<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 57 S.231</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>57</b></span> <span class="ft2"><b>Kognition des Verwaltungsgerichts in Normenkontrollverfahren.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Rügen betreffend das Zustandekommen einer Norm dürfen nur ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>prüft werden, wenn der geltend gemachte inhaltliche Mangel beim</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zustandekommen einer Norm dem höherrangigem Recht oder der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Natur der Sache derart widerspricht, dass das Ergebnis in der ange-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fochtenen Norm eine schwerwiegende Rechtsverletzung mit Nichtig-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keitsfolge begründet (Präzisierung der Rechtsprechung).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 7. Dezember 2007 i.S. A.</span><br/> <span class="ft5">u. Mitb. gegen den Regierungsrat (WNO.2005.1).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I.</span><br/> <span class="ft1">1. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">2.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht hat die angefochtene Bestimmung bloss</span><br/> <span class="ft1">hinsichtlich der vom Gesuchsteller ausdrücklich gerügten</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmängel zu untersuchen (sog. Rügeprinzip). Zusätzlich ist es</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nur verpflichtet, damit aus der Natur der Sache unmittelbar zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhängende sowie offensichtliche, ins Auge springende Verfas-</span><br/> <span class="ft1">sungs- oder Gesetzwidrigkeiten zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Normenkontrolle wird ein Rechtssatz mit einem andern</span><br/> <span class="ft1">Rechtssatz verglichen; geprüft wird, ob der zu kontrollierende</span><br/> <span class="ft1">Rechtssatz der Massstabsnorm entspricht (Monika Fehlmann-Leut-</span><br/> <span class="ft1">wyler, Die prinzipale Normenkontrolle nach aargauischem Recht,</span><br/> <span class="ft1">Aarau 1988, S. 85 ff.), d.h., ob übergeordnete Verfassungs- und Ge-</span><br/> <span class="ft1">setzesbestimmungen verletzt sind (§ 68 VRPG; AGVE 1992, S. 168;</span><br/> <span class="ft1">1988, S. 110). Geprüft wird - dies als Grundsatz - der Rechtssatz als</span><br/> <span class="ft1">Ergebnis des Rechtsetzungsverfahrens, nicht aber auch der Ablauf</span><br/> <span class="ft1">des Rechtsetzungsverfahrens (AGVE 1992, S. 168; 1985, S. 117).</span><br/> <span class="ft1">Das Gericht hat zu untersuchen, ob der Rechtssatz selbst verfas-</span><br/> <span class="ft1">sungs- und gesetzmässig ist. Gestützt auf die bisherige Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung dürfen Rügen von Verfahrensfehlern beim Zustandekom-</span><br/> <span class="ft1">men einer Norm (was nicht den Norminhalt betrifft) nur mit grosser</span><br/> <span class="ft1">Zurückhaltung überhaupt geprüft werden. So können im Normen-</span><br/> <span class="ft1">kontrollverfahren nur schwere Verfahrensfehler, die zur Nichtigkeit</span><br/> <span class="ft1">einer Norm führen, berücksichtigt werden. Soweit im Folgenden von</span><br/> <span class="ft1">einem schweren Mangel die Rede ist, wird darunter ein zur Nichtig-</span><br/> <span class="ft1">keit führender Mangel verstanden.</span><br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">1. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Gesuchsteller beanstanden einzelne Parameter, die bei der</span><br/> <span class="ft1">Ermittlung des Prozentsatzes von 3,12 % im Rechtsetzungsverfahren</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigt wurden, und ihre Rügen betreffen damit das Zustande-</span><br/> <span class="ft1">kommen der beanstandeten Norm in Anhang IV Ziff. 6 LDLP. Auf</span><br/> <span class="ft1">solche Rügen kann das Verwaltungsgericht nur eintreten, wenn die</span><br/> <span class="ft1">gerügten Mängel einen schweren Fehler im Rechtssetzungsverfahren</span><br/> <span class="ft1">begründen. Entsprechend der Ergebnisprüfung im Normenkontroll-</span><br/> <span class="ft1">verfahren ist dabei zu prüfen, ob der gerügte Mangel objektiv und</span><br/> <span class="ft1">unabhängig vom konkreten Fall zur Nichtanwendbarkeit einer Norm,</span><br/> <span class="ft1">ungeachtet ihres Inhalts, führen muss (siehe vorne Erw. I/2.1.1). In</span><br/> <span class="ft1">der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts waren insbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">233</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sondere Verfahrensrügen wie die Verletzung klarer Zuständigkeits-</span><br/> <span class="ft1">vorschriften, die Verletzung von Vorschriften über die Mitwirkungs-</span><br/> <span class="ft1">rechte oder des rechtlichen Gehörs Gegenstand dieser Prüfung (vgl.</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1992, S. 169 mit Hinweisen; AGVE 1985, S. 119 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen; VGE I/41 vom 5. Juli 1995 [NO.1995.00001], S. 9). Vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gend handelt es sich nicht um Verfahrensmängel im Rechtsetzungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren, sondern um die materiellen Grundlagen, die vom Dekrets-</span><br/> <span class="ft1">geber für die Ausarbeitung der angefochtenen Norm verwendet bzw.</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigt wurden. Diese Grundlagen sind weder formell noch</span><br/> <span class="ft1">materiell verbindlich, sondern sind Teil der Entstehungsgeschichte</span><br/> <span class="ft1">und haben damit im Normenkontrollverfahren die Bedeutung von</span><br/> <span class="ft1">Materialien. Wie bei den Verfahrensfehlern kann auch ein inhaltli-</span><br/> <span class="ft1">cher Mangel bei der Entstehung einer Norm mit schwerwiegenden</span><br/> <span class="ft1">Auswirkungen auf das Ergebnis nicht zum vornherein ausgeschlos-</span><br/> <span class="ft1">sen werden. Ein solcher Mangel kann sich aus der Natur der Sache</span><br/> <span class="ft1">ergeben, indem die Norm einen Sachverhalt regelt, welcher mit dem</span><br/> <span class="ft1">beabsichtigten Regelungsinhalt keinen sachlichen Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">hat (vgl. hiezu Sachverhalt in AGVE 2004, S. 99 ff.). Eine inhaltsbe-</span><br/> <span class="ft1">stimmende Verletzung von übergeordnetem Recht beim Zustande-</span><br/> <span class="ft1">kommen kann auch dazu führen, dass der Rechtsatz als Ergebnis</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls mit dem übergeordneten Recht schlicht unvereinbar wird.</span><br/> <span class="ft1">In diesem Sinne ist in Präzisierung der bisherigen Rechtsprechung zu</span><br/> <span class="ft1">prüfen, ob der geltend gemachte inhaltliche Mangel beim Zustande-</span><br/> <span class="ft1">kommen einer Norm dem höherrangigem Recht oder der Natur der</span><br/> <span class="ft1">Sache derart widerspricht, dass das Ergebnis in der angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Norm eine schwerwiegende Rechtsverletzung mit Nichtigkeitsfolge</span><br/> <span class="ft1">begründet.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>