200 22 586 KV SCI/SVE/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 23. März 2023 Verwaltungsrichter Schwegler Gerichtsschreiberin Schwitter A.________ Beschwerdeführerin gegen Philos Krankenversicherung AG Rechtsdienst, Rue des Cèdres 5, Postfach, 1919 Martigny Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 31. August 2022 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1974 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) war im Jahr 2021 bei der Philos Krankenversicherung AG (Philos bzw. Be- schwerdegegnerin) obligatorisch krankenpflegeversichert (Akten der Philos, Antwortbeilage [AB] 3). Am 7. April 2021 (vgl. AB 4) reichte die Versicherte der Philos Kopien von Rechnungen für medizinische Behandlungen ein, die zwischen dem 12. Januar und 15. Februar 2021 (vgl. AB 6) in … durchge- führt worden sein sollen, und ersuchte um Rückerstattung dieser Behand- lungskosten. Mit Schreiben vom 21. April 2021 (AB 5) stellte die Philos der Versicherten einen medizinischen Fragebogen zu, um genauere Angaben zu diesen Behandlungen zu erhalten, und verlangte ergänzende Unterla- gen, woraufhin die Versicherte am 22. April 2021 den ausgefüllten Frage- bogen sowie weitere Unterlagen einreichte (AB 6). Nachdem die Philos die Versicherte am 28. April 2021 um zusätzliche Informationen ersucht hatte (AB 7), reichte diese am 4. Mai 2021 erneut ein Schreiben ein (AB 8). Dar- aufhin tätigte die Philos weitere Abklärungen und beauftragte insbesondere ihren Assistance-Partner im Ausland mit der Überprüfung der Tarife und des Notfalls (AB 10, 21 f.). Mit Verfügung vom 21. September 2021 (AB 12) verneinte sie ihre Leistungspflicht. Nachdem die Versicherte dagegen Ein- sprache (AB 13) erhoben und einen Bericht vom 13. Juli 2022 ihres behan- delnden Hausarztes in der Schweiz eingereicht hatte (AB 18), lehnte die Beschwerdegegnerin auch mit Entscheid vom 31. August 2022 (AB 20) die Übernahme der Kosten im Betrag von Fr. 4'545.65 ab. B. Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 28. September 2022 Beschwerde und beantragte sinngemäss, in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheides seien ihr die in … entstandenen Behandlungskos- ten im Betrag von Fr. 4'545.65 durch die Philos zurückzuerstatten.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 3 Mit Beschwerdeantwort vom 4. Januar 2023 schloss die Beschwerdegeg- nerin auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Mit prozessleitender Verfügung vom 5. Januar 2023 wurde die Beschwer- degegnerin aufgefordert, den im Mail vom 20. Mai 2021 integrierten Bericht der Abklärung vor Ort im Original bzw. in einer vollständigen Fassung inkl. die dort erwähnte „reportage photos“ einzureichen. Der Beschwerdeführe- rin wurde Gelegenheit geboten, allfällige zusätzliche Unterlagen einzurei- chen. Aufforderungsgemäss reichte die Beschwerdegegnerin am 19. Januar 2023 die verlangten Unterlagen ein. Am 27. Januar 2023 ging beim Gericht eine Eingabe der Beschwerdeführerin ein. Die Parteien verzichteten auf die Möglichkeit, Schlussbemerkungen einzu- reichen (vgl. prozessleitende Verfügung vom 31. Januar 2023). Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 4 kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 31. August 2022 (AB 20). Streitig und zu prüfen ist die Rückerstattung von Krankheits- kosten im Betrag von Fr. 4'545.65. 1.3Mit Blick auf den Betrag von Fr. 4'545.65 (vgl. AB 20) liegt der Streitwert unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1 2.1.1Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt die Kos- ten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen (Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung [KVG; SR 832.10]). Die Leistungen nach den Art. 25 - 31 KVG müssen wirksam, zweckmässig und wirtschaft- lich sein (Art. 32 Abs. 1 Satz 1 KVG; BGE 145 V 116 E. 3.2 S. 119). 2.1.2Gemäss Art. 34 Abs. 1 KVG dürfen Versicherer im Rahmen der ob- ligatorischen Krankenpflegeversicherung keine anderen Kosten überneh- men als diejenigen für die Leistungen nach den Art. 25 - 33 KVG. Gestützt auf Art. 34 Abs. 2 KVG kann der Bundesrat jedoch vorsehen, dass die obli- gatorische Krankenpflegeversicherung auch Kosten von Leistungen nach den Art. 25 Abs. 2 und Art. 29 KVG übernimmt, die aus medizinischen Gründen für in der Schweiz wohnhaft Versicherte im Ausland erbracht wer- den. Gestützt auf diese Delegationsnorm hat der Bundesrat Art. 36 der Verordnung vom 27. Juni 1995 über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) erlassen. Gemäss Art. 36 Abs. 2 KVV übernimmt die obligatori- sche Krankenpflegeversicherung die Kosten von Behandlungen, die in Not-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 5 fällen im Ausland erbracht werden. Ein Notfall liegt vor, wenn Versicherte bei einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt einer medizinischen Be- handlung bedürfen und eine Rückreise in die Schweiz nicht angemessen ist. Kein Notfall besteht, wenn sich Versicherte zum Zwecke dieser Be- handlung ins Ausland begeben. 2.2Gemäss Art. 42 Abs. 1 KVG schulden die Versicherten den Leis- tungserbringern die Vergütung der Leistung, soweit die Versicherer und Leistungserbringer nichts anderes vereinbart haben. Die Versicherten ha- ben in diesem Fall gegenüber dem Versicherer einen Anspruch auf Rück- erstattung (System des „Tiers garant“). Versicherer und Leistungserbringer können vereinbaren, dass der Versicherer die Vergütung schuldet (System des „Tiers payant“; Art. 42 Abs. 2 KVG). Der Leistungserbringer muss dem Schuldner eine detaillierte und verständ- liche Rechnung zustellen. Er muss ihm auch alle Angaben machen, die er benötigt, um die Berechnung der Vergütung und die Wirtschaftlichkeit der Leistung überprüfen zu können. Im System des „Tiers payant“ erhält die versicherte Person eine Kopie der Rechnung, die an den Versicherer ge- gangen ist. Bei stationärer Behandlung weist das Spital die auf Kanton und Versicherer entfallenden Anteile je gesondert aus (Art. 42 Abs. 3 KVG). Die Leistungserbringer haben gemäss Art. 42 Abs. 3 bis KVG auf der Rech- nung nach Abs. 3 die Diagnosen und Prozeduren nach den Klassifikationen in den jeweiligen vom zuständigen Departement herausgegebenen schwei- zerischen Fassungen codiert aufzuführen. Dies bedeutet, dass sie gemäss Art. 59 Abs. 1 KVV in ihren Rechnungen alle administrativen und medizini- schen Angaben zu machen haben, die für die Überprüfung der Berechnung der Vergütung sowie der Wirtschaftlichkeit der Leistungen nach Art. 42 Abs. 3 und 3bis KVG notwendig sind, unter anderem insbesondere Kalenda- rium der Behandlung (lit. a), erbrachte Leistungen im Detaillierungsgrad, den der massgebliche Tarif vorsieht (lit. b) sowie Diagnosen und Prozedu- ren, die zur Berechnung des Tarifs notwendig sind (lit. c). 2.3 2.3.1Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsät- zen des Sozialversicherungsprozesses. Danach hat das Gericht von Amtes Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 6 wegen, aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429, 122 V 157 E. 1a S. 158). 2.3.2Der den Sozialversicherungsprozess beherrschende Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Gerichts – und der verfügenden Behörde – ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Die Parteien tragen mithin in diesem Verfahrensbereich in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, durch die Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429, 138 V 218 E. 6 S. 222; SVR 2022 ALV Nr. 27 S. 98 E. 5.1). Für eine anspruchsbegründende Tatsache liegt die objektive Beweislast bei der leistungsansprechenden Person (BGE 121 V 204 E. 6a S. 208). 2.3.3Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt die- sen Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429). 3.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 7 3.1Die Beschwerdeführerin beantragt die Rückerstattung der aufgrund einer angeblich in … stattgefundene Behandlung entstandenen Kosten im Betrag von Fr. 4'545.65 von der Beschwerdegegnerin als obligatorische Krankenpflegeversicherung. 3.1.1In der Schweiz hat der Leistungserbringer dem Schuldner eine ver- ständliche Rechnung zuzustellen. Mittels Angabe des Kalendariums, der erbrachten Leistungen im Detaillierungsgrad, den der massgebliche Tarif vorsieht, sowie der Diagnosen und Prozeduren, die zur Berechnung des Tarifs notwendig sind (Art. 59 Abs. 1 KVV), wird eine korrekte Abrechnung garantiert (vgl. E. 2.2 hiervor). Auch Leistungsabrechnungen aus dem Aus- land – wie im vorliegend zu beurteilenden Fall – haben die Krankenversi- cherungen einlässlich zu prüfen, wobei eine automatisierte Prüfung man- gels Kompatibilität des schweizerischen und ausländischen Krankenversi- cherungssystems jeweils nicht möglich ist. Umso mehr müssen die leis- tungsauslösenden Tatsachen, namentlich das Vorliegen eines medizini- schen Notfalls, Art und Umfang der durchgeführten Behandlungen sowie die relevanten Daten zu den involvierten Leistungserbringern enthalten sein. Das blosse Behaupten oder Glaubhaftmachen genügt auch in solchen Fällen nicht (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 8. August 2016, 9C_721/2015, E. 3.2 und 4.3; GEBHARD EUGSTER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG, 2. Aufl. 2018, Art. 34 N. 12). Dabei besteht eine weitgehende Mitwirkungspflicht der versicherten Personen bei der Beschaf- fung entscheidungsnotwendiger Daten, wobei an den Beweiswert dieser eingereichten Unterlagen hohe Anforderungen zu stellen sind (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute BGer] vom 29. August 2006, K222/05, E. 4.2; EUGSTER, a.a.O., Art. 34 N. 12). 3.1.2Die Beschwerdeführerin hat aufgrund der ihr obliegenden Mitwir- kungspflicht die zur Beurteilung des Leistungsanspruchs notwendigen Un- terlagen zur Verfügung zu stellen (vgl. E. 2.3.1 hiervor). Dies ist nicht ge- schehen. Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Unterlagen bewei- sen keinen Rückerstattungsanspruch. Die Beschwerdegegnerin forderte die Beschwerdeführerin mehrfach auf, hinreichende Belege einzureichen (vgl. AB 5, 7, 17). Obwohl die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführe- rin jeweils mitgeteilt hatte, dass die eingereichten Unterlagen für die Beur-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 8 teilung des Leistungsanspruchs nicht genügen, reichte die Beschwerdefüh- rerin – wie auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren (vgl. etwa prozess- leitende Verfügung vom 5. Januar 2023) – die notwenigen Belege nicht ein. Die durch die Beschwerdeführerin eingereichten (angeblichen) Leistungs- abrechnungen genügen den in der Schweiz geltenden Anforderungen (vgl. E. 2.2 hiervor) offensichtlich nicht: Die eingereichten Unterlagen erlauben keine Beurteilung der angeblich in … stattgefundenen Behandlung. So feh- len nachvollziehbare Befunderhebungen, Diagnosen oder Behandlungsbe- richte. Es lässt sich nicht belegen, dass die behaupteten, jedoch ungenü- gend dokumentierten Behandlungen in … überhaupt stattgefunden haben. Die durch die Beschwerdegegnerin veranlasste Abklärung vor Ort lässt die geltend gemachte Behandlung gar als unwahrscheinlich erscheinen. Eben- so kann die Beschwerdeführerin nichts aus dem Bericht ihres Hausarztes Dr. med. B.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 13. Juli 2022 (AB 18) ableiten, enthält dieser doch einzig Informationen über eine am 23. März 2021, d.h. nach der Rückkehr stattgefundene telefonische Konsultation im Zusammenhang mit geltend gemachten Covid- Symptomen, nicht aber über die angeblich in … stattgefundene Behand- lung. Die Beschwerdeführerin hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (vgl. E. 2.3.2 hiervor). 3.1.3Überdies sind die Angaben der Beschwerdeführerin in Bezug auf die angebliche Behandlung in … nicht widerspruchsfrei, womit umso mehr Zweifel an einer solchen bestehen. Selbst wenn – wie die Beschwerdefüh- rerin geltend macht (vgl. Beschwerde S. 3, Eingabe vom 25. Januar 2023 S. 2) – der medizinische Standard in … nicht mit dem hiesigen Standard vergleichbar ist, erscheint mit Blick darauf, dass sich die Beschwerdeführe- rin gemäss ihren Angaben in privatärztliche Behandlung begeben haben soll, nicht nachvollziehbar, dass die angeblich behandelnden Ärzte zu kei- nem Zeitpunkt einen auch nur minimalen Befundbericht mit entsprechender Diagnose oder anderweitige medizinische Dokumente – abgesehen von Rechnungen ohne Aussagekraft – erstellt haben. Weiter gab die Beschwerdeführerin an, vom 7. Januar bis zum 21. März 2021 in … gewesen zu sein, wobei die Behandlung vom 12. Januar bis zum 15. Februar 2021 und die Hospitalisation vom 14. Januar bis zum Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 9 14. Februar 2021 gedauert habe (AB 6), wohingegen sie im Schreiben vom 4. Mai 2021 (AB 8) ausführte, nach einer Einladung Halsschmerzen und danach Bauchschmerzen verspürt zu haben, ins nächste Gesundheitszen- trum transportiert worden zu sein, in welchem sie nach mehreren Untersu- chungen direkt hospitalisiert worden sei. Nicht in diese Darstellung des Ablaufs passt demgegenüber der Befundbericht eines Labors, welcher be- reits auf den 9. Januar 2021 (AB 4) datiert und auch in keinem Zusammen- hang mit der angeblich bei der Einreise nach … bereits bestehenden Co- vid-19-Erkankung stehen kann. Diesem Bericht lässt sich nicht entnehmen, wann, wo und weshalb die Abklärung erfolgte. Was schliesslich den Geldfluss hinsichtlich der Behandlungskosten angeht, kommt diesem zwar keine entscheidende Bedeutung zu, da selbst ein sol- cher nicht belegen könnte, dass tatsächlich ärztliche Behandlungen erfolgt sind. Allerdings sind auch diesbezüglich inkonsistente Angaben vorhanden. So machte die Beschwerdeführerin zunächst geltend, das Geld vor Ort selbst aufgebracht zu haben (AB 6; Feriengeld [AB 8]) und sich das Geld anschliessend von Familie und Bekannten geliehen zu haben (AB 8). Später brachte sie vor, das Geld in der Schweiz geborgt und per Money- Transfer nach … versandt zu haben (AB 13). In der Stellungnahme vom 25. Januar 2023 führte sie demgegenüber aus, alles in bar abgewickelt zu haben (S. 2). Sollte tatsächlich ein Geld-Transfer von der Schweiz nach … stattgefunden haben, müssten dafür mit Blick auf die in der Schweiz gel- tenden strengen Vorschriften zur Vermeidung von Geldwäscherei Belege vorhanden sein und von der Beschwerdeführerin eingereicht werden kön- nen. Solche formellen Geldtransfers hätten denn auch in … nicht zum Er- halt des Betrages ohne Quittierung geführt. Es ist damit nicht bewiesen, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz oder anderswo Geld ausge- liehen hat, um die angeblichen Rechnungen zu bezahlen. 3.2Mangels die Behandlung dokumentierender Belege und mit Blick auf die inkonsistenten Ausführungen der Beschwerdeführerin ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (vgl. E. 2.3.3 hiervor) erstellt, dass eine Behandlung stattgefunden hat. Umso weniger lässt sich ein Rückerstat- tungsanspruch berechnen. Mithin besteht kein Anspruch auf eine Ver-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 10 gütung der angeblichen Behandlungskosten. Die Beschwerdegegnerin hat die Kostenübernahme zu Recht verweigert. Ob die Beschwerdegegnerin angesichts der fehlenden Unterlagen und er- heblichen Inkonsistenzen überhaupt ergänzend vor Ort hätte Abklärungen (vgl. hierzu AB 10, 21 f.) vornehmen müssen, braucht nicht abschliessend beurteilt zu werden. Diese Abklärungen bestätigten aber mit Deutlichkeit das Ergebnis der Würdigung der von der Beschwerdeführerin aufgelegten Unterlagen. Die Beschwerdeführerin bestreitet zwar das konsistente, ein- lässlich dargelegte und nachvollziehbare Ergebnis der Abklärung vor Ort (Beschwerde S. 3 f.), ohne jedoch – wie bereits aufgezeigt – auch nur an- satzweise Unterlagen einzureichen, welche die Richtigkeit und Beweiskraft in Frage stellen, noch die Inkonsistenzen in ihrer Darlegung aufheben könnten. 4. Zusammenfassend ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 31. Au- gust 2022 (AB 20) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Be- schwerde abzuweisen. 5. 5.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 61 lit. f bis ATSG (Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind grundsätzlich keine Verfah- renskosten zu erheben. Einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, kann das Gericht jedoch Gerichtskosten auferlegen (Art. 61 lit. f bis ATSG). Leichtsinnige oder mutwillige Prozessführung kann vorliegen, wenn die Partei ihre Stellungnahme auf einen Sachverhalt abstützt, von dem sie weiss oder bei der ihr zumutbaren Sorgfalt wissen müsste, dass er unrich- tig ist. Mutwillige Prozessführung kann auch etwa angenommen werden, wenn eine Partei eine ihr in dieser Eigenschaft obliegende Pflicht (z.B. Mit- wirkungs-, Unterlassungspflicht) verletzt oder wenn sie noch vor der Re-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 11 kursbehörde an einer offensichtlich gesetzwidrigen Auffassung festhält (BGE 124 V 285 E. 4b S. 288, 112 V 333 E. 5a S. 334; SVR 2007 IV Nr. 19 S. 69 E. 2.2). Die Beschwerdeführerin ist ihren Mitwirkungspflichten nicht nachgekom- men. Obwohl sie mehrfach dazu aufgefordert worden war (vgl. AB 5, 7, 17, prozessleitende Verfügung vom 5. Januar 2023 [in den Gerichtsakten]), reichte sie die zur Beurteilung der Behandlungskosten erforderlichen Unter- lagen weder zu Handen der Beschwerdegegnerin noch zu Handen des Verwaltungsgerichts ein. Vielmehr führte sie aus, diese existierten nicht bzw. gingen aus den bereits bei der Beschwerdegegnerin eingereichten Dokumenten hervor (vgl. AB 8, 13, 18, Beschwerde S. 4). Wie dargelegt trifft dies jedoch offensichtlich nicht zu. Einzig die Beschwerdeführerin wäre in der Lage gewesen, Belege für die Richtigkeit ihrer Behauptungen einzu- reichen. Dies hat sie nicht getan und ihre Darstellungen sind nicht unbe- wiesen, sondern gar unglaubwürdig. Es ist denn auch in keiner Weise nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin, sollte tatsächlich wie be- hauptet eine derart umfangreiche Behandlung notwendig geworden sein, alle Vorkehrungen unterlassen hat, um einen sich daraus ergebenden Rückerstattungsanspruch hinreichend abzusichern und zu dokumentieren. Weder meldete sie sich echtzeitlich bei der Beschwerdegegnerin als obliga- torische Krankenpflegeversicherung, um Anweisungen zur Dokumentation zu erhalten, was auch aus … (via E-Mail oder Telefon) zweifellos jederzeit möglich gewesen wäre. Dies umso mehr, als die angebliche stationäre Be- handlung einen Monat gedauert haben soll (vgl. AB 6). Noch erscheint auch für ein … Land kaum nachvollziehbar, dass ausgebildete Ärzte nicht zumindest einen minimalen Befundbericht mit Diagnose erstellen bzw. ein solcher von ihnen verlangt werden könnte. Dies umso mehr in Fällen wie dem vorliegenden, in welchem umfangreiche privatärztliche Behandlungen erfolgt sein sollen. Das Verhalten der Beschwerdeführerin stellt mithin vor dem Hintergrund umfassender Abklärungen (vgl. AB 10, 21 f.) sowie eines einlässlichen Einspracheentscheides der Beschwerdegegnerin (AB 20) und mit Blick auf den Umstand, dass die Beschwerdeführerin auch nicht an- satzweise massgebliche, ihren Standpunkt beweisende Dokumente einge- reicht hat, demgegenüber aber eine offensichtlich aussichtslose Beschwer-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 12 de einreichte, eine mutwillige Prozessführung dar. Folglich sind ihr die Ver- fahrenskosten von Fr. 500.-- aufzuerlegen. 5.2Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par- teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - A.________ - Philos Krankenversicherung AG - Bundesamt für Gesundheit Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2023, KV/22/586, Seite 13 Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.