<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">1P.603/2005 /ggs </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 2. März 2006 </div> <div class="para">I. Öffentlichrechtliche Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Féraud, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Nay, Aeschlimann, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Störi. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Parteien </div> <div class="para">X.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Josephsohn, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Interkantonale Strafanstalt Bostadel, Postfach 38, 6313 Menzingen, </div> <div class="para">Paritätische Aufsichtskommission für die Interkantonale Strafanstalt Bostadel des Kantons Zug, 6301 Zug, c/o Sicherheitsdirektion des Kantons Zug, Aabachstrasse 1, Postfach 157, 6301 Zug, </div> <div class="para">Rekurskommission für die Interkantonale Strafanstalt Bostadel, Aabachstrasse 3, Postfach, 6301 Zug. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Verbot der Übermittlung von Anwaltspost in Form einer Diskette, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Entscheid der Rekurskommission für die Interkantonale Strafanstalt Bostadel vom 16. August 2005. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sachverhalt: </div> <div class="para">A. </div> <div class="para">Am 10. Januar 2005 ging bei der Interkantonalen Strafanstalt Bostadel (IKS) eine Postsendung von Rechtsanwalt Josephson an seinen dort einsitzenden Klienten X.________ ein, welche nebst einem Brief einen Datenträger in Form einer Computerdiskette enthielt. Der Direktor der Anstalt retournierte die Sendung am 12. Januar 2005. Am 14. Januar 2005 teilte Rechtsanwalt Josephson dem Anstaltsdirektor mit, in seiner retournierten Sendung befänden sich gewisse Unterlagen, die er auf Datenträger gespeichert habe; seiner Ansicht nach dürfe es keinen Unterschied machen, ob die anwaltlichen Informationen in Papierform oder gespeichert auf einem Datenträger zu seinem Klienten gelangten. </div> <div class="para">Am 21. Januar 2005 verfügte Direktor Linard Arquint, der Inhalt der Datenträger sei in Papierform zu übermitteln. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Am 4. April 2005 wurde X.________ in eine andere Strafanstalt - die Strafanstalt Zug in Zug - verlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Am 2. Juni 2005 wies die Paritätische Aufsichtskommission für die IKS die von X.________ gegen dieses Verfügung erhobene Beschwerde ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Am 16. August 2005 wies die Rekurskommission für die IKS den von X.________ gegen diesen Entscheid erhobenen Rekurs ab. </div> <div class="para">B. </div> <div class="para">Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 19. September 2005 wegen Verletzung von <span class="artref"><artref id="CH/101/13" type="start"></artref><artref id="CH/101/8" type="start"></artref>Art. 8, 13 und 16 BV</span><artref id="CH/101/13" type="end"></artref><artref id="CH/101/16" type="end"></artref> sowie von <span class="artref">Art. 8 Ziff. 1 und <artref id="CH/0.101/10/1" type="start"></artref>Art. 10 Ziff. 1 EMRK</span><artref id="CH/0.101/8/1" type="end"></artref> beantragt X.________, diesen Rekursentscheid aufzuheben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Rekurskommission für die IKS verzichtet auf Vernehmlassung. Die Paritätische Aufsichtskommission für die IKS beantragt, die Beschwerde abzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In seiner Stellungnahme hält X.________ an der Beschwerde vollumfänglich fest. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Ergreifung der staatsrechtlichen Beschwerde setzt nach ständiger Praxis des Bundesgerichts das Fortbestehen eines aktuellen praktischen Rechtsschutzinteresses voraus (<span class="artref">Art. 88 OG</span>). Auf dieses Eintretenserfordernis wird nur verzichtet, wenn die streitige Problematik sich jederzeit unter gleichen oder ähnlichen Umständen wieder stellen könnte, an ihrer Klärung wegen der grundsätzlichen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht und die Frage sonst im Einzelfall kaum je rechtzeitig verfassungsrechtlich geprüft werden könnte (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=13&amp;from_date=19.02.2006&amp;to_date=10.03.2006&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IA-165%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page166">BGE 120 Ia 166</a> E. 1a; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=13&amp;from_date=19.02.2006&amp;to_date=10.03.2006&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IA-488%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page488">118 Ia 488</a> E. 1a, je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer wurde am 4. April 2005 in eine andere Anstalt verlegt und wird, jedenfalls nach der Einschätzung von Direktor Arquint, nicht mehr in die IKS zurückkehren. Er könnte daher von einer allfälligen Gutheissung der Beschwerde nicht profitieren, weshalb ihm ein aktuelles Rechtsschutzinteresse fehlt. Der Beschwerdeführer behauptet zwar, es bestehe ein öffentliches Interesse an der Klärung der grundsätzlichen Frage, ob Strafanstalten verfassungsrechtlich verpflichtet seien, Anwaltspost in Form von Computerdisketten ohne Einschränkungen - grundsätzlich ohne Zensur - weiterzuleiten. Ob diese Frage von grundsätzlicher Bedeutung ist, ist zweifelhaft. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern der Anwalt in seiner Tätigkeit behindert wird, wenn er mit seinem in einer Strafanstalt einsitzenden Klienten brieflich verkehren und auf einen elektronischen Datenaustausch verzichten muss. Hinzu kommt, dass nicht für alle Strafanstalten das gleiche Gefängnisreglement gilt, weshalb die Rüge der fehlenden gesetzlichen Grundlage gar nicht in grundsätzlicher Art für alle Strafanstalten beurteilt werden kann. Vor allem aber ist nicht ersichtlich, weshalb diese Frage im Einzelfall kaum je rechtzeitig verfassungsrechtlich geprüft werden könnte. Dies wird vom Beschwerdeführer nicht einmal behauptet, geschweige denn in einer den gesetzlichen Anforderungen von <span class="artref">Art. 90 Abs. 1 lit. b OG</span> genügenden Weise (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=13&amp;from_date=19.02.2006&amp;to_date=10.03.2006&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-38%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page38">BGE 127 I 38</a> E. 3c<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=13&amp;from_date=19.02.2006&amp;to_date=10.03.2006&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-I-492%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page492">125 I 492</a></span> E. 1b<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=13&amp;from_date=19.02.2006&amp;to_date=10.03.2006&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-I-70%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page70">122 I 70</a></span> E. 1c) belegt. Auf die Beschwerde ist nicht einzutreten. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 156 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht </div> <div class="para">im Verfahren nach <span class="artref">Art. 36a OG</span>: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Interkantonalen Strafanstalt Bostadel, der Paritätischen Aufsichtskommission für die Interkantonale Strafanstalt Bostadel und der Rekurskommission für die Interkantonale Strafanstalt Bostadel schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para">Lausanne, 2. März 2006 </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para">Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: </div> <div class="para"> </div> </div></body></html>