<h2>SubmittedText<h2><p>Um die Klimaerwärmung zu bremsen, werden in hohem Masse technische Eingriffe, die die Energiebilanz der Erde direkt beeinflussen, in Erwägung gezogen und offenbar auch schon angewendet. Zu den Techniken zählen die Speicherung von Kohlendioxid in unterirdischen Lagerstätten, die Düngung der Meere mit Eisensulfat zur Beschleunigung des Plankton-Wachstums sowie die Freisetzung chemischer Stoffe in der Atmosphäre (Aerosole, Aluminiumoxide, Strontium 383).</p><p>Welche Auswirkungen hat der Einsatz dieser Techniken durch die Verschmutzung von Zuflüssen aus dem Gebirge und des Seewassers auf die Gesundheit? Sollten nicht dringend Studien dazu veranlasst werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Unter dem Begriff Geoengineering wird die bewusste Manipulation des Klimasystems durch den Menschen verstanden, mit dem primären Ziel, die vom Menschen verursachte Erwärmung abzuwenden oder zumindest zu vermindern. Wissenschaft und Technik haben dazu bisher verschiedene Vorschläge gemacht. Zwei prinzipiell unterschiedliche Ansätze lassen sich unterscheiden:</p><p>a. Methoden, die der Atmosphäre das Treibhausgas Kohlendioxid entziehen (z. B. Düngung der Ozeane mit Eisen, Speicherung von Biomasse im Boden),</p><p>b. Methoden, welche bewirken, dass die Erde weniger Sonnenstrahlung aufnimmt (z. B. Einbringen von Sulfatpartikeln in die Stratosphäre, Installationen im Weltall zur Reflexion der Sonnenstrahlung).</p><p>Keiner der zahlreichen Vorschläge wurde bisher angewendet. Im Internet sind seit Jahren Dokumente im Umlauf, die behaupten, Flugzeuge würden systematisch Aluminium- und andere Aerosole zum Zweck der Klimabeeinflussung versprühen (Chemtrails-Hypothese). Diese Hypothese entbehrt jeglicher Grundlage.</p><p>Forschungsprojekte zur Abklärung der Potenziale, Risiken und Kosten sind im Gang. Eine erste wissenschaftliche Beurteilung liegt vor (The Royal Society (2009): Geoengineering the climate: science, governance and uncertainty. London). Geoengineering-Methoden werden als Notlösung betrachtet, die wegen ihrer grossen Risiken und Unsicherheiten erst zum Zuge kommen soll, wenn Emissionsminderungs-Massnahmen nicht genügen und die globale Erwärmung ein gefährliches Niveau erreicht. Die UN-Biodiversitätskonvention sprach sich im Oktober 2010 in Nagoya für ein Moratorium für Geoengineering im grossen Umfang aus. Erlaubt bleiben kleinere Experimente unter kontrollierten Randbedingungen.</p><p>Der Bundesrat lehnt eine operationelle Anwendung von Geoengineering in einem Massstab, der festgelegte Testdimensionen überschreitet, ohne rechtsgültigen Beschluss der internationalen Staatengemeinschaft ab. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt Geoengineering-Methoden im grossen Umfang eingesetzt werden, so müsste selbstverständlich ein weltweites Monitoring der Wirkungen diesen Einsatz begleiten und müssten die Verantwortlichkeiten für unbeabsichtigte Nebenwirkungen vorrangig geklärt sein.</p><p>Einen Sonderfall bilden die unter dem Namen Carbon Capture and Storage (CCS) bekanntgewordenen Verfahren, bei denen Kohlendioxid aus der Abluft fossil-thermischer Kraftwerke abgeschieden und im geologischen Untergrund eingelagert werden soll. CCS wird nicht als Geoengineering-Methode betrachtet. Es wird in wichtigen Industrieländern finanziell gefördert, und die ersten Demonstrationsanlagen sind im Bau. Die Schweiz verfolgt die internationale Entwicklung und betreibt im Rahmen des ETHZ-Verbundprojekts Carma aktiv Forschung, z. B. zu Fragen der CO2-Abscheidung und der Lagerstättenkapazität im Schweizer Untergrund.</p>  Antwort des Bundesrates.