Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 10. August 2023 ZK1 2022 36 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsident Stefan Weber, Kantonsrichter Pius Schuler, Jörg Meister, Josef Reichlin und Jeannette Soro, Gerichtsschreiberin Antoinette Hürlimann. In Sachen A.________ AG, Klägerin und Berufungsführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, gegen C.________, Beklagter und Berufungsgegner, vertreten durch Rechtsanwalt D.________, betreffend Forderung (Berufung gegen das Urteil des Einzelrichters am Bezirksgericht Höfe vom 14. Juli 2022, ZEV 2020 25);- hat die 1. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. a) Die A.________ AG bezweckt die Erbringung von Architektur- und Baumanagement, Generalunternehmung sowie Planung und Beratung im Baugewerbe (Vi-KB 3). Am 3. Juni 2014 und am 7. April 2017 unterzeichneten C.________ und die A.________ AG je eine Vereinbarung „Vertrag für Archi- tekturleistungen“ betreffend das im Eigentum von C.________ stehende Grundstück GB Nr. xx, Gemeinde Feusisberg (Vi-KB 4, 5 und 8). b) Am 6. April 2020 erhob die A.________ AG gegen C.________ Klage beim Bezirksgericht Höfe und beantragte, der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin Fr. 26’568.00 nebst Zins zu 5 % p. a. seit dem 21. Dezember 2017 zu bezahlen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWST zulasten des Beklagten (Vi-act A/I). Mit Klageantwort vom 9. Juni 2020 beantragte der Beklagte die Abweisung der Klage, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin inklusive MWST. Widerklageweise beantragte er, die Klägerin habe ihm Fr. 12’000.00 nebst Zins zu 5 % ab Zustellung der Wider- klage zu bezahlen, die Klägerin sei zu verpflichten, dem Beklagten die Stun- denrapporte für die seit dem 1. Juni 2014 geleisteten Arbeitsstunden sowie sämtliche Arbeitsresultate herauszugeben, dem Beklagten sei nach Vorliegen dieser Informationen Frist anzusetzen, um seine Gesamtforderung zu begrün- den und zu beziffern, wobei die Klägerin zu verpflichten sei, auch den zusätz- lichen Betrag zu bezahlen, maximal jedoch Fr. 29’900.00, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin (Vi-act. A/II). Mit Replik vom 6. Oktober 2020 hielt die Klägerin an ihren Anträgen fest und beantragte mit Widerklageantwort gleichen Datums die Abweisung der Widerklage (Vi- act. A/III). In seiner Duplik und Widerklagereplik vom 13. Januar 2021 hielt der Beklagte an seinen Anträgen fest (Vi-act. A/IV). Weiter reichte die Klägerin am 1. Februar 2021 eine Stellungnahme zur Duplik bzw. Widerklageduplik ein (Vi- act. A/V). Im Rahmen des Replikrechts nahmen der Beklagte am 11. Februar 2021 (Vi-act. A/VI) und die Klägerin am 24. Februar 2021 Stellung (Vi-Kantonsgericht Schwyz 3 act. A/VII). Mit Verfügung vom 24. September 2021 ordnete die Verfahrenslei- tung die Einholung einer schriftlichen Auskunft durch E.________, F.________, G.________, H.________, I.________, J.________ und K.________ an (Vi-act. D1). Mit Urteil vom 14. Juli 2022 wurde der Beklagte verpflichtet, der Klägerin Fr. 1’292.40 zuzüglich Zins zu 5 % seit 21. Dezember 2017 zu bezahlen und wies die Klage im Übrigen ab (Dispositiv-Ziff. 1). Eben- so wies das Bezirksgericht die Widerklage ab (Dispositiv-Ziff. 2). Die Gerichts- kosten von Fr. 4’500.00 wurden zu 60 % (Fr. 2’700.00) dem Beklagten und zu 40 % (Fr. 1’800.00) der Klägerin auferlegt (Dispositiv-Ziff. 3.1) und der Beklag- te verpflichtet, der Klägerin eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1’600.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu bezahlen (Dispositiv-Ziff. 4). c) Dagegen erhob die Klägerin am 13. September 2022 Berufung beim Kantonsgericht mit folgenden Anträgen (KG-act. 1): 1. Das Urteil des Bezirksgerichts Höfe vom 14.07.2022 (ZEV 2020 25) sei aufzuheben. 2.1 Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin Fr. 26’568.00 nebst Zins zu 5 % p. a. seit dem 21.12.2017 zu bezahlen. 2.2 Für den Fall der Abweisung von Antrag Ziff. 2.1 sei die Sache zur Durchführung des gesetzmässigen Verfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen vor allen Instanzen zu- züglich Mehrwertsteuer in Höhe von 7.7 % zu Lasten des Beklag- ten. Mit Berufungsantwort vom 14. Oktober 2022 beantragte der Beklagte, die Be- rufung sei abzuweisen und das angefochtene Urteil zu bestätigen, unter Kos- ten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin (KG-act. 7). Nach Zu- stellung der Stellungnahme der Klägerin vom 26. Oktober 2022 an den Be- klagten gingen keine weiteren Eingaben ein (KG-act. 9 und 10).Kantonsgericht Schwyz 4 2. a) Die Vorinstanz gelangte zum Ergebnis, dass die von der Klägerin ins Recht gelegten E-Mails, Korrespondenzen, Notizen (Memorandum), Pläne, Fotos und weiteren Urkunden zwar eine Tätigkeit betreffend das im Eigentum des Beklagten stehenden Grundstückes zu belegen vermöchten, jedoch nichts über den konkreten Aufwand aussagen würden. Auch sei die in der Replik aufgeführte Leistungsaufstellung unstrittig im Nachhinein erstellt wor- den und es sei unklar, worauf diese basiere (angefocht. Urteil E. 3.6, 4.1/4.2). b) Die Klägerin kritisiert, die Vorinstanz gehe davon aus, dass ein Unter- nehmer seine Leistungserbringung nur mittels Stundenrapporten beweisen könne, was mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung unzutreffend sei. Gleichzeitig verneine die Vorinstanz die Tauglichkeit sämtlicher von der Klägerin aufgelegten Beweise ohne vertiefte Auseinandersetzung. Sodann habe die Klägerin zahlreiche Urkunden eingereicht. Bei Vi-KB 20-25, 31, 33- 40, 43-47, 50, 55, 59-60, 62, 66-70, 80-81, 90, 94-95, 99 und 101 handle es sich um Arbeitsergebnisse, also insbesondere Pläne und Visualisierungen für die Balkone und die Untergeschosserweiterung sowie für einen möglichen Neubau. Arbeitsergebnisse seien am besten geeignet, um eine Tätigkeit zu beweisen. Dagegen seien Stundenrapporte lediglich Indizien für einen be- stimmten Aufwand und würden die Tätigkeit nicht direkt belegen. Auch die Urkunden Vi-KB 11-19, 26-30, 32, 41-42, 48-49, 51-54, 56-58, 61, 63-65, 71- 79, 82-89, 91-93, 96-98,100 und 103, bei denen es sich um Korrespondenz mit Dritten sowie Notizen handle, seien geeignet, Arbeitsleistungen zu bewei- sen. Es schliesse die Beweisbarkeit nicht aus, wie beispielsweise im Falle der Pos. 116-123, dass die Klägerin mehrere Tätigkeiten über den Zeitraum von acht Tagen erbracht habe und dass mehrere Tätigkeiten zusammengefasst würden. Auch sei nicht entscheidend, wann genau die Leistungen erbracht worden seien. Die Vorinstanz stelle überhöhte Anforderungen an die Beweis- barkeit. Indem die Vorinstanz den erwähnten Urkunden die Beweistauglichkeit abgesprochen und das beantragte Gutachten zur Angemessenheit des Auf- wands nicht eingeholt habe, obwohl ein Architekt ohne Weiteres die Ange-Kantonsgericht Schwyz 5 messenheit hätte beurteilen können, verletze sie ihr Recht auf den Beweis (KG-act. 1 S. 16 ff.). Der Beklagte hält dafür, die Klägerin habe keine zeitnah zu den behaupteten Leistungen generierten Regie- oder Stundenrapporte zum Beweis offeriert. Die übrigen von der Klägerin offerierten Beweise, also Korre- spondenz, Notizen, Pläne, Fotos und weitere Urkunden vermöchten keinen konkreten Aufwand zu belegen. So sei beispielsweise aus Vi-KB 81 nicht er- sichtlich, dass am 13. April 2016 ein Aufwand von fünf Stunden angefallen sein solle. Dies treffe für alle angeblich erbrachten Leistungen zu. Des Weite- ren sei das zur Frage der Angemessenheit offerierte Gutachten nicht tauglich, denn es sei nicht ersichtlich, wie ein Gutachter beurteilen könne, ob etwa auf- grund von Vi-KB 81 der behauptete Aufwand von fünf Stunden angemessen sei (KG-act. 7 S. 5 ff.). c) Unbestritten geblieben ist, dass die Parteien eine Entschädigung nach Aufwand vereinbarten (angefocht. Urteil E. 3.2; KG-act. 1 S. 11; KG-act. 7 S. 11). Grundlage für eine Entschädigung nach Aufwand bildet der bei sorgfäl- tigem Vorgehen objektiv notwendige Aufwand. Der geltend gemachte Auf- wand muss so dargelegt werden, dass dessen Notwendigkeit und Angemes- senheit überprüft werden kann, was nachvollziehbare Angaben zu den er- brachten Arbeiten und die dafür aufgewendeten Arbeitsstunden voraussetzt (BGer Urteil 4A_271/2013 vom 26. September 2013 E. 6.2). Die bundesge- richtliche Rechtsprechung verlangt, dass der Behauptungs- und Substanziie- rungslast grundsätzlich in den Rechtsschriften nachzukommen ist. Der bloss pauschale Verweis auf Beilagen genügt in der Regel nicht. Es ist weder am Gericht noch an der Gegenpartei, die Sachdarstellung aus den Beilagen zu- sammenzusuchen ob sich aus den Beilagen etwas zu Gunsten der behaup- tungsbelasteten Partei ableiten lässt (BGer Urteil 4A_377/2021 vom 29. Juli 2022 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 147 III 440 E. 5.3). Mittels der in der Replik enthaltenen Tabellen – eine die Anzahl der geleisteten Stunden (Vi-act. A/III S. 12 ff.) und eine die Angemessenheit (a.a.O. S. 88 ff.) betreffend – behaup- tete die Klägerin welche Leistungen sie wann erbrachte. Eine Position ent-Kantonsgericht Schwyz 6 spricht dabei jeweils den Leistungen an einem bestimmten Tag. Die einzelnen Positionen (gesamthaft 200) sind in die Spalten „Beschreibung der geleisteten Arbeiten“, „Datum der Tätigkeit“, „Mitarbeiter“ und „h“ (Anzahl aufgewendeter Stunden) gegliedert. Zusätzlich sind zu den einzelnen Positionen die jeweils offerierten Beweismittel in separaten Spalten aufgeführt. Bei den zum Beweis offerierten Urkunden handelt es sich um Pläne, Bilder, Visualisierungen, Schreiben etc. Damit aber behauptete die Klägerin die erbrachten Leistungen detailliert, in entsprechende Einzeltatsachen zergliedert und in nachvollziehba- rer Weise, also rechtsgenüglich, sodass darüber Beweis abgenommen wer- den kann oder der Gegenbeweis angetreten werden kann (vgl. BGer 4A_661/2017 vom 28. Mai 2018 E. 5.3). Anders gesagt ist nicht ersichtlich, wie die Klägerin die von ihr behaupteten Leistungen noch zusätz- lich hätte umschreiben sollen. Es liegt dabei in der Natur der Sache, dass sich aus den Beweisbeilagen nicht direkt ableiten lässt, wie viele Arbeitsstunden zu deren Erstellung notwendig und angemessen waren. Dazu beantragte die Klägerin zu jeder behaupteten Leistung indessen eine Begutachtung (vgl. Vi- act. A/III S. 88 ff.). Weshalb eine sachverständige Person anhand der zu den einzelnen Positionen vorgelegten Arbeitsergebnisse nicht in der Lage sein soll zu ermitteln, ob die jeweils dafür geltend gemachten Stunden plausibel sind, erklärt der Beklagte nicht näher. Davon abgesehen geht auch die Vorinstanz davon aus, dass grundsätzlich Leistungen erbracht wurden. Soweit aber die Erbringung von Leistungen bejaht wird, muss geklärt werden, ob diese, soweit bestritten, im geltend gemachten Umfang notwendig und angemessen waren. Die Vorinstanz äusserte sich auch nicht dazu, weshalb von der beantragten Expertise abgesehen wird. Schliesslich wird insbesondere auch die Tragweite des handschriftlichen Vermerks des Beklagten auf dem Vertrag vom 7. April 2017 zu erörtern sein. d) Zusammenfassend ist die Berufung daher im Eventualantrag gutzuheis- sen, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur Vervollständi- gung des Sachverhalts und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Kantonsgericht Schwyz 7 Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO). Ausgangsgemäss ge- hen die Prozesskostenfolgen zulasten des Beklagten (Art. 95 und 106 je Abs. 1 ZPO; GebTRA §§ 2, 6 und 11);-Kantonsgericht Schwyz 8 beschlossen: 1. Die Berufung wird im Eventualantrag gutgeheissen, das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Ergän- zung des Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückge- wiesen. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2’000.00 werden dem Be- klagten auferlegt. Sie werden vom Kostenvorschuss der Klägerin von Fr. 3’000.00 bezogen und ihr im Rest von Fr. 1’000.00 zurückerstattet. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin unter dem Titel Gerichtskos- tenersatz Fr. 2’000.00 zu bezahlen. 3. Der Beklagte wird verpflichtet, die Klägerin für das Berufungsverfahren mit Fr. 3’000.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 113 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) unter den Vorausset- zungen von Art. 93 BGG Verfassungsbeschwerde beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; vorbehalten bleibt die Geltendmachung einer Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung mit Beschwerde in Zi- vilsachen gemäss Art. 72 ff. BGG, die in der gleichen Rechtsschrift bzw. bei alleiniger Einlegung innert derselben Frist einzureichen ist. Die Beschwerdeschrift muss Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert be- trägt Fr. 26’586.00.Kantonsgericht Schwyz 9 5. Zufertigung an Rechtsanwalt B.________ (2/R), Rechtsanwalt D.________ (2/R), die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten) und an die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 1. Zivilkammer Der Kantonsgerichtsvizepräsident Die Gerichtsschreiberin Versand 10. August 2023 kau