10/26 Raumordnung und Umweltschutz PVG 2006 Baubewilligungsverfahren. Einsprache. Verletzung der Be- stimmung betreffend Minimalbesonnungsdauer. – Auch wenn ein im Gesetz statuierter Anspruch auf eine minimale Besonnung der Hauptwohnräume nicht abso- lut zu verstehen ist, so ist doch zu verlangen, dass die minimale Besonnung nur insoweit eingeschränkt wer- den darf, als ein Neubauvorhaben wenigstens die or- dentlichen Zonenvorschriften einhält. Procedura di licenza edilizia. Opposizione.Violazione delle disposizioni sull’esposizione minima al sole. – Anche se un diritto ad una esposizione minima al sole dei locali abitativi principali ancorato in una legge non è da intendersi in modo assoluto, occorre però a questo riguardo pretendere che l’insolazione minima possa es- sere limitata solo per quanto la nuova costruzione os- servi almeno le normali disposizioni di zona. Erwägungen: 3. a) Als begründet erweisen sich vorliegend demgegen- über die rekurrentischen Einwände betreffend die Verletzung von Art. 26 BG (minimale Besonnungsdauer). Nach dieser Bestim- mung ist eine minimale Besonnungsdauer von 120 Minuten pro Tag für 50 % der Haupträume bzw. Räume für dauernden Aufent- halt zu ermöglichen (Abs. 1). Berechnet wird die Besonnung am 21. Dezember. Zur Ermittlung kann auf den theoretischen Horizont oder auf andere Methoden abgestellt werden (Abs. 2). Der Ge- suchsteller hat gegebenenfalls nachzuweisen, dass nach Aus- führung seines Projekts auch sämtliche Nachbargebäude und – grundstücke die Anforderungen an die Minimalbesonnung erfül- len können (Abs. 3). Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist kein Mehrlängenzuschlag gemäss Art. 25 BG mehr nötig und die Grenzabstände gemäss Art. 93 BG können gar unterschritten wer- den; der kleine Grenzabstand um 1 m, der grosse Grenzabstand um 1,5 m (Abs. 4). b) Vorliegend hat die G em ein d e von der Bauherrschaft e i- nen en tsp rech en d en B eso n n u n gsn ach w eis für den 21. D ezem b er ein verlan gt, welchem – au sgeh en d von ein em theoretischen H o - rizont – en tn o m m en w erd en kan n , d ass die H au p tw o h n räu m e der Rekurrenten auf den benachbarten Liegenschaften sp äte s- ten s ab 13 Uhr im Schatten liegen , m ith in ü b er ke in e B e so n n u n g m eh r verfü gen . Aus dem U m stan d , d ass die Wohnungen ab e r 120 2610/26 Raumordnung und Umweltschutz PVG 2006 (theoretisch) zwischen 9 und 13 Uhr besonnt seien, hat die Vorinstanz geschlossen, dass die m inim ale Besonnungsdauer er- reicht sei. Am Augenschein w urde seitens der Rekurrenten dem - gegenüber dargelegt, dass die Sonne erst gegen 12 Uhr über dem Jakobshorn aufsteige und dass die Liegenschaften – sofern es die W itterung zulasse – erst ab diesem Zeitpunkt besonnt w ür- den. Diese Darstellung w urde auch seitens der Rekursgegner nicht in Frage gestellt. Der Vergleich mit dem eingereichten Be- sonnungsnachw eis zeigt, dass die im ersten und zw eiten Ge- schoss liegenden Hauptw ohnräum e der Rekurrenten am 21. De- zember faktisch nicht einm al 60 M inuten Besonnungsdauer aufw eisen. Hält man sich nun Sinn und Zweck von Art. 26 BG (Si- cherung einer m inim alen Besonnung der Hauptw ohnräum e u.a. auch bei den Nachbarbauten; Reduktion der in einer Zone gel- tenden Grenzabstände, Verzicht auf M ehrlängenzuschlag ge- m äss Art. 25 BG) vor Augen und zieht in Betracht, dass von Gesetzes w egen auch andere M ethoden zur Erm ittlung der m inim alen Besonnungsdauer zulässig sind, erhellt im konkreten Fall, dass eine allein von einem theoretischen Horizont ausge- hende Betrachtung, im konkreten Fall zu einem in mehrfacher Hinsicht geradezu stossenden Ergebnis führt. Zum einen w ürde die Bestim m ung, mit welcher den benachbarten Liegenschaften (im m er im Rahmen der ordentlichen Bestim m ungen) eine m ini- m ale Besonnung zugestanden w erden soll, ihres durchaus sinn- vollen Inhalts beraubt. Zum andern w erden mit einer derart w eit- gehenden Auslegung zugunsten eines Bauprojekts die im Zonenschema vorgesehenen Grenzabstände in geradezu un- zulässiger Art und Weise ausgehebelt, was nicht angeht. Wenn auch mit der Gem einde davon auszugehen ist, dass Art. 26 BG angesichts der topografischen Verhältnisse in einem engen Hochtal keinen absoluten Anspruch auf eine m inim ale Beson- nung der Hauptw ohnräum e von 120 M inuten verschafft, so ist doch zu verlangen, dass die m inim ale Besonnung der Nachbarn nur insofern reduziert w erden darf, als ein Neubauvorhaben w e- nigstens die ordentlichen Zonenvorschriften (Grenz- und Gebäu- deabstände, Höhenbegrenzungsvorschriften) einhält. Eine ge- stützt auf Art. 26 BG gew ährte, w eitergehende Privilegierung eines Bauvorhabens (Reduktion der Grenzabstände, Verzicht auf M ehrlängenzuschlag) allein gestützt auf einen theoretischen Ho- rizont greift zu w eit. Die gemeindliche Auslegung von Art. 26 BG verdient daher im konkreten Fall keinen Rechtsschutz. Der Re- kurs ist som it gutzuheissen und der angefochtene Einsprache- 12110/26 Raumordnung und Umweltschutz PVG 2006 und Baubewilligungsentscheid vom 6. Dezember 2005 aufzuhe- ben. R 06 7 Urteil vom 7. April 2006 Die an das Bundesgericht erhobene staatsrechtliche Beschwerde wurde mit Entscheid vom 14. August 2006 abgewiesen, soweit darauf einzutreten war (1P.346/2006). 122