<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 89 S.385</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">385</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XII. Verwaltungsrechtspflege</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>89</b></span> <span class="ft2"><b>Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Keine Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Beurteilung von</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vermögensrechtlichen Streitigkeiten aus Arbeits- und Dienstverhält-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nissen in der evangelisch-reformierten Landeskirche.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die Kantonsverfassung verpflichtet die Landeskirchen zur Einrich-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tung eines kircheneigenen Rechtsschutzes zu Gunsten der Konfessi-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>onsangehörigen und der Kirchgemeinden. Die evangelisch-reformierte</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Landeskirche hat in ihrem Organisationsstatut auf diese Jurisdiktion</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht verzichtet.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 11. März 2002 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen H. gegen die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde M.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1. Das Verwaltungsgericht urteilt im Klageverfahren als einzige</span><br/> <span class="ft5">kantonale Instanz über vermögensrechtliche Streitigkeiten, an denen</span><br/> <span class="ft5">der Kanton, eine Gemeinde oder eine öffentlich-rechtliche Körper-</span><br/> <span class="ft5">schaft oder Anstalt des kantonalen oder kommunalen Rechts beteiligt</span><br/> <span class="ft5">ist, sofern nicht die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegeben oder</span><br/> <span class="ft5">ein Zivil- oder Spezialrekursgericht zuständig ist. Ausgenommen</span><br/> <span class="ft5">sind Staatsbeiträge und jene Streitigkeiten, auf welche die Bestim-</span><br/> <span class="ft5">mungen über die Rechtspflege in Sozialversicherungssachen zur</span><br/> <span class="ft5">Anwendung kommen (§ 60 Ziff. 3 VRPG). Unter diese Bestimmung</span><br/> <span class="ft5">fallen nach dem Willen des Gesetzgebers auch die vermögensrechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Ansprüche aus dem öffentlichrechtlichen Dienstverhältnis (Bot-</span><br/> <span class="ft5">schaft des Regierungsrats an den Grossen Rat vom 3. Mai 1967 zum</span><br/> <span class="ft5">VRPG; AGVE 1997, S. 161). Die auf den 1. November 2000 in Kraft</span><br/> <span class="ft5">getretenen Vorschriften des Personalgesetzes, namentlich die darin</span><br/> <span class="ft5">enthaltenen Rechtsschutzbestimmungen (§§ 37 ff. i.V.m. § 48</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">386</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">PersG), gelangen im vorliegenden Fall, in dem die streitigen Forde-</span><br/> <span class="ft5">rungen aus einem bereits im Frühjahr 1999 beendeten Dienstverhält-</span><br/> <span class="ft5">nis, welche am 12. Juli 2000 eingeklagt wurden, nicht zur Anwen-</span><br/> <span class="ft5">dung (vgl. § 87 Satz 2 VRPG i.V.m. § 60 Ziff. 3 VRPG in der Fas-</span><br/> <span class="ft5">sung vom 1. November 2000).</span><br/> <span class="ft5">Vorliegend streitig sind vermögensrechtliche Ansprüche aus ei-</span><br/> <span class="ft5">nem kirchlichen, öffentlichrechtlichen Dienstverhältnis.</span><br/> <span class="ft5">2. a) Die evangelisch-reformierte, die römisch-katholische und</span><br/> <span class="ft5">die christkatholische Landeskirche sind Körperschaften des öffentli-</span><br/> <span class="ft5">chen Rechts (§ 109 Abs. 1 KV). Sie können sich im Rahmen der</span><br/> <span class="ft5">Verfassung nach demokratischen Grundsätzen selbständig organisie-</span><br/> <span class="ft5">ren (§ 110 KV), und sie sind auch für einen genügenden Rechts-</span><br/> <span class="ft5">schutz der Konfessionsangehörigen und der Kirchgemeinden besorgt</span><br/> <span class="ft5">(§ 114 Abs. 1 KV). Letztinstanzliche Entscheide der landeskirchli-</span><br/> <span class="ft5">chen Behörden sind nach Massgabe der Gesetzgebung an staatliche</span><br/> <span class="ft5">Organe weiterziehbar. Diesen steht die Kontrolle hinsichtlich der</span><br/> <span class="ft5">Übereinstimmung der Entscheide mit der Verfassung und dem Orga-</span><br/> <span class="ft5">nisationsstatut zu (§ 114 Abs. 2 KV). Gegenstand der innerkirchli-</span><br/> <span class="ft5">chen Organisation und damit des landeskirchlichen Rechtsschutzes</span><br/> <span class="ft5">sind u.a. auch das kirchliche Dienstrecht (vgl. Michael Merker,</span><br/> <span class="ft5">Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aar-</span><br/> <span class="ft5">gauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu</span><br/> <span class="ft5">den §§ 38-72 VRPG, Zürich 1998, § 59b N 6, 25 ff.; Kurt Eichenber-</span><br/> <span class="ft5">ger, Verfassung des Kantons Aargau, Textausgabe mit Kommentar,</span><br/> <span class="ft5">Aarau/Frankfurt a.M./Salzburg 1986, § 114 N 2).</span><br/> <span class="ft5">Seitens der Verfahrensbeteiligten ist unbestritten, dass nicht</span><br/> <span class="ft5">Vermögensrechte betreffende Streitigkeiten aus kirchlichen, öffent-</span><br/> <span class="ft5">lichrechtlichen Dienstverhältnissen (wie Nicht(wieder)wahl, Ent-</span><br/> <span class="ft5">lassung, Versetzung oder die Anordnung anderer disziplinarischer</span><br/> <span class="ft5">Massnahmen) von den zuständigen innerkirchlichen Instanzen zu be-</span><br/> <span class="ft5">urteilen sind (vgl. §§ 140 ff. der Kirchenordnung der evangelisch-</span><br/> <span class="ft5">reformierten Landeskirche vom 22. November 1976/8. Dezember</span><br/> <span class="ft5">1993). Gegen letztinstanzliche Verfügungen und Entscheide landes-</span><br/> <span class="ft5">kirchlicher Behörden kann Beschwerde beim Regierungsrat erhoben</span><br/> <span class="ft5">werden, der darüber endgültig entscheidet (§ 59b Abs. 1 VRPG; vgl.</span><br/> <span class="ft5">dazu auch AGVE 1997, S. 158 f.; ferner VGE II/87 vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">387</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">9. November 2000 [BE.2000.00339] in Sachen K.). Entgegen der</span><br/> <span class="ft5">Ansicht der Rekurskommission, hat sich das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft5">noch nicht dazu geäussert, ob es letztinstanzlich zur Beurteilung</span><br/> <span class="ft5">landeskirchlicher Entscheide zuständig ist. Beim verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft5">richtlichen Entscheid vom 5. September 1997 in Sachen G. ging es</span><br/> <span class="ft5">um die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts im Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft5">ren nach § 53 VRPG. Das Verwaltungsgericht hat jenen Fall auch</span><br/> <span class="ft5">nicht materiell (d.h. inhaltlich) beurteilt, sondern seine fehlende Zu-</span><br/> <span class="ft5">ständigkeit in der Sache festgestellt und nur die geltend gemachten</span><br/> <span class="ft5">Verfahrensmängel nach § 53 VRPG untersucht (AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft5">S. 158). Zu klären ist somit die Zuständigkeit des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft5">richts bei vermögensrechtlichen Ansprüchen, welche aus einem</span><br/> <span class="ft5">kirchlichen Dienstverhältnis resultieren.</span><br/> <span class="ft5">b) Der Kläger erachtet die Zuständigkeit des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft5">richts im Klageverfahren als gegeben. Dies folge einerseits aus dem</span><br/> <span class="ft5">klaren Wortlaut von § 60 Ziff. 3 VRPG und anderseits aus dem Um-</span><br/> <span class="ft5">stand, dass das kirchliche Rechtsschutzsystem kein Klageverfahren</span><br/> <span class="ft5">kenne. Er beruft sich für seinen Standpunkt auch auf die ständige</span><br/> <span class="ft5">Praxis der Rekurskommission der evangelisch-reformierten Landes-</span><br/> <span class="ft5">kirche. Danach ist für vermögensrechtliche Streitigkeiten aus dem</span><br/> <span class="ft5">Arbeits- oder Dienstverhältnis nicht die Rekurskommission oder der</span><br/> <span class="ft5">Kirchenrat zuständig, sondern bei privatrechtlichen Streitigkeiten das</span><br/> <span class="ft5">Arbeitsgericht, bei öffentlichrechtlichen Streitigkeiten hingegen das</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht und zwar - mangels eines Anfechtungsobjekts -</span><br/> <span class="ft5">im Klageverfahren nach § 60 Ziff. 3 VRPG. Die Rekurskommission</span><br/> <span class="ft5">begründet ihre Rechtsauffassung vor allem mit der fehlenden Voll-</span><br/> <span class="ft5">streckbarkeit des kirchlichen Entscheids einerseits und mit den prak-</span><br/> <span class="ft5">tischen Schwierigkeiten der kirchlichen Instanzen bei der Beweiser-</span><br/> <span class="ft5">hebung (fehlenden Amtsgewalt, fehlende personelle und finanzielle</span><br/> <span class="ft5">Mittel) anderseits (vgl. Entscheid der Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft5">8. April 1999, S. 4 ff.).</span><br/> <span class="ft5">Die Beklagte wendet sich gegen die Zuständigkeit des Verwal-</span><br/> <span class="ft5">tungsgerichts im Klageverfahren im Wesentlichen mit der Begrün-</span><br/> <span class="ft5">dung, das kirchliche Dienstrecht gehöre unbestrittenermassen zu den</span><br/> <span class="ft5">eigenen Angelegenheiten der Landeskirche und unterstehe damit der</span><br/> <span class="ft5">kirchlichen Jurisdiktion. Für eine separate vermögensrechtliche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">388</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts in kirchlichen Angelegen-</span><br/> <span class="ft5">heiten bleibe kein Raum. Wohl sehe die Kirchenordnung kein Klage-</span><br/> <span class="ft5">verfahren vor; dies bedeute jedoch nicht ein qualifiziertes Schwei-</span><br/> <span class="ft5">gen. Vielmehr seien zur Eröffnung des innerkirchlichen Instanzen-</span><br/> <span class="ft5">zugs vom kirchlichen Dienstnehmer behauptete Lohnansprüche auf</span><br/> <span class="ft5">Ansprache hin zu verfügen. Ein Verzicht der Landeskirche auf die</span><br/> <span class="ft5">Beurteilung vermögensrechtlicher Streitigkeiten zu Gunsten der</span><br/> <span class="ft5">staatlichen Gerichtsbarkeit sei weder ausdrücklich noch stillschwei-</span><br/> <span class="ft5">gend erfolgt. Die Abtrennung führt nach Auffassung der Beklagten</span><br/> <span class="ft5">überdies dazu, dass das Verwaltungsgericht bei der Beurteilung eines</span><br/> <span class="ft5">Klagebegehrens die Frage der Zulässigkeit einer sich finanziell aus-</span><br/> <span class="ft5">wirkenden Massnahme des kirchlichen Dienstnehmers (vorfrage-</span><br/> <span class="ft5">weise) erneut zu prüfen hätte, somit entgegen der Kantonsverfassung</span><br/> <span class="ft5">über innerkirchliche Fragen entscheiden würde.</span><br/> <span class="ft5">3. a) In die verwaltungsgerichtliche Zuständigkeit können u.a.</span><br/> <span class="ft5">vermögensrechtliche Streitigkeiten fallen, an denen eine öffent-</span><br/> <span class="ft5">lichrechtliche Körperschaft des kantonalen oder kommunalen Rechts</span><br/> <span class="ft5">beteiligt ist (§ 60 Ziff. 3 VRPG). Die Beklagte ist als evangelisch-re-</span><br/> <span class="ft5">formierte Kirchgemeinde kraft staatlicher Anerkennung eine selb-</span><br/> <span class="ft5">ständige, öffentlichrechtliche Körperschaft des kantonalen Rechts</span><br/> <span class="ft5">mit eigener Rechtspersönlichkeit (§ 109 i.V.m. § 112 Abs. 2 KV;</span><br/> <span class="ft5">Eichenberger, a.a.O., § 112 N 3). Der Wortlaut von § 60 Ziff. 3</span><br/> <span class="ft5">VRPG schliesst somit die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts im</span><br/> <span class="ft5">Klageverfahren im kirchlichen Bereich nicht von vornherein aus.</span><br/> <span class="ft5">b) aa) Gemäss Art. 14 des Organisationsstatuts der evangelisch-</span><br/> <span class="ft5">reformierten Landeskirche des Kantons Aargau vom 25. November</span><br/> <span class="ft5">1981/26. März 1985 können Beschlüsse, Verfügungen und Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheide kirchlicher Behörden durch Beschwerde weitergezogen wer-</span><br/> <span class="ft5">den (Abs. 1). Für das Verfahren gelten sinngemäss die Vorschriften</span><br/> <span class="ft5">des Verwaltungsrechtspflegegesetzes, soweit in der Kirchenordnung</span><br/> <span class="ft5">nichts anderes bestimmt ist (Abs. 2). Vorbehalten bleiben die Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmungen der Kantonsverfassung, des Verwaltungsrechtspflegege-</span><br/> <span class="ft5">setzes und anderer staatlicher Erlasse über den Weiterzug landes-</span><br/> <span class="ft5">kirchlicher Verfügungen und Entscheide an den Regierungsrat und</span><br/> <span class="ft5">das Verwaltungsgericht (Abs. 3). Gemäss § 140 Abs. 1 der Kir-</span><br/> <span class="ft5">chenordnung kann jedermann Verfügungen und Entscheide der Or-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">gane der Landeskirche und der Kirchgemeinden durch Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft5">beschwerde anfechten, der ein schutzwürdiges, eigenes Interesse</span><br/> <span class="ft5">geltend macht. Ebenfalls mit Beschwerde angefochten werden kön-</span><br/> <span class="ft5">nen gemäss § 141 Abs. 1 der Kirchenordnung allgemein verbindliche</span><br/> <span class="ft5">Erlasse sowie Verwaltungsakte, die nicht in die persönlichen Ver-</span><br/> <span class="ft5">hältnisse eingreifen (Wahlen, Ausgabenbeschlüsse).</span><br/> <span class="ft5">bb) Weder im Organisationsstatut noch in der Kirchenordnung</span><br/> <span class="ft5">ist ein kirchliches Klageverfahren vorgesehen. Während der Kläger</span><br/> <span class="ft5">im Fehlen des Klageverfahrens einen bewussten Verzicht der Lan-</span><br/> <span class="ft5">deskirche auf die autonome kirchliche Jurisdiktion in Bezug auf</span><br/> <span class="ft5">vermögensrechtliche Streitigkeiten erkennt und von einer Rechts-</span><br/> <span class="ft5">schutzlücke in der innerkirchlichen Ordnung ausgeht, bei der die</span><br/> <span class="ft5">staatlichen Organe kraft Justizgewährleistungspflicht die Rechtsan-</span><br/> <span class="ft5">wendung sicherstellen müssen, erachtet die Beklagte den kirchlichen</span><br/> <span class="ft5">Rechtsschutz auch für vermögensrechtliche Streitigkeiten als genü-</span><br/> <span class="ft5">gend, da die vom kirchlichen Dienstnehmer behaupteten Lohnan-</span><br/> <span class="ft5">sprüche auf Ansprache hin beschwerdefähig zu verfügen seien und</span><br/> <span class="ft5">dann im Beschwerdeverfahren vollumfänglich überprüft werden</span><br/> <span class="ft5">könnten.</span><br/> <span class="ft5">cc) Es stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Notwendig-</span><br/> <span class="ft5">keit eines Klageverfahrens für vermögensrechtliche Ansprüche. Aus</span><br/> <span class="ft5">gesetzgeberischer Sicht unabdingbar ist das Klageverfahren (als ur-</span><br/> <span class="ft5">sprüngliche Gerichtsbarkeit) nur dort, wo der Staat wegen der beson-</span><br/> <span class="ft5">deren Natur der Sache nicht selber ein Rechtsverhältnis durch ver-</span><br/> <span class="ft5">bindliche, formelle Verfügung regeln darf. Dies ist u.a. dann der Fall,</span><br/> <span class="ft5">wenn sich ein Gemeinwesen und ein Individuum als gleichgeordnete</span><br/> <span class="ft5">Rechtssubjekte gegenüberstehen und dem Gemeinwesen keine Ver-</span><br/> <span class="ft5">fügungsbefugnis zukommt (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/ Martin Röhl,</span><br/> <span class="ft5">VRG, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons</span><br/> <span class="ft5">Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, Vorbem. zu §§ 81-86 N 3; Alfred</span><br/> <span class="ft5">Kölz/Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft5">pflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, Rz. 1038). Bei öffent-</span><br/> <span class="ft5">lichrechtlichen Dienstverhältnissen ist diese Gleichordnung der be-</span><br/> <span class="ft5">teiligten Rechtssubjekte nicht gegeben; dem Gemeinwesen kommt</span><br/> <span class="ft5">als Arbeitgeber weitgehend Verfügungskompetenz zur Begründung</span><br/> <span class="ft5">und Gestaltung des öffentlichrechtlichen Dienstverhältnisses zu. Dies</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">390</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">gilt grundsätzlich auch in Bezug auf die vermögensrechtlichen An-</span><br/> <span class="ft5">sprüche aus dem Dienstverhältnis (vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft5">Vorbem. zu §§ 74-80d N 8; vgl. auch §§ 3 Abs. 3 und 38 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">PersG). Dass zur Beurteilung von solchen Ansprüchen daher nicht</span><br/> <span class="ft5">zwingend ein Klageverfahren zur Verfügung stehen muss, zeigt die</span><br/> <span class="ft5">Regelung im Kanton Zürich. Hier wurde die verwaltungsrechtliche</span><br/> <span class="ft5">Klage für vermögensrechtliche Streitigkeiten aus öffentlichrechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Dienstverhältnissen abgeschafft; die Beurteilung erfolgt durch</span><br/> <span class="ft5">das Verwaltungsgericht als Personalrekursgericht und zwar primär</span><br/> <span class="ft5">im Anfechtungsverfahren (§ 74 des Gesetzes über den Rechtsschutz</span><br/> <span class="ft5">in Verwaltungssachen [Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons</span><br/> <span class="ft5">Zürich] vom 24. Mai 1959; vgl. Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O., Vorbem.</span><br/> <span class="ft5">zu §§ 81-86 N 4). Nur subsidiär, d.h. nur soweit dem Gemeinwesen</span><br/> <span class="ft5">als Arbeitgeber die Verfügungskompetenz fehlt, sind vermögens-</span><br/> <span class="ft5">rechtliche Streitigkeiten aus dem Dienstverhältnis mit Klage geltend</span><br/> <span class="ft5">zu machen (Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O., § 74 N 8, § 79 N 1 f.). Auch</span><br/> <span class="ft5">im Bund wurden Streitigkeiten über vermögensrechtliche Leistungen</span><br/> <span class="ft5">aus Dienstverhältnissen vom Klageverfahren ausgenommen und auf</span><br/> <span class="ft5">eine</span> <span class="ft5">Beschwerdeinstanz</span> <span class="ft5">übertragen</span> <span class="ft5">(vgl.</span> <span class="ft5">Kölz/Häner,</span> <span class="ft5">a.a.O.,</span><br/> <span class="ft5">Rz. 1040). Der Dualismus von Beschwerde- und Klageverfahren im</span><br/> <span class="ft5">Bereich des öffentlichen Dienstrechts wird somit zunehmend be-</span><br/> <span class="ft5">seitigt (vgl. auch §§ 38 und 39 PersG). Nach Kölz/Bosshart/Röhl</span><br/> <span class="ft5">entspricht das Anfechtungsverfahren dem Gebot, für Streitigkeiten</span><br/> <span class="ft5">aus dem Dienstverhältnis einen einfachen und raschen Rechtsschutz</span><br/> <span class="ft5">zu gewährleisten, weit besser (a.a.O., § 79 N 4).</span><br/> <span class="ft5">dd) Allein aus dem Umstand, dass das landeskirchliche Rechts-</span><br/> <span class="ft5">schutzsystem das Klageverfahren nicht ausdrücklich vorsieht, kann</span><br/> <span class="ft5">zumindest in Bezug auf vermögensrechtliche Streitigkeiten aus dem</span><br/> <span class="ft5">kirchlichen Dienstverhältnis nicht auf eine Rechtsschutzlücke ge-</span><br/> <span class="ft5">schlossen werden. Solche Streitigkeiten sind der Beurteilung im in-</span><br/> <span class="ft5">nerkirchlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich durchaus zu-</span><br/> <span class="ft5">gänglich. Für die Annahme eines bewussten Verzichts bzw. eines</span><br/> <span class="ft5">qualifizierten Schweigens der kirchlichen Regelungen in dem Sinne,</span><br/> <span class="ft5">dass vermögensrechtliche Streitigkeiten bewusst vom innerkirchli-</span><br/> <span class="ft5">chen Rechtsschutz ausgenommen und ausschliesslich der staatlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">391</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Jurisdiktion unterstellt werden sollten, müssen deshalb klare An-</span><br/> <span class="ft5">haltspunkte gegeben sein.</span><br/> <span class="ft5">4. a) Gemäss Art. 14 Abs. 2 des Organisationsstatuts gelten für</span><br/> <span class="ft5">das Verfahren sinngemäss die Vorschriften des Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft5">pflegegesetzes, soweit in der Kirchenordnung nicht etwas anderes</span><br/> <span class="ft5">bestimmt ist. Nach Art. 14 Abs. 3 des Organisationsstatuts bleiben</span><br/> <span class="ft5">die Bestimmungen der KV, des VRPG und anderer staatlicher Er-</span><br/> <span class="ft5">lasse über den Weiterzug landeskirchlicher Verfügungen und Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheide vorbehalten. § 142 der Kirchenordnung bestimmt die Zustän-</span><br/> <span class="ft5">digkeit von Kirchenrat und Rekurskommission. § 143 der Kir-</span><br/> <span class="ft5">chenordnung regelt das Verfahren, indem gemäss Abs. 1 die Verfah-</span><br/> <span class="ft5">ren vor den Organen der Kirchgemeinden und der Landeskirche</span><br/> <span class="ft5">(grundsätzlich) kostenlos sind, und gemäss Abs. 2 im Übrigen die</span><br/> <span class="ft5">Bestimmungen des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft5">pflege gelten. Während für das Verfahren somit zweimal ausdrück-</span><br/> <span class="ft5">lich auf die subsidiäre Geltung des VRPG verwiesen wird, enthalten</span><br/> <span class="ft5">weder das Organisationsstatut noch die Kirchenordnung bezüglich</span><br/> <span class="ft5">der Zuständigkeit irgendwelche Vorbehalte zu Gunsten einer erstin-</span><br/> <span class="ft5">stanzlichen staatlichen Jurisdiktion in Bezug auf vermögensrechtli-</span><br/> <span class="ft5">che Streitigkeiten.</span><br/> <span class="ft5">Sowohl das Organisationsstatut als auch die Kirchenordnung</span><br/> <span class="ft5">enthalten demgegenüber zahlreiche Bestimmungen, welche eine</span><br/> <span class="ft5">innerkirchliche Autonomie und Zuständigkeit in vermögensrechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Angelegenheiten des Dienstrechts statuieren: So ordnet die</span><br/> <span class="ft5">Landeskirche ihre Angelegenheiten und insbesondere auch ihr Ver-</span><br/> <span class="ft5">mögen und ihre Einkünfte frei und selbständig im Rahmen von Ver-</span><br/> <span class="ft5">fassung und Gesetz (Art. 1 Abs. 3 und 4 des Organisationsstatuts).</span><br/> <span class="ft5">Für die Anstellung der haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter (§ 44</span><br/> <span class="ft5">Ziff. 4 Kirchenordnung) und deren Besoldung (§ 47 Kirchenord-</span><br/> <span class="ft5">nung) ist die Kirchenpflege zuständig. Gemäss § 96 Ziff. 11 der</span><br/> <span class="ft5">Kirchenordnung ist die Synode zur Festsetzung der Besoldung der</span><br/> <span class="ft5">Beamten und Angestellten der Landeskirche sowie der Mindestbe-</span><br/> <span class="ft5">soldung und der Dienstalterszulagen der Pfarrer zuständig. Weiter</span><br/> <span class="ft5">entscheidet der Kirchenrat bei der Einstellung eines fehlbaren Pfar-</span><br/> <span class="ft5">rers in seinem Amt über den weiteren Besoldungsgenuss und er kann</span><br/> <span class="ft5">die Kosten einer Vertretung ganz oder teilweise aus der Besoldung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">392</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">des fehlbaren Pfarrers bezahlen lassen (§ 137 Abs. 6 der Kirchenord-</span><br/> <span class="ft5">nung). Aus dieser Zuständigkeitsordnung folgt, dass die innerkirchli-</span><br/> <span class="ft5">chen Institutionen sehr wohl auch im Bereich des vermögensrechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Dienstrechts zum Erlass von Verfügungen zuständig sind.</span><br/> <span class="ft5">b) Die Landeskirchen haben für einen genügenden Rechtsschutz</span><br/> <span class="ft5">der Konfessionsangehörigen und der Kirchgemeinden besorgt zu</span><br/> <span class="ft5">sein (§ 114 Abs. 1 KV) und nur die letztinstanzlichen Entscheide der</span><br/> <span class="ft5">landeskirchlichen Behörden sind nach Massgabe der Gesetzgebung</span><br/> <span class="ft5">an staatliche Organe weiterziehbar. Der Verfassungsauftrag verlangt</span><br/> <span class="ft5">von den Landeskirchen einen genügenden Rechtsschutz mit landes-</span><br/> <span class="ft5">kirchlichen Organen zumindest in einer Rechtsschutzinstanz mit</span><br/> <span class="ft5">voller Kognition (vgl. Eichenberger, a.a.O., § 114 N 1 und 3). Die</span><br/> <span class="ft5">Kantonsverfassung verpflichtet mithin die Landeskirchen, einen kir-</span><br/> <span class="ft5">cheneigenen Rechtsschutz zu Gunsten der Kirchgemeinden und der</span><br/> <span class="ft5">Konfessionsangehörigen einzurichten (Eichenberger, a.a.O., Vorbem.</span><br/> <span class="ft5">zum 7. Abschnitt N 7). Gemäss § 114 Abs. 2 KV sind nur die letztin-</span><br/> <span class="ft5">stanzlichen Entscheide der landeskirchlichen Behörden an kantonale</span><br/> <span class="ft5">Organe weiterziehbar. Der staatliche Rechtsschutz ist zudem auf eine</span><br/> <span class="ft5">Rechtskontrolle beschränkt. Die Überprüfung der kirchlichen Justiz-</span><br/> <span class="ft5">entscheide beschränkt sich auf die Bundes- und Kantonsverfassung</span><br/> <span class="ft5">sowie die kirchliche Organisationsregelung (vgl. Eichenberger,</span><br/> <span class="ft5">a.a.O., § 114 N 5). Diese Verfassungsordnung schliesst einen still-</span><br/> <span class="ft5">schweigenden Verzicht auf die kirchliche Gerichtsbarkeit aus. Sie</span><br/> <span class="ft5">steht auch einer Auslegung der Verweisungsnormen von Art. 14</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 des Organisationsstatuts und § 143 der Kirchenordnung der</span><br/> <span class="ft5">evangelisch-reformierten Kirchgemeinde, welche nach ihrem Wort-</span><br/> <span class="ft5">laut nur die massgebende Verfahrensordnung und nicht die Zustän-</span><br/> <span class="ft5">digkeit regeln, entgegen. Die Zuständigkeitsbestimmungen im Orga-</span><br/> <span class="ft5">nisationsreglement (Art. 10 für die Kirchgemeinde, Art. 7 für die</span><br/> <span class="ft5">Synode, Art. 8 für den Kirchenrat und Art. 9 für die Rekurskommis-</span><br/> <span class="ft5">sion) und die innerkirchlichen Justizzuständigkeiten in der Kir-</span><br/> <span class="ft5">chenordnung (§ 142) sind zudem umfassend und abschliessend for-</span><br/> <span class="ft5">muliert. Der Vorbehalt der Kantonsverfassung, des VRPG und ande-</span><br/> <span class="ft5">rer kantonaler Erlass in Art. 14 Abs. 3 des Organisationsstatuts be-</span><br/> <span class="ft5">schränkt sich auf den <i>Weiterzug</i> landeskirchlicher Verfügungen und</span><br/> <span class="ft5">Entscheide. Mithin ist von einer erschöpfenden Regelung der Zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">393</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">ständigkeiten in den massgebenden kirchlichen Ordnungen auszuge-</span><br/> <span class="ft5">hen (Merker, a.a.O., § 59b N 29). Entgegen der Ansicht des Klägers</span><br/> <span class="ft5">lässt sich aus dem Verweis in Art. 14 Abs. 2 des Organisationsstatuts</span><br/> <span class="ft5">somit keine staatliche Entscheidkompetenz herleiten.</span><br/> <span class="ft5">c) Für die Annahme eines Verzichts der evangelisch-reformier-</span><br/> <span class="ft5">ten Landeskirche auf die Jurisdiktion in vermögensrechtlichen An-</span><br/> <span class="ft5">gelegenheiten bestehen keine weiteren Anhaltspunkte. Der Gel-</span><br/> <span class="ft5">tungsbereich des VRPG erfasst wohl auch die Verwaltungsbehörden</span><br/> <span class="ft5">von Körperschaften des kantonalen öffentlichen Rechts, indessen</span><br/> <span class="ft5">sind gemäss § 1 Abs. 2 VRPG Sonderbestimmungen in andern Erlas-</span><br/> <span class="ft5">sen vorbehalten. Vor allem aber schliesst zusätzlich zur verfassungs-</span><br/> <span class="ft5">rechtlich geordneten Selbständigkeit des kirchlichen Rechtsschutzes</span><br/> <span class="ft5">auch § 59b VRPG eine direkte Anwendung von Zuständigkeitsvor-</span><br/> <span class="ft5">schriften des kantonalen Rechts über den erstinstanzlichen Rechts-</span><br/> <span class="ft5">schutz, wie dies § 60 VRPG darstellt, aus. Die staatliche Kontrolle</span><br/> <span class="ft5">landeskirchlicher Belange ist auf die Einhaltung der Verfassung und</span><br/> <span class="ft5">des genehmigten Organisationstatuts beschränkt. Ergänzend kann</span><br/> <span class="ft5">auch auf die mit dem neuen Personalgesetz geschaffene Regelung</span><br/> <span class="ft5">verwiesen werden, mit der die staatliche Kontrolle im Bereich des</span><br/> <span class="ft5">öffentlichen Dienstrechts neu geregelt wurde. Gemäss § 48 Abs. 3</span><br/> <span class="ft5">PersG beurteilt das Personalrekursgericht mit gemäss Verfassung</span><br/> <span class="ft5">(§ 114 Abs. 2 Satz 2 KV) beschränkter Kognitionsbefugnis <i>Rechts-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>mittel</i> gegen letztinstanzliche Entscheide von landeskirchlichen Be-</span><br/> <span class="ft5">hörden.</span><br/> <span class="ft5">Auch die erwähnte Praxis der Rekurskommission, ihre Urteils-</span><br/> <span class="ft5">kompetenz in vermögensrechtlichen Belangen zu verneinen, vermag</span><br/> <span class="ft5">- entgegen der Meinung des Klägers - keinen Verzicht der Landeskir-</span><br/> <span class="ft5">che auf die Zuständigkeit zu begründen. Sie steht offenkundig im</span><br/> <span class="ft5">Widerspruch zur Rechtsauffassung des Kirchenrats, der die inner-</span><br/> <span class="ft5">kirchliche Rechtsschutzzuständigkeit bei dienstrechtlichen Streitig-</span><br/> <span class="ft5">keiten vermögensrechtlicher Natur bejaht. Die Rekurskommission ist</span><br/> <span class="ft5">sodann zum Erlass von Zuständigkeitsbestimmungen des innerkirch-</span><br/> <span class="ft5">lichen Rechtsschutzes nicht zuständig. Wollte die evangelisch-refor-</span><br/> <span class="ft5">mierte Kirche tatsächlich auf ihre Zuständigkeit im Bereich der ver-</span><br/> <span class="ft5">mögensrechtlichen Angelegenheiten verzichten, so bedürfte ein sol-</span><br/> <span class="ft5">cher Verzicht einer ausdrücklichen Regelung im Organisationsstatut.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Zuständig wäre die Synode (Art. 7 Abs. 4 des Organisationsstatuts</span><br/> <span class="ft5">und § 96 Ziff. 2 der Kirchenordnung) und der Verzicht müsste vom</span><br/> <span class="ft5">Grossen Rat genehmigt werden (§ 110 Abs. 1 KV).</span><br/> <span class="ft5">5. a) Der Kläger erachtet den Rechtsschutz im innerkirchlichen</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeverfahren in Bezug auf vermögensrechtliche Streitigkei-</span><br/> <span class="ft5">ten als ungenügend bzw. gar nicht anwendbar, da der Streitsache</span><br/> <span class="ft5">weder eine Verfügung noch ein Entscheid zu Grunde liege. Es wi-</span><br/> <span class="ft5">derspreche den in der Kantonsverfassung statuierten Grundsätzen der</span><br/> <span class="ft5">Übersichtlichkeit und der Einfachheit des Rechtsschutzes, eine Kla-</span><br/> <span class="ft5">gemöglichkeit in das kirchliche Rechtsschutzsystem hineinzuproji-</span><br/> <span class="ft5">zieren. Das Schutzbedürfnis des Dienstnehmers als der schwächeren</span><br/> <span class="ft5">Partei würde missachtet, sofern er immer dann, wenn er ein beliebi-</span><br/> <span class="ft5">ges Recht aus dem Dienstverhältnis geltend machen wolle, auf einer</span><br/> <span class="ft5">beschwerdefähigen Verfügung der Gegenseite beharren müsste. Im</span><br/> <span class="ft5">vorliegenden Fall sei von der Beklagten denn auch keine beschwer-</span><br/> <span class="ft5">defähige Verfügung erlassen worden.</span><br/> <span class="ft5">Auch die Rekurskommission begründet die Unzuständigkeit der</span><br/> <span class="ft5">kirchlichen Beschwerdeinstanzen u.a. mit dem Fehlen eines An-</span><br/> <span class="ft5">fechtungsobjekts.</span><br/> <span class="ft5">b) Dieser Argumentation kann das Verwaltungsgericht nicht</span><br/> <span class="ft5">folgen. Es sind keine rechtlichen Gründe ersichtlich, wieso eine</span><br/> <span class="ft5">kirchliche Behörde, der gegenüber vermögensrechtliche Ansprüche</span><br/> <span class="ft5">aus einem öffentlichrechtlichen Dienstverhältnis geltend gemacht</span><br/> <span class="ft5">werden, zum Begehren nicht in Verfügungsform Stellung nehmen</span><br/> <span class="ft5">und so den kirchlichen Rechtsweg öffnen kann. Die Verfügungs-</span><br/> <span class="ft5">kompetenz der kirchlichen Behörde bei einem unbestrittenermassen</span><br/> <span class="ft5">öffentlichrechtlichen Anstellungsverhältnis zwischen Pfarrer und</span><br/> <span class="ft5">Kirchgemeinde ist gegeben. Wird eine Verfügung unrechtmässig</span><br/> <span class="ft5">verweigert oder verzögert, kann wegen Rechtsverweigerung oder</span><br/> <span class="ft5">Rechtsverzögerung Beschwerde geführt werden. Dies folgt aus-</span><br/> <span class="ft5">drücklich aus § 40 Abs. 4 VRPG, der als Verfahrensvorschrift Kraft</span><br/> <span class="ft5">der Verweisung in § 143 Abs. 2 der Kirchenordnung subsidiär an-</span><br/> <span class="ft5">wendbar ist, und überdies auch aus dem verfassungsrechtlich statu-</span><br/> <span class="ft5">ierten Rechtsverweigerungs- und Rechtverzögerungsverbot (Art. 29</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 BV; René Rhinow, Die Bundesverfassung 2000, Eine Einfüh-</span><br/> <span class="ft5">rung, Basel 2000, S. 215; ferner Eichenberger, a.a.O., § 10 N 15).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">395</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Eine Rechtsschutzeinbusse für den kirchlichen Dienstnehmer ergibt</span><br/> <span class="ft5">sich durch den Umstand, dass er seine Ansprüche im Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">und nicht im Klageverfahren durchzusetzen hat, nicht. Ausserdem</span><br/> <span class="ft5">geht die Argumentation, dass das Klageverfahren einfacher sei, an</span><br/> <span class="ft5">der Sache vorbei. Die Zuständigkeit zur Beurteilung einer Streitsache</span><br/> <span class="ft5">wird durch das ihr zu Grunde liegende Rechtsverhältnis begründet</span><br/> <span class="ft5">und nicht durch die Tatsache, ob eine Verfügung erlassen worden ist</span><br/> <span class="ft5">oder nicht. Im Übrigen wird dem Rechtsschutzbedürfnis des Dienst-</span><br/> <span class="ft5">nehmers im Beschwerdeverfahren mit einer formell korrekten Verfü-</span><br/> <span class="ft5">gung, welche auch eine Begründung und eine Rechtsmittelbelehrung</span><br/> <span class="ft5">enthalten muss, viel eher Genüge getan als mit einem formlosen</span><br/> <span class="ft5">Vorverfahren nach § 63 VRPG, wo der Dienstherr nicht einmal zu</span><br/> <span class="ft5">einer Antwort, geschweige denn zu einer genügenden Begründung,</span><br/> <span class="ft5">verpflichtet ist. Es ist auch nicht einsehbar, wieso alle nicht vermö-</span><br/> <span class="ft5">gensrechtlichen Anordnungen und Entscheide des öffentlichen</span><br/> <span class="ft5">Dienstverhältnisses im Beschwerdeverfahren abgehandelt werden,</span><br/> <span class="ft5">der Dienstnehmer aber ins kostenintensive Klageverfahren gedrängt</span><br/> <span class="ft5">werden soll, sobald es sich um vermögensrechtliche Ansprüche han-</span><br/> <span class="ft5">delt. Der im kirchlichen Beschwerdeverfahren bestehende Rechts-</span><br/> <span class="ft5">schutz erweist sich jedenfalls auch für vermögensrechtliche Streitig-</span><br/> <span class="ft5">keiten aus Dienstverhältnissen als genügend und ist ohne Komplika-</span><br/> <span class="ft5">tionen zu verwirklichen (§ 114 Abs. 1 KV; vgl. Eichenberger, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft5">§ 114 N 3).</span><br/> <span class="ft5">c) Dass im vorliegenden Fall von der Beklagten (noch) keine</span><br/> <span class="ft5">Verfügung erlassen wurde, hat seine Ursache in der erwähnten</span><br/> <span class="ft5">Rechtsprechung der Rekurskommission.</span><br/> <span class="ft5">d) Zu Recht weist die Beklagte auf die Problematik hin, die mit</span><br/> <span class="ft5">der Abspaltung der vermögensrechtlichen Komponente vom übrigen</span><br/> <span class="ft5">kirchlichen Dienstverhältnis verbunden ist (Merker, a.a.O., § 59b</span><br/> <span class="ft5">N 25). Die Beurteilung vermögensrechtlicher Ansprüche setzt regel-</span><br/> <span class="ft5">mässig auch die Prüfung nichtvermögensrechtlicher Fragen voraus.</span><br/> <span class="ft5">So ist z.B. für die Frage der Lohnfortzahlung zu klären, ob eine vor-</span><br/> <span class="ft5">zeitige Entlassung gerechtfertigt war oder nicht (AGVE 1993, S. 235</span><br/> <span class="ft5">f.). Das Verwaltungsgericht käme im Klageverfahren somit häufig</span><br/> <span class="ft5">nicht umhin, zumindest vorfrageweise auch Aspekte zu prüfen, die</span><br/> <span class="ft5">unbestrittenermassen in den autonomen, innerkirchlichen Zuständig-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">396</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">keitsbereich fallen. Unklar ist auch, ob und in welchem Umfang das</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht bei seiner Beurteilung an die das fragliche</span><br/> <span class="ft5">Dienstverhältnis betreffenden, kirchlichen Beschlüsse und Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheide gebunden wäre und wie weit die Kognitionsbefugnis des</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgerichts durch § 114 Abs. 2 Satz 2 KV beschränkt ist</span><br/> <span class="ft5">(vgl. auch § 59 b VRPG). Es ist der Beklagten auch zuzustimmen,</span><br/> <span class="ft5">wenn sie vorbringt, dass das Auseinanderfallen dienstrechtlicher</span><br/> <span class="ft5">Streitigkeiten in einen nichtvermögensrechtlichen/kirchlichen und</span><br/> <span class="ft5">einen vermögensrechtlichen/weltlichen Bereich und damit die Pro-</span><br/> <span class="ft5">zessführung bei unterschiedlichen Instanzen dem Anliegen eines</span><br/> <span class="ft5">einfachen und effektiven Rechtsschutzes nicht entspricht. Ein solches</span><br/> <span class="ft5">Auseinanderklaffen des Rechtswegs bei dienstrechtlichen Streitig-</span><br/> <span class="ft5">keiten ist heute nicht mehr als zeitgemäss anzusehen. Dies zeigt auch</span><br/> <span class="ft5">die Schaffung einer einheitlichen Rechtsmittelinstanz in Personal-</span><br/> <span class="ft5">und Lohnfragen für das Personal des Kantons und der Gemeinden</span><br/> <span class="ft5">(§§ 38 ff. und § 48 PersG; vgl. auch die Regelung im Bund und im</span><br/> <span class="ft5">Kantons Zürich [vorne Erw. b/cc]). Nicht zu folgen ist daher dem</span><br/> <span class="ft5">Kläger, wenn er geltend macht, gegen die innerkirchliche Zuständig-</span><br/> <span class="ft5">keit bzw. die erstinstanzliche Beurteilung von vermögensrechtlichen</span><br/> <span class="ft5">Streitigkeiten durch den Kirchenrat spreche dessen Befangenheit im</span><br/> <span class="ft5">vorliegenden Fall, da er die Modalitäten des Amtsaustritts festgelegt</span><br/> <span class="ft5">habe. Falls der Kläger damit eine Vorbefassung des Kirchenrats</span><br/> <span class="ft5">meint, handelt es sich um ein institutionelles Problem, welches nicht</span><br/> <span class="ft5">kirchenspezifisch ist. So ist z.B. das Arbeitgericht, welches über die</span><br/> <span class="ft5">Zulässigkeit einer fristlosen Entlassung entschieden hat, auch zu-</span><br/> <span class="ft5">ständig, um über allfällige Entschädigungsansprüche aus der von ihm</span><br/> <span class="ft5">als ungerechtfertigt beurteilten, fristlosen Entlassung zu entscheiden.</span><br/> <span class="ft5">Eine allfällige Vorbefassung im Einzelfall hat mit der sachlichen</span><br/> <span class="ft5">Zuständigkeit einer Rechtsmittelinstanz nichts zu tun.</span><br/> <span class="ft5">(Das Bundesgericht hat mit Urteil vom 29. November 2002</span><br/> <span class="ft5">[2P.118/2002] die staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht abgewiesen, BGE 129 I 91).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>