Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. März 2014 (725 13 181 / 74) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Dahinfallen der kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen des Gesundheits- schadens nicht nachgewiesen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen AXA Versicherungen AG , General Guisan -Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1956 geborene, in W.____ (F) wohnhafte A.___ _ ist seit Mai 2002 bei der Familie B.____ in X.____ als Haushaltshilfe angestellt und dadurch bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) obligatorisch gegen die Folgen v on Unfällen und Berufskrankheiten versi- chert. Am 17. Juni 2012 wollte A.____ beim Biken di e Spur wechseln, rutschte dabei auf der buckligen Wegmitte aus und stürzte auf die linke Sc hulter. Nach der Unfallmeldung der Arbeit- geberin vom 8. November 2012 arbeitete die Versiche rte noch bis 29. Oktober 2012. Ab dem 31. Oktober 2012 setzte sie die Arbeit zufolge uner träglicher Schmerzen in der linken Schulter Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus. Nach den vorliegenden medizinischen Akten erfolgten die ärztlichen Erstkonsultationen am 18. August 2012 bei Dr. med. C.____ in Y.____ (F) u nd hernach bei Dr. med. D.____ in Z.____ (F). Am 16. November 2012 hielt dieser fest, dass die A rthro-CT vom 31. Oktober 2012 eine Supraspinatussehnenruptur, eine Partialläsion von Infr aspinatus und Suprascapularis sowie eine ausgedünnte Bizepssehne zeigen würde. Zufolge ver mehrter Schmerzen wurden am 29. November 2012 eine Supraspinatussehnenrefixation u nd eine Bizepstenodese durchge- führt. Nach weiteren Abklärungen stellte die AXA mit Verfügung vom 14. Februar 2013 die Leis- tungen aus der obligatorischen Unfallversicherung per 15. September 2012 ein. Nach allgemei- ner Erfahrung würden Kontusionsverletzungen innerhalb vo n drei Monaten nach dem Unfaller- eignis abheilen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass d ie Beschwerden seit Mitte Septem- ber 2012 nicht mehr im Zusammenhang mit dem Ereignis v om 17. Juni 2012 stehen würden. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies d ie AXA mit Entscheid vom 8. Mai 2013 ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 13. Juni 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte sinngemäss, die AXA sei zu ver- pflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Zur Begründung führte sie aus, die behan- delnden Ärzte seien immer von einer Unfallfolge ausgegangen. Die Arbeitsunfähigkeit sei Folge des Unfalls vom 17. Juni 2012. C. In ihrer Vernehmlassung vom 3. Oktober 2013 schloss die AXA auf Abweisung der Be- schwerde. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 1 . November 2013; Duplik vom 30. Dezember 2013) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Befindet sich der Wohnsitz der versicher ten Person im Ausland, so ist nach Art. 58 Abs. 2 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen K antons zuständig, in dem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz befand oder in dem ihr l etzter schweizerischer Arbeitgeber Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich der Wohnsitz der Arbeitgeberin in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsp rozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherung sgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide de r Versicherungsträger ge- mäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlun g der vorliegenden Beschwerde Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht er hobene Beschwerde der Versicherten vom 13. Juni 2013 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die AXA über den 1 5. September 2012 hinaus für die Fol- gen des Ereignisses vom 17. Juni 2012 aufzukommen hat. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in d er obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfallta g und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Per- son. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Perso n Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist . Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund- heitszustandes der versicherten Person mehr erwartet wer den kann und allfällige Eingliede- rungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschloss en sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und ei n adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2). Ursachen im Sinne de s natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eing etretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur glei chen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahu ng des natürlichen Kausalzusam- menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allein ige oder unmittelbare Ursache gesund- heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende E reignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität de r versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werde n kann, ohne dass auch die eingetre- tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen ei- nem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen S törung ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechts anwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr ob liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Rechtsprechungsgemäss gehören zu den im Sinne von Ar t. 6 Abs. 1 UVG massgeben- den Ursachen auch Umstände, ohne deren Vorhandensein d ie gesundheitliche Beeinträchti- gung nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Eine sch adensauslösende traumatische Einwir- kung ist also selbst dann leistungsbegründend, wenn der be treffende Schaden auch ohne das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherte Ereignis früher oder später wohl eingetreten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadenseintritts Conditio sine qua non war. Anders verhält es sich, wenn der Unfall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit des- sen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, ma nifest werden lässt, ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Be deutung anzunehmen (Urteile des Bundesgerichts vom 15. Januar 2008, 8C_301/2007, E. 5.1.1 und vom 5. April 2007, U 413/05, E. 4.2 mit Hinweisen, in: SVR 2007 UV Nr. 28 S. 94; A NDREAS TRAUB , Natürlicher Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Gesundheitsschädigung bei konkurrierender pa- thogener Einwirkung: Abgrenzung der wesentlichen Teil ursache von einer anspruchshindern- den Gelegenheits- oder Zufallsursache, in: SZS 2009 S. 479 ff.). Einem Ereignis kommt nach dem Gesagten der Charakter einer anspruchsbegründenden Teilursache zu, wenn das aus der potentiellen pathogenen Gesamtursache resultierende Risiko zuvor nicht dermassen gegenwär- tig war, dass der auslösende Faktor gleichsam beliebig un d austauschbar erschiene. Dagegen entspricht die unfallbedingte Einwirkung - bei erstell tem Auslösezusammenhang - einer (an- spruchshindernden) Gelegenheits- oder Zufallsursache, wen n sie auf einen derart labilen, pre- kären Vorzustand trifft, dass jederzeit mit einem Eintri tt der (organischen) Schädigung zu rech- nen gewesen wäre, sei es aus eigener Dynamik der patho genen Schadensanlage oder wegen Ansprechens auf einen beliebigen anderen Zufallsanlass. Wenn ein alltäglicher alternativer Be- lastungsfaktor zu annähernd gleicher Zeit dieselbe Gesun dheitsschädigung hätte bewirken können, erscheint der Unfall nicht als kausal signifikant es Ereignis, sondern als austauschbarer Anlass; es entsteht daher keine Leistungspflicht des obl igatorischen Unfallversicherers (Urteil des Bundesgerichts vom 5. April 2007 U 413/05 E. 4.2.3, in: SVR 2007 UV Nr. 28 S. 94). 4.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, li egt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (So zialversicherungsrecht – Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechts anwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (B GE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6. Zur Beurteilung der umstrittenen Frage sind die fo lgenden medizinischen Berichte zu berücksichtigen: 6.1 Im Bericht vom 9. November 2012 diagnostizierte Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ei ne Rotatorenmanschettenruptur mit Tendiopathie der Bizepssehne und subacromialem Impingeme nt an der linken Schulter nach Sturz vom Mountainbike im Juni 2012. Anamnestisch bestün den seit circa einem Jahr leicht- gradige Schulterbeschwerden links. Seit dem Sturz vom Mo untainbike im Juni 2012 habe die Versicherte vor allem in der Nacht starke Schmerzen verspürt. Die Schulter und den linken Arm könne sie nicht mehr gebrauchen. Aufgrund der starken Schm erzen, des klinisch eindeutigen Befundes, der Arthro-CT vom 31. Oktober 2012 und der heutigen Röntgenaufnahme sei die Indikation zur operativen Rotatortenmanschettenrekonst ruktion, Bizepssehnentendose und subacromialer Dekompensation gegeben. 6.2 Am 3. Dezember 2012 diagnostizierte Dr. med. F.___ _, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Spital G.____, eine traumatische Intervall-Läsion mit kompletter Ruptur der Supraspinatussehne und Bicepss ehnensubluxation mit subakromina- lem Impingement in der linken Schulter nach einem Stur z vom Mountainbike im Juni 2012. Sie hielt fest, dass am 29. November 2012 eine Schulter-Ar throskopie links, eine subacrominale Bursektomie und Acromioplastik, eine Supraspinatussehnen -Refixation und Bicepssehnenten- dose durchgeführt worden seien. Vom 31. Oktober 2012 bis 14. Januar 2013 bescheinigte sie eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.1 Auf Anfrage der AXA hielt der beratende Arzt D r. med. H.____, FMH Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, am 3 0. Januar 2013 fest, aufgrund der vorliegenden Unterlagen sei davon auszugehen, dass bereit s vor dem Ereignis vom 17. Juni 2012 erhebliche degenerative Veränderungen in der S chulter der Versicherten vorgelegen hät- ten. Diese Einschätzung begründe sich einerseits dadurch, dass offenbar schon vor dem Unfall Schulterbeschwerden bestanden hätten. Andererseits sei a uch im Bericht des Spitals G.____ vom 9. November 2012 festgehalten, dass das Tuberculum mai us vermehrt sklerosiert sei im Sinne einer höhergradigen RM-Degeneration. Auch dies deute auf eine Entwicklung über einen längeren Zeitraum hin. Der Sturz auf die linke Schulter dürfte zwar zu einer Schmerzaktivierung, überwiegend wahrscheinlich aber nicht zu einer relevante n strukturellen Veränderung geführt haben. Wäre eine solche eingetreten, hätte sich die Ve rsicherte mit hoher Wahrscheinlichkeit unmittelbar oder zumindest nur kurze Zeit später in ä rztliche Behandlung begeben. Es sei da- von auszugehen, dass die Kontusionsverletzungen spätestens na ch drei Monaten ausgeheilt gewesen seien und der Status quo sine ab Mitte September 2012 eingetreten sei. 6.3.2 Am 6. Februar 2013 hielt Dr. H.____ ergänzend fest, dass eine andere Kausalitätsbeur- teilung fast nicht möglich sei, solange nicht Unterlagen vorlägen, die über einen klinischen Be- fund berichten würden, der deutlich zeitnäher zum Ere ignis vom 17. Juni 2012 sei. Die Versi- cherte sei offenbar erst Ende Oktober 2012 und somit vier einhalb Monate nach dem Ereignis arbeitsunfähig geworden. Eine funktionell relevante Folge nach einem Fahrradsturz, oftmals bedingt durch eine makrostrukturelle Verletzung, mache si ch aber fast immer deutlich früher bemerkbar, sodass zumindest körperlich belastenden Tätig keiten unmittelbar oder spätestens nach wenigen Tagen unterbrochen werden müssten. 6.4 Im Bericht vom 12. April 2013 hielt Dr. F.____, f est, dass der Sturz vom Mountainbike zu starken Schmerzen in der linken Schulter und zu einer deu tlichen Bewegungseinschränkung geführt habe. Die Untersuchungen hätten eine traumat ische Ruptur der Supraspinatussehne und des Intervalls gezeigt, sodass die Schulterverletzung als Folge des Unfalls angesehen wer- den könne. Die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit sei ebenfalls Folge des Unfalls. Wegen der Beschwerdepersistenz sowie der traumatischen Ruptur de r Rotatorenmanschette sei die Operation mit Refixation der Sehnen am 29. November 2012 unumgänglich gewesen. 6.5 Am 1. Oktober 2013 hielt der beratende Arzt Dr. m ed. Johannes A. I.____, FMH Chirur- gie, fest, es sei mit praktischer Sicherheit davon auszug ehen, dass ein Vorzustand bestanden habe. Aus klinischer Sicht sei der Verlauf für eine Veru rsachung der hier vorliegenden Rotato- renmanschettenruptur atypisch. Eine frische, traumatisch ve rursachte Supraspinatussehnen- ruptur führe praktisch immer zu einer sofortigen Pseud oparalyse des betroffenen Arms. Die entsprechende Symptomatik sei dramatisch, führe fast ob ligat zur sofortigen ärztlichen Beurtei- lung und Abklärung. Dies sei im vorliegenden Fall nicht dokumentiert. Gegen eine Unfallkausali- tät der vorliegenden Befunde würden das Alter der Ver sicherten, das Fehlen einer initialen Pseudoparalyse, die massiv verzögerte erste Arztkonsultatio n, die erst nach viereinhalb Mona- ten nach dem Ereignis eingetretene Arbeitsunfähigkeit , die bildgebenden Befunde und die ein- jährige Schmerzanamnese sprechen. Für eine traumatisch e Genese sprechen könnte die Tat- sache, dass keine Muskelatrophie des Musculus supraspinatus best ünde und keine Retraktion Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der rupturierten Supraspinatussehne vorliege. Wegen d er fehlenden primären medizinischen Dokumentation lasse sich die Frage, ob durch den Unfall e in Vorzustand richtungsgebend ver- schlimmert worden sei, nicht abschliessend beurteilen. D ie vorliegende Schulterkontusion sei nicht geeignet, eine Rotatorenmanschettenruptur zu ver ursachen. Solche Kontusionen vermö- gen maximal während drei bis sechs Monaten Beschwerden zu verursachen. Danach wäre von einem Status quo sine auszugehen. Aufgrund der Akten sei en die Beschwerden drei bis vier Monate nach dem Ereignis nur noch mit dem Beweisgrad der Möglichkeit unfallkausal. 7.1 Die Beschwerdegegnerin anerkannte grundsätzlich ihre Leistungspflicht für das unbe- strittenermassen Unfallcharakter aufweisenden Ereignis vom 17. Juni 2012. Weiter bestritt sie zu Recht nicht, dass die zunehmenden Schulterbeschwerden d er Beschwerdeführerin zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten und einen o perativen Eingriff notwendig machten. Sie ging jedoch gestützt auf ihre medizinischen Abklärun gen davon aus, dass die unfallbeding- ten Schulterbeschwerden links seit 15. September 2012 n icht mehr überwiegend wahrschein- lich auf den Unfall vom 17. Juni 2012 zurückgeführt werden könnten. 7.2 Der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann nicht bei gepflichtet werden. Es trifft zwar zu, dass die Versicherte einen degenerativen Vorzustand aufwies und bereits vor dem Sturz vom Mountainbike am 17. Juni 2012 leichtgradige Beschwe rden in der linken Schulter verspür- te. Trotz dieser Beschwerden konnte sie aber uneingeschr änkt ihrer Arbeit nachgehen. Die Be- schwerdeführerin beschreibt glaubhaft, dass die Schmerze n nach dem Unfall stärker wurden, sie ihre Arbeit aber dennoch - mit Schmerzmitteln - wei ter verrichtete. Die zunehmenden Schmerzen hatten sie dazu bewogen, am 18. August 2012 Dr. C.____ aufzusuchen. Da die von ihr verschriebenen schmerz- und entzündungshemmenden Me dikamente keine Linderung brachten, wurde sie an den Spezialisten Dr. D.____ über wiesen. Schliesslich haben die Arthro- CT vom 31. Oktober 2012, die späteren Röntgenaufnahme n im Spital G.____ sowie die klini- schen Befunde Ende Oktober 2012 bzw. anfangs November 2 012 gezeigt, dass eine operative Intervention unumgänglich war. Bei diesem Verlauf ist d avon auszugehen, dass der durch den Unfall vom 17. Juni 2012 ausgelöste Beschwerdeschub im Se ptember 2012 noch nicht abge- klungen war und der Unfall zumindest massgebende Mitursach e für die medizinische Behand- lung inkl. Operationsindikation war. Da aufgrund der vorliegenden ärztlichen Unterlagen nicht erstellt ist, dass ein alltäglicher alternativer Belastun gsfaktor zu annähernd gleicher Zeit diesel- be Gesundheitsschädigung hätte bewirken können (vgl. E. 4 .2 hiervor), stellt der Unfall vom 17. Juni 2012 eine anspruchsbegründende Teilursache dar, für welche die Beschwerdegegne- rin aufzukommen hat. Die Dauer von rund viereinhalb M onaten zwischen dem Sturz und der attestierten Arbeitsunfähigkeit kann - entgegen der A nsicht des Vertrauensarztes Dr. H.____ - nicht ausschlaggebend sein für die Beurteilung des Kausal zusammenhangs zwischen dem Sturz und den Schulterbeschwerden bzw. der Operationsind ikation. Es entspricht nicht einer allgemein anerkannten medizinischen Tatsache, dass eine f rische, traumatisch verursachte Supraspinatussehnenruptur zur sofortigen ärztlichen Beha ndlung führen muss. Zumindest be- steht keine entsprechende von der Rechtsprechung anerka nnte tatsächliche Vermutung. Auch aus der Beurteilung von Dr. I.____ vom 1. Oktober 2013, wonach sich die Frage, ob sich durch den Unfall ein Vorzustand richtungsgebend verschlimmert habe, wegen der fehlenden primären medizinischen Dokumentation nicht abschliessend beurteile n lasse, kann die Beschwerdegeg- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nerin nichts zu ihren Gunsten ableiten, belegt diese Au ssage doch, dass das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung des Unfallereignisses nicht erstellt ist. (vgl. E. 4.3 hiervor). Der Beschwer- degegnerin ist es demnach nicht gelungen nachzuweisen, dass per 15. September 2012 jegli- che kausale Bedeutung der unfallbedingten Ursachen des G esundheitsschadens weggefallen ist. Vielmehr sind auch die späteren Beschwerden mit übe rwiegender Wahrscheinlichkeit zu- mindest teilursächlich auf den Unfall vom 17. Juni 20 12 zurückzuführen. Der genaue Zeitpunkt des Erreichens des Status quo sine vel ante (vgl. E. 4.3 hi ervor) wird durch die Versicherung festzulegen sein. Die Taggeldleistungen richten sich na ch der ärztlich attestierten Arbeitsunfä- higkeit. Die Heilungskosten und die Kosten für die Ope ration sind durch den Unfallversicherer zu übernehmen, da diese mit überwiegender Wahrscheinli chkeit der (vorzeitigen) Beseitigung der vom Unfall zumindest mitverursachten Schmerzen dient e, und nicht gesagt werden kann, der Eingriff sei auch ohne den durch den Unfall bewir kten Beschwerdeschub überwiegend wahrscheinlich notwendig geworden. Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdefüh rerin die gesetzlichen Leistungen im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 17. Juni 2012 zu erbringen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind bei der nic ht anwaltlich vertretenen Beschwerde- führerin wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 8. Mai 2013 aufgehoben und die Beschwerd egegnerin verpflichtet, über den 15. September 2012 hinaus die g esetzlichen Leistungen im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 17. Juni 2012 zu erbringen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht