Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Februar 2016 (720 15 292) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung an die IV-Stelle zu weiteren Sachverhaltsabklärungen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves Thommen, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber i.V. Marcel Czaja Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A1. Der 1955 geborene A.____ war für verschiedene A rbeitgeber tätig, bis er sich im Jahr 1990 mit der Gründung einer eigenen Firma selbständig machte. Ab dem Jahr 1992 absolvierte er erfolgreich die 2-jährige Bibelschule „X.____“. Dafür erfolgte ein Umzug nach Deutschland. Anschliessend war er für verschiedene Missionswerke tätig, zuletzt als Geschäftsführer für das Missionswerk „Y.____“. Im Jahr 2008 kehrte er in di e Schweiz zurück. Im Jahr 2009 kamen psychische Probleme auf, welche negative Auswirkungen auf seine Arbeitsfähigkeit hatten. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A2. Mit Gesuch vom 16. Oktober 2009 meldete sich A.____ b ei der Eidgenössischen Inva- lidenversicherung (IV) unter Hinweis auf eine schwere depressive Episode bei bipolarer Störung zum Leistungsbezug an. Da er der IV-Stelle Basel-Landsch aft mitteilte, dass er wieder voll ar- beitsfähig sei und von seinem Arzt gesundgeschrieben wu rde, wurde das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 12. Mai 2010 abgelehnt. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. A3. Mit Gesuch vom 19. September 2013 meldete sich A.__ __ wiederum mit Hinweis auf eine schwere depressive Episode bei bipolarer Störung er neut zum Leistungsbezug bei der IV- Stelle Basel-Landschaft an. Nach Abklärung des gesundhei tlichen Zustandes sprach ihm die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 17. Dezember 2014 ab d em 1. März 2014 bis zum 31. Juli 2014 eine Dreiviertelsrente und anschliessend eine Viertelsren te zu. Nachdem A.____ gegen diesen Vorbescheid Einwand erhoben hatte, kam die IV-Stelle a uf ihren Entscheid zurück und sprach ihm mit neuem Vorbescheid vom 29. April 2015 ab dem 1. März 2014 bis zum 31. Juli 2014 eine Dreiviertelsrente und anschliessend eine halbe Rente zu. Nach erneuter Einwanderhebung wurde dieser Vorbescheid mit Verfügung vom 4. August 20 15 bestätigt. Mit zwei weiteren Ver- fügungen vom 13. August 2015 entschied die IV-Stelle ü ber die Nachzahlungen für die Perio- den März 2014 bis Juli 2014 sowie August 2014 bis August 2015. B. Gegen diese Verfügungen erhob A.____, vertreten d urch Rechtsanwalt Daniel Alter- matt, am 14. September 2015 Beschwerde beim Kantonsge richt, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es s eien die drei Verfügungen vom 4. August 2015 und 13. August 2015 aufzuheben und dem Beschwerdef ührer mit Wirkung ab 1. März 2014 eine ganze Rente zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. Am 5. Oktober 2015 unterbreitete der Beschwerdeführer dem Kantonsgericht die ergänzende Beschwerdebegründung. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. November 2015 bean tragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bilden Verfügungen der IV-Stelle Basel-La ndschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 14. September 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbe sondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Nach ständiger Rechtsprechung hat das Sozialversicheru ngsgericht die Gesetzmäs- sigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach dem Sachverhalt zu beurteilen, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vorgelegen hat (BGE 130 V 140 E. 2.1, 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Daraus folgt, dass für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde grundsätzlich der (medizinische) Sachverhalt massgebend ist, der am 4. August 2015 beziehungsweise 13. August 2015, dem Zeitpunkt des Erlasses der angefo chtenen Verfügungen der IV-Stelle, vorgelegen hat. 5.2.1 Die IV-Stelle stützte sich in den angefochtenen Verfügungen bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts unter anderem auf die Ergebnisse des von ihr eingeholten Gutach- tens von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, vom 22. Mai 2014. Darin be- schrieb er, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2008 nach der Rückkehr in die Schweiz depres- siv dekompensiert sei. Er diagnostizierte beim Beschwerde führer in seinem Gutachten eine bipolare affektive Störung sowie eine gegenwärtig lei chte bis mittelgradige depressive Episode. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit gelangte der Gutacht er zum Ergebnis, dass unter Berücksich- tigung der aktuellen Untersuchungsbefunde aus psychiatri scher Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40% für die derzeitig ausgeübte Arbeit innerhalb der Mission attestiert wer- den könne. Eine zusätzliche Verminderung der Leistungsfä higkeit bestehe nicht. Die Entwick- lung der Arbeitsfähigkeit seit 2009 sei schwer zu beur teilen. Während der dreiwöchigen Hospi- talisation im März 2009 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden. Danach sei die Ar- beitsfähigkeit stark schwankend verlaufen. Von einer Ver besserung der Arbeitsfähigkeit könne seit März 2014 ausgegangen werden. Dies aufgrund der auch vom Beschwerdeführer selbst empfundenen Verbesserung des psychischen Gesundheitszustande s, welche sich im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung bestätigt habe. 5.2.2 Die IV-Stelle erliess gestützt auf dieses Gutachten den Vorbescheid vom 17. Dezem- ber 2014 und erhielt daraufhin ein Schreiben vom 22. Dezember 2014 des behandelnden Arz- tes der Klinik Z.____, Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Über- schrift „Rekurs“. Darin geht dieser im Unterschied zum Gut achter Dr. B.____ von einem höhe- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren Schweregrad der psychischen Störung aus und attestie rt dem Beschwerdeführer lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit von 20% in der angestammten Tätigkeit. 5.2.3 Zu dieser Eingabe nahm Dr. B.____ mit Schreib en vom 20. Februar 2015 nochmals ausführlich Stellung. Zusammenfasend hielt er darin an seinen bisherigen Ausführungen fest. 5.2.4 Mit Schreiben vom 9. März 2015 reichte der Beschw erdeführer der IV-Stelle einen ärzt- lichen Kurzbericht der Klinik W.____ (Deutschland) ein, in der er vom 7. Januar 2015 bis zum 11. Februar 2015 in stationärer Behandlung war. Darin wird ihm eine erhebliche Einschränkung hinsichtlich der psychischen Belastbarkeit in Form einer ve rminderten Anpassungs- und Um- stellungsfähigkeit, reduzierter Stresstoleranz, reduzierter Ausdauer und Belastbarkeit, geringem Selbstwerterleben, Schlafstörungen und anhaltend be stehenden Konzentrations- und Aufmerk- samkeitsstörungen attestiert. Dies aufgrund einer chronif izierten anhaltenden depressiven Ver- stimmung, die im Rahmen einer bipolaren Erkrankung gese hen werden müsse. Die Leistungs- fähigkeit des Beschwerdeführers wurde dabei auf täglich unter drei Stunden festgesetzt. 5.2.5 In seiner Stellungnahme vom 15. April 2015 äusse rte sich der Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), Dr. med. D.____, FMH Psychiatri e und Psychotherapie, zu der vom Gutachten von Dr. B.____ abweichenden Einschätzung der A rbeitsfähigkeit der Klinik W.____ dahingehend, dass auch durch den Bericht der Klinik W._ ___ die gutachterliche Einschätzung von Dr. B.____ nicht in Frage gestellt werden könne. Im Gutachten werde nachvollziehbar und schlüssig begründet, weshalb beim Beschwerdeführer aktuel l nicht von einer Depression höhe- ren Stärkegrades ausgegangen werden könne. Die Klinik W.____ habe die stark reduzierte Ar- beitsfähigkeit nicht näher begründet, sondern hierfür lediglich auf die durch die Kumulation der Belastungsfaktoren verminderte Leistungsfähigkeit verwi esen. Eigentliche krankheitsgenerie- rende Funktionseinschränkungen würden von der Klinik W. ____ nicht genannt. Die Einschät- zung der Klinik W.____ sei daher nicht nachvollziehbar. Zu Gunsten des Beschwerdeführers führte der RAD-Arzt Dr. D.____ weiter aus, dass bei Vor liegen einer bipolaren Störung mit leicht- bis mittelgradig ausgeprägter depressiven Episod e im Längsschnitt von einer Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit von 50% ausgegangen werden könne. Eine darüber hinausgehende Arbeitsunfähigkeit könne aber unter Berücksichtigung de r gutachterlichen Befunde von Dr. B.____ nicht attestiert werden. 5.2.6 In der Folge erliess die IV-Stelle den Vorbesche id vom 29. April 2015. Nach erneutem Einwand des Beschwerdeführers vom 7. Mai 2015 und erne uter Stellungnahme des RAD vom 13. Juli 2015 erliess die IV-Stelle die angefochtenen Verfügungen vom 4./13. August 2015. 5.3 In seiner Beschwerde vom 14. September 2015 und de r dazugehörigen Begründung vom 5. Oktober 2015 weist der Versicherte darauf hin, da ss sich sein Gesundheitszustand im Zeitraum zwischen der im Mai 2014 erfolgten gutachterli chen Untersuchung durch Dr. B.____ und dem Erlass der angefochtenen Verfügungen vom 4./13. August 2015 in verschiedener Hin- sicht verändert habe. Es könne nicht auf das Gutachten von Dr. B.____ abgestellt werden, weil es spätere wesentliche Entwicklungen nicht mehr berücksichtig e. So habe sich der Beschwer- deführer Anfangs 2015 für rund fünf Wochen in der Kli nik W.____ befunden. Ebenso habe vom Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachter nicht mehr berücksichtigt werden können, dass sich der Beschwerdeführer vom 5. Juli bis 13. Juli 2015 in stationärer Behandlung in der Psychiatrie Baselland befunden hätte. Diese Tatsache hätte auch der RAD-Arzt nicht berücksichtige n können. Deshalb sei auch der RAD-Bericht unvollständig und darum schon allein aus die sem Grund nicht beweiskräftig. Zu- dem gehe Dr. D.____ von der Annahme aus, die Klinik W .____ habe dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von drei Stunden täglich attestiert, was jedoch in keiner Weise der Fall sei. Korrekterweise habe die Klinik W.____ eine Arbeitsfähigkeit von „unter 3 Stunden“ täglich attes- tiert, woraus sich aber keine abschliessende quantitative E inschätzung der Arbeitsfähigkeit ent- nehmen lasse. Vielmehr sei diese Formulierung dem Umsta nd geschuldet, dass das deutsche Recht einen Anspruch auf eine Rente wegen voller Erwe rbsminderung vorsehe, wenn die Er- werbsfähigkeit weniger als drei Stunden pro Tag betr age. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin keine medizinische Grundlage anzuführen vermöge, anhand welcher von einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 40% ausgegangen werden könnte. Insofern müsse für die Beurteilung des Rentenan spruchs ein neues psychiatrisches Gutachten angeordnet werden. 5.4 Die vorstehenden Ausführungen zeigen, dass sich der m assgebende medizinische Sachverhalt im Zeitraum zwischen den am 13. Mai 2014 e rfolgten Untersuchungen, auf denen das Gutachten vom 22. Mai 2014 basiert, und dem Erlass der angefochtenen Verfügungen vom 4./13. August 2015 in anspruchsrelevanter Weise verändert haben könnte. Ob und gegebenen- falls im welchem Ausmass die im genannten Zeitraum einge treten Ereignisse und Krankheits- entwicklungen die (Rest-) Arbeitsfähigkeit der Versichert en zusätzlich beeinträchtigt haben und nach wie vor beeinträchtigen, lässt sich gestützt auf d ie vorhandene medizinischen Aktenlage nicht abschliessend beurteilen. Die Abklärungsergebnisse au s dem Verwaltungsverfahren sind mit anderen Worten nicht ausreichend beweiskräftig, de r relevante medizinische Sachverhalt bedarf vielmehr weiterer Abklärung. Wie der RAD-Arzt D r. D.____ in seinem Bericht vom 15. April 2015 erwähnt, ist der Austrittsbericht der Kl inik W.____ nicht nachvollziehbar und äus- sert sich auch nicht weiter zur Arbeitsfähigkeit. Aus dem B ericht von Dr. D.____ geht nicht her- vor, auf welcher konkreten Grundlage seine von Gutachter Dr. B.____ abweichende Annahme beruht, dass der Beschwerdeführer stets zu 50% in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war. Vielmehr dürfte es sich hier um eine Schätzung handeln . Des Weiteren fällt auf, dass die IV- Stelle die Verfügungen vom 4./13. August 2015 ohne Berücksichtigung des Austrittsberichts der Psychiatrie Baselland vom 15. Juli 2015 erliess, obwohl si e vom stationären Aufenthalt des Be- schwerdeführers Kenntnis hatte. Ebenso ist fraglich, wie d ie IV-Stelle die massgebenden Zeit- räume für die Rentenabstufung ermittelt hat. Aus diese n Ausführungen ergibt sich, dass die IV- Stelle in dieser Angelegenheit ein ergänzendes, respektive ein neues Gutachten zur Würdigung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des B eschwerdeführers unter Berücksichti- gung aller bisherigen ergangenen medizinischen Berichte in Auftrag zu geben haben wird. 6. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer zusätzlichen Abklärun gen wird die IV-Stelle über den Rentenanspruch des Versicherten neu zu befinden haben . Die vorliegende Beschwerde ist so- mit in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochtenen V erfügungen vom 4./13. August 2015 aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückzuweisen ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verf ahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Ve rfahrenskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 13. Januar 2016 für d as vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 12 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellen- den Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. N icht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 67.50. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3 ‘312.90 (12 Stunden à Fr. 250.- + Aus- lagen von Fr. 67.50 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 8.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil K. des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil K. des Bundesge- richts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die drei ange- fochtenen Verfügungen der IV-Stelle Basel-Landschaft vo m 4. August 2015 und 13. August 2015 aufgehoben und die Angeleg enheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum E rlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zur ückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘312.90 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht