B. Gerichtsentscheide 3558 99 2.3 Schuldbetreibung und Konkurs 3558 Pfändung. Feststellung des beschränkt pfändbaren Einkommens (Art. 93 SchKG). Der Betreibungsbeamte darf sich nicht bloss auf die Angaben des Schuldners verlassen, sondern soll den Sachverhalt möglichst durch Unterlagen verifizieren. Aus den Erwägungen: Der Beschwerdeführer beanstandet das dem Schuldner durch das Betreibungsamt zugestandene Existenzminimum von Fr. 4'100.00 und verlangt – nach Überprüfung der entsprechenden Belege – dessen Korrektur. Bevor auf die einzelnen angefoch tenen Positionen eingegangen wird, ist zuerst abzuklären, ob das Betreibungsamt sich auf die Ang a- ben des Schuldners stützen darf resp. inwieweit es für dessen B e- hauptungen Belege und Unterlagen einzufordern hat. Nach André E. Lebrecht (Basler Kommentar, S chKG II, Basel 1998, N 9 ff. zu Art. 91 SchKG), auf den das Betreibungsamt ve rweist, erstellt der Betreibungsbeamte gestützt auf die in der Einvernahme vom Schuldner erteilten Auskünfte ein Pfändungsprotokoll. Die Befr a- gung des Schuldners über seine Einkom mens- und Vermögensve r- hältnisse unter Hinweis auf die Straffolgen muss dem Pfändungsb e- amten für seine Erhebungen genügen. Er ist nicht verpflichtet, auf blosse Vermutung de s Gläubigers hin, z.B. über all fällige Nebenb e- schäftigungen des Schuldners, weitere Nachforschungen anzustellen. Gemäss Thomas Winkler (in: Daniel Hunkeler [Hrsg.], Kurzko m- mentar SchKG, Basel 2009, N 14 zu Art. 91 SchKG mit weiteren Hi n- weisen) hat das Betreibungsamt den Sachverhalt mit Verweis auf BGE 124 III 172 von Amtes wegen festzust ellen. Es darf sich somit grundsätzlich nicht einfach auf die Angaben des Schuldners verla s- sen: So hat es sich vor Ort zu überzeugen, ob vom Gläubiger ang e- gebene Gegenstände vorhanden sind oder aber falls die vom Schul d- ner angegebenen Vermögenswerte zur De ckung nicht ausreichen, ob weitere pfändbare Gegenstände existieren. Hat das Betreibungsamt allerdings keine konkreten Hinweise, so muss es seine Nachfo r-B. Gerichtsentscheide 3559 100 schungen nicht auf weitere Vermögenswerte ausweiten. Ebenfalls muss es nicht aufgrund blosser Vermutung en seitens des Gläubigers zusätzliche Nachforschungen anstellen. Gemäss den neuen Richtlinien der Konferenz der Betreibungs - und Konkursbeamten der Schweiz vom 1. Juli 2009, welche von der Aufsichtsbehörde für Sch uldbetreibung und Konkurs am 1. September 2009 als für den Kanton Appenzell Ausserrhoden ver- bindlich erklärt wurden, ist der Schuldner bei den Zuschlägen zum monatlichen Grundbetrag unter „Rechtlich geschuldete Unterhaltsbe i- träge“ angehalten, dem Betreibungsamt für solche Auslagen Unterl a- gen (Urteile, Quittungen etc.) vorzuweisen. Zusammenfassend tendiert die neuere Lehre also dazu, dass der Betreibungsbeamte sich nicht bloss auf die Angaben des Schul dners verlassen, sondern den Sachverhalt möglichst mittels Unterlagen ver i- fizieren soll. Dem kann sich die Aufsichtsbehörde grundsätzlich und gerade auch im vorliegenden Fall vollumfänglich anschliessen. Denn bei näherer Betrachtung werfen die bisher vorliegenden Unterlagen teilweise mehr Fragen auf als sie beantworten. AB SchK, 05.07.2010 3559 Öffentliche Urkundsperson. Art. 2 Abs. 2 BeurkG behält die Beu r- kundungsbefugnisse mit Aus nahme der Grundbuchsachen au s- schliesslich den im Anwaltsregister des Kantons Appenzell Ausser - rhoden eingetragenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten vor. Aus den Erwägungen: Im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist am 1. Februar 2010 das neue Beurkundungsgesetz (BeurkG ; bGS 211.2) samt der dazugeh ö- rigen Verordnung (BeurkV; bGS 211.211) in Kraft getreten. Gestützt auf dieses neue Gesetz sind die im Anwaltsregister des Kantons A p- penzell Ausserrhoden eingetragenen Rechtsanwältinnen und Recht s- anwälte, ausgenommen in Grundbuchsachen, zu Beurkundungen b e- fugt, sofern sie bei der Aufsichtsbehörde als öffentliche Urkundspe r- son registriert sind (Art. 2 Abs. 2 BeurkG). An wältinnen und Anw älte, die sich als öffentliche Urkunds person registrieren lassen möch ten,