<h2>SubmittedText<h2><p>Ich frage den Bundesrat, ob er im Rahmen der Bemühungen zur Aufarbeitung unserer jüngsten Geschichte, namentlich der Zeit des Zweiten Weltkrieges, und zum Gedenken an die Tragödie der Schoah bereit ist, die Schaffung eines "Ortes der Erinnerung" an den Holocaust und an andere Völkermorde zu prüfen.</p><p>Das Medium des Films wäre - von seiner Geschichte und von den Werken her, die es hervorgebracht hat, aber auch von seiner Verwendung zu Propagandazwecken oder zur offiziellen Darstellung der Ereignisse in Form von Wochenschauen - besonders geeignet, die Erinnerung an all das, was zur Schoah und zu anderen Völkermorden geführt hat, wachzuhalten.</p><p>Durch die Schaffung einer historischen Cinemathek, die durch eine Photothek, eine Bibliothek und eine Videothek zu ergänzen wäre, könnten während des ganzen Jahres Filme und andere Darbietungen vorgeführt werden, die zwar existieren, in den Programmen der kommerziell geführten Kinos aber nur kurz auftauchen und dann wieder verschwinden. Eine solche "Gedenkstätte" müsste für alle offen sein, vor allem aber für Schülerinnen und Schüler.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Schweizerische Filmarchiv in Lausanne beherbergt im Rahmen seiner umfassenden Sammlung von Spiel- und Dokumentarfilmen aus der Schweiz und dem Ausland eine respektable Anzahl von Zeitdokumenten, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere der "Shop" befassen. Unter anderem sind dort - wie auch im Schweizerischen Bundesarchiv - die Schweizerischen Filmwochenschauen für die Jahre 1940 -1963 vollständig verfügbar. Zu nennen sind auch die Schweizerische Landesbibliothek (SLB) und die Schweizerische Phonothek sowie das Schweizerische Bundesarchiv, deren diesbezügliche Sammlungen einer breiten Oeffentlichkeit zugänglich sind.</p><p></p><p>Im Rahmen der Bemühungen zur Aufarbeitung der jüngsten Geschichte haben während der letzten Monate alle genannten Institutionen zusätzliche Informationsangebote (Bibliographien, Quellenverzeichnisse, Dokumentationen, Veranstaltungen etc.) organisiert. Sowohl für Filmvorführungen wie für Fernsehausstrahlungen hat die "Cinémathèque" in den vergangenen Monaten laufend Filme und Dokumente zur Verfügung gestellt. Die Schweizerische Landesbibliothek stellte eine Bibliographie "Die Schweiz 1939-45" zusammen und hält sie - u.a. über Internet - der Öffentlichkeit zur Verfügung. Im Lesesaal der SLB befindet sich eine Präsenzbibliothek. Bibliographie wie Präsenzbestand enthalten die meisten bzw. wichtigsten Veröffentlichungen, die die "Shoa" betreffen.</p><p>Das Schweizerische Bundesarchiv hat themenspezifische Quellenverzeichnisse erarbeitet, Quellendokumentationen zusammengestellt und bietet Interessierten, namentlich Schulen, in Form von Werkstattveranstaltungen Einführungen in diese Thematik und die Problematik der Geschichtsschreibung.</p><p>Die genannten Institutionen tragen auch mit längerfristig angelegten Massnahmen dem Anliegen des Interpellanten Rechnung. Als Beispiel sei hier auf das Projekt "Erhaltung unseres audiovisuellen Gedächtnisses" im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag des Schweizerischen Bundesstaates hingewiesen, das unter anderem sämtliche noch vorhandenen Tagesschauen (1954 -1989) und Filmwochenschauen (1940 - 1975) sowie weitere Tondokumente auf neuen Datenträgern sichert, mit Bild- und Schriftdokumenten der Schweizerischen Landesbibliothek verknüpft und einer breiten Oeffentlichkeit zugänglich macht. Realisiert wird dieses Projekt vom Verein MEMORIAV, dem neben dem Schweizerischen Bundesarchiv, der Schweizerischen Landesbibliothek und dem Bundesamt für Kommunikation auch die Cinémathèque suisse, die Landesphonothek und die SRG angehören.</p><p></p><p>Mit allen erwähnten Massnahmen wird angestrebt, einer breiten Oeffentlichkeit die Geschichte der Schweiz in ihren internationalen Zusammenhängen aktiv zu vermitteln und damit allen Interessierten eine Möglichkeit zu geben, sich mit der unmittelbaren Vergangenheit auseinanderzusetzen.</p><p></p><p>Die Anregung, eine Gedenkstätte zu errichten, wird im Rahmen der vielfältigen Bemühungen zur Aufarbeitung der Geschichte und in Zusammenarbeit mit allen interessierten Institutionen und Kommissionen zu prüfen sein. Diskutiert werden müsste in diesem Zusammenhang auch, ob es sinnvoll ist, sich darauf zu beschränken, nur über das Medium Film zur Auseinandersetzung mit Geschichte anzuregen.</p><p></p><p>Der Bundesrat möchte aber noch einmal darauf hinweisen, dass es nicht alleine Sache einer Gedenkstätte sein kann, der Schrecken von Antisemitismus, Rassismus und Völkermord zu gedenken und die Sensibilität für entsprechende Tendenzen von heute zu schärfen. In nächster Zukunft soll deshalb das Schwergewicht der Bemühungen auf die Arbeit jener Organisationen und Institutionen gelegt werden, die entsprechende Oeffentlichkeitsarbeit leisten und damit zur gesellschaftlichen Aufklärung und zur Prävention einer menschenverachtenden Entwicklung beitragen. In diese Richtung zielen auch zahlreiche neue Vorhaben Privater und Projekte für Lehrstühle und Begegnungsstätten, die gerade auch durch parlamentarische Vorstösse mitgetragen werden.</p>  Antwort des Bundesrates.