Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Juni 2022 (720 21 298 / 145) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Neuanmeldung nach rechtskräftiger Ablehnung eines Rentenanspruchs; Gestützt auf das überzeugende Verwaltungsgutachten lässt sich keine a nspruchsrelevante Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse nachweisen. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Kirsten Barth, Paralegal Services, Bertastrasse 3, 8003 Zürich gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.a Die 1978 geborene und zuletzt als Pflegehelferin tätig gewesene A.____ meldete sich erstmals mit Gesuch vom 28. September 2012 unter Hinwe is auf gesundheitliche Beeinträchti- gungen am linken Knie sowie am Rücken bei der Eidgenössisc hen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 12. Juni 2014 sp rach ihr die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) rückwirkend ab 1. März 2013 eine Dreiviertelrente, ab 1. April 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine ganze Rente sowie für die Zeit vom 1. Dezember 2013 bis 31. Dezember 2013 eine befristete halbe Rente zu. A.b Am 21. November 2014 machte die Versicherte eine Verschlechterung des Gesund- heitszustands in psychiatrischer Hinsicht geltend. Die IV-Ste lle führte die erforderlichen Abklä- rungen durch und holte ein bidisziplinäres Gutachten bei Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, sowie bei Dr. med. C._ ___, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, ein. Gestützt darauf verneinte sie mit Verfügung vom 14. März 2018 einen Anspruch auf eine Invalidenrente. A.c Mit Schreiben vom 11. April 2018 ersuchte A.____ um Integration in die Arbeitswelt und reichte gleichzeitig einen Bericht von Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine In- nere Medizin, vom 22. Februar 2018 ein. Mit Mitteilung vom 4. Mai 2018 sprach ihr die IV-Stelle Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche zu. In der Folge reichte A.____ zahlreiche wei- tere Berichte, u.a. einen Bericht von Prof. Dr. med. E .____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 24. Oktober 2018 ein. Die IV-Stelle nahm diesen Bericht als Neuanmeldung entgegen und veranlasste in der Folge ein Verlaufsgutachten bei den Dres. B.____ und C.____. Gestützt darauf sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom 13. Au- gust 2021 nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren rückwi rkend für die Zeit ab 1. Oktober 2018 bis 31. Mai 2019 eine ganze Rente zu. Für die Z eit danach verneinte sie einen Rentenan- spruch unter Verweis auf einen Invaliditätsgrad von 10%. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertr eten durch Kirsten Barth, Paralegal Services, mit Eingabe vom 15. September 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die Verfügung vom 13. August 2021 sei aufzuheben und es se i ihr für die gesamte Zeit eine ganze Rente zu gewähren. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensrechtli- cher Hinsicht ersuchte sie um unentgeltliche Rechtspflege . Zur Begründung führte sie im We- sentlichen an, dass das bidisziplinäre Gutachten, auf welches sich die leistungsablehnende Ver- fügung stütze, aus verschiedenen Gründen nicht über den erforderlichen Beweiswert verfüge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 4. November 2021 schlo ss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 7. April 2022 g elangte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine materielle Behandlung der vorliegen den Beschwerde mangels Erfüllung for- meller Voraussetzungen nicht möglich sei. Das Gericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und der Parteivertreterin eine unerstreckbare Nachfrist zur Erbringung des Nachweises einer zu- lässigen Vertretung einzuräumen. Gleichzeitig gewährte es der Versicherten für den Fall, dass keine zulässige Parteivertretung vorliegt, innert derse lben Frist die Möglichkeit, ein persönlich unterzeichnetes Exemplar der Beschwerdeschrift einzure ichen. Mit Eingabe vom 5. Mai 2022 reichte die Versicherte innert der angesetzten Nachfrist ein von ihr unterzeichnetes Exemplar der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeschrift ein. Gleichzeitig legte sie unter Be kräftigung einer gesundheitlichen Ver- schlechterung weitere Berichte ins Recht. E. Da das Gericht bereits an der Urteilsberatung vom 7. April 2022 einlässlich über die Beschwerde vom 15. September 2021 beriet, wird von der Ansetzung einer erneuten Verhand- lung abgesehen und der vorliegende Entscheid wird mi t derselben personellen Besetzung des Spruchkörpers auf dem Zirkulationsweg gefällt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1 3. August 2021, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bej ahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Wie eingangs dargelegt, ist das Gericht anlässlich der vorliegenden Urteilsberatung zur Auffassung gelangt, dass eine materielle Behandlung der vorliegenden Beschwerde mangels Er- füllung formeller Voraussetzungen nicht möglich ist. Hintergrund bildete der Umstand, dass einige Anhaltspunkte gegen eine zulässige Parteivertretung im Sinne des kantonalen Anwaltsgesetzes gesprochen haben. Mit Beschluss vom 7. April 2022 hat das Gericht der Parteivertreterin daher eine unerstreckbare Nachfrist zur Erbringung des Nachweises einer zulässigen Vertretung ein- geräumt. Für den Fall, dass keine zulässige Parteivertretung vorliegt, hat es der Beschwerdefüh- rerin innert derselben Frist die Möglichkeit gewährt, ein persönlich unterzeichnetes Exemplar der Beschwerdeschrift einzureichen. Die Versicherte hat am 5 . Mai 2022 innert der angesetzten Nachfrist ein von ihr unterzeichnetes Exemplar der Beschw erdeschrift eingereicht. Somit kann auf die Beschwerde der Versicherten gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 13. August 2021 eingetreten werden. 1.3 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler : BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowi e des Bundesgesetzes über den All- gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. De- zember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden j eweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine I nvalidenrente. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 13. August 2021 ent- wickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Später eingereichte ärztliche Berichte sind aus- nahmsweise zu berücksichtigen, wenn daraus Rückschlüsse auf den G esundheitszustand im Zeitpunkt des Verfügungserlasses gezogen werden können (vgl. BGE 121 V 362 E. 1b in fine). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die wäh- rend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschn ittlich mindestens 40% arbeitsunfä- hig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbs- fähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht ent- schieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweis- verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksichtigung von leistungshin- dernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von K ompensationspotentialen (Ressour- cen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnosti- schen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objekti vierter Beurteilungsgrundlage den Be- weis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunf ähigkeit zu erbringen, wobei die versi- cherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Gemäss Art. 17 ATSG sind laufende IV-Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzuset- zen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält- nissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Ä nderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerbli- chen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundhei tszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine abw eichende medizinische oder rechtliche Einschätzung von im Wesentlichen unveränderten tatsächlichen Verhältnissen alleine führt nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf einer anderen W ertung beruhende, revisionsrechtlich unerhebliche Differenzen sind von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen deshalb abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von d er früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert h at, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditäts- grades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Be- weiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Än- derung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsz ustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 E. 3.2.3). 4.2 Vorliegend handelt es sich nicht um eine erstmalige Anmeldung, sondern um eine Neu- anmeldung nach rechtskräftiger Ablehnung einer Invalidenrente. Dabei handelt es sich nicht um eine Rentenrevision nach Art. 17 ATSG. Gleichwohl zielt auch eine Neuanmeldung auf eine er- neute Prüfung des Leistungsanspruchs aufgrund veränderter Verhältnisse ab. Im Falle eines Ein- tretens auf eine Neuanmeldung ist nach Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV i.V.m. Art. 17 Abs. 1 ATSG analog zu einer Rentenrevision zu prüfen, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung in einer für d en Anspruch erheblichen Weise geändert haben (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4 b). Vorliegend ist somit die Frage zu be- antworten, ob sich in der Zeit zwischen der ablehnenden Rentenverfügung vom 14. März 2018 und der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 13. A ugust 2021 eine erhebliche Sachver- haltsveränderung ergeben hat, und ob bejahendenfalls die festgestellte Veränderung genügt, um eine rentenrelevante Invalidität zu begründen (vgl. S VR 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wich- tige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemu- tet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle ande- ren Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer- den berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 E. 4.4 und 4.5). So ist eingeholten G utachten externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete In- dizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.4 Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema − e rhebliche Änderung(en) des Sach- verhalts − bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollst ändigen, nachvollziehbaren und schlüssi- gen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenbe- rechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Reg el am rechtlich erforderlichen Beweis- wert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ä rztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefun- den hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Ver- hältnisse sich verändert haben (Urteile des Bundesgerichts vom 4. März 2021, 8C_703/2020, E. 5.2.1.1 und vom 8. Juli 2020, 8C_196/2020, je mit zahlreichen Hinweisen). 6.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts st ehen zahlreiche medizinische Ak- ten zur Verfügung, welche allesamt vom Gericht gewürdigt wurden. In der Folge werden indessen lediglich entscheidrelevante Arztberichte und Gutachten wiedergegeben: 6.2 Im Zeitpunkt der am 14. März 2018 verfügten Rente nablehnung erweist sich im Wesent- lichen das bidisziplinäre Gutachten der Dres. B.___ und C.____ vom 3. bzw. 5. Oktober 2016 als Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Relevanz. Darin wurden aus bidisziplinärer Sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fol- gende Diagnosen gestellt: chronische Knieschmerzen links, u.a. bei einem Status nach Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) links am 13. April 2011, eine ätiologisch unklare synovitische symmetrische Schwellung der Hände beidseits, Differenzialdiagnose: seronegative rheumatoide Arthritis, "virale Arthritis ?, anderes ?" und ein chro nisches Lumbovertebralsyndrom bei Dis- kushernie LWK 4/5 paramedian rechts, bildgebend mit möglicher Kompression der Nervenwurzel L5 rechts, ohne entsprechende Klinik (MRI Lendenwirbelsäule [LWS] vom 8. Oktober 2013). Im rheumatologischen Fachteil wurde zusammenfassend festgehalten, dass verschiedene Prob- leme bestünden. Das Resultat der erfolgten Knieoperati on sei als gut zu bezeichnen. Die Rest- beschwerden am linken Knie könnten auf eine gewisse Degeneration dieses Kniegelenks (Krepi- tation) zurückzuführen sein. Es entbehre indessen einer o rganischen Grundlage, dass hier ein Ruheschmerz von VAS 7-8 angegeben werde. Dasselbe gelte in Bezug auf das Ganzkörper- schmerzsyndrom. Die angegebenen Schmerzen seien in Anbetr acht des weitgehend normalen Körperstatus kaum nachvollziehbar. In der MRI vom 20. Juni 2015 habe sich ferner ein synoviti- scher Befund im Bereich der Hände gefunden. Erosionen hätten nicht ausgemacht werden kön- nen. Die Diagnose sei indessen unklar. Man könne mit Sich erheit sagen, dass zum Zeitpunkt vom 20. Juni 2015 bildgebend keine Synovitis bestanden habe. Die Tatsache, dass eine erfolgte Cortison-Behandlung subjektiv keinerlei Besserung gebr acht habe, entspreche nicht dem übli- chen Verlauf mit in der Regel einem guten Ansprechen e iner Polyarthritis auf Steroide. Norma- lerweise spreche eine Polyarthritis hervorragend auf eine hochdosierte Steroidgabe an. Die Be- urteilung sei vorliegend durch ein nicht organisches Ganzkörperschmerzsyndrom erschwert, weil dieses überall Schmerzen verursache. Die Explorandin geb e keine Besserung der ubiquitären Schmerzen an. Das vollständige Nichtansprechen auf Meth otrexat spreche gegen ein organi- sches Problem. Es bestünden auch heute noch die gleiche n Schmerzen, es finde sich klinisch aber keinerlei Synovitis. Ein aktuelles Röntgenbild der Hände zeige keinerlei Erosionen und kei- nerlei indirekte Hinweise für eine Polyarthritis, so z.B. keine gelenknahe Osteoporose und keine über das Altersausmass hinausgehenden degenerativen Verä nderungen. Mit anderen Worten finde sich bis heute kein Gelenksschaden, was eine seronegative Polyarthritis zwar nicht absolut ausschliesse, die Schmerzsituation aber relativiere. Die Explorandin schildere ferner Schmerzen im ganzen Rücken. Die Diskopathie mittels medialer, leich t rechtslateraler Diskushernie (MRI LWS 8. Oktober 2013) falle klinisch nicht ins Gewicht. Si e habe keine typische Pathologie einer radikulären Reizung. Eine solche habe ausgeschlossen werden können. Es bestünden keine Hin- weise auf das Vorliegen einer entzündlichen Situation im Labor, das C-reaktive Protein (CRP) sei normal. Die Tätigkeit als Pflegehelferin sei ungünstig, da diese gehend und stehend ausgeübt werde und Arbeiten im mittelschweren und teilweise schw eren körperlichen Bereich beinhalte. Aufgrund der Kniepathologie sei ihr diese Tätigkeit ni cht mehr zumutbar. Von Seiten des linken Kniegelenks könne sie keine dauernd gehende oder stehende Tätigkeit ausüben, keine Tätigkeit, bei welcher sie repetitiv in die Hocke gehen, kauern oder knien müsse. Aufgrund der Diskopathie lumbal bestünden Einschränkungen dahingehend, dass sie keine körperliche Schwerarbeit täti- gen könne, nicht dauernd repetitiv vornüberbeugend oder in Reklination arbeiten könne. Ferner könne sie keine dauernd mittelschwere oder schwere Tätig keit mit den Händen ausüben. Für eine Tätigkeit, welche diese Restriktionen berücksichtige, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aus psychiatrischer Sicht konnten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest- gestellt werden. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit wurde eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.5) diagnostiziert. Anlässlich d er Exploration sei aufgefallen, dass die Beschwerdeschilderung demonstrativ, sehr vage und unbestimmt gewesen sei. Die geklagten Symptome könnten nicht durch eine psychiatrische Störung e rklärt werden. So habe die Explo- randin bspw. von Stottern berichtet, was aber nicht fe ststellbar gewesen sei. Genauso wie die angegebenen Gedächtnisstörungen. Auch die geklagten A uffassungs- und Konzentrationsstö- rungen hätten in keiner Weise beobachtet werden können. Die geklagten Symptome seien Aus- druck ihrer subjektiven Krankheitsüberzeugung. Die Beschwerdeschilderung sei diffus, zum Teil auch etwas theatralisch. Ausser der somatoformen Schme rzstörung könne somit keine weitere psychiatrische Störung diagnostiziert werden. Die Explorand in sei bei der Untersuchung auch nicht depressiv gewesen. Die in den Akten sowie auch sei tens der Explorandin erwähnten de- pressiven Verstimmungen seien im Rahmen der Schmerzstörung einzuordnen. 6.3.1 Im Zusammenhang mit der vorliegenden Neuanmeld ung holte die IV-Stelle ein bidiszipli- näres Verlaufsgutachten bei den Dres. B.____ und C.____ ein, welches am 3. September 2019 erstattet wurde. Darin diagnostizierten die beteiligten Fachpersonen aus bidisziplinärer Sicht als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chron ische Knieschmerzen links, u.a. bei ei- nem Status nach Ruptur des VKB links am 13. April 2011, eine seronegative rheumatoide Arthritis (ED 2015) sowie ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei Diskushernie LWK 4/5 paramedian rechts, bildgebend mit möglicher Kompression der Nervenwurzel L5 rechts, ohne entsprechende Klinik (MRI LWS vom 8. Oktober 2013) und Osteochondrose L4/5, mediane Diskushernie über- wiegend resorbiert, deutlich geringere rezessale Stenose L5 rechts (MRI LWS 24. Januar 2018). Aus rheumatologischer Sicht wurde festgehalten, dass die Explorandin ein "Alles oder Nichts- Prinzip" verfolge. Dies in dem Sinne, dass man entweder ganz gesund oder ganz krank sei. Nu- ancen dazwischen würden für Personen, die diesem Prinzi p folgen würden, nicht bestehen. So sei dies auch bei der Explorandin. Diese zeige diverse Zeichen eines chronischen Schmerzsyn- droms. Die Explorandin würde massiv regredieren und werde in erheblichem Ausmass von ihren Töchtern und ihrem Ehemann unterstützt. Es gebe indessen keinen organischen Grund, insbe- sondere keine Krankheit, welche dies notwendig machen w ürde. Ferner gebe es auch keinen organischen Grund, eine Knieschiene links zu tragen, da die muskulären Verhältnisse auf beiden Seiten gleich seien. Diese Schiene sei eine Möglichkeit für die Explorandin, ihre Bedürftigkeit zu manifestieren. Bei im Vordergrund stehenden und domi nierenden weichteilrheumatischen Schmerzen sei eine antientzündliche systemische Therapie nicht zu empfehlen. Dass eine hoch- dosierte Cortisontherapie keinerlei Einfluss auf die B eschwerden gehabt habe, zeige, dass die entzündliche Komponente weit im Hintergrund stehe. E s würden keine gleichmässigen Ein- schränkungen des Aktivitätsniveaus in allen Lebensbereichen vorliegen. Die Haltung, dass die Explorandin keinerlei Arbeitsfähigkeit sehe, habe sie bereits anlässlich der ersten Begutachtung im Jahr 2016 vertreten. Im Rahmen der Arbeitsfähigkeit führte Dr. B.____ aus, dass hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Pflegehilfe keine Arbe itsfähigkeit mehr bestehe, wie dies auch schon im Gutachten von 2016 festgehalten worden sei. Dies habe sich nicht verändert. Es kämen keine dauernd schweren oder mittelschweren Tätigkeiten in Frage. Von Seiten des linken Knies Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht könne die Explorandin nicht dauernd gehen, stehen, nicht repetitiv in die Hocke gehen und nicht kauernd oder kniend arbeiten. Es sei günstig, wenn sie eine gemischte Tätigkeit zum Teil sitzend und zum Teil stehend oder gehend tätigen könnte. Sie könne sich nicht repetitiv vornüberbeugen und nicht in Zwangshaltungen arbeiten. Aufgrund der r heumatoiden Arthritis seien nur Arbeiten im manuell leichten Bereich zumutbar. Für eine Tätig keit, die demgemäss knie-, rücken- und handschonend sei, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100% bezogen auf ein Ganztagespensum. Aus psychiatrischer Sicht konnten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erho- ben werden. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit b estehe eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Die Beschwerdeschilderung sei sehr diffus gewesen. Sie habe über zahlreiche somatische Beschwerden geklagt, die allesamt nicht hinreichend objektiviert wer- den könnten. Auch die geklagten psychischen Beschwerden, wie Orientierungslosigkeit, Schwä- chegefühle sowie kaum vorhandener Schlaf, seien nicht durch eine psychische Störung erklärbar. Die Explorandin stehe seit Jahren unter erheblichen psychosozialen Belastungen. Dies sowie die feste Überzeugung, dass ihr Rentenleistungen zustehen würden, habe zur psychischen Überla- gerung der multiplen geklagten somatischen Beschwerden g eführt. Da der Schmerz im Vorder- grund stehe, werde eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Seit der letzten psychiatrischen Untersuchung seien keine neuen psychiatrische n Befunde vorhanden. Bereits 2013 seien bei der neuropsychologischen Untersuchung Hin weise auf ein selbstlimitierendes Verhalten festgestellt worden. Eine depressive Stimmun gslage habe nicht festgestellt werden können. Die Explorandin würde einen aktiven Eindruck machen, der Antrieb sei nicht vermindert. Sie habe einzig von einem gewissen Lebensverleider auf grund der somatischen Beschwerden berichtet. Suizidgedanken seien explizit verneint worden . Im Rahmen der Indikatorenprüfung führte er hinsichtlich der Konsistenz und Plausibilität aus, dass die Funktionseinbussen nicht kon- sistent geschildert worden seien. So habe sie bspw. von zahlreichen kognitiven Einschränkungen berichtet, obwohl keine Hinweise für eine Demenz oder eine stattgefundene Hirnverletzung vor- liegen würden. Insgesamt liege keine psychiatrische St örung vor, die die geltend gemachte Ar- beitsunfähigkeit erklären würde. Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung gelangten die Gutachter zur Auffassung, dass die rheuma- tologische Beurteilung als Gesamtbeurteilung gelte, nach dem aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. 6.3.2 In einem Bericht des Spitals F.____, Spinale Ch irurgie, vom 21. Januar 2020 wurden u.a. eine chronische Lumboischialgie L5/S1 ohne Wurzelk ompression (MRI vom 20. November 2019), eine chronische Gonalgie links, eine Polymyalgia r heumatica und eine mittelgradige de- pressive Episode diagnostiziert. Insgesamt handle es sich um ein sehr komplexes Beschwerde- bild mit Verdacht auf Symptomausweitung und Chronifizie rung. Im Vergleich zur vorliegenden MRI-Bildgebung von 2013 zeige sich nun neu eine Diskushernie L5/S1 ohne eindeutige Wurzel- kompression. Die vorbestehende Diskurshernie L4/5 lasse sich nun nicht mehr nachweisen. Da- für bestehe eine etwas ausgeprägtere Chondrose in die sem Segment. Ein geringer Anteil der Beschwerden könnte mit der Diskushernie L5/S1 erklärt w erden. Bei diesem komplexen Be- schwerdebild empfehle sich ein multimodaler Therapieansatz. Die Patientin sei nicht arbeitsfähig. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.3 Am 11. Februar 2020 wurde bei der Versicherten eine Bauchspiegelung mit Entfernung der Gebärmutter und der Eileiter durchgeführt. Im en tsprechenden Austrittsbericht des Spitals F.____, Gynäkologie und gynäkologische Onkologie, vom 11. Februar 2020 wird der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von drei Wochen attestiert. 6.3.4 Am 26. Mai 2020 unterzog sich die Versicherte ei ner Cholezystektomie (Gallenbla- senentfernung bzw. operative Behandlung von Hämangiomen der Leber). Im hierzu ergangenen Verlaufsbericht des Universitären Bauchzentrums vom 2. Juni 2020 wurden symptomatische Rie- senhämangiome der Leber Segement II und VII, eine rheumatoide Arthritis, chronische Schmer- zen sowie mittelgradige depressive Episoden diagnostiziert. Es wird ein unauffälliger postopera- tiver Verlauf festgehalten. In den postoperativen Lab orwertkontrollen hätten sich die Entzün- dungsparameter sowie die Leberparameter mit rückläufi ger Tendenz gezeigt. Dabei wurde u.a. kein Heben schwerer Lasten für 4 bis 6 Wochen angeordnet. 6.3.5 Am 20. Januar 2021 nahm Dr. med. G.____, Fac härztin für Physikalische und Rehabili- tative Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, zu den nachträglich ergangenen Berichten Stellung. Dabei gelangte sie zum Schluss, dass eine richtungsweisende Veränderung des Gesundheitszustands seit dem letzten Gutachten der Dres. B.____ und C.____ objektiv nicht begründet werden könne. Der gynäkologische Eingriff vom 11. Februar 2020 sowie der viszeral- chirurgische Eingriff vom 26. Mai 2020 hätten jeweils vorübergehend eine Arbeitsunfähigkeit von 100% in jeglicher Tätigkeit für 4 respektive 4 bis 6 Wo chen für die postoperative Heilung nach sich gezogen. Aus orthopädischer und rheumatologischer Sicht würden die entsprechenden Kon- sultationen keine neuen Befunde/Aspekte ergeben. An der gutachterlichen Beurteilung der Dres. B.____ und C.____ könne festgehalten werden. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen V erfügung vom 13. August 2021 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts in erster Linie auf das vorstehend zitierte bidiszipli- näre Gutachten der Dres. B.____ und C.____. Gestützt auf die gutachterlichen Ergebnisse ging sie davon aus, dass der Versicherten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (Oktober 2018) aufgrund einer am 24. Juli 2018 erfolgten Knieoperation vorübergehend keine Erwerbstä- tigkeit zumutbar gewesen sei. Ab Februar 2019 sei die Ausübung einer leichten bis mittelschwe- ren wechselbelastenden Tätigkeit (knie-, rücken-, und handschonend) vollumfänglich zumutbar. 7.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das bidiszip linäre Gutachten ist insgesamt um- fassend und die dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die vorgenommenen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die Gutachter haben die Versicherte persönlich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben un d gehen einlässlich auf ihre An- gaben und Beschwerden ein. Sie setzen sich zudem fundie rt mit den bei den Akten liegenden, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht namentlich für die Verfügung vom 14. März 2018 massgebenden, medizinischen Unterlagen aus- einander und begründen abweichende Einschätzungen in überzeugender Weise. 7.3 Überdies wird nachvollziehbar dargelegt, dass sich der Gesundheitszustand seit der Rentenablehnung im Jahr 2018 nicht wesentlich verändert hat. Ein Vergleich der aktuellen Erhe- bungen der Dres. B.____ und C.____ mit den Ergebnisse n des Gutachtens vom 3./5. Oktober 2016, welches Grundlage für die Ablehnung des Rentenanspruchs gebildet hatte, zeigt ein weit- gehend unverändertes Beschwerdebild. Auch die jeweils gestellten Diagnosen fallen nahezu identisch aus. Ferner ist auch eine Zunahme von Ausmass un d Schwere der Beschwerden aus objektiver Sicht zu verneinen. Aus psychiatrischer Sicht wird die Beschwerdeschilderung der Ver- sicherten damals wie heute als diffus bzw. vage und ungen au beschrieben (vgl. psychiatrische Teilgutachten vom 5. Oktober 2016, S. 13 ff. und vom 3. September 2019, S. 23). Die von der Versicherten beklagten Symptome hatten bereits im damaligen Zeitpunkt keiner psychiatrischen Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugeor dnet werden können (vgl. psychiatri- sches Teilgutachten vom 5. Oktober 2016, S. 15). Dr. B. ____ äusserte sich aus rheumatologi- scher Sicht sodann ausführlich zum Verlauf der gesundhei tlichen Beschwerden. Dabei legte er nachvollziehbar dar, dass hinsichtlich der Diskushernie zwar ein residueller Befund auszumachen sei, jedoch nach wie vor Osteochondrosen bestünden. Im Vergleich zur gutachterlichen Beurtei- lung von 2016 konnte Dr. B.____ im Rahmen einer aktuellen MRI-Bildgebung diskrete Synovitide im Bereich der Hände ausmachen, laborserologisch fanden sich indessen normale Werte und kein Hinweis auf einen Entzündungszustand (vgl. rheumatologisches Teilgutachten, S. 88). Die- sem Befund wird indessen mit dem formulierten Zumutbarkeitsprofil bezüglich der Hände Rech- nung getragen, wobei damit keine über das attestierte Leistungsprofil hinausgehende Einschrän- kung in quantitativer Hinsicht begründet werden konnte. Hinsichtlich der Auswirkungen der Diag- nosen auf die Arbeitsfähigkeit bleibt die Einschätzun g der involvierten Fachpersonen demnach ebenfalls unverändert. Der rheumatologische Gutachter gelangte nach einer umfassenden Prü- fung nachvollziehbar zum Ergebnis, dass unter Berücksichtigung des formulierten Zumutbarkeits- profils hinsichtlich einer leidensadaptierten Tätigkeit bezogen auf ein Vollpensum keine Leis- tungseinschränkung bestehe, wie dies auch schon im Jahr 2016 attestiert worden war. 7.4 Was die Beschwerdeführerin vorbringt ist nicht geeig net, die ausschlaggebende Beweis- kraft des Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ infrage zu stellen. 7.5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sich una uflösbare Widersprüche zwischen den beiden Gutachten ausmachen liessen. Dr. B.____ wür de u.a. eine Fibromyalgie als Haupt- ursache für die Schmerzproblematik angeben und führe nur einen geringen Anteil der Schmerzen auf die von ihm gestellten Diagnosen zurück. Dies stelle e inen Widerspruch dar. Die Diagnose einer Fibromyalgie sei durch einen Facharzt für Psychiatrie anhand der Standard-indikatoren zu prüfen. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Im Gegenteil beurteilten die beiden Gutachter die medizinische Situation aus Sicht des jeweiligen Fachge bietes übereinstimmend. So gehen sie darin einig, dass die Hauptursache der Beschwerden auf einer Symptomausweitung gründet. Die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus rheumatologischer Sicht diagnostizierte Fibromyalgie und die im psychiatrischen Fachgut- achten erhobene somatoforme Schmerzstörung beschreiben dasselbe Beschwerdebild aus zwei verschiedenen Fachrichtungen. Eine Diskrepanz kann hierbei gerade nicht ausgemacht werden. Den Ausführungen von Dr. B.____ zufolge lässt sich keine organische Erklärung für das Ausmass der geklagten Beschwerden ausmachen, zumal der Gutachte r keine Entzündungsaktivität und keine Muskelatrophie feststellen konnte. Ferner würden a uch die berichteten Alltagsaktivitäten einer leichten körperlichen Belastung entsprechen. In Übereinstimmung hierzu schloss Dr. C.____ aufgrund der nicht objektivierbaren zahlreich ge klagten somatischen Beschwerden auf eine somatoforme Schmerzstörung. Die Ursache hierfür si eht er in den jahrelang bestehenden psychosozialen Belastungen. Mit der Diagnose verbundene F unktionseinbussen wurden ferner weder konsistent noch plausibel geschildert noch konnte der Gutachter die geklagten Selbstlimi- tierungen durch eine psychiatrische Störung erklären (vgl. E. 6.3.1 hiervor). Gestützt auf diese Erhebungen gelangte er überzeugend zum Schluss, dass daher keine psychiatrische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt. Entgegen einem weiteren Vorbringen der Beschwer- deführerin ist vor diesem medizinischen Hintergrund n icht zu beanstanden, dass der Gutachter auf eine eingehende Prüfung der Standardindikatoren verzichtet hat. Rechtsprechungsgemäss sind psychische Erkrankungen zwar grundsätzlich einem struktur ierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (vgl. BGE 143 V 409 und 143 V 418). Aus Gründen der Verhält- nismässigkeit kann indessen dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. So bleibt es entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvoll- ziehbar begründeter Weise verneint wird (BGE 143 V 409 E. 4.5.3). Dies ist vorliegend der Fall. 7.5.2 Ferner zweifelt die Beschwerdeführerin den Bewe iswert des psychiatrischen Gutachtens insofern an, als sie geltend macht, dass sämtliche dem Gutachter vorliegenden Arztberichte eine Anpassungsstörung sowie eine depressive Störung gemischt ausweisen würden. Der Gutachter habe sich mit diesen Diagnosen indessen nicht auseinandergesetzt. Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass Dr. C.____ die bi s zum Gutachtenszeitpunkt vorlie- genden Berichte der involvierten medizinischen Fachpersonen allesamt bekannt waren. Entge- gen dem Dafürhalten der Beschwerdeführerin trifft es dabei nicht zu, dass der Gutachter im Rah- men des Aktenauszugs lediglich Arztberichte bis im November 2015 aufführt. Anlässlich der Ex- ploration konnte der Gutachter keinerlei Symptome einer Depression, namentlich keinen vermin- derten Antrieb, erheben, weshalb er diese Diagnose nicht bestätigen konnte. Ferner begründete er nachvollziehbar, dass die von der Beschwerdeführerin ge klagten psychischen Beschwerden, wie Orientierungslosigkeit, Schwächegefühle sowie kaum vorhandener Schlaf, keiner psychi- schen Störung zugeordnet werden könnten. Er nahm überd ies auch auf den Umstand Bezug, dass die Versicherte 2018 eine langjährige Psychotherapie beendet und erst vor kurzem wieder eine solche aufgenommen hat, wobei bisher zwei bis dre i Sitzungen erfolgt seien. Vor diesem Hintergrund kann dem Gutachter denn auch nicht vorgeha lten werden, er hätte fremdanamnes- tische Angaben beim behandelnden Psychiater einholen müssen. In pflichtgemässer Würdigung der medizinischen Aktenlage lässt sich die von der Beschwerdeführerin postulierte Diagnose ei- ner Anpassungsstörung anhand der vorliegenden Unterlagen sodann nicht verifizieren, zumal die Beschwerdeführerin ihr Vorbringen nicht mit konkreten medizinischen Berichten untermauert. Die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht angeführte mittelschwere depressive Episode findet sich (le diglich) in der Diagnoseliste der so- matisch tätigen Fachpersonen, wobei diesen Berichten keinerlei Begründung für diese Diagnose zu entnehmen ist und die darin attestierte vollschichtig e Arbeitsunfähigkeit vorwiegend mit der somatischen Problematik begründet wird. Wesentlich diver gierende Einschätzungen einer psy- chiatrisch tätigen Fachperson sind nicht auszumachen, womit für den Gutachter auch kein Anlass bestand, explizit auf die Diagnose einer mittelgradigen Depression einzugehen. Dies umso weni- ger, als er das Vorliegen einer Depression überzeugend ausgeschlossen hat. Insgesamt vermö- gen diese Berichte jedenfalls keine hinreichenden Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig- keit des Gutachtens von Dr. C.____ zu begründen. Namentlich ist daraus sowie gestützt auf wei- tere Berichte nicht ersichtlich, weshalb der Versicherten eine leidensadaptierte Tätigkeit nicht vollumfänglich zumutbar sein soll. 7.5.3 Schliesslich macht die Beschwerdeführerin eine zwi schenzeitliche Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend. So seien Leberläsionen, eine Hepatomegalie, eine reizlose Oste- ochondrose, eine lumbal aktivierte deutliche Osteochondr ose mit Diskusprotresion sowie mit breitbasiger Diskushernie, welche die Wurzel S1 links tangiere, leichte bis mässige Spondylarth- rosen sowie ein Uterus myomatosus erhoben worden. Am 11. Februar 2020 seien zudem ihre Gebärmutter und die Eileiter entfernt worden. Was zunächst die Diagnosen in Bezug auf den Rücken anbelangt, so waren die entsprechenden Befunde Dr. B.____ bereits bekannt und haben bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Berück- sichtigung gefunden. Im Bericht des Spitals F.____, Spinale Chirurgie, vom 21. Januar 2020 wird sodann im Einklang mit den gutachterlichen Erhebungen berichtet, dass sich die vorbestehende Diskushernie L4/5 nicht mehr nachweisen lasse, die Osteochondrose in diesem Segment indes- sen etwas ausgeprägter sei (vgl. hierzu E. 6.3.2 hiervor). Eine Wurzelkompression konnte eben- falls nicht nachgewiesen werden. Ferner trifft es zwa r zu, dass Leberläsionen bzw. eine He- patomegalie dokumentiert sind. Diesbezüglich fand am 26. Mai 2020 eine Cholezystektomie (Gal- lenblasenentfernung bzw. operative Behandlung von Hämangiomen der Leber) statt (vgl. E. 6.3.4 hiervor). Auch ist die Entfernung der Gebärmutter und der Eileiter dokumentiert (vgl. Operations- bericht des Spitals F.____, Gynäkologie und gynäkologische Onkologie vom 11. Februar 2020, IV-act. 223, S. 14 f. und E. 6.3.3 hiervor). Mit den überzeugenden Ausführungen der RAD-Ärztin Dr. G.____ vom 21. Januar 2021 ist indessen darauf hinzuweisen, dass der gynäkologische Ein- griff als auch die Cholezystektomie nur eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit von 4-6 Wochen für die postoperative Heilung zu begründen vermochten. Weder diesen noch weiteren im vorlie- genden Verfahren beigebrachten Berichten lassen sich An haltspunkte für eine anhaltende zwi- schenzeitliche Verschlechterung des Gesundheitszustands entnehmen. 7.5.4 Gleichermassen verhält es sich in Bezug auf die na ch Verfügungserlass ergangenen, mit Eingabe vom 5. Mai 2022 eingereichten Berichte, die der Auffassung der Beschwerdeführerin zufolge eine gesundheitliche Verschlechterung bekräftigen sollen. So finden sich bspw. im bei- gebrachten Bericht der Klinik H.____ vom 6. bzw. 24. Se ptember 2021 u.a. die bekannte Diag- nose eines chronischen Schmerzsyndroms bei degenerativen Veränderungen in der LWS, eine als Differenzialdiagnose erhobene Arthritis im Bereich d er Hände mit möglichen entzündlichen Veränderungen sowie ein Verdacht auf eine chronische S chmerzstörung mit somatischen und Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychischen Faktoren, welche im bidisziplinären Gutachten der Dres. B.____ und C.____ alle- samt ausführlich gewürdigt worden sind. Im Austrittsber icht des Spitals I.____, Interdisziplinäre Notfallstation, vom 4. März 2022, werden namentlich di e bekannte Diskushernie LWK5/SWK1 sowie die Osteochondrosen LWK4 bis SWK1 beschrieben. Eine radikuläre Affektion konnte dabei erneut nicht erhoben werden. Hinzu kommt, dass sich keiner der Berichte zur Frage der Arbeits- fähigkeit äussert. Eine gesundheitliche Verschlechterung lässt sich anhand der vorliegenden Ak- ten nicht verifizieren, weshalb diese Berichte keinen Anlass zu weiteren Sachverhaltsabklärungen geben. 8. Nach dem Gesagten kann hinsichtlich der Beurteilung der gesundheitlichen Verhältnisse sowie der zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vollumfänglich auf die Ergebnisse des überzeugenden bidisziplinären Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ vom 3. September 2019 abgestellt werden. Auf die von der Beschwerdeführerin beantragten zusätzlichen medizini- schen Abklärungen kann verzichtet werden. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswür- digung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf weitere Abklärun- gen verzichtet werden. Eine solche antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesge- richtlicher Rechtsprechung zulässig (vgl. BGE 131 I 153 E . 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 119 V 335 E. 3c in fine mit Hinweisen). 9. Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 4 hiervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invali- ditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühestmög- lichen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222, 128 V 174). 9.1.1 Für die Ermittlung des Einkommens, welches die versicherte Person ohne Invalidität er- zielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, was sie im massgebenden Zeitpunkt auf Grund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Da nach empirischer Fest- stellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesund heitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Ein- tritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens- entwicklung angepasste Verdienst ( BGE 139 V 28 E. 3.3.2). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. 9.1.2 Die Beschwerdegegnerin ermittelte das Validenei nkommen der Versicherten in Anwen- dung der Tabelle TA1, Sektor Dienstleistungen, Gesundh eits- und Sozialwesen 86-88, Kompe- tenzniveau 1, Spalte Frauen, der LSE 2018. Bei einem monatlichen Einkommen von Fr. 4'860.-- errechnete sie in Berücksichtigung der betriebsüblichen A rbeitszeit von 41,6 Stunden ein Vali- deneinkommen von Fr. 60'653.--. Dieses Vorgehen ist n icht zu beanstanden. Soweit die Be- schwerdeführerin geltend macht, dass die Lohnentwicklung für das Jahr 2019 nicht berücksichtigt worden sei, ist sie darauf hinzuweisen, dass die Verhäl tnisse im Zeitpunkt des Rentenbeginns, Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegend im Oktober 2018, massgebend sind (vgl. E. 9 hiervor). Dies gilt auch für die zu berück- sichtigende Lohnentwicklung. Die Frage, ob einem weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin entsprechend hinsichtlich des Valideneinkommens auf das Kompetenzniveau 2 abzustellen sei, kann vorliegend offenbleiben. Bei ansonsten unverändert en Verhältnissen resultierte bei einem monatlichen Einkommen von 5'170.-- ein Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 64’522.--, was jedoch keine rentenrelevanten Auswirkungen zeitigen würde (vgl. E. 9.3 hiernach). 9.2 Ausgehend von einer vollschichtigen Arbeitsfähigkei t in einer leidensadaptierten Tätig- keit ermittelte die Beschwerdegegnerin ein Invalidenei nkommen von Fr. 54'681.--. Grundlage hierfür bildete die LSE 2018, Tabelle TA1, Privater Sektor Total, Kompetenzniveau 1, Spalte Frauen, und ein monatliches Einkommen von Fr. 4'371.--. Nach Umrechnung auf die betriebsüb- liche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden resulti erte das Invalideneinkommen von Fr. 54'681.--. Die massgebenden Berechnungsgrundlagen d es Invalideneinkommens werden von der Versicherten zu Recht nicht beanstandet. 9.3 Unter Berücksichtigung des vorstehend Ausgeführten k ann hinsichtlich des Zeitraums ab Oktober 2018 bis Februar 2019, in deren Rahmen die Beschwerdegegnerin eine behandlungs- bedingte vollständige Arbeitsunfähigkeit anerkannte (vg l. E. 7.1 hiervor), ohne Weiteres festge- halten werden, dass Anspruch auf eine ganze Rente best eht. Für die Zeit ab März 2019 ergibt sich unter Berücksichtigung der sich gegenüberstehenden Ver gleichseinkommen von Fr. 60'653.-- und Fr. 54'681.-- und einem daraus re sultierenden Invaliditätsgrad von 10% kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente. Selbst unter Berücksichtigung eines Valideneinkommens von Fr. 64'522.-- (vgl. E. 9.1.2 hiervor) ergäbe sich ei n Invaliditätsgrad von gerundet 15%. In diesem Zusammenhang gilt es ferner die Bestimmungen nach Art. 88 ff. IVV zu berücksichtigen. Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs . 2 IVV). Bei einer Verbesserung der Er- werbsfähigkeit wiederum ist die anspruchsbeeinflussend e Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksi chtigen, in welchem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist ebenso in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiter andauern wird (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV). Mit Blick auf die Karenzfristen nach Art. 88a Abs. 1 und 2 IVV hat die IV-Stelle in ihrer Verfügung die ganze Rente zu Recht vom 1. Oktober 2018 bis 31. Mai 2019 befristet. 10. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung d er IV-Stelle vom 13. August 2021 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 11. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ei nheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, wes- halb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. In ihre r Beschwerde vom 15. September 2021 ersuchte die Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozes sführung. Die Versicherte ist mit Schreiben des Kantonsgerichts vom 20. September 2021 u.a. darauf hingewiesen worden, dass gemäss § 22 Abs. 1 VPO eine Partei, der die nötigen M ittel fehlen und deren Beschwerde nicht offensichtlich als aussichtslos erscheint, auf ihr Begehren von der Bezahlung der Verfahrenskos- ten und der Kosten von Beweismassnahmen befreit wird. I nnert der ihr vom Kantonsgericht an- gesetzten Frist hat die Beschwerdeführerin nun allerdings den Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- beglichen, womit von einem konkludenten Rückzug des Antrags auf unentgeltliche Pro- zessführung auszugehen ist. Die der Beschwerdeführerin au fzuerlegenden Verfahrenskosten werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. http://www.bl.ch/kantonsgericht