Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. Oktober 2021 (810 21 66) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nachträglicher Familiennachzug aus wichtigen familiären Gründen Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Gerichtsschreiberin i.V. Giulia Kiefer Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer B.____ , Beschwerdeführerin, beide vertreten durch Oliver Borer, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Verweigerung des Familiennachzugs (RRB Nr. 264 vom 2. März 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die miteinander verheirateten nordmazedonischen St aatsangehörigen A.____ (geb. 1980) und B.____ (geb. 1983) verfügen über eine Nie derlassungsbewilligung in der Schweiz. Im Jahr 2004 wurde die Tochter C.____ und im Jahr 200 6 der Sohn D.____ in der Schweiz geboren. Sie erhielten nach ihrer Geburt eine Niederlassungsbewilligung. B. Am 21. April 2010 wandte sich A.____ an das Migrati onsamt des Kantons Solothurn (Mi- grationsamt Solothurn) und ersuchte um Information, w as mit der ausländerrechtlichen Bewilli- gung der Tochter C.____ geschehe, wenn diese die Grundschule in Nordmazedonien besuchen würde. C. Am 18. Mai 2010 meldete A.____ C.____ für die er ste Klasse des Schuljahres 2010/2011 in der Schule E.____ in Nordmazedonien an (Bestätigung der Schule vom 20. Mai 2010). Seither lebt C.____ in Nordmazedonien bei ihren Grosseltern mütterlicherseits. D. Am 1. Juni 2010 teilte das Migrationsamt Solothurn A.____ mit, dass die Niederlas- sungsbewilligung sechs Monate nach dem Verlassen der Schw eiz ohne entsprechende Abmel- dung erlösche, sofern keine Reservationsgründe vorlägen. Da vorliegend keine Reservations- gründe erfüllt seien, könne die Niederlassungsbewillig ung von C.____ nicht aufrechterhalten werden. Im Falle der Rückkehr in die Schweiz verbleibe C .____ die Möglichkeit, um eine Kurz- aufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligung zu ersuchen, s ofern ihr früherer Aufenthalt in der Schweiz mindestens fünf Jahre gedauert habe und ihre fre iwillige Ausreise aus der Schweiz nicht länger als zwei Jahre zurückliege. Das Migrationsamt Solothurn wies A.____ schliesslich darauf hin, dass – sollte C.____ später einmal in der S chweiz leben wollen – es wichtig sei, dass sie die Sprache beherrsche und insbesondere hier zur Schule gehe, andernfalls sie hier später mit Integrationsschwierigkeiten zu kämpfen haben werde. E. Am 8. Oktober 2014 bat A.____ beim Migrationsamt S olothurn um eine Bestätigung der Reservation der Niederlassungsbewilligung für C.____. D as Migrationsamt Solothurn teilte A.____ am 13. Oktober 2014 mit, dass das Gesuch bereits am 11. Juni 2010 abgewiesen worden sei und, sollte C.____ wieder in die Schweiz zur ückkehren wollen, ein Gesuch um Fa- miliennachzug gestellt werden müsse. Das Migrationsamt Solothurn machte ihn darauf auf- merksam, dass der Anspruch um Familiennachzug innerhalb v on fünf Jahren geltend gemacht werden müsse. Kinder über zwölf Jahre müssten innerhalb von zwölf Monaten nachgezogen werden. Ein nachträglicher Familiennachzug könne nur b ei Vorliegen von wichtigen Gründen bewilligt werden. F. Am 23. Januar 2019 stellte A.____ beim Migrationsam t Solothurn ein Gesuch um Fami- liennachzug für C.____. G. Das Migrationsamt Solothurn wies am 25. Februar 20 19 das Familiennachzugsgesuch ab. Auf die von A.____ und B.____, vertreten durch Re chtsanwalt Daniel Wagner, dagegen erhobene Beschwerde vom 8. März 2019 trat das Verwaltun gsgericht des Kantons Solothurn (Verwaltungsgericht Solothurn) mangels Leistung des Koste nvorschusses am 8. April 2019 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht ein. Mit Urteil vom 25. April 2019 lehnte das V erwaltungsgericht Solothurn ein Gesuch um Wiederherstellung der Frist ab. H. Seit dem 1. August 2019 wohnen A.____ und B.____ in F.____ (Kanton Basel-Land- schaft). I. Am 24. Oktober 2019 stellten A.____ und B.____, ve rtreten durch Rechtsanwalt Daniel Wagner, beim Amt für Migration des Kantons Basel-Landsc haft (AFM; heute Amt für Migration und Bürgerrecht [AFMB]) ein Gesuch um Familiennachzug für C.____. Mit Verfügung vom 18. September 2020 wies das AFMB das Gesuch ab. J. Dagegen reichten A.____ und B.____, nunmehr vertret en durch Rechtsanwalt Oliver Borer, am 25. September 2020 beim Regierungsrat des K antons Basel-Landschaft (Regie- rungsrat) Beschwerde ein. Sie beantragten die Aufhebun g der Verfügung vom 18. September 2020, die Bewilligung des Familiennachzugs für C.____, die Ausstellung einer Einreise- sowie einer Niederlassungsbewilligung, eventualiter einer A ufenthaltsbewilligung, für C.____; dies unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Staates und unter Ausrichtung einer angemessenen Par- teientschädigung. K. Mit Beschluss Nr. 2021-264 vom 2. März 2021 wies der Re gierungsrat die Beschwerde kostenfällig ab. L. Mit Beschwerde vom 15. März 2021 gelangen A.____ un d B.____, wiederum vertreten durch Rechtsanwalt Oliver Borer, an das Kantonsgericht, A bteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragen, es seien der Beschluss Nr. 2021-264 vom 2. März 2021 sowie die Verfügung vom 18. September 2020 aufzuh eben, es sei C.____ der Familien- nachzug zu gewähren und es sei ihr eine Aufenthaltsbew illigung zu erteilen; dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. M. Der Beschwerdegegner beantragt in seiner Vernehml assung vom 9. Juni 2021 unter Verweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. N. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden reichte am 19. Juli 2021 eine Honorar- note ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügun gen und Entscheide des Regierungs- rats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kanton sgericht zulässig. Da weder ein Aus- schlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilun g der vorliegenden Beschwerde gege-Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben. Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde bef ugt, wer durch die angefochtene Ver- fügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist un d ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Die Beschwerdefüh renden sind Adressaten des ange- fochtenen Entscheids und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 1.2 Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nach § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Verweig erung des Familiennachzugs für C.____ zu Recht erfolgte. 3. Nach Art. 43 Abs. 1 und 3 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän- der und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 haben ledige Kinder unter 18 Jah- ren von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewil- ligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (werden). G emäss Art. 47 Abs. 1-3 AIG und Art. 73 Abs. 1-2 der Verordnung über Zulassung, Aufe nthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 muss dieser Anspruch auf Familiennachzug für Kinder unter 12 Jahren inner- halb von 5 Jahren, für Kinder über 12 Jahren innerh alb von 12 Monaten nach Entstehung des Familienverhältnisses oder der Erteilung der Aufenthal ts- oder Niederlassungsbewilligung gel- tend gemacht werden. Das am 24. Oktober 2019 gestellt e Einreisegesuch erfolgte unbestritte- nermassen verspätet, weshalb im Folgenden zu prüfen ist , ob die Voraussetzungen für einen nachträglichen Familiennachzug im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG erfüllt sind. 4.1 Die Beschwerdeführenden rügen eine ungenügende bzw . inkorrekte Sachverhaltsfest- stellung sowie (implizit) eine falsche rechtliche Würdig ung, indem die Vorinstanz das Vorliegen wichtiger familiärer Gründe für den Familiennachzug a usserhalb der Fristen gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG verneint habe. Des Weiteren machen die Beschwe rdeführenden eine Verletzung des Schutzes des Privat- und Familienlebens (Art. 8 der K onvention zum Schutze der Men- schenrechte und Grundfreiheiten [EMRK] vom 4. November 1950 und Art. 13 Abs. 1 der Bun- desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) geltend. 4.2 Wichtige familiäre Gründe im Sinne von Art. 47 A bs. 4 AIG liegen vor, wenn das Kin- deswohl nur durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann (Art. 75 VZAE). Ent- gegen dem Wortlaut dieser Verordnungsbestimmung ist dabei nach der Rechtsprechung jedoch nicht ausschliesslich auf das Kindeswohl abzustellen; es bed arf vielmehr einer Gesamtschau unter Berücksichtigung aller relevanten Elemente im Ei nzelfall (Urteile des Bundesgerichts 2C_1011/2019 vom 21. April 2020 E. 3.3.6; 2C_303/20 14 vom 20. Februar 2015 E. 6.1; 2C_174/2012 vom 22. Oktober 2012 E. 4.1; 2C_888/2011 vom 20. Juni 2012 E. 3.1). Dabei ist dem Sinn und Zweck der Fristenregelung Rechnung zu trag en, welche die Integration der Kin-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der erleichtern will, indem diese durch einen frühze itigen Nachzug unter anderem auch eine möglichst umfassende Schulbildung in der Schweiz geniessen sollen. Zudem geht es darum, Nachzugsgesuchen entgegenzuwirken, die rechtsmissbräuchlich erst kurz vor Erreichen des er- werbstätigen Alters gestellt werden und bei denen die erleichterte Zulassung zur Erwerbstätig- keit und nicht (mehr) die Bildung einer echten Familie ngemeinschaft im Vordergrund steht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_624/2020 vom 1. Februar 2021 E. 3.3; 2C_467/2016 vom 13. Februar 2017 E. 3.1.2; 2C_176/2015 vom 27. August 2015 E. 3.1). Die Bewilligung des Nachzugs nach Ablauf der Fristen hat nach dem Willen de s Gesetzgebers die Ausnahme zu bleiben; dabei ist Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AIG bzw. Art. 73 Abs. 3 VZAE jeweils aber dennoch so zu handhaben, dass der Anspruch auf Schutz des Familie nlebens nach Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV nicht verletzt wird (Urteile des Bundesgericht s 2C_347/2020 vom 5. August 2020 E. 3.4; 2C_97/2013 vom 26. August 2013 E. 2.3 mit Hi nweisen). Praxisgemäss geht das Bun- desgericht davon aus, dass eine Familie, die freiwillig jahrelang getrennt gelebt hat, dadurch ihr beschränktes Interesse an einem ortsgebundenen (gemeinsa men) Familienleben zum Aus- druck bringt. In einer solchen Konstellation, in der di e familiären Beziehungen während Jahren über die Grenzen hinweg besuchsweise und über die moder nen Kommunikationsmittel gelebt werden, überwiegt regelmässig das der ratio legis von Art. 47 Abs. 4 AIG zugrundeliegende legitime Interesse an der Einwanderungsbeschränkung, sola nge nicht objektive, nachvollzieh- bare Gründe, welche von den Betroffenen zu bezeichnen und zu rechtfertigen sind, etwas an- deres nahelegen (Urteil des Bundesgerichts 2C_106/2021 vom 25. Juni 2021 E. 3.4, mit Hin- weisen). Ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG liegt hingegen vor, wenn die wei- terhin notwendige Betreuung der Kinder im Herkunftsla nd z.B. wegen des Todes oder der Krankheit der betreuenden Person nicht mehr gewährle istet ist. Praxisgemäss liegen keine sol- chen Gründe vor, wenn im Heimatland alternative Pfleg emöglichkeiten bestehen, die dem Kin- deswohl besser entsprechen, weil dadurch vermieden wer den kann, dass die Kinder aus ihrer bisherigen Umgebung und dem ihnen vertrauten Beziehung snetz gerissen werden. An den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimat land stellt die Rechtsprechung umso höhere Anforderungen, je älter das nachzuziehende Kind ist und je grösser die Integrations- schwierigkeiten erscheinen, die ihm hier drohen (Urtei le des Bundesgerichts 2C_1011/2019 vom 21. April 2020 E. 3.3.6; 2C_132/2012 vom 19. Sep tember 2012 E. 2.3.1; 2C_276/2011 vom 10. Oktober 2011 E. 4.1). 5.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, C.____ ver spüre den grossen Drang, wie- der bei ihrer Familie, d.h. bei den Beschwerdeführend en und ihrem Bruder, zu leben, zumal C.____ während der gesamten Zeit eine enge Beziehung zur Familie gepflegt und die Bindung zur Schweiz nie verloren habe. C.____ fühle sich in Nordmazedonien alleine und sei auf sich al- leine gestellt, da ihre Grossmutter sich aufgrund von sch weren, teilweise unheilbaren Krankhei- ten sowie des stark beeinträchtigten Seh- und Hörvermöge ns nicht mehr um sie kümmern kön- ne und der Grossvater, zu dem sie nie ein inniges Verhäl tnis gehabt habe, die Haushaltsfüh- rung bzw. die Betreuung nicht übernehme. Das kleine Dorf, in welchem C.____ bei ihren Gross- eltern wohne, biete schliesslich keine weiteren Betreuu ngsalternativen. Die Umstände hätten sich daher sowohl in Bezug auf die Betreuung als auch i n der familiären Situation von C.____ wesentlich verändert. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Der Regierungsrat hält dem entgegen, dass die Gro ssmutter von C.____ gemäss den Arztberichten gewisse gesundheitliche Beeinträchtigungen habe und eine vollumfängliche Betreuung nicht mehr möglich sei. Hingegen seien kein e Hinweise ersichtlich, welche darauf schliessen liessen, dass die Grossmutter die nicht allzu in tensive Betreuung von C.____ – sie war im Zeitpunkt der Gesuchstellung bereits 15 Jahre und 9 Monate alt – nicht mehr wahrneh- men könne. Sodann sei unwahrscheinlich, dass der Grossvate r sie im Stich lassen würde, wenn sie auf seine Betreuung angewiesen wäre. Zudem habe C.____ zu keinem Zeitpunkt eine fehlende Rücksichtnahme oder eine Vernachlässigung seitens ihrer Grosseltern beklagt. Schliesslich seien die Umsiedlung von C.____ nach Nordmazedonien sowie ihr dortiger langan- dauernder Aufenthalt freiwillig erfolgt. Vor diesem Hintergrund sei keine Kindeswohlgefährdung erkennbar, zumal durch die gute Integration von C.___ _ in Nordmezedonien dort keine unzu- mutbare Lebenssituation ersichtlich sei. 6.1 In Bezug auf den Gesundheitszustand der Grossmutter von C.____ sind in den vor- liegenden Akten diverse Arzt- und Operationsberichte v orhanden. So wurde bei ihr im Novem- ber 2017 ein nicht näher bezeichneter Knoten in der Brustdrüse entfernt, wobei sie im An- schluss in gutem Allgemeinzustand entlassen wurde (Operat ionsbericht vom 3. November 2017). Weiter bestehen bei ihr namentlich eine "Benig a-Neoplasie bei Hypophyse" (wohl eine benigne Neoplasie), eine nicht näher bezeichnete Schi lddrüsenunterfunktion, Störungen des Lipoproteinstoffwechsels und sonstige Lipidämien, sonstige Kopfschmerzsyndrome, Sehstörun- gen, ein beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindung sstörung, eine Presbyakusis, eine es- sentielle (primäre) Hypertonie, eine gastroösophageale Refluxkrankheit, eine Gastritis und Duo- denitis sowie Schwindel und Taumel (Arztberichte vom 28. Februar 2019, 11. Oktober 2019 und 9. Mai 2020). 6.2 Hinsichtlich des Befindens von C.____ kann ihren beide n schriftlichen Stellungnahmen entnommen werden, dass sie nach ein paar Jahren Aufenth alt in Nordmazedonien bemerkt habe, wie sehr sie ihre Familie in der Schweiz vermisse . Zudem beherrsche sie die deutsche Sprache und habe sämtliche Ferien- und Feiertage gen utzt, um ihre Familie in der Schweiz zu besuchen. Ihre Liebe zur Schweiz sei mit den Jahren gew achsen, weshalb sie nun gerne zu- rückkommen möchte. Da sie ihre Grundschule in Nordmazedon ien beendet habe, wünsche sie sich nun, die künftigen Jahre zusammen mit ihrer Familie zu verbringen und in der Schweiz das Gymnasium zu besuchen. Weiter seien ihre Grosseltern auf grund ihres Alters und ihrer Ge- sundheitsprobleme nicht mehr derart in der Lage, sich um sie zu kümmern, wie sie früher dazu im Stande gewesen seien. Schliesslich sei es ihrem Grossva ter aufgrund der örtlichen Distanz nicht möglich, sie jeden Tag zum Gymnasium und wieder nach Hause zu fahren. 6.3 Im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung (24. Oktober 20 19) war C.____ 15 Jahre und 9 Monate alt und lebte seit über neun Jahren in Nord mazedonien bei ihren Grosseltern, wo sie die Grundschule absolvierte. Es ist somit unbestritten, d ass C.____ sich während dieser Zeit in ihrer Heimat integriert und in einem vertrauten Bezie hungsnetz gelebt hat. Vor diesem Hinter- grund sind an den Nachweis der fehlenden Betreuungsmög lichkeiten für C.____ in Nordmaze- donien erhöhte Anforderungen zu stellen. Aus den vorlie genden Akten kann zwar geschlossen werden, dass die Grossmutter keinen optimalen Gesundheitszu stand und insbesondere gewis-Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht se altersbedingte Gebrechen aufweist. Es finden sich jedo ch keine Hinweise dafür, dass eine "unheilbare Krankheit" oder eine andere schwerwiegen de Krankheit es der Grossmutter verun- möglichen würde, C.____ altersgemäss zu betreuen. Zudem ist nicht dargelegt, inwiefern es für den Grossvater von C.____ ausgeschlossen sein sollte, gewisse a ltersentsprechende Betreu- ungsaufgaben ausserhalb des Haushalts zu übernehmen, wi e namentlich Fahrten zur Schule, zumal die Beschwerdeführenden in Bezug auf dessen Gesun dheitszustand keine Einschrän- kungen belegen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Weg zug von C.____ im Alter von sechs Jahren unbestrittenermassen freiwillig erfolgte un d die Beschwerdeführenden – obwohl C.____ gemäss eigenen Angaben bereits nach kurzer Daue r ihre Familie in der Schweiz ver- misst und sich eine familiäre Wiedervereinigung gewünscht habe – dem Abschluss ihrer Grund- schulausbildung in Nordmazedonien und damit der Sozial isierung in ihrem Heimatland und nicht in der Schweiz den Vorrang gaben. Somit verbringt C.____ seit Beginn der Schulzeit einen grossen Teil ihrer Zeit in Nordmazedonien und ist dementsprechend zum grossen Teil dort sozialisiert worden. Sodann ist aufgrund der lange n Aufenthaltsdauer von C.____ in Nord- mazedonien sowie ihrer fehlenden Schulbildung in der S chweiz – trotz ihrer Aufenthalte in der Schweiz während den Schulferien – im Falle eines Famil iennachzugs in die Schweiz mit erheb- lichen Schwierigkeiten bei der Integration in das Schul- und Berufsleben zu rechnen. Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführenden beherrscht C.___ _ nämlich die deutsche Sprache nicht bestens, wie sich aus dem von den Beschwerdeführend en eingereichten Deutschkurs- zertifikat vom 21. Juni 2018 der Stufe A2 – d.h. ledigl ich der zweiten von sechs möglichen Stu- fen – ergibt. Überdies ist darauf hinzuweisen, dass d as Migrationsamt Solothurn die Beschwer- deführenden zu Beginn darauf aufmerksam gemacht hatte, ihre bewusste Entscheidung, C.____ nicht in der Schweiz einschulen zu lassen, werde e rhebliche Auswirkungen auf ihre (Re-)Integration in der Schweiz haben und für eine fa miliäre Wiedervereinigung eine grosse Erschwernis sein (Mitteilung Migrationsamt Solothurn vo m 1. Juni 2010). Insgesamt erscheinen die bestehenden Betreuungsmöglichkeiten in Nordmazedon ien durch die Grosseltern mütter- licherseits angesichts des Alters von C.____ zur Wahrung des Kindeswohls ausreichend, zumal die Beschwerdeführenden weder substantiiert dargelegt noch nachgewiesen haben, dass stich- haltige Gründe vorliegen, die eine Änderung der Bet reuungsverhältnisse notwendig machen würden. Soweit sich die Beschwerdeführenden darauf ber ufen, dass eine Trennung von Ge- schwistern zu vermeiden sei, verkennen sie offensichtlich, dass sie selbst im Jahr 2010 freiwillig eine Trennung der Geschwister herbeigeführt haben. 7. Im Hinblick auf die von den Beschwerdeführenden ger ügte Verletzung des Schutzes des Privat- und Familienlebens ist schliesslich auf die bu ndesgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen, wonach Art. 13 BV und Art. 8 EMRK bei der Prüfung des Anspruchs auf nachträg- lichen Familiennachzug keine eigenständige Bedeutung zukommt (Urteile des Bundesgerichts 2C_1011/2019 vom 21. April 2020 E. 3.3.2; 2C_363/201 6 vom 25. August 2016 E. 2.1). Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, wichtige f amiliäre Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG aufzuzeigen, erübrigt sich eine separate Prüf ung von Art. 8 EMRK sowie Art. 13 Abs. 1 BV. Ebenso ist unter Berücksichtigung, dass keine w ichtigen familiären Gründe vorlie- gen, welche einen Familiennachzug in die Schweiz erford ern, die Verneinung der Härtefallbe- willigung durch die Vorinstanz nicht zu beanstanden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Soweit die Beschwerdeführenden im Übrigen eine mü ndliche Parteiverhandlung sowie eine mündliche Anhörung von C.____ gestützt auf Art. 12 des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes (KRK) vom 20. De zember 1989 verlangen, ist ihnen zu entgegnen, dass im vorliegenden Verfahren betreffend den Familiennachzug primär Umstände objektiver Natur zu berücksichtigen sind. Dem persönlichen Eindruck kann dabei keine überwie- gende Bedeutung zukommen, weshalb es verfassungsrechtlich zulässig ist, aufgrund der Akten zu entscheiden. Die Beschwerdeführenden hatten sowohl in den vorinstanzlichen Verfahren als auch im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren Ge legenheit, ihre Situation umfassend darzulegen, wovon sie auch mit diversen Eingaben Gebrau ch gemacht haben. Aufgrund der vorliegenden Aktenlage kann davon abgesehen werden, die Beschwerdeführenden persönlich anzuhören, zumal nicht ersichtlich ist, dass weitere rele vante Erkenntnisse in einer Anhörung ermittelt werden könnten. Demnach erübrigt sich die D urchführung einer mündlichen Partei- verhandlung und der entsprechende Antrag der Beschwer deführenden ist abzuweisen. In Be- zug auf die beantragte Anhörung von C.____ ist festzuha lten, dass Art. 12 KRK dort, wo das Verfahren hauptsächlich schriftlich geführt wird, wie n amentlich in ausländerrechtlichen Verfah- ren, nicht zwingend verlangt, dass das Kind persönlich ang ehört wird, sofern sein Gesichts- punkt angemessen, d.h. durch eine schriftliche Erklärung des Kindes selber oder seines Ver- treters ausgedrückt werden kann (Urteil des Bundesgericht s 2C_930/2012 vom 10. Januar 2013 E. 4.4.1, mit Hinweisen). Vorliegend wurden di e Interessen von C.____ durch die Be- schwerdeführenden, welche ihre gesetzlichen Vertreter sind , sowie die anwaltliche Vertretung eingehend vorgebracht. Die Aktenlage und die schriftl ichen Eingaben der Beschwerdeführen- den sowie von C.____ ermöglichten dem Gericht, sich das er forderliche Bild über die massgeb- lichen Verhältnisse zu machen. Daher erübrigt sich eine Anhörung von C.____ und der entspre- chende Antrag der Beschwerdeführenden wird abgewiesen. 9. Nach dem Gesagten ist die Verweigerung des Familie nnachzugs für C.____ nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist deshalb vollumfänglich abzuweisen. 10. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO i n der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Die Beschwerdef ührenden unterliegen vollum- fänglich, weshalb ihnen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- aufzuerlegen und mit dem von ihnen geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- zu verrechnen sind. Die Parteikosten sind ausgangsgemäss wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden den Be- schwerdeführenden auferlegt und mit dem geleisteten K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.