<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">190</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>32</b></span> <span class="ft4"><b>Varianten; Pauschalangebot</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Eine Vergütungsart, die von den Bedingungen der Ausschreibung ab-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>weicht, stellt keine Variante, sondern ein ausschreibungswidriges Angebot</b></span><br/> <span class="ft4"><b>dar. Will die Vergabestelle verschiedene Vergütungsarten zulassen, muss</b></span><br/> <span class="ft4"><b>sie die Zulässigkeit und die notwendigen Rahmenbedingungen in den</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Ausschreibungsunterlagen festlegen, um die Vergleichbarkeit der Ange-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>bote zu gewährleisten. (Bestätigung/Präzisierung der Rechtsprechung)</b></span><br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 13. März 2014 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">A. AG gegen Einwohnergemeinde B. (WBE.2013.550).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Den Anbietenden steht es grundsätzlich frei, Offerten für</span><br/> <span class="ft1">Varianten und Teilangebote einzureichen (vgl. § 16 Abs. 1 SubmD).</span><br/> <span class="ft1">Die Frage, ob es sich bei einem Pauschal- oder Globalangebot um</span><br/> <span class="ft1">eine zulässige Variante zum Grundangebot oder um ein ausschrei-</span><br/> <span class="ft1">bungswidriges Angebot handelt, war in der Lehre und Rechtspre-</span><br/> <span class="ft1">chung ursprünglich umstritten (vgl. dazu Urteil des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richts des Kantons Zürich vom 19. Mai 2010 [VB.2009.00668],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 7.3, mit Hinweisen). Nach Art. 22a Abs. 2 der Verordnung über</span><br/> <span class="ft1">das öffentliche Beschaffungswesen vom 11. Dezember 1995 (VöB;</span><br/> <span class="ft1">SR 172.056.11) gelten seit dem 1. Januar 2010 im Bundessub-</span><br/> <span class="ft1">missionsrecht unterschiedliche Preisarten ausdrücklich nicht als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">191</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Varianten. Eine andere Preisart (z.B. Pauschal- oder Globalpreis an-</span><br/> <span class="ft1">stelle des in der Amtsvariante vorgesehenen Einheitspreises) ist keine</span><br/> <span class="ft1">Variante, sondern ein ausschreibungswidriges Angebot (was zum</span><br/> <span class="ft1">Ausschluss führt), falls die Vergabestelle die diesbezügliche</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit nicht ausdrücklich eingeräumt hat (vgl. Eidgenössisches</span><br/> <span class="ft1">Finanzdepartement [EFD], Erläuternder Bericht zur Änderung der</span><br/> <span class="ft1">Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen vom 18. No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2009, S. 15 zu Art. 22a VöB; vgl. auch P</span><span class="ft6">ETER</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft6">ALLI</span><span class="ft1">/A</span><span class="ft6">NDRÉ</span><br/> <span class="ft1">M</span><span class="ft6">OSER</span><span class="ft1">/E</span><span class="ft6">LISABETH</span> <span class="ft1">L</span><span class="ft6">ANG</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ARC</span> <span class="ft1">S</span><span class="ft6">TEINER</span><span class="ft1">, Praxis des öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Beschaffungsrechts, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 768).</span><br/> <span class="ft1">Auch nach der publizierten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2003, S. 279 f.) stellt eine Vergütungsart, die von den Be-</span><br/> <span class="ft1">dingungen der Ausschreibung abweicht, nicht eine Variante, sondern</span><br/> <span class="ft1">ein ausschreibungswidriges Angebot dar. Eine Variante im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">§ 16 Abs. 1 SubmD beinhaltet immer eine leistungsbezogene Abwei-</span><br/> <span class="ft1">chung von den Ausschreibungsunterlagen (z.B. Projekt- oder</span><br/> <span class="ft1">Ausführungsvariante); mit ihr soll den Anbietern die Möglichkeit</span><br/> <span class="ft1">eingeräumt werden, von der Amtslösung abweichende, innovative</span><br/> <span class="ft1">Alternativen anzubieten. Demgegenüber wird bei einer von den</span><br/> <span class="ft1">Bedingungen der Ausschreibung abweichenden Vergütungsart in Be-</span><br/> <span class="ft1">zug auf die nachgefragte Leistung - gleich wie beim Grundangebot -</span><br/> <span class="ft1">lediglich die Amtslösung angeboten. Wesentlich erscheint auch, dass</span><br/> <span class="ft1">sich Pauschal- und Einheitspreisangebote nicht bzw. höchstens be-</span><br/> <span class="ft1">dingt miteinander vergleichen lassen und dadurch die seriöse sachli-</span><br/> <span class="ft1">che Ermittlung des wirtschaftlich günstigsten Angebots erheblich er-</span><br/> <span class="ft1">schwert wird. Die Preisbestimmung erfolgt bei den verschiedenen</span><br/> <span class="ft1">Preisarten nach ganz anderen Grundsätzen. Weicht beispielsweise die</span><br/> <span class="ft1">im Leistungsverzeichnis zu den einzelnen Leistungen angenommene</span><br/> <span class="ft1">Menge von der für die geschuldete Einheitspreisvergütung</span><br/> <span class="ft1">massgeblichen tatsächlichen Menge ab, so kann ein höherer Einheits-</span><br/> <span class="ft1">preis preislich günstiger sein als ein tieferes Pauschalangebot. Umge-</span><br/> <span class="ft1">kehrt kann ein höherer Pauschalpreis günstiger sein als ein Angebot</span><br/> <span class="ft1">mit Einheitspreisen und zusätzlich separat zu entschädigenden</span><br/> <span class="ft1">Regiearbeiten. Will die Vergabebehörde dennoch verschiedene Ver-</span><br/> <span class="ft1">gütungsarten zulassen, muss sie folglich in den Ausschreibungsunter-</span><br/> <span class="ft1">lagen die Zulässigkeit und die notwendigen Rahmenbedingungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">192</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">festlegen, um die Vergleichbarkeit der Angebote zu gewährleisten</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2003, S. 280 f.; ferner Urteil des Verwaltungsgerichts des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Zürich vom 23. Januar 2003 [VB.2002.00195], Erw. 4a; Ur-</span><br/> <span class="ft1">teil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 3. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2003 [VB.2003.00256], Erw. 3.3 - 3.5; Urteil des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richts des Kantons Zürich vom 19. Mai 2010 [VB.2009.00668],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 7.3, mit weiteren Hinweisen; vgl. auch § 12 Abs. 2 SubmD in</span><br/> <span class="ft1">Verbindung mit Ziff. 6 von Anhang 5 zum SubmD).</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">In Ziff. 1.5.1. der Submissionsunterlagen wird "ein vollständig</span><br/> <span class="ft1">ausgefülltes und unterzeichnetes Akkordangebot" verlangt. Die Sub-</span><br/> <span class="ft1">missionsunterlagen lassen zwar Varianten zum bestehenden Be-</span><br/> <span class="ft1">schrieb zu, enthalten aber keine Vorschriften über Zulässigkeit und</span><br/> <span class="ft1">Bedingungen für Pauschal- oder Globalangebote. Schon deshalb war</span><br/> <span class="ft1">die Vergabestelle weder verpflichtet noch auch nur berechtigt, Pau-</span><br/> <span class="ft1">schalangebote beim Zuschlag zu berücksichtigen (vgl. AGVE 2003,</span><br/> <span class="ft1">S. 281). Die Vergabestelle selbst geht zudem davon aus, dass die vor-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Submissionsunterlagen, insbesondere die beiden beigeleg-</span><br/> <span class="ft1">ten Baupläne, mangels Detaillierungsgrad für das Einreichen eines</span><br/> <span class="ft1">Pauschalangebots untauglich sind. Auch seien im Leistungsverzeich-</span><br/> <span class="ft1">nis bzw. in den Akkordangeboten Ausmassreserven zwischen 5 und</span><br/> <span class="ft1">10% bzw. rund Fr. 30'000.00 enthalten. Das Verwaltungsgericht hat</span><br/> <span class="ft1">keine Veranlassung, diese Angaben der Vergabestelle in Zweifel zu</span><br/> <span class="ft1">ziehen, zumal die Beschwerdeführerin den fehlenden Detaillierungs-</span><br/> <span class="ft1">grad zumindest der beigelegten Pläne indirekt selbst dadurch bestä-</span><br/> <span class="ft1">tigt hat, dass sie offenbar in Eigenregie zusätzliche Pläne beizog. Die</span><br/> <span class="ft1">Vergleichbarkeit des Pauschalangebots der Beschwerdeführerin mit</span><br/> <span class="ft1">den verlangten Einheitspreisangeboten ("Akkordangeboten") ist so-</span><br/> <span class="ft1">mit nicht gegeben, weshalb die Vergabestelle das Pauschalangebot</span><br/> <span class="ft1">auch aus diesem Grund zu Recht nicht berücksichtigt hat.</span><br/></div> </div> </body> </html>