B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4668/2021 U r t e i l v o m 9 . N o v e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Chiara Piras (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Alexandre Mwanza, Migrant ARC-EN-CIEL, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. September 2021 / N (…). D-4668/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess A._______ (nachfolgend: der Be- schwerdeführer), ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus der Nordprovinz stammend, am 1. Februar 2021 sein Heimatland. Am 12. Juli 2021 reiste er in die Schweiz ein, stellte gleichentags ein Asylge- such und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (…) zugewie- sen. Am 15. Juli 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. A.b Der Beschwerdeführer wurde am 13. August 2021, am 14. September 2021 sowie am 15. September 2021 zu seinen Asylgründen befragt. A.c Zu seinem Lebenslauf legte der Beschwerdeführer dar, dass er mit den Eltern, seiner jüngeren Schwester und seinem jüngeren Bruder in B._______ aufgewachsen sei. Er habe während elf Jahren die Schule be- sucht und daneben regelmässig Privatunterricht erhalten. Er habe auch öf- ters seinem Vater in dessen (…)geschäft ausgeholfen. A.d Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, sein Vater sei während des Bürgerkriegs Kämpfer bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen. Er und seine Fami- lie seien damals mehrmals vertrieben worden und hätten zuletzt im Flücht- lingslager in C._______ gelebt, bis sie gegen eine Lösegeldzahlung freige- kommen seien. Zu dieser Zeit sei er ungefähr fünf Jahre alt gewesen und habe zahlreiche Leichen gesehen. Diese Erinnerungen hätten ihn später immer wieder belastet. Deshalb habe er an insgesamt zwei Märtyrertag- kundgebungen teilgenommen und für die Rechte der Tamilen gekämpft. Im Januar 2021 habe ihn ein Bekannter respektive ein Kollege angerufen und ihm erzählt, dass Armeeangehörige ein bestehendes Denkmal für die Opfer von C._______ auf dem Gelände der D._______-Universität zerstö- ren wollten. In der Folge sei er dorthin gefahren und habe an der Demonst- ration teilgenommen. Die dort anwesenden Soldaten und Polizisten hätten versucht, die Demonstration aufzulösen, wobei es schliesslich zu einem Handgemenge gekommen sei und er von einem Armeesoldaten zu Boden gestossen worden sei. Da sei er wütend geworden und habe den Soldaten angegriffen und niedergeschlagen. Daraufhin seien er und zwei weitere Demonstrierende festgenomme n und zu einem Polizeiposten in D._______ gebracht worden. Man habe sie zusammen in einen Raum ein- gesperrt. Später seien Polizisten erschienen und hätten sie wahllos wäh- rend ungefähr zehn Minuten mit einem Holzknüppel, mit den Händen und D-4668/2021 Seite 3 den Füssen malträtiert. Währenddessen hätten sich zahlreiche Personen vor dem Polizeiposten versammelt und für ihre Freilassung demonstriert. Aufgrund dieser Intervention habe man sie am nächsten Tag respektive nach einer Stunde wieder freigelassen. Einige Tage später, am 12. Januar 2021, sei er auf dem Nachhauseweg von vier Männern auf zwei Motorrä- dern dazu gedrängt worden, aufzusteigen und mit ihnen mitzufahren. Er sei davon ausgegangen, dass es sich um Sicherheitskräfte handle und sei geflohen. Aus Angst vor weiteren Problemen sei er deshalb zu seinem On- kel nach E._______ gegangen. Bereits einen Tag danach hätten unifor- mierte Armeesoldaten in seinem Elternhaus seine Mutter bedrängt und be- droht, damit sie seinen A ufenthaltsort preisgebe. Nachdem seine Mutter ihn respektive seinen Onkel informiert habe, habe er sich aus Sicherheits- gründen ab dem 12. Januar 2021 während ungefähr 18 Tagen bei seinem Onkel versteckt. Zwischenzeitlich hätten sich Soldaten und Polizisten unter Bedrängungen und Drohungen mehrmals bei den Eltern nach seinem Ver- bleib erkundigt. Aus diesen Gründen habe er schliesslich Sri Lanka mittels eines Reisepasses auf dem Luftweg über Abu Dhabi und eine ihm unbe- kannte Stadt in der Türkei verlassen. Nach seiner Ausreise seien noch ei- nige Male Soldaten und Polizisten zum Elternhaus des Beschwerdeführers gekommen und hätten seine Familie bedroht. Seine Mutter und seine Ge- schwister würden aktuell bei der Grossmutter wohnen. Sein Vater über- nachte in seinem Geschäft. Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seiner Geburtsurkunde inklusive einer Übersetzung in englischer Sprache, eine Kopie seiner Identitätskarte, ein als "Affidvit" bezeichnetes Schreiben vom 14. September 2021 und fünf Fotos zu den Akten. Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. A.e Mit Eingabe vom 16. September 2021 ersuchte die damalige Rechts- vertretung beim SEM um eine umfassende und sofortige medi zinische Sachverhaltsabklärung des Beschwerdeführers. B. Am 24. September 2021 nahm der Beschwerdeführer – handelnd durch seine damalige Rechtsvertretung – zum ihm zuvor ausgehändigten Ent- scheidentwurf Stellung. D-4668/2021 Seite 4 C. Mit Verfügung vom 27. September 2021 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegwei- sung aus der Schweiz an und verfügte den Vollzug. Er sei verpflichtet, die Schweiz sowie den Schengenraum am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Sodann wurden ihm die editionspflichtigen Ak- ten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt. D. Mit Eingabe vom 5. Oktober 2021 legte die damalige Rechtsvertretung ihr Mandat nieder. E. Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe seines neuen Rechtsvertreters vom 25. Oktober 2021 (Datum Poststempel) die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung vom 27. Sep- tember 2021 sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen u nd ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei ihm die vorläufige Aufnahme zu ge- währen. Weiter beantragte er die aufschiebende Wirkung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent geltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiord- nung einer amtlichen Rechtsverbeiständung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge- richt vom 17. Ju ni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal- tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge- setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge- biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor- liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül- tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; D-4668/2021 Seite 5 SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Z iff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig ent- scheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschw erde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist somit einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung mit drei Richtern beziehungsweise drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schrif- tenwechsels verzichtet werden. 4. 4.1 Im vorli egend zu beurteilenden Fall ist zunächst umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerde- führers und in der Folge seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. 4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-4668/2021 Seite 6 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 In der Stellungnahme zum Entscheidentwurf erklärte der Beschwerde- führer im Wesentlichen, er habe nach seinem besten Wissen und Gewis- sen sowie wahrheitsgetreu seine Fluchtgründe dargelegt und sich anläss- lich der beiden Anhörungen nicht widersprochen, und führte aus, er könne die verschiedenen heimatlichen Sicherheitsorgane nicht voneinander ab- grenzen, ausserdem sähen die Uniformen von Polizisten und Soldaten ähnlich aus, so dass es zu unklaren Angaben diesbezüglich gekommen sei. Auch habe er sich nicht mehr genau daran erinnern können, wie lange er festgehalten worden sei, weil er nach den Schlägen das Zeitgefühl ver- loren habe. Hinsichtlich s einer angeblich divergierenden Angabe, wo das Denkmal Mulliwaikkal Memorial stehe, sei anzumerken, dass er überein- stimmend an beiden Anhörungen ausgeführt habe, dass sich dieses am Gelände der D._______-Universität befinde. Sodann sei zu berücksichti- gen, dass er trotz seiner guten Bildung jung und unerfahren sei und über einen beschränkten Wortschatz verfüge. Diese Umstände wirkten sich ne- gativ auf sein Aussageverhalten aus und liessen seine Schilderungen rund um die Demonstration vom Januar 2021 als vage erscheinen. Auch hätten seine starken Kopfschmerzen einen Einfluss auf sein Aussageverhalten gehabt. Zudem seien in der heutigen Zeit tamilische Personen immer noch täglichen Menschenrechtsverletzungen dur ch die Behörden ausgesetzt . Bei einer Rückkehr fürchte er um sein Leben. 5.2 Die V orinstanz begründete ihren Entscheid im W esentlichen damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers widersprüchlich, teilweise tat- sachenwidrig oder realitätsfremd , ausgefallen seien, weshalb an der Glaubhaftigkeit seiner Fluchtgründe gezweifelt werde. Insbesondere seine Schilderungen zum Ort des Geschehens, zum Erhalt der Informationen über die Demonstration, zu den ihn verhaftenden Personen und zu seiner eigenen Teilnahme seien offensichtlich inkonsistent ausgefallen. So habe er zuerst dargelegt, dass die Polizei ihn unmittelbar nach dem Vorfall ver- haftet habe, wo hingegen er bei der zw eiten Anhörung ausgeführt habe, zuerst von Armeeangehörigen in Gewahrsam genommen und erst danach D-4668/2021 Seite 7 der Polizei übergeben worden zu sein. Seine Erklärung, zuerst von Solda- ten festgehalten und danach der Polizei übergeben worden zu se in, weil erstere keine Kompetenz hätten, Personen zu verhaften, überzeuge nicht. Gemäss allgemein zugänglichen Quellen habe die Demonstration tatsäch- lich stattgefunden, jedoch seien Demonstrierende von Angehörigen der Special Task Force (eine Spezialeinheit der sri-lankischen Polizei) festge- nommen und nach Zahlung einer Kaution wieder freigelassen worden . Diese Beschreibungen stünden im Widerspruch zu den Aussagen des Be- schwerdeführers. Zum Ort, wo die Demonstration stattgefunden habe, habe er in der ersten Anhörung erzählt, dass sie sich innerhalb des Univer- sitätsgebäudes abgespielt habe, wohingegen er danach dargelegt habe, die Kundgebung habe ausserhalb stattgefunden. Ausserdem seien seine diesbezüglichen Schilderungen wenig präzise au sgefallen. Des Weiteren habe es Widersprüche bezüglich der Haftdauer gegeben. In einer Version habe er geschildert, während einer ganzen Nacht festgehalten worden zu sein, um später zu erklären, er sei lediglich eine Stunde eingesperrt gewe- sen. Auch im Zus ammenhang mit dem Entführungsversuch sei es zu wi- dersprüchlichen Angaben gekommen; einmal sei er von den vier Personen auf dem Motorrad körperlich, in einer weiteren Version lediglich verbal be- drängt und bedroht worden. Zudem habe er nicht schlüssig erklär en kön- nen, wie er vor ihnen habe flüchten können. Insgesamt würden die Schil- derungen zu seinen Fluchtgründen nicht überzeugen, da sie undetailliert, realitätsfern und konstruiert ausgefallen seien. Es falle auf, dass jegliche Realkennzeichen fehlen würden. Des Weiteren überzeuge seine Erklä- rung, er habe keine Entlassungspapiere erhalten, weil die sri -lankischen Behörden jungen Personen keine Dokumente ausstellen würden , nicht. Schliesslich seien die eingereichten Fotos ungeeignet, ein behördliches In- teresse an ihm zu belegen. Die als "Affidvit" bezeichnete Kopie sei als Ge- fälligkeitsschreiben zu betrachten und könne nicht auf deren Echtheit über- prüft werden. Auch unter der Annahme, seine Schilderungen hätten sich wie von ihm dargestellt zugetragen, müsse von einer legitimen Strafverfolgung ausge- gangen werden, zumal er aufgrund eines körperlichen Angriffs auf einen Beamten in Ausübung dessen Berufs festgenommen worden sei. Eine ille- gale Ausreise oder eine allfällige daraus resultierende Strafuntersuc hung sei asylrechtlich nicht relevant. Ausserdem habe er wegen seinen Teilnah- men an den beiden Märtyrertagkundgebungen und wegen der LTTE -Ver- gangenheit seines Vaters keine Nachteile erfahren. Obwohl er mehrmals nach einer allfälligen Rehabilitation seines Vaters nach Kriegsende gefragt D-4668/2021 Seite 8 worden sei, habe er diesen Begriff auch nach Erklär ungsversuchen nicht gekannt, was nicht nachvollziehbar sei. 5.3 Der Beschwerdeführer monierte demgegenüber, die Vorinstanz schweife insgesamt in ihren Begründungen zur Glaubhaftigkeit vom We- sentlichen ab. Er habe seine Fluchtgründe sehr wohl detailliert und glaub- haft dargelegt. Die vori nstanzlichen Argumente würden insgesamt jeder Logik und Realität entbehren und den gesetzlichen Anforderungen entge- genstehen, da sie in keinem di rekten Zusammenhang mit dem vorliegen- den Fall stünden. Zudem würden sie sich auf die Interpretationen eines singhalesisch-deutschsprechenden Dolmetschers stützen, welcher bei der Übersetzung frei und subjektiv interpretiert habe. Die Argumentationen zu den angeblichen Widersprüchen seien ebenso wenig nachvollziehbar, wie die Begründung, dass einige seiner Schilderungen tatsachenwidrig und re- alitätsfremd seien, wenn sie in den wesentlichen Punkten den gesicherten Erkenntnissen des SEM widersprechen würden. Sodann könne nicht nach- vollzogen werden, weshalb die eingereichten F otos und das Schreiben vom 14. September 2021 über keinen Beweiswert verfügten. Vielmehr sei daraus ersichtlich, dass seine Familie in Sri Lanka wegen ihm weiterhin bedroht werde. Des Weiteren sei aufgrund seiner glaubhaften Aussagen festzustellen, dass er verfolgt worden sei und bei einer Rückkehr ins Heimatland nach dem Machtwechsel der Regierung eine zukünftige Gefahr vor V erfolgung bestehe. Religiöse und ethnische Minderheiten, wie die tamilische Bevöl- kerung, seien erneut einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt, wobei eine Kollektivverfolgung nicht ausgeschlossen werden könne. 6. 6.1 In Bezug auf die Glaubhaftigkeit ist zunächst darauf hinzuweisen, dass Vorbringen grundsätzlich dann glaubhaft sind, wenn sie genügend sub- stanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsu- chende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet D-4668/2021 Seite 9 nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten B eweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände geg en die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 6.2 Einleitend ist festzu stellen, dass die Vorinstanz ausführlich und über- zeugend darlegte, weshalb dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden kann, dass er in Sri Lanka in asylrechtlich relevanter Weise verfolgt wurde. Dabei hat sie sich auf die jeweiligen Stellen aus dem Protokoll gestützt und insbesondere sehr ausführlich aufgezeigt, weshalb seine Schilderunge n widersprüchlich oder vage respektive realitätsfern ausgefallen sind. Dem Vorhalt des Beschwerdeführers, die vorinstanzliche Begründung stehe in keinem Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall, kann nicht gefolgt wer- den, zumal er auch keine stichhaltigen Argumente für diese Annahme nen- nen konnte. Im Besonderen sticht der Widerspruch zur Haftdauer ins Auge, wonach der Beschwerdeführer bei der ersten Anhörung zu Protokoll gab, während einer ganzen Nacht festgehalten worden zu sein, um einen Monat später an der weiteren Anhörung zu erklären, lediglich eine Stunde auf dem Polizeiposten verbracht zu haben. Angesichts der kurzen Zeitspanne zwi- schen dem geschilderten Ereignis seiner Festnahme und der Anhörung wäre zu erwarten gewesen, dass er sich widerspruchsfrei an die Dauer seiner Festnahme erinnern kann, da es sich dabei um ein zentrales Asyl- vorbringen handelt. Die Begründung, dass er sich an der Anhörung nicht wohl fühlte und an Kopfschmerzen litt, kann einen derart zentralen Wider- spruch nicht erklären. Sodann fällt auf, dass seine Ausführungen insge- samt sehr oberflächlich, vage und ohne das Vorhandensein von Realkenn- zeichen ausgefallen sind. So konnte er die genauen Umstände seiner Haft und die anschliessenden Misshandlungen nicht näher beschreiben, son- dern verblieb auch bei Nachfrage und der Bitte, möglichst detailliert zu er- zählen, in seinen Schilderungen plakativ und unpersönlich (vgl. SEM-Akte D-4668/2021 Seite 10 17/15, F84, F87-100; SEM-Akte 21/15, F16-27, F32-44). Auch seine Aus- führungen zur Demonstration fielen in ähnlicher Weise unsubstanziiert und ohne erkennbare Details oder Realkennzeichen aus. Insbesondere er- scheint es nicht glaubhaft, dass er anlä sslich einer Demonstration einen bewaffneten Soldaten, welcher in Begleitung mehrerer Berufskollegen ge- wesen sei, tätlich angegriffen haben soll. Der Vorfall vom 12. Januar 2021, anlässlich welchem er durch vier Personen auf zwei Motorrädern bedrängt worden sein soll, erscheint zwar nicht gänzlich unglaubhaft und ist durch- aus möglich. Dass e r sich diesen Personen durch Wegrennen entziehen konnte, erscheint jedoch nicht nachvollziehbar, zumal ein Motorrad ihn wohl problemlos innert Kürze hätte einholen können. Zudem handelt es sich gemäss seinen Schilderungen um reine Mutmassungen, wenn er be- hauptet, diese vier Personen seien Beamte gewesen (vgl. SEM -Akte 21/15, F96). Die Erklärung, er verfüge aufgrund seines jungen Alters über einen beschränkten Wortschatz und habe zudem während der Anhörung an Kopfschmerzen gelitten, vermögen nicht zu überzeugen und können weder die entstandenen Widersprüche noch die Substanzlosigkeit seiner Schilderungen erklären. Auch konnte der Beschwerdeführer die Rüge, die Begründung des angefochtenen Entscheids stünde in keinem direkten Zu- sammenhang mit dem vorliegenden Fall und entbehre jeder Logik und Re- alität, mit keinem stichhaltigen Argument untermauern. Um Wiederholun- gen zu den einzelnen Punkten respektive den Widersprüchen und den Un- glaubhaftigkeitselementen zu vermeiden, ist auf die ausführlich begründete vorinstanzliche Verfügung zu verweisen , welcher sich das Gericht an- schliesst. 6.3 Ferner hat sich die Vorinstanz auch mit den eingereichten Beweismit- teln auseinandergesetzt und ist dabei – zu Recht – zum Schluss gekom- men, dass diese nicht tauglich sind, um eine allfällige Verfolgung des Be- schwerdeführers zu belegen. Seine Begründung, dass sich die Vorinstanz auf fehlende Datenangaben der Fotos gestützt habe, um die selbigen als untaugliche Beweismittel zu bezeichnen, geht fehl, zumal es unklar bleibt, wo und zu welchem Anlass die Aufnahmen erfolgten. Zudem sind die auf den Fotos sichtbaren Personen nicht identifizierbar, und es kann nicht fest- gestellt werden, ob es sich dabei tatsächlich um die Familienangehörigen des Beschwerdeführers oder um andere beliebige Personen handelt. Hin- sichtlich des fehlenden Beweiswerts des Schreibens ist auf die Erklärung der vorinstanzlichen Verfügung zu verweisen. D-4668/2021 Seite 11 6.4 Sodann ist nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer – ohne wei- tere diesbezügliche Argumente anzubringen – beanstandete, die Begrün- dung der Vorinstanz stütze sich auf interpretierte Aussagen eines singha- lesisch-deutschen Dolmetschers. Aus den Anhörungsprotokollen geht ein- deutig hervor, dass die PA sowie die beiden Anhörungen zu den Asylgrün- den in tamilischer Sprache stattgefunden haben. Ergänzend ist den Proto- kollen zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bestätigte, den jewe ili- gen Dolmetscher gut verstanden zu haben (vgl. SEM-Akten 12/2, S. 2 un- ten; 17/15, F1, S. 15; 21/15, F1, F104, S. 15). 6.5 Insgesamt kommt das Gericht zum Schluss, dass es dem Beschwer- deführer nicht gelungen ist, seine Fluchtgründe glaubhaft darzulegen. 7. Im Übrigen ist der Vorinstanz auch im Punkt der fehlenden Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers beizupflichten. Auch bei Wahrun- terstellung, dass der Beschwerdeführer nach einem körperlichen Angriff auf einen Soldaten festgenommen worden war, muss davon ausgegangen werden, dass diese Festnahme aus rechtstaatlich legitimen Gründen er- folgte, welche keine Asylrelevanz zu entfalten vermag . Da er nach einer Nacht respektive einer Stunde wieder freigelassen worden war, ohne dass ihm weitere Konsequenzen angedroht worden waren, ist auch nicht von einer ungerechtfertigten Behandlung auszugehen. 8. 8.1 Es bleibt vorliegend zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch seine Ausreise oder wegen seines Verhaltens nach seiner Ausreise bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb die Flücht- lingseigenschaft festzustellen wäre. 8.2 Gemäss Art. 54 AsylG wird Flücht lingen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründe). Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen werden als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Mass- gebend ist dabei, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsu- chenden Person als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei ei- ner Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinn e von Art. 3 D-4668/2021 Seite 12 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nach- weis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1). 8.3 Vorliegend kam die Vorinstanz zu Recht zum Schluss, es bestehe auf- grund der Angaben des Beschwerdeführers kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungs- massnahmen ausgesetzt sein werde. De r Beschwerdeführer weist keine Risikofaktoren im Sinne des Referenzurteils E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 auf. Nach der Einschätzung des Gerichts hat der Beschwerdeführer vorliegend keine Massnahmen zu befürchten, die über einen sogenannten Background Check (Befragungen, Überprüfung von Auslandsaufenthalten und Tätigkeiten in Sri Lanka und im Ausland) hinausgehen. Daher hat der Beschwerdeführer auch nicht zu befürchten , in Zukunft ins Visier der sri - lankischen Sicherheitskräfte zu geraten. 8.4 Dies gilt auch un ter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Be- schwerdeführer lediglich über eine Kopie seiner Identitätskarte verfügt. Zu- dem legte er dar, legal mit einem auf seinen Namen ausgestellten Pass problemlos ausgereist zu sein (vgl. SEM-Akten 8/6, F4.02 und 17/15, F49, F59). Alleine aus dem Fehlen ordentlicher Identitätspapiere kann er k eine Gefährdung ableiten. Dieser schwach risikobegründende Faktor, ist nicht zur Annahme geeignet, dass er bei einer Rückkehr von den sri-lankischen Behörden als Bedrohung wahrgenommen würde und ihm ernsthafte Nach- teile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnten. Weiter sind Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht gener ell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl. Ur- teil des BVGer E-1866/2015 E. 8.3). 8.5 In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dann a m 16. No- vember 2019 Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas ge- wählt wurde (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Raja- paksa-Clan an die Macht zurück, 17. November 2019; https://www.the- guardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapa- ksa-premadas-count-continues, abgerufen am 2. November 2021). Gota- baya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsi- denten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Ver- teidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zu-D-4668/2021 Seite 13 dem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegs- verbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch [HRW]: World Report 2020 – Sri Lanka, 14. Januar 2020). Beobachter und ethnische oder religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Men- schenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schwe izerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21. November 2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3. März 2020). Das Bundesverwaltungs- gericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Ent- scheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Perso- nen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwal- tungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16. Februar 2020). Dennoch gibt es zum heu- tigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschafts- wahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. 8.6 Vorliegend konnte der Beschwerdeführer weder glaubhaft machen, von den heimatlichen Behörden verfolgt worden zu sein, noch konnte er einen persönlichen Bezug zum Machtwechsel an der Spitze der sri -lankischen Regierung aufzeigen, sondern verwies lediglich in pauschaler Weise auf die politischen Veränderungen in Sri Lanka. Auch vor diesem Hintergrund ist das Vorhandensein eines Risikoprofils zu verneinen und es ist nicht da- von auszugehen, dass ihm bei einer Rückkehr durch die sri-lankischen Be- hörden eine Gefahr vor einer asylbegründenden Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG droht oder drohen könnte. 9. Zusammenfassend ist festzustellen, dass d ie Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylge- such abgelehnt hat. D-4668/2021 Seite 14 10. 10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 10.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 11. 11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Auslände- rinnen und Ausländer und über die Integration [AIG; SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 11.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrige nde Beh andlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter D-4668/2021 Seite 15 oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 11.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat do rt mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR ) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr (real risk) nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer , 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 11.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä- ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien vom 31. Mai 2011, 41178/08; T.N. gegen Dänemark vom 20. Januar 2011, 20594/08; P .K. gegen Däne- mark vom 20. Januar 2011, 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien vom 17. Juli 2008, 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge- gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Be-D-4668/2021 Seite 16 schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann- ten Background Check hinausgehen würden, oder dass er persönlich ge- fährdet wäre. 11.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 11.6 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge- walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenzur- teilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei- sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie- gen von individuellen Zumut barkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan- densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so- wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 E. 13.2 ff. und Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 11.7 Im Zusammenhang mit einer medizinischen Notlage kann nur dann auf Unzumutbarkeit geschlossen werden, wenn eine notwendige medizini- sche Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rück- kehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Ge- sundheitszustandes der betroffenen Person führt. Dabei wird als wesent- lich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, wel- che zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut not- wendig ist. Unzumutbarkeit liegt nicht bereits dann vor, wenn im Heimat- staat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizini- sche Behandlung möglich ist (vgl. EMARK 2003 N r. 24 E. 5a und 5b; BVGE 2009/2 E.9.3.2; BVGE 2011/50 E. 8.3). D-4668/2021 Seite 17 11.8 11.8.1 Der Beschwerdeführer machte erstmals auf Beschwerdeebene gel- tend, er sei in ärztlicher Behandlung und leide unter einer posttraumati- schen Belastungsstörung, welche sich in Gedankenkreisen, Schlafstörun- gen, depressiven Verstimmungen, sozialem Rückzug und Suizidgedanken äussere. Eine Behandlung psychischer Erkrankungen in seiner Heimatre- gion im Norden Sri Lankas sei gemäss dem Bericht der SFH vom 3. Sep- tember 2020 nicht möglich. Ausserdem würde er verschiedenen Berichten zufolge aufgrund seiner psychischen Krankheit gesellschaftlich stigmati- siert. 11.8.2 Bezüglich seiner gesundheitlichen Beschwerden legte der Be- schwerdeführer in seinen Anhörungen lediglich dar, an Kopfschmerzen zu leiden, sich ansonsten gesund zu fühlen (vgl. SEM -Akten 12/2, S. 2 und 17/15, F76-79). Nachdem die damalige Rechtsvertretung mit Eingabe vom 16. September 2021 eine umfassende Abklärung zu seinem Gesundheits- zustand beantragte, war er untersucht worden. Die Untersuchung ergab, dass er seit einem im Januar 2021 erfolgten Schlag auf den Kopf an links- seitigen Kopfschmerzen leide, wobei der Schädel nach einer radiologi- schen Untersuchung keinen pathologischen Befund aufweise. Andere phy- sische und psychische Beschwerden machte er dabei nicht geltend. Die auf Beschwerdeebene erstmals erwähnten psychischen Leiden konnte er weder mit einem Arztbericht noch mit einem Therapieverlauf belegen und erklären, weshalb er diese nicht bereits zuvor geltend machte. Im Übrigen ist in diesem Zusammenhang auf die Ausführungen der Vorinstanz in ihrer Verfügung zu verweisen. 11.9 Der Beschwerdeführer stammt aus der Nordprovinz, ist ein junger ge- sunder Mann mit einer elfjährigen Schulbildung sowie der Option auf eine universitäre Ausbildung. Seine Eltern verfügen in B._______ über ein Ei- genheim, wo er bereits vor seiner Ausreise aus Sri Lanka lebte und auch von seinen Eltern finanziell unterstützt wurde. Es ist davon auszugehen, dass seine Eltern, insbesondere sein Vater, welcher ein eigenes Geschäft führt, weiterhin für ihn aufkommen werden, sodass er seinen Abschluss beenden und sich an einer Universität immatrikulieren kann . Neben dem familiären und sozialen Netzwerk ist demzufolge auch eine Wohnmöglich- keit vorhanden. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass der Be- schwerdeführer in seinem Heimatland über genügend Ressourcen verfügt, um sich nach seiner kurzen Landesabwesenheit erfolgreich zu reintegrie- ren. D-4668/2021 Seite 18 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 11.10 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zustän- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (v gl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 11.11 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 13. 13.1 Der Beschwerdeführer beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und der Rechtsverbeiständung. Aufgrund der v orstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtlos zu bezeich- nen sind, weshalb die Gesuche abzuweisen sind. 13.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4668/2021 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Chiara Piras Martina von Wattenwyl Versand: