IV 200 2025 123 FRC/SVE/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 28. Mai 2025 Verwaltungsrichterin Frey, Kammerpräsidentin Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichterin Mauerhofer Gerichtsschreiberin Schwitter A.________ vertreten durch Sozialamt der B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 21. Januar 2025 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -2- Sachverhalt: A. Der 1965 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer), gelernter ..., meldete sich erstmals im Januar 1998 unter Hinweis auf ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin; act. II] 7.1 S. 105 ff.). Die IVB tätigte in der Fol- ge medizinische und erwerbliche Abklärungen. Mit Verfügung vom 13. Fe- bruar 2002 (act. II 24) verneinte sie bei einem Invaliditätsgrad von 20 % einen Rentenanspruch. Die dagegen erhobene Beschwerde (act. II 25 S. 18) wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit unangefochten gebliebenem Urteil IV 61721 vom 31. Juli 2002 (act. II 25) ab. Nachdem beim Versicherten eine inkomplette Tetraplegie sub C2 AIS D (initial sub C3) bei zervikaler Spinalkanalstenose HWK 3/4 idiopathisch diagnostiziert worden war (vgl. hierzu act. II 45 S. 2), stellte er im Mai 2024 erneut ein Gesuch um IV-Leistungen (act. II 27). Die IVB führte wiederum medizinische und erwerbliche Erhebungen durch. Gestützt auf eine Stel- lungnahme von Dr. med. C.________, Fachärztin für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 31. Oktober 2024 (act. II 47) verneinte die IVB nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (act. II 48 ff.) mit Verfügung vom 21. Januar 2025 (act. II 59) bei einem Invaliditätsgrad von 29 % einen Rentenanspruch. B. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch B.________, handelnd durch Fürsprecherin D.________, mit Eingabe vom 21. Februar 2025 Be- schwerde mit folgenden Rechtsbegehren: 1. Die Verfügung der IV-Stelle Bern (IVB) vom 21. Januar 2025 sei aufzuheben. 2. Es sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente zuzusprechen. 3. Eventualiter sei eine polydisziplinäre Begutachtung vorzunehmen und der Leis- tungsanspruch des Beschwerdeführers anschliessend zu beurteilen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -3- 4. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 10. März 2025 insoweit eine Gutheissung der Beschwerde, als dem Beschwerdefüh- rer ab November 2024 eine Rente von 32.5 % einer ganzen Rente zuzu- sprechen sei. Nach Aufforderung des Gerichts gingen am 11. April 2025 eine Stellung- nahme des Beschwerdeführers sowie am 24. April 2025 eine Stellungnah- me der Beschwerdegegnerin ein. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -4- 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 21. Januar 2025 (act. II 59). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerde- führers. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Ren- te, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -5- Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG). 2.3Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Rentenanspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invali- ditätsgrad von 50 bis 69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invali- ditätsgrad (Art. 28b Abs. 2 IVG), bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28b Abs. 3 IVG). Bei einem Invali- ditätsgrad zwischen 40 und 49 % gelten die prozentualen Anteile nach Massgabe von Art. 28b Abs. 4 IVG. 2.4Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades be- reits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die versicherte Person darin glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (vgl. Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversi- cherung [IVV; SR 831.201]). 2.4.1Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsge- such ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewis- sern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117, I 822/06 E. 2.1). 2.4.2Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son- dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -6- (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 2.3 S. 10; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 109, 8C_280/2020 E. 3.1). 2.4.3Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeit- punkt der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 E. 3.5.2 S. 351, 125 V 368 E. 2 S. 369; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 165, 9C_8/2010 E. 3.1). 2.4.4Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren- tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag- gebenden Tatsachenspektrums, neu und ohne Bindung an frühere Invali- ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 109, 8C_280/2020 E. 3.1). 2.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV Nr. 54 S. 180, 9C_540/2020 E. 2.3).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -7- 3. 3.1Die Verwaltung ist auf die Neuanmeldung vom Mai 2024 (act. II 27) eingetreten, weshalb die Eintretensfrage praxisgemäss nicht zu prüfen ist (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Streitig und zu prüfen ist der Rentenan- spruch, wobei zunächst zu beurteilen ist, ob ein Neuanmeldungsgrund vor- liegt (vgl. E. 2.4.1 ff. hiervor). Massgebende Vergleichszeitpunkte bilden die Verfügung vom 13. Februar 2002 (act. II 24), welche mit VGE IV 61721 (act. II 25) bestätigt wurde, sowie die nunmehr angefochtene Verfügung vom 21. Januar 2025 (act. II 59). Mit Blick auf die infolge der inkompletten Tetraplegie ausgewiesene mehr als drei Monate andauernde Arbeitsun- fähigkeit (vgl. act. II 45 S. 2) ist in medizinischer Hinsicht ein Neuanmel- dungsgrund offensichtlich ausgewiesen (vgl. E. 2.4.2 hiervor; Art. 88a Abs. 2 IVV; Rz. 5102 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialver- sicherungen [BSV] über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]; vgl. zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen BGE 150 V 1 E. 6.4.2 S. 6, 148 V 385 E. 5.2 S. 391, 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228), weshalb der Rentenanspruch nachfolgend frei zu prüfen ist (vgl. E. 2.4.4 hiervor). 3.2In medizinischer Hinsicht lässt sich den Akten – soweit entscheid- wesentlich – das Folgende entnehmen: 3.2.1Im Austrittsbericht der Rehaklinik E.________ über den Aufenthalt vom 12. April bis zum 9. August 2024 (act. II 45 S. 2) wurden folgende Hauptdiagnosen gestellt (S. 2 f.): 1. Inkomplette Tetraplegie sub C2 AIS D (initial sub C3) bei zervikaler Spinalkanal- stenose HWK 3/4 idiopathisch seit 2. April 2024; (…); 2. Tetraplegie-assoziierte autonome Dysfunktion mit Blasen- und Mastdarmstörung; (…); 3. Chronische, blutende Ulzeration am distalen linken Unterarm (blutend, verrucös, erosiv 2 x 2.3 cm); - 21. Mai 2024 Histologie Biopsie: Anteile eines Plattenepithelkarzinoms vom Typ Bowenkarzinom bis mindestens ins mittlere Korium reichend, Tumordicke min- destens 1 mm; - 4. Juni 2024 Exzision mit 5 mm Sicherheitsabstand, Fadenmarkierung, bilatera- le Advancement Lappenplastik (2 cm x 3 cm x 4 cm);Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -8- 4. Karpaltunnelsyndrom rechts > links ED Februar 2024; (…); 5. Rhizarthrose links ED Mai 2024; 6. Arterielle Hypertonie; 7. Glaukom beidseits; 8. Chronisches Lumbalsyndrom; 9. Varikosis; 10. Hypercholesterinanämie, ED: 22. April 2024; 11. Chronische Niereninsuffizienz Stadium G2; 12. Nikotinabusus. Im Bericht wurde weiter dargelegt, der Beschwerdeführer habe sich am 2. April 2024 wegen einer neuer Sensibilitätsstörung im linken Arm sowie einer Schwäche des linken Beines in der hausärztlichen Sprechstunde vor- gestellt. Es sei eine MRI Untersuchung erfolgt, welche eine absolute Spi- nalkanalstenose auf Höhe HWK 3/4 dargestellt habe. Hierauf sei die Zu- weisung auf die Notfallstation des Spitals F.________ erfolgt. Radiologisch sei eine Spondylolisthese auf Höhe HWK 3/4 bestätigt worden. Bei Indika- tion zur operativen Versorgung sei am 3. April 2024 eine ACDF HWK 3/4 erfolgt. Bei postoperativ zunehmender Spastik und MR-graphisch weiterhin bestehender hochgradiger Einengung auf Höhe HWK 3/4 sei am 5. April 2024 eine Laminektomie HWK 3/4 erfolgt. Im Anschluss sei der Beschwer- deführer zur weiteren Behandlung und Erstrehabilitation am 12. April 2024 in die Rehaklinik E.________ aufgenommen worden. Der ASIA-Status, welcher am 15. April 2024 erhoben worden sei, habe eine inkomplette Te- traplegie ergeben, sensibel rechts sub TH1, links sub C8 AIS D. Bei der letzten Testung am 25. Juni 2024 habe sich allerdings ein neurologisches Niveau C2 ergeben. Dementsprechend sei die Hauptdiagnose angepasst worden (S. 4). Vom 12. April bis zum 10. November 2024 wurde dem Be- schwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (S. 3). Im Hinblick auf das selbständige Wohnen zu Hause habe der Beschwerdefüh- rer im Rahmen der stationären Therapie eine gute Selbständigkeit im Alltag erreicht. Er wohne in einer Wohnung, zu welcher er vier Etagen mit Trep- pen selbständig überwinden müsse. Durch die Physio- und Ergotherapie sei erreicht worden, dass der Beschwerdeführer Treppen mit Handlauf bis zu fünf Etagen alternierend hoch und runter laufen könne. Beim Hochlaufen brauche er am Schluss eine Pause. Er sei in der Ebene mit den Gehstö-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -9- cken sicher unterwegs. Durch die Abgabe der notwendigen Hilfsmittel kön- ne er ohne grosse Einschränkungen selbständig in der Wohnung leben. Die selbständige Teilnahme am soziokulturellen Leben mit gegebenenfalls technischen Hilfsmitteln und ohne personelle Unterstützung werde dank der guten körperlichen und mentalen Verfassung uneingeschränkt möglich sein. Der Beschwerdeführer sei vor der Erkrankung auf dem zweiten Ar- beitsmarkt in einer G.________ mit einem 80 %-Pensum tätig gewesen. Er kehre an seinen angestammten Arbeitsplatz zurück und werde zusammen mit den Vorgesetzten seine Tätigkeiten an seine Fähigkeiten anpassen (S. 5). Nach initialer Rollstuhlmobilität (vgl. S. 6) sei der Beschwerdeführer zuletzt mit Gehstöcken selbständig mobil gewesen und habe alle Transfers (Bett, Stuhl, Stand, Auto) selbständig durchführen können. Durch die guten motorischen Funktionen habe er fast alle Funktionen des alltäglichen Le- bens ohne Hilfspersonen durchführen können (S. 5). 3.2.2In der Stellungnahme vom 31. Oktober 2024 (act. II 47) formulierte Dr. med. C.________, Fachärztin für Chirurgie, RAD, folgendes Zumutbar- keitsprofil: Zumutbar seien körperlich leichte Tätigkeiten in wechselbelas- tender, dabei überwiegend sitzender Position ohne nennenswerte Ge- wichtsbelastungen, da der Beschwerdeführer bei der Fortbewegung auf zwei Gehstöcke angewiesen sei, ganztags über achteinhalb Stunden mit einer Leistungsminderung von 20 % bei langsamer Fortbewegung. Nicht möglich erachtete sie demgegenüber überwiegendes Stehen und Gehen, anhaltende Zwangshaltungen, Arbeiten in gebückter oder vornüber geneig- ter Haltung, Hocken und Knien, Gehen auf unebenem Gelände und auch längeres Abwärtsgehen, Springen, Steigen auf Leitern und Gerüste, häufi- ges Treppensteigen sowie Kälte-, Nässe- und Zugluftexposition, das Heben von Lasten in jeder Hinsicht, Überkopfarbeiten sowie stereotype Kopfbe- wegungen und Arbeiten mit sich wiederholenden Rotationsbewegungen des Oberkörpers. In einer ideal angepassten Tätigkeit sei der Beschwerde- führer ab Austritt aus der Rehaklinik E.________ am 9. August 2024 im genannten Ausmass arbeitsfähig. Von einer Verbesserung der Arbeits- fähigkeit könne nicht ausgegangen werden (S. 4). 3.2.3Im Bericht der Rehaklinik E.________ über die ambulante Dreimo- natskontrolle vom 11. November 2024 (act. II 61 S. 18) wurde ausgeführt, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -10- seit dem Austritt aus der Rehaklinik E.________ sei der Beschwerdeführer insgesamt recht gut bzw. besser als befürchtet zurecht gekommen. Aber er benötige für alles mehr Zeit. Zusammen mit den Therapien, Alltagsverrich- tungen, Haushalt und Freizeit sei der Tag weitgehend ausgefüllt. Kraft und Gleichgewicht sowie Laufleistung seien besser geworden. Treppensteigen sei anfangs etwas schwer gewesen, inzwischen gehe es besser. Bei Rü- ckenlage schliefen Arme und Beine noch etwas ein. Der Beschwerdeführer befinde sich in einem guten Allgemein- und gebessertem Rehabilitations- zustand. Bei weiter vorliegendem Übergewicht habe er sein Gewicht erneut reduzieren können. Die funktionellen Beeinträchtigungen zeigten sich im Vergleich zum Vorbefund verbessert, sowohl hinsichtlich der sensiblen De- fizite wie auch der Motorik. Auffällig sei jedoch eine deutliche gestörte Tiefensensibilität sowohl im Bereich der oberen, stärker noch im Bereich der unteren Extremitäten. Diese dürften auch für die beeinträchtigten Gleichgewichtsreaktionen und Koordination verantwortlich sein. Fähigkei- ten und Aktivitäten zeigten seit der Entlassung eine weitere Besserung un- ter der ambulanten physio- und ergotherapeutischen Förderung sowie dem konsequenten Eigentraining. Der Beschwerdeführer benötige jedoch noch einen deutlich erhöhten Zeitaufwand zur Erledigung von activities of daily living, Haushaltsführung, Einkäufen etc. (S. 19). Bei Zunahme der neuropa- thischen Beschwerden wäre zusätzlich eine neurologische Vorstellung mit elektrophysiologischer Diagnostik aufzugleisen, zur Klärung, ob diese ge- gebenenfalls unabhängig von der Rückenmarkschädigung zu sehen sei (S. 20). 3.2.4Im Bericht der Rehaklinik E.________ über die Sprechstunde vom 11. November 2024 (act. II 61 S. 32) wurde ausgeführt, dass die angege- benen Sensibilitätsstörungen der Finger dem Innervationsgebiet des Ner- vus medianus entsprächen. In der letztmaligen Elektroneurographie vom 28. Februar 2024 sei ein leichtgradiges Karpaltunnelsyndrom rechts grös- ser als links nachgewiesen worden. Anamnese und klinische Untersuchung liessen aber weiterhin eher auf eine zervikale Genese schliessen. Es sei die Operation des Karpaltunnelsyndroms links diskutiert worden. Die Koor- dinationsschwierigkeit der linken Hand sei auf die Schwäche der intrinsi- schen Muskulatur zurückzuführen, welche sicherlich durch die Rücken- marksverletzung bedingt sei. Der Beschwerdeführer wünsche den Verlauf Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -11- noch abzuwarten und habe um nochmalige handchirurgische Kontrolle im Rahmen der paraplegiologischen Sechsmonatskontrolle gebeten (S. 33). 3.2.5Im Bericht der Rehaklinik E.________ über die Sechsmonatskon- trolle vom 10. Februar 2025 (act. II 60) wurde festgehalten, dass der Be- schwerdeführer hinsichtlich des Laufens unter Belastung zunehmend einen "heissen" Schmerz empfinde, sich eingeengt fühle (Fussinnenseite über Ferse, wenn schlimm dann hochziehend über Unterschenkel, Aussenseite Oberschenkel, Gesäss links). Von der Kraft her habe er den Eindruck, dass er eher gut von seinem Eigentraining profitiert habe. Neurologisch fände sich unverändert eine Querschnittlähmung C4, AIS D. Die funktionellen Beeinträchtigungen zeigten sich im Vergleich zum Vorbefund in etwa kon- stant, sowohl hinsichtlich der sensiblen Defizite wie auch der Motorik (S. 2). Bei der Prüfung der Gelenkbeweglichkeit falle eine schmerzhaft einge- schränkte Beweglichkeit im Bereich der rechten Hüfte mit typischem Kap- selmuster auf, hinweisend auf eine artikuläre/kapsuläre Genese. Diese könne ursächlich am asymmetrischen Gangbild mitbeteiligt sein. Aus para- plegiologischer Sicht seien auch zukünftig, mehr noch als bereits zuvor, Tätigkeiten mit anhaltendem Stehen und Gehen, Zwangshaltungen, Arbei- ten in gebückter vorn übergeneigter Haltung, Hocken und Knien, Gehen auf unebenem Gelände sowie längeres bergauf und bergab gehen, springen, steigen auf Leitern und Gerüste, häufiges Treppensteigen sowie Kälte, Nässe und Zugluftexpositionen nicht zumutbar. Weiter seien das Heben von Lasten in jeder Hinsicht, Überkopfarbeiten sowie stereotype Kopfbe- wegungen und das Arbeiten mit sich wiederholenden Rotationsbewegun- gen des Oberkörpers zu meiden. Neu hinzugetreten seien aufgrund der Hand und feinmotorischen Beeinträchtigungen in Kraftdosierung und Koor- dination, Tätigkeiten, die feinmotorische oder höher koordinative Fähigkei- ten an die Hand- und Fingerfunktion stellten. Auch bei leichten Tätigkeiten, die dem Fähigkeitsprofil entsprächen und bei idealem Arbeitsumfeld werde das aktuelle Pensum noch etwas reduziert gesehen, insbesondere auf- grund des noch erhöhten zeitlichen Bedarfs für die Alltagsverrichtungen und Bewältigung des Haushalts. Zudem sei weiter eine Leistungsminde- rung in diesem angepassten Umfeld von ca. 20 % weiter bestehend infolge der hinzugetretenen Defizite infolge der Myelopathie (S. 3). Nach dem Aus- tritt sei eine Rückkehr an den gleichen Arbeitsplatz vorgesehen gewesen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -12- Da sich das Arbeitsklima in den letzten Jahren zum negativen entwickelt habe und Alltagsbewältigung und Therapien den Tag ausfüllten, wäre dem Beschwerdeführer auch daran gelegen, weniger tätig zu sein. Eine IV- Anmeldung sei erfolgt (S. 6). 3.2.6Die Hausärztin Dr. med. H.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 10. Februar 2025 (act. II 61 S. 34 f.) aus, der Beschwerdeführer habe aufgrund der Sensibilitätsstörung an den Fingern beider Hände die Arbeit als … bis heute nicht wieder aufnehmen können (S. 34). Aus gesundheitlichen Gründen habe er die Bewerbung für die Arbeit in der G.________ per Ende Dezember 2024 zurückgezogen (S. 35). 3.2.7Die RAD-Ärztin Dr. med. C.________ hielt in der im Rahmen der Beschwerdeantwort eingereichten Stellungnahme vom 3. März 2025 (in den Gerichtsakten) fest, die aktuelle Einschätzung aus der Rehaklinik E.________ sei nachvollziehbar. Die Reduktion der täglichen Arbeitszeit auf ein Pensum von 80 % zur Gewährleistung der Wahrnehmung der The- rapien und selbständiger Haushaltsführung erscheine begründet. Die zu- sätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 20 % bestehe weiterhin durch langsamere Arbeitsweise und erhöhten Pausenbedarf. 3.3Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -13- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweis- wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs- sigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354; SVR 2022 UV Nr. 3 S. 7, 8C_131/2021 E. 3.2). Auch reine Aktengutachten können beweiskräf- tig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizini- schen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen Regionaler Ärztlicher Dienste (SVR 2020 IV Nr. 38 S. 133, 9C_651/2019 E. 4.3). Urteilt das Gericht in- dessen abschliessend gestützt auf Beweisgrundlagen, die aus dem Verfah- ren vor dem Sozialversicherungsträger stammen, sind an die Beweiswürdi- gung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 122 V 157 E. 1d S. 162). 3.4Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfü- gung vom 21. Januar 2025 (act. II 59) auf die versicherungsmedizinischen Beurteilungen der RAD-Ärztin Dr. med. C.________ vom 31. Oktober 2024 (act. II 47) bzw. im Rahmen der Beschwerdeantwort auf diejenige vom 3. März 2025 (in den Gerichtsakten). Letzterer Bericht erfüllt die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweiswert solcher Aktenbeur- teilungen gestellten Anforderungen. Die darin enthaltenen Feststellungen und Ausführungen sind in Kenntnis bzw. Würdigung der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Einschränkungen getroffen worden. Gestützt darauf hat die RAD-Ärztin die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesund-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -14- heitszustand und dessen Verlauf nachvollziehbar begründet dargestellt. Dass Dr. med. C.________ keine klinische Exploration durchgeführt hat, ist nicht zu beanstanden, konnte sie sich aufgrund der vorhandenen umfas- senden Unterlagen doch ein gesamthaft lückenloses Bild verschaffen (vgl. E. 3.3 hiervor) und wären aus einer persönlichen Untersuchung keine zu- sätzlichen Erkenntnisse zu erwarten gewesen, zumal sich die Einschätzung mit derjenigen der behandelnden Ärzte deckt. Damit kommt der RAD- Beurteilung voller Beweiswert zu, was zwischen den Parteien denn auch unbestritten ist (vgl. Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 10. April 2024). Gestützt auf diese Beurteilung ist erstellt, dass der Beschwerdefüh- rer in einer angepassten Tätigkeit (vgl. zum Zumutbarkeitsprofil act. II 47 i.V.m. act. II 60 S. 3) 80 % arbeitsfähig ist, wobei zusätzlich eine Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % besteht (anders als in der Ein- gabe des Beschwerdeführers vom 10. April 2025, S. 2, implizit angenom- men, beträgt die Arbeitsunfähigkeit deshalb nicht 60 %). Auf dieser Grund- lage ist nachfolgend die Invaliditätsbemessung vorzunehmen. 4. 4.1Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 4.2Für die Ermittlung des Einkommens ohne Invalidität (Validenein- kommen; Art. 16 ATSG) ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (BGE 134 V 322 E. 4.1 S. 325). Das Valideneinkommen bestimmt sich an- hand des zuletzt vor Eintritt der Invalidität tatsächlich erzielten Erwerbsein- kommens. Unterlag das in den letzten Jahren vor Eintritt der Invalidität er- zielte Erwerbseinkommen starken Schwankungen, so wird auf ein ange-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -15- messenes Durchschnittseinkommen abgestellt (Art. 26 Abs. 1 IVV). Kann das tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen nicht oder nicht hinreichend genau bestimmt werden, so wird das Einkommen ohne Invalidität nach statistischen Werten nach Art. 25 Abs. 3 IVV für eine Person bei gleicher Ausbildung und entsprechenden beruflichen Verhältnissen festgelegt (Art. 26 Abs. 4 IVV). Erzielt die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität ein Erwerbsein- kommen, so wird ihr dieses als Einkommen mit Invalidität (Art. 16 ATSG) angerechnet, sofern sie damit ihre verbliebene funktionelle Leistungsfähig- keit in Bezug auf eine ihr zumutbare Erwerbstätigkeit bestmöglich verwertet (Art. 26 bis Abs. 1 IVV). Liegt kein anrechenbares Erwerbseinkommen vor, so wird das Einkommen mit Invalidität nach statistischen Werten gemäss Art. 25 Abs. 3 IVV bestimmt. Bei versicherten Personen nach Art. 26 Abs. 6 IVV sind in Abweichung von Art. 25 Abs. 3 IVV geschlechtsunabhängige Werte zu verwenden (Art. 26 bis Abs. 2 IVV). Vom statistisch bestimmten Wert nach Abs. 2 werden 10 % abgezogen. Kann die versicherte Person aufgrund ihrer Invalidität nur noch mit einer funktionellen Leistungsfähigkeit nach Art. 49 Abs. 1 bis IVV von 50 % oder weniger tätig sein, so werden 20 % abgezogen. Weitere Abzüge sind nicht zulässig (Art. 26bis Abs. 3 IVV). 4.3Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns massgeblich, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfälli- ge rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfü- gungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 150 V 67 E. 4.1 S. 69, 143 V 295 E. 4.1.3 S. 300, 129 V 222). 4.4Die Beschwerdegegnerin setzte mit Blick auf die Neuanmeldung vom Mai 2024 (act. II 27) und unter Berücksichtigung der sechsmonatigen Karenzfrist (Art. 29 Abs. 1 IVG) den Beginn des Rentenanspruchs auf No- vember 2024 fest (vgl. Beschwerdeantwort lit. A Rechtsbegehren Ziff. 1). Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch das Wartejahr, wonach während einem Jahr eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 40 % bestanden haben muss (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), noch nicht erfüllt. Zwar bestand seit Dezember 1997 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als ... (act. II 12 S. 6). Allerdings hatte der Beschwerdeführer seine letzte Stelle Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -16- als ... bereits im September 1996 aus wirtschaftlichen und damit invali- ditätsfremden Gründen verloren (act. II 7.1 S. 73, 12 S. 5), womit er in die- sem Beruf erst später arbeitsunfähig wurde. In einer angepassten Tätigkeit bestand demgegenüber seit jeher eine vollständige Arbeitsfähigkeit (act. II 12 S. 6). Folglich kann für die Arbeitsunfähigkeit nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG nicht allein auf die frühere Tätigkeit als ... abgestellt werden (vgl. hierzu Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute BGer] I 943/06 vom 13. April 2007 E. 5.1.3, in welchem ausgeführt wurde, dass wenn vor einem Unfall bereits aus unfallfremden Gründen der frühere Beruf aufgegeben worden sei und – als Arbeitsloser – grundsätzlich auch andere Tätigkeiten in Frage gekommen wären, für die Arbeitsunfähigkeit nicht allein auf die frühere – im Unfallzeitpunkt bereits nicht mehr ausgeüb- te – Tätigkeit abgestellt werden könne). Vielmehr war das Wartejahr vorlie- gend neu zu absolvieren. Eine erneute (100%ige) Arbeitsunfähigkeit ist erstmals im April 2024 ausgewiesen, womit das Wartejahr im April 2024 zu laufen begann. Folglich fällt der frühestmögliche Rentenbeginn – entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin – auf April 2025. Der Beschwerdeführer verlor seine letzte Stelle als ... aus wirtschaftlichen Gründen 1996 (vgl. act. II 7.1 S. 73), womit nicht überwiegend wahrschein- lich erstellt ist (vgl. zum Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429; SVR 2022 UV Nr. 41 S. 161, 8C_457/2021 E. 3.3), dass er im Gesundheitsfall weiterhin an dieser Stelle tätig wäre. Seither ging er überdies keiner Arbeitstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr nach (vgl. act. II 7.1 S. 28, 35 S. 3). Das Valideneinkommen ist daher anhand von Tabellenlöhnen zu bestimmen. Die Beschwerdegegnerin stellte folglich zu Recht auf die Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik [BFS] 2022, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Sektor 16-18 Herstel- lung von Holzwaren u Papier; Druckerzeugnisse, Männer, Kompetenzni- veau 1 (Fr. 5'340.--), ab (vgl. hierzu auch vgl. BFS, NOGA 2025, Allgemei- ne Systematik der Wirtschaftszweige, Erläuterungen S. 76 zu Ziff. 16]). Dies ist nicht zu beanstanden. Zwar war der Beschwerdeführer nach dem Lehrabschluss während rund zehn Jahren als ... tätig (vgl. act. II 7.1 S. 28). Allerdings ist nicht aktenkundig, dass er über besondere Fertigkeiten und Kenntnisse, wie etwa Führungserfahrung, zusätzliche formale Weiterbil- dungen, wie beispielsweise zum … oder …, oder – insbesondere auch mit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -17- Blick auf die jeweilige kurze Anstellungsdauer – über andere während der Berufsausübung erworbene besondere Qualifikationen verfügt, die ein Ab- stellen auf das Kompetenzniveau 2 als gerechtfertigt erscheinen lassen (Urteil des BGer 8C_456/2022 vom 6. April 2023 E. 5.3.1 [worin auf das Urteil des BGer 8C_5/2020 vom 22. April 2020 E. 5.3.2 Bezug genommen wird, in welchem bei einem gelernten ..., der Ausbildungen zum … und … absolvierte, in diesen Funktionen auch tätig war und schliesslich sein eige- nes Unternehmen im Bereich des …gewerbes gründete und führte, auf Kompetenzniveau 2 abgestellt wurde]). Angepasst an die betriebsübliche Wochenarbeitszeit (BFS, Betriebsübliche Wochenarbeitszeit nach Wirt- schaftsabteilungen, lit. C Ziff. 16-18, 2023 [mangels verfügbarer Werte für das Jahr 2024 bzw. 2025]: 41.7) und indexiert pro 2023 (mangels verfügba- rer Werte für das Jahr 2024 bzw. 2025 gemäss Tabelle T1.1.10, Nominal- lohnindex, Männer 2010 - 2023, lit. C Ziff. 10-33, 2022: 106.3, 2023: 108.5) resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 68'185.95 (Fr. 5'340.-- x 12 / 40 x 41.7 / 106.3 x 108.5). Da der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit nicht verwertet, ist zur Bestimmung des Invalideneinkommens ebenfalls auf Tabellenlöhne abzu- stellen. Mit Blick auf das Zumutbarkeitsprofil stellte die Beschwerdegegne- rin zu Recht auf die LSE 2022 Tabelle TA1_tirage_skill_level, Total, Män- ner, Kompetenzniveau 1 (Fr. 5’305.--), ab. Angepasst an die betriebsübli- che Wochenarbeitszeit (BFS, Betriebsübliche Wochenarbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, lit. A-S Ziff. 01-96 Total, 2023 [mangels verfügbarer Werte für das Jahr 2024 bzw. 2025]: 41.7), indexiert pro 2023 (mangels verfügbarer Werte für das Jahr 2024 bzw. 2025 gemäss Tabelle T1.1.10, Nominallohnindex, Männer 2010 - 2023, lit. B-S Ziff. 05-96 Total, 2022: 107.1, 2023: 108.9) und unter Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit von 80 % ergibt sich ein Betrag von Fr. 53'984.75 (Fr. 5'305.-- x 12 / 40 x 41.7 / 107.1 x 108.9 x 0.8). Wird zusätzlich die Leistungseinschränkung von 20 % und der Pauschalabzug von 10 % (vgl. E. 4.2 hiervor) berücksichtigt, resul- tiert ein Invalideneinkommen von Fr. 38’869.--. Folglich resultiert ab April 2025 ein Invaliditätsgrad von gerundet 43 % ([Fr. 68'185.95 - Fr. 38’869.-- x 100] / Fr. 68'185.95; vgl. zur Rundung BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123; SVR 2019 IV Nr. 61 S. 196, 8C_575/2018 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -18- E. 7.1). Damit hat der Beschwerdeführer Anspruch auf 32.5 % einer gan- zen Rente (Art. 28 Abs. 4 lit. b IVG; vgl. E. 2.3 hiervor). 5. Zusammenfassend ist in Gutheissung der Beschwerde die angefochtene Verfügung vom 21. Januar 2025 (act. II 59) aufzuheben und dem Be- schwerdeführer ab 1. April 2025 32.5 % einer ganzen Rente zuzusprechen. 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab- hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule- gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). 6.2Die durch eine Organisation der öffentlichen Sozialhilfe vertretene versicherte Person hat trotz Obsiegens keinen Anspruch auf Parteien- tschädigung (BGE 126 V 11 E. 1 - 5 S. 11). 6.3Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das Interesse an der Beur- teilung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege dahingefallen. Ent- sprechend ist das Verfahren um Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben (MICHEL DAUM, in: HERZOG/DAUM [Hrsg.], Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 2. Aufl. 2020, Art. 39 N. 1).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2025, IV 200 2025 123 -19- Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Bern vom 21. Januar 2025 aufgehoben und dem Beschwer- deführer ab 1. April 2025 eine Rente von 32.5 % einer ganzen Rente zugesprochen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben. 5. Zu eröffnen (R): - Sozialamt der B.________, Fürsprecherin D.________ z.H. des Be- schwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.