Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Juli 2014 (720 12 368 / 169) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision; Verschlechterung des Gesundheitszustands; Bewertung der Arbeitsun- fähigkeit. Die Arbeitsfähigkeit der 60-jährigen Versicherten, der in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von ca. 35% verbleibt, zusätzlich in qualitativer Hinsicht einge- schränkt ist und deren gesundheitliche Prognose ungünstig ist, ist auf dem ersten Ar- beitsmarkt nicht verwertbar. In der angestammten selbstständigen Erwerbstätigkeit sind beim Tabellenlohn die fixen Infrastrukturkosten im Rahmen des leidensbedingten Abzu- ges zu berücksichtigen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Mar kus Mattle, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1954 geborene A.____ arbeitet seit 1999 als selbstständige Spielgruppenleiterin. Am 3. Juli 2002 meldete sie sich unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung, eine generali- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sierte Angststörung und psychosomatische Beschwerden bei d er Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle B asel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die medizinischen, erwerblichen und hauswirtsch aftlichen Verhältnisse ab und ermit- telte bei der Versicherten für den Zeitraum ab 1. Jun i 2004 in Anwendung der allgemeinen Me- thode des Einkommensvergleichs einen Invaliditätsgrad von 49%. Gestützt darauf sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügung vom 29. Dezember 200 5 ab 1. Juni 2004 eine Viertelsrente der Invalidenversicherung zu. Die dagegen erhobene Einsprache wies die IV-Stelle am 12. Februar 2007 ab. Mit Urteil vom 26. Oktober 2007 wies das Kant onsgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), eine dagegen erhobene Beschwerde ebenfalls ab. A.2 Mit Schreiben vom 22. November 2011 machte der beha ndelnde Arzt Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, gegenüber der IV-Stelle geltend, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Invalidität der Versicherten verschlechter t hätten. Die IV-Stelle wies Dr. B.____ mit Schreiben vom 24. November 2011 darau f hin, dass nur die versicherte Person selbst oder ein von ihr Bevollmächtigter ein Revisionsge such einreichen könne. Ferner führte die IV-Stelle aus, dass eine Revision bloss möglich sei, wen n glaubhaft dargelegt werde, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem ursprünglichen Entscheid in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert hätten, und forderte die Gesuchsteller auf, dies durch die Einrei- chung weiterer Unterlagen darzulegen. Mit Schreiben v om 27. März 2012 beantragte A.____ die Überprüfung ihres Rentenanspruchs, wobei sie im Wese ntlichen vorbrachte, dass sich die Intensität ihrer psychischen Erkrankung seit dem Tod ihrer Mutter vor zwei Jahren verstärkt habe und die Bewältigung des Alltags sie bereits erschöp fe. Nach Einholung von Berichten der behandelnden Ärzte und Psychotherapeuten und Abklärung der erwerblichen Verhältnisse so- wie nach Durchführung eines Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. Oktober 2012 eine Erhöhung der Invalidenrente ab und bestätigte die bisherige Viertelsren- te. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 18. November 2012 Beschwerde beim Kan- tonsgericht und beantragte sinngemäss die Aufhebung de r angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer höheren Invalidenrente. Zur Begründun g führte sie aus, dass sie aufgrund ih- rer gesundheitlichen Beeinträchtigungen grosse Schwierigkeiten habe, den Alltag zu bewältigen und erschöpft sei. Der von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der Abklärungen zur ursprüng- lichen Verfügung beauftragte Gutachter habe ihren Zustand nicht richtig erkannt. C. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2012 wurde der Besc hwerdeführerin für das vorlie- gende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Januar 2013 schloss d ie Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Im Vergleich zum von Dr. med. C.____, FHM Psychiatrie und Psy- chotherapie, mit Gutachten vom 15. Februar 2005 (Eingang) festgestellten Gesundheitszustand sei keine wesentliche Veränderung bzw. keine Verschlechter ung der medizinischen Situation eingetreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 27. Juni 2013 gel angte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Es beschloss deshalb, den Fal l auszustellen und ein psychiatri- sches Gerichtsgutachten einzuholen. Als (Verlaufs-)Gutacht er wurde Dr. C.____ bestimmt. Gleichzeitig unterbreitete das Gericht den Parteien de n vorgesehenen Fragenkatalog. Die Be- schwerdegegnerin erklärte sich mit Schreiben vom 30. Augu st 2013 mit dem vorgeschlagenen Gutachter einverstanden und verzichtete auf die Einreichung von Ergänzungsfragen. Mit Einga- be vom 4. Mai 2013 (Eingang: 9. September 2013) führ ten die behandelnden Ärzte der Be- schwerdeführerin aus, dass diese Dr. C.____ als voreingen ommen erlebe und empfahlen den Beizug eines anderen Gutachters. Mit Verfügung vom 16. September 2013 lehnte das Kan- tonsgericht das Ablehnungsbegehren ab. Es erwog, dass di e Vorbefassung Dr. C.____ nicht zwingend den Anschein einer Befangenheit erwecke. Vielmehr könne es sich als sinnvoll erwei- sen, einen bereits mit dem Fall befassten Mediziner mit der Erstellung eines sogenannten Ver- laufsgutachtens zur Entwicklung des Beschwerdebildes zu bea uftragen. Zusätzliche objektive Gründe, die den Anschein der Befangenheit und die Gef ahr einer Voreingenommenheit be- gründen würden, lägen nicht vor. In der Folge wurde Dr. C.____ mit der psychiatrischen Ver- laufsbegutachtung der Beschwerdeführerin beauftragt. F. Am 18. März 2014 ging das in Auftrag gegebene Geri chtsgutachten ein. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt d es Gutachtens und zur Frage, wie sich die Ergebnisse der aktuellen orthopädischen Begutachtung auf den Leistungsanspruch der Versi- cherten auswirken würden, zu äussern. Mit Eingabe vom 14. April 2014 beantragte die Be- schwerdegegnerin im Hinblick auf das eingeholte Gerichtsgu tachten neu, dass der Beschwer- deführerin ab März 2012 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen sei. Der behandelnde Psychi- ater der Beschwerdeführerin äusserte sich mit Stellungnah me vom 22. Mai 2014 kritisch zum eingeholten Gutachten und brachte im Wesentlichen vor, dass die Beschwerdeführerin seiner Einschätzung nach zumindest zu 80% arbeitsunfähig sei und auf dem freien Arbeitsmarkt keine Chance bestehe, eine Arbeitsstelle zu bekommen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes übe r die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. L aut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 18. November 2012 ist demnach einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die Beschwerdegegnerin lehnte mit Verfügung vom 2 4. Oktober 2012 die Erhöhung der Invalidenrente der Beschwerdeführerin ab und bestätigte die am 29. Dezember 2005 zugespro- chene Viertelsrente. Nach Vorliegen des Gerichtsgutachtens vom 18. März 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin sinngemäss, es sei der Beschwerdeführer in ab März 2012 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Strittig und zu prüfen ist damit im vorliegenden Verfahren, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine höhere Rente der Invalidenversicherung hat. 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfäh igkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Diese Definitionen entsprechen den vor Inkrafttreten des ATSG per 1. Januar 2003 von der Rechtsprechung entwickelten Begriffen in der Invalidenversicherung (BGE 130 V 343 ff.). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer du rch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht m ehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; RUDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grund- figur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaf fhauser/Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 4.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einko mmensvergleichs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 7 ff. E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 29. Dezember 200 5 gestützt auf einen IV-Grad von 49% rückwirkend ab 1. Juni 2004 eine Viertelsrente zu. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerichteten Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen (auf einer vollständigen materiellen Anspruchsprüfung beruhen- den) Rentenverfügung vom 29. Dezember 2005 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 24. Oktober 2012. 5. Im Folgenden ist demnach zunächst zu prüfen, ob und i nwiefern sich der Gesundheits- zustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbei tsunfähigkeit der Versicherten seit der ursprünglichen Rentenzusprache in anspruchserheblicher Weise verschlechtert hat. 6.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 6.2 Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversiche- rungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigu ng (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass d as Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unte rsuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.3.1 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Recht sprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de s medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbar keit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn g egensätzliche Meinungsäusserungen ande- rer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheine n, die Schlüssigkeit des Gerichtsgut- achtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Er gebnis des Gerichtsgutachtens ab- weichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E . 3b/aa mit Hinweisen). Gleichermas- sen ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwal tungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2 Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen ausschliesslich auf versicherungsin- terne medizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weite ren Hinweisen; vgl. auch: BGE 135 V 471 E. 4.7). In Bezug auf Berichte von behandel nden Ärzten schliesslich darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, da ss diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unter schiedliche Natur von Behandlungs- auftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerse its und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseit s (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutach- ten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abkl ärungen zu nehmen, wenn die be- handelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gel angen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, we il die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g eblieben sind (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.4 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind in Revisio nsfällen bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen Sachverhaltes ausserdem zu sätzliche Besonderheiten zu beachten (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010). 6.4.1 Da die Feststellung einer revisionsbegründenden V eränderung durch eine Gegenüber- stellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes er folgt (vgl. E. 4. hiervor), bildet Ge- genstand des Beweises das Vorhandensein einer entscheidu ngserheblichen Differenz in den – den medizinischen Gutachten zu entnehmenden – Tatsachen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und seiner funktionellen Auswir kungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit sie in tatsächlicher Hinsicht einen Unterschied zum frü heren Zustand wiedergibt. Der Beweis- wert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medi- zinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalig e Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich d ie (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspri cht, inwiefern eine effektive Verände- rung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbeha lten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich ve rändert haben (Urteil des Bundes- gerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). 6.4.2 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrech tlichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in i hrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Bloss nominelle Diff erenzen diagnostischer Art begrün- den dabei keine massgebliche Veränderung. Die Feststellu ng über eine seit der früheren Beur- teilung eingetretene tatsächliche Änderung ist hingegen genügend untermauert, wenn die ärztli- chen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichts punkte in der Krankheitsentwick- lung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer n euen diagnostischen Beurteilung und/oder ihrer neuen Einschätzung des Schweregrades der Störun gen geführt haben. Ein Sachverstän- diger kann die betreffende Entwicklung regelmässig nich t aus eigener Wahrnehmung beschrei- ben (ausser er sei schon als Vorgutachter tätig gewesen) . Daher ist es erforderlich, dass er sich, soweit verfügbar, mit den Fakten fundiert auseinan dersetzt, wie sie sich aus den für den früheren Entscheid massgebenden medizinischen Vorakten e rgeben. Dem Gutachten, welches die medizinischen Vorakten unzureichend berücksichtigt, f ehlt die erforderliche Überzeugungs- und Beweiskraft selbst dann, wenn die Schlussfolgerunge n, welche auf der Grundlage der vom Sachverständigen selber erhobenen Befundtatsachen gezog en worden sind, an sich einleuch- ten und vom Rechtsanwender prüfend nachvollzogen wer den können (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). 6.4.3 Je mehr medizinisches Ermessen bei der Stellung ei ner Diagnose und der ärztlichen Einschätzung der Funktionseinschränkungen im Spiel ist, de sto wichtiger ist es, den gutachtli- chen Befund einer Veränderung möglichst solide auf klini sche Feststellungen, gutachterliche Verhaltensbeobachtungen und anamnestische Daten zu stüt zen und diese Elemente in Bezie- hung zu den medizinischen Vorakten und den dort gesetzt en Anknüpfungstatsachen zu brin- gen. Nur so kann dem Gutachten hinreichend zuverlässig entnommen werden, dass die in den Schlussfolgerungen beschriebene Differenz nicht wesentli ch einer unterschiedlichen Wertung zuzuschreiben ist. Auf der anderen Seite darf die Notwe ndigkeit, eine bloss andere Beurteilung nicht als Anlass einer materiellen Revision gelten zu lasse n, nicht dazu führen, dass die Anfor- derungen an den Nachweis einer Veränderung so hoch ang esetzt werden, dass die ursprüngli- che Festlegung praktisch perpetuiert wird. Dies gilt insbe sondere für psychiatrische Beurteilun- gen, bei denen praktisch immer ein Spielraum besteht, innerhalb dessen verschiedene medizi- nische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Hier können die Beurteilungen nicht i mmer lückenlos mit Tatsachenschilde- rungen unterlegt werden. Bei einer stark ermessensgepr ägten Einschätzung, die weniger auf Messung und anderweitig normierter Feststellung als auf interpretationsbedürftigen Befundtat- sachen beruht, kann etwa eine Auseinandersetzung mit der Genese des Gesundheitsschadens, den das Krankheitsgeschehen unterhaltenden Faktoren, für den Nachweis einer tatsächlichen Veränderung besondere Bedeutung erlangen (Urteil de s Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.4 mit weiteren Hinweisen; vgl. auc h Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2013, 9C_698/2012, E. 2.2). 7. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerdef ührerin sind im Wesentli- chen die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Im Rahmen der ursprünglichen Rentenzusprache beau ftragte die Beschwerdegegnerin Dr. C.____ mit einer psychiatrischen Begutachtung. Mit Gutachten vom 15. Februar 2005 hielt dieser als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Persönlichkeit mit akzentuier- ten abhängigen, infantilen, ängstlichen und selbstunsich eren Persönlichkeitsanteilen und mit Somatisierungsneigung sowie eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) fest. Ohne Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine Migräne zu d iagnostizieren. Subjektiv beklagt werde eine ständig präsente Angst sowie Kopfschmerzen bis zu M igräne und damit einhergehende Verspannungszustände. Die Explorandin gebe an, keine Kräfte zu haben und am Mittag bereits erschöpft zu sein. Dann habe sie auch Konzentrationsschwieri gkeiten. Sie fühle sich oft ge- hemmt und ängstlich. Die Explorandin hinterlasse einen auffälligen, psychisch selbstunsiche- ren, beinahe übervernünftigen Eindruck. Sie sei überang epasst, deutlich aggressionsgehemmt, leicht nervös und unsicher. Sie kollaboriere sehr gut. Auf fälligkeiten fänden sich auch auf der Kommunikationsebene und in der psychischen Erscheinung. Ne ben der manifesten Angststö- rung stünden deutlich auch auffällige Charakterzüge im Vordergrund. Die Explorandin habe sich zeitweilig als infantil-regressiv, abhängig, selbstunsicher und teilweise auch wenig gereift erwie- sen. Es sei deutlich geworden, dass sie ratlos, hilflos und den psychosozialen Umständen (Eheprobleme, anschliessende Trennung und Scheidung, Konflikte mit der Tochter) etwas aus- geliefert sei. Aus den gestellten Diagnosen ergebe sich eine verminderte Belastbarkeit und ein vermindertes Durchhaltevermögen. Die Explorandin sei vermindert stressbelastungsfähig, we- nig flexibel, erschwert umstellfähig und verfüge über ein nicht adäquates Repertoire an Fähig- keiten, sich in schwierigen Umständen adäquat zu wehren. In der angestammten und in jeder anderen zumutbaren Tätigkeit sei die Explorandin fünf Stunden täglich arbeitsfähig. Als Spiel- gruppenleiterin sei sie bestens integriert. 7.2 Mit Bericht vom 8. Juni 2012 (Eingang) diagnostizi erten der behandelnde Arzt Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, un d die behandelnde Psychologin lic. phil. E.____, Psychotherapeutin FSP, eine soziale P hobie mit Panikattacken und psycho- somatischen Symptomen, Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich sowie Spannungs- kopfschmerzen, ferner Schwindel und Übelkeit sowie eine Persönlichkeitsakzentuierung mit anankastischen und asthenischen Zügen. Mit dem Tod der M utter habe die Patientin einen sta- bilisierenden Kontakt verloren. Das Verstecken und Übersp ielen der eigenen Verfassung, ins- besondere ihrer Unsicherheit, koste die Patientin sehr vi el Energie. Seit dem Tod der Mutter fürchte sie sich nicht bloss ausser Haus, sondern auch inn erhalb ihrer Wohnung ständig davor, einen folgenreichen Fehler zu begehen. Sie benötige heute Begleitung durch eine psychologi- sche Praktikantin, um die Hausarbeit, insbesondere die Büroarbeit, erledigen zu können. Die früheren Panikattacken und massiven, sehr einschränkenden Ängste seien auf real vorhandene Gefahrensituationen zurückzuführen gewesen. Die heutige A ggravation der Angstsymptomatik stehe im Zusammenhang mit dem Tod der Mutter und eine r Erschöpfungsdepression, die sich in Folge der jahrelangen, kräftefordernden „Abwehr- und Kontrollarbeit“ entwickelt habe. Die Arbeit als Spielgruppenleiterin im bisherigen Belastungsprofil entspreche eher einer Aufgabe im geschützten Rahmen; das Gehalt sei entsprechend niedrig . Die Belastbarkeit betrage höchs- tens zwei Stunden am Tag, wobei die Patientin auf dem freien Arbeitsmarkt wohl gar nicht ver- mittelbar sei. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) stellte mit Bericht vom 29. Juni 2012 f est, dass angesichts der seit 2005 weit- gehend unveränderten Befunde die neu gestellte Diagn ose einer sozialen Phobie wenig über- zeugend sei. Der Todesfall einer nahen Angehörigen de r Versicherten sei zwar belastend, kön- ne aber nicht als dauerhafter Gesundheitsschaden gewertet werden. Bei einem nicht wesentlich veränderten Gesundheitsschaden könne die neue, abweiche nde Arbeitsunfähigkeit nicht nach- vollzogen werden. 7.4 Mit Schreiben vom 15. September 2012 nahm lic. ph il. E.____ zum Vorbescheid der Beschwerdegegnerin Stellung und führte aus, dass sich di e Symptomatologie der Versicherten seit der letzten Abklärung im Jahr 2005 deutlich verstärkt habe. Das aktuell bewältigte Arbeits- pensum erschöpfe die Versicherte, so dass ihr die Kraft für eine zusätzliche berufliche Aufgabe und vor allem auch für jede private Tätigkeit fehle. Si e drohe dadurch sozial zu isolieren. Die Einschränkungen reflektierten sich auch im Einkommen; die tatsächliche Erwerbseinbusse auf- grund der stark behinderten Leistungsfähigkeit betrage derzeit 75%. 7.5 Mit Stellungnahmen vom 19. September 2012 und 1 0. Oktober 2012 hielt der RAD-Arzt Dr. F.____ an seiner Einschätzung fest, dass keine Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen sei. Vielmehr entsprächen die Befunde und Symptome denjenigen, die bereits im Gutachten von Dr. C.____ vom 15. Februar 2005 festgeste llt worden seien. Auch die Ausfüh- rungen zur Wohnsituation durch die psychologische Praktikan tin (Schreiben vom 18. September 2012) würden nicht von den Feststellun gen der Haushaltsabklärung vom 4. Juli 2005 abweichen. Es handle sich somit bloss um eine ander e Einschätzung des unveränderten medizinischen Sachverhalts. 7.6 Nachdem das Kantonsgericht mit Beschluss vom 27. Juni 2 013 entschieden hatte, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die medizinische Aktenla- ge nicht möglich sei, wurde Dr. C.____ am 16. Septem ber 2013 mit der Erstellung eines ge- richtlichen Verlaufsgutachtens beauftragt. Im Rahmen sein er Untersuchung forderte der Ge- richtsgutachter vom aktuell behandelnden Psychiater eine n Arztbericht an. Dr. med. G.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostiziert e mit Bericht vom 5. Februar 2014 eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), eine rezidivierende depressive Störung (ICD- 10 F33.1), einen Verdacht auf andauernde Persönlichkeit sänderung nach psychischer Erkran- kung (ICD-10 F62.1) sowie eine low-dose Abhängigkeit von Lorazepam (ICD-10 F13.22, iatro- gen). Die Patientin stehe seit Ende 2013 in seiner Be handlung. Symptomatisch bestehe eine generalisierte Angst, die selbst einfachste Tätigkeiten massiv behindere und teilweise unmög- lich mache. Für Tätigkeiten würden zum Teil mehrere St unden gebraucht, was zu einem chro- nischen Erschöpfungszustand führe. Dazu passend fände sich eine Hypersomnie mit bis zu 14 Stunden Schaf pro Tag. Eine ebenfalls dazu passende depr essive Symptomatik gehe mit le- bensmüden Gedanken einher, habe aber noch nie zu konkret en Suizidplänen oder -versuchen geführt. Gewisse Formen der Angstbewältigung würden a n Zwangshandlungen oder Zwangs- gedanken erinnern, eine eigenständige Störung habe je doch bisher nicht diagnostiziert werden können. Aufgrund der schweren Symptomatik stehe derzeit die medikamentöse Stabilisierung völlig im Vordergrund. Die Patientin hinterlasse zunäch st einen deutlich stabileren Eindruck als Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht dies in Wirklichkeit der Fall sei. Aus seiner Sicht sei si e derzeit nicht arbeitsfähig, die Patientin lehne jedoch die angebotene 100%ige Krankschreibung ab. 7.7 Mit Gerichtsgutachten vom 18. März 2014 (Eingang) ste llte Dr. C.____ folgende Diag- nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1); eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie eine Persönlichkeit mit akzentuierten, abhängigen , infantilen, ängstlichen und selbstunsi- cheren Zügen (ICD-10 Z73.1). Ohne Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit seien eine Tendenz zur Somatisierung im Sinne von sonstigen somatoformen Stö rungen (ICD-10 F45.8) wie Schwindel, Verspannungen, Kopfschmerzen; Anpassungsproblem e bei Veränderung der Le- bensumstände (ICD-10 Z60.0) und eine atypische familiär e Situation (ICD-10 Z60.1) festzustel- len. Aus psychiatrischer Sicht müsse gegenüber 2005 gesichert eine Zunahme der psychischen Symptomatik angenommen werden. Die Angststörung habe si ch massiv verfestigt, zwanghaft fixiert und sei heute ausgeprägter. Zusätzlich sei es heu te zu einer depressiven Fehlentwick- lung, gegenwärtig leicht ausgeprägt, gekommen. Die Ex plorandin leide zunehmend unter ra- scher Erschöpfung, rascher Müdigkeit, mangelnder Ressourcenm obilisierung und unter einem verminderten Selbstwertgefühl. Es könne durchaus sein, dass die Depressivität auch mittelgra- dige Ausprägungen erreiche, zumal die Explorandin anti depressiv behandelt werde. Die zu- nehmende depressive Fehlentwicklung mit Erschöpfungssymptomat ik würde es der Exploran- din verunmöglichen, die Angststörung aktuell noch zu kom pensieren. Aufgrund der gegenüber 2005 deutlich verstärkten generalisierten Angststörung könne die Versicherte weder ein sozia- les noch ein eigenes Leben führen. Sie lebe bloss noch eine „vita minima“, die darauf abziele, den Schein einer Normalität aufrecht zu erhalten. Sie versuche krampfhaft, ihre Restfunktions- fähigkeit noch aufrecht zu erhalten. Es gelinge ihr nu r unter Aufbietung der letzten Reserven, sich nach aussen so darzustellen, dass ihr wenigstens noch Kl einkinder in die Obhut gegeben würden. Sie versuche mit allen möglichen Mitteln, ihre Ängste möglichst niemandem zu zeigen, was ihr allerdings überhaupt nicht mehr gelinge. Wegen der raschen Erschöpfbarkeit durch die Abwehrleistungen und die jeden Tätigkeitsbereich des A lltags umfassende Angststörung ver- brauche sie sämtliche Energie für einen normalen Leben svollzug. Seit dem Verlust der Mutter im Jahr 2010 sei von einer Verschlechterung des psychischen Zustands auszugehen. Die Ängste und Depressivität, der rigiden Umgang mit sich selb st und dem Lebensvollzug hätten sich seit etwa 2010 gegenüber dem Zustand im Jahr 2005 eindeutig verschlechtert. Die Verwer- tung der Restarbeitsfähigkeit habe sich ebenfalls in d en letzten Jahren verschlechtert. Zwar arbeite sie noch ca. vier Stunden pro Tag mit Vor- und Nachbereitung, müsse jedoch nach ei- genen Angaben in letzter Zeit vermehrt externe Hilfe holen, so dass kaum ein Verdienst übrig bleibe. Eigentlich handle es sich bei der selbstständige n Tätigkeit der Explorandin schon fast um einen geschützten Arbeitsplatz; das aktuell ausgeübte P ensum als Krippenleiterin sei be- reits eine Überforderung. Die Prognose sei ungünstig. E ine weitere Reduktion der Anzahl der betreuten Kinder in der Krippe – wie sie von der Explo randin in Betracht gezogen werde – sei angesichts der bereits heute fast fehlenden Rentabilit ät völlig unrealistisch. Es sei eine Frage der Zeit, bis die Explorandin vollständig dekompensier e. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. C.____ fest, dass in der angestammten Tätigkeit au fgrund des tatsächlich geleisteten Pen- sums von vier Stunden täglich seit 2010 und aktuell von ei ner Arbeitsunfähigkeit von 60% aus- zugehen sei. Dabei sei betreffend des Stundenansatzes ei n um weitere 10% reduziertes Ren- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dement anzunehmen. In einer Verweistätigkeit sei sie i m Umfang von drei Stunden täglich ar- beitsfähig ohne Verminderung des Rendements. 7.8 Mit Stellungnahme vom 22. Mai 2014 hielt der be handelnde Psychiater Dr. G.____ an seiner Einschätzung, wonach die Beschwerdeführerin minde stens zu 80% arbeitsunfähig sei, fest. Auf dem freien Arbeitsmarkt bestünde keine Chance, eine Anstellung zu erhalten. Die bis- herige Tätigkeit von maximal 20 Stunden wöchentlich hab e nur durch erhebliche externe Hilfe durchgehalten werden können. Dabei habe die Beschwerde führerin ihre gesamten Ersparnisse aufgebraucht. Die Kompensationsmechanismen der Patient in täuschten immer wieder eine Ar- beitsfähigkeit vor, die entgegen den Ausführungen im Gerichtsgutachten von Dr. C.____ so nicht vorhanden sei. Die Beschwerdeführerin habe sich üb erdies von Dr. C.____ missverstan- den gefühlt. Sie hoffe selbst, dass sie zukünftig zwölf Stunden pro Woche ohne fremde Hilfe erwerbstätig sein könne. Es sei zu befürchten, dass eine Ausdehnung des Arbeitspensums zu einer weiteren Dekompensation des schon fragilen Systems und zu einer vollständigen Arbeits- unfähigkeit führen könnte. 8.1 Wie unter Erwägung 6.3.1 hiervor ausgeführt, wei cht das Gericht bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts praxisgemäss nicht ohne zwingend e Gründe von der Ein- schätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Ge- richtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmt en Sachverhalt medizinisch zu erfas- sen. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens von Dr. C.____ vom 18. März 2014 in Frage zu stellen oder davon abzu- weichen. Das Gutachten weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 6.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es be- ruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darleg ung der medizinischen Zusammenhän- ge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein , setzt sich ausführlich mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärztlichen Einschätzun gen auseinander und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Insbesondere legt der Gerichtsgutachter auch die Entwick- lung des Gesundheitszustands seit der letzten Begutachtung im Jahr 2005 ausführlich dar, wo- bei er sich auf eigen- und fremdanamnestische Angaben, die Vorakten und seine gutachterli- chen Beobachtungen stützt. Die festgestellte Verschlecht erung des psychischen Gesundheits- zustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten wird in nachvollziehbarer Weise begründet. Das Gutachten entspricht damit auch den bundesgerichtliche n Vorgaben zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts in Revisionsfällen (vgl. E. 6.4 f. hiervor), weshalb darauf abgestellt werden kann. 8.2 Daran vermögen auch die Vorbringen der Beschwerde führerin bzw. ihres behandeln- den Psychiaters nichts zu ändern, zumal bezüglich der Haupt diagnosen einer generalisierten Angststörung und einer depressiven Störung Einigkeit best eht und lediglich die Arbeitsunfähig- keit unterschiedlich beurteilt wird. Zwar ist festzustel len, dass die Einschätzung der Arbeitsfä- higkeit in der angestammten Tätigkeit durch Dr. C.__ __ insofern Unsicherheiten zu bergen scheint, als nicht vollends deutlich wird, ob das um 10% ve rminderte Rendement sich – wie von der Beschwerdegegnerin angenommen – auf das von ihm fest gestellte zumutbare tägliche Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pensum von vier Stunden oder auf die festgestellte Arbe itsfähigkeit von 40% bezieht. Der Ge- richtsgutachter legt der zumutbaren Arbeitsfähigkeit au genscheinlich das aktuell absolvierte Pensum von vier Stunden pro Tag zugrunde. Gutachterlich wurde indessen mehrfach eine star- ke Überforderung mit diesem Pensum festgestellt, die sich auch im Beizug fremder Hilfe geäus- sert hat. Sowohl von Dr. C.____ wie auch vom behandelnd en Arzt Dr. G.____ wird ausserdem auf die hohe Wahrscheinlichkeit einer weiteren Dekompensa tion bei Aufrechterhaltung des ak- tuellen Pensums hingewiesen. Die Ausführungen von Dr. C .____ sind demnach so zu verste- hen, dass der Beschwerdeführerin – trotz einem aktuell ausgeübten Pensum von vier Stunden täglich – eine Arbeitstätigkeit im Umfang von 40% zum utbar ist, wobei zusätzlich ein verminder- tes Rendement angenommen werden muss. Dafür spricht let ztlich auch die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit, die von Dr. C.____ grundsätzlich auf drei Stunden pro Tag beziffert wird. 8.3 Nach dem Ausgeführten ist davon auszugehen, dass sich de r psychische Gesund- heitszustand und – damit einhergehend – die Arbeitsfä higkeit seit dem Jahr 2010 verschlechtert hat. In der angestammten Tätigkeit ist die Beschwerde führerin noch im Umfang von 40% ar- beitsfähig, wobei das Rendement zusätzlich um 10% einge schränkt ist. In einer dem Leiden angepassten Verweistätigkeit wäre die Beschwerdeführer in grundsätzlich zu drei Stunden täg- lich, somit im Umfang von ca. 35%, arbeitsfähig. 9. Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten in der Regel aufgrund eines Einkommensverg leichs zu bestimmen. Die Be- schwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 24. Oktober 2012 aufgrund der erwerblichen Auswirkungen in der angestammten Tätigkeit einen Invali ditätsgrad von 49% ermittelt. Nach Vorliegen des Gerichtsgutachtens vom 18. März 2014 hat die Beschwerdegegnerin hingegen in ihrer Stellungnahme vom 14. April 2014 für die Ermit tlung des Invalideneinkommens auf das hypothetische Einkommen aus einer Verweistätigkeit abgest ellt und ermittelte gestützt darauf einen Invaliditätsgrad von 56%. 9.1 Fraglich ist indessen, ob die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer Ver- weistätigkeit überhaupt zu verwerten ist. 9.1.1 Gemäss Art. 16 ATSG ist bei der Bestimmung des In validitätsgrades von einer ausgegli- chenen Arbeitsmarktlage auszugehen. Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf derweil nicht von realitätsfre mden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer Arbeitsgelegenhe it im Sinne von Art. 16 ATSG dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in s o eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realisti- schem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgeber s möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein al s ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Schwe izerisches Bundesgericht, So- zialrechtliche Abteilungen] vom 10. März 2003, I 617/0 2, E. 3.1 mit Hinweisen). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der Versicherten auf einem ausge- glichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähig- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die un ter Berücksichtigung der gesamten objek- tiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3 .1 mit Hinweisen; vgl. zum Ganzen auch: BGE 110 V 276 E. 4b). 9.1.2 Mit Gerichtsgutachten vom 18. März 2014 attestiert Dr. C.____ der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in einer nicht näher definiert en angepassten Verweistätigkeit grund- sätzlich eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 65% ohne zusätzlich e Verminderung der Leistungsfä- higkeit. Der Beschwerdeführerin verbleibt damit in ein er angepassten Tätigkeit eine verhältnis- mässig geringe Restarbeitsfähigkeit von ca. 35%, wobei D r. C.____ und der behandelnde Psy- chiater übereinstimmend von einer ungünstigen Prognose ausgehen und eine weitere Dekom- pensation für voraussehbar halten. Im Rahmen der Prüfu ng der qualitativen Einschränkungen hält der Gerichtsgutachter ferner fest, dass die Besch werdeführerin gemäss der Kriterien des „Instruments Funktionelles Assessment in der Psychiatrie“ ( IFAP 1) unter anderem in der Of- fenheit gegenüber neuen Erfahrungen, in den Funktion en der psychischen Energie und des Antriebs sowie in höheren kognitiven Funktionen schwer u nd in der Umgänglichkeit, psychi- schen Stabilität sowie im Selbstvertrauen mittelgradig gestört sei. In Bezug auf die Arbeitsfähig- keit (IFAP 2a) seien schwere Einschränkungen in der Fähi gkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierun g von Aufgaben, der Flexibilität und Um- stellungsfähigkeit, der Kontaktfähigkeit zu Dritten u nd in Spontanaktivitäten festzustellen. In der Durchhaltefähigkeit und Selbstbehauptungsfähigkeit bestünden mittelgradige Einschränkungen. Aufgrund dieser festgestellten quantitativen und qualitativen Einschränkungen kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein (durchschnittlicher) Arbei tgeber sowohl auf die bereits vorhan- denen Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit der B eschwerdeführerin Rücksicht als auch zusätzlich das Risiko einer weiteren Verschlimmerung ihrer K rankheit in Kauf nehmen würde, zumal der inzwischen 60-jährigen Beschwerdeführerin blos s noch eine relativ kurze Aktivitäts- dauer von vier Jahren bis zum Erreichen des AHV-Alter s verbleibt. Damit ist es der Beschwer- deführerin weder möglich noch zumutbar, ihre Restarbeit sfähigkeit in einer angepassten Tätig- keit im ersten Arbeitsmarkt wirtschaftlich zu verwerten. 9.2 Die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist folglich lediglich noch in der ange- stammten – vom Gerichtsgutachter mit einem geschützten Arbeitsplatz verglichenen – Tätigkeit verwertbar. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfü gung vom 24. Oktober 2013 zur Ermitt- lung des Invaliditätsgrades in der angestammten Tätigke it einen Einkommensvergleich vorge- nommen. Dabei hat sie sowohl dem Validen- wie auch dem Invalideneinkommen Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bunde samtes für Statistik, namentlich die Tabelle TA1, Zeile 96 „Sonstige persönliche Dienstl eistungen“, Anforderungsniveau 3, Spal- te Frauen, zugrunde gelegt. 9.2.1 Trotz der selbstständigen Erwerbstätigkeit der B eschwerdeführerin liegen keine Grün- de vor, von der Methode des Einkommensvergleichs abzuwei chen, da keine Anhaltspunkte für allfällig zu berücksichtigende invaliditätsfremde Faktore n vorliegen und die Einkommensver- hältnisse anhand von statistischen Löhnen geschätzt werden kö nnen (vgl. BGE 128 V 31 E. 2; Urteil des EVG vom 17. April 2007, I 70/06, E. 4.3). Da sowohl Validen- wie auch Invalidenein- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommen auf demselben Ansatz beruhen, erübrigen sich l etztlich auch Ausführungen zur Wahl des konkreten Tabellenlohnes. Der Vollständigkeit halber ist jedoch festzuhalten, dass das von der Beschwerdegegnerin gewählte Anforderungsniveau 3 d en Fähigkeiten der Beschwerdefüh- rerin wohl nicht entspricht. Für das Anforderungsniveau 3 sind gemäss LSE „Berufs- und Fach- kenntnisse vorausgesetzt“, während in die Kategorie der Betätigungen mit Anforderungsniveau 2 gemäss LSE das „Verrichten selbstständiger und qualifizie rter Arbeiten“ fällt. Aufgrund der Ausbildungen der Beschwerdeführerin sowie der selbststä ndigen und somit auch geschäftsfüh- rerischen Tätigkeit als Kleinkindpflegerin mit eigener Spielgruppe erscheint es angezeigt, im Tätigkeitsbereich „Sonstige persönliche Dienstleistungen “ das Anforderungsniveau 1+2 hinzu- zuziehen. Dies rechtfertigt sich insbesondere, wenn man den resultierenden Lohnansatz dem- jenigen des – grundsätzlich ebenfalls in Frage kommend en – Tätigkeitsbereich „Erziehung und Unterricht“ (Tabelle TA1, Zeile 85) gegenüberstellt. 9.2.2 Zur Ermittlung des Valideneinkommens ist folglich von einem Grundlohn von Fr. 3‘891.– (LSE 2010, Tabelle TA1, Zeile 96 „Sonsti ge persönliche Dienstleistungen“, Anforde- rungsniveau 1+2, Spalte Frauen) auszugehen. Nach Umrec hnung auf die betriebsübliche wö- chentliche Arbeitszeit von 41.8 Stunden (vgl. Die Volkswir tschaft, 03-2014, B9.2) resultiert ein jährliches Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 48‘793.15. 9.2.3 Da die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigke it lediglich in der angestammten Tätigkeit verwerten kann, bildet das vorstehende Valide neinkommen Grundlage für das mass- gebende jährliche Invalideneinkommen. Bei einem zumutbaren Pensum von 40% ergibt sich ein Einkommen von Fr. 19‘517.25, wobei die ausgewiesene 10 %ige Einschränkung im Rendement (vgl. E. 8.2 hiervor) noch nicht berücksichtigt ist. 9.2.3 Wird das Invalideneinkommen – wie hier – auf de r Grundlage von statistischen Durch- schnittswerten ermittelt, sind praxisgemäss verschiedene Abzü ge zulässig. Damit soll der Tat- sache Rechnung getragen werden, dass persönliche und beru fliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsf ähigkeit auch auf einem ausgegliche- nen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerbl ichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht autom atisch erfolgen und darf 25% nicht überstei- gen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa- cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrol- lierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stell e der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er- messen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen . Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richter liche Behörde demnach auf Gegeben- heiten abstützen können, die eine abweichende Ermessens ausübung als näher liegend er- scheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil d es Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2.4 Die Beschwerdegegnerin hat in der ursprünglichen Rentenverfügung vom 29. Dezember 2005 (bestätigt mit Urteil des Kantonsg erichts vom 26. Oktober 2007, 720 07 154 / 279) und in der vorliegend angefochten en Verfügung vom 24. Oktober 2012 bei der Ermittlung des in der angestammten Tätigkeit erzie lbaren Invalideneinkommens einen lei- densbedingten Abzug von 15% vorgenommen. Es sind keine Gründe ersichtlich, diesen Abzug nicht auch bei der nunmehr geringeren Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vorzunehmen. Bei selbstständig Erwerbenden sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die fixen Ge- schäftsunkosten der Erwerbstätigkeit bei der Prüfung der w irtschaftlichen Auswirkungen einer verminderten Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen. Damit soll der Tatsache Rechnung tragen, dass eine selbstständige Tätigkeit nur aufgenommen bzw. aufrecht erhalten werden kann, wenn eine gewisse Infrastruktur zur Verfügung steht, für welch e Kosten anfallen. Diese Kosten sind unabhängig vom Umsatz und damit auch unabhängig vom Grad der Arbeitsunfähigkeit und ver- ringern sich mithin nicht linear zur Reduktion des Beschä ftigungsgrades (vgl. Urteil des EVG vom 21. Juli 2004, I 393/03, E. 3.4.2). Dieses lohnmin dernde berufliche Merkmal ist vorliegend mittels eines Abzuges von 15% zu berücksichtigen, zumal es d er Beschwerdeführerin nicht möglich ist, zur Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit die selbstständige Tätigkeit aufzugeben (vgl. E 9.1.2 hiervor). Zusätzlich sind die – nicht berei ts im verminderten Arbeitspensum bein- halteten – gesundheitlichen Einschränkungen, namentlich das um 10% verminderte Rende- ment, bei der Bemessung des Invalideneinkommens mit einzubeziehen. 9.2.5 Unter Berücksichtigung eines zumutbaren Pensums von 40%, des um 10% reduzierten Rendements sowie des beruflich bedingten Abzuges vom Tabe llenlohn in der Höhe von 15% resultiert nach dem Ausgeführten ein Invalideneinkommen von Fr. 14‘637.95 (Fr. 48‘793.15 x 40% x [10% + 15%]). 9.2.6 Wird dieses Invalideneinkommen von Fr. 14‘637.95 dem Valideneinkommen von Fr. 48‘793.15 gegenübergestellt, ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 69.99%, gerundet 70%. Die Beschwerdeführerin hätte somit seit der Verschlechterung ihres psychischen Gesundheitszu- stands im Jahr 2010 (vgl. E. 8.3 hiervor) grundsätzlich Anspruch auf eine ganze Rente der Inva- lidenversicherung. In Anwendung von Art. 88 bis Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Invaliden- versicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 erfolgt die Erhöh ung der Rente indessen frühestens von dem Monat an, in dem von der versicherten Person das Revisionsbegehren gestellt wurde. Die Beschwerdeführerin beantragte mit Schreiben vom 27 . März 2012 die Überprüfung ihrer Rente. Sie hat demnach mit Wirkung ab 1. März 2012 Anspruch auf eine ganze Rente der Inva- lidenversicherung. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 10. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegeg- nerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. In diesem Zusam- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten aufer- legt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliege nden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 10.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, we nn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nach träglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. B GE 137 V 265 f. E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien a ufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwal tung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unter- suchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigke it, eine Gerichtsexpertise anzu- ordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio nen der Fall: Wenn ein manifester Wider- spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztl ichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründet e Argumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt ha be, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwal- tung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive kon- vergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rech tsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Geri chtsgutachtens an sie nicht gerecht- fertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; zum Ganzen : BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hin- weisen). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der U rteilsberatung vom 27. Juni 2013 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf d ie damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Die Beschwerdegegnerin hatte sich im Rahmen der Verfügung vom 24. Oktober 2012 vollständig auf (Akten-)Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr. F.____ abge- stellt, der die von den behandelnden Ärzten geltend ge machte gesundheitliche Verschlechte- rung verneinte. Ein fachärztliches Gutachten zur aktuell en medizinischen Situation der Be- schwerdeführerin und zur Frage, wie sich der medizinische Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache entwickelt hat, wurde von der Beschwerde gegnerin nicht eingeholt. Mit den Berichten und Eingaben der behandelnden Ärzte lagen i ndessen abweichende Einschätzungen bezüglich des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkei t vor, die plausible Zweifel an der versicherungsinternen Einschätzung des RAD-Arztes weckten und eine weitergehende Abklä- rung bedingten (vgl. auch E. 6.3.2 hiervor). Damit wi es das Verwaltungsverfahren Untersu- chungsmängel auf, die eine Gerichtsexpertise notwendig machten. Die Kosten des Gerichts- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht gutachtens, welche sich gemäss eingereichter Honorarnote vom 16. März 2014 auf Fr. 3‘209.35 belaufen, sind unter diesen Umständen der Vorinstanz aufzuerlegen. 10.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be schwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführ erin im vorliegenden Beschwerde- verfahren nicht anwaltlich vertreten war, werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 24. Oktober 2012 aufgehoben und es wird festgestellt, d ass die Be- schwerdeführerin mit Wirkung ab 1. März 2012 Anspruch au f eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 3‘209.35 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht