200 16 1011 IV SCJ/SCC/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 3. Mai 2017 Verwaltungsrichter Scheidegger, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Fuhrer, Verwaltungsrichter Loosli Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero A.________ vertreten durch Fürsprecher und Notar B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 22. September 2016 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1959 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) war vom Januar 2000 bis 31. Dezember 2011 als … für das C.________ tätig (Dossier der Invalidenversicherung, Antwortbeilage [AB] 12, 23, 35). Nach einer Früherfassung (AB 1) meldete sich der Versicherte im August 2010 bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (AB 6). Gegen den Vorbescheid vom 20. September 2011, wonach keine beruflichen Massnahmen durch- geführt würden (AB 29), erhob der Versicherte Einwand (AB 47). Mit Verfü- gung vom 17. Februar 2012 – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren – lehnte die IVB bei einem Invaliditätsgrad (IV-Grad) von 0 % die Ausrich- tung einer Rente ab (AB 49). Nach einem Gesuch des Versicherten, vertre- ten durch die D.________ (AB 55), zog die IVB die Verfügung in Wiederer- wägung (AB 57). Der Versicherte absolvierte vom 24. September bis 19. Oktober 2012 eine arbeitsmarktlich-medizinische Abklärung (AMA) in der Abklärungsstelle E.________ (Abklärungsbericht vom 9. November 2012 [AB 71]). Mit Verfügung vom 23. Januar 2013 lehnte die IVB – nach durch- geführtem Vorbescheidverfahren (AB 74) – bei einem IV-Grad von 11 % die Ausrichtung einer Rente ab (AB 80). Diese Verfügung blieb unange- fochten. Nachdem sich der Versicherte am 7. Januar 2013 zur Arbeitsvermittlung angemeldet hatte (AB 77), gewährte die IVB Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (Mitteilung vom 18. Januar 2013 [AB 79]). Nach einer Verschlechterung der gesundheitlichen Situation schloss die IVB mit Verfü- gung vom 3. März 2014 die Arbeitsvermittlung ab (AB 116). B. Der Versicherte erlitt am 16. Mai 2013 bei einen Unfall Verletzungen am rechten Handgelenk (AB 115.1 S. 8); die Schweizerische Unfallversiche- rungsanstalt (Suva) erbrachte in diesem Zusammenhang Versicherungs-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 3 leistungen. Nach einer kreisärztlichen Beurteilung vom 17. Dezember 2013 (AB 115.1 S. 95 ff.) stellte die Suva mit Verfügung vom 15. Januar 2014 die Versicherungsleistungen per 31. Dezember 2013 ein (AB 115.1 S. 103). Die Verfügung wurde vom Versicherten nicht angefochten. C. Am 17. April 2014 erfolgte eine Operation (Knieprothese links [AB 122, 126.3 S. 1]), und vom 17. Mai bis 18. Juni 2015 wurde der Versicherte we- gen einer septischen Arthritis am linken Knie hospitalisiert (AB 133). Nach- dem der Hausarzt Dr. med. F.________, Allgemeine Medizin FMH, einen Bericht vom 15. Juni 2015, zusammen mit Spitalberichten, eingereicht hatte (AB 131), äusserte sich Dr. med. G.________, Facharzt Innere Medizin FMH, Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, Tropenmedizin und Reisemedizin FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), am 31. August 2015 zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit (AB 137 S. 3). Nach einem Ver- laufsbericht des Hausarztes Dr. med. F.________ vom 19. Januar 2016 (AB 144) erfolgte am 9. Februar 2016 eine weitere Beurteilung durch den RAD-Arzt Dr. med. G.________ (AB 146). Mit Vorbescheid vom 5. April 2016 stellte die IVB die folgenden Renten in Aussicht: ab dem 1. Juli 2013 eine halbe Rente, ab dem 1. August 2013 eine ganze Rente, ab dem 1. April 2015 eine Viertelsrente, ab dem 1. Au- gust 2015 eine ganze Rente und ab dem 1. April 2016 eine Viertelsrente (AB 154). Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch lic. iur. H.________, Einwände und beantragte eine ganze Rente ab dem 1. Au- gust 2013 (AB 158). Nach einer Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. G.________ vom 27. Mai 2016 (AB 160) sprach die IVB dem Versicherten mit Verfügung vom 22. September 2016 vom 1. bis 31. Juli 2013 eine halbe Rente, vom 1. August 2013 bis 31. März 2015 eine ganze Rente, vom 1. April bis 31. Juli 2015 eine Viertelsrente, vom 1. August 2015 bis 31. März 2016 eine ganze Rente und ab dem 1. April 2016 bis auf weiteres eine Viertelsrente zu (AB 164).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 4 D. Am 21. Oktober 2016 erhob der Versicherte, vertreten durch Fürsprecher B.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 22. September 2016 sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer ab 1. Juli 2013 durchwegs eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter seien die Akten zu einem neuen Entscheid in der Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, verbunden mit der Anweisung, vorgängig den rechtser- heblichen Sachverhalt im Rahmen einer medizinischen und berufsprakti- schen Begutachtung vollständig feststellen zu lassen. Gerügt wird, der rechtserhebliche Sachverhalt, insbesondere in Bezug auf die Arbeitsfähig- keit und die funktionelle Leistungsfähigkeit, sei unrichtig bzw. nicht vollständig abgeklärt worden. Nachdem in der Verfügung vom 23. Januar 2013 in einer angepassten Tätigkeit noch eine Leistungseinschränkung von 20 % angenommen worden sei, gehe der RAD im Bericht vom 9. Februar 2016 nunmehr von einer verminderten Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit aus. Dies trage jedoch der vom RAD selber ange- nommenen Multimorbidität (zusätzlich sei eine Herzproblematik hinzuge- kommen) nicht genügend Rechnung. Aufgrund der vielschichtigen Proble- matik sei die bloss oberflächliche Aktenbeurteilung des RAD ohne entspre- chende Fachausbildung nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeit und das Zu- mutbarkeitsprofil zu bestimmen. Am 11. November 2016 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers diverse medizinische Berichte ein. Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2016 beantragt die Beschwer- degegnerin, es sei dem Beschwerdeführer unter Androhung einer reforma- tio in peius die Gelegenheit zu geben, seine Beschwerde vom 21. Oktober 2016 zurückzuziehen. Falls der Beschwerdeführer an der Beschwerde festhalte, sei diese abzuweisen. In Aufhebung der Verfügung vom 22. Sep- tember 2016 sei der darin festgehaltene Rentenanspruch vor Mai 2014 mangels Erfüllung des Wartejahres abzuweisen. Gleichzeitig sei die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit diese die vom Juli 2013 bis April 2014 geleisteten Rentenzahlungen vom Beschwerdeführer zurückfordere. Soweit weitergehend sei die Verfügung vom 22. September 2016 zu Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 5 bestätigen. Die Beschwerdegegnerin bringt vor, mit Blick auf die Recht- sprechung habe entgegen der angefochtenen Verfügung das Wartejahr im Mai 2013 erneut zu laufen begonnen. Das Wartejahr sei somit frühestens im Mai 2014 abgelaufen, weshalb vor diesem Datum kein Rentenanspruch habe entstehen können. Es stelle sich die Frage, ob gestützt auf den Ab- schluss der SUVA per 23. Oktober 2013 das Wartejahr nicht erneut unter- brochen worden sei und erst mit der Knie-Totalprothese links wegen fort- geschrittener Gonarthrose am 17. April 2014 habe zu laufen begonnen und diesmal – jedoch erst im April 2015 – auch erfüllt worden sei. In der Ergänzung zur Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2017 hielt die Beschwerdegegnerin an den gestellten Anträgen, insbesondere dem An- trag auf reformatio in peius fest und verwies auf die Ausführungen des RAD vom 16. Dezember 2016. In der Replik vom 7. Februar 2017 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin sei im Sinne der Rechtssicherheit und nach Treu und Glauben darauf zu behaften, dass das Schreiben vom 7. Januar 2013 (Eingang 9. Januar 2013) als neues Rentengesuch regis- triert worden sei. Somit sei die sechsmonatige formelle Wartefrist eingehal- ten. Mit Duplik vom 10. März 2017 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren An- trägen fest. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 6 anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist die Verfügung der IV-Stelle Bern vom 22. Septem- ber 2016 (AB 164), mit welcher dem Beschwerdeführer ab Juli 2013 eine unterschiedlich abgestufte Rente der Invalidenversicherung (vom 1. bis 31. Juli 2013 eine halbe Rente, vom 1. August 2013 bis 31. März 2015 eine ganze Rente, vom 1. April bis 31. Juli 2015 eine Viertelsrente, vom 1. Au- gust 2015 bis 31. März 2016 eine ganze Rente und ab dem 1. April 2016 bis auf weiteres eine Viertelsrente) zugesprochen worden ist. Streitig ist der Anspruch auf eine IV-Rente und dabei auch die vom Beschwerdeführer nicht bestrittenen Bezugszeiten einer ganzen Rente (vgl. BGE 125 V 413). 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 7 werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz- lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.2.1Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen- dung des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). Der Rentenanspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG bean- spruchen kann (Abs. 2). Die Wartezeit gilt in dem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine erhebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c). 2.2.2Wurde die Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades aufge- hoben, erreicht dieser jedoch in den folgenden drei Jahren wegen einer auf dasselbe Leiden zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein renten- begründendes Ausmass, so werden bei der Berechnung der Wartezeit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 8 nach Artikel 28 Absatz 1 Buchstabe b IVG früher zurückgelegte Zeiten an- gerechnet (Art. 29 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV; SR 831.201]). 2.3 2.3.1Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den der Richter grundsätzlich zu re- spektieren hat. Die Behandlung der Eintretensfrage durch die Verwaltung ist deshalb vom Gericht nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). 2.3.2Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei ei- nem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (SVR 2011 IV Nr. 2 S. 8 E. 3.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der frühe- ren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1). 2.3.3Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali- ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan- meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate- riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 9 demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b). 2.3.4Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren- tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag- gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali- ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2011 IV Nr. 37 S. 109 E. 1.1). 2.4Bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten IV-Rente sind die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen analog anzuwenden (BGE 109 V 125 E. 4a S. 127; AHI 1998 S. 121 E. 1b). 2.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 3. 3.1Mit Verfügung vom 23. Januar 2013 lehnte die IVB bei einem Invali- ditätsgrad von 11 % eine Rente ab (AB 80). Nachdem der Beschwerdefüh- rer am 7. Januar 2013 einen erneuten Leistungsanspruch (Arbeitsvermitt- lung [AB 77]) geltend gemacht hatte, was auch von der Beschwerdegegne- rin als Neuanmeldung (vgl. Vorbescheid vom 5. April 2016 [AB 154]) ak- zeptiert wurde, sprach die IVB mit der angefochtenen Verfügung vom 12. September 2016 ab Juli 2013 eine unterschiedlich abgestufte Rente der Invalidenversicherung zu (AB 164). Bei diesen Gegebenheiten ist das Ein- treten der Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung nicht zu beurteilen (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 10 Zur Recht nicht umstritten ist sodann, dass im massgebenden Vergleichs- zeitraum zwischen der rentenablehnenden Verfügung vom 23. Januar 2013 (AB 80) und der angefochtenen Verfügung vom 12. September 2016 (AB 164) grundsätzlich eine wesentliche Änderung der gesundheitlichen Situation eingetreten ist. Der Beschwerdeführer hat am 16. Mai 2013 bei einem Sturz eine intraartikuläre Radiusfraktur erlitten, was zu einer anhal- tenden Arbeitsunfähigkeit von 100 % führte. Zudem erfolgte am 17. April 2014 eine Knie-Totalprothese links sowie am 17. Mai 2015 die Behandlung einer septischen Gonarthritis links mit konsekutiven Arbeitsunfähigkeiten (vgl. AB 137 S. 3, 146 S. 3). Der Rentenanspruch ist somit frei zu prüfen (E. 2.3.4 hiervor). 3.2Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Einschätzung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit insbesondere auf die Berichte des RAD-Arztes Dr. med. G.________. Demgegenüber geht der Beschwerdeführer davon aus, dass diese nicht den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen genügen. Es ist somit zu prüfen, ob der rechtserhebliche Sachverhalt in medizinischer Hinsicht genügend abgeklärt ist. Diesbezüglich ist den Akten das Folgende zu entnehmen: 3.2.1Im Bericht vom 28. April 2015 diagnostizierten die Ärzte des Spitals I.________, einen Status nach Knieprothese links vom 17. April 2014 bei Pangonarthrose links. Es sei eine Anpassung, ggf. Umschulung auf einen sitzenden/stehenden Beruf vorzunehmen, bei welchem die Möglichkeit von intermittierenden Ruhephasen bestehe. Von Seiten beider Knie bestünden keine weiteren orthopädischen Interventionsmöglichkeiten. Diesbezüglich sei eine Vollbelastung erlaubt, welche jedoch durch den persistierenden Peroneusschaden noch deutlich limitiert sei (AB 131 S. 9 f.). 3.2.2Der Hausarzt Dr. med. F.________ attestierte vom 24. März 2011 bis 23. April 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, vom 24. April 2011 durchgehend bis 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % und ab dem 16. Mai 2015 bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Der Pati- ent sei geistig etwas verlangsamt. Er sei psychisch deprimiert, vor allem weil er als Familienvater zu wenig an die Ausbildung der Kinder beitragen könne, welche ansonsten gut verlaufe. Körperlich bestünden starke Ein- schränkungen im Gehapparat und neben den Beinschmerzen auch Ein-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 11 schränkungen im Rücken. Der Patient sei selbst bei allenfalls sitzender Tätigkeit eindeutig erheblich beruflich eingeschränkt. Er sei verlangsamt und habe auch im Sitzen erhebliche Schmerzen. Es liege eine dauernde Arbeitsunfähigkeit über 80 %, aktuell 100 % vor (AB 131 S. 5). 3.2.3Am 31. August 2015 ging der RAD-Arzt Dr. med. G.________ da- von aus, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als … nicht mehr zumutbar sei. Als zumutbar erachtete er eine leichte Tätigkeit, vorwiegend sitzend, mit Gewichte heben bis maximal fünf Kilogramm, mit genügend Beinfrei- heit, mit der Möglichkeit zu Positionswechseln und keinen durchschnittli- chen Belastungen für das rechte Handgelenk. Es sei ein Pensum von vier Stunden pro Tag, an fünf Tagen die Woche, ohne Leistungseinschränkung, zumutbar. Vom 16. Mai 2013 bis 31. Dezember 2014 und ab dem 17. Mai 2015 vermutlich bis Herbst 2015 sei keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Der weitere Verlauf sei abzuwarten (AB 137 S. 3). 3.2.4Im Verlaufsbericht vom 19. Januar 2016 ging der Hausarzt Dr. med. F.________ von einem sich leicht verschlechternden Gesundheitszustand aus. Die septische Gonarthritis sei abgeheilt, der chronische vorbestehen- de Defektzustand sei aber unverändert gleich (AB 144 S. 2). Die Dystro- phie der Unterschenkel und die Polyneuropathie seien objektiv nachweis- bar. Die Funktionsdefizite der Beine lägen ausserhalb einer möglichen be- ruflichen Integration (AB 144 S. 3). Der Patient sei verlangsamt. Dies habe habituelle Gründe, aber auch die Medikation mache müde. Die Kommuni- kation sei erschwert durch fehlende sprachliche Integration. Der Patient sei auch psychisch angeschlagen (AB 144 S. 3). Hauptproblem sei aber die körperliche Einschränkung vor allem der beiden unteren Extremitäten. Die bisherige Arbeit als … sei nicht mehr zumutbar. Die körperlichen Ein- schränkungen seien so deutlich und chronisch, dass auch leichte Arbeiten mit geringstem Gehen und längerem Sitzen nicht möglich seien (AB 144 S. 4). 3.2.5Im Bericht vom 9. Februar 2016 führte der RAD-Arzt Dr. med. G.________ aus, die Knieproblematik links und rechts habe sich funktionell nach Rehabilitation im Jahr 2014 und nach Abheilen des Infektes im Jahr 2015 gegenüber dem Vorzustand, wie er sich zum Beispiel während der AMA dargestellt habe, nicht wesentlich verändert. Die Peroneusparese sei Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 12 vorbestehend und habe sich nicht verändert. Der neu diagnostizierte Dia- betes und die chronisch venöse Insuffizienz würden behandelt und seien nicht zusätzlich invalidisierend. Die bisherige Tätigkeit als … sei nicht mehr zumutbar. Auch in einer gut angepassten Tätigkeit sei objektiv von einer verminderten Arbeitsfähigkeit auszugehen (AB 146 S. 3). In der Aktennotiz vom 22. Februar 2016 ergänzte er, bis zum 15. Mai 2013 gelte das Zumut- barkeitsprofil der Verfügung vom 21. Januar 2013. Ab dem 16. Mai 2013 bis zum 31. Dezember 2014 bestehe auch für angepasste Tätigkeiten kei- ne Arbeitsfähigkeit. Ab dem 1. Januar bis 16. Mai 2015 habe eine Arbeits- fähigkeit von 50 % bestanden. Vom 17. Mai bis 31. Dezember 2015 sei von einer Arbeitsfähigkeit von 0 % auszugehen und ab dem 1. Januar 2016 gelte wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit (AB 149). Im Bericht vom 27. Mai 2016 hielt der Dr. med. G.________ fest, seit der Beurteilung in der AMA sei es zu gesundheitlichen Veränderungen ge- kommen: Am 17. April 2014 sei bei einer bekannten fortgeschrittenen Go- narthrose links eine Operation durchgeführt worden. Die subjektiv geäus- serten Schmerzen am Knie und Unterschenkel postoperativ hätten nicht wirklich objektiv erklärt werden können. Der am 15. Mai 2015 diagnostizier- te Infekt am linken Knie sei besiegt und der Vorzustand wieder erreicht. Die Schwellung am Unterschenkel sei auf eine chronisch venöse Insuffizienz zurückzuführen, weswegen Kompressionsstrümpfe und Physiotherapie verordnet worden seien. Insgesamt ergebe sich seit 2013 eine zusätzlich etwas verminderte Geh- und Stehfähigkeit, die sich vor allem beim Trep- pensteigen sowie bei Belastungen mit Lastentragen äussere. Bezüglich der Radiusfraktur intraartikulär rechts am 16. Mai 2013 resultiere objektiv medi- zinisch zusätzlich zum Vorzustand vom 23. Januar 2013 eine leicht ver- minderte Funktionalität und Belastbarkeit des rechten Handgelenks. Die Rückenproblematik mit Fallfuss links und die Polyneuropathie seien unver- ändert geblieben. Aufgrund dieser Einschränkungen sei das Zumutbar- keitsprofil angepasst worden: In angepasster Tätigkeit werde nur noch eine halbe Arbeitsfähigkeit (die auch mit etwas erhöhtem Pensum, dafür mit vermehrten einzelnen Pausen abgeleistet werden könnte) zugemutet (AB 160 S. 2). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 13 3.2.6Im Verlaufsbericht vom 18. Oktober 2016 hielt der Hausarzt fest, dass der Patient am 3. April 2016 einen Herzinfarkt erlitten habe. Er sei zu 100 % arbeitsunfähig. Körperlich belastende Arbeiten seien nicht mehr zu- mutbar (Beschwerdebeilage [BB] 8). Am 8. November 2016 führte er aus, die Behandlung (dreifache Blutverdünnung) schliesse handwerkliche Arbei- ten aus und für Büroarbeiten sei der Patient sowieso nicht qualifiziert. Der Patient sei also allein durch die aufwendige und relativ bedrohliche Blutver- dünnung eindeutig vermehrt arbeitsunfähig bezugsweise vermindert vermit- telbar (BB 9). 3.2.7In der Stellungnahme vom 16. Dezember 2016 (in den Gerichtsak- ten) führte der RAD-Arzt Dr. med. G.________ aus, in Übereinstimmung mit dem Hausarzt Dr. med. F.________ sei davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer eine körperliche Arbeit nicht mehr zumutbar sei. Es ent- spreche den Tatsachen, dass der Beschwerdeführer für Büroarbeiten nicht qualifiziert sei. Es bestünden psychosoziale Faktoren, die zwar versiche- rungsmässig nicht berücksichtigt werden könnten, aber in der Praxis doch einen Einfluss auf die Chancen einer Anstellung hätten. Das bisherige Zu- mutbarkeitsprofil sehe keine körperlich belastende Tätigkeit vor, sondern eine leichte, vorwiegend sitzende Arbeit. Diese sei auch aus Sicht der neu aufgetretenen kardialen Situation ohne Herzinsuffizienz weiterhin zumut- bar. Aufgrund der Folgen der Radiusfraktur und der sich nun addierenden multiplen Erkrankungen (Radiusfraktur, Kniearthrose, Rückenprobleme, Teil-Lähmung des linken Fusses, der chronisch venösen Insuffizienz, des Diabetes, der Hypertonie und der kardialen Situation) sei die zumutbare Arbeitsfähigkeit von 80 % auf 50 % reduziert. Dabei sei die Leistungsein- schränkung von nach wie vor 20 % bei vermehrten Ruhepausen inbegriffen (das heisst leicht erhöhte Präsenz von fünf Stunden täglich, dafür alle Stunden eine Viertelstunde Ruhepause). 3.3 3.3.1Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 14 Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.3.2Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be- gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Glei- ches gilt, wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wieder- holt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Miss- trauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet er- scheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unpartei- lichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354). Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichbaren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165 E. 3.3.2). 3.3.3Die versicherte Person hat von Bundesrechts wegen keinen formel- len Anspruch auf Beizug eines versicherungsexternen Gutachtens, wenn Leistungsansprüche streitig sind. Es ist auch im Lichte der von Art. 6 Ziff. 1 EMRK gewährleisteten Verfahrensgarantien grundsätzlich zulässig, den Entscheid ausschlaggebend oder gar ausschliesslich auf verwaltungsinter- ne Abklärungen zu stützen (BGE 123 V 175 E. 3d S. 176, 122 V 157 E. 2c S. 165). Urteilt das Gericht indessen abschliessend gestützt auf Beweis- grundlagen, die aus dem Verfahren vor dem Sozialversicherungsträger stammen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 15 keit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzu- nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 122 V 157 E. 1d S. 162). 3.3.4Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1). 3.4Die Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. med. G.________ vom 31. August 2015 (AB 137), vom 9. Februar 2016 (AB 146) sowie vom 27. Mai 2016 (AB 160) erfüllen die Voraussetzungen der Rechtsprechung an medi- zinische Gutachten (E. 3.3.1 hiervor). Die schlüssigen Beurteilungen wer- den nicht in Frage gestellt durch den Umstand, dass Dr. med. G.________ den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht hat. Denn aufgrund der umfassenden Berichte der behandelnden Ärzte konnte er sich ein genü- gendes Bild machen. Zudem hat er den Beschwerdeführer immerhin im Rahmen der AMA vom Herbst 2012 persönlich untersucht (AB 68). Zwar hat sich seither der gesundheitliche Zustand verändert (16. Mai 2013 intra- artikuläre Radiusfraktur rechts, Malunion, 17. April 2014 Knie-Totalprothese links wegen fortgeschrittener Gonarthrose, 17. Mai 2015 septische Gonar- thritis links [AB 137 S. 3]), die Behandlungen und die Folgen sind jedoch mit den Berichten der behandelnden Ärzte gut dokumentiert. Die von Dr. med. G.________ im Anschluss an die verschiedenen Ereignisse in zeitli- cher Hinsicht attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeiten sind nachvoll- ziehbar und schlüssig begründet (AB 146 S. 3); der RAD-Arzt hat sich zu- dem mit den vom Beschwerdeführer im Vorbescheidverfahren und im vor- liegenden Verfahren eingereichten medizinischen Berichten ausführlich auseinandergesetzt (AB 160 S. 2 f., vgl. auch Stellungnahme vom 16. De- zember 2016). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 16 Der Beschwerdeführer vermag sich auf keine abweichenden ärztlichen Berichte abzustützen, welche ernsthafte Zweifel an der Einschätzung des RAD-Arztes erwecken könnten. Der Beschwerdeführer brachte vor, die vom RAD-Arzt vorgenommene Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % zwischen der Behandlung der Radiusfraktur/Knieprothese und der Sepsis im Jahr 2015 sei realitätsfremd (Beschwerde S. 8), was der RAD- Arzt in der Stellungnahme vom 16. Dezember 2016 (Gerichtsakten) inso- fern bestätigt hat, als dass sich in der kurzen Zeit bei den vorhandenen Einschränkungen und der Arbeitsmarktsituation die Arbeitsfähigkeit nicht hätte erwerblich umsetzen lassen. Dieser Argumentation kann jedoch nicht gefolgt werden, denn es ist nicht entscheidend, ob der Beschwerdeführer in diesem Zeitraum die massgebende medizinisch-theoretische Arbeitsfähig- keit auf dem konkreten Arbeitsmarkt hätte verwerten können (zum ausge- glichenen Arbeitsmarkt: BGE 138 V 457 E. 3.1 S. 459). Auch die vom Hausarzt bestätigte verminderte Vermittelbarkeit wegen mangelnder Aus- bildung und Sprachkenntnisse hilft nicht, da invaliditätsfremde Faktoren (beschränkte Kenntnisse der Landessprache, mangelnde kulturelle und soziale Integration sowie mangelnde Ausbildung) bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt werden. Auch dem Vorbringen des Beschwerdeführers (Duplik S. 6), es liege eine nicht berücksichtigte psych- iatrische Komponente vor, kann nicht gefolgt werden. Es werden vom Hausarzt lediglich psychische Beschwerden im Zusammenhang mit einer psychosozialen Belastungssituation erwähnt (AB 131 S. 5), was iv-rechtlich nicht beachtlich ist. Der Hausarzt Dr. med. F.________ geht zwar von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aus (AB 131 S. 5) mit der Begründung, die körper- lichen Einschränkungen seien so deutlich und chronisch, dass auch leichte Arbeiten mit geringstem Gehen und längerem Sitzen nicht möglich seien (AB 144 S. 4). Der RAD-Arzt hat indessen die objektiv nachweisbaren Ein- schränkungen im Zumutbarkeitsprofil berücksichtigt (AB 160 S. 2 f). Zudem fliessen bei Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Hausarzt auch invaliditätsfremde psychosoziale Faktoren mit ein (AB 144 S. 3 f.). Im Übri- gen darf und soll das Gericht in Bezug auf Atteste von Hausärzten der Er- fahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu- gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 17 Der Herzinfarkt im Frühjahr 2016 (BB 4, 10, 11) hat gemäss der Beurtei- lung des RAD-Arztes Dr. med. G.________ vom 16. Dezember 2016 zu keiner Änderung des Zumutbarkeitsprofils (leichte Tätigkeit, vorwiegend sitzend, mit Gewichte heben bis maximal fünf Kilogramm, mit genügend Beinfreiheit, mit der Möglichkeit zu Positionswechseln und keinen durch- schnittlichen Belastungen für das rechte Handgelenk [AB 137 S. 3]) ge- führt. Sodann hat die Beeinträchtigung als Folge des Herzinfarktes nicht mindestens drei Monate angehalten und damit keinen Anlass zu einer vor- übergehenden Erhöhung der Rente gebildet. Bei diesen Gegebenheiten erübrigen sich weitere Abklärungen in medizini- scher Hinsicht. Dr. med. G.________ hat gegenüber seiner ersten Beurtei- lung vom 18. Oktober 2012 (AB 68 S. 3) für die Zeit ab Beginn der unfall- bedingten Arbeitsunfähigkeit ab dem 16. Mai 2013 eine dauerhaft erhebli- che Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit festgestellt und damit der einge- tretenen Verschlechterung genügend Rechnung getragen. Damit ist die Invaliditätsbemessung (E. 5 hiernach) gestützt auf das von Dr. med. G.________ formulierte Zumutbarkeitsprofil und die von ihm attestierte Arbeitsfähigkeit vorzunehmen, wonach der Beschwerdeführer ab dem 16. Mai 2013 bis zum 31. Dezember 2014 auch in einer angepassten Tätigkeit nicht arbeitsfähig war, vom 1. Januar bis am 16. Mai 2015 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestanden hat, vom 17. Mai bis am 31. Dezem- ber 2015 keine Arbeitsfähigkeit vorlag und ab dem 1. Januar 2016 der Be- schwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig ist (AB 149). 4. 4.1Umstritten und vorab zu prüfen ist der Rentenbeginn, zumal die Be- schwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 23. November 2016 nunmehr den Antrag stellt, es sei im Sinne einer reformatio in peius der Rentenanspruch vor Mai 2014 zu verneinen, während sie in der angefoch- tenen Verfügung vom 22. September 2016 noch von einem Rentenbeginn ab Juli 2013 ausgegangen ist (AB 164 S. 6). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 18 Dabei ist die Frage, wann die Wartefrist von einem Jahr gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG begonnen hat, von der weiteren Frage zu trennen, ob Art. 29 bis IVV zur Anwendung gelangt. 4.1.1In BGE 142 V 547 äusserte sich das Bundesgericht zur Wartezeit bei Neuanmeldung innerhalb von drei Jahren nach Aufhebung einer Invali- denrente, wenn die rentenbegründende Invalidität wiederum auf dasselbe Leiden wie die frühere Invalidität zurückzuführen ist (Regeste). Das Bun- desgericht stellte mit Verweis auf den Entscheid vom 18. Februar 2016, 9C_942/2015, E. 3.3.3, sodann fest, Art. 29 bis IVV sei nicht anwendbar, wenn nach Ablauf der Wartezeit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vorgelegen hat. Diesfalls sei die nachfolgende gesundheitliche Verschlech- terung als neuer Versicherungsfall zu bezeichnen mit der Folge, dass die Wartezeit erneut zu bestehen war (BGE 142 V 547 E. 3.1 S. 550). Der Beschwerdegegnerin ist darin beizupflichten, dass Art. 29 bis IVV hier nicht zur Anwendung gelangt. Wie im Entscheid 9C_942/2015, bei wel- chem sechs Monate nach Ablauf der Wartezeit nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindes- tens 40 % vorgelegen hatte, hat auch im vorliegenden Fall bis zum Unfall vom 16. Mai 2013 (AB 115.1 S. 18) nie ein rentenbegründender Invali- ditätsgrad von mindestens 40 % vorgelegen, weshalb die Voraussetzungen des Art. 29bis IVV nicht erfüllt sind. 4.1.2Die ab 16. Mai 2013 im Zusammenhang mit dem Unfall ausgewie- sene vollständige Invalidität löst somit nur dann einen Rentenanspruch aus, wenn vorgängig die Wartefrist von einem Jahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ununterbrochen bestanden worden ist. Die Beschwerdegegnerin macht in der Beschwerdeantwort vom 23. November 2016 (S. 3 Ziff. 8) geltend, dass das Wartejahr mit dem Unfall im Mai 2013 erneut zu laufen begonnen habe und dass es frühestens im Mai 2014 abgelaufen sei. Die Beschwerdegeg- nerin übersieht dabei, dass die Wartefrist von einem Jahr nicht mit dem Unfall vom 16. Mai 2013 begonnen hat. Vielmehr war die einjährige Warte- frist im Zeitpunkt der unfallbedingten vollen Arbeitsunfähigkeit ab 16. Mai 2013 bereits seit langem bestanden. Denn dem Beschwerdeführer war die angestammte Tätigkeit als … gemäss einer Bestätigung des Hausarztes Dr. med. F.________ seit dem 24. April 2011 ununterbrochen lediglich zu Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 19 50 % zumutbar (AB 131 S. 5). Eine Anrechnung von früher zurückgelegten Perioden von Arbeitsunfähigkeit wäre nur dann ausgeschlossen, wenn es vor dem Unfall vom 16. Mai 2013 zu einem wesentlichen Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit gekommen wäre, was indessen nicht der Fall ist. 4.2Obwohl die einjährige Wartefrist (Art. 28 Abs. 1 IVG) erfüllt ist, kann der Rentenanspruch vorliegend nicht ab dem 1. Mai 2013 entstehen, da die neue Anmeldung vom 17. Januar 2013 datiert (AB 77); damit kann frühes- tens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis- tungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG), d.h. hier ab 1. Juli 2013, eine Rente ausgerichtet werden. 4.3Die Beschwerdegegnerin hat sodann in der angefochtenen Verfü- gung vom 22. September 2016 (AB 160 S. 7) zu Recht festgestellt, dass nach Ablauf der Karenzfrist von Art. 29 Abs. 1 IVG trotz anhaltender vollständiger Invalidität ab dem 1. Juli 2013 keine ganze Rente ausgerichtet werden konnte. Denn die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeits- fähigkeit während eines Jahres und die nach Ablauf der Wartezeit beste- hende Erwerbsunfähigkeit müssen kumulativ und in der für die einzelnen Rentenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (vgl. Ent- scheid des Bundesgerichts vom 18. Februar 2016, 9C_942/2015, E. 3.1). Im vorliegenden Fall betrug die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit in den letzten zwölf Monaten vor Beginn des Anspruchs auf eine Rente lediglich 56,25 % (10,5 Monate zu 50 % und 1,5 Monate zu 100 %). Damit hat der Beschwerdeführer trotz der vollen Erwerbsunfähigkeit ab dem 16. Mai 2013 vorerst lediglich Anspruch auf eine halbe Rente (vgl. auch E. 5.5.1 hier- nach). 5. 5.1Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermit-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 20 telt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte mitein- ander zu vergleichen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1 S. 30, 104 V 135 E. 2b S. 136). Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hy- pothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222). 5.2Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 134 V 322 E. 4.1 S. 325). 5.3Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstruktur- erhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 142 V 178 E. 2.5.7 S. 188, 139 V 592 E. 2.3 S. 593; SVR 2016 UV Nr. 13 S. 40 E. 2.2). Da den Tabel- lenlöhnen generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu Grunde liegt, ist eine Umrechnung auf eine betriebsübliche durchschnittliche Wochenar- beitszeit erforderlich (BGE 126 V 75 E. 3b bb S. 76). 5.4Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Per- sonen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeit- nehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unter- durchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 21 Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkre- ten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Na- tionalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämt- licher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchs- tens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2015 IV Nr. 1 S. 1 E. 2.2). 5.5Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Ver- fügung vom 22. September 2016 (AB 164) zu Recht mehrmalige Einkom- mensvergleiche vorgenommen. Beim Valideneinkommen ist grundsätzlich auf das Einkommen des Beschwerdeführers in seiner früheren Tätigkeit als … abzustellen (im Jahr 2011 Fr. 47‘385.-- [AB 35 S. 3]; AB 164 S. 6 oben) und der Nominallohnentwicklung anzupassen. Beim Invalideneinkommen ist – da der Beschwerdeführer keine angepasste Tätigkeit ausführt – auf die LSE, Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Männer (Fr. 5‘210.-- für das Jahr 2012 und Fr. 5‘312.-- für das Jahr 2014), abzustellen und dieses entsprechend anzupassen. Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers hat die Beschwerdegegnerin korrekterweise einen behinderungsbedingten Abzug vom Tabellenlohn von 20 % unter Berücksichtigung der leidensbe- dingten Einschränkung, des Alters und des Beschäftigungsgrades (vgl. E. 5.4 hiervor) vorgenommen. 5.5.1Ein erster Einkommensvergleich erfolgt für das Jahr 2013: Das Va- lideneinkommen beträgt Fr. 48‘105.25 (Fr. 47‘385.-- / 2171 x 2204 [Tabelle T 39 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Re- allöhne, 1976-2015, Männer]). Dem Beschwerdeführer ist ab 16. Mai 2013 kein Invalideneinkommen anzurechnen, da von einer anhaltenden Arbeits- unfähigkeit von 0 % auszugehen ist. Ab Rentenbeginn vom 1. Juli 2013 (vgl. E. 4.2 hiervor) hat der Beschwer- deführer vorerst Anspruch auf eine halbe Rente (vgl. E. 4.3 hiervor). Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit im Anschluss an den Unfall vom 16. Mai 2013 ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbre- chung drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 2 IVV); der Beschwerdefüh- rer hat deshalb ab 1. August 2013 Anspruch auf eine ganze Rente. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 22 5.5.2Ein Einkommensvergleich hat sodann für das Jahr 2015 zu erfol- gen: Das Valideneinkommen beträgt Fr. 48‘585.45 (Fr. 47‘385.-- / 2171 x 2226 [Tabelle T 39 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976-2015, Männer]). Bei einem hypothetischen Invali- deneinkommen für das Jahr 2014 von Fr. 5‘312.-- aufgerechnet auf ein Jahr, angepasst an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche sowie indexiert auf das Jahr 2015 (Tabelle T 39 Ent- wicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976-2015, Männer) ergibt dies Fr. 66‘632.70 (Fr. 5‘312.-- x 12 / 40 x 41,7 : 2220 x 2226 = Fr. 66‘632.70). Abzüglich eines Tabellenlohnabzugs von 20 % resultiert ein Einkommen von Fr. 53‘306.15 (Fr. 66‘632.70 x 0,8). Un- ter Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % (vom 1. Januar bis am 16. Mai 2015 [AB 149]) ergibt dies ein hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 26‘653.10 (Fr. 53‘306.15 x 0,5). Bei der Gegenüberstellung des Validen- (Fr. 48‘585.45) und des Invalideneinkommens (Fr. 26‘653.10) re- sultiert eine Einbusse von Fr. 21‘932.35 und damit ein IV-Grad von 45 %. Die Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 1 IVV), der Beschwerdeführer hat deshalb ab dem 1. April 2015 Anspruch auf eine Viertelsrente. 5.5.3Vom 17. Mai bis am 31. Dezember 2015 lag keine Arbeitsfähigkeit vor und damit bestand eine Erwerbsfähigkeit von 0 %. Der Beschwerdefüh- rer hat somit ab dem 1. August 2015 (Art. 88a Abs. 2 IVV) Anspruch auf eine ganze Rente. 5.5.4Ab dem 1. Januar 2016 ist von einer Arbeitsfähigkeit in einer ange- passten Tätigkeit von 50 % auszugehen. Bei einer Ermittlung des Validen- und Invalideneinkommens für das Jahr 2015 (die Zahlen für das Jahr 2016 sind noch nicht bekannt) resultiert ein IV-Grad von 45 % (vgl. E. 5.5.2 hier- vor). Der Beschwerdeführer hat ab dem 1. April 2016 (Art. 88a Abs. 1 IVV) Anspruch auf eine Viertelsrente. 5.6Damit erweist sich die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Bern vom 22. September 2016 (AB 164) als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 23 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh- rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen. 6.2Bei diesem Ausgang der Verfahrens hat der Beschwerdeführer kei- nen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr- schluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - Fürsprecher und Notar B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Mai 2017, IV/16/1011, Seite 24 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.