<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 72 S.315</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">315</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>72</b></span> <span class="ft2"><b>Ausschluss eines Anbieters gemäss § 28 SubmD.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Voraussetzungen für einen Durchgriff verneint, da rechtsmiss-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bräuchliche Verwendung der betroffenen AG nicht nachgewiesen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/d).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Bei der Beschäftigung von Schwarzarbeitern ist davon auszugehen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dass sowohl gegen § 3 Abs. 1 lit. a SubmD verstossen wird als auch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Ausschluss- bzw. Widerrufsgrund von § 28 Abs. 1 lit. c SubmD</b></span><br/> <span class="ft2"><b>erfüllt ist (Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 14. Juli 2000 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen S. gegen Verfügung des Gemeinderats Aarburg.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Gemäss § 28 Abs. 1 SubmD schliesst die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft1">Anbietende, die Steuern oder Sozialabgaben nicht bezahlt haben</span><br/> <span class="ft1">(lit. c) oder die sich in einem Konkursverfahren befinden (lit. f), vom</span><br/> <span class="ft1">Verfahren aus oder widerruft den Zuschlag. Der Ausschluss eines</span><br/> <span class="ft1">fehlbaren Anbieters ist zwingend (Protokoll des Grossen Rates [Prot.</span><br/> <span class="ft1">GR] vom 26. November 1996, Art. 1995, S. 622 [Votum Küng]).</span><br/> <span class="ft1">b) Im vorliegenden Verfahren ein Angebot eingereicht und dafür</span><br/> <span class="ft1">den Zuschlag erhalten hat die G. AG. Dabei handelt es sich um eine</span><br/> <span class="ft1">am 24. Dezember 1996 gegründete (Statutendatum) und ins</span><br/> <span class="ft1">Handelsregister eingetragene (Tagebucheintrag) Aktiengesellschaft.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Gründung übernommen wurden die ,,Aktiven und Passiven</span><br/> <span class="ft1">(ohne Immobilien und Hypotheken) der B. AG, gemäss Bilanz per</span><br/> <span class="ft1">30.6.1996 und Vertrag vom 24.12.1996, wonach die Aktiven</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">316</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Fr. '688'618.74 und die Passiven Fr. 1'318'435.85 betragen, zum Preis</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 370'182.89, wofür 100 Namenaktien zu Fr. 1'000.-- ausgege-</span><br/> <span class="ft1">ben und Fr. 270'182.89 als Forderung gutgeschrieben werden" (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Handelsregisterauszug). Einziges Mitglied des Verwaltungsrates ist</span><br/> <span class="ft1">gemäss Handelregisterauszug H.</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Fest steht zunächst, dass sich die Zuschlagsempfängerin</span><br/> <span class="ft1">nicht in einem Konkursverfahren befindet. Dies wird auch vom Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer nicht behauptet, hingegen macht er jedenfalls sinn-</span><br/> <span class="ft1">gemäss geltend, die Zuschlagsempfängerin sei Teil eines Firmen-</span><br/> <span class="ft1">konglomerats, das von H. beherrscht werde, und welchem betrügeri-</span><br/> <span class="ft1">scher Konkurs vorgeworfen werde.</span><br/> <span class="ft1">bb) Aufgrund der Akten ist hierbei im Wesentlichen von der</span><br/> <span class="ft1">folgenden Vorgeschichte auszugehen: Der A. AG waren vier Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftseinheiten angeschlossen, die als Profitcenters geführt wurden.</span><br/> <span class="ft1">Die Profitcenters wurden in einer einzigen Rechnungslegung der A.</span><br/> <span class="ft1">AG geführt. Im Jahr 1996 wurden die vier Geschäftseinheiten in vier</span><br/> <span class="ft1">neugegründete Aktiengesellschaften ausgelagert. Gegründet wurden</span><br/> <span class="ft1">die D. AG, E. AG, F. AG und G. AG. H. ist in allen vier Gesellschaf-</span><br/> <span class="ft1">ten (einziges) Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift. In</span><br/> <span class="ft1">diesen vier Aktiengesellschaften wurde das operative Geschäft zu-</span><br/> <span class="ft1">sammengefasst. In der Folge wurde die A. AG durch Statutenände-</span><br/> <span class="ft1">rung vom 20. November 1996 zur Immobilien- und Holdinggesell-</span><br/> <span class="ft1">schaft unter der neuen Firmenbezeichnung B. AG. Sie war zunächst</span><br/> <span class="ft1">Eigentümerin der neu gegründeten Gesellschaften; diese wurden</span><br/> <span class="ft1">dann auf die C. AG übertragen. Einziger zeichnungsberechtigter</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrat der C. AG war bzw. ist H. Dabei wurde der B. AG</span><br/> <span class="ft1">mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Haftungssubstrat entzogen. Über</span><br/> <span class="ft1">die B. AG wurde Anfang 1998 der Konkurs eröffnet. Das Oberge-</span><br/> <span class="ft1">richt des Kantons Solothurn kam in diesem Zusammenhang zum</span><br/> <span class="ft1">Schluss, durch die Ausgliederung der operativen Gesellschaften und</span><br/> <span class="ft1">die Übertragung dieser Gesellschaften an die C. AG habe eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">mögensminderung zulasten der B. AG stattgefunden; die Rede ist</span><br/> <span class="ft1">auch von betrügerischem Konkurs.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">317</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">cc) Der Regierungsrat des Kantons Solothurn hat vor diesem</span><br/> <span class="ft1">Hintergrund einen der Firma G. AG am 18. August 1998 erteilten</span><br/> <span class="ft1">Zuschlag für Gärtnerarbeiten (Bepflanzung) im Betrag von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 389'329.25 auf Beschwerde hin gestützt auf § 11 des Gesetzes</span><br/> <span class="ft1">über öffentliche Beschaffungen (Submissionsgesetz [SubmG]) vom</span><br/> <span class="ft1">22. September 1996 widerrufen. Begründet wurde der Widerruf,</span><br/> <span class="ft1">damit dass sich die Firma durch Ausgliederung von vier operativen</span><br/> <span class="ft1">Gesellschaften und nachfolgende Übertragung dieser Gesellschaften</span><br/> <span class="ft1">auf eine Aktiengesellschaft ihrer Pflichten nach § 11 lit. c SubmG</span><br/> <span class="ft1">(Bezahlung von Steuern und Sozialabgaben) entzogen und auch § 11</span><br/> <span class="ft1">lit. b SubmG (Erteilen von falschen Auskünften) verletzt habe.</span><br/> <span class="ft1">d) aa) Die G. AG befindet sich - wie schon festgestellt (Erw.</span><br/> <span class="ft1">c/aa hievor) - unbestrittenermassen nicht in einem Konkursverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren. Ein sich direkt bzw. unmittelbar auf § 28 Abs. 1 lit. g SubmD</span><br/> <span class="ft1">stützender Ausschluss vom Verfahren bzw. ein Widerruf des Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlags kommt daher nicht in Betracht. Es stellt sich aber die Frage,</span><br/> <span class="ft1">ob die Tatsache, dass der alleinige Verwaltungsrat der G. AG, H., der</span><br/> <span class="ft1">beim Konkurs der B. AG (vormals A. AG) massgeblich und mögli-</span><br/> <span class="ft1">cherweise sogar in strafrechtlich relevanter Weise beteiligt war, einen</span><br/> <span class="ft1">Ausschluss rechtfertigen könnte. H. kommt im Rahmen des Firmen-</span><br/> <span class="ft1">konglomerats zweifellos die beherrschende Rolle zu. Bei der G. AG,</span><br/> <span class="ft1">der B. AG und H. handelt es sich indessen klarerweise um verschie-</span><br/> <span class="ft1">dene und rechtlich von einander unabhängige Rechtssubjekte. Das</span><br/> <span class="ft1">heisst, die G. AG wird rechtlich grundsätzlich weder durch den Kon-</span><br/> <span class="ft1">kurs der B. AG noch durch damit im Zusammenhang stehende all-</span><br/> <span class="ft1">fällige strafbare Handlungen von H. tangiert. Nur ausnahmsweise -</span><br/> <span class="ft1">als sogenannter Durchgriff - wird die Eigenschaft der Gesellschaft</span><br/> <span class="ft1">als eigenes Rechtssubjekt rechtlich nicht beachtet. Das ist aber nur</span><br/> <span class="ft1">der Fall, wenn die Gesellschaft von einem alleinigen oder beherr-</span><br/> <span class="ft1">schenden Aktionär als Instrument benützt wird, um bestimmte</span><br/> <span class="ft1">Rechtsvorschriften zu umgehen, wenn somit <i>Rechtsmissbrauch</i> oder</span><br/> <span class="ft1">ein Verletzung von <i>Treu und Glauben</i> vorliegt (BGE 113 II 36 mit</span><br/> <span class="ft1">weiteren Hinweisen; Theo Guhl, Das Schweizerische Obligationen-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">318</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">recht, 9. Auflage, bearbeitet von Alfred Koller / Anton K. Schnyder /</span><br/> <span class="ft1">Jean Nicolas Druey, Zürich 2000, § 65 Rz. 18, S. 705; Peter Böckli,</span><br/> <span class="ft1">Schweizer Aktienrecht, 2. Auflage, Zürich 1996, Rz. 1181a f.; Peter</span><br/> <span class="ft1">Forstmoser / Arthur Meier-Hayoz / Peter Nobel, Schweizerisches</span><br/> <span class="ft1">Aktienrecht, Bern 1996, § 62 N 47 ff.). Möglich ist diesfalls nicht</span><br/> <span class="ft1">nur der <i>direkte</i> Durchgriff (Erfassung des Allein- oder Grossaktionärs</span><br/> <span class="ft1">von den Pflichten der Gesellschaft), sondern auch der sogenannte</span><br/> <span class="ft4"><i>umgekehrte</i> (Erfassung der Gesellschaft von den Pflichten des</span><br/> <span class="ft1">Aktionärs) und der <i>Quer-</i>Durchgriff (Erfassung von Gesellschaften,</span><br/> <span class="ft1">die vom selben Aktionär abhängig sind).</span><br/> <span class="ft1">bb) Vorliegendenfalls werden die verschiedenen, rechtlich als</span><br/> <span class="ft1">Aktiengesellschaften verselbständigten Gartenbauunternehmen of-</span><br/> <span class="ft1">fensichtlich durch die C. AG beherrscht, deren Gesellschaftszweck</span><br/> <span class="ft1">u.a. auch ,,Beteiligungen" sind (Erw. c/bb hievor). Insofern liegt ein</span><br/> <span class="ft1">Konzern oder zumindest ein konzernähnliches Gebilde vor (Guhl,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 59 Rz. 40, S. 661). Beim Konzern gilt grundsätzlich die</span><br/> <span class="ft1">formelle Betrachtungsweise, d. h. das Trennungsprinzip; die einzel-</span><br/> <span class="ft1">nen Gesellschaften werden juristisch als separate Einheiten be-</span><br/> <span class="ft1">trachtet. Dies bedeutet nicht, dass die Zugehörigkeit zu einem Kon-</span><br/> <span class="ft1">zern irrelevant wäre. Die Praxis versucht, den wesentlichen Unzu-</span><br/> <span class="ft1">kömmlichkeiten mit dem Durchgriff (vgl. Erw. aa hievor) zu begeg-</span><br/> <span class="ft1">nen. Dabei erfolgt indessen vielfach nicht eine Beschränkung auf</span><br/> <span class="ft1">offensichtlichen Rechtsmissbrauch, sondern es erscheint schon der</span><br/> <span class="ft1">blosse Umstand der engen und dauernden Verbindung als solcher</span><br/> <span class="ft1">geeignet, die Konzerngesellschaften unter bestimmten Aspekten als</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Einheit zu behandeln. Es findet in diesem Sinne je nach</span><br/> <span class="ft1">anzuwendender Norm eine Zurechnung bestimmter Fakten zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">an andere Konzerngesellschaften statt; dabei können einer</span><br/> <span class="ft1">Tochtergesellschaft auch bei der Muttergesellschaft eingetretene</span><br/> <span class="ft1">Umstände zugeordnet werden (Guhl, a.a.O., § 59 Rz. 47 mit Bei-</span><br/> <span class="ft1">spielen aus der bundesgerichtlichen Praxis).</span><br/> <span class="ft1">Diese gesellschaftsrechtlichen Überlegungen liegen offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich auch dem erwähnten Widerrufsentscheid des Regierungsrats</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">319</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">des Kantons Solothurn zugrunde, wenn dort festgestellt wird, durch</span><br/> <span class="ft1">die Ausgliederung von vier operativen Gesellschaften und</span><br/> <span class="ft1">nachfolgende Übertragung dieser Gesellschaften auf eine Aktienge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaft sei gegen § 11 lit. c SubmG verstossen worden, weshalb</span><br/> <span class="ft1">der erteilte Zuschlag an die G. AG, also an eine der vier ausgeglie-</span><br/> <span class="ft1">derten operativen Gesellschaften, zu widerrufen sei (vgl. auch</span><br/> <span class="ft1">Erw. c/cc hievor).</span><br/> <span class="ft1">cc) Im vorliegenden Fall wurde mit der dargestellten Gründung</span><br/> <span class="ft1">der verschiedenen Aktiengesellschaften wahrscheinlich der B. AG in</span><br/> <span class="ft1">rechtlich unzulässiger Weise Vermögenssubstrat entzogen (vgl. Erw.</span><br/> <span class="ft1">c/bb hievor). Indessen lässt sich nicht sagen, die Gründung der G. AG</span><br/> <span class="ft1">sei erwiesenermassen ausschliesslich zu diesem rechtsmiss-</span><br/> <span class="ft1">bräuchlichen Zweck erfolgt. Die 1996 gegründete G. AG betreibt mit</span><br/> <span class="ft1">einer Belegschaft von rund 20 Personen ein Gartenbauunternehmen,</span><br/> <span class="ft1">das unter anderem seit mehreren Jahren auch in der Gemeinde Aar-</span><br/> <span class="ft1">burg ohne Beanstandungen Gärtnerarbeiten ausführt. Zur G. AG in</span><br/> <span class="ft1">Olten gehört auch das Garten-Center H. in A. Gemäss dem Schreiben</span><br/> <span class="ft1">des Verbands Schweizerischer Gärtnermeister VSG an das Hochbau-</span><br/> <span class="ft1">amt des Kantons Solothurn vom 2. Oktober 1998 wird die G. AG</span><br/> <span class="ft1">,,zur Zeit als Vorzeigefirma schuldenlos präsentiert". Es bestehen</span><br/> <span class="ft1">auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die G. AG zivil- oder kon-</span><br/> <span class="ft1">kursrechtlich für die bei der B. AG eingetretene Vermögensvermin-</span><br/> <span class="ft1">derung einstehen müsste. Vor diesem Hintergrund erscheint es trotz</span><br/> <span class="ft1">der offensichtlichen wirtschaftlichen Verflechtungen nicht sachge-</span><br/> <span class="ft1">recht, das Fehlverhalten des H. im Zusammenhang mit dem Konkurs</span><br/> <span class="ft1">der B. AG und damit verbundenen Vermögenstransaktionen auch der</span><br/> <span class="ft1">G. AG als juristisch eigenständiger Gesellschaft anzulasten und sie</span><br/> <span class="ft1">deswegen von allen öffentlichen Vergabeverfahren auszuschliessen.</span><br/> <span class="ft1">Auch wenn die Vergabestelle im vorliegenden Fall somit um das</span><br/> <span class="ft1">Konkursverfahren der B. AG gewusst hat, bestand für sie deswegen</span><br/> <span class="ft1">keine Verpflichtung zum Ausschluss der G. AG von der Vergabe.</span><br/> <span class="ft1">e) Nach Angaben des Gemeinderats Aarburg waren ihm zum</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt des Entscheids über den Zuschlag keine Gründe bekannt,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">320</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die gegen eine Vergabe gegen die G. AG gesprochen hätten. Bei der</span><br/> <span class="ft1">G. AG handelt es sich, wie ausgeführt, um ein Unternehmen, das der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde bereits bekannt war, da es nebst diversen Gräbern von</span><br/> <span class="ft1">privaten Auftraggebern auch die Gemeindegräber (Gräberfonds) auf</span><br/> <span class="ft1">dem Friedhof in Aarburg besorgt. (...) Wenn die Vergabestelle daher</span><br/> <span class="ft4"><i>mangels konkreter Anhaltspunkte</i> keine Veranlassung sah, in Bezug</span><br/> <span class="ft1">auf mögliche Ausschlussgründe nähere Abklärungen zu treffen, lässt</span><br/> <span class="ft1">sich dies nicht beanstanden. Solche Abklärungen wurden auch bei</span><br/> <span class="ft1">den übrigen Anbietern nicht gemacht. Allein die Tatsache, dass über</span><br/> <span class="ft1">die B. AG ein Konkursverfahren eröffnet worden war, stellt jeden-</span><br/> <span class="ft1">falls keinen konkreten Anhaltspunkt dar, der zwingend zusätzliche</span><br/> <span class="ft1">Nachforschungen erfordert hätte. Beim von der Vergabestelle zu</span><br/> <span class="ft1">betreibenden Aufwand zu berücksichtigen ist auch, dass es sich</span><br/> <span class="ft1">umfangmässig um einen verhältnismässig kleinen Auftrag handelt.</span><br/> <span class="ft1">Damit steht fest, dass der Gemeinderat Aarburg jedenfalls <i>zum</i></span><br/> <span class="ft4"><i>Zeitpunkt des Vergabeentscheids</i> keine Veranlassung hatte, die G. AG</span><br/> <span class="ft1">vom Submissionsverfahren auszuschliessen, weshalb sich der Verga-</span><br/> <span class="ft1">beentscheid, namentlich soweit er das Vorliegen eines Ausschluss-</span><br/> <span class="ft1">grundes gemäss § 28 Abs. 1 SubmD verneint, nicht beanstanden</span><br/> <span class="ft1">lässt. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerdeergän-</span><br/> <span class="ft1">zung geltend, bei der Firma G. AG sei eine Kontrolle betreffend</span><br/> <span class="ft1">Schwarzarbeit durchgeführt worden, welche verschiedene nicht ge-</span><br/> <span class="ft1">meldete Arbeitnehmer zu Tage gefördert habe. Dem Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">war auch davon bei seinem Vergabeentscheid nichts bekannt.</span><br/> <span class="ft1">b) Unter dem Begriff ,,Schwarzarbeit" ist im hier relevanten</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang einerseits die illegale Beschäftigung von ausländi-</span><br/> <span class="ft1">schen Arbeitskräften ohne Aufenthaltsbewilligung und anderseits die</span><br/> <span class="ft1">Erzielung von (zusätzlichen) Arbeitseinkommen, auf die weder</span><br/> <span class="ft1">Sozialversicherungen noch Steuern bezahlt werden, zu verstehen.</span><br/> <span class="ft1">Die Vergabestelle vergibt nach § 3 Abs. 1 lit. a SubmD den</span><br/> <span class="ft1">Auftrag nur an Anbietende, welche die am Ort der Leistung mass-</span><br/> <span class="ft1">geblichen Bestimmungen über Arbeitsschutz und Arbeitsbedingun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">321</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen einhalten. Die Vergabestelle ist berechtigt, die Einhaltung dieser</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen zu kontrollieren oder kontrollieren zu lassen. Auf</span><br/> <span class="ft1">Verlangen haben die Anbietenden deren Einhaltung zu bestätigen</span><br/> <span class="ft1">oder nachzuweisen (§ 3 Abs. 2 SubmD).</span><br/> <span class="ft1">Bei der Beschäftigung von Schwarzarbeitern ist davon auszu-</span><br/> <span class="ft1">gehen, dass damit in aller Regel sowohl gegen § 3 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft1">SubmD verstossen wird als insbesondere auch der Ausschluss- bzw.</span><br/> <span class="ft1">Widerrufsgrund von § 28 Abs. 1 lit. c SubmD (Nichtbezahlen von</span><br/> <span class="ft1">Steuern und Sozialabgaben) erfüllt ist. Handelt es sich bei den be-</span><br/> <span class="ft1">schäftigten Personen um Ausländer ohne Aufenthalts- oder Nieder-</span><br/> <span class="ft1">lassungsbewilligung, wird auch den Vorschriften des Bundesgesetzes</span><br/> <span class="ft1">über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) vom</span><br/> <span class="ft1">26. März 1931 zuwidergehandelt (vgl. Art. 3 Abs. 3, Art. 23 Abs. 4</span><br/> <span class="ft1">ANAG). Ist die Beschäftigung von Schwarzarbeitern erwiesen, wird</span><br/> <span class="ft1">ein erteilter Zuschlag in aller Regel allein schon wegen des Nichtbe-</span><br/> <span class="ft1">zahlens der Sozialabgaben gestützt auf § 28 Abs. 1 lit. c SubmD zu</span><br/> <span class="ft1">widerrufen sein. Der Gemeinderat Aarburg ist daher aufgrund des</span><br/> <span class="ft1">Submissionsdekrets verpflichtet, den vom Beschwerdeführer in die-</span><br/> <span class="ft1">sem Zusammenhang gegenüber der G. AG erhobenen Vorwürfen</span><br/> <span class="ft1">(Beschäftigung von Schwarzarbeitern, Aus- bzw. Rückstände bei der</span><br/> <span class="ft1">AHV-Ausgleichskasse) nachzugehen - allerdings nur soweit sie</span><br/> <span class="ft1">konkret die Zuschlagsempfängerin, also die G. AG und das Garten-</span><br/> <span class="ft1">Center, das ebenfalls zur G. AG gehört, betreffen - und zu prüfen, ob</span><br/> <span class="ft1">ein Grund für einen Widerruf gemäss § 28 Abs. 1 SubmD des an die</span><br/> <span class="ft1">G. AG erteilten Zuschlags vorliegt. Gegebenenfalls wäre der Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlag zu widerrufen.</span><br/></div> </div> </body> </html>