B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2365/2020 U r t e i l v o m 1 2 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, geboren am (…), Sudan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 31. März 2020 / N (…). E-2365/2020 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz am 21. Juli 2016 ein Asylge- such stellte, dass er vom SEM am 25. Juli 2016 zur Person und am 13. November 2017 zu seinen Asylgründen angehört wurde, dass er dabei zur Begründung seines Gesuchs im Wesentlichen geltend machte, er gehöre de r Ethnie der Jawama an und stamme aus Nord - Kordofan, dass er nach dem Erlangen des Abiturs von (…) bis 2011 in Khartum ein Studium im Bereich (…) abgeschlossen habe und danach in seine Heimat- region zurückgekehrt sei, dass er während des Studiums von der Regierung rekrutiert worden sei und sich dieser Rekrutierung nicht widersetzt habe, zumal er sich dadurch eine spezifische Förderung erhofft habe, dass er in der Folge aber nur kurz für die Regierung gearbeitet habe, indem er neue Studenten davon überzeugt habe, sich politisch der Regierung an- zuschliessen, dass er das Ausüben von Gewalt gegen Regimekritiker und Oppositionelle stets kritisiert und verweigert habe und deshalb in Verdacht geraten sei, ein Spion der Opposition zu sein, weshalb er verhört, beschimpft und geschla- gen worden sei, dass er einmal zusammen mit anderen Studenten für einen Tag in d ie Berge gebracht worden sei, wo man ihnen das Schiessen mit einer Kalaschnikow beigebracht habe, dass er zwei Monate später aufgefordert worden sei, nach B._______ zu gehen, wo es politische Aktionen der Opposition gegeben habe, worauf er – die Anwendung von Gewalt wiederum verweigernd – in die Berge geflo- hen sei, wo er sich einen Monat lang versteckt habe, dass es dort zu einem Angriff von vier Unbekannten auf ihn gekommen sei, worauf er in sein Dorf zurückgekehrt sei, E-2365/2020 Seite 3 dass er sich im Dorf beobachtet gefühlt habe und ein Freund ihm Verfol- gungsmassnahmen angekündigt habe, worauf er aus dem Sudan geflohen sei, dass das SEM mit Verfügung vom 31. März 2020 – eröffnet am 2. April 2020 – die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneinte, dessen Asylgesuch vom 21. Juli 2016 ablehnte sowie seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug anordnete, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 4. Mai 2020 (Datum der Post- aufgabe) gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde erhob und neben der Aufhebung des Asylentscheids die Gewäh- rung des Asyls unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und eventua- liter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme unter Feststellung der Unzu- lässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisung svollzugs beantragte, dass der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 19. Mai 2020 Ge- suche des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung, um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht und um Beiord- nung eines amtlichen Rechtsbeistands abwies und ihm Frist zur Leistung des Vorschusses setzte, der in der Folge fristgerecht geleistet wurde, und das Bundesverwaltungsgericht erwägt, dass es auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass am 1. März 2019 eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten ist (AS 2016 3101) und für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht gilt (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), E-2365/2020 Seite 4 dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsw eise Ände- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde unter dem nachfolgend erwähnten Vorbehalt einzutreten ist ( aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass die Beschwerde gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG aufschiebende Wir- kung und die Vorinstanz diese nicht entzogen hat (Art. 55 Abs. 2 VwVG), weshalb auf den Antrag auf Wiederherstellung dieses Suspensiveffekts nicht einzutreten ist, dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver- zichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1 AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), E-2365/2020 Seite 5 dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 Abs. 1 AsylG) und Vorbringen insbesondere dann unglaubhaft sind, wenn sie in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel ab gestützt werden (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG), dass die protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner an- geblichen Verfolgungssituation einen vagen, unsubstanziierten Eindruck hinterlassen und teilweise schwer nachvollziehbar sind, dass, ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit der Asylvorbri ngen, das SEM den Sachverhalt vollständig und richtig festgestellt hat, dass es in seiner Verfügung mit überzeugender Begründung zur Erkennt- nis gelangt ist, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anfor- derungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit seiner Vorbringen nicht genügen, dass auf die Erwägungen des SEM verwiesen werden kann und es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, diesen Argumenten Stichhaltiges entge- genzusetzen, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Aussagen vor seiner Ausreise keinen flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen ausgeset zt war, weil die geltend gemachten Behelligungen nicht die in Art. 3 Abs. 2 AsylG beschrie- bene Intensität aufwiesen, dass er den Grund für den Angriff von vier Unbekannten auf ihn (erstaunli- cherweise) nicht nennen konnte und nur vermuten konnte, es seien " sie" – mithin Leute mit Verbindungen zur Regierung – gewesen (vgl. Anhö- rungsprotokoll A17 ad F 142 f. und F 189 ff.), dass den Akten jedenfalls keine konkreten Hinweise dafür zu entnehmen sind, die Attacke hätte sich aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Motive ereignet, zumal dem Beschwerdeführer die Flucht vor den vier Un- bekannten gelungen sei, was nicht auf ein ernsthaftes Verfolgungsinte- resse der Angreifer und auf einen gezielten Angriff schliessen lässt, E-2365/2020 Seite 6 dass den Akten kein Grund zu Annahme zu entnehmen ist, dass er bei einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2) flüchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgungsmassnahmen befürchten müsste, dass in dies em Zusammenhang darauf hinzuweisen ist, dass der Be- schwerdeführer nach Beginn der angeblichen Verfolgungsgefahr noch län- gere Zeit im Sudan geblieben ist, ohne konkreten Nachteilen ausgesetzt gewesen zu sein, dass das Beschwerdevorbringen, ihm sei damals nu r deshalb nichts pas- siert, weil er sich versteckt gehalten und von 2011 bis 2013 an verschiede- nen Orten gelebt habe (vgl. Beschwerde S. 2), deshalb nicht zu überzeu- gen vermag, weil er gemäss seinen Angaben in dieser Zeit unter anderem sein Universitätsdiplom erlangte sowie eine Nationalitätsbestätigung um- tauschen konnte (vgl. Anhörungsprotokoll A17 ad F 127 ff. und F 158 ff.) und davon auszugehen ist, die Behörden hätten seiner habhaft werden können, wenn ein konkretes Verfolgungsinteresse bestanden hätte, dass es dem Beschwerdeführer somit nicht gelingt, die Flüchtlingseigen- schaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, w eshalb das Staatssekretariat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 AsylG), vorliegend insbesondere der Kanton keine Aufenthaltsbe- willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Staatssekretariat ebenfalls zu Recht angeordnet wurde, dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim- mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg- weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Ar t. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]), dass beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.), E-2365/2020 Seite 7 dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AIG), dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung dieser mass- geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoule- ment im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet, dass nach dem oben Gesagten sodann keine Anhaltspunkte für eine im Heimat- oder Herkunftsstaat drohende menschenrechtswidrige Behand- lung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Pra- xis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon- kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG), dass im Sudan keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt herrscht und das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug von Wegweisungen abge- wiesener Asylsuchender in dieses Herkunftsland als grundsätzlich zumut- bar qualifiziert (vgl. statt vieler etwa die Urteile BVGer E -3986/2017 vom 20. April 2020 E. 6.2.1, E -57/2018 vom 20. März 2020 E. 8.4.1 oder E-5874/2017 vom 10. März 2020), E-2365/2020 Seite 8 dass der Beschwerdeführer über eine ausgesprochen gute Ausbildung ver- fügt und keine individuellen Gründe geltend macht, die auf e ine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen würden, weshalb der Vollzug der Wegweisung – wie vom SEM überzeugend dargelegt (vgl. Verfügung S. 6) – auch zumutbar ist, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Heimat- staat schliesslich möglich i st, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Be- schaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art . 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), dass nach dem Gesagten auch der vom Staatssekretariat verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechts- erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist , weshalb die Be- schwerde abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss zur Begleichung dieser der Kosten zu verwenden ist. (Dispositiv nächste Seite) E-2365/2020 Seite 9 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Begleichung dieser Kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay