Entscheid der Präsidentin des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. November 2012 (810 12 294) ____________________________________________________________________ Rechtspflege Keine Wiederherstellung, wenn die Nichteinhaltung der Rechtsmittelfrist dem Verschul- den des Rechtsvertreters zuzuschreiben ist Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtssch reiberin Marianne Fankhauser Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft Betreff Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegw eisung (Entscheid des Regierungsrates Nr. 1497 vom 18. September 2012) 1. Das Kantonsgericht prüft von Amtes wegen, ob auf ein e Beschwerde einzutreten ist (§ 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verw altungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Damit die Rechtsmittelinstanz auf eine Beschwerde eintritt und diese ma- teriell behandelt, müssen die Prozessvoraussetzungen geg eben sein. Diese umschreiben die Erfordernisse, die erfüllt sein müssen, damit ein Begeh ren in einem bestimmten Verfahren vor einer bestimmten Behörde materiell beurteilt werden kann (siehe hierzu RENÉ RHINOW /H EINRICH Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht KOLLER /C HRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel 1996, Rz. 947 ff.). Sind die Prozessvoraussetzungen erfüllt, spricht sich die Behörde über die Begründetheit oder Unbegründetheit des in Frage stehenden Begehrens aus. Sind sie je- doch nicht erfüllt, fehlt es an einer Prozessvoraussetzung und die Behörde tritt folglich auf ein Begehren nicht ein: Sie fällt einen Nichteintretensen tscheid. Gemäss § 1 Abs. 3 lit. e VPO ent- scheidet bei offensichtlichem Fehlen einer Eintretensvora ussetzung die präsidierende Person durch Präsidialentscheid. 2. Gestützt auf § 48 VPO ist die verwaltungsgerichtliche B eschwerde innert zehn Tagen seit Eröffnung der Verfügung oder des Entscheids schriftl ich beim Kantonsgericht einzureichen. Diese gesetzliche Frist darf der Richter nicht erstrecken. L äuft die Frist unbenützt ab, so er- wächst die Verfügung in formelle Rechtskraft mit der Wi rkung, dass der Richter auf die verspä- tet eingereichte Beschwerde nicht eintreten kann. Hing egen kann gemäss § 23 VPO in Verbin- dung mit § 5 Abs. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (Vw VG) vom 13. Juni 1988 eine Frist wiederhergestellt werden, wenn eine Partei oder ihr Vertreter, die/der unverschuldet verhindert gewesen ist, fristgemäss zu handeln, innert zehn Tagen sei t Wegfall des Hindernisses die Wie- derherstellung der Frist verlangen kann; eine Wiederher stellung ist jedoch nur zulässig, wenn der Säumige unverschuldet (z.B. wegen plötzlicher Erkrank ung oder anderen erheblichen Um- ständen, nicht aber wegen Arbeitsüberlastung oder Feri en; vgl. BGE 112 V 255 mit Hinweisen) abgehalten worden ist, innert der Frist zu handeln. 3. Der Beschwerdeführer ist durch einen Rechtsanwalt vert reten, und der angefochtene Entscheid des Regierungsrates vom 18. September 2012 ist diesem gemäss seinen Angaben am 24. September 2012 zugestellt worden. Die Beschwerdefrist begann somit ab Zustellung an den Rechtsvertreter zu laufen. Die erst am 8. November 2012 eingereichte Beschwerde erweist sich daher als offensichtlich verspätet, was selbst vom Besc hwerdeführer nicht bestritten wird. Der Anwalt des Beschwerdeführers führt aus, dass er die Beschwerde am 27. September 2012 ausgearbeitet habe, er diese an diesem Tag nicht meh r habe versenden können, da die Post bereits geschlossen gewesen sei. Am 28. September 2012 se i er in die Ferien verreist und der Versand habe dann irrtümlicherweise in der bis 4. Oktob er 2012 laufenden Frist nicht mehr stattgefunden. Eine Wiederherstellung gegen die Folge n einer Fristversäumnis kann im vorlie- genden Fall nicht erteilt werden, da es an einem unve rschuldeten Hindernis im Sinne von § 5 Abs. 5 VwVG fehlt. Es ist Pflicht des Anwalts, seinen Bürobetrieb so zu organisieren, dass auch während seiner Abwesenheit Rechtsmittelfristen eingeha lten werden können (vgl. BGE 106 Ia 13, 82 II 254 mit Hinweisen). Hieran hat es der Rechtsv ertreter des Beschwerdeführers fehlen lassen. Ihn hinderte seine ferienbedingte Abwesenheit, rechtzeitig Beschwerde zu erheben. Nach der Rechtsprechung des Kantonsgerichts liegt keine un verschuldete Verhinderung vor, wenn der Verfügungsadressat zurzeit der Eröffnung in den Ferien weilt (vgl. Urteil des Kantons- gerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KG E VV] i. S. B. vom 8. Januar 2003 [48 02 98/150]). Dem Beschwerdeführer kann deshalb die Wiederherstellung der Rechtsmittel- frist nicht gewährt und auf die Beschwerde nicht eingetreten werden. 4. Weil die Beschwerde offensichtlich verspätet ist, wir d sie ohne Durchführung eines Schriftenwechsels erledigt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin