B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3101/2012/sed U r t e i l v o m 1 9 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______ , geboren am (…), Eritrea, zur Zeit in Uganda, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 8. Mai 2012 / N (…). D-3101/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, Staatsangehörige r von Eritrea mit derzeitigem Aufenthaltsort in B._______ (Uganda), liess – vertreten durch C._______ - mit Eingabe vom 11. März 2011 beim BFM ein Asylgesuch aus dem Ausland einreichen. Zur Begründung seines Gesuchs machte der Beschwerdeführer geltend, aus der eritreischen Armee desertiert zu sein. Er habe Eritrea am 15. Februar 2010 verlassen und lebe seit April 2010 unter prekä ren Um- ständen in Libyen. Im Falle der Rückkehr nach Eritrea drohe ihm die T o- desstrafe. Der Eingabe lag eine schriftliche Schilderung der Asylgründe durch den Beschwerdeführer in tigrinischer Sprache bei. B. Am 7. April 2011 teilte das BFM dem Beschwerde führer mit, die Schwei - zer Botschaft in Tripolis sei seit dem 27. Februar 2011 geschlossen. Auf- grund dieser Situation könne sein Gesuch aktuell nicht weiterbehandelt werden. C. Mit Eingabe vom 19. April 2011 beantragte der Beschwerdeführer durch seinen (… ) Rechtsvertreter die Durchführung eines schriftlichen Asyl - verfahrens. Falls das BFM an der Verfahrenssistierung festhalte, sei ihm diesbezüglich eine anfechtbare Verfügung zuzustellen. D. Mit Schreiben vom 11. Mai 2011 stellte das BFM eine Weiterführung d es Verfahrens in der gesetzlich vorgesehenen Weise in Aussicht. Gleichzei- tig verwies es auf die hohe Geschäftslast. E. Am 21. Juni 2011 teilte der Rechtsvertreter dem BFM mit, sein Mandant befinde sich seit dem 25. März 2011 in einem Flüchtlingscamp in Tune- sien. F. Am 24 Juni 2011 erteilte das BFM dem Beschwerdeführer eine Einreis e- bewilligung in die Schweiz zur Durchführung des Asylverfahrens. D-3101/2012 Seite 3 G. Mit Schreiben vom 13. September 2011 teilte das BFM dem Rechtsvertre- ter mit, gemäss seinen Informationen habe eine Drittperson versucht, mit der Einreisebewilligung des Beschwerdeführers in die Schweiz zu reisen und der Beschwerdeführer selber halte sich womöglich gar nicht in Tun e- sien auf. H. Mit Eingabe vom 15. September 2011 machte der Rechtsvertreter gel - tend, s ein Mandant habe nach Erhalt der Einreisebewilligung versucht, auf dem Seeweg nach Italien zu gelangen. Da das Boot offenbar gesun - ken sei, wisse er nicht, ob A._______ noch lebe. Er habe sein gesamtes Gepäck in Tunesien zurückgelassen; allenfalls habe sich eine Drittperson seiner Einreisebewilligung bemächtigt. I. Am 20. September 2011 schrieb das BFM das Asylgesuch aus dem Aus - land vom 11. März 2011 als gegenstandslos geworden ab. J. Mit Eingabe vom 8. November 2011 wies der Re chtsvertreter darauf hin, dass A._______ im Meer durch die libyschen Behörden aufgegriffen wor- den sei. Mittlerweile befinde er sich in Uganda. Das Verfahren sei unter Ausstellung einer erneuten Einreisebewilligung wieder aufzunehmen. K. Mit Zwischenverfügung vom 11. November 2011 ersuchte das BFM den Rechtsvertreter um detaillierte Angaben zu Belangen seines Mandanten. L. In seiner Eingabe vom 13. Dezember 2011 verwies der Rechtsvertreter vorab auf die Abklärungspflicht der Asylbehörde. Im Weiteren legte er dar, A._______ lebe aktuell bei einem eritreischen Paar in B._______ und werde von diesem unterstützt. Er habe sich beim UNHCR gemeldet und einen Flüchtlingsausweis erhalten. Der Eingabe lagen e in ugandischer Flüchtlingsausweis, ein Bestätigungsschreiben der ugandischen Behör - den und ein englischsprachiges Schreiben von A._______ bei. In diesem legte er seine Fluchtgründe und den Fluchtweg näher dar. M. Am 14. März 2012 ersuchte der Beschwerdeführer durch seinen Vertreter um einen baldigen Entscheid. D-3101/2012 Seite 4 N. Mit Zwischenverfügung vom 11. April 2012 teilte das BFM dem (…) Ver- treter des Beschwerdeführers mit, im Auslandverfahren werde in der R e- gel eine persönliche Befragung der asylsuchenden Person vor Or t vorge- nommen. Es könne jedoch in einigen expliziten Fällen davon abgese hen werden (BVGE 2007/30 E. 5.4 – 5.8). In Uganda gebe es keine Schwe i- zerische Botschaft, weshalb eine persönliche Befragung nicht möglich sei. Das Verfahren werde deshalb vorliegend schriftlich durchgeführt. Un- ter Hinweis auf den Fragenkatalog ersuchte das BFM den Vertreter des Beschwerdeführers um Vervollständigung des Sachver halts. Gleichzeitig wies es darauf hin, Ausführungen zur allgemeinen Lage in Uganda erü b- rigten sich, da die se dem BFM bekannt sei. Im Weiteren forderte es den Vertreter auf, ein e schriftliche Vollmacht von A._______ nachzureichen. Für den Fall eines allfällig negativen Entscheids wurde Gelegenheit zu abschliessenden Bemerkungen beziehungsweise Einwänden eingeräumt. O. Am 23. April 2012 nahm der Rechtsvertreter Stellung zu den aufgeworfe - nen Fragen und reichte eine Vollmacht seines Mandanten nach. Er mach- te geltend, A._______ verfüge über ein "Asylum Seeker Certificate" vom 29. November 2011. Dieses werde alle drei Monate erneuert. Es sei keine Befragung zu den Fluchtgründen und kein Asylentscheid zu erwar ten. Er habe keine Möglichkeit, von B._______ aus an einen sicheren Ort zu ge- langen. Gesundheitlich habe er keine Probleme. Hingegen könne er sich in Uganda n icht frei bewegen. Personen vor Ort im Dienst der eritrei - schen Regierung setzten ihre Landsleute unter Druck, um sie so zur Rückkehr nach Eritrea zu zwingen. Dabei gelange Bestechungsgeld an die ugandische Polizei, damit diese Eritreer festnähmen und zurück- schafften. Es herrschten korrupte Zustände. Zudem würden die Ange- hörigen in Eritrea behelligt. Ihr Vater sei aufgefordert worden, entwe der die Kinder zurückzubringen oder einen Geldbetrag zu leisten. Auch sei ihm verboten worden, das Land weiter zu bewirtschaften. P. Mit Verfügung vom 8. Mai 2012 stellte das BFM fest, die Einreise in die Schweiz werde nicht bewilligt, und lehnte das Asylgesuch des Beschwe r- deführers ab. Zur Begründung führte es aus, die Abklärung des rechtse r- heblichen Sachver halts erfordere vorliegend nicht die Anwesen heit de s Beschwerdeführers in der Schweiz. Es liege keine unmittelbare Ge fähr- dung vor. Halte sich eine Person, die ein Asylge such aus dem Ausland gestellt habe, in einem Drittstaat auf, be deute dies nicht z wingend, dass D-3101/2012 Seite 5 ihr auch zuzumuten sei, sich dort um Auf nahme zu bemühen. Jedoch sei in einem solchen Fall im Sinne einer Regelvermutung davon auszugehen, die betroffene Person habe bereits im besagten Staat Schutz gefunden, was in der Regel zur Ablehnun g des Asylgesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führe. Die Prü fung der vorliegen den Sachlage habe ergeben, dass der Beschwerdeführer in Eritrea in ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden ge raten sei. Aktuell halte er sich in B._______ auf und sei in einem ugandi schen Flüchtlingszent- rum registriert. Es befänden sich zahlreiche eritrei sche Flüchtlinge und Asylsuchende in Uganda. Ihre Lebensbedingun gen seien nicht einfach. Dennoch bestünden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, ein weiterer dortiger Verbleib sei für ihn unzumutbar und unmöglich. In di e- sem Zusammenhang sei auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu verweisen, gemäss welchem für somali sche Flüchtlinge der Aufenthalt in äthiopischen F lüchtlingslagern in Einzel fällen zuzumuten sei. Diese Schlussfolgerung müsse auch für Flüchtlinge in Uganda gelten, weil diese denselben Aufenthaltspflichten unterstünden wie Flüchtlinge in Äthiopien. Eine Gefahr der Verschlep pung nach Eritrea sei zu v erneinen. Es seien bisher keine Fälle von Deporta tionen von Eritreern aus Uganda bekannt. Die Beziehungen zwischen Uganda und Eritrea seien schlecht. Aufgrund der politischen Konstel lationen sei äusserst unwahrscheinlich, dass Uganda die eritreischen Behörden durch Deportationen von Eritreern u n- terstützen würde. Es sei zwar nicht auszuschliessen, dass von der eritre i- schen Regierung be zahlte Landsleute versuchten, in Uganda lebende eritreische Regimegegner einzuschüchtern. Die Aktionsmöglichkeiten von Eritrea, wel ches in Uganda lediglich über ein Konsulat verfüge, seien aber sehr ein geschränkt. Ferner verfüge der Beschwerdeführer über f i- nanzielle Unterstützung durch Verwandte. Die Hürden für eine zumutbare Existenz in B._______ seien für ihn demnach nicht unüberwindbar. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer keine derartigen ver - wandtschaftlichen Anknüpfungspunkte zur Schweiz, dass die erforderli - che Schutzgewährung durch dieses Land wegen der Beziehungsnähe o f- fenkundig wäre. Insgesamt sei ihm demn ach zuzumuten, den Schutz in Uganda weiterhin in Anspruch zu neh men (Art. 52 Abs. 2 des Asylgeset - zes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Q. Mit Eingabe seiner Rechtvertretung vom 8. Juni 2012 beantragte der Be- schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung, die Erteilung einer Einreise bewilligung zur Durch-D-3101/2012 Seite 6 führung des Asylverfahrens und in prozessu aler Hinsicht die un entgelt- liche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) samt Entbindung von der Vorschusspflicht. Zur Begründung legte er dar, dass die Einschätzung des BFM, ihm drohe in Uganda seitens Eritrea keine Gefahr, schon man - gels Angabe entsprechender Quellen nicht nachvollzogen werd en könne. Gemäss einem Internet-Bericht sei vielmehr davon auszugehen, dass eritreische Flüchtlinge in Uganda tatsächlich durch Eritreer bedroht wür - den. Im Weiteren sei die – auf ein Urteil der Beschwerdeinstanz fokus - sierte – Einschätzung der Situation der somalischen Flüchtlinge in Äthio - pien im Vergleich zu derjenigen der Eritreer in Uganda nicht nachvollzieh- bar. Besagte Einschätzung sei möglicherweise ein Hinweis für die ma n- gelhafte Sachverhaltsabklärung durch das BFM. Der Eingab e lag der e r- wähnte Internetbericht vom 12. Mai 2010 bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde sge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Umstand, dass das betreffende Gesuch nicht bei einer Schweize- rischen Vertretung, sondern direkt beim BFM eingereicht wurde, ist nicht massgebend (vgl. für die in dieser Hinsich t weiterhin geltende Praxis der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] die Festste l- lungen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e-D-3101/2012 Seite 7 kurskommission EMARK 1997 Nr. 15 E. 2b, die sich zwar auf den da - maligen Art. 13a AsylG b eziehen, jedoch auch nach geltendem Asylge - setz massgebend bleiben). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten (vgl. auch BVGE E -3162 vom 6. Dezember 2011). 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten name ntlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Laut Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Ein - reise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zu gemutet wer- den kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein ande- res Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eid - genössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Ver - tretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die D-3101/2012 Seite 8 glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Le ben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.3 Bei diesem Entscheid gelten restriktive Voraussetzungen für die Ertei- lung ei ner Einreisebewilligung, wobei den Behörden ein weiter Er mes- sensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Bezi ehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Bezie - hungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Mög lichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche so wie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglich keiten in Betracht zu ziehen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). 5. Vorauszuschicken ist, dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerd e- führers trotz zunächst erteilter Einreisebewilligung aufgrund der dannz u- mal vorliegenden Informationen zu R echt mit Verfügung vom 20. Se p- tember 2011 abgeschrieben hat. Entsprechend war das Verfahren au f- grund der Eingabe vom 8. November 2011 wieder aufzunehmen. Au f- grund der sich inzwischen veränderten Sachumstände war das Gesuch sodann neu zu beurteilen. Die ses Vorgehen des BFM ist nicht zu bea n- standen. 6. 6.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die asylsuchende Person im Auslandverfahren in der Regel zu befragen. Davon kann nur abgewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus organisatori- schen beziehungsweise kapazitätsmässigen Gründen nicht möglich ist. Falls die Befragung nicht durchge führt werden kann, muss die ein Ge - such stellende Person - soweit möglich und notwendig - mittels eines in- dividualisierten und konkretisierten Schreibens a ufgefordert werden, ihre Gründe für das Asylgesuch schriftlich einzureichen. Dabei ist sie auf die allfällige Konsequenz eines negativen Entscheids infolge Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht aufmerksam zu machen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5). 6.2 Das BFM hat k eine Befragung durchgeführt, den damit einhergehen- den Ver fahrensumständen jedoch im Rahmen der Zwischenverfü gung vom 11. April 2012 Rechnung getragen. Dabei verwies es auf die Unmög- lichkeit der Befragung und stellte einen individuellen Fragenkatalog au f. Der Beschwerdeführer konnte mit Eingabe vom 23. April 2012 bezi e- hungsweise 4. Mai 2012 (Eingang BFM) entsprechend Stellung nehmen. D-3101/2012 Seite 9 Den verfahrensrechtlichen Voraussetzungen wurde damit genügend Rechnung getragen, das rechtliche Gehör des Beschwerdeführe rs wurde praxisgemäss gewahrt. 7. 7.1 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist zunächst festzustellen, dass eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung des Beschwerdefüh - rers im Falle seiner Rückkehr nach Eritrea durchaus gegeben sein kön n- te. Er befindet sich aktuell indes in Uganda, was hinsichtlich der bei ei - nem im Ausland gestellten Asylgesuch weiter zu prüfenden Frage, ob ihm die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann, zu be rück- sichtigen ist (Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Aktenlage ist e r an seinem Zufluchtsort als Flüchtling registriert worden. Er macht geltend, unter sehr schwierigen Verhältnissen zu leiden und eine Deportation nach Eritrea befürchten zu müssen. 7.2 Die Argumente des Beschwerdeführers vermögen indes nicht zu überzeugen. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass das BFM in ausführli - chen Erwägungen die politische Konstellation hinsichtlich der Länder Erit- rea und Uganda erörterte und dabei Sachverhalte erwähnte, welche al l- gemein verfügbaren Quellen entnommen werden können. Für seine ei- gentliche Schlussfolgerung, es bestünden keine konkreten Hinweise für eine drohende Rückschaffung nach Eritrea aufgrund regierungsfreundlich gesinnter Personen in B._______ , erwähnte es zwar keine Quelle, was aber insofern nicht erforderlich war, als es sich dabei primär um eine Sachverhaltswürdigung der Erstinstanz im Rahmen der zuvor skizzierten allgemeinen Lage handelt. Im Übrigen ist auch der Hinweis des BFM auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu somalischen Flüchtlingen in Äthiopien nicht zu beanstanden, da es damit offenbar lediglich die Z u- mutbarkeit des Aufenthalts in Flüchtlingslagern unter gewissen Vorau s- setzungen zum Ausdruck bringen wollte. Die ausführlichen Erwägungen lassen ferner auch nicht darauf schliessen, das BFM habe die Untersu- chungsmaxime verletzt. 7.3 Zur Lage für Flüchtlinge in Uganda kann Bezug genommen werden auf BVGE E-5089/2011 vom 17. Januar 2012 E. 5.3.8 ff. und die darin er- wähnten Quellen. Es ist demnach hervorzuheben, dass das Land über ein seit dem Jahre 2009 in Kraft getretenes fortschrittliches Flüchtlingsge- setz "Refugee Act 2006" verfügt, gemäss welchem Flüchtlingen das Recht auf Arbeit und freie Mobilität gewährt wird, was in dieser Region einzigartig ist. Es steht Flüchtlingen in Uganda somit frei, sic h in einem D-3101/2012 Seite 10 Flüchtlingscamp registrieren zu lassen oder sich anderswo niederzulas - sen. Lassen sie sich in einem Flüchtlingslager registrieren, werden sie so gut wie möglich versorgt. Gemäss einem Bericht des UNHCR aus dem Jahr 2011 komme es in Flüchtlingsla gern indessen zu Versorgung s- schwierigkeiten, insbesondere sauberes Wasser sei nicht in ausreiche n- dem Mass vorhanden. Diese prekäre Lage gefährde auch die Si cherheit, und der Zugang zu einer minimalen Gesundheitsversorgung könne nicht für alle gewährleist et werden. Frauen würden oft Opfer von se xuellen Übergriffen. Was das Asylverfahren Ugandas betrifft ist festzuhalten, dass Uganda e i- ne grundsätzlich flüchtlingsfreundliche Praxis und hohe Anerkennungs - quote aufweist, die vom UNHCR begrü sst wird. Hingege n kritisiert es , dass eine Polizeieinheit (Crime Intelligence Office) bei der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft von Asylsuchenden mitwirke und Beschwer - den von Flüchtlingen oft nicht behandelt würden, weil es an unabhängi - gen Rechtsmittelinstanzen fehle. In der Kritik des UNHCR steht auch die ugandische Asylpolitik gegenüber ruandischen Asylsuchenden und Flüchtlingen. Im Juli 2010 seien aus den Flüchtlingslagern Nakivale und Kyaka II 1700 nur vermeintlich abgewie- sene Asylsuchende gezwungen worden, na ch Ruanda zurückzukehren, obwohl Uganda Signatarstaat der FK ist. 7.4 Nach dem Gesagten ist mit dem BFM davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer objek tiv zumutbar ist, den in Uganda gegenüber der Verfolgungsgefahr im Heimatstaat beste henden Schutz w eiterhin in Anspruch zu nehmen. So ist es ihm unbenommen, sich an d as UNHCR oder eine ugandische Stelle zu wenden, falls er sich bei der Berücksichti - gung seiner Probleme benachteiligt fühlen sollte. Dies gilt auch in Be zug auf die geltend gemachte Gefahr einer Entführung oder einer Deportation nach Eritrea. Anhaltspunkte für eine solche Gefahr werden in der Be - schwerde zwar im Rahmen des eingereichten Internet -Berichts insofern geltend gemacht, als ein Landsmann des Beschwerdeführers konkret sol- chen Behelligungen ausgesetzt gewesen sein soll. Abgesehen davon, dass die Entführung im besagten Fall offenbar nicht zustande kam und sich der Betroffene versteckt haben soll, ist aufgrund allenfalls möglicher Einschüchterungen noch nicht belegt, inwiefern der Beschwerdeführer schutzlos derartigen Behelligungen ausgesetzt wäre. Konkrete Behelli- gungen macht er in der Beschwerde zudem gar nicht geltend. Ferner wird auch im aktuellen Jahresbericht 2012 von Amnesty zwar die Situation der D-3101/2012 Seite 11 ruandischen, nicht aber der eritreischen Flüchtlinge in Uganda kritisch be- leuchtet. Im Übrigen verfügt der Beschwerdeführer in B._______ über eine Wohngelegenheit und kann auch mit der finanziellen Unterstützung von Verwandten rechnen. Gesundheitliche Probleme macht er nicht gel- tend. 7.5 Weiter kam das BFM zum Schluss, die Abwägung der Gesamtum - stände und die Anknüpfung de s Beschwerdeführers zur Schweiz, welche durch die Person C._______ geschaffen werde, führe nicht dazu, dass es gerade die Schweiz sein müsse, die ihm den Schutz zu gewähren ha- be. Dieser Einschät zung der Sachlage und der Feststellung, dass die durch die verwandschaftliche Beziehung zum Rechtsvertreter bestehende Verbindung nicht eine enge Beziehungsnähe zu Schweiz darstelle, ist z u- zustimmen. Auch in der B eschwerde fehlen Argumente, welche eine an - dere Sichtweise rechtfertigen würden. 7.6 Eine Schutzgewährung durch die Schweiz aufgrund einer entspr e- chenden Schutzbedürftigkeit erscheint somit gestützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG unter Berücksichtigung aller Umstä nde nicht als erforderlich. Auch die eingereichten Beweismittel führen zu keiner anderen Sicht weise. Das BFM hat zu Recht die Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz gestützt auf Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG verweigert und sein Asylge such gestützt auf Art. 3 AsylG abgelehnt. 8. 8.1 Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder werden als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, sofern keine besonderen Umstände dagegen sprechen (Art. 51 Abs. 1 AsylG). Andere nahe Ang e- hörige von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen können in das Famili en- asyl eingeschlossen werden, wenn besondere Gründe für die Fami - lienvereinigung sprechen (Ar. 51 Abs. 2 AsylG). 8.2 In seinem Entscheid hat das BFM die Anforderungen von Art. 51 AsylG im Falle des in Uganda verbliebenen A._______ nicht geprüft. Dies erscheint insofern als vertretbar, als ein solcher Einbe zug nicht geltend gemacht wurde und die entsprechenden Voraussetzungen ohnehin offen- sichtlich nicht erfüllt sind. So wird keine enge Bezie hung de s Be- schwerdeführers zum Rechtsvertreter im Sinne besonderer Um stände vorgebracht; eine solche ist auch aus den Akten nicht erkennbar. Eine Schutzgewährung durch die Schweiz kommt somit auch ge stützt auf Art. 51 AsylG nicht in Betracht. D-3101/2012 Seite 12 9. Aus die sen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist daher abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). In Gutheissung des Gesuchs gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist indes von der Kostenauf - lage abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) D-3101/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. In Gutheissung des Gesuchs gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG werden keine Kosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und das BFM. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: