<h2>SubmittedText<h2><p>In der Schweiz ist Brustkrebs die häufigste Todesursache bei Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren. Aluminiumsalze sind einer von zahlreichen Faktoren, welche die explosionsartige Zunahme dieser chronischen Krankheit bei immer jüngeren Frauen erklären könnten. </p><p>In seinem Bericht vom Juni 2020 zum Postulat 16.3762 kam der Bundesrat allerdings zum Schluss, dass der Kausalzusammenhang zwischen Aluminiumsalzen und dem Auftreten von Brustkrebs durch bisherige Studien nicht hinreichend belegt ist. Zwei kürzlich im International Journal of Molecular Sciences publizierte Studien zeigen, dass die Brustdrüsenzellen von Säugetieren, die Aluminiumsalzen in vitro ausgesetzt sind, dieses Metall schnell aufnehmen. Innert 24 Stunden trat in diesen Zellen eine genomische Instabilität in Form einer Veränderung der Struktur und der Anzahl Chromosomen auf. Die Untersuchungen zeigen auf, dass das Aluminium die Zell-DNA in gleicher Weise verändert wie Substanzen, deren krebserregende Wirkung anerkannt ist, was das karzinogene Potenzial von Aluminium bestätigt. Diese Wirkung tritt in denselben Schadstoffkonzentrationen auf, die in der Brustdrüse der von diesem Krebs betroffenen Patientinnen gefunden werden. Die genomische Instabilität ist ein beinahe universelles Merkmal von menschlichen Tumoren und eine notwendige Voraussetzung dafür, dass sich Säugetierzellen bösartig verändern können. Ein solcher Effekt ist bei bösartigen, durch bekannte Karzinogene verursachten Gewebeveränderungen bekannt, was das krebserregende Potenzial von Aluminium folglich noch wahrscheinlicher macht. </p><p>Ich bitte den Bundesrat deswegen um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Sind ihm diese neuen Daten bekannt?</p><p>2. In seinem Bericht stellte er fest, dass "ein krebserregender Effekt von Aluminiumsalzen beim Menschen bei den über kosmetische Produkte aufgenommenen Dosen nicht zu erwarten ist" und dass "die verfügbaren Daten zu in-vitro-Zellen es nicht erlauben, einen Kausalzusammenhang zwischen dem Aluminium in Deodorants und dem Brustkrebsrisiko herzustellen". Tragen die oben genannten jüngsten Ergebnisse nicht dazu bei, diese Aussagen grundlegend zu hinterfragen?</p><p>3. Sollte Aluminium in Anbetracht seiner Akkumulationsfähigkeit in Brustzellen und der dadurch verursachten genomischen Instabilität nicht in allen Kosmetika verboten werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1-2). Der Bundesrat hat die beiden neuen Studien zur Kenntnis genommen. Die Ergebnisse dieser Studien, die an Zellen von Mäusen und an weiblichen Mäusen (Mandriota et al. [12/2020]) sowie an Zellen von Hamstern (Tenan et al. [7/2021]) durchgeführt wurden, bestätigen die früheren experimentellen Beobachtungen der Forschungsgruppe Mandriota/Sappino: Sie zeigen erneut ein genotoxisches Potenzial und kanzerogene Eigenschaften von Aluminium. Allerdings wurden sie nicht unter Einhaltung der anerkannten wissenschaftlichen Weisungen für die Bewertung von Kosmetika durchgeführt. Das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) der EU hat bereits mehrere ähnliche Studien ausgewertet und diese in seiner letzten, 2020 publizierten Stellungnahme berücksichtigt. Die beiden Studien bringen keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die vom SCCS nicht bereits berücksichtigt worden wären.</p><p>Gemäss Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) führen die Ergebnisse der beiden neuen Studien somit zu keiner neuen Gesamtrisikobewertung im Zusammenhang mit der Verwendung von Aluminium in Kosmetika. Es besteht daher kein Grund, die Aussagen im Bericht des Bundesrates vom Juni 2020 und die Schlussfolgerungen des SCCS auf europäischer Ebene in Frage zu stellen.</p><p>3. Kosmetika werden hauptsächlich auf der Haut verwendet, und Aluminium dringt nur sehr schwach über die Haut ein. Das SCCS kommt zum Schluss, dass die tägliche Verwendung von aluminiumhaltigen Kosmetika die systemische Exposition der Konsumentinnen und Konsumenten im Vergleich zu anderen Aluminiumquellen (z. B. durch die Ernährung) nicht signifikant erhöht.</p><p>Da die Ergebnisse der beiden neuen Studien nichts an den Schlussfolgerungen des Berichts des Bundesrates ändern, beabsichtigt dieser nicht, Aluminium in Kosmetika zu verbieten. Wir weisen jedoch darauf hin, dass der SCCS in seiner Stellungnahme von 2020 Höchstkonzentrationen von Aluminium in Antitranspirantien, Lippenpflegeprodukten und Zahnpasta festgelegt hat, die er als gesundheitlich unbedenklich erachtet. Diese Konzentrationen entsprechen denjenigen in den Produkten, die aktuell auf dem Markt sind, und bereits im Rahmen der Selbstkontrolle die Sicherheit der Konsumentinnen und Konsumenten gewährleisten müssen. Die Europäische Kommission prüft derzeit, wie die Stellungnahme des SCCS in ihre Gesetzgebung einfliessen kann (vorgesehen für 2022). Diese Grenzwerte werden gegebenenfalls in die Schweizer Gesetzgebung aufgenommen, um die Gleichwertigkeit mit dem EU-Recht zu wahren.</p>  Antwort des Bundesrates.