A bteilung V E -5875/2006 {T 0/2} koh/bos/scb U rteil vom 14. M ai 2007 M itw irkung: R ichterin Kojic, R ichterin Teuscher, R ichter D ubey G erichtsschreiberin Bodenm ann A ._______, geboren _______, Türkei, w ohnhaft _______, vertreten durch R echtsanw alt Peter Frei, _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), vorm als Bundesam t für Flüchtlinge (BFF), Q uellen- w eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 23. M ärz 2006 in Sachen A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er ledige Beschw erdeführer ist türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und alevitischen G laubens aus X._______, Istanbul. Am 6. M ärz 2006 reiste der Beschw erdeführer in die Schw eiz ein und stellte am selben Tag ein Asylgesuch. An der sum m arischen Befragung im Em pfangszent- rum Kreuzlingen vom 10. M ärz 2006 und der direkten Anhörung durch das BFM vom 21. M ärz 2006 m achte er folgende Angaben zu seinen Ausreise- und Asyl- gründen: Er habe bis im Juli 2003 seinen M ilitärdienst absolviert. N ach seiner R ückkehr ins H eim atdorf habe er vom Tod seines Bruders erfahren. Sein Bruder sei bereits 1999 als M ärtyrer gefallen und die Fam ilie erst 2003 über dessen Tod inform iert w orden. Als sich seine Fam ilie bei den zuständigen Behörden nach den Todesum - ständen respektive nach einem Autopsiebericht erkundigt habe, sei der Beschw er- deführer von der Zivilpolizei (JITEM ) verbal bedroht und beinahe täglich zu Spitzel- tätigkeiten angehalten w orden. Er sei letztm als etw a 15 bis 20 Tage vor seiner Ausreise von bew affneten Zivilpolizisten m it einem Fahrzeug abgeführt und m it ei- ner W affe bedroht w orden. Im W eiteren habe er seit 2004 an M assenkundgebun- gen der D EH AP teilgenom m en und sei desw egen insgesam t dreim al in U ntersu- chungshaft gesetzt respektive inhaftiert w orden. Seine erste Inhaftierung sei am N ew rozfest am 21. M ärz 2004 erfolgt und habe einen Tag lang gedauert. Seine zw eite Festnahm e habe sich am 21. M ärz 2005 respektive am 15. August 2005 zu- getragen. Seine dritte Festnahm e habe im D ezem ber 2005 respektive am 15. Au- gust 2005 stattgefunden und habe fünf beziehungsw eise acht Stunden gedauert. Er sei indessen nie gerichtlich verurteilt w orden. N achdem seine Identität festge- stellt w orden sei, sei seine Fam ilie von den Behörden, nam entlich der JITEM , un- terdrückt w orden. Er habe sich diesbezüglich nie an irgendw elche O rganisationen, Behörden oder Anw älte im H eim atland gew andt. Im W eiteren sei der Beschw erdeführer seit 2000 Sym pathisant der PKK gew esen und habe in diesem Zusam m enhang Inform ationen zu Kundgebungen und Tätig- keiten w eitergegeben. Vor M ärz 2004 habe er indessen keine Problem e m it den Behörden gehabt. D ie letzten drei Jahre vor seiner Ausreise habe er als Betriebs- m echaniker in einer U nterw äschefabrik gearbeitet. In der Türkei lebten nach w ie vor seine Eltern sow ie drei Brüder in Istanbul. Seinen bis Septem ber 2006 gültigen R eisepass habe er 1998 legal erhalten und dem Schlepper überlassen m üssen. D ie im Juni 2003 ausgestellte Identitätskarte (N ü- fus cüzdani) reichte der Beschw erdeführer zu den Akten. B. M it Verfügung vom 23. M ärz 2006, die dem Beschw erdeführer gleichentags eröff- net w urde, verneinte das BFM die Flüchtlingseigenschaft des Beschw erdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die W egw eisung aus der Schw eiz sow ie deren Vollzug an. Als Begründung führte es im W esentlichen an, die Vorbringen des Beschw erdeführers zu den ständigen Belästigungen und Aufforderungen zur Spitzeltätigkeit seitens Zivilpolizisten seien realitätsfrem d und unsubstanziiert aus-3 gefallen. Zudem genügten die geltend gem achten Festnahm en durch die Polizei und die Belästigungen und D rohungen durch Zivilpolizisten nicht, um eine begrün- dete Furcht vor künftiger asylrelevanter Verfolgung anzunehm en. D er Beschw er- deführer könne sich allfälligen Behelligungen seitens lokaler Behörden durch eine anderw eitige W ohnsitznahm e im H eim atstaat entziehen. Es seien nie offizielle An- klagen gegen den Beschw erdeführer erhoben w orden und dieser habe sich nie an übergeordnete Behörden oder Anw älte gew andt, um sich gegen die Ü bergriffe ein- zelner Beam ter zur W ehr zu setzen. Schliesslich sei der W egw eisungsvollzug als zulässig, zum utbar und m öglich zu erachten. C . M it Eingabe vom 20. April 2006 gelangte der Beschw erdeführer m ittels seines R echtsvertreters an die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) und bean- tragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Anerkennung als Flücht- ling und die G ew ährung von Asyl. Eventuell sei die vorläufige Aufnahm e anzuord- nen. W eiter ersuchte er um die unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän- dung. Als Begründung führte er insbesondere an, er stam m e aus einer "politischen Fam ilie", w elche der kurdischen O ppositionsbew egung - der PKK und den ihr ver- bundenen Parteien - nahestehe. Sein Bruder B._______ sei als bew affneter Käm pfer der PKK im Jahr 1999 von der türkischen Arm ee im Laufe eines G efechtes getötet w orden. Ein anderer Bruder, C ._______ sei in der Schw eiz als Flüchtling anerkannt w orden; w eitere Angehörige hätten in D eutschland Asyl erhalten. D ie Fam ilienm itglieder des Beschw erdeführers stünden unter hohem D ruck der türkischen Sicherheitskräfte und w ürden bei jeder G elegenheit behelligt und überw acht. Im W eiteren sei die aktuelle Lage in der Türkei sehr angespannt. D ie von der Vorinstanz aufgew orfenen Zw eifel an den Vorbringen des Beschw erdeführers w ürden nur pauschal erhoben und nicht w eiter begründet, w eshalb der Anspruch des Beschw erdeführers auf rechtliches G ehör verletzt w orden sei. D iesbezüglich sei festzuhalten, dass die Erstbefragung nicht einm al zw ei Stunden und die direkte Anhörung zw ei Stunden gedauert habe. Zudem sei der Beschw erdeführer seit 2000 für die PKK und der D EH AP aktiv gew esen, w eshalb die Sicherheitskräfte auf seine Person aufm erksam gew orden seien. D er Beschw erdeführer sei aufgrund seines fam iliären H intergrundes und seiner bereits erlittenen Vorverfolgung auch in Zukunft besonderen N achteilen ausgesetzt, w elche in ihrer Intensität insgesam t als asylrelevant zu w ürdigen seien. M it der Beschw erdeschrift w urden folgende D okum ente in Kopie (jew eils m it deut- scher Ü bersetzung) zu den Akten gereicht: - Anhörungs- und D iagnoseprotokoll vom 12. August 2002 - Identifizierungsprotokoll m it Foto vom 28. Septem ber 2002 - Schreiben des Beschw erdeführers an die G eneralstaatsanw altschaft vom 31. Juli 2003 - Fürsorgebestätigung vom 10. April 2006. D . M it Zw ischenverfügung vom 4. M ai 2006 verzichtete die AR K auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses und teilte dem Beschw erdeführer m it, über das G esuch 4 um unentgeltliche Prozessführung w erde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. G leichzeitig w urde das G esuch um unentgeltliche Verbeiständung m angels N ot- w endigkeit abgew iesen. E. In ihrer Vernehm lassung vom 15. M ai 2006 hielt die Vorinstanz ohne ergänzende Ausführungen an ihren Erw ägungen fest. D iese Stellungnahm e ist dem Beschw er- deführer zur Kenntnis gebracht w orden. F. M it Schreiben vom 20. M ärz 2007 teilte das Bundesverw altungsgericht dem Be- schw erdeführer m it, dass die Abteilung V für das vorliegende Beschw erdeverfah- ren zuständig ist. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Ver- w altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Be- hörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in die- sem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfah- rensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). Für diese hängigen Asylverfah- ren gelten zudem die auf den 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Änderungen des Asylgesetzes (vgl. Abs. 1 der Ü bergangsbestim m ungen zur Änderung des Asylge- setzes vom 16. D ezem ber 2005). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist ein- zutreten.5 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 4. D er Beschw erdeführer m acht zur Begründung des Asylgesuchs insbesondere gel- tend, er stam m e aus einer politischen Fam ilie und habe sich bei der PKK respekti- ve der D EH AP aktiv betätigt. Er habe auf G rund der drei bereits erlittenen Fest- nahm en eine Vorverfolgung erlitten und habe begründete Furcht vor künftigen Ver- folgungsm assnahm en. In der angefochtenen Verfügung hält die Vorinstanz dem Beschw erdeführer entgegen, seine Vorbringen seien realitätsfrem d und unsubs- tanziiert ausgefallen. In diesem Zusam m enhang verw eist das BFM in genereller Form auf die Ausführungen des Beschw erdeführers zu den ständigen Belästigun- gen und Aufforderungen zur Spitzeltätigkeit seitens Zivilpolizisten. 4.1 In seiner R echtsm itteleingabe m acht der Beschw erdeführer in form eller H insicht geltend, das BFM habe in bloss pauschaler Form auf realitätsfrem de und unsubs- tanziierte Asylvorbringen geschlossen, w as den Anspruch des Beschw erdeführers auf rechtliches G ehör verletzt habe. H ierzu ist Folgendes festzuhalten: D em Beschw erdeführer ist grundsätzlich beizupflichten bei der Feststellung, dass das BFM in etw as pauschaler W eise auf die realitätsfrem den und unsubstanziier- ten Schilderungen seiner Behelligungen seitens der Zivilpolizei hinw eist. Trotzdem sind die Verw eise des BFM konkret genug, um die entsprechenden Vorhalte nach- prüfen zu können, zum al sich aus den beiden Befragungsprotokollen ergibt, w el- che Aussagen des Beschw erdeführers die Behelligung durch Zivilpolizisten betref- fen. D ie diesbezügliche R üge der Verletzung des rechtlichen G ehörsanspruches erw eist sich deshalb als nicht geeignet, die von der Vorinstanz vorgenom m ene W ürdigung der Aussagen des Beschw erdeführers im R esultat als Verletzung einer Verfahrensgarantie zu qualifizieren. In diesem Zusam m enhang ist w eiter festzuhal- ten, dass die zw eite form ale R üge, der H inw eis auf die Kürze respektive die D auer der beiden Befragungen (vgl. R echtsm itteleingabe, Ziffer 8.2, S. 7) ebenfalls allei- ne nicht geeignet ist schlüssig darzutun, w eshalb die diesbezüglichen Angaben 6 des Beschw erdeführers bei der Beurteilung des vorliegenden Beschw erde- verfahrens nicht herangezogen w erden dürfen. Aus beiden Befragungsprotokollen geht hervor, dass der Beschw erdeführer konkret zu den geltend gem achten Asyl- gründen befragt w orden ist; es sind m ehrfach Ergänzungsfragen gestellt w orden. Zudem ist ihm explizit G elegenheit gegeben w orden, seine – bisher protokollierten – Angaben zu ergänzen (vgl. A1, S. 4 ff.). G leich zu Beginn seiner D irektanhörung ist er gefragt w orden, ob seine Angaben im Em pfangszentrum vollum fänglich stim m en, w as er bejaht hat (vgl. A8, S. 2). D ie in der R echtsm itteleingabe ge- äusserte Verm utung, die Befragungen seien nicht sehr "tiefschürfend" ausgefallen, findet som it keine konkrete Stütze in den Befragungsprotokollen. W enn die Aus- führungen des Beschw erdeführers teilw eise sehr vage ausgefallen sind, lässt sich dies nicht auf die D auer der entsprechenden Befragung zurückführen, sondern vielm ehr auf das entsprechende Aussageverhalten des Beschw erdeführers. Zusam m enfassend ist festzustellen, dass sich die form ellen R ügen des Beschw er- deführers als unbehelflich erw eisen. Sow ohl die im Em pfangszentrum als auch die anlässlich der direkten Anhörung durch das BFM protokollierten Ausführungen des Beschw erdeführers können ohne Vorbehalt bei der W ürdigung des vorliegenden Verfahrens herangezogen w erden. 4.2 In m aterieller H insicht stellt das BFM , w ie bereits festgestellt in etw as pauschaler W eise, fest, dass die Schilderungen des Beschw erdeführers betreffend der geltend gem achten Behelligungen durch die Zivilpolizei realtitätsfrem d und unsubstanziiert ausgefallen sind. Im Ergebnis ist diesen Feststellungen zuzustim m en. 4.2.1 Einerseits ist festzuhalten, dass der Beschw erdeführer die U m stände, nam entlich die D aten seiner angeblich insgesam t drei erlittenen Festnahm en unterschiedlich beschrieben hat. Seinen Angaben im Em pfangszentrum zufolge sollen die drei In- haftierungen im M ärz 2004 (einen Tag lang), am 15. August 2005 (fünf Stunden lang) und im D ezem ber 2005 (acht Stunden) stattgefunden haben (vgl. A1, S. 4). Seinen diesbezüglichen Angaben anlässlich der D irektanhörung zufolge soll er hingegen am 21. M ärz 2004 (einen Tag lang), am 21. M ärz 2005 (acht Stunden lang) und am 15. August 2005 (fünf Stunden lang) inhaftiert w orden sein. Von ei- ner Inhaftierung im D ezem ber 2005 berichtet er an keiner Stelle. Bereits diese er- heblichen D iskrepanzen zw ischen den Angaben zu den ausreiseauslösenden Er- eignissen lassen erhebliche Zw eifel am W ahrheitsgehalt der Vorbringen des Be- schw erdeführers aufkom m en. D iese Zw eifel w erden dadurch verstärkt, als der Be- schw erdeführer im Em pfangszentrum ausdrücklich zu Protokoll gab, er sei von den Zivilpolizisten beinahe täglich bedroht w orden, w obei er präzisierte, es habe sich jew eils nur um verbale Bedrohungen gehandelt (vgl. A1, S. 5). Bei der direkten An- hörung hat er hingegen eine Festnahm e durch die Zivilpolizei etw a 15 oder 20 Tage vor seiner Ausreise, som it im Februar 2006 geschildert, bei der er m it einer W affe bedroht w orden sei. Abgesehen davon, dass täglich stattfindende Bedro- hungen seitens der Zivilpolizei als überzeichnet und daher realitätsfrem d bezeich- net w erden m üssen, ist zusätzlich festzustellen, dass der Beschw erdeführer ein m assgebliches ausreiseauslösendes Elem ent seiner Asylbegründung im Em p- fangszentrum nicht ansatzw eise erw ähnt hat. 4.2.2 Im W eiteren m uss festgestellt w erden, dass der Beschw erdeführer im Em pfangs- zentrum zw ar auf seine Sym pathie und entsprechende politische Propagandatätig-7 keit zugunsten der PKK hingew iesen hat. Er habe w eitere Aktivitäten w eder für die PKK noch für andere ausgeführt (vgl. A1, S. 5). Seinen protokollierten Angaben anlässlich der D irektanhörung zufolge w ill sich der Beschw erdeführer jedoch zu- gunsten der D EH AP engagiert haben. Seine Aktivitäten für die PKK erw ähnt er im R ahm en seiner einlässlichen Anhörung vom 21. M ärz 2006 m it keinem W ort. 4.2.3 Sow eit der Beschw erdeführer in genereller W eise vorträgt, er sei aufgrund seiner politischen Tätigkeit unter ständiger Beobachtung der Sicherheitskräfte gestanden, ist ferner darauf hinzuw eisen, dass dem Beschw erdeführer m it an Sicherheit gren- zender W ahrscheinlichkeit nicht im Jahr 2003 eine Identitätskarte ausgestellt w or- den w äre, w enn er respektive seine gesam te Fam ilie unter einem konkreten Ver- dacht der U nterstützung politisch m issliebiger O rganisationen gestanden w äre. G em äss seinen eigenen Angaben ist der Beschw erdeführer offenbar in der Lage gew esen, die letzten drei Jahre vor seiner Ausreise aus der Türkei einer ordentli- chen Erw erbstätigkeit als Betriebsm echaniker nachzugehen (vgl. A8, S. 2), so dass zusätzlich aus diesem G rund nicht von einer andauernden Verfolgungssituati- on ausgegangen w erden kann. 4.2.4 N ach dem G essagten m uss festgestellt w erden, dass aufgrund der Schilderungen des Beschw erdeführers nicht m it überw iegender W ahrscheinlichkeit gem äss Art. 7 Abs. 2 AsylG davon ausgegangen w erden m uss, dass sich die Ereignisse tatsäch- lich so zugetragen haben, w ie sie vom Beschw erdeführer geschildert w urden und er einer diesbezüglichen Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG ausge- setzt w ar respektive begründete Furcht vor künftigen ernsthaften N achteilen hat. 4.3 D er Beschw erdeführer m acht nam entlich in der R echtsm itteleingabe geltend, auf- grund des M ärtyrertodes seines Bruders B._______ respektive w egen seines Bruders C ._______, w elcher in der Schw eiz als Flüchtling anerkannt w orden sei, hätten die türkischen Behörden D ruck auf ihn und die ganze Fam ilie ausgeübt, dam it er m it ihnen zusam m enarbeite. In diesem Zusam m enhang hat der Beschw erdeführer m ehrere D okum ente zu den Akten gereicht. Im Anhörungs- und D iagnoseprotokoll vom 12. August 2002 w erden Aussagen des Vaters des Beschw erdeführers protokolliert, gem äss w elchen sich dieser zum Aufenthaltsort respektive zum Tod des Sohnes – und Bruders des Beschw erdeführers – B._______ äussert. Im Identifikationsprotokoll m it Foto vom 28. Septem ber 2002 w ird die Tötung von B._______ bei einem G efecht sow ie die Identifizierung von dessen Leiche durch den Vater des Beschw erdeführers festgehalten. Im Schreiben des Beschw erdeführers an die G eneralstaatsanw altschaft, datiert vom 31. Juli 2003, ersucht der Beschw erdeführer um Auskunft bezüglich des G rabes seines Bruders B._______. D ie Vorfälle, die diese D okum ente zu belegen versuchen, sind nicht geeignet, die vom Beschw erdeführer sinngem äss geltend gem achte R eflexverfolgungssituation als überw iegend w ahrscheinlich darzutun. Es kann zw ar nicht ausgeschlossen w erden, dass ein Bruder des Beschw erdeführers bei einem G efecht um gekom m en ist. D ieser U m stand verm ag jedoch noch keine genügende G rundlage für eine daraus resultierende Verfolgungssituation des Beschw erdeführers darzustellen. N am entlich geht aus den auf Beschw erdeebene eingereichten D okum enten nicht hervor, dass die türkischen Sicherheitskräfte im 8 Zusam m enhang m it dem Tod des Bruders B._______ gegen den Beschw erde- führer oder gegen andere seiner Fam ilienangehörigen einen Verdacht politisch m issliebiger Aktivitäten gehegt haben und in der Folge entsprechende Erm ittlungs- m assnahm en eingeleitet hätten. 4.4 W as die Frage einer allfälligen R eflexverfolgungssituation im Zusam m enhang m it dem Bruder C ._______ anbelangt ist zw ar festzustellen, dass diesem Bruder aufgrund von subjektiven N achfluchtgründen (Teilnahm e an Kundgebungen und Konsulatsbesetzungen im _______, M edieninterview s gegenüber kurdischen/türkischen Zeitungen, Briefverkehr m it seinem O nkel D ._______ und ausstehende Leistung des M ilitärdienstes) in der Schw eiz die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt w orden ist. Anlässlich seiner Befragungen zu den Asylgründen hat der Beschw erdeführer nie geltend gem acht, er habe m it seinem Bruder B._______ oder C ._______ gem einsam e politische Aktivitäten entfaltet. D en Bruder C ._______ erw ähnt der Beschw erdeführer anlässlich seiner Befragungen einzig als er nach allfälligen Verw andten in der Schw eiz gefragt w ird (A1, S. 3). Irgendw ie geartete behördliche Behelligungen im Zusam m enhang m it der im H eim atland oder in der Schw eiz entfalteten politischen Tätigkeiten seines Bruders C ._______ erw ähnt er hingegen m it keinem W ort. W ie bereits oben festgehalten, spricht auch der U m stand, dass dem Beschw erdeführer auf legalem W eg im Jahr 2003 eine Identitätskarte ausgestellt w urde, dagegen, dass er im H eim atstaat einer R eflexverfolgungssituation unterlag respektive begründete Furcht haben m uss, inskünftig w egen seiner Verw andten einer solchen unterw orfen zu w erden. Aus den dargelegten G ründen ist eine befürchtete R eflexverfolgung des Be- schw erdeführers zu verneinen. D er U m stand, dass sein Bruder B._______ im Jahre 1999 in einem G efecht zw ischen der PKK und den türkischen Sicherheitskräften gefallen sein soll respektive die Tatsache, dass seinem Bruder C ._______ aufgrund von subjektiven N achfluchtgründen die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt w orden ist, verm ögen im Falle des Beschw erdeführers nicht auszureichen, um eine begründete Furcht vor R eflexverfolgung im Falle einer R ückkehr in die Türkei darzutun. 4.5 Zusam m enfassend kann festgehalten w erden, dass das Bundesverw altungsgericht nicht m it überw iegender W ahrscheinlichkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG als erstellt annim m t, dass der Beschw erdeführer w egen eigener politischer Tätigkeiten erheblichen N achteilen im H eim atland ausgesetzt w urde. Insgesam t bestehen zu viele U ngereim theiten und zu w enige konkrete Anhaltspunkte in den Vorbringen des Beschw erdeführers. G estützt auf die vorstehenden Ausführungen m uss über- dies festgestellt w erden, dass die geltend gem achte Furcht vor R eflexverfolgung nicht begründet ist. D ie Vorinstanz hat zu R echt die Flüchtlingseigenschaft des Be- schw erdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 5.9 5.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 5.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2-4 AN AG ). 5.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 5.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernied- rigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 5.5 D er Beschw erdeführer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthaltsbe- w illigung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ; vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission in Entscheidungen und M ittei- lungen der AR K / EM AR K 2001 N r. 21). 5.6 D ie Vorinstanz w ies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der G rundsatz der N ichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen (vgl. M AR IO G ATTIKER , D as Asyl- und W egw eisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). D a es dem Beschw erdeführer nicht gelungen ist, eine asyl- rechtlich erhebliche G efährdung nachzuw eisen oder glaubhaft zu m achen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen N on-refoulem ents im vorliegenden Verfahren keine Anw endung finden. Eine R ückkehr in seinen H ei- m atstaat ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtm ässig.10 5.7 Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschw erdeführer für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. G em äss Praxis des Europäi- schen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti-Folterausschus- ses m üsste der Beschw erdeführer eine konkrete G efahr ("real risk") nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihm im Fall einer R ückschiebung Folter oder un- m enschliche Behandlung drohen w ürde (vgl. EM AR K 2001 N r. 16 S. 122 m it w eite- ren H inw eisen). D ie allgem eine M enschenrechtssituation in der Türkei für sich allein lässt den W egw eisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung sow ohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim m ungen zulässig. 5.8 G em äss Art. 14a Abs. 4 AN AG ist der Vollzug der W egw eisung unzum utbar, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt. D iese Bestim m ung bezieht sich in erster Linie auf so genannte G ew alt- flüchtlinge, das heisst auf Personen, die ihr Land w egen Krieg, Bürgerkrieg, einer Situation allgem einer G ew alt oder der herrschenden politischen Lage verlassen haben, denen jedoch nicht die Flüchtlingseigenschaft zukom m t, w eil sie nicht per- sönlich verfolgt w erden. Im W eiteren ist der Vollzug der W egw eisung nicht zum ut- bar für Personen, die nach ihrer R ückkehr aus anderen G ründen einer konkreten G efährdung ausgesetzt w ären, zum Beispiel, w eil sie die notw endige m edizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder sich m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit in einer existenzgefährdenden Situation befänden (vgl. EM AR K 2005 N r. 12 E. 10.3. S. 114 m it w eiteren H inw eisen). 5.9 Angesichts der heutigen Lage in der Türkei kann nicht von einer Situation allge- m einer G ew alt oder von kriegerischen oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen w erden, w elche für den Beschw erdeführer bei einer R ückkehr eine konkrete G efährdung darstellen w ürden (vgl. die w eiterhin zutreffende Lagebeur- teilung in EM AR K 2004 N r. 8). Es sind auch keine persönlichen G ründe ersichtlich, die gegen die R ückkehr des _______-jährigen M annes sprechen. D ie Eltern des Beschw erdeführers und seine G eschw ister leben nach w ie vor in X._______, Y._______ in der Provinz Istanbul, w o auch er selbst vor seiner Ausreise gelebt hatte. Er kann sich also bei der R ück- kehr in die Türkei auf ein bestehendes, breites soziales N etz stützen, und er w ird auf die U nterstützung seiner Fam ilie bei der w irtschaftlichen und sozialen R einteg- ration zählen können. Aus dem G esagten folgt, dass der Vollzug der W egw eisung zum utbar gem äss Art. 14a Abs. 4 AN AG ist.11 5.10 Schliesslich obliegt es dem Beschw erdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung seines H eim atstaates die für eine R ückkehr notw endigen R eisedokum ente zu be- schaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG ), w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch als m öglich zu bezeichnen ist. 5.11 Insgesam t ist die durch die Vorinstanz verfügte W egw eisung zu bestätigen. D ie Vorinstanz hat deren Vollzug zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich erach- tet. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1-4 AN AG ). 6. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esag- ten abzuw eisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens w ären die Kosten dem Beschw erdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ) und auf insgesam t Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). Aus den vorstehenden Erw ägungen w ird indessen ersichtlich, dass die R echtsbe- gehren im Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht von vornherein aussichtslos w aren. Angesichts der belegten Bedürftigkeit des Beschw erdeführers w ird sein m it der R echtsm itteleingabe vom 20. April 2006 gestelltes G esuch um unentgeltliche R echtspflege (Art. 65 Abs. 1 Vw VG ) hierm it gutgeheissen. Es w erden folglich kei- ne Verfahrenskosten erhoben. (D ispositiv nächste Seite)12 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege w ird gutgeheissen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - _______ des Kantons _______ (ad _______; Beilagen: _______) D ie vorsitzende R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: Therese Kojic Sandra Bodenm ann Versandt am :