<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 50 S.197</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>50</b></span> <span class="ft2"><b>Geltungsdauer von Bauprojekten im Sinne von § 95 BauG.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Fehlen einer ausdrücklichen Bestimmung im Gesetz (Erw. 3/a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Verneinung der Anwendung von § 65 Abs. 1 BauG auf ein kantonales</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Strassenbauprojekt aufgrund der wörtlichen, systematischen und te-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>leologischen Auslegung (Erw. 3/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Geltungsdauer bei Projektänderungen, welche einer erheblichen Pro-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>jektverbesserung oder -optimierung dienen (Erw. 3/c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 18. Mai 2004 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen S. gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Die Geltungsdauer der Baubewilligung und des Vorent-</span><br/> <span class="ft1">scheides beträgt zwei Jahre, gerechnet ab Rechtskraft des Entscheids</span><br/> <span class="ft1">(§ 65 Abs. 1 BauG). Diese Bestimmung steht im Vierten Teil</span><br/> <span class="ft1">(Nutzungs-, Bau- und Schutzvorschriften), Abschnitt F (Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung) des BauG. Für die Bauprojekte, welche im Sechsten Teil</span><br/> <span class="ft1">(Strassen), Abschnitt C (Projektierung und Ausführung) geregelt</span><br/> <span class="ft1">sind, findet sich dagegen keine analoge Bestimmung. Beim Projekt</span><br/> <span class="ft1">der NK 107 handelt es sich nun klarerweise um ein Bauprojekt im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von § 95 BauG; so sprach das Verwaltungsgericht im</span><br/> <span class="ft1">VGE vom 23. November 1994 durchgehend von einem (kantonalen)</span><br/> <span class="ft1">Strassenbauprojekt bzw. einem Ausführungsprojekt im Sinne des</span><br/> <span class="ft1">Dekrets über den Bau, den Unterhalt und die Kostenverteilung bei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">198</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kantonsstrassen vom 20. Oktober 1971 (Kantonsstrassendekret, SAR</span><br/> <span class="ft1">751.120; siehe nebst dem einschlägigen Rubrum AGVE 1995,</span><br/> <span class="ft1">S. 352, 354, 362, 363, 365, 367) und bejahte es seine Zuständigkeit</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf § 95 Abs. 4 Satz 3 BauG (S. 24 des Entscheids). Hieran</span><br/> <span class="ft1">ändert nichts, dass das Ausführungsprojekt der NK 107, obwohl es</span><br/> <span class="ft1">wegen seiner räumlichen Auswirkungen einer vorangehenden Son-</span><br/> <span class="ft1">dernutzungsplanung bedurft hätte, aus intertemporalrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Gründen bloss nach Massgabe von Art. 24 RPG beurteilt wurde</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1995, S. 365 ff.). Damit wird lediglich etwas über die</span><br/> <span class="ft1">materielle Rechtsanwendung ausgesagt, nicht aber über das Verfah-</span><br/> <span class="ft1">ren. Davon zu sprechen, die Genehmigung des Projekts der NK 107</span><br/> <span class="ft1">stelle verfahrensrechtlich eine Baubewilligung gemäss § 59 BauG</span><br/> <span class="ft1">dar, ist nur schon darum absurd, weil Baubewilligungen zwingend</span><br/> <span class="ft1">vom Gemeinderat und nur von diesem erteilt werden (§ 59 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">Satz 1 BauG). Für die Genehmigung von kantonalen Strassenbau-</span><br/> <span class="ft1">projekten ist dagegen wegen ihrer ganz andern, in der Regel die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindegrenzen überschreitenden Dimension der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">zuständig (§ 95 Abs. 4 Satz 1 BauG). Diese Zuständigkeitsordnung</span><br/> <span class="ft1">war auch im vorliegenden Falle massgebend. Im Übrigen irrt der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer, wenn er annimmt, dem Ausführungsprojekt der</span><br/> <span class="ft1">NK 107 sei keine generelle Projektierung vorausgegangen; im</span><br/> <span class="ft1">VGE vom 23. November 1994 sind die einzelnen Verfahrensschritte</span><br/> <span class="ft1">festgehalten (AGVE 1995, S. 354, 362). Es lässt sich in diesem Zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenhang durchaus die Frage stellen, ob ein generelles Stras-</span><br/> <span class="ft1">senbauprojekt, dem - wie im Fall der NK 107 - der Grosse Rat zu-</span><br/> <span class="ft1">gestimmt hat, bzw. ein entsprechendes Ausführungsprojekt nicht</span><br/> <span class="ft1">einem (Sonder-)Nutzungsplan im Sinne der Art. 14 ff. RPG gleichge-</span><br/> <span class="ft1">setzt werden kann (siehe AGVE 1995, S. 369).</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Der Umstand, dass das BauG bezüglich der Geltungs-</span><br/> <span class="ft1">dauer von Bauprojekten keine Regelung enthält, ruft der Frage, ob</span><br/> <span class="ft1">eine durch das Verwaltungsgericht zu schliessende Gesetzeslücke</span><br/> <span class="ft1">vorliegt. Von einer solchen Lücke spricht man, wenn sich eine ge-</span><br/> <span class="ft1">setzliche Regelung als unvollständig erweist, weil sie auf eine be-</span><br/> <span class="ft1">stimmte Frage keine (befriedigende) Antwort gibt. Bevor eine ausfül-</span><br/> <span class="ft1">lungsbedürftige Lücke angenommen werden darf, ist durch Aus-</span><br/> <span class="ft1">legung zu ermitteln, ob das Fehlen einer ausdrücklichen Anordnung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">199</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nicht eine bewusst negative Antwort des Gesetzgebers, ein sog. qua-</span><br/> <span class="ft1">lifiziertes Schweigen, und damit eine Regelung des Problems auf der</span><br/> <span class="ft1">Ebene des Gesetzes darstellt. Nur wenn dies zu verneinen ist, bleibt</span><br/> <span class="ft1">zu prüfen, ob sich mit Hilfe der Auslegungsregeln dem Gesetz eine</span><br/> <span class="ft1">stillschweigende Anordnung entnehmen lässt. Erst nach Verneinung</span><br/> <span class="ft1">dieser Frage kann von einer Lücke gesprochen werden. Herrschende</span><br/> <span class="ft1">Lehre und bundesgerichtliche Rechtsprechung unterscheiden dabei</span><br/> <span class="ft1">echte und unechte Lücken. Während bei einer echten Lücke eine sich</span><br/> <span class="ft1">unvermeidlich stellende Rechtsfrage nicht beantwortet wird und der</span><br/> <span class="ft1">Richter diese unter Rückgriff auf die ratio legis zu schliessen hat,</span><br/> <span class="ft1">liegt bei einer unechten Lücke eine sachlich unbefriedigende Antwort</span><br/> <span class="ft1">vor, deren Korrektur den rechtsanwendenden Organen grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">nicht bzw. nur unter strengen Voraussetzungen erlaubt ist (BGE 125</span><br/> <span class="ft1">V 11 f. mit zahlreichen Hinweisen; ferner Ulrich Häfelin / Georg</span><br/> <span class="ft1">Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 4. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 2002, Rz. 233 ff.; AGVE 1993, S. 376; VGE III/77 vom</span><br/> <span class="ft1">15. September 2003 [BE.2003.00040] in Sachen S., S. 11 f.).</span><br/> <span class="ft1">bb) Der Regierungsrat schliesst aus der langjährigen Praxis des</span><br/> <span class="ft1">Kantons und dem auch in der Auslegung der Gesetzesmaterialien</span><br/> <span class="ft1">durch das Verwaltungsgericht bestätigten Willen, die bisherige Praxis</span><br/> <span class="ft1">unter dem geltenden BauG weiterzuführen, dass ein qualifiziertes</span><br/> <span class="ft1">Schweigen des Gesetzgebers vorliege, d.h. dieser bewusst auf eine</span><br/> <span class="ft1">Beschränkung der Geltungsdauer von Bauprojektsentscheiden ver-</span><br/> <span class="ft1">zichtet habe. Dem allfälligen Einwand, eine "ewige" Geltungsdauer</span><br/> <span class="ft1">solcher Bewilligungen sei rechtlich nicht haltbar, sei entgegenzu-</span><br/> <span class="ft1">halten, dass dem Interesse an der Rechtssicherheit und am Bedürfnis</span><br/> <span class="ft1">der Öffentlichkeit, über die Realisierung eines Strassenbauprojekts</span><br/> <span class="ft1">Klarheit zu besitzen, dadurch genügend Rechnung getragen werde,</span><br/> <span class="ft1">dass Strassenbauprojekte in der Richtplan-Gesamtkarte und in den</span><br/> <span class="ft1">kommunalen Nutzungsplänen eingetragen seien und diese Pläne</span><br/> <span class="ft1">regelmässig überprüft und im Bedarfsfall angepasst würden. Bestün-</span><br/> <span class="ft1">den aufgrund einer wesentlich veränderten Sach- oder Rechtslage</span><br/> <span class="ft1">Zweifel, ob ein Strassenbauprojekt den aktuellen Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">noch genüge, könne es überprüft und allenfalls aktualisiert werden.</span><br/> <span class="ft1">cc) aaa) Die Durchsicht der einschlägigen Materialien zum</span><br/> <span class="ft1">BauG ergibt, dass die Frage der Geltungsdauer von Projektgenehmi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">200</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gungsentscheiden im Gesetzgebungsprozess nie thematisiert worden</span><br/> <span class="ft1">ist. Ohne gesicherte Anhaltspunkte für eine entsprechende Willens-</span><br/> <span class="ft1">bildung der gesetzgebenden Organe erscheint nun aber die vom Re-</span><br/> <span class="ft1">gierungsrat gezogene Schlussfolgerung, man habe die erwähnte</span><br/> <span class="ft1">Frage <i>bewusst</i> im negativen Sinne regeln wollen, problematisch, zu-</span><br/> <span class="ft1">mal sich die "Auslegung der Gesetzesmaterialien durch das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht" bisher stets nur auf die Geltungsdauer von Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungen bezog (siehe AGVE 1997, S. 145 ff.; VGE III/40 vom</span><br/> <span class="ft1">8. April 1999 [BE.1997.00204] in Sachen G. AG, S. 5 f.; III/45 vom</span><br/> <span class="ft1">8. April 1999 [BE.1997.00234] in Sachen K., S. 6 ff.; III/151 vom</span><br/> <span class="ft1">14. Dezember 2000 [BE.1999.00294] in Sachen B., S. 6). Es ist auch</span><br/> <span class="ft1">keineswegs so, dass ein Bauprojekt gemäss § 95 BauG etwa aus</span><br/> <span class="ft1">zwingenden Gründen der Logik nicht an eine bestimmte Frist gebun-</span><br/> <span class="ft1">den werden könnte; der Regierungsrat weist vielmehr selber auf den</span><br/> <span class="ft1">möglichen Einwand hin, eine gewissermassen "ewige" Geltungs-</span><br/> <span class="ft1">dauer der Bewilligung noch nicht realisierter Strassenbauprojekte sei</span><br/> <span class="ft1">rechtlich nicht haltbar. Insgesamt fehlen somit rechtsgenügliche</span><br/> <span class="ft1">Hinweise für ein qualifiziertes Schweigen des Gesetzgebers.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Als nächster Schritt ist zu prüfen, ob die Auslegung von</span><br/> <span class="ft1">§ 65 Abs. 1 BauG den vom Beschwerdeführer befürworteten Analo-</span><br/> <span class="ft1">gieschluss zulässt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist</span><br/> <span class="ft1">eine Norm in erster Linie aus sich selbst heraus, d.h. nach Wortlaut,</span><br/> <span class="ft1">Sinn und Zweck und den ihr zu Grunde liegenden Wertungen, aber</span><br/> <span class="ft1">auch nach der Entstehungsgeschichte auszulegen. Auszugehen ist</span><br/> <span class="ft1">vom Wortlaut, doch kann dieser nicht allein massgebend sein. Be-</span><br/> <span class="ft1">sonders wenn der Text unklar ist oder verschiedene Deutungen zu-</span><br/> <span class="ft1">lässt, muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigung weiterer Auslegungselemente, wie namentlich der</span><br/> <span class="ft1">Entstehungsgeschichte der Norm, ihrem Zweck und ihrem Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit andern Bestimmungen (Bundesgericht, in: ZBl</span><br/> <span class="ft1">102/2001, S. 84, und BGE 125 II 152, je mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1997, S. 336 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Der Wortlaut von § 65 Abs. 1 BauG bezieht sich nur auf die</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung und den Vorentscheid, und in systematischer Hin-</span><br/> <span class="ft1">sicht ist von Bedeutung, dass die Baubewilligung und das Bauprojekt</span><br/> <span class="ft1">in verschiedenen Teilen des BauG geregelt sind (vorne Erw. a). In die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gleiche Richtung weist auch die teleologische Auslegung. Auszuge-</span><br/> <span class="ft1">hen ist dabei von Sinn und Zweck der erwähnten Norm. Die formell</span><br/> <span class="ft1">rechtskräftige Baubewilligung verschafft dem Bauherrn eine Vertrau-</span><br/> <span class="ft1">ensbasis, indem sie die Rechtslage - unter dem alleinigen Vorbehalt</span><br/> <span class="ft1">des Widerrufs (§ 26 Abs. 1 VRPG) - stabilisiert. Auf der andern Seite</span><br/> <span class="ft1">unterliegt das öffentliche Baurecht nicht selten starken Änderungen.</span><br/> <span class="ft1">Aus der Sicht der Öffentlichkeit besteht daher das Bedürfnis, nach</span><br/> <span class="ft1">einer bestimmten Zeit Klarheit darüber zu haben, ob das Bauvorha-</span><br/> <span class="ft1">ben verwirklicht wird oder nicht bzw. ob es wieder frei, d.h. ohne</span><br/> <span class="ft1">Bindung an die engen widerrufsrechtlichen Schranken, beurteilt</span><br/> <span class="ft1">werden darf; es geht im Wesentlichen darum, zu erfahren, ob</span><br/> <span class="ft1">Infrastruktur und Umwelt bewilligungsgemäss beansprucht werden</span><br/> <span class="ft1">oder ob die Kapazität wieder für andere Bauwillige frei wird. Analog</span><br/> <span class="ft1">sind in der Regel die Interessen der Nachbarn gelagert; sie haben</span><br/> <span class="ft1">Anspruch darauf, einmal endgültig zu wissen, was auf den Bau-</span><br/> <span class="ft1">grundstücken tatsächlich geschieht (AGVE 1997, S. 147 mit zahlrei-</span><br/> <span class="ft1">chen Hinweisen). Auf ein öffentliches Strassenbauprojekt lassen sich</span><br/> <span class="ft1">diese Überlegungen nicht tel quel übertragen. Ein wesentlicher</span><br/> <span class="ft1">Unterschied besteht darin, dass die Baubewilligung ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">die bau- und raumplanungsrechtlichen Anforderungen abdeckt und</span><br/> <span class="ft1">die zumindest ebenso wesentliche Randbedingung der Finanzierbar-</span><br/> <span class="ft1">keit des Bauvorhabens vorderhand ungeklärt bleiben kann (die</span><br/> <span class="ft1">Reihenfolge ist hier nirgends vorgeschrieben); so ist durchaus denk-</span><br/> <span class="ft1">bar, dass finanzielle Sachzwänge den Bauherrn an der Erstellung der</span><br/> <span class="ft1">(formell rechtskräftig bewilligten) Baute hindern. Bei einem Stras-</span><br/> <span class="ft1">senbauprojekt gemäss § 95 BauG dagegen beinhaltet der betreffende</span><br/> <span class="ft1">Beschluss des Grossen Rats stets auch den Gesamtkredit (§ 2 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">Satz 2 des Gesetzes über die National- und Kantonsstrassen und ihre</span><br/> <span class="ft1">Finanzierung vom 17. März 1969 [StrG, Fassung vom 5. September</span><br/> <span class="ft1">2000; SAR 751.100]). Die Realisierung des Bauwerks hängt hier nur</span><br/> <span class="ft1">noch vom politischen Willen ab, und dieser ist in aller Regel gege-</span><br/> <span class="ft1">ben. Das Bedürfnis nach einer Befristung des Bewilligungsent-</span><br/> <span class="ft1">scheids ist von da her beim privaten Bauherrn naturgemäss virulen-</span><br/> <span class="ft1">ter. Hinzu kommt, dass eine zweijährige Geltungsdauer bei</span><br/> <span class="ft1">Bauprojekten klarerweise zu knapp wäre. Der Regierungsrat hat</span><br/> <span class="ft1">dargelegt, welche Schritte es bis zur Realisierungsreife in aller Regel</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">braucht, nachdem die regierungsrätlichen Einsprache- und Projekt-</span><br/> <span class="ft1">genehmigungsentscheide vorliegen -</span> <span class="ft1">Landerwerbs- und Enteig-</span><br/> <span class="ft1">nungsverfahren, Detailprojektierung, Submissionsverfahren, ein-</span><br/> <span class="ft1">schliesslich allfälliger Rechtsmittelverfahren -, und welcher unge-</span><br/> <span class="ft1">fähre Zeitbedarf dafür benötigt wird; ein solcher unter vier Jahren ist</span><br/> <span class="ft1">danach im Normalfall kaum realistisch. Zu berücksichtigen ist</span><br/> <span class="ft1">schliesslich, dass auch ein öffentliches Strassenbauprojekt von zeit-</span><br/> <span class="ft1">lichen Schranken nicht frei ist. Diese ergeben sich daraus, dass sich</span><br/> <span class="ft1">das Projekt an den vom Regierungsrat im Rahmen des Regierungs-</span><br/> <span class="ft1">programms zu erstellenden Finanzplan (§ 14 des Gesetzes über den</span><br/> <span class="ft1">Finanzhaushalt des Kantons Aargau vom 3. Juli 1990 [FHG;</span><br/> <span class="ft1">SAR 611.100]) zu halten hat; die Kreditvorlagen haben denn auch</span><br/> <span class="ft1">u.a. einen Vergleich mit der finanzpolitischen Planung (Finanzplan,</span><br/> <span class="ft1">Voranschlag, Budgetrichtlinien) sowie Vorstellungen über den</span><br/> <span class="ft1">zeitlichen Ablauf der Realisierung zu enthalten (§ 30 Abs. 1 lit. b und</span><br/> <span class="ft1">g der Verordnung über den Finanzhaushalt des Kantons Aargau vom</span><br/> <span class="ft1">7. Juli 1993 [FHV; SAR 611.111]). Die zeitgerechte</span><br/> <span class="ft1">Geltendmachung finanzieller Ansprüche und Guthaben wird im</span><br/> <span class="ft1">Übrigen kontrolliert (§ 27 Abs. 4 lit. b FHG). Wurde die zeitgerechte</span><br/> <span class="ft1">Realisierung verpasst und hält der Grosse Rat diese nicht mehr für</span><br/> <span class="ft1">sachgerecht und angezeigt, kann er den Bau grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">verhindern, indem er auf den Kreditbeschluss zurückkommt. Einen</span><br/> <span class="ft1">gewissen Einfluss auf die Abwicklung eines Strassenbauvorhabens</span><br/> <span class="ft1">kann sich die Legislative auch über die kantonale Richtplanung</span><br/> <span class="ft1">verschaffen; so hat der Regierungsrat dem Grossen Rat alle vier</span><br/> <span class="ft1">Jahre über den Stand dieser Planung, insbesondere etwa über</span><br/> <span class="ft1">veränderte Ausgangslagen, Bericht zu erstatten (Ziff. A/3.4.1 des</span><br/> <span class="ft1">Richtplantextes vom 17. Dezember 1996 [Stand 31. März 2001],</span><br/> <span class="ft1">Beschluss 1.1 zur Umsetzung des Richtplans), u.a. auch über die in</span><br/> <span class="ft1">Form der Festsetzung, des Zwischenergebnisses oder der</span><br/> <span class="ft1">Vororientierung in den Richtplan aufgenommenen Kantonsstrassen-</span><br/> <span class="ft1">projekte (Ziff. V/2.2 des Richtplantextes). Ungeachtet dessen, dass</span><br/> <span class="ft1">das Bauprojekt formell nicht befristet ist, bestehen also wirksame po-</span><br/> <span class="ft1">litische Instrumente, um zu verhindern, dass ein Bauprojekt verwirk-</span><br/> <span class="ft1">licht wird, das dem politischen Willen (oder der Rechtslage) nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr entspricht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">203</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ccc) Zusammenfassend ist unter diesem Titel somit festzuhal-</span><br/> <span class="ft1">ten, dass aufgrund der wörtlichen, systematischen und teleologischen</span><br/> <span class="ft1">Auslegung § 65 Abs. 1 BauG auf Strassenbauprojekte des Kantons</span><br/> <span class="ft1">nicht anwendbar ist; eine Regelungslücke besteht nicht. Das</span><br/> <span class="ft1">Begehren des Beschwerdeführers, es sei festzustellen, dass die Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung für die NK 107 verfallen sei und mit dem Bau gestützt</span><br/> <span class="ft1">auf die verwirkte Baubewilligung nicht mehr begonnen werden</span><br/> <span class="ft1">dürfe, erweist sich daher als unbegründet.</span><br/> <span class="ft1">c) Nur am Rande sei noch angemerkt, dass der Projektgeneh-</span><br/> <span class="ft1">migungsentscheid so oder so noch nicht verwirkt sein könnte, selbst</span><br/> <span class="ft1">wenn man der Beurteilung die Geltungsdauer von zwei Jahren für</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungsentscheide zugrunde legen würde. Es ist bereits</span><br/> <span class="ft1">darauf hingewiesen worden, dass der Regierungsrat ein Projektände-</span><br/> <span class="ft1">rungsverfahren durchgeführt hat. In derartigen Fällen drängt sich</span><br/> <span class="ft1">eine einheitliche Geltungsdauer auf, denn mit der Ausführung des</span><br/> <span class="ft1">Projekts wird in aller Regel nicht begonnen werden, bevor feststeht,</span><br/> <span class="ft1">dass keine Projektanpassungen mehr erforderlich sind. Es liegt des-</span><br/> <span class="ft1">halb nahe, als (neuen) Anfangszeitpunkt der Geltungsdauer die for-</span><br/> <span class="ft1">melle Rechtskraft des Projektänderungsentscheids zu betrachten. Ei-</span><br/> <span class="ft1">ner allfälligen Missbrauchsgefahr kann dadurch begegnet werden,</span><br/> <span class="ft1">dass nur solche Projektänderungen als im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft1">Geltungsdauer relevant betrachtet werden, welche eindeutig einer</span><br/> <span class="ft1">nicht unwesentlichen Projektverbesserung und -optimierung dienen.</span><br/> <span class="ft1">Diese Voraussetzungen können hier als erfüllt gelten. Angesichts der</span><br/> <span class="ft1">kontroversen Beurteilung des ursprünglich genehmigten Bauprojekts</span><br/> <span class="ft1">in der Bevölkerung entschloss sich der Regierungsrat, das Projekt der</span><br/> <span class="ft1">NK 107 auf lokale Verbesserungen prüfen zu lassen. Die Neuerungen</span><br/> <span class="ft1">betreffen im Wesentlichen den Verzicht auf die dreispurige Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrsführung im nördlichen offenen Abschnitt, die Tieferlegung der</span><br/> <span class="ft1">Aarebrücke um ca. 0.8 bis ca. 5 m sowie die Umgestaltung der</span><br/> <span class="ft1">Spange beim Anschluss der Bibersteinerstrasse in einen Kreiselkno-</span><br/> <span class="ft1">ten. Zudem wird die Nivellette im Bereich des Staffeleggtunnels um</span><br/> <span class="ft1">bis zu 7 m abgesenkt, was wiederum die Verlegung des Südportals</span><br/> <span class="ft1">um ca. 100 m gegen die Bibersteinerstrasse hin bedingt. Dies sind</span><br/> <span class="ft1">substantielle Verbesserungen, welche es rechtfertigen, die Geltungs-</span><br/> <span class="ft1">dauer beginnend mit der formellen Rechtskraft des Projektände-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">204</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rungsentscheids vom 18. Februar 2003 zu berechnen. Dieser Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid (und damit auch der "Stammentscheid" des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richts vom 23. November 1994) bleibt somit rechtswirksam bis min-</span><br/> <span class="ft1">destens März 2005.</span><br/></div> </div> </body> </html>