Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Mai 2013 (730 12 339 / 112) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Taggeldversicherung nach KVG / Rückweisung zur weiteren Abklärung der Arbeitsfähig- keit Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch S abrina Stoll, Advokatin, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal gegen Helsana Versicherungen AG , Versicherungsrecht , Postfach , 8081 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A. Der 1953 geborene A.____ war seit 1. September 20 02 als Gipser bei der B.____ AG angestellt und in dieser Eigenschaft im Rahmen eines Ko llektivvertrages über die Arbeitgeberin bei der Helsana Versicherungen AG für das Risiko eines kran kheitsbedingten Lohnausfalles taggeldversichert. Nachdem die Arbeitgerberin das Arbeitsverhältnis aus betrieblichen Gründen per 31. März 2011 aufgelöst hatte, gab A.____ am 3. Mai 2011 eine Übertrittserklärung in die Einzel-Taggeldversicherung der Helsana Versicherungen AG ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Noch vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses war A.____ lau t einem Arbeitsunfähigkeitszeug- nis der Klinik C.____ vom 24. März 2011 mit Wirkung ab 18. März 2011 krankheitsbedingt voll- umfänglich arbeitsunfähig geschrieben worden. Am 25. M ärz 2011 hatte die B.____ AG diesen Umstand der Helsana Versicherungen AG angezeigt, worauf diese die vereinbarten Taggeld- leistungen erbrachte. Gestützt auf ihre medizinischen Abklärungen erliess die He lsana Versicherungen AG am 14. Juni 2012 eine Verfügung, in welcher sie sich auf den Standpunkt stellte, dass es A.____ nunmehr möglich und zumutbar sei, in einer leidensan gepassten Tätigkeit eine 50-prozentige Arbeitsleistung zu erbringen. Aus diesem Grund werde ihm noch während einer dreimonatigen Anpassungszeit - konkret bis zum 30. September 2012 - das volle Taggeld ausgerichtet. Ab dem 1. Oktober 2012 werde er lediglich noch ein seine r Erwerbseinbusse entsprechendes, re- duziertes Taggeld in der Höhe von 61% seines versicherten Verdienstes erhalten. Daran hielt die Helsana Versicherungen AG auf Einsprache von A.____ h in mit Einspracheentscheid vom 24. September 2012 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vert reten durch Advokatin Sabrina Stoll, am 31. Oktober 2012 Beschwerde beim Kantonsgeri cht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der Einspracheentscheid vom 24. September 2012 aufzuheben und es sei die Sache zur weiteren Abklär ung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm im Fall e des Unterliegens die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin zu bewilligen sei. C. In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Dezember 2012 be antragte die Helsana Versiche- rungen AG die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten de r Beschwerdeführer mit Replik vom 14. Januar 2013 und die Beschwerdegegnerin mit Du plik vom 13. Februar 2013 an ihren jeweiligen Anträgen und an ihren hauptsächlichen Begründungen fest. E. Zur Vervollständigung der Akten zog das Gericht bei d er IV-Stelle Basel-Landschaft das IV-Dossier des Beschwerdeführers bei. In der Folge teilten die Beschwerdegegnerin am 3. April 2013 und der Beschwerdeführer am 9. April 2013 mit, d ass auf eine Stellungnahme zu den bei- gezogenen IV-Akten verzichtet werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes ü ber die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 auf die Krankenversicherung anw endbar sind, kann gegen Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht spracheentscheide der Krankenversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 A TSG das Versicherungsgericht des- jenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Ze it der Beschwerdeerhebung ihren Wohn- sitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in D.____, wes halb die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Deze mber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden aus dem Bereich der Krankenversicherung. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen f rist- und formgerecht erhobene - Be- schwerde des Versicherten vom 31. Oktober 2012 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, in welchem Umfang die Beschwerdegegnerin dem Versicher- ten über den 30. September 2012 hinaus Taggeldleistungen zu erbringen hat. 2.1 Wer in der Schweiz Wohnsitz hat und das 15., aber no ch nicht das 65. Altersjahr zu- rückgelegt hat, kann gemäss Art. 67 Abs. 1 KVG eine Tag geldversicherung abschliessen. Ar- beitgebende können eine Taggeldversicherung für sich und ihre Arbeitnehmenden als Kollektiv- versicherung abschliessen (Art. 67 Abs. 3 lit. a KVG). S cheidet eine versicherte Person aus der Kollektivversicherung aus, weil sie nicht mehr zu dem im V ertrag umschriebenen Kreis der Ver- sicherten zählt oder weil der Vertrag aufgelöst wird, so hat sie das Recht, in die Einzelversiche- rung des Versicherers überzutreten (Art. 71 Abs. 1 Satz 1 KVG). Sie hat ihr Übertrittsrecht in- nert drei Monaten nach Erhalt der Mitteilung der Mög lichkeit, in die Einzelversicherung überzu- treten, geltend zu machen (Art. 71 Abs. 2 Satz 3 KVG). Vorliegend war der Versicherte durch seine Arbeitgeberin, die B.____ AG, bis zur Auflösung d es Arbeitsverhältnisses per 31. März 2011 bei der Beschwerdegegnerin kollektiv-krankentaggeldve rsichert. Auf Grund der Beendi- gung des Arbeitsverhältnisses gab der Versicherte am 3. M ai 2011 eine Übertrittserklärung in die Einzel-Taggeldversicherung der Beschwerdegegnerin ab. 2.2 Das Gesetz enthält in Art. 72 KVG Bestimmungen zum Beginn des Taggeldanspruchs, zur Dauer sowie zur Kürzung der Leistung bei teilweise r Arbeitsunfähigkeit und bei Überent- schädigung. Nach Art. 72 Abs. 2 Satz 1 KVG entsteht der Taggeldanspruch, wenn die versi- cherte Person mindestens zur Hälfe arbeitsunfähig ist. Reg lementarisch kann jedoch schon bei einer Arbeitsunfähigkeit von unter 50 % ein Taggeldanspruch statuiert werden (vgl. Urteil D. des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute : Bundesgericht, sozialrechtli- che Abteilungen] vom 10. März 2003, K 85/02, E. 3.1 mi t Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und in Ziffe r 13.1 ihrer Allgemeinen Versiche- rungsbedingungen (AVB) für die Helsana Business Salary K ollektiv-Taggeldversicherung nach KVG, Ausgabe 1. Januar 2007, festgehalten, dass das Ta ggeld bei nachgewiesener Arbeitsun- fähigkeit von mindestens 25 % anteilsmässig entsprechend d em Grad der Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet wird. 3.1 Als Arbeitsunfähigkeit gilt die durch eine Beeintr ächtigung der körperlichen oder geisti- gen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigke it, im bisherigen Beruf oder Aufgaben- bereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 72 Abs. 2 KVG in Verbindung mit Art. 6 Satz 1 ATSG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Beschwerdegegnerin hat diese Legaldefinition im Wo rtlaut in ihre AVB übernommen (Ziff. 3.4 Satz 1 AVB). Bei der Umschreibung der Arbe itsunfähigkeit bezieht sich Art. 6 ATSG auf den bisherigen Beruf. Als solcher gilt derjenige, der vor Eintritt der zu beurteilenden Arbeits- unfähigkeit zuletzt ausgeübt wurde (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zü- rich/Basel/Genf 2009, Art. 6 Rz 11). Zu beurteilen ist deshalb für den konkreten Fall, ob die ein- getretene gesundheitliche Beeinträchtigung die Erled igung der bisherigen beruflichen Arbeiten ganz oder teilweise verunmöglicht (vgl. ULRICH MEYER , Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentli ch für den Einkommensvergleich in der Invaliditätsbemessung in: René Schaffhauser/Franz Schl auri [Hrsg.], Schmerz und Arbeits- unfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 38). 3.2 Liegt eine Arbeitsunfähigkeit von langer Dauer vo r, so werden auch zumutbare Tätigkei- ten in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 Satz 2 ATSG). Ab wann von einer “langen Dauer“ der Arbeitsunfähigkeit auszug ehen ist, definiert das Gesetz nicht. Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung ist dieses Kri terium dann zu bejahen, wenn im konkreten Fall nicht mehr mit dem Wiedereinstieg in de n bisherigen Beruf gerechnet werden kann bzw. wenn keine begründete Aussicht besteht, dass die versicherte Person ihre Arbeitsfä- higkeit im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich in a bsehbarer Zeit wieder erlangen wird. So- lange jedoch die Prognose gestellt werden kann, die versicherte Person werde die Arbeitsfähig- keit im angestammten Beruf mit überwiegender Wahrsche inlichkeit soweit zurückgewinnen, dass Leistungen entfallen, ist die dort gegebene funkt ionelle Einschränkung massgebend und es liegt keine Arbeitsunfähigkeit von langer Dauer vor (Urteil L. des Bundesgerichts vom 29. März 2007, K 224/05, E. 3.2; vgl. U LRICH MEYER , a.a.O., S. 39 ff.; A NDREAS BRUNNER , Ar- beitsunfähigkeit und Schadenminderungspflicht in: Gab riela Riemer-Kafka [Hrsg.], Case Ma- nagement und Arbeitsunfähigkeit, Zürich/Basel/Genf 200 6, S. 80 f.; G EBHARD EUGSTER , ATSG und Krankenversicherung: Streifzug durch Art. 1-55 ATSG in: Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und berufliche Vorsorge [SZS] 2003 S. 218 f.). 3.3 Die Ausweitung der Bemessungsgrundlage nach Satz 2 vo n Art. 6 ATSG ist Ausdruck der Schadenminderungspflicht, eines allgemeinen Grund satzes des Sozialversicherungsrechts, der zum Tragen kommt, wenn es die versicherte Person selbe r in der Hand hat, die (hier er- werblichen) Auswirkungen des eingetretenen versicherten Ri sikos durch geeignetes Verhalten zu verringern. Diese Pflicht ist auch in Art. 21 Abs. 4 AT SG verankert, wonach (in Verbindung mit Art. 1 KVG) Krankentaggeldleistungen aufgehoben werden können, wenn die versicherte Person ihre Arbeitsfähigkeit in einem anderen Bereich umzusetzen vermag (Urteil L. des Bun- desgerichts vom 29. März 2007, K 224/05, E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.4 Die Frage, ob und gegebenenfalls welche berufliche Neueingliederung von einer versi- cherten Person im Rahmen ihrer Pflicht zur Schadenminde rung verlangt werden kann, ent- scheidet sich nach dem Grundsatz der Zumutbarkeit, der einen Teilgehalt des verfassungsmäs- sigen Grundsatzes der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) darst ellt. Von der versicherten Person kann nur eine berufliche Umstellung verlangt werden, die ihr unter Berücksichtigung der gesam- ten objektiven (Arbeitsmarktsituation) und subjektiven (wie verbliebene Leistungsfähigkeit, Alter, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht berufliche Stellung, familiäre Verhältnisse und die e ntsprechend grössere oder geringere Flexi- bilität hinsichtlich des Wohn- und Arbeitsortes) Gegebe nheiten des Einzelfalles zumutbar ist. Dabei sind die Anforderungen an die Schadenminderung strenger, je weitergehend die Sozial- versicherung in Anspruch genommen wird (Urteil L. des Bu ndesgerichts vom 29. März 2007, K 224/05, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 3.5 Ist ein Berufswechsel angezeigt, so gesteht die Rechts prechung der versicherten Per- son zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse und zur Stellensuche eine Übergangsfrist zu, während welcher das bisherige Krankentaggeld geschul det bleibt. In der Regel wird eine Frist von drei bis fünf Monaten als angemessen betrachtet . Die Anpassungszeit beginnt mit der Aufforderung des Taggeldversicherers zum Berufswechsel (Ur teil L. des Bundesgerichts vom 29. März 2007, K 224/05, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). 4.1 Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versich erten Person benötigt die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) Unterlagen von den mit dem Fall betrauten sowie allenfalls weiteren medizinischen Fachpersonen (vgl. BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). In Fäl- len wie dem vorliegenden ist es Aufgabe des Arztes od er der Ärztin, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, inwiefern sich die diagnostizierte gesundheitliche Beeinträchtigung auf die bisherige berufliche Tätigkei t der versicherten Person auswirkt und ob mit einem Wiedereinstieg in den angestammten Beruf ge rechnet werden kann. Im Falle einer lang dauernden Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 Satz 2 ATSG hat sich der Arzt oder die Ärztin überdies auch zur Frage zu äussern, bezüglich wel cher anderer Tätigkeiten und in wel- chem Umfang die versicherte Person allenfalls arbeitsfäh ig ist. Die Beurteilung, ob es sich da- bei um zumutbare Tätigkeiten handelt, obliegt der Ve rwaltung bzw. - im Beschwerdefall - dem Gericht (ANDREAS BRUNNER , a.a.O., S. 75 f. und 79). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.1 Im Rahmen ihrer periodischen Überprüfungen des Ge sundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit des Versicherten holte die Beschwerdegegne rin - unter anderem - bei Dr. med. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht E.____, Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, Spital F.____, den “Be- lastungsbericht“ vom 24. Mai 2012 ein. Darin hielt di e genannte Fachärztin als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine oligosymptoma tische, funktionell kompensierte transtendinöse Supraspinatus-Sehnenläsion (ventraler An teil), eine adhäsive Capsulitis Schul- ter links, ein rezidivierendes lumbospondylogenes Schmerzsyn drom bei/mit - im MRI LWS 06/2011 - multisegmentaler Diskopathie untere BWS und LWS ohne Wurzelkompression und Spinalkanalstenosierung, jedoch mässiggradiger beidseitig er Spondylarthrose, sowie eine Co- xarthrose rechts fest. Als Therapie würden seitens der bekannten adhäsiven Capsulitis Schulter links physiotherapeutische Massnahmen mit Kräftigungsübung en durchgeführt. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. E.____ aus, im angestammten Beruf als Gipser bestehe nach wie vor eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Sobald der Pa tient eine körperlich anstrengende Tätig- keit durchführe, komme es zu vermehrten Schmerzen, vor all em auch im Schultergürtelbereich. Aus diesem Grund sei die Wiederaufnahme des bisherigen B erufs als Gipser eher unwahr- scheinlich. Dem Versicherten wäre es aus medizinisch-theoreti scher Sicht jedoch zumutbar, eine leichtere berufliche Tätigkeit auszuüben. Empfohl en werde eine wechselbelastende Tätig- keit mit Sitzen, Stehen und Gehen und unter Vermeidung von rückenbelastenden Tätigkeiten in flektierten/rotierten Körperstellungen oder mit Heben von Lasten über 5 kg. Eine solche lei- densangepasste Tätigkeit könnte sofort aufgenommen werden . Was den Umfang einer zumut- baren Tätigkeit betreffe, empfehle man, zu Beginn von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit - im Sin- ne einer ganztägigen Tätigkeit mit halber Leistung - a uszugehen. Danach könne aufgrund des Heilungsverlaufes eine sukzessive Steigerung erfolgen. 5.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer “Verfüg ung Schadenminderung“ vom 14. Juni 2012 bzw. in ihrem Einspracheentscheid vom 24. S eptember 2012, mit welchem sie diese Verfügung bestätigte, bei der Beurteilung der a ktuellen Arbeitsfähigkeit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse des genannten “Belas tungsberichts“ von Dr. E.____ vom 24. Mai 2012. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte im angestammten Beruf als Gipser keine vollständige Arbeitsfähigkeit mehr erlange n werde. Es sei ihm jedoch im Rahmen einer leidensangepassten Tätigkeit möglich und zumutbar, eine 50 %-ige Arbeitsleistung zu erbringen. Als zumutbare Tätigkeiten kämen dabei beisp ielsweise hausinterne Dienste, leichte Archivarbeiten sowie Kontroll- und Überwachungsfunktion en in Betracht. Im angefochtenen Einspracheentscheid weist die Beschwerdegegnerin sodann d arauf hin, dass die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft im parallel anhängigen IV-Verfahren de s Versicherten zu einer gleichlautenden Zumutbarkeitsbeurteilung gelangt sei. Gemäss Vorbescheid v om 17. Juli 2012 gehe die IV- Stelle ebenfalls von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer leidensadaptier- ten Tätigkeit aus. 5.3 Der Beschwerdegegnerin ist beizupflichten, dass die IV-Stelle im erwähnten Vorbe- scheid vom 17. Juli 2012 im Ergebnis ebenfalls von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen ist. Der Begründung des Vorbe- scheides kann nun allerdings entnommen werden, dass die I V-Stelle dem Versicherten nicht - wie die Beschwerdegegnerin - aufgrund der im Bericht vo n Dr. E.____ diagnostizierten somati- schen Gesundheitsbeeinträchtigungen, sondern „aufgrund d er psychischen Erkrankung“ eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hat. Diese Beurteilung beruht - soweit ersichtlich - auf den Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ergebnissen eines “Psychiatrischen Konsiliums“, welches Dr. m ed. G.____, Facharzt für Psy- chiatrie und Psychotherapie, am 16. Dezember 2011 zu Han den der Klinik H.____ verfasst hat- te. Darin erhob der Facharzt beim Versicherten als Diagn osen mit Auswirkungen auf die Ar- beitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit somati schen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Bezüglich der Arbeitsfähigkeit bestehe, so die Beurteilung von Dr. G.____, je nach weiterem Verlauf der depressiven Symptomatik unter suffi zienter Behandlung mittelfristig eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit. 5.4 Eine Würdigung der erwähnten medizinischen Unterla gen zeigt, dass der Beschwerde- führer offensichtlich sowohl an somatischen als auch an psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lei det. Letztere sind aber im vorliegenden Beschwerdeverfahren bei der hier interessierenden Beurt eilung der Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten seitens der Beschwerdegegnerin vollständig unbe rücksichtigt geblieben. Die Be- schwerdegegnerin hat die massgebliche Frage, ob die zusä tzlich vorhandenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen allenfalls zu einer Erhöh ung der ausschliesslich aus somati- scher Sicht attestierten 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit d es Versicherten führen, nicht abgeklärt - und dementsprechend auch nicht beurteilt. Ihr Entscheid s tützt sich in medizinischer Hinsicht ausschliesslich auf den fachärztlichen orthopädischen “Bela stungsbericht“ von Dr. E.____ vom 24. Mai 2012. Die Abklärungsergebnisse aus dem Verwalt ungsverfahren sind demnach nicht ausreichend beweiskräftig, sodass eine abschliessende Beurt eilung des strittigen Taggeldan- spruchs des Beschwerdeführers nicht möglich ist. Der Sachverha lt bedarf in medizinischer Hin- sicht weiterer Abklärung. 6.1 Im Entscheid 137 V 210 ff. hat das Bundesgericht die bisherige ständige Rechtspre- chung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die frei e Wahl hatte, bei festgestellter Abklä- rungsbedürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen oder aber selber zur Herstellung der Spruchreife zu schreiten, geändert. S o hat es erkannt, dass es weder unter praktischen noch rechtlichen Gesichtspunkten angebracht sei, in jedem Beschwerdefall auf der Grundlage eines Gerichtsgutachtens zu urteilen. Doch drä nge sich auf, dass die Beschwer- deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einhole, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt überh aupt für gutachterlich abklärungsbe- dürftig halte oder wenn eine Administrativexpertise i n einem rechtserheblichen Punkt nicht be- weiskräftig sei. Die betreffende Beweiserhebung erfolge alsdann vor der - anschliessend refor- matorisch entscheidenden - Beschwerdeinstanz selber statt üb er eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger b leibe hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollst ändig ungeklärten Frage begründet sei. Ausserdem bleibe es dem kantonalen Gericht unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Er gänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich sei (BGE 137 V 264 f. E. 4.4.1.4). 6.2 Wie oben aufgezeigt, hat es die Beschwerdegegneri n vorliegend unterlassen, die mass- gebende Frage abklären zu lassen, ob die zusätzlich vorhan denen psychischen Gesundheits- beeinträchtigungen allenfalls zu einer Erhöhung der a usschliesslich aus somatischer Sicht at- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht testierten 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten führen. Somit ist in casu eine Rück- weisung an die Beschwerdegegnerin auch in Anbetracht d er geänderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung möglich, weil sie letztlich in der notwe ndigen Erhebung einer bisher ungeklär- ten Frage begründet ist. 6.3 Zu ergänzen bleibt Folgendes: Gestützt auf die Erg ebnisse der Aktenergänzung wird die Beschwerdegegnerin über den Taggeldanspruch des Beschw erdeführers neu zu befinden ha- ben. Dabei wird sie - dem Vorgehen in der Verfügung vom 14. Juni 2012 entsprechend - unter anderem ein allfälliges, dem Versicherten in einer an gemessenen und zumutbaren Tätigkeit erzielbares Einkommen anhand der Tabellenlöhne der Sc hweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik zu ermitteln haben. In Anbetracht der beim Versicherten vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen wird si e dabei zusätzlich auch zu prüfen haben, ob diesem bei der Festsetzung des noch zumutbar en Einkommens allenfalls ein ange- messener Abzug vom Tabellenlohn (vgl. dazu BGE 126 V 75 ff.) zu gewähren sein wird. 7. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass der an gefochtene Einspracheent- scheid vom 24. September 2012 aufzuheben und die Angele genheit an die Beschwerdegegne- rin zurückzuweisen ist. Diese wird insbesondere Frage ab klären zu lassen haben, ob die zu- sätzlich vorhandenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen allenfalls zu einer Erhöhung der ausschliesslich aus somatischer Sicht attestierten 50 % -igen Arbeitsunfähigkeit des Versi- cherten führen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergä nzung wird die Beschwerdegegnerin über die Höhe des Taggeldanspruchs des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht einen be i ihm angefochtenen Einspracheent- scheid auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2. 1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist dem Beschwerdeführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegner in zuzusprechen. Die Rechtsvertre- terin des Beschwerdeführers hat in ihrer Honorarnote v om 9. April 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 13,5 Stunden gelten d gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfr agen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxi sgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 84.50. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'736.25 (13,5 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 84.50 zu züglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Helsana Versicherungen AG vo m 24. September 2012 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Helsana Versicherungen AG zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Helsana Versicherungen AG hat dem Beschwerdeführ er eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'736.25 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht