Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Februar 2022 (720 21 171 / 27) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditäts- bemessung zu Recht verneint. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Jürg Tschopp, Advokat, Simonius & Partner, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene A.____ meldete sich am 10. Septe mber 2019 (Eingang) unter Hin- weis auf eine beidseitige Gonarthrose, eine chronische Bronchitis sowie eine Adipositas bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 27. Ap- ril 2021 lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-St elle) einen Rentenanspruch in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung (55% Er werb / 45% Haushalt) gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 33% ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertret en durch Jürg Tschopp, Advokat, mit Eingabe vom 31. Mai 2021 Beschwerde beim Kantonsg ericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die Verfügung der IV-Stelle vom 27. April 2021 sei aufzuheben und ihr mindestens eine Viertelrente zuzusprechen. Eventualiter sei der Fall zu weiteren Abklärungen an die Beschwerde gegnerin zurückzuweisen. Eventualiter 2: Bei Notwendigkeit eines Gutachtens sei dieses direkt vom Gericht in Auftrag zu geben; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die persönliche Befragung der Be- schwerdeführerin sowie der beiden Kinder B.____ und C. ____ beantragt. Ferner ersuchte die Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung mit Advokat Tschopp als Rechtsvertreter. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass sie als Gesunde zu mindestens 80% einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde und zu 20% im Haushalt beschäftigt wäre. In medizinischer Hinsicht habe sich eine gesundheit liche Verschlechterung ergeben, so- dass ihr auch angepasste Tätigkeiten nur noch im Umfang von 30% zumutbar seien. C. Mit prozessleitender Verfügung vom 22. Juli 2021 bewi lligte der instruierende Präsident der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung mit Advokat Tschopp als Rechtsbei- stand. D. In ihrer Vernehmlassung vom 16. August 2021 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Verfügung vom 24. August 2021 wies der instrui erende Präsident des Kantonsge- richts den Antrag auf Befragung der Kinder der Beschwe rdeführerin vorerst ab. Gleichzeitig wurde zur Urteilsberatung geladen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 ist die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft ge treten. Weil in zeitlicher Hinsicht grund- sätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V 466 E. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Fall s grundsätzlich auf den bis zum Zeit- punkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 27. April 2021) eingetretenen Sachverhalt ab- stellt (BGE 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b), sind im vorliegenden Fall die Bestimmungen des IVG in der bis Ende 2021 geltenden Fassung anwendbar (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hin- weis). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 2. In formeller Hinsicht ist zunächst der Verfahrensant rag, die Beschwerdeführerin sowie die Kinder B.____ und C.____ seien zum Sachverhalt zu befragen, zu beurteilen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1.1 Ein solcher Antrag kann zum einen auf die Durch führung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK abzielen. Nach höchst richterlicher Rechtsprechung bedarf es hierfür im Sozialversicherungsprozess grundsätzlich eines klaren und unmissverständlichen Par- teiantrags (BGE 120 V 8 E. 3d, 119 V 381 E. 3b/dd, j e mit Hinweisen; vgl. auch BGE 121 I 38 E. 5f). Fehlt es an einem solchen, lässt sich in der Reg el gegen ein ausschliesslich schriftliches Verfahren nichts einwenden. Insbesondere in Verfahre n, die nach der Praxis des betroffenen Kantons üblicherweise ausschliesslich in Schriftform durchgeführt werden, muss sich die Partei, die eine öffentliche Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK wünscht, der Notwendigkeit eines entsprechenden Antrags bewusst sein, weshalb desse n Fehlen als Verzicht zu werten ist (BGE 121 I 30 E. 6a). 2.1.2 Ein Antrag auf Durchführung einer Parteiverhan dlung kann sodann aber auch zum Zwe- cke einer Parteibefragung oder -anhörung gestellt werden oder im Zusammenhang mit weiteren Beweisanträgen wie der Einvernahme eines Zeugen, der Anhörung eines Sachverständigen oder der Vornahme eines Augenscheins erfolgen. In all diesen Fällen handelt es sich beim Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung lediglich um einen Beweisantrag. Aus ihm allein ist denn auch (noch) nicht auf den Wunsch nach einer konventionskonformen Verhandlung mit Publikums- und Presseanwesenheit zu schliessen (BGE 122 V 55 E. 3a mit Hinweisen). 2.2 Der instruierende Präsident des Kantonsgerichts hat mit verfahrensleitender Verfügung vom 24. August 2021 von der beantragten Befragung der Kinder der Beschwerdeführerin vorerst abgesehen und durch die Anordnung einer Urteilsberatung auch den Antrag auf persönliche Be- fragung der Beschwerdeführerin implizit abgewiesen. Di eses Vorgehen wurde seitens der Be- schwerdeführerin nicht beanstandet. Alsdann beantragt die Beschwerdeführerin nicht die Durch- führung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK, sondern begründet ihren Antrag ausschliesslich damit, dass sie und ihre Kinder zur Sache einvernommen bzw. zum be- ruflichen Werdegang der Versicherten sowie zeitlichen Umfang einer ausserhäuslichen Erwerbs- tätigkeit im Gesundheitsfall befragt werden könnten. Beim entsprechenden Begehren handelt es sich somit lediglich um einen Beweisantrag. Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, ist der entscheidrelevante Sachverhalt indessen rechtsgenüg lich erstellt. Die wesentlichen As- pekte für die Beurteilung der einschlägigen Fragen, na mentlich der Gewichtung der Anteile Er- werb und Haushaltsführung, lassen sich bereits den Akten entnehmen. Es wird weder aus der Begründung des Beweisantrags noch sonst ersichtlich, welche entscheidwesentlichen Umstände nur im Rahmen einer Befragung durch das Gericht vorg ebracht werden könnten, zumal die Be- schwerdeführerin sich in ihrer Eingabe vom 31. Mai 2021 hinreichend zu den vorliegend umstrit- tenen Fragen äussern konnte. Vor diesem Hintergrund kann in antizipierter Beweiswürdigung von der Durchführung einer Parteiverhandlung mit Abnahme von Beweisen abgesehen werden. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem Inva liditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem s trukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksi chtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ander- seits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einord- nung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer recht- lich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbr ingen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E . 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k önnte, in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in valid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Me- thode (BGE 128 V 29). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufg abenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werd en kann, wird für die Bemessung der In- validität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Dies ist die spezifische Methode der Invaliditätsbemessung (Betätigungsvergleich; BGE 141 V 15 E. 3.2). 4.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig si nd oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich t ätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tä- tigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Inva- liditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Er werbstätige zu bemessen (Art. 27 bis IVV). 5.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder teilzei tig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zuge- mutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo thetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bund esgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Diese Frage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische An- nahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs- recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl ichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E . 2c, 117 V 194 E. 3b, je mit Hinweisen). Massgebend ist die gesamte persönliche, familiäre, berufliche und soziale Situation. Ein starkes Indiz ist dabei die Tätigkeit, welche bei Eintritt der invalidisierenden gesundheitlichen Beeinträch- tigung tatsächlich − und unter Umständen seit längerer Zeit − ausgeübt wurde, vor allem bei sonst im Wesentlichen unveränderten Verhältnissen bis zur Entstehung des allfälligen Rentenanspru- ches (SVR 2010 IV Nr. 35 S. 111; Urteil des Bundesgerich ts vom 3. November 2017, 9C__201/2017, E. 4.1 und vom 29. Januar 2016, 9C_565/2015, E. 3.2). 5.2 In der angefochtenen Verfügung vom 27. April 202 1 ermittelte die IV-Stelle den Invalidi- tätsgrad der Versicherten anhand der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung. Zwischen den Parteien unbestritten ist, dass die Beschwerdeführe rin ohne gesundheitliche Beeinträchti- gung neben der Führung des Haushalts eine Teilerwerbst ätigkeit ausüben würde, weshalb der Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode der Invali ditätsbemessung zu ermitteln ist. Unei- nigkeit besteht hingegen in der Frage der Gewichtung d er Anteile der Erwerbstätigkeit und der Haushaltsführung. Die Beschwerdegegnerin ist gestützt a uf die protokollierten Aussagen der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Haushaltsabklärung vom 7. Januar 2020 sowie den Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätig- keit vom 15. Januar 2020 davon ausgegangen, dass die Versicherte als Gesunde zu 55% einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde und zu 45% im Haushalt beschäftigt wäre. Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass sie ohne gesund- heitliche Beeinträchtigungen zu 80% erwerbstätig wäre. Sie macht dabei insbesondere geltend, sie habe nicht berücksichtigt, dass sie bei der Beantwortung der Fragestellung die vorbestehen- den Krankheiten hätte wegdenken müssen. 5.3.1 Anlässlich der Abklärung Haushalt vom 7. Januar 20 20 wies die Abklärungsperson auf den Umstand hin, dass die Versicherte kein Deutsch spreche, weshalb der Sohn und die Schwie- gertochter das Gespräch übersetzen würden. Hinsichtlich der hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall gab die Versicherte an, dass sie bereits nach ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1993 in einem Pensum von 50-60% gearbeitet hätte. Trotz Abgabe von Bewerbungen habe sie dazumal aber keinen festen Arbeitsvertrag erhalten. D ie Versicherte hätte am Abend und in der Nacht arbeiten können. Die 1998 geborene Tochter wäre am Tag durch die Versicherte und am Abend sowie in der Nacht durch den Ehemann betreut worden. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände gelangte die Abklärungsperson dabei zur Auffassung, dass die Versicherte im Gesundheitsfall nicht mehr als zu 55% arbeiten würde. Im Fragebogen zur Ermittlung der Er- werbstätigkeit bekräftigten die Versicherte sowie ihr S ohn am 20. Januar 2020 diese Aussagen jeweils mit ihrer Unterschrift. Die aktuelle Erklärung d er Beschwerdeführerin, wonach sie nicht berücksichtigt habe, dass sie die vorbestehenden Krankheiten bei der Statusfrage hätte wegden- ken müssen, vermag nun angesichts der ausführlich vor Ort besprochenen und unter Würdigung der mangelnden Deutschkenntnisse ermittelten Statusfrag e sowie mit Blick auf die differenziert protokollierten Aussagen nicht zu überzeugen. Dies umso weniger, als die Versicherte auch an- lässlich der unter Beizug einer dolmetschenden Person erfolgten Begutachtung im Juli 2020 er- klärte, sie würde im Gesundheitsfall in einem Pensum vo n 50% arbeiten (vgl. pneumologisches Gutachten, S. 5 und 6). Es sind ferner weder Hinweise e rsichtlich noch werden solche geltend gemacht, wonach die Fragestellung nicht korrekt erläutert worden wäre. 5.3.2 Die Statusfrage ist sodann unter Berücksichtigung sämtlicher (auch objektiver) Um- stände zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu beantworten (vgl. E. 5.1 hiervor). Rec htsprechungsgemäss stellt die bisherige Erwerbssituation bis zum Eintritt der invalidisierenden gesundheitlichen Beeinträchtigung hierbei ein gewichtiges Kriterium dar (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2017, 9C_201/2017, E. 4.1 mit Hinweisen). Nach ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1993 war die Beschwerdefüh- rerin lediglich in Form vereinzelter Stunden erwerbstät ig gewesen, da sie trotz Abgabe von Be- werbungen keine feste Stelle erhalten hatte. Dem Auszug aus dem individuellen Konto (IV-act. 6) ist ferner zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ab 2002, mit Unterbrüchen im Jahr 2008, 2009 und 2010, einer geregelten Tätigkeit nachgegangen war, bevor sie im Jahr 2012 als Selbst- ständigerwerbende im familieneigenen Lebensmittelgeschä ft tätig war. Während dieser Zeit- spanne hatte sie aber nie einen höheren Jahresverdienst als Fr. 21'079.-- (2003) erwirtschaften können. So erzielte sie im letzten Jahrzehnt vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung (2016) im Jahr 2006 Fr. 12'537.--, im Jahr 2007 Fr. 9'596.--, im Jahr 2008 Fr. 8'621.-- und im Jahr 2009 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 7'040.--. Der Jahresverdienst aus der selbstständigen Erwerbstätigkeit betrug ab 2012 durch- schnittlich rund Fr. 9'300.--, was mit den Angaben der Versicherten übereinstimmt, wonach sie täglich rund drei Stunden (35%) im Lebensmittelgeschäft tätig gewesen sei. Aus dem dargelegten beruflichen Werdegang kann nun aber nicht geschlossen werden, dass die Versicherte im Ge- sundheitsfall eine Erwerbstätigkeit zu einem Pensum von über 55% aufgenommen hätte. Gegen die Annahme, dass die Versicherte als valide Person ein höheres Pensum absolviert hätte, spricht auch die Tatsache, dass sie selbst als ihre 1998 geboren e Tochter in einem Alter war, wo die anfallenden Betreuungspflichten mit einem höheren Erwerbspensum vereinbar gewesen wären, kein über 35% hinausgehendes Erwerbspensum ausübte. Damit zielt auch der Einwand der Be- schwerdeführerin ins Leere, wonach sie aufgrund des Wegfalls des jahrelangen Betreuungsauf- wands der Tochter ihr Pensum massgeblich hätte erhöhen können. 5.4 Zusammenfassend ist mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass die Versicherte im Ge sundheitsfall keiner ausserhäusli- chen Erwerbstätigkeit im Umfang von mehr als 55% nachge hen würde, womit die in der ange- fochtenen Verfügung der IV-Stelle vom 27. April 2021 vorgenommene Festlegung der Anteile der Erwerbstätigkeit (55%) und der Haushaltstätigkeit (45%) nicht zu beanstanden ist. 6.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 6.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, s owie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richtlinien ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund einge- hender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ei nsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdi- gung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 7.1 Zur Beurteilung der gesundheitlichen Verhältnisse und der Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin ist vorliegend das Gutachten von Dr. med. D.____, FMH Pneumologie und All- gemeine Innere Medizin, sowie Dr. med. E.____, FMH R heumatologie und Allgemeine Innere Medizin, vom 30. Oktober 2020 von zentraler Bedeutung. 7.2.1 In diesem Gutachten diagnostizierten die Fachpe rsonen aus interdisziplinärer Sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelschwere bis schwere bilaterale Gonarthrose (ICD- 10 M17.9), ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.4), einen Verdacht auf eine mit- telschwere Schlafapnoe mit Ronchopathie sowie eine leich tgradige restriktive Ventilationsstö- rung. 7.2.2 Im rheumatologischen Fachgutachten wurde festgeh alten, dass bei der klinischen Un- tersuchung an beiden Kniegelenken eine Beweglichkeit in Flexion/Extension 130/0/0° beidseits mit endphasiger Gegenintervention bei der Flexion erhoben worden sei. Klinisch fände sich keine Synovitis bzw. keine Tenosynovitis im Sinne entzündlich akti vierter degenerativer Veränderun- gen. Eine begleitende Chondrokalzinose liege nicht vor . Die Röntgenbilder beider Kniegelenke vom 14. Januar 2020 hätten Zeichen einer mittelschweren bis schweren bilateralen bikomparti- mentellen Gonarthrose mit Verschmälerung des medialen femorotibialen Gelenkspaltes beidseits gezeigt. Ferner seien osteophytäre Anbauten medial am medialen Femurkondylus und medial an der proximalen Tibia rechtsseitig sowie am Oberpol der Patella links nachgewiesen worden. Es fänden sich rechtsseitig ebenfalls osteophytäre Anbauten retropatellär. Des Weiteren bestehe ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei diffusen multieta geren degenerativen Veränderun- gen der Lendenwirbelsäule (LWS) auf LWK 3/4 bis LWK 5/SWK 1 ohne Hinweise auf eine Wur- zelkompression. Eine radikuläre Symptomatik lasse sich auch kli nisch bei der Anamnese nicht feststellen. Die LWS entfalte sich in alle Richtungen normal mit endphasigen Schmerzen im Be- reich des lumbosakralen Überganges LWK 5/SWK 1 in Flexion. Das Segment LWK 5/SWK 1 sei am wenigsten durch degenerative Veränderungen befal len. Es bestehe indessen eine ausge- prägte muskuläre Dekonditionierung mit Insuffizienz des Rumpfes, die zu einer mechanischen Überlastung der dorsalen Segmente der tieferen LWS f ühre. Klinisch bestehe eine bilaterale Druckdolenz der Facettengelenke L4/L5 und L5/S1 im Rah men der daraus resultierenden Lor- dose. Im Bereich der Halswirbelsäule finde sich eine normal erhaltene Beweglichkeit in alle Rich- tungen, die sich völlig schmerzfrei entfalte, ohne Zeichen einer strukturell bedingten segmentalen Dysfunktion. Die geklagten Schulterschmerzen entsprächen myotendinotischen Verspannungen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Schultergürtelmuskulatur. Die Beweglichkeit beider Schultergelenke erweise sich als alters- entsprechend unauffällig mit normaler Funktion der Rotatorenmanschetten. Im MRI vom 12. Sep- tember 2019 finde sich im Beckenbereich eine fetthaltige Läsion. Dieser Befund sei vereinbar mit einem Lipom. Es bestünden keine evidenten Zeichen einer malignen Läsion. Diese Läsion habe keinen Einfluss auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Die mittelschwere bis schwere bilaterale Gonarthrose führe zu einer verminderten Belastbarkeit der Kniegelenke für Tätigkeiten vorwie- gend im Stehen und Gehen, mit der Notwendigkeit, Lasten über 5kg zu heben, zu tragen oder zu stossen sowie mit der Notwendigkeit, in die Hocke zu geh en oder zu knien. Die degenerativen Veränderungen der LWS würden zu einer verminderten Be lastbarkeit der LWS für Tätigkeiten führen, welche das Heben, Tragen oder Stossen über 5kg sowie das Bücken nach vorne und das Verharren in monotoner Körperhaltung erfordern würden. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin und Leiterin des Familienbetriebs mit der Notwendigkeit, auch leichte Waren zu be- wegen/tragen und Regale aufzufüllen, lasse sich eine vo lle Arbeitsunfähigkeit begründen. Im Rahmen einer angepassten Tätigkeit lasse sich eine Einschr änkung der Leistungsfähigkeit von 50% ermitteln. Aufgrund des Ausmasses der vorhandenen d egenerativen Veränderungen der Kniegelenke und des klinischen und radiomorphologischen Zustandes des Rückens sei eine voll- schichtige adaptierte Tätigkeit nicht mehr möglich. Die Explorandin sei auf Pausen angewiesen, sodass sie maximal vier Stunden pro Tag arbeiten könne. 7.2.3 Im pneumologischen Fachteil wurde ausgeführt, dass bei der Explorandin im September 2016 eine Bronchitis abgeklärt worden sei. Den Akten zu folge habe sie bereits damals an einer Belastungsdyspnoe mit Husten und Rhinitis gelitten. Der Befund sei mit einer postentzündlichen Bronchiolitis vereinbar. Es seien eine mukolytische Ther apie und Inhalationstherapie eingeleitet worden. Im Dezember 2016 habe die Explorandin eine e rneute Exazerbation erlitten. Seither seien keine weiteren pneumologischen Kontrollen dokumentiert. Aktuell habe die Lungenfunktion eine leichtgradige Restriktion mit normalem pulmonalem Gasaustausch und fehlendem Anhalt für eine Obstruktion gezeigt. Bei subjektiver Angabe von Belastungsdyspnoe und gleichzeitig impo- nierender äquivalenter Limitierung durch Beinmüdigkeit habe im 6-Minuten-Gehtest bei vermin- derter Gehstrecke eine normale Sättigung und Pulsreakti on nachgewiesen werden können. In erster Linie seien die Adipositas und ein Trainingsman gel sowie die komplexe Schmerzsympto- matik als Limitierung anzusehen. Eine leichte körperlich e Arbeit im angestammten Pensum mit Wechselbelastungen und Ruhephasen könne ausgeführt werden. Es sei zu erwarten, dass eine konsequente Gewichtsreduktion und körperliche Rekonditionierung zu einer Erhöhung der mög- lichen Arbeitsfähigkeit führen würde. Als relevanter Nebenbefund habe sich der Verdacht auf eine mögliche mittelschwere obstruktive Schlafapnoe ergeben. Es ergebe sich jedoch in der gesamten Beobachtungszeit keine relevante Hypoxiezeit. Additiv zeige sich zu Beginn der Schlafphase eine leichte Rhonchopathie. Die Explorandin könne indessen klar differenzieren, dass die Müdigkeit subjektiv vordergründig auf die Schmerzsymptomatik zurückzuführen sei. Die bisherige Tätigkeit sei in einem Pensum von 35% seit mindestens 2016 möglich . Eine angepasste Tätigkeit sei in einem Pensum von 50% möglich. Arbeiten mit ständiger Tätigkeit in staubigem Arbeitsumfeld und anhaltender Kälteexposition seien zu vermeiden. Bei e iner Gewichtsreduktion könne von einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit ausgegangen werden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.4 Anlässlich ihrer Konsensbeurteilung gelangten d ie Gutachter unter Würdigung der Indi- katoren zum Schluss, dass die angestammte Tätigkeit nicht m ehr zumutbar sei. Als geeignetes Belastungsprofil würden körperlich leichte Tätigkeit en gelten, ohne die Notwendigkeit, vorwie- gend im Stehen und Gehen arbeiten zu müssen, ohne die Notwendigkeit, Lasten über 5kg zu heben, zu tragen oder zu stossen und in die Hocke zu gehen oder zu knien sowie ohne Bücken nach vorne und ohne monotone Körperhaltungen. Ideale rweise handle es sich um Tätigkeiten vorwiegend im Sitzen mit der Möglichkeit, die Körperstellung bei Bedarf zu wechseln. Tätigkeiten in staubigem Arbeitsumfeld und anhaltender Kälteexposi tion seien zu vermeiden. Eine solche angepasste Tätigkeit sei aus rheumatologischer und pneumologischer Sicht zu 50% möglich (auf- geteilt in 2 Stunden am Morgen und 2 Stunden am Nac hmittag). Diese Arbeitsfähigkeit bestehe seit dem Jahr 2016. Die Zeit zwischen 2014 und 2016 se i mangels echtzeitlicher Berichte nicht beurteilbar. 7.3 Im Rahmen des Einwandverfahrens holte die IV-Stel le weitere Berichte ein. Ein am 10. Dezember 2020 veranlasstes MRI ergab eine im Vergl eich zur Voruntersuchung vom 12. September 2019 grössenstationäre lipomatöse Raumforderung mit unverändert kleinem Ge- fäss. Im Bericht des Universitätsspitals Basel vom 7. Januar 2021 wurden eine aktuell verstärkte Gonalgie bei bekannter Gonarthrose, eine (bekannte) chronische Lumbalgie bei multisegmental degenerativen LWS-Veränderungen sowie ein grossvolumiges Lipom im Bereich des Foramen ischiadicum majus links (Zufallsbefund, MRI LWS/Becken 09 /2019) diagnostiziert. Die Patientin berichte über verstärkte Knieschmerzen rechts. Diese seie n parapatellar rechts lateral und ent- sprächen nicht einer klassischen Radikulopathie. Auch die U ntersuchung hätte keine Hinweise für eine akute Radikulopathie ergeben. Die Patienti n sei durch die stammbetonte Adipositas in ihrer Beweglichkeit deutlich eingeschränkt. Bezüglich d er Knieschmerzen sei die Patientin von hausärztlicher Seite in eine orthopädische Behandlung zu überweisen, sofern dies gewünscht sei. Hinsichtlich der Rückenschmerzen zeige sich im MRI vor einem Jahr eine Facettenarthrose L4/5, aber keine Hinweise für eine Neurokompression. So mit ergebe sich diesbezüglich keine spezifische Therapieoption. 7.4 Am 22. April 2021 nahm die RAD-Ärztin F.____, Fa chärztin für Arbeitsmedizin, zu den vorstehenden Berichten Stellung. Dabei gelangte sie im Wesentlichen zum Ergebnis, dass an den gutachterlichen Feststellungen festgehalten werden könne. Es würden keine neuen Befunde vorgebracht. Die eingeholten Unterlagen würden keine Veränderung der gutachterlich ermittelten Arbeitsfähigkeit begründen. Die beschriebenen Patholo gien und Beschwerden seien vorbeste- hend und im rheumatologischen Gutachten berücksichtigt worden. 8.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeits- fähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen die Gutachter Dres. D.___ und E.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 30. Oktober 2020 gelangt waren. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des frühestmöglichen Renten- beginns eine leidensadaptierte Tätigkeit zu 50% zumutbar sei. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bea nstanden. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi gen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zu- verlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. E. 6 hiervor mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutachten ist insg esamt umfassend und die darin darge- legten medizinischen Zusammenhänge sowie die jeweils vor genommenen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die Gutachter habe n die Versicherte persönlich unter- sucht, eine umfassende Anamnese erhoben und gehen einlä sslich auf ihre Angaben und Be- schwerden ein. Sie setzen sich zudem fundiert mit den be i den Akten liegenden medizinischen Berichten auseinander. Ob und gegebenenfalls inwiefern der als Verdachtsdiagnose aufgeführ- ten mittelschweren Schlafapnoe isoliert betrachtet A uswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuer- kannt wurde, erscheint zwar fraglich. Wie es sich damit im Detail verhält, ist vorliegend indessen nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Entscheidend ist, dass die Gutachter ihre Einschätzung in Kenntnis der gesamten Aktenlage und nach gut dokumentierter eingehender Erhebung eigener Befunde abgaben . Dabei wurde der invalidisierenden Wirkung des erhobenen Beschwerdebilds, wie es sich zum Zeitpunkt der Begutachtung präsentierte , im Rahmen der Arbeitsfähigkeit voll- umfänglich Rechnung getragen. In diesem Kontext wurde auch die (erhöhte) Müdigkeit, welche von Seiten der Explorandin in erster Linie mit der rheumatologischen Schmerzproblematik asso- ziiert wird, hinreichend berücksichtigt. 8.3 Die Beschwerdeführerin stellt den Beweiswert des bi disziplinären Gutachtens denn auch einzig insofern in Frage, als sie eine zwischenzeitliche V erschlechterung ihres Gesundheitszu- stands geltend macht. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. In den nach dem Gutachten ergangenen Berichten finden sich weder neue Befunde oder abweichende Diagnosen noch neue medizinische Erkenntnisse. Die darin aufgeführten Diagno sen waren den Gutachtern allesamt bekannt und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkei t entsprechend berücksichtigt worden. Auch sonst lassen sich den entsprechenden Berichten keine Anhaltspunkte für eine allfällige zwischen- zeitliche Verschlechterung des Gesundheitszustands entnehmen. Vielmehr wird namentlich hin- sichtlich des Lipoms ausdrücklich ein im Vergleich zu 2019 un veränderter Zustand bestätigt. Hinzu kommt, dass sich keiner der Berichte zur Frage der A rbeitsfähigkeit äussert. Eine Ver- schlechterung lässt sich anhand der vorliegenden Akten nicht verifizieren, weshalb diese Berichte keinen Anlass zu weiteren Sachverhaltsabklärungen geben. Die Beschwerdeführerin legt sodann in keiner Weise dar, worin die konkrete Verschlechterung bestehen soll, zumal sie ihr Vorbringen auch nicht mit entsprechenden medizinischen Unterlagen untermauert. 9. Nach dem Gesagten kann hinsichtlich der Beurteilung der gesundheitlichen Verhältnisse sowie der zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vollumfänglich auf die Ergebnisse des überzeugenden bidisziplinären Gutachtens der Dres. D._ ___ und E.____ vom 30. Oktober 2020 abgestellt werden. Auf die von der Beschwerdeführerin beantragten zusätzlichen medizini- schen Abklärungen kann verzichtet werden. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswür- digung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf weitere Abklärun- gen verzichtet werden. Eine solche antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesge- richtlicher Rechtsprechung zulässig (vgl. BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 119 V 335 E. 3c in fine mit Hinweisen). 10.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen d er gesundheitlichen Beeinträchtigung (vgl. E. 4.1 ff. hiervor). Die Abklärungsperson ermittelte im Haushaltsbereich eine Einschränkung von 10,8%, was seitens der Beschwerdeführerin nicht bestritten wird. Nachdem auch sonst keine Hinweise ersichtlich sind, wonach diese Einschätzung im Rah men der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht anzuzweifeln wäre, ist von einer Beeinträchtigung von 10,8% im Haushalt auszugehen (vgl. zum Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt: AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2004, I 733/03, E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 f. E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). 10.2 Unter Berücksichtigung einer Statusaufteilung von 5 5% Erwerb und 45% Haushalt im Gesundheitsfall resultiert anhand der in der Verfügu ng berücksichtigten und nicht zu beanstan- denden Bemessungsgrundlagen ein Invaliditätsgrad von run d 33% (0.55 x 50,8% + 0.45 x 10,8%). Damit besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Bei diesem Ergebnis ist die gegen die angefochtene Verfügung vom 27. April 2021 erhobene Beschwerde abzuweisen. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ei nheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, wes- halb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihr ist allerdings mit verfahrensleitender Verfü- gung vom 22. Juli 2021 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden, weshalb die Verfah- renskosten zulasten der Gerichtskasse gehen. 11.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird kein e Parteientschädigung ausgerich- tet. Da der Beschwerdeführerin mit prozessleitender Ve rfügung vom 22. Juli 2021 auch die un- entgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreterin bewilligt worden ist, hat dessen Entschä- digung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hon orar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Versicherten ist mit Verfügung des Kantons- gerichts vom 24. August 2021 aufgefordert worden, innert unerstreckbarer Frist bis 7. September 2021 seine detaillierte Honorarnote nach Zeitaufwand einzureichen. Gleichzeitig ist er darauf hin- gewiesen worden, dass das Honorar nach Ermessen festgesetzt werde, falls bis zum genannten Termin keine Honorarnote eingehen sollte. In der Folge hat der Rechtsvertreter dem Kantonsge- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht richt keine Kostennote zukommen lassen, sodass das Honorar ankündigungsgemäss nach Er- messen festzusetzen ist. Der erbrachte Aufwand setzt sich vor liegend im Wesentlichen aus ei- nem Instruktionsgespräch mit der Mandantin, dem Verfassen der Beschwerde, welche knapp fünf Seiten umfasst, sowie zwei Kurzbriefen zusammen. Alsdann gilt es zu berücksichtigen, dass der Rechtsvertreter die Beschwerdeführerin bereits im Einwan dverfahren vertreten hatte und damit insbesondere ein vertieftes Aktenstudium entfällt. Hält man sich die erbrachten Bemühungen vor Augen, erscheint es angemessen, für diese einen Zeitaufwand von insgesamt 5 Stunden zu ent- schädigen. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'077.-- (5 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse aus- zurichten. Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'077.-- (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht