<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 15 S.61</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">61</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>15 §§</b></span> <span class="ft2"><b>112</b></span> <span class="ft2"><b>und</b></span> <span class="ft2"><b>121 ZPO.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abänderung der Parteientschädigung durch das Obergericht. Eine nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tarifgemäss festgesetzte Parteientschädigung kann gestützt auf die den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kostenentscheid sowohl bezüglich der Gerichts- als auch der Parteikosten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>beherrschende Offizialmaxime von Amtes wegen korrigiert werden, wenn</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Kostenspruch zumindest implizit angefochten ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 18. März 2003</span><br/> <span class="ft3">in Sachen B. K. gegen F. F.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">62</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Der vorinstanzliche Kostenspruch ist nicht <i>explizit</i> angefoch-</span><br/> <span class="ft1">ten worden. Da mit der Beschwerde jedoch die Aufhebung des ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Entscheids unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu</span><br/> <span class="ft1">Lasten der Gegenpartei verlangt wird, beschlägt das Rechtsmittel <i>im-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>plizit</i> auch den Kostenspruch. Zudem gilt für den Kostenentscheid</span><br/> <span class="ft1">sowohl bezüglich der Gerichts- als auch der Parteikosten die Offi-</span><br/> <span class="ft1">zialmaxime (Bühler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargauischen</span><br/> <span class="ft1">Zivilprozessordnung, Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg 1998, N. 1</span><br/> <span class="ft1">zu § 121).</span><br/> <span class="ft1">Praxisgemäss wird bei hohen Streitwerten im Mietrecht das</span><br/> <span class="ft1">Grundhonorar gemäss § 3 Abs. 2 AnwT im Umfang von 50 % ge-</span><br/> <span class="ft1">kürzt. Im zu beurteilenden Fall haben die Kläger von sich aus mit</span><br/> <span class="ft1">65 % einen noch höheren Abzug gemacht. Da im konkreten Fall in</span><br/> <span class="ft1">Anbetracht des aussergewöhnlich langen Mietverhältnisses ein</span><br/> <span class="ft1">Streitwert von über Fr. 1,5 Millionen resultiert und die Aufwendun-</span><br/> <span class="ft1">gen der Kläger im Ausweisungsverfahren in keinem auch nur annä-</span><br/> <span class="ft1">hernden Verhältnis zu diesem Streitwert standen, rechtfertigt es sich</span><br/> <span class="ft1">in diesem Einzelfall, die tarifgemäss mögliche Reduktion des Grund-</span><br/> <span class="ft1">honorars von 75 % auszuschöpfen. Entgegen der Auffassung des</span><br/> <span class="ft1">Vertreters der Kläger definiert sich der Umfang dieser Kürzung nicht</span><br/> <span class="ft1">einzig am geschätzten Stundenaufwand, sondern richtet sich ganz</span><br/> <span class="ft1">allgemein nach dem konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">entsprechenden Grundsatz, dass die Entschädigung des Anwalts stets</span><br/> <span class="ft1">in einem vernünftigen Verhältnis zu der von ihm erbrachten Leistung</span><br/> <span class="ft1">zu stehen hat (AGVE 1999 Nr. 19 S. 75 ff. mit Hinweisen). Deshalb</span><br/> <span class="ft1">wird je nach Höhe des Streitwerts, von welchem das Grundhonorar</span><br/> <span class="ft1">abhängt, innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens ein Abzug</span><br/> <span class="ft1">vorgenommen, der zu einem Honorar führt, das dem zitierten Grund-</span><br/> <span class="ft1">satz entspricht. Der Abzug von 75 % ist in § 3 Abs. 2 AnwT vorgese-</span><br/> <span class="ft1">hen, weshalb eine Verletzung des Legalitätsprinzips nicht zu sehen</span><br/> <span class="ft1">ist. Die Abweichung von der Praxis, bei hohen Streitwerten einen</span><br/> <span class="ft1">Abzug von 50 % vorzunehmen, ist im auch für Mietrechtsstreitigkei-</span><br/> <span class="ft1">ten aussergewöhnlich hohen Streitwert begründet und verletzt entge-</span><br/> <span class="ft1">gen der Auffassung des Vertreters der Kläger das Gleichbehand-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">63</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lungsgebot insofern nicht, als nach diesem Grundsatz Ungleiches be-</span><br/> <span class="ft1">kanntlich ungleich zu behandeln ist. Das reduzierte Grundhonorar</span><br/> <span class="ft1">beträgt somit noch Fr. 14'864.20, respektive nach der Kürzung um</span><br/> <span class="ft1">25 % wegen fehlender Verhandlung gemäss § 6 Abs. 2 AnwT</span><br/> <span class="ft1">Fr. 11'148.15 und nach der Kürzung wegen reduzierten Aufwands ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss § 7 Abs. 2 AnwT Fr. 5'574.10. Nach Aufrechnung der Auslagen</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 195.10 und der Mehrwertsteuer von 7,6 %, ausmachend</span><br/> <span class="ft1">Fr. 438.45, ergibt sich ein Gesamthonorar von Fr. 6'207.65.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>