B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-4192/2012 U r t e i l v o m 2 9 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien Z._______, vertreten durch Rechtsanwalt Ruadi Thöni, Rechtsanwalt, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Erleichterte Einbürgerung. C-4192/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine 1975 geborene bulgarische Staatsangeh ö- rige, reiste am 27. Juni 2003 aus ihrem Heimatland – ohne im Besitz des notwendigen Visums zu sein – in die Schweiz ein. Am 28. Juli 2003 heira- tete sie in Zürich den Schweizer Bürger S._______. In der Folge erteilte das Migrationsamt des Kantons Zürich der Beschwerdeführerin eine Au f- enthaltsbewilligung zum Verbleib bei ihrem Schweizer Ehemann. Seit dem 8. September 2008 verfügt die Beschwerdeführerin über eine Ni e- derlassungsbewilligung. B. Am 25. August 2010 beantragte die Beschwerdeführerin gestützt auf ihre Ehe die erleichterte Einbürgerung nach Art. 27 des Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 (BüG, SR 141.0). C. Die mit dem Antrag befasste Vorinstanz ersuchte am 5. Oktober 2010 das Gemeindeamt des Kantons Zürich um Veranlassung eines Erhebungsb e- richts. Am 31. Januar 2011 erstellte die Stadtpolizei Zürich auf Gesuch hin den gewünschten Bericht. Darin wurde in Bezug auf die Beschwerdeführerin auf folgende, im Zentralarchiv der Zürcher Poli zeien vorhandene Akte n- einträge verwiesen:  16. September 2010: Befragung als Auskunftsperson Betäubungsmittel (Kokain)  14. April 2010: Stapo ZH, Kokainkonsum, Akten an Stadtrichteramt  13. April 2010: Stapo ZH, Befragung als Auskunftsperson wegen Kokain - handels  12. März 2009: Haschischkonsum, Akten an Stadtrichteramt  27. Januar 2009: Stapo ZH, Schwarzfahren VBZ in ZH  13. Januar 2009: Stapo ZH, Schwarzfahren VBZ in ZH  05. Dezember 2008: Stapo ZH, Schwarzfahren VBZ in ZH  27. November 2008: Stapo ZH, Schwarzfahren VBZ in ZH  14. November 2008: Stapo ZH, geringfügiger Ladendiebstahl, Migros, Zürich  01. November 2008: Stapo ZH, Haschischkonsum in Zürich  26. September 2008: Stapo Zürich, Kokainkonsum in Zürich  26. Januar 2008: Stapo Zürich, Bericht Prostitution in Zürich  13. Oktober 2005: Stapo ZH, Bericht, Neuaufnahme Prostitu- tion in Zürich C-4192/2012 Seite 3  03. Oktober 2003 : Stapo ZH, ANAG, Einreise ohne Visum, Auftrag Migr.Amt ZH  14. August 2000: Kapo ZH, ANAG, Meldepflicht nicht eingehalten Des Weiteren wurde festgehalten, es bestünde zwar bezüglich der sozi a- len Integration und der Sprachkenntnisse ein positives Bild der B e- schwerdeführerin. Dieses werde hingegen durch den Umstand getrübt, dass sie – wie die Auflistung der polizeilichen Akten vor Augen führe – mehrfach Verzeigungen im kleinkriminellen Bereich erwirkt habe. Die A n- zahl dieser Einträge beweise auch, dass es sich nicht um einmalige Au s- rutscher handle. Es könne somit nicht davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin die schweizerischen Gesetze beachte. Auch die Tätigkeit in der Prostitution sei wenig geeignet, um dieses Bild zu verbe s- sern. Gemäss Bericht bestünden zudem Hinweise darauf, dass die B e- schwerdeführerin auf drei einschlägigen Websites ihre Dienste angeboten habe. Zudem sei sie am 12. Oktober 2005 in einem Massagesalon ang e- troffen und verzeigt worden, da sie nicht im Besitz einer Arbeitsbewill i- gung gewesen sei. Schliesslich habe sie sich im Jahr 2008 auch diverse Male am Strassenstrich angeboten . Die Beschwerdeführerin habe dem Rapportierenden erklärt, zurzeit in psychotherapeutischer Behandlung zu sein. Zudem soll sie keine Drogen mehr konsumieren und die Prostitution aufgegeben haben. Betreffend des Drogenkonsums verwies der rappo r- tierende Polizist auf seine Feststellung anlässlich diverser nicht erfolgre i- cher Hausbesuche, bei denen jeweils ein intensiver Zigarettengeschmack wahrgenommen worden sei, der auf Betäubungsmittelkonsum in der Wohnung hingewiesen habe. Im Übrigen wurde der Zustand der Woh- nung der Eheleute als erschreckend, chaotisch, schmutzig und an Ve r- wahrlosung grenzend beschrieben. D. Mit Schreiben vom 31. März 2011 liess die kantonale Behörde dem BFM den obgenannten Erhebungsbericht sowie diverse Unterlagen (u.a. L e- benslauf, Betreib ungsregisterauszug, Arbeitszeugnis) zukommen und führte unter Hinweis auf den Polizeibericht aus, dem Gesuch der B e- schwerdeführerin um erleichterte Einbürgerung sei (noch) nicht zu en t- sprechen. E. Im Juni 2011 gingen bei der Vorinstanz drei Schreiben von Re ferenzper- sonen ein, welche die Beschwerdeführerin in ihrem Gesuch um erleic h- terte Einbürgerung angegeben hatte. C-4192/2012 Seite 4 F. Mit Schreiben vom 28. Februar 2012 teilte die Vorinstanz der Beschwe r- deführerin mit, da sie auch während der Ehe mehrfach der Prostitution nachgegangen sei, "erfülle sie die Voraussetzungen für eine erleichterte Einbürgerung nicht mehr". Für den Fall eines Festhaltens an ihrem G e- such wurde die Beschwerdeführerin zur Stellungnahme eingeladen. G. Mit Eingaben vom 26. März 2012 und 26. März 2012 (rec te: 30. April 2012) hielt die nunmehr anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin au s- drücklich an ihrem Antrag auf erleichterte Einbürgerung fest. Sie verfüge über einen tadellosen Leumund und habe seit Erhalt ihrer Aufenthaltsb e- willigung in der Schweiz sehr rasch und gut Deutsch gelernt. Sie sei ve r- schiedenen befristeten Anstellungen nachgegangen und arbeite nun seit (…) mit einem 50-70%-Pensum als Angestellte bei R._______. Sie weise in den letzten 5 Jahren keinerlei Einträge im Betreibungsregisterauszug auf und verfüge über einen gänzlich unbelasteten Strafregisterauszug. Zur Beurteilung ihres strafrechtlichen Leumunds dürfe denn auch einzig auf diesen Auszug abgestellt werden und nicht auf die Einträge im Zen t- ralarchiv der Zürcher Polizeien. Den Archiveintr ägen könne gerade nicht entnommen werden, ob die aufgeführte Person den genannten Tatb e- stand auch tatsächlich erfüllt habe. Weiter wurde geltend gemacht, sie sei nie gewerbsmässig als Prostituierte tätig gewesen, sondern habe sich l e- diglich vor mehreren Jahren, insbesondere in den Jahren 2005 und 2008, über befreundete, als Prostituierte tätige Landsfrauen zeitweise im en t- sprechenden Milieu aufgehalten und sei deshalb auch mehrmals polize i- lich angehalten worden. In diesem Zusammenhang seien auch einige wenige Male verbotene Drogen konsumiert worden. Sie verkehre nun aber seit längerem nicht mehr in diesen Kreisen. Die polizeilichen Anha l- tungen seien ihrem Ehemann überdies bekannt. Sie habe im Übrigen auch kein Drogenproblem, was sich aus dem bereits erwähnte n Umstand ergebe, dass sie erfolgreich einer sehr seriösen, streng kontrollierten T ä- tigkeit nachgehe. H. Die Vorinstanz wandte sich am 14. Mai 2012 erneut an die Beschwerd e- führerin und teilte ihr mit, die Zweifel bezüglich des Bestehens einer stabi- len und a uf die Zukunft gerichtete ehelichen Gemeinschaft seien noch nicht ganz aus dem Weg geräumt. Man sei aber bereit, das Gesuch zwei Jahre zu sistieren. In dieser Zeit erhalte sie die Möglichkeit zu beweisen, dass ihre Ehe tatsächlich stabil und zukunftsgerichtet sei. C-4192/2012 Seite 5 I. Mit Eingabe vom 14. Mai 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem B e- gehren fest. Dem Schreiben beigelegt war eine handschriftliche Bestät i- gung des Ehemanns vom 10. Mai 2012. Am 25. Juni 2012 richtete sich die Beschwerdeführerin erneut an das BFM und bat – angesichts der bis- herigen Verfahrensdauer – um einen raschen Entscheid über ihr Gesuch um erleichterte Einbürgerung. J. Mit Verfügung vom 10. Juli 2012 wies die Vorinstanz das Gesuch um e r- leichterte Einbürgerung ab und hielt im Wesentlichen fest, die detaillierten polizeilichen Feststellungen betreffend die Tätigkeit als Prostituierte bzw. als erotische Dienste ausserhalb der Ehe anbietende Person sowie die Ausführungen über den Konsum von Betäubungsmitteln begründeten die Vermutung einer nicht intakten, instabilen ehelichen Gemeinschaft. K. Mit Rechtsmitteleingabe vom 10. August 2012 beantragt die Beschwerde- führerin beim Bundesverwaltungsgericht, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr Gesuch um erleichterte Einbürgerung vom 25. August 2010 gutzuheissen; eventualiter sei es an die Vorinstanz zur erneuten Prüfung zurückzuweisen. L. Die Beschwerdeführerin ergänzte die Rechtsmitteleingabe vom 10. A u- gust 2012 alsdann mit Eingabe vom 28. September 2012 und ersuchte in prozessualer Hinsicht um Erlass des Kostenvorschusses. Letzteres G e- such zog sie mit Eingabe vom 30. Oktober 2012 wieder zurück. M. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 6. Dezember 2012 auf Abweisung der Beschwerde. N. Die Beschwerdeführerin hält mit Replik vom 14. Januar 2013 an ihrer Be- schwerde fest. O. Am 11. Februar 2013 zog das Bundesverwaltungsgericht die kantonalen fremdenpolizeilichen Akten der Beschwerdeführerin bei. C-4192/2012 Seite 6 P. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betreffend erleichterte Einbürgerung unterli e- gen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 51 Abs. 1 BüG i.V.m. Art. 31 ff. des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesve r- waltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. D e- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt (vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eing e- reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kan n die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt ha t – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2011/43 E. 6.1). 3. 3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, zur Beurteilung ihres stra f- rechtlichen Leumunds dürfe entgegen dem Abklärungsbericht der Stad t- polizei Zürich vom 31. Januar 2011 einzig auf den Strafregisterauszug C-4192/2012 Seite 7 und nicht auf Einträge im Zentralarchiv der Zürcher Polizeien abgestellt werden. Dieser enthalte lediglich Anzeigen, Verdachtsrappor te etc. und es könne ihnen gerade nicht entnommen werden, ob die aufgeführte Pe r- son den genannten Tatbestand auch tatsächlich erfüllt habe bzw. sich der rapportierende Sachverhalt auch tatsächlich so zugetragen habe. Indem die Vorinstanz dennoch auf diese Einträge abgestellt habe, verletzte sie ihren Anspruch auf rechtliches Gehör und verfalle in Willkür. 3.2 In formeller Hinsicht ist somit vorerst auf die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie auf die der Willkür einzugehen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör, wie ihn Lehre und Rechtspre chung aus Artikel 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidg e- nossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ableiten und wie er sich für das Bun desverwaltungsverfahren aus den Art. 29 ff. VwVG ergibt, u m- fasst eine Anzahl verschiedener verfassungsrechtlicher Verfahrensgaran- tien (vgl. MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rech t- liches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S.202 ff.). Zunächst – und für die Prozessparteien regelmässig im Vo r- dergrund stehend – gehört dazu das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG), welches den Betroffenen einen Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhaltes sichert. Dabei kommt der von einem Verfahren betroffenen Person der Anspruch zu, sich vorgängig einer behördlichen Anordnung zu allen wesentlichen Punkten, welche die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes betreffen, zu äussern und von der betreffe nden Behörde alle dazu no t- wendigen Informationen zu erhalten (vgl. BVGE 2010/35 E. 4.1.2 mit Hinweisen). Der Begriff des rechtlichen Gehörs erfasst überdies mehr als den blossen Anspruch einer Partei, "gehört zu werden". Weitergehende Teilgehalte des recht lichen Gehörs sind Mitwirkungsrechte bei der B e- weiserhebung, das Akteneinsichtsrecht, das Recht auf Vertretung und Verbeiständung sowie Anspruch auf Begründung von Verfügungen (vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwa l- tungsrecht, 6. vollständig überarbeitete Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 1686 ff.). Aufgrund der Akten ist jedoch eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehörs zu verneinen, ergibt sich doch aus ihnen, dass der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren sämtliche obgenan n- ten Rechte eingeräumt wurden. In dieser Hinsicht wurde im Übrigen auch beschwerdeweise nichts geltend gemacht. C-4192/2012 Seite 8 Vorliegend ist die Rüge der Beschwerdeführerin, zur Beurteilung ihres strafrechtlichen Leumunds dürfe lediglich auf den Strafregisterauszug und nicht auf Einträge im Zentralarchiv der Zürcher Polizeien abgestellt we r- den, vielmehr dahingehend zu verstehen, dass die Vorinstanz den Sac h- verhalt unrichtig oder unvollständig ermittelt habe (Art. 49 Bst. b VwVG; vgl. OLIVER ZIBUNG / ELIAS HOFSTETTER, in: Waldmann / Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum Bundesgesetzüber das Verwaltungsve r- fahren, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 49 N 34 ff.). Der Beschwerdeführerin ist denn auch insofern zuzustimmen, dass die Vorinstanz zur abschlie s- senden Beurteilung der Frage, ob sie der Prostitution nachgegangen sei und Drogen konsumiert habe, noch die entsprechenden Polizeirapporte, Strafbefehle und allfällige Strafurteile hätte hinzuziehen müssen. Weitere Ausführungen diesbezüglich erübrigen sich hingegen, da die Beschwerde – wie anschliessend zu zeigen sein wird – auch aus anderen Gründen gutzuheissen ist. 4. 4.1 Die in den Art. 27 bis Art. 31b BüG geregelten Tatbestände der er - leichterten Einbürgerung setzen nach Art. 26 Abs. 1 BüG in allgemeiner Weise voraus, dass die gesuchstellende Person in der Schweiz integriert ist (Bst. a), die schweizerische Rechtsordnung be achtet (Bst. b) und die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet (Bst. c). Die erleichterte Einbürgerung gestützt auf eine Ehe mit einer Schweizerin bzw. einem Schweizer gemäss Art. 27 BüG, um die es in vorliegender Streitsache geht, verlangt nach dessen Abs. 1 zusätzlich, dass die au s- ländische Person insgesamt fünf Jahre in der Schweiz gewohnt hat (Bst. a), seit einem Jahr h ier wohnt (Bst. b) und seit drei Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit der Schweizer Bürgerin bzw. dem Schweizer Bürger lebt (Bst. c). 4.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft im Sinne von Art. 27 Abs. 1 Bst. c BüG bedeutet mehr als nur das formelle Bestehen einer Ehe nach Art. 159 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210). Verlangt wird vielmehr eine tatsächliche, stabile L e- bensgemeinschaft, die getragen ist vom gegenseitigen Willen, die Ehe auch künftig aufrecht zu erhalten. Entsprechend wird vorausgesetzt, dass die eheliche Gemeinschaft während der ganzen Dauer des Einbürg e- rungsverfahrens gelebt wird und intakt ist. C-4192/2012 Seite 9 4.3 Zweifel am entsprechenden Willen der Ehegatten sind namentlich dann angebracht, wenn der ausländische Eh egatte der Prostitution nach- geht. Der Gesetzgeber ist bei der Schaffung der Möglichkeit der erleic h- terten Einbürgerung von einem Eheverständnis ausgegangen, wie es den eherechtlichen Bestimmungen des ZGB – insbesondere Art. 159 Abs. 2 und 3 ZGB – zugrunde liegt, d.h. einem solchen, bei welchem die Grü n- dung einer Lebens - und Schicksalsgemeinschaft bzw. einer Familie b e- zweckt wird. Insbesondere schulden die Ehegatten einander Treue und Beistand (vgl. PETER TUOR/BERNHARD SCHNYDER/JÖRGSCHMID/ALEXANDRA RUMO- JUNGO, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 12. Aufl., Zürich 2002, S. S. 275 f.). Die gewerbsmässige Ausübung der Prostitution begründet dabei die widerlegbare Vermutung, dass eine solche intakte und auf die Zukunft ausgerichtete Ehe nicht besteht (anstelle me hrerer vgl. Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts C-1171/2006 vom 3. März 2009 E. 3 bis 6). Trotz gewandelter Moral - und Sexualvorstellungen umfasst die eheliche Treue grundsätzlich immer noch die ungeteilte Geschlechtsgemeinschaft, d.h. eine auf einen Par tner oder eine Partnerin ausgerichtete Gemei n- schaft. Diese Auffassung lässt sich mit der Prostitution definitionsgemäss nicht vereinbaren. In einer solchen Konstellation obliegt es der gesuc h- stellenden Person, die durch die Prostitution begründete Tatsache nver- mutung des Fehlens einer ehelichen Gemeinschaft im beschriebenen Sinne im Einzelfall umzustossen. Bei der Beurteilung der Frage, ob eine tatsächliche und stabile eheliche Gemeinschaft besteht, ist jeweils auch auf die weiteren Umstände des konkreten Ei nzelfalles abzustellen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -7487/2006 vom 28. Mai 2008 E. 3.2 mit Hinweisen). Dabei können etwa Aspekte der Lebensgestaltung, aber auch der Altersunterschied der Ehegatten oder die Art und Weise des Kennenlernens und der Heirat berücksichtigt werden. 5. Es entspricht einem allgemeinen Rechtsgrundsatz, dass derjenige die Gefahr der Beweislosigkeit einer rechtserheblichen Tatsache trägt, der aus ihr Rechte ableitet (vgl. KRAUSKOPF / EMMENEGGER, Praxiskommentar VwVG, a.a.O., Art. 12 N 207; vgl. Art. 8 ZGB). Das ist in Bezug auf die Voraussetzungen der erleichterten Einbürgerung nach Artikel 26 Absatz 1 und 27 Absatz 1 BüG der Gesuchsteller bzw. die Gesuchstellerin. Gelangt die Behörde nach Durchführung des Beweisverfahrens im Rahmen der freien Beweiswürdigung nicht zur Überzeugung, dass die Voraussetzu n- gen der erleichterten Einbürgerung erfüllt sind, hat sie entsprechend di e- ser Beweislastregel so zu entscheiden, wie wenn deren Nichtvorliegen C-4192/2012 Seite 10 erwiesen wäre. Gegen stand der b ehördlichen Überzeugung ist grun d- sätzlich nicht die mehr oder weniger hohe Wahrscheinlichkeit eines b e- stimmten Sachverhalts, sondern seine tatsächliche Verwirklichung. Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel, die immer möglich sind, sind dabei nicht mass gebend. Es muss sich um begründete Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach den gesamten Umständen aufdrängen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -4610/2008 vom 4. Novem- ber 2010 E. 3.3; vgl. KRAUSSKOPF / EMMENEGGER, a.a.O., Art. 12 N 2 13 ff.). 6. Die Vorinstanz vertritt vorliegend die Auffassung, es könne nicht von einer intakten, auf die Zukunft gerichteten ehelichen Gemeinschaft ausgega n- gen werden. Zur Begründung führt sie aus, die Prostitution sowie auch die Drogenprobleme der Beschwe rdeführerin hätten die eheliche G e- meinschaft offensichtlich stärker in Mitleidenschaft gezogen, als dies die Eheleute wahrhaben wollen. Berücksichtigt werden müsse auch die an Verwahrlosung grenzenden Verhältnisse in der ehelichen Wohnung, we l- che man anlässlich der Hausbesuche festgestellt habe. 6.1 Bezüglich des Vorwurfs der Prostitution wird beschwerdeweise ge l- tend gemacht, die Beschwerdeführerin sei nie gewerbsmässig als Prost i- tuierte tätig gewesen. Es sei hingegen unbestritten, dass sie sich vor mehreren Ja hren insbesondere in den Jahren 2005 und 2008 über b e- freundete, sich prostituierende Landsfrauen zeitweise im entsprechenden Milieu aufgehalten habe und diesbezüglich mehrmals polizeilich angeha l- ten worden sei. Unbestritten sei auch, dass sie in diesem Zus ammen- hang einige wenige Male Drogen konsumiert habe. Sie verkehre aber nun seit längerem nicht mehr in diesen Kreisen und verfüge über einen ei n- wandfreien straf - und zivilrechtlichen Leumund. Die polizeilichen Anha l- tungen seien dem Ehemann überdies vollumf änglich bekannt. Entgegen der vorinstanzlichen Annahme würden hingegen keine unter rechtsstaatli- chen Gesichtspunkten genüglichen Beweise vorliegen, dass die B e- schwerdeführerin in den letzten Jahre ähnlich wie eine gewerbsmässig tätige Prostituierte ihren Körper oder auch ihre Liebe "mehr als im gesel l- schaftlich üblichen Umfang" bzw. mehr als durchschnittliche schweizer i- sche Eheleute aus intakter Ehe mit anderen Personen als mit dem eig e- nen Ehegatten geteilt oder zugewendet habe. 6.1.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Zent- ralarchiv der Zürcher Polizeien in den Jahren 2005 und 2008 zwei Eintr ä-C-4192/2012 Seite 11 ge bezüglich Prostitution erwirkt hat (vgl. Erhebungsbericht vom 31. J a- nuar 2011). Im Erhebungsbericht wurde des Weiteren – allerdings ohne genaue Angaben oder Belege – darauf hingewiesen, dass die Beschwer- deführerin ihre Dienste auf drei Websites angeboten habe und am 12. Oktober 2005 in einem Massagesalon angetroffen und verzeigt wo r- den sei, da eine Aufenthaltsbewilligung gefehlt habe (vgl. dazu auch Poli- zeirapport der Stadtpolizei Zürich vom 18. Oktober 2005). Zudem soll sie sich im Jahr 2008 diverse Male auf dem Strassenstrich angeboten haben; auch dies allerdings unbelegt. Aus den kantonalen Akten ist hingegen – aufgrund entsprechend ausgestellter Aufenthaltsbewilligungen – klar e r- sichtlich, dass die Beschwerdeführerin als selbständige Masseuse in d i- versen Erotik-Betrieben tätig gewesen ist. 6.1.2 In Anbetracht dieser Ausführungen sieht es das Bundesverwa l- tungsgericht als erwiesen an, dass die Beschwerde führerin sexuelle Handlungen gegen Entgelt vorgenommen hat. Die Erklärung der B e- schwerdeführerin, sie habe sich lediglich mit befreundeten Prostituierten zeitweise im entsprechenden Milieu bzw. an entsprechenden Orten au f- gehalten, vermag hier nicht zu über zeugen. Die diversen polizeilichen Anhaltungen sprechen zusammen mit den weiteren im Rotlichtmilieu a n- gesiedelten Tätigkeiten – welche in den kantonalen Akten eindeutig b e- legt sind – klar dagegen. Die Beschwerdeführerin selbst erklärte denn auch anlässlich der Erhebung des Berichtes vom 31. Januar 2011, sie habe die Prostitution aufgegeben, womit sie einräumte, sich in der Ve r- gangenheit prostituiert zu haben. 6.2 Des Weiteren macht die Vorinstanz geltend, es sei davon auszug e- hen, dass die Beschwerdeführerin v erbotene Substanzen wie Haschisch geraucht und evtl. auch andere Betäubungsmittel wie Kokain konsumiert habe. Auch hätten die Hausbesuche und der in der Wohnung mehrmals wahrgenommene starke Rauchgeruch belegt, dass in der ehelichen Wohnung Betäubungsmitte l konsumiert worden seien. Würden zudem auch die an Verwahrlosung grenzende Verhältnisse in der ehelichen Wohnung berücksichtigt werden, so könne insgesamt nicht von einer i n- takten, auf die Zukunft gerichteten ehelichen Gemeinschaft gesprochen werden. 6.3 In casu reicht jedoch der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin prostituiert hat (noch) nicht aus, um Zweifel an der ehelichen Gemei n- schaft hervorzurufen. Insbesondere gilt es zu beachten, dass der letzte Eintrag bezüglich Prostitution im Zentralarchiv der Zürcher Polizeien am C-4192/2012 Seite 12 26. Januar 2008 vorgenommen wurde. Danach ist die Beschwerdeführ e- rin in diesem Zusammenhang nicht mehr in Erscheinung getreten. Damit kann ihr Vorbringen, sie verkehre seit längerem nicht mehr in diesen Kreisen, nicht ausser Acht gela ssen werden. Unterstützt wird diese Au s- sage durch die Tatsache, dass sie seit dem (…) bei (…) angestellt ist (vgl. Zwischenzeugnis […]). Es versteht sich von selbst, dass eine solche T ä- tigkeit einen soliden Lebenswandel erfordert. Zudem ist den kantonalen Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin seit Mai 2007 über bewilligte Arbeitsstellen ausserhalb des Rotlichtmilieus verfügt. Selbst der Umstand, dass die Beschwerdeführerin bereits verbotene Substanzen konsumiert hat, lässt vorliegend nicht den Sc hluss zu, die Lebensführung der Beschwerdeführerin sei nicht mit einer stabilen, auf die Zukunft g e- richteten ehelichen Gemeinschaft vereinbar. Den Akten zufolge existieren im Zentralarchiv der Zürcher Polizeien im Zeitraum von 2000 bis 2010 vier Einträge w egen Konsums von verbotener Substanzen (Kokain und Haschisch). Die Beschwerdeführerin räumt selbst ein, diverse Male Dr o- gen konsumiert zu haben, will nun aber keine Drogen mehr einnehmen (vgl. Beschwerde vom 10. August 2012). Dies bestätigt auch ihr Eh e- mann, der angibt, sie hätte einige wenige Male zum Spass Drogen au s- probiert (vgl. Bestätigungsschreiben vom 10. Mai 2012). Anlässlich der Erhebung des Berichts vom 31. Januar 2011 erklärte die Beschwerdefüh- rerin zudem, sie sei in psychotherapeutischer Behandl ung, nehme keine Drogen mehr und habe die Prostitution aufgegeben. Vor diesem Hinte r- grund erscheint es möglich, dass die Beschwerdeführerin dem Rotlichtmi- lieu seit einigen Jahren den Rücken zugekehrt hat. Hinzuweisen ist auch auf ihren ansonsten tadellosen Leumund (vgl. Auszug aus dem Betre i- bungsregister vom 23. April 2012 und Auszug aus dem Strafregister vom 20. April 2012). Abschliessend gilt es zu erwähnen, dass im Erhebung s- bericht selbst darauf hingewiesen wurde, es könne darauf geschlossen werden, dass eine eheliche Gemeinschaft bestehe. Die Beschwerdefü h- rerin sei an der gemeinsamen ehelichen Wohnadresse bekannt und sei dort auch angetroffen worden. Vorliegend bestehen zwar Indizien für eine nicht intakte Ehe, diese sind aber für sich alleine nicht aus reichend, um die Verweigerung der erleic h- terten Einbürgerung zu rechtfertigen. 6.4 In casu sind weitere Abklärungen unerlässlich, um den entscheidse r- heblichen Sachverhalt vervollständigen und einen allfällig negativen En t- scheid begründen zu können. Insbesondere fehlen in den Akten wesentli- che Sachverhaltselemente, um das Vorliegen einer nicht intakten und C-4192/2012 Seite 13 nicht auf die Zukunft gerichteten ehelichen Gemeinschaft abschliessend und im Sinne einer Gesamtbetrachtung beurteilen zu können (vgl. dazu Urteil des Bundes verwaltungsgerichts C -5145/2007 vom 15. April 2009 E. 4.4). In concretu fehlen Angaben betreffend bisherige und künftige L e- bensgestaltung- und planung des Ehepaares (insbesondere auch Ang a- ben zu einem allfälligen Kinderwunsch). Auch ist unabdingbar die Ar t und Weise sowie die zeitliche Abfolge des Kennenlernens und der Heirat g e- nauer abzuklären, ist doch gemäss den kantonalen Akten die Beschwe r- deführerin ohne Visum in die Schweiz eingereist. Hinzuweisen ist auch auf den Umstand, dass sich der Ehemann der B eschwerdeführerin – ausser in einem kurzen Bestätigungsschreiben vom 10. Mai 2012 – zu keiner Zeit zur Ehe und deren Zustand geäussert hat. Von der Notwendigkeit weiterer Abklärungen können auch die zu den A k- ten gereichten Referenzschreiben nicht entbinde n. Diese zeichnen zwar einerseits ein durchwegs positives Bild der Beschwerdeführerin und ihrer Ehe mit dem Schweizer Bürger auf, stellen hingegen andererseits nur Feststellungen über das äussere Erscheinungsbild der Ehe dar (vgl. Urteil des Bundesverwaltu ngsgerichts C -7410/2008 vom 25. Januar 2011 E. 9.3.1 mit weiteren Hinweisen). 7. Somit ergibt sich, dass die von der Vorinstanz vorgenommenen Abkl ä- rungen nicht ausreichend sind, um davon ausgehen zu können, die Ehe der Beschwerdeführerin sei weder intakt noch auf die Zukunft gerichtet. Die Richtigkeit einer solchen Annahme ist aber auch nicht auszuschlie s- sen. Aus diesem Grunde sind zusätzliche Abklärungen im Sinne der ob i- gen Erwägungen zu tätigen. Die angefochtene Verfügung ist daher w e- gen unvollständiger Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (vgl. Art. 49 Bst. b VwVG) aufzuheben und zu neuem Entscheid an die Vori n- stanz zurückzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG) und der gelei stete Kostenvorschuss ist z u- rückzuerstatten. Der Beschwerdeführerin ist zu Lasten der Vorinstanz e i- ne Parteientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). C-4192/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung wird aufgehoben. Die Sache wird zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz z u- rückgewiesen. 2. Es wer den keine Verfahrenskosten auferlegt. Der geleistete Kostenvo r- schuss von Fr. 1'000.- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.- auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde; Beilage: "Formular Zahladresse") – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]) – das Migrationsamt des Kantons Zürich Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer C-4192/2012 Seite 15 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehre n, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: