Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. April 2018 (720 17 417 / 104) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse nach Neuanmeldung bejaht. Die Verwaltung hat insbesondere zu berücksichtigen, ob eine frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt und ob an die Glaubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen zu stellen sind. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Ana Dettwiler , Advokatin , Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A. Der Versicherte ist 1959 geboren und in einem re ligiös geprägten Elternhaus aufge- wachsen. Nach einer Bäckerlehre in X.____ ist er 19 84 in die Schweiz gekommen, wo er am Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zentrum B.____ in C.____ anfänglich aushilfsweise in d er dortigen Bäckerei gearbeitet hat. Im weiteren Verlauf hat er dort eine Arbeitsstelle als Bäcker übernommen. B. Am 18. Januar 2008 hat ihn der Arbeitgeber erstma ls zum Leistungsbezug bei der eid- genössischen Invalidenversicherung (IV) mit der Begründung angemeldet, dass der Versicherte intellektuelle Einschränkungen habe und schnell überfor dert sei. Ausserdem leide er an einer Gehbehinderung, an Gelenkschmerzen an den Händen und an den Armen sowie an einem Zit- tern. Seine Leistungsfähigkeit sei allgemein reduziert . Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse, namentlich nach Einholu ng eines polydisziplinären Gutachtens bei der Academy of Swiss Insurance (asim) vom 31. Dezember 2008, stellte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) in der angestammten Tätigkeit als Bäcker keine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit fest, weshalb sie mit Ve rfügung vom 29. Mai 2009 den Leis- tungsanspruch des Versicherten verneinte. Am 12. Juli 2012 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf Zittern und Lähmungen in den Händen, auf Rückenschmerzen beim Stehen und beim Heben und Tragen von mehr als 15 kg sowie unter Hi nweis auf Schwellungen in den Bei- nen erneut zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 4. Dezember 2012 trat die IV-Stelle nicht auf dieses Leistungsbegehren ein, weil keine Verän derung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht worden sei. Eine weitere Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte sodann am 15. Mai 2014. Trotz entsprechender Aufforderung h at der Versicherte in der Folge jedoch keine medizinischen Berichte eingereicht, so dass die IV- Stelle mit Verfügung vom 1. Oktober 2014 auf dieses Leistungsbegehren wiederum nicht eintrat. C. Mit Gesuch vom 7. Juni 2017 hat der Versicherte ein erneutes Leistungsbegehren ein- gereicht und geltend gemacht, dass sich sein Gesundheit szustand in den letzten fünf Jahren verschlechtert habe. Mit Verfügung vom 13. November 20 17 trat die IV-Stelle auch auf dieses Gesuch nicht ein. Zur Begründung hielt sie fest, dass wed er der Versicherte noch seine Haus- ärztin eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszu standes glaubhaft gemacht hätten. Das Gutachten der asim vom 31. Dezember 2008 besitze weiterhin Gültigkeit. D. Gegen diese Verfügung hat der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Ana Dettwi- ler, am 12. Dezember 2017 Beschwerde beim Kantonsgeri cht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), erho ben und beantragt, dass in Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung eine unabhängige po lydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben und anschliessend mit Wirkung ab 1. Juni 2017 ü ber seinen Leistungsanspruch zu entscheiden sei. Eventualiter sei die IV-Stelle anzuweisen, auf das Leistungsbegehren einzutre- ten, eine unabhängige polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben und sodann über sei- nen Leistungsanspruch zu entscheiden. Ausserdem sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vor gebracht, dass die IV-Stelle auf ein er- neutes Leistungsgesuch eintreten müsse, wenn glaubhaft dargetan sei, dass sich der Grad der Invalidität seit der letzten materiellen Leistungsbeurt eilung in einer anspruchserheblichen Art und Weise geändert habe. Im vorliegenden Fall sei die letzte materielle Beurteilung mit Verfü- gung vom 29. Mai 2009 erfolgt. Dieser Beurteilung ha be das Gutachten der asim zugrunde ge- legen, das keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit gestellt habe. Der aktuelle Bericht der Hausärztin mache nun klar eine wesentliche V erschlechterung des Gesundheitszu- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht standes geltend. Ferner sei die im Gutachten der asim empfohlene Abklärung der Verdachtsdi- agnose einer Polyneuropathie bisher nie vorgenommen w orden, was möglicherweise auf die fehlende Insistenz des Versicherten und auf dessen Opferha ltung zurückzuführen sei. Im Wei- teren indiziere auch der zwischenzeitliche Verlust der Ar beitsstelle und die gescheiterte Suche nach einer neuen Stelle eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Ebenso sei zu berücksichtigen, dass nicht mehr der Arbeitgeber, sonde rn der Versicherte selbst sich neu zum Leistungsbezug angemeldet habe. Da die Hausärztin keine Spezialärztin sei, könne sie keine genaueren Angaben zu den Diagnosen und den Befun den machen. Ihre Angaben aber seien für die Glaubhaftmachung einer Verschlechterung ausreichend. Im Weiteren sei die Stel- lungnahme des regional-ärztlichen Dienstes (RAD), wonach keine wesentliche Verschlechte- rung glaubhaft sei, nicht überzeugend ausgefallen, da der RAD-Arzt als Allgemeinmediziner nicht in der Lage sei, die gesundheitliche Situation d es Versicherten aus neurologischer, neu- ropsychologischer, rheumatologischer und psychiatrischer Sich t zu überblicken. Nach mittler- weile neun Jahren seit den letzten spezialärztlichen Abkl ärungen könne angesichts der von der Hausärztin attestierten Beeinträchtigungen eine wesent liche Verschlechterung nicht verneint werden, ohne erneute spezialärztliche Abklärungen vorzunehmen. E. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2017 bewilligte da s instruierende Präsidium des Kan- tonsgerichts dem Beschwerdeführer für das vorliegende B eschwerdeverfahren die unentgeltli- che Rechtspflege. F. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 5. Februar 2018 auf Abweisung der Be- schwerde. Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist soweit n otwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gegenstand der vorliegend angefochtenen Verfügung und damit der richterlichen Überprüfung ist einzig die Frage, ob die IV-Stelle au f das erneute Leistungsbegehren zu Recht nicht eingetreten ist. Das Gericht darf daher weder ei ne inhaltliche Prüfung eines allfälligen Leistungsanspruchs vornehmen, noch selbst auf das Leistung sbegehren eintreten und in die- sem Rahmen weitere Abklärungen des medizinischen Sachverh alts anordnen. Bei einer allfälli- gen Gutheissung der Beschwerde kann das Kantonsgericht di e IV-Stelle daher lediglich anwei- sen, ihrerseits auf das Leistungsbegehren einzutreten. A uf das Hauptbegehren des Versicher- ten, mit welchem weitere medizinische Abklärungen durch das Gericht direkt beantragt werden, kann folglich nicht eingetreten werden. Auf die im Übr igen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist lediglich in Bezug auf das Eventualbegehre n des Beschwerdeführers einzutre- ten. 2.1 Wurde ein Rentenanspruch wegen eines zu geringen I V-Grads verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invaliden versicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuanmeldung zum Rentenbezug nur geprüft, wenn d ie Voraussetzungen gemäss Art. 87 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 2 IVV erfüllt sind. Demnach ist von der versicherten Person glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetret en. Ist die anspruchserhebliche Änderung jedoch glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflich tet, auf das neue Leistungsbegehren ein- zutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (BGE 117 V 200 E. 4b). Die Rechtskraft einer früheren Verfügung steht einer neuen Prüfung deshalb so lange entgegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenomm en werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente sei begründet, falls sich die gel tend gemachten Umstände als richtig erwei- sen sollten (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 2.2 Die Eintretensvoraussetzung gemäss Art. 87 Abs. 3 IV V soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach einer vorangegangenen und rechtskräftig en Anspruchsprüfung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten Rent engesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1 mit weiteren Hinweisen). Di e Verwaltung verfügt bei der Beurteilung der Eintretensvoraussetzungen über einen gewissen Spielra um. So hat sie insbesondere zu berücksichtigen, ob eine frühere Verfügung nur kurze ode r schon längere Zeit zurückliegt und ob an die Glaubhaftmachung dementsprechend mehr ode r weniger hohe Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Ohnehin sind mit dem Beweismass des Glaubhaf tmachens grundsätzlich herabge- setzte Anforderungen an den Beweis verbunden. Eine Tat sachenänderung muss also nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad d er überwiegenden Wahrschein- lichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt vielmehr, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes we nigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklä- rung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 2.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darz ulegen. Wie das Bundesgericht im Entscheid 130 V 64 ff. bekräftigt hat, spielt deshalb d er Untersuchungsgrundsatz, wonach die Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und vollstän dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen), inso- weit nicht. Wird in der Neuanmeldung bloss auf ergänzende Beweismittel, insbesondere Arztbe- richte, hingewiesen, die noch beigebracht würden ode r von der Verwaltung beizuziehen seien, ist der versicherten Person nach der Rechtsprechung eine a ngemessene Frist zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebe- nenfalls auf Nichteintreten zu erkennen sei (BGE 130 V 68 f. E. 5.2.5 mit Hinweisen). Wenn die der Neuanmeldung beiliegenden ärztlichen Berichte so w enig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse alle nfalls rechtfertigen würde, ist es der Ver- waltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzu stellen oder bei der versicherten Person Belege nachzufordern, eine Verpflichtung der IV -Stelle zur Nachforderung weiterer An- gaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht indessen nur , wenn den – für sich allein genom- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht men nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arztberichte n konkrete Hinweise entnommen wer- den können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erh ebungen erstellbare rechtserhebli- che Änderung vorliegt. Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch ke in materielles Eintreten auf die Neu- anmeldung (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 2.4 Zeitlicher Ausgangspunkt für die Prüfung allenfall s veränderter Verhältnisse bildet die letzte materielle Beurteilung des Rentenanspruchs mit r echtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs. Gestützt auf das Gutachten der asim vom 31. Dezember 2008 wurde im vorliegenden F all letztmals gestützt auf eine integ- rale Prüfung der erwerblichen und gesundheitlichen Ve rhältnisse der Rentenanspruch des Be- schwerdeführers mit Verfügung der IV-Stelle vom 25. Mai 2009 verneint. Demnach beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verh ältnissen erfolgt ist, die ein Eintreten auf die Neuanmeldung rechtfertigen würde, durch einen Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeit- punkt jener Rentenverfügung vom 25. Mai 2009 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Nichteintretensverfügung vom 13. November 2017. 3.1 Die IV-Stelle stützte ihre rentenablehnende Verfü gung vom 25. Mai 2009 auf das von ihr bei der asim in Auftrag gegebene Gutachten vom 31. Dezember 2008. In diesem Gutachten, welches die Disziplinen Innere Medizin, Psychiatrie, Rheum atologie und Neurologie umfasst hatte, waren keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbei tsfähigkeit erhoben worden. Ohne Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit seien eine Persönlichkeits akzentuierung mit abhängigen Zügen, ein Hohlfuss beidseits mit Spreizfusskomponente, radiolo gisch ein Os naviculare cornutum rechts sowie ein Os tibiale externum links, eine Fibroostose der Plantarponeurose rechts betont sowie ein Verdacht auf eine leichtgradige distal symmetrische und sensibel ataktische Polyneu- ropahtie zu erheben. Die Varikosis der Beinvenen sei erf olgreich operativ versorgt worden, so dass gemäss den Angaben des Exploranden keine gesundheitlic hen Probleme mehr bestün- den, welche eine Verschlechterung der Arbeitsfähigkei t zur Folge hätten. Der Explorand sei in einer religiösen Familie mit häufigen Schuldzuweisungen aufgewachsen. Folglich sei seine Per- sönlichkeitsentwicklung durch eine Akzentuierung abhängiger Züge begünstigt worden. Er sehe das Aushalten von belastenden Arbeitsbedingungen als O pfergabe und sei bemüht, möglichst bescheiden aufzutreten. Trotzdem sei es zu keiner Persönl ichkeitsstörung mit Krankheitswert gekommen. Vielmehr sei der Explorand fähig, autonom, souverän und situationsangepasst zu handeln. Fassbare kognitiv-mnestische Defizite würden klin isch aktuell nicht vorliegen. Rheu- matologisch sei einzig eine beidseitige Fussdeformation feststellbar, welche aber keinen Ein- fluss auf das Wohlbefinden des Versicherten habe. In der klinisch-neurologischen Untersu- chung seien Hinweise auf eine allfällige leichtgradig e sensible Polyneuropathie festgestellt wor- den, welche aber möglicherweise unabhängig von der seit der Kindheit bestehenden Fussstel- lung bestehe. Die durch den Arbeitgeber erfolgte IV-A nmeldung sei für den Versicherten nicht nachvollziehbar gewesen. Er habe den medizinischen Abklär ungen lediglich aus Loyalität ge- genüber seinem Arbeitgeber zugestimmt, was im Hinblick auf seine Persönlichkeitsstruktur ver- ständlich sei. In Bezug auf die klinisch mögliche leichtgradige Polyneuropathie sollte zur genau- eren diagnostischen Einordnung eine Elektro-Neuromyogra phie erfolgen. Unabhängig vom Be- fund habe dies aber keine Auswirkung auf die aktuelle A rbeitsfähigkeit. Es bestehe sowohl für Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die angestammte Tätigkeit als Bäcker und Konditor als au ch für jede andere Tätigkeit eine un- eingeschränkte Arbeitsfähigkeit. 3.2 Im Zuge seiner Neuanmeldung vom 7. Juni 2017 lie ss der Versicherte einen Bericht seiner Hausärztin Dr. C.____, FMH Allgemeine Medizin, vo m 26. Juni 2017 einreichen. Die Hausärztin führt in diesem Bericht aus, dass beim Versi cherten eine eingeschränkte kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit unbekannter Ursache be stehe, wie dies bereits aus den früheren Akten bekannt sei. Mit dieser Behinderung habe der Patient während 27 Jahren arbei- ten können. Nachdem seine Stelle im Jahre 2012 aufgehoben worden sei, sei er auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar. Er arbeite seither ohne direkte Entlöhnung im Umfang von rund 50% als Koch in der D.____. Ansonsten lebe er von d er Sozialhilfe. Der Versicherte habe berichtet, dass seine Muskelkraft über die letzten vier bis fünf Jahre deutlich abgenommen ha- be, dass er nur noch Lasten von zehn bis 15 Kilogramm h eben könne und dass bei einer Mehr- belastung Streckkrämpfe in den Fingern auftreten würde n. Die Untersuchung habe eine ver- minderte Kraft im linken Arm und in der linken Hand sowie eine Gleichgewichts- und Koordina- tionsstörung aufgezeigt. Insgesamt sei der Patient höch stens im Umfang von 50% mit einer Leistung von 50% arbeitsfähig. 3.3 In der Folge hat sich die IV-Stelle telefonisch an die Hausärztin des Versicherten ge- wandt. Der entsprechenden Telefonnotiz vom 28. August 2017 kann entnommen werden, Dr. C.____ habe eingeräumt, dass es keine klare Diagnose gebe und sie in kognitiver sowie körperlicher Hinsicht keine vertieften Abklärungen vorgenommen habe. 3.4 Bei ihrer Einschätzung hat sich die IV-Stelle schli esslich auch auf die Einschätzung des RAD abgestützt. Der RAD-Arzt führt in seiner Stellungna hme vom 10. Januar 2018 aus, dass die Hausärztin des Versicherten keine weiterführenden Ab klärungen durchgeführt und für not- wendig erachtet habe. Es sei deshalb davon auszugehen, dass sie ihre Beurteilung hauptsäch- lich auf subjektive Angaben des Versicherten abgestützt ha be. Der Umstand, dass die Ver- dachtsdiagnose der Polyneuropathie trotz der Empfehlu ng der damaligen Gutachter dazumal nicht weiter abgeklärt worden sei, könne nicht der IV-S telle angelastet werden. Es sei vielmehr Aufgabe der behandelnden Ärztin, bei Bedarf spezialär ztliche Untersuchungen zu veranlassen. Insgesamt sei keine wesentliche Verschlechterung der gesundh eitlichen Verhältnisse glaubhaft dargetan. 4.1 Der zitierten Auffassung des RAD und damit auch de r IV-Stelle kann nicht beigepflich- tet werden. Wie oben (Erwägung 2.2 ) ausgeführt, genügt es für das Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV, dass für den geltend gemachten r echtserheblichen Sachumstand we- nigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchau s noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Solche Anhaltspunkte sind vorliegend au fgrund des neu aufgelegten Arztbe- richts von Dr. C.____ zu bejahen. 4.2 Vorab ist in genereller Hinsicht die bundesgerichtli che Rechtsprechung in Erinnerung zu rufen (oben, Erwägung 2.2), wonach die Anforderung en an die Glaubhaftmachung einer Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit zunehmender Z eitdauer seit der Geltendma- chung eines ersten Leistungsgesuchs abnehmen und laufend geringer werden. So hat das Bundesgericht im zitierten Entscheid 9C_286/2009 in Erwägung 2.2.1 festgehalten, dass bereits eine Dauer von vier Jahren zwischen der Erstbegutachtung u nd der strittigen Neuanmeldung gegen allzu hohe Anforderungen an das Glaubhaftmachen spreche. Dies gilt im vorliegenden Fall umso mehr: Mit Blick auf die für die richterliche Ü berprüfung massgebenden Verhältnisse im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung liegt die Erstanmeldung des Versicherten vom 18. Januar 2008 mittlerweile knapp zehn Jahre zurück , weshalb die Schwelle der Glaub- haftmachung im hier interessierenden Fall sehr niedri g anzusetzen ist. Entgegen der von ihr vertretenen Auffassung kann sodann der Ansicht der IV-Stelle, dass es in jedem Fall Sache der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes ist, sel ber weiterführende spezialärztliche Abklärungen zu veranlassen, nicht gefolgt werden. Ist eine Verschlechterung von hausärztlicher Seite glaubhaft dargetan, so ist die für eine Verifizi erung und namentlich auch für eine Quantifi- zierung der Verschlechterung notwendige spezialärztliche Abklärung nicht vom Hausarzt anzu- ordnen. Aufgrund des in Art. 43 ATSG statuierten Unt ersuchungsgrundsatzes ist diesfalls viel- mehr die IV-Stelle verpflichtet, ergänzende Abklärungen von Amtes wegen anzuordnen. Hinter- grund bildet der Umstand, dass es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspu nkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei e ingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2014, 9C_523/2014, E. 5). 4.3 Dem Bericht der Hausärztin vom 26. Juni 2017 (oben, Erwägung 4.2) ist zu entneh- men, dass die von ihr vorgenommenen Untersuchungen eine verminderte Kraft im linken Arm und an der linken Hand sowie Gleichgewichts- und Koord inationsstörungen ergeben haben. Entgegen der Annahme der IV-Stelle basieren die von i hr attestierten Einschränkungen somit nicht nur auf den subjektiven Angaben des Versicherten, s ondern offenbar sehr wohl auch auf einer durchgeführten Untersuchung. Dies ergibt sich auch aus der Aktennotiz der IV-Stelle vom 28. August 2017. Darin wird zwar festgehalten, dass kog nitiv und körperlich keine vertieften Abklärungen vorgenommen worden seien. Gerade daraus ab er ist immerhin zu schliessen, dass eine eigenständige Untersuchung immerhin stattgefu nden hat und die von Dr. C.____ er- wähnten Einschränkungen mithin auch objektiviert werden konnten. Es trifft zwar zu, dass die Hausärztin die von ihr offenbar festgestellten Einschränk ungen nicht näher quantifiziert hat. Daraus aber den Schluss zu ziehen, eine allfällige Verschl echterung der gesundheitlichen Ver- hältnisse sei nicht dargetan, geht fehl. So zeigt ein Vergleich mit den Ergebnissen der knapp zehn Jahre zuvor durchgeführten Untersuchung der asim bei näherer Betrachtung nämlich auf, dass sicherlich eine Verschlechterung insofern objektiviert ist, als beim neurologischen Status dazumal durch die Spezialärzte der asim in Bezug auf d ie oberen Extremitäten beidseitig noch eine gute grobe Kraft attestiert worden war. Demgege nüber hat die Hausärztin aktuell eine verminderte Kraft im linken Arm und in der linken Han d festgestellt. Diese Feststellungen, wel- che sachlogisch auf eigene Untersuchungen zurückzuführen sind, mit dem Argument aus- schliesslich subjektiver Angaben des Versicherten zu negieren, geht in Anbetracht gerade des langen Zeitraums seit der asim-Begutachtung nicht an. Es tritt hinzu, dass die von der Hausärz- tin aktuell festgestellten Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen im Widerspruch zum neu- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rologischen Teilgutachten der asim stehen: Während dem Versicherten dazumal zwar ein etwas unsicherer Blindstrichgang, ansonsten aber ein unauffäl liger Gang mit guten Mitbewegungen und namentlich ein sicherer Strichgang attestiert worde n war, gehen die neuerdings erhobenen Störungen des Gleichgewichts und der Koordination in ei ne deutlich andere Richtung. Die von der Hausärztin beschriebene Symptomatik könnte daher dur chaus im Zusammenhang mit der bereits von der asim geäusserten Verdachtsdiagnose der Po lyneuropathie stehen. Der Auffas- sung des RAD, wonach der Umstand, dass die Verdachtsdiagnos e der Polyneuropathie trotz der Empfehlung der damaligen Gutachter dazumal nicht w eiter abgeklärt worden sei, nicht der IV-Stelle angelastet werden könne, kann daher nicht gef olgt werden. Festzuhalten ist vielmehr, dass es im jetzigen Verfahrensstand darum gehen muss, a llfällige gesundheitliche Verschlech- terungen auf der Basis früherer Einschätzungen zu überpr üfen. Ob und in welchem Umfang dazumal im Jahre 2008 keine weiterführenden Untersuch ungen vorgenommen worden waren, kann und darf keine Rolle spielen. Auch wenn der Ver sicherte gleichwohl bereits schon 2008 bei längerem Stehen über Krämpfe in der Unterschenkel muskulatur berichtet hatte (IV-Dok 16, S. 26) und auch nunmehr im Rahmen seiner Neuanmeldu ng vom 7. Juni 2017 angegeben hat, nicht mehr lange an einem Ort stehen zu können (IV-Dok 37, S. 6), genügen die von der Haus- ärztin attestierten Einschränkungen den reduzierten Anfo rderungen an die Glaubhaftmachung einer Verschlechterung der gesundheitlichen Verhältnisse . Dass das Ausmass der Verschlech- terung rentenrelevant sein könnte, ergibt sich letztlich aus ihrer Zumutbarkeitseinschätzung, welche von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit mit einer 50%-igen Leistungsfähigkeit – mithin einer deutlich reduzierten Arbeitsfähigkeit insgesamt von le diglich noch 25% - ausgeht. Bei dieser Ausgangslage und einer Zeitspanne von beinahe zehn Ja hren zwischen den beiden zu verglei- chenden Sachverhalten kann es die IV-Stelle nicht dabe i bewenden lassen, den neu vorgeleg- ten Arztbericht lediglich einer internen Prüfung durch den RAD zuzuführen. Vielmehr muss sie die Sache an die Hand nehmen und nach Durchführung en tsprechender medizinischer Abklä- rungen materiell über den geltend gemachten Leistungsanspruch des Versicherten verfügen. 4.4 Zusammenfassend folgt, dass der Beschwerdeführer eine allfällige Verschlechterung seiner gesundheitlichen Situation in einer Weise glaub haft gemacht hat, welche ein Eintreten der IV-Stelle auf sein Leistungsbegehren erfordert. Die Angelegenheit ist daher an die Vo- rinstanz zurückzuweisen, damit diese die glaubhaft gemachte Verschlechterung des Gesund- heitszustandes weiter abklärt. Soweit auf die Beschwerde eingetreten werden kann (oben, Er- wägung 1), ist in Gutheissung der Beschwerde die Verfügu ng der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 13. November 2017 im Ergebnis demnach aufzuheben und es ist die IV-Stelle anzuweisen, auf das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers vom 7. Juni 2017 einzutreten. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 ist das Beschwerdeverfahren bei S treitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanton alen Versicherungsgericht kosten- pflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt; gegenüber der Vorinstanz bzw. den kan tonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vorinstanz un terlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführerin vorlie gend obsiegt, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin des Versicherten hat in ihrer Honorarnote vom 15. Februar 2018 für das vorlieg ende Beschwerdeverfahren einen Zeit- aufwand von neun Stunden und fünf Minuten geltend ge macht, was umfangmässig angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche F älle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.— zu entschädigen. Nicht zu b eanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr . 237.30. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung von Fr. 2‘707.50 (7,5 Stunden à Fr. 250.— + Auslagen von Fr. 201.70 zuzüglich 8% Mehrwertsteuer sowie 1,5833 Stu nden à Fr. 250.— + Auslagen von Fr. 35.60 zuzüglich noch 7,7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. 6.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). 6.2 Beim vorliegenden Entscheid, durch welchen die Besch werdegegnerin verpflichtet wird, auf das Leistungsbegehren einzutreten, handelt es sich somit um einen Zwischenent- scheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Besch werde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit darauf eingetreten werden kann, wird die Beschwerde gutge- heissen und die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaf t vom 13. November 2017 wird aufgehoben. Die IV-Stelle Ba sel-Landschaft wird angewiesen, auf das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers vom 7. Juni 2017 einzutreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘707.50 (inkl. Ausl agen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht