STEUERREKURSKOMMISSION II DES KANTONS ZÜRICH 2 ST.2008.402 2 DB.2008.250 Entscheid 10. Juli 2009 Mitwirkend : Einzelrichter R. Oesch und Sekretär M. Ochsner In Sachen A, Rekurrentin/ Beschwerdeführerin, vertreten durch B, gegen 1. S t a a t Z ü r i c h , Rekursgegner, 2. S c h w e iz e r i s c h e E i d g e n o s s e n s c h a f t , Beschwerdegegnerin, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Konsum, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Einschätzung 2006 und Direkte Bundessteuer 2006 - 2 - 2 ST.2008.402 2 DB.2008.250 hat sich ergeben: A. A (nachfolgend die Pflichtige) betreibt als selbstständig erwerbende Journa- listin das Einzelunternehmen C in D. Nach Einforderung sämtlicher Kontoauszüge und Belege für die Steuerperiode 2006 mittels Auflage vom 13. Juni 2008 kam de r Steuer- kommissär zum Schluss, dass u.a. folgende Positionen im Geschäftsau fwand nicht geschäftsmässig begründet und deshalb vollständig aufzurechnen sind: Fr. Arbeitszimmer in Privatwohnung 6'000.- Berufskleidung 7'000.- Fachliteratur Zeitungsabonnements 1'185.- . Gestützt darauf schätzte er die Pflichtige am 14. August 2008 für die Staats- und Gemeindesteuern 2006 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 105'200. - und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 0.- ein. Gleichentags erging der gleich begründe- te Hinweis direkte Bundessteuer 2006 mit eine m steuerbaren Einkommen von Fr. 107'100.-. Die Bundessteuerveranlagung/Schlussrechnung wurde am 5. September 2008 versandt. B. Hiergegen liess die Pflichtige am 27. August bzw. 18. September 2008 Ei n- sprache erheben und beantragen, den Aufwand für das Arbeitszimmer, die Berufskle i- dung sowie die Fachliteratur zum Abzug zuzulassen. Das kantonale Steue ramt wies die Einsprachen am 11. November 2008 ab. C. Mit Rekurs bzw. Beschwerde vom 11. Dezember 2008 wiederholte die Pflichtige den Einspracheantrag, verlangte indessen nur noch die Hälfte für die Beruf s- kleidung. Zur Begründung machte sie geltend, sie sei als Kommunikationsfachfrau, Journalistin und Redaktorin verantwortlich für Jahrespublikationen und Ze itschriften in einem spezifischen Fachbereich . Zur Ausübung di eser beruflichen Tätigkeit stehe ihr zwar ein Anteil eines Gemeinschaftsbüros an der … in D zur Verfügung. Für konzept i- onelle und redaktionelle Arbeiten sei sie indessen auf den Büroraum in ihre r Priva t- wohnung, ebenfalls in D, angewiesen, da sie nur dort u ngestört arbeiten könne. Dieser - 3 - 2 ST.2008.402 2 DB.2008.250 Raum sei ausschliesslich für beruflich bedingte Arbe iten eingerichtet. Weiter benötige sie Berufskleidung, da sie regelmässig auch Örtlichkeiten ausserhalb der Bü roräum- lichkeiten mit einem Bedarf nach Schutzkleidung besuche. Sie sei ferner auf Informati- onen aus ihrem Fachgebiet angewiesen, welche regelmässig auch in Tagesze itungen veröffentlicht würden. Das kantonale Steueramt schloss in seiner Rekurs -/Beschwerdeantwort vom 19. Januar 2009 auf Abweisung des Rechtsmittels. Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. a) Bei selbstständiger Erwerbstätigkeit werden die geschäfts - oder berufs- mässig begründeten Kosten abgezogen (§ 27 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG] bzw. Art. 27 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bun dessteuer vom 14. Dezember 1990 [DBG]). Abzugsfähig ist der gesamte Aufwand, der für die selbstständige Erwerbstätigkeit notwendig ist (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 27 N 2 ff.; Ric h- ner/Frei/Kaufmann, Handkommentar zum DBG, 2003, Art. 27 N 3 f.; beide auch zum Folgenden). Voraussetzung für die Abzugsfähigkeit ist , dass der Aufwand mit einer selbstständigen Erwerb stätigkeit direkt zusammenhängt. Ob der Auf wand aber zweckmässig bzw. vermeidbar gewesen wäre, spielt keine Rolle. Es ist nicht Sache der Steuerbehörden, die Angemessenheit einer geschäftlichen Aufwendung zu überprüfen (BGE 124 II 29 = ASA 67, 286 = StE 1998 B 22.3 Nr. 63; BGE 113 Ib 114 E. 2c = ASA 57, 645 = StE 1988 B 27.6 Nr. 5 = StR 1988, 232). Die geschäf tsmässige Begründet- heit ist vielmehr solange zu bejahen, als ein sachlicher Zusammenhang z wischen Aus- gabe und Geschäftsbetrieb besteht. Die Nachweispflicht für geschäftsmässig begründete Kosten, d.h. einerseits für den tatsächlichen A nfall der Kosten als auch andererseits für den von § 27 Abs. 1 StG bzw. Art. 27 Abs. 1 DBG geforderten Zusammenhang zwischen der selbstständ i- gen Erwerbstätigkeit und der konkret infrage stehenden Ausgabe, obliegt dem Steue r- pflichtigen, da es sich dabei um steuermindernde Tatsachen handelt (Ric h-- 4 - 2 ST.2008.402 2 DB.2008.250 ner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 27 N 22). Um seiner Nachweispflicht zu genügen, muss er jedenfalls im Rechtsmittelverfahren eine ausreichend substanziierte Sachdarstellung mit gleichzeitigem Angebot geeigneter Beweismittel vorbringen. Genügend substanz i- iert ist eine Sachdarste llung, wenn sie hinsichtlich Art, Motiv und Rechtsgrund all jene Tatsachenbehauptungen enthält, die – ohne weitere Untersuchung, aber unter Vorb e- halt der Beweiserhebung – die rechtliche Würdigung der geltend gemachten Steue r- minderung erlauben (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 147 N 55 ). b) Die Pflichtige machte in ihrer Erfolgsrechnung Fr. 7'000.- für Berufskleidung geltend. Gemäss Konto 4318 hat sie im Betrag von Fr. 4'695.80 diverse Einzelpositi o- nen dem Aufwand belastet, dann aber diesen Betrag auf das Privatkonto ausg ebucht und stattdessen einen Pauschalbetrag von Fr. 7'000. - eingesetzt. Im Rekurs verweist sie zur Begründung darauf, dass sie für auswärtige Einsätze festes Schuhwerk, einen Helm sowie der Situation angemessene Berufskleidung benötige. Indessen fehlt es bereits an Belegen, aus welchen hervorginge, dass der Pflichtigen überhaupt solche Kosten in der Höhe von Fr. 7'000. - angefallen sind. Die dem Konto selbst belasteten und (wieder ausgebuchten) Einzelkäufe bezi ehen sich gemäss den Belegen auf Einkäufe bei Damenbekleidungsgeschäften und Boutiquen wie Zara, bei Schuhgeschäften sowie einen grösse ren Einkauf von Leder waren der Marke Longchamps. Aus diesen Belegen geht der behauptete Berufskleidercharakter in keiner Weise hervor, noch lassen die erwähnten Geschäfte den Einkauf von Schutz- bekleidung erwarten. Anzufügen ist, dass der durch die beruflic he Stellung des Steuer- pflichtigen bedingte Privataufwand (sogenannte Standeskosten) allgemein nicht a b- ziehbar ist, wozu auch die Auslagen für stande sgemässes Auftreten gehören. Die geschäftsmässige Begründetheit der Auslagen ist damit nicht nachgewiesen worden. c) Auf dem Konto 4740 hat die Pflichtige ferner Aufwand für Fachliteratur und Zeitschriften von Fr. 2'023. - festgehalten. Der Steuerkommissär hat davon Fr. 1'185. - nicht zum Abzug zugelassen; dabei handelt es sich um die Abonnementskosten für die NZZ, NZZ am Sonntag, die SonntagsZeitung sowie den Tages Anzeiger. Der Zweck der Einzelfirma der Pflichtigen besteht gemäss Handelsregiste r- auszug im Betrieb eines Büros für Journalistik, PR -Beratung, Zeitungs- und Zeitschrif- tenberatung sowie Redaktionen. Im Rekurs bzw. in der Beschwerde führt die Pflichtige - 5 - 2 ST.2008.402 2 DB.2008.250 aus, dass sie verantwortlich sei für Konzept, Inhalt und Umsetzung von Jahrespublik a- tionen und Zeitschriften im Bau -, Architektur- und Wohnbereich. Gemäss einer Akte n- notiz ist sie Redaktorin des so ge nannten …. Demnach lässt sich aber bereits von i h- rem angestammten Arbeitsfeld her ein erhöhtes berufliches Interesse an den wichtigsten Publikationserzeugnissen nicht verneinen. Im G egenteil leuchtet ein, dass bei einer Journalistin die Durchsicht der wich tigsten Tageszeitungen Teil der üblichen Erwerbstätigkeit darstellen. Von daher lässt sich ihre geschäftliche Situation auch nicht mit freiberuflichen oder gewerblichen Tätigkeiten in anderen Bereichen vergleichen. Damit erscheint aber die Auffassung de s Steuerkommissärs, wonach Tage s- zeitungen zur Lebenshaltungskosten gehören, im vorliegenden Fall als zu eng, so n- dern sind die betreffenden Kosten grundsätzlich abzugsfähig. d) Streitig sind ferner die Kosten von Fr. 6'000. - eines Büros in der Privatwo h- nung. Der Steuerkommissär verweigerte den Abzug, weil der Pflichtigen u nweit ihres Wohnorts ein Arbeitsplatz zur Verfügung stehe, und blosse Bequemlichkeit die No t- wendigkeit eines Arbeitsplatzes zu Hause nicht zu begründen vermöge. Die Pflic htige hält dem entgegen, ihr stehe zwar ein Anteil eines Gemeinschaftsbüros zur Verf ügung; für die Konzeption und redaktionelle Arbeiten sei sie indessen auf einen für ungestör- tes Arbeiten geeigneten Büroraum angewiesen. Der dafür ausgeschiedene Raum in der Privatwohnung werde ausschliesslich für beruflich bedingte Arbeiten b enutzt. Aus mit dem Rekurs eingereichten Fotos ist die Einrichtung des Büroraums ersichtlich, we l- cher mit einem Tisch mit Laptop, einem Drucker sowie einem Büchergestell mit Or d- nern ausgestattet ist. Der Steuerkommissär begründet die Verweigerung mit rechtlichen Grundsä t- zen, welche bei Unselbstständigerwerbenden im Zusammenhang mit der Abziehbarkeit von Arbeitzimmern zur Anwendung gelangen. Für die geschäfts - oder berufsmä ssig begründeten Kosten eines Selbstständigerwerbenden hat sich mit Blick auf die Organ i- sationsfreiheit des Unternehmers indessen eine weniger einengende Praxis entwickelt als bei der unselbstständigen Erwerbstätigkeit (Reich/Züger, Kommentar zum Schwe i- zerischen Steuerrecht, Band I/2 a, 2008, Art. 27 N. 7a f., auch zum Folge nden; Philip Funk, Der Begriff der Gew innungskosten, 1989, S. 149 ff; Ric hner/Frei/ Kauf- mann/Meuter, § 27 N 3 ). Als solche sind Vermögensabgänge zu würdigen, die für g e- schäftliche Zwecke, im Interesse des Unternehm ensziels getätigt worden sind. D abei - 6 - 2 ST.2008.402 2 DB.2008.250 spielt es keine Rolle, ob der Betrieb auch ohne den entsprechenden Aufwand ausg e- kommen wäre und ob im Sinn einer rationellen und gewinnorientierten Betriebsfü hrung zweckmässiger oder sparsamer hätte vorgegangen werden k önnen. Ob der Aufwand zweckmässig oder vermeidbar gewesen wäre, spielt keine Rolle; es ist nicht Sache der Steuerbehörden, die Angemessenheit einer geschäftlichen Aufwendung zu prüfen. Grundsätzlich steht es demnach im Ermessen der Pflichtigen, ob sie i hre Ge- schäftstätigkeit nur in über ihre Einzelfirma gemieteten Büroräumen oder auch zusät z- lich in einem Büroraum in ihrer Privatwohnung ausüben will . Zudem sind aufgrund der örtlichen Nähe von Arbeitsplatz und Wohnung auch Synergie n nicht von der Hand zu weisen, sodass ihr Arrangement für die selbstständige Erwerbstätigkeit nicht ohne j e- den Vorteil erscheint. Entscheidend ist damit allein, dass der betreffende Raum – wie behauptet – tatsächlich auch geschäftlich genutzt worden ist . Die Pflichtige hat in ihr er 4,5-Zimmerwohnung unstreitig einen Raum als Büroraum eingerichtet. We iter liegt ein Wohnungsgrundriss vor, aus welchem allerdings nicht hervorgeht, we lcher Raum als Büro belegt ist; aus dem Vergleich mit den Fotos ist zu schliessen, dass es sich um den kleineren Raum von 11,6 m2 handelt. Damit sind aber grundsätzlich die Voraus- setzungen für den Abzug der Raumkosten gegeben. e) Damit ist indessen noch nicht gesagt, dass die gesamten geltend gemac h- ten Kosten für die Zeitungen bzw. das Arbeitszimmer zum Abzug zuzulassen sind. Ins- besondere stellt sich die Frage von Privatanteilen, dient doch die Lektüre von Tage s- zeitungen ebenfalls privaten Bedürfnissen. Im Arbeitszimmer lassen sich ohne Weiteres auch private Büroarbeiten erledigen; kommt hinzu, dass es sich beim Compu- ter um einen Laptop handelt, welcher weggeräumt werden kann. Mitunter lässt sich der Raum nicht von gerichtsnotorisch in Wohnungen vergleichbarer Grösse oft eingericht e- ten privaten Büroräumen unterscheiden, und liegt eine (mindestens teilweise ) private Benutzung auf der Hand. Aus den Akten ist aber deren Unfang nicht ersichtlich. Damit liegt in Bezug auf die Höhe der geltend gemachten Abzüge eine Unklarheit im Sac h- verhalt vor, welcher auf dem Weg einer Schätzung (nach pflichtgemässem Ermessen) zu beseitigen ist. Diesbezüglich ist erforderlich, dass zunächst mittels Auflage und Mahnung der Umfang der beruflichen und privaten Nutzung abgeklärt wird; solche U n- tersuchungsmassnahmen sind bisher aber unterblieben. - 7 - 2 ST.2008.402 2 DB.2008.250 f) Ist über ein wesentliches Eleme nt des Sachverhalts noch keine Unters u- chung geführt worden, ist die Rekurskommission ausnahmsweise zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz berechtigt (VGr, 22. März 2000, SB.1999.00095 und SB.2000.00002). Diesen Verfahrensmangel kann die Steuerrekurskommission nicht heilen, da der gesetzlich vorgeschriebene Instanzenzug dadurch unzulässigerweise verkürzt und die untere Einschätzungs - bzw. Rechtsmittelbehörde von der Einhaltung eines korre kten Verfahrens praktisch dispensiert würde (Richner/F rei/Kauf- mann/Meuter, § 149 N 31). Demnach rechtfertigt es sich, die Sache zur Nachholung des Versäumten an den Steuerkommissär ins Einschätzungsverfahren zurückzuwe i- sen. 2. Diese Erwägungen führen zur teilweisen Gutheissung des Rekurses bzw. der Beschwerde (Rückweisung). Bei diesem noch unentschiedenen Ausgang des Ve r- fahrens sind die Kosten den Parteien je hälftig aufz uerlegen (§ 151 Abs. 1 StG und Art. 144 Abs. 1 DBG). Die Zusprechung einer Parteientschädigung an die Pflichtige kommt bei diesem Ausgang nicht in Be tracht (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968). Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 1. Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheentscheid vom 11. N o- vember 2008 wird aufgehoben und die Sache im Sinn der Erwägungen in das Ei n- schätzungsverfahren zurückgewiesen. 2. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheentscheid vom 11. November 2008 wird aufgehoben und die Sache im Sinn der Erwägungen in das Einschätzungsverfahren zurückgewiesen. […]