<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">93</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>15</b></span> <span class="ft2"><b>Steuersatzbestimmung bei beschränkter Steuerpflicht aufgrund im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kanton gelegener Grundstücke (§ 19 Abs. 1 und 2 StG)</b></span><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 3. Juli 2017,</span><br/> <span class="ft3">i.S. KStA gegen T.I. (WBE.2017.220)</span><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft5">2.</span><br/> <span class="ft5">Die Vorinstanz hat § 19 Abs. 2 StG in einem zweiten Schritt je-</span><br/> <span class="ft5">doch die Anwendung versagt, soweit diese zu einem höheren satzbe-</span><br/> <span class="ft5">stimmenden als steuerbaren Einkommen führt. Unter Berufung auf</span><br/> <span class="ft5">die Lehre ist die Vorinstanz zur Auffassung gelangt, die Anwendung</span><br/> <span class="ft5">der Bestimmung führe zu einem Methodendualismus, welcher einer-</span><br/> <span class="ft5">seits sowohl das Diskriminierungsverbot in den von der Schweiz</span><br/> <span class="ft5">abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) als auch das</span><br/> <span class="ft5">Rechtsgleichheitsgebot von Art. 8 BV verletze. Dies habe zur Folge,</span><br/> <span class="ft5">dass die Bemessungsgrundlage bei beschränkt Steuerpflichtigen stets</span><br/> <span class="ft5">nach der objektmässigen Methode zu bestimmen sei. Beschränkt</span><br/> <span class="ft5">Steuerpflichtige seien immer (nur) zu dem Steuersatz zu besteuern,</span><br/> <span class="ft5">der sich aus den in der Schweiz steuerbaren Faktoren ergebe.</span><br/> <span class="ft5">2.1.</span><br/> <span class="ft5">Das Bundesgericht hat in seiner neueren Rechtsprechung mehr-</span><br/> <span class="ft5">fach festgehalten, das StHG behandle in Art. 3 StHG die Steuer-</span><br/> <span class="ft5">pflicht aufgrund persönlicher Zugehörigkeit, enthalte jedoch keine</span><br/> <span class="ft5">Regel mit Bezug auf das Ausmass der Steuerpflicht. Insbesondere</span><br/> <span class="ft5">regle das Gesetz nicht die Frage, ob im Ausland erlittene Verluste</span><br/> <span class="ft5">von der Bemessungsgrundlage abzugsfähig seien. Dieses Schweigen</span><br/> <span class="ft5">des Gesetzes könne für sich allein genommen nicht so verstanden</span><br/> <span class="ft5">werden, dass den Kantonen damit ein autonomer Regelungsbereich</span><br/> <span class="ft5">mit Bezug auf eine Thematik offen stehe, für welche von Verfas-</span><br/> <span class="ft5">sungs wegen ausdrücklich die Harmonisierung vorgesehen sei. Das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">94</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Bundesgericht hat jedoch in den angeführten Entscheiden die Frage</span><br/> <span class="ft5">offen gelassen, ob den Kantonen insoweit ein Autonomiebereich</span><br/> <span class="ft5">offen steht (vgl. BGE 140 II 141 E. 8 S. 155 f.; ebenso BGE 140 II</span><br/> <span class="ft5">157 E. 5.1 S. 159 sowie Urteil 2C_1201 + 1202/2013 vom 15. Januar</span><br/> <span class="ft5">2015 E. 10).</span><br/> <span class="ft5">Diese Überlegung muss auch mit Bezug auf die fehlende Rege-</span><br/> <span class="ft5">lung im StHG betreffend das Ausmass der Steuerpflicht aufgrund</span><br/> <span class="ft5">wirtschaftlicher Zugehörigkeit - hier des Umstands, dass die Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdegegnerin eine Liegenschaft im Kanton Aargau besitzt und</span><br/> <span class="ft5">Einkünfte daraus erzielt - gelten. Das bedeutet, dass nach der</span><br/> <span class="ft5">bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht klar ist, ob der Kanton</span><br/> <span class="ft5">Aargau überhaupt eine inhaltlich von Art. 7 Abs. 2 DBG abwei-</span><br/> <span class="ft5">chende Regelung hinsichtlich des Umfangs der beschränkten Steuer-</span><br/> <span class="ft5">pflicht treffen könnte. Mit § 19 Abs. 2 StG hat der kantonale Gesetz-</span><br/> <span class="ft5">geber wie dargelegt die gleiche Lösung wie im Bundesrecht gewählt.</span><br/> <span class="ft5">Sollte - wie vom Bundesgericht immerhin angedeutet - insoweit für</span><br/> <span class="ft5">die Kantone kein autonomer Regelungsbereich bestehen, so wäre</span><br/> <span class="ft5">§ 19 Abs. 2 StG bereits aufgrund des Massgeblichkeitsgebots von</span><br/> <span class="ft5">Art. 190 BV anzuwenden, und zwar unabhängig davon, ob die Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmung gegen die Bundesverfassung verstösst (so denn auch aus-</span><br/> <span class="ft5">drücklich das Bundesgericht in BGE 140 II 141 E. 8 am Ende; vgl.</span><br/> <span class="ft5">auch Urteil 2C_ 1201 + 1202/2013 vom 15. Januar 2015 E. 7).</span><br/> <span class="ft5">2.2.</span><br/> <span class="ft5">Auch wenn dem Kanton ein autonomer Regelungsbereich mit</span><br/> <span class="ft5">Bezug auf das Ausmass der beschränkten Steuerpflicht zukommt, ist</span><br/> <span class="ft5">entgegen der Auffassung der Vorinstanz, jedenfalls soweit es um die</span><br/> <span class="ft5">hier infrage stehende Anwendung von § 19 Abs. 2 StG auf eine qua</span><br/> <span class="ft5">Eigentum an einem im Kanton Aargau gelegenen Grundstück (§ 17</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 lit. b StG) beschränkt steuerpflichtige Ausländerin geht, nicht</span><br/> <span class="ft5">erkennbar, inwiefern § 19 Abs. 2 StG gegen das Diskriminierungs-</span><br/> <span class="ft5">verbot und/oder das Gleichbehandlungsgebot von Art. 8 BV verstos-</span><br/> <span class="ft5">sen sollte.</span><br/> <span class="ft5">2.2.1.</span><br/> <span class="ft5">Das Diskriminierungsverbot ist in Art. 25 des Abkommens</span><br/> <span class="ft5">zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundes-</span><br/> <span class="ft5">republik Deutschland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">95</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen vom</span><br/> <span class="ft5">11. August 1971 (DBA CH-D) geregelt. Dabei verbietet zunächst</span><br/> <span class="ft5">Art. 25 Abs. 1 DBA D-CH die Diskriminierung der Staatsangehöri-</span><br/> <span class="ft5">gen eines Vertragsstaates; Abs. 2 enthält das Betriebsstättediskrimi-</span><br/> <span class="ft5">nierungsverbot; Abs. 3 und 4 beschlagen schliesslich das Verbot der</span><br/> <span class="ft5">Diskriminierung mit Blick auf gewisse Zahlungen an nichtansässige</span><br/> <span class="ft5">Personen sowie die Diskriminierung aufgrund fremder Beherr-</span><br/> <span class="ft5">schung. Für die hier zu beurteilende Situation einer Rentnerin mit</span><br/> <span class="ft5">Wohnsitz in Deutschland und Grundeigentum in der Schweiz kann</span><br/> <span class="ft5">sich höchstens die Frage stellen, ob § 19 Abs. 2 StG das Diskriminie-</span><br/> <span class="ft5">rungsverbot hinsichtlich der Staatsangehörigkeit verletzt. Der Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer weist in diesem Zusammenhang zutreffend darauf</span><br/> <span class="ft5">hin, dass eine Verletzung des Diskriminierungsverbots insoweit</span><br/> <span class="ft5">schon deshalb ausser Betracht fällt, weil weder Art. 7 Abs. 2 DBG</span><br/> <span class="ft5">noch § 19 Abs. 2 StG an die Staatsangehörigkeit anknüpfen. Die</span><br/> <span class="ft5">Vorinstanz beanstandet den mit der Anwendung von § 19 Abs. 2 StG</span><br/> <span class="ft5">verbundenen Methodendualismus, indem Auslandsverluste nicht ein-</span><br/> <span class="ft5">mal satzbestimmend berücksichtigt werden, während positives Aus-</span><br/> <span class="ft5">landseinkommen stets satzerhöhend wirkt. Dieser Methodendualis-</span><br/> <span class="ft5">mus trifft die davon berührten Steuerpflichtigen unabhängig von</span><br/> <span class="ft5">ihrer Staatsangehörigkeit: Auch ein Schweizer Staatsbürger mit</span><br/> <span class="ft5">Wohnsitz im Ausland und nur beschränkter Steuerpflicht in der</span><br/> <span class="ft5">Schweiz ist in gleicher Weise davon betroffen wie die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">gegnerin mit Wohnsitz in Deutschland; bei hinsichtlich der Ansässig-</span><br/> <span class="ft5">keit gleichen Verhältnissen resultiert somit aus der Anwendung von</span><br/> <span class="ft5">§ 19 Abs. 2 StG keine Diskriminierung (vgl. zum Erfordernis der</span><br/> <span class="ft5">gleichen Verhältnisse S</span><span class="ft3">TEFAN</span> <span class="ft5">O</span><span class="ft3">ESTERHELT</span><span class="ft5">, in: M</span><span class="ft3">ARTIN</span><br/> <span class="ft5">Z</span><span class="ft3">WEIFEL</span><span class="ft5">/M</span><span class="ft3">ICHAEL</span> <span class="ft5">B</span><span class="ft3">EUSCH</span><span class="ft5">/R</span><span class="ft3">ENÉ</span> <span class="ft5">M</span><span class="ft3">ATTEOTTI</span> <span class="ft5">[Hrsg.], Kommentar</span><br/> <span class="ft5">zum Schweizerischen Steuerrecht, Internationales Steuerrecht, Basel</span><br/> <span class="ft5">2015, Art. 24 N 17 f.; ebenso für das DBA USA-D Urteil des deut-</span><br/> <span class="ft5">schen Bundesfinanzhofs vom 30. März 2011, in: K</span><span class="ft3">URT</span><br/> <span class="ft5">L</span><span class="ft3">OCHER</span><span class="ft5">/W</span><span class="ft3">ALTER</span> <span class="ft5">M</span><span class="ft3">EIER</span><span class="ft5">/R</span><span class="ft3">UDOLF VON</span> <span class="ft5">S</span><span class="ft3">IEBENTHAL</span><span class="ft5">/A</span><span class="ft3">NDREAS</span><br/> <span class="ft5">K</span><span class="ft3">OLB</span> <span class="ft5">[Hrsg.], Doppelbesteuerungsabkommen Schweiz-Deutschland</span><br/> <span class="ft5">[Loseblatt] Art. 25.1 Nr. 31 E. 2a; so auch ausdrücklich H</span><span class="ft3">EIKO</span><br/> <span class="ft5">K</span><span class="ft3">UBAILE</span><span class="ft5">, in: H</span><span class="ft3">ANS</span> <span class="ft5">F</span><span class="ft3">LICK</span><span class="ft5">/F</span><span class="ft3">RANZ</span> <span class="ft5">W</span><span class="ft3">ASSERMEYER</span><span class="ft5">/M</span><span class="ft3">ICHAEL</span><br/> <span class="ft5">K</span><span class="ft3">EMPERMANN</span> <span class="ft5">[Hrsg.], Doppelbesteuerungsabkommen Deutsch-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">96</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">land-Schweiz, Köln, Loseblatt ab 1981, Art. 25 N 19 [Lfg. 38 Juni</span><br/> <span class="ft5">2013]) und liegt somit keine Verletzung des Diskriminierungsverbots</span><br/> <span class="ft5">vor. Dass die Dinge mit Blick auf eine inländische Betriebsstätte</span><br/> <span class="ft5">eines ausländischen Unternehmens und das Betriebsstättediskrimi-</span><br/> <span class="ft5">nierungsverbot von Art. 25 Abs. 2 DBA CH-D allenfalls anders lie-</span><br/> <span class="ft5">gen, ändert nichts (vgl. dazu Stefan O</span><span class="ft3">ESTERHELT</span><span class="ft5">/S</span><span class="ft3">USANNE</span><br/> <span class="ft5">S</span><span class="ft3">CHREIBER</span> <span class="ft5">in: M</span><span class="ft3">ARTIN</span> <span class="ft5">Z</span><span class="ft3">WEIFEL</span><span class="ft5">/M</span><span class="ft3">ICHAEL</span> <span class="ft5">B</span><span class="ft3">EUSCH</span> <span class="ft5">[Hrsg.], Kom-</span><br/> <span class="ft5">mentar zum Schweizerischen Steuerrecht, DBG, 3. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft5">2017, Art. 7 N 14 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft5">2.2.2.</span><br/> <span class="ft5">Abgesehen vom Diskriminierungsverbot wird in der Literatur</span><br/> <span class="ft5">die Frage diskutiert, ob der Methodendualismus - bei insgesamt</span><br/> <span class="ft5">negativen Steuerfaktoren infolge eines Auslandsverlusts Abstellen</span><br/> <span class="ft5">nur auf die Progression auf dem schweizerischen Steuerobjekt, bei</span><br/> <span class="ft5">insgesamt positiven Steuerfaktoren Besteuerung mit Gesamtprogres-</span><br/> <span class="ft5">sion - nicht gegen das Gebot der Gleichbehandlung von Art. 8 BV</span><br/> <span class="ft5">verstosse. Peter Locher führt in diesem Zusammenhang aus, dass</span><br/> <span class="ft5">dann, wenn die nicht überprüfbaren Auslandsunterlagen genügten,</span><br/> <span class="ft5">um eine höhere Progression zu rechtfertigen, Analoges auch im</span><br/> <span class="ft5">umgekehrten Fall gelten sollte (P</span><span class="ft3">ETER</span> <span class="ft5">L</span><span class="ft3">OCHER</span><span class="ft5">, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft5">DBG, I. Teil., Therwil 2001, Art. 7 N 11). Da vorliegend jedoch nicht</span><br/> <span class="ft5">negative sondern positive Steuerfaktoren im Ausland zu beurteilen</span><br/> <span class="ft5">sind, erübrigt sich eine vertiefte Auseinandersetzung mit dieser The-</span><br/> <span class="ft5">matik.</span><br/> <span class="ft5">2.2.3.</span><br/> <span class="ft5">Selbst wenn angenommen wird, § 19 Abs. 2 StG verstosse in</span><br/> <span class="ft5">bestimmten Fallkonstellationen gegen das Gleichbehandlungsgebot</span><br/> <span class="ft5">von Art. 8 BV, rechtfertigt dies nicht, die Norm auch dann, wenn sie</span><br/> <span class="ft5">wie hier zu sachgerechten Ergebnissen führt, nicht zur Anwendung</span><br/> <span class="ft5">zu bringen.</span><br/> <span class="ft5">2.2.3.1.</span><br/> <span class="ft5">Zum einen ist schon zweifelhaft, ob die Argumentation, wonach</span><br/> <span class="ft5">ausländische Faktoren schwer zu ermitteln und deshalb ganz ausser</span><br/> <span class="ft5">Acht zu lassen seien, generell zutrifft. Hinsichtlich in- wie ausländi-</span><br/> <span class="ft5">scher Liegenschaften erscheint es durchaus als möglich, die zentralen</span><br/> <span class="ft5">Parameter für den Liegenschaftenertrag (Mieteinnahmen, Unterhalts-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">97</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">aufwendungen, Schuldzinsen auf Hypotheken) bei Inland- wie bei</span><br/> <span class="ft5">Auslandsachverhalten zu ermitteln. Auch die Ermittlung von Renten-</span><br/> <span class="ft5">einkünften, wie sie bei der Beschwerdegegnerin vorliegen, begegnet</span><br/> <span class="ft5">keinen grundsätzlichen Schwierigkeiten; zumindest ähnlich dürfte</span><br/> <span class="ft5">sich die Sachlage bei ausländischen Einkünften aus unselbstständiger</span><br/> <span class="ft5">Erwerbstätigkeit darstellen (auch wenn naturgemäss nicht die Mög-</span><br/> <span class="ft5">lichkeit der Einforderung eines Lohnausweises offensteht). All diese</span><br/> <span class="ft5">Einkünfte bzw. damit zusammenhängende Aufwendungen lassen</span><br/> <span class="ft5">sich in aller Regel anhand einfacher, aussagekräftiger Dokumente be-</span><br/> <span class="ft5">legen. Soweit der beschränkt Steuerpflichtige bei der Ermittlung der</span><br/> <span class="ft5">Bemessungsgrundlagen nicht mitwirkt, steht im Übrigen - wie ge-</span><br/> <span class="ft5">rade die hier zu beurteilende Angelegenheit zeigt - ebenso wie bei</span><br/> <span class="ft5">den</span> <span class="ft5">unbeschränkt</span> <span class="ft5">Steuerpflichtigen</span> <span class="ft5">das</span> <span class="ft5">Instrument</span> <span class="ft5">der</span><br/> <span class="ft5">Ermessensveranlagung offen. Allfällige praktische Schwierigkeiten</span><br/> <span class="ft5">bei der Ermittlung der genannten Einkunftsarten sind jedenfalls</span><br/> <span class="ft5">kaum mit den möglichen Problemen der Überprüfung des Gesamter-</span><br/> <span class="ft5">gebnisses eines vorwiegend im Ausland tätigen Unternehmens mit</span><br/> <span class="ft5">schweizerischer Betriebsstätte vergleichbar. Insoweit überzeugt es</span><br/> <span class="ft5">durchaus, wenn Peter Locher nur für Geschäftsbetriebe und Betriebs-</span><br/> <span class="ft5">stätten auf die Berücksichtigung des ausländischen Ergebnisses ver-</span><br/> <span class="ft5">zichten will, ausländische Faktoren aber bei beschränkter Steuer-</span><br/> <span class="ft5">pflicht wegen inländischem Immobilienbesitz durchgängig heranzie-</span><br/> <span class="ft5">hen will (vgl. L</span><span class="ft3">OCHER</span><span class="ft5">, a.a.O., I. Teil, Art. 7 N 13; dieser Aspekt wird</span><br/> <span class="ft5">übersehen von M</span><span class="ft3">ADELEINE</span> <span class="ft5">S</span><span class="ft3">IMONEK</span><span class="ft5">, Wirkungen einer nachrangi-</span><br/> <span class="ft5">gen Ansässigkeit auf die Steuerpflicht in der Schweiz, in: J</span><span class="ft3">ÜRG</span><span class="ft5">-B</span><span class="ft3">EAT</span><br/> <span class="ft5">A</span><span class="ft3">CKERMANN</span><span class="ft5">/F</span><span class="ft3">ELIX</span> <span class="ft5">B</span><span class="ft3">OMMER</span> <span class="ft5">[Hrsg.], Liber Amicorum für Dr.</span><br/> <span class="ft5">Martin Vonplon, Zürich 2009, S. 303).</span><br/> <span class="ft5">2.2.3.2.</span><br/> <span class="ft5">Hinzu kommt aber vor allem ein vom Beschwerdeführer aufge-</span><br/> <span class="ft5">griffener Punkt: Würden beschränkt Steuerpflichtige generell nur für</span><br/> <span class="ft5">ihr in der Schweiz erzieltes Einkommen und Vermögen zu dem ent-</span><br/> <span class="ft5">sprechenden Steuersatz besteuert, liefe dies auf eine systematische</span><br/> <span class="ft5">Schlechterstellung der in der Schweiz unbeschränkt Steuerpflichtigen</span><br/> <span class="ft5">hinaus. Insbesondere in einem anderen Kanton unbeschränkt Steuer-</span><br/> <span class="ft5">pflichtige, die qua Liegenschaftenbesitz im Kanton Aargau der be-</span><br/> <span class="ft5">schränkten Steuerpflicht unterliegen, wären gegenüber den im Aus-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">98</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">land unbeschränkt, jedoch im Kanton Aargau beschränkt Steuer-</span><br/> <span class="ft5">pflichtigen massiv benachteiligt. Die Lösung für das von der Vorin-</span><br/> <span class="ft5">stanz skizzierte Problem des Methodendualismus bei beschränkter</span><br/> <span class="ft5">Steuerpflicht kann daher nicht in der generellen Zugrundelegung -</span><br/> <span class="ft5">sowohl für das steuerbare als auch für das satzbestimmende Einkom-</span><br/> <span class="ft5">men - nur der inländischen Faktoren liegen. Wenn überhaupt stellt</span><br/> <span class="ft5">sich die Frage einer Korrektur der vom Gesetzgeber getroffenen Lö-</span><br/> <span class="ft5">sung</span> <span class="ft5">wegen</span> <span class="ft5">eines</span> <span class="ft5">allfälligen</span> <span class="ft5">Verstosses</span> <span class="ft5">gegen</span> <span class="ft5">das</span><br/> <span class="ft5">Gleichbehandlungsgebot nicht in Konstellationen wie der hier zu be-</span><br/> <span class="ft5">urteilenden, wo im In- und Ausland Einkommen erzielt wird. Zu</span><br/> <span class="ft5">einer Korrektur unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten könnte</span><br/> <span class="ft5">höchstens die Situation Anlass geben, da im Ausland Verluste</span><br/> <span class="ft5">resultieren. Ob in einer solchen Konstellation allein die fehlende</span><br/> <span class="ft5">Überprüfbarkeit der Angaben des Steuerpflichtigen über seine</span><br/> <span class="ft5">ausländischen Verluste einen ausreichenden Grund für die steuerliche</span><br/> <span class="ft5">Erfassung mindestens der Inlandfaktoren sein kann, ist hier indessen</span><br/> <span class="ft5">nicht zu entscheiden.</span><br/> <span class="ft5">2.3.</span><br/> <span class="ft5">Die angestellten Überlegungen gelten, worauf der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führer zutreffend hinweist auch hinsichtlich positiver bzw. negativer</span><br/> <span class="ft5">Vermögensbestandteile, so dass der Anwendung von § 19 Abs. 2 StG</span><br/> <span class="ft5">in der hier zu beurteilenden Angelegenheit auch insoweit nichts ent-</span><br/> <span class="ft5">gegensteht. Es trifft ausserdem zu, dass - wie der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft5">ebenfalls ausführt - die objektmässige Ausscheidung nicht per se zu</span><br/> <span class="ft5">tieferen Steuern führt. So kann z.B. bei objektmässiger Ausscheidung</span><br/> <span class="ft5">je nach Lage der Aktiven bei selbstfinanziertem Inland- und fremd-</span><br/> <span class="ft5">finanziertem Auslandseigentum eine höhere Steuerlast als bei pro-</span><br/> <span class="ft5">portionaler Ausscheidung resultieren. Der Entscheid der Vorinstanz,</span><br/> <span class="ft5">der die objektmässige Methode bei beschränkter Steuerpflicht durch-</span><br/> <span class="ft5">gehend zur Anwendung bringen will, verletzt damit nicht nur § 18</span><br/> <span class="ft5">Abs. 3 StG, welcher nicht nur im Verhältnis zu anderen Kantonen,</span><br/> <span class="ft5">sondern auch im Verhältnis zum Ausland die Ausscheidung nach den</span><br/> <span class="ft5">Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der interkantonalen</span><br/> <span class="ft5">Doppelbesteuerung und damit auch im Verhältnis zum Ausland die</span><br/> <span class="ft5">Verlegung von Schulden und Schuldzinsen nach der proportionalen</span><br/> <span class="ft5">Methode gesetzlich vorschreibt. Darüber hinaus kann die von der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">99</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Vorinstanz vertretene Auffassung sogar zu einer rechtsungleichen</span><br/> <span class="ft5">Schlechterstellung des beschränkt Steuerpflichtigen gegenüber dem</span><br/> <span class="ft5">unbeschränkt Steuerpflichtigen führen. Auch insoweit erweist sich</span><br/> <span class="ft5">der Entscheid der Vorinstanz somit als rechtsfehlerhaft.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>