<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 64 S.313</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">313</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>64</b></span> <span class="ft1"><b>Zustellungsfiktion (§ 175 StG).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Als Zeitraum, während welchem die Zustellungsfiktion aufrecht er-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>halten werden darf, ohne dass verfahrensbezogene Handlungen er-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>folgen, erscheint ein Jahr noch als vertretbar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">20. Dezember 2006 in Sachen U. + M.H., 3-RV.2006.147/K 0261</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">4.</span><br/> <span class="ft6">4.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gelten be-</span><br/> <span class="ft6">hördliche Sendungen in Prozessverfahren nicht erst dann als zuge-</span><br/> <span class="ft6">stellt, wenn der Adressat sie tatsächlich in Empfang nimmt. Es ge-</span><br/> <span class="ft6">nügt, wenn die Sendung in den Machtbereich des Adressaten gelangt,</span><br/> <span class="ft6">so dass er sie zur Kenntnis nehmen kann. Wird der Empfänger einer</span><br/> <span class="ft6">eingeschriebenen Briefpostsendung oder Gerichtsurkunde nicht</span><br/> <span class="ft6">angetroffen und wird daher eine Abholeinladung in seinen Briefkas-</span><br/> <span class="ft6">ten oder in sein Postfach gelegt, so wird die Sendung in jenem Zeit-</span><br/> <span class="ft6">punkt als zugestellt betrachtet, in welchem sie auf der Poststelle ab-</span><br/> <span class="ft6">geholt wird. Geschieht dies nicht innert der Abholfrist, die sieben</span><br/> <span class="ft6">Tage beträgt, wird angenommen, dass die Sendung am letzten Tag</span><br/> <span class="ft6">dieser Frist zugestellt wurde. Die Zustellfiktion rechtfertigt sich, weil</span><br/> <span class="ft6">für die an einem Verfahren Beteiligten nach dem Grundsatz von Treu</span><br/> <span class="ft6">und Glauben die Pflicht besteht, dafür zu sorgen, dass behördliche</span><br/> <span class="ft6">Akte ihnen zugestellt werden können. Diese Rechtsprechung gilt</span><br/> <span class="ft6">mithin während eines hängigen Verfahrens und wenn die Verfahrens-</span><br/> <span class="ft6">beteiligten mit der Zustellung eines behördlichen oder gerichtlichen</span><br/> <span class="ft6">Entscheides oder einer Verfügung mit einer gewissen Wahrschein-</span><br/> <span class="ft6">lichkeit rechnen müssen.</span><br/> <span class="ft6">Als Zeitraum, während welchem die Zustellfiktion aufrecht er-</span><br/> <span class="ft6">halten werden darf, ohne dass verfahrensbezogene Handlungen er-</span><br/> <span class="ft6">folgen, erscheint nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein</span><br/> <span class="ft6">Jahr noch als vertretbar (BGE vom 23. März 2006, in: StE 2006</span><br/> <span class="ft6">B 93.6 Nr. 27).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">314</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">4.2. Die Rekurrenten haben die Steuererklärung 2003 am</span><br/> <span class="ft6">20. April 2004 beim Gemeindesteueramt O. eingereicht. Bis zum</span><br/> <span class="ft6">Versand der definitiven Steuerveranlagung 2003 vom 19. Januar</span><br/> <span class="ft6">2006 hat sich die Vorinstanz mit keiner verfahrensbezogenen Hand-</span><br/> <span class="ft6">lung an die Rekurrenten gerichtet. Innert der Jahresfrist liegt einzig</span><br/> <span class="ft6">das an den Rekurrenten gerichtete Schreiben der Steuerverwaltung</span><br/> <span class="ft6">des Kantons Graubünden vom 11. Oktober 2004. Da diese Behörde</span><br/> <span class="ft6">jedoch nicht für die Geltendmachung der aargauischen Steuerforde-</span><br/> <span class="ft6">rung zuständig ist, kommt diesem Schreiben unter dem Blickwinkel</span><br/> <span class="ft6">der Zustellfiktion keine Bedeutung zu (analog RGE vom 18. Mai</span><br/> <span class="ft6">2000 in Sachen E.S., wonach die Handlung einer unzuständigen Be-</span><br/> <span class="ft6">hörde keine verjährungsunterbrechende Wirkung hat).</span><br/> <span class="ft6">Die Rekurrenten mussten gemäss der dargelegten Rechtspre-</span><br/> <span class="ft6">chung 1 ¾ Jahre nach der Einreichung der Steuererklärung 2003 also</span><br/> <span class="ft6">nicht damit rechnen, dass die Zustellung der Veranlagungsverfügung</span><br/> <span class="ft6">bevorsteht und daher die Post regelmässig(er) abholen bzw. abholen</span><br/> <span class="ft6">lassen. Die Einsprachefrist wurde unter den vorliegenden Umständen</span><br/> <span class="ft6">erst durch die tatsächliche Zustellung bzw. Kenntnisnahme der defi-</span><br/> <span class="ft6">nitiven Steuerveranlagung 2003 ausgelöst (RGE vom 21. April 2005</span><br/> <span class="ft6">in Sachen J.I.).</span><br/></div> </div> </body> </html>