200 16 1105 UV LOU/JAP/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 22. August 2017 Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Knapp Gerichtsschreiber Jakob A.________ Beschwerdeführer gegen Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG Dufourstrasse 40, 9001 St. Gallen p.A. Rechtsdienst, Personenversicherung, Wuhrmattstrasse 19-23, 4103 Bottmingen Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2016 (UVG-Schaden: 11.10.07738-3) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1965 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) war über seine Arbeitgeberin bei der Schweizerischen National-Versicherungs- Gesellschaft AG (National) obligatorisch unfallversichert, als er gemäss Unfallmeldung am 30. September 2010 beim Überqueren einer Tramschie- ne bei nasser Strasse stürzte und sich an der Halswirbelsäule verletzte (Akten der Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG [Helve- tia bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] UM [unpaginiert]). Die National bzw. die Helvetia als deren Rechtsnachfolgerin (vgl. SHAB Nr. 85 vom 5. Mai 2015) gewährte im Zusammenhang mit diesem Ereignis zunächst die gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen in Form von Heil- behandlung und Taggeld. Mit Verfügung vom 9. Juni 2016 (AB K20) stellte die Helvetia diese vorübergehenden Leistungen per Verfügungsdatum ein, sprach dem Versicherten bei einer Integritätseinbusse von 10 % eine Inte- gritätsentschädigung zu und verneinte einen Rentenanspruch. Daran hielt sie auf Einsprache hin (AB K22 f., K28) mit Entscheid vom 17. Oktober 2016 (AB K29) fest. B. Mit Eingabe vom 10. November 2016 erhob der Versicherte Beschwerde und beantragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihm sei über den 9. Juni 2016 hinaus «im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG» Heilbehandlung zu gewähren. In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. November 2016 schloss die Be- schwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver- waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok- tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechts- pflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde ein- zutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 17. Okto- ber 2016 (AB K29). Weder rügt der Beschwerdeführer den Fallabschluss noch beantragt er eine Invalidenrente, vielmehr ersucht er gestützt auf Art. 21 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Un- fallversicherung (UVG; SR 832.20) allein darum, dass ihm weiterhin Heil- behandlung gewährt wird. Einerseits setzt diese Bestimmung aber zwin- gend einen Rentenanspruch voraus (BGE 140 V 130 E. 2.4 S. 133), ande- rerseits hängen die Einstellung der vorübergehenden Leistungen (Taggeld, Heilbehandlung) und der Fallabschluss mit Prüfung der Rentenfrage und der Integritätsentschädigung derart eng zusammen, dass von einem ein- heitlichen Streitgegenstand auszugehen ist (vgl. Entscheid des Bundesge- richts [BGer] vom 29. September 2015, 8C_170/2015, E. 4.2). Streitig und zu prüfen ist somit nicht einzig, ob der Beschwerdeführer im Zusammen- hang mit dem Ereignis vom 30. September 2010 weiterhin Anspruch auf Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 4 Heilbehandlung hat, sondern dabei insbesondere auch der Zeitpunkt des Fallabschlusses. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier- besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi- cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi- schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 2.2Der Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversiche- rung setzt im Weiteren einen natürlichen und adäquaten Kausalzusam- menhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181; SVR 2012 UV Nr. 2 S. 6 E. 3.1). 2.2.1Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne die der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht als zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja- hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 5 beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele («conditio sine qua non»; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 119 V 335 E. 1 S. 337; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). Für die Bejahung des natürli- chen Kausalzusammenhangs genügt es, wenn der Unfall für eine bestimm- te gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125, 123 V 43 E. 2b S. 45; SVR 2009 UV Nr. 3 S. 12 E. 8.3). Zu den im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UVG massgebenden Ursachen gehören sodann Umstände, ohne die die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Eine schadensauslösende traumatische Einwirkung ist also selbst dann leistungsbegründend, wenn der betreffende Schaden auch ohne das versicherte Ereignis früher oder später wohl einge- treten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadens- eintritts «conditio sine qua non» war. Anders verhält es sich, wenn der Un- fall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit dessen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, mani- fest werden lässt, ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Bedeutung anzunehmen (SVR 2012 UV Nr. 8 S. 29 E. 4.2.1). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu be- finden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhanges genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). 2.2.2Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ur- sache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt die- ses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181, 125 V 456 E. 5a S. 461; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 122 E. 5.2). Bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 6 deckt sich die adäquate Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausa- lität; die Adäquanz hat hier praktisch keine selbstständige Bedeutung (BGE 140 V 356 E. 3.2 S. 358). 2.3Gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG sowie gemäss konstanter Recht- sprechung hat der Versicherer – sofern allfällige Eingliederungsmassnah- men der Invalidenversicherung abgeschlossen sind – die Heilbehandlung (und das Taggeld) nur solange zu gewähren, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszu- standes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (BGE 140 V 130 E. 2.2 S. 132, 137 V 199 E. 2.1 S. 201). Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes der ver- sicherten Person zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet ist, wird sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Dabei ver- deutlicht die Verwendung des Begriffes «namhaft» durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Ge- wicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3 S. 115). Die Frage einer zu erwartenden gesundheitlichen Verbesserung ist nur prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Fest- stellungen zu beurteilen (SVR 2010 UV Nr. 3 S. 14 E. 8.2). 2.4Nach der Festsetzung der Rente werden dem Bezüger die Pflege- leistungen und Kostenvergütungen (Art. 10-13) gewährt, wenn er zur Erhal- tung seiner verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der Behandlung und Pflege bedarf (Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG). 3. 3.1Anders als die Unfallmeldung (AB UM [unpaginiert]) suggeriert, ereignete sich am 30. September 2010 nicht ein Stolpersturz, sondern kam der Beschwerdeführer mit dem Fahrrad zu Fall (AB M2). Dass dieses Er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 7 eignis die kumulativen Tatbestandsvoraussetzungen des Unfallbegriffs gemäss Legaldefinition erfüllt, ist zu Recht unbestritten. 3.2In medizinischer Hinsicht basiert der angefochtene Einspracheent- scheid vom 17. Oktober 2016 (AB K29) auf der polydisziplinären (orthopä- dischen, rheumatologischen und neurologischen) Expertise der MEDAS B.________ GmbH, vom 27. November 2015 (AB M27). Darin wurde die folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vermerkt (AB M27/19 f. Ziff. 6 und Ziff. 7/4 lit. a): Status nach Fahrradsturz am 30. September 2010 mit Commotio ce- rebri und Fazettengelenkluxation C6/7 beidseits mit transdiskaler Luxation C7/Th1 und kranialer Impressionsfraktur Th1 und Pedikel- fraktur C6 rechts mit/bei: Status nach ventraler, interkorporeller Spondylodese C7/Th1 und dorsaler Spondylodese C6-Th1 am 1. Oktober 2010 persistierendem (im Sinne von Restbeschwerden) myotendinoti- schem sowie zervikoligamentärem Schmerzsyndrom. Die Gutachter bejahten die natürliche Unfallkausalität der Restbeschwer- den (AB M27/21 Ziff. 7/5.1) und attestierten sowohl für die angestammte als auch eine Verweisungstätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bei einer phasenweise schmerzbedingt leicht eingeschränkten Leistungsfähigkeit von zirka 5-10 % (AB M27/21 Ziff. 7/6.1). Sie nahmen an, dass diese leich- te Leistungseinschränkung fortbestehen werde (AB M27/22 Ziff. 7/6.2) und erklärten, eine namhafte und effektive Verbesserung des Gesundheitszu- standes durch weitere Heilbehandlung sei nicht zu erwarten. Zwar bedürfe es zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit keiner dauerhaften ärztlichen Behand- lung, hingegen sei durch die aktuell noch durchgeführte Physiotherapie, die Massagen und auch die Osteopathie mit einer künftigen Stabilisierung der Beschwerden zu rechnen. Auch würden diese therapeutischen Massnah- men geeignet erscheinen, um eine relevante Progression der Beschwerden zu verhindern. Die aktuellen Behandlungsintervalle seien sinnvoll, insbe- sondere die Physiotherapie sollte bis auf weiteres fortgesetzt werden (AB M27/22 f. Ziff. 7/7.1). 3.3Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 8 medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.1). 3.4Das polydisziplinäre Administrativgutachten vom 27. November 2015 (AB M27) erfüllt die vorerwähnten höchstrichterlichen Beweisanforde- rungen (vgl. E. 3.3 hiervor) und erbringt vollen Beweis. Die Gutachter stütz- ten sich auf die wesentlichen Vorakten samt radiologischen Befunden so- wie die Erkenntnisse aus den klinischen Explorationen. Ihre Schlussfolge- rungen sind nachvollziehbar begründet und überzeugend. Auch der ins Recht gelegte Bericht des Spitals C.________ vom 10. August 2016 (Akten des Beschwerdeführers, Beschwerdebeilage [BB] 4) enthält keine wesentli- chen neuen Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind. Zwar ergab die bildgebende Verlaufsuntersu- chung vom 4. August 2016 eine zunehmende knöcherne Anschlussseg- mentdegeneration auf Stufe C5/6 (BB 4/2), eine leichte beginnende Osteo- chondrose und Fazettengelenksarthrose in diesem Segment wurde aber bereits anlässlich der Begutachtung anhand der Voraufnahme vom 17. September 2015 festgestellt (AB M27/18 Ziff. 5). Dass bis zum Ein- spracheentscheid vom 17. Oktober 2016 (AB K29), der den massgebenden Überprüfungszeitpunkt markiert (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140), sekundäre arthrotische Veränderungen mit schwergradiger Ausprägung aufgetreten wären, lässt sich der medizinischen Aktenlage jedenfalls nicht entnehmen und wird auch nicht geltend gemacht.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 9 3.5 3.5.1Der Beschwerdeführer stellt den Beweiswert des Gutachtens nicht in Frage und anerkennt auch den Fallabschluss per 9. Juni 2016 (Be- schwerde S. 3 Ziff. IV), mithin geht er in Übereinstimmung mit der gutach- terlichen Einschätzung selbst nicht davon aus, dass von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Besserung seines Gesundheits- zustandes mehr zu erwarten ist (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Er plädiert indes dafür, dass die Heilbehandlung gestützt auf Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG über den Fallabschluss hinaus zu gewähren sei, da die entsprechenden Mass- nahmen zur Erhaltung der verbleibenden Erwerbsfähigkeit notwendig seien (Beschwerde S. 3 f. Ziff. V). 3.5.2Der Beschwerdeführer hat seine bisherige Tätigkeit wieder aufge- nommen und ist bei seiner (neuen) Arbeitgeberin optimal eingegliedert (AB M27/9 Ziff. 2.1, 27/18 Ziff. 5 in fine). Wenngleich keine dauernde ärztli- che Behandlung und Pflege erforderlich ist, um die Arbeitsfähigkeit zu er- halten (AB M27/23 Ziff. 7/7.2), erachteten es sowohl die Gutachter (AB M27/17 und 19 Ziff. 5) als auch die behandelnden Ärzte (BB 4/2) zu- mindest als nötig, hierfür insbesondere die Physiotherapie fortzusetzen. Allein der Umstand, dass die physiotherapeutischen Massnahmen (sowie auch die gelegentlichen Massagen bzw. die Osteopathie) medizinisch indi- ziert sind um die unfallkausalen Residuen zu behandeln, genügt zur Be- gründung einer Leistungspflicht der obligatorischen Unfallversicherung in- des nicht. Denn die vom Beschwerdeführer angerufene Norm setzt zwin- gend einen Anspruch auf eine (Komplementär-)Invalidenrente der Unfall- versicherung voraus (BGE 140 V 130 E. 2.4 S. 133 mit Hinweisen), was hier gerade nicht zutrifft. Soweit der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der gutachterlich bescheinigten Leistungseinschränkung von 5-10 % argumentiert, mit 10 % sei man «im Bereich der Rentenberechtigung» (Be- schwerde S. 4 Ziff. V), gilt es darauf hinzuweisen, dass grundsätzlich das arithmetische Mittel des in einer Bandbreite festgelegten Arbeits- bzw. Leis- tungsunfähigkeitsgrades massgebend ist (vgl. Entscheid des BGer vom 19. August 2009, 9C_226/2009, E. 3.2). Bei dieser Ausgangslage – und zudem bloss phasenweiser leichter Einschränkung – wird der rentenbe- gründende Invaliditätsgrad von 10 % (vgl. Art. 18 Abs. 1 UVG) von vorn-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 10 herein nicht erreicht, zumal sich die entsprechende Restarbeitsfähigkeit auch auf die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers erstreckt (AB M27/21 Ziff. 7/6.1). Vor diesem Hintergrund ist für die Heilbehandlung der weiterhin unfallkausalen Beschwerden ab 9. Juni 2016 die obligatori- sche Krankenpflegeversicherung zuständig, wobei allemal die dortigen zweigspezifischen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sein müssen. Die gegen den Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2016 (AB K29) erhobene Beschwerde ist demnach als offensichtlich unbegründet abzuweisen. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteientschä- digung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - A.________ - Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG - Bundesamt für Gesundheit Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2017, UV/16/1105, Seite 11 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.