B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6887/2010 U r t e i l v o m 1 2 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marie-Chantal May Canellas, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien A._______, vertreten durch Rechtsanwältin Séverine Zimmermann, Anwaltsbüro Christoph Pfister, Poststrasse 5, Postfach 105, 8808 Pfäffikon, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. C-6887/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, geboren 1974, ist kamerunischer Herkunft . Sie reiste erstmals am 20. Februar 1998 in die Schweiz ein und stellte drei Tage später ein Asylgesuch. Das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute: BFM) lehnte das Gesuch am 20. August 1998 ab und verfüg- te die Wegweisung. Am 5. Januar 1999 meldete die kantonale Behörde die Beschwerdeführerin seit dem 10. Dezember 1998 als verschwunden. Eigenen Angaben zufolge verliess sie die Schweiz Ende November 1998 und hielt sich anschliessend in Deutschland auf. Ein halbes Jahr später gelangte sie erneut als A sylsuchende in die Schweiz und heiratete am 21. Oktober 1999 einen Schweizer Bürger, geboren 1945 . I n der Folge erhielt sie eine Aufenthaltsbewilligung. B. Gestützt auf ihre Ehe stellte die Beschwerdeführerin am 1. März 2003 ein Gesuch um erleichterte Einbürgerung nach Art. 27 des Bürgerrechtsg e- setzes vom 29. September 1952 (BüG, SR 141.0). Zu Handen des Einbürgerungsverfahrens un terzeichneten die Eheleute am 27. August 2005 eine gemeinsame Erklärung, wonach sie in einer tat- sächlichen, ungetrennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zusammenlebten und weder Trennungs - noch Scheidungsa b- sichten bestünden. Ferner nahmen sie unterschriftlich zur Kenntnis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht möglich ist, wenn vor oder während des Einbürgerungsverfahrens einer der Ehegatten die Trennung oder Scheidung beantragt hat oder keine tatsächliche eheliche Gemeinschaft mehr besteht, und dass die Verheimlichung dieser U mstände zur Nichtig- erklärung der Einbürgerung nach Art. 41 BüG führen kann. Am 30. August 2005 wurde die Beschwerdeführerin erleichtert eingebür- gert und erwarb neben dem Schweizer Bürgerrecht das Kantonsbürge r- recht von Basel-Stadt und Thurgau sowie das Gemeindebürgerrecht von Basel, Diessenhofen und Matzingen. C. Die Beschwerdeführerin gebar a m 26. September 2005 eine Tochter. Am darauffolgenden Tag beantragte der Ehemann der Beschwerdeführerin beim Zivilgericht Basel-Stadt die Vaterschaftsaberkennung. Mit Urteil vom 16. März 2006 wurde festgestellt , dass zwischen der Tochter der B e- schwerdeführerin und deren Ehemann kein Kindsverhältnis besteht. C-6887/2010 Seite 3 D. Mit Verfügung des Zivilgerichts Basel-Stadt vom 27. April 2006 wurde den Ehegatten das Getrenntleben bewill igt und festgestellt, dass die Ehega t- ten bereits getrennt lebten. E. Am 13. März 2008 eröffnete das BFM gegen die Beschwerdeführerin ein Verfahren betreffend Nichtigerklärung ihrer erleichterten Einbürgerung. F. Auf Ersuchen der Vorinstanz erteilten die Kant one Basel-Stadt und Thur- gau die Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. G. Am 25. August 2010 erklärte die Vorinstanz die erleichterte Einbürgerung der Beschwerdeführerin für nichtig. H. Die Beschwerdeführerin gelangte mit Rechtsmittele ingabe vom 23. Se p- tember 2010 an das Bundesverwaltungsgericht und ersucht um Aufh e- bung der vorinstanzlichen Verfügung. I. Mit Vernehmlassung vom 19. November 2010 beantragt die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. J. Die Beschwerdeführerin hält mit Replik vom 25. Januar 2011 an ihrem Begehren fest. K. Am 14. August 2012 aktualisierte die Beschwerdeführerin auf Aufford e- rung hin den Sachverhalt. L. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. C-6887/2010 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorb e- halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen n ach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. D e- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer der in Art. 33 VGG aufgeführten Behörden erlassen wurden. Darunter fallen gemäss Art. 51 Abs. 1 BüG Verfügungen des BFM betreffend Nichtigerklärung eine r er- leichterten Einbürgerung nach Art. 41 Abs. 1 BüG. 1.2 Das Verfahren vor dem Bundes verwaltungsgericht richtet sich ge - mäss Art. 37 VGG nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichts - gesetz nichts anderes bestimmt (vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressat in zur Ergreifung des Rechtsmittels legiti miert. Auf ihre frist- und formgerecht einge reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 48 ff. VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzun g von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrich tige oder unvollstän dige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Rechtsmittelinstanz verfügt hat – die Un angemessenheit gerügt wer den (Art. 49 VwVG). Das Bundes verwaltungsgericht wendet im Be schwerde- verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent scheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 mit Hinweis sowie BVGE 2007/41 E.2 und Urteil des BVGer A -2682/2007 vom 7. Ok- tober 2010 E. 1.2 und 1.3). 3. 3.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um er leichterte Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz g e- wohnt hat (Bst. a), seit einem Jahr hier wohnt (Bst. b) und seit drei Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit dem Schweizer Bürger lebt (Bst. c). Nach dem Wortlaut und Wortsinn der Bestimmung müs sen sämtliche Vorau s-C-6887/2010 Seite 5 setzungen sowohl im Zeitpunkt der Gesuchsein reichung als auch anläss- lich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt es insbesondere im Zeitpunkt des Entscheids an der ehelichen Gemeinschaft, darf die er - leichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden (BGE 135 II 161 E. 2 S. 164 f., BGE 130 II 482 E. 2 S. 484, BGE 129 II 401 E. 2.2 S. 403). 3.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft bedeutet nach der bun - desgerichtlichen Rechtsprechung mehr als nur das formelle Bestehen e i- ner Ehe. Verlangt wird eine tatsächliche Lebensgemeinschaft, getra gen vom Willen, die E he auch künftig aufrecht zu erhalten (BGE 135 II 161 E. 2 S. 165 mit Hinweisen). Der Gesetzgeber wollte d em ausländischen Ehegatten eines Schweizer Bürgers die erleichterte Einbürgerung ermög- lichen, um die Einheit des Bürgerrechts im Hin blick auf ihre ge meinsame Zukunft zu fördern (vgl. Botschaft des Bun desrats zur Änderung des Bür- gerrechtsgesetzes vom 27. August 1987, BBl 1987 III 293 ff. 310). Ein Hinweis auf den fehlenden Willen der Eheleute, die eheliche Gemei n- schaft aufrecht zu erhalten, kann beispielsweise im Umstand liegen, dass kurze Zeit nach der erleichterten Einbürgerung die Tren nung erfolgt oder die Scheidung eingeleitet wird (BGE 135 II 161 E. 2 S. 165 mit Hinweis), oder auch darin, dass die gesuchstellende Person während der Ehe ein aussereheliches Kind zeugt (Urteil des Bundesgerichts 1C_27/2011 vom 21. März 2011 E. 6.4.1). 3.3 Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustim mung der Behörde des Heimat kantons innert der vom Gesetz vorgesehenen Frist für nichtig er klärt werden, wenn sie dur ch fal sche Angaben oder Verheim - lichung er heblicher Tatsachen erschlichen , d.h. mit einem unlauteren und täu schenden Verhalten erwirkt worden ist (vgl. die revidierte Bestimmung von Art. 41 Abs. 1 und 1 bis BüG in der Fassung vom 25. September 2009, in Kraft seit 1. März 2011 [AS 2011 347] bzw. aArt. 41 Abs. 1 BüG [AS 1952 1087], gültig bis 28. Februar 2011). Arglist im Sinne des strafrecht lichen Betrugstatbestandes wird nicht verlangt. Es genügt, dass der Be troffene bewusst falsche Angaben macht bzw. die mit dem Einbür gerungsbegehren befasste Behörde bewusst in einem falschen Glau ben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen zu haben, über eine erhebli che Tat sache zu informieren (vgl. BGE 135 II 161 E. 2 S. 165 mit Hinweis). Weiss der Betroffene, dass die Voraussetzun gen für die erleichterte Einbürge rung auch im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so muss er die Be - hörde unaufgefor dert über eine nachträgliche Änderung in seinen Verhältnissen orien tieren, von der er weiss ode r wissen muss, dass sie C-6887/2010 Seite 6 einer Einbürge rung ent gegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem Grundsatz von Treu und Glau ben und aus der verfahrensrechtli - chen Mitwirkungs pflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Be - hörde darf sich ihrer seits darauf ver lassen, dass die vormals erteilten Auskünfte bei passi vem Verhalten des Ge suchstellers nach wie vor der Wirklichkeit ent sprechen (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2 S. 115 f.). 4. 4.1 Im Verfahren betreffend Nichtigerklärung der erleichterten Ein - bürgerung gilt, wie in der Bundesverwaltungsrechtspflege allgemein, der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG) und der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [B ZP , SR 273]). Frei ist die Beweiswürdigung vor allem darin, dass sie nicht an be stimmte starre Beweisregeln gebunden ist, die dem Richter genau vor schreiben, wie ein gültiger Beweis zu Stande kommt und welchen Be weiswert die einzelnen Beweismittel im Ve rhältnis zueinander haben ( FRITZ GYGI, Bundes - verwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 278 f.; zu den Beweismitteln: BGE 130 II 169 E. 2.3.2 ff.). Wenn ein Entscheid – wie im vorliegenden Fall – zum Nachteil des Betroffenen in seine Rechte ein - greift, liegt die Beweislast bei der Behörde. 4.2 Im Zusammenhang mit der Nichtigerklärung einer erleichterten Ei n- bürgerung ist von der Verwaltung zu untersuchen, ob die Ehe im Zei t- punkt der Gesuchseinreichung und der Einbürgerung tatsächlich gelebt wurde. Hierbei geht es im Wesentlichen um innere Vorgänge, die der Be- hörde oft nicht bekannt und schwierig zu beweisen sind. In derartigen S i- tuationen ist es zulässig, von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbekannte (Vermu tungsfolge) zu schliessen (BGE 135 II 161 E. 3 S. 166 mit Hinweis). Solche tatsächlichen Vermutungen können sich in al- len Bereichen der Rechtsanwendung ergeben, namentlich auch im öffent- lichen Recht. Es handelt sich um Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die auf Grund der Lebenserfahrung gezogen werden ( ULRICH HÄFELIN, Verm u- tungen im öffentlichen Recht, in: Festschrift für Kurt Ei chenberger, Basel 1982, S. 625 ff., S. 626; vgl. auch PETER SUTTER, Die Beweislastregeln unter besonderer Berücksichtigung des verwaltungs rechtlichen Streitver- fahrens, Diss. Zürich 1988, S. 56 ff. und 178 ff., und GYGI, a.a.O., S. 282 ff; zu Art. 8 ZGB vgl. MAX KUMMER, Berner Kommentar, N. 362 f.). 4.3 Als Problem der Beweiswürdigung berührt die tatsächliche Vermutung weder die Beweislast noch die das Verwaltun gsverfahren beherrschende C-6887/2010 Seite 7 Untersuchungsmaxime. Letztere gebietet zwar, dass die Verwaltung auch nach entlastenden, das heisst die Vermutung erschüt ternden Elementen sucht. Bei Konstellationen im Zusammenhang mit der erleichterten Einbürgerung liegt es a ber in der Natur der Sache, dass solche entlastenden Elemente der Verwaltung oft nicht bekannt sein dürften und nur die Betroffenen darüber Bescheid wissen können. Es obliegt daher dem erleichtert Eingebürgerten, der dazu nicht nur aufgrund seiner Mitwirkungspflicht (Art. 13 VwVG) verpflichtet ist, son dern daran auch ein Eigeninteresse haben muss, die Vermutung durch den Gegenbeweis bzw. erhebliche Zweifel umzustürzen, indem er Gründe oder Sach - umstände aufzeigt, die es als überzeugend (nach vollziehbar) erscheinen lassen, dass eine angeblich noch wenige Mo nate zuvor bestandene, ungetrennte eheliche Gemeinschaft in der Zwischenzeit dergestalt in die Brüche gegangen ist, dass es zur Scheidung kam (BGE 135 II 161 E. 3 S. 166 mit Hinweisen). 5. Die formellen Voraussetzungen der Nichtigerklärung sind vorliegend e r- füllt. Die Kantone Basel-Stadt und Thurgau als Heimatkantone haben die Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung erteilt und die Verfügung betreffend Nichtigerklärung wurde der Beschwerdefüh- rerin innerhalb der gesetzlichen Frist von aArt. 41 Abs. 1 BüG eröffnet (zur Fristberechnung vgl. Urteil des Bundesgerichtes 1C_336/2010 vom 28. September 2010 E. 3.3). 6. 6.1 Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin erstmals im Jahr 1998 in die Schweiz einreiste. In der Folge stellte sie ein Asylge- such. Das BFF lehnte das Gesuch am 20. August 1998 ab und verfügte die Wegweisung. Eigenen Angaben zufolge reiste sie Ende des Jahre s nach Deutschland. Im Juni 1999 gelangte sie erneut in die Schweiz und stellte ein weiteres Asylgesuch. Mit der Heirat eines Schweizer Bürger s am 21. Oktober 1999 verschaffte sie sich ein dauerhaftes Aufenthalt s- recht in der Schweiz. Am 1. März 2003 stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um erleichterte Einbürgerung. Nachdem die Eheleute am 27. August 2005 die gemeinsame Erklärung zum Bestand der ehelichen Gemeinschaft abgegeben hatten, wurde d ie Beschwerdeführerin am 30. August 200 5 erleichtert eingebürgert. Einen knappen Monat später gebar sie ein Kind. Am darauffolgenden Tag beantragte der Ehemann der Beschwerdeführerin beim Zivilgericht Basel -Stadt die Vaterschaftsabe r- kennung. Mit Urteil vom 16. März 2006 wurde festgestellt, dass zwischen C-6887/2010 Seite 8 der Tochter der Beschwerdeführerin und deren Ehemann kein Kindsve r- hältnis besteht. Am 27. April 2006 bewilligte das Zivilgericht Basel -Stadt den Ehegatten das Getrenntleben und stellte fest, dass die Ehegatten be- reits getrennt leben. 6.2 Der geschilderte Sachverhalt zeigt auf , dass sich die Beschwerd e- führerin nur mittels Heirat eines Schweizer Bürgers einen geregelten Aufenthalt verschaffen konnte . Dieser Umstand begründet im Zusa m- menhang mit der chronologischen Abfolge der Ereignisse – das nur knapp rund sieben Monate nach der erleichterten Einbürgerung eing e- reichte Gesuch um Aufhebung des gemeinsamen ehelichen Haushalts und die anschliessende Trennung innert Monatsfrist – sowie der G e- burt eines ausserehelichen Kindes knapp einen Monat nach der e r- leichterten Einbürgerung ohne Zweifel die tatsächli che Vermutung, die Beschwerdeführer in habe bereits zum Zeitpunkt der erleichterten Ei n- bürgerung nicht mehr in einer stabilen, intakten und auf die Zukunft g e- richteten ehelichen Gemeinschaft mit ihrem Ehemann gelebt. 6.3 Es ist daher zu prüfen, ob die Beschwerdeführer in in der Lage ist, die Vermutung zu widerlegen. Dazu braucht sie nicht den Nachweis zu erbringen, dass die Ehe mit dem Schweizer Bürger zum massgebl i- chen Zeitpunkt intakt war, denn e ine tatsächliche Vermutung führt nicht zur Umkehr der Beweislast. Es genügt, wenn die Beschwerdeführer in eine plausible Alternative zu der dargestellten Vermutungsfolge pr ä- sentieren kann. Sie kann den Gegenbeweis erbringen, indem sie glaubhaft den Eintritt eines ausserordentlichen Ereignisses dartut, das geeignet ist, den raschen Verfall der ehelichen Bande zu erklären, oder indem sie glaubhaft darlegt, dass sie sich der ehelichen Probleme nicht bewusst gewesen war und sie demzufolge zum Zeitpunkt, als sie die Erklärung unterzeichnete, den wirklichen Willen hatte, weiterhin e i- ne stabile eheliche Beziehung aufrecht zu halten (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 S. 166 mit Hinweisen). 7. 7.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, der gerichtlichen Trennung von ihrem Ehemann habe nie eine tatsächliche Trennungsabsicht zu Grunde gelegen, sondern vielmehr der Umstand, dass ihr Ehemann seit längerem arbeitslos gewesen sei und per Ende Juni 2004 ausgesteuert worden sei. Da er bis März 2006 von seinem Guthaben der zweiten Säule gelebt habe, habe er erst ab April 2006 Sozialhilfe beziehen können. Sie selbst habe damals einen Nettolohn von rund Fr. 2'980. -- inkl. Kinderzulagen C-6887/2010 Seite 9 erzielt, welcher in die Berechnung der Höhe der Sozialhilfe einbezogen worden wäre, hätten sie sich nicht ge trennt. Bei derart knappen finanziellen Verhältnissen werde dem Anspruchsberechtigten häufig , selbst von Mitarbeitern der Sozialämter, geraten, sich gerichtlich trennen zu lassen, um höhere Sozialhilfebeiträge zu erhalten. Auch aus dem Umstand, dass ihr Eh emann ihre Tochter habe gerichtlich aberkennen lassen, könne nichts zu ihren Ungunsten abgeleitet werden. Ihr Ehemann könne keine Kinder zeugen und medizinische Massnahmen seien aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht möglich gewesen. Deshalb habe sie sich für einen "One -Night-Stand" entschieden, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Ihr Ehemann sei mit dem ausserehelichen Kontakt einverstanden gewesen. Die Vaterschaftsaberkennung ihres Ehemannes sei verständlich, da die Scheidung von seiner ersten Ehefrau schwierig gewesen sei. Er habe damals die elterliche Sorge für seine zwei Adoptivkinder beantragt, sei jedoch lediglich dazu verpflichtet worden, für die Kinder, welche der Mutter zugesprochen worden seien, Unterhalt zu bezahlen. Den Mietvertrag für di e Wohnung an der C._______strasse X in Basel vom Juli 2005 habe sie nicht für sich, sondern für eine Bekannte abgeschlossen. Diese ha be aufgrund einer blossen Grenzgängerbewilligung in der Schweiz keine Möglichkeit gehabt, einen Mietvertrag abzuschliessen. Ihre Tochter werde teilweise fremd betreut, weil sie arbeite und weil dem Kind eine optimale Integration ermöglicht werden soll. Zudem wohne ihr Ehemann seit dem 1. Februar 2010 wieder mit ihr zusammen. 7.2 Die Argumentation der Beschwerdeführerin kann in mehrfacher Hinsicht nicht überzeugen. 7.2.1 Am 22. Juli 2005 hat die Beschwerdeführerin mit dem Vermieter B._______ AG einen Mietvertrag über eine Zweizimmer -Wohnung an der C._______strasse X in Basel abgeschlossen. Mi etbeginn war der 1. August 2005. Demzufolge ist davon auszugehen, dass die (damals mit einem ausserehelichen Kind hochschwangere) Beschwerdeführerin rund fünf Wochen vor der erleichterten Einbürgerung nicht mehr in e i- ner stabilen, intakten und auf die Zukunft gerichteten ehelichen G e- meinschaft mit ihrem Ehemann gelebt hat. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, sie habe den Mietvertrag für eine in Frankreich l e- bende Bekannte abgeschlossen . Diese Person habe vom 1. August bis Ende November 2006 in di eser Wohnung gewohnt und sei inzwischen verstorben (vgl. Schreiben der Beschwerdeführerin vom 29. Juni C-6887/2010 Seite 10 2010). Diese Angaben widersprechen den Ausführungen des Ehema n- nes vor Gericht vom 14. März 2006 , wo er aussagte, seine Ehefrau wohne jetzt an der C._______strasse. Am 27. April 2006 gab auch die Beschwerdeführerin vor Gericht zu Protokoll, dass sie an der C._______strasse X wohne. Des Weiteren war dem Vermieter der Wohnung kein Untervermietungsverhältnis bekannt, obwohl dies laut Mietvertrag seiner schrift lichen Zustimmung bedurft hätte (vgl. Schre i- ben der B._______ AG vom 6. August 2010). Zudem gab die B e- schwerdeführerin auf dem Anmeldeformular für die neue Wohnung in der Rubrik "Warum wollen Sie die Wohnung wech seln?" an, sie habe Eheprobleme und in die Rubrik "Zivils tand" schrieb sie "verheiratet (fast getrennt) ". Überdies wurde sie laut Vermieter im Juli 2005 bei der Einwohnerkontrolle Basel -Stadt angemeldet (vgl. Schreiben des Ve r- mieters vom 6. August 2010 inkl. Beilage 2) . Auch finanziell war es der Beschwerdeführerin möglich, zum damaligen Zeitpunkt eine eigene Wohnung zu mieten (vgl. E. 7 .1). Die Beschwerdeführerin k ann somit nicht belegen, dass eine Bekannte in der Wohnung gewohnt haben soll. Es ist v ielmehr davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh rerin bereits rund einen Monat vor der erleichterten Einbürgerung und kurz vor der Geburt ihres Kindes aus der gemeinsamen Wohnung ausgez o- gen ist. 7.2.2 Gemäss Schreiben der Sozialhilfe der Gemeinde D._______ wurde der Ehemann der Beschwerdeführerin bis Mä rz 2009 mit mona t- lichen Zahlungen unterstützt. Ab 1. April 2009 bestand die Möglichkeit des vorzeitigen Ren tenbezugs . Obwohl der angebliche Trennung s- grund (Bezug von Sozialhilfe) wegfiel , wohnten die Ehegatten weite r- hin in verschiedenen Wohnungen. Die Beschwerdeführerin hielt dage- gen, die Notwohnung ihres Ehemannes sei für ihr Kind unzumutbar. Zählt man die Kosten für die Notwohnung von Fr. 400. - und die Mie t- kosten der Wohnung der Beschwerdeführerin von Fr. 960. -- zusam- men, so ergibt dies ein Betrag von Fr. 1'360. --. Finanziell hätte somit nichts dagegen gesprochen, für die ganze Familie eine einfache Drei- zimmer-Wohnung zu mieten. Grund für die Trennung kann somit nicht der Bezug von Sozialhilfe gewesen sein . Überdies geht aus den A k- tennotizen der Sozialhilfe der Gemeinde D._______ , entgegen der B e- hauptung der Beschwerdeführerin (vgl. Schreiben vom 31. März 2008) , nicht hervor, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin explizit darauf hingewiesen worden sein soll, dass er ohne gerichtliche Trennung von seiner Ehefrau keine Sozialhilfe beziehen könne. Ebenso wäre laut Schreiben der Sozialhilfe der Gemeinde D._______ ein Zusamme n-C-6887/2010 Seite 11 wohnen der ganzen Familie in der Notwohnung des Ehemannes mög- lich gewesen. Überdies soll der Ehem ann seit Februar 2010 bei der Beschwerdeführerin und ihrem Kind in der C.______strasse X wohnen, weshalb sich die Frage stellt, wieso er mit dem Umzug zehn Monate zugewartet hat , wenn doch behaup tet wird, die Ehe sei stabil, intakt und auf die Zu kunft ausgerichtet gewesen. Gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführerin vom 14. August 2012 leben die Eheleute seit August 2011 erneut getrennt. Grund dafür sei, dass das Einkommen ihres Ehemannes an ihr Soz ialhilfebudget angerechnet würde, würden sie zusamme n im selben Haushalt leben . Die heutige Situation der Eheleute steht somit der tatsächliche n Vermutung, die Beschwerdefü h- rerin habe zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung nicht mehr in einer stabilen, intakten und auf die Zukunft gerichteten eheliche n G e- meinschaft mit ihrem Ehemann gelebt, nicht entgegen (vgl. E. 3.1) . Überdies stellt das erneute Getrenntleben der Eheleute ein weiteres Indiz für eine zerrüttete Ehe dar. 7.2.3 Das Kind der Beschwerdeführerin muss ca. Ende Dezember 2004 gezeugt worden sein . Der Ehemann der Beschwerdeführerin war , entgegen der Behauptung der Rechtsvertreterin in ihrer Replik, über das Vorgehen der Beschwerdeführerin, via "One -Night-Stand" schwanger zu werden, nicht im Bilde. So gab er am 6. April 2006 anlässlich eines Klientengesprächs bei der Sozialhilfe an, seine Frau habe ihm den Fehltritt gestanden und woll e, dass er eine Vaterschaftsab erkennung mache, damit er nicht für das Kind aufkommen müsse. Auch die Beschwerdeführerin führte in ihrem Schreiben vom 29. Juni 2010 aus, sie habe ihrem Ehemann "etwa vor dem 3. Monat" der Schwangerschaft mitgeteilt, dass sie ein Kind erwarte. Ihr Ehemann habe dies mit Fassung getragen und sei deswegen nicht gewalttätig geworden . Die Beschwerdeführerin setzte mit dem von ihr gewählten Vorgehen, schwanger zu werden, ihre Ehe aufs Spiel, wusste sie doch nicht , wie ihr Ehemann auf die Ereignisse reagieren würde. Auch die Vaterschafts - aberkennung durch ihren Ehemann weist auf eine einseitige Planung des Kindes hin. Daher muss davon ausgegangen werden, dass nicht erst mit dem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung im August 2005, sondern bereits Ende 2004 keine stabile, intakte und auf die Zukunft gerichtete eheliche Gemeinschaft mehr bestand. 7.2.4 Hinzuzufügen bleibt, dass die gänzliche Fremdbetreuung des Kindes ab August 2006 ein zusätzliches Indiz für eine instabile Ehe darstellt. Hätte - wie behauptet wird - zwischen den Eheleuten eine auf C-6887/2010 Seite 12 die Zukunft ausgerichtete Ehe bestanden, dann hätte sich der Ehemann zumindest teilweis e an der Kinderbetreuung beteiligen wollen , gibt er doch an, das Verhältnisse zur Tochter seiner Ehefrau sei sehr gut und er unternehme auch viel mit ihr (vgl. Schreiben des Ehemannes vom 9. April 2008 und 29. Juni 2010 ). Zudem wäre eine reduzierte Fremdbetreuung angesichts der finanziellen Verhältnisse der Eheleute auch wesentlich billiger gewesen und einer guten Integration des Kindes nicht abträglich gewesen. 7.2.5 Was die zu den Akten gelegten Unterstützungsschreiben von Drit t- personen anbelangt, so versteht es sich von selbst und bedarf keiner b e- sonderen Erläuterungen, dass damit der Beweis einer intakten, auf die Zukunft gerichteten Ehe nicht zu erbringen ist. Vielmehr beschränken sich diesbezügliche Aussagen naturgemäss auf die Wahrnehmung eines äu s- seren Erscheinungsbildes. Für die Beurteilung der hier wesentlichen Fr a- ge, ob die Ehe im fraglichen Zeitpunkt stabil und auf die Zukunft gerichtet war, erweisen sich solche Bestätigungen regelmässig nicht als besonders aufschlussreich (vgl. dazu Urteil de s Bundesverwaltungsgerichts C-143/2008 vom 18. Februar 2010 E. 8.2.1 mit Hinweisen). 8. Der Beschwerdeführerin ist es somit nicht gelungen, die gegen sie sprechende Vermutung überzeugend in Frage zu stellen, dass zum Zeitpunkt der gemeinsamen Er klärung vom 27. August 2005 und der erleichterten Einbürgerung am 30. August 2005 zwischen ihr und ihrem Schweizer Ehemann keine stabile und auf die Zukunft ausgerichtete eheliche Gemeinschaft bestanden hat. Aufgrund der gesamten Umstände muss im Gegenteil davon ausgegangen werden, dass der Ehewille, bereits einige Zeit vorher erloschen war und an der Ehe schlussendlich nur festgehalten wurde, um der Beschwerdeführerin zum Schweizer Bürgerrecht zu verhelfen. Indem die Beschwerdeführerin in der gemeinsamen E rklärung den Bestand einer intakten und stabilen Ehe versicherte bzw. einen bedeutsamen Sachverhalt (aussereheliche Schwangerschaft) nicht anzeigte, hat sie die Behörden über wesentliche Tatsachen getäuscht und die erleichterte Einbürgerung im Sinne von Art. 41 Abs. 1 BüG erschlichen. Die materiellen Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung sind folglich e benfalls erfüllt. 9. Sofern nicht ausdrücklich anders verfügt wird, erstreckt sich die Nichti g-C-6887/2010 Seite 13 keit auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürgerrecht auf der nichtig erklärten Einbürgerung beruht (vgl. Art. 41 Abs. 3 BüG). Aus den Akten sind keine Gründe ersichtlich, weshalb bezüglich der Tochter der Beschwerdeführerin anders verfügt werden sollte. Auch die Gefahr der Staatenlosigkeit besteht nicht. Gemäss ka merunischem Recht verliert ei- ne Person mit kamerunischer Staatsangehörigkeit bei der Heirat mit einer ausländischen Person ihre kamerunische Staatsangehörigkeit nicht. Des weiteren erhält jede sich im Ausland befindende Person bei ihrer Geburt die kamerunische Staatsangehörigkeit, sofern der Vater oder die Mutter die kamerunische Staatsangehörigkeit besitzen. Somit hat die Beschwer- deführerin ihre kamerunische Staatsangehörigkeit nicht verloren und ihre Tochter wird diese ohne weiteres erhalten (Quelle: UNHCR Refworld, im Internet unter: www.unhcr.org/refworld/country,LEGAL, LEGISLATION, CMR,456d621e2,3ae6b4d734,0.html [Stand 16 . August 2012], Seite b e- sucht im August 2012). 10. Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtmässig (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 11. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird die unterliegende Be- schwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahren s- kosten sind auf Fr. 1'0 00.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-6887/2010 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Hö he geleisteten Kostenvo r- schuss verrechnet. 3. Dieser Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. [… ] und […] retour) – das Migrationsamt des Kantons Basel-Stadt – das Amt für Handelsregister und Zivilstandswesen des Kan tons Thur- gau Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: