B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6376/2010 und C-6377/2010 U r t e i l v o m 3 0 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Stefan Mesmer (Vorsitz), Richter Vito Valenti, Richterin Madeleine Hirsig, Gerichtsschreiber Milan Lazic. Parteien A._______, vertreten durch lic. iur. Paul Hofer, Rechtsanwalt, Untere Dorfstrasse 4, 5405 Baden, Beschwerdeführerin, gegen Swissmedic Schweizerisches Heilmittelinstitut, Haller- strasse 7, Postfach, 3000 Bern 9, Vorinstanz. Gegenstand Einfuhr von Arzneimitteln, Verfügungen vom 6. August 2010 und vom 13. August 2010. C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 16. April 2010 leitete das Zollinspektorat X._______ eine an der Grenze zurückbehaltene, an d ie Beschwerdeführerin adressierte Se n- dung aus C._______ mit insgesamt 200 Stechampullen H._______ zur weiteren Folgegebung an das Schweizerische Heil mittelinstitut, Swiss - medic (im Folgenden: Institut oder Vorinstanz), weiter. B. Das Institut teilte de r Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 20. Mai 2010 mit, es beabsichtige, die zurückgehaltene Ware, bei der es sich um zulassungs- und verschärft verschreibungspflichtige, in der Schweiz aber nicht zugelassene H._______-Präparate (_______ H._______ mit _______ pro Ampulle) in nicht kleiner Menge handle, zu vernichten – un- ter Kostenauflage in der Höhe von Fr. 300.- bis 400.-. C. In ihrem Schreiben an das Institut vom 7. Juni 2010 machte die B e- schwerdeführerin geltend, sie habe die fra glichen Ampullen nicht bestellt; das einzige was sie in C ._______ bestellt und erhalten habe, seien zwei Abendkleider. Aus diesem Grunde lehne sie die vorgesehene Gebühren- auflage ab. D. Nach Vornahme weiterer Abklärungen ordnete die Vorinstanz mit Verfü- gung vom 6. August 2010 die Vernich tung der fra glichen Sendun g an (Dispositiv Ziff. 1) und auferlegte de r Beschwerdeführerin eine Gebühr von Fr. 300. - (Dispositiv Ziff. 2). Zur Begründung dieser Verfügung wi e- derholte die Vorinstanz im Wesent lichen die Ausführungen in ihrem Vo r- bescheid und hielt ergänz end fest, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Sendung klar an die Beschwerdeführerin adressiert sei und deren Te- lefonnummer enthalte, wenn sie diese nicht bestellt habe. Sie habe daher als Bestellerin und rechtmässige Empfängerin zu gelten. E. Am 2. Juni 2010 hielt das Zollinspektorat X._______ eine weitere an die Beschwerdeführerin adressierte Sendung aus C ._______ (gleicher A b- sender) mit insgesamt 199 Stechampullen an der Grenze zurück. Auch diese Sendung leitete es an das Institut weiter. C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 3 F. Mit Schreiben vom 9. Juni 2010 w andte sich die Beschwerdeführeri n an das Institut und hielt im Wesentlichen fest, sie habe die fraglichen Stec h- ampullen nicht bestellt und damit nichts zu tun. G. Auch bezüglich dieser zweiten Sendung teilte das Institut der Be schwer- deführerin mit Vorbescheid vom 20. Mai 2010 mit, es beabsichtige, die zurückgehaltene Ware, bei der es sich um ein zulassungs- und verschärft verschreibungspflichtiges _______ in nicht kleiner Menge handle, zu ve r- nichten – unter Kostenauflage in der Höhe von Fr. 300.- bis 400.-. H. In ihrem Schreiben an das Institut vom 5. August 2010 machte die B e- schwerdeführerin wiederum geltend, sie habe die fraglichen Ampullen nicht bestellt und lehne daher die vorgesehene Gebührenauflage ab. I. Mit Verfügung vom 13. August 2010 ordnete das Institut die Vernichtung der in der zweiten Sendung enthaltenen Arzneimittel an (Dispositiv Ziff. 1) und auferlegte der Beschwerdeführerin erneut eine Gebühr von Fr. 300. - (Dispositiv Ziff. 2). J. Mit zwei inhaltlich weitestgehend übereinstimmenden Beschwerden vom 6. September 2010 wandte sich die Beschwerdeführerin an das Bunde s- verwaltungsgericht und beantragte, die Verfügungen vom 6. und 13. A u- gust 2010 seien vollumfänglich aufzuheben – unter Kosten und Entsch ä- digungsfolgen zu Lasten des Bundes. Zur Begründu ng ihres Antrag s hielt sie im Wesentlichen fest, entgegen der Vermutung des Instituts habe sie die fraglichen Arzneimittel nicht b e- stellt. Die auf den Sendungen angegebene Adresse und ihre Telefo n- nummer seien frei zugänglich und k önnten daher von jedermann mis s- braucht werden. Das Institut habe weder den Beweis dafür liefern kö n- nen, dass sie die Einfuhr der fraglichen Ampullen direkt oder indirekt ve r- ursacht habe. Es könne ihr daher keine Gebühr auferlegt werden. K. Der Instruktionsri chter vereinigte mit Zwischenverfügung vom 10. Se p- tember 2010 die aufgrund der beiden Beschwerden vom 6. September 2010 eröffneten Beschwerdeverfahren (C -6376/2010 und C -6377/2010) C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 4 und forderte die Beschwerdeführerin zur Leistung eines Kostenvorschu s- ses von Fr. 500.- bis zum 11. Oktober 2010 auf. Die entsprechende Za h- lung ging bei der Gerichtskasse am 9. Oktober 2010 ein. L. In ihrer Vernehmlassung vom 9. November 2010 beantragte das Institut, die Beschwerden seien abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. Zur Begründung seines Antrags hielt es vorab fest, die Ausführungen der Beschwerdeführerin bezögen sich nur auf die Gebührenauflage, sodass auf die Beschwerden nur insoweit eingetreten werden könne , als die Auf- hebung von Ziff. 2 des Dispositivs der Verfügungen beantragt werde. Im Weiteren machte es im Wesentlichen geltend, ohne anderweitige A n- haltspunkte werde der Adressat einer Sendung als Verursacher vermutet. Vorliegend lasse es die Beschwerde führerin bei der blossen Behauptung bewenden, sie habe die fragliche Ware nicht bestellt. Hierfür lege sie aber keine Beweismittel vor und bringe keine plausible Erklärung vor. Mangels eines direkten Nachweises der Bestellereigenschaft der Beschwerde - führerin sei auf Indizien abzustellen, wobei auch das Heranziehen von Er- fahrungssätzen möglich sei. Vorliegend gebe es keine Hinweise auf eine Fehladressierung. Erfahrungsgemäss würden Arzneimittelsendungen aus dem Ausland nur gegen Vorinkasso, in der Regel via Kreditkarte, ausg e- liefert. Gerade bei Sendungen im Wert von ca. Fr. 7'200. - sei es unwahr- scheinlich, dass ohne vorangehende Zahlung geliefert worden wäre, und sei auch eine Fehllieferung oder ein Missbrauch von Name, Adresse und insbesondere der Handynummer der Beschwerdeführerin nicht wah r- scheinlich. Unter diesen Umständen gebe es aus reichend Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin die Ware bestellt habe, so dass sie als Verursacher in der Verwaltungsmassnahmen wegen unzulässigem Arzneimittelimport und damit als gebührenpflichtig zu gelten habe. M. In ihrer Replik vom 13. Dezember 2010 bestätigte die Beschwerdeführ e- rin, nunmehr vertreten durch RA Paul Hofer, Baden, sinngemäss ihre Rechtsbegehren und deren Begründung. Ergänzend machte sie geltend, es sei unbelegt, dass es sich beim unbekannten A bsender der fraglichen Sendungen um einen Anbieter von Arzneimitteln handle, so dass auch nicht davon ausgegangen werden könne, dass entsprechend den interna- tionalen Praktiken nur gegen Vorausinkasso geliefert worden wäre. Es sei durchaus denkbar dass ihr Briefkasten ohne ihr W issen zu Schmugge l-C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 5 zwecken missbraucht worden sei – umso mehr, als sie tagsüber immer abwesend sei und der Briefkasten für jedermann ungehindert zugänglich sei. Der vom Institut angenommene Warenwert sei zudem nicht nachg e- wiesen, da S chmugglerware notorischerweise einen geringeren Ware n- wert aufweise und nicht feststehe, dass die vorliegenden Arzneimittel qualitativ mit den zum Vergleich beigezogenen Produkten übereinstimme. Auch der Umstand, dass sich ihr Name, ihre Adresse und ihre Te lefon- nummer auf den Sendungen befunden habe, können nicht geschlossen werden, dass sie die Ware bestellt habe. Da sie bei der Bestellung von zwei Abendkleidern in C ._______ diese Angaben gemacht habe, sei es nicht unwahrscheinlich dass diese Informationen missbräuchlich verwen- det worden seien. Zudem seien die Informationen frei zugänglich. N. Mit Verfügung vom 16. Dezember 2010 wurde die B eschwerdeführerin aufgefordert, vollständige Kontoauszüge sämtlicher ihrer Bank -, Post - und Kreditkartenkonten sowie insbesondere auch Internetbanking-Konten für die Zeit vom Juli 2009 bis zum Juni 2010 vorzulegen. Am 28. Januar 2011 reichte sie Kontoauszüge der Bank O ._______ (Spar- und Privat- konto) und der Y ._______ AG (Visa/MasterCard) ein. O. Auch das Institut bestätigte in seiner Duplik vom 18. Februar 2011 ihr Rechtsbegehren. Zu den Ausführungen in der Replik hielt es insbesonde- re fest, es sei fraglich, ob die persönlichen Informationen der Beschwe r- deführerin zu Schmuggelzwecken missbraucht worden sein könnten. Ein derartiger Fall sei ihm jedenfalls nicht bekannt. Zudem sei es unwah r- scheinlich, dass die gleiche Adresse von Schmugglern ein zweites Mal missbraucht worden wäre, wenn die erste Sendung nicht eingetroffen sei. Die zweite Sendung habe zudem eine "Invoice" enthal ten, was bei einem Schmuggel überflüssig gewesen wäre . Abgesehen davon, dass nicht b e- legt sei, dass die Beschwerdeführerin die fraglichen Abendkleider ta t- sächlich in C ._______ bestellt habe, stehe fest, dass die Zahlung für die Kleider beim Anbieter erst e ingetroffen sei, als die erste Arzneimittelse n- dung bereits in der Schweiz am Zoll zurückgehalten worden sei. Es sei daher unwahrscheinlich, dass die dem Kleideranbieter weitergegebenen, ohnehin nicht vollständigen persönlichen Informationen für einen Arzne i- mittelschmuggel mi ssbraucht worden sein könnten. Die Frage, ob der ermittelte Warenwert korrekt sei, habe für die Beurteilung der Zulässigkeit der Gebührenerhebung keine Bedeutung. Ohne Bedeutung seien auch die eingereich ten Kontoauszüge, da eine Barzahlung oder eine Beza h-C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 6 lung über ein nicht genanntes (Kreditkarten-) Konto nicht auszuschliessen sei. P. In ihrer Stellungnahme zur Duplik vom 22. März 2011 machte die B e- schwerdeführerin ergänzend im Wesentlichen geltend, der Missbrauch fremder Briefkästen zu Schmuggelzwecken sei ein üblicher modus ope- randi, wobei ein geeigneter Briefkasten durc haus auch weiterverwendet werde, wenn eine Sendung am Zoll abgefangen worden sei. Zudem sei es plausibel, wenn zum Zwecke der Vertuschung einer Sendung eine "I n- voice" beigelegt werde. Ein klares Indiz dafür, dass sie die fraglichen Sendungen nicht bestellt habe sei auch, dass sich in den eingereichten Kontoauszügen keine Hinweise auf deren Bezahlung fänden. Q. Mit Verfügung vom 25. März 2011 wurde der Schriftenwechsel abge- schlossen. R. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten B e- weismittel ist – soweit erforderlich – in den folgenden Erwägungen näher einzugehen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Ve rfahrens sind die Verfügungen des Instituts vom 6. und 13. August 2010, mit welchen die Vernichtung von zwei an die Beschwerdeführerin gerichteten Sendungen mit insg e- samt 399 Stechampullen eines H ._______-Präparates ( _______ H._______ mit _______ pro Ampulle) angeordnet und der Beschwerd e- führerin Verwaltungsgebühren von zweimal Fr. 300. - auferlegt worden sind. 1.1 Die Zuständigkeit zur Beurteilung der Streitsachen richtet sich nach Art. 31 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesve r- waltungsgericht (VGG, SR 173.32). Danach beurteilt das Gericht insb e- sondere Beschwerden gegen Verfügungen der Anstalten und Betriebe des Bundes (Art. 33 Bst. e VGG). Da das Institut eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes bildet (Art. 68 Abs. 2 des B undesgesetzes vom 15. C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 7 Dezember 2000 über Arzneimittel und Medizinprodukte [HMG; SR 812.21]), die angefochtenen Anordnungen ohne Zweifel als Verfügungen im Sinne von Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu qualifizieren sind und zudem keine Ausnahme gemäss Art. 32 VGG vorliegt, ist das Bu n- desverwaltungsgericht zur Beurteilung der vor liegenden Beschwerden zuständig. 1.2 Der Anfechtungsgegenstand in einem Beschwerdeverfahren wird durch die angefochtene Verfügung bestimmt. Davon zu unterscheiden ist der Streitgegenstand. Im Bereich der nachträglichen Verwaltungs rechts- pflege ist der Streitgegenstand das Rechtsverhältnis, welches – im Rah- men des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegensta ndes – den aufgrund der Beschwerdebegehren tatsächlich angefochtenen Ver - fügungsgegenstand bildet (BGE 119 Ib 36 E. 1b mit Hinweisen; FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 44 ff.). Die Beschwerdeführerin beantragt zwar in ihre n Beschwerdeschriften vom 6. September 2010, die angefochtenen Verfügungen seien vollu m- fänglich aufzuheben. Sie macht aber einzig geltend, es dürften ihr keine Verwaltungsgebühren auferlegt werden, da sie die fragliche n Arzneimit- telsendung nicht bestellt und damit den Aufwand des Instituts nicht veru r- sacht habe. Ge gen die in den angefochtenen Verfügungen ebenfalls an- geordnete Vernichtung der Ware (Verfügungsdispositiv Ziff. 1) wendet sie sich in keiner Weise , so dass davon auszugehen ist, dass diese Anord- nung nicht angefochten ist. Der Streit gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist damit beschränkt auf die Frage, ob das Insti tut der Beschwerdeführerin in den angefochte- nen Verfügungen zu Recht eine Verwaltungsgebühr von je Fr. 300.- aufer- legt hat (Verfügungsdispositiv Ziff. 2). 1.3 Die Beschwerdeführerin, die als Partei an den vorinstanzlichen Ve r- fahren teilgenommen hat, ist durch die Gebührenauflage in den ang e- fochtenen Verfügungen be sonders berührt und hat an deren Aufhebung ein schutzwürdiges Interesse (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem der Kostenvorschuss von Fr. 500. - fristgerecht geleistet worden ist, kann i n- soweit auf die frist - und formgerecht eingereichten Beschwerden eing e- treten werden. C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 8 2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich im Wesent- lichen nach den Vorschriften des VwVG und des VGG. 2.1 Mit der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann gerügt werden, die angefochtene Verfügung verletze Bundesrecht (einschliess - lich der Überschreitung oder des Missbrauchs von Ermessen), beruhe auf einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts oder sei unangemessen (Art. 84 Abs. 1 des Heilmittel - gesetzes vom 15. Dezember 2000 [HMG, SR 812.21] in Verbindung mit Art. 49 VwVG). 2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist nach dem Grundsatz der Recht s- anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ GYGI, a.a.O., S. 212). 3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Auflage von Verwaltungsge- bühren von zweimal Fr. 300.- sei rechtswidrig, da sie die verfügten Ver- waltungsmassnahmen des Instituts nicht veranlasst habe. 3.1 Das Institut kann für seinen Verwaltungstätigkeiten – insbesondere für den Aufwand im Zusammenhang mit dem Erlass von Verfügungen – Ge- bühren erheben (Art. 65 Abs. 1 HMG und Art. 1 Bst. a der Verordnung vom 22. Juni 2006 über die Gebühren des Schweizerischen Heilmitteli n- stituts (HGebV, in der bis zum 31. Dezember 2012 geltenden Fassung, AS 2006 3681 ). Gemäss Art. 2 Abs. 1 Bst. a HGebV muss eine Gebühr bezahlen, wer eine Verfügung des Inst ituts veranlasst. Veranlasser im Sinne dieser Bestimmung ist nach ständiger Praxis insbesondere derjen i- ge, welcher durch sein Verhalten (oder durch das Verhalten seiner Hilf s- personen) zumindest den Verdacht einer Gefährdung der öffentlichen Gesundheit heraufbeschwört (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] C-5894/2010 vom 26. August 2011 E. 6.2 und C -1281/2007 vom 17. September 2007 E. 2.4). Voraussetzung für die Gebührenpflichtigkeit eines Veranlassers ist allerdings, dass er nicht nur behördl iches Tätig - werden, sondern die Anordnung von besonderen, in der Regel gegen ihn selbst gerichteten Verwaltungsmassnahmen verursacht (vgl. etwa den C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 9 Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission für Heil mittel HM 05.117 vom 27. Januar 2006, E. 5.2). 3.2 Vorliegend ist unbestritten, dass die von den Zollbehörden zu rück- gehaltenen Sendungen an die Beschwerdeführerin adressiert waren und an diese hätten ausgeliefert werden sollen. Dieser Umstand allein vermag allerdings eine Gebührenpflicht de r Beschwerdeführerin noch nicht zu begründen. Erforderlich ist vielmehr, dass sie die versuchte Einfuhr der Waren verursacht hat, die Ware also bestellt hat oder hat bestellen lassen (vgl. Urteil des BVGer C-1281/2007 vom 17. September 2007 E. 2.4). 3.2.1 Wie das Institut zu Recht festhält, stehen zur Abklärung der Identität des Bestellers der Waren keine erfolgsversprechenden, verhält nismäs- sigen Beweismassnahmen zur Verfügung: Vom Versender der Ware ist bloss die Postadresse in C._______ bekannt (vgl. pag. 5 de r Vorakten). Da den versandten Stech ampullen keine Arznei mittelinformation bzw. Warenbeschreibung beilag, ist zudem davon auszugehen, dass sich der Versender der Unrechtmässigkeit des Imports in die Schweiz bewusst gewesen sein dürfte. Nach forschungen betreffend den Besteller sind d a- her beim ange gebenen Absender nicht ohne unverhältnismässigen Au f- wand möglich und wenig erfolgversprechend. Ein direkter Beweis der Identität des Bestellers kann unter diesen Um - ständen nicht erbracht werden, so dass aufgru nd der sich aus den Akten ergebenden Indizien zu beurteilen ist, ob die Beschwerdeführerin als Ver- anlasserin der fraglichen Verwaltungsmassnahme des Instituts zu gelten hat. Dabei können aufgrund der Lebenserfahrung auch Wahrscheinlic h- keitsfolgerungen getroffen werden (BGE 132 II 482 E. 3.2). Insbesondere ist das Heranziehen von Erfah rungssätzen zulässig, wenn aus einem b e- stimmten Sachverhalt nach all gemeiner gefestigter Auffassung in der weitaus überwiegenden Zahl von Fällen nur ein einziger Schluss gezogen werden kann ( CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Ko m- mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich 2008, Rz. 4 zu Art. 12). 3.2.2 Die Beschwerdeführerin hat für ihre Behauptung, die Waren nicht bestellt zu haben, keinerlei Bew eismittel beigebracht – was allerdings auch kaum möglich gewesen wäre (Beweis einer negativen Tatsache) . Das Institut hat zwar auch keine Unterlagen zur Bestellung der Ware vo r- gelegt, hält aber fest, dass keine Hinweise auf eine Fehladressierung vor- lägen und dass nach gängiger Geschäftspraxis Arzneimittel nur nach Vor-C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 10 inkasso, in der Regel via Kr editkarte, ausgeliefert würden – insbesondere dann, wenn es sich um Waren im Wert von ca. Fr. 7'200.- handle (Schät- zung des Werts in der Schweiz ). Hieraus schliess t die Vor instanz au f- grund ihrer Erfahrung in einer Vielzahl von Fällen des Arzneimittelimports, dass die Beschwerdeführerin auch Bestellerin der Ware war bzw. diese hat bestellen lassen. 3.2.3 Auf Aufforderung des Instruktionsrichters hin hat die Beschwerde- führerin im vorliegenden Verfahren Kontoauszüge der Bank O ._______ (Spar- und Privatkonto) und der Y ._______ AG (Visa/MasterCard) beige- bracht. In diesen finden sich keine Hinweise auf eine Bezahlung der frag- lichen Arzneimittel durch die Beschwerdeführerin. Hieraus kann aber nicht geschlossen werden, dass sie die Ware nicht bestellt hat. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin die Zahlung auf a n- dere Weise (etwa direkte Bank - oder Postüberweisung) getätigt oder durch einen Dritten hat vornehmen lassen. 3.2.4 Entscheidend ist vorliegend, dass eine Fehladressierung äusserst unwahrscheinlich ist. Die Adresse der Beschwerdeführerin, die auf den Sendungen fehlerfrei aufgeführt ist (vgl. pag. 5 der Vorakten), findet sich weder im Telefonbuch (vgl. pag. 9 der Vorakten), noch ist sie mit einer üb- lichen Internetrecherche auffindbar (Googlesuche nach Namen und A d- ressbestandteilen). Zudem findet sich auf den Sendungen eine Hand y- nummer der Beschwerdeführerin, die ebenfalls in keinem öffentlichen Re- gister aufgeführt (vgl. pag. 9 der Vorakten) und auch im Internet nicht auf- findbar ist (vgl. etwa www.123people.ch/s/A._______, zuletzt besucht am 7. Dezember 2012). Da angesichts des relativ hohen Warenwerts ein Streich oder ein Missbrauch der Adresse durch Perso nen, denen die Beschwerdeführerin ihre Adresse und Handynummer weiter- gegeben hat, ausgeschlossen werden kann, ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin selbst (allenfalls durch einen beauftragten Dri t- ten) diese Angaben dem Absender hat zukommen lassen. Dass diese Angaben infolge einer früheren Bestellung von Kleidungsstücken dem Absender bekannt geworden und von diesem missbraucht worden sein könnten – wie dies die Beschwerdeführerin behauptet –, ist aufgrund des zeitlichen Ablaufs kaum möglich (Eingang der Zahlung für die Kleidung s- stücke erst nach dem Versandt der ersten Arzneimittelsendung) und an- gesichts der im Detail nicht übereinstimmenden Adress angabe völlig un - wahrscheinlich (Kleiderbestellung: " z._______", Arzneimittellie ferung: "Z._______"). Zudem erweist sich auch die Hypothese der Beschwerd e- führerin, ihre Adresse könnte zu Schmuggelzwecken missbraucht worden C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 11 sein, indem die Sendungen nach deren Zustellung unbefugterweise aus ihrem frei zugänglichen, häufig unbeaufsichtigten Briefkasten entwendet worden wären, als aktenwidrig: Wie den postalischen Begleitscheinen der beiden Sendungen zu entnehmen ist, wären diese nur gegen Unterschrift der B eschwerdeführerin ausgeliefert worden (Felder "accepted by (signature)" und " reciever's name"). Zudem ist aus dem Umstand, dass diese Begleitscheine mit Durchschlag auszufertig en sind, zu schliessen, dass die Empfangsscheine vom Postbetrieb (EMS) nach Auslieferung der Ware zurückbehalten worden wäre n – was einge- schriebenen Sendung en entspricht (vgl. zum Ganzen pag. 5 der Vor - akten). Es ist nicht anzunehmen, dass die Sendungen vom Postbetrieb einfach in den Briefkasten der Beschwerdeführerin gelegt worden wären. 3.3 Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts handelt es sich bei der Aussage der Beschwerdeführerin, die Waren nicht bestellt zu haben, um eine unbelegte Schutzbehauptung. Es finden sich in den Akten ke i- nerlei Anzeichen, welche auf eine Bestellung d urch einen Dritten, eine Verwechslung, eine Fehllieferung oder gar kriminelle Machenschaften hindeuten würden. Vielmehr ist festzuhalten, dass der Absender über die genaue Postadresse der Beschwerdeführerin verfügte und den Sendun- gen keine dem Warenwert auch nur annähernd entsprechende Rechnung beigelegt war. Wie das Institut zu Recht betont, ist auszuschliessen, dass Waren im Wert von weit über tausend Franken ohne Vorauszahlung an eine nicht kontrollierte Adresse versendet werden. Das Bundes verwal- tungsgericht hält es für ausgeschlossen, d ass der Name und die Adresse der Beschwerdeführerin missbraucht worden sein könnten, ist doch in keiner Weise ersichtlich, welchen Nutzen ein Dritter aus einem derartigen Vorgehen hätte ziehen können. Auch e ine böswillige Belästigung durch einen Dritten ist auszuschliessen, war doch in keiner Weise vor aus- zusehen, dass die Sendung im Rahmen der stichprobenweisen Prüfung durch die Zollbehörden erfasst und zurückgehalten werden würde. Ebe n- so ist in keiner Weise ersichtlich, welche kriminellen Machenschaften hin- ter der Zustellung der Ware an d ie Beschwerdeführerin stecken könnten – insbesondere ist ein Missbrauch durch Dritte zu Schmuggelzwecken nicht glaubhaft gemacht. Unter diesen Umständen erachtet es das Bundes verwaltungsgericht als ausreichend erstellt, dass die Beschwerdeführerin die Ware bestellt hat oder hat bestellen lassen und damit die verfügte n Verwaltungsmass- nahmen des Instituts veranlasst hat . Sie ist daher gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. c HGebV gebührenpflichtig. C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 12 3.4 Die Höhe der Gebühr richtet sich im Wesentlichen nach dem Verwa l- tungsaufwand, der mit Fr. 200. - pro Stunde zu belasten ist (Art. 3 in Ve r- bindung mit Ziff. V Anhang HGebV). Es ist ohne weiteres nachvollziehbar, wenn das Institut geltend macht, dass im vorinstanzlichen Verfahren ein Verwaltungsaufwand von zweimal 1,5 Stunden angefallen sei. Die sich daraus ergebende Gebühr von zweimal Fr. 300. - ist angemessen und entspricht ohne Zweifel den Grundsätzen des Äquivalenz - und des Ko s- tendeckungsprinzips. 4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Institut der Beschwerde - führerin zu Recht in zwei Verfügungen Verwaltungsgebühren von je Fr. 300.- auferlegt hat. Die Beschwerden erweisen sich als unbegründet und sind abzuweisen. 5. Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteientschädigung. 5.1 Die Kosten des Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht setzen sich aus der Gerichtsgebühr und den Auslagen zusammen und werden insgesamt, unter Berücksichtigung des Umfangs und der Schwieri gkeit der Streitsache, der Art der Prozessführung, der finanziellen Lage der Parteien und den involvierten Vermögensinteressen auf Fr. 500. - fest- gelegt (Art. 1, Art. 2 Abs. 1 und Art. 4 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VGKE ], SR 173.320.2). Sie werden der unterliegenden Beschwerdeführerin zur Be - zahlung auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem bereits geleisteten Verfahrenskostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 5.2 Der obsiegenden Partei kann n ach Massg abe ihres Erfolges von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zugesprochen werden (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbehörde hat das Institut allerdings keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE). C-6376/2010 und C-6377/2010 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerden vom 6. September 2010 werden abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 500. - werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr._______ & _______; Gerichtsurkunde) – das Eidgenössische Departement des Innern Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Stefan Mesmer Milan Lazic Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rech tsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthal ten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: