Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. August 2019 (720 19 52 / 212) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Umschulung / Beurteilung der Frage, ob es sich bei der erlernten Tätigkeit des Versicher- ten in gesundheitlicher Hinsicht (noch) um eine geeignete Arbeit handelt Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D aniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen A. Der 1997 geborene A.____ absolvierte eine Ausbildu ng zum Logistiker EFZ. Nach dem im Sommer 2016 erfolgten Abschluss der Lehre arbeitete er bis zum Beginn der Rekrutenschu- le (RS) als Hilfsgipser/Logistiker bei B.____. In der dr itten RS-Woche traten beim Versicherten belastungsbedingte Rückenbeschwerden auf. A.____ wurde in der Folge am 9. Dezember 2016 vorzeitig aus dem Dienst entlassen und es wurde ihm eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit als Gipser/Logistiker attestiert. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Verfügung vom 28. März 2018 lehnte die Suva, Abtei lung Militärversicherung, einen über den 31. Dezember 2017 hinausgehende Leistungspflicht fü r die Rückenbeschwerden des Ver- sicherten mit der Begründung ab, aufgrund des Militärdienstes sei es lediglich zu einer vorüber- gehenden Verschlimmerung des Gesundheitszustands gekommen . Gegen diese Verfügung erhob A.____ Einsprache, über die - soweit ersichtlich - bis anhin noch nicht entscheiden wur- de. Am 26. Juni 2017 meldete sich A.____ unter Hinweis auf die seit dem Militärdienst bestehenden Rückenbeschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft prüfte in d er Folge einen Anspruch des Versicherten auf berufliche Massnahmen der IV. Gestützt auf ihre Abklä rungen lehnte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 11. Januar 2019 einen Anspruch des Versicherten auf berufliche Eingliederungsmassnahmen ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 14. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die ange fochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm berufli che Massnahmen, namentlich eine Um- schulung, zu gewähren; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. März 2019 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt der Beschwerdeführer in seiner Rep- lik vom 10. Juli 2019 an den in der Beschwerde gestellte n Rechtsbegehren und den wesentli- chen bisherigen Vorbringen fest. Die IV-Stelle wiederu m beantragte in ihrer Duplik vom 12.Juli 2019 nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. E. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden Be schwerde zog das Kantonsgericht bei der Suva, Abteilung Militärversicherung, die Milit ärversicherungsakten des Beschwerdefüh- rers bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde des Versicherten vom 14. Februar 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von e iner Invalidität unmittelbar bedroh- te Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erh alten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahm en erfüllt sind (lit. b). Die Ein- gliederungsmassnahmen umfassen unter anderem Massnahmen beruflicher Art wie Berufsbe- ratung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung und Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG). Mit der Nennung der Notw endigkeit und Geeignetheit als Vorausset- zung des Eingliederungsanspruchs hat der Verhältnismässigkeitsgrundsatz in Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG seine positivrechtliche Verankerung gefunden. Danach muss jede Massnahme, falls darauf ein gesetzlicher Anspruch bestehen soll, zur Erreichung d es von ihr bezweckten Eingliede- rungszieles geeignet sein. Für ungeeigneten Mitteleinsa tz hat die IV nicht aufzukommen. Die Geeignetheit bezieht sich einerseits (objektiv) auf die Massnahme, anderseits (subjektiv) auf die Person des Versicherten. Der Verhältnismässigkeitsaspekt der Notwendigkeit verschafft dem Versicherten den Eingliederungsanspruch insoweit, als die s im Hinblick auf die erwerbliche Si- tuation nötig ist (U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 8 N 20). 2.2 Die versicherte Person hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit vo- raussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Unter Umschulung ist dabei grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnah men berufsbildender Art zu verste- hen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintri tt der Invalidität bereits erwerbstätig gewe- senen versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähe rnden Gleichwertigkeit" nicht in erster Li- nie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf d ie nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung le- diglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall no twendig, aber auch genügend ist. Dabei setzt der Umschulungsanspruch grundsätzlich eine Mindesterw erbseinbusse von rund 20 % in den für die versicherte Person ohne zusätzliche Ausbildun g offenstehenden, noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten voraus (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2018, 8C_808/2017, E. 3; BGE 130 V 488 E. 2). Hievon kann namentlich bei jungen Versicherten mit entsprechend langer verbleibender Aktivitätsdauer abgewichen werden, wenn es sich bei den ohne Umschulung zu- mutbaren angepassten Tätigkeiten um unqualifizierte Hilfsarbeiten handelt, die im Vergleich zur erlernten Tätigkeit qualitativ nicht als annähernd gle ichwertig bezeichnet werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2018, 8C_808/2017, E. 3; BGE 124V 108 E. 3c). 3.1 In der angefochtenen Verfügung gelangte die IV- Stelle zum Ergebnis, dass dem Versi- cherten zwar die Ausübung körperlich schwerer Tätigkeite n nicht zumutbar sei, seine Ausbil- dung zum Logistiker EFZ könne er aber auf dem ausgeg lichenen Arbeitsmarkt weiterhin ver- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht werten. Somit bestehe kein Anspruch auf Leistungen der IV. Demgegenüber stellte sich der Versicherte in seiner Beschwerde auf den Standpunkt, dass er die angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben könne, da diese das Heben und Tragen von G ewichten von über 5 kg erfordere. In ihrer Vernehmlassung schliesslich anerkannte die Beschwe rdegegnerin, dass der Versicher- te bei der Stellensuche in seinem angestammten Tätigke itsbereich eingeschränkt sei, dennoch sei es ihm aber weiterhin möglich, auf seinem erlernten Beruf zu arbeiten und diesen ohne eine Erwerbseinbusse auszuüben. Zwischen den Parteien ist somi t in erster Linie strittig, ob der Be- schwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen noch in der L age ist, in seinem angestammten, erlernten Beruf als Logistiker EFZ tätig zu sein. 3.2 Auch wenn es um Umschulung geht, ist es Aufgabe des A rztes bzw. der Ärztin, den Gesundheitszustand zu diagnostizieren. Im Weiteren hat er bzw. sie zur Arbeitsunfähigkeit im erlernten oder im bisher ausgeübten Beruf Stellung zu nehmen und sich darüber zu äussern, ob der Gesundheitszustand eine Umschulung zulässt und, bejahe ndenfalls, welche Tätigkeiten hierbei aus medizinsicher Sicht in Betracht fallen (U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , a.a.O., Art. 17 N 6). 4.1 Wie sich den beigezogenen Militärversicherungsakten en tnehmen lässt, holte die Suva, Abteilung Militärversicherung, im Zusammenhang mit der Abklärung ihrer Leistungspflicht unter anderem eine Beurteilung bei Dr. med. C.____, Anästhesie FMH, Zentrum D.____, ein. In seinem Bericht vom 12. September 2017 führte der genannte Facharzt aus, dass nicht die Rek- rutenschule selber die Ursache für die Gesundheitsschädigu ng gesetzt habe, sondern die ge- wählte Berufsausbildung als Logistiker und die zwischen zeitlich verrichtete Tätigkeit als Hilfs- gipser. Diese Arbeiten seien mit körperlichen Belastunge n verbunden, sodass die Befunde be- reits bei der Ausübung dieser Tätigkeiten entstanden s ein könnten. Da die Schmerzen immer noch vorhanden seien, sei gut vorstellbar, dass es zu einer Chronifizierung gekommen sei. Dem Versicherten sei zu empfehlen, sich eine weniger körp erlich belastende Tätigkeit zu su- chen. Je nach Arbeitsplatz sei aber die Ausübung des an gestammten Berufs als Logistiker möglich, da dieser ein weites Tätigkeitsfeld umspanne . Im Hinblick auf den Fallabschluss holte die Suva, Abteilung Militärversicherung, zudem bei ihrem Kreisarzt Dr. med. E.____, Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, eine versicherungsmedizini- sche Beurteilung ein. Dieser gelangte in seinem Bericht vom 15. November 2017 zur Auffas- sung, dass ein Vorschaden im Sinne eines Anulus fibrosus-Risses vorhanden sei, der auf einen degenerativen Bandscheiben-Schaden zurückgeführt werden müsse. Aufgrund des Tragens von schweren Lasten in der Rekrutenschule sei es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung dieses vorbestehenden Bandscheibenschadens gekommen. Aktu ell würden jedoch keine Fol- gen mehr vorliegen, die auf den militärversicherten D ienst aus dem Jahr 2016 zurückzuführen seien. 4.2 Im Rahmen des hier zur Diskussion stehenden IV-Verfah rens äusserte sich Dr. med. F.____, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Me dizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, mit Bericht vom 28. September 2017 zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten. Sie hielt fest, dass dieser für ausschliesslich mittelschwere und schwere Arbeiten mit wiederhol- tem Bücken und Überkopftätigkeiten oder Tätigkeiten in Zwangshaltungen der Wirbelsäule auf- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund der beginnenden Bandscheibendegeneration L5/S1 (Einriss des Anulus fibrosus) langfris- tig nicht mehr einsatzfähig sei. Für eine leichte bis gelegentlich mittelschwere Wechseltätigkeit ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule bestehe keine Ein schränkung der Arbeitsfähigkeit. So- fern der Versicherte als Logistiker ausschliesslich den vor stehend genannten mittelschweren und schweren wirbelsäulebelastenden Tätigkeiten ausgeset zt sein sollte, wäre eine Umschu- lung medizinisch angezeigt, andernfalls seien keine weiteren Massnahmen erforderlich. 4.3 Bei den IV-Akten finden sich sodann verschiedene Be richte von Dr. med. G.____, Lei- tende Ärztin der Abteilung Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates des Spitals H.____, die sich zum Gesundheitszustand und insbesondere auch zur Arbeitsfähigkeit des Ver- sicherten äussern. Im Bericht vom 11. Januar 2018 erhob die behandelnde Orthopädin als Di- agnose eine chronische Lumbalgie und sie attestierte dem Versicherten deswegen aktuell eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit als Logistiker/Hilfsgipser. Diese Beurteilung bestätigte Dr. G.____ in den Berichten vom 7. August 2018, 17. Oktober 2018 und 7. Dezember 2018, führte sie darin doch jeweils aus, dass weiterhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Logistiker/Gipser sowie auch für schwere körperliche Tätigkeiten bestehe. Für l eichte körperliche Arbeiten hingegen attestierte sie eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit, wobe i sie jedoch explizit auf eine Gewichtslimite von 5 kg hinwies. 5.1 Den geschilderten ärztlichen Feststellungen lässt sich entnehmen, dass der Versicher- te einerseits in mittelschweren und schweren wirbelsäule belastenden Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig ist. Keine Einschränkung der Arbeitsfä higkeit besteht hingegen in leichten kör- perlichen Arbeiten mit einer Gewichtslimite von 5 kg. Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, ob es sich bei der erlernten Tätigkeit des V ersicherten als Logistiker EFZ in gesund- heitlicher Hinsicht (noch) um eine geeignete Arbeit ha ndelt. Die IV-Stelle entschied sich des- halb, zur Klärung dieses Aspekts bei der Schweizerische n Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik nähere Auskünfte einzuholen. In der entsp rechenden Anfrage vom 13. Juli 2018 hielt die IV-Stelle einleitend fest, die Rückenbeschwerden des Versicherten würden "eine beruf- liche Belastung von leichten (Heben und Tragen von 1 - 10 kg) bis gelegentlich mittelschweren Tätigkeiten (10 - 25 kg) zulassen." Ausgehend von die ser Zumutbarkeitsbeurteilung erkundigte sich die IV-Stelle nach dem "üblichen körperlichen Belast ungsprofil" eines Logistikers, konkret eines Lager-Logistikers. Zudem fragte sie an, ob es eine gewisse Anzahl Stellen gebe, in denen ein Logistiker nur leichte bzw. allenfalls gelegentlich mittelschwere Gewichte heben und tragen müsse. In ihrem Antwortschreiben vom 13. Juli 2018 wies die Schweizerische Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik vor allem darauf hi n, dass es keine "klassische, einheitliche Aussage" über die Belastung eines Logistikers gebe, wei l die Faktoren "Branche", Betrieb" und "Tätigkeitsgebiet" sehr viel Einfluss auf die eigentliche Arbeit hätten. Zudem komme es auf die jeweilige betriebsabhängige Infrastruktur an, also dar auf, ob Hilfsmittel wie Stapler oder Hebe- mittel vorhanden seien. Auch zur Frage, ob es eine ge wisse Anzahl Stellen gebe, in denen ein Logistiker nur leichte bzw. allenfalls gelegentlich mitt elschwere Gewichte heben und tragen müsse, könne kaum eine Aussage gemacht werden. Auch in diesem Zusammenhang komme es jeweils auf die Branche, den Betrieb und das Tätigkeitsgebiet an. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1 5.2 Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügu ng vom 11. Januar 2019 gestützt auf dieses Antwortschreiben der Schweizerischen Vereinigung f ür die Berufsbildung in der Logistik davon aus, dass der Versicherte seine Ausbildung zum Log istiker EFZ weiterhin auf dem aus- geglichenen Arbeitsmarkt verwerten könne. Diese vorinstan zliche Beweiswürdigung vermag nun aber nicht zu überzeugen. Insbesondere kann der IV- Stelle nicht gefolgt werden, wenn sie aus dem Antwortschreiben der Schweizerischen Vereinigung für die Berufsbildung in der Logis- tik ableitet, dass dem Versicherten trotz seiner gesundhei tlichen Einschränkungen ein breites Spektrum an Logistiker-Stellen offenstehe. Die Auskünfte im betreffenden Antwortschreiben sind, wie der Beschwerdeführer zu Recht rügt, in dera rt allgemein gehaltener Form erteilt wor- den, dass sich daraus kaum verwertbare Schlüsse auf den ko nkreten Fall des Beschwerdefüh- rers ziehen lassen. Dazu kommt, und dies ist von wesentliche rer Bedeutung, dass die Angaben der Berufsbildungsvereinigung auf unrichtigen Angaben zum Belastungsprofil des Versicherten und somit auf einem unzutreffenden Sachverhalt beruhen. Gemäss den Berichten der Orthopä- din Dr. G.____ besteht bei den Tätigkeiten, die der V ersicherte ausüben kann, eine Gewichtsli- mite von 5 kg (vgl. E. 4.3 hiervor). Dies wurde von der IV-Stelle in ihrer Anfrage an die Schwei- zerische Vereinigung für die Berufsbildung in der Logi stik schlicht ignoriert, hielt sie darin doch fest, dass die Rückenbeschwerden des Versicherten Tätigkeiten mit Heben und Tragen von 1 - 10 kg und gelegentlich von 10 - 25 kg zulassen würden. 5.3 Aus dem Gesagten folgt, dass der Bescheid der Schwei zerischen Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik vom 13. Juli 2018 keine rechtsgenügliche Grundlage für die An- nahme der IV-Stelle bildet, dass der Versicherte seine Ausbildung zum Logistiker EFZ weiterhin auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten kann. Der Sachverhalt erweist sich diesbezüg- lich als zu wenig abgeklärt. Die angefochtene Verfügung vom 11. Januar 2019 ist deshalb auf- zuheben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Die- se wird insbesondere die beruflichen Tätigkeitsfelder , die dem Versicherten im erlernten Beruf als Logistiker EFZ aufgrund des ärztlicherseits formulier ten Belastungsprofils noch möglich sind, nochmals genauer abzuklären haben. Sollte die IV- Stelle dabei nach wie vor - wie in ihrer Anfrage an die Schweizerischen Vereinigung für die Beru fsbildung in der Logistik - der Auffas- sung sein, dass der Versicherte aus medizinischer Sicht in der Lage sei, leichte Gewichte von 1 - 10 kg und gelegentlich gar mittelschwere Lasten von 10 - 25 kg zu heben und zu tragen, so hat sie dies durch aktuelle, schlüssige und überzeugende Ar ztberichte oder allenfalls ein ent- sprechendes orthopädisches Gutachten zu belegen. Andernfa lls ist weiterhin von der von Dr. G.____ mehrfach bestätigten Gewichtslimite von 5 kg auszugehen. 6. Abschliessend bleibt Folgendes zu ergänzen: Die IV-St elle erwähnt in ihrer Vernehm- lassung unter anderem auch die bundesgerichtliche Rechtspr echung, wonach ein Umschu- lungsanspruch grundsätzlich eine Mindesterwerbseinbusse vo n rund 20 % in den für die versi- cherte Person ohne zusätzliche Ausbildung offenstehenden , noch zumutbaren Erwerbstätigkei- ten voraussetzt. Im Hinblick auf die weitere Behandlung des Gesuchs des Versicherten ist die Beschwerdegegnerin aber darauf hinzuweisen, dass vom er wähnten Grundsatz - wie bereits oben festgehalten - namentlich bei jungen Versicherten mit entsprechend langer verbleibender Aktivitätsdauer abgewichen werden kann, wenn es sich bei d en ohne Umschulung zumutbaren angepassten Tätigkeiten um unqualifizierte Hilfsarbeite n handelt, die im Vergleich zur erlernten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeit qualitativ nicht als annähernd gleichwertig b ezeichnet werden können (vgl. E. Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2018, 8C_808/2017, E. 3 mit Hinweisen, und E. 2.2 hiervor und die dortigen Hinweise). 7. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die B eschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, als die angefochtene Verfügung vom 11. Januar 2019 aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Er wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückzuweisen ist. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kos- tenvorschuss zurückzuerstatten. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 30. Juli 2019 für das vo rliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 6 Stunden und 55 Minuten geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in So- zialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fä lle zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. N icht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 78.--. Dem Beschwerdeführer ist des- halb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘94 6.30 (6 Stunden und 55 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 78.-- zuzüglich 7,7 % M ehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 11. Janua r 2019 aufge- hoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 1‘946.30 (inkl. Ausla gen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht