<h2>SubmittedText<h2><p>In der reichen Schweiz arbeiten Hunderttausende von Frauen und Männern, die auch bei einer Vollzeiterwerbsarbeit keinen existenzsichernden Lohn erhalten. Trotz wachsender Wirtschaft nehmen die Tieflohnbereiche nicht sichtbar ab. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Schweiz ein Land mit hohen Lebenshaltungskosten ist. Wesentliche Faktoren sind die hohen Wohnkosten, die Nahrungsmittelpreise und die unsoziale Finanzierung der Krankenkassen (Kopfprämien). Viele Lohnabhängige werden dadurch trotz einer Vollzeitstelle zu Sozialhilfeempfängerinnen und -empfängern.</p><p>Ein aktuelles Beispiel sind die in den Medien jüngst thematisierten Löhne beim Grossverteiler Migros (vgl. dazu u. a. "Rundschau" vom 22. November 2000, "Blick" vom 24. und 25. November 2000): Ein Rayonchef mit vierköpfiger Familie kommt bei einer Vollzeitstelle auf einen Nettolohn von 3200 Franken im Monat. Zur Existenzsicherung ist er auf eine Unterstützung der Sozialhilfe in der Höhe von 550 Franken im Monat angewiesen.</p><p>Der Bundesrat wird gebeten, einen Bericht über die Tieflohnsituation in der Schweiz, die Möglichkeiten zur Existenzsicherung durch Erwerbsarbeit und den Einfluss der Lebenshaltungskosten zu erstellen. Aus dem Bericht sollten insbesondere die nachfolgenden Auskünfte hervorgehen:</p><p>1. Welches ist die Anzahl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in der Schweiz trotz einer Vollzeitstelle zu einem Lohn arbeiten, der nicht zur Existenzsicherung reicht (differenziert nach Branchen, Regionen und Geschlecht)?</p><p>2. Wie gross ist das Ausmass der Belastung von Sozialhilfeeinrichtungen/Fürsorge, insbesondere in den Kantonen und Gemeinden, infolge nicht existenzsichernder Löhne? Wie viel Steuergelder (Bund, Kantone, Gemeinden) werden jährlich ausgegeben, um Beschäftigte von Unternehmen, die Gewinne erzielen bzw. ausschütten, existenziell zu unterstützen?</p><p>3. Welchen Einfluss haben die realen Lebenshaltungskosten auf die Existenzsicherung in der Schweiz im Vergleich zu den Löhnen und Lebenshaltungskosten in den benachbarten europäischen Ländern?</p><p>4. Welches sind mögliche Massnahmen zur Senkung der Lebenshaltungskosten? Infrage kömen z. B. eine sozialere Finanzierung der Krankenversicherung (Abschaffung der unsozialen Kopfprämien) und eine aktive Politik im Bereich der Miet- und Bodenpreise sowie der Nahrungsmittelpreise.</p><p>5. Welches sind die Instrumente zur Durchsetzung der Existenzsicherung durch Erwerbsarbeit?</p><p>6. Welches ist die Bedeutung der Kinder- und Familienzulagen für die Existenzsicherung von Familien?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2>Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.