Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 5. August 2022 (810 22 83) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Erteilung einer Weisung / Errichtung einer Beistandschaft Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Hans Furer, Daniel Häring, Daniel Ivanov, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführer gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz Betreff Erteilung einer Weisung / Errichtung einer Be istandschaft (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 31. März 2022) A. D.____ (geb. 2015) ist das gemeinsame Kind der ver heirateten A.____ (Kindsvater; geb. 1952) und B.____ (Kindsmutter; geb. 1987). Die Familie lebt in E.____, und der Kindsvater ist Kinderarzt mit einer eigenen Praxis in F.____. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit dem Eintritt in den Kindergarten G.____ in E .____ im August 2019 verhielt sich D.____ sozial auffällig (fehlendes Nähe-Distanz-Gefühl , grobe unangemessene Reaktionen etc.), was bei den anderen Kindern zu Ablehnung führt e. Demgemäss empfahl der schulpsy- chologische Dienst im Januar 2020 eine sozialpädagogische Unterstützung für D.____ mit dem Ziel, dass dieser sich im Kindergarten wohler fühle un d ein Zusammenspiel mit anderen Kin- dern möglich werde. Die Unterstützung wurde in der Fol ge von den Kindseltern abgebrochen. Ab dem 10. November 2020 besuchte D.____ den Kinderga rten G.____ nicht mehr, nachdem die Kindseltern den Verdacht geäussert hatten, dass D.__ __ im Rahmen des Kindergartens im sexuellen Bereich belästigt worden sei. C. Am 6. Mai 2021 erfolgte ein Wechsel des Kindergart ens mit einem sozialpädagogisch begleiteten "Neustart" im Kindergarten H.____ in E.____. D. Am 27. Mai 2021 erstattete der Kindsvater bei der Polizei Basel-Landschaft eine Anzei- ge, weil D.____ mutmasslich seit längerer Zeit (ab Aug ust 2020) im Kindergarten G.____ zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sei. Am 14. Juli 2021 führte der Kindsvater gegen- über der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft aus, D.____ sei auch im Kindergarten H.____ zu sexuellen Handlungen gezwungen worden und es fände im Kanton eine systematische sexuelle Schändung seines Kindes statt. E. Am 4. Juni 2021 reichte die Schulleitung der Prim arstufe E.____ eine Gefährdungsmel- dung betreffend D.____ bei der Kindes- und Erwachsene nschutzbehörde C.____ (KESB) ein, weil D.____ nicht mehr zur Schule gehe und ein auffä lliges Verhalten zeige. Zudem stünden Vorwürfe betreffend sexueller Übergriffe auf D.____ durch Lehr- bzw. Betreuungspersonen der Schule im Raum. Ausserdem sei D.____ vermehrt vom Kindsva ter krankgeschrieben worden und die Kindseltern würden auf die Kontaktaufnahmen seitens der Schule nicht mehr reagieren. In der Folge beauftragte die KESB die Sozialberatung E.____, die Situation betreffend D.____ abzuklären. F. Vom 16. August bis 26. August 2021 besuchte D.____ di e Primarschule I.____, E.____, als integrierter Sonderschüler. In diesem Rahme n wurde er von einer Sozialpädagogin begleitet und unterstützt. In der Folge erhoben die Kindseltern Vorwürfe gegen die Primarschule I.____ betreffend sexueller Übergriffe und ungenügen der Beaufsichtigung durch die Sozialpä- dagogin. Ab dem 30. August 2021 besuchte D.____ eine Schnupperwoche bei der J.____ Schule in E.____. G. Am 6. September 2021 reichten die Kindseltern bei der KESB eine Gefährdungsmel- dung betreffend D.____ ein, weil dieser seit November 2020 bis 25. August 2021 im Kinder- garten G.____, im Kindergarten H.____ und in der Pr imarschule I.____ sexuell und physisch missbraucht worden sei, was zu Tics und einer depressiven H altung geführt habe. Trotz diver- ser Sitzungen mit der Schulleitung und dem Kindergarte nteam und trotz Kindergartenwechsel habe sich die Gewalt wiederholt. Daher würden Schutzmassnahmen durch die KESB beantragt, damit ihr Sohn in Sicherheit in die Schule gehen könne. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Am 5. Oktober 2021 stellte die Staatsanwaltschaft B asel-Landschaft das Strafverfahren mit der Begründung ein, die erhobenen Vorwürfe seien offensichtlich unbegründet. I. Nachdem sich die Kindsmutter mit D.____ als Wochenau fenthalterin in K.____ ange- meldet hatte, ging D.____ ab dem 25. Oktober 2021 vo rübergehend (für 4 Tage) in die Schule L.____ in K.____. In der Folge erhoben die Kindselte rn massive und diffuse Vorwürfe auch gegen die Schule L.____, weil D.____ zu Dingen gezwungen werde, die er nicht wolle. J. Am 11. November 2021 reichte die Schulleitung der S chule L.____ eine Gefährdungs- meldung betreffend D.____ bei der KESB ein wegen de r Vermutung, dass D.____ seit längerer Zeit nicht zur Schule gehe. K. Mit Entscheid vom 31. März 2022 wies die KESB die Kin dseltern an, für D.____ bis spätestens 16. Mai 2022 eine kinderpsychiatrische Abklärung in die Wege zu leiten und dafür besorgt zu sein, dass D.____ bei Notwendigkeit eine kinderpsychiatrische Therapie in Anspruch nehme. Weiter errichtete die KESB für D.____ eine Be istandschaft nach Art. 308 des schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 und setzte M.____ als Man- datsperson ein. Die KESB beauftragte den Beistand, d ie Kindseltern in ihrer Sorge um ihren Sohn D.____ mit Rat und Tat zu unterstützen und zu be raten, die Interessen von D.____ im schulischen und medizinischen Bereich zu vertreten, insbes ondere um eine Schullösung und eine Tagesstruktur bis zur Schullösung besorgt zu sein, Ansprechperson für die Kindseltern sowie die involvierten Fachpersonen zu sein, die Kindselt ern bei der Umsetzung der Weisung betreffend kinderpsychiatrische Abklärung beratend zu unt erstützen und die KESB über den Verlauf bzw. das Ergebnis der Abklärung zu informieren , die Entwicklung von D.____ zu verfolgen und der KESB Antrag zu stellen, sofern weite re oder andere Massnahmen notwendig werden. Aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs en tzog die KESB einer allfälligen Beschwerde gestützt auf Art. 450c ZGB die aufschiebende Wirkung. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'504.-- auferlegte die KESB den Kindseltern. L. Dagegen erheben die Kindseltern Beschwerde beim Ka ntonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den sinngemässen Rechts- begehren, es sei auf die Errichtung einer Beistandschaft und auf die Erhebung von Verfahrens- kosten durch die KESB zu verzichten. M. Mit Vernehmlassung vom 9. Mai 2022 schliesst die Vori nstanz auf Abweisung der Beschwerde. N. Das Kantonsgericht hat den Fall am 21. Juli 2022 b eraten und am 5. August 2022 ent- schieden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 Z GB und § 66 Abs. 1 des kantona- len Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuchs (EG ZGB) vom 16. November 2006 kann gegen Entscheide der KESB Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Das Ver- fahren richtet sich nach den Art. 450 - 450e ZGB. Im Übrigen sind gemäss § 66 Abs. 2 EG ZGB die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts , des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993, anwendbar. Gemäss Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahestehen (Zif f. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefocht enen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführer sind als Verfahrensbeteiligte zur Besch werdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen nach den Art. 450 ff. ZGB erfüllt sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid a us, aufgrund der vorgenommenen Abklärungen seien die Voraussetzungen für eine Weisung an die Kindseltern betreffend Vor- nahme einer kinderpsychiatrischen Abklärung und für die Errichtung einer Beistandschaft für D.____ erfüllt. Die Kindseltern seien dazu angehört worden und hätten sich mit beiden Mass- nahmen einverstanden erklärt. 3.2 Die Beschwerdeführer bringen dagegen vor, die KES B habe ihre Gefährdungsmeldung vom 6. September 2021 nicht berücksichtigt. Die Sicherheit ihres Sohnes sei in der Schule immer noch nicht sichergestellt. Der Abklärungsbericht v om 17. Februar 2022 sei "voreinge- nommen auf die fabrizierte, verdrehte und unwahre Erkl ärung der Lehrpersonen in verschiede- nen Schulen (…)." Der Beistand könne keine Sicherheit in der Schule gewährleisten. Sie möch- ten ihre elterlichen Rechte nicht verlieren und könnten ihren Sohn "medizinisch vertreten, seiner Entwicklung folgen und psychologische Behandlungen organisieren". Sie bräuchten keine dritte Person, die in den Prozess einbezogen werde. Sie würde n der KESB jedoch zusichern, dass die kinderpsychiatrische Abklärung stattfinden werde. 3.3 Bei einer Gefährdung des Kindeswohls ist die KESB v erpflichtet, die geeigneten Mass- nahmen zum Schutze des Kindes zu ergreifen, wenn die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder dazu ausserstande sind (Art. 307 Abs. 1 ZGB). Ob das Wohl des Kindes durch die gegebenen Umstände gefährdet ist oder nicht, hat die KESB aufgrund der Untersuchungs- maxime von Amtes wegen abzuklären, wobei die am Verfah ren beteiligten Personen und Dritte mitzuwirken haben. Massgebend sind die Verhältnisse im Zei tpunkt, in dem das Gericht oder die Behörde den Entscheid trifft (vgl. K URT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , Berner Kommentar ZGB, 2016, N 14 zu Art. 307 ZGB mit Hinweisen). Zum Kindeswohl gehören die Förderung und Entwicklung in geistiger, körperlicher und seelischer H insicht, ein Umfeld von Kontinuität und Stabilität, die Möglichkeit einer inneren Bindung de s Kindes an die Beziehungspersonen sowie Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Achtung des Willens des Kindes und seines Selbstbestim mungsrechts (BGE 146 III 313 E. 6.2.2; BGE 129 III 250 E. 3.4.2). Unter Gefährdung wird im Allgemeinen die objektiv fassbare Gefahr einer Beeinträchtigung des körperlichen, sittlich en oder geistigen Wohls verstanden. Diese muss – wenn auch regelmässig prognostische Elemente miteinzubeziehen sind – einiger- massen konkret sein (Y VO B IDERBOST , in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Familienrecht inkl . Kindes- und Erwachsenenschutz, 3. Auflage, 2016, N 9 zu Art. 307 ZGB). Nicht erforde rlich ist, dass sich die Gefahr bereits ver- wirklicht hat. In diesem Sinne ist auch der gesetzliche Kindesschutz Präventivmassnahme und hat sich vom Grundsatz "in dubio pro infante" leiten zu lassen (BGE 146 III 313 E. 6.2.2). Uner- heblich ist, auf welche Ursachen die Gefährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen oder in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern od er der weiteren Umgebung liegen. Des- gleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Versch ulden an der Gefährdung trifft (Urteil des Bundesgerichts 5A_968/2020 vom 3. März 2021 E. 3.1; BGE 144 III 442 E. 4.3). Eine Kindes- wohlgefährdung stellt z.B. dar, wenn Erziehungsverantwo rtliche dem Kind weder gesellschaft- lich anerkannte und sozialverträgliche Werthaltung noch bezüglich des Verhaltens Grenzen ver- mitteln oder dem Kind verunmöglichen, mittels Wahrun g eigener altersgemässer und entwick- lungsangepasster Freiräume Erfahrungen zu sammeln, Aut onomie zu erlernen und ein Selbst- wertgefühl zu entwickeln (vgl. A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 16 zu Art. 307 ZGB). Der Staat und die Sorgeberechtigten sind insbesondere verpfl ichtet, dafür zu sorgen, dass sich ein Kind in schulischen Belangen seinen Fähigkeiten entsprech end entwickeln und sein Potenzial entfalten kann (vgl. Art. 302 ZGB). Zu diesem Zweck haben sie auch mit der Schule, und wo es die Umstände erfordern, mit der öffentlichen und geme innützigen Jugendhilfe zusammenzuar- beiten (Art. 302 Abs. 3 ZGB). 3.4.1 Aus den Akten ergibt sich, dass D.____ ein sehr in teressierter und offener Junge ist, dem es aber seit Beginn des Kindergartens im August 2019 schwerfiel, sich an Regeln zu halten. D.____ wollte im Spiel seine eigenen Ideen u nd Wünsche durchsetzen und war nicht in der Lage, sich auf ein gemeinsames Spiel mit den ande ren Kindern einzulassen. Er reagierte bei Misserfolgen sehr impulsiv und grob, was dazu führte, dass er im Kindergarten eigene Freunde vermisste und unglücklich war. Daher empfahl der schulpsychologische Dienst (SPD) im Rahmen eines Elterngesprächs am 30. Januar 2020 in einem ersten Schritt eine sozial- pädagogische Unterstützung im Rahmen der Integrativen S peziellen Förderung (ISF) für D.____, um in diesem Rahmen die Kontaktaufnahme mit anderen Kindern trainieren zu können (vgl. Aktennotiz zum Elterngespräch vom 30. Januar 2020 ). Diese Unterstützung wurde in der Folge von den Kindseltern abgebrochen. Eine ebenfalls begonnene Gruppentherapie bei der Therapeutin N.____ wurde von den Kindseltern ebenso ab gebrochen. Im Herbst 2020 äusser- ten die Kindseltern gegenüber der Schule den Verdach t, D.____ sei im Kindergarten sexuell belästigt worden. Im Rahmen eines Elterngespräches am 5. November 2020 führte das Kinder- gartenteam aus, es seien keine Beobachtungen gemacht worden, die auf einen sexuellen Miss- brauch im Kindergarten hindeuten würden. D.____ sei auch mit dem angeschuldigten Zivil- dienstleistenden nie alleine gewesen. Es sei dem Kinde rgarten und der Schulleitung aber ein Anliegen, dass ein möglicher sexueller Missbrauch von eine r Fachperson abgeklärt werde. Weiter wurden die Kindseltern aufgefordert, die Gru ppentherapie bei N.____ fortzusetzen. Die Kindseltern schilderten daraufhin ein mangelndes Vert rauen in die Therapeutin, weil diese den Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindergarten in Schutz genommen habe. Die Kindselter n willigten im Rahmen des Eltern- gespräches ein, D.____ weiterhin in den Kindergarten zu schicken und zeitnah eine neue Psy- chologin bzw. einen neuen Psychologen aufzusuchen, damit möglichst schnell geklärt werden könne, was vorgefallen sei und den bestehenden Verhalte nsproblemen begegnet werden könne. Weiter sicherten die Kindseltern zu, die Gruppe ntherapie fortzusetzen, bis ein neues Setting stehe. Fünf Tage später, ab dem 10. November 2020, schickten die Kindseltern D.____ – entgegen der Zusicherung – nicht mehr in den Kinder garten. Eine Abklärung des möglichen sexuellen Missbrauchs lehnten die Kindseltern sodann ab ( Aktennotiz Elterngespräch vom 23. November 2020). Nachdem die Schulleitung eine Um teilung von D.____ in den Kindergar- ten H.____ vorgeschlagen hatte, teilten die Kindseltern mit, dass sie D.____ stattdessen in eine Privatbeschulung schicken würden (Aktennotiz Elterngespräc h vom 23. November 2020). Eine Privatbeschulung wurde in der Folge von den Kindselter n entgegen der Ankündigung nicht um- gesetzt. Anlässlich eines weiteren Elterngesprächs am 22. April 2021 wurde ein Kindergarten- wechsel vereinbart. Dieser sozialpädagogisch begleitete Neustart im Kindergarten H.____ fand am 6. Mai 2021 statt. Am 20. Mai 2021 informierten d ie Lehrpersonen die Kindseltern darüber, dass D.____ bei einem Theaterbesuch der Klasse nicht d abei sein könne, weil er sich nach dieser kurzen Startphase nicht habe integrieren können , sich nicht an die Regeln halte und immer wieder kreische oder davonrenne. D.____ könne wäh rend dieser Zeit aber von der Sozialpädagogin betreut werden. Gleichentags meldeten die Kindseltern D.____ krank. In der Folge besuchte D.____ den Kindergarten erneut nicht m ehr und die Kindseltern waren für die Schule weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar. Da raufhin wandte sich die Schulleitung am 4. Juni 2021 mit einer Gefährdungsmeldung an die KESB. 3.4.2 Während den Schulferien suchte die zuständige Sozialpädagogin der Schule den Kon- takt zu den Kindseltern und konnte diese dazu bringen, dass D.____ als integrierter Sonder- schüler das erste Schuljahr in E.____ beginnt. Vom 16. August 2021 bis 25. August 2021 besuchte D.____ die Schule in E.____. Ab dem 26. Aug ust 2021 besuchte D.____ die Schule wiederum nicht mehr, und der Kindsvater erhob Vorwürf e gegen die Lehrpersonen der Primar- schule, sie hätten D.____ nicht vor sexuellem Missbrauch geschützt. Mit Schreiben vom 3. Sep- tember 2021 beantragten die Kindseltern die Aufhebung des integrativen Sonderschulstatus mit der Begründung, dass D.____ wiederholt im Kindergart en und im Schulalltag während der inte- grativen pädagogischen Unterstützung sexuell missbraucht worden sei. Am 6. September 2021 wandten sich die Kindseltern mit einer Gefährdungsmeldu ng an die KESB. Darin machten die Kindseltern geltend, D.____ sei seit November 2020 bi s 25. August 2021 im Kindergarten G.____, im Kindergarten H.____ und in der Primarschul e I.____ sexuell und physisch missbraucht worden, was zu Tics und einer depressiven Haltu ng geführt habe. Trotz diverser Sitzungen mit der Schulleitung und dem Kindergartenteam und trotz Kindergartenwechsel habe sich die Gewalt wiederholt. Daher würden Schutzmassnahm en durch die KESB beantragt, damit ihr Sohn in Sicherheit in die Schule gehen könne. 3.4.3 Am 11. November 2021 ging bei der KESB eine G efährdungsmeldung der Schulleitung der Schule L.____ in K.____ betreffend D.____ ein w egen der Vermutung, dass D.____ bereits eine ganze Weile nicht zur Schule gehe und sich dies fort setzen könnte. Zudem würden ungerechtfertigte Beschuldigungen gegen die Schule e rhoben. Aus der Gefährdungsmeldung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergibt sich, dass sich die Kindsmutter mit D.____ zuvor al s Wochenaufenthalterin in K.____ an- gemeldet hatte und D.____ ab dem 25. Oktober 2021 vor übergehend (für 4 Tage) die Schule L.____ in K.____ besuchte, bis die Eltern massive und d iffuse Vorwürfe gegen die Schule L.____ erhoben, weil ihr Sohn zu Dingen gezwungen werde, die er nicht wolle. 3.4.4 Den Akten ist somit zu entnehmen, dass D.____ seit dem 10. November 2020 – abge- sehen von wenigen Tagen – nicht mehr zur Schule gegang en ist und in dieser Zeit auch keine Beschulung durch qualifizierte Personen erfolgt ist, w oraus sich bereits eine erhebliche Kindes- wohlgefährdung ergibt. Die Kindeswohlgefährdung wird sodann vom schlüssigen Abklärungs- bericht vom 17. Februar 2022 bestätigt. Dem Abklärungsbericht ist zu entnehmen, dass D.____ grundsätzlich somatisch gesund und normal entwickelt scheine. Auffallend sei jedoch sein so- ziales Verhalten. Die Primarschule schildere, dass D.____ wenig Anschluss an die Klasse ge- funden und sich jeweils gegenüber anderen Kindern auf fällig verhalten habe. Zudem sei sein sexualisiertes Verhalten auffällig. Eine Beratung bei der Beratungsstelle für Opfer von sexueller Ausbeutung habe ergeben, dass D.____ vermutlich in der Vergangenheit ein Erlebnis im sexuellen Bereich gehabt habe, das er nicht habe verarbe iten können. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies wirklich im Kontext all der beschuldigten Schu len passiert sei, sei aber höchst un- wahrscheinlich. Die Kindseltern seien diesbezüglich aufge fordert worden, D.____ die notwen- dige Hilfe zukommen zu lassen. Nachdem sich die Kindseltern anfangs auf die Empfehlung ein- gelassen hätten, hätten sie nach kurzer Zeit den Konta kt zu den abklärenden Personen komplett abgebrochen. Die Kindseltern würden im Geschehenen eine Verschwörung gegen ihre Familie sehen und die empfohlenen Massnahmen seien von ihnen nicht umgesetzt worden. Es bestehe eine Kindeswohlgefährdung in dem Sinne, wie die Kindseltern dem Problem der Schul- absenzen sowie der Äusserungen betreffend mutmasslicher Übergriffe begegnen würden. 3.4.5 Soweit die Kindseltern die Verweigerung des S chulunterrichts damit begründen, D.____ werde in der Schule sexuell missbraucht, ist ihnen entgegenzuhalten, dass die Staats- anwaltschaft diese Vorwürfe untersucht hat und das entsp rechende Strafverfahren eingestellt hat. Aus der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltscha ft Basel-Landschaft ergibt sich, dass der Kindsvater insbesondere die Anschuldigung erhoben hatte, dass ein Zivildienstleistender, der von der Schulleitung organisiert worden sei, sei nen Sohn zu sexuellen Handlungen gezwungen und diesen bedroht haben soll. Weiter hatte der Beschwerdeführer die Schule E.____ einer organisierten sexuellen Schändung seines S ohnes bezichtigt. Die Staatsanwalt- schaft kam diesbezüglich jedoch zum Schluss, dass dieser Vorw urf im Hinblick auf die Akten- lage – insbesondere die zahlreich geführten Gespräche u nd Bemühungen der Schulleitung mit den Eltern – sonderlich anmute. So erscheine es gerad ezu absurd, dass sich sämtliche Lehrer, Kindergärtner oder deren Hilfspersonen an D.____ verge hen sollten. D.____ habe anlässlich der Einvernahme auch keine Angaben zu einem bestimmb aren Sachverhalt machen können. Seine Aussagen seien äusserst wirr gewesen, hätten stark suggeriert und indoktriniert gewirkt, zumal in diesem Zusammenhang aktenkundig sei, dass die Kindsmutter D.____ vor und nach der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme selber mittels Audio- und Videoaufnahmen befragt hatte, was eine starke Beeinflussung des Kindes im Stra fverfahren dargestellt habe. Ebenfalls sei nicht nachvollziehbar, dass der Kindsvater die von ih m dargestellten sexuellen Übergriffe erst rund zehn Monate später der Polizei gemeldet hab e, da erwartet werden könne, dass eine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tatsächlich angenommene sexuelle Schändung des eigenen Sohnes sofort den Strafverfol- gungsbehörden gemeldet und die Eltern das eigene Kind nicht weiteren Gefährdungslagen aus- setzen würden. Ebensowenig sei nachvollziehbar, dass die Kindseltern trotz mehrfacher Auffor- derung der Schulleitung nicht gewillt waren, das abnorme sexuelle Verhalten des Sohnes durch eine Fachperson abklären zu lassen. Gleichermassen habe sich der Kindsvater gegenüber der Staatsanwaltschaft nicht dazu bereit erklärt, eine ärztli che Entbindungserklärung zu unterzeich- nen, so dass bei der ehemaligen Therapeutin eine entsprechende Ursache hätte geklärt werden können. Daraus erhellt, dass die Verweigerung des Schulb esuchs nicht mit den erhobenen strafrechtlichen Vorwürfen gerechtfertigt werden kann. 3.5 Zusammenfassend ist somit eine erhebliche Kindeswohlge fährdung von D.____ aufgrund der fehlenden Beschulung sowie der Verweigerung der Abklärung erwiesen. 4.1 Zu prüfen bleibt, ob auch mildere Massnahmen als di e Errichtung einer Beistandschaft zum gewünschten Ziel, der Abwendung der Kindeswohlgefäh rdung, führen würden. Die Be- schwerdeführer vertreten diesbezüglich die Auffassung, d ie Errichtung einer Beistandschaft sei nicht erforderlich, weil sie in der Lage seien, ihren Sohn medizinisch zu vertreten, dessen Ent- wicklung zu folgen und psychologische Behandlungen zu orga nisieren. Sie bräuchten daher keine dritte Person, die in den Prozess einbezogen werde. 4.2 Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit, der das gesam te Kindesschutzrecht be- herrscht, verlangt, dass die verfügte Massnahme zur Abwen dung der Kindeswohlgefährdung geeignet und erforderlich ist (vgl. Art. 389 Abs. 2 i. V.m. Art. 440 Abs. 3 ZGB). Damit darf der Gefahr insbesondere nicht durch eine der weniger ein schneidenden Massnahmen nach Art. 307 ZGB vorgebeugt werden können (vgl. BGE 146 I II 313 E. 6.2.7; BGE 140 III 241 E. 2.1 = Die Praxis [Pra] 103/2014 Nr. 109). Kindesschutzmassnahm en sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Grundsatz der Kompleme ntarität; vgl. Urteil des Bundes- gerichts 5A_765/2016 vom 18. Juni 2017 E. 3.2). Die Kindesschutzbehörden sind damit zur Zu- rückhaltung aufgerufen, sofern die Eltern einer Kindesw ohlgefährdung effektiv begegnen. Kin- desschutzmassnahmen orientieren sich allerdings stets am Woh l des Kindes und sind in die Zukunft gerichtet. Kindesschutz verlangt daher ein voraus schauendes Handeln der Behörden. Diese sind gehalten, zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit gezielten Massnahmen möglichst prä- ventiv die festgestellte Kindeswohlgefährdung abzuwende n (Urteil des Bundesgerichts 5A_765/2016 vom 18. Juni 2017 E. 3.3). 4.3 Aus den Akten ergibt sich, wie bereits zuvor dargele gt (vgl. E. 3.4.1 ff.), dass D.____ bereits seit längerer Zeit ohne genügende Beschulung l ebt und die Eltern – trotz wiederholter Aufforderungen von Seiten der Schulbehörden und der KESB – nicht in der Lage waren, eine Beschulung sicherzustellen. Das Fehlen einer angemessenen Beschulung und die Art und Wei- se, wie die Kindseltern mit dem Problem der Schulabsenzen sowie den Äusserungen betreffend mutmasslicher Übergriffe umgehen, zeigen klar auf, dass die Eltern ohne externe Hilfe nicht in der Lage sein werden, der Kindeswohlgefährdung zu bege gnen. Die Kindseltern haben, anstatt D.____ eine entsprechende Therapie zukommen zu lassen bzw . am eigenen Erziehungsstil zu arbeiten, die Ursache ausschliesslich ausserhalb der Famili e gesucht und sogar eine begonne-Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ne Therapie abgebrochen, weil sie aus ihrer Sicht ni cht gut für ihn gewesen sei. Unter Berück- sichtigung der seit längerer Zeit fehlenden Beschulung besteht eine Dringlichkeit, eine tragende Lösung zu finden, ansonsten sich der Lernrückstand und d amit auch die Probleme bei einer Wiedereinschulung weiter vergrössern würden. Entsprechend ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass die verfügten Kindesschutzmassnahmen und insbesondere die Errichtung einer Beistand- schaft unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände (fehlende freiwillige Mitwirkung der Kinds- eltern, bisherige Verweigerung angebotener Therapie n, keine bestehende Schullösung) ohne weiteres verhältnismässig ist. 5.1 Weiter umstritten ist die Kostenverlegung durch d ie Vorinstanz. Die Vorinstanz aufer- legte den Beschwerdeführern Verfahrenskosten in der Hö he von Fr. 2'504.-- (bestehend aus einer Entscheidgebühr in der Höhe von Fr. 1'140.--, A bklärungskosten in der Höhe von Fr. 1'354.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 10.--). 5.2 Die Beschwerdeführer bringen bezüglich der Kostenve rlegung vor, sie seien nicht bereit, die vorinstanzlichen Verfahrenskosten zu bezahle n, da die Sicherheit ihres Sohnes in der Schule nicht sichergestellt sei. 5.3 Die Kosten von Kindesschutzmassnahmen gehören gemäss ausd rücklicher bundesge- setzlicher Regelung (Art. 276 Abs. 2 ZGB) zum von den E ltern zu tragenden Kindesunterhalt (vgl. BGE 141 III 401 E. 4). Das basellandschaftliche R echt regelt in § 158 Abs. 1 EG ZGB, dass für Verrichtungen und Verfügungen, wie sie im ZGB und in diesem Gesetz vorgesehen sind, Aufwandgebühren erhoben werden. Gestützt auf die in § 158 Abs. 3 EG ZGB enthaltene Delegationsnorm hat der Regierungsrat eine Gebührenverordnung erlassen, welche die Gebüh- renerhebung für Bewilligungen und Verrichtungen durch die kantonalen und kommunalen Amtsstellen, wie sie im schweizerischen und kantonalen Zivil recht vorgesehen sind, regelt (§ 1 der Verordnung über die Gebühren zum Zivilrecht [GebV ] vom 8. Januar 1991). Gemäss § 2 Abs. 1 GebV ist die Gebühr das Entgelt für einen Geschä ftsakt und alle damit notwendig zu- sammenhängenden Tätigkeiten wie Abklärungen, Beratung en, Verhandlungen, Ausfertigung des Aktes sowie die notwendigen Mitteilungen. Auslagen f ür Erhebungen (Gutachten, Sach- verständigenberichte usw.), Fahrten, Veröffentlichungen, Porti, Telefongespräche usw. werden besonders in Rechnung gestellt (§ 2 Abs. 3 GebV). Gebü hren und Auslagen, die in kindes- schutzrechtlichen Verfahren betreffend Minderjährige anfallen, werden – mit Ausnahme von be- sonderen Fällen – beiden Eltern je zur Hälfte auferl egt (§ 6 Abs. 2 bis GebV). 5.4 Gemäss § 17 lit. b Ziff. 6 GebV ist für Verfahren betreffend Ernennung der Beiständin oder des Beistandes (Art. 308 ZGB) ein Gebührenrahmen von Fr. 650.-- bis Fr. 2'950.-- vorge- sehen. Die von der Vorinstanz erhobene Gebühr von insgesa mt Fr. 2'504.-- bewegt sich in diesem Rahmen und es ist weder eine Verletzung des Ko stendeckungs- noch des Äquivalenz- prinzips ersichtlich, zumal sich der Aufwand der Vorinstanz inkl. der Abklärungskosten aus den Akten ergibt. Sodann sind keine Gründe ersichtlich, di e eine Reduktion bzw. einen Verzicht auf die Erhebung einer Gebühr gemäss § 17a GebV rechtfert igen könnten. Die von der Vorinstanz erhobene Gebühr ist damit nicht zu beanstanden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zusammenfassend erweisen sich die von der Vorinstanz ge troffenen Kindesschutz- massnahmen somit als rechtmässig und angemessen, was zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde führt. 7. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsg ericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten. Sie werden in der Regel der ganz oder teilweise unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Da die Beschwerdeführer vollumfängl ich unterliegen, sind ihnen die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'200.-- zu verrechnen. Die Beschw erdeführer haben demnach restliche Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.-- zu bezahlen. Eine Parteientschädigung fällt ausser Betracht (§ 21 Abs. 1 VPO). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'200.-- verrechnet. Die Beschwerdefü hrer haben rest- liche Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.-- zu bezahlen. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber