Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Juni 2013 (720 12 55 / 142) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Gerichtsgutachten Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Diet er Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Caroline Franz Waldner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ arbeitete zuletzt bis 31. August 2006 bei de r B.____ AG als Rezeptio- nistin/Telefonistin in einem Pensum von 80 %. Am 18. Januar 2007 meldete sie sich bei der IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) unter Hinweis auf Meningitis und phasenweise auftretenden Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Depressionen zum Leistungsbezug an, wobei sie beruflich e Massnahmen beantragte. Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse absolvierte sie im Rahmen von beruflichen Mass- nahmen vom 1. Oktober 2007 bis 30. Juni 2008 Arbeitstra inings bei der Stellenbörse C.____. Per 1. Juli 2008 konnte sie dort eine Anstellung als vera ntwortliche Ladenleiterin im Pensum von ca. 50 – 60 % antreten, weshalb die Bemühungen d er Arbeitsvermittlung erfolgreich abge- schlossen werden konnten (vgl. Mitteilung vom 29. Mai 200 9). Am 27. November 2009 meldete sich A.____ erneut zum Leistungsbezug an und beantragte eine Rentenprüfung. Nach Abklä- rung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse und nach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügun gen vom 25. Januar 2012 und vom 10. Februar 2012 aufgrund eines Invaliditätsgrads von 5 4 % eine halbe Invalidenrente ab dem 1. November 2006 zu. Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Frage, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit die Versicherte arbeitsfähig sei, vollumfänglich auf die psychiatrischen Gutachten von D r. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. Juni 2007 und vom 12. April 2010 und ging davon aus, dass eine Arbeitstätigkeit im Umfang von 60 % zumutbar sei. B. Mit Beschwerde vom 14. Februar 2012 an das Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht, beantragte A.____, vertret en durch Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner, Behindertenforum, die Aufhebung der V erfügungen vom 25. Januar 2012 und vom 10. Februar 2012. Es sei ihr mit Wirkung ab dem 1. November 2006 eine ganze Rente und für die Zeit ab dem 1. November 2008 eine Viertelsre nte auszurichten. Für die Zeit seit Eintritt der Verschlechterung im November 2009 sei mit Wirkung ab dem 1. Februar 2010 erneut eine ganze Invalidenrente, eventualiter eine Dreiviertelsre nte zuzusprechen. Eventualiter sei der IV- Grad nach Einholung eines gerichtlich angeordneten psych iatrischen Obergutachtens unter Einbezug einer neuropsychologischen Testung bei einer de r folgenden für Traumaerkrankun- gen spezialisierten Psychiaterinnen zu ermitteln: Dr. me d. E.____, Fachärztin für Psychiatrie, oder Dr. med. F.____, Fachärztin für Psychiatrie; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 24. Mai 2012 stellte die B eschwerdegegnerin den Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Im Sinne einer reformatio i n peius sei ausserdem festzustellen, dass die Beschwerdeführerin für den Zeitraum vom 1. Janua r 2009 bis 31. Dezember 2009 nicht Anspruch auf eine halbe IV-Rente, sondern lediglich auf eine Viertelsrente habe. D. In der Replik vom 25. Juni 2012 hielt die Beschwerdef ührerin an ihren Rechtsbegehren und den Begründungen fest und reichte einen aktuellen ärztlichen Bericht von Dr. med. G.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und lic. phil. H.____, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, vom 12. Mai 2012 ein. Ausserdem ersuchte sie in ver fahrensrechtlicher Hinsicht um die Einräumung einer Frist zur Einreichung eines Berichts ihres Arbeitgebers. E. Mit Duplik vom 26. Juli 2012 hielt die Beschwerdegeg nerin am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. F. Mit Schreiben vom 6. August 2012 teilte die Beschwer deführerin mit, dass sie keine weiteren Unterlagen des Arbeitgebers einreichen werde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Verfügung vom 17. Oktober 2012 ordnete der in struierende Präsident die Einholung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens an und räumte den Parteien die Gelegenheit ein, sich auf eine gemeinsame Gutachterperson zu einigen sowie sich zum Fragenkatalog zu äussern. Mit Mitteilungen vom 25. Oktober 2012 und vom 7. Nove mber 2012 schlugen die Parteien dem Gericht Dr. med. I.____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, als Gutachterperson vor. Dr. I.____ erstattete ihr Gutachten am 28. Januar 2013. H. Die Beschwerdeführerin liess sich mit Eingabe vom 5. M ärz 2013 und die Beschwerde- gegnerin mit Stellungnahme vom 21. März 2013 zum Geri chtsgutachten und dem Rentenan- spruch vernehmen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht einge- reichte Beschwerde vom 14. Februar 2012 ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 versicherte Pe rsonen, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätig en, nicht durch zumutbare Eingliede- rungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbesser n können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mind estens 40 % arbeitsunfähig gewe- sen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht m ehr zumutbar oder – als alternative Vor- aussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c). 2.5 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.6 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 2.7 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten für die Zukunft zu erhöhen, her- abzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgra d in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wese ntliche Änderung in den tatsächli- chen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsg rad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Rechtsprechung anerkennt als Revisionsgrun d namentlich die erhebliche Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes; eine Rente kann ferner auch revidiert werden, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen eines an sich gleich gebliebenen Gesundheitsschadens erheblich verändert haben (vgl. BGE 109 V 116 E. 3b mit Hinweisen, vgl. zum Ganzen: UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, S. 228 ff.) . Ob eine an- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht spruchserhebliche Tatsachenänderung eingetreten ist, beu rteilt sich durch Vergleich des Sach- verhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Renten verfügung bestanden hat, mit demjeni- gen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2 mit Hinweis). Wird der ver- sicherten Person rückwirkend eine abgestufte und/oder be fristete Rente zugesprochen, d.h. wird ihr gleichzeitig eine Rente zugesprochen und diese revisionsweise herauf- oder herabge- setzt und/oder aufgehoben, so sind die vorstehend genannten, für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art. 17 ATSG) analog anzuwenden (BGE 131 V 164, 125 V 413 E. 2d). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen. So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zw ingende Gründe" von den Ein- schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufg abe es ist, seine Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um e inen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen (BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 352 f. E . 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchli ch ist oder wenn ein vom Gericht ein- geholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ausserdem gerechtfertig t sein, wenn gegensätzliche Meinungs- äusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als trift ig genug erscheinen, die Schlüssigkeit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es d ie Überprüfung durch einen Ober- experten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpe rtise vom Ergebnis des Gerichtsgut- achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinwei- sen). In Bezug auf bereits im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehend er Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist laut den Richtlinien des Bundesgerichts bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/b b mit weiteren Hinweisen). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügen bei einer vor BGE 137 V 210 in Auftrag gegebe- nen Expertise bereits relativ geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztli- chen Feststellungen, um eine neue Begutachtung anzuor dnen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Oktober 2012, 9C_495/2012, E. 2.3). 3.4 Schliesslich ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht noch d arauf zu verweisen, dass der So- zialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklär ung des rechtserheblichen Sachver- halts zu sorgen (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in den angefo chtenen Verfügungen vom 25. Janu- ar 2012 und vom 10. Februar 2012 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Fra- ge, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit die Versicherte arbeitsfähig sei, vollum- fänglich auf die Ergebnisse, zu denen Dr. D.____ in sei nen beiden psychiatrischen Gutachten vom 21. Juni 2007 und vom 12. April 2010 gelangt war und ging davon aus, dass eine Arbeits- tätigkeit im Umfang von 60 % zumutbar sei. 4.2 Die beiden Gutachten von Dr. D.____ wurden noch vo r der Medas-Rechtsprechung erstellt. Dies hat in beweisrechtlicher Hinsicht zur Folg e, dass bereits relativ geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit der ärztlichen Feststellungen ausreichen, um eine neue Begutachtung in die Wege zu leiten. Anlässlich einer in dieser Angelegenheit im Rahmen des Instruktionsverfahrens durchgeführten Prüfung der Aktenlage gelangte der inst ruierende Präsident zur Auffassung, dass in Bezug auf die Gutachten von Dr. D.____ solche Zw eifel vorliegen würden. So würden zwischen den Beurteilungen von Dr. D.____ und denjenig en der behandelnden Fachpersonen Dr. G.____ und lic. phil. H.____ wesentliche fachliche Divergenzen in Bezug auf die zu stellen- den Diagnosen, die Ausprägungen des Krankheitsbilds sowi e die Auswirkungen der gesund- heitlichen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit der B eschwerdeführerin bestehen. Dr. D.____ diagnostiziere im Gutachten vom 21. Juni 2007 eine rezi divierende depressive Störung, aktuell remittiert, den Status nach möglicher posttraumatischer Belastungsstörung 1988 sowie leichte kognitive Defizite nach Meningitis in der Kindheit. Bet reffend Arbeitsfähigkeit führe er aus, dass die Beschwerdeführerin keine Tätigkeiten unter hohem Z eitdruck und mit mehreren Aufgaben zur gleichen Zeit ausführen sollte. Auch Tätigkeiten, bei denen sie abgelenkt werden könne, seien ungeeignet. Möglich seien jedoch klar strukturierte Aufgaben. Die Explorandin sei allge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mein ziemlich stark verunsichert und daher, zumindest be i Arbeitsbeginn, auf eine wohlwollen- de Unterstützung angewiesen. Es könne allenfalls aufgru nd der kognitiven Einschränkungen und der Tendenz zu depressiven Verstimmungen auch bei ei ner alternativen Tätigkeit eine höchstens 20 %-ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit angenommen werden. Grundsätzlich sollte die Versicherte aber in der Lage sein, eine ang epasste Tätigkeit ganztags ausüben zu können. Im Verlaufsgutachten vom 12. April 2010 bestät ige Dr. D.____ die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell remittiert, DD: Bipolare affektive Störung II, den Status nach posttraumatischer Belastungsstörung sowie eine leichte kognitive Störung nach Meningitis in der Kindheit. In Bezug auf die Arbeitsfä higkeit halte er fest, dass der Versicherten keine Tätigkeit zugemutet werden könne, bei der sie sic h wiederholt umstellen oder sich an neue Situationen anpassen müsse, da sie in der Flexibili tät massiv eingeschränkt sei. Insbe- sondere unbekannte Situationen dürften ihr immer wie der Schwierigkeiten bereiten. Sie sei nicht in der Lage, ein Team zu führen und Verantwortu ng zu übernehmen. Dies betreffe auch die Tätigkeit als Ladenleiterin in einem kleinen Lade n oder auch allenfalls eine Funktion als Gruppen-/Teamleiterin. In derartigen Tätigkeiten mü sse sie als zu über 80 % arbeitsunfähig eingestuft werden. Es könne ihr eine Tätigkeit zugemut et werden, bei der die Aufgabenstellung klar umrissen sei und nicht dauernd neue Herausforderunge n an sie herantreten würden und kein dauernd wechselnder Kundenkontakt vorhanden sei. In einer derartigen Tätigkeit müsse nach den jetzigen Erfahrungen aufgrund der Stimmungs schwankungen und der kognitiven Ein- schränkung von einer etwa 40 %-igen Einschränkung der Arb eitsfähigkeit ausgegangen wer- den. Diese jetzt erhöhte Einschränkung begründe sich auf grund der bisherigen Erfahrungen, aufgrund derer festgestellt werden müsse, dass die Besch werdeführerin doch nicht genügend belastbar sei. Diese Einschränkungen bestünden sicher schon seit einigen Jahren. Dr. G.____ und lic. phil. H.____ hingegen, bei denen die Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren in psychiatrischer Behandlung stehe, würden in den Berichten vom 8. Juni 2010 und vom 12. Mai 2012 eine Bipolar II Störung und eine po sttraumatische Belastungsstörung diag- nostizieren. Anders als Dr. D.____ würden sie davon ausge hen, dass die Symptome und Intru- sionen der posttraumatischen Belastungsstörung auch heute n och in wechselndem Ausmass bestehen würden. Die mentalen und kognitiven Zustände würden aus dem Zusammenwirken der kognitiven Defizite als Folge der Meningitis, der p osttraumatischen Belastungsstörung und der Bipolaren Störung zustande kommen. Sie könnten übe r einen Monat dauern und jegliche Arbeitsleistung oder sozialen Kontakte verunmöglichen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit wür- den Dr. G.____ und lic. phil. H.____ im Bericht vom 1 2. Mai 2012 davon ausgehen, dass eine Arbeit in der freien Wirtschaft nicht mehr möglich und der Patientin nur noch eine 40 %-ige Tä- tigkeit an einem gut angepassten, geschützten Arbeitspla tz zuzumuten sei. Es habe sich ge- zeigt, dass bei höheren Belastungen durch Leistungsanford erungen und Leistungsdauer die affektiven und kognitiven Schwankungen sowohl an Dauer a ls auch an Ausmass stark zuneh- men würden. In Anbetracht dieser unterschiedlichen diagnostischen Einsc hätzungen von Dr. D.____ einer- seits und Dr. G.____ und lic. phil. H.____ andererseits kam der Instruktionsrichter zum Schluss, dass nicht unbesehen auf das verwaltungsexterne Gutachte n abgestellt werden könne und die langjährigen Beobachtungen der behandelnden Fachpersonen nicht einfach ausser Acht gelas- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen werden könnten. Neben der konkreten Diagnosestellung sei dabei unklar, inwiefern der krankheitsbedingte Wechsel zwischen depressiven, hypomanen u nd symptomfreien Zeiten die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. Ebenfalls nicht geklä rt sei das Zusammenwirken der möglichen Diagnosen und ihren unterschiedlichen Krankheitsphasen mi t den kognitiven Einschränkungen aufgrund der in der Kindheit durchlebten Meningitis. Die Abklärungsergebnisse aus dem Ver- waltungsverfahren würden daher insgesamt als nicht genüg end aussagekräftig erscheinen. Zur Klärung der medizinischen Sachlage wurde daraufhin bei Dr. I.____ ein psychiatrisches Ge- richtsgutachten in Auftrag geben. 4.3.1 Dr. I.____ kommt in ihrem Gutachten vom 28. Janua r 2013 zu folgenden psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Anhaltende Persönlichkeitsverände- rung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0), 2. Posttra umatische Belastungsstörung (PTBS), gegenwärtig teilremittiert (ICD-10: F43.1), 3. Rezi divierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.1) sowie 4. Prätraumatisch vorbestehende ak- zentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10:Z73.1). Nach dem erweiterten Suizid des Ehemannes und dem Verlust der beiden Kinder im Jahre 1988 habe sich bei der Explorandin das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung mit sämtlichen dazugehörigen Symptomen gezeigt. Auch das sogenannte Traumakriterium sei sicherlich erfüll t. Im Laufe der Jahre seien die Sym- ptome der posttraumatischen Belastungsstörung in den Hint ergrund getreten. Gegenwärtig be- stehe diesbezüglich eine Teilremission. Die Flashbacks seie n seltener geworden und die Schlafstörungen sowie die Schreckhaftigkeit hätten sich leich t gebessert. Parallel dazu sei die anhaltende Persönlichkeitsveränderung zunehmend in den Vordergrund getreten. Gemäss ICD- 10 könne eine andauernde Persönlichkeitsveränderung d er Erfahrung von extremer Belastung folgen. Eine posttraumatische Belastungsstörung könne so dann der Persönlichkeitsverände- rung vorangehen. Von den dazugehörigen Symptomen fänd en sich bei der Explorandin ein ausgeprägter sozialer Rückzug, ein Gefühl der Leere und Hoffnungslosigkeit sowie ein chroni- sches Gefühl von Entfremdung. Ferner bestehe eine ausgep rägte Affektlabilität mit affektiven Schwankungen von sehr unterschiedlicher zeitlicher Dauer. Die Explorandin erlebe ihre innere Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit, das ständige Gedankenkre isen mit Unfähigkeit zum Abschal- ten als sehr belastend, es bestehe ein grosser Leidensdruck. Diese Persönlichkeitsveränderung könne von den prätraumatisch vorbestehenden, akzentuierten Persönlichkeitszügen mit ängstli- cher Selbstunsicherheit, Pflichtbewusstsein, Überangepasst heit und Leistungsorientierung klar abgegrenzt werden. Die Herausbildung dieser Persönlichkeitszüge sei vor dem Hintergrund der familiären Situation mit den hohen Leistungsanforderu ngen und der geringen Wertschätzung durch den Vater zu verstehen. Es ergebe sich kein Hinwe is darauf, dass diese Persönlichkeits- züge vor dem traumatischen Ereignis zu einer Beeinträch tigung der Arbeitsfähigkeit der Explo- randin geführt oder das Ausmass einer Persönlichkeitsstörun g angenommen hätten. Allerdings würden diese akzentuierten Persönlichkeitszüge das verminder te Abgrenzungsvermögen der Explorandin in destruktiven Beziehungen erklären. Ferne r liege eine depressive Störung vor, wobei gegenwärtig von einer mittelgradig depressiven Symptomatik auszugehen sei. Das Aus- mass der depressiven Symptomatik gehe über eine unspezifische depressive Begleitsympto- matik bei einer posttraumatischen Belastungsstörung oder anhaltenden Persönlichkeitsverän- derung hinaus, so dass eine eigenständige depressive Stör ung diagnostiziert werden müsse. Sie spiele aber eine untergeordnete Rolle in Bezug au f die Arbeitsfähigkeit im Vergleich zur Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Persönlichkeitsveränderung. Rückblickend sei von einer langjährigen grenzwertigen Kompensa- tion der Explorandin infolge vermehrtem Einsatz und Übe rengagement bei der Arbeit auszuge- hen. Sie schildere, dass sie sich in die Arbeit gestützt h abe, um sich abzulenken und zu ver- drängen. In den letzten Jahren habe der Krankheitsver lauf als fluktuierend bzw. zyklisch mit insgesamt progredienter Verschlechterung imponiert. Dur ch das Zusammenspiel von akzentu- ierten Persönlichkeitszügen und Persönlichkeitsveränderun g sei es zu dem wiederholten Mus- ter von anfänglichem Überengagement, insbesondere im Rahmen der verschiedenen Stellen- antritte, Neigung zur Selbstüberforderung, zunehmender Erschöpfung und schliesslich depres- siver Dekompensation gekommen. In Phasen der depressiven De kompensation komme es in- folge des Zusammenbruchs der innerpsychischen Abwehr/Verdrä ngung zu einer vorüberge- henden Akzentuierung der PTSB-Symptomatik. Dieses Verlauf smuster mit vermehrter Anstren- gung und zunehmenden Kontroll- und Strukturierungsversuchen sei in den beiden Berichten der Stellenbörse C.____ sehr anschaulich beschrieben worden. Die Verschlechterung des Gesund- heitszustands im Laufe der Jahre sei durch das zunehmende Versagen der Kompensations- und Verdrändungsmechanismen zu erklären. 4.3.2 Im Zusammenhang mit der konkreten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit weist Dr. I.____ darauf hin, dass aus psychiatrischer Sicht nicht nur für di e angestammten Tätigkeiten als Re- zeptionistin, kaufmännische Sachbearbeiterin oder Verkäuf erin, sondern für sämtliche Tätigkei- ten des ersten Arbeitsmarktes eine vollständige Arbeitsunf ähigkeit bestehe. Infolge der anhal- tenden Persönlichkeitsveränderung, insbesondere der ner vösen Getriebenheit, der erhöhten Reizbarkeit, des Gedankenkreisens, der Reizüberflutung, der Umstellungserschwernis, des verlangsamten Arbeitstempos und der Stimmungsschwankungen sei die Explorandin nicht in der Lage, die Anforderungen einer Arbeitsstelle im er sten Arbeitsmarkt auf Dauer zu erfüllen. Aufgrund des fluktuierenden Verlaufs mit grossen Schwanku ngen der Arbeitsfähigkeit sei sie selbst in einem niedrigprozentigen Teilzeitpensum nicht dazu in der Lage, eine konstante Leis- tung zu erbringen. In Bezug auf den Beginn der Arbei tsunfähigkeit stellt Dr. I.____ fest, dass kein genauer Zeitpunkt benannt werden könne, seit wan n die vollständige Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt bestehe. Aus psychiatrischer Sicht stelle die psychische Dekompensation Ende 2005 mit der stationären Einweisung in die psychiatrische Klinik J.____ eine entscheiden- de Zäsur in Bezug auf den beruflichen Werdegang und die Arbeitsfähigkeit der Explorandin dar. Momentan bestehe aus psychiatrischer Sicht nur eine Teila rbeitsfähigkeit im geschützten oder halb geschützten Bereich und selbst in diesem Bereich ko mme es zu vermehrten Fehlzeiten. Sodann führt Dr. I.____ aus, dass die anfänglich sehr gu te Leistungsbeurteilung durch die Stel- lenbörse C.____ nicht im Widerspruch zu der bescheinigten vollständigen Arbeitsunfähigkeit stehe. Es entspreche vielmehr der beschriebenen zyklischen Mu ster mit anfänglichem Überen- gagement, erhöhter Anstrengungsbereitschaft, Durchhalte parolen und Zusammenreissen, wo- durch die Explorandin ihre Defizite eine begrenzte Ze it lang kompensieren könne, bis es an- schliessend wieder zu einer Erschöpfung und Dekompensation komme. Durch medizinische Massnahmen könne keine signifikante, versicherungsmedizinisch re levante Besserung des Zu- standsbilds und der Arbeitsfähigkeit erreicht werden. E ine anhaltende Persönlichkeitsverände- rung sei irreversibel und könne durch therapeutische Ma ssnahmen nicht wesentlich beeinflusst werden. Eine Quantifizierung der kognitiven Defizite d urch eine neuropsychologische Testung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei angesichts der vollständigen Arbeitsunfähigkeit nicht notwendig. Eine signifikante Verbesse- rung der Arbeitsfähigkeit sei auch langfristig nicht zu erwarten. 4.3.3 Dr. I.____ äussert sich sodann auch zu abweichenden früheren medizinischen Ein- schätzungen, insbesondere zur Beurteilung durch Dr. D. ____. Dr. D.____ äussere sich sehr widersprüchlich bezüglich einer möglichen PTBS. Einerse its formuliere er einen Status nach PTBS, andererseits schreibe er, dass die erlittene PTBS teilweise eine Rolle spiele, indem in depressiven Phasen gewisse Symptome wieder auftauchen könnt en. Die diagnostischen Krite- rien einer PTBS würde er aber nicht diskutieren. Es wü rden sich auch nur kursorische Angaben zum erlittenen Trauma finden lassen. Dr. D.____ scheine bezüglich des Hergangs und des Er- lebens des erweiterten Suizids nicht exploriert zu haben. Aufgrund des traumaspezifischen Ver- meidungsverhaltens seien Betroffene aber typischerweise nicht dazu in der Lage, ohne eine entsprechende behutsame Aufforderung von dem Erlebt en zu berichten. Die differentialdia- gnostische Möglichkeit des Vorliegens einer Persönlichkeitsveränderung werde von ihm nicht in Erwägung gezogen. Es erfolge zudem keine Würdigung der unterschiedlichen diagnostischen Einschätzungen durch die behandelnden Kollegen. Die von Dr. D.____ festgestellten Diagno- sen würden dem Schweregrad und der Komplexität der psychischen Störungen der Explorandin in keiner Weise gerecht. In Bezug auf die von Dr. D.___ _ beurteilte Arbeitsfähigkeit stellt Dr. I.____ fest, dass er sich dazu – in Anbetracht der von ihm gestellten Diagnosen – in beiden Gutachten widersprüchlich äussere. Weiter habe er die vo n den behandelnden Ärzten beschei- nigte weitergehende Arbeitsunfähigkeit nicht diskutie rt und habe darauf verzichtet, fremdanam- nestische Angaben einzuholen. Ausserdem habe die Neigung der Explorandin zur Überanpas- sung und die bagatellisierende Beschwerdendarstellung o ffensichtlich zu einer Überschätzung der Explorandin durch den Gutachter geführt. In Bezug auf die Einschätzung und Beurteilung durch Dr . G.____ und lic. phil. H.____ hält Dr. I.____ fest, dass diese eine bipolare Störung diagnostizieren würden. Aufgrund der Aktenla- ge, der eigenanamnestischen und der fremdanamnestischen Angaben habe sich aber der Ein- druck ergeben, dass bei der Explorandin zu keinem Zeitpunkt hypomanische oder gar manische Phasen vorgelegen hätten. Vielmehr handle es sich um ein zyklisches Verlaufsmuster. Phasen von gehobener Stimmung oder persönlichkeitsfremden Han dlungen hätten nicht eruiert werden können. Die tageweisen emotionalen Schwankungen seien n icht durch eine bipolare Störung, sondern vielmehr durch die Affektlabilität im Rahmen de r Persönlichkeitsänderung zu erklären. Eine bipolare Störung sei aber ohne eine eigene Verlaufsbeobachtung nicht ganz auszuschlies- sen. Diese Differenzialdiagnose sei aber eher von akadem ischem Interesse, da aus psychiatri- scher Sicht aufgrund der Diagnosen und der dadurch bed ingten Einschränkungen ohnehin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt bestehe. Weitere diesbezügliche Abklä- rungen seien daher nicht notwendig. Zudem stellt Dr. I .____ fest, dass sich ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mit derjenigen der behandelnden Fachpersonen decke. 5.1 Mit Eingabe vom 5. März 2013 hielt die Beschwerdefü hrerin fest, dass dem Gutachten von Dr. I.____ volle Beweiskraft zukomme. Gestützt darauf stehe aus psychiatrischer Sicht fest, dass sowohl für die angestammte Tätigkeit als Rezeptioni stin, kaufmännische Sachbearbeiterin oder Verkäuferin als auch für sämtliche Tätigkeiten de s ersten Arbeitsmarktes eine vollständige Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsunfähigkeit bestehe. Es werde daher ab dem 1. November 2006 die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente beantragt. Ab dem 1. Juli 2008 sei von einer leichten Verbesserung der Ar- beitsfähigkeit auszugehen, was sich in der Ausübung einer 50 %-Stelle als Ladenleiterin aus- gewirkt habe. Unter Einhaltung der Dreimonatsfrist er gebe der Einkommensvergleich einen IV- Grad von 54 % und daher einen Anspruch auf eine hal be Rente ab dem 1. Oktober 2008. Dar- an ändere auch die Erhöhung des Arbeitspensums auf 60 % nichts, da diese bereits im Zu- sammenhang mit der zunehmenden Überforderung der Besc hwerdeführerin am Arbeitsplatz gestanden sei. Im November 2009 sei es zu einem erneuten Zusammenbruch gekommen, wor- auf die Beschwerdeführerin ab dem 5. November 2009 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden sei. Aus diesem Grund sei ihr ab dem 1. Februar 2010 wiederum eine ganze Rente zuzusprechen. Im Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin nach monate- langer teilweiser Krankschreibung an ihrer jetzigen gesc hützten Arbeitsstelle in der psychiatri- schen Klinik J.____ ihr Pensum ab dem 1. Februar 2013 von 40 % auf 30 % habe reduzieren müssen. Dabei verdiene sie rund Fr. 1'000.-- pro Monat. 5.2 Mit Stellungnahme vom 21. März 2013 äusserte sich die Beschwerdegegnerin dahinge- hend, dass das Gutachten von Dr. I.____ vollständig, schlüssi g und überzeugend sei. Gestützt darauf sei der Beschwerdeführerin ab dem 1. November 20 06 eine ganze IV-Rente von 100 % zuzusprechen. 5.3 Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.3 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutach- ten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Expertinnen und Experten ab. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könn- ten, die Ergebnisse des Gutachtens von Dr. I.____ vom 28. Januar 2013 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzustellen , dass das Gutachten die rechtspre- chungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteil ungsgrundlage in jeder Hin- sicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Be- schwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben wor den, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und es nimmt insbesondere eine äusserst differenzierte und übe rzeugende Beurteilung des Ge- sundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdef ührerin vor. Insbesondere enthält es neben einer umfangreichen und detaillierten Darle gung der subjektiven Angaben der Be- schwerdeführerin auch fremdanamnestische Angaben der Mu tter der Beschwerdeführerin, des Vorgesetzten an der jetzigen Arbeitstelle, der behandel nden Psychologin und des behandeln- den Psychiaters sowie der aktuellen Job-Coachin. Das Gut achten weist sodann keine Wider- sprüche auf. Es enthält eine ausführliche Darlegung und eingehende Würdigung der medizini- schen Aktenlage. Es setzt sich auch ausführlich mit den bei den Akten liegenden abweichenden fachärztlichen Einschätzungen auseinander. So legt es ins besondere einlässlich dar, weshalb nicht auf die Ergebnisse der Gutachten von Dr. D.____ ab gestellt werden kann. Die entspre- chenden, vorstehend in Erwägung 4.3.3 wiedergegebenen Darlegungen von Dr. I.____ sind überzeugend, so dass an dieser Stelle von einer weiteren Auseinandersetzung mit der abwei- chenden Einschätzung von Dr. D.____ abgesehen und stattd essen vollumfänglich auf die schlüssigen fachärztlichen Ausführungen im Gerichtsgutachten verwiesen werden kann. Als Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ergebnis ist demnach mit dem überzeugenden Gutachten u nd den Parteien festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund der bei ihr erhobenen Befunde ab Eintritt in die psychiatri- sche Klinik J.____ am 22. November 2005 keine Arbeitsf ähigkeit in der freien Wirtschaft mehr besteht. 6.1 Zu prüfen ist in einem nächsten Schritt, wie sich d ie eingeschränkte Arbeitsfähigkeit auf die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt. Wie bereits oben ausgeführt (vgl. Erwä- gung 3.2 hiervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invalidi tätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Gestützt auf das Gerichtsgutachten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. November 2005 keine auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr h at. Sie hat daher unter Berücksichti- gung der einjährigen Wartefrist ab dem 1. November 2006 Anspruch auf eine ganze IV-Rente. 6.2.1 Nicht ausser Acht gelassen werden darf aber, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 2008 zu 50 % als Ladenleiterin bei der Stellenbörse C.____ gearbeitet hat. In Anbetracht des Umstands, dass es sich bei dieser Festanstellung nicht nur um einen Arbeitsversuch ge- handelt hat, sondern um eine Arbeitstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt, für die die Be- schwerdeführerin marktgerecht entlöhnt worden ist, ist der Invaliditätsgrad analog der Regelung von Art. 17 ATSG neu zu berechnen (vgl. Erwägung 2.7 h iervor). Denn eine Rente ist nicht nur anzupassen, wenn sich der Gesundheitszustand erheblich ve rbessert bzw. verschlechtert, son- dern auch dann, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Ge- sundheitsschadens erheblich ändern. Es ist daher per 1. Jul i 2008 ein Einkommensvergleich durchzuführen. Dabei ist von dem Valideneinkommen auszug ehen, dass von der Beschwerde- gegnerin in der angefochtenen Verfügung für das Jahr 2006 ermittelt worden ist (Fr. 79'785.--). Angepasst an die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2008 (BFS T1.2.93_V Nominallohnindex Frauen 1993-2006, Sektor Verkehr und Nachrichtenüberm ittlung [im Jahr 2007: 1.6 % und im Jahr 2008: 2.1 %]), ergibt sich ein Valideneinkommen von Fr. 82'764.--. 6.2.2 Das Invalideneinkommen beträgt gestützt auf die An gaben der Stellenbörse C.____ Fr. 37'050.-- (Fr. 2'850.-- x 13; vgl. dazu Fragebogen für Arbeitgebende: Berufliche Integrati- on/Rente, IV-Akte 43, S. 3/8). Dabei spielt der Umsta nd, dass gemäss Fragebogen das Ar- beitspensum per 1. Januar 2009 auf 60 % erhöht worden ist, für die vorliegende Rentenberech- nung keine Rolle, denn im Bericht der Stellenbörse C._ ___ vom 21. Dezember 2009 (IV-Akte 43, S. 8/8) wird festgehalten, dass die Leistungsfähigk eit auch bei einer Präsenzzeit von 60 % maximal 50 % betragen habe. Es bleibt somit dabei, da ss ab dem 1. Juli 2008 von einem Inva- lideneinkommen von Fr. 37'050.-- auszugehen ist. 6.2.3 Der Einkommensvergleich ergibt bei einem Validen einkommen von Fr. 82'764.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 37'050.-- einen Inval iditätsgrad von 55 %. Damit wird die seit dem 1. November 2006 ausgerichtete ganze IV-Rent e unter Einhaltung der Dreimonatsfrist nach Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 per 1. Oktober 2008 auf eine halbe Rente herabgesetzt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Im November 2009 kam es zu einem Zusammenbruch der B eschwerdeführerin, infolge dessen sie ab dem 5. November 2009 zu 100 % arbeitsunfä hig geschrieben wurde. Gestützt auf diesen Umstand und die Beurteilung von Dr. I.____ ist davon auszugehen, dass es der Be- schwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt definitiv nicht mehr möglich war, ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verwerten. Es liegt somit erneut ein Revisionsgrund vor, der eine Anpassung der ab dem 1. Oktober 2008 auszurichtende n halben IV-Rente erforderlich macht. Der Beschwerdeführerin ist unter Einhaltung der Dreimonatsfrist nach Art. 29 Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 88a Abs. 2 IVV ab dem 1. Febr uar 2010 wiederum eine ganze Invaliden- rente auszurichten. 7. Die Beschwerde erweist sich als begründet und ist in d em Sinne gutzuheissen, als die angefochtenen Verfügungen vom 25. Januar 2012 und vom 10. Februar 2012 aufgehoben wer- den und der Beschwerdeführerin ab dem 1. November 2006 eine ganze IV-Rente, ab dem 1. Oktober 2008 eine halbe IV-Rente und ab dem 1. F ebruar 2010 wiederum eine ganze IV- Rente zugesprochen wird. 8.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art . 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht koste npflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegne rin unterliegende Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorin stanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskoste n auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die Beschwerdegegnerin als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahrenskosten erhoben. 8.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 entschieden hat , sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend war ein Ent- scheid in der Angelegenheit gestützt auf die vorhanden e medizinische Aktenlage nicht möglich. Für eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin war das zwischenzeitlich in Auftrag gegebene Gerichtsgutachten vom 28. Januar 2013 unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach dessen Kosten, welche sich gemäss Honorarrechnung von Dr. I.____ vom 24. Januar 2013 auf Fr. 6'509.-- be- laufen, der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist der Beschwerde- führerin deshalb eine angemessene Parteientschädigung z uzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honorarnote vom 1. Februar 2013 einen Zeitaufwand von 22 Stunden und 25 Minuten geltend gemacht, was sich umfangmässig als angemessen erweist. Damit ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'562.50 (22.25 x Fr. 250.--) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden die ange fochtenen Verfügun- gen vom 25. Januar 2012 und vom 10. Februar 2012 aufg ehoben und der Beschwerdeführerin wird vom 1. November 2006 bis 30. September 2008 eine ganze IV-Rente, vom 1. Oktob er 2008 bis 30. Januar 2010 eine halbe IV-Rente und ab dem 1. Fe bruar 2010 wiederum eine ganze IV-Rente zugesprochen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 6'509.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 5'562.50 (inkl. Auslagen) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht