A bteilung II B -7466/2006 {T 0/2} U rteil vom 4. Juli 2007 M itw irkung: R ichter H ans U rech (vorsitzender R ichter); R ichter D avid Aschm ann; R ichter M arc Steiner; G erichtsschreiber M arc H unziker 6._______, vertreten durch R echtsanw alt D r. Adrian Bachm ann, Beschw erdeführerin gegen A ._______, vertreten durch Schneider Feldm ann AG Patent- und M arkenanw älte, Beschw erdegegnerin, Eidgenössisches Institut für G eistiges Eigentum , Vorinstanz, betreffend Entscheid vom 26. O ktober 2006 im W iderspruchsverfahren N r. 7557 6A Z (fig.) / A Z B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie M arke C H 530'146 "6AZ" (fig.) der Beschw erdeführerin w urde am 16. N ovem ber 2004 beim Eidgenössischen Institut für G eistiges Eigentum (Institut, Vorinstanz) unter anderem für "Videokassetten; D VD 's; C om pact- disks" in Klasse 9, für "Zeitschriften (M agazine); Zeitschriften" in Klasse 16 und für "Zusam m enstellung von R undfunk- und Fernsehprogram m en; Videoverleih (Kassetten); on-line Publikation von elektronischen Büchern und Zeitschriften" in Klasse 41 angem eldet. Am 15. Februar 2005 w urde die M arke veröffentlicht. Sie sieht w ie folgt aus: B. G egen diese Eintragung reichte die Beschw erdegegnerin am 17. M ai 2005, beschränkt auf die W aren bzw . D ienstleistungen der Klassen 9, 16 und 41, einen W iderspruch ein. D ieser stützt sich auf ihre M arke C H 463'507 "AZ", deren Verzeichnis unter anderem "W issenschaftliche, elektrische, fotografische, Film -, optische und U nterrichtsapparate und -in- strum ente; G eräte zur Aufzeichnung, Ü bertragung und W iedergabe von Ton und Bild; M agnetaufzeichnungsgeräte, Schallplatten, C D -R O M S; elektronische D atenträger; D atenverarbeitunsgeräte und C om puter" in Klasse 9, "Papier, Pappe (Karton) und W aren aus diesen M aterialien, so- w eit sie nicht in anderen Klassen enthalten sind; D ruckereierzeugnisse; Buchbindungsartikel, Fotografien, Schreibw aren; Lehr- und U nterrichtsm it- tel (ausgenom m en Apparate); Spielkarten; D rucklettern, D ruckstöcke" in Klasse 16 und "Erziehung, Ausbildung; U nterhaltung; R adio-, Fernseh- und sonstige U nterhaltung; sportliche und kulturelle Aktivitäten; H erausga- be und Verlag von Büchern, Zeitungen und Publikationen, inklusive O n- line-Publishing" in Klasse 41 um fasst. C . M it Stellungnahm e vom 25. August 2005 beantragte die Beschw erdeführe- rin auf den W iderspruch nicht einzutreten bzw . ihn abzuw eisen. D abei er- hob sie für die W aren der Klasse 9 die Einrede des N ichtgebrauchs des W iderspruchszeichens. D . M it Verfügung vom 26. O ktober 2006 trat die Vorinstanz auf den W ider- spruch ein und hiess ihn gut. Zur Begründung führte sie aus, die Sachur- teilsvoraussetzungen seien gegeben. O bw ohl die W iderspruchsm arke sich 3 bezüglich der W aren der Klasse 9 m angels G ebrauchs auf kein durchsetz- bares M arkenrecht stützen könne, m üsse, da zahlreiche Verlage ihre Pub- likationen ebenfalls in elektronischer Form anbieten w ürden, auch betref- fend diese W aren von einer G leichartigkeit ausgegangen w erden. "AZ" stelle ein Akronym dar, das sich nicht zu einer gängigen Sachbezeichnung entw ickelt habe, w eshalb ihm entgegen der Ansicht der Beschw erdeführe- rin ein norm aler Schutzum fang zukom m e. D ie vollständige Ü bernahm e dieser M arke lasse aufgrund der Produktnähe falsche Zusam m enhänge verm uten und begründe som it eine Verw echslungsgefahr. E. M it Eingabe vom 27. N ovem ber 2006 reichte die Beschw erdeführerin Be- schw erde bei der Eidgenössischen R ekurskom m ission für geistiges Eigen- tum ein. Sie beantragte, die Verfügung der Vorinstanz vom 26. O ktober 2007 unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und den W ider- spruch der Beschw erdegegnerin abzuw eisen. Zur Begründung brachte sie im W esentlichen vor, dass die Beschw erdegegnerin die Frist für die An- m eldung des W iderspruchs nicht eingehalten habe, w eshalb darauf gar nicht hätte eingetreten w erden dürfen. O bw ohl die Vorinstanz festhalte, dass es die Beschw erdegegnerin verpasst habe, den G ebrauch der W ider- spruchsm arke für die W aren der Klasse 9 bzw . w ichtige G ründe für deren N ichtgebrauch geltend zu m achen, sei der W iderspruch vollum fänglich gut- geheissen w orden. D es W eiteren könne von keiner hochgradigen W aren- gleichartigkeit die R ede sein, w ürden sich doch die konkret vertriebenen W aren bezüglich M aterial (Zeitungspapier vs. H ochglanzpapier), Form at (Zeitungsform at vs. Tabloid) und Inhalt (norm ale N ew s vs. erotischer In- halt) eindeutig unterscheiden. Auch w enn bei der Beurteilung der W aren- ähnlichkeit grundsätzlich vom R egistereintrag auszugehen sei, m üssten bei derart um fassenden Einträgen die konkreten G üter m itberücksichtigt w erden. Ferner könne von einer Ü bernahm e der W iderspruchsm arke keine R ede sein, kom m e das Kürzel "AZ" doch in jedem zw eiten Printm edium vor. Beim Zeichen der W iderspruchsgegnerin handle es sich um eine äu- sserst schw ache M arke, w eshalb bereits kleinste U nterschiede genügten, um eine Verw echselbarkeit auszuschliessen. D as neue Zeichen erfülle die Anforderungen bezüglich der für die Beurteilung der M arkenähnlichkeit von W ortm arken relevanten Kriterien des W ortklangs, des Schriftbilds und des Sinngehalts. Vom W ortklang her sei die W iderspruchsm arke ungleich kür- zer und könne ohne Zw ang in einer Silbe ausgesprochen w erden. D em ge- genüber m üsse sich der Konsum ent bei dem aus einer Zahl und zw ei Buchstaben zusam m engesetzten Zeichen zuerst überlegen, w ie er dieses überhaupt aussprechen w olle. D as Schriftbild sei gegenüber dem jenigen der W iderspruchsm arke um 50 % erw eitert und w erde von der am Anfang stehenden Ziffer "6" geprägt. D ie Kom bination aus Buchstaben und einer Zahl schaffe eine gew isse Prägnanz und U nverkennbarkeit, w elche durch die grafische Ausgestaltung der W ort-/Bildm arke noch gesteigert w erde. Im Ü brigen liege zw ischen den beiden Zeichen kein übereinstim m ender Sinngehalt, sow eit Akronym e einen solchen haben könnten, vor.4 F. Am 28. N ovem ber 2006 teilte die R ekurskom m ission für geistiges Eigen- tum den Parteien m it, dass die Akten des Beschw erdeverfahrens per 1. Ja- nuar 2007 an das Bundesverw altungsgericht als neu zuständige Be- schw erdebehörde überw iesen w ürden. M it Schreiben vom 22. Januar 2007 bestätigte das Bundesverw altungsgericht die Ü bernahm e der hängigen Beschw erde. G . M it Vernehm lassung vom 1. Februar 2007 beantragte die Vorinstanz unter H inw eis auf die Begründung der angefochtenen Verfügung die Abw eisung der Beschw erde unter Kostenfolge. H . In ihrer Vernehm lassung vom 27. Februar 2007 stellte die Beschw erde- gegnerin ebenfalls den Antrag, die Beschw erde unter Kosten- und Ent- schädigungsfolgen abzuw eisen. Zur Begründung führte sie im W esentli- chen aus, dass die W iderspruchsfrist gem äss den dam als geltenden R icht- linien des Instituts am nächsten W erktag, der dem auf dem Schw eizeri- schen H andelsam tsblatt (SH AB) aufgedruckten Ausgabetag folge, zu lau- fen begonnen habe, w om it der W iderspruch rechtzeitig eingereicht w orden sei. Ferner bestreite sie nicht, dass der rechtserhaltende G ebrauch der W i- derspruchsm arke für die W aren der Klassen 9 nicht erbracht w orden sei. Jedoch bestehe zw ischen D ruckereierzeugnissen und Inform ationsträgern w ie elektronischen oder m agnetischen D atenträgern W arengleichartigkeit. D agegen überzeuge die von der Beschw erdeführerin versuchte D ifferen- zierung zw ischen den konkret vertriebenen W aren nicht, sei doch von den beidseitig registrierten W aren auszugehen. Bezüglich der Frage der Zei- chenähnlichkeit verfange der U m stand, dass der W ortanfang der streitge- genständlichen M arke nicht identisch sei, entgegen den Ausführungen der Beschw erdeführerin nicht, sei dies doch bei der Konstellation der unverän- derten Ü bernahm e der W iderspruchsm arke in eine jüngere M arke häufig nicht der Fall. D erartige Fälle führten praxisgem äss zu einer unm ittelbaren oder aber w enigstens m ittelbaren Verw echslungsgefahr. Im Ü brigen ver- m öchten die von der Beschw erdeführerin vorgebrachten Erw ägungen zur angeblichen Schw äche des Schutzum fangs der W iderspruchsm arke nicht zu überzeugen. Auf die Argum ente der Parteien w ird, sow eit sie für den Entscheid erheb- lich erscheinen, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. D er Entscheid der Vorinstanz vom 26. O ktober 2006 stellt eine Verfügung im Sinne des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw al- tungsverfahren dar (Vw VG , SR 172.021; Art. 5 Abs. 1 Bst. a). D iese Verfü- gung kann im R ahm en der allgem einen Bestim m ungen der Bundesverw al-5 tungsrechtspflege beim Bundesverw altungsgericht angefochten w erden (Art. 44 ff. Vw VG i.V.m . Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005, VG G , SR 173.32). G em äss Art. 53 Abs. 2 VG G übernim m t das Bundesverw altungsgericht bei Zuständigkeit die Beurteilung der beim Inkrafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eid- genössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel, w obei die Beurteilung nach neuem Verfahrensrecht erfolgt. 2. D ie Beschw erdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an ih- rer Aufhebung oder Änderung. Sie ist daher zur Beschw erdeführung legiti- m iert (Art. 48 Abs. 1 Vw VG ). Eingabefrist und -form sind gew ahrt (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 Vw VG ), der Kostenvorschuss w urde fristgerecht be- zahlt (Art. 63 Abs. 4 Vw VG ), und die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 48 ff. Vw VG ). Auf die Verw altungsbeschw erde ist daher einzutreten. 3. N ach der Legaldefinition von Art. 1 Abs. 1 des M arkenschutzgesetzes vom 28. August 1992 (M SchG , SR 232.11) ist die M arke ein Zeichen, das ge- eignet ist, W aren oder D ienstleistungen eines U nternehm ens von solchen anderer U nternehm en zu unterscheiden. Art. 1 Abs. 2 M SchG zählt Bei- spiele von M arkenform en auf. D anach können M arken aus W örtern, Buch- staben, Zahlen, bildlichen D arstellungen, dreidim ensionalen Form en oder Verbindungen solcher Elem ente untereinander oder m it Farben bestehen. D as M arkenrecht entsteht m it der Eintragung im R egister und steht dem - jenigen zu, der die M arke zuerst hinterlegt (Art. 5 f. M SchG ). Es verleiht dem Inhaber das ausschliessliche R echt, die M arke zur Kennzeichnung der W aren oder D ienstleistungen, für die sie beansprucht w ird, zu gebrau- chen und darüber zu verfügen (Art. 13 Abs. 1 M SchG ). Auch kann er ge- gen die Eintragung von Zeichen, die seiner älteren M arke ähnlich und für gleiche oder gleichartige W aren oder D ienstleistungen bestim m t sind, so dass sich daraus eine Verw echslungsgefahr ergibt, W iderspruch erheben (Art. 31 Abs. 1 i.V.m . Art. 3 Abs. 1 Bst. c M SchG ). D er W iderspruch ist in- nerhalb von drei M onaten nach der Veröffentlichung der Eintragung beim Institut schriftlich m it Begründung einzureichen (Art. 31 Abs. 2 Satz 1 M SchG ). Ist der W iderspruch begründet, so w ird die Eintragung ganz oder teilw eise w iderrufen; andernfalls w ird der W iderspruch abgew ie- sen (Art. 33 M SchG ). 4. D ie angefochtene M arke w urde am 15. Februar 2005 im SH AB veröffent- licht. D ie W iderspruchsfrist begann gem äss den zur Zeit der Einreichung des W iderrufs gültigen R ichtlinien 2002 des Instituts analog Art. 932 Abs. 2 des O bligationenrechts vom 30. M ärz 1911 (O R , SR 220) am nächsten W erktag, der dem auf dem SH AB aufgedruckten Ausgabetag folgt. D ies w ar der 16. Februar 2005. D a es sich bei 16. M ai 2005 um den Pfingst-6 m ontag und som it einen vom Bundesrecht anerkannten Feiertag handelte, endete die D reim onatsfrist am nächstfolgenden W erktag um 24:00 U hr (vgl. Art. 20 Abs. 3 Satz 1 Vw VG ). D er m it Postaufgabe vom 17. M ai 2005 eingereichte W iderspruch erfolgte dem nach fristgerecht, w eshalb die Vor- instanz zurecht auf ihn eingetreten ist. 5. Vom M arkenschutz ausgeschlossen sind Zeichen, die einer älteren M arke ähnlich und für gleiche oder gleichartige W aren oder D ienstleistungen be- stim m t sind, so dass sich daraus eine Verw echslungsgefahr ergibt (Art. 3 Abs. 1 Bst. c M SchG ). Voraussetzungen der Verw eigerung des M arken- schutzes sind dem nach eine Zeichenähnlichkeit, eine W aren- bzw . D ienst- leistungsgleichartigkeit und eine daraus resultierende Verw echslungsge- fahr. Zw ischen den beiden ersten Elem enten besteht eine W echselw ir- kung. An die Zeichenverschiedenheit sind um so höhere Anforderungen zu stellen, je ähnlicher die W aren sind, und um gekehrt sind an die Verschie- denheit der beanspruchten W aren und D ienstleistungen um so höhere An- forderungen zu stellen, je ähnlicher die Zeichen sind (R KG E in sic! 2006, 269 M ichel (fig.) / M ichel C om te W aters). 6. D er Begriff der Verw echslungsgefahr ist nach der R echtsprechung des Bundesgerichts für das gesam te Kennzeichnungsrecht einheitlich zu um - schreiben. D ie G efahr der Verw echslung bedeutet, dass ein Kennzeichen im Schutzbereich, den ihm das Firm en-, N am ens-, M arken- oder W ettbe- w erbsrecht verleiht, durch gleiche oder ähnliche Zeichen in seiner Funktion der Individualisierung bestim m ter Personen oder G egenstände gefährdet w ird. D abei können schlechter berechtigte, gleiche oder ähnliche Zeichen Fehlzurechnungen derart verursachen, dass die Adressaten die m it ihnen gekennzeichneten Personen und G egenstände für jene halten, die m it den besser berechtigten Zeichen individualisiert w erden (unm ittelbare Ver- w echslungsgefahr), oder die schlechter berechtigten Zeichen können eine m ittelbare Verw echslungsgefahr schaffen, indem die Adressaten zw ar die U nterschiede der Zeichen w ahrnehm en aber aufgrund der Ähnlichkeit fal- sche Zusam m enhänge verm uten (BG er in sic! 2001, 314 Securitas (fig.)). 7. D ie M arkenähnlichkeit beurteilt sich aufgrund des G esam teindrucks, den die betreffenden M arken in der Erinnerung der angesprochenen Verkehrs- kreise hinterlassen. M assgebend für die Beurteilung der Zeichenähnlich- keit ist bei M arken der W ortklang, das Erscheinungsbild und gegebenen- falls der Sinngehalt; dabei genügt für die Annahm e einer Ähnlichkeit, w enn diese in Bezug auf nur eines dieser drei Kriterien vorliegt (R KG E in sic! 2006, 270 M ichel (fig.) / M ichel C om te W aters m it H inw eis auf E. M AR BAC H , SIW R III, Basel 1996, 118 und BG E 122 III 388 E. 5a Kam illosan, Kam illon / Kam illan). D er anw endbare M assstab hängt vom Schutzbereich der älteren M arke ab, der sich nach ihrer Kennzeichnungskraft bestim m t. D em - nach ist der geschützte Ähnlichkeitsbereich für schw ache Zeichen kleiner als für starke. W ährend die Beschw erdegegnerin den Schutzum fang einer 7 starken M arke beansprucht, spricht die Beschw erdeführerin von einem schw achen Zeichen m it geringer Schutzfähigkeit. Es gilt daher vorw eg den Schutzum fang der W iderspruchsm arke zu prüfen. 8. Beim Zeichen der Beschw erdegegnerin handelt es sich um ein Akronym , ein Kunstw ort, das aus den Anfangsbuchstaben m ehrerer W örter zusam - m engesetzt ist. "AZ" steht für "Aargauer Zeitung". Akronym e zählen zum Kreis der eintragungsfähigen M arken. Sie sind daher grundsätzlich gleich zu behandeln w ie andere M arken (R KG E in sic! 2001, 651 M PC by Ten- son (fig.) / M D C m it H inw eis auf L. D AVID , Kom m entar zum M arkenschutz- gesetz, 2. Aufl., Basel 1999, Art. 3 M SchG N 22). Auch verfügen sie nicht per se über einen eingeschränkten Schutzbereich. 9. D ie Vorinstanz hielt in ihrer Verfügung fest, dass die Bezeichnung "AZ" im Bereich der M edienerzeugnisse in den unterschiedlichsten Bedeutungen verw endet w erde. Es handle sich bezüglich des hier interessierenden Pro- duktbereichs um ein Akronym m it unbestim m ten Sinngehalt, w eshalb der W iderspruchsm arke eine durchschnittliche Kennzeichnungskraft resp. ein norm aler Schutzum fang zukom m e. D iese Auffassung kann das Bundes- verw altungsgericht nicht teilen, schreibt die schw eizerische Post doch für säm tliche von ihr zugestellten Tageszeitungen und w öchentlich erschei- nenden, abonnierten Lokal- und R egionalzeitungen den Frankaturverm erk "AZ" vor (http://w w w .post.ch/de/pm _broschuere_zeitungen_schw eiz.pdf), w eshalb das Kürzel für Printm edien nicht unterscheidungskräftig ist. D avon abgesehen w äre die Kennzeichnungskraft des bereits aufgrund seiner Kür- ze tendenziell w enig originellen Zeichens schon durch anderw eitige ver- breitete Verw endung als Bestandteil von W ortm arken im M edienbereich erheblich abgeschw ächt w orden, w ird doch die Bezeichnung "AZ" im Volksm und insbesondere für verschiedene m it dem Buchstaben "A" begin- nende Zeitungen w ie beispielsw eise die "Aachener Zeitung", die "Arbeiter Zeitung" oder die "Abendzeitung" benützt. D a die Beschw erdegegnerin das Kürzel gew öhnlich in Verbindung m it ihrem Zeichen "Aargauer Zeitung" verw endet, ist auch dessen angebliche notorische Bekanntheit nicht erw ie- sen. Es m uss folglich von einer schw achen W iderspruchsm arke ausgegan- gen w erden. 10. Bei der angefochtenen M arke "6AZ" (fig.) handelt es sich ebenfalls um ein Akronym . Sie unterscheidet sich von der W iderspruchsm arke durch die vorangestellte Ziffer "6" und die konkrete grafische Ausgestaltung, w obei die Zahl gegenüber den beiden Buchstaben vergrössert und leicht abge- w inkelt dargestellt ist. Auch w enn die Beifügung oder W eglassung eines Buchstabens bei W ortm arken in aller R egel den G esam teindruck nicht nachhaltig zu verändern verm ag, so gilt dies nicht ohne w eiteres bei Akro- nym en, die m eistens Kurzzeichen sind. Solche w erden phonetisch und vi- suell leichter erfasst, so dass sich auch deren U nterschiede, selbst w enn sie nur gerade einen Buchstaben betreffen, eher im G edächtnis einprägen 8 (R KG E in sic! 2005, 476 SM I / R SM I m it H inw eis auf BG E 121 III 377 E. 2b BO SS / BO KS ). D ies gilt insbesondere dann, w enn der unterschiedliche Buchstabe sich am Anfang des Akronym s befindet, da Akronym e sich häu- fig nur durch ihren ersten Buchstaben voneinander unterscheiden und das Publikum deshalb besonders auf diesen achtet (R KG E in sic! 2005, 476 SM I / R SM I m it H inw eis auf E. M AR B AC H , a.a.O ., 119 und R KG E in sic! 2001, 325 SFS / TFS). 11. D en W ortklang prägen das Silbenm ass, die Aussprachekadenz und die Aufeinanderfolge der Vokale. Bei einem Vergleich der beiden als "Sechs- ah-zet" und "Azet" ausgesprochenen M arken ist eine Ähnlichkeit des Klangs aufgrund dieser M erkm ale zu verneinen. Im G egensatz zum dreisil- bigen Zeichen der Beschw erdeführerin ist die W iderspruchsm arke ungleich kürzer und kann m ühelos in einer Silbe form uliert w erden. H inzu kom m t, dass die Zeichen über einen anderen W ortanfang und eine unterschiedli- che Zahl von Vokalen verfügen. D as Schriftbild w ird vorallem durch die W ortlänge und die Eigenheiten der verw endeten Buchstaben gekennzeichnet. D ie jüngere M arke besteht an- ders als die ältere aus drei anstelle von zw ei Schriftzeichen. N eben der un- terschiedlichen Länge der Akronym e sticht bei der angefochtenen M arke insbesondere der U m stand, dass am W ortanfang anstelle eines Buchstab- ens eine Zahl steht, ins Auge. D ieser U nterschied w ird durch die grafische Ausgestaltung noch verstärkt, indem die Ziffer "6" gegenüber den nachfol- genden Buchstaben "az" vergrössert und leicht im G egenuhrzeigersinn verdreht dargestellt w ird. Für den G esam teindruck einer W ortm arke kann auch ihr Sinngehalt ent- scheidend sein. In Betracht fallen neben der eigentlichen W ortbedeutung auch G edankenverbindungen, die das Zeichen unw eigerlich hervorruft. M arkante Sinngehalte, die sich beim H ören und beim Lesen sogleich auf- drängen, dom inieren regelm ässig auch das Erinnerungsbild (BG E 121 III 377 E. 2b BO SS / BO KS ). Akronym e als solche verfügen grundsätzlich über keinen Sinngehalt. Abgesehen davon, dass im Bereich der Printm edi- en der Buchstabe "Z" oft für "Zeitung" oder "Zeitschrift" steht, w eist einzig die zw eideutige Zahl "6" auf die N atur des Inhalts hin. Es lässt sich dem - nach festhalten, dass allein die angefochtene M arke über einen auffälligen Sinngehalt verfügt. Aufgrund der Kriterien des W ortklangs, des Schriftbilds und des Sinnge- halts ist dem nach eine unm ittelbare Ähnlichkeit der beiden M arken zu ver- neinen. 12. D ie Beschw erdegegnerin m achte geltend, ihr Zeichen sei in die angefoch- tene M arke vollum fänglich übernom m en w orden. D ies erw ecke den Ein- druck, es bestehe eine irgendw ie geartete Verbindung bezüglich der Inha- berschaft der beiden M arken. D em nach behauptete die Beschw erdegeg- nerin das Bestehen einer m ittelbaren Verw echslungsgefahr, w elche nach Praxis dann vorliegt, w enn das Publikum zw ei M arken zw ar zu unterschei-9 den verm ag, aber aufgrund eines übereinstim m enden Elem ents einen Zu- sam m enhang produktspezifischer oder unternehm ensspezifischer Art ver- m utet (L. D AVID , a.a.O ., Art. 3 M SchG N 6, E. M AR B AC H , a.a.O ., 112). Eine solche Verm utung setzt voraus, dass das betreffende m it der älteren M ar- ke übereinstim m ende Elem ent der jüngeren M arke überhaupt als solches erkannt w ird und nicht in einem neuen G esam teindruck aufgeht. Akronym e w erden indessen in aller R egel als einheitliche G ebilde aufgefasst, es sei denn, sie w ürden m ittels Trennstrich oder anderer grafischer M ittel unter- teilt (R KG E in sic! 2005, 477 SM I / R SM I). 13. Es ist zu prüfen, ob die in der angefochtenen M arke enthaltene Buchstab- enfolge "AZ" als ein eigenständiges Elem ent erkannt und m it dem Zeichen der Beschw erdegegnerin in Verbindung gebracht w ird. Für einen au- tonom en Bestandteil könnte allenfalls die unterschiedliche Schriftgrösse sow ie die andere Ausrichtung der Zahl "6" sprechen. D agegen lässt sich jedoch einw enden, dass die drei Schriftzeichen zusam m enhängen und in derselben schattierten Schrift verfasst w orden sind. D as W ortgebilde w ird denn auch als Einheit gelesen und ausgesprochen. D es W eiteren steht die Buchstabenkom bination "AZ" nicht am Anfang des Akronym s und kom m t som it auch w eniger zur G eltung. Selbst w enn m an von einer Segm entie- rung des Zeichens ausginge, so w ürde sich die Aufm erksam keit des Kon- sum enten eher auf die am W ortanfang stehende und durch grössere Schriftgrösse sow ie D rehung hervorgehobene Zahl richten. Im Ü brigen ist die R ezeption einer älteren M arke zulässig, w enn durch das hinzugefügte Zeichen der Sinngehalt verändert w ird oder es sich beim übernom m enen Elem ent um ein schw aches Zeichen handelt und dieses m it einem kenn- zeichnungskräftigen Bestandteil verbunden w ird (R KG E in sic! 2006, 270 M ichel / M ichel C om te W aters). Bei der übernom m enen Buchstabenfolge handelt es sich, w ie bereits festgestellt w urde, um eine schw ache M arke. D urch H inzufügen der grafisch akzentuierten Zahl "6" w ird das W ider- spruchszeichen stark verändert und erhält ebenfalls einen neuen Sinnge- halt. Zusam m enfassend lässt sich dem nach festhalten, dass auch keine M ar- kenähnlichkeit in dem Sinne vorliegt, dass sich daraus eine m ittelbare Ver- w echslungsgefahr ergeben könnte. 14. M angels M arkenähnlichkeit, ist eine Verw echslungsgefahr zu verneinen, w eshalb auf die Frage der G leichartigkeit der W aren und D ienstleistungen nicht einzugehen ist. N icht zu prüfen ist auch die R üge der Beschw erde- führerin, w egen ihrer nicht w iderlegten N ichtgebrauchseinrede hätte das Institut bereits im W iderspruchsentscheid den W iderspruch für W aren der Klasse 9 abw eisen m üssen. D ie Beschw erde erw eist sich som it als be- gründet und ist gutzuheissen. D ie Verfügung der Vorinstanz ist aufzuhe- ben. Bei diesem Ausgang des Verfahrens w ird die Beschw erdegegnerin kostenpflichtig und es steht der Beschw erdeführerin einen Anspruch auf Parteientschädigung zu (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 Vw VG ). Letzte-10 rer ist ausserdem der geleistete Kostenvorschuss zurück zu erstatten. 15. D ie G erichtsgebühr ist nach U m fang und Schw ierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien festzulegen (Art. 63 Abs. 4bis Vw VG , Art. 2 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 (VG KE, SR 173.320.2). Im Beschw erdeverfahren vor dem Bundesverw altungsge- richt ist dafür ein Streitw ert zu veranschlagen (Art. 4 VG KE). Im W ider- spruchsverfahren besteht dieser Streitw ert vor allem im Schaden der W i- dersprechenden im Fall einer M arkenverletzung durch die angefochtene M arke. Es w ürde aber zu w eit führen und könnte im Verhältnis zu den rela- tiv geringen Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens abschreckend w ir- ken, w enn dafür im Einzelfall stets konkrete Aufw andsnachw eise verlangt w ürden. M angels anderer streitw ertrelevanter Angaben ist der Streitw ert darum nach Erfahrungsw erten auf Fr. 40'000.-- festzulegen (J. ZÜ R C H E R , D er Streitw ert im Im m aterialgüter- und W ettbew erbsprozess, sic! 2002, 505; L. M EYE R , D er Streitw ert in Prozessen um Im m aterialgüterrechte und Firm en, sic! 2001, 559 ff., L. D AVID , in: R oland von Büren / Lucas D avid [H rsg.], Schw eizerisches Im m aterialgüter- und W ettbew erbsrecht, Bd. I/2, D er R echtsschutz im Im m aterialgüterrecht, Basel 1998, 29 f.). 16. D ie Parteientschädigung ist aufgrund der eingereichten Kostennote festzu- setzen. Ist w ie im vorliegenden Fall keine Kostennote eingereicht w orden, setzt das G ericht die Entschädigung aufgrund der Akten für die notw endi- gen erw achsenen Kosten fest (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 i.V.m . Art. 7 Abs. 1 VG KE). In W ürdigung der m assgeblichen Faktoren erscheint eine Parteientschädigung der Beschw erdegegnerin an die Beschw erdeführerin von Fr. 5'000.-- (inkl. allfällige M W ST) für das erstinstanzliche Verfahren und das Beschw erdeverfahren angem essen. 17. G egen dieses U rteil steht keine Beschw erde an das Bundesgericht zur Verfügung (Art. 73 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). Es ist deshalb rechtskräftig. D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, die Ziffern 1, 2 und 4 der angefochte- nen Verfügung des Eidgenössischen Instituts für G eistiges Eigentum vom 26. O ktober 2006 im W iderspruchsverfahren N r. 7557 w erden aufgehoben und der W iderspruch w ird abgew iesen. 2. D ie Kosten des Beschw erdeverfahrens von Fr. 4'000.-- w erden der Be- schw erdegegnerin auferlegt. D er geleistete Kostenvorschuss von Fr. 3'500.-- w ird der Beschw erdeführerin zurückerstattet. 3. D ie Beschw erdegegnerin hat die Beschw erdeführerin für das erstinstanzli- che Verfahren und das Beschw erdeverfahren m it Fr. 5'000.-- (inkl. allfällige 11 M W ST) zu entschädigen. 4. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (eingeschrieben, Akten zurück) - der Beschw erdegegnerin (eingeschrieben) - der Vorinstanz (R ef. W spr.-N r. 7557, eingeschrieben, Akten zurück) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: H ans U rech M arc H unziker Versand am : 6. Juli 2007