Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. September 2013 (725 13 142 / 218) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Invalidenrente nach UVG; Würdigung des polydisziplinären Gutachtens; Bemessung der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit und des leidensbedingten Abzugs zur Bestimmung des Invaliditätsgrads Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dieter F reiburghaus, Kantons- richter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Bernhard Fischer , Ad- vokat, Postgasse 9, Postfach 182, 4450 Sissach gegen Branchen Versicherung Schweiz , Irisstrasse 9, Postfach , 8032 Zürich, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Adelrich Friedli, Rechtsanwalt, Stationsstrasse 66a, 8907 Wettswil Betreff Leistungen A. Die 1973 geborene A.____ war vom 25. August 2006 bis zum 31. Mai 2010 bei der B.____ AG in C.____ als Produktionsmitarbeiterin angest ellt und in dieser Eigenschaft bei der Branchen Versicherung Schweiz (Branchen Versicherung) obli gatorisch gegen die Folgen von Betriebs- und Nichtbetriebsunfällen versichert. Daneben arbeitete A.____ für diverse Liegen- schaftsverwaltungen als Hauswartin. Am 29. September 200 9 verunfallte A.____ bei der Arbeit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht für die B.____ AG, als sie beim Beladen eines Wagens mi t einer Kiste das Gleichgewicht verlor und auf den rechten Arm stürzte. Dabei zog sie sich eine Distorsion mit radialer Läsion TFCC rechts und einer LT-Bandläsion rechts zu. Am 23. Dezember 2009 wurde bei A.____ eine Ope- ration mit einer diagnostischen Handgelenksarthroskopie, einer Ulnaverkürzungsosteotomie, einer TFCC-Reinsertion, einer temporären LT-Transfi xation mit Boltschraube sowie einer LT- Band Augmentation mit Retinakulumstreifen durchgefüh rt. Am 26. August 2010 und 7. Oktober 2011 folgten weitere Operationen zur Entfernung der Boltschraube und der Metallplatte. Die Branchen Versicherung erbrachte nach dem Unfall die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten, Taggelder). Mit Verfügung vom 1. November 2012 stellte die Branchen Versicherung nach Ein- holung eines polydisziplinären Gutachtens die Taggeldleist ungen ein und lehnte den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente der Unfallver sicherung ab. Eine gegen diese Verfü- gung erhobene Einsprache hiess die Branchen Versicherung mit Entscheid vom 2. April 2013 insoweit gut, als A.____ neu eine Invalidenrente ents prechend einer Invalidität von 19% zuge- sprochen wurde. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Bernard Fisch er, Advokat, mit Eingabe vom 8. Mai 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt), und beantragte, es sei der Einspracheentscheid vom 2. April 2013 aufzuheben, soweit er die Einsprache abweise, es sei auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 50% zu erkennen und eine entsprechende Rente mit Wirkung ab 1. November 201 2 zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung und Festsetzung des Rente nanspruchs an die Beschwerdegeg- nerin zurückzuweisen; unter o/e Kostenfolge. Der Beschwer deführerin sei ausserdem die un- entgeltliche Rechtspflege und die unentgeltliche Ver beiständung zu bewilligen. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht wird der Beizug der Vorakten beantr agt. Zur Begründung führte die Be- schwerdeführerin im Wesentlichen aus, dass auf das eingeholte polydisziplinäre Gutachten des Gutachtenzentrums D.____ aus formellen und materiellen Gründen nicht abgestellt werden könne. Vielmehr sei der medizinischen Einschätzung des beh andelnden Handchirurgen zu fol- gen. Bei dem für die Invaliditätsbemessung herangezogen en Tabellenlohn sei ausserdem statt einem leidensbedingten Abzug von 10% ein solcher von 20% angemessen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juni 2013 schloss die Beschwerdegegnerin, nunmehr vertreten durch Adelrich Friedli, Advokat, auf Abweisung der Beschwerde und des Gesuchs um unentgeltliche Verbeiständung. D. Mit Eingabe vom 31. Juli 2013 reichte die Beschwer deführerin ergänzend Unterlagen aus dem Verfahren der Invalidenversicherung (IV) ein, die vor Hängigkeit des vorliegenden Ver- fahrens dem IV-Dossier noch nicht beigelegen hätten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATS G das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Be schwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in E.____, sodass die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsge- richts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurtei lt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanton s Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 8. Mai 2013 ist demnach einzu treten. 2. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin m it Einspracheentscheid vom 2. April 2013 eine Invaliditätsrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 19% zugesprochen. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine höhere Rente entspre- chend einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% hat. 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. 3.2 Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist d ie versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Ar t. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Tag- geld. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per son Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist . Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund- heitszustandes der versicherten Person mehr erwartet wer den kann und allfällige Eingliede- rungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschloss en sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde e rhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Ab s. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenr ente festgesetzt oder, falls kein Renten- anspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.3 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversicherer g rundsätzlich nur unter der Vo- raussetzung aufzukommen, dass zwischen dem versicherten Ereigni s und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, I ntegritätsschädigung) ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusam- menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. n icht zur gleichen Zeit eingetreten ge- dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall di e alleinige oder unmittelbare Ursa- che gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige In tegrität der versicherten Person beein- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht trächtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht w eggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (B GE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitl ichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahme n der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zus ammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers spielt im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127 V 103 E. 5b/bb mit Hinweisen). 4.1 Gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht v on Amtes wegen und ohne Bin- dung an die Parteibegehren für die richtige und voll ständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen (vgl. THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f. Rz 2 ff.). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweis- führungspflicht begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicher ungsprozess tragen mithin die Partei- en in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im F alle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiese n gebliebenen Sachverhalt Rechte ab- leiten will (L OCHER , a.a.O., S. 451 Rz 41). Nach der Praxis des Eidgenössisch en Versiche- rungsgerichts (EVG, heute: Schweizerisches Bundesgericht , Sozialrechtliche Abteilungen) liegt die Beweislast bei anspruchsbegründenden Tatfragen dem zufolge bei der Partei, welche den Anspruch geltend macht. Bei anspruchsaufhebenden Tatfra gen liegt sie bei der Partei, welche sich auf das Dahinfallen des Anspruches beruft (vgl. Krank en- und Unfallversicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). Diese Beweis- regeln kommen allerdings erst dann zur Anwendung, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Be weiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinl ichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 4.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person – ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab vo n Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Das Gericht hat diese me- dizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherung sprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wi e alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge- reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach -)Arztes einerseits und von Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät zungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpr etation entspringende – Aspekte benen- nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung der umstrittenen Fragen sind im We sentlichen folgende medizinische Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Der erstbehandelnde Arzt Dr. med. F.____, FMH All gemeine Medizin, stellte gemäss Arztzeugnis UVG zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 9. No vember 2009 bei der Versi- cherten nach einem Sturz auf den Arm ein Hämatom am r echten Oberarm sowie diffuse Druck- dolenzen im Bereich rechter Ellbogen und rechtes Handgel enk fest. Der Röntgenbefund ergab keine erkennbare Fraktur. Dr. F.____ diagnostizierte ei nen Sturz mit Kontusion/Distorsion des rechten Ellbogens und des rechten Handgelenks. Die Ver sicherte sei ab dem 30. September 2009 bis voraussichtlich 1. November 2009 zu 100%, danach für unbestimmte Zeit zu 50% ar- beitsunfähig. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Mit Arztbericht vom 1. Dezember 2009 hielt Dr. med . G.____, FMH Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, fest, dass die Patientin nach der Notfall- konsultation am 18. November 2009 noch immer über ul nar betonte Schmerzen, insbesondere bei Beanspruchung, berichte. Bei stärkerer Beanspruchung träte jeweils eine Schwellung des Handgelenks auf. Dr. G.____ stellte fest, dass eine Dr uckdolenz im Bereich des distalen Radi- oulnargelenks sowie über den triangulären fibrokartilag inären Komplex (TFCC) vorliege, das distale Radioulnargelenk jedoch stabil sei. Es käme zu eine r Schmerzverstärkung bei forcierter Pronation sowie Flexion; die Beweglichkeit im Verglei ch zur Gegenseite sei symmetrisch. Das Arthro-CT des rechten Handgelenks vom 26. November 2009 habe eine relativ ausgedehnte radiale TFCC-Ruptur gezeigt. Ebenso hätten sich Zeiche n einer LT-Bandläsion ergeben. Damit würden sich die Beschwerden der Versicherten erklären. Si e sei aufgrund dieser Beschwerden weiterhin zu 100% arbeitsunfähig. 5.3 Gemäss Operationsbericht vom 28. Dezember 2009 sei be i der Patientin am 23. Dezember 2009 eine diagnostische Handgelenkarthro skopie, eine Ulnaverkürzungsosteo- tomie (URS-Miniplatte kurz), eine TFCC-Reinsertion, e ine temporäre LT-Transfixation (Bolt- schraube 20 mm) sowie eine LT-Band Augmentation mit Re tinakulumstreifen durchgeführt wor- den. 5.4 Am 4. Februar 2010 berichtete Dr. G.____, dass si ch die Patientin am 30. Januar 2010 mit Schmerzen im Gips auf der Notfallstation gemeldet h abe. Es sei aufgrund des Gipses zu einer Stauung mit zunehmenden Schmerzen gekommen, we shalb dieser habe entfernt werden müssen. Als Befund hielt Dr. G.____ eine reizlose Opera tionsnarbe fest, insbesondere im Be- reich der distalen Narbe sei jedoch eine starke Empfind lichkeit festzuhalten. Es läge nur eine diskrete Schwellung im Bereich des Handgelenks vor. Die voll ständige Fingerstreckung sei möglich, der Faustschluss sei knapp möglich und etwas durch die Schmerzen eingeschränkt. Die Patientin beklage aktuell Kribbelparästhesien in den Fingerspitzen palmarseits. Als Ursache käme ein CTS in Frage, der weitere Verlauf solle jedo ch abgewartet werden. Die Arbeitsunfä- higkeit betrage weiterhin 100%. 5.5 Mit Arztbericht vom 10. März 2010 hielt Dr. G.____ als Diagnose neu ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) fest. Die Operationsnarb e sei reizlos, der gesamte Vor- derarm zeige sich noch etwas diffus geschwollen und g länzend und leicht dystroph erschei- nend. Es läge eine Druckdolenz im Bereich der Narbe ulna r distal vor. Die Handgelenksbeweg- lichkeit Flexion/Extension betrage je ca. 20° , die periph ere Sensibilität sei intakt. Empfohlen werde ein multidisziplinärer Ansatz zur Schmerzbehandlu ng mit voraussichtlich auch Einsatz von Antidepressiva. Die Patientin sei weiterhin zu 100% arbeitsunfähig. 5.6 Am 26. April 2010 berichtete der stellvertretende Chefarzt der Schmerzklinik Kirschgar- ten Dr. med. H.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabi litation sowie Allgemeine Innere Medizin, über die zugewiesene Patientin und diagnostizi erte ein CRPS Typ 1 Stadium II (diffe- renzialdiagnostisch: CRPS Typ 2) am rechten Vorderarm bei Hypästhesie und Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus ulnaris, livider Schwellung und glänzender Haut am Handrücken Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Vorderarm, Hypersudorik, vermindertem Nagel- sowie vermehrtem Haarwachstum und diskretem Temperaturunterschied, Status nach Ulnar-Verkür zungsosteotomie und TFCC- Reinsertion bei TFCC-Läsion rechts und LT-Bandläsion re chts nach Sturz sowie eine Frozen shoulder und ein myotendinotisches Quadrantensyndrom bei d ifferenzialdiagnostisch mehrmo- natiger Armfixation oder Schulterläsion nach Sturz. 5.7 Mit Schreiben vom 27. Mai 2010 berichtete Dr. med . I.____, FMH Neurologie, über eine gleichentags durchgeführte Elektroneurografie. D iese habe keine pathologischen Befunde ergeben, insbesondere hätten sich keine Hinweise für ein Karpaltunnelsyndrom, ein Sulcus ul- naris-Syndrom oder eine Läsion des Armplexus rechts gefund en. Bei der Patientin bestehe ein chronifiziertes und bislang therapierefraktäres Schmerzsyndro m der rechten Hand bzw. des rechten Arms bei Status nach einem Sturz und einer oper ativen Behandlung. Zur weiteren Ab- klärung wurden eine MRI-Untersuchung der rechten Hand und eine Knochenszintografie zur Feststellung objektiver Hinweise für ein CRPS sowie interventionelle Diagnostik empfohlen. 5.8 Gemäss Arztbericht von Dr. G.____ vom 17. Juni 2010 b eklage die Patientin seit ca. zwei Wochen verstärkte Schmerzen und Schwellungen im Arm . Für Dr. G.____ liege zweifellos ein CRPS Typ 1 nach den operativen Eingriffen vor. Ei ne MRI-Untersuchung oder Szintigrafie, um diese Diagnose bildgebend zu bestätigen, erscheine ihm nicht sinnvoll. Eine Frozen shoul- der bestehe entgegen den Berichten der Schmerzklinik nich t. Mit der Patientin wurde die Ent- fernung der lunotriquetralen Schrauben besprochen. 5.9 Am 26. August 2010 fand die operative Schraubene ntfernung statt. Mit Arztbericht vom 12. Oktober 2010 teilte Dr. G.____ der Beschwerdegegnerin mit, dass die Versicherte nach wie vor Schmerzen im Bereich des rechten Handgelenks und des ge samten rechten Arms beklage. Die Schraubenentfernung habe erwartungsgemäss keine we sentliche Besserung gebracht. Die Patientin sei bis auf weiteres noch immer zu 100% arbeit sunfähig, der Behandlungsabschluss sei noch nicht absehbar. 5.10 Dr. G.____ und PD Dr. med. J.____, FMH Plastisch e, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie, berichteten am 23. Fe bruar 2011, dass die Patientin einen wechselhaften Verlauf mit mal mehr, mal weniger Schme rzen beschreibe. Aktuell würde es ihr etwas besser gehen; sie empfinde aber nach wie vor Schm erzen im Bereich der Ulna, insbe- sondere bei Belastung. Als Befund hielten die Dres. G .____ und J.____ eine reizlose Operati- onsnarbe mit Druckdolenz über der Ulna fest, die Flexio n/Extension des rechten Handgelenks liege bei 20/0/10° und die Pro- und Supination bei 7 0/0/45° . Fingerstreckung und Faustschluss seien möglich. Es liege eine leichte Schwellung im Bere ich des distalen Vorderarms vor, die Hand sei indessen nicht geschwollen. Es gäbe eine leich te Hyposensibilität in Digitus II und III. Tinel-Zeichen und der Phalen-Test seien negativ. Die Arbeitsunfähigkeit liege bei 100%. 5.11 Mit Schreiben vom 27. Juni 2011 führte Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, zum Fragenkatalog für psychische Unfallfolge n der Beschwerdegegnerin aus, dass mit der Patientin bisher sechs Sitzungen stattgefund en hätten. Die Patientin sei wach, all- seits orientiert und gebe Daten zum Unfall und den Op erationen auf den Tag genau an. Die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufmerksamkeit sei erhöht, die Patientin sei innerpsychisch angespannt, spreche sich in Rage, sei klagend und resigniert. Sie hadere mit dem Schicksal, wirke unzufrieden und verärgert. Es seien zugleich tiefe Trauer und Ängste spürbar. Im Denke n sei sie logisch-kohärent, inhaltlich jedoch sehr auf den Unfall und dessen Folgen fixiert. Sie leide an Schlafstörungen, Insuffizienz- gefühlen, Gefühlen der Wertlosigkeit, Gedankendrehen, Reizbarkeit, innere Unruhe und ver- mindertem Antrieb. Es gäbe keine Anhaltspunkte für ei n psychotisches Geschehen. Suizidge- danken würden verneint. Ein affektiver Rapport käme zust ande. Dr. K.____ diagnostizierte eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F 32.2), die sich im Rah- men des schweren CRPS des rechten Unterarms entwickle. Ein Zusammenhang zwischen dem Unfall, seinen Folgen und der aktuellen schweren depr essiven Störung lasse sich nach dem Stand der Beurteilung nicht abstreiten, die abschliesse nde Beantwortung der Frage fordere je- doch gutachterliche Qualitäten und würde die Dimensionen eines Arztberichts durch die behan- delnde Psychiaterin übersteigen. 5.12 Im Sprechstundenbericht vom 9. Dezember 2011 hie lten die Dres. G.____ und J.____ fest, dass es der Patientin auch nach der Plattenentfernu ng am 7. Oktober 2011 nicht besser gehe. Die Handgelenksbeweglichkeit sei weiterhin mit ei ner Flexion/Extension von 10/0/10° sehr schlecht. Trotz Physio- und Ergotherapie sowie psycholo gisch-psychiatrischer Unterstüt- zung zeige sich keine wesentliche Besserung im Verlauf. Es se i davon auszugehen, dass eine relevante Einschränkung im Bereich der rechten oberen E xtremität bestehen bleibe. Die Ar- beitsunfähigkeit betrage weiterhin 100%. 5.13 Die Beschwerdegegnerin gab in der Folge beim Gut achteninstitut D.___ ein polydiszip- linäres Gutachten in Auftrag. Mit Gutachten vom 19. Oktober 2012 diagnostizierte die Ärzte- schaft des Zentrums D.____ mit Einfluss auf die Arbeitsf ähigkeit eine schmerzhafte Bewe- gungseinschränkung bei Zustand nach temporärer lunotriq uetraler Handwurzeltransfixation, distaler Ulnaverkürzungsosteotomie, TFCC-Naht wegen unf allbedingter Handwurzelbandläsion und TFCC-Läsion; einer Restsymptomatik eines ehemaligen CRPS Typ 1 des rechten Vorder- armes und ohne organpathologisches Substrat auf neuro logischem Fachgebiet. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen eines meta bolischen Syndroms bei Adipositas Grad II nach WHO (BMI 35.6 kg/m 2), arterieller Hypertonie und Dyslipidämie zu stellen; zudem liege eine endgradig schmerzhafte Einschränkung der Ell bogen- und Schulterbeweglichkeit rechts und die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen vor. Die im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung durchg eführte allgemein-chirurgische Un- tersuchung durch med. pract. L.____, FMH Chirurgie, h abe die Diagnose eines metabolischen Syndroms ergeben. Die Kooperation der Explorandin an den Untersuchungen sei bloss teilwei- se vorhanden gewesen und es hätten sich diverse Verhaltensa uffälligkeiten und –diskrepanzen gezeigt. Aus allgemein-chirurgischer Sicht lasse sich kein e Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Der orthopädischen Fachbegutachtung von Dr. med. M.___ _, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Chirur gie, zufolge beklage die Patientin Schmerzen und Kraftlosigkeit an der gesamten rechten Ha nd. Sie könne diese nicht bewegen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Schmerzen strahlten vom Ellbogen in die Schulter so wie in die rechte Halsseite aus. Die orthopädische Untersuchung habe ergeben, dass die Bewe glichkeit der Halswirbelsäule nach allen Richtungen endgradig schmerzhaft eingeschränkt sei. Die Betrachtung der oberen Glied- massen zeige einen Schulterschiefstand auf der rechten Sei te. Die Muskulatur in Ober- und Unterarm sei inspektorisch seitengleich ausgebildet und d ie Hautfarbe sei gesund. Es käme zu keiner wesentlichen Verfärbung der Hände bei längere m Hängenlassen der Arme. Die Finger- nägel sähen gesund aus und die Handflächenbeschwielung s ei seitengleich. Muskel- und Kno- chenvorsprünge bildeten sich regelrecht ab, ebenso sei d ie Hautfältelung an beiden Händen regelrecht. Die Fingerleisten seien nicht verstrichen. Es fänden sich wenig Verarbeitungszei- chen, diese jedoch seitengleich an beiden Händen. Bei der Betastung sei die Haut im Wesentli- chen gut gespannt, regelrecht verschieblich und gleichmässi g gut durchwärmt. Es fänden sich keine wesentlichen Gewebswasseransammlungen oder Verhär tungen der Unterhaut, die Mus- kulatur im Bereich der Oberarme sei seitengleich gespa nnt. Der rechte Arm könne im Gegen- satz zum linken nur bis ca. 120° abduziert werden. Das nac h vorne Führen des rechten Arms gelinge bis 160° , Rückführen bis 40° . Die Aussenrotatio n bei angelegtem Oberarm gelinge beidseitig bis 60° . Der Händedruck sei linksseitig kräf tig, rechtsseitig um die Hälfte einge- schränkt. Rechts sei das Hakeln nicht durchführbar. Über d em rechten Handgelenk werde dor- sal und ulnar ein deutlicher Druckschmerz angegeben. An d er ca. 15 cm langen Narbe sei kei- ne wesentliche Schwellung erkennbar. Das rechte Handg elenk könne vom Untersucher nicht passiv durchbewegt werden, da die Patientin den Arm je weils unter Angabe von Schmerzen wieder zurückziehe. Die Handumwendbewegungen seien linksse itig unauffällig, rechts könne eine Supination nicht vorgeführt werden und die Pron ation gelinge bis 60° . Der rechtsseitige Faustschluss sei im Vergleich zum linksseitig in der Kraft um die Hälfte vermindert. Ein Spitzgriff und ein Klemmgriff seien rechts nicht vorführbar. In se iner Beurteilung hält Dr. M.____ fest, dass es durch die Minderbewegung des gesamten rechten Arm s zu einer Einsteifung des rech- ten Ellbogengelenks und der rechten Schulter gekommen sei. Zum Untersuchungszeitpunkt würden die Folgen des ehemaligen CRPS Typ 1 resultiere n, wobei insbesondere die Handum- wendbewegungen und vor allem die Supination rechts ni cht habe vorgeführt werden können. Auch die Ulnaaduktion sei schmerzhaft eingeschränkt und kö nne nicht entsprechend der Ge- genseite ausgeführt werden. Aufgrund der orthopädisch en Diagnosen sei der Explorandin eine schwere körperlich belastende Tätigkeit nicht zumutbar. D ies begründe sich insbesondere da- rin, dass sie mit der rechten dominanten Hand nicht ents prechend zugreifen und Lasten über 10 kg anheben könne. Obwohl die Beweglichkeit der Fi nger der rechten Hand regelrecht sei, bestehe durch die Unfähigkeit der Supination aus der Gr undstellung des Unterarmes heraus eine erhebliche Behinderung. In einer angepassten Tät igkeit, d.h. in einer leichten, wechselbe- lastenden Tätigkeit mit Rücksicht auf die eingeschränkte u nd nach längerem Zeitraum schmerzhafte Beweglichkeit im rechten Handgelenk sei die Patientin zu 100% arbeitsfähig. Im neurologischen Teilgutachten berichtete Dr. med. N.____, FMH Neurologie, von einer deutli- chen Diskrepanz zwischen subjektiv beklagter Schmerzintensität, dem teilweise sehr deutlichen Schmerzverhalten und den damit nicht konsistenten Bewegun gsmustern in der Verhaltensbe- obachtung. Während der Untersuchung hätten sich keine A nhaltspunkte für eine Allodynie oder eine Hyperpathie ergeben. Darüber hinaus hätten sich ke ine Atrophien an Muskulatur und Haut im Bereich des rechten Armes und der rechten Hand gefunden. Schweisssekretion, Hauttempe- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ratur und periphere Durchblutung seien seitengleich in takt. Ein CRPS Typ I liesse sich damit sicher ausschliessen. Für ein CPRS Typ II ergebe sich wede r in der Exploration noch in der Untersuchung ein sicherer Anhalt. Festzuhalten sei, dass f ür den in den Akten immer wieder geäusserte Verdacht eines CPRS Typ I meist kein entsprechender Befund dokumentiert werde, der diese Diagnose nachvollziehbar mache. Aufgrund der Dokumentation in den Akten könne zwar nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden, dass nicht doch ein leichtes CRPS Typ I vorgelegen habe. In jedem Fall sei die leichte t rophische Störung an der rechten Hand und am rechten Unterarm mittlerweile vollständig ausg eheilt. Eine neurologische Störung, die eine anhaltende Leistungsminderung und damit eine dau erhaft anhaltende Arbeitsunfähigkeit begründen könnte, liege nicht vor. Hingegen bestehe b ei der Explorandin ein chronisches Schmerzsyndrom mit erheblicher Verdeutlichungstendenz, vermutlich auf dem Boden einer ge- störten Schmerzverarbeitung mit Symptomausweitung und erh eblicher Selbstlimitierung. Diese Diagnose habe indessen keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Dr. sc. hum. Dipl. Psych. O.____ berichtete im neuropsycho logischen Teilgutachten, dass die Untersuchung im betreffenden Fachgebiet aufgrund ein es Weinkrampfes der Explorandin mit Hyperventilation während der Anamneseerhebung und demo nstrativer Nichtteilnahme an den Tests nicht habe durchgeführt werden können. Da keine Testergebnisse erhoben werden konn- ten, sei eine neuropsychologische Einschätzung der kognitive n Fähigkeiten nicht möglich ge- wesen. Gemäss den Angaben in der psychiatrischen Fachbegutachtung von Dr. med. P.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, beklage die Explorandin, d ass sie immerzu an die verletzte Hand denke und es ihr psychisch nicht gut gehe. Sie könne schlecht einschlafen, wache je nach Gedanken nachts auf und fühle sich nicht mehr in d er Lage zu arbeiten. Im Befund hielt Dr. P.____ fest, dass die Explorandin bewusstseinsklar und allseits orientiert sei. Im Gespräch seien keine Konzentrations-, Gedächtnis- oder Auffassung sstörungen eruierbar; solche würden von der Explorandin auch nicht vorgebracht. Im formale n Gedankengang sei sie auf ihre Hand- beschwerden und das ihr angetane Unrecht eingeengt, an sonsten seien keine formalen Denk- störungen erkennbar. Es lägen ausser der Angst, dass der Arm nicht mehr so werde wie früher, keine Ängste oder Zwänge vor. Es würden sich keine Anhal tspunkte für Wahnideen, Halluzina- tionen oder Ich-Störungen ergeben. Der affektive Rapp ort sei gut herstellbar, die Explorandin sei in der affektiven Schwingungsfähigkeit eingeschränk t, namentlich würden Ärger und Unzu- friedenheit spürbar. Es würden kein sozialer Rückzug und k eine Suizidalität vorliegen. Diffus würden Ein- und Durchschlafstörungen beklagt, genauere Angaben würden nicht gemacht. Es werde zwar Tagesmüdigkeit beklagt, Tagesschlaf werde jedoch verneint. Der Appetit sei normal bei einer Gewichtszunahme von 20 kg seit dem Unfall. E s sei zu einem Libidoverlust gekom- men. Die Explorandin erreiche auf der Hamilton Depre ssionsskala einen Wert von 13 Punkten, was knapp unter den Werten für eine leichte Depression l iege. Die von der behandelnden Psy- chiaterin gestellte Diagnose einer schweren bzw. mittelsch weren depressiven Episode sei auf- grund des aktuellen Befunds nicht nachvollziehbar. Die a ktuell grösstenteils identischen Befun- de würden von Dr. P.____ anders interpretiert, wobei auch zum Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr. K.____ ihres Erachtens lediglich von einem lei chten depressiven Zustandsbild auszu- gehen wäre. Gestützt auf ihren Befund erhebt Dr. P._ ___ die Diagnose einer Entwicklung kör- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht perlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10: F 68.0). Aus den Blutentnahmen werde ersichtlich, dass bezüglich der Medikamente eine ungenüge nde Compliance vorliege. Aus psy- chiatrischer Sicht bestehe aufgrund der gestellten Diagnose sicherlich keine Arbeitsunfähigkeit. Zusammenfassend hielten die Gutachter des Zentrums D.___ _ fest, dass in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Aus orthopädischer Sicht sei von einer einge- schränkten Belastbarkeit der rechten Hand auszugehen, wesh alb die Explorandin in der ange- stammten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin nicht mehr arbeitsfähig sei. Für eine angepass- te, körperlich leichte Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg und ohne repetiti- ve Umwendebewegungen für die rechte Hand bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Aus neurolo- gischer und psychiatrischer Sicht bestehe eine volle Arbei tsfähigkeit für alle in Frage kommen- de Tätigkeiten. Die Gutachter weisen darauf hin, dass eine optimale Kooperation der Exploran- din bei den Untersuchungen aufgrund verschiedener Auff älligkeiten und Diskrepanzen in Frage gestellt werden müsse. Die geltend gemachten Beschwerde n liessen sich durch die erhobenen Befunde nur zu einem geringen Teil erklären. Bis auf die verminderte Belastbarkeit im Bereich der rechten Hand bei Handumwendebewegungen bestünden keine mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auf den Unfall zurückführbare gesundheitlichen Störungen mehr. Prognostisch sei bezüglich der psychischen Probleme eine spontane Symptomr evision durch die Aufnahme ei- ner Arbeitstätigkeit überwiegend wahrscheinlich. 5.14 Die Dres. G.____ und J.____ diagnostizierten mit Arztbericht vom 15. November 2012 einen Status nach lunotriquetraler temporärer Transf ixation, TFCC-Naht und Ulnaverkür- zungsosteotomie am Handgelenk rechts bei post-traumatisch er LT-Bandläsion, TFCC-Läsion und leichtem Ulnavorschub mit postoperativem schwerem CR PS der oberen Extremität rechts, Schraubenentfernung am 26. August 2010 und Plattenen tfernung Ulna rechts am 7. Oktober 2011 sowie eine Epicondylitis humeri radialis links. Di e Patientin beklage weiterhin Schmerzen im Bereich des gesamten rechten Armes und des Handgelen ks, zunehmend auch Beschwer- den im Bereich des linken Ellbogens. Die Patientin sehe sich nicht in der Lage, eine angepasste Arbeit in einem 100%-Pensum aufzunehmen, selbst wenn sie eine solche finden würde. Die Operationsnarbe sei reizlos und es gäbe eine diffuse Dr uckdolenz im Bereich des ulnaren Handgelenks. Die Handgelenksbeweglichkeit liege bei Fl exion/Extension rechts bei 15/0/20° (links: 40/0/60° ), bei Pro/Supination bei 60/0/40° (links: 70/0/80° ), bei Radial/Ulnarduktion rechts bei 10/0/10° (links: 20/0/30° ). Die Faustschlusskraft mit Jamar Stufe 2 betrage links 1 kg, rechts 20 kg (recte wohl: rechts 1 kg, links 20 kg). Aktuell find e sich leicht vermehrtes Schwitzen im Bereich der rechten Hand, jedoch keine Verfärbung ode r deutliche Schwellung. Der Faust- schluss und die Fingerstreckung seien möglich. Die Situat ion bezüglich der rechten Extremität sei unverändert. Zunehmend komme es auf der linken Seit e zu Beschwerden, wohl als Folge einer Überlastung bei vermehrtem Gebrauch. Ein Hebe n und Tragen von Lasten bis 10 kg er- scheine unrealistisch. Daneben müsse die psychische Belastung berücksichtigt werden. Insge- samt sähen sie die Patientin aber nicht zu 100% und mi t normaler Leistung arbeitsfähig, auch nicht in einer leichten angepassten Tätigkeit. 5.15 Gemäss Arztbericht von Dr. G.____ vom 28. Februar 2 013 berichte die Patientin über eine unveränderte Situation mit Dauerschmerzen, v.a. b ei Beanspruchung des rechten Armes, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber auch in Ruhe. Neben den Schmerzen im Bereich des Handgelenks und der Elle bestün- den auch wieder Verspannungen im Schultergürtel mit e ntsprechenden Schmerzen. Sie sei auch psychisch weiterhin stark belastet. Im Befund wird üb er reizlose Operationsnarben am Handgelenk und über der Elle berichtet. Eine schlüssige Untersuchung des distalen radio-ulnar Gelenks sei wegen der angegebenen Schmerzen nicht möglich , es scheine aber stabil zu sein. Beklagt würden Druckschmerzen diffus über dem ganzen Radi ocarpalgelenk, ulnarbetont. Zur Handgelenkbeweglichkeit hielt Dr. G.____ fest, dass die Flexion/Extension bei 15/0/30° , die Pro- und Supination bei 80/0/45° mit federndem Anschlag liege. Die endständigen Ausschläge seien jeweils schmerzhaft. Die Faustschlusskraft mit Jamar St ufe 2 betrage links 14 kg, rechts 0.5 kg. Aktuell lägen keine wesentliche Schwellung, kein e Coloritveränderungen und kein ver- mehrtes Schwitzen vor. Faustschluss und Fingerstreckung seien möglich. Insgesamt zeige sich ein unverändertes Zustandsbild. Aus handchirurgischer Sicht bestehe keine Möglichkeit, die Situation zu verbessern, weshalb von einem Endzustand auszugehen sei. Die Belastbarkeit der rechten Hand sei deutlich eingeschränkt und dürfte bei m aximal 2 kg liegen. Aus handchirurgi- scher Sicht könne die Patientin allenfalls Arbeiten ver richten, bei denen die dominante rechte Hand lediglich als Hilfshand für leichte Tätigkeiten e ingesetzt werden könne. Die Arbeitsunfä- higkeit betrage 100%. 5.16 Im Rahmen des ebenfalls laufenden IV-Verfahrens n ahm Dr. G.____ mit E-Mail vom 26. Juni 2013 Stellung zum polydisziplinären Gutachten des Zentrums D.____ vom 19. Oktober 2012 und bekräftigte seine Ansicht, dass die Hebe- und Tr aglimite von 10 kg keine realistische Einschätzung der Belastbarkeit der rechten Hand darstell e. Eine ergotherapeutische Untersu- chung im Jahr 2011 oder in der ersten Hälfte des Jahrs 20 12 habe eine eingeschränkte Belast- barkeit bestätigt ohne eindeutige Hinweise für eine Simulation der Patientin. Dr. G.____ zweifelt im E-Mail ferner die handchirurgische Kompetenz des Gutachters des Zentrums D.____ an und empfiehlt die Durchführung eines entsprechenden Gutachtens. 6. Unumstritten ist unter den Parteien, dass betreffend die Unfallfolgen von einem Endzu- stand auszugehen ist und der Rentenanspruch der Beschwerd eführerin zu prüfen ist. Die Be- schwerdegegnerin stütze sich bei diesem Entscheid vollumfän glich auf das Gutachten des Zentrums D.____ vom 19. Oktober 2012. Sie ging demzufolge davon aus, dass es der Be- schwerdeführerin zumutbar sei, weiterhin eine körperlich leichte Tätigkeit, ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg und ohne repetitive Umwendebewegungen der rechten Hand, im Umfang von 100% auszuüben. Diese Beurteilung der Beschwe rdegegnerin ist nicht zu bean- standen. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 4.3 hiervo r), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, die aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier entgegen der Ansicht der Be- schwerdeführerin keine vor. 6.1 Bereits im Einspracheverfahren rügte die Beschwer deführerin die fehlende Unabhän- gigkeit der beauftragten Gutachterstelle. In der vor liegenden Beschwerde hält sie ausdrücklich an dieser Rüge fest, ohne sich jedoch mit den diesbezügl ichen Erwägungen der Vorinstanz im Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einspracheentscheid auseinanderzusetzen. Soweit die Besch werdeführerin noch die mangeln- de Unabhängigkeit des Zentrums D.____ geltend macht, w eil dieses als Begutachtungsinstitut von den Aufträgen der Beschwerdegegnerin finanziell ab hängig sei, kann ihr nicht gefolgt wer- den. Die Beschwerdegegnerin führte im Einspracheentscheid vom 2. April 2013 aus, dass ledig- lich zwei von 14 angeordneten polydisziplinären Gutachten in den Jahren 2011/2012 am Zent- rum D.____ durchgeführt worden seien. Rechtsprechungsge mäss lässt ausserdem auch eine ausgedehnte Gutachtertätigkeit eines Arztes oder einer Ärztegemeinschaft für die Sozialversi- cherungsträger nicht per se auf deren Befangenheit od er Voreingenommenheit schliessen (BGE 137 V 226 f. E. 1.3.3; Urteil des Bundesgerichts vo m 9. Februar 2009, 8C_509/2008, E. 6; je mit weiteren Hinweisen). Im Übrigen finden sich vorliegend keinerlei Hinweise auf eine Befangenheit der einzelnen an der Begutachtung betei ligten Fachärzte. Eine solche wird denn auch von der Beschwerdeführerin – zu Recht – nicht beha uptet. 6.2.1 Betreffend die somatischen Beschwerden haben die Gutachter die Beschwerdeführerin eingehend untersucht. Sie gehen einlässlich auf die gekl agten Beschwerden ein, setzen sich sowohl mit der gesundheitlichen Entwicklung nach dem erli ttenen Unfall vom 29. September 2009 wie auch mit den bei den Akten liegenden Unterla gen eingehend auseinander und vermit- teln so ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. In Bezug auf die abweichende Diagnose eines CRPS durch den behan delnden Dr. G.____ halten die Gutachter fest, dass eine solche trotz mangelnder objekt iver Befunde für die Vergangenheit nicht auszuschliessen sei, die Diagnose jedoch zum Untersu chungszeitpunkt aufgrund der in- takten seitengleichen Schweisssekretion, Hauttemperatur und peripheren Durchblutung sowie der fehlenden Atrophien an Muskulatur und Haut nicht m ehr gestellt werden könne. Diese Ein- schätzung leuchtet auch unter Berücksichtigung der aktueller en medizinischen Akten ein. Die unterschiedliche Beurteilung der Arm- und Handbeschwerd en und daraus folgend der Arbeits- fähigkeit in den orthopädischen und neurologischen Teil gutachten wird im Rahmen der Kon- sensbesprechung nachvollziehbar bereinigt. Damit gelangen die Gutachter zu einer schlüssigen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer/neu rologischer Sicht, wonach für eine angepasste, körperlich leichte Tätigkeit, ohne Heben u nd Tragen von Lasten über 10 kg und ohne repetitive Umwendebewegungen für die rechte Han d eine 100%ige Arbeitsfähigkeit be- stehe. 6.2.2 Daran vermögen auch die Vorbringen der Beschwerd eführerin nichts zu ändern. Sie führt aus, dass bei einer Gewichtslimite von 10 kg keineswegs mehr von einer leichten Tätigkeit ausgegangen werden könne und das Gutachten diesbezügli ch widersprüchlich sei. Dem ist entgegenzuhalten, dass gemäss der Wegleitung zur Einschätzung der zumutbaren Arbeitstätig- keit nach Unfall und bei Krankheit der Swiss Insurance Me dicine (SIM) – Interessengemeinschaft für Versicherungsmedizin Schweiz (Weg leitung) bei einer maximalen Belastung von 10 kg tatsächlich von einem leichten Belastungsniveau bzw. einer leichten Tätig- keit auszugehen ist (Wegleitung, 2. Auflage 2013, S. 10). Es ist ferner davon auszugehen, dass bei der festgehaltenen Hebe- und Traglimite beide Hä nde berücksichtigt wurden. Selbst wenn indessen die Belastungsgrenze von 10 kg nicht mehr als l eichte Tätigkeit qualifiziert werden könnte, würde dies bloss bedeuten, dass der Beschwerdeführ erin womöglich auch eine mittel- schwere Tätigkeit zumutbar wäre. Sie kann daraus folglich keine höhere Arbeitsunfähigkeit ab- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht leiten. Bezüglich der Beweglichkeit und insbesondere der Faustschlusskraft der rechten Hand bringt die Beschwerdeführerin weiter vor, dass seit der Begutachtung durch das Zentrum D.____ eine Verschlechterung eingetreten sei, was anhand der aktuellen von Dr. G.____ erho- benen Messwerte belegt sei. Tatsächlich geht Dr. G.___ _ in den vorliegenden Arztberichten vom 15. November 2012 und 28. Februar 2013 von einer F austschlusskraft rechts von 1 kg bzw. 0.5 kg aus. Gleichzeitig nennt er für die Beschwerde führerin eine leicht höhere Belas- tungsgrenze von 2 kg. Das orthopädische Teilgutachten von Dr. M.____ beziffert die Faust- schlusskraft nicht, sondern hält lediglich fest, dass diese im Vergleich zur linken Hand um etwa die Hälfte vermindert sei. Ob zwischen diesen beiden med izinischen Feststellungen überhaupt eine massgebende Diskrepanz besteht, kann indessen offen bl eiben. Fest steht nämlich, dass sämtliche vorliegenden Arztberichte ab November 2010 gr undsätzlich vom gleichen Befund ausgehen, wie dies auch im polydisziplinären Gutachten vom 19. Oktober 2012 festgehalten wird. Auch die aktuelleren Berichte des behandelnden Dr. G.____ enthalten keinen neuen Be- fund oder gar eine neue Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Vielmehr hält Dr. G.____ sowohl im Bericht vom 15. November 2012 wie auch im Schreiben vom 28. Februar 2013 einen unveränderten Zustand fest. Auch in den übr igen medizinischen Unterlagen finden sich keinerlei Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des Zustands der rechten Hand im Zeit- raum zwischen der polydisziplinären Begutachtung und dem Verfügungserlass. 6.2.3 Die Einschätzung der Ärzteschaft des Zentrums D.___ _ betreffend die Handbeschwer- den der Beschwerdeführerin sowie daraus folgend die Ei nschränkungen in der Arbeitsfähigkeit erweisen sich nach dem Ausgeführten als begründet, schlüssig und nachvollziehbar. Damit er- übrigt sich auch die von der Beschwerdeführerin beantra gte Anordnung eines handchirurgi- schen Gutachtens. Die Beschwerdeführerin vermag nicht darzu tun, inwiefern von einem sol- chen Gutachten neue Erkenntnisse zu erwarten sind. Lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen – wie vorliegend – eine zuverlässige Beurtei lung des aktuellen Gesundheitszustan- des und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu, ergibt sich mit anderen Worten ein zuverlässi- ges Bild des relevanten Sachverhaltes und ist dieser dem nach hinreichend abgeklärt, so kann auf die Einholung weiterer (beantragter) Gutachten v erzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesg erichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 127 V 491 E. 1b, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d). 6.3 Das polydisziplinäre Gutachten des Zentrums D.____ ver mag im Übrigen auch betref- fend die psychiatrische Beurteilung des Gesundheitszustands zu überzeugen. So legt die be- gutachtende Psychiaterin eingehend dar, weshalb sie sich de r von der behandelnden Psychia- terin Dr. K.____ gestellten Diagnose einer leichten b zw. schweren depressiven Episode nicht anschliessen könne. Ihre Beurteilung erscheint schlüssig, begründet und nachvollziehbar und wird denn auch von der Beschwerdeführerin nicht beanstan det. Nicht entscheidrelevant ist so- dann, dass die neuropsychologische Untersuchung aufgrund d er mangelnden Mitwirkung der Beschwerdeführerin nicht durchgeführt werden konnte. S owohl in psychiatrischer wie auch in neurologischer Hinsicht fehlt es an einer die Arbeitsfäh igkeit beeinflussenden Diagnose. Ferner verneinte die begutachtende Psychiaterin das Vorliegen vo n Konzentrations-, Gedächtnis- oder Auffassungsstörungen. Da keine Anhaltspunkte für kognitiv e oder sonstige neuropsychologi- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Störungen vorliegen und solche im Übrigen von der B eschwerdeführerin auch nie geklagt wurden, konnte auf die neuropsychologische Untersuchung verzichtet werden. 6.4 Aus dem Ausgeführten folgt zusammenfassend, dass die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe rin zu Recht auf das polydisziplinäre Gut- achten des D.___ vom 19. Oktober 2012 abgestellt hat. 7.1 Zu prüfen bleibt die vorgenommene Invaliditätsbeme ssung. Nach Art. 16 ATSG hat die Invaliditätsbemessung bei erwerbstätigen Versicherten au fgrund eines Einkommensvergleichs zu erfolgen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versi cherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Beha ndlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (V alideneinkommen). Aus der Differenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 7.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet weder das anhan d der früheren Verdienste ermit- telte Valideneinkommen noch den anhand der Tabellenl öhne der Schweizerischen Lohnstruk- turerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ermitte lten Grundwert für das Invalidenein- kommen. Hingegen rügt sie, dass vom herangezogenen Tabe llenlohn lediglich ein leidensbe- dingter Abzug von 10% vorgenommen wurde. Im Hinblick au f die ausländische Herkunft der Beschwerdeführerin, der mangelnden Deutschkenntnisse, de r fehlenden Berufsausbildung und der Einschränkungen im Gebrauch der rechten Hand sei – wie im IV-Verfahren – ein Abzug von 20% angezeigt. 7.3 Von dem gestützt auf statistische Werte ermittelten Invalideneinkommen sind praxisge- mäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsache R echnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli chenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen und darf 25% nicht übersteigen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Über- prüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu be urteilen, ob der zu überprüfende Ent- scheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegebenheiten abstützen können, die eine abwei- chende Ermessensausübung als näher liegend erscheinen lass en (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hin- weis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 Vorliegend ist die Beschwerdeführerin bei einer ge eigneten Tätigkeit leidensbedingt ohne Zweifel aus orthopädischen Gründen in ihrer Leis tungsfähigkeit eingeschränkt. Der Be- schwerdeführerin ist lediglich noch eine leichte Tätigk eit ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg und ohne repetitive Umwendebewegungen de r rechten Hand im Umfang von 100% zumutbar. Da es sich bei der betroffenen Hand um die d ominante rechte Hand handelt, recht- fertigt sich in jedem Fall ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn. Nicht anzurechnen sind indessen die fremde Nationalität, das damit verbunden e sprachliche Defizit sowie die mangeln- de Schul- bzw. Berufsausbildung der Beschwerdeführerin, da diese letztgenannten Elemente durch die Wahl des Anforderungsniveaus 4 bereits angemessen berücksichtigt sind bzw. sich in diesem Anforderungsniveau nicht (zusätzlich) lohnmindernd auswirken. In Anbetracht der Ein- schränkungen der Beschwerdeführerin und unter Berücksichtigu ng der gebotenen Zurückhal- tung bei der Ermessensüberprüfung erscheint der vorgen ommene Abzug von 10% noch als angemessen. Daran ändert auch der von der IV-Stelle i n Aussicht gestellte höhere Abzug nichts, da sich die Invaliditätsbemessung der IV grundsätzl ich nach anderen Gesichtspunkten beurteilt. 8. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Be schwerdegegnerin bei der Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin zu Recht auf das polydisziplinä- re Gutachten des Zentrums D.____ vom 19. Oktober 2012 ab gestellt hat. Bei der Invaliditäts- bemessung hat sie die leidensbedingten Einschränkungen mit einem 10%igen Abzug vom Ta- bellenlohn berücksichtigt, was als vertretbar anzusehen ist . Der von der Beschwerdegegnerin ermittelte Invaliditätsgrad von 19% ist somit nicht zu b eanstanden. Die Beschwerde ist dem- nach abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdever fahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Ausgang des Ve rfahrens entsprechend wett- zuschlagen. In ihrer Beschwerde ersucht die Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgelt- lichen Verbeiständung. Gemäss § 22 Abs. 1 und 2 VPO wi rd der Beschwerde führenden Per- son, der die nötigen Mittel fehlen und deren Begehre n nicht offensichtlich als aussichtslos er- scheint, von der Bezahlung der Verfahrenskosten und der Kosten der Beweismassnahmen be- freit. Unter den gleichen Voraussetzungen wird einer Partei der kostenlose Beizug eines An- walts bzw. einer Anwältin gewährt, sofern dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint. 9.3 Mit der Beschwerde vom 8. Mai 2013 reichte die Besc hwerdeführerin Unterlagen über ihre aktuellen Einkommens- und Vermögensverhältnisse ei n. Bei einem ausgewiesenen Ein- kommen von monatlich Fr. 4‘549.20 und einem monatliche n Grundbedarf von Fr. 8‘401.49 so- wie Vermögenswerten von 68.46 und Schulden in der Höhe von Fr. 11‘280.45 wies sie ihre pro- zessuale Bedürftigkeit für das vorliegende Verfahren hinreichend aus. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin kann die vorliegende Beschwerde zu dem nicht als offensichtlich aus- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtslos bezeichnet werden. Die Voraussetzungen für die B ewilligung der unentgeltlichen Ver- beiständung sind demnach gegeben, weshalb das betreffende Gesuch zu bewilligen ist. 9.4 Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwälti nnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltl icher Verbeiständung Fr. 180.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vo m 26. August 2013 für das vorliegen- de Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 8.05 Stu nden geltend gemacht, was sich um- fangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts - und Rechtsfragen als angemessen erweist. Hinzuzurechnen ist eine Stunde für die Nachbere itung und den Versand des vorliegen- den Urteils. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 31.--. Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin demnach ein Hon orar in der Höhe von Fr. 1'792.80 (9.05 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 3 1.-- sowie 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.5 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'792.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht