<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">ZwangsmassnahmenimAusländerrecht</span> <span class="page_no">337</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>70 Ausschaffungshaft;</b></span> <span class="ft2"><b>Verhältnismässigkeit.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Anordnung einer Ausschaffungshaft setzt das Bestehen konkreter</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Vollzugsperspektiven voraus und ist nur als letztes mögliches Mittel zur</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Durchsetzung der Ausschaffung zulässig. Unter den gegebenen Umstän-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den ist eine Inhaftierung auf unbestimmte Zeit nicht verhältnismässig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(die Durchführung von Sonderflügen wurde für unbestimmte Dauer aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gesetzt; E. II./4.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">1. April 2010 in Sachen Migrationsamt des Kantons Aargau gegen S.S. betref-</span><br/> <span class="ft3">fend Haftüberprüfung (1-HA.2010.40).</span><br/> <br/> <span class="ft3">Gegen den Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht</span><br/> <span class="ft3">hat das Bundesamt für Migration Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-</span><br/> <span class="ft3">legenheiten beim Bundesgericht (2C_402/2010) erhoben. Dieses ist auf die</span><br/> <span class="ft3">Beschwerde mit Urteil vom 16. Juni 2010 nicht eingetreten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 4. Die Haftanordnung ist nur dann zu bestätigen, wenn sie im</span><br/> <span class="ft1">konkreten Fall nicht gegen das Prinzip der Verhältnismässigkeit ver-</span><br/> <span class="ft1">stösst. Mit anderen Worten muss die Haft zur Durchsetzung der Aus-</span><br/> <span class="ft1">reiseverpflichtung notwendig sein und das letzte Mittel darstellen,</span><br/> <span class="ft1">die Ausreise zu erzwingen.</span><br/> <span class="ft1">Ohne dem Gesuchsgegner überhaupt die Möglichkeit zu gewäh-</span><br/> <span class="ft1">ren, zwecks Vorsprache vor dem georgischen Konsul selbständig</span><br/> <span class="ft1">nach Genf zu reisen, wurde eine Ausschaffungshaft angeordnet und</span><br/> <span class="ft1">eine Zwangsvorsprache vorgesehen. Dies ohne konkreten Hinweis</span><br/> <span class="ft1">darauf, dass der Gesuchsgegner einer selbständigen Vorsprache kaum</span><br/> <span class="ft1">oder sicher nicht nachkommen würde. Entscheidend ist dabei, dass</span><br/> <span class="ft1">sich der Gesuchsgegner nach seiner Rückkehr aus Deutschland den</span><br/> <span class="ft1">Behörden jederzeit zur Verfügung gehalten hat und auch problemlos</span><br/> <span class="ft1">in seiner Unterkunft angehalten werden konnte. Unter diesen Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen lag keine Veranlassung dafür vor, den Gesuchsgegner ver-</span><br/> <span class="ft1">haften und dem Migrationsamt vorführen zu lassen. Vielmehr hätte</span><br/> <span class="ft1">der Gesuchsgegner - wie in vielen anderen Fällen üblich - vorgeladen</span><br/> <span class="ft1">und aufgefordert werden können, bei seinem heimatlichen Konsul</span><br/> <span class="ft1">vorzusprechen. Aus der polizeilich erfolgten Zuführung kann jeden-</span><br/> <span class="ft1">falls nicht geschlossen werden, der Gesuchsgegner widersetze sich</span><br/> <span class="ft1">behördlichen Anordnungen.</span><br/> <span class="ft1">Abgesehen davon, dass die angeordnete Haft nicht das letzte</span><br/> <span class="ft1">mögliche Mittel zur Durchsetzung der Ausschaffung darstellt, steht</span><br/> <span class="ft1">sie auch in keinem Verhältnis zur mutmasslichen Haftdauer. Den</span><br/> <span class="ft1">Akten ist zu entnehmen, dass das Migrationsamt als einzig mög-</span><br/> <span class="ft1">lichen Ausschaffungsweg die Rückführung mittels Sonderflug sieht.</span><br/> <span class="ft1">Dies obschon sich der Gesuchsgegner zur Rückkehr nach Georgien</span><br/> <span class="ft1">bereit erklärt hat. Nachdem durch das [Bundesamt für Migration</span><br/> <span class="ft1">(BFM)] für Sonderflüge jedoch ein genereller Vollzugsstopp verfügt</span><br/> <span class="ft1">wurde und nicht absehbar ist, wann wieder Sonderflüge durchgeführt</span><br/> <span class="ft1">werden ([...] http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home/dokumentation</span><br/> <span class="ft1">/medienmitteilungen/2010/2010-03-18.html, zugegriffen am 9. April</span><br/> <span class="ft1">2010), besteht im Moment auch keine konkrete Vollzugsperspektive.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">ZwangsmassnahmenimAusländerrecht</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen wäre es unverhältnismässig den Gesuchs-</span><br/> <span class="ft1">gegner für unbestimmte Dauer zu inhaftieren.</span><br/> <span class="ft1">Festzuhalten bleibt, dass sich eine Inhaftierung schon gar nicht</span><br/> <span class="ft1">damit begründen lässt, dass das BFM eine vorgängige Inhaftierung</span><br/> <span class="ft1">bei Sonderflügen offenbar generell vorschreibt. Eine Inhaftierung ist</span><br/> <span class="ft1">nur dann zu bestätigen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen er-</span><br/> <span class="ft1">füllt sind.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>