B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III F-3801/2015 U r t e i l v o m 1 0 . A u g u s t 2 0 1 6 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Yannick Antoniazza-Hafner, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. F-3801/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1980 geborene philippinische Staatsangehörige B._______ (nachfol- gend: Gesuchstellerin) beantragte am 31. März 2015 bei der Schweizeri- schen Botschaft in Manila ein Schengen-Visum für einen knapp dreimona- tigen Besuchsaufenthalt bei A._______ (nachfolgend: Gastgeber bezie- hungsweise Beschwerdeführer ) im K anton Zug (Akten der Vorinstanz [nachfolgend SEM act.] 3/33 – 36). Der Gastgeber hatte bereits zuvor ein entsprechendes Einladungsschrei- ben (datiert vom 18. März 2015) verfasst. Darin führte er aus, bei der Ein- geladenen handle es sich um seine Freundin. Er kenne sie seit Ende 2014 und habe sie im Januar 2015 während einer Woche in ihrem Heimatland besucht. Im Februar 2015 hätten sie dann zusammen einen Monat in Thai- land verbracht. Er selbst sei auf den Rollstuhl angewiesen und habe sich schon in der Vergangenheit regelmässig während des Winters dort aufge- halten. Im April 2015 werde er in die Schweiz zurückkehren. Danach möchte er den Sommer mit ihr zusammen in der Schweiz verbringen, und sie seiner Familie (insbesondere seiner Mutter) vorstellen. Den nächsten Winter würden sie dann wiederum zusammen in Thailand und auf den Phi- lippinen verbringen. Er sichere die Übernahme sämtlicher Kosten im Zu- sammenhang mit dem Besuchsaufenthalt seiner Freundin zu (SEM act. 3/23). B. Mit Formularentscheid vom 17. April 2015 lehnte es die schweizerische Vertretung in Manila ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begrün- dete ihre Haltung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für die fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen - Raum nach einem Besuchsaufenthalt (SEM act. 3/31 f.). C. Gegen diesen Entscheid erhob der Gastgeber am 21. April 2015 Einspra- che bei der Vorinstanz. Dabei argumentierte er im Wesentlichen, d ie Be- fürchtung der Schweizer Vertretung sei nicht gerechtfertigt. Dies vor allem deshalb nicht, weil die Gesuchstellerin in ihrer Heimat zwei Kinder und wei- tere Familienangehörige habe und er als ihr Freund jeweils den ganzen Winter in Thailand und auf den Philippinen verbringe (SEM act. 1/2). F-3801/2015 Seite 3 D. Auf Ersuchen der Vorinstanz hin richtete die Migrationsbehörde des Kan- tons Zug am 18. Mai 2015 einen Fragenkatalog an den Gastgeber, den dieser am 20. Mai 2015 schriftlich beantwortete (SEM act. 5/42 f.). E. Mit Verfügung vom 4. Juni 2015 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertretung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise der Gesuch- stellerin nach einem Aufenthalt im Schengen-Raum nicht als gesichert be- trachtet werden könne. Diese stamme aus einer Region, aus der als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhält- nisse ein anhaltend starker Zu- (recte: Aus-)wanderungsdruck festzustellen sei. In ihren familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen seien keine Um- stände in Form besonderer Verpflichtungen oder einer starken Verwurze- lung zu erkennen, die das grundsätzlich anzunehmende Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise entscheidend relativieren könnten. Die Ge- suchstellerin sei zwar verwitwet und Mutter zweier kleiner Kinder im Alter von zwei und vier Jahren. Die geplante lange Abwesenheit zeige aber, dass die anzunehmenden familiären Verpflichtungen nicht ernsthaft von einer Emigration abzuhalten vermöchten. Zudem gehe die Gesuchstellerin in ih- rem Heimatland keiner Erwerbstätigkeit nach (SEM act. 6/46 – 49). F. Gegen den Einspracheentscheid gelangte der Gastgeber mit einer Be- schwerde vom 17. Juni 2015 an das Bundesverwaltungsgericht. Darin be- antragt er implizit die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Ausstellung des gewünschten Visums. Zur Begründung macht er sinnge- mäss abermals geltend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die Wiederausreise der Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufent halt nicht gesichert wäre. Er und seine Freundin wollten einfach nur im Sommer drei Monate zusammen in der Schweiz verbringen, damit sie nicht während sieben Monaten voneinander getrennt seien; sie hätten nichts Illegales vor. Er garantiere dafür, dass die Gesuchstellerin nicht in der Schweiz bleiben werde. G. Mit einer weiteren Eingabe vom 28. Juni 2015 informierte der Beschwer- deführer das Bundesverwaltungsgericht über eine erneute Landesabwe- senheit zwischen Mitte Oktober 2015 und Anfang April 2016. F-3801/2015 Seite 4 H. Die Vorinstanz verzichtete in ihrer Vernehmlassung vom 7. Juli 2015 da- rauf, zur Beschwerde inhaltlich Stellung zu nehmen und beantragt deren Abweisung. I. Die Vernehmlassung der Vorinstanz wurde dem Beschwerdeführer mit Be- gleitschreiben vom 14. Juli 2015 zur Kenntnis gebracht. J. In einer weiteren unaufgefordert eingereichten Schreiben vom 29. Septem- ber 2015 informierte der Beschwerdeführer das Bundesverwaltungsgericht nochmals darüber, dass er nun für 5 ½ Monate zu seiner Freundin fliegen werde. K. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des SEM betreffend Schengen -Visa sind beim Bundes- verwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Gastgeber und Einsprecher zur Be- schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes- sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. F-3801/2015 Seite 5 Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever- fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis- sen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver- hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer philippinischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen knapp dreimona- tigen Aufenthalt (87 Tage) in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuch- stellerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorlie gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen An- wendungsbereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazugehörigen gemein- schaftsrechtlichen Rechtakte übernommen hat. Das Ausländ ergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur so- weit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine ab- weichenden Bestimmungen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz is t daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge- setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraus- setzungen für Einreise und Visum aufstellt und di e Mitgliedstaaten ver- pflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset- zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5; a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Caroni / Gächter / Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän- der, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). F-3801/2015 Seite 6 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, de- ren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz ei- nes Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsan- gehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt ver- fügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204, Fassung gemäss Änderung vom 4. Mai 2016, AS 2016 1283 ] i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EU] Nr. 2016/399 des Europäi- schen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemein- schaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfol- gend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77 vom 23.03.2016; kodifi- zierter Text], Art. 4 Abs. 1 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beab sichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 6 Abs. 1 Bst. c und Abs. 4 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfol- gend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausrei chende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informati- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar- stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 6 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristgerecht wie- der zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil F-3801/2015 Seite 7 des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr für eine gesicherte Wiederaus- reise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt v orgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einrei- seerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 6 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum aus genom- men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 36 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Grün- den, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehö- rigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht er- füllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestat- tet werden, vgl. Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 5. 5.1 Aufgrund ihrer Staatszugehörigkeit unterliegt die Gesuchstellerin der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 [ABl. L 81 vom 21.03.2001; zum voll ständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV]). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Hei- matland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin als nicht genügend gewährleistet. Zur Einschätzung entsprechender Risiken sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreise- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit po-F-3801/2015 Seite 8 litisch oder wirtschaftlich ver gleichsweise ungünstigen Verhältnissen kön- nen ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. 5.3 In den Philippinen sind breite Bevölkerungsschichten von vergleichs- weise kargen wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen betroffen. Obwohl das Land in den letzten Jahren stabile wirtschaftliche Wachstums- raten von durchschnittlich 6% verzeichnete, bleibt die Armut ein ungelöstes Problem. Nach Angaben der Weltbank stagniert sie bei rund 25% der Be- völkerung, und dies gegen den Trend der Südostasien -Region, in der die Armut allgemein rückläufig ist. Ein wesentlicher Grund dafür ist das hohe Bevölkerungswachstum von ca. 2% (etwa 2 Mio. pro Jahr). Die markante Bevölkerungszunahme dürfte auch Grund dafür sein, dass Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung trotz Wirtschaftswachstum drängende Probleme darstellen. Die Arbeitslosenrate lag zwar nach offiziellen Angaben in den letzten Jahren recht stabil bei 7%. Dem steht allerdings ein starker Anstieg der Unterbeschäftigten (ca. 23%) gegenüber. Jedes Jahr verlassen des- halb mehr als eine Million Menschen das Land, um im Ausland Arbeit zu suchen, wobei die Tendenz zunehmend ist. Die Entsendung von Gastar- beitern ins Ausland hilft, den heimischen Arbeitsmarkt zu entlasten, und sie dient darüber hinaus auch der Erwirtschaftung von Devisen und der Ankur- belung des Inlandkonsums (Quelle: Deutsches Auswärtiges Amt: www.auswaertiges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinformati- onen > Philippinen > Wirtschaft, Stand: November 2015, besucht im Juli 2016). 5.4 Vor allem in grossen Teilen der jüngeren Bevölkerung ist ein starker Trend zur Emigration festzustellen. Dabei gelten auch Europa und hier nicht zuletzt die Schweiz als Ziel destination vieler Auswanderer und Aus- wanderinnen im erwerbsfähigen Alter, welche sich auf diese Weise ihre ei- gene Existenz und oft auch diejenige zurückbleibender naher Angehöriger sichern möchten. Die Tendenz zur Auswanderung wird erfahrungsgemäss dort noch begünstigt, wo bereits ein soziales Beziehungsnetz (Verwandte, Freunde) im Ausland besteht. Im Falle der Schweiz führt dies angesichts der restriktiven Zulassungsregelung nicht selten zur Umgehung ausländer- rechtlicher Bestimmungen, indem – einmal eingereist – versucht wird, neue Fakten zu schaffen und die Anwesenheit auf eine ganz andere, dauerhafte Grundlage überzuführen. F-3801/2015 Seite 9 5.5 In Anbetracht dieser Umstände ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise mit Bezug auf gesuchstellende Personen aus den Philippinen allgemein als erheblich einschätzt. Allerdings sind bei der Risikoanalyse neben allgemeinen Um- ständen und Erfahrungen auch sämtliche Gesichtspunkte d es konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen. In beweisrechtlicher Hinsicht ist festzuhal- ten, dass ein Visum nur erteilt werden darf, wenn keine begründeten Zwei- fel an der Absicht gesuchstellender Personen bestehen, den Schengen - Raum vor Ablauf des Visums wieder zu verlassen (BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.3.1 je m.H.). 6. 6.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine mittlerweile 35 Jahre alte, seit 2014 verwitwete Frau und Mutter zweier Kleinkinder (im Zeitpunkt des Visumsantrags zwei und vier Jahre alt ). Sie lebt zusammen mit ihren Eltern, ihren beiden Kindern und einer Schwester in einem gemeinsamen Haushalt in C._______, der Hauptstadt der Provinz D._______ (SEM act. 5/42). Die Gesuchstellerin geht keiner Erwerbstätigkeit nach und wird von ihren Eltern finanziell unterstützt (SEM act. 3/24 und 3/27). Demnach hat sie in ihre Heimat keine beruflichen Verpflichtungen, welche die Prognose einer fristgerechten und anstandslosen Wiederausreise nach ei nem Auf- enthalt im Schengen-Raum begünstigen könnten. Als Mutter zweier Klein- kinder dürfte sie zwar durchaus enge familiäre Bindungen haben. Anderer- seits beabsichtigt sie einen fast dreimonatigen Auslandaufenthalt ohne die Kinder, was zeigt, dass deren Betreuung auch über längere Zeit auf andere Weise sichergestellt werden kann. Die daraus abzuleitenden Verpflichtun- gen scheinen insgesamt nicht so stark zu sein, dass sie von längerfristigen Abwesenheiten abhalten könnten. 6.2 Die Gesuchstellerin und der Beschwerdeführer kennen sich noch nicht besonders lange. Sie sind sich im Dezember 2014 auf einer Dating-Platt- form im Internet begegnet (SEM act. 3/27 und act. 5/43). Seither waren sie zwar offenbar mehrmals und über längere Zeit zusammen (SEM act. 3/23). Dennoch sind Vorbehalte am Platz, wenn der Beschwerdeführer für sich in Anspruch nimmt, mögliche Vorstellungen seiner Freundin über eine kurz - oder mittelfristige Lebensplanung abschätzen zu können. Immerhin lebt sie in einem ganz anderen Kulturkreis und ist mehr als 20 Jahre jünger als der Beschwerdeführer. Es ist unter diesen Umständen nicht auszuschliessen, dass sie - sollte sich die Beziehung nicht in der gewünschten Form festigen und weiterentwickeln – den Aufenthalt in der Schweiz bzw. im Schengen-F-3801/2015 Seite 10 Raum dazu benutzen könnte, eine Emigration auf andere Weise zu reali- sieren. 6.3 Vor dem dargelegten allgemeinen und persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Ge suchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Beurteilung ändert die Tatsa- che nichts, dass der Beschwerdeführer die rechtzeitige Rückkehr der Ge- suchstellerin zusichert. In seiner Eigenschaft als Gastgeber kann er zwar für gewisse finanziell e Risiken (Lebens haltungskosten während des Be- suchsaufenthalts, allfällige nicht von einer Versicherung gedeckte Kosten für Unfall und Krankheit sowie Repatriierung) Garantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten seines Gastes (vgl. BVGE 2009/27 E. 9). 6.4 Das Interesse des Beschwerdeführers daran, die Gesuchstellerin in die Schweiz einzuladen, ist legitim. Es vermag aber – zumindest heute noch – aus den dargelegten Gründen gegen das öffentliche Interesse an der Ver- hinderung einer Missachtung einschlägigen Normen nicht aufzukommen. 6.5 Ist die Wiederausreise solchermassen nicht als gesichert zu betrach- ten, darf nach dem bereits Gesagten ein Visum für den gesamten Schen- gen-Raum nicht erteilt werden. Der Beschwerdeführer macht sodann keine – z.B. humanitäre – Gründe für die Erteilung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit geltend; solche Gründe sind auch aus den Akten nicht ersichtlich (vgl. E. 4.5 vorstehend). 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 11 F-3801/2015 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref-Nr.[…]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand: