A bteilung III C -767/2006 {T 0/2} U rteil vom 10. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichter Vaudan und R ichterin Beutler; G erichtsschreiberin Kaufm ann. F._______ und J._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für A._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie aus dem Kosovo stam m ende serbische Staatsangehörige A._______ (im Folgenden: G esuchstellerin) beantragte am 28. M ärz 2006 beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina ein Visum für einen einm o- natigen Besuchsaufenthalt bei ihrer Schw ester und ihrem Schw ager F._______ und J._______ (im Folgenden: G astgeber bzw . Beschw erde- führer) in Zetzw il (AG ). D ie Schw eizer Vertretung überw ies das G esuch in der Folge der Vorinstanz zum Entscheid. B. In einer Verfügung vom 15. M ai 2006 verw eigerte die Vorinstanz die nach- gesuchte Einreisebew illigung. D ies im W esentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland sow ie der per- sönlichen Verhältnisse der G esuchstellerin nicht als gesichert betrachtet w erden. C . M it R echtsm itteleingaben vom 12. Juni und 4. Juli 2006 gelangten die G astgeber an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ). Sie beantragten im plizit die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung der Einreisebew illigung. Zur Begründung brachten sie sinnge- m äss vor, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise der G esuchstellerin sei nicht gesichert. D iese w olle w irklich nur zu einem Besuchsaufenthalt von drei bis vier W o- chen in die Schw eiz kom m en, und sie w erde nicht länger als geplant hier bleiben. Sie habe zu H ause ein C oiffeurgeschäft. D ie ganze Fam ilie sei im Kosovo gut integriert. Sie (die Beschw erdeführer) seien bereit, bei der G e- m eindebehörde eine finanzielle Sicherheit in Form einer Bürgschaft zu hin- terlegen, um ihre lautere Absicht zu bekräftigen. Sie hätten bereits fünfm al die M utter des Beschw erdeführers bei sich zu Besuch gehabt, und diese sei jew eils w ieder ausgereist. D . Auf entsprechende Aufforderung hin äusserten sich die Beschw erdeführer schriftlich (Eingabe vom 10. August 2006) und telefonisch (G espräch vom 15. August 2006) zu den persönlichen und beruflichen Verhältnissen der G esuchstellerin. Sie lebe zusam m en m it drei Brüdern, einem O nkel und ei- nem C ousin in einem H aushalt. D as C oiffeurgeschäft betreibe sie nicht of- fiziell. Pro Jahr verdiene sie knapp 4'000 Euro. E. D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 31. August 2006 die Abw eisung der Beschw erde. In der Begründung führt sie unter ande- rem an, der U m stand, dass sich die M utter beziehungsw eise Schw ieger- m utter der Beschw erdeführer bereits m ehrm als in der Schw eiz als Besu- cherin aufgehalten habe, verm öge den Entscheid nicht zu ändern, da die beiden Fälle nicht vergleichbar seien. F. D ie Beschw erdeführer verzichteten auf die Einreichung einer R eplik.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw al- tungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as U rteil des Bundesverw altungsgerichts ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D ie Beschw erdeführer sind zur Erhebung dieses R echtsm ittels legitim iert (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 Vw VG ). Auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten 4 (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin bedarf aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass eines Visum s. D ie Vorinstanz verw eigerte die Er- teilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. D ie G esuchstellerin lebt im Kosovo. D ie Sicherheitslage in dieser R egion konnte zw ar im Verlauf der letzten Jahre w eitgehend stabilisiert w erden und der W iederaufbau von Adm inistration und Infrastruktur ist unter Beteili- gung internationaler O rganisationen und Staatengem einschaften in G ang gekom m en. D ie dam it verbundenen H offnungen w urden aber durch eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und einen niedrigen Lebensstandard schon bald m assiv gedäm pft. D er w irtschaftliche Transform ationsprozess entw ickelt sich nur langsam und eine nachhaltige Verbesserung der w irt- schaftlichen und sozialen Situation erw eist sich als schw ierig. D ie w irt- schaftlichen Prognosen sind eher schlecht, w ird doch von Experten für die nächsten Jahre ein R ückgang bei den H ilfsgeldern um bis zu 70% erw ar- tet. In breiten Teilen der Bevölkerung ist bereits jetzt eine gew isse D esillu- sionierung eingetreten. Entsprechend hoch ist nach w ie vor der Anteil de- rer, die sich zur Em igration entschliessen. Laut der "International O rgani- zation for M igration" (IO M ) sollen in einer zu Beginn des Jahres 2003 durchgeführten U m frage über 50% der Befragten angegeben haben, sie w ürden lieber im Ausland leben und arbeiten. U nter den M igrationsw illigen gilt vor allem W esteuropa und dam it auch die Schw eiz als W unschdestina- tion. D er W ille zur Ausw anderung w ird erfahrungsgem äss dort noch be- günstigt, w o - w ie vorliegend - sich bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland etabliert haben und entsprechend ein soziales N etz besteht. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G e- suchstellerin im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durch- aus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m - gekehrt m uss bei G esuchstellern, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem denpolizeilich nicht vor- schriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchs- aufenthalt) hoch eingeschätzt w erden.5 5. 5.1 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine 24-jährige, ledige Frau, die m it drei Brüdern, einem O nkel und einem C ousin in einem gem einsa- m en H aushalt lebt. Besondere Verpflichtungen persönlicher oder fam iliärer N atur sind keine auszum achen. Auch in den beruflichen und dam it den w irtschaftlichen Verhältnissen liegen keine Besonderheiten, die G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise abzugeben verm öchten. D ie Beschw er- deführer m achen zw ar geltend, die G esuchstellerin betätige sich zu H ause als C oiffeuse und verdiene dam it im Jahr ungefähr 4'000 Euro. D ie G e- suchstellerin selbst verm erkte dem gegenüber in ihrem persönlichen Einrei- segesuch, sie gehe keiner Erw erbstätigkeit nach ("out of w ork"). Selbst w enn davon auszugehen ist, dass sie sich als C oiffeuse betätigt, kann da- raus aber noch nicht auf Verhältnisse geschlossen w erden, die verlässlich von einer Em igration abzuhalten verm öchten. 5.2 Vorliegend kom m t hinzu, dass die G esuchstellerin offenbar einen stärke- ren Bezug zur Schw eiz hat, als dies aufgrund der Angaben im Beschw er- deverfahren den Anschein haben könnte. Aus den beigezogenen Akten ei- nes Bruders der G esuchstellerin, der sich seinerseits im Jahre 2006 erfolg- los um eine Einreisebew illigung in die Schw eiz bem üht hat, kann näm lich geschlossen w erden, dass auch die Eltern und ein Bruder der G esuchstel- lerin in der Schw eiz leben. D ieser U m stand w urde von den Beschw erde- führern nicht erw ähnt, obw ohl im Beschw erdeverfahren die Frage nach den nächsten Fam ilienangehörigen und deren Aufenthaltsort klar gestellt w orden w ar (Zw ischenverfügung des EJPD vom 13. Juli 2006). Bei diesen Verhältnissen dürfte die R ückkehrbereitschaft nochm als zu relativieren sein. 5.3 Vor dem aufgezeigten persönlichen und allgem einen H intergrund durfte die Vorinstanz dem nach davon ausgehen, dass keine hinreichende G e- w ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise der G esuch- stellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser R isikoeinschät- zung verm ag auch die Bereitschaft der Beschw erdeführer, eine finanzielle G arantie zu leisten, nichts zu ändern. Als G astgeber könnten sie w ohl für gew isse finanziellen R isiken im Zusam m enhang m it dem Besuchsaufent- halt, aus nahe liegenden G ründen aber nicht für ein bestim m tes Verhalten ihres G astes garantieren. 6. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w erden die unterliegenden Beschw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]).6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden den Beschw erdeführern aufer- legt. Sie sind durch den am 11. August 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 222 794 zurück) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: A. Trom m er D . 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