<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 20 S.66</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">66</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>20</b></span> <span class="ft2"><b>Doppelvertretungsverbot (§ 14 Abs. 2 Satz 1 AnwG)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Tätigkeit des Anwaltes als Vermittler oder Vertreter zweier Parteien</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ist zulässig, sofern beide Parteien zustimmen und jede Benachteiligung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einer Partei ausgeschlossen ist (§ 11 Abs. 2 Standesregeln).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 27. August 2001</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3. c) Im Weiteren ist zu prüfen, ob der beschuldigte Anwalt ge-</span><br/> <span class="ft5">gen die Interessen seiner Mandantin gehandelt hat. Der Anwalt hat</span><br/> <span class="ft5">die Interessen der Mandantschaft gewissenhaft und nach Recht und</span><br/> <span class="ft5">Billigkeit zu wahren (§ 14 Abs. 2 Satz 1 AnwG) und darf nicht Per-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">sonen mit sich widersprechenden Interessen dienen (§ 11 Abs. 1 der</span><br/> <span class="ft5">Standesregeln). Das Verbot der Vertretung gegensätzlicher Interessen</span><br/> <span class="ft5">gründet in der anwaltlichen Treuepflicht. In der Anzeige wird die</span><br/> <span class="ft5">Frage nach dem Vorliegen eines persönlichen Interessenkonfliktes</span><br/> <span class="ft5">sowie einer verpönten Doppelvertretung aufgeworfen. Ob die über-</span><br/> <span class="ft5">tragenen Interessen den eigenen oder anderen, dem beschuldigten</span><br/> <span class="ft5">Anwalt ebenfalls zur Wahrung übertragenen Interessen zuwiderlau-</span><br/> <span class="ft5">fen, ist anhand der konkreten Umstände des Einzelfalles zu prüfen</span><br/> <span class="ft5">(vgl. zum Ganzen: Giovanni Andrea Testa, Die zivil- und standes-</span><br/> <span class="ft5">rechtlichen Pflichten des Rechtsanwaltes gegenüber dem Klienten,</span><br/> <span class="ft5">Zürich 2001, S. 93 ff.).</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">dd) Vorliegend hatte der beschuldigte Anwalt zu beiden Parteien</span><br/> <span class="ft5">vorbestehende anwaltliche Beziehungen. Eine Vertretung von zwei</span><br/> <span class="ft5">Vertragsparteien durch denselben Anwalt erfordert stets besonders</span><br/> <span class="ft5">sorgfältiges anwaltliches Vorgehen, weil der Anwalt nie den</span><br/> <span class="ft5">Eindruck erwecken darf, er habe die eine Partei gegenüber der ande-</span><br/> <span class="ft5">ren bevorzugt. Daher ist ein solches Doppelmandat nur dann nicht zu</span><br/> <span class="ft5">beanstanden, wenn keine Interessenkollision daraus entsteht. Gerade</span><br/> <span class="ft5">bei reinen Beratungsmandaten ist die Doppelvertretung in der Regel</span><br/> <span class="ft5">zulässig, sofern beide Parteien die Aufgabe auf den Anwalt übertra-</span><br/> <span class="ft5">gen und dieser nicht bereits vorher eine Partei in derselben Sache</span><br/> <span class="ft5">vertreten hat (vgl. Testa, a.a.O., S. 93 und S. 104).</span><br/> <span class="ft5">Die Standesregeln erklären in § 11 Abs. 2 die Tätigkeit des</span><br/> <span class="ft5">Anwaltes als Vermittler oder Vertreter zweier Parteien als zulässig,</span><br/> <span class="ft5">sofern beide zustimmen und jede Benachteiligung einer Partei ausge-</span><br/> <span class="ft5">schlossen ist. In diesem Sinn kann auch § 14 Abs. 2 AnwG ausgelegt</span><br/> <span class="ft5">werden. Solange die Tätigkeit für beide Parteien (z.B. als Vermittler</span><br/> <span class="ft5">eines Darlehensvertrages wie vorliegend) den Interessen beider Par-</span><br/> <span class="ft5">teien gerecht wird, d.h. keine der Parteien dadurch benachteiligt</span><br/> <span class="ft5">wird, und auch beide Parteien einverstanden sind, ist dagegen nichts</span><br/> <span class="ft5">einzuwenden.</span><br/> <span class="ft5">Dass Frau X. benachteiligt worden wäre, ist, wie vorerwähnt,</span><br/> <span class="ft5">nicht ersichtlich. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass</span><br/> <span class="ft5">der beschuldigte Anwalt Frau X. nicht über die vorbestehenden an-</span><br/> <span class="ft5">waltlichen oder geschäftlichen Beziehungen zum Darlehensnehmer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">in Kenntnis gesetzt hatte. Dies gab sie am 27. Juni 2001 zu Protokoll,</span><br/> <span class="ft5">und auch der beschuldigte Anwalt räumte - im Widerspruch zu seiner</span><br/> <span class="ft5">Stellungnahme vom 10. August 2001 (S. 2) - ein, es sei gut möglich,</span><br/> <span class="ft5">dass er ihr nicht gesagt habe, dass er Mandate vom Darlehensnehmer</span><br/> <span class="ft5">habe (Protokoll, S. 9). Daraus ist zu schliessen, dass Frau X. dachte,</span><br/> <span class="ft5">zwischen dem beschuldigten Anwalt und dem Darlehensnehmer</span><br/> <span class="ft5">bestünde ,,lediglich" eine freundschaftliche Beziehung, und nicht</span><br/> <span class="ft5">wusste, dass der beschuldigte Anwalt auch gegenüber dem Darle-</span><br/> <span class="ft5">hensnehmer in die anwaltlichen Treuepflichten eingebunden war und</span><br/> <span class="ft5">nach wie vor ist. Selbstredend kann die Zustimmung zum Doppel-</span><br/> <span class="ft5">mandat nur in Kenntnis der zweiseitigen Anwaltstätigkeit und einer</span><br/> <span class="ft5">möglichen, damit einhergehenden Interessenkollision erfolgen. Da</span><br/> <span class="ft5">Frau X. nicht wusste, dass der beschuldigte Anwalt <i>vorbestehende</i></span><br/> <span class="ft5">anwaltliche Beziehungen zu beiden Vertragsparteien hatte, konnte sie</span><br/> <span class="ft5">die notwendige Zustimmung zum Doppelmandat gar nicht erteilen.</span><br/> <span class="ft5">Dass dies ihrer eigenen Aussage zufolge nichts an ihrer Zustimmung</span><br/> <span class="ft5">zum Darlehensvertrag geändert hätte, vermag diesen Mangel nicht zu</span><br/> <span class="ft5">heilen, liegt doch die Pflichtverletzung des Anwaltes darin, sie nicht</span><br/> <span class="ft5">darüber informiert zu haben.</span><br/></div> </div> </body> </html>