Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 12. Februar 2014 (810 13 200) ____________________________________________________________________ Umweltschutz, Wasser und Energie Lärmsanierung Kantonsstrasse / Zulässigkeit von Sanierungserleichterungen Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Kanto nsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Pachlatko Parteien A.____ , Beschwerdeführer in , vertreten durch Olivier Huber , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Sanierungsprojekte nach Artikel 13 ff. der Lä rmschutz-Verordnung entlang stark frequentierter Kantonsstrassen (RRB Nr. 894 vom 28. Mai 2013) A. Die Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel- Landschaft (BUD) gewährte mit den Verfügungen Nr. 342 und 343 vom 21. August 20 12 unter anderem betreffend die Lie- genschaften bzw. Parzellen B.____strasse 63, C.____strass e 83, D.____strasse 30 und 32 sowie E.____weg 55 Sanierungserleichterungen. Zur Beg ründung hielt die BUD im Wesentli- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen fest, die genannten Liegenschaften bzw. Parzellen se ien zwar von übermässigen Lärm- immissionen betroffen, doch könnten keine Lärmschutzmassnahmen erstellt werden. B. [Die Gemeinde] A.____ erhob mit fünf Eingaben vo m 21. September 2012 gegen diese Verfügungen, soweit diese eine Sanierungserleichteru ng für die Liegenschaften B.____strasse 63, C.____strasse 83, D.____strasse 30 und 3 2 sowie E.____weg 55 vorsahen, beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regieru ngsrat) Beschwerde. Der Regie- rungsrat forderte A.____ in der Folge dazu auf, eine verbesserte Beschwerde mit klaren und konkreten Rechtsbegehren einzureichen. Nach umstrittener Darstellung des Regierungsrats reichte A .____ in der Folge am 8. Oktober 2012 zwei verbesserte Beschwerden ein. Mit den verbesserte n Beschwerden verlangte A.____ die Aufhebung der Sanierungserleichterung betreffend die Liegenschaften B.____strasse 63 (Verfügung Nr. 342) und C.____strasse 83 (Verfügung Nr . 343). A.____ machte hierzu geltend, sie habe am 8. Oktober 2012 fünf verbesserte Beschwerde n eingereicht und mit diesen die Aufhebung der Sanierungserleichterungen betreffend d ie Liegenschaften B.____strasse 63, C.____strasse 83, D.____strasse 30 und 32 sowie E.____w eg 55 beantragt. Mit Beschwer- debegründung vom 7. Dezember 2012 beantragte A.____, die angefochtenen Verfügungen seien für die Objekte B.____strasse 63, C.____strasse 83, D .____strasse 30 und 32 sowie E.____weg 55 aufzuheben. C. Mit Beschluss Nr. 894 vom 28. Mai 2013 wies der Regie rungsrat die Beschwerden betreffend die Sanierungserleichterungen bezüglich der Liegenschaften B.____strasse 63 und C.____strasse 83 ab. Betreffend die Sanierungserleich terungen bezüglich der übrigen Liegen- schaften trat er nicht auf die Beschwerde ein. D. Mit Schreiben vom 7. Juni 2013 reichte A.____ (Beschwe rdeführerin) beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kan tonsgericht), Beschwerde gegen den Regierungsratsbeschluss Nr. 894 vom 28. Mai 2013 ein. Si e beantragte, es sei der angefochte- ne Entscheid aufzuheben und es seien die Sanierungserlei chterungen betreffend die Liegen- schaften B.____strasse 63, C.____strasse 83, E.____weg 55 sowie D.____strasse 30 und 32 aufzuheben. Dies alles unter o/e-Kostenfolge. Die Besc hwerdebegründung reichte die Be- schwerdeführerin, neu vertreten durch Olivier Huber, A dvokat, am 8. August 2013 ein. In Zif- fer 3 der Rechtsbegehren der Beschwerdebegründung beant ragte die Beschwerdeführerin zu- dem, es sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuwe isen mit der Anweisung, sämtliche das Gemeindegebiet A.____ betreffenden Lärmsanierungsprojekte unter Berücksichtigung aller relevanter Faktoren und gegenseitiger Abhängigkeiten zu überprüfen und neu zu erstellen. E. Am 31. Oktober 2013 reichte der Regierungsrat (Besch werdegegner), vertreten durch die BUD, seine Vernehmlassung ein. Er beantragte, die Beschwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit präsidialer Verfügung vom 26. November 2013 wu rde der Fall der Kammer zur Be- urteilung überwiesen. Gleichzeitig wurden Beweisanträ ge auf Einholung von Gutachten, Vorla- dung von Auskunftspersonen und Anordnung eines Augenscheins abgewiesen. G. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren und Begründungen fest. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Die Verwaltungsrechtspflege wird durch das formgere chte Einlegen eines Rechtsmit- tels einer Partei ausgelöst. Damit die Rechtsmittelinstanz auf eine Beschwerde eintritt und diese materiell behandelt, müssen die Prozessvoraussetzungen geg eben sein. Die angerufene Be- hörde, vorliegend das Kantonsgericht, prüft sie gemäss § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 von Amtes wegen; auf deren Bestreitung oder Nichtbestreitung kommt es ni cht an (vgl. A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER /M ARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich 2013, Rz. 693 ff., mit weiteren Hi nweisen). Zu den Prozessvoraussetzungen, die alle erfüllt sein müssen, damit das Gericht zur Begr ündetheit der Rechtsbegehren Stellung nehmen kann, gehören namentlich ein taugliches Anfecht ungsobjekt, eine frist- und formge- rechte Rechtsmittelvorkehr, die Zuständigkeit der Rechts mittelinstanz, die Legitimation und die Beschwer der Beschwerdeführer (vgl. RENÉ RHINOW / HEINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA TURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht - Grundlagen und Bundesrechts- pflege, 2. vollständig überarbeitete Auflage, Basel 2 010, Rz. 1035 ff.). Sind die Prozessvoraus- setzungen erfüllt, spricht sich die Behörde über die Be gründetheit oder Unbegründetheit des in Frage stehenden Begehrens aus. Ist eine Prozessvoraussetzu ng nicht erfüllt, so ist zu prüfen, ob diese bereits bei Beschwerdeerhebung gefehlt hat od er später im Verlaufe des Verfahrens weggefallen ist. Im ersten Fall wäre ein Nichteintret ensentscheid zu fällen und im zweiten das Verfahren infolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben (BGE 118 Ib 7 E. 2; R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER / CHRISTINA KISS /D ANIELA TURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , a.a.O., Rz. 1676 f.). 1.2 Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie habe mi ttels fünf Schreiben vom 21. September 2012 an den Regierungsrat jeweils Beschw erde gegen den Entscheid Nr. 343 vom 21. August 2012 erhoben und mit fünf Eingaben vom 8. Oktober 2012 jeweils eine verbes- serte Beschwerde eingereicht. Gemäss den in diesen Schrei ben gestellten Rechtsbegehren verlangte die Beschwerdeführerin die Aufhebung des angefochtenen Entscheids für die Liegen- schaften B.____strasse 63, C.____strasse 83, E.____weg 55 sowie D.____strasse 30 und 32. Der Regierungsrat wies die Beschwerden ab, soweit er dar auf eintrat. In der Folge beantragte die Beschwerdeführerin mit Beschwerdebegründung vom 8. August 2013 an das Kantonsge- richt nicht nur die Aufhebung des angefochtenen Regierungsratsbeschlusses vom 28. Mai 2013 (Ziffer 1) und der Sanierungserleichterungen betreff end die Liegenschaften B.____strasse 63, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht C.____strasse 83, E.____weg 55 sowie D.____strasse 30 und 32 (Ziffer 2), sondern auch die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz mit der Anweisung, sämtliche das Gemein- degebiet A.____ betreffenden Lärmsanierungsprojekte u nter Berücksichtigung aller relevanter Faktoren und gegenseitiger Abhängigkeiten zu überprüf en und neu zu erstellen (Ziffer 3). Zu prüfen ist, ob auf das Rechtsbegehren Ziffer 3 der Beschwerdebegründung einzutreten ist. 1.3 Nach den in einer Beschwerde gestellten Begehren b zw. der darin enthaltenen Rechts- folgebehauptungen bestimmt sich, inwieweit ein Rechtsver hältnis im Beschwerdeverfahren im Streit liegt (A LFRED KÖLZ /J ÜRG BOSSHART /M ICHAEL RÖHL , Kommentar zum Verwaltungsrechts- pflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich 199 9, S. 321 f., Rz. 86). Derjenige Teil der angefochtenen Verfügung, der im Streit liegt, wird a ls Streitgegenstand bezeichnet (R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA TURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , a.a.O., Rz. 985 ff.; A LFRED K ÖLZ /I SABELLE HÄNER /M ARTIN BERTSCHI , a.a.O., Rz. 686; THOMAS MERKLI /A RTHUR AESCHLIMANN /R UTH HERZOG , Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungs- rechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Rz. 7 zu Art. 72 VRPG). Der Streitgegenstand kann im Laufe des Rechtsmittelverfahrens zwar eingeschränkt, nich t aber ausgedehnt oder inhaltlich verändert werden (§ 6 Abs. 1 VPO; BGE 136 II 462 f. E . 4.1 f. m.w.N.; C HRISTOPH AUER , in: VwVG, Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), 2008, N. 10 zu A rt. 12 VwVG; A LFRED K ÖLZ /I SABELLE HÄNER /M ARTIN BERTSCHI , a.a.O., Rz. 688, 1019 und 1534). Hat die Beschwerde führerin den Streitgegenstand im Verfahren vor dem Regierungsrat – gemäss ihrer eigenen Darstellung – auf die Aufhebung des angefochtenen Entscheids für die Liegenschaften B.____strasse 63, C.____strasse 83, E.____weg 55 sowie D.____strasse 30 und 32 beschränkt, so dehnt sie den Streitgegenstand im Verfahren vor Kantonsgericht mit de m Antrag auf Anweisung der Vor- instanz, sämtliche das Gemeindegebiet A.____ betreffend en Lärmsanierungsprojekte zu über- prüfen und neu zu erstellen, offensichtlich aus. Mit di esem Rechtsbegehren wird nämlich letzt- lich die Aufhebung der Verfügungen Nr. 342 und 343 der BUD vom 21. August 2012 hinsichtlich aller davon betroffenen Liegenschaften und nicht mehr nur betreffend die Liegenschaften B.____strasse 63, C.____strasse 83, E.____weg 55 sowie D .____strasse 30 und 32 verlangt. Auf das Rechtsbegehren Ziffer 3 der Beschwerdebegründu ng vom 8. August 2013 ist deshalb nicht einzutreten. 1.4 Die Beschwerdeführerin machte zudem geltend, der Regierungsrat sei zu Unrecht auf die Beschwerden betreffend die Liegenschaften E.____weg 55 sowie D.____strasse 30 und 32 nicht eingetreten. Gleichzeitig beantragte die Beschwe rdeführerin, es seien unter anderem die Sanierungserleichterungen betreffend die Liegenschafte n E.____weg 55 sowie D.____strasse 30 und 32 aufzuheben. Zu beachten ist diesbezüglich, da ss betreffend die Liegenschaften D.____strasse 30 und 32 sowie E.____weg 55 Gegenstan d des vorliegenden Verfahrens die Frage bildet, ob der Regierungsrat auf die Beschwerde hätte eintreten müssen. Wird ein Nicht- eintretensentscheid angefochten, prüft das Kantonsgerich t nur die Rechtsfrage, ob die Vor- instanz den Nichteintretensentscheid einer unteren Instanz zu Unrecht geschützt hat respektive ob sie selber auf das bei ihr gestellte Gesuch zu Recht nicht eingetreten ist. Es kann folglich nur geltend gemacht werden, die Vorinstanz habe zu Unrecht d as Bestehen einer Eintretens- voraussetzung verneint. Damit bleibt der Streitgegensta nd auf die Eintretensfrage beschränkt (vgl. BGE 132 V 74 E. 1.1; BGE 125 V 505 E. 1). Die beschwerdeführende Partei kann ent-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprechend nur die Anhandnahme beantragen; auf materielle Begehren kann mithin nicht einge- treten werden. Würde das Gericht in der Sache selbst urteilen, so brächte es die Verwaltung um ihr Recht, einen eigenen Sachentscheid zu fällen; zudem würde der Rechtsweg der Beschwer- deführer verkürzt (BGE 132 V 74 E. 1.1; Urteil des Kant onsgerichts [KGE VV] vom 27. August 2008 [810 08 56] E. 3). Soweit die Beschwerdeführerin betreffend die Liegenschaften D.____strasse 30 und 32 sowie E.____weg 55 einen Sache ntscheid beantragte, kann somit nicht auf die Beschwerde eingetreten werden. Im Übrige n liegen die Prozessvoraussetzungen vor. Auf die Beschwerde ist insoweit einzutreten. 2. Die Kognition des Kantonsgerichts erstreckt sich nach § 45 Abs. 1 VPO auf Rechtsver- letzungen einschliesslich Unterschreitung, Überschreitung o der Missbrauch des Ermessens (§ 45 Abs. 1 lit. a VPO) und auf unrichtige oder unvo llständige Feststellung des Sachverhalts (§ 45 Abs. 1 lit. b VPO). Dagegen ist eine Überprüfun g der Angemessenheit nur bei Entschei- den über Nachbetreuung und ambulante Massnahmen sowie bei Disziplinarmassnahmen ge- genüber auf Amtsperiode Gewählten möglich (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). Vorliegend ist offensicht- lich kein entsprechender Ausnahmefall gegeben. 3.1 Umstritten ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf die Beschwerden betreffend die Liegen- schaften E.____weg 55 sowie D.____strasse 30 und 32 ni cht eingetreten ist. Der Beschwerde- gegner brachte hierzu im Wesentlichen vor, die Beschwerd eführerin habe am 8. Oktober 2012 lediglich zwei verbesserte Beschwerden – betreffend die Ob jekte B.____strasse 63 und C.____strasse 83 – eingereicht. Belege dafür, dass sie am 8. Oktober 2012 drei weitere ver- besserte Beschwerden – betreffend die Objekte D.____str asse 30 und 32 sowie E.____- weg 55 – der Post aufgegeben habe, seien keine einger eicht worden. Indem die Beschwerde- führerin mit Beschwerdebegründung vom 7. Dezember 2012 die Aufhebung der angefochtenen Verfügungen betreffend die Objekte B.____strasse 63, C .____strasse 83, D.____strasse 30 und 32 sowie E.____weg 55 verlangt habe, habe sie den Streitgegenstand, welcher mit den verbesserten Beschwerden vom 8. Oktober 2012 definiert w orden sei, unzulässigerweise aus- geweitet. Es sei deshalb zu Recht nicht auf die Beschwe rden betreffend die Liegenschaften D.____strasse 30 und 32 sowie E.____weg 55 eingetreten worden. 3.2 Die Beschwerdeführerin führte hierzu an, sie habe am 8. Oktober 2012 auch betreffend die Liegenschaften D.____strasse 30 und 32 sowie E.____w eg 55 eine verbesserte Beschwer- de eingereicht. Dies ergebe sich aus den der Beschwerdebe gründung vom 8. August 2013 bei- gelegten Kopien von allen fünf verbesserten Beschwerde n. Anlässlich der heutigen Parteiver- handlung führte sie zudem an, sie habe alle fünf Beschw erden zusammen im selben Umschlag eingereicht. Die Eingaben betreffend die D.____stra sse 30 und 32 sowie E.____weg 55 seien aber wohl im Zuständigkeitsbereich der Vorinstanz verlor en gegangen. Dies lasse sich daraus schliessen, dass alle fünf vorsorglichen Beschwerden vom 21. September 2012, jedoch nur eine der in den Akten befindlichen verbesserten Beschwer den vom 8. Oktober 2012, von der Vorinstanz mit einem Eingangsstempel versehen worden sei. 3.3 Gemäss § 12 Abs. 1 VPO stellt das Gericht von Amte s wegen die für den Entscheid wesentlichen Tatsachen fest. Im verwaltungsgerichtlichen Verfahren gilt demnach unter Vorbe- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht halt der Mitwirkungspflicht der Parteien die Untersuchu ngsmaxime. Der Richter muss nach Recht und Billigkeit bestimmen, was alles abzuklären ist, f ür die Beschaffung der notwendigen Beweise sorgen und das Ergebnis des Beweisverfahrens pfl ichtgemäss würdigen. Eine Tatsa- che gilt nur dann als bewiesen, wenn der Richter von i hrem Bestehen überzeugt ist. Durch die Untersuchungsmaxime wird eine Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnot- wendig ausgeschlossen (vgl. zum Ganzen KGE VV vom 22. März 2006 [810 05 227] E. 4). Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Folge einer allfä lligen Beweislosigkeit von einem Verfah- rensbeteiligten zu tragen ist. In diesem Sinne gilt die materielle Beweislastregel von Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezembe r 1907 analog (vgl. R ENÉ A. RHINOW /B EAT KRÄHENMANN , Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband , Basel und Frankfurt am Main 1990, Nr. 88 B. I.). Vo rliegend steht fest, dass der Sachverhalt nicht weiter abgeklärt werden kann und dass es weder für die eine noch für die andere Behaup- tung einen direkten Beweis gibt. Dafür, dass die Beschw erdeführerin nicht nur zwei sondern fünf verbesserte Beschwerden einreichte, spricht hingeg en eine Kombination von Indizien: Zu- nächst ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführeri n mit Eingabe vom 21. September 2012 unbestrittenermassen fünf Beschwerden einreichte. A lle diese Schreiben wurden von der zuständigen Stelle mit einem Eingangsstempel versehen. In den Akten befinden sich sodann zwei verbesserte Beschwerden. Beide datieren vom 8. Oktob er 2012 und wurden unbestritte- nermassen im selben Umschlag versandt, jedoch wurde nur e ine der beiden in den Akten be- findlichen verbesserten Beschwerden mit einem Eingangsstem pel versehen. Ein schlüssiges Argument, weshalb die Eingabe der Beschwerdeführerin derart verarbeitet wurde, konnte der Beschwerdegegner nicht vorbringen. Aufgrund der Umstä nde ist davon auszugehen, dass die die – im Erscheinungsbild sehr ähnlichen – verbesserten Beschwerden entgegennehmende Stelle die Eingabe als eine verbesserte Beschwerde in m ehrfacher Ausführung verstand und deshalb nur die eine verbesserte Beschwerde mit dem Eing abestempel versah. Hierfür spricht, dass der Beschwerdegegner der BUD, zusammen mit einer Ko pie des an die Beschwerdefüh- rerin gerichteten Schreibens vom 9. Oktober 2012, ein v ermeintliches Doppel – nicht eine Ko- pie – der beschwerdeführerischen Eingabe vom 8. Oktober 2 012 zustellte (vgl. Schreiben des Rechtsdienstes des Regierungsrates vom 9. Oktober 2012). Dabei ist zu beachten, dass den in den Akten befindlichen verbesserten Beschwerden nicht zu e ntnehmen ist, dass diese im Dop- pel eingereicht wurden. Weder wurde die Beschwerdeführerin zur Einreichung der verbesserten Beschwerden im Doppel aufgefordert (vgl. Schreiben de s Rechtsdienstes des Regierungsrates vom 27. September 2012), noch ergibt sich eine entsprec hende Pflicht aus dem Verwaltungs- verfahrensgesetz des Kantons Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988. Sind in den vorinstanzlichen Akten aber immer noch zwei verbesserte Besch werden vorhanden und ist da- von auszugehen, dass der BUD nicht ein Doppel der Einga be der Beschwerdeführerin zuge- stellt wurde, so muss es als sehr wahrscheinlich angesehen w erden, dass der BUD in den Ak- ten fehlende verbesserte Beschwerden zugestellt wurden. Die genannten Indizien lassen letzt- lich nur den Schluss zu, dass die Beschwerdeführerin alle fünf verbesserten Beschwerden in einem Umschlag am 8. Oktober 2012 einreichten. Der Be schwerdegegner ist folglich zu Un- recht nicht auf die Beschwerden betreffend die Objekte D.____strasse 30 und 32 sowie E.____weg 55 eingetreten. Die Beschwerde ist demnach – soweit sie sich gegen den Nichtein- tretensentscheid der Vorinstanz richtet – gutzuheissen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Beschwerdeführerin bemängelte im Weiteren, di e Vorinstanz habe keine konkreten Immissionsmessungen bei den fünf fraglichen Liegenschaften durchgeführt. Zudem habe die Vorinstanz die Immissionen und insbesondere die Grenzwertüberschreitungen falsch respektive unter Zuhilfenahme von ungenauen Berechnungsgrundlage n berechnet. Die Vorinstanz habe nämlich ein veraltetes Computerberechnungsmodell verwend et. Auch sei das Computermodell mittels nicht repräsentativer Kurzzeitmessungen und damit n icht stichhaltig überprüft worden. Schliesslich berücksichtige das verwendete Berechnungsmodell keinen Beschleunigungs-, Ver- zögerungs- und Kurvenlärm. Der Beschwerdegegner brachte hierzu im Wesentlichen vor, das verwendete Computermodell StL86+ sei ein anerkanntes M odell und entspreche den Anforde- rungen von Anhang 2 der Lärmschutzverordnung (LSV) vom 15. Dezember 1986. 4.2 Gemäss Art. 38 Abs. 1 LSV sind die Lärmimmissionen a nhand von Berechnungen oder Messungen zu ermitteln, wobei jeweils die Anforderunge n gemäss Anhang 2 LSV erfüllt sein müssen (Art. 38 Abs. 3 LSV). Entgegen der Ansicht der Be schwerdeführerin sind damit für die gesetzeskonforme Ermittlung von Lärmimmissionen nicht kumu lativ Berechnungen und Mes- sungen vorzunehmen. Gemäss Anhang 2 Ziffer 1 Abs. 1 LSV müssen die Verfahren zur Be- rechnung der Lärmimmissionen die Emissionen der Lärmquel len der Anlage, die Abstände des Immissionsorts von den Lärmquellen der Anlage oder von de n Flugwegen (Abstands- und Luft- dämpfung), die Auswirkungen des Bodens auf die Schallau sbreitung (Bodeneffekte) sowie die Auswirkungen von Bauten und natürlichen Hindernissen auf die Schallausbreitung (Hinder- nisdämpfung und Reflexionen) berücksichtigen. Das Bundesam t für Umwelt (BAFU) empfiehlt den Vollzugsbehörden entsprechend dem Stand der Techn ik geeignete Berechnungsverfahren (Anhang 2 Ziffer 1 Abs. 2 LSV). 4.3 Bei den Begriffen "Lärmimmissionen", "Emissionen", "Lärmquellen", "Stand der Tech- nik" etc. handelt es sich um unbestimmte Rechtsbegriffe. D iese sind der Auslegung zugänglich. Die Auslegung durch die Verwaltungsbehörden kann vom K antonsgericht uneingeschränkt überprüft werden (U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungs- recht, Zürich 2010, 6. Auflage, Rz. 446b). Allerding s ist festzuhalten, dass bei unbestimmten Rechtsbegriffen unter Umständen eine gewisse Zurückhaltun g bei der Überprüfung durch eine gerichtliche Instanz angezeigt ist. So hält sich das Kant onsgericht insbesondere dann zurück, wenn die Verwaltungsbehörde zur Auslegung kompetenter erscheint. Diese Auffassung stimmt im Ergebnis mit der Praxis des Bundesgerichts überein, da s bei der Überprüfung der Anwen- dung und Interpretation von unbestimmten Rechtsbegriffe n Zurückhaltung übt und den Verwal- tungsbehörden einen gewissen Beurteilungsspielraum zuerkennt, wenn der Entscheid besonde- re Kenntnisse oder Vertrautheit mit den tatsächlichen V erhältnissen voraussetzt. Das Bundes- gericht spricht – terminologisch unglücklich – von "technische m Ermessen" bei der Beurteilung von ausgesprochenen Fachfragen. Ergibt die Auslegung des Gesetzes, dass der Gesetzgeber mit der offenen Normierung den Verwaltungsbehörden e ine gerichtlich zu respektierende Ent- scheidungsbefugnis einräumen wollte, und ist dies mit der Verfassung vereinbar, darf und muss das Gericht seine Kognition entsprechend einschränken. Liegt kein Grund für einen besonderen Handlungsspielraum der Verwaltungsbehörde vor, überprüf t das Gericht die Anwendung der entsprechenden Vorschriften voll (U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , a.a.O., Rz. 446c f., mit Hinweisen auf diverse Bundesgerichtsentscheide). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Art. 38 LSV und Anhang 2 LSV beschreiben das techn ische und wissenschaftliche Vorgehen bei der Ermittlung und Beurteilung von Lär mimmissionen. Dabei haben die entspre- chenden Berechnungsverfahren verschiedene Anforderungen zu erfüllen, insbesondere müs- sen sie dem Stand der Technik und der Wissenschaft entspre chen und vollzugstauglich sein (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] A-309 2/2009 vom 18. Januar 2010 E. 7.2, mit weiteren Hinweisen). Berechnungsmodelle für die Er mittlung und Beurteilung von Lärmim- missionen stellen eine mathematische Formulierung gesamme lter Erfahrungen dar und sind in der Regel auf umfangreiche Messreihen aufgebaut. Solc he Modelle verlangen, dass eine be- stimmte Situation mit ihren vielfältigen Einflüssen (z. B. Topographie, Reflexion) mit einfachen mathematischen Verfahren erfasst und diese Faktoren in die Berechnung eingegeben werden (vgl. Entscheid der Rekurskommission für Infrastruktur und Umwelt [REKO/INUM] A-2005-283 vom 11. Oktober 2006 E. 9.2 f.). Für die Beantwortung der Frage, welche Berechnungsmodelle für die Ermittlung und Beurteilung von Lärmimmissionen zum einen dem Stand der Technik entsprechen und zum anderen vollzugstauglich sind, ist die sachnähere BUD fraglos kompeten- ter als das Kantonsgericht, handelt es sich dabei doch um eine ausgesprochene Fachfrage und verfügt die BUD doch – im Gegensatz zum Kantonsgericht – über technische Spezialisten. Ausserdem ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber die t echnischen Anforderungen an entsprechende Berechnungsmodelle bewusst offen normier te und damit den Verwaltungsbe- hörden eine gerichtlich zu respektierende Entscheidungsb efugnis einräumen wollte. Der Zweck der offenen Formulierung der technischen Anforderung en ist nämlich darin zu sehen, dass die anzuwendenden Berechnungsmodelle zwecks optimalen Lärmsch utzes jeweils dem Stand der Technik entsprechen, was jeweils von einer technisch versier ten Stelle beurteilt werden soll. Aufgrund der hohen Technizität der sich stellenden Frage n und der grösseren Nähe und Ver- trautheit der zuständigen Verwaltungsbehörde mit den tatsächlichen Verhältnissen kommt die- ser folglich ein nicht überprüfbarer Beurteilungsspiel raum zu. Das Gericht hat demnach seine Kognition bei der Auslegung der in Art. 38 LSV und A nhang 2 LSV verwendeten unbestimmten Rechtsbegriffen – insbesondere betreffend den Begriff "Stand der Technik" – und damit bei der Beurteilung der Frage, welches Berechnungsmodell dem Stand der Technik entspricht, einzu- schränken. Zu prüfen ist folglich, ob die BUD den Begrif f "Stand der Technik" offensichtlich falsch ausgelegt hat, indem sie im Rahmen der Lärmsanier ungsprojekte das Berechnungsmo- dell StL86+ verwendete bzw. verwenden liess. 4.5 Das BAFU sowie das ASTRA (Bundesamt für Strassen) emp fehlen gestützt auf An- hang 2 Ziffer 1 Absatz 2 LSV für die Berechnung des St rassenverkehrslärms im Allgemeinen das Berechnungsmodell StL86+ (vgl. BAFU und ASTRA [Hrsg. ], Leitfaden Strassenlärm, Voll- zugshilfe für die Sanierung [Leitfaden Strassenlärm], Bern 2006, S. 26). Der Entscheid der BUD, dieses Modell als dem Stand der Technik entsprechend zu erachten und für die Berech- nung der Lärmimmissionen zu verwenden ist demzufolge nac hvollziehbar und nicht zu bean- standen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdegegner mit Hinw eis auf eine Machbarkeitsstudie schlüssig darlegte, dass das von der Beschwerdeführerin vor geschlagene Berechnungsmodell SonRoad (noch) nicht vollzugstauglich ist. Die Rüge der B eschwerdeführerin, wonach für die Berechnung der Lärmimmissionen ein veraltetes Berechnun gsmodell verwendet worden sei und stattdessen das Modell SonRoad hätte verwendet werden müssen, ist somit nicht zu hören. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, es sei bei der Berechnung der Lärm- immissionen zu Unrecht ein Fahrbahnübergang nicht berü cksichtigt worden, welcher zu einem Störwirkungszuschlag hätte führen sollen, ist entsprechend der Ansicht des Beschwerdegeg- ners darauf hinzuweisen, dass ein Störwirkungszuschlag fü r einen Fahrbahnübergang nur bei einer Kreuzung einer Strasse mit einem Schienenweg gerechtfertigt ist (vgl. Leitfaden Strassen- lärm, S. 30, wonach ein Fahrbahnübergang starke impul sartige Schlaggeräusche hervorruft). Es ist unbestritten, dass in der Nähe der beschwerdeführe rischen Liegenschaften, welche von den Lärmsanierungsprojekten erfasst werden, keine Kreuzu ng einer Strasse mit einem Schie- nenweg besteht. Es ist deshalb zu Recht kein entspreche nder Störwirkungszuschlag vorge- nommen worden. Die Beschwerde erweist sich insoweit als unbegründet. 6.1 Die Beschwerdeführerin machte weiter geltend, die Vorinstanz habe nicht aussagekräf- tige Verkehrszahlen verwendet. Zum einen sei bei der V erkehrszählung nicht zwischen den Fahrzeugen der Kategorie N1 (Personenwagen, Lieferwag en, Kleinbusse, Motorfahrräder und Trolleybusse) und den Fahrzeugen der Kategorie N2 (Lastw agen, Sattelschlepper, Gesell- schaftswagen, Motorräder, Traktoren) unterschieden worden . Zum anderen sei der durch- schnittliche tägliche Verkehr (DTV) nicht anhand einer r epräsentativen Langzeitmessung ermit- telt worden. Es seien deshalb Messungen der Immissionswer te bei den beschwerdeführeri- schen Liegenschaften im Sinne eines Obergutachtens sowie e in Augenschein durchzuführen. Der Beschwerdegegner brachte hierzu vor, es seien sowohl die verschiedenen Fahrzeugtypen als auch die Emissionswerte für die Tag- und Nachtperiod e in den Lärmsanierungsprojekten ausgewiesen. Die berücksichtigten Verkehrszahlen würden si ch zudem auf eine permanente Verkehrszählung sowie auf vier temporäre Verkehrszählungen abstützen. Alle relevanten Ver- kehrszahlen seien somit korrekt und rechtskonform festgelegt worden. 6.2 Hierzu ist vorab darauf hinzuweisen, dass bei der Fe stlegung von Sanierungsmass- nahmen dem Vorsorgeprinzip Rechnung zu tragen und entsp rechend die absehbare Entwick- lung der Lärmemissionen zu berücksichtigen ist (vgl. Art. 36 Abs. 2 LSV; zudem BVGE A- 623/2010 vom 14. September 2010 E. 5.1). Für die Erm ittlung der Sanierungspflicht bedarf es damit einer vorweggenommenen Würdigung der zukünftigen Lärmsituation und damit der zu- künftigen Verkehrszahlen, wobei das BAFU und das ASTRA e inen Sanierungshorizont von 15 Jahren ab dem Zeitpunkt der Realisierung bzw. von 20 J ahren ab dem Beginn der Planungen empfehlen (Leitfaden Strassenlärm, S. 16). Verkehrs- oder Lärmprognosen können jedoch nicht mit absoluter Genauigkeit erstellt werden. Eine gewi sse Unsicherheit ist mit Prognosen stets verbunden, weshalb sie sich weitgehend der Kritik entzie hen, soweit sie sich nicht schon im Laufe des Bewilligungsverfahrens als offensichtlich und erheblich unrichtig herausstellen. Diese Unzulänglichkeiten sind hinzunehmen, solange sich die get roffenen Annahmen nicht als un- brauchbar erweisen und es daher an der vom Gesetz gefo rderten vollständigen Sachverhalts- abklärung fehlt (BGE 126 II 522 E.14; BVGE A-5466/20 08 vom 3. Juni 2009 E. 4.4.2 und A- 6985/2007 vom 10. Juli 2008 E. 3.2). Zu prüfen ist de mnach, ob die von der BUD im Rahmen der Lärmsanierungsprojekte berücksichtigten Verkehrsprogn osen offensichtlich und erheblich unrichtig sind. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Gemäss Anhang 3 Ziffer 31 Abs. 4 LSV ist für die Er mittlung der Lärmemissionen der DTV zu beachten. Dieser ist gemäss Anhang 3 Ziffer 33 Ab s. 3 LSV nach den anerkannten Re- geln der Verkehrsplanung und –technik zu bestimmen. Bei der Beurteilung der Frage, welche Vorgehensweise zur Bestimmung des DTV den anerkannten Re geln der Verkehrsplanung und –technik entspricht, hat das Gericht seine Kognition ei nzuschränken, denn es handelt sich beim genannten Begriff – wie beim Begriff "Stand der Tech nik" – um einen unbestimmten Rechtsbe- griff, bei dessen Auslegung der zuständigen Verwaltung sbehörde – insbesondere aufgrund der Technizität der sich stellenden Fragen – ein nicht überpr üfbarer Beurteilungsspielraum zu- kommt (vgl. Ziffer 4.4). Fraglich ist damit zunächst, ob bei der Ermittlung des DTV der Begriff "nach den anerkannten Regeln der Verkehrsplanung und – technik" offensichtlich falsch ausge- legt wurde. 6.4 Aus den in den Akten vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass bei der Ermittlung des DTV durch die F.____ AG (welche im Auftrag der BUD die Lärmsanierungsprojekte "D.____strasse/C.____strasse" sowie "B.____strasse/G.____strasse/H.____strasse" [LSP] vom 29. November 2010 bzw. 26. Juli 2011 erstellte) permanente und temporäre Verkehrszählungen berücksichtigt wurden: In der Gemeinde A.____ finden a lle fünf Jahre (das letzte Mal im Jahre 2010) an vier Standorten während rund einer Woche Ver kehrszählungen statt. Eine permanen- te Verkehrszählung wird zudem auf der A.____strasse zwisch en I.____ und A.____ durchge- führt. Diese Verkehrszählungen wurden zwar – wie die Be schwerdeführerin richtig vorbringt – nicht im Bereich, welcher von den Lärmsanierungsprojekte n erfasst wird, durchgeführt. Aller- dings stützen sich die DTV-Berechnungen auch nicht direkt auf diese Verkehrszählungen. Vielmehr fanden die aus diesen Zählungen gewonnenen V erkehrszahlen Eingang in den Emis- sionskataster des Kantons Basel-Landschaft des Jahres 200 5 bzw. 2010 (Emissionskataster 2005 bzw. 2010) und in das Gesamtverkehrsmodell (GVM) Basel des Jahres 2008. Erst anhand dieser Werte wurden die DTV-Berechnungen für das Jahr 2009 bzw. 2011 vorgenommen und in der Folge, in Berücksichtigung der nationalen Verkeh rsmodelle, für das Jahr 2030 bzw. 2031 hochgerechnet. Der Emissionskataster weist unter anderem den DTV für die B.____-, C.____- und D.____strasse sowie den Anteil lauter Fahrzeuge (AL F) aus (vgl. Emissionskataster 2010, abrufbar unter www.baselland.ch/fileadmin/baselland/ files/docs/bud/arp/LAERMSCHUTZ/emis- sionstabellen.pdf, zuletzt besucht am 21. März 2014). Z u den lauten Fahrzeugen gehören ge- mäss Erläuterungen des Amtes für Raumplanung des Kantons Basel-Landschaft vom 7. No- vember 2012 zum Emissionskataster (Erläuterungen zum Emi ssionskataster) Lastwagen, Sat- telschlepper, Gesellschaftswagen, Motorräder, Traktoren (vgl. Erläuterungen zum Emissionska- taster, abrufbar unter www.baselland.ch/fileadmin/baselland/files/docs/bud/arp/LAERMSCHUTZ /emissionskataster_erlaeuterungen.pdf, zuletzt besucht am 2 1. März 2014), welche gemäss Anhang 3 Ziffer 32 Abs. 4 LSV in der Verkehrsteilmeng e N2 zusammengefasst werden. Auf- grund der Akten ergibt sich weiter, dass auch in den Lärm sanierungsprojekten die Verkehrs- teilmenge ALF berücksichtigt wurde. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist deshalb davon auszugehen, dass der DTV in den Lärmsanierungspro jekten in die Verkehrsteilmengen N1 (Personenwagen, Lieferwagen, Kleinbusse, Motorfahrräder und Trolleybusse, vgl. Anhang 3 Ziffer 32 Abs. 3 LSV) und N2 aufgeschlüsselt wurde. We itere Gründe, welche dafür sprechen würden, dass die dem Emissionskataster zu entnehmenden DTV- Werte – und damit die auf deren Grundlage errechneten bzw. prognostizierten DTV-W erte für die Jahre 2009 bzw. 2011 Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und 2030 bzw. 2031 – nicht nach den anerkannten Regeln der Verkehrsplanung und –technik bestimmt worden wären, bringt die Beschwerdeführerin nicht substanziiert vor und sind auf- grund der Akten auch nicht ersichtlich. Die von der BUD be auftragte F.____ AG legte folglich bei der Ermittlung des DTV den Begriff "nach den ane rkannten Regeln der Verkehrsplanung und –technik" nicht offensichtlich falsch aus. Es ist deshal b davon auszugehen, dass die in den Lärmsanierungsprojekten berücksichtigten Verkehrsprognosen nicht offensichtlich und erheb- lich unrichtig sind. Demzufolge sind die entsprechenden Vorbringen bzw. Rügen der Beschwer- deführerin nicht zu hören und die diesbezüglichen Bewe isanträge zu Recht abgewiesen wor- den. 7. Die Beschwerdeführerin rügte zudem, betreffend die Liegenschaft C.____strasse 83 seien im Vergleich zu den Liegenschaften C.____strasse 42, 32 und 30 in nicht nachvollziehba- rer Weise unterschiedliche Grenzwertüberschreitungen ermit telt worden, denn alle diese Lie- genschaft würden in derselben Kurvenlage und sich in unmi ttelbarer Nähe zu einander befin- den. Hierzu ist zunächst darauf hinzuweisen, dass Lärmprognosen nicht mit absoluter Genauig- keit erstellt werden können. Sie entziehen sich weitgehen d der Kritik, soweit sie sich nicht als offensichtlich und erheblich unrichtig herausstellen (vgl. Ziffer 6.2). Zu prüfen ist demnach, ob die Lärmprognosen betreffend die Liegenschaften C.____ strasse 83, 42, 32 und 30 offensicht- lich und erheblich unrichtig sind. Aus einem vom Beschwerd egegner ins Recht gelegten Plan- auszug aus dem Geoinformationssystem Basel-Landschaft vom 24 . Oktober 2013 betreffend die C.____strasse ist ersichtlich, dass sich die vier genannt en Liegenschaften in der gleichen Kurve, jedoch nicht in demselben Winkel und in derselb en Distanz zur Strasse befinden. Der sogenannte Aspektwinkel (Winkel, unter welchem die Stra sse von der Mitte des Fensters aus eingesehen werden kann) wie auch der Abstand der Liege nschaft zur Strasse haben einen di- rekten Einfluss auf die eingestrahlte Intensität des Lärm s (BAFU [Hrsg.], Computermodell zur Berechnung von Strassenlärm, Bern 1987, S. 23, abruf bar unter www.bafu.admin.ch/publika- tionen/publikation/00696/in-dex.html?lang=de, zuletzt besucht am 24. März 2014). Allein der Umstand, dass verschiedene Liegenschaften in derselben K urve und in unmittelbarer Nähe zueinander stehen, bedingt damit – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – nicht be- reits dieselben Lärmbelastungsresultate. Vielmehr ist es als wahrscheinlich anzusehen, dass unterschiedliche Lärmbelastungen ermittelt werden, wenn – wie hier – nicht dieselben Abstände und nicht die gleichen Aspektwinkel der verschiedenen L iegenschaften zur Strasse hin beste- hen. Unterschiedliche Lärmbelastungswerte betreffend di e Liegenschaft C.____strasse 83 im Vergleich zu den Liegenschaften C.____strasse 42, 32 und 30 sind mithin nicht offensichtlich und erheblich unrichtig und damit nicht zu beanstanden. 8.1 Umstritten ist schliesslich, ob betreffend die Liegen schaften B.____strasse 63 und C.____strasse 83 zu Recht Sanierungserleichterungen ge währt wurden. Den Akten ist zu ent- nehmen, dass die Liegenschaften B.____strasse 63 und C._ ___strasse 83 beide der Empfind- lichkeitsstufe (ES) III gemäss LSV zugeordnet sind. Bei der Liegenschaft B.____strasse 63 wird der Immissionsgrenzwert in der Nacht um 2 dBA überschritt en. Bei der Liegenschaft C.____strasse 83 wird der Tagesimmissionsgrenzwert um 3 dBA überschritten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Bestehende ortsfeste Anlagen, die wesentlich zur Übe rschreitung der Lärmimmis- sionsgrenzwerte beitragen, müssen saniert werden (Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz [USG] vom 7. Oktober 1983; Art. 13 Abs. 1 LSV). Nach Art. 13 Abs. 2 LSV und Art. 11 Abs. 2 USG müssen diese Anlagen so weit san iert werden, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Zi el der Sanierung ist, zumindest eine Über- schreitung der Immissionsgrenzwerte zu vermeiden. Die Vollzu gsbehörde gewährt Erleichte- rungen, soweit die Sanierung unverhältnismässige Betrie bseinschränkungen oder Kosten ver- ursachen würde oder überwiegende Interessen namentlich des Ortsbild-, Natur- und Land- schaftsschutzes, der Verkehrs- und Betriebssicherheit sowie der Gesamtverteidigung der Sa- nierung entgegenstehen (Art. 17 USG und Art. 14 Abs. 1 lit. a und b LSV). Bei der Gewährung von Erleichterungen wird die Überschreitung der Immis sionsgrenzwerte in einer bestimmten Situation zugelassen. Es handelt sich um eine Ausnahmebe willigung, deren Erteilung nur in Sonderfällen erfolgen soll. Die Gewährung von Erleich terungen soll nach dem Willen des Ge- setzgebers restriktiv gehandhabt werden (Urteil des Bundesg erichts [BGer] 1C_45/2010 vom 9. September 2010 E. 2.1, mit weiteren Hinweisen). 8.3 Die Beschwerdeführerin rügte, es liege jeweils keine solche Ausnahmesituation vor. Die Vorinstanz habe nicht sämtliche Sanierungsmöglichkeiten abschliessend überprüft, sondern sich lediglich auf die Erstellung von Lärmschutzwänden und den Einbau von Schallschutzfens- tern als Sanierungsmöglichkeiten beschränkt. Es gebe aber noch weitere mögliche Massnah- men, etwa weitere bauliche, betriebliche sowie verkehr slenkende, -beruhigende und -beschränkende Massnahmen. Zudem sei auch eine Kombinat ion von Massnahmen zu prüfen. Insbesondere habe die Vorinstanz die Möglichkeit einer Ge schwindigkeitsreduktion ohne Vor- liegen eines Gutachtens betreffend Durchführbarkeit u nd betreffend die durch diese Sanie- rungsmöglichkeit entstehenden Kosten mit der Begründung verworfen, diese Massnahme sei unverhältnismässig. 8.4 Gemäss Art. 108 Abs. 2 lit. d der Signalisationsver ordnung (SSV) vom 5. September 1979 kann die allgemeine Höchstgeschwindigkeit unter an derem dann herabgesetzt werden, wenn damit eine im Sinne der Umweltschutzgesetzgebung übermässige Umweltbelastung (Lärm, Schadstoffe) vermindert werden kann. Der Grundsa tz der Verhältnismässigkeit ist dabei zu wahren. Fraglich ist, ob und falls ja in welchem Mass im Bereich der beiden LSP mit einer Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit die Lärmbelastung vermindert werden könnte und ob eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit verhältnismässig wäre. 8.5 Der Beschwerdegegner brachte hierzu vor, eine Geschw indigkeitsreduktion sei nicht möglich, denn es handle sich bei der C.____strasse um ein e wichtige Hauptverkehrsstrasse; die B.____strasse zähle zu den wichtigen "übrigen Kanto nsstrassen" oder weniger wichtigen Hauptverkehrsstrassen. Temporeduktionen zwecks Lärmreduktion würden diesen Funktionen entgegenlaufen, denn Temporeduktionen auf diesen Stra ssen hätten zur Folge, dass der Ver- kehr auf das umliegende kommunale Verkehrsnetz ausweichen w ürde. Zudem sei die Um- setzung einer Geschwindigkeitsreduktion nur mit flankierend en baulichen Massnahmen im Strassenraum Erfolg versprechend. Derartige bauliche Massnahmen seien aber nicht geeignet, da sie zu lärmintensiven Beschleunigungs- und Bremsphasen führen würden. Da eine Herab- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzung der Geschwindigkeit nicht möglich sei, bedürfe es diesbezüglich keiner weiteren Prü- fung. 8.6 Diese Argumentation verkennt, dass – bevor über eine allfällige Geschwindigkeitsbe- grenzung verbindlich entschieden wird – zuerst abzuklär en ist, ob eine entsprechende Mass- nahme zu wirksamen Lärmreduktionen beitragen könnte. Erst in einem nächsten Schritt wird zu beurteilen sein, ob eine Temporeduktion in Würdigung der gesamten konkreten Umstände auch verhältnismässig wäre. Ohne hinreichende Kenntnis über di e Auswirkungen einer Geschwin- digkeitsherabsetzung sinngemäss überwiegende Interessen an der Gewährung von Erleichte- rungen zu bejahen, widerspricht Art. 14 Abs. 1 LSV. Dar an ändert auch der Umstand nichts, dass es sich beim fraglichen Strassenabschnitt um eine Haupt strasse handelt. Zwar sind im Grundsatz Tempo-30-Zonen nur auf Nebenstrassen mit mögl ichst gleichartigem Charakter zu- lässig (Art. 2a Abs. 5 SSV). Ausnahmsweise und bei besonderen örtlichen Gegebenheiten kann aber auch ein Hauptstrassenabschnitt in eine Tempo-30- Zone einbezogen werden, namentlich in einem Ortszentrum oder in einem Altstadtgebiet (Art . 2a Abs. 6 SSV). Art. 108 Abs. 5 SSV nennt sodann für jede Strassenkategorie die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten. Innerorts sind unter anderem Tempo-30-Zonen zulässig (Art. 108 Ab s. 5 lit. e SSV). Das Bundesgericht hat denn auch in BGE 136 II 539 E. 2.2 f. festgehalt en, dass Tempo-30-Zonen unter den Vor- aussetzungen von Art. 108 Abs. 2 SSV auch auf Hauptst rassen grundsätzlich zulässig sind. Weitere Erhebungen zur Möglichkeit einer Geschwindigke itsherabsetzung können darum nicht von vornherein mit dem Hinweis auf den Hauptstrassenchar akter der fraglichen Strassen ver- weigert werden (vgl. zum Ganzen Urteil des BGer 1C_45/ 2010 vom 9. September 2010 E. 2.5, mit weiteren Hinweisen). 8.7 Der Beschwerdegegner brachte weiter vor, selbst we nn eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit möglich wäre, sei zu berücksichtigen, dass eine Temporeduktion von 50 km/h auf 30 km/h den Lärm bloss um 1.7 dBA reduzieren würde. Der Immissionsgrenzwert wäre damit weiterhin überschritten, was wiederum zu Sa nierungserleichterungen führen würde. Hierzu ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den 1.7 dBA – gemäss Angaben des Beschwer- degegners anlässlich der heutigen Parteiverhandlung – um einen Erfahrungswert und nicht um eine konkrete Berechnung für den von den beiden LSP e rfassten Bereich handelt. Die Frage, ob eine Geschwindigkeitsbegrenzung im konkreten Fall zu wirksamen Lärmreduktionen beitra- gen könnte, wird mit der Angabe eines allgemeinen Erf ahrungswerts mithin nicht beantwortet. Dabei ist zu beachten, dass die BUD selber nicht davon au sgeht, dass sich die Wirkung einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h auf 30 km/h in ei ner Lärmreduktion von höchstens 1.7 dBA erschöpft. Dies ergibt sich aus der Ansicht der BUD , wonach die Annahme von 1.7 dBA eher konservativ – und damit eher tief – sei. Zur B egründung der konservativen Annahme führte die BUD an, eine solche falle zu Gunsten der B etroffenen aus, da so eine Sanierung nicht durch "falsche" Zahlen unterlaufen werde. Dies wür de aber nur dann zutreffen, wenn an- stelle einer Geschwindigkeitsreduktion eine andere Sani erungsform vorgesehen würde, welche durch eine – womöglich – zu hohe Lärmreduktionsberechnu ng mittels Geschwindigkeitsbegren- zung verhindert würde. Vorliegend aber fällt die bewu sst tief angenommene Lärmreduktionsan- nahme zu Lasten der Beschwerdeführerin aus, schliesst der B eschwerdegegner doch letztlich aufgrund der tiefen Annahme nicht auf eine andere Sa nierungsform, sondern jeweils auf eine Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sanierungserleichterung. Eine konservative Annahme ist im vorliegenden Fall folglich nicht ge- rechtfertigt. Dass konkrete Berechnungen durchaus auch zu einer höheren Lärmreduktion füh- ren könnten, zeigt zudem die Annahme des BAFU, wonach Geschwindigkeitsreduktionen von 50 km/h auf 30 km/h zusammen mit flankierenden Massnahmen wie beispielsweise Markierun- gen der Geschwindigkeit auf der Fahrbahn Pegelredukti onen von bis zu 3 dBA bewirken (vgl. Urteil des BGer 1C_45/2010 vom 9. September 2010 E. 2.4). Hinzu kommt schliesslich, dass im Rahmen eines Massnahmenkonzepts auch die Wirkungen mögli cher Kombinationen verschie- dener Massnahmen zu prüfen sind (vgl. Leitfaden Strassenl ärm, S. 32). Selbst wenn also eine Geschwindigkeitsreduktion bloss eine Lärmreduktion von 1. 7 dBA bewirken würde, bestünde allenfalls die Möglichkeit, dass die Geschwindigkeitsreduktion in Kombination mit weiteren mög- lichen Massnahmen (z.B. verkehrsberuhigende Massnahmen, vgl . Leitfaden Strassenlärm, S. 32) den Lärm derart reduzieren würde, dass die Immi ssionsgrenzwerte eingehalten würden. Entsprechende Kombinationsmöglichkeiten haben die Vorinstanzen nicht geprüft. 8.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanzen weder konkrete Berechnun- gen betreffend die Lärmreduktionswirkung einer Geschwin digkeitsbegrenzung vorgenommen, noch die Wirkung möglicher Kombinationen verschiedener Massnahmen geprüft haben. Dieses Vorgehen lässt ausser Acht, dass Erleichterungen nach Art . 14 LSV nur im Ausnahmefall ge- währt werden sollen. Die Beschwerde ist damit gutzuheiss en und der angefochtene Entscheid ist aufzuheben. Die Angelegenheit ist an die BUD zurückzu weisen. Diese wird im Sinne der Erwägungen zu prüfen haben, wie sich eine Geschwindigk eitsreduktion entlang der B.____strasse und C.____strasse (zum Beispiel von 50 km/h a uf 30 km/h) sowie die Kombina- tion verschiedener Massnahmen auswirken würde und ob diese Auswirkungen die Gewährung von Sanierungserleichterungen für die Liegenschaften B .____strasse 63 und C.____strasse 83 rechtfertigen. 9.1 Im Weiteren ist noch über die Kosten zu entscheide n. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Ver fahrenskosten umfassen die Gerichtsge- bühren und die Beweiskosten und werden in der Regel i n angemessenem Ausmass der unter- liegenden Partei auferlegt. Den Vorinstanzen bzw. kanto nalen Behörden oder Gemeinden wer- den gemäss § 20 Abs. 3 VPO – abgesehen vom vorliegend nich t interessierenden Ausnahme- fall von § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferl egt. Dementsprechend sind keine Ver- fahrenskosten zu erheben. Der bezahlte Kostenvorschuss in de r Höhe von Fr. 1'800.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. 9.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann g estützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemesse ne Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Gemeinden hab en gemäss § 21 Abs. 2 VPO An- spruch auf eine Parteientschädigung, sofern der Beizug ei nes Anwalts gerechtfertigt war. Nach der Rechtsprechung des Kantonsgerichts wird den Gemeinde n nur dann ein Anspruch auf Par- teientschädigung eingeräumt, wenn der Beizug eines ext ernen Rechtsvertreters im Einzelfall auch für Gemeinden mit juristischer Fachkompetenz innerhalb der eigenen Verwaltung gerecht- fertigt erscheint. Dies trifft dann zu, wenn für eine angemessene Prozessvertretung rechtliches Spezialwissen gefordert ist, das über die bei der Rechts anwendungstätigkeit erforderlichen Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kenntnisse hinausgeht und über welches gemeindeeigene Re chtsdienste normalerweise nicht verfügen (zum Ganzen KGE VV vom 18. September 2013 [810 10 339, 810 10 340, 810 10 343, 810 10 344 und 810 10 345] E. 11.2, mit weiter en Hinweisen). Die Lärmsanierung von Strassen ist unter anderem eine kommunale Angelegenhei t, mit welcher sich die Einwohner- gemeinden als Inhaberinnen von Gemeindestrassen ausein anderzusetzen haben (vgl. Art. 11 LSV). Es handelt sich folglich um eine Streitsache, der en Behandlung nicht über die bei der üblichen Rechtsanwendungstätigkeit erforderlichen Kenntn isse hinausgeht und mithin kein rechtliches Spezialwissen voraussetzt. Die im vorliegenden Verfahren zu behandelnden Fragen können folglich nicht als derart komplex beurteilt werde n, dass der Gemeinde gestützt auf die erwähnte Praxis eine Parteientschädigung zugesprochen we rden kann. Demzufolge sind die Parteikosten wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen soweit darauf eingetreten werden kann und die Angelegenheit wird zur Neubeurteilung i m Sinne der Erwä- gungen an die Bau- und Umweltschutzdirektion des Kanto ns Basel- Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der beza hlte Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- wird der Beschwerdefü hrerin zurück- erstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber