B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7261/2018 U r t e i l v o m 1 8 . O k t o b e r 2 0 2 1 Besetzung Richter David R. Wenger (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiber Matthias Neumann. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, vertreten durch MLaw Roman Schuler, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 15. November 2018 / N (…). E-7261/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 26. August 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Am 31. August 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Da- bei gab er an, er heisse B._______ und sei eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Ethnie. Er sei am 9. Oktober 1989 in C._______, Eritrea, gebo- ren, jedoch sei seine Familie 1992 nach F._______, Äthiopien, ausgewan- dert, wo er auch aufgewachsen sei und die Schule besucht habe, weshalb er als Muttersprache Amharisch spreche. Sein Vater sei im Jahr 2000 aus Äthiopien ausgewiesen worden und er sei mit ihm nach C._______, Eritrea, zurückgekehrt, wo er weder gearbeitet noch die Schule besucht habe. 2004 sei er mit seinem Vater in den Sudan gereist, um dort Arbeit zu su- chen. Bis 2008 habe er ohne gültigen Aufenthaltstitel in D._______, Sudan, gelebt . Nachdem sein Vater schwer krank geworden sei, sei er im selben Jahr mit ihm nach C._______, Eritrea, zurückgekehrt und habe beim O nkel väterlicherseits gewohnt. Zwei Monate später sei sein Vater verstorben. Kurz nach dem Ableben des Vaters habe er Kontakt geknüpft mit christlichen Glaubensbrüdern, welche damals heimlich im Un- tergrund ihre Gebete abgehalten hätten. Nachdem er eines Abends an ei- ner Messe dieser Gemeinde in einem privaten Haus teilgenommen habe, seien Soldaten in das Haus gestürmt und hätten ihn mit weiteren Glau- bensbrüdern festgenommen, geschlagen und an einen ihm nicht bekann- ten Ort in eine dunkle Zelle gebracht, wo sie die Nacht hätten verbringen müssen. Am nächsten Morgen habe man ihn und die weiteren Personen auf freien Fuss gesetzt, nachdem sein Onkel die Polizisten bestochen habe. Aufgrund dieses Vorfalls habe der Beschwerdeführer in grosser Angst gelebt und sich entschlossen, Eritrea zu verlassen. So habe er sich 2008 nach D._______, Sudan, begeben, wo er sich bis 2014 ohne Aufent- haltstitel aufgehalten habe. Mit Ersparnissen und durch Unterstützung von Dritten habe er sich über einen Schlepper einen gefälschten sudanesi- schen Pass besorgt und sei zuerst mit dem Flugzeug aus dem Sudan in ein unbekanntes Land ausgereist, von wo aus er am 20. August 2015 mit dem Auto in die Schweiz gefahren worden sei. Der Beschwerdeführer hat anlässlich der BzP keine Identitätsausweise oder andere Unterlagen eingereicht. Eigenen Angaben zufolge habe er über eine eritreische Identitätskarte verfügt, welche er jedoch im Sudan verloren habe. E-7261/2018 Seite 3 B. Am 3. Juli 2017 fand die erste Anhörung statt . Der Beschwerdeführer reichte anlässlich dieser Anhör ung ein äthiopisches Geburtszertifikat (im Original), einen äthiopischen Führerausweis (in Kopie) sowie einen selbst verfassten ans SEM adressierten Brief in amharischer Sprache ein. Er er- klärte, die auf dem Geburtszertifika t und Führerausweis aufgeführte Per- son sei er selbst. Anlässlich der BzP habe er falsche Angaben über seine Herkunft, seine Identität und seine Biographie gemacht. Beim eingereich- ten Brief handle es sich um einen Entschuldigungsbrief, mit dem er die Hintergründe für sein Verhalten erläutere. Als er hier (in der Schweiz) an- gekommen sei, hätten ihm gewisse Personen dazu geraten, sich im Asyl- verfahren als Eritreer auszugeben, da er als Äthiopier kaum Chancen auf Asyl in der Schweiz habe. Sein Name sei A._______, geboren am (…) in E._______ im Süden Äthi- opiens. Er sei dort mit 6 Geschwistern aufgewachsen und habe bis zur 6. Klasse die Schule im Ort besucht. Zu seinen Asylgründen brachte er im Wesentlichen das Folgende vor: Seine Familie habe ein Grundstück be- sessen, das sie selbst bewirtschaftet und auf dem sie in einem Haus gelebt hätten. Ihm nicht näher bekannte Personen, die Verbindungen zur Politik gehabt hätten und reich gewesen seien, hätten versucht, der Familie ihr Grundstück wegzunehmen. Sie habe sich dagegen gewehrt. Im Jahr 2005 seien Soldaten in ihrem Haus erschienen und hätten seine Mutter und ihn mitgenommen und unter Gewaltanwendung in ein Gefängnis verbracht. Sie seien beschuldigt worden, andere Personen zu P rotesten gegen die Regierung angestiftet zu haben. Die Soldaten hätten ihn wiederholt brutal geschlagen. Am nächsten Tag sei er aufgrund der erlittenen Verletzungen von den Soldaten aus dem Gefängnis entlassen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Seine Mutter sei noch etwas länger im Gefängnis fest- gehalten und später gegen Bezahlung einer Geldsumme durch seinen On- kel mütterlicherseits aus dem Gefängnis freigelassen worden. Den gröss- ten Teil des Familiengrundstücks, auf das es diese nicht näher bekannten Leute abgesehen hätten, sei ihnen weggenommen worden. Nach diesem Vorfall, und aus Angst vor weiterer Verfolgung durch diese Leute, sei er mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester nach F._______ geflüchtet, wo sie fortan bei seiner Tante mütterlicherseits ge- lebt hätten. In den folgenden Jahren habe er sich in F._______ eine Iden- titätskarte ausstellen lassen können, für zwei Jahre die Abendschule besu- chen und in verschiedenen Berufen arbeiten und sich mit dem Lohn den E-7261/2018 Seite 4 Lebensunterhalt finanzieren können. In dieser Zeit sei er auch vom christ- lich-orthodoxen zum ch ristlich-evangelischen G lauben konvertiert, wes- halb ihn seine Familie vermehrt ausgegrenzt und den Kontakt zu ihm ab- gebrochen habe. Im Jahr 2012 hätten seine Mutter und die jüngere Schwester Äthiopien verlassen und seien G._______ geflüchtet, wo sie seither mit eine m gültigen Aufenthaltstitel leben würden. Nachdem seine Mutter das Land verlassen habe, hätten die Probleme rund um das Grund- stück seiner Familie im Dorf wieder zugenommen und er sei danach auch in F._______ von diesen Leuten einmal zuhause heimgesucht und auf der Strasse verfolgt und geschlagen worden. Deshalb habe er innerhalb von F._______ mehrmals den Wohnsitz gewechselt, um sich vor diesen Leuten verstecken zu können. Im September 2014 habe er sich in sein Heimatdorf begeben, um seinen kranken Vater zu besuchen. Dort hätten Soldaten ver- sucht, ihn zu verhaften. Nachdem er zurück nach F._______ gegangen sei, hätten ihn Leute vom Geheimdienst zuhause festgenommen, auf die Poli- zeistation gebracht, geschlagen und in der Nacht draussen wieder abge- setzt. Die gleichen Leute hätten kurz danach ein weiteres Mal versucht, ihn vor seinem Haus abzufangen. Er habe aber rechtzeitig fliehen können und sich aufgrund dieses erneuten Vorfalls dazu entschlossen, das Land zu verlassen. Im November 2014 habe er Äthiopien schliesslich verlassen und sei über den Sudan, Libyen und L._______ in die Schweiz eingereist. C. Mit Verfügung vom 16. November 2018 stellte das SEM fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. D. Mit Eingabe vom 19. Dezember 2018 reichte der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und be- antragte, es sei die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltserstellung sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Flüchtlingseigen- schaft festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren; sub eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er diverse Unterlagen als Beweis- mittel ein ([…]-Niederlassungsbewilligung der Mutter und der Schwester in E-7261/2018 Seite 5 Kopie, Auszug Asylentscheid der Mutter in Kopie, Unterlagen zur persönli- chen Situation wie Arztbericht, Lehrvertrag etc.) E. Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2019 stellte der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens einstwei- len in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unent- geltliche Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses und bestellte dem Beschwerdef ührer in der Person von Rechtsanwalt Roman Schuler einen amtlichen Rechtsbeistand. Gleichzei- tig lud er das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. Dieser Auf- forderung kam es mit Eingabe vom 23. Januar 2019 nach und legte dieser einen länderspezifischen medizinischen Bericht über psychiatrisch -psy- chotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten in Äthiopien bei. F. Der Beschwerdeführer replizierte nach gewährter Fristerstreckung mit Ein- gabe vom 26. Februar 2019 und reichte neben einer aktualisierten Hono- rarnote ein Schreiben ein – verfasst von der Begleitperson, welche ihn da- mals an die erste Anhörung vor dem SEM begleitet hat –, in welchem ver- schiedene Mängel in Bezug auf die Durchführung der damaligen Anhörung geltend gemacht werden. G. Mit Eingabe vom 7. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer weitere Be- weismittel ein (diverse Referenzschreiben, Lehrzeugnisse, Schreiben des Migrationsamts H._______, Fotografien Familienleben) und stellte den An- trag, das SEM sei zu einer Stellungnahme über die Frage der Neubeurtei- lung des Wegweisungsvollzugs einzuladen. H. Der Instruktionsrichter lud das SEM mit Zwischenverfügung vom 19. Mai 2021 zur Einreichung einer Stellungnahme ein. Mit Eingabe vom 31. Mai 2021 kam das SEM dieser Aufforderung nach. I. Mit Eingabe vom 11. Juni 2021 gelangte der Beschwerdeführer mit einer weiteren Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht, in der er im Wesent- lichen auf die aktuellen politischen Entwicklungen in Äthiopien hinweist, verbunden mit der Beilage einer aktualisierten Kostennote. E-7261/2018 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen und ist als Verfügungsadressat durch die angefochtene Verfügung besonders be- rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Au fhebung bezie- hungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legi- timiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 3. Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie- gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsb e- stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integ- rationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendend en Geset- zesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden. 4. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 5. 5.1 Der Beschwerdeführer macht formelle Rügen geltend . Diese sind vorab zu prüfen, da sie zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen können. E-7261/2018 Seite 7 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruc h auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehö rsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk- ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück- lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 5.3 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Unrichtig ist die Sachverhalts- feststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird. Unvollständig ist die Sachverhaltsfest- stellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevan- ten Sachumstände berücksichtigt wurden. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer beanstandet die Übersetz ung in der (ersten) Anhörung und beantragt, es sei ihm Einsicht in die entsprechenden Akten der Vorinstanz zu gewähren beziehungsweise die Vorinstanz habe offen- zulegen, welche Sprachkenntnisse und Ausbildung der anlässlich der An- hörung tätig gewesene Übersetzer aufweise und aus welchem Herkunfts- land er stamme. Das Gericht kann aus dem Anhörungsprotokoll keine nen- nenswerten Hinweise entnehmen, die darauf hinweisen würden, dass der Dolmetscher nicht in der Lage gewesen wäre, die Fragen und Antworten angemessen zu übersetzen; sie lassen auch keine Zweifel an dessen Qua- lifikation zu. Der Beschwerdeführer bestätigte zu Beginn der Anhörung, den Dolmetscher sehr gut verstanden zu haben (SEM-Akten A11/28 F1) und bestätigte auf der letzten Seite des Anhörungsprotokol ls unterschrift- lich, dass ihm das Protokoll in eine ihm verständlichen Sprache übersetzt wurde (SEM-Akten A11/28 S. 27). Weiter macht der Beschwerdeführer gel- tend, an der Anhörung sei es zu Verständigungsschwierigkeiten, Ungenau- igkeiten und Übersetzungsfehlern gekommen und verweist diesbezüglich auf das von ihm eingereichte Schreiben, verfasst von seiner anlässlich der Anhörung anwesenden Begleitperson. Das Anhörungsprotokoll enthält je-E-7261/2018 Seite 8 doch an keiner Stelle irgendeinen Einwand – weder seitens der Begleitper- son noch der anwesenden Hilfswerkvertretung (HWV) – wonach Verständ- nisschwierigkeiten oder Übersetzungsfehler aufgetreten seien. Wären na- mentlich der anwesenden HWV Verständigungsprobleme oder sonstige zum Nachteil des Beschwerdeführers eintreten de Umstände aufgefallen, so hätte sie diese mit einer entsprechenden Protokollnotiz vermerken las- sen. Die HWV hat denn auch auf dem diesem Zweck dienenden Unter- schriftenblatt der HWV wed er spezifische Beobachtungen zur Anhörung noch Einwände zu Protokoll angebracht (vgl. SEM-Akten A11/28, Anhang). Folglich sieht sich das Gericht auch nicht dazu veranlasst, die Qualifikation des Dolmetschers anzuzweifeln oder von der Vorinstanz die Offenlegung der Sprachkenntnisse und Ausbildung des Dolmetschers beziehungsweise von dessen Herkunftsland zu verlangen. Der entsprechende Antrag ist ab- zuweisen. 6.2 Weiter rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe es unterlassen, seine ethnische Zugehörigkeit (zur Ethnie der I._______: Anmerkung des Gerichts) zu erfassen und ihn zur Parteizugehörigkeit beziehungsweise zu den politischen Aktivitäten seiner Mutter zu befragen. Hierzu ist vorab fest- zuhalten, dass Asylsuchende verpflichtet sind, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Sie müssen insbesondere ihre Identität offenle- gen (Art. 8 AsylG und Art. 2a Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen [Asylverordnung 1, Asyl V 1, SR 142.311]) und alle entscheid relevanten Sachverhaltselemente nennen. Der Untersuchungsgrundsatz findet unter anderem seine Grenzen an der Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG, vgl. BVGE 2014/12 E. 6). Soweit der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene geltend macht, die ethnische Zugehörigkeit und die politischen Aktivitäten seiner Mutter bei der Partei J._______ stellten ein zentrales Motiv seiner Verfolgungsgründe dar (vgl. Beschwerde, S. 12; Replik, S. 3), ist dem folgendes entgegenzu- halten: Wie noch zu zeigen sein wird, lassen sich aus seinen Aussagen in der Anhörung, insbesondere zu den Asylgründen, keine Angaben entneh- men, wonach die Vorbringen betreffend die Wegnahme des familieneige- nen Grundstücks im Zusammenhang mit seiner Ethnie oder der politischen Zugehörigkeit seiner Mutter gestanden hätten. Im Übrigen ist festzuhalten, dass er zu Beginn des Asylverfahrens, an der BzP, bewusst falsche Anga- ben über seine Herkunft und Identität gemacht und dadurch die Vorinstanz dazu veranlasst hat, seine Ethnie inkorrekt zu erfassen. Die Vorinstanz war demnach nicht gehalten, die ethnische Zugehörigkeit und die angeblichen E-7261/2018 Seite 9 politischen Aktivitäten der Mutter weiter abzuklären. Die entsprechende for- melle Rüge geht somit fehl. 6.3 Im Weiteren wirft der Beschwerdeführer der Vorinstanz vor, sie habe seinen psychologischen Zustand nicht genügend berücksichtigt. Gemäss dem eingereichten psychologischen Bericht leide er namentlich unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, welche seine Konzentrationsfähig- keit und sein Erzählverhalten beeinflussen würden. Deshalb wäre die Vo- rinstanz, so der Beschwerdeführer, gehalten gewesen, die Anhörung durch entsprechend geschultes Personal durchzuführen. Nach Ansicht des Gerichts ergeben sich aus dem Protokoll keine konkreten Anhaltspunkte, wonach der Beschwerdeführer sich während der Anhörung in einer Situation befunden hätte, welche es ihm aufgrund seines psychi- schen Zustandes verunmöglicht hätte, seine Asylgründe umfass end und abschliessend darlegen zu können. Der Beschwerdeführer gab an der An- hörung an, ihm gehe es gesundheitlich gut, er befinde sich aufgrund von körperlichen Schmerzen im Gesässbereich in ärztlicher Behandlung (SEM- Akten A11/28 F 3-F6). Auf allfällige psychologisch bedingte Beein trächti- gungen macht er die Vorinstanz anlässlich der Anhörung zu keiner Zeit auf- merksam. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers lässt auch nichts darauf schliessen, dass die Anhörungsatmosphäre oder die Person des befragenden SEM -Mitarbeiters ihn daran gehindert hätten, seine Erleb- nisse vollumfänglich und ohne jegliche Beeinflussung zu schildern. Insbe- sondere ergibt sich aus dem Protokoll, dass er mehrmals gefragt und ihm Gelegenheit geboten wurde, sämtliche aus seiner Sicht entscheidenden Asylgründe zu schildern und er daraufhin auch verhältnismässig ausführli- che Antworten gab, welche im Übrigen keine Hinweise auf eine Konzent- rationsschwäche oder anderweitige Einschränkung seiner Erzählweise er- geben (vgl. SEM-Akten A11/28 F48, F113, F180, F186 und F187). Das pro- tokollierte Aussageverhalten des Beschwerdeführers lässt somit ebenfalls nicht darauf schliessen, dass er nicht in der Lage gewesen wäre, der Be- fragung zu folgen und sich vollständig auszudrücken. Im Übrigen ist auf die zeitliche Komponente hinzuweisen. Die Anhörung fand am 3. Juli 2017 statt. Der Arztbericht datiert vom 30. November 2018; der psychologische Befund wurde somit rund eineinhalb Jahre später erstellt. Vor diesem Hin- tergrund kann der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, anlässlich der An- hörung die psychische Verfassung des Beschwerdeführers nicht genügend berücksichtigt und damit den Sachverhalt unvollständig erstellt zu haben, zumal sie zu diesem Zeitpunkt keinen Anlass hatte, an der psychischen E-7261/2018 Seite 10 Verfassung des Beschwerdeführers zu zweifeln. Der Beschwerdeführer dringt somit auch mit dieser formellen Rüge nicht durch. 6.4 Im Weiteren ist auch keine Verletzung der Begründungspflicht zu er- kennen. Das SEM hat ausreichend dargelegt, weshalb es die Flüchtlings- eigenschaft des Beschwerdeführers verneint und eine Rückkehr für zuläs- sig und zumutbar erachtet. Dabei musste sich das SEM nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichts- punkte beschränken. Im Übrigen zeigt die ausführlic he Beschwerdeein- gabe auf, dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war. Der blosse Um- stand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung und Schlussfolgerungen des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern betrifft eine materielle Frage. 6.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz das Asylver- fahren gesetzeskonform durchgeführt hat. Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet. Der Antrag, es sei die Sache zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts an das SEM zurückzuweisen und dieses anzuweisen, eine erneute Befragung durchzuführen, ist demzufolge abzu- weisen. 7. 7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 7.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 AsylG). Gleiches gilt für die Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbeson- dere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massge- blich auf gefälschte oder verfälschte Beweis mittel abgestützt werden E-7261/2018 Seite 11 (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dar- gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 8. 8.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, der Be- schwerdeführer habe zu Beginn des Asylverfahren seine Wahrheitspflicht verletzt, indem er unter Angabe einer falschen Identität und unwahren Asyl- gründen im August 2015 ein Asylgesuch gestellt hat. Obwohl er dies nach- träglich selbstständig offengelegt und sich für dieses Verhalten entschuldigt habe, müsse seine persönliche Glaubwürdigkeit wie auch die Glaubhaf- tigkeit seiner vorgebrachten Asylgründe an der Anhörung stark angezwei- felt werden. Zudem habe der Beschwerdeführer die geltend gemachten Asylgründe, namentlich die jahrelange Verfolgung durch nicht genannte Personen rund um die Enteignung des Familiengrundstücks nicht nachvoll- ziehbar darlegen können. So sei im Allgemeinen nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer aussage, diese Verfolger hätten den grössten Teil des Familiengrundstücks an sich reissen können, im Nachgang jedoch erfolg- los versucht, ihn persönlich zur Übergabe des verbleibenden Grundstücks zu zwingen, zumal noch sein Vater sowie drei Geschwister im Dorf wohnen würden. In diesem Zusammenhang sei auch nicht nachvollziehbar, dass offenbar nur er, nicht jedoch die übrigen Familienmitglieder in dieser Ange- legenheit verfolgt worden seien. Ausserdem habe der Beschwerdeführer nicht nachvollziehbar erklären können, weshalb er der Verfolgung durch diese Personen nicht mit anderen Mittel n als der Ausreise aus dem Hei- matland habe begegnen können. Im Übrigen seien seine Aussagen insge- samt schemenhaft und vage ausgefallen und diesen fehle es an den typi- schen Realkennzeichen wie Detailreichtum, Beschreibung von Emotionen und Gedankengängen oder räumlich und zeitlicher Verknüpfung der Ereig- nisse. So habe er sich etwa nicht näher über die Identität und die Mo tive seiner Verfolger äussern können und auch die Schilderungen zu seiner Verhaftung und Verfolgung würden vage ausfallen. Schliesslich fehle es in Bezug auf die geltend gemachte kurzzeitige Inhaftierung im Jahr 2005 oder 2006 sowie den späteren Verfolgungsmomenten ohnehin an einem genü- genden Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht und die vorgebrachte Konversion vom christlich-orthodoxen zum christlich-evange- lischen Glauben und der damit einhergehenden Ausgrenzung durch die Familie sei mangels Intensität nicht asylrelevant. E-7261/2018 Seite 12 8.2 Der Beschwerdeführer hält dem in seiner Beschwerde im Wesentlichen das Folgende entgegen: Die Tatsache, dass er sein Asylgesuch unter An- gabe einer falschen Identität und unwahrer Asylgründe gestellt habe, sei im Lichte seiner Traumatisierung – welche durch einen Arztbericht belegt sei – zu betrachten. Er habe sich damals in einer Notsituation befunden und unter derartigem Stress gestanden, dass er die (falschen) Ratschläge der Schlepper geglaubt habe. Ausserdem habe er die Wahrheit nachträg- lich freiwillig offengelegt und sich aufrichtig entschuldigt, weshalb es nicht angehe, wenn die Vorinstanz seine vorgebrachten Asylgründe grundsätz- lich als unglaubhaft und nachgeschoben betrachte. Weiter habe er plausi- bel dargelegt, weshalb gerade er und nicht die anderen Familienmitglieder ins Visier der Verfolger geraten sei, denn nach äthiopischer Tradition er- halte er als jüngster Sohn – die Brüder erhielten nach der Heirat bereits ihren Teil des Landes – den Rest des Landes als Erbs chaft. Sodann sei seine Konversion zwar nicht ausschlaggebend für die Flucht gewesen, je- doch habe ihn dieser Schritt zusätzlich exponiert und gegenüber seinen Verfolgern – aufgrund des fehlenden familiären Rückhalts – zu einem leich- ten Opfer gemacht. Schliesslich sei die posttraumatische Belastungsstö- rung im Rahmen der Prüfung der Glaubhaftigkeit beziehungsweise bei der Würdigung seiner Aussagen entsprechend zu berücksichtigen, da sich diese negativ auf sein Erzählverhalten während der Anhörung ausgewirkt habe. 8.3 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, der Beschwerdefüh- rer bringe die politischen Aktivitäten beziehungsweise die Mitgliedschaft seiner Mutter bei der J._______-Partei sowie seine ethnische Zugehörig- keit erstmals auf Beschwerdeebene in Verbindung mit seinen Asylgründen; im erstinstanzlichen Verfahren habe er dies nicht vorgetragen, obwohl er mehrmals zu seinen Asylgründen befragt worden sei, weshalb diese Vor- bringen als nachgeschoben zu betrachten seien. Im Weiteren hätten im Asylverfahren keine Anzeichen von psychischen Problemen auf Seiten des Beschwerdeführers bestanden und er habe auch keine derartige n Ein- schränkungen geltend gemacht, weshalb fraglich sei, inwiefern die Trau- matisierung bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu seinen Gunsten b erück- sichtigt werden solle. Dem stellt der Beschwerdeführer in seiner Replik im Wesentlichen entgegen, er habe sich aufgrund der für ihn erschwerenden Umstände an der Anhörung (Übersetzungsschwierigkeiten, fehlende Län- derkenntnisse des Befragers etc.) nicht in der Lage gesehen, die politi- schen Hintergründe des Landstreits zu erläutern und die Vorinstanz habe es auch unterlassen, ihm hierzu konkrete Fragen zu stellen. Auch habe es E-7261/2018 Seite 13 die Vorinstanz versäumt, ihn an der Anhörung nach der familiären und eth- nischen Herkunft zu befragen. 9. Die Vorinstanz äussert sich in der angefochtenen Verfügung vorab zur Ver- letzung der Mitwirkungspflicht im Asylverfahren durch den Beschwerdefüh- rer und hält fest, er habe vorsätzlich über seine Identität getäuscht. Des- halb sei seine persönliche Glaubwürdigkeit und die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen – trotz der selbständigen nachträgl ichen Offenlegung und Ent- schuldigung – stark anzuzweifeln (Vernehmlassung, S. 4). Wenn auch die- ser Schlussfolgerung in dieser Absolutheit nicht zuzustimmen ist, geht das Gericht mit der Vorinstanz dahingehend überein, dass die Verletzung der Wahrheitspflicht vorliegend einiges Gewicht hat und bei der nachfolgenden Prüfung der Glaubhaftigkeit zu seinen Lasten berücksichtigt werden muss. Sein Verhalten ist ihm mithin negativ anzurechnen. Der Beschwerdeführer hat an der BzP unbestrittenermassen wissentlich und willentlich über seine Identität, Herkunft und die Asylgründe getäuscht. Der diesbezügliche Ein- wand, er habe aufgrund der Traumatisierung in grosser seelischer Not und auf Anraten von Schleppern gehandelt, überzeugt nicht. Zu seinen Guns- ten ist zwar festzuhalten, dass er die Vorinstanz aus eigenem Antrieb über seine Täuschung aufgeklärt und sich für sein Verhalten entschuldigt hat. Das Einsehen in sein (falsches) Verhalten und die nachträgliche Offenle- gung seiner wahren Identität erfolgte jedoch erst rund 2 Jahre nach der BzP und wohl erst vor dem Hintergrund der Vorladung zur Anhörung, wel- che vom 16. Juni 2017 datiert. 10. 10.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist, die insbeson dere zum Schluss kam, die Aussagen des Beschwerdeführers seien nicht nachvollziehbar und grösstenteils sche- menhaft und vage ausgefallen. Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nicht nach- vollziehbar darlegen konnte und es auch nicht plausibel erscheint, dass die Verfolger es ausgerechnet auf ihn abgesehen hätten beziehungsweise durch Ausübung von Zwang und Gewalt gegen ihn an den übrigen Teil des Familiengrundstück haben gelangen wollen . Diesen Landenteignern soll E-7261/2018 Seite 14 es bereits im Jahr 2005 gelungen sein, seiner Familie einen grossen Teil ihres Grundstücks wegzunehmen ; nur das Haus und ein weitentferntes Grundstück seien ihnen verblieben (SEM-Akten, A11/28, F49). Der älteste Bruder soll damals schon verheiratet gewesen sein und nach äthiopischer Tradition seinen Anteil am Land schon erhalten haben. Die Landenteigner hätten es nach der Ausreise der Mutter auf ihn abgesehen, da der restliche Teil des Landes traditionell ihm als jüngstem Sohn vererbt werden würde. Die Vorinstanz legt zutreffend dar, weshalb diese Begründung nicht nach- vollziehbar erscheint. So leben der betagte Vater und drei Geschwister des Beschwerdeführers weiterhin im Heimatdorf, wurden von diesen Verfolgern nach eigenen Angaben jedoch nie bedrängt oder zur Übergabe des betref- fenden Grundstücks gezwungen (SEM-Akten, A11/28, F181). Hätten diese Verfolger tatsächlich den übrigen Teil des Familiengrundstücks an sich reis- sen wollen, hätten sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die vor Ort lebenden Familienmitglieder, nament lich den Vater – welcher offenbar auch auf dem betreffenden Grundstück lebte – ins Visier genommen. Dass sie aufgrund der Betagtheit des Vaters den Beschwerdeführer in Kontrolle des Grundstücks gewähnt (SEM -Akten, A11/28, F166) und nur ihn als jüngsten Sohn und vermeintlichen Erben verfolgt haben sollen, dies über Jahre und über die Dorfgrenzen hinaus bis nach F._______, ist als un- glaubhaft einzustufen. Soweit der Beschwerdeführer die vorgebrachten Asylgründe im Zusam- menhang mit der geltend gemachten Landenteignung in den Kontext von politischen Aktivitäten seiner Mutter beziehungsweise seinen eigenen poli- tischen Anschauungen sowie seiner E thnie stellt, ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz folgendes festzustellen: Dass seine Mutter als Mitglied der J._______-Partei aktiv und die Landenteignung ethnisch motiviert ge- wesen sein soll, findet keine Stütze in den Akten. In der Anhörung erwähnt der Beschwerdeführer lediglich in sehr abstrakter Weise, die politische Si- tuation damals sei sehr schwierig gewesen, man habe ihr Land an reiche Leute weitergegeben und die Mutter habe sich dagegengesetzt und mitge- holfen (SEM-Akten, A11/28, F56). Ob und inwieweit die Mutter in der Hei- mat politisch aktiv gewesen ist, gerade auch in einer organisierten Partei, lässt sich aus dieser Aussage entgegen der Ansicht des Beschwerdefüh- rers nicht im Geringsten beantworten. Die Behauptungen betreffend politi- sche Aktivitäten oder Anschauungen der Mutter oder ihm selbst, sind nicht substantiiert und im Übrigen durch nichts belegt. Auch der mit der Be- schwerde eingereichte Auszug des Asylentscheids der Mutter, wonach sie in den USA offenbar als politischer Flüchtling anerkannt worden sei, äus-E-7261/2018 Seite 15 sert sich mit keinem Wort zu den Hinterg ründen der Asylgewährung. So- dann macht der Beschwerdeführer im Asylverfahren auch keine konkreten Aussagen, welche auf eine politische Aktivität oder eine konkrete politische Haltung seinerseits schliessen lassen würden. Gleiches gilt für das Vo r- bringen, wonach die behauptete Landenteignung eine ethnische Kompo- nente aufweise beziehungsweise ethnisch motiviert gewesen sein soll. Der Beschwerdeführer erwähnt in der Anhörung einzig, sein Heimatdorf liege in der I._______ Zone (SEM-Akten, A11/28, F16), äussert sich in der Folge jedoch zu keinem Zeitpunkt zu seiner ethnischen Zugehörigkeit ge- schweige denn zu einem allfälligen Zusammenhang der behaupteten Landenteignung mit seiner Ethnie. Er konnte denn auch keine Angaben zu den Motiven dieser Verfolger machen und erklärte, er wisse nicht, weshalb diese Leute seiner Familie das Land wegnehmen wollte n (SEM-Akten, F11/28, F51). Ausserdem hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass diese Vorbringen erstmals auf Beschwerdeebene vorgebracht wurden, weshalb sie in Übereinstimmung mit der Vorinstanz und mit Verweis auf die vorstehenden Ausführungen als nachgeschoben zu betrachten sind. An dieser Auffassung vermögen auch die Vorbringen auf Beschwerdeeben e mit Ausführungen zur allgemeinen politischen Lage und zu ethnischen Konflikten in Äthiopien nichts zu ändern. 10.2 Der Vorinstanz ist ferner zuzustimmen, dass die Aussagen des Be- schwerdeführers insgesamt vage ausgefallen sind und es an den typischen Realkennzeichen mangelt. So erklärte er etwa zum zentralen Vorbringen der Landenteignung wiederholt, er kenne die Verfolg er und deren Motive nicht; es würden reiche Leute dahinterstecken, die zur Durchsetzung je- weils Soldaten schickten (SEM-Akten, A11/28, F51, F143, F169). Wenn die Vorinstanz diesbezüglich ausführt, dass dies in Anbetracht der Tragweite und zeitlichen Dauer der Ereignisse nicht nachvollziehbar sei, ist ihr beizu- pflichten. Ein grosser Teil des Landes sei der Familie im Jahr 2005 wegge- nommen worden und nach der Ausreise der Mutter im Jahr 2012 habe man es dann auf ihn abgesehen , weshalb er 2014 das Land verlass en habe (vgl. etwa SEM-Akten, A11/28, F49, F138 ). Vor dem Hintergrund, dass diese Verfolger der Familie beziehungsweise dem Beschwerdeführer of- fensichtlich über mehrere Jahre hinweg keine Ruhe liessen, erscheint es nicht nachvollziehbar, wenn er nach dieser langen Zeit nicht einmal einen Namen dieser Verfolger nennen kann. Im Übrigen hinterlassen die proto- kollierten Vorbringen insgesamt einen unsubstanziierten und stereotypen Eindruck, wie die Vorinstanz zu Recht festhält. Namentlich die Schilderun- gen zu seiner Verhaftung und Folter im Jahr 2005 (vgl. etwa SEM -Akten, E-7261/2018 Seite 16 F11/28, F48), zur Verfolgung und Gewaltausübung durch die Geheim- dienstleute während seiner Zeit in F._______ (vgl. etwa SEM -Akten, F11/28, F143; F152-F155) und zum Vorfall bei seinem Besuch im Heimat- dorf, wo Soldaten ihn aufgespürt und bis nach F._______ verfolgt haben sollen (vgl. etwa SEM-Akten, F11/28, F129-F134) wirken insgesamt über- wiegend oberflächlich. Die Schilderungen lassen zudem weitgehend Emo- tionen, aussergewöhnliche Einzelheiten oder die Wiedergabe von konkre- ten Gesprächen oder Interaktionsschilderungen vermissen, was – unter der Annahme, die Ereignisse hätten sich tatsächlich so zugetragen – in Berücksichtigung der einschneidenden und prägenden Natur solcher Er- lebnisse ungewöhnlich erscheint. Der auf Beschwerdestufe eingereichte psychologische Bericht vermag an dieser Würdigung nichts zu ändern. Zum einen handelt es sich nicht um einen fachärztlichen Bericht, zum anderen widerspricht der Inhalt den Vor- bringen des Beschwerdeführers. 10.3 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, aufgrund seiner Konver- sion vom christlich -orthodoxen zum evangelisch-christlichen Glauben sei er von der Familie isoliert worden und – obwohl nicht ausschlaggebender Fluchtgrund – dadurch zusätzlich exponiert und für die Landenteigner ein leichtes Opfer gewesen. Es ist vorab festzuhalten, dass der Beschwerde- führer keine Verfolgung durch staatliche Behörden oder die Landenteigner im Zusammenhang mit der behaupteten Konversion vorbrin gt. Er äussert sich in der Anhörung lediglich dahingehend, seine Familie habe ihn infolge der Konversion aus der Familie ausgegrenzt und isoliert (SEM -Akten, A11/28, F113, F115, F117, F122). Es ist auch nicht ersichtlich und wird nicht geltend gemacht, wie und dass die angeblichen Verfolger von der behaup- teten Konversion beziehungsweise Ausgrenzung von der Familie erfahren haben sollen. Der Kontaktabbruch mit der Familie aufgrund der Konversion allein genügt jedenfalls nicht, um ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen, weshalb die Vorinstanz zum zutreffenden Schluss gelangt ist, dass diesem Vorbringen die asylrelevante Intensität abzusprechen ist. 10.4 Soweit der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene weiter geltend macht, er habe trotz der jüngsten politischen Entwicklungen in Äthiopien begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Heimatland, da er als ethni- scher I._______ und Sohn einer J._______-Aktivistin von den Behörden als Oppositioneller identifiziert und politisch motivierter Verfolgung ausge- setzt wäre, ist dem Folgendes zu entgegnen: Wie oben ausgeführt (vgl. E. E-7261/2018 Seite 17 11.1) erachtet das Gericht das Vorbringen betreffend seiner Mutter als nicht glaubhaft; gleiches gilt für das Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer selber bestimmte polit ische Anschauungen oder Haltungen vertreten würde. Das Gericht sieht aufgrund der Akten und der auf Beschwerde- ebene eingebrachten Vorbringen keine Anzeichen dafür, dass der Be- schwerdeführer von den äthiopischen Behörden als Oppositioneller einge- stuft wird oder werden könnte und damit Verfolgungsmassnahmen flücht- lingsrelevanter Intensität seitens der heimatlichen Behörden zu befürchten hätte. Seit der Ausreise des Beschwerdeführers vor rund sieben Jahren hat sich die politische Situation in Äthiopien wesentlich verändert. Im April 2018 wurde in Äthiopien ein neuer Premierminister ernannt. Im Referenzurteil D- 6630/2018 vom 6. Mai 2019 zur Lage in Äthiopien hielt das Bundesverwal- tungsgericht fest, die Situation habe sich mit dem Amtsantritt von Abiy Ah- med als e rstem Präsidenten des Landes mit Oromo -Volkszugehörigkeit und den damit einhergehenden Reformen deutlich verbessert (vgl. a.a.O. E. 7.3). Seit seinem Amtsantritt befindet sich das Land in einer Umbruchsi- tuation. Abiy Ahmed unternimmt Anstrengungen, in viel en Bereichen Re- formen anzustossen oder durchzuführen. Dies betrifft auch den Umgang mit regierungskritischen Personen, gegen die das früher herrschende Re- gime bisher mit grosser Härte vorging. Die neue Regierung rief die Oppo- sitionellen im Exil zur Rückkehr und zur Teilnahme am politischen Prozess in Äthiopien auf. Politische Dissidenten, ehemalige Rebellen, Abspaltungs- anführer und Journalisten sind seit der Ernennung von Abiy Ahmed zum Premierminister nach Äthiopien zurückgekehrt. Tausende von politischen Gefangenen wurden seit April 2018 begnadigt und freigelassen. Zahlreiche politische Bewegungen wurden im Juli 2018 von der Liste der terroristi- schen Gruppierungen gestrichen. Insgesamt hat sich die Lage in Äthiopien seit der Wahl von Abiy Ahmed zum Premierminister verbessert, da dessen Ziel die Stärkung der Demokratie unter Einbindung aller politischen Kräfte ist (vgl. a.a.O. E. 7). Das Land leidet indes nach wie vor unter ethnischen Konflikten – aktuell insbesondere in der kriegsgeplagten nördlichen Region Tigray, deren Sezession nicht mehr unwahrscheinlich ist (vgl. Der Tages- spiegel: Nach den Kämpfen in Tigray, 7. Juli 2021; https://www.tagesspie- gel.de/politik/nach-den-kaempfen-in-tigray-<aethiopien>-droht-zu-zerbre- chen/27400772.html; abgerufen am 10. August 2021). Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwer- deführer im heutigen Zeitpunkt wegen seiner angeblich der J._______-Par-E-7261/2018 Seite 18 tei angehörigen Mutter oder seiner angeblich eigenen politischen Anschau- ung seitens der heimatlichen Behörden asylrechtlich relevanter Verfolgung ausgesetzt wäre, zumal er auch nicht aus der Region Tigray stammt und die letzten Jahre vor seiner Ausreise in F._______ gelebt hat. Aus heutiger Sicht bestehen keine Anzeichen dafür, dass e r sich bei einer Rückkehr nach Äthiopien vor einer entsprechenden (Reflex-)verfolgung fürchten müsste. Die Vorbringen des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Ver- fahren und die Ausführungen in den Rechtsmitteleingaben vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 10.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, einen glaubhaften beziehungsweise flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Feststellung der Vorinstanz, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, ist dementsprec hend zu bestäti- gen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 11. 11.1 Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 11.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 12. 12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der stri kte Beweis nicht möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 12.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG (SR 142.20) ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der E-7261/2018 Seite 19 Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft zu. Daher ist das flüchtlingsrechtliche Rück- schiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtstellung der Flüchtlinge (FK, SR. 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs - und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 und Art. 4 EMRK). 12.3 Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Rückkehr nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nac h Art. 3, Art. 4 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand- lung drohe. Schliesslich lässt auch die allgemeine Menschenrechtssit ua- tion in Äthiopien den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E -57/2020 vom 12. März 2020 E. 7.2). 12.4 Der Beschwerdeführer beruft sich ferner auf den in Art. 8 EMRK und Art. 13 BV gewährleisteten Schutz des Familienlebens. Er macht diesbe- züglich geltend, er sei inzwischen Vater zweier Kinder, geboren am 13. Ja- nuar 2017 respektive 6. November 2018 geworden, welche mit der Kinds- mutter in K._______, Italien, leben. Er pflege einen engen Kontakt zu sei- nen Kindern und es würden auch regelmässig Besuche in der Schweiz stattfinden, auch wenn er getrennt von der Kindsmutter leben würde. Bei einem Vollzug der Wegweisung würden die Kinder ihren Vater verlieren und ohne ihn aufwachsen müssen, was eine Verletzung des Kindswohls darstelle und das tatsächlich gelebte Familienleben verunmöglichen würde (Beschwerde, S. 20; Replik, S. 4). Das Gericht hat sich zum Anspruch auf Schutz des Familienlebens aus Art. 8 EMRK geäussert und dabei die Praxis des EGMR und des Bundes- gerichts zusammengefasst. Es sei deshalb auf die diesbezüglichen Erwä- gungen im Leitentscheid BVGE 2013/49 verwiesen. Ein potenzieller An- spruch auf Aufenthalt in der Schweiz gestützt Art. 8 EMRK und Art. 13 BV E-7261/2018 Seite 20 erwächst, wenn intakte und tatsächlich gelebte Familienbande zu Perso- nen bestehen, die über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in d er Schweiz verfügen. Die Kindsmutter und die Kinder verfügen gemäss den in der Be- schwerdeschrift eingereichten Auszügen über ein Aufenthaltsrecht in L._______ und somit über kein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz. Bereits daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer sich nicht auf einen Anspruch auf Art. 8 EMRK berufen kann. Eine weitere Prüfung erübrigt sich deshalb. Im Übrigen ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie festhält, der (telefonische) Kontakt mit den Kindern könne auch bei ei- ner Rückkehr nach Äthiopien aufrechterhalten und auch Besuche könnten – wenn auch unter erschwerten Bedingungen – grundsätzlich organisierten werden (Eingabe des SEM vom 31. Mai 2021, S. 2). Schliesslich steht es dem Beschwerdeführer offen, sich in Bezug auf allfällige Ansprüche aus dem Recht auf Schutz des Familienlebens an die zuständigen Behörden in Italien – als Aufenthaltsland der Kinder – zu wenden. 12.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zuläs- sig. 12.6 12.6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 12.6.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Äthiopien aus. Trotz der weiterhin herrschenden ethnischen Spannungen und Pro- testbewegungen in Äthiopien ist die allgemeine Lage – mit Ausnahme der nördlichen Konfliktregion Tigray (vgl. dazu bereits E. 11.4) – nicht generell durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgemeiner Gewalt ge- kennzeichnet, aufgrund derer die Zivilbevölkerung allgemein als konkret gefährdet zu bezeichnen wäre (vgl. aus jüngster Zeit die Urteile des BVGer E-2496/2021 E. 9.3 vom sowie E-568/2020 E. 8.3, beide vom 7. Juli 2021). E-7261/2018 Seite 21 12.6.3 Sodann sprechen auch keine individuellen Gründe gegen eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Äthiopien. Er ist ein junger Mann, der nach eigenen Angaben in Äthiopien mehrere Jahre die Schule besucht hat; nachdem er bis zur sechsten Klasse die Schule im Heimat dorf E._______ besuchte, habe er während seiner Zeit in F._______ zwei Jahre die Abendschule absolviert (SEM -Akten, A11/28, F74). Er verfügt auch über langjährige Arbeitserfahrung, sei er in F._______ doch bis zu seiner Ausreise ohne Unterbruch verschiedenen Arbeitstätigkeiten nachgegan- gen, wie etwa als (…) oder (…), und habe von dem daraus generierten Einkommen seinen Lebensunterhalt bestreiten können (SEM -Akten, A11/28, F111, F123, F124). Zudem leben zum heutigen Zeitpunkt soweit ersichtlich fünf seiner sechs Geschwister sowie der Vater weiterhin in Äthi- opien; drei Geschwister im Heimatdorf und zwei Geschwister in F._______ (SEM-Akten, A11/28, F30-F36). Die Mutter und die jüngste Schwester le- ben inzwischen in den G._______. Obwohl die Familie gemäss seinen An- gaben den Kontakt zu ihm abgebrochen hat, nachdem er zum evangeli- schen Christentum konvertiert sei (vgl. etwa SEM-Akten, A11/28, F117), ist das Gericht der Ansicht, dass er grundsätzlich über ein tragfähiges Bezie- hungsnetz im Heimatland verfügt. So liegt sein Glaubenswechsel – als Auslöser der Verstossung durch die Familie – bereits rund 13 Jahre zurück und der Beschwerdeführer macht nicht geltend, seine Familie würde ihn bei einer Rückkehr nicht empfangen beziehungsweise akzeptieren. Unab- hängig davon handelt es sich bei ihm um einen selbständigen jungen Mann, welcher bereits vor seiner Ausreise alleine gewohnt, finanziell für sich gesorgt und ein eigenständiges Leben geführt hat. Mit der Vorinstanz ist alsdann festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die in der Schweiz gewonnenen beruflichen und schulischen Kenntnisse gewinnbringend in Äthiopien wird anwenden können und damit die Chancen zur Integration in den Arbeitsmarkt erhöhen kann. Nach dem Gesagten ist davon auszuge- hen, dass der Beschwerdeführer über gute Voraussetzungen verfügt, um sich in Äthiopien sowohl in beruflicher wie auch in sozialer Hinsicht wieder- einzugliedern. Der Eingabe des Beschwerdeführers vom 7. Mai 2021 und den damit eingereichten B elegen ist schliesslich eine erfolgreiche berufli- che und soziale Integration in der Schweiz zu entnehmen. Der Vorinstanz ist jedoch zuzustimmen, dass der Grad der Integration grundsätzlich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungs vollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3; Entscheidun- gen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskom- mission [EMARK] 2006 Nr. 13 E. 3.5) darstellt. Sie kann zwar insofern eine reziproke Wirkung haben, als eine überdurchschnittliche Integration zu ei- ner Entwurzelung führen kann im Falle einer Rückkehr. Zu Recht hat aber E-7261/2018 Seite 22 das SEM festgestellt, dies sei beim Beschwerdeführer nicht anzunehmen, nachdem er bis zum 26. Altersjahr im Heimatstaat gelebt habe. Die Beur- teilung einer Härtefallsituation infolge fortgeschrittener Integration im Sinne von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG fällt in die Zuständigkeit der kantonalen Migrationsbehörden (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3). 12.6.4 Nach Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist aus medizinischen Problemen nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu schliessen, wenn eine notwendige Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden- den Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes, z ur Invalidität oder so- gar zum Tod der betroffenen Person führt. Als wesentlich wird dabei die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt j edenfalls nicht schon dann vor , wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entspre- chende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 7, m.H. auf die Praxis des EGMR, 2009/2 E. 9.3.2, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E . 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, je m.w.H.). Das äthiopische Gesundheitssystem ist von fehlenden personellen wie auch finanziellen Ressourcen geprägt und namentlich die psychiatrische Versorgung ist mangelhaft. Bekanntermassen existieren in F._______ mehrere stati onäre und ambulante psychiatrische Einrichtungen. Einige Antidepressiva sind in Äthiopien grundsätzlich verfügbar, wobei es sich nicht um die in Europa erhältlichen Medikamente handelt, sondern um Ge- nerika (vgl. Schweize rische Flüchtlingshilfe [SFH], Äthiopien: Psychiatri- sche Versorgung, Auskunft der SFH -Länderanalyse, 5. September 2013 sowie Bericht in der äthiopischen Zeitung Addis Standard vom 25. Juli 2017: Analysis: The Ailing State Of Health Care In Ethiopia’s State-run Hos- pitals: Who Takes The Blame?, <http://addisstandard.com/analysis-ailing- state-health-care-ethiopias-state-run-hospitals-takes-blame/>, besucht am 20. Mai 2020). Der Beschwerdeführer bringt in gesundheitlicher Sicht sowohl körperliche Schmerzen als auch eine Beeinträchtigung der psych ischen Gesundheit vor. Gemäss dem eingereichten psychologischen Bericht vom 30. Novem- ber 2018 leide er aufgrund der traumatischen Erlebnissen in der Heimat an einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer mittelgradigen De- pression. Ob dem Beschwerdef ührer geeignete Medikamente verschrie- ben wurden oder er auf eine Behandlung angewiesen ist, lässt sich dem E-7261/2018 Seite 23 psychologischen Bericht nicht entnehmen und wird vom Beschwerdeführer auch nicht behauptet. Überdies datiert dieser Bericht aus dem Jahr 2018 und ist im heutigen Zeitpunkt nicht mehr aktuell. Diese gesundheitliche Be- einträchtigung des Beschwerdeführers, soweit aktenkundig gemacht, ver- mag die von der Rechtsprechung geforderte hohe Schwelle nicht zu errei- chen, sodass sich der Wegweisungsvollzug als unzumutbar erweisen würde. Es ist keine medizinische Notlage ersichtlich, die dem Wegwei- sungsvollzug entgegenstehen würde. Im Übrigen kann davon ausgegan- gen werden, dass der Zugang des Beschwerdeführers zu allfällig erforder- licher medizinischer Behandlung in seinem Heimatland gewährleistet ist, wofür auch das von der Vorinstanz eingereichte medizinischen Consulting mit Bezug auf F._______ spricht. Schliesslich steht ihm die Möglichkeit of- fen, zur Überbrückung medizinische Rückkehrhilfe (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 1. August 1999 über Finanzie- rungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]) in Anspruch zu nehmen. 12.6.5 Damit erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl in genereller wie auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 12.7 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich- nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Ver- tretung seines Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedo- kumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12). 12.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs . 1–4 AIG). Der entsprechende Antrag ist abzuweisen. 13. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 14. 14.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2019 das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gutgeheissen. Da sich seine finanzielle Lage seither nicht E-7261/2018 Seite 24 in für das Verfahren relevanter Weise verändert hat, sind somit keine Ver- fahrenskosten aufzuerlegen. 14.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde ausserdem das Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 und 3 AsylG) und dem Beschwerdeführer sein Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Demnach ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwen- dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Mit letztmaliger Eingabe vom 11. Juni 2021 reichte der Rechtsvertreter eine aktualisierte Kosten- note ins Recht, wonach sich seine anwaltlichen Bemühungen auf 15.70 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.– belaufen. Zusätzlich wer- den Auslagen in der Höhe von Fr. 39.90 aufgeführt. Nach Praxis des Bun- desverwaltungsgerichts werden amtlich eingesetzte anwaltliche Vertrete- rinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis 220.– ent- schädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der Stundenansatz ist entsprechend auf Fr. 220.– herabzusetzen. Vorliegend erweist sich der gel- tend gemachte zeitliche Aufwand als angemessen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren ist das Honorar demnach gerun- det auf insgesamt Fr. 3’763.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. c VGKE) festzulegen. (Dispositiv nächste Seite) E-7261/2018 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Roman Schuler, wird ein amtliches Honorar zulasten der Gerichtskasse von Fr. 3’763.– zugespro- chen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Matthias Neumann Versand: