Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Februar 2012 (725 11 375 / 32) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Weiterführende Heilbehandlung nach Erreichen des gesundeitlichen Endzustands Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Micha el Guex, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Heiner Schärrer, Advokat, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel gegen CONCORDIA Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG , Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1968 geborene A.____ ist als Mitarbeiterin der B.____ bei der Concordia Schweize- rische Kranken- und Unfallversicherung AG (Concordia) obligatorisch für Betriebs- und Nichtbe- triebsunfälle versichert. Am 8. März 2006 erlitt die Ver sicherte beim Skifahren einen Unfall und zog sich dabei am linken Knie eine Ruptur des vorderen Kr euzbands zu. Nach einer operativen Kreuzbandersatzplastik war sie zunächst bis 19. März 2006 vollständig und vom 20. März 2006 bis 14. Juni 2006 zu 50% arbeitsunfähig. Seit 1. Sept ember 2008 besteht wieder eine volle Ar- beitsfähigkeit. B. Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse stel lte die Concordia mit Verfügung vom 23. März 2011 die Versicherungsleistungen per 31. Dez ember 2010 mit der Begründung Seite 2 ein, dass von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlu ng in Form von medizinischen und the- rapeutischen Massnahmen keine namhafte Verbesserung des G esundheitszustandes mehr zu erwarten sei. Eine am 18. April 2011 hiergegen erhob ene Einsprache der Versicherten wies die Concordia mit Entscheid vom 20. September 2011 ab, s oweit darauf eingetreten wurde. Zur Begründung hielt sie zusammenfassend fest, dass die der E rhaltung des Gesundheitszustan- des dienenden Massnahmen gemäss vertrauensärztlicher Beur teilung nicht zu Lasten der Un- fallversicherung gehen würden. Daran ändere auch nichts, dass die Versicherte nicht persönlich durch den Vertrauensarzt untersucht worden sei. Auf den Antrag der Versicherten auf Ausrich- tung einer Integritätsentschädigung trat die Concordi a mit der Begründung nicht ein, dass sie nur für die Beurteilung des Anspruchs auf kurzfristige Leistungen zuständig sei. Für die Prüfung von Langzeitleistungen sei die C.____ AG AG zuständig. C. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch A dvokat Dr. Heinrich Schärrer, am 17. Oktober 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte, in Aufheb ung des Einspracheentscheides vom 20. September 2011 sei die Beschwerdegegnerin zu verpfli chten, ihr Heilbehandlungen im Sin- ne von Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG zur Erhaltung der Er werbsfähigkeit sowie eine Integritätsent- schädigung auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenhe it zur ergänzenden Abklärung der medizinischen Verhältnisse an die Concordia zurückzuweisen. Zur Begründung liess sie zu- sammenfassend geltend machen, dass das fragliche Fitnesst raining gemäss Beurteilung des Hausarztes zum Erhalt der bestehenden Arbeitsfähigkeit notwendig sei. Zudem sei sie in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, weshalb ein Anspruch auf In tegritätsentschädigung zu prüfen sei. Aus einem allfälligen Zusammenarbeitsvertrag der Conco rdia mit der C.____ AG dürfe ihr kein Nachteil erwachsen. D. Die Concordia schloss mit Vernehmlassung vom 13. Dezemb er 2011 auf Abweisung der Beschwerde. Für eine Leistungspflicht für den status quo erhaltender Heilbehandlungen über den Renten ausschliessenden Fallabschluss hinaus bestehe gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG kein Raum. Hinsichtlich der Integritätsentschädigung sei die Beschwerdegegnerin von Geset- zes wegen nicht zu deren Ausrichtung befugt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Münchenstein, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des G esetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurtei lt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanton s Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist somit auch sachlich zur Be- Seite 3 handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten ist demnach einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Pflegeleistungen sind solange zu erbringen, als davon ei ne namhafte Besserung des Gesund- heitszustandes erwartet werden kann (vgl. Art. 19 Abs. 1 erster und zweiter Satz UVG e contra- rio). Erachtet der Unfallversicherer diese Voraussetzung nicht mehr als gegeben oder hält er eine laufende oder wieder beantragte Behandlung für unzweckmässig, kann er deren Fortset- zung gestützt auf Art. 48 Abs. 1 UVG ablehnen (vgl. BGE 128 V 171 E. 1b). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeit sunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Art. 18 Abs. 1 UVG gewä hrt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalle s zu mindestens 10% invalid ist. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauer nde ganze oder teilweise Erwerbsunfä- higkeit (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG). 2.2 Kann von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des unfallbedingt beeinträchtigten Gesundheitszustandes mehr erwartet werden und laufen auch keine Eingliederungsmassnahmen der IV mehr, hat der Ve rsicherer den Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen abzuschliessen und den An spruch auf eine Invalidenrente sowie auf eine Integritätsentschädigung zu prüfen (vgl. BGE 137 V 201 f. E. 2.1, 134 V 114 E. 4.1). Nahtlos an diese Regelung schliesst sich Art. 21 Abs. 1 UVG an. Danach soll eine Heil- behandlung - wie auch die in den Art. 11 bis 13 UVG vorgesehenen Kostenvergütungen - nach Festsetzung der Rente durch den Unfallversicherer nur unt er besonderen Voraussetzungen gewährt werden, so bei Berufskrankheit (lit. a), bei Rü ckfall oder Spätfolgen zur wesentlichen Besserung oder Bewahrung vor wesentlicher Beeinträchtig ung der Erwerbsfähigkeit (lit. b), zur Erhaltung der verbleibenden Erwerbsfähigkeit (lit. c) und zur wesentlichen Verbesserung oder zur Bewahrung vor wesentlicher Beeinträchtigung des Ge sundheitszustandes im Falle der Er- werbsunfähigkeit (lit. d). Im dazwischen liegenden Bere ich, nämlich wenn einerseits von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG mehr erwartet werden kann und anderseits die Vorau ssetzungen von Art. 21 Abs. 1 UVG nicht erfüllt sind, hat der Unfallversicherer keine Heil behandlung mehr zu übernehmen. An sei- ne Stelle tritt alsdann der obligatorische Krankenpfleg eversicherer (vgl. BGE 134 V 114 f. E. 4.2). 2.3 Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheit szustandes der versicherten Per- son zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht näher. Das B undesgericht hat in BGE 134 V 109 ff. hierzu festgehalten, dies bestimme si ch mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerb stätigen Personen ausgerichtet sei, namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der unfall- bedingt beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit. Dabei ver deutliche die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch weiter e Heilbehandlung zu erwartende Bes- serung ins Gewicht fallen müsse. Unbedeutende Verbesser ungen würden nicht genügen (vgl. BGE 134 V 115 E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). Nun gilt es allerdings zu beachten, dass Seite 4 diese Rechtsprechung auf Fälle zugeschnitten ist, in den en das Unfallereignis zu einer länger andauernden ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigke it der versicherten Person geführt hat. Sie lässt sich deshalb nicht unbesehen auf sog. Bagat ellunfälle, bei denen von Anfang an gar keine Arbeitsunfähigkeit bestanden hat, oder auf Unfäl le, bei denen trotz anhaltender unfallbe- dingter Gesundheitsbeeinträchtigungen bereits nach kurz er Zeit wieder eine volle Arbeitsfähig- keit besteht, übertragen. In diesen Fällen kann dem Aspe kt der Arbeitsfähigkeit für die Beurtei- lung der Frage, wann der Versicherer den Fall abschliess en darf, keine Bedeutung zukommen, ansonsten der Unfallversicherer den Fallabschluss sofort o der nach sehr kurzer Zeit herbeifüh- ren könnte und so trotz anhaltender unfallbedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen keine Be- handlungskosten (mehr) übernehmen müsste. Der Zeitpunkt des Fallabschlusses muss in jenen Fällen deshalb ausschliesslich nach Massgabe der noch zu e rwartenden Besserung der unfall- bedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen bestimmt wer den und es ist anhand der medizini- schen Akten zu prüfen, ob noch von einer namhaften Pro gredienz des Heilungsprozesses aus- gegangen werden kann oder ob ein stabilisierter Gesundh eitszustand vorliegt, der nicht mehr namhaft verbessert werden kann. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe der Ä rztin bzw. des Arztes ist es, den Ge- sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehm en, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsun fähig ist (vgl. BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4. Die Concordia stützte sich bei der Beurteilung des me dizinischen Endzustands auf den Bericht von Dr. D.____, FMH Allgemeine Medizin, vom 18 . Dezember 2010, wonach der End- zustand erreicht und der Unfallabschluss zu prüfen sei. Di ese Beurteilung deckt sich mit der Seite 5 vertrauensärztlichen Beurteilung von Dr. E.____ vom 23. Dezember 2010, der zufolge keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr erreich t werden könne und auch kei- ne Optimierung der Beweglichkeit mehr möglich sei. Die Beweglichkeit und der Muskelaufbau würden vielmehr stagnieren. Der medizinische Endzustand sei daher erreicht. Zumal die Versi- cherte bereits im Januar 2009 beschwerdefrei war (vgl. B ericht des F.____ vom 20. Januar 2009), erhellt, dass mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen) ab Ende Dezember 2010 von einer weiteren Behandlung de r Unfallfolgen keine namhafte Besse- rung des Gesundheitszustands mehr erwartet werden konnt e. Aufgrund der Tatsache, dass die Versicherte ihre Arbeit im September 2008 wieder vollu mfänglich aufgenommen und seither keine Arbeitsunfähigkeit mehr zu verzeichnen hatte (vgl. Arztbericht von Dr. D.____ vom 18. Dezember 2010, ad Ziffer 2), steht zudem fest, dass derzeit keine unfallbedingte Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit resultiert. Ein allfälliger Rentenanspruch ist somit ausgeschlossen (vgl. Art. 18 Abs. 1 UVG). Zwischen den Parteien deshal b zu Recht nicht mehr bestritten ist, dass der gesundheitliche Endzustand erreicht ist und d ie Versicherte keinen Renten begrün- denden Invaliditätsgrad aufweist (vgl. oben, Erwägung 2.2 f.). 5. Zur Diskussion steht hingegen, ob sich ein Anspruch auf eine weiterführende Heilbe- handlung auf Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG stützen kann, da die Beschwerdeführerin unzweifelhaft weder an einer Berufskrankheit (lit. a) oder an einem Rückfall beziehungsweise an Spätfolgen (lit. b) leidet, noch vollständig erwerbsunfähig ist (lit. d). 5.1 Nach Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG werden nach Festsetzun g der Invalidenrente Pflegeleis- tungen und Kostenvergütungen für Heilbehandlung, Hil fsmittel, Sachschäden und Reise-, Transport- sowie Rettungskosten gewährt, wenn die Renten bezügerin zur Erhaltung ihrer verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der Behandlun g und Pflege bedarf. Nach dem Wort- laut setzt diese Regelung einen Rentenanspruch voraus. A m Erfordernis der beeinträchtigten Erwerbsfähigkeit wird ebenso in der Literatur und in der Rechtsprechung festgehalten (vgl. ALFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 382 ff., Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht [EVG; heu te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung] U 12/04 vom 28. Juli 2004 E. 3.2, Urteil d es Bundesgerichts 8C_695/2007 vom 20. März 2009 E. 3.1 f.). In einem erst kürzlich ergange nen Urteil hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zu Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG bestätigt und ausgeführt, dass sich die fragliche Bestimmung gemäss dem Wortlaut des Gesetzes eindeutig auf Personen beziehe, die bereits eine Rente beziehen, hingegen weiterhin erwer bsfähig seien, also einen IV-Grad zwi- schen 10% und weniger als 100% aufweisen (vgl. für vollst ändig Erwerbsunfähige Art. 21 Abs. 1 lit. d UVG). Zum gleichen Ergebnis führe die Konsultation der Lehre und der Rechtsprechung. Für eine Interpretation von Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG, wonach eine Leistungspflicht des Unfall- versicherers für eine den status quo erhaltende Heilbehan dlung über den Renten ausschlies- senden Fallabschluss hinaus gegeben ist, bestehe somit kein R aum. Wirksame, zweckmässige und wirtschaftliche Heilbehandlungen habe diesfalls viel mehr die obligatorische Krankenversi- cherung zu gewähren. Vorbehalten bleibt einzig ein Ans pruch auf weitere Heilbehandlung ge- mäss Art. 11 UVV in Verbindung mit Art. 10 UVG wegen eines Rückfalls oder wegen Spätfolgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2011, 8C_191/2011, E. 5). Seite 6 5.2 Da die Versicherte derzeit keine unfallbedingte In validität aufweist, ist ein Anspruch auf Heilbehandlungsmassnahmen im Sinne von Art. 21 Abs. 1 l it. c UVG zu verneinen. Nachdem die Voraussetzungen, unter welchen ein Anspruch auf Hei lbehandlung im Rahmen des Art. 21 UVG besteht, abschliessend umschrieben sind (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Un- fallverscherung vom 18. August 1976, S. 191 f.), besteht unabhängig von der medizinischen Situation - mithin auch unabhängig von der Frage, ob die Erwerbsfähigkeit der Versicherten durch medizinische Vorkehren verbessert oder vor wesentliche r Beeinträchtigung bewahrt wer- den kann - so oder anders kein Raum für eine analoge Anwendung dieser Norm auf Versicherte ohne Rentenanspruch. Im vorliegenden Fall mag es aus Si cht der Beschwerdeführerin unbe- friedigend sein, dass sie - im Vergleich zu Versicherten, die einen nur geringfügigen, aber den- noch Renten begründenden IV-Grad aufweisen und dami t Anspruch auf Heilbehandlungen für den Erhalt ihrer Restarbeitsfähigkeit besitzen - trotz vollständiger Arbeitsfähigkeit keinen sol- chen Anspruch hat. Diese zwingende gesetzliche Regelung ist jedoch insoweit nachvollziehbar, als eine Zusprechung von Heilbehandlungen ohne Rente allenfalls zur Folge haben würde, dass das Schadendossier jeweils über Jahre hinweg offeng ehalten werden müsste, obschon keine oder nur sporadische Leistungen für Heilbehandlung en zu erbringen wären. Diese für die Versicherten unbefriedigende Regelung ist mithin sachlich begründet und kann demnach auch nicht als unechte Lücke qualifiziert werden. Für allenfal ls notwendige Heilbehandlungen hat vielmehr der Krankenversicherer aufzukommen. Die strittige Leistungseinstellung der Concordia für Heilbehandlungen nach Erreichen des medizinischen End zustandes ist vorliegend somit rechtmässig. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen. 6.1 Es verbleibt, den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Integritätsentschädigung zu prüfen. Als anerkannte Krankenkasse kann die Concordia gemäss Art. 70 Abs. 2 UVG nur die Versicherung der Heilbehandlung einschliesslich Sachschäden, der Reise-, Transport- und Ret- tungskosten sowie des Taggeldes durchführen. Für die übr igen, langfristigen Leistungen, ins- besondere also für die Renten und die Integritäts- sow ie Hilflosenentschädigungen, muss sie mit einem Versicherer, der diese Leistungen zu erbring en befugt ist, die Zusammenarbeit ver- einbaren. Diese Regelung hängt mit dem Finanzierungssystem der Krankenkassen zusammen, welche nach dem Umlageverfahren finanziert werden und deshalb grundsätzlich keine langfris- tigen Leistungen gewähren dürfen. Andernfalls bestünde im Falle einer Auflösung keine Ge- währ, dass die fälligen Renten weiterhin bezahlt werd en könnten, da mangels Vorfinanzierung keine entsprechenden Mittel verfügbar wären. Zu beach ten ist, dass die SUVA nicht befugt ist, solche Zusammenarbeitsverträge mit den Krankenkassen abzusc hliessen. Die Krankenkassen haben ihre Verträge daher entweder mit einer private n Versicherungseinrichtung oder mit einer öffentlichen Unfallversicherungskasse zu vereinbaren (vgl. Art. 68 Abs. 1 UVG). Die versicherte Person hat diesfalls je ein Versicherungsverhältnis mit i hrer Krankenkasse für kurzfristige Leis- tungen einerseits und mit einem anderen Versicherer fü r langfristige Leistungen andererseits. Dabei soll eine enge gegenseitige Zusammenarbeit zwischen Krankenkasse und dem Versiche- rer angestrebt werden, die vor allem darauf ausgerich tet ist zu verhindern, dass den Versicher- ten aus der Aufteilung bzw. Aufspaltung des Versicherung sverhältnisses auf zwei Versiche- rungsträger Nachteile erwachsen (vgl. BBl 1976 III S. 141 ff.; ALFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 56 f.). 6.2 Die Concordia ist in ihrem Einspracheentscheid vom 20. September 2011 auf das ent- sprechende Begehren der Versicherten nicht eingetreten . Dies ist nicht zu beanstanden. Dem Seite 7 massgebenden Zusammenarbeitsvertrag zwischen Concordia und C.____ AG vom 21. Februar bzw. 5. April 2002 ist zu entnehmen, dass die C.____ AG für die langfristigen Leistungen, ins- besondere für die strittige Integritätsentschädigung, gegenüber den Versicherten direkt haftet. Die C.____ AG richtet diese Leistungen deshalb direkt an die Anspruchsberechtigten aus und erlässt die dafür notwendigen Verfügungen. Allfällige Rechtsstreitigkeiten mit den Versicherten werden von der C.____ AG deshalb auch in eigenem Name n und auf eigene Rechnung geführt (vgl. Art. 1, 3 und Art. 5 lit. d des Zusammenarbeitsvertrags). Diese Vereinbarung entspricht der erwähnten Aufteilung des Versicherungsverhältnisses und e rweist sich als rechtmässig (vgl. oben, Erwägung 6.1). Der Umstand, dass sich die Bes chwerdeführerin für ihren Anspruch auf eine allfällige Integritätsentschädigung vorliegen d direkt an die C.____ AG zu wenden hat, ergibt sich nicht nur aus Art. 70 Abs. 2 UVG, sondern e benso aus Art. 43 ATSG. Dieser Be- stimmung zufolge hat der (jeweilige) Versicherungsträge r die Begehren der Versicherten zu prüfen und die entsprechenden Abklärungen von Amtes wege n selbst vorzunehmen. Die Prü- fung und Ausrichtung langfristiger Leistungen direkt durch den Krankenversicherer würde mithin den gesetzlich statuierten Grundsatz der Rechtsanwendun g von Amtes wegen durch den je- weils zuständigen Versicherers unterlaufen. Bei einem auf geteilten Versicherungsverhältnis handelt es sich versicherungsrechtlich zudem weder um eine Rück- noch um eine Mitversiche- rung (vgl. M AURER , a.a.O., S. 133 f. sowie S. 57 Fn. 50). Dem im Unf allversicherungsbereich tätigen Krankenversicherer ist es somit verwehrt, an Ste lle der für langfristige Leistungen zu- ständigen Versicherungseinrichtung zu befinden. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, durch ein aufgeteiltes Versicherungsverhältnis eine n Nachteil zu erleiden, ist ihr entge- gen zu halten, dass die Vereinbarung zwischen Concordia und C.____ AG dieser Gefahr genü- gend Rechnung trägt. So liegt die Schadenabwicklung in erster Linie bei der Concordia. Die Versicherte muss sich im Schadenfall nicht an eine zweite E inrichtung, sondern einzig an die Concordia richten, da die Beschwerdegegnerin ihrerseit s einer entsprechenden Weiterleitungs- pflicht an die C.____ AG unterliegt, sobald erkennbar wird, dass jene leistungspflichtig werden könnte (vgl. Art. 5 des Zusammenarbeitsvertrags). Dieser Verpflichtung aber ist die Concordia mit Schreiben vom 8. Februar 2011 bereits nachgekommen (vgl. Beilage A 35 der Beschwer- degegnerin). Hinsichtlich der Geltendmachung von langf ristigen Leistungen nach UVG endet der Anspruch der Versicherten gegenüber ihrer Krankenka sse somit damit, dass die Concordia den Schadenfall an die C.____ AG zu melden hat. Ein allenfalls verbleibender Nachteil prakti- scher Natur entspricht dem vom Gesetz vorgesehenen Dualismu s und findet sein Korrelat dar- in, dass es dem Versicherungsnehmer letztlich freigestellt ist, eine aufgeteilte Versicherung gemäss Art. 70 Abs. 2 UVG zu wählen, wovon infolge all enfalls günstigerer Prämien letztlich auch die versicherten Personen wiederum profitieren d ürften. In diesem Zusammenhang ist denn auch zu ergänzen, dass Arbeitgeber, deren Arbeitn ehmer bei einer Krankenkasse gegen Unfall versichert sind, einzig mit der Krankenkasse abzurechnen haben (vgl. Art. 116 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982). Diese Vorschrift dient eben- so der Vermeidung von Nachteilen gegenüber den Versiche rten. Damit aber muss es sein Be- wenden damit haben, dass allfällige Nachteile, wie sie die Beschwerdegegnerin im Übrigen nicht näher substantiiert hat, in Kauf zu nehmen sind. Diese in der Praxis durch einen noch so engen Zusammenarbeitsvertrag vollständig zu eliminiere n, ist systemisch weder möglich noch von Gesetzes wegen vorgesehen. Die Versicherte hat sich so mit im Hinblick auf die Geltend- machung eines allfälligen Anspruchs auf eine Integritä tsentschädigung an die C.____ AG zu halten. Dies führt auch in diesem Punkt zur Abweisung der Beschwerde. Seite 8 7. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vor- liegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausse rordentlichen Kosten sind dem Pro- zessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht