<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Auflösung Anstellungsverhältnis</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>94</b></span> <span class="ft2"><b>Lehrperson an einer Volksschule. Aufhebungsvertrag</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ein Aufhebungsvertrag ist grundsätzlich zulässig, ausser wenn ohne</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Grund zwingende Bestimmungen betreffend Kündigungsschutz um-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gangen werden. Ein unzulässiger Aufhebungsvertrag löst das An-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stellungsverhältnis zwar auf, jedoch sind die umgangenen Schutzbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stimmungen anzuwenden (Erw. II/5).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 2. Juli 2009 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">W. gegen Einwohnergemeinde S. (2-KL.2008.8).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">II.</span><br/> <span class="ft7">5.</span><br/> <span class="ft7">5.1.</span><br/> <span class="ft7">Der Aufhebungsvertrag findet seine Grundlage in der Vertrags-</span><br/> <span class="ft7">freiheit und ist somit grundsätzlich zulässig. Mit dem Abschluss der</span><br/> <span class="ft7">Aufhebungsvereinbarung wurde daher der Arbeitsvertrag aufgelöst.</span><br/> <span class="ft7">Da der Aufhebungsvertrag bloss das Entstehen neuer Forderungen</span><br/> <span class="ft7">verhindert, jedoch keine Aufgabe bestehender Ansprüche bewirkt,</span><br/> <span class="ft7">kann in einer solchen Vereinbarung kein Verstoss gegen das Ver-</span><br/> <span class="ft7">zichtsverbot nach Art. 341 Abs. 1 OR liegen. Allerdings darf der</span><br/> <span class="ft7">Aufhebungsvertrag nicht die Umgehung von Kündigungsschutzbe-</span><br/> <span class="ft7">stimmungen und damit die Einschränkung zwingend vorgesehener</span><br/> <span class="ft7">Leistungen des Arbeitgebers ohne gleichwertige Vorteile für den Ar-</span><br/> <span class="ft7">beitnehmer, z.B. Ansprüche bei unverschuldeter Verhinderung an der</span><br/> <span class="ft7">Arbeitsleistung (Art. 324a OR) oder bei ungerechtfertigter Entlas-</span><br/> <span class="ft7">sung (Art. 337c OR), bezwecken (vgl. Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft7">4A_495/2007, Erw. 4.3.1; BGE 118 II 58, Erw. 2/a; Streiff/von</span><br/> <span class="ft7">Kaenel, a.a.O., Art. 335 N 10). Werden im Einzelfall zwingende</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Kündigungsschutzbestimmungen umgangen, so ist der Aufhebungs-</span><br/> <span class="ft7">vertrag als unzulässig zu betrachten, sofern kein Grund besteht, der</span><br/> <span class="ft7">die Umgehung rechtfertigt. Zwar löst er das Arbeitsverhältnis auf,</span><br/> <span class="ft7">doch sind die betroffenen Kündigungsbestimmungen anzuwenden</span><br/> <span class="ft7">(Wolfgang Portmann, Der Aufhebungsvertrag im Individualarbeits-</span><br/> <span class="ft7">recht, in: Jusletter vom 20. Januar 2003, Rz. 25, mit weiteren Hin-</span><br/> <span class="ft7">weisen).</span><br/> <span class="ft7">Wird das Arbeitsverhältnis durch den Aufhebungsvertrag frist-</span><br/> <span class="ft7">los beendet, sind die Schutzbestimmungen bei ausserordentlicher</span><br/> <span class="ft7">Kündigung anzuwenden, sofern der Arbeitnehmer beweist, dass der</span><br/> <span class="ft7">Arbeitgeber ohne Abschluss des Aufhebungsvertrags ausserordent-</span><br/> <span class="ft7">lich bzw. fristlos gekündigt hätte (Portmann, a.a.O., Rz. 25 mit wei-</span><br/> <span class="ft7">teren Hinweisen).</span><br/> <span class="ft7">5.2.</span><br/> <span class="ft7">Die Beklagte wollte das Arbeitsverhältnis auf jeden Fall auflö-</span><br/> <span class="ft7">sen; sie hätte die Klägerin, falls der Aufhebungsvertrag nicht zu-</span><br/> <span class="ft7">stande gekommen wäre, fristlos entlassen. Falls kein wichtiger</span><br/> <span class="ft7">Grund für eine Kündigung vorlag, hätte sich die Beklagte durch den</span><br/> <span class="ft7">Aufhebungsvertrag sämtlicher Pflichten aus dem Arbeitsvertrag ent-</span><br/> <span class="ft7">ledigt, wogegen die Klägerin auf ihren Kündigungsschutz gemäss</span><br/> <span class="ft7">Art. 337c OR verzichtet hätte. In einer solchen Situation wären durch</span><br/> <span class="ft7">den Aufhebungsvertrag ausschliesslich die Interessen der Beklagten</span><br/> <span class="ft7">berücksichtigt worden, ohne dass äquivalente Vorteile für die Kläge-</span><br/> <span class="ft7">rin gegenüber gestanden hätten. Entsprechend den obigen Darle-</span><br/> <span class="ft7">gungen (vgl. Erw. II/5.1) wäre eine derartige Schlechterstellung un-</span><br/> <span class="ft7">rechtmässig. Die Frage, ob seitens der Klägerin ein solcher unzuläs-</span><br/> <span class="ft7">siger einseitiger Verzicht auf zwingend vorgesehene Leistungen der</span><br/> <span class="ft7">Beklagten erfolgte, erfordert somit die Prüfung, ob in casu ein wich-</span><br/> <span class="ft7">tiger Grund vorlag, der eine fristlose Entlassung gerechtfertigt hätte.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>