Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Mai 2014 (731 13 350 / 111) ____________________________________________________________________ Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung Anspruch auf Krankentaggelder; Anforderungen an den Nachweis ärztlich bescheinigter Arbeitsunfähigkeit; Gegenbeweis des Versicherers Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Vijitha Schniepper- Muthuthamby Parteien A.____, Kläger, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen innova Versicherungen AG, Bahnhofstrasse 4, 3073 Gümligen, Beklagte, vertreten durch Dr. Urs Korner, innova-Rechtsdienst, Win- kelriedstrasse 31, 6003 Luzern Betreff Leistungen A. Der 1971 geborene A.____ arbeitete seit 2004 bei der B.____AG in C.____ als Garten- arbeiter und war in dieser Eigenschaft bei der innova Versicherungen AG (innova) krankenta g- geldversichert. Am 28. November 2012 ist A.____ bei der Arbeit beim Aufladen einer rund 25 kg schweren Pflanze auf nassem Boden ausgerutscht und hat beim Versuch, sich aufzufangen, einen stechenden Schmerz im Rücken verspürt. Seither bescheinigte der Hausarzt von A.____, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. D.____, Médecine Générale, eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Die Arbeitgeberin meldete den Fall der innova Versicherungen AG (innova) an. Die innova teilte der Arbeitgeberin mit Schreiben vom 23. April 2013 mit, dass sie den Unfall der Unfallversicherung melden müsse und bei Ablehnung der Unfallversicherung ihr deren Verfügung zustellen soll e. Die SUVA e r- brachte daraufhin die gesetzlichen Versicherungsleistungen bis 16. Juni 2013. Einen weiterg e- henden Anspruch hat die SUVA mit Verfügung vom 4. Juni 2013 verneint, weil die bestehenden Beschwerden nicht unfallbedingt, sondern ausschliesslich kr ankhafter Natur seien. Dagegen erhob A.____ Einsprache. Mit Schreiben vom 24. Juni 2013 kündigte die Arbeitgeberin die Stel- le von A.____ per 31. August 2013. B. Die innova holte zur Abklärung des Gesundheitszustandes und zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten einen Bericht von Dr. med. E.____, FMH für Neurologie, ein. Gestützt auf diesen Bericht vom 10. September 2013 teilte die innova A.____ mit Schreiben vom 2. Oktober 2013 mit, dass er spätestens ab dem 16. Juli 2013 wieder vollständig arbeitsfä- hig sei und er deshalb keinen Anspruch auf Taggeld habe. Mit Schreiben vom 18. Oktober 2013 hielt die innova weiterhin daran fest. C. Am 28. November 2013 reichte A.____, vertreten durch Advokat Guido Ehrler, beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt), Klage gegen die innova ein. Er beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm ab 20. August 2013 das versicherte Taggeld gestützt auf die Arbeitsunfähigkeit im bisher ausgeüb- ten Beruf, maximal bis zur Erschöpfung der Taggeldberechtigung, auszurichten; dies unter o/e - Kostenfolge. Zudem ersuchte er um die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsve r- treter. Im Wesentlichen begründete er seine Klage damit, dass ihm sein Hausarzt seit de m Un- fall wegen des Rückenleidens in seiner angestammten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunf ä- higkeit attestiert habe. Auch der Vertrauensarzt der ehemaligen Arbeitgeberin, Dr. med. F.____, FMH für Allgemeine Medizin, gehe in seinem Bericht vom 5. April 2013 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Somit seien die Anspruchsvoraussetzungen von Art. B2 der Allgeme i- nen Vertragsbedingungen (AVB; Ausgabe 1. Januar 2013) der Beklagten nachgewiesen. Weiter habe die SUVA ihre Leistungen wegen fehlender Unfa llkausalität eingestellt und nicht wegen fehlender Arbeitsunfähigkeit. Die innova könne nicht gestützt auf den Bericht von Dr. E.____ die Leistungen verweigern, da dieser lediglich aus neurologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100% attestiere. Aufgrun d des vorliegenden degenerativen Rückenleidens müsse aber die A r- beitsfähigkeit auch aus orthopädischer bzw. rheumatologischer Sicht beurteilt werden. Der B e- richt von Dr. E.____ könne somit die Schlussfolgerung vom Hausarzt sowie von Dr. F.____ nicht widerlegen. Insbesondere führe Dr. E.____ aus, es habe nie eine Arbeitsunfähigkeit aus neurologischer Sicht bestanden. Die SUVA dagegen habe die Arbeitsunfähigkeit bis 16. Juni 2013 anerkannt. Dementsprechend sei ersichtlich, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht ne urolo- gisch bedingt sei. Die innova habe somit den Beweis der vollen Arbeitsfähigkeit nicht erbracht. D. Mit Klageantwort vom 7. Februar 2014 beantragte die innova die Abweisung der Klage. Die Beurteilung von Dr. D.____ stehe im krassen Widerspruch zu den Beurteilungen der ande- ren involvierten Ärzte. Die anfängliche Arbeitsunfähigkeit werde nicht bestritten. Der Vertra u- ensarzt Dr. med. G.____, Facharzt für orthopädische Chirurgie, habe ausdrücklich die Begu t- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht achtung durch einen Neurologen empfohlen. Der Neur ologe Dr. E.____ sei somit beauftragt worden, abzuklären, ob die vorbestandenen multiplen Veränderungen an der Wirbelsäule derart weit progredient seien, dass sie für sich allein eine selbstständige Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Dr. E.____ sei zum S chluss gekommen, dass aus neurologischer Sicht kein versich e- rungsmedizinisch relevanter Gesundheitsschaden bestehe. Dabei habe Dr. E.____ auch die Ergebnisse der bildgebenden Untersuchungen berücksichtigt. Der degenerative Vorzustand sei von bescheidener A uswirkung und erkläre nicht im Geringsten, weshalb der Kläger nun über einen derart langen Zeitraum hinaus in jeder beliebigen Arbeitstätigkeit zu 100% arbeitsunfähig sein solle. Insbesondere auch deshalb, weil der Versicherte täglich zwei Stunden ins Fitn ess- studio gehe, anschliessend Rad fahre oder spazieren gehe. Zudem sei zu beachten, dass Dr. D.____ die Arztzeugnisse als behandelnder Arzt ausgestellt habe. Der Beweis für die vom Kläger behauptete Arbeitsunfähigkeit scheitere somit vollständig. Falls ein e Leistungspflicht bejaht werden würde, so betrage die Wartefrist 60 Tage, welche erst nach Beginn der kran k- heitsbedingten Arbeitsunfähigkeit eintrete. E. Der Kläger reichte mit Schreiben vom 14. April 2014 das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege samt Unterlagen ein. F. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Kläger, sein Rechtsvertreter Ehrler s o- wie Rechtsanwalt Korner als Vertreter der Beklagten teil. Die Parteien halten an ihren Anträgen fest. Auf ihre Ausführungen wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen ein- gegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss Art. 12 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) vom 2. April 1908. Streitigkeiten im B e- reich dieser Zusatzversicherungen sind privatrechtlicher Natur, weshalb strittige Ansprüche darüber in einem zivilprozessualen Verfahren geltend zu ma chen sind. Das Verfahren im Zivi l- prozess regelt die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008. 1.2 Die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ergibt sich aus Art. 7 ZPO i.V.m. § 54 Abs. 1 lit . d des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993. Wie das Bundesgericht in BGE 138 III 558 festhielt, ist bei Klagen betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung keine v orgängige Schlichtung durchzuführen, womit sie direkt am Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, einzureichen sind (vgl. BGE 138 III 561 ff. E. 4; vgl. auch Beschluss des Kantonsgerichts vom 1. Dezember 2011, 731 11 262). 1.3 Die örtliche Zus tändigkeit richtet sich grundsätzlich nach Art. 9 ff. ZPO. Der dem vorli e- genden Fall zu Grunde liegende Versicherungsvertrag ist als Konsumentenvertrag im Sinne von Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 32 ZPO zu qualifizieren, weshalb die Klage des Konsumenten am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien eingereicht werden kann (Art. 32 Abs. 1 lit. a ZPO; vgl. URS FELLER / JÜRG BLOCH, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, 2010, Art. 32 N 45 ff.). Bei Strei- tigkeiten, die keinem zwingenden Gerichtsstand unterstehen, können die Parteien gemäss Art. 17 ZPO vertraglich einen Gerichtsstand vereinbaren. Entsprechendes ist vorliegend dem Art. J4 AVB (der hier anzuwendenden Ausgabe vom 1. Januar 2007) zu entnehmen, wonach nebst am Wohnort oder Sitz der Parteien auch wahlweise am Arbeitsort des Versicherten g e- klagt werden kann. Der ehemalige Arbeitsort des Klägers liegt in C.____/BL. Auf die formg e- recht beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht eingereichte Klage ist demnach einzutreten. 2.1 Nach Art. 247 Abs. 2 lit. a ZPO i.V.m. Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ist der vorliegende Pr o- zess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Die Untersuchungsmaxime gebietet es dem Gericht zwar, den Sachverhalt mit eigenen Mitteln abzuklären und mit vertretbarem Aufwand zu einem hinreichend sicheren Beweisergebnis zu gelangen; es ist dabei aber nicht an Beweisa n- träge gebunden und kann auch von sich aus Beweise erheben. Die Parteien werden dadurch jedoch nicht von der Mitwirkung an de r Erhebung der Beweise und der Erstellung des Sachve r- haltes entbunden. Sie sind es, die primär die Verantwortung für die Ermittlung des Sachverha l- tes tragen. Das Bundesgericht hat die in den Vorgängernormen zu Abs. 2 enthaltene Untersu- chungsmaxime daher bi sweilen auch als gemilderte Verhandlungsmaxime bezeichnet. Nur wenn an der Vollständigkeit der Behauptungen oder Beweise ernsthafte Zweifel bestehen, muss das Gericht nachforschen. Diese Nachforschung besteht aber allein darin, die Parteien auf ihre Mitwirkungspflicht sowie auf die Pflicht zum Beibringen von Beweisen hinzuweisen. Die Untersuchungsmaxime zwingt das Gericht nicht dazu, das Beweisverfahren beliebig auszude h- nen oder alle möglichen Beweise abzunehmen. Ebenso wenig verleiht die Untersuchungsm a- xime den Parteien Anspruch auf ein bestimmtes Beweismittel. Das Gericht muss die betroffene Partei nur einmal auf etwaige Unzulänglichkeiten in ihren Tatsachenbehauptungen und B e- weismitteln hinweisen. Bei anwaltlicher Vertretung ist das Mass der gerichtlichen Mitwirkung auf „einschlägige Fälle“ beschränkt. Indessen verpflichtet die Untersuchungsmaxime das Gericht, ordnungsgemäss eingebrachte und taugliche Beweismittel zu berücksichtigen, wenn es von der Nichterweislichkeit einer bestimmten Tatsache ausgehen wi ll. Die Untersuchungsmaxime ä n- dert nichts an der formellen Beweislast. Kann etwa das Bestehen einer entscheiderheblichen Tatsache durch das Gericht weder bejaht noch verneint werden, so entscheidet das Gericht trotz Untersuchungsmaxime gemäss Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 nach Beweislastgesichtspunkten (vgl. BERND HAUCK, in: Sutter - Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, a.a.O., Art. 247 Abs. 2 ZPO N 33 ff.). 2.2 Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat g emäss Art. 8 ZGB derjenige das Vo r- handensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungsrecht die anspruchsbegrü n- denden Tatsachen lediglich mit dem Beweisgra d der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwi e- sen sein (BGE 130 III 327 E. 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Ta t- sachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 ZGB beim Versicherer liegt (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 22. November 1990]). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Gelangt das Gericht in Würdigung der Beweise zur Überzeugung, eine Tatsachenb e- hauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislastverteilung gegenstandslos (BGE 109 II 251 E. 3.5). Diesfalls liegt freie Beweiswürdigung vor, die bundesrechtlich nicht geregelt ist, auch nicht durch Art. 8 ZGB. Diese Bestimmung schreibt dem Gericht nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären und wie das Ergebnis zu würdigen ist (BGE 102 II 279 E. 3); sie schliesst selbst eine vorweggenommene Beweiswürdigung und Ind i- zienbeweise nicht aus (BGE 109 II 31 E. 3b). Eine beschränkte Beweisabnahme verletzt Art. 8 ZGB daher nicht, wenn das Gericht schon nach deren Ergebnis von der Sachdarstellun g einer Partei überzeugt ist, gegenteilige Behauptungen also für unbewiesen hält (BGE 114 II 290 E. 2). Ebenso wenig schliesst der im Verfahren zur Beurteilung von Streitigkeiten aus einer Z u- satzversicherung zur sozialen Krankenversicherung herrschende Unt ersuchungsgrundsatz die antizipierte Beweiswürdigung aus (Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2006, 5C.206/2006, E. 2.1). 2.4 Dem Versicherer steht ein – aus Art. 8 ZGB abgeleitetes – Recht auf Gegenbeweis zu. Für das Gelingen des Gegenbeweises ist mithin bloss erforderlich, dass der Hauptbeweis e r- schüttert wird (BGE 120 II 393 E. 4b) und demzufolge die Sachbehauptungen nicht mehr als überwiegend wahrscheinlich erscheinen. Gelingt es durch den Gegenbeweis, an der Sachda r- stellung des Anspruchsberechtigten erhebliche Zweifel zu wecken, so ist der Hauptbeweis des Anspruchsberechtigten gescheitert (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2004, 5C.184/2003, E. 3.5). 2.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilu ng der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herku nft eines Beweismittels noch die Bezeic h- nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern ausschliesslich dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 352 f E. 3, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Das Gericht darf dabei eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt ist. 3. Der Kläger machte in seiner Klage gegenüber der Beklagten Taggeldleistungen ab 20. August 2013 geltend. Da mit Einspracheentscheid vom 8. Januar 2014 die SUVA inzw i- schen den Eintritt des status quo ante bzw. status quo sine per 31. August 2013 anerkannt und bis zu diesem Zeitpunkt die Leistungen erbracht hat, stellt der Kläger anlässlich der heutigen Parteiverhandlung den Antrag, die Beklagte habe Leist ungen ab 1. September 2013 zu erbri n- gen. Strittig und zu prüfen ist demnach, ob die Beklagte dem Kläger Krankentaggeldleistungen ab 1. September 2013 auszurichten hat. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Da das VVG ausser in Art. 87 keine spezifischen Bestimmungen zum Krankentaggeld enthält, sind die vertraglichen Vereinbarungen der Parteien, das heisst in erster Linie die AVB, massgebend. Gemäss Art. A1 der AVB gewährt die Beklagte Versicherungsschutz gegen die wirtschaftlichen Folgen von Krankheit. Als Krankheit gilt jede Beeinträch tigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert und eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (Art. A5 AVB). Das versicherte Taggeld wird bei ärztlich besche inigter, vollständiger oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit nach Ablauf einer allfälligen Wartefrist ausgerichtet (Art. B1 Abs. 1 Satz 1 AVB). Gemäss der vorli e- gend zur Anwendung kommenden Police beträgt die Wartefrist 60 Tage pro Fall. Die Lei s- tungsdauer beginnt mit dem ersten Tag der ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit von mi n- destens 25%, jedoch frühestens drei Tage vor der ersten ärztlichen Behandlung (Art. B1 Abs. 1 Satz 2 AVB). Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit erbringt die Beklagte das Taggeld ent sprechend dem Grad der Arbeitsunfähigkeit; weniger als 25% ergeben jedoch keinen Anspruch (Art. B1 Abs. 2 AVB). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geist i- gen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgaben- bereich zumutbare Arbeit zu leisten. Eine in ihrer aktuellen Tätigkeit arbeitsunfähige versicherte Person verpflichtet sich, innert drei Monaten Arbeit in einem anderen Erwerbszweig zu suchen und anzunehmen. Wird die Erwerbst ätigkeit oder die Restarbeitsfähigkeit nicht verwertet oder unterbleibt die Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung bzw. der Invalidenversicherung, so erfolgen die Taggeldleistungen unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht der ve r- sicherten Person (Art. B2 AVB). 3.2.1 Die Arbeitgeberin meldete der SUVA den Unfall des Klägers vom 28. November 2012. Diese richtete daraufhin die gesetzlichen Versicherungsleistungen bis 16. Juni 2013 bzw. – mit Einspracheentscheid vom 8. Januar 2014 – bis 31. August 2013 aus. Der Hausarzt des Kl ä- gers, Dr. D.____, diagnostizierte mit Arztzeugnis vom 18. März 2013 eine Lumboischialgie und attestierte seit 29. November 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die Bescheinigungen wurden jeweils lückenlos verlängert; zuletzt bis 1. Dezember 2013. Mit Schreiben vom 24. Oktober 2013 nahm Dr. D.____ zudem Stellung zum Gutachten von Dr. E.____ und führte darin aus, dass der Versicherte seine bisherige Tätigkeit aufgrund gewisser Unfallfolgen nicht mehr ausüben könne. Viel mehr sei eine Umschulung auf eine wechselbelastende Tätigkeit a n- gezeigt, wobei längere Zwangshaltungen und Heben von Gewichten über 2kg nicht zumutbar seien. 3.2.2 Bei der bildgebenden CT-Abklärung vom 4. Dezember 2012 beschrieb Dr. C. H.____ auf der Höhe L4/L5 eine leicht linksseitig ausgerichtete Diskusprotrusion ohne radikuläre Kompre s- sion. Auf den Höhen L5/S1, L3/L4, L2/L3 sowie L1/L2 seien keine Diskushernien und auch ke i- ne radikuläre Kompressionen sichtbar. Bei der CT -Abklärung vom 5. Dezember 2012 hielt Dr. H.____ fest, dass keine Kompression des Rückenmarks sichtbar sei. Als Befund lägen eine dextro-konvexe Skoliose und eine sehr moderate Wirbelsäulenarthrose vor. Zum MRI vom 22. Januar 2013 hielt Dr. H.____ schliesslich fest, dass auf der Höhe L4/ L5 eine foraminale Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diskushernie mit Bezug zu den Nervenwurzeln L4 bestehe. Ausführungen zur Arbeitsunfähi g- keit nahm er keine vor. 3.2.3 Dr. F.____ wurde durch die ehemalige Arbeitgeberin um eine vertrauensärztliche Beu r- teilung gebeten. In seinem Bericht vom 5. April 2013 diagnostizierte er ein Schmerzsyndrom im Bereich des Beckenkamms links, wobei der Hauptschmerzpunkt über der Spina iliaca anterior superior bei foraminaler Diskushernie L4 liege (Differentialdiagnose: Insertionstendinosen am Becken). Zude m leide der Versicherte an einer leichten Bronchitis. Weiter hielt er im Bericht fest, dass der Versicherte lumbale Schmerzen erstmals vor vier Jahren beim Anheben einer grossen Pflanze gehabt habe. Für diesen Vorfall sei er für vier Wochen arbeitsunfähig gewe- sen. Seither seien diese Schmerzen immer wieder aufgetreten. Der Unfall vom 28. November 2012 habe ein akuter Schmerz ausgelöst und die Schmerzen würden seither fortdauern. Dr. F.____ hat bei seiner Untersuchung festgestellt, dass der Versicherte hinkf rei gehe, er weit- gehend frei beweglich erscheine und er sich ohne Behinderung an - und ausziehen könne. Es gebe keine Hinweise für Sensibilitätsstörungen oder Paresen. Er empfahl einen baldigen A r- beitsversuch, wobei die Tätigkeit zunächst für zwei Wochen we itgehend sitzend, ohne Heben von Lasten über 5kg sowie halbtags mit einem Pensum von 20% und anschliessend mit erhö h- ter körperlicher Belastung sein sollte. Zudem war Dr. F.____ der Meinung, der Versicherte wer- de insuffizient behandelt. Es müsse durch eine fachärztliche Beurteilung festgestellt werden, ob der Befund auf der Höhe L4/L5 überhaupt relevant sei. Bejahendenfalls gebe es weitere ther a- peutische Optionen. 3.2.4 Dr. med. I.____, Kreisarzt der SUVA, hielt in seiner Kurzbeurteilung vom 4. Juni 2013 fest, dass keine strukturellen Unfallschäden vorliegen würden und wies auf eine degenerative LWS-Problematik hin. Dr. med. J.____, FMH Chirurgie, Kreisarzt der SUVA, kam in seiner B e- urteilung vom 1. Oktober 2013 zum selben Ergebnis. 3.2.5 Dr. G.____, Vertrauensarzt der Beklagten, stimmte in seinem Bericht vom 9. Juli 2013 der Beurteilung der SUVA zu, wonach der status quo ante bzw. status quo sine erreicht sei. Er empfahl der Beklagten, eine neurologische Untersuchung anzuordnen. 3.2.6 In der Folge beauftragte die Beklagte Dr. E.____ mit einer neurologischen Unters u- chung. Im Gutachten vom 10. September 2013 führte Dr. E.____ aus, dass neurologische Aus- fälle, die auf eine Nervenwurzel zu beziehen wären, nicht vorliegen würden. Der entsprechende EMG-Befund sei ebenfalls unauffällig. Im Neurostatus fänden sich keine akuten Wurzelko m- pressionen. Zu den lumbalen Diskusprotrusions -Befunden gemäss den CT -Abklärungen vom Dezember 2012 und dem M RI vom Januar 2013 gebe es kein funktionell relevantes klinisches Korrelat. Die LWS sei uneingeschränkt beweglich. Der Versicherte sei sportlich aktiv und bes u- che weiterhin täglich für mehrere Stunden ein Fitness -Studio. Dr. E.____ kam zum Schluss, es könne keine neurologischen Diagnosen gestellt werden, ebenso wenig sei aus neurologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Bei der Untersuchung sei ein inkonstantes Scho n- hinken aufgefallen. Die erhobenen unauffälligen klinischen Befunde stünden im Ge gensatz zu den demonstrierten Beschwerden und der hausärztlich weiterhin attestierten 100%igen Arbeit s- unfähigkeit. Mit Ergänzungsnotiz vom 23. September 2013 stellte Dr. E.____ klar, dass keine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht neurologische Symptomatik bestehe und auch nie bestanden habe. Insoweit habe zu keinem Zeitpunkt eine neurologisch begründete Arbeitsunfähigkeit bestanden. 4.1 Für die Folgen des Unfalles vom 28. November 2012 und die daraus erfolgte Arbeitsu n- fähigkeit erbrachte die SUVA bis 31. August 2013 die gesetzlichen Versich erungsleistungen. Die SUVA hat mit Einspracheentscheid vom 8. Januar 2014 festgehalten, dass die bestehe n- den Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankhafter Natur seien. In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die krankheitsbedi ngte Arbeitsunfähigkeit des Klägers ab 1. September 2013 medizinisch belegt ist. 4.2 Für den geltend gemachten Leistungsanspruch ab 1. September 2013 liegt vom Hau s- arzt Dr. D.____ eine attestierte Arbeitsunfähigkeit vor, wonach der Kläger bis 1. Dezember 2013 zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. Die Arbeitsunfähigkeit wird durch Dr. D.____ nicht näher begründet. Dies ist gemäss den AVB auch nicht erforderlich. Anlässlich der Parteiverhandlung macht der Kläger geltend, dass Dr. D.____ zuletzt bis 6. Mai 2014 eine vollständige Arbeitsu n- fähigkeit attestiert habe. Hierfür reicht der Kläger lediglich Nachweise der Postaufgabe der b e- sagten Arztbescheinigungen ein, welche mit Dr. D.____ als Absender versehen sind. Vorsor g- lich bestreitet die Beklagte die verlängert e Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund der nachstehenden Erwägungen kann offen bleiben, ob die Arbeitsunfähigkeit über den Zeitpunkt des 1. Dezember 2013 hinaus bescheinigt wurde. 5.1 Fraglich ist in einem weiteren Schritt, ob die Beklagte im Rahmen des ihr als Versicherer zustehenden Gegenbeweises begründete Zweifel an der Anspruchsberechtigung des Klägers zu wecken vermag, sodass dessen Sachverhaltsdarstellung als nicht mehr überwiegend wah r- scheinlich scheint. 5.2 Die Beklagte beruft sich da bei auf die Beurteilungen von Dr. F.____ und Dr. E.____. Dem Bericht von Dr. F.____ vom 5. April 2013 ist jedoch keine verbindliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen. Er hält lediglich fest, dass aufgrund der Untersuchung keine sichtbare Beh inderung bestehe. Des Weiteren empfiehlt er lediglich einen Arbeitsversuch mit einem anfänglichen Pensum von 20% und später mit einer Steigerung der körperlichen Bela s- tung sowie des Pensums auf 50%. Es kann davon ausgegangen werden, dass Dr. F.____ der Ansicht ist, der Kläger sei bzw. werde bald vollständig arbeitsfähig sein. Damit könnten alle n- falls gewisse Zweifel an der Einschätzung von Dr. D.____ begründet werden. Die Beurteilung von Dr. E.____ ist in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigk eit jedoch deutlicher. Er hält klar fest, dass in neurologischer Hinsicht weder eine Diagnose noch eine Arbeitsunfähigkeit vorliege. 5.3 Der Kläger hält dem entgegen, dass die Arbeitsunfähigkeit aufgrund des von der SUVA festgehaltenen degenerativen Rück enleidens aus orthopädischer und rheumatologischer Sicht hätte eingeschätzt werden müssen. Abklärungen aus diesen Bereichen seien jedoch keine vo r- genommen worden. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von Dr. E.____ sei lediglich aus neu- rologischer Sicht erfolgt, weshalb diese nicht Zweifel an der von Dr. D.____ attestierten Arbeits- unfähigkeit zu erwecken vermöge. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Dazu ist festzuhalten, dass die Kreisärzte der SUVA Dr. I.____ und Dr. J.____ in ihren Beurteilungen vom 4. Juni bzw. 1. Oktober 2013 multip le degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule erwähnen. Aber sie halten auch fest, es hätten sich bei der bildgebenden Diagno s- tik keine objektivierbaren strukturellen Unfallfolgen gefunden bzw. es bestehe keine sichtbare Kompression des Rückenmarks. Wei ter stellt Dr. H.____ eine Wirbelarthrose fest, welche er jedoch als moderat bezeichnet. Aufgrund dieser Erkenntnisse und den Akten empfiehlt Dr. G.____ als Vertrauensarzt der Beklagten eine neurologische Begutachtung. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei Dr. G.____ um einen orthopädischen Chirurgen handelt und er de s- halb erkannt hätte, wenn weitere orthopädische Abklärungen erforderlich gewesen wären. Eine neurologische Untersuchung war zudem angezeigt, weil der Hausarzt Dr. D.____ eine Lumbo- ischialgie diagnostiziert hatte. Schliesslich ist zu erwähnen, dass Dr. D.____ die vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit des Klägers mit den Unfallfolgen begründet. Dies widerspricht aber den Feststellungen der SUVA, dass keine Unfallfolgen mehr bestehen. Nach dem Gesagten ist es der Beklagten gelungen, erhebliche Zweifel an der vom Hausarzt Dr. D.____ bescheinigten Arbeitsunfähigkeit zu wecken, sodass dessen Einschätzung nicht mehr als überwiegend wahrscheinlich erscheint. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beklagte den Gegenbeweis erbracht hat. Der Hauptbeweis des Klägers für seine Anspruchsberechtigung auf Krankentaggeld ab 1. September 2013 ist damit gescheitert. Demzufolge hat die Beklagte die entsprechenden Leistungen zu Recht nicht erbracht und die Klage ist somit abzuweisen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Das Verfahren vor dem kantonalen Versich e- rungsgericht ist gemäss Art. 114 lit. e ZPO für die Parteien kostenlos. Von der Erhebung von Verfahrenskosten ist deshalb abzusehen. 7.2 Der obsiegenden Partei ist gestützt auf Art. 106 Abs. 1 ZPO grundsätzlich eine Parte i- entschädigung zulasten der unterliegenden Partei zuzusprechen. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung steht ein solcher Anspruch im Bereich der Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung auch dem obsiegenden Versicherungsträger zu, sofern er durch einen externen Anwalt vertreten ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Januar 2001, 5C.244/2000, E. 5 mit Hinweisen; vgl. zur Geltung die ser Rechtsprechung unter der ZPO: Urteil des Bunde s- gerichts vom 17. November 2010, 4A_194/2010, E. 2.2.1 mit zahlreichen Hinweisen). Die B e- klagte wird jedoch durch den internen Rechtsdienst vertreten, weshalb sie keinen Anspruch auf Ausrichtung einer Parte ientschädigung hat. Die ausserordentlichen Kosten sind demzufolge wettzuschlagen. 7.3 Der Kläger ersuchte um unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Ehrler. Als Nac h- weis seiner prozessualen Bedürftigkeit reichte er die entsprechenden Unterlagen am 14. April 2014 beim Kantonsgericht ein. Der Entscheid über die Bewilligung der unentgeltlichen Verbe i- ständung wird ausgestellt und separat beurteilt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. 4. Der Entscheid betreffend das Gesuch um unentgeltliche Verbeistä n- dung wird ausgestellt. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 22. September 2014 beim Bundes- gericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 4A_566/2014) Beschwerde erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht