Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 4. Februar 2014 (460 13 257) ____________________________________________________________________ Strafrecht Banden- und gewerbsmässiger Diebstahl, etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Beat Schmidli (Ref.), Richter Beat Hersberger, Richterin Helena Hess, Richter Markus Mattle; Ge- richtsschreiberin Nicole Schneider Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Hauptabteilung Laufen, Rennimattstrasse 77, Postfach, 4242 Laufen, Anklagebehörde und Berufungsklägerin gegen A.____, vertreten durch Advokat Dr. Matthias Aeberli, Freie Strasse 82, Postfach, 4051 Basel, Beschuldigter Gegenstand banden - und gewerbsmässiger Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts vom 15. August 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts (Dreierkammer 4) vom 1 5. August 2013 wurde der Beschul- digte des gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfache n Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen rechtswidrigen Einreise schuldig erklärt und zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 3 Jah ren, davon 1 ½ Jahre unbedingt, verurteilt, wobei die vom 27. Dezember 2012 bis zum 15. August 2013 ausgestandene Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft von insgesamt 231 Tagen angere chnet und die Probezeit für den beding- ten Teil der Strafe auf 2 Jahre festgesetzt wurde (Ziffer 1). Von der Anklage des gewerbsmässi- gen Diebstahls, der Sachbeschädigung und des Hausfr iedensbruchs in den Anklagefällen 2, 3, 7, 12, 14 und 16 sowie von der Anklage des bandenmä ssigen Diebstahls sprach das Strafge- richt den Beschuldigten frei (Ziffer 2). Das beim B eschuldigten beschlagnahmte Bargeld, näm- lich Fr. 12.65 (Fundus G26056), EUR 120.00 (Fundus G26056) und USD 9.00 (Fundus G26057), wurde an die Verfahrenskosten angerechnet. Mit Bezug auf den beschlagnahmten Notizzettel (Fundus G26177) beschloss das Strafgeri cht, dass dieser bei den Akten verbleiben soll, während die beim Beschuldigten beschlagnahmte Taschenlampe Varta (Fundus G26057) sowie das bei ihm sichergestellte Paar Sportschuhe der Marke Nike nach Rechtskraft an ihn zurückgegeben werden sollen (Ziffer 3a - c). Der Be schuldigte wurde sodann zur Bezahlung von diversen Zivilforderungen verurteilt. Einige Zi vilforderungen wurden auf den Zivilweg ver- wiesen und die Genugtuungsforderung eines der Priva tkläger abgewiesen (Ziffer 4a - c). Die Verfahrenskosten auferlegte das Strafgericht zufolg e Uneinbringlichkeit dem Staat und sprach dem amtlichen Verteidiger ein Honorar von Fr. 6‘228 .80 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteu- er) zu Lasten der Gerichtskasse zu (Ziffer 5 und 6). Im Anschluss an die Hauptverhandlung und Verkündung dieses Urteils verlängerte das Strafge- richt mit verfahrensabschliessendem Beschluss vom 1 5. August 2013 die Sicherheitshaft für den Fall der Anmeldung der Berufung bis zum Antritt des vorzeitigen Strafvollzugs, längstens jedoch bis zum 15. November 2013, wobei dem Beschul digten bereits mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 24. Mai 2013 der vorzeitige Strafvollzug bewilligt worden war. B. Gegen das obige Strafgerichtsurteil meldete die St aatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Laufen, mit Eingabe vom 15. August 2013 Berufung an. Mit Berufungserklärung vom 4. November 2013 stellte der zuständige stellvertretende Leitende Staatsanwalt, Pascal Pilet, folgende Anträge: Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht „1. Es sei in den Fällen 2, 7, 12 und 14 ein Schuld spruch gemäss Anklage zu fällen. 2. Das Strafmass sei angemessen zu erhöhen. 3. Der Beschuldigte sei zu einer unbedingten Straf e zu verurteilen.“ C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts, Abteilung Straf recht, vom 11. November 2013 wur- de festgestellt, dass der Beschuldigte weder Berufu ng noch Anschlussberufung erhoben hatte. Er erhielt eine Frist bis zum 13. Januar 2014, um z ur Berufungserklärung der Staatsanwalt- schaft Stellung zu nehmen. D. In seiner Stellungnahme vom 17. Dezember 2013 lies s der Beschuldigte durch seinen amtlichen Verteidiger die vollumfängliche Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils beantragen. E. Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 18. Dezembe r 2013 wurde der Schriftenwechsel geschlossen und die Parteien zur Hauptverhandlung g eladen. Am 24. Januar 2014 bewilligte der zuständige Kantonsgerichtspräsident dem Beschul digten für das Berufungsverfahren die amtliche Verteidigung mit Dr. Matthias Aeberli als Vertreter und holte ausserdem einen Füh- rungsbericht über den Beschuldigten bei den Anstalt en Thorberg ein. In Anbetracht, dass die Dreierkammer nur eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahr en ausfällen kann (§ 15 Abs. 1 lit. a EG StPO; SGS 250), wurde der Fall zur Beurteilung an die Fünferkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, überwiesen. F. Zur heutigen Hauptverhandlung erscheinen für die S taatsanwaltschaft resp. für die Beru- fungsklägerin der zuständige stellvertretende Leite nde Staatsanwalt, Pascal Pilet, sowie der Beschuldigte zusammen mit seinem amtlichen Verteidiger. Staatsanwalt Pascal Pilet reicht dem Gericht zu Beginn der Hauptverhandlung zwei Unterla gen ein. Beim ersten Dokument handelt es sich um eine Karte, die am 4. Februar 2014 mit H ilfe von „google.maps“ erstellt wurde. Da- rauf sind die verschiedenen Einbrüche, die in V.___ _ und W.____ verübt wurden (Anklagefälle 11 - 15), eingezeichnet. Das zweite Novum ist ein S trafbefehl, der am 27. Dezember 2013 von der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabtei lung Laufen, gegen den Beschuldigten erlassen wurde. Dieser wurde der Sachbeschädigung s chuldig erklärt und zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 20 Tagen verurteilt. In seinem Plädoyer beantragt der Staatsanwalt, dass der Beschuldigte in 20 Fällen des ge- werbsmässigen Diebstahls schuldig gesprochen und zu einer Gesamtstrafe von 4 ½ Jahren Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Freiheitsstrafe, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl v om 27. Dezember 2013, verurteilt werde. Der Verteidiger beantragt demgegenüber die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Die Anträge und Ausführungen der Parteien, wie auch die Angaben im Führungsbericht der Anstalten Thorberg vom 29. Januar 2014 werden ─ soweit erforderlich ─ in den nachfolgenden Erwägungen wiedergegeben. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zuläs sig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilwei se abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unricht ige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungs gericht das Urteil in allen angefochte- nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs . 2 und Abs. 3 StPO). Die Berufung ist zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Ta gen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsge richt innert 20 Tagen seit der Zustel- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Beru fungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). Das Berufungsgericht überprüft da s erstinstanzliche Urteil nur in den ange- fochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Gemäss Ar t. 381 Abs. 1 StPO ist die Staatsanwalt- schaft dazu legitimiert ein Rechtsmittel zu ergreif en und zwar zugunsten oder zuungunsten der beschuldigten Person. 2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts Basel -Landschaft vom 15. August 2013 an- gefochten. Dieses Urteil stellt ein taugliches Anfe chtungsobjekt dar. Die Staatsanwaltschaft hat mit ihrer Eingabe vom 15. August 2013 fristgerecht Berufung angemeldet. Das begründete Ur - teil ist ihr am 22. Oktober 2013 zugestellt worden. Die schriftliche Berufungserklärung, die vom 4. November 2013 datiert, ist innert der 20-tägigen Frist und damit ebenfalls rechtzeitig erfolgt. Wie dargelegt, kann die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das angefochtene Urteil erheben. Die Zuständigkeit der Fünferkammer des Kantonsgeric hts, Abteilung Strafrecht, als Berufungs- gericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung e rgibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO so- wie aus § 15 Abs. 1 lit. b EG StPO. Es kann daher a uf die Berufung der Staatsanwaltschaft Ba- sel-Landschaft, Hauptabteilung Laufen, eingetreten werden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. In Anbetracht, dass der Beschuldigte weder Berufun g noch Anschlussberufung erklärt hat und das Kantonsgericht ─ wie dargelegt ─ das erstinstanzliche Urteil lediglich in den ange- fochtenen Punkten überprüft, geht es im zweitinstan zlichen Verfahren nur noch um die Fragen, ob der Beschuldigte in den Anklagefällen 2, 7, 12 u nd 14 zu Recht freigesprochen wurde und ob die erstinstanzlich verhängte Strafe angemessen festgesetzt resp. zu Recht teilbedingt aus- gesprochen wurde. Die Schuldsprüche des Strafgerichts Basel-Landschaft in den Anklagefällen 1, 4 - 6, 8 - 11, 13, 15 und 17 - 22, die Freisprüc he in den Fällen 3 und 16 sowie der Freispruch vom Vorwurf des bandenmässigen Diebstahls stehen al so im Berufungsverfahren nicht mehr zur Diskussion. II. Materielles 1.1 Im vorliegenden Fall brachte die Staatsanwaltschaft ursprünglich insgesamt 22 Ein- bruchsdiebstähle zur Anklage (vgl. Deliktsverzeichn is im Strafgerichtsurteil S. 2 ff.). Das Straf- gericht teilte die angeklagten Fälle in drei Gruppen auf: Zur ersten Gruppe zählte die Vorinstanz all jene Fälle, in denen es mindestens eine DNA- oder Schuhabdruckspur gab und/oder ein Ge- ständnis des Beschuldigten vorlag sowie ergänzend g egebenenfalls der modus operandi iden- tisch und/oder ein zeitlicher und örtlicher Konnex zu einem anderen angeklagten Einbruchs- diebstahl gegeben war. Gestützt auf diese Beweise e rachtete die Vor-instanz die Täterschaft des Beschuldigten in insgesamt 14 Fällen ─ nämlich in den Anklagefällen 1, 4, 5, 9 - 11, 13, 15, 17 - 22 (vgl. Strafgerichtsurteil S. 12) ─ als erstellt. Zur zweiten Gruppe rechnete das Stra fge- richt sodann jene Fälle, bei denen zwar keine DNA- oder Schuhabdruckspur und auch kein Ge- ständnis des Beschuldigten vorgewiesen werden konnte, in denen aber ein zeitlicher und räum- licher Konnex zu einem anderen angeklagten Einbruch vorlag und der modus operandi iden- tisch war. Diese Voraussetzungen bejahte das Strafg ericht bei den Anklagefällen 6 und 8 und sprach den Beschuldigten dementsprechend schuldig. Zur dritten Kategorie zählte die Vo- rinstanz schliesslich alle verbleibenden Fälle. Mit Bezug auf die Fälle 2, 7, 12 und 14 führte sie konkret aus, das alleinige Indiz bestehe jeweils in einem zeitlichen und örtlichen Konnex zu ei- nem anderen Einbruch, der zu einer der ersten beide n Gruppen gehöre. Es sei zwar möglich, dass der Beschuldigte an diesen Einbrüchen resp. Ei nbruchsversuchen beteiligt gewesen sei. Allerdings lasse sich eine andere Täterschaft in di esen Fällen nicht ausschliessen. Deshalb sei der Beschuldigte mangels weiterer Indizien oder Anh altspunkte, die für seine Täterschaft spre- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen, gemäss dem Grundsatz „in dubio pro reo“ von d iesen Anklagefällen freizusprechen (vgl. Strafgerichtsurteil S. 13 f.). 1.2 Die Staatsanwaltschaft macht nun in ihrer Berufungs erklärung zunächst geltend, dass die Freisprüche in den Anklagefällen 2, 7, 12 und 1 4 zu Unrecht erfolgt seien. Die Beweislage reiche für eine Verurteilung aus. Tatort- und Tatze itnähe sowie das ähnliche Tatvorgehen seien von der Vorinstanz nämlich ungenügend berücksichtig t worden. Zu prüfen ist somit, ob diese Auffassung zutrifft. 1.3 Gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Dieser s ogenannte Grundsatz der freien rich- terlichen Beweiswürdigung besagt, dass ein Urteil nicht in Anwendung von festen Beweisregeln zu fällen ist, sondern das Gericht aufgrund seiner persönlichen Überzeugung darüber entschei- den soll, ob es eine Tatsache als bewiesen erachtet oder nicht (W OLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 10 N 25). Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung darf jedoch nicht dazu missbraucht werden, dass sich ein Gerich t zur Begründung seines Urteils schlicht und einfach auf seine innere Überzeugung beruft. Di e persönliche Überzeugung des Gerichts resp. der einzelnen Richterinnen und Richter muss z um einen auf einer gewissenhaften Prü- fung aufbauen und zum anderen zumindest objektivier - und nachvollziehbar sein. Daraus folgt, dass objektiv begründete Zweifel, d.h. solche, die sich nach der objektiven Sachlage einem vernünftigen Menschen aufdrängen, auch dann ausschl aggebend sind, wenn die zuständige Richterin oder der zuständige Richter zwar keine Zw eifel hat, diese aber im konkreten Fall ha- ben sollte (WOLFGANG WOHLERS , a.a.O., Art. 10 N 31 ff.). Der vom Strafgericht bereits angerufene Grundsatz " in dubio pro reo" besagt sodann Folgen- des: Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, geht das Gericht von der für die b eschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist zugleich Beweislast- und Be- weiswürdigungsregel. Als Beweislastregel bedeutet e r, dass es Sache der Anklagebehörde ist, den Nachweis für die Schuld zu erbringen und nicht die beschuldigte Person ihre Unschuld zu beweisen hat. Als Beweiswürdigungsregel besagt der Grundsatz "in dubio pro reo", dass ein Gericht nicht von einem für die beschuldigte Person ungünstigen Sachverhalt ausgehen darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, o b sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Der Grundsatz wird verletzt, wenn das Gericht die beschuldigte Person trotz erheblicher Zweifel Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldig spricht oder wenn es zwar nicht zweifelt u nd schuldig spricht, obwohl es aufgrund der konkreten Umstände vernünftigerweise erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel hätte haben müssen. Erheblich sind dabei Zweifel immer da nn, wenn sie sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen und jedem vernünftigen Menschen stellen. Rein abstrakte und theoreti- sche Zweifel sind hingegen nicht massgebend, weil d erartige Unsicherheiten immer möglich sind und eine absolute Gewissheit nicht verlangt we rden kann. Für eine Verurteilung muss es deshalb genügen, wenn das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (NIKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 3. Aufl., 2012, N 688 ff.; vgl. auch WOLFGANG WOHLERS , a.a.O., Art. 10 N 11 ff. sowie R OBERT HAUSER /ERHARD SCHWERI /KARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., 2005, § 54 N 13). 1.4 In den vier Einbruchsfällen, die heute noch zur Diskussion stehen, besteht zweifellos ein örtlicher und zeitlicher Konnex zu einem der nachge wiesenen und vom Beschuldigten nunmehr auch zugestandenen Fälle. So erfolgte der Einbruch in das Einfamilienhaus an der O.____strasse 13 in X.____ (Anklagefall 2) am 12. M ärz 2012 zwischen 20:13 und 20:15 Uhr und damit ungefähr 30 Minuten nach dem unbestritten en Einbruchsversuch im Anklagefall 1. Dieser war ebenfalls in X.____ an der ca. 1.4 km en tfernten, in der dazwischen verstrichenen Zeit also ohne weiteres erreichbaren K.____strasse verübt worden. Der Anklagefall 7 (Ein- bruchsversuch in ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus in X.____ ,L.____strasse) steht sowohl in örtlicher als auch in zeitlicher Hinsicht in einem engen Zusammenhang mit den Einbrüchen in den Fällen 6, 8 und 9, die im gleichen Zeitraum wiederum in X.____ stattfanden und schliesslich ist auch bei den Anklagefällen 12 (Einbruchsversuch in ein mehrstöckiges Reiheneinfamilien- haus in V.____, M.____strasse) und 14 (Einbruchsver such in ein dreistöckiges Mehrfamilien- haus in V.____, N.____strasse) dieser örtliche und zeitliche Konnex ─ hier mit Bezug auf die zugestandenen Fälle 11, 13 und 15, die alle in V.__ __ resp. in der benachbarten Gemeinde W.____ verübt wurden (vgl. dazu den von der Staatsa nwaltschaft eingereichten Auszug aus „google.maps“ vom 4. Februar 2014) ─ zu bejahen. Eine gewisse Ähnlichkeit der Zielobjek te lässt sich ebenfalls nicht abstreiten. So waren imm er entweder Einfamilien- resp. Reiheneinfa- milienhäuser oder Mehrfamilienhäuser betroffen und nicht etwa Gewerbebetriebe, wie nament- lich Tankstellen, Banken oder anderweitige Geschäft sräumlichkeiten. Beim Tatvorgehen kann derweilen ─ entgegen der diesbezüglichen Ansicht der Staatsanw altschaft ─ bei den fraglichen Anklagefällen keine erkennbare und vor allem hervor stechende Ähnlichkeit mit den anderen vergleichbaren Einbrüchen festgestellt werden. Es w urde zwar regelmässig durch Aufwuchten von Terrassen- bzw. Balkontüren oder Fenstern in di e Häuser und Wohnungen eingedrungen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diese Vorgehensweise ist aber keineswegs derart spe ziell, dass von einem konkreten und kla- ren modus operandi gesprochen werden könnte. Bei de r Untersuchung der verschiedenen Tat- orte wurde es offensichtlich unterlassen, die Einbruchsspuren, namentlich allfällige Kerben oder Einbuchtungen, die durch das immer wieder erwähnte, aber nicht näher konkretisierte Flach- werkzeug (vgl. Strafgerichtsurteil S. 3 ff.) verurs acht wurden, auszumessen und miteinander zu vergleichen. Das von der Vorinstanz erwähnte besond ere Merkmal, nämlich dass der Beschul- digte im Innern der Wohnungen resp. Häuser jeweils die Eingangstüre mit einem Stuhl oder sonstigen Gegenstand von innen her verbarrikadiert habe (Strafgerichtsurteil S. 13), lässt sich gerade bei den noch offenen Einbrüchen nicht nachwe isen. Im Anklagefall 2 in X.____ wurde diese Sicherungsmethode offensichtlich nicht angewandt und bei den Fällen 7, 12 und 14 konn- te sie gar nicht erst festgestellt werden, weil es dort bei Einbruchsversuchen blieb, die Täter- schaft also gar nicht so weit kam, um eine Haustüre zu blockieren. Mit Bezug auf den Anklagefall 2 ist sodann darauf hinzuweisen, dass während diesem Einbruch die Teppichböden verunreinigt wurden, eine auffälli ge Tatsache, die bei keinem der anderen Fälle festgestellt wurde (Strafgerichtsurteil S. 3 ff.). Zu erwähnen ist im Weiteren, dass der Be- schuldigte im Anklagefall 1 vom Bewohner der Liegen schaft gestört wurde und flüchtete. Da er also bei diesem Einbruchsversuch erwischt wurde, mu sste er damit rechnen, dass der betref- fende Bewohner die Polizei alarmieren könnte. Es erscheint daher eher abwegig, wenn er kurze Zeit darauf in der Nähe des ersten Einbruchsobjekts einen weiteren Einbruch begangen hätte. Ein derart dreistes Vorgehen darf dem Beschuldigten zumindest nicht leichthin angelastet wer- den, sofern es keine weiteren klaren Beweise dafür gibt. Mit Bezug auf die drei Einbruchsversu- che in den Fällen 7, 12 und 14 gibt es ─ wie bereits erwähnt ─ abgesehen vom örtlichen und zeitlichen Aspekt keine weiteren evidenten Hinweise , die auf eine Täterschaft des Beschuldig- ten hindeuten. Ein ähnlicher modus operandi ─ wie die Staatsanwaltschaft geltend macht ─ kann jedenfalls in diesen Fällen nicht nachgewiesen werden. Schliesslich ist hier auf den Ein- wand des Verteidigers in seiner schriftlichen Beruf ungsantwort hinzuweisen, wonach im Kanton Basel-Landschaft gegenwärtig über 80 Einbruchsdiebstähle pro Woche stattfänden. Diese Zahl scheint zwar ziemlich hochgegriffen. Gemäss Krimina lstatistik des Kantons Basel-Landschaft vom 10. April 2013 gab es im Jahr 2012 insgesamt 1‘ 997 Einbruchsdiebstähle. Von diesen An- gaben ausgehend, ergibt dies lediglich ca. 39 Einbr üche pro Woche resp. 5,5 Einbrüche pro Tag. Nichtsdestotrotz ist aufgrund dieser immer noc h hohen Zahl davon auszugehen, dass im relevanten Berichtsjahr 2012 zweifelsohne verschied ene Täter am Werk waren. In Anbetracht dieser Tatsache ist es heikel, dem Beschuldigten di e von ihm bestrittenen Einbrüche ohne wei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tere Indizien anzurechnen. Die Vorinstanz hat daher zu Recht ausgeführt, dass sich eine ande- re Täterschaft in den vier offenen Fällen nicht ausschliessen lasse. Zusammenfassend ist somit Folgendes festzustellen: Der blosse örtliche und zeitliche Konnex zu anderen Einbrüchen reicht im vorliegenden Fall m angels weiterer Indizien für einen Schuld- spruch nicht aus. Es ist zwar durchaus möglich, dass der Beschuldigte an den Einbrüchen resp. Einbruchsversuchen in den Fällen 2, 7, 12 und 14 be teiligt war. Der klare Nachweis dafür kann aber nicht erbracht werden, weshalb der Beschuldigt e „in dubio pro reo“ freizusprechen war. Der erstinstanzliche Freispruch ist also nicht zu b eanstanden und die Berufung der Staatsan- waltschaft in diesem Punkt abzuweisen. 2.1 Die Vorinstanz ging bei der Strafzumessung von ein em erheblichen Verschulden des Beschuldigten aus. Zu seinen Lasten spreche, dass e s sich bei ihm um einen Kriminaltouristen handle, der ausschliesslich zur Verübung von Straft aten mehrmals in die Schweiz eingereist sei. Er habe aus rein finanziellen Motiven gehandel t. Die in einer relativ kurzen Zeit von ihm verübte eindrückliche Deliktsserie zeuge von einer erheblichen kriminellen Energie. Der Be- schuldigte sei bewusst und gezielt in Privatliegens chaften eingebrochen. Dadurch habe er das Sicherheitsbedürfnis der direkt betroffenen Geschäd igten, aber auch der Bevölkerung empfind- lich gestört. Das Strafgericht wies weiter auf das selektive Erinnerungsvermögen des Beschul- digten hin. So habe er vor allem Erinnerungslücken bei zentralen Fragen oder wenn es um sei- ne Mittäter gegangen sei. Er zeige keine aufrichtig e Reue, auch wenn er sich anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung für seine Taten entschuldigt habe. Seine Geständigkeit könne nicht zu seinen Gunsten gewürdigt werden. Er habe nur diejenigen Einbrüche zugege- ben, in denen es DNA- und/oder Schuhabdruckspuren g egeben habe. Seine Geständnisse sei- en bloss aus taktischen Gründen erfolgt und müssten daher auch dementsprechend bewertet werden. Die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten s ei ebenfalls neutral zu würdigen. Zu Guns- ten des Beschuldigten könne aber berücksichtigt wer den, dass er anlässlich der Einbrüche of- fenbar darauf geachtet habe, keine allzu grosse Uno rdnung in den Liegenschaften zu hinterlas- sen und dass er sich grundsätzlich bereit erklärt h abe, die Privatklägerschaft zu entschädigen. In Würdigung dieser Strafzumessungskriterien ging d ie Vorinstanz schliesslich von einem mit- telschweren Verschulden des Beschuldigten aus und e rachtete eine Freiheitsstrafe von 3 Jah- ren als diesem Verschulden angemessen (Strafgerichtsurteil S. 21). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Die Staatsanwaltschaft rügt in ihrer schriftlichen Berufungsbegründung, dass dieses Strafmass angesichts der hohen Anzahl von Einbrüche n zu tief und offensichtlich ergebnisori- entiert ausgefallen sei. Die Vorinstanz habe dem Be schuldigten so den teilbedingten Strafvoll- zug ermöglichen wollen. Anlässlich der heutigen Hau ptverhandlung weist der zuständige Staatsanwalt sodann konkret darauf hin, dass der Be schuldigte in Privathäuser eingedrungen sei, ohne sich zuvor zu vergewissern, ob er dort au f jemanden treffen könnte. Dieser Umstand sei von der Vorinstanz nicht berücksichtigt worden. Der Beschuldigte habe sich des mehrfa- chen, gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sa chbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs und der mehrfachen rechtswidrige n Einreise schuldig gemacht. Wegen dieser Deliktsmehrheit müsse die Strafe verschärft werden. Sein Verschulden wiege schwer. Aus diesem Grund sei der Beschuldigte zu einer Gesa mtstrafe von 4 ½ Jahren Freiheitsstrafe, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 27. Dezember 2013, zu verurteilen. 2.3 Wie zuvor dargelegt, ging die Vorinstanz in ihren Ausführungen zur Strafzumessung von einem erheblichen Verschulden des Beschuldigten aus . Zur Begründung führte sie denn auch diverse zu Lasten des Beschuldigten zu würdigende T at- und Täterkomponenten auf, wie na- mentlich seine erhebliche kriminelle Energie. Bei d er konkreten Festsetzung der Strafe war dann aber plötzlich die Rede von einem bloss mittel schweren Verschulden. Dieser Schritt lässt sich nicht nachvollziehen und erscheint daher als widersprüchlich und inkonsequent. 2.4 Die Vorinstanz würdigte sodann zwei Argumente zu G unsten des Beschuldigten, die eigentlich höchstens neutral bewertet werden dürften. So wies das Strafgericht darauf hin, dass sich der Beschuldigte grundsätzlich bereit erklärt habe, die Privatklägerschaft zu entschädigen. Eine allfällige Entschädigungsbereitschaft gegenüber den Geschädigten kann aber nur dann zu Gunsten der beschuldigten Person berücksichtigt wer den, wenn reelle Chancen und konkrete Hinweise dafür bestehen, dass diese Bereitschaft auch tatsächlich umgesetzt wird. Dies ist vor- liegend klarerweise nicht der Fall. Der Beschuldigt e hat sein Heimatland Kosovo angeblich auf- grund politischer Probleme verlassen und in Frankre ich Asyl beantragt. Seine Familie lebt im- mer noch im Kosovo. Vor seiner Festnahme hat er nic ht gearbeitet und verfügt soweit bekannt über keinerlei finanzielle Mittel. In der heutigen Hauptverhandlung erklärt der Beschuldigte auf konkrete Frage hinsichtlich seiner Zukunft nach ein er Entlassung aus dem Strafvollzug, dass er wieder in den Kosovo zurückkehren und dort als Koch arbeiten wolle. Inwiefern er angesichts seiner aktuellen finanziellen Situation und seinen beruflichen Zukunftsplänen und vor allem an- gesichts der ansehnlichen Schadenssumme ─ der Deliktsbetrag liegt bei den 16 Einbrüchen bei Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ca. Fr. 75‘000.--, während der Sachschaden rund Fr. 35‘000.-- beträgt ─ die zahlreichen Privat- kläger jemals entschädigen soll, ist schleierhaft. Das Strafgericht ging ausserdem davon aus, dass der Beschuldigte bei den Einbrüchen darauf geachtet habe, keine allzu grosse Unordnung in den Liegenschaften zu hinterlassen und rechnete ihm dies als positiver Punkt an. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Tatbestände des Diebstahls, der Sachbeschädigung und des Haus- friedensbruchs bereits durch den blossen Einbruch i n eine Liegenschaft erfüllt werden, unab- hängig davon, ob dabei auch noch ein grosses Chaos zurückgelassen wird. Insoweit besteht kein Grund, ein allenfalls vorsichtiges Vorgehen ei nes Einbrechers als strafminderndes Kriteri- um zu berücksichtigen. Auf den Fotografien in den A kten über die diversen Tatorte wird im Üb- rigen zum Teil ein anderes Bild vermittelt. Ob im v orliegenden Fall tatsächlich bei allen Einbrü- chen kaum oder wenig Unordnung zurückgelassen wurde , kann aufgrund der vorherigen Aus- führungen ohnehin offen bleiben. Im Übrigen ist dar auf hinzuweisen, dass in der Regel bei je- dem Einbruch bereits durch das gewaltsame Eindringe n in ein Haus oder eine Wohnung und mithin durch die Beschädigung der jeweiligen Einsti egsbereiche und insbesondere durch die Durchsuchung des Mobiliars und der verschiedenen Behältnisse ein gehöriges Mass an Unord- nung verursacht wird. 2.5 Das Strafgericht versäumte es schliesslich, weiter e wesentliche Faktoren im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen. Besonders he rvorzuheben ist die folgende Tatkompo- nente: Der Beschuldigte unterliess es offensichtlic h, während seinen Einbruchstouren durch geeignete Vorsichtsmassnahmen vorab zu überprüfen, ob sich effektiv niemand in den Liegen- schaften aufhielt, in die er einbrechen wollte. In der heutigen Hauptverhandlung erklärt der Be- schuldigte auf entsprechende Frage, dass er vor ein em Einbruch nur kontrolliert habe, ob im Haus Licht brenne. Wenn dies nicht der Fall gewesen sei, habe er einfach angenommen, es sei niemand zu Hause. Es kann indessen aus der alleinig en Tatsache, dass an einem Abend in einer Liegenschaft von aussen kein Licht zu erkenne n ist, nicht ernsthaft geschlossen werden, dass die Hausbewohner nicht zu Hause sind. So könnten sie z.B. bereits früh zu Bett gegangen sein oder sich in einem von aussen nicht einsehbare n Zimmer aufhalten. Der Beschuldigte nahm mit diesem unbedachten Verhalten eine Begegnung mit der Bewohnerschaft also in Kauf. In der Tat war im Anklagefall 1 denn auch der Liege nschaftsbesitzer zu Hause und überraschte den Beschuldigten. Ein derart gleichgültiges und rü cksichtsloses Vorgehen spricht für eine be- sonders verwerfliche Einstellung, für eine besonder e Dreistigkeit und qualifizierte kriminelle Energie und muss gemäss wiederholter Rechtsprechung des Kantonsgerichts spürbar straf- schärfend berücksichtigt werden (Entscheid des Kant onsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Strafrecht, vom 25. September 2012 [460 12 108], E. III. 3.1 sowie Entscheid des Kantonsge- richts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 2. April 2013 [460 12 267], E. II. 4.4). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung r äumte der Beschuldigte sodann ein, dass er bei drei Einbrüchen von einer anderen Person begleitet worden sei (act. 2331). In den Ankla- gefällen 1, 17 und 22 konnte ihm zweifelsfrei nachg ewiesen werden, dass er diese Einbruchs- diebstähle zusammen mit einer zweiten Person begang en hatte (vgl. Strafgerichtsurteil S. 17). In weiteren Fällen gab es zwar Hinweise darauf, das s der Beschuldigte auch diese Einbrüche mit einem Mittäter verübt hatte, den klaren Nachwei s dafür konnte aber nicht erbracht werden, weshalb das Strafgericht den Beschuldigten bekanntl ich vom Vorwurf des bandenmässigen Diebstahls freisprach. Dieser Freispruch steht hier nicht mehr zur Diskussion. Es stellt sich al- lerdings die Frage, ob die immerhin in drei Fällen nachgewiesene mittäterschaftliche Tatbege- hung bei der Strafzumessung zu berücksichtigen ist. Nach Auffassung des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, muss dieser Tatkomponente bei der Festsetzung der Strafe ebenfalls Rechnung getragen werden. Gerade bei Einbrüchen sin d nämlich zwei Täter regelmässig ge- fährlicher, weil sie sich gegenseitig decken, unter stützen, motivieren können und so eine grös- sere kriminelle Energie und meist auch ─ wohl aufgrund der Gruppendynamik ─ ein dreisteres Vorgehen an den Tag legen. Bei der Strafzumessung sind schliesslich auch die U mstände im Zusammenhang mit der Fest- nahme des Beschuldigten zu berücksichtigen. So spri cht zum einen die waghalsige Flucht des Beschuldigten, der in flagranti bei einem Einbruchs versuch ertappt wurde, und sein massiver Widerstand bei der Anhaltung für ein ausserordentli ch renitentes Verhalten (act. 111 ff.). Zum anderen kommt die besondere Dreistigkeit des Beschu ldigten auch dadurch zum Ausdruck, dass er anlässlich der ersten polizeilichen Einvern ahmen wiederholt behauptete, die Gesichts- verletzung, die er sich bei seiner Flucht resp. bei der Anhaltung selber zugezogen hatte, sei ihm erst, nachdem er bereits mit Handschellen gefesselt gewesen sei, durch einen der Polizisten mit einem Stock zugefügt worden (act. 239 und 271). Er machte aber nicht nur im Rahmen der Voruntersuchung geltend, dass er bei seiner Festnah me von einem Polizisten geschlagen wor- den sei, obwohl er genau wusste, dass er sich bei s einer versuchten Flucht selber verletzt hat- te, sondern berief sich auch in der erstinstanzlich en Hauptverhandlung vor Strafgericht immer noch darauf und versuchte damit, einen Vorteil für sich herauszuholen (act. 2353). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.6 Bei der konkreten Strafzumessung ist nun also von gewerbsmässigem Diebstahl als schwerstes Delikt auszugehen. Dieser Tatbestand wir d gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB mit Frei- heitsstrafe bis zu zehn Jahren oder einer Geldstraf e nicht unter 90 Tagessätzen bestraft. Die Strafe ist sodann gestützt auf Art. 49 Abs. 1 StGB wegen Deliktsmehrheit zu schärfen. Der Strafrahmen für die Einsatzstrafe bewegt sich demna ch zwischen Freiheitsstrafe bis zu 15 Jah- ren und Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen. Das Verschulden von A.____ ist nach Ansicht des Kan tonsgerichts, Abteilung Strafrecht, unter Hinweis auf die zuvor dargelegten Erwägungen als sc hwer einzustufen. Mit Bezug auf die bei der Strafzumessung zu beachtenden Täterkomponenten, insbesondere die persönlichen Ver- hältnisse, kann auf die erstinstanzlichen Ausführun gen verwiesen werden (Strafgerichtsurteil S. 20 f.). Zu erwähnen ist hier, dass der Beschuldigte nach eigenen Angaben in geregelten familiä- ren Verhältnissen auswuchs, keine belastete Jugend verbrachte und auch in finanzieller Hin- sicht keine Not erleiden musste und damit aus einem privilegierten Umfeld stammt. So konnte er immerhin an einer Hochschule den Diplomabschluss in Mathematik und Informatik erwerben. Für eine besondere Strafempfindlichkeit gibt es kei ne Hinweise. Zu Gunsten des Beschuldigten ist hier nur der Führungsbericht der Strafanstalt T horberg vom 29. Januar 2014, der positiv ausgefallen ist, zu berücksichtigen. An dieser Stel le ist aber darauf hinzuweisen, dass sich der Beschuldigte ─ wie aus dem besagten Bericht hervorgeht ─ erst seit dem 18. Dezember 2013 in der Strafanstalt Thorberg befindet. Zuvor war er im Untersuchungsgefängnis Liestal unterge- bracht, wo er ─ gemäss rechtskräftigem Strafbefehl der Staatsanwal tschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Laufen, vom 27. Dezember 2013 ─ drei Backsteine aus der Zellenwand her- ausnahm und damit eine Sachbeschädigung beging. Die relevanten Tatkomponenten sind ─ soweit sie nicht bereits vom Strafgericht berücksi chtigt wurden ─ oben unter Ziffer 2.5 erörtert worden. In Anbetrac ht der dargelegten konkreten Um- stände und unter Einbezug des Strafbefehls der Staa tsanwaltschaft Basel-Landschaft, Haupt- abteilung Laufen, vom 27. Dezember 2013 erachtet da s Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, dass nur eine Gesamtstrafe von 3 ½ Jahren dem schwe ren Verschulden Rechnung tragen kann. Da der Beschuldigte gemäss Strafbefehl der St aatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Laufen, vom 27. Dezember 2013 wegen Sachbeschädigung zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 20 Tagen verurtei lt wurde, ist die heute neu festzusetzende Freiheitsstrafe auf 3 Jahre 5 Monate und 10 Tage fe stzulegen, dies als Zusatzstrafe zum be- sagten Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Lan dschaft, Hauptabteilung Laufen. Der teil- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht bedingte Strafvollzug steht bei dieser Strafe aufgr und der Voraussetzungen gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB nicht mehr zur Diskussion. Die Berufung der Staatsanwaltschaft ist somit hinsi chtlich der Strafzumessung und damit teil- weise gutzuheissen. Der Beschuldigte wird demzufolg e des gewerbsmässigen Diebstahls in den Fällen 1, 4 - 6, 8 - 11, 13, 15, 17 - 22, der m ehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen rechtswidrigen Einreise schuldig erklärt und zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren 5 Monaten und 10 Tagen verurteilt, dies als Zusatzstrafe zur ge- mäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Lands chaft, Hauptabteilung Laufen, vom 27. Dezember 2013 ausgefällten Freiheitsstrafe von 20 T agen. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. 3.1 Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien di e Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. In Anbetracht, dass die Staatsanwalt- schaft mit ihrer Berufung nur teilweise durchgedrungen ist, erscheint es angebracht, die Verfah- renskosten zu halbieren. Die Kosten des Berufungsve rfahrens, bestehend aus einer Gerichts- gebühr von Fr. 11‘250.-- sowie Auslagen von Fr. 450 .--, total Fr. 11‘700.--, gehen somit je zur Hälfte zu Lasten des Beschuldigten und zu Lasten de s Staates. Die Dolmetscherkosten von Fr. 420.-- gehen gestützt auf Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO vollumfänglich zu Lasten des Staates. 3.2 Zufolge Gutheissung der amtlichen Verteidigung ist sodann dem Vertreter des Be- schuldigten, Dr. Matthias Aeberli, für seine Bemühu ngen im Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 3‘672.10, inklusive Auslagen von Fr. 376.-- und Mehrwertsteuer von Fr. 251.30, zu Las- ten des Staates auszuzahlen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 15. August 2013, das wie folgt lautet: „1. A.____ wird des gewerbsmässigen Diebstahls, de r mehrfa- chen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen rechtswidrigen Einreise schuld ig erklärt und verurteilt zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 3 Jahren, davon 1 ½ Jahre unbedingt, unter Anrechnung der vom 27. Dezember 2012 bis zum 15. August 2013 ausgestandenen Untersuchungs- bzw. Sich er- heitshaft von insgesamt 231 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren für den bedingten Teil der Strafe, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG, Ar t. 40 StGB, Art. 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 S tGB und Art. 51 StGB. 2. A.____ wird von der Anklage des gewerbsmässigen Dieb- stahls, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbr uchs in den Anklagefällen 2, 3, 7, 12, 14 und 16 sowie von der Ankla- ge des bandenmässigen Diebstahls freigesprochen. 3. a. Das beim Beurteilten beschlagnahmte Bargeld, Fr. 12.65 (Fundus G26056), EUR 120.00 (Fundus G26056) und USD 9.00 (Fundus G26057), wird gemäss Art. 442 Abs. 4 S tPO i.V.m. Art. 268 StPO an die Verfahrenskosten angerechnet. b. Der beim Beurteilten beschlagnahmte Notizzet tel (Fundus G26177) verbleibt als Aktenbestandteil bei den Akten. c. Die bei A.____ beschlagnahmte Taschenlampe V arta (Fundus G26057) und das bei ihm sichergestellte Paar Sports chuhe Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Marke Nike (Farbe: silber, Grösse: 42,5; Fall-N ummer SW 2012 12 1008) wird nach Rechtskraft unter Aufhebung der Be- schlagnahme gestützt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO dem Beurteilten zurückgegeben. 4. a. Der Beurteilte wird zur Bezahlung der nachfo lgend aufgeführ- ten Zivilforderungen verurteilt: …. b. Die folgenden Zivilforderungen werden gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen: …. c. Die Genugtuungsforderung von B.____ in der H öhe von Fr. 3'500.-- (Anklagefall 19) wird abgewiesen. 5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorver- fahrens von Fr. 24'056.05.--, den Kosten des Zwangs mass- nahmengerichts von Fr. 700.-- und der Gerichtsgebüh r von Fr. 4'000.-- gehen in Anwendung von Art. 425 StPO s owie § 4 Abs. 3 GebT zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. 6. Das Honorar des amtlichen Verteidigers in Höhe von insge- samt Fr. 6'228.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwerts teuer) wird aus der Gerichtskasse entrichtet. 7. ….“ wird in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsan walt- schaft in Ziffer 1 aufgehoben und wie folgt neu gefasst: „1. A.____ wird des gewerbsmässigen Diebstahls, de r mehrfa- chen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen rechtswidrigen Einreise schuld ig erklärt und verurteilt Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren, 5 Monaten u nd 10 Ta- gen, als Zusatzstrafe zur gemäss Strafbefehl der Staats anwalt- schaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Laufen, vom 27. De- zember 2013 ausgefällten Freiheitsstrafe von 20 Tagen, unter Anrechnung der vom 27. Dezember 2012 bis zum 15. August 2013 ausgestandenen Untersuchungs- bzw. Sich er- heitshaft von insgesamt 231 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG, Ar t. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB.“ Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. II. Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Ge- richtsgebühr von Fr. 11‘250.-- sowie Auslagen von F r. 450.--, total Fr. 11‘700.--, gehen je zur Hälfte zu Lasten des Be schuldigten und zu Lasten des Staates. Die Dolmetscherkosten von Fr . 420.-- gehen gestützt auf Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO zu Lasten des Staates. Zufolge Gutheissung der amtlichen Verteidigung wird dem Vertreter des Beschuldigten, Dr. Matthias Aeberli, für seine Bemühungen im Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 3‘672.10, in klusive Ausla- gen von Fr. 376.-- und Mehrwertsteuer von Fr. 251.3 0, zu Lasten des Staates ausbezahlt. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Nicole Schneider Dieses Urteil ist rechtskräftig.