<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 62 S.328</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">328</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>62</b></span> <span class="ft3"><b>Weiterbildungskosten (§ 35 Abs. 1 lit. e StG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Kosten im Zusammenhang mit einem Schulbesuch im Rahmen einer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Ausbildung (Lehre zur Kauffrau) sind nicht abziehbare Ausbil-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dungskosten.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">24. Januar 2008 in Sachen F.Z., 3-RV.2007.175</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">6.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrentin absolviert auf der Gemeindeverwaltung R. die</span><br/> <span class="ft1">Lehre zur "Kauffrau erweiterte Grundbildung".</span><br/> <span class="ft1">Die Lehre der Rekurrentin zur "Kauffrau erweiterte Grund-</span><br/> <span class="ft1">bildung" gliedert sich in die Elemente Schulbesuch und Arbeit im</span><br/> <span class="ft1">Lehrbetrieb. Die Arbeitszeit, einschliesslich des Pflicht- und Wahl-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fachunterrichts an der Berufsschule Reinach - Lenzburg beträgt 5 Ta-</span><br/> <span class="ft1">ge pro Woche (Lehrvertrag, Ziff. 6). Im 1. Lehrjahr umfasst der Un-</span><br/> <span class="ft1">terricht an der Berufsschule 2 Tage pro Woche, im 2. Lehrjahr</span><br/> <span class="ft1">1 ½ Tage und im 3. Lehrjahr 1 Tag. Die restliche Arbeitszeit ver-</span><br/> <span class="ft1">bringt die Rekurrentin im Lehrbetrieb. Die aus dem Besuch des Un-</span><br/> <span class="ft1">terrichts an der Berufsschule entstehenden Kosten sind von der Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrentin selber zu tragen. Der Bruttolohn wurde wie folgt festgelegt:</span><br/> <span class="ft1">im 1. Lehrjahr monatlich CHF 575.00, im 2. Lehrjahr CHF 725.00</span><br/> <span class="ft1">und im 3. Lehrjahr CHF 1'025.00. Zusätzlich werden 50 % der</span><br/> <span class="ft1">Kosten von Fremdsprachenaufenthalten sowie 50 % bzw. 100 % der</span><br/> <span class="ft1">Prüfungsgebühren für Fremdsprachen- und Informatik-zertifikate</span><br/> <span class="ft1">übernommen.</span><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Lehre zur Kauffrau ist ihrem Charakter nach eindeutig als</span><br/> <span class="ft1">Ausbildung zu qualifizieren (was auch von der Rekurrentin aner-</span><br/> <span class="ft1">kannt wird). Anders als bei einem Arbeitsvertrag bzw. einem Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">verhältnis nach Art. 319 ff. OR, bei dem die Arbeitsleistung des Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitnehmenden im Dienste des Arbeitgebers gegen Entgelt des</span><br/> <span class="ft1">Arbeitgebers im Vordergrund steht, geht es bei einem Lehrvertrag</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 344 OR darum, dass der Arbeitgeber, d.h. der Lehrbetrieb,</span><br/> <span class="ft1">die lernende Person für eine bestimmte Berufstätigkeit fachgemäss</span><br/> <span class="ft1">bildet und die lernende Person zu diesem Zwecke Arbeit im Dienste</span><br/> <span class="ft1">des Arbeitgebers verrichtet. Der Lehrvertrag hat eindeutig einen an-</span><br/> <span class="ft1">deren Schwerpunkt als der Arbeitsvertrag, nämlich dem Lernenden</span><br/> <span class="ft1">eine Ausbildung im betreffenden Beruf zu ermöglichen. Der Lehr-</span><br/> <span class="ft1">vertrag bezweckt wie von der Vorinstanz korrekt ausgeführt</span><br/> <span class="ft1">nicht primär die Erzielung eines Erwerbseinkommens, sondern bildet</span><br/> <span class="ft1">die Grundlage für die spätere Ausübung des erlernten Berufes im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen eines Arbeitsvertrages.</span><br/> <span class="ft1">Da die Kosten bis zum Abschluss der Ausbildung im jeweiligen</span><br/> <span class="ft1">Beruf unbestrittenermassen Ausbildungskosten darstellen, wären</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich keine Gewinnungskosten im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft1">Lehre der Rekurrentin abzugsfähig. Weder dürften die Kosten zum</span><br/> <span class="ft1">Besuch der Berufsschule noch die zur Ausübung der Arbeitstätigkeit</span><br/> <span class="ft1">im Lehrbetrieb anfallenden Kosten berücksichtigt werden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.3.</span><br/> <span class="ft1">Zu beachten ist jedoch, dass die von der Rekurrentin erzielten</span><br/> <span class="ft1">Einkünfte im Zusammenhang mit ihrem Lehrvertrag unbestrittener-</span><br/> <span class="ft1">massen steuerbares Einkommen bilden. Der Lehrlingslohn ist aller-</span><br/> <span class="ft1">dings nicht als Äquivalent für die Mitarbeit eines Auszubildenden im</span><br/> <span class="ft1">Lehrbetrieb zu verstehen. Ob das Entgelt im 1. Lehrjahr aufgrund des</span><br/> <span class="ft1">noch eher geringen Wissenstandes und der beschränkten Einsatz-</span><br/> <span class="ft1">fähigkeit angemessen ist, kann offen bleiben. Fest steht, dass der</span><br/> <span class="ft1">Lehrbetrieb ab dem 2., spätestens jedoch ab dem 3. Lehrjahr von den</span><br/> <span class="ft1">erworbenen beruflichen Fähigkeiten, der grösseren Erfahrung und</span><br/> <span class="ft1">der verstärkten Selbständigkeit des Lernenden in der Regel in weit</span><br/> <span class="ft1">höherem Masse profitiert, als dies der Lehrlingslohn widerspiegelt.</span><br/> <span class="ft1">Der Lohn stellt insgesamt eine "Pauschale" für die im Lehrbetrieb</span><br/> <span class="ft1">geleistete Arbeit dar, die unabhängig von der individuellen Leistung</span><br/> <span class="ft1">und der Anzahl Arbeitstage bzw. der Anzahl Tage mit Berufsschulun-</span><br/> <span class="ft1">terricht ausgerichtet wird.</span><br/> <span class="ft1">Dass unter diesen Umständen die zur Ausführung der Arbeit</span><br/> <span class="ft1">notwendigen Auslagen, vorliegend die Velokosten von CHF 700.00</span><br/> <span class="ft1">und der Pauschalabzug von CHF 1'900.00, von der Steuerkom-</span><br/> <span class="ft1">mission Reinach zum Abzug zugelassen werden, ist nicht zu be-</span><br/> <span class="ft1">anstanden. Für die von der Rekurrentin zusätzlich geltend gemachten</span><br/> <span class="ft1">Abzüge im Zusammenhang mit dem Besuch der Berufsschule (Fahrt-</span><br/> <span class="ft1">kosten des öffentlichen Verkehrs von CHF 1'200.00, Mehrkosten der</span><br/> <span class="ft1">auswärtigen Verpflegung von CHF 1'120.00) bleibt hingegen auf-</span><br/> <span class="ft1">grund des Ausbildungscharakters der Berufslehre kein Raum.</span><br/></div> </div> </body> </html>