Entscheid vom 24. Oktober 2012 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud, Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja Parteien A. AG, vertreten durch Rechtsanwalt Walter Wagner, Beschwerdeführerin gegen STAATSANWALTSCHAFT DES KANTONS NIDWALDEN, Beschwerdegegnerin Gegenstand Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Frank- reich Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: RR.2012.97 - 2 - Sachverhalt: A. Der Premier Juge d'instruction auprès du Tribunal de Grand e Instance de Paris führt gegen B. sowie zahlreiche weitere Personen ein St rafverfahren wegen Urkundenfälschung, Betrugs, Veruntreuung, Geldwäscherei und ir- reführender Werbung. In diesem Zusammenhang gelangte der französ i- sche Untersuchungsrichter mit Rechtshilfeersuchen vom 22. J uni 2010 an die Schweiz und ersuchte unter a nderem um Bankermittlung bei de r Bank C. in St. Gallen bezüglich sämtlicher Konten, welche auf die D. AG lauten bzw. an welchen die D. AG oder B. wirtschaftlich Berechtigte sind oder für welche die D. AG oder B. eine Vollmacht verfügen , für den Zeitraum ab 1. Januar 2002 bis 22. Juni 2010 (Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 35 f.). B. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") bestimmte am 4. A u- gust 2010 den Kanton Nidwalden als Leitkanton für die Erledigung aller Rechtshilfehandlungen betreffend das französi sche Rechtshilfebegehren (Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 1). C. Mit Eintretensverfügung vom 6. September 2010 ersuchte das Verhöramt des Kantons Nidwalden (nachfolgend "Verhöramt") die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen unter anderem um Anordnung der Edition der Bankunterlagen bei der Bank C. in St. Gallen (Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 110). Die Staatsanwaltschaft St. Gallen erliess am 8. September 2010 die entsprechende Editionsverfügung (Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 131). Am 20. September 2010 erging die Zwischenverfügung betreffend Konto- sperre des Verhöramtes (Verfahrensakten Ordner 1 Urk. 137). Die Bank C. teilte der Staatsanwaltschaft St. Gallen mit Schreiben vom 27. September 2010 mit, die Nachforschungen hätten ergeben, dass B. unter andere m wirtschaftlich Berechtigter an den Konten der A. AG sei (Verfahrensakten Ordner 3 Urk. 1). D. Mit Schlussverfügung vom 26. März 2012 entsprach die Staatsanwaltschaft des Kantons Nidwalden dem Rechtshilfeersuchen und ordnete unter and e- rem die Herausgabe der Bankunterlagen der Bank C. betreffend die Konten Nr. 1 und Nr. 2 lautend auf die A. AG an (act. 1.2). E. Gegen diese Verfügung lässt die A. AG bei der Beschwerdeka mmer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben mit den Anträgen, es sei die Schlussverfügung vom 26. März 2012 aufzuheben, und die Herausgabe der von der Vorinstanz bei der Bank C. heraus verlangten Dokumente an die rechtshilfeersuchende Behörde zu verweigern. Eventualiter sei die A n- gelegenheit an die Vorinstanz zur Durchführung einer Tria ge und zur G e- währung des rechtlichen Gehörs zurückzuweisen (act. 1 S. 2). Während die - 3 - Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme verzichtet (act. 6), bea ntragt das BJ in seiner Eingabe vom 29. Mai 2012, die Beschwerde sei abzuwe i- sen (act. 7). Die Beschwerde führerin hält in der Replik vom 25. Juni 2012 vollumfänglich an ihren in der Beschwerde gemachten Anträgen fest (act. 10). Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. Für die akzessorische Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Frankreich sind in erster Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 (EU eR; SR.0351.1), der zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Französischen Rep u- blik abgeschlossene Vertrag vom 28. Oktober 1996 zur Ergänzung des E u- er (SR.0.351.934.92) sowie die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Überei n- kommens vom 19. Juni 1990 zur Dur chführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 – 62) massgebend. S o- weit das Staatsvertragsrecht bestimmte Fragen nicht abschliessend regelt, gelangt d as schweizerische Landesrecht, namentlich das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV; SR 351.11), zur Anwen dung (vgl. Art. 1 Abs. 1 IRSG). Das innerstaatliche Recht gilt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann, wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 137 IV 22 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (vgl. BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c S. 616 ff.). 2. 2.1 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG). Ein schutzwürdiges Interesse liegt nicht schon dann vor, wenn jemand i r- gendeine Beziehung zum Streitobjekt zu haben behauptet. Vielmehr muss eine vom einschlägigen Bundesrecht erfasste "spezifische Beziehungsn ä- he" darg etan sein. Eine bloss mittelbare Betroffenheit genügt hingegen nicht (BGE 129 II 268 E. 2.3.3 S. 269; 128 II 211 E. 2.2 S. 216 f.; 127 II 104 - 4 - E. 3 S. 107 ff., 198 E. 2d S. 205; 126 II 258 E. 2d S. 259; 125 II 356 E. 3b/aa S. 361 f.; 123 II 153 E. 2b S. 156 , je mit Hinweisen; TPF 2010 47 E. 2.1 S. 48). Als persönlich und direkt betroffen (im Sinne von Art. 80 h lit. b und Art. 21 Abs. 3 IRSG) wird im Falle der Erhebung von Konteninforma - tionen der jeweilige Kontoinhaber angesehen (Art. 9 a lit. a IRSV; BGE 118 Ib 547 E. 1d; BGE 122 II 130 E. 2b; TPF 2007 79 E. 1.6). Für bloss indirekt Betroffene, insbesondere Personen, die zwar in den erhobenen Kontenu n- terlagen erwähnt werden, aber nicht direkt von Zwangsmassnahmen b e- troffen bzw. Inhaber der fraglichen Konten sind, ist die Beschwerdebefugnis grundsätzlich zu verneinen (BGE 129 II 268 E. 2.3.3 S. 269; 123 II 153 E. 2b S. 157, 161 E. 1d S. 164, je mit Hinweisen; 122 II 130 E. 2b S. 132 f.). Die Beschwerdeführerin ist Inhaberin der Konten Nr. 1 und Nr. 2 der Bank C. Diesbezüglich ist ihre Beschwerdelegitima tion im Sinne der oben erlä u- terten Bestimmungen gegeben, weshalb in diesem Umfang auf ihre B e- schwerde einzutreten ist. Darüber hinaus ist auf die Beschwerde nicht ei n- zutreten, da die weiteren angefochtenen Recht shilfemassnahmen Kont o- beziehungen betreffen, die nicht auf sie lauten. 2.2 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Schlussverfügung der ausführenden kantonale n Behörde in internationalen Rechtshilfeang e- legenheiten, gegen welche innert 30 Tagen ab der schriftlichen Mitteilung bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden kann (Art. 80 e Abs. 1 i.V.m. Art. 80 k IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG; Art. 19 Abs. 2 des Organisationsreglements für das Bunde s- strafgericht vom 31. August 2010, SR 173.713.161). Die Schlussverfügung vom 26. März 2012 ist mit Beschwerde vom 26. April 2012 fristgerecht angefochten worden. 3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie p rüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren der Rechtshilfe allenfalls entgegenstehenden Gründen zu forschen, die aus der Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 123 II 134 E. 1d S. 136 f.; 122 II 367 E. 2d S. 372, mit Hinweisen). Ebenso wenig muss sich die urteilende I n- stanz nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit allen Parteistan d- punkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen au s- drücklich widerlegen. Sie kann si ch auf die für ihren Entscheid wesentl i- chen Punkte beschränken, und es genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess und auf we l-- 5 - che sich ihr Entscheid stützt (Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004, E. 5.2, mit weiteren Hinweisen). 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin moniert zunächst, dass der Sachverhalt im Rechtshilfeersuchen verworren dargestellt sei. Es sei nicht möglich, den Sachverhalt unter das Schweizerische Recht zu subsumieren, sodass k ei- ne Schlussfolgerungen in Bezug auf die doppelte Strafbarkeit gemacht werden könnten (act. 1 S. 7 f.; act. 10 S. 2 f.). 4.2 In formeller Hinsicht muss das Rechtshilfeersuchen insbesondere Angaben über den Gegenstand und den Grund des Ers uchens enthalten (Art. 14 Ziff. 1 lit. b EUeR). Ausserdem muss das Ersuchen namentlich bei Herau s- gabe von Beweismitteln wie in casu die strafbare Handlung bezeichnen und eine kurze Darstellung des Sachverhalts enthalten (Art. 14 Ziff. 2 i.V.m. Art. 3 Ziff. 1 EUeR). Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG i.V.m. Art. 10 IRSV stellen entsprechende Anforderungen an das Rechtshilfeersuchen. Diese Ang a- ben müssen der ersuchten Behörde die Prüfung erlauben, ob die doppelte Strafbarkeit gegeben ist (vgl. Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR), ob die Handlungen, wegen denen um Rechtshilfe ersucht wird, nicht politische oder fiskalische Delikte darstellen (Art. 2 lit. a EUeR) und ob der Grundsatz der Verhältni s- mässigkeit gewahrt wird (BGE 129 II 97 E. 3.1 S. 98 f. m.w.H.). Die Rechtsprechung stellt an di e Schilderung des Sachverhalts im Recht s- hilfeersuchen keine hohen Anforderungen. Von den Behörden des ers u- chenden Staates kann nicht verlangt werden, dass sie den Sachverhalt, der Gegenstand des hängigen Strafverfahrens bildet, bereits lückenlos und völ- lig widerspruchsfrei darstellen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck des Rechtshilfeverfahrens nicht vereinbar, ersucht doch ein Staat einen and e- ren gerade deswegen um Unterstützung, damit er die bisher im Dunkeln gebliebenen Punkte aufgrund von Beweismitteln, di e sich im ersuchten Staat befinden, klären kann. Es reicht daher aus, wenn die Angaben im Rechtshilfeersuchen den schweizerischen Behörden ermöglichen zu pr ü- fen, ob ausreichend konkrete Verdachtsgründe für eine rechtshilfefähige Straftat vorliegen, ob Verweigerungsgründe gegeben sind bzw. in welchem Umfang dem Begehren allenfalls entsprochen werden muss. Es kann auch nicht verlangt werden, dass die ersuchende Behörde die Tatvorwürfe b e- reits abschliessend mit Beweisen belegt. Der Rechtshilferichter hat weder Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Bewei s- würdigung vorzunehmen, sondern ist vielmehr an die Sachdarstellung im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet wird ( BGE 133 IV 76 E. 2.2 S. 79; 132 - 6 - II 81 E. 2.1 S. 85; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2009.39 vom 22. September 2009, E. 8.1; RR.2008.158 vom 20. November 2008, E. 5.3, je m.w.H). 4.3 Die Vertragsparteien des EUeR können sich das Recht vorbehalten, die Er- ledigung von Rechtshilfeersuchen um Durchsuchung oder Beschlagnahme von Gegenständen der Bedingung zu unterwerfen, dass die dem Ersuchen zugrunde liegende strafbare Handlung sowohl nach dem Recht des ers u- chenden als auch nach dem des ersuchten Staates strafbar ist (Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR). Die Schweiz hat für den Vollzug von Rechtshilfeersuchen, mit welchen Zwangsmassnahmen beantragt werden, einen entsprechenden Vorbehalt angebracht. Art. 64 Abs. 1 IRSG bestimmt für die akzessorische Rechtshilfe, dass prozessuale Zwangsmassnahmen nur angewendet we r- den dürfen, wenn aus der Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen hervorgeht, dass die im Ausland verfolgte Handlung die objektiven Merkmale eines nach schweizerischem Recht strafbaren Tatbestandes aufweist. Für die Frage der beidseitigen Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist der im Rechtshilfeersuchen dargelegte Sachverhalt so zu subsumieren, wie wenn die Schweiz wegen des analogen Sachverhalts ein Strafverfahren eingeleitet hätte (BGE 132 II 81 E. 2.7.2 S. 90; 129 II 462 E. 4.4 S. 465). Zu prüfen ist mithin, ob der im Ausland verübte inkriminierte Sachverhalt, s o- fern er – analog – in der Schweiz begangen worden wäre, die Tatb e- standsmerkmale einer schweizerischen Strafnorm erfüllen würde. Die Strafnormen brauchen nach den Rechtssystemen der Schweiz und des e r- suchenden Staates nicht identisch zu sein (Urteil des Bundesgerichts 1A.125/2006 vom 10. August 2006, E. 2.1 m.w.H.). Dabei genügt es, wenn der im Rechtshilfeersuchen geschilderte Sachverhalt unter einen e inzigen Straftatbestand des schweizerischen Rechts subsumiert werden kann. Es braucht dann nicht weiter geprüft zu werden, ob darüber hinaus auch noch weitere Tatbestände erfüllt sein könnten (BGE 129 II 462 E. 4.6 S. 466). Ebenfalls nicht erforderlich ist , dass dem von der Rechtshilfemassnahme Betroffenen im ausländischen Strafverfahren selbst ein strafbares Verha l- ten zur Last gelegt wird (Urteil des Bundesgerichts 1A.245/2006 vom 26. Januar 2007, E. 3). Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob der Sachverhalt im Rechtshilfeers u- chen genügend konkret dargestellt worden ist, damit eine Subsumtion unter einen schweizerischen Straftatbestand möglich ist. 4.4 Im französischen Rechtshilfeersuchen vom 22. Juni 2010 wird zum strafba- ren Verhalten im Wesentlichen Folgen des ausgeführt: Im Juni 2005 habe die " E." Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Fälschung erhoben. Dies, - 7 - weil im Februar 2005 an einen Beamten einer öffentlich-rechtlichen Körper- schaft von einer gewissen " F.", die sich als Hellseherin präsentiert habe, eine Werbeschrift zugestellt wor den sei. Darin sei dem Beamten eine Überweisung von EUR 30'000.-- seitens einer " E. des prix" zu seinen Gunsten angezeigt worden. Gleichzeitig sei er zu einer Überweisung von EUR 15 aufgefordert worden, um einen Glücksbringer zu erhalten. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens habe festgestellt werden kö nnen, dass zahlreiche weitere Personen dasselbe Werbeschreiben erhalten hätten, wobei die Antworten ("les réponses") an ein Postfach in Österreich hätten gesendet werden sollen. Es habe sich gezeigt, dass zahlreiche Mailings mit unterschiedlichen Inhalten unter der Verwendung des Namens " F." ver- schickt worden seien mit dem Ziel, von den Empfängern Gel dzahlungen in der Hoffnung auf beträchtliche Gewinne zu erhalten . Es seien ferner A n- rufautomaten eingesetzt worden, um bei den betroffenen Personen den Glauben zu erwecken, einen Anruf von " F." erhalten zu haben. Die esoter i- schen Werbekampagnen " F." würden zu einem grösseren Netz gehören, das sich bis nach Amerika und Holland erstrecken wü rde. Die Tätigkeit ha- be sich als lukrativ erwiesen. Die von Privatpersonen eingeschickten Schecks seien auf einem Konto der schweizerischen Firma D. AG bei der französischen Bank G. eingelöst worden. Die Einzahlungen auf dieses Kon- to hätten sich monatlich auf EUR 500'000.-- bis 800'000.-- belaufen (Ver- fahrensakten Urk. 7 ff.). 4.5. 4.5.1 Gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB macht sich der Urkundenfälschung schuldig, wer in der Absicht, jemanden am Vermögen zu schädigen oder einem a n- dern einen unrechtmässigen Vorte il zu verschaffen, eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt. Die T at- bestände des Urkundenstrafrechts schützen das Vertrauen, welches im Rechtsverkehr einer Urkunde als einem Beweismittel entgegengebracht wird. Mittel zum Beweis kann nur sein, was generell geeignet ist, Beweis zu erbringen (BGE 124 IV 61 E. 5.a; Urteil de s Bundesgerichts 6B.624/2007 vom 14. November 2007, E. 4.1). Als Urkunden gelten deshalb unter a n- dern nur Schriften, die bestimmt und geeignet sind, eine Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu beweisen (Art. 110 Ziff. 5 Abs. 1 StGB). Die U r- kundenfälschung i m engeren Sinn erfasst das Herstellen einer unechten Urkunden, deren wirklicher Aussteller mit dem aus ihr ersichtlichen Urheber nicht identisch ist. Demgegenüber betrifft die Falschbeurkundung die E r- richtung einer echten, aber unwahren Urkunde, bei der al so der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene Sacherhalt nicht übereinstimmen (statt - 8 - vieler: ULRICH WEDER, Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, Andreas Donatsch [Hrsg.], Zürich 2009, N8 zu Art. 251 StGB). Nach der Rechtsprechung ist das Vertrauen darin, dass eine Urkunde nicht verfälscht wird, grösser als das Vertrauen darauf, dass jemand in schriftlicher Form nicht lügt. Sie stellt daher an die Beweisbestimmung und Beweiseignung einer Urkunde bei der Falschbeurkundung hohe Anforderungen und wen- det Art. 251 StGB restriktiv an. Die Falschbeurkundung erfordert demnach eine qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche liegt nur vor, wenn der U r- kunde eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt und der Adressat ihr auf- grund dessen ein besonderes Vertrauen entgegenbringt. Dies ist der Fall, wenn allgemein gültige objektive Garantien die Wahrheit der Erklärung g e- genüber Dritten gewährleisten, wie sie unter anderem in der Prüfungspflicht einer Urkund sperson oder in gesetzlichen Bestimmungen über die or d- nungsgemässe Rechungslegung und in den Bilanzvorschriften vorkommen, die gerade den Inhalt dieser Schriftstücke näher festlegen (Urteil des Bu n- desgerichts 6B.624/2007 vom 14. November 2007, E. 4.1). Dem im Rechtshilfeersuchen ausgeführten Sachverhalt ist nicht zu en t- nehmen, dass mit dem Werbeschreiben oder den "Mailings" über die Identi- tät der Ausstelleri n hätte getäuscht werden sollen, sodass d er Tatbestand der Urkundenfälschung im engeren Sinne ausscheidet. Fraglich ist, ob das geschilderte Verhalten unter de n Tatbestand der Falschbeurkundung su b- sumiert werden kann. Entscheidend hierfür ist, ob der Werbeschrift und den "Mailings" erhöhte Glaubwürdigkeit im Sinne der zitierten Rechtsprechung zukommt. Die Sachverhaltsschilderung lässt die Annahme einer erhöhten Glaubwürdigkeit nicht zu, sodass eine Qualifikation der Werbeschrift bzw. der "Mailings" als Urkunde im S inne von Art. 110 Ziff. 5 StGB nicht in B e- tracht kommt. Eine Subsumtion des Sachverhalts unter den Tatbestand der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB scheidet somit aus. 4.5.2 Der im Rechtshilfeersuchen geschilderte Sachverhalt lässt sich auch nicht unter einen anderen Straftatbestand des Schweizerischen Strafrechts su b- sumieren. Insbesondere entfällt eine Subsumierung unter den Strafta tbe- stand des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, da dem Rechtshilf e- ersuchen nicht zu entnehmen ist, auf welche Art und Weise die unbekannte Täterschaft die Opfer arglistig getäuscht haben sollen. Arglistig ist ein Ve r- halten dann, wenn sich der Täter besonderer Machenschaften bedient oder ein ganzes Lügengebäude aufbaut . Arglist kann zwar auch bei einfachen Lügen gegeben sein, nämlich dann, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder zumutbar ist, sowie dann, wenn der Täter den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den gegebenen Umständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der - 9 - Angaben aufgrund eines besond eren Vertrauensverhältnisses unterlassen werde (BGE 126 IV 1165 E. 2a; 125 IV 124 E. 3; 122 IV 246 E. 3a je m.w.H.). Ob der Einsatz eines Anrufbeantworters zwecks Vorspiegeln eines Anrufes von "F." als besondere Machenschaft zu qualifizieren ist, lässt sich aufgrund des Sachverhalts nicht schlüssig beurteilen, kann aber auch offen bleiben. Denn Arglist scheidet nämlich in jedem Falle aus, wenn die Ang a- ben in zumutbarer Weise überprüfbar gewesen wären und schon die Au f- deckung einer einzigen Lüge zur Enthüllung des ganzen Schwindels g e- nügt hätte (sog. Opfermitverantwortung). Gerade bei Geschäften, die ohne persönliche Kontakte stattfinden und die mittels einer Werbung angepri e- sen werden, ist besondere Vorsicht geboten. Auch der Umstand, dass sich vorliegend die Ausstellerin der Werbeschrift als eine Hellseherin namens "F." ausgegeben hat, hätte die Opfe r stutzig machen müssen. Im Übrigen handelt es sich bei der " E." um eine der bedeutendsten öffen tlich- rechtlichen Anstalten Frankreichs, die sich vor allem mit der Finanzierung öffentlich-rechtlicher Körperschaften beschäftigt. Die " E." führt weder Ko n- ten für Privatpersonen noch organisiert sie Wettbewerbe. Zumindest e inem französischen Beamten hätte dieser Umstand bekannt gewesen sein mü s- sen. Es kommt hinzu, dass auf den Werbeschreiben von einer " E. des prix" die Rede ist, was ein weiterer Punkt ist, der bei den Geschädigten zu Zwei- feln an der Wahrheit der Angaben hätte führen müssen. Eine Überprüfung der Angaben auf ihre Richtigkeit wäre jedenfalls ohne weiteres möglich und zumutbar gewesen. Ferner sind Geschäfte, bei der die Gegenseite anonym ist, gerade nicht dazu geeignet, eine für die Annahme eines Vertrauensver- hältnisses notwendige Vertrauensbasis zu schaffen. Deshalb kann vorli e- gend auch nicht davon ausgegangen werden, die Täterschaft hätte vorau s- gesehen, dass die Geschädigten die Überprüfung der Angaben unterlassen würden, zumal aus der Sachverhaltsdarstellung nicht hervorgeht, dass zw i- schen den Geschädigten und der Täterschaft in der Ve rgangenheit bereits Kontakte bestanden hätten. Schliesslich fehlt es an Hinweisen dafür, dass die Täterschaft die Ge schädigten von einer Überpr üfung abgehalten hätte. Ob das konkrete Auftreten der Täterschaft und die jeweiligen Werbeschri f- ten eine andere Schlussfolgerung nahelegen, kann aufgrund der rudime n- tären Sachverhaltsschilderung nicht beurteilt werden. Aufgrund d er vorlie- genden Sachverhaltsdarstellung lässt sich das Tatbestandsmerkmal der Arglist nicht bejahen, weshalb eine Subsumtion des Sachverhaltes unter den Tatbestand des Betrugs nach Art. 146 Abs. 1 StGB ausscheidet. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegeg nerin entfällt sodann von vor n- herein eine Subsumierung des Sachverhalts unter den Tatbestand der Ver- untreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB, da keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, die Geschädigten hätten der Täterschaft Vermögenswerte - 10 - oder fremde bewegliche Sachen anvertraut. Was die Subsumierung des Sachverhalts unter einen Tatbestand des Bundesgesetzes über den unla u- teren Wettbewerb anbelangt (UWG), könnte allenfalls Art. 3 lit. b UWG in Betracht gezogen werden. Danach handelt unter anderem unlau ter, wer über sich und seine Leistungen unrichtige oder irreführende Angaben macht. Allerdings müssen die Angaben objektiv zur Täuschung bzw. Irr e- führung geeignet sein. Die Gefahr der Täuschung bzw. Irreführung genügt. Massgebend dafür, ob von einer solch en ausgegangen werden kann, ist das objektive Verständnis der angesprochenen Verkehrskreise unter Zugrundelegung durchschnittlicher Erfahrung, Sachkunde und Aufmer k- samkeit (BGE 136 III 23 E. 9.1, m.w.H.). Die spärlichen Sachverhaltsschi l- derungen lassen auch hier keine Beurteilung zu, ob die Werbeschriften o b- jektiv geeignet waren, bei den Opfern eine Täuschung oder Irreführung hervorzurufen. Eine Subsumtion des Sachverhalts unter Art. 3 lit. b UWG scheidet daher aus. Aus dem Gesagten folgt, dass damit auch die Wahr- scheinlichkeit des Vorliegens einer Vortat zur Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis StGB nicht dargetan ist, weshalb auch eine Subsumierung unter den letztgenannten Tatbestand entfällt. Dies führt dazu, dass das Erfordernis der doppelten Straf barkeit vorliegend nicht gegeben ist, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist und Ziffer 2 der Schlussverfügung vom 26. März 2012 in Bezug auf die Herausgabe der Bankunterlagen der bei der Bank C. liegenden Konten Nr. 1 und Nr. 2, lau- tend auf die Beschwerdeführerin, aufzuheben. Damit erübrigt sich die Prüfung aller weiteren von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Punkte. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdegegnerin die B e- schwerdeführerin im Umfang des Obsiegens für die ihr erwachsen en not- wendigen und verhältnismässigen Parteikosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Dabei erscheint eine Entschädigung von Fr. 1'500.-- inkl. MwSt. als angemessen (Art. 10, 11 und 12 Abs. 2 des Reglementes des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). Soweit auf die Beschwerde nicht einzutreten ist, ist der Beschwerdeführerin die Gerichtsgebühr aufzuerlegen. Für die B e- rechnung der Gerichtsgebühr gelangt das BStKR zur Anwendung (Art. 53 Abs. 2 lit. a, Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 65 Abs. 5 VwVG sowie Art. 22 Abs. 3 BStKR). Es rechtfertigt sich, die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-- festzusetzen und der Beschwerdeführerin aufzue rlegen, unter Anrechnung des entspr e- chenden Betrags am geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- (Art. 5 - 11 - und 8 Abs. 3 lit. a BStKR). Die Bundesstrafgerichtskasse ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin den Restbetrag von Fr. 2'500.-- zurückzuerstatten. - 12 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Dispositiv Ziffer 2 der Schlussverfügung vom 26. März 2012 wird im Sinne der Erwägungen aufgehoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin im Umfang ihres O b- siegens für das Verfahren vor dem Bundesstrafgericht mit Fr. 1'500.-- inkl. MwSt. zu entschädigen. 4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt, un- ter Anrechnung des entsprechenden Be trags am geleisteten Kostenvo r- schuss von Fr. 3'000.--. Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewiesen, der Beschwerdeführerin den Restbetrag von Fr. 2'500.-- zurückzuerstatten. Bellinzona, 24. Oktober 2012 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Rechtsanwalt Walter Wagner - Staatsanwaltschaft des Kantons Nidwalden - Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde nur zuläss ig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 - 13 - BGG). E in besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).