B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5164/2009 law/auj U r t e i l v o m 2 0 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Yanick Felley , Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), und deren Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), Russland, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Juli 2009 / N (…). D-5164/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Die aus F._______ beziehungsweise G._______ in der russischen Repu- blik Dagestan stammenden Beschwerdeführenden verliessen ihr Heima t- land eigenen Angaben zufolge mit ihren Kindern am 9. September 2008 und gelangten über Moskau und unbekannte Länder am 15. September 2008 in die Schweiz, wo sie am selben Tag um Asyl nachsuchten. Anläss- lich der Befragung en zur Person (BzP) vom 30. September 2008 erhob das BFM im Transitzentrum Altstätten die Personalien der Beschwerd e- führenden und befragte sie summarisch zum Reiseweg und zu den Au s- reisegründen. B. Am 1. Oktober 2008 führte das BFM mit dem Beschwerdeführer eine Kurzbefragung durch, anlässlich welcher es ihm einen Text in A warisch zur Übersetzung vorlegte. C. Eine von der (…) der (…) am 3. Oktober 2008 im Auftrag des BFM vo r- genommene Ausweisprüfung ergab, dass es sich beim eingereichten Führerschein des Beschwerdeführers um eine Totalfälschung handelt. D. Mit Zwischenverfügung vom 7. Oktober 2008 wies das BFM die B e- schwerdeführenden für die Dauer des Verfahrens dem Kanton H._______ zu. E. Das BFM liess in der Folge durch die Fachstelle LINGUA Herkunftsabklä- rungen vornehmen . Die beauftragte sachverständige Person legte dem BFM ihre – in je einem Telefongespräch mit den b eschwerdeführenden Ehegatten gewonnenen – Erkenntnisse am 5. beziehungsweise am 6. November 2008 vor. Die Abklärungen ergaben, dass die beiden in D a- gestan sozialisiert wurden und einem awarischen Milieu angehören. F. Am 5. November 2008 hörte das BFM die beschwerdeführenden Eltern getrennt zu ihren Asylgründen an. A m 23. Juni 2009 führte das BFM mit beiden eine ergänzende Anhörung durch. D-5164/2009 Seite 3 G. G.a. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer geltend, er habe im Jahr 2006 in F._______ für eine einflussreiche Pe r- sönlichkeit namens I._______, einen (…), der (…) umfassenden (…) ha- be werden wollen, Propagan da betrieben, respektive für eine diesem übergeordnete Person namens J._______, welcher (…) gewesen sei . I._______ habe er auch als Chauffeur gedient und ihn als Leibwächter begleitet. Im September und Oktober 2007 habe er zweimal in dessen Auftrag in einem Fahrzeug Waffen von (…) nach G._______ transportiert und sie dem Rebellenführer und L._______ abgeliefert. Nachdem dieser erfahren habe, dass die Waffen mit einer (…) ausgerüstet gewesen seien, um den (…), habe L._______ am 10. Dezember 2007 I._______ töten lassen. Auf der Suche nach den Mördern von I._______ habe OMON, ei- ne Spezialeinheit der russischen Polizei, am 16. Dezember 2007 das Dorf G._______ umzingelt. Er habe am 17. Dezember 2007 aus G._______ flüchten und sich in einer Hütte bei ein em Bekannten verstecken können. Nachdem OMON-Leute ein- bis zweimal bei seiner Familie eingebrochen seien, um nach ihm zwecks Durchführung einer Personenkontrolle zu su- chen, hätten seine Frau und die Kinder G._______ am 19. Dezember 2007 verlassen und seien nach F._______ gegangen. Zwei Wochen spä- ter habe er sich zu ihnen gesellt, und sie hätten bis im Sommer 2008 u n- behelligt in seinem E lternhaus gewohnt. Im Juli 2008 seien dort zwei Männer aufgetaucht und hätten ihn ohne Angabe von Gründen aufgefor- dert, sich mit ihnen zu L._______ zu begeben, was er abgelehnt habe. Im August 2008 seien die beiden Männer erneut zu ihm nach Hause ge- kommen und hätten ihm vorgeworfen, er habe vom Einbau der (…) in die Gewehre gewusst und dies verheimlicht. Sie hätten ihm gedroht, ihn und seine Familie umzubringen, falls sich dieser Verdacht erhärten sollte. Diese Leute hätten Kontakt zum russischen I nlandsgeheimdienst FSB und zum Militär. Er habe sich zur Ausreise entschlossen und einen Mann namens M._______ in Moskau kontaktiert, welcher ihnen jeweils Aprik o- sen abgekauft habe; dieser habe ihm die Ausreise mit einem LKW ab Moskau vermittelt. Am 9. September 2008 habe die Familie F._______ verlassen und sei nach Moskau gereist. Dort hätte M._______ sie in sei- nem Auto zum Lastwagenparkplatz gebracht, von wo sie in die Schweiz gereist seien. Eine Tasche mit sämtlichen Ausweisen sei im Auto von M._______ geblieben. G.b. Die Beschwerdeführerin brachte vor, ihr Ehemann habe als Chauf- feur und Bodyguard für I._______ gearbeitet. Nach dessen Ermordung am (…) sei ihr Mann wie alle ander en Gefolgsleute von I._______ unter-D-5164/2009 Seite 4 getaucht. Dieser habe bis zu seinem Tod Wahhabiten unterstützt und sie nicht der OMON ausgeliefert. Sie wisse nicht, ob ihr Ehemann auch zu den Wahhabiten gehöre. Sie hätten ihn umworben, er habe aber gesagt, er wolle sich nicht verwickeln lassen und ein ruhiges Leben führen. Auf ih- re direkte Fr age, ob er mit den Wahhabiten zusammenarbeite, sei er i m- mer ausgewichen. Uniformierte und maskierte OMON-Leute seien am 17. Dezember 2007 tagsüber und am 19. Dezember 2007 nachts zu ihr nach G._______ gekommen und hätten von ihr erfahren wollen, wo sich ihr inzwischen geflüchteter Ehemann aufhal te, und sie bedroht. Als sie beim zweiten Besuch aufgewacht sei, habe einer neben den Kindern g e- standen und einer neben ihrem Bett. Am nächsten Tag habe sie sich mit den Kindern ins Haus ihrer Schwiegereltern nach F._______ begeben. Dort habe sie im Juli 2008 gesehen, wie ein schwarzes Auto bei ihrem Gemüsegarten angehalten habe und ihr Ehemann mit zwei unbekannten Männern gesprochen habe. Er habe ihr nicht verraten, worum es ging, sei in dieser Zeit sehr nervös gewesen, habe Angst um die Kinder gehabt und sie nicht aus dem Haus gehen lassen. Als die zwei Männer im August 2008 wiedergekommen seien, hätten sie sich sehr aggressiv verhalten und ihrem Ehemann eine Frist von einem Monat gesetzt. Kurz darauf h a- be dieser ihr mitgeteilt, dass sie ausreisen müssten. H. Mit Verfügung vom 30. April 2009 gewährte das BFM den Beschwerde- führenden das rechtliche Gehör zum wesentlichen Inhalt des Ausweisprü- fungsberichts der (…) der (…), wonach es sich beim eingereichten Fü h- rerschein um eine Totalfälschung handle, weil das Dokument qualitativ in Bezug auf das Trägermaterial, den Druck und die Sicherheitselemente eindeutig von echtem Vergleichsmaterial abweich e. Gleichzeitig gab das BFM den Beschwerdeführenden Gelegenheit, sic h dazu innert Frist zu äussern und Gegenbeweismittel zu bezeichnen. I. Mit E ingabe vom 6. Mai 2009 nahm der Beschwerdeführer zum Fä l- schungsvorhalt Stellung. J. Mit Verfügung vom 13. Juli 2009 – eröffnet am 14. Juli 2009 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und forderte die Beschwerdeführenden un-D-5164/2009 Seite 5 ter Androhung von Zwangsmitteln auf, die Schweiz b is 7. September 2009 zu verlassen. K. Mit Verfügung vom 22. Juli 2009 beantwortete das BFM das Aktenein- sichtsgesuch der Beschwerdeführenden vom 20. Juli 2009. L. Mit Eingabe vom 13. August 2009 erhoben die Beschwerdeführenden gegen den Entscheid des BFM vom 13 . Juli 2009 beim Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerde. Darin beantragen sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, und ihnen sei die Flüchtlingseigenschaft zuzue r- kennen sowie Asyl zu gewähren; eventualiter sei infolge Unzulässigkeit oder Unzumutbark eit des Wegweisungsvollzugs eine vorläufige Aufna h- me zu erteilen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen sie, die Voll- zugsbehörden seien im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuwe i- sen, die Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat sowie jegliche Weiterg a- be von Daten an denselben bis zum Entscheid über die Beschwerde zu sistieren; vor einer allfälligen Abweisung der Beschwerde sei eine eve n- tuell bereits erfolgte Datenweitergabe offenzulegen und ihnen dazu das rechtliche Gehör im Hinblick auf subjektive Na chfluchtgründe zu gewä h- ren. Ferner beantragten sie, es sei ihnen die Bezahlung der Verfahren s- kosten und des Kostenvorschusses zu erlassen. M. Mit Verfügung vom 20. August 2009 hiess der Instruktionsrichter das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) unter der Voraussetzung des Nachreichen s einer Fürsorgebestätigung sowie unter Vorbehalt der Veränderung der f i- nanziellen Lage der Beschwerdeführen den gut. Die Vollzugsbehörden wies er an, die Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat und jegliche We i- tergabe von Daten an denselben bis zum Entscheid über die Beschwerde zu sistieren, und das BFM, eventuell der zuständigen heimatlichen B e- hörde bereits weitergegebene Personendaten den Beschwerdeführenden offenzulegen. N. Am 25. August 2009 ging dem Gericht eine Bestätigung der zuständigen Sozialbehörde über die Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführenden zu. D-5164/2009 Seite 6 O. Mit Verfügung vom 27. August 2009 lud der Instrukti onsrichter die Vorin- stanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein. P. In seiner Vernehmlassung vom 11. September 2009 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. Q. Der Instruktionsrichter liess die Stellungnahme den Beschwerdeführe n- den am 16. September 2009 zur Kenntnisnahme zustellen. R. Am 11. Januar 2011 gebar die Beschwerdeführerin einen Sohn, E._______. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bu ndesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nich t vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor. 1.2. Das während des Verfahrens geborene Kind, E._______, wird in das vorliegende Beschwerdeverfahren einbezogen. 1.3. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bez ie- hungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf D-5164/2009 Seite 7 die frist - und formgerecht eingerei chte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe od er wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie M assnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3. Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i-D-5164/2009 Seite 8 lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesen t- lich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., B a- sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 3.4. Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeit - punkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba- rer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft ve r- wirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der e r- warteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive er - folgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., BVGE 2010/44 E. 3.4 S. 620 f., Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 4. 4.1. Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheides fest, die Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten weder den Anfor- derungen an die Flüchtlingseigenschaft (Art. 3 AsylG) noch denjenigen an deren Glaubhaftmachung stand (Art. 7 AsylG). 4.1.1. Im Einzelnen führte es aus, die Beschwerdeführenden hätten trotz wiederholter Aufforderung keine Nachweise für ihre Identität erbracht, und ihre Erklärungsversuche für diese Unterlassung seien vorgeschoben und wenig überzeugend. So habe der Beschwerdeführer angegeben, er habe eine Handtasche mit sämtlichen Ausweisen (Reisepässe, Geburtssche i- ne) im Auto von M._______ vergessen. An der BzP habe der Beschwe r- deführer noch angeboten, seinen Nachbarn in F._______ einen Brief zu schicken, damit diese von M._______ die Dokumente erhältlich machen könnten. Anlässlich der Bundesanhörung habe er jedoch ausgesagt, nichts unternommen zu haben und auch M._______ nicht kontaktieren zu D-5164/2009 Seite 9 können, da er dessen Telefonnummer nicht kenne. Bei entsprechender Bereitschaft wäre es dem Beschwerdeführer möglich gewesen, M._______ 's Telefonnummer oder Adresse über andere Dorfbewohner in Erfahrung zu bringen, da dieser sicherlich auch ander en Personen in der Gegend bekannt gewesen sei, zumal er offenbar regelmässig während der Aprikosenernte von Moskau nach F._______ gekommen sei, um Apri- kosen einzukaufen. Auch der Aufforderung des BFM, zumindest die He i- ratspapiere bei der Gemeinde von N._______ zu verlangen, wo er me h- rere Jahre gelebt und auch geheiratet habe, sei er mit der Begründung nicht nachgekommen, weder die Adresse noch die Telef onnummer der Gemeindeverwaltung zu kennen; die nötigen Informationen seien jedoch auf der Website der Gemeinde von N._______ jederzeit abrufbar. Anläss- lich der ergänzenden Anhörung habe der Beschwerdeführer in Abwe i- chung von seiner bisherigen Aussage angegeben, er habe keinen Ko n- takt mit den Leuten aufgenommen, weil er nicht wolle, dass diese wüss- ten, wo er sich aufhalte. Anlässlich der schriftlichen Gehörsgewährung zum Fälschungs befund über den eingereichten Fahrauswei s habe der Beschwerdeführer angegeben, er wisse nichts von einer Fälschung, und die Polizei in Dagestan habe den Führerschein nie als gefälscht bezeic h- net. Mit diesem Verhalten habe er seine Mitwirkungspflicht verletzt, was die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen beeinträchtige. 4.1.2. Zu den geltend gemachten Übergriffen durch die Gefolgsleute von L._______ hielt das BFM fest, diese seien asylrechtlich nicht relevant, da es dem Beschwerdeführer zumutbar und möglich gewesen wäre, vor den Belästigungen und angeblichen Morddrohungen Schutz bei der Polizei zu suchen, welche in der Lage sei, Schutz zu ge währen und ihrer Schut z- pflicht nachkomme. Dies gelte umso mehr, als er von den Behörden nicht verfolgt worden sei. Bei der Schilderung der Umzingelung von G._______ habe er beispielsweise erklärt, dass die OMON nicht explizit nach ihm gesucht habe. Gegen eine behördliche Verfolgung spreche auch der U m- stand, dass der Beschwerdeführer nach seiner Flucht aus G._______ während acht Monaten ohne besondere Sicherheitsvorkehren in F._______ gelebt habe und zu keine m Zeitpunkt von den Behörden oder von OMON gesucht oder sonst wie behelligt worden sei. Im Zusammen- hang mit der Beurteilung der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs hielt das BFM ferner fest, da ss aus den geltend gemachten zwei Besuchen von Gefolgsleuten v on L._______ im Elternhaus des Beschwerdeführers in F._______ im Juli und August 2008 nicht zwingend auf eine Lebensge- fahr geschlossen werden könne, hätten doch die zwei Männer zu keinem Zeitpunkt Gewalt angewe ndet und auch nie versucht, den Beschwerde-D-5164/2009 Seite 10 führer zu entführen, was problemlos möglich gewesen wäre, habe sich dieser doch beim ersten Besuch freiwillig in ihr Auto gesetzt. Aufgrund von widersprüchlichen Schilderungen der Besuche äusserte das Bundes- amt ferner Zweifel daran, dass sich diese in der angegebenen Weise ab- gespielt hätten. So habe der Beschwerdeführer bezüglich des ersten B e- suches abweichende Angaben darüber gemacht, ob die Kinder anwesend gewesen seien oder nicht und ob die Männer ihn aufgefordert hätten, mit ihnen mitzugehen; das Gesprä ch anlässlich des zweiten Besuchs habe gemäss seinen Aussagen an der Bundesanhörung vor dem Haus stattge- funden, nach seinen Angaben an der ergänzenden Anhörung jedoch im Hausgang. Die Beschwerdeführerin habe einmal gesagt, die Männer hä t- ten an die Türe gek lopft, seien aber nicht ins Haus getreten und das G e- spräch habe draussen stattgefunden; an der ergänzenden Anhörung h a- be sie hingegen angegeben, die Männer seien ins Haus gekommen. 4.2. 4.2.1. In der Beschwerde wird hinsichtlich der fehlenden Offenlegung der Identität vorgebracht, der Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin hätten übereinstimmend erklärt, dass sie die Identitätspapiere zusammen mit Wertsachen und einem Telefonbüchlein in einer Tasche im Auto des Schleppers in Moskau zurückgelassen hätten. Da auch die Nummer des Schleppers M._______ in diesem Büchlein aufgeschrieben gewesen sei, könne der Beschwerdeführer mit diesem nicht mehr Kontakt aufnehmen, um an die Papiere zu gelangen. Der so erklärte Verlust der Identitätsd o- kumente sei aufgrund der Hektik u nd dem mit der Flucht verbundenen Stress durchaus glaubhaft und nicht ungewöhnlich. Der Vorhalt des BFM, sie hätten die Gemeindebehörde von N._______ zwecks Beschaffung der Heiratsdokumente kontaktieren können, sei zurückzuweisen, da sie auf keinen Fall gewollt hätten, dass offizielle Stellen oder auch Bekannte aus dem Dorf ihren jetzigen Aufenthaltsort erführen, was aufgrund der Bedr o- hungssituation nachvollziehbar sei. Der Beschwerdeführe r habe sodann sehr detailliert Auskunft zu seiner Herkunft und Familie gegeben; so habe er etwa die genauen Todesdaten seiner Eltern genannt und Auskunft über deren Herkunft gegeben. Auch die Beschwerdeführerin habe detailliert Auskunft zu den ehemaligen Wohnorten, zu ihren Verwandten und den Umständen ihrer Hochzeit gegeben. Dass es sich bei dem Führerschein, welchen ihm sein Auftraggeber I._______ vermittelt habe, um eine Fä l- schung handle, sei dem Beschwerdeführer nicht bekannt gewesen. Das BFM habe im Entscheid keine Angaben zu den Fälschungsmerkmalen gemacht und keine Ei nsicht in die diesbezüglichen Akten gewährt. Die Beschwerdeführenden seien ihrer Mitwirkungspflicht insofern nachg e-D-5164/2009 Seite 11 kommen, als sie detailliert Auskunft zu ihrer Person und Herkunft geg e- ben und plausible Erklärungen zu den Vorhalten der Vorinstanz abgeg e- ben hätten. Die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen sollte deswegen nicht durch die verloren gegangenen Identitätspapiere beeinträchtigt werden. Auch die Hilfswerksvertretung habe die Glaubhaftigkeit des Vorbringens explizit hervorgehoben. Die Tatsache, dass die beschwerdeführenden El- tern in insgesamt sieben Befragungen detailliert zu den Fragen der Vorin- stanz Stellung genommen hätten, spreche ebenfalls für die Glaubhafti g- keit ihrer Vorbringen, da nur zu tatsächlich Erlebtem derart ausführlich be- richtet werden könne. 4.2.2. Die Argumentation des BFM, der Beschwerdeführer sei von den Behörden nicht gesucht worden, und er hätte sich an den schutzwilligen und -fähigen Staat wenden können, wird in der Beschwerde bestritten. Nicht nur die Wahhabiten hätten den Beschwerdeführer gesucht, sondern auch die russischen Behörden, sei er doch als ehemaliger Angestellter von I._______ unmittelbar von der Verhaftungswelle in G._______ durch die russische Spezialeinheit OMON betroffen gewesen, we lche alle Pe r- sonen verhaftet habe, die mit I._______ in Kontakt gestanden hätten. Der Beschwerdeführer habe im Auftrag von I._______ im Zeitraum von Se p- tember bis Oktober 2007 zweimal Waffen an die Wahhabiten geliefert, ohne über die genauen Hintergründe d iese Aktion aufgeklärt worden zu sein, weshalb er davon ausgegangen sei, dass I._______ ein doppeltes Spiel gespielt habe und sich verständlicherweise auch in Gefahr gewähnt habe, von den Behörden festgenommen zu werden. Er habe seine B e- ziehung zu I._______, die für diesen erledigten Aufträge und mit ihm be- suchten Orte sowie die Umstände seiner Flucht aus G._______ an den Anhörungen detailliert beschrieben, was ein klarer Hinweis für die Glau b- haftigkeit seiner Vorbringen sei. Die in den Waffen eingebauten Navigati- onsgeräte hätten es den russischen Einheiten ermöglicht, die wahhabiti- schen Rebellen aufzuspüren. Der Beschwerdeführer habe nichts vom Einbau der Navigationsgeräte in die Waffen gewusst und gehe davon aus, dass dies auch I._______ nicht bekannt gewe sen sei. Er habe erst Monate später in F._______ davon erfahren. Die beiden Männer, die ihn im Auftrag von L._______ im Sommer 2008 aufgesucht hätten, hätten ihn darüber befragt, ob ihm der Einbau der Geräte bekannt gewesen sei. Die anlässlich des zweiten Besuches gegen ihn und seine Familie ausge- stossenen Morddrohungen sowie die Tatsache, dass I._______ im Auf- trag von L._______ ermordet worden sei, hätten ihn zur Ausreise bew o- gen. Aufgrund der Verstrickung in die Waffenlieferung an die wahhabit i- schen Rebellen und der engen Kontakte zu I._______ habe er nicht s i-D-5164/2009 Seite 12 cher sein können, ob er nicht auch von den Behörden gesucht werde; deshalb sei es nachvollziehbar, dass er sich nach der Bedrohung durch die Wahhabiten nicht an die Behörden habe wenden können. Es sei ihm nicht zumutbar gewe sen, beim Staat Schutz zu suchen, sei er doch un- gewollt zwischen die Fron ten der Behörden und der Rebel len geraten, und würden die Behörden im Umgang mit Aufständischen nicht differe n- zieren, weshalb davon auszugehen sei, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Festnahme kein rechtsstaatliches Verfahren zugestanden werden würde. Bei einer Bedrohung durch die schlagkräftigen und ei n- flussreichen Wahhabiten könne der Staat zudem nur bedingt Schutz bi e- ten. Aufgrund der anzunehmenden ve rminderten Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit des Staates seien die Vorbringen als asylrechtlich rel e- vant einzuschätzen. Die Gefolgsleute von L._______ hätten den B e- schwerdeführer und seine Familie für den Fall mit dem Tod bedroht, dass sich herausstelle n sollte, dass er vom Einbau der Navigationsgeräte in die gelieferten Waffen gewusst habe. Deshalb sei anzunehmen, dass die Rebellen nach weiteren Abklärungen tatsächlich zu gewaltsamen Mitteln gegriffen hätten, wenn sich dieser länger an seinem Heimatort aufgehal- ten hätte – eine Annahme, die durch die tatsächliche Ermordung des Auf- traggebers des Beschwerdeführers, I._______, bekräftigt werde. Diese stichhaltigen Gründe sprächen für die Annahme einer konkreten und ernsthaften Gefahr, weshalb der Wegweisungsvollzug unzulässig sei. Bei den angeblichen Widersprüchen zwischen den unterschiedlichen Anh ö- rungsprotokollen handle es sich um kleine, unbedeutende Differenzen; so sei es nebensächlich, ob sich der Beschwerdeführer im oder vor dem Hauseingang mit den Männern unterhalten habe. Die Beschwerdeführerin sei während des Gesprächs im Zimmer geblieben und könne deshalb nicht genau sagen, ob das Gespräch im Hauseingang oder vor der Hau s- türe stattgefunden habe. Sodann seien gewisse Abweichungen in den Aussagen aufgrund der zahlreichen Anhörungen nachvollziehbar. 4.3. In seiner Vernehmlassung weist das BFM darauf hin, dass die kanto- nalen Vollzugsbehörden nie Kontakt mit den Behörden des Heimatlandes von weggewiesenen Asylsuchenden aufnähmen, da dafür allein die Abtei- lung Rückkehr des BFM zuständig sei. In Bezug auf den vorliegenden Fall hält das BFM fest, den russischen Behörden seien bis anhin keine Personendaten der Beschwerdeführenden bekanntgegeben wor den, und die heimatlichen Behörden würden erst nach einer Abweisung der B e- schwerde und dem Eintritt der Rechtskraft des Asylentscheids kontaktiert. Im Übrigen verweist die Vorinstanz auf die Erwägungen in der angefoc h- tenen Verfügung, an denen sie vollumfänglich festhält. D-5164/2009 Seite 13 5. 5.1. Vorab ist fes tzuhalten, dass das BFM die Erklärung sversuche der Beschwerdeführenden für den Verlust ihrer Identitätsdokumente zu Recht und mit zutreffender (vgl. die in E. 4.4.1. zusammengefasste) Begründung als ung laubhaft beurteilt hat. Die diesbezüglichen Einwände in der B e- schwerde (vgl. E. 4.2.1.) vermögen nicht zu überzeugen . Der Umstand, dass die beschwerdeführenden Ehegatten übereinstimmend behaupt e- ten, ihre Identitätspapiere seien im Auto des Schleppers M._______ lie- gen geblieben, ist nicht geeignet, den Wahrheitsgehalt einer realitäts- fremden Aussage zu erhöhen. Überdies stimmen die ersten Aussagen der Beschwerdeführerin keineswegs vollumfänglich mit denjenigen ihres Mannes und mit ihren eigenen Aussagen an den Anhörungen überein. So sagte sie anlässlich der BzP unter anderem, der Schlepper habe die Pa- piere gehabt und diese nicht zurückgegeben (vgl. act. A2/10 S. 4). Der Beschwerdeführer gab an, das Geld und die Identitätsdokumente in de r- selben Tasche aufbewahrt zu haben und die Tasche nach der Entnahme des Geldes zu Bezahlung des Schleppers i m Auto gelassen zu haben (vgl. act. 17/20 S. 3, A28/14 S. 3). Was den eingereichten Führerschein betrifft ist festzuhalten, dass das BFM den Beschwerdeführenden mit Ver- fügung vom 30. April 2009 (vgl. act. A24/2) vor Erlass der angefochtenen Verfügung das rechtliche Gehör zum wesentlichen Inhalt des Ausweisprü- fungsberichts der (…) der (…) gewährt und der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. Mai 2009 (vgl. act. A25/1) dazu Stellung genommen hat (vgl. Sachverhaltsdarstellung Bstn. H und I hievor). Vor diesem Hinte r- grund vermag der Einwand in der Beschwerde, das BFM habe im ang e- fochtenen Entscheid keine Angaben zu den Fälschungsmerkmalen des eingereichten Führerscheins gemacht und keine Akteneinsicht ge währt, im vorliegenden Beschwerdeverfahren keine entscheidwesentl iche Rele- vanz zu entfalten. 5.2. 5.2.1. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht war der B e- schwerdeführer nicht in der Lage, die geltend gemachte Verfolgungssitua- tion, deren Hintergründe sowie die Urheber der Verfolgung anschaulich, detailliert sowie in de n wesentlichen Punkten widerspruchsfrei zu schi l- dern, obwohl ihm das BFM an insgesamt vier Befragungen dazu hinrei- chend Gelegenheit gab. So verstrickte er sich bereits bezüglich der Hauptpersonen seiner Verfolgungsge schichte, deren Namen und Berufe sowie Funktionen in Widersprüche . Anlässlich der Anhörung vom 5. November 2008 gab er zu Protokoll, von 2002 bis 2006 und auch sp ä- ter für einen O._______ mit dem Vornamen P ._______ gearbeitet zu ha-D-5164/2009 Seite 14 ben, welcher (…) in Dagestan gewesen sei (vgl. act. A17/20 S. 9 F. 94 ff.). Die Waffen habe er im Auftrag des O._______'s transportiert; zwei Mona- te später sei dieser O._______ umgebracht worden (vgl. act. A17/20 S. 9 F. 105). Auf die Nachfrage der Hilfswerksvertreterin hin, ob I._______ denn der Besitzer des (…)geschäftes gewesen sei, b ei welchem der Be- schwerdeführer gearbeitet habe, erwiderte dieser jedoch, I._______ habe mit dem O._______ nichts zu tun (vgl. act. A17/20 S. 16 F. 178). Die poli- tischen Positionen und das Verhältnis zwischen I._______ und Q._______ konnte er ebenfalls nicht plausibel erläutern. An der BzP gab er zunächst an, I._______ habe ihn gebeten, ihn mit (…) zu unterstützen, damit er Leiter und Administrationschef der Region R._______ werde (vgl. act. A1/11 S. 6). Wenig später gab er zu Protok oll: "Eigentlich habe ich nicht für Gazi Magomed Propaganda gemacht, sondern für eine Pe r- son, welche über ihm stand, für J._______", welcher (…) sei (vgl. act. A1/11 S. 7). Anlässlich der Anhörung vom 5. November 2008 gab er zu Protokoll, I._______ habe ihm gesagt, er solle ihn und "seinen Mann, J._______", bei der Wahl unterstützen (vgl. act. A17/20 S. 10 F 106). An der ergänzenden Anhörung schliesslich sagte er, Q._______ sei (…) ge- wesen, und S._______habe ihn befördert; am 1. Februar 2009 seien Q._______ und drei weitere Personen ermordet worden (vgl. act. A28/14 S. 6 F 61). Wie der (…) in spe, I._______, den amtierenden (…) Q._______ hätte befördern können, wenn jener den Angaben des B e- schwerdeführers zufolge diesem hierarchisch unterstellt gewes en sein soll, ist ebenso wenig nachvollziehbar wie der Umstand, dass der Be- schwerdeführer gleichzeitig für zwei Personen gearbeitet haben will, we l- che zueinander in einem Konkurrenzverhältnis gestanden hätten. 5.2.2. Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem angeblichen En- gagement für I._______ und Q._______ fielen wenig aussagekräftig, wi- dersprüchlich und nicht plausibel aus. Er gab auf zahlreiche Fragen au s- weichende Antworten oder versuchte, das Thema zu wechseln. So gab er beispielsweise an, er habe den Leuten gesagt, Q._______ könne sich ef- fektiver für die Bevölkerung einsetzen als ander e Kandidierende; er war aber nicht in der Lage, anschaulich zu schildern, mit welchen Worten er die Leute zu überzeugen versucht haben will, Q._______ zu unterstützen: "Ich musste gar nicht argumentieren. Die Leute wussten schon, dass ich für I._______ Einsatz leistete. Und wie gesagt, war dieser Mann schon so autoritär angesehen, dass dies schon alleine seine Wirkung hatte" (vgl. act. A17/20 S. 11 F 12). Auf die Frage der Hilfswerksvertreterin, was für Sachen er für I._______ transportiert habe, antwortete der Beschwerd e- führer: "Eigentlich stand ich ihm zur Verfügung. Ich führte seine Aufträge D-5164/2009 Seite 15 aus. Was es auch war. Wenn er auch auf die Reise ging, da haben wir ihn beschützt, also Bodyguard geleistet" (vgl. act . A17/20 S. 16 F 179). Als die Hilfswerksvertreterin nachhakte und nach der Anzahl und dem Ve r- wendungszweck der transportierten Waffen fragte, entgegnete er: "Es ist schwierig zu beschreiben. Er war sozusagen Binde glied zwischen I n- nenministerium, Aufständischen und der OMON" (vgl. act. A 17/20 S. 17 F 188). Die Frage der Hilfswerksvertreterin nach der Art seiner Beziehung zu I._______ beantwortete der Beschwerdeführer ebenfalls oberflächlich: "Wie gesagt, er war ein einflussreicher Mann und hat mich geschätzt, weil ich kein Drogenhändler bin. Ich rauche auch nicht, trinke nicht und ko n- sumiere keine Drogen. Das war wahrscheinlich schon wichtig für ihn zu erfahren" (vgl. act. A17/20 S. 16 F 176). Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht ist in solchen unsubstanziierten Aussagen keine d e- taillierte Beschreibung der Beziehung des Beschwerdeführers zu I._______ und der für diesen angeblich geleisteten Dienste zu erkennen. Bleibt ein Vorbringen aber auch nach vier Befragungen noch diffus, liegt der Schluss nahe, dass nicht tatsächlich Erlebtes wiedergegeben wurde, sondern es sich bei der Verfolgungsgeschichte weitgehend um ein Kon- strukt handelt. 5.2.3. Wie das BFM zutreffend festgestellt hat, finden sich in den Akten keine Hinweise auf asylrechtlich relevante Behelligungen des Beschwe r- deführers durch die russische Spezialpolizei OMON und/oder irgendeine Behörde. In der Tat gab der Beschwerdeführer an der ergänzenden Anhö- rung zu Protokoll, er sei nach der Umzingelung von G._______ durch die OMON geflohen, obwohl diese offenbar "nicht explizit" nach ihm gesucht habe (vgl. act. A28/14 S. 7 F 68). Gegen eine Suche und Verfolgung sei- tens der Behörden beziehungsweise der OMON spricht ferner der vom Beschwerdeführer mehrfach eingestandene Umstand, dass er und seine Familie sich vom Dezember 2007 beziehungsweise Januar 2008 bis Juli 2008 unbehelligt in seinem Elternhaus in F._______ aufgehalten haben: "Ich tauchte unter und es war alles gut und es kam zu keinen besonderen Ereignissen (vgl. act. A17/20 S. 15 F 63); "Wir lebten gewöhnlich. Dort war eigentlich nichts (…); "Wir lebten ganz normal. Ich stellte mich nicht zur Schau, lebte normal, hatte einen Wagen" (vgl. act. A28/14 S. 7 F 66 f.). Auf den Vorhalt der BFM -Mitarbeiterin anlässlich der ergänze n- den Anhörung, nach der Ermordung von I._______ habe man nicht nach dessen Mitarbeitern gesucht, sondern nach seinen Mördern, und er sei einer seiner Mitarbeiter gewesen, vermochte der Beschwerdeführer keine plausible Antwort zu lief ern (vgl. act. A28/14 S. 5 F 40 ff.). Auch die B e- antwortung der Frage, weshalb OMON ihn als Mitarbeiter des Getöteten D-5164/2009 Seite 16 hätte suchen sollen, überzeugt nicht: „OMON nimmt einfach alle mit, o h- ne Unterschiede. Sie nehmen alle fest, prügeln alle, ohne Unterschie d“ (vgl. act. A28/14 S. 5 F 45). An der Anhörung vom 5. November 2008 hat- te er noch zu Protokoll gegeben, man habe ihn nicht zur Suche ausg e- schrieben, weil er noch einen guten Ruf gehabt habe (vgl. act. A17/20 S. 13 F 140). Die in der Beschwerde erneut erhobene Behauptung, der Beschwerdeführer sei als ehemaliger Angestellter von I._______ unmit- telbar von der Verhaftungswelle durch OMON betroffen gewesen, ist of- fensichtlich tatsachenwidrig. Das Vorbringen einer Verfolgung durch staatliche Akteure erweist sich daher als unglaubhaft. 5.2.4. Im Zusammenhang mit der geltend gemachten Behelligungen und Morddrohungen durch Gefolgsleute des Wahhabiten L._______ im Haus der Eltern des Beschwerdeführers in F._______ im Sommer 2008 wird in der Beschwerde ausgeführt, bei d en vom BFM aufgeführten abweiche n- den Schilderungen der Besuche durch den Beschwerdeführer und seine Ehefrau handle es sich um nebensächliche Differenzen. Die Aussagen des Beschwerdeführers genügen jedoch auch aus anderen Gründen den Anforderungen an die Gl aubhaftmachung nicht. So machte er insbeson- dere auch zum zentralen Punkt der Ursache der angeblichen Behelligu n- gen durch den Führer der a ufständischen Wahhabiten beziehungsweise zur Frage, was die Ermordung von I._______ mit ihm zu tun habe, wider- sprüchliche Angaben. An der BzP sagte er, L._______ habe ihn verdäch- tigt, vom Einbau der (…) in die Waffen gewusst und dies verheimlicht zu haben (vgl. act. A1/11 S. 6). An der Anhörung gab er hingegen zu Prot o- koll, man habe angenommen, dass er daran beteiligt gewe sen sei, (…) an den Waffen anzubringen (vgl. act. A17/20 S. 13 F 136). Die Argumen- tation des BFM, dass die beiden Gefolgsleute von L._______ ihre angeb- lichen Drohungen ohne weiteres in die Tat hätten um setzen können, wenn sie dies denn gewollt hätten, wird in der Beschwerde nicht übe r- zeugend widerlegt, zumal davon auszugehen ist, dass sie seit dem Mord an I._______ im Dezember 2007 bis im Sommer 2008 genügend Zeit g e- habt hätten, um die Rolle des Beschwerdeführers beim Einbau der GPS in die Waffen abzuklären . Die Erklärungsversuche des Beschwerdefü h- rers, weshalb er bei ihrem zweiten Besuch nicht mit den beiden Männern habe mitgehen müssen, vermögen in keiner Weise zu überzeugen: "Das wäre für mich gleich dem Tod gewesen. Ich wusste ja, dass er das nicht untersuchen würde, sondern mich umbringen würde . [….]" (vgl. act. A17/20 S. 14 F 157). Als die Sachbearbeiterin des BFM insistierte, wes- halb die Männer ihn nicht gleich mitgenommen hätten, meinte er: "Das weiss ich auch nicht. Nur Gott weiss es" (vgl. act. A17/20 S. 14 F 158). D-5164/2009 Seite 17 Anlässlich der ergänzenden Anhörung musste er schliesslich eingest e- hen, dass die Männer ihn hätten mitnehmen oder erschiessen können, wenn sie das gewollt hätten oder wenn T._______ dies befohlen hätte; dass sie es nicht getan hatten, konn te er sich nicht erklären: "Allah allein weiss es. Wie soll ich das wissen? Weil ich mich zurückgezogen hatte, dachten sie wohl, ich wisse etwas darüber " (vgl. act. A28/14 S. 11 F 135 f.). Die behauptete Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure erweist sich daher ebenfalls als un glaubhaft. Der Einwand in der Beschwerde, wonach angesichts der verminderten staatlichen Schutzfähigkeit gegen Bedrohungen durch die Wahhabiten die diesbezüglichen Vorbringen asyl- rechtlich relevant seien, vermag daher von vornherein nicht zu verfangen. 5.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelingt, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, dass ernsthafte Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG erlitten haben oder be- gründete Furcht haben, solche Nachteile im Falle der Rückkehr in abse h- barer Zukunft mit erheblicher Wahrscheinlichkeit erleiden zu müssen. Das BFM hat ihre Asylgesuche demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht verfügt. 7. 7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 1 6. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t-D-5164/2009 Seite 18 lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrecht liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen wer den, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.1. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwer- deführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG veran- kerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulements im vorliege n- den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Be - schwerdeführenden in die Republik Dagestan ist demnach unter dem A s- pekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde - führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Rückschaffung nach Dagestan dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen G e- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall D-5164/2009 Seite 19 einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwe rde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Der Beschwerdeführer war nicht in der Lage, substanziiert zu erläutern, weshalb er gleich ganz Russland (und nicht nur seine Heimat Dagestan) verlassen hat, und was er bei einer Rückkehr nach Russland konkret befürchte: "Es ist ein Kreis. OMON braucht Aufständische und die Aufständischen brauchen OMON. Das bewirkt den Geldfluss. (…) Das Geld kommt ins Land und muss in Uml auf gebracht werden" (vgl. act. A17/20 S. 10 F 169). Auf die wiederholte F rage erwiderte er: "Wir Kaukasier sind in Russland unterdrückt. Wir sind auffällig und sehen a n- ders aus und könne n auf der Strasse angehalten werden. Man muss mit allerlei Konsequenzen rechnen. Zhirinovsky hat das gut zu Wort gebracht: Russland braucht Kaukasus, aber keine Kaukasier. […]" (vgl. act. A17/20 S. 10 F 170). Und weiter: "Ich habe Angst um meine Familie. Die Leute werden uns nicht in Ruhe lassen" ( vgl. act. A17/20 S. 10 F 171). Die Aus- sagen des Beschwerdeführers, man höre jeden Tag von Ermordunge n und Festnahmen in Dagestan (vgl. act. A28/14 S. 12 F 140), und eine Rückkehr sei für ihn zu gefährlich, weil mehrere seiner Freunde – was in im Übrigen keiner Weise belegt wird – bereits umgebracht worden seien (vgl. act. A 17/20 S. 19 F 200), sind ebenfalls zu unsubstanziiert, als dass von einem ihm konkret drohenden Gefahr für Leib und Leben ausgega n- gen werden könnte. Auch die Beschwerdeführerin äusserte sich nur vage zu allfälligen Befürchtungen im Hinblick auf eine Rückkehr: „Ich will gar nicht daran denken. Falls ich zurückgehen soll, gehen wir nicht nach D a- gestan, sondern nach Russland“ (vgl. act. A18/15 S. 12 F 126), und wei- ter: "Ich habe Angst. Ich weiss nicht, worin seine Probleme bestehen. Aber ich habe Angst um meinen Mann. Er hat mehrmals erwähnt, dass es kein Zurück geben würde" (vgl. act. A18/15 S. 12 F 127). Den Beschwer- deführenden ist es entgegen der in der Beschwerde (S. 5) vertretenen Ansicht nicht gelungen, eine konkrete Gefahr im Sinne eines „real risk“ nachzuweisen oder glaubhaft zu mac hen. Auch die allgemeine Me n- schenrechtslage in Dagestan lässt den Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung ist daher sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen B e- stimmungen zulässig. 7.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e-D-5164/2009 Seite 20 fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1. In der Republik Dagestan herrscht keine Situation allgemeiner fl ä- chendeckender Gewalt, aufgrund derer die zivile Bevölkerung generell als existenziell gefährdet zu betrachten wäre. 7.3.2. Die Beschwerdeführenden haben bis zu ihrer Ausreise vor dreiei n- halb Jahren in der Republik Dagestan gewohnt, weshalb davon auszug e- hen ist, dass sie dort entgegen den Ausführungen in der Beschwerde (S. 5) nach wie vor über ein bestehendes soziales Beziehungsnetz verf ü- gen, welches ihnen bei der Reintegration behilflich sein kann. Zur Siche- rung ihrer Existenzgrundlage werden sie auf die Einkünfte aus ihrer (…)plantage sowie auf die langjährige Arbeitserfahrung des Beschwerde- führers als O._______, im (…)anbau sowie teilweise auch als Händler (vgl. act. A17/20 S. 8 f. F 92 ff.) zurückgreifen können. Der Beschwerd e- führer hat zudem die Mittelschule abgeschlossen und spricht Russisch, Awarisch sowie ein wenig Englisch (vgl. act. A1/11 S. 2). Die Beschwe r- deführerin ist elf Jahre zur Schule gegangen und spricht ebenfalls Ru s- sisch und Awarisch (vgl. act. A2/10 S. 2). Die Beschwerdeführenden ver- fügen über mindestens zwei Häuser und allenfalls eine Wohnung, so das Haus des Grossvaters der Beschwerdeführerin in G._______ (vgl. act. A27/12 S. 4 F 28), da s Elternhaus des Beschwerdeführers in F._______ (vgl. act. A17/20 S. 6 F 58, A18/15 S. 10 F 94, A27/12 S. 4 F 29) sowie offenbar eine Wohnung in K._______, welche ihnen die El- tern des Beschwerdeführers zeitweise vermietet hatten (vgl. act. A18/15 S. 5 F 28-31). Die anlässlich der Befragungen erhobene Behauptung, das Haus und das Land in F._______ seien zum Bau eines Wasserkraftwerks überflutet worden (vgl. act. A17/20 S. 9 F 101, A27/12 S. 4 F 29), ist sei- tens der Beschwerdeführenden nicht belegt worden. Auch die Aussage, die Beschwerdeführenden hätten in Dagestan überhaupt keine Verwan d- ten, kann zum einen vor dem Hintergrund ihrer bis heute nicht geklärten Identität und zum andern aufgrund von widersprüchlichen Aussagen zum familiären Beziehungsnetz nicht geglaubt werden. Der Beschwerdeführer gab anlässlich der BzP zu Protokoll, sein Vater sei im Jahr 1982 versto r- ben und seine Mutter 2004 ; zur Frage nach wei teren Verwandten sagte er: "Mein Vater kam aus dem Waisenhaus und meine Mutter hatte auch keine Geschwister, soviel ich weiss" (vgl. act. A1/11 S. 3). Die Beschwer- deführerin hingegen gab an der BzP an, ihr Mann habe ihr gesagt, wenn es schwierig werde, kön ne sie immer zu seinen Eltern nach F._______ gehen. Nach seiner Flucht aus G._______ im Dezember 2007 sei sie mit D-5164/2009 Seite 21 den Kindern dorthin gezogen; das Haus in F._______ habe leer gestan- den, da ihre Schwiegereltern in K._______ gelebt hätten (vgl. act. A2/10 S. 5). Offenbar haben die Eltern des Beschwerdeführers im Dezember 2007 also noch gelebt. Als die Beschwerdeführerin angeben sollte, ob i h- re Schwiegermutter bei der Geburt der Tochter C._______ im (…) noch gelebt habe, verwickelte sie sich de nn auch in Wi dersprüche (vgl. act. A18/15 S. 7 F 61 ff.). Als aussergewöhnlich mutet sodann der Umstand an, dass es sich sowohl bei den Eltern des Beschwerdeführers und den- jenigen seiner Ehefrau als auch bei den Beschwerdeführenden selbst um Einzelkinder handeln soll (vgl. act. A1/11 S. 3, A2/10 S. 3). Die Beschwer- deführerin relativierte diese Aussage indes selbst, indem sie angab, eine Tante zu haben und Angehörige ihrer Mutter erwähnte, welche diese nach der Eheschliessung mit dem Vater der Beschwerdeführerin nicht me hr akzeptiert hätten (vgl. act. A27/12 S. 4 F 26), weshalb sie keinen Kontakt zu Verwandten mütterlicherseits habe (vgl. act. A18/15 S. 6 f. F 56 f.). 7.3.3. Die Untersuchungspflicht der Asylbehörden im Zusammenhang mit der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisun gsvollzuges findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der betroffenen Person en. Kommen diese ihrer Mitwirkungspflicht insbesondere bei der Erhebung der persö n- lichen Verhältnisse im Herkunftsland nicht beziehungsweise nur in ung e- nügendem Mass nach oder sind ihre diesbezüglichen Angaben nicht glaubhaft, können daraus im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszi- vilprozess [BZP , SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG) Rückschlüsse auf die für sie im Heimatland tatsächlich bestehende Situation gezogen werden. Lassen sich im Rahmen der Beweiswürdigung die Verhältnisse, die sich im Falle einer Rückkehr ins Herkunftsland ergeben würden, zuverlässig einschätzen, besteht auch kein Anlass, diesbezüglich von Amtes weg en weitere Abklärungen vorzunehmen. Im vorliegenden Fall ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden in ihrer Heimat Dagestan über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz verfügen. 7.3.4. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betrof fen, bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Ge - sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die Rech- te des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das D-5164/2009 Seite 22 Kindeswohl können für ein Kind namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, A b- hängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Ei- genschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereit- schaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwic k- lung/Ausbildung, sowie der Grad der erfolgten Integration bei ei nem län- geren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick au f die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration beziehungsweise Integra tion im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld heraus - gerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen üb rige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine rezip roke Wi r- kung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.6 S. 749, BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f.). 7.3.5. Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall indes nicht er - füllt. Die (…) jährige C._______, der (…)jährige D._______ und der (…)jährige E._______ orientieren sich aufgrund ihres Alters noch stark an ihren Eltern als wichtigste Bezugsperso nen und haben sich noch nicht in einer Weise in die schweizerischen Verhältnisse integriert, dass sie bei einer Rückkehr nach Dagestan entwurzelt werden könnten. Eine Gefähr- dung des Kindes wohls bei einer Rückkehr der Familie ist daher nicht e r- sichtlich. 7.3.6. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl aufgrund der allgemeinen Situation in der Rep u- blik Dagestan als auch in Anbetracht der persönlichen Umstände d er Be- schwerdeführenden nicht als unzumutbar im Sinne von Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG. 7.4. Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der Wegwe i- sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-5164/2009 Seite 23 7.5. Das BFM hat demnach den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erach tet. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher nicht in Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fes tstellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich vollumfänglich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da diese jedoch aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit nach wie vor als prozessual bedürftig zu betrachten sind, ist die mit Verfügung vom 20. August 2009 – unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführenden – erfolgte Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht zu widerrufen. Folgerichtig sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-5164/2009 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand: