<h2>SubmittedText<h2><p>Jedes Jahr erfassen Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz zwischen 100 000 und mehr als 300 000 Fälle von saisonaler Grippe, wovon jeweils mindestens 400 Fälle tödlich enden. Diese Zahlen variieren je nach Jahr und Ansteckungsfähigkeit der Influenza-A-Viren und Influenza-B-Viren, die die Epidemie verursachen. Momentan ist die Situation aufgrund von Covid-19 noch besorgniserregender.</p><p>Eine Person könnte sich somit gleichzeitig mit der Grippe und mit Covid-19 anstecken oder zuerst mit der einen und darauf mit der anderen Krankheit, wenn man bedenkt, dass solche Krankheiten das Immunsystem schwächen. Dadurch werden die Diagnose-, Tracing- und Behandlungsverfahren noch komplexer. Es scheint bereits jetzt so, als würden die verfügbaren Grippe-Impfdosen nicht ausreichen, damit sich die gesamte Bevölkerung impfen lassen kann: Angehörigen von Risikogruppen wird empfohlen, eine Impfung zu reservieren. </p><p>Sollte die Schweiz mit diesen beiden Epidemien gleichzeitig konfrontiert werden, stünde sie vor einer enormen medizinischen Herausforderung, ist es doch für das Gesundheitssystem schon schwer, eine Epidemie auf einmal zu bewältigen.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie sieht die Strategie des Bundesrats aus, sollten wir mit zwei Epidemien gleichzeitig konfrontiert werden?</p><p>2. Besteht nicht die Gefahr, dass durch den Wettlauf um einen Impfstoff gegen Covid-19 die Produktionskreisläufe "traditioneller" Impfstoffe gegen die Grippe, aber z. B. auch gegen Masern oder Hepatitis, lahmgelegt werden?</p><p>3. Hat der Bundesrat vor, den Kantonen zu empfehlen, eine möglichst umfassende Impfung gegen die Grippe zu fördern oder gar für obligatorisch zu erklären, sollte sich die gesundheitliche Krise auf die gesamte Schweiz ausdehnen? </p><p>4. Plant der Bundesrat eine nationale Kampagne, um die Bevölkerung zu sensibilisieren und die Grippeimpfung zu fördern?</p><p>5. Wie würde gemäss dem Bundesrat die Kostenverteilung aussehen, sollte eine Impfung für obligatorisch erklärt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p><b>1.</b> Der Bundesrat ist sich der Gefahr einer gleichzeitigen Epidemie bewusst und hat deshalb   das Bundesamt für Gesundheit (BAG) frühzeitig aufgefordert, für zusätzliche Grippeimpfdosen zu sorgen. Zudem wirken die gegen Covid-19 empfohlenen Hygiene- und Verhaltensmassnahmen auch gegen die Übertragung der Grippeviren. Diese Massnahmen sollen während der Grippesaison deshalb verstärkt propagiert werden.</p><p><b>2.</b> Dem Bundesrat ist nicht bekannt, dass wegen des Wettlaufes um die Produktion von Impfstoff gegen Covid-19 die herkömmliche Produktion anderer Impfstoffe beeinträchtigt würde. Es ist gut möglich, dass die intensive Forschung rund um Covid-19 Impfstoffe auch bei der Herstellung herkömmlicher Impfstoffe einen Innovationsschub verleihen wird. Zum Beispiel in Bezug auf neue Herstellungsmethoden. Abschliessend lässt sich das jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. </p><p><b>3. und 5.</b> Die Kantone wurden und werden vom BAG laufend über die bestehenden Grippeimpfempfehlungen und die verfügbaren Grippeimpfstoffe informiert sowie auf die Wichtigkeit des Schutzes, insbesondere von Risikogruppen, durch die Grippeimpfung hingewiesen. Ein Impfobligatorium auf nationaler Ebene ist in der Schweiz zurzeit nicht vorgesehen.</p><p><b>4.</b> Das BAG führt im Herbst 2020 keine spezielle Grippeimpfkampagne durch. Unter anderem auch deshalb, weil die Nachfrage nach Grippeimpfdosen bereits sehr hoch und gleichzeitig die Verfügbarkeit von Grippeimpfstoffdosen weltweit beschränkt ist. Die Kommunikation zur Grippe erfolgt auf verschiedensten Kanälen direkt an Fachpersonen, Bevölkerung und Kantone sowie indirekt via Medien. Dazu gehören Medienmitteilungen, Artikel im BAG-Bulletin und Informationsbriefe an Gesundheitsfachpersonen sowie die Webseiten des BAG. Auf www.schutzvordergrippe.ch stehen zudem Poster, Broschüren und Informationsmaterialien zur Verfügung. Die Kommunikation zur Grippe erfolgt 2020 in enger Koordination mit der Kampagne gegen Covid-19 "So schützen wir uns". Informationsmaterialien zur Grippe wurden an die Covid-19-Pandemie angepasst. Der Nationale Grippeimpftag findet am 06.11.2020 in Arztpraxen und Apotheken statt. Ausserdem ist der Bund weiterhin daran, mit Grippeimpfstoffherstellern die Lieferung von zusätzlichen Impfdosen zu vereinbaren. 2020 werden mehrere 100'000 Impfdosen zusätzlich als in den Vorjahren zur Verfügung stehen, um den erwarteten erhöhten Bedarf abzudecken. Ein Teil dieser Dosen wird gegen Jahresende in der Schweiz eintreffen. Dies genügt, um vor dem Beginn der Grippewelle geimpft zu werden. Diese beginnt in der Schweiz meistens im Januar oder Februar.<b></b></p>  Antwort des Bundesrates.