<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 78 S.321</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">321</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>78</b></span> <span class="ft2"><b>Bekanntgabe von Subkriterien.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die Vergabebehörden sind nach der bisherigen Rechtsprechung des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verwaltungsgerichts nicht verpflichtet, im Voraus bekanntzugeben,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wie sie die Zuschlagskriterien im Einzelnen zu bewerten gedenken</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/a/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die nachträgliche Unterteilung der Zuschlagskriterien in Subkriterien</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stellt lediglich ein Hilfsmittel für eine differenzierte Bewertung dar;</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die einzelnen Subkriterien müssen sich einem in der Ausschreibung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ausdrücklich aufgeführten Zuschlagskriterium zuordnen lassen bzw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>davon mitumfasst werden (Erw. 2/a/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Frage einer Praxisänderung im Hinblick auf die neuere bundesge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>richtliche Rechtsprechung offen gelassen (Erw. 2/a/bb).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">322</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 15. August 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen A. AG gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) aa) In Ziffer 8 der öffentlichen Ausschreibung wurden als</span><br/> <span class="ft1">massgebende Zuschlagskriterien mit ihrer jeweiligen Gewichtung</span><br/> <span class="ft1">genannt:</span><br/> <table> <tr> <td width="80"><span class="ft1">Kompetenz</span></td> <td><span class="ft1">40%</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Preis</span></td> <td><span class="ft1">40%</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Termin</span></td> <td><span class="ft1">20%</span></td> </tr> </table> <span class="ft1">In den Ausschreibungsunterlagen wurde darauf hingewiesen,</span><br/> <span class="ft1">dass die einzelnen Kriterien anhand von Teilkriterien bewertet wür-</span><br/> <span class="ft1">den.</span><br/> <span class="ft1">Für die Bewertung wurden die Zuschlagskriterien wie folgt in</span><br/> <span class="ft1">(ebenfalls gewichtete) Teilkriterien und Teilaspekte unterteilt: [Ta-</span><br/> <span class="ft1">bellarische Übersicht über die Zuschlagskriterien, Teilkriterien und</span><br/> <span class="ft1">Teilaspekte].</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Vergabebehörden sind nach der bisherigen Rechtspre-</span><br/> <span class="ft1">chung des Verwaltungsgerichts grundsätzlich nicht verpflichtet, zum</span><br/> <span class="ft1">Voraus bekannt zu geben, wie sie die Zuschlagskriterien im Ein-</span><br/> <span class="ft1">zelnen zu bewerten gedenken. Die nachträgliche Unterteilung der</span><br/> <span class="ft1">Zuschlagskriterien in Sub- oder Teilkriterien stellt wie eine Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tungsmatrix lediglich ein Hilfsmittel für eine differenzierte Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tung dar. Die einzelnen Subkriterien müssen sich gemäss Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht allerdings einem in der Ausschreibung ausdrücklich</span><br/> <span class="ft1">aufgeführten Zuschlagskriterium zuordnen lassen bzw. davon mitum-</span><br/> <span class="ft1">fasst werden. Es dürfen hierbei nicht etwa neue Zuschlagskriterien</span><br/> <span class="ft1">geschaffen oder herangezogen werden. Weiter dürfen die Anbieter</span><br/> <span class="ft1">darauf vertrauen, dass die Vergabestelle die üblichen Zuschlagskrite-</span><br/> <span class="ft1">rien - wie sie auch in § 18 Abs. 2 SubmD genannt sind - im her-</span><br/> <span class="ft1">kömmlichen Sinn versteht. Andernfalls müssen sie in den Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen möglichst detailliert umschrieben werden,</span><br/> <span class="ft1">damit die Anbieter erkennen können, welchen Anforderungen sie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">323</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bzw. ihre Angebote genügen müssen (VGE III/82 vom 9. August</span><br/> <span class="ft1">2001 [BE.2001.00206] in Sachen Z. AG, S. 9 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Die Verwaltungsgerichte anderer Kantone gehen zum Teil we-</span><br/> <span class="ft1">sentlich weiter, indem auch die Angabe allfälliger Subkriterien und</span><br/> <span class="ft1">die Bekanntgabe der Bewertungsmatrix in den Ausschreibungsunter-</span><br/> <span class="ft1">lagen verlangt wird (Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons</span><br/> <span class="ft1">Luzern vom 25. August 2000, in: LGVE 2000 II Nr. 13 E. 5c; Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid des Obergerichts des Kantons Uri vom 5. Mai 1999, in:</span><br/> <span class="ft1">Rechenschaftsbericht über die Rechtspflege des Kantons Uri in den</span><br/> <span class="ft1">Jahren 1998 und 1999 Nr. 28 E. 6a mit weiteren Hinweisen; vgl.</span><br/> <span class="ft1">auch Matthias Hauser, Zuschlagskriterien im Submissionsrecht, in:</span><br/> <span class="ft1">AJP 2001, S. 1410 mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat zu dieser</span><br/> <span class="ft1">Problematik in einem Urteil vom 24. August 2001 (2P.299/2000) in</span><br/> <span class="ft1">Sachen B., S. 5 Folgendes ausgeführt:</span><br/> <span class="ft5">"Es ist in Lehre und Praxis anerkannt, dass die Vergabebehörde nach</span><br/> <span class="ft5">dem Transparenzgebot nicht nur dazu verpflichtet ist, die entscheiden-</span><br/> <span class="ft5">den Zuschlagskriterien zu nennen, sondern bei der Ausschreibung zu-</span><br/> <span class="ft5">dem die Massgeblichkeit der einzelnen Zuschlagskriterien nach ihrer</span><br/> <span class="ft5">Priorität, d.h. deren relative Gewichtung, bekannt zu geben (BGE 125</span><br/> <span class="ft5">II 86 E. 7c S. 101 ff., mit zahlreichen Hinweisen auf die Lehre). Es ist</span><br/> <span class="ft5">nicht notwendig, hier näher auf die Frage einzugehen, in welcher</span><br/> <span class="ft5">Form die relative Gewichtung bekannt zu geben ist. Aus dem Trans-</span><br/> <span class="ft5">parenzgebot ergeben sich zumindest folgende zwei Regeln, die für den</span><br/> <span class="ft5">vorliegenden Fall massgeblich sind: Wenn die Behörde für eine</span><br/> <span class="ft5">bestimmte auszuschreibende Arbeit <i>schon konkret Unterkriterien auf-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>gestellt und ein Schema mit festen prozentualen Gewichtungen fest-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>gelegt</i> [Hervorhebung beigefügt] hat, was für standardisierte Dienst-</span><br/> <span class="ft5">leistungen wie Vermessungsarbeiten leicht möglich erscheint, und</span><br/> <span class="ft5">wenn sie für die Bewertung der Offerten grundsätzlich auch darauf</span><br/> <span class="ft5">abzustellen gedenkt, muss sie dies den Bewerbern zum Voraus be-</span><br/> <span class="ft5">kannt geben. Es ist ihr sodann verwehrt, derart bekannt zu gebende</span><br/> <span class="ft5">Kriterien nach erfolgter Ausschreibung, insbesondere nach Eingang</span><br/> <span class="ft5">der Angebote, noch wesentlich abzuändern (BGE 125 II 86 E. 7c</span><br/> <span class="ft5">S. 102), so beispielsweise die festgelegten Prozentsätze nachträglich</span><br/> <span class="ft5">zu verschieben."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">324</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Ob das Verwaltungsgericht angesichts dieser Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">des Bundesgerichts, die sich vorab auf den allgemein gültigen Trans-</span><br/> <span class="ft1">parenzgrundsatz stützt, auch zukünftig noch an seiner derzeitigen</span><br/> <span class="ft1">Praxis, wonach die Subkriterien nicht im Voraus bekannt gegeben</span><br/> <span class="ft1">werden müssten, festhalten kann, erscheint fraglich, braucht im vor-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Fall aber nicht entschieden zu werden, da die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin weder die Auswahl noch die Gewichtung der Zuschlags-</span><br/> <span class="ft1">kriterien und der Teilkriterien in irgend einer Weise beanstandet,</span><br/> <span class="ft1">sondern ausschliesslich ihre eigene Bewertung als nicht richtig er-</span><br/> <span class="ft1">folgt rügt.</span><br/> <span class="ft1">Immerhin ist zur Auswahl und Gewichtung der Kriterien gene-</span><br/> <span class="ft1">rell zu bemerken, dass das in den Ausschreibungsunterlagen im vor-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Fall - anders als z.B. in VGE III/33 vom 30. April 2002</span><br/> <span class="ft1">(BE.2002.00041) in Sachen ARGE Argovia A1 Baregg West - nicht</span><br/> <span class="ft1">näher umschriebene Zuschlagskriterium "Kompetenz" sehr allge-</span><br/> <span class="ft1">mein gehalten und inhaltlich wenig bestimmt ist. Insbesondere müs-</span><br/> <span class="ft1">sen die Anbieter gemeinhin nicht erwarten, dass unter der "Kompe-</span><br/> <span class="ft1">tenz" auch Umweltaspekte beurteilt werden (erwähnter VGE in Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen ARGE Argovia A1 Baregg West, S. 27, 74). Sodann vermag</span><br/> <span class="ft1">auch die Berücksichtigung der Lehrlingsausbildung als Teilaspekt</span><br/> <span class="ft1">des Subkriteriums Schlüsselpersonal nicht zu überzeugen, gehören</span><br/> <span class="ft1">die Lehrlinge nach herkömmlicher Auffassung doch gerade nicht</span><br/> <span class="ft1">zum Schlüsselpersonal (erwähnter VGE in Sachen Z. AG, S. 10).</span><br/> <span class="ft1">Sowohl bei den Umweltaspekten als auch bei der Lehrlingsausbil-</span><br/> <span class="ft1">dung handelt es sich um vergabefremde Zuschlagskriterien, die in</span><br/> <span class="ft1">§ 18 Abs. 2 SubmD aber ausdrücklich erwähnt und daher grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich zulässig sind. Der Grundsatz der Transparenz gebietet es aller-</span><br/> <span class="ft1">dings, dass solche Zuschlagskriterien mitsamt ihrer Gewichtung in</span><br/> <span class="ft1">der öffentlichen Ausschreibung (oder den Ausschreibungsunterlagen)</span><br/> <span class="ft1">aufgeführt werden, wenn die Vergabebehörde sie berücksichtigen</span><br/> <span class="ft1">will (erwähnter VGE in Sachen Z. AG, S. 10 f.). Wieso im vor-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Fall insbesondere die Umweltverträglichkeit nicht als ei-</span><br/> <span class="ft1">genes Zuschlagskriterium festgelegt wurde, ist schon deshalb wenig</span><br/> <span class="ft1">einleuchtend, weil die Vergabestelle in der Vernehmlassung betont,</span><br/> <span class="ft1">es seien besondere Anforderungen an den Umweltschutz und den</span><br/> <span class="ft1">naturnahen Wasserbau gestellt.</span><br/></div> </div> </body> </html>