B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6337/2012/wif U r t e i l v o m 1 7 . D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Russland, alias B._______, geboren (…), Russland, und dessen Ehefrau C._______, geboren (…), Russland, vertreten durch lic. iur. Johan Göttl, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 23. November 2012 / N _______. D-6337/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer – ein russischer Staatsangehöriger tschet- schenischer Ethnie – am 22. Dezember 2009 im E mpfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) D._______ erstmals um Asyl nachsuchte, dass das BFM mit Verfügung vom 13. April 2010 auf dieses Asylgesuch in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat und d ie Wegweisung des Beschwerd e- führers nach Polen sowie den Wegweisungsvollzug anordnete, dass das Bundesverwaltungsgericht eine dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil D-2740/2010 vom 20. August 2010 abwies, dass der Beschwerdeführer am 1. November 2010 verschwand und seit- her unbekannten Aufenthaltes war, dass er und seine Ehefrau – eine russische Staatsangehörige tschet - schenischer Ethnie – am 17. August 2012 illegal in die Schweiz einrei s- ten, wo sie am 21. August 2012 im EVZ D._______ Asylgesuche einreich- ten, dass das BFM ihnen anlässlich der Befragung en zur Person am 27. A u- gust 2012 das rechtliche Gehör zum voraussichtlichen Nichteintretensent- scheid, zur Zuständigkeit Polens für die Durchführung des Asyl- und Weg- weisungsverfahrens beziehungsweise zu einer allfälligen Wegweisung dorthin gewährte und ihnen Gelegenheit gab, sich dazu zu äussern, dass der Besch werdeführer diesbezüglich erklärte, in Polen bestehe die Gefahr, nach Tschetschenien zurückgeschafft zu werden, dass er um einen Aufenthalt in der Schwei z bitte, weil er nicht nach Tschetschenien gehen könne, dass seine Söhne und Enkelkinder auch in der Schweiz seien, dass die Beschwerdeführerin ihrerseits angab, sie möchte mit ihren Sö h- nen zusammenleben, dass sie als Zusatzbemerkung geltend machte, sie mö chte nur in der Schweiz sein, D-6337/2012 Seite 3 dass ein in der Schweiz wohnhafter Sohn der Beschwer deführenden (Verfahren N _______) mit Schreiben vom 7. Sept ember 2012 das BFM auf die Schwierigkeiten, welchen seine Eltern in Tschetschenien ausg e- setzt gewesen seien, hinwies, dass er das Bundesamt ersuchte, auf die Asylgesuche der Eltern einz u- treten, da sie krank und betagt seien und Unterstützung von ihm sowie seinem ebenfalls in der Schweiz lebenden Bruder benötigten, dass das BFM gestützt auf zwei Eurodac -Treffer hinsicht lich des B e- schwerdeführers und einen Eurodac -Treffer bezüglich der Beschwerd e- führerin am 12. Oktober 2012 die polnischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Veror d- nung [EG] Nr. 343/2003 des Rat es vom 18. Feb ruar 2003 (Dublin-II-Ver- ordnung) zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehör i- gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist, ersuchte (vgl. B14 und B15), dass die polnischen Behörden dem Übernahmeersuchen für die B e- schwerdeführerin am 17. Oktober 2012 und demjenigen für den B e- schwerdeführer am 9. November 2012 zustimmten (vgl. B21 und B25), dass das BFM mit Schreiben vom 23. Oktober 2012 seitens der (… ) dar- auf hingewiesen wurde, das Bundesverwaltungsgericht habe die B e- schwerde des Sohnes der Beschwerdeführenden (Ver fahren N _______) gutgeheissen und ihn sowie seine Familie als Flüchtlinge anerkannt, dass die Bes chwerdeführenden im Heimatland von ei ner Reflexverfol- gung betroffen seien, nachdem ihr Sohn (Verfahren N _______) das Land verlassen habe, dass das BFM deshalb ersucht werde, sie ebenfalls als Flüchtlinge anzu- erkennen und ihnen Asyl zu gewähren, dass das BFM mit Verfügung vom 23. November 2012 – eröffnet am 30. November 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche vom 21. August 2012 nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Polen anordnete und die Beschwerdeführenden auffor- derte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den Kanton E._______ verpflichtete, die Wegweisungsver- fügung zu vo llziehen, den Beschwerdeführenden die editionspflichtigen D-6337/2012 Seite 4 Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte und feststellte, eine allfällige Beschwerde gegen die Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, dass die Beschwerdeführenden gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 5. Dezember 2012 (Poststempel vom 6. Dezember 2012) beim Bunde s- verwaltungsgericht Beschwerde erheben und dabei beantragen liessen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und das Bundesamt a n- zuweisen, sein Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für vorliegen- des Asylgesuch für zuständig zu erachten, dass im Sinne vorsorglicher Massnahmen die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen (recte: zu erteilen) sei und die Vollzug s- behörden anzuweisen seien, von einer Überstellung nach Griechenland (recte: Polen) abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt der eingereichten Beschwerde entschieden habe, dass die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Ver- waltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zu bewilligen, in der Person des Unterzeichnenden ein u n- entgeltlicher Rechtsvertreter beizugeben und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten sei, dass als Beilagen Kopien dreier Belege hinsichtlich Unterstützungsleis- tungen der (…) für die Monate September -November 2012 sowie eines den Beschwerde führer betreffenden ärztlichen Kurzzeugnisses vom 5. Dezember 2012 des Kantonsspitals F._______ eingereicht wurden, dass auf die Beschwerdebegründung – soweit entscheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen wird, dass die vorinstanzlichen Akten am 10. Dezember 2012 beim Bundesver- waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei- det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 D-6337/2012 Seite 5 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme in casu nicht vorliegt, weshalb das Bunde s- verwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen (Art. 32 – 35a AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwe r- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5.), dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintr e- tensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen mat e- riellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die S a- che zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entsche i- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), D-6337/2012 Seite 6 dass auf Asylges uche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen kön nen, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass der Beschwerdeführer der Euro dac-Datenbank zufolge am 18. D e- zember 2009 und am 11. August 2012 in Polen um Asyl nachsuchte, dass die Beschwerdeführerin gemäss derselben Datenbank am 20. Juni 2012 ebenfalls in Polen ein Asylgesuch einreichte, dass die polnischen Behörden im Weiteren ei ner Übernahme der B e- schwerdeführenden zustimmten, dass das BFM bei dieser Sachlage zu Recht von der Zuständigkeit P o- lens für die Durchführung des Asylverfahrens ausging, dass in der Rechtsmittele ingabe zunächst gerügt wird, im Urteil D-2740/2010 vom 20. Au gust 2010 habe das Bundesverwaltungsgericht die Prüfung des Selbsteintritts aus humanitären Gründen mit dem Arg u- ment abgelehnt, Art. 15 Dublin -II-Verordnung gelange grundsätzlich nur dann zur Anwendung, wenn sich ein Asylbewerber in dem für die Prüfung des Asylgesuches nach Art. 6-14 Dublin-II-Verordnung zuständigen Staat aufhalte, dass sich dieser Einwand als falsch erweise, dass in casu eine Familienzusammenführung aus humanitären Gründen angezeigt sei, weil die Beschwerdeführenden alt und gebrechlich seien, dass der Beschwerdeführer an einer schweren Erkrankung leide und vo r- aussichtlich über Monate hospitalisiert bleibe, dass anzunehmen sei, er werde lebenslang auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen sein, dass demnach die Tatsache, wonach sich die Beschwerdeführenden nicht in Polen, sondern in der Schweiz aufhielten, kein Hindernis für die Pr ü- fung des Selbsteintritts aus humanitären Gründen darstelle, dass im Weiteren unter Hinweis auf einen Bericht der Stiftung Internati o- nale Humanitäre Initiative betreffend Zugang zur medizinischen Verso r-D-6337/2012 Seite 7 gung für Asylsuchende aus dem Jahr 2009 sowie einen Bericht der G e- sellschaft für bedrohte V ölker (GfbV) zur Situation tschetschenischer Flüchtlinge in Polen vom März 2011 geltend gemacht wird, die Lebensbe- dingungen für Flüchtlinge seien in Polen sehr schlecht, dass unter diesen Umständen nicht auszuschliessen sei, eine Überste l- lung der Beschwerdeführenden nach Polen gehe jedenfalls im gegenwär- tigen Zeitpunkt mit einer Verletzung des Rechts auf körperliche und gei s- tige Unversehrtheit einher und beinhalte eine menschenrechtswidrige Be- handlung im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), dass das BFM ausserdem zu erkennen gebe, der zu transferierende Asyl- antragsteller solle keine tatsächliche Möglichkeit zur Beschwerde erhe- bung und zu einem Antrag auf Anordnung der aufsc hiebenden Wirkung haben, dass regelmässig keine Zeit bleibe, rechtzeitig gerichtliche Hilfe in A n- spruch zu nehmen oder anwaltlichen Rat zu suchen, wenn die betreffe n- de Person unmittelbar nach Entscheideröffnung in einen Dublin -Staat transferiert werde, dass das BFM mit dieser Praxis das Gebot des effektiven Rechtsschutzes missachte, dass für das vorliegende Verfahren festzustellen ist, dass die Beschwe r- deführenden von der Möglichkeit einer Beschwerdeerhebung rechtzeitig und wirksam Gebrauch machen konnten, weshalb sich die Rüge einer Verletzung des Gebots des effektiven Rechtsschutzes als unbegründet erweist, dass weder die bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs geäusserten Einwände noch die auf Beschwerdeebene geltend gemachten Vorbringen an der Zuständig keit Polens für die Durchführung des Asylverfahrens e t- was ändern können und auch keinen Anlass zur Ausübung des Selbstein- trittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung, Art. 29 a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) begründen, dass auch sonst keine Gründe zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung) ersichtlich sind, zumal Polen Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung D-6337/2012 Seite 8 der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmensc h- liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, und sich aus den Akten keine konkreten Hinweise ergeben , wonach Polen sich nicht an die daraus resultierenden massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen, insbesondere an das Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten würde, dass somit nicht davon auszugehen ist, die polnischen Behörde n würden die Beschwerdeführenden direkt in ihr Heimatland überstellen und sie da- mit allenfalls einer gegen Art. 3 EMRK verstossenden unmenschlichen Behandlung aussetzen, ohne zuvor ihre Asylgesuche geprüft zu haben, dass die Beschwerdeführenden den polnis chen Behörden überge ben werden, die damit die Möglichkeit haben, sich um sie gebührend zu küm- mern und ihre Asylverfahren durchzuführen, dass sich demnach die Befürchtung des Beschwerdeführers, von Polen nach Tschetschenien formlos zurückgeschafft zu werden, als unberechtigt erweist, dass Polen im Übrigen an die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylsuchenden in den Mitgliedstaaten (Aufnahmerichtlinie) gebunden ist und demnach dafür beso rgt sein muss, den Asylsuchenden ein me n- schenwürdiges Leben zu ermöglichen, dass somit keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, die B e- schwerdeführenden würden im Falle einer Rückkehr nach Polen wegen der dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage ger a- ten, dass Dublin -Rückkehrende und verletzliche Personen betreffend Unte r- bringung von den polnischen Behörden bevorzugt behandelt werden und sich neben den staatlichen Strukturen auch zahlreiche private Hilfsorgani- sationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass davon auszugehen ist, Polen komme seinen Verpflichtungen im Rahmen der Dublin-II-Verordnung auch in medizinischer Hinsicht nach, dass gemäss allgemein zugänglichen Quellen in Polen ein gut ausgebau- tes Versorgungsnetz an Ärzten, Kliniken und Krankenhäusern besteht, D-6337/2012 Seite 9 dass insbesondere auch Herzrhythmusstörungen und Herzkreislaufkrank- heiten kontrolliert und behandelt werden können, weshalb sich eine Frist- ansetzung zur Nachreichung eines detaillierten A rztberichtes erübrigt be- ziehungsweise der entsprechende Antrag abzuweisen ist, zumal ein so l- cher Bericht zu keiner anderen Erkenntnis führen würde (antizipierte B e- weiswürdigung; BVGE 2008/24 E. 7.2), dass desgleichen auch auf eine Nachreichung des für die Beschwerde- führerin in Aussicht gestellten ärztlichen Berichts verzichtet werden kann, dass nach dem Gesagten weder die geltend gemachten Herzprobleme des Beschwerdeführers noch die Augenprobleme der Beschwerdeführe- rin gegen eine Wegweisung nach Polen sprechen, dass auch die im ärztlichen Kurzzeugnis vom 5. Dezember 2012 ausg e- wiesene momentane Reiseunfähigkeit des Beschwerdeführers keinen Grund für eine Ausübung des Selbsteintrittsrechts darstellt, dass hingegen der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführenden bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist, dass bei einer Überstellung der Beschwerdeführenden von der Schweiz nach Polen insbesondere betreffend den Beschwerdeführer sichergestellt werden muss, dass er die Medika tion für die Reise, wie auch für die Übergabe an die polnischen Behörden erhält, dass des Weiteren sicherzustellen ist, dass die polnischen Behörden über die gesundheitliche Problematik der Beschwerdeführenden präzis e und umfassend informiert sind und sie auch tatsächlich den Behörden überge- ben werden, welche die Verantwortung für sie übernehmen können, dass es dem BFM in Zusammenarbeit mit den kantonalen Vollzugsbehör- den obliegt, den gesundheitlichen Problemen der Beschwerdeführenden bei der Organisation der konkreten Überstellungsmodalitäten im Sinne der obigen Ausführungen Beachtung zu schenken, dass schliess lich die Anwesenheit der in der Schweiz lebenden Söhne der Überstellung im Rahmen des vorliegenden Dub lin-Verfahrens nicht entgegensteht, dass die Mitgliedstaaten in Fällen, in denen die betroffene Person wegen Schwangerschaft, eines neugeborenen Kindes, einer schweren Kran k-D-6337/2012 Seite 10 heit, einer ernsthaften Behinderung oder hohen Alters auf die Unterstü t- zung der and eren Person angewiesen ist, im Regelfall entscheiden, den Asylsuchenden und den anderen Familienangehörigen, der sich im H o- heitsgebiet eines Mitgliedstaats aufhäl t, nicht zu trennen b eziehungswei- se sie zusammenzuführen, sofern die familiäre Bindung bereits im Her- kunftsland bestanden hat (vgl. den in der Beschwerde erwähnten Art. 15 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung), dass im Sinne der Dublin -II-Verordnung der Ehegatte b eziehungsweise der nicht verheiratete Partner des Asylbewerbers, dessen minderjährige Kinder sowie der Vater, die Mutter oder der Vormund von unverheirateten minderjährigen Antragstellern oder Flüchtlingen als Familienangehörige gelten (vgl. Art. 2 Bst. i Dublin-II-Verordnung), dass die erwachsenen Söhne der Beschwerdeführenden (Geburtsdaten: […] und […]) demnach nicht als Familienangehörige im Sinne der Dublin - II-Verordnung anzusehen sind, dass infolgedessen vorliegend eine Anwendung von Art. 15 Abs. 2 Dublin- II-Verordnung entgegen anderslautender Einschätzung ausser Betracht fällt, dass indessen der Familienbegriff gemäss Art. 8 EMRK über die Kernf a- milie hinausgehend auch die Beziehungen zwischen allen nahen Ve r- wandten, die in der Familie eine wesentliche Rolle spielen können, e r- fasst, dass allerdings im Verhältnis zwischen diesen Verwandten ausserh alb der Kernfamilie die Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit g e- mäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – nebst einer nahen, echten und tatsächlich gelebten Beziehung – grundsätzlich ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis voraussetzt (BVGE 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.), dass es vorliegend indessen schon an einer gelebten Beziehung im Si n- ne der R echtsprechung fehlt, da sich beide Söhne bereits seit dem Jahr 2003 beziehungsweise 2007 in der Schweiz aufhalten, hingegen die Be- schwerdeführenden ihre Asylgesuche erst i m Dezember 2009 bezi e- hungsweise August 2012 einreichten, dass in der Beschwerde zwar geltend gemacht wird, es sei anzunehmen, der Beschwerdeführer werde sein Leben lang die Unterstützung seiner D-6337/2012 Seite 11 Familie benötigen , ein medizinisch bedingtes relevantes Abhängigkeits- verhältnis jedoch nicht nachgewiesen wird, dass angesichts der Sachlage weder von einer gelebten Beziehung im Sinne der Rechtsprechung der Beschwerdeführenden zu ihren in der Schweiz lebenden Söhnen noch von einem besonder en Abhängigkeits- verhältnis gesprochen werden kann, dass nach dem Gesagten auch Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Pr i- vat- und Familienlebens) einer Überstellung nach Polen nicht entgege n- steht, dass das BFM angesichts der gesamten Umstände zu Recht in Anwe n- dung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche der Beschwe r- deführenden nicht eingetreten ist, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewill i- gung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen b e- steht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach v om Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass im Rahmen des Dublin -Verfahrens, bei dem es sich um ein Übe r- stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuchs zuständigen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), dass die Prüfung von allfälligen Wegweisungshindernissen vielmehr be - reits im Rahmen des Nichteintretensentscheides s elber stattzufinden hat, namentlich unter dem Blickwinkel der Souveränitätsklausel von Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung i.V.m. Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645), welche jedoch, wie vorstehend erwähnt, nicht zur Anwendung gelangen, dass der vom Bundesamt verfügte Wegweisungsvollzug nach Polen nach dem Gesagten zu bestätigen ist, D-6337/2012 Seite 12 dass es den Beschwerdeführenden somit nicht gelungen ist darzutun, i n- wiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtse r- heblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unange - messen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass mit dem Urteil in der Hauptsache die Gesuche um Erteilung der au f- schiebenden Wirkung der Beschwerde, um Anweisung der Vollzugs be- hörden, von einer Überstellung nach Polen abzusehen, bis das Bunde s- verwaltungsgericht über den Suspensiveffekt der eingereichten B e- schwerde entschieden habe und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos werden, dass sich die Beschwerde aufgrund vorstehender Erwägungen als au s- sichtslos erweist, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG unbesehen der geltend gemachten Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden abzuweisen ist, dass mangels Erfüllung der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG das Gesuch um Beiordnung eines une ntgeltlichen Rechtsbeistands ge- mäss Art. 65 Abs. 2 VwVG ebenfalls abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600. – (Art. 1 - 3 des R eglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-6337/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Antrag auf Fristansetzung zur Nachreichung eines detaillierten Arz t- berichtes wird abgewiesen. 3. Das BFM wird angewiesen, die Überstellung nach Polen im Sinne der Erwägungen durchzuführen und die polnischen B ehörden über die g e- sundheitliche Situation der Beschwerdeführenden rechtzeitig zu informi e- ren. 4. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werden abgewiesen. 5. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand: