Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Juli 2015 (720 15 84 / 166) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beschwerde gegen eine Zwischenverfügung betreffend die Anordnung einer Begutach- tung abgewiesen, weil keine formellen Ablehnungsgründe gegen den Gutachter beste- hen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Monica Armesto , Adv o- katin, indemnis, Spalenberg 20, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Begutachtung A. A.____ meldete sich im Dezember 2007 wegen Rücke nschmerzen und Depressionen bei der Schweizerischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem sie von Dr. B.____, Rheumatologie FMH und Innere Medizin FM H, und Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in rheumatologischer und ps ychiatrischer Fachrichtung ärztlich be- gutachtet worden war (Gutachten vom 19. Juni 2008), verneinte die IV-Stelle des Kantons Ba- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 9. Januar 2009 den Leistungsanspruch. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Im März 2009 meldete sich A.____ erneut bei der IV-Ste lle zum Leistungsbezug an. Die IV- Stelle ordnete mit Zwischenverfügung vom 14. September 2009 die Verlaufsbegutachtung durch Dr. C.____ an. Die dagegen von der Versicherten beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), erhob ene Beschwerde wies dieses mit Urteil vom 22. Januar 2010 ab. In der Folge lehnte D r. C.____ jedoch eine weitere Begutach- tung der Versicherten ab, weshalb die IV-Stelle Dr. m ed. D.____, Psychiatrie und Psychothera- pie FMH, mit Begutachtung beauftragte (Gutachten vom 6. November 2010 sowie ergänzende Stellungnahme vom 23. Januar 2011). Gestützt darauf ver neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. Mai 2011 den Leistungsanspruch erneut. Die geg en diese Verfügung beim Kantonsge- richt von A.____ erhobene Beschwerde wurde mit Beschluss der Präsidentin vom 31. August 2011 abgeschrieben, nachdem die IV-Stelle die angefoc htene Verfügung lite pendente zwecks Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen aufgehoben hatte. In der Folge liess die IV-Stelle A.____ durch Dr. me d. E.____, Rheumatologie FMH, und Dr. med. F.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, rheumat ologisch-psychiatrisch begutach- ten. Sowohl Dr. F.____ (Gutachten vom 23. November 20 12) als auch Dr. E.____ (Gutachten vom 20. Dezember 2012) kamen in ihren jeweiligen Gutach ten zum Schluss, dass keine Diag- nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehe n würden. Gestützt darauf erliess die IV-Stelle am 11. Februar 2013 wiederum einen ablehn enden Vorbescheid. Nachdem sich die Versicherte vom 18. April bis 27. Juni 2013 stationär in der psychiatrischen Klinik Z.____ aufge- halten hatte, beauftragte die IV-Stelle Dr. F.____ mit der Erstellung eines psychiatrischen Ver- laufsgutachtens. Mit Gutachten vom 18. März 2014 diag nostizierte der Gutachter mit Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende de pressive Störung, gegenwärtig mittelgra- dige Episode, und eine Agoraphobie mit Panikstörung. E r attestierte der Versicherten für jegli- che Tätigkeiten ab April 2013 eine 50 %-ige Arbeitsfä higkeit. Gestützt auf diese Beurteilung erliess die IV-Stelle am 23. Juni 2014 erneut einen V orbescheid. Im Rahmen dieses Vorbe- scheidverfahrens wurde das Gutachten von Dr. F.____ von de r Versicherten und ihrem behan- delnden Psychiater Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, kritisiert, was die IV-Stelle dazu veranlasste, zuerst eine Rückfrage bei Dr . F.____ zu tätigen (Stellungnahme vom 12. November 2014) und danach der Versicherten eine erneute Begutachtung durch Dr. F.____ anzukündigen. Die Versicherte hielt sich in de r Zwischenzeit vom 9. Oktober bis 20. November 2014 erneut zur stationären Pflege in der psych iatrischen Klinik Z.____ auf. Mit Ein- gabe vom 8. Januar 2015 unterbreitete die Versicherte der IV-Stelle Gegenvorschläge zu Dr. F.____. Daraufhin hielt die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 27. Januar 2015 bzw. vom 30. Januar 2015 an Dr. F.____ fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin M onica Armesto, am 27. Februar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht und liess unter o/e -Kostenfolge beantragen, es sei in Aufhebung der Zwischenverfügung vom 27. Januar 2015 die Beschwerdegegnerin anzuweisen, das geplante psychiatrische Verlaufsgutachten nicht bei Dr . F.____, sondern bei einem psychi- atrischen Gutachter, welcher sich noch nicht mit der Ang elegenheit der Beschwerdeführerin Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht befasst habe, in Auftrag zu geben. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokatin Monica A rmesto als unentgeltlicher Rechtsbei- ständin. In der Beschwerde wurde zusammenfassend vorgebra cht, dass angesichts der Stel- lungnahmen von Dr. G.____ und der Rechtsvertreterin, m it welchen die Beurteilungen von Dr. F.____ kritisiert worden seien, nicht mehr davon a usgegangen werden könne, dass dieser unvoreingenommen sei. Daher habe er als vorbefasst zu ge lten und sei als Gutachter abzu- lehnen. C. Mit Verfügung vom 18. März 2015 wurde der Beschwerd eführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Monica Armesto bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 15. April 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Auf die in den Schriften vorgebrachten Begründungen d er Parteien und die Akten wird – soweit für die Begründung notwendig – in den Erwägungen ei ngegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Bei de r Rüge der Beschwerdeführerin, der Gutachter sei vorbefasst, weshalb eine weitere Begutachtung bei ihm nicht zulässig sei, handelt es sich um eine Einwendung, wie sie den kantonalen Gerich ten beschwerdeweise unterbreitet werden kann (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde vom 27. Februar 2015 ist einzutreten. 2. Unbestritten ist die grundsätzliche Notwendigkeit von w eiteren psychiatrischen Abklä- rungen. Strittig ist hingegen der von der Beschwerdegegnerin ernannte Gutachter Dr. F.____. 3.1 Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2006 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) statuiert die Sachverha ltsabklärung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitun g kommt ihm ein grosser Ermessens- spielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebun- gen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Un- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermit teln, dass über den Leistungsan- spruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_957/2010, E. 6.1). 3.2 Nach der Rechtsprechung gelten für medizinische Sac hverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für R ichter vorgesehen sind (vgl. Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenosse nschaft vom 18. April 1999 [BV]). Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstän de vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der B efangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werde n kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverst ändige Person tatsächlich befan- gen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermö gen. Bei der Beurteilung des An- scheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umst ände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Da s Misstrauen muss vielmehr in objekti- ver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit der begutach- tenden Ärzte ein strenger Massstab anzulegen (BGE 132 V 93 E. 7.1; Urteil des Bundesge- richts vom 22. August 2013, 8C_227/2013; je mit Hinweis). 3.3 Der Umstand, dass sich ein Sachverständiger schon einma l mit einer Person befasst hat, schliesst dessen Beizug als Gutachter nicht zum Vornh erein aus. Eine unzulässige Vorbe- fassung liegt auch dann nicht vor, wenn er zu (für eine Partei) ungünstigen Schlussfolgerungen gelangt. Anderes gilt, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit objektiv zu begründen ve rmögen, etwa wenn der Sachver- ständige seinen Bericht nicht neutral und sachlich abfas ste (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 mit Hinwei- sen). Ebenfalls wird objektiv der Anschein mangelnder U nparteilichkeit geweckt, wenn der Sachverständige einer Partei zur Verbesserung von deren p rozessualen Chancen einen be- stimmten Rat gibt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2015, 8C_531/2014, E. 6.1.2). Zu fragen ist dabei danach, ob das Ergebnis der Begutach tung nach wie vor als offen und nicht vorherbestimmt erscheint. Kann die Offenheit bejaht we rden, ist die Besorgnis der Voreinge- nommenheit trotz Vorbefassung unbegründet (REGINA KIENER /M ELANIE KRÜSI , Die Unabhängig- keit von Gerichtssachverständigen, in: ZSR 2006 S. 506). 3.4 Das Expertenverhalten während der Exploration kann objektiv den Anschein von Be- fangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Äusserungen, welche die Glaubhaftigkeit der An- gaben der Explorandin zum Gesundheitszustand und zur Se lbsteinschätzung der Arbeitsfähig- keit von vornherein mehr oder weniger offen verneinen, abschätzige Bemerkungen persönlicher Natur oder unter Umständen die Art und Weise, wie die Untersuchung durchgeführt wird und in diesem Zusammenhang auch die Dauer der Massnahme (Urtei l des EVG vom 26. November 2004, U44/04, E. 4.2). Die Objektivität der Beurteilu ng steht auch in Frage, wenn die begutach- tende Person von weitgehend sachfremden Kriterien auf A spekte des Gesundheitszustandes schliesst, welche für die zumutbare Arbeitsfähigkeit von Bedeutung sind (SVR 2007 UV Nr. 26, U 339/06 E. 3.2; vgl. auch BGE 120 V 357 E. 3b). Sc hliesslich kann die Abfassung einer medi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zinischen Expertise in beleidigendem Ton oder sonst auf unsachliche Art und Weise objektiv Zweifel an der Unvoreingenommenheit der sachverständig en Person wecken (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Dezember 2009, 9C_893/2009, E. 1.2.2 mit Hinweisen). Für die Frage, ob bestimmte Äusserungen oder das Verhalten des Experten objektiv den Anschein der Befan- genheit zu erwecken vermögen, kann allenfalls auch von Bedeutung sein, ob das Verhältnis zwischen der sachverständigen und der zu explorierenden Per son angespannt war, ohne dass Anhaltspunkte für ein negatives unkooperatives Verhalte n seitens der abzuklärenden Person bestanden (vgl. SVR 2008 UV Nr. 26, U 339/06 E. 3.2). Dass ein insbesondere im therapeuti- schen Kontext wichtiges Vertrauensverhältnis zwischen beguta chtendem Arzt und Patientin nicht hergestellt werden konnte, lässt jedoch nicht au f Voreingenommenheit schliessen (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2013, 8C_905/2011, E. 4.2). 3.5 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass das Bundesg ericht zwischen einer erstma- ligen Begutachtung und einem Verlaufsgutachten unterscheidet. Dabei betrachtet es die Anord- nung eines Verlaufsgutachtens dann als sinnvoll, wenn es u m die Beurteilung von gesundheitli- chen Veränderungen geht. Bei einer Verlaufsbegutachtu ng wird in der Regel die aktuelle ge- sundheitliche Situation einer versicherten Person abgekl ärt und mit derjenigen im Zeitpunkt der Vorbegutachtung verglichen. Die Anordnung eines Verlau fsgutachtens rechtfertigt sich somit namentlich dann, wenn Zweifel über den Verlauf der g esundheitlichen Entwicklung einer versi- cherten Person seit dem Zeitpunkt der Vorbegutachtung b estehen. Die Aussagekraft einer Ver- laufsbegutachtung kann erhöht werden, wenn die gesundheitliche Entwicklung von den mit dem Fall schon vertrauten Vorgutachtern abgeklärt und beurt eilt wird (vgl. BGE 132 V 110 E. 7.2.2; Urteile des Bundesgerichts vom 1. September 2010, 9C_10 32/2010, E. 4.1 und vom 15. September 2008, 8C_615/2008, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Beschwerdeführerin bringt zusammenfassend vor, dass aufgrund der von ihr im Rahmen des Vorbescheidverfahrens geäusserten Kritik eine erneute Begutachtung durch Dr. F.____ unzulässig sei. Seine Stellungnahme vom 12. November 2014 stelle im Wesentli- chen eine Verteidigung des Gutachtens dar. Bei dieser Ve rteidigung versuche Dr. F.____, die Verantwortung für allfällige Ungereimtheiten und Kr itikpunkte implizit dem behandelnden Arzt und der Beschwerdeführerin selbst zu überbinden. So be haupte er in Bezug auf die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, diese hätte der behandelnde Psychia- ter erst nach Erstellung des Gutachtens vom 18. März 2014 g estellt. Weiter stelle er die Be- hauptung auf, dass die Beschwerdeführerin hinsichtlich de r Anamneseerhebung anlässlich der Begutachtung diese oder jene Symptome oder Angaben gar nicht erst genannt habe. Dieser Umstand sei ohne Weiteres geeignet, objektiv Zweifel an der Unvoreingenommenheit von Dr. F.____ im Hinblick auf eine weitere Begutachtung zu wecken. Es sei unwahrscheinlich, dass zwischen Dr. F.____ und der Beschwerdeführerin noch ein für die psychiatrische Abklä- rung notwendiges Vertrauensverhältnis entstehen könne. D aher sei er objektiv betrachtet als befangen zu betrachten. 4.2 Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die Beweistaugl ichkeit der bisherigen Gutach- ten und der Stellungnahme von Dr. F.____ nicht zum jetzigen Zeitpunkt, sondern erst anlässlich der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und Beschwerdeverfa hren betreffend die spätere Leis- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsverfügung zu überprüfen sind. Aus diesem Grund bild en die in Ziffern 14 bis 16 der Be- schwerde vorgetragenen Rügen nicht Gegenstand des vorli egenden Verfahrens. Im Rahmen der vorliegenden Beurteilung ist lediglich zu prüfen, ob die ersten beiden Gutachten sowie die Stellungnahme vom 12. November 2014 neutral und sachl ich abgefasst wurden oder ob prima vista andere Umstände ersichtlich sind, die eine weitere Verlaufsbegutachtung bei Dr. F.____ verunmöglichen. 5.1 Dr. F.____ untersuchte die Beschwerdeführerin let ztmals im Februar 2014. Danach hielt sie sich vom 9. Oktober bis 20. November 2014 stat ionär zur Pflege in der psychiatrischen Klinik Z.____ auf. Dabei wurde unter anderem eine re zidivierende depressive Störung, gegen- wärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, diagnostiziert. In Anbetracht dieses wei- teren Klinikaufenthalts erscheint der Entscheid der Besch werdegegnerin, den Verlauf der Er- krankung sowie den aktuellen Gesundheitszustand erneut be gutachten zu lassen, als plausibel (vgl. Aktennotiz von Dr. med. H.____, Facharzt für Psychiat rie und Psychotherapie, RAD, vom 23. Dezember 2014). Da eine Entwicklung beurteilt werden soll, die sich nach der Erstellung der ersten beiden Gutachten abgespielt hat, handelt es sich um eine Verlaufsbegutachtung. Deren Notwendigkeit wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. 5.2 In Anbetracht der in Erwägung 3.2 bis 3.5 hiervor dargelegten rechtlichen Grundsätzen kann Dr. F.____ nicht einzig deshalb als befangen betra chtet werden, weil er die Beschwerde- führerin bereits zweimal im Auftrag der Beschwerdegegnerin begutachtet hat. Für den Anschein der Voreingenommenheit müssen weitere Umstände hinzukom men, die das Resultat der Ex- pertise und der Sachverhaltsermittlung nicht mehr als o ffen erscheinen lassen und somit bei objektiver Betrachtung den Schluss auf eine Befangenhe it von Dr. F.____ zulassen. Die Gut- achten von Dr. F.____ sowie insbesondere seine Stellu ngnahme vom 12. November 2014 sind objektiv und sachlich gehalten. Dr. F.____ hat weder Ä usserungen zur Glaubhaftigkeit der Be- schwerdeführerin noch abschätzige oder beleidigende Bem erkungen persönlicher Natur ge- macht. Es sind keine Äusserungen unsachlicher Art und Weise gegeben, die objektiv Zweifel an seiner Unvoreingenommenheit wecken. Auch eine negative emotionale Beteiligung aufgrund der Interventionen der Beschwerdeführerin bzw. ihrer Re chtsvertreterin und des behandelnden Arztes ist nicht ersichtlich. Der Umstand sodann, dass Dr. G. ____ und PD Dr. med. I.____ den Sachverhalt anders beurteilen, vermögen die Objektivitä t von Dr. F.____ ebenfalls nicht in Fra- ge zu stellen. Bei der angeordneten Begutachtung geh t es hauptsächlich darum, eine allfällige zwischenzeitliche Verschlechterung abzuklären. Wenn Dr. F.__ __ dabei auch zu anderen me- dizinischen Einschätzungen Stellung nehmen muss, so gehört dies zu einer fachgerecht erstell- ten Begutachtung. Eine unvoreingenommene Beurteilung unter Berücksichtigung neuer Er- kenntnisse ist damit ohne Weiteres möglich. Auch der Umst and, dass sich Dr. F.____ der Auf- fassung des behandelnden Psychiaters nicht anzuschliessen vermag, stellt für sich alleine noch keinen Ausstandsgrund dar. Es gehört vielmehr zu den Pflich ten des medizinischen Sachver- ständigen, sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinander zusetzen und eine eigenständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abzustellen ist, ist – wie bereits in Erwägung 4.2 hiervor dargelegt –, eine Frage der Bew eiswürdigung anlässlich der Leistungs- verfügung. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Das Ergebnis der Begutachtung erscheint deshalb al s offen und nicht vorbestimmt, weshalb der Anschein einer Befangenheit zu verneinen i st. Unter den gegebenen Umständen kann Dr. F.____ objektiv betrachtet nicht als befangen g elten. Daher ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Zwisch enverfügung eine psychiatrische (Verlaufs-)Begutachtung der Beschwerdeführerin durch Dr. F.____ anordnete. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 600.-- festgesetzt werden, ihr zu aufer- legen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings m it Verfügung vom 18. März 2015 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 18. März 2015 die unentgeltliche Ver- beiständung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt worde n ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honora r bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin der Beschw erdeführerin hat in ihrer Honorarnote vom 27. April 2015 für das vorliegende Verfahren eine n Zeitaufwand von acht Stunden und 30 Minuten sowie Auslagen von Fr. 67.70 geltend gemacht. Die detaillierte Abrechnung beinhaltet nun allerdings auch Bemühungen von einer Stunde und 10 Minuten, die im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens bis zum Erlass der Zwischenverfügung erbr acht worden sind. Bei der Fest- setzung des Honorars für das versicherungsgerichtliche Verfah ren kann aber nur der im Rah- men des eigentlichen Beschwerdeverfahrens, das heisst der n ach der Zustellung der Zwi- schenverfügung entstandene Aufwand berücksichtigt werden. Für die Festsetzung des Hono- rars im vorliegenden Beschwerdeverfahren kann somit der f ür den Zeitraum nach dem 27. Ja- nuar 2015 ausgewiesene Aufwand von sieben Stunden und 20 Minuten sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 53.90 berücksichtigt werden. Der Rechtsvertre terin der Beschwerdeführerin ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘642.15 (sieben Stunden und 20 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 53.90 + 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 6.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 7. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des Bundesgesetzes über das Bunde sgericht (BGG) vom 17. Juni 2005. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffent lich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG g enannten Voraussetzungen zulässig. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wie das Bundesgericht nunmehr im Grundsatzurteil 138 V 271 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfügungen der Ver waltung betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bundesgericht weit erziehbar, sofern nicht Aus- standsgründe beurteilt worden sind. Der Entscheid darüb er, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegenden Fall erfüllt sind, obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘642.15 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht