<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 79 S.293</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>B. Steuergesetz (StG) vom 15. Dezember 1998</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>79</b></span> <span class="ft2"><b>Haftung bei rechtlich oder tatsächlich getrennter Ehe (§ 22 Abs. 2 StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anteilige Haftung jedes Ehegatten auch in Bezug auf jene offenen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>d.h. unbezahlten Steuerforderungen, die noch während der unge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>trennten Ehe entstanden sind.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Zeitpunkt der Anrechnung individueller Zahlungen eines Ehegatten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>an seinen Haftungsanteil.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">29. April 2004 in Sachen M.J., RV.2003.50320/K 8285</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2. K. und M. J. haben sich per 1. Februar 2002 getrennt. Sie</span><br/> <span class="ft7">wurden daher von der Steuerkommission L. am 19. Dezember 2002</span><br/> <span class="ft7">je mit einer separaten Verfügung für das Jahr 2001 zu einem steuer-</span><br/> <span class="ft7">baren Einkommen von Fr.</span> <span class="ft7">92'900.-- veranlagt, was einen Ge-</span><br/> <span class="ft7">samtsteuerbetrag von Fr. 11'627.50 ergibt. Diese Veranlagungen er-</span><br/> <span class="ft7">wuchsen in Rechtskraft. Gestützt darauf hat die Steuerkommission L.</span><br/> <span class="ft7">am 25. Februar 2003 eine Haftungsverfügung erlassen. Danach be-</span><br/> <span class="ft7">trägt die Haftungsquote für K. J. 34,1036 % und für M. J. 65,8964 %</span><br/> <span class="ft7">für die noch offene Steuerforderung des Jahres 2001 von</span><br/> <span class="ft7">Fr. 4'920.10. Es handelt sich dabei um die Gesamtsteuer für das Jahr</span><br/> <span class="ft7">2001 von Fr. 11'627.50 abzüglich die von M. J. bereits geleisteten</span><br/> <span class="ft7">Zahlungen von Fr. 6'707.40.</span><br/> <span class="ft7">3. a) Der Vertreter der Rekurrentin macht geltend, die Haf-</span><br/> <span class="ft7">tungsquoten würden sich auf die Gesamtsteuer von Fr. 11'627.50</span><br/> <span class="ft7">(und nicht lediglich auf Fr. 4'920.10) beziehen.</span><br/> <span class="ft7">b) Die Haftung ist in § 22 StG geregelt. Er lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft8">"1 Verheiratete, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe le-</span><br/> <span class="ft8">ben, haften solidarisch für die Gesamtsteuer. Jeder Eheteil haftet je-</span><br/> <span class="ft8">doch nur für seinen Anteil an der Gesamtsteuer, wenn der andere</span><br/> <span class="ft8">zahlungsunfähig ist. Ferner haften sie solidarisch für denjenigen Teil</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">294</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">an der Gesamtsteuer, der auf das Kindereinkommen und -vermögen</span><br/> <span class="ft8">entfällt.</span><br/> <span class="ft8">2 Bei rechtlich oder tatsächlich getrennter Ehe entfällt die Solidar-</span><br/> <span class="ft8">haftung auch für alle noch offenen Steuerschulden.</span><br/> <span class="ft8">3 (minderjährige</span> <span class="ft8">Kinder)."</span><br/> <span class="ft7">Der vorliegend massgebliche Abs. 2 stimmt wörtlich mit Art. 13</span><br/> <span class="ft7">Abs. 2 DBG überein. Es kann daher auch die dazu ergangene</span><br/> <span class="ft7">Literatur herangezogen werden.</span><br/> <span class="ft7">c) Die solidarische Haftung der Ehegatten für die Gesamtsteuer</span><br/> <span class="ft7">setzt voraus, dass das Ehepaar in rechtlich und tatsächlich unge-</span><br/> <span class="ft7">trennter Ehe lebt. Sobald die Ehegatten rechtlich oder tatsächlich ge-</span><br/> <span class="ft7">trennt leben, entfällt jede Solidarhaftung. Dieser Ausschluss der So-</span><br/> <span class="ft7">lidarhaftung gilt nicht nur für künftige, sondern auch für alle beste-</span><br/> <span class="ft7">henden Steuerforderungen, denn Abs. 2 von § 22 StG bezieht "alle</span><br/> <span class="ft7">noch offenen Steuerschulden" ein. Nach der Trennung haftet jeder</span><br/> <span class="ft7">Ehegatte auch in Bezug auf jene Steuerforderungen, die noch wäh-</span><br/> <span class="ft7">rend der ungetrennten Ehe entstanden sind (vorliegend die Steuern</span><br/> <span class="ft7">für das Jahr 2001), nur für jenen Teil an der Gesamtsteuer, der auf</span><br/> <span class="ft7">seine eigenen steuerbaren Werte entfällt (P. Agner/B. Jung/G. Stein-</span><br/> <span class="ft7">mann, Kommentar zum Gesetz über die direkte Bundessteuer, Zürich</span><br/> <span class="ft7">1995, Art. 13 DBG N 4; P. Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil,</span><br/> <span class="ft7">Therwil/Basel 2001, Art 13 DBG N 14; B. Greminger, in: Kommen-</span><br/> <span class="ft7">tar zum Schweizerischen Steuerrecht I/2a, Art. 13 DBG N 9). Die</span><br/> <span class="ft7">anteilige Haftung bezieht sich auf "alle noch offenen Steuerschulden"</span><br/> <span class="ft7">im Zeitpunkt des Wegfalls der solidarischen Haftung (Kommentar</span><br/> <span class="ft7">zum Aargauer Steuergesetz, 2. Auflage, Muri-Bern 2004, § 22 StG</span><br/> <span class="ft7">N 4 und 8), vorliegend also am 1. Februar 2002. Unter "offenen</span><br/> <span class="ft7">Steuerschulden" sind die noch unbezahlten, ausstehenden</span><br/> <span class="ft7">Steuerschulden zu verstehen (vgl. B. Greminger, a.a.O., Art. 13 DBG</span><br/> <span class="ft7">N 2). Die vom Vertreter der Rekurrentin vertretene Auffassung,</span><br/> <span class="ft7">solange keine rechtskräftige definitive Veranlagung vorliege, seien</span><br/> <span class="ft7">die Steuerschulden (unabhängig von allfälligen Anzahlungen)</span><br/> <span class="ft7">rechtlich als offen zu taxieren, ist aufgrund des klaren Wortlautes von</span><br/> <span class="ft7">§ 22 Abs. 2 StG ("offene Steuerschulden" und nicht "offene Steuer-</span><br/> <span class="ft7">veranlagungen") abzulehnen. Erst vom Zeitpunkt der Trennung an</span><br/> <span class="ft7">bzw. nach Eröffnung der Haftungsverfügung werden die Zahlungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">295</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">eines Ehegatten individuell an seinen Haftungsanteil angerechnet</span><br/> <span class="ft7">(Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 22 StG N 7; Wei-</span><br/> <span class="ft7">sungen des Steueramtes des Kantons Aargau betreffend verfahrens-</span><br/> <span class="ft7">rechtliche Stellung und Haftung der Ehegatten vom 30. November</span><br/> <span class="ft7">2000, Ziff. 3.6). Die Vorinstanz hat daher zu Recht von der Ge-</span><br/> <span class="ft7">samtsteuer für das Jahr 2001 von Fr. 11'627.50 die von der Rekur-</span><br/> <span class="ft7">rentin vor dem 1. Februar 2002 bezahlten Fr. 6'707.40 abgezogen</span><br/> <span class="ft7">und die Haftungsquoten auf die im Zeitpunkt der Trennung noch of-</span><br/> <span class="ft7">fene Steuerforderung von Fr. 4'920.10 angewendet. Der Eventualan-</span><br/> <span class="ft7">trag des Vertreters der Rekurrentin, es sei die Haftungsquote auf</span><br/> <span class="ft7">Fr. 2'460.05 anzuwenden, da K. J. per 30. Januar 2003 die andere</span><br/> <span class="ft7">Hälfte bezahlt habe, ist abzulehnen, weil diese Zahlung keinen</span><br/> <span class="ft7">Einfluss auf die massgebliche, d.h. im Zeitpunkt der Trennung offene</span><br/> <span class="ft7">Steuerforderung hat.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>