312 Obergericht, Abteilung Zivilgericht 2014 56 Art. 363 Abs. 2 Ziff. 3 ZGB Bei der Eignungsprüfung de r vorsorgebeauftragten Person ist nicht der gleich hohe Massstab anzusetzen wie bei Mandatsträgern behördlicher Massnahmen. Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes - und Erwachse- nenschutz, vom 3. April 2014 in Sachen H. S. und J. S. (XBE.2013.108). Aus den Erwägungen 4.3. Aus den V orakten geht unzweifelhaft hervor, dass der Be - schwerdeführer auf Hilfe angewiesen ist. Zu prüfen gilt es aber zunächst, ob von einer erwachsenenschutzrechtlichen Massnahme abgesehen werden kann, weil der Beschwerdeführer für den Fall seiner Hilfsbedürftigkeit rechtzeitig vorgesorgt hat und die bezeich - nete Person gewillt und in der Lage ist, die erforderlichen Unt erstüt- zungs- und Hilfeleistungen ausreichend zu erbringen bzw. ange - messen sicherzustellen. Das neue Recht legt grossen Wert auf die Subsidiarität des staatlichen Eingriffs, wonach behördliche Massnahmen nur anzu - ordnen sind, wenn die Unterstützung der hilfsbedürftigen Person nicht ausreichend durch die Familie oder Dritte sichergestellt werden kann oder von vornherein nicht ausreicht. Zusätzlich werden behörd- liche Massnahmen notwendig, wenn eine Person urteilsunfähig wird und keine oder keine ausreiche nde eigene V orsorge getroffen wurde bzw. die Massnahmen von Gesetzes wegen (Art. 374 ff. ZGB) nicht genügen (Art. 389 ZGB). Auch wenn die Zweiteilung zwischen eige- ner privater V orsorge einerseits und behördlichen Massnahmen ande- rerseits im neuen Recht ze ntral ist, lassen sich die Institutionen nicht vollständig trennen. Eine gewisse staatliche Kontrolle ist auch bei der eigenen und privaten V orsorge notwendig, um das mit dem Er - wachsenenschutzrecht bezweckte Wohl und den Schutz hilfsbedürfti- ger Personen sicherzustellen (Art. 388 Abs. 1 ZGB). So hat die Er - wachsenenschutzbehörde insbesondere bei V orsorgeaufträgen zu 2014 Zivilrecht 313 klären, ob private Hilfe genügt oder ob ein behördlicher Eingriff sich als notwendig erweist (Art. 363 Abs. 2 Ziff. 4 ZGB). Allerdings unterscheiden sich Aufgabenstellung und Betrachtungsweise der privaten V orsorge im Vergleich zu behördlichen Massnahmen. So - weit es um behördliche Massnahmen geht, ist für das Mass der Sorg - falt immer ein professionelles Handeln massgebend. Demgegen über ist bei der privaten V orsorge dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die betroffene Person den V orsorgebeauftragten wissentlich und im Besitz ihrer geistigen Kräfte ausgewählt hat. Kannte die betroffene Person gewisse Schwächen des V orsorgebeauftragten, hat sie di ese bewusst in Kauf genommen, weshalb diese auch bei der zu erwarten- den Sorgfalt zu berücksichtigen sind. Im Zusammenhang mit der Vermögensvorsorge ist daher in erster Linie zu klären, ob die Schwächen der beauftragten Person und die Besonderheiten bezüg - lich der Vermögensverwaltung tatsächlich dem Willen der betroffe - nen Person entsprechen, oder ob sich die Lage – nicht der Wille der betroffenen Person – seit der Errichtung des V orsorgeauftrags erheb- lich verändert hat und die Fähigkeiten der beauftragte n Person nicht mehr die gleichen sind ( GEISER, Vermögenssorge im Erwach senen- schutz, ZKE 5/2013 S. 329 ff., N. 1.2 ff., 2.2 und 3.2). Bei der Eignungsprüfung des V orsorgebeauftragten ist somit nur dann vom Willen des Auftraggebers abzuweichen, wenn offen sicht- lich ist, dass die bezeichnete Person ihren Aufgaben nicht gewachsen ist (Botschaft , a.a.O, S. 7027). Bis dahin darf die Erwachsenen - schutzbehörde aufgrund des Selbstbestim mungsrechts des Auftrag - gebers von dessen Willen nicht abweichen bzw. nicht einschreiten, selbst wenn es besser geeignete Personen gäbe ( RUMO-JUNGO, in: Basler Kommentar, Erw achsenenschutz, Basel 2012, N. 25 zu Art. 363 ZGB). 4.4. 4.4.1. In den Akten befinden sich ein handschriftlicher V orsorgeauf - trag vom 8. April 2013 (Beilage der Eingabe vom 15. April 2013), eine notariell beglaubigte Generalvollmacht vom 21. November 2012 (Beschwerdebeilage 6) sowie eine V orsorgevollmacht vom 15. Feb- ruar 2010 (Beilage 6 zum Aufhebungsgesuch der Beistandschaft vom 314 Obergericht, Abteilung Zivilgericht 2014 5. April 2013). In all diesen Dokumenten bringt der heute nicht mehr urteilsfähige Beschwerdeführer den Willen zum Aus druck, dass im Falle seiner Urteilsunfähigkeit die Beschwerdeführe rin über seine persönlichen und finanziellen Angelegenheiten bestim men soll. Sollte sich eines oder mehrere dieser Dokumente als gültiger V orsor- geauftrag herausstellen, ginge dieser einer neurechtlichen Massnah - me vor und es wäre an die Eignungsvoraussetzungen der Beschwer - deführerin als V orsorgebeauftragte ein tieferer Massstab anzusetzen als an eine Beiständin bzw. die Beschwerdeführerin wäre nur bei offensichtlicher Ungeeignetheit als V orsorgebeauftragte abzulehnen. Auch wenn ein V orsorgeauftrag vor dem Inkrafttreten des neuen Erwachsenenschutzrechts keine Wirkungen nach Art. 360 ff. ZGB entfalten konnte – was nicht heisst, dass er nach früherem Recht gar keine Wirkungen hatte – bestand bereits vor dem 1. Januar 2013 die Möglichkeit, einen neurechtlichen V orsorgeauftrag zu errichten. Die- ser ist durch die Erwachsenenschutzbehörde auch im Rahme n der Überführung einer bereits angeordneten Massnahme in eine neu - rechtliche zu prüfen und auf die Umwandlung der Massnahme allenfalls zu verzichten (Art. 1 Abs. 2 SchlT ZGB; GEISER, in: Fam- Kommentar, Erwachsenenschutz, Bern 2013, N. 24 zu Art. 14 und 14a SchlT ZGB; WIDMER BLUM, in: Handkommentar zum Schwei - zer Privatrecht, Zürich 2012, N. 28 zu Art. 360 ZGB mit weiteren Verweisen; REUSSER, in: Basler Kommentar, Er wachsenenschutz, Basel 2012 N. 30 f. zu Art. 14 SchlT). 57 § 65a Abs. 4 EG ZGB Der Bundesgesetzgeber hat die Regelung betreffend Parteientschädigung den Kantonen überlassen. Im Kanton Aargau besteht hinsichtlich des Er - wachsenenschutzverfahrens grundsätzlich weder im Einführungs gesetz zum Schweizerischen Zivilgesetz buch und Partnerschaftsgesetz noch im subsidiär anwendbaren Recht eine gesetzliche Grundlage für einen An - spruch auf Entschädigung gegenüber dem Staat.