Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. August 2015 (810 14 332) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Christian Haidlauf, Beat Walther, Markus Clausen, Stefan Schulthess , Gerichts- schreiberin i.V. Aisha Paloma Braun Parteien A. ____ , Beschwerdeführer vertreten durch Michelle Wahl, Advokatin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 1538 vom 21. Oktober 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der türkische Staatsangehörige A.____ wurde am 7. D ezember 1968 in der Schweiz (Winterthur) geboren und besitzt eine Niederlassungsbewilligung. Nach eigenen Angaben nahm ihn sein Vater nach der Trennung seiner Eltern mit se chs Jahren mit in die Türkei. Am 16. Ok- tober 1982 (d.h. im Alter von 13 Jahren) kehrte er zu r Mutter in die Schweiz zurück. Im Jahre 1992 heiratete A.____ B.____. Die Ehe wurde 1998 geschieden. B. A.____ ist wiederholt strafrechtlich in Erscheinung g etreten. Im Jahr 1997 wurde er we- gen Versicherungsbetrugs und Verstössen gegen das Strassenver kehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 1958 zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Im September 2003 folgte eine Verur- teilung zu einer Busse von Fr. 500.-- wegen Nötigung. Z wischen den Jahren 1998 und 2010 verstiess A.____ zudem mehrfach gegen das SVG, was zu weiteren Bussen führte. C. Mit Gutachten der Oberärztin Dr. med. C.____ vom 25. Januar 2001 wurde bei A.____ eine rezidivierende depressive Störung, in gegenwärtig mittelgradiger Episode (F33.1) und eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung (F60.6) diagn ostiziert. Zudem wurde im Gutach- ten festgehalten, dass A.____ seit vielen Jahren an depr essiven Verstimmungen und phobi- schen Verhaltensweisen leide, die es ihm trotz guter Intelligenz und Ausbildung nicht ermöglich- ten, im Berufsleben Fuss zu fassen. Mit Verfügung vom 30 . Juli 2001 sprach die Eidgenössi- sche Invalidenversicherung (IV) A.____ deshalb eine volle IV-Rente basierend auf einem Invali- ditätsgrad von 100 % mit Wirkung ab dem 1. Januar 2000 zu. D. Nachdem das Amt für Migration des Kantons Basel-Landsch aft (AfM) am 11. August 2003 A.____ ein erstes Mal verwarnt hatte, folgte am 1 5. April 2011 eine zweite Verwarnung wegen den Verurteilungen und der 112 offenen Verlustscheine im Betrag von Fr. 201‘990.09. E. Am 6. März 2012 errichtete die damalige Vormundscha ftsbehörde der Stadt Liestal auf Begehren von A.____ eine Vertretungsbeistandschaft über ihn. F. Nachdem das Statthalteramt D.____ A.____ am 14. No vember 2012 wegen Widerhand- lungen gegen das SVG verurteilte und sich die Schulden vo n A.____ erhöht hatten, widerrief das AfM mit Verfügung vom 9. Mai 2014 die Niederlassung sbewilligung von A.____ und ordne- te seine Wegweisung bis spätestens am 30. Juni 2014 an. G. A.____ erhob dagegen, vertreten durch Michelle Wahl , Advokatin in Liestal, am 21. Juli 2014 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Lan dschaft (Regierungsrat). Mit Re- gierungsratsbeschluss Nr. 1538 vom 21. Oktober 2014 wies dieser seine Beschwerde ab. H. Mit Schreiben vom 3. November 2014 reichte A.____, weiterhin vertreten durch Michelle Wahl, gegen den Regierungsratsbeschluss vom 21. Oktober 2 014 Beschwerde beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verw altungsrecht (Kantonsgericht), ein. Er stellte das Rechtsbegehren, es seien der Entscheid des R egierungsrates vom 21. Oktober 2014 sowie die Verfügung des AfM vom 9. Mai 2014 auf zuheben und es sei dem Beschwerde- führer die Niederlassungsbewilligung zu belassen. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer eine Härtefallbewilligung einzuholen. Dies habe unter o/e -Kostenfolge zu geschehen, wobei dem Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit der Unterzeich- nenden als Rechtsvertreterin zu gewähren sei. I. Am 27. November 2014 bestätigte Oberärztin Dr. med. E.____ in einem Notfallbericht, dass der Beschwerdeführer an einer rezidivierenden depressi ven Störung in gegenwärtig mit- telgradiger Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F3 3.11) leide. An dieser Erkrankung leide der Beschwerdeführer schon seit mehreren Jahren u nd sei deshalb im Jahr 2011 für ca. drei Wochen in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherap ie (KPP) in Liestal hospitalisiert ge- wesen. J. Mit Schreiben vom 2. März 2015 liess sich der Regierungsr at vernehmen mit dem An- trag, die Beschwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. K. Am 14. April 2015 wurde der Fall der Kammer zur B eurteilung überwiesen und das Ge- such um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. L. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten di e Parteien an ihren Anträgen fest. Als Auskunftsperson nimmt die heutige Beiständin des Beschwerdeführers, F.____, an der Ver- handlung teil. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungs- rates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsg ericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzli cher Ausschlusstatbestand vor- liegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurt eilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtene n Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch alle übrigen formellen Voraussetzun- gen gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Bei der Beurteilung der Beschwerde ist die Kognitio n des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den ang efochtenen Entscheid hinsichtlich allfäl- liger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen, o b der Beschwerdegegner ein allfälli- ges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weitere n kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt h at. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Streitgegenstand bildet die Frage, ob der Widerr uf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über d ie Ausländerinnen und Aus- länder (AuG) vom 16. Dezember 2005 ist ein Widerruf d er Niederlassungsbewilligung möglich, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise ge gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährdet hat. Anders als der Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung (Art. 62 lit. c AuG), welcher voraussetzt, dass der Auslän- der "erheblich oder wiederholt" gegen die öffentlich e Sicherheit und Ordnung verstossen hat, bedingt ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG, dass ein solcher Verstoss "in schwerwiegender Weise" erfolgt ist. Daraus ergibt sich, dass damit ver- gleichsweise erhöhte Anforderungen an diesen Bewilligun gswiderruf gestellt werden (BGE 137 II 297 E. 3.2 mit Verweis auf den französische n Wortlaut von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG und dem dort verwendeten Begriff "très grave" im Gege nsatz zum Begriff "grave" in Art. 62 lit. c AuG). Namentlich liegt ein Verstoss in schwerwiegender Weise gegen die öffentli- che Sicherheit und Ordnung vor, wenn eine Person wiede rholt, erheblich und unbeeindruckt von strafrechtlichen Massnahmen gegen die öffentliche Si cherheit und Ordnung unseres Lan- des verstossen hat. In solchen Fällen besteht auch bei Personen mit Niederlassungsbewilligung ein grosses öffentliches Interesse an deren Entfernung u nd Fernhaltung (Botschaft zum Bun- desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8 . März 2002, 02.024, Bundesblatt [BBl] 2002 S. 3810). 3.3 Ferner liegt gemäss Art. 80 der Verordnung über Z ulassung, Aufenthalt und Erwerbstä- tigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem vor bei einer Missachtung von gesetzlichen Vo rschriften und behördlichen Ver- fügungen (Abs. 1 lit. a) sowie bei mutwilliger Nichte rfüllung öffentlich-rechtlicher oder privat- rechtlicher Verpflichtungen (Abs. 1 lit. b). Nach der bu ndesgerichtlichen Rechtsprechung ver- mag Schuldenwirtschaft für sich allein den Widerruf der Niederlassungsbewilligung jedoch nicht zu rechtfertigen, sondern es bedarf erschwerender Merkma le. Blosse Liederlichkeit rechtfertigt einen solchen Widerruf nicht mehr. Die Verschuldung muss vielmehr selbstverschuldet und qualifiziert vorwerfbar sein. Zu beachten ist überdies, dass bei ausländischen Personen, die sich wie der Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren un unterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, der Widerrufsgrund der Sozi alhilfeabhängigkeit nicht Anwendung fin- den darf (vgl. Art. 63 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG). Diese Einschränkung gilt zwar beim Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verstosses gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG nicht. Soll das Gesetz aber eine ausgewogene Anwendung finden, rechtfertigt es sich, nicht leichthin von der Mutwilligkeit des Schuldenma- chens auszugehen. Der ausländerrechtliche Bewilligungswide rruf ist nicht ein schuldbetrei- bungsrechtliches Instrument zur Eintreibung bestehender Schulden. Eine Entfernung aus der Schweiz dürfte einerseits eher dazu führen, dass die Gläubiger faktisch keinerlei reelle Aussich- ten mehr hätten, für ihre Forderungen auch nur teilw eise befriedigt zu werden. Andererseits besteht bei einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz die Gefahr, dass hier weitere uneinbringli- che Schulden geäufnet werden (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.3, mit Hinweisen). 3.4 Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, abe r den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). M it der Verwarnung, welche in Form einer beschwerdefähigen, d.h. schriftlichen und begrün deten, Verfügung zu ergehen hat, kann der Vollzug der gesetzlich vorgesehenen Massnahmen für d en Fall eines weiteren Fehlverhal- tens angedroht werden (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz ü ber die Ausländerinnen und Aus- länder vom 8. März 2002, 02.024, BBl 2002 S. 3823). Die Androhung oder Verwarnung im Sin- ne von Art. 96 Abs. 2 AuG ist die Folge von rechtlich relevanten Verfehlungen des Ausländers und soll diesen künftig zu Wohlverhalten anhalten bzw. i hn auf die möglichen rechtlichen Fol- gen erneuter Verfehlungen aufmerksam machen (A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Pe- ter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [ Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 8.36). Sie ermöglicht den Behörden, d as Fehlverhalten festzustellen bzw. ein erwünschtes Verhalten im Wiederholungs- oder Unterlassun gsfall durchzusetzen. Ziel der Ver- warnung ist es, den betroffenen Ausländer zu einer Än derung seines Verhaltens zu veranlas- sen. Sie muss klar darlegen, was vom Ausländer erwartet wi rd (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.692/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.1. zum früher in Art. 16 Abs. 3 Satz 3 der Vollzie- hungsverordnung zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Ni ederlassung der Ausländer [aANAV] vom 1. März 1949 für die Ausweisung verankerte n Grundsatz der Androhung). Die Verwarnung bedingt, dass die betroffene Person die Mög lichkeit hat, durch eine Verhaltens- änderung die (erst) angedrohte Massnahme noch abzuwend en. Gelingt die Verhaltensände- rung nicht, so kommt es grundsätzlich zu den für den Fal l der Missachtung der verfügten Be- dingungen angedrohten Folgen, ansonsten die fragliche Massnahme ihres Sinnes entleert wür- de. Dennoch genügt nicht jedes noch so geringe Delikt, welches nach einer Verwarnung be- gangen wurde, für einen späteren Bewilligungswiderru f. Der Widerrufsgrund ist aber erfüllt, wenn den Anordnungen in der Verwarnung nicht Folge geleistet wurde, auch wenn dieses Ver- halten für sich allein keinen Widerrufsgrund darstellen würde. Im Rahmen der erneuten Verhält- nismässigkeitsprüfung ist alsdann eine Gesamtwürdigung vorzunehmen, wobei sowohl dasjeni- ge Verhalten, das der Verwarnung zugrunde lag, wie au ch das daran anschliessende zu beur- teilen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_844/2013 vom 6. März 2014 E. 4.2. mit Hinwei- sen). Für den Fall der Schuldenwirtschaft als Widerrufsg rund der Niederlassungsbewilligung bedeutet dies, dass die ausländische Person auch nach der Androhung ausländerrechtlicher Folgen weiterhin mutwillig Schulden gemacht haben mu ss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.4, mit Hinweisen). 4.1 Der Regierungsrat begründet die Mutwilligkeit des Beschwerdeführers bezüglich seiner Schuldenlast mit der Anzahl der Betreibungen und Ver lustscheine verschiedensten Ursprungs. Am 25. September 2014 seien 162 Betreibungen in der Höhe von Fr. 265‘870.99 und 150 Ver- lustscheine in der Höhe von Fr. 269‘713.89 verzeichnet wo rden. Auch seit 2012 bezahle der Beschwerdeführer zahlreiche Rechnungen nicht. Die imme nse Verschuldung des Beschwerde- führers sei nicht zu entschuldigen und müsse als mutwillig bezeichnet werden. Der Regierungs- rat bringt in seiner Vernehmlassung vom 2. März 2015 w eiter vor, seit dem angefochtenen Re- gierungsratsbeschluss vom 21. Oktober 2014 seien drei weit ere Verlustscheine dazugekom- men. Zudem habe die Krankenkasse eine neue Betreibung gegen den Beschwerdeführer einlei- ten müssen und dies obwohl der Beschwerdeführer schon ver beiständet gewesen sei. Die psy- chischen Probleme des Beschwerdeführers könnten an dieser T atsache nichts ändern, da da- von auszugehen sei, dass er gerade wegen dieser Beeinträchtigung verbeiständet gewesen sei Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und dies nicht zu einer Verbesserung der Schuldensituati on beigetragen habe. Soweit der Be- schwerdeführer behaupte, sich bezüglich seiner Schulden ve rbessert zu haben, stimme das ab dem Jahr 2015. Dies zeige jedoch, dass der Beschwerdefüh rer erst unter dem Druck des lau- fenden Verfahrens sich um die Sanierung seiner Schulden gekümmert habe. Die Lage des Be- schwerdeführers habe sich lediglich verbessert seit er eine neue Beiständin habe. 4.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde gel tend, dass der Regierungsrat den Grund für die Nichterfüllung der finanziellen Verpflichtungen ignoriere und sein psychisches Profil ausblende. Darüber hinaus sei die positive Entw icklung bezüglich der Schuldensituation nicht gewürdigt worden. Es sei aktenkundig, dass er psychi sch stark beeinträchtigt sei. Seine depressive Antriebslosigkeit kombiniert mit seinem ängstli chen Vermeidungsverhalten würden in direktem Zusammenhang mit der Nichterfüllung seine r finanziellen Verpflichtungen stehen. Darüber hinaus handle es sich bei den zahlreichen neu er folgten Betreibungen um Altlasten. Die Beiständin verfüge über Zugang zu seinem Konto und kümmere sich neu um die Steuerer- klärungen, damit keine amtlichen Einschätzungen mehr erf olgen müssten. Alle Zahlungen wür- den nun durch die Beiständin vorgenommen. Die Vorinstanz verkenne, dass sich zum einen die Schuldensituation damit massiv verbessert habe und zum ande ren die Verschuldung unmittel- bar mit seiner psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung zu sammenhänge, weshalb der Vor- wurf einer mutwilligen Verschuldung nicht gerechtfertig t sei. Anlässlich der heutigen Verhand- lung führt der Beschwerdeführer ergänzend aus, dass er seit 2012 unter Beistandschaft stehe. Im Jahr 2011 sei er wegen psychischer Probleme in der KPP gewesen. Dort habe ihm ein Therapeut empfohlen einen Beistand beizuziehen, da er mit seinen finanziellen und administra- tiven Verpflichtungen überfordert gewesen sei. Seit de m Jahr 2014 habe er nun auch keinen Zugriff auf sein Rentenkonto mehr. Nach Mandatsübernahm e durch F.____ habe sie ihm mo- natlich vor dem Bankomaten Fr. 1‘000.-- für seinen Ha ushaltsbedarf ausgehändigt. Heute wür- den die Fr. 1‘000.-- per Dauerauftrag direkt auf sein Haushaltskonto überwiesen. Die Beiständin bestätigt anlässlich der heutigen Parteiverhandlung die mittlerweile eingerichtete Beistandschaft mit Rentenverwaltung, was bedeute, dass der Beschwerde führer für seinen Haushaltsbedarf Fr. 1‘000.-- auf sein Haushaltskonto überwiesen bekomme. Um die Bezahlung der Rechnungen des Beschwerdeführers kümmere sie sich. Sollte der Beschwe rdeführer zukünftig wieder ins Berufsleben einsteigen, wäre sie ebenfalls für das Ausfü llen und Einsenden der Steuererklä- rung verantwortlich. Der Beschwerdeführer habe sich nie wegen der Rentenverwaltung beklagt und auch sonst habe sie nie Probleme mit ihm gehabt. 4.3 Seit der Verwarnung im Jahr 2011 ist der Beschwerd eführer nur noch ein einziges Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten, als er wegen ein es Selbstunfalls auf schneebedeckter Strasse eine Busse erhielt. Die Verschuldung steht zudem in direktem Zusammenhang mit der psychiatrischen Erkrankung des Beschwerdeführers, welcher un ter einer rezidivierenden de- pressiven Störung in mittelgradiger Episode mit somatisc hem Syndrom leidet (ICD-10 F33.11). Wie die heutige Befragung bestätigt hat, hat sich der Beschwerdeführer aus eigenem Antrieb im Jahr 2012 an die damals zuständige Vormundschaftsbehörde gewandt, um mittels einer Vertre- tungsbeistandschaft Hilfe in Bezug auf seine finanziellen Schwierigkeiten zu erhalten. Bereits das spricht dagegen, dass die in der Folge angestiegene Verschuldung dem Beschwerdeführer qualifiziert vorgeworfen werden kann. Aus dem Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutz- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht behörde (KESB) vom 15. Dezember 2014 ergibt sich zudem, dass der Beschwerdeführer we- gen seiner psychischen Erkrankung nicht in der Lage war, sich selbständig um finanzielle und administrative Angelegenheiten zu kümmern und dass sich de r Beschwerdeführer zwar um die Schuldensanierung zu kümmern versuchte, er damit jedoch trotz der Vertretungsbeistandschaft überfordert war. Die Erkrankung des Beschwerdeführers u nd die Erkenntnis, dass die zuvor installierte Beistandschaft nicht ausreichend war, veranlasste die zuständige KESB demzufolge, dem Beschwerdeführer das Zugriffsrecht auf sein Rentenko nto zu verweigern und der neuen Beiständin zusätzliche Aufgaben zuzuweisen, um eine weitere Verschuldung zu verhindern. Die Beiständin verwaltet die IV-Rente des Beschwerdeführers und ist seit Dezember 2014 für seine Zahlungen verantwortlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass in dieser Konstellation zukünftig weitere Schulden entstehen werden, wie dies in der Vergangenh eit geschah, ist somit kaum mehr ge- geben. Bereits von September 2014 bis März 2015 sind 15 offene Verlustscheine beglichen worden. Die Bestrebungen des Beschwerdeführers zur Sanierung seiner Schulden mit Hilfe der Beiständin sind offensichtlich vorhanden. Aus den Akten ge ht weiter hervor, dass seit Einset- zung der neuen Beiständin keine neuen Schulden entstand en sind. Unter diesen Umständen kann nicht von einer mutwilligen Neuverschuldung des Besch werdeführers ausgegangen wer- den, und es sind keine ausreichenden Gründe ersichtlich, w elche den Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung rechtfertigen würden. Demnach wird der Beschluss des Regierungsrates vom 21. Oktober 2014 aufgehoben und die dagegen erhobene Beschwerde gutgeheissen. 5.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht ko stenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der ganz od er teilweise unterliegenden Partei auferlegt, wobei den Vorinstanzen im Falle deren Unt erliegens keine Kosten auferlegt werden. Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. 5.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gest ützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemesse ne Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Rechtsvertreter in des Beschwerdeführers macht in ihrer Honorarnote vom 19. November 2015 einen Zeitauf wand inklusive ihrer Teilnahme an der heutigen Parteiverhandlung von 15 ¼ Stunden à Fr. 2 50.-- geltend, was nicht zu beanstanden ist. Dazu beantragt sie den Ersatz von Auslagen in der Höh e von Fr. 222.70. Demzufolge hat der Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer eine Parteie ntschädigung in der Höhe von ins- gesamt Fr. 4'340.20 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d des Regierungsra- tes des Kantons Basel-Landschaft Nr. 1538 vom 21. Oktober 2014 betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung aufgehoben. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘340.20 (inkl. Auslagen und 8% MWSt) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.