Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. Dezember 2015 (810 15 86) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Abweisung des Gesuchs um Familiennachzug Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Oliver Borer , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Abweisung des Gesuchs um Familiennachzug (RRB Nr. 427 vom 17. März 2015) A. Die serbische Staatsangehörige A.____, geboren 1 981, reiste am 1. November 1986 in die Schweiz ein. Sie und ihre b eiden Söhne, B.____ (geboren 2003) und C.____ (geboren 2008) verfügen über Niederlassungsb ewilligungen. Der Lebenspartner von A.____ und Vater von C.____, D.____ (geboren 1982 i n Serbien), reiste im Herbst 2008 eben- falls in die Schweiz ein und hielt sich fortan ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz auf. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 8. Februar 2013 fand die Polizei Basel-Stadt im Rahmen einer Verkehrskontrolle bei D.____ 287.2 Gramm Kokain. Mit Urteil des Strafg erichts Basel-Stadt vom 2. September 2013 wurde D.____ des Verbrechens gegen d as Betäubungsmittelgesetz, der mehrfachen Fälschung von Ausweisen, des mehrfachen Vergeh ens gegen das Ausländerge- setz, der Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes und der Ü bertretung der Verkehrszulas- sungsverordnung schuldig erklärt und zu 2 ¼ Jahren Freihei tsstrafe sowie zu einer Busse von Fr. 60.-- verurteilt. C. Am 3. September 2013 ersuchte D.____ anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Anordnung von Entfernungs- und Fernhaltemass nahmen beim Migrationsamt Ba- sel-Stadt um Asyl. Das Bundesamt für Migration (heute: Staatssekretariat für Migration) hörte D.____ am 23. September 2013 zu seinen Asylgründen an und wies seinen Antrag mit Verfü- gung vom 24. Januar 2014 ab. Gleichzeitig wurde die Wegweisung von D.____ aus der Schweiz angeordnet. Die gegen diese Verfügung erhoben e Beschwerde von D.____ wies das Bundesverwaltungsgericht mit Entscheid vom 17. Juni 2014 ab. D. Am 19. Mai 2014 heirateten D.____ und A.____. Mi t Schreiben vom 26. Mai 2014 ersuchte A.____, nachfolgend vertreten durch Oliver Bore r, Advokat, beim Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM) um Familiennachzug für ihren Ehemann. Das AfM gewährte A.____ mit Schreiben vom 5. August 2014 das rechtliche Gehör zur N ichterteilung der Aufenthaltsbewilli- gung an D.____. Mit Eingabe vom 26. August 2014 reichte A.____ ihre Stellungnahme ein. E. Nachdem das Justizministerium von Kroatien gestützt auf einen Haftbefehl des Ge- meindestrafgerichts Zagreb vom 16. Dezember 2013 die Au slieferung von D.____ verlangt hat- te, erliess das Bundesamt für Justiz am 4. August 2014 eine n Auslieferungshaftbefehl gegen D.____. Mit Entscheid vom 5. August 2014 bewilligte das Bundesamt für Justiz die Auslieferung von D.____ an Kroatien. F. Mit Entscheid vom 29. September 2014 verweigerte da s AfM D.____ die Erteilung der nachgesuchten Aufenthaltsbewilligung. Die Ausreis e habe bis spätestens zur (bedingten) Entlassung aus der Auslieferungshaft zu erfolgen. Einer a llfälligen Beschwerde wurde die auf- schiebende Wirkung entzogen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, D.____ er- fülle mit seinen Verurteilungen zu mehr als zwei Jahren die Voraussetzungen für den Wider- rufsgrund von Art. 62 lit. b und c des Bundesgesetzes übe r die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005. Auch ein Eingriff in de n Schutzbereich von Art. 8 der Konventi- on zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (E MRK) vom 4. November 1950 wä- re aufgrund der verübten Straftaten gerechtfertigt. Die Wegweisung von D.____ sei verhältnis- mässig und es könne ihm weder ermessensweise eine Aufenth altsbewilligung erteilt werden noch liege ein Härtefall vor. G. Gegen diese Verfügung des AfM erhob A.____, vertre ten durch Oliver Borer, mit Eingabe vom 9. Oktober 2014 Beschwerde beim Regierung srat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Sie beantragte, es sei in Aufhebung der Verfügung das Familiennachzugsge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht such von A.____ gutzuheissen und demgemäss D.____ die Auf enthaltsbewilligung zu erteilen; unter o/e-Kostenfolge. Mit Eingabe vom 8. Dezember 201 4 reichte A.____, vertreten durch Oli- ver Borer, die Beschwerdebegründung ein. H. Am 30. Oktober 2014 ging beim AfM die Ausreisemeld ekarte ein, wonach D.____ am 24. Oktober 2014 um 11.45 Uhr aus der Schweiz ausgereist sei. I. Mit Entscheid vom 17. März 2015 wies der Regierungsrat die Beschwerde vom 9. Oktober 2014 ab. Zur Begründung wurde im Wesentl ichen vorgebracht, dass D.____ in der Schweiz sowie in Serbien mit Urteilen vom 2. September 2013 und vom 11. März 2008 rechts- kräftig zu Freiheitsstrafen von 2 ¼ Jahren sowie 2 Jahren und 2 Monaten verurteilt worden sei. Demzufolge liege der Widerrufsgrund gemäss Art. 62 lit . b AuG vor, was zum Erlöschen des Anspruchs auf Familiennachzug gemäss Art. 43 AuG führe. D.____ habe durch seinen illegalen Aufenthalt in der Schweiz von über sechs Jahren sowie der Verurteilung zu 2 ¼ Jahren Frei- heitsstrafe gezeigt, dass er gesamthaft betrachtet nicht willig oder fähig sei, sich an die geltende Rechtsordnung zu halten. Aufgrund dessen bestehe ein star kes öffentliches Interesse an einer Fernhaltung von D.____ von der Schweiz. D.____ lebe se it rund sieben Jahren in der Schweiz, dies allerdings ohne Bewilligung. Von einem Willen zur Teilhabe am Wirtschaftsleben könne unter diesen Umständen nicht gesprochen werden. Einer ge regelten Erwerbstätigkeit sei er nicht nachgegangen und habe auch nicht in irgendeiner Form Bildung erworben. Seine Ehefrau und sein Sohn, welche beide in der Schweiz leben würde n, seien seine einzige Verbindung zur Schweiz. Der Integrationsgrad von D.____ sei daher ni cht als besonders hoch einzuordnen. Seine Ehefrau stamme ebenfalls aus Serbien und die Kin der würden sich in einem Alter befin- den, in welchem sie sich relativ problemlos an eine neu e Umgebung anpassen könnten. Die angefochtene Verfügung erweise sich somit als verhältnismässi g. Auch könne der Familien- nachzug nicht ermessensweise bewilligt werden. Die Fernh altemassnahme stelle überdies ei- nen notwendigen Eingriff im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK dar und ein Härtefall gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG liege nicht vor. J. Mit Eingabe vom 30. März 2015 erhob A.____, nach wi e vor durch Oliver Borer an- waltlich vertreten, gegen den Entscheid des Regierungsra tes vom 17. März 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwal tungsrecht (Kantonsgericht). Sie stellt das Begehren, es sei in Aufhebung des Entscheids des Regie rungsrates vom 17. März 2015 sowie in Aufhebung der Verfügung des AfM vom 29. Sept ember 2014 der Familiennachzug für D.____ zu bewilligen und ihm demgemäss eine Aufenthalt sbewilligung zwecks Verbleibs bei der Ehefrau zu erteilen; unter o/e-Kostenfolge. In der Beschwerdebegründung vom 1. Juni 2015 wird in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt, es sei eine mündliche Verhandlung vor dem Kantonsgericht durchzuführen. In der Sache macht die Bes chwerdeführerin im Wesentlichen geltend, die Verurteilungen in Serbien dürften bei der vorliegenden Beurteilung nicht ins Ge- wicht fallen, zumal D.____ zu Unrecht rechtskräftig wegen versuchter Tötung oder gar versuch- ten Mordes verurteilt worden sei. Ebenfalls habe er sich nie wegen widernatürlicher Unzucht mit Kindern strafbar gemacht, auch wenn er hierzu verurte ilt worden sei. Aufgrund der strafrechtli- chen Verurteilungen von D.____ in der Schweiz sei zwar grundsätzlich eine Fernhaltemass- nahme gerechtfertigt, das private Interesse, hier in der Schweiz mit seiner Familie leben zu Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht können, sei jedoch höher zu gewichten. D.____ gelte als bestens integriert, da er die deutsche Sprache spreche, sich künftig an die Rechtsordnung halte und einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen werde. Eine konkrete Gefahr sei von D.____ i nskünftig nicht zu erwarten. Die Nich- terteilung einer Aufenthaltsbewilligung sei unverhäl tnismässig, da eine weniger weit gehende Massnahme genügen würde. K. In seiner Vernehmlassung vom 1. Juli 2015 stellt der Regierungsrat das Begehren auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wird im Wesen tlichen ausgeführt, dass sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Entscheid mit der strafrechtlichen Verurteilung von D.____ intensiv auseinander gesetzt habe und zum Schluss gekomme n sei, dass sich das serbische Gericht ausführlich mit dem Sachverhalt und den Zeugenaussagen beschäftigt und seine recht- liche Würdigung ausführlich begründet habe. Darüber h inaus hätten sowohl der Regierungsrat als auch das AfM ihre Entscheide vor allem mit der Stra ffälligkeit von D.____ in der Schweiz begründet. Im Übrigen werde vollumfänglich auf den an gefochtenen Entscheid verwiesen und festgehalten, dass die Verweigerung der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung sowohl angemes- sen als auch verhältnismässig sei. L. Mit Präsidialverfügung vom 10. August 2015 wurde d er Antrag auf Anordnung einer Parteiverhandlung abgewiesen und der Fall der Kamme r zur Beurteilung im Rahmen einer Ur- teilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da die Be schwerdeführerin Adressatin des angefochtenen Entscheides ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung hat, die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt und sowohl di e örtliche wie auch die sachliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetre- ten werden. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Strittig ist, ob die Abweisung des Gesuchs um Familie nnachzug zu Recht erfolgte. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 AuG; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustä ndige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzl ichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Ertei lung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189 E. 2. 3; M ARC SPESCHA in: Spe- scha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht , 3. Auflage, Zürich 2012, N 1 ff. zu Art. 3 AuG; P ETER UEBERSAX in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerr echt, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 4.2 Vorab ist festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und Serbien keine staatsvertragli- che Vereinbarung besteht, welche D.____ einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz ein- räumt. Auf den mit Serbien am 16. Februar 1888 geschl ossenen Niederlassungsvertrag (Nie- derlassungs- und Konsularvertrag zwischen der Schweiz und S erbien vom 16. Februar 1888) können sich rechtsprechungsgemäss nur noch Personen berufen, welche gemäss der landes- rechtlichen Fremdenpolizeiordnung endgültig zugelassen sind, mithin eine Niederlassungsbe- willigung nach dem nationalen Recht besitzen (Entscheid des Kantonsgerichts, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 24. März 201 0 [810 09 321] E. 5.2 mit Hinwei- sen). Dies trifft auf D.____ nicht zu. 4.3 Der ausländerrechtliche Familiennachzug ist in den Art. 42 ff. AuG geregelt. Gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten und led ige Kinder unter 18 Jahren von Per- sonen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erte ilung und Verlängerung einer Aufent- haltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Die Nachzugsfristen gemäss Art. 47 Abs. 1 AuG beginnen bei Familienangehörigen von Auslä ndern mit der Erteilung der Aufent- halts- oder Niederlassungsbewilligung oder der Entsteh ung des Familienverhältnisses (Art. 47 Abs. 3 lit. b AuG). Innert dieser Frist muss das Gesuch e ingereicht werden (Art. 73 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstäti gkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007). Ein nachträglicher Familiennachzug wird nur bewilligt , wenn wichtige familiäre Gründe geltend gemacht werden. Vorliegend ist unbestritten, dass die gesetzliche Frist für den Nachzug von D.____ eingehalten wurde und dieser somit grundsätzlich Anspruch auf Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung hat. 5.1 Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie dem inhaltli ch gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) v om 18. April 1999 geschütz- ten Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens kö nnen ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufenthalt od er Verbleib in einem andern Staat ablei- ten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme zur Trennu ng von Familienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizeri- schen Ausländerrecht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, Europä- ische Grundrechte-Zeitschrift [EuGRZ] 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Diese Garantien können somit dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Familienleben vereitelt wird. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Recht sprechung zu Art. 8 EMRK müssen die sich hierzulande aufhaltenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfü- gen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie das Schweize r Bürgerrecht oder eine Niederlas- sungsbewilligung besitzen oder über eine Aufenthaltsbew illigung verfügen, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zudem müssen dies e Personen zur Kernfamilie (Ehegatte oder im gleichen Haushalt lebende, minderjährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Ein staa tlicher Eingriff in das Recht auf Achtung des Familienlebens liegt indessen regelmässig nicht vor, wenn den Angehörigen zugemutet werden kann, ihre Beziehung im Ausland zu leben. Ist es den in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Familienmitgliedern möglich, mit dem Ausländer, dem e ine fremdenpolizeiliche Bewilligung verweigert worden ist, auszureisen, wird der Schutzberei ch von Art. 8 EMRK normalerweise nicht berührt (BGE 135 I 153 E. 2.1; BGE 122 II 289 E. 3b). 5.2 Sowohl die Beschwerdeführerin als auch der gemeinsame m inderjährige Sohn verfü- gen über Niederlassungsbewilligungen. Ein gefestigtes A nwesenheitsrecht der Kernfamilie von D.____ liegt somit vor. Aus den Akten ergibt sich zudem, dass die Beschwerdeführerin und D.____ seit dem 19. Mai 2014 verheiratet sind und ei nen gemeinsamen Sohn haben. Bis zu seiner Verhaftung am 8. Februar 2013 lebte D.____ zusa mmen mit seiner Ehefrau, dem ge- meinsamen Sohn und seinem Stiefsohn im selben Haushalt . Es ist somit davon auszugehen, dass zwischen D.____ und seiner Kernfamilie eine enge, ta tsächliche und intakte Beziehung besteht. Es ist jedoch festzuhalten, dass es der Beschwerdefü hrerin und ihren beiden Söhnen, welche alle über die serbische Staatsbürgerschaft verfügen, zumutbar ist, D.____ nach Serbien zu folgen. Ihre Söhne sind sieben und zwölf Jahre alt und damit noch in einem anpassungsfähi- gen Alter (Urteil des Bundesgerichts 2C_659/2015 vom 2 0. August 2015 E. 1.1 und 5.2.3). Aus den Akten und der Beschwerdebegründung geht überdies nicht hervor, wo der leibliche Vater des Stiefsohns von D.____ lebt und ob zwischen ihnen Kont akt besteht. Für die Familie würde ein Wegzug aus der Schweiz eine starke Veränderung ihres bisherigen Lebens bedeuten. Eine Integration in Serbien ist jedoch durchaus möglich, zuma l die Beschwerdeführerin serbisch spricht, D.____ Verwandte in Serbien hat und über einen serbischen Universitätsabschluss ver- fügt, was ihm bei der beruflichen sowie sozialen Integ ration behilflich sein wird. Schliesslich musste die Beschwerdeführerin nach der Verurteilung D. ____s am 2. September 2013 zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe im Zeitpunkt ihrer Heir at am 19. Mai 2014 davon ausgehen, dass ihrem Ehemann aufgrund seines deliktischen Verhaltens sow ie seines illegalen Aufenthalts die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verweigert werden würde und sie ihr Ehe- bzw. Familien- leben nicht in der Schweiz werden fortsetzen können. Die Beschwerdeführerin bringt weiter nichts vor, was geeignet wäre, die Annahme des Regierungsrates infrage zu stellen, dass es ihr und den zwei Söhnen zumutbar sei, nach Serbien zurückzuk ehren. Mit der Vorinstanz ist dem- nach davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin keine Ansprüche aus dem in Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantierten Schutz des Familienlebens ableiten kann. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Selbst wenn die Beschwerdeführerin Ansprüche aus A rt. 8 EMRK geltend machen könnte, gelten weder der gesetzliche Anspruch auf Aufenthalt nach Art. 43 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK absolut. 6.1 Der Anspruch auf Familiennachzug gemäss Art. 43 kann erlöschen, wenn insbesonde- re Widerrufsgründe nach Art. 62 vorliegen (Art. 51 A bs. 2 lit. b AuG). Der Widerrufsgrund muss bei derjenigen Person gegeben sein, welche einen Anspr uch auf Bewilligung geltend macht, d.h. vorliegend beim nachzuziehenden Ehegatten der Besc hwerdeführerin (Urteil des Bundes- gerichts 2C_847/2009 vom 21. Juli 2010 E. 3.2; KGE VV vom 21. November 2012 [810 12 39] E. 4). 6.2 Ein Widerrufsgrund liegt gemäss Art. 62 lit. b AuG vor, wenn der Ausländer oder die Ausländerin zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe veru rteilt wurde. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in diesem K ontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wo bei mehrere unterjährige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 13 7 II 297 E. 2; BGE 135 II 377 E. 4.2). Keine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedi ngt oder unbedingt ausgesprochen wurde (Urteil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 20 10 E. 2.1). Ein Widerruf ist eben- falls möglich, wenn die ausländische Person in schwerwieg ender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährdet hat (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Die Praxis geht hiervon au s, wenn sie durch ihr Handeln besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht hat, sich von strafrechtlichen Mass- nahmen nicht beeindrucken lässt und sich im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die Rechtsordnung zu halten (BGE 137 II 297 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.2). 6.3 Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK darf in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut eingegriffen werden, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung d er Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Freihei- ten anderer notwendig ist. 6.4 D.____ wurde mit Urteil des Strafgerichts Basel-S tadt vom 2. September 2013 zu einer Freiheitsstrafe von 2 ¼ Jahren und damit zu einer lä ngerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Widerrufsgrund von Art. 62 lit. b AuG ist erfüllt, was auch von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten wird. Demzufolge muss nicht mehr geprü ft werden, ob das Verhalten von D.____ zugleich als erheblicher oder wiederholter Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 62 lit. c AuG zu werten ist, zumal dieser Widerrufsgrund in der vor- liegenden Konstellation nur subsidiär zur Anwendung kom men würde (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.2). Der gesetzliche Anwesenheitsanspruch ist dam it grundsätzlich erloschen. Die Verurtei- lung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe rechtfer tigt dem Grundsatz nach gleichzeitig einen Eingriff in den grundrechtlich begründeten Anwesenhe itsanspruch, denn der angefochtene Ent- scheid stützt sich auf eine gesetzliche Grundlage und er be zweckt die Aufrechterhaltung der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht öffentlichen Ordnung sowie die Verhinderung weitere r strafbarer Handlungen. Er verfolgt damit öffentliche Interessen, die in Art. 8 Ziff. 2 EMRK a usdrücklich erwähnt sind (KGE VV vom 21. August 2013 [810 13 52] E. 4.3). 7.1 Das Vorliegen von Erlöschensgründen nach Art. 51 Au G und von Rechtfertigungs- gründen nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK führt nicht automa tisch zum Erlöschen der eingeräumten Rechtsansprüche auf Erteilung und Verlängerung auslän derrechtlicher Bewilligungen. Vielmehr rechtfertigt sich die Nichterteilung resp. Nichtverlänger ung und die damit verbundene Wegwei- sung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) nach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Massnahme im Einzelfall gestützt auf eine umfassende Güterabwägu ng verhältnismässig erscheint. Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und di e öffentlichen und privaten Interes- sen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/ Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländ er, Bern 2010, N 3 zu Art. 51; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich g egenüberstehenden privaten Interessen an der Erteilung der Bewilligung und der öffentlich en Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Analoge Vorauss etzungen ergeben sich aus Art. 36 BV im Hinblick auf einen Eingriff in Art. 13 BV. Gleich w ie Art. 96 Abs. 1 AuG verlangt auch die EMRK in diesem Zusammenhang eine Abwägung der sich geg enüberstehenden privaten Inte- ressen an der Erteilung der Bewilligung und den öffen tlichen Interessen an deren Nichtertei- lung. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGM R) stützt sich bei der Beurteilung der Zulässigkeit aufenthaltsbeendender Massnahmen im Ra hmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK auf die gleichen Aspekte wie die bundesgerichtliche Praxis (ANDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , a.a.O., S. 13; BGE 139 I 31 E. 2.3.3). Daraus folgt , dass eine Massnahme, die sich im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG als verhältnismässig erweist, grun dsätzlich auch vor Art. 8 EMRK standhält (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 4). 7.2 Im Rahmen dieser Interessenabwägung sind nach der bundesgerichtlichen Praxis na- mentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des B etroffenen, der seit der Tat ver- gangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die de m Betroffenen und seiner Familie dro- henden Nachteile zu berücksichtigen (A NDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , a.a.O., S. 12 f.; BGE 135 II 377 E. 4.3). Ähnliche Vorgaben ergeben sich auc h aus der Praxis des Europäischen Ge- richtshofs für Menschenrechte. Demgemäss sind die Natur und die Schwere der begangenen Delikte sowie die seit der Tatbegehung verstrichene Ze it und das seitherige Verhalten der be- treffenden Person zu berücksichtigen. Von Bedeutung sind auch die Dauer des Aufenthaltes der ausländischen Person im Gastgeberstaat und die Inte nsität ihrer sozialen, kulturellen und familiären Bindungen sowohl im Gastgeberstaat als auch im Heimatland. Ebenso ist die familiä- re Situation des Betroffenen zu beachten, namentlich die Dauer seiner Ehe, die Staatsangehö- rigkeit sämtlicher beteiligter Personen sowie übrige U mstände, welche Rückschlüsse auf die effektive Natur der Paarbeziehung erlauben. Massgebend ist weiter, ob die Ehegattin bzw. der Ehegatte der betreffenden ausländischen Person bei Auf nahme der familiären Beziehung von deren deliktischen Handlungen gewusst hatte. Ferner spie lt auch eine Rolle, welche Probleme Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Ehefrau resp. der Ehemann bei einer gemeinsamen Ausreise ins Heimatland des Partners zu gegenwärtigen hätte. Zu prüfen ist sodann, ob aus de r Beziehung Kinder hervorgegangen sind und in welchem Alter sich diese gegebenenfalls befinden. Insbesondere sind auch die Inte- ressen und das Wohl der Kinder des Betroffenen von Bedeu tung, wobei namentlich deren mutmasslichen Schwierigkeiten bei der Rückkehr in ihr He imatland Rechnung zu tragen ist (KGE VV vom 21. August 2013 [810 13 52] E. 5.2 mit Hi nweisen auf die Urteile des EGMR Kis- siwa Koffi gegen die Schweiz [38005/07] vom 15. Novem ber 2012 § 63; Boultif gegen die Schweiz [54273/00] vom 2. August 2001 § 48). 7.3 Was das Fernhalteinteresse anbetrifft, so muss gemäss d er bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei schweren Straftaten – wozu grundsät zlich auch Drogendelikte aus rein finanziellen Motiven gehören – selbst ein geringes Restri siko weiterer Delinquenz nicht in Kauf genommen werden (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 130 II 176 E. 4.2 - 4.4 mit Hinweisen). Auch der EGMR akzeptiert ausdrücklich, dass bei Betäubungsmitte ldelinquenz von einer gewissen Schwere ein strenger Massstab angelegt wird; gemäss seiner Praxis überwiegt bei Betäu- bungsmitteldelikten regelmässig das öffentliche Interesse a n der Beendigung des Aufenthalts (Urteil des EGMR Kissiwa Koffi gegen die Schweiz [38005 /07] vom 15. November 2012 § 65 ff.). Bei Ausländern, welche sich wie D.____ nicht auf das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europ äischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZ A) vom 21. Juni 1999 berufen können, darf im Rahmen der Interessenabwägung abgesehen von de r aktuellen Gefährdung der öffent- lichen Ordnung und Sicherheit, die von der betroffene n Einzelperson ausgeht, namentlich auch generalpräventiven Gesichtspunkten Rechnung getragen w erden (BGE 130 II 176 E. 4.2 - 4.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_963/2012 vom 1. April 2013 E. 5.1.3). 8. Somit bleibt nachfolgend anhand der dargelegten R echtslage zu prüfen, ob unter Be- rücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Falle s die öffentlichen Interessen an der Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbe willigung die privaten Interessen von D.____ an einem Aufenthalt in der Schweiz überwiegen. 8.1 Das Strafgericht Basel-Stadt hat am 2. September 2013 D.____ des Verbrechens ge- gen das Betäubungsmittelgesetz (grosse Gesundheitsgefahr), der mehrfachen Fälschung von Ausweisen, des mehrfachen Vergehens gegen das Ausländer gesetz (rechtswidrige Einreise und rechtswidriger Aufenthalt), der Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes und der Übertre- tung der Verkehrszulassungsverordnung schuldig erklärt und zu 2 ¼ Jahren Freiheitsstrafe so- wie zu einer Busse verurteilt. Bezüglich des Tatvorwurfs de s Verbrechens gegen das Betäu- bungsmittelgesetz führte das Strafgericht aus, dass D.____ im Rahmen einer Verkehrskontrolle von der Polizei angehalten und bei ihm 287.2 Gramm Ko kain mit einem Reinheitsgehalt von 78% sichergestellt worden sei. Bei der darauf durchgefü hrten Hausdurchsuchung seien zudem Gegenstände sicher gestellt worden, wie sie im Drogen handel Verwendung fänden: nichtre- gistrierte Handys, Listen mit Abrechnungen und Listen mi t Telefonnummern, die teilweise Leu- ten aus dem Drogenmilieu zugerechnet werden konnten so wie eine grosse Menge Bargeld in für den Betäubungsmittelhandel typischer Stückelung und teilweise mit Kokain kontaminiert. Das Strafgericht folgerte daraus sowie aus der Tatsache, dass D.____ im Besitz hochkon- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zentrierten Kokains habe festgenommen werden können, da ss er selber im illegalen Betäu- bungsmittelhandel aktiv gewesen und nicht, wie von ihm behauptet, von einem Dritten mit einer einmaligen Kurierfahrt beauftragt worden sei. Aus dem Tatumstand, dass D.____ eine grössere Menge Kokain transportiert habe, welche aufgrund der hohen Konzentration in jedem Fall nochmals habe gestreckt werden müssen, bevor es habe verkau ft werden können, folgerte das Strafgericht zudem, dass D.____ im Rahmen der Absatzor ganisation mit Sicherheit nicht auf der untersten Stufe agiert habe. Während des ganzen S trafverfahrens habe sich D.____ mit einer dreisten Lügengeschichte von einem rachsüchtigen L okalpolitiker und einem korrupten Justiz- und Polizeisystem in Serbien versucht als Saubermann darzustellen, der die Delikte aus purer Not heraus begangen habe. Auch habe D.____ währ end des Verfahrens nicht kooperiert und weder seine Hintermänner preisgegeben noch nähere Angaben zu seiner Funktion im Dro- genhandel gemacht. Insgesamt sei von einem schweren Ver schulden auszugehen (vgl. Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 2. September 2013 S. 16 f.). 8.2 Das strafrechtlich relevante Verhalten von D.____ i nsbesondere im Bereich des Dro- genhandels belastet sein Ansehen auch in ausländerrechtl icher Hinsicht in aussergewöhnli- chem Ausmass, zumal mit dem Strafgericht von einem schweren Verschulden auszugehen ist. D.____ ist in der Schweiz als nicht süchtiger Kokainhändl er tätig geworden und hat aus rein finanziellen Interessen die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen gefährdet. Die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 2 ¼ Jahren wegen mehreren Straftaten, hauptsächlich aber wegen eines Betäubungsmitteldelikts, lässt auf eine Geringschät zung und Gleichgültigkeit gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung schliessen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_295/2009 vom 25. September 2009 E. 5.3, wo eine Freiheitsstrafe von 27 Monaten wegen Betäubungs- mitteldelikten zur Diskussion stand). Dieser Eindruck wird verstärkt durch die weiteren Umstän- de des vorliegenden Falles. D.____ hat sich seit seiner Einreise in die Schweiz nie um einen geregelten legalen Aufenthaltsstatus bemüht und sich während rund sieben Jahren illegal in der Schweiz aufgehalten. Erheblich negativ ins Gewicht fällt zudem, dass D.____ bereits in Serbien mit Urteil des Kreisgerichts in E.____ vom 13. Septemb er 2007 unter anderem wegen versuch- ten Mordes zu 2 Jahren und 2 Monaten Gefängnisstrafe ver urteilt wurde (vgl. übersetzter Be- scheid des Amtsgerichts E.____ der Republik Serbien vom 14 . Mai 2014, Urteil des Strafge- richts Basel-Stadt vom 2. September 2013 S. 17). Dem St rafurteil Basel-Stadt vom 2. September 2013 ist überdies zu entnehmen, dass D.____ bereits früher in ein Strafverfahren in Serbien involviert war und am 23. Oktober 2002 wege n “gewalttätigen Verhaltens“, “Nöti- gung“ und “widernatürlicher Unzucht mit Kindern“ zu ei ner bedingten Freiheitsstrafe von 3 Mo- naten verurteilt wurde (Urteil des Strafgerichts Basel -Stadt vom 2. September 2013 S. 8). D.____ war demzufolge über längere Zeit nicht bereit, aus seinen früheren Strafen Lehren zu ziehen. Die Beschwerdeführerin bestreitet in ihrer Besch werdebegründung die Verurteilungen ihres Ehemannes in Serbien nicht, sie führt jedoch aus, er habe die ihm vorgeworfenen Taten nicht begangen und sei Opfer eines korrupten Polizei- und Justizsystems in Serbien geworden. Weder das Strafgericht Basel-Stadt noch das Bundesverwaltu ngsgericht sehen diese Ausfüh- rungen jedoch als glaubhaft an. So führt das Bundesverw altungsgericht in seinem Abweisungs- entscheid betreffend das Asylgesuch von D.____ aus, ein solcher Politmalus, wie ihn D.____ aufzeigt, sei nicht ersichtlich. Das serbische Gericht habe sich ausführlich mit dem Sachverhalt und den Zeugenaussagen beschäftigt und seine rechtliche Wü rdigung ausführlich begründet. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____ sei es zudem möglich gewesen, von seinem Beschwer derecht Gebrauch zu machen und ein zweitinstanzliches Gericht anzurufen. Auch das ausge sprochene Strafmass von 2 Jahren und 2 Monaten erscheine im Hinblick auf den Vor wurf der versuchten Tötung und des illegalen Waffenbesitzes nicht als unverhältnismässig hohe S trafe (vgl. Urteil des Bundesver- waltungsgerichts D-655/2014 vom 17. Juni 2014 E. 7.2). Diesen Ausführungen kann gefolgt werden, zumal den vorliegenden Akten sowie der Beschwerd ebegründung der Beschwerdefüh- rerin keine Anhaltspunkte zu entnehmen sind, welche die se Schlussfolgerungen in Zweifel zu ziehen vermögen. Der Regierungsrat hat des Weiteren korrekt befunden, die Prognose hinsicht- lich eines zukünftigen Wohlverhaltens falle für D.____ a uch im Hinblick auf seine früheren Ver- urteilungen nachteilig aus bzw. müsse auch ein geringes R ückfallrisiko bei Drogendelinqunez nicht hingenommen werden. Die in der Beschwerdebegrün dung angeführten Zukunftsperspek- tiven, dass sich D.____ an die Rechtsordnung halten und einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen werde, entbehren jeglicher Tatbeweise. Wed er das Zusammenleben mit seiner Ehefrau in der Schweiz noch die Geburt des gemeinsamen Kindes am 12. November 2008 ha- ben D.____ davon abgehalten, in der Schweiz in erhebl ichem Mass gegen die öffentliche Si- cherheit und Ordnung zu verstossen. Von einer positiven p ersönlichen Entwicklung und einem vorbildlichen Verhalten ist unter diesen Umständen nich t auszugehen. Angesichts der kaum vorhandenen Einsicht in das begangene Unrecht bzw. die beharrlichen unglaubwürdigen Recht- fertigungsversuche, insbesondere hinsichtlich des Betäubun gsmitteldelikts, ist eine Rückfallge- fahr gegeben. Diese muss rechtsprechungsgemäss nicht hinge nommen werden (vgl. E. 7.3). Nach dem Gesagten besteht ein erhebliches öffentliches Interesse daran, D.____ keine Aufent- haltsbewilligung zu erteilen und ihn aus der Schweiz wegzuweisen. 8.3 Bei der Würdigung der privaten Interessen D.____s am Verbleib in der Schweiz sind insbesondere auch diejenigen seiner Ehefrau und seines Sohnes zu berücksichtigen. Die Be- schwerdeführerin macht diesbezüglich geltend, dass sie das F amilienleben mit ihrem Ehemann und ihren Söhnen auch weiterhin hier in der Schweiz führen wolle. Weitere private Interessen werden von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemach t und sind auch nicht ersichtlich. Nicht in der Schweiz bei seiner Familie leben zu können, würde D.____ und seine Familie si- cher hart treffen und es ist somit von einem gewichtig en privaten Interesse D.____s an einem Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. Rechtsprechungsgemäss werden unter dem Aspekt des Ehe- und Familienlebens die Dauer der ehelichen Bezieh ung und weitere Gesichtspunkte be- rücksichtigt, welche Rückschlüsse auf deren Intensität zulassen (Geburt und Alter allfälliger Kinder, Kenntnis der Tatsache, dass die Beziehung wegen der Straftat unter Umständen nicht in der Schweiz wird gelebt werden können; vgl. BGE 1 35 II 377 E. 4.3). D.____ und die Be- schwerdeführerin heirateten am 19. Mai 2014, acht Mon ate nach der strafrechtlichen Verurtei- lung von D.____ und vier Monate nachdem das Asylgesuch von D.____ abgewiesen und seine Wegweisung aus der Schweiz verfügt wurde. Sie mussten daher wissen, dass sie die Ehe unter Umständen nicht in der Schweiz würden leben können. Obwohl eine Rückkehr nach Serbien für die hier niederlassungsberechtigte Beschwerdeführerin mit Schwierigkeiten verbunden wäre, ist sie ihr und ihren beiden Söhnen, welche wie ihre Mutter die serbische Staatsbürgerschaft besit- zen, zumutbar (vgl. E. 5.2). Es steht der Beschwerdeführ erin frei, ob sie in der Schweiz bleiben oder ihrem Ehemann nach Serbien folgen will. Sollte sie ihre familiäre Beziehung nicht in der gemeinsamen Heimat leben wollen, wird D.____ allenfa lls um die Neuerteilung einer Bewilli- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung nachsuchen können, sollte ein Bewilligungsanspruch fortbestehen und dannzumal davon auszugehen sein, dass er sich in seiner Heimat bewährt hat und er keine Gefahr mehr für die hiesige Sicherheit und Ordnung bildet (vgl. Urteile d es Bundesgerichts 2C_1170/2012 vom 24. Mai 2013 E. 3 und 4; 2C_487/2012 vom 2. April 20 13 E. 3 - 5). Inzwischen kann er die Be- ziehungen über die Grenzen hinweg besuchsweise bzw. allenfalls täglich über die Neuen Medi- en pflegen. Die Beschwerdeführerin ist zudem in der Sc hweiz berufstätig und somit in der Lage für sich und ihre beiden Söhne zu sorgen. Da D.____ n icht berufstätig war und die Familie sei- nen Angaben zufolge nicht in den Genuss seiner Einnahm en aus dem Betäubungsmittelhandel gekommen ist, muss seine Familie zumindest in finanzielle r Hinsicht durch seine Wegweisung keine Verschlechterung der Lebensumstände hinnehmen. 8.4 Wie oben ausgeführt wurde, impliziert eine Verurt eilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren in jedem Fall einen so schwerwiege nden Verstoss gegen die schweizeri- sche Rechtsordnung, dass nach kurzer Aufenthaltsdauer die Aufenthaltsbewilligung in der Re- gel nicht mehr zu verlängern bzw. zu erteilen ist. Bei der vorliegenden Drogendelinquenz D.____s muss nach der Rechtsprechung selbst ein geringe s Restrisiko weiterer Straffälligkeit nicht in Kauf genommen werden. Die Schwere des Verschul dens, die Delinquenz als nicht süchtiger Betäubungsmittelhändler sowie die Rückfallgefahr begründen ein gewichtiges öffentli- ches Interesse an der Fernhaltung D.____s aus der Schwe iz. Seiner prekären resp. illegalen Anwesenheit in der Schweiz unter teilweise falschen Per sonalien kann kein besonderes Ge- wicht beigemessen werden (vgl. BGE 137 II 1 E. 4.3). So mit kann vorliegend nicht von einer langen und schon gar nicht von einer lebensprägenden Auf enthaltsdauer von D.____ in der Schweiz gesprochen werden. Angesichts der Straffälligkei t kann zudem von vornherein nicht von einer vertieften Integration in die hiesigen Verhä ltnisse gesprochen werden. Ohnehin be- stehen keine Anhaltspunkte, wonach sich D.____ hier gut integriert habe und mit den schweize- rischen Gepflogenheiten vertraut sein könnte. Über beson ders intensive soziale Beziehungen zum ausserfamiliären bzw. zum ausserhäuslichen Bereich in der Schweiz verfügt er nicht. D.____ hat sich auch in beruflicher Hinsicht nicht integ riert und eine Wegweisung ist aus wirt- schaftlicher und arbeitsmarktlicher Sicht ohne Weiteres v ertretbar. D.____ ist als Erwachsener im Alter von 26 Jahren erstmals in die Schweiz eingereist und hat somit den grössten Teil sei- nes Lebens – insbesondere die prägenden Kinder- und Jug endjahre – im Herkunftsland ver- bracht. Er ist mit den Verhältnissen vor Ort, so auch mi t Kultur und Sprache, bestens vertraut und verfügt nach wie vor über persönliche Kontakte, zum Beispiel zu seinen Eltern, welche ihn nach wie vor finanziell unterstützen und ihm bei seiner Wiedereingliederung in Serbien behilflich sein können (Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 2. September 2013 S. 11). Eine Gefähr- dungslage, welche D.____ Schwierigkeiten bei der Rück kehr nach Serbien bereiten könnte, liegt nicht vor. Wie vorstehend ausgeführt, hat das Bun desverwaltungsgericht die diesbezügli- chen Vorbringen von D.____, wonach er in Serbien aufg rund des politischen Engagements sei- nes Vaters verfolgt werde, als nicht glaubhaft eingestuft (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge- richts D-655/2014 vom 17. Juni 2014 E. 6.2). Auch im vor liegenden Beschwerdeverfahren wird nicht substantiiert dargelegt und es ist zudem nicht er sichtlich, weshalb D.____ bei einer Rück- kehr grosse Schwierigkeiten bei der Reintegration in Serbien drohen sollten. Dass die Rückkehr unbestreitbar mit persönlichen Nachteilen verbunden ist, ändert an der Zumutbarkeit indes nichts, zumal D.____ die Wegweisung aus der Schweiz sein em persönlichen Verhalten zuzu- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht schreiben hat. Der allfällige Verlust des gemeinsamen F amilienlebens stellt in dieser Konstella- tion ohne zusätzliche hinzu tretende Faktoren kein ungewöhnlich gewichtiges privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz dar. Der Regierungsra t durfte dementsprechend ohne Verlet- zung von Bundes- oder Konventionsrecht zum Ergebnis kommen, die öffentlichen Interessen an einer Verweigerung der Erteilung einer Aufenthaltsbe willigung würden die privaten Interessen von D.____ und seiner Familie an einem weiteren Verbleib in der Schweiz überwiegen. 9. Zusammengefasst erweist sich die Verweigerung der Erte ilung der Aufenthaltsbewilli- gung an D.____ und seine Wegweisung aus der Schweiz al s verhältnismässig, weshalb der in der Beschwerdebegründung gestellt Antrag, eine mildere Massnahme zu ergreifen bzw. D.____ lediglich zu verwarnen, abzuweisen ist. Der Regierungsrat hat entsprechend den rechtlichen Anforderungen die öffentlichen Interessen, die persönl ichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration im Rahmen einer umfassenden Interessenabwäg ung berücksichtigt. Zudem beste- hen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Regierungsrat da s ihm zustehende Ermessen rechts- fehlerhaft ausgeübt hätte. Die Verweigerung der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an D.____ und dessen Wegweisung aus der Schweiz erfolgten nach dem Gesagten zu Recht, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 10. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgerich t kostenpflichtig. Die Verfahrenskos- ten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten un d werden in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.- - der unterlegenen Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in de r Höhe von Fr. 1'800.-- zu ver- rechnen. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilwe ise obsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Parteikosten sind demnach wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- verrechnet. Der zuviel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400. -- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin