JAAC62.3 Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 26. November 1996 Décision de principe de la Commission suisse de recours en matière d’asile[5]. Art. 3 al. 3 LAsi. Circonstances particulières s’opposant à l’extension de la qualité de réfugié (précision de jurisprudence). 1. Le conjoint et les enfants mineurs d’une personne reconnue réfugiée sont considérés comme tels, même en l’absence de motifs d’asile personnels (confirmation de jurisprudence; consid. 2 à 4). 2. En pareil cas, les intéressés ne peuvent transmettre cette qualité de réfugié dérivée (formelle) que s’ils remplissent eux-mêmes les conditions matérielles mises à la reconnaissance de celle-ci (consid. 5). 3. La qualité de réfugié (matérielle) doit faire l’objet d’un examen ultérieur sur la base des pièces du dossier, moyennant, le cas échéant, de nouvelles mesures d’instruction (consid. 6a). Grundsatzentscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission [4]. Art. 3 Abs. 3 AsylG. Besondere Umstände, welche dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft entgegenstehen (Präzisierung der Rechtsprechung). 1. Der Ehegatte und die minderjährigen Kinder eines Flüchtlings werden auch ohne eigene Fluchtgründe in dessen Flüchtlingseigenschaft einbezogen (Bestätigung der Praxis; E. 2-4). 2. Derart einbezogene Personen können diese abgeleitete (formelle) Flüchtlingseigenschaft jedoch nur dann weiterübertragen, wenn sie ihrerseits auch die materielle Flüchtlingseigenschaft erfüllen (E. 5). 3. Die materielle Flüchtlingseigenschaft ist in einer nachträglichen Prüfung anhand der Akten, gegebenenfalls aufgrund weiterer Beweiserhebung, festzustellen (E. 6a). 1Decisione di principio della Commissione svizzera di ricorso in materia d’asilo[6]. Art. 3 cpv. 3 LAsi. Circostanze particolari che si oppongono all’estensione della qualità di rifugiato (precisazione della giurisprudenza). 1. Il coniuge ed i figli minorenni di un rifugiato vengono considerati a loro volta rifugiati indipendentemente dalla sussistenza di motivi d’asilo propri (conferma della giurisprudenza; consid. 2-4). 2. In siffatti casi, gli interessati possono trasmettere la qualità derivata (formale) di rifugiato solo se adempiono personalmente le condizioni materiali per il riconoscimento della qualità di rifugiato medesima (consid. 5). 3. La qualità materiale di rifugiato deve fare l’oggetto di un esame ulteriore sulla base degli atti di causa, vuoi ricorrendo a nuove misure d’istruzione (consid. 6a). Zusammenfassung des Sachverhalts: DieBeschwerdeführerinheirateteam4.September1995denseit1993als anerkannterFlüchtlinginderSchweizlebendenY.K.;am21.September1995 kamdiegemeinsameTochterE.zurWelt. MitEingabevom20.Februar1996ersuchtedieBeschwerdeführerininder FolgedieVorinstanzgestütztaufArt.3Abs.3desAsylgesetzesvom5.Oktober 1979(AsylG,SR142.31)umEinbezugindieFlüchtlingseigenschaftihres Ehemannes;sinngemässbeantragtesieGleichesfürihreTochter. Am27.Februar1996lehntedasBundesamtfürFlüchtlinge(BFF)dieses Gesuchab,mitderBegründung,eslägenbesondereUmständeimSinnevon Art.3Abs.3AsylGvor,welcheeinemEinbezugindieFlüchtlingseigenschaft entgegenstünden. MitEingabevom21.März1996beantragtdieBeschwerdeführerindie AufhebungderangefochtenenVerfügungunddenEinbezugihrerselbstund ihrerTochterindieFlüchtlingseigenschaftunddasAsylvonY.K. DieVorinstanzbeantragtinihrerVernehmlassungvom3.Mai1996die AbweisungderBeschwerde. 2DieSchweizerischeAsylrekurskommission(ARK)heisstdieBeschwerde gutundweistdasBFFan,dieBeschwerdeführerinundihreTochterindie FlüchtlingseigenschaftvonY.K.einzubeziehenundihnenAsylzugewähren. Aus den Erwägungen: 2. GemässArt.3Abs.3AsylGwerdenEhegattenvonFlüchtlingenundihre minderjährigenKinderebenfallsalsFlüchtlingeanerkannt,sofernkeine besonderenUmständedagegensprechen. 3.a. DasBFFstelltsichinderangefochtenenVerfügungaufdenStandpunkt, ausdenAsylverfahrensaktenvonY.K.gehehervor,dassdiesermitVerfügung vom25.Januar1993imRahmeneinerFamilienvereinigunggemäss Art.7AsylGnachträglichindieFlüchtlingseigenschaftbeziehungsweise insAsylseinesVatersM.K.-welcheram7.August1992einenpositiven Asylentscheiderhaltenhabe-einbezogenwordensei. Inderartigen FällenfindegrundsätzlichkeineautomatischeweitereÜbertragungder Flüchtlingseigenschaftstatt,dakeine«potentielleAnschlussverfolgung» desEhegatten(d.h. derBeschwerdeführerin)ersichtlichsei. Vielmehr kommeinsolchenFällendieAusnahmebestimmungvonArt.3Abs.3 AsylGzurAnwendung,wonachbeiVorliegenbesondererUmständekeine ÜbertragungderFlüchtlingseigenschaftaufdenEhegattenstattfinde. In seinerVernehmlassungvom3.Mai1996führtesimweiterenaus,Y.K.sei inderTürkeinichtfinalesOpfermiteigenemSchutzbedürfnisgewesen, sondernlediglichreflexartigbetroffenworden;einzigesasylbegründendes SachverhaltsmerkmalseidieZusammenführungderFamilieK.gewesen. b. DieBeschwerdeführerinmachtdemgegenübergeltend,esmüssezwar dahingestelltbleiben,obdieVorinstanzmitdenvonihrverwendeten Termini«inderartigenFällen»respektive«insolchenFällen»eineseit längererZeitbestehendePraxisbezüglichderAnwendungvonArt.3Abs.3 AsylGhabedokumentierenwollen;ihr(derBeschwerdeführerin)selber seijedenfallsausderjüngstenPraxisdesBFFzudieserBestimmungkein anderesFallbeispielbekannt,beiwelchemsichdieVorinstanzbeiidentischen KonstellationenaufdieAusnahmebestimmungderbesonderenUmstände berufenhätte(mitHinweisaufzweiFälle,inwelchendasBFFimRahmendes VernehmlassungsverfahrensaufseineursprünglichabschlägigenVerfügungen zurückgekommenistundbeidebeschwerdeführendenEhegattinnenindie FlüchtlingseigenschaftihrerEhemännereinbezogenhat). Neu-d.h. entgegen bisherigerLehreundPraxis-verlangedieVorinstanzzudembeieinem Flüchtling,welcherindenGenussdesabgeleitetenAsylsgemässArt.3Abs.3 AsylGgekommensei,dasVorliegeneiner«potentiellenAnschlussverfolgung», damitdiesePersonihreFlüchtlingseigenschaftanihrenEhepartnergleicher Nationalitätweiterableitendürfe. GeradeimvorliegendenFallkönnejedoch einekünftigepotentielleAnschlussverfolgungvonY.K.nichtleichthin ausgeschlossenwerden. AngesichtsderBegründunginderangefochtenen VerfügungdrängesichjedochderSchlussauf,dassdieVorinstanzdie MöglichkeiteinersolchenAnschlussverfolgunggarnichtinBetrachtgezogen beziehungsweisenichtwirklichuntersuchthabe(zudeneinzelnenVorbringen bezüglichdergeltendgemachten«potentiellenAnschlussverfolgung»siehe nachfolgendeE.6bundc). SchliesslichhabedieARKin VPB60.31 festgehalten, 3dassderEhegatteeinesinderSchweizanerkanntenFlüchtlingsgrundsätzlich (Rechtsmissbrauchvorbehalten)inAnwendungvonArt.3Abs.3AsylGindie Flüchtlingseigenschafteinzubeziehensei;dabeiseiesunerheblich,obdieEhe erstinderSchweizgeschlossenwordensei. ImvorliegendenFallebestünden keinerleiAnhaltspunktefürdieAnnahme,dassrechtsmissbräuchlicheMotive zurEheschliessunggeführthabenkönnten;dieVorinstanzhabedennauch keineunlauterenAbsichtenunterstellt. 4. EntgegendervonderVorinstanzvertretenenAuffassungmussdernahe AngehörigeeinesFlüchtlingskeineigenesSchutzbedürfnishaben-d.h. keinerleieigeneFluchtgründegemässArt.3Abs.1und2AsylGundauchkeine drohendeReflexverfolgungnachweisenbeziehungsweiseglaubhaftmachen- umsichaufArt.3Abs.3AsylGberufenzukönnen;dieseBestimmung bezweckt,innerhalbderKernfamilieeinesFlüchtlingseinengleichen Rechtsstatusherzustellen( VPB59.43,60.31,61.7). DernachArt.3Abs.3 AsylGindieFlüchtlingseigenschafteinbezogeneAngehörigeistFlüchtling imformellenSinne(vgl. Walter Kälin,GrundrissdesAsylverfahrens,Basel/ FrankfurtamMain1990,S.30; Samuel Werenfels,DerBegriffdesFlüchtlings imschweizerischenAsylrecht,Bernu.a. 1987,S.381). Soweitsichdie VorinstanzaufdenStandpunktstellt,derEinbezugseizuverweigern,weil hinsichtlichderBeschwerdeführerinkeine«potentielleAnschlussverfolgung» ersichtlichsei,sindihreAusführungendaherunbehelflich. 5.a. MitdemVorbehaltbesondererUmständehatderGesetzgeberinArt.3 Abs.3AsylGindessenauchklargestellt,dassdieFlüchtlingseigenschaftnichtin jedemFallaufdienächstenAngehörigendesFlüchtlingsausgedehntwird. Wieobenstehenddargelegt,machtdieVorinstanz in casu dasVorliegen derartigerbesondererUmständegeltend,indemsieausführt,Y.K.seiinder TürkeinichtfinalesOpfermiteigenemSchutzbedürfnisgewesen,sondern lediglichreflexartigbetroffenworden,undeinzigesasylbegründendes SachverhaltsmerkmalseidieZusammenführungderFamilieK.gewesen. EsstelltsichindiesemZusammenhangdieFrage,obesausreicht,dassder Flüchtling,vonwelchemdienahenAngehörigendieFlüchtlingseigenschaft ableitenwollen(fortanalsAbleiterbezeichnet),seinerseitsausschliesslich FlüchtlingimformellenSinneist,oderoberdarüberhinausauchFlüchtling immateriellenSinne-d.h. gemässArt.3Abs.1und2AsylG-seinmuss. Diesbezüglichkann,entgegenderunterHinweisauf VPB60.31 vertretenen AuffassungderBeschwerdeführerin,ausderpubliziertenRechtsprechung derARKnichtgeschlossenwerden,dasseinEinbezugdesEhegatten -vorbehältlicheinesRechtsmissbrauchs-injedemFallezugewährensei. DieFragederZulässigkeitbeziehungsweisederVoraussetzungenfüreinen EinbezugindieFlüchtlingseigenschafteinerPerson,dieihrerseitsindie FlüchtlingseigenschafteinesAngehörigeneinbezogenwordenwar,istnämlich vonderARKbislangnochnichtentschiedenworden(vgl. dazuauch VPB60.7). DieBeschwerdeführerinkannsichfolglichnichtohneweiteresaufdiebisher publizierteRechtsprechungderARKberufen. Esistdaherimfolgendenzu prüfen,obbeziehungsweiseunterwelchenVoraussetzungeneinderartiger Einbezugmöglichist. b. DerWortlautvonArt.3Abs.3AsylGhilfthiernichtweiter: Die Formulierung«(...) werdenebenfalls alsFlüchtlinge anerkannt (...)» stelltlediglichklar,dassdasalleinigeVorliegendermateriellen 4FlüchtlingseigenschaftbeimAbleiternichtgenügt,sonderneinformeller Anerkennungsakterfolgtseinmuss(Werenfels,a.a.O.,S.380);obaber umgekehrtderalleinigeformelleAnerkennungsaktgenügt,lässtsich darausnichtermitteln. AuchausdenMaterialienzudieserBestimmung kannkeineindeutigerSchlussgezogenwerden. InderBotschaftzum AsylGwurdezwardaraufhingewiesen,dassinzahlreichenFällendie FlüchtlingseigenschaftbeidenengenAngehörigeneinesFlüchtlingsohnehin ineigenerPerson erfüllt sei(BBl 1977 III117);dieskönntealsIndizdafür gewertetwerden,dassfolglichauchderAbleiterdieFlüchtlingseigenschaft erfüllen,alsomateriellerFlüchtlinggemässArt.3Abs.1und2AsylGsein muss. MangelsnähererAusführungensowohlinderBotschaftwieauchin dendarauffolgendenparlamentarischenBeratungenerscheintesindessen unwahrscheinlich,dassderhistorischeGesetzgeberdabeiandieProblematik desEinbezugsineinebereitsabgeleiteteFlüchtlingseigenschaftgedachthat. Aufschlussreichererscheintdagegen-beisystematischerAuslegung-die StellungderBestimmungimGesetz: DieAnforderungenandenEinbezugin dieFlüchtlingseigenschaftfindensichnämlichimselbenGesetzesartikel,in demauchdiemateriellenVoraussetzungenandieFlüchtlingseigenschaft geregeltsind. AuchwenninAbs.3vonArt.3AsylGnichtexplizitBezug aufAbs.1dieserBestimmunggenommenwird(wasbeispielsweisedurch dieWendung«EhegattenvonFlüchtlingen im Sinne von Abs. 1 undihre minderjährigenKinderwerdenebenfallsalsFlüchtlingeanerkannt(...)» hätteklargestelltwerdenkönnen),erscheintesdahernaheliegend,den Begriff«Flüchtling»inAbs.3grundsätzlichinAnlehnungandieDefinitionin Abs.1zudeuten. Hinzukommt-mitBlickaufdiebereitserwähnte ratio legis derBestimmung-,dassArt.3Abs.3AsylGbezweckt,innerhalbder Kernfamilie (inderBotschaftzumAsylGistvonder«engerenFamilie»die Rede[BBl 1977,a.a.O.])einesFlüchtlingseineneinheitlichenRechtsstatus herzustellen. NebendemFlüchtlingselbersinddarunternachdemWortlaut derNormdessenEhefrauundseine minderjährigenKinderzuverstehen,nach derRechtsprechungderARKimweiterenseinindauerndereheähnlicher GemeinschaftmitihmlebenderPartner( VPB58.28),undgemässden MaterialienschliesslichseineStief-undAdoptivkinder(BBl 1977, a.a.O.). NichtzudieserKernfamiliesinddemgegenüberbeispielsweisedieEltern,die volljährigenKinderunddieEnkeldesFlüchtlingszuzählen. DerGesetzgeber hatesausdrücklichabgelehnt,Art.3Abs.3AsylGaufweitereAngehörige auszudehnenunddenbegünstigtenPersonenkreisanalogderBestimmung vonArt.7Abs.2AsylGüberdieFamilienvereinigungzuregeln;dievonder beratendenKommissiondesNationalratesvorgeschlageneAusdehnungauf «weitereAngehörige,diemiteinemFlüchtlingindauernderGemeinschaft lebenundvonseinerFürsorgeabhängigsind»,wurdevomNationalratbereits indererstenSitzungzurückgewiesen( Peter Zimmermann,DerGrundsatz derFamilieneinheitimAsylrechtderBundesrepublikDeutschlandund derSchweiz,Berlin1991,S.190f.,mitHinweisaufABN 1978 1835und 1841f.). WürdenunmehrderEinbezugindieFlüchtlingseigenschafteiner Person,welcheihrerseitsindieFlüchtlingseigenschafteinesAngehörigen einbezogenwurde,ohneweiteresbejaht,soführtediesunterUmständenzu Ergebnissen,welchedieserklarengesetzlichenKonzeptionzuwiderliefen: SowärebeispielsweisedasaufArt.3Abs.3AsylGgestützteGesucheines minderjährigenEnkelkindesumEinbezugindieFlüchtlingseigenschaftseines GrossvatersG.-jenersowohlmateriellerFlüchtlingimSinnevonArt.3Abs.1 5AsylGalsauchvonderSchweizformellanerkannt-abzuweisenundeine AsylgewährungnurnachderanstrengereVoraussetzungengebundenen BestimmungvonArt.7Abs.2AsylGmöglich(vgl. dazuEntscheidungenund MitteilungenderSchweizerischenAsylrekurskommission[EMARK]1994Nr.9, S.69ff.). DemgegenüberwürdedasvomselbenEnkelkindaufArt.3Abs.3 AsylGgestützteGesuchumEinbezugindieFlüchtlingseigenschaftseines Vatersgutgeheissen,auchwenndieserseinerseitslediglichaufgrunddieser BestimmungindieFlüchtlingseigenschaftvonG.einbezogenwordenwäre, ohneselberdieVoraussetzungengemässArt.3Abs.1AsylGzuerfüllen. In diesemFallwürdedamiteinEnkelkindgestütztaufArt.3Abs.3AsylGindirekt indieFlüchtlingseigenschaftseinesGrossvaterseinbezogen,obwohlder GesetzgebermitdieserBestimmung einsolchesErgebnis nichtbeabsichtigthat. DieselbeÜberlegunggiltauchfürFälle,inwelchendieSchwiegertochter beziehungsweisederSchwiegersohneinesinderSchweizanerkannten Flüchtlings,welcherauchdiemateriellenVoraussetzungenvonArt.3Abs.1 AsylGerfüllt,denEinbezugindieblossformelleFlüchtlingseigenschaftihres Ehepartners(=Sohnresp. TochterdesmateriellenFlüchtlings)beantragt. NachdembisherGesagtenkannalsZwischenergebnisfestgehaltenwerden, dassderEinbezugindieFlüchtlingseigenschafteinerPerson,welcheihrerseits indieFlüchtlingseigenschafteinesAngehörigeneinbezogenwurde,nicht voraussetzungsloszubejahenist,dieFlüchtlingseigenschaftmithinnicht «dominoeffektartig»weitergegebenwerdenkann. DievonWerenfels vertreteneAuffassung,wonachgemeinhinjedePerson,dieunterirgendeinem TitelinderSchweizAsylerhaltenhabe,alsFlüchtlinggelte,weshalbweitere Angehörigeinseine-wennauchabgeleitete-Flüchtlingseigenschaft einbezogenwerdenkönnten(Werenfels,a.a.O.,S.381),vermagsomit nichtzuüberzeugen. Zudemhandelteessichbeidenbeidenvonihm genanntenEntscheidendesBundesamtesfürPolizeiwesenumEinbezüge vonStiefkindernmateriellerFlüchtlinge;diesesindjedoch-wieobenstehend ausgeführt-ohnehinderKernfamiliedesFlüchtlingszuzurechnen,weshalb dieseFällefürdieBeurteilungdervorliegendenFragebelanglossind. Der Vollständigkeithalberbleibtanzufügen,dassdievorliegendenKonstellationen nichtzuvergleichensindmitFällen,inwelcheneinFlüchtlingimmateriellen Sinne,derinderSchweizAsylerhaltenhat,nachderAuflösungeiner erstenEheerneuteine/nAngehörige/nseinesHeimatstaatesheiratet: Der neueEhepartneristdiesfallsnachgeltendemRechtohneweiteresindie FlüchtlingseigenschafteinzubeziehenundesistihmAsylzugewähren(vgl. dazusowiezurverschärftenBestimmungvonArt.48Abs.1desEntwurfs zurTotalrevisiondesAsylGdieBotschaftdesBundesratesvom4.Dezember 1995,BBl 1996 II68ff.);etwaigenRechtsmissbräuchenwäreimEinzelfallzu begegnen(VPB60.31). c. MitderFeststellung,dasseinEinbezugindiebereitsaufArt.3Abs.3AsylG gestützteFlüchtlingseigenschaftnichtohneweiteresmöglichist,darfes indessennichtseinBewendenhaben. BeieinerausnahmslosenVerweigerung vonEinbezügenindieFlüchtlingseigenschaftvonPersonen,welcheihrerseits aufgrunddieserBestimmungalsFlüchtlingeanerkanntwordensind,bestünde nämlichgenausodieGefahrstossenderErgebnisse: DiegestütztaufArt.3 Abs.3AsylGabgeleiteteFlüchtlingseigenschaftistzwarlediglichformeller Natur. Diesbedeutetjedochnichtzwangsläufig,dassdieeinbezogene PersonkeinerleieigeneAsylgründehat. Esistdurchausvorstellbar,dass 6minderjährigeKinderoderEhegatteneinesFlüchtlingsimHeimatstaat persönlichinflüchtlingsrechtlichrelevanterWeiseverfolgtwurden(seies aufgrundeigenerpolitischerAktivitätenoderaufgrundvonReflexverfolgung), inderSchweizaberaufdieEinreichungeineseigenenAsylgesuchsverzichtet haben,weilsieohneweiteresgestütztaufArt.3Abs.3AsylGoderArt.7 AsylGindieFlüchtlingseigenschaftihresElternteils/Ehegatteneinbezogen wurden. DiesePersonensindsomitnichtblossformelle,sondernebensowie ihrnaherAngehörigerauchmaterielleFlüchtlinge;dereinzigeUnterschied bestehtdarin,dassihrepersönlichenAsylgründenieGegenstandeines schweizerischenAsylverfahrenswaren. HeiratendiesePersonenspätereine/n Angehörige/nihresHeimatstaatesoderhabensieKinder,solässtsicheine VerweigerungderenEinbezugsindieFlüchtlingseigenschaftnichtmitder obenerwähntenArgumentationstützen;insolchenFällenmussArt.3Abs.3 AsylGvielmehranwendbarsein. d. Zusammenfassendistfestzuhalten,dassderEinbezugindie FlüchtlingseigenschaftvonPersonen,welcheihrerseitsgestütztaufArt.3 Abs.3AsylGoderArt.7AsylGindieFlüchtlingseigenschaftvonnahen Angehörigeneinbezogenwordensind,zwarnichtausgeschlossenist,aber jedenfallsnichtquasi«automatisch»nachdengleichenGrundsätzenwieder erstmaligeEinbezugzugewährenist. NachdeminE.5bGesagtenergibtsich sodann,dasseinderartigerweitererEinbezugnichtmitder ratio legis von Art.3Abs.3AsylGvereinbarist,wennderAbleiterseinerseitsausschliesslich FlüchtlingimformellenSinneist,selberalsoinkeinerWeisediemateriellen VoraussetzungenvonArt.3Abs.1und2AsylGerfüllt;dasFehleneines persönlichenasylrelevantenSchutzbedürfnissesdesAbleitersistdaher alsbesondererUmstandimSinnevonArt.3Abs.3AsylGzubetrachten, welchereinemEinbezugnaherAngehörigerindieFlüchtlingseigenschaft entgegensteht. DemgegenüberliegteinsolcherUmstandnichtvor,wennder Ableiter,obwohlseinerseits«nur»indieFlüchtlingseigenschafteinesnahen Angehörigeneinbezogen,eigeneAsylgründeimSinnevonArt.3Abs.1und2 AsylGhat,welcheabernieGegenstandeinesAsylverfahrenswaren. Soweit dasBFFbislangdenEinbezugindieFlüchtlingseigenschaftweitergehend gewährthat,wirddiesePraxisimobigenSinnegeändertbeziehungsweise präzisiert. Esbleibtnunmehrzuuntersuchen,wiedieseAsylgründe-imnachhinein- verfahrensmässiggeltendzumachenbeziehungsweisefestzustellensind. 6.a. Wiesoebenausgeführt,istimFalleeinesGesuchsumEinbezug indieFlüchtlingseigenschafteinerPerson,welcheihrerseitsindie FlüchtlingseigenschafteinesnahenAngehörigeneinbezogenwurde,eine flüchtlingsrechtlichrelevanteVerfolgung-beziehungsweisebegründeteFurcht vorkünftigerVerfolgung-desAbleitersglaubhaftzumachen,welchediesenin eigenerPersonbetrifft;dabeiistesunerheblich,obdieVerfolgungaufeigener politischerTätigkeitimHeimatstaatbeziehungsweiseimAsyllandgründet (zumEinbezugindieFlüchtlingseigenschafteinerPerson,gegenwelcheein Asylausschlussgrundbestehtvgl. VPB58.28),oderaufReflexverfolgung. Die erlitteneoderdrohendeVerfolgungergibtsichmöglicherweisebereitsaus denAsylverfahrensaktendesFlüchtlings,indessenFlüchtlingseigenschaft derAbleiterseinerzeiteinbezogenwordenist;diestrifftinsbesondere hinsichtlichderGefahrdrohenderReflexverfolgungzu,wennausdenAkten des«Erstflüchtlings»hervorgeht,dassdiegesamteFamiliebehelligtworden 7ist(zurerforderlichenIntensitätvgl. EMARK1994Nrn.5und17). Fehlen indenvorhandenenAktengenüglicheHinweiseaufflüchtlingsrechtlich relevanteVerfolgungdesAbleiters(wasregelmässigbeiexilpolitischen TätigkeitendesAbleitersderFallseinwird),soistihmGelegenheitzugeben, seinepersönlichenAsylgründeimVerfahrenbetreffenddenEinbezug einesnahenAngehörigeninseineFlüchtlingseigenschaftdarzulegenund allfälligeBeweismittelnachzureichen;unterUmständensindweitere BeweismassnahmendurchdieAsylbehördevorzunehmen(beispielsweise BeizugvonAsylverfahrensaktenweitererVerwandteroderBekannterdes Ableiters,BotschaftsabklärungenoderpersönlicheBefragungdesAbleiters odervonZeugen). InsofernbestehthiereineähnlicheSituationwiebeiFällen vonWiderrufdesAsylswegenveränderterVerhältnisseimHeimatstaat,in welchensichdieFragestellt,ob«triftigeGründe»(d.h. schwereerlittene Verfolgung)bestehen(Art.1CZiff.5Abs.2desAbk. vom28.Juli1951überdie RechtsstellungderFlüchtlinge[FK],SR0.142.30)unddeshalbnachträglich dieseinerzeitigenindividuellenAsylgründeabzuklärensind(vgl. VPB61.13 insb. E 12,60.35;EMARK1996Nr.10). DerBeweismassstaborientiertsich dabeianArt.12 a AsylG,wobeiangemessenzuberücksichtigenist,dassdem AbleiterderNachweisdrohenderVerfolgungumsoschwererfallenwird, jelängerdieZeitspannezwischendemZeitpunktseineseigenenEinbezugs indieFlüchtlingseigenschafteinesnahenAngehörigenunddemjenigender EinreichungdeszubeurteilendenGesuchsist. b. ImvorliegendenFallmachtdieBeschwerdeführeringeltend,die Wahrscheinlichkeiteinerkünftigen«potentiellenAnschlussverfolgung»(recte: Reflexverfolgung)gegenüberY.K.könnenichtleichthinausgeschlossen werdenunddieVorinstanzhabediesenUmstandgarnichtwirklich untersucht. Esseierstellt,dassdiegesamteFamilieK.beidentürkischen SicherheitsbehördenalskurdischeundpolitischeFamiliebekanntgewesen undderpolitischenSympathiefürdieArbeiterparteiKurdistans(PKK) verdächtigtwordensei. SoseiunteranderemeinBrudervonY.K.am28.Mai 1991vondenSicherheitskräftenalsPKK-Aktivistgetötetworden. Daraufhin seidiegesamteFamilieunterstarkenDruckdertürkischenPolizei-und Sicherheitsbehördengeraten. DasFamilienoberhaupt,M.K.(derVatervon Y.K.),habenachschwererFolterungundMisshandlungdieTürkeiverlassen undhabezusammenmitzweiSöhnendieFluchtindieSchweizgeschafft. SeineFrauundzweiweitereKinderseienjedochinItalienerwischtund wiederindieTürkeiabgeschobenworden,wosieweiterhinuntersehr starkemDruckseitensderSicherheitskräftegestandenhätten. c. AusdenAsylverfahrensaktenvonM.K.ergibtsichfolgenderSachverhalt: DerVatervonY.K.,türkischerStaatsangehörigerkurdischerEthnieaus C.(ProvinzKahramanmaras),erbrachtemittelszahlreicherUrkunden denNachweis,dasserimJahre1990ineinStrafverfahrenvordem Staatssicherheitsgerichtverwickeltwar,weilerAktivistenderPKKunterstützt hatte. NachdemermitUrteilvom27.Dezember1990mangelsBeweisen freigesprochenwordenwar,wurdeerimVerlaufedesJahres1991nach AktionenderPKKständigvonderPolizeifestgenommen;wiederumwarfman ihmUnterstützungderGuerillavor. Am28.Mai1991kameinerseinerSöhne, welchersichkurzzuvorderPKKangeschlossenhatte,beieinemGefechtmit denSicherheitskräftenumsLeben. ImAugust1991wurdeM.K.letztmalsauf denPolizeipostenverbrachtund-insbesondereauchwegenderpolitischen 8AktivitätenseinesverstorbenenSohnes-während15Tagenfestgehaltenund gefoltert. UnmittelbarnachdiesemEreignisverliesserdieTürkeiundstellte am9.September1991inderSchweizeinAsylgesuch,welchesinderFolge erstinstanzlichgutgeheissenwurde. NachseinerAusreisewurdesodann am5.Juli1992-wiederumbeieinemGefechtzwischenPKK-Aktivistenund Sicherheitskräften-seinCousingetötet,woraufseineEhefrau,sein«jüngerer» Sohn(eigeneAngabevonM.K.)undseinältererBruderaufdenPolizeiposten verbrachtundgeschlagenwurden. AufgrunddieserUmständeergibtsich,wievonderBeschwerdeführerin zuRechtvorgebracht,dassdieAngehörigendesengerenundweiteren FamilienverbandesK.beidentürkischenSicherheitskräftenoffensichtlich alsmutmasslichePKK-Sympathisantengeltenunddeswegenteilweise bereitserheblicheNachteileerlittenhaben. BeidieserSachlageistdavon auszugehen,dassY.K.zumindestbegründe-tenAnlasszurFurchtvor drohenderReflexverfolgungimSinnederinE.6ahiervorangeführten Rechtsprechung(EMARK1994Nrn.5und17)hat. DieseFeststellungwird auchvonderVorinstanznichtbestritten: InihrerVernehmlassungvom 3.Mai1996hatsiefestgehalten,dassY.K.«(...) nichtfinalesOpfermiteigenem Schutzbedürfnis,sondernnurreflexartigbetroffen(war)». DasBFFscheint damitzwardieAuffassungzuvertreten,dassdasalleinigeVorliegenvon ReflexverfolgungfürdieErfüllungderFlüchtlingseigenschaftnichtgenüge undeindarüberhinausgehendesSchutzbedürfnisbestehenmüsse;diese AnsichtvermagindessenangesichtsderTatsache,dassReflexverfolgung per se flüchtlingsrechtlichrelevantist,nichtzuüberzeugen. Schliesslich erhelltausdenbisherigenEreignissen(TodzweierFamilienangehöriger, welchesichderPKKangeschlossenhatten,beiGefechtenmitstaatlichen Einheiten;AnhebungeinesStrafverfahrensgegendasFamilienoberhaupt voreinemStaatssicherheitsgerichtwegenUnterstützungderGuerilla),dass dieFamilieK.vonReflexverfolgungbetroffenist,derenAusmassnichtbloss regionalenCharakteraufweist. UnterWürdigung sämtlicherUmständegelangt dieKommissiondaherzumSchluss,dassY.K.dieVoraussetzungengemäss Art.3Abs.1und2AsylGandieFlüchtlingseigenschafterfüllt;eristdemnach nichtblossFlüchtlingimformellenSinne(aufgrunddesEinbezugsgemäss Art.3Abs.3AsylGindieFlüchtlingseigenschaftseinesVaters),sondernebenso FlüchtlingimmateriellenSinne. BeidiesemErgebniserübrigensichim vorliegendenFallweitereBeweiserhebungen. 7. AngesichtsderTatsache,dassY.K.FlüchtlingimmateriellenSinneist, istunterBerücksichtigungderobenstehendenErwägungenfestzuhalten, dasseinemEinbezugderBeschwerdeführerinindieFlüchtlingseigenschaft ihresEhemanneskeinebesonderenUmständeentgegenstehen;gleichesgilt sinngemässfürdieTochterE.DieBeschwerdeführerinundihreTochter sindnachdemGesagtengestütztaufArt.3Abs.3AsylGalsFlüchtlinge anzuerkennenundesistihnendarüberhinausAsylzugewähren(vgl. VPB 58.28,59.43,60.31). 8. AusdenobenstehendenErwägungenergibtsich,dassdieVorinstanz dasGesuchderBeschwerdeführerinumEinbezugihrerselbstundihrer TochterindieFlüchtlingseigenschaftihresEhemannes/VaterszuUnrecht abgewiesenhat. DieBeschwerdeistdahergutzuheissen,dieVerfügung 9desBFFvom27.Februar1996aufzuhebenunddasBFFanzuweisen,die BeschwerdeführerinundihreTochterindieFlüchtlingseigenschaftvonY.K. einzubeziehenundihnenAsylzugewähren. [4]Vgl. obenFussnote1,S.19. [5]Cf. ci-dessusnote2,p.20. [6]Cfr. sopranota3,pag.20. 10Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 62.3 - Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 26. November 1996 In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 1998 Année Anno Band 62 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 003 902 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.