B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3272/2011 U r t e i l v o m 11 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), Sri Lanka, vertreten durch Martina Culic, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Mai 2011 / N_______. D-3272/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein aus B._______/C._______ (Nordprovinz) stammender ethnischer Tamile mit letztem Wohnsitz in D._______ (Nord- provinz) verliess Sri Lanka eigenen Angaben gemäss am 7. Juni 2008 auf dem Luftweg und gelangte über E._______ und F._______ am 9. Juni 2008 illegal in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) in G._______ um Asyl nachsuchte. Nach der dort am 16. Juni 2008 durchgeführten Kurzbefragung wurde der Beschwerdefü h- rer mit Verfügung vom 23. Juni 2008 für den Aufenthalt während des Asylverfahrens dem Kanton H._______ zugewiesen. Am 17. Oktober 2008 wurde der Beschwerdeführer vom BFM zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Gesuchs führte er im W e- sentlichen aus, sein Vater sei (...) gewesen und habe ein (Nennung Ge- schäft) mit 50 Angestellten geführt, das für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) (Art der Tätigkeit für die LTTE) habe. Auch er sei im G e- schäft seines Vaters beschäftigt gewesen. Am (...) sei die sri -lankische Armee erschienen und habe nach ihm und seinem Vater gesucht. In der Folge sei sein Vater von den Soldaten erschossen worden. Er habe sich an diesem Tag auf dem Spielfeld befunden und von seiner Tante erfa h- ren, was geschehen sei. Diese habe ihn nach I._______ zu einer anderen Tante gebracht und man habe ihn schliesslich aus Gründen der Siche r- heit nach Colombo geschickt . Dort habe er sich in einem Hotel in J._______ aufgehalten und sei, als er nach draussen gegangen sei, von der Armee festgenommen, geschlagen und malträtiert worden. Anschlies- send habe man ihn der Polizei übergeben. Freunde aus dem Hotel hätten seine Tante über den Vorfall informiert, die ihrerseits seinen Onkel nach Colombo geschickt habe, der mittels einer Geldzahlung seine Freilassung habe erwirken können u nd ihn ins Vanni -Gebiet nach D._______ mitge- nommen habe. Die LTTE hätten dann begonnen, dort Kämpfer zu rekr u- tieren, worauf er auf dem Seeweg nach (...) habe flüchten wollen. Sein Onkel habe ihn bei K._______ in ein Boot gesetzt, ohne zu wissen, dass dieses von den LTTE betrieben worden sei. Er sei daraufhin anstatt nach (...) nach L._______ gebracht und dort gezwungen worden, wie alle a n- deren auch ein einmonatiges Training zu absolvieren. Ab (...) habe er im Kampfgebiet für die LTTE Arbeiten ausführen müssen, so beispielsweise Gräber ausheben, Tote beerdigen, Verletzte tragen und Massnahmen zum Schutz von Bunkern durchführen. Er habe im (...) seine Frau bezie- hungsweise Lebenspartnerin kennengelernt. Die LTTE hätten ihre Zusage D-3272/2011 Seite 3 zu einer Heirat aber verweigert, d a er nicht zu einer Heldenfamilie gehör t habe. Sie hätten in der Folge etwa zehn Tage pro Monat – ohne dass dies die LTTE zunächst gewusst hätten – zusammengelebt. Als die LTTE von diesem Arrangement jedoch erfahren hätten, sei er mit harten Arbeitsein- sätzen bestraft worden. Am (...) sei der Bruder seiner Frau, der bei der Bewegung gewesen sei, bei einem Gefecht getötet worden. Er habe d a- nach dessen Leichnam zur Familie zurückgebracht, der noch am gleichen Tag beerdigt worden sei. Er habe von den LTTE (...) Urlaub erhalten, den er zur Ausreise genutzt habe. Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. B. Mit Verfügung vom 18. Mai 2011 – eröffnet am 24. Mai 2011 – lehnte das BFM das Asylbegehren des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzei- tig die Wegweisung und deren Vollzug an. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Schilderungen des Beschwer- deführers die Anforderungen von Art. 3 des Asylge setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten. Der Vollzug der Wegweisung sei als zulässig, zumutbar und möglich zu e r- achten. C. Mit Eingabe vom 8. Juni 2011 beantragte der Beschwerdeführer die Au f- hebung der vorins tanzlichen Verfügung, die Feststellung der Flüchtling s- eigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei er wegen Un- zumutbarkeit de s Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufz u- nehmen. Es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten . Auf die Begrü n- dung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Schreiben vom 20. Juni 2011 reichte der Beschwerdeführer in Ergä n- zung seines Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung eine Fürsorge- bestätigung der (...) zu den Akten. E. Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 29. Juni 2011 wurde dem Be- schwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne und über das Gesuch um Gewährung der u n-D-3272/2011 Seite 4 entgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde. Antragsgemäss wurde auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses verzichtet. F. Mit Eingaben vom 16. August 2011 und 26. September 2011 legte der Be- schwerdeführer weitere Beweismittel (Auflistung Beweismittel) ins Recht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltun gs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen D-3272/2011 Seite 5 auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzi chten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung de s Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widers prüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des ablehnenden Asylen t- scheids im Wesentlichen an, die Vorbringen des Besc hwerdeführers müssten vor dem Hintergrund der allgemein angespannten Situation in Sri Lanka während des Bürgerkriegs betrachtet werden. Nach dem Wa f- fenstillstand im Jahre 2002 und dem Wiederaufflammen des innerstaatl i- chen Konfliktes zwischen der sri -lankischen Armee und de n LTTE im Sommer 2006 sei die tamilische Bevölkerung von lokal bedingten Verfo l- gungsmassnahmen seitens der sri -lankischen Sicherheitskräfte und der mit ihnen verbündeten bewaffneten Truppen besonders betroffen gew e- sen. Die Situation in Sri Lanka stelle sich heute jedoch anders dar: Mit der Niederlage der LTTE im Mai 2009 befinde sich das ganze Land wi e- der unter der Kontrolle der Regierung und es sei zu keinen terroristischen Aktivitäten der LTTE mehr gekommen. Die Sicherheits - und Menschen- rechtslage sei zwar noch nicht in allen Teilen des Landes zufriedenste l- lend, doch sei die Anzahl von Gewaltereignissen erheblich zurückgega n- gen, die LTTE verfüg ten über keine handlungsfähige Struktur mehr und stellten damit auch für den Beschwerdeführer kei ne unmittelbare Bedr o-D-3272/2011 Seite 6 hung mehr dar. Auch der Einfluss der bewaffneten Gruppen habe stark abgenommen und es bestehe keine Zusammenarbeit mehr derselben mit der Regierung. Übergriffe auf die Zivilbevölkerung von Seiten krimineller Einzeltäter oder bewaffnete r Gruppen würden mittlerweile von den z u- ständigen Behörden geahndet. Es sei zwar zutreffend, dass die sri -lanki- schen Behörden nach wie vor gegen ehemalige Kämpfer und Führung s- persönlichkeiten der LTTE vorgehen würden. Der Beschwerdeführer g e- höre jedoch n icht zu diesem Kreis von Personen, sondern sei von de n LTTE ab dem Jahre (...) lediglich zu logistischer Hilfeleistung gezwungen worden. Zudem bedeute seine Freilassung nach Zahlung einer Geldlei s- tung eines Onkels in Colombo, dass er bereits zu diesem Zeit punkt von den sri-lankischen Behörden nicht mehr ernsthaft der aktiven Unterstü t- zung der LTTE verdächtigt worden sei. Andernfalls wäre gegen ihn von Seiten der Behörden konsequent vorgegangen worden. In seinen Schi l- derungen fänden sich zudem keine Hinweise, dass die sri-lankischen Be- hörden – rund zwei Jahre nach Ende des Bürgerkrieges – ein ernsthaftes Verfolgungsinteresse an seiner Person haben sollten. Angesichts seines geringen politischen Profils sei nicht davon auszugehen, dass er zum je t- zigen Zeitpunkt mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von asylrelevanten Schwierigkeiten bedroht sei. Hinsichtlich der geltend gemachten Verfo l- gung durch die LTTE sei festzuhalten, dass aus objektiver Sicht nicht b e- fürchten müsse, sich heute noch mit asylrelevante r Verfolgung konfro n- tiert zu sehen. Bei erneuten Behelligungen habe er die Möglichkeit, bei den Behörden um Schutz zu ersuchen, zumal nicht auf eine grundsätzl i- che Schutzunwilligkeit der sri -lankischen Behörden geschlossen werden könne. 3.2 Demgegenüber hielt der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmittelei n- gabe im Wesentlichen fest, neue Berichte zur Lage in seiner Heimat wü r- den zeigen, dass sich die Situation für die tamilische Bevölkerung und vor allem für mutmassliche Sympathisanten der LTTE keineswegs verbessert habe. So sei die Notstandsgesetzgebung noch immer in Kraft und auch der berüchtigte Sicherheitsapparat sei nach wie vor aktiv. Weiter gebe es in Sri Lanka keine fairen Gerichtsverfahren und unabhängige Gerichte. Eingehende Überprüfungen von Rückkehrern am Flughafen am Colombo stellten für Tamilen ein grosses Verhaftungsrisiko dar, nicht zuletzt für sol- che Personen, die das Land zur Kriegszeit verlassen hätten und nach längerer Landesabwesenheit in ihre Heimat zurückkehrten. Auch sei die Registrierungspflicht, trotz deren Abschaffung, für Tamilen de facto in g e- wissen Stadtteilen von Colombo wieder eingeführt worden. Seit offiziellem Kriegsende würden die meisten der Tamilen, die der Unterstützung der D-3272/2011 Seite 7 LTTE verdächtigt würden, in illegalen Lagern gefangen gehalten. Generell seien Tamilen eine m erhöhten Risiko willkürlicher Polizeimassnahmen ausgesetzt. Die Berichterstattung aus Sri Lanka vermittle zudem nicht das Bild fortlaufend normalisierender Lebensbedingungen, wie dies die Vorinstanz im angefochtenen En tscheid dargelegt habe. Die aktuelle S i- cherheits- und Menschenrechtslage im Osten und Norden Sri Lankas sei trotz der Beendigung des Bürgerkriegs noch eindeutig ungenügend, um die Rückkehr als zumutbar zu qualifizieren. Auch gemäss dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5453/2010 vom 4. April 2011 bleibe die po- litische und menschenrechtliche Situation in Sri Lanka äusserst probl e- matisch. Vorliegend weise er nähere Beziehungen zu den LTTE auf, wes- halb er entgegen der vorinstanzlichen Ansicht durchaus gro sse Gefahr laufe, von den sri -lankischen Sicherheitskräften für seine Arbeit festg e- nommen, gefoltert und sogar getötet zu werden. Er erfülle demnach die Flüchtlingseigenschaft. 4. 4.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Abwägung sämtlicher Aussagen und unte r Berücksichtigung des Länderurteils zu Sri Lanka vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24) , welches sich einlässlich mit den Risikogruppen der auch nach Beendigung des Bürgerkriegs noch gefäh r- deten Personen auseinandersetzt, zum Schluss, dass das BFM das Asyl- gesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat. Dieser weist – nach Beendigung der Kriegshandlungen – kein solches Risikoprofil auf, dass er mit Verfolgung zu rechnen hat. 4.1.1 Im erwähnten Urteil wird einleitend fest gehalten, dass die Regi e- rung Sri Lankas am 19. Mai 2009 offiziell den Sieg der Regierungstru p- pen über die LTTE verkündet und Präsident Rajapakse den seit 26 Ja h- ren dauernden Krieg für beendet erklärt habe. Das Führungskader der LTTE sei der Medienberichterstattung zufolge komplett ausgelöscht wo r- den. Hinweise auf aktive LTTE-Kader im Norden Sri Lankas gebe es ke i- ne. Die höchstrangigen LTTE-Kader seien entweder gefangen genommen oder getötet worden (so auch der LTTE -Chef Velupillai Prabhakaran), oder sie hätten das Land verlassen können. Es gebe k eine Anzeichen, dass die LTTE heute noch in der Lage wären, Angriffe auf die Sicherheits- kräfte oder sonstige Attentate auszuführen. Es sei somit davon auszug e- hen, dass im heutigen Zeitpunkt von den LTTE keine Verfolgungshan d- lungen mehr ausgingen und diese Organisation respektive deren Fü h- rungsverantwortliche nicht mehr als Verfolger in Erscheinung treten könn- ten (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.1 S. 488 f.). D-3272/2011 Seite 8 4.1.2 Sodann definiert das erwähnte Urteil diverse Personenkreise, die heute trotz der verbesserten Sicherheitslage seit Beendigung des militäri- schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausg e- setzt sind. Zum erhöht gefährdeten Personenkreis gehören unter and e- rem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex-Generals Sarath Fonseka. Weiter gelten als ge- fährdet Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Pe r- sonen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen. Hinsichtlich der Gefährdung von abgewiesenen Asylbewerbern hält das Urteil fest, zwar könne nicht generell angenommen werden, dass abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz bei der Rückkehr nach Sri Lanka alleine aus diesem Grund in einen behördlichen Verdacht geraten, während ihres Aufenthaltes in der Schweiz Kontakte mit führenden LTTE -Kadern unter- halten zu haben. Weder das UNHCR noch andere Organisationen hätten bisher auf eine diesbezügliche, generell drohende Gefahr hingewiesen. Dies schliesse indessen nicht aus, dass abgewiesenen tamilischen Asyl- suchenden im Einzelfall nahe Kontakte zu LTTE -Kadern unterstellt we r- den könnten, was eine konkrete Gefährdung bedeuten könne. Die Ei n- schätzung einer diesbezüglich gearteten Gefahr könne nicht generell vo r- genommen werden, sondern hänge von den individuellen Gegebenheiten im Einzelfall ab. Je näher die betreffende Person in das Umfeld der oben beschriebenen Risikogruppen gerate, desto höher müsse die entspr e- chende Gefahr eingeschätzt werden, seitens der sri-lankischen Behörden der Entfaltung missliebiger politischer Kontakte respektive Tätigkeiten be- zichtigt und in der Folge in asylbeachtlichem Ausmass verfolgt zu werden (vgl. BVGE 2011/24 E. 8 S. 493 ff.). 4.1.3 Mit der Gefährdungssituation, jedoch im Hinblick auf eine gegen die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verstossende Behandlung n a- mentlich von Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, hat sich auch der Europäische Gerichtsho f für Menschenrechte (EGMR) wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. De n- mark, Application no. 20594/08, Entschei d vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Auch der EGMR hält fest, dass nicht in genereller Weise davon auszug e- hen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; e i- ne entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Fak-D-3272/2011 Seite 9 toren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schlie s- sen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein I nte- resse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR n a- mentlich Aspekte wie eine frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines o f- fenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die A n- werbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körperna r- ben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE -Mitglied (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2 S. 503 f.). 4.1.4 Als weitere, möglicherweise gefährdete Perso nengruppe nennt das erwähnte Lageurteil des Bundesverwaltungsgerichts Personen, die über beträchtliche finanzielle Mittel verfüg en (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.5 S. 497 f.). Diese seien einer erhöhten Gefahr von Erpressungen, Kidna p- ping und anderen Verfolgungsh andlungen ausgesetzt. Die regierung s- treuen, paramilitärischen Gruppierungen der Eelam People’s Democratic Party (EPDP), People's Liberation Organisation of Tamil Eelam (PLOTE), Tamil Eelam Liberation Organization (TELO) und der Eelam People's Re- volutionary Liberation Front (EPRLF) würden für die Entführung von G e- schäftsleuten und anderer wohlhabenden Personen im Norden Sri La n- kas verantwortlich gemacht. Bereits während des Bürgerkriegs waren so - wohl in Gebieten unter Regierungskontrolle als auch in den umk ämpften LTTE-Gebieten vorwiegend weisse Minibusse ("white vans") in Ersche i- nung getreten, welche in Verbindung zur gestiegenen Zahl von ve r- schwundenen Personen gebracht werden mussten, wobei nicht in jedem Entführungsfall das politische Profil ausschlaggeb end war. Eine Vielzahl wohlhabender Geschäftsleute wurde namentlich durch die damalige K a- runa-Gruppe entführt. Diese Entführungs - und andere Aktionen wurden seitens der Sicherheitskräfte oft passiv gedeckt oder geduldet; zum Teil wurden diese sogar selber für die Entführungen verantwortlich gemacht. Einen polizeilichen Schutz davor gab es nicht und die entsprechenden Ta- ten wurden so gut wie nie aufgeklärt (vgl. BVGE 2008 Nr. 2 E. 7.2.4). Entsprechende Entführungen sollen auch heute noch stattfinden, jedoch in einem reduzierten Ausmass. Dabei werden insbesondere lokale G e- schäftsleute ins Visier genommen. Die genaue Urheberschaft bleibt u n- klar. D-3272/2011 Seite 10 4.1.5 Soweit der Beschwerdeführer eine Verfolgung durch die LTTE ge l- tend machte, kann eine solche – in Bestätigung der vor instanzlichen Ar- gumentation – aus heutiger Sicht ausgeschlossen werden, da die LTTE gemäss weitgehend übereinstimmenden Quellen im gesamten Staatsg e- biet von Sri Lanka als zerschlagen gelten. 4.1.6 Weiter ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als (...) nicht in einem als brisant oder politisch heikel zu bezeichnenden Geschäftsbereich bewegt e. Nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts ist nicht davon auszugehen, dass er a l- leine aufgrund dieser beruflichen Betätigung das Augenmerk der sri - lankischen Behörden oder ihnen nahestehender paramilitärischer Gru p- pierungen wie die Karuna -Gruppe auf sich zog oder ins künftig mit en t- sprechenden Behelligungen rechnen muss , auch wenn er im Geschäft seines Vaters – der für die LTTE (Art der Tätigkeit) habe – mitgearbeitet haben will (vgl. dazu auch Ziffer 4.2.7 unten) . Hinzu kommt, dass auch nicht davon auszugehen ist, er werde in Sri Lanka als besonders verm ö- gender Geschäftsmann wahrgenommen und unterstehe als solcher e i- nem erhöhten Risiko, potenzielles Opfer von Erpressungs - oder Entfüh- rungsaktionen zu werden. 4.1.7 Im Weiteren weist er kein Profil auf, das darauf schliessen liesse, dass er seitens der sri-lankischen Behörde als dissident oder politisch op- positionell wahrgenom men würde oder einer anderweitigen, oben b e- schriebenen Risikogruppe angehören würde. Der Beschwerdeführer war nie selbst politisch aktiv und sympathisierte den Akten zufolge auch nicht mit militanten tamilischen Rebellenorganisationen , sondern sei eigenen Angaben zufolge gezwungen worden, für die LTTE Arbeiten zu verrichten (vgl. act. A1/8, S. 5; A13/13, S. 4 ff.). Alleine der Umstand, dass er zur Si- cherung seiner Existenzgrundlage als (...) mit seinem Vater zusamme n- gearbeitet habe, vermag an dieser Einschätzung – auch wenn sie (Auflis- tung der Tätigkeiten) – nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer hielt denn auch anlässlich der direkten Anhörung ausdrücklich fest, er habe vor seiner erzwungenen Unterstützung keine Lust verspürt, sich für die LTTE zu engagieren (vgl. act. A13/13, S. 10). Was die vorgebrachte S u- che der Sicherheitskräfte nach ihm und seinem Vater sowie die Tötung seines Vaters durch die Armee im (...) betrifft, reichte der Beschwerdefüh- rer auf Beschwerdeebene (Auflistung Beweismittel) zu den Akte n. Diese Beweismittel lassen jedoch keine konkreten Rückschlüsse auf eine i r- gendwie geartete asylbeachtliche Verfolgungssituation zu. So fällt bei der Todesbescheinigung auf, dass der Beruf des Vaters in der englischen D-3272/2011 Seite 11 Übersetzung mit "labourer", also "Arbeiter", bezeichnet und in der deu t- schen Übersetzung – welche durch einen Amtsdolmetscher durchgeführt wurde – gar mit "Hilfsarbeiter" aufgeführt wird, obwohl gemäss den Au s- sagen des Beschwerdeführers der Schluss gezogen werden muss , dass sein Vater ein eigenes (Nennung Geschäft) mit 50 Angestellten, darunter auch den Beschwerdeführer selber, führte (vgl. act. A1/8, S. 5; insbeson- dere A13/19, S. 7 oben). Zudem brachte er vor, sein Vater sei durch die Armee getötet worden, was sich aber kaum mit den Festste llungen der auf dem Todesschein vermerkten untersuchenden Beamtin in Überei n- stimmung bringen lässt, wonach der Vater "von Unbekannten erscho s- sen" worden sein soll. Die entsprechende Todesbescheinigung vermag daher weder eine rechtsgenügliche Beweiskraft hi nsichtlich der vorg e- brachten Urheberschaft des Todes seines Vaters noch bezüglich der in diesem Zusammenhang vorgebrachten gleichzeitigen behördlichen Su- che im Jahre (...) nach seiner Person zu erbringen. Weiter ist der U m- stand, dass der Beschwerdeführer nach seiner Festnahme in Colombo aufgrund einer Geldzahlung wieder freigekommen sei, als deutliches I n- diz dafür zu werten, dass gegen ihn kein konkreter Verdacht einer LTTE- Unterstützung vorlag, ansonsten – wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Recht festhielt – weitere behördliche Massnahmen gegen ihn eingeleitet worden wären. In diesem Lichte sind denn auch die beiden eingereichten Bestätigungen (Nennung Bestätigungen) gemäss welchen die Sicherheitskräfte den Beschwerdeführer wiederholt zu Hause gesucht hätten, zu betrachten und deren Inhalt ist entsprechend zu relativieren. So wird aus diesen überdies nicht ersichtlich, ob d ie darin enthaltenen Feststellungen auf eigenen Wahrnehmungen der Verfasser beruhen und aus welchen Gründen die Sicherheit skräfte überhaupt nach dem B e- schwerdeführer gesucht haben sollen . Die von (...) Bestätigung deutet zudem darauf hin, dass diese lediglich auf Wunsch der Mutter des B e- schwerdeführers ausgestellt wurde. In diesem Zusammenhang wird fer- ner nicht ersichtlich, w eshalb sich die Sicherheitskräfte rund (...) Jahre nach der geltend gemachten Suche im (...) erneut des Beschwerdefüh- rers bemächtigen sollten. Überdies lassen die Umstände der Ausreise ebenfalls nicht den Schluss zu, dass er das Augenmerk der sri-lankischen Behörden in irgendeiner Weise auf sich gezogen haben könnte. So sei er eigenen Angaben zufolge mit einem vom Agenten beschafften Reisepass, den er unterschrieben habe, über den internationalen Flughafen von C o- lombo unbehelligt ausgereist. Diesbezüglich i st es als überwiegend u n- wahrscheinlich zu erachten, dass er den im Pass aufgeführten Namen nicht gekannt haben soll, zumal er dadurch bei der Ausreise ein erhebl i- ches Risiko der Entdeckung eingegangen wäre, hätte der Beschwerd e-D-3272/2011 Seite 12 führer doch keine Auskunft ge ben können, falls ihn einer der kontrolli e- renden Beamten bei der Ausreise nur schon nach seinem vollständigen Namen gefragt hätte (vgl. act. A1/ 8, S. 5 f.). So muss die betroffene Pe r- son, welche insbesondere über einen internationalen Flughafen unbehe l- ligt ausreisen oder weiterreisen will, gewisse Verhaltensregeln beher r- schen und Kenntnisse über abgegebene Reisepapiere besitzen, um die Gefahr einer Entdeckung möglichst gering zu halten. Zudem ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den erhaltenen Pa ss – wenn auch nur kurz – studiert haben muss, ansonsten es ihm schon gar nicht möglich gewesen wäre anzugeben, dass im Pass ein anderer als sein e i- gener Name beziehungsweise ein anderes Geburtsdatum eingetragen gewesen sei. Die beiden Bestätigungen vermög en daher angesichts ob i- ger Erwägungen die darin vorgebrachte behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer ebenfalls nicht in rechtsgenüglicher Weise zu belegen, weshalb ihnen daher keine Beweiskraft beigemessen werden kann. 4.1.8 Sodann sind aus den Verfahrensakten auch keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich, die darauf schliessen liessen, dass der Beschwerdeführer während seines Aufenthaltes in der Schweiz nahe Kontakte zu den LTTE unterhalten haben könnte. 4.1.9 Das Bundesverwaltungsgericht geht aufgrund der gesamten Akten- lage nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer von den sri -lankischen Sicherheitskräften oder von paramilitärischen Gruppierungen landesweit gesucht wurde beziehungsweise in Zukunft verfolgt würde. Alleine der Umstand, dass er seit (...) Jahren landesabwesend war und in der Schweiz ein Asylgesuch einreicht e, vermag seine Flüchtlingseigenschaft ebenfalls nicht zu begründen. 4.2 Es ist zusammenfassend festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Heimatstaat keiner asylbeachtlichen Verfolgungssituation ausgesetzt wur- de, und es muss auch im heutigen Zeitpunkt nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten müsste. Es erübrigt sich desha lb, auf die weiteren Aus führungen in der Beschwerdeschrift und den übrigen Eingaben des Beschwerdeführers nä- her einzugehen, da sie an obiger Erkenntnis nichts zu ändern vermögen. In Würdigung sämtlicher Umstände folgt, dass er keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. D ie Vorinstanz hat sein Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. D-3272/2011 Seite 13 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. Entscheidungen und Mitt eilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläu fige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer W eiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschl i- cher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwe r-D-3272/2011 Seite 14 deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG vera n- kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den He i- matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerd e- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, d ass er für den Fall e i- ner Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Der EGMR hat sich – wie erwähnt (vgl. oben Ziff. 4.1.3) – wiederholt mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK -widrige Behandlung von Tamilen befasst, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2 S. 503 mit weiteren Hinweisen). Der Gerichtshof unterstreicht dabei, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe u n- menschliche Behandlung. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dem Umstand müsse gebührende Beachtung geschenkt werden, dass die einzelnen Ri- sikofaktoren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellten, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle e r- reicht sein könnte, namentlich unter der weiteren Berücksichtigung der aktuellen, geg ebenenfalls erhöhten, Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden allgemeinen Lage. 6.2.4 Was die Prüfung derartiger Risikofaktoren betreffend die Situation des Beschwerdeführers anbelangt, ist an dieser Stelle auf die vorang e- gangenen Erwägungen zu verweisen, aus welchen sich ergibt, dass er im Hinblick auf die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keiner Risikogruppe zugerechnet werden kann (vgl. E. 4. 1). Da er nicht nachweisen bezie- hungsweise glaubhaft machen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland zu befürchten, die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine D-3272/2011 Seite 15 menschenrechtswidrige Behandlung im Heimatla nd drohen. Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Fakto- ren in Bezug auf seine Situation lassen demnach den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. 6.2.5 Ferner ist mit Blick auf seine sich auch als Asylbewerberin in der Schweiz aufhaltende Lebenspartnerin (Geschäfts-Nr. [...]; [...]N_______) und ihr gemeinsames Kind Folgendes festzuhalten: Gemäss Art. 8 EMRK hat jede Person das Recht auf Achtung ihres Familienlebens. Unter g e- wissen Umständen lässt sich daraus ein Anspruch auf Erteilung einer Anwesenheitsbewilligung ableiten, da es Art. 8 EMRK verletzen kann, wenn einem Ausländer, dessen Familienangehörige hier weilen, die A n- wesenheit in der Schweiz untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird (vgl. BGE 126 II 335 E. 2.1 S. 339). Ein Familienmitglied muss dabei über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht (schweizerische Staatsangeh ö- rigkeit, Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung, auf deren Verläng e- rung ein Anspruch besteht) verfügen. Vorliegen d verfügen weder der B e- schwerdeführer noch seine Lebenspartnerin über ein gefestigtes Anw e- senheitsrecht im oben erwähnten Sinne. Die Beschwerde gegen das a b- gelehnte Asylgesuch seiner Lebenspartnerin wird überdies mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gleichen Datums abgewiesen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insb e- sondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausg e- setzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen a n- gewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigen- schaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips erfü l- len, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren könn en. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorh errschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres D-3272/2011 Seite 16 Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f., vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367). 6.3.2 In der angefochtenen Verfügung vom 18. Mai 2011 hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Wesentlichen fest, der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den sepa- ratistischen LTTE sei im Mai 2009 mit deren Niederlage zu Ende gega n- gen. Seither befinde sich das ganze Land wieder unter Regierungsko n- trolle und es sei zu keinen terroristischen Aktivitäten der LTTE mehr g e- kommen. Das BFM verfolge die Entwicklung der Lage in Sri Lanka la u- fend und sorgfältig und sei nach eingehender Überprüfung der Lage zum Schluss gekommen, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in Sri La n- ka seit Mai 2009 deutlich entspannt habe und sich die Lebensbedingu n- gen soweit verbessert hätten, dass eine Rückkehr auch in den Norden und Osten Sri Lankas grundsätzlich wieder zumutbar sei. Im Nor den des Landes seien zwar die Lebensbedingungen gebietsweise sehr unte r- schiedlich. In den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Kontrolle der Regierung stünden, so beispielsweise auf der Halbinsel von Jaffna oder in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar, herrsche weitgehend ein normales Alltagsleben. Im ehemals von den LTTE kontrol- lierten Vanni-Gebiet hingegen seien die Lebensbedingungen nach wie vor als sehr schwierig einzustufen. Der Beschwerdeführer stamme aus C._______/B._______ (Jaffna District) und habe angeblich die letzten (...) Jahre vor seiner Ausreise in D._______ im Vannigebiet gewohnt. In A n- betracht obiger Ausführungen sei vorliegend die Zumutbarkeit der We g- weisung des Beschwerdeführers zu bejahen, da weder die vor Ort her r- schende Sicherheitslage noch individuelle Gründe gegen einen Wegwe i- sungsvollzug sprechen würden . Die Lebenspartnerin und Mutter des ge- meinsamen Kindes halte sich auch in der Schweiz auf und müsse diese ebenfalls verlassen. Der Beschwerdeführer und seine Lebenspartnerin verfügten in ihrem Heimatland über ein soziales und familiäres Bezi e- hungsnetz und er habe Berufserfahrung als (...). Ausserdem sei der Voll- zug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar. 6.3.3 Im Urteil BVGE 2011/24 nah m das Bundesverwaltungsgericht a n- gesichts der veränderten Lage nach dem Ende des sri -lankischen Bü r- gerkriegs im Mai 2009 eine vertiefte Beurteilung vor. Demzufolge ist seit dem Ende des bewaffneten Konflikts von einer erheblich verbesserten Menschenrechts- und Sicherheitslage auszugehen, wobei sich die Situ a- tion nicht in allen Landesteilen gleich präsentiert. In das sogenannte D-3272/2011 Seite 17 "Vanni-Gebiet" – die Distrikte von Kilinochchi und Mullaitivu und die nör d- lichen Teile der Distrikte von Mannar und Vavuniya sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna -Distrikts südlich von Nagarkovil umfassend – ist eine Rückkehr aufgrund der weitgehend zerstörten Infr a- struktur und der Verminung weiterhin unzumutbar. In das übrige Staat s- gebiet ist der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar, wobei bei aus der Nordprovinz stammenden Personen – wie dem Beschwerdeführer – wie folgt zu differenzieren ist: Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 v erlassen haben, ist die Rückkehr als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betre f- fende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsitua- tion zurückgreifen kann, und dem Wegweisungsvollzug auch ande rweitig nichts entgegensteht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zurück oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstän- de seit der Ausreise massgeblich verän dert haben könnten, sind die a k- tuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären. Liegen keine begünstigenden Faktoren wie die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkrete Möglichkeit der Sicherung des Exis - tenzminiums und der Wohnsituation in der Nordprovinz vor, ist die Zumut- barkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im Übrigen Staatsg e- biet, namentlich im Grossraum Colombo, zu prüfen (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1.1 – 13.3 S. 511 ff.). 6.3.4 Den Akten zufolge war de r aus C._______/B._______, Distrikt Jaff- na, stammende Beschwerdeführer bis zu seiner angeführten Flucht nach D._______ im Vanni-Gebiet, wo er sich bis zur Ausreise während (...) Jahren aufhielt, bis im (...) stets in seinem Herkunftsort C._______/B._______ wohnhaft. Auch wohnen seinen Angaben zufolge einige seiner nächsten Familienangehörigen ( Mutter, Geschwister) noch immer in C._______/B._______ respektive in der Nordprovinz , weshalb er dort ein tragfähiges Beziehungsnetz hat. Der Beschwerdeführer verfügt zudem über Berufserfahrung en als (...) (vgl. act. A1/ 8, S. 1 ff.). Es ist demnach davon auszugehen, dass ihm der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz – allenfalls auch mit Hilfe seiner Familie – möglich sein wird. Auch wenn er seit (...) und somit knapp (...) Jahre lang landesabwesend war, bestehen somit keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er – oder seine Lebenspartnerin und das gemeinsame Kind, deren Beschwerde mit Urteil (...) des Bundesverwaltungsgerichts vom heutigen Datum abgewie- sen wird – bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notl a-D-3272/2011 Seite 18 ge geraten würde n. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertre tung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass d ie angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwe r- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Es ist aufgrund der Aktenlage von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Auch können d ie Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos b e- zeichnet werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pr o- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist somit gutzuheissen und es sind folglich keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-3272/2011 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: