<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">438</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>89</b></span> <span class="ft2"><b>Verfahren; Denkmal- und Ortsbildschutz.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Keine Wiederholung des Bewilligungsverfahrens wegen fehlender</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zustimmung des für den Denkmalschutz zuständigen Departements</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zur Errichtung einer Mobilfunkanlage (Erw. 3.2)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das mit der Aufnahme in das Inventar der schützenswerten Ortsbil-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der der Schweiz (ISOS) zum Ausdruck gebrachte erhöhte öffentliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Interesse an einem spezifischen Ortsbild kann im Rahmen der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsanwendung und der anzustellenden Gesamtbetrachtung be-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">439</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>rücksichtigt werden, auch wenn die Gemeinde bezüglich Einhaltung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des ISOS keine speziellen Vorschriften erlassen hat (Erw. 3.3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das ortsbildschützerische Schutzziel deckt sich mit dem Umgebungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schutz des Denkmalschutzes von §§ 31 und 32 KG (Erw. 3.4).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Im konkreten Fall mit mehrfacher Beeinträchtigung: keine Über-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schreitung der Ermessensausübung des Gemeinderats erkennbar</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3.5)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Verschiedene vorgebrachte Vergleichsfälle weisen keine Mehrfach-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>beeinträchtigung auf (Erw. 3.6).</b></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 30. Juni 2010 i.S. X. AG gegen</span><br/> <span class="ft5">den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung für</span><br/> <span class="ft5">Baubewilligungen)/Gemeinderats O. (RRB Nr. 2010-000958)</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Am 26. April 2007 reichte die X. AG, Zürich, dem Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">O. ein Baugesuch für die Errichtung einer Mobilfunkanlage (...) ein.</span><br/> <span class="ft1">An einem rund 23 m hohen Stahlmast sollen 3 UMTS- und 3 Richt-</span><br/> <span class="ft1">funk-Antennen angebracht werden.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Beeinträchtigung des Denkmal- bzw. des Ortsbildschutzes</span><br/> <span class="ft1">3.1</span><br/> <span class="ft1">Die umstrittene Mobilfunkanlage soll auf einem freistehenden</span><br/> <span class="ft1">rund 23 m hohen Antennenmast an der K.strasse 29 erstellt werden.</span><br/> <span class="ft1">An ihm sollen 3 UMTS-Sender sowie 3 Richtfunkantennen installiert</span><br/> <span class="ft1">werden. Der Mast soll zwischen dem zweigeschossigen Gebäude</span><br/> <span class="ft1">Nr. 72 und der SBB-Linie zu stehen kommen. Er überragt das rund</span><br/> <span class="ft1">9 m hohe Gebäude Nr. 72 und die ebenfalls rund 9 m hohe Fahr-</span><br/> <span class="ft1">leitung der SBB um 14 m. Der Mast ist im unteren Bereich rund</span><br/> <span class="ft1">0,8 m dick, ab etwa 9 m Höhe verjüngt er sich auf rund 0,5 m inkl.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">440</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Aufstiegsmöglichkeit; sein Durchmesser ist damit rund zehn Mal</span><br/> <span class="ft1">grösser als die zur Beurteilung sichtbare Profilierungsstange. Die</span><br/> <span class="ft1">runden Richtfunkantennenkästen haben einen Durchmesser von</span><br/> <span class="ft1">0,7 m (...).</span><br/> <span class="ft1">In der Umgebung des vorgesehenen Antennenstandorts befin-</span><br/> <span class="ft1">den sich zwei kantonal unter Schutz gestellte Denkmäler: Einerseits</span><br/> <span class="ft1">die evangelisch-reformierte Pfarrkirche im Dorfzentrum und das</span><br/> <span class="ft1">"W.-Haus" (...) andererseits. Von K. kommend Richtung Dorfzen-</span><br/> <span class="ft1">trum sind eine Zeit lang beide Denkmäler gleichzeitig sichtbar, ab</span><br/> <span class="ft1">Höhe des W.-Hauses an der K.strasse hat man die Pfarrkirche in ge-</span><br/> <span class="ft1">rader Linie mit der Strasse im Blick (...). Gleichzeitig kommt der</span><br/> <span class="ft1">Antennenmast auch in das durch zweistöckige Wohnhäuser geprägte</span><br/> <span class="ft1">Wohngebiet zu stehen, dessen Ortsbild tangiert ist (...).</span><br/> <span class="ft1">3.2</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 40 Abs. 1 BauG sind die Erhaltung, die Pflege und</span><br/> <span class="ft1">die Gestaltung von Landschaften, Gebieten und Objekten des Natur-</span><br/> <span class="ft1">und Heimatschutzes, von Ortsbildern und Aussichtspunkten Sache</span><br/> <span class="ft1">des Kantons und der Gemeinden. Sie treffen insbesondere Massnah-</span><br/> <span class="ft1">men, um Ortsbilder entsprechend ihrer Bedeutung zu bewahren und</span><br/> <span class="ft1">Siedlungen so zu gestalten, dass eine gute Gesamtwirkung entsteht.</span><br/> <span class="ft1">Der nach der Praxis für Antennenanlagen einschlägige § 42 BauG</span><br/> <span class="ft1">konkretisiert diesen Grundsatz, in dem er u.a. festlegt, dass Antennen</span><br/> <span class="ft1">die Landschaften sowie Orts-, Quartier- und Strassenbilder nicht be-</span><br/> <span class="ft1">einträchtigen dürfen.</span><br/> <span class="ft1">Nach § 25 Abs. 1 lit. b des neuen, am 1. Januar 2010 in Kraft</span><br/> <span class="ft1">getretenen Kulturgesetzes vom 31. März 2009 (KG) sorgen Kanton</span><br/> <span class="ft1">und Gemeinden bei der Erteilung von Bewilligungen für die Erhal-</span><br/> <span class="ft1">tung und Pflege der Kulturgüter, wozu gemäss § 23 lit. a KG die</span><br/> <span class="ft1">Baudenkmäler zählen. Diese gemeinsame Verantwortung trugen</span><br/> <span class="ft1">Kanton und Gemeinden schon vor Inkrafttreten des Kulturgesetzes</span><br/> <span class="ft1">(vgl. § 40 Abs. 1 BauG, in der ursprünglichen Fassung: AGS Bd. 14</span><br/> <span class="ft1">S. 323). Das Kulturgesetz hat den Schutz der Kulturdenkmäler denn</span><br/> <span class="ft1">auch nicht verstärkt (...). Vom Kanton unter Schutz gestellte Bau-</span><br/> <span class="ft1">denkmäler dürfen in ihrer Wirkung ohne vorgängige Zustimmung</span><br/> <span class="ft1">des BKS nicht beeinträchtigt werden; dies betrifft insbesondere</span><br/> <span class="ft1">Bauten in der Umgebung des Baudenkmals, die seine Wirkung be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">441</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einträchtigen können (§§ 31 und 32 KG i.V.m. § 1 der Verordnung</span><br/> <span class="ft1">zum Kulturgesetz, VKG, vom 4. November 2009).</span><br/> <span class="ft1">Das vorliegende Bauvorhaben wurde dem BKS nicht vorgängig</span><br/> <span class="ft1">zur Genehmigung unterbreitet. Dieses Genehmigungsverfahren</span><br/> <span class="ft1">braucht aber nicht nachgeholt zu werden, denn es handelt sich auf-</span><br/> <span class="ft1">grund der Distanzen des Bauvorhabens zu den beiden Baudenkmä-</span><br/> <span class="ft1">lern zweifelsfrei auch um einen Grenzfall des Umgebungsschutzes</span><br/> <span class="ft1">(...) und die kantonale Denkmalpflege konnte sich im Laufe des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahrens zur Frage der Beeinträchtigung der beiden</span><br/> <span class="ft1">Denkmäler durch den Antennenmast sowohl schriftlich als auch</span><br/> <span class="ft1">mündlich äussern. Und da beim Umgebungsschutz Denkmalschutz</span><br/> <span class="ft1">und Ortsbildschutz aufeinandertreffen, konnte auch der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen seiner eigenen Verantwortung denkmalschützerische Ar-</span><br/> <span class="ft1">gumente vorbringen.</span><br/> <span class="ft1">Dem Gemeinderat steht bei der Anwendung des kommunalen</span><br/> <span class="ft1">Rechts und von Ästhetikvorschriften, insbesondere von derjenigen in</span><br/> <span class="ft1">§ 42 Abs. 2 BauG ein erheblicher Ermessensspielraum zu; die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde darf den verfassungsrechtlichen Schutz beanspruchen, der ihr</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf die Gemeindeautonomie zusteht (§ 106 Abs. 1 KV). Es</span><br/> <span class="ft1">obliegt in erster Linie den örtlichen Behörden, über den architektoni-</span><br/> <span class="ft1">schen Aspekt zu wachen, weshalb sie diesbezüglich über einen brei-</span><br/> <span class="ft1">ten Ermessensspielraum verfügen. Die Rechtsmittelinstanzen haben</span><br/> <span class="ft1">sich deshalb bei der Überprüfung einschlägiger gemeinderätlicher</span><br/> <span class="ft1">Entscheide zurückzuhalten. Wo eine Regelung unbestimmt ist und</span><br/> <span class="ft1">verschiedene Auslegungsergebnisse rechtlich vertretbar erscheinen,</span><br/> <span class="ft1">sind die kantonalen Rechtsmittelinstanzen gehalten, das Ergebnis der</span><br/> <span class="ft1">gemeinderätlichen Rechtsauslegung zu respektieren und nicht ohne</span><br/> <span class="ft1">Not ihre eigene Rechtsauffassung an die Stelle der gemeinderätlichen</span><br/> <span class="ft1">zu setzen (siehe etwa BGE 115 Ia 118 f. = Pra 78/1989, S. 796 f.;</span><br/> <span class="ft1">vgl. auch AGVE 2008, S. 163 ff., Erw. 3.7). Die Grenze zwischen er-</span><br/> <span class="ft1">laubter Zweckmässigkeitsprüfung und autonomieverletzendem eige-</span><br/> <span class="ft1">nem Ermessensentscheid der Rechtsmittelinstanz ist nicht leicht zu</span><br/> <span class="ft1">ziehen (BGE vom 28. Oktober 2003, 1P.464/2003, Erw. 3.2). Die</span><br/> <span class="ft1">Praxis zieht die Grenze zunächst dort, wo sich eine Auslegung mit</span><br/> <span class="ft1">dem Wortlaut sowie mit Sinn und Zweck des Gesetzes nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">vereinbaren lässt (AGVE 2006, S. 188; 2005, S. 152). Je weiter die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">442</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">öffentlichen Interessen am Ortsbildschutz über den lokalen Bereich</span><br/> <span class="ft1">hinausgehen, desto kleiner wird die Entscheidungsfreiheit der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde. Das Verwaltungsgericht verlangt in jedem Fall eine Gesamt-</span><br/> <span class="ft1">betrachtung, wenn die Umgebung des Denkmals zugleich ortsbild-</span><br/> <span class="ft1">prägend ist und überkommunale Interessen am Denkmal- und Orts-</span><br/> <span class="ft1">bildschutz tangiert sind (AGVE 2008, S. 165 f., Erw. 3.7.3).</span><br/> <span class="ft1">3.3</span><br/> <span class="ft1">Dem Ortsbild der Gemeinde O. wird im Inventar der schützens-</span><br/> <span class="ft1">werten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) "regionale Bedeutung" zuer-</span><br/> <span class="ft1">kannt, d.h. die nach der "nationalen Bedeutung" zweithöchste Klasse</span><br/> <span class="ft1">(...). Dieses Inventar ist jedoch für sich allein nicht grundeigen-</span><br/> <span class="ft1">tümerverbindlich. Für diese ist ausschliesslich die Umsetzung sol-</span><br/> <span class="ft1">cher Inventare in der Nutzungsplanung rechtsverbindlich (vgl. auch</span><br/> <span class="ft1">§ 40 Abs. 1 lit. f BauG; sowie zum Ganzen: Urteil des Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gerichts vom 3. Dezember 2008, WBE.2007.193/MT/sk,</span><br/> <span class="ft1">Art. Nr. 2007-000553, Art. 59, i.S. H. L. und P. L., Erw. II./4.3).</span><br/> <span class="ft1">Nachdem die BNO der Gemeinde O. bezüglich Einhaltung des ISOS</span><br/> <span class="ft1">keine speziellen Vorschriften getroffen hat (...), kommen hinsichtlich</span><br/> <span class="ft1">des Ortsbildschutzes ausschliesslich die genannten Bestimmungen</span><br/> <span class="ft1">des Baugesetzes sowie der BNO zur Anwendung. Dies schliesst eine</span><br/> <span class="ft1">Berücksichtigung des mit der Aufnahme ins ISOS zum Ausdruck ge-</span><br/> <span class="ft1">brachten erhöhten öffentlichen Interesses an einem spezifischen</span><br/> <span class="ft1">Ortsbild im Rahmen der Rechtsanwendung jedoch nicht aus (vgl.</span><br/> <span class="ft1">RRB Nr. ...).</span><br/> <span class="ft1">Am Ortsbild von O. besteht somit ein überkommunales In-</span><br/> <span class="ft1">teresse, so dass eine Gesamtbetrachtung angezeigt ist.</span><br/> <span class="ft1">3.4</span><br/> <span class="ft1">Massgebend für die ästhetische Gesamtbeurteilung sind somit</span><br/> <span class="ft1">auf der einen Seite § 42 BauG bzw. der ähnlich lautende § 38 BNO.</span><br/> <span class="ft1">Einschlägig bei Mobilfunkanlagen ist praxisgemäss insbesondere das</span><br/> <span class="ft1">allgemeine Beeinträchtigungsverbot gemäss Abs. 2, nicht aber das</span><br/> <span class="ft1">Einordnungsgebot gemäss Abs. 1 dieser Bestimmung des Baugeset-</span><br/> <span class="ft1">zes. Das Beeinträchtigungsverbot im Sinne von § 42 Abs. 2 BauG</span><br/> <span class="ft1">verbietet nicht jede Veränderung, die als ungewohnt erscheint. Der</span><br/> <span class="ft1">Gegensatz zum Bestehenden muss erheblich stören, damit sich ein</span><br/> <span class="ft1">Eingriff in die Eigentumsfreiheit rechtfertigt. Für eine Bewilligungs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">443</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">verweigerung aus ästhetischen Gründen muss ein hinreichendes öf-</span><br/> <span class="ft1">fentliches Interesse bestehen und sie muss verhältnismässig sein. Die</span><br/> <span class="ft1">Begriffe "Ortsbild", "Quartierbild" und "Strassenbild" bezeichnen</span><br/> <span class="ft1">den Gesamteindruck, der sich aus dem Zusammenwirken der ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedenen Gebäude unter sich und mit ihrer Umgebung ergibt; die</span><br/> <span class="ft1">räumliche Struktur des Ganzen macht das Bild aus. Dazu gehört, was</span><br/> <span class="ft1">von einem durchschnittlichen Betrachter gleichzeitig überblickt und</span><br/> <span class="ft1">erlebt werden kann; Schutzziel ist dabei die Erhaltung des "Charakte-</span><br/> <span class="ft1">ristischen" und des "Typischen" (vgl. AGVE 1993, S. 383 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen). In dieser Bedeutung deckt sich das ortsbildschützerische</span><br/> <span class="ft1">Schutzziel mit dem Umgebungsschutz des Denkmalschutzes von</span><br/> <span class="ft1">§§ 31 und 32 KG auf der anderen Seite. Umgebungsschutz heisst da-</span><br/> <span class="ft1">nach, das Zusammenwirken von Denkmal und Umgebung zu erhal-</span><br/> <span class="ft1">ten oder zu verbessern. Veränderungen der Umgebung sollen Sub-</span><br/> <span class="ft1">stanz und Eigenart von Denkmal und Umgebung bewahren, allen-</span><br/> <span class="ft1">falls aufwerten, aber keinesfalls beeinträchtigen (vgl. Grundsatzpa-</span><br/> <span class="ft1">pier der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege zum</span><br/> <span class="ft1">Schutz der Umgebung von Denkmälern vom 17. Oktober 2008, S. 2).</span><br/> <span class="ft1">3.5</span><br/> <span class="ft1">O. besitzt explizit das Gesicht eines teppichartigen, tief bebau-</span><br/> <span class="ft1">ten Strassendorfes und mit dem denkmalgeschützten Kirchturm den</span><br/> <span class="ft1">markantesten und für das "äussere Ortsbild" relevantesten Hochbau</span><br/> <span class="ft1">(...). Da die K.strasse als Einfallachse direkt auf den im Dorfkern lie-</span><br/> <span class="ft1">genden Kirchturm zuläuft, befindet er sich immer in der Bildmitte</span><br/> <span class="ft1">(...). An dieser zentralen Position des Turms vermag auch die beste-</span><br/> <span class="ft1">hende, im Wesentlichen links der Strasse befindliche Strassenbe-</span><br/> <span class="ft1">leuchtung nichts zu ändern. Durch die relativ wuchtig erscheinende</span><br/> <span class="ft1">Antennenanlage (...) wird die fluchtpunktartige Wirkung des Kirch-</span><br/> <span class="ft1">turms nach den Ausführungen des kantonalen Denkmalpflegers</span><br/> <span class="ft1">"konkurrenziert" und das Sichtbild mit dem dominierenden Turm-</span><br/> <span class="ft1">helm empfindlich gestört (...). Gleichzeitig überragt die Antennen-</span><br/> <span class="ft1">anlage die rund 10 m hohen Bauten in ihrer unmittelbaren Umge-</span><br/> <span class="ft1">bung um mehr als 10 m und durchbricht damit das ISOS relevante</span><br/> <span class="ft1">Bild des tiefbebauten Orts. Hinzu kommt die befürchtete Beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigung der Wirkung des ebenfalls denkmalgeschützten W.-Hau-</span><br/> <span class="ft1">ses, das durch die geplante, vom Kanton unterstützte Umnutzung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">444</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bestehenden Industriebrache auf dem W.-Areal sogar eine Aufwer-</span><br/> <span class="ft1">tung erfahren dürfte und als Träger der spezifischen Identität des</span><br/> <span class="ft1">Areals bezeichnet wird (...). Für sich allein betrachtet wäre diese Be-</span><br/> <span class="ft1">einträchtigung des W.-Hauses wohl nicht ausreichend für eine ableh-</span><br/> <span class="ft1">nende Haltung gewesen - die kantonale Denkmalpflege geht von</span><br/> <span class="ft1">einem Grenzfall aus (...) -, doch hat der Gemeinderat seinen Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid auch nicht mit dieser Beeinträchtigung allein begründet.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem unter Ziffer 3.2 Ausgeführten und unter Zugrundele-</span><br/> <span class="ft1">gung der gegenüber dem kommunalen Entscheid geforderten Zu-</span><br/> <span class="ft1">rückhaltung vermag der Regierungsrat bei dieser kommunalen Be-</span><br/> <span class="ft1">urteilung, welche auch durch die kantonale Denkmalpflege bestätigt</span><br/> <span class="ft1">und explizit begrüsst wird (...), keine Ermessensüberschreitung des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderats bei der Beurteilung der ästhetischen Einordnung der</span><br/> <span class="ft1">Mobilfunkantenne zu erkennen. Die optische Konkurrenzierung des</span><br/> <span class="ft1">denkmalgeschützten Kirchturms, die zusätzliche Beeinträchtigung</span><br/> <span class="ft1">des W.-Hauses sowie die im Vergleich zum umliegenden Wohngebiet</span><br/> <span class="ft1">relativ grosse Höhe der vorliegenden Antennenanlage sind zusam-</span><br/> <span class="ft1">men betrachtet ohne Weiteres vertretbare Gründe, die ihre Ablehnung</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigen.</span><br/> <span class="ft1">3.6</span><br/> <span class="ft1">An dieser Beurteilung mögen auch die von der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin vorgebrachten Vergleichsfälle bzw. bestehenden Beeinträch-</span><br/> <span class="ft1">tigungen nichts zu ändern. Sie unterscheiden sich von der vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Antenneanlage und ihrer Lage erheblich:</span><br/> <span class="ft1">Der Kamin westlich des W.-Hauses beeinträchtigt, wie die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin zurecht ausführt (...), zwar dieses Denkmal, aber</span><br/> <span class="ft1">eben nur dieses allein; insbesondere die Kirche und das hier betrof-</span><br/> <span class="ft1">fene Ortsbild, das hier durch die alten Fabrikgebäude geprägt ist,</span><br/> <span class="ft1">werden durch ihn nicht beeinträchtigt. Etwas Ähnliches gilt für die</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls sichtbare Fernsehantenne auf dem Gelände der Firma H..</span><br/> <span class="ft1">Sie ist viel schlanker als der vorliegende, freistehende Antennenmast,</span><br/> <span class="ft1">steht auf einem Gebäude in der Industriezone und stellt schliesslich</span><br/> <span class="ft1">keine Beeinträchtigung der Umgebung des W.-Hauses dar (...). Eben-</span><br/> <span class="ft1">falls nicht zu vergleichen sind die klein wirkenden Antennen auf dem</span><br/> <span class="ft1">A.-Gebäude. Diese befinden sich unbestrittenermassen in der</span><br/> <span class="ft1">Industriezone auf einem 26 m hohen Gebäude (...) und beeinträchti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">445</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen dort weder das Ortsbild noch das W.-Haus. Keine Mehrfachbe-</span><br/> <span class="ft1">einträchtigung geht des Weiteren von der Antennenanlage der</span><br/> <span class="ft1">Swisscom an der G.-strasse aus. Die Antennenanlage beeinträchtigt</span><br/> <span class="ft1">zwar die Kirche, sie überragt ihr Standortgebäude indessen nur um</span><br/> <span class="ft1">8 Meter und wirkt mit ihrem kaum 0,2 m dicken Mast wesentlich</span><br/> <span class="ft1">schlanker als die vorliegend zu beurteilende Antennenanlage (...).</span><br/> <span class="ft1">Was schliesslich die von der Beschwerdeführerin an verschie-</span><br/> <span class="ft1">denen Stellen erwähnten dünnen Kandelaber der Strassenbeleuch-</span><br/> <span class="ft1">tung an der K.strasse angeht, bleibt festzuhalten, dass sie mit ihrer</span><br/> <span class="ft1">Sicherheitsfunktion einerseits wichtigen öffentlichen Interessen die-</span><br/> <span class="ft1">nen. Andererseits konkurrenzieren sie im Gegensatz zur geplanten</span><br/> <span class="ft1">Antennenanlage mit ihrer links entlang der K.strasse gewählten Auf-</span><br/> <span class="ft1">stellung insbesondere die Wirkung des Kirchturms nicht. Vielmehr</span><br/> <span class="ft1">leiten sie den Blick sogar direkt auf das Denkmal hin (...). Selbst</span><br/> <span class="ft1">wenn die Kandelaber als Beeinträchtigung zu beurteilen wären, dürf-</span><br/> <span class="ft1">ten sie keine Rechtfertigung zu einer neuen, zusätzlichen Beeinträch-</span><br/> <span class="ft1">tigung der zu schützenden Objekte durch ein anderes Objekt abge-</span><br/> <span class="ft1">ben. Andernfalls müsste der Umgebungsschutz gänzlich aufgegeben</span><br/> <span class="ft1">werden.</span><br/> <span class="ft1">4. Fazit</span><br/> <span class="ft1">Da der Gemeinderat O. nach dem Gesagten das Baugesuch zu</span><br/> <span class="ft1">Recht abgewiesen hat, ist die dagegen gerichtete Beschwerde abzu-</span><br/> <span class="ft1">weisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>