Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Juli 2012 (725 12 114) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Natürliche Kausalität bei HWS-Distorsion; Leistungspflicht des Unfallversicherers für Heilbehandlung und Taggelder bis zum Fallabschluss Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichter Christof Enderle, Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Stefan Grundmann, Advokat, LL.M, Falknerstrasse 3, 4001 Basel gegen AXA Winterthur , Schaden Zürich, Brandschenkestrasse 24, Post- fach 2175, 8027 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1968 geborene A.____ war beim B.____ als Zol ldeklarant angestellt und in dieser Eigenschaft bei der AXA Winterthur (AXA) unter andere m gegen die Folgen von Berufsunfällen versichert. Am 5. Juli 2010 stürzte er bei der Arbeit von einer vereisten Ladefläche eines Last- wagens auf den Asphaltboden. In der Folge beklagte er eine nur zögerliche Besserung von Halswirbelsäulen- (HWS), Nacken-, Schulter-, und Kopfschmerzen. Am 23. Dezember 2010 trat der Versicherte in die Rehaklinik C.____ ein, wo nebst linksseitigen Schulterbeschwerden und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer leichten traumatischen Hirnverletzung eine HWS-D istorsion sowie eine chronische Schmerzstörung diagnostiziert wurden. Nachdem der Versich erte von der Gutachterstelle D.____ interdisziplinär begutachtet worden war, stellte die AXA mit Verfügung vom 25. Juli 2011 ihre Leistungspflicht per 30. Juni 2011 ein. Darü ber hinaus lehnte sie eine Kostenüber- nahme des stationären Aufenthalts in der Rehaklinik C.__ __ mit der Begründung ab, der Auf- enthalt sei unfallbedingt nicht indiziert gewesen. Eine dagegen gerichtete Einsprache sowohl des Versicherten als auch der Krankenkasse des Versicherten, die E.____ AG, wies sie mit Entscheid vom 28. Februar 2012 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte , vertreten durch Dr. Stefan Grundmann, Advokat, am 30. März 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, in Aufhebung des angefochtenen Entscheids vom 28. Februar 2012 seien ihm weiterhin Heilbehandlungskos- ten und Taggelder auszurichten. Insbesondere sei die Beschwerdegegnerin zur Übernahme der Kosten für den stationären Aufenthalt in der Rehaklini k C.____ zu verpflichten und es sei ihm die unentgeltliche Verbeiständung zu bewilligen. C. Die AXA schloss in ihrer Vernehmlassung vom 9. Mai 20 12 auf Abweisung der Be- schwerde. Auf die Vorbringen der Parteien ist - soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwä- gungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht beim zuständigen Ger icht eingereichte Beschwerde ist ein- zutreten. 2. Strittig ist, ob die AXA die Erbringung ihrer Le istungen ab Ende Juni 2011 und die Kosten des bereits zuvor erfolgten stationären Aufenthalts des B eschwerdeführers in der Rehaklinik C.____ vom 23. Dezember 2010 bis 17. März 2011 zu Recht abgelehnt hat. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Dabei hat der Unfallversicherer die Pflegeleist ungen so lange zu erbringen, als davon eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwarte t werden kann (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG). Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag und erlischt mit der Wiedererl angung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 P rozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Als Inva lidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ga nze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diese entspricht dem durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verur- sachten und nach zumutbarer Behandlung und Einglieder ung verbleibenden ganzen oder teil- weisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betr acht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 ATSG). 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt in erster Linie voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und den Gesundheitsbeeinträ chtigungen ein natürlicher Kausalzu- sammenhang besteht (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 ). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan densein der eingetretene Er- folg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit einge- treten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natür- lichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unf all die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass da s schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht w eggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (vgl . BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zus ammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruches nicht (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht ein mal anerkannt, entfällt sie erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ur sache des Gesundheitsschadens darstellt, der Gesundheitsschaden mit anderen Worten nur noch un d ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der krankhafte Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vo rzustandes auch ohne Un- fall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). Ebenso wie der leistungsbegründende n atürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedi ngten Ursachen eines Gesundheits- schadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblic hen Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender ur- sächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Weil es d abei um eine anspruchsaufhe- bende Tatsache handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbe- gründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (vgl. RKUV 2000 Nr. U 36 3 S. 46 E. 2). Der Beweis des Weg- falls des natürlichen Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ur- sachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vo m Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder die versicherte Person nunmehr bei voller Gesundheit ist. Entscheidend ist alle in, ob unfallbedingte Ursachen des Ge- sundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben u nd weggefallen sind (vgl. Urteil L. des EVG vom 25. Oktober 2002, U 143/02, E. 3.2.). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Zur Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist die rechts- anwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Ar t. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Be- weismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Bew eisregeln, sowie umfassend und pflichtge- mäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsg ericht alle Beweismittel, un- abhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteil ung des streitigen Rechtsanspruches ge- statten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismater ial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die an dere medizinische These abstellt. Hin- sichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist ent scheidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist es dem Sozialversicherungsgericht d emnach nicht verwehrt, ge- stützt ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Un terlagen zu entscheiden. Wie das Bundesgericht unlängst präzisiert hat, sind in solchen Fällen jedoch strenge Anforderungen an die Beweiswürdigung in dem Sinne zu stellen, dass be i auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellunge n ergänzende Abklärungen vor- zunehmen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts, I. sozialrec htliche Abteilung, vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit Verweisen). 3.2 Im Rahmen der Beurteilung der natürlichen Kausal ität bei HWS-Unfällen im Besonderen ist zu unterscheiden, ob der Unfall zu organisch nachweisb aren Funktionsausfällen geführt hat oder nicht. Es werden in diesem Zusammenhang drei Kateg orien unterschieden: In die erste Kategorie fallen gesundheitliche Beeinträchtigungen, d ie ein organisches Substrat im Sinne einer bildgebend oder allenfalls anderswie klar nachwe isbaren strukturellen Veränderung ha- ben. Ihnen liegt ein eigentlicher organischer Befund zu Grunde. Darunter fallen etwa Nacken- beschwerden, die auf eine Wirbelfraktur zurückgehen (vgl . BGE 127 V 103 E. 5b/bb). Solange organische Befunde dieser Kategorie klar nachweisbar sind , ist der natürliche Kausalzusam- menhang zu bejahen und eine Adäquanzprüfung erübrigt sich in der Regel (vgl. BGE 134 V 111 E. 2, 117 V 365 mit Hinweisen). In die zweite Kategorie fallen gesundheitliche Beeinträchtigungen, die zwar als organisch impo- nieren, weil sie klinisch fassbar und durch ärztliche Unters uchungen feststellbar sind, denen aber ein organisches Substrat im Sinne einer strukturellen Veränderung fehlt. So kann etwa ein Muskelhartspann ertastet oder eine Einschränkung der Kop fbeweglichkeit festgestellt werden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Solchen Befunden ist eigen, dass sie erfahrungsgemäss auch p sychisch ausgelöst werden können. Bei einem Schleudertrauma ohne organisch nachwei sbare Funktionsausfälle ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und di esen Beschwerden der zweiten Kategorie sowie der damit verbundenen Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit in der Regel zu bejahen, wenn ein solches Trauma diagno stiziert ist und das für diese Verletzung typische Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffusen Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstö- rungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wes ensveränderung usw. vorliegt (vgl. BGE 119 V 338 E. 1 mit Hinweis). Dasselbe gilt bei Verletzungen im Bereich der HWS, die auf einem dem Schleudertrauma äquivalenten Verletzungsm echanismus (Kopfanprall mit Ab- knickung der HWS, Distorsionstrauma der HWS mit Kopfanpra ll) beruhen (vgl. RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 E. 3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67). D abei ist zu berücksichtigen, dass bei ei- nem Schleudertrauma der HWS auch ohne nachweisbare pat hologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster A rt auftreten können. Es ist deshalb da- von auszugehen, dass ein Unfall mit Schleudertrauma der HWS eine Arbeits- bzw. Erwerbsun- fähigkeit verursachen kann, auch wenn die festgestellt en Funktionsausfälle organisch nicht nachweisbar sind. Der Umstand, dass die für ein Schleuder trauma typischen Beschwerden in manchen Fällen mit den heute verwendeten bildgebenden Untersuchungsmethoden wie Rönt- gen, Computertomogramm und EEG nicht objektivierbar si nd, darf somit nicht dazu verleiten, sie als rein "subjektive" Beschwerden zu qualifizieren un d damit deren Relevanz für die Unfall- versicherung in Abrede zu stellen (vgl. BGE 117 V 363 E. 5d/aa; BGE 134 V 109 E. 7 und 8). In die dritte Kategorie von Funktionsausfällen nach Sc hleudertrauma oder äquivalenten Verlet- zungen fallen schliesslich Beeinträchtigungen, die weder klinisch fassbar sind noch ein organi- sches Substrat im Sinne einer nachweisbaren strukturellen Veränderung haben. Es handelt sich dabei um blosse Klagen über diffuse Beschwerden. Bei so lchen Beeinträchtigungen fehlt es bereits an der natürlichen Kausalität (vgl. BGE 119 V 340). 3.3 Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, falls sie reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhä ngig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gespro chen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen bzw. bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die dabei ange- wandten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sin d (vgl. Urteil des Bundesge- richts 8C_806/2007 vom 7. August 2008, E.8.2 mit Hinwei sen, ebenso Urteil des Bundesge- richts 8C_257/2008 vom 4. September 2008, E. 2). Sind die geklagten Beschwerden natürlich unfallkausal, nicht aber im umschriebenen Sinne objektiv ausgewiesen, so ist die Adäquanz zu beurteilen. Dabei ist vom augenfälligen Geschehensabla uf auszugehen und es sind gegebe- nenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehe n (vgl. BGE 134 V 111 E. 2.1). Hat die versicherte Person einen Unfall erlitten, welcher die A nwendung der sogenannten Schleuder- trauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hierbei die durch BGE 134 V 126 ff. präzisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht an wendbar, so sind grundsätzlich die Adäquanzkriterien, welche für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wur- den (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/aa), anzuwenden (vgl. B GE 124 V 111 E. 2.1; Urteil des Bun- desgerichts 8C_257/2008 vom 4. September 2008, E. 2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Massgebliche Grundlage für die Beurteilung der na türlichen Kausalität bilden somit auch bei Schleudermechanismen der HWS die medizinischen Fakten wie die fachärztlichen Erhebungen über Anamnese, objektiven Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand usw. Das Vorliegen eines Schleudertr aumas und seine Folgen müssen somit durch ärztliche Angaben gesichert sein (vgl. BGE 1 19 V 340 E. 2b/aa). Ärztlichen Berich- ten, welche in der Frühphase nach dem Unfallereignis e rstellt wurden, kommt eine besondere Bedeutung zu. Spätere, retrospektive Beschreibungen der Initialsymptome (Beschwerden, die innerhalb von drei Tagen auftraten) können unzuverlässi g sein (vgl. Bericht der Kommission "Whiplash-associated Discorder", Beschwerdebild nach kranioze rvikalem Beschleunigungs- trauma ["whiplash-associated discorder"], in: Schweizeri sche Ärztezeitung Band 81 [2000] S. 2218 ff.) 3.5 In der Praxis wird davon ausgegangen, dass die für e in HWS-Distorsionstrauma typi- schen Beschwerden der zweiten Kategorie (vgl. oben, Ziff er 3.2) erfahrungsgemäss innert 24 bis 72 Stunden nach dem Unfall auftreten müssen, damit sie diesem zugerechnet werden kön- nen. Aufgrund der medizinischen Erkenntnisse über die Lat enzzeit ist somit wichtig, was sich am Unfalltag und in der darauf folgenden Zeit zugetr agen hat, wie genau die Angaben der ver- unfallten Person wiedergegeben wurden und was die Ärzte abgeklärt oder sonst wie festgestellt und festgehalten haben (vgl. Urteil P. des EVG vom 22 . November 2002, U 207/01, E. 4.1 und J. vom 25. Juli 2000, U 423/99, E. 3b). Dabei reicht es jedoch zur Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhanges, wenn innert weniger Tage nach dem Unfall vorerst Nackenbe- schwerden auftreten und weitere typische, zum Bild dieser Verletzung gehörende Beschwerden erst später diagnostiziert werden (vgl. Urteil R. des EVG vom 9. September 2002, U 412/01, E. 3.3). 4.1 Im vorliegenden Fall liegen verschiedene ärztliche B erichte vor. Von zentraler Bedeutung ist dabei das umfangreiche Gutachten der Gutachterstelle D.____ vom 14. Juni 2011. In diesem interdisziplinären Gutachten mit rheumatologischer, ne urologischer und neuropsychiatrischer Beteiligung werden gesamtmedizinisch folgende Diagnosen gestellt: Ein leichtes Zervikover- tebralsyndrom bei aktuell leichter Dysfunktion auf Niveau C 4/5 und C 3/4 und mehrsegmenta- len diskreten Zeichen von Degeneration, ohne Progredien z in den letzten sechs Monaten, im Weiteren periodisch auftretende Kopfschmerzen am ehesten von zervikogen getriggertem Spannungskopfschmerz-Typ bei intermittierend auftretender diskreter Dysfunktion auf Niveau C 4/5 und C 3/4, im Weiteren ein Impingement der linke n Schulter und Schulterperiarthropathie links bei kleinem Einriss der Infraspinatussehne und der bursitis subacrominalis links, im Weite- ren eine mittelschwere depressive Episode, ferner eine akzentuierte Persönlichkeit im Sinne von zwanghaften Persönlichkeitszügen, differentialdiagnostisch eine anankastische Persönlich- keit, im Weiteren eine subjektive kognitive Beeinträchti gung vor dem Hintergrund der psychi- schen Störung und der Schmerzen und schliesslich eine Sch merz- und Krankheitsverarbei- tungsstörung. Der Unfall vom 5. Juli 2010 habe gemäss al len zur Verfügung stehenden Infor- mationen nicht zu relevanten oder gar richtunggebenden Verletzungen des Kopfes, der HWS, der Schulter oder anderer Körperteile geführt, aufg rund welcher eine verzögerte Heilerholung erwartet werden sollte. Kurzzeitige, eher Tage als Woc hen dauernde Beschwerden im Nacken Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht könnten im Zusammenhang mit dem fraglichen Unfall ang enommen werden. Radiologisch sei- en keine strukturellen Läsionen an der HWS nachgewiese n worden. Auch funktionelle Ein- schränkungen liessen sich nicht mehr nachweisen. Nach dem Unfall, allerdings mit deutlicher Latenz zum Unfall, seien Beschwerden in der linken Schu lter aufgetreten. Diese Beschwerde könnten durch den radiologisch nachgewiesenen kleinen Ein riss in der Sehne des Musculus infraspinatus links teilweise erklärt werden. Aufgrund d er deutlichen Latenz zum Unfall könnten diese Symptome aber nur möglicherweise und nicht überw iegend wahrscheinlich als unfallkau- sal bezeichnet werden. Weiter seien im Verlauf depressive Symptome und subjektive, kognitive Beeinträchtigungen aufgetreten, welche am ehesten im Rahmen der psychosozialen Dispositi- on, d.h. der Persönlichkeitszüge und der psychosozialen B elastungen, und der daraus resultie- renden Störung einer Adaption auf die Beschwerden zu interpretieren seien. Die psychischen und kognitiven Beschwerden seien ebenfalls mit Latenz aufgetreten und könnten nicht überwie- gend wahrscheinlich auf den Unfall zurückgeführt werden. Abgesehen von einer höchstens we- nige Wochen dauernden Phase, in welcher die vom Explora nden schwerpunktmässig Nacken- bzw. Kopfschmerzen möglicherweise aber nicht überwiegen d wahrscheinlich auf den Unfall zurückgeführt werden können, müsse die Unfallkausalität d er geklagten Symptome überwie- gend wahrscheinlich verneint werden. Entsprechend sei der stationäre Aufenthalt in der Re- haklinik C.____ unfallbedingt nicht indiziert gewesen. 4.2 Den insgesamt vorliegenden medizinischen Unterlag en zufolge lassen sich weder struktu- relle Folgen des fraglichen Unfallereignisses objektivier en, noch können die geklagten Be- schwerden einem klinischen Substrat zugeordnet werden. Den ärztlichen Stellungnahmen las- sen sich keine Anhaltspunkte für organisch nachweisbare Schädigungen im Sinne von struktu- rellen Veränderungen im Bereich der HWS entnehmen. Die in einer ersten Phase nach dem Unfallereignis angefertigten Röntgen zeigten keine n achweisbaren Frakturen (vgl. Bericht der Interdisziplinären Notfallstation des Spitals F.____ vom 5. Juli 2010; Arztzeugnis UVG des Spi- tals F.____ vom 4. August 2010). Im MRT des Spitals SPIT AL G.____ vom 2. September 2010 wurde ein unauffälliger Befund festgehalten. Demnach bestanden keine wesentlichen degene- rativen Veränderungen im Bereich der Bandscheiben und der Wirbelkörper. Das Signalverhal- ten der Weichteile war normal. Zwei weitere, zwecks Aussch luss posttraumatischer Verände- rungen durchgeführte Magnetresonanztomographien (MRT) des Neurocraniums vom 5. Januar 2011 bzw. vom 7. Februar 2011 ergaben einen Verdacht auf eine kleine venöse Dysplasie, die jedoch nicht im Zusammenhang mit einem Trauma gestande n hat (vgl. Bericht der Klinik H.____ vom 5. Januar und 7. Februar 2011). Hinsichtlich dieses spezifischen, bildgebenden Befunds handelt es sich somit um einen Zustand, der ni cht auf das fragliche Unfallereignis zu- rückgeführt werden kann. Auch eine weitere Verlaufskontrolle der HWS am 26. Mai 2011 ergab keinerlei posttraumatische Befunde. Insgesamt wurde vielme hr festgehalten, dass die degene- rativen Veränderungen nur minimal ausgebildet seien und keinerlei Progredienz derselben fest- gestellt werden könne (vgl. Bericht des Spitals SPITAL G .____ vom 27. Mai 2011). Damit über- einstimmend kamen auch die Gutachter der D.____ zum Ergebnis, dass die Radiographie keine Nachweise von Frakturen oder sonstigen Auffälligkeiten er geben habe und mithin keine unfall- bedingten, strukturell objektivierbaren Veränderungen d er HWS vorliegen (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 38 und 41 a.E.). Gegen teilige Einschätzungen sind den Akten keine zu entnehmen. Vielmehr konnte auch der begutachte nde Neurologe des D.____ keine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anhaltspunkte für traumatische Unfallfolgen eruieren (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 41). Es liegen somit keine organischen Beschwer den vor, die auf das fragliche Unfall- ereignis vom 5. Juli 2010 zurückgeführt werden können. Die vom Beschwerdeführer geklagten Nackenschmerzen sind vielmehr als Beeinträchtigungen der obg enannten zweiten Kategorie (vgl. oben, Ziffer 3.2) einzustufen. 4.3 Daran vermag nichts zu ändern, dass beim Versicherten eine milde traumatische Hirn- verletzung (MTBI) zu diagnostizieren sei (vgl. Austrittsb ericht der Rehaklinik C.____ vom 17. März 2011). Unter dem Begriff der MTBI wird ein kraniales Trauma verstanden, welches durch Kontaktkräfte (z.B. Kopfanprall oder einen Schlag auf den Kopf) oder durch eine Akzele- ration bzw. Dezeleration bedingt ist und zu einer Unterbrechung der zerebralen Funktionen führt (vgl. A DRIAN SIEGEL , Neurologisches Beschwerdebild nach Beschleunigungsverletzu ng der Halswirbelsäule, in: Die neurologische Begutachtung, Zü rich 2005, S. 165). Nach allgemein anerkannter Lehrmeinung setzt die Diagnose einer MTBI entweder eine Episode von Bewusst- losigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmi ttelbar vor oder nach dem auslösen- den Unfallereignis oder eine Bewusstseinsstörung (z.B. Be nommenheitsgefühl, Desorientie- rung) im Zeitpunkt der Verletzung voraus. Andererseits darf die Störung nicht mit einer Be- wusstlosigkeit von mehr als 30 Minuten, einem Schweregrad nach der Glasgow Coma Scale (GCS) von 15 bis 30 Minuten nach dem Unfall oder einer posttraumatischen Amnesie von mehr als 24 Stunden verbunden sein vgl. S IEGEL , a.a.O., S. 16, Tabelle 9, mit Hinweisen). Die Diag - nose einer MTBI alleine bedeutet nicht, dass zugleich a uch eine objektiv nachweisbare Funkti- onsstörung im Sinne der Rechtssprechung zum Schleudertra uma der HWS und zum Schädel- hirntrauma vorliegt. Hierfür notwendig ist vielmehr ei ne feststellbare intrakranielle Läsion oder ein messbarer Defektzustand in Form neurologischer Ausfä lle, wie sie nach einer Contusio ce- rebri auftreten können (vgl. SIEGEL , a.a.O., S. 164). Im vorliegenden Fall sind die definitionsgemässen Vorau ssetzungen für eine MTBI nicht erfüllt. Den medizinischen Unterlagen zufolge bestehen zunächst ke ine Hinweise auf eine objektiv nachweisbare Läsion des Gehirns, da mit Ausnahme einer u nfallfremden venösen Dysplasie keine organische Grundlagen erhoben und somit keine Anha ltspunkte für traumatische Unfall- folgen eruiert werden konnten (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 41). Die Diagnose einer MTBI im Austrittsbericht der Rehaklinik C.____ vom 17. März 2011 erweist sich aber auch deshalb als unzutreffend, weil der Versicherte den übe reinstimmenden, (fremd-) anamnesti- schen Aussagen zufolge nach dem Unfallgeschehen weder bew usstlos gewesen war noch an einer Amnesie oder an einer relevanten Bewusstseinsstörung gelitten hatte (vgl. Dokumentati- onsbogen für Erstkonsultationen nach kranio-zervikalem Besch leunigungstrauma vom 4. August 2010, ad 2c; Aussage des Versicherten anlässlich der Besprechung mit dem Scha- deninspektor der AXA-Winterthur vom 25. August 2010, SI -Bericht der AXA-Winterthur vom 26. August 2010). Das Fehlen dieser definitionsgemäss erforderlichen Kriterien spricht somit gegen das Vorliegen einer MTBI. Nichts anderes ergibt si ch aus der neuropsychologischen Standortbestimmung von I.____ vom 27. November 2011, der zufolge trotz objektivierter neuro- psychologischer Defizite nicht auf eine hirnorganische Ursac he geschlossen werden kann (vgl. ebenso die Stellungnahme von Dr. J.____, FMH Neur ologie, vom 8. Dezember 2010). Es Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht lassen sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit demnach auch keine organisch fassbaren, neurologischen Ausfälle erheben. 4.4 Was schliesslich die Schulterbeschwerden des Versicherten betrifft, handelt es sich da- bei offensichtlich nicht um eine zum typischen Beschwerdebi ld einer Verletzung nach Schleu- dertrauma der HWS, einer dem Schleudertrauma äquivalenten Verletzung oder einem Schädel- Hirntrauma gehörenden Beeinträchtigung. Es tritt hin zu, dass diese Beschwerden im Zeitpunkt der Begutachtung durch das D.____ in keinem natürliche n Kausalzusammenhang mehr mit dem fraglichen Unfallereignis vom 5. Juli 2010 gestande n sind. So hat die linke Schulter im Zeitpunkt der abschliessenden Begutachtung durch die D .____ bereits aufgrund der anam- nestischen Angaben des Versicherten kaum mehr Probleme g eboten (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 18). Zu berücksichtigen ist im Weite ren, dass die fraglichen Schulterbe- schwerden sowohl in der Anamnese als auch in der detaill iert aufgeführten Diagnoseliste ein- schliesslich Nebendiagnosen anlässlich der Untersuchung durch das Spital G.____ vom 25. August 2010 nicht erwähnt worden sind. Es kann sich b ei den in diesem Zusammenhang beklagten Beschwerden deshalb mit überwiegender Wahrsch einlichkeit nicht um durch den Unfall vom 5. Juli 2010 ausgelöste Symptome handeln. Unabhängig von einem bildgebend nachgewiesenen, kleinen Einriss der Infraspinatussehne er weist es sich somit als schlüssig, dass diese erst mit deutlicher Latenz zum Unfall aufgetr etenen Beschwerden nur möglicherwei- se als unfallkausal zu bezeichnen sind (vgl. Gutachten D._ ___ vom 14. Juni 2011, S. 44; eben- so orthopädisches Konsilium der Rehaklinik C.____ vom 2 7. Dezember 2010). Dies bestätigt auch der Blick auf die bildgebenden Untersuchungen der Rehaklinik C.____, wonach der kleine Einriss der Infraspinatussehne die geklagten Beschwerden nicht erklären konnte und hinsicht- lich der linken Schulter keine relevante Pathologie erhoben werden konnte (vgl. Ergänzung zum orthopädischen Konsilium der Rehaklinik C.____ vom 17. Januar 2011). 4.5 Als Zwischenergebnis ist damit festzuhalten, dass beim Versicherten im Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine strukturell objektivierbaren Fol gen des fraglichen Unfalls mehr vor- gelegen haben. Dieser leidet in physischer Hinsicht an ein em therapieresistenten Zervikover- tebralsyndrom mit periodisch auftretenden, zervikogen get riggerten Spannungskopfschmerzen (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 44 f.). Die Ärzte konnten diese Beschwerden auf- grund der Angaben des Patienten zwar erheben und teil weise klinisch erfassen, hierfür jedoch weder ein objektives Korrelat noch strukturelle Verände rungen finden. Die vom Versicherten in diesem Zusammenhang geltend gemachten Beeinträchtigun gen sind somit rein funktioneller Natur. 4.6 Da keine organisch nachweisbaren Beschwerden vorlieg en, ist zu prüfen, ob das für ein Trauma der HWS von der Rechtsprechung als typisch bezeich nete Beschwerdebild innert der Latenzzeit von 24 bis 72 Stunden aufgetreten ist (vgl. oben, Ziffer 3.5). Dem ärztlichen Befund- bericht vom 23. Juli 2010 von Dr. K.____ zufolge fand die Erstbehandlung des Versicherten am 6. Juli 2010 statt, anlässlich welcher eine in alle Ri chtungen deutlich und sehr schmerzhaft ein- geschränkte Beweglichkeit der HWS erhoben werden konnte . Den weiteren Akten ist zu ent- nehmen, dass dem Versicherten direkt nach dem Sturz schwin dlig geworden sei. Rund eine Viertelstunde nach dem Unfall sei ihm auch übel geworden. Zu Hause angekommen hätten sich Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kopfschmerzen und Schwindel verstärkt. Die Kopfbeweglichkei t sei nicht eingeschränkt gewe- sen, es habe aber ein ziehender Schmerz über beide Schul tern bestanden, der im weiteren Verlauf zugenommen habe. Am Folgetag sei die gesamte Nackenmuskulatur verspannt gewe- sen und es habe eine massive Bewegungseinschränkung bestan den. Die Kopfschmerzen hät- ten stark nachgelassen, die Verspannungen im Nackenbereich jedoch zugenommen (vgl. Schadeninspektorenbericht der Beschwerdegegnerin vom 26. August 2010, S. 2). Diese Angaben decken sich mit der Anamnese, wie sie auch anlä sslich der Begutachtung der D.____ erhoben worden ist (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 17). Bei persistierenden Na- ckenschmerzen beklagte der Versicherte in der Folge weite rhin Unsicherheiten mit schwanken- dem Gangbild und zusätzlich eine depressive Verstimmung. E benso traten im weiteren Verlauf kognitive Beeinträchtigungen in Form von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefiziten sowie Schlafstörungen auf (vgl. Berichte des Spitals G.____ vo m 25. August 2010 sowie 4. November 2010, ebenso neuropsychologische Standortbestim mung von I.____ vom 27. No- vember 2010 sowie letztlich auch Gutachten der D.____ vom 14. Juni 2011, S. 44). 4.7 Den erwähnten Unterlagen zufolge liegen medizinisch e Berichte vor, die nebst unmittelba- ren Kopf- und Nackenschmerzen auch Schwindelbeschwerde n und eine Nausea dokumentie- ren. Auch wenn es sich dabei um medizinische Berichte hand elt, welche nicht innert der recht- sprechungsgemäss relevanten Latenzzeit von bis zu drei Tag en ergangen sind, liegt insbeson- dere zwischen den ersten anamnestischen Erhebungen durch den Hausarzt und dem fraglichen Unfall eine nur kurze Dauer. Von einer lediglich ret rospektiven Beschreibung der Initialsympto- me, deren Beweiswert diesfalls zu relativieren wäre, kan n unter diesen Umständen nicht ge- sprochen werden. So ist darauf hinzuweisen, dass es zur Be jahung des natürlichen Kausalzu- sammenhanges ausreicht, wenn innert weniger Tage nach dem Unfall vorerst lediglich Nacken- beschwerden auftreten und weitere typische, zum Bild di eser Verletzung gehörende Beschwer- den erst später erhoben werden (vgl. oben, Ziffer 3.5 a.E.). Rechtsprechungsgemäss ist somit gerade nicht erforderlich, dass die praxisgemäss erforderl ichen Beschwerden, welche für eine solche Verletzung typisch sind (wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visu sstörungen, Reizbarkeit, Affektlabili- tät, Depression, Wesensveränderung), alle innert der Latenzzeit aufgetreten sein müssen. Auch ist darauf hinzuweisen, dass es sich um eine beispielhafte , nicht abschliessende Aufzählung typischer Beschwerden handelt, welche daher nicht alle geg eben sein müssen. Gefordert ist lediglich der Nachweis einer Häufung typischer Beschwerden (vgl. BGE 117 V 360 E. 4b; 119 V 338 E. 2). Schliesslich ist auch nicht von der Hand zu weise n, dass insbesondere mehr oder minder unmittelbar nach einem Auffahrunfall geklagte Kopf- und Nackenbeschwerden zu den typischen Kernsymptomen eines Traumas der HWS gehören und das Auftreten der damit ver- bundenen, späteren Beschwerdesymptomatik durchaus vielschich tig sein kann. Dies gilt auch im vorliegenden Fall. In den zeitlich nachfolgenden me dizinischen Unterlagen wird von Kon- zentrations- und Merkfähigkeitsstörungen berichtet. Darüb er hinaus beklagte der Versicherte ein schwankendes Gangbild und schon bald eine depressive V erstimmung. Insgesamt ist den erwähnten Unterlagen damit eine Vielzahl jener Sympt ome zu entnehmen, welche dem recht- sprechungemäss erforderlichen, typischen "bunten" Beschwerde bild entsprechen. Angesichts der vorliegenden Erhebungen kann daran auch der Umstan d nichts ändern, dass im Dokumen- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tationsbogen für Erstkonsultationen nach kranio-zervikalem B eschleunigungstrauma nebst Na- ckenbeschwerden keine sonstigen Beschwerden angegeben wurden. 4.8 Im Weiteren ist davon auszugehen, dass der Versicher te beim fraglichen Sturzereignis eine Verletzung im Bereich der HWS erlitten hat, die auf einem dem Schleudertrauma äquiva- lenten Verletzungsmechanismus infolge Kopfanpralls beru ht. Daran vermag nichts zu ändern, dass das Gutachten der D.____ von der Diagnose einer HW S-Distorsion abgesehen hat. Zum einen bestätigen beinahe alle übrigen - insbesondere auch echtzeitlichen - ärztlichen Unterla- gen die Diagnose einer erlittenen HWS-Distorsion (vgl. ärztlicher Befundbericht von Dr. K.____ vom 23. Juli 2010; ärztlicher Bericht von Dr. K.____ vom 31. Juli 2010; Berichte des Spitals G.____ vom 25. August 2010 sowie 4. November 2010; neu ropsychologische Standortbestim- mung von I.____ vom 27. November 2010; ärztliche Begrü ndung des Gesuchs um Verlänge- rung der Kostengutsprache der Rehaklinik C.____ vom 19. Januar 2011; Austrittsbericht der Rehaklinik C.____ vom 17. März 2011). Zum anderen schlie sst selbst das D.____-Gutachten eine HWS-Distorsion nicht aus, sondern hält fest, dass eine HWS-Distorsion sehr wohl disku- tiert werden könne (vgl. Gutachten der D.____ vom 14 . Juni 2011, S. 38). Die in diesem Zu- sammenhang gegen das Vorliegen einer erlittenen HWS-D istorsion angestrengten Überlegun- gen der D.____-Gutachter können nicht überzeugen. Die Gutachter negieren die Diagnose ei- ner HWS-Distorsion mit dem Argument, dass es sich beim fraglichen Unfallereignis um eine seitliche Beschleunigung des Kopfes gehandelt haben müsse , welche durch das Aufschlagen des Kopfes gegen die Schulter limitiert worden sei (vgl. Gutachter der D.____ vom 14. Juni 2011, S. 38). Just dieser Vorgang aber stellt grundsät zlich jenen Mechanismus dar, wie er bei Verletzungen nach Schleudertrauma der HWS oder bei anderen, dem Schleudertrauma äquiva- lenten Verletzungen rechtsprechungsgemäss inhärent ist. Daran ändert auch nichts, dass ein allfälliges Aufschlagen des Kopfes gegen die Schulter al lenfalls abgefedert worden sei. So fin- det sich keinerlei Grundlage in den medizinischen Akten, dass der Bewegungsablauf im Detail so und nicht anders verlaufen wäre. Die entsprechende Re lativierung der D.____-Gutachter stellt somit lediglich eine These dar, welcher nicht ge folgt werden kann. Sie hat nichts mit der medizinischen Diagnostik durch die Ärzteschaft zu tun. Wenn die Gutachter der D.____ wie hier aber trotz eines - jedenfalls im Grundsatz - anerkannten Bewegungsmechanismus auf Thesen zurückgreifen, die aktenmässig keine Grundlage finden, w ird deren Aussagekraft diesbezüglich relativiert. Es ist in diesem Zusammenhang nicht mehr kla r erkennbar, ob die medizinischen Experten Beurteilungen in ihre Überlegungen miteinbe zogen haben, die mit der natürlichen Kausalität, wie sie rechtsprechungsgemäss bei Vorliegen einer HWS-Distorsion samt buntem Beschwerdebild erforderlich ist, nichts zu tun haben. Die s gilt umso mehr, als die Gutachter im Zusammenhang mit der Verneinung eines Schädel-Hirntr aumas auch das Vorliegen einer erlit- tenen HWS-Distorsion mit dem unzutreffenden Argument entkräften, es seien keine äusseren Verletzungen am Kopf oder sonstigen Körperteilen doku mentiert worden (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 37 f.). Dieser Aussage wid erspricht, dass der Berichterstattung anlässlich der Erstbehandlung zufolge oberflächliche Sc hürfungen an der linken Schläfe, der linken Wange, am linken Nasenflügel sowie eine oberflä chliche Verletzung mit Verkrustung der Unterlippe erhoben worden war (vgl. ärztlicher Befund bericht von Dr. K.____ vom 23. Juli 2010). Dieser echtzeitlich erhobene Befund deckt sich w iederum mit der zum Unfallhergang erhobenen Sachverhaltsdarstellung (vgl. Schadeninspektoren bericht der Beschwerdegegnerin Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 26. August 2010). Es kann an dieser Stelle deshalb dahingestellt bleiben, ob darüber hin- aus eigentliche Prellmarken vorhanden waren und weshal b anlässlich der notfallmässigen Hospitalisation am Unfalltag keine äusseren Verletzunge n im Kopf- und Halsbereich festgehal- ten worden waren (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 24). Tatsache ist, dass auf- grund der erwähnten Schürfungen ein mehr oder minde r starker Aufprall des Kopfes am Boden stattgefunden haben muss, demzufolge auch bei einer seit lichen Beschleunigung des Kopfes die Diagnose einer erlittenen HWS-Distorsion zu bestätig en ist. Im Hinblick auf das Vorliegen des rechtsprechungsgemäss erforderlichen bunten Beschwerde bilds nach einer erlittenen HWS-Distorsion ist damit von einem natürlichen Kausalzusamm enhang zwischen dem Unfall- ereignis vom 5. Juli 2010 und den hiernach geklagten Beschwerden auszugehen. 4.9.1 Der Beschwerdeführer vertritt die Ansicht, seine gesundheitlichen Beschwerden, nament- lich die nach wie vor geklagten Nackenbeschwerden, stünd en nicht nur in einem natürlichen, sondern auch in einem adäquat kausalen Zusammenhang zum Unfall vom 5. Juli 2010. Die Beschwerdegegnerin stellt sich demgegenüber auf den Sta ndpunkt, dass die natürliche Kausa- lität bereits vor Antritt des Rehabilitationsaufentha lts des Versicherten im Dezember 2010 weg- gefallen sei, so dass sie nicht für die entsprechenden Rehabilitationskosten aufkommen müsse. Sie beruft sich dabei auf das umfangreiche Gutachten de r D.____ vom 14. Juni 2011, das ei- gens zur Klärung der Kausalitätsfrage in Auftrag gege ben worden ist. Es ist an dieser Stelle in Erinnerung zu rufen, dass die einmal anerkannte Leistung spflicht des Unfallversicherers erst entfällt, wenn der krankhafte Gesundheitszustand, wie e r unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), mit dem Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit erreicht ist (vgl. oben, Ziffer 2.3). 4.9.2 Die Gutachter der D.____ gehen davon aus, dass abgesehen von einer höchstens wenige Wochen dauernden Phase nach dem Unfall keine der im Z eitpunkt der Begutachtung noch er- hobenen Befunde überwiegend wahrscheinlich in einem na türlichen Kausalzusammenhang mit dem fraglichen Unfallereignis gestanden hätten. Sie be gründen dies damit, dass eine HWS- Distorsion nicht eindeutig belegt sei bzw. mit überwieg ender Wahrscheinlichkeit kein Ausmass gehabt habe, um längerfristige Folgen im Sinne von S chmerzen und allenfalls damit assoziier- ten gesundheitlichen Störungen zu hinterlassen. So sei darauf hinzuweisen, dass bei einer re- levanten HWS-Verletzung die gravierendsten Symptome unm ittelbar nach einem Trauma und nicht erst im weiteren Verlauf auftreten würden (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 40 f. sowie S. 61 ad Frage 8.4 mit Verweis auf S. 47 ad Frage 6.1). Weil eine HWS-Distorsion nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sei, könnten bereits wenige Wochen nach dem Unfallereignis auch keine entsprechenden Beschwerde n mehr auf den Unfall zurückge- führt werden. Diese Begründung vermag nicht zu überzeugen. Es kann dabe i im Wesentlichen auf das so- eben Gesagte verwiesen werden, wonach aufgrund der echtzeitlich erhobenen Schürfungen am Kopf des Versicherten ein mehr oder minder starker Aufpr all des Kopfes am Boden stattgefun- den haben muss. Weil dieser Vorgang aber jenen Mechan ismus darstellt, wie er bei Verletzun- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen nach Schleudertrauma der HWS oder bei anderen, de m Schleudertrauma äquivalenten Verletzungen rechtsprechungsgemäss inhärent ist, ist von einer erlittenen HWS-Distorsion aus- zugehen (vgl. oben, Ziffer 4.8). Die dagegen vorgebrachte These der Gutachter, dass der Kopf- aufprall durch ein Aufschlagen an der Schulter limiti ert worden sei, findet keine Grundlage in den Akten. Damit bleibt unklar, ob die medizinischen Expe rten Beurteilungen in ihre Überlegun- gen miteinbezogen haben, die mit der natürlichen Kau salität, wie sie rechtsprechungsgemäss bei Vorliegen einer HWS-Distorsion samt buntem Beschwer debild erforderlich ist, nichts zu tun haben. Gleiches gilt für die Aussage der Gutachter der D.____, dass keine Elemente erkennbar seien, welche selbst unter der Annahme einer erlittenen HWS-Distorsion zu einer länger dau- ernden Symptomatik führen sollten. Auch diese Prämisse ist widersprüchlich: So kann bei HWS-Distorsionen rechtsprechungsgemäss gerade nicht davo n ausgegangen werden, dass sich diese innert weniger Wochen mit einer vollständige n Beschwerdefreiheit präsentieren. Bei einem Schleudertrauma der HWS ohne nachweisbare pathol ogische Befunde können funktio- nelle Ausfälle verschiedenster Art vielmehr auch noch Ja hre nach dem Unfall auftreten. Diese Erfahrungstatsache aber widerspricht der Aussage der Gut achter, dass die gravierendsten Symptome unmittelbar nach einem Trauma auftreten wür den. Den nach einer HWS-Distorsion erhobenen Befunden im Sinne des rechtsprechungsgemäss e rforderlichen bunten Beschwer- debilds ist zudem eigen, dass sie erfahrungsgemäss auch psychisch ausgelöst werden können. Auch wenn es gestützt auf die Einschätzung letztlich alle r involvierten Ärzte sicherlich zutrifft, dass mit zunehmenden Zeitablauf schon bald eine psychische Überlagerung eingetreten war, kann insofern auch die gutachterliche Aussage nicht über zeugen, dass die depressiven Ver- stimmungen des Versicherten am ehesten im Rahmen einer p sychosozialen Disposition zu in- terpretieren seien (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 44). 4.9.3 Das vom Beschwerdeführer erlittene HWS-Trauma ist jener Kategorie zuzuordnen, bei welcher gesundheitliche Beeinträchtigungen zwar organisch imponieren, denen aber ein orga- nisches Substrat im Sinne einer strukturellen Veränderun g fehlt (sog. Grad II; vgl. oben, Ziffer 3.2). Damit gehört der Versicherte zur grossen Mehrhei t jener "HWS- Schleudertraumapatienten", bei welchen gerade keine bi ldgebenden Erkenntnisse vorliegen, welche eine länger dauernde Symptomatik nachweisen könnte n. Hinzu tritt, dass bei diesen Patienten nicht anzunehmen ist, dass innert einer bestim mten, nur kurzen Frist wieder ein Sta- tus quo ante erreicht ist. Der in diesem Punkt nicht ü berzeugenden Schlussfolgerung der Gut- achter der D.____ ist deshalb zu widersprechen: Würde man bei sämtlichen HWS-Distorsionen, bei welchen die Verletzungen nicht oder nur mit Schwie rigkeiten erkennbar sind, innert weniger Monate oder gar Wochen einen Status quo ante annehme n, so würde dies letztlich zu einer unverhältnismässig starken Einschränkung der Anerkennung von entsprechenden Dauerbe- schwerden im Sinne des bunten Beschwerdebilds bei HWS-D istorsionen führen, was sich auch mit der mittlerweile in BGE 134 V 109 ff. präzisierte n Rechtsprechung nicht vereinbaren liesse. Überdies würde eine solche Argumentationsweise darauf hinauslaufen, dass bei all jenen Per- sonen, die eine HWS-Distorsion erlitten haben und glei chzeitig degenerative Veränderungen der HWS aufweisen, trotz persistierenden Beschwerden ein Status quo sine innert weniger Mo- naten angenommen werden könnte, währenddem bei jene n Versicherten, die keine solche de- generativen Veränderungen aufweisen, trotz fehlenden kl inischen Befunden ein Andauern der Kausalität gegeben wäre. Wenn die Gutachter der D.__ __ in diesem Zusammenhang aber den Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wegfall der natürlichen Kausalität mit der erwähnten Rechtsprechung zuwider laufenden Prä- missen begründen, beschlagen ihre Aussagen deren rechtli che Prüfung durch Verwaltung und Gerichte und nicht mehr deren medizinische Grundlagen (vgl. ebenso: Urteil des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG] vom 17. März 2005, seit 1 . Januar 2008 nunmehr Bundes- gericht, Sozialrechtliche Abteilungen, U 287/04, i.S. A., E. 6 ff.) . Auch wenn das Gutachten der D.____ für die weiteren Belange umfassend ist, auf er schöpfenden Untersuchungen des Versi- cherten beruht und in Würdigung der Vorakten sowie der Krankengeschichte alle geklagten Beschwerden berücksichtigt, sind die Darlegungen im Zusam menhang mit dem Wegfall der natürlichen Kausalität hingegen nicht kohärent. Damit muss auch die Schlussfolgerung, nach höchstens wenigen Wochen liege wieder ein Status quo a nte bzw. sine vor, als unbegründet qualifiziert werden. Soweit die Beschwerdegegnerin di e Ablehnung der Kostenübernahme für den Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Rehaklinik C. ____ mit dem Wegfall der natürli- chen Kausalität bereits wenige Wochen nach dem Unfall be gründet hat (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 61 ad Frage 8.4 mit Verweis auf S. 47 ad Frage 6.1), kann ihr demnach nicht gefolgt werden. 5.1 Damit bleibt zu prüfen, bis wann über den Zeitpun kt weniger Wochen nach dem fragli- chen Unfallereignis hinaus eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für Heilbehandlungen und allfällige Taggelder bestanden hat. Nach konstante r Rechtsprechung hat der Versicherer die Heilbehandlung und das Taggeld solange zu gewähre n, als von der Fortsetzung der ärztli- chen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesund heitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Ein stellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invali denrente und allenfalls auf eine Integri- tätsentschädigung abzuschliessen (vgl. BGE 134 V 109 E. 4. 3; BGE 133 V 57 E. 6.6.2 S. 64; BGE 128 V 169 E. 1b S. 171 mit Hinweisen; BGE 116 V 41 E. 2c S. 44; RKUV 1995 Nr. U 227 S. 190, E. 2a, U 29/95; Urteil des EVG, U 244/04, vom 20. Mai 2005, E. 2, nicht publ. in: RKUV 2005 Nr. U 557 S. 388; siehe auch RKUV 2006 Nr. U 571 S. 82, U 294/04). Solange von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namha fte Besserung erwartet werden kann, ist es dem Unfallversicherer daher verwehrt, den Behandlu ngsabschluss herbeizuführen (vgl. Urteil H. des EVG vom 10. Januar 2005, U 269/04, E. 1.3). Umgekehrt ist es nicht Sache der versicherten Person, den Erfolg von Heilungsmassnahmen zu beurteilen. Wenn mit der er- forderlichen Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserun g des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann, ändert deshalb auch die Geltendm achung andauernder Schmerzen nichts an der Tatsache, dass ein Anspruch auf eine weiterf ührende Behandlung nicht mehr be- steht und der Unfallversicherer den Fallabschluss vorzunehmen hat (vgl. A LEXANDRA RUMO - JUNGO , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsr echt, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Art. 19, Zürich/Basel/Genf 2003, S. 145). Die Frage nach dem Ab- schluss des normalen unfallbedingten Heilungsprozesses ist im Einzelfall unter Würdigung der gesamten medizinischen Aktenlage zu prüfen und kann nicht für alle Versicherten, die eine be- stimmte Verletzung erlitten haben, gleich beantwortet werden (vgl. Urteil K. vom 11. Februar 2004 E. 2.4, U 246/03; Urteil A. vom 6. November 200 1 E. 3, U 8/00). Die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber verdeutlicht, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung jedenfalls ins Gewicht fallen muss . Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (vgl. Urteile U 244/04 vom 20. Mai 2005, E. 2, nicht publ. in: RKUV 2005 Nr. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht U 557 S. 388, und U 412/00 vom 5. Juli 2001, E. 2a; ALFRED MAURER, Schweizerisches Un- fallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 274). 5.2 Eine Würdigung der massgebenden Akten ergibt, dass i m Zeitpunkt des Rehabilitations- antritts weiterhin eine massgebende Regredienz der be klagten Beschwerden erwartet werden konnte. So wurde nach zunächst ambulanter physiotherapeut ischer Betreuung und Therapie bereits anfangs November 2010 ein stationärer Rehabi litationsaufenthalt in C.____ erwogen (vgl. Bericht des Spitals G.____ vom 4. November 2011) . Ein solcher Rehabilitationsaufenthalt wurde in der Folge auch durch den begutachtenden Neu ropsychologen unterstützt. Dessen Bericht ist zu entnehmen, dass die effektive Arbeitsfähig keit erst nach Ausschöpfung des The- rapiepotentials beurteilt werden könne. Dabei sei ein e Verbesserung der mittelschwer beein- trächtigten kognitiven Leistungen zu erwarten (vgl. n europsychologische Standortbestimmung von I.____ vom 27. November 2010). Entgegen der von der Beschwerdegegnerin und den Gut- achtern der D.____ vertretenen Meinung kann schliesslich a uch nicht davon gesprochen wer- den, die fragliche Rehabilitation habe keine objektivie rbaren Fortschritte gebracht (vgl. Gut- achten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 52, ad Frage 8). A ufgrund der Akten ist erstellt, dass die Rehabilitation nach bereits einigen Wochen einen sehr positiven Verlauf genommen hatte, eine weiterführende interdisziplinäre Behandlung nicht dest o trotz weiterhin nur in stationärem Rah- men gewährleistet werden könne (vgl. ärztliche Begründung des Gesuchs um Verlängerung der Kostengutsprache der Rehaklinik C.____ vom 19. Januar 201 1). Nachdem der Versicherte vor dem Antritt seiner Rehabilitation noch starke Nackenbesch werden beklagt hatte und hiergegen eine intensive physiotherapeutische Behandlung auf zunächst ambulanter Basis eingeleitet worden war (vgl. Bericht des SPITAL G.____ vom 4. November 2011), war im Austrittszeitpunkt nach rund drei Monaten keine relevante Einschränkung der Beweglichkeit von HWS und Schul- ter mehr zu verzeichnen. Ebenso wenig wurde eine Fortsetzung der zuvor noch intensiv geführ- ten ambulanten Therapie als notwendig erachtet (vgl. Austrittsbericht der Rehaklinik C.____ vom 17. März 2011). Nichts anderes ergibt sich aus dem psychiatrischen Bericht der Rehaklinik C.____ gleichen Datums, wonach der Versicherte gute For tschritte erzielt habe und keine wei- tergehende Physiotherapie mehr indiziert sei (vgl. a.a. O., S. 3). Angesichts dieser Aktenlage kann mitnichten davon gesprochen werden, der fragliche A ufenthalt in C.____ sei unfallbedingt nicht indiziert gewesen, weil keine namhafte Verbesserun g der gesundheitlichen Verhältnisse mehr zu erwarten gewesen wäre. Daran vermag auch die vertrauensärztliche Stellungnahme der Beschwerdegegnerin nichts zu ändern, wonach die Reh abilitation abzulehnen sei, weil eine stationäre Massnahme der Chronifizierungstendenz Vorschub l eisten werde. So ist darauf hin- zuweisen, dass die Rehabilitation sowohl von dem behandel nden Rheumatologen als auch von dem begutachtenden Neuropsychologen letztlich just wege n drohender Chronifizierung des Krankheitsbildes empfohlen worden war (vgl. Bericht d es Spitals G.____ vom 4. November 2011; neuropsychologische Standortbestimmung von I.____ vom 27. November 2010). 5.3 Eine Chronifizierung der mittlerweile noch immer geklagten Beschwerden trat erst nach dem Austritt aus der Rehaklinik C.____ ein. Erst danach bestätigte sich in psychiatrischer Hin- sicht eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi schen Faktoren (vgl. psychi- atrischer Bericht der Rehaklinik C.____ vom 17. März 2011 ) und konnte eine anhaltende Ten- denz zum dysfunktionalen Umgang mit den Schmerzen und de n resultierenden Beeinträchti- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungen erhoben werden (vgl. Austrittsbericht der Rehakl inik C.____ vom 17. März 2011). Aus orthopädischer und neurologischer Sicht wurde ebenfal ls erst anlässlich der Rehabilitation eine behandlungsbedürftige Pathologie ausgeschlossen (vgl. a.a.O., S. 3). Diese Befunde wurden in der Folge durch die mit Ausnahme der erwähnten Widersp rüche im Übrigen kohärenten und umfassenden Begutachtungsergebnisse der D.____ bestätig t, welche im Juni 2011 erstmals in interdisziplinärer und mithin umfassender Weise zum Erg ebnis gelangte, dass aufgrund des Unfalls weder eine Arbeitsunfähigkeit bestehe noch eine weiterführende Heilbehandlung nötig sei (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 52 un d 60, jeweils ad Frage 8). Erst anläss- lich dieser abschliessenden Begutachtung konnten auch fu nktionelle Einschränkungen in Form eines reduzierten Ausmasses der Rotations- respektive Flexio ns- und Extensionsbewegungen ausgeschlossen werden (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Jun i 2011, S. 44). Hinsichtlich des teilweise noch weiterhin vorhandenen und auf den Unf all zurückzuführenden Beschwerdekom- plexes war somit erst im Zeitpunkt der Begutachtung durch die D.____ im Juni 2011 keine namhafte Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse mehr zu erwarten. Ist demnach erst in diesem Zeitpunkt von einem Abschluss des normalen, un fallbedingten erforderlichen Hei- lungsprozesses auszugehen, erweist sich der Fallabschluss En de Juni 2011 als zutreffend. Damit ist zugleich gesagt, dass ab diesem Zeitpunkt wed er weitere Heilbehandlungen noch Taggelder geschuldet waren. Soweit deren Übernahme ü ber diesen Zeitpunkt hinaus geltend gemacht wird, muss die Beschwerde daher abgewiesen werde n. Was die Ablehnung der Kos- tenübernahme für den Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Rehaklinik C.____ betrifft, ist die Beschwerde hingegen teilweise gutzuheissen (vgl. oben, Ziffer 4.9 a.E.). 5.4 Anzufügen bleibt, dass unabhängig vom Vorliegen ei nes adäquaten Kausalzusammen- hangs weder eine Rente noch eine Integritätsentschädigun g geschuldet ist. So ist ein Integri- tätsschaden weder geltend gemacht noch ausgewiesen (vgl. Gutachten D.____ vom 14. Juni 2011, S. 53 f.). Nicht anders verhält es sich hinsichtlich eines allfälligen Rentenanspruchs. Zu- mal eine Rente nach Art. 18 UVG eine Invalidität von mindestens 10% voraussetzt, können mangels Nachweises einer relevanten Arbeitsunfähigkeit sowohl ein Rentenanspruch und die in diesem Zusammenhang zu prüfende Frage der adäquaten Kausalität offen bleiben. 6. Zusammenfassend liegen keine organisch nachweisbaren G esundheitsschäden im Sinne von strukturellen Veränderungen im Bereich der HWS vo r. Auch wenn das für ein Schleuder- trauma typische Beschwerdebild vorgelegen hat und die n atürliche Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 5. Juli 2010 und den im Zusammenha ng mit der hierbei erlittenen HWS- Distorsion beklagten Beschwerden zu bejahen ist, war mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erst im Zeitpunkt der abschliessenden Begutachtung der D._ ___ keine namhafte Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse mehr zu erwarten. Wa r die Beschwerdegegnerin mithin erst per Ende Juni 2011 befugt, den Fallabschluss vorzunehmen, hat sie die bis zu diesem Zeit- punkt angefallenen Heilbehandlungen zu übernehmen. Si e ist demnach verpflichtet, auch für die Kosten des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Re haklinik C.____ zwischen dem 23. Dezember 2010 und 17. März 2011 aufzukommen. Weit ergehende Leistungsansprüche gegenüber dem Unfallversicherer sind nicht ausgewiesen. Eine über Juni 2011 hinausgehende Leistungspflicht der SUVA ist unter diesen Umständen zu verneinen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Auf die E rhebung von Verfahrenskosten ist gemäss Art. 61 lit. a ATSG zu verzichten. Gemäss Art. 61 l it. g ATSG hat die obsiegende Be- schwerde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parte ikosten. Dem Ausgang des Verfah- rens entsprechend ist dem Versicherten folglich eine Par teientschädigung zu Lasten der AXA zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wei st in seiner Honorarnote vom 21. Juni 2012 für das vorliegende Beschwerdeverfahren ei nen Zeitaufwand von 9,77 Stunden sowie Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 190.50 au s, was umfangmässig nicht zu bean- standen ist. Dem Versicherten ist deshalb eine Parteient schädigung in der Höhe von Fr. 2'843.65 (9,77 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 190.50 zuzüglich 8 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der AXA zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werden der Einspracheent- scheid der AXA Winterthur vom 28. Februar 2012 sowie de ren Verfü- gung vom 25. Juli 2011 aufgehoben und die AXA Winter thur wird ver- pflichtet, die Kosten des stationären Aufenthalts des B eschwerdefüh- rers in der Rehaklinik C.____ in der Zeit vom 23. Dezem ber 2010 bis 17. März 2011 zu übernehmen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die AXA Winterthur hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 2'843.65 (inkl. Auslagen und 8 % Mehr- wertsteuer) auszurichten. Gegen diesen Entscheid wurde am 30. November 2012 Beschwerde beim Bundesgericht erho- ben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren N° 8C_970/2012 ).