B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1727/2018 lan U r t e i l v o m 2 8 . M ä r z 2 0 1 9 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Lorenz Noli, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Nathalie Alemayehu. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Familienzusammenführung (Asyl) und Einreisebewilligung; zugunsten von B._______, geboren am (…), und C._______, geboren am (…), Eritrea Verfügung des SEM vom 20. Februar 2018 / N (…). D-1727/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 12. Mai 2015 ein Asylgesuch in der Schweiz ein. Mit Verfügung des SEM vom 20. Oktober 2016 wurde dieses gutgeheissen, seine Flüchtlingseigenschaft anerkannt und ihm Asyl ge- währt. B. Mit Eingabe vom 8. Februar 2018 ans SEM stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um Familienzusammenführung und Einreisebewilligung in die Schweiz für seine Freundin B._______ und seine Tochter C._______ ge- stützt auf Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG. Dazu reichte er eine Taufurkunde und eine Impfkarte seiner Tochter ein. C. Mit Verfügung vom 20. Februar 2018 – eröffnet am 2 2. Februar 2018 – verweigerte das SEM die Einreise von B._______ und C._______ und lehnte das Gesuch um Familienasyl ab. D. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. März 2018 (Datum Poststempel) Beschwerde beim Bundesverwal- tungsgericht. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei der Familiennachzug für seine Lebenspartnerin und seine Tochter zu bewilligen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses. Der Rechtsmitteleingabe legte er diverse Dokumente, unter anderem eine Kopie der Taufurkunde seiner Freundin bei. E. Mit Zwischenverfügung vom 3. April 2018 hiess das Bundesverwaltungs- gericht das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. F. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 5. April 2018 (Datum Post- stempel) die Übersetzung der Taufurkunde seiner Freundin nach. D-1727/2018 Seite 3 G. Mit Vernehmlassung vom 17. April 2018 hielt das SEM mit ergänzende n Bemerkungen an seiner Verfügung fest. H. Der Beschwerdeführer replizierte am 4. Mai 2018 (Datum Poststempel) un- ter Einreichung mehrerer Beilagen ( Kopien der Identitätskarte seiner ver- storbenen Schwester sowie des Totenscheins der Gemeinde D._______ und des offiziellen Totenscheins des Verteidigungsministeriums seines ver- storbenen Bruders). I. Mit Eingabe vom 29. Mai 2018 (Datum Poststempel) reichte der Beschwer- deführer die Übersetzungen der Identitätskarte seiner verstorbenen Schwester sowie des Totenscheins der Gemeinde D._______ und des of- fiziellen Totenscheins des Verteidigungsministeriums seines verstorbenen Bruders nach. J. Am 16. Oktober 2018 (Datum Poststempel) reichte der Beschwerdeführer das Original der Taufurkunde seiner Lebenspartnerin ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Be- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal- tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; D-1727/2018 Seite 4 Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände d agegen sprechen (Familienasyl). Nach Art. 1a Bst. e der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) sind die in dauernder eheähnlicher Gemeinschaft (Konkubi- nat) zusammenlebenden Personen den Ehegatten gleichgestellt. Wurden die anspruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt und befin- den sie sich im Ausland, ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG). 3.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt gemäss konstanter Rechtsprechung eine vorbestandene Familiengemein- schaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die fest beabsich- tigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus (BVGE 2012/32 E. 5). Von einer vorbestandenen Familiengemeins chaft im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist auszugehen, wenn die Eheleute zum Zeitpunkt der Tren- nung im gleichen Haushalt zusammen lebten. Eine Trennung liegt vor, wenn die Familiengemeinschaft durch die Flucht des asylberechtigten Mit- glieds ins Ausland getrennt wurde, oder wenn in der Heimat ein weiteres Zusammenleben im gemeinsamen Haushalt infolge zwingender Gründe nicht möglich war. Die Bewilligung der Einreise in die Schweiz setzt weiter voraus, dass die Verbindung zwischen den Eheleuten auch nach der Tren- nung aufrechterhalten und eine rasche Wiedervereinigung der Familie an- gestrebt wird (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil des BVGer D-3664/2016 vom 14. Dezember 2018 E. 5). 3.3 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa- miliengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Familien - gemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die fest beab-D-1727/2018 Seite 5 sichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzuwei- sen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4. 4.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner abweisenden Verfügung fest, der Beschwerdeführer und seine Freundin hätten sich dessen Angaben zu- folge im Jahr 2009 verliebt und im Jahr 2010 sei die g emeinsame Tochter zur Welt gekommen. Aufgrund seiner militärischen Ausbildung, dem Tod seines Bruders im Militärdienst im Jahr 2013 sowie dem Tod seiner Schwester im Jahr 2014 und seiner Flucht aus Eritrea im Jahr 2014 sei es ihm und seiner Freundin nicht möglich gewesen, in Eritrea zu heiraten. Be- züglich der Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seiner ver- meintlichen Partnerin ergäben sich eine Reihe von Ungereimtheiten. Bei der Befragung zur Person (BzP) habe er angegeben, seine Partnerin heisse E._______ und sei am (…) geboren. Im Familienasylgesuch habe er ihren Namen als F._______ bezeichnet und als Geburtsdatum den (…) angegeben. Zudem habe er keine rechtsgenüglichen Identitätsnachweise seiner Partnerin eingereicht. Folglich sei die Zugehörigkeit des nachzuzie- henden Angehörigen zur Familiengemeinschaft mangels Identitätsnach- weise nicht glaubhaft gemacht. Des Weiteren ergäben sich Ungereimthei- ten hinsichtlich der bestandenen Beziehung und Familiengemeinschaft mit der Partnerin und der gemeinsamen Tochter. Im Gesuch um Familienasyl habe er angegeben, sich Anfang des Jahres 2009 in seine Partnerin ver- liebt zu haben. Diese Angabe lasse sich nicht mit der Aussage bei der BzP vom 8. Juni 2015 vereinbaren, wonach zwischen ihnen seit fast acht Jah- ren, somit seit 2007, ein Konkubinat bestehe. Ferner habe er bei der BzP ausdrücklich ausgesagt, nicht mit seiner Partnerin unter einem Dach gelebt zu haben. Dies habe er bei der Anhörung wiederholt und angegeben, seine Partnerin und die gemeinsame Tochter würden bei den Eltern der Partnerin leben. Darüber hinaus habe er in den Jahren 2012 und 2013 die militäri- sche Ausbildung in G._______ absolviert. Nach Abschluss derselben bis zu seiner Ausreise habe er sich meist versteckt in Eritrea aufgehalten, wäh- rend dieser Zeit habe ebenfalls keine Familiengemeinschaft bestanden. Im Rahmen des Familienasylgesuchs habe er ausgeführt, dass die Todesum- stände seiner Geschwister ihn daran gehindert hätten , seine Partnerin zu heiraten und anschliessend in einem gemeinsamen Haushalt zu leben. Diesbezüglich bestünden ebenfalls Widersprüche, da er bei der Anhörung ausgesagt habe, im Juli 2013 vom Tod seines Bruders erfahren zu haben und dass seine Schwester im November 2013 verstorben sei. Hingegen habe er im Gesuch um Familienasyl ausgeführt, erst im Dezember 2013 D-1727/2018 Seite 6 vom Tod seines Bruders erfahren zu haben und seine Schwester sei im April 2014 verstorben. So habe er ferner ausgeführt , sechs Monate in D._______ und dann sechs Monate in H._______ versteckt gelebt zu ha- ben. Hingegen habe er bei der Anhörung angegeben, sich erst ab Mai 2014 bis September 2014 versteckt zu haben. Aufgrund dieser Ungereimtheiten habe zum Zeitpunkt seiner Flucht aus Eritrea keine Familiengemeinschaft mit seiner Partnerin und seiner Tochter bestanden, die durch die Flucht getrennt worden sei. Schliesslich sei auch keine fest beabsichtigte Famili- envereinigung erkennbar, zumal er über fünfzehn Monate zugewartet habe, bevor er mit einem Famil ienasylgesuch ans SEM gelangt sei. Sein Verhalten lasse vielmehr auf eine seit seiner Ausreise im Jahr 2014 gröss- tenteils abgebrochenen Beziehung zu seiner Tochter und Partnerin schlies- sen, weshalb zusätzlich von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG auszugehen sei. Die Voraussetzungen für die Gewährung von Familienasyl im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG seien somit nicht erfüllt. 4.2 Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, die Ungereimtheit betref- fend den Namen seiner Freundin, sei auf die Aussprache zurückzuführen. Dieser könne auf beide Arten ausgesprochen werden ( F._______ oder E._______). Die unterschiedlichen Altersangaben seien auf sein Unwissen zurückzuführen, so habe er einfach geschätzt, dass sie volljährig gewesen sei, als er sie in der 9. Klasse wiedergetroffen habe. Nach der Befragung habe sie ihn berichtigt, sie sei am (…) geboren und bei der Geburt der Tochter (…) Jahre alt gewesen. Als Identitätsnachweis habe er inzwischen die Taufurkunde seiner Partnerin nachreichen können . Er habe seine Freundin schon zwei Jahre vor dem Übertritt in die 9. Klasse im Haus sei- ner Tante in I._______ getroffen und schon recht gut gekannt. Deshalb habe er bei der Befragung eine längere Beziehungsdauer genannt. Als sie sich dann in der 9. Klasse im Jahr 2009 wiedergetroffen hätten, sei alles sehr schnell gegangen und seine Freundin sei schwanger geworden . Die Eltern hätten schockiert und ablehnend reagiert, doch er habe versprochen seine Freundin nach Absc hluss des Militärdi enstes zu h eiraten. Seine Freundin habe die Schule nach der Geburt der gemeinsamen Tochter ab- gebrochen, während er die Schule weiterhin besucht und anschliessend das 12. Schuljahr im Militärlager in G._______ gemacht habe. Nach einem Jahr sei er i m Juli 20 13 für einen Monat Ferien nach Hause gekommen. Da habe er erfahren, dass sein Bruder im Oktober 2012 auf dem Weg nach J._______ bei einer Razzia mitgenommen worden sei. Daraufhin habe sich der Vater bei der Verwaltung nach seinem vermissten Sohn erkundigt aber D-1727/2018 Seite 7 keine Informationen erhalten. Im Dezember 2013 habe der Beschwerde- führer dann offiziell von der Militäradministration erfahren, dass sein Bruder im Militärdienst verstorben sei. Bei der Befragung h abe er nicht gemeint, dass er schon im Juli 2013 vom Tod seines Bruders erfahren habe, sondern dass dieser verschleppt worden sei. Der Schock über den Tod des Bruders habe der Schwester so stark zugesetzt, dass sie vier Monate später eben- falls verstorben sei. Nach diesen Ereignissen sei er nicht in den Militär- dienst zurückgekehrt. Der Militärsuchdient habe die Verwaltung in seinem Dorf D._______ erst etwa Ende des Jahres 2013 über sein Fernbleiben vom Dienst informiert. So habe er in der ersten Zeit seiner Desertion noch recht ruhig in D._______ bleiben können. Er sei dennoch vorsichtig gewe- sen. Ab Mai 2014 seien die Suchtrupps häufiger gekommen , deshalb sei er nach H._______ geflüchtet. Seine Freundin habe nach der Geburt der gemeinsamen Tochter zuerst mehr bei ihren Eltern gewohnt. Nach der Nachricht vom Tod seines Bruders sei sie mehr zu ihm nach Hause gekom- men. In dieser Zeit hätten sie zusammen mit der gemeinsamen Tochter bei seiner Familie gelebt. Damals sei die Tochter (…) Jahre alt gewesen, sie habe gerne mit Nachbarskindern gespiel t und sei von allen Familienmit- gliedern, aber insbesondere von den Eltern betreut worden. Als er definitiv aus Eritrea geflüchtet sei, sei seine Tochter (…) Jahre alt gewesen. So hät- ten sie während dieser traurigen Zeit über ein Jahr zusammen unter dem gleichen Dach gelebt. Das Gesuch um Familiennachzug habe er erst im Februar 2018 gestellt, weil er erst nach langer Zeit die Dokumente seiner Tochter erhalten habe. Mit seiner Fam ilie habe er etwa alle ein bis zwei Monate telefonischen Kontakt. Er spreche immer auch mit seiner Tochter und sie erzähle ihm von der Schule und vom Leben bei seiner Familie. 4.3 In der Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer habe am 4. April 2018 eine Kopie der Taufurkunde seiner Lebenspartnerin eingereicht, um deren Identität glaubhaft nachzuweisen. Das Zivilstands- wesen in Eritrea sei nicht derart zuverlässig, als dass Dokumente als fäl- schungssicher erachtet werden könnten und ihnen da mit ein hoher Be- weiswert zugesprochen werden könne. Zudem könnten eritreische Doku- mente in Eritrea und anderswo käuflich erworben werden und hätten daher nur einen reduzierten Beweiswert. Geburts- oder Taufurkunden seien oh- nehin nicht geeignet, um die Identität einer Person zweifelsfrei und rechts- genüglich zu belegen. Bei der eingereichten Taufurkunde handle es sich um ein Blankoformular, welches anschliessend handschriftlich ausgefüllt worden sei. Ein auf diese Weise zustande gekommenes Dokument biete die Möglichkeit mehrfacher Manipulationen an. Zusammenfassend sei die Identität der Lebenspartnerin mit der nachgereichten Taufurkunde nicht D-1727/2018 Seite 8 glaubhaft gemacht worden. Im Übrigen seien die Ungereimtheiten hinsicht- lich der Beziehung und Familiengemeinschaft des Beschwerdeführers mit seiner Partnerin und der gemeinsamen Tochter in Eritrea nicht plausibel aufgelöst worden. 4.4 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Replik im Wesentlichen, es sei bekannt, dass in Eritrea Taufurkunden von der Kirche ausgestellt wür- den. Es sei die Regel, dass eine Taufurkunde nach der Taufzeremonie von der Kirchenadministration handschriftlich ausgefüllt werde. Der Stempel des Patriarchats der Eritreischen koptisch-orthodoxen Kirche und dem Kir- chensiegel des Priesters seien zusätzliche Merkmale für deren Gültigkeit. Zudem reiche er Kopien der Identitätskarte seiner verstorbenen Schwester sowie der zwei Totenscheine seines Bruders ein. Damit beweise er, dass es ihm und seiner Partnerin in der sechsmonatigen obligatorischen Trau- erzeit nicht möglich gewesen sei, zu heiraten. Sein Bruder sei am (…) 2012 verstorben, zu diesem Zeitpunkt habe er wie in der Beschwerde angege- ben mündlich davon erfahren. Hingegen habe die Familie erst im Februar 2014 von der Gemeindeverwaltung in D._______ einen Totenschein erhal- ten. Mit der Bestätigung der Gemeinde hätten sie dann den offiziellen To- tenschein vom Militärcamp in K._______ beantragen können. Dieser sei bereits am (…) 2013 ausgestellt worden, jedoch erst nach seiner Ausreise aus Eritrea zugestellt worden. Er sei gerne bereit eine DNA -Analyse be- züglich seiner Tochter zu machen. 5. 5.1 Zentrale Bedingung für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ist, dass bereits vor der Flucht aus dem Verfolgerstaat eine Familiengemein- schaft zwischen der gesuchstellenden und der anspruchsberechtigten Per- son bestanden hat (vgl. dazu die Botschaft zur Totalrevision des AsylG so- wie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 1 ff., insb. S. 68). Das Familienasyl dient weder der Aufnahme von neuen respektive von zuvor noch gar nicht gelebten familiären Beziehungen noch der Wiederaufnahme von zuvor abgebrochenen Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2 m.w.H.). 5.2 Die eheähnliche Gemeinschaft „Konkubinatsverhältnis“ wird – wie be- reits festgestellt – vom Anspruch auf Familienasyl nach Art. 51 Abs. 4 AsylG ebenfalls umfasst. Als eheähnliche Gemeinschaft im Sinne von Art. 1 a Bst. e AsylV1 wird ein Konkubinat im Wesentlichen dann bezeichnet, wenn D-1727/2018 Seite 9 es sich dabei um eine dauerhafte, grundsätzlich exklusive Lebensbezie- hung handelt, die vereinfachend auch als "Tisch-, Bett- und Wohngemein- schaft" bezeichnet wird; ob eine solche eheähnliche Beziehung vorliegt, ist unter Würdigung aller massgebenden Umstände des Zusammenlebens zu beurteilen (vgl. BVGE 2012/4 E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Der Beschwerdeführer machte geltend, seine Partnerin und er würden seit dem Jahr 2009 eine Beziehung führen, aus der im Jahr (…) auch eine gemeinsame Tochter hervorgegangen sei. Sie hätten die Absicht gehabt, nach seiner Rückkehr von der militärischen Ausbildung in G._______ zu heiraten. Als er im Juli 2013 zurückgekommen sei, sei es aufgrund der Er- eignisse um seinen Bruder beziehungsweise den beiden Todesfälle in sei- ner Familie (Bruder und Schwester des Beschwerdeführers) nicht möglich gewesen, eine Hochzeit zu planen . Doch die Absicht zur Heirat besteh e weiterhin; sobald seine Partnerin in die Schweiz komme, wollten sie heira- ten. 5.4 Der Argumentation der Vorinstanz ist im Ergebnis zu folgen. Aus den Akten ergibt sich, dass nicht von einer eheähnlichen Gemeinschaft ausge- gangen werden kann. Im Rahmen des Familienasylgesuchs machte der Beschwerdeführer sodann zum ersten Mal geltend, seine Partnerin habe nach der Geburt der Tochter abwechselnd bei ihren Eltern und den Schwie- gereltern gewohnt, während er die Schule besucht habe und anschlies- send nach G._______ gegangen sei (SEM acte. Z1). I n der Beschwerde- schrift führte er aus, seine Freundin habe nach der Nachricht vom Tod sei- nes Bruders über ein Jahr mit ihm zusammen gewohnt. Diese Aussagen stehen in klarem Widerspruch zu den Ausführungen im erstinstanzlichen Asylverfahren. In der BzP als auch der Anhörung verneinte der Beschwer- deführer explizit, mit seiner Partnerin und der gemeinsamen Tochter zu- sammengelebt zu haben, sie hätten jedoch alle im gleichen Dorf (D._______) gelebt und sich oft gegenseitig besucht (SEM acte. A28 F29; A4, 1.14, S. 4). Insgesamt kann das widersprüchliche als auch nachge- schobene Vorbringen das Zusammenleben betreffend nicht geglaubt wer- den. Da der Beschwerdeführer somit zu keinem Zeitpunkt mit seiner Part- nerin und seiner Tochter im gleichen Haushalt gelebt hat, kann vorliegend nicht von einer eheähnlichen Gemeinschaft ausgegangen werden. Bei die- ser Sachlage können auch den eingereichten Beweismitteln keine stich- haltigen Hinweise dafür entnommen werden, dass der Beschwerdeführer mit seiner Partnerin bereits in Eritrea in einer eheähnlichen Gemeinschaft gelebt hätte (vgl. dazu anstelle vieler auch Urteil des BVGer D-5304/2016 D-1727/2018 Seite 10 vom 23. Oktober 2017 E. 3). Demzufolge ist zu keinem Zeitpunkt das Be- stehen einer vorbestandene Familiengemeinschaft ersichtlich. So fehlt es vorliegend an dem für eine Familienzusammenführung aus dem Ausland im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG zwingenden Erfordernis einer bereits vor der Flucht aus dem Verfolgerstaat bestandenen Familiengemeinschaft. 5.5 Nach dem Gesagten hat das SEM das Gesuch um Bewilligung der Ein- reise in die Schweiz und Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG zu Gunsten der Partnerin B._______, und der Tochter C._______ zu Recht abgelehnt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung vom 3. April 2018 hiess das Gericht das Gesuch um Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung gut. Entsprechend hat der Beschwerdeführer vor- liegend keine Verfahrenskosten zu tragen. (Dispositiv nächste Seite) D-1727/2018 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Nathalie Alemayehu Versand: