Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Oktober 2014 (720 14 108) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente, Einvernehmliche Gutachtenseinholung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber i.V. Michael Ruch Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.3423.6658.96) A. Die 1969 geborene A.____ meldete sich am 2. Nov ember 2012 unter Hinweis auf Kopf- und Rückenschmerzen bei der Eidgenössischen I nvalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der erwerblichen, beruflichen und gesundheitlichen Ver- hältnisse lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. März 2014 nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren den Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 7. April 2014 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abt eilung Sozialversicherungsrecht (Kan- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tonsgericht), mit dem Antrag auf Aufhebung der Verfügung vom 6. März 2014. In der ergänzen- den Beschwerdebegründung vom 30. April 2014 wurde insb esondere die Zuverlässigkeit der Beurteilungen des von der IV-Stelle in Auftrag gegeb enen bidisziplinären Gutachtens von Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizi n, vom 27. Mai 2014 und von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 29. Mai 2014 in Frage gestellt. C. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Juli 2014 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG) können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der IV-Stelle Basel-L andschaft vom 6. März 2014, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsp rozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherung sgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kanto nalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vo m 7. beziehungsweise 30. Ap- ril 2014 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Erstes macht die Beschwerdeführerin eine Verletzu ng des rechtlichen Gehörs gel- tend. Zur Begründung führt sie auf, dass die Beschwerdeg egnerin es unterlassen habe, eine Einigung über die Person des Gutachters zu finden. Die IV-Stelle habe demnach einseitig und ohne jegliche Rücksprache mit der Beschwerdeführerin d as von ihr sehr häufig berücksichtigte Gutachter-Duo Dr. B.____ und Dr. C.____ mit der Begu tachtung beauftragt. Weiter sei die Be- schwerdeführerin mit keinem Wort darauf hingewiesen wor den, dass ihr die Möglichkeit zuste- he, eigene Gutachtervorschläge zu unterbreiten. Dies ste lle eine krasse Verletzung des An- spruchs auf rechtliches Gehör dar, was die Unverwertbarkei t der Gutachten zur Folge haben müsse. 2.2 Wie das Bundesgericht in seinem Entscheid 137 V 210 E. 3.4.2.6 festhielt, soll nicht länger der Rechtsprechung gefolgt werden, wonach für die Anordnung einer Expertise eine blosse Mitteilung genügen soll. Im Bestreben nach einer einvernehmlichen Gutachtenseinho- lung ist vielmehr die Anordnung, eine Expertise einzuh olen, in eine Verfügung zu kleiden (Art. 49 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial versicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000), welche dem Begriff des Art. 5 des Ve rwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG) vom 20. Dezember 1968 entspricht (BGE 137 V 210 E. 3. 4.2.6). Durch die Form der Verfügung wird der versicherten Person die Möglichkeit eingeräumt , gegen die von der IV-Stelle genann- ten Gutachtern und den beiliegenden Fragenkatalog Einwände zu erheben. Da diese Verfügung das Administrativverfahren nicht abschliesst, handelt es sich um eine Zwischenverfügung, wel- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht che bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils unter allen gesetzlich vorgese- henen Rügen rechtlicher und tatsächlicher Natur angefochten werden kann. 2.3 Die in BGE 137 V 210 thematisierte Obliegenheit von IV-Stelle und versicherter Per- son, eine einvernehmliche Gutachtenseinholung anzustreb en, wird von den Akteuren jedoch teilweise unterschiedlich verstanden. So führt das Bundesge richt in seinem Entscheid BGE 139 V 349 aus, dass Rechtsvertreter von versicherten Pe rsonen bisweilen die Auffassung vertreten, dass die zu beauftragende Gutachterstelle nu r noch mit ihrem Einverständnis be- zeichnet werden dürfe, sobald sie personenbezogene Einw endungen vorgebracht hätten. Eine so weitgehende Priorisierung der einvernehmlichen Gutach tenseinholung kommt indessen ei- nem Vetorecht der versicherten Person gleich. Ist ein Ein wand begründet, so bedeutet dies nicht, dass Gegenvorschlägen der versicherten Person ohne we iteres zu folgen wäre. Ansons- ten drohte wiederum eine - nunmehr freilich unter umgekehrten Vorzeichen - ergebnisorientierte Auswahl der Gutachterstelle (BGE 139 V 349 E. 5.2.1). 2.4 Im zu beurteilenden Fall teilte die IV-Stelle de r Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 12. März 2013 die Anordnung eines bidisziplinären Gutachtens und die damit beauftragten Ärz- te sowie die Fragen an die Gutachter mit. Gleichzeit ig gab sie der Beschwerdeführerin Gele- genheit, allfällige Zusatzfragen innert 10 Tagen ein zureichen. Das Schreiben vom 12. März 2013 wurde sodann mit dem Hinweis versehen, dass die Beschw erdeführerin gesetzliche Aus- stands- und Ablehnungsgründe gegen die beauftragten Ärzten ebenfalls innert 10 Tagen schrift- lich bei der IV-Stelle geltend machen könne. Diese Fri st liess sie verstreichen, ohne dass sie das Vorgehen der IV-Stelle - insbesondere die Ernenn ung der Dres. B.____ und C.____ als Gutachter - beanstandete. Damit stimmte sie der Anordn ung der Begutachtung durch die bei- den Gutachter implizit zu. Dass die Beschwerdeführerin n icht noch zusätzlich und ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass sie mit der Zuteilung d er Gutachter einverstanden sein muss, ist kein Mangel, aus dem ein nicht wieder gutzumachender Rechtsnachteil entstand. Die Mitwir- kungsmöglichkeit der Beschwerdeführerin wurde somit durch den Erlass der Verfügung gewahrt und das rechtliche Gehör wurde nicht verletzt. 3.1 In materieller Hinsicht ist streitig, ob die Beschwer deführerin Anspruch auf eine Invali- denrente hat. 3.2 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu min destens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Be reich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursachte und nach zu- mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende g anze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundh eitlichen Beeinträchtigung zu be- rücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zud em nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidit ätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfal lversicherung entwickelten Grundsätze fin- den für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts [EVG] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des R entenanspruchs der Versicherten auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. B.____ und C. ____ vom 27. bzw. 29. Mai 2013. Dr. B.____ stellt in seinem Gutachten keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit. Das Ganzkörperschmerz-Syndrom sei ohne organische Ursa che und beeinflusse die Ar- beitsfähigkeit nicht. Während der Untersuchung habe di e Versicherte ein unterschiedliches, inkonstantes Gangbild gezeigt. Sie habe den Fersen- und Zehengang nicht ausführen können; im Gehen seien jedoch keine Paresen aufgefallen. Das Achsenorgan zeige einen leichten Rundrücken und es finde eine Gegeninnervation bei der Prüfung der Wirbelsäulenabschnitte statt. Insgesamt sei die Wirbelsäule bzw. das Achsenorga n normal beweglich. Es liessen sich auch keine radikuläre Zeichen oder Muskelatrophien find en. Kraft, Sensibilität sowie das Re- flexbild seien unauffällig. Diskrepanzen hätten sich insbesondere bei der Prüfung des Lasègue- Manövers und beim Messen des Blutdrucks gezeigt. So habe sie beim Aufpumpen der Blut- druckmanschette am linken Arm keine Schmerzen verspürt, im weiteren Verlauf der Untersu- chung aber starke Schmerzen bei leichtem Druck auf dem linken Arm geäussert. Bei der klassi- schen Lasègue-Prüfung hätten sich liegend bereits bei e iner Hüftflexion von 45° Schmerzen manifestiert. Sie sei jedoch in der Lage gewesen, spontan eine Langsitz-Stellung einzunehmen, was einer 90° -Flexion in den Hüften entspreche. Aufgrund dieser massiven Widersprüche gehe er davon aus, dass eine Aggravation vorliege. Gestützt auf diese Ausführungen betrachtete Dr. B.____ die Versicherte für jegliche Frauenarbeit als zu 100 % arbeitsfähig. 5.2. Dr. C.____ diagnostizierte in seinem psychiatrischen F achgutachten vom 29. Mai 2013 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivie rende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode. Er stellte fest, dass die Versicherte wi derwillig, wiederholt aber auch gar nicht auf die gestellten Fragen geantwortet habe. So habe sie beispielsweise keine Angaben über ihren Ehemann geben wollen. Erst auf Nachfrage hin h abe sie das Alter der Kinder genannt. Sie habe gemeint, dass solche Fragen nicht wichtig seien, denn sie sei krank und es interessie- re sie nicht, was mit ihrem Mann und ihrer Umgebung pa ssiere. Wenn sie auf Fragen einge- gangen sei, habe sie präzise und differenziert geantwortet. Im Rahmen der Schmerzschilderung sei die Stimmung herabgesetzt, leicht gereizt, mürrisch u nd leicht depressiv gewesen. Ihr Ver- halten habe teilweise theatralisch gewirkt. Sie habe über einen gewissen Lebensüberdruss ge- klagt, habe sich aber explizit von Suizidgedanken distanziert. Die Versicherte sei zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person orientiert gewesen. Wä hrend der ganzen Untersuchung habe sie keine Konzentrationsschwächen gezeigt. Die Merkfähig keit und die Gedächtnisleistungen seien aufgrund der sehr rudimentären Angaben nicht prü fbar gewesen. Wahnhaftes Denken oder Wahnvorstellungen seien nicht vorhanden. Es gebe kei ne Anhaltspunkte für illusionäre Verkennungen, akustische, optische, olfaktorische oder takt ile Halluzinationen. Hinweise auf Zwangshandlungen, Ängste, Phobien, Gedankenausbreitung oder Fremdbeeinflussungserleb- nisse gäbe es auch keine. Aufgrund seiner Befunde könne er lediglich eine rezidivierende de- pressive Störung leichten Grades diagnostizieren. Dabei w ies Dr. C.____ darauf hin, dass es aufgrund der mangelnden Kooperation schwierig sei, di e depressive Erkrankung adäquat ein- zuordnen. In dieser Hinsicht führte er an, dass sich das Verhalten der Versicherten in Bezug auf die selektive Bereitschaft, auf Fragen zu antworten, psychi atrisch nicht erklären lasse. Sie kön- ne Fragen durchaus sehr eloquent und weitschweifig bean tworten und sei dabei nicht durch psychomotorische Hemmungen beeinträchtigt. Es lägen auch k eine Suizidgedanken oder - Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht impulse vor. Zudem seien ihre gepflegte Erscheinung un d ihr manipulatives Verhalten nicht mit einer mittelgradigen oder schweren depressiven Störung ve reinbar. Sie sei seit Jahren über- zeugt davon, krank zu sein und deshalb nicht arbeiten zu können. Dr. C.____ kam deshalb zum Schluss, dass die rezidivierende depressive Störung leichten Ausmasses sei und die Versicher- te dadurch nur geringgradig in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sei. In der Tätigkeit als Haus- frau und in jeder ausserhäuslichen beruflichen Tätigkeit bestehe eine 80%ige Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit. 5.3 Gestützt auf das Gutachten der Dres. B.____ und C._ ___ vom 27. und 29. Mai 2013 ging die IV-Stelle davon aus, dass die Beschwerdeführerin sowohl im Haushalt als auch in einer Erwerbstätigkeit zu 80% arbeitsfähig wäre. Diese Beurt eilung ist nicht zu beanstanden. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Im vorliegenden Fall liegen keine solchen Indizien vor. Die Beschwerdeführerin wurde von den Gutachtern eingehend untersucht, in den umfangreichen Berichten gehen sie auf deren Be schwerden ein und sie setzten sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen un d Informationen auseinander. So vermitteln sie ein umfassendes Bild über den Gesundheitszu stand der Beschwerdeführerin. Das bidisziplinäre Gutachten vom 27. und 29. Mai 2013 i st in Bezug auf die Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situa tion nachvollziehbar und die Schlussfolgerungen, weshalb die Beschwerdeführerin au s gesamtmedizinischer Sicht zu 80% arbeitsfähig ist, sind begründet. 6.1 Die abweichende ärztliche Einschätzung von Dr. med. D .____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, wonach keine Arbeitsfähigkeit der Versic herten gegeben sei, vermag daran nichts zu ändern. Dr. D.____ führte in seinem Bericht vom 13. März 2013 als Diagnose eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine schwer e depressive Episode ohne psy- chotische Symptome auf. Als Befunde hielt er im Wesentli chen eine verminderte Konzentrati- onsfähigkeit, eine eingeschränkte Auffassungsgabe und Psych omotorik fest. Die Stimmung sei depressiv-apathisch, eine Suizidalität stehe aber im Hinte rgrund und der affektive Rapport sei gut herstellbar. Die Versicherte könne den Haushalt nur knapp genügend erledigen. Die fachli- che Kompetenz, die Flexibilität und die Durchhaltefähi gkeit für Haushaltsarbeiten seien stark beeinträchtigt. Sie könne sich nicht gut selbst behaupt en und ihre Beziehungsfähigkeit sei stark herabgesetzt. Es liege somit ein chronisches schweres psychia trisches Leiden vor. Aufgrund des langandauernden Zustands und des geringen Bildungsstandes gebe es keine Hoffnung auf Besserung. Wegen des stark eingeschränkten Antriebs sei keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Zur Beurteilung von Dr. D.____ hat Dr. C.____ in seinem G utachten auf Seite 13 Stellung genom- men und nachvollziehbar begründet, weshalb keine schwere depressive Erkrankung vorliege. Ausserdem ist mangels Begründung die von Dr. D.____ di agnostizierte somatoforme Schmerz- störung nicht nachvollziehbar. Dazu kommt, dass das Gerich t in Bezug auf den Bericht behan- delnder Ärzte der Erfahrungstatsache Rechnung tragen sol l und muss, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Patientinnen und Patienten aussagen und namentlich in umstrittenen Fällen nicht unbesehen auf ihre Angaben abgestellt werden kann (ULRICH MEYER -BLASER , Bundesgesetz über die Inva- lidenversicherung [IVG], 2. Auflage, Zürich 2010, S. 3 53; BGE 125 V 353, 122 V 162 E. 1c, 120 V 367 E. 3b). Demnach vermögen die Ausführungen von Dr. D.____ die ausschlaggebende Beweiskraft des Gutachtens von Dr. C.____ nicht in Zweifel zu ziehen. 6.2 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, dass d em zeitlichen Ablauf zum Erstel- len des bidisziplinären Gutachtens nicht genügend Beachtung geschenkt worden sei. So sei die Konsensbeurteilung der beiden Fachärzte zu einem Zeitp unkt erfolgt, in dem ihre individuellen Fachgutachten noch gar nicht vorgelegen seien. Daraus sei zu schliessen, dass die telefoni- sche Konsenskonferenz vom 24. Mai 2013 jeweils in Unkenntnis der kompletten Akten durchge- führt worden sei. Eine Konsensbeurteilung, welche auf einer unvollständigen Aktenlage beruhe, sei ungenügend. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden . Das rheumatologische Gutachten von Dr. B.____ datiert vom 27. Mai 2014 und basiert auf der Untersuchung der Beschwerdefüh- rerin vom 24. Mai 2014. Die psychiatrische Untersuchung dur ch Dr. C.____ hat am 23. Mai 2014 stattgefunden. Die Konsensbesprechung ist nach Abschlu ss der Untersuchung durch Dr. B.____ gleichentags geführt worden. Die Gutachter untersuchten die Beschwerdeführerin damit jeweils individuell. Zudem ist davon auszugehen, dass die Gutachter während der Untersu- chung schriftliche Notizen erstellt haben und diese bei der Konsensbeurteilung beigezogen ha- ben. Unter diesen Umständen und im Hinblick auf die vo n Dr. B.____ aus rheumatologischer Sicht festgestellte 100%ige Arbeitsfähigkeit für jegliche Arbeiten, ist nicht zu beanstanden, dass die Gesamtbeurteilung telefonisch erfolgte. 6.3 Die Beschwerdeführerin vermag keine weiteren med izinischen Unterlagen zu benen- nen, die Zweifel an der Beurteilung der medizinischen Experten Dres. B.____ und C.____ er- wecken würden. Die vorliegende medizinische Aktenlage lä sst eine zuverlässige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigk eit der Versicherten zu, weshalb auf die beantragte Anordnung von weiteren medizinischen Abkl ärungen verzichtet werden kann (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 6.4 Aus dem Gesagten erfolgt, dass das bidisziplinäre Gut achten der Dres. B.____ und C.____ vom 27. und 29. Mai 2013 in seiner Ausführlich keit, Vollständigkeit und Schlüssigkeit nicht zu beanstanden ist, weshalb ihm volle Beweiskraft z uerkannt wird. Die Beschwerde ist demgemäss abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahr en bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen u nd mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen sind. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen