Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. November 2018 (720 18 65 / 329) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Einkommensvergleich: Berücksichtigung einer beruflichen Weiterentwicklung bei der Bemessung des Valideneinkommens Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Jürg Tschopp, Advokat, Simonius & Partner, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1982 geborene A.___ leidet seit ihrer Geburt an einer Phokomelie (Fehlbildung der Gliedmassen) der linken unteren Extremität. Mit Ges uch vom 19. Februar 1982 wurde A.____ von ihren Eltern erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbe- zug angemeldet. In der Folge sprach ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) verschiedene medizinische Massnahmen für die Behandlung des Gebu rtsgebrechens Nr. 176 sowie Hilfsmit- tel zu. Nachdem die Versicherte von 1999 bis 2002 e ine kaufmännische Lehre absolviert hatte, durchlief sie nebenberuflich eine Weiterbildung zur Exportfachfrau, welche sie im Jahr 2006 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht abschloss. Mit Verfügung vom 27. November 2009 wurde e in erneutes Leistungsbegehren für eine Umschulung unter Hinweis auf eine dauernde inval iditätsbedingte Einbusse von 20% ab- gelehnt. Am 22. Januar 2013 meldete sich die Versicherte abermals zum Bezug von Leistungen bei der IV an, wobei sie im entsprechenden Anmeldeform ular auf eine Reduktion ihres Arbeits- pensums aus gesundheitlichen Gründen seit dem Jahr 2011 hinwies. Nach Abklärung der erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse sprach ihr die IV-Stelle mit Verfügung vom 12. Januar 2018 gestützt auf einen Invalid itätsgrad von 43% bzw. von 40% mit Wirkung ab 1. Juli 2013 eine Viertelsrente der Invalidenversicherung zu. Nachdem zunächst nur über den konkreten Rentenanspruch für den Monat Februa r 2018 verfügt worden war, erfolgte am 15. Februar 2018 die Verfügung betreffend den Re ntenanspruch für den Zeitraum vom 1. Juli 2013 bis 31. Januar 2018. B. Gegen die Verfügungen vom 12. Januar 2018 und 15. Februar 2018 reichte die Versi- cherte, vertreten durch Jürg Tschopp, Advokat, mit Eing aben vom 16. Februar 2018 und 16. März 2018 je eine Beschwerde beim Kantonsgericht d es Kantons Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), ein. Dar in beantragte sie, die Verfügungen der Beschwerdegegnerin seien aufzuheben und die Beschwerdeg egnerin sei zu verpflichten, ihr nach Ablauf der gesetzlichen Wartefrist, ab 1. Juli 201 3 eine halbe Rente zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte sie im Wesent lichen vor, das dem Einkommensver- gleich zugrunde gelegte Valideneinkommen sei zu tief f estgesetzt worden. Vielmehr sei sie in- folge ihrer beruflichen Qualifikation für eine Kade rstelle prädestiniert, womit in Anwendung des hierfür massgebenden Tabellenlohns ein Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 97'142.50 und somit ein Anspruch auf eine halbe Rente resultiere. F erner handle es sich beim herangezoge- nen Invalideneinkommen nicht um Einkommen aus einem sta bilen Arbeitsverhältnis, womit sie sich aber grundsätzlich zufriedengeben könnte. Für den F all, dass keine halbe Rente resultier- te, sei diesbezüglich aber ein leidensbedingter Abzug zu prüfen. C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 5. April 2018 wurden beide Verfahren zusam- mengelegt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Mai 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, wobei sie einen Bericht von Dr. med. B.____ , FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärzt licher Dienst beider Basel (RAD) ins Recht legte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichten Beschwerden ist einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist die Höhe des Rentenanspruchs der Beschwer- deführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Ver- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht fügungen vom 12. Januar 2018 bzw. 15. Februar 2018 en twickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterli chen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; allgemeine Methode des Einkommensvergleichs). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Absc hätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Ein- schätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht da zu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellt en fachmedizinischen Experten ander- seits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des Eidgenössischen Ver sicherungsgerichts [EVG; heute Bun- desgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Admi- nistrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anl ass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät zungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interp retation entspringende – Aspekte benen- nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un gewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5.1 Zur Beurteilung der gesundheitlichen Verhältnisse und der Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin ist vorliegend das Gutachten von Dr. m ed. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, vom 30. Januar 2017 von zentraler Bedeutung. 5.2 In seinem Gutachten vom 30. Januar 2017 stellte Dr. C.____ als Diagnosen mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Phokomelie der linken unteren Extremität mit einer Hüft- dysplasie links, einer Dysplasie des linken Femur, einem Fehlen des linken Unterschenkels und einem dysplastischen linken Fuss sowie mit einer luxierten Hüfte links mit Stellung des dysplas- tischen Femurs in einem Hüft-Neogelenk links und des Weite ren ein chronisches Lumboverteb- ralsyndrom mit spondylogener Ausstrahlung rechts. Hierzu fü hrte er zusammenfassend aus, dass ein erhebliches Lumbovertebralsyndrom auf der Basis ve rschiedener Pathologien beste- he. Zum einen bestehe eine Spondylolyse L5 beidseits. Zum anderen bestehe radiologisch eine leichte ISG-Arthrose, welche durch das veränderte Gangbi ld gefördert werde. Die Explorandin habe sich während vielen Jahren mit einer Prothese verg leichbar mit einer Stelze bewegt, die- ses Gangbild habe einer Zirkumduktion des Oberschenkels ents prochen. Diese jahrelange Überlastung habe zu einer Überlastung der Muskulatur un d zu einer vermehrten Abnutzung im Bereich des ISG geführt. Durch die Fehlstellung des Fe murkopfes sei auch das gezeigte Duchenne-Trendelenburg-Hinken erklärt. Die muskulären Ve rhältnisse würden nicht mehr stimmen, d.h. die ganze Statik sei gestört. Dieses Gangb ild führe dann konsekutiv zu einer Überlastung der Rückenmuskulatur lumbal, aber auch ähnl ich einer Kette weiter hinauf in den Schulternackengürtel-Bereich, so dass die Beschwerden in diesem Bereich auf muskulärer Ba- sis zu sehen seien. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte Dr. C.____ aus , in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Sachbearbeiterin, d.h. in einer Bürotätigkeit und au ch als sozialpädagogische Erzieherin, in ei- ner Funktion also, in der sie zum jetzigen Zeitpunkt täti g sei, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 60%. Auch bezüglich einer Verweistätigkeit könne keine h öhere Arbeitsfähigkeit veranschlagt werden. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des G esundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die E rgebnisse, zu denen der Gutachter in seinem Gutachten vom 30. Januar 2017 gelangt war. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des frühestmöglichen Ren tenbeginns (Juli 2013) eine Tätig- keit als Sachbearbeiterin sowie Erzieherin zu 60% zumutbar sei. 6.2 Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte n Gutachten externer Spezial- ärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spr echen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb). Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutach ten ist insgesamt umfassend und die darin dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die jeweils vorgenommenen Schluss- folgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Der G utachter hat die Versicherte persön- lich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und g eht einlässlich auf ihre Angaben und Beschwerden ein. Er setzt sich zudem fundiert mit de n bei den Akten liegenden medizini- schen Berichten auseinander. Insgesamt ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde- gegnerin dem Gutachten von Dr. C.____ vollen Beweiswert zuerkannte. Die ausschlaggebende Beweiskraft des Gutachtens wird denn auch von der Versiche rten in ihrer Beschwerde – zu Recht – nicht in Frage gestellt. 7.1 Streitig und im Folgenden zu prüfen sind hingeg en die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Wie eingangs ausg eführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist der In- validitätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinko mmen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Täti gkeit bei ausgeglichener Arbeits- marktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie hung gesetzt zum Erwerbseinkom- men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid ge worden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu er folgen, dass die beiden hypotheti- schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermit telt und einander ge- genübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz läs st sich der Invaliditätsgrad bestim- men (BGE 104 V 136 E. 2a und b). In zeitlicher Hinsich t ist grundsätzlich auf die Gegebenhei- ten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns a bzustellen (BGE 129 V 222, 128 V 174). Unter Berücksichtigung des auf den 1. Oktober 2011 festgelegten Beginns des Wartejah- res und der sechsmonatigen Karenzfrist nach Eingang der Anmeldung am 31. Januar 2013, besteht unter den Parteien zu Recht Einigkeit darübe r, dass der frühestmögliche Rentenbeginn vorliegend auf den 1. Juli 2013 zu liegen kommt. 7.2.1 Bei der Bemessung des für die Bestimmung des I nvaliditätsgrades massgebenden hypothetischen Einkommens ohne Gesundheitsschaden (Valideneinkommen) ist entscheidend, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die Einkom- mensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheit sschadens erzielt hat, auszugehen ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; he ute: Bundesgericht, sozialrechtli- che Abteilungen] vom 26. November 2002, I 491/0, E. 2. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Hinter- grund bildet die empirische Erfahrung, dass die bisheri ge Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiege nder Wahrscheinlichkeit erstellt sein (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b). Ist ein konkre ter Lohn nicht eruierbar oder hätte die versicherte Person ihre bisherige Stelle auch ohne gesun dheitliche Beeinträchtigung verloren, so können die Zahlen der Schweizerischen Lohnstrukturerheb ung (LSE) des Bundesamtes für Statistik herangezogen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1 und vom 9. Juni 2015, 9C_212/2015, E. 5.4). Insbesondere um eine beruf- liche Weiterentwicklung mit einem daraus resultierenden höheren Einkommen mitzuberücksich- tigen, müssen konkrete Anhaltspunkte dafür gegeben sei n, dass ohne gesundheitliche Beein- trächtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprech end höherer Verdienst tatsächlich reali- siert worden wären (Urteil des Bundesgerichts vom 21. D ezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1 mit Hinweisen). 7.2.2 Nachdem die Versicherte gegen den Vorbescheid vom 21. Juli 2017 Einwand erhoben hatte, ermittelte die Beschwerdegegnerin in ihrer Ver fügung vom 12. Januar 2018 das Validen- einkommen gestützt auf die Tabelle TA1, Sektor 65 Versich erungen, Kompetenzniveau 2, Frauen, der LSE 2012 und damit ein monatliches Einkomm en von Fr. 6‘307.--. Unter Berück- sichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.5 Stun den und nach Anpassung des Betra- ges an die branchenübliche Nominallohnentwicklung errech nete sie dabei ein Valideneinkom- men in der Höhe von Fr. 79‘072.--. 7.2.3 Die Ermittlung des Valideneinkommens in Anwen dung der LSE-Tabellenlöhne wird auch von der Beschwerdeführerin im Grundsatz anerkannt, zumal es an konkreten Angaben der bis zum Eintritt der gesundheitlichen Auswirkungen a uf die Arbeitsfähigkeit zuständigen Arbeitgeberin über den hypothetischen Lohn im Zeitpun kt des Rentenbeginns (Juli 2013) fehlt. Die Beschwerdeführerin macht indessen geltend, angesich ts des im Rahmen ihrer Weiterbil- dung erworbenen Eidgenössichen Fachausweises Exportfachfrau sei sie für eine Kaderposition prädestiniert. Es sei anzunehmen, dass sie aufgrund ihrer Qualifikation in einer Transportfirma oder einer Versicherung ein Jahreseinkommen von rund Fr . 90‘000.-- hätte verdienen können, wäre sie nicht invalid geworden. Mithin sei das Validen einkommen auf Fr. 97‘142.50 festzuset- zen (Durchschnittswert der LSE-Tabellen 2014, T1_b, Sek tor 62 und 63 [Versicherun- gen/Niveau ohne Kader/Versicherungen/Niveau 4]). 7.2.4 Ungeachtet der Tatsache, dass angesichts des Zeitpu nktes des frühestmöglichen Ren- tenbeginns vorliegend die Tabelle T1_b der LSE 2012 herangezogen werden müsste, lassen sich den Vorbringen der Beschwerdeführerin keine konkrete n Anhaltspunkte dafür entnehmen, denen zufolge sie in diesem Zeitpunkt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein höheres als das ihr angerechnete hypothetische Einkommen erzielt hät te. Insbesondere sind keine Anzei- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen für ein berufliches Fortkommen (z.B. ein konkretes Stellenangebot) und eine entspre- chende Lohnsteigerung erkennbar. Den vorliegenden Akten sind sodann auch keine Indizien zu entnehmen, wonach das behauptete berufliche Fortkomme n seitens der ehemaligen Arbeitge- berin effektiv in Aussicht gestellt oder gar zugesichert wo rden wäre. Die ins Recht gelegten Ar- beitszeugnisse bescheinigen der Beschwerdeführerin zweif ellos gute Leistungen. Hinweise auf eine Beförderung der Versicherten finden sich darin abe r nicht. Auch sonst sind keine Gründe ersichtlich, welche die Heranziehung eines höheren Vali deneinkommens rechtfertigen würden. Das Abstellen auf den Sektor "65 Versicherungen" der rech tsprechungsgemäss grundsätzlich zum Tragen kommenden Tabelle TA1, erscheint sodann auch mit Blick auf den beruflichen Werdegang sowie den erzielten Verdienst bei der ehemaligen Arbeitgeberin im besagten Sektor zwei Jahre vor dem Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenb eginns in der Höhe von Fr. 75‘000.-- als angemessen. 7.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist pri mär von der beruflich- erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versich erte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit a us, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, da ss sie die ihr verbleibende Arbeitsfä- higkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zu dem das Einkommen aus der Ar- beitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gil t grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich er zieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt d es Gesundheitsschadens keine oder je- denfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigk eit aufgenommen hat, so können ins- besondere Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für S tatistik periodisch herausgegebe- nen Lohnstrukturerhebungen herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweis). 7.3.2 Was das Vorbringen der Beschwerdeführerin hinsich tlich der Bemessung des Invali- deneinkommens anbelangt, so erscheint es vorliegend zumi ndest fraglich, ob die Tätigkeit, die sie nach Eintritt der Invalidität noch bis im Jahre 2015 ausübte, die schliesslich jedoch aufgrund wiederholter Absenzen aus gesundheitlichen Gründen gekündigt wurde (vgl. IV-act. 331, S. 41), als stabil im Sinne der in vorstehender Erwägung zitier ten Rechtsprechung bezeichnet werden kann. Wie es sich damit im Detail verhält, braucht letztlich aber nicht abschliessend beantwortet zu werden. Wie sogleich aufzuzeigen sein wird (vgl. E. 7.3.3 hiernach), würde vorliegend selbst bei einem anhand der LSE ermittelten Invalideneinkomm en kein über einen Anspruch auf eine Viertelrente hinausgehender Invaliditätsgrad resultieren. 7.3.3 Dem gutachterlichen Zumutbarkeitsprofil entspre chend, wonach der Beschwerdeführe- rin ihre angestammte Tätigkeit als Bürokauffrau in ei nem reduzierten Pensum noch möglich ist, könnte man die Tabelle TA17 der LSE 2012 zur Anwendu ng bringen, welche – im Gegensatz zur Tabelle TA1 – die allgemeinen Büro- und Sekretari atskräfte ausdrücklich als eigene Katego- rie aufführt. Konkret wären im Fall der 1982 geborenen Versicherten die Durchschnittslöhne der Alterskategorie “30 - 49 Jahre“ massgebend und gemäss Sekt or 4, Frauen, ein monatliches Einkommen von Fr. 5'902.-- heranzuziehen. Nach Anpassun g dieses Betrags an die Nominal- lohnentwicklung (0,7% für das Jahr 2013) und Umrechnung auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden resultierte bei einem zumutbaren Erwe rbspensum von 60% ein Invalidenein- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommen von Fr. 44‘610.--. Selbst wenn man von der beruf lichen Situation ausgehen würde, in der die Versicherte konkret steht, und auf die Tabellenl öhne der ebenfalls gutachterlich zumut- baren Tätigkeit als sozialpädagogische Erzieherin abstellen würde, ergäbe sich ein Invaliditäts- grad unter der Erheblichkeitsgrenze von 50%. Grundlag e hierfür würde die Tabelle TA1, Sektor 85 Erziehung und Unterricht, Kompetenzniveau 2 und dam it ein monatliches Einkommen von Fr. 5‘438.-- bzw. ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 40‘703.10 bilden. 7.4.1 Für den Fall, dass kein Anspruch auf eine halbe Rente resultiert, macht die Beschwer- deführerin schliesslich geltend, es sei ein leidensbedingter Abzug zu prüfen. 7.4.2 Von dem vorstehend ermittelten statistischen Wert sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige Eidgenössische Versicherungsge- richt (EVG) seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Ta bellenlohn bereinigt und weiterent- wickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne her- abzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und berufliche n Umständen des konkreten Ein- zelfalles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebens alter, Anzahl Dienstjahre, Nationali- tät/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welch e nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom stati stischen Lohn unter Berücksichti- gung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale let ztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Zu beachten ist fer ner, dass allfällige bereits in der Beur- teilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einf liessen und so zu einer doppel- ten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2 mit Hinweis). 7.4.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 12. Ja- nuar 2018 keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährt, was nicht zu beanstanden ist. Den ge- sundheitlichen Einschränkungen wurde mit der veranschlag ten Arbeitsunfähigkeit von 40% be- reits vollumfänglich Rechnung getragen, zumal der Beschwerdeführerin auch ihre angestammte Tätigkeit noch zumutbar ist. Darüber hinaus bestehende qualitative Einbussen lassen sich dem massgebenden Gutachten nicht entnehmen und werden denn auch von der Beschwerdeführe- rin nicht vorgebracht. 7.5 Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens vo n Fr. 79‘072.-- und des der Verfügung vom 12. Januar 2018 zugrunde gelegten Invali deneinkommens im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns von Fr. 45‘110.-- resultiert ein Invaliditätsgrad von 43%. Selbst unter Berücksichtigung eines anhand der LSE ermittelten Invalideneinkommens von 44‘610.-- bzw. Fr. 40‘703.10 ergibt sich ein Invaliditätsgrad von g erundet 44% bzw. 48% (vgl. zur Run- dungspraxis: BGE 130 V 121 ff.). Somit hat die Beschwe rdegegnerin der Versicherten in den angefochtenen Verfügungen zu Recht eine Viertelsrente zu gesprochen. Bei diesem Ergebnis sind die dagegen erhobenen Beschwerden abzuweisen. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.