Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 26. Oktober 2022 (810 21 250) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Kanalisationsanschlussgebühr / Verletzung des Äquivalenzprinzips bei einer grossen Halle mit Retentionsbecken bzw. Regenwasserspeicher zur Bewässerung der Felder Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichterin An a Dettwiler, Kantons- richter Markus Clausen, Hans Furer , Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte Einwohnergemeinde A._____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Judith Frey, Rechtsanwältin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Enteignungsgericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Beschwerdegegner B.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Dr. Stefan Wirz, Advokat Betreff Kanalisationsanschlussgebühr (Urteil des Steuer- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft, Abtei- lung Enteignungsgericht, vom 18. März 2021) A. B.____ ist Alleineigentümer des in der Landwirtscha ftszone gelegenen Grundstücks Nr. X.____ des Grundbuchs A.____. Im Jahr 2018 errichtete er darauf eine Halle mit einem Vo- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lumen von 15'112.5 m 3 für die Lagerung selbst angebauter Kartoffeln und ein Retentionsbecken bzw. einen Wasserspeicher. Die Lagerhalle besteht aus e iner Kartoffelannahmehalle und drei Kühlräumen. Gemäss Bauplänen waren in der Lagerhalle mehrere Abwasserrinnen geplant. Realisiert wurde jedoch nur eine Einlaufrinne in der Kartoffelannahmehalle für den Ablauf von verschmutztem Abwasser, welche an die kommunale Schmutzwasser kanalisation angeschlos- sen ist und über eine Leistungsfähigkeit bzw. ein Ablau fvolumen von 1.5 Litern pro Sekun- de (l/s) verfügt. Aufgrund der anderen geplanten, ab er nicht ausgeführten Einlaufrinnen verfügt die Lagerhalle über eine Anschlussleitung an das Schmut zwasserkanalisationsnetz mit einem Ablaufvolumen von 9 l/s. Diese Leistungsfähigkeit der Schmutzwasseranschlussleitung ist im Zuge des Lagerhallenbaus nicht verringert worden. Da s auf dem Dach niedergefallene Regen- wasser wird über Rohre einem Retentionsbecken bzw. einem Wasserspeicher zugeführt. Die- ses Becken verfügt über ein Fassungsvermögen von total 280 m 3. Das Gesamtvolumen von 280 m 3 setzt sich zusammen aus einem Retentionsvolumen (d.h. Rüc khaltevolumen von 60 m3), welches der Beschwerdegegner als Auflage zur Bewilli gung der Einleitung von Sauber- wasser in die C.____bachverdolung hat erstellen müssen, s owie einem Speichervolumen von zusätzlichen 220 m 3, welches der Beschwerdegegner freiwillig gebaut hat. Das Wasser kann über einen Notüberlauf in den eingedolten C.____bach, der Bestandteil des generellen Entwäs- serungsplans (GEP) ist, abgegeben werden, damit der Wasse rspeicher nicht überläuft. Das Wasser wird für die Bewässerung der Felder und für da s Waschen (eines Teils) der geernteten Kartoffeln verwendet. Für den Anschluss der Lagerhalle an die Kanalisation machte die Ge- meinde A.____ (Gemeinde) mit Verfügung vom 15. Januar 2019, basierend auf einem Gebüh- rensatz von Fr. 7.-- pro Kubikmeter, eine Abwasseranschl ussgebühr in der Höhe von Fr. 113'933.15 (Fr. 105'787.50 zzgl. 7.7 % MWST in d er Höhe von Fr. 8'145.65) gegenüber B.____ geltend. B. Am 24. Januar 2019 erhob B.____, nachfolgend imm er vertreten durch Dr. Stefan Wirz, Advokat, beim Steuer- und Enteignungsgericht, A bteilung Enteignungsgericht (Enteig- nungsgericht), Beschwerde gegen die Anschlussgebührenrech nung und beantragte, die ange- fochtene Verfügung sei aufzuheben, eventualiter sei die Anschlussgebühr verhältnismässig zu reduzieren, unter o/e-Kostenfolge zzgl. MWST zu Lasten der Gemeinde. Auf Antrag von B.____ wurde das Verfahren sistiert. Nachdem die Gemeinde di esem mit Schreiben vom 28. März 2019 mitgeteilt hatte, dass sie die angefochtene Ansch lussgebühr weder aufheben noch redu- zieren werde, wurde das Verfahren antragsgemäss fortgesetzt. C. Nachdem unter anderem am 30. Januar 2020 eine erf olglose Vorverhandlung stattge- funden hatte, führte das Enteignungsgericht am 6. Jan uar 2021 einen Augenschein unter Teil- nahme der Parteien und der Auskunftspersonen durch. An der Hauptverhandlung vom 18. März 2021 hob das Enteignungsgericht in Gutheissung der Beschwerde die Verfügung der Gemeinde vom 15. Januar 2019 auf und setzte die angefochtene Ka nalisationsanschlussgebühr neu auf Fr. 11'250.-- (exkl. MWST) fest. Die Verfahrenskosten i n der Höhe von Fr. 6'000.-- wurden der Gemeinde auferlegt und diese wurde verpflichtet, dem B eschwerdeführer eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 12'415.87 (inkl. MWST) zu be zahlen. Das Enteignungsgericht kam zum Schluss, dass die angefochtene Verfügung entgegen de r Auffassung von B.____ das Le- galitätsprinzip, das Gleichbehandlungsgebot, das Verursa cherprinzip und das Kostende- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ckungsprinzip nicht verletze, hingegen verletze sie das Äquiva lenzprinzip, weshalb die Höhe der Kanalisationsanschlussgebühr auf neu Fr. 11'250.-- ( exkl. MWST) zu reduzieren sei. Im Wesentlichen erklärte das Enteignungsgericht, dass als Er schliessungsleistung der Gemeinde einzig die in der Kartoffelannahmehalle vorhandene, a n die Kanalisation angeschlossene Ein- laufrinne mit einer Leistungsfähigkeit bzw. einem Abl aufvolumen von 1.5 l/s respektive 15 Be- lastungswerten zu berücksichtigen sei. Hingegen dürfe das auf die versiegelten Flächen (Dach und die übrigen versiegelten Flächen) anfallende Meteorwasser nicht berücksichtigt werden, da die auf dem Dach der Liegenschaft niedergeschlagene W assermenge über das Retentionsbe- cken im Überlaufsfall in den C.____bach gelange, welch er nicht Bestandteil der Kanalisation sei. Damit sei die auf dem Dach der Liegenschaft nied ergeschlagene Wassermenge nicht Ge- genstand der gebührenpflichtigen Leistung der Gemeinde . Auch das auf der Parzelle nicht auf dem Dach der Lagerhalle anfallende Regenwasser versicker e und belaste deshalb die Kanali- sation nicht, weshalb es als Gegenstand der gebührenpfl ichtigen Leistung der Gemeinde eben- falls ausser Betracht falle. D. Gegen das Urteil des Enteignungsgerichts erhob die Gemeinde, nachfolgend immer vertreten durch Caspar Baader, Advokat, mit Eingabe vo m 6. September 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwal tungsrecht (Kantonsgericht), und be- antragte die vollständige Aufhebung des Urteils des Ent eignungsgerichts vom 18. März 2021 und die Bestätigung der Anschlussgebühr der Gemeinde vom 15. Januar 2019 in der Höhe von Fr. 113'933.15 zzgl. Verzugszinsen von 5 % ab dem 15. März 2019; alles unter o/e-Kostenfolge. In der ergänzenden Beschwerdebegründung vom 3. Novembe r 2021 wiederholte die Be- schwerdeführerin das in der Beschwerde vom 6. September 2021 formulierte Rechtsbegehren (Rechtsbegehren 1) und stellte die Eventualanträge ( Rechtsbegehren 2, 3 und 4), es sei der Entscheid des Enteignungsgerichts aufzuheben und die Ans chlussgebühr zu reduzieren, even- tualiter auf Fr. 74'051.25 (zzgl. MWST; Rechtsbegehre n 2), subeventualiter auf Fr. 67'500.-- (Rechtsbegehren 3), subsubeventualiter auf Fr. 42'351 .68 (zzgl. MWST; Rechtsbegehren 4), jeweils immer zzgl. Verzugszinsen von 5 % ab dem 17. März 2 019; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdegegners und der Vorinstanz. Im Wesentlichen machte die Be- schwerdeführerin geltend, dass der C.____bach – entgeg en der Ansicht der Vorinstanz – Be- standteil des kommunalen Kanalisationssystems sei, weshalb sich die vorliegend strittigen An- schlussgebühren auf die Einleitung von Meteorwasser in da s kommunale Kanalisationssystem beziehen würden. Bereits aus diesem Grund sei die Beschw erde gutzuheissen. Die Beschwer- deführerin machte weiter geltend, im Falle von Anschlu ssgebühren sei nicht die effektive Nut- zung massgeblich, sondern die durch den Anschluss ermöglicht e. Die Versiegelung einer Flä- che von rund 3'600 m 2 schliesse eine direkte Versickerung des Meteorwassers aus. Es sei da- her bei Regenereignissen mit viel Niederschlagswasser zu rechnen, welches in die Kanalisation abfliesse. Ob der Überlauf vom Wasserspeicher in den Ba ch tatsächlich zum Einsatz gelange, sei unerheblich, da die blosse Möglichkeit der Inanspruch nahme des Versorgungsnetzes genü- ge. Im vorliegenden Fall bleibe es aber ohnehin nicht bei der blossen Möglichkeit, da der Über- lauf regelmässig genutzt werde. Ausserdem verfüge die Kar toffelannahmehalle aufgrund der geplanten Abwasserrinnen über eine Anschlussleitung an das Schmutzwasserkanalisationsnetz mit einem Ablaufvolumen von 9 l/s. Ob der Beschwerdege gner diese Möglichkeit tatsächlich in Anspruch nehme, sei nicht relevant. Für den Fall, dass das Gericht wider Erwarten die Gebühr Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemäss Verfügung vom 15. Januar 2019 nicht schützen soll te, beantragte die Gemeinde even- tualiter, subeventualiter und subsubeventualiter die R eduktion der Gebühr auf drei verschiede- ne Beträge und begründete die Berechnung des jeweiligen Betrags. E. In seiner Vernehmlassung vom 17. November 2021 verzich tete das Enteignungsge- richt auf eine Stellungnahme. Einzig in Bezug auf den Kostenantrag der Beschwerdeführerin merkte es an, dass die Verpflichtung einer gerichtlichen Vorinstanz zur Tragung von Verfah- renskosten unzulässig sei. F. In seiner Vernehmlassung vom 5. Januar 2022 beantr agte der Beschwerdegegner, es sei die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei, unter o/e-Kostenfolge zzgl. MWST zu Lasten der Beschwerdeführerin. Verfahrensrechtlic h beantragte er, es seien sämtli- che neuen Beilagen, namentlich die Beilagen Nr. 9, 10 , 13, 14, 15, 16, der Beschwerdebegrün- dung vom 3. November 2021 aus dem Recht zu weisen. Zude m sei die Beschwerdeführerin zu verpflichten, Kanalisationsanschlussgebührenverfügungen ver gleichbarer Objekte zu edieren. Der Beschwerdegegner machte geltend, die Abwasserrinne i n der Lagerhalle für Kartoffeln oh- ne Wasseranschluss und mit einem Ablaufvolumen von 1.5 l /s diene der Ableitung des Was- sers, welches dafür verwendet werde, jährlich 0.1 bis 0 .14 % der angelieferten Kartoffeln zu waschen. Das Meteorwasser werde nicht in diese Abwasserri nne geführt. Das Meteorwasser, das auf dem Dach der Lagerhalle niederschlage, werde i n einem Becken mit einem Volumen von 280 m 3 gefasst und vollständig zur Bewässerung der bewirtschafte ten Fläche durch den Beschwerdegegner verwendet, womit es vollständig versicker e. Der C.____bach stelle zudem ein Gewässer dar, das nicht an das Kanalisationssystem der Beschwerdeführerin angeschlos- sen sei, womit das Meteorwasser die Kanalisation nicht b elasten könne. Er machte weiter gel- tend, dass die Beschwerdeführerin keinen Verzugszins verl angen könne, da sie mit Schreiben vom 30. Januar 2019 einen Mahnstopp ausgesprochen habe. G. In ihrer Replik vom 16. März 2022 bestritt die Beschwe rdeführerin, dass das Meteor- wasser vollständig versickere. In Bezug auf den Einwand des Beschwerdegegners, die Be- schwerdeführerin habe neue Anträge, Tatsachen und Bewe ismittel eingebracht, erwiderte die Beschwerdeführerin, sie habe mit ihren Eventualanträgen ihren Antrag im vorinstanzlichen Ver- fahren nicht erweitert. Ausserdem seien neue Argumen te für die Begründung zulässig, zumal erst die Begründung des Enteignungsgerichts Anlass gegebe n habe, diese Beweismittel einzu- reichen und neue rechtliche Begründungen vorzubringen. Bezüglich des Verzugszinses erklärte die Beschwerdeführerin, mit Schreiben vom 28. März 2019 sei der Mahnstopp beendet worden. H. In seiner Duplik vom 17. Mai 2022 führte der Beschw erdegegner aus, dass der C.____bach ein Gewässer und ein Bestandteil des Wasserkreislaufs und somit kein Bestandteil der Kanalisation sei sowie nicht in die Abwasserreinig ungsanlage eingeleitet werde. Die Erhe- bung einer Anschlussgebühr für eine Einleitung von Reg enwasser über ein privat errichtetes Retentionsbecken und über eine private Leitung in ein Gewässer sei bundesrechtswidrig. Über- dies werde selbst bei Regen und Spitzenniederschlägen kein Wasser in den C.____bach einge- leitet. Bezüglich des Anschlusses in der Halle erklärte de r Beschwerdegegner, entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin sei nicht auf die ni cht umgesetzten Plangrundlagen, son- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dern auf den effektiven Anschluss von 1.5 l/s abzustellen. Des Weiteren monierte der Be- schwerdegegner, dass die Beschwerdeführerin unzulässigerw eise neue Grundlagen für die Berechnung der Anschlussgebühr heranziehe und dass es auf grund des Mahnstopps nicht zu- lässig sei, Verzugszinsen zu verlangen. I. Mit Verfügung vom 1. Juli 2022 überwies das Gerich tspräsidium den Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung und ersuchte die Rechtsvertreter um Einrei- chung ihrer Honorarnoten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1. Gemäss § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist die verwaltung sgerichtliche Beschwerde beim Kan- tonsgericht zulässig gegen Verfügungen und Entscheide von Gerichten, sofern die kantonale Gesetzgebung und die Verfassung die Zuständigkeit des Ka ntonsgerichts als Verwaltungsge- richt vorsehen. Nach § 96a Abs. 4 des Gesetzes über die Enteignung (EntG) vom 19. Juni 1950 können gegen Entscheide des Enteignungsgerichts die Betro ffenen sowie bei kommunalen Er- schliessungswerken die Gemeinden innert zehn Tagen Beschwe rde beim Kantonsgericht erhe- ben, womit die Zuständigkeit des Kantonsgerichts und d ie Beschwerdelegitimation der Be- schwerde führenden Gemeinde gegeben ist. Auf die im Üb rigen form- und fristgerecht einge- reichte Beschwerde kann damit grundsätzlich eingetreten werden. 1.2.1. Zu prüfen ist, ob auf alle Rechtsbegehren ein getreten werden kann. 1.2.2. Die Beschwerdeführerin beantragt die vollständi ge Aufhebung des Urteils des Enteig- nungsgerichts vom 18. März 2021 und die Bestätigung der von ihr mit Verfügung vom 15. Januar 2019 erhobenen Anschlussgebühr in der Höhe von Fr. 113'933.15 zzgl. Verzugszin- sen von 5 % ab 15. März 2019 (Rechtsbegehren 1 der Be schwerde) bzw. ab 17. März 2019 (Rechtsbegehren 1 der Beschwerdebegründung). Sie stellt in der Beschwerdebegründung überdies die Eventualanträge (Rechtsbegehren 2, 3 un d 4), es sei der Entscheid des Enteig- nungsgerichts aufzuheben und die Anschlussgebühr zu reduzie ren eventualiter auf Fr. 74'051.25 (zzgl. MWST; Rechtsbegehren 2), subeventualiter auf Fr. 67'500.-- (Rechtsbegeh- ren 3), subsubeventualiter auf Fr. 42'351.68 (zzgl. M WST; Rechtsbegehren 4), jeweils immer zzgl. Verzugszinsen von 5 % ab dem 17. März 2019. Sie begr ündet die verschiedenen Anträge und reicht neue Beweismittel ein. 1.2.3. Der Beschwerdegegner macht in seiner Vernehmlassu ng vom 5. Januar 2022 geltend, die Beschwerdeführerin habe im kantonsgerichtlichen Verfa hren neue Argumente für eine Rechtfertigung ihrer Gebühr gesucht. Die Beschwerdefüh rerin habe vorinstanzlich lediglich die Abweisung der Beschwerde im Falle eines Eintretens be antragt. Sie habe diesen Antrag nur damit begründet, dass er alle seine Kartoffeln waschen würde, was völlig abwegig sei, und auch das Meteorwasser berücksichtigt werden müsse. Die Beschwerd eführerin stelle in der Sache nun vier Anträge und beantrage neu Verzugszinsen. Sie ver lange einerseits die Bestätigung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihrer Verfügung über den Betrag von Fr. 113'933.15 u nd neu eine Gebühr von Fr. 74'051.25 oder von Fr. 67'500.-- oder von Fr. 42'351.68. Zudem reiche sie für ihre vier Begehren neue Beweismittel ein. Sämtliche mit der Beschwerdebegründung vom 3. November 2021 neu einge- reichten Beilagen, insbesondere die Beilagen 9, 10, 13, 14, 15, 16, seien als unechte Noven aus dem Recht zu weisen. Die Beschwerdeführerin bedien e sich für die Begründung ihrer An- träge, inklusive des ersten Antrags, neu der Herleitung über die Belastungswerte. Diese ihr als die Gebühr erhebende Gemeinde bekannte Prüfungsmöglichkeit hätte sie ohne Weiteres schon früher vortragen können. Auch die neue Begründung über die Reduktion des massgebenden Gebäudevolumens sei neu und aus dem Recht zu weisen. Die nun inhaltlich differenzierten Anträge mit jeweils neuer Begründung inklusive Beweismitteln seien nicht zulässig und müssten unberücksichtigt bleiben bzw. seien aus dem Recht zu weise n. Es gehe nicht an, den Rechts- mittelweg zu verkürzen, was die Folge einer Zulassung die ser neuen Begehren, Behauptungen und Beweismittel darstellen würde. Letztendlich sei das K antonsgericht die einzige Instanz, welche diese neuen Vorbringen prüfe. Eine uneingeschrän kte Überprüfung würde durch das Bundesgericht als nächste Instanz nicht mehr erfolgen können. 1.3.1. Beschwerden müssen ein klar umschriebenes Begehren haben und begründet werden (§ 5 VPO). Gemäss § 6 Abs. 1 VPO können die Parteien d ie Anträge, die sie im vorinstanz- lichen Verfahren zur Sache gestellt haben, zwar einschr änken, nicht aber ausdehnen oder in- haltlich verändern. Hingegen sind die Parteien befugt , ihre rechtliche Begründung zu ändern, soweit der Zusammenhang zum Streitgegenstand gewahrt bleibt. Auch die Beschwerdeinstanz kann unter anderem aufgrund des geltenden Prinzips, da ss sie das Recht von Amtes wegen anwendet, die angefochtene Verfügung im Ergebnis glei ch belassen, jedoch das Ergebnis an- ders begründen als die Parteien oder die Vorinstanz ( § 16 Abs. 2 VPO; A LFRED KÖLZ /ISABELLE HÄNER /MARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 1135 f., 1534 f.; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 22. August 20 18 [810 17 300] E. 1.3.2; KGE VV vom 27. Mai 2015 [810 14 264] E. 1.3.1). 1.3.2. Nach § 6 Abs. 2 VPO können die Parteien neue t atsächliche Behauptungen und Be- weismittel bis zur gerichtlichen Beurteilung vorbringen , sofern ihnen dies unverschuldet nicht früher möglich war. Verspätete Vorbringen werden aus dem Recht gewiesen. § 16 Abs. 1 VPO statuiert, dass das Gericht, bevor es entscheidet, alle e rheblichen Vorbringen der Parteien wür- digt. Nach § 16 Abs. 2 VPO wendet das Gericht das Re cht von Amtes wegen an. § 12 VPO besagt, dass das Gericht von Amtes wegen die für den Entsch eid wesentlichen Tatsachen fest- stellt und es in der Beweiswürdigung frei ist (Abs. 1). Die präsidierende Person und das Gericht können von sich aus oder auf Antrag und unter Mitteilun g an die Parteien die Akten ergänzen, Erhebungen und Augenscheine vornehmen sowie Sachverstä ndige und Zeugen bzw. Zeugin- nen anhören (Abs. 2). Nicht neu sind Tatsachen, wenn sie sich bereits aus den Akten ergeben (KÖLZ /H ÄNER /B ERTSCHI , a.a.O., Rz. 1536). Die Frage, ob ein Vorbringen ve rspätet erfolgte, kann, je nachdem welcher Bestimmung (§ 6 Abs. 2 VPO bzw . § 16 Abs. 2 VPO) grösseres Ge- wicht beigemessen wird, anders beantwortet werden (KGE VV vom 22. August 2018 [810 17 300] E. 1.3.3; KGE VV vom 12. April 2006 [810 05 29 2/87] E. 2.4.3). Gemäss bundesgerichtli- cher Rechtsprechung dürfen auf jeden Fall neue Tatsachen und Beweismittel soweit vorge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bracht werden, als der Entscheid der Vorinstanz dazu An lass gibt, was in der Beschwerde nä- her darzulegen ist (BGE 134 V 223 E. 2.2.1 m.H.; Urt eil des BGer 1C_426/2012 vom 26. März 2013 E. 1.3). 1.3.3. Die Beschwerdeführerin hatte in ihrer Verfügun g vom 15. Januar 2019 eine Abwasser- anschlussgebühr in der Höhe von Fr. 113'933.15 (inkl. M WST) in Rechnung gestellt. Als Zah- lungsfrist wurden 60 Tage netto genannt. Des Weiter en wurde in der Verfügung festgehalten, dass nach Ablauf der Zahlungsfrist Verzugszins erhoben werde. Vor Enteignungsgericht hat die Gemeinde die Abweisung der Beschwerde von B.____ und damit die Bestätigung der Verfü- gung vom 15. Januar 2019 und des darin in Aussicht geste llten Verzugszinses bei Zahlungs- verzug verlangt. In der Beschwerde an das Kantonsgericht beantragt die Gemeinde die Aufhe- bung des Urteils des Enteignungsgerichts und die Bestäti gung der Verfügung über Fr. 113'933.15, zzgl. Verzugszins von 5 % ab dem 15. März 2019 bzw. 17. März 2019. Damit verlangt die Beschwerdeführerin nicht mehr als sie verfügt und in allen Verfahren verlangt hat, womit es sich bezüglich der Verzugszinsen nicht um eine Aus dehnung des Antrags handelt. Demzufolge ist – entgegen der Auffassung des Beschwerdege gners – auf den Antrag, es seien Verzugszinsen geschuldet, einzutreten. Auf das Argument de s Mahnstopps wird später einge- gangen. 1.3.4. Die Rechtsbegehren zwei bis vier sind als Eventual begehren ausgestaltet und begrün- den allesamt eine allfällige Reduktion der Kanalisat ionsanschlussgebühr. Das Rechtsbegehren 2 wird mit Blick auf die Vorkehrungen des Beschwerdegegn ers zur Retention des Meteorwas- sers begründet. Das Rechtsbegehren drei wird mit der M aximalleistungsfähigkeit aller (geplan- ten und realisierten) Anschlüsse der Halle zur Ableitung von Schmutzwasser begründet. Das Rechtsbegehren vier basiert auf einer Reduktion des für die Berechnung der Kanalisationsan- schlussgebühr massgebenden Gebäudevolumens. Es handelt sich bei den Rechtsbegehren zwei bis vier um betragsmässige Einschränkungen des Hauptbe gehrens, welche unterschied- lich begründet werden. Sie stellen damit keine Ausdehn ung des Hauptbegehrens oder des ur- sprünglich in Rechnung gestellten Betrags dar. Soweit die Beschwerdeführerin neue Argumente für die Begründung des Hauptbegehrens und der reduzie rten Gebühren vorbringt, ist überdies festzuhalten, dass sie sich erst aufgrund des angefochtenen Urteils des Enteignungsgerichts, welches die neu festgesetzte Gebühr nicht gemäss dem Abwa sser-Reglement der Gemeinde A.____ (AR) vom 22. September 2010 berechnet hat, ver anlasst sah, ihre Begehren anders zu begründen. Die Parteien sind – wie in der E. 1.3.1 h iervor ausgeführt – befugt, ihre rechtliche Begründung zu ändern, soweit der Zusammenhang mit dem Streitgegenstand gewahrt bleibt. Dieser ist vorliegend zweifelsohne gewahrt. Demnach sind die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Alternativbegründungen bezüglich der Best ätigung und der allfälligen Reduktion der verfügten Kanalisationsanschlussgebühr zulässig. Ein Verstoss gegen § 6 Abs. 1 VPO liegt folglich diesbezüglich nicht vor. Auch der Umstand, dass die Rechtsbegehren zwei bis vier nicht mit der fristgemäss eingereichten Beschwerde vom 6. Septe mber 2021, sondern erst mit der am 3. November 2021 eingereichten ergänzenden Beschwe rdebegründung und somit nach Ablauf der Beschwerdefrist gestellt wurden, schadet de r Beschwerdeführerin nicht, da die Rechtsbegehren zwei bis vier das Rechtsbegehren vom 6. S eptember 2021 inhaltlich ein- schränken. So wie die ergänzende Beschwerdebegründung e rst innert der beantragten und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewährten Frist eingereicht werden muss, müssen auch di e Alternativbegründungen, welche das in der Beschwerde gestellte Begehren lediglich einschränken, erst innert dieser Frist einge- reicht werden. Auf die Eventualanträge ist demzufolge einzutreten. 1.3.5. Die Beschwerdegegnerin beantragt, sämtliche mi t der Beschwerdebegründung vom 3. November 2021 neu eingereichten Beilagen, insbesondere die Beilagen 9, 10, 13, 14, 15 und 16, seien als unechte Noven aus dem Recht zu weisen. Wie in der E. 1.3.2 hiervor ausgeführt, dürfen neue Tatsachen und Beweismittel soweit vorgebracht werden, als der Entscheid der Vor- instanz dazu Anlass gibt, was in der Beschwerde näher darz ulegen ist. Vorliegend ist offen- sichtlich, dass erst der Entscheid des Enteignungsgerichts Anlass gab, die erst der Beschwerde an das Kantonsgericht angefügte Beweismittel einzureich en. Die Beweismittel sind deshalb nicht aus dem Recht zu weisen. 1.4. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, da ss auf die Beschwerde vollum- fänglich einzutreten ist und keine Beweismittel aus dem Recht zu weisen sind. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO sämtliche Rechtsverletzungen einschliesslich Überschre itung, Unterschreitung oder Miss- brauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollstä ndige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen vorlie- gend verwehrt (§ 45 lit. c VPO e contrario). 3.1. Das Enteignungsgericht reduzierte die Höhe der K analisationsanschlussgebühr von Fr. 105'787.50 (exkl. MWST) auf Fr. 11'250.-- (exkl. MW ST) mit der Begründung, die auf das AR gestützte Verfügung verletze das Äquivalenzprinzip. 3.2.1. Gemäss § 90 Abs. 2 EntG können Grundeigentümerin nen und Grundeigentümer, de- ren Grundstück ein öffentliches Erschliessungswerk benutzt, zu r Leistung von Gebühren und anderen Abgaben – insbesondere einmaligen Anschlussgeb ühren für Wasser und Abwasser – herangezogen werden. Solche einmalige Anschlussgebühren si nd öffentlich-rechtliche Kausal- abgaben der Grundeigentümer an die Erstellungskosten d es Wasser- und Kanalisationsnetzes als Gegenleistung dafür, dass sie die mit dem Anschluss erö ffnete Möglichkeit erhalten, die Ver- und Entsorgungsanlagen zu benutzen (vgl. BGE 10 6 Ia 241 E. 3b; Urteil des BGer 2C_153/2007 vom 10. Oktober 2007 E. 4). Die Anschlussgeb ühr ist geschuldet, wenn der An- schluss an die Kanalisation erfolgt und deren Benutzung möglich ist. Die Gemeinden sind ge- stützt auf § 3 des Gesetzes über die Wasserversorgung der b asellandschaftlichen Gemeinden vom 3. April 1967 resp. § 13 Abs. 4 des Gesetzes über den Gewässerschutz vom 5. Juni 2003 zur Erhebung von Anschlussgebühren für den Anschluss an di e Wasserversorgung und an die Anlagen der Abwasserbeseitigung befugt und in deren A usgestaltung im Rahmen des überge- ordneten Rechts autonom (vgl. KGE VV vom 22. August 2018 [810 17 300] E. 4; KGE VV vom 7. Dezember 2016 [810 14 246] E. 3; KGE VV vom 7. Sep tember 2016 [810 15 335] E. 3.1; KGE VV vom 16. Dezember 2015 [810 14 171] E. 3.1). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.2. Die Gemeinden sind bei der Festlegung von Abwa ssergebühren innerhalb der Schran- ken des übergeordneten Rechts autonom (vgl. dazu statt vi eler KGE VV vom 22. August 2018 [810 17 300] E. 6.1). Wie das Bundesgericht wiederholt festgestellt hat, verfügen der kantonale und der kommunale Gesetzgeber bei der Ausgestaltung vo n Kausalabgaben innerhalb der ver- fassungsrechtlichen Schranken (namentlich Art. 8 Abs. 1 u nd Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) über einen weiten Spielraum (Ur- teil des BGer 2P.130/2002 vom 13. Dezember 2002 E. 4. 2). Die einmalige Anschlussgebühr muss unter Wahrung des Äquivalenzprinzips festgesetzt werde n. Im Bereich der Abgaben kon- kretisiert das Äquivalenzprinzip einerseits das Verhältn ismässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2 BV), anderseits das Willkürverbot (Art. 9 BV; Urteil des BGer 2C_160/2014 vom 7. Oktober 2014 E. 6.4.1; U LRICH H ÄFELIN /G EORG MÜLLER /FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich 2020, Rz. 2785). Das Äquivalenzprinzip b estimmt, dass eine Gebühr nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis zum objektiven Wert ei ner Leistung stehen darf und sich in vernünftigen Grenzen halten muss (Urteil des BGer 2C _1027/2020 vom 4. Mai 2022 E. 7.1 m.H.; BGE 140 I 176 E. 5.2 m.H.). Die einmalige Ansc hlussgebühr für Wasser und Abwasser bildet die Gegenleistung des Bauherrn für den Anschluss d er Baute an die vom Gemeinwesen erstellten und betriebenen Versorgungs- und Entsorgungs anlagen. Nach feststehender Recht- sprechung dürfen sich Anschlussgebühren nach dem Mass des V orteils richten, welcher dem Grundeigentümer aus der Wasserversorgung bzw. der Abwasser entsorgung des Gebäudes erwächst. Dabei ist nicht die effektive Nutzung massgebl ich, sondern diejenige, die durch den Anschluss ermöglicht wird, und zwar auf Spitzenwerte aus gelegt. Mitberücksichtigt werden darf auch eine potentielle zukünftige Nutzung. Eine Differ enzierung zwischen verschmutztem und unverschmutztem Abwasser ist bei der als einmalige Abgab e konzipierten Anschlussgebühr nicht geboten (Urteile des BGer 2C_1054/2013 vom 20. September 2014 E. 6.3; 2C_816/2009 vom 3. Oktober 2011 E. 5.5; 2C_101/2007 vom 22. August 2007 E. 4.2). Bei der Anschlussge- bühr muss sich die Bemessung dieser Abgabe nicht notwendi gerweise nach dem dem Ge- meinwesen aus dem einzelnen Anschluss jeweils konkret entst ehenden Aufwand richten, son- dern es darf aus Praktikabilitätsgründen mittels schematischer Kriterien auf den dem Pflichtigen erwachsenden Vorteil abgestellt werden. Bei Wohnbaute n bringt der Gebäudeversicherungs- wert (oder ein anderer vergleichbarer Wert, wie der amtliche Steuerwert) der angeschlossenen Liegenschaft diesen Vorteil regelmässig zuverlässig zum A usdruck, ohne dass zusätzlich auf das Mass der mutmasslichen Inanspruchnahme der Versorgungsnetze abgestellt werden müss- te (vgl. Urteile des BGer 2C_722/2009 vom 8. Novembe r 2010 E. 3.2; 2C_101/2007 vom 22. August 2007 E. 4.3, in: Umweltrecht in der Praxis [URP] 2008 S. 16 ff.; 2P.343/2005 vom 24. Mai 2006 E. 3.2; 2P.232/2006 vom 16. April 2007 E. 3.2; 2P.262/2005 vom 9. Februar 2006 E. 3.1, in: URP 2006 S. 394 ff. sowie 2P.53/2007 vom 22. Juni 2007 E. 2.2; R ENÉ WIEDERKEHR /P AUL RICHLI , Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band II, Ber n 2014, Rz. 512; vgl. zum Ganzen KGE VV vom 22. August 2018 [810 17 300] E. 6.1). Die Schematisie- rung führt regelmässig dazu, dass einzelne Faktoren, die Mehrkosten und damit höhere Gebüh- ren verursachen, ausser Acht bleiben, obwohl sie nur ei nen geringen oder gar keinen Einfluss auf den Wasserverbrauch oder Abwasseranfall haben. Das G leiche gilt auch im umgekehrten Sinn, indem kostenneutrale Umstände unberücksichtigt bl eiben, obwohl sie sich auf die Bean- spruchung der Infrastrukturanlagen auswirken (Urteil des BGer 2C_1027/2020 vom 4. Mai 2020 E. 7.2. m.H.). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.3. Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, d ass bei der als einmalige Abgabe konzipierten Anschlussgebühr namentlich bei Wohnbauten der Gebäudeversicherungswert als zulässige Bemessungsgrundlage, welche im Übrigen in der R egel tendenziell zugleich das mutmassliche Mass der künftigen Beanspruchung der Abwasser anlagen zum Ausdruck bringt, gilt. Die Rechtsprechung macht einen Vorbehalt lediglich bei Bauten, die im Verhältnis zu ihrem Versicherungswert einen ausserordentlich hohen oder nied rigen Wasserverbrauch bzw. Ab- wasseranfall aufweisen (Urteile des BGer 2C_356/2013 vo m 17. März 2014 E. 5.2.3; 2C_722/2009 vom 8. November 2010 E. 3.3) und damit, w enn im konkreten Fall bei den gege- benen Baukosten die Abweichung von der durchschnittlichen Inanspruchnahme der Infrastruk- turanlagen besonders gross ist, also ein eigentliches Missverh ältnis zwischen dem Gebäude- versicherungswert und dem Nutzungspotential des Wasser- un d Abwasseranschlusses besteht (Urteil des BGer 2C_847/2008 vom 8. September 2009 E . 2.2). Ein Abgehen von dieser Sche- matisierung ist nach der Rechtsprechung mit Blick auf das Rechtsgleichheitsgebot damit nur angezeigt, wenn die schematischen Kriterien zu unhaltba ren Ergebnissen oder zu Unterschie- den führen, die sich nicht mehr sachlich begründen lassen (Urteil des BGer 2C_1027/2020 vom 4. Mai 2020 E. 7.2. m.H.). In diesen Fällen kann die Bemessung der Anschlussgebühren nicht allein nach dem Gebäudeversicherungswert erfolgen. Ande rs als bei Industriebauten hat das Bundesgericht bei Wohnbauten bislang nie verlangt, dass G emeinden, die Anschlussgebühren nach dem Gebäudeversicherungswert bemessen, Ausnahmen vo rsehen müssen, um einem besonders geringen (oder einem besonders hohen) Wasserverbrauch Rechnung zu tragen (Ur- teil des BGer 2C_1027/2020 vom 4. Mai 2020 E. 7.2. m .H.; vgl. zum Ganzen KGE VV vom 22. August 2018 [810 17 300] E. 6.2). 3.3. Gemäss § 16 Abs. 2 lit. b AR i.V.m § 22 Abs. 1 AR werden die Kosten der Gemeinde für Bau, Betrieb, Unterhalt und Ersatz ihrer Abwasseranlagen sowie die von den Kläranlagenbe- treibern überbundenen Kosten u.a. den Grundeigentüme rn in Form von Anschlussgebühren für den Anschluss an die Abwasseranlagen der Gemeinde weiter belastet, wobei die Anschlussge- bühr aufgrund des Gebäudevolumens in Kubikmetern nach SIA-Norm errechnet wird. Gemäss Ziff. 1.2 des Anhangs zum AR beträgt die Anschlussgebühr in der Wohnzone pro m 3 Gebäude- volumen Fr. 28.--, in den übrigen Zonen pro m 3 Gebäudevolumen Fr. 15.--, für eine Gewerbe- halle pro m 3 Gebäudevolumen Fr. 7.--. Die Gemeinde hat damit in ihrem AR eine Unterschei- dung zwischen Wohnbauten und Gewerbehallen getroffen und die angefochtene Gebühr ge- stützt auf das Gebäudevolumen und den Ansatz von Fr. 7 .-- pro m 3 Gebäudevolumen errech- net. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass im Einzelfall dennoch ein Missverhältnis zwischen der so errechneten Gebühr und der zu entgeltenden staatlichen Leistung vorliegen kann. 4.1. Das Enteignungsgericht hat die Höhe der Gebühr mit der Begründung reduziert, dass die gestützt auf das AR errechnete Gebühr das Äquivalenz prinzip verletze. Für die Erschlies- sungsleistung der Gemeinde sei einzig die in der Kartof felannahmehalle vorhandene, an die Kanalisation angeschlossene Einlaufrinne mit einem Ablaufvolumen von 1.5 l/s zu berücksichti- gen. Die auf dem Dach der Liegenschaft niedergeschlagen e Wassermenge dürfe nicht Gegen- stand der gebührenpflichtigen Leistung der Gemeinde sei n, da es über das Retentionsbecken im Überlaufsfall in den C.____bach gelange, der nich t Bestandteil der Kanalisation sei. Das Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Enteignungsgericht stützt sich dabei unter anderem auf das Urteil des BGer 2P.144/2006 vom 27. Juli 2006. Auch das auf der Parzelle anfallende R egenwasser, welches nicht auf dem Dach der Lagerhalle niederschlage, versickere, weshalb es ebenf alls unberücksichtigt zu bleiben ha- be. 4.2. Die Beschwerdeführerin macht als erstes geltend, da ss der C.____bach – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – gemäss GEP der Beschwerdeführe rin vom 7. Juli 2005 und Kana- lisationskataster als Sauberwasserleitung bzw. Rein- und R egenwasserableitung Bestandteil der kommunalen Abwasserinfrastruktur und damit des kommu nalen Kanalisationssystems sei. Der C.____bach werde sowohl im GEP als auch im Kanali sationskataster als Abwasserwerk definiert. Nicht nur das unverschmutzte Abwasser vom Gr undstück des Beschwerdegegners, sondern auch das unverschmutzte Abwasser des gesamten an den C.____bach angrenzenden Siedlungsgebiets im Trennsystem werde in den C.____bach geleitet. Die Kosten für den C.____bach (insbesondere für Bau, Betrieb, Unterhalt und Ersatz dieser Abwasseranlage) wür- den im Rechnungswesen der Beschwerdeführerin gleich wie die Kosten für die übrigen Abwas- seranlagen als Spezialfinanzierung Kanalisationswesen geführt und nicht als Wasserbaukosten, wie für die öffentlichen Gewässer, welche nicht gemäss dem GEP Bestandteil der Kanalisation seien. Folglich würden sich die vorliegend strittigen An schlussgebühren nicht auf einen Regen- wasserabfluss in einen Bach im Sinne eines öffentlichen Gewässers, sondern auf die Einleitung von Meteorwasser in das kommunale Kanalisationssystem beziehen. Bereits aus diesem Grund sei die Beschwerde gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin bringt verschiedene Argumente ein, weshalb der vom Enteignungsgericht angerufene Bundesger ichtsentscheid vorliegend nicht anwendbar sei. 4.3. Der Beschwerdegegner macht geltend, der C.____b ach sei im Gewässerkataster er- fasst. Für die Einleitung von unverschmutztem Wasser in ein öffentliches Gewässer dürfe keine Kanalisationsanschlussgebühr erhoben werden. Die Anschluss gebühr diene der Finanzierung der Erstellungskosten, nicht der Unterhaltskosten. Diese würden über die wiederkehrenden Ge- bühren gedeckt. Ein Gewässer müsse nicht erstellt werde n, allenfalls müsse es unterhalten werden. Der GEP befasse sich mit der Entwässerung und ni cht ausschliesslich mit der Kanali- sation. Der GEP erfasse den C.____bach ausdrücklich als Gewässer. Der C.____bach sei auch nicht Bestandteil der Mischwasserkanalisation. Die Erhebu ng einer Anschlussgebühr für eine Einleitung von Regenwasser über ein privat errichtetes Retentionsbecken und über eine private Leitung in ein Gewässer sei gemäss Rechtsprechung des Bun desgerichts und des Enteig- nungsgerichts bundesrechtswidrig. Des Weiteren sei zur Beur teilung der vorliegenden Sache irrelevant, wie die Beschwerdeführerin die Kosten für den C.____bach in ihrer Buchhaltung er- fasse. Dass die Beschwerdeführerin in dieser Buchhaltung nicht nur die Kanalisation erfasse, würden ihre Ausführungen in der Duplik an das Enteign ungsgericht vom 31. August 2019 zei- gen, wonach in dieser Buchhaltung auch Kosten für d ie Renaturierung von Gewässern erfasst würden. Jedenfalls sei in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass im Entwässerungs- konzept bei der Finanzierung keine Kosten für Gewässer erwähnt würden. 4.4. Wie zu zeigen sein wird, kann die Frage, ob der C.____bach Bestandteil des kommu- nalen Kanalisationssystems ist und ob auf die Einleitung von unverschmutztem Abwasser in Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht den C.____bach eine Kanalisationsanschlussgebühr erhoben werden darf, offengelassen wer- den. 5.1.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, im Falle von Anschlussgebühren sei nicht die effektive Nutzung massgeblich, sondern diejenige, die d urch den Anschluss ermöglicht werde und zwar auf Spitzenwerte ausgelegt. Mitberücksichtigt werde auch eine potentielle zukünftige Nutzung. Deshalb könne es nicht allein auf die aktuelle S ituation ankommen; massgebend sei, dass die öffentliche Infrastruktur für die Abwasserbese itigung zur Verfügung gestellt werde. Die Versiegelung einer Fläche von rund 3'600 m 2 durch den Beschwerdegegner auf einem vorher unbebauten Grundstück schliesse eine direkte Versickerung de s Meteorwassers aus. Bei Nie- derschlägen falle innert kurzer Zeit eine grosse Menge M eteorwasser an. Bei einem Regener- eignis werde die vom Beschwerdegegner bewirtschaftete F läche zeitgleich bereits durch den Regen bewässert und müsse offensichtlich nicht zusätzlich mi t Meteorwasser aus dem Reten- tionsbecken bewässert werden. Bei Regenereignissen, vor allem solchen mit viel Niederschlag, fliesse daher entgegen den Behauptungen des Beschwerdege gners Meteorwasser von seinem Grundstück über das Retentionsbecken in den C.____bach un d damit in die Abwasserinfra- struktur der Beschwerdeführerin, insbesondere da das Ret entionsbecken nicht im Dauerstau betrieben werden dürfe und somit entleert werden mü sse. Es stehe daher fest, dass die Erhe- bung der streitigen Anschlussgebühr dadurch begründet se i, dass der Beschwerdegegner ins- besondere bei allfälligen Spitzenniederschlägen das auf seinem Grundstück anfallende und überschüssige Meteorwasser durch den Notüberlauf in das A bwasserentsorgungssystem der Beschwerdeführerin ableite. Der Beschwerdegegner verur sache somit eine Zunahme des vom C.____bach aufzunehmenden Meteorwassers. Die Entsorgung des nicht verschmutzten Ab- wassers sei verursachergerecht zu finanzieren. Die Halle d es Beschwerdegegners befinde sich in einem Gebiet, in welchem bei Hochwasserereignissen regelmässig Überflutungen aufgetre- ten seien. Die Transportkapazität der Kanalisation C.___ _bach sei bereits vor dem Bau der La- gerhalle durch den Beschwerdegegner ungenügend gewesen. Im Jahr 2021 sei nun der einge- dolte Teil des C.____bachs mittels Dolenkalibervergrö sserung, Umlegung und Offenlegung an- gepasst worden und es sei ein Entlastungskanal gebaut wor den. Die Projektkosten seien zu Lasten der Spezialfinanzierung Abwasser gegangen. Bei er höhtem Anfall von Regen- und Me- teorwasser ab den angeschlossenen Grundstücken fliesse das Abw asser nun durch den alten Kanal und zudem durch den neuen Entlastungskanal. Von d iesem Ausbau der Kanalisa- tionswerke profitiere auch der Beschwerdegegner. Im Üb rigen sei irrelevant, ob der Überlauf tatsächlich zum Einsatz gelange, da die blosse Möglichkeit der Inanspruchnahme des Versor- gungsnetzes genüge. Im vorliegenden Fall bleibe es aber ohnehin nicht bei der blossen Mög- lichkeit, da der Überlauf regelmässig genutzt werde. Zud em stimme die Aussage des Be- schwerdegegners nicht, dass der Abfluss derart kalkuliert worden sei, dass nicht mehr Wasser abfliesse, als wenn keine Lagerhalle errichtet worden wäre. Der Abfluss aus dem Retentionsbe- cken in den C.____bach sei vielmehr so kalkuliert worden, dass die Abflussgeschwindigkeit der bisherigen Abschlussgeschwindigkeit für das nicht bebaute Gr undstück entspreche, wenn nicht das gesamte Meteorwasser habe versickern können. Somit dr ossle das Retentionsbecken le- diglich den Abfluss des Meteorwassers. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1.2. Der Beschwerdegegner entgegnet, das Meteorwasser , das auf dem Dach der Lager- halle niederschlage, werde in einem Becken mit einem V olumen von 280 m 3 gefasst und voll- ständig zur Bewässerung der bewirtschafteten Fläche verwendet, womit es vollständig versicke- re. Das Retentionsbecken mit einem Volumen von 280 m 3 weise ein mehrfach grösseres Volu- men als vorgeschrieben auf. Das Wasser werde jeweils au s dem Retentionsbecken in Tanks mit einem Fassungsvolumen von 5'000 Litern überführt u nd dann bei Bedarf verwendet. Das Retentionsbecken werde so nie voll. Der Abfluss aus de m Becken greife nur beim Bedarfsfall bei absoluten Spitzenniederschlägen. Wie sich seit Inb etriebnahme gezeigt habe, sei das bis anhin aber nicht nötig gewesen. Das werde auch durch d ie Aussage der Beschwerdeführerin, dieses Retentionsbecken könne ein 100-jährliches Hochwasser ( HQ100) aufnehmen, gestützt. Überdies weist der Beschwerdegegner darauf hin, dass sich der Abfluss nicht am Boden des Beckens befinde, sondern in mittlerer Höhe angebracht worden sei. Zudem sei das Retentions- becken nicht abgedichtet, so dass Wasser durchaus auch langsam aus dem Becken versickern könne. Der Beschwerdegegner beantragt eine Expertisieru ng der von der Abwasserrinne und der Kanalisation sowie der vom C.____bach aufzunehmen den Wassermenge. Er erklärt, dass das Meteorwasser nicht in die Kanalisation eingeleitet w erde, weil es vollständig versickere. In den Rechtsschriften erörtert er, dass der Abfluss derar t kalkuliert worden sei, dass nicht mehr Wasser in den C.____bach abfliesse, als wenn keine Lagerhalle errichtet worden wäre. 5.2.1. Aus dem Schreiben der Gemeinde an das Architektu rbüro D.____ vom 15. Dezember 2016 geht hervor, dass das erforderliche Retentionsvolum en auf 60 m 3 berechnet wurde. Des Weiteren wird dort festgehalten, dass der Abfluss in di e C.____bachverdolung maximal 10 l/s betragen dürfe und dieser Abfluss in etwa dem natürli chen Abfluss der Fläche ohne Bebauung entspreche. Überdies wird ausgeführt, dass das Retent ionsvolumen nicht im Dauerstau betrie- ben werden dürfe. Das heisse, das Becken müsse sich nach d em Regenereignis immer kom- plett entleeren. 5.2.2. Dem Protokoll des Augenscheins vom 6. Januar 20 21, demjenigen der Vorverhandlung vom 30. Januar 2020 und den Rechtsschriften ist zu entnehme n, dass der Beschwerdegegner verpflichtet worden war, ein Retentionsbecken mit einem Speichervolumen von 60 m3 zu errich- ten. Dieses Retentionsvolumen soll, wie aus dem Schreib en der Gemeinde an das Architektur- büro vom 15. Dezember 2016 hervorgeht, sicherstellen, da ss der Abfluss in etwa dem natürli- chen Abfluss der Fläche ohne Bebauung entspricht. Es wurd e jedoch ein Becken mit einem Fassungsvermögen von 280 m 3 gebaut, weil der Beschwerdegegner das aufgefangene Wasser nutzen wollte, um die Felder zu bewässern und die Kart offeln zu waschen. Gemäss Beschwer- degegner wird nur ein sehr kleiner Teil der Kartoffeln, nämlich 3 - 5 Tonnen der jährlich geernte- ten 3'500 Tonnen, gewaschen, da sie ungewaschen besser h altbar seien. Gewaschen würden lediglich die "faulen" Kartoffeln. 5.2.3. Gemäss Protokoll der Vorverhandlung vom 30. Janu ar 2020 hat der Leiter der Bauab- teilung der Gemeinde ausgeführt, dass der Wasserspeicher kombiniert mit dem Reten- tionsbecken 280 m 3 Speichervolumen beinhalte, wovon das Retentionsbecken 6 0 m 3 betrage. Das Wasser des Retentionsbeckens könne an den eingedolten Bach abgegeben werden, damit der Speicher nicht überlaufe. Am vom Enteignungsgericht durchgeführten Augenschein erklärte Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Leiter der Bauabteilung der Gemeinde, dass es ein grosses Becken sei, welches mit Blick auf das Retentionsvolumen von 60 m 3 über einen "dosierten" Überlauf in den Vorfluter, also den Bach, verfüge, damit dieser nicht über die Ufer trete . Solange der Wasserspeicher (gemäss Anmerkung des protokollführenden Gerichtsschreibers umfa sse dieser Speicher 220 m 3) nicht voll sei, werde das Retentionsvolumen nicht "angebraucht ". Der Beschwerdegegner ergänzte, dass der Speicher so gross sei, dass von Frühling bis Her bst, wenn er die Felder mit grossen Mengen Wasser bewässern müsse, gar kein Wasser in den Bach ü berlaufe. Auf Frage, wann welche Menge Wasser in den Bach fliesse, antwortete der Beschwerdegegner, dass dies nicht gemessen werde. 5.3. Aus den obigen Darstellungen kann gefolgert werd en, dass der Beschwerdegegner ein grosses Becken gebaut hat, und damit auch grössere Bauko sten getragen hat, um Wasser zu sammeln, das er nutzt. Er hat damit kein Interesse, dass grössere Wassermengen durch Einlei- tung in den C.____bach für seine Nutzung verloren gehen . Die Aussage, dass das Retentions- volumen nicht im Dauerstau betrieben werden könne, was heisse, dass das Becken nach dem Regenereignis immer komplett entleert werden müsse, ist unter Berücksichtigung des effektiven Beckenvolumens von 280 m 3 und nicht des geforderten Retentionsvolumens von 60 m 3 zu ver- stehen. Der Beschwerdegegner kommt dieser Aufforderung damit schon nach, wenn im Becken jeweils nicht mehr als 220 m 3 Wasser enthalten sind, da damit das Becken immer noch ei ne Fassungskapazität von 60 m 3 vorrätig hat und damit das geforderte Retentionsvolum en von 60 m3 bereithält. Die Aussage des Beschwerdegegners am Augenschein, dass von Frühling bis Herbst gar kein Wasser in den Bach überlaufe, ist glaub haft. Nicht auszuschliessen ist, dass im Winter eine geringe Wassermenge in den Bach gelangt. 5.4. Beim vom Enteignungsgericht durchgeführten Augensch ein hat sich überdies gezeigt, dass auch das Meteorwasser, welches nicht auf dem Dach ni ederschlägt, sondern auf die übri- gen versiegelten Flächen fällt, versickert. Es kann weder über die Wasserablaufrinne in der Kar- toffelannahmehalle noch über andere Zugänge im Aussenb ereich der Halle in die Kanalisation eingeleitet werden. Ebenso wenig wird es dem C.____bach zugeführt. 5.5. Damit kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass – falls überhaupt – lediglich eine geringe Meteorwassermenge über das Retentionsbeck en in den C.____bach eingeleitet wird. 6.1. Umstritten ist, ob in Bezug auf die Gebührenpfli cht für die Halle ein Ablaufvolumen von 1.5 l/s oder 9 l/s relevant ist. 6.2.1. Die Beschwerdeführerin erklärt, es sei unbestrit ten, dass im Zuge des streitgegen- ständlichen Lagerhallenbaus nur eine Einlaufrinne mit einer Leistungsfähigkeit von 1.5 l/s in der Kartoffelhalle realisiert worden sei. Im Baugesuchsverfa hren habe der Beschwerdegegner je- doch weitere Abwasserrinnen im Bereich der Tore zur Ka rtoffelannahmehalle und zu den drei Kühlräumen vorgesehen. Auch wenn diese nun nicht ausgef ührt worden seien, so verfüge die Anschlussleitung an das Schmutzwasserkanalisationsnetz der B eschwerdeführerin dennoch über ein Ablaufvolumen von 9 l/s. Diese Leistungsfähigkeit der Schmutzwasseranschlussleitung Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei im Zuge des Lagerhallenbaus nicht verringert worde n. Somit habe der Beschwerdegegner die Möglichkeit, 9 Liter Schmutzwasser pro Sekunde in die Kanalisation der Beschwerdeführe- rin einzuleiten. Ob er diese Möglichkeit tatsächlich in Anspruch nehme, sei nicht relevant. Mass- gebend sei einzig dieses auf Spitzenwerte ausgelegte N utzungspotential, womit von der maxi- malen Leistungsfähigkeit der Schmutzwasserableitung von 9 l/s auszugehen sei. Sofern also die Anschlussgebühr überhaupt entgegen dem im AR vorgese henen System nach Belastungs- werten zu ermitteln sei, liege bezüglich des Schmutzwass ers die massgebende Maximalleis- tungsfähigkeit der Abwasserrinne bei 90 und nicht 15 Belastungswerten, was unter Anwendung des von der Vorinstanz ermittelten Gebührensatzes von Fr. 750.-- pro Belastungswert eine An- schlussgebühr für das Schmutzabwasser von Fr. 67'500.-- (zzgl. MWST) ergebe. 6.2.2. Der Beschwerdegegner macht geltend, die Abwasser rinne in der Lagerhalle für Kartof- feln ohne Wasseranschluss und mit einem Ablaufvolumen v on 1.5 l/s diene der Ableitung des Wassers, welches dafür verwendet werde, jährlich 0.1 bis 0 .14 % der angelieferten Kartoffeln zu waschen und sofort weiterzuverarbeiten. Die Kartoffe ln würden grundsätzlich nicht gewa- schen, da sie dadurch nicht mehr lagerfähig seien und sofort weiterverarbeitet werden müssten. Der Beschwerdegegner führt aus, die Beschwerdeführerin habe behauptet, er wasche in einer Lagerhalle ohne Wasseranschluss alle Kartoffeln, also 3' 500 Tonnen Kartoffeln pro Jahr, von Hand (es gebe keine Waschmaschine) und habe dafür eine A bwasserrinne mit einer Kapazität von 1.5 l/s errichtet. Es sei auf den effektiven Anschluss ab zustellen und nicht auf die nicht um- gesetzten Plangrundlagen, da nicht die Bewilligung e ines Anschlusses, sondern erst der An- schluss an die Kanalisation zur Gebühr führe. Es sei ledi glich ein Anschluss durch eine Leitung mit einem Ablaufvolumen von 1.5 l/s realisiert worden , weswegen die Behauptung, es könnten 9 l/s abgeleitet werden, falsch sei. Dazu wären bauliche Massnahmen erforderlich. 6.2.3. Das Enteignungsgericht führt in der E. 2.4.3.1 seines Urteils aus, anlässlich einer Be- gehung habe sich gezeigt, dass die geplanten Abwasserrinn en im Bereich der Tore zur Kartof- felannahmehalle und zu den drei baugleichen Kühlräum en im Zuge des Hallenbaus nicht aus- geführt worden seien. Entsprechend falle die dem Besch werdeführer effektiv zur Verfügung stehende Abflussleistung geringer als geplant aus. Im Inn eren der Kartoffelannahmehalle sei eine einzige Abwasserrinne vorhanden, welche an die ko mmunale Kanalisation angeschlossen sei und über eine Leistungsfähigkeit bzw. ein Ablaufvol umen von 1.5 l/s, was 15 Belastungs- werten entspreche, verfüge. 6.3.1. Fest steht, dass die Kartoffelannahmehalle ledi glich eine an die kommunale Kanalisati- on angeschlossene Abwasserrinne mit einem Ablaufvolumen von 1.5 l/s verfügt, was – wie das Enteignungsgericht in seinem Urteil aufgezeigt hat – 15 Belastungswerten entspricht. Des Wei- teren ist für das Kantonsgericht glaubhaft erstellt, dass, falls überhaupt, nur eine geringe Menge Meteorwasser über das 280 m 3 umfassende Becken in den C.____bach gelangt. Das Ente ig- nungsgericht vergleicht in seiner E. 2.4.3.2 einerseits d ie erhobene Gebühr mit der Gebühr für ein Einfamilienhaus und errechnet andererseits, wie hoch der Gebührensatz wäre, wenn die angefochtene Gebühr durch 15 Belastungswerte dividiert w ürde. Es zeigt in seinem Entscheid in der E. 2.4.3.2 ausführlich auf, dass die Gebührenhöhe von Fr. 105'787.50 exkl. MWST für ein Ablaufvolumen von 1.5 l/s in der Kartoffelhalle das Äquivalenzprinzip verletzt. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2. Das Kantonsgericht schliesst sich den Ausführungen d es Enteignungsgerichts an, dass für die Beurteilung des Äquivalenzprinzips die errichtet e Rinne mit einem Ablaufvolumen von 1.5 l/s massgeblich ist und nicht die ursprünglich geplan ten Rinnen mit einem Ablaufvolumen von 9 l/s massgeblich sind, und teilt die Argumentation und Schlussfolgerung des Enteignungs- gerichts in der E. 2.4.3.2 seines Urteils, dass die erhob ene Gebühr das Äquivalenzprinzip ver- letzt, da die angefochtene, schematisch nach dem Gebäudevo lumen bemessene Kanalisa- tionsanschlussgebühr im Falle der vorliegend zu beurte ilenden Kartoffellagerhalle in einem of- fensichtlichen Missverhältnis zur Leistungsfähigkeit des Anschlusses an die kommunale Kanali- sation steht. Dabei ist der Gemeinde im Grundsatz beizu pflichten, dass im Falle von An- schlussgebühren nicht die effektive Nutzung massgeblich ist , sondern diejenige, die durch den Anschluss ermöglicht wird und zwar auf Spitzenwerte ausge legt. Dieser Grundsatz findet je- doch seine Schranken dort, wo die Baute im Verhältn is zu ihrem Gebäudevolumen einen aus- serordentlich niedrigen Wasserverbrauch bzw. Abwasseranfall aufweist, was hier – wie die kon- kreten Umstände zeigen – der Fall ist. Des Weiteren kan n mit dem Enteignungsgericht festge- halten werden, dass irrelevant ist, ob der Beschwerdegegner lediglich 3-5 Tonnen seiner durch- schnittlichen Jahreskartoffelernte von ca. 3'500 Tonnen o der alle Kartoffeln wäscht, da im Rah- men der vorliegenden Äquivalenzprüfung die Maximalleistungsfähigkeit der Einlaufrinne (15 Be- lastungswerte) zur Quantifizierung der Erschliessungsleistu ng der Beschwerdeführerin mass- gebend ist, da über die fragliche Rinne so oder ander s maximal 1.5 l/s abgeleitet werden kön- nen. Überdies kommt das Kantonsgericht zum Schluss, dass auch unter Berücksichtigung, dass allenfalls eine geringe Menge Meteorwasser über de n Überlauf des Retentionsbeckens in den C.____bach gelangt und die Einleitung dieser Menge gebührenpflichtig wäre, die erhobene Gebühr das Äquivalenzprinzip verletzt. Auf die allfälli g in den C.____bach eingeleitete geringe Wassermenge wird später nochmals eingegangen. 6.3.3. Als Zwischenergebnis kann somit festgehalten werd en, dass die erhobene Gebühr das Äquivalenzprinzip verletzt, womit das Hauptbegehren der Beschwerdeführerin abzuweisen ist. Zu prüfen ist alsdann, wie die Gebühr berechnet werden soll. 7.1. Wie das Enteignungsgericht in seiner E. 2.4.3.3. zu treffend ausführt, ist die Gebühr so weit zu ermässigen, dass gerade kein offensichtliches Missver hältnis zwischen der reduzierten Gebühr und dem objektiven Wert der zu entgeltenden Le istung mehr vorliegt. Es hält fest, dass im Kanton Basel-Landschaft die Abgabesätze für Kanalisa tionsanschlussgebühren per Ende 2017 zwischen Fr. 280.-- und Fr. 1'000.-- pro Belastung swert gelegen hätten und der Abgabe- satz für Kanalisationsanschlussgebühren im Durchschnitt Fr . 543.-- betragen habe. Angesichts der Lage der streitgegenständlichen Einlaufrinne im gedeckten Halleninneren, dem Fehlen von Wasserbezugsstellen in der Lagerhalle sowie der maximale n Leistungsfähigkeit der Rinne von 15 Belastungswerten erachtete das Enteignungsgericht ein en hypothetischen Gebührensatz von Fr. 750.-- als gerade noch·mit dem Äquivalenzprinzip vereinbar. Das Kantonsgericht schliesst sich diesen Ausführungen und Schlussfolgerungen an. Dabei ist festzustellen, dass der vom Enteignungsgericht herangezogene Belastungswert v on Fr. 750.-- Fr. 207.-- über dem Durchschnittswert liegt. Wie oben schon ausgeführt, kann n icht ausgeschlossen werden, dass eine kleinere Menge Wasser über den Notüberlauf aus de n Retentionsbecken in den C.____-Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht bach fliesst. Das Kantonsgericht kommt zum Schluss, dass – selbst bei Bejahung der Gebüh- renpflicht für das Einleiten von nicht verschmutztem A bwasser in den C.____bach – durch das Heranziehen eines höheren Belastungswertansatzes als den d urchschnittlichen Ansatz ein all- fälliges Einfliessen einer geringen Menge Meteorwasser ü ber den Überlauf in den C.____bach als gebührenmässig abgedeckt gelten kann. 7.2.1. Die Beschwerdeführerin stellt den Eventualantra g, es sei die Gebühr wegen Vorkeh- rungen zur Retention des Meteorwassers um 30 % zu re duzieren. Sie weist vorerst darauf hin, dass das AR hinsichtlich der Anschlussgebühren keine Redukt ion aufgrund derartiger Vorkeh- rungen vorsehe. Zudem sei zu beachten, dass das Retentionsv olumen stets geleert werden müsse. Eine Reduktion liesse sich also allenfalls aufgrund des Verursacherprinzips und des Äquivalenzprinzips rechtfertigen. Bei der Bemessung der Reduktion sei zudem nicht notwendi- gerweise vom Aufwand auszugehen, der dem Gemeinwesen aus dem einzelnen Anschluss jeweils konkret entstehe, sondern es dürfe mittels schemat ischer Kriterien auf den dem Pflichti- gen erwachsenden Vorteil abgestellt werden. Mithin sp iele das Mass der mutmasslichen Inan- spruchnahme des Versorgungsnetzes eine untergeordnete Rolle. Sollte nach Ansicht des Ge- richts der Umstand, dass der Beschwerdegegner Vorkehrungen zur Retention und zum Auffan- gen des Meteorwassers getroffen habe, in die Berechnun g der Anschlussgebühr einbezogen werden müssen, so sei analog dem Entscheid des Obwaldn er Regierungsrats Nr. 112 vom 24. September 2012 (E. 3.2, publiziert in: Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsentscheide des Kantons Obwalden [VVGE] 2011/2013 Nr. 30, 100) eine Reduktion von maximal 30 % auf die mit Verfügung vom 15. Januar 2019 gestützt auf § 22 AR erhobene Gebühr von Fr. 105'787.50 zu gewähren. 7.2.2. Dem Argument der Beschwerdeführerin, das AR sehe keine Reduktion bei Vorkehrun- gen zur Retention vor, ist entgegenzuhalten, dass die in Rechnung gestellte Gebühr das Äqui- valenzprinzip verletzt, weshalb es unwesentlich ist, dass das AR diesbezüglich keine Reduktion vorsieht. Des Weiteren ist vorliegend nicht massgeblich, dass ein Retentionsbecken errichtet wurde, sondern dass ein viel grösseres Speicherbecken erri chtet wurde, dessen Wasser durch die Nutzung versickert. Zudem ist – wie oben ausgeführt – davon auszugehen, dass im vorlie- genden Fall höchstens eine nicht nennenswerte Menge Was ser aus dem Speicherbecken über den Überlauf in den C.____bach fliesst, da einerseits das Becken bei einem Inhalt von weniger als 220 m 3 Wasser kein Wasser ablaufen lassen muss, und andererseits a ufgrund der konkre- ten Verhältnisse das Wasser aus dem Becken grundsätzlich ve rbraucht wird. Der Eventualan- trag ist demzufolge abzuweisen. 7.3.1. Die Beschwerdeführerin stellt subeventualiter d en Antrag, es sei von der Maximalleis- tungsfähigkeit des Anschlusses an die kommunale Kanalisat ion auszugehen, sofern das Ge- richt wider Erwarten zum Schluss kommen sollte, dass nur d as Ableiten von Schmutzwasser aus der Halle in die Schmutzwasserkanalisation gebührenpflichtig sei und dass diese Gebühren anhand des Belastungswerts zu ermitteln seien. Da die Maximalleistungsfähigkeit der Schmutz- wasserableitung vom Grundstück des Beschwerdegegners bei 9 l/s liege, was einem Belas- tungswert von 90 entspreche, sei die Gebühr auf Fr. 67'500.-- (90 x Fr. 750.--) festzusetzen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.2. Wie oben dargelegt, führen die konkreten Umstän de zum Schluss, dass die von der Beschwerdeführerin verfügte Gebühr das Äquivalenzprinzip verletzt. Aus diesem Grund wäre es widersprüchlich, nach Feststellung der Verletzung des Ä quivalenzprinzips wieder von den konkreten Umständen abzuweichen und auf die hypothetischen Möglichkeiten abzustellen. Demzufolge ist nicht von 90 Belastungswerten, sondern vo n 15 Belastungswerten auszugehen und der Subeventualantrag abzuweisen. 7.4.1. Die Beschwerdeführerin stellt subsubeventualit er das Begehren, dass die Gebühr le- diglich anhand des Gebäudevolumens der Kartoffelannahm ehalle, in der sich eine Einlaufrinne für Schmutzwasser befinde, zu berechnen sei und pro Kubikm eter ein Gebührenansatz von Fr. 7.-- gemäss § 22 Abs. 1 AR herangezogen werden soll e. Damit werde das Gebäudevolu- men der drei Kühlräume, in denen der Beschwerdegegner entgegen den Plänen keine Installa- tionen für das Ableiten von Abwasser errichtet habe, un berücksichtigt gelassen. Daraus resul- tiere eine Gebühr von Fr. 42'351.68 exkl. MWST (6'050. 24 m 3 x Fr. 7.--; Volumen der Kartoffel- annahmehalle insgesamt: 6'050.24 m 3; Volumen der gesamten Halle: 15'112.50 m3). 7.4.2. Das Enteignungsgericht hat die Berechnungsart na ch Belastungswerten gewählt. Ver- schiedene Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft berechnen ihre Anschlussgebühren nach Belastungswerten. Es handelt sich folglich um eine gängi ge Berechnungsart. Das Kantonsge- richt prüft den angefochtenen Entscheid nicht auf sein e Angemessenheit hin. Es hebt einen angefochtenen Entscheid nicht auf, weil auch andere vert retbare Lösungen möglich wären. Demzufolge ist auch der Subsubeventualantrag der Beschwerdeführerin abzuweisen. 7.5. Aus dem Dargelegten folgt, dass sowohl das Hauptb egehren als auch die drei Even- tualanträge der Beschwerdeführerin abzuweisen sind. Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt es sich, über den Antrag des Beschwerdegegners auf eine Expertisierung der von der Abwasserrinne und der Kanalisation sowie der vom C.____ bach aufzunehmenden Wasser- menge zu befinden. 8.1. Als nächstes ist auf den Verzugszins und den Mahnstop p einzugehen. 8.2. Wie bereits in der E. 1.3.3 hiervor ausgeführt, st ellte die Beschwerdeführerin in ihrer Verfügung vom 15. Januar 2019 eine Abwasseranschlussgebü hr in der Höhe von Fr. 113'933.15 in Rechnung. Als Zahlungsfrist wurden 60 Tage netto genannt und es wurde darauf verwiesen, dass nach Ablauf der Zahlungsfrist Ve rzugszins erhoben werde. Dies ent- spricht § 19 AR, gemäss welchem Erschliessungsbeiträge und A nschlussgebühren innert 60 Tagen nach Rechnungsstellung zur Zahlung fällig sind (Ab s. 2) und bei Überschreitung der Zahlungsfrist ein Verzugszins von 5 % erhoben wird (§ 1 9 Abs. 3 AR in Verbindung mit § 6 des Reglements über die Erhebung der Gemeindesteuern der Gemeinde A.____ vom 25. Oktober 2000 und dem Entscheid des Gemeinderates bzw. der Gemei ndeversammlung; siehe dazu: www.A.____.ch/de/verwaltung/finanzen). Die Pflicht zur Leistung von Verzugszinsen hängt vom Bestand der in der angefochtenen Verfügung geltend ge machten Forderung ab. Mit dem vor- instanzlichen Entscheid wurde die Höhe der Forderung der Beschwerdeführerin reduziert. Auf diese Betragshöhe besteht der Anspruch auf Verzugszins nac h wie vor und zwar ab dem Zeit- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht punkt, ab dem der Verzugszins auf den ursprünglich von de r Gemeinde geltend gemachten Betrag erhoben werden konnte. Die aufschiebende Wirkun g der Rechtsmittel verhindert nicht, dass Fälligkeit und Verzug auf den Zeitpunkt zurückbezogen werden, in dem der Anspruch er- hoben worden bzw. der Verzug eingetreten ist (KGE VV v om 7. September 2016 [810 15 335] E. 6.3.3. und 6.3.4). 8.3. Der Beschwerdegegner macht geltend, die Beschwerd eführerin habe mit Schreiben vom 30. Januar 2019 einen Mahnstopp ausgesprochen. Sie habe ferner mündlich erklärt, die durch das Enteignungsgericht bestätigte oder festgelegte Gebühr zu akzeptieren und danach in Rechnung zu stellen. Der Beschwerdegegner erklärt, die Beschwerdeführerin hätte den Mahn- stopp unter Ansetzung einer neuen Zahlungsfrist aufheben müssen. 8.4. Wie oben ausgeführt, wurde gestützt auf das AR in der angefochtenen Verfügung die Erhebung von Verzugszinsen klar angekündigt. Die Beschwerd eführerin hat während des gan- zen Verfahrens von der angefochtenen Verfügung nie Ab stand genommen. Mit Schreiben vom 30. Januar 2019 erklärt sie lediglich einen Mahnstopp ei ngerichtet zu haben. Ein Mahnstopp führt nicht per se zur Aufhebung der Pflicht zur Leist ung von Verzugszinsen, sondern bedeutet lediglich, dass vorerst keine Mahnungen ausgesprochen werden. Die Beschwerdeführerin hat in allen Verfahren an ihrer angefochtenen Verfügung fest gehalten. Daran ändert auch die Mittei- lung, dass keine Mahnungen geschickt würden, nichts. 8.5. Demnach steht der Beschwerdeführerin auf den Bet rag von Fr. 11'250.-- (exkl. 7.7 % MWST) ein Verzugszins von 5 % ab dem 17. März 2019 (15. Januar 2019 plus 60 Tage) bis zum Zeitpunkt der durch den Beschwerdegegner erfolgten Zahlung der Kanalisationsan- schlussgebühr in der Höhe von Fr. 12'116.25 (= Fr. 11' 250.-- zzgl. 7.7 % MWST) und somit bis zum 21. November 2021 zu (Zahlung mit Valuta vom 22. No vember 2021 bei der Gemeinde eingegangen). 9.1. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO umfas- sen die Verfahrenskosten die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten. Sie werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufe rlegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten in der Höhe von Fr. 4' 500.-- der Beschwerdeführerin aufzuerle- gen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. 9.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden. Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners m acht in seiner Honorarnote vom 18. Juli 2022 einen Aufwand von 40.11 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 705.40 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Die B eschwerdeführerin hat B.____ demzu- folge eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 11 '559.35 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehr- wertsteuer) zu entrichten. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 4'500.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Die Beschwerdeführerin hat dem privaten Beschwerde gegner eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 11'559.35 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) zu entrichten. Im Übrigen werde n die Parteikos- ten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin