Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Februar 2015 (720 14 331) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruht auf umfassenden medizinischen Abklärun- gen. Ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt sich nur, wenn der versi- cherten Person Tätigkeiten ohne Zeit- und Leistungsdruck zumutbar sind. Sind lediglich Arbeiten mit besonderem Zeit- und Leistungsdruck zu vermeiden, ist kein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Christina Mar- kiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Ernst Küng, Advo- kat, Bahnhofstrasse 5, Postfach 1607, 4133 Pratteln 1 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.3508.0628.24) A. Die 1978 geborene A.____ ist medizinische Praxisassiste ntin und arbeitete vom 1. Au- gust 2000 bis 17. April 2009 in einer Arztpraxis in B.__ __. Am 3. August 2009 meldete sie sich wegen multipler Schmerzen und psychischer Belastung bei de r Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 2. November 2011 ge währte die IV-Stelle A.____ rück- wirkend ab 1. Februar 2010 bis 31. März 2010 eine ganze IV-Rente und ab 1. April 2010 eine unbefristete halbe IV-Rente. Dagegen erhob die C.___ _ Stiftung für Selbständigerwerbende Beschwerde. Mit Urteil vom 22. November 2012 kam das Ka ntonsgericht, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht, zum Schluss, dass der medizinische Sachverhalt in Bezug auf die Frage der Überwindbarkeit des Schmerzerlebens unvollständig sei und weiterer Abklärung bedürfe. Das Gericht hob folglich die Verfügung der IV-Stelle vom 2 . November 2011 auf und wies die Ange- legenheit zur weiteren medizinischen Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle zurück. Gestützt auf das Gutachten des D.____ vom 19. November 20 13 sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügung vom 23. September 2014 eine ganze IV-Rente vom 1. Februar 2010 bis 31. März 2010, eine halbe IV-Rente vom 1. April 2010 bis 31. Oktober 2013 und ab 1. November 2013 ein Viertelsrente bei einem IV-Grad von 47% zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Ernst Küng, mit Eingabe vom 17. Oktober 2014 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht. In Änderung der angefochtenen Verfügung sei ihr ab 1. N ovember 2013 eine halbe IV-Rente und ihrem Sohn eine entsprechende Kinderrente zuzusprechen. Bei der attestierten Arbeitsunfähig- keit ab Juli 2013 in Höhe von 70% handle es sich um ein e ungenaue Schätzung. Der Gutachter habe diesbezüglich angeführt, dass die Versicherte für Tä tigkeiten, welche weniger Zeitdruck und weniger geteilte Aufmerksamkeit erforderten, zu 70% arbeitsfähig sein „dürfte“. Aufgrund dieser unsicheren Prognose sei von einer tieferen Arbeit sfähigkeit auszugehen. Zudem sei zu Unrecht kein leidensbedingter Abzug berücksichtigt worden. C. Mit Vernehmlassung vom 31. Oktober 2014 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Wort „dürfte“ bei der Schätzung der Ar beitsfähigkeit könne zwar im ersten Moment als Unsicherheit interpretiert werden. Der letzte Satz des massgebenden Abschnitts im Gutachten lasse aber keine Zweifel offen, dass der psychiatrische Gutachter von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ausgehe, indem er der Versicherten für „derartige Einsätze eine Arbeitsfähigkeit von 70%“ attestiert habe. Die 70%ige Arbeitsfähigkeit sei auch anlässlich der Konsensbespre- chung bestätigt worden. Der Einwand der Beschwerdeführerin erweise sich daher als unbehelf- lich. Ein leidensbedingter Abzug sei nicht zu berücksichtigen. Gemäss gutachterlicher Einschät- zung sei der Versicherten keine rein sitzende oder stehe nde Tätigkeit zumutbar. Von Vorteil wären Tätigkeiten ohne allzu grossen Zeit- und Leistungsdruck, welche überschaubar seien und von der Versicherten zeitlich selbst eingeteilt werden kö nnten. Die zu erwartenden Lohneinbus- sen seien aufgrund der festgestellten Einschränkungen du rch das reduzierte Pensum bereits ausreichend berücksichtigt worden. Hinzu komme, dass die Te ilzeitbeschäftigung sich bei Frauen im Vergleich zu einer Vollzeitbeschäftigung soga r proportional lohnerhöhend auswirke. Praxisgemäss rechtfertige eine psychisch bedingte verstärkte R ücksichtnahme seitens Vorge- setzter oder Arbeitskollegen keinen Abzug vom Tabellen lohn. Dies gelte auch, wenn die versi- cherte Person psychisch bedingt weniger flexibel einsetzbar sei. Ein leidensbedingter Abzug sei folglich zurecht nicht gewährt worden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 1.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Grad bei erwerbstätigen Versicherten auf- grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird da s Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Eink ommensdifferenz der IV-Grad bestim- men lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs, BGE 104 V 136). 1.4 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit einge schränkt ist. Die Gutachter des D.____ kamen zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in einer an gepassten Tätigkeit zu 70% ar- beitsfähig sei. Die Versicherte ist der Auffassung, dass e s sich dabei um eine ungenaue Schät- zung handle. Die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der unsicheren Prognose tiefer anzusiedeln. 2.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbe itsunfähigkeit die durch eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit b edingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 2.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 3. Die Versicherte wurde vom 1. Juli 2013 bis 4. Juli 20 13 im D.____ gutachterlich abge- klärt. Es galt insbesondere anhand der Foersterkriterien zu beurteilen, ob die Überwindung der Schmerzen und die Verwertung der verbleibenden Arbeit skraft zumutbar sind oder nicht. Die Versicherte wurde in internistischer, rheumatologischer, neurologischer und psychiatrischer Hinsicht untersucht. Aus internistischer und rheumatolog ischer Sicht konnte keine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Aus neuro logischer Sicht sei der Versicherten ein Pensum von maximal 80% zumutbar, wobei sie weder eine rein sitzende noch eine rein ste- hende Tätigkeit ausüben sollte. Im psychiatrischen Teilgut achten kam der Facharzt zum Schluss, dass die Versicherte in ihrer angestammten Täti gkeit als medizinische Praxisassisten- tin nur noch im Rahmen von 50% arbeitsfähig sei, da diese Tätigkeit eine erhebliche geteilte Aufmerksamkeit (Multitasking) voraussetze. Für Arbeiten, welche weniger Zeitdruck und weni- ger geteilte Aufmerksamkeit erforderten, dürfte die Ve rsicherte zu 70% arbeitsfähig sein. Von Vorteil wären Tätigkeiten ohne allzu grossen Zeit- und Leistungsdruck, welche überschaubar seien und von der Versicherten zeitlich selbst eingeteilt werden könnten. Für derartige Einsätze sei von einer Arbeitsfähigkeit von 70% auszugehen. In der Konsensbeurteilung stellten die Gut- achter zusammenfassend als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein polymor- phes Schmerzsyndrom am linken Bein, iatrogene Läsionen des N. iliohypogastricus, des Ramus femoralis Nn. genitofemoralis sowie des N. cutaneus femoris lateralis links nach wieder- holten gynäkologischen Eingriffen bei Cervix-Carzinom, e in chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren sowie akzentuierte, neur otische und abhängige Per- sönlichkeitszüge fest. In Würdigung der somatischen und psychiatrischen Befunde sei von einer reduzierten psychophysischen Belastbarkeit für die angestam mte Tätigkeit auszugehen. Das Ausmass der Einschränkung im angestammten Beruf liege be i 50%. Für Tätigkeiten ohne stän- digen Publikumskontakt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70%. 4.1 Das Gutachten vom 19. November 2013 erfüllt die Bew eisanforderungen an ein Gutach- ten und stellt eine verlässliche Grundlage für die Inval iditätsbemessung dar, was grundsätzlich unbestritten ist. Die Beschwerdeführerin ist aber der A uffassung, dass die attestierte Arbeitsfä- higkeit von 70% in einer Verweistätigkeit eine ungenaue Schätzung darstelle, weil der psychiat- rische Gutachter in seiner Beurteilung ausgeführt habe, dass die Arbeitsfähigkeit 70% betragen „dürfte“. Diese Formulierung zeige deutlich, dass die P rognose betreffend Arbeitsfähigkeit rela- tiv ungenau sei. Für die Gutachter sei es offensichtlich schwierig gewesen, im Zeitpunkt der Begutachtung verlässlich zu beurteilen, wie hoch die Arb eitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit sei. Bereits bei einer Reduktion der Arbeitsfähigkeit von 3,5% hätte sie Anspruch auf eine halbe IV-Rente. 4.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin best eht aufgrund der Tatsache, dass der psychiatrische Gutachter angab, dass die Arbeitsfähigke it in einer Verweistätigkeit 70% be- tragen „dürfte“ kein Grund zur Annahme, dass die gutach terliche Einschätzung nicht verlässlich wäre. Denn die Gutachter legen sich letztlich in der Kon sensbeurteilung ohne Einschränkungen auf eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistät igkeit fest. Naturgemäss handelt es sich dabei um eine Schätzung. Diese beruht aber auf umfass enden fachärztlichen Untersuchungen und Beurteilungen, was auch seitens der Beschwerdeführer in nicht bestritten wird. Das Gericht ist auf die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit angewiesen und stellt darauf ab, wenn sie schlüssig und nachvollziehbar begründet ist, was vorliegen d der Fall ist. Es gibt keinen Grund, an der Gesamteinschätzung der Experten zu zweifeln. Ob die Prognose unsicher ist, spielt zum jetzigen Zeitpunkt keine Rolle, weil künftige Entwicklung en in der Rentenverfügung nicht be- rücksichtigt werden können, sondern allenfalls zu einem spät eren Zeitpunkt zu einer Rentenan- passung führen. Die aktuelle medizinische Situation bzw. die Auswirkungen des Gesundheits- schadens auf die Arbeitsfähigkeit ist für die Zeit bis zum Verfügungserlass vom 23. September 2014 zuverlässig abgeklärt, sodass für die Rentenberechnung ab Juli 2013 (vgl. Gutachten des D.____ vom 19. November 2013) von einer 70%igen Arbe itsfähigkeit in einer Verweistätigkeit auszugehen ist. 5. Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entscheid end, was die versicherte Per- son im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der ü berwiegenden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die IV-S telle ermittelte das Valideneinkom- men unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik 2008. Sie wendete dabei Tabe lle TA1, Sektor Gesundheits- und So- zialwesen, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 3, Spalt e Frauen an (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). D as monatliche Gehalt belief sich im Jahr 2008 auf Fr. 5‘539.-- (basierend auf 40 Wochenstunden). Die IV-Stelle passte dieses Gehalt der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41,5 Stunden an (Fr. 5‘747.--; vgl. Bundesamt für Statistik; betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsa bteilungen; Q 86-88, Gesundheits- und Sozialwesen) und berücksichtigte die Nominallohnentwicklung. Diese belief sich in Abweichung der IV-Stelle in Höhe von 2% (2009), 1,1% (2010), 0, 9% (2011), 0,3% (2012) und 0,5% für das Jahr 2013 (vgl. Bundesamt für Statistik, Nominallohninde x 2002-2010, T1.93_V, 85 Gesund- heits- und Sozialwesen sowie Nominallohnindex 2011-2013, T1.10, Q 86-88, Gesundheits- und Sozialwesen). Dementsprechend resultiert für das Jahr 20 13 ein Jahresgehalt von Fr. 72‘324.-- (12 x Fr. 6‘027.--). 6.1 Da die Versicherte seit Eintritt des Gesundheitsscha dens keine zumutbare, leidensan- gepasste Tätigkeit ausübt, hat die IV-Stelle das Invali deneinkommen richtigerweise ebenfalls unter Beizug der Tabellenlöhne der LSE ermittelt. Si e erachtete die Versicherte in ihrer ange- stammten Tätigkeit vom 1. Februar 2010 bis 31. März 20 10 als 100% und ab 1. April 2010 bis 31. Oktober 2013 als 50% arbeitsunfähig. Dabei berück sichtigte sie ab April 2010 ein Jahres- einkommen von Fr. 35‘522.-- (50% von Fr. 71‘044.--). Nach der Berechnung des Gerichts wäre von einem Betrag von Fr. 36‘162.-- (50% von Fr. 72‘324.--) auszugehen (vgl. E. 5). Da eine Kor- rektur nicht ergebnisrelevant ist, kann auf eine solche ver zichtet werden. Basierend auf ihre Berechnungen richtete die IV-Stelle der Versicherten s omit vom 1. Februar 2010 bis 31. März 2010 eine ganze IV-Rente und vom 1. April 2010 bis 31. Oktober 2013 eine halbe IV-Rente aus, was nicht zu beanstanden ist. 6.2 Ab Juli 2013 ging die IV-Stellte gestützt auf das G utachten vom 19. November 2013 da- von aus, dass die Versicherte aus medizinischer Sicht in ein er angepassten Tätigkeit zu 70% arbeitsfähig sei. Die IV-Stelle ermittelte ein Jahreseinkommen von Fr. 37‘738.--. Sie stützte sich dabei auf Tabelle TA 1, privater Sektor, Spalte Total, Anforderungsniveau des Arbeits-platzes 4, Frauen, mit einem Monatslohn von Fr. 4‘225.--, basiere nd auf 40 Wochenstunden. Sie passte dieses Gehalt an die durchschnittliche Wochenarbeitszeit f ür das Jahr 2013 von 41,7 Stunden an (Bundesamt für Statistik [www.bfs.admin.ch; Dokument je-d03.02.04.19]), was ein Monats- gehalt von Fr. 4‘405.-- ergibt. Die Nominallohnentw icklung belief sich auf 1% (2011), 0,8% (2012) und 0,7 (2013) (Bundesamt für Statistik, Nomin allohnindex 2011-2013, Spalte Total). Es resultiert somit ein Jahresgehalt für 2013 von Fr. 54‘ 192.-- für 100% und von Fr. 37‘934.-- für ein Teilzeitpensum von 70%. 6.3 Die von der Versicherten gerügte unterschiedliche Wo chenarbeitszeit für die Berech- nung der LSE-Löhne ist darauf zurückzuführen, dass der V alidenlohn richtigerweise auf der Grundlage eines Einkommens als ausgebildete Praxisassistenti n im Anforderungsniveau 3 und der Invalidenlohn auf der Basis eines durchschnittlichen E inkommens basierend auf dem Total der Frauenlöhne im Anforderungsniveau 4 errechnet wo rden ist und dafür je unterschiedliche durchschnittliche Wochenarbeitszeiten gelten. 7.1 Vom anhand der Tabellenlöhne der LSE erhobenen Invalideneinkommen sind praxis- gemäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsach e Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli chenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Abzu g ist unter Würdigung der Umstän- de im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaf t zu schätzen. Er darf 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 75, 135 V 297). 7.2 Die Versicherte erachtet einen leidensbedingten Ab zug als angebracht. Angesichts ihrer gesundheitlichen Einschränkungen und den entsprechenden Anforderungen an einen Arbeits- platz sei es ihr nicht möglich, ein durchschnittliches Loh nniveau zu erreichen. Entsprechend sei beim Tabellenlohn ein angemessener Abzug vorzunehmen. Die IV-Stelle ist dagegen der Auf- fassung, dass kein leidensbedingter Abzug gerechtfertig t sei. Die zu erwartenden Lohneinbus- sen aufgrund der Einschränkungen seien durch das reduzi erte Pensum bereits ausreichend berücksichtigt worden. Die Teilzeitbeschäftigung wirke sich lohnerhöhend aus. Weiter werde eine psychisch bedingte verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorge setzter oder Arbeitskollegen nicht als eigenständiger abzugsfähiger Umstand anerkannt. Ebenso wenig könne der Umstand, dass die versicherte Person psychisch bedingt weniger flexib el sei, als abzugsrelevant aner- kannt werden. 7.3 Den gesundheitlichen Einschränkungen wurde durch da s reduzierte Pensum und vor allem mit der Berücksichtigung der tieferen Löhne aus d em Anforderungsniveau 4 der Spalte Total schon Rechnung getragen. Gemäss neurologischem Spezialgutachten sind der Versicher- ten aufgrund der Belastungsabhängigkeit der Schmerzen weder rein sitzende noch rein stehen- de Tätigkeiten zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit betrage maximal 80% mit der Möglichkeit, Pausen einzulegen. Diese physischen Einschränkungen sind grundsätzlich im verminderten Pensum von 70% abgegolten. Ein weiterer Abzug würde einer Do ppelberücksichtigung gleichkommen. Im Anforderungsniveau 4 der Sparte Total sind zudem auch Hilfsarbeiten berücksichtigt, welche keine hohen körperlichen Anforderungen voraussetzen, auch wechselbelastend ausgeführt werden können und keinen bis wenig Publikumskontakt vora ussetzen. In Bezug auf die Vorga- be, dass die Versicherte Tätigkeiten mit allzu grossem Zeit- und Leistungsdruck vermeiden soll- te und es von Vorteil wäre, wenn sie ihre Arbeit zeitl ich weitgehend selbst einteilen könnte, hat das Bundesgericht den Umstand, dass aus psychiatrischer Sicht nur noch Tätigkeiten ohne Zeitdruck und ohne Leistungsdruck sowie mit einem möglich st hohen Grad an selbständigen Arbeiten zumutbar seien, als Abzugsgrund zwar anerkannt . Denn, wem heutzutage zeitlicher und leistungsmässiger Druck nicht zugemutet werden könne, müsse auch bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage mit einer im Vergleich zu einem Gesunden tieferen Entlöhnung rechnen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013, E. 3.4). Ist der versicherten Person jedoch – wie vorliegend der Beschwerdeführerin - ledi glich „besonderer bzw. grosser“ Zeit- und Leistungsdruck nicht zumutbar, rechtfertigt sich kein zusä tzlicher Abzug vom Tabellenlohn (Ur- teil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2015, 8C_693/2014 , E. 4.2.1 und 4.2.2). Allfällige wei- tere Abzugsgründe kommen wie die IV-Stelle richtig erkannte nicht in Betracht. 9. Setzt man im Einkommensvergleich für das Jahr 2013 da s Invalideneinkommen von Fr. 37‘934.-- dem Valideneinkommen von Fr. 72‘342.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 34‘390.--, was einen IV-Grad von 47,54% bzw. gerundet von 48% ergibt (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121) und somi t Anspruch auf eine Viertelsrente. Demgemäss ist die Verfügung der IV-Stelle zu schützen und die Beschwerde abzuweisen. 10. Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli- gung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kan tonalen Versicherungsgericht kosten- pflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahre nskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ih r zu auferlegen sind. Gemäss Ausgang des Verfahrens werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht