A bteilung IV D -4294/2006 {T 0/2} U rteil vom 23. A pril 2007 M itw irkung: R ichterin Spälti G iannakitsas, R ichter Stöckli, R ichter Scherrer G erichtsschreiberin Leisinger X._______, geboren_______, Irak, w ohnhaft_______, vertreten durch Tarig H assan,_______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 28. Septem ber 2005 i.S. Flüchtlingseigenschaft und A syl / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer, sunnitischer R eligionszugehörigkeit aus _______, verliess seinen H eim atstaat eigenen Angaben zufolge am 20. M ai 2003 und gelangte über die Türkei und w eitere ihm unbekannte Länder am 21. Juli 2003 in die Schw eiz, w o er gleichentags um Asyl ersuchte. Am 25. Juli 2003 w urde der Beschw erdeführer in der Em pfangsstelle _______ (neu: Em pfangs- und Verfahrenszentrum _______) zu seinen Ausreisegründen befragt. In der Folge w urde er für die D auer des Asylverfahrens dem Kanton _______ zugew iesen. D ie zuständige kantonale Be- hörde hörte den Beschw erdeführer am 20. August 2003 zu seinen Asylgründen an. Zur Begründung seines Asylgesuches m achte der Beschw erdeführer im W esentli- chen geltend, seinen H eim atstaat nach dem Einm arsch der am erikanischen Trup- pen und dem Sturz des Saddam -R egim es aus Furcht vor R acheakten ihm gegen- über verlassen zu haben. Sow ohl sein Vater als auch seine Brüder hätten vor dem Einm arsch der am erikanischen Truppen in den Irak in der Baath-Partei w ichtige Äm ter eingenom m en. So sei sein Vater ein bekannter Parteiführer gew esen. Sein älterer Bruder sei seit 1996 Sicherheitsoffizier in der genannten Partei im Q uartier M aem un gew esen. D er andere Bruder sei seit zirka 1992 M itglied einer Studenten- organisation nam ens Al Itihad Al Aam Lithalabat W a C habab al Irak (G eneralunion der Studenten und der irakischen Jugend) und dort ebenfalls als Sicherheitsoffizier tätig gew esen. Er - der Beschw erdeführer - selbst sei w ährend seines Studium s zw ar aktives M itglied der Baath-Partei gew esen jedoch nach seinem Studienab- bruch aus krankheitsbedingten G ründen aus der Partei ausgetreten. D er Beschw erdeführer m achte im W eiteren geltend, nach dem Sturz des Saddam - R egim es hätten ehem als vom Saddam -R egim e Verfolgte R ache an ehem aligen Baathisten genom m en. Einem solchen R acheakt seien am Abend des 15. M ai 2003 auch seine beiden Brüder sow ie der Vater zum O pfer gefallen. An besagtem Tag sei sein Vater um 17. 00 U hr auf den Bazar gegangen. Aus Furcht vor R ache- akten habe sich der Vater von beiden Brüdern, die als Leibw ächter fungiert hätten, auf den Bazar begleiten lassen. Er - der Beschw erdeführer - habe unterdessen im H aus geschlafen. Erw acht sei er, nachdem er im H aus Schüsse gehört habe. So- fort sei er aufgestanden und habe von der oberen Etage aus gesehen, dass die zw ischenzeitlich vom M arkt zurückgekehrten Fam ilienm itglieder im Salon des H au- ses von vier U nbekannten erschossen w orden seien. D ie Täter habe er nicht iden- tifizieren können, da sie M asken getragen und das H aus blitzartig w ieder verlas- sen hätten. N ach der Tat hätten sich im und vor dem H aus die N achbarn versam - m elt, darunter der O nkel des Beschw erdeführers, der ihm dringend zur sofortigen Flucht geraten habe. M it dem im H aus vorhandenen Bargeld habe er sich deshalb zirka eine halbe bis dreiviertel Stunde nach der Tat auf die Flucht begeben. Zu- nächst sei er m it einem Taxi nach _______ zu seiner Tante gereist. D iese habe ihm jedoch nicht für längere Zeit U nterschlupf bieten w ollen, aus Angst, aufgrund der Anw esenheit des Beschw erdeführers selbst O pfer von R acheakten zu w erden. 3 Seine Tante habe ihm deshalb einen Schlepper organisiert, m it dessen H ilfe er am 16. M ai 2003 aus dem H eim atstaat ausgereist sei und sich in die Türkei begeben habe, von w o er w eiter in die Schw eiz gereist sei. Für die w eiteren Aussagen w ird auf die Akten verw iesen. B. M it Verfügung vom 28. Septem ber 2005 - eröffnet am 30. Septem ber 2005 - w ies das BFM das Asylgesuch des Beschw erdeführers ab und ordnete dessen W egw ei- sung aus der Schw eiz an. M it gleicher Verfügung w urde die vorläufige Aufnahm e des Beschw erdeführers in der Schw eiz infolge U nzum utbarkeit des W egw eisungs- vollzuges angeordnet. C . G egen diese Verfügung erhob der Beschw erdeführer durch seinen R echtsvertreter am 31. O ktober 2005 Beschw erde bei der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) und beantragte, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gew ähren. Im W eiteren w urde um G ew ährung der unentgeltlichen R echts- pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahrensgesetz (Vw VG , SR 172.021) sow ie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. D . M it Verfügung vom 4. N ovem ber 2005 w urde das G esuch um G ew ährung der un- entgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG abgew iesen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses w urde aufgrund eines bestehenden Sicher- heitskontos verzichtet. E. In der Vernehm lassung vom 9. N ovem ber 2005 hielt die Vorinstanz an ihren Erw ä- gungen fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. F. D ie vorinstanzliche Vernehm lassung w urde dem Beschw erdeführer am 27. D e- zem ber 2005 zur Kenntnis gebracht. G . Am 30. M ärz 2006 verheiratete sich der Beschw erdeführer m it einer Schw eizer Bürgerin, hielt aber im H inblick auf die Frage der Flüchtlingseigenschaft und Asyl- gew ährung an der Beschw erde fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorins-4 tanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Ver- fügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG , SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.119]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht hat - sofern zuständig - per 1. Januar 2007 die bei der am 31. D ezem ber 2006 aufgelösten AR K hängigen R echtsm ittel übernom m en. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. 2.1 D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist dem nach einzutreten. 2.2 N achdem der Beschw erdeführer aufgrund seiner H eirat im Besitz einer gültigen Aufenthaltsbew illigung ist, bilden nur noch die D ispositivziffern 1 und 2 der ange- fochtenen Verfügung, m ithin die Frage der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls, G egenstand der vorliegenden Beschw erde. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG , w enn sie N achteile von bestim m ter Intensität erlitten hat beziehungsw eise solche m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründe- terw eise befürchten m uss, w elche ihr gezielt und aufgrund bestim m ter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsm otive durch O rgane des H eim at- oder H er- kunftsstaats zugefügt w orden sind beziehungsw eise zugefügt zu w erden drohen. D ie erlittene Verfolgung beziehungsw eise die begründete Furcht vor künftiger Ver- folgung m uss aber nicht nur anlässlich der Ausreise aus dem H eim at- oder H er- kunftsstaat, sondern grundsätzlich auch noch im Zeitpunkt des Asylentscheids ak- tuell sein. Begründete Furcht vor künftiger staatlicher Verfolgung liegt entspre- chend nur vor, w enn konkreter Anlass zur Annahm e besteht, Letztere hätte sich - aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise - m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verw irklicht und w ürde sich - auch noch aus heutiger Sicht - m it ebensolcher W ahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verw irklichen. Eine bloss 5 entfernte M öglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es m üssen konkrete Indizien vorliegen, w elche den Eintritt der erw arteten - und aus einem der vom G esetz abschliessend aufgezählten M otive erfolgenden - Benachteiligung als w ahrscheinlich und - dem entsprechend - die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. die zutreffende und w eiterhin zu beachtende Praxis der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K), in Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1993 N r. 21 E. 3 S. 138; WALTER K LINÄ , G rundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M . 1990, S. 143 ff.). 4. 4.1 Zur Begründung ihres Entscheides führte die Vorinstanz im W esentlichen aus, die Vorbringen des Beschw erdeführers w ürden den Anforderungen an die G laubhaftig- keit nicht genügen. So habe der Beschw erdeführer w idersprüchliche Angaben über den Ablauf des G eschehens im Zusam m enhang m it dem Tod seines Vaters und seiner Brüder gem acht. Beispielsw eise habe er anlässlich der kantonalen An- hörung zu Protokoll gegeben, dass er nach den Schüssen aus seinem Zim m er in der ersten Etage kom m end seine Fam ilie tot auf dem Boden gesehen habe und diese von vier m askierten Personen um gebracht w orden seien, er, nachdem er seine Pistole aus dem Zim m er geholt habe, jedoch niem anden m ehr gesehen habe. Kurz darauf habe er jedoch vorgetragen, beim Eintreffen in das Erdgeschoss vier Personen m it G esichtsm asken gesehen zu haben, die gerade dabei gew esen seien, das H aus zu verlassen. Ferner habe der Beschw erdeführer anlässlich der Befragung in der Em pfangsstelle erklärt, m it eigenen Augen gesehen zu haben, w ie seine Fam ilie getötet w orden sei, kurz darauf jedoch ausgeführt, diese sei be- reits tot gew esen, als er in das Erdgeschoss gekom m en sei. Letztere Aussage habe er auch anlässlich der kantonalen Anhörung w iederholt. Zudem habe der Be- schw erdeführer vorgetragen, dass er in seinem Zim m er gew esen sei, als die Täter an die Tür geklopft hätten. Im R ahm en der kantonalen Befragung habe er hinge- gen erklärt, erst die Schüsse hätten ihn gew eckt. In der Em pfangsstelle habe der Beschw erdeführer ausserdem erklärt, er habe seine Identitätskarte unterw egs in der Türkei verloren. N achträglich habe sich aber herausgestellt, dass diese Be- hauptung nicht der W ahrheit entsprochen habe, er sich dieses D okum ent per Post aus den Vereinigten Arabischen Em iraten habe zustellen lassen, w as ganz offen- sichtlich im Zusam m enhang m it der bevorstehenden Eheschliessung stehen w ür- de. D a die Vorbringen des Beschw erdeführers den Anforderungen an die G laub- haftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht standhalten w ürden, erübrige sich eine Auseinan- dersetzung m it der Frage der Asylrelevanz der Vorbringen. 4.2 In der Beschw erde w urde dem gegenüber im W esentlichen ausgeführt, die Aussa- ge, der Beschw erdeführer hätte niem anden m ehr gesehen, als er aus seinem Zim - m er gekom m en sei, habe dieser zu einem späteren Zeitpunkt der Befragung selbst dahingehend präzisiert, als er ausgesagt habe, die Täter zw ar nicht im H aus selbst, jedoch beim Verlassen des H ofes gesehen zu haben. Zudem sei aufgrund der Begrifflichkeiten H aus und H of im Arabischen nicht m ehr nachvollziehbar, w elchen Begriff der Beschw erdeführer zu w elchem Zeitpunkt verw endet habe. 6 W as die in der Em pfangsstelle gem achte Aussage anbelange, er habe m it eigenen Augen gesehen, w ie seine Fam ilie getötet w orden sei, sei als strikte Zusam m enfassung des Sachverhaltes anlässlich dieser lediglich sum m arischen Befragung in dem Sinne zu verstehen gew esen, als er Zeuge des G eschehens gew esen sei. Auch im H inblick auf die Aussage, der Beschw erdeführer sei in seinem Zim m er gew esen, als die Täter an die Tür geklopft hätten,g sei w ieder von einer resüm ierten Erzählw eise auszugehen. Im W eiteren w urde vorgetragen, zw ar habe sich die Vorinstanz nicht zur Frage der Asylrelevanz geäussert, jedoch sollten in Anbetracht der Tatsache, dass die Identität des Beschw erdeführers feststünde, Abklärungen betreffend den Vorfall sow ie die aktuelle Bedrohung der Fam ilie getroffen w erden. Ehem alige Baath-Führungsm itglieder und ihre Fam ilienangehörigen seien heute in besonderem M asse R acheakten im H eim atstaat des Beschw erdeführers ausgesetzt. Für die w eiteren Ausführungen w ird auf die Akten verw iesen. 5. 5.1 N ach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverw altungsgericht zu dem Schluss, dass die Erw ägungen der Vorinstanz, w onach die Vorbringen des Beschw erdefüh- rers als nicht glaubhaft gem acht im Sinne von Art. 7 AsylG zu beurteilen sind, als zutreffend zu erachten und die Ausführungen in der Beschw erdeschrift nicht geeig- net sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. 5.2 Zw ar ist dem Bundesverw altungsgericht aufgrund der zahlreichen zur Verfügung stehenden Q uellen zur Lagesituation im H eim atstaat des Beschw erdeführers be- kannt, dass nach dem Einm arsch am erikanischer Truppen im M ärz 2003 verübte G ew alttaten innerhalb der Zivilbevölkerung sich in grossem M asse auch im Sinne von R acheakten gegen ehem alige Funktionäre und U nterstützer der Baath-Partei und des R egim es Saddam H usseins richteten. Zutreffend verw eist die Vorinstanz jedoch auf die W idersprüche des Beschw erdeführers in w esentlichen Aspekten seines Vorbringens, die die vom Beschw erdeführer geltend gem achten Flucht aus- lösenden U m stände als unglaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG erscheinen lassen. 5.2.1 In der Tat hat der Beschw erdeführer die Ereignisse am Abend des 15. M ai 2003, w elche letztlich fluchtauslösend für ihn gew esen sein sollen, in w esentlichen As- pekten w idersprüchlich geschildert. D ie von der Vorinstanz in diesem Zusam m en- hang ausgem achten W idersprüche, insbesondere im H inblick auf die Schilderung des genauen Ablaufes der Erm ordung der Fam ilienm itglieder, verm ochte der Be- schw erdeführer in der Beschw erdeschrift nicht plausibel aufzulösen. So hat der Beschw erdeführer beispielsw eise im R ahm en der kantonalen Anhörung in seiner einleitenden Asylbegründung in dezidierter W eise das Tötungsereignis geschildert. D abei hat er ausgeführt, nachdem er vom oberen Stock aus seinen Vater und die Brüder tot im Salon habe liegen sehen, sei er in sein Zim m er gelaufen, um seine Pistole zu holen. N achdem er aus seinem Zim m er zurückgekehrt sei, habe er jedoch niem anden m ehr gesehen (vgl. A 8, S. 8). D em gegenüber hat der 7 Beschw erdeführer auf die Aufforderung in einem späteren Zeitpunkt der Befragung, die Ereignisse nochm als genau zu beschreiben ausgeführt, nachdem er seine Pistole aus dem Zim m er geholt habe, sei er die Treppe nach unten gelau- fen und habe vier Personen gesehen, die gerade dabei gew esen seien das H aus zu verlassen (vgl. A 8, S. 9). Eine Präzisierung, w ie dieser W iderspruch in der Be- schw erdeschrift gerechtfertigt w ird, kann dies nach Auffassung des G erichts nicht darstellen. Ebenso untauglich erscheinen die Erklärungsversuche in der kantona- len Befragung, auf diesen W iderspruch angesprochen (vgl. A 8, S. 17). D er Be- schw erdeführer trug im W eiteren auf die Frage, w oher er gew usst habe, dass seine Fam ilienm itglieder tot gew esen seien, vor, es sei viel Blut auf dem Boden gew esen (vgl. A 8, S. 10). Auf den Vorhalt am Ende der Anhörung hin, als ange- hender Krankenpfleger m üsse er sich bew usst darüber gew esen sein, dass die Blutm enge auf dem Boden auch täuschen könne und sich konkret vom Tod seiner Fam ilienm itglieder überzeugt haben, führte der Beschw erdeführer aus, er habe m ehr als 100-120 Schüsse gehört, die G esichter seines Vaters und der Brüder seien von vielen Kugeln getroffen w orden und verschandelt gew esen (vgl. A 8, S. 17). D iesen w esentlichen U m stand hatte der Beschw erdeführer bis dahin m it keinem W ort erw ähnt, w eshalb diese Aussage nach Ansicht des G erichts als eine die W idersprüche und das Verhalten des Beschw erdeführers nicht rechtfertigende Schutzbehauptung zu erachten ist, zum al sie in Anbetracht der D auer einer über hundertfachen Schussabgabe in zeitlichem W iderspruch m it der Aussage, er sei durch die Schüsse gew eckt w orden und habe sofort das Zim m er verlassen, sei die Treppe herunter gegangen und habe schon vom Anfang der Treppe aus die drei Leichen gesehen, steht. 5.2.2 Schliesslich sind einzelne Vorbringen des Beschw erdeführers auch als in w esent- lichen Punkten der allgem einen Erfahrung und Logik des H andelns w iderspre- chend und aus diesem G rund als unglaubhaft zu w ürdigen. So ist zum einen nicht nachvollziehbar, w arum der Vater des Beschw erdeführers, der R acheakte seitens D ritter in solchem M asse befürchtet haben soll, dass er zw ei seiner Söhne als Leibw ächter m it auf den M arkt genom m en haben soll, m as- kierten und bew affneten unbekannten M ännern die Tür ohne w eiteres geöffnet und diese eingelassen hat. G em äss Aussagen des Beschw erdeführers sei die Ein- gangstür nicht aufgebrochen und der Beschw erdeführer offenbar auch nicht durch eine allfällige Auseinandersetzung, sondern erst durch die Schüsse gew eckt w or- den. Auch die gesam ten Fluchtum stände des Beschw erdeführers nach der Tat verm ögen nicht einzuleuchten. So ist beispielsw eise vor dem H intergrund der strengen gesellschaftlichen und religiösen Sitten nicht nachvollziehbar, dass der Beschw erdeführer unm ittelbar nach der Tat die Flucht aus dem elterlichen H aus nach _______ angetreten haben w ill, ohne sich in irgendeiner W eise um die Bestattung seiner engsten Fam ilienangehörigen zu küm m ern. D er Beschw erdeführer gab im W eiteren an, sich bereits eine halbe Stunde nach der Erm ordung seiner Fam ilienm itglieder am Abend des 15. M ai 2003 m it einem Taxi nach _______ zu einer Tante begeben zu haben. D iese habe ihm am darauffolgenden Tag einen Schlepper verm ittelt, m it w elchem er am selben Tag aus dem Irak ausgereist sei. Vor dem H intergrund der zum dam aligen Zeitpunkt 8 herrschende Kriegsum stände erscheint es bereits als unw ahrscheinlich, dass der Beschw erdeführer w ie von ihm behauptet, problem los und ohne jedes Passieren von Strassensperren oder Kontrollpunkten m it dem Taxi aus _______ nach _______ gereist ist (vgl. A 8, S. 15). Ebenso unw ahrscheinlich ist auch, dass es dem Beschw erdeführer, der _______ erst am späten Abend des 15. M ai 2003 verlassen haben w ill, problem los gelungen sein soll, m it H ilfe eines von der in _______ lebenden Tante angeheuerten Schleppers, über den N ordirak bereits am 16. M ai 2003 auszureisen. N icht einzuleuchten verm ag ausserdem , dass der Beschw erdeführer aus dem elterlichen H aus zw ar für seine Flucht 7'500 $ und 50'0000 irakische D inar Tabeh m it sich genom m en haben w ill, hingegen seine Identitätspapiere im H aus verblieben sein sollen. Seine Begründung, er habe aufgrund des Schocks nicht daran gedacht, Papiere m it sich zu nehm en und auch nicht gew usst, dass er später den Irak verlassen w erde (vgl. A 8, S. 11), überzeugt insbesondere nicht, als der Beschw erdeführer offensichtlich gew illt w ar, sein elterliches W ohnhaus endgültig zu verlassen. Lediglich ergänzend sei anzuführen, dass der Beschw erdeführer bis zum heutigen Tag keine Bew eise für die angeblichen politischen Aktivitäten oder den Tod seines Vaters und seiner beiden Brüder zu den Akten gereicht hat, obw ohl er offensicht- lich m it Fam ilienangehörigen in Kontakt gestanden haben m uss, w elche ihm die per Post gesendeten und durch die G renzbehörden sichergestellten Identitätspa- piere zukom m en liessen. 5.3 Insgesam t ergibt sich, dass die Vorbringen des Beschw erdeführers den Anforde- rungen an die G laubhaftigkeit nicht standhalten. Aufgrund der vorstehenden Erw ä- gungen erübrigt es sich, auf die w eiteren Ausführungen in der Beschw erde im Einzelnen einzugehen, w eil sie am Ergebnis nichts ändern können. Insbesondere enthalten die Ausführungen keine neuen Erkenntnisse, w elche die ernsthaften Zw eifel an der G laubhaftigkeit der Vorbringen des Beschw erdeführers und die beträchtlichen U ngereim theiten hinsichtlich w esentlicher Punkte zu beseitigen verm ögen. D er Antrag in der Beschw erdeschrift auf w eitere Abklärungen des Bun- desverw altungsgerichts im H eim atland zur G efährdungssituation der Fam ilie des Beschw erdeführers ist vor dem H intergrund vorstehender Erw ägungen abzuw ei- sen. 6. Zusam m enfassend ergibt sich, dass die Vorbringen des Beschw erdeführers den Anforderungen an die G laubhaftm achung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 7 AsylG nicht genügen. D ie Vorinstanz hat das Asylgesuch dem nach zu R echt abge- lehnt. 7. Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). G em äss Art. 32 Bst. a AsylV 1 w ird die W egw eisung aus der Schw eiz nicht verfügt, w enn die 9 Asyl suchende Person im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder N iederlassungs- bew illigung ist. D er Beschw erdeführer verfügt nach der H eirat m it einer Schw eizer- bürgerin über eine gültige Aufenthaltsbew illigung. D am it ist das Beschw erdever- fahren im W egw eisungspunkt infolge W egfall des Anfechtungsobjekts gegenstandslos gew orden. 8. Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschw erdeführer bezüglich der Frage der Anerkennung als Flüchtling und der G ew ährung von Asyl nicht gelungen ist darzutun, inw iefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig feststellt und unange- m essen ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen, sow eit sie nicht die Frage der angeordneten W egw eisung als solcher betreffend als gegenstandslos gew or- den abzuschreiben ist. 9. Aufgrund der teilw eisen G egenstandslosigkeit der Beschw erde sind die diesbezüg- lich angefallenen Kosten des Verfahrens und eine allfällige Parteientschädigung entsprechend den Prozessaussichten vor Eintritt der G egenstandslosigkeit zu ver- legen (vgl. Art. 5 und 15 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]. N achdem dem Beschw erdeführer eine Aufenthaltsbew illigung aufgrund seiner H eirat m it einer Schw eizer Staatsbürgerin erteilt w urde und m ithin auf ei- nem im Beschw erdeverfahren nachträglich eingetretenen, ausserhalb des Asylver- fahrens liegenden frem denpolizeilichen Sachverhalt beruht, sind dem Beschw erde- führer die um fassenden G erichtskosten in H öhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen und ist keine Parteientschädigung auszurichten (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 VG KE). (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen, sow eit sie nicht gegenstandslos gew orden ist. 2. D ie Kosten des Verfahrens in H öhe von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer auferlegt. 3. Es w ird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben; Beilage: Einzahlungsschein) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (R ef.-N r. N _______) - _______ D ie R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: N ina Spälti G iannakitsas C onstance Leisinger Versand am :