B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4003/2011 U r t e i l v o m 2 5 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter François Badoud, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch Peter Huber, Fürsprecher, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Juni 2011 / N (…). E-4003/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der aus B._______ (Jaffna Distrikt, Nordprovinz) stammende und der t a- milischen Ethnie zugehörende Beschwerdeführer stellte am 19. Juni 2000 in der Schweiz ein erstes Asylgesuch. Dieses begründete er im Wesentl i- chen mit einer Verfolgung durch die sri-lankische Armee, welche ihn au f- grund des Verdachts der Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) mehrmals festgenommen und – meist kurzzeitig – festgehalten habe. Das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute BFM) lehnte das Gesuch mit Verfügung vom 26. September 2000 und der Begründung ab, dass die Verfolgungsvorbringen mangels flüchtlingsrechtlicher Beachtlichkeit den Anforderungen von Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht genügten und der Beschwerdeführer daher die Flüch t- lingseigenschaft nicht erfülle. Gleichzeitig ordnete das BFM die Wegwe i- sung an und erkannte deren Vollz ug als zulässig, zumutbar und mö glich. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. B. Ein an das BFF gerichtetes Wiedererwägungsgesuch des Beschwerd e- führers vom 13. November 2000 wies das Bundesamt mit Verfügung vom 13. Dezember 2000 ab. Auf eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 9. Januar 2001 trat die damalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil vom 13. Februar "2000" (recte: 2001) nicht ein. C. Auf ein an das BFF gerichtetes zweit es Wiedererwägungsgesuch vom 3. Februar 2003 trat das Bundesamt mit Verfügung vom 18. Februar 2003 und der Begründung nicht ein, dass im Gesuch keine nachträglich verä n- derte Sachlage geltend gemacht werde . Die Verfügung erwuchs unange- fochten in Rechtskraft. D. Am (…) März 2003 wurde die Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka auf dem Luftweg zwangsweise vollzogen. E. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen He i-E-4003/2011 Seite 3 matstaat am 20. September 2008 erneut und reiste am 28. Septe m- ber 2008 in die Schweiz ein. Am 29. September 200 8 stellte er im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein zw eites Asylg e- such. Anlässlich der Kurzbefragung vom 1. Oktober 2008 im EVZ und der Anhörung vom 27. Oktober 2008 zu den Asylgründen machte er im W e- sentlichen Folgendes geltend: Nach seiner Rückkehr nach Sri Lanka im Jahre 2003 habe er Wohnsitz in C._______ (Jaffna Distrikt) genommen und sei zusammen mit seinem Freund D._______ teilhabender Geschäftsführer einer Kommunikation s- firma gewesen. Daneben habe er – mehr oder weniger unfreiwillig – bis 2006 die LTTE unterstützt, indem er sich an Plakataktionen, Festdekora- tionen und Nahrungsmittelsammlungen beteiligt habe. Im September 2006 sei sein ebenfalls in der Kommunikationsbranche tätiger Freund E._______ von Leuten in Zivil mitgenommen und getötet worden. Weil der Beschwerdeführer selber in der Folge versc hiedentlich von Arme e- soldaten betreffend Kontakte mit de n LTTE und deren Kommunikation s- aktivitäten in seinem Geschäft befragt worden sei und er das gleiche Schicksal wie E._______ befürchtet habe, sei er aus der Firma ausgetre- ten und habe fortan im Eisenwarenladen von F._______, dem Mann einer Cousine und Mitglied der UNP (United National Party) sowie LTTE - Unterstützer, gearbeitet. Dieser letztere sei am 21. Dezember 2007 von Armeesoldaten getötet worden. Am 28. Dezember 2007 sei er (Be- schwerdeführer) beim örtlichen Tempel – in diesem sei er Führ ungsmit- glied gewesen – gezielt beziehungsweise im Rahmen einer Razzia von Soldaten der sri-lankischen Armee aufgrund des Verdachts der LTTE - Unterstützung verhaftet und bis am 26. Mai 2008 in einem Armee-Camp festgehalten worden. Während dieser Zeit sei er regelmässig zu mu t- masslichen LTTE-Mitgliedern befragt und misshandelt worden; dabei h a- be er Besuche der LTTE in seiner Firma und gewisse erzwungene Hilf e- leistungen für die LTTE eingeräumt. Auch sei er manchmal mit verbunde- nen Augen an verschiedenen unbekannten Orten Menschengruppen vo r- geführt worden, mit dem Ziel, ihn als mögliches LTTE -Mitglied zu identifi- zieren. Die Freilassung sei mangels Beweisen und aufgrund von U n- schuldsbezeugungen von Drittpersonen beziehungsweise aufgrund der Intervention von Tempelmitgliedern erfolgt. Noch am gleichen Tag und mehrmals später sei er von Armeesoldaten gesucht worden , weshalb er sich bei einem Bekannten versteckt gehalten habe . Dies habe ihn zum Entschluss zur Ausreise bewogen, zu welchem Zweck er einen Schlepper beauftragt habe. Am 24. August 2008 sei er weggezogen, zwei Tage spä- ter via G._______ und H._______ nach Negombo gelangt und am 20. E-4003/2011 Seite 4 September 2008 nach Colombo weitergereist, von wo er mit einem g e- fälschten, nicht auf s eine Identität lautenden Reisepass auf dem Luftweg via I._______ nach Italien und in der Folge auf dem Landweg illegal in die Schweiz gelangt sei. In C._______ lebten noch seine Mutter – der Vater sei bereits im Jahre (…) gestorben – und eine verheiratete Schwester. Ein Bruder sei seit (…) in Sri Lanka versc hollen. Ein weiterer sei (…) ins Ausland gereist und seither sei der Kontakt abgebrochen. Weitere (…) Geschwister seien in der Schweiz aufenthaltsberechtigt. Fragen nach ir- gendwelchen weiteren vorgängigen Auslandaufenthalten (abgesehen von den beiden Reisen in die Schweiz) beantwortete der Beschwerdeführer zunächst übereinstimmend mit einem klaren "Nein", um auf Vorhalt des Ergebnisses einer zwischenzeitlichen Abklärung in Ö sterreich (Asylg e- such am […] 2000; Verfahrenseinstellung am […] 2000) schliesslich den Aufenthalt dort als Asylbewerber vor der ersten Einreise in die Schweiz einzuräumen. Den Ausgang des Verfahrens in Österreich habe er de s- halb nicht abgewartet, weil er d ort – im Gegensatz zur Schweiz – keine Verwandten gehabt habe. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer seine Identitätskarte, einen Internetbericht betreffend die Tötung von F._______ durch Unbekannte sowie einen solchen betreffend die Tötung des (angeblichen) Bruders von F._______ (J._______) – einem Fernsehjournalisten – zu den Akten; letz- terer habe ihn während der Inhaftierung im Armee -Camp mehrmals b e- sucht. Einen eigenen Reisepass habe er im Übrigen nie besessen oder beantragt. F. Mit Schreiben des BFM vom 5. Januar 2009 wurde der Beschwerdeführer unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht zur Einreichung eines amtl i- chen, seine fünfmonatige Haft beglau bigenden Dokumentes bis zum 30. Januar 2009 aufgefordert. Am letzten Tag der vom BFM antragsgemäss bis zum 13. März 2009 e r- streckten Einreichungsfrist gab der Beschwerdeführer eine vom 5. Febru- ar 2009 datierende Bestätigung des Tempelvorsitzenden zu den Akten, gemäss welchem der Beschwerdeführer zugunsten des Tempels aktiv gewesen, vom 28. Dezember 2007 bis zum 26. Mai 2008 im Armee - Camp festgehalten und auf Intervention der Tempelverantwortlichen schliesslich freigelassen worden sei. E-4003/2011 Seite 5 Unter Hinweis auf die fehlende Amtlichkeit des eingereichten Dokume n- tes wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben des BFM vom 24. März 2009 zur Einreichung eines rechtsgenüglichen Dokumentes erneut Frist bis 23. April 2009 gesetzt. Mit Schreiben vom 21. April 2009 teilte der Beschwerdeführer dem BFM mit, dass sich die Dokumentenbeschaffung aufgrund der Kriegslage schwierig gestal te. Die Inhaftierungsbestätigung des Militärs sei jedoch nunmehr auf dem Weg in die Schweiz. Er wünsche eine Fristerstreckung um einen weiteren Monat. Das BFM beliess das neuerliche Fristerstreckungsgesuch unbeantwortet, unternahm aber einstweilen keine auf einen Verfahrensabschluss gerich- teten Schritte. Mit Eingabe vom 13. Oktober 2009 reichte der Beschwerdeführer eine vom (…) Mai 2009 datierende und auf Wunsch der Mutter des Beschwer- deführers ausgestellte Bestätigung des Dorfvorstehers von B._______ ein. Dieser bestätigt darin, dass der Beschwerdeführer gemäss Mitteilung seiner Mutter vom 28. Dezember 2007 bis zum 26. Mai 2008 bei der sri- lankischen Armee inhaftiert gewesen sei. G. Das BFM stellte mit Verfügung vom 1. Juni 2011 – eröffnet am 15. Juni 2011 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegwe i- sung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an . Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides qualifizierte es die geltend gemachten Ver- folgungsvorbringen als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sachverhalts und jenen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügend. Die Wegweisung stelle die Regelf olge der Ablehnung eines Asylgesuchs dar und der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Auf die detaillierte Begründung der Verfügung wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. H. Mit Beschwerdeeingabe vom 15. Juli 2011 beantragt der Beschwerdefüh- rer die Aufhebung der Verfügung vom 1. Juni 2011, die Gewährung von Asyl sowie eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumut-E-4003/2011 Seite 6 barkeit des Wegweisungsvollzuges. Auf die Begründung wird, soweit w e- sentlich, in den Erwägungen eingegangen. I. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 19. Juli 2011 den Eingang der Beschwerde und stellte in Aussicht, zu einem sp ä- teren Zeitpunkt darauf zurückzukommen. J. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. Februar 2013 wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 20. Februar 2013 eingeladen. Das BFM beantragt mit Vernehmlassung vom 6. Februar 2013 und unter Hinweis auf seine bisherigen Standpunkte und Erwägungen die Abwei- sung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 7. Februar 2013 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachg ebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. E-4003/2011 Seite 7 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht . Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimi ert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelte n namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtli ngseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides qualifizierte das BFM die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als den Anforderu n- gen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden E-4003/2011 Seite 8 Sachverhalts und jenen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche B e- achtlichkeit nicht genügend, weshalb der Beschwerdeführer die Flü cht- lingseigenschaft nicht erfülle. So sei es unlogisch, dass dieser am 26. Mai 2008 nach fünfmonatiger Haft von den Sicherheitskräften unter Aushä n- digung seines Identitätsausweises freigelassen und am selben Abend un- ter demselben Verdacht der LTTE -Zugehörigkeit wieder gesucht worden sei. Ferner erscheine die angeblich ohne jegliche Kontrollen erlebte Reise vom August 2008 nach Negombo erfahrungswidrig , und diesbezüglich habe er sich überdies betreffend die verwendeten Verkehrsmittel (Boot beziehungsweise Motorrad) widersprochen. Widersprüchlich und zeitlich inkohärent präsentierten sich sodann die Aussagen hinsichtlich der Ve r- haftung und Tötung von E._______ im September 2006 und dem damit in Zusammenhang stehenden Austritt aus beziehungsweise der Schlies- sung der Kommunikationsfirma. Im Weiteren müsse das Vorbringen, w o- nach J._______ den Beschwerdeführer während seiner Haft mehrmals besucht habe, als ohne zwingenden Grund bei der Asylanhörung nac h- geschoben betrachtet werden, zumal der Internetartikel betreffend die Tö- tung von J._______ bereits im EVZ vorgelegt worden sei . Gleichsam nachgeschoben erschienen die angeblich in der Haft erlittenen massiven Folterungen und Vorführungen, welche angesichts der ihnen beigeme s- senen zentralen Bedeutung zumindest ansatzwe ise bei der Erstbefr a- gung hätten erwähnt werden müssen. Die beiden als Beweismittel zu den Akten gegebenen Internetberichte beträfen den Beschwerdeführer nicht persönlich und beinhalteten auch keine entsprechenden Hinweise. Ebe n- so seien die Bestätigungen d er Tempelbehörde und des Dorfvorstehers zum Beweis der fünfmonatigen Haft nicht geeignet, da beide Stellen nicht kompetent für einen solchen Aussageinhalt seien; abgesehen davon sei deren Beweiswert angesichts der notorisch problemlos möglichen Erhält- lichmachung solcher Dokumente gegen Entgelt gering. Unter Berücksich- tigung der seit de m Ende des Bürgerkrieges veränderten Situation in Sri Lanka sei überdies die geltend gemachte Bedrohungslage flüchtlings- rechtlich nicht mehr relevant. Der Beschwerdeführer habe ferner nie eine Zugehörigkeit zur LTTE behauptet, sondern einzig niederwertige Unte r- stützungsleistungen in Form des Aufhängens von Plakaten , des Dekorie- rens von Strassen und des Sammelns von Nahrungs mitteln im Zeitraum von 2003 bis 2006 geltend gemacht. Auch bestünden keine Hinweise auf ein aktuell bestehende s Verfolgungsinteresse der sri -lankischen Behö r- den an seiner Person, zumal er ein bloss geringes politisches Profil au f- weise. Mithin habe er keine begründete Furcht vor aktueller oder künftiger flüchtlingsrechtlich bedeutsamer Verfolgung in Sri Lanka. E-4003/2011 Seite 9 4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer zur Erklä- rung verschiedener vom BFM erkannter Ungereimtheiten (so insbesonde- re betreffend di e Verhaftung und Tötung von E._______ im September 2006 und betreffend die Umstände der Reise vom August 2008 nach N e- gombo) auf Verständigungs probleme, Übersetzungs - und Protokolli e- rungsfehler sowie Missverständnisse bei der Erstbefragung und bei der Asylanhörung aufmerksam. Solche gingen teilweise aus den Protokollen selber hervor ( Insistierungen und Reaktionen des Beschwerdeführers während der Befragung beziehungsweise Anhörung oder anlässlich der Rückübersetzungen) oder die Unstimmigkeiten seien unbekann ter Ursa- che. Jedenfalls gehörten solche Ungereimtheiten im Rahmen forens i- scher Befragungssituationen mit Übersetzung und Protokollierung pra k- tisch zur Tagesordnung und dürften dem Beschwerdeführer nicht vorge- worfen werden. Insbesondere habe er die Verhaftu ng und Tötung von E._______ im September 2006 zwar hinsichtlich der Daten scheinbar w i- dersprüchlich, aber im Ablauf doch kohärent dargelegt , weshalb es über- spitzt formalistisch wäre, ihm diesen Widerspruch zur Last zu legen. Auch sei zu beachten, dass er f ür die Reise nach Negombo die teuren Dienste eines Schleppers in Anspruch genommen habe, um Kontrollen umgehen zu können. Die festgestellten Widersprüche bei der Verwendung der Ver- kehrsmittel auf dieser Reise nach Negombo seien vermeintlicher Art, da es si ch zum Teil um blosse Konkretisierungen vorgängiger Angaben handle und – angesichts der tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten – abermals um manifeste Missverständnisse handeln müsse. Im Weiteren sei der Vorwurf verspäteter Geltendmachung wesentlicher Vorbr ingen unberechtigt, da er bei der Erstbefragung zur Kürze angehalten worden sei, konkrete Fragen zum zentralen Ereignis der Haft unterblieben seien und er davon habe ausgehen dürfen, dass der ihn befragende Sri Lanka - Spezialist über Haftrealitäten von fest genommenen LTTE-Anhängern Be- scheid wisse; zudem habe er seine Hafterlebnisse bei der Anhörung zu den Asylgründen detailreich und stringent darlegen können. Sodann sei es vor dem Hintergrund der damaligen politischen und militärischen G e- schehnisse in der Sc hlussphase des Bürgerkrieges durchaus möglich und plausibel, dass er noch am Tag seiner Haftentlassung schon wieder gesucht worden sei, zumal er wegen seiner propagandistischen Aktivit ä- ten und persönlichen Beziehungen zur LTTE von der Armee als LTTE - Aktivist betrachtet worden sei. Denkbar seien auch eine gegen ihn ang e- wendete Zermürbungstaktik oder das Motiv der Erpressung von Geldlei s- tungen zur erneuten Freilassung. Aufgrund der somit glaubhaft gemac h- ten Vorbringen habe er wegen seiner Sympathisantentätigkeit für die LTTE und seiner Beziehungsnähe zu diesen schwere Verfolgung erlitten E-4003/2011 Seite 10 und begründete Furcht, weitere Inhaftierungen und Misshandlungen s o- wie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken würden, zu erleiden. Dabei bestreite er nicht, dass die LTTE keine unmi t- telbare Bedrohung für ihn mehr darstellten und er auch nicht zum primär exponierten Personenkreis ehemaliger LTTE -Kader und –Kämpfer gehö- re. Aus der Sicht der Armee sei er aber LTTE -Aktivist und als solcher stigmatisiert, dies insbesondere aufgrund seiner gegenüber der Armee eingeräumten Eigenschaften als Mitbetreiber einer Kommunikationsfirma mit LTTE -Kundenkontakten, als Hilfeleister zugunsten der LTTE , aber auch als Führungsmitglied des örtlichen Tempels. Zu berücksichtigen sei- en ebenso seine engen Verbindungen zu Verwandten und Bekannten, die für die Unterstützung der LTTE ihr Leben gelassen hätten (E._______, F._______, J._______), sowie der Umstand, dass nahe Famili enmitglie- der und er selber auch zuvor bereits einmal aus Sri Lanka geflüchtet se i- en und – gerade im Falle der Gastlanddestination Schweiz – unter dem Verdacht stünden, sich im Exil am Wiederaufbau der LTTE beteiligt zu haben. Er habe somit Anspruch auf Zue rkennung der Flüchtlingseige n- schaft. 4.3 In seiner die Beschwerdeabweisung beantragenden Vernehmlassung vom 6. Februar 2013 verweist das BFM auf seine bisherigen Standpunkte und Erwägungen, ohne auf den Beschwerdeinhalt substanziell näher ei n- zugehen. 5. Das BFM hat gesetzes - und praxiskonform erkannt, dass die vom B e- schwerdeführer geltend gemachten Benachteiligungen und Befürchtu n- gen den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sachverhalts beziehungsweise jenen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen. Auf die betreffenden, unter E. 4.1 (oben) zusammenfassend wiedergegebenen Erwägungen gemäss angefochtener Verfügung kann – vorbehältlich nachfolgend zu erörternder Einschränkungen – zur Vermeidung von Wie- derholungen verwiesen werden. Die diesbezügliche n Gegenargumentati- onen auf Beschwerdestufe, soweit sie nicht ohnehin in blossen Bekräft i- gungen und Gegenbehauptungen bestehen, vermögen nicht zu überzeu- gen. 5.1 Die hinsichtlich der vorinstanzlichen Un glaubhaftigkeitserkenntnisse unternommenen Entkräftungs- und Erklärungsversuche misslingen, stel- len weitgehend Schutzbehauptungen dar oder entbehren ihrer Durc h-E-4003/2011 Seite 11 schlagskraft. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Tatsache einer mit der gebotenen Zurückhaltung vorzunehmenden Glaubhaftigkeitswür- digung von Wortprotokollen, die im Rahmen von Befragungen und Anh ö- rungen mit fremdsprachigen Personen aus einem zudem häufig kulturel l, ethnisch, sozial oder religiös gänzlich anderen Herkunftsumfeld angefe r- tigt wurden, durchaus bewusst. Der Beweiswert solcher Protokolle ist d a- her zum Vornherein stets gewissen und einzelfallgerecht zu ermittelnden Einschränkungen unterworfen. Der Hinweis des Beschwerdeführers auf zahlreich aufgetretene und gar als notorisch zu betrachtende Verständ i- gungsprobleme, Übersetzungs - und Protokollierungsfehler sowie Mis s- verständnisse zur Erklärung der Ungereimtheiten kann in der vorgele g- ten, weitgehend pauschal bleibenden Form und der auffallenden Häufig- keit aber nicht anerkannt werden. Eine Relativierung der vorinstanzlichen Erwägungen ist immerhin darin vorzunehmen, dass zwischen der anfäng- lichen Aussage der Tötung von E._______ am 7. September 2006 (vgl. D16 S. 2) und der späteren Behauptung einer Verhaftung von E._______ am 9. September 2006 (a.a.O. S. 3) nicht ein Widerspruch im eigentl i- chen Sinn zu erkennen ist, da kein vernünftig denkender Mensch eine solche zeitliche Abfolge auf Vorhalt hin bekräftigen würde. Es handelt sich dabei aber um zwei Aussagen unter zahlreichen solchen hinsichtlich der Verhaftung und Tötung von E._______ und dem damit in Zusammenhang stehenden Austritt aus beziehungsweise der Schliessung der Kommun i- kationsfirma des Beschwerdeführers, die eine offensichtliche und wiede r- holte Inkohärenz im vorgebrachten chronologischen Ereignisablauf offe n- legen und eben aus diesem Grund ihrer Glaubhaftigkeit entbehren. Die Annahme eines in einer solchen Erkenntnis bestehenden überspitzten Formalismus kann nicht nachvollzogen werden. Auch die weiteren Erkl ä- rungsversuche des Beschwerdeführers, vorab be treffend die Ungereim t- heiten im Zusammenhang mit de r Reise nach Negombo (Inanspruch- nahme der Dienste eines Schleppers; Berücksichtigung der örtlichen G e- gebenheiten; blosse Konkretisierungen vorgängiger Angaben), verfangen nicht und sind als Schutzbehauptungen zu werten. Aufgrund der Reise- schilderungen und nachträglichen Sachverhaltsanpassungen dräng t sich vielmehr der Schluss auf, dass der Beschwerdeführer die Reise nicht in der geltend gemachten Art und Weise und nicht als Folge einer flüch t- lingsrechtlich begründeten Ausreiseabsicht unternommen hat . Auch die gegen den Vorwurf der nachgeschobenen Geltendmachung wesentlicher Asylvorbringen eingewendeten Argumente sind nicht stichhaltig. Selbst in Berücksichtigung des summarischen Charakters der Erstbefragung kann nicht nachvollzogen werden, dass der Beschwerdeführer zwar das Ve r- folgungsschicksal von Drittpersonen sowie die ursächlichen Hintergründe E-4003/2011 Seite 12 der eigenen mehrmonatigen Inhaftierung bei der Befragung im EVZ sub- stanziiert vorbringt, die dabei angeblich erlittenen Misshandlungen aber trotz ihrer zentralen und den Ausreiseentschluss behauptungsgemäss entscheidend beeinflussenden Bedeutung gänzlich unerwähnt be lässt und erst in der Anhörung vorbringt. Der Einwand , es seien hierzu bei der Erstbefragung keine konkreten Fragen gestellt worden, kann angesichts der von ihm klar verneinten Frage nach weiteren Verfolgungsgründen nicht gehört werden. Dabei ist zu berück sichtigen, dass der Beschwerde- führer im Rahmen der Einleitung zur Erstbefragung unmissverständlich auf seine Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht wurde (vgl. vorinstanz- liche Akten D1 S. 2). Aus demselben Grund verfängt auch sein Erkl ä- rungsversuch nicht, er habe angenommen, der Befrager wisse über Haft- realitäten von festgenommenen LTTE-Anhängern schon Bescheid. Weite- re Erörterungen hierzu können unterbleiben. Die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel (zwei Inter- netberichte sowie zwei Bestätigungen der Tempelbehörde und des Dor f- vorstehers betreffend die fünfmonatige Haft) zeichnen, wie vom BFM rich- tig erkannt, kein von der festgestellten Unglaubhaftigkeit de s Verfol- gungssachverhalts abweichendes Bild. Es kann auf die Beweismittelwü r- digung durch das BFM verwiesen werden. Erwähnenswert bleibt unter Bezugnahme auf den Internetbericht betreffend die Tötung des Fernse h- journalisten J._______, dass sich der Beschwerdeführer nicht dazu ve r- anlasst sah, dessen Haftbesuche im Armee -Camp trotz Abgabe des B e- weismittels in der Erstbefragung geltend zu machen , das Sachverhalt s- element demgegenüber in der Anhörung zu den Asylgründen nachschob. Betreffend die mit erheblicher Verzögerung nachgereichte Bestätigung des Dorfvorstehers von B._______ erstaunt im Übrigen, dass das Dok u- ment mit Schreiben des Beschwerdeführers vom 21. April 2009 noch als Inhaftierungsbestätigung des Militärs angekündigt wurde, letztendlich aber vom (für Haftbestätigungen nicht zuständigen) Dorfvorsteher stammt und das Datum erst vom (…) Mai 2009 trägt. Aus dem Inhalt der Bestät i- gung geht zudem klar hervor, dass die Bestätigung nicht auf eigenen A k- ten oder Wahrnehmungen des Dorfvorstehers, sondern auf einer Mitte i- lung der Mutter des Beschwerdeführers beruht, deren Aussage der Dorf- vorsteher nur zu Papier gebracht hat. Beweiswert und -tauglichkeit dieses Dokumentes, wie im Übrigen auch der Tempelbestätigung, sind daher ge- ring. Im Weiteren ist mit der Vorinstanz (vgl. Verfügung S. 3 unten) festzuhal- ten, dass es sich bei den erkannten Unstimmigkeiten im Sachvortrag des E-4003/2011 Seite 13 Beschwerdeführers um eine blosse, aber für die Unglaubhaftigkeitse r- kenntnis durchaus zureichende Auswahl aus einer Vielzahl solche r han- delt. Angesichts des Erwogenen erübrigt es sich, auf die weiteren Un- stimmigkeiten näher einzugehen. Immerhin bleibt anzumerken, dass die persönliche Glaubwürdigkeit de s Beschwerdeführers durch dessen auf Vorhalt hin eingestandenes Verschweigen eines früheren Asylgesuchs in Österreich zusätzlich beeinträchtigt ist. 5.2 Unter dem Aspekt der Frage der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit hält das BFM in der angefochtenen Verfügung fest, für den Beschwerd e- führer bestehe keine begründete Furcht im Sinne von Art. 3 AsylG vor ak- tueller oder künftiger flüchtlingsrechtlich bedeutsamer Verfolgu ng in Sri Lanka. Dabei verweist es einerseits auf die Situationsveränderung seit der Niederschlagung der LTTE im Mai 2009 und dem damit beendeten Bürgerkrieg und auf die fehlende aktive oder gar führende Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur LTTE. Diese sachverhaltlichen Feststellungen und darauf basierenden Erkenntnisse werden als solche ausdrücklich nicht bestritten und sind auch nicht zu beanstanden. Der Beschwerdefüh- rer hat denn auch übereinstimmend bloss niederwertige Unterstützung s- leistungen für die LTTE in Form des Aufhängens von Plakaten, des Sammelns von Nahrungsmitteln und verschiedener Dekorierungsarbeiten im Zeitraum von 2003 bis 2006 geltend gemacht. Er macht jedoch in A b- weichung zur Einschätzung des BFM ein aktuell dennoch bestehende s staatliches Verfolgungsinteresse und mithin eine begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Benachteiligungen insofern geltend, als er aufgrund seiner persönlichen Beziehungen zu den LTTE (Verbindun- gen insb. zu E._______, F._______ und J._______, die für die Unterstüt- zung der LTTE ihr Leben gelassen hätten, sowie zu ausgereisten Famil i- enmitglieder, die – wie er selber auch – dadurch unter dem Verdacht stünden, sich im Exil am Wiederaufbau der LTTE beteiligt zu haben) und angesichts seiner den Behörden bekannten Eigenschaften als Mitbetre i- ber einer Kommunikationsfirma mit LTTE -Kundenkontakten und als Fü h- rungsmitglied des örtlichen Tempels in den Augen der sri -lankischen Be- hörden das Stigma eines LTTE -Aktivisten aufweise. Er masst sich damit jedoch ein au genfällig überzeichnetes Profil und behördliches Verfo l- gungsinteresse an ihm an. Einen verfolgungsrelevanten Hintergrund se i- ner Beziehungen zu E._______, F._______ oder J._______ vermochte er, wie zuvor gesehen , nicht glaubhaft zu machen und die Qualität d er Beziehungen (Bekannter aus der Kommunikationsbranche, Ehemann e i- ner Cousine sowie der Bruder des letz tgenannten) reichen für die A n- scheinerweckung eines eigenen Verdachtsprofils selbst dann nicht aus, E-4003/2011 Seite 14 wenn diesen angeblichen Bezugspersonen aus eigenen Gründen eine Beziehungsnähe zu den LTTE zuzuschreiben wäre. Dasselbe gilt hi n- sichtlich des blossen Aufenthaltes in einem Land, aus dem exilierte Landsleute den LTTE bekanntermassen schon finanzielle Unterstützungs- leistungen haben zukommen lassen. Der Beschwerdeführer gehört au f- grund der gesamten vorliegenden Akten und Umstände keiner Persone n- gruppe an, die seit Beendigung des militäri schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt wäre (siehe die ausführliche Darstellung der Person engruppen im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 E. 8). 5.3 Aufgrund des Gesagten ist festzuhalten, dass der vom Beschwerd e- führer präsentierte Verfolgungssachverhalt weitgehend überwiegend u n- wahrscheinlich und damit unglaubhaft ist und in seinen übrigen Teilen keine flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit aufweist. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM das Bestehen einer Verfolgungssituation des Beschwerdeführers und mithin dessen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint hat. De m- entsprechend ist die Beschwerde betreffend den Antrag auf Asylgewä h- rung abzuweisen. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichti gt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Ar t. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). E-4003/2011 Seite 15 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gle iche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder e rniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europä i- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN - Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete G e- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall ei- ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde E-4003/2011 Seite 16 (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies gelingt ihm nicht. Der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefahr einer EMRK-widrigen Behandlung für Tamilen, die aus einem e u- ropäischen Land nach Sri Lanka zurü ckkehren müssen, befasst (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2 mit weiteren Hinweisen). Der Gerichtshof unte r- streicht dabei, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, z u- rückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; eine entspr e- chende Risikoeinsch ätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse. A ls derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich A s- pekte wie eine frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftb e- fehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kauti onsauflagen, die Unterzeich- nung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, we l- cher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungszentrum gelte, das Fehlen von ID-Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Au s- land oder die Verwandtschaft mit einem LTTE -Mitglied. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dass dem Umstand gebührende Beachtung geschenkt werden müsse, dass diese einzelnen Faktoren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellten, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, namentlich unter der wei- teren Berücksichtigung der aktuellen, gegebenenfal ls erhöhten, Siche r- heitsvorkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden allgemeinen L a- ge. Was die Prüfung derartiger Risikofaktoren betreffend den Beschwe r- deführer anbelangt, kann an dieser Stelle – zwecks Vermeidung von Wiederholungen – auf die vorangegan genen Erwägungen (vgl. oben E. 5.2) verwiesen werden, aus welchen sich ergibt, dass er keiner Risik o- gruppe zuzurechnen ist. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation i n Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 E-4003/2011 Seite 17 7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewendet, das heisst bei Auslä n- derinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigenschaft noch jene des völkerrechtl i- chen Non -Refoulement-Prinzips erfüllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten G e- fahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Ve r- sorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiede r- bringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1, mit weiteren Verweisen). 7.3.2 In der angefochtenen Verfügung hält das BFM fest, der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE sei im Mai 2009 mit der Zerschlagung der letzteren zu Ende gegangen und seither verfolge es die dortige Lageentwicklung laufend. Die allgemeine Siche r- heitslage habe sich deutlich entspannt und die Lebensbedingungen hä t- ten sich auch im Norden und Osten Sri Lankas – mit Ausnahme des Van- ni-Gebietes – soweit verbessert, dass eine Rückkehr dorthin grundsät z- lich wieder zumutbar sei. Dies gelte mithin auch für den aus dem Jaffna - District stammenden und dort wohnhaft und erwerbstätig gewesenen Be- schwerdeführer. Dieser habe eine Schulbildung genossen und verfüge dort über ein soziales und familiäres Beziehungsnetz sowie über Berufs- erfahrung in der Kommunikation und im Eisenwarenhandel. Demgege n- über macht der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe geltend, er habe in seiner Heimat nur noch seine Mutter und eine Schwe ster, wo- gegen (…) weitere Geschwister in der Schweiz wohnten. Zudem übe r- schätze das BFM seine Berufserfahrungen in der Kommunikation und im Eisenwarenhandel, da er in beiden Bereichen nur "überwiegend unqual i- fizierte Hilfsaufgaben" ausgeführt habe. Die Sch ulbildung beschränke sich auf die Absolvierung der obligatorischen Schulzeit. Eine Rückkehr nach Sri Lanka sei daher unzumutbar. E-4003/2011 Seite 18 Wie das BFM zutreffend festhält, hat sich seit Ende des bewaffneten Kon- flikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE di e allgemeine Lage in Sri Lanka tatsächlich erheblich verbessert. So hat sich insbeso n- dere die Situation in der Ostprovinz weitgehend stabilisiert und normal i- siert, so dass der Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu erachten ist ( vgl. BVGE 2011/24 E. 13.1 S. 509 f.). Mit Aus- nahme des Vanni-Gebiets, mithin jener Region, die im Januar 2008 noch von den LTTE kontrolliert worden war und in welcher sich in der Folge bis zur endgültigen Besiegung der LTTE die Kriegshandlungen abgespielt haben (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.2 S. 511 ff.), herrscht heute auch in der Nordprovinz keine Situation allgemeiner Gewalt mehr, und die polit i- sche Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müs ste. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisung s- vollzug grundsätzlich auch in individueller Hinsicht zumutbar (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1.1 S. 511), während für aus der Nordprovinz stammende Personen, deren letzter Aufenthalt längere Zeit zurückliegt, die Rückkehr zumutbar ist, wenn sie dort über ein tragfähigen Beziehungsnetz sowie über konkrete Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation verfügen (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1.2 S. 511). Die- se Einschätzung beansprucht nach wie vor Gültigkeit. Der Beschwerdeführer hat Sri Lanka rund acht Monate vor Beendigung des Bürgerkrieges verlassen. An seinem Herkunftsort leben nach wie vor zwei nahe Familienangehörige, womit auch Unterkunftsmöglichkeiten be- stehen. Zudem wird der Beschwerdeführer nicht nur erleichterten Zugang zum aktuell bestehenden sozialen Beziehungsnetz dieser Angehörigen finden, sondern es darf ihm auch zugemutet we rden, sich um die Reakt i- vierung des sozial und beruflich vor seiner Ausreise bestandenen eigenen Beziehungsnetzes zu bemühen, wenngleich dessen Bestand angesichts der längeren Abwesenheit des Beschwerdeführers nicht mehr denselben Umfang aufweisen wird. Mit der Vorinstanz gleichsam zu berücksichtigen sind die immerhin zehnjährige Schulbildung und seine Erfahrungen in der Kommunikationsbranche und im Eisenwarenha ndel in Sri Lanka . De m von ihm erhobenen Einwand der Verrichtung bloss "überwiegend unquali- fizierter Hilfsaufgaben" (Beschwerde S. 8 f.) kann zumindest betreffend den Kommunikationsbereich nicht gefolgt werden, zumal er sich im ers t- instanzlichen Verfahren noch als Teilhaber beziehungsweise Co - Geschäftsführer bezeichnete. Hinzu kommt eine mittler weilen vierjährige Tätigkeit in einem (…)betrieb in der Schweiz. Nebst hierzulande erworbe-E-4003/2011 Seite 19 nen finanziellen Mitteln wird er – bei Bedarf – auch auf Unterstützung s- leistungen durch seine seit vielen Jahren in der Schweiz aufenthaltsb e- rechtigten Geschwister zurückgreifen können. Seine rund fünfjährige Landesabwesenheit dürfte zwar gewisse Reintegrationsschwierigkeiten mit sich bringen; eine eigentlichen Entwurzelung lässt sich daraus aber nicht ableiten. Die Voraussetzungen für den Wiederaufbau einer Existenz sind aufgrund der gesamten Aktenlage, seines Alters (3 4 Jahre) und des Umstandes, dass er nicht zugleich für eine eigene Familie Verantwortung zu tragen hat, als günstig zu beurteilen. Zur Überbrückung allfälliger A n- fangsschwierigkeiten bestünde zudem die M öglichkeit, beim BFM Rüc k- kehrhilfe zu beantragen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). Das Gericht erkennt im Weiteren keine Rückkehrhindernisse gesundheitlicher Art; solche wer- den vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht . Vor diesem Hin- tergrund und angesi chts fehlender Vulnerabilitätsmerkmale ist überei n- stimmend mit dem BFM nicht davon auszugehen, dass der Beschwerd e- führer im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder anderer Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten könnte. Ergänzend festzuhalten bleibt, dass gemäss Praxis nicht schon deshalb eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG vorliegt, weil der Ausländer nach der Rückkehr mit wirtschaftlich schwierigen Lebensbedingungen konfro ntiert sein könnte , von denen – wie vorliegend – auch weite Teile der ansässigen Bevölk e- rung im Allgemeinen betroffen sind (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6 S. 591 f.). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und da zu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegw ei- sung, wie vom BFM zutreffend erkannt, auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). E-4003/2011 Seite 20 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverha lt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-4003/2011 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: