Abteilung IV D-5258/2009 {T 0/2} U r t e i l v o m 1 2 . N o v e m b e r 2 0 1 0 Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Claudia Cotting-Schalch; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. A._______, geboren (...), Nigeria, vertreten durch Martina Culic, Rechtsanwältin, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (...), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Berne, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Juli 2009 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-5258/2009 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste nach eigenen Angaben unter Umgehung der Grenzkontrolle von Italien her am 7. Juni 2009 in die Schweiz ein, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 12. Juni 2009 erfolgte die Kurzbefragung im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ und am 30. Juni 2009 wurde der Beschwerdeführer am selben Ort zu seinen Asylgründen angehört (Anhörung). Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei nigerianischer Staatsangehöriger, gehöre zur Ethnie der Ljaw und stamme aus dem Dorf C._______ (Delta State). Im Jahre 2005 sei sein Vater im Verlaufe des ethnischen Konflikts zwischen den Ljaws und den Itsekiri im Delta State von Angehörigen der Itsekiri getötet worden. Nachdem er vom Tod seines Vaters erfahren habe, sei er von D._______ (Edo State), wo er seit dem Jahre 1997 gelebt und gearbeitet habe, in sein Heimatdorf im Delta State zurückgekehrt, um seine Mutter und seine Brüder von dort wegzu bringen. In der Nacht nach seiner Ankunft hätten Angehörige der Itsekiri erneut sein Heimatdorf angegriffen, ihn festgenommen, misshandelt und gezwungen, sein Ohr aufzuessen, das sie ihm zuvor abgeschnitten hätten. Am folgenden Morgen sei er von Männern seines Dorfes befreit und zu einem Arzt gebracht worden, von dem er gepflegt worden sei. Der Vorsteher von C._______, der ihn dort regel- mässig besucht habe, habe ihm eines Tages eine Vorladung zu- kommen lassen, in der er sowie andere Personen aufgefordert worden seien, vor einem Gericht in Lagos zu erscheinen. Da er verletzt ge- wesen sei und er befürchtet habe, wie andere junge Männer nicht mehr von dort zurückzukehren, habe er der Aufforderung keine Folge geleistet. Einige Tage später habe ihn seine Lebenspartnerin besucht und ihm mitgeteilt, dass im Fernsehen nach ihm gesucht werde. Der Arzt, bei dem er sich aufgehalten habe, habe ihm daraufhin mitgeteilt, dass er nicht länger bei ihm bleiben könne. Da er befürchtet habe, überall in Nigeria von den Behörden gefasst zu werden, habe er sich mit der Hilfe des Vorstehers von C._______ per Auto in den Niger be- geben, wo er zirka vier Monate geblieben sei. Anschliessend sei er - im Jahre 2006 - nach Libyen gegangen, wo er auf einem Bauernhof gearbeitet habe. Dort habe ihn eines Nachts ein Mann unter An- drohung von Gewalt sexuell missbraucht. Am 4. Juni 2009 sei er mit Seite 2D-5258/2009 der Hilfe eines Schleppers mit einem Boot nach Italien gelangt, von wo man ihn per Auto in die Schweiz gefahren habe. Zum Beweis seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im Laufe des Verfahrens vor der Vorinstanz die Kopie eines Dokuments mit der Überschrift "In the magistrate's court of Nigeria" zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 20. Juli 2009 - eröffnet am 25. Juli 2009 - stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und es lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, vorliegend sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer den schweizerischen Be- hörden keine Reise- oder Identitätspapiere abgegeben habe, weshalb seine Identität und seine Zugehörigkeit zur Ethnie der Ljaw nicht er- stellt seien, was die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen in Frage stelle. Im Weiteren sei festzuhalten, dass die geltend gemachten Ver- folgungsvorbringen des Beschwerdeführers nur auf seinen Be- hauptungen beruhten, welche einzig durch seine Narben gestützt würden, deren Herkunft jedoch nicht erwiesen sei. Sofern man die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers als glaubhaft beurteile, sei zudem zu bemerken, dass sie Teil des allgemeinen und wirtschaft- lichen Konfliktes zwischen den Itsekiri und den Ljaws seien, eines Konfliktes, der sich auf das Gebiet der Stadt Waari begrenze und der von den Behörden bekämpft werde, um die öffentliche Ordnung auf- recht zu erhalten. Es bestünden keine Hinweise darauf, dass der Be- schwerdeführer, der die Unterstützung seines Heimatdorfes genossen habe, nicht die Möglichkeit gehabt hätte, beim Staat um Schutz zu er- suchen und zu seiner Lebenspartnerin und seinen Kindern in den Edo State, wo er seit 1997 gearbeitet habe, zurückzukehren. Die geltend gemachten Vorbringen seien daher nicht asylrelevant, ebenso wenig wie die vorgebrachten Nachteile, die er in Libyen erlitten habe. Das vom Beschwerdeführer eingereichte Beweismittel sei nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu führen, zumal es sich lediglich um eine schlecht lesbare Kopie handle und es gerichtsnotorisch sei, dass solche Dokumente in Nigeria käuflich erworben werden könnten. Aus diesen Gründen genügten die Asylvorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht. Den Vollzug Seite 3D-5258/2009 der Wegweisung erachtete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. Für den weiteren Inhalt wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. C. Mit Beschwerde vom 20. August 2009 (Poststempel) an das Bundes- verwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seine Rechts- vertreterin beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit und die Unzulässigkeit der Weg- weisung festzustellen und das BFM anzuweisen, ihn vorläufig aufzu- nehmen. Subeventualiter sei das Verfahren zum Zwecke der erneuten Abklärung des Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver- fahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Mit der Beschwerde wurde ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. E._______, Universitäre Psychiatrische Dienste F._______, vom 18. August 2009 zu den Akten gereicht. D. Mit Zwischenverfügung des zuständigen Instruktionsrichters des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. August 2009 wurde dem Be- schwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werde verzichtet und über das Gesuch um Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG im End- entscheid befunden. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, bis zum 9. September 2009 eine Vernehmlassung einzureichen. E. Mit Eingabe vom 25. August 2009 liess der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestätigung vom 20. August 2009 zu den Akten reichen. F. In ihrer Vernehmlassung vom 8. September 2009 hielt die Vorinstanz an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Seite 4D-5258/2009 G. Mit Schreiben vom 7. Oktober 2009 liess der Beschwerdeführer re- plizieren. Der Eingabe lag ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. E._______, Universitäre Psychiatrische Dienste F._______, datiert vom 18. August 2009, bei. H. Mit Eingabe vom 7. Dezember 2009 liess der Beschwerdeführer einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 26. Oktober 2009 bezüglich der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung in Nigeria sowie eine Kostennote zu den Akten reichen. I. Mit Schreiben vom 1. Juni 2010 reichte der Beschwerdeführer zwei Schreiben der (...)-Versicherung beziehungsweise der (...) ein und ersuchte das Gericht gleichzeitig um baldigen Entscheid in der Sache. J. Mit Schreiben vom 11. Juni 2010 orientierte das Bundesverwaltungs- gericht den Beschwerdeführer über den Stand des Verfahrens. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungs- gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor- instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be- treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Seite 5D-5258/2009 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung be- sonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf- hebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.4 Gestützt auf Art. 37 VGG i.V.m. Art. 33a Abs. 2 Satz 2 VwVG er- geht das vorliegende Urteil in deutscher Sprache. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an- erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu- letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Die im Gesetz so definierte Flüchtlingseigenschaft erfüllt eine asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft be- gründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund be- stimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. Entscheide des Schweizerischen Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2008/4 E. 5.2 S. 37; Entschei- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flücht- lingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. Seite 6D-5258/2009 BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f.; BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). 3.3 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich - aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise - mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich - auch aus heutiger Sicht - mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu- kunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Ver- folgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten - und aus einem der vom Gesetz aufgezähl- ten Motive erfolgenden - Benachteiligung als wahrscheinlich und dem- entsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 4. 4.1 4.1.1Der Beschwerdeführer begründet sein Asylgesuch zum einen damit, er werde in seinem Heimatland von den nigerianischen Be- hörden gesucht. Er habe eine Vorladung erhalten, in der er auf- gefordert worden sei, vor einem Gericht in Lagos zu erscheinen. Da er verletzt gewesen sei und geglaubt habe, wie andere junge Männer nicht mehr von dort zurückzukehren, habe er der Aufforderung keine Folge geleistet. Zudem habe ihm seine Lebenspartnerin einige Tage später mitgeteilt, dass im Fernsehen nach ihm gesucht werde. Da er deswegen befürchtet habe, überall in Nigeria von den Behörden ge- fasst zu werden, habe er sein Heimatland verlassen. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz diese Asylgründe des Beschwerdeführers durch die nigerianischen Behörden zu Recht als Unglaubhaft beurteilt hat. 4.1.2Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darü- ber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erschei- nen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver- Seite 7D-5258/2009 fahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nach- schiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaub- haftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ein- wände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entschei- dend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhalts- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4.1.3Vorab ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer den Wortlaut sämtlicher Protokolle mit seiner Unterschrift bestätigt hat und sich deshalb seine Aussagen grundsätzlich entgegenhalten lassen muss. 4.1.4Zweifel an der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ver- folgung durch die nigerianischen Behörden bestehen schon des- wegen, da aus den Akten kein Grund ersichtlich ist, weshalb die Be- hörden ein Interesse daran haben sollten, den Beschwerdeführer habhaft zuwerden, hat er doch gemäss eigenen Aussagen in seinem Heimatland nichts gemacht, was eine behördliche Suche nach seiner Person rechtfertigen würde. Bezeichnenderweise war denn auch der Be schwerdeführer anlässlich der Anhörung nicht in der Lage, einen mög lichen Grund für die behauptete Verfolgung zu nennen (vgl. Akten BFM A 11/14, S. 9). Keinen realen Hintergrund hat auch das Vor- bringen des Beschwerdeführers, wonach er von seiner Lebens- partnerin erfahren habe, im Fernsehen gesucht worden zu sein. Die geltend gemachte Suche durch die nigerianischen Behörden erscheint auch deshalb als unglaubhaft, da der Beschwerdeführer anlässlich der An hörung zu Protokoll gab, während seines mehr als dreiwöchigen Aufenthalts beim Arzt hätten die Behörden ihn nicht aufgesucht (vgl. Akten BFM A 11/14, S. 10). Es ist davon auszugehen, dass die nigerianischen Behörden den Beschwerdeführer schon während sei- nes Aufenthalts beim Arzt verhaftet hätten, würden sie tatsächlich - wie behauptet - nach ihm suchen, zumal es für sie ein Leichtes ge- wesen wäre, ihn dort aufzuspüren. Übereinstimmend mit der Vor- instanz ist überdies festzuhalten, dass mangels Einreichung eines rechtsgenüglichen Originaldokuments die Identität des Beschwerde- führers nicht feststeht, was aber für die Überprüfung der Aussagen, der Dokumente und die Asylgewährung grundsätzlich Voraussetzung ist. Bezüglich des eingereichten Dokuments mit der Überschrift "In the magistrate's court of Nigeria" ist schliesslich festzuhalten, dass auch Seite 8D-5258/2009 dieses nicht geeignet ist, die behauptete Verfolgung des Beschwerde- führers durch die nigerianischen Behörden glaubhaft zu machen, zumal es sich lediglich um eine Kopie handelt, der aufgrund ihrer leichten Manipulierbarkeit grundsätzlich nur ein beschränkter Beweis- wert zukommt, und solche Dokumente zudem im Heimatland des Beschwerdeführers ohne Weiteres käuflich erworben werden können. Erhebliche Zweifel an der Authentizität des eingereichten Dokuments erweckt zudem der Umstand, dass dessen Inhalt in wesentlichen Punkten nicht mit den Vorbringen des Beschwerdeführers überein- stimmt. Beispielsweise wurde der Beschwerdeführer laut Dokument bereits für den 12. Januar 2005 vorgeladen, obwohl dieser anlässlich der Befragungen geltend machte, er sei erst im Februar beziehungs- weise Juni, Juli oder August 2005 von D._______ in sein Heimatdorf zurückgekehrt, wo er dieses Dokument erhalten haben will (vgl. Akten BFM A 6/10, S. 5; A 11/14, S. 7). Somit ist zusammenfassend festzuhalten, dass es dem Beschwerde- führer nicht gelungen ist, die behauptete Suche der nigerianischen Behörden nach seiner Person glaubhaft zu machen. 4.2 4.2.1Der Beschwerdeführer begründet sein Asylgesuch sodann weiter damit, er sei im Jahre 2005 in seinem Heimatdorf C._______ (Delta State) von Angehörigen der Itsekiri festgenommen, misshandelt und dazu gezwungen worden, sein Ohr zu verspeisen, das sie ihm zuvor abgeschnitten hätten, nachdem er dorthin gereist sei, um seine Mutter und seine Brüder von dort wegzubringen. Von Bewohnern seines Heimatdorfes sei er kurze Zeit später wieder befreit und zu einem Arzt gebracht worden, von dem er gepflegt worden sei. Da in seinem Heimatgebiet der ethnische Konflikt zwischen den Ljaws und den Itsekiri noch immer bestehe, wäre er bei einer Rückkehr dorthin der Gefahr ausgesetzt, erneut angegriffen zu werden. 4.2.2Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage zweifelhaft ist, ob sich die Geschehnisse tatsächlich so zugetragen haben, wie sie vom Beschwerdeführer dargelegt worden sind. Vorliegend kann eine vertiefte Prüfung dieser Frage jedoch unterbleiben. Der Beschwerde- führer erfüllt selbst bei Wahrunterstellung seiner Vorbringen die Flücht- lingseigenschaft nicht, da ihm eine valable innerstaatliche Fluchtalter- native, mithin die Möglichkeit, der geltend gemachten Verfolgung durch die Itsekiri mit einem Ortswechsel zu entgehen, offensteht. Seite 9D-5258/2009 Übereinstimmend mit der Vorinstanz geht das Bundesverwaltungs- gericht nämlich davon aus, der Beschwerdeführer könne sich der behaupteten Verfolgung durch die Itsekiri in seinem Heimatdorf C._______, die klar lokalen Charakter aufweist, durch eine Rückkehr nach D._______ (Edo State), wo er gemäss eigenen Angaben seit dem Jahre 1997 mit seiner Lebenspartnerin und seinen Kindern gelebt sowie ein eigenes Coiffeurgeschäft betrieben hat (Akten BFM A 11/14, S. 5), entziehen, da er dort keinen asylrelevanten Behelligungen aus- gesetzt ist, zumal die vorgebrachte Verfolgung durch die nigeria- nischen Behörden nicht glaubhaft ist (vgl. vorstehend E. 4.1). In der Rechtsmittelschrift wird nichts vorgebracht, was an dieser Einschät- zung etwas ändern könnte. 4.3 Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass auch der vom Beschwerdeführer geltend gemachte sexuelle Missbrauch, den er in Libyen erlitten haben will, seine Flüchtlingseigenschaft nicht zu be- gründen vermag, zumal er unbestrittenermassen nigerianischer Staatsangehöriger ist, weshalb die Prüfung der flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung einzig in Bezug auf sein Heimatland Nigeria durchzuführen ist (vgl. dazu EMARK 1995 Nr. 2 E. 3a S. 17). 4.4 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz die Vor- bringen des Beschwerdeführers zutreffend als nicht glaubhaft be- ziehungsweise als nicht asylrelevant erachtet und das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. An diesem Ergebnis vermögen auch die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers in dessen Eingaben nichts zu ändern, weshalb darauf nicht näher ein- gegangen wird. Da vorliegend der Sachverhalt genügend erstellt ist, ist das Subeventualbegehren des Beschwerdeführers, wonach das Ver- fahren zum Zwecke der erneuten Abklärung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, abzuweisen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2). Seite 10D-5258/2009 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vorgängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. W ALTER STÖCKLI , Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 6.2.1Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver- pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat ent- gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei- heiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmensch- licher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrecht- lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, Seite 11D-5258/2009 kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Nigeria ist dem- nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Nigeria dort mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Nigeria lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un- zulässig erscheinen. Für den Fall, dass sich beim Beschwerdeführer im Falle eines allfälligen zwangsweisen Vollzugs der Wegweisung suizidale Tendenzen akzentuieren, wie das in den eingereichten ärzt- lichen Zeugnissen vom 18. August 2009 angedeutet wird, wäre dem mit geeigneten medikamentösen oder allenfalls auch psychotherapeu- tischen Massnahmen entgegen zu wirken, so dass für ihn eine konkrete Gefahr ernster gesundheitlicher Schäden auszuschliessen wäre (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1. S. 212, mit einem Hinweis auf den Entscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. Dragan et al. gegen Deutschland [Beschwerde Nr. 33743/03]). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Aus medizinischen Gründen kann sich der Seite 12D-5258/2009 Wegweisungsvollzug gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG auch als un- zumutbar erweisen, wenn für die betroffene Person bei einer Rückkehr in ihre Heimat eine wesentliche medizinische Behandlung nicht erhält- lich wäre. Der Umstand alleine, dass die Spitalinfrastruktur oder das medizinische Fachwissen im Heimatstaat ein tieferes Niveau auf- weisen, führt praxisgemäss nicht zur Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs. Bei der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 83 Abs. 4 AuG sind humanitäre Überlegungen im Einzelfall gegen andere öffentliche Interessen abzuwägen, die allenfalls für den Vollzug der Wegweisung sprechen würden, was den Asylbehörden einen Er- messensspielraum lässt. Entsprechend bilden etwa gesundheitliche Probleme, welche für sich allein betrachtet den Wegweisungsvollzug nicht bereits als unzumutbar erscheinen lassen, ein Beurteilungs- element, welches in die vorzunehmende Interessenabwägung ein- bezogen werden muss und zusammen mit weiteren humanitären Aspekten zur Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs führen kann (vgl. zum Ganzen EMARK 2001 Nr. 16 E. 6b S. 123, 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b S. 157 f.). 6.3.2In Nigeria herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt oder kriegerischer Auseinandersetzungen, aufgrund derer die Bevölkerung konkret gefährdet wäre. Zwar ist es auch in den vergangenen Monaten in verschiedenen Teilen des Landes - insbesondere im Niger-Delta und im Nordosten Nigerias - zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen paramilitärisch organisierten Banden und Sicherheitskräften be- ziehungsweise zwischen Angehörigen verschiedener ethnischer und religiöser Bevölkerungsgruppen gekommen, dennoch kann im jetzigen Zeitpunkt nicht von Krieg, Bürgerkrieg oder von einer Situation all- gemeiner Gewalt in ganz Nigeria, die für den Beschwerdeführer bei der Rückkehr in sein Heimatland eine konkrete Gefahr darstellen würde, gesprochen werden. 6.3.3 6.3.3.1Es bleibt demnach zu prüfen, ob individuelle Gründe vorliegen, die eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat als unzumutbar erscheinen lassen. Insbesondere ist zu prüfen, ob die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden ein individuelles Vollzugshindernis bilden. 6.3.3.2In den beiden eingereichten (fast identischen) ärztlichen Zeugnissen von Dr. med. E._______, Universitäre Psychiatrische Seite 13D-5258/2009 Dienste F._______, vom 18. August 2009 wird im Wesentlichen festgehalten, der Beschwerdeführer zeige eine depressive Symptomatik mit Affektarmut, Ratlosigkeit, Anhedonie und Antriebsarmut, die sich nach dem negativen Asylentscheid deutlich akzentuiert habe. Daneben bestünden eine erhöhte Schreckhaftigkeit, immer wiederkehrende Ohr- und Nackenschmerzen, Intrusionen in Form von Nachhallerinnerungen und Flashbacks an die Ereignisse in Nigeria. Zudem leide der Be schwerdeführer unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, Konzentrationsschwierigkeiten und Rumination. Bezüglich der Behandlung des Beschwerdeführers wird im Bericht ausgeführt, dass diese aus einer medikamentösen, antidepressiven Therapie sowie einer Psychotherapie bestehe. 6.3.3.3Wie vorstehend unter Erwägung 4 erwähnt, ist aufgrund der Aktenlage zweifelhaft, ob sich die Geschehnisse im Heimatland des Beschwerdeführers tatsächlich so zugetragen haben, wie das von ihm geltend gemacht wird. Auch mit den eingereichten ärztlichen Berichten vom 18. August 2009 werden die vom Beschwerdeführer geltend ge- machten traumatisierenden Erlebnisse nicht belegt, zumal aufgrund der Feststellung einer posttraumatischen Belastungsstörung einzig glaubhaft gemacht ist, dass der Beschwerdeführer ein traumatisie- rendes Ereignis erlebt haben muss. Die genauen Umstände dieses Erlebnisses bleiben indessen unklar. Zudem ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen nicht geltend machte, unter psychischen Problemen zu leiden. Aus den Akten geht überdies nicht hervor, dass er bereits während seinen Aufenthalten im Niger beziehungsweise in Libyen unter psychischen Problemen gelitten hätte. Da sich die traumatisierenden Ereignisse bereits im Jahre 2005 zugetragen haben sollen, ist davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer schon viel früher unter den in den ärztlichen Zeug- nissen vom 18. August 2009 aufgeführten psychischen Problemen gelitten hätte, wären diese tatsächlich auf die behaupteten Erlebnisse im Jahre 2005 zurückzuführen. Auch die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer erst kurze Zeit nach Erhalt der Verfügung des BFM vom 20. Juli 2009 erstmals in psychiatrische Behandlung begeben hat, lässt darauf schliessen, dass seine gesundheitlichen Beschwerden nicht (nur) mit den geltend gemachten Erlebnissen im Heimatland in Verbindung stehen, sondern vielmehr (auch) auf die schwierige Situa- tion im Zusammenhang mit dem negativen Asylentscheid zurückzu- führen sein dürften. Seite 14D-5258/2009 6.3.3.4Die Durchführung einer psychiatrischen Behandlung in Nigeria ist möglich. Es gibt in diesem Land etwa 35 psychiatrische Kliniken oder psychiatrische Abteilungen. In psychiatrischen Kliniken in Nigeria werden unter anderem klinische Depressionen, suizidale Tendenzen, posttraumatische Belastungsstörungen, Schizophrenie und Psychosen behandelt. In einigen Kliniken ist die Behandlung kostenlos, die Medikamente müssen aber immer selbst bezahlt werden. Für Perso- nen mit psychischen Störungen gibt es in einigen Bundesstaaten zudem Betreuungseinrichtungen auf Gemeindeebene, die von Nicht- Regierungsinstitutionen, privaten Ärzten und Ärztinnen und vor allem von religiösen Einrichtungen betrieben werden. Für spezifische Ziel- gruppen wie Flüchtlinge, Opfer von Katastrophen, ältere Personen und Kinder gibt es spezielle Programme. Die meisten psychosozialen Ver- sorgungseinrichtungen befinden sich in den städtischen Zentren, vor allem im Süden des Landes. Psychopharmaka sind in Nigeria erhält- lich und meistens bezahlbar. So ist auch das Medikament Cymbalta erhältlich, wobei es jedoch teuer sein und um die 50 USD pro Monat kosten kann. An dessen Stelle werden alternative Medikamente ver- schrieben (vgl. dazu insbesondere das Gutachten der SFH-Länder- analyse vom 26. Oktober 2009 "Nigeria: Behandlung von PTSD"). 6.3.3.5Der Beschwerdeführer hat vor seiner Ausreise seit dem Jahre 1997 in D._______ gelebt, wo die erforderlichen psychopharmako- logischen sowie psychotherapeutischen Behandlungen erhältlich sind, um die in den ärztlichen Zeugnissen vom 18. August 2009 auf- geführten psychischen Probleme des Beschwerdeführers angemessen zu behandeln, zumal es sich dabei nicht um gravierende gesundheit- liche Beschwerden handelt. Bezüglich der Finanzierbarkeit ist festzu- halten, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatland über nahe Verwandte verfügt, die ihn bei Bedarf finanziell unterstützen können. Schliesslich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Möglich- keit hat, fürs Erste einen Vorrat an Medikamente mitzunehmen und bei Bedarf beim BFM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). Zusammenfassend ist daher davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer - sofern die in der Schweiz aufgetretenen psychischen Probleme in der Heimat überhaupt noch vorhanden sind - bei einer Rückkehr nach Nigeria die erforderliche medizinische Behandlung erhältlich machen kann. Allein der Umstand, dass die Behandlungs- möglichkeiten in Nigeria nicht dem medizinischen Standard in der Seite 15D-5258/2009 Schweiz entsprechen, macht den Vollzug nicht unzumutbar (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b). Eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers durch Rückschaf- fung in seine Heimat kann deshalb nicht angenommen werden. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung erscheint daher eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Nigeria unter medizinischen Gesichtspunkten als zumutbar (vgl. dazu auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3562/2009 vom 31. Juli 2009 S. 9 f.). 6.3.3.6Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Nigeria aufgrund seiner längeren Landes- abwesenheit mit gewissen Schwierigkeiten konfrontiert sein könnte. Indes hat er bis zu seiner Ausreise im Jahre 2005 in seinem Heimat- staat gelebt, weshalb er mit den dortigen Gepflogenheiten bestens vertraut ist. Aufgrund der Akten ist anzunehmen, dass seine Lebens- partnerin und seine Kinder noch immer in D._______ leben (vgl. Akten BFM A 11/14, S. 5), weshalb davon auszugehen ist, dass er dort über ein soziales Beziehungsnetz verfügt, welches ihm eine Reintegration erleichtern wird. Insbesondere ist anzunehmen, dass er nach seiner Rückkehr in sein Heimatland bei seiner Lebenspartnerin und seinen Kindern wohnen kann. Überdies ist festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer über jahrelange Erfahrung als Coiffeur verfügt, wes- halb anzunehmen ist, er könne sich in seinem Heimatland auch wirtschaftlich reintegrieren. Es ist darauf hinzuweisen, dass blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht genügen, um eine Ge- fährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1. S. 215). Sodann steht es dem Beschwerdeführer frei und ist ihm auch zuzumuten, sich an einem anderen als seinem Herkunftsort niederzu- lassen. 6.3.4Im Rahmen einer Gesamtwürdigung sämtlicher Faktoren ist somit zusammenfassend festzuhalten, dass der Vollzug der Weg- weisung des Beschwerdeführers nach Nigeria als zumutbar zu er- achten ist. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not- wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes- Seite 16D-5258/2009 halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Weg- weisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten desselben dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und auf insgesamt Fr. 600.-- festzu- setzen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem die Be- schwerde im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung nicht als aus- sichtslos bezeichnet werden konnte und der Beschwerdeführer nach wie vor keiner bezahlten Tätigkeit nachgeht (so dass von seiner Be- dürftigkeit ausgegangen werden kann), sind in Gutheissung des in der Beschwerde vom 20. August 2009 gestellten, bis anhin nicht be- handelten Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 9. Aufgrund der Abweisung der Beschwerde ist keine Parteient- schädigung zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) Seite 17D-5258/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an: - die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie) - (...) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: Seite 18