Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. September 2017 (720 17 139 / 245) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verlaufsbegutachtung aufgrund unklarer medizinischer Aktenlage grundsätzlich ange- zeigt. Die IV-Stelle hat die Verlaufsbegutachtung jedoch ohne Beteiligung des mit der Sache vorbefassten Gutachters durchzuführen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch André M. Brunner , Adv o- kat, Hauptstrasse 55, Postfach 136, 4450 Sissach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A. Der 1977 geborene A.____ meldete sich am 27. Mai 2004 erstmals bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle die gesundheitli- chen, beruflichen und erwerblichen Verhältnisse, na mentlich nach Einholung eines psychiatri- schen Gutachtens bei Dr. B.____ , FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie, vom 30. Oktober 2004, abgeklärt hatte, zog der Versicherte sein Lei stungsgesuch am 22. Februar 2005 vorbe- haltlos wieder zurück. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 23. September 2014 meldete er sich unter Hinwei s auf eine seit der Pubertät beste- hende psychische Störung erneut bei der IV-Stelle zum Le istungsbezug an. In der Folge teilte die IV-Stelle dem Versicherten Ende Mai 2015 mit, da ss zurzeit keine Eingliederungsmassnah- men möglich seien und der Rentenanspruch geprüft werde . Daraufhin klärte sie erneut die be- ruflichen, gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab, wobei im Juni 2015 wiederum bei Dr. B.____ ein psychiatrisches Gutachten eingeholt wurde. Dieses erging am 5. Oktober 2015. C. Weil dem Versicherten im weiteren Verlauf der medi zinischen Abklärungen durch seinen behandelnden Psychiater eine bipolare Störung attestie rt worden war, ordnete der regional- ärztliche Dienst (RAD) eine weitere Verlaufsbegutacht ung bei Dr. B._____ an. Nachdem sich der Versicherte mit dem Vorgehen der IV-Stelle nicht e inverstanden erklärt hatte, erliess die IV- Stelle am 27. März 2017 eine Zwischenverfügung, mit we lcher sie an der psychiatrischen Ver- laufsbegutachtung durch Dr. B._____ festhielt. D. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Adv okat André M. Brunner am 8. Mai 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversi cherungsrecht. Er beantragte, die Zwischenverfügung der IV-Stelle vom 27. März 2017 sei auf zuheben und es sei eine korrekte medizinische Begutachtung des Beschwerdeführers ohne Beteiligung von Dr. B._____ durchzu- führen. Darüber hinaus seien dem Gutachter diverse Ergä nzungsfragen zu unterbreiten, alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung liess der Beschwe rdeführer im Wesentlichen vorbrin- gen, dass der Umstand, wonach sich ein Sachverständiger sc hon einmal mit einer Person be- fasst hat, dessen späteren Beizug als Gutachter zwar nicht zum Vorneherein ausschliesse. Vor- liegend läge jedoch eine unzulässige Vorbefassung vor, weil Umstände gegeben seien, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr einer Vorei ngenommenheit von Dr. B._____ be- gründen würden. Dr. B._____ habe sich bereits derart in seiner Meinungsfindung festgelegt, dass er nicht mehr auf seine bisher geäusserte Ansicht zurü ckkommen könne, ohne das Ge- sicht zu verlieren. Dies gelte insbesondere im Hinblick au f die Frage des Vorliegens einer bipo- laren Störung. Die Dr. B._____ im Vorfeld der ange fochtenen Zwischenverfügung unterbreite- ten Ergänzungsfragen seien entgegen der von der IV-Ste lle vertretenen Auffassung nach wie vor offen und müssten deshalb erneut beantwortet werde n. Dessen Ausführungen im Rahmen der Beantwortung der ihm gestellten Ergänzungsfragen e nthielten ausserdem Widersprüche. Dr. B._____ zeige keine Bereitschaft, eine neutrale u nd korrekte Beurteilung des Gesundheits- zustandes vorzunehmen. Insbesondere sei er offensichtlich nicht bereit, sich mit den Wahr- nehmungen des behandelnden Fachpsychiaters auseinanderzusetzen. Seine Begutachtung sei nicht neutral erfolgt, weshalb ein Obergutachten einzuholen sei. E. Mit Eingabe vom 13. Mai 2017 liess der Beschwerdefü hrer eine Stellungnahme seines Hausarztes Dr. C.____, FMH Allgemeine Medizin, vom 8. M ai 2017 einreichen, wonach er den Versicherten lediglich wenige Tage vor der Begutachtung bei Dr. B._____ im Juni 2015 im Voll- bild einer Manie erlebt habe. Damit sei nun völlig kla r, dass die Ansicht von Dr. B._____, wo- nach im Zeitpunkt seiner Begutachtung keinerlei Hinwe ise für eine manisch-depressive Erkran- kung vorgelegen hätten, unhaltbar sei, sondern bereits seit Juni 2015 eine bipolare Störung bestanden habe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 1. Juni 2017 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest, dass prima vista keine Umstände ersichtlich seien, welche eine Verlaufsbegutachtung auf der Basis des ersten Gutachtens von Dr. B._____ verunmöglichen würden. Dessen von den be handelnden Ärzten abweichende Be- urteilung würde seine Objektivität nicht in Frage zu st ellen. Im Rahmen der angeordneten Ver- laufsbegutachtung seien ausserdem der Gesundheitszustan d des Beschwerdeführers im Zeit- raum seit der ersten Begutachtung sowie die gesundheit liche Entwicklung zu beurteilen. Die Frage einer unzulässigen Vorbefassung stelle sich von vorneh erein nicht, da damit keinesfalls verlangt werde, dass der Gutachter seine eigenen Erhebungen und Folgerungen einer selbstkri- tischen Neubeurteilung unterziehe. Eine unvoreingenomme ne Beurteilung unter Berücksichti- gung neuer Erkenntnisse sei damit ohne Weiteres möglich u nd das Ergebnis der Verlaufsbe- gutachtung somit weiterhin offen. Der Anschein der Befa ngenheit von Dr. B._____ sei daher zu verneinen. In diesem speziellen Fall sei es ausserdem wichtig, dass der Gutachter das neu auf- geführte Leiden im Zusammenhang mit dem Gesundheitszust and im Zeitpunkt der Erstbegut- achtung beurteile. Mit den geltend gemachten Ergänzun gsfragen habe sich der regional- ärztliche Dienst (RAD) bereits mehrheitlich auseinanderg esetzt. Diese würden sich überwie- gend aus den subjektiven Angaben des Versicherten oder au s den vorliegenden Arztberichten ableiten. Mit diesen werde sich das zu erstellende Verla ufsgutachten aber ohnehin auseinan- dersetzen. Es sei daher weder sinnvoll noch erforderlich, die beantragten Ergänzungsfragen dem Gutachter vorzulegen. Die Anordnung eines Verlauf sgutachtens bei Dr. B._____ ohne die Unterbreitung der vom Beschwerdeführer beantragten Ergänzungsfragen sei daher zulässig. G. Mit Eingaben vom 26. Juni 2017 und vom 29. Juni 201 7 hielten die Parteien an ihren Rechtsbegehren und an ihren in diesem Zusammenhang b ereits dargelegten Standpunkten fest. Auf deren weiteren Vorbringen ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzu- gehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 8. Mai 2017 ist demnach einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g VPO entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung durch Präsidialentscheid über Beschwerden gegen selbständig anf echtbare prozess- und verfahrens- leitende Verfügungen gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Bei der vorliegend angefochtenen Zwischenverfügung der IV-Stelle vom 27. März 2017 hande lt es sich um eine solche verfah- rensleitende Verfügung im Sinne der genannten Bestimmung. Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt somit in die Kompetenz der präsidieren den Person des Kantonsgerichts, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht. 2.1 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklä rung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinde n, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amt es wegen durchzuführenden Abklärun- gen im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG beinhalten indesse n rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „second opinion“ zum be reits in einem Gutachten festge- stellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urteile des Bundesgerichts vom 5. Juli 2011, 8C_148/2011, E. 3.2 und vom 1. April 2 011, 8C_957/2010, E. 6.1, je mit Hinwei- sen). 2.2 Abgesehen davon, dass die Einholung eines entbehrl ichen Zweitgutachtens eine unzu- lässige Verfahrensverzögerung darstellen kann (BGE 131 V 409 f. E. 1.1 mit zahlreichen Hin- weisen), ist die versicherte Person nicht verpflichtet, sich einer weiteren Begutachtung zu unter- ziehen, wenn der Sachverhalt bereits genügend abgeklärt ist (BGE 136 V 158 E. 3.3 mit weite- ren Hinweisen). Bei der Anordnung eines weiteren Gut achtens geht es namentlich nicht darum, die Tunlichkeit einer medizinischen Massnahme oder Einsch ätzung mittels Einholung einer Zweitmeinung zu hinterfragen, sondern darum, in welchem Umfang und in welcher Tiefe Abklä- rungen vorzunehmen sind, damit der rechtserhebliche Sach verhalt als mit dem massgebenden Beweisgrad erstellt gelten kann (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zü- rich/Basel/Genf 2009, Rz 12 zu Art. 43). Dabei ergibt sich die Notwendigkeit der Anordnung eines weiteren Gutachtens aus der Beantwortung der F rage, ob bereits bei den Akten liegende Gutachten die inhaltlichen und beweismässigen Anforderun gen an eine ärztliche Expertise (BGE 125 V 352 E. 3a) erfüllen (Urteile des Bundesge richts vom 9. Juli 2010, 9C_359/2010, E. 2, und vom 27. Mai 2007, U 571/06, E. 4.2). 2.3 Das Bundesgericht unterscheidet in ständiger Rechtspre chung zwischen einer erstmali- gen Begutachtung und einem Verlaufsgutachten. Dabei betrachtet es die Anordnung eines Ver- laufsgutachtens dann als sinnvoll, wenn es um die Beurt eilung von gesundheitlichen Verände- rungen geht. Bei einer Verlaufsbegutachtung wird in d er Regel die aktuelle gesundheitliche Si- tuation einer versicherten Person abgeklärt und mit de rjenigen im Zeitpunkt der Vorbegutach- tung verglichen. Die Anordnung eines Verlaufsgutachten s rechtfertigt sich somit namentlich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dann, wenn Zweifel über den Verlauf der gesundheitl ichen Entwicklung einer versicherten Per- son seit dem Zeitpunkt der Vorbegutachtung bestehen. D ie Aussagekraft einer Verlaufsbegut- achtung kann erhöht werden, wenn die gesundheitliche E ntwicklung von den mit dem Fall schon vertrauten Vorgutachtern abgeklärt und beurteilt wird (vgl. BGE 132 V 110 E. 7.2.2; Urtei- le des Bundesgerichts vom 1. September 2010, 9C_1032/20 10, E. 4.1 und vom 15. September 2008, 8C_615/2008, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 2.4 Mit Blick auf die Notwendigkeit der strittigen Ver laufsbegutachtung würde eine einge- hende Überprüfung der medizinischen Aktenlage vorliegen d dazu führen, dass die Endverfü- gung im Hinblick auf die Beurteilung der medizinischen S achlage weitgehend präjudiziert wür- de. Unter Berücksichtigung, dass die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsver- fahrens bei der IV-Stelle liegt und ihr deshalb im R ahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zw eckmässigkeit von medizini- schen Erhebungen zukommt, muss im vorliegenden Verfahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne einer Plau sibilitäts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die die IV-Stelle für die Notwendigkeit wei- terer medizinischer Abklärungen anführt, plausibel erschei nen. Demnach greift das Gericht bei der Frage der Notwendigkeit einer weiteren Begutachtu ng in das Ermessen der mit der Abklä- rung betrauten Verwaltung nur dann ein, wenn klar er kennbare Fehleinschätzungen vorliegen, eine Begutachtung von vornherein untauglich angelegt wäre oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess. 3. Der vorliegenden Streitigkeit liegen folgende medi zinische Unterlagen von Relevanz zu Grunde: 3.1 In seinem von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Verwaltungsgutachten vom 5. Okto- ber 2015 diagnostizierte Dr. B._____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine Alkohol- und Cannabisabhängigkeit mit ständigem Substanzgebrauch zu e rheben. Hinweise auf eine ma- nisch-depressive Störung würden fehlen. Der Explorand se i noch nie wegen einer manischen oder einer depressiven Phase stationär behandelt worden. Er habe nur kurzfristig stimmungs- stabilisierende Medikamente eingenommen. Dies widerspr eche der klinischen Erfahrung, da manisch-depressive Patienten in der Regel sehr viel von den modernen Medikamenten profitie- ren und diese auch ohne Weiteres regelmässig einnehmen würden. Der Versicherte begründe seine subjektive Arbeitsunfähigkeit neu mit einer manisch -depressiven Erkrankung, welche sei- nen Angaben zufolge erstmals von seinem betreuenden H ausarzt gestellt worden sei. Er neige dazu, seine Beschwerden zu dramatisieren. Dies habe wohl auch dazu geführt, dass in der Fol- ge eine solche Diagnose gestellt worden sei. Der Stel lungnahme von Dr. B._____ zu früheren ärztlichen Einschätzungen kann sodann entnommen werden, dass keine Hinweise für mittel- gradige oder schwere depressive Verstimmungen vorlägen. So habe der Explorand berichtet, dass er täglich während Stunden sportlichen Aktivitäten n achgehe, Pflanzen züchte, mit einem Modellhelikopter fliege, die Beziehung zu seiner Famili e gut sei und er auch Aufenthalte wäh- rend den Sommermonaten an Seen sehr geniessen könne. Im Befund des behandelnden Psy- chiaters von November 2014 werde ein leicht niedergestim mter Patient mit deutlich verminder- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tem Antrieb geschildert. Psychomotorisch werde er als ruhi g beschrieben. Zusammenfassend lägen keine Hinweise für das Vorliegen einer manisch-de pressiven Psychose vor. Die Persön- lichkeitsstörung führe zu einer geringen Beeinträchtigun g der Arbeitsfähigkeit. Der Explorand verfüge über keine Berufsausbildung. In einer Hilfstä tigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit, wobei die Leistungsfähigkeit im Umfang von 20% bereits seit Jahren vermindert sei. 3.2 In dem von Dr. B._____ in dessen Gutachten vom 5. Oktober 2015 zitierten Arztbericht von Dr. D.____ (IV-Dok 29) vom 13. November 2014 hatte der behandelnde Psychiater indes mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht au f eine bipolare affektive Störung, eine gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, eine emo tional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus sowie ein Alkoholabhängigkeitssyndrom mit gegenwärtigem Substanz- gebrauch diagnostiziert. Der Patient sei ihm von seine m Hausarzt als bipolar gemeldet worden. Die eigenen psychiatrischen Probleme beschreibe der Pat ient dahingehend, dass er an guten Tagen genügend Energie habe, um die Hausarbeit zu mac hen und die schwierige Arbeit mit den Kindern zu erledigen. Danach sei er jedoch erschöp ft. An schlechten Tagen komme er kaum aus dem Bett, leide unter Gedankenkreisen. Um Absc halten zu können, trinke er dann teilweise massiv Alkohol. Ab und zu habe er hohe Aktivitä tsphasen, dann könne er Nächte lang am Computer arbeiten. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit se i sein Hauptproblem die wechselnde Stimmungslage. Dem Befund von Dr. D._____ zufolge sei der Antrieb des Patienten deutlich vermindert. Es bestünden grosse Zukunftsängste, eine Hof fnungslosigkeit und ein Verlust des Vitalgefühls. Die Prognose bezüglich einer Arbeitsfähi gkeit im ersten Arbeitsmarkt sei ungüns- tig. Der Versicherte leide sowohl an einer bipolaren a ffektiven Störung sowie an einer schwers- ten Persönlichkeitsstörung. Dies mache bereits eine Auf nahme eines strukturierten Arbeitstrai- nings oder eines Beschäftigungsprogramms schwierig. Eine Rückkehr zu einer strukturierten Beschäftigung wäre am ehesten im geschützten Arbeitsmarkt möglich, dafür brauche der Versi- cherte jedoch eine Berentung. Es bestünden psychische Einsch ränkungen im Sinne einer An- triebsstörung, einer erhöhten Reizbarkeit und einer ve rringerten Frustrationsschwelle. Mit einer intensiven und regelmässigen Psychotherapie und einer reg elmässigen Medikation könne der Patient im besten Fall ein Belastbarkeitstraining oder ein Arbeitstraining im geschützten Rah- men antreten. 3.3 Mit Arztbericht vom 8. April 2016 hielt Dr. D.____ _ an seinen im Bericht vom 13. November 2014 erhobenen Befunden fest und diagn ostizierte beim Versicherten mit Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit nebst einem Alkoholabhä ngigkeitssyndrom eine bipolare affektive Störung, eine gegenwärtig leichtgradig depressive Epis ode sowie seit Jahren eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus. Es sei auf den letzten Bericht von No- vember 2014 zu verweisen. Innerhalb der letzten sechs Mo nate sei der Patient zwei Mal in ei- nem klar manischen Zustand erschienen. Er sei dann unabge grenzt, sein Redefluss sei kaum zu unterbrechen, meist sei er dann auch stark alkoholisier t und euphorisiert gewesen. Der Pati- ent berichte, dass auch sein Hausarzt ihn einmal in einem solchen manischen Zustand gesehen habe, was dieser sicherlich auch bestätigen könne. Bezügl ich der Arbeitsfähigkeit sei weiterhin von einer klar eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugeh en. In der freien Wirtschaft sei der Patient nicht in der Lage, seine Aufgaben wahr zu neh men. Nach wie vor bestünden gewisse optische Trugwahrnehmungen. Es sei von einer ungünstigen Prognose und von einer anhalten- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit auszugehen. Bei de pressiven Phasen hindere die An- triebsstörung den Patienten bei der Aufnahme jeglicher Aktivitäten oder Termine. Die raschen Stimmungsschwankungen würden ein konstantes Arbeits- oder B eziehungsleben verunmögli- chen In angetriebenen Phasen sei er zwar subjektiv stark leistungsfähig, bei erhöhtem Arbeits- tempo litten aber die Konzentrationsfähigkeit und di e Qualität massiv. Es sei dann mit einer häufigen Fehlerquote zu rechnen. Es müsse mit einem mi nimalen Belastungstraining von weni- gen Stunden im geschützten Rahmen wieder begonnen wer den, um die Frage objektiv beant- worten zu können, in welchem Umfang der Patient in ein er behinderungsangepassten Tätigkeit leistungsfähig sei. Er leide an einer bipolaren Störu ng, die der Referent live sowohl in depressi- ven als auch in manischen Phasen beobachtet habe. Diese E inschätzung unterscheide sich von der Meinung des Gutachters Dr. B._____, der lediglich eine instabile Persönlichkeitsstörung attestiert habe. Daher unterscheide sich auch die Einsc hätzung der Arbeitsfähigkeit. Es sei zu berücksichtigen, dass bei bipolaren Patienten in einem s ymptomfreien Intervall relativ wenige Befunde festgestellt werden könnten. 3.4 Gemäss Stellungnahme von Dr. B._____ vom 21. Oktober 2016 sei der Versicherte nie wegen einer Manie hospitalisiert gewesen und sei deshal b auch noch nie adäquat behandelt worden. Es würden sich somit keine klaren Hinweise für das Vorliegen der von Dr. D._____ diagnostizierten manisch-depressiven Erkrankung finden lass en. Manisch-depressive Störun- gen seien ausserdem gut behandelbar, so dass unter der V oraussetzung einer regelmässigen Medikation keine wesentliche Arbeitsunfähigkeit resultie re. Der Explorand könne seien Emotio- nen und Impulse durchaus steuern, sei auch in der Lage zahlreichen Alltagsaktivitäten nachzu- gehen, so dass es ihm zumutbar sei, im Rahmen einer all fälligen Arbeitsleistung seine Emotio- nen und Impulse soweit zu kontrollieren, dass er zu eine r verwertbaren Arbeitsleistung in der Lage sei. Es bestünden keine Hinweise auf eine schwere psychiatrische Störung. Es könne einzig die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung begründet werden, die im Umfang von höchs- tens 20% Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die I mpulskontrollstörung schränke die Leis- tungsfähigkeit nur geringgradig ein. 3.5 Gemäss Stellungnahme von Dr. C._____ vom 8. Mai 201 7 zu Handen des Rechtsver- treters des Beschwerdeführers sei die Frage, ob er den Versicherten vor dem 8. April 2016 in einem manischen Zustand gesehen habe, ganz klar zu beja hen. Er habe den Patienten bei- spielsweise am 3. Juni 2015 in einem akuten manischen Schub erlebt. Bereits im Vorfeld sei es immer wieder zu solchen Durchbrüchen gekommen. Damals abe r habe er den Patienten wirk- lich sehr akut im Vollbild einer Manie erlebt. 4. Wie in Erwägung 2.4 hiervor ausgeführt, kann es im jetzigen Verfahrensstadium nicht darum gehen, die medizinische Aktenlage eingehend auf ihre Vollständigkeit und Schlüssigkeit zu überprüfen. Indessen sind vorliegend die von der Besch werdegegnerin angeführten Gründe für eine erneute psychiatrische Begutachtung einer Pla usibilitäts- bzw. Missbrauchskontrolle zu unterziehen. Die pflichtgemässe Würdigung der vorhanden en medizinischen Unterlagen zeigt, dass sich die gesundheitliche Situation und ihre Auswirku ngen auf die dem Versicherten noch verbleibende Arbeitsfähigkeit widersprüchlich präsentie ren. Zwischen den beteiligten Ärzten besteht bereits auf diagnostischer Ebene eine grundsätzliche Uneinigkeit, ob der Versicherte an Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer bipolaren Störung leidet oder nicht. Auch wen n einem Verwaltungsgutachten rechtspre- chungsgemäss ein hoher Beweiswert zukommt (BGE 125 V 35 3 E. 3b/bb mit weiteren Hinwei- sen), muss den Berichten des behandelnden Fachpsychiaters vorl iegend ebenfalls grosses Gewicht eingeräumt werden. Dr. D._____ hatte dem Ver sicherten bereits rund ein Jahr und damit noch deutlich vor der Begutachtung bei Dr. B.___ __ im Oktober 2015 eine bipolare Stö- rung attestiert, welche Dr. B._____ in seinem Gutachten vom 5. Oktober 2015 allerdings mit der Begründung verworfen hat, dass keine Hinweise für das V orliegen einer manisch-depressiven Psychose vorliegen würden. Diese Begründung beruht auf den anlässlich der ambulanten Ex- ploration durch Dr. B._____ vom 2. Oktober 2015 gewo nnenen Befunden. Sie widerspricht je- doch den Angaben sowohl des behandelnden Psychiaters vom 8. April 2016, der den Versi- cherten echtzeitlich sowohl in depressiven als auch manischen Phasen selbst beobachtet hat, als auch den Angaben des Hausarztes in dessen Stellungnah me vom 8. Mai 2017 (oben, Er- wägung 3.5 hiervor). Da der Versicherte ursprünglich wegen einer bipolaren Persönlichkeitsstö- rung von seinem Hausarzt überhaupt an Dr. D._____ überwiesen worden war (IV-Dok 29), kann angesichts dieser sich diametral widersprechenden Befunde mitnichten davon gesprochen wer- den, dass die gesundheitlichen Verhältnisse und mit ihne n die noch verbleibende Restarbeits- fähigkeit rechtsgenüglich und umfassend genug abgeklärt sind. Es kann an dieser Stelle an die Erwägungen im Urteil des Kantonsgerichts vom 24. August 2017 (Verfahren Nr. 720 17 114, E. 5.1) verwiesen werden. Die grundsätzliche Notwendi gkeit ergänzender medizinischer Abklä- rungen ist zwischen den Parteien deshalb zu Recht unbestritten geblieben. 5. Aufgrund der medizinisch unklaren Situation erachtet e die Beschwerdegegnerin die Durchführung einer Verlaufsbegutachtung bei Dr. B._____ als angezeigt. Sie stützte sich dabei im Wesentlichen auf die Stellungnahme des RAD vom 16. März 2017 (IV-Dok 115), wonach die von Dr. D._____ geltend gemachte Diagnose einer bipolaren Störung erst nach der erstmaligen Begutachtung durch Dr. B._____ erhoben worden sei. In diesem speziellen Fall sei es daher wichtig, dass der Gutachter das neu aufgeführte Leiden im Zusammenhang mit dem Gesund- heitszustand des Versicherten im Zeitpunkt der Erstbeguta chtung beurteilen könne, damit eine umfassende Einschätzung erfolgen könne. Der Versicherte m üsse dazu vom demselben Gut- achter untersucht werden wie anlässlich der vorangehenden Begutachtung. Der Beschwerde- führer wendet dagegen im Wesentlichen ein, dass Dr. B._____ befangen sei. Wie sich aufgrund der abweichenden Einschätzung der behandelnden Ärzte ergebe, sei sein früheres Gutachten beweisrechtlich nicht verwertbar. Dr. B._____ habe sich bereits derart in seiner Meinungsfin- dung festgelegt, dass er nicht mehr auf seine bisher ge äusserte Ansicht zurückkommen könne, ohne das Gesicht zu verlieren. Dies gelte insbesondere i m Hinblick auf die Frage des Vorlie- gens einer bipolaren Störung. 5.1 Für Sachverständige gelten grundsätzlich die gleiche n Ausstands- und Ablehnungs- gründe, wie sie für Richter vorgesehen sind (Art. 30 Ab s. 1 der Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV]). Dan ach liegt eine Befangenheit vor, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Hierfür genügt es, wenn Umstände vorliegen, die den An schein der Befangenheit und die Ge- fahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Be i der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände darf nicht auf das subjektive Empfinden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, w elche den ärztlichen Gutachten im So- zialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit der begutachtenden Ärzte ein stren- ger Massstab anzulegen (BGE 132 V 109 f. E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts vom 22. August 2013, 8C_227/2013; je mit Hinweis). 5.2 Beide Parteien haben richtig festgestellt, dass ein Sachverständiger nicht allein deshalb abgelehnt werden kann, weil er sich schon einmal mit d er Person befasst hat (BGE 132 V 110 E. 7.2.2). Die Vorbefassung des Arztes, der erneut zur B egutachtung beigezogen wird, begrün- det folglich nicht von vornherein den Anschein einer Bef angenheit. Eine unzulässige Vorbefas- sung liegt auch dann nicht vor, wenn er in einem früheren Zeitpunkt zu einer für eine der Partei- en ungünstigen Schlussfolgerung gelangt ist. Entscheidend ist vielmehr, dass das Ergebnis seiner Begutachtung nach wie vor als offen und nicht vor bestimmt erscheint. Dies ist dann zu bejahen, wenn der Sachverständige andere Fragen zu bea ntworten oder sein Gutachten ledig- lich zu ergänzen oder zu erläutern hat, nicht aber, wen n er die Schlüssigkeit seiner früheren Expertise überprüfen soll (Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juni 2013, 8C_978/2012, E. 5.3.2 mit weiteren Hinweisen). Kann ein offener Ausgang der erneuten Explorationsergebnisse bejaht werden, ist die Besorgnis der Voreingenommenheit trotz Vorbefassung unbegründet (R EGINA KIENER /M ELANIE KRÜSI , Die Unabhängigkeit von Gerichtssachverständigen, in: ZS R 2006 S. 506). Der Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit ist allerdings auch dann zu bejahen, wenn weitere Umstände hinzutrete n, etwa, wenn das erste Gutachten nicht objektiv und sachlich gehalten ist (BGE 132 V 110 E. 7.2.2 mit weiteren Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts vom 22. August 2013, 8C_227/2013 und vom 20. Juni 2013, 8C_978/2012, E. 5.3.2). 5.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass die letzte Be gutachtung durch Dr. B._____ im Oktober 2015 nicht neutral erfolgt sei. Soweit er dami t geltend macht, dass dessen Gutachten vom 5. Oktober 2015 beweisrechtlich nicht verwertbar sei, kann er allerdings nicht gehört wer- den. Im vorliegenden Verfahren kann es nicht darum gehe n, die Beweistauglichkeit dieses Gut- achtens eingehend zu prüfen (Erwägung 2.4 hiervor). Di ese Frage bildet vielmehr Thema einer ganzheitlichen Beweiswürdigung im Verwaltungs- und Besch werdeverfahren betreffend eine spätere Leistungsverfügung. Im Rahmen der vorliegenden Beurteilung ist lediglich zu prüfen, ob prima vista Umstände ersichtlich sind, die auf der Basis der bisherigen Gutachten gegen eine Verlaufsbegutachtung bei Dr. B._____ sprechen. Solche U mstände sind vorliegend allerdings zu bejahen. Auch wenn dessen früheres Gutachten vom 5. Okt ober 2015 grundsätzlich neutral und sachlich gehalten ist, geht es in der vorliegenden K onstellation nicht um die Klärung des Verlaufs eines bereits zuvor zweifelsfrei und umfassend er hobenen Gesundheitszustandes. Fraglich und insoweit originär zu prüfen ist vielmehr, ob der Versicherte bereits im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. B._____ anlässlich der zuletzt erf olgten Exploration vom 2. Oktober 2015 an einer bipolaren affektiven Störung gelitten h at oder nicht. Bei summarischer Prüfung der vorliegenden medizinischen Unterlagen kann jedenfal ls nicht gesagt werden, dass sich die diagnostischen Differenzen und deren Auswirkung auf die dem Beschwerdeführer noch verblei- bende Restarbeitsfähigkeit lediglich auf die Ausräumun g seither allenfalls verbliebener Zweifel über den Verlauf einer gesundheitlichen Entwicklung konzentrieren würden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 In Anbetracht der medizinischen Notorietät, dass ein e bipolare Störung, die durch mani- sche, depressive und gemischte Phasen gekennzeichnet ist, oftmals durch befundfreie Interval- le gekennzeichnet sein kann (Arztbericht von Dr. D._____ vom 8. April 2016, IV-Dok 78, ad Zif- fer 1.11), steht die Frage im Zentrum, ob Dr. B._____ eine bipolare Störung zu Recht wiederholt verneint hat, obschon insbesondere der behandelnde Fac hpsychiater eine solche mit eigenen Beobachtungen nachvollziehbar untermauert hat. Soweit die IV-Stelle mit Verweis auf den Be- richt des RAD vom 16. März 2017 die Auffassung vertritt, d ass die von Dr. D._____ erhobene Diagnose einer bipolaren Störung erst nach der erstmal igen Begutachtung durch Dr. B._____ erhoben worden sei, greift ihre Betrachtungsweise zu kurz. Es trifft zwar zu, dass Dr. B._____ den Versicherten ein erstes Mal bereits im Jahre 2004 u ntersucht hatte (IV-Dok 10). Zwischen dieser Erstbegutachtung und dem neuerlichen Gutachten von Dr. B._____ vom 5. Oktober 2015 sind mittlerweile aber rund elf Jahre vergangen. Wesen tlich ist daher vielmehr, dass die von Dr. D._____ am 13. November 2014 – mithin relativ zeit nah zur Begutachtung durch Dr. B._____ vom 5. Oktober 2015 – erhobenen Befunde f ür das Vorliegen einer bipolaren Stö- rung in erster Linie mit den Erhebungen von Dr. B.__ ___ anlässlich dessen Exploration vom 2. Oktober 2015 verglichen werden können. Auch wenn d ie Diagnose einer bipolaren Störung und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Ver sicherten bereits vor der letzten Be- gutachtung durch Dr. B._____ offenkundig waren, hat Dr. B._____ daran festgehalten, dass der Versicherte lediglich an einer emotionalen instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ leide. Damit aber handelt es sich mit Blick auf die Klärung der vorliegenden medizinischen Verhältnisse nunmehr nicht um eine Ergänzung oder Er läuterung seines Verwaltungsgutach- tens vom 5. Oktober 2015. Im Kern einer rechtsgenügli chen Abklärung des Sachverhalts von Amtes wegen (Art. 43 ATSG) steht mittlerweile vielmehr die Aufgabe der Verwaltung, die Schlüssigkeit seiner früheren Expertise im Detail zu übe rprüfen. Rechtsprechungsgemäss kann damit aber nicht mehr davon gesprochen werden, dass das Ergebnis einer erneuten Begutach- tung durch den bereits mit der Materie vorbefassten Guta chter nach wie vor als offen und nicht vorbestimmt erscheinen würde (oben, Erwägung 5.2 hiervo r). Daran ändert auch nichts, dass es – wie bereits der RAD in seiner Stellungnahme vom 16 . März 2017 festgehalten hat (IV-Dok 115) – zweifelsohne wichtig ist, die von Dr. D._____ 20 14 erhobene Diagnose einer bipolaren Störung auch in einen Kontext mit der anlässlich der Er stbegutachtung des Versicherten im Jahre 2004 erhobenen Befunden zu stellen. Einen entspr echenden Vergleich mit den dazumal vorgelegenen Verhältnissen und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen aufzuzeigen, ist einem mit der Sache bisher nicht betrauten medizinischen Experten ebenfalls ohne Weiteres zuzumuten, da dem Gesagten zufolge bei bipolaren Störun gen so oder anders gerade auch eine längerfristige Sichtweise in die Diagnostik mite inzubeziehen von grosser Relevanz sein kann. Die zwischen den Parteien zu Recht unbestritten g ebliebene, erneute Abklärung der ge- sundheitlichen Verhältnisse dient mithin der Überprüfun g sich diametral entgegenstehender Fachmeinungen. Unter diesen Umständen aber kann nicht mehr davon gesprochen werden, die Anordnung eines Verlaufsgutachtens würde sich namentlich deshalb rechtfertigen, weil lediglich Zweifel über den Verlauf der gesundheitlichen Entwicklu ng des Versicherten insbesondere seit der letzten Begutachtung durch Dr. B._____ im Oktober 2015 bestehen würden. Im Rahmen einer Verlaufsbegutachtung würde von Dr. B._____ and ernfalls verlangt, seine eigenen Erhe- bungen und wiederholt statuierten Folgerungen einer (selbst-)kritischen Neubeurteilung zu un- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht terziehen (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_441/2014, E. 2.2.3 mit Hinweis). Eine unvoreingenommene Beurteilung unter Berücksichtigun g neuer Erkenntnisse wäre damit kaum mehr möglich. Auch wenn das Gericht bei der Frage d er Notwendigkeit der Abklärung medizinischer Verhältnisse nur mit Zurückhaltung in das Ermessen der damit betrauten Verwal- tung eingreift, erweist sich eine erneute Verlaufsbegut achtung bei Dr. B._____ unter diesen Umständen letztlich von vornherein als untauglich (oben, Erwägung 2.4 hiervor, a.E.). Die IV- Stelle hat eine erneute Begutachtung des Beschwerdefüh rers daher ohne Beteiligung von Dr. B._____ durchzuführen. Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen. 5.5 Es bleibt über die in Ziffer 2 der Rechtsbegehren in der Beschwerde vom 8. Mai 2017 beantragten Ergänzungsfragen zu befinden. Diese bezi ehen sich überwiegend auf die sich of- fensichtlich widersprechende Diagnostik und deren Auswirkun g auf die Arbeitsfähigkeit, wie sie einerseits bisher von Dr. B._____ bzw. andererseits insbeso ndere von Dr. D._____ erhoben sind. Sie zielen direkt darauf ab, die von Dr. B._____ vertretene Haltung im Detail zu hinterfra- gen, was sich insbesondere darin zeigt, dass deren Formuli erung einen überaus detaillierten und sehr kritischen Bezug auf einzelne Aussagen in dessen Gutachten vom 5. Oktober 2015 aufweisen. Da eine erneute Begutachtung durch einen mi t der Angelegenheit bisher nicht be- fassten, neutralen Experten zu erfolgen haben wird, er weisen sich diese in der Beschwerde vom 8. Mai 2017 beantragten Ergänzungsfragen mithin aus grundsätzlichen Überlegungen als überflüssig. Dies gilt umso mehr, weil sich der mit der Sache von der IV-Stelle zu beauftragende Experte ohnehin mit den bisherigen, insbesondere abwei chenden ärztlichen Meinungen ausei- nanderzusetzen haben wird. Soweit die strittigen Ergän zungsfragen zudem nicht ohnehin Ge- genstand des dem Experten von der IV-Stelle zu unterbr eitenden Standardfragenkatalogs bil- den, ist in diesem Zusammenhang aber auch zu berücksichti gen, dass sich der RAD in seiner Stellungnahme vom 15. März 2017 mit der Mehrzahl der strittigen Fragen bereits auseinander- gesetzt hat, nachdem diese – wie der Beschwerdeführer zu Recht festgehalten hat (vgl. Be- schwerdebegründung vom 8. Mai 2017, S. 19, ad Ziffer 5) – praktisch wortwörtlich übernommen worden sind und von Dr. B._____ bereits beantwortet worden sind. Dessen entsprechende Stel- lungnahme vom 21. Oktober 2016 bildet ebenfalls Bestandteil der von einem neutralen Gutach- ter detailliert zu prüfenden und um allfällige zusä tzliche Angaben der behandelnden Ärzte zu ergänzenden Aktenlage. Ausserdem lassen sich die beantragt en Ergänzungsfragen überwie- gend aus den subjektiven Angaben des Versicherten ablei ten (vgl. Beschwerdebegründung, S. 3 f., Ziffern 2.2, 2.3, 2.7, 2.11). Eine detaill ierte Anamnese unter Einbezug allfälliger fremd- anamnestischer Angaben zu analysieren und daraus unvorein genommen die zutreffenden Schlussfolgerungen zu treffen, wird aber ebenfalls ge rade eine zentrale Aufgabe des zu bestel- lenden Experten sein. Ob der Versicherte aufgrund seiner Erkrankung einem Arbeitgeber im ersten Arbeitsmarkt weiterhin zumutbar ist, ergibt sich schl iesslich ohnehin aus der zu begrün- denden Einschätzung der noch verbleibenden Restarbeitsf ähigkeit (vgl. Beschwerdebegrün- dung, S. 4, Ziffer 2.6). Gleiches gilt in Bezug auf di e Frage, ob die Voraussetzungen für die Durchführung medizinischer Massnahmen oder allfälliger E ingliederungsmassnahmen (Arbeits- training, berufliche Massnahmen) gegeben sind (vgl. Besch werdebegründung, S. 3, Ziffer 2.1). Zusammengefasst ist es daher weder sinnvoll noch erforderl ich, die beantragten Ergänzungs- fragen einem in der Sache bisher noch nicht befassten Sachverständigen zu unterbreiten. Die Beschwerde ist in diesem Punkt demnach abzuweisen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Es bleibt über die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikoste n ist grundsätzlich auf den Prozessaus- gang abzustellen. Vorliegend hat der Beschwerdeführer hinsichtlich der Person des Gutachters und somit im Hauptpunkt obsiegt. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verf ahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 26. Juni 2017 für das vo rliegende Verfahren einen Zeitaufwand von zwölf Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen zwar als hoch, jedoch noch immer als kna pp angemessen erweist. Die Be- mühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisge mäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewi esenen Auslagen von Fr. 174.80. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigu ng in der Höhe von Fr. 3‘428.80 (zwölf Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 174.80 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 7. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen sel bständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des Bundesgesetzes über das Bunde sgericht (BGG) vom 17. Juni 2005. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffent lich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG g enannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht nunmehr im Grundsatzurteil 138 V 271 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfügungen der Ver waltung betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bundesgericht weit erziehbar, sofern nicht Aus- standsgründe beurteilt worden sind. Der Entscheid darüb er, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegenden Fall erfüllt sind, obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Zwischenverfügung der IV-Stelle vom 27. März 2017 aufgehoben und es wir d festgestellt, dass die IV-Stelle eine erneute Begutachtung des Beschw erdeführers ohne Beteiligung von Dr. B._____ durchzuführen hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerde führer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘428.80 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht