<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 42 S.203</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">203</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>42</b></span> <span class="ft1"><b>Erschliessung. Anwendbarkeit der VSS-Normen und Abweichungen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Bei der Beurteilung von strassenmässigen Erschliessungen stützt sich</b></span><br/> <span class="ft1"><b>das Verwaltungsgericht auf die VSS-Normen als Entscheidhilfen;</b></span><br/> <span class="ft1"><b>diese dürfen jedoch nicht allzu schematisch und starr gehandhabt</b></span><br/> <span class="ft1"><b>werden (Erw. 3.5.2).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Eine Abweichung von den VSS-Normen lässt sich u.a. mit der Ver-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>kehrssicherheit und Umweltanliegen begründen, indem bereits im</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Zeitpunkt der Erschliessung Verkehrsberuhigungsmassnahmen vor-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>genommen werden (Erw. 3.6.2).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Anwendung dieser Grundsätze im Sondernutzungsplanverfahren</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 3.6).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 1. September 2005 in Sa-</span><br/> <span class="ft2">chen J.B. und Mitb. gegen den Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">(Zum Sachverhalt siehe AGVE 1999, S. 201 f.)</span><br/> <br/> <span class="ft4">3.4.4. Zusammenfassend sind im vorliegenden Fall grundsätz-</span><br/> <span class="ft4">lich die für Zufahrtsstrassen geltenden Richtlinien der VSS-Normen</span><br/> <span class="ft4">heranzuziehen (vgl. § 44a ABauV). Festzuhalten ist, dass die Nor-</span><br/> <span class="ft4">men bei Zufahrtsstrassen eine einstreifige Verkehrsführung zulassen</span><br/> <span class="ft4">(VSS-Norm 640 045, Tabelle 1). Aus den vorstehenden Ausfüh-</span><br/> <span class="ft4">rungen folgt des Weiteren, dass der Stickiweg die Anforderungen an</span><br/> <span class="ft4">den Grundbegegnungsfall Personenwagen/Personenwagen zu er-</span><br/> <span class="ft4">füllen hat.</span><br/> <span class="ft4">3.5.1. Es trifft zu, dass die einschlägigen VSS-Normen keine</span><br/> <span class="ft4">expliziten Regelungen bezüglich Ausweichstellen enthalten. Die</span><br/> <span class="ft4">Vorinstanz hat deshalb unter Verweis auf die Praxis die VSS-Norm</span><br/> <span class="ft4">640 213 analog angewendet und diese folglich als genügende rechtli-</span><br/> <span class="ft4">che Grundlage in Bezug auf die im Erschliessungsplan Stickiweg</span><br/> <span class="ft4">vorgesehenen Ausweichstellen betrachtet. Die Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft4">wehren sich gegen eine analoge Anwendung der VSS-Norm 640 213,</span><br/> <span class="ft4">weil bei einer Verkehrsberuhigung, wie sie die erwähnte Norm zum</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">204</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Gegenstand habe, die Normbreite die Regel und die seitliche</span><br/> <span class="ft4">Einengung dieser Normbreite die Ausnahme sei. In casu wäre aber</span><br/> <span class="ft4">die Einengung die Regel und die Ausweitung auf die Normbreite die</span><br/> <span class="ft4">Ausnahme. Im Übrigen sei die genannte Norm ohnehin nicht einge-</span><br/> <span class="ft4">halten, da der Gestaltungsplan "Stickiweg" ausschliesslich lange</span><br/> <span class="ft4">einseitige und zweiseitige "Einengungen" vorsehe, wobei Letztere</span><br/> <span class="ft4">von der Norm sogar ausgeschlossen würden. Des Weiteren sei die in</span><br/> <span class="ft4">der VSS-Norm 640 213 vorgeschriebene Breite der Fahrbahn im</span><br/> <span class="ft4">Einengungsbereich sowie ausserhalb der Einengungen nicht einge-</span><br/> <span class="ft4">halten.</span><br/> <span class="ft4">3.5.2. Das Verwaltungsgericht stützt sich bei der Beurteilung</span><br/> <span class="ft4">von strassenmässigen Erschliessungen auf die VSS-Normen als Ent-</span><br/> <span class="ft4">scheidhilfen; diese dürfen jedoch nicht allzu schematisch und starr</span><br/> <span class="ft4">gehandhabt werden (vgl. AGVE 1999, S. 206 und 1990, S. 251 mit</span><br/> <span class="ft4">Hinweisen; VGE III/144 vom 22. Oktober 1998 [BE.1997.00053],</span><br/> <span class="ft4">S. 11 = AGVE 1999, S. 206). Das Erfordernis Land sparender und</span><br/> <span class="ft4">wirtschaftlicher Lösungen lässt Ausnahmen zu. Die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">rer verneinen die Zulässigkeit einer Ausnahmeregelung unter Beru-</span><br/> <span class="ft4">fung auf AGVE 1979, S. 223 ff., und vor dem Hintergrund der mög-</span><br/> <span class="ft4">lichen Verdreifachung des heutigen Verkehrsaufkommens. Das Ver-</span><br/> <span class="ft4">waltungsgericht hat im erwähnten Entscheid festgehalten, nach dem</span><br/> <span class="ft4">Sinn und Zweck der VSS-Richtlinien, aber auch aus rechtsstaatlichen</span><br/> <span class="ft4">Gründen (Rechtsgleichheit, Rechtssicherheit, Willkürverbot) seien</span><br/> <span class="ft4">die Behörden im Normalfall daran gebunden und verpflichtet, eine</span><br/> <span class="ft4">konsequente Strassenbaupolitik einzuschlagen (AGVE 1979, S. 228).</span><br/> <span class="ft4">Dass die Bindung nicht allzu schematisch und starr gehandhabt</span><br/> <span class="ft4">werden dürfe, heisse nicht, dass stets Einzelfalllösungen gesucht</span><br/> <span class="ft4">werden müssten. Solche Abweichungen seien nach der verwal-</span><br/> <span class="ft4">tungsgerichtlichen Rechtsprechung nur statthaft, ,,wenn die Richtli-</span><br/> <span class="ft4">nien mit den konkreten Verhältnissen überhaupt nicht mehr in</span><br/> <span class="ft4">Einklang zu bringen" seien (AGVE 1976, S. 275). Diese Voraus-</span><br/> <span class="ft4">setzung sei generell dann erfüllt, wenn nach den Verhältnissen des</span><br/> <span class="ft4">Einzelfalles keine Gefahr bestehe, dass negative Präjudizien für das</span><br/> <span class="ft4">Erschliessungsstrassensystem, d.h. für die Erschliessungsplanung</span><br/> <span class="ft4">und -politik der Gemeinde insgesamt entstehen und dass entspre-</span><br/> <span class="ft4">chende Folgekosten für die Öffentlichkeit verursacht würden. Dies</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">205</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">sei nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung etwa dann der</span><br/> <span class="ft4">Fall, wenn sich das Erschliessungserfordernis bloss auf ein Sträss-</span><br/> <span class="ft4">chen in einem faktisch vollständig überbauten Gebiet beziehe, aus</span><br/> <span class="ft4">dem kein oder kein wesentlicher zusätzlicher Verkehr zu erwarten</span><br/> <span class="ft4">sei. Der Normalfall betreffe dagegen Situationen, wo die Er-</span><br/> <span class="ft4">schliessungsanforderungen für einen ganz oder im Wesentlichen</span><br/> <span class="ft4">noch nicht in Überbauung begriffenen Ausschnitt des Baugebietes</span><br/> <span class="ft4">festzulegen seien, so dass die planerischen Aspekte von erheblichem</span><br/> <span class="ft4">Gewicht seien (AGVE 1979, S. 228 f.; vgl. auch AGVE 1976,</span><br/> <span class="ft4">S. 275 f.).</span><br/> <span class="ft4">3.6. (...)</span><br/> <span class="ft4">3.6.1. Eine Erschliessungsstrasse hat grundsätzlich eine Viel-</span><br/> <span class="ft4">zahl von Anforderungen zu erfüllen. So muss sie die örtlichen Ver-</span><br/> <span class="ft4">hältnisse berücksichtigen und die Verkehrssicherheit aller Benutzer</span><br/> <span class="ft4">(Fussgänger, Radfahrer, Personenwagen, öffentliche Dienste wie</span><br/> <span class="ft4">Sanität, Feuerwehr, Kehrichtabfuhr) gewährleisten (vgl. Walter</span><br/> <span class="ft4">Haller/Peter Karlen, Raumplanungs- und Baurecht, Band I, 3. Auf-</span><br/> <span class="ft4">lage, Zürich 1999, Rz. 577). Des Weiteren sind die Anforderungen</span><br/> <span class="ft4">des Natur- und Heimatschutzes, des Umweltschutzes sowie weitere</span><br/> <span class="ft4">wichtige Anforderungen der Raumplanung (wie haushälterische</span><br/> <span class="ft4">Bodennutzung) zu berücksichtigen (Art. 1 und 3 RPG, Art. 11 und 25</span><br/> <span class="ft4">USG). Die genannten Erfordernisse können im Einzelfall miteinan-</span><br/> <span class="ft4">der kollidieren. Da keinem von ihnen ein absoluter Vorrang zu-</span><br/> <span class="ft4">kommt, ist, wo nötig, eine Interessenabwägung vorzunehmen. Unter</span><br/> <span class="ft4">verschiedenen möglichen Varianten ist jene zu wählen, welche unter</span><br/> <span class="ft4">Berücksichtigung aller Umstände den Verhältnissen am besten ange-</span><br/> <span class="ft4">passt ist. Dabei kommt den Gemeinden ein grosser Ermessensspiel-</span><br/> <span class="ft4">raum zu (Art. 2 Abs. 3 RPG; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft4">vom 6. Mai 1993 [1P.115/1992], in: ZBl 1994, S. 91).</span><br/> <span class="ft4">3.6.2. Die in § 44a ABauV aufgezählten VSS-Normen halten</span><br/> <span class="ft4">technische Anforderungen an Erschliessungsstrassen fest, denen</span><br/> <span class="ft4">grundsätzlich Rechnung zu tragen ist. Wie erwähnt, gibt es daneben</span><br/> <span class="ft4">weitere Erfordernisse, die unter Umständen mit den genannten VSS-</span><br/> <span class="ft4">Normen kollidieren können. In einem solchen Fall ist eine</span><br/> <span class="ft4">Interessenabwägung vorzunehmen und nötigenfalls von den VSS-</span><br/> <span class="ft4">Normen abzuweichen. So hält die Rechtsprechung denn auch fest,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">206</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">dass gestützt auf das Erfordernis Land sparender und wirtschaftlicher</span><br/> <span class="ft4">Lösungen von den besagten VSS-Normen abgewichen werden kann</span><br/> <span class="ft4">(vgl. AGVE 1990, S. 251; vgl. auch AGVE 1996, S. 498). Eine</span><br/> <span class="ft4">Abweichung von technischen Richtlinien lässt sich auch mit dem</span><br/> <span class="ft4">Erfordernis der Verkehrssicherheit und mit Umweltanliegen begrün-</span><br/> <span class="ft4">den, indem bereits im Zeitpunkt der Erschliessung Verkehrsberuhi-</span><br/> <span class="ft4">gungsmassnahmen vorgenommen werden, wie dies vorliegend der</span><br/> <span class="ft4">Fall ist. Eine rechtmässige Erschliessung setzt daher nicht voraus,</span><br/> <span class="ft4">dass eine Zufahrtsstrasse zuerst mit den Normmassen der VSS-Nor-</span><br/> <span class="ft4">men 640 045 und 640 200 projektiert und anschliessend über die</span><br/> <span class="ft4">Vorgaben der VSS-Norm 640 213 verkehrsberuhigt wird. Da die</span><br/> <span class="ft4">ABauV weder die VSS-Norm 640 213 noch deren Vorgänger-Richt-</span><br/> <span class="ft4">linien (VSS-Normen 640 280, 640 283 und 640 284) erwähnt, ist die</span><br/> <span class="ft4">Berücksichtigung dieser Norm als Entscheidungshilfe für die techni-</span><br/> <span class="ft4">sche Dimensionierung und Anordnung der Verkehrsberuhigungsele-</span><br/> <span class="ft4">mente nur analog zulässig.</span><br/> <span class="ft4">3.6.3. Die Beschwerdeführer machen geltend, die von der er-</span><br/> <span class="ft4">wähnten Norm definierten Abstände zwischen den einzelnen Ein-</span><br/> <span class="ft4">engungen würden nicht eingehalten. Zudem enthalte der Gestal-</span><br/> <span class="ft4">tungsplan "Stickiweg" ausschliesslich lange einseitige und zweisei-</span><br/> <span class="ft4">tige "Einengungen", wobei Letztere von der Norm ausgeschlossen</span><br/> <span class="ft4">würden. Schliesslich werde die erforderliche Strassenbreite weder im</span><br/> <span class="ft4">Bereich der Einengungen noch ausserhalb respektiert. Die genannten</span><br/> <span class="ft4">Rügen sind im Folgenden zu prüfen.</span><br/> <span class="ft4">3.6.4. In der VSS-Norm 640 213 wird für die Abstände zwi-</span><br/> <span class="ft4">schen zwei Einengungen, d.h. für die Länge der Ausweitungen, in</span><br/> <span class="ft4">denen der Grundbegegnungsfall zu gewährleisten ist, eine Distanz</span><br/> <span class="ft4">zwischen 30 und 50 m empfohlen. Die genaue Länge ist aufgrund</span><br/> <span class="ft4">der örtlichen Verhältnisse zu bestimmen (Abbildung 13 FN 3). Der</span><br/> <span class="ft4">Bereich der Ausweitungen dient den vortrittsbelasteten Fahrzeugen</span><br/> <span class="ft4">dazu, den Gegenverkehr abzuwarten, bis sie das Hindernis, d.h. die</span><br/> <span class="ft4">Einengung, passieren können (vgl. Art. 9 Abs. 1 VRV). Je grösser die</span><br/> <span class="ft4">Zahl der Fahrzeuge ist, welche die betreffende Strasse befahren,</span><br/> <span class="ft4">desto grösser ist das Risiko, dass sich mehrere Fahrzeuge hinter einer</span><br/> <span class="ft4">Einengung befinden, um den Gegenverkehr abzuwarten, und umso</span><br/> <span class="ft4">länger müssen folglich die Ausweitungen sein.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">207</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Im Erschliessungsplan "Stickiweg" entsprechen die Ausweich-</span><br/> <span class="ft4">stellen den Ausweitungen. Sie nehmen eine Länge von zwischen</span><br/> <span class="ft4">7,13 und 8,50 m ein. Unter der Voraussetzung, dass die Länge eines</span><br/> <span class="ft4">Durchschnittsfahrzeuges ca. 4,50 m beträgt (VW Golf: 4,30 m;</span><br/> <span class="ft4">BMW 330i: 4,50 m; Subaru Legacy Kombi: 4,70 m), bieten die</span><br/> <span class="ft4">vorgesehenen Ausweichstellen mindestens Platz für ein Fahrzeug.</span><br/> <span class="ft4">Unter Berücksichtigung des geringen Verkehrsaufkommens auf dem</span><br/> <span class="ft4">Stickiweg mit 90 bis 180 Fahrzeugen pro Tag ist vorliegend jedoch</span><br/> <span class="ft4">nicht zwingend Platz für mehrere Fahrzeuge zu gewährleisten. Die</span><br/> <span class="ft4">Spitzenbelastung pro Stunde von 30 bis 65 Fahrten kann mit den acht</span><br/> <span class="ft4">Ausweichstellen (inkl. Einmündungsbereiche) auf der Länge von</span><br/> <span class="ft4">rund 360 m ohne Gefährdung der Verkehrssicherheit bewältigt wer-</span><br/> <span class="ft4">den, selbst wenn zusätzlich ein Arbeitsplatzverkehr berücksichtigt</span><br/> <span class="ft4">wird. Die Länge der Ausweichstellen erscheint daher noch als genü-</span><br/> <span class="ft4">gend dimensioniert, um das Verkehrsaufkommen zu bewältigen.</span><br/> <span class="ft4">3.6.5. Die VSS-Norm 640 213 sieht einerseits kurze Ein-</span><br/> <span class="ft4">engungen von 5 bis 10 m und andererseits lange Einengungen von 10</span><br/> <span class="ft4">bis 50 m (bei Quartiersammelstrassen höchstens 30 m) vor, wobei</span><br/> <span class="ft4">die Ersteren in kurze einseitige und kurze beidseitige Einengungen</span><br/> <span class="ft4">zu unterteilen sind. Bezüglich der langen Einengungen bestimmt</span><br/> <span class="ft4">Ziff. 18 Abs. 3, sie seien nur dann zulässig, wenn sie einseitig ange-</span><br/> <span class="ft4">ordnet seien. Beidseitige lange Einengungen sind somit nicht vorge-</span><br/> <span class="ft4">sehen. Der Sinn dieser Bestimmung ist ebenfalls unter Bezugnahme</span><br/> <span class="ft4">auf Art. 9 Abs. 1 VRV zu erklären, wonach ein Fahrzeugführer dem</span><br/> <span class="ft4">Gegenverkehr den Vortritt zu lassen hat, wenn das Kreuzen durch ein</span><br/> <span class="ft4">Hindernis auf seiner Fahrbahn erschwert wird. Im Fall von beid-</span><br/> <span class="ft4">seitigen Einengungen wäre somit keiner der beiden Fahrzeugführer</span><br/> <span class="ft4">vortrittsberechtigt. Handelt es sich um kurze Einengungen, so sind</span><br/> <span class="ft4">sich die beiden Fahrzeuge nahe genug, um das Vortrittsrecht im Ein-</span><br/> <span class="ft4">zelfall mittels Licht- oder Handzeichen untereinander zu regeln. Bei</span><br/> <span class="ft4">langen Einengungen ist dies demgegenüber nur schlecht möglich.</span><br/> <span class="ft4">Wie die Beschwerdeführer zutreffend vorbringen, sind die im</span><br/> <span class="ft4">Erschliessungsplan "Stickiweg" zwischen den Ausweichstellen</span><br/> <span class="ft4">vorgesehenen Distanzen ausnahmslos als lange Einengungen zu</span><br/> <span class="ft4">qualifizieren, beträgt die Länge der kürzesten Einengung doch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">208</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">22,35 m. Einzelne Einengungen überschreiten sogar die von der</span><br/> <span class="ft4">VSS-Norm 640 213 vorgesehene Maximallänge von 50 m.</span><br/> <span class="ft4">Die Länge der Einengungen ist aufgrund der örtlichen Verhält-</span><br/> <span class="ft4">nisse und unter Berücksichtigung der Anforderungen bezüglich des</span><br/> <span class="ft4">massgebenden Begegnungsfalls festzulegen (VSS-Norm 640 213,</span><br/> <span class="ft4">Abbildung 13 FN 2). Aufgrund des geraden Verlaufs des Stickiwegs</span><br/> <span class="ft4">liegen derart übersichtliche Verhältnisse vor, dass die Regelung des</span><br/> <span class="ft4">Vortrittsrechts zwischen zwei Personenwagen auch bei einer grösse-</span><br/> <span class="ft4">ren Entfernung möglich ist. Die Einengungen und ihre Anordnung</span><br/> <span class="ft4">haben die Wirkung, dass in ihrem Bereich nur mit reduzierter Ge-</span><br/> <span class="ft4">schwindigkeit bis max. 30 km/h gefahren werden kann. Die Abwei-</span><br/> <span class="ft4">chung von Ziff. 18 Abs. 3 der VSS-Norm 640 213 sowie die Über-</span><br/> <span class="ft4">schreitung der Maximallänge von 50 m ist damit und auch unter</span><br/> <span class="ft4">Berücksichtigung des geringen Verkehrsaufkommens nicht zu bean-</span><br/> <span class="ft4">standen.</span><br/> <span class="ft4">3.6.6. In Bezug auf die Breite der Fahrbahn im Bereich der Ein-</span><br/> <span class="ft4">engung sieht Abbildung 13 der VSS-Norm 640 213 für Zonen mit</span><br/> <span class="ft4">beschränkter Geschwindigkeit und für Wohnstrassen eine Mindest-</span><br/> <span class="ft4">breite von 3,0 m vor. FN 1 hält für lange einseitige Einengungen fest,</span><br/> <span class="ft4">dass das Begegnen von zwei Personenwagen mit reduzierter Ge-</span><br/> <span class="ft4">schwindigkeit bei einer Breite von mindestens 4,2 m möglich sein</span><br/> <span class="ft4">muss (Abs. 2). Bei Einbahnverkehr ist eine Breite von 3,0 m vorge-</span><br/> <span class="ft4">schrieben (Abs. 3). Die Breite der Fahrbahn ausserhalb der Ein-</span><br/> <span class="ft4">engung muss 1 m breiter sein als im Bereich der Einengung.</span><br/> <span class="ft4">Gestützt auf das Fachgutachten hat die Vorinstanz eine mini-</span><br/> <span class="ft4">male Strassenbreite von 4,0 m, bei fehlender Seitenfreiheit eine sol-</span><br/> <span class="ft4">che von 4,4 m für erforderlich erachtet.</span><br/> <span class="ft4">Im Bereich der Einengungen ist der Strassenraum des Sticki-</span><br/> <span class="ft4">wegs zwischen 3,66 und 4,07 m breit. Auch unter Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft4">der durch § 111 Abs. 1 lit. c und d BauG vorgegebenen Seitenfrei-</span><br/> <span class="ft4">heiten, welche bei stark reduziertem Verkehr nach der Praxis 0,4 m</span><br/> <span class="ft4">betragen, wird somit die bei Gegenverkehr vorgesehene Breite von</span><br/> <span class="ft4">4,2 m nicht durchwegs erreicht. Während sich die Unterschreitungen</span><br/> <span class="ft4">im Bereich der Einmündung Stockackerweg bis zur Einmündung in</span><br/> <span class="ft4">die Kantonsstrasse auf relativ kurze Strassenabschnitte in der Nähe</span><br/> <span class="ft4">der beiden Ausweichstellen auf den Parzellen Nrn. 710 und 702</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">209</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">beschränken, ist die Mindestbreite nach VSS-Norm zwischen Flur-</span><br/> <span class="ft4">weg und Stockackerweg teilweise um 14 cm unterschritten. Auf</span><br/> <span class="ft4">diesem rund 125 m langen Strassenabschnitt sind indessen zwei</span><br/> <span class="ft4">Ausweichstellen in Abständen von rund 30, 22 und 50 m vorgesehen.</span><br/> <span class="ft4">Unter diesen Umständen ist die Auffassung der Vorinstanz und des</span><br/> <span class="ft4">Sachverständigen, dass mit den Ausweichstellen die geringfügige</span><br/> <span class="ft4">Unterschreitung der Minimalbreite für den Grundbegegnungsfall im</span><br/> <span class="ft4">vorliegenden Fall kompensiert werden kann, nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft4">Es besteht zudem die Möglichkeit, auf dem Stickiweg eine Ver-</span><br/> <span class="ft4">kehrsregelung mit Einbahnverkehr anzuordnen, sofern das Verkehrs-</span><br/> <span class="ft4">aufkommen wider Erwarten eine solche Massnahme erfordern sollte.</span><br/> <span class="ft4">Gestützt auf Art. 42 SSV kann vor jeder Fahrbahnverengung, d.h. bei</span><br/> <span class="ft4">den Ausweichstellen, das Signal "Dem Gegenverkehr Vortritt lassen"</span><br/> <span class="ft4">(3.09) bzw. in der Gegenrichtung "Vortritt vor dem Gegenverkehr"</span><br/> <span class="ft4">(3.10) angebracht werden. So bestünde eine Situation des Einbahn-</span><br/> <span class="ft4">verkehrs, so dass die Breite des Stickiweges im Bereich der Ein-</span><br/> <span class="ft4">engungen nur 3,0 m erreichen müsste und somit die Anforderungen</span><br/> <span class="ft4">der VSS-Norm ohne weiteres erfüllt wären. Im Bereich der Auswei-</span><br/> <span class="ft4">tungen genügt unter dieser Voraussetzung eine Breite von 4,0 m.</span><br/> <span class="ft4">Nachdem der Stickiweg bei den Ausweichstellen 4,5 m und unter</span><br/> <span class="ft4">Berücksichtigung von § 111 BauG mindestens 4,9 m breit ist, wäre</span><br/> <span class="ft4">bei einem Einbahnverkehr auch diese Voraussetzung erfüllt. Infolge</span><br/> <span class="ft4">des Lastwagenfahrverbotes genügt die Breite der Ausweichstellen</span><br/> <span class="ft4">auch den Anforderungen für den vorliegend massgebenden Grund-</span><br/> <span class="ft4">begegnungsfall Personenwagen/Personenwagen (VSS-Norm 640</span><br/> <span class="ft4">200).</span><br/> <span class="ft4">3.6.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der angefochtene</span><br/> <span class="ft4">Erschliessungsplan die technischen Anforderungen der VSS-Norm</span><br/> <span class="ft4">640 213 nicht überall einhält. Die Abweichungen bei der Anordnung</span><br/> <span class="ft4">der Ausweichstellen, deren Entfernung und bei der Unterschreitung</span><br/> <span class="ft4">des Richtmasses für die Breite von Fahrbahnverengungen lassen sich</span><br/> <span class="ft4">aber mit dem geringen Verkehrsaufkommen, dem Umstand, dass der</span><br/> <span class="ft4">Planperimeter weitgehend überbaut ist und der bestehende Stickiweg</span><br/> <span class="ft4">nur im Hinblick auf die zusätzlichen Erschliessungsanforderungen</span><br/> <span class="ft4">für maximal 45 Wohneinheiten angepasst wird, sachlich begründen.</span><br/> <span class="ft4">Jedenfalls bestehen keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">210</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">die Erschliessungsplanung technisch nicht hinreichend und der Be-</span><br/> <span class="ft4">anspruchung durch die Benützer nicht gewachsen ist. So äussern</span><br/> <span class="ft4">auch das Fachgutachten des BVU, Abteilung Verkehr, sowie der</span><br/> <span class="ft4">anlässlich der Augenscheinsverhandlung vom 24. März 2005 anwe-</span><br/> <span class="ft4">sende Verkehrsexperte keinerlei Bedenken hinsichtlich der Ver-</span><br/> <span class="ft4">kehrssicherheit oder der Verkehrsabwicklung. Das Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richt hat keine Veranlassung, diese Beurteilung als unzutreffend ein-</span><br/> <span class="ft4">zustufen.</span><br/> <span class="ft4">Den Gemeinden steht im Erschliessungsrecht und bei der An-</span><br/> <span class="ft4">wendung der VSS-Normen ein erhebliches Ermessen zu, das aller-</span><br/> <span class="ft4">dings pflichtgemäss auszuüben ist (AGVE 1997, S. 303 f. mit Hin-</span><br/> <span class="ft4">weis; vgl. VGE III/131 vom 27. Oktober 2000 [BE.1999.00134],</span><br/> <span class="ft4">S. 26). Indem die Gemeinde A unter Berufung auf die Verkehrssi-</span><br/> <span class="ft4">cherheit und im Interesse einer kostengünstigen und Land sparenden</span><br/> <span class="ft4">Lösung von den Richtlinien und Normmassen der VSS-Norm im</span><br/> <span class="ft4">dargestellten Umfang abgewichen ist, hat sie nicht gegen den Sinn</span><br/> <span class="ft4">und Zweck der gesetzlichen Ordnung, gegen allgemeine Rechts-</span><br/> <span class="ft4">grundsätze oder massgebende Interessen verstossen (vgl. oben</span><br/> <span class="ft4">Erw. 3.5.2). Insbesondere durfte sie berücksichtigen, dass der Sticki-</span><br/> <span class="ft4">weg keine eigentliche Durchgangsstrasse sowie in den kritischen</span><br/> <span class="ft4">Abschnitten übersichtlich ist und mit möglichst geringen Eingriffen</span><br/> <span class="ft4">in den bestehenden Strassenraum realisiert werden soll. Unter den</span><br/> <span class="ft4">gegebenen Umständen können die Abweichungen von der VSS-</span><br/> <span class="ft4">Norm insgesamt noch in Kauf genommen werden, da es sich um eine</span><br/> <span class="ft4">Erschliessung von untergeordneter Bedeutung handelt, die durch den</span><br/> <span class="ft4">Ausbau einer bestehenden und zur Hauptsache von ortskundigen</span><br/> <span class="ft4">Verkehrsteilnehmern benutzten Strasse in einem bereits weitgehend</span><br/> <span class="ft4">überbauten Gebiet erfolgt. Es besteht daher keine Gefahr einer nega-</span><br/> <span class="ft4">tiven Präjudizierung von Erschliessungsplanung und Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft4">politik (vgl. oben Erw. 3.5.2).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>