Beginn des Monats, in dem der Rentenanspruch entsteht. Somit liegt es nahe, dass bei einer Kinderrente der Anspruch in dem Monat beginnt, an dem eine Ausbildung effektiv besucht wird. Da die Tochter des Beschwerdeführers am 16. Januar 2017 effektiv am Kurs der D.____ teil- nahm, besteht der Anspruch folglich ab Januar 2017. Wie bereits erwähnt, gilt auch ein vorzeiti- ger Abbruch als Beendigung. Demgemäss endet der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Kinderrente mit dem Ausbildungsabbruch der Tochter, welcher am 10. Februar 2017 stattfand, wobei hier der Ablauf des Monats zu beachten ist (Rz. 336 8 und 3350). Demnach ist die Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerde in diesem Punkt gutzuheissen und dem Beschwerdefü hrer ein Anspruch auf Kinder- rente für die Monate Januar und Februar 2017 zuzusprechen. 7.1 Zu prüfen ist, ob die im Zeitraum vom März bis Juli 2017 absolvierten Praktikas der Tochter des Beschwerdeführers als Ausbildung angerechnet werden können. 7.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass seine Toc hter vom 1. März bis 28. April 2017 ein Praktikum in der E.____ absolviert habe, um eine Ausbildung im Restaurations-/Hotel- resp. Gastrobereich zu beginnen. Das Absolvieren eines v orgängigen Praktikums werde in die- ser Branche faktisch vorausgesetzt, um eine Lehrstelle finden zu können. 7.2.2 Damit Praktikas als faktische Voraussetzung einer A usbildung im Sinne des Art. 49 bis AHVV gelten können, setzt das Bundesgericht voraus, dass bei Antritt des Praktikums tatsäch- lich die Absicht bestanden haben müsse, die angestrebte Ausbildung zu realisieren (BGE 139 V 209 E. 5.3). Die Angaben des Beschwerdeführers lassen erkennen, dass sich seine Tochter bei Antritt des Praktikums in beruflicher Hinsicht nicht festg elegt hatte. Aus dem Bewerbungs- schreiben vom 8. Januar 2017, welches der Beschwerdeführ er eingereicht hat, kann entnom- men werden, dass sich seine Tochter eigentlich für ein P raktikum an der Réception des Hotels G.____ beworben hatte. Darin hielt sie fest, dass sie di verse Branchen kennenlernen wolle und sich unter anderem für die Hotellerie interessiere. Das Praktikum in der E.____ diente somit mangels Praktikumsgelegenheit in der Hotellerie vielmeh r als Möglichkeit, sich einige Bran- chenkenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, um – wie di e Tochter selber ausführte – die rich- tige Berufswahl treffen zu können. Somit liegt kein A usbildungszweck im Sinne der Rechtspre- chung und der gesetzlichen Grundlagen vor. Für die Zeit vom 1. März bis 28. April 2017 besteht folglich kein Anspruch auf eine Kinderrente (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 1. April 2008, 9C_223/2008, E. 1.2; 8C_177/2015). 7.3 Schliesslich kann dem Beschwerdeführer auch für die Monate Mai bis Juli 2017 keine Kinderrente zugesprochen werden. Wie er in seinem Schr eiben vom 24. November 2017 fest- hält, wird für die Zulassung zu einem Lehrstellenplatz b ei der F.____ weder gesetzlich noch reglementarisch ein Praktikum vorausgesetzt. Des Weitere n liegen keine Indizien vor, wonach ein solches Praktikum faktisch notwendig sein könnte, um als Speditionsfachfrau eine Lehre zu absolvieren. Die Tochter des Beschwerdeführers hatte ber eits am 23. März 2017 eine schriftli- che Vereinbarung für den Lehrstellenantritt bei der F.____ per 1. August 2017 erhalten. Es geht nicht hervor, dass damals das Absolvieren eines Praktikums (Mai 2017) vor dem Stellenantritt zwischen ihr und der Arbeitgeberin besprochen wurde. Vi elmehr lässt die Tatsache, dass sie nach Vereinbarung des Lehrstellenantritts zwei Monat e später im Mai 2017 ein Praktikum ver- einbart und angetreten hat, darauf schliessen, dass sie si ch mangels anderweitigen Beschäfti- gungsmöglichkeiten entschlossen hatte, bis zum Lehrstellena ntritt einige Erfahrungen bei ihrer zukünftigen Arbeitgeberin zu sammeln. Das Absolvieren eine s Praktikums, um dadurch die Chancen auf einen erfolgreicheren Lehrstellenabschluss z u erhöhen oder den Lehrstellenbe- trieb kennenzulernen, kann nicht als Ausbildung im Sin ne der gesetzlichen Anforderungen ge- wertet werden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 Insgesamt ergibt sich, dass die Tochter des Beschwerdefüh rers nach ihrem Ausbil- dungsabbruch vom 6. Dezember 2017 bis zum Lehrstellenbeg inn am 1. August 2017 einen Kurs der D.____ besucht sowie zwei verschiedene praktische Tätigkeiten ausgeübt hat, um einerseits eine Berufswahl treffen zu können und anders eits sich einige Branchenkenntnisse und Fertigkeiten anzueignen und damit ihre Chancen auf eine Lehrstelle zu verbessern. Dem Vollzeitkurs der Berufsintegration ist ein Ausbildungschar akter zuzusprechen. Auch erfüllt sie die weiteren Voraussetzungen an eine Ausbildung. Dem Beschwerdeführer ist daher ein An- spruch auf Kinderrente für die Monate Januar und Febr uar 2017 zuzusprechen. Den nach dem Ausbildungsabbruch wahrgenommenen Praktikas kann hingegen kein Ausbildungscharakter im Sinne des Art. 49 bis AHVV zugesprochen werden. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfü- gung vom 27. Oktober 2017 somit zu Recht festgestellt, dass der Beschwerdeführer für die Zeit von März bis Juli 2017 keinen Anspruch auf eine IV-Kinder rente hat. Die Beschwerde ist in die- sem Sinne teilweise gutzuheissen. Demzufolge reduziert si ch der vom Beschwerdeführer zu leistende Rückforderungsbetrag um Fr. 850.– (je Fr. 42 5.– für die Monate Januar und Februar 2017) auf insgesamt Fr. 2‘125.– für die Monate März bis Juli 2017. 8. Anzumerken bleibt, dass hinsichtlich des Erlassgesuchs dem vorinstanzlichen Nicht- eintretensentscheid beizupflichten ist. Der Beschwerdeführer kann innert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils ein Erlassgesuch für die zurückzuerstattende Kinderrente in Höhe von Fr. 2‘975.– an die IV-Stelle stellen (vgl. Art. 4 Abs. 4 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV] vom 11. September 2002). 9.1 Es bleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwer- deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung od er die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die V erfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei aufer- legt. In casu konnte der Beschwerdeführer mit seinen Rechtsbegeren teilweise durchdringen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hätte deshalb die IV- Stelle als unterliegende Partei grund- sätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusamme nhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorb ehältlich des hier nicht interessieren- den § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– zu rückzuerstatten. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Verfahrensau sgang entsprechend wettzu- schlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und e s wird festgestellt, dass dem Beschwerdeführer für die Monate Januar und F ebruar 2017 ein Anspruch auf Kinderrente zusteht. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. Demzufolge hat der Beschwerdeführer der Ausgleichskasse zu viel aus- bezahlte Kinderrenten von Fr. 2‘125.– zurückzuerstatten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht