Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. November 2016 (715 16 249 / 303) ___________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Nach Art. 65 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 883/200 4 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicher- heit (Verordnung Nr. 833/2004) können unechte wie e chte Grenzgänger Arbeitslo- senentschädigung einzig im Wohnmitgliedstaat beansp ruchen. Im Anwendungsbe- reich des gemeinschaftlichen Koordinationsrechts is t der Begriff des Wohnens im Sinne von Art. 1 lit. j der Verordnung Nr. 883/2004 auszulegen. Danach gilt als Wohnort der Ort des gewöhnlichen Aufenthalts einer Person. Zu berücksichtigen ist auch die Verordnung Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Sep- tember 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung Nr. 883/2004. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung Seite 2 A. A.____, geb. 1987, arbeitete vom 28. Februar 2011 bis 5. März 2016 für die B.____ in C.____. Vom 7. Januar 2013 bis 4. März 2016 wurde er vo n seiner Arbeitgeberin nach D.____ (Schweiz) zur Firma E.____ entsandt. Nach Erhalt der Kü ndigung seitens der Arbeitgeberin per 5. März 2016 meldete er sich am 7. März 2016 zur Arbei tsvermittlung an und am 8. März 2016 stellte er Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 7. März 2016. Am 26. April 2016 teilte er der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) mit, dass e r von Januar 2013 bis Juni 2013 in D.____, von Juni 2013 bis Oktober 2014 in F.____ und von Oktober 2014 bis Februar 2016 in G.____ gelebt habe. Seit Februar 2016 sei er in H._ ___ ansässig. Mit Verfügung vom 20. Mai 2016 lehnte die Kasse einen Anspruch von A.____ auf Ar beitslosenentschädigung für die Zeit ab 7. März 2016 ab mit der Begründung, er habe nach B eendigung des Arbeitsverhältnisses keine beitragspflichtige Beschäftigung in der Schweiz a usgeübt, weshalb eine Totalisierung mit Versicherungszeiten aus C.____ nicht möglich sei. Die dagegen erhobene Einsprache wies das KIGA Baselland (KIGA), Abteilung Kasse mit Entscheid vom 5. August 2016 ab. B. Dagegen erhob A.____ mit Eingabe vom 8. August 201 6 Beschwerde ans Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er beantragte si nngemäss die Ausrichtung von Ar- beitslosentaggeldern. Als Begründung führte er an, dass er zwar Sozialversicherungsbeiträge an die Regierung von C.____ gezahlt habe, Arbeitslosene ntschädigung jedoch in der Schweiz beziehen könne, weil er hier wohne und längere Zeit gearbeitet habe. Aus C.____ könne er keine Unterstützung beanspruchen. C. Mit Vernehmlassung vom 26. September 2016 beantragt e die Kasse die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer habe in der Zeit vom 7. Januar 2013 bis 4. März 2016 als entsandter Arbeitnehmer der B.____ im Sinne von Art. 12 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rate s vom 29. April 2004 zur Koordinie- rung der Systeme der sozialen Sicherheit (Verordnung N r. 883/2004) gearbeitet. Während der Entsendung habe er den sozialversicherungsrechtlichen Bestim mungen von C.____ unterstan- den. In der Schweiz sei er nicht gegen Arbeitslosigkeit ve rsichert. So habe er seine Sozialversi- cherungsbeiträge in C.____ geleistet und nicht in der Schweiz. Die für die E.____ in D.____ ausgeübte Tätigkeit während der Anstellung bei B.___ _ gelte nicht als beitragspflichtige Be- schäftigung in der Schweiz. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses habe er auch keine bei- tragspflichtige Beschäftigung in der Schweiz ausgeübt, weshalb eine Totalisierung mit Versiche- rungszeiten aus C.____ nicht möglich sei. Da der Beschwer deführer während seiner Entsen- dung keinen Wohnsitz in der Schweiz begründet habe, könne er auch nicht als unechter Grenz- gänger qualifiziert werden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungs gericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. a der Verord- nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigk eit des kantonalen Versicherungsge- richts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Kassen, welche die Arbeitslosenentschädigung betreffen, nach dem Ort, wo die versicherte Person die Kontroll- pflicht erfüllt. Vorliegend hat der Beschwerdeführer d ie Kontrollpflicht im Kanton Basel- Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde vom 8. August 2016 ist deshalb einzutreten. 2. Streitig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ab 7. März 2016. 3.1 Der Beschwerdeführer ist Bürger von C.____. Vor Ei ntritt seiner hier interessierenden Arbeitslosigkeit war er im Rahmen einer Entsendung fü r die Unternehmung B.____ bei der E.____ in D.____ tätig. Während dieser Zeit lebte er in der Schweiz und in Frankreich. Im Zeit- punkt der Kündigung per 5. März 2016 war er an einer Adresse in H.____ gemeldet. 3.2 Damit fällt der Rechtsstreit in sachlicher, persönli cher und zeitlicher Hinsicht in den Anwendungsbereich des am 1. Juni 2002 in Kraft getre tenen Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und d er Europäischen Gemein- schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA). Beschlagen ist zu- dem die mit Wirkung ab 1. April 2012 anwendbare Verordnung Nr. 883/2004, die durch die Ver- ordnung Nr. 988/2009 des Europäischen Parlaments und de s Rates vom 16. September 2009 geändert wurde. Diese neue Verordnung ist auf den vor liegend ab 7. März 2016 geltend ge- machten Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung anwendbar. 3.3 Titel II der Verordnung Nr. 883/2004 enthält al lgemeine Kollisionsregeln zur Bestim- mung der anwendbaren Rechtsvorschriften. Im Einzelnen b etrifft dies das Prinzip der Alleinzu- ständigkeit einer Rechtsordnung nach Art. 11 Abs. 1 und das nach Art. 11 Abs. 3 lit. a der Ver- ordnung Nr. 883/2004 grundsätzlich geltende Beschäftig ungslandprinzip (lex loci; vgl. BGE 140 Seite 4 V 98 E. 6.1 und 6.2), das seinerseits unter anderem du rch die für die Entsendung geltende Sonderregelung in Art. 12 der Verordnung Nr. 833/2004 (Ursprungslandprinzip) derogiert wird. 3.4.1 Leistungen bei Arbeitslosigkeit erbringt nach de r Koordinierungsverordnung grundsätz- lich der Staat, nach dessen Rechtsvorschriften die betro ffene Person "unmittelbar zuvor", d.h. vor Eintritt der Arbeitslosigkeit, Versicherungs- oder Be schäftigungszeiten zurückgelegt hat, somit der Staat der letzten Beschäftigung. Der Begriff "unmittelbar zuvor" ist nicht rein zeitlich im Sinne einer zeitlichen Nahtlosigkeit vor Eintritt d er Arbeitslosigkeit zu verstehen, sondern es darf zwischenzeitlich nicht in einem anderen Staat ein e Beschäftigung ausgeübt worden sein. Damit stimmt die Kollisionsnorm von Art. 61 Abs. 2 der Verordnung Nr. 883/2004 mit der Grund- regel des Art. 11 der Verordnung Nr. 833/2004 übere in, wird aber durch die letzte Beschäfti- gung vor Eintritt der Arbeitslosigkeit präzisiert. 3.4.2 Unerheblich für die Zuständigkeitsbegründung ist , wie lange die letzte Beschäftigung gedauert hat. Es gilt das sogenannte Eintageprinzip, w eil ein einziger Tag beitragspflichtiger Beschäftigung vor Eintritt der Arbeitslosigkeit genügt. Die Lasten der Arbeitslosigkeit trägt damit der letzte Beschäftigungsstaat alleine. Umgekehrt hat d ie Regelung zur Folge, dass ein An- spruch entfällt, wenn eine arbeitslose Person Leistungen in einem Staat beantragt, in dem sie nicht unmittelbar zuvor Versicherungs- oder Beschäftigungszeiten zurückgelegt hat. 3.4.3 Der Staatsangehörige eines Mitgliedstaates, der Anspruch auf Arbeitslosenentschädi- gung in der Schweiz erheben will, muss somit vorgängig e ine Stelle innegehabt haben, die der Beitragspflicht in der Schweiz unterworfen ist, bevor e r sich, soweit erforderlich, für die Berech- nung der Beitragszeit nach Art. 13 AVIG auf im Ausland zurückgelegte Versicherungszeiten berufen kann. Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdef ührer in der massgebenden Rahmen- frist für die Beitragszeit vom 7. März 2014 bis 6. März 2 016 seine letzte beitragspflichtige Be- schäftigung in C.____ ausgeübt. Dies, weil er für eine Unternehmung in C.____ als Entsandter in der Schweiz eingesetzt worden ist. Entsandte Arbeit nehmende unterliegen weiterhin den So- zialversicherungsbestimmungen des Entsendungsstaates. Während der Entsendung bleibt deshalb in allen Zweigen der Sozialen Sicherheit weit erhin die Sozialversicherungsgesetzge- bung des Entsendungsstaates anwendbar (vgl. E. 2.3; Art. 12 der Verordnung Nr. 883/2004). Somit hat die Arbeitslosenkasse einen Anspruch auf Arbei tslosenentschädigung des Be- schwerdeführers grundsätzlich zu Recht abgelehnt. 4.1 Zu beachten ist nun, dass für stellensuchende Personen , bei denen das Beschäfti- gungsland nicht mit dem Wohnsitzland übereinstimmt, Aus nahmebestimmungen in Art. 65 der Verordnung Nr. 883/2004 bestehen. Darin wird untersch ieden zwischen Grenzgängern und Er- werbstätigen, die nicht Grenzgänger sind. Grenzgänger sind Personen, die ihre Berufstätigkeit im Gebiet eines Mitglied- oder Abkommensstaates ausüben u nd im Gebiet eines anderen Mit- glied- oder Abkommensstaates wohnen, in das sie in der Regel täglich, mindestens aber einmal wöchentlich zurückkehren (Art. 1 lit. f der Verordnung Nr. 883/2004). Sie werden als echte Seite 5 Grenzgänger bezeichnet. Unter unechten Grenzgängern versteht man anderseits Personen, deren Wohn- und Beschäftigungsort zwar ebenfalls in zwei verschiedenen Staaten liegen, die aber die Merkmale des echten Grenzgängers nicht erfülle n, weil sie nicht mindestens einmal wöchentlich in ihren Wohnstaat zurückkehren (z.B. Saisona rbeitnehmende). Als unechter Grenzgänger gilt auch, wer seinen Wohnort kurz vor Ein tritt der Arbeitslosigkeit vom Beschäfti- gungsstaat in einen anderen Mitglied- oder Abkommensstaa t verlegt. Als atypischer Grenzgän- ger wird eine Person bezeichnet, die ihre gesamte be rufliche Laufbahn im Beschäftigungsstaat verbracht hat und deren Vermittlungsaussichten hier eind eutig besser sind. Gemäss Art. 65 Abs. 2 und 5 der Verordnung Nr. 883/2004 erhält der vollarbeitslose echte Grenzgänger Leis- tungen nach den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaat es (Art. 11 Abs. 3 lit. c) und er hat sich der Arbeitsverwaltung des Wohnmitgliedstaates zur Ver fügung zu stellen. Aus dem Wort- laut von Art. 65 Abs. 2 der Verordnung Nr. 883/2004 geht wörtlich hervor, dass eine vollarbeits- lose Person, die während ihrer letzten Beschäftigung od er selbständigen Erwerbstätigkeit in einem anderen als dem zuständigen Mitgliedstaat gewo hnt hat und weiterhin in diesem Mit- gliedstaat wohnt oder in ihn zurückkehrt, sich der Arbeitsverwaltung des Wohnmitgliedstaats zur Verfügung zu stellen hat. Die Anspruchsberechtigung w ird nach den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaates geprüft, wie wenn diese für ihn w ährend der letzten Beschäftigung gegol- ten hätten (Art. 65 Abs. 5 lit. a der Verordnung Nr. 883/2004). Zusätzlich räumt Art. 65 Abs. 2 der Verordnung Nr. 883/2004 das Recht ein, sich der A rbeitsverwaltung des letzten Beschäfti- gungsstaates zur Verfügung zu stellen, um dort Wiedere ingliederungsleistungen, nicht jedoch Arbeitslosenentschädigung zu erhalten. 4.2 Unter der Herrschaft von Art. 71 der Verordnung 14 08/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf A rbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinsc haft zu- und abwandern, die in der Schweiz von der Verordnung Nr. 883/2004 ab April 2012 abgelöst wurde, hatte ein unechter Grenzgänger bei Vollarbeitslosigkeit das Wahlrecht, ob er Leistungen im letzten Beschäfti- gungsstaat oder in seinem Wohnstaat beanspruchen wollte. Mit Inkrafttreten der Verordnung Nr. 883/2004 hat sich die Rechtslage für die unechten ( inkl. atypischen) Grenzgänger gegen- über der bisherigen Praxis gemäss Urteil Miethe des Eu ropäischen Gerichtshofs (vgl. BGE 133 V 169, 133 V 144) geändert. Art. 65 Abs. 2 der Vero rdnung Nr. 883/2004 unterstellt sie eben- falls den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaates. Volla rbeitslose unechte Grenzgänger können wie die echten Grenzgänger Arbeitslosenentschädig ung nunmehr einzig im Wohnmit- gliedstaat beanspruchen (vgl. zum Ganzen THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit, 3. Auflage 2016, S. 2568 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 9. August 2016, 8C_ 60/2016, E. 4.2.3 mit zahlreichen Hin- weisen.) 5.1 Der Beschwerdeführer lebte während der Entsendung im Sinne eines unechten Grenzgängers in Frankreich und in der Schweiz. Massgebend für den Anspruch auf Arbeitslo- senentschädigung ist demgemäss unter diesem Aspekt nicht die Frage, ob der Beschwerdefüh- Seite 6 rer unmittelbar vor der Arbeitslosigkeit Beitragszeit i n der Schweiz zurückgelegt hat, sondern, ob er bei Eintritt der Arbeitslosigkeit Wohnsitz in der Schweiz hatte (Art. 65 Abs. 5 lit. a der Ver- ordnung 883/2004). Unbestritten ist, dass der Beschwerde führer bis Ende Januar 2016 Wohn- sitz in Frankreich hatte und im September 2016 definiti v nach C.____ zurückgekehrt ist. Für die dazwischen liegende Zeit macht der Beschwerdeführer ge ltend, in H.____ Wohnsitz gehabt zu haben. 5.2 Im Anwendungsbereich des gemeinschaftlichen Koordina tionsrechts ist der Begriff des Wohnens im Sinne von Art. 1 lit. j der Verordnung N r. 883/2004 auszulegen. Danach gilt als Wohnort der Ort des gewöhnlichen Aufenthalts einer Pe rson. Vom Wortlaut her sind der inner- staatliche (Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG) und der gemeinsch aftsrechtliche Begriff identisch. Nach Letzterem befindet sich der Wohnort als Ort des gewöhn lichen Aufenthalts stets dort, wo eine Person den Mittelpunkt ihrer Lebensführung und Intere ssen hat. Für die Erfüllung der An- spruchsvoraussetzungen des Wohnens nach Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG genügt ein tatsächlicher oder „gewöhnlicher“ Aufenthalt in der Schweiz mit der Absicht, diesen Aufenthalt während einer gewissen Zeit aufrechtzuerhalten und hier in dieser Zei t auch den Schwerpunkt der Lebensbe- ziehungen zu haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. A ugust 2016, 8C_60/2016 E. 2.4 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2319 f.). 5.3 Als Hilfe zur Bestimmung des gewöhnlichen Aufenthalt es dient die Verordnung Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 zur Fest- legung der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung Nr. 883/2004. In Art. 11 sind Krite- rien für die Bestimmung des Wohnortes aufgeführt, wenn eine "Meinungsverschiedenheit zwi- schen den Trägern von zwei oder mehreren Mitgliedstaaten besteht". Es geht hierbei ebenfalls darum, den Mittelpunkt der Interessen dieser Person zu ermitteln. Als Kriterien werden genannt: familiäre Verhältnisse (Familienstand und familiäre Bindungen); Dauer und Kontinuität des Auf- enthalts im betreffenden Mitgliedstaat; Beschäftigungssi tuation (Art und spezifische Merkmale einer ausgeübten Tätigkeit, insbesondere der Ort, an dem eine solche Tätigkeit in der Regel ausgeübt wird, Dauerhaftigkeit der Tätigkeit und Dau er des Arbeitsvertrages); Ausübung einer nicht bezahlten Tätigkeit; im Falle von Studierenden ih re Einkommensquelle; Wohnsituation, insbesondere deren dauerhafter Charakter; Mitgliedstaa t, der als der steuerliche Wohnsitz der Person gilt; Gründe für den Wohnortwechsel; Wille der betreffenden Person, wie er sich aus einer Gesamtbetrachtung ergibt. Die in Art. 11 Abs. 1 der Verordnung Nr. 987/2009 enthaltenen Kriterien haben nicht alle dieselbe Gewichtung oder Bedeutung, doch andererseits besteht auch keine Rangfolge zwischen ihnen. Es gibt kein Kriterium da s als massgebend betrachtet werden kann, vielmehr muss jeder Einzelfall nach seinen individu ellen Merkmalen auf Grundlage einer Gesamtbetrachtung aller einschlägigen Fakten und Umstän de bewertet werden (vgl. Prakti- scher Leitfaden zum anwendbaren Recht in der Europäische n Union, im Europäischen Wirt- schaftsraum und in der Schweiz, in: Social Europe, Dezember 2013). Seite 7 5.4 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zwischen Febru ar und September 2016 ge- wöhnlichen Aufenthalt in H.____ hatte. Eine Entsendung erfolgt über einen befristeten Zeitraum und ist ihrer Art nach somit vorüberge- hender Natur. In den Akten befindet sich ein Schriftenwechsel zwischen dem Beschwerdeführer und seiner ehemaligen Arbeitgeberin in C.____ in Bez ug auf die Hintergründe der Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Es handelt sich dabei um Briefe des Beschwerdeführers vom 24. Feb- ruar 2016 und 10. März 2016 sowie um ein Schreiben de r Arbeitgeberin vom 3. März 2016. Als Wohnadresse führte der Beschwerdeführer eine Anschrift in C.____ an, was vermuten lässt, dass er seine Korrespondenz von C.____ aus geführt hat. Aus dem Schreiben des Beschwer- deführers vom 24. Februar 2016 geht hervor, dass der Ei nsatz bei der Firma E.____ Ende De- zember 2015 beendet wurde. Die B.____ unterbreitete ihm drei Optionen für seine berufliche Zukunft: (1) In Europa bleiben als Mitarbeiter von I._ ___, (2) nach C.____ zurückkehren und seine Tätigkeit, welche er vor der Entsendung ausgeübt hatte, wieder aufzunehmen oder (3) die B.____ zu verlassen und seine Karriere anderswo weiterzu verfolgen. Der Beschwerdeführer berichtete, dass die erste Option wiederrufen worden sei , womit nur noch die Optionen zurück in die Heimat oder seinen Job verlieren übrig geblieb en seien. Er habe sich entschieden, nach C.____ zurückzukehren und habe begonnen, eine bezahlbar e Unterkunft zu suchen. Das Budget dafür sei knapp gewesen, da seine Frau weiter hin in der Schweiz habe bleiben und ar- beiten wollen. Es sei ihm schliesslich gelungen, eine entsp rechende Unterkunft zu finden. Die B.____ äusserte mit Schreiben vom 3. März 2016 erhebliche Zweifel an den Rückkehrabsichten des Beschwerdeführers nach C.____. Obwohl der Einsatz be i der E.____ bereits Ende Dezem- ber 2015 beendet worden sei, habe die Arbeitgeberin Flexibilität in Bezug auf seinen weiteren Verbleib in Europa zugesichert, bis er eine passende Un terkunft in C.____ gefunden hätte. Ob- gleich seitens des Versicherten kommuniziert worden sei, dass die Rückreise voraussichtlich zwischen dem 5. und 7. Februar 2016 erfolgen werde, ge be es keine hinreichenden Beweise dafür, dass er tatsächlich bereit gewesen sei, nach C._ ___ zurückzukehren, da weder ein Miet- vertrag noch eine Hypothekarzinsvereinbarung für eine U nterkunft vorgelegt worden sei. Es werde deshalb vermutet, dass der zugesprochene Betrag fü r die Übersiedlung nach C.____ für andere Zwecke genutzt worden und dass die Kündigung seit ens des Beschwerdeführers im Februar 2016 - nur Tage vor der angekündigten Rückkehr i ns Heimatland - geplant gewesen sei. Aufgrund dieser Umstände sprach die Arbeitgeberin i hrerseits die Kündigung aus. Mit Stel- lungnahme vom 10. März 2016 bestritt der Beschwerdefüh rer die Vorwürfe. Es treffe nicht zu, dass er die Firma in Bezug auf seine Rückkehr in die Ir re geführt habe. Seitens der Firma sei ihm zuerst zugesichert worden, dass er nach seiner Rückkehr nach C.____ zu den gleichen Bedingungen wie vor der Entsendung in die Schweiz arbeiten könne. Dies habe die anfallenden Kosten für ein halbes Jahr in einem Appartement Hotel in C.____ beinhaltet und die Flugkosten, damit er seine Frau in der Schweiz an den Wochenenden besuchen könne. Diese Offerte sei jedoch wiederrufen und stattdessen vorgeschlagen worde n, bis zum effektiven Umzug in ein eigenes Haus, in Europa zu bleiben Die Verzögerung der Rückkehr habe somit nicht er ver- schuldet, sondern die Firma mit ihren neuen Vorgaben. Schliesslich habe er ein geeignetes Seite 8 Wohnobjekt gefunden und es sei geplant gewesen, den Mi etvertrag in den Tagen vom 5. bis 7. Februar 2016 zu unterzeichnen. Dieser Termin und folglich der Umzug seien dann aufgrund der herrschenden Unstimmigkeiten in der Firma abgesagt worde n. Genaueres dazu geht nicht aus der Stellungnahme hervor. Weiter erklärte der Beschwer deführer, dass er bereits im Dezember 2015 und im Januar 2015 nach C.____ gereist sei, um sei ne Rückkehr zu organisieren. Es tref- fe also nicht zu, dass er nicht vorgehabt habe, nach C.____ zurückzukehren und seinen alten Job wieder aufzunehmen. 5.5 Die Gesamtumstände weisen darauf hin, dass der Besch werdeführer aufgrund der Differenzen mit seiner Arbeitgeberin zwar nicht Anfan g Februar 2016 nach C.____ zurückge- kehrt ist, diesen Schritt dann aber doch nach seiner K ündigung vollzogen hat. Die Korrespon- denz führte er jedenfalls Ende Februar und anfangs Mär z 2016 von C.____ aus. Er hat somit nach der Entsendung wieder Bindungen zu seinem Heimatl and geknüpft. Es trifft zu, dass er mit seiner Frau ab Februar 2016 zusätzlich eine Wohnung in H.____ gemietet hat, dies aber nur, weil sie noch in der Schweiz gearbeitet hat. Es war offensichtlich schnell klar, dass ein Verbleib in der Schweiz aufgrund der Wohnsituation, der finanziellen Lage und der Arbeitssitua- tion nur von vorübergehender Dauer (vgl. auch Email an die Kasse vom 8. September 2016) sein werde und der Mittelpunkt der Lebensführung sich in C.____ befindet. Der Beschwerdefüh- rer hat deshalb auch intensiv nach Stellen in C.____ gesucht. Schliesslich haben sie die Woh- nung in der Schweiz im September 2016 aufgegeben und sind definitiv nach C.____ zurückge- kehrt. Insgesamt ist die Schlussfolgerung der Kasse, dass d er Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitslosigkeit am 7. März 2016 seinen gewöhnlichen Aufenthalt nicht in der Schweiz hatte, nicht zu beanstanden. Der Anspruch auf Ar beitslosenentschädigung ist deshalb zurecht abgelehnt worden. Die vorliegende Beschwerde ist abzuweisen. 6. Es bleibt über die Kosten für das Beschwerdeverfahre n zu entscheiden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalten Gerich t für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausser- ordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 9 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht