200 20 342 UV FUE/GET/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 28. Juli 2020 Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Jakob, Verwaltungsrichter Knapp Gerichtsschreiber Germann A.________ vertreten durch B.________ Beschwerdeführer gegen Suva Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern vertreten durch Rechtsanwalt C.________ Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 1. April 2020 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 2 Sachverhalt: A. Der … geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. Beschwerde- führer) war bis zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses per 30. Juni 2016 bei der D.________ AG als Mitarbeiter ... angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend Suva bzw. Be- schwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nicht- berufsunfällen versichert (Akten der Suva [act. II] 1; 138 S. 2; 200 S. 2), als er am 11. Dezember 2013 auf dem Gehsteig ausrutschte und sich das rechte Handgelenk verstauchte (act. II 1). Der Versicherte klagte daraufhin über Beschwerden daselbst (act. II 6 S. 1). Die Suva erbrachte die gesetz- lichen Leistungen, indem sie Taggelder ausrichtete und Heilbehandlung gewährte (act. II 2 f.). In der Folge traten in Zusammenhang mit einem Er- eignis vom 21. Januar 2013 (bei dem der Versicherte auf vereistem Boden gestürzt war und sich dabei auf der linken Hand abgestützt hatte [act. II 48]) zusätzlich Beschwerden im linken Handgelenk auf (act. II 12 S. 1), welche am 17. Juni 2014 operativ behandelt wurden (act. II 34 S. 2) und wofür die Suva ihre Leistungspflicht ebenfalls anerkannte (act. II 49). Am 31. Oktober 2014 und am 3. Februar 2015 erfolgten operative Eingriffe an der rechten Hand (act. II 59 S. 2 f.; 77 S. 1 f.). Im weiteren Verlauf persis- tierten Beschwerden in beiden Händen bzw. Handgelenken (act. II 85 S. 2; 86 S. 1). Dr. med. E.________, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, beurteilte im Rahmen einer kreisärztlichen Untersuchung vom 2. Juni 2015 eine uneingeschränkte Rückkehr in die Tätigkeit als ... als nicht mehr wahrscheinlich (act. II 102 S. 4) und befürwortete eine berufliche Neuorientierung (S. 5). In der Folge gewährte die Eidgenössische Invalidenversicherung (IV) eine Umschulung zum diplomierten ...HF (act. II 144 S. 2 f.), welche der Versicherte im Sommer 2019 erfolgreich abschloss (act. II 154 S. 2). Nachdem die Suva die medizinischen Akten med. pract. F.________, Facharzt für Chirurgie, zur Beurteilung vorgelegt hatte (Bericht vom 9. Januar 2020 [act. II 176]), verneinte sie mit Verfügung vom 4. Februar 2020 (act. II 183) bei einem Invaliditätsgrad von "weniger als 10%" einen Anspruch auf eine Invaliden- rente sowie mangels Vorliegens einer erheblichen Schädigung der körperli-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 3 chen Integrität einen Anspruch auf Integritätsentschädigung. Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache (act. II 195) wies die Suva mit Ent- scheid vom 1. April 2020 (act. II 200) ab. B. Dagegen liess der Versicherte, vertreten durch die B.________, diese ver- treten durch G.________, dipl. Rechtsfachfrau HF, mit Eingabe vom 15. Mai 2020 Beschwerde erheben. Er stellt die folgenden Anträge: 1. Der Einspracheentscheid vom 1. April 2020 sei aufzuheben. 2. Es sei dem Beschwerdeführer eine Rente von mindestens 13% zuzuspre- chen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegne- rin. Mit Beschwerdeantwort vom 4. Juni 2020 beantragt die Beschwerdegegne- rin, vertreten durch Rechtsanwalt C.________, die Abweisung der Be- schwerde. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 4 zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist der die Verfügung vom 4. Februar 2020 (act. II 183) bestätigende Einspracheentscheid vom 1. April 2020 (act. II 200). Streitig und zu prüfen ist im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 21. Januar und 11. Dezember 2013 (vgl. lit. A vorne) der Anspruch auf eine Invalidenrente der obligatorischen Unfallversicherung (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 2). In Bezug auf den ebenfalls verneinten Anspruch auf eine Inte- gritätsentschädigung stellt der Beschwerdeführer kein Rechtsbegehren respektive hält ausdrücklich fest, eine allfällige Schädigung der körperli- chen Integrität im rechtlichen Sinne gelte es "zu gegebener Zeit" prüfen zu lassen (Beschwerde, S. 9). Demnach ist der angefochtene Einspracheent- scheid, soweit den verneinten Anspruch auf Ausrichtung einer Integritäts- entschädigung betreffend, mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen (vgl. BGE 144 V 354 E. 4.3 S. 358). 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Am 1. Januar 2017 sind die Änderung vom 25. September 2015 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und die Änderung vom 9. November 2016 der Verord- nung vom 20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich – wie vorliegend – vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 25. September 2015 des UVG ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 5 Zeitpunkt ausgebrochen sind, werden nach bisherigem Recht gewährt (Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG). 2.2Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt zunächst das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit (Art. 6 Abs. 1 UVG) sowie eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181; SVR 2018 UV Nr. 3 S. 9 E. 3.1, 2012 UV Nr. 2 S. 6 E. 3.1). 2.3Ist der Versicherte infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so hat er Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Ferner hat er Anspruch auf die zweckmässige Behandlung von Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Der Unfallversicherer hat den Fall unter Einstellung von Heilbehandlung und Taggeld sowie Prüfung des Anspruchs auf Invalidenrente und Inte- gritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli- chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 143 V 148 E. 3.1.1 S. 151, 137 V 199 E. 2.1 S. 201). 2.4Ist der Versicherte infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid (Art. 8 ATSG), so hat er Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG in der bis am 31. August 2016 in Kraft gestandenen und vorliegend massgeblichen Fassung [vgl. E. 2.1 vorne]). Die Invalidenrente beträgt bei Vollinvalidität 80% des versicherten Verdienstes; bei Teilinvalidität wird sie entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs. 1 UVG). 2.4.1Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditäts- grades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 6 2.4.2Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am vor dem Unfall zu- letzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensent- wicklung angepassten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1; THOMAS FLÜCKIGER, in: FRÉSARD-FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.], Basler Kommen- tar zum Unfallversicherungsgesetz, 2019, N. 20 zu Art. 18 UVG). 2.4.3 2.4.3.1Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Übt die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – ku- mulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzu- nehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Ar- beitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296; SVR 2019 IV N. 28 S. 88 E. 5.1.3). 2.4.3.2Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Lohn- strukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch- schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei- nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 7 Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein- schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be- schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 3.3). 2.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weite- ren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 3. 3.1 3.1.1Es ist unbestritten und steht fest, dass die Handgelenksbeschwer- den links und rechts diagnostisch auf eine (jeweils operativ versorgte) beid- seitige scapholunäre Bandverletzung (act. II 102 S. 4; 176 S. 2) zurückzuführen sind. Ferner steht ausser Diskussion, dass die verbleiben- de verminderte Belastbarkeit beider Handgelenke (act. II 176 S. 2) in einem natürlichen (und adäquaten) Kausalzusammenhang zu den im Sinne von Art. 4 ATSG (zu Recht) als tatbestandsmässig anerkannten Ereignissen vom 21. Januar und 11. Dezember 2013 steht (vgl. E. 2.2 vorne). 3.1.2Im Weiteren waren im Zeitpunkt der Rentenprüfung (vgl. act. II 169 ff.) die Voraussetzungen für den Fallabschluss (vgl. E. 2.3 vorne) gegeben: So war bereits im Oktober 2015 von weiteren medizinischen Massnahmen keine Besserung des (unfallbedingten) Gesundheitszustandes mehr zu Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 8 erwarten (act. II 127 S. 1). Sodann hatte die Beschwerdegegnerin das Er- gebnis der von der IV im August 2016 begonnenen und bis Juli 2019 dau- ernden Eingliederungsmassnahmen in Form einer Umschulung zum diplo- mierten ...HF (act. II 144 S. 2 ff.) abzuwarten. Dass die Beschwerdegegnerin die Taggeldleistungen bereits per 31. Oktober 2015 – und damit vor dem Zeitpunkt des Fallabschlusses – einstellte, ist schliess- lich dem Umstand geschuldet, dass ab dem 1. November 2015 die IV auf- grund der von ihr gewährten Eingliederungsmassnahmen nach Massgabe ihrer in Art. 16 Abs. 3 UVG normierten absoluten prioritären Leistungspflicht (vgl. MARC HÜRZELER, in: FRÉSARD-FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.], a.a.O., 2019, N. 85 zu Art. 16 UVG) für die Taggeldleistungen aufzukom- men hatte (act. II 124; 133 S. 1). 3.1.3Schliesslich stellt der Beschwerdeführer das von med. pract. F.________ in der ärztlichen Beurteilung vom 9. Januar 2020 (act. II 176) formulierte Zumutbarkeitsprofil (S. 2) zu Recht nicht in Frage. Dessen Ein- schätzung basiert auf und korreliert mit der handchirurgischen Abschluss- untersuchung vom 20. November 2019 (act. II 167 S. 2 f.) von Prof. Dr. med. H.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo- gie des Bewegungsapparates sowie Handchirurgie, und lautet wie folgt: "Ganztägiger Einsatz. Nicht mehr zumutbar sind Arbeiten, verbunden mit einer Hebe- und Tragebelastung körpernah wie körperfern von mehr als 10 - 15 kg und Arbeiten mit chronisch repetitiv-monotonen Bewegungen der Handgelenke oder Arbeiten, die mit einer erheblichen Vibrations-/Schlag- oder Druckbelastung der Handgelenke einhergehen. Keine endständigen Zwangshaltungen. Kein kräftiges Zupacken, keine besondere Geschick- lichkeit." 3.2Massgeblicher Zeitpunkt für den potentiellen Rentenbeginn ist der 1. August 2019, nachdem Ende Juli 2019 die Umschulung abgeschlossen (vgl. act. II 151 S. 3) und der Fallabschluss vorzunehmen war (vgl. E. 3.1.2 vorne). Entsprechend sind Validen- und Invalideneinkommen auf diesen Zeitpunkt hin zu erheben. In der Folge legte die Beschwerdegegnerin der Prüfung des im Streit stehenden Rentenanspruchs ein Valideneinkommen von Fr. 74'735.-- sowie ein Invalideneinkommen von Fr. 68'044.-- zugrun-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 9 de, woraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 6'691.-- und ein Invaliditätsgrad von "weniger als 10%" respektive 9% resultierte (act. II 183 S. 1 f.). 3.3Das Valideneinkommen wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht in Frage gestellt (vgl. Beschwerde, S. 8): Dieses basiert auf den An- gaben der D.________ AG, der letzten Arbeitgeberin des Beschwerdefüh- rers vor dem Unfall vom 11. Dezember 2013 (act. II 1; vgl. E. 2.4.2 vorne). Danach hätte er im Jahr 2019 – unter Ausklammerung der Familienzulagen (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 4. August 2017, 8C_358/2017, E. 4), jedoch unter Berücksichtigung der Nachtzulagen – jährlich ein Ein- kommen von Fr. 74'735.-- erzielt (act. II 170 S. 3). 3.4In Bezug auf das Invalideneinkommen folgt aus den Akten, dass der Beschwerdeführer nach erfolgter Umschulung zum ...HF (act. II 154 S. 2) seit 1. November 2019 eine Tätigkeit als ... ausübt. Dieses Arbeitsver- hältnis ist jedoch bis am 31. Oktober 2020 befristet (act. II 179 S. 1), womit mit der Beschwerdegegnerin (act. II 200 S. 7) nicht besonders stabile Ver- hältnisse vorliegen (vgl. E. 2.4.3.1 vorne), die es rechtfertigten, das Invali- deneinkommen gestützt auf den bei der aktuell ausgeübten Tätigkeit erzielten Verdienst zu ermitteln. Entsprechend sind dem Invalideneinkom- men grundsätzlich Tabellenlöhne gemäss LSE zugrunde zu legen (vgl. E. 2.4.3.2 vorne), was denn auch unbestritten ist. Einigkeit besteht zwischen den Parteien auch insoweit, als die LSE 2016 heranzuziehen ist, wurde die LSE 2018 doch erst am 21. April 2020 und damit nach Erlass des Einspra- cheentscheides vom 1. April 2020 publiziert (vgl. www.bfs.admin.ch; BGE 143 V 295 E. 2.3 S. 297; Entscheid des BGer vom 27. November 2019, 8C_64/2019, E. 6.2.1). Während die Beschwerdegegnerin jedoch auf den Totalwert, Kompetenzniveau 2, Männer (Fr. 5'646.--) von Tabelle TA1_tirage_skill_level abstellt (act. II 200 S. 8), erachtet der Beschwerde- führer die Position 86-88 "Gesundheits- und Sozialwesen", Kompetenzni- veau 2, Männer (Fr. 5'451.--) von Tabelle TA1_tirage_skill_level als massgebend (vgl. Beschwerde, S. 8). 3.5Wird das Invalideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen gemäss LSE ermittelt (vgl. E. 2.4.3.2 vorne), so wendet die Rechtspre- chung in der Regel die Monatslöhne gemäss LSE-Tabelle TA1, Zeile "Total Privater Sektor", an (Entscheid des BGer vom 10. April 2019, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 10 8C_811/2018, E. 5.3). Es besteht auch vorliegend kein Anlass, von diesem Grundsatz abzurücken: So kann der Beschwerdeführer aus dem Umstand, wonach er eine "bran- chenspezifische Umschulung zum dipl. ...HF" (Beschwerde, S. 8) im Rah- men der Eingliederungsmassnahmen der IV absolviert hat, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn deren Handeln kann nicht der Beschwerdegegne- rin angerechnet werden (vgl. Entscheid des BGer vom 18. Dezember 2019, 8C_631/2019, E. 6.3.2.2). Auch hat die Beschwerdegegnerin zu keinem Zeitpunkt ausdrücklich festgehalten, das Ergebnis der Umschulung einer allfälligen späteren Rentenprüfung respektive dem zu ermittelnden Invali- ditätsgrad zugrunde zu legen. Vielmehr hat sie nach Abschluss der Einglie- derungsmassnahmen der IV das dem Beschwerdeführer verbliebene funktionelle Leistungsvermögen medizinisch neu beurteilen lassen (vgl. E. 3.1.3 vorne) und damit zu verstehen gegeben, dass die Frage der Zumut- barkeit unabhängig vom Ergebnis der Umschulung beurteilt wird. Das Vor- gehen der Beschwerdegegnerin deckt sich somit mit der langjährigen Rechtsprechung, wonach eine versicherte Person sich bei der Invaliditäts- bemessung die Einkünfte als Invalideneinkommen anrechnen lassen muss, die sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt an einer zumutbaren Stelle erzie- len könnte, dies selbst dann, wenn sie infolge günstiger Aussichten an der bisherigen Stelle von einem Berufs- oder Stellenwechsel absieht, kann sie doch nicht erwarten, dass die Unfallversicherung für einen wegen des Ver- zichts auf zumutbare Einkünfte eingetretenen Minderverdienst aufkommt (BGer 8C_631/2019, E. 6.1). Es ist nicht ersichtlich, weshalb vorliegend, da für die Ermittlung des Invalideneinkommens aus anderen Gründen nicht auf das beim aktuellen Arbeitgeber erzielte Einkommen abgestellt werden kann (vgl. E. 3.4 vorne), anders verfahren werden sollte. Denn entscheidend ist allemal, dass dem Beschwerdeführer aufgrund des wenig restriktiv formu- lierten Zumutbarkeitsprofils (vgl. E. 3.1.3 vorne) sowie mit Blick auf die ausbildungsmässig sowie im Rahmen langjähriger beruflicher Erfahrung erworbenen Fertigkeiten auf dem als ausgeglichen unterstellten Arbeits- markt (Art. 16 ATSG) nicht nur branchenspezifische Tätigkeiten nach Massgabe der beschwerdeweise angerufenen Tabellenposition 86-88 "Ge- sundheits- und Sozialwesen" zur Verfügung stehen. Dies gilt umso mehr, als der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 11 umfasst, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit ei- nem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen kön- nen (BGE 138 V 457 E. 3.1 S. 459; SVR 2019 IV Nr. 21 S. 66 E. 4.2). Demnach ist – entsprechend dem angefochtenen Einspracheentscheid (act. II 200 S. 8) – dem Invalideneinkommen der Wert gemäss Tabelle TA1, Zeile "Total Privater Sektor", zugrunde zu legen. 3.6Die Beschwerdegegnerin hat im Rahmen von Tabelle TA1, Zeile "Total Privater Sektor", Kompetenzniveau 2 berücksichtigt. Wenn die versi- cherte Person nach Eintritt der Invalidität – wie hier – nicht auf den ange- stammten Beruf zurückgreifen kann, rechtfertigt sich die Anwendung von LSE-Kompetenzniveau 2 praxisgemäss jedoch nur dann, wenn sie über besondere Fertigkeiten und Kenntnisse verfügt (Entscheid des BGer vom 22. April 2020, 8C_5/2020, E. 5.3.2). Gemäss Lebenslauf (act. II 117) absolvierte der Beschwerdeführer nach sechs Jahren Primar- und drei Jahren Realschule von 1991 bis 1992 die Ausbildung zum …. 1997 besuchte er einen … Kurs des I.________. Von 2008 bis 2009 liess er sich zudem zum ... EFZ ausbilden. In beruflicher Hinsicht war der Beschwerdeführer von 1992 bis 1994 sowie ab 2002 bei der D.________ in der … tätig; von 1994 bis 1997 sowie von 1998 bis 2000 arbeitete er als … und … bei der damaligen J.________ AG. Von 1997 bis 1998 sowie von 2000 bis 2002 war der Beschwerdeführer jeweils als … I.________ in einem … tätig. Die Beschwerdegegnerin bringt mit Blick auf diese Erwerbsbiographie zu Recht vor, der Beschwerdeführer sei "in verschiedenen Bereichen" beruf- lich tätig gewesen (Beschwerdeantwort, S. 6). Indem der Beschwerdeführer über zwei Ausbildungen – so als … und zum ... EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) mit allen dazu benötigten Fachprüfungen – sowie über eine langjährige berufliche Erfahrung in verschiedenen Bereichen verfügt, ist zu folgern, dass der Beschwerdeführer nicht nur zur Verrichtung ledig- lich einfacher und repetitiver Tätigkeiten – mithin Hilfsarbeiten – fähig ist, was denn auch der Beschwerdeführer selber nicht geltend macht. Vielmehr kann er auch Arbeiten ausführen, die Berufs- und Fachkenntnisse voraus- setzen. Unter diesen Umständen ist die Einstufung in das Kompetenzni- veau 2, welches praktische Tätigkeiten wie Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 12 Verkauf/Pflege/Datenverarbeitung und Administration/Bedienen von Ma- schinen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdienst/Fahrdienst beinhal- tet, gerechtfertigt. 3.7Demnach ist dem Invalideneinkommen Tabelle TA1, Zeile "Total Privater Sektor", Kompetenzniveau 2, Männer, zugrunde zu legen. Bei der Anwendung von Tabellenlöhnen gilt es zu berücksichtigen, dass ihnen ge- nerell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, welcher Wert etwas tiefer ist als die betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit im Be- reich der Tabellenposition Total, welche sich im Jahr 2019 auf 41.7 Wo- chenstunden belief (vgl. BGE 126 V 75 E. 3b bb S. 77; BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Position Total). Entgegen dem Beschwerdeführer (Beschwerde, S. 4 – 7) besteht sodann kein Anlass, den von der Beschwerdegegnerin zugrunde gelegten leidens- bedingten Abzug von 5% (act. II 200 S. 8) zu erhöhen. Nach der Recht- sprechung zum leidensbedingten Abzug (vgl. E. 2.4.3.2 vorne) darf das kantonale Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, die seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (Entscheid des BGer vom 18. Januar 2018, 8C_552/2017, E. 4.3). Dies ist vorliegend nicht der Fall: Das Zumut- barkeitsprofil ist – wie bereits dargelegt (vgl. E. 3.5 vorne) – nicht beson- ders restriktiv formuliert und die (100%ige) Arbeitsfähigkeit erweist sich nicht als qualitativ dergestalt eingeschränkt, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf die Chancengleichheit in Anstellungs- und Bewerbungsverfahren mit anderen Bewerbern "stark benachteiligt" (Beschwerde, S. 4) wäre. Ins- besondere sind – nach dem Dargelegten (vgl. E. 3.5 vorne) und entgegen dem beschwerdeweisen Vorbringen (vgl. S. 4 ff.) – nicht allein branchen- spezifische Tätigkeiten im Gesundheits- und Sozialwesen referenziell. Fer- ner bestehen über das ärztlich beschriebene Beschäftigungspensum hinaus keine zusätzlichen Einschränkungen, wie beispielsweise ein ver- mindertes Rendement pro Zeiteinheit wegen verlangsamter Arbeitsweise oder ein Bedarf nach ausserordentlichen Pausen, womit sich der von der Beschwerdegegnerin gewährte Abzug von 5% als eher grosszügig erweist, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 13 zumal die übrigen (invaliditätsfremden) Kriterien Alter, Dienstjahre, Nationa- lität und Beschäftigungsgrad vorliegend nicht relevant sind. 3.8Demnach beträgt das jährliche Invalideneinkommen pro 2019 un- ter Berücksichtigung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden, der statistischen Lohnerhöhungen (BFS, T1.1.10 Nominallohnin- dex, Männer, 2011 - 2019, Abschnitt Total [vgl. Entscheid des BGer vom 10. Mai 2013, 8C_67/2013, E. 3.3.5]), einer Arbeitsfähigkeit von 100% so- wie eines leidensbedingten Abzugs von 5% Fr. 68'324.55 (Fr. 5’646.-- x 12 Monate / 40 x 41.7 Wochenstunden /104.1 x 106 x 0.95). Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen ergibt dies eine Er- werbseinbusse von Fr. 6'410.45 (Fr. 74'735.-- – Fr. 68'324.55) und damit einen Invaliditätsgrad von gerundet 9% (zur Rundung: vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 S. 123), womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht (vgl. E. 2.4 vorne). 3.9Zusammenfassend ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 1. April 2020 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 4. 4.1Verfahrenskosten sind keine zu erheben (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG). 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht weder für den unter- liegenden Beschwerdeführer noch für die obsiegende Beschwerdegegnerin ein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG; BGE 126 V 143 E. 4a S. 150).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Juli 2020, UV/20/342, Seite 14 Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - B.________ z.H. des Beschwerdeführers - Rechtsanwalt C.________ z.H. der Beschwerdegegnerin - Bundesamt für Gesundheit Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.