B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4869/2019 U r t e i l v o m 7 . D e z e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am (…), und B._______, geboren am (…), mit ihren Kindern C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), und F._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 29. August 2019 / N (…). D-4869/2019 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Ehegatten A._______ (der Beschwerdeführer) und B._______ (die Beschwerdeführerin) – Staatsangehörige von Syrien arabischer Eth- nie – am 25. Februar 2016 von Österreich kommend in die Schweiz ein- reisten und noch am gleichen Tag für sich und ihre damals drei Kinder um Gewährung von Asyl in der Schweiz nachsuchten, dass sie anlässlich ihrer Einreise von der schweizerischen Grenzwacht an- gehalten worden waren, welche dabei den Reisepass des Beschwerdefüh- rers zuhanden des SEM sichergestellt hatte (vgl. dazu nachfolgend), dass die Ehegatten am 3. März 2016 zu ihrer Person und zu ihrem persön- lichen Hintergrund, zu ihren Reise - und Identitätspapieren, zu ihrem Rei- seweg und summarisch zu ihren Gesuchsgründen befragt wurden, dass sie dabei übereinstimmend vorbrachten, sie hätt en ihre Heimat vor knapp einem Monat wegen des Krieges verlassen, mithin wegen der feh- lenden Sicherheit und der Bombardierungen (vgl. SEM-Akten A5 und A6 [BzP-Protokolle], je Ziff. 7.01), dass die Beschwerdeführerin zusätzlich vorbrachte, sie hätten ihre Heimat auch wegen ihrer Tochter E._______ verlassen, da das Kind auf medizini- sche Behandlung angewiesen sei (vgl. A6, Ziff. 7.01), was vom Beschwer- deführer bestätigt wurde (vgl. A5, Ziff. 8.02), dass das Kind gemäss Aktenlage im Zeitpunkt seiner Einreise an einer schweren Entwicklungsstörung und Fehlbildungen litt, dass den Ehegatten nach ihrem ersten Vortrag eine Reihe von gezielten Nachfragen gestellt wurden, worauf sie übereinstimmend angaben, sie hät- ten zwar Kriegsereignis se miterlebt (Raketenbeschuss; die Beschwerde- führerin), in der Heimat seien sie aber weder politisch aktiv gewesen, noch hätten sie jemals Probleme mit irgendeiner Behörde, der Polizei, dem Mili- tär, einer Partei oder sonst einer Organisation gehabt, noch s eien sie je- mals in ein Verfahren verwickelt worden (vgl. A5 und A6, je Ziff. 7.02), dass der Beschwerdeführer zusätzlich zu seiner Militärdienstpflicht befragt wurde, worauf er ausführte, er habe seine Dienstpflicht schon (…) beendet, er sei aber dreimal zum Reservedienst aufgefordert worden, respektive ei- gentlich hätten ihm Freunde, welche im Militär seien, auf seine Nachfrage hin davon berichtet, dass er auf der Liste der Leute stehe, welche für die- sen Dienst gesucht würden (vgl. A5, Ziff. 7.02, F. 1–4), D-4869/2019 Seite 3 dass er in der Folge auf zweimalige Nachfrage hin bestätigte, eine offizielle Aufforderung zum Dienst habe er nie erhalten (vgl. a.a.O., F. 5), dass der Beschwerdeführer allerdings zwei Monate später – mit Eingabe an das SEM vom 3. Mai 2016 – eine Beweismittelsammlung zu den Akten reichte, welche neben verschiedenen Ausweisen auch Kopien eines an- geblichen Aufgebots als Reservist vom (…) 2014 und einer angeblichen Vorladung des militärischen Sicherheitsdienstes vom (…) 2014 enthielt (beide ausgestellt angeblich in Idlib), dass am (…) das jüngste Kind der Beschwerdeführenden geboren und vom SEM ins Verfahren seiner Eltern miteinbezogen wurde, dass die Ehegatten am 13. Juli 2017 zu ihren Gesuchsgründen angehört wurden (vgl. SEM-Akten A21 und A22 [Anhörungsprotokolle]), dass der Beschwerdeführer dabei die vorgenannten Beweismittel im Origi- nal nachreichte und geltend machte, das Aufgebot als Reservist und die Vorladung des militärischen Sicherheitsdienstes seien ihm schon zugegan- gen, als er sich noch in der Heimat aufgehalten habe, und zwar das Aufge- bot 2014 über seine Verwandten und die Vorladung 2015 durch Vermittlung der Revolutionäre (vgl. A21 F. 5–8, F. 59 ff und F. 64 ff.), dass der Beschwerdeführer gemäss den Einträgen in seinem Reisepass zwischen dem (…) 2013 und dem (…) 2013 sowie zwischen dem (…) 2014 und dem (…) 2014 immer wieder Reisen in den Libanon unternommen hat, und zwar immer über den offiziellen Grenzübergang an der syrisch-libane- sischen Grenze, welcher (… [bei]) G._______ gelegen ist ( vgl. dazu die amtlichen Aus - und Einreisestempel der syrischen und libanesischen Grenzbehörden), dass er auf diesbezügliche Nachfrage hin bestätigte, er und seine Familie hätten nach Ausbruch des Krieges unter anderem während rund eines Jah- res in Damaskus gelebt, wobei er sich in dieser Zeit auch während Mona- ten im Libanon aufgehalten habe, und in dieser Zeit sei er mehrfach prob- lemlos von Syrien in den Libanon gereist (vgl. A21 F. 35 ff. und F. 47), dass er in Damaskus allerdings einmal anlässlich einer allgemeinen Razzia angehalten und dabei auch beinahe verhaftet worden wäre, dass ihm zwar nichts Weiteres passiert sei, sie das Ereignis aber zum An- lass genommen hätten, von Damaskus in die Provinz Idlib umzuziehen (vgl. A21 F. 56 und F. 106), D-4869/2019 Seite 4 dass er ausserdem seinem Bruder H._______ während des Ramadans zur Flucht aus dem Militär verholfen habe, auch wenn er nicht mehr wisse, in welchem Jahr das gewesen sei, und ihm dabei die Todesstrafe hätte dro- hen können, wären sie erwischt worden (vgl. a.a.O., F. 49–55), dass es schliesslich im Kreis seiner Familie eine ganze Reihe von Perso- nen gebe, darunter auch Offiziere, die desertiert seien, weshalb ihre Fami- lie nur schon wegen ihres Namens bekannt sei, und darüber hinaus auch schon zwei seiner Brüder, beides (… [Fahrer]), in Haft gewesen seien, der eine vier Tage und der Andere 12 Stunden (vgl. a.a.O., F. 24 ff.), dass auch von der Beschwerdeführerin berichtet wurde, der Beschwerde- führer sei in Damaskus einmal beinahe verhaftet worden, worauf sie in die Provinz Idlib umgezogen seien (vgl. A22, F. 8 f.), dass sie im Anschluss daran vor allem über ihre Kriegserlebnisse in Idlib berichtete (vgl. a.a.O., F. 3, F. 11 ff. und F. 27 f.), wie auch über die dort herrschende, schwierige Sicherheits- und Versorgungslage, was ihre Fa- milie letztlich zur Ausreise veranlasst habe (vgl. a.a.O., F. 19 und 23), dass dies im Wesentlichen auch vom Beschwerdeführer bestätigt wurde (vgl. A21 F. 89 ff.), dass der rubrizierte Rechtsvertreter mit Eingabe an das SEM vom 24. Ja- nuar 2019 seine Mandatsübernahme bekannt gab und gleichzeitig um vor- gängige Gewährung von Akteneinsicht ersuchte, sollte das SEM einen ne- gativen Asylentscheid ausfällen wollen, dass er aber keinen negativen Entscheid erwarte, da im Falle seiner Man- danten von einer hohen Gefährdung auszugehen sei, nachdem der Be- schwerdeführer seinem Bruder zur Desertion aus dem Militär verholfen habe und sich dieser Bruder seither im Rebellengebiet aufhalte, was vom Regime als Beleg für dessen Regimefeindlichkeit gewertet werden dürfte, dass der Beschwerdeführer zudem wegen Refraktion gesucht werde, wozu er Beweismittel vorgelegt habe, und die Beschwerdeführenden auch illegal ausgereist seien, dass ausserdem neu hinzugekommen sei, dass der Bruder der Beschwer- deführerin ermordet, mithin regelrecht exekutiert worden sei, was er mit einem Internet-Link zu einem Video belegen könne, D-4869/2019 Seite 5 dass darüber hinaus die gesamte Familie der Beschwerdeführerin gesucht werde, da deren Vater (…) desertiert sei, was er durch Vorlage einer Kopie von dessen Dienstausweis belegen könne, dass der Rechtsvertreter abschliessend vorbrachte, er bitte daher um eine Befragung der Beschwerdeführenden zu den neuen Tatsachen, soweit eine solche für einen positiven Entscheid noch notwendig sein sollte, dass das SEM den Beschwerdeführenden am 31. Januar 2019 über ihren Rechtsvertreter mitteilte, auf das Akteneinsichtsgesuch werde nach Ab- schluss der amtlichen Untersuchungen zurückgekommen, dass das SEM den Beschwerdeführenden am 22. August 2019 über ihren Rechtsvertreter die ersuchte Akteneinsicht ge währte, verbunden mit der Feststellung, damit werde keine Frist zur Stellungnahme eingeräumt, da nach Abschluss der amtlichen Untersuchung grundsätzlich kein Anspruch auf Durchführung eines Schriftenwechsels bestehe, dass der Rechtsvertreter daraufhin mit Eingabe vom 26. August 2019 ans SEM gelangte (vorab per Telefax) und darum ersuchte, den Beschwerde- führenden die Möglichkeit einzuräumen, eine Stellungnahme nachzu- reichen, dass vom SEM die ersuchte Frist nicht gewährt wurde, sondern das SEM mit Verfügung vom 29. August 2019 (eröffnet am 2. September 2019) fest- stellte, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und ihre Asylgesuche ablehnte, verbunden mit der Anordnung der Wegwei- sung aus der Schweiz (vgl. Ziffn. 1–3 des Dispositivs), dass das SEM gleichzeitig wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zuges die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz anordnete (vgl. Ziffn. 4–6 des Dispositivs), dass auf die vorinstanzliche Entscheidbegründung – soweit wesentlich – nachfolgend eingegangen wird, dass die Beschwerdeführenden gegen diesen Entscheid am 20. Septem- ber 2019 – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – beim Bundesverwal- tungsgericht Beschwerde erhoben, dass sie in ihrer Eingabe die Aufhebung der angefochtenen Ve rfügung in den Ziffern 1–3 des Dispositivs, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl beantragten, eventualiter die Feststellung der D-4869/2019 Seite 6 Unzulässigkeit anstelle der blossen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zuges, subeventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und zu neuem Entscheid, dass sie in prozessualer Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht und um Bei- ordnung ihres Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand ersuchten, dass auf die Beschwerdebegründung und die mit der Beschwerde vorge- legte Beweismittelsammlung – umfassend einerseits einen Ausweis des Vaters der Beschwerdeführerin von 1986 (Kopie mit Übersetzu ng), eine den Vater betreffendes Bestätigungsschreiben der FSA von 2 012 (Kopie mit Übersetzung) und drei Videodateien zum vorgebrachten Tod des Bru- ders der Beschwerdeführerin (inkl. Übersetzung in separater Abschrift), an- dererseits eine Sammlung von Ausweisen und Fotos betreffend den Bruder des Beschwerdeführers und dessen Engagement bei den syrischen Weisshelmen – soweit wesentlich nachfolgend eingegangen wird, dass mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. No- vember 2019 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG), um Befreiung von der Kosten- vorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) und um amtliche Verbei- ständung (nach aArt. 110a Abs. 1 AsylG [SR 142.31]) wegen Aussichtslo- sigkeit der Beschwerde abgewiesen wurden, dass die Beschwerdeführenden gleichzeitig aufgefordert wurden, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– einzuzahlen, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall (Art. 63 Abs. 4 VwVG), dass der einverlangte Kostenvorschuss am 3. Dezember 2019 – und damit fristgerecht – eingezahlt wurde, dass die Beschwerdeführenden am 9. Dezember 2019 über ihren Rechts- vertreter ans Gericht gelangten und zur Hauptsache die in der Zwischen- verfügung vom 22. November 2019 gezogenen Schlüsse betreffend die mutmassliche Aussichtslosigkeit ihrer Beschwerde bemängelten, dass sie zudem unter Verweis auf zwei Länderberichte zu Syrien vom Juli 2017 und vom Juli 2019 geltend machten, in ihrem Fall sei gerade auch die Frage der Gefährdung der syrischen Weisshelme zu beachten, D-4869/2019 Seite 7 dass die Beschwerdeführenden am 6. November 2020 über ihren Rechts- vertreter mitteilen liessen, dass ihre Tochter E._______ an einem Geburts- gebrechen leide, für welches die zuständige IV-Stelle keine Leistungs- pflicht anerkennen wolle, ihr Kind aber vermutlich auf eine bessere Be- handlung hoffen könnte, wenn bald ein positiver Asylentscheid vorliege, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 26. November 2020 auf das EuGH-Urteil C -238/19 vom 19. November 2020 verweisen liessen, welches massgebliche Bedeutung für die Beurtei- lung der Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung an Re- fraktäre und Deserteure aus Syrien habe, dass sie gerade auch mit Blick darauf auf eine Gutheissun g ihrer Be- schwerde hofften, zumal in ihrem Fall zusätzliche Risikofaktoren für künf- tige politische Verfolgung sprächen, dass die Beschwerdeführenden am 28. Juni 2021 über ihren Rechtsvertre- ter eine Verfahrensstandanfrage einreichten, welche vom Bundesverwal- tungsgericht am 22. Juli 2021 beantwortet wurde, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM ist, wobei das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen im Asylbe- reich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten (BVGE 2014/26 E. 5), dass am 1. März 2019 die Änderung des AsylG vom 25. September 2015 (AS 2016 3101) abschliessend in Kraft getreten ist, im vorliegenden Ver- fahren jedoch das bisherige Recht gilt (vgl. dazu Abs. 1 der Übergangsbe- stimmungen zur genannten AsylG-Änderung), D-4869/2019 Seite 8 dass die Beschwerdeführenden legitimiert sind (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist, dass die Beschwerde indes – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht- lich unbegründet zu erkennen ist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent - scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass die Beschwerdeführenden im Rahmen ihrer Beschwerde und im Sinne eines Eventualantrages die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und Rückweisung der Sache ans die Vorinstanz verlangen, weil ihr Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt worden sei, dass sie dabei geltend machen, das SEM habe nicht nur notwendige Sach- verhaltsabklärungen unterlassen , indem es keine zusätzliche Anhörung angesetzt habe, und ihnen zudem die Möglichkeit zur vorgängigen Stel- lungnahme verwehrt, sondern es habe darüber hinaus auch noch den rechtserheblichen Sachverhalt bloss unvollständig und nicht nachvollzieh- bar zergliedert wiedergegeben, dass diese Rügen allerdings als unbegründet zu erkennen sind, da auch für das Gericht – wie nachfolgend aufgezeigt – kein weiterer Abklärungs- bedarf ersichtlich ist und das von den Beschwerdeführenden sinngemäss behauptete Recht auf eine Stellungnahme vor Erlass des Asyl- und Weg- weisungsentscheides in Verfahren nach dem vorliegend anwendbaren Recht nicht besteht, dass sich die Beschwerdeführenden gleichzeitig entgegenhalten lassen müssen, dass es ihnen während Monaten möglich gewesen wäre, die von ihnen in der Eingabe vom 24. Januar 2019 erstmals eingebrachten Vor- bringen über das angebliche Vorliegen einer Reflexverfolgungssituation zu substanziieren, dass zu den formellen Rügen schliesslich festzuhalten bleibt, dass das SEM im Rahmen der angefochtenen Verfügung die über weite Strecken unstrukturierten Gesuchsvorbringen der Beschwerdeführende n in einer geordneten Weise aufgenommen hat, was notwendig war, und sich das D-4869/2019 Seite 9 SEM anschliessend mit den Gesuchsvorbringen in einer vertieften und ins- gesamt nachvollziehbaren Weise auseinandergesetzt hat, was auch nicht zu bemängeln ist, dass nach dem Gesagten keine Gehörsrechtsverletzung ersichtlich ist und von einem in entscheidrelevanter Hinsicht hinreichend erstellten Sachver- halt auszugehen ist, da es – wie nachfolgend aufgezeigt – auch aufgrund der Beschwerdevorbringen keiner weiteren Sach verhaltsabklärungen be- darf (Art. 33 Abs. 1 VwVG), dass daher eine Rückweisung der Sache ausser Betracht fällt und das Ge- richt einen Entscheid in der Sache zu treffen hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG), dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art . 2 Abs. 1 AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimat - oder Her- kunftsstaat wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei- ner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauun- gen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden muss, wobei diese glaubhaft gemacht ist, wenn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege- ben hält, und Vorbringen insbesondere dann unglaubhaft sind, wenn sie in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf g efälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG), dass das SEM in der angefochtenen Verfügung zunächst zum Schluss ge- langt, die Vorbringen des Beschwerdeführers über den angeblichen Erhalt eines Aufgebots für den Reserv edienst und einer Vorladung des militäri- schen Sicherheitsdienstes seien als unglaubhaft zu erkennen, da weder seine diesbezüglichen Angaben und Ausführungen noch die vorgelegten Beweismittel zu überzeugen vermöchten, dass dieser Schluss vom Gericht zu bestätigen ist, da die diesbezüglichen, sehr ausführlichen Erwägungen des SEM (vgl. a.a.O., Ziff. 3a – 3d) – auf welche anste lle einer Wiederholung zu verwei sen ist (Art. 111 a Abs. 2 AsylG) – in jedem Punkt berechtigt sind, D-4869/2019 Seite 10 dass es den Beschwerdeführer mit ihren anders lautenden Beschwerde- vorbringen (gemäss Begründung Ziff. 4., Abs. 1–6) nicht gelingt, den vor- instanzlichen Schluss betreffend die Unglaubhaftigkeit dieses Vorbringens zu entkräften, dass den Beschwerdeführenden letztlich entgegenzuhalten bleibt, dass gerade die überaus intensive Reisetätigkeit des Beschwerdeführers zwi- schen (…) 2014 und (…) 2014 ein genügender Beleg dafür darstellt, dass er zu dieser Zeit mit Sicherheit weder stellungspflichtig war , noch wegen Refraktion gesucht wurde, ansonsten er in dieser Zeit nicht mehrfach und jeweils – wie von ihm beschrieben – auch völlig problemlos die syrischen Grenzkontrollen hätte passieren können, dass damit auch hinreichend gesichert ist, dass es sich beim angeblichen Aufgebot für den Reservedienst vom (…) 2014 und bei der angeblichen Vorladung des militärischen Sicherheitsdienstes (…) 2014, welche angeb- lich beide in Idlib ausgestellt wurden, um Fälschungen handelt, dass nach dem Gesagten kein Anlass zur Annahme besteht, beim Be- schwerdeführer handle es sich um einen Refraktär, dass das SEM zwar in einer Zusatzerwägung ausserdem ausführt, die be- hauptete Refraktion wäre [bei angenommener Glaubhaftigkeit] auch nicht asylrelevant (vgl. a.a.O., Ziff. 3e), zumal keine zusätzlichen einzelfallspezi- fischen Risikofaktoren vorliegen würden, dass diesem Punkt aber nach der Feststellung der Unglaubhaftigkeit des Vorbringens ohnehin keine Entscheidrelevanz zukommt, weshalb auf wei- tere Erwägungen dazu und zu den diesbezüglichen Beschwerdevorbrin- gen verzichtet werden kann, dass auf der anderen Seite mit dem SEM ebenfalls darin einig zu gehen ist, dass aufgrund der Aktenlage insgesamt nichts dafür spricht, dass der Beschwerdeführer gefährdet sein könnte, weil er angeblich seinem Bruder H._______ bei dessen Desertion geholfen habe, dass der Beschwerdeführer wegen der geltend gemachten und soweit er- sichtlich schon im Frühjahr 2013 erfolgten Desertion seines Bruders nie ein konkretes Problem bekommen hatte und auch in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen bleibt, dass er danach noch während eines Jahres un- behelligt in Damaskus gelebt hat und er in dieser Zeit auch immer wieder problemlos die syrischen Grenzkontrollen passieren konnte, D-4869/2019 Seite 11 dass damit als hinreichend gesichert zu erkennen ist, dass die syrischen Behörden dem Beschwerdeführer das Verhalten seines Bruders nie zum Vorhalt gemacht haben, und gleichzeitig davon ausgegangen werden darf, für die syrischen Behörden sei auch noch heute kein persönlicher Bezug zwischen den beiden ersichtlich, dass der Beschwerdeführer zwar mit seiner Beschwerde eine Reihe von Beweismitteln zum persönlichen Engagement seines Bruder s als Weiss- helm vorgelegt hat, aber auch damit nichts dargetan ist, was auf einen er- kennbaren persönlichen Bezug zu diesem schliessen liesse, dass es vor diesem Hintergrund auch keiner weiteren Abklärung en zum Bruder und dessen Engagement bedarf (Art. 33 Abs. 1 AsylG), dass schliesslich auch die vorinstanzliche Feststellung zu bestätigen ist, dass nach dem Beschwerdeführer auch die Beschwerdeführerin keinen fa- miliären Hintergrund erkennen lässt, der für sich alleine für eine asylrele- vante Gefährdungssituation sprechen würde, dass in diesem Zusammenhang festzuhalten bleibt, dass das SEM auf- grund der unsubstanziierten Angaben und Ausführungen in der Ein gabe vom 24. Januar 2019 auf die Durchführung einer ergänzenden Anhörung zur vorgebrachten Desertion des Vaters und zum Tod ihres Bruders durch- aus verzichten durfte (Art. 33 Abs. 1 VwVG), zumal die Beschwerdeführe- rin vor ihrer Ausreise während vieler Monate im Kreis ihrer Familie gelebt hatte und sie sich in der Folge nie auf eine mögliche Gefährdung wegen ihrer Angehörigen berufen hatte, dass die Beschwerdeführerin zwar auf Beschwerdeebene zusätzliche An- gaben gemacht und weitere Beweismittel zu ihrer Familie vorgelegt hat, dass der Tod ihres Bruders als sehr tragisches Ereignis zu bezeichnen ist, welches ihre Familie zweifellos schwer getroffen haben dürfte, dass jedoch auch mit Blick darauf kein Anlass zur Annahme besteht, die Beschwerdeführerin hätte sich aufgrund ihres familiären Hintergrundes vor Verfolgung zu fürchten, da sich das Vorbringen über die angebliche Re- flexverfolgungssituation letztlich im Wesentlichen in blossen Behauptun- gen auf der Basis von schlichten Mutmassungen erschöpft, dass das Vorbringen daneben auch deshalb nicht zu überzeugen vermag, da der Vater der Beschwerdeführerin laut den vorgelegten Beweismitteln schon 2012 desertiert sei, die Beschwerdeführerin aber noch bis zum (…) D-4869/2019 Seite 12 2014 in Damaskus wohnhaft blieb, ohne dass sie dort jemals von den Be- hörden behelligt worden wäre, dass damit auch im Falle der Beschwerdeführerin als hinreichend gesichert zu erkennen ist, dass ihr die syrischen Behörden das Verhalten ihrer An- gehörigen nie zum Vorhalt gemacht haben, und gleichzeitig davon ausge- gangen werden darf, für die syrischen Behörden sei auch noch heute kein persönlicher Bezug ersichtlich, dass damit auch in diesem Punkt nichts ersichtlich gemacht ist, was weite- rer Abklärungen bedürfen würde (Art. 33 Abs. 1 VwVG), dass schliesslich auch das Vorbringen betreffend die illegale Ausreise der Beschwerdeführenden aus Syrien nicht überzeugt, da praxisgemäss al- leine eine solche keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet, wenn – wie vorliegend – keine besondere individuelle Vorbelastung vorliegt (vgl. dazu statt vieler: BVGer -Urteile D-3015/2020 vom 22. November 2021 E. 8.5 und E-5126/2019 vom 29. Juli 2021 E. 7 [3. Absatz] m.w.H.]), dass nach dem Gesagten weder die Vorbringen über das Vorliegen einer Verfolgungssituation im Ausreisezeitpunkt noch jene über das angebliche Vorliegen objektiver und subjektiver Nachfluchtgründe überzeugen, dass bei dieser Sachlage das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt hat, dass die Anordnung der Wegw eisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist, da die Beschwerdeführenden weder über einen Aufenthaltstitel für die Schweiz noch über eine An- spruchsgrundlage auf Erteilung eines solchen verfügt (Art. 44 [erster Satz] AsylG; BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.), dass das SEM vorliegend anstelle des Wegweisungsvollzuges die vorläu- fige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeordnet hat, weil der Wegweisungsvollzug nach Syrien unzumutbar sei (Art. 44 [zweiter Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 und 4 AIG [SR 142.20]), dass die Gründe für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme im Einzelnen vom Gericht nicht näher zu prüfen sind, da die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Ar t. 83 Abs. 2-4 AIG; Unmög- lichkeit, Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit) alternativer Natur sind und D-4869/2019 Seite 13 der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die wei- tere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vor- läufige Aufnahme zu regeln ist, sobald eine der drei Bedingungen erfüllt ist, dass es daher einer Auseinandersetzung mit dem Antrag auf Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges anstelle der Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzuges nicht bedarf, zumal sich die Position der Beschwerdeführenden dadurch auch nicht ändern wü rde, nachdem die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft zu bestätigen ist, dass diesen Erwägungen gemäss die angefochtene Verfügung zu bestäti- gen und die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens den Beschwerdeführenden die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), dass die Kosten im vorliegenden Verfahren praxisgemäss auf Fr. 750.– festzusetzen sind und der am 3. Dezember 2019 in gleicher Höhe geleis- tete Kostenvorschuss zu deren Bezahlung zu verwenden ist. (Dispositiv nächste Seite) D-4869/2019 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand: