Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Juni 2013 (725 12 233 / 120) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallbegriff / unfallähnliche Körperschädigung (Sportverletzung) Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber i.V. Jodok Vogt Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Basler Versicherung AG , Hauptsitz, Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Manfred Bay- erdörfer, Advokat, Rathausstrasse 40/42, 4410 Liestal Betreff Forderung A. Der 1991 geborene A.____ ist als Profifussballer du rch seine Arbeitgeberin, die B.____ AG, bei der Basler Versicherungen AG obligatorisch gegen Unfälle und Berufskrankheiten ver- sichert. Mit “Unfallmeldung UVG“ vom 15 Juli 2011 hatt e die Arbeitgeberin der Basler Versiche- rungen AG mitgeteilt, dass der Versicherte am 23. April 2011 im Rahmen eines Fussballspiels bei einem Sprint plötzliche Schmerzen im Adduktoren-/Lei stenbereich verspürte. Der erstbe- handelnde Arzt, med. pract. C.____, diagnostizierte gem äss Bericht vom 27. Januar 2012 eine Ansatzzerrung des Adductor longus mit anschliessender Symphysi tis. Aufgrund anhaltender Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerden wurden weitere Abklärungen getätigt. Prof. Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, d iagnostizierte bei A.____ daraufhin posttraumatische Leistenbeschwerden links mit Symphyseninstabilität und weiche Leisten beid- seits. Aufgrund dieser Diagnose führte Prof. D.____ am 25. Juli 2011 eine Operation durch (Verschluss weiche Leisten beidseits, Verbreiterungsplasti k Musculus rectus abdominis, Auffri- schung Symphyse). Am 16. Dezember 2011 wurde A.____ von Dr. med. E.____, FMH Ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, aufgrund der Diagnose eines Labrumrisses, einer ausgeprägten Synovectomie und einer Off-Set-Störung am Schenkelhals erneut operiert. Nachdem sie eine Stellungsnahme ihres beratenden Arztes eingeholt hatte, lehnte die Basler Versicherungen AG mit Verfügung vom 27. Januar 2012 einen Anspruch von A.____ auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung mit der Begründung ab, dass es sich beim Ereignis vom 23. April 2011 nicht um einen U nfall im Rechtssinne gehandelt habe und dass die Voraussetzungen für die Anerkennung einer u nfallähnlichen Körperschädigung nicht erfüllt seien. Daran hielt die Basler Versicherung en AG auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 3. August 2012 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 10. August 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Ka ntonsgericht). Darin beantragte er sinngemäss, es seien der Einspracheentscheid vom 3. Augu st 2012 sowie die Verfügung vom 27. Januar 2012 aufzuheben und es sei die Basler Versiche rungen AG zu verpflichten, die Hei- lungskosten des Unfalls vom 23. April 2012 zu übernehmen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Oktober 2012 beant ragte die Basler Versicherungen AG, vertreten durch Dr. Manfred Bayerdörfer, Advokat, die Abweisung der Beschwerde. D. In der Replik vom 17. Dezember 2012 bzw. in der Du plik vom 21. Februar 2013 hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bund esgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in F.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 10. August 2012 ist demnach einzutreten. 2. Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht di e Übernahme von Versicherungs- leistungen im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 23. April 2011 abgelehnt hat. 3.1. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gew ähren. Es gilt also zu prüfen, ob es sich beim Ereignis vom 23. April 2011 um einen Unfall im Rechtssinne handelt. 3.2 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, n icht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den me nschlichen Körper, die eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 134 V 75 E. 2.3). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzel- fall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (BGE 134 V 76 E. 4.1, 129 V 402 E. 2.1, 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, j e mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ausschlaggebend ist, dass sich der äussere Faktor vom Normal mass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswi rkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 80 E. 4.3.1). 3.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist das Me rkmal der Ungewöhnlichkeit ohne besonderes Vorkommnis auch bei einer Sportverletz ung zu verneinen (BGE 130 V 118 E. 2.2 mit Hinweisen). Ein Unfall im Rechtssinne ist le diglich dann anzunehmen, wenn die sportliche Übung anders verläuft als geplant (vgl. RKUV 2 004 Nr. U 502 S. 185 E. 4.4). Wenn sich hingegen das einer sportlichen Übung inhärente Risiko einer Verletzung verwirklicht, liegt kein derartiges Unfallereignis vor. Ein solches ist auch dann zu verneinen, wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der Ausführung aber noch in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmuster des betreffenden Sports fällt (Urteil D . des Bundesgerichts vom 26. Juli 2011, 8C_186/2011, E. 5 mit Hinweisen). Verläuft die Bewegung unkoordiniert, liegt der unge- wöhnliche äussere Faktor darin, dass die körperliche Be wegung durch etwas Programmwidri- ges gestört wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, ausglei- tet oder an einem Gegenstand anstösst oder wenn sie, u m ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht. Ein Unfall setzt insbesondere bei Sportverletzungen begrifflich voraus, dass das exog ene Element - immer bezogen auf die gewöhnliche Bandbreite des Bewegungsmusters des betreff enden Sports (vgl. Urteil R. des Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 8C_189/2010, E. 5.1) - derart ungewöhnlich ist, dass eine endogene Verursachung der erlittenen Körperschädigung ausser Betracht fällt (vgl. BGE 134 V 76 f. E. 4.1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Vorliegend gab der Beschwerdeführer an, sich anlässl ich eines Sprints während eines Fussballspiels verletzt zu haben. Das kurzzeitige Beschleunige n der eigenen Körpermasse fällt in die Bandbreite der Bewegungsmuster, welche in der Sportart Fussball gewöhnlicherweise ausgeübt werden. Der Körper und insbesondere die Ob erschenkelmuskulatur sind hierbei zwar einer grossen Belastung ausgesetzt, alleine deshalb lie gt aber noch keine unvorhersehbare Beeinträchtigung des Bewegungsablaufes vor. Kein in de r Aussenwelt begründeter Umstand hat den natürlichen Ablauf der Körperbewegung beim S print gestört, somit fehlt es bei dem Er- eignis vom 23. April 2011 an der erforderlichen Progr ammwidrigkeit. Daran ändert auch der in der Replik geltend gemachte Einwand des Versicherten, w onach die Verletzung wohl durch ein kurzzeitiges Hängenbleiben mit dem Stollen im Rasen zusta nde gekommen sei, nichts. Die Tatsache, dass sich der Versicherte an dieses Ereignis nicht erinnern kann, impliziert, dass es nicht dermassen ungewöhnlich sein kann, um die von der Re chtsprechung ausgearbeiteten Anforderungen an den Ungewöhnlichkeitsbegriff zu erfü llen (vgl. E. 3.3 hiervor). Somit ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass es sich beim Ereignis vom 23. April 2011 nicht um einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG handelt. 4.1 Zu prüfen bleibt, ob eine unfallähnliche Körpersch ädigung vorliegt. 4.2 Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körpersch ädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die Versicherung einbezie hen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Un fallversicherung (UVV) vom 20. Dezem- ber 1982 Gebrauch gemacht und verschiedene Körperschädigungen auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt. Die Li ste der den Unfällen gleichgestellten Kör- perschäden ist abschliessend, weshalb Erweiterungen durch A nalogieschlüsse unzulässig sind (vgl. BGE 116 V 139 f. E. 4a und 147 E. 2b, 114 V 30 2 E. 3; ALFRED BÜHLER , Die unfallähnliche Körperschädigung, in: Schweizerische Zeitschrift für Sozia lversicherung und berufliche Vorsor- ge [SZS] 1996 S. 81 ff.). Es handelt sich gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV um: a) Knochenbrüche, b) Verrenkungen von Gelenken, c) Meniskusrisse, d) Muskelr isse, e) Muskelzerrungen, f) Sehnenrisse, g) Bandläsionen und h) Trommelfellverl etzungen. Die unfallähnlichen Körper- schädigungen müssen mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit sä mtliche Unfallbegriffsmerkmale (äusserer Faktor, Plötzlichkeit, Schädigung und Unfreiw illigkeit) aufweisen. Besondere Bedeu- tung kommt hierbei der Voraussetzung eines äusseren Ere ignisses zu, d.h. eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälli gen, eben unfallähnlichen Vorfalles. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufg ezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte G esundheitsschädigung vor (BGE 129 V 466 E. 2.1 und 467 E. 2.2). 4.3 Die Basler Versicherungen AG hat im strittigen Einsp racheentscheid vom 8. August 2012 das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädig ung verneint, weil aufgrund der medizi- nischen Akten erstellt sei, dass es sich bei der gestellten Diagnose nicht um eine der in Art. 6 Abs. 2 UVV aufgezählten Listenverletzungen handle. Si e stützte sich dabei auf ein Aktengut- achten von Dr. med. G.____, FMH Chirurgie, vom 8. Januar 2012. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte ist die rech tsanwendende Behörde regel- mässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärzt innen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.2 Wie dem Bericht des erstbehandelnden Arztes med. pra ct. C.____ vom 24. Juni 2012 entnommen werden kann, diagnostizierte dieser beim Ver sicherten eine Ansatzzerrung des Adductor longus mit anschliessender Symphysitis. Bei einer solchen Muskelzerrung handelt es sich zweifellos um eine Listenverletzung gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. e UVV. Dies wird von der Be- schwerdegegnerin auch nicht bestritten, allerdings führ t sie in der Vernehmlassung aus, dass es sich bei der Muskelzerrung bloss um eine Nebendiagnose handle, welche für den weiteren Verlauf der Behandlung keine Rolle mehr gespielt hä tte. Die beiden Operationen, welche den Schwerpunkt der medizinischen Behandlung bildeten, hät ten mit der Muskelzerrung nicht zu tun, weswegen keine Leistungspflicht bestünde. 5.3 Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Die Besch werdegegnerin widerspricht sich in ihrer Vernehmlassung, wenn sie die Muskelzerrung einerse its als Nebendiagnose qualifizieren will und andererseits ausführt, sie stehe in keinem Zu sammenhang mit den Befunden, welche später operiert wurden. Eine Nebendiagnose setzt begri ffsnotwenig immer eine mit ihr im Zu- sammenhang stehende Hauptdiagnose voraus. Aus den vorhand enen Unterlagen geht aller- dings nicht abschliessend hervor, ob die Muskelzerrung t atsächlich nicht (teil)ursächlich für die am 25. Juli 2011 operierten Beschwerden im Leistenber eich war. Das Aktengutachten von Dr. G.____ enthält keine diesbezügliche Antwort, es handelt die Kausalitätsproblematik lediglich mit einigen allgemeinen Betrachtungen ab und lässt kein en eindeutigen Schluss zu. Der medi- zinische Sachverhalt ist demnach nicht hinreichend erstel lt. Steht die anlässlich der Erstbe- handlung diagnostizierte Muskelzerrung tatsächlich in ke inem Zusammenhang mit der nachfol- genden operativen Behandlung, so stellt sie eine eigen ständige Hauptdiagnose dar, für deren Behandlungskosten die Beschwerdegegnerin aufzukommen hat. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Was sodann die Problematik rund um die Externusapo neurose (Sehnenplatte im Leis- tenbereich) betrifft, so besteht ebenfalls noch Abklärun gsbedarf. Dr. D.____ beschreibt sie in seinem Operationsbericht vom 26. Juli 2011 als mehrfach e ingerissen. Das Bundesgericht an- erkennt grundsätzlich auch Teilrupturen als "Sehnenrisse" i m Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV und somit als un fallähnliche Körperschädigung (BGE 114 V 298 E. 5a). Dr. G.____ führt in der von der Basler Versicherungen AG eingeholten Stellungn ahme vom 8. Januar 2012 aus, dass ihm und zwei nicht namentlichen genannten Kollegen keine Fälle bekannt seien, in welchen die Externusaponeurose tatsächlich aufgerissen sei. Vielmehr gehe er davon aus, dass die Seh- nenplatte lediglich aufgefächert sei und Dr. D.____ di ese Auffächerungen fälschlicherweise als Einrisse interpretiert habe. 6.2 Dass die Basler Versicherungen AG gestützt auf die von ihr intern eingeholten medizi- nischen Unterlagen entscheidet, ist grundsätzlich nicht zu beanstanden. In solchen Fällen sind jedoch gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung an die Bew eiswürdigung strenge Anforde- rungen zu stellen. Bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen sind ergänzende Abklärungen vorzu nehmen (Urteil des Bundesge- richts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2). Die Be urteilung von Dr. G.____ erweist sich insgesamt als nicht zuverlässig genug, um darauf abstellen zu können. Er setzt sich zwar mit der anderslautenden Diagnose von Dr. D.____ auseinande r, der alleinige Hinweis auf Erfah- rungswerte reicht allerdings nicht aus, um abschliessend beurteilen zu können, ob tatsächlich keine Teilruptur der Externusaponeurose vorliegt. Der S chluss der Basler Versicherungen AG, wonach nur Auffächerungen vorhanden sind, ist somit zu w enig begründet. Insbesondere hätte zwingend Rücksprache mit Dr. D.____ genommen werden sollen, um abzuklären, ob dieser die Läsion an der Sehnenplatte tatsächlich falsch interpre tiert hat oder ob er an seiner Diagnose festhält und diese unter Umständen sogar mit bildgeben dem Material belegen kann. Der Sach- verhalt ist demnach auch hinsichtlich der ebengenannten Pr oblematik zu wenig abgeklärt wor- den. Zusammenfassend gestatten die verfügbaren Unter lagen keine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs, weswegen die Sache zur erneut en diesbezüglichen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. 6.3 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die B eschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, als der Einspracheentscheid vom 3. August 2012 aufgehoben und die Sache zur erneuten Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfüg ung an die Basler Versicherungen AG zurückgewiesen wird. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. 7.2 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.3 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vor- aussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Einsprache- entscheid vom 3. August 2012 aufgehoben und die Sache zur erneu- ten Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfügung im S inne der Erwägungen an die Basler Versicherungen AG zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht