<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 93 S.421</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>93</b></span> <span class="ft2"><b>Vorläufiger Kostenverteiler nach § 38 Abs. 2 BauG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Voraussetzungen eines vorläufigen Kostenverteilers (Erw. 1.1.</b></span> <span class="ft2"><b>-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>1.2.2.)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Begriff des Hausanschlusses (Erw. 1.3.4.)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Auch die Erstellungskosten der Kanalisationsleitung können Ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>genstand eines vorläufigen Kostenverteilers bilden (Erw. 1.3.5.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft3">18. Januar 2005 in Sachen B. AG gegen E.A, B.A.,E.W., C.W.,V.P. und C.P.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">422</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.1.</span> <span class="ft1">Die Gesuchstellerin ist gemäss ihren Angaben die Ei-</span><br/> <span class="ft1">gentümerin der von ihr erstellten Kanalisationsleitung, die vor allem</span><br/> <span class="ft1">für die auf der Parzelle 41 neu gebauten Liegenschaften</span><br/> <span class="ft1">(7 Wohneinheiten) erstellt wurde. Die Parzellen 655, 656 und 657</span><br/> <span class="ft1">haben sich im Zeitpunkt der Erstellung der drei Liegenschaften über</span><br/> <span class="ft1">die von der Gesuchstellerin erstellte Kanalisation an die Abwasser-</span><br/> <span class="ft1">entsorgung K. anschliessen lassen. Die Beschwerdeführerin verlangt</span><br/> <span class="ft1">nun in ihrem Begehren, dass die Schätzungskommission einen</span><br/> <span class="ft1">Kostenverteiler gemäss § 38 Abs. 2 des Gesetzes über Raumplanung,</span><br/> <span class="ft1">Umweltschutz und Bauwesen (BauG; SAR 713.100) vom 19. Januar</span><br/> <span class="ft1">1993 bezüglich der mitbenutzenden Grundeigentümer zu erlassen</span><br/> <span class="ft1">habe.</span><br/> <span class="ft1">1.2.1.</span> <span class="ft1">Gemäss § 38 Abs. 2 BauG setzt die Schätzungskom-</span><br/> <span class="ft1">mission auf Begehren des erstellenden Grundeigentümers die Höhe</span><br/> <span class="ft1">der vorläufigen Kostenbeteiligung für die mitbenützenden Grundei-</span><br/> <span class="ft1">gentümer bis zur Übernahme der Erschliessungsanlage durch die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde fest. Es ist also die Zwischenfinanzierung von vorfinanzier-</span><br/> <span class="ft1">ten Erschliessungsanlagen zu regeln - bis zu deren Übernahme durch</span><br/> <span class="ft1">das Gemeinwesen und der damit verbundenen definitiven Kostenver-</span><br/> <span class="ft1">teilung durch einen nachträglichen Beitragsplan im Sinne von § 37</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG. Angesprochen werden können unter dem Titel von § 38</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG also nur die übrigen tatsächlich von der Anlage profitie-</span><br/> <span class="ft1">renden Privaten. Die Kostenverteilung ist eine vorläufige; die Rege-</span><br/> <span class="ft1">lung kann höchstens für den sog. Planungshorizont von 15 Jahren</span><br/> <span class="ft1">gelten (vgl. dazu Art. 15 lit. b des Bundesgesetzes über die Raumpla-</span><br/> <span class="ft1">nung [RPG; SR 700] vom 22. Juni 1979). Diese beschränkte Ziel-</span><br/> <span class="ft1">setzung legt es nahe, die vorläufige Kostenverteilung nach einem</span><br/> <span class="ft1">einfach zu handhabenden Kriterium zu machen. Es wäre dem Gericht</span><br/> <span class="ft1">denn auch nicht möglich, einen vollständigen detaillierten Beitrags-</span><br/> <span class="ft1">plan auszuarbeiten. Zudem würde damit in die Kompetenzen des für</span><br/> <span class="ft1">einen nachträglichen Beitragsplan zuständigen (§ 37 Abs. 2 BauG)</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderates eingegriffen. Im Vordergrund wird im Regelfall eine</span><br/> <span class="ft1">Aufteilung nach nutzniessenden "Köpfen" stehen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">423</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1.2.2.</span> <span class="ft1">Das vorliegende Begehren wird den umschriebenen</span><br/> <span class="ft1">prozessualen Anforderungen gerecht. Es richtet sich richtig gegen die</span><br/> <span class="ft1">übrigen, neu an der in Frage stehenden Kanalisationsleitung ange-</span><br/> <span class="ft1">schlossenen privaten Eigentümer. Die geforderten Zehntel der Erstel-</span><br/> <span class="ft1">lungskosten gehen von der Gesamtzahl der an die in Frage stehenden</span><br/> <span class="ft1">Leitung Angeschlossenen aus. Es wird also konkret das erwähnte</span><br/> <span class="ft1">Kopfprinzip angewendet. Auf das Begehren kann grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">eingetreten werden.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">1.3.4.</span> <span class="ft1">Innerhalb des Baugebietes sind zu den privaten An-</span><br/> <span class="ft1">schlussanlagen im Wesentlichen die Hausanschlüsse zu zählen. Diese</span><br/> <span class="ft1">sind Anschlusswerke, die lediglich dazu dienen, einzelne "Häuser"</span><br/> <span class="ft1">und Liegenschaften zu erfassen, und zwar durch Anschluss an eine</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Leitung in der Strassenparzelle, die unmittelbar an das</span><br/> <span class="ft1">anzuschliessende Grundstück angrenzt oder doch in der Nähe ver-</span><br/> <span class="ft1">läuft (vgl. § 10 Abs. 2 und § 17 Abs. 1 Satz 2 des Einführungsge-</span><br/> <span class="ft1">setzes zum eidgenössischen Gewässerschutzgesetz [EG GSchG;</span><br/> <span class="ft1">SAR 761.100] vom 11. Januar 1977). Der Begriff des Hausanschlus-</span><br/> <span class="ft1">ses ist von seiner Funktion her - eine ordnungsgemässe Erschlies-</span><br/> <span class="ft1">sung sicherzustellen - zurückhaltend auszulegen. Die Abwasseranla-</span><br/> <span class="ft1">gen sollen relativ weitgehend öffentlich erstellt werden, um die Zahl</span><br/> <span class="ft1">der Anschlüsse zu vermindern, die Erschliessungskosten zu senken,</span><br/> <span class="ft1">einen systematischen Ausbau zu ermöglichen, den Anschluss weite-</span><br/> <span class="ft1">rer Grundstücke zu erleichtern sowie Streitereien unter mehreren pri-</span><br/> <span class="ft1">vaten Anschliessern zu vermeiden (AGVE 1982, S. 229).</span><br/> <span class="ft1">Das Baudepartement des Kantons Aargau hat in seiner Weisung</span><br/> <span class="ft1">vom 1. November 1995 festgehalten, dass alle Leitungen als öffentli-</span><br/> <span class="ft1">che Kanalisation zu gelten haben, die zur Entwässerung von zwei</span><br/> <span class="ft1">und mehreren Häusern dienen. Der "Hausanschluss" diene zur Ablei-</span><br/> <span class="ft1">tung des Abwassers eines Hauses in die öffentliche Kanalisation (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Weisung des Baudepartements vom 1. November 1995).</span><br/> <span class="ft1">1.3.5.</span> <span class="ft1">Bis anhin sind zehn Liegenschaften an die fragliche</span><br/> <span class="ft1">Kanalisationsleitung angeschlossen; sieben auf der Parzelle 41, die</span><br/> <span class="ft1">durch die Gesuchstellerin selber erstellt wurden und die drei Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaften der Gesuchsgegner auf den Parzellen 655, 656 und 657.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der obigen Ausführungen ist klar ersichtlich, dass es sich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">424</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bei der zur Diskussion stehenden Kanalisationsleitung nicht bloss um</span><br/> <span class="ft1">einen Hausanschluss handelt, sondern um eine Erschliessungsanlage,</span><br/> <span class="ft1">die sehr wohl Gegenstand der Übernahmepflicht nach § 37 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BauG sein könnte. Dementsprechend können die Erstellungskosten</span><br/> <span class="ft1">der Kanalisationsleitung auch Gegenstand eines vorläufigen Kosten-</span><br/> <span class="ft1">verteilers nach § 38 Abs. 2 BauG bilden.</span><br/> <span class="ft1">Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass in Zukunft bis zu acht</span><br/> <span class="ft1">weitere, noch zu erstellende Liegenschaften angeschlossen werden</span><br/> <span class="ft1">sollen. Dann werden die Vorfinanzierenden übrigens grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">ein neues Kostenverteilungsbegehren nach § 38 Abs. 2 BauG stellen</span><br/> <span class="ft1">können, wenn man sich über die Beteiligung nicht vorgängig</span><br/> <span class="ft1">aussergerichtlich gütlich einigt und der Zeitpunkt für eine Über-</span><br/> <span class="ft1">nahme durch die Gemeinde nicht gekommen ist (vgl. dazu auch § 33</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG [Erschliessungsprogramm]).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>