<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 66" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 66</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">469</span> </div> <div class="page" id="S469"> <span class="text"><b>II. Schulrecht </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>66 </b> <b>Auswärtiger Schulbesuch </b></span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Entscheidzuständigkeit bei einem von den Eltern organisierten</b></span><br/> <span class="text">Schulortswechsel </span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Hinweise zum Vorgehen und zur Kostentragung bei einer Zuweisung</b></span><br/> <span class="text">durch die Schulpflege </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 14. März 2018 in Sachen</span><br/> <span class="text">Einwohnergemeinde B. gegen X. (RRB Nr. 2018-000286).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">1.3</span><br/> <span class="text">Die Schulpflege der öffentlichen Schule der Wohngemeinde</span><br/> <span class="text">oder des Schulkreises, zu dem die Wohngemeinde gehört, ist gemäss</span><br/> <span class="text">den §§ 71 und 73 i.V.m. § 6 Abs. 1 SchulG zuständig, die notwendi-</span><br/> <span class="text">gen schulorganisatorischen Anordnungen zu treffen. Der Begriff</span><br/> <span class="text">Wohngemeinde stimmt dabei nicht mit demjenigen des Wohnsitzes</span><br/> <span class="text">im zivilrechtlichen Sinn überein, sondern entspricht jenem des Auf-</span><br/> <span class="text">enthaltsorts (RRB Nr. 1988-000693 vom 28. März 1988, Erw. 3.a).</span><br/> <span class="text">Im Rahmen dieser Kompetenz steht es der Schulpflege der Schule</span><br/> <span class="text">der Aufenthaltsgemeinde auch zu, ein Schulkind einer auswärtigen</span><br/> <span class="text">Schule zuzuweisen. Solche Zuweisungen können jedoch nur in zwei</span><br/> <span class="text">Fallkonstellationen erfolgen: Erstens, wenn die Aufenthaltsgemeinde</span><br/> <span class="text">die betreffende Schulstufe oder den Schultyp nicht selber führt (zum</span><br/> <span class="text">Beispiel eine Sonderschule oder Bezirksschule), oder zweitens, wenn</span><br/> <span class="text">triftige Gründe bestehen, welche ein Abweichen von der Regel des</span><br/> <span class="text">Schulbesuchs in der Schule der Aufenthaltsgemeinde zwingend not-</span><br/> <span class="text">wendig macht (zum Beispiel bei einem unzumutbaren Schulweg oder</span><br/> <span class="text">bei Mobbing; vgl. zum Ganzen: AGVE 2003, S. 524). Im Falle einer</span><br/> <span class="text">Zuweisung liegt es an der Schulpflege, dafür besorgt zu sein, dass</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">470</span> </div> <div class="page" id="S470"> <div role="main"> <span class="text">die neue Schulgemeinde der Aufnahme zustimmt und die Aufent-</span><br/> <span class="text">haltsgemeinde die Kosten für den auswärtigen Schulbesuch i.S.v.</span><br/> <span class="text">§ 52 Abs. 1 SchulG übernimmt (AGVE 2003, S. 524;</span><br/> <span class="text">RRB Nr. 1987-001382 vom 29. Juni 1997, Erw. 2.a).</span><br/> <span class="text">Die Schulpflege ist dagegen nicht zuständig, darüber zu befin-</span><br/> <span class="text">den, ob die Aufenthaltsgemeinde das Schulgeld für den auswärtigen</span><br/> <span class="text">Schulbesuch zu übernehmen hat (RRB Nr. 1987-001382 vom 29. Ju-</span><br/> <span class="text">ni 1997, Erw. 2.a). Dieser Entscheid ist bei Einigkeit vom Gemeinde-</span><br/> <span class="text">rat zu fällen (§ 6 Abs. 1 der Verordnung über das Schulgeld vom</span><br/> <span class="text">16. Dezember 1985, fortan: SchulgeldV), wobei bei einer entspre-</span><br/> <span class="text">chenden Zuweisung durch die Schulpflege der wichtige Grund (§ 6</span><br/> <span class="text">Abs. 1 SchulG) für den auswärtigen Schulbesuch (zum Beispiel aus</span><br/> <span class="text">Gründen der Sonderschulbedürftigkeit oder des unzumutbaren Schul-</span><br/> <span class="text">wegs) unwiderlegbar bejaht ist (VGE II/110 vom 10. November</span><br/> <span class="text">1998, Erw. II.3.c.dd). Nur bei Uneinigkeit der Verfahrensbeteiligten</span><br/> <span class="text">entscheidet in erster Instanz das BKS, wobei in dieses Verfahren die</span><br/> <span class="text">Schul-, die Aufenthaltsgemeinde und die Eltern einzubeziehen sind</span><br/> <span class="text">(§ 6 Abs. 2 SchulgeldV; AGVE 2004, S. 111 ff.).</span><br/> <span class="text">Mit anderen Worten ausgedrückt steht es der Schulpflege im</span><br/> <span class="text">Rahmen eines Zuweisungsbeschlusses ohne weiteres auch zu, wichti-</span><br/> <span class="text">ge Gründe für einen auswärtigen Schulbesuch eines Kindes zu beja-</span><br/> <span class="text">hen und ein Kind einer auswärtigen Schule zuzuweisen. Dies bedeu-</span><br/> <span class="text">tet im Umkehrschluss aber nicht, dass bei einem von den Eltern ei-</span><br/> <span class="text">genständig organisierten auswärtigen Schulbesuch die Frage, ob ein</span><br/> <span class="text">wichtiger Grund dafür bestand, nicht nachträglich vom Gemeinderat</span><br/> <span class="text">beziehungsweise bei Uneinigkeit vom BKS entschieden werden kann</span><br/> <span class="text">und darf (§ 6 Abs. 1 und 2 SchulgeldV). Der Unterschied zur Varian-</span><br/> <span class="text">te Zuweisungsbeschluss besteht darin, dass die Eltern bei Verneinung</span><br/> <span class="text">der wichtigen Gründe für einen auswärtigen Schulbesuch ein Kosten-</span><br/> <span class="text">risiko tragen und sie das Schulgeld der Schulgemeinde selber bezah-</span><br/> <span class="text">len müssen (§ 6 Abs. 2 SchulG). Mit einem Zuweisungsbeschluss</span><br/> <span class="text">wird dagegen die Schulgeldfrage auf Gemeindestufe vor Entsendung</span><br/> <span class="text">des Kindes in die auswärtige Schule verbindlich geregelt. Damit ent-</span><br/> <span class="text">fällt auch das finanzielle Risiko der Eltern (RRB Nr. 1990-002691</span><br/> <span class="text">von 1. Oktober 1990, Erw. 2.b am Ende). Die Variante Zuweisung</span><br/> <span class="text">durch die Schulpflege erweist sich damit sowohl für die betroffenen</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">471</span> </div> <div class="page" id="S471"> <div role="main"> <span class="text">Eltern als auch für das Gemeinwesen als vorteilhafter, da keine</span><br/> <span class="text">finanziellen Unsicherheiten entstehen und die Schulpflege in den</span><br/> <span class="text">Prozess des Schulortswechsels von Anfang bis Ende integriert ist.</span><br/> <span class="text">Der Regierungsrat stimmt insoweit auch der von der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="text">rerin sinngemäss vertretenen Ansicht zu, dass die Variante Zuwei-</span><br/> <span class="text">sung durch die Schulpflege präferiert werden sollte, zumal sie im</span><br/> <span class="text">Ergebnis wohl auch weniger konfliktanfällig ist.</span><br/> <span class="text">Die Beschwerdeführerin verkennt jedoch die Zuständigkeit des</span><br/> <span class="text">Gemeinderats der Aufenthaltsgemeinde beziehungsweise des BKS,</span><br/> <span class="text">über die Festsetzung und Erhebung des Schulgelds zu entscheiden</span><br/> <span class="text">(§ 6 Abs. 1 beziehungsweise Abs. 2 SchulgeldV). Die Tatsache, dass</span><br/> <span class="text">die Eltern des Beschwerdegegners nicht die Variante Zuweisung</span><br/> <span class="text">durch die Schulpflege gewählt, sondern den auswärtigen Schulbe-</span><br/> <span class="text">such ihres Sohnes eigenständig organisiert haben, führt nach dem</span><br/> <span class="text">oben Gesagten nur dazu, dass der Gemeinderat beziehungsweise das</span><br/> <span class="text">BKS erst nachträglich über das Vorhandensein von wichtigen Grün-</span><br/> <span class="text">den für den auswärtigen Schulbesuch entscheiden können, die Eltern</span><br/> <span class="text">daher ein Kostenrisiko tragen und insofern den Anspruch auf Unent-</span><br/> <span class="text">geltlichkeit des Volksschulunterrichts unter Umständen freiwillig</span><br/> <span class="text">aufgegeben haben. Nicht nachvollziehbar ist für den Regierungsrat,</span><br/> <span class="text">warum es für den Gemeinderat im konkreten Fall nicht möglich</span><br/> <span class="text">gewesen sein soll, das nachträglich gestellte Gesuch für die Tragung</span><br/> <span class="text">des Schulgelds materiell zu prüfen und zu beantworten. Dem</span><br/> <span class="text">Gemeinderat stand es nämlich zu, eine Stellungnahme bei der Schul-</span><br/> <span class="text">pflege, der Schulleitung und/oder Lehrperson einzuholen. Im Übri-</span><br/> <span class="text">gen steht es dem Gemeinderat auch zu, die betroffenen Personen</span><br/> <span class="text">mündlich zum Sachverhalt anzuhören.</span><br/> <span class="text">Da zwischen den Eltern und der Gemeinde keine Einigkeit über</span><br/> <span class="text">die Tragung des Schulgelds bestand, war das BKS erstinstanzlich zu-</span><br/> <span class="text">ständig, über die Tragung des Schulgelds für den auswärtigen</span><br/> <span class="text">Schulbesuch des Beschwerdegegners zu entscheiden.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>