<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">243</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XII. Personalrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>37</b></span> <span class="ft3"><b>§ 10 Abs. 1 lit. c PersG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Inhalt und Funktion der personalrechtlichen Mahnung (wegen Mängeln</b></span><br/> <span class="ft3"><b>in der Leistung oder im Verhalten des Arbeitnehmers); die Mahnung bil-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>det nach aargauischem Recht keine Verfügung. Der Betroffene kann sich</b></span><br/> <span class="ft3"><b>grundsätzlich nicht mittels Klage gegen die Mahnung wehren, soweit die-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>se lediglich an die bestehenden gesetzlichen und vertraglichen (Arbeits-)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Pflichten erinnert bzw. diese konkretisiert und keine neuen Pflichten be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gründet.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 22. April</span><br/> <span class="ft4">2015 in Sachen A. gegen Kanton Aargau (WKL.2015.4).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft8">I.</span><br/> <span class="ft8">6.</span><br/> <span class="ft8">6.1.</span><br/> <span class="ft8">In Antrag 2 verlangt die Klägerin, es seien "Ziff. 1 bis 3 des</span><br/> <span class="ft8">Entscheids des Beklagten vom 19. Juni 2014 (inkl. Verfügung vom</span><br/> <span class="ft8">31. Juli 2013) ersatzlos aufzuheben." Gemäss den entsprechenden</span><br/> <span class="ft8">Ziffern des Entscheids des Generalsekretärs DVI wurden die Mah-</span><br/> <span class="ft8">nung vom 31. Juli 2013 aufrechterhalten (Ziffer 1), die Bewährungs-</span><br/> <span class="ft8">zeit von vier Monaten neu festgelegt (Ziffer 2) und die ursprüngli-</span><br/> <span class="ft8">chen Leistungs- und Verhaltensziele bestätigt (Ziffer 3).</span><br/> <span class="ft8">6.2.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 59 Abs. 1 ZPO tritt das Gericht auf eine Klage ein,</span><br/> <span class="ft8">sofern die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind. Zu den Prozessvor-</span><br/> <span class="ft8">aussetzungen gehört insbesondere, dass die klagende Partei ein</span><br/> <span class="ft8">schutzwürdiges Interesse hat (Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO).</span><br/> <span class="ft8">6.3.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">244</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">6.3.1.</span><br/> <span class="ft8">Die Mahnung mit Ansetzung einer Bewährungszeit gemäss § 10</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 lit. c PersG erfüllt grundsätzlich zwei Funktionen: Einerseits</span><br/> <span class="ft8">hält der Mahnende dem Betroffenen eine Vertragsverletzung vor und</span><br/> <span class="ft8">mahnt ihn zu künftigem vertragsgemässem Verhalten (Rügefunk-</span><br/> <span class="ft8">tion), andererseits drückt sie die Androhung einer Sanktion aus</span><br/> <span class="ft8">(Warnfunktion). Die Mahnung bildet eine Massnahme zum Schutz</span><br/> <span class="ft8">der Angestellten, da eine ordentliche Kündigung wegen Mängeln in</span><br/> <span class="ft8">der Leistung oder im Verhalten grundsätzlich nur rechtmässig ist,</span><br/> <span class="ft8">wenn zuvor erfolglos gemahnt wurde. Der Mahnung nach § 10</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 lit. c PersG kommt insofern die gleiche Bedeutung zu wie</span><br/> <span class="ft8">derjenigen nach Art. 12 Abs. 6 lit. b des Bundespersonalgesetzes</span><br/> <span class="ft8">vom 24. März 2000 in der bis zum 30. Juni 2013 in Kraft stehenden</span><br/> <span class="ft8">Fassung (aBPG; AS 2001 894; vgl. Urteil des Bundesverwaltungs-</span><br/> <span class="ft8">gerichts vom 18. September 2008 [A-8518/2007], Erw. 4.2 mit zahl-</span><br/> <span class="ft8">reichen Hinweisen). Ebenfalls vergleichbar ist sie mit der (privat-</span><br/> <span class="ft8">rechtlichen) Verwarnung, welche unter Umständen notwendig ist, da-</span><br/> <span class="ft8">mit (bei einem erneuten Fehlverhalten) ein wichtiger Grund für eine</span><br/> <span class="ft8">fristlose Entlassung gemäss Art. 337 OR zu bejahen ist (vgl. U</span><span class="ft4">LLIN</span><br/> <span class="ft8">S</span><span class="ft4">TREIFF</span><span class="ft8">/A</span><span class="ft4">DRIAN VON</span> <span class="ft8">K</span><span class="ft4">AENEL</span><span class="ft8">/R</span><span class="ft4">OGER</span> <span class="ft8">R</span><span class="ft4">UDOLPH</span><span class="ft8">, Arbeitsvertrag,</span><br/> <span class="ft8">7. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, Art. 337 OR N 13).</span><br/> <span class="ft8">Die Mahnung gemäss § 10 Abs. 1 lit. c PersG ist zu unterschei-</span><br/> <span class="ft8">den vom Verweis gemäss § 36 PersG. Dabei handelt es sich um eine</span><br/> <span class="ft8">(lediglich für Beamtinnen und Beamte, d.h. auf Amtsdauer gewählte</span><br/> <span class="ft8">Mitarbeitende vorgesehene) Disziplinarmassnahme. Sie kann erst</span><br/> <span class="ft8">nach Durchführung eines Disziplinarverfahrens angeordnet werden</span><br/> <span class="ft8">und hat Sanktionscharakter (vgl. analog Art. 25 BPG).</span><br/> <span class="ft8">6.3.2.</span><br/> <span class="ft8">In Bezug auf Art. 12 Abs. 6 lit. b (a)BPG stellte sich bereits</span><br/> <span class="ft8">wiederholt die Frage, ob die Mahnung in der Form einer Verfügung</span><br/> <span class="ft8">zu erfolgen hat oder nicht. Gemäss der Rechtsprechung entscheidet</span><br/> <span class="ft8">sich dies danach, ob mit der Mahnung in rechtlich geschützte Interes-</span><br/> <span class="ft8">sen eingegriffen wird. Soweit dies nicht der Fall ist bzw. soweit die</span><br/> <span class="ft8">Mahnung nicht über die gesetzlichen und vertraglichen Vorgaben</span><br/> <span class="ft8">hinausgeht, erfolgt die Mahnung nach Art. 12 Abs. 6 lit. b (a)BPG</span><br/> <span class="ft8">grundsätzlich nicht in der Form einer Verfügung; entsprechend kann</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">dagegen keine Beschwerde erhoben werden (Urteil des Bundesver-</span><br/> <span class="ft8">waltungsgerichts vom 23. Mai 2011 [A-6708/2010]; Urteil des Bun-</span><br/> <span class="ft8">desgerichts vom 8. März 2010 [8C_358/2009], Erw. 4.3.1; Urteil des</span><br/> <span class="ft8">Bundesverwaltungsgerichts</span> <span class="ft8">vom</span> <span class="ft8">18. September</span> <span class="ft8">2008</span> <span class="ft8">[A-</span><br/> <span class="ft8">8518/2007], Erw. 4.4 mit weiteren Hinweisen auf Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft8">und Lehre). Kommt es in der Folge zu einer Kündigung, so kann sich</span><br/> <span class="ft8">der Betroffene gegen die entsprechende Verfügung zur Wehr setzen</span><br/> <span class="ft8">und in einem allfälligen Beschwerdeverfahren (auch) geltend ma-</span><br/> <span class="ft8">chen, sie sei mitunter deshalb unrechtmässig, weil bereits die Mah-</span><br/> <span class="ft8">nung nicht gerechtfertigt gewesen sei (Urteil des Bundesverwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsgerichts vom 23. Mai 2011 [A-6708/2010], Erw. 3.2.2). Analog</span><br/> <span class="ft8">lässt sich die Rechtmässigkeit einer privatrechtlichen Verwarnung</span><br/> <span class="ft8">nicht separat mittels Klage überprüfen<i>.</i> Wird aber eine fristlose Kün-</span><br/> <span class="ft8">digung gemäss Art. 337 OR ausgesprochen, so ist im Rahmen deren</span><br/> <span class="ft8">Überprüfung unter Umständen auch darüber zu befinden, ob die all-</span><br/> <span class="ft8">fällige vorgängige Verwarnung gerechtfertigt war oder nicht.</span><br/> <span class="ft8">6.3.3.</span><br/> <span class="ft8">Wie bereits erwähnt (vorne Erw. 6.3.1), bildet nach dem aar-</span><br/> <span class="ft8">gauischen Recht die Mahnung gemäss § 10 Abs. 1 lit. c PersG keine</span><br/> <span class="ft8">Verfügung. Analog zur zitierten Rechtsprechung zu Art. 12 Abs. 6</span><br/> <span class="ft8">lit. b (a)BPG sowie zu Art. 337 OR lässt sich jedoch festhalten, dass</span><br/> <span class="ft8">die Mahnung - soweit sie lediglich an die bestehenden gesetzlichen</span><br/> <span class="ft8">und vertraglichen (Arbeits-)Pflichten erinnert bzw. diese näher aus-</span><br/> <span class="ft8">führt, jedoch keine neuen (Arbeits-)Pflichten begründet - keine</span><br/> <span class="ft8">schutzwürdigen Interessen tangiert. Demzufolge kann sich der Be-</span><br/> <span class="ft8">troffene grundsätzlich nicht mittels Klage gegen die Mahnung weh-</span><br/> <span class="ft8">ren.</span><br/> <span class="ft8">Derselbe Schluss ergibt sich auch aus anderen Gründen: Erweist</span><br/> <span class="ft8">sich eine Kündigung nachträglich als widerrechtlich, hat der Be-</span><br/> <span class="ft8">troffene Anspruch auf eine Entschädigung von maximal sechs Mo-</span><br/> <span class="ft8">natslöhnen (§ 12 Abs. 1 PersG in Verbindung mit Art. 336a Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">OR); ein Anspruch auf Wiedereinstellung besteht nicht (§ 12 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">PersG). Eine Kündigung ist mithin unabhängig davon, ob sie wider-</span><br/> <span class="ft8">rechtlich ist oder nicht, stets rechtsgültig (Ausnahme: Nichtigkeit).</span><br/> <span class="ft8">Dies gilt namentlich auch für den Fall, dass wegen Mängeln in der</span><br/> <span class="ft8">Leistung oder im Verhalten gekündigt wurde, ohne dass vorgängig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">246</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">eine Mahnung erfolgt wäre. Die Mahnung ist mithin nicht Gültig-</span><br/> <span class="ft8">keitsvoraussetzung für eine allfällige spätere Kündigung. Selbst mit</span><br/> <span class="ft8">einer erfolgreichen Klage betreffend die Mahnung könnte somit eine</span><br/> <span class="ft8">rechtsgültige Kündigung nicht verhindert werden. Auch daraus ergibt</span><br/> <span class="ft8">sich, dass ein schutzwürdiges Interesse an einer entsprechenden</span><br/> <span class="ft8">Klage fehlt.</span><br/></div> </div> </body> </html>