A bteilung III C -33/2006 {T 0/2} U rteil vom 15. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Im oberdorf (Kam m m erpräsident); R ichter Trom m er; R ichterin Beutler; G erichtsschreiber Longauer. X,_______, Beschw erdeführer, vertreten durch R echtsanw ältin M onika Lütolf-G eiser, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Einreisesperre. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer (geb. 1956) ist kroatischer Staatsangehöriger. In den Jahren 1974 bis 1979 w eilte er m it einer Saisonbew illigung zur Arbeit in der Schw eiz. D urch U m w andlung erhielt er anschliessend die Jahresauf- enthaltsbew illigung im Kanton Luzern, die in der Folge regelm ässig verlän- gert w urde, letztm als m it W irkung bis 31. D ezem ber 2001. Im Jahr 1980 folgte ihm seine Ehefrau in die Schw eiz und erhielt ebenfalls eine Jahres- aufenthaltsbew illigung. D as Ehepaar hat vier gem einsam e Kinder, von de- nen das jüngste noch m inderjährig ist (geb. 1993) und m it einer Jahresauf- enthaltsbew illigung bei der M utter lebt. Zw ei der volljährigen Kinder aus der Ehe verfügen über die N iederlassungsbew illigung. D aneben ist der Be- schw erdeführer Vater eines noch unm ündigen unehelichen Sohnes (geb. N ovem ber 1989), der das kroatische Staatsbürgerrecht besitzt und m it ei- ner N iederlassungsbew illigung in der Schw eiz lebt. B. M it Verfügung vom 6. Januar 2003 lehnte es das Am t für M igration des Kantons Luzern ab, die Jahresaufenthaltsbew illigung des Beschw erdefüh- rers zu verlängern und w ies ihn aus dem Kanton w eg. Es begründete sei- ne Verw eigerung m it den 22 Strafverfügungen, die der Beschw erdeführer im Zeitraum von 1980 bis 2001 w egen diverser D elikte erw irkte (schw erge- w ichtig D elikte gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung, aber auch einfa- che Körperverletzung, Tätlichkeiten, D rohung und G ew alt gegen Beam te, Veruntreuung etc.), m it der Vernachlässigung finanzieller Verpflichtungen und m it der Tatsache, dass eine frem denpolizeiliche Verw arnung aus dem Jahr 1988 unbeachtet geblieben w ar. D agegen eingereichte ordentliche R echtsm ittel blieben ohne Erfolg. D as kantonale Verw altungsgericht trat m it U rteil vom 21. Juli 2003 auf eine Verw altungsgerichtsbeschw erde nicht ein, und das Justiz- und Sicherheitsdepartem ent des Kantons w ies eine Verw altungsbeschw erde am 27. Januar 2004 ab. C . Am 25. Februar 2004 verfügte die Vorinstanz auf Antrag des Kantons die Ausdehnung der kantonalen W egw eisung auf das gesam te G ebiet der Schw eiz und des Fürstentum s Liechtenstein. D ie Verfügung erw uchs un- angefochten in R echtskraft. D . N achdem drei Versuche des Beschw erdeführers gescheitert w aren, m it ausserordentlichen R echtsm itteln und R echtsbehelfen im Kanton Luzern doch noch zu einer Verlängerung der Aufenthaltsbew illigung zu gelangen (Entscheide des Justiz- und Sicherheitsdepartem ents des Kantons Luzern vom 19. April, 4. M ai und 10. August 2004), und er zw ecks Ausschaffung aus der Schw eiz kurzzeitig hatte festgenom m en w erden m üssen, kam er am 22. Juli 2004 dem Ausreisebefehl nach und verliess die Schw eiz kon- trolliert. Am 9. Februar 2005 gelangte der Beschw erdeführer aus dem Aus- land ein letztes M al an die Behörden des Kantons Luzern m it dem Begeh- ren um w iedererw ägungsw eise Verlängerung seiner Aufenthaltsbew illi- gung. D as Am t für M igration des Kantons Luzern trat auf dieses G esuch am 21. M ärz 2005 nicht ein.3 E. Bereits m it Verfügung vom 17. August 2004 erliess die Vorinstanz gegen den Beschw erdeführer eine Einreisesperre auf unbestim m te Zeit. Zur Be- gründung führte sie aus, sein Verhalten habe zu Klagen Anlass gegeben (m assive Straffälligkeit unter anderem in G estalt von G ew alt und D rohung gegen Behörden und Beam te, Betreibungen). Er sei deshalb als uner- w ünschter Ausländer zu betrachten. F. M it Verw altungsbeschw erde vom 17. N ovem ber 2004 gelangte der Be- schw erdeführer an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) und beantragte die Aufhebung der Einreisesperre. G . D ie Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehm lassung vom 1. M ärz 2005 auf Abw eisung der Beschw erde. H . D er Beschw erdeführer verzichtet auf die Ausübung des R eplikrechts. I. Auf den w eiteren Akteninhalt w ird, sow eit rechtserheblich, in den Erw ägun- gen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. Verfügungen des BFM betr. Einreisesperre unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [VG G , SR 173.32]). D essen U rteil ist end- gültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [SR 173.110]). Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelver- fahren w erden vom Bundesverw altungsgericht übernom m en. D ie Beurtei- lung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). D ieses erklärt in Art. 37 VG G das Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) für subsidiär anw endbar. 2. D er Beschw erdeführer ist als Adressat der angefochtenen M assnahm e zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 3. M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Ü berschreitung oder M issbrauch des Er- m essens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes sow ie die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 49 Vw VG ). D as Bundesverw altungsgericht w endet im Beschw erdeverfahren das Bundesrecht von Am tes w egen an. Es ist gem äss Art. 62 Abs. 4 Vw VG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be- schw erde auch aus anderen als den geltend gem achten G ründen gut- heissen oder abw eisen. M assgebend ist grundsätzlich die Sach- und R echtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. E. 1.2 des in BG E 129 II 215 teilw eise publizierten U rteils 2A.451/2002 vom 28. M ärz 2003). 4. D ie eidgenössische Behörde kann über unerw ünschte ausländische Per- sonen die Einreisesperre verhängen. W ährend der Einreisesperre ist ihnen 4 jeder G renzübertritt ohne ausdrückliche Erm ächtigung der verfügenden Behörde untersagt (Art. 13 Abs. 1 AN AG ). 5. Als präventivpolizeiliche Adm inistrativm assnahm e w ill die Einreisesperre der G efahr künftiger Störungen der öffentlichen O rdnung und Sicherheit sow ie anderer unter den Schutz der Frem denpolizei fallender Polizeigüter begegnen (zum Kreis der Polizeigüter im Frem denpolizeirecht vgl. BG E 98 Ib 85 ff. E. 2c S. 89, 465 ff. E. 3a S. 467 f.). N aturgem äss lässt sich die Frage, ob eine Polizeigefahr im oben dargelegten Sinne besteht, nur in Form einer Prognose beurteilen, die sich auf das bisherige Verhalten des Ausländers abstützt. In diesem Sinne gelten Ausländer als "unerw ünscht", deren Verhalten in der Vergangenheit darauf schliessen lässt, dass sie nicht w illens oder nicht fähig sind, sich in die geltende O rdnung einzufü- gen, und deren Fernhaltung daher im öffentlichen Interesse liegt (Entschei- de des EJPD , publiziert in Verw altungspraxis der Bundesbehörden, VPB 63.1, 60.4, 58.53 sow ie PETER SU LG ER BÜ EL, Vollzug von Fernhalte- und Ent- fernungsm assnahm en gegenüber Frem den nach dem R echt des Bundes und des Kantons Zürich, D iss. Zürich 1984 = Europäische H ochschul- schriften, R eihe II, R echtsw issenschaft, Bd. 352, Bern usw . 1984, S. 79 f., m it w eiteren N achw eisen). 6. 6.1 D er Beschw erdeführer w urde im Zeitraum von 1980 bis 2001 insgesam t zw eiundzw anzigm al w egen verschiedener Vergehen und Ü bertretungen strafrechtlich zur Verantw ortung gezogen und in 19 Fällen zu Bussen zw i- schen 50 und 600 Franken (ingesam t 5'160 Franken) sow ie in 7 Fällen zu Freiheitsstrafen zw ischen drei Tagen einem M onat D auer verurteilt (insge- sam t 4 M onate und 10 Tage). Alle Strafverfügungen sind in R echtskraft er- w achsen. M ehrheitlich, d.h. in 14 Fällen, haben die Verurteilungen Zuw i- derhandlungen gegen das SVG zum G egenstand. D arunter stechen vier Verurteilungen w egen Fahrens im angetrunkenen Zustand (nachfolgend: FIAZ) besonders hervor. M ehrere Verurteilungen sind w egen D elikten er- gangen, die gegen die körperliche Integrität und Freiheit gerichtet w aren (eine Verurteilung w egen einfacher Körperverletzung, zw ei Verurteilungen w egen Tätlichkeiten, eine Verurteilung w egen Freiheitsberaubung). In die- sen Kontext gehört die letzte bekannte Verurteilung des Beschw erdefüh- rers w egen G ew alt und D rohung gegen Behörden und Beam te vom 14. Septem ber 2001. D er Beschw erdeführer ist aber auch in Bezug auf andere strafrechtlich geschützte R echtsgüter auffällig gew orden. Zu er- w ähnen sind in diesem Zusam m enhang etw a Sachbeschädigung, Verun- treuung, W iderhandlung gegen das Spielbankengesetz, W iderhandlungen gegen die Ausländergesetzgebung, U ngehorsam im Betreibungs- und Konkursverfahren und Verfügung über m it Beschlag belegte Verm ögens- w erte. 6.2 D er Beschw erdeführer versucht in seiner R echtsm itteleingabe, die Berech- tigung einer M ehrzahl der gegen ihn ergangenen Strafverfügungen in Fra- ge zu stellen. D em ist entgenzuhalten, dass die Verw altungsbehörde zw ar an die Erkenntnis des Strafrichters nicht gebunden ist, im Interesse der 5 R echtseinheit und R echtssicherheit jedoch nicht ohne N ot von seinen Feststellungen abw eicht (vgl. BG E 124 II 103 E.1c und d S. 106 f. und BG E 119 Ib 158 E. 3 S. 163 ff. zum Verhältnis zw ischen Strafe und W ar- nungsentzug im Strassenverkehrsrecht). D as G esagte gilt grundsätzlich auch dann, w enn der Strafentscheid nicht im ordentlichen Strafverfahren, sondern im Strafbefehlsverfahren ergangen ist, auch w enn er ausschliess- lich auf einem Polizeirapport beruht (vgl. BG E 123 II 97 E. 3.c.aa S. 103 f. m it H inw eisen). Für ein Abw eichen von der strafrichterlichen Erkenntnis besteht im Falle des Beschw erdeführers kein Anlass. D ass er seine Be- strafung "in den m eisten Fällen" für ungerechtfertigt hält und dass er – w ie seine R echtsvertretung vorbringt – die Strafverfügungen nur deshalb nicht w eitergezogen habe, um die Angelegenheiten "vom Tisch zu haben", ist in der vorgebrachten unsubstantiierten Form für das vorliegenden Verfahren ohne jede R elevanz. 6.3 Ausgehend von dieser Klarstellung ist zw ar einzuräum en, dass die einzel- nen D elikte für sich genom m en nicht schw er w iegen, w as sich denn auch in den jew eils ausgesprochenen Strafen m anifestiert. D ie Art und die An- zahl der Verurteilungen, die der Beschw erdeführer zw ischen seinem 24. und seinem 45. Lebensjahr erw irkt hat, die M issachtung der frem den- polizeilichen Verw arnung aus dem Jahr 1988 und die U nem pfindlichkeit selbst gegenüber unbedingten Freiheitsstrafen sind aber ganz offensicht- lich Ausdruck einer Persönlichkeit, die über lange Jahre nicht bereit oder nicht in der Lage w ar, sich in die geltende R echtsordnung einzufügen. D er Schluss der Vorinstanz auf die persönliche U nerw ünschtheit im Sinne von Art. 13 Abs. 1 AN AG ist deshalb zu bestätigen, ohne dass an dieser Stelle auf das finanzielle G ebaren des Beschw erdeführers eingegangen w erden m üsste, das von der Vorinstanz ebenfalls zur Begründung der Fernhalte- m assnahm e angerufen w ird. 7. Es bleibt zu prüfen, ob die Einreisesperre dem G rundsatz nach sow ie von ihrer D auer her in richtiger Ausfüllung des Erm essens ergangen und ange- m essen ist. In die rechtskonform e Erm essensausübung haben der G rund- satz des G esetzesvorranges (darunter fällt nam entlich die verfassungskon- form e Erm essensausübung, vgl. JÖ R G PAU L M Ü LLE R , Elem ente einer schw ei- zerischen G rundrechtstheorie, Bern 1982, S. 77 ff.) und die allgem einen G rundsätze des Verw altungshandelns einzufliessen, w ie das W illkürverbot, das G ebot der rechtsgleichen Behandlung, das G ebot von Treu und G lau- ben und der G rundsatz der Verhältnism ässigkeit von Verw altungsakten. Im vorliegenden Fall steht die Verhältnism ässigkeit der Einreisesperre und ihre Vereinbarkeit m it Art. 8 der Konvention vom 4. N ovem ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (EM R K, SR 0.101) resp. m it Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenos- senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) im Vordergrund. U nter dem G esichtspunkt der Verhältnism ässigkeit ist eine w ertende Abw ägung vor- zunehm en zw ischen dem öffentlichen Interesse an der M assnahm e einer- seits und den von der M assnahm e beeinträchtigten privaten Interessen des Betroffenen andererseits. D ie Stellung der verletzten oder gefährdeten R echtsgüter, die Besonderheiten des ordnungsw idrigen Verhaltens und die 6 persönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dafür die G rundlage (vgl. statt vieler U LR IC H H ÄFELIN / G EO R G M Ü LLE R / FELIX U H LM AN N , Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Aufl., Zürich und St. G allen 2006, S.127 f.). 7.1 D as öffentliche Interesse an der Fernhaltung des Beschw erdeführers ist offenkundig. Es ergibt sich ohne w eiteres aus den vorstehenden Erw ägun- gen. D ie Vielzahl kleinerer D elikte, derentw egen der Beschw erdeführer im Laufe der Jahre zur Verantw ortung gezogen w erden m usste, m achen ihn indessen nicht zu einem gefährlichen Straftäter. Eine Tendenz zu im m er schw ereren Straftaten, nam entlich in aus frem denpolizeilicher Sicht beson- ders sensiblen Bereichen w ie bei der G ew alt- und D rogenkrim inalität sow ie bei D elikten gegen die sexuelle Integrität (zur Bedeutung solcher D elin- quenz im Ausländerrecht, vgl. BG E 125 I 521 E. 4a/aa S. 526 f.; U rteil des Bundesgerichts 2A.308/2004 vom 4. O ktober 2004 E. 3.3; ALAIN W U R Z- BU R G E R , La jurisprudence récente du Tribunal fédéral en m atière de police des étrangers, in: R D AF 53/1997 I, S. 42) ist nicht zu erkennen. D er Be- schw erdeführer verm ittelt eher das Bild eines unangenehm en Zeitgenos- sen, der im m er w ieder m it dem G esetz in Konflikt gerät, aber die G renzen zu schw erer Straffälligkeit nicht überschreitet. D ies tat er nam entlich nicht m it dem zuletzt abgeurteilten D elikt, der G ew alt und D rohung gegen Be- hörden und Beam te, w as seinen Ausdruck darin findet, dass es der Straf- richter – trotz der M öglichkeit, eine Freiheitsstrafe zu verhängen – bei ei- ner Busse von 600 Franken bew enden liess. Im Zusam m enhang m it den FIAZ-D elikten ist allerdings zu beachten, dass sich der Beschw erdeführer das Ausbleiben schw erw iegender Folgen für D ritte kaum als Verdienst an- rechnen lassen kann. Zu U ngunsten des Beschw erdeführers ist w eiter festzustellen, dass er M ühe bekundet, die Verantw ortung für sein Verhal- ten zu übernehm en. G leichzeitig ist aber auch darauf hinzuw eisen, dass der Beschw erdeführer – sow eit bekannt – nach dem D ezem ber 2001, dem D atum der letzten Strafverfügung, keine w eiteren Verurteilungen erw irkte und gegen ihn nach seiner Ausreise im Som m er 2004 auch nichts N achtei- liges aktenkundig w urde. Es fällt im G egenteil auf, dass er im Zusam m en- hang m it den verschiedenen Suspensionen der Einreisesperre, die ihm im Laufe der Zeit erteilt w urden, geradezu peinlich darauf bedacht w ar, die ihm auferlegten Bedingungen zu erfüllen. Es ist sodann offensichtlich, dass der Beschw erdeführer w ährend seines Aufenthaltes in der Schw eiz M ühe bekundete, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukom m en. Al- lerdings sind die von den kantonalen Behörden festgestellten Zahlen (Be- treibungen der H öhe von rund 7000 Franken und offene Verlustscheine in der H öhe von 17'500 Franken, Bevorschussung von U nterhaltsbeiträgen für den ausserehelichen Sohn in der H öhe von rund 13'300 Franken) ge- m essen an der D auer des Voraufenthalts des Beschw erdeführers nicht derart, dass von einer verantw ortungslosen und m utw illigen Schädigung von G läubigern gesprochen w erden könnte. Alles in allem m uss von einem beträchtlichen öffentlichen Interesse an einer Fernhaltung des Beschw er- deführers ausgegangen w erden. Alles überragende Bedeutung kom m t die- sem Fernhalteinteresse freilich nicht zu.7 7.2 D em öffentlichen Interesse gegenüber w ird auf den knapp 30-jährigen Auf- enthalt des Beschw erdeführers hingew iesen und geltend gem acht, die Ein- reisesperre trenne ihn von seinen Kindern, die in der Schw eiz aufgew ach- sen seien, und seiner ebenfalls seit 24 Jahren in der Schw eiz lebenden Ehefrau. Schon aus finanziellen G ründen sei es der Fam ilie nicht m öglich, den Beschw erdeführer regelm ässig zu besuchen und eine Ü bersiedlung nach Kroatien sei undenkbar. Schliesslich w ird auf die Interessen die Ar- beitgeberfirm a verw iesen, bei w elcher der Beschw erdeführer seit m ehr als 20 Jahren gearbeitet habe, zuletzt in der Funktion eines M ontageleiters, und die existentiell auf seine w eitere M itarbeit angew iesen sei. 7.2.1 Sow eit der Beschw erdeführer die Trennung von seiner Ehefrau und seinen Kindern beanstandet, die teils über eine Aufenthaltsbew illigung, teils über eine N iederlassungsbew illigung verfügen, beruft er sich sinngem äss auf Art. 8 EM R K und Art. 13 Abs. 1 BV, die beide dem Schutz eines von staat- lichen Eingriffen ungestörten Fam ilienlebens dienen und im Ausländer- recht identische Ansprüche verm itteln (BG E 129 II 215 E.4.2 S. 218 f.). M it seinen Einw änden scheint der Beschw erdeführer davon auszugehen, dass es die Einreisesperre ist, die ihm ein fam iliäres Zusam m enleben in der Schw eiz verunm öglicht. D iese Annahm e trifft nicht zu. D ie R ealisierung einer auf D auer ausgelegten, fam iliären Lebensgem einschaft auf schw ei- zerischem Territorium setzt zw ingend eine Aufenthaltsbew illigung voraus, deren Erteilung in erster Linie in die kantonale Zuständigkeit fällt. D em Be- schw erdeführer w urde aber die Verlängerung seiner Aufenthaltsbew illi- gung durch die Behörden des Kantons Luzern rechtskräftig verw eigert. Bei dieser G elegenheit w urde im Ü brigen die Vereinbarkeit der M assnahm e m it Art. 8 EM R K (und dam it zugleich m it Art. 13 Abs. 1 BV) überprüft und bejaht. Für ein W iederaufrollen aus Anlass der Einreisesperre besteht kein R aum . D ie Aufnahm e des Fam ilienlebens scheitert m it anderen W orten an der fehlenden Aufenthaltsbew illigung. D ie W irkungen der Einreisesperre bestehen aber auch nicht darin, dass dem Beschw erdeführer w ährend ih- rer G eltungsdauer Besuchsaufenthalte bei Fam ilienangehörigen in der Schw eiz schlichtw eg untersagt w ären. D enn bei der Einreisesperre handelt es sich um ein Verbot m it Bew illigungsvorbehalt. Auf begründetes G esuch hin kann sie für bestim m te D auer und zu bestim m ten Zw ecken ausgesetzt w erden (Art. 13 Abs. 1 letzter Satz AN AG ). D iese so genannte Suspension der Einreisesperre ist dem Beschw erdeführer bekannt, denn w ährend der D auer des R echtsm ittelverfahrens w urde sie ihm auf G esuch hin insge- sam t fünf M al gew ährt. D ie Einreisesperre greift som it nur insow eit in die Interessensphäre des m assnahm ebelasteten Ausländers ein, als er von den ordentlichen Einreisebestim m ungen, die für seine Personenkategorie gelten, ausgenom m en und in Bezug auf Einreise, Ausreise und Aufent- haltszw eck einem besonderen Bew illigungsregim e unterw orfen w ird. O b schon in der Errichtung des beschriebenen Bew illigungsregim es (d.h. in der Anordnung der Einreisesperre) oder erst in dessen U m setzung im Einzelfall (d.h. in der Verw eigerung einer Suspension, die der Pflege einer geschützten Fam ilienbeziehung dient) ein rechtfertigungsbedürftiger Ein- griff in das Fam ilienleben erblickt w erden kann, liegt nicht ohne w eiteres 8 auf der H and. D och selbst w enn m an einen solchen Eingriff bereits in die- sem frühen Stadium annehm en w ollte, w iegt er eher leicht. Als kroatischer Staatsangehöriger untersteht der Beschw erdeführer zw ar der Visum s- pflicht nicht, sodass er ohne Einreisesperre keine w eiteren Form alitäten erfüllen m üsste, w ollte er in die Schw eiz reisen (vgl. Art. 1 des Abkom - m ens vom 13. M ai 1997 zw ischen dem Schw eizerischen Bundesrat und der R egierung der R epublik Kroatien über die gegenseitige Aufhebung der Visum pflicht [SR 0.142.112.911]). Allerdings verhindert die geographische D istanz spontane Besuche. Im Ergebnis erfährt die G estaltung der fam iliä- ren Kontakte durch die m it der Einreisesperre verbundene adm inistrative Erschw ernis keine w esentliche Behinderung. D em entsprechend unterge- ordnete Bedeutung kom m t dem fam iliär m otivierten Interesse des Be- schw erdeführers an der Aufhebung der Einreisesperre zu. 7.2.2 Zum in der Tat sehr langen Aufenthalt des Beschw erdeführers in der Schw eiz haben bereits die Bew illigungsbehörden m it R echt festgehalten, dass er keinen Ausdruck findet in entsprechend gefestigter Integration. N ur gerade die Eingliederung am Arbeitsplatz kann als gelungen betrachtet w erden, denn der Beschw erdeführer w ar seit dem Jahr 1980 bei dem sel- ben Arbeitgeber zu dessen voller Zufriedenheit angestellt. D ie soziale und w irtschaftliche Integration dagegen fallen ungenügend aus, w enn in Be- tracht gezogen w ird, dass er im Jahr 1974 im Alter von 18 Jahren erstm als in die Schw eiz gelangte und sich bis 2004, das heisst bis zu seinem 48. Lebensjahr praktisch ununterbrochen hier aufhielt. Ausschlaggebend für diese Einschätzung sind der schlechte strafrechtliche und der ungenügen- de finanzielle Leum und des Beschw erdeführers, verbunden m it der Tatsa- che, dass er sich nie auf irgendw elche besonders engen sozialen Bezie- hungen berief. D och auch w enn der Integrationsgrad des Beschw erdefüh- rers gem essen an der Aufenthaltsdauer als gering einzustufen ist, kann ohne w eiteres davon ausgegangen w erden, dass er im Verlaufe seines gut 30-jährigen Aufenthaltes zw angsläufig ausserhalb seines engsten fam iliä- ren Kreises vielfältige soziale Kontakte geknüpft haben m uss und sich schon aus diesem G rund auf beachtliche private Interessen berufen kann. 7.2.3 D ie Interessen der Arbeitgeberfirm a können im R ahm en des vorliegenden Verfahrens zum vornherein nicht beachtet w erden. Zu deren Verw irkli- chung benötigte der Beschw erdeführer eine Aufenthaltsbew illigung, deren Verlängerung die Behörden des Kantons Luzern rechtskräftig verw eigert haben. 7.3 Zusam m enfassend lässt sich ein beträchtliches, allerdings nicht überra- gendes öffentlichen Interesse an der Fernhaltung des Beschw erdeführers feststellen. D ie Ausw irkungen der M assnahm e in der Interessensphäre des Beschw erdeführers sind allerdings nicht zu unterschätzen, auch w enn er eine frem denpolizeiliche Verw arnung aus dem Jahr 1988 ignorierte und som it für sich persönlich und seine Fam ilie bew usst die G efahr schw erw ie- gender frem denpolizeilicher M assnahm en in Kauf nahm . D ass sich die m issachtete Verw arnung nicht stärker zu Lasten des Beschw erdeführers ausw irkt, ist nicht zuletzt auf das lange Zuw arten der Behörden m it den an- gedrohten M assnahm en zurückzuführen. O bschon sich das Verhalten des 9 Beschw erdeführers im W esentlichen nicht änderte, dauerte es noch gut 15 Jahre, bis gegen ihn frem denpolizeiliche M assnahm en ergriffen w urden. Eine w ertende G ew ichtung der sich entgegenstehenden Interessen führt deshalb zum Schluss, dass die Eineisesperre zw ar dem G rundsatz nach zu R echt besteht. Ihre G eltung für unbestim m te Zeit w iderspricht jedoch dem G rundsatz der Verhältnism ässigkeit staatlicher M assnahm en. Auf G rund der gesam ten U m stände erscheint es dem Bundesverw altungsge- richt als verhältnism ässig und angem essen, die M assnahm e auf fünf Jahre zu begrenzen. 8. Aus den vorstehenden Erw ägungen ergibt sich, dass die D auer der Einrei- sesperre Bundesrecht verletzt (Art. 49 Bst. a Vw VG ). Sie ist deshalb auf fünf Jahre zu begrenzen. In diesem Sinne ist die Beschw erde teilw eise gutzuheissen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer ein Teil der Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ), und es ist ihm gestützt auf Art. 64 Vw VG i.V.m . Art. 7 ff. des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht (SR 173.320.2) zu Lasten der Vorinstanz eine gekürzte Parteientschädigung zuzusprechen. D ispositiv S. 1010 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird teilw eise gutgeheissen und die angefochtene Einrei- sesperre bis 16. August 2009 begrenzt. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 300.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt und von dem am 29. N ovem ber 2004 geleisteten Kosten- vorschuss im Betrag von Fr. 600.-- in Abzug gebracht. D er R estbetrag von Fr. 300.-- w ird dem Beschw erdeführer zurückerstattet. 3. D ie Vorinstanz hat den Beschw erdeführer für das Verfahren vor dem Bun- desverw altungsgericht m it Fr. 500.-- zu entschädigen. 4. M itteilung an: - den Beschw erdeführer - die Vorinstanz D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: A. Im oberdorf J. Longauer Versand am :