Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 14. Juni 2016 (460 16 19) ____________________________________________________________________ Strafrecht Hehlerei Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Helena Hess (Ref.) , Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ AG , Privatklägerin gegen B.____, vertreten durch Advokat Simon Berger, Haus zum Thurgauerhof, Lindenstrasse 2, Postfach 552, 4410 Liestal, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Hehlerei Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 19. November 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Lan dschaft vom 19. November 2015 wur- de B.____ der Hehlerei schuldig gesprochen und zu e iner bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt, bei einer Probezeit von 2 Jahren (Ziffer I.3. des Urteilsdispositivs). Mit demselben Urteil wurde C.____ der Veruntreuung schuldig gesprochen und zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt, unter Anrechnung der vom 12. Juli 2013 bis zum 13. Juli 2013 ausgestandenen Untersuchungsh aft von insgesamt 2 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren (Ziffer I.1. des Urteilsdisp ositivs). Zudem wurde D.____ der Hehlerei schuldig gesprochen und zu einer bedingt vollziehba ren Freiheitsstrafe von 14 Monaten, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme vom 12. Juli 2 013 bis zum 13. Juli 2013 von 1 Tag, bei einer Probezeit von 2 Jahren, verurteilt (Ziffer I. 2. des Urteilsdispositivs). Sodann wurden C.____, D.____ und B.____ in solidarischer Verbindung mit den jeweils anderen Mitbeschuldig- ten dazu verurteilt, der A.____ AG Schadenersatz in Höhe von CHF 300‘000. ‒ zzgl. Zins zu 5% seit dem 12. Juli 2013, zu bezahlen. Hinsichtlich d er Kosten wurde bezüglich B.____ entschie- den, dass dieser in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 S tPO die ihn betreffenden Verfahrenskos- ten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 1‘524.15 und der Gerichtsgebühr von CHF 3‘000. ‒ zu tragen hat (Ziffer III. 3. des Urteilsdispositi vs). Bezüglich der C.____ und D.____ auferlegten Kosten kann auf Ziffer III.1 und 2 des Urteilsdispositivs der Vorinstanz ver- wiesen werden. B. Gegen das Urteil des Strafgerichts des Kantons Base l-Landschaft vom 19. November 2015 meldete B.____, vertreten durch Advokatin Martina De Roche, mit Eingabe vom 8. Febru- ar 2016 die Berufung an. Ebenso meldeten C.____ sowie D.____ gegen dieses Ur teil die Berufung an, zogen diese je- doch mit Eingabe vom 3. Februar 2016 bzw. vom 22. Februar 2016 wieder zurück. Mit Berufungserklärung vom 8. Februar 2016 beantragte B.____, er sei vom Vorwurf der Hehle- rei freizusprechen und die Zivilforderung der Priva tklägerin abzuweisen, unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Staates. C. Demgegenüber begehrte die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft mit Berufungsantwort vom 21. März 2016, die Berufung des Beschuldigten s ei abzuweisen und das Urteil des Straf- gerichts vom 19. November 2015 vollumfänglich zu be stätigen (Ziffer 1). Die Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Berufungskläger aufzuerlegen (Ziffer 2). D. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügung en des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurde dem Beschuldigten mit Verfügung vom 28. April 2016 eine peremp- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht torische Frist bis zum 9. Mai 2016 gesetzt, um eine neue Wahlverteidigung zu bestimmen, nachdem Advokatin Martina de Roche mit Eingabe vom 26. April 2016 mitgeteilt hatte, dass sie den Beschuldigten nicht mehr vertrete. Mit verfahre nsleitender Verfügung vom 12. Mai 2016 wurde in Anwendung von Art. 130 lit. b i.V.m. Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StPO Advokat Simon Berger als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten für das zweitinstanzliche Verfahren einge- setzt. E. Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Kanton sgericht, Abteilung Strafrecht, er- scheinen der Beschuldigte mit seinem Verteidiger, Advokat Simon Berger, sowie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Beide Parteien halten an ih ren bereits schriftlich gestellten Anträgen vollumfänglich fest. Auf die Aussagen des zur Perso n und zur Sache eingehend befragten Be- schuldigten sowie auf die Parteivorträge wird, sowe it erforderlich, nachfolgend in den Erwägun- gen eingegangen. Erwägungen I. Formelles A. Zuständigkeit und Eintreten 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zuläss ig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige od er unrichtige Feststellung des Sachver- halts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei d as Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Ar t. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Ge- mäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst d ie Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftl ich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftli- che Berufungserklärung einzureichen. Jede Partei, d ie ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ist zur Berufung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). 2. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts, Abteilung Strafrecht, zur Beur- teilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus A rt. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes vo m 12. März 2009 zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Die Legitimation des Beschuldigten zur Ergreifung d es Rechtsmittels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Vorliegend hat der Berufungskläger f ristgerecht die Berufung angemeldet. Das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorinstanzliche Urteil ist dem Beschuldigten in der Folge am 18. Januar 2016 schriftlich begrün- det mitgeteilt worden, woraufhin er mittels Eingabe vom 8. Februar 2016 die Berufungserklä- rung beim Kantonsgericht eingereicht hat. Die Beruf ung ist somit rechtzeitig und formgerecht erhoben worden (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). II. Materielles A. Allgemeines Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 8 2 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des i n Frage stehenden Sachverhalts auf die Be- gründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dies er beipflichten. Hingegen ist auf neue tat- sächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzu gehen, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). Der Einfachheit halber folgt das Kantonsgericht, wi e bereits die Berufungsbegründung, grund- sätzlich dem Aufbau des angefochtenen Urteils. Nach folgend werden die Einwände des Be- schuldigten gegen das vorinstanzliche Urteil im Einzelnen beurteilt. Im Sinne einer einleitenden Bemerkung ist auf den G rundsatz der freien Beweiswürdigung hin- zuweisen, der in Art. 10 Abs. 2 StPO gesetzlich ver ankert ist. Danach würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Weder die Anzahl noch die Art der Beweismittel ist massgebend , sondern allein deren Stichhaltigkeit. Es besteht keine Rangfolge der Beweise (vgl. C HRISTOF RIEDO /G ERHARD FIOLKA /M ARCEL ALEXANDER NIGGLI , Strafprozessrecht sowie Rechtshilfe in Strafsache n, 2011, S. 37 N 234; WOLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 25). B. Hehlerei 1. Die Vorinstanz hält zur Glaubhaftigkeit des Beschul digten u.a. fest, dass dieser – folge man den Beteuerungen des Beschuldigten – einzig aus reiner Selbstlosigkeit und Hilfsbereit- schaft in die vorgeworfenen Vorgänge verwickelt wor den sei. Er habe keinerlei eigene Interes- sen verfolgt und lediglich einem Freund in einer sc hwierigen Lebensphase helfen wollen. Dem- gegenüber ergebe sich jedoch aus den Aussagen der ü brigen Verfahrensbeteiligten (überein- stimmend mit den vorliegenden Tatsachenbeweisen) ein völlig anderes Bild. D.___ habe bereits anlässlich seiner ersten Einvernahme den Tatvorwurf eingestanden und sich in erheblicher Weise selbst belastet. Er habe die Beteiligung des Beschuldigten an den vorgeworfenen Hand- lungen mit einer Selbstverständlichkeit beschrieben, die keinen Zweifel daran zulasse, dass der Beschuldigte im gleichen Umfang am Geschehen beteil igt gewesen sei, wie D.____. Auch aus Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Ausführungen von C.____ ergebe sich eindeutig d as Bild, dass ihr Bruder und der Be- schuldigte gleichermassen in das Geldvermehrungsges chäft investieren wollten und Letzterer ebenso wie die anderen Beteiligten genauestens über die verschiedenen Vorgänge informiert gewesen war. Eine wahrheitswidrige Belastung durch C.____ und D.____ sei nicht nahelie- gend, zumal diese auch nie ihre eigene Beteiligungs rolle zu Ungunsten des Beschuldigten her- abzuspielen versucht hätten und die zusätzliche Belastung des Beschuldigten auch in keiner Art zu einer Entlastung für D.____ oder seine Schwester geführt habe. Neben den widerspruchs- freien Aussagen von C.____ und D.____ hinsichtlich der Beteiligung des Beschuldigten würden auch die aktenkundigen WhatsApp-Nachrichten keinen anderen Schluss zulassen, als dass der Beschuldigte von Anfang an in den gesamten und geme insam gefassten Tatplan eingeweiht war. Somit sei ihm sehr wohl bewusst gewesen sei, d ass C.____ das Geld ohne dazu berech- tigt zu sein, zur Bereicherung des Beschuldigten un d D.____ aus dem Kassenvorrat der Bank entwendet habe. So habe der Beschuldigte denn auch in der Voruntersuchung nicht leugnen können, dass er ein mulmiges Gefühl bei der Geldent gegennahme gehabt und schon vermutet habe, dass das Geld durch C.____ illegal erlangt worden sei. Diese spezifischen Aussagen des Beschuldigten liessen auf eine erlebnisfundierte Da rstellung schliessen, in welcher er seine eigene Gefühlslage nachvollziehbar wiedergebe. Demg egenüber seien seine übrigen Ausfüh- rungen, wonach er lediglich Kurier des Geldes gewes en sei und keinerlei eigene Interessen mit seinem beachtlichen Engagement verfolgte, sehr paus chal und distanziert. Der Beschuldigte versuche damit lediglich, sein eigenes massgebliche s Mitwirken herunterzuspielen. Folglich seien seine diesbezüglichen Angaben als Schutzbehau ptungen zu qualifizieren. Demzufolge hat die Vorinstanz zur Beurteilung der Beteiligungsrolle des Beschuldigten in erster Linie auf die Aussagen der anderen Verfahrensbeteiligten sowie auf die Tatsachenbeweise abgestellt. 2. a) Der Beschuldigte macht zunächst eine Verletzun g des Akkusationsprinzips geltend, da der Sachverhalt lediglich allgemein gehalten und seine Anwesenheit nur beiläufig und lapi- dar erwähnt werde, ohne das konkrete, vorwerfbare V erhalten zu umschreiben. Insbesondere werde mit keinem Wort geschildert, inwiefern er die tatsächliche Verfügungsmacht über das Geld gehabt habe. b) Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 B V sowie aus Art. 6 Ziffer 1 und Ziffer 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrund- satz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunkti- on). Die Anklageschrift bezeichnet hierbei möglichs t kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort , Datum, Zeit, Art und Folgen der Tat- ausführung (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der angeschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235, E. 6.2 f.; 126 I 19, E. 2a, je mit Hinweisen). Die Anklageschrift ist nicht Selbstzweck, sondern Mitte l zum Zweck der Umgrenzung des Prozess- gegenstandes und der Information des Angeklagten, d amit dieser die Möglichkeit hat, sich zu verteidigen (BGer 6B_676/2013 vom 28. April 2014, E. 3.5.3 mit Hinweis). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) Betreffend den Vorfall vom 5./6. Juli 2013 erwei sen sich die Vorwürfe an den Beschuldigten in der Anklage als genügend konkret umschrieben. Na mentlich wird darin ausgeführt, dass C.____ dem Beschuldigten CHF 300‘000. ‒ aus ihrer Kassenreserve übergeben hat und dem Beschuldigten die deliktische Herkunft dieses Gelde s bekannt war. Es findet sich in der Ankla- geschrift eine hinreichende Umschreibung des Anklag evorwurfs im Sinne eines realen Lebens- sachverhalts unter Nennung der gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO erforderlichen Angaben. Die Frage, ob der Beschuldigte Verfügungsmacht über den ihm von C.____ übergebenen Geldbe- trag erlangte, betrifft die rechtliche Würdigung un d muss demnach nicht in der Anklageschrift enthalten sein. Für den Berufungskläger war klarerw eise erkennbar, was ihm im Einzelnen an- gelastet wurde, so dass er in der Lage war, seine Verteidigungsrechte angemessen auszuüben. Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt nicht vor. 3.1 In materieller Hinsicht macht der Berufungskläger geltend, die tatsächliche Verfügungs- macht liege nur vor, wenn die Sache dem wirtschaftl ichen Wert nach übernommen werde und über sie verfügt werden könne. In casu sei seine ei nzige Aufgabe von Beginn weg klar definiert gewesen. Er habe das von D.____ organisierte Geld ü bernommen und nach Zürich gebracht. Ein für die Erfüllung des Tatbestandes der Hehlerei erforderlicher Erwerb sei demzufolge zu verneinen. Überdies fehle es an der erforderlichen Verfügungsmacht, da er keinerlei Entschei- dungsbefugnis gehabt habe und nie habe beeinflussen können, was mit dem Geld geschehe. Der Umstand, dass er bei der ganzen Geschichte mehr mals ein mulmiges Gefühl gehabt habe, reiche nicht, für einen Schuldspruch. Dass C.____ a ls Bankangestellte zum Beispiel einen Kre- dit in dieser Höhe aufnehmen könne, erscheine als v öllig plausibel. Weder die Position von C.____ noch die Bankabläufe seien ihm bekannt gewes en. Auch die WhatsApp-Nachricht von C.____, wonach sie das "Geld genommen" habe, könne ihm nicht zum Vorwurf gemacht wer- den. Denn "genommen" könnte in diesem Fall auch ein fach Kredit auf"genommen" oder entge- gen"genommen" bedeuten. Auch sei bekannt, dass die ursprünglichen Aussagen der beiden Mitbeschuldigten, nur wenige Tage nach dem Geschehe n, wahrheitsgetreuer seien als spätere Depositionen. 3.2 Seitens der Anklagebehörde wird auf die zutreffende n Ausführungen der Vorinstanz verwiesen. Die Würdigung der Beweise sei durch das Strafgericht sorgfältig und korrekt vorge- nommen worden. Der Beschuldigte habe versucht, sein e Beteiligungsrolle herabzuspielen und sich durch Schutzbehauptungen der Strafe zu entzieh en. Unter Beizug der in den Akten vorlie- genden Sachbeweise, sei sein Tatbeitrag als Mittäte r im Sinne der Anklageschrift erstellt und die Verurteilung zu Recht erfolgt. 3.3 Nach Art. 160 StGB macht sich strafbar, wer eine S ache, von der er weiss oder anneh- men muss, dass sie ein anderer durch eine strafbare Handlung gegen das Vermögen erlangt hat, erwirbt, sich schenken lässt, zum Pfande nimmt , verheimlicht oder veräussern hilft. Tatob- jekt der Hehlerei ist eine Sache, von der man weiss oder annehmen muss, dass ein anderer sie Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch eine strafbare Handlung gegen das Vermögen er langt hat (Art. 160 Ziff. 1 StGB). Damit eine Sache als durch die strafbare Handlung "erlang t" gelten kann, muss die Vortat abge- schlossen sein. Hierfür genügt es im Allgemeinen, d ass sie vollendet worden ist (BGE 90 IV 14 E. 1; BGer 6B_115/2007 vom 24. September 2007, E. 5 .3.1.; PHILIPPE WEISSENBERGER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 13 N ff.). Gege nstand der Hehlerei können nur körperliche Sachen sein (vgl. BGE 81 IV 156, E. 1; BGE 103 IV 8 7, E. 1). Als Gegenstand der Hehlerei kommt daher auch Bargeld grundsätzlich in Frage. Ba rgeld kann jedoch nur dann Gegenstand der Hehlerei sein, wenn es vom Vortäter unmittelbar durch eine strafbare Handlung gegen das Vermögen erlangt worden ist (sog. straflose Ersatz- oder Erlöshehlerei; (vgl. anstelle vieler: STEFAN TRECHSEL /D EAN CRAMERI , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 160 N 4 und 8). Erwerb bedeutet Verschaffen eigener Verfügungsmacht im gegensei- tigen Einverständnis zwischen Vortäter und Hehler ( BGE 128 IV 24). Der Täter muss die tat- sächliche freie Verfügungsmacht über die Sache erla ngt haben (BGer 6B_141/2007 vom 24. September 2007, E. 6.3.1). Dass der Hehler eigene V erfügungsmacht erlangen muss, folgt wiederum aus dem Grundgedanken der Vorschrift: Wer die Sache etwa nur für den Vortäter verwahrt oder sie nur benutzt, aber auch, wer sie z erstört, schafft keine neue, den rechtswidri- gen Zustand perpetuierende Lage; er verschiebt die Verbrechensbeute nicht weiter. Doch ge- nügen nicht nur der Ankauf, die Annahme als Geschen k, der Tausch usw., sondern etwa auch die Annahme gestohlenen oder durch Betrug erlangten Geldes als Darlehen (G ÜNTER STRATENWERTH /G UIDO JENNY /F ELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl. 2010, § 20 N 10; BGE 68 IV 136). 3.4 Die Vorinstanz geht nach Überzeugung der strafrecht lichen Abteilung des Kantonsge- richts mit zutreffender und ausführlicher Begründun g davon aus, dass das Verhalten des Be- schuldigten den Tatbestand der Hehlerei gemäss Art. 160 StGB erfüllt. Es kann deshalb vorab, um Wiederholungen zu vermeiden, vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwie- sen werden (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 23 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Aus- führungen sind somit lediglich ergänzender Natur. 3.5 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass der Ber ufungskläger am 5. Juli 2013 um ca. 17.15 bis 17.30 Uhr beim Winkelriedplatz in Basel N oten im Gesamtwert von CHF 300‘000. ‒ von C.____ übernommen und das Geld noch am selben A bend zum vereinbarten Treffen mit zwei Vertretern von E.____, einem unbekannten "G.__ __" und F.____, in das Hotel Hilton Zü- rich Airport in Opfikon gebracht hat. Im Weiteren s teht fest, dass der Beschuldigte das Geld mit der Zusicherung übernommen hat, C.____ CHF 300‘000.‒ wieder zurück zu geben. 3.6 Eine Vereinbarung, wonach der Beschuldigte C.____ g enau dieselben Geldscheine zu- rückbringen werde, bestand hierbei nicht, zumal die Seriennummern der 300 Tausendernoten der A.____ AG von C.____ ohnehin nicht festgehalten worden waren. In rechtlicher Hinsicht ist das durch den Beschuldigten von C.____ entgegengeno mmene Geld daher als zinsloses Dar- lehen zu qualifizieren. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.7 a) Der Beschuldigte macht im Wesentlichen geltend, er habe betreffend die ihm in drei Umschlägen von C.____ übergebenen CHF 300‘000. ‒ weder sicher noch mindestens möglich- erweise gewusst, dass dieses Geld vor der Übergabe an ihn durch C.____ ohne Berechtigung aus dem Tresor der Bankfiliale Aeschenplatz entnommen worden waren. b) Zunächst ist auf die Aussagen von D.____ sowie C .____ einzugehen, welche den Beschul- digten belasten: D.____ gab in der Einvernahme vom 8. September 2014 zu Protokoll, er habe dem Beschuldigten offen gelegt, dass C.____ das Gel d unbefugt bei der A.____ AG erhältlich machen werde; ausserdem habe er ihm die Telefonnumm er seiner Schwester gegeben, damit sie sich zwecks Geldübergabe verabreden konnten (ac t. 705). Es sei eine Gewinnbeteiligung seiner Schwester C.____ von CHF 10‘000. ‒ und die hälftige Teilung des restlichen Gewinns zwischen ihm und dem Beschuldigten vereinbart worde n (act. 703 und 705). Diese Angaben bestätigte D.____ anlässlich der Hauptverhandlung v or Strafgericht. Wörtlich gab er zu Proto- koll: "Ja er [gemeint ist der Beschuldigte] wusste, dass meine Schwester eine Straftat begeht, er wusste, dass es kein Kredit war (vgl. act. 1113). C.____ sagte anlässlich der Hauptverhandlung vor St rafgericht ebenfalls aus, der Beschuldigte habe gewusst, dass sie sich die CHF 300‘000. ‒ unrechtmässig bei der Bank angeeignet habe (act. 1113). Die Aussagen von C.____ und D.____ sin d in Bezug auf den Beschuldigten kon- kludent, widerspruchsfrei und glaubhaft, zumal sie sich selbst in erheblicher Weise belasten. Hinzu kommt die WhatsApp-Nachricht vom 5. Juli 2013 , 08.22 Uhr, von C.____ an den Be- schuldigten, in welcher sie ihm mitteilt: "Gerade h eute habe ich das Geld genommen und habe alles vorbereitet", worauf der Beschuldigte mit „Hu hu supi“ antwortet (vgl. Aktenbeilage 1, 1. Teil). c) Zudem sagte der Beschuldigte selbst aus, er habe ein mulmiges Gefühl bei der Sache ge- habt (act. 1123). Er habe schon vermutet, dass das Geld durch C.____ illegal erlangt worden sei (act. 751). Auf Vorhalt der Nachricht von C.___ _ vom 5. Juli 2013, 08.29 Uhr, als sie vor- schlug, sich bevorzugterweise nicht direkt bei der Bank zu treffen, um das Geld zu übergeben, gab der Beschuldigte in der Voruntersuchung zu Prot okoll: "da hat das mulmige Gefühl erst recht angefangen" (act. 641). Auf die Frage, weshal b er ein mulmiges Gefühl hatte, antwortete er nur, er habe ja nicht gewusst, woher sie das Gel d gehabt habe (act. 641). Statt jedoch – wie es unter diesen Gesamtumständen zu erwarten gewesen wäre – die entsprechenden Abklärun- gen zu treffen, verzichtete der Beschuldigte überha upt darauf, bezüglich der Herkunft des Gel- des bei C.____ irgendetwas nachzufragen. Es erhellt , dass der Beschuldigte aufgrund der auf- gezeigten Unklarheiten zweifellos nicht von einem K reditvertrag ausgehen konnte. Wer unter den gegebenen Umständen keinerlei Nachforschung ode r mindestens einer Rückfrage betref- fend die Herkunft des Geldes tätigt, der kann sich nicht darauf berufen, gutgläubig gewesen zu sein. Der Beschuldigte handelte vorliegend im Wissen darum, dass das Geld, wenn nicht sicher Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber doch möglicherweise deliktischer Herkunft war. Mithin nahm der Beschuldigte die delikti- sche Herkunft des Geldes zumindest in Kauf. Erwerben ist ein einverständliches Erlangen einer v om Vortäter oder von einem Zwischenbesit- zer abgeleiteten tatsächlichen eigenen Verfügungsma cht über die Sache (BGE 128 IV 32, E. 2c). Der Beschuldigte hat nach der Übernahme der drei Umschläge zu je CHF 100‘000. ‒ von C.____ mit deren Einverständnis freie, eigene Verfü gungsmacht über die CHF 300‘000. ‒ er- langt. Demnach ist sein Verhalten als Erwerb einer Sache, von welcher er annehmen musste, dass sie durch eine strafbare Handlung gegen das Ve rmögen erlangt worden ist, im Sinne von Art. 160 StGB zu qualifizieren. Das beweismässig er stellte Verhalten des Beschuldigten erfüllt somit sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand der Hehlerei gemäss Art. 160 StGB, weswegen der diesbezügliche Schuldspruch der Vorinstanz in Abweisung der Berufung des Beschuldigten zu bestätigen ist. III. Strafzumessung Der Beschuldigte stellt kein Eventualbegehren hinsi chtlich der Strafzumessung für den Fall der Bestätigung des Schuldspruchs bezüglich der Hehlerei, weswegen diese nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens ist. Demzufolge bleibt es vorli egend bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen bedingt vollziehbaren Fr eiheitsstrafe von 14 Monaten, bei einer Probezeit von 2 Jahren. IV. Kosten Vorliegend ist die Berufung des Beschuldigten vollu mfänglich abzuweisen. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 5‘500. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 500. ‒, gehen demnach zu Lasten des Beschuldigten. Der vom amtlichen Verteidiger mit Honorarnote vom 1 3. Juni 2016 ausgewiesene Zeitaufwand von 8.5 Stunden erscheint als angemessen, wobei erg änzend für die Teilnahme an der Haupt- verhandlung insgesamt 2 Stunden zu entschädigen sin d, weswegen ihm zu Lasten der Ge- richtskasse eine Entschädigung von CHF 2‘252.00 (in kl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwert- steuer (CHF 180.15), somit insgesamt CHF 2‘432.15, aus der Gerichtskasse auszurichten ist. Es ist überdies festzustellen, dass der Berufungskl äger im Zeitpunkt dieses Urteils über hinrei- chende finanzielle Mittel zur Bezahlung des zuvor e rwähnten Honorars verfügt. Der Berufungs- kläger ist daher zu verpflichten, dem Kanton das an seinen Verteidiger ausgerichtete Honorar im Betrag von total CHF 2‘432.15 zurückzuzahlen und der Verteidigung die Differenz zwischen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel- Landschaft vom 19. November 2015, auszugsweise lautend: "I. Schuld- und Freisprüche […] 3. a) B.____ wird der Hehlerei schuldig gesprochen und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 14 Monaten, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 160 Ziff. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB sowie Art. 44 Abs. 1 StGB. II. Zivilforderung C.____, D.____ und B.____ werden in solidarischer Verbindung mit den jeweils anderen Mitbeschuldigten dazu verur teilt, der A.____ AG Schadenersatz in Höhe von Fr. 300‘000.-- zzgl. Zins zu 5% seit dem 12. Juli 2013, zu bezahlen. III. Kosten […] 3. B.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die ihn be- treffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kost en des Vor- verfahrens von Fr. 1‘524.15 und der Gerichtsgebühr von Fr. 3‘000.‒-. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründet es Urteil ver- langt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtl iche Gebühr auf Fr. 1‘500.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT)." Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten vollumfänglich bestätigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 5‘500. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 500. ‒, gehen zu Lasten des Beschuldigten. Zufolge Bewilligung der notwendigen amtlichen Verte idigung wird dem Vertreter des Berufungsklägers, Advokat Simon Berger, für sei ne Bemühungen im Beru- fungsverfahren ein Honorar von CHF 2‘252.00 (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 180.15), somit insgesamt CHF 2‘ 432.15, aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. Es wird festgestellt, dass der Berufungskläger im Z eitpunkt dieses Urteils über hinreichende finanzielle Mittel zur Bezahlung des z uvor erwähnten Honorars verfügt. Der Berufungskläger wird daher verpflichtet, dem Kanton das an seinen Verteidiger ausgerichtete Honorar im Betrag von tot al CHF 2‘432.15 zurückzu- zahlen und der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädi- gung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger