2001 1 Art. 13 Ziff. 4, Art. 221 Abs. 2 und Art. 224 ZPO. Ablehnung eines Sach- verständigen ( Entscheid des Obergerichts Nr. 40/2001/10 vom 14. S eptem- ber 2001 i.S. K). Das Quellenmaterial, auf das sich ein Gutachten stü tzt, ist ebenfalls Be- standteil der Akten, wenn das Gutachten als Beweism ittel abgenommen wur- de. Der Umstand, dass es vom vorgesehenen Gutachter in einem andern Pro- zess erhoben wurde, ist kein Grund für dessen Ableh nung als Sachverständi- gen. K. führt vor dem Kantonsgericht Schaffhausen einen Prozess gegen eine Lebensversicherungsgesellschaft betreffend Taggeldl eistungen. Dabei wurde unter anderem ein Gutachten sowohl als Beweis- als auch als Gegenbeweis- mittel abgenommen. Gleichzeitig schlug die Vorinsta nz einen Gutachter vor. K. erhob Einwendungen gegen den vorgeschlagenen Gut achter. Das Kan- tonsgericht wies den Ablehnungsantrag ab und ernann te den vorgeschlagenen Gutachter. Dagegen erhob K. Rekurs ans Obergericht. Dieses wies den Re- kurs ab. Aus den Erwägungen: 2.– a) Der Rekurrent macht im wesentlichen geltend, er leh ne Dr. med. M. weder wegen seiner Persönlichkeit noch wegen man gelnder fachlicher Qualifikation ab. Er beanstande lediglich, dass der bestellte Gutachter bereits in einem anderen Verfahren mit einer ganz anderen Fragestellung über ihn ein Gutachten erstellt habe, bei der er Material verwer tete, dessen Verwertung im vorliegenden Fall nicht zulässig sei. Im Rahmen ein es Strafverfahrens habe Dr. med. M. die Erkrankungen des Rekurrenten zu ver schiedenen Epochen umfassend dokumentiert und dieses Quellenmaterial i n seinem damaligen Gutachten ausgewertet. Dieses Quellenmaterial stehe aber im vorliegenden Verfahren nicht zur Verfügung, weil es sich nicht a n den Akten befinde und von der Rekursgegnerin nicht zum Beweis verstellt w orden sei. Dr. med. M. komme somit als Gutachter nicht in Frage, weil er K enntnis vom umfassen- den Quellenmaterial habe, das nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sei und auch nicht über den Umweg eines Gutachtensa uftrags in das Ver- fahren einfliessen dürfe. 2001 2 b) Zunächst ist festzuhalten, dass der vom Rekurrenten angeführte Ab- lehnungsgrund von Art. 13 Ziff. 4 i.V.m. Art. 221 A bs. 2 der Zivilprozessord- nung für den Kanton Schaffhausen vom 3. September 1 951 (ZPO, SHR 273.100) grundsätzlich nur dann zum Zuge kommt, wenn der vor- gesehene Experte in der konkreten Streitsache bereits ein Gutachten ab- gegeben hat, was vorliegend unbestrittenermassen ni cht der Fall ist (vgl. zur Auslegung von Art. 13 Ziff. 4 ZPO auch Hauser/Hauser , Erläuterungen zum Gerichtsverfassungsgesetz des Kantons Zürich vom 29 . Januar 1911, Zürich 1978, § 113 Ziff. 3, S. 397, zur entsprechenden Bes timmung des Kantons Zü- rich, welche als Vorbild diente). Die Bedenken des Rekurrenten sind aber auch von de r Sache her nicht begründet. Dem Sachverständigen ist Einsicht in die zur Ausführung seines Auftrags erforderlichen Akten zu gewähren (vgl. Art . 224 ZPO). Soweit der Experte aufgrund des Gutachtensauftrags ausdrücklic h oder stillschweigend dazu ermächtigt ist, kann er mit den Parteien in di rekten Kontakt treten, eige- ne Erhebungen vornehmen und Hilfspersonen beiziehen . Im übrigen hat er mit Hilfe des Richters die Beweise nach den Regeln des Beweisverfahrens zu erheben (Annette Dolge , Der Zivilprozess im Kanton Schaffhausen im erstin- stanzlichen ordentlichen Verfahren, Diss. Zürich 20 01, S. 283; Frank/Sträuli/Messmer , Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. A., Zürich 1997, § 176 N. 1, S. 521). Der Gutachter Dr. med. M. wurde im angefochtenen B eschluss ausdrück- lich ermächtigt, mit den Parteien direkt zu verkehr en und die notwendigen Untersuchungen vorzunehmen und in die vorliegenden Akten Einsicht zu nehmen. Das Gutachten von Dr. med. M. ..., welches dieser im Rahmen eines Strafverfahrens den Rekurrenten betreffend erstatte te, wurde von der Vorin- stanz als Beweismittel abgenommen, ist somit Bestan dteil der Akten und kann vom nunmehr bestellten Experten – sei es nun D r. med. M. oder jemand anderer – eingesehen werden. Selbstredend besteht d amit auch Einsicht in die ärztlichen Berichte, auf die sich dieses Gutachten stützt, kann doch ein Gut- achten nicht isoliert davon betrachtet werden. Kein e Rolle spielt dabei, dass diese ärztlichen Berichte von der Rekursgegnerin ni cht ausdrücklich als Be- weismittel angerufen worden sind. Grundsätzlich ent bindet ein Beweisantrag auf Erstattung eines Gutachtens die Parteien zwar n icht von ihrer Pflicht zur Einreichung der nötigen Unterlagen. Jedoch führt di es nicht dazu, dass sich der Gutachter auf die im Behauptungsverfahren genan nten Schriftstücke zu beschränken hat. Der Antrag auf Erstattung einer Expertise ist prozessual aus- reichend, ohne dass jedes Dokument, das der Experte für seine Arbeit kennen muss, bereits im Behauptungsverfahren namentlich zu nennen ist. Oftmals ist 2001 3 es ja auch so, dass die Parteien gar nicht vorausse hen können, welche Doku- mente der Experte für seine Arbeit überhaupt benöti gt. Ebenso können im Rahmen einer beantragten Begutachtung vom Experten Auskunftspersonen befragt werden, die im Behauptungsverfahren nie nam entlich genannt worden sind (Bühler/Edelmann/Killer , Kommentar zur aargauischen Zivilprozessord- nung, 2. A., Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg 1998, § 257 N. 5, S. 509; vgl. auch Max Guldener , Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. A., Zürich 19 79, S. 350). Damit ist aber nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz Dr. med. M. als Gutachter ernannt hat.