200 22 363 AHV KOJ/SCC/WSI Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 3. November 2022 Verwaltungsrichter Kölliker Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero A.________ AG vertreten durch B.________ Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse des Kantons Bern Abteilung Beiträge und Zulagen, Chutzenstrasse 10, 3007 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 4. Mai 2022 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 2 Sachverhalt: A. Die A.________ AG, mit Sitz in …, erbringt Dienstleistungen in den Berei- chen …, … sowie … (vgl. Handelsregister des Kantons Bern). Nach einer Arbeitgeberkontrolle an Ort und Stelle gemäss Art. 68 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinter- lassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) bei der C.________ welche bei der Ausgleichskasse des Kantons Bern (AKB bzw. Beschwerdegegnerin) angeschlossen ist, wurde im Bericht vom 13. September 2019 festgestellt, dass die C.________ für …-Arbeiten von D.________ bedeutende Honora- re ausgerichtet habe und diese mit der AHV nicht abgerechnet worden sei- en. Im Jahr 2016 seien die Honorare von der A.________ AG fakturiert worden. Die ergänzenden Abklärungen mit der AKB hätten ergeben, dass seitens der A.________ AG keine Honorare deklariert worden seien (Dos- sier der AKB [act. II] 1). Mit Schreiben vom 6. März 2019 forderte die AKB die A.________ AG auf, die an D.________ ausbezahlte Entschädigung für das Jahr 2016 mit einem Rektifikat zu melden (act. II 1). Am 26. April 2019 verlangte B.________ (Geschäftsführer der E.________ GmbH mit Sitz in … [vgl. Handelsregister des Kantons I._____]) namens der A.________ AG sinngemäss den Erlass einer Verfügung (act. II 3). Mit Verfügung vom 19. September 2019 stellte die AKB für das Jahr 2016 bezüglich D.________, bei einer Lohnsumme von Fr. 94'000.--, Sozialversicherungs- beiträge von Fr. 13'684.-- in Rechnung (act. II 4). Hiergegen erhob die A.________ AG, vertreten durch B.________, am 20. Oktober 2019 Ein- sprache (act. II 5). Die AKB gewährte in der Folge Akteneinsicht und forder- te den Einsprecher auf, zu weiteren Fragen Stellung zu nehmen (act. II 6). Am 23. Dezember 2019 reichte B.________ eine Einspracheergänzung ein (act. II 9). Nach weiteren Abklärungen wies die AKB mit Entscheid vom 4. Mai 2022 die Einsprache ab, soweit sie darauf eintrat (act. II 10).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 3 B. Am 6. Juni 2022 erhob die A.________ AG, vertreten durch B.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Beschwerde. Sie beantragt das Folgende: «1.Auf dem Umsatz von CHF 94'000.00, die dem Verein C.________ in Rechnung gestellt worden ist, ist seitens der A.________ AG keine AHV geschuldet. 2.Die von D.________ bezogenen Arbeitsentschädigungen unterliegen der Einkommenssteuer und der AHV. 3.Die von D.________ in den Jahren 2016 ff. bezogenen Arbeitsentschädi- gungen sind mit der Ausgleichskasse I._____ abgerechnet worden und als Lohn der Einkommenssteuer im Kanton Bern, Wohnsitzkanton besteuert worden. 4.Sofern das Gericht zum Schluss kommt, dass die Erfassung der geleiste- ten Arbeiten nicht im Rahmen eines Mandatsvertrages erfolgen können, sind auf den gesamten Umsätzen seit dem Jahre 2016 die AHV-Beiträge zu erheben, eine Anmeldung an das BVG vorzunehmen, die Jahresrech- nungen seit dem Geschäftsjahr 2016 aller involvierten Gesellschaften zu revidieren, die MWST zurückzuverlangen, die abgerechneten AHV- Beiträge bei der kantonalen Ausgleichskasse I._____ zurückzuverlangen und im Rahmen eines Strafsteuerverfahrens gegen C.________ diese Ent- schädigungen bei D.________ nachträglich zu erfassen. Im Weiteren ist zu vermerken, dass ein Teil dieser Rückforderungen verjährt ist und die damit zusammenhängenden Aufwendungen und allenfalls nicht mehr rückforder- baren Steuern und Abgaben weit über CHF 200'000.00 betragen werden. Dieser «Schaden» ist nicht zuletzt durch die zuständige Behörde auf der Ausgleichskasse Bern verschuldet worden, die auf Grund diverser Perso- nalwechsel das Dossier bzw. die anstehenden Fragen nicht behandelt ha- ben. 5.Hiermit beantrage ich den richterlichen Erlass zur Einsichtnahme sämtli- cher Dokumente in diesem Fall seit Aufnahme der Tätigkeit von D.________ im Jahre 2008. 6.Es ist festzustellen, dass die implizite Annahme der Ausgleichskasse, dass hier eine Umgehung der AHV-Pflicht vorläge, als falsch gilt. Ab dem 01.01. 2017 wird das gewählte Vorgehen von der Ausgleichskasse Bern aus- drücklich genehmigt.» Mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2022 beantragt die AKB, die Be- schwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Mit prozessleitender Verfügung vom 22. August 2022 gab der Instruktions- richter der Beschwerdeführerin die Möglichkeit, nach vorheriger telefoni- scher Anmeldung Einsicht in die Verfahrensakten zu nehmen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 4 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 84 AHVG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid der AKB vom 4. Mai 2022 (act. II 10). Streitig und zu prüfen ist, ob die Nachforderung der Sozialversicherungsbeiträge betreffend das Jahr 2016 von Fr. 13'684.10 an die Beschwerdeführerin für …-Arbeiten von D.________ für die C.________ zu Recht erfolgte. Soweit sich die Anträge und Argumente der Beschwerdeführerin auf ande- re Fragen, namentlich die Folgen einer Nachzahlung in den Bereichen wie Steuern, Mehrwertsteuer, berufliche Vorsorge etc. beziehen, gehören diese nicht zum Streitgegenstand, weshalb diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten ist. 1.3Umstritten ist die Bezahlung von AHV-Beiträgen von Fr. 13'684.10. Der Streitwert liegt daher unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 5 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss eine Rechtsverzögerung gel- tend (Beschwerde S. 9). 2.1In Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen haben die Parteien Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurtei- lung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung [BV; SR 101]). Art. 29 Abs. 1 BV ist verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist erlässt, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (Rechtsverzögerung; BGE 131 V 407 E. 1.1 S. 409; RKUV 2004 U 506 S. 255 E. 3; SVR 2013 UV Nr. 31 S. 109 E. 4). Die Frage, was als vernünftige, vertretbare Behandlungs- und Entschei- dungsfrist anzusehen ist, und aus welchen objektiven Gründen allenfalls eine Verzögerung gerechtfertigt werden kann, beurteilt sich nach den ob- jektiven Umständen des konkreten Falles (BGE 107 Ib 160 E. 3c S. 165). Massgeblich ist namentlich die Art des Verfahrens, die Komplexität der Materie und das Verhalten der Beteiligten (BGE 119 Ib 311 E. 5b S. 325). 2.2Die gegen die Nachzahlungsverfügung vom 19. September 2019 (act. II 4) erhobene Einsprache vom 20. Oktober 2019 (act. II 5) sowie die Ergänzung vom 23. Dezember 2019 (act. II 9) wurden zwar erst mit Ein- spracheentscheid vom 4. Mai 2022, d.h. 2 ½ Jahre später, behandelt; diese Behandlungsdauer ergab sich jedoch aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen vornehmen musste (act. II 16, 17, 18), hatte sie doch den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären (vgl. BGE 117 V 282 E. 4a S. 283). Der Untersuchungsgrundsatz findet zudem sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl. BGE 125 V 193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a S. 158; SVR 2020 KV Nr. 23 S. 111 E. 8.3.2). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 6 Dazu ist festzustellen, dass diverse Nachfragen und Einforderungen von Beweismitteln aufgrund nicht näher belegter und teilweise widersprüchli- cher Angaben der Beschwerdeführerin (vgl. auch E. 5.2 hiernach) notwen- dig waren, wodurch sich die Abklärung des Sachverhalts weiter in die Län- ge zog. Eine Rechtsverzögerung liegt nicht vor. 3. Weiter rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres Akteneinsichts- rechts und damit ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör. 3.1Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV). Das Akteneinsichtsrecht gemäss Art. 47 Abs. 1 lit. a ATSG ist Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV). Es handelt sich um einen verfahrensrechtlich begründeten Anspruch, welcher der versicherten Person, sofern überwiegende Privatinteressen gewahrt bleiben, für die sie betreffenden Daten zusteht und sich grundsätzlich auf alle verfahrensbezo- genen Akten bezieht (BGE 140 V 464 E. 4.1 S. 467). 3.2Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 12) liegt hier keine Verletzung des Akteneinsichtsrechts vor: Am 13. November 2019 erhielt die Beschwerdeführerin die Verfahrensakten in Kopie zuge- stellt (act. II 6), was sie bestätigte (act. II 7). Zu Recht bringt die Beschwer- degegnerin hierzu vor, dass das Akteneinsichtsrecht kein persönliches Ge- spräch voraussetzt (Beschwerdeantwort S. 4). Zur Abklärung des Sachver- halts hatte die Beschwerdegegnerin weitere Akten einzuholen (act. II 16 ff.), dies auch mit Blick auf verschiedene unbelegte Aussagen der Be- schwerdeführerin (beispielsweise «dass D.________ seit dem Jahre 2016 bei der Ausgleichskasse I._____ angemeldet ist»; «Zwischen der A.________ AG und D.________ besteht kein Arbeitsverhältnis, womit auch keine Abrechnungspflicht besteht» [act. II 9/4]; gemäss Schreiben von D.________ vom 8. Dezember 2019 sei umgesetzt worden, «dass die Ho- norarrechnungen über die A.________ AG / E.________ GmbH in Rech- nung gestellt hat» [act. II 22]). Es wäre der Beschwerdeführerin freigestan- den, allenfalls vor Erhebung der Beschwerde die Beschwerdegegnerin nochmals um Akteneinsicht zu ersuchen. Auch von der im vorliegenden Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 7 Beschwerdeverfahren mit prozessleitender Verfügung vom 22. August 2022 gewährten Möglichkeit, nach vorgängiger telefonischer Anmeldung am Gericht Einsicht in die Verfahrensakten zu nehmen, hat die Beschwer- deführerin innert Frist nicht Gebrauch gemacht. 4. 4.1Natürliche Personen mit Wohnsitz in der Schweiz sind obligatorisch nach dem AHVG versichert (Art. 1a Abs. 1 lit. a AHVG). 4.2Die Beiträge der erwerbstätigen Versicherten werden in Prozenten des Einkommens aus unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätig- keit festgesetzt (Art. 4 Abs. 1 AHVG). Zum Erwerbseinkommen gehört – vorbehältlich der Ausnahmen gemäss Abs. 2 – das im In- und Ausland er- zielte Bar- oder Naturaleinkommen aus einer Tätigkeit einschliesslich der Nebenbezüge (Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und Hinterlas- senenversicherung [AHVV; SR 831.101]). 4.3Nach Art. 5 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 AHVG werden vom Einkom- men aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem massgebenden Lohn, Beiträge erhoben. Die Beiträge sind bei jeder Lohnzahlung in Abzug zu bringen und vom Arbeitgeber zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag peri- odisch zu entrichten. 4.4Als massgebender Lohn gilt jedes Entgelt für in unselbstständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Der mass- gebende Lohn umfasst auch Teuerungs- und andere Lohnzulagen, Provisi- onen, Gratifikationen, Naturalleistungen, Ferien- und Feiertagsentschädi- gungen und ähnliche Bezüge, ferner Trinkgelder, soweit diese einen we- sentlichen Bestandteil des Arbeitsentgeltes darstellen (Art. 5 Abs. 2 AHVG). 4.5Werden Beiträge nicht innert fünf Jahren nach Ablauf des Kalender- jahres, für welches sie geschuldet sind, durch Erlass einer Verfügung gel- tend gemacht, so können sie nicht mehr eingefordert oder entrichtet wer- den (Art. 16 Abs. 1 AHVG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 8 5. 5.1Gemäss den Akten erstellt und unbestritten ist, dass D.________, soweit hier von Interesse, nicht als Selbstständigerwerbender bei einer Ausgleichskasse angemeldet war (act. II 1/3, 22). Das vorliegende Verfah- ren betrifft einzig das Beitragsjahr 2016, somit weder die Vorjahre bis 2015 noch die folgenden Jahre ab 2017. 5.2 5.2.1Anlässlich einer Arbeitgeberkontrolle an Ort und Stelle (Art. 68 Abs. 2 AHVG) bei der C.________ stellte der Revisor fest, dass für die von D.________ vorgenommenen …-Arbeiten im Jahr 2016 keine AHV/IV/EO- Beiträge abgerechnet worden seien. Im Ergänzungsbericht vom 13. Febru- ar 2019 legte der Revisor dar, die Honorare von D.________ für das Jahr 2016 seien von der A.________ AG fakturiert worden. Für das Jahr 2017 seien die Honorarzahlungen dann an die E.________ GmbH erfolgt. Gemäss telefonischer Auskunft der Ausgleichskasse I.______ seien bei ihr diesbezüglich bisher keine IK-Einträge für D.________ vorgenommen wor- den (act. II 1). Es ist gestützt auf die Akten erstellt, dass D.________ im hier massgebenden Jahr 2016 …-Arbeiten für die C.________ vornahm (act. II 1, 20, 22). Im Schreiben vom 18. November 2019 zuhanden der Beschwerdegegnerin bestätigte C.________ die Tätigkeit von D.________ (er leiste als … bei Bedarf …-Arbeiten für sie und werde dafür stundenwei- se bezahlt) und gab an, die …-Arbeiten (für das Jahr 2016) seien in den Rechnungen zuhanden der A.________ AG aufgeführt (act. II 20; vgl. auch E-Mail vom 5. August 2019 zuhanden der Beschwerdegegnerin und An- hänge [act. II 14]). D.________ bestätigte – nachdem die Beschwerdegeg- nerin zur Stellungnahme aufgefordert hatte (act. II 6) – mit Schreiben vom 8. Dezember 2019 die Rechnungsstellung durch die Beschwerdeführerin: Er legte dar, er sei davon ausgegangen, dass er die Voraussetzungen als Selbstständigerwerbender nicht erfülle. Schliesslich hätten die A.________ AG / E.________ GmbH die Honorare in Rechnung gestellt (act. II 22). 5.2.2Gemäss Auszug aus dem individuellen Konto von D.________ wur- den für das Jahr 2016 zwar von verschiedenen Arbeitgebern Einkommen deklariert, jedoch handelt es sich um bedeutend tiefere Beträge als das hier Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 9 umstrittene Einkommen von Fr. 94'000.--. Weder die Beschwerdeführerin noch die E.________ GmbH sind im Jahr 2016 als Arbeitgeberinnen aufge- führt. Die im Jahr 2016 über die Ausgleichskasse I.____ mit der F.________ und G.________ abgerechneten Einkommen betreffen niedri- gere Beträge. Auch ist die H.________ gmbh mit Sitz in … (Zweck: … von … sowie …; vollständige Zweckumschreibung gemäss Statuten), deren Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift D.________ ist (vgl. Handelsregisteramt des Kantons I._____) und über welche dieser mit der Ausgleichskasse I._____ die AHV/IV/EO-Beiträge abrechnet (act. II 22/2), erst im August 2018 gegründet worden (Akten der Beschwerdeführe- rin [act. I] 3). Für das Jahr 2016 konnten über die H.________ gmbH somit keine AHV/IV/EO-Beiträge abgerechnet werden. Damit ist das Vorbringen der Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 11 Mitte) und die Aussage von D.________ im Schreiben vom 8. Dezember 2019, im Jahr 2016 sei der Lohn bei der Ausgleichskasse I._____ gemeldet (act. II 22) und abgerech- net worden, nicht zutreffend. Der Einwand der Beschwerdeführerin, die Einnahmen seien an die E.________ GmbH weitergeleitet worden (Beschwerde S. 11), wurde nicht mit entsprechenden Unterlagen nachgewiesen. Auf Nachfrage der Be- schwerdegegnerin reichte die Ausgleichskasse I.______ die Lohndeklarati- onen der Jahre 2017 und 2016 ein, wonach B.________, E.________ GmbH, für das massgebende Jahr 2016 eine Lohnsumme von Fr. 0.-- und für das Jahr 2017 für den Mitarbeitenden D.________ eine Lohnsumme von Fr. 21'000.-- deklarierte (act. II 16). B.________, vorliegend Vertreter der Beschwerdeführerin, bestätigte dabei unterschriftlich, die Lohnmeldung von Fr. 0.-- durch die E.________ GmbH sei korrekt (act. II 16). Gemäss IK-Auszug wurde über diese Unternehmung im Jahr 2016 kein Einkommen abgerechnet (act. II 18). Die von D.________ mit Schreiben vom 8. Dezember 2019 in Aussicht gestellten Verträge mit der A.________ AG und der E.________ GmbH (act. II 22) wurden nicht eingereicht. Vielmehr macht die Beschwerdeführe- rin nun geltend, die Verträge seien ausschliesslich mündlich abgeschlossen worden (Beschwerde S. 9). Die Bezeichnung der Vereinbarungen bzw. (mündlichen) Verträge zwischen der Beschwerdeführerin, C.________ und Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 10 D.________ ist für die vorliegende Frage, ob die Sozialversicherungsbei- träge von der Beschwerdeführerin entrichtet worden seien, indes irrelevant. 5.2.3Die Beschwerdeführerin stellt sich weiter auf den Standpunkt, sie habe D.________ für seine Tätigkeit bei C.________ keinen Lohn ausbe- zahlt, weshalb sie keine Sozialversicherungsbeiträge schulde; die Be- schwerdegegnerin habe den gegenteiligen Nachweis nicht erbracht (vgl. Beschwerde S. 2, 9). Diese Argumentation kann nicht gehört werden. Viel- mehr verstrickte sich die Beschwerdeführerin in Widersprüche und Schutz- behauptungen: Einerseits brachte sie vor, es sei ein Honorar von Fr. 94'000.-- in Rechnung gestellt worden (vgl. Beschwerde S. 9 oben) bzw. die Rechnungsstellung für die Jahre 2016 und 2017 sei durch die A.________ AG und die E.________ GmbH erfolgt (Beschwerde S. 4, 6). Andererseits machte sie geltend, D.________ habe bis heute von der A.________ AG keine Zahlungen erhalten (Beschwerde S. 9 Ziff. 2, 2. Satz; vgl. auch Beschwerde S. 11 Mitte). Dann wieder machte sie geltend, die Einnahmen seien an die E.________ GmbH weitergeleitet worden, um danach auf die Lohndeklaration der genannten Unternehmung für das Jahr 2016 (Fr. 0.--) für D.________ zu verweisen. Dass die Beschwerdeführerin einen Lohn an D.________ für seine Tätigkeit bei C.________ ausbezahlt hat, kann indirekt den Unterlagen entnommen werden (Rechnungsstellung der Beschwerdeführerin an C.________ [act. II 20]). Auch D.________ hielt im Schreiben vom 8. Dezember 2019 fest, «schliesslich hat man die Varia- nte geprüft und umgesetzt, dass die Honorarrechnungen über die A.________ AG / E.________ GmbH in Rechnung gestellt hat» (act. II 22). Die Beschwerdeführerin bestätigte zudem, dass D.________ in den Vorjah- ren für die Tätigkeit bei C.________ ein Lohn ausbezahlt worden sei; die Honorare seien gestützt auf eine mündliche Vereinbarung ausbezahlt wor- den (vgl. Beschwerde S. 10). Auch mit Schreiben der AHV-Zweigstelle … vom 3. Juni 2020 ist erstellt, dass Löhne für die Tätigkeit von D.________ in anderen Jahren ausbezahlt worden sind (act. II 17). Es ist mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass D.________ im Jahr 2016 nicht unentgeltlich tätig war. Anderes wurde von ihm auch nicht gel- tend gemacht (vgl. Schreiben von D.________ vom 8. Dezember 2019 [act. II 22]).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 11 5.2.4Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, der massge- bende Lohn sei nicht korrekt festgelegt worden (vgl. u.a. Beschwerde S. 13). Obwohl die Beschwerdeführerin aufgefordert worden war, Unterlagen zum tatsächlichen Sachverhalt einzureichen, ist sie dem – entgegen der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht, wonach die Versicherten und ihre Arbeit- geber beim Vollzug der Sozialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwir- ken haben (vgl. Art. 28 Abs. 1 ATSG) – nicht nachgekommen. Den tatsäch- lich ausbezahlten Lohn hat sie nicht beziffert und gegenüber der Be- schwerdegegnerin nahm sie für den Arbeitnehmer D.________ keine Lohndeklaration vor. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Be- schwerdegegnerin von einem massgebenden Lohn in der Höhe des in Rechnung gestellten Honorars von Fr. 94'000.-- ausging. 5.3Die Beschwerdegegnerin erhielt am 25. Februar 2018 Kenntnis des Berichts der Arbeitgeberkontrolle bei C.________. Die Nachzahlungsverfü- gung erfolgte am 19. September 2019. Damit ist die Verjährungsfrist von Art. 16 Abs. 1 AHVG eingehalten (vgl. E. 4.5 hiervor). 5.4Nach dem Dargelegten steht fest, dass die Beschwerdeführerin die Sozialversicherungsbeiträge für D.________ für das Jahr 2016 nicht abge- rechnet hat (vgl. E. 2.3 hiervor). Als beitragspflichtige Arbeitgeberin schul- det sie auf dem massgebenden Lohn von Fr. 94'000.-- die Sozialversiche- rungsbeiträge von Fr. 13'684.--, welche mit der Verfügung vom 19. Sep- tember 2019 festgesetzt wurden (act. II 4). Der diese Verfügung bestäti- gende angefochtene Einspracheentscheid vom 4. Mai 2022 ist demnach nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 6. 6.1Das vorliegende Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 61 Ingress ATSG i.V.m. Art. 102 ff. VRPG und Art. 1 des Dekrets vom 24. März 2010 betref- fend die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der Gerichts- behörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret; VKD; BSG 161.12]; vgl. auch BBl 2018 1639). Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 Satz 1 VRPG). Die Behörde setzt Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 12 die Gebühr gestützt auf die gesetzliche Gebührenordnung nach pflicht- gemässem Ermessen fest (Art. 103 Abs. 2 VRPG). Die Gebühren für die Beurteilung von Streitigkeiten durch das Verwaltungsgericht betragen auf dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts Fr. 200.-- bis Fr. 2'500.-- (Art. 4 Abs. 2 i.V.m. Art. 51 lit. e VKD). Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 500.--, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah- lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent- nommen. 6.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Beschwerdeführerin keine Parteienschädigung zuzusprechen (Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - Ausgleichskasse des Kantons Bern, Abteilung Beiträge und Zulagen - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2022, AHV/22/363, Seite 13 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.