<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 70 S.272</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">272</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>70</b></span> <span class="ft2"><b>Beginn des Fristenlaufs gemäss § 28 BauG.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die Rechtsmittelfrist für die Beschwerde an das Verwaltungsgericht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>beginnt am Tag nach der Publikation des Genehmigungsentscheides</b></span><br/> <span class="ft2"><b>im kantonalen Amtsblatt zu laufen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Ein Anspruch auf individuelle Eröffnung des Genehmigungsentschei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des besteht nicht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 12. Dezember 2001 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Pf. gegen Genehmigungsbeschluss des Grossen Rats.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Entscheide des Grossen Rats und des Regierungsrats über die</span><br/> <span class="ft1">Genehmigung von kommunalen Nutzungsplänen und -vorschriften</span><br/> <span class="ft1">können von den in schutzwürdigen eigenen Interessen Betroffenen</span><br/> <span class="ft1">und von den Gemeinden innert 20 Tagen seit der amtlichen Publika-</span><br/> <span class="ft1">tion beim Verwaltungsgericht angefochten werden, das sie auf ihre</span><br/> <span class="ft1">Rechtmässigkeit prüft (§ 28 BauG). Das Verwaltungsgericht ist somit</span><br/> <span class="ft1">zur Behandlung des vorliegenden Falles sachlich zuständig.</span><br/> <span class="ft1">2. Der Beschwerdeführer ficht mit seiner vom 11. Januar 1999</span><br/> <span class="ft1">datierenden Beschwerde den Genehmigungsbeschluss des Grossen</span><br/> <span class="ft1">Rats vom 28. Oktober 1997 an. Damit stellt sich vorab die Frage</span><br/> <span class="ft1">nach der Rechtzeitigkeit der Beschwerde.</span><br/> <span class="ft1">a) Gemäss § 28 BauG müssen die Genehmigungsentscheide in-</span><br/> <span class="ft1">nert 20 Tagen seit der amtlichen Publikation angefochten werden.</span><br/> <span class="ft1">Der grossrätliche Genehmigungsbeschluss wurde (zusammen mit</span><br/> <span class="ft1">weiteren Genehmigungen von Gemeindebauvorschriften) im Amts-</span><br/> <span class="ft1">blatt Nr. 46 vom 10. November 1997 (S. 1972) veröffentlicht. Die</span><br/> <span class="ft1">Veröffentlichung der Staatskanzlei enthielt die folgende Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft1">telbelehrung:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">273</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">"1. Gegen diese Genehmigungsentscheide kann beim Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft3">des Kantons Aargau, Obere Vorstadt 40, 5000 Aarau, Beschwerde ge-</span><br/> <span class="ft3">führt werden.</span><br/> <span class="ft3">2.</span> <span class="ft3">Die nicht erstreckbare Beschwerdefrist von 20 Tagen beginnt mit der</span><br/> <span class="ft3">Publikation im Amtsblatt des Kantons Aargau zu laufen.</span><br/> <span class="ft3">3.</span> <span class="ft3">(...)</span><br/> <span class="ft3">4.</span> <span class="ft3">(...)</span><br/> <span class="ft3">5.</span> <span class="ft3">(...)</span><br/> <span class="ft3">6.</span> <span class="ft3">(...)</span><br/> <span class="ft3">7.</span> <span class="ft3">(...)</span><br/> <span class="ft3">8.</span> <span class="ft3">Die Genehmigungsbeschlüsse und die einschlägigen Akten können</span><br/> <span class="ft3">während der Beschwerdefrist bei der Abteilung Raumplanung des</span><br/> <span class="ft3">Baudepartementes, Laurenzenvorstadt 11, in Aarau, eingesehen wer-</span><br/> <span class="ft3">den.</span><br/> <span class="ft3">9.</span> <span class="ft3">Ein Merkblatt mit Hinweisen zur Anwendung der Rechtsmittelbeleh-</span><br/> <span class="ft3">rung kann beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau oder bei der</span><br/> <span class="ft3">Staatskanzlei des Kantons Aargau bezogen werden. Der Beginn der</span><br/> <span class="ft3">Beschwerdefrist wird mit dem Bezug dieses Merkblattes nicht aufge-</span><br/> <span class="ft3">schoben."</span><br/> <span class="ft1">Die zwanzigtägige Beschwerdefrist begann am Tag nach der</span><br/> <span class="ft1">Publikation im Amtsblatt zu laufen und endete am 30. November</span><br/> <span class="ft1">1997 bzw. auf Grund von § 31 VRPG i.V.m. § 81 Abs. 3 ZPO am</span><br/> <span class="ft1">1. Dezember 1997. Die Beschwerde ist somit klarerweise nicht in-</span><br/> <span class="ft1">nerhalb der gesetzlichen Rechtsmittelfrist beim Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">eingegangen.</span><br/> <span class="ft1">b) Der Beschwerdeführer vertritt allerdings den Standpunkt, der</span><br/> <span class="ft1">Genehmigungsbeschluss sei ihm nie offiziell eröffnet worden. Aus</span><br/> <span class="ft1">der Vernehmlassung des Baudepartements geht hervor, dass es in der</span><br/> <span class="ft1">Tat unterlassen wurde, dem Beschwerdeführer nach Erlass des Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungsbeschlusses des Grossen Rats eine Kopie des Protokolls</span><br/> <span class="ft1">mit entsprechender Rechtsmittelbelehrung zuzustellen. Das Baude-</span><br/> <span class="ft1">partement befürwortet deshalb ein Eintreten auf die Beschwerde auf</span><br/> <span class="ft1">Grund einer analogen Anwendung der Vorschriften über die Wieder-</span><br/> <span class="ft1">aufnahme (§§ 27 f. VRPG).</span><br/> <span class="ft1">c) Es stellt sich die Frage, ob ein Anspruch auf individuelle Er-</span><br/> <span class="ft1">öffnung des Genehmigungsbeschlusses besteht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">274</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aa) Neben der öffentlichen Publikation auch die schriftliche Be-</span><br/> <span class="ft1">nachrichtigung der Eigentümer von Grundstücken im Planungsgebiet</span><br/> <span class="ft1">sowie der Personen mit Sitz oder Wohnsitz im Planungsgebiet ver-</span><br/> <span class="ft1">langt § 4 Abs. 2 ABauV für die öffentliche Auflage von Entwürfen zu</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsplänen und -vorschriften gemäss § 24 BauG. Gemäss § 5</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 ABauV informiert der Gemeinderat vor Beginn der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdefrist (§ 26 BauG) die Eigentümer von Grundstücken sowie</span><br/> <span class="ft1">Personen mit Sitz oder Wohnsitz im von der Änderung betroffenen</span><br/> <span class="ft1">Gebiet, wenn der Beschluss des zuständigen Gemeindeorgans vom</span><br/> <span class="ft1">öffentlich aufgelegten Entwurf abweicht. Darüber hinaus enthalten</span><br/> <span class="ft1">aber weder das BauG noch die ABauV eine Verpflichtung zur per-</span><br/> <span class="ft1">sönlichen Benachrichtigung der betroffenen Grundeigentümer. Ins-</span><br/> <span class="ft1">besondere ist in § 28 BauG keine individuelle Eröffnung der Be-</span><br/> <span class="ft1">schlüsse des Grossen Rats (oder des Regierungsrats) über die Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigung von Nutzungsvorschriften und -plänen vorgesehen. § 28</span><br/> <span class="ft1">BauG geht als spezielle Regelung der Bestimmung von § 23 VRPG,</span><br/> <span class="ft1">welche die Eröffnung von Verfügungen und Entscheiden allgemein</span><br/> <span class="ft1">regelt, vor. Im Übrigen sieht aber auch das VRPG die öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Bekanntmachung vor: So bestimmt § 24 Abs. 2 VRPG, dass Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gungen und Entscheide, die an eine sehr grosse oder unbestimmte</span><br/> <span class="ft1">Zahl von Betroffenen gerichtet sind, durch öffentliche Bekanntma-</span><br/> <span class="ft1">chung zu eröffnen sind. Und gemäss § 24 Abs. 3 VRPG gelten öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlich bekannt gemachte Verfügungen und Entscheide für jeder-</span><br/> <span class="ft1">mann, der betroffen ist.</span><br/> <span class="ft1">bb) Auch aus dem Bundesrecht ergibt sich kein Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">individuelle Eröffnung. Eine Pflicht zur persönlichen Benachrich-</span><br/> <span class="ft1">tigung der einzelnen Grundeigentümer im Nutzungsplanungsverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren besteht nach Auffassung des Bundesgerichts nur dann, wenn sie</span><br/> <span class="ft1">das kantonale Recht vorsieht (BGE 106 Ia 312; vgl. auch BGE 116 Ia</span><br/> <span class="ft1">218 f.). Beschränkt sich das kantonale Recht hingegen auf die Pub-</span><br/> <span class="ft1">likation und die öffentliche Auflage, verstösst dies nicht gegen Bun-</span><br/> <span class="ft1">desrecht: Dass der von einem Nutzungsplan betroffene Eigentümer</span><br/> <span class="ft1">vor der öffentlichen Auflage des Plans persönlich angehört werden</span><br/> <span class="ft1">müsste, lässt sich aus Art. 33 RPG nicht ableiten. Diese Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">verlangt lediglich eine öffentliche Auflage der Nutzungspläne und</span><br/> <span class="ft1">schreibt vor, dass das kantonale Recht wenigstens ein Rechtsmittel</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">275</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vorsehen muss, welches die volle Überprüfung durch eine Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdebehörde erlaubt. Auch aus Art. 29 Abs. 2 BV ergibt sich</span><br/> <span class="ft1">keine Pflicht des Gemeinwesens, die Grundeigentümer bei Erlass</span><br/> <span class="ft1">oder Revision des Zonenplans persönlich zu benachrichtigen. Dies</span><br/> <span class="ft1">gilt nicht nur bei einer Gesamtrevision des Zonenplans, sondern auch</span><br/> <span class="ft1">bei einer Teilrevision (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Oktober</span><br/> <span class="ft1">1983, in: ZBl 86/1985, S. 164 ff., insbes. S. 168; vgl. auch Walter</span><br/> <span class="ft1">Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht,</span><br/> <span class="ft1">3. Auflage, Band I, Zürich 1999, Rz. 405; Leo Schürmann/Peter</span><br/> <span class="ft1">Hänni,</span> <span class="ft1">Planungs-,</span> <span class="ft1">Bau-</span> <span class="ft1">und</span> <span class="ft1">besonderes</span> <span class="ft1">Umweltschutzrecht,</span><br/> <span class="ft1">3. Auflage, Bern 1995, S. 420).</span><br/> <span class="ft1">cc) Der gesetzgeberische Verzicht, eine individuelle Mittei-</span><br/> <span class="ft1">lungspflicht von Genehmigungsbeschlüssen an die Grundeigentümer</span><br/> <span class="ft1">zu statuieren, wird auch durch die Regelung von § 27 Abs. 2 BauG</span><br/> <span class="ft1">gerechtfertigt. Nach dieser Vorschrift hat die Genehmigungsbehörde</span><br/> <span class="ft1">für den Fall, dass sie Änderungen (von geringer Tragweite oder wenn</span><br/> <span class="ft1">keine erhebliche Entscheidungsfreiheit besteht) vornimmt, den Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat und die in ihren schutzwürdigen Interessen Betroffenen</span><br/> <span class="ft4"><i>vorher</i> anzuhören. Damit wird den betroffenen Grundeigentümern</span><br/> <span class="ft1">das rechtliche Gehör zur Sache gewährt. Zugleich erhalten sie</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis von der bevorstehenden Genehmigung. Gemäss bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richtlicher Rechtsprechung obliegt es dem Grundeigentümer, sich</span><br/> <span class="ft1">ständig über die rechtliche Situation seiner Grundstücke auf dem</span><br/> <span class="ft1">Laufenden zu halten und bei einer Änderung der Verhältnisse die</span><br/> <span class="ft1">notwendigen Massnahmen zur Wahrung seiner Interessen zu ergrei-</span><br/> <span class="ft1">fen (BGE 106 Ia 312 f.). Dies gilt erst recht in den Fällen von § 27</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG, wo der Grundeigentümer auf Grund der Anhörung mit</span><br/> <span class="ft1">einer Änderung rechnen muss.</span><br/> <span class="ft1">dd) Eine generelle Zustellung des grossrätlichen Beschlusses an</span><br/> <span class="ft1">die Verfahrensbeteiligten entspricht im Übrigen offenbar auch nicht</span><br/> <span class="ft1">der gängigen Praxis. Nur in jenen Fällen, in denen gegen den Be-</span><br/> <span class="ft1">schluss des zuständigen Gemeindeorgans Beschwerde an den Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat gemäss § 26 BauG erhoben worden ist, erfolgt eine indivi-</span><br/> <span class="ft1">duelle Zustellung des Grossratsbeschlusses mit Bekanntgabe des</span><br/> <span class="ft1">Datums der amtlichen Publikation. Denn auch für die Anfechtung</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeentscheids beginnt die Frist erst mit der Publikation</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">276</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">des Genehmigungsbeschlusses zu laufen. Im vorliegenden Fall hat</span><br/> <span class="ft1">indessen kein Beschwerdeverfahren vor dem Regierungsrat stattge-</span><br/> <span class="ft1">funden, da die Einwohnergemeindeversammlung V. dem Begehren</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers gefolgt war. Folglich kann sich der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer auch nicht auf ein allfälliges Vertrauen in eine ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechende Zustellpraxis berufen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>