B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-4612/2010 U r t e i l v o m 1 5 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Jean-Daniel Dubey, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien 1. B._______, 2. M._______, beide vertreten durch lic. iur. Werner Greiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung. C-4612/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 23. Februar 2010 beantragte der aus Nordindien (Bundesstaat Pu n- jab) sta mmende M._______ (geb. 198 7, im Folgenden: Gesuchste l- ler/Eingeladener bzw. Beschwerdeführer 2) bei der Schweizerischen Bot- schaft in New Delhi ein Visum für einen 90-tägigen Besuchsaufenthalt bei B._______, seinem in Winterthur wohnhaften Onkel (im Folgenden: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer 1). Nach Verweigerung der Visumser- teilung in eigener Kompetenz übermittelte die Schweizerische Vertretung das Gesuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz. B. Nachdem die Migrationsbehörde des Kantons Zürich beim Gastgeber e r- gänzende Auskünfte eingeholt und an das BFM weitergeleitet hatte, wies die Vorinstanz das Einreisegesuch mit Verfügung vom 21. Mai 2010 ab. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, die anstandslose und fristg e- rechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert betrachtet werden. Der Gesuchsteller stamme aus einer Reg i- on, aus wel cher als Folge der dort insbesondere in wirtscha ftlicher Hin- sicht herr schenden Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderung s- druck fest zustellen sei. Bestehe zudem bereits ein gewisses familiäres Beziehungsnetz in der Schweiz, müsse das Risiko einer nicht anstand s- losen Wiederausreise als grundsätzli ch hoch eingestuft werden. Dem Gesuchsteller (unverheiratet, kinderlos, in keinem festen Arbeitsverhältnis stehend, selbständige Erwerbstätigkeit als Landwirt sowie entspreche n- des Einkommen nicht genügend nachgewiesen) oblägen im Heimatland weder besondere berufliche Verpflichtungen noch familiäre Verantwor t- lichkeiten, die gegebenenfalls Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr bieten könnten. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 25. Juni 2010 lassen die Beschwerdeführer durch ihren gemeinsamen Rechtsvertreter die Au fhebung der vorinstanz- lichen Verfügung und die Erteilung des gewünschten Besuchervisums beantragen. Zur Begründung wird im Wesentlich vorgebracht, im He r- kunftsgebiet (Punjab) des Beschwerdeführers 2, der als selbständiger Landwirt einen Bauernhof mit Milch -, Gemüse - und Getreideproduktion führe, seien die politischen Verhältnisse und die wirtschaftliche Situation nicht dermassen gravierend, dass deswegen ein grosser Zuwanderung s- druck entstehen würde. Zudem sei er nach früheren Auslandaufenthalten C-4612/2010 Seite 3 stets fristgerecht in sein Heimatland zurückgekehrt. Nicht nachvollziehbar sei, weshalb der Einreisegrund und der Aufenhaltszweck unklar geblieben seien, wie dies die Schweizerische Vertretung angenommen habe, möch- te er doch lediglich seinen Onkel sowie die beiden C ousins in der Schweiz besuchen. Zur Bekräftigung der Vorbringen wurde n eine eidesstattliche Erklärung ("Affidavit") sowie Passkopien zu den Akten gereicht. D. In ihrer Vernehmlassung vom 4. August 2010 spricht sich die Vorinstanz unter Erläuterung der berei ts genannten Gründe für die Abweisung der Beschwerde aus. Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass Indien zwar seit rund zwanzig Jahren ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum aufweise, von welchem aber nicht die gesamte Bevölkerung profitiere. So habe im selben Zeitraum der Beitrag der Landwirtschaft zum Bruttosoz i- alprodukt stark abgenommen, bei annähernd gleich bleibendem Anteil der im Agrarsektor tätigen Bevölkerung. Aufgrund der vorliegenden Belege könne davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Familie des Be- schwerdeführers 2 um eine bäuerliche Mehrgenerationen -Gemeinschaft mit dem Grossvater als Oberhaupt handle. Ausserdem lasse die g e- wünschte dreimonatige Besuchsdauer nicht auf besondere Verpflichtu n- gen im Heimatland schliessen. E. In ihrer Replik vom 19. September 2010 halten die Beschwerdeführer u n- ter Vorlage weiterer Beweismittel an ihren Anträgen und deren Begrü n- dung vollumfänglich fest. Im Weitern stellen sie in Abrede, dass es sich bei der Familie des Beschwerdeführers 2 um eine bäuerlic he Mehrgene- rationen-Gemeinschaft handle, sei der Eingeladene doch selbständiger Landwirt, der in alleiniger Verantwortung einen Bauernhof führe. F. In einer ergänzenden Vernehmlassung vom 28. Oktober 2010 bringt die Vorinstanz vor, für die Beurteilung der g esicherten Wiederausreise sei nicht ausschlaggebend, ob der Beschwerdeführer 2 formell Eigentümer landwirtschaftlicher Grundstücke sei. Ebenso wenig lasse der Umstand, dass er nach einem Besuchsaufenthalt bei seiner Tante in Grossbrita n- nien wieder nach Indien zurückgekehrt sei, den zwingenden Sc hluss zu, der heute knapp 24 -jährige Beschwerdeführer 2 hege keinerlei Migra- tionsabsichten. C-4612/2010 Seite 4 G. In ihrer Stellungnahme vom 3. Dezember 2010 versichern die Beschwer- deführer erneut, dass der Eingeladene keine Auswanderungsabsichten hege. H. Auf den weiteren Akteninhalt wird, so weit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173. 32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfü gungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengenvisums zu Be - suchszwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun - desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3. Nebst dem Beschwerdeführer 2 als Verfügu ngsbetroffenem ist auch der Beschwerdeführer 1 gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Beschwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist ein- zutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Ve rletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde -C-4612/2010 Seite 5 verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 mit Hinwe i- sen). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eines indischen Staats- angehörigen um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen Auf - enthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich d er Beschwerdeführer 2 nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht übers chreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwe n- dungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazugehörigen gemein - schaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsve r- ordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen - Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der genannten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli - che Voraussetzungen für Ei nreise und Visum aufstellt und die Mitglie d- staaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. V i- sum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBI- AS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr C-4612/2010 Seite 6 [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän - derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2. Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordn ung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dies er Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti - gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi- gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei - lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3. Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fris tgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (S IS) zur Einreiseverweigerung ausge - schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die in nere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Bezie - hungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). C-4612/2010 Seite 7 4.4. Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wie der zu verlassen (v gl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge - richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Ge - fahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako - dex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Auf enthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit He r- vorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des beleg ten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5. Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom- men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen d es nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räum lich beschränk- ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Die ses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellen den Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter den selben Voraus- setzungen kann einer drittstaats angehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1. Der Beschwerdeführer 2 unterliegt als indischer Staatsangehöriger der Visumspflicht (Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesicherten Wiederausreise im Vor- dergrund, welche die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Lage im He i- matland sowie der persönlichen Verhältnisse des Beschwerdef ührers 2 anzweifelt. Dazu lassen sich in der Regel keine gesicherten Feststellu n- gen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. C-4612/2010 Seite 8 5.2. Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wie- derausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunfts land der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bü r- gerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirt - schaftlich vergleichsweise ungünstigen Ver hältnissen können darauf hin - deuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein - klang steht. 5.3. Indien gehört mit seinem Wirtschaftswachstum von 8,5% zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften der Welt. Trotzdem bleibt dieses Land mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von nur 1'339 USD und enormen Defiziten in der sozialen Infrastruktur weiterhin ein Entwicklungsland. Das hohe Wachstum d er letzten Jahre hat die re gionalen Entwicklungsunterschiede auf dem Subkontinent und vor allem das zunehmende Einkommensgefälle zwischen der expandie- renden städtischen Mittelschicht und der überwiegend armen Bevölk e- rung auf dem Lande, wo noch knapp 70% al ler Inder leben, stärker he r- vortreten lassen. Knapp 30% der Bevölkerung leben unterhalb der A r- mutsgrenze von 1 USD pro Kopf/Tag und mehr als 50% von weniger als 2 USD. Wachstum und Wohlstand sind vor allem dem Dienstleistungsse k- tor zu verdanken, der mit 57 ,3% den grössten Anteil am Brutto -Inland- Produkt (BIP) ausmacht. Die überwiegende Mehrheit der indischen B e- völkerung lebt in überkommenen ländlich -agraren Strukturen und bleibt wirtschaftlich marginalisiert. Der BIP -Anteil der Landwirtschaft sinkt seit Jahren kontinuierlich und beträgt nur noch 14,2%. Angesichts graviere n- den Kapitalmangels, viel zu kleiner Anbauflächen, stagnierender Erträge und fehlender Absatzstrukturen bleibt der Sektor, von dem weiterhin über die Hälfte aller Inder direkt abhängen, Haup tsorge jeder indischen Regie- rung (Quellen: Länder - und Reisehinweise auf der Webseite des deu t- schen Auswärtigen Amtes, www.auswaertiges -amt.de, Stand September 2011, Länderinformation auf der Webseite des Staatssekretariats für Wirtschaft [SECO], www.seco.admin.ch, Stand Januar 2012, beide Seiten besucht im Februar 2012). Die Bereitschaft, das Land auf der Suche nach besseren Lebensbedi n- gungen zu verlassen, zeigt sic h erfahrungsgemäss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen. Ein im Ausland bestehendes s o- ziales Beziehungsnetz (Freunde oder Verwandte) kann den Entscheid , auszuwandern, erleichtern. In Anbetracht der insgesamt schwierigen Ver- hältnisse in Indien ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Risi-C-4612/2010 Seite 9 ko einer nicht fristgerechten Wiederausreise allgemein als hoch ei n- schätzte. 5.4. Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine Um- stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesich tspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine beson dere berufliche, gesel l- schaftliche oder familiäre Verantwortung, kann die ser Umstand durchaus die Prognose für eine ans tandslose Wiederausreise begünstigen. And e- rerseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Ve r- pflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrecht lich nicht regelko n- formes Verhalten (nach bewilligter Ein reise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1. Beim Beschwerdeführer 2 handelt es sich um eine n mittlerweile 25 - jährigen, unverheirateten Mann, welcher in einem Dorf in Nordindien (Bundesstaat Punjab) lebt . Zu den familiären Verhältnissen wurden von den Beteiligten weder im Gesuchsverfahren noch auf Beschwerdeebene nähere Angaben gemacht, sondern lediglich angeführt, alle Familienan- gehörigen des Beschwerdeführers 2 lebten in Indien. Es kann demnach nicht davon ausgegangen werden, i n dessen persönlichem oder familä- rem Umfeld s eien Verpflichtungen oder gar Abhängigkeiten vorhanden, die besondere Gewähr für eine Rückkehr ins Heimatland bieten könnten. Tritt hinzu, dass in Situationen angespannter wirtschaftlicher und/oder po- litischer Verhältnisse selbst zurückbleibende nahe Angeh örige regelmäs- sig nicht verlässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Emig- ration zu fällen; sei dies etwa in der Hoffnung, die Zurückgebliebenen aus dem Ausland wirtschaftlich effizienter unterstützen zu können. 6.2. Auch die wirtschaftlichen Verhäl tnisse bieten keine besondere G e- währ für eine Wiederausreise. Im Visumsverfahren gab der Beschwerde- führer 2 an, er sei in der Landwirtschaft tätig, was ebenfalls vom Gastg e- ber bestätigt wurde. In ihrer Replik stellen die Beschwerdeführer die Ve r- mutung der Vorinstanz, wonach es sich bei der Familie des Beschwerd e- führers 2 um eine bäuerliche Mehrgenerationen -Gemeinschaft mit dem Grossvater als Oberhaupt handle (vgl. Vernehmlassung vom 4. August 2010), hingegen entschieden in Abrede . Unter Beilage verschiedene r Beweismittel ("Affidavit", "Valuation Report" mit Auszug aus dem Grun d- buch) machen sie geltend, der Eingeladene sei selbständiger Landwirt und führe in alleiniger Verantwortung einen Bauernhof mit Milch -, Gemü-C-4612/2010 Seite 10 se- und Getreideproduktion, unterlassen es je doch nach wie vor, nähere Angaben zu den Erwerbseinkünften des Beschwerdeführers 2 zu m a- chen. Angesichts der erwähnten schwierigen Situation, mit der viele Landwirte in Indien zu kämpfen haben, ist anzunehmen, dass sich aus der Lan d- wirtschaft – auch für lokale Verhältnisse – in aller Regel nur ein geringes Einkommen erwirtschaften lässt. Abgesehen davon lässt der Umstand, dass vom Beschwerdeführer 2 gleich eine dreimonatige Landesabw e- senheit geplant ist, nicht darauf schliessen, dessen Präsenz sei für Haus und Hof unverzichtbar; aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, die Bewirtschaftung des insgesamt bloss 2 Hektaren grossen Gutsbetriebs könne durchaus für längere Zeit auf andere Weise sichergestellt werden. In der Beschwerde wird denn auch darauf hin gewiesen, während der Ab- wesenheit des Sohnes werde der Bauernbetrieb durch dessen Vater we i- tergeführt, was aus betrieblicher Sicht ohne weiteres machbar sei. Vor diesem Hintergrund sowie angesichts des vorgesehenen dreimonatigen Auslandaufenthaltes, der vom Gastgeber finanziert werden muss, ist nicht anzunehmen, der Beschwerdeführer 2 verfüge tatsächlich über eine massgebliche berufliche Verankerung bzw. eine gesicherte wirtschaftliche Existenz in seinem Heimatland, welche die Gefahr eines Verbleibens in der Schweiz bzw. im Schengen -Raum über den deklarierten Zeitraum hinaus als unwahrscheinlich erscheinen liesse. 6.3. Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund konnte die Vorin- stanz demnach willkürfrei davon ausgehen, dass keine hinreichende G e- währ für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise de s Be- schwerdeführers 2 nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Ein- schätzung vermögen die gegenteiligen Zusicherungen auf Beschwerde- ebene sowie der Umstand, dass der Beschwerdeführer 1 inzwischen über das Schweizer Bürgerrecht verfügt, nichts zu ändern. Als Gastgeber kann er mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse finanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein b e- stimmtes Tun oder Unterlassen seines G astes einstehen (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Ebenfalls nicht zu einer andern Beurteilung führt der Hinweis, wonach der Beschwerdeführer 2 in der Vergangenheit nach einem neuntägigen Aufenthalt in Singapur sowie nach rund zehnwöchigem Be suchsaufenthalt bei einer Tante in Grossbr i- tannien j eweils fristgerecht und anstandslos ins Heimatland zurückg e- kehrt sei, haben diese Auslandaufenthalte doch vor rund vier bzw. fün f-C-4612/2010 Seite 11 einhalb Jahren stattgefunden und können daher fraglos nicht als Ve r- gleich herangezogen werden. 6.4. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. E. 4.5) wurden vo n den Beschwerdeführern nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w erden die unterliegenden Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahren s- kosten sind auf Fr . 700.- festzusetzen (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv nächste Seite C-4612/2010 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700. - werden den Beschwerdeführern auf- erlegt. Sie werden mit dem am 21. Juli 2010 geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage n: 2 "Affidavit", "Valua- tion Report" sowie Grundbuchauszug, je im Original) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. ZEMIS […] zurück) – das Migrationsamt des Kantons Zürich (ad ZH […]) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: