B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1531/2016 U r t e i l v o m 5 . J a n u a r 2 0 1 7 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 5. Februar 2016 / N (…). D-1531/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 27. Juli 2014 in die Schweiz und suchte am 29. Juli 2014 um Asyl nach. B. Er wurde am 8. August 2014 zu seiner Person, dem Reiseweg sowie sum- marisch zu den Gründen des Asylgesuchs befragt (Befragung zur Person [BzP]). Eine eingehende Anhörung zu den Fluchtgründen fand am 14. Sep- tember 2015 statt. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen da- mit, dass er der Pfingstgemeinde angehört habe, aus dem Militärdienst de- sertiert sei und Eritrea illegal verlassen habe. C. Mit Verfügung vom 5. Februar 2016 (Eröffnung am 9. Februar 2016) stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft er- fülle, lehnte sein Asylgesuch jedoch ab, ord nete die Wegweisung an und nahm ihn wegen Unzulässigkeit des Vollzugs vorläufig auf. D. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. März 2016 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte die Aufhebung der Dispositivziffern 2 und 3 (Asyl und Wegweisung) der angefochtenen Verfü- gung und die Gewährung von Asyl. In prozessualer Hinsicht wurde um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. E. Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2016 hiess das Bundesverwaltungs- gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. F. Mit Vernehmlassung vom 31. März 2016 äusserte sich die Vorinstanz zur Beschwerdeschrift, worauf der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 7. April 2016 replizierte. D-1531/2016 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formger echt eingereicht. Der Be - schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-1531/2016 Seite 4 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er erit- reischer Staatsbürger sei und aus B._______ (Eritrea) stamme. Seit 1991 habe er zusammen mit seiner Familie in C._______ gelebt. Nach seinem Schulabschluss im Jahre (…) sei er in den Militärdienst eingezogen worden und habe ab dem Jahre 2000 in der (…) gedient. Im Jahre 2006 sei er der Pfingstgemeinde beigetreten. Im (…) 2009 sei er beim Beten zusammen mit weiteren Angehörigen der Pfingstgemeinde festgenommen worden. Wer in Haft seinem Glauben abgeschworen habe, sei freigelassen worden, was er jedoch nicht getan habe. Nach drei Monaten sei er entlassen wor- den, da er an einem Manöver der (…) habe teilnehmen müssen. Danach habe das Thema geruht. Mittlerweile sei er wieder katholischen Glaubens. Nach der Haftentlassung habe er im Militärdienst für sechs Monate ver- schärften Bedingungen unterstanden, indem man ihn beobachtet, eine Ur- laubs- und Ausgangssperre verhängt und sein en Sold gekürzt habe. Am (…) 2010 sei er mit seiner Einheit für eine militärische Zeremonie nach C._______ gegangen, wofür er einen Passierschein erhalten habe, wel- cher vier Wochen gültig gewesen sei. Nach den Feierlichkeiten habe er sich zusammen mit einem Freund zu seiner Schwägerin nach D._______ begeben, während seine Einheit am (…) 2010 nach E._______ zurückge- kehrt sei. Er selbst sei am (…) 2010 nach C._______ zurückgereist, um seine Ausreise vorzubereiten. Am (…) 2010 sei er mit seinem Passier- schein nach F._______ gelangt und habe anschliessend zu Fuss illegal die Grenze nach Äthiopien überquert. Als Beweismittel reichte er eine Identitätskarte, eine Kopie eines Nachwei- ses der Teilnahme am Nationaldienst, ein Diplom des G._______ Training Center in Kopie, eine Kopie eines Zeugnisses der (…) und vier Fotos zu den Akten. 4.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Desertion und der Verfolgung aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinde nicht glaubhaft seien. So habe D-1531/2016 Seite 5 er in der Anhörung ausgeführt, seine Einheit habe sich am (…) 2010, d.h. (…), für eine Zeremonie nach C._______ begeben, wofür er einen Passier- schein erhalten habe. Anschliessend sei er nach D._______ gelangt, von dort am (…) 2010 nach C._______ zurückgekehrt und schliesslich am (…) 2010 nach F._______ gelangt, von wo er die Grenze zu Fuss passiert habe. In der BzP habe er dem widersprechend angegeben, er habe, nach- dem die verschärften Bedingungen, welche ihm nach der Haftentlassung auferlegt worden seien, im (…) 2010 geendet hätten, noch zwei Monate gewartet, bis er um Urlaub ersucht habe. Im (…) 2010 seien ihm zehn Tage Urlaub gewährt worden und er sei in die ser Zeit ausgereist. An anderer Stelle in der BzP habe er angegeben, im (…) 2010 in C._______ gewesen zu sein, da er Urlaub erhalten habe. Von dort habe er die Ausreise begon- nen. Den (…) 2010 habe er hingegen nicht erwähnt. Demgegenüber habe er in der Anhörung ausgeführt, von den verschärften Bedingungen, welche er in der BzP erwähnt habe, nichts zu wissen, und er habe darüber hinaus ausgesagt, ihm sei kein Urlaub gewährt worden. Seine Ausführungen zur Pfingstgemeinde seien unlogisch. Er habe in der Anhörung zu Protokoll gegeben, in Äthiopien an keiner Messe der Pfingst- gemeinde teilgenommen zu haben, weil er sich im Flüchtlingslager aufge- halten habe. Im Sudan habe er wegen Zeitnot seinen Glauben nicht prak- tiziert. Gemäss Anhörung sei er mittlerweile katholischen Glaubens, da er nicht wisse, wo er anknüpfen könnte. Allerdings habe er bereits in der BzP angegeben, Katholik zu sein. Aufgrund des Zeitraumes, welcher zwischen der BzP und der Anhörung gelegen habe, sei davon auszugehen, dass er eine neue Pfingstgemeinde gefunden hätte, wäre er tatsächlich ein aktiver Anhänger dieser Gemeinschaft. Vor dem Hintergrund einer derart grossen Flexibilität in Glaubensfragen und der geltend gemachten schlechten Haft- bedingungen, sei die Aussage, er habe in der Haft seinem G lauben nicht abgeschworen, obwohl dies zu seiner Entlassung geführt hätte, kaum nachvollziehbar. Er habe angegeben, für die Teilnahme an der militärischen Zeremonie ei- nen Passierschein erhalten zu haben. Gleich anschliessend habe er je- doch erläutert, nach C._______ gebracht worden zu sein. Es leuchte ei- nerseits nicht ein, weshalb man ih m einen Passierschein ausstelle, wenn man ihn nach C._______ bringe. Andererseits werfe der Umstand, dass der Passierschein vier Woche gültig gewesen sei, Fragen auf . Der Erklä- rungsversuch, dies sei geschehen, da man nicht gewusst habe, ob er auch am (…) 2010, dem (…), eingesetzt würde, überzeuge nicht, zumal die Aus- stellung von Passierscheinen in der Regel restriktiv gehandhabt werde. D-1531/2016 Seite 6 Des Weiteren habe er geltend gemacht, zwischen dem (…) 2010 und dem (…) 2010 ohne Probleme in C._______ gelebt zu haben. Er habe auch keine Vorkehrungen getroffen, da diejenigen, welche ihn in die Stadt ge- bracht hätten, die Anschrift seiner Wohnung nicht gekannt hätten. Es sei aber davon auszugehen, dass man ihn, wäre er tatsächlich am (…) 2010 desertiert, gesucht hätte, und es wäre ein Leichtes gewesen, ihn zu finden, da er in C._______ gewohnt habe und dort registriert gewesen sei. Die eingereichten Beweismittel würden sich lediglich auf das Absolvieren des Militärdienstes beziehen und seien daher nicht geeignet, eine Deser- tion glaubhaft zu machen. Der Beschwerdeführer habe ferner geltend gemacht, aufgrund der Zuge- hörigkeit zur Pfingstgemeinde inhaftiert worden zu sein. Nach seiner Ent- lassung sei es allerdings zu keinen weiteren Massnahmen gekommen. Mittlerweile sei er katholisch. Somit würden ihm bei einer Rückkehr auf- grund seines Glaubens keine Verfolgungsmassnahmen drohen. 4.3 In der Beschwerde wurde diesen Erwägungen entgegnet, dass der Be- schwerdeführer die Desertion in der BzP unrichtig dargestellt habe. Dies sei dadurch erklärbar, dass er sich damals in einem sehr schlechten seeli- schen Zustand befunden habe, da die Reise durch die Sahara und die Mit- telmeer-Überfahrt schrecklich und traumatisierend gewesen seien. Gegen Ende der BzP habe er die Fragen zu wenig ernst genommen und habe nicht mehr genügend Kraft gehabt, aufwendig zu erklären, wie er habe de- sertieren können. Da ihm gesagt worden sei, er könne sich kurz fassen, da er seine Fluchtgründe anlässlich der Anhörung ausführlich darlegen könne, habe er versucht, seine Aussagen abzukürzen, indem er keine zusätzli- chen Fragen oder Unklarheiten generiere. Demgegenüber habe er in der Anhörung die Desertion ausführlich und glaubhaft dargelegt. Er habe nach seiner Haftentlassung unter verschärften Bedingungen gedient. So habe er keinen Anspruch auf Urlaub gehabt, habe statt 500 Nakfa pro Monat nur noch 300 Nakfa erhalten und habe ständig harte Arbeit und militärische Trainings absolvieren müssen. Es sei aber nicht so, dass sich diese Bedin- gungen stark von denjenigen der andern Soldaten unterschieden hätten. Deshalb sei ihm dies nicht mehr bewusst gewesen, als er die Fragen an der Anhörung beantwortet habe. Er habe in der BzP ausgesagt, er sei K atholik, da seine Eltern Katholiken seien und er – wie dies die meisten Leute tun würden – damit seine offizi- elle Religionszugehörigkeit (seit Geburt und Taufe) angegeben habe. Er D-1531/2016 Seite 7 habe sich in Eritrea im Jahre 2006 Zirkeln angeschlossen, die gemeinsam versteckt gebetet und der Pfingstgemeinde angehört hätten. In E._______ hätten sie ein Gebäude, welches 1990 im Krieg zerstört worden sei, als Treffpunkt genutzt. In H._______ hätten sie sich nachts im Wald getroffen. Der Beschwerdeführer sei von der Redlichkeit und der Disziplin der Pfingst- gemeindler fasziniert gewesen und habe sich ihnen deshalb angeschlos- sen. In den drei Jahren bis zur Verhaftung habe sich ein starkes Zugehö- rigkeitsgefühl zur Gruppe und der gemeinsamen Überzeugung entwickelt, so dass er seinem Glauben im Gefängnis nicht habe abschwören können. In Äthiopien sei ein Besuch von Pfingstgemeinden -Gottesdiensten nicht möglich gewesen, da es im Flüchtlingslager ( I._______) keine gegeben habe respektive diese zu weit entfernt gewesen seien. In J._______ habe er zwei Gottesdienste besucht, unter anderem am wichtigsten Feiertag, Ostern. Davon schwärme er noch heute. Im Südsudan sei es schwierig gewesen, Gottesdienste oder Glaubensbrüder zu finden. Er habe lediglich einzelne Personen, nicht aber Gruppen angetroffen. In der Schweiz habe er sich der Christian Fellowship ( […]) angeschlossen; später der Kirche Vineyard. Das Programm dieser Kirchen sei ähnlich wie dasjenige, wel- ches er von der Pfingstgemeinde kenne. Der Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr aufgrund der illegalen Ausreise und der Desertion inhaf- tiert. Dabei würden die vergangenen Haftstrafen und Probleme und somit auch die Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinde auftauchen, was zu einer zu- sätzlichen Gefährdung führe. Zum Passierschein sei zu erwähnen, dass eritreische Nationaldienstange- hörige stets einen solchen ausgestellt erhalten würden, wenn sie Reisen müssten, sei es urlaubshalber oder aufgrund der Dienstpflicht . Dabei sei eine Gültigkeitsdauer von einem Monat üblich. Es sei somit weder unge- wöhnlich noch unglaubhaft, dass der Beschwerdeführer einen solchen er- halten habe. Er habe auch in C._______ ein Ausweisdokument benötigt; insbesondere für den (…) aufgrund der erhöhten Sicherheitsmassnahmen in d er Stadt. Ohne Passierschein hätten sich die Soldaten nicht frei in C._______ bewegen können. In diesem Punkt verkenne das SEM die erit- reische Realität deutlich. Da der Beschwerdeführer einen Passierschein besessen habe und damit habe rechnen können, dass er erst nach etwa einem Monat zuhause gesucht werde (der Beschwerdeführer kenne die Gepflogenheiten des Militärs sehr gut), sei er das Risiko eingegangen, bis zu seiner Flucht zuhause zu wohnen. Das Risiko sei nicht sehr hoch ge- wesen, denn in der Regel wür den Personen von ihrer Einheit erst nach einer gewissen Wartefrist abgeholt, welche selten unter einem Monat liege. D-1531/2016 Seite 8 Bei einer Razzia oder Personenkontrolle hätte er sich ohne Probleme mit dem Passierschein ausweisen können. Die eingereichten Beweismittel würden mehr beweisen, als das SEM in seinem Entscheid annehme. Denn asylrelevant sei vorliegend die Frage, ob der Beschwerdeführer Soldat gewesen sei und er die Armee und seine Heimat illegal verlassen habe oder nicht. Die eingereichten Dokumente würden deutlich zeigen, dass er als Angehöriger der Armee tätig gewesen sei. Die Beweismittel würden aus den Jahren 1999 bis 2007 stammen. Da kein einziger Fall eines (gesunden) Soldaten bekannt sei, der in den Jahren 2005 bis heute aus der Armee entlassen worden wäre, betrage die Wahr- scheinlichkeit einer regulären Entlassung Null. Aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers bestehe kein Zweifel an seinem Dienst in der eritreischen Armee. Die falschen Angaben in der BzP würden dem SEM aber dazu dienen, die Desert ion als solche anzuzwei- feln. Dass der Beschwerdeführer aus dem Militär entlassen worden wäre, sei jedoch aufgrund der in Eritrea herrschenden Situation ausgeschlossen. Zudem habe er seine Desertion an der Anhörung substanziiert und glaub- haft dargelegt. Der Beschwerdeführer habe sich im militärdienstpflichtigen Alter befunden, als er Eritrea verlassen habe. Schon deshalb spreche eine natürliche Vermutung dafür, dass er militärdienstpflichtig gewesen sei, was vom SEM auch nicht bestritten werde. Seit November 2005 sei die Dienst- pflicht auf unbestimmte Zeit ausgedehnt worden. Selbst demobilisierte Ve- teranen und Reservisten, einige nach 10-jähriger Dienstzeit, seien seit Juni 2005 wieder zum Dienst einberufen worden. Bis heute herrsche eine allge- meine Mobilmachu ng. Lediglich Veteranen der Eritreischen Volksbefrei- ungsfront (EPLF) und Menschen mit Behinderung seien explizit von der Dienstpflicht befreit und der Beschwerdeführer falle nicht unter diese Per- sonengruppen, weshalb er dienstpflichtig sei. Vor diesem Hintergrund habe sich der Beschwerdeführer nur durch Desertion dem Militärdienst entzie- hen können. Ihm sei deshalb in Anwendung der herrschenden Praxis Asyl zu gewähren. 4.4 In seiner Vernehmlassung erwiderte das SEM, dass der Beschwerde- führer mit seiner Bemerkung, die Wahrscheinlichkeit einer Entlassung aus dem Militärdienst sei gleich Null, verkenne, dass Asylsuchende ihre Vor- bringen glaubhaft machen müssten. Davon würden Eritreer trotz der nur eingeschränkten Möglichkeit einer En tlassung aus dem Nationaldienst nicht entbunden, denn es finde auch im eritreischen Kontext keine Umkehr D-1531/2016 Seite 9 der Beweis- respektive Substanziierungslast statt. Wie bereits in der ange- fochtenen Verfügung dargelegt, sei es dem Beschwerdeführer nicht gelun- gen, seine Desertion glaubhaft zu machen. Obwohl davon auszugehen sei, dass er die wahren Umstände seines Verlassens des Militärdienstes ver- heimliche, könne aus der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen noch nicht auf eine reguläre Entlassung geschlossen werden. Genauso wenig reiche es jedoch aus, sich auf die allgemeinen Gegebenheiten im eritreischen Mi- litär zu berufen, ohne die konkreten Umstände des Verlassens des Diens- tes glaubhaft darzutun, um von einer Desertion auszugehen. Folglich sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Desertion glaubhaft zu machen. Bezüglich der Befürchtung, bei einer Rückkehr aufgrund seiner angebli- chen Vergangenheit als Anhänger der Pfingstgemeinde zusätzlich bestraft zu werden, sei darauf hingewiesen, dass er gemäss eigenen Angaben nicht mehr dieser Gemeinde a ngehöre, sondern nun katholischen Glau- bens sei, weshalb er keine Nachteile zu befürchten habe. 4.5 Diesen Ausführungen wurde in der Replik entgegnet, der Beschwerde- führer habe nicht nur dargelegt, dass im eritreischen Kontext keine Mög- lichkeit bestehe, regulär aus der Armee auszuscheiden. Vielmehr habe er auch seine Desertion und seine Flucht glaubhaft dargelegt. Er sei sich be- wusst, dass er in der BzP seine Desertion nicht wahrheitsgemäss geschil- dert habe. Wie bereits in der Beschwerde ausgeführt, habe er im Rahmen der Anhörung jedoch die Desertion glaubhaft dargelegt. Die Argumente des SEM zur angeblichen Unglaubhaftigkeit seien in der Beschwerdeschrift grösstenteils entkräftet worden. Es sei zu betonen, dass Glaubhaftigkeit nicht erst dann vorliege, wenn sämtliche Zweifel an den Vorbringen besei- tigt seien. Vielmehr genüge es, wenn diese als überwiegend wahrsche in- lich erscheinen würden. Dabei müsse im Rahmen einer Gesamtwürdigung eine faire Abwägung erfolgen zwischen den Elementen, welche für und denjenigen welche gegen die Glaubhaftigkeit sprächen. Dies habe die Vo- rinstanz unterlassen. 5. 5.1 Das SEM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abge- lehnt. Wie bereits das SEM bemerkte, sind die Ausführungen des Be- schwerdeführers zu seiner Desertion widersprüchlich ausgefallen, indem er in der BzP erwähnte, er sei anlässlich eines gewährten Urlaubs deser- tiert, während er in der Anhörung angab, anlässlich einer Teilnahme an Fei- erlichkeiten in C._______, wofür ihm ein Passierschein ausgestellt worden D-1531/2016 Seite 10 sei, geflohen zu sein. Hinsichtlich der widersprüchlichen Schilderung der Desertion kann auf die zutreffenden Erwägungen in der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen werden. Die Erklärung in der Beschwerdeschrift, er habe die Desertion in der BzP unzutreffend geschildert, da er müde und traumatisiert gewesen sei, weshalb ihm die Kraft gefehlt habe, detaillierte Schilderungen abzugeben, vermag nicht zu überzeu gen, zumal es den Aussagen in der BzP nicht an Detaillierung fehlt, sondern diese vielmehr schlicht anderen Inhalts als jene in der Anhörung sind. Mit dem Einwand in der Beschwerde, ein reguläres Ausscheiden aus dem Militärdienst sei im Länderkontext nicht vorstellbar, vermag der Beschwer- deführer nicht durchzudringen. Bereits das SEM erwiderte dazu in der Ver- nehmlassung in zutreffender Weise, dass auch in solchen Konstellationen keine Umkehr der Beweislast stattfinde und es somit (weiterhin) dem Be- schwerdeführer obliege die angerufenen Fluchtgründe (hier: Desertion) glaubhaft zu machen. Dies ist dem Beschwerdeführer – wie bereits ausge- führt – aufgrund der gravierenden inhaltlichen Widersprüchlichkeit seiner Vorbringen nicht gelungen. 5.2 Hinsichtlich der geltend gemachten Gefährdung aufgrund der Zugehö- rigkeit zur Pfingstgemeinde ist in Übereinstimmung mit dem SEM zu erwä- gen, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben mittlerweile nicht mehr der Pfingstgemeinde angehöre. Zudem sei es nach seiner Haft- entlassung im Jahre 2009 bis zu seiner Flucht zu keinen staatlichen Ver- folgungshandlungen aus religiösen Gründen gekommen, weshalb nicht an- zunehmen ist, dass im heutigen Zeitpunkt eine diesbezügliche Verfol- gungsgefahr besteht. 5.3 Das SEM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers somit zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-1531/2016 Seite 11 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. Im Sinne einer Klarstellung wird darauf hingewie sen, dass die Dispositiv- ziffern 1 und 4 bis 7 der angefochtenen Verfügung (Flüchtlingseigenschaft und vorläufige Aufnahme) durch den vorliegenden Entscheid unberührt bleiben. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung vom 16. März 2016 jedoch die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-1531/2016 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: