Interpellation Gehen 1272 N 21 juin 1985 #ST# 85.333 Interpellation der Fraktion der Nationalen Aktion/Vigilants Aussage eines Mitgliedes des Bundesrates Interpellation du groupe de l'Action nationale/Vigilants Déclaration d'un membre du Conseil fédéral Wortlaut der Interpellation vom 7. Februar 1985 In einer Sendung von Radio DRS 1 am 31. Dezember 1984 behauptete Frau Bundesrätin Kopp in wahrheitswidriger Weise, die Annahme der Initiative der Nationalen Aktion «Beschränkung der Einwanderung» hätte wegen der Über- gangsbestimmungen zur Folge, Zitat: «dass Hunderttau- sende von Ausländern ausgewiesen werden müssten». Diese Aussage ist offensichtlich falsch. Richtig ist, dass bei Annahme der Initiative in Erfüllung der Übergangsbestim- mungen mit einem freiwilligen Abbau der ausländischen Wohnbevölkerung durch Rückwanderung um 200 000 bis 300 000 Personen im Laufe von 15 Jahren gerechnet werden dürfte. Dabei sind keinerlei Massnahmen zur Ausweisung in der Schweiz ansässiger Ausländer vorgesehen. Die zweifellos bewusst unwahre Darstellung ist ein krasser Eingriff in die zurzeit noch laufende Unterschriftensamm- lung. Fragen an den Bundesrat: 1. Teilt der Bundesrat unsere Auffassung, wonach eine der- artige am Radio vorgetragene offensichtliche Unwahrheit durch ein Mitglied der Landesregierung das Vertrauen des Volkes in seine Regierung schädigt? 2. Teilt der Bundesrat unsere Auffassung, dass sich die Mitglieder des Bundesrates jeglichen öffentlichen Kommen- tars zu laufenden Unterschriftensammlungen zu enthalten haben, da solche als unzulässige Einmischung in die demo- kratischen Rechte des Volkes zu werten sind? 3. In welcher Form gedenkt der Bundesrat die falsche Dar- stellung von Frau Bundesrätin Kopp gegenüber der Öffent- lichkeit richtigzustellen? Texte de l'interpellation du 7 février 1985 Lors d'une émission de DRS 1, qui a eu lieu le 31 décembre 1984, Madame Kopp, conseillère fédérale, a déclaré qu'en cas d'acceptation de l'initiative de l'Action nationale «Pour la limitation de l'immigration», les dispositions transitoires auraient pour conséquence que des centaines de milliers d'étrangers devraient être renvoyés dans leur pays, ce qui est contraire à la vérité. Cette affirmation est donc manifestement fausse. Il est exact qu'en cas d'acceptation de l'initiative, on pourrait s'attendre à ce que l'application des dispositions transitoires entraîne, en l'espace de quinze ans, une diminution de la population étrangère de 200000 à 300000 personnes, qui retourne- raient volontairement dans leur pays d'origine. Mais il n'est prévu aucune mesure permettant d'expulser des étrangers séjournant en Suisse. Cette présentation inexacte des faits, qui étaient sans doute voulue, constitue un cas d'ingérence grave ayant lieu à un moment où la récolte des signatures n'est pas encore ter- minée. Questions au Conseil fédéral: 1. Le Conseil fédéral est-il aussi d'avis que le fait que de tels propos - manifestement contraires à la vérité - aient été tenus à la radio par un membre de l'exécutif ne peut que nuire à la confiance du peuple en son gouvernement? 2. Estime-t-il également que les membres du Conseil fédé- ral doivent s'abstenir de tout commentaire en public tant que la récolte des signatures est en cours? En effet, il s'agit là d'une immixtion inadmissible dans les droits démocrati- ques du peuple. 3. Sous quelle forme le Conseil fédéral envisage-t-il de rectifier les affirmations fausses de la conseillère fédérale Kopp? Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom S.April 1985 Rapport écrit du Conseil fédéral du 3 avril 1985 Die Mitglieder des Bundesrates haben, wie alle anderen Schweizerinnen und Schweizer, das Recht, sich zu einer lancierten Initiative zu äussern. Derartige Stellungnahmen bilden keine Einmischung in die demokratischen Rechte des Volkes. Bei einer Verwirklichung der Ziele der Volksinitiative «für die Begrenzung der Einwanderung» würde der Bestand der ausländischen Wohnbevölkerung um einige 100000 Auslän- der reduziert. Dies hätte nicht nur schwerwiegende Konse- quenzen für die Wirtschaft, sondern widerspräche auch der bundesrätlichen Ausländerpolitik. Der Bundesrat wird in seiner Botschaft zum Volksbegehren ausführlich auf die Auswirkungen der Initiative eingehen. Präsident: Die Interpellanten sind von der Antwort des Bun- desrates nicht befriedigt. Steifen: Die Fraktion der Nationalen Aktion und der Vigi- lants erklärt, von der Antwort des Bundesrates nicht befrie- digt zu sein. Wenn ein Mitglied des Bundesrates während der Sammelzeit für ein Volksbegehren mit Blick auf dessen spätere Auswirkungen eine offensichtlich falsche Aussage macht - wir haben aus Respekt vor Frau Bundesrätin Kopp nicht von Lüge gesprochen -, dann darf erwartet werden, dass eine Richtigstellung erfolgt. Diese ist weder vor der Öffentlichkeit noch vor diesem Rat erfolgt. Mit dem Eingeständnis eines tatsächlichen Fehlers - auch durch ein Mitglied des Bundesrates-fallen wahrhaftig keine Steine aus der Krone, sondern Respekt und Vertrauen wachsen. #ST# 85.344 Interpellation Oehen Internationale Rechtshilfe in Strafsachen Entraide judiciaire internationale en matière pénale Wortlaut der Interpellation vom 8. Februar 1985 1. Steht der Bundesrat weiterhin zu seinen formellen Zusi- cherungen, die er anlässlich der parlamentarischen Debatte über das Rechtshilfeabkommen mit den USA vom 25. Mai 1974 gegeben hat, wonach, unter anderem a. es «sich um die Verfolgung einer schweren Tat handeln» müsse (BBI 1974 II 584), wobei die dem Abkommen beige- fügte Liste der «Straftaten, für welche Zwangsmassnahmen angewendet werden können», nur Offizialdelikte umfasst und Antragsdelikte daher entfallen; b. eine weitere, unabdingbare Voraussetzung für Rechts- hilfe die sei, «dass die Handlung, die Gegenstand der Straf- untersuchung im ersuchenden Staat ist, die objektiven Merkmale eines nach dem Recht des ersuchten Staats straf- baren und auf der dem Vertrag beigefügten Liste aufgeführ- ten Tatbestands aufweist... Es bedarf deshalb der doppelten Voraussetzung der beidsei- tigen Strafbarkeit der Handlung und ihrer Zugehörigkeit zu einer der in der Liste aufgezählten Straftaten» (ebenda Seite 587); undSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation der Fraktion der Nationalen Aktion/Vigilants Aussage eines Mitgliedes des Bundesrates Interpellation du groupe de l'Action nationale/Vigilants Déclaration d'un membre du Conseil fédéral In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1985 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 85.333 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 21.06.1985 - 08:00 Date Data Seite 1272-1272 Page Pagina Ref. No 20 013 528 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.