18. März 1994 N 591 Postulat Haering Binder Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln. Überwiesen als Postulat-Transmis comme postulat #ST# 93.3568 Motion der liberalen Fraktion Sparmassnahmen. Verminderung der gesetzlichen Anforderungen und der Detailvorschriften Motion du groupe libéral Mesures d'économie. Réduction des exigences légales et réglementaires Wortlaut der Motion vom 7. Dezember 1993 Damit wirksame und reale Sparmassnahmen ergriffen werden können, ist es erforderlich, die gesetzlichen Anforderungen, vor allem aber die Detailvorschriften zu vermindern, denn diese tragen zu einer spürbaren Kostensteigerung und zu ei- nem allzu kostspieligen Perfektionismus bei. Deshalb ersu- chen wir den Bundesrat, dem Parlament Entwürfe für Geset- zesänderungen zu unterbreiten, welche die gesetzlichen An- forderungen und vor allem die Detailvorschriften vermindern. Texte de la motion du 7 décembre 1993 Pour prendre des mesures d'économie efficaces et réelles, il y a lieu d'atténuer les exigences légales, mais surtout réglemen- taires, qui sont des facteurs d'augmentation des coûts sensi- bles et d'un perfectionnisme trop onéreux Aussi, j'invite le Conseil fédéral à proposer des projets de modifications de lois atténuant les exigences légales, mais surtout réglementaires. Sprecher-Porte-parole: Narbel Schriftliche Begründung Zur Verbesserung des katastrophalen Zustandes der Bundes- finanzen beschliessen der Bundesrat und die eidgenössi- schen Räte Spar- oder Sanierungsmassnahmen. Diese haben markante Subventionskürzungen zur Folge und wirken sich somit auf Kantone, Gemeinden und Bürger sehr schmerzlich aus. Überprüft man gewisse Subventionskürzungen, so zeigt sich, dass die Investitionsausgaben bereits zugesichert worden sind. Die Sparmassnahmen bestehen also schlicht und ein- fach in einem Zahlungsaufschub. Die heute geschuldeten Be- träge werden manchen Kantonen oder Gemeinden erst in fünf oder sechs Jahren ausbezahlt. Echte Einsparungen lassen sich erzielen, wenn die Investi- tionskosten gesenkt werden. Im Bestreben, alles möglichst gut zu machen, sind in unserem Land die gesetzlichen Anfor- derungen und die Detailvorschriften immer mehr ausgebaut worden. Die Folge ist ein Perfektionismus, dessen Kosten nicht mehr tragbar sind. Das einzige Mittel zur Kostensenkung besteht in der Überprüfung der gesetzlichen Anforderungen und der Detailvorschriften im Hinblick auf eine Lockerung. Ohne die Bereiche, in denen solche gesetzlichen Änderungen denkbar wären, vollständig auflisten zu wollen, seien hier er- wähnt: - Lärmschutzmassnahmen; - Normen für Zivilschutzbauten sowie für die Erstellung von Strassen und Gebäuden; - Bodenverbesserungsarbeiten; - Gewässerschutzmassnahmen. Wenn gewisse Anforderungen eingeschränkt würden, könn- ten nach unserer Überzeugung verschiedene Investoren (Un- ternehmungen oder Private) Projekte entwickeln, die weniger kostspielig und also leichter realisierbar wären. Eine solche Massnahme könnte demnach zum wirtschaftlichen Auf- schwung beitragen. Développement par écrit Pour lutter contre la situation catastrophique des finances fé- dérales, le conseil fédéral et les chambres décident des mesu- res d'économie ou d'assainissement. Il en résulte des réduc- tions sensibles de subventions, qui ont des effets douloureux pour les cantons, les communes et le simple citoyen. L'examen de certaines réductions de subventions fait apparaî- tre que les dépenses d'investissement sont déjà engagées, les mesures d'économie consistent simplement à différer les paiements. Certains cantons ou communes ne toucheront les montants dus actuellement que dans cinq ou six ans. La véritable économie doit être une diminution du coût de l'in- vestissement. En Suisse, on a développé des exigences léga- les et réglementaires, dans un souci certain de bien faire. La conséquence est le développement d'un perfectionnisme dont les coûts deviennent insupportables. Le seul moyen de diminuer les frais passe par un réexamen des exigences léga- les et réglementaires, dans le sens d'un assouplissement. Sans donner une liste exhaustive de tous les secteurs où l'on pourrait envisager de telles modifications légales, nous citons quelques domaines: - mesures de protection contre le bruit; - standards de construction en matière de protection civile, de constructions de routes ou d'immeubles; - travaux d'améliorations foncières; - mesures de protection des eaux. Par ailleurs, en limitant certaines exigences, nous sommes persuadés que plusieurs investisseurs (entreprises ou privés) pourront mettre au point des projets moins onéreux, donc plus facilement réalisables. Une telle mesure aurait donc un effet de relance de l'économie. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 16. Februar 1994 Der Bundesrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen. Déclaration écrite du Conseil fédéral du 16 février 1994 Le Conseil fédéral est prêt à accepter la motion. Überwiesen - Transmis #ST# 93.3597 Postulat Haering Binder Bericht Abrüstungspolitik Politique de désarmement. Rapport Wortlaut des Postulates vom 13. Dezember 1993 Der Bundesrat wird eingeladen, in einem Bericht Ziel, Mittel, Perspektiven und statistische Grundlagen seiner Abrüstungs- politik im Verbund mit der Vertrauens- und Sicherheitsbildung darzulegen und in Zukunft periodisch über wichtige Fragen der Abrüstungspolitik zu informieren. Texte du postulat du 13 décembre 1993 Le Conseil fédéral est invité à présenter un rapport sur les ob- jectifs, les instruments, les perspectives et les bases statisti- ques de sa politique de désarmement en relation avec les me- sures visant à instaurer la confiance et la sécurité. Il est invité également à fournir dorénavant des informations périodiques sur les points importants de la politique de désarmement.Postulat Grendelmeier 592 N 18 mars 1994 Mitunterzeichner-Cosignataires: Keine -Aucun Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Bericht vom 29. November 1993 über die Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren erwähnt die Absicht des Bundesrates, sich an multilateralen Abrüstungsverhandlun- gen und an der Vertrauens- und Sicherheitsbildung zu beteili- gen, Abrüstungsabkommen zu ratifizieren, im Kampf gegen die Weiterverbreitung von ABC-Waffen und deren Trägersyste- men mitzuarbeiten und die Transparenz über die konventio- nellen Rüstungstransfers zu erhöhen. Ein kohärentes Konzept über Ziel, Mittel und Perspektiven der Abrüstungspolitik steht freilich ebenso aus wie die periodische Information über wich- tige neue Fragen in diesem Bereich. Sie sind aber unabding- bar für eine angemessene Mitwirkung von Parlament und Öf- fentlichkeit auf diesem jungen Gebiet schweizerischer Aus- senpolitik. Im EDA sind die personellen Voraussetzungen zu verbessern. Defizite bestehen insbesondere auf folgenden Gebieten: 1. Die Schweiz im internationalen Vergleich: Haushalt- und volkswirtschaftliche Kosten von Rüstung, Militär, Landesver- teidigung sowie Friedensförderung; militärische Dichte (Waf- fenbestände und Streitkräfte inkl. Reservisten pro Kopf bzw. Quadratkilometer); Militärdoktrinen; Produktion und Handel mit konventionellen Waffen und mit zur Massenvernichtung geeigneten Dual-use-Technologien; 2. Mitwirkung an Berichtssystemen zur Vertrauens- und Si- cherheitsbildung in KSZE und Uno: angestrebte und erreichte Transparenz; Open-sky-Erfahrungen; Verbesserung der öf- fentlichen Information; 3. Mitwirkung an Abrüstungs- und Rüstungskontrollverhand- lungen: Stand und Konzept; 4. Mitwirkung an der Verbesserung der Verifikation: Konzept im Hinblick auf die Überprüfungskonferenzen des Atomsperr- vertrages, des B-Waffen-Vertrages (später: auch des C-Waf- fen-Vertrages) und zum verbesserten Schutz der Kriegsopfer (zum Beispiel Landminen); 5. Mitwirkung in den verschiedenen Nonproliferations- Regime im Bereich der ABC-Waffen und Trägersysteme: Dual-use-Problematik; quantitative Bedeutung für die Export- wirtschaft; Kohärenz der Massnahmen; Kompetenzausschei- dung zwischen den Departementen usw. ; 6. Eindämmung des Handels mit konventionellem Kriegsma- terial: Mitwirkung in Uno, KSZE und Europarat; internationale Förderung der Konversion, um Flucht in den Export einzu- dämmen. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 16. Februar 1994 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 16 février 1994 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Überwiesen - Transmis #ST# 93.3389 Postulat Grendelmeier Aktivierung der Beitrittsverhandlungen mit der EG Relance des négociations d'adhésion à la CE Wortlaut des Postulates vom 20. September 1993 Der Bundesrat wird aufgefordert, das schweizerische Gesuch um Aufnahme von Verhandlungen über den Beitritt der Schweiz zur EG so rasch wie möglich zu aktivieren bezie- hungsweise die Verhandlungen aufzunehmen, so dassfür die Schweiz eine Chance besteht, bei der nächsten Regierungs- konferenz der EG-Staaten mit einbezogen zu werden. Texte du postulat du 20 septembre 1993 Le Conseil fédéral est invité à relancer aussi vite que possible la demande suisse d'ouverture des négociations sur l'adhé- sion à la CE, voire d'ouvrir ces négociations, afin qu'il reste à la Suisse une chance d'être associée à la prochaine conférence intergouvernementale de la CE. Mitunterzeichner-Cosignataires: Berger, Cotti, Dünki, Eggly, Friderici Charles, Gardiol, Meier Samuel, Poncet, Rebeaud, Robert, Scheurer Rémy, Seiler Rolf, Sieber, Tschopp (14) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Bundesrat hat im Juni 1992 bei den Europäischen Ge- meinschaften ein Gesuch um die Aufnahme von Verhandlun- gen über den Beitritt der Schweiz zur EG eingereicht Haupt- grund zu diesem Schritt war die nächste Regierungskonferenz der EG-Staaten, die 1996 beginnen soll. Es ist für die Schweiz von überragender Bedeutung, bei dieser Konferenz mitent- scheiden zu können, stehen doch dannzumal Bereiche wie Ausbau der Demokratie in der EG, Föderalismus, Neutralität und Mitbestimmung zur Diskussion, Bereiche also, die für den europäischen Integrationsprozess der Schweiz von grosser Tragweite sind. In seiner Botschaft vom 24. Februar 1993 über das Folgepro- gramm nach der Ablehnung des EWR-Abkommens (93.100) unterstreicht der Bundesrat, dass der «Alleingang» der Schweiz kein gangbarer Weg ist. In der Folge skizziert er drei Optionen: 1. Vertiefung der bilateralen Beziehungen 2. Späterer Beitritt zum EWR-Abkommen 3. Beitritt zur EG 1. Die EG ist - aus verständlichen Gründen - nicht bereit, der Schweiz einen EWR «à la carte» anzubieten. Die bisherigen Verhandlungen über bilaterale Abkommen haben bereits in al- ler Deutlichkeit gezeigt, wie problematisch, langwierig und we- nig erfolgreich diese Option ist: Die europäischen Partner sind zu bilateralen, sektoriellen Schritten nur bereit, wenn sie in ih- rem eigenen Interesse liegen. 2. Die Volksinitiative «Geboren am 7. Dezember 1992» ist zu- stande gekommen. Sie signalisiert damit eindeutig das Inter- esse weiter Bevölkerungskreise an einer zweiten Volksabstim- mung über das EWR-Abkommen. Da nun aber unsere wichtig- sten Efta-Partner (Österreich, Schweden, Norwegen, Finn- land) vermutlich schon 1995 oder 1996 der EG beitreten wer- den, kann von einer «Wiederholung» der EWR-Abstimmung keine Rede mehr sein. Der EWR wird dannzumal sowohl struk- turell wie inhaltlich ein anderer sein als derjenige vom 6. De- zember 1992 (bzw. 31. Juli 1991). Neuverhandlungen wären unumgänglich und würden zu grossen Verzögerungen im eu- ropäischen Integrationsprozess der Schweiz führen. Ein wenn auch zeitlich befristeter «Alleingang» wäre die Folge. Das kann nicht im Interesse unseres Landes liegen. Bleibt also nur noch die dritte Option, der EG-Beitritt 3. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Optionen 1 und 2 als wenig tauglich erwiesen haben, um die Schweiz vor einer schleichenden Isolierung zu bewahren, ist es unverantwortlich, dass der Bundesrat weiterhin darauf verzichtet, EG-Beitrittsver- handlungen aufzunehmen, und es in Kauf nimmt, dass die Schweiz bei der nächsten Regierungskonferenz (1996) nicht mitentscheiden kann, wenn es um die künftige Entwicklung der Europäischen Union und damit auch der Schweiz geht Bei allem Respekt vor dem negativen Volksentscheid vom 6. Dezember 1992 sei in Erinnerung gerufen, dass das Gesuch um Aufnahme von Verhandlungen gestellt ist und laut bundes- rätlicher Botschaft auch nicht zurückgezogen wird. Die Eröffnung von Verhandlungen heisst keineswegs «Miss- achtung des Volkswillens» und noch viel weniger «EG-Beitritt». Sie bedeutet lediglich das Wahrnehmen von Führungsverant- wortung, politischem Weitblick und auch Optimismus. Die Schweiz darf keinesfalls die Chancen vertun, ihren eige- nen Platz in Europa mitzubestimmen. Sie würde damit Gefahr laufen, eines Tages fremdbestimmt zu werden.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Haering Binder Bericht Abrüstungspolitik Postulat Haering Binder Politique de désarmement. Rapport In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1994 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 18 Séance Seduta Geschäftsnummer 93.3597 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 18.03.1994 - 08:00 Date Data Seite 591-592 Page Pagina Ref. No 20 023 855 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.