Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. April 2019 (725 18 405 / 97) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Behandlungs- und Pflegeleistungen gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG stellen Dauerleis- tungen dar. Ihre Einstellung setzt deshalb einen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG voraus Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela War- tenweiler Parteien CSS Versicherung AG , Recht & Compliance, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568, 6002 Luzern, Beschwerdeführerin gegen Helsana Unfall AG , Recht & Compliance, Postfach, 8081 Zürich, Be- schwerdegegnerin Beigeladene A.____, vertreten durch Dr. Patrick Somm, Advokat und Notar, Steinenvorstadt 73, Postfach, 4002 Basel Betreff Leistungen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die 1968 geborene A.____ arbeitete ursprünglich i m B.____ in X.____, wo sie zum gröss- ten Teil ihre Ausbildung zur Heilerzieherin und Heilpädagogin absolvierte. Durch ihren Arbeitge- ber war sie bei der Helsana Unfall AG (Helsana) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 21. Januar 1991 wurde A.____ von einer Heimbewohnerin an- gegriffen und mit voller Wucht mehrmals mit dem Kopf gegen die Wand geschleudert. Für die Verletzungen am Kopf und an der Halswirbelsäule (HWS) erbrachte die Helsana die gesetzlichen Leistungen (Taggelder, Heilbehandlung). B. Am 3. September 1995 meldete sich die Versicherte bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-S telle Basel-Landschaft sprach ihr ge- stützt auf einen Invaliditätsgrad von 71 % ab 1. Mai 1 995 eine ganze Invalidenrente zu. Nach weiteren Abklärungen der gesundheitlichen Verhältnisse gewährte ihr die Helsana mit Verfügung vom 12. Februar 1998 eine Komplementärrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 71 % mit Wirkung ab 1. Januar 1997 und eine Integritätsen tschädigung bei einer Integritätseinbusse von 50 %. C. Am 6. November 2012 teilte die Helsana der Versiche rten mit, für welche Heilbehandlun- gen im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. c des Bundesgeset zes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 sie fortan die Kosten übernehme. Im Jahr 2016 liess die Helsana den aktuel- len Gesundheitszustand der Versicherten medizinisch abklären. Mit Verfügung vom 14. Juni 2016 informierte sie die Versicherte, dass ab 31. Dezember 201 5 kein Anspruch auf Übernahme der Heilbehandlungskosten mehr bestehe. Dabei verneinte sie auch ihre Leistungspflicht für die am 9. Juni 2015 vorgenommene Explantation des am 15. Juli 2003 eingesetzten Occipitalstimulators. Die gegen diese Verfügung erhobenen Einsprachen der Versicherten und der zuständigen Kran- kenkasse, die CSS Versicherung AG (CSS), hiess die Helsan a mit Entscheid vom 13. Oktober 2016 insoweit gut, als sie die Heilbehandlungskosten fü r die im Zusammenhang mit der Entfer- nung des Stimulationssystems übernehme, sofern es sich dabei um Massnahmen handle, welche im Schreiben vom 6. November 2012 umschrieben seien. Im Übrigen wies sie die Einsprachen ab. D. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten du rch Advokat Dr. Patrick Somm, am 28. Oktober 2016 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Mit Urteil vom 9. Februar 2017 hiess da s Kantonsgericht die Beschwerde in dem Sinne gut, als es den angefochtenen Einspracheentscheid aufhob und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Helsana zurückwies. Zur Be- gründung führte es aus, dass die hier strittige Frage, ob und welche Massnahmen die Versicherte zur Erhaltung ihrer Restarbeitsfähigkeit gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG benötige, nicht abschlies- send beurteilt werden könne, da keiner der vorliegenden Arztberichte aussagekräftig genug sei, um darauf abzustellen. Das Kantonsgericht wies die Helsana an, als Erstes den Leistungsumfang der mit Entscheid vom 13. Oktober 2016 bzw. der mit Schr eiben vom 6. November 2012 zuge- sprochenen Massnahmen klar zu umschreiben. Weiter sei die F rage, welche Massnahmen die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte zur Erhaltung ihrer Restarbeitsfähigkeit be dürfe, durch versicherungsexterne Fach- personen mit den Disziplinen Psychiatrie und Neurologie gutachterlich abzuklären. E. In der Folge beauftragte die Helsana die Gutachter stelle Zofingen (GUTSO) mit der Be- gutachtung der Versicherten. Gestützt auf deren Gutachten mit den Disziplinen Neurologie, Psy- chiatrie und Rheumatologie vom 28. Mai 2018 teilte die Helsana der Versicherten mit Verfügung vom 10. Juli 2018 mit, dass sie die Übernahme der Heilb ehandlungen per 31. Dezember 2015 einstelle. Die dagegen erhobene Einsprache der CSS wi es die Helsana mit Entscheid vom 13. November 2018 ab. F. Dagegen reichte die CSS am 17. Dezember 2018 Beschw erde ans Kantonsgericht ein mit dem Antrag, es sei die Helsana in Aufhebung des angefochtenen Entscheids zu verpflichten, der Versicherten für die Folgen des Ereignisses vom 21. Januar 1991 über den 31. Dezember 2015 hinaus die gesetzlichen Leistungen, insbesondere nach Ar t. 21 Abs. 1 lit. c UVG, zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie aus, dass das Gutachten der GUTSO nicht geeignet sei, die Frage zu beantworten, welcher medizinischen Massnahmen die Versicherte zur Erhaltung der verbleibenden Erwerbsfähigkeit bedürfe. Die Einstellung der Versicherungsleistun- gen sei deshalb zu Unrecht erfolgt. G. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2018 lud das Kanto nsgericht die Versicherte zum Ver- fahren bei. H. In ihrer Vernehmlassung vom 1. Februar 2019 schloss d ie Helsana auf Abweisung der Beschwerde. I. Die Beigeladene, vertreten durch Advokat Patrick Som m, beantragte am 19. Februar 2019 die Gutheissung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 UVG auf die Un fallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungs- gericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zei t der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich der Wohnsitz der beigeladenen Versicherten in Y.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger ge- mäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlun g der vorliegenden Beschwerde zuständig. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Zur Beschwerde berechtigt ist gemäss Art. 59 ATSG n ebst der versicherten Person auch, wer durch die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung h at. Die CSS erfüllt diese Voraussetzungen, denn der angefochtene Einspracheentscheid tangiert ihre Leistungspflicht als Krankenversicherer der Beigeladenen. Auf die - im Übr igen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der CSS vom 17. Dezember 2018 ist demnach einzutreten. 1.3 Die Versicherte selber hat gegen den Einspracheen tscheid der Helsana vom 13. Novem- ber 2018 keine Beschwerde erhoben. Da sie jedoch vom Aus gang des Prozesses mitbetroffen ist, hat sie das Kantonsgericht mit Verfügung vom 21. De zember 2018 zum vorliegenden Be- schwerdeverfahren beigeladen. 2. Im versicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen der zuständige Sozialversicherer vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegensta nd. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hinweisen). Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid der Hels- ana vom 13. November 2018, in welchem beurteilt wurde, ob die Beigeladene die Anspruchsvo- raussetzungen gemäss Art. 21 Abs. lit. c UVG erfüllt. Soweit die Beschwerdeführerin über diese Bestimmung hinausgehende Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung überprüft ha- ben möchte, kann mangels Vorliegens eines Anfechtungsgegenstandes darauf nicht eingetreten werden. Streitgegenstand bildet somit einzig die Frage, ob die Beigeladene über den 31. Dezem- ber 2015 hinaus Anspruch auf Leistungen gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG hat. 3.1 Am 1. Januar 2017 sind die Änderung vom 25. Septe mber 2015 des UVG und die Ände- rung vom 9. November 2016 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezem- ber 1982 in Kraft getreten. Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 25. September 2015 des UVG ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, werden nach bisherigem Recht gewährt (Abs. 1 der Über- gangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 20 15 des UVG). Vorliegend fand das Unfallereignis am 21. Januar 1991 statt, womit auf d en vorliegenden Fall die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesene Rechtslage zur Anwendung gelangt. 3.2 Gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG werden der versiche rten Person nach der Festsetzung der Rente Pflegeleistungen und Kostenvergütungen (Art . 10 - 13 UVG) gewährt, wenn sie zur Erhaltung ihrer verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauer nd der Behandlung und Pflege bedarf. Diese Bestimmung bezieht sich auf Personen, welche bereits eine Rente beziehen, aber noch erwerbsfähig sind, d.h. einen Invaliditätsgrad zwischen 10 % und weniger als 100 % aufweisen (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2011, 8C_1011/ 2010, E. 5.4). Vorliegend bezieht die Beigeladene nebst der IV-Rente eine UVG-Komplementär rente. Der Erwerbsunfähigkeitsgrad beträgt dabei 71 %, d.h. es besteht eine Resterwerbsfähigkeit von 29 %. Damit bleibt zu prüfen, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ob die Beigeladene künftig noch dauernd der Behandlu ng und Pflege bedarf, um ihre verblei- bende Resterwerbsfähigkeit zu erhalten. 3.3 Bei der Prüfung von Ansprüchen gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG ist zu beachten, dass entsprechende Behandlungs- und Pflegeleistungen gemäss neuerer bundesgerichtlicher Recht- sprechung als Dauerleistungen zu qualifizieren sind. Ihre nachträgliche Aufhebung oder eine we- sentliche Anpassung im Leistungsumfang setzt deshalb einen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG voraus (BGE 144 V 418 E. 3.4). Gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG wird jede formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, her- abgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich er- heblich verändert hat. Diese höchstrichterliche Rechtsprech ung ist ab Zeitpunkt der Publikation (hier: 4. Oktober 2018) auf alle hängigen Fälle und somit auch auf den vorliegenden Fall ohne weiteres unmittelbar anwendbar (Urteil des Kantonsge richts vom 20. September 2008 [720 07 447], E. 7.4.3). Das bedeutet, dass eine Aufhebung de r gestützt auf Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG erbrachten Leistungen oder eine Anpassung ihres Umfa ngs nicht im Zuge voraussetzungsloser Neubeurteilung aufgrund besserer Erkenntnis erfolgen kann, sondern hierfür ein Revisionsgrund vorliegen muss. Zu fragen ist daher nach Änderungen des Sachverhalts, die aus Sicht des Ein- gliederungsziels (Erhalt der Erwerbsfähigkeit) geeignet sind, Bestand und Umfang der zugespro- chenen Heilbehandlung und Pflege anhaltend zu beeinf lussen (vgl. auch BGE 135 I 161 E. 4.2 mit Hinweis). Dabei gilt es dies durch entsprechenden revisionsrechtlichen Vergleich des Sach- verhalts im Zeitpunkt der Leistungszusprache mit jenem anlässlich der Neubeurteilung zu ermit- teln (BGE 144 V 418 E. 3.4; vgl. auch UELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2015, zu Art. 17 Rz. 68). Ist eine anspruchserhebliche Änderun g des Sachverhalts nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwi egenden Wahrscheinlichkeit erstellt (BGE 138 V 218 E. 6), bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (vgl. SVR 2013 IV Nr. 44 S. 134, 8C_441/2012 E. 3.1.3 mit Hinweis). 3.4.1 Vorliegend legte die Helsana gestützt auf die m edizinische Beurteilung ihres Vertrauens- arztes, Dr. med. C.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, vom 31. Oktober 2012 in ihrem Schreiben vom 6. November 2012 fest, welche Leistungen sie im Rahmen von Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG fortan vergütet. Diese Mitteilung erfolgte in einem formlosen Verfahren im Sinne von Art. 51 Abs. 1 ATSG. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die Helsana der Beigelade- nen den im Schreiben vom 6. November 2012 umschriebenen Leistungsumfang der Heilbehand- lungen zu Recht formlos eröffnet hat. Diese Frage ist von Bedeutung, weil der zeitliche Referenz- punkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änder ung die letzte rechtskräftige Verfügung bildet, welche auf einer materiellen Prüfung des Leistungsanspruchs mit rechtskonformer Sach- verhaltsabklärung und Beweiswürdigung beruht (BGE 133 V 108). 3.4.2 Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträger schriftlich Verfügungen zu erlassen (Art. 49 Abs. 1 ATSG). Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen, können in einem formlosen Verfa hren behandelt werden (Art. 51 Abs. 1 ATSG). Die betroffene Person kann diesfalls den Erlass einer Verfügung verlangen (Art. 51 Abs. 2 ATSG). Der bereits vor dem Inkrafttreten des ATSG gültig gewesene, unverändert gebliebene Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 124 UVV hält in lit. b fest, dass bei Kürzungen oder Verweigerungen von Versicherungsleis- tungen eine schriftliche Verfügung zu erlassen ist. 3.4.3 Den Akten zufolge übernahm die Helsana bis zum Schreiben vom 6. November 2012 grundsätzlich die Kosten für Physiotherapien, Massagen, Injektionen, Laboruntersuchungen, Me- dikamente und ärztliche Kontrollen (vgl. Schreiben vom 24. Januar 2002 und Verfügung vom 30. Mai 2002). Im Einzelnen lehnte sie aber Kostengesuche für Leistungen wie Taxifahrten, Fussre- flexzonentherapie sowie gewisse Medikamente ab. In der Mitteilung vom 6. November 2012 be- schränkte die Helsana die Vergütung von Medikamenten auf ärztlich verordnete Schmerzmittel (u.a. Jurnista, Palladon) sowie das Benzodiazepin Seres ta und das Muskelrela-xans Sirdalud. Weiter limitierte sie die Anzahl der physiotherapeutisch en Behandlungen auf eine pro Woche. Kosten für Arztkonsultationen würden nur diejenigen in der Klinik D.____ nach Bedarf und medi- zinischer Notwendigkeit und für Lidocain-Infusionen nur noch auf schriftliches Gesuch und medi- zinischer Begründung hin sowie mit Einverständnis des beratenden Arztes bezahlt werden. Heil- behandlungen, welche nicht von diesem Leistungskatalog erfasst seien, müssten beim Unfallver- sicherer vorgängig schriftlich beantragt werden. Am 4. April 2013 erweiterte sie aufgrund der Empfehlung von Dr. C.____ vom 3. April 2013 den Leist ungskatalog, indem sie sich bereit er- klärte, auch die Kosten für 1 – 2 Behandlungen mit dem Lokalanästhetikum Naropin und Kenacort (enthält einen entzündungshemmenden, antiallergischen und immunsupressiven Wirkstoff) zu übernehmen. Damit steht fest, dass die Helsana mit Schr eiben vom 6. Oktober 2012 die bisher ausgerichteten Versicherungsleistungen gekürzt hat. Dieser Ansicht ist wohl auch die Helsana, spricht sie doch in diesem Schreiben auch von Einschränkungen und Limitierungen. Eine Kür- zung von Versicherungsleistungen hat gemäss Art. 124 lit. b UVV jedoch nicht in einem formlosen Verfahren, sondern in Verfügungsform zu erfolgen (Art. 49 Abs. 1 ATSG). Hat der Versicherer – wie hier die Helsana - die Einschränkung von Leistungen zu Unrecht nicht in Verfügungsform, sondern formlos mitgeteilt, erlangt der Entscheid erst rechtliche Wirksamkeit, wenn die versi- cherte Person innert einer bestimmten Zeitspanne nicht dagegen interveniert. Die Frist beträgt im Regelfall ein Jahr und kann bei rechtsunkundigen und nic ht anwaltlich vertretenen Versicherten unter Umständen auch länger sein (vgl. BGE 134 V 145 E. 5.3.2). Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, dass die Beigeladene mit dem Schreiben de r Helsana vom 6. November 2012 nicht einverstanden war. Dadurch entfaltet die an sich u nzulässige formlos vorgenommene Ein- schränkung der Leistungen gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG per 6. November 2012 trotzdem Wirkung, wie wenn sie in Form einer anfechtbaren Verf ügung ergangen wäre. Rund 3 ½ Jahre später stellte die Helsana mit Verfügung vom 14. Juni 2016 ihre Leistungspflicht für Behandlungs- und Pflegekosten gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG per 31. Dezember 2015 ein, weil davon aus- zugehen sei, dass die Beigeladene zukünftig keine Erwerb stätigkeit mehr ausführen werde. In ihrem Entscheid vom 13. Oktober 2016 hiess die Helsana die Einsprache insofern teilweise gut, als sie feststellte, dass die Beigeladene weiterhin Anspruch auf die Übernahme von Heilbehand- lungskosten gemäss Schreiben vom 6. November 2012 habe, sofern sie im Zusammenhang mit der Entfernung des Stimulationssystems am 9. Juni 2015 st änden. Diesen Entscheid hob das Kantonsgericht mit Urteil vom 9. Februar 2017 auf und wies die Sache zur ergänzenden Abklä- rung an die Helsana zurück. Die Einstellungsverfügung vom 14. Juni 2016 und der Einsprache- entscheid vom 13. Oktober 2016 sind somit nicht rechtskräftig geworden. Damit bildet die Mittei- lung vom 6. November 2012 die letzte rechtskräftige Verf ügung, welche auf einer materiellen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prüfung des Leistungsanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdi- gung beruht. Sie bildet somit den zeitlichen Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheb- lichen Änderung des Gesundheitszustandes (vgl. Erwägung 3.4.1). 3.5 Als das GUTSO-Gutachten vom 28. Mai 2018 vorlag, verfügte die Helsana erneut die Einstellung der Leistungen gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG per 31. Dezember 2015. Diese Ein- stellungsverfügung bestätigte sie mit Einspracheentscheid vom 13. November 2018. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine Einstellung der Behandlungs- und Pflegekosten im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG recht- fertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Mitteilung vom 6. November 2012 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt des E rlasses des vorliegend angefochtenen Einspracheentscheids vom 13. November 2018. 4.1 Der Bestand und Umfang der zugesprochenen Heilbeh andlungen kann durch eine Ver- änderung des Gesundheitszustandes anhaltend beeinflusst we rden. Es fallen auch erwerbliche Gründe und eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf grund einer Anpassung oder Angewöh- nung an die Behinderung für eine bedeutsame Änderun g des Behandlungsbedarfs in Betracht (BGE 144 V 418 E. 5.4 und 141 V 9 E. 2.3). Vorliegend ist die Beigeladene seit dem 6. November 2012 weder einer Erwerbstätigkeit nachgegangen noch gibt es Anhaltspunkte, dass sie sich an ihre Schmerzen gewöhnt hat. Es bleibt deshalb zu prüf en, ob sich der Gesundheitszustand der Beigeladenen seit dem 6. November 2012 mit Auswirkung en auf den Behandlungsbedarf we- sentlich verändert hat. 4.2. Für die Beurteilung der strittigen Frage, ob sich der Gesundheitszustand der Beigelade- nen bzw. deren Behandlungsbedarf gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG verändert hat, ist die rechts- anwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrecht- lichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss ab- weichenden Bewertungen abzugrenzen, muss mit den ärztlichen Beurteilungen deutlich werden, dass die Fakten, mit denen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestan- dene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem Ausma ss substantiell verändert haben. Die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist genü- gend untermauert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichts- punkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diag- nostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen bzw. des Behand- lungsbedarfs geführt haben (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.2 mit Hinweis). 4.3 Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle ande- ren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach ten externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete In- dizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (B GE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV- Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5.1 Bei der Festlegung des Leistungsumfangs gemäss Ar t. 21 Abs. 1 lit. c UVG am 6. Novem- ber 2012 stützte sich die Helsana auf die Beurteilung en von Dr. C.____ vom 31. Oktober 2012 und 3. April 2013. Dieser ging davon aus, dass die Bei geladene beim Ereignis vom 21. Januar 1991 multiple Kontusionen, eine Commotio cerebri und ein Schleudertrauma der HWS erlitten habe. Seither beständen chronische Schmerzen am Kopf un d am Nacken mit Ausstrahlungen sowie eine posttraumatische Belastungsstörung. Seine Beurteilung beruht auf der damaligen me- dizinischen Aktenlage (vgl. insbesondere die Berichte vo n Dr. med. E.____, FMH Praxislabor, vom 9. Februar 1991, 30. April 1991, 25. Januar 1992, 6. und 12. Juni 1992, von Dr. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 17. März 1994, Gut- achten der Klinik G.____ vom 19. Juli 1994, Berichte von Dr. med. H.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, Klinik D.____, vom 19 . Oktober 2001 und 11. Dezember 2001 sowie von Dr. med. I.____, FMH Anästhesiologie, Klinik D.____, vom 14. August 2008 und vom 7. Juni 2010). Er ging mit den behandelnden Ärzten g rundsätzlich davon aus, dass die chroni- schen Schmerzen am Kopf und Nacken mit Ausstrahlungen sowi e die posttraumatische Belas- tungsstörung unfallkausal seien. Einzig das im Bericht von Dr. I.____ vom 12. Juni 2008 erstmals diagnostizierte Fibromyalgie-Syndrom betrachtete er al s mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht unfallkausal, da dieses erst nach dem Unfallereig nis entstanden sei. Die von ihm als leis- tungspflichtige bezeichnete Behandlungsmassnahmen basier en desgleichen auf Berichten der behandelnden Ärzte der Beigeladenen. So ist den Akten zu entnehmen, dass Dr. H.____ und Dr. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht I.____ das Muskelrelaxans Sirdalud und das Benzodiazepin Lexotanil zur Stabilisierung des Ge- sundheitszustandes der Beigeladenen sowie Physiotherapie wegen HWS-Blockierungen verord- neten (vgl. Berichte vom 7. September 1999, 8. August 2000, 27. November 2000, 12. Dezember 2006 und 12. Juni 2008). Dabei erachtete Dr. I.____ gemäss Bericht vom 3. Mai 2012 eine phy- siotherapeutische Behandlung in der Woche bei stabilem G esundheitszustand als genügend. Gegen die Schmerzen verschrieb er ihr die starken Schmerzmittel Jurnista und Palladon und bei Bedarf leichtere Schmerzmittel (vgl. Berichte vom 18. Ma i 2009, 7. Juni 2010 und 3. Mai 2012). Am 19. Juli 2012 teilte er sodann mit, dass die Beigeladene aufgrund einer akuten Exazerbation der Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich im Juni 20 12 fünf Lidocain-Infusionen erhalten habe. Mit Hilfe dieser Therapie hätten die Schmerzen auf ein erträgliches Mass reduziert werden können. Gestützt auf den Bericht von Dr. I.____ vom 15. März 2013 kam Dr. C.____ zum Schluss, dass aufgrund der Facettengelenksschmerzen an der HWS auch die Medikamente Naropin und Kenacort in den Leistungskatalog aufzunehmen seien (vgl. Stellungnahme vom 3. April 2013). 5.2 Der Einstellungsverfügung vom 10. Juli 2018 bzw. d em Einspracheentscheid vom 13. No- vember 2018 liegen folgende ärztliche Berichte zugrunde: In dem im Auftrag der IV-Stelle erstell- ten polydisziplinären Gutachten des Begutachtungszentrum Baselland (BEGAZ) vom 24. April 2013 sind als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeit sfähigkeit ein posttraumatisches chro- nisches zervikogenes Schmerzsyndrom bei Status nach zervikozep halem Trauma am 20. No- vember 1991 (recte: 21. Januar 1991), bei zervikozephal em Schmerzsyndrom und Zervikobra- chialgie rechts, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, eine chro- nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine posttraumatische, mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung aufgefü hrt. Nach wie vor bestände ein namhaftes posttraumatisches, zervikozephales Schmerzsyndrom mit unberechenbar auftreten- den intermittierenden Exazerbationen, welches multimo dale Schmerzbehandlungen erfordere. Dazu käme die psychiatrische, insbesondere die mittelschwere neuropsychologische Problema- tik, welche die Leistungsfähigkeit der Beigeladenen qu antitativ und qualitativ einschränke. Auf- grund der chronifizierten Kopf- und Nackenschmerzen, teil weise auch Armschmerzen, leide sie an Schlafstörungen, welche Tagesmüdigkeit, rasche Erschöpfbarkeit und verminderte Belastbar- keit nach sich zögen. Aus gesamtmedizinischer Sicht habe sich der Umfang der Arbeitsfähigkeit von 30 % nicht verändert. 5.3 Vom 16. Oktober 2013 bis 2. November 2013 hielt sich die Beigeladene aufgrund heftiger Kopfschmerzen und einer mittelgradigen depressiven Episode stationär in der Klinik D.____ auf (vgl. Berichte vom 20. Juni 2013). Dem Bericht vom 11. November 2013 sind als Diagnose eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Fa ktoren bei rezidivierender de- pressiver Störung, gegenwärtig leichtgradiger Episode, Insomnie, mittelgradiger neuropsycholo- gischer Störung nach leichtem Schädelhirntraum sowie Sta tus nach posttraumatischer Belas- tungsstörung und beidseitiger intermittierender Occipit alisneuralgie zu entnehmen. In psychi- scher Hinsicht ständen im Rahmen einer leichtgradigen depressiven Symptomatik Müdigkeit, Er- schöpfung und Schlafstörungen im Vordergrund. In somatischer Hinsicht bestehe ein chronisches zervikozephales und zervikobrachiales Schmerzsyndrom rechts p osttraumatischer Genese mit rechtsseitiger Bewegungseinschränkung der HWS und Muskelhartspann im Bereich der Nacken- und Schultermuskulatur. Im Verlauf des Aufenthalts hätte n die depressive Grundstimmung, der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schlaf und das Schmerzempfinden mit der Dosiserhöhung des Antidepressivums Valdoxan ver- bessert werden können. 5.4 Ein weiterer stationärer Aufenthalt erfolgte vom 9. Juni bis 12. Juni 2015 im Spital J.____, als der Beigeladenen das Stimulationssystem aufgrund ei ner Fehlfunktion entfernt wurde (vgl. Berichte vom 10. Juni 2015 und vom 12. Juni 2015). 5.5 Am 27. Januar 2016 berichtete Dr. med. K.____, F MH Neuraltherapie, Klinik D.____, dass sich die Beigeladene seit Ende 2013 regelmässig in ihrer neuraltherapeutischen Behandlung be- finde. Dabei würden Injektionen am Nervus occipitalis major rechts, an schmerzhaften Strukturen, an verspannten Muskeln sowie an übergeordneten Ganglien und am Nervenplexus durchgeführt. Begleitend fänden Gespräche im Rahmen der psychosomat ischen Grundversorgung statt. Der Gesundheitszustand der Beigeladenen habe sich insofern ver bessert, als seither deutlich selte- ner invasive Massnahmen zur Schmerzreduktion durchgeführt w erden müssten. Nach wie vor komme es jedoch immer wieder zu Schmerzverstärkungen. Es be stehe nach wie vor ein hoher Schmerzlevel. Es sei auffällig, dass in Phasen von erträg lichen Schmerzen die Panikattacken und die Flashbacks bezüglich des Traumas zunähmen. Sie e rachte deshalb eine begleitende psychologische Behandlung als indiziert. Medikamentös kämen nach wie vor angstlösende anti- depressive Medikamente (Valdoxan) zum Einsatz. Auf unverändertem hohem Level befinde sich die Opiattherapie mit Jurnista und Dronabinol sowie weiteren Schmerzmitteln. 5.6 Am 19. April 2016 nahm Prof. Dr. med. L.____, F MH Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, im Auftrag der Helsana Stellung zur medizinischen Akten- lage. Er wies darauf hin, dass die therapeutischen Massnah men ausgeschöpft seien und diese nicht mehr eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bei- geladenen herbeiführen könnten. Weitere Behandlungen seien deshalb nutzlos. 5.7 Gestützt auf das Urteil des Kantonsgerichts vom 9. Feb ruar 2017 beauftragte die Helsana die GUTSO mit einer Begutachtung der Beigeladenen. Im Auftrag vom 21. Juli 2017 wies die Helsana die GUTSO darauf hin, dass einzig der Anspruch der Beigeladenen auf Leistungen nach Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG gutachterlich abzuklären sei. Der dem Gutachterauftrag beigelegte Fra- gekatalog beschränkte sich daher auf die Frage, ob die versicherte Person zur Erhaltung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit dauernd ärztlicher Beha ndlung und Pflege bedürfe und wenn ja, welche und in welchen Intervallen. Die Beigeladene wurde sodann in rheumatologischer, neuro- logischer und psychiatrischer Hinsicht begutachtet. In ihrem Gutachten vom 28. Mai 2018 nann- ten die Gutachter als Diagnosen einen Status nach Unfall vom 21. Januar 1991 mit leichter trau- matischer Hirnverletzung, inzwischen folgenlos ausgeheilt und möglicher/wahrscheinlicher HWS- Distorsion, spätestens im Sommer 1994 ausgeheilt, eine chronische Schmerzstörung mit soma- tischen und psychischen Faktoren, ein chronisches zervikover tebrales und zervikozephales Schmerzsyndrom, rezidivierend seit 1988 mit intermittierenden Brachalgien, diskreter Fehlstatik bei vorbestehender leichter rechtskonvexer Skoliose sowie Status nach Einsetzen, Wechsel und Explantation des Stimulators, einen Status nach psychoge nen nicht-epileptischen Anfällen in Kindheit und Jugend, einen Schmerzmittelabusus, einen Status nach Metallentfernung der Me- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tatarsale II und III und Osteotomie des Grossezehengrundgelenks sowie Resektion der Schwel- lung an der Innenfläche des Grosszehengrundgelenks. In ihrer Beurteilung wiesen die Experten als Erstes darauf hin, dass die Kausalität zwischen dem Unf allereignis und den geklagten Be- schwerden bei der Beurteilung der Frage, welcher ärztli chen Behandlung und Pflege die Beige- ladene zur Erhaltung der Restarbeitsfähigkeit bedürfe, nicht ausser Acht gelassen werden könne. In der Folge setzten sie sich ausführlich mit den Beurteilungen der Vorgutachter auseinander und kamen zum Schluss, dass die geklagten Beeinträchtigungen – entgegen der Ansicht der behan- delnden Ärzte - nicht mit überwiegender Wahrscheinlichk eit auf den Unfall im Januar 1991 zu- rückgeführt werden könnten. Den langjährigen Beschwerde n der Beigeladenen lägen keine or- ganisch-strukturelle Pathologien zugrunde. Auch der Krankheitsverlauf spreche gegen das Vor- liegen von unfallkausalen gesundheitlichen Störungen. Die Frage der Helsana, ob ein Bedarf an ärztlicher Behandlung und Pflege zur Erhaltung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit bestehe, ver- neinten die Gutachter. Zur Begründung führten sie an, dass die Beigeladene auf eine Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit von 30 % im Sommer 2010 verzichtet habe. Sie bedürfe folglich keiner ärztlichen Behandlung und Pflege zur Erhaltung oder al lfälligen Erhöhung der Arbeitsfähigkeit mehr. Gestützt auf das Gutachten der GUTSO stellte die Helsana mit Verfügung vom 10. Juli 2018 die Behandlungs- und Pflegekosten per 31. Dezember 2015 ein und bestätigte ihren Stand- punkt in ihrem Entscheid vom 13. November 2018. 6.1.1 Dieser vorinstanzlichen Auffassung kann nicht beigepf lichtet werden. Im Rahmen der Prü- fung des Vorliegens eines Revisionsgrundes im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG gilt es aufzuzei- gen, ob und aus welchen konkreten Gründen sich der Gesu ndheitszustand der Beigeladenen bzw. der Behandlungsbedarf seit der Mitteilung vom 6. November 2012 verändert hat. Mit dieser Frage setzten sich die GUTSO-Gutachter nicht auseinander. Stattdessen überprüften sie die Ein- schätzungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen. Si e kamen zum Schluss, dass nicht alle bisher gestellten Diagnosen bestätigt werden könnten. Zu beanstanden sei insbeson- dere, dass dem Vorzustand der Beigeladenen keine Rechn ung getragen worden sei und den geklagten Beschwerden keine organisch-strukturellen Pat hologien zugrunde lägen, welche mit dem Unfallereignis noch in Zusammenhang ständen. Auch die Beschwerdeentwicklung nach dem Ereignis spreche eindeutig gegen das Vorliegen eine s unfallbedingten Gesundheitsscha- dens. So habe die Beigeladene beim Unfall vom 21. Jan uar 1991 – entgegen der Ansicht der behandelnden Ärzte – keine Contusio cerebri erlitten. A uch das Vorliegen einer HWS-Distorsion stellte das Gutachterteam aus heutiger Sicht in Frage. Die Nacken- und Kopfschmerzen seien zwar auf ein Zervikalsyndrom zurückzuführen; dieses beruhe jedoch auf einen Vorzustand, wel- cher unfallfremd sei. Bei den in den Vorakten beschriebe nen Anfällen handle es sich nicht um eine Epilepsie, sondern wahrscheinlich um dissoziative Krampfanfälle. Die Dia-gnose einer Fib- romyalgie könne aus rheumatologischer Sicht nicht bestätigt werden. Die Beigeladene zeige auch keine mittelschweren Funktionsstörungen auf. Es sei davon auszugehen, dass die psychiatri- schen Fachpersonen in ihrer Einschätzung durch die im R aum stehende Diagnose einer traumatischen Hirnverletzung fehlgeleitet worden seien. Eine wesentliche psychi- sche Störung liege nicht vor. Eine depressive Störung un klaren Ausmasses könnte bestanden haben; diese sei jedoch abgeklungen, ansonsten eine antidepressive Medikamentenbehandlung hätte eingeleitet werden müssen. Die aus psychiatrischer Sicht gestellte Diagnose einer chroni- schen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sei in den Akten gut belegt, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie sei aber nicht überwiegend wahrscheinlich auf das Unfa llereignis vom 21. Januar 1991 zu- rückzuführen. Aus ihren Erkenntnissen folgerten die GUTSO-Gutachter, dass die behandelnden Ärzte aufgrund teilweise unzutreffender Diagnosen nicht das richtige Behandlungskonzept ge- wählt hätten. 6.1.2 Die von den früheren ärztlichen Beurteilungen a bweichende Einschätzung der GUTSO- Gutachter wäre im vorliegenden revisionsrechtlichen Verfah ren nur beachtlich, wenn sich der Gesundheitszustand der Beigeladenen seit 6. November 2012 verändert hätte (BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3, Urteil des Bundesgerichts vom 12. Dezember 2012, 8C_549/2012, E. 2.3). Eine solche Veränderung ist jedoch dem Gutachten der GUTSO nicht zu entnehmen, weshalb kein Revisi- onsgrund vorliegt. Desgleichen geht aus der Auseinan dersetzung mit der aktuellen Medikation, den Infusionen sowie der Neural- und Physiotherapie ab Seite 71 des Gutachtens nicht hervor, aufgrund welcher Veränderungen sie die aktuellen Massnahmen nicht mehr oder in veränderter Form empfehlen. Sie stellen lediglich fest, dass die eingenommenen Medikamente zu keiner we- sentlichen Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Beigeladenen geführt hätten. Auch hinsicht- lich der Neuraltherapie zweifeln sie daran, dass diese z u einer anhaltenden Verbesserung der Schmerzsituation beitrage. In dieser Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass für den Leistungsan- spruch nach Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG nicht die Verbesserung des Gesundheitszustandes, sondern die Erhaltung der Restarbeitsfähigkeit massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juli 2018, 8C_50/2018, E. 2.3). Aus dem gleichen Grund kann im Übrigen auch nicht auf die vertrau- ensärztliche Einschätzung von Prof. Dr. L.____ vom 19. April 2016 abgestellt werden, welcher keinen Behandlungsbedarf mehr sah, da nicht zu erwarten sei, dass therapeutischen Massnah- men den Gesundheitszustand der Beigeladenen verbesserten . Auch die übrigen Ausführungen der GUTSO-Experten zu den Behandlungsmassnahmen sind f ür den vorliegenden Fall nicht stichhaltig. 6.2 Dem Gericht ist es bewusst, dass sich die Helsana gestüt zt auf das Urteil vom 9. Februar 2017 nicht veranlasst sah, das GUTSO im Gutachtensauftrag auf die revisionsrechtliche Fragen hinzuweisen. Dies ist damit zu erklären, dass der hier m assgebende BGE 144 V 418 erst im Oktober 2018, also nach Gutachtenserstellung, publiziert wurde (vgl. Erwägung 3.3). Aber selbst wenn der vorliegende Fall nicht nach revisionsrechtlichen Gesichtspunkten zu beurteilen wäre, überzeugen die gutachterlichen Ausführungen zur Frage, ob und welche Massnahmen zur Erhal- tung der verbleibenden Erwerbsfähigkeit notwendig si nd, nicht. Ihre Feststellung, dass die Bei- geladene keiner Behandlung und Pflege mehr für die Erhaltung oder eine allfällige Erhöhung der Arbeitsfähigkeit mehr bedürfe, weil sie ihre Restarb eitsfähigkeit seit Sommer 2010 nicht mehr verwerten möchte, ist aus rechtlicher Sicht unbeachtlich. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre- chung ist bei der Beurteilung des Leistungsanspruchs nach A rt. 21 Abs. 1 lit. c UVG nicht von Bedeutung, ob die versicherte Person ihre Restarbeitsfähigkeit effektiv verwertet (Urteil des Bun- desgerichts vom 20. Juli 2018, 8C_50/2018, E. 2.3 mit Hinweis auf KASPAR GEHRING , in: Kom- mentar KVG/UVG, Kieser/Gehring/Bollinger [Hrsg.], Zü rich 2018, Rz. 7 zu Art. 21 UVG). Damit kann ein Leistungsanspruch gestützt auf Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG nicht mit der Begründung ab- gelehnt werden, die versicherte Person beabsichtige nicht, eine Erwerbstätigkeit im Rahmen ihrer Restarbeitsfähigkeit auszuüben. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine anspruchser hebliche Veränderung der ge- sundheitlichen Verhältnisse bzw. des Behandlungsbedarfs der Beigeladenen in tatsächlicher Hin- sicht nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrsch einlichkeit erstellt ist. Eine Einstel- lung der Rentenleistungen unter dem Titel der Revision erweist sich mithin als unzulässig. Dem- zufolge muss es beim bisherigen Rechtszustand sein Bewenden haben (vgl. Erwägung 3.3). Der vorinstanzliche Einspracheentscheid ist bei diesem Ergebni s aufzuheben und die Helsana zu verpflichten, der Beigeladenen über den 31. Dezember 2015 hinaus weiterhin die gesetzlichen Pflegeleistungen und Kostenvergütungen gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG zu erbringen. Dabei ist es der Helsana unbenommen, die Behandlungsleistungen mit Bezug auf das Behandlungsziel auch ohne Vorliegen eines Revisionsgrundes im Sinne einer wesentlichen Veränderung der ge- sundheitlichen Situation laufend auf ihre Wirksamkeit, Z weckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (Art. 10 Abs. 1 und 54 UVG) zu überprüfen. Die vorliegende Beschwerde der CSS ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7.1 Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Ge stützt auf Art. 61 lit. a ATSG ist das vorliegende Verfahren kostenlos. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegen partei zuzusprechen. Diesem Aus- gang entsprechend ist der Beigeladenen deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Hels- ana zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beigeladenen hat in seiner Honorarnote vom 1. März 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 7,75 Stunden geltend gemacht. Darin befinden sich 7 kleinere Bemühungen im Umfang von insge samt 0,82 Stunden, welche auf den Kontakt des Rechtsvertreters mit der Rechtsschutzversicherung der Beigeladenen zurückzufüh- ren sind. Solche Bemühungen würden im Falle einer nicht rechtsschutzversicherten Person nicht anfallen und müssen daher unberücksichtigt bleiben. Diese Bemühungen sind deshalb in Abzug zu bringen. Der verbleibende Aufwand von 6,93 Stunden erweist sich angesichts der sich stel- lenden Rechtsfragen als angemessen. Seine Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungs- prozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote aus- gewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 53.50. Der Beig eladenen ist deshalb eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1'923.50 (6,93 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 53.50 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Helsana zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde der CSS wird, soweit darauf ei ngetreten werden kann, in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene Einsp racheent- scheid vom 13. November 2018 aufgehoben und die Helsana Unfall AG verpflichtet wird, der Beigeladenen über den 31. Dezember 2015 hinaus weiterhin die gesetzlichen Pflegeleistungen und Kostenvergütungen ge- mäss Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG zu erbringen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Helsana Unfall AG hat der Beigeladenen eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'923.50 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwert-steuer) auszurichten.