B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4884/2011 U r t e i l v o m 4 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Martina Culic, Rechtsanwältin, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. August 2011 / N (…). D-4884/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer am 13. Januar 2011 in die Schweiz, wo er am folgenden Tag im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Dazu wurde er am 20. Januar 2011 im EVZ B._______ befragt (Kurzbefragung) und am 9. August 2011 im Beisein einer Vertrauensperson in C._______ angehört (Anhörung). B. Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er sei tamilischer Ethnie und stamme aus D._______ (Distrikt E._______), wo er mit seiner Familie gelebt habe. Im Jahre 2006 sei sein Vater zu den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gegangen, von wo er regelmässig Briefe nach Hause geschrieben hab e. Als der Krieg heftiger geword en sei, sei der Kontakt zu seinem Vater aus unbekannten Gründen abgebrochen. Nach dem Ende des Krieges im Jahre 2009 seien vier bis fünf Soldaten der sri -lankischen Armee zum Haus seiner Familie gekommen und hätten nach seinem Vater gefragt. Er habe den Soldanten gesagt, dass er keine Ahnung habe, wo sich sein Va- ter aufhalte. Die Soldaten hätten gedroht, ihn mit zunehmen, falls er nicht die Wahr heit sagen würde. Da seine Mutter, seine beiden Schwestern und er geweint hätten, seien die Soldaten wieder weggegangen, ohne ihn mitzunehmen. Soldaten der sri-lankischen Armee seien in der Folge zirka sechs Mal wieder vorbeigekommen und hätten erneut nach dem Aufent- haltsort seines Vaters gefragt. Nach dem vierten oder fünften Besuch der Soldaten sei er von seiner Mutter zu seiner Grossmutter gebracht wo r- den, da seine Mutter Angst um ihn gehabt habe. Nach einer Woche b e- ziehungsweise eineinhalb Monaten sei e r zusammen mit sei ner Mutter respektive seiner Tante nach F._______ gereist, wo er sich zirka zwei Wochen lang bei einer unbekannten Person aufgehalten habe. Am 12. Januar 2011 sei er mit der Hilfe einer Schlepperin in die Schweiz gefl o- gen. Bezüglich der w eiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird auf die Akten verwiesen. Im Verfahren vor der Vorinstanz reichte der Beschwerdeführer eine G e- burtsurkunde (in Kopie) sowie einen Studentenausweis (in Kopie) zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 11. August 2011 – eröffnet am 15. August 2011 – stell-D-4884/2011 Seite 3 te das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die We g- weisung aus der Schweiz und deren Vollzug. Als Begründung führte die Vorinstan z im Wesentlichen aus, die Schild e- rungen des Beschwerdeführers zu den einzelnen Asylvorbringen seien über weite Strecken unsubstanziiert und in sich widersprüchlich ausgefal- len. Die Aussagen wiederholten sich zudem in derselben Art und Weise, so dass der E indruck entstehe, er habe sie auswendig gelernt. So habe er geltend gemacht, seit dem Ende des Krieges im Jahr e 2009 Besuch von Soldaten der sri -lankischen Armee erhalten zu haben, welche nach seinem Vater gefragt und dabei der Familie gedroht hätten. Seine diesbe- züglichen Schilderungen seien jedoch weitg ehend vage und repetitiv ausgefallen, so dass ihm der Sachverhalt nicht geglaubt werden könne. Greifbare und prägnante Schilderungen darüber, wie sich beispielsweise die Besuche der Soldaten jeweils abgespi elt hätten, fehlten. Auch habe der Beschwerdeführer nicht sagen können, in welchem zeitlichen Ra h- men die Besuche stattgefunden hätten. So habe er vorgebracht, die So l- daten seien seit Ende des Krieges bis zu seiner Ausreise insgesamt sechs bis sieben Mal – oder vielleicht auch mehr – zu Hause aufgetaucht. Er habe jedoch keine konkreten zeitlichen Angaben zu machen vermocht, wann und in welchen Abständen die Soldaten jeweils gekommen seien. Vom jungen Beschwerdeführer wären nicht genaue Datumsangaben zu erwarten gewesen, jedoch, dass er die Besuche der Soldaten an ung e- fähre zeitliche Rahmen hätte anknüpfen können, wie beispielsweise an Jahreszeiten, an den Schuljahreszyklus, an Erntezeiten, Volks- und Fami- lienfeste oder an andere persönliche Ereignisse. Die An gaben zu seinem Vater seien ebenfalls oberflächlich und schemenhaft geblieben. Seine Aussagen erschöpften sich in der Darstellung, dass der Vater bei de n LTTE gewesen sei und nach dem Ende des Krieges der briefliche Kontakt abgebrochen sei. Der Umstand, dass sein Vater angeblich seit dem Jahre 2006 von zu Hause fern geblieben sei, vermöge diese Ahnungslosigkeit bezüglich der Lebensumstände seines Vaters nicht zu erklären. Da der Vater eine zentrale Rolle in den Asylvorbringen des Beschwerdeführers spiele, zumal der Vater ursächlich in Zusammenhang mit den Fluchtgrün- den des Beschwerdeführers stehe, wäre selbst von einem jungen B e- schwerdeführer zu erwarten gewesen, dass er präzisere Angaben zu sei- nem Vater hätte machen können, als dies vorliegend der Fall gewe sen sei. Die Umstände seiner Ausreise habe er ebenso dürftig geschildert, so dass nicht der Eindruck entstehe, dass es sich hie r um ein tatsächliches Erlebnis handeln könne. So habe er keine Angaben darüber machen D-4884/2011 Seite 4 können, bei wem er zusammen mit seiner Mut ter während des Aufen t- halts in F._______ gewohnt habe, wie seine Mutter die Ausreise organ i- siert habe, wer die Reisekosten bezahlt habe oder wie der Name des Agenten gelautet habe, mit dem er in die Schweiz gereist sei. Ausserdem ergäben sich aus den Aussa gen des Beschwerdeführers Ungereimthe i- ten. So habe er an der Kurzbefragung ausgesagt, insgesamt eine Woche bei seiner Grossmutter verbracht zu haben. Anlässlich der Anhörung h a- be er jedoch angeführt, sich während anderthalb Monaten bei seiner Grossmutter versteckt zu haben. An der Kurzbefragung ha be er zudem angegeben, seine Tante habe ihn nach F._______ begleitet und für ihn die Ausreise aus Sri Lanka organi siert. Bei der Anhörung habe er hing e- gen ausgesagt, dass seine Mutter ihn nach F._______ begleitet und die Ausreise organisiert habe. Aufgrund der widersprüch lichen und un- substanziierten Aussagen bestünden Zweifel am Wahrheit sgehalt der Vorbringen, weshalb der Eindruck entstehe, dass es sich hier um eine konstruierte Geschichte handle, die er nicht tatsä chlich erlebt habe. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten daher den Anforderungen an die Glaub haftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. D. Mit Beschwerde vom 6. S eptember 2011 (Poststempel) an das Bunde s- verwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertre- terin in materieller Hinsicht beantragen, die Verfügung der Vorinstanz vom 11. August 2011 sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu erteilen. Eventualiter sei festzustellen, dass für ihn d er Vollzug der Wegweisung unzumutbar sei, und die Vorinstanz sei anz u- weisen, ihn vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, insbesondere sei von der Erhebung eines Kostenvo rschusses abzus e- hen. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Mit der Rechtsmittelschrift wurde eine Fürsorgebestätigung vom 5. Se p- tember 2011 eingereicht. E. Mit Verfügung des Instruktionsrichters des Bundesverwaltungsgerichts D-4884/2011 Seite 5 vom 20. September 2011 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. Gleic h- zeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass über da s Gesuch um Gewä h- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt befunden und auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses verzichtet werde. F. Mit Schreiben vom 10. Oktober 2011 reichte der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – die folgenden Dokumente zu den Akten: Ein Bestätigungsschreiben der Human Rights Commission of Sri Lanka vom 19. August 2006 (Faxkopie), ein Bestä tigungsschreiben des Anwalts G.______. vom 20. August 2006 (Faxkopie) , ein Bestät i- gungsschreiben der H._______ vom 21. August 2006 (Faxkopie) sowie ein Bestätigungsschreiben der Sri Lanka Red Cross Society vom August 2006 (Faxkopie). G. In ihrer Vernehmlassung vom 26. März 2012 hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Diese Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 30. März 2012 zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheide t auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). D-4884/2011 Seite 6 Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG ist im vor- liegenden Verfahren nicht gegeben, so dass das Bundesverwaltungsg e- richt in der Sache endgültig entscheidet. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Aus den Verfahrensakten ergeben sich keine Anhaltspunkte, welche zu Zweifeln an der Urteilsfähigkeit des nach eigenen Angaben am (…) geborenen und somit zum Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichu ng minder- jährigen Beschwerdeführers Anlass geben würden, weshalb er, ungeac h- tet seiner geltend gemachten Minderjährigkeit, als prozessfähig zu erach- ten ist. 1.4. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor d er Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Relig ion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). D-4884/2011 Seite 7 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schi lderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tats a- chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insb e- sondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen au s- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwi r- kung am Verfahren verweigert. Gl aubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Rich- tigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. D a- bei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f., Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4. 4.1. Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer den Wortlaut sämtlicher Protokolle mit seiner Unterschrift bestätigt hat und sich de s- halb seine Aussagen entgegenhalten lassen muss, zum al er die überset- zenden Personen bei der Kurzbefragung beziehungsweise Anhörung gut respektive sehr gut verstanden haben will (Akten BFM A 6/9 S. 7, A 17/12 S. 1). Die Behauptung in der Rechtsmittelschrift, wonach der Beschwe r- deführer anlässlich der Anhörung die Rückübersetzung nicht habe ve r- stehen und deshalb nicht auf Fehler im Protokoll habe aufmerksam m a- chen können, da er sich nicht getraut habe, darauf hinzuweisen, dass er den Dolmetscher nic ht richtig verstanden habe , und die Befrage rin nicht darauf eingegangen sei, als er am Ende der Anhörung endlich etwas h a- be dazu sagen wollen, findet im Anhörungsprotokoll keine Stütze. Es sind keinerlei Hinweise vorhanden, welche auf Verständigungsprobleme zw i-D-4884/2011 Seite 8 schen dem Beschwerdeführer sowie der übersetzenden Person hindeu- ten würden. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die bei der Anhörung anwesende Hilfswerkvertretung in ihrem dem Protokoll angefügten Unter- schriftenblatt keinerlei Einwände vorgebracht hat, was sie zweifellos g e- tan hätte, wenn es wä hrend der Anhörung merklich zu Verständigung s- problemen zwischen dem Beschwerdeführer und dem Dolmetscher oder zu Übersetzungsproblemen gekommen wäre. Die Behauptung in der B e- schwerde bezüglich fehlerhafter Einträge im Anhörungsprotokoll findet in den Akten somit keine Stütze. 4.2. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asy l- suchenden Person im Empfangszentrum zu den Asylgründen angesichts des summarischen Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zukommt (vgl. EMARK 2005 Nr. 7 E. 6.2.1 S. 66 und dort zitierte, weiterhin gültige Praxis). W i- dersprüche dürfen nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im EVZ in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Befragung beim Kanton oder beim BFM diametral a b- weichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der B e- fragung im EVZ zumindest ansatzweise erwähnt werden. 4.3. Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung die Asylvorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als unsubs tanziiert sowie widersprüchlich und daher als unglau bhaft bezeichnet. Die in der Be schwerde vorg e- brachte Kritik an der Glaubhaftigkeitsprüfung des BFM ist angesichts der Aktenlage nicht nachvollziehbar. Die vagen Aussagen des Beschwerd e- führers enthalten etliche Ungereimtheiten, ohne dass sich in den Akten ir- gendwelche Hinweise auf eine in der Rechtsmittelschrift behauptete Traumatisierung des Beschwerdeführers und auf allenfalls darauf zurück- zuführende Gedächtnislücken finden liessen. Gegen eine Traumatisie- rung des Beschwerdeführers spricht auch der Umstand, dass er es trotz Zumutbarkeit – befindet er sich doch schon seit dem 13. Januar 2011 in der Schweiz – und der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) bis heute unterlassen ha t, diese vorgebrachten gesundheitlichen B e- schwerden mit einem ärztlichen Zeugnis zu bele gen. Bezüglich der Rüge in der Rechtsmittel schrift, wonach die Befragerin in der Anhörung pra k- tisch d urchwegs geschlossene Fragen gestellt habe, ist festzuhalten, dass dieser Einwand unzutreffend ist, da aus dem Anhörungsprotokoll er- sichtlich ist, dass anlässlich der Anhörung des Beschwerdeführers immer wieder offene Fragen gestellt wurden, die ihm Gelegenheit gaben, in frei-D-4884/2011 Seite 9 er Erzähl form seine Gründe darzulegen, um danach mit einer Vielzahl von genaueren Fragen die Asylvor bringen zu vertiefen (vgl. A 17/12 S. 3 ff.). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung keine vertiefte, mit Realke nnzeichen versehene Sachverhaltsschilderu n- gen geltend machte, kann vorliegend der Vorinstanz nicht als Unterla s- sung respektive als mangelnde Sachverhalts abklärung angelastet we r- den, sondern muss sich der Beschwerdeführer selber zu seinen Unguns- ten anrechnen lassen. Die Vorinstanz ist nicht verpflichtet , Sachverhalts- elemente weiter zu vertiefen, wenn ein Asylgesuchsteller im Rahmen der durchgeführten Anhörung – wie vorliegend – auch auf Nachfragen ledi g- lich substanzlose oder stereotyp e Sachverhaltselemente l iefert. Die Aus- führungen des Beschwerdeführers anlässlich der Befragungen erweisen sich in der Tat als derart vage, dass auch bei einer sehr wohlwollenden Betrachtungsweise nicht auf die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen g e- schlossen werden kann. So sind beispielsweise seine Schilderungen be- züglich der behaupteten Besuche von Soldaten der sri -lankischen Armee anlässlich der Anhörung wenig detailliert und unsubstanziiert ausgefal len (A 17/12 S. 3 ff.). Den diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdefü h- rers fehlen die notwendigen Realkennzeichen einer Erzählung. Namen t- lich ist den Äusserungen nicht der erforderliche Detailreichtum einer auf tatsächlich erlebten Ereignissen basierenden Schilderung zu entnehmen. Insbesondere war der Beschwerdeführer nicht in der Lage auch nur u n- gefähr anzugeben, wann die Soldaten jeweils zu ihm nach Hause g e- kommen seien (A 17/12 S. 3 f.), was nicht nachvollziehbar ist, handelt es sich dabei doch um sehr einprägsame Erlebnisse. Die Aussagen des Be- schwerdeführers bezüglich seines Vaters blieben ebenfalls nur oberfläch- lich und schemenhaft (A 17/12 S. 6 ff.), was nicht plausibel ist, da sein Va- ter der Grund für die Besuche der sri -lankischen Soldaten gewesen sein soll. So konnte der Beschwerdeführer beispielsweise nur unsubstanziiert darlegen, was sein Vater in den Briefen, die er seiner Familie habe zu - kommen lassen, geschrieben habe (A 17/12 S. 6). Es ist davon auszuge- hen, dass der Beschwerdeführer mehr über seinen Vater hätte erzählen können, hätten sich die Dinge tatsächlich wie beh auptet zugetragen. Übereinstimmend mit der Vorinstanz ist überdies festzustellen, dass auch die Schilderungen des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit seiner Ausreise aus Sri Lanka substanzlos ausgefallen sind. Insbesondere konnte er keine Angaben darüber machen, bei wem er in F._______ ge- lebt habe, wie seine Mutter die Ausreise organisiert und wie sie die Re i- sekosten bezahlt habe (A 17/12 S. 6 ff.) . Mit dem Hinweis in der Rechts- mittelschrift auf das jugendliche Alter des Beschwerdeführers kann die fehlende Substanziierung wesentlicher Sachverhaltselemente nicht über-D-4884/2011 Seite 10 zeugend erklärt werden, da auch ein Jugendlicher im Stande ist, tatsäc h- lich Erlebtes substanziiert zu schildern. Bezüglich der Behauptung in der Beschwerde, wonach die Persönlichkeit des Beschwerdeführers noch sehr wenig ent wickelt sei, finden sich in den Akten keine Hinweise. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer in der Rechtsmittelschrift substan- ziiertere Ausführungen bezüglich der behaupteten Besuche von Soldaten der sri-lankischen Armee sowie seines Vaters machte, vermag an obiger Einschätzung nichts zu ändern , zumal für die Beurteilung der Substanz i- iertheit der Asylvorbringen die Aussagen anlässlich der Befragungen massgeblich sind. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die A sylvorbringen des B e- schwerdeführers in wesentlichen Punkten widersprüchlich sind, wes halb auch aus diesem Grund Zweifel an deren Glaubhaftigkeit bestehen. So machte der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung geltend, nachdem sri-lankische Soldaten mehrmals zu Hause nach seinem Vater gefragt hätten, habe er sich während zirka einer Woche bei seiner Grossmutter und seiner Tante versteckt gehalten (A 6/9 S. 5), während er diesbezüglich bei der Anhörung zu Protokoll gab, er habe sich zirka ei n- einhalb Monate dort aufgehalten (A 17/12 S. 5). Zudem brachte der Be- schwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung vor, seine Tante habe ihn nach F._______ begleitet und seine Ausreise organisiert (A 6/9 S. 5), wo- hingegen er bei der Anhörung aussagte, seine Mutter sei mit ihm nach F._______ gereist und habe seine Reise in die Schweiz arrangiert (A 17/12 S. 5 f.). Auf Vorhalt war er nicht in der Lage, die Wider sprüche plausibel aufzulösen (A 17/12 S. 8 f.) . Überdies führte er anlässlich der Anhörung zuerst aus, er wisse nicht, ob sein Vater jetzt noch Kontakt zur Mutter habe (A 17/12 S. 7), während er kurz darauf geltend mache, der Vater habe keinen Kontakt mehr zu seiner Familie (A 17/12 S. 8). Gegen die Glaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen des Beschwerd e- führers spricht auch seine Aussage, wonach die Soldaten sechs, sieben – vielleicht auch mehr – Mal zu ihm nach Hause gekommen seien und nach seinem Vater gefragt hätten, ohne das s sie jemals weitergehende Mass- nahmen (Befragung auf dem Posten, Verhaftung) gegen seine Familie ergriffen hätten (A 17/12 S. 3 ff.). An der Unglaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgung in seinem Heimat land ändern auch die von ihm mit Einga be vom 10. Oktober 2011 als Beweismittel eingereichten Bestätigungs- schreiben nichts, zumal es sich dabei lediglich um Faxkopien handelt und D-4884/2011 Seite 11 es überdies gerichtsnoto risch ist, dass Asylbewerber unter Inanspruc h- nahme unlauterer Machenschaften behördliche und andere Dokumente zur Stützung ihrer Asylvorträge beibringen. Überdies entstehen weitere Ungereimtheiten in zeitlicher Hinsicht, datieren doch die Beweismittel alle aus dem Jahr 2006, während der Beschwerdeführer seine Fluchtgründe auf das Jahr 2009 und da s Verschwinden des Vaters auf das Jahr 2008 bezieht. Abgesehen davon weisen mehrere Beweismittel ein auffällig ähn- liches Schriftbild auf, obwohl sie von sehr unterschiedlichen Organisati o- nen stammen sollen. 4.4. Soweit der Beschwerdeführer in der Rechtsmittels chrift beantragt, er sei durch eine auf die Anhörung von Minderjährigen spezialisierte Fac h- person der Vorinstanz ergänzend anzuhören, falls das Bundesverwa l- tungsgericht Zweifel an d er Glaubhaftigkeit seiner Verfolgungsvorbringen habe, ist festzuhalten, dass die Behörde nur dann verpflichtet ist, die ihr angebotenen Beweise abzunehmen, wenn diese zur Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts tauglich erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). Von der Abnahme beantragter Beweismittel kann insbesondere abgesehen wer den, wenn sie eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, etwa weil ihnen die Beweiseignung an sich abgeht oder – gerade umgekehrt – die betreffende Tatsache aus den Akten bereits genügend ersichtlich ist (antizipierte Bew eiswürdigung: vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 357, ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 165 Rz. 3.144). Vorliegend können die Asylvorbringen des B e- schwerdeführers bereits aufgrund der bestehenden Akten als unglaubhaft beurteilt werden, wes halb der diesbezüglich in der Beschwerde ge stellte Beweisantrag abzuweisen ist. 4.5. Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass es dem Be - schwerdeführer nicht gelungen ist, nachzuweisen oder glaubhaft zu m a- chen, dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG e r- litten hat oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatte oder im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka befürchten müsste. Der Beschwerdefü h- rer erfüllt somit die Voraussetzungen zur Zuerk ennung der Flüchtlingse i- genschaft nicht, weshalb die Vorinstanz das Asylbegehren zu Recht a b- gelehnt hat. Es erübrigt sich deshalb, auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe und auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente in den Aussagen des Beschwerdeführers einzugehen, da sie an obiger Erkenn t- nis nichts zu ändern vermögen. D-4884/2011 Seite 12 5. 5.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 6. 6.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen ( WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., B a- sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.148). 6.2. 6.2.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun - gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts - oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizeri schen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom D-4884/2011 Seite 13 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behan d- lung unterworfen werden. 6.2.2. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vo r- liegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückk ehr des B e- schwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri La nka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde ( vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Beschwerdeführer unterliegt als minderjährige Person den Normen des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Ki n- des (KRK, SR 0.107). Art. 22 Abs. 2 KRK zielt darauf ab, durch Mitwi r- kung der Vertragsstaaten bei der Information sbeschaffung die Familie n- zusammenführung zu fördern. Diese Bestimmung beschlägt indessen nur minderjährige Asylsuchende und Flüchtlinge, nicht aber ausländ ische Kinder, deren Asylgesuch – wie vorliegend – abgewiesen wird. Somit be- steht keine völkerrechtlic he Verpflichtung, im Vorfeld des Vollzugs der Wegweisung einer im Asylverfahren abgewiesenen minderjährigen Pe r- son Abklärungen über den Aufenthaltsort seiner Angehörigen vorzune h- men (EMARK 1998 Nr. 13 E. 5d.aa S. 95 f.). Das Kindeswohl gemäss Art. 3 KRK m uss jedoch im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung von Art. D-4884/2011 Seite 14 83 Abs. 4 AuG als gewichtiger Aspekt mitberücksichtigt werden (a.a.O., E. 5e.aa S. 98 f.). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3. 6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2. Das Bundesverwaltungsgericht nahm im zur Publikation vorges e- henen Urteil BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 eine umfassende Analyse der Situation in Sri Lanka vor. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich weitgehend stabilisiert und no r- malisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar zu erachten ist (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist indes gebietsweise sehr unte r- schiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit u n- ter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz unter Ausschluss des sogenannten "Vanni - Gebietes") keine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem ist die dortige pol i- tische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im hum a- nitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zu- rückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio -ökonomische und med i- zinische Aspekte, Kindeswohl etc.) ist dabei auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung z u tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgega n-D-4884/2011 Seite 15 gen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens- und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeit- punkt der Ausreise geherrscht hat und dem Wegweisungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufe nthalt der betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden L e- bens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutba r- keit des Wegweisungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusa m- menhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Bezi e- hungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Exi s- tenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. a.a.O. E. 13.2.1). 6.3.3. 6.3.3.1 Der Wortlaut von Art. 83 Abs. 4 AuG bringt zum Ausdruck, dass aus humanitären Gründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schweiz, auf den Vollzug der Wegweisung zu verzichten ist, wenn die Rückkehr in den Heimat - oder Herkunftsstaat für die betroffene Person eine konkrete Gefährdung bedeutet oder wenn andere Umstände vorli e- gen, die den Vollzug der Wegweisung als nicht zumutbar erscheinen la s- sen. Die Bestimmung lässt mithin Raum, bei der Beurteilung der Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzuges auch Überlegungen einfliessen zu lassen, die sich unter dem Aspekt des nach Art. 3 Abs. 1 KRK zu beach- tenden Kindeswohls ergeben können. Der Minderjährigkeit komm t eine zentrale Bedeutung zu, da nach weiterhin gültiger Praxis ( BVGE 2009/51 E. 5.6, BVGE 2009/28 E. 9.3.2) im Falle von unbegleiteten Minderjähr i- gen das Kindeswohl im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs mit zu berücksichtigen ist, woraus sich gleichzeitig die Verpflichtung ergibt, von Amtes wegen die spezifisch mit der Minderjä h- rigkeit verbundenen Aspekte des Wegweisungsvollzuges abzuklären. 6.3.3.2 Für die Asylbehörden ergibt sich daraus die Verpflichtung, abz u- klären, welche Situation sich für eine unbegleitete minderjährige Person im Fall einer Heimkehr realistischerweise ergeben könnte. In der Praxis ist deshalb nicht nur abzuklären, ob eine minderjährige Person im Fall der Rückkehr in den Heimat- oder Herkunftsstaat im Sinne von Art. 83 Abs. 4 D-4884/2011 Seite 16 AuG konkret gefährdet wäre, sondern auch, ob sie zu ihren Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt werden kann, und ob diese in der Lage wären , die Bedürfnisse der minderjährigen Person abzudecken. Können keine Angehörigen ausfindig gemacht werden oder ergibt sich, dass die Rückkehr zu diesen dem Kindeswohl nicht entspricht, ist weiter abzuklären, ob die minderjährige Person in der Heimat allenf alls in einer geeigneten Anstalt oder bei Drittpersonen untergebracht werden kann. Dabei genügt es nicht, bloss festzustellen, dass im Heimat - oder He r- kunftsland Eltern oder andere Angehörige leben beziehungsweise dass es im betreffenden Land Einrichtungen gibt, die sich um alleinstehende Kinder oder Jugendliche kümmern. Es ist vielmehr konkret abzuklären, ob die betreffende minderjährige Person tatsächlich in ihr familiäres Umfeld zurückgeführt werden beziehungsweise ob sie – sollte das nicht möglich sein oder nicht dem Kindeswohl entsprechen – anderweitig untergebracht werden kann (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -3467/2011 vom 11. Juli 2011; EMARK 2006 Nr. 24, EMARK 1998 Nr. 13). Das BFM hat da her im Hinblick auf die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung vorgängig geeignete Massnahmen zu treffen, damit die minderjährige Person bei ihrer Rückkehr von ihren Angehörigen oder von einer Behörde beziehungsweise einer Institution, die in der Lage ist, wei- terzuhelfen, in Empfang genommen wird (vgl. in diesem Sinn das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen [UNHCR], Guidelines on Policies and Procedures in Dealing with Unaccompanied Children Seeking Asylum, Genf, Februar 1997, S. 11, N 9.4), wo dies in Anbetracht des Alters der betroffenen Person und damit in ihrem Intere s- se erforderlich erscheint. Demgegenüber können die Rückreisemodalit ä- ten (Begleitung der minderjährigen Person, Ort und Zeit der Übergabe nach der Ankunft im Heimatland etc.) erst im unmittelbaren Vorfeld der Rückkehr geregelt werden (EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e.bb S. 100). 6.3.3.3 Gemäss den Akten stammt der Beschwerdeführer aus D._______ (Distrikt E._______), wo er bis zu se iner Ausreise auch wohnte. Dort le- ben nach wie vor seine Mutter, seine beiden Schwestern sowie weitere nahe Verwandte. Zudem verfügt der Beschwerdeführer über andere nahe Verwandte in I._______ (Distrikt E._______). In Erwägung zu ziehen ist ausserdem, dass der Beschwer deführer laut eigenen Aussagen neun Jahre die Schule besucht hat und seine Mutter ein eigenes Haus sowie Land besitzt. Soweit von ihm in der Rechtsmittelschrift geltend ge macht wird, er sei durch die E rlebnisse in Sri Lanka traumatisiert und er leide unter psychischen Problemen , ist festzuhalten, dass diesbezüglich bis D-4884/2011 Seite 17 heute kein Arztbericht eingereicht wurde, weshalb diese gesundheitlichen Probleme nicht belegt sind. Daher ist davon auszugehen, dass de r Be- schwerdeführer unter keinen nennenswerten gesundheitlichen Problemen leidet, wes halb seiner Rück kehr nach Sri Lanka auch keine medizin i- schen Gründe entgegenstehen. Abgesehen davon ist die medizinische Grundversorgung in Sri Lanka gewährleistet. Nach d em Gesagten erweist sich, dass der Beschwerdeführer die vom Bundesverwaltungsgericht in der Lagebeurteilung vom 27. Oktober 2011 bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka formulierten Kriterien erfüllt. Er wird nach seiner Rückkehr in sein Heimat- land sowohl auf die Unterstützung seiner in D._______ beziehungsweise I._______ lebenden Angehörigen zählen können und bei diesen eine Un- terkunftsmöglichkeit vorfinden, als auch in Zukunft in der Lage sein, sich dank seiner Schulbildung sowie seines jungen Alters wirtschaftlich zu i n- tegrieren. Das Vorbringen in der Beschwerde, wonach die Mutter des B e- schwerdeführers heute ihr Land nicht mehr verpachten könne, da die Familienmitglieder des Beschwerdeführers als LTTE -Anhänger gelten würden, ist eine unbelegte Behauptung. Auch das weitere Vorbringen in der Rechtsmittelschrift, wonach der Beschwerdeführer körperlich zu schwach sei, um das Land seiner Mutter zu beste llen, ist nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung bezüglich des Wegweisungsvoll zuges zu führen. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, genügen nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/4 E. 11.2.2). Der Einwand, die Vorinstanz habe es unterlas sen, konkrete Nachfo r- schungen hinsichtlich der Frage, ob der Beschwerdeführer nach einer Wegweisung nach Sri Lanka in eine existenzbedrohende Notlage gerate, vorzunehmen, ist unbegründet, da die vom BFM vorgenommene Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges als ausreichend zu qualif i- zieren ist . Da das BFM im Zeitpunkt der Ausreise die entsprechenden Massnahmen treffen wird, damit der Beschwerdeführer begleitet nach Sri Lanka zurückreisen und dort von seine r Familie in Empfang genommen werden kann, ist davon auszugehen, er werde im Heimatstaat nicht in e i- ne existenzielle Notlage geraten. Die mit dem Vollzug beauftragte Behö r- de wird allenfalls auftretenden Schwierigkeiten bei der Regelung der Rückreisemodalitäten (Begleitung der minderjährigen Person, Ort und Zeit der Übergabe nach der Ankunft im Heimatland usw.) im Rahmen der Durchführung des Wegweisungsvollzugs Rechnung zu tragen haben. D-4884/2011 Seite 18 6.3.4. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung sämtlicher Faktoren ist somit zusammenfassend festzuhalten, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka als zumutbar zu erachten ist. 6.4. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu - ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notw en- digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka zu bestätigen. D ie Vorinstanz hat den Vollzug zur Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt e i- ne Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten dem mit seinen Begehren unterlegenen Beschwerdeführer zu überbinden (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser hat jedoch im Rahmen der Beschwerdebegehren ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einrei- chung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Gesamthaft betrachtet kann dem Beschwerdeführer nicht vorgehalten werden, seiner Beschwerde habe es im Zeitpunkt der Beantragung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Blick auf die Erfolgsaussichten an der nötigen Ernsthaftigkeit gefehlt (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Zudem ist aufgrund der Aktenlage davon aus- zugehen, dass der Beschwerdeführer bedürftig ist. Damit sind beide k u- mulativ erforderlichen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb gutzuheissen, und der Beschwerdeführer ist von der Pflicht zur Koste n-D-4884/2011 Seite 19 tragung zu befreien. Infolgedessen sind ihm trotz seines Unterliegens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-4884/2011 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: