<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 357</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des M...</span> <span class="page_no">357</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>88 Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung; wichtige persönliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gründe, die einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich ma-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>chen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Werden nach einer gescheiterten ehelichen Beziehung die Aufenthaltsbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>willigungen mehrerer Familienmitglieder nicht mehr verlängert, ist bei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Drittstaatsangehörigen ohne Aufenthaltsanspruch unter Berücksichti-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gung der Gesamtsituation der Familie sowie des Kindswohls zu beurtei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>len, ob wichtige persönliche Gründe im Sinne von Art. 77 Abs. 1 lit. b</b></span><br/> <span class="ft2"><b>VZAE vorliegen. I.c. sind aufgrund der besonderen Umstände wichtige</b></span><br/> <span class="ft2"><b>persönliche Gründe für den weiteren Verbleib in der Schweiz gegeben, bis</b></span><br/> <span class="ft2"><b>das jüngste Kind das 16. Altersjahr vollendet hat (E. II./5.2.4. f.).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">358</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 9. Juni 2011</span><br/> <span class="ft3">in Sachen M.L.S.A., F.A.A.S. und I.A.S. betreffend Nichtverlängerung der</span><br/> <span class="ft3">Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung (1-BE.2011.12).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt (Zusammenfassung)</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die mexikanischen Beschwerdeführer reisten im August 2008</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielten</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligungen zum Verbleib beim Ehemann bzw. Vater</span><br/> <span class="ft1">(ebenfalls Mexikaner). Dieser verfügte aufgrund seiner Erwerbstätig-</span><br/> <span class="ft1">keit in der Schweiz bereits über eine Aufenthaltsbewilligung. Ende</span><br/> <span class="ft1">Mai 2010 trennten sich die Beschwerdeführerin 1 und ihr Ehemann.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer 2 und 3 wurden unter die Obhut ihrer Mutter</span><br/> <span class="ft1">gestellt, welche sie auch bis anhin betreut hatte. Das MKA verfügte</span><br/> <span class="ft1">aufgrund der gescheiterten ehelichen Beziehung im August 2010 die</span><br/> <span class="ft1">Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligungen der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer und wies diese aus der Schweiz weg.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">5. [...]</span><br/> <span class="ft1">5.2.4.</span><br/> <span class="ft1">Wie bereits erwähnt wurde, ist bei Familien nicht die Situation</span><br/> <span class="ft1">der einzelnen Familienmitglieder isoliert, sondern vielmehr die Fa-</span><br/> <span class="ft1">milie als Ganzes zu betrachten. Zudem ist das Kindeswohl zu be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigen, welches gemäss Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens</span><br/> <span class="ft1">über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK) bei allen</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen, die Minderjährige betreffen, ein Aspekt von vorrangi-</span><br/> <span class="ft1">ger Bedeutung ist, und im Einzelfall einen weiteren Aufenthalt erfor-</span><br/> <span class="ft1">derlich machen kann (vgl. BGE 135 I 153, E. 2.2.2; BGE 135 I 143,</span><br/> <span class="ft1">E. 2.3; BVGE C-8128/2008 vom 13. Dezember 2010, E. 7).</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend erscheint zum einen wesentlich, dass es dem Ehe-</span><br/> <span class="ft1">mann bzw. Vater der Beschwerdeführer - entgegen der Auffassung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des M...</span> <span class="page_no">359</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Vorinstanz - nicht ohne weiteres zugemutet werden kann, zusam-</span><br/> <span class="ft1">men mit seinen Kindern nach Mexiko zurückzukehren, um diese bei</span><br/> <span class="ft1">der Wiedereingliederung in die heimatlichen Verhältnisse zu unter-</span><br/> <span class="ft1">stützen. Die Rückkehr nach Mexiko hätte mit grosser Wahrschein-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit zur Folge, dass der Ehemann bzw. Vater der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer seine erfolgreiche berufliche Position, welche er sich in den letz-</span><br/> <span class="ft1">ten 14 Jahren [bei seiner heutigen Arbeitgeberin] aufgebaut hat</span><br/> <span class="ft1">und darin gipfelte, dass ihm von seiner Firma die Gelegenheit gebo-</span><br/> <span class="ft1">ten wurde, eine Anstellung in der Schweiz zu übernehmen, verlieren</span><br/> <span class="ft1">würde und in Mexiko von vorne beginnen müsste. Ein solcher Neu-</span><br/> <span class="ft1">anfang wäre voraussichtlich mit massiven negativen wirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft1">Folgen verbunden, was sich selbstredend auf die Situation der ge-</span><br/> <span class="ft1">samten Familie auswirken würde.</span><br/> <span class="ft1">Im Weiteren ist der vorliegende Sachverhalt insofern speziell,</span><br/> <span class="ft1">als die Beschwerdeführer 2 und 3 zwar mit Eheschutzurteil des Ge-</span><br/> <span class="ft1">richtspräsidiums B. vom 17. Februar 2010 vorläufig unter die Obhut</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin 1 gestellt wurden, es sich jedoch deutlich</span><br/> <span class="ft1">abzeichnet, dass die beiden gemeinsamen Kinder beabsichtigen, in</span><br/> <span class="ft1">absehbarer Zukunft mit dem Vater zusammenzuleben, spätestens ab</span><br/> <span class="ft1">dem Zeitpunkt, in welchem die Beschwerdeführerin 1 die Schweiz</span><br/> <span class="ft1">verlassen muss. Mit dem Entscheid der Kinder sind die Eltern grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich einverstanden. Bei dieser Sachlage sowie unter Berücksichti-</span><br/> <span class="ft1">gung des jugendlichen Alters der Beschwerdeführer 2 und 3, ihrer</span><br/> <span class="ft1">bereits weit fortgeschrittenen Integration in die schweizerischen Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnisse und der sehr guten persönlichen Beziehung zum Vater ste-</span><br/> <span class="ft1">hen einem solchen Obhutswechsel grundsätzlich weder rechtliche</span><br/> <span class="ft1">noch tatsächliche Hindernisse entgegen. Gleichzeitig ist nicht er-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich, weshalb ein neues Familiennachzugsgesuch des Vaters der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer 2 und 3 für seine beiden Söhne im Falle des Ob-</span><br/> <span class="ft1">hutswechsels nicht bewilligt werden sollte (vgl. Art. 44 AuG sowie</span><br/> <span class="ft1">Art. 10 Abs. 1 KRK). Diesbezüglich ist insbesondere festzuhalten,</span><br/> <span class="ft1">dass der Vater der Beschwerdeführer 2 und 3 zurzeit zwar nicht über</span><br/> <span class="ft1">eine bedarfsgerechte Wohnung verfügt (Art. 44 lit. b AuG), jedoch</span><br/> <span class="ft1">einen Verdienst erzielt, welcher ihm die Finanzierung einer solchen</span><br/> <span class="ft1">erlauben würde (vgl. Urteil des Rekursgerichts vom 12. November</span><br/> <span class="ft1">2004, BE.2004.00021, E. II/4b). Aufgrund dieser klaren Ausgangs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">360</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lage kann im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens nicht</span><br/> <span class="ft1">darüber hinweggesehen werden, dass den Beschwerdeführern 2 und</span><br/> <span class="ft1">3 selbst bei einer Abweisung des Rechtsmittels der weitere Aufent-</span><br/> <span class="ft1">halt zu bewilligen wäre, sobald das entsprechende Familiennach-</span><br/> <span class="ft1">zugsgesuch gestellt wird.</span><br/> <span class="ft1">Im Moment leben beide Kinder noch bei der Mutter. Während</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer 2 aufgrund seines Alters von bald 17 Jahren</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr auf eine ständige Betreuung durch die Eltern angewiesen</span><br/> <span class="ft1">ist (vgl. BGE 2A.469/2001 vom 6. März 2002, E. 3.4), ist dies beim</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer 3, der erst 14 Jahre alt ist, ungleich stärker der</span><br/> <span class="ft1">Fall. Damit die bisherige positive Persönlichkeitsentwicklung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers 3 nicht gefährdet wird, ist dieser insbesondere</span><br/> <span class="ft1">darauf angewiesen, dass er sowohl für die schulischen Belange als</span><br/> <span class="ft1">auch für die Bewältigung des restlichen Alltags über eine engma-</span><br/> <span class="ft1">schige persönliche Unterstützung verfügt. Dass diese Unterstützung</span><br/> <span class="ft1">durch den Vater ausreichend sichergestellt werden könnte, erscheint</span><br/> <span class="ft1">zumindest fraglich, auch wenn er sich dieser Aufgabe gemäss eige-</span><br/> <span class="ft1">nen Angaben gewachsen sieht. Der Vater des Beschwerdeführers 3</span><br/> <span class="ft1">geht einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nach, welche offenbar mit</span><br/> <span class="ft1">einer grossen zeitlichen Belastung verbunden ist und regelmässige</span><br/> <span class="ft1">kurzzeitige Auslandaufenthalte mit sich bringt. Aus den Aussagen</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers 3 anlässlich der gerichtlichen Befragung geht</span><br/> <span class="ft1">schliesslich hervor, dass es auch ihm selber bewusst ist, dass er im</span><br/> <span class="ft1">Moment noch der Unterstützung seiner Mutter bedarf.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer 3 aus Sicht des Kindeswohls im heutigen Zeitpunkt noch</span><br/> <span class="ft1">auf die Unterstützung seiner Mutter angewiesen ist. In Anlehnung an</span><br/> <span class="ft1">die bundesgerichtliche Praxis im Scheidungsrecht, gemäss welcher</span><br/> <span class="ft1">dem kinderbetreuenden Ehegatten in der Regel eine Vollzeitbeschäf-</span><br/> <span class="ft1">tigung zumutbar ist, sobald das jüngste Kind das 16. Altersjahr voll-</span><br/> <span class="ft1">endet hat (BGE 5C.139/2005 vom 28. Juli 2005, E. 2.2), ist auch in</span><br/> <span class="ft1">der vorliegenden Konstellation davon auszugehen, dass bis zum Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt, in welchem der Beschwerdeführer 3 sein 16. Altersjahr voll-</span><br/> <span class="ft1">endet hat (Februar 2013), von einem besonderen Betreuungsbedürf-</span><br/> <span class="ft1">nis auszugehen ist.</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des M...</span> <span class="page_no">361</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">5.2.5.</span><br/> <span class="ft1">Damit liegen bei einer Würdigung der Gesamtsituation und un-</span><br/> <span class="ft1">ter besonderer Berücksichtigung des Kindeswohls wichtige persön-</span><br/> <span class="ft1">liche Gründe vor, die einen weiteren Aufenthalt der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer in der Schweiz erforderlich machen. Diese Schlussfolgerung</span><br/> <span class="ft1">steht indessen einerseits unter dem Vorbehalt, dass die Betreuung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers</span> <span class="ft1">3 weiterhin durch die Beschwerdeführerin</span> <span class="ft1">1</span><br/> <span class="ft1">wahrgenommen wird. Zudem gilt es zu beachten, dass sich die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin 1 nach Vollendung des 16. Altersjahres des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers 3 mit Blick auf die familiäre Betreuungssituation</span><br/> <span class="ft1">wohl kaum mehr auf das Vorliegen wichtiger persönlicher Gründe</span><br/> <span class="ft1">berufen können wird. Diese Frage braucht im heutigen Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">indessen noch nicht abschliessend beurteilt zu werden.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>