B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4847/2011/sed U r t e i l v o m 2 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Carlo Häfeli, Rechtsanwalt, Wyss & Häfeli Rechtsanwälte, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. August 2011 / N (…). D-4847/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen Hei - matstaat am 13. Februar 2007 (…) in Richtung B._______, wo er sich bis zum (…) aufhielt. Daraufhin reiste er nach C._______ weiter, wo er sich (…) bis zum (…) aufhielt. Am (…) nach D._______. Von dort gelangte er am 10. August 2010 auf dem Luftweg in die Schweiz. Tags darauf suchte er im Flughafen Zürich-Kloten um Asyl nach. Mit Verfügung des BFM vom 11. August 2010 wurde ihm die Einreise in die Schweiz vorläufig verwe i- gert und für die Dauer des Asylverfahrens, maximal 60 Tage, der Transi t- bereich des Flughafens als Aufenthaltsort zugewiesen. Dort wurde er am 13. Mai 2010 befragt und, in Anwesenheit eines Hilfswerksvertreters, am 25. August 2010 durch das Bundesamt angehört. Am 2 6. August 2010 wurde ihm die Einreise zur Prüfung des Asylgesuchs bewilligt. Der Beschwerdeführer – der auch handschriftliche Notizen auf sich trug (vgl. dazu nachstehend Bst. B . und E. 5.1.2.) – machte im Wesentlichen geltend, er sei sri -lankischer Staats angehöriger tamilischer Ethnie und stamme aus E._______ im Distrikt Jaff na. Seine Familie habe im Zei t- raum vo n (…) in F._______ gelebt und sei anschliessend nach G._______ gezogen. Seine Mutter sei im Jahr (…) festgenommen und während (…) in Haft gehalten worden, bevor man sie auf gerichtlichen Beschluss hin freigelassen habe. Er sei zirka (…) Jahre lang zur Schule gegangen, bevor er den Schulbesuch im Jahr (…) abgebrochen habe. Die sri-lankischen Sicherheitskräfte hätten nämlich zu Hause eine Durc h- suchung vorgenommen, wobei sie ihn und H._______ geschlagen hätten. Während H._______ auf Geheiss seiner Mutter nach Malaysia ausgereist sei, sei er weiterhin in N._______ zur Schule gegangen. Auf dem Rück- weg sei er einmal von Soldaten angehalten und geschlagen worden. Sei- ne Mutter habe beschlossen, auch ihn ausreisen zu lassen. Bei einer al l- fälligen Rückkehr nach Sri Lanka befürchte er, inhaftiert zu werden. Für die weiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. B. Mit Verfügung vom 11. August 2011 – eröffnet am 13. August 2011 – stell- te das Bundesamt fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingse i- genschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und beauftrag- te den Kanton Zürich mit dem Vollzug. D-4847/2011 Seite 3 Zur Begründung führte das BFM im Wesent lichen aus, die geltend g e- machten Verfolgungsvorbringen genügten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht. So seien die Aussagen des Beschwerdeführers betreffend den Zeitpunkt der Hausdurchsuchung und den Vorfall auf dem Rückweg von der Schule widersprüchlich. Zudem hätte er gemäss seinen handschriftlichen Notizen – entgegen seinen Aussagen und den Eintr ä- gen in dem von i hm verwendeten (…) Reisepass, wonach er Sri Lanka am 13. Februar 2007 verlassen und sich in der Folge bis zur Einreise in die Schweiz in B._______, C._______ und D._______ aufgehalten habe – im Zeitraum von (…) in einem (…) in I._______ gearbeitet, wäre am (…) nach J._______ gegangen und hätte sich ab dem (…) dort im von der Armee kontrollierten Gebiet und daraufhin in G._______ in (…) auf- gehalten, wo er geschlagen worden sei. Sein Vorbringen anlässlich der Befragung im Flughafen, er müsse befürchten, von d en sri -lankischen Behörden inhaftiert zu werden, weil diese ihn verdächtigt hätten, den L i- beration Tiger of Tamil Eelam (LTTE) anzugehören, habe er im Rahmen der einlässlichen Anhörung nicht mehr geltend gemacht; abgesehen d a- von würde dieses keinen Sinn ergeben, zumal er seinen Angaben zufolge im Jahr (…) auf der Reise nach K._______ (…) unter Vorweisung von (…) kontrolliert und ihm dort anschliessend ein (…) ausgestellt worden sei, mit welchem er in der Folge über den Flughafen von K._______ (…) aus seinem Heimatstaat ausgereist sei ; dies wäre aber nicht möglich ge- wesen, wenn er von den Behörden tatsächlich verdächtigt worden wäre, den LTTE anzugehören oder diese zu unterstützen, zumal in Sri Lanka gegen Personen, welche ernsthaft im Verdacht stü nden, eine Gefahr für die Sicherheit des sri -lankischen Staates darzustellen, konsequent b e- hördlicherseits vorgegangen würde. Der Vollzug der Wegweisung sei z u- lässig, zumutbar und möglich. Namentlich stamme der Beschwerdeführer aus dem Distrikt Jaffna und habe mehrere Jahre in G._______ im gleich- namigen Distrikt gelebt; er verfüge in seinem Heimatstaat über ein famil i- äres und soziales Beziehungsnetz und sei angeblich sowohl dort als auch im Ausland in den Genuss einer guten Ausbildung gekommen. C. Mit Eingabe vom 2. September 2011 (Datum des Poststempels) an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer durch se i- nen Re chtsvertreter unter Kosten und Entschädigungsfolge, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle; eventualiter sei für den Fall, dass ihm kein Asyl gewährt werde, die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs fes t- zustellen und die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der D-4847/2011 Seite 4 Schweiz anzuordnen ; subeventualiter sei der Vollzug der Wegweisung auf Ende des Jahres 2011 zu verschieben, damit der Beschwerdeführer bei einem allfälligen negativen Entscheid seine nächsten Schritte mö g- lichst sorgfältig planen könne . Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Zwischenverfügung vom 8. September 2011 teilte das Bundesverwal- tungsgericht dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Ve r- fahrens in der Schweiz abwarten könne , und s etzte ihm Frist bis zum 23. September 2011 zur Lei stung eines Kostenvorschusses an. Dieser wurde am (…) bezahlt. E. E.a. Mit Vernehmlassung vom 7. März 2012 beantragte das Bundesamt die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte es aus, die Be - schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunkts rechtfertigten, und verwies auf seine Erwägungen, an welchen es festhielt. E.b. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 8. März 2012 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde s- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). D-4847/2011 Seite 5 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerde- führer hat am Verfahren vor der Vorin stanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Nachdem der erhobene Kostenvorschuss fristgerecht eingezahlt wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bund esrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken; d en frauenspezifischen Flucht- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. D-4847/2011 Seite 6 5.1. In der Beschwerde wird an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen fes t- gehalten. 5.1.1. So habe der Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen im erst- instanzlichen Asylverfahren keine widersprüchlichen Aussagen betreffend Hausdurchsuchung und physische Gewalt gemacht, zumal sowohl am (…) als auch im (…) eine Hausdurchsuchung vorgenommen und der Be- schwerdeführer und H._______ geschlagen worden seien; auch sei der Beschwerdeführer sowohl am (…) als auch am (…) auf dem Weg nach Hause von Soldaten geschlagen worden; H._______ sei nach der ersten Hausdurchsuchung nach C._______ ausgereist, während der Beschwe r- deführer weiterhin zur Schule gegangen sei, aber nach der erneuten Hausdurchsuchung und den physischen Angriffen auf Geheiss sein er Mutter Sri Lanka am 13. Februar 2007 verlassen habe. Somit sei die W i- dersprüchlichkeit der Aussagen relativiert und die Chronologie der Daten in sich kohärent; dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung im Flughafen und der einlässlichen Anhörun g jeweils nur zwei Daten g e- nannt habe, könne mit seiner Verunsicherung erklärt werden, zumal er sich nicht bewusst gewesen sei, dass er alle Vorkommnisse er wähnen müsse (...). Diese Einwände in der Beschwerde erweisen sich als unbehelflich. So verneinte der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung im Flughafen, nachdem er die Hausdurchsuchung vom (…) und den Vorfall vom (…) auf dem Schulweg geschildert hatte, die Frage nach weiteren Gründen, we l- che ihn zur Ausreise aus seinem Heimatstaat veranlasst hätten bezie- hungsweise gab zu Protokoll, dass er gerne seine Schulausbildung in Sri Lanka fortgesetzt hätte, ihm jedoch von seiner Mutter vorgeschlagen worden sei, in die Schweiz zu ge hen (…); auch anlässlich der Anhörung vom 25. August 2010 verneinte er nach der Erwähnung der Hausdurch- suchung von (…) und des Vorfalls vom (…) auf dem Schulweg die Frage nach weiteren Vorfällen, wobei er versuchte, die beiden von ihm anläs s- lich der Befragung im Flughafen auf das Jahr (…) datierten Ereignisse auf das Jahr (…) zu vers chieben ( ...). Mithin kann keine Rede davon sein, dass in den beiden Jahren jeweils eine Hausdurchsuchung stattgefunden und sich ein Vorfall auf dem Schulweg zugetragen hätte. 5.1.2. Im Zusammenhang mit den in Widerspruch zu den protokollierten Aussagen stehenden handschriftlichen Notizen des Beschwerdeführers wird in der Rechtsmitteleingabe eingewendet, dieser habe – auf der Flucht darauf angewiesen, jegliche Hilfe annehmend – von seinem D-4847/2011 Seite 7 Schlepper vor der Einreise in die Schweiz per E -Mail einen verfälschten Lebenslauf erhalten, und diese Notizen nicht beseitigt, weil er Angst d a- vor gehabt habe, zu gestehen, einen gefälschten Lebenslauf auf sich zu tragen und diesen eventuell zu verwenden; zudem habe er diese Notizen nicht verwendet, hätte also nichts zu verbergen gehabt und keine fa l- schen Angaben zu seiner Vergangenheit und den obgenannten Vorfällen gemacht (…). Auch aus diesen Einwänden vermag der Beschwerdeführer nichts zu se i- nen Gunsten abzuleiten. So bleibt seine angebliche Furcht vor negativen Konsequenzen für den Fall, dass er die Falschheit der Notizen nicht aus dem Weg räume, nicht nachvollziehbar beziehungsweise ist nicht schlü s- sig, weshalb er die angeblich auch Falschinformationen zu seinen Verfol- gungsvorbringen enthaltenden Notizen nicht vernichtete, wenn er auf die- se im Zusammenhang mit der Darlegung seiner Asylvorbringen im ersti n- stanzlichen Verfahren nicht angewiesen gewesen wäre und dort wah r- heitsgetreue Angaben gemacht hätte. Vielmehr stellt das Vorhandensein von handschriftlichen Notizen, welche auch in Bezug auf die Verfolgungs- vorbringen in Widerspruch zu den Aussagen des Beschwerdeführers st e- hen, ein Indiz dafür dar, dass es sich bei diesen um ein Konstrukt handelt und der Beschwerdeführer mangels eigener plausibler Ausreisegründen darauf angewiesen war, sich solche bei einer "sachkundigen" Drittperson zu beschaffen. 5.1.3. Schliesslich ergibt die Überprüfung der Akten, dass die vom B e- schwerdeführer geltend gemachte Furcht vor einer Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden wegen Verdachts der Zugehörigkeit zu den LTTE durch die Vorinstanz mit zutreffender Begründung verneint wurde (vgl. vorstehend Bst. B.), und vermögen die Ausführungen in der Beschwerde den vorinstanzlichen Erwägungen nichts entgegenzusetzen (vgl. B e- schwerde S. 5 f.). 5.2. Im Weiteren vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers – un- geachtet der Frage ihrer Glaubhaftigkeit – auch den Anforderungen an die Asylrelevanz nicht zu genügen. 5.2.1. Der Krieg zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen; die LTTE wurden zerschlagen und das ganze Land befindet sich wieder unter Regierungskontrolle. Seither hat sich die Sicherheitslage in Sri Lanka deutlich stabilisiert; insbesondere ist D-4847/2011 Seite 8 es zu keinen terroristischen Aktivitäten der LTTE oder ihnen nahestehe n- den Gruppierungen mehr gekommen. Trotz dieser Verbesserung der allgemeinen Lage sind gewisse Personen auch nach Kriegsende noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausg e- setzt. Dies betrifft insbesondere Personen, die enger Verbindungen zu den LTTE verdächtigt werden, politische Dissidenten und Oppositionspoli- tiker, kritisch auftretende Journalisten und Medienschaffende oder Pers o- nen, die als Opfer oder Zeugen schwerer Menschenrechtsverstösse en t- sprechende juristische Schritte einleiteten. 5.2.2. Wie oben (vgl. vorstehend E. 5. 1.) aufgezeigt wurde, vermochte der Beschwerdeführer jedoch nicht glaubhaft zu machen, von den sri - lankischen Behörden zu Unrecht der Zugehörigkeit zu den LTTE verdäch- tig und behelligt worden zu sein. Es bestehen daher – entgegen der in der in der Rechts mitteleingabe (vgl. S. 4 ff.) vertretenen Ansicht – keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer im Falle seiner Rüc k- kehr nach Sri Lanka zum jetzigen Zeitpunkt eine begründete Furcht vor asylbeachtlicher Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG haben müsste. 5.3. Nach dem Gesagten erweisen sich die vom Beschwerdeführer ge l- tend gemachten Verfolgungsvorbringen zum einen als überwiegend nicht glaubhaft und zum andern als asyl - beziehungsweise flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Auf grund der vorstehenden Erwä gungen erübrigt es sich, auf die weiteren Aus führungen in der Beschwerde einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern können. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine fremdenpolizeili che Aufenthaltsbewilligung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinwei - sen). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nic ht zumutbar oder nicht D-4847/2011 Seite 9 möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf nahme von Auslä n- dern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Au sländerinnen und Aus länder [AuG, SR 142.20]). 7.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun - gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän - ders in den Heimat -, Herkunfts - oder in einen Drittstaat entgegenste - hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 7.1.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein s olches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK er- füllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb- liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des fl üchtlingsrechtlichen Rückschi e- bungsverbots vorliegend nicht zur Anwendung gelangen. Der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.1.2. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. Weder aus den Aussagen des Besc hwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach D-4847/2011 Seite 10 Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausg e- setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Me n- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Falle einer Rückschiebung Folt er oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Es besteht kein konkreter Anlass z ur Annahme, dem B e- schwerdeführer würde bei einer Rückkehr in sein Heimatland eine me n- schenrechtswidrige Behandlung drohen, zumal es ihm – wie oben unter E. 5.1. festgehalten wurde – nicht gelungen ist, die Zweifel an der Glau b- haftigkeit seiner Verfolgungssituation zu beseitigen. 7.1.3. Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn s ie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind, Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.; Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.2.1. Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Urteil BVGE 2008/2 zur Frage d er Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka eine Lageanalyse vor. Gemäss der damals festgelegten Praxis war bei abg e- wiesenen Asylsuchenden tamilischer Ethnie, die aus der Region Colombo oder deren Umgebung stammen, grundsätzlich von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete auszugehen (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.1 S. 20). In die Nord - und Ostprovinzen war der Wegweisungsvoll- zug hingegen unzumutbar (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.2 S. 21). 7.2.2. Im zur Publikation bestimmten Urteil E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 hat das Bundesverwaltungsgericht angesichts der veränderten Lage nach dem Ende des sri -lankischen Bürgerkriegs im Mai 2009 eine erne u- te Beurteilung vorgenommen. In Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist es dabei zur Einschätzung gelangt, dass D-4847/2011 Seite 11 der Wegweisungsvollzug in das sogenannte "Vanni -Gebiet" weiterhin un- zumutbar ist. Für Personen, die aus dem übrigen Staatsgebiet stammen und dorthin zurückkehren, ist der Wegweisungsvollzug hingegen grun d- sätzlich zumutbar (v gl. Urteil E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1.2 und 13.3). 7.2.3. Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna in der Nor d- provinz und war im Zeitraum von (…) bis zu seiner Ausreise im Jahr Feb- ruar 2007 in der Nähe von G._______ wohnhaft, wo sich (…) weiterhin aufhalten. Er hat die Schulen während insgesamt (…) Jahren besucht, (…). Von G._______ konnte er problemlos nach K._______ reisen. Wäh- rend seines Aufenthalts in B._______ absolvierte er (…). L._______ be- sitzt (…); im Ausland wurde der Beschwe rdeführer von M._______ finan- ziell unterstützt (...), was es ihm erlaubte, sich nach der Ausreise aus dem Heimatstaat während mehr als drei Jahren ohne Erwerbstätigkeit in B._______, C._______ und D._______ aufzuhalten, bevor er in die Schweiz gelangte. In den Distrikt Jaffna ist der Wegweisungsvollzug g e- mäss den obigen Ausführungen (vgl. E. 7.2.2.) grundsätzlich zumutbar. Im nahe gelegenen Distrikt G.______ verfügt der Beschwerdeführer über ein familiäres Beziehungsnetz. Zudem leidet der noch junge Beschwerde- führer, soweit aktenkundig, an keinen schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Demnach liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat aus ind i- viduellen Gründen wirtschaftlicher oder sozialer Natur in eine existenzbe- drohende Situation geraten würde. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Auffassung – in genereller und individueller Hinsicht als zumutbar b e- zeichnet werden. 7.3. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu - ständigen Vertretung seines Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der Weg weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.4. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu be s- tätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). D-4847/2011 Seite 12 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemesse n ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten auf Fr. 600.– festzu- setzen (vgl. Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) und dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Sie sind mit dem am (…) in gleicher Höhe geleisteten Kos- tenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-4847/2011 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: