B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2680/2020 U r t e i l v o m 7 . J a n u a r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter William Waeber, Gerichtsschreiber Thomas Bischof. Parteien A._______, geboren am (…), Kongo (Kinshasa), vertreten durch MLaw Michèle Byland, HEKS Rechtsschutz Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Datenänderung im Zentralen Migrati- onsinformationssystem ZEMIS; Verfügung des SEM vom 23. April 2020 / N (…). E-2680/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer stellte am 3. Dezember 2019 ein Asylgesuch. Er gab an, am (…) in Kinshasa/Demokratische Republik Kongo (fortan: Kongo) geboren worden und kongolesischer Staatsangehörigkeit zu sein (Akten der Vorinstanz [vi-act.] 01, Personalienblatt). B. Am 5. Februar 2020 fand die Erstbefragung des Beschwerdeführers statt (vi-act. 18, EB); in diesem Zusammenhang wurden gesondert Antworten zu «medizinischen Zusatzfragen zur Altersabklärung» erhoben (vi-act. 13). Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab er an, der Ethnie der Hutu an- zugehören. Seine Eltern stammten aus dem Kongo, die Grosseltern noch aus Ruanda. Er sei 15 Jahre alt; es sei normal, sein Geburtsdatum zu ken- nen. Er selbst kenne seines – den (…) – seit ca. neun oder zehn Jahren, seitdem sich ein Kind überlegen könne, wann es Geburtstag habe. Gebo- ren sei er in Kinshasa, das w isse er, denn seit Geburt bis zum Alter von neun Jahren habe er dort gelebt. Er sei Protestant, der Vater sei Pfarrer gewesen. Sein Vater sei wohl 1960 geboren, die Mutter 1969. Seine Mut- tersprache sei Französisch, daneben spreche er Portugiesisch und Spa- nisch. Die zweite Amtssprache des Kongo sei Lingala. Seine Eltern seien während des Krieges an die Grenze zu Angola gezogen und hätten dort Portugiesisch gelernt. Er selber habe es durch den Vater gelernt und meis- tens Portugiesisch mit der Mutter gesprochen . Er habe die Schule von sechs bis 14 Jahren besucht (also bis zum Verlassen des Kongo). Von sechs bis neun habe er die Schule B._______ in C._______/Kinshasa be- sucht. Dann sei sein Vater nach D._______ gezogen, um im Krieg verge- waltigten Frauen und Kindern zu helfen. Von neun bis 13 Jahren (also ab 2014) sei die Familie in D._______ geblieben. Sein Vater sei viel gereist – in die Dörfer, um Hilfe zu leisten – sein Bruder und er seien bei der Mutter geblieben, die Schule sei im Dorf gewesen. Nach der Rückke hr nach Kinshasa sei er zur alten Schule zurückgekehrt. Im Februar 20 19 habe er – wenige Tage vor der Ausreise – mit der Schule aufgehört. Er sei immer Schüler gewesen, habe nie gearbeitet. In Kinshasa hätten sie sowohl in den ersten Kindheitsjahren wie auch nach der Rückkehr aus D._______ im Haus des Vaters gelebt – der Beschwerdeführer, seine Eltern, sein Bruder und für kurze Zeit auch dessen Frau und Kinder. Der Bruder sei bereits 2018 mit 25 Jahren verstorben. I m Haus wohne nun ein Cousin , der die Familie vertrieben habe. E-2680/2020 Seite 3 Im Januar 2019 habe sich ein Attentat auf den Vater ereignet, bei dem die Mutter und die Nichte verletzt worden sei en. Er sei damals 14 Jahre alt gewesen. Sie seien informiert worden, dass der Cousin mit der Armee auf dem Weg sei, sie hätten nur mit den Kleidern am Leib fliehen können. Das sei wenige Tage nach dem Attentat gewesen. Der Beschwerdeführer sei am 5. Februar 2019 mit dem Vater zusammen ausgereist. Die Mutter se i zu schwer verletzt gewesen. Die Reise sei nicht organisiert gewesen, sie seien über Zentralafrika, Tschad, Libyen, Algerien, Marokko, Spanien und Frankreich gereist. Auf der Überfahrt von Marokko sei das Boot gekentert – der Vater sei im Nachbarboot gewesen – aber Fischer hätten einige der Insassen retten können. Man habe – trotz finanzieller Möglichkeiten – eine längere Reiseroute gewählt, weil man die Papiere nicht habe mitnehmen können und die Zeit nicht ausreichte, neue zu beantragen. Am 15. Juni 2019 seien sie in Spanien angekommen, am 18. Juni 2019 in Frankreich. Sie hätten sich vier bis fünf Monate in Frankreich aufgehalten, sein Vater habe jemanden dafür bezahlt, dass er sie (illegal) bei sich wohnen liess. Sie hätten nicht in Frankreich ein Asylge such gestellt, weil es dort eine grosse kongolesische Diaspora gebe und der Vater als recht bekannte Per- son gefürchtet habe, verraten zu werden. Der Vater sei am 20. November 2019 zurückgereist, nachdem sich der Zustand der im Heimatland zurück- gebliebenen Mutter stark verschlechtert habe. Am 27. November 2019 sei er (der Beschwerdeführer) mit dem Bus Richtung Lyon nach Annemasse gefahren und habe bei Genf die Grenze passiert. Dort hätte ihn eine dem Vater bekannte Person aufnehmen sollen, bis der Vater die Mutter hätte bringen können. Die Mutter sei an der Schussverletzung im Dezember 2019 verstorben, das habe ihm ein Landsmann berichtet. Seine Grosseltern seien verstorben, die anderen Verwandten nach Angola geflohen. Der Vater sei aus politi- schen Gründen im Gefängnis, er sei gegen die Diktatur im Kongo. An Iden- titätsdokumenten habe er nur eine Geburtsurkunde, die habe der Vater noch erstellen lassen können. Ob ein Pass vorhanden sei, sei ihm unbe- kannt; die Identitätskarte sei im Haus in Kinshasa verblieben. Als Fluchtgrund gab der Beschwerdeführer die politische Verfolgung der Familie, insbesondere des Vaters an und die Angst vor dem Tod. Er habe niemanden mehr in der Heimat, was mit dem Vater sei, wisse er nicht. Auf seine Gesundheit angesprochen, bezeichnete er sich als psychisch belas- tet. Er erklärte sich, Vorbehalten seiner Rechtsvertretung zum Trotz, mit einer Altersabklärung einverstanden. E-2680/2020 Seite 4 C. Am 6. Februar 2020 gab das SEM beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) Basel ein Altersgutachten in Auftrag (vi-act. 14). Auf eine Eingabe der Rechtsvertretung vom 13. Februar 2020 hin, es sei auf die Altersabklärung zu verzichten , weil einzig das Fehlen rechtsgenüglicher Identitätsdoku- mente eine solche nicht rechtfertige, hielt der Sachbearbeiter des SEM an der Abklärung fest (vi-act. 19). D. Mit Eingabe vom 19. Februar 2020 rügte die Rechtsvertretung die EB als betreffend Umfang und Befragungsklima nicht kindsgerecht, voreingenom- men und nicht neutral. Weiter wurde geltend gemacht, das Fehlen rechts- genüglicher Identitätsdokumente alleine rechtfertige die Anordnung einer Altersuntersuchung nicht. Bezüglich der Haltung des SEM zur eingereich- ten Geburtsurkunde bleibe unklar, ob diese als gefälscht angesehen werde respektive ob sie dahingehend untersucht worden sei, womit das rechtliche Gehör verletzt werde . Schliesslich sei der Beschwerdeführer durch den Sachbearbeiter ungenügend über den Ablauf der Altersuntersuchung un- terrichtet worden. E. Mit Datum vom 18. Februar 2020 legte das Institut für Rechtsmedizin der Universität Basel sein Gutachten vor (vi-act. 22 f., Gutachten). Es hielt in der zusammenfassenden Beurteilung fest, aus rechtsmedizini- scher Sicht lägen keine Hinweise auf eine krankhafte Entwicklungsstörung des Betroffenen vor, eine forensische Altersschätzung sei damit ohne Ein- schränkungen möglich. Die körperliche Untersuchung zeige voll entwi- ckelte Reifezeichen, die auf ein Mindestalter von 14.1 Jahren schliessen liessen. Die radiologische Untersuchung des linken Handskelettes ergebe einen Befund, der dem Referenzbild eines 19-Jährigen entspreche; indes sei eine Altersschätzung aufgrund des Handskelettes nur bis zur vollstän- digen Ossifikation möglich, welche bei Knaben in der Regel mit 16.1 Jahre erreicht werde. Die in der radiologischen Befundung erhobene Ossifikation der medialen Schlüsselbeinepiphysen weise ein Erreichen eines Stadiums aus, das gemäss der Studienlage auf ein mittleres Alter von 29.63 (+/- 4.16) hindeute und in einem minimalen Alter von 21.6 Jahren beschrieben sei. Der zahnmedizinische Befund könne angesichts der vollständigen Wurzel- mineralisation nur mit einem Mindestalter von 17 Jahren – in einer schwarzafrikanischen Population in Botswana mit 15.7 Jahren beschrieben – angegeben werden. In der Zusammenschau der Befunde sei von einem E-2680/2020 Seite 5 Mindestalter von 21.6 Jahren auszugehen. Die Volljährigkeit sei mit an Si- cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erreicht, das angegebene Lebens- alter von 15 Jahren mit den erhobenen Befunden nicht zu vereinbaren. F. Am 5. März 2020 orientierte das SEM die Rechtsvertretung des Beschwer- deführers, dass es gestützt auf das Gutachten die geltend gemachte Min- derjährigkeit weder als glaubhaft gemacht noch belegt ansehe. Es beab- sichtige, den Beschwerdeführer für das weitere Verfahren als volljährig zu behandeln und das Geburtsdatum im ZEMIS auf den 1. Januar 1999 an- zupassen, allenfalls mit Bestreitungsvermerk. Die bisherigen Angaben wür- den als Zweitidentität geführt. Es eröffnete der Rechtsvertretung das recht- liche Gehör hierzu (vi-act. 24). G. Die Rechtsvertretung nahm am 10. März 2020 Stellung (vi-act. 26). Sie teilte mit, mit der Anpassung nicht einverstanden zu sein. Die Altersbe- stimmung im Asylverfahren habe aufgrund einer Gesamtwürdigung aller Anhaltspunkte, die für oder gegen eine Minderjährigkeit sprächen, zu erfol- gen. Eine solche sei vorliegend nicht erfolgt. Insbesondere sei nach wie vor unklar, wie das SEM die eingereichte Geburtsurkunde beurteile. Sämt- liche Indizien, die für eine Minderjährigkeit sprächen, würden ausgeblendet und einseitig auf das Gutachten abgestellt . Das Gutachten werde ange- sichts des Gesamteindruckes, den der Beschwerdeführer mache, in Frage gestellt und Einsicht in die detaillierten Befundberichte verlangt. Beim neuen Geburtsdatum werde ein Bestreitungsvermerk verlangt, ebenso sei betreffend die Altersanpassung eine beschwerdefähige Verfügung zu er- lassen. Im Sinne einer superprovisorischen Massnahme sei bis zu deren Erlass und Anfechtung auf den Transfer des Beschwerdeführers in eine Erwachsenenunterkunft zuzuwarten. H. Mit Schreiben vom 18. März 2020 teilte das SEM der Rechtsvertretung mit, es werde den Beschwerdeführer inskünftig unter dem Geburtsdatum des 1. Januar 1999 im ZEMIS führen. Es begründete, beim Gutachten handle es sich um eine aufgrund wissenschaftlicher Kriterien erstellte Beurteilung des wirklichen Alters des Beschwerdeführers mit dem eindeutigen Fazit dass dieser mit einem Mindestalter von 21.6 Jahren jedenfalls die Volljäh- rigkeit erreicht habe. Die Geburtsurkunde habe geringeren Beweiswert; de-E-2680/2020 Seite 6 ren Echtheit sei nach interner Analyse an zuzweifeln. Sie weise Fäl- schungsmerkmale und inhaltliche Fehler auf. Zudem sei der Vater, der die Urkunde besorgt haben solle, gemäss Angaben des Beschwerdeführers am 5. Februar 2019 aus dem Kongo ausgereist und erst im November 2019 zurückgereist, die Urk unde datiere aber vom 19. Oktober 2019. Es erfolge zeitnah ein Transfer in eine Erwachsenenunterkunft. I. Am 14. April 2020 fand eine «Befragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG / Anhö- rung nach Art. 29 AsylG» statt (vi-act. 34, «Anhörung»). Mit dem Vater habe er i n Frankreich, am 10. November 2019 , letztmals Kontakt gehabt; dieser sei nun wohl im Kongo im Gefängnis. Er, der Be- schwerdeführer, sei ohne Nachricht von ihm. Mit den nach Angola geflohe- nen Verwandten habe er keinen Kontakt; er wisse von deren Flucht nur aus Erzählungen des Vaters. Es sei schwierig, Kontakt mit Menschen zu halten, die man nicht kenne. Er habe einzig Kontakt zu einer Person gehabt, die in Frankreich gewesen sei und Auskunft über den Vater habe geben kön- nen; das sei aber ein Bekannter, kein Verwandter, gewesen. Im Zuge der Befragung zu seinen bisherigen Aufenthaltsadressen wurde der Beschwerdeführer mit einem Facebook -Account « E._______» kon- frontiert. Er räumte ein, dies sei der Name , den er benutze. Darauf ange- sprochen, dass er gemäss diesem Account in den Jahren 2014/15 in Frankreich gewesen wäre, relativierte er, es sei ein Freund, der dieses Konto eröffnet habe, er selber habe es nur «benutzt», als er im «Camp» gewesen sei. Der Freund – er habe ihn in Frank reich kennen gelernt – nutze das Konto nicht mehr und er selbst habe keine Möglichkeit gehabt, eines zu eröffnen. Sein Vater habe es auch genutzt, um mit dem Messen- ger Leute anzurufen. Auf Fotografien angesprochen, die nach Beurteilung des Sachbearbeiters in den Jahren 2014/15 gemacht worden seien, erwi- derte er, diese gehörten zu Alben aus jenen Jahren, doch könne man auch jüngere Fotografien an diese anhängen. Zu Kommentaren zum französi- schen Stil sei zu bemerken, dass es Unternehmungen gebe, die Kleider aus Frankreich in den Kongo exportierten. Seine Flucht begründete der Beschwerdeführer einleitend damit, dass sein Vater verfolgt worden sei. Man habe ihn bedroht und es habe ein Attentat gegeben. Der Bruder sei anlässlich einer Demonstration gegen den Präsi- denten Josef Kabila angeschossen worden und sei verstorben (vgl. zu An-E-2680/2020 Seite 7 hörung F52 die Bemerkung bei Rückübersetzung). Sein Vater habe die Po- lizei aufgesucht, um ein Verfahren gegen die Polizisten anzustrengen, die geschossen hätten. Seither habe es Drohun gen gegeben – telefonisch, über Mitteilungen im Internet und in sozialen Netzen, aber auch in der Kir- che. Kirchenmitglieder seien bedroht worden. Beim Attentat seien die Mut- ter, die Nichte und Kirchenmitglieder verletzt worden. Die Polizisten, wel- che auf d as Auto geschossen hätten, seien verhaftet worden. Sie hätten ausgesagt, auf Anweisung gehandelt zu haben – konkret sei der Cousin verantwortlich, zusammen mit Polizisten und Armeeangehörigen. Mutter und Nichte seien ins Spital verbracht worden. Er, der Beschwerdeführer, und sein Vater hätten nicht ins Spital gehen können. Sie hätten sich ent- schieden, die Mutter solle heimkommen. Sie seien dann gewarnt worden, dass Militärangehörige kämen, den Vater zu verhaften. Sie seien unmittel- bar geflohen, hätten nur ein paar Dokumente mitzunehmen vermocht. Sie hätten sich einige Tage in der Kirche aufgehalten; dann habe der Vater ent- schieden, den Kongo zu verlassen. Die Mutter sei zu schwer verletzt ge- wesen, Kirchenmitglieder hätten ein Spital für sie gefunden. Die Nichte sei von ihrer Mutter abgeholt worden. Sein Vater und er seien sodann nach Europa gereist. Er legte mehrere Fotografien zu den Akten, die etwa das Auto, die Attentäter, den Cousin, den ermordeten Chauffeur und den Vater bei seiner Tätigkeit zeigen sollten. Auf der Reise hätten sie erfahren, dass das kongolesische Regime von ihrem Aufenthalt in Frankreich wisse. Bei einer Rückkehr rechne er damit, verhaftet zu werden oder zu sterben. Er selber habe vor den geschilderten Problemen, die ab 2018 begonnen hät- ten, keine Probleme mit Behörden gehabt. Bei der Kirche des Vaters handle es sich um die « F._______». Der Vater sei Pfarrer und einer der Gründer. Er habe auch zusammen mit Kirchenan- gehörigen einen Verein gegründet, der vom Regime Verfolgten helfen sollte. Im Wahlkampf des Jahres 2018 – Präsident Kabila habe die Macht nicht aufgeben wollen – habe sich sein Vater engagiert; er habe versucht, zusammen mit Dritten eine Bewegung zu gründen, um die Demokratie ein- zuführen. Nach D._______ sei sein Vater geschickt worden, um zusammen mit einem holländischen Verein einen Verein zu gründen. Es seien wäh- rend des Krieges viele Häuser zerstört und Frauen vergewaltigt worden, es habe auch viele Waisenkinder gehabt. Sein Vater als Missionar und Pfar- rer, der auch mal Medizin studiert habe, habe sich für dies e Leute einge- setzt. Der Verein habe etwa Häuser gebaut oder Aufnahmezentren ge- schaffen. Der Cousin sei nicht in D._______ dabei gewesen; nach der Rückkehr der Familie nach Kinshasa sei dieser General geworden. Bei ei-E-2680/2020 Seite 8 ner Rückkehr fürchte er zu sterben. Er habe niemanden mehr in der Hei- mat. Er werde dort, wie seine ganze Familie, als Verräter betrachtet. Die Behörden seien über im Ausland gestellte Asylanträge informiert, man habe keine Rechte mehr, Papiere zu bekommen oder dort zu leben, aber auch nicht, in ein anderes Land zu gehen. Nicht zu vergessen sei, dass sie Augenzeugen des Attentates gewesen seien. Die Polizisten, die geschos- sen hätten, seien sicher schon wieder auf freiem Fuss, sein Cousin s ei unantastbar. J. Mit Entscheidentwurf vom 17. April 2020 stellte das SEM im Wesentlichen in Aussicht, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu vernei- nen, sein Asylgesuch abzulehnen, ihn aus der Schweiz wegzuweisen und den Vollzug der Wegweisung anzuordnen (vi-act. 36). K. Die Rechtsvertretung teilte mit Stellungnahme vom 22. April 2020 mit, mit dem Entwurf nicht einverstanden zu sein. Der im Entwurf erhobene Vorwurf der Identitätstäuschung werde bestritten. Daneben rügte die Rechtsvertre- tung mehrere Verstösse gegen das rechtliche Gehör (verweigerte Akten- einsicht, unterlassene zweite Anhörung, verletzte Begründungspflicht) und die Sachverhaltserhebung als unvollständig (vi-act. 37). L. Mit am 23. April 2020 eröffnetem Asylentscheid vom selben Tag stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er- fülle (Dispositiv Ziff. 1) und lehnte sein Asylgesuch ab (Ziff. 2). Es wies ihn aus der Schweiz weg (Ziff. 3), setzte – unter Androhung des Vollzuges un- ter Zwang – eine Ausreisefrist an (Ziff. 4) und beauftragte den Kanton G._______ mit dem Vollzug der Wegweisung (Ziff. 5). Weiter legte das SEM die künftig im ZEMIS geführten Personendaten fest (Ziff. 6) und hän- digte die «editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis» aus (Ziff. 7). M. Mit Eingabe vom 25. Mai 2020 erhebt der Beschwerdeführer Beschwerde gegen diesen Entscheid. Er beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheides in den Dispositiv-Ziffern 3 bis 6 und seine vorläufige Aufnahme in der Schweiz (Rechtsbegehren Ziff. 1). Eventualiter beantragt er die Auf- hebung des angefochtenen Entscheides in den Dispositiv -Ziffern 1 bis 6 unter Rückweisung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung (na-E-2680/2020 Seite 9 mentlich zur Durchführung einer ergänzenden Anhörung) und Neubeurtei- lung (Ziff. 2). Er beantragt die Einsicht in die detaillierte Befundaufnahme der forensischen Lebensalterschätzung und in zwei einzeln genannte Ak- tenstücke (Ziff. 3). Weiter seien die Personendaten in Bezug auf das Ge- burtsdatum zu berichtigen und anzupassen (Ziff. 4). In prozessualer Hin- sicht wurde die unentgeltliche Prozessführung beantragt, insbesondere das Absehen von der Erhebung eines Kostenvorschusses (Ziff. 5). N. Mit Zwischenverfügungen vom 27. Mai 2020 und 10. September 2020 wurde festgestellt, dass der Bes chwerdeführer den Ausgang des Verfah- rens in der Schweiz abwarten dürfe. Das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung wurde gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. O. Die Vorinstanz verweist in ihrer Vernehmlassung vom 24. September 2020 im Wesentlichen auf den angefochtenen Entscheid und beantragt sinnge- mäss die Abweisung der Beschwerde. P. Der Beschwerdeführer hält in seiner Replik vom 14. Oktober 2020 an der Beschwerde fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffend e Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Es entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das SEM führt zur Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben ein Informa- tionssystem, zur Bearbeitung von Personendaten im Ausländer und Asyl- bereich (Art. 1 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über das Informations- system für den Ausländer - und den Asylbereich (BGIA A, SR 142.51). In E-2680/2020 Seite 10 diesem Rahmen bearbeitet es auch Bergehren um Berichtigung von Per- sonendaten im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Da- tenschutz (DSG, SR 235.1). Das diesbezügliche Verfahren richtet sich nach dem VwVG (Art. 25 Abs. 4 DSG; vgl. auch Art. 19 Abs. 1 der Verord- nung über das Zentrale Migrationsinformationssystem [ZEMIS -Verord- nung, SR 142.513). Das Bundesverwaltungsgericht ist damit gestützt auf Art. 47 Abs. 1 Bst. b VwVG i.V.m. Art. 31 V GG zuständige Beschwer- deinstanz, zumal wiederum keine die Materie betreffende Ausnahme ge- mäss Art. 32 VGG vorliegt. 1.3 Die Vorinstanz verfügte die Berichtigung des Geburtsdatums des Be- schwerdeführers in der angefochtenen Verfügung explizit. Diese Frage kann damit als zum Streitgegenstand gehörig angesehen werden. Mit Blick auf das Schreiben der Vorinstanz vom 18. März 2020 an die Rechtsvertretung (vi-act. 29) ist daran zu erinnern, dass bei der Bestim- mung des Anfechtungsobjekts im Sinne von Art. 5 VwVG von einem mate- riellen und nicht einem formellen Verfügungsbegriff ausgegangen wird; die Erwartungen, die an die Form der Verfügung gestellt werden, sind nicht Voraussetzung des Verfügungsbegriffs, sondern dessen Folge. Zentral ist, ob es sich um einen individuellen, an den Einzelnen gerichteten Hoheitsakt handelt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder feststellend in verbindlicher und erzwingbarer Weise geregelt wird (vgl. statt Vieler zum Datenschutzrecht BVGE 2016/28 E. 1.4.1 m.w.H.). In der Folge des genannten Schreibens – das nach Ge- währung des rechtlichen Gehörs erlassen wurde – änderte die Vorinstanz den den Beschwerdeführer betreffenden Datensatz unmittelbar, mit kon- kreten Folgen für den Beschwerdeführer (Verlust des Status als unbeglei- tete minderjährige asylsuchende Person, Transfer in eine Erwachsenenun- terkunft); es war auch die ausgesprochene Absicht, das Alter des Be- schwerdeführers (zumindest) mit Blick auf das weitere Verfahren «rechts- kräftig» festzustellen (vgl. Email vom 13. Februar 2020 14:03h, vi-act. 19). Die Frage, ob dieses Schreiben als ( wenn auch formell mangelhafte; vgl. aber Art. 38 VwVG) Verfügung anzusehen und auf eine Beschwerde dage- gen einzutreten gewesen wäre, ist an dieser Stelle nicht zu entscheiden, kann aber für künftige Vorgehensweisen dieser Art als durchaus erwägens- wert offengelassen werden. 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist E-2680/2020 Seite 11 durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbe- reich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl, SR. 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5), ebenso im Be- reich des Datenschutzrechts. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1, vgl. auch das Urteil des BVGer D-2282/2018 vom 5. April 2019 E. 5.1). E-2680/2020 Seite 12 4. 4.1 Die Vorinstanz führt im angefochtenen Entscheid zum Asylpunkt aus, einer asylsuchenden Person werde, wenn sie die Behörden über die Iden- tität täusche und diese Täuschung aufgrund der Ergebnisse der erken- nungsdienstlichen Behandlung oder anderer Beweismittel feststehe, ge- mäss Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG nur das rechtliche Gehör gewährt. Bei der Erstbefragung habe der Beschwerdeführer angegeben, sein Geburtsda- tum zu kennen, denn das sei etwas Normales. Er habe die Wohn - und Schulorte Kinshasa und D._______ mit seinem Lebensalter angeben kön- nen, aber nicht Fragen zum Alter des verstorbenen Bruders. Das erstaune angesichts der präzisen Angaben zum eigenen Alter und angesichts des- sen, dass der gewaltsame Tod des Bruders sicher ein einschneidendes Er- lebnis gewesen sein müsste. Weiter habe er keine genügenden Identitäts- dokumente vorlegen können; schon bei der EB habe man ihm wegen der nicht nachgewiesenen Minderjährigkeit das rechtliche Gehör gewährt. Die gestellten Fragen seien «nicht realitätskonform» beantwortet worden. Die in der Folge angeordnete forensische Lebensalterschätzung habe erge- ben, dass der Beschwerdeführer nicht wie behauptet 15 Jahre alt sei, son- dern zumindest 21.6 Jahre. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs habe man mitgeteilt, dass die Daten im ZEMIS angepasst würden und die ein- gereichte Geburtsurkunde Fälschungsmerkmale aufweise. Die Dat ierung der Urkunde (19. Oktober 2019) sei zudem mit der Reisehistorie (Ausreise aus dem Kongo am 5. Februar 2019 und Rückreise des Vaters am 20. No- vember 2019 nicht plausibel. Insgesamt gelinge nicht, das Ergebnis der Lebensalterschätzung umzustossen. Gest ützt auf die Rechtsprechung stehe eine Identitätstäuschung fest, ebenso eine Verletzung der Mitwir- kungspflicht. Auch vermöge er den Bedarf an Schutz vor Verfolgung im Sinne des Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht zu beweisen. Daneben bestünden erhebliche Zweifel an der angegebenen Herkunft aus Kinshasa. So habe der Beschwerdeführer angegeben, seine Verwandten (Onkel und Grosseltern väterlicherseits, Vater, Grosseltern mütterlicher- seits) seien nach Angola geflohen; er habe aber keinen Kontakt zu ihnen. Die angebliche Flucht des Vaters sei fragwürdig und es sei nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer zwar ganz genau wisse, wer in Angola lebe, aber zu diesen Verwandten keinerlei Kontakt habe. Die Aussagen liessen die «Vermutung aufkommen», dass er «möglicherwei se aus Angola» stamme. Dahinzu komme seine Angabe, dass er neben Französisch und Lingala auch Portugiesisch spreche, obwohl er mehrheitlich in Kinshasa – wo Französisch und Lingala gesprochen werde – gelebt haben wolle. Die Erklärung, die Eltern des Beschwerdeführers seien im Krieg an die Grenze E-2680/2020 Seite 13 zu Angola geflüchtet und hätten dort Portugiesisch gelernt, und die Mutter habe meistens mit ihm Portugiesisch gesprochen, erschienen der Vo- rinstanz nicht nachvollziehbar, zumal Muttersprache der Mutter Franzö- sisch sein solle. Die portugiesische Sprachkompetenz sei ein weiterer Hin- weis für eine vermutliche Herkunft aus Angola. Die Einwände der Rechts- vertretung – die Eltern seien in Angola aufgewachsen und hätten dort Por- tugiesisch gelernt, auch sei etwa in der Schwei z nicht ungewöhnlich, Kin- dern eine polyglotte Erziehung angedeihen zu lassen – beantwortete das SEM mit einem Verweis auf die vorstehenden Erwägungen. Aus einer Konfrontation des Beschwerdeführers mit ihm zuzuordnenden Fotografien aus der Sozialen Plattform Facebook ergebe sich zudem, dass er sich im Jahre 2014, wenn nicht schon früher, in Frankreich aufgehalten haben müsse. Eine Umdatierung von Beiträgen auf jener Plattform sei nur insofern möglich, als ein früheres Datum gewählt werden könne – was aber in seinem Fall keinen Sinn mache. Er habe sich somit zu der Zeit, da er behauptete, im Heimatland Probleme gehabt zu haben, in Frankreich auf- gehalten. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Fotografien hätten ei- nen nur tiefen Beweiswert. Folglich stehe auc h fest, dass er das SEM über die Vorfluchtgründe ge- täuscht habe. Zu den Einwänden der Rechtsvertretung betreffend die Facebook-Recher- chen verwies die Vorinstanz darauf, dass diese anonym und über eine si- chere Netzwerkverbindung vorgenommen worden seien. Die frei zugängli- chen Informationen belegten, dass der Beschwerdeführer «sehr offensicht- lich und in hohem Masse missbräuchlich» über seine Biographie getäuscht habe. Zusammen mit der Alterstäuschung liege eine grobe Verletzung der Mitwirkungspflichten vor. Eine weitere Prüfung der Identität und Asylgründe sei verunmöglicht. Ob der Beschwerdeführer aus Angola oder Kongo stamme, sei letztlich zweitrangig und werde «im Entscheid nur bezweifelt», weil der Beschwerdeführer offenkundig über seine Biographie täusche. 4.2 Der Beschwerdeführer befasst sich in der Beschwerdeschrift vorab mit der Frage der Altersanpassung (Beschwerde, Ziff. 11 ff.). Er rügt, dass sich die Vorinstanz schwergewichtig auf die forensische Lebensalterschätzung abstütze und es unterlasse, weiter e Hinweise zu würdigen, die für die Al- tersangaben des Beschwerdeführers sprechen. Das Unterlassen einer kor- rekten Gesamtwürdigung stelle eine Verletzung der Untersuchungspflicht E-2680/2020 Seite 14 gemäss Art. 12 AsylG dar. Gestützt auf die Rechtsprechung sei im Zwei- felsfall von der Minderjährigkeit eines Gesuchstellers auszugehen. Festzu- halten sei, dass die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Biographie – insbesondere zu den Wohn - und Schulorten – widerspruchsfrei seien. Auch sei plausibel erklärt worden, woher er sein Al ter kenne. Bemängelt werde seitens der Vorinstanz, dass er das (theoretische) Alter des verstor- benen Bruders nicht kenne Die «repetitive Fragerei» anlässlich der EB sei aber «nachvollziehbar verwirrend» gewesen. Mit der Geburtsurkunde habe der Beschwerdeführer sodann sehr wohl ein Identitätsdokument vorgelegt. Überdies stelle das Fehlen von rechtsgenüglichen Identitätsdokumenten gemäss der Rechtsprechung keinen Beleg für die angebliche Volljährigkeit dar. Zum Gutachten sei zu bemerken, dass die Einsichtnahm e in die de- taillierten Befundergebnisse verweigert werde. Zudem falle auf, dass die radiologische Untersuchung ein mittleres Alter von 29.63 Jahren (+/ - 4.16 Jahre) und die zahnärztliche ein Mindestalter von 17 Jahren ergebe. Diese unterschiedlichen Angaben seien nicht nachvollziehbar. Es fehle insge- samt eine korrekte Gesamtwürdigung des Alters und damit sei die Unter- suchungspflicht verletzt. Mit der Weigerung, die kongruenten und mit Ge- burtsurkunde belegten Altersangaben zu akzeptieren, greife die Vorinstanz in das Recht auf Identität des Kindes ein (Art. 8 Kinderrechtskonvention). Auch verletze sie das rechtliche Gehör mit der Weigerung, Einblick in die genaue Befundaufnahme zu geben. Schliesslich sei der Beschwerdeführer auch bereit, mittels Kontaktnahme bei der kongolesischen Botschaft sein Alter zu verifizieren. Die von der Vorinstanz getroffene Altersannahme sei insgesamt willkürlich und das Geburtsdatum auf den (…) festzusetzen. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerd eführer, dass die Einsicht in die Aktenstücke A27 und A28 nicht gewährt worden sei. Soweit ein Aktenstück objektiv Bedeutung für den zu beurteilenden Fall habe, sei die Einsicht (ggf. anonymisiert) zu gewähren. Weiter falle auf, dass die Vorinstanz im ange- fochtenen Entscheid keine wirkliche Auseinandersetzung mit der Stellung- nahme der Rechtsvertretung vornehme. Damit verletze sie das rechtliche Gehör. Es stehe ihr auch frei, eine weitere Anhörung durchzuführen. Eben- falls unterlasse sie, die angebliche Ident itätstäuschung näher zu begrün- den respektive sich mit den Argumenten der Stellungnahme auseinander- zusetzen. Ferner habe die Vorinstanz, auch wenn sie ein Asylgesuch ohne weitere Abklärungen ablehne, die Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft summarisch zu begründen. 4.3 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers entsprächen jene n der Stellungnahme vom 22. April E-2680/2020 Seite 15 2020; zu diesen sei im angefochtenen Entscheid Stellung bezogen wor- den, weshalb darauf verwiesen werde. Tatsächlich sei indessen versäumt worden, die Altersanpassung im ZEMIS mittels anfechtbarer Zwischenver- fügung zu beschliessen respektive ausdrücklich auf die Endverfügung zu verweisen. Die Unterlassung sei unbeabsichtigt erfolgt, es sei jedoch durchaus Praxis des SEM, solche Anträge in der Endverfügung zu beant- worten. Aufgrund der groben Verletzung der Mitwirkungs- und Wahrheits- pflicht – welche die weitere Prüfung der Identität und Asylgründe verun- möglich habe – habe indessen die Altersanpassung letztlich ke inen Ein- fluss auf die Entscheidfindung. 4.4 Die Beschwerdeführerin rügt in der Replik, dass die Vorinstanz wiede- rum nicht auf die gestellten Anträge, insbesondere jene bezüglich Einsicht- nahme in die Befundaufnahme der forensischen Lebensalterschätzung und die Aktenstücke A27 und A28, eingehe. Auch äussere sich die Vor - instanz nicht zu den materiellen Rügen in der Beschwerde. Selbst unter der Annahme, dass der Beschwerdeführer sich im Jahr 2014/2015 schon einmal in Frankreich aufgehalten hätte, sei nicht ausgeschlossen, dass er vor seiner Ausreise 2019 im Heimatland ernsthaften Nachteilen im Sinn des Asylgesetzes ausgesetzt gewesen sei. Nach wie vor fehle eine zumin- dest summarische Begründung, wieso die Flüchtlingseigenschaft nicht er- füllt sei. 5. Der Beschwerdeführer erhebt diverse Rügen betreffend die Verletzung sei- nes Gehörsanspruchs. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen (statt Vieler: Urteil des BGer 2C_257/2018, 2C_308/2018 vom 11. November 2019 E. 2 Ingress m.w.H.). 5.1 Das rechtliche Gehör dient einersei ts der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei- nes solchen Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizu- bringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann. Voraussetzung des Äusserungsrechts sind ge- nügende Kenntnisse über den Verfahrensverlauf, was auf das Recht hin- ausläuft, in geeigneter Weise über die entscheidwesentlichen Vorgänge und Grundlagen vorweg orientiert zu werden. Wie weit dieses Recht geht, E-2680/2020 Seite 16 lässt sich nicht generell, sondern nur unter Würdigung der konkreten Um- stände beurteilen. Entscheidend ist, ob dem Betroffenen ermöglicht wurde, seinen Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen (statt Vieler BGE 144 i 11 E. 5.3 m.w.H.) 5.1.1 Das dem rechtlichen Gehör zugeordnete Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf sämtliche Akten eines Verfahrens, die für dieses erstellt oder bei- gezogen wurden, ohne dass ein besonderes Interesse geltend gemacht werden müsste und unabhängig davon, ob aus Sicht der Behörde die frag- lichen Akten für den Ausgang des Verfahrens bedeutsam sind. Der An- spruch gilt nicht absolut; er kann aus überwiegenden Interessen durch Ab- deckung und nötigenfalls Aussonderung eingeschränkt werden; auf sol- chermassen geheim gehaltene Akten darf nur insoweit abgestellt werden, als deren wesentlicher Inhalt unter Wahrung der Äusserungsmöglichkeit bekannt gegeben wird (statt Vieler BGE 144 I 35 E. 3.1.1). 5.1.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt weiter von Verfassungs wegen (Art. 29 Abs. 2 BV), dass die Behörde die Vorbringen der Parteien auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt; da- raus folgt insbesondere die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid ausreichend und nachvollzie hbar zu begründen . Um den Vorgaben von Art. 29 Abs. 2 BV zu genügen, muss die Begründung so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des angefochtenen Ent- scheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. Zu begründen ist das Ergebnis des Ent- scheides, das im Urteilsspruch zum Ausdruck kommt und das allein die Rechtsstellung der betroffenen Person berührt. Die Begründung ist also nicht an sich selbst, sondern am Rechtsspruch zu m essen (BGE 145 III 324 E. 6.1 m.w.H.). Dabei ist es nicht erforderlich, dass sich die Behörde mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein- zelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (Statt vieler BGE 143 III 65 E. 5.2). Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nur diejenigen Argu- mente stillschweigend übergangen werden können, die für den Entscheid erkennbar unbehelflich sind ( SUTTER, in: Auer/Müller/Schindle r (Hrsg.), Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2018, Rz. 2 a.E. zu Art. 32 VwVG). Weiter ist die verfassungsmässige Begründungsdichte abhängig von der Entschei- dungsfreiheit der Behörde und der Eingriffsintensität des Entscheides. Je grösser der Spielraum, welcher der Behörde infolge Ermessen und unbe- stimmter Rechtsbegriffe eingeräumt ist, und je stärker ein Entscheid in die E-2680/2020 Seite 17 individuellen Rechte eingreift, desto höhere Anforderungen sind an die Be- gründung eines Entscheides zu stellen (BGE 112 Ia 107 E. 2b m.w.H.; ein- gehend SUTTER, Kommentar VwVG, Rz. 2 zu Art. 32 VwVG, Rz. 9 ff. zu Art. 34 VwVG). Angesichts der Bedeutung der im Asylverfahren zu beurtei- lenden Interessen der Betroffenen gelten hohe Anforderungen an die Be- gründungsdichte (Urteil des BVGer E-2479/2018 vom 31. Mai 2018 E. 6.1 Abs. 1). Falls sich in einem hängigen Verfahren entscheiderhebliche, neue tatsäch- liche oder rechtliche Gesichtspunkte ergeben, denen die mit der Sache be- fasste Behörde Rechnung tragen will, kann der Anspruch auf rechtliches Gehör in begründeten Fällen auch gebieten, die Parteien auf diese neuen Prüfungsgesichtspunkte rechtzeitig aufmerksam zu machen und ihnen Ge- legenheit zu geben, sich dazu zu äussern. Das rechtliche Gehör ist jeden- falls zu gewähren, wenn eine Behörde ihren Entscheid mit einer Rechts- norm oder einem Rechtsgrund zu begründen beabsichtigt, die im bisheri- gen Verfahren nicht beigezogen wurden, auf die sich die beteiligten Par- teien nicht berufen haben und mit deren Erheblichkeit sie im konkreten Fall nicht rechnen konnten (BGE 145 IV 99 E. 3.1 m.w.H.). 5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge- listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Die Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch ge- würdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (Urteil des BVGer E-2479/2018 E. 6.1 Abs. 2). 5.3 Die seit dem 1. Februar 2014 in Kraft stehende Fassung des Asylge- setzes sieht bei feststehender Identitätstäuschung seitens der asylsuchen- den Person kein Nichteintreten mehr vor (vgl. aArt. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG), erlaubt es der Vorinstanz in einem solchen Fall aber, auf eine Anhörung im Sinne von Art. 29 AsylG zu verzichten (vgl. Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG). Für die Auslegung des Begriffs der "feststehenden Identitätstäuschung" nach Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG ist auf die Praxis zum entsprechenden, aufge- hobenen Nichteintretensgrund gemäss aArt. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG zu ver- weisen. Gemäss dieser Praxis ist der Nachweis d er Identitätstäuschung von den schweizerischen Asylbehörden zu erbringen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2003 Nr. 27 E. 4a). Die gesetzliche E-2680/2020 Seite 18 Regelung sieht neben der erkennungsdienstlichen Behandlung (Daktylo- analyse) auch „andere Beweismittel“ vor, aufgrund derer die Identitätstäu- schung feststehen kann (vgl. Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG; identisch formu- liert waren die Voraussetzungen gemäss aArt. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG). Der Begriff der Identität ist in Art. 1 a Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) geregelt und schliesst den Namen und den Vornamen, die Staatsangehörigkeit, die Ethnie, das Geburtsdatum, den Geburtsort und das Geschlecht einer asylsuchenden Person ein. Diese Aufzählung der Begriffsmerkmale d er Identität ist abschliessend (zum Ganzen: Urteil des BVGer E-5177/2015 vom 12. Mai 2016 E. 3.2). 5.4 Gestützt auf Art. 40 Abs. 1 AsylG kann das SEM, wenn aufgrund der Anhörung offenkundig wird, dass die asylsuchende Person ihre Flücht- lingseigenschaft weder beweisen noch glaubhaft machen kann, und ihrer Wegweisung keine Gründe entgegenstehen, das Gesuch ohne weitere Ab- klärungen ablehnen. Die verfassungsmässigen Anforderungen an die Be- gründungspflicht bestehen indessen auch in diesen Fällen, jedoch kann sich das SEM mit einer (zumindest) summarischen Begründung beschei- den (Art. 40 Abs. 2 AsylG). 5.5 Die Verfahrensführung der Vorinstanz und daraus hervorgegangene Verfügung vermögen diesen verfassungsrechtlich gesicherten Ansprüchen (vorne E. 5.1) und der Untersuchungspflicht ( vorne, E. 5.2) in mehrfacher Hinsicht nicht zu genügen: 5.5.1 Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers ersuchte die Vor - instanz mehrfach um Einsicht in konkret bezeichnete Dokumente, insbe- sondere allfällige Abklärungen betreffend die Echtheit der vorgelegten Ge- burtsurkunde, die dem forensischen Gutachten zugrundeliegenden Be- funde und die zugehörigen Ergänzungsfragen (vi-act. 13) sowie die Akten- stücke A27/A28 (vi-act. 21, 26, 37). Die Vorinstanz verweigerte diese Ak- teneinsicht stillschweigend, ohne je zu begründen, weshalb. Damit wurde dem Beschwerdeführer die Mög lichkeit abgeschnitten, die medizinischen Befunde zu überprüfen (etwa durch Einholen einer Zweitmeinung) oder zu den festgestellten Fälschungsmerkmalen der Geburtsurkunde Stellung zu nehmen. Die Entscheidrelevanz zumindest dieser beiden Themenkreise liegt auf der Hand. Das gilt insbesondere auch für die Frage der Fäl- schungsmerkmale, die sowohl in der angefochtenen Verfügung als auch in der Anordnung der Datenänderung vom 18. März 2020 (vi-act. 29), ange- führt werden; in dieser Anordnung mit ausdrücklichem Verweis auf eine in-E-2680/2020 Seite 19 terne Analyse des Dokumentes. Es liegt grundsätzlich nicht an der Vor - instanz, über die Wirksamkeit der beantragten Akteneinsicht zu urteilen. Tut sie es doch, hat sie darüber zu entscheiden, ob sie die Akteneinsicht ganz oder teilweise verweigert, und dies zu begründen und – soweit ent- scheidwesentlich – den Inhalt unter Wahrung der Äusserungsmöglichkeit bekannt zu geben (vorne, E. 5.1.1). 5.5.2 Das Bundesverwaltungsgericht und die Schweizerische Asylrekurs- kommission (ARK) als Vorgängerorganisation von dessen Asylabteilungen haben sich wiederholt mit der Beweiskraft von medizinischen Altersabklä- rungen befasst. Neben – und nach – dem von der Vorinstanz zitierten Ent- scheid EMARK (Entscheidungen und Mitteilungen der Asylrekurskommis- sion) 2001 Nr. 23 tat es dies insbesondere im Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/3 (vgl. auch die darin verwiesene Rechtsprechung der ARK: E. 4.2.3). Es ist nicht ersichtlich, weshalb sich die Vorinstanz auf die Rechtsprechung der ARK zur Handknochenan alye abstützt. Das minimale Alter von 21.6 Jahren, auf welches sich der angefochtene Entscheid abstützt, gründet in der radiologischen Untersuchung nicht des Handskelettes, son dern der medialen Schlüsselbeinepiphysen. Deren Ossifikation entspreche gemäss der Studie Kellinghaus et al. (Quelle siehe Gutachten, Endnote 11) der Stufe 4, was bei einem Knaben einem mittleren Alter 29.63 +/ - 4.16 res- pektive gemäss der Studie Wittschieb er et al. (Quelle siehe Gutachten Endnote 12) einem Minimalalter von 21.6 Jahren (Gutachten, S. 4). Dieser Befund wäre als starkes bis sehr starkes Indiz für die Volljährigkeit gemäss dem genannten Grundsatzurteil zu diskutieren; dabei ist eine Gesamtwür- digung vorzunehmen – angesichts der Stärke des Indizes des radiologi- schen Befundes (dessen Richtigkeit vorausgesetzt) mögen weitere Ele- mente in den Hintergrund treten, sind aber nicht gänzlich zu vernachlässi- gen (BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). Zu beurteilen sind in diesem Rahmen auch die angegebenen Gründe, weshalb die asylsuchende Person keine Identi- tätspapiere vorlegte (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.1). Die Vorinstanz be- schränkt sich hier auf Ausführungen zum Ausstellungsdatum der vorgeleg- ten Geburtsurkunde. Hierz u ist – neben der unterlassenen Konfrontation mit den geltend gemachten Fälschungsmerkmalen – festzustellen, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer ungenau zitiert, wenn sie ausführt, der Vater habe die Urkunde im Februar 2019 «ausstellen lasse n» (ange- fochtener Entscheid, S. 5). In der EB (Ziff. 4.04) sagte der Beschwerdefüh- rer lediglich, der Vater habe nach dem behaupteten Attentat einen «An- trag» auf Ausstellen der Papiere – neben der Geburtsurkunde auch Identi- tätskarten und Pässe – gestellt, aber man ha be keine Zeit mehr gehabt, E-2680/2020 Seite 20 man habe den Kon go so schnell wie möglich verlassen müssen. Es er- scheint zwar tatsächlich nicht plausibel , warum die Urkunde (gerade) im Oktober 2019 ausgestellt worden sein soll, wenn der Vater (der sich darum gekümmert haben soll) bis zum Februar und dann erst wieder im Novem- ber 2019 im Heimatland gewesen sein soll. Indessen lässt sich in den Aus- sagen des Beschwerdeführers nicht ablesen, dass sie im Februar bereits vorgelegen hätte. 5.5.3 Der Beschwerdeführer wurde im Verlaufe des Verfahrens bis zur Vor- lage des Entscheidentwurfs nicht mit der These konfrontiert, er sei in Tat und Wahrheit nicht kongolesischer, sondern angolanischer Staatsangehö- riger. Er hatte damit nicht die Möglichkeit, sich im Rahmen der Darstellung seiner Herkunft in der Anhörung dazu zu äussern. Daran ändert nichts, dass die Vorinstanz zum Ende der angefochtenen Verfügung – in Beant- wortung der Stellungnahme des Beschwerdeführers – diese Frage als «zweitrangig» bezeichnet und schreibt, die Staatsangehörigkeit werde nur «bezweifelt» (angefochtener Entscheid, S. 7), denn im vorherigen Verlauf der Entscheidbegründung (die wörtlich dem Entscheidentwurf entspricht; S. 5) wird die Frage der Herkunft als Element der Herkunftstäuschung ab- gehandelt und werden nicht nur «erhebliche Zweifel» geäussert, sondern die angolanische Herkunft auch als «vermutlich» bezeichnet. Eine Kon- frontation mit der These anlässlich der Anhörung wäre geboten gewesen , weil sie – vorgeblich (dazu unten E. 5.5.8) – auf einer persönlichen Angabe des Beschwerdeführers gründet (vgl. dazu E. 5.5.4) 5.5.4 Die vorgebliche Grundlage für diese Vermutung ist in einer Weise er- hoben worden, die den Ansprüchen an die Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen nicht genügt. Die Vorinstanz begründet ihre Auffassung da- mit, dass der Beschwerdeführer portugiesisch spreche, was er nicht zu er- klären vermöge. Dazu ist festzustellen, dass die Vorinstanz sich hier einzig auf die Angabe des Beschwerdeführers in der EB, er spreche neben Fran- zösisch als Muttersprache und Lingala auch Portugiesisch (EB Ziff. 1.17.03) und zwar so gut, dass auch die Anhörung in dieser Sprache geführt werden könne , abstützt. Ob dies zutrifft oder doch eher zu hoch gegriffen ist, überprüfte die Vorinstanz nicht. Die Anhörung wurde wiede- rum in Französisch geführt und beschränkte sich zu dieser Frage auf die Konfrontation mit einigen banalen Facebook -Kommentaren (Anhörung, F48 und Anmerkungen bei der Rückübersetzung zu F38). Gleichzeitig wurde die muttersprachliche Kenn tnis des Französischen nicht in Frage gestellt. Es bleibt damit offen, ob die Portugiesischkenntnisse des Be- schwerdeführers neben dem Französischen ebenfalls muttersprachliches E-2680/2020 Seite 21 Niveau aufweisen oder, wie vom Beschwerdeführer dargestellt, sich auf ei- nem Niveau bewegen, dass einem Erwerb in einem polyglotten Haushalt entspricht. 5.5.5 Die Begründung der Vorinstanz, weshalb letztgenannte These nicht zutreffen soll, genügt der verfassungsmässigen Begründungspflicht nicht. Der Beschwerdeführer führte anlässlich der E B aus, seine Eltern seien «während des Krieges an die Grenze zu Angola» geflüchtet, wo man Por- tugiesisch spreche. Weiter habe er Portugiesisch durch seinen Vater ge- lernt, auch die Mutter habe meistens Portugiesisch mit ihm gesprochen (EB Ziff. 1.17.03). Anlässlich der Anhörung wurde das Thema nicht weiter ver- tieft, der Befrager beschränkte sich Angola betreffend auf die angeblich dorthin geflohenen Angehörigen (Anhörung, F16 ff.). Im Entscheidentwurf wird dargelegt, der Beschwerdeführer bringe nur «unplausible Erläuterun- gen» vor, weshalb er wisse, welche Angehörigen in Angola leben, aber zu diesen kein Kontakt bestehe; die Angabe, dass auch der Vater nach Angola geflohen sei, sei «äusserst fragwürdig». Die Aussagen des Beschwerde- führers liessen deshalb die «Vermutung aufkommen, dass [er] möglicher- weise aus Angola stammen» würde (vi-act. 36, S. 5). Die Rechtsvertretung brachte in ihrer Stellungnahme (vi-act. 37) vor, dass es sich bei dem zitier- ten Krieg um die kriegerischen Auseinandersetzungen der 1960er Jahre gehandelt habe und beide Eltern des Beschwerdeführers mit ihren Eltern nach Angola geflohen und dort bis zu den 1990er Jahren geblieben seien. Der Beschwerdeführer wie auch sein Bruder seien im Kongo geboren, es sei aber nicht verwunderlich, dass die Eltern des Portugiesischen mächtig seien und es sei auch keineswegs unplausibel, dass eine beherrschte Dritt- sprache im Familienkreis gesprochen werde, damit die Kinder polyglott auf- wüchsen. Im angefochtenen Entscheid werden die Erwägungen des Ent- wurfs wörtlich wiederholt (S. 5). Die Ausführungen der Stellungnahme wer- den zusammengefasst und zu ihrer Beurteilung «auf die Erwägungen ver- wiesen (S. 5)» (S. 6). Der Versuch einer Einordnung in der Stellungnahme der Rechtsvertretung verhält sich zur Darstellung durch den Beschwerdeführer in der EB weitge- hend widerspruchsfrei (es bleibt einzig fraglich, ob die gemäss Angaben des Beschwerdeführers 1969 geborene Mutter schon mit den Eltern geflo- hen oder in Angola geboren worden wäre) und erscheint in keinem Punkt unplausibel. Die Vorinstanz bleibt in Entwurf und Entscheid jede nähere Begründung schuldig, warum eine Flucht des Vate rs, respektive eine Flucht der Grosseltern mit deren Kindern in den Bürgerkriegswirren der Kongo-Krise «äusserst fragwürdig» sein soll . Diese Fragwürdigkeit wie E-2680/2020 Seite 22 auch die nicht gelebten Kontakte zu in Angola aufhältigen (nach den Anga- ben des Beschwerdeführers aber teils verstorbenen [vgl. Anhörung F17]) Angehörigen stehen in keinem logischen Zusammenhang zu einer angola- nischen (oder zumindest nicht kongolesischen) Staatsangehörigkeit. Schliesslich schildert der Beschwerdeführer – soweit erfragt – ein tenden- ziell akademisch geprägtes respektive gebildetes Elternhaus (der Vater sei Pastor, habe mal Medizin studiert gehabt, sei auch politisch aktiv). Es ist zumindest nicht abwegig, dass in einem solchen Elternhaus eine in der Kindheit erworbene und über lange Zeit geübte Drittsprache den Kindern weitergegeben wird. Indem die Vorinstanz die Ausführungen der Rechtsvertretung durch einen Rückverweis auf die substanzarme, sich in nicht greifbare und nicht schlüs- sige Wertungen erschöpfende Erwägung des Entwurfes beantwortet, legt sie (entgegen ihrer Auffassung in der Vernehmlassung auf Beschwerde- ebene) keine Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Einwänden vor, die die verfassungsmässigen Anforderungen an die Begründungspflichten erfüllte. 5.5.6 Nach seit dem 1. Februar 2014 geltenden Recht kann die Vorinstanz bei feststehender Identitätstäuschung auf eine Anhörung verzichten und sich mit dem Einräumen rechtlichen Gehörs begnügen (Art. 36 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Abs. 2 AsylG, vgl. vorne E. 5.3) – davor konnte sie in einem sol- chen Fall nicht eintreten . Zumal es sich nun um einen materiellen Ent- scheid handelt, ist er auch materiell zu begründen, wobei sich die Vor - instanz bei offenkundiger Unmöglichkeit des Nachweises oder der Glaub- haftmachung von Asylgründen ohne weitere Abklärungen mit einer sum- marischen Begründung begnügen kann – aber eine solche auch vorneh- men muss (Art. 40 Abs. 2 AsylG, vorne E. 5.4) und in diesem Zusammen- hang natürlich auch an die verfassungsrechtlichen Vorgaben gebunden ist. Die von der Vorinstanz gewählte Vorgehensweise ist damit wie folgt einzu- ordnen: Sie führte – entgegen ihrer offenbaren Auffassung (angefochtene Verfügung, S. 4 Abs. 3) eine Anhörung durch, begnügte sich also nicht mit der Gewährung rechtlichen Gehörs. Im Anschluss an die Anhörung scheint sie zum Schluss gekommen zu sein, der Nachweis oder die Glaubhaftma- chung der Fluchtgründe sei unmöglich, weshalb auf weitere Abklärungen (namentlich die mit der Rechtsvertretung diskutierte Durchführung einer zweiten Anhörung) zu verzichten sei. Sie konnte so das Gesuch ohne wei- tere Abklärungen ablehnen, muss dies aber summarisch begründen. E-2680/2020 Seite 23 5.5.7 Die Begründung darf summarisch sein, muss sich aber mit den ent- scheidwesentlichen Fragen auseinandersetzen. Der Duktus der Entscheid- begründung legt nun aber nahe, dass für die Vor instanz bereits mit der festgestellten Identitätstäuschung betreffend das Geburtsdatum feststand, dass der Nachweis oder das Glaubhaftmachen nicht möglich sei (ange- fochtener Entscheid, S. 5 Mitte). Sie prüft in der Folge zwar doch noch wei- tere Fragen (die – abschliessend dann doch als zweitrangig erklärte – Frage der angolanischen Nationalität und die Unklarheiten um einen Auf- enthalt in Frankreich im Jahr 2014); es ist indessen festzustellen, dass es im Resultat für die asylsuchende Person im Asylpunkt keinen Unterschied macht, ob aufgrund der festgestellten Identitätstäuschung nicht auf ihr Ge- such eingetreten wird oder ob dieses als direkte Folge der Identitätstäu- schung abgewiesen wird. Die Begründung des Entscheides hinterlässt den Eindruck, dass sich die Vorinstanz damit begnügen wollte, die Identitäts- täuschung mit dem forensischen Gutachten als erstellt anzusehen und die weiteren Unklarheiten offen zu lassen. 5.5.8 Nach einer Durchsicht der Akten, insbesondere jenen, die dem Be- schwerdeführer nicht vorgelegt wurden, ist die Vermutung ni cht von der Hand zu weisen, dass die Vorinstanz ihre Vermutung einer angolanischen Staatsangehörigkeit respektive Zweifel an der biographischen Schilderung unausgesprochen (auch) auf Überlegungen, Erkenntnisse und Informatio- nen aus dem Internet abstützt, mit denen der Beschwerdeführer nicht kon- frontiert wurde und zu denen er sich folglich nicht äussern konnte; nament- lich auf hinterfragte Kenntnisse zur Situation in D._______, auf den Face- book-Auftritt des mutmasslichen Vaters und auf fragliche Kenntnisse zu den Schulstandorten. Zumal die Rechtsvertretung bereits vorgängig der Anhörung mehrfach geltend gemacht hatte, die Aussagen zum Lebenslauf seien «stimmig», (EB Ziff. 8.01 Ergänzungsfragen, vi-act. 19, 26, 37) ist im Lichte der Pflicht zur Sachverhaltsabklärung unklar, warum die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit im Zeitpunkt der Anhörung bereits vorliegenden Zweifeln nicht konfrontierte. Insbesondere gilt dies zu offenbar bestehen- den Zweifeln zur Zeit in D._______. Diese werden nur indirekt oder unbe- wusst angesprochen, indem die Erklärungsversuche des Beschwerdefüh- rers zu einem Facebook-Eintrag aus dem Jahr 2014 (als die Familie eben eigentlich nach D._______ gezogen wäre) in Frage gestellt werden – zu- mal die gelte nd gemachten Schwierigkeiten nach Darstellung des Be- schwerdeführers nicht in der (mutmasslichen) Zeit um die Entstehung des Facebookeintrages (2014, so aber die angefochtene Verfügung, S. 7) ein- setzten, sondern nach der Rückkehr aus D._______, steht die Gl aubhaf- tigkeit dieses Aufenthaltes im Zentrum des Interesses. E-2680/2020 Seite 24 Mit Blick auf die Pflicht zur Sachverhaltsabklärung und Begründungspflicht erscheint als zumindest kritikwürdig, dass die Vorinstanz zwar eine Anhö- rung als notwendig erachtet, wesentliche besteh ende Zweifel aber nicht vorhält und als zentrale Erkenntnisse aus der mehrstündigen Anhörung nur zwei Fragmente in die Begründung einfliessen lässt, die über den Erkennt- nisstand von vor der Anhörung hinausgehen (die Fragen um die Kontakte zu Angehörigen in Angola und um den Facebook-Account). 5.5.9 Das Bundesverwaltungsgericht äusserte sich im genannten Grund- satzurteil BVGE 2018 VI/3 (E. 3 vgl. auch E. 6) auch zur Beweislastvertei- lung und Würdigung aus datenschutzrechtlicher Sicht, was den Eintrag des konkreten Geburtsdatums ins ZEMIS angeht. Der angefochtene Entscheid begründet die konkrete Datenänderung nicht weiter, sondern verweist pau- schal auf die Mitteilung vom 18. März 2020, die die Vorinstanz selber – so ihre Vernehmlassung auf Beschwerdeebene – aber nicht als rechtsgültige Verfügung verstanden wissen will (vgl. aber hiervor, E. 1.3). Versteht man den Verweis so, dass die Begründung jener Mitteilung zum Bestandteil der angefochtenen Verfügung erklärt wird, so weist diese die in E. 5.5.1 f. dar- gestellten Mängel auf. 5.6 Zusammengefasst verletzte die Vorinstanz mehrfach das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers, indem sie ihm die Einsicht in wesentliche Akten ohne nähere Begründung vorenthielt (E. 5.5.1, E. 5.5.9) und betref- fend die Feststellung der Volljährigkeit eine Gesamtwürdigung unterliess, wie sie die Rechtsprechung gemäss BVGE 2018 VI/3 vorsieht (E. 5.5.2, E. 5.5.9). Die Feststellungen zur angeblichen – oder möglichen – angola- nischen Staatsangehörigkeit erfolgten o hne Vorhalt in der Anhörung (E. 5.5.3), was zumindest aus der Optik der Pflicht zur Sachverhaltsstel- lung angesichts der angeblichen Grundlage (Kenntnisse des Portugiesi- schen) geboten gewesen wäre (E. 5.5.4) und ohne ausreichende Ausei- nandersetzung mit den Ausführungen des Beschwerdeführers begründet wurde (E. 5.5.5). Die Entscheidbegründung ist in sich zu knapp, da sie sich nicht mit den wesentlichen Punkten auseinandersetzt (E. 5.5.7 f.). 5.7 Das rechtliche Gehör ist formeller Natur, dessen Verletzung führt in der Regel zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahms weise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere ange zeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden E-2680/2020 Seite 25 müssen und ein um fassendes Beweisverfahren durchzuführen ist ( WEIS- SENBERGER/HIRZEL, in: Waldmann/Weissenberger, Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Rz. 16 zu Art. 61 VwVG). Die in diesen Fällen feh- lende Entscheidungsreife kann grundsätz lich zwar auch durch die Be- schwerdeinstanz selbst herge stellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 7.1). Insbesondere rechtfertigt sich ein Rückweisung sentscheid, wenn die Vorinstanz zu Unrecht keinen Beweis abgenommen hat und die be- troffene Partei ohne Rückweisung um die Möglichkeit gebracht würde, die Tatsache vor einer Instanz mit uneingeschränkter Kognition geltend zu ma- chen oder ihr der Rechtsmittelweg unzulässig verkürzt würde. Schliesslich ist die Sache bei schwerer Verletzung von Verfahrensrechten, die nicht vor der Rechtsmittelinstanz geheilt werden kann, zurückzuweisen. Im Regelfall gilt dies aufgrund dessen formellen Charakters für Verletzungen des recht- lichen Gehörs (WEISSENBERGER/HIRZEL, Praxiskommentar VwVG, Rz. 17 f. zu Art. 61 VwVG; CAMPRUBI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommen- tar VwVG, Rz. 11 zu Art. 61 VwVG). Angesichts der Schwere der Verletzung kommt eine Heilung im (das Ver- fahren andernfalls endgültig abschliessenden) Rechtsmittelverfahren nicht in Frage (vgl. statt Vieler BGE 144 IV 302 E. 3.1 m.w.H; SUTTER, Kommen- tar VwVG, Rz. 23 zu Art. 29 VwVG). Im vorliegenden Fall ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer Akteneinsicht nach den einschlägi- gen Vorschriften zu gewähren, das entsprechende Äusserungsrecht einzu- räumen und ihren Entscheid nach Massgabe der Rechtsprechung und zu den entscheidwesentlichen Punkten zu begründen. 5.8 Infolge der Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinanderset- zung mit den weiteren Vorbringen auf Beschwerdeebene. 6. Die Beschwerde ist somit insoweit gutzuheissen, als die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Diese ist aufzuheben und die Sache ist zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das SEM zu- rückzuweisen. E-2680/2020 Seite 26 7. 7.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 Satz 1 VwVG). In der Ver- waltungsrechtspflege des Bundes gilt die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid (mit noch offe- nem Ausgang) praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei (Urteil des BVGer A -3763/2011 vom 3. Juli 2012 E. 14.1, m.w.H.). Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 7.2 Der Beschwerdeführer ist infolge der Rückweisung an die Vorinstanz als obsiegend anzusehen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erhe- ben. 7.3 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung aus- zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. Art. 111ater AsylG) (Dispositiv nächste Seite) E-2680/2020 Seite 27 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird hinsichtlich der Anfechtung des Asylentscheids gut- geheissen. Die Verfügung des SEM vom 23. April 2020 wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vor- instanz zurückgewiesen. 2. Die Beschwerde wird betreffend den Antrag auf ZEMIS-Berichtigung inso- weit gutgeheissen, als die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückgewiesen wird. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM, das Generalsekre- tariat des EJPD, die zuständige kantonale Behörde und den EDÖB. Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Roswitha Petry Thomas Bischof E-2680/2020 Seite 28 Rechtsmittelbelehrung: Gegen Ziffer 2 dieses Entscheids kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich -rechtli- chen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bun- desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechts- schrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind beizulegen, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat (Art. 42 BGG). Versand: