B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5725/2014/mel U r t e i l v o m 2 8 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. September 2014 / N (…). D-5725/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 15. Juni 2012 und gelangte nach Nepal. Von dort aus reiste sie auf dem Luftweg in die Schweiz, wo sie am 15. September 2012 an- kam und ein Asylgesuch stellte. Am 8. Oktober 2012 wurde sie summa- risch befragt. A.b Dabei brachte sie vor, chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie zu sein. Sie stamme aus einem abgelegenen Dorf und habe dort bis zur Ausreise mit ihren Angehörigen gelebt. Sie habe nie einen Reise - pass besessen, keine Schulen besucht und i hren Bruder im Handel von alkoholischen Getränken unterstützt. Nachdem dieser Ende Mai 2012 an einer Demonstration teilgenommen habe, hätten chinesische Polizeibe - amte zweimal zuhause vorg esprochen und Identitätsdokumente b e- schlagnahmt. Sie und ihr Vater seien geschlagen und aufgefordert wor - den, keinen Alkohol mehr zu trinken. Man habe ihnen politische Aktivitä - ten unterstellt. Die Beam ten hätten zudem mit ihrer Festnahme gedroht und mitgeteilt, dass sich der Bruder bereits in Haft befinde. In Anbetracht dieser Situation sei sie wenig später ausser Landes geflohen. A.c Die Beschwerdeführerin gab keine Identitätsdokumente zu den Ak - ten. B. Im Auftrag des BFM wurde am 24. Oktober 2012 mittels eines Telefon-In- terviews eine Sprach - und Herkunftsanalyse mit de r Beschwerdeführerin durchgeführt (sogenannte Lingua -Analyse). Die sachverständige Person kam in ihrem landeskundlich -kulturellen sowie linguistischen Herkunft s- gutachten vom 19. November 2012 zum Schluss, es sei aufgrund der lin- guistischen Analyse eindeutig nicht davon auszugehen, dass d ie Be- schwerdeführerin wie angegeben in (…)/(…)/(…)/VR China, sondern sehr wahrscheinlich in Nepal oder Indien sozialisiert wor den sei.(…) könne al- lerdings die Heimat ihrer Eltern sein. Die Ergebnisse der Evaluation der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse der Proban din bestätigten das Er- gebnis der linguistischen Analyse. C. C.a Die Anhörung gemäss Art. 29 AsylG fand am 13. Mai 2014 statt. Da- bei wurden der Beschwerdeführerin unter anderem Fragen zur genauen geografischen Herkunft gestellt. Sie legte dar, aus dem Dorf (…) in der D-5725/2014 Seite 3 Nähe von (…), Gemeinde (…), Bezirk (…), Präfektur (…) zu stammen. Als Fluchtgrund erwähnte sie wiederum die polizeilichen Vorsprachen im Zusammenhang mit dem Verschwinden ihres Bruders. Bei der zweiten Vorsprache hätten die Beamten behauptet, ihr Bruder habe an einer re - gimefeindlichen Kundgebung teilgenommen. Ihr Vater habe erklärt, es sei für sie zu gefährlich, weiterhin im Land zu bleiben, und ihre Flucht organi- siert. Am 12. Juni 2012 habe sie das Dorf verlassen. In diesem Zusa m- menhang schilderte sie die Reise vom Herkunftsgebiet nach Nepal und weiter in die Schweiz. C.b Ausserdem wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum Ergebnis der Lingua-Analyse und zu abweichenden Darlegungen im Rah- men der beiden Befragungen gewährt. Sie beharrte darauf, zeitlebens am angegebenen Ort gewohnt zu haben und in der geschilderten Art verfolgt worden zu sein. D. Mit Verfügung vom 4. September 2014 – eröffnet am 8. September 2014 – wies das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die Wegwei sung aus der Schweiz sowie den Vollzug unter Ausschluss der Volksrepublik China an. E. E.a Mit Eingabe vom 4. Oktober 2014 (Datum d er Postaufgabe) focht die Beschwerdeführerin den vorinstanzlichen Entscheid beim Bundesverwal- tungsgericht an. Sie beantragte die Aufhebung des vorinstanzlichen Ent - scheids und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an das BFM. Es sei ihre Flüchtling seigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe festzustellen und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling wegen Unzulässigkeit des Vollzugs anzuordnen. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit und Unm ög- lichkeit des Vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. Es sei die unentgeltliche Prozessführung samt En t- bindung von der Vorschusspflicht zu gewähren. Die Vollzugsbehörde sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzu weisen, die Kontaktauf - nahme mit dem Hei mat- oder Herkunftsstaat sowie jegliche Wei tergabe von Daten an dieselben zu unterlas sen. Über eine eventu ell be reits e r- folgte Datenweitergabe sei in einer sepa raten Verfügung zu infor mieren. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren. D-5725/2014 Seite 4 E.b Mit der Beschwerde wurden dem Gericht eine Kopie der vorinstanzli - che Verfügung, eine SFH -Länderanalyse, ein Internetausdruck und eine Bestätigung für die prozessuale Bedürftigkeit übermittelt. F. Mit Zwischenverfügung vom 14. Oktober 2014 stellte die Instruktionsric h- terin die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest, ver zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hiess das Ge such im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Ferner wurde erwogen, dass sich das BFM und die Vollzugsbehörden auch ohne spezifische Anwei sung des Bundesve r- waltungsgerichts an die Bestimmung von Art. 97 Abs. 1 Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) zu halten hätten, wonach Personendaten von Asylsu- chenden, anerkannten Flüchtlingen und Schu tzbedürftigen dem Hei mat- oder Herkunftsstaat nicht bekannt gegeben werden dürften, wenn die b e- troffene Person oder ihre Angehörigen dadurch gefährdet werden würden. Unter diesen Umständen bestehe keine Veranlassung zum Erlass einer vorsorglichen Massnahme, weshalb der entsprechende Antrag abzu wei- sen sei. Über den Antrag, eine eventuell bereits erfolgte Weiterga be von Personendaten (im Sinne von Art. 97 Abs. 3 Bstn. a -g AsylG) sei offen - zulegen, werde im gegebenen Zeitpunkt zu befinden sein. G. In der Vernehmlassung vom 31. Oktober 2014 hielt das BFM an seinen Erwägungen fest. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde der B e- schwerdeführerin am 10. November 2014 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 Verwaltungsgerichtsgesetz (VGG, SR 173.32) beur - teilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurtei - lung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferung sersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundesge richtsgesetz [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 D-5725/2014 Seite 5 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bunde sverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die a ngefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz - würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 2. Der Antrag auf Akteneinsicht bezüglich Weitergabe von Personendaten ist gegenstandslos, zumal solche Akten nicht vorliegen. 3. Mit Beschwerde kann im Asylbereich d ie Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und un vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sac h- verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali - tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den D-5725/2014 Seite 6 Tatsachen nicht entsprechen od er massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung seiner abweisenden Verfügung führte das BFM im Wesentlichen aus, die seitens de r Beschwerdeführerin geltend gemach- ten Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge- mäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten. Sie mache geltend, von Geburt an bis zur Ausreise im Bezirk (…) gelebt zu haben. Der Sprachexperte habe aber festgehalten, dass ihr Sprachdialekt nicht der im geltend ge machten Herkunftsgebiet tatsächlich gesprochene sei. Vielmehr ver wende sie die exiltibetische Sprache. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs habe sie ke i- ne überzeugende Erklärung dafür abgegeben. Die bei der Erst befragung und die vom Experten gestellten Fragen hätten ergeben, dass sie insg e- samt über mangelndes Alltagswissen und mangelhafte geo grafische Kenntnisse betreffend angeblicher Heimatregion verfüge. Dar auf ang e- sprochen habe sie angegeben, beim Telefongespräch hät ten ihr die Kopfhörer Probleme verbunden mit Angstgefühlen bereitet, was ihr ma n- gelndes Wissen indes nicht zu erklären vermöge. Es entstehe der Ein - druck, dass sie sich gewisse geografische Kenntnisse angeeignet habe lediglich im Hinblick darauf, die angeb liche Herkunft als glaubhaft er - scheinen zu lassen, zumal sie nicht in der Lage gewesen sei, Nachfragen der Befragungsperson adäquat zu beantworten. Im Weiteren habe sie keinerlei Identitätspapiere oder Unterlagen, welche die chinesische Her - kunft belegen würden, eingereicht. Die Ausreise habe sie anlässlich der Befragungen nicht übereinstimmend geschildert. Unter anderem habe sie bei der Erstbefragung ausgesagt, zu Fuss von (…) nach (…) gegangen zu sein. Bei der Anhörung habe sie den umgekehrten Reiseweg an- gegeben (A 7/12 S. 7; A 23/12 Antwort 47). Eine befriedigende Erklä rung für diesen Widerspruch habe sie nicht abgeben können. Unstimmige Schilderungen habe sie auch betreffend die Ortschaften (…) und (…) gemacht. Obwohl sie unbestrittenermassen tibeti scher Ethnie sei, leg ten ihre mangelhaften Kenntnisse der Region , ihre fehlenden Kennt nisse der chinesischen Sprache, die fehlenden Identitätspapiere sowie ihr exiltibet i- scher Dialekt nahe, dass sie nicht in der angegebenen Region (…) sozia- lisiert worden sei. Ihre Vorbringen zur Herkunft müssten entsprechend als unglaubhaft qualifiziert werden. Demzufolge könne davon ab gesehen werden, auf Unglaubhaftigkeitselemente bei der von ihr gel tend gemach- ten Verfolgung durch die chinesischen Behörden einzugehen. D-5725/2014 Seite 7 Nach dem Gesagten sei davon auszugehen, dass sie vor der Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exiltibeti - schen Diaspora gelebt habe. Da sie aber keine konkreten und glaubhaf - ten Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, bestünden keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtliche Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort (BVGE E-2981/2012 E. 5. 8 bis 5. 10). Den Vollzug der Wegweisung – mit Ausnahme in die Volksrepublik China – erachtete das BFM für zulässig, zumutbar und möglich. Die Prüfung dieser Kriterien sei zwar von Amtes wegen vorzunehmen. Verletze aber eine asylsuchende Person – wie vorliegend – ihre Mitwirkungspflicht in grober Weise, sei diese Überprüfung praxis gemäss eingeschränkt. Eine relevante Gefährdung vor Ort sei nicht ersichtlich. 5.2 Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, ihre Iden - titätskarte und das Familienbüchlein seien im Mai 2012 durch die chine - sischen Behörden beschlagnahmt worden. Zudem sei es für Tibeterinnen im Ausland generell schwierig, Dokumente aus dem Heimat land zu b e- schaffen. Da sie nie eine Schule besucht habe, seien ihre fehlen den Kenntnisse der chinesischen Sprache naheliegend. Ihr tibeti scher Dialekt sei allenfalls marginal exiltibetisch gefärbt durch den Aufent halt in Nepal. (…) sei im Übrigen eine grosse Region mit unterschiedli chen Dialekten. Die Einschätzung des Experten, sie verwende einen exiltibetischen Di a- lekt, sei vor diesem Hintergrund nicht halt bar, zumal sie während des Te- lefoninterviews unter Angstzuständen gelitten habe. Eigentliche geograf i- sche Fragen seien ihr weder beim Interview noch der Anhörung gestellt worden. Allfällige Ungereimtheiten bei der Schilderung der Ausreise seien nachvollziehbar. Die Behauptung des BFM, sie habe ihre Identität ve r- schleiert und die Mitwirkungspflicht ver letzt, sei unhaltbar. Nach dem Ge- sagten sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und im Sinne der Pra- xis der (vormaligen) Beschwerdeinstanz Asyl oder zumindest die vorläufi- ge Aufnahme – wegen der illegalen Ausreise aus dem Ti bet – zu gewäh- ren. Ein Vollzug der Wegweisung würde gegen die relevanten gesetzl i- chen Bestimmungen verstossen. 6. Den Akten lässt sich keine bereits erfolgte Weiterga be von Perso nenda- ten (im Sinne von Art. 97 Abs. 3 Bstn. a -g AsylG) entnehmen. Der Antrag der Beschwerdeführerin , eine allfällig erfolgte Datenübermittlung sei o f- fenzulegen, erweist sich mithin als gegenstandslos. D-5725/2014 Seite 8 7. 7.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüch - lich sein oder der inneren Logik entbehren u nd auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeson - dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Bew eismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder u n- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gi lt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der V orbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten As - pekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalts- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f.; BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 7.2 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin gewisse Bezüge zu der von ih r angegeben Herkunftsregion hat bezie - hungsweise Verwandte dort leben. So war sie denn auch ansatzweise in der Lage, zu geografischen und anderen Belangen vor Ort gewisse, wenn auch teilweise ungereimte Angaben zu machen. Ob diese Kenntnisse von einem tatsächlichen, lang zurückliegenden dortigen Aufenthalt stammen oder ob sie – wie vom BFM erwogen – auf anderweitig bezogenen Infor- mationen beruhen, kann letztlich offen gelassen werden. Dass sie das genannte Gebiet erst im Jahr 2012 aus den genannten Gründen verliess, kann ih r nämlich nicht geglaubt werden. Ihre Schilderung der Vor fälle nach der angeblichen Festnahme des Bruders müssen auch in An - betracht des Summarcharakters der Erstbefragung als sehr stereotyp und ungereimt qualifiziert werden. Namentlich die angebliche Anzahl der pol i- zeilichen Vorsprachen schilderte sie widersprüchlich (A 7/12 S. 8 f.). Die D-5725/2014 Seite 9 Befragung des BFM fand in ihrer Muttersprache statt, und sie er klärte, den Dolmetscher gut zu v erstehen beziehungsweise verstanden zu h a- ben, weshalb sie sich bei ihren Aussagen behaften lassen muss. Bei der Anhörung war sie zwar eher in der Lage, ihren Schilderungen et was Sub- stanz zu verleihen, dies vermag die angeführten Zweifel jedoch nicht au f- zuwiegen. Die oben erwähnten Zweifel an den Asylvorbringen de r Be- schwerdeführerin im angegebenen Herkunftsgebiet werden nämlich durch das Resultat der Lingua-Analyse gestützt. Bei der vom BFM in Auf- trag gegebenen Sprach - und Herkunftsanalyse wurden sowohl die sprachlichen Fähigkeiten als auch landeskundlich -kulturelle Kenntnisse der Beschwerdeführerin geprüft. Bei einer solchen Lingua -Analyse han- delt es sich zwar nicht um ein Sachverständigengutachten im Sinne von Art. 12 Bst. e VwVG (vgl. hierzu Art. 57 - Art. 61 BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um eine schriftliche Auskunft einer Drittperson im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. Das Bundesverwaltungsgericht misst e i- ner Lingua -Analyse jedoch erhöhten Beweiswert zu, sofern be stimmte Anforderungen an die fachli che Qualifikation, Objektivität und Neut ralität des Experten sowie die inhaltli che Schlüssigkeit und Nachvoll ziehbarkeit erfüllt sind, denen eine sol che Prüfung zu entsprechen hat (vgl. BVGE 2014/12). Die vorliegend zu beurteilende Lingu a-Analyse ist fundiert und mit einer überzeugenden sowie ausgewogenen Begründung versehen, die zu kei - nen Beanstandungen Anlass gibt. Zudem bestehen an der fachlichen Qualifikation des Sachverständigen keine Zweifel, weshalb der vorliegen - den Sprach- und Herkunftsanalyse nach den erwähnten Kriterien erhöh - ter Beweiswert zugemessen und von ihrer inhaltlichen Richtigkeit und Vollständigkeit ausgegangen wird. Der Sachverständige kam in seinem Bericht vom 19. November 2012 zum Schluss, es sei aufgrund der li ngu- istischen Analyse eindeutig nicht davon auszugehen, dass die Be - schwerdeführerin wie angegeben in (…)/(…)/(…)/VR China, sondern sehr wahrscheinlich in Nepal oder Indien sozialisiert worden sei. (…) könne al- lerdings die Heimat ihrer Eltern sein. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs bei der Anhörung war die Beschwer- deführerin nicht in der Lage, das Analyseergebnis zu entkräften. Vielmehr konnte die Vorinstanz zutreffend darle gen, weshalb de ren Argumente nicht zu einer anderen Sichtweise füh ren. Au ch in der Beschwerde - eingabe fehlen überzeugende Gegenargu mente für die angebli che He r- kunft aus dem genannten Gebiet im geltend gemachten Zeitraum und un- ter den geltend gemachten Umständen. Das Vorbringen, eine allfällige D-5725/2014 Seite 10 marginale exiltibetische Färbung ihrer Sprache sei auf den Aufenthalt in Nepal zurückzuführen, vermag das fundierte Analyseergebnis hinsichtlich ihrer Sozialisation nicht zu beeinträchtigen. Vielmehr entsteht so der Ein - druck, sie räume einen längeren als den angegebenen Aufenthalt v on wenigen Monaten in der tibetischen Exilgemeinde ein. Gestützt werden die Erkenntnisse des Lingua -Gutachtens schliesslich durch die Tatsache, dass d ie Beschwerdeführerin keinerlei Identitätsdokumente ein reichte und die angebliche Beschlagnahmung durch die chinesischen Behörden nicht glaubhaft machen konnte. Die eingereichten Beweismittel zur gene- rellen Gefährdung tibetischer Asylsuchender weisen keinen konkre ten Bezug zur individuell-konkreten Situation der Beschwerdeführerin auf. 7.3 Zusammenfassend is t festzuhalten, dass d ie Beschwerdeführerin zwar tibetischer Ethnie ist, ihre Vorbringen hinsicht lich des Ortes der hauptsächlichen Sozialisation, der illegalen Aus reise aus Tibet und ihrer Asylvorbringen aber insgesamt der Glaubhaftigkeit entbehren. Folglich ist es ihr mangels glaubhafter Hinweise nicht gelungen, für den Zeitpunkt ih- rer Ausreise eine individuelle asylrechtlich relevante Verfolgung, die sie in ihrer Heimat vor der Ausreise erlitten habe oder in begründeter Weise zu- künftig habe befür chten müssen, nachzuweisen oder glaubhaft zu ma - chen. 8. 8.1 In EMARK 2005 Nr. 1 wurde festgehalten, auf eine chinesische Staatsangehörigkeit sei zu schliessen, wenn im Einzelfall als erstellt ge l- te, dass eine asylsuchende Person tibetischer Ethnie sei. Dies se i selbst dann anzunehmen, wenn Hinweise dafür bestehen würden, dass die asylsuchende Person in den exil -tibetischen Gemeinden in Indien oder Nepal gelebt habe, da in der Regel nicht davon ausgegangen wer den könne, Exil -Tibeterinnen und -Tibeter würden in diesen Ländern die Staatsangehörigkeit erwerben. Ohne triftige Anhaltspunkte könne eine andere als die chinesische Staatsangehörigkeit weder als erwiesen noch überhaupt als wahrscheinlich erachtet werden (EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.1 - 4.3). 8.2 In BVGE 2014/12 wurden die dem obenerwähnten EMARK-Entscheid zugrundeliegenden länderspezifi schen Begebenheiten überprüft respek - tive aktualisiert und die erwähnte Rechtsprechung präzisiert. Nach au s- führlichen Abhandlungen über die Situ ation der Exil-Tibeterinnen und -Ti- beter in Nepal (E. 5.6) und Indien (E. 5.7) – insbesondere in Bezug auf den Erwerb der jeweiligen Staatsange hörigkeit und die Möglichkeiten ei -D-5725/2014 Seite 11 nes legalen Aufenthalts – wurde zusammenfassend festgestellt, dass für Angehörige der tibetischen Ethnie sowo hl in Nepal als auch in Indien die Möglichkeit bestehe, unter ge wissen Bedingungen eine Aufenthaltsbewil- ligung zu erhalten, bezie hungsweise dass es unter en gen Voraussetzun- gen auch möglich sei, die entsprechende Staatsangehö rigkeit zu erwe r- ben, womit die chinesische Staatsangehörigkeit – durch den Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit – wegfalle. Daneben müsse aber davon au s- gegangen werden, dass ein grosser Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil-Tibeterinnen und -Tibeter keine neue Staatsangehör igkeit erworben habe und nach wie vor die chinesische Staatsangehörigkeit besässe. Für asylsuchende Personen tibetischer Ethnie, welche unglaubhafte A n- gaben über ihren angeblichen Sozialisierungsraum in China machen, be - stehen gemäss BVGE 2014/12 grundsä tzlich folgende mögliche Konstel - lationen bezüglich der Staatsangehörigkeit: a. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit ohne Aufenthaltsbewilli - gung in Nepal oder Indien (blosse Duldung im betreffenden Drittstaat); b. Besitz der chinesischen Staatsang ehörigkeit mit entsprechender Au f- enthaltsbewilligung im Drittstaat Nepal oder Indien; c. Besitz der Staatsangehörigkeit von Nepal oder von Indien (und damit einhergehendem Verlust der chinesischen Staatsangehörigkeit). Daraus ergebe sich folgendes Prüfschema: Besitzt die betreffende Person die chinesische Staatsangehörigkeit und verfügt sie gleichzeitig über eine Aufenthaltsberechtigung im Drittstaat Nepal oder Indien (Konstellation b) oder wird die Person im betreffenden Drittstaat zumindest geduldet ( Konstellation a), wäre eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31 a Abs. 1 Bst. c AsylG durch die Asylbehörden möglich, vorausgesetzt die asylsuchende Person legt den schweizerischen Behörden alle Fakten im Verfahren dar. Bei der Konstel- lation b dürften im Regelfall die Voraussetzungen der Drittstaatenre - gelung gegeben sein. Hat der tibetische Asylsuchende die Staatsangehörigkeit von Nepal oder Indien erlangt (Konstellation c), hat die betreffende Person die chinesi - sche Staatsangehörigkeit nicht respektive nicht mehr, zumal sie gemäss chinesischer Rechtsprechung durch den Erwerb einer anderweitigen Staatsbürgerschaft die chinesische Nationalität verliert. Diesfalls wäre die D-5725/2014 Seite 12 Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf Nepal beziehungsweise Indie n zu prüfen. Vermutungsweise gilt, dass die asylsuchende Person im Land ih - rer (neu erlangten) Staatsangehörigkeit keine asylrelevante Gefährdung zu befürchten hat, wenn sie keine entsprechenden Vorbringen glaubhaft vorträgt (BVGE 2014/12 E. 5.8). 8.3 Die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmöglicht ein tibeti - scher Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal res pektive in Indien i n- nehat, kann namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Durch die Verheimlichung und Ver schlei- erung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der Flüchtlingseigen - schaft der betreffen den Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (BVGE 2014/12 E. 5.9). 8.4 Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, wie sie im bis dahin Gültigkeit beanspruchenden Entscheid in EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.3 publiziert wurde, ist in BVGE 2014/12 wie folgt präzisiert worden: bei Per- sonen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder ver - heimlichen, ist vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flücht - lings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ih- ren bisherigen Aufenthaltsort bestehen (E. 5.10). 9. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin, welcher unbestrittenermassen t i- betischer Ethnie ist, unglaubhafte Angaben zu ihrer Sozialisierung und zu ihren bisherigen Aufenthaltsorten vor der Einreise in die Schwe iz ge - macht. Aufgrund dieser unglaubhaften Angaben kann seitens der Asylb e- hörden nicht eruiert werden, welche der in E. 6.2 genannten Fallkon - stellationen auf sie zutrifft. Dadurch hat sie entgegen den Beschwerd e- vorbringen die ihr obliegende Mitwirkungspflicht verletzt. Die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet – wie bereits festgehalten – ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Vorlie - gend verunmöglicht d ie Beschwerdeführerin durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehat, beziehungsweise die Prüfung, welche Staatsangehörigkeit sie besitzt. Durch dieses Verhalten verunmöglicht sie eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c D-5725/2014 Seite 13 AsylG beziehungsweise eine Prüfung ihrer allfälligen Flüchtlingseigen - schaft in Bezug auf Nepal oder Indien. 10. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass d ie Beschwerdeführerin weder die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt ihrer Ausreise noch subjektive Nachfluchtgründe nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 11. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwei - sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge - such ablehnt oder darauf nicht eintritt. D ie Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über ei - nen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie Wegweisung wurde dem - nach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 12. 12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 12.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll - zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungs - pflicht findet wie erwähnt ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht de r Be- schwerdeführerin. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hinwei- sen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Die Beschwerdeführerin hat die Folgen ih- rer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts gegen eine Rück - kehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da sie keine konkreten, glaubhaf - ten Hinweise geliefert habe, die gegen eine entsprechende Rückkehr sprechen würden. 12.3 Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen tibetischer Ethnie ist und dadurch auch die Möglichkeit nicht auszuschliessen ist, dass sie die chinesische Staatsangehörigkeit besitzt, ist vorliegend der W egwei-D-5725/2014 Seite 14 sungsvollzug nach China im Sinne von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG auszu- schliessen. 13. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt sowie angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 14. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da aber das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 mit Zwischenverfügung vom 14. Oktober 2014 gutgeheissen wu r- de und sich ihre finanzielle Situation seither nicht entscheidrelevant ve r- änderte, erfolgt keine Kostenauflage. (Dispositiv nächste Seite) D-5725/2014 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Ein Wegweisungsvollzug nach China wird ausgeschlossen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: