Kantonsgericht Schwyz Verfügung vom 12. Dezember 2024 BEK 2024 129 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin Daniela Pérez-Steiner, Gerichtsschreiber Mathis Bösch. In Sachen A.________, Beschuldigter und Beschwerdeführer, gegen 1. Staatsanwaltschaft, 1. Abteilung, Einsiedlerstrasse 55, 8836 Bennau, Anklagebehörde und Beschwerdegegnerin, vertreten durch Staatsanwältin B.________, 2. C.________, Privatklägerin und Beschwerdegegnerin, betreffend Strafbefehl (Beschwerde gegen die Verfügung der Einzelrichterin am Bezirksgericht Schwyz vom 19. Juli 2024, SEO 2024 16);- hat die Kantonsgerichtsvizepräsidentin,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Die Einzelrichterin am Bezirksgericht Schwyz stellte mit Verfügung vom 19. Juli 2024 fest, dass die Einsprache des Beschuldigten vom 11. April 2024 verspätet und damit ungültig sowie der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 14. März 2024 in Rechtskraft erwachsen sei. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass die siebentägige Abholfrist nicht durch einen Rückbehalteauftrag verlängerbar und der Strafbefehl nicht innert dieser Frist abgeholt worden sei. Aufgrund der Kenntnis des Beschuldigten vom gegen ihn geführten Strafverfah- ren würde daher der Strafbefehl am siebten Tage nach dem erfolglosen Zustell- versuch als am 22. März 2024 zugestellt gelten (angef. Verfügung E. 1.2). Dem- nach habe die zehntägige Einsprachefrist am 1. April 2024 geendet und sei die mit Eingabe vom 11. April 2024 erfolgte Einsprache nicht fristgerecht und un- gültig (ebd. E. 1.3) sowie der Strafbefehl rechtkräftig (ebd. E. 2). 2. Mit Beschwerde vom 24. Juli 2024 beantragt der Beschuldigte dem Kantonsgericht die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und eine Frist- verlängerung für den Zuzug eines Rechtsanwalts. Die Verfahrensleitung teilte ihm umgehend mit, dass die zehntägige Beschwerdefrist als gesetzliche Frist nicht erstreckt werden könne und gab ihm unter Androhung des Nichteintretens im Säumnisfall Gelegenheit, innert noch laufender Rechtsmittelfrist seine Be- schwerde zu verbessern (KG-act. 3). Am 29. Juli 2024 reichte der Beschuldigte innert laufender Rechtsmittelfrist eine weitere Eingabe mit den Anträgen ein, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und ein amtlicher Rechtsbeistand zu gewähren (KG-act. 5). Das Bezirksgericht überwies die Akten (KG-act. 7). Die Staatsanwaltschaft beantragt ein kostenpflichtiges Nichteintreten, eventualiter die kostenpflichte Abweisung der Beschwerde (KG-act. 9). Die Privatklägerin und der Beschuldigte liessen sich in weiteren Eingaben vernehmen. 3.Die Beschwerde ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). In der Sache stellt der Beschwerdeführer innert der Rechtsmittelfrist keinen Antrag, obwohl ihm gegenüber hinsichtlich der Verbesserung unter Androhung des Nichteintretens Kantonsgericht Schwyz 3 verfügt wurde, dass er genaue Beschwerdeanträge zu stellen und zu begrün- den, nämlich anzugeben habe, welche Punkte des Entscheides angefochten und welche Gründe einen anderen Entscheid nahelegen würden (KG-act. 3 mit Hinweis auf Abs. 2 des auf S. 3 zitierten Art. 385 StPO). Auch mit der Begrün- dung der angefochtenen Verfügung, dass die siebentägige Abholfrist nicht ver- längerbar sei (dazu vgl. Arquint, BSK, 3. A. 2023, Art. 85 StPO N 9 m.H.; BGer 6B_937/2015 vom 1. Oktober 2015 m.H.), setzt er sich ebenso wenig aus- einander wie mit der erstinstanzlichen Verwerfung seines Einwands, er habe keinen Strafbefehl erwarten müssen. Auf die Beschwerde ist daher andro- hungsgemäss nicht einzutreten. Immerhin sei darauf hingewiesen, dass die Staatsanwaltschaft im Untersuchungsabschluss vom 12. Januar 2024 ihm neben der Teileinstellung für einen bestimmten Tatzeitraum einen Strafbefehl in Aussicht stellte (U-act. 15.1.005), so dass der Beschwerdeführer eine Ein- stellungsverfügung (U-act. 0.1.001) und einen Strafbefehl zu erwarten hatte. 4. Aus den dargelegten Mängeln ist auf die Beschwerde präsidial nicht ein- zutreten (Art. 385 Abs. 1 und 2 sowie Art. 388 Abs. 2 lit. b StPO, §§ 40 Abs. 2 und 41 Abs. 1 JG). Vorliegend wurde dem Beschwerdeführer die Gründe dar- gelegt, weshalb es sich vorliegend nicht um einen Fall einer amtlichen Verteidi- gung handelt (vgl. KG-act. 3). Es ist auch einem Laien zumutbar, innerhalb der Rechtsmittelfrist zumindest kurz anzugeben, was an einer angefochtenen Ver- fügung seiner Ansicht nach falsch ist (BGer 6B_866/2020 vom 8. November 2021 E. 3.5.3 = SJZ 4/2022 S. 193 ff.). Das trifft auch für den Beschwerdeführer im Hinblick auf die vorliegend angefochtene Verfügung über die Gültigkeit des Strafbefehls in einem Bagatellfall zu. Daher ist das Gesuch um eine amtliche Verteidigung abzuweisen. Tatsächliche und rechtliche, von einem Laien mit Mechanikerausbildung nicht bewältigbare Schwierigkeiten, sind weder ersicht- lich noch konkret dargelegt. Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Verfahrenskosten der Behandlung seiner aussichtslosen Beschwerde aufzuer- legen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Sie sind jedoch wegen des Nichteintretens und der glaubhaft geltend gemachten prekären finanziellen Verhältnisse zu reduzie- ren. Eine Entschädigung an die Privatklägerin ist nicht zu sprechen, nachdem sie ihre Beschwerdeantwort unbestrittenermassen (vgl. KG-act. 15) verspätet Kantonsgericht Schwyz 4 einreichte (vgl. KG-act. 14 i.V.m. 8), sodass androhungsgemäss von einem Verzicht auf Beschwerdeantwort auszugehen ist (vgl. KG-act. 6 Ziff. 2);- verfügt: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Das Gesuch um eine amtliche Verteidigung wird abgewiesen. 3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 100.00 werden dem Be- schuldigten auferlegt. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 5. Zufertigung an den Beschwerdeführer (1/R), die Staatsanwaltschaft (je 1/A an die 1. Abteilung und die Amtsleitung/zentraler Dienst) und die Vorinstanz (1/A), die Privatklägerin (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R mit den Akten und zu den Meldungen nach Eintritt der Rechtskraft) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü im Dispositiv). Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Der Gerichtsschreiber Versand 12. Dezember 2024 amu