B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1362/2023 U r t e i l v o m 1 6 . M a i 2 0 2 3 Besetzung Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richterin Constance Leisinger, Gerichtsschreiberin Mara Urbani. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Melek Kusoglu, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG) und Datenänderung im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS); Verfügung des SEM vom 24. Februar 2023 / N (…). E-1362/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat- staat am (…) März 2021. Er suchte am 9. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl nach. Auf dem Personalienblatt gab er an, am (…) geboren und somit minderjährig zu sein. B. Gemäss einem Eintrag des Grenzwachkorps betreffend einen Aufgriff we- gen rechtswidrigen Aufenthalts vom 9. Oktober 2022 wurde als Geburtsda- tum des Beschwerdeführers der (…) erfasst. C. Ein Abgleich mit der europäische n Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 30. September 2022 in Kroatien aufgegriffen worden war. D. Am 12. Oktober 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um In- formationen betreffend den Beschwerdeführer gemäss Art. 34 der Verord- nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö- rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter- nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin -III-VO). Es stellte ihnen dabei Fragen zu den Altersangaben des Beschwerdeführers, einge- reichten Beweismitteln sowie Verwandten in anderen Mitgliedstaaten. E. Die kroatischen Behörden beantworteten dieses Gesuch am 15. Novem- ber 2022 dahingehend, dass der Beschwerdeführer am 30. September 2022 unter dem Namen «Tarek Stanigzai» und mit dem Geburtsdatum (…) bei der illegalen Einreise registriert worden sei. Er habe keine Identitätsdo- kumente eingereicht. Informationen über seine Familienangehörigen wür- den keine vorliegen. Das SEM trug daraufhin die bei den kroatischen Behörden registrierten Personalien als Nebenidentität des Beschwerdeführers im ZEMIS ein. F. Am 9. Dezember 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um E-1362/2023 Seite 3 Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO. Dieses Gesuch wurde am 9. Februar 2023 mit der Begründung abgelehnt, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz angegeben habe, minderjährig zu sein und die Altersabklärung noch nicht abgeschlossen sei. G. Anlässlich der Erstbefragung UMA (unbegleitete minderjährige Asylsu- chende) vom 24. Januar 2023 informierte das SEM den Beschwerdeführer darüber, dass es Zweifel an der geltend gemachten Minderjährigkeit habe und deshalb eine medizinische Altersabklärung veranlass en werde. Im Rahmen der Erstbefragung reichte der Beschwerdeführer eine Kopie sei- ner Tazkira inklusive Übersetzung (Ausstellungsdatum: 9. April 2016) so- wie eine Kopie seiner Impfkarte ins Recht. Auf der Impfkarte in Kopie ist als Geburtsdatum der (…) nach paschtunischem Kalender ([…] nach gre- gorianischem Kalender) eingetragen. Der Beschwerdeführer gab an, i m ZEMIS sei als Geburtsdatum der (…) eingetragen worden, weil ein anderer Junge das Personalienblatt ausgefüllt habe. Nach dem Grund gefragt, weshalb er nicht in Kroatien geblieben sei, gab er zu Protokoll, mit seinem Onkel und dem Schlepper abgemacht zu haben, dass er in die Schweiz gehen würde. Z um medizinischen Sachverhalt gab er an, am (…) etwas Probleme zu haben, weil er als Kind einen Unfall gehabt habe und die Kno- chen aufgrund einer mangelhaften Behandlung deformiert zusammenge- wachsen seien. H. Das vom SEM am 24. Januar 2023 in Auftrag gegeben e rechtsmedizini- sches Gutachten des (…) vom 31. Januar 2023 ergab, dass beim Be- schwerdeführer von einem Mindestalter von 19 Jahren ausgegangen werde, womit das von ihm angegebene Alter von (…) Jahren und (…) Mo- naten nicht zutreffen könne. I. Mit Schreiben vo m 7. Februar 2023 wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Anpassung seines Geburtsdatums im ZEMIS auf den (…) sowie zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Kroatien gewährt, welches ge- mäss der Dublin -III-VO grundsätzlich für die Behandlung seines Asylge- suchs zuständig sei. Mit schriftlicher Stellungnahme vom 22. Februar 2023 machte er geltend, nicht nach Kroatien zurückkehren zu wollen, da er dort schlecht behandelt und im Wald zurückgelassen worden sei. Er habe das Personalienblatt in der Schweiz nicht selbst ausfüllen können, weshalb ihm E-1362/2023 Seite 4 ein anderer Junge dabei geholfen habe. Sein angegebenes Alter habe er mit Fotos seiner Tazkira sowie seiner Impfkarte belegen können. Wie aus den widersprüchlichen Schätzwerten des Altersgutachtens und insbeson- dere aus den unterschiedlichen Zwischenergebnissen des Mindestalters der Schluss gezogen werden könne, dass der Beschwerdeführer ein Min- destalter von 19 Jahren aufweise, sei nicht nachvollziehbar. Das auf der Tazkira ersichtliche Geburtsdatum ( […] nach paschtunischem, […] nach gregorianischem Kalender) müsse als wahrscheinlicher angesehen wer- den als dasjenige des (…). J. Im Rahmen eines Remonstrationsverfahrens ersuchte das SEM die kroa- tischen Behörden mit Schreiben vom 14. Februar 2023 erneut um Auf- nahme des Beschwerdeführers. Dem Schreiben legte es das Altersgutach- ten vom 31. Januar 2023 inklusive Übersetzung bei. Die kroat ischen Be- hörden stimmten dem Übernahmegesuch am 23. Februar 2023 gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO zu. K. Mit Verfügung vom 24. Februar 2023 (eröffnet am 3. März 2023) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Überstellung nach Kroatien, forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Be- schwerdefrist zu verlassen, und beauftragte den zuständigen Kanton (B._______) mit dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. In der gleichen Verfügung hielt das SEM fest, dass das Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…) (mit Bestreitungsvermerk) laute. L. Mit Beschwerde vom 9. März 2023 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung vom 24. Februar 2023 sei aufzuheben, das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. Eventua- liter sei die Verfügung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Fliesstext bean- tragte er sodann, die Vorinstanz sei aufzufordern, den ZEMIS-Eintrag be- treffend sein Geburtsdatum auf den (…) zu berichtigen. E-1362/2023 Seite 5 In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Aussetzung des Vollzugs und um Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Es sei ihm zudem die unentgelt- liche Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses zu gewähren. M. Mit superprovisorischer Massnahme vom 10. März 2023 setzte die Instruk- tionsrichterin den Vollzug der Verfügung einstweilen aus. N. Mit Zwischenverfügung vom 14. März 2023 erteilte die Instruktionsrichterin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung und stellte fest, der Beschwer- deführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Ferner wurde ihm – unter Vorbehalt des fristgerechten Einreichens einer Fürsorgebestätigung – die unentgeltliche Prozessführung gewährt und der Vorinstanz Frist zur Einreichung einer Vernehmlassung gesetzt. O. Mit Vernehmlassung vom 20. März 2023 hielt das SEM mit ergänzenden Ausführungen an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. P. Am 27. März 2023 reichte der Beschwerdeführer eine gleichentags datierte Fürsorgebestätigung nach. Q. Am 6. April 2023 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri- gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG]) sind offensichtlich erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-1362/2023 Seite 6 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 2.3 Über die beantragte ZEMIS-Berichtigung entscheidet das Bundesver- waltungsgericht grundsätzlich mit uneingeschränkter Kognition. Es über- prüft die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts – und auf Angemessenheit hin (Art. 49 VwVG). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufge- führten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitglied- staat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). E-1362/2023 Seite 7 3.3 Besteht aufgrund systemischer Schwachstellen im Asylwesen de s ur- sprünglich als zuständig erkannten Mitgliedstaates die erhebliche Gefahr, der Antragsteller werde bei einer Überstellung einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung ausgesetzt, wird der die Zuständigkeit prü- fende Mitgliedstaat zuständig, soweit nach den Regeln der Dublin -III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden kann (Art. 3 Abs. 2 UAbs. 2 und 3 Dublin-III-VO). 3.4 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, einen Antragsteller, der in einem anderen Mitg liedstaat einen Antrag ge- stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin -III-VO aufzuneh- men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, ist dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig. Die Zuständigkeit endet gemäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzüber- tritts. Die Dublin -III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 3.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Ge- mäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus humanitä- ren Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Über- stellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 3.6 Im Fall einer unbegleiteten minderjährigen Person ohne familiäre An- knüpfungspunkte zu einem anderen Mitgliedstaat ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO stets derjenige Mitgliedstaat zuständig, in welchem die be- treffende Person ihren (aktuellen) Antrag auf internationalen Schutz ge- stellt hat (vgl. ULRICH KOEHLER, Praxiskommentar zum Europäischen Asyl- zuständigkeitssystem, 2018, N. 27 ff. zu Artikel 8 Dublin -III-VO). Als E-1362/2023 Seite 8 minderjährig gilt ein Drittstaatsangehöriger unter 18 Jahren (Art. 2 Bst. i Dublin-III-VO; Art. 1 a Bst. d der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). 4. 4.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- und dem Asylbereich dient. Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu vergewissern (Art. 5 Abs. 1 Datenschutzgesetz [DSG, SR 235.1]). Werden Personendaten von Bundesorganen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass unrichtige Perso- nendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Bestreitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen- daten zu beweisen. Nach den massgeblichen Beweisregeln des VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkennt- nisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. 4.2 Kann bei einer verlangten bezieh ungsweise von Amtes wegen beab- sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1 DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per- sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger- weise bearbeitet werden. Dies gilt namentlich auch für die im ZEMIS erfassten Namen und Geburtsdaten. In solchen Fällen überwiegt das öffentliche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzutreffender Daten das Interesse an deren Richtigkeit. Unter diesen Umständen sieht Art. 25 Abs. 2 DSG deshalb das Anbringen eines Vermerks vor, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Richti gkeit der bearbeiteten Personen- daten bestritten ist. Erscheint die Richtigkeit der bisher eingetragenen Da- ten als wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind diese zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3). 5. 5.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht geltend, die Vor- instanz habe ihre Untersuchungs- und Begründungspflicht und damit sei- nen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Sie habe sich nicht im Detail E-1362/2023 Seite 9 mit der aktuellen Situation von Asylsuchenden in Kroatien auseinanderge- setzt und sich nicht zur ungerechtfertigten Vorgehensweise der kroatischen Behörden (Befragung ohne Dolmetscher, Aussetzung eines Minderjähri- gen im Wald) geäussert. 5.2 Entgegen den Behauptungen in der Rechtsmitteleingabe hat sich die Vorinstanz mit der Lage von Asylsuchenden in Kroatien auseinanderge- setzt und im gebotenen Umfang dargelegt, aufgrund von welchen Informa- tionen sie zur Schlussfolgerung gelangt ist, es liege im kroatischen Asyl- system keine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand- lung im Sinne von Art. 3 EMRK vor (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. II S. 8-10). Zudem hat sie ausdrücklich Stellung zur Kritik an der Lage in Kroa- tien bezogen. Das SEM hat ferner eine Einzelfallprüfung vorgenommen, indem es nach Prüfung und Würdigung der Parteivorbringen nachvollzieh- bar aufgezeigt hat, von welchen Überlegungen es sich leiten liess (vgl. an- gefochtene Verfügung, Ziff. II S. 6 ff.). Dabei musste es sich nicht ausdrück- lich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichts- punkte beschränken (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Allein der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Lageeinschätzung des SEM und dessen Schlussfolgerungen nicht teilt, stellt keine Verletzung von Verfahrensrech- ten dar. Vorliegend ist entscheidend, ob der Beschwerdeführer, zu dessen Aufnahme sich die kroatischen Behörden bereit erklärt haben, Zugang zum dortigen Asylverfahren erhalten wird . D ies wurde von der Vorinstanz in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge- richts bejaht. Die Vorgehensweise der kroatischen Behörden anlässlich des illegalen Grenzübertritts des Beschwerdeführers, der nach eigenen Angaben in Kroatien kein Asylgesuch stellen wollte und nur zu Transitzwe- cken die kroatische Grenze überschritten hat, steht somit nicht mehr im Vordergrund. Unter diesen Umständen war die Vorinstanz auch nicht ge- halten, sich weitergehend mit den geschilderten Erlebnissen bei der illega- len Einreise auseinanderzusetzen. 5.3 Die verfahrensrechtlichen Rügen des Beschwerdeführers erweisen sich somit als unbegründet. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Ver- fügung an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung ist abzuweisen. 6. 6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung aus, der Be- schwerdeführer habe die behauptete Minderjährigkeit nicht glaubhaft E-1362/2023 Seite 10 machen können. Zum Zeitpunkt der Erstbefragung hätten schon vier un- terschiedliche Angaben zu seinem Geburtsdatum bestanden (Registrierun- gen in Kroatien sowie an der Grenze Italien-Schweiz, Eintrag Personalien- blatt, Angabe Erstbefragung [ents prechend der eingereichten Kopie des Impfausweises]). Die for ensische Altersabklärung stelle vorliegend ein starkes Indiz für seine Volljährigkeit dar. Gemäss dem Gutachten sei bei ihm von einem Mindestalter von 19 Jahren auszugehen . Die kroatischen Behörden hätten das medizinische Altersgutachten ebenfalls als ausr ei- chenden Beleg für seine Volljährigkeit erachtet und in der Folge ihre Zu- stimmung zur Übernahme des Beschwerdeführers erteilt. Der eingereichte Impfausweis sei kein rechtsgenügliches Identitätsdokument, zumal in Af- ghanistan viele angeblich amtliche und nicht amtliche Dokumente käuflich erwerbbar seien. Impfausweise könnten sodann ohne weiteres selbständig ausgefüllt werden. Es lägen keine Hinweise vor, dass die kroatischen Behörden das Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würden und ih m insbe- sondere keinen effektiven Schutz vor Rückschiebung (Non -Refoulement- Gebot) gewähren würden. Dublin -Rückkehrende hätten in Kroatien Zu- gang zu einem rechtsstaatlichen Asyl- und Wegweisungsverfahren, unab- hängig davon, ob die Personen zuvor in Kroatien bereits um Asyl nachge- sucht hätten. Er habe in Kroatien nicht um Asyl ersucht, weshalb es nach- vollziehbar sei, dass er im Anschluss an die daktyloskopische Erfassung nach seiner illegalen Einreise eine Wegweisung erhalten habe. Eine allfällige erforderliche medizinische Behandlung seiner gesundheitli- chen Beschwerden könne auch in Kroatien in Anspruch genommen wer- den. In Würdigung seiner Aussagen würden auch sonst keine Umstände vorliegen, die die Schweiz veranlassen müssten, die Souveränitätsklausel anzuwenden. 6.2 Dem entgegnete der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift, er habe sein Alter und Geburtsdatum darlegen sowie angebliche Ungereimt- heiten berichtigen können. Seine Aussagen entsprächen denjenigen eines Jugendlichen; er sei ungebildet und bis zu seinem Asylverfahren in der Schweiz habe sein Alter keine Rolle gespielt. Die Registrierungen der Ge- burtsdaten in Kroatien und Italien seien nicht verwertbar, da dem Be- schwerdeführer weder ein Dolmetscher noch ein Beistand zur Verfügung gestellt worden sei. Das SEM wisse nichts Genaues über die dortigen Ver- fahren und stütze seinen Entscheid auf blosse Behauptungen. Das Über- nahmegesuch an Kroatien sei damit begründet worden, dass der E-1362/2023 Seite 11 Beschwerdeführer sich weder ausweisen noch plausible Angaben zum Al- ter gemacht und angegeben habe, in Kroatien geboren zu sein. Damit habe es eine falsche Wertung vorgenommen, ohne dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu gewähren. Das Ergebnis zur zahnärztlichen Untersu- chung im Altersgutachten äussere sich lediglich zum Dur chschnittsalter und gebe weder eine Altersspanne noch das statistisch wahrscheinlichste Alter an. Weshalb diese Angaben fehl ten, werde im Gutachten nicht be- gründet. Ob sich die Alterspannen aufgrund der Einzelergebnisse überlap- pen und wie sich die divergierenden Ergebnisse der Zahnarzt- und Schlüs- selbein- respektive Skelettaltersanalyse begründen liessen, ergebe sich aus dem Altersgutachten ebenfalls nicht. Die zahnärztliche Untersuchung deute auf ein durchschnittliches Alter von 16 Jahren hin, was näher li ege an der Altersangabe des Beschwerdeführers als an derjenigen des SEM. Aufgrund seiner schlüssigen Angaben und der eingereichten Beweismittel sei das von ihm angegebene Geburtsdatum zumindest wahrscheinlicher als das von der Vorinstanz festgelegte. Unter Verweis auf verschiedene Länderberichte bringt der Beschwerdefüh- rer vor, der Zugang zu angemessener Unterbringung und Versorgung so- wie zu einem fairen Asylverfahren sei bei einer Rückkehr keinesfalls ga- rantiert. Der Zugang zu einem wirksamen Rechtsmi ttelweg bleibe für Flüchtlinge in Kroatien illusorisch. Die generelle Annahme, Kroatien würde seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen, könne nicht mehr aufrechterhalten werden. Aufgrund der systematischen Anwendung von Gewalt, die nicht als Feh lverhalten Einzelner betrachtet werden könne, sondern vielmehr als staatlich geduldet, wenn nicht sogar als angeordnete Rechtsverletzung einzuordnen sei, könne nicht davon ausgegangen wer- den, dass Kroatien an anderen Stellen rechtmässig agiere. 6.3 In der Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an ihrem Entscheid fest und ergänzte, die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Erstbefra- gung UMA seien zwar grundsätzlich widerspruchsfrei gewesen, sprächen jedoch aufgrund der geringen Informationsdichte nicht für seine Minderjäh- rigkeit. Der Einwand in der Beschwerde, wonach die Registrierungen in Kroatien und an der Grenze Italien -Schweiz nicht verwertbar seien, weil weder ein Dolmetscher noch ein Beistand anwesend gewesen seien, sei als Schutzbehauptung zu werten. In der Erstbefragung UMA habe er näm- lich die unglaubhafte Aussage gemacht, gar nicht nach seinem Alter ge- fragt worden zu sein. Es erscheine unwahrscheinlich, dass falsche Kalen- derumrechnungen zu derart unterschiedlichen Daten geführt haben sollen und es sei davon auszugehen, die jeweiligen Behörden hätten ihn nach E-1362/2023 Seite 12 seinen Angaben registriert. In Bezug auf die Kritik in Zusammenhang mit dem Altersgutachten legte die Vorinstanz unter Verweis auf ein Methoden- dokument der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) dar, inwiefern die Ergebnisse der medizinischen Altersabklärungen zu in- terpretieren seien und zur Einschätzung führten, der Beschwerdeführer sei mindestens 19 Jahre alt. Im Vergleich zum Sachverhalt in dem in der Be- schwerde zitierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2104/2022 – in welchem die Weisheitszähne ein Mineralisationsstadium zwischen C und F aufgewiesen hätten und der Unterkiefer nicht sicher beurteilbar gewesen sei – habe sich vorliegend ein Mineralisationsstadium z wischen G und H ermitteln lassen, was einem vollständigen Abschluss des Wurzelwachs- tums entspreche. 6.4 Der Beschwerdeführer replizierte darauf, die Vorinstanz habe nicht be- gründet, was konkret unter geringer Informationsdichte zu verstehen be- ziehungsweise was von ihm erwartet worden sei. Er habe die vom SEM gestellten Fragen beantwortet und es seien keine Vertiefungsfragen ge- stellt worden. Die unterschiedliche Erfassung seines Geburtsdatums sei dem Umstand geschuldet, dass er bei den Registrierungen keine Unte r- stützung für die Übersetzung beziehungsweise Umrechnung in den grego- rianischen Kalender erhalten habe. Im Sinne des Kindeswohls solle es keine routinemässige Durchführung medizinischer Gutachten geben, son- dern erst bei dringendem Verdacht der Volljährigkeit sowie nach Ausschöp- fung alternativer Methoden. Die Divergenz der drei Ergebnisse der medizi- nischen Untersuchung falle vorliegend noch grösser aus als beim Urteil E-2104/2022. Im vom SEM zitierten Urteil D -146/2023 liege ein anderer Sachverhalt vor, weshalb dieses nicht herangezogen werden könne. 7. 7.1 Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerde- führer vor seiner Einreise in die Schweiz in Kroatien aufgehalten hatte. Das SEM ersuchte die kroatischen Behörden am 14. Februar 2023 (erneut) um Aufnahme des Beschwerdeführers. Die kroatischen Behörden stimmten dem Übernahmegesuch am 23. Februar 2023 zu. 7.2 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund seiner Minder- jährigkeit sei gestützt auf Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO von der Zuständigkeit der schweizerischen Asylbehörden für sein Asylgesuch auszugehen, ist zu- nächst auf die Beweislastverteilung für das Vorbringen der Minderjährigkeit hinzuweisen: E-1362/2023 Seite 13 7.2.1 Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Person zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen, da sie die Beweislast dafür trägt, auch wenn das SEM die entscheidrelevanten Sachverhaltsmomente von Amtes we- gen festzustellen hat (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.3 m.w.H., EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.3). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung aller Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Al- tersangabe sprechen, vorzunehmen (vgl. BVGE 2009/54 E. 4.1). Wurde der Sachverhalt abschliessend festgestellt und ist es der betroffenen Per- son nicht gelungen, die behauptete Minderjährigkeit glaubhaft zu machen, hat sie die Folgen zu tragen und wird als volljährig betrachtet (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 5.4). Gemäss BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten Me- thoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein - respek- tive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersu- chung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per- son geeignet. Relevant für die Beurteilung sind mithin die Ergebnisse be- treffend das festgestellte Mindestalter der Schlüsselbeinanalyse sowie der zahnärztlichen Untersuchung. Medizinische Altersabklärungen stellen – je nach Ergebnis – unterschiedlich zu gewichtende Indizien für das Vorliegen der Minder- respektive Volljährigkeit einer Person dar. Eine medizinische Altersabklärung stellt ein starkes Indiz für die Volljährigkeit dar, falls das Mindestalter bei der Schlüsselbein - respektive Skelettaltersanalyse oder der zahnärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt und die sich anhand der beiden Analysen ergebenden Altersspannen überlappen. Lediglich ein schwaches Indiz für die Volljährigkeit liegt vor, wenn das Mindestalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse oder der zahnärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt und die sich anhand der beiden Analy- sen ergebenden Altersspannen nicht überlappen, wobei es dafür eine plau- sible medizinische Erklärung gibt. Ein sehr schwaches oder gar fragliches Indiz für die Volljährigkeit ist gegeben, wenn das Mindestalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse oder der zahnärztlichen Untersuchung unter 18 Jahren liegt und die sich anhand der beiden Analy- sen ergebenden Altersspannen nicht überlappen, ohne dass es dafür eine plausible medizinische Erklärung gibt (vgl. a.a.O. E. 4.2.2). 7.2.2 Vorab ist festzuhalten, dass dem vom Beschwerdeführer zum Beleg seines Alters eingereichten Identitätsdokument (Tazkira) praxisgemäss nur ein geringer Beweiswert beigemessen werden kann (vgl. hierzu BVGE E-1362/2023 Seite 14 2019 I/6 E. 6.2, bestätigt u.a. im Urteil des BVGer D -2096/2022 vom 20. Mai 2022 E. 8.3.3). Abgesehen vom geringen Beweiswert von Tazkiras im Allgemeinen ist vorliegend festzuhalten, dass die Angaben im Feld, in welchem in der Regel eine Altersangabe beziehungsweise ein Geburtsda- tum zu finden ist, unleserlich sind. Dem Impfausweis ist zwar das vom Be- schwerdeführer anlässlich der Erstbefragung UMA angegebene Geburts- datum zu entnehmen. Dieser enthält aber keine Fotografie, weshalb er ge- mäss Art. 1a Bst. c AsylV 1 auch nicht als Identitätsausweis herangezogen werden kann. Vor diesem Hintergrund vermag der Beschwerdeführer aus dem blossen Umstand, dass das im Impfausweis festgehaltene Geburts- datum mit dem von ihm – an der Erstbefragung erstmals – genannten Ge- burtsdatum übereinstimmt, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. 7.2.3 Hingegen spricht die vom SEM am 24. Januar 2023 in Auftrag gege- bene medizinische Altersabklärung gegen die Minderjährigkeit des Be- schwerdeführers. Das Gutachten des (…) vom 31. Januar 2023 beruht auf einer forensisch-medizinischen Untersuchung, einer zahnärztlichen Alters- schätzung basierend auf einer Panoramaschichtaufnahme des Gebisses, einer radiologischen Altersschätzung basierend auf einem Röntgenbild der linken Hand sowie einer Computertomografie -Untersuchung der Schlüs- selbein-Brustbein-Gelenke, welche am 27. Januar 2023 durchgeführt wur- den (vgl. SEM act. […]-26/7). Soweit der Beschwerdeführer moniert, das Altersgutachten sei wenig aussagekräftig und nicht nachvollziehbar, ist ihm entgegenzuhalten, dass das Gutachten nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt worden ist und auf vier Einzeluntersuchungen basiert. Im Gutachten wird eingangs unter «Allgemeine Ausführungen» die Methodik erläutert und insbesondere festgehalten, dass für die Festlegung eines Mindestal- ters nach den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forensische Al- tersdiagnostik (AGFAD) nur beobachtete Minimalwerte aus der Literatur angewandt werden sollten und darüber hinaus stets das am weitesten ent- wickelte Merkmal berücksichtigt werde (grösstes Mindestalter). Sodann wurde hinsichtlich der Handknochenanalyse festgestellt, dass die Verknö- cherung am linken Handskelett vollständig abgeschlossen sei und damit dem Referenzbild eines 19-jährigen Jungen entspreche. Anhand der Ver- knöcherung der medialen Schlüsselbeinepiphysen beim Beschwerdefüh- rer kamen die Gutachter zum Schluss, dass bei ihm von einem mittleren Alter von 22.9 Jahren mit einer Spanne von 1.8 Jahren – und damit von einem Mindestalter von 19.7 Jahren – auszugehen sei. Im Rahmen der Zahnuntersuchungen wurde festgestellt, dass das Wurzelwachstum der untersuchten Zähne vollständig abgeschlossen sei und daher von einem Mittelwert von 16 Jahren respektive für die Weisheitszähne lediglich noch E-1362/2023 Seite 15 ein Mindestalter von 17 Jahren angegeben werden könne. Das angege- bene Geburtsdatum (chronologisches Lebensalter von […] Jahren und […] Monaten) könne aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage nicht zutreffen. Angesichts dessen ist das im Gutachten angegebene Min- destalter von 19 Jahren ohne Weiteres nachvollziehbar. Die Ausführungen des Beschwerdeführers sind somit nicht geeignet, die Schlussfolgerung des Gutachtens, laut welcher er mit an Sicherheit grenzender Wahrschein- lichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit erreicht habe, in Frage zu stellen. Dem Beschwerdeführer ist zwar dahingehend zuzustim- men, dass das Ergebnis der Altersabklärung kein starkes Indiz für die Voll- jährigkeit darstellt (vgl. oben E. 7.2.1). Eine Überlappung von sich erge- benden Altersspannen ist nämlich nicht erkennbar, ebenso wenig eine plausible medizinische Erklärung. Die Vorinstanz hat zwar das Ergebnis in der angefochtenen Verfügung noch fälschlicherweise als starkes Indiz be- zeichnet, dann aber auf Vernehmlassungsstufe festgehalten, dass es sich dabei um ein schwaches Indiz für die Volljährigkeit handle. Wie nachfol- gend aufgezeigt wird, sind auch die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Alter – welche vor diesem Hintergrund einen höheren Stel lenwert erhalten – nicht geeignet, das Gericht von seiner Minderjährigkeit zu über- zeugen. Betreffend das in der Beschwerde erwähnte Urteil des Bundesver- waltungsgerichts E-2104/2022 vom 30. Januar 2023 ist auf die zutreffen- den Ausführungen der Vorinstanz in der Vernehmlassung zu verweisen, gemäss welchen die beiden Sachverhalte nicht miteinander zu vergleichen seien. Der Beschwerdeführer kann demgemäss aus dem zitierten Urteil nichts zu seinen Gunsten ableiten. 7.2.4 Die Vorinstanz wies zu Recht darauf hin, dass die Aussagen des Be- schwerdeführers zu seinem Alter mehrere Ungereimtheiten aufweisen. Ins- gesamt ergeben sich aus seinen Angaben in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern nicht weniger als vier verschiedene mögliche Ge- burtsdaten. Vor dem Hintergrund, dass er angegeben hat, sein Geburtsda- tum bereits zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afghanistan gekannt zu ha- ben, erscheint es nicht nachvollziehbar, dass er es in Kroatien, an der Grenze Italien-Schweiz, auf dem Personalienblatt und in der Erstbefragung nicht übereinstimmend hat angeben können. Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, hat er das Personalienblatt gemäss den Akten selbständig ausgefüllt (vgl. SEM act. […]-1/2). Insgesamt sind seine sich widerspre- chenden Angaben nicht geeignet, das Gericht von seiner Minderjährigkeit zu überzeugen. E-1362/2023 Seite 16 Die kroatischen Behörden stimmten sodann in Kenntnis aller zweckdienli- chen Informationen (vgl. unten E. 7.4) dem Gesuch um Aufnahme zu und hegten somit keine Zweifel an der Volljährigkeit des Beschwerdeführ ers (vgl. oben E. 7.1). 7.2.5 Ergänzend ist festzuhalten, dass – entgegen der Auffassung in der Rechtsmitteleingabe – die Durchführung eines Altersgutachtens im vorlie- genden Fall nicht zu beanstanden ist. Bereits nach dem Ausfüllen des Per- sonalienblatts durch den Beschwerdeführer erschienen vier unterschiedli- che Daten als mögliche Geburtsdaten, womit die Veranlassung einer me- dizinischen Altersabklärung nicht nur gerechtfertigt war, sondern sich viel- mehr aufdrängte. 7.3 Das Gericht kommt im Rahmen einer Gesamtwürdig ung aller Um- stände (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.4 S. 210) in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelun- gen ist, die von ihm geltend gemachte Minderjährigkeit zum Zeitpunkt sei- ner Gesuchseinreichung in der Schweiz glaubhaft zu machen. Um weitere Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die Erwägungen in der vorinstanzli- chen Verfügung zu verweisen (vgl. vorinstanzliche Verfügung S. 3 ff.); diese sind nicht zu beanstanden. 7.4 Die Behauptung in der Beschwerde, das SEM habe das Wiederaufnah- megesuch (recte: Aufnahmegesuch) betreffend den Beschwerdeführer fälschlicherweise damit begründet, dass er sich weder ausweisen noch plausible Angaben zum Alter habe machen können und angegeben habe, in Kroatien geboren zu sein, findet keine Stütze in den Akten. Dem Aufnah- megesuch vom 9. Dezember 2022 ist vielmehr zu entnehmen, dass die Vorinstanz die kroatischen Behörden korrekterweise darüber informiert hat, dass eine Erstbefragung angesetzt sei und allenfalls eine Altersabklärung angeordnet werde. Sodann ist die Angabe des SEM «According to your answer to our information request from the 11th of November 2022 the per- son claimed to be born on the (…) in Croatia” offensichtlich so zu verste- hen, dass der Beschwerdeführer in Kroatien geltend gemacht habe, am (…) geboren zu sein. Dabei handelt es sich um einen Grammatikfehler, der nicht als falsche rechtliche Wertung zu verstehen ist und welcher keinen Einfluss auf die Rechtmässigkeit des vorliegenden Zuständigkeitsverfah- rens hat. Der Beschwerdeführer konnte nicht darlegen, inwiefern ihm dar- aus ein Rechtsnachteil entstanden ist; eine Gewährung des rechtlichen Gehörs zu diesem Punkt erscheint daher nicht notwendig. Sodann war die Information des SEM, der Beschwerdeführer habe sein Alter nicht mit E-1362/2023 Seite 17 Identitätsnachweisen belegen können, zum Zeitpunkt der Stellung des Auf- nahmegesuchs vom 9. Dezember 2022 korrekt, zumal der Beschwerde- führer die Kopien seiner Tazkira und seines Impfausweises erst am 24. Ja- nuar 2023 zu den Akten reichte. Auch die Anga be der Vor-instanz im Re- monstrationsgesuch vom 14. Februar 2023, er habe seine Minderjährigkeit nicht mit rechtsgenüglichen Identitätsdokumenten («legally sufficient iden- tity documents» ) belegen können, ist zutreffend (vgl. SEM act […]-34/2 S. 2). Zwar wäre wünschenswert gewesen, wenn sie die Kopien der Tazkira und des Impfausweises den kroatischen Behörden weitergeleitet hätten. Angesichts des im vorliegenden Falle besonders geringen Beweis- werts dieser Dokumente führte dieses Versäumnis allein aber nicht zu ei- nem fehlerhaften Remonstrationsverfahren (vgl. oben E. 7.2.2). 7.5 Nach dem Gesagten ist die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens ge- geben und das SEM ist mit einem ordnungsgemässen Aufnahmeersuchen an die kroatischen Behörden gelangt. 8. 8.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich- tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutz suchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per- sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er- geben. 8.2 In seinem Referenzurteil E -1488/2020 vom 22. März 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die seit dem Referenzurteil D -1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende Praxis der grundsätzlichen Zulässigkeit von Dublin-Überstellungen nach Kroatien. Das Gericht hielt fest, der Ver- dacht eines – angesichts der Situation in Kroatien auf den ersten Blick nicht unbegründeten – Gefährdungszusammenhangs zwischen Pushbacks und Dublin-Rückkehr lasse sich aufgrund der verfügbaren Informationen und Erkenntnisse nicht erhärten (vgl. a.a.O. E. 9.4.2 ff.). Zum heutigen E-1362/2023 Seite 18 Zeitpunkt bestünden keine genügenden Anzeichen, die befürchten liessen, Dublin-Rückkehrende würden ohne Eröffnung und Durchführung eines Asylverfahrens aus Kroatien rechtswidrig ausgeschafft. Insbesondere sei aufgrund dieser Ausgangslage nicht davon auszugehen, dass solches sys- tematisch geschehen würde. Aufgrund der verfügbaren Informa tionen gebe es letztlich keine Anhaltspunkte, wonach Take -Charge-Konstellatio- nen diesbezüglich anders zu beurteilen wären als Take -Back-Verfahren, beziehungsweise dass für die erste Kategorie eine erhöhte Gefährdung von Abschiebungen ohne Durchführung eine s Asylverfahrens bestehen würde (vgl. a.a.O. E. 9.4.4). Im Ergebnis sei davon auszugehen, dass Ge- suchstellende, welche gestützt auf die Dublin -III-VO nach Kroatien über- stellt würden, Zugang zum dortigen Asylverfahren erhielten; dies unabhän- gig davon, ob die gesuchstellende Person im Rahmen eines Take-Charge- oder Take-Back-Verfahrens überstellt werde. Insbesondere bestehe keine beachtliche Wahrscheinlichkeit, die Überstellten würden der Gefahr einer Verletzung ihrer aus dem Refoulement-Verbot fliessenden Rechte ausge- setzt werden (vgl. a.a.O. E. 9.5). 8.3 Sodann lassen die vom Beschwerdeführer bei seiner Einreise nach Kroatien geltend gemachten Vorkommnisse nicht den Schluss zu, er habe bei einer Überstellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine un- menschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta zu gewärtigen. Gegen das Fehlverhalten von einzelnen Beamten könnte er im Übrigen in Kroatien rechtlich vorgehen, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Orga- nisationen. Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist nicht per se auf systemische Schwachstellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. etwa Urteile d es BVGer F -1883/2023 vom 12. April 2023 E. 7.3 oder E-5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 8.4 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III- VO – auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde erwähnten Quel- len, in welchen das kroatische Asylwesen kritisiert wird – nicht gerechtfer- tigt. 9. 9.1 Des Weiteren ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugs- hindernisse nach Art. 3 EMRK (oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrechtlichen Bestimmung) bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ergeben würden. E-1362/2023 Seite 19 9.2 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso- nen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbesondere die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens - und der Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. bspw. Urteile des BVGer E -1515/2023 vom 23. März 2023; E -5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2; je m.H.). Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die vom Betroffenen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.). Der Besc hwerdeführer ver- mag kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die kroatischen Be- hörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen und einen allfälligen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrens- richtlinie zu prüfen. Den Ak ten sind denn auch keine Gründe für die An- nahme zu entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden. 9.3 Die kroatischen Behörden haben der Aufnahme des Beschw erdefüh- rers zugestimmt und sich damit bereit erklärt, die Verantwortung für ein all- fälliges Asylverfahren zu übernehmen. Ausserdem hat der Beschwerdefüh- rer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingun- gen in Kroatien seien derart schle cht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten, zumal er sich in Kroatien nur drei Tage aufgehalten hat (SEM act. […]-19/12 Ziffer 2.06). Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschrän- kung wäre der Beschwerdeführer nötigenfalls gehalten, sich an die dorti- gen Behörden zu wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingun- gen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Dies gilt auch in Bezug auf die geltend gemachte schlechte Behandlung seitens der kroatischen Behörden. 9.4 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H.; Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Der Beschwerdeführer hat bezüglich des medizinischen Sachverhalts le- diglich angegeben, aufgrund eines U nfalls in der Kindheit (…) zu haben. E-1362/2023 Seite 20 Er konnte indessen nicht nachweisen, dass er nicht reisefähig sei oder eine Überstellung seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Sein Gesund- heitszustand vermag eine Unzulässigkeit im Sinne dieser restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Die gesundhei tlichen Probleme ([…]) sind auch nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgesehen werden müsste. Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Es liegen keine Hinweise vor, wonach Kroatien dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern würde. 9.5 Nach dem Gesagten war der Beschwerdeführ er mit grosser Wahr- scheinlichkeit bereits zum Zeitpunkt seiner Asylgesuchstellung in die Schweiz am 9. Oktober 2022 volljährig, weshalb sich für das SEM eine Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 3 KRK erübrigte (vgl. oben E. 7.2 ff.). Die entsprechende Rüge ist unbegründet. 9.6 Soweit in der Beschwerde eine unzureichende Prüfung der humanitä- ren Gründe beziehungsweise eine diesbezüglich mangelnde Begründung geltend macht wird, ist Folgendes festzuhalten: Gemäss Praxis des Bun- desverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Gericht beschränkt seine Beurteilung im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspiel- raum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Die angefoch- tene Verfügung ist entgegen der Beschwerde unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden. Inwiefern der vorinstanzlichen Verfügung ein Ermes- sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen wäre, ist weder dargetan noch ersichtlich . Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung im gebotenen Umfang dargelegt, aus wel- chen Überlegungen von einem Selbsteintritt aus humanitären Gründen ab- gesehen wurde. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammen- hang weiterer Äusserungen. 10. Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder völkerrechtliche Vollzugs- hindernisse, die die Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler bei der Ermessensbetätigung vorliegen. Das SEM hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin -III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Somit bleibt Kroatie n der für die E-1362/2023 Seite 21 Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitglied- staat gemäss Dublin-III-VO. 11. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 12. Auch bezüglich des Antrags um Berichtigung des ZEMIS-Eintrages ist die Beschwerde abzuweisen. Vorliegend lässt sich das exakte Geburtsdatum des Beschwerdeführers nicht beweisen. Somit sind diejenigen Daten ein- zutragen, welche am wahrscheinlichsten – respektive überwiegend wahr- scheinlich – sind. Aufgrund aller Beweismittel und Indizien steht nach dem oben Gesagten fest, dass die Volljährigkeit des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung in der Schweiz wahrscheinlicher ist als die behauptete Minderjährigkeit (vgl. E. 7.2 ff.). Das im ZEMIS (mit einem Bestreitungsvermerk) eingetragene Geburtsdatum (…) ist daher unverän- dert zu belassen. 13. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 14. Mit dem Entscheid in der Hauptsache fällt der am 10. März 2023 angeord- nete Vollzugsstopp dahin. 15. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber mit Zwischenverfügung vom 14. März 2023 die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Vorbehalt des fristgerechten Einrei- chens einer Fürsorgebestätigung gewährt und die prozessuale Bedürftig- keit des Beschwerdeführers inzwischen belegt wurde , sind keine Verfah- renskosten zu erheben. 16. Entscheide des Bundesverw altungsgerichts auf dem Gebiet des Daten- schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993 zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge- nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt zu geben. E-1362/2023 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde betreffend Nichteintreten auf das Asylgesuch und Weg- weisung wird abgewiesen. 2. Die Beschwerde betreffend Datenänderung im Zentralen Migrationsinfor- mationssystem (ZEMIS) wird abgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM, das Generalsekre- tariat EJPD, den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauf- tragten und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Mara Urbani Versand: E-1362/2023 Seite 23 Rechtsmittelbelehrung: Gegen Ziffer 2 dieses Entscheids kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich -rechtli- chen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizeri- schen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsulari- schen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechts- schrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind beizulegen, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat (Art. 42 BGG).