A bteilung III C -854/2006 und C -862/2006 {T 0/2} U rteil vom 30. A pril 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf; R ichter Andreas Trom m er; R ich- ter Bernard Vaudan; G erichtsschreiber D aniel Brand. 1. H ._______, 2. A ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Am 7. Juni 2006 ersuchte H ._______ (geb., Serbien/Kosovo; Beschw erde- führerin) beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina um ein Visum für einen rund sechsw öchigen Besuchsaufenthalt bei ihren im Kanton Bern w ohnhaften Eltern A._______ (Beschw erdeführer) und B._______. N ach form loser Verw eigerung überm ittelte die Schw eizerische Vertretung das G esuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz. B. N achdem der M igrationsdienst des Kantons Bern bei den G astgebern er- gänzende Auskünfte eingeholt hatte, w ies die Vorinstanz m it Verfügung vom 24. Juli 2006 das Einreisegesuch im W esentlichen m it der Begrün- dung ab, die fristgerechte W iederausreise sei aufgrund der w irtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse in der H erkunftsregion sow ie aufgrund der persönlichen Situation nicht gew ährleistet. C . M it Eingabe vom 8. August 2006 beantragt der Beschw erde führende G astgeber A._______ sinngem äss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und versichert, dass seine Tochter nach Ablauf ihres Besuchs- aufenthaltes in ihr H eim atland zurückkehren w erde. Als G astgeber trage er dafür die Verantw ortung. G leichzeitig reichte der Beschw erdeführer ein seine Tochter betreffendes Scheidungsurteil vom 31. M ai 2005 in Kopie zu den Akten. D . In einer eigenen R echtsm itteleingabe vom 4. Septem ber 2006 stellt die Eingeladene sinngem äss dieselben R echtsbegehren und m acht zur Be- gründung hauptsächlich geltend, als M utter eines m inderjährigen Kindes sei es ihr ohnehin nicht m öglich, länger als zw ei M onate in der Schw eiz zu bleiben. Für diese Zeit habe ihre Fam ilie eine entsprechende G arantieer- klärung abgegeben. D er Eingabe beigelegt w ar ebenfalls eine Kopie des fraglichen Scheidungsurteils. E. In ihrer Vernehm lassung vom 27. O ktober 2006 spricht sich die Vorinstanz für die Abw eisung der Beschw erde aus und hält ergänzend fest, gem äss den eingereichten U nterlagen stehe die R ekurrentin in einem bis 31. D e- zem ber 2006 befristeten Anstellungsverhältnis. Allerdings fehle eine Be- stätigung, w elche über die Länge des gew ährten U rlaubs Auskunft gebe und festhalte, dass die Erw erbstätigkeit nach der R ückkehr w ieder aufge- nom m en w erden könne. Zudem oblägen der Beschw erdeführerin im H ei- m atland auch keine zw ingenden fam iliären Verantw ortlichkeiten, nachdem das Sorgerecht für das gem einsam e Kind laut Scheidungsurteil dem Kindsvater zugesprochen w orden sei. F. Trotz gew ährtem R eplikrecht liessen sich die Beschw erdeführenden nicht m ehr vernehm en. G . Am 12. M ärz 2007 w urden die R ekursverfahren C -854/2006 und C -862/ 2006 vom Bundesverw altungsgericht aus prozessökonom ischen G ründen vereinigt.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021). D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 N ebst der Beschw erdeführerin als Verfügungsbetroffener ist auch der Be- schw erdeführer als "M itbeteiligter" (Vater und zugleich G astgeber) gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerechten Beschw erden ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 2. Ausländer/-innen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz berechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung besitzen oder w enn sie keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 1a AN AG ). D ie Behörde entscheidet, im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Aus- land, nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt oder N ie- derlassung (Art. 4 AN AG ). D aher räum t das schw eizerische R echt w eder einen Anspruch auf Einreise noch auf Erteilung eines Visum s ein (vgl. PETER U EBE R SAX , Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold (H rsg.), Ausländerrecht, Ausländerin- nen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und So- zialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143). D em behördli- chen Erm essen steht som it im Falle der Erteilung einer Einreisebew illigung ein w eiterer Spielraum offen als beispielsw eise bei der Verlängerung einer allm ählich den Vertrauensschutz verfestigenden Anw esenheitserlaubnis. D ies gilt auch für die Beurteilung von Einreiseersuchen zur Anw esenheit von bis zu drei M onaten, die bew illigungsfrei, m itunter aber visum spflichtig sind (vgl. Art. 2 Abs. 1 AN AG i.V.m . den nachstehend erw ähnten Visum s- bestim m ungen). 3. Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz grundsätzlich ein Visum (vgl. Art. 1 und Art. 3 der Verordnung vom 14. Ja-4 nuar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Auslän- dern [VEA, SR 142.211]). D as Visum w ird verw eigert, w enn die Auslände- rin oder der Ausländer die Einreisevoraussetzungen nach Art. 1 VEA nicht erfüllt (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). So m üssen Personen, die in die Schw eiz reisen m öchten, unter anderem G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ie- der ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c. VEA). D azu lassen sich jedoch, da ein künftiges Verhalten zu beurteilen ist, in der R egel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Voraussagen m achen. D abei sind säm tli- che U m stände des konkreten Einzelfalles zu w ürdigen. 4. D ie Beschw erdeführerin kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen und unterliegt aufgrund ihrer N ationalität den Visum sbestim m ungen (vgl. Art. 1 - 5 VEA). 4.1 Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten W iederausreise können sich aus der allgem einen Lage im H erkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw . R egionen m it politisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise un- günstigen Verhältnissen können darauf hindeuten, dass die persönliche In- teressenlage in solchen Fällen nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 4.2 Trotz grosser internationaler U nterstützung ist es bisher nicht gelungen, im Kosovo eine W achstum sdynam ik einzuleiten; es herrscht w irtschaftliche Stagnation. D ie Arbeitslosigkeit bleibt hartnäckig hoch, sind doch m ehr als die H älfte der Erw erbsfähigen ohne oder zum indest ohne regelm ässiges Einkom m en. D ie soziale Lage ist für w eite Teile der Bevölkerung unbefrie- digend. Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die versuchen nach W est- europa und hier unter anderem auch in die Schw eiz zu gelangen, um sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz aufzubauen. D iese Tendenz zur Ausw anderung zeigt sich erfahrungsgem äss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen, die bereits über ein m ini- m ales soziales Beziehungsnetz im Ausland (Verw andte oder Freunde) ver- fügen. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven frem den- polizeilichen Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländer- rechtlicher Bestim m ungen. 4.3 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch, w ie unter Ziffer 3 ausgeführt, säm tliche G e- sichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W ie- derausreise begünstigen. Andererseits m uss bei G esuchstellern, die in der H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m ög- lichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 4.4 Bei der R ekurrentin handelt es sich um eine 24-jährige, geschiedene Frau, 5 w elche in Ferizaj als Filialleiterin arbeiten soll. Aus den eingereichten U n- terlagen (Arbeitsvertrag sow ie Arbeitsbestätigung der Firm a E._______ vom 8. bzw . 9. M ai 2006) geht diesbezüglich hervor, dass sich die Be- schw erdeführerin seit Januar 2005 in einem bis Ende 2006 befristeten An- stellungsverhältnis als "Leitungsassistentin" in besagter Firm a befand. Aus den Akten ergeben sich keinerlei H inw eise, w onach ihr Arbeitsvertrag ver- längert w orden w äre. U ngeachtet dessen erscheint angesichts ihres Alters sow ie der relativ kurzen Erw erbstätigkeit ohnehin als w enig w ahrschein- lich, dass sich die R ekurrentin bereits eine gefestigte Existenz hat aufbau- en können. Von einer starken beruflichen Verw urzelung im H eim atland kann jedenfalls zum heutigen Zeitpunkt (noch) nicht ausgegangen w erden. Kom m t hinzu, dass laut Scheidungsurteil vom 31. M ai 2005 das Sorge- recht über den bald vierjährigen Sohn allein dem Vater zugesprochen w ur- de. D ie Beschw erdeführerin verfügt som it im Kosovo fraglos w eder über besondere berufliche Verpflichtungen noch über fam iliäre Verantw ortlich- keiten, die sie ernsthaft von einer Em igration abzuhalten verm öchten, zu- m al sie m it ihren Eltern bereits über engste Bezugspersonen in der Schw eiz verfügt. Berücksichtigt m an zudem die oben erw ähnte allgem eine w irtschaftliche Lage im H eim atland, dürften die m ittelfristigen Zukunftsaussichten der Be- schw erdeführerin zum indest als schw ierig einzustufen sein. Vor diesem H intergrund m üssen die Vorbringen auf Beschw erdeebene, w onach genü- gend G arantien für eine fristgerechte W iederausreise vorhanden seien, als nicht ausschlaggebend bezeichnet w erden. Im Ü brigen hegte auch die Schw eizerische Vertretung in Pristina, w elche m it den sozialen, w irtschaft- lichen und politischen Verhältnissen im H erkunftsstaat der Ausländerin gut vertraut ist und sich som it durchaus ein Bild der Einreisew illigen m achen kann, Bedenken bezüglich der anstandslosen W iederausreise und verw ei- gerte form los die Einreisebew illigung. Auch gilt es darauf hinzuw eisen, dass die Vorinstanz bereits am 15. April 2003 ein Begehren der (dam als noch verheirateten) Beschw erdeführerin um Erteilung eines dreim onatigen Einreisevisum s m it der Begründung abgew iesen hat, in Berücksichtigung aller U m stände könne die fristgerechte und anstandslose R ückkehr ins H eim atland keinesw egs als einw andfrei gesichert betrachtet w erden. An dieser Einschätzung ist auch heute festzuhalten, haben sich doch die ent- scheidsw esentlichen Sachum stände, w ie oben ausgeführt, in der Zw i- schenzeit nicht zugunsten der R ekurrentin geändert. 4.5 N ach dem G esagten durfte die Vorinstanz davon ausgehen, die W ieder- ausreise der Beschw erdeführerin sei im Sinne der m assgeblichen Bestim - m ungen nicht gesichert. Zw ar liess sich diese Prognose nicht zu einer ge- sicherten Feststellung verdichten; sie reichte aber aus, um die Erteilung ei- nes Einreisevisum s – auf das, w ie erw ähnt, ohnehin kein R echtsanspruch besteht – abzulehnen. D aran ändert auch die Tatsache nichts, dass der R ekurrent für die R ückreise seiner Tochter garantiert hätte, denn eine sol- che G arantie ist trotz bester und ehrlicher Absichten nicht m öglich bzw . rechtlich nicht durchsetzbar (vgl. Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 57.24). D ie Abw ägung der für und gegen eine W iederausreise spre-6 chenden G esichtspunkte obliegt allein der zuständigen Behörde; die G ast- geber in der Schw eiz haben darauf keinen Einfluss. W ie bereits m ehrfach betont, ist bei der Beurteilung von Einreisebegehren in erster Linie auf das U m feld bzw . die (persönlichen) Verhältnisse der eingeladenen Personen – und nicht der G astgeber – abzustellen. 5. N ach dem G esagten ist som it nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das öffentliche Interesse sow ie die Beachtung der geltenden Bestim m un- gen entsprechend gew ichtete und der Beschw erdeführerin die Einreise verw eigerte. D ie angefochtene Verfügung verletzt daher Bundesrecht nicht. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und vollständig fest- gestellt, und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Erm essen pflichtge- m äss und zutreffend gehandhabt (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist dem zufolge abzuw eisen. 6. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w erden die unterliegenden Beschw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erden w erden abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden den Beschw erdeführern aufer- legt. Sie sind durch den am 23. Septem ber 2006 geleisteten Kostenvor- schuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. 2 011 012 retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf D aniel Brand Versand am :