<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>76</b></span> <span class="ft4"><b>Zuständigkeit für die Erteilung von Bewilligungen für Bauten ausserhalb</b></span><br/> <span class="ft4"><b>der Bauzonen (Art. 25 Abs. 2 RPG; §§ 59 Abs. 1, 63 lit. e BauG)</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Der Gemeinderat als Baubewilligungsbehörde darf ein Baugesuch für</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Bauten und Anlagen ausserhalb des Baugebiets auch bei Vorliegen einer</b></span><br/> <span class="ft4"><b>kantonalen Zustimmung wegen Bundesrechtswidrigkeit abweisen (Bestä-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>tigung der Rechtsprechung).</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Regierungsrats i.S. I.S. und R.K. gegen den Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung für Baube-</span><br/> <span class="ft6">willigungen)/Gemeinderats R. vom 19. August 2015 (RRB Nr. 2015-000882).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1. Zuständigkeitsordnung bei Bauten und Anlagen ausserhalb</span><br/> <span class="ft1">des Baugebiets</span><br/> <span class="ft1">1.1</span><br/> <span class="ft1">Dem Baugesuch der Beschwerdeführenden stimmte die AfB be-</span><br/> <span class="ft1">züglich der kantonalen Prüfbelange mit Verfügung vom 6. März</span><br/> <span class="ft1">2014 zu. Die AfB hielt im Ergebnis dafür, dass es der Bauherrschaft</span><br/> <span class="ft1">i.S.v. Art. 24c RPG zustehe, die Bauten und Anlagen auf Parzelle X</span><br/> <span class="ft1">in R. abzureissen und zu ersetzen. Der Gemeinderat R. wies das Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesuch mit Entscheid vom 1. Juli 2014 jedoch ab, wobei er auch die</span><br/> <span class="ft1">vom Kanton bereits geprüften Voraussetzungen für die Erteilung ei-</span><br/> <span class="ft1">ner raumplanungsrechtlichen Ausnahmebewilligung einer eigenstän-</span><br/> <span class="ft1">digen Beurteilung unterzog. Er kam dabei zum Schluss, dass das ge-</span><br/> <span class="ft1">stellte Baugesuch nicht in Einklang mit Art. 24c RPG stehe, und ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">weigerte den Beschwerdeführenden daher die Baubewilligung für die</span><br/> <span class="ft1">projektierten Ersatzneubauten auf der Parzelle X.</span><br/> <span class="ft1">1.2</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführenden rügen, dass die Zustimmungsverfü-</span><br/> <span class="ft1">gung für den Gemeinderat R. verbindlich sei. Dem Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">komme bei Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone keine Auto-</span><br/> <span class="ft1">nomie zu. Die Zuständigkeit zur Erteilung einer Ausnahmebewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung i.S.v. Art. 24c RPG liege daher ausschliesslich bei der AfB. Der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat wäre daher verpflichtet gewesen, den Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">renden die Baubewilligung entsprechend der kantonalen Zustim-</span><br/> <span class="ft1">mungsverfügung zu erteilen.</span><br/> <span class="ft1">1.3</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 25 Abs. 2 RPG entscheidet die zuständige kanto-</span><br/> <span class="ft1">nale Behörde bei allen Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen, ob sie</span><br/> <span class="ft1">zonenkonform sind oder ob für sie eine Ausnahmebewilligung er-</span><br/> <span class="ft1">teilt werden kann. Nach aArt. 25 Abs. 2 RPG (in der bis zum</span><br/> <span class="ft1">31. August 2000 gültigen Fassung; AS 1979 1573) wurden Ausnah-</span><br/> <span class="ft1">men nach Art. 24 RPG durch eine kantonale Behörde oder mit deren</span><br/> <span class="ft1">Zustimmung bewilligt.</span><br/> <span class="ft1">Art. 25 Abs. 2 RPG wurde vom Bundesgesetzgeber am</span><br/> <span class="ft1">20. März 1998 (AS 2000 2042) im Sinne einer Klarstellung umfor-</span><br/> <span class="ft1">muliert (vgl. dazu: Botschaft zu einer Teilrevision des Bundesgeset-</span><br/> <span class="ft1">zes über die Raumplanung, RPG, vom 22. Mai 1996, BBl 1996 III</span><br/> <span class="ft1">513, S. 546). Seither ist in Art. 25 Abs. 2 RPG ausdrücklich festge-</span><br/> <span class="ft1">halten, dass die kantonale Behörde nicht nur Bauvorhaben beurteilen</span><br/> <span class="ft1">muss, welche auf Erteilung einer Ausnahmebewilligung angewiesen</span><br/> <span class="ft1">sind, sondern dass alle Bauvorhaben von einer kantonalen Behörde</span><br/> <span class="ft1">zu prüfen sind, welche Land ausserhalb der Bauzone beanspruchen.</span><br/> <span class="ft1">Anders ausgedrückt wurde mit der Gesetzesänderung Art. 25 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">der Verordnung vom 2. Oktober 1989 über die Raumplanung (aRPV;</span><br/> <span class="ft1">AS 1989 1985) auf Gesetzesstufe gehoben. Mit der Neuformulierung</span><br/> <span class="ft1">wollte der Gesetzgeber aber nicht die seit dem Inkrafttreten des RPG</span><br/> <span class="ft1">geltende Zuständigkeitsordnung ändern (vgl. dazu: aArt. 25 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">RPG) und neu bestimmen, dass bei Bauvorhaben die kantonale Be-</span><br/> <span class="ft1">hörde abschliessend über die Zonenkonformität der Baute bzw. die</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmebewilligung befinden muss. Art. 25 Abs. 2 RPG bestimmt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nur, dass die Baubewilligung einer kantonalen Zustimmung bedarf</span><br/> <span class="ft1">(vgl. dazu auch: A</span><span class="ft6">LEXANDER</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft6">UCH</span><span class="ft1">, in: Kommentar zum Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">setz über die Raumplanung, 2010, N. 32 und 37 zu Art. 25).</span><br/> <span class="ft1">Dass die kantonale Behörde die Bau- bzw. die Ausnahmebe-</span><br/> <span class="ft1">willigung nicht zwingend selber erteilen muss, geht im Übrigen wei-</span><br/> <span class="ft1">terhin aus dem Wortlaut Art. 25 Abs. 2 RPG hervor. Die kantonale</span><br/> <span class="ft1">Behörde ist gemäss Art. 25 Abs. 2 RPG nämlich nur zuständig zu</span><br/> <span class="ft1">entscheiden, ob eine Bau- oder Ausnahmebewilligung erteilt werden</span><br/> <span class="ft1">kann; sie muss aber von Bundesrechts wegen nicht zwingend ab-</span><br/> <span class="ft1">schliessend darüber befinden, ob im konkreten Fall effektiv eine</span><br/> <span class="ft1">Bau- oder Ausnahmebewilligung zu erteilen ist. Das Bundesrecht</span><br/> <span class="ft1">verlangt von den Kantonen daher nur, dass die Erteilung einer Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung ausserhalb der Bauzone einer kantonalen Prüfung und</span><br/> <span class="ft1">Zustimmung bedarf. Beim Vorliegen einer Zustimmung obliegt es</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 59 Abs. 1 BauG dem Gemeinderat als Baubewilligungsbe-</span><br/> <span class="ft1">hörde darüber zu befinden, ob die Bau- und Ausnahmebewilligung</span><br/> <span class="ft1">erteilt werden kann (vgl. dazu auch: AGVE 1991 S. 302 f.).</span><br/> <span class="ft1">Die sich auf D</span><span class="ft6">ANIELA</span> <span class="ft1">I</span><span class="ft6">VANOV</span> <span class="ft1">stützende, gegenteilige Ansicht</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführenden (Beschwerde vom 29. Juli 2014 ...;</span><br/> <span class="ft1">D</span><span class="ft6">ANIELA</span> <span class="ft1">I</span><span class="ft6">VANOV</span><span class="ft1">, Die Harmonisierung des Baupolizeirechts unter</span><br/> <span class="ft1">Einbezug der übrigen Baugesetzgebung - aktuelle Rechtslage und</span><br/> <span class="ft1">Lösungsansätze, Freiburg 2006, S. 174 ff.) lässt den Umstand ausser</span><br/> <span class="ft1">Acht, dass der Bundesgesetzgeber bloss ein Zustimmungserfordernis</span><br/> <span class="ft1">statuierte. Da der Kanton Aargau sich dafür entschieden hat, den Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat als zuständig zu erklären, die Baubewilligung auch bei</span><br/> <span class="ft1">Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen zu erteilen (§ 59 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BauG), steht es diesem von der Zuständigkeit her auch offen, bei</span><br/> <span class="ft1">Vorliegen einer kantonalen Zustimmung, die Baubewilligung zu ver-</span><br/> <span class="ft1">weigern. Die Belassung eines möglichst weiten Entscheidungsspiel-</span><br/> <span class="ft1">raums bei den Gemeinden entspricht denn auch dem verfassungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Subsidiaritätsprinzip (Art. 5a BV und § 106 der Verfas-</span><br/> <span class="ft1">sung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980) und ist daher nicht zu</span><br/> <span class="ft1">beanstanden. Die konsequente Trennung des Baugebiets vom Nicht-</span><br/> <span class="ft1">baugebiet (Art. 75 Abs. 1 BV) kann auch garantiert werden, wenn</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinderat Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen nur mit Zu-</span><br/> <span class="ft1">stimmung der kantonalen Behörde bewilligen darf (§ 63 lit. e BauG).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Damit ist sichergesellt, dass ausserhalb der Bauzonen nur recht-</span><br/> <span class="ft1">mässige Bauten erstellt und belassen werden können. Es besteht da-</span><br/> <span class="ft1">her vorliegend kein Grund, die vom Verwaltungsgericht geprägte</span><br/> <span class="ft1">Praxis in Frage zu stellen.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend steht damit fest, dass es den Gemeinden als</span><br/> <span class="ft1">kommunale Baubewilligungsbehörden auch zusteht, Baugesuche für</span><br/> <span class="ft1">Bauten und Anlangen ausserhalb der Bauzonen wegen Bundesrechts-</span><br/> <span class="ft1">widrigkeit abzuweisen. Nicht erlaubt ist es der kommunalen Behörde</span><br/> <span class="ft1">dagegen, ein Baugesuch ohne Zustimmung des Kantons zu bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gen.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>