B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1864/2020 U r t e i l v o m 1 8 . M a i 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Esther Marti, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch MLaw Milad Al-Rafu, Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 4. März 2020. E-1864/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein somalischer Staatsangehöriger mit letz- tem Wohnsitz in B._______, Somaliland [Anmerkung des Gerichts: das vom SEM protokollierte in Äthiopien liegende C._______ ist als Redakti- onsfehler zu werten] – gelangte am 2. August 2018 in die Schweiz, wo er am darauffolgenden Tag ein Asylgesuch stellte. Er wurde am 24. Au- gust 2018 summarisch zu seiner Person befragt (Bz P; Protokoll in den SEM-Akten A15/14). Dabei gab er an, minderjährig zu sein. A.b Aufgrund der Zweifel am angegebenen Alter liess das SEM durch die Rechtsmedizin der Universität D._______ am 4. September 2018 ein Gut- achten zur Alterseinschätzung erstellen. Dieses kam zum Schluss, dass der Beschwerdeführer das 18. Lebensjahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollendet und die Volljährigkeit erreicht habe. Aufgrund dieser Einschätzung und nach Gewährung des rechtlichen Ge- hörs betrachtete das SEM den Beschwerdeführer für das weitere Verfah- ren als volljährig. A.c Nachdem der Beschwerdeführer seit dem 21. September 2018 als ver- schwunden galt, schrieb das SEM sein Asylgesuch mit Verfügung vom 22. November 2018 ab . Nach seiner am 24. Dezember 20 18 erfolgten Rückkehr in die Schweiz wurde das Asylverfahren am 16. Januar 2019 wie- deraufgenommen. A.d Am 11. November 2019 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asyl- gründen angehört (Protokoll in den SEM-Akten: A37/16). B. Mit Verfügung vom 4. März 2020 – eröffnet am 9. März 2020 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtli ngseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. C. Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit einer eigenen Ein- gabe vom 2. April 2020 und einer solchen seines Rechtsvertreters vom 16. April 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Er beantragt die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückwei-E-1864/2020 Seite 3 sung der Sache an die Vorinstanz zur hinreichenden Abklärung des rechts- erheblichen Sachverhalts. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl, eventualiter die vorläufige Aufnahme, zu gewähren, subeventualiter sei er aufgrund des unzumutba- ren Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. In formeller Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ausserdem seien die Asylverfahrensakten des Bruders des Beschwerde- führers (N […]) beizuziehen. D. Am 6. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgerich t den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer könne den Aus- gang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegen de Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vom 2. April 2020 sinngemäss vor, eine rechtsgenügliche Beschwerdeerhebung sei ihm ver- unmöglicht worden, weil er aufgrund der aktuellen Situ ation im Rahmen E-1864/2020 Seite 4 der Corona-Pandemie keine rechtzeitige juristische Unterstützung habe er- hältlich machen können. Diesbezüglich ist festzustellen, dass es ihm ge- lungen ist, seine Beschwerde sowohl von der Form her rechtsgenüglich (vgl. Art. 52 Abs. 1 VwVG) als auch fristgerecht ( aArt. 108 Abs. 1 AsylG) einzureichen. Nachdem inzwischen eine ergänzende Begründung nachge- reicht wurde, erübrigt es sich, auf den diesbezüglichen Antrag um Anset- zung einer Nach frist einzugehen. Der Beschwerdeführer hat sodann am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de- ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG); im Bereich des Ausländerrechts ist auch die Angemessenheit überprüfbar (Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur- teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Angesichts des vorliegenden Entscheides in der Sache wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 5. Streitig und zu prüfen sind im vorliegenden Verfahren die Flüchtlingseigen- schaft des Beschwerdeführers und die Asylgewährung. Falls kein Asyl zu gewähren ist, sind im Weiteren die Wegweisung und der Wegweisungs- vollzug zu beurteilen. E-1864/2020 Seite 5 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 6.2.1 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6.2.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entb ehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Die Tatsache, dass einzelne Aussagen erst im späteren Verlauf des Asylverfahrens vorgebracht werden, macht die Vorbringen der asylsu- chenden Person aber noch nicht zwingend unglaubhaft. So kann unter be- sonderen Umständen eine nachvollziehbare Erklärung für die Verspätung des Vorbringens vorliegen. Die Glaubhaftigkeit nachgeschobener Vorbrin- gen ist durch eine Gesamtwürdigung im konkreten Einzelfall zu beurteilen. Der Standard des Glaubhaftmachens bedeutet – im Gegensatz zum strik- ten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Ent- scheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhalts-E-1864/2020 Seite 6 darstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekti- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entschei- dungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskom- mission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 und 1998 Nr. 4 E. 5; Urteil des BVGer D-2322/2009 vom 7. Juli 2009 E. 5). 6.3 Die Asylbehörden und das Bundesverwaltungsgericht stellen den Sachverhalt unter Vorbehalt der Mitwirkungspflicht der Parteien von Amtes wegen fest (Art. 12 und Art. 13 VwVG sowie Art. 8 AsylG). Sie würdigen die Beweise grundsätzlich frei, ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so- wie umfassend und pflichtgemäss (Grundsatz der freien Beweiswürdigung; vgl. Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes über den Bundeszi- vilprozess [BZP , SR 273]; BGE 137 II 266 E. 3.2). 7. 7.1 In der Folge ist der rechtserhebliche Sachverhalt festzustellen. Dazu sind die Vorbringen des Beschwerdeführers auf ihre Glaubhaftigkeit zu prü- fen. 7.2 Der Beschwerdeführer bringt zu seinen persönlichen Umständen vor, in E._______, Somaliland, g eboren und aufgewachsen zu sein und über seinen Vater dem Minderheiten-Clan der (...) anzugehören. Sein Vater sei 2006 verstorben. Seine Mutter gehöre dem (...)-Clan an. Zu seinen Asylgründen gab er in der BzP an, seine Familie sei aufgrund ihrer Clan-Zugehörigkeit benachteiligt gewesen und habe keine Freihei- ten gehabt. Die Schule habe er nach vier Jahren abbrechen müssen, weil er oft geschwänzt habe. Aufgrund der beabsichtigten Heirat seines Bruders mit einer Angehörigen des (...)-Clans hätten sie Probleme mit der Familie seiner Ehefrau erhalten. Sein Bruder sei deshalb geflüchtet und habe in der Schweiz Asyl erhalten. Auch die übrige Familie habe E._______ verlassen müssen und sie seien nach B._______ gezogen. Aufgrund seiner Clan-Zugehörigkeit habe er in Somaliland keine Möglich- keit gehabt, zu arbeiten und seine Familie sei arm gewesen. Er habe B._______ 2014 nach vier Monaten verlassen. Danach habe er für je zwei Jahre in Äthiopien (F._______) und Libyen gelebt. Seine Mutter, seine Schwester und seine beiden anderen Brüder lebten immer noch in B._______. In der Anhörung legte er seine Fluchtgründe wie folgt dar: Zusammen mit seiner Familie sei er aufgrund der Probleme seines Bruders 2014 von E-1864/2020 Seite 7 E._______ nach B._______ geflohen. Aufgrund dieser Flucht habe er die Sekundarschule nach insgesamt rund elf Jahren Schulbesuch abbrechen müssen. In B._______ sei er rund einen Monat gewesen, bevor er nach G._______ gegangen sei. Dort habe er in einem (…)center Arbeit gefun- den und bis zu seiner Ausreise 2018 bei seinem Arbeitgeber gelebt. Im Januar 2018 habe er einen Verkehrsunfall beobachtet. Dabei habe ein Mann, den er gekannt habe, eine schwangere Fra u angefahren. Er habe die Frau ins Spital gebracht, wo sie verstorben sei. In der Folge sei er von der Polizei befragt und es sei ein Gerichtsverfahren eingeleitet worden, in dem er als Zeuge gegen den Täter ausgesagt habe. Der Täter sei aufgrund seiner Aussage zum Tod verurteilt worden. Danach sei er von den Ange- hörigen des Täters gesucht worden, eine Anzeige bei der Polizei habe nichts genützt. Als er eines Abends von zwei Männern attackiert worden sei, habe er sich mit ein em Stock gewehrt. Daraufhin sei er nach H._______ geflohen, wo er von seinem Arbeitgeber erfahren habe, dass einer der beiden Personen, die ihn angegriffen hätten, aufgrund der Verlet- zungen, verstorben sei. In F._______ sei er zwölf Tage geblieben, bevor er in I._______ über einen Schlepper die Reise nach Europa organisiert habe. 7.3 Das SEM hält dem Beschwerdeführer vor, seine Sachverhaltsdarstel- lung würde den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht standhal- ten. Insbesondere habe er in der BzP und in der Anhörung komplett unter- schiedliche Asyl- beziehungsweise Ausreisegründe geltend gemacht. Im Rahmen der Anhörung habe er vorgebracht, bedroht worden zu sein, weil er in einem Gerichtsprozess als Zeuge gegen einen Unfallverursacher ausgesagt habe. In der BzP habe er dies nicht erwähnt. Dort habe er an- gegeben, aufgrund von Problemen mit der Familie der Ehefrau des Bruders geflohen zu sein. Dies habe er wiederum in der Anhörung mit keinem Wort erwähnt. Die dafür vorgebrachte Begründung, er habe bei der BzP Angst gehabt, dass man ihn in seine Heimat zurückschicken könnte, und er habe vom Tod des Angreifers in Somalia erst erfahren, als er von der Schweiz aus nach Deutschland gegangen sei, vermöge nicht zu erklären, weshalb er die bei der Anhörung dargelegten zentralen Gründe nicht bereits bei der BzP erwähnt habe. Es sei davon auszugehen, dass er diese Asylgründe im Laufe des Verfahrens bewusst nachgeschoben habe, weil er sich dadurch einen positiven Einfluss auf den Asylentscheid erhofft habe. Zudem habe er bezüglich seiner Biographie widersprüchliche Angaben ge- macht, so insbesondere hinsichtlich seiner Schulbildung, seiner Arbeitstä- tigkeiten und seine r Aufenthaltsorte vor seiner Ankunft in der Schweiz. E-1864/2020 Seite 8 Auch hier sei es unverständlich, dass Angst der Grund gewesen sein solle, falsche biographische Angaben zu machen. Naheliegender sei, dass er die Schweizer Asylbehörden bewusst über seine Biographie zu täuschen ver- sucht habe. Dafür spreche auch der Umstand, dass er offensichtlich fal- sche Angaben zu seinem Alter gemacht und bis heute keinerlei Identitäts- dokumente vorlegt habe. Offensichtlich sei er nicht gewillt, mit den Schwei- zer Asylbehörden zu kooperieren und seine wahre Identität offenzulegen. Die widersprüchlichen Aussagen, insbesondere zu seiner Biographie, wür- den die Zweifel an seinen Asylvorbringen zusätzlich verstärken. 7.4 Der Beschwerdeführer bringt in seinen Rechtsmitteleingaben vor, in- dem die Vorinstanz die an der Anhörung dargelegten Vorbringen als nach- geschoben qualifiziert habe, habe sie es unterlasse n, die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen eingehend zu prüfen, und sie habe das Asylgesuch pau- schal abgelehnt, ohne auf die Asylgründe einzugehen. Dabei seien be- günstigende Beweismittel vom SEM nicht beigezogen worden, so die Ver- fahrensakten des Bruders, dem 2014 in der Schweiz Asyl gewährt worden sei. Diese Akten würden nicht nur die Vorbringen des Beschwerde führers stützen, sondern auch andere Umstände, wie dass er dem (...)-Clan ange- höre. Das SEM sei sodann in keiner Weise auf die sowohl vom Bruder als auch vom Beschwerdeführer geltend gemachte Flucht der Familie nach Äthiopien eingegangen, um zu eruieren, ob der Beschwerdeführer und seine Familie in Somalia Verfolgung oder Diskriminierung ausgesetzt seien. Damit habe das SEM den Untersuchungsgrundsatz verle tzt bezie- hungsweise sei der Sachverhalt im Ergebnis unvollständig festgestellt wor- den, da nicht alle für den Entscheid relevanten Sachumstände berücksich- tigt und die für den Beschwerdeführer sprechenden Umstände nicht ge- würdigt worden seien. Die Aussagen des Beschwerdeführers bei der Anhörung seien im Übrigen sehr wohl glaubhaft ausgefallen, und es sei zutreffend , dass er gewisse Aspekte seiner Asylgeschichte bei der BzP aus Angst nicht dargelegt habe, zumal es nicht unüblich sei, dass eine Person sich dafü r entscheide, nur gewisse und nicht alle Faktoren der Fluchtursachen darzulegen . Der Bru- der habe aufgrund d er auch vom Beschwerdeführer dargelegten Um- stände in der Schweiz Asyl erhalten, was ganz klar für die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers spreche. Zudem habe er sowohl während der BzP als auch während der Anhörung stets daran festgehalten, dass er zum Clan der (...) gehöre, und es seien diesbezüglich keine Widersprüche festgestellt worden. Auch diese für die Glaubhaftigkeit des Beschwerdeführers spre- chenden Elemente seien von der Vorinstanz ausser Acht gelassen worden. E-1864/2020 Seite 9 Alle Vorbringen seien schliesslich gesamthaft zu betrachten und sprächen so nicht gegen die Glaubhaftigkeit, wobei insbesondere die bereits bei der BzP geltend gemachten Benachteiligungen aufgrund der Zugehörigkeit zu einem Minderheitenclan nicht getrennt vom geltend gemachten Verkehrs- unfall betrachtet werden könnten. 8. 8.1 Unter Berücksichtigung de r Grundsätze der Glaubhaftigkeitsprü fung gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer für seine Ausreise vorgebrachten unmit- telbaren Fluchtgründe nicht glaubhaft ausfallen. 8.2 Das SEM hat die Erklärung des Beschwerdeführers, weshalb er seine wahren Asylgründe erst an der Anhörung habe vorbringen könn en, zu Recht in Frage gestellt. Der pauschale Hinweis, wonach er aus Angst, nach Somalia zurückgeschafft zu werden, an der BzP noch nicht alles offenge- legt habe, vermag die Zweifel an der erst bei der Anhörung vorgebrachten Sachverhaltsdarstellung nicht auszuräumen. Zwar ist eine gewisse Zurück- haltung gegenüber Behörden bei in der Schweiz neu ankommenden asyl- suchenden Personen nicht ausgeschlossen, dieser Umstand erklärt aber vorliegend nicht , weshalb der Beschwerdeführer die für seine Ausreise zentralen Probleme im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall und die sich daraus ergebende Bedrohungslage in der BzP nicht wenigstens an- satzweise erwähnte. Zum einen liegt diesem Konflikt ein privates Problem zugrunde und es erhellt nicht, weshalb er dies den schweizerischen Behör- den verschweigen sollte. Hinzu kommt, dass er bereits bei der BzP von einer Rechtsvertreterin begleitet war und davon ausgegangen werden darf, dass auch der in der Schweiz als Flüchtling anerkannte Bruder ihn betref- fend Ablauf des Asylverfahrens und hiesigem Umgang mit den Behörden vorbereiten konnte. Zum anderen hat der Beschwerdeführer an der BzP nicht nur die zentralen Asylgründe verheimlicht, sondern es ergeben sich auch in Bezug auf Angaben zu seinen persönli chen Umständen massive Widersprüche, welche nicht mit der von ihm vorgebrachten Begrü ndung erklärt werden können. Insbesondere sind keine guten Gründe dafür er- sichtlich – und werden auch auf Beschwerdeebene nicht dargelegt –, wes- halb er nicht bereits bei der BzP richtige Angaben zu seiner Schulbildung, zur Frage, ob er in seinem Heimatland gearbeitet ha be oder nicht, sowie zu seinen Aufenthaltsorten vor der Ankunft in der Schweiz gemacht hat (vgl. insb. A15 Ziff. 1.17.04, Ziff. 5.01 f.; A37 F42, F45). Auch hinsichtlich E-1864/2020 Seite 10 seines Alters hat der Beschwerdeführer gemäss rec htsmedizinischen Al- tersgutachten unwahre Angaben gemacht (vgl. Gutachten vom 4. Septem- ber 2018). Ein solches Aussageverhalten lässt erhebliche Zweifel an der persönlichen Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers aufkommen. Auch das aktenkun- dige Untertauchen während des Asylverfahrens und die Rückkehr in die Schweiz nach Erhalt eines negativen Asylentscheids in Deutschland, ver- stärkt diesen Eindruck. 8.3 Die in der Anhörung geltend gemachten unmittelbaren Ausreisegründe fallen aber auch für sich allein betrachtet nicht glaubhaft aus. So wirken die Schilderungen des Unfalls sowie der nachfolgenden Gerichtsverhandlun- gen wenig substantiiert und weisen kaum erlebnisbasierte Eindrücke auf (vgl. z.B. A37 F89 f., F93 ff., F99, F106). Nicht nachvollziehbar ist insbe- sondere, dass der Beschwerdeführer weder den Namen der verunfallten Frau noch ihre Clan-Zugehörigkeit angeben kann, obwohl er für diese an einem Gerichtsverfahren als Zeuge aus gesagt und von ihrer Familie Schutz zugesichert bekommen haben will (vgl. A37 F82 f.). Seine diesbe- züglichen Erklärungsversuche, wonach ihm diese Informationen nicht wichtig gewesen seien, sind nicht überzeugend (vgl. A37 F113). Angesichts der geltend gemachten Benachte iligungen, welche er als Angehöriger ei- nes Minderheiten-Clan erfahren habe, und dem Vorbringen, den Verursa- cher des Unfalls schon länger gekannt zu haben, erstaunt es sodann, dass er auch dessen Clan -Zugehörigkeit nicht kennt (vgl. A37 F88). Nicht in Übereinstimmung zu bringen ist die angebliche Verfolgung im Januar 2018 und die nachgehende Flucht aus Somaliland im Februar, welche finanziell von seinem Arbeitgeber unterstützt worden sei (vgl. A37 F32, F42, F116), schliesslich mit den Angaben in der BzP beziehungsweise bei den Eintritts- fragen, wonach er 2014 beziehungsweise 2016 aus Somalia ausgereist sei und sich danach für je zwei Jahr e in Äthiopien und Libyen aufgehalten habe, sowie dass er in seinem Heimatland nie gearbeitet habe (vgl. SEM- Akte A3 [Questionnaire Europe], S. 1; A15 Ziff. 5.01 f., Ziff. 1.17.04). 8.4 In Bezug auf die Probleme des B ruders, welcher in der Schweiz als Flüchtling anerkannt ist, stellt das Gericht fest, dass sich aus den diesbe- züglichen Vorbringen des Beschwerdeführers, welche das SEM nicht per se in Frage stellt, keine konkreten Anhaltspunkte für eine asylrelevante Ge- fährdung ergeben. Aufgrund der Akten lässt sich vielmehr schliessen, dass der Beschwerdeführer nach dem Wegzug aus E._______ über vier Jahre hinweg offenbar unbehelligt in d er 40 Minuten von dort entfernten Stadt E-1864/2020 Seite 11 G._______ wohnen und arbeiten konnte (vgl. A37 F32, F92). Auch ist sei- nen Aussagen nicht zu entnehmen, dass seine Familie in B._______ auf- grund dieser Streitigkeit und der Flucht des Bruders weiterhin Probleme hatte, zumal der We iterzug des Beschwerdeführer s von dort nach G._______ finanzielle Gründe gehabt zu haben scheint beziehungsweise nicht mit einer Verfolgung seitens der Familie seiner Schwägerin im Zu- sammenhang stand (vgl. A37 F35 f.). In der Beschwerde wird geltend ge- macht, die Aussagen des Beschwerdeführers und seines Bruders, wonach die Familie nach Äthiopien geflüchtet sei, seien übereinstimmend ausge- fallen, was für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers zu werten sei. Solches ergibt sich aber nicht aus den Akten. Vielmehr ist den Befragungsprotokollen einzig zu entnehmen, dass die Familie inner- halb von Somaliland (in die Heimatstadt seiner Mutter B._______) umge- zogen sei, und gerade nicht nach Äthiopien (vgl. A15 Ziff. 2.01, Ziff. 3.01, A37 F19, F32). Auch sonst werden in der Rechtsmitteleingabe keine Argu- mente vorgebracht, die an der Einschätzung des SEM etwas zu ändern vermögen. 8.5 Unter diesen Umständen gab es für das SEM keinen Anlass, die Ver- fahrensakten des Bruders beizuziehen, da sie von vornherein nicht geeig- net sind an der Sachverhaltsfeststellung und der darauf beruhenden Wür- digung etwas zu ändern. Der entsprechende Antrag ist auch auf Beschwer- destufe abzuweisen. Auch sonst ist aufgrund der Akten nicht ersichtlich, inwiefern der Sachverhalt nicht vollständig oder unrichtig festgestellt wor- den wäre. Eine Verletzung der Untersuchungspflicht oder anderer Verfah- rensgrundsätze ist nicht festzustellen, zumal die Beweiswürdigung auch nicht einseitig zu Ungunsten des Beschwerdeführers ausfiel. Das SEM kam vielmehr zu Recht und mit zutreffender Begründung zum Schluss, dass die in der Anhörung geltend gemachten Gründe für seine Ausreise nicht glaubhaft ausgefallen sind . Es ist davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer sein Heimatland aus anderen als den vorgebrachten Grün- den verlassen hat. 8.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine objektiv begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darzutun. Die Vorinstanz hat zu Recht seine Flüchtlings- eigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 9. 9.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet E-1864/2020 Seite 12 den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, we nn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 10.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, S R 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 10.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem E-1864/2020 Seite 13 Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 10.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kamme r 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.), was vorliegend nicht ersichtlich ist. 10.2.4 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er- scheinen. Diesbezüglich kann darauf verwiesen werden, dass das Bundes- verwaltungsgericht selbst für Moga dischu nicht von einer Situation extre- mer allgemeiner und verbreiteter Gewalt ausgeht, die als dermassen inten- siv einzustufen ist, dass für jede in der Stadt wohnhafte Person eine ernst- hafte Gefahr unmenschlicher Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ge- geben wäre (vgl. BVGE 2013/27). Die Lage in der Region Somalialand prä- sentiert sich vergleichsweise besser als in der Hauptstadt (vgl. das sich zur Region Puntland äussernde Referenzurteil des BVGer E-6310/2017 vom 15. Januar 2020 E. 11.2.2). 10.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. E-1864/2020 Seite 14 Vorliegend ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer in der autonomen Region Somalialand aufgewachsen ist und dort bis zu seiner Ausreise ge- lebt hat. Die allgemeine Sicherheitslage gilt dort im Vergleich zu jener in der Region Puntland und dem restlichen Somalia als stabiler, was sich auch positiv auf die humanitäre Lage auswirkt. Es erübrigt sich auf die Si- tuation vor Ort näher einzugehen, da im Fall des Beschwerdeführers – un- abhängig von der Frage, ob diese überhaupt Voraussetzung für die Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs sind – begünstigende Umstände für ei- nen Wegweisungsvollzug dorthin vorliegen. S o ist dieser jung, soweit ak- tenkundig gesund und verfügt über elf Jahre Schulbildung. Auch hatte er vor seiner Ausreise eine Anstellung in einem (…)center, wo er vier Jahre lang arbeitete und bei seinem Arbeitgeber nicht nur wo hnen konnte, son- dern von diesem sogar bei seiner Ausreise finanziell unterstützt wurde (vgl. A37 F35, F38 f., F116 f.). Mit seiner aktuell in J._______ lebenden Mutter und seinen Geschwistern, welche in B._______ von ihrem Onkel unter- stützt werden (vgl. A37 F14 ff., F25 ff.), verfügt er sodann über ein Bezie- hungsnetz. Sie sowie auch sein in der Schweiz lebender Bruder dürften ihm bei einer Rückkehr ins Heimatland eine Stütze sein. Dass der Be- schwerdeführer dem (...)-Clan angehört, fällt angesichts der aufgezählten für die Zumutbarkeit de s Wegweisungsvollzugs sprechenden Umstände unabhängig von der Frage der Glaubhaftigkeit nicht entscheidend ins Ge- wicht, zumal die geltenden gemachten Benachteiligungen unkonkret be- ziehungsweise betreffend den Zugang zur Schule und zur Arbeit gerade nicht glaubhaft ausfielen. Die hohen Anforderungen an die Annahme einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. dazu BVGE 2014/26 E. 7.7) sind vorlie- gend demnach nicht erfüllt. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwer- deführers erweist sich entsprechend als zumutbar. 10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). E-1864/2020 Seite 15 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist unabhängig von der bisher nicht nachgewiesenen Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerde bereits im Zeitpunkt ihrer Einreichung als aussichtslos im Sinne der massgeblichen Bestimmung erwiesen hat. Er hat demzufolge die Kosten des Verfahrens zu tragen und diese sind auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1864/2020 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerde- führer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Sibylle Dischler