2010 1 Veröffentlichung im Amtsbericht. Art. 15 Abs. 1 bis lit. c IVöB; Art. 27 lit. h VRöB. Submission von B au- ingenieurleistungen im selektiven Verfahren; Aussch luss wegen Form- mängeln (OGE 60/2010/15 vom 3. September 2010) Bei komplexen Aufträgen können bei den Zuschlagskri terien auch Ele- mente berücksichtigt werden, die – gegebenenfalls i m Präqualifikations- verfahren – bereits bei der Eignung zu prüfen sind ("Mehreignung"; Frage im vorliegenden Fall offengelassen; E. 2b). Ein Angebot kann nur bei Formmängeln einer gewisse n Schwere aus- geschlossen werden. Liegen solche vor, ist aber bei der Beurteilung ein stren- ger Massstab anzuwenden (E. 2b). Bei komplexen Ingenieurleistungen ist die Qualität von besonderer Be- deutung. Bei der Prüfung der Ausschlussgründe ist d aher darauf zu achten, inwieweit allfällige Mängel sich nicht nur auf die Beurteilung des Preis- Leistungsverhältnisses als solchen, sondern speziel l auch auf die Beurteilung der für das Angebot wesentlichen Qualität auswirken könnten (E. 2d). Ausschluss eines Angebots wegen unklarer, widerspr üchlicher Angaben zum Einsatz der Schlüsselpersonen (mit unvollständi gen Angaben zur Verfüg- barkeit) und Abweichung vom vorgegebenen Terminplan (E. 2e und f). Der Ausschlussgrund der Vorbefassung des berücksic htigten Anbieters ist grundsätzlich spätestens mit Beschwerde gegen d en Präqualifikations- entscheid geltend zu machen (E. 3). Im Kanton Schaffhausen soll die Eisenbahnlinie der Deutschen Bahn zwischen Schaffhausen und Erzingen (Deutschland) au sgebaut werden. Am 2. Oktober 2009 schrieb das kantonale Tiefbauamt di e Bauingenieurleistun- gen der Phase 5 (Realisierung) für die Aufhebung zw eier Bahnübergänge in Neunkirch im selektiven Verfahren aus. In der Folge stellten zehn Ingenieur- büros bzw. Ingenieurgemeinschaften (IG) einen Antra g auf Teilnahme. Am 4. Dezember 2009 verfügte das Tiefbauamt, es würden fünf Bewerber zur Of- fertstellung eingeladen, darunter die IG A. und die IG B. Alle Bewerber reich- ten ein Angebot ein. Am 7. April 2010 schloss das T iefbauamt die IG A. mit ihrem Angebot vom Verfahren aus. Gleichentags hielt es fest, die Leistungen seien gemäss Beschluss des Regierungsrats des Kanto ns Schaffhausen vom 30. März 2010 an die IG B. vergeben worden. Eine ge gen diese Entscheide gerichtete Beschwerde der Mitglieder der IG A. wies das Obergericht ab. 2010 2 Aus den Erwägungen: 2.– Eine Anbieterin oder ein Anbieter wird von der Teil nahme unter an- derem dann ausgeschlossen, wenn sie oder er wesentl iche Formerfordernisse verletzt hat, insbesondere durch Unvollständigkeit des Angebots oder Ände- rung der Ausschreibungsunterlagen (Art. 27 lit. h VRöB 1). a) Das Tiefbauamt hat den Ausschluss des Angebots de r Beschwerde- führerinnen vom Verfahren damit begründet, dass der en Angebot unvollstän- dig und widersprüchlich sei. Der Nachweis der Verfü gbarkeit der Schlüssel- personen (Ressourcenplan) sei lediglich für 2010 er bracht worden, obschon das Terminprogramm die Beendigung der Arbeiten im Jahr 2013 vorsehe. Bei näherer Betrachtung des vorgesehenen Arbeitseinsatz es der angebotenen Schlüsselpersonen "Bauleiter" und "Bauleiter-Stv." ergebe sich sodann, dass in den Phasen 52 (Realisierung) und 53 (Inbetriebna hme, Abschluss) die Ar- beiten massgeblich vom "Hilfsbauleiter, örtl. BL" e rbracht werden sollten; in diesen Phasen betrage der vorgesehene Arbeitseinsatz weder für den Bauleiter noch für dessen Stellvertreter die im Angebot angegebenen 50 %. Die Beschwerdeführerinnen machen dagegen zusammenf assend geltend, der Ausschluss sei rechtswidrig. Die Verfügbarkeit des Schlüsselpersonals sei als Eignungskriterium festgelegt und in der Präqualifikation geprüft wor den. Dort habe die Vergabeinstanz entschieden, dass die Beschwerdeführerinnen die Eignungskriterien erfüllten, auch in Bezug auf die Verfügbarkeit des Schlüsselpersonals. Diese werde bei den Zuschlagskriterien nicht erwähnt; eine erneute Prüfung dieses Eignungskriteriums sei daher selbst unter dem Gesichtspunkt der sogenannten Mehreignung unzulässi g. Im Übrigen hätten die Beschwerdeführerinnen gezeigt, dass die geplant en Kapazitäten für das ganze Projekt bis zum voraussichtlichen Abschluss i m Jahr 2013 vorhanden seien. Wie bei jedem Bauvorhaben sei die Anfangspha se zeitkritisch. Die Be- schwerdeführerinnen hätten deshalb die Projektierun gskapazitäten für das Jahr 2010 zusätzlich und detailliert nachgewiesen u nd für diesen kritischen Zeitraum die Verfügbarkeit des Schlüsselpersonals i n einer zusätzlichen Ta- belle dargestellt. Richtig sei, dass sie für die Ja hre 2011 ff. keine zusätzlichen Tabellen zur Verfügbarkeit des Schlüsselpersonals e ingereicht hätten. Solche wären aber ohne Wert und spekulativ gewesen, solange das Bauprogramm der Unternehmer nicht bekannt sei. Entscheidend sei, da ss die Beschwerdeführe- rinnen über die nötigen Kapazitäten verfügten und m it dem Teilnahmeantrag 1 Vergaberichtlinien zur Interkantonalen Vereinbaru ng über das öffentliche Beschaffungs- wesen vom 15. April 2003 (VRöB, SHR 172.512). 2010 3 und dem Angebot verbindlich zugesichert hätten, die se Kapazitäten auch zur Verfügung zu stellen. Das Tiefbauamt erklärt dazu, in der Präqualifikati onsphase sei nur die Verfügbarkeit des Büros als solches geprüft worden, nicht die Verfügbarkeit des Schlüsselpersonals, wie sie in der Ressourcenpl anung nachzuweisen ge- wesen sei. In der Angebotsphase seien dazu detailli erte Angaben zu machen gewesen. Vor allem sei darzulegen gewesen, wie die Ressourcen über die ge- samte Vertragslaufzeit bis 2013 eingesetzt würden. Die Beschwerdeführerin- nen hätten dabei Angaben gemacht, die im Widerspruc h zum angegebenen prozentualen Einsatz des Schlüsselpersonals stünden . Ihr Angebot habe aber nicht nur wegen Unvollständigkeit, sondern auch weg en des widersprüch- lichen und spekulativen Inhalts ausgeschlossen werd en müssen. Das Kosten- dach, d.h. die Vorgabe von 8'000 Stunden, garantiere dem Bauherrn nur dann, dass keine Mehrkosten entstünden, wenn sich die Anb ieter bei der Kalkula- tion ihres Offertpreises an den im Angebot ausgewie senen Einsatz ihrer Schlüsselpersonen hielten. Die Beschwerdeführerinne n schrieben aber selber, dass sich der tatsächliche Aufwand nach den tatsächlichen Anforderungen auf der Baustelle bzw. dem Ausführungsprojekt richte. D as heisse nichts anderes, als dass durch den geforderten Einsatz des Schlüsse lpersonals eine höhere Entschädigung generiert werde. Insofern sei die Zusicherung der Beschwerde- führerinnen nutzlos, wonach sie während der gesamte n Vertragsdauer die notwendigen personellen Ressourcen zusichern könnten. b) Im selektiven Verfahren wird die Eignung der Anbi eter im gesonder- ten Präqualifikationsverfahren geprüft. Nur wer die Eignungskriterien in ge- nügendem Mass erfüllt, darf hierauf ein Angebot ein reichen. Zweck der vor- geschalteten Eignungsprüfung ist die frühzeitige Er mittlung der Anbieter, die in der Lage sind, den ausgeschriebenen Auftrag ange messen auszuführen, bzw. die rechtzeitige Ausscheidung derjenigen, welc he diese Voraussetzun- gen nicht erfüllen. Die Eignungsprüfung im Rahmen d er Präqualifikation ist grundsätzlich abschliessend. Eine erneute Prüfung d er Eignung etwa im Rahmen des Zuschlagsentscheids ist daher prinzipiel l unzulässig. 2 Das schliesst aber – wie auch die Beschwerdeführerinnen einräumen – nach kan- tonaler Praxis nicht aus, bei den Zuschlagskriterie n Elemente zu berücksichti- gen, die auch für die Eignung der Anbieter von Bede utung sein können, d.h. die Zuschlagskriterien so festzulegen, dass sie auc h Merkmale umfassen, die bereits bei der Eignung zu prüfen sind. Jedenfalls bei komplexen Aufträgen, wo Fachkompetenz bzw. Qualifikation des Anbieters e ine grosse Rolle spie- 2 Galli/Moser/Lang/Clerc, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 1. Ban d, 2. A., Zürich/ Basel/Genf 2007, S. 145, 149, Rz. 351, 359, mit Hinweisen. 2010 4 len, kann daher eine festgestellte "Mehreignung" in die Bewertung der – bei der Ausschreibung bekanntzugebenden 3 – Zuschlagskriterien einfliessen. 4 Die Frage, wie ein Angebot zu bewerten sei, stellt sich jedoch erst, wenn in der vorangehenden Ausschlussprüfung festgestellt wird, dass kein Aus- schlussgrund besteht. Aufgrund des Gleichheitsgrund satzes und des Trans- parenzgebots dürfen grundsätzlich nur Angebote entg egengenommen und bewertet werden, die den Vorschriften und Anforderu ngen der Ausschrei- bungsunterlagen entsprechen. Bei der Prüfung der Fr age, ob ein Angebot we- gen Unvollständigkeit oder anderer Formmängel auszu schliessen sei, hat die Vergabestelle ein erhebliches Ermessen. Zu beachten sind jedoch der Grund- satz der Verhältnismässigkeit und das Verbot des üb erspitzten Formalismus. Wegen unbedeutender Mängel der Offerte darf ein Anb ieter nicht aus- geschlossen werden. Ein Ausschlussgrund muss daher – damit von einem we- sentlichen Formmangel im Sinn von Art. 27 lit. h VRöB gesproc hen werden kann – eine gewisse Schwere aufweisen. 5 Ist dies unter den gegebenen Um- ständen der Fall, so ist bei der Beurteilung des Ma ngels im Interesse der Ver- gleichbarkeit der Angebote und der Gleichbehandlung grundsätzlich ein strenger Massstab anzulegen. 6 Falls das Angebot tatsächlich auszuschliessen ist, kann die Frage der allfälligen Mehreignung letztlich offenbleiben. c) In den Ausschreibungsunterlagen für die Angebotsp hase wurde unter "2.9 Einzureichende Unterlagen" Folgendes angegeben: 1. Die Schlüsselpersonen und deren Funktionen sind wie folgt definiert, wobei eine Personalunion für die Projektleitung und Baule itung nicht zulässig ist. Eine gegenseitige Stellvertretung ist jedoch zulässig. – Projektleiter – Projektleiter Stv. – Bauleiter – Bauleiter Stv. 2. Folgende Unterlagen müssen mit der Offerte bzw. dem Angebot eingereicht werden: Vollständig ausgefülltes Angebot, Teil B inkl. all er geforderten Beilagen. 3 Art. 12 lit. m und Art. 14 lit. i VRöB. 4 OGE 60/2003/16 vom 30. Januar 2004, E. 4b, Amtsbe richt 2004, S. 121 f.; OGE 60/2003/46 vom 31. Dezember 2003, E. 4c, Amtsbericht 2003, S. 132; vgl. auch Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 159 ff., Rz. 380 ff., mit Hinweisen zur Praxis anderer Kantone. 5 Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 116 f., Rz. 272 f., mit Hinweisen; Daniela Lutz, Die fachgerechte Auswertung von Offerten, in: Zufferey/Stöckli (Hrsg.), Aktuelles Vergaberecht 2008, Zürich/ Basel/Genf 2008, S. 220, Rz. 10, vgl. auch S. 224 ff., Rz. 24, mit Hinweisen. 6 Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zür ich VB.2009.00480 vom 10. März 2010, E. 3.1, mit Hinweisen, unter anderem auf Herbert Lang, Offertenbehandlung und Zuschlag im öffentlichen Beschaffungswesen, ZBl 2000, S. 235. 2010 5 3. Nicht verlangte Unterlagen werden nicht bewertet . Es sind keine allgemei- nen Firmenprospekte einzureichen. Im Angebotsformular ("Teil B") waren im Abschnitt "Erfahrung Schlüs- selpersonen" Angaben zu den genannten vier Funktion en zu machen. Für jede Schlüsselperson war unter anderem der "vorgesehene Arbeitseinsatz im Mittel über die Hauptbearbeitungszeit" in Prozent anzugebe n. Im Abschnitt "Preis- bzw. Honorarangebot im Kostendach" war eine Tabelle mit den Namen der Mitarbeiter, deren Honoraransatz und der Stundenver teilung auszufüllen. Da- bei waren für die SIA-Phasen 51–53 die genannten vi er Schlüsselfunktionen jeweils vorgegeben, und es bestand eine Vorgabe von insgesamt 8'000 Stun- den. Verlangt wurde sodann ein Terminprogramm. Am Schluss des Formulars waren die folgenden einzureichenden Beilagen aufgeführt: – Vollständig ausgefüllter SIA-Einzelplanervertrag – Personaleinsatzliste bzw. Mitarbeiterliste – Nachweis Verfügbarkeit der Schlüsselpersonen (Res sourcenplan) – Kopie QM-Zertifikat (sofern vorhanden) Die Beschwerdeführerinnen führten in ihrem Antrag folgende Schlüssel- personen auf, unter Angabe des jeweils vorgesehenen Arbeitseinsatzes im Mittel über die Hauptbearbeitungszeit: – Projektleiter/Projektingenieur Kunstbauten/Bahnti efbau: X. (vorgesehener Arbeitseinsatz 50 %; Phase 51: 300 Std., Phase 52: 200 Std., Phase 53: 50 Std.) – Projektleiter-Stellvertreter: Y. (vorgesehener Ar beitseinsatz 45 %; Phase 51: 50 Std., Phase 52: 50 Std., Phase 53: 25 Std.) – Bauleiter: Z. (vorgesehener Arbeitseinsatz 50 %; Phase 51: 0 Std., Phase 52: 500 Std., Phase 53: 200 Std.) – Bauleiter-Stellvertreter: X. (vorgesehener Arbeit seinsatz 50 %; Phase 51: 0 Std., Phase 52: 300 Std., Phase 53: 75 Std.) Als Beilage reichten die Beschwerdeführerinnen unt er anderem einen ta- bellarischen "Nachweis Verfügbarkeit der Schlüsselp ersonen (Ressourcen- plan) für das Jahr 2010" ein. Darin gaben sie für d ie Monate März bis De- zember 2010 die prozentuale Beanspruchung ihrer dre i Schlüsselpersonen für andere Aufgaben bzw. Aufträge und ihre Verfügbarkei t für das vorliegende Projekt an. Letztere beträgt gemäss Tabelle für X. durchgehend 50 %, für Y. zunächst 50 % und zuletzt 40 % sowie für Z. zunächst 25 % und zuletzt 55 %. Auch im Terminprogramm gaben die Beschwerdeführerin nen für die vor- gesehenen vier Teams nur die "Projektierungskapazit äten (Nachweis) für das Jahr 2010" an (mit einer Gesamtstundenzahl von 3'00 0). Dabei wiesen sie darauf hin, dass es für den Projekterfolg entscheid end sei, dass im Jahr 2010 genügend Projektierungskapazität bereitstehe; nur so könne der Baubeginn im 2010 6 Januar 2011 eingehalten werden. In einer Präsentati on vom 18. Februar 2010 legten sie dem Tiefbauamt unter den Stichworten "Re ssourcenplanung Schlüsselpersonal" und "Ressourcenplanung Team" die selben, nur das Jahr 2010 umfassenden Tabellen vor. d) In den Ausschreibungsunterlagen wurden die folgen den Ausschluss- kriterien angegeben: 1. Unvollständige Angebote oder Teilangebote werden aus dem Verfahren ausgeschlossen. Es sind alle verlangten Unterlagen gemäss Kap. 2.9 ein- zureichen. 2. Die von der Bauherrschaft vorgegebene Anzahl Stu nden darf im Angebot nicht unter- oder überschritten werden. Abweichunge n führen zum Aus- schluss vom Verfahren. 3. Änderungen oder Streichungen in den Ausschreibun gsunterlagen sind nicht gestattet und haben den Ausschluss aus dem Verfahren zur Folge. … Bei Ingenieurleistungen, wie sie hier in Frage ste hen, ist die Qualität von grosser Bedeutung, insbesondere auch für die Qualit ät und Kosten des Ge- samtbauwerks. Eine massgebliche Rolle spielt dabei der qualitativ und quanti- tativ hinreichende Einsatz von Personal für den kon kreten Auftrag. Dem kann unter anderem dadurch Rechnung getragen werden, das s die qualitativen Zu- schlagskriterien im Vergleich zum Kriterium "Preis" entsprechend hoch ge- wichtet werden. 7 Im vorliegenden Fall hat denn auch die Vergabestel le dem Preis bei der Gewichtung der Zuschlagskriterien nic ht die vorrangige Be- deutung eingeräumt, sondern die Hauptkriterien für den Zuschlag wie folgt festgelegt: 1. Problemanalyse 2. Erfahrung der Schlüsselpersonen 3. Preisangebot 4. Terminprogramm 5. Projektbezogene Organisation: Zweckmässigkeit 30 % 35 % 25 % 5 % 5 % Diese Gewichtung ist aufgrund der Bedeutung der In genieurleistungen für das Gesamtprojekt nachvollziehbar bzw. jedenfal ls vertretbar sowie grundsätzlich auch nicht umstritten. Laut Ausschrei bungsunterlagen hat der beauftragte Ingenieur sicherzustellen, dass die Pro jektziele in der Ausführung erreicht werden; insbesondere sind die Leistungs-, Qualitäts-, Kosten- und Terminvorgaben zu steuern und zu überwachen. Der In genieur hat sodann Lösungsvorschläge für die Beseitigung allfälliger K onflikte zu erarbeiten. 7 Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zür ich VB.2005.00240 vom 30. August 2006, E. 3.2. 2010 7 Daher rechtfertigt es sich durchaus, die Qualitätsk riterien im Vergleich zum Preis stärker zu gewichten. Die Gewichtung des Prei ses liegt jedenfalls noch über der Mindestgrenze von 20 %, die das Bundesgeri cht für komplexe Sub- missionen noch als zulässig erklärt hat. 8 Bei der Präqualifikation war die Eignung der Unternehmungen als solche zu prüfen, unter anderem mit der Frage, ob die Anbi eter im Grundsatz ge- eignetes, hinreichend erfahrenes Schlüsselpersonal zur Verfügung hätten. In der Angebotsphase geht es dagegen um die Frage, ob und inwieweit die Qua- lität der Schlüsselpersonen dem Auftrag effektiv zu gute komme, was sich auf die Bewertung des Zuschlagskriteriums "Erfahrung de r Schlüsselpersonen" auswirkt. Diese angebotsbezogene Bewertung der konkreten Verhältnisse ist keine unzulässige Doppelprüfung der – zunächst gene rell geprüften – Ver- fügbarkeit geeigneten Schlüsselpersonals. ... Den A nbietern stand es im Übri- gen frei, in der Offerte bei den Schlüsselpersonen Änderungen gegenüber den Angaben in der Präqualifikationsphase vorzunehmen. Davon haben auch die Beschwerdeführerinnen Gebrauch gemacht. Auch deshal b war eine Qualitäts- beurteilung in der Angebotsphase noch geboten. Es i st nachvollziehbar, dass dafür der konkret vorgesehene Einsatz der qualitativ bedeutsamen Ressourcen analysiert werden sollte. Demnach ist insbesondere auch bei der Prüfung der Ausschlussgründe darauf zu achten, inwieweit allfällige Mängel sich nicht nur auf die Beurtei- lung des Preis-Leistungsverhältnisses als solchen, sondern speziell auch auf die Beurteilung der für das Angebot wesentlichen Qu alität auswirken könn- ten. e) Die ausgeschriebenen Arbeiten sollten gemäss den Ausschreibungs- unterlagen "nach Absprache, voraussichtlich anfangs März 2010" beginnen; das Ende der Arbeiten wurde auf "ca. 2013" datiert. In dem vom Tiefbauamt zur Verfügung gestellten Terminplan ist der Baubegi nn im August 2010 vor- gesehen, das Bauende im Dezember 2012, mit Fertigst ellung der Deckbelags- arbeiten im April 2013. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerinnen ist in diesem Plan im Jahr 2010 nicht nur die Bauph ase 1 (Vorbereitung und Installation) vorgesehen, sondern – ab September 20 10 – auch die Bauphase 2 (Grundwasserpumpwerk "Erlen" inkl. Transportleitungen, Grebengraben inkl. Strasse, Hilfsbrücken Strassenunterführung). Das zeigt zum einen, dass in der Offerte nicht von einem Baubeginn erst im Januar 2011 ausgegangen werden durfte. Zum ander n war bei Erstellung des Angebots klar ersichtlich, dass ein erheblicher Teil der ausgeschriebenen Leistungen erst nach Ablauf des Jahrs 2010 zu erbringen sei. 8 BGE 129 I 327 E. 9.2. 2010 8 Die Beschwerdeführerinnen haben in ihrer Probleman alyse ausdrücklich erklärt, sie erachteten die vorgesehenen 8'000 Stun den für die ausgeschriebe- nen Arbeiten als angemessen und plausibel. Für 2010 haben sie jedoch – wie erwähnt 9 – im Terminprogramm eine Gesamtstundenzahl von nur 3'000 an- genommen ("Projektierungskapazitäten"). Demnach sin d sie selber davon ausgegangen, dass der grössere Teil der Arbeiten er st ab 2011 anfallen, die Hauptbearbeitungszeit somit jedenfalls nicht nur bis Ende 2010 dauern werde. Die 3'000 Stunden entsprechen im Übrigen der Zahl, wie sie die Beschwerde- führerinnen im Honorarangebot nur für die Phase 51 (Ausführungsprojekt 10 ) eingesetzt haben. Eine der Schlüsselpersonen, nämlich der Bauleiter, sollte im Übrigen gemäss Stundenverteilung im Honorarangebot in dieser Phase noch gar nicht zum Einsatz kommen. Für die weiteren Phasen 52 (Ausführung) und 53 (Inbetriebnahme, Abschluss) haben die Beschwerdeführerinnen 4'000 bzw. 1'000 Stunden eingesetzt und sind so auf die vorgeg ebene Gesamtstundenzahl von 8'000 gekommen. In dieser Situation – insbesondere auch mit Blick auf die Bedeutung, die dem Schlüsselpersonal und dessen auftragsbezogener, nutzbringender Er- fahrung gemäss den Ausschreibungsunterlagen zukommen sollte – ist nicht zu beanstanden, dass das Tiefbauamt den nur auf 2010 b ezogenen Ressourcen- plan der Schlüsselpersonen – insbesondere auch des Bauleiters, dessen mass- geblichen Arbeitseinsatz die Beschwerdeführerinnen grundsätzlich erst später überhaupt vorgesehen hatten – als unvollständig bet rachtet hat. Soweit die Beschwerdeführerinnen den Beginn der Hauptarbeiten erst auf Anfang 2011 ansetzen, weichen sie sodann vom in den Ausschreibu ngsunterlagen vor- gegebenen Terminplan ab. In der Verfügung betreffend aufschiebende Wirkung wurde die Frage of- fengelassen, ob die zeitliche Begrenzung der einger eichten Tabelle einen der- art erheblichen Formmangel darstelle, dass er ohne rechtsfehlerhafte Er- messensausübung als Ausschlussgrund betrachtet werd en könne. 11 Bei voll- ständiger Kenntnis der Akten erscheint der Mangel i n der Gesamtbetrachtung jedoch nicht nur als untergeordnet und unbedeutend; dies insbesondere mit Blick auf die zeitliche Verteilung der ausgeschrieb enen Arbeiten und der zu erwartenden Beanspruchung der Schlüsselpersonen auc h ab Anfang 2011 so- wie den Umstand, dass die Beschwerdeführerinnen bei ihren Angaben im Er- gebnis auch die zeitlichen Vorgaben in den Ausschre ibungsunterlagen ab- 9 Oben, lit. c. 10 Vgl. die Gliederung der Leistungen in Ziff. 3.2 d er SIA-Ordnung 103 2003 (Ordnung für Leistungen und Honorare der Bauingenieure und Bauingenieurinnen). 11 Verfügung … mit Hinweis auf das Argument der Besc hwerdeführerinnen, dass die Vergabe- behörde keine Hinweise zu Inhalt, Form, Zeitrahmen und Detaillierungsgrad des – nur als einzureichende Beilage überhaupt erwähnten – Ressou rcenplans gemacht habe. 2010 9 geändert haben. Wie sich aus diesen Angaben zeigt, hatten die Beschwerde- führerinnen im Übrigen eine klare Vorstellung vom v erlangten Inhalt. Wären sie insoweit tatsächlich unsicher gewesen, hätte es ihnen freigestanden, bei der Vergabestelle nachzufragen (vgl. Art. 16 VRöB). Das haben sie jedoch nicht getan und es demnach auch nicht als erforderlich betrachtet. f) Das Tiefbauamt begründet im Übrigen den angefocht enen Ausschluss nicht nur mit der Unvollständigkeit des Ressourcenp lans, sondern auch mit widersprüchlichen Angaben zum Einsatz der Schlüssel personen und dem da- mit verbundenen Risiko nachträglicher Kostenanpassu ngen wegen ver- mehrten Einsatzes der Schlüsselpersonen. Es erachte t das Vorgehen der Be- schwerdeführerinnen in diesem Zusammenhang als spek ulativ, gerade mit Blick darauf, dass für die Jahre 2011–2013 keine Re ssourcenplanung ein- gereicht worden sei; so habe der behauptete prozent uale Arbeitseinsatz des Schlüsselpersonals nicht nachgewiesen werden müssen. Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, der Vorw urf der Manipula- tion sei als nachgeschobener Ausschlussgrund verspä tet. Das Tiefbauamt hat jedoch bereits in der Ausschlussverfügung auch auf die Unklarheiten im Zu- sammenhang mit dem vorgesehenen Arbeitseinsatz der Schlüsselpersonen hingewiesen. Praxisgemäss durfte es sodann in der B eschwerdeantwort seine Begründung noch ergänzen. 12 Wenn es daher in der Beschwerdeantwort aus dem festgestellten Sachverhalt noch zusätzliche Sch lüsse gezogen hat, ist das prozessual nicht zu beanstanden. Im Übrigen könnte das Obergericht gegebe- nenfalls von Amts wegen auf Entscheidgründe abstell en, die von den Parteien nicht bzw. nicht rechtzeitig geltend gemacht worden sind. 13 Die Feststellung, der im Angebot der Beschwerdefüh rerinnen für die Schlüsselpersonen vorgesehene prozentuale Arbeitsei nsatz stimme mit der Stundenverteilung in der Honorarangebotstabelle nic ht überein, ist objektiv nachvollziehbar. Wenn im Übrigen die Beschwerdeführ erinnen betonen, dass nicht die Prozentschätzung auf dem Papier massgeben d sei, sondern der tat- sächliche Aufwand sich nach dem Bedarf bzw. den tat sächlichen Anforde- rungen auf der Baustelle richte, gehen sie im Grund satz selber von einem Spielraum beim Umfang des konkreten Einsatzes aus. Das lässt aber eine ge- wisse Beeinflussungsmöglichkeit offen, indem – in A nlehnung an den vor- gesehenen Arbeitseinsatz, wie er zunächst angegeben wurde – mehr "teurere" Stunden der Schlüsselpersonen anfallen könnten als gemäss Stundenvertei- 12 Vgl. OGE 60/2008/38 vom 26. September 2008, E. 2, Amtsbericht 2008, S. 91 f., mit Hin- weis auf OGE 60/2003/16 vom 30. Januar 2004, E. 2b, Amtsbericht 2004, S. 118, mit weite- ren Hinweisen. 13 Vgl. Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 441, Rz. 920, mit Hinweisen, insbesondere auf B GE 127 II 268 E. 1b. 2010 10 lung in der Honorartabelle. Es ist im Übrigen nicht massgebend, ob der An- bieter die Absicht habe, den Spielraum, den ihm sei n Angebot bietet, tat- sächlich auszunützen. Vielmehr genügt es, wenn der Mangel, d.h. die Unklar- heit bzw. die Widersprüchlichkeit eine Manipulation grundsätzlich ermögli- chen und dadurch die unverfälschte Beurteilung des Angebots bzw. die Ver- gleichbarkeit der Angebote beeinträchtigen könnte. 14 Das Preis- bzw. Honorarangebot war zwar "im Kosten dach" zu erstellen, mit dem Hinweis der Vergabestelle, dass die Leistun gen nach effektivem Zeitaufwand mit Kostendach verrechnet würden. Vorra ngig war dabei jedoch die Gesamtzahl der Stunden, die zur Vergleichbarkeit der Angebote vor- gegeben war, nicht die von den Anbietern eingesetzten Stundenansätze für die verschiedenen Mitarbeiterkategorien. Bei der Proble manalyse hatten denn auch die Anbieter unter anderem die "Stundenvorgabe n (Kostendach)" zu be- urteilen. Bei dieser Betonung der Stundenzahl als s olcher ist aber jedenfalls nicht offensichtlich, dass – ungeachtet der konkret en Verteilung der vor- gegebenen Stunden auf die verschiedenen Mitarbeiter – das Kostendach als eigentlicher Höchstpreis zu verstehen sei. 15 Dadurch sind Diskussionen bei einem allfälligen, von der Angabe des vorgesehenen Arbeitseinsatzes prin- zipiell gedeckten Mehreinsatz der Schlüsselpersonen wohl vorprogrammiert. Die Unklarheit könnte sich sodann insbesondere auf die Beurteilung des Zu- schlagskriteriums "Preisangebot" auswirken. Wie schon erwähnt 16 , ist im Übrigen in der Angebotshase nicht mehr die Verfügbarkeit und Erfahrung geeigneter Schlüsselper sonen als solche zu prü- fen, sondern die Erfahrung der konkret vorgesehenen Schlüsselpersonen im Sinn ihrer Umsetzung bei der Erfüllung des Auftrags. Es liegt ohne weit eres im Ermessen der Vergabestelle, bei der Beurteilung, inwieweit die aus dieser Erfahrung fliessende Qualität konkret zur Verfügung stehe, den tatsächlichen Einsatz der Schlüsselpersonen für das Projekt zu ge wichten. Die sogenannte Plausibilitätsprüfung, in welcher der vorgesehene E insatz der Schlüssel- personen im Quervergleich berücksichtigt wird ("Stu nden-Gewicht"), ist da- her entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerinn en nicht als unzulässig zu betrachten. Die Diskrepanz zwischen dem angegebe nen vorgesehenen Ar- beitseinsatz – der von der Verfügbarkeit als solche r zu unterscheiden ist – und den zugeordneten Stunden gemäss Honorartabelle veru nmöglicht aber im Er- gebnis eine eindeutige Beurteilung des "Stunden-Gew ichts" und damit des 14 Vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kanton s Zürich VB.2008.00405 vom 25. Fe- bruar 2009, E. 3.3. 15 Vgl. die Hinweise auf die unterschiedliche Bedeut ung des Begriffs "Kostendach" bei Anton Egli in: Gauch/Tercier (Hrsg.), Das Architektenrecht, 3 . A., Freiburg 1995, S. 301 f., Rz. 904 ff., und Peter Gauch, Der Werkvertrag, 4. A., Zürich 1996, S. 291, Rz. 1040 f. 16 Oben, lit. d. 2010 11 Zuschlagskriteriums "Erfahrung der Schlüsselpersone n"; dies insbesondere auch mit Blick darauf, dass die verlangte Ressource nplanung der Schlüssel- personen für die Zeit ab 2011 fehlt. g) Zusammenfassend liegen in der Gesamtbetrachtung w esentliche, nicht nur untergeordnete Mängel im Sinn von Art. 27 lit. h VRöB vor, die ge- eignet sind, sich auf die Beurteilung des Preis-Lei stungsverhältnisses des An- gebots der Beschwerdeführerinnen auszuwirken, spezi ell auch auf die Be- urteilung der für das Angebot wesentlichen Qualität . Wenn die Vergabestelle das Angebot deshalb ausgeschlossen hat, hat sie – i nsbesondere mit Blick auf den bei wesentlichen Mängeln anwendbaren strengen M assstab 17 – ihr Er- messen nicht rechtsfehlerhaft ausgeübt. Der Ausschl uss kann jedenfalls nicht als überspitzt formalistisch bezeichnet werden. Der Ausschluss des Angebots der Beschwerdeführerin nen ist somit nicht zu beanstanden. 3. – Ist das Angebot der Beschwerdeführerinnen zu Rec ht ausgeschlos- sen worden, so ist auf ihre weiteren Rügen nicht me hr einzugehen. Sie haben kein schutzwürdiges Interesse mehr daran, die Bewertung und Rangierung der übrigen Angebote und die "Schattenbewertung" ihres eigenen Angebots über- prüfen zu lassen. Soweit die Beschwerdeführerinnen ihrerseits den Au sschluss des An- gebots der Beigeladenen verlangen, ist im Übrigen d arauf hinzuweisen, dass der massgebliche Sachverhalt, auf den sie sich dabe i stützen, bereits aus den Ausschreibungsunterlagen für die Präqualifikation e rsichtlich war. Die Be- schwerdeführerinnen hätten daher die geltend gemach te Vorbefassung spätes- tens mit Beschwerde gegen den Präqualifikationsents cheid als nächste an- fechtbare Verfügung rügen müssen, mit welchem (auch) die Beigeladenen zur Offertstellung eingeladen wurden. 18 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist die entsprechende Rüge daher auf jeden Fall verspät et, ungeachtet dessen, ob sie gegebenenfalls schon vor dem nächstmöglichen Be schwerdeverfahren er- hoben werden müsste. 17 Vgl. oben, lit. b. 18 Vgl. Art. 15 Abs. 1 bis lit. c der Interkantonalen Vereinbarung über das ö ffentliche Be- schaffungswesen vom 25. November 1994 / 15. März 20 01 (IVöB, SHR 172.510); An- merkungen von Martin Beyeler, BR 2007, S. 77, Ziff. 4b (zu BVR 2005, S. 561 ff., be- treffend Rügeobliegenheit bei Vorbefassung), wonach sämtliche Handlungen der Vergabe- stelle, soweit ein Bieter sie für rechtswidrig hält , mit Beschwerde gegen den nächstfolgenden gesondert anfechtbaren Entscheid anzufechten sind.