Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Januar 2020 (720 19 349 / 16) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verwertbarkeit einer 30%-igen Restarbeitsfähigkeit bejaht. Rückweisung an die Vor- instanz zur erneuten Beurteilung der Anteile Erwerb und Haushalt und zur Einschrän- kung im Haushalt. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Ana Dettwiler, Advoka- tin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1971 geborene A.____ verfügt über eine kaufm ännische Berufsausbildung und ist Mutter einer 1998 geborenen Tochter. Seit März 2001 hat sie als Kundeberaterin auf Abruf bei der B.____ in einem Teilzeitpensum von rund 35% gearbeitet. Mit Gesuch vom 18. Juni 2015 hat sie sich unter Hinweis auf eine seit 1989 bestehende Epilepsie, seit 2004 bestehende Depressi- onen sowie seit Dezember 2014 bestehende, starke Schmer zen im Rücken und im Nacken bei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angeme ldet. Nach einer ersten Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse sowie nach Vornahme einer Haushaltabklärung verneinte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) einen Leistungsanspruch in einem ersten Vorbescheid vom 24. Juli 2017. Auf Einwand der Versicherten hin holte sie bei den Dres. C.____ und D.____ ein neurologisch-psychiatrisches Doppelgutachten samt ergänzender Stellungnahme ein. In Anwen- dung der gemischten Bemessungsmethode ermittelte sie bei einem Erwerbsanteil von 35% und einem Haushaltanteil von 65% in der Folge einen IV-Grad von 25%. Gestützt auf dieses Ergebnis verneinte sie nach erneutem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 27. September 2019 den Rentenanspruch erneut. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Ana Dettwiler, am 28. Oktober 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht des Ka ntons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei ihr in Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung mit Wirkung ab 1. Januar 2016 eine ganze IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter seien die Gutachter anzufragen, wie hoch ihre Beeintr ächtigung im Haushalt ausfalle, und es seien ihr mit Wirkung ab 1. Januar 2016 die gesetzlichen Leistungen sowie ab 1. Mai 2018 eine ganze IV-Rente zuzusprechen. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen geltend machen, dass die von den Gutachtern attestierte Restarbeitsfähigkeit nicht verwertbar sei. Es sei deshalb von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Weite r hätte sie ihr Arbeitspensum bei guter Gesundheit kontinuierlich gesteigert und würde wieder ein Vollzeitpensum ausüben. Die Tochter sei im Mai 2018 aus dem elterlichen Haushalt ausgezogen , so dass allerspätestens ab diesem Zeitpunkt von einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit auszugehen sei. Spätestens seither sei die An- wendung der gemischten Methode deshalb unzulässig. Even tualiter sei festzustellen, dass der Haushaltsbericht deshalb keinen Beweiswert aufweise, weil er nie einem psychiatrischen Fach- arzt vorgelegt worden sei. Dies müsse für die Zeit bis Mai 2018 nachgeholt werden. C. Mit Vernehmlassung vom 12. November 2019 schloss die IV -Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Der Versicherten stünde trotz des umschriebenen Verweisprofils eine genügend breite Palette zumutbarer Erwerbsmöglichkeiten offen. Anlässlich der Haushaltabklärung sei die Statusfrage detailliert besprochen und schriftlich festgehalten worden. Insbesondere sei auch die Aufteilung der gemischten Methode mit einem erwerblich en Anteil von 35% eingehend bespro- chen worden. Die Abklärungsperson habe vor Ort erwogen, dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Versicherte ihr Pensum hätte ändern sollen. Es könne auch aus monetären Überle- gungen keine Erhöhung der Tätigkeit der Versicherten nachvollzogen werden. Eine Rückfrage beim psychiatrischen Facharzt dränge sich im Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit der Versicherten im Haushalt keine auf. Die Geburt ihrer Tochter habe keinen Anlass geboten, dass die Versicherte dazumal lediglich in einem Teilzeitpen sum tätig gewesen wäre. Auch im Zeit- punkt, als die Tochter bereits älter gewesen sei, hätten keine Bestrebungen stattgefunden, das Pensum aufzustocken. Der Haushaltanteil von 65% sei deshalb nicht zu beanstanden. Auf die übrigen Ausführungen der Parteien ist nachfolgend soweit notwendig in den Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraf t gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG aus- schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus ob jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente , wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 2.5 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenbere ich zu betätigen (Betätigungsver- gleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die hingegen nur zum Teil erwerbstätig sind, wird Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG fest gelegt. Waren sie daneben auch im Aufga- benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der IV-Grad entsprechend der Behinderu ng in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesu ndheitsschaden ganztägig er- werbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Er- werbstätige zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] v om 17. Januar 1961 in der bis Ende 2017 geltende Fassung). 2.6 Mit der am 1. Dezember 2017 beschlossenen Änderung der IVV und der dazu ergange- nen Übergangsbestimmung, in Kraft ab 1. Januar 2018 (vg l. AS 2017 7581 f.), wird für Teiler- werbstätige, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich Haushalt betätigen, ein neues Berechnungs- modell statuiert (Art. 27 bis Abs. 2-4 IVV). Dieses sieht neuerdings vor, dass für die Ermittlung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbsfähigkeit für das Valideneinkommen nicht mehr auf das Einkommen aus einem Teilzeitpensum abgestellt, sondern das entsprechende Einkommen auf eine hypothetische Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet w ird (Art. 27 bis Abs. 3 lit. a IVV). Die so berechnete prozentuale Erwerbseinbusse wird sodann w eiterhin anhand des Beschäftigungs- grads, welchen die Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet (lit. b). Nach der dazu ergangenen Übergangsbestimmung Ziff. II Abs. 1 ist für die im Zeitpunkt des Inkrafttre- tens der Änderung vom 1. Dezember 2017 laufenden Dreiviertelrenten, halben Renten und Vier- telrenten, die in Anwendung der gemischten Methode zu gesprochen wurden, innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten dieser Änderung eine Revision einzuleiten. Eine allfällige Erhöhung der Rente kann demnach erst auf den Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Änderung erfolgen. Art. 27 bis Abs. 2-4 IVV hingegen bereits auf zuvor zuzusprechende Renten anzuwenden, liefe im Ergebnis auf eine Anwendung noch nicht in Kraft stehenden Rechts hinaus, was einer unzulässigen posi- tiven Vorwirkung gleichkäme (BGE 129 V 455 E. 3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2017, 9C_553/2017, E. 6.2). 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei d er Beweiswürdigung volle Beweis- kraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Gestützt auf das überzeugende Doppelgutachten der Dr es. C.____ und D.____ vom 6. März 2018 (IV-Dok 67) ist erstellt, dass die Versicherte aus psychiatrischer Sicht nicht mehr in der Lage ist, ihre angestammte Tätigkeit als Bankangestellte mit Publikumsverkehr und Kunden- kontakten meistern zu können. In einer angepassten Tätigkeit, die aus einfachsten Bürotätigkei- ten bestehe, könne sie halbtags, mithin im Umfang von 5 0%, anwesend sein und in dieser Zeit eine zirka 60%-ige Leistungsfähigkeit erbringen. Dabei dürfe sie keinen Zeitdruck haben. Die In- tegration im Team müsse vor allem vom Team geleistet werden, da sie diesbezüglich bereits seit ihrer Kindheit Probleme habe. Sie benötige am Arbeitsplatz eine wohlwollende, ihrem Misstrauen und ihren Stimmungsschwankungen entgegenkommende und t olerante Atmosphäre. Dies be- deute, dass sie ihre Restarbeitsfähigkeit nur an einem Nischenarbeitsplatz realisieren könne. Die Beeinträchtigung ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkei t begründe sich teils mit einer dekompen- sierten Persönlichkeitsstörung, aber auch mit der affektiven Problematik und einer Beziehungs- störung. Bei der Bemessung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit seien sämtliche Indikatoren be- rücksichtigt worden, so insbesondere die schlechten psychischen Ressourcen, das Strukturdefizit im Rahmen der Persönlichkeitsstörung, die affektive Problematik sowie die funktionellen Beein- trächtigungen und die wahrscheinlich vorhandenen aggrava torischen Anteile. Im Rahmen der Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass aus gesamtmedizinischer Hinsicht die psychiatrische Zumutbarkeitsbeurteilung massgeblich sei. Ihre Einschätzung einer noch ver- bleibenden Restarbeitsfähigkeit von 30% haben sie auf Nachfrage der IV-Stelle mit Ergänzung vom 5. November 2018 bekräftigt. Zwischen den Parteien ist deshalb grundsätzlich zu Recht unbestritten geblieben, dass die Versicherte im erwerblichen Bereich noch lediglich 30% arbeits- fähig ist. Hiergegen wendet die Beschwerdeführerin allerdings ein, dass diese Restarbeitsfähig- keit auf einem theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar sei. 4.2 Im Rahmen der Invaliditätsbemessung darf bei der B estimmung des trotz gesundheitli- cher Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einkommens nicht von realitätsfremden Ein- satzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsgelegen- heit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht ken nt oder sie nur unter nicht realisti- schem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vorneherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundes- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 2.1; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Der ausgegli- chene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) hält von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Vo- raussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatz es. Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der versicherten Person auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offenstehenden Möglichkeiten der Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjek- tiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). 4.3 Ausgehend von diesen Grundsätzen kann kein fehlend er Zugang der Beschwerdefüh- rerin zum Arbeitsmarkt im Sinne von Art. 16 ATSG begründet werden. Ihre Einschränkungen sind zweifellos nicht unerheblich. Es kann jedoch nicht gesa gt werden, dass von ihr oder von ihrem Umfeld Vorkehren verlangt würden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und sub- jektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht mehr zumu tbar wären. Aus dem bidisziplinären Gutachten der Dres. C.____ und D.____ geht zwar hervor, dass die Versicherte ihre Restarbeits- fähigkeit nur an einem Nischenarbeitsplatz realisieren kann. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt um- fasst jedoch just auch solche Arbeitsplätze (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Mai 2013, 8C_728/2012, E. 4.3.3). Diese Stellen- und Arbeitsan gebote zeichnen sich dadurch aus, dass Behinderte bei solchen Stellen mit einem sozialen Entg egenkommen von Seiten des Arbeitge- bers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts vom 29. A ugust 2007, 9C_95/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Die Tatsache alleine, dass die Versicherte b ei einer Verweistätigkeit eine wohlwol- lende, ihrem Misstrauen und ihren Stimmungsschwankungen entgegenkommende und tolerante Atmosphäre benötigt, vermag mithin ebenso wenig einen geschützten Arbeitsplatz zu begründen wie der Umstand, dass sie bei deren Verwirklichung auf e in integratives Team angewiesen ist. Auch wenn ihre Restarbeitsfähigkeit letztlich nur 30% beträgt, ist ihr immerhin ein Halbtagespen- sum zumutbar. Die Gutachter weisen ausserdem darauf hin , dass sie bei der Bemessung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit sämtliche Indikatoren berücksichtigt haben. Die Tatsache, dass eine Verweistätigkeit keinen Zeitdruck aufweisen darf, ist deshalb in der von ihnen postulierten Leistungsfähigkeit von 30% bereits mitenthalten. Dass be i der Versicherten zusätzlich mit ge- häuften Arbeitsunfähigkeiten zu rechnen wäre, wie sie b eispielsweise bei einer progredienten Erkrankung oftmals inhärent sind, ist weder ausgewiesen n och zu erwarten (Urteil des Bundes- gerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 3.3.3.1). Weil die Versicherte trotz ausgewie- sener Einschränkungen im sozialen Umgang weiterhin eine halbtägige Präsenz zu absolvieren in der Lage ist, kann letztlich auch nicht davon gesprochen werden, dass ihr allfällige Verweistä- tigkeiten deshalb nicht zur Verfügung stehen würden, w eil sie ein zu kleines Pensum zu absol- vieren in der Lage wäre. Es tritt hinzu, dass aus somatischer Hinsicht keine massgebenden Ein- schränkungen resultieren. Die Versicherte ist aus neurologischen Gründen zwar auf einen regel- mässigen Arbeitsrhythmus angewiesen. Rein neurologisch is t im Übrigen aber von einer vollen Arbeitsfähigkeit als kaufmännische Mitarbeiterin auszugehen (Gutachten, a.a.O., S. 29). Insofern existieren im kaufmännischen Bereich durchaus einfachste Hi lfsarbeiten im Teilzeitbereich, die den gutachterlichen Gesamtanforderungen genügen. Zu denken ist mit anderen Worten nicht nur an Kontroll- und Überwachungsarbeiten, sondern beispielsweise auch an einfache Buchhaltungs- arbeiten wie das wiederkehrende Verbuchen von Zahlungen oder das Archivieren und Erfassen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Daten. Dass derart selbständig und ohne Kundenkontakt vorzunehmende Tätigkeiten un- möglich wären oder nicht existierten, ist nicht ersichtlich. Gleiches gilt für Sortier- oder leichte Verpackungsarbeiten. Eine zumutbare Tätigkeit ist mithin nicht in nur mehr so eingeschränkter Form möglich, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittliche n Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint. Die Verwertbarkeit der verbleibenden Arbeitsfähigkeit auf einem hypothetischen ausgeglichenen Ar- beitsmarkt ist demnach zu bejahen, und es ist in einer zu mutbaren Verweistätigkeit von einer Restarbeitsfähigkeit im Umfang von 30% auszugehen. 5.1 Damit verbleibt zu prüfen, wie sich die gesundheitl ichen Einschränkungen erwerblich auswirken. Vorliegend hat die IV-Stelle den Invalidit ätsgrad der Beschwerdeführerin nach der gemischten Methode bemessen. Dabei stellte sie bei der Fe stlegung der Anteile der Erwerbs- und der Haushalttätigkeit auf die im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit vom 12. Ok- tober 2016 unterschriftlich bestätigten Angaben ab (IV -Dok 35), wonach die Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigung wie bisher – während 12,6 bis 16,8 Stunden pro Woche – ge- messen an einer branchenüblichen Wochenarbeitszeit im Umf ang von 30%-40% einer ausser- häuslichen Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre. Gestützt darauf setzte die IV-Stelle den Anteil der Erwerbstätigkeit auf 35% und jenen der Haushaltstätigkeit entsprechend auf 65% fest. Diese Aufteilung wird von der Versicherten in Frage gestellt. Sie lässt einwenden, dass sie ohne Ge- sundheitsschaden spätestens seit dem Auszug ihrer Tochter im Mai 2018 wieder in einem Voll- zeitpensum tätig gewesen wäre. Unter Hinweis auf den Auszug aus dem individuellen Konto (IK) der Versicherten vertritt die IV-Stelle demgegenüber die Auffassung, dass die Geburt der Tochter nie Anlass gegeben habe, lediglich in einem Teilzeitpen sum zu arbeiten. Sie habe bereits vor deren Geburt lediglich Teilzeitpensen ausgeübt. Selbst als die Tochter bereits älter gewesen sei, hätten keine Bestrebungen stattgefunden, das Pensum aufzustocken. 5.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nicht er- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zuge- mutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sin d die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Er ziehungs- und Betreuungsaufgaben ge- genüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeit en und die Ausbildung sowie die persönli- chen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Sta tusfrage beurteilt sich praxisge- mäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung (hier: 3. Juni 2019) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall aus- geübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicher ungsrecht übliche Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskr aft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) sind für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versicherten Person verschiedene Faktoren zu berücksich tigen. Wesentlich ist, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumli- chen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchti- gungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksich- tigen, wobei allenfalls divergierende Meinungen im Be richt aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stel le erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerich ts I 733/03 vom 6. April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 f. E. 4 be treffend Abklärungsberichte im Zusam- menhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Be weiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haus- halt massgebend, sondern gelten analog für jenen Tei l eines Abklärungsberichts, der den mut- masslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von Versicherten im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2). Letztlich ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass auch in Bezug auf die Haushaltabkl ärungsberichte nicht ohne Grund von den Angaben der versicherten Person abgewichen werde n darf (BGE 121 V 45 E. 2a mit Hinweisen). Das Gericht greift, sofern der Bericht formal korrekt erstellt worden ist, in das Ermes- sen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhalts- punkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate vorliegen. Rechtsprechungsgemäss hat sich ausserdem nur dann auch eine ärztliche Fachperson zur Zumutbarkeit der Haushaltsverrichtung zu äussern, wenn die versicherte Person unglaubwürdige Angaben macht, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (in BGE 134 V 9 nicht publizierte E. 5.2.1 des Urteils des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2007, I 246/05). 5.4 Aus dem Abklärungsbericht Haushalt vom 14. Oktober 2016 (IV-Dok 36) geht im Zusam- menhang mit den Beschwerden der Versicherten hervor, dass gemäss den medizinischen Unter- lagen aktuell keine Diagnose bestehe, sondern die Versicherte früher an einer mittlerweile weit- gehend rezidivierenden depressiven Störung gelitten habe (Ziffer 1.1). In einer leichten bis mit- telschweren Verweistätigkeit sei eine zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 100% vorhanden (Ziffer 1.3). Unter dem Titel «Bemerkungen» (ad Ziffer 3) hat die Abklärungsperson weiter festgehalten, dass die Versicherte ihre langjährige Erwerbstätigkeit im Umfang von 35% beibehalten hätte. Eine Änderung des Pensums sei nicht nachvollziehbar und kö nne weder mit persönlichen noch mit finanziellen Veränderungen begründet werden. Sei t dem Eintritt des Gesundheitsschadens habe sich im Vergleich zur Situation zuvor weder die fam iliäre, berufliche, finanzielle noch die räumliche Situation wesentlich verändert (Ziffer 6). Dem Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbs- tätigkeit vom 12. Oktober 2016 (IV-Dok 35) ist sodann zu entnehmen, dass die Versicherte ihre Erwerbstätigkeit als Kundenberaterin bei der B.____ aufgrund der unerträglichen Mobbingsitua- tion und der daraus resultierenden Beschwerden aufgegeb en habe. Ohne gesundheitliche Ein- schränkungen hätte sie ihre Erwerbstätigkeit bei der B._ ___ nicht aufgegeben und wäre aktuell weiterhin wie bereits schon seit 2007 im Umfang von 35% erwerbstätig. Schliesslich ist den Akten eine im Rahmen des Vorbescheidverfahrens ergangene St ellungnahme der Abklärungsperson Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 1. Februar 2019 (IV-Dok 81) zu entnehmen. Daraus geht hervor, dass die Statusfrage und die Haushaltsituation anlässlich der Haushaltabklärung ohne Kommunikationsprobleme detailliert besprochen und festgehalten worden seien. Die Versicher te habe keinen eingeschränkten Ein- druck hinterlassen. Die Aufteilung im Zusammenhang mit d er gemischten Methode mit 35% Er- werbs- und 65% Haushaltsanteil seien vor Ort eingehend besprochen worden. Zusammen mit einer expliziten Frage inklusive einer graphischen Darstellung sei der entsprechende Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit der Versicherten zugestellt und von dieser unterschrieben zu- rückgesandt worden. Sie hätte Gelegenheit gehabt, sich mit der strittigen Fragestellung ausei- nanderzusetzen und nötigenfalls Rücksprache mit einer B eratungsstelle zu nehmen. Es könne nicht nachvollzogen werden, weshalb die Versicherte ihr Pensum hätte ändern sollen. Erhö- hungsversuche oder Gespräche mit der Geschäftsführung, welche eine eventuelle Pensenände- rung begründen könnten, seien nie geführt worden. Die monetäre Haushaltsituation sei ausgegli- chen. Es gebe keine nachvollziehbare Begründung, weshal b die Versicherte ihr seit März 2003 ausgeübtes 35%-Pensum erhöht hätte. Aus Budgetgründen könne eine Erhöhung nicht nachvoll- zogen werden. Es sei an den unterschriftlich bestätigten Aussagen der ersten Stunde festzuhal- ten. 5.5 Die Versicherte hat den ihr vorgelegten Frageboge n zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit unterschriftlich bestätigt. Es ist der IV-Stelle im Grundsatz beizupflichten, dass praxisgemäss auf die sogenannten spontanen Aussagen der ersten Stunde ab gestellt wird. Solchen Aussagen kommt in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zu als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art be- einflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a). Diese Bewei sregel gilt allerdings nicht uneinge- schränkt. Sie findet ihre Grenze dort, wo unbesehen ein er unterschriftlich bestätigten Aussage inhaltliche Mängel vorliegen oder sonst wie generell e Zweifel bestehen, ob die vor Ort erfolgte Abklärung die tatsächlichen Verhältnisse widergibt. Solche Zweifel sind hier gegeben. Die Abklä- rungsperson weist in ihrer Stellungnahme vom 1. Februar 2019 (IV-Dok 81) zunächst darauf hin, dass der Versicherten anlässlich der Abklärung vor Ort ein e graphische Darstellung überreicht worden sei, anhand welcher die Konsequenzen im Zusamm enhang mit der Ermittlung ihrer Er- werbsfähigkeit detailliert hervorgingen. Dem ist zu widersprechen. Diese Graphik (IV-Dok 35, S. 4) enthält mit Blick auf die Rentenhöhe nur allgemeine Hinweise. Jedenfalls geht daraus gerade nicht hervor, dass und wie sich die Aufteilung zwischen den Anteilen Erwerb und Haushalt rech- nerisch auf den IV-Grad auswirkt. Sodann fällt auf, dass die Haushaltabklärung und mit ihr die Erhebungen betreffend die erwerblichen Verhältnisse au s dem letzten Quartal 2016 stammen und deshalb überholt sind. Der Umstand, dass die Tochter der Beschwerdeführerin bereits im Mai 2018 – mithin deutlich vor Erlass der angefochtene n Verfügung vom 27. September 2019 – aus dem elterlichen Haushalt ausgezogen war, vermag deshalb mit Blick auf den aus dem Jahr 2016 stammenden Abklärungsbericht bereits aus grundsä tzlichen Überlegungen nicht zu über- zeugen. Insbesondere aber ist die Abklärungsperson dazumal von falschen Voraussetzungen ausgegangen, indem sie ihrem Haushaltabklärungsbericht vom 14. Oktober 2016 eine offensicht- lich unzutreffende medizinische Ausgangslage zu Grunde ge legt hat. So leidet den Versicherte den gutachterlichen Erhebungen der Dres. C.____ und D.____ zweifelsohne an einer schweren Persönlichkeitsstörung, deren Ursprung bereits in der Kindheit und Jugend liegt (IV-Dok 72). Sie Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist deshalb lediglich noch in der Lage, einfachsten Verweistätigkeiten im Umfang von 30% nach- zugehen (oben, Erwägung 4.3). Der Abklärungsbericht basiert indessen auf der Annahme, dass bei der Versicherten weder eine psychiatrische Diagnose n och eine allfällige Arbeitsunfähigkeit besteht. 5.6 Dieser geradezu eklatante Widerspruch lässt nicht nur an den vor Ort erhobenen Ein- schränkungen im Haushalt zweifeln, sondern vermag auch mit Blick auf die fehlende Sorgfalt bei der Erhebung der für die gemischte Methode massgebende n Parameter nicht zu überzeugen. Wenn der Abklärungsdienst davon ausgegangen ist, dass die Versicherte ihre langjährige Er- werbstätigkeit im Umfang von 35% beibehalten hätte un d wie schon im Jahre 2007 als valide Person heute noch immer in diesem Umfang arbeiten würde, so hat er jedenfalls übersehen, dass die Beschwerdeführerin schon deutlich früher an psychischen Beschwerden zu leiden begonnen hat. Dass sie vor 2007 als valide zu bezeichnen gewesen w äre, widerspricht alleine schon den einleitenden Ausführungen der Gutachter (IV-Dok 67, S. 1), wonach bereits in den Jahren 1987 und 2004 (recte: 2002) wiederholte Suizidversuche zu verzeichnen waren. Dass keinesfalls von vermeintlich validen Verhältnissen per 2007 auf eine heute noch gültige Aufteilung zwischen Er- werb und Haushalt geschlossen werden kann, ergibt sich aber auch aus dem Umstand, dass die Versicherte seit ihrem ersten Epilepsieanfall im Jahre 1989 unter Depressionen und Ängsten ge- litten hat, welche „seither praktisch durchgängig“ eine ambulante psychiatrische Behandlung nö- tig gemacht haben. Auch wenn es ihr bis Januar 2015 möglich war, im Umfang von 35% arbeits- fähig zu bleiben, hat bei der Explorandin bereits wei t vor 2007 eine rezidivierende depressive Störung bestanden, welche immer wieder depressive Episode n unterschiedlicher Ausprägung verursacht und eine antidepressive Medikation zur Folge hatte (IV-Dok 53, S. 22). Der Rück- schluss, die Versicherte wäre heute weiterhin im Umfang v on 35% arbeitstätig, weil sie dies als gesunde Person bereits im Jahr 2007 gewesen sei, ist deshalb schlicht falsch. Er basiert offenbar auf der Voreingenommenheit, dass es keinen Grund gebe, weshalb die an keinen psychischen Diagnosen leidende Versicherte aktuell nicht dasselbe Pensum wie noch im Jahr 2007 absolvie- ren und deshalb auch praktisch keine Einschränkungen i m Haushalt aufweisen würde, sondern in den eigenen vier Wänden grundsätzlich alles selbst erl edigen könne (IV-Dok 36, S. 7). Auch diese Schlussfolgerung widerspricht aber den gutachterlichen Explorationsergebnissen, wonach der Haushalt vielmehr teils so lange liegen bleiben würde, bis es der Ehemann erledige (a.a.O., S. 29). Berücksichtigt man die gutachterlich erhobenen D iagnosen, zeigt sich, dass die Versi- cherte an einer schweren Persönlichkeitsstörung leidet, welche sich insbesondere in einer man- gelhaften Interaktion in ihrem Arbeitsumfeld niederschlägt, weshalb sie eine wohlwollende, ihrem Misstrauen und ihren Stimmungsschwankungen entgegenkommende und tolerante Atmosphäre benötigt (oben, Erwägung 4.1 und 4.3). Die von der Abklärungsperson im Fragebogen zur Ermitt- lung der Erwerbsfähigkeit vertretene Auffassung, die Versicherte habe ihre Erwerbstätigkeit auf- grund einer unerträglichen Mobbingsituation aufgegeben, greift deutlich zu kurz. Mit dieser Aus- sage wird der unzutreffende Eindruck vermittelt, dass für die Stellenaufgabe bei der B.____ keine gesundheitlichen Gründe verantwortlich gewesen seien. Dies aber trifft aufgrund der gutachterlich erhobenen Diagnosen und Explorationsergebnisse gerade nicht zu. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Die schon früh einsetzende Erkrankung der Beschwerde führerin zunächst in Form von depressiven Episoden hat sich gemäss den erwähnten medizinischen Akten zeitlich mit der Ge- burt ihrer Tochter im Jahr 1998 überlagert. Trotz einer „seither praktisch durchgängig“ notwendi- gen psychiatrischen Behandlung (IV-Dok 53, S. 22) haben sich die gesundheitlichen Probleme im Jahr 2015 lediglich deutlich verstärkt. Bei dieser Aktenlage ist für die hypothetische Festlegung der Anteile Erwerb und Haushalt mithin auf die Verhältnisse noch vor der Geburt der Tochter im Jahr 1998 abzustellen. Nicht gefolgt kann der von der I V-Stelle in diesem Zusammenhang ver- tretenen Auffassung, dass die Geburt der Tochter keinen Anlass gegeben haben könne, lediglich in einem Teilzeitpensum zu arbeiten. Gestützt auf den IK-Auszug zeigt sich im Gegenteil, dass die Versicherte bis hin zur Geburt ihrer Tochter in einem noch deutlich höheren Pensum gearbei- tet hatte, als sie es zuletzt noch bei der B.____ im Umf ang von durchschnittlich 35% absolviert hat (IV-Dok 12, S. 3). Wie hoch dieses Pensum dazumal genau ausgefallen war, und welche Schlussfolgerungen mit Blick auf die nunmehr massgebende Aufteilung zwischen Haushalt und Erwerb daraus zu ziehen sind, braucht an dieser Stell e nicht weiter geklärt zu werden. Gestützt auf eine umfassende Neubeurteilung wird dies vielmehr Aufgabe der Beschwerdegegnerin sein. Mit Blick auf die schon früh eingetretenen gesundheitlichen Einschränkungen bestehen jedenfalls durchaus gewichtige Indizien, dass die Versicherte ihr Arb eitspensum als valide Person mit zu- nehmenden Alter ihrer Tochter wieder erhöht und spätestens im Zeitpunkt des Auszugs der Toch- ter aus dem elterlichen Haushalt allenfalls wieder auf das vormals als gesunde Person absolvierte Pensum oder gar auf ein Vollzeitpensum aufgestockt haben könnte. Ein Verweis der Abklärungs- person auf monetär ausgeglichene Einkommensverhältnisse der Familie alleine vermag keine gegenteilige Auffassung zu implizieren. Hintergrund b ildet der Umstand, dass die finanzielle Si- tuation nur eines der Kriterien zur Beurteilung der Frage darstellt, ob jemand bei unbeeinträchtig- ter Gesundheit einer Teilzeit- oder einer Vollzeiterw erbstätigkeit nachgehen würde (BGE 117 V 194, E. 3b). 6. Zusammenfassend ist nicht mit dem erforderlichen Bewei sgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Versicherte im Gesundheitsfall weiterhin einer ausserhäus- lichen Erwerbstätigkeit im Umfang von 35% nachgegangen wäre. Wie hoch die Aufteilung der Anteile Erwerb und Haushalt letztlich ausfällt, bleibt unklar. Als abklärungsbedürftig erweist sich mit Blick auf die gutachterlichen Explorationsergebnisse aber auch die Einschränkung der Versi- cherten im Haushalt. Entgegen der von der IV-Stelle vertretenen Auffassung ist die Haushaltab- klärung deshalb zumindest dem psychiatrischen Gutachter zur er gänzenden Stellungnahme zu unterbreiten. Hintergrund bildet der Umstand, dass die Massgeblichkeit eines Abklärungsberichts eingeschränkt ist, wenn die versicherte Person an psychisch en Beschwerden leidet (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen), und es in diesen Fällen deshalb des Beizugs einer ärztlichen Fachperson bedarf, die sich unter dem Ge- sichtswinkel der Zumutbarkeit auch zur Haushaltsführung zu äussern hat (Urteil des Bundesge- richts vom 13. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit we iteren Hinweisen, oben Erwägung 5.3. a.E.). Dies gilt im vorliegenden Fall umso mehr, weil dem Dargelegten zufolge Widersprüche zwischen den Ergebnissen der Haushaltsabklärung und den ärztlichen Feststellungen zur Fähig- keit der versicherten Person bestehen, ihren Haushalt trotz ihres psychischen Leidens bewältigen zu können. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis gutzuheissen, und die Angelegenheit ist zur ergänzenden Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ein heitlich auf Fr. 800.-- fest. Ge- mäss § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten auch de n unterliegenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegen de Partei. Die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt, und der geleistete Kostenvorschuss ist der Beschwerdefüh- rerin zurückzuerstatten. 7.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO steht der obsiegenden Beschwe rdeführerin eine Parteient- schädigung zu. Der Honorarnote vom 6. November 2019 zuf olge beläuft sich der geltend ge- machte Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren auf insgesamt neun Stunden und 25 Minuten. Dieser Aufwand erweist sich angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen und ist praxisgemäss zu einem Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entgel- ten. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die geltend gem achten Auslagen. Es ergibt sich dem- nach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdege gnerin in der Höhe von insgesamt Fr. 2'620.95 (neun Stunden und 25 Minuten à Fr. 250.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 79.40 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer). 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewir ken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich um solchen einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrun g erfolgt unter diesem ausdrückli- chen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Basel- Landschaft vom 27. September 2019 aufgehoben und die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur ergänzenden Abklärung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'620.95 (inkl. Ausla gen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.