Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 5. Mai 2015 (400 15 21) ____________________________________________________________________ Obligationenrecht Tierhalterhaftung, Sorgfalts- und Befreiungsbeweis Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richter Dieter Freiburghaus (Ref.), Richterin Barbara Jermann Richterich; Gerichtsschreiber Hansruedi Zweifel Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Heiner Schärrer, Aeschenvorstadt 67, Post- fach, 4010 Basel, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B.____ AG , vertreten durch Rechtsanwalt Adelrich Friedli, Stationsstrasse 66a, 8907 Wettswil, Beklagte Gegenstand unerlaubte Handlung Berufung gegen den Entscheid des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 26. September 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 01.10.2012 besuchte der Ehemann der Klägerin zusa mmen mit seiner Enkelin die Pferdesportanlage der Beklagten. Als er sich um 16.15 Uhr dazu anschickte, die Anlage zu ver- lassen, und seine Enkelin auf dem hinteren rechten Sit z seines auf dem Parkplatz der Anlage abgestellten Personenwagens gesichert hatte, kollidiert e das zuvor aus seinem umzäunten Auslauf (im Folgenden mit dem Fachbegriff „Paddock“ be zeichnet) ausgebrochene Schulpferd C.____ mit ihm und der hinteren rechten Heckpartie sei nes Personenwagens. Durch den Auf- prall des Pferdes, welches sich in der Folge über das Heck d es Personenwagens überschlug, bzw. infolge der Einklemmung zwischen dem Pferd und dem Heck seines Personenwagens verletzte sich der Ehemann der Klägerin derart stark, da ss er noch am Unfallort verstarb. Der Paddock, aus welchem das den Unfall verursachende Pferd ausbrach, war im Ausbruchsbe- reich mit zwei unter Strom stehenden Spiralfederdrähten mit Plastikgriffen zum Ein-/Aushängen gesichert. Die restliche Umrandung des Paddocks bestand au s zwei in weisses Textilband ein- gewebten Drähten. Beim Sprung aus dem Paddock blieb da s Pferd C.____ am oberen Spiral- federdraht hängen und riss diesen mehrere Meter weit mit sich. Die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft eröffnete daraufhin ein Untersuchungsverfahr en. In diesem Rahmen sind bei ver- schiedenen Personen Berichte und Gutachten eingeholt wor den. Die Tierärztin Dr. med. vet. D.____ hatte das Pferd C.____ unmittelbar nach dem Un fall untersucht und die gewonnenen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Der Kant onstierarzt wurde mit der Beurteilung des Paddocks beauftragt. Auch das Schweizerische Nationalg estüt in Avenches wurde zur Be- antwortung mehrerer Fragen aufgefordert, die durch E.____ beantwortet wurden. Mit Verfügung vom 25.04.2013 wurde das Strafuntersuchungsverfahren m angels Erfüllung eines Straftatbe- standes eingestellt. B. Nach Einreichung des Schlichtungsgesuchs der Klägerin stel lte das Friedensrichteramt Binningen am 19.08.2013 mangels Einigung die Klagebe willigung aus. Mit Teilklage vom 30.09.2013 beantragte die Klägerin die Verurteilung der Beklagten zur Bezahlung von CHF 60‘629.15 zuzüglich Zins zu 5% seit 01.10.2012, Me hrforderung vorbehalten, unter o/e- Kostenfolge. Mit Klageantwort vom 07.11.2013 beantrag te die Beklagte die kostenfällige Ab- weisung der Klage. Nach Durchführung eines zweiten Sch riftenwechsels und einer Hauptver- handlung wies das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West di e Klage mit Entscheid vom 26.09.2014 ab, auferlegte die Gerichtskosten der Kläge rin und verpflichtete die Klägerin zur Ausrichtung einer Parteientschädigung an die Beklagte. Das Gericht erwog dabei Folgendes: Die Beklagte bestreite weder ihre Haltereigenschaft no ch die Verursachung des Schadens durch ihr Pferd C.____. Sie verneine jedoch ihre Haft pflicht unter Berufung auf den Exzeptions- beweis. Im vorliegenden Fall bestünden keine gesetzliche n Vorschriften, nach welchen sich die konkreten Sorgfaltspflichten richten würden. Die Beratu ngsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) habe jedoch Empfehlungen für die Haltung von Pferden herausgegeben. Die BUL sei gemäss Bundesgericht für den Erlass einschlägi ger Empfehlungen betreffend die Haltung von Pferden ohne Zweifel kompetent. Diese Empf ehlung zeige auf, wie ein Pferdewei- den eingrenzender Zaun beschaffen sein müsse, damit di e von weidenden Pferden ausgehen- de Gefährdung möglichst gering gehalten werde, und ko nkretisiere damit das Mass der Sorg- falt, dem ein Pferdehalter diesbezüglich zu genügen ha be. Vorgesehen seien bei Grosspferden über 150 cm für Pferdezäune im Risikobereich 1 eine Zau nhöhe von 140 cm. Gemäss dem Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten von E.____ sei der Paddock im Risikobereich 1 ei nzustufen. Zudem werde eine Zaunhöhe von 0.8 multipliziert mit dem Stockmass des Pferd es empfohlen. Der Zaun habe ausserdem aus mindestens zwei Querlatten zu bestehen, welc he in einem Abstand von 50-60 cm zueinander zu stehen hätten. Als Querlatten könnten gemäss dem Gutachten von E.____ sämtliche gebräuchlichen horizontalen Trennsysteme bezeichn et werden, welche als feste Ma- terialien resp. als stromführende Litzen, Drähte oder Bänder verbaut werden könnten. Der Pad- dock sei mit zwei parallel verlaufenden Spiralfederdräht en gesichert gewesen, welche im Be- reich, in welchem das Pferd ausgebrochen sei, aus blank en Drähten bestanden hätten. Die restliche Umrandung habe aus zwei in weisses Textilband ei ngewobenen Drähten bestanden. Damit habe die vorliegende Konstruktion den Vorgaben der BUL grundsätzlich entsprochen. Der obere Spiralfederdraht sei auf der linken Seite vo m Eingang des Paddocks aus gesehen auf einer Höhe von ca. 120 cm angebracht gewesen. Bei einem Stockmass des Pferdes C.____ von 170 cm betrage die empfohlene Zaunhöhe demzufolge 136 cm. Es habe somit im Bereich, in welchem das Pferd gesprungen sei, eine Abweichung von 16 cm, verglichen mit der empfoh- lenen Zaunhöhe für Grosspferde über 150 cm sogar von 2 0 cm, bestanden. In diesem Umfang liege eine leichte, aber doch vorhandene unzureichende Sorgfalt vor, weshalb der Exzeptions- beweis als knapp gescheitert betrachtet werden müsse. Die Beklagte könne sich von der Haftung auch durch den Nachweis, dass der Schaden auch bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt eingetreten wä re und ihr nur punktuell und leicht davon abweichendes Verhalten nicht kausal für den Schadensein tritt gewesen sei, befreien. Die Klä- gerin halte dafür, dass Zäune aus massiven Holzpfosten/Ba umstämmen die übliche Umran- dung von Pferdewiesen seien und Elektrolitzen im vorlieg enden Fall keine genügende Sicher- heit geboten hätten. Dieser Ansicht könne nicht gefolg t werden, weil gemäss Gutachten von E.____ als Querlatten sämtliche gebräuchlichen horizontalen Trennsysteme bezeichnet werden könnten und diese als feste Materialien resp. als stromfüh rende Litzen, Drähte oder Bänder verbaut sein könnten. Demzufolge könnten auch unter Strom stehende Litzen, wie sie vorlie- gend verwendet worden seien, unter Querlatten gemäss d en Empfehlungen der BUL subsu- miert werden. Auch unter Berücksichtigung der Aussage von D.____ im Schreiben vom 03.12.2012, dass Pferde elektrisch geladene Litzen oder Bänder als „elektrische Wand“ wahr- nähmen und sich nicht bewusst zu sein schienen, dass der E lektroschock nur auf das Band limitiert sei, sei nicht von einer grösseren Sicherheit b ei der Verwendung von Holzlatten vergli- chen mit Elektrolitzen auszugehen. Frau D.____ weise dar auf hin, dass auch ein stabiler Holz- zaun in einem Fall von Panik durchbrochen oder übersprun gen werden könne, da Pferde in Panik unberechenbar und selbstzerstörerisch handelten. Auc h E.____ führe in seinem Gutach- ten aus, dass ein Massivzaun für ein Pferd aufgrund der gu ten Sichtbarkeit sowie der stabilen, immer gleich bleibenden Form der massiv gebauten Einzäun ung speziell bei Springpferden einfacher einzuschätzen sei und das Ausbrechen durch Übe rspringen fördere, weshalb ein Massivzaun nicht zwingend sicherer als ein Elektrozaun sei. Die Berufung auf das rechtmässige Alternativverhalten könne der Beklagten somit mit dem A rgument, nur eine Umzäunung mit Holzlatten hätte der gebotenen Sorgfalt entsprochen, nicht abgesprochen werden. Gründe, wa- rum im vorliegenden Fall von den Empfehlungen abgewichen werden sollte, seien keine ersicht- lich. Die Empfehlungen berücksichtigten aufgrund der Un terteilung in drei Risikobereiche unter- schiedliche Lagen von Pferdekoppeln risikogradabstufungsger echt. Ferner handle es sich bei Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht C.____ um ein gutmütiges Pferd, das kein Anfängerpferd sei. Folglich sei festzuhalten, dass die Beklagte ihrer Sorgfaltspflicht mit der Errichtung ein es Zaunes mit Spiralfederdrähten bei einer Höhe des obersten Drahtes von mindestens 136 cm nachgekom men wäre und sich von der Haftung befreien könne, wenn der Schaden auch bei ein em im Übrigen genau so beschaffenen Zaun eingetreten wäre. Die Ursache für den Ausbruch des Pferdes aus seinem Paddock bleibe offen, was jedoch die Führung des Entlastungsbeweises ni cht erschweren dürfe, da nicht die Beklagte sondern die Klägerin für die Schadensstiftung u nd -auslösung und somit die Gesamt- heit des schadenverursachenden Lebenssachverhalts beweispfl ichtig sei. Es sei damit von der für die den Entlastungsbeweis führende Partei günstigst en Variante auszugehen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass das Pferd auch bei erhö htem Draht an der gleichen Stelle gesprungen wäre und diesen auch bei entsprechender E rhöhung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sehr knapp übersprungen und den Dra ht ebenfalls mehrere Meter mitgeris- sen hätte. Weiter sei davon auszugehen, dass das Pferd au ch bei erhöhtem Draht ein bis zwei zusätzliche Stromstösse empfangen hätte und danach in glei cher enormer Geschwindigkeit weitergerannt und das äusserst tragische Ereignis dennoch eingetreten wäre. Die aufgrund der Sorgfaltspflichtverletzung bestehende Minderhöhe des ob eren Drahtes von 16 cm sei demzu- folge nicht kausal für den eingetretenen Schaden gewes en, weshalb eine Haftung der Beklag- ten zu verneinen sei. Wenn an das Beweismass des rechtmässi gen Alternativverhaltens noch höhere Anforderungen gestellt würden, könne der betre ffende Entlastungsbeweis kaum er- bracht werden. Selbst wenn die Haftpflicht bejaht werden sollte, mü sste die Klage in Bezug auf die Rückforde- rung der Bestattungskosten mangels Aktivlegitimation der Klägerin abgewiesen werden. Weiter wäre die Genugtuung auf CHF 40‘000.00 festzusetzen, so sie denn geschuldet wäre. C. Gegen diesen Entscheid des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West erklärte die Kläge- rin mit Eingabe vom 04.02.2015 Berufung und beantrag te dessen Aufhebung sowie die Verur- teilung der Beklagten zur Bezahlung von CHF 60‘629.15 zuzüglich Zins zu 5% seit 01.10.2012, Mehrforderung vorbehalten, unter o/e-Kostenfolge, und zwar aus folgenden Gründen: Die Vorinstanz sei zwar davon ausgegangen, dass es der Bekl agten nicht gelungen sei zu be- weisen, dass sie alle gebotenen Sicherheitsvorkehrungen ge troffen habe. Trotzdem seien ihre Überlegungen zu eng und unvollständig. Gemäss bundesge richtlicher Rechtsprechung seien die Empfehlungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) massge- bend. In den Empfehlungen der BUL sei ein Foto für Zäune von Pferdeweiden abgebildet, wo- rauf eine Umzäunung mit vier, in weisse Textilbänder e ingewobenen Elektrolitzen zu sehen sei. Darunter stehe folgender Text: „Pferde stellen höhere Ansprüche an Zäune als Rinder. Pferde können dünne Drähte nicht sehen. Breite weisse Bänder o der Latten sind am besten sichtbar, die Zaunhöhe muss mindestens 150 cm betragen.“ Der Pferd epaddock der Beklagten habe im Bereich, in welchem das Pferd C.____ ausgebrochen sei, lediglich aus 2 dünnen blanken Dräh- ten, die an der tiefsten Stelle sogar nur eine Höhe von ca. 120 cm aufgewiesen hätten, bestan- den. Die Vorinstanz habe dann die Richtlinien der BUL mit denjenigen des Schweizerischen Nationalgestüts verwechselt, welche für Pferde mit einem Stockmass von über 150 cm in wenig risikobelasteter Umgebung eine Zaunhöhe von 140 cm und mindestens 2 Querlatten vorsähen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entlang von Spazierwegen wie im vorliegenden Fall müssten aber 3 Querlatten vorhanden sein und müsse die Zaunhöhe 150 cm betragen. Die Vorinstanz sei aber davon ausgegangen, dass zwei Querlatten genügt hätten. Weiter übersehe die V orinstanz, dass bei Pferden mit einem Stockmass von über 150 cm die Zaunhöhe nicht einfach durch das Stockmass multipliziert mit dem Faktor 0,8 berechnet werden müsse, sondern mindestens 140 cm und an Spazierwegen sogar 150 cm betragen müsse. Der Entlastungsbeweis sei e ntgegen der Vorinstanz nicht nur „knapp“ gescheitert, sondern die Beklagte habe die Rich tlinien der BUL und des Schweizeri- schen Nationalgestüts in mehreren Punkten nicht eingeha lten: nur ein blanker Draht, der nicht gut sichtbar sei, anstelle von breiten, weissen Bändern oder Latten; nur 2 Drähte anstelle von mindestens 3 oder sogar 4 Bändern oder Latten; nur 120 cm Höhe statt 150 cm. Hinzu komme, dass massive Holzzäune, welche immer noch weit verbreitet seie n, sicherer seien als blosse Elektrozäune, da sie erstens besser gesehen würden und zw eitens entgegen den Ausführun- gen des Gutachters E.____ von normalen Pferden ohne Reiter nicht übersprungen oder einfach durchbrochen werden könnten. An der exponierten Lage des Pferdesportzentrums der Beklag- ten vor den Toren einer grösseren Stadt, an einer Str asse, die selbst von einem Bus befahren und an jedem Wochenende von Hunderten von Spaziergänger n mit Kindern begangen werde, genüge das blosse Einhalten der erwähnten Richtlinien jedoch kaum. Die Beklagte hätte nach Ansicht der Klägerin den Sorgfaltsbeweis selbst dann ni cht erbringen können, wenn sie die Richtlinien des BUL eingehalten hätte. An der konkrete n Stelle wäre es angebracht gewesen, einen massiven, gut sichtbaren hohen Zaun anzubringen o der sogar nicht nur den Paddock einzuzäunen, sondern auch noch eine zweite Schranke zwisch en dem Autoparkplatz und der eigentlichen Reitanlage mit dem Stallvorplatz anzubring en. Die Beklagte habe die gebotene Sorgfalt somit krass missachtet. Ferner seien nach dem Unfall Stimmen laut geworden, wonach C.____ ein unberechenbares Pferd sei. Sollte sich dies bewahrheiten, so wäre selbst das blos- se Einhalten von empfohlenen Richtlinien ungenügend. Die unzutreffenden Überlegungen der Vorinstanz bezüg lich des Einhaltens der Sorgfaltsrichtli- nien beeinflussten dann auch die weiteren Überlegung en bezüglich des Befreiungsbeweises, dass sich der Unfall ohnehin auch bei Einhalten der Si cherheitsmassnahmen (Draht der Um- zäunung 16 cm höher angebracht) genau gleich ereignet hätte. Es gehe aber nicht nur um 16 cm, sondern um 30 cm. Zudem seien die blanken Drähte n icht sichtbar gewesen, weil sie nicht in ein Textilband eingewoben gewesen seien und weil nur 2 Drähte statt 3 oder sogar 4 gut sichtbare Textilbänder vorhanden gewesen seien. Es beste he mindestens eine sehr gute und hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd C.____, wenn es 3 gut sichtbare Textilbänder gese- hen hätte, aus dem Paddock nicht ausgebrochen wäre, sonde rn einen anderen Fluchtweg ge- sucht hätte. Diese Wahrscheinlichkeit wäre noch viel grösser gewesen, wenn der Paddock mit Holzlatten eingezäunt gewesen wäre. Nur die Behauptung, dass sich der Unfall möglicherweise gleich hätte ereignen können, stelle im Übrigen keinen Beweis dar. Wenn auch nur die gerings- te Chance bestehe, dass das Geschehen einen anderen Lau f genommen hätte, müsse der Be- freiungsbeweis als gescheitert betrachtet werden. Zweif el gingen zulasten des Tierhalters. Der Entlastungsbeweis dürfe nie nur unter Annahme einer Hy pothese als gelungen betrachtet wer- den. Nicht zugestimmt werden könne der Ansicht der Vor instanz, dass die Ungewissheit über die Ursache für den Ausbruch des Pferdes aus dem Paddock dazu führe, dass die Klägerin beweisen müsse, welches das schadenstiftende Ereignis sei. Wenn die Beklagte sich entlasten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wolle, müsse sie beweisen, dass das Pferd in der Lage gew esen wäre, auch ohne Hilfe eines Reiters einen Zaun von 150 cm Höhe zu überspringen, oder dass es diesen durchbrochen hätte und trotz Hängenbleibens und eventuellen Stürzens sich na chher wieder aufgerappelt und wei- ter in Panik geflüchtet wäre. Ein solcher Beweis sei ni cht möglich. Die Vorinstanz habe zu Un- recht auf Hypothesen abgestellt und sich nicht dazu geäusser t, ob der Beklagten der Befrei- ungsbeweis gelungen sei. Solange eine Wahrscheinlichkeit bestehe, dass sich der Unfall nicht ereignet hätte, bestünden Zweifel und greife die Tie rhalterhaftung. Wenn der Tierhalter trotz Schadensverursachung durch das Tier eine „andere Ursache“ geltend machen wolle, so müsse er beweisen, dass sich das Tier derart aussergewöhnlich ver halten habe, dass schlichtweg nicht mit einem solchen Tierverhalten zu rechnen gewesen sei und sich dieses ausserhalb jeg- licher Erfahrung und Vorstellung befunden habe. Nachde m in allen Richtlinien darauf hingewie- sen worden sei, dass Pferde schreckhaft seien und schon aus kleinen Anlässen zu Panikreakti- onen neigten, könne nicht gesagt werden, dass das Gesch ehen im vorliegenden Fall aus- serhalb jeglicher Vorstellung gelegen sei, dass damit nicht habe gerechnet werden müssen und sich der Unfall so oder so ereignet hätte, auch wenn al le Sicherheitsrichtlinien befolgt worden wären. Damit könne die Beklagte den Beweis nicht erb ringen, dass sich der Unfall auch ereig- net hätte, wenn sie sämtliche Sicherheitsrichtlinien bea chtet hätte. Daher sei die Haftung der Beklagten zu bejahen. Die Beklagte habe die Bestattungskosten der Höhe nach a nerkannt für den Fall, dass die Haf- tung gegeben sein solle. Die Klägerin habe somit keinen Anlass gehabt, zu ihrer Aktivlegitimati- on weitere Ausführungen zu machen. Für eine anerkannt e Forderung bestehe immer eine Ak- tivlegitimation. Die Vorinstanz verkenne die Rechtslage, wenn sie trotzdem dafür halte, die Ak- tivlegitimation von Amtes wegen prüfen zu müssen. Im Üb rigen habe die Klägerin mit ihrem verstorbenen Ehemann einen Ehe- und Erbvertrag geschlossen , mit welchem sie sich gegen- seitig als Universalerben eingesetzt hätten. Der Erbvertrag sei nicht angefochten worden, womit die Aktivlegitimation der Klägerin belegt sei. Die Hö he der zuzusprechenden Genugtuung sei eine Ermessenssache. Während jüngere Menschen beim Verlu st eines Ehegatten noch Zeit hätten, ihr Leben neu zu organisieren, und sich vielleich t einen neuen Partner suchten, sei dies im fortgeschrittenen Alter weniger möglich. Gerade i m Alter seien Ehegatten auf gegenseitigen Beistand und Hilfe angewiesen. Im Pensionsalter hätten sie auch viel Zeit füreinander. Der Ver- lust des Ehemannes treffe die Klägerin ausserordentlich schwer. Das Kind, welches beim Unfall dabei gewesen sei, zeige noch heute beim Anblick von P ferden Angstreaktionen, was auch die Klägerin, welche das Kind regelmässig betreue, stark besch äftige. Unter diesen Umständen scheine eine Genugtuung in der geforderten Höhe als angemessen. D. Mit Berufungsantwort vom 05.03.2015 beantragte die B eklagte die kostenfällige Abwei- sung der Berufung, und zwar aus folgenden Gründen: Es gebe Grenzen der Sorgfaltspflicht. Das Mass der Sorg falt sei ex ante zu beurteilen. Vom Tierhalter könne nicht verlangt werden, dass er alle denkbaren Massnahmen zur Bannung jegli- cher tierischer Gefahr ergreife. Im vorliegenden Fall kö nnten von der Tierhalterin nicht Mass- nahmen verlangt werden, die ein Ausbrechen aus dem Pa ddock bei einer Panik des Pferdes gänzlich verunmöglichten. Liege das Tierverhalten – wie hier – weit ausserhalb des zu erwar- tenden Rahmens, so sehe das Gesetz nach richtigem Verständn is die Befreiung des Halters Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der Haftung vor. Gemäss dem Bericht vom 03.12.2012 von Dr. med. vet. D.____ nehme ein Pferd einen Elektrozaun als „elektrische Wand“ wahr, sod ass es normalerweise nicht versuche, das elektrische Hindernis zu überspringen. Angesichts die ser Wahrnehmung durch das Pferd könne nicht angenommen werden, dass die genaue Höhe des Elektrozauns (120 cm oder 136 cm oder 150 cm) bei der Wirksamkeit der Umzäunung eine m assgebliche Rolle spiele. Der An- nahme der Vorinstanz, der Beweis der sorgfältigen Verwa hrung des Pferdes C.____ sei knapp gescheitert, könne somit aus tierärztlicher Sicht nicht gef olgt werden. Dass die Klägerin die Be- urteilung der Experten des Schweizerischen Nationalgest üts nun nicht mehr gelten lassen wol- le, erstaune, seien diese hinsichtlich Pferdekenntnis und Spezialität den Empfehlungen der BUL überlegen. Die Empfehlungen der BUL mit dem Foto ei ner umzäunten Pferdeweide und dem darunter angebrachten Text auf S. 1018 der BUL-Brosch üre beziehe sich allgemein auf Pfer- deweiden und könne nicht unbesehen auf einen Paddock üb ertragen werden. Sie könnten da- her die fallspezifischen gutachterlichen Ausführungen vo n E.____ nicht entkräften. Die obere Spiralfeder beim Ausgang des Paddocks sei vor dem Hinter grund der grünen Hecke gut sicht- bar gewesen. Zudem sei der Zugangs-/Ausgangsbereich des Paddocks C.____ bestens be- kannt gewesen, weshalb er versucht habe, die obere Spir alfeder zu überspringen. Dies mache ein Pferd nicht, wenn es ein Hindernis nicht sehe. Die Behauptung der Klägerin, Holzzäune sei- en sicherer als Elektrozäune, sei durch das Gutachten wider legt. Die Behauptung, C.____ sei unberechenbar und verhaltensauffällig, sei neu und nicht mehr zu berücksichtigen. Entscheidend und erwiesen sei, dass das Pferd aus nicht e rmittelter Ursache in Panik geraten und instinktiv die Flucht aus dem Paddock ergriffen h abe. Eine Wahrscheinlichkeit, dass es in- nerhalb des kleinen Paddocks geblieben wäre, wenn es bei m Ausgang 3 Textilbänder gesehen hätte, bestehe nicht, habe es doch auf dem weiteren F luchtweg gut sichtbare, massive Hinder- nisse wie einen Menschen und einen parkierten Personenwag en überrannt. Weiter sei gut- achterlich erwiesen, dass die panische Fluchtreaktion ein es Pferdes durch keine tiergerechte Haltungs-/Verwahrungsmassnahme verhindert werden könne. Tatsächlich bedeute dies, dass die Empfehlungen und Richtlinien zur Unfallverhütung nicht so ausgestaltet seien, dass sie das Ausbrechen und Durchbrennen eines in Panik geratenen Pferdes verunmöglichten. Sie so aus- zugestalten, dass sie den überzogenen Sicherheitsansprüchen der Klägerin entsprächen, sei dem Risiko der Pferdehaltung und dem Charakter des Pfer des als Haustier nicht angemessen. Folglich sei die Haftung der Beklagten zu verneinen. Zur Frage der Aktivlegitimation der Klägerin hinsichtl ich der Schadenersatzansprüche würden keine weiteren Bemerkungen gemacht. Dass die Vorinstan z in der Eventualbegründung die Höhe der Genugtuung auf CHF 40‘000.00 festgelegt hab t, liege noch innerhalb ihres Ermes- sens, weshalb die Beklagte auf weitere Ausführungen hierzu verzichte. E. Mit Verfügung vom 06.03.2015 wurde der Schriftenwechsel geschlossen und bei den Par- teien nachgefragt, ob in vorliegender Sache Bereitscha ft für eine Vergleichsverhandlung beste- he. Nachdem dieses Interesse nur einseitig vorhanden wa r, wurde am 24.03.2015 verfügt, von der Durchführung einer Verhandlung abzusehen und den Entscheid aufgrund der Akten zu fäl- len. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Gegen einen Endentscheid in vermögensrechtlichen Strei tigkeiten mit einem Streitwert von mindestens CHF 10'000.00 kann gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO Berufung erhoben werden. Mit Berufung kann gemäss Art. 309 ZPO unrichtige Rechtsanwendung oder/ und unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend ge macht werden. Die Berufung ist schrift- lich und begründet innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Die Streitwertgrenze ist im vorliegen- den Fall klar erreicht. Der angefochtene Entscheid wurd e der Klägerin am 13.01.2015 zuge- stellt. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Berufung vom 04.02.2015 somit eingehalten. Die Kläge- rin macht zulässige Berufungsgründe geltend. Gemäss § 6 Ab s. 1 lit. d EG ZPO ist die Dreier- kammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Dreierkammern der Bezirksgerichte sachlich zuständig. Da auch die übrigen Formalien für das Rechtsmittel der Berufung eingehalten sind, ist auf diese einzutreten. 2. Neue Tatsachen und Beweismittel werden im Berufungsverfahren gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebra cht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werd en konnten, oder wenn erst der Ent- scheid der ersten Instanz Anlass zum Vorbringen von neuen Tatsachen gegeben hat (Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 317 N 30). Ob die neue Tatsache oder das neue Beweismittel rechtserheblich ist, hat für die Frage der Zulassung von Noven keine Bedeutung (Reetz/Hilber, in: Sutter-Som m/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 317 N 29). Die klägerische Behauptung, dass das Pferd C.____ unberechenbar und verhaltensauffällig sei, ist erstmals in der Berufu ng aufgestellt worden. Die Berufungsbe- klagte bestreitet die Zulässigkeit dieses Novums. Die Beru fungsklägerin unterlässt es jedoch darzutun, seit wann sie davon Kenntnis hat und warum ihr eine Vortragung dieser Behauptung im erstinstanzlichen Verfahren nicht zumutbar gewesen ist. Diese neue Tatsachenbehauptung hat daher unberücksichtigt zu bleiben. Weiter reichte di e Berufungsklägerin den Ehe- und Erb- vertrag vom 26.10.1993 ein, mithin ein unechtes Novum zum Beweis der ihr von der Vorinstanz abgesprochenen Aktivlegitimation zur Geltendmachung der Bestattungskosten. Da die Beklagte bereits in der Klagantwort die Aktivlegitimation der Klägerin anerkannt hatte (vgl. Klagantwort vom 07.11.2013 S. 2 B.7), bestand für die Klägerin im erstinstanzlichen Verfahren kein Anlass, den Ehe- und Erbvertrag zu den Akten zu geben. Folglich ist dieses Novum unabhängig davon, ob es für den Ausgang des Verfahrens relevant ist, zuzulassen. 3. Gemäss Art. 56 Abs. 1 OR haftet für den von einem Ti er angerichteten Schaden, wer dasselbe hält, wenn er nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt in der Verwahrung und Beaufsichtigung angewendet habe, oder dass der Schaden auch bei An- wendung dieser Sorgfalt eingetreten wäre. Die Halter eigenschaft der Berufungsbeklagten und die Verursachung des Todes des Ehemannes der Berufungsklä gerin durch das von der Beru- fungsbeklagten gehaltene Pferd C.____ sind unbestritten . Die Berufungsklägerin rügt zunächst die unrichtige Anwendung dieser Gesetzesbestimmung hinsichtlich der gebotenen Sorgfalt. Die Haftung setzt die Verletzung einer objektiven Sorgfaltspflicht voraus. An den Entlastungsbeweis sind strenge Anforderungen zu stellen. Der Tierhalter kann sich nicht darauf berufen, das all- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemein Übliche an Sorgfalt aufgewendet zu haben. Vie lmehr hat er nachzuweisen, dass er sämtliche objektiv notwendigen und durch die Umstände gebotenen Massnahmen getroffen hat. Bleiben über die entlastenden Tatsachen Zweifel besteh en, muss die Haftung des Halters be- jaht werden. Die konkreten Sorgfaltspflichtverletzungen richten sich in erster Linie nach gelten- den Sicherheits- und Unfallverhütungsvorschriften. Fehlen gesetzliche oder reglementarische Vorschriften und haben auch private Verbände keine allg emein anerkannten Vorschriften erlas- sen, so ist zu prüfen, welche Sorgfalt nach der Gesamtheit der konkreten Umstände geboten ist (BGE 131 III 116 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) ist für den Erlass einschlägiger Empf ehlungen über die Einzäunung von Pferdeweiden, damit die von weidenden Pferden ausgeh ende Gefährdung möglichst gering gehalten wird, ohne Zweifel kompetent. Diese Empfehlungen konkretisieren damit das Mass der Sorgfalt, dem ein Pferdehalter im Sinne von Art. 56 OR diesbezüglich zu genügen hat (BGE 131 III 117 E. 2.3). Die BUL schreibt in ihrer Empfehlung zur Pferdehaltun g: „Pferde stellen höhere Ansprüche an Zäune als Rinder. Pferde können dünne Drähte nicht seh en. Breite weisse Bänder oder Latten sind am besten sichtbar, die Zaunhöhe muss mindestens 150 cm betragen.“ Auf der Abbildung daneben ist ein hoher Zaun mit Holzpfosten zu sehen, di e mit jeweils 4 weissen Bändern ver- bunden sind ( http://www.bul.ch/de/fachthemen/tierhaltung/pferdehaltung.html ). Die spezifischen Empfehlungen der BUL bezüglich Paddockzäune sind unter den praxisorientierten Dokumenten des SNG im Merkblatt „Pferdeauslauf für das ganze Jahr“, gültig ab 01.01.2010, im Abschnitt über Paddockzäune enthalten: Latten bzw. Elektrobänder in 45, 95 und 140 cm Höhe (http://www.agroscope.admin.ch/haras/04821/04885/index.html?lang=de ). Gemäss Art. 147 Landwirtschaftsgesetz (LWG, SR 910.1, in der Fassung vom 0 1.01.2012) kann der Bund zur Unterstützung der Pferdezucht ein eidgenössisches Gestüt betreiben, welches dem Bundesamt unterstellt ist. Das Schweizerische Nationalgestüt (SNG) i st das Kompetenzzentrum des Bun- des für Equiden innerhalb von Agroscope. Es dient der F orschung und Entwicklung, dem Wis- senstransfer sowie der Unterstützung der Pferdezucht und ergänzt die Förderungsmassnahmen für die landwirtschaftliche Pferdehaltung. Das Schweize r Nationalgestüt ist ein in der Schweiz einzigartiger Wissenspool rund um das Pferd und gelebtes Kulturgut (http://www.agroscope.admin.ch/haras/index.html?lang=de ). Als solches ist das SNG mindes- tens so kompetent wie die BUL zum Erlass von Richtlinien f ür die Pferdehaltung. Die Empfeh- lungen des SNG sind zudem differenzierter als diejenige n der BUL und nehmen Abstufungen nach dem Risikobereich der Lage der Pferdeweide und na ch dem Stockmass der Pferde vor. Unter den praxisorientierten Dokumenten des SNG befinde t sich das Merkblatt über die Emp- fehlungen des Nationalgestüts für Pferdezäune, gültig ab 11.02.2011 (http://www.agroscope.admin.ch/haras/04821/04885/index.html?lang=de ), welches im Risikobe- reich 1 eine empfohlene Zaunhöhe von 0,8 multipliziert mit dem Stockmass des Pferdes resp. für Grosspferde über 150 cm eine Zaunhöhe von ca. 140 cm vorsieht. Die Vorinstanz durfte daher die Empfehlungen des SNG als massgebend erachten. Dass sie die angewendeten Richtlinien versehentlich als Empfehlungen der BUL bezeichnet hat, ist unerheblich. Letztlich ist es im vorliegenden Fall nicht einmal relevant, auf we lche Richtlinien abgestellt wird, weil sie so oder so von der Berufungsbeklagten nicht eingehalten w orden sind: Der Paddock war mit zwei stromführenden, weissen, ausreichend breiten Litzenbänd ern auf einer Höhe zwischen 70 und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 80 cm und 135 bis 140 cm eingezäunt. Die Absperrung im Zugangs-/Ausgangsbereich des Paddocks bestand aus zwei stromführenden, metallfarbigen D rahtfedern. Im Zugangsbereich zum Paddock waren beim linken Pfahl das obere Litzenban d und auch der abgerissene Rest des Spiralfederdrahts auf einer Höhe von 120 cm angebra cht (vgl. Bericht des Kantonstierarz- tes vom 29.11.2012 an die Staatsanwaltschaft Basel-Lan dschaft, Strafuntersuchungsverfahren act. 157 ff.). Das war gemäss den Empfehlungen des SNG 16 bis 20 cm und gemäss den Emp- fehlungen der BUL 20 bis 30 cm zu wenig. Die Vorinsta nz hat daraus zu Recht geschlossen, dass der Berufungsbeklagten der Exzeptionsbeweis der gebotenen Sorgfalt nicht gelungen ist. Für die Ansicht der Berufungsklägerin, dass angesichts der Lage des Pferdesportzentrums an einem belebten Spazierweg in Stadtnähe noch höhere Anforderungen an die Sorgfalt zu stellen gewesen wären, ist sie den Beweis schuldig geblieben. D as im Strafuntersuchungsverfahren eingeholte und auf Antrag der Parteien für den Haft pflichtprozess beigezogene Gutachten ent- faltet volle Beweiskraft, zumal die Berufungsklägerin sc hon damals als Privatklägerin Verfah- rensbeteiligte war. Zudem hat es die Berufungsklägerin trotz ihrer gegenüber der Vorinstanz geäusserten Bedenken unterlassen, einen Antrag auf Ergänzung oder Erläuterung des Gutach- tens oder auf Anordnung eines Obergutachtens zu stellen. Der Gutachter im Strafuntersu- chungsverfahren, E.____, hat die Frage, ob ein massiver Holzzaun mit weiss gestrichenen Holzbalken (resp. Holzlatten) gegenüber einem Elektroz aun eine höhere Sicherheit darstelle, mit schlüssiger Begründung verneint. Ferner hat der Gu tachter nachvollziehbar und einleuch- tend begründet, warum der fragliche Paddock dem Risikob ereich 1 und entgegen der Ansicht der Berufungsklägerin nicht dem Risikobereich 2 zuzuordne n ist (vgl. Gutachten vom 08.02.2013 an die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Strafuntersuchungsverfahren act. 211 ff., Ziff. 1 und 7). Dass in der konkreten Situation zur Einhaltung der gebotenen Sorgfalt noch eine zweite Schranke zwischen dem Autoparkplatz und d er eigentlichen Reitanlage mit dem Stallvorplatz anzubringen gewesen wäre, hat die Ber ufungsklägerin weder hinreichend substantiiert noch bewiesen. 4. Weiter rügt die Berufungsklägerin die unrichtige Bewei slastverteilung und die unrichtige Beweiswürdigung durch die Vorinstanz hinsichtlich des Nachweises des rechtmässigen Alterna- tivverhaltens. Misslingt der Sorgfaltsbeweis, kann sich der Tierhalter vo n der Haftung befreien, indem er nachweist, dass der Schaden auch bei Anwendung der gebot enen Sorgfalt eingetreten wäre. D.h. die Sorgfaltspflichtverletzung muss kausal für de n Schaden gewesen sein. Art. 56 Abs. 1 OR kodifiziert damit den allgemein geltenden Grundsatz , dass keine Haftung greift, wenn der präsumtiv Haftpflichtige beweist, dass ein rechtmässiges Alt ernativverhalten denselben Scha- den bewirkt hätte wie das tatsächlich erfolgte rechtwidr ige Verhalten. Dogmatisch wird auch vom Nachweis der fehlenden Kausalität der unterlassenen Sorgfaltsmassnahmen oder des feh- lenden Rechtswidrigkeitszusammenhangs gesprochen (BGE 131 III 119 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen; BGer 4A_170/2009 E. 2.2). Der Entlastungsbe weis betreffend rechtmässiges Alter- nativverhalten ist strikt zu erbringen, wobei zu berücksichti gen ist, dass es um den Nachweis eines hypothetischen Sachverhalts geht (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 19.03.1986 E. 2, wiedergegeben in SG 1986 Nr. 758, Sammelstelle für Gerichtsentscheide, Haftpflicht- und Privatversicherungsrecht, OR, einsehbar über swisslex). Für d ie Hypothese, dass der Schaden Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch bei Einhaltung der gebotenen Sorgfaltsmassnahmen eingetreten wäre, muss ein so hoher Grad von Wahrscheinlichkeit bestehen, dass vernünftigerwei se nicht mehr mit der Möglichkeit des Gegenteils gerechnet werden muss, oder kurz, eine an Sicherheit grenzende Wahrschein- lichkeit dargetan sein (Leuenberger/Uffer-Tobler, Schwe izerisches Zivilprozessrecht, N 9.160). Dieser Entlastungsbeweis ist entgegen den in diesem Punkt etwas missverständlichen Ausfüh- rungen in E. 4.d des vorinstanzlichen Entscheids vom Tierh alter zu erbringen. Der Geschädigte hat den Kausalzusammenhang nicht zu beweisen (Oftinger /Stark, Schweizerisches Haftpflicht- recht II/1, § 21 N 97 i.V.m. § 20 N 146). Der Entlast ungsbeweis muss als gescheitert betrachtet werden, wenn sich im konkreten Fall ergibt, dass der Sch aden auch bei Anwendung der erfor- derlichen Sorgfalt möglicherweise eingetreten wäre. D ie damit verbleibende Möglichkeit, dass der Schadenseintritt dennoch vermieden worden wäre, sch liesst die Haftungsbefreiung aus (BGE 131 III 120 E. 3.3). Die Berufungsbeklagte hat sich in der Klageantwort für diesen Entlastungsbeweis auf das Gut- achten von E.____ berufen. Die Vorinstanz hat den von der Berufungsbeklagten zu erbringen- den Beweis für die fehlende Kausalität der Unterlassung der Berufungsbeklagten hinsichtlich des Schadenseintritts gestützt auf das aus dem Strafuntersu chungsverfahren beigezogene Gutachten als erbracht qualifiziert. Die Frage Nr. 9, ob das Ausbrechen des in Panik geratenen Schulpferdes und damit der nachfolgende tragische Unfa ll hätte vermieden werden können, wenn a) das obere Elektro-Litzenband konstant auf 140 cm verlaufen und b) anstelle der beiden Elektro-Drahtfedern beim Paddock-Zugang weisse Litzenbän der verwendet worden wären, hat der Gutachter wie folgt beantwortet: „a) Nein, weil wenn die differente Höhe das Ausbrechen des Pferdes begünstigt hätte, so wäre das Pferd an der tiefsten, gut sicht- und somit taxierbaren Stelle (über die Litzenbänder) raus gesprungen und nich t durch die Spiralfedern hindurch. b) Die Spiralfedern sind, von ihrer Bauart her, für das m enschliche sowie für das Pferde-Auge deutlich weniger gut sichtbar. Da das Schulpferd C.____ nach Aussagen des Bereiters jedoch seit Monaten immer auf den gleichen Paddock gestellt wu rde, gehen wir davon aus, dass das Pferd die elektrischen Installationen und deren Positio nierung genau gekannt hat. Der Grund, genau an dieser Stelle auszubrechen, liegt vermutlich eher darin, dass ein Pferd in der Regel immer den ihm bekannten Weg für eine Flucht wählt. A us unserer Sicht hätte im vorliegenden Fall das Ausbrechen des in Panik geratenen Pferdes nicht verhindert werden können.“ Die Ant- wort des Gutachters auf die weitere Frage Nr. 8, wie ein Paddock gebaut sein müsste, um ein in Panik geratenes Pferd zurückzuhalten bzw. am Ausbrechen zu hindern, lautet folgendermas- sen: „Massive, sichtdichte Mauer aus Stein, Beton oder Hol z, 3 bis 3,5 Meter hoch. Hierbei handelt es sich um eine theoretische Grösse, da Pferde i n Panik durch alle Abschrankungen hindurch versuchen auszubrechen.“ (vgl. Gutachten vom 0 8.02.2013 an die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Strafuntersuchungsverfahren act. 211 ff., Ziff. 8 und 9). Dem Fachgutachter wurde somit explizit die Frage nach der Kausalität der Unterlassung gestellt, welche er klar ver- neinte. Der Unfall mit Todesfolge für den Ehemann der Klägerin hätte auch unter Einhaltung der Empfehlungen der BUL und des SNG (vgl. dazu E. 3 hievo r) nicht verhindert werden können. Dazu hätte es einer 3 bis 3,5 Meter hohen Mauer bedurf t. Die Tierhalterhaftung beruht nicht allein auf der Gefährlichkeit des Tieres sondern primär auf dem Gedanken des Interessenaus- gleichs von Nutzen und Risiko und soll einen Ausgleich zwisch en dem Nutzniesser der Tierhal- tung und dem unbeteiligten Dritten, der Schaden erl eidet, bringen (Brehm, in: Berner Kommen- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tar, Art. 56 OR N 31; Fellmann/Kottmann, Schweizerisch es Haftplichtrecht, N 820). Dies spielt bei der Beurteilung der Zumutbarkeit der vom Tierhalt er zu erwartenden Vorkehrungen eine Rolle. Im vorliegenden Fall würde die Errichtung eine r Mauer, wie sie der Gutachter in seiner Antwort auf die Frage Nr. 8 gegeben hat, zur Einzäun ung eines Pferdeauslaufs weit über der unter den konkreten Umständen geforderten Sorgfalt lie gen und wäre der Berufungsbeklagten nicht zumutbar gewesen. Die Berufungsklägerin unterliess es auch diesbezüglich im erstin- stanzlichen Verfahren, einen Antrag auf Oberexpertise zu stellen. Die Begründung der Schluss- folgerungen des Gutachters ist zwar kurz ausgefallen, ab er dennoch schlüssig. Dass ein Pferd, welches seit Monaten auf den gleichen Paddock gestellt wurde, die elektrischen Installationen und deren Positionierung genau gekannt hat, wird auc h durch die Ausführungen von Dr. med. vet. D.____ in ihrem Schreiben vom 03.12.2012 über die Wirkung eines Elektrozauns bestätigt (vgl. Strafuntersuchungsverfahren act. 179 ff.). Zudem befinden sich keine das Gutachten ent- kräftenden Hinweise in den Akten, weshalb die Vorinstanz auch keine Veranlassung hatte, von Amtes wegen ein Obergutachten anzuordnen. Dies gilt au ch für die nachfolgende Aussage des Kantonstierarztes: „Ob der Unfall hätte vermieden werd en können, wenn im Zugangsbereich des Paddocks die Litzenbänder durchgehend auf 140 cm Höh e angebracht worden wären und die Drahtfedern, wie zwischenzeitlich geschehen, durch we isse Gummizüge ersetzt worden wären, kann nicht schlüssig beantwortet werden.“ (vgl. S trafuntersuchungsverfahren act. 161). Dem Kantonstierarzt wurde nämlich die Frage nach der Ka usalität der Unterlassung nicht expli- zit unterbreitet, sondern er äusserte sich dazu bloss bei läufig im Rahmen einer Anfrage zur Si- cherheit und Vorschriftsgemässheit des Paddocks. Hinzu kommt, dass er als Kantonstierarzt im Unterschied zum Gutachter nicht ein Pferdespezialist ist. Die Vorinstanz hat somit zutreffend auf das Gutachten von E.____ abgestellt und dieses richti g gewürdigt. Hätte sie davon abwei- chen wollen, wären triftige Gründe anzuführen gewesen . Solche sind nicht ersichtlich. Deshalb hat die Vorinstanz den Nachweis, dass sich der Schaden au ch bei Einhaltung der geforderten Sorgfaltsmassnahmen genau gleich ereignet hätte, zu Re cht für erbracht erachtet, womit die Haftpflicht der Berufungsbeklagten entfällt. Die Anwendung der gesetzlichen Bestimmung über die Werkeigentümerhaftung gemäss Art. 58 OR würde zu keinem anderen Ergebnis führen, weil dem h aftpflichtigen Werkeigentümer der Befreiungsbeweis, dass der Schaden auch bei Anwendung de r gebotenen Sorgfalt eingetreten wäre, ebenfalls offensteht (Oftinger/Stark, Schweizerische s Haftpflichtrecht II/1, § 20 N 146). Dieser Nachweis wäre aus den oben angeführten Gründen a uch bei der Werkeigentümerhaf- tung für erbracht zu erachten gewesen. 5. Die Berufungsklägerin rügt die in der Eventualbegründung der Vorinstanz verneinte Aktiv- legitimation der Klägerin für die Schadensersatzford erung betreffend Bestattungskosten. Von Amtes wegen sind in Prozessen mit Verhandlungsmaxime nur die Prozessvoraussetzungen zu prüfen. Die Aktivlegitimation zählt nicht dazu. Bei ei ner Schadenersatzforderung ist der Ge- schädigte aktivlegitimiert. Die Klägerin hat in der Tei lklage behauptet, durch den Anfall der Be- stattungskosten geschädigt zu sein (vgl. Teilklage vom 30 .09.2013 S. 3 II.7). Die behauptete Geschädigteneigenschaft resp. Aktivlegitimation der Kläg erin hat die Beklagte nie bestritten (vgl. Klagantwort vom 07.11.2013 S. 2 B.7; Duplik vom 2 1.07.2014 S. 2 B.6; Parteivortrag vor erster Instanz, siehe Protokoll der Audienz vom 26.09.201 4 S. 5). Die der Aktivlegitimation zu- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht grundeliegende Tatsache war somit zugestanden, weshalb sie keines Beweises mehr bedurfte. Dieses Zugeständnis wirkte vielmehr beweisausschliessend (Hasenböhler, in: Sutter-Somm/Ha- senböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 150 N 19). Di e Vorinstanz hätte bezüglich der Aktiv- legitimation der Klägerin gar kein Beweisverfahren du rchführen und die Aktivlegitimation man- gels Beweises nicht verneinen dürfen. Die Rüge der unrichtigen Rechtsanwendung erweist sich daher in diesem Punkt als begründet. Für den Fall, das s die Haftung der Beklagten zu bejahen wäre, hätte sie der Klägerin folglich den von ihr summ enmässig anerkannten Betrag von CHF 10‘629.15 zu bezahlen, was in diesem Umfang zur tei lweisen Gutheissung der Klage füh- ren müsste. Bezüglich des Zinsenlaufs liegt bloss ein vom vorinstanzliche n Entscheid abweichender Antrag der Berufungsklägerin, aber überhaupt keine Begründung der Berufung vor, weshalb in diesem Punkt auf die Berufung nicht einzutreten ist. 6. Die Berufungsklägerin rügt ferner die in der Eventualb egründung von der Vorinstanz fest- gelegte Höhe der Genugtuung. Sie hat jedoch in der B erufungsbegründung nicht aufgezeigt, dass der Vorinstanz ein Ermessensfehler unterlaufen wäre oder die Vorinstanz ihr Ermessen über- oder unterschritten hätte, sondern wiederholt d iesbezüglich nur ihre Ausführungen vor erster Instanz (vgl. Replik vom 04.06.2014 S. 6 III.20; Parteivortrag vor erster Instanz, siehe Protokoll der Audienz vom 26.09.2014 S. 3). Damit erw eist sich die Berufung in diesem Punkt nicht als hinreichend begründet, weshalb diesbezüglich nicht darauf einzutreten ist. Selbst wenn darauf einzutreten wäre, ist festzuhalten, dass den kanto nalen Gerichten bei der Festsetzung der Höhe der Genugtuung ein weiter Ermessensspielraum zusteht (BGer 4A_423/2008 E. 2.1). Es ist nicht ersichtlich, dass die Vorinstanz von unzutreffen den Bemessungskriterien ausge- gangen wäre oder die angewandten Kriterien unrichtig gewichtet hätte. Die im Eventualfall auf CHF 40‘000.00 festgesetzte Genugtuung für die Berufungsklägerin befindet sich allemal im Be- reich der gemäss Gerichtspraxis für den Tod eines Ehegatte n zugesprochenen Beträge (BGer 4A_423/2008 E 2.6 mit weiteren Hinweisen). 7. Abschliessend ist über die Verlegung der Prozesskosten für das Berufungsverfahren zu entscheiden. Massgebend für die Regelung der Kosten- un d Entschädigungsfolgen sind die Bestimmungen der Art. 95 ff. ZPO. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei auferlegt. Die vorstehenden Ausführungen haben gezeigt, dass die Beru- fungsklägerin im Berufungsverfahren unterlegen ist, weshalb ihr die Gerichtskosten für die zwei- te Instanz sowie eine Parteientschädigung an die Gegenp artei aufzuerlegen sind. Die Ent- scheidgebühr für das Berufungsverfahren wird in Anwendu ng von § 9 Abs. 1 i.V. mit § 8 Abs. 1 lit. f der Verordnung über die Gebühren der Gerichte (Gebührentarif, GebT, SGS 170.31) auf CHF 4'000.00 festgelegt. Der Rechtsbeistand der Beruf ungsbeklagten hat keine Honorarnote eingereicht, weshalb die Parteientschädigung gemäss Art. 105 Abs. 2 ZPO nach der kantonalen Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO; S GS 178.112) zuzusprechen ist. Das Kan- tonsgericht bemisst die zu leistende Parteientschädigun g in Anwendung der §§ 7 und 10 TO und in Anlehnung an das von der Vorinstanz berechnete Grundhonorar, zu welchem für das Berufungsverfahren keine Zuschläge gemäss § 8 TO vorzune hmen sind, auf CHF 6‘000.00. Separat zu vergütende Auslagen wurden nicht geltend ge macht. Bei der Festlegung der Partei- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht entschädigung für das Berufungsverfahren ist die Mehrwertsteuer nicht zu berücksichtigen, weil die mehrwertsteuerpflichtige Berufungsbeklagte die an i hren für geschäftlich begründete Zwe- cke beauftragten Anwalt geleisteten Mehrwertsteuern al s Vorsteuern von ihrer eigenen Mehr- wertsteuerrechnung abziehen kann (vgl. Art. 28 ff. MWST G; Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, MWST-Branchen-Info 19, Gemeinwesen, Bern 2010, Rz. 80; Benedikt A. Suter/Cristina von Holzen, in: Thomas Sutter-Somm/Franz Hasenböhler/C hristoph Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich 2010, Art. 9 5 N 39). Eine solche Partei erlei- det mithin durch die Mehrwertsteuer keinen zu entschädigenden Schaden, da sie mit deren Be- zahlung gleichzeitig (bzw. in der gleichen Periode) ei nen gleich hohen geldwerten, liquiden und sicheren Anspruch gegenüber der Mehrwertsteuerverwaltung erwirbt. Die Abrechnungsmetho- de der Partei, der eine Prozessentschädigung zugesprochen wird, ist dabei ohne Einfluss und nicht zu berücksichtigen (OGer ZH vom 19.07.2005, ZR 200 5, N 76, E. III.2; Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, vom 09.05.2011 E. 4.5, publiziert im Internet). Folglich ist die von der Berufungsklägerin an die Berufungsbeklagte auszurichtende Parteientschädigung auf CHF 6‘000.00 inkl. Auslagen festzusetzen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird abgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr von pauschal CHF 4‘000.00 wird der Berufungsklä- gerin auferlegt. Die Berufungsklägerin hat der Berufungsbeklagten eine Parteientschädigung von CHF 6‘000.00 inkl. Auslagen zu entrichten. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiber Hansruedi Zweifel Gegen diesen Entscheid hat die Berufungsklägerin mit Eingabe vom 18.06.2015 Beschwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben (4A_321/2015).