Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Mai 2021 (720 20 396 / 120) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision, aggravatorisches Verhaltens anlässlich der Exploration Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Claude Schnüriger, Advokat, Lange Gasse 90, Postfach 335, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1966 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Juli 1990 bis 31. August 1995 in der Klinik B.____ in X.____ als Küchenhilfe tätig. Am 4. Juli 1 995 meldete er sich bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Di e IV-Stelle des Kantons Y.____ klärte die erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse ab, wobei sie den Versicherten durch das Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB) polydiszi plinär begutachten liess (Expertise vom 21. August 1996). Gestützt auf die daraus gewonnen en Erkenntnisse ermittelte sie einen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invaliditätsgrad von 100 % und sprach A.____ mit Verfügung vom 11. September 1998 rückwir- kend ab 1. Januar 1997 eine ganze Invalidenrente zu. D er Rentenanspruch wurde in der Folge wiederholt revisionsweise überprüft und bestätigt. A.2 Nach dem Zuzug des Versicherten in den Kanton Basel- Landschaft überprüfte die hiesi- ge IV-Stelle im Dezember 2016 den Leistungsanspruch, w obei sie die estimed AG mit einem polydisziplinären Gutachten beauftragte (Expertise vom 24. November 2017). Gestützt darauf gelangte sie zur Auffassung, dass A.____ (spätestens) seit der Begutachtung durch die esti- med AG in einer angepassten Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig sei. In der Folge hob sie die laufende ganze Rente nach Prüfung von Massnahmen d er (Wieder-)Eingliederung und Er- mahnung mit Bedenkzeit per 31. Oktober 2020 auf (Verfügung vom 4. September 2020). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr . Claude Schnüriger, am 13. Okto- ber 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozi alversicherungsrecht (Kantonsge- richt). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde se i die Verfügung vom 4. September 2020 aufzuheben und die IV-Stelle zu verpflichten, ih m die bisher ausgerichtete ganze Rente weiterhin auszuzahlen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht b eantragte er die Bewilligung der un- entgeltlichen Rechtspflege mit Advokat Dr. Claude Schnü riger als Rechtsvertreter. Zur Begrün- dung brachte er im Wesentlichen vor, dass sich sein Gesundheitszustand nicht verbessert habe und der angefochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 24. November 2020 wurde dem Be schwerdeführer für das vorlie- gende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Ad vokat Dr. Claude Schnüriger als Rechtsvertreter bewilligt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. D. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 26. November 2020 auf Abweisung der Beschwerde. E. Am 2. Februar 2021 reichte der Beschwerdeführer d ie Berichte des Spitals C.____, Insti- tut für Radiologie und Nuklearmedizin, vom 25. November 2020 und 18. Januar 2021 sowie den Bericht des Spitals C.____, Zentrum für Rehabilitation und Altersmedizin, vom 21. Januar 2021 zu den Akten. F. Hierzu nahm die IV-Stelle am 8. März 2021 Stellung , wobei sie unter Hinweis auf den Bericht des Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) beid er Basel vom 3. März 2021 am Abwei- sungsantrag festhielt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 13. Oktober 2020 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unt ervarianten des Schätzungs- oder Pro- zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausse rordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen) 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weit eren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen darf und soll da s Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei- felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pat ienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauft rag des bzw. der therapeutisch täti- gen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtun gsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten und Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutach- ten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abkl ärungen zu nehmen, wenn die be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht handelnden Ärzte bzw. Ärztinnen zu anderslautenden Einsch ätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurtei lung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige –und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung un erkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 4.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (vgl. BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Um festzuste llen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen auf Arbeitsunfähigkeit schliesse n lassen, sind sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. 4.5 Nach der Rechtsprechung (vgl. BGE 141 V 281 E. 2. 2.1) liegt regelmässig keine versi- cherte Gesundheitsschädigung vor, wenn die Leistungsein schränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Besteht im Einzelfal l Klarheit darüber, dass solche Aus- schlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtig ung verbieten, so besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verse lbstständigten Gesundheitsschädi- gung (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a) auftreten, sind dere n Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die bisher ausger ichtete ganze Rente zurecht revisions- weise aufgehoben hat. 6.2 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Ans pruchs (Viertelsrente, halbe Rente, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dreiviertelsrente, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2 IVG) au swirkt (vgl. BGE 134 131 E. 3). Ein Revi- sionsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in de n persönlichen Verhältnissen der versi- cherten Person, wozu namentlich der Gesundheitszustand ge hört. Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologisch e Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann som it nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden. Umgekehrt ist – bei an sich gleich geblie- benem Gesundheitszustand – eine Angewöhnung oder Anpass ung an die Behinderung, welche zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führt, revisio nsrechtlich von Bedeutung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen). 6.3 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschät zung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens zurückzuführen (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Liegt dagegen ein Revisionsgrund im Sin- ne von Art. 17 Abs. 1 ATSG vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hin- sicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an früher e Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2018, 8C_145/2018, E. 3.2). Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtlichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bl oss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Die Feststellung üb er eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist genügend unterm auert, wenn die ärztlichen Sachver- ständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.2 mit Hinweis). 6.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrads bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung (bzw. formlose Mitteilung), welche auf einer materie llen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkom- mensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung i n den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle des Kantons Y.____ dem Versicherten aufgrund der Erkennt- nisse im Gutachten der ZMB vom 21. August 1996 mit Ver fügung vom 11. September 1998 rückwirkend ab 1. Januar 1997 eine ganze Invalidenrente zu. Im Rahmen eines im September 2011 eingeleiteten Revisionsverfahrens folgte eine einl ässliche materielle Prüfung des Renten- anspruchs mit einer vertieften Abklärung des medizinische n Sachverhalts (polydisziplinäres Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten des Zentrums für Interdisziplinäre Medizinische Begutachtungen AG [ZIMB] vom 16. September 2012; Gutachten von Dr. med. D.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. August 2013). Am 16. Dezember 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass ihm aus medizinsicher Sicht eine Tätigkeit in der freien Marktwirtschaft nicht mehr zumutbar sei, weshalb er weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalid enrente habe. Im Rahmen der aktuellen Rentenrevision hob die IV-Stelle nach Vornahme einer umfassenden medizinischen (Expertise der estimed AG vom 24. November 2017) und erwerblicher Abklärung die laufende ganze IV- Rente des Versicherten mit Verfügung vom 4. September 2020 per 31. Oktober 2020 auf. Demnach beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen einge- treten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis an hin ausgerichteten IV-Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt de r (formlosen) Mitteilung vom 16. De- zember 2013 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfü- gung vom 4. September 2020. 7.1.1 Die entscheidende, von den Parteien unterschiedli ch beantwortete Frage des vorliegen- den Verfahrens ist, ob ein Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 ATSG gegeben ist. In diesem Zusammenhang ist zu klären, ob sich der Gesundheitszustand und der Grad der Arbeitsfähig- keit des Versicherten in einer anspruchserheblichen Weise verbessert haben. Grundlage für die Mitteilung vom 16. Dezember 2013 war in somatischer Hinsi cht das Gutachten der ZIMB vom 16. September 2012. Demnach wurde mit Einfluss auf di e Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes lumbales und zervikales spondylogenes Schmerzsyndrom mit dege nerativen Veränderungen der Hals- und Lendenwirbelsäule (HWS, LWS) und ein S tatus nach Diskushernienoperation L4/5 mit anschliessender Spondylodese im Juli bzw. Augu st 1994 bei disfunktionalem Krank- heitsverhalten mit Symptomausweitung diagnostiziert. Der internistische Status ergäbe keine Hinweise auf eine kardiopulmonale, abdominale oder n eurologische Pathologie. Aus chirur- gisch-orthopädischer Sicht könnten ebenfalls keine patholo gischen Befunde verifiziert werden, die das schmerzdemonstrative und selbstlimitierende Verhalten erklären könnten. Die HWS und Brustwirbelsäule (BWS) sowie der periphere Gelenkstatus s eien klinisch und radiologisch un- auffällig. Lumbal finde sich lediglich ein Status nach i ntrakorporeller Spondylodese ohne dege- nerative oder sonstige pathologische Veränderungen. D er Versicherte sei für eine wechselbe- lastende, behinderungsangepasste Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig. 7.1.2 In psychiatrischer Hinsicht stützte sich die IV-Stelle auf das Gutachten von Dr. D.____ vom 5. August 2013. Dieser diagnostizierte eine mittel- bis schwergradig ausgeprägte depressi- ve Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven St örung und eine somatoforme Schmerzstörung. In der Untersuchung sei ein gehemmtes, verlangsamtes, umständliches, ein- geengtes, gesperrtes, inkohärentes Denken festzustelle n. Der Affekt sei ausgeprägt lust- und hoffnungslos sowie mittelgradig dysphorisch gereizt. Es b estünde eine Freudlosigkeit, ein stark ausgeprägter Interessenverlust, negativ pessimistische Zuku nftsgedanken und eine gedrückte Stimmung. Zudem sei der Antrieb mittelgradig vermind ert. Anamnestisch seien Ratlosigkeit, eine deprimierte Stimmung, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Aggressionen, Ein- und Durchschlafstö- rungen, eine Appetitminderung und eine Verminderung der Sexualität festzustellen. Zudem be- stünde ein mehrjähriger chronifizierter Krankheitsverla uf mit unveränderter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung, ein ausgeprägter sozialer Rückzug sowie ein verfestigter thera- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht peutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verla uf mit Flucht in die Krankheit und pri- märem Krankheitsgewinn. Die bisherigen therapeutischen Bemühungen seien gescheitert. Dem Versicherten stünden keinerlei Copingstrategien zur Verfü gung. Er strebe nicht nach einem normalen Alltag und könne diesen und den Lebensstil nicht umstellen. Er habe ein stark negati- ves Selbstkonzept und sei nicht fähig, Selbstpflegekompet enzen zu erlernen oder seine sozia- len Beziehungen zu verändern. Er habe sich zurückgezogen und sei völlig kindlich, passiv und bedürftig. Es liege eine maligne Regression vor. Zudem seien keinerlei Ressourcen feststellbar. Der Versicherte sei nicht fähig zu planen oder seinen A lltag zu strukturieren und er sei in seiner Rolle fixiert. Es bestünde keine Entscheidungs-, Durchha lte- und Verkehrsfähigkeit mehr. Die Kontakt- und Gruppenfähigkeit sei kaum vorhanden und Spontanaktivitäten nicht mehr möglich. Der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig und in d iesem Zustand keinem Arbeitgeber zu- mutbar. Zwar hätten sich während der Untersuchung Ag gravationstendenzen (demonstratives Zittern) gezeigt. Dies ändere aber nichts daran, dass d er Versicherte psychisch schwer krank sei. Es sei damit zu rechnen, dass therapeutische Massnahmen längerfristig zu einer weiteren Stabilisierung und einer gewissen Verbesserung der depressiven Symptomatik und der Arbeits- fähigkeit führen. 7.2 Im Rahmen der aktuellen Rentenrevision beauftragte die IV-Stelle die estimed AG mit einem polydisziplinären Gutachten. Am 24. November 20 17 diagnostizierten die Experten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen essentiellen Tremor, eine Bandscheibenoperation L4/5 im Juli 1994 und eine Sondylodese L4/5 im Augus t 1994 ohne radikuläre Ausfälle und nicht authentische neuropsychologische Funktionsstörungen (mö glicherweise bestehende kog- nitive Defizite könnten differenzialdiagnostisch nicht obj ektiviert werden). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine Hyperlipidämie, e in Vitamin D3-Mangel, ein Bandscheiben- vorfall C5/6 ohne Neurokompression und ohne radikuläre Symptomatik, eine mittelgradige sen- sorineurale Schwerhörigkeit beidseits, ein kompensiert er Tinnitus beidseits, eine chronische Myringitis rechts, aktenanamnestisch eine nicht näher beze ichnete depressive Störung (ICD-10 F32.9) und nicht authentische neuropsychologische Funktio nsstörungen. Die Exploration habe sich äusserst schwierig gestaltet. Der Versicherte gebe an , schlecht zu hören. Das mitgebrach- te Hörgerät habe er nicht anlegen wollen, da er davon Ohrgeräusche und Entzündungen im Ohr bekomme. Zudem habe er keine Batterien mehr gehabt. Die Dolmetscherin habe nahezu alle Fragen mehrfach wiederholen und umformulieren müssen. Eine exakte und ausführliche Explo- ration sei nicht durchführbar gewesen. Eine internist ische Erkrankung sei nicht festzustellen. Aus neurologischer Sicht bestünde mit Einschränkung der Arb eitsfähigkeit in Bereichen mit ho- her Anforderung an die Feinmotorik ein essentieller T remor. Das Verhalten des Versicherten in der Exploration wirke «gemacht» und bewusstseinsnah. Ein neueres MRI des Schädels zeige einen altersentsprechenden Befund ohne strukturelle Auffälligkeiten. Der Versicherte klage über Schmerzen und Vergesslichkeit. Diesbezügliche Fragen würden aber nur sehr undifferenziert und unzureichend beantwortet. Der neurologische Untersu chungsbefund sei bis auf den Hal- tetremor beider Arme ohne Auffälligkeiten. In ortho pädisch/rheumatologischer Hinsicht bestün- de eine eklatante Diskrepanz zwischen den geklagten Beschwer den und den objektiven Befun- den. Aktuell könnten weder relevante Einschränkungen des Bewegungsapparats noch entzünd- liche Veränderungen oder Ausfallerscheinungen im Bere ich der Beine festgestellt werden. Es müsse von einer erheblichen Aggravation ausgegangen wer den. Der Versicherte sei nicht ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht willt gewesen, eine geordnete körperliche Untersuchung zu ermöglichen bzw. zu unterstützen. Eine nennenswerte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestünde nicht. Aus oto-rhino- laryngologischer Sicht sei keine Diagnose mit Auswirkung a uf die Arbeitsfähigkeit festzustellen. Es bestünden erhebliche Diskrepanzen zwischen den subjektive n Angaben und den objektiven Befunden sowie mehrere Hinweise für eine Aggravation . Zudem sei ein deutlich besseres Hör- vermögen nachzuweisen als subjektiv angegeben werde. Es liege höchstens eine mittelgradige Schwerhörigkeit vor. Die bisherige Tätigkeit und angepa sste Verweistätigkeiten ohne Lärmex- position, Kundenkontakt oder anderweitige hohe kommuni kative Anforderungen seien uneinge- schränkt möglich. In neuropsychologischer Hinsicht würden d as Antwortverhalten und die Test- ergebnisse des Versicherten auf nicht authentische Funktionsstörungen hindeuten. Daher könn- ten die Ergebnisse der Leistungstests inhaltlich nicht a usgewertet werden und würden wegen der durchwegs sehr ungenügenden Anstrengung und dem sehr auffälligen Verhalten des Versi- cherten mit Daneben- und Vorbeiantworten keine verwer tbaren Befunde liefern. Unter diesen Umständen bestünde aber auch das Risiko, dass tatsächliche und spezifische kognitive Defizite differenzialdiagnostisch nicht festgestellt worden seien. Bei dieser Sachlage könne keine Aus- sage zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden. In der psychiatrischen Exploration hätte weder in der Untersuchung noch testpsychologisch eine psychische Störung festgestellt werden können. Das Verhalten des Versicherten sei keine psychische Störung, sondern scheine vielmehr min- destens bewusstseinsnah aggravatorisch bis simulatorisch zu sein. Aus psychiatrischer Sicht könne keine Diagnose gestellt werden. Die abweichende B eurteilung im Gutachten von Dr. D.____ vom 5. August 2013 sei mit einer Besserung, am ehesten im Sinne einer spontanen Remission, zu erklären. Möglicherweise sei Dr. D.____ durc h das Verhalten des Versicherten getäuscht worden. Der Versicherte sei theoretisch in der Lage, einer vollschichten Arbeit nach- zugehen. Eine Beurteilung des zeitlichen Verlaufs sei ni cht möglich. Die Einschätzung der Ar- beitsfähigkeit gelte ab dem Zeitpunkt der Begutachtung. Aus gesamtmedizinischer Sicht sei der Versicherte in der bisherigen Tätigkeit und in angepasste n Verweistätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig. 7.3 Am 5. November 2018 diagnostizierte Dr. med. E.___ _, FMH Neurologie, chronische Kopfschmerzen seit Jahren, ohne eindeutige Zuordnung un d bei unauffälligem MRT des Neu- rokraniums, anamnestisch einen Status nach wiederholter LWS-Operation vor über 20 Jahren, eine vom Versicherten vorgegebene kognitive Störung mit Gedächtnisstörung und chronische Zervikalgien mit Schmerzen im Bereich der Schultergürtel muskulatur. Während der Untersu- chung habe sich kein Tremor gezeigt. Eine klare Einordnung der Kopfschmerzen sei angesichts des unauffälligen MRT des Neurokraniums nicht möglich. D er klinisch-neurologische Untersu- chungsbefund sei bei mangelnder Kooperationsfähigkeit nicht kongruent und ohne objektivier- baren Befund. Aufgrund des Reflexstatus könne eine Rad ikulopathie oder Polyneuropathie nicht ausgeschlossen werden. Die Kopfschmerzen könnten analgetisch behandelt werden. 7.4 Am 8. November 2018 hielt Prof. Dr. F.____, Fac harzt für Oto-Rhino-Laryngologie, fest, dass die Ohrbefunde unauffällig seien. Der Versicherte höre praktisch nichts, sehe schlecht und klage über einen starken Tinnitus, der nicht therapierbar sei. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5 Am 24. Mai 2019 diagnostizierte der behandelnde Arzt Dr. med. G.____, FMH Psychiat- rie und Psychotherapie, eine rezidivierende depressive St örung, leichte Episode (ICD-10 F33.01), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (IC D-10 F45.4), eine mittelgradige sensorineurale Schwerhörigkeit beidseits, eine nicht au thentische neuropsychologische Funkti- onsstörung und einen Verdacht auf einen Morbus Stargr adt. Er behandle den Versicherten seit Mai 2012, derzeit einmal pro Monat. Dieser klage über Schmerzen am ganzen Körper, zittere, sei vergesslich und freudlos. Zudem bestünden Schlafproble me und eine deutliche Schwerhö- rigkeit. Das Krankheitsbild sei chronifiziert und der Ver sicherte verfüge über keine Ressourcen. Es bestünde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 7.6 Der behandelnde Arzt Dr. med. H.____, FMH Allgem eine Innere Medizin, hielt im Bericht vom 5. August 2019 fest, dass er den Versicherten seit dem 26. Februar 2019 behandle. Er habe starke Rückenschmerzen. Die diagnostizierte rezidiviere nde depressive Störung scheine weiterhin vorhanden zu sein. Zudem scheine eine schwere kognitive Störung vorzuliegen. 7.7 Der Versicherte wurde in der Augenklinik des Universit ätsspitals Z.____ untersucht. Im Bericht vom 9. Januar 2020 wurde ein Morbus Stargradt , differenzialdiagnostisch eine Muster- dystrophie diagnostiziert. Er leide an einer Lichtempfi ndlichkeit, was ihn etwas störe. Allerdings zeige sich eine Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und dem Gesichtsfeld sowie der Sehstärke des Versicherten. In den Netzhautsystrophiesprech stunden hätten sich stabile Be- funde gezeigt. Weitere Abklärungen seien im Gange. 7.8 Im Bericht des Instituts für Rechtsmedizin der Univer sität Z.____ vom 1. Juli 2020 wurde festgehalten, dass beim Versicherten eine komplexe Situation bestünde, u.a. mit Fehlsichtigkeit und kognitiven Defiziten. Verkehrsmedizinisch potentiell relevant seien der Tinnitus, die chroni- schen Kopfschmerzen, die beschriebene Blendempfindlichkeit, die Kraftminderung der Extremi- täten, eine eventuelle Psychopathologie und die eingesc hränkte Schlafqualität. Aus verkehrs- medizinischer Sicht könne die Fahreignung des Versicherten aktuell nicht befürwortet werden. 7.9 Im Bericht des Spitals C.____, Institut für Radiolo gie und Nuklearmedizin, vom 25. No- vember 2020 wurde festgehalten, dass das MRT des Neurokr aniums keine Atrophie und keine Mikroangiopathie zeige. Dem Bericht vom 18. Januar 2 021 ist zu entnehmen, dass gemäss FDG PET/CT keine eindeutige statistisch signifikante Mi nderbelegung vorliege. Es zeige sich jedoch eine leicht asymmetrisch rechts betonte Minderbele gung der Parietallappen und des Precuneus als möglicher Hinweis auf einen frühen bzw. beginnenden Morbus Alzheimer. 7.10 Im Bericht des Spitals C.____, Zentrum für Rehabi litation und Altersmedizin, vom 21. Januar 2021 wurde eine schwere neuropsychologische Störung mit/bei unklarer Bewegungsstö- rung, Verhaltensänderung, Schwerhörigkeit und eingesch ränkter Sehfähigkeit, geringem Bil- dungshintergrund, Fremdsprachigkeit und psychischer Übe rlagerung diagnostiziert. Aufgrund der eingeschränkten Bildung (Lesen, Schreiben und Rechnen kaum möglich), der beeinträchtig- ten Sehfähigkeit und des eingeschränkten Instruktionsverstä ndnisses sowie der Fremdspra- chigkeit hätten im Rahmen der neuropsychologischen Unter suchung diverse Aufgaben nicht durchgeführt werden können. Insgesamt würden sich in den untersuchten Bereichen (verbale Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und visuelle Merkspanne, verbal- und visuell-episodisches G edächtnis, Erkennen und Benen- nen, Visuokonstruktion und Exekutivfunktionen) starke Auffälligkeiten zeigen. Bei der Interpreta- tion der Befunde müsse aber die geringe Bildung und die Fremdsprachigkeit des Versicherten berücksichtigt werden. Ausserdem seien Einflüsse aufgrund des sprachlich-kulturellen Hinter- grunds möglich. Das Instruktionsverständnis des Versicherten se i stark eingeschränkt und die Untersuchung werde durch die Schwerhörigkeit sowie di e beeinträchtigte Sehfunktion er- schwert. Die Validität der Testergebnisse sei insgesamt einschränkt. Während der Abklärung würden vor allem exekutive Dysfunktionen auffallen und es ergäben sich deutliche Hinweise auf eine depressiv-psychosoziale Begleitproblematik. Das Labor so wie die bildgebenden Verfahren würden keine wegweisenden Befunde ergeben. Insgesamt würden die Untersuchungsergebnis- se einer schweren neuropsychologischen Störung entsprechen. Die kognitiven Defizite könnten im Rahmen der psychischen und körperlichen Begleitsymptoma tik verstärkt sein. Zudem könn- ten auch der niedrige Bildungshintergrund, die Fremd sprachigkeit, die Schwerhörigkeit und die beeinträchtigte Sehfähigkeit die Befunde überlagern und zumindest teilweise miterklären. Bei eingeschränkten Untersuchungsbedingungen und mangelnd er Mitarbeit des Versicherten ent- falle eine genaue Einordnung der Bewegungsstörung. 8. Die IV-Stelle ging in ihrer Verfügung vom 4. Sep tember 2020 gestützt auf die Erkennt- nisse aus dem Gutachten der estimed AG vom 24. November 2 017 davon aus, dass der Versi- cherte spätestens im Zeitpunkt der Begutachtung wiederu m eine vollständige Arbeitsfähigkeit aufwies. Dieser Auffassung ist beizupflichten. Das Guta chten der estimed AG vom 24. November 2017 erfüllt die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizini- sche Beurteilungsgrundlage (vgl. E. 4.3 hiervor). Es we ist weder formale noch inhaltliche Män- gel auf, ist umfassend, berücksichtigt die geklagten Beschw erden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Sodann w eist das Gutachten keine Widersprüche von entscheidrelevanter Bedeutung auf und setzt sich au ch hinlänglich mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärztlichen Einschätzungen auseinander. Die entsprechenden, vorstehend in Erwägung 7.2 hiervor wiedergegebenen Darlegungen der Gutachter vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. Es wird d eutlich, dass aus gesamtmedizi- nischer Sicht keine Befunde (mehr) erhoben werden kon nten, die auf ein erheblich verminder- tes Leistungsvermögen schliessen lassen würden. Zudem steht fest, dass der Versicherte (spä- testens) im Zeitpunkt der Begutachtung durch die estime d AG in angepassten Verweistätigkei- ten uneingeschränkt leistungsfähig ist. Damit sind die Vo raussetzungen für eine Revision nach Art. 17 ATSG erfüllt. 9.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht, d ie Vorinstanz habe sich in der ange- fochtenen Verfügung vom 12. Februar 2014 mit den von ihm im Jahr 2020 eingereichten medi- zinischen Unterlagen (so u.a. Bericht von Dr. H.____ vom 11. Mai 2020, Bericht des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Z.____ vom 1. Juli 2020 res p. den diesem Bericht zugrundelie- genden Unterlagen) nicht befasst. Damit macht er eine Verletzung des Anspruchs auf rechtli- ches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Sch weizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) geltend. Dazu ist festzustelle n, dass selbst wenn eine Verletzung die- ses Anspruchs vorläge, diese nicht derart schwer wiegt, d ass eine Rückweisung zu nochmali- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gem Entscheid unter Einhaltung der verfahrensmässigen A nforderungen gerechtfertigt wäre. Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerw iegende Verletzung des rechtli- chen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei über- prüfen kann (vgl. BGE 127 V 431 E. 3d/aa). Der Beschwerdeführer konnte sich im vorliegenden Verfahren, in welchem das Kantonsgericht sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann, zu sämtlichen bei den Akten liegende n medizinischen Berichten äussern, weshalb eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt erachtet werden kann. 9.2.1 Auch die weiteren in der Beschwerde erhobenen Rügen verfangen nicht. Der Be- schwerdeführer macht geltend, die medizinischen Experten der estimed AG seien gerichtsnoto- risch versicherungsfreundlich. Sinngemäss wird damit der V orwurf der Befangenheit erhoben, welchem aber nicht gefolgt werden kann. Befangenheit i st rechtsprechungsgemäss anzuneh- men, wenn Umstände vorliegen, die in objektiver Weise u nd nicht bloss aufgrund des subjekti- ven Empfindens der Partei geeignet sind, Misstrauen in d ie Unparteilichkeit und Unvoreinge- nommenheit der sachverständigen Person zu erwecken (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Dezember 2009, 9C_893/2009, E. 1.1; BGE 132 V 109 E. 7.1 mit Hinweis). Der Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit ist etwa zu bejahen, wenn das Gutach- ten nicht objektiv und sachlich gehalten ist (vgl. BGE 1 32 V 110 E. 7.2.2 mit weiteren Hinwei- sen; Urteile des Bundesgerichts vom 22. August 2013, 8C _227/2013 und vom 20. Juni 2013, 8C_978/2012, E. 5.3.2). Aus dem Gutachten der estimed AG ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Experten nicht von objektiven Kriter ien hätten leiten lassen, die erhobenen Befunde fehlerhaft interpretiert, oder die Beurteilung nicht lege artis durchgeführt hätten. 9.2.2 Der Beschwerdeführer beanstandet weiter, dass d ie neuropsychologischen Funktions- störungen nicht näher abgeklärt worden seien. Dem ist entgegenzuhalten, dass es den Gutach- tern wegen des aggravatorischen Verhaltens anlässlich der E xplorationen nicht möglich war, den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vollständig zu erfassen. Damit hat er selbst die Ursache gesetzt, dass allfällige weitere (psychische resp. neuropsychologische) Beeinträch- tigungen nicht mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sind. Die- se Beweislosigkeit geht zu seinen Lasten (vgl. BGE 141 V 281 E. 6). Soweit der Beschwerde- führer geltend macht, mit dem Bericht der des Spitals C .____, Zentrum für Rehabilitation und Altersmedizin, vom 21. Januar 2021 sei der Beweis erbra cht, dass eine schwere neuropsycho- logische Störung bestünde und das Gutachten der estimed A G nicht beweistauglich sei, ist ihm entgegenzuhalten, dass auch in diesem Bericht die Validi tät der Testergebnisse eingeschränkt war und die medizinischen Experten des Spitals C.____ l abormässig und bildgebend keine wegweisenden Befunde feststellen konnten. Dazu kommt, dass sie belastende psychosozialen Faktoren erkannten, welche die Befunde negativ überl agern und zumindest teilweise miterklä- ren. Diese sind aber für die Belange der Invalidenver sicherung nicht von Bedeutung (vgl. E. 4.4). Insgesamt ist im hier relevanten Zeitraum eine r elevante neuropsychologische Störung nicht rechtsgenüglich erstellt. Weiter lässt sich aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer aus verkehrsmedizinischen Gründen gezwungen war, den Führer ausweis abzugehen, invali- denversicherungsrechtlich nichts zu seinen Gunsten ableiten . Jedenfalls ergeben sich aus den diesem Entscheid der Administrativbehörde zugrundeliege nden Berichten des Instituts für Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsmedizin der Universität Z.____ vom 1. Juli 2020, des Neurologen Dr. E.____ vom 5. November 2018 sowie von Prof. Dr. F.____ vom 8. No vember 2018 keine Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g eblieben wären oder Zweifel an den Feststellungen im Gutachten der estimed AG vom 24. Nove mber 2017 begründen könnten. Eine die Arbeitsfähigkeit relevant einschränkende Fehlsi chtigkeit ist aufgrund der vorliegenden Akten ebenfalls nicht erstellt. Bei dieser Sachlage g ibt es auch keinen Anlass, beim behandeln- den Psychiater Dr. G.____ die Krankengeschichte des Versi cherten zu edieren. Wenn sich der Beschwerdeführer auf Angaben seines Sohns beruft, der d ie Situation aus seiner eigenen Wahrnehmung darstellt, ist ihm entgegenzuhalten, dass d essen Beobachtungen als medizini- scher Laie die fachärztliche Beurteilung von vornherein n icht in Frage zu stellen vermögen. Vor diesem Hintergrund vermag schliesslich auch der Abschlussberich t der I.____ vom 23. Mai 2019 (Belastbarkeitstraining vom 18. März 2019 bis 10. Mai 2019), wonach der Beschwerdefüh- rer nicht in der Lage sei, einer Erwerbstätigkeit nach zugehen, keine ernsthaften Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen. Insgesamt liegt nichts vor, was die Beurteilung im Gutach- ten der estimed AG vom 24. November 2017 in Zweifel ziehen könnte. Ausserdem ergeben sich aus den vorliegenden Unterlagen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung bis zum Erla ss der angefochtenen Verfügung vom 4. September 2020 verändert hätte, weshalb in ant izipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) au f weitere medizinische Abklärungen verzichtet werden kann. 10. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstand en, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfäh igkeit des Beschwerdeführers gestützt auf das Gutachten der estimed AG vom 24. November 2017 davon ausgegangen ist, dass der Versicherte spätestens im Zeitpunkt der Begutachtung in angepassten Tätigkeiten wiederum vollständig arbeitsfähig war und dadurch ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzie- len könnte. Gegen die konkrete Berechnung des Einkomme nsvergleichs ist nichts einzuwen- den, weshalb von weiteren Erörterungen dazu abgesehen und stattdessen auf die entspre- chenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 4. September 2020 verwiesen wer- den kann. Selbst ein maximaler Abzug vom Tabellenlohn von 25 % ändert am Ergebnis nichts, da dennoch ein Invaliditätsgrad von unter 40 % resultieren würde. 11.1 Im Gebiet der IV gilt ganz allgemein der Grund satz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzuke hren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern. Von den Versicherten können jed och nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und sub jektiven Gegebenheiten des Ein- zelfalls zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a). Nach der Rechtsprechung sind bei Personen, de- ren Rente revisions- oder wiedererwägungsweise herabges etzt oder aufgehoben werden soll, nach mindestens 15 Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistung spotential mittels Eigenanstren- gung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten (BGE 141 V 5 E. 4.1; Urteile des Bundesge- richts vom 22. März 2018, 8C_582/207, E. 6.3 mit weiter en Hinweisen und vom 26. April 2011, 9C_228/2010). Ausnahmen vom Grundsatz der Unzumutbarkei t einer Selbsteingliederung lie- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen namentlich vor, wenn die langjährige Abstinenz v om Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, die versicherte Person besond ers agil, gewandt und im gesell- schaftlichen Leben integriert ist oder über besonders bre ite Ausbildungen und Berufserfahrun- gen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versi- cherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Al ters und/oder der langen Rentenbe- zugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohn e Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Be weislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoret isch (wieder) ausgewiesene Leis- tungspotential auf dem Weg der Selbsteingliederung er werblich zu verwerten (Urteil des Bun- desgerichts vom 22. März 2018, 8C_582/2017, E. 6.3 mit weiteren Hinweisen). Entzieht oder widersetzt sich die versicherte Person Eingliederungsmassna hmen, können ihr die Leistungen gekürzt oder verweigert werden. Vorausgesetzt ist immerhin, dass die IV-Stelle zuvor ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt hat (Art. 21 Abs. 4 ATSG in Verbindung mit Art. 7b IVG; Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, E. 3.5). 11.2 Der Beschwerdeführer bezog mehr als 15 Jahre lang eine Invalidenrente und zählt somit unstreitig zum Personenkreis, auf den die vorstehend wi edergegebene Rechtsprechung An- wendung findet. In Kenntnis dieses Umstands führte die Beschwerdegegnerin im laufenden Revisionsverfahren denn auch ein Belastbarkeitstraining durch. Dabei stellte sie fest, dass der Beschwerdeführer – medizinisch nicht erklärbar – selbst b ei einfachen Tätigkeiten eine sehr hohe Fehlerquote aufwies, worauf sie ihn in Anwendung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens aufforderte, das Arbeitsverhalten anzupassen und die Arb eitsleistung deutlich zu steigern (Schreiben vom 10. April 2019). Nachdem sich in der Fo lge keine Besserung einstellte, durfte die Beschwerdegegnerin von der Durchführung weiterer beruflicher Eingliederungsmassnah- men absehen. 12. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Aufhebung der In validenrente per 4. September 2020 gerechtfertigt und die angefochtene Verfügung i m Ergebnis nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Beschwerde ist unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 13.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art . 69 Abs. 1 bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligun g oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliege nden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Vorliegend unterliegt der Beschwerdeführer, we shalb die Verfahrenskosten ihm zu aufer- legen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 24. November 2020 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen werden. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 13.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht ausgerichtet. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 24. Novembe r 2020 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühun- gen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seinen Honorarnoten vom 2. Dezember 2020, 2. Februar 2021 und 7. April 2021 für das vorlie- gende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 14 Stunden und 15 Minuten geltend ge- macht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden S achverhalts- und Rechtsfragen gerade noch angemessen ist. Nicht zu beanstanden sind die geltend gemachten Auslagen in der Höhe von Fr. 346.30. Dem Rechtsvertreter ist deshal b ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'442.40 (14,25 Stunden à Fr. 200.-- [vgl. § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003] und Auslagen von Fr. 346.30 sowie 7,7 % Mehrwert- steuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 13.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'442.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht