2019 1 Aufenthaltsbewilligung; Verhältnismässigkeit; Prüfung von Vollzugshinder- nissen im ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahren – Art. 5 Abs. 2 BV, Art. 33 Abs. 3, Art. 62 Abs. 1 lit. e, Art. 83 Abs. 4 und 6 sowie Art. 96 AIG. Wird die ausländerrechtliche Bewilligung verweigert, prüft die zuständige Behörde zugleich auch die Wegweisung umfassend und hat bei ihrem Entscheid allfälligen Vollzugshindernissen nachzugehen (E. 2). Erforderlich ist eine konkrete Einzelfallprüfung, welche sowohl die Interessenab- wägung im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung beschlägt, wie auch im Zuge der Prüfung allfälliger Vollzugshindernisse zu berücksichtigen ist . Wenn Wegweisungsvollzugshindernisse nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden kön- nen, hat die kantonale Behörde beim Staatssekretariat für Migration (SEM) ein Ge- such auf Anordnung der vorläufigen Aufnahme zu stellen (E. 4.5.3). OGE 60/2018/31 vom 15. Oktober 2019 Keine Veröffentlichung im Amtsbericht Sachverhalt X. verfehlte die Zielvereinbarungen der abgeschlossenen Integrationsvereinba- rung. Hierauf verlängerte das kantonale Migrationsamt zwar seine Aufenthaltsbe- willigung, verwarnte ihn aber zugleich wegen weiterhin bestehenden Sozialhilfebe- zugs. Ein nächstes Gesuch um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung wies das Migrationsamt ab und verfügte die Wegweisung von X. aus der Schweiz. Nachdem der Regierungsrat den hiergegen erhobenen Rekurs abgewiesen hatte, erhob X. Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Obergericht. Dieses hiess die Beschwerde teilweise gut und wies die Sache im Sinne der Erwägungen an den Regierungsrat zurück. Aus den Erwägungen 2. Nach Art. 33 Abs. 3 i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer u nd über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG, SR 142.20; gleichlautend: Art. 33 Abs. 3 i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über die Auslä nderinnen und Aus- länder vom 16. Dezember 2015 [Ausländergesetz, AuG, SR 142.20] in der zeitlich anwendbaren Fassung vom 1. Januar 2018) kann die zuständige Behörde von der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung absehen, wenn eine ausländische Per- son auf Sozialhilfe angewiesen ist. Der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung muss zudem verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 AIG). Wird die ausländer- rechtliche Bewilligung verweigert, prü ft die zuständige Behörde zugleich auch die 2019 2 Wegweisung umfassend und hat bei ihrem Entscheid allfälligen Vollzugshindernis- sen zwingend nachzugehen (Caroni et al., Migrat ionsrecht, 4. A., Bern 2018, S. 306 f.; Peter Bolzli, in: Spescha et al. [Hrsg.], OF -Kommentar, Migrationsrecht, 5. A., Zürich 2019, Art. 83 N. 17, S. 434; OGE 60/2009/21 vom 8. Januar 2010 E. 6; BVGer E-5989/2018 vom 5. November 2018 E. 5.4). 3. Beim Widerruf bzw. der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung einer ausländischen Person w egen ihre r Sozialhilfeabhängigkeit (Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG) geht es in erster Linie darum, eine zusätzliche künftige Belastung de r öffent- lichen Wohlfahrt zu ver meiden. Neben den bisherigen und den aktuellen Verhält- nissen ist auch die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht in die Beurteilung miteinzubeziehen. Der Widerruf bzw. die Nichtverlängerung der Bewil- ligung fällt in Betracht, wenn eine Person hohe finanzielle Unterstützungsleistun- gen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass sie in Zukunft für ihren Lebensunterhalt bzw. jenen ihrer Familie wird aufkommen können. Die Frage nach persönlich vorwerfbarem Verhalten bzw. dem Verschulden am Sozialhilfebe- zug ist hingegen erst im Rahmen der Verhält nismässigkeitsprüfung aufzugreifen (BGer 2C_730/2018 vom 20. März 2019 E. 4.1 f. mit Hinweisen; BGer 2C_870/2018 vom 13. Mai 2019 E. 5.1 f. mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer bezieht seit dem 1. Januar 2012 Leistungen der Sozialhilfe und wurde bis am 30. September 2018 mit Fr. 180'258.80 unterstützt. Nach wie vor verfügt er über keine Arbeitsstelle und begründet dies sowie die ihm unmögli- che Stellensuche mit der Beeinträchtigung durch seine gesundheitlichen Probleme (vgl. hinten, E. 4.3 f.). Entsprechend fehlen derzeit An zeichen, dass sich an der Sozialhilfeabhängigkeit des Beschwerdeführers in Zukunft etwas ändern wird. Er hat damit einen Widerrufsgrund im Sinne der genannten Bestimmung gesetzt. Dies bestreitet er denn auch nicht. 4.1. Liegt der Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhäng igkeit vor, ist zu prüfen, ob die damit verbundene aufenthaltsbeendende Massnahme verhäl tnismässig er- scheint (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV sowie Art. 96 AIG). Zu berücksichtigen sind dabei unter anderem die Schwere des Verschuldens an der Sozialhilfeabhängigkeit, der Grad der Integration, die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die der betroffe- nen Person und ihrer Familie drohenden Nachteile; zu beachten ist daneben auch die Qualität der sozialen, kulturellen und familiären Beziehungen sowohl im Gast - wie im Heimatland (BGer 2C_1040/2017 vom 21. Dezember 2018 E. 4.2). 4.2. Zum öffentlichen Interesse an der Wegweisung führte der Regierungsrat aus, der Beschwerd eführer sei bereits seit dem 1. Januar 2012 von öffentlicher Sozialhilfe abhängig. Zuvor sei er von eine r Familie privat unterstützt worden und habe kostenlos bei dieser wohnen können, sei aber ebenfalls keiner Arbeitstätig-2019 3 keit nachgegangen. Die Sozialhilfeabhängigkeit des Beschwerdeführers sei selbst- verschuldet und nicht auf gesundheitliche Probleme zurückz uführen. Er sei nie ernsthaft gewillt gewesen, eine Arbeitsstelle zu finden und habe dazu verpflichtet werden müssen, sich beim Reg ionalen Arbeitsvermittlungszent rum (RAV) anzu- melden und monatlich zehn Stellenbewerbungen vorzulegen, wobei er die Termine beim RAV nicht zuverlässig wahrgenommen und hauptsächlich lediglich mündliche Spontanbewerbungen getätigt habe. Die Teilnahme an einer Arbeitsmassnahme der Stiftung Impuls habe aufgrund schwankender Teilnahme am Programm bzw. teilweise unentschuldigter Fehltage im März 2016 gänzlich eingestellt werden müs- sen. Trotz seines Gesundheitszustandes wäre es dem Beschwerdeführer möglich gewesen, sich ernsthaft um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Das öffentliche Inte- resse an einem Widerruf der Aufenthaltsbewilligung sei umso gewichtiger, als der Beschwerdeführer sich trotz Verwarnung und unter Verletzung der Integrationsver- einbarung nicht wirklich darum bemüht habe, eine Arbeitsstelle zu finden. 4.3. Der Beschwerdeführer bestreitet, die Sozialhilfeabhängigkeit selbst ver- schuldet zu haben und nie ernsthaft gewillt gewesen zu sein, eine Arbeitsstelle zu finden. Vielmehr sei er bis zum Beginn des Sozialhilfebezuges im Jahr 2012 wirt- schaftlich unabhängig gewesen und habe sein Leben zu finanzieren vermocht. Es seien deshalb nachweislich erst die ge sundheitlichen Probleme gewesen, die zu einer wirtschaftlichen Notlage geführt hätten. So sei die immer wieder durchbro- chene Konstanz in seiner Tätigkeit im Rahmen des Arbeitsprogramms der Stiftung Impuls seiner schlechten g esundheitlichen Verfassung zuzu schreiben gewesen. Es sei eine notorische Tatsache, dass gesundheitliche Probleme eben gerade das Merkmal hätten, kaum einer willentlichen Steuerung zugänglich zu sein; sein Scheitern auf dem Arbeitsmarkt habe Gründe, für die er nic ht verantwortlich ge- macht werden könne. 4.4. Das öffentliche Interesse an der Beendigung de s Aufenthalts des Be- schwerdeführers ergibt sich zunächst aus dem Vorliegen eines Wi derrufsgrundes (vgl. vorne, E. 3). Zusätzlich ist nachstehend zu prüfen, ob die Sozialhilfeabhän- gigkeit dem Beschwerdeführer persönlich vorwerfbar ist. 4.4.1. Nachdem sich der Beschwerdeführer im Rahmen der Integrationsvereinba- rung vom 5. September 2013 verpflichtet hatte, in Zukunft keine Sozialhilfeleistun- gen mehr zu beziehen , wurde er – nachdem er diese Zielvereinbarung verfehlt hatte – am 13. Januar 2016 vom Migrationsamt verwarnt, was weiterhin keine Wir- kung zeitigte. Seit seinem Austritt aus dem Du rchgangszentrum Friedeck am 29. Februar 2008 ist weder eine Arbeitstätigkeit noch s ind eigeninitiative Stellen- bemühungen aktenkundig. Vielmehr wollte sich d er Beschwerdeführer aus- schliesslich seinem Filmprojekt widmen, bis ihn der Gemeinderat Y. am 11 Februar 2019 4 2014 verpflichtete, sich beim RAV anzumelden und monatlich zehn Stellenbewer- bungen nachzuweisen. Die aktenkundigen Arbeitsbemühungen des Beschwerde- führers sind in qualitativer Hinsicht ungenügend, zumal er sich grossmehrheitlich mündlich und spontan bewarb, anstatt in Form von ordentlichen Bewerbungen (vgl. Art. 26 Abs. 1 d er Verordn ung über die obligato rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung vom 31. August 1983 [Arbeitslosenve rsiche- rungsverordnung, AVIV, SR 837.02]). Damit ist er seiner Schaden minderungs- pflicht nicht hinreichend nachgekommen. Dass seine Bewerbu ngen erfolglos blie- ben, dürfte darüber hinaus auch seinen mangelnde n Deutschkenntnissen zuzu- schreiben sein. Diese zu verbessern wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der Integrationsvereinbarung ebenfalls aufgefordert. Bis heute vermochte er allerdings den Nachweis des vereinbarten und erforderlichen Sprachniveaus A2 nicht beizu- bringen. Nach einer anderthalbjährigen Teilnahme am Arbeitsintegrationspro- gramm der Stiftung Impuls erfolgte am 15. September 2015 keine neuerliche Kos- tengutsprache aufgrund schwanken der und teilweise unentschuldigter Teilnahme sowie der Tatsache, dass die Teilnahme am Programm die Chancen auf dem Ar- beitsmarkt nicht habe erhöhen können und der Beschwerdeführer auch das Ziel verfehlt habe, sich möglichst schnell nach einem lukrativeren Job umzusehen. Stattdessen erfolgte eine Umwandlung in ein Taglohnprogramm, im Rahmen des- sen sich der Beschwerdeführer seinen Grundbedarf selbst zu erarbeiten hatte. Al- lerdings musste auch dieses Programm mit Beschluss vom 16. März 2016 als ge- scheitert erachtet und eingestellt werden. Mit Verfügung vom 18. Juni 2016 kürzte der Gemeinderat Y. schliesslich die Unterstützungsleistungen aufgrund fehlender Mitwirkung. 4.4.2. Zwar ist dem Beschwerdeführer zugutezuhalten, dass er insbesondere durch seine Diabetese rkrankung gesundheitlich beeinträchtigt ist. Dass diese Er- krankung jedoch zur Sozialhilfeabhängigkeit geführt haben sol l (vgl. BGer 2C_13/2018 vom 16. November 2018 E. 3.5.1 ff.), findet keine Grundlage in den Akten: Einerseits steht fest, dass der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2004 unter Diabetes mellitus Typ II litt. Danach belegen Arztzeugnisse erstmals Ende Februar 2015 unregelmässig auftretende Perioden krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit. Die fast vollständige Erblindung des rechten Auges schlie sslich ist erst seit Juni 2017 dokumentiert. Weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen werden erst in ei- nem summarischen Arztbericht der behandelnden Ärztin Dr. med. W., Fachärztin für Innere Medizin, vom 13. November 2018 geltend gemacht und bleiben insbe- sondere ohne Erläuterungen, inwiefern sie zumindest ab dem Zeitpunkt ihres Auf- tretens zur Sozialhilfeabhängigkeit des Beschwerdeführers geführt haben sollen. Dass die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers se ine Sozialhilfeab- hängigkeit verursacht haben sollen, ist damit aufgrund der Akten nicht erstellt. Viel- mehr lassen sich den Vorakten zahlreiche Sachverhaltselemente entnehmen, die 2019 5 auf eine uneinsichtige Grundhaltung und eine schlechte Compliance bezüglich des Diabetes mellitus des Beschwerdeführers hindeuten, welche einem auf Dauer aus- gerichteten Arbeitserwerb und einer Ablösung von der Sozialhilfe entgegenstehen (vgl. auch BGer 2C_23/2018 vom 11. März 2019 E. 4.2.2). So berichtete beispiels- weise der Regionale Sozialdienst Z. bereits am 15. Juli 2015, dass der Beschwer- deführer über seine Beschäftigung nicht erfreut sei, sich viel lieber seinem Film- projekt widmen würde, nicht verstehe, weshalb dieses nicht als Berufstätigkeit an- erkannt werde und daher meist auch die Anforderungen des Sozial amtes nicht nachvollziehen könne. Berichtet wurde überdies von unbeherrschtem Verhalten des Beschwerdeführers, weshalb er auch schon des Gesprächs habe verwiesen werden müssen. Er betrachte die Sozialhilfe als "Lohn", bezeichne diese auch so und beschwere sich durchgehend, dass sein Lohn zu niedrig sei. Bei dieser Aus- gangslage ist dem Beschwerdeführer die Sozialhilfeabhängigkeit persönlich vor- werfbar bzw. selbstverschuldet. 4.4.3. Zusammenfassend erweist sich das öffentliche Interesse an der Beendi- gung des Aufenthalts des Beschwerdeführers damit als erheblich. 4.5.1. Bei den privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz berücksichtigte der Regierungsrat die langjährige Aufenthaltsdauer von (damals) 17 Jahren, die er allerdings durch die fehlende wirtschaftliche Integration und die mangelhaften Deutschkenntnisse relativierte und anführte, der Beschwer- deführer habe die prägende Kindheit und Adoleszenz in Nigeria verbracht, sei mit der dortigen Sprache und Kultur vertraut und habe nach eig enen Angaben keine Familienangehörigen in der Schweiz, jedoch lebten vier seiner Geschwister in Lagos. Zu den gesundheitl ichen Beeinträchtigungen des Be schwerdeführers führte der Regierungsrat aus, dass die Ins ulinkosten in Nigeria in der Re gel von den Patienten selbst zu bezahlen seien, weshalb die Frage nach dem tatsächlichen Zugang des Beschwerdeführers zu einer Diabetesbeh andlung von der Höhe sei- nes (voraussichtlichen) Lohnes sowie der Häufigkeit der erforderlichen Insulinin- jektionen abhänge. Diese Frag en könnten jedoch offenbleiben, da der Ge sund- heitszustand des Beschwerde führers die Interessenabwägung nur beschränkt zu beeinflussen vermöge und für sich al lein kein auf Dauer angelegtes Aufenthalts- recht in der Schweiz begründe. Da die Frage unklar sei, ob eine medizinische Not- lage i.S.v. Art. 83 Abs. 4 AIG vorliege, habe das Migrationsamt die Frage der vor- läufigen Aufnahme im Rahmen des Vollzugs zu prüfen. 4.5.2. Das ausländerrechtliche Bewilligungsverfahr en untersteht dem Untersu- chungsgrundsatz, welcher durch die spezialgesetzlich veranke rten Mitwirkungs- pflichten (Art. 90 AIG) und im Rechtsmittelverfahren durch Rüge- und Substantiie- rungspflichten relativiert wird (BGer 2C_1047/2013 vom 24. Juni 2014 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. auch Art. 5 und 44 VRG). Vor einer Nichtverlängerung oder dem 2019 6 Widerruf der Aufenthaltsbewil ligung müssen die zuständigen Behörden im Rah- men des Untersuchungsgrundsatzes die verschiedenen Umstände umfassend und fair prüfen und im Zweifelsfall zusätzliche Ab klärungen vor nehmen (BGer 2C_50/2010 vom 17. Juni 2010 E. 2.2). Bestehen aufgrund einer medizinischen Notlage im Heimatstaat Anzeichen für eine konkrete Gefährdung der betroffenen ausländischen Person im Fall einer Rückreise, so enthalten die bei der Interessen- abwägung zu berücksichtigenden Kriterien Elemente, welche auch bei der Prüfung der Unzumutbarkeit eines Vollzugs einer Wegweisung i.S.v. Art. 83 Abs. 4 AIG zur Anwendung gelangen können. Die Formulierung des Gesetzestexts macht deut- lich, dass nur gravierende medizinische Fälle unter die Bestimmung zu subsumie- ren sind. Es geht dabei um lebensnotwendige medizinische Hilfe, ohne die eine erhebliche Verschlechterung der Ge sundheitslage eintreten würde. Die Behand- lung muss zur Gewährleistung einer men schenwürdigen Existenz dringend geb o- ten sein. Es kommt dabei nicht nur auf die objektive Verfügbarkeit der notwendigen Behandlung und Medikamente an. Es ist vielmehr aufgrund des konkreten Einzel- falls zu prüfen, ob diese für die betroffene Person auch effektiv erhältlich sind. Die zuständige Migrationsbehörde hat die entsprechenden Abklärungen vorzunehmen oder vornehmen zu lassen; sie kann die Problematik nicht in das Vollzugsverfahren der Wegweisung verschieben (VGer ZH VB.2018.00327 vom 24. Oktober 2018 E. 5.3.1.1 mit Hinweisen insbesonder e auf BGE 137 II 305 E. 3.2 S. 309 sowie BGer 2C_396/2017 vom 8. Januar 2018 E. 7.6). 4.5.3. Erforderlich ist damit eine konkrete Einzelfallprüfung, welche sowohl die In- teressenabwägung im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung beschlägt (vgl. zu den Anforderungen mit Bezug auf Art. 8 EMRK jüngst das Urteil des EGMR I.M. vs. Schweiz 23887/16 vom 9. April 2019), wie auch im Zuge der Prüfung allfälliger Vollzugshindernisse zu berücksichtigen ist. Erachten die kantonalen Behörden nach erfolgter Einzelfallprüfung die Verweigerung der ausländerrechtliche Bewilli- gung als verhältnismässig, haben sie im selbigen Entscheid zugleich auch allfälli- gen Vollzugshindernissen nachzugehen (vgl. vorne, E. 2). Wenn das Vorliegen von Wegweisungsvollzugshindernissen (nicht nur die Unmöglichkeit betreffend) nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden kann, hat die kantonale Behörde beim Staats- sekretariat für Migration (SEM) ein Ge such auf Anordnung der vorläufigen Auf- nahme nach Art. 83 Abs. 6 AIG zu stellen (vgl. BVGer E -5989/2018 vom 5. No- vember 2018 E. 5.4). 4.5.4. Die aus seiner Diabeteserkrankung herrührenden gesundheitlichen Beein- trächtigungen des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz zu Recht sowohl im Rah- men der privaten Interessen am Verbleib in der Schweiz wie auch im Rahmen der Prüfung allfälliger Vollzugshindernisse aufgegriffen. Auch hat sie korrekt dargelegt, 2019 7 dass im Zuge der Prüfung allfälliger Vollzugshindernisse zu prüfen sei, ob die be- troffene Person aufgrund der Umstände des Einzelfalls die Behandlung oder das Medikament effektiv erhalten könne. Indessen hat sie diese Frage in der Folge offengelassen mit Verweis auf die Verhältnis mässigkeitsprüfung bzw. die (dort ebenfalls ausdrücklich offengelassene) Frage der Verfügbarkeit medizinischer Ver- sorgung in Nigeria (vgl. vorne, E. 4.5.1). Die Vorinstanz hat ihre Ausführungen und Abklärungen auf die aus der Diabeteser- krankung herrührenden, gesundheitlichen Beeinträchtigungen beschränkt. Sie hat festgehalten, dass der Beschwerdeführer auf Insulin angewiesen sei, und hat so- dann gestützt auf eine "country of origin information" des Innenministeriums des Vereinigten Königreichs festgestellt, dass Diabetes in den grossen Städten Nige- rias behandelt werden könne. Da die vier Geschwister des Beschwerdeführers in Lagos wohnten, sei es naheliegend, dass er sich ebenfalls dort niederlassen würde und damit, zumindest theoretisch, Zugang zu einer Diabetesbehandlung hätte. Mit Verweis auf einen 2012 in der Zeitschrift "Diabetology & Metabolic Syndrome" er- schienenen Artikel zu Kosten und Verfügbarkeit von Insulin in Nigeria hielt die Vo- rinstanz fest, dass die Kosten für Insulin von den Patienten in der Regel selbst bezahlt werden müssten und für Nigerianer tatsächlich oft fast unerschwinglich seien. Dabei räumte sie ein, dass der Zugang zu einer adäquaten Diabetesbehand- lung von der Höhe des (voraussichtlichen) Lohnes und auch davon abhänge, wie oft Insulin injiziert werden müsse. Jedoch liess sie diese – sowohl für die Verhält- nismässigkeitsprüfung wie auch für die Prüfung allfälliger Vollzugshindernisse be- deutsamen – Fragen dann ausdrücklich offen. Zwar sind es nur drei Arztberichte, welche die gesundheitliche Verfassung des Be- schwerdeführers dokumentieren, jedoch lassen sich diesen Hinweise auf weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers entnehmen: Im Arzt- bericht von Dr. med. U., Facharzt für Ophthalmologie, und med. pract. V. vom 2. Juni 2017 wird festgestellt, dass es infolge der Diabeteserkrankung zu einer Er- krankung der Netzhaut gekommen sei, der Beschwerdeführer gem äss Auskunf t der behandelnden Ärztin aller dings eine schlechte Compliance aufweise. Dem überwiegend stichwort artig gehaltenen Bericht de r behandelnden Ärztin, Dr. med. W., vom 26. Juli 2017 lässt sich sodann zusätzlich entnehmen, dass der Be- schwerdeführer insulinpflichtig und ungenügend behandelt sei, ein infolge der Dia- beteserkrankung fast vollständiger Visusverlust eingetreten sei, und er zusätzlich unter Bluthochdruck, einer Depression sowie einer Schilddrüsenüberfunktion leide. In einem nächsten Bericht der behandelnden Ärztin vom 13. November 2018 wird zusätzlich von einer Niereninsuffizienz, Kata raktoperationen, einer Schilddrüsen- unterfunktion sowie epileptischen Anfällen aus dem Schlaf heraus berichtet. Nicht 2019 8 hervor geht aus diesen Berichten, in welcher Regelmässigkeit der Beschwerdefüh- rer Behandlungen benötigt, wie diese Behandlungen ausgestaltet sind und ob sie sich in Insulininjektionen erschöpfen. 4.5.5. Damit kann aufgrund der Aktenlage weder beurtei lt werden, inwiefern die gesundheitlichen Proble me die privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz zu beeinflussen vermögen, noch lässt sich feststellen, ob die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers derart gravie- rend sind, dass ihm im Fall einer Rückkehr eine erhebliche Verschlechterung sei- nes Gesundheitszustandes drohen würde, weil der Zugang zu lebensnotwendiger medizinischer Hilfe nicht gewährleistet ist (vgl. vorne, E. 4.5.2, sowie Illes, Art. 83 N. 34, S. 799), wobei es (auch unter EMRK-Gesichtspunkten) genügt, dass im Hei- matland die lebensnotwendige Grundversorgung allenfalls auf einem tieferen, aber nicht lebensgefährdenden Niveau sichergestellt bleibt (BGer 2D_14/2018 vom 13. August 2018 E. 5.2.2). 5. Zusammenfassend ist festzustellen, dass aufgrund der selbstverschulde- ten Sozialhilfeabhängigkeit ein erhebliches öffentliches Interesse an der Beendi- gung des Aufenthalts des Beschwerde führers besteht (vgl. vorne, E. 3 sowie E. 4.4). Die diesem Interesse ent gegenstehenden privaten Interessen des Be- schwerdeführers sowie damit verbunden die Prüfung allfälliger Vollzugshinder- nisse hat die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid al lerdings nicht hinreichend abgeklärt. Bei dieser Sach - und Rechtslage, und auch zur Wah rung des Instan- zenzugs, enthält sich das Ober gericht einer selbständigen Prüfung, weshalb die Beschwerde teilweise gutgeheissen, der angefochtene Entscheid aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur weiteren Untersuchung und neuen Beur- teilung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. Die Vorinstanz hat eine konkrete Einzelfallprüfung vorzunehmen, deren Ergebnis sowohl die Interessenabwägung im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung be- schlägt, als auch im Zuge der Prüfung allfälliger Vollzugshindernisse zu berü ck- sichtigen ist (vgl. vorne, E. 4.5.3). Sollte die Vorinstanz nach hinreichender Abklä- rung der Sachlage erneut zum Schluss kommen, dass der Gesundheitszustand für sich allein kein auf Dauer angelegtes Aufenthaltsrecht zu begründen vermag, hat sie insbesondere zu prüfen, ob das Migrationsamt zulässigerweise davon abgese- hen hat, dem SEM die vorläufige Aufnahm e zu beantragen (vgl. vorne, E. 2 und E. 4.5.2 f.).