B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1888/2018 U r t e i l v o m 1 0 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Roswitha Petry , Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Cora Dubach, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 28. Februar 2018 / N (…). D-1888/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verlies s der Beschwerdeführer, ein sri-lanki- scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, aus dem Distrikt Kandy stam- mend, am 15. November 2015 sein Heimatland. Am 18. November 2015 reiste er in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Am 9. Dezember 2015 wurde der Beschwerdeführer im Empfa ngs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in B._______ zu seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 14. Juli 2017 fand die Bundesanhörung zu den Asylgründen statt. B. B.a Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er sei in C._______ im Distrikt Kandy geboren. Sein letzter Wohnsitz sei in D._______ (Distrikt Kandy [Zentralprovinz]) gewesen. Nach dem A- Level-Abschluss habe er einen Bachelor in (…) erworben und habe von 2006 bis 2009 als Überwachungstechniker in E._______ bei der Firma F._______ gearbeitet, wobei er auch ein (…) verwendet und so mitgehol- fen habe, gewalttägige Personen zu überführen sowie Straftaten aufzude- cken. B.b Hinsichtlich seiner Asylgründe machte er geltend, dass er während sei- nes Aufenthaltes in E._______ einen Tamilen namens G._______, welcher im gleichen Betrieb gearbeitet habe, kennengelernt habe. Damals habe er nichts über diesen Mann gewusst und sei nicht darüber informiert gewe- sen, dass dieser den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) nahegestan- den habe. Nach seiner Rückkehr nach Sri Lanka habe G._______ ihn mit zwei Frauen namens H._______ und I._______ bekannt gemacht und er sei von ihnen gebeten worden, beschädigte Festplatten gegen Entgelt wie- derherzustellen. Auf einer Festplatte hätten sich sensible Daten wie etwa Landkarten von militärischen Camps und Stützpunkten befunden, weshalb er Angst bekommen und diese vernichtet habe. In der Folge hätten die drei Bekannten ihm ein hohes Entgelt für die Wiederherstellung einer weiteren Festplatte angeboten, was ihm jedoch suspekt vorgekommen sei. Er habe deshalb mit H._______ telefonischen Kontakt aufgenommen, um sie zur Rede zu stellen. Diese habe ihm erklärt, sie sei eine Selbstmordattentäterin und würde für ihre Rasse sterben wollen. In der Folge habe er den Kontakt zu diesen drei Personen abgebrochen. D-1888/2018 Seite 3 Am 24. September 2009 sei er vom sri-lankischen Geheimdienst in D._______ aufgegriffen und inhaftiert worden. Da die Männer, welche ihn festgenommen hätten, ihn mit verbundenen Augen weggebracht h ätten, wisse er nicht, wohin man ihn gebracht habe , er vermute jedoch, dass er in einem Militärcamp festgehalten worden sei. Zuerst habe man ihn über G._______ und dessen Verbindungen ausgefragt. Während der Haft sei er gefoltert worden. Unter anderem habe man ihn auf den Kopf geschlagen, so dass er bewusstlos geworden und erst in einem Spitalzimmer wieder aufgewacht sei. Nach dem Spitalaufenthalt sei er erneut am selben Ort festgehalten worden. Als die Beamten realisiert hätten, dass er perfekt singhalesisch spreche, hätten sie die Folterungen eingestellt. Unter der Bedingung, die Ortschaft D._______ nicht zu verlassen und jederzeit zur Verfügung zu stehen, sei er am 4. Oktober 2010 freigelassen worden. Jedoch sei in dieser politisch sehr schwierigen Zeit auch seine Familie mit dem Tod bedroht worden. Später habe der Militärgeheimdienst Kontakt mit ihm aufgenommen und er sei gezwungen worden , mit einem Studentenvisum nach London zu fliegen, um dort Informationen übe r G._______, H._______ und I._______ zu sammeln sowie als Spitzel zu arbeiten. Im Januar 2011 sei er mit vier Geheimdienstbeamten nach London geflogen und habe in einer Teilzeitanstellung als Tellerwäscher arbeiten müssen . Zudem sei er auch in einen hindui stischen Tempel geschickt worden, um als Spitzel zu agieren, aber er sei ständig unter der Kontrolle der Geheimdienstmitarbeiter gestanden und habe das Haus nicht allein verlassen dürfen. Am 13. September 2012 sei die ses Vorhaben abgebrochen worden und man habe ihn mittels eines dip lomatischen Passes nach Sri Lanka zurückgeholt. Umgehend n ach seiner Rückkehr von London habe man ihn vom 13. September 2012 bis 4. Juni 2015 unter Hausarrest gestellt. Das Haus, in welchem er gefangen gehalten worden sei, sei bewacht gewesen. Er sei im unteren Geschoss, in einer Art Bunker, untergebracht gewesen. Er habe dort weder eine Aufgabe gehabt, noch habe er Kontakt zu anderen im Haus anwesenden Personen gehabt. Weshalb er dort festgehalten worden sei, wisse er nicht , nur, dass es sich bei dem Haus um eine operationelle Anlage des Geheimdienstes gehandelt habe. Während seines Hausarrestes hätten ihm zwei Wächter namens J._______ und K._______ gesagt, sie hätten Anweisungen erhalten, ihn umzubringen. Dabei hätten ihm die b eiden Wächter angeboten, ihn g egen eine Lösegeldzahlung unversehrt aus dem Haus zu schaffen. Einer dieser beiden Wächter habe ihm sein privates Telefon zur Verfügung gestellt, um seine Familie kontaktieren um einen Geldtransfer in die Wege leiten zu können . Einige D-1888/2018 Seite 4 Tage nach erfolgreicher Überweisung der geforderten Geldsumme sei er während eines Nachtessens mit einem zur Verfügung gestellten Fahrzeug, im Kofferraum versteckt , weggebracht worden. Danach habe man ihn in der Stadt L._______ aus dem Kofferraum aussteigen lassen und nach M._______ gebracht. Die beiden Wächter hätten ihm geraten, si ch äusserst vorsichtig zu verhalten, da er sich immer noch in Gefahr befinden würde. Bis zur Ausreise am 15. November 2015 habe er sich in verschiedenen Städten wie M._______, N._______ und O._______ aufgehalten. Nach seiner Ausreise habe seine Familie keine Probleme mit den sri-lankischen Behörden gehabt. Der Beschwerdeführer habe an der 32. Session des UN O- Menschenrechtsrates in Genf teilgenommen und im Zeitraum vom 13. Juli bis 1. August 2016 ehrenamtlich als Reporter verschiedene Interviews für die P._______ mit namhaften sri-lankischen Persönlichkeiten, welche sich für die tamilischen Anliegen und Menschenrechte einsetzen würden, durchgeführt. Nebst dem Einreiche n seiner Identitätskarte und seines Geburtsscheins legte er eine Arbeitsbestätigung der (…) Firma F._______, Fotos bei der Arbeit in E._______, ein Foto bei der Arbeit in Sri Lanka, eine Kopie seines Bachelordiploms, eine Mailnachricht vom 8. Juni 2016 betreffend Akkredi- tierung als Journalist während der 32. Session des UN-Menschenrechtsra- tes, einen Antrag auf Akkreditierung desselben Anlasses der P ._______ vom 4. Juni 2016, verschiedene Fotos von der 32. Session des UNO-Men- schenrechtsrats und einen Eintrittsbadge vom 1. Juli 2016 als weitere Be- weismittel zu den Akten. Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C. Mit Schreiben vom 23. November 2017 gewährte die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer das rechtliche Gehör hinsichtlich seines Aufenthalts in Grossbritannien. Gemäss Auskünften des UK Home Offices (UK Visas and Immigration) sei er am 19. Januar 2011 mit einem in Q._______ (Indien) beantragten Studentenvisum ins Vereinigte Königreich eingereist. Sein am 12. April 2012 verspätet eingereichter Antrag zur Visumsverlängerung sei am 17. Juni 2013 mit der Begründung abgewiesen worden, dass der Fach-D-1888/2018 Seite 5 schule, an welcher er sich angemeldet habe, die Bewilligung entzogen wor- den sei. Am 18. März 2015 sei er definitiv aus dem Vereinigten Königreich ausgereist. D. In seiner Stellungnahme vom 29. November 2017 bestätigte der Be- schwerdeführer, er sei tatsächlich am 19. Januar 2011 ins Vereinigte Kö- nigreich mit einem Studentenvisum eingereist und habe am 12. April 2012 eine Visumsverlängerung beantragt. Da er Mitte September 2012 vom sri- lankischen Geheimdienst nach N._______ zurückgeführt worden sei, könne er nicht bestätigen, ob sein Antrag verweigert worden sei. Auch sei er am 18. März 2015 bereits in Sri Lanka gewesen und könne deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht aus dem Vereinigten Königreich ausgereist sein. E. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2017 stellte das SEM fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Voll- zug. F. Die gegen die Verfügung vom 20. Dezember 2017 erhobene Beschwerde vom 22. Januar 2018 wurde m it Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-478/2018 vom 7. Februar 2018 gutgeheissen und die Sache zur Neube- urteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. G. Mit Verfügung vom 23. Februar 2018 stellte die Vorinstanz erneut fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asyl- gesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug. H. Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 2. April 2018 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren oder eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht e r- suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter beantragte er die Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän- din gemäss aArt. 110a lit. a und Abs. 3 AsylG (SR:142.31). D-1888/2018 Seite 6 Der Beschwerde legte er ein Arbeitszeugnis der (…) Firma F._______ – datiert vom 31. März 2009 – bei. I. Mit Zwischenverfügung vom 10. April 2018 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, eine Fürsorgebestätigung einzureichen oder innert der vom Bundesverwaltungsgericht angesetzten Frist einen Kostenvorschuss zu zahlen. J. Mit Zwischenverfügung vom 25. April 2018 wurde eine Notfrist zur Nach- reichung einer Fürsorgebestätigung oder der Zahlung eines Kostenvor- schusses angesetzt. Der Kostenvorschuss wurde innert der angesetzten Frist eingezahlt. K. Mit Zwischenverfügung vom 7 . Mai 2018 wurde die Vorinstanz zur Stel- lungnahme aufgefordert. L. Die Vorinstanz hielt mit Stellungnahme vom 16. Mai 2018 vollumfänglich an ihren Erwägungen fest. M. Mit Eingabe vom 18. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer eine CD so- wie einen USB -Stick mit Filmmaterial von verschiedenen Interviews, ein Schreiben der P._______ – datiert vom 4. Januar 2018 – einen aktuellen befristeten Arbeitsvertrag (aus der Schweiz) sowie eine aktualisierte Kos- tennote ins Recht. Gleichzeitig beantragte die Rechtsbeiständin die Rück- erstattung des eingezahlten Kostenvorschusses, da der Beschwerdeführer seit Ablauf seines befristeten Arbeitsvertrages bedürftig und das Einrei- chen einer F ürsorgebestätigung nicht habe vor Ablauf des Arbeitseinsat- zes erfolgen können. N. Mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2018 trat das Bundesverwaltungsge- richt auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege so- wie der amtlichen Rec htsverbeiständung nicht ein und forderte den Be- schwerdeführer auf, die in Aussicht gestellten Beweismittel innert der ge- setzten Frist nachzureichen, welche mit Eingabe vom 29. Mai 2018 beim Gericht eingingen. D-1888/2018 Seite 7 O. Mit Eingabe vom 15. Juni 2018 ersuchte der Beschwerdeführer erneut um die unentgeltliche Rechtspflege sowie um die Einsetzung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. P. Mit der Vernehmlassung vom 20. Juni 2018 nahm die Vorinstanz Stellung zu den vom Beschwerdeführer nachgereichten Beweismitteln. Q. Mit Zwischenverfügung vom 28. Juni 2018 wurden die Gesuche um unent- geltliche Prozessführung sowie um Einsetzung der rubrizierten Rechtsver- treterin als amtliche Rechtsbeiständin gutgeheissen und dem Beschwer- deführer die Möglichkeit zur Replik gegeben. R. Mit Eingabe vom 13. Juli 2018 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur vorinstanzlichen Vernehmlassung und legte ein Schreiben der P ._______ – datiert vom 4. Januar 2018 – zu den Akten. S. Mit Zwischenverfügung vom 27. März 2020 erhielt der Beschwerdeführer die Gelegenheit, innert der ihm gesetzten Frist allfällige Ergänzungen oder Beweismittel einzureichen. Der Beschwerdeführer reichte keine weiteren Stellungnahmen oder Beweismittel ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. D-1888/2018 Seite 8 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten soziale n Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich au f gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-1888/2018 Seite 9 4. 4.1 Zur Begründung ihres Entscheids stellte die Vorinstanz im Wesentli- chen fest , sie zweifle aufgrund mehrerer Uns timmigkeiten sowie Wider- sprüche an der Glaubhaft igkeit der vom Bes chwerdeführer geltend ge- machten Vorfluchtgründen. Erste Zweifel ergäben sich bereits aus seinen widersprüchlichen Angaben zur Anzahl der wiederhergestellten Festplatten für den LTTE nahestehen- den G._______. So habe er anlässlich der BzP dargelegt, er hätte mindes- tens drei Festplatten wiederhergestellt, wohingegen er während der Anhö- rung zu den Asylgründen erklärt habe, er habe lediglich eine Festplatte von zwei repariert. Weiter sei es nicht nachvollziehbar, weshalb er während der BzP erklärt habe, G._______ habe ihm eine Frau namens H._______ vor- gestellt, um in der Anhörung von einer weiteren Frau namens I._______ zu sprechen. Des Weiteren sei die Tatsache, dass er H._______ mit dem heik- len Inhalt auf der Festplatte konfrontiert habe und sie ihm telefonisch erklärt habe, dass sie ein Selbstmordattentat plane , nicht mit einer logischen Handlung eines in einem Polizeistaat lebenden Bürgers vereinbar. Der un- freiwillige Einsatz für den sri -lankischen Geheimdienst in London würde weitere Zweifel an seinen Asylvorbringen erwecken, da es auch in diesem Zusammenhang zu Widersprüchen g ekommen sei. So habe er während der BzP erklärt, den Auftrag gehabt zu haben, in London innerhalb der ta- milischen Diaspora nach LTTE-Aktivisten zu suchen, jedoch schliesslich nur zum Wiederherstellen von Daten eingesetzt worden sei. In der Anhö- rung habe er hingegen dargelegt, dass sein Hauptauftrag das Auffinden von G._______, H._______, I._______ sowie weiteren LTTE-Anhängern gewesen sei und er als Spitzel in einem hinduistischen Tempel habe ein- gesetzt werden sollen . Aufgrund dieser Unstimmigkeiten könne auf eine materielle Auseinandersetzung seiner Schilderungen zu seiner unfreiw illi- gen Rückkehr nach Sri Lanka, der anschliessenden Haft in einer Villa so- wie seiner Flucht aus prozessökonomischen Erwägungen verzichtet wer- den. Es sei festzustellen, dass es sich hierbei um wissentlich geäusserte Unwahrheiten handle, da gemäss Nachfrage beim Home Office des Verei- nigten Königreichs hervorgehe, dass er entgegen seinen Angaben Gross- britannien erst am 18. März 2015 verlassen habe. Somit würden auch seine eingereichten Beweismittel seine geltend gemachten Fluchtgründe nicht zu belegen vermögen. Die alleinige Tatsache, dass ein Rückkehrer von den Behörden befragt werden würde, weil er illegal aus Sri Lanka ausgereist sei, stelle keine asyl- relevante Verfolgungsmassnahme in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht dar. Da D-1888/2018 Seite 10 er seine Vorfluchtgründe unglaubhaft dargelegt habe, könne auch vor die- sem Hintergrund nicht von einem heimatlichen Verfolgungsinteresse aus- gegangen werden. Überdies führe auch seine einmalig ausgeübte ehren- amtliche Tätigkeit für die P ._______ während der 32. Session des UN O- Menschenrechtsrates in Genf im Juni 2016 nicht zu einer exilpolitischen Aktivität, welche von den heimatlichen Behörden als potentielle Bedrohung wahrgenommen werde. Schliesslich sei ein Wegweisungsvollzug nicht ge- nerell unzulässig. Vorliegend ergebe eine i ndividuelle Risikoeinschätzung keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr ins Heimatland von einer Strafe oder Bedrohung im Sinne von Art. 3 EMRK bedroht wäre. Ab- schliessend sei zu erwähnen, dass es aufgrund seiner unglaubhaften An- gaben respektive der Verletzung seiner Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht nicht möglich sei, sich anschliessend im Zusammenhang zu seiner tatsäch- lichen familiären und persönlichen Situation zu äussern, weshalb von der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ausgegangen werden könne. 4.2 Der Beschwerdeführer hielt entgegen, die Vorinstanz stütze ihre Argu- mente bezüglich der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen auf nebensächli- che Widersprüche. G emäss Rechtsprechung seien Widersprüche nur dann relevant , wenn sie diametral voneinander abweichen würden, an- sonsten sei ihnen nicht zu viel Bedeutung bei zumessen. Hinsichtlich des angeblichen Widerspruchs zur Anzahl der Festplatten sei zu erwähnen, dass er zwar drei erhalten, jedoch nur zwei wiederhergestellt habe, wes- halb es sich dabei um keinen Widerspruch handle. Dass er anlässlich der BzP nicht alle dr ei Personen erwähnt habe, sei darauf zurückzuführen, dass er sich nur knapp habe äussern können und deshalb lediglich Eckda- ten, jedoch nicht alle Details erwähnt habe. Die Aussage von H._______, sie werde ein Selbstmordattentat begehen, entspreche in der Tat nicht dem Verhalten eines normalen Bürgers eines Polizeistaates. Da es sich jedoch um einen Übersetzungsfehler gehandelt habe und der Beschwerdeführer eigentlich geschildert habe, sie werde sich umbringen, sollte er die Fest- platten nicht wiederherstellen, ergebe diese Aussage eine andere Bedeu- tung als von der Vorinstanz interpretiert. Hinsichtlich der angeblichen Un- glaubhaftigkeit seiner Schilderung zum Geheimdiensteinsatz sei festzuhal- ten, dass er unter der Tarnung eines Tellerwäschers nach London entsandt worden sei, um in der tamilischen Diaspora potentielle LTTE-Anhänger so- wie die drei erwähnten Personen aufzuspüren und Informationen zu sam- meln. Dass er anlässlich der Anhörung namentlich nur diese Personen er- wähnt habe, liege daran, dass er sie gekann t habe. Deshalb sei auch in diesem Zusammenhang nicht von einem Widerspruch auszugehen. Schliesslich sei der Einsatz in London abgebrochen worden, weil er kein D-1888/2018 Seite 11 Vertrauen zur tamilischen Diaspora habe aufbauen können, da seine Spra- che respektive sein Dialekt den dem Singhalesischen sehr ähnlich gewe- sen sei. Bezüglich seiner Ausreise verweise er auf die Tatsache, dass sein eigener Pass beim sri-lankischen Geheimdienst sei und er nicht wisse, wo- für diese ihn eingesetzt hätten. Die diskrepanten Informationen zu seinem Aufenthalt in Grossbritannien könne er sich nicht anders erklären. Zusam- menfassend habe er den relevanten Sachverhalt mit zahlreichen Real- kennzeichen glaubhaft darlegen können. F erner sei auf die aktuelle, poli- tisch angespannte Lage in Sri Lanka hinzuweisen. Hinsichtlich seiner exilpolitischen Akt ivitäten habe die Vorinstanz auf die Einmaligkeit seiner journalistischen Arbeit hingewiesen und diese als un- tergeordnete Aktivität betrachtet. Dem sei entgegenzuhalten, dass die Vor- instanz diesen Sachverhalt zwar in ihrer neuen Verfügung erwähnt, jedoch inhaltlich nicht weiter geprüft habe. Bei einer Prüfung wäre aufgefallen, dass es sich bei dieser Tätigkeit nicht nur um ein einmaliges Ereignis handle, da er eine Einladung von der P ._______ erhalten habe, um im März 2018 erneut als Journalist bei der UNO zu arbeiten. Zudem sei er zu einer Podiumsdiskussion vom 17. Juni 2017 eingeladen worden, um als Repor- ter der P ._______ Interviews zu führen, an welcher er jedoch aufgrund sei- nes Aufenthaltsstatus nicht habe teilnehmen können. Mit dieser regelmäs- sigen journalistischen Tätigkeit habe er sich politisch sehr exponiert und sei deshalb bei einer allfälligen Rückkehr besonders gefährdet. Zudem würde der verhängte Notstand im Heimatland den Schluss zulassen, dass er als unliebsamer Journalist einer direkten und unkontrollierten Repres- sion seitens des sri -lankischen Staates ausgesetzt sei. Weiter sei zu er- wähnen, dass er bereits im Jahr 2009 als Sympathisant der L TTE nach seiner Inhaftierung sowie Folterung registriert worden sei und seit Januar 2011 ununterbrochen unter staatlicher Kontrolle stehe. Aufgrund seiner Spionagetätigkeit für den heimatlichen Staat sei er für diesen ein gefährli- cher Mitwisser und unterstehe somit einem geschärften Gefährdungsprofil. Insgesamt sei er aufgrund der bestehenden Vorverfolgung einer künftigen asylrelevanten Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG ausgesetzt. Auf dem vom Beschwerdeführer eingereichten USB-Stick seien vier Inter- views von verschiedenen Personen, welche er anlässlich seiner Reporter- tätigkeit für die IBC durchführte, von der 32. Session zu sehen. Zwei Inter- views seien mit der wohl berühmtesten Menschenrechtsaktivistin Nimalka Fernando gemacht worden und würden von den verschwundenen Kindern nach Kriegsende, den täglichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit wel- chen die tamilische Bevölkerung konfrontiert sei, vom Desinteresse des D-1888/2018 Seite 12 Parlaments gegenüber dem Schicksal der Kriegsopfer sowie von der man- gelhaften Landrückgabe handeln. Auf einem weiteren Video sei das Inter- view mit S.V. Kirupakaran zu sehen. Dieser sei ein politischer Flüchtling, lebe im Ausland und setze sich für die tamilische Bevölkerung ein, indem er jährlich in Genf immer wieder auf die desolate Situation in seinem Hei- matland aufmerksam mache. In einem weiteren Interview spreche ein Ex- Parlamentarier der TELO -Partei (Tamil Eelam Liberation Organisation), dessen Cousin P . Prapakaran sei und welcher zu den härtesten Kritikern der sri-lankischen Regierung gehöre. Überdies seien verschiede Sequen- zen anderer Interviewpartner auf Videos zu sehen. Aus dem beigelegten Schreiben der P ._______ gehe hervor, dass der Beschwerdeführer an der 32. Session des UN O-Menschenrechtsrates vom 13. Juli bis 1. August 2016 erfolgreich für diese gearbeitet habe. Weiter gehe aus demselben Schreiben hervor, dass er aufgrund guter Leistungen für eine weitere Ses- sion im Jahr 2018 für erneute Reportertätigkeit angefragt worden sei. Auf- grund seines ungeregelten Aufenthaltsstatus sei diese Arbeit jedoch nicht zustande gekommen. Insgesamt gehe aus den eingereichten Beweismit- teln eindeutig hervor, dass es sich bei seiner Reportertätigkeit nicht ledig- lich um ein einmaliges Engagement, sondern vielmehr um ein andauer n- des Auftragsverhältnis handle, welches lediglich aus einem mangelnden Aufenthaltsstatus nicht weitergeführt worden sei. Seine exilpolitischen Tä- tigkeiten seien auch deshalb exponiert, da der Fernsehsender P ._______ von der sri-lankischen Regierung genauestens beobachtet werde. 4.3 Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung dahingehend zu den eingereichten Interviewaufnahmen, dass nicht in Abrede gestellt werde, dass der Beschwerdeführer an der 32. Session des UN O-Men- schenrechtsrates in Genf teilgenommen habe. Jedoch sei festzustellen, dass es sich hierbei um ein einmaliges und wenig exponiertes Ereignis handle und er dadurch kaum in den Fokus der heimatlichen Behörden ge- rückt sein dürfte. Hinsichtlich der Beweismittel sei festzustellen, dass er auf dem Video DSC_1846 weder sicht- noch hörbar sei, weshalb dieses unge- eignet sei, eine allfällige Gefährdung zu belegen. Dasselbe gelte für die Aufnahme DSC_1858, wo er lediglich zu Beginn der Rede dem Redner das Mikrofon anstelle, ansonsten nicht mehr auf dem Bild erscheine. In den Dateien DCC_ 1854 und DSC_1855 werd e die Menschenrechtsaktivistin Nimalka Fernando interviewt, welche sich zwar kritisch zur Situation der tamilischen Bevölkerung äussere, jedoch stelle sich vorliegend die Frage, inwiefern sein Engagement als regierungskritisch erscheine. Aus seinen gestellten Fragen, welche er ausnahmslos von seinem Handy abgelesen habe, sowie aufgrund der mangelnden persönlichen Nachfragen würde er D-1888/2018 Seite 13 in keiner Weise den Eindruck eines engagierten Regimegegners erwe- cken. Deshalb würden die neu eingereichten Beweismittel nicht zu über- zeugen vermögen. 4.4 In seiner Replik bemängelte der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe trotz seiner eingereichten umfangreichen Beweismittel seine journa- listische Tätigkeit bei der P ._______ lediglich als untergeordnete Tätigkeit eingestuft. Weiter sei es nicht nachvollziehbar, dass sie sich bei ihrer Argu- mentation, seine Interviews seien nicht politisch geprägt, vorwiegend da- rauf abgestützt habe, dass er s eine Fragen aus dem Handy abgelesen habe. Ein professionell vorbereiteter Journalist würde seine Fragen, insbe- sondere in einem klassischen Interview, schriftlich vorformulieren. Dies sei vor allem bei hochpolitischen, anspruchsvollen Themen eine gängige jour- nalistische Praxis. Viel wesentlicher sei es, dass aufgrund der Wahl der Fragen und de r Auswahl seiner Gesprächspartner seine politische An- schauung zum Ausdruck käme. Schliesslich bringe bereits seine Anstel- lung bei P ._______ als solche seine politische Gesinnung zum Ausdruck. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügen d substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeu tet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte w esentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, D-1888/2018 Seite 14 überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5.2 Die Vorinstanz erachtete die Schilderungen des Beschwerdeführers aufgrund verschiedener Widersprüche als unglaubhaft. Einleitend ist fest- zustellen, dass seine Vorbringen im Zusammenhang mit seiner Haftzeit (September 2009 bis Oktober 2010) im Grundsatz lebensnah ausgefallen sind. Neben dem Wiedergeben von Dialogen bezüglich der Verhöre – wo- bei er zwischen direkter Rede und Erzählmodus abwechselte –, beschrieb er anschaulich auch unwesentliche Nebensächlichkeiten (vgl. act. A18/22, F 29-32). Seine Beschreibung der Haftanstalt, es habe nach Urin gerochen und überall habe es Blutflecken gehabt, zeugt von weiteren Realkennzei- chen (vgl. act. A18/22, F32). Insgesamt entsteht bei seiner Schilderung be- züglich seiner ersten Verhaftung nach seiner Rückkehr aus E._______ der Eindruck einer plastischen Vorstellung der beschriebenen Ereignisse. Zu- sätzlich sind seine Schilderungen der Situation im Kontext vom Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka im Mai 2009 als durchaus nachvollziehbar zu betrachten, zumal Berichten der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH zu- folge während dieser Periode unter anderem tamilische Personen, welche während mehreren Jahren im Ausland gelebt habe n und nach Sri Lanka zurückgekehrt sind , häufig verhört und inhaftiert worden seien (vgl. https://www.fluechtlingshilfe.ch/assets/herkunftslaender/asien-pazifik/sri- lanka/sri-lanka-situation-fuer-aus-dem-norden-oder-osten-stammende-ta- milinnen-in-colombo-und-fuer-rueckkehrerinnen-nach-sri-lanka.pdf; https: //www.fluechtlingshilfe.ch/assets/herkunftslaender/asien-pazifik/sri-lanka /sri-lanka-update-dezember-2010.pdf, abgerufen am 14. Dezember 2020). Obwohl seine Haft als glaubhaft zu qualifizieren ist, ist aus nachfolgenden Gründen davon auszugehen, dass sich diese in einem anderen ursächli- chen Zusammenhang als dem vom Beschwerdeführer geschilderten, er- eignet hat, dessen Gründe dem Bundesverwaltungsgericht nicht bekannt sind. 5.3 Sein Vorbringen, im Januar 2011 vom sri-lankischen Geheimdienst be- helligt und zu einem Einsatz als Spitzel nach London gezwungen worden zu sein, vermag nicht zu überzeugen. Seine Schilderungen zu der Zeit in London wirken wenig substanziiert und insgesamt betrachtet, logisch nicht nachvollziehbar. Sonach erscheint es vom Standpunkt des sri-lankischen Geheimdienstes aus nicht einleuchtend, weshalb er (der Beschwerdefüh- rer) die tamilische Diaspora hätte infiltrieren und nach möglichen Anhän - gern der LTTE, insbesondere nach seinen drei Bekanntschaften D-1888/2018 Seite 15 G._______, H._______ und I._______ suchen sollen, während er dabei ständig in Begleitung eines Geheimdienstmitarbeiters war (vgl. act. A18/22, F 37-38, F42) und ausserdem einen dem Singhalesisch ähnelnden Dialekt sprach (vgl. Beschwerde vom 2. April 2018, Nr. 16). Zudem leuchtet es nicht ein, wie er als Tellerwäscher Kontakt zu anderen Mitgliedern der Diaspora hätte aufnehmen und erfolgreich einer Spitzeltätigkeit hätte nach- gehen können (vgl. act. A18/22, F37, F43, F47-48). Diese Umstände hät- ten eher die Möglichkeit verhindert, effizient Kontakte zur tamilischen Diaspora knüpfen und dementsprechend für den Geheimdienst interes- sante Informationen sammeln zu können. Ferner ist es nicht ersichtlich, weshalb er ein Jahr und neun Monate ohne jeglichen Erfolg in London im Einsatz belassen worden sein soll (vgl. act. A18/22, F 41-42). Gegen die Glaubhaftigkeit dieses Sachverhaltselements sprechen zudem die Um- stände, unter welchen er nach Sri Lanka zurückgekehrt sei n soll. Es er- schliesst sich dem Gericht nicht, weshalb der sri -lankische Geheimdienst sich die Mühe hätte machen sollen, ihn mit einem Diplomatenpass nach Sri Lanka zurückzusenden, obwohl er über einen eigenen Pass verfügt hat. Des Weiteren ist es nicht nachvollziehbar, weshalb die heimatliche n Be- hörden einen Visumsantrag in Indien anstatt in Sri Lanka hätten stellen und später auch seinen illegalen Aufenthalt in Grossbritannien hätten riskieren sollen. Gemäss der Aktenlage respektive den Informationen des UK Home Offices (UK Visas and Immigration ) wurde seine Einreise am 19. Januar 2011 und die Ausreise am 18. März 2015 registriert. Angesichts dieser Tat- sache ist vielmehr davon auszugehen, dass er kurz nach seiner Haftent- lassung im Oktober 2010 nach Indien ausgereist ist, in Q._______ ein Vi- sum für Grossbritannien beantragte und schliesslich bis am 18. März 2015 in Grossbritannien lebte. Angesichts dessen erweist sich auch die Inhaftie- rung in der Villa in Sri Lanka im Zeitraum von September 2012 bis im Juni 2015 als unglaubhaft. 5.4 Nach einer gründlichen Abwägung zwischen den glaubhaften und un- glaubhaften Elementen seiner Schilderungen kommt das Bundesverwal- tungsgericht zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. 6. 6.1 Es bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer im Sinne von (objekti- ven oder subjektiven) Nachfluchtgründen die Flüchtlingseigenschaft zuzu- sprechen respektive Asyl zu gewähren ist. D-1888/2018 Seite 16 6.2 Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asyl- suchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat - oder Herkunfts- staat oder wegen ihres Verhalten s nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wesentlich ist, ob die heimatli- chen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich ein- stufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung befürch- ten mu ss. Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können sind vom Asyl ausgeschlossen (Art. 54 AsylG), werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 6.3 Die Vorinstanz erachtete die journalistische Tätigkeit des Beschwerde- führers für die P ._______ aufgrund ihrer Einmaligkeit als untergeordnet. Ferner stellte sie fest, dass er lediglich auf einer Filmsequenz aktiv Fragen im Interview mit der Menschenrechtsaktivistin Nimalka Fernando stellte, weshalb sie davon ausging, dass aus den Fragen dieses Interviews keine regimekritischen Ambitionen des Beschwerdeführers abgeleitet werden könnten. Die vorinstanzliche Einschätzung ist zu stützen. Mithin ist festzu- stellen, dass tatsächlich nur auf einer der eingereichten Videoaufnahmen seine journalistische Tätigkeit für die P ._______ erkennbar ist. Auf den üb- rigen Videodateien ist er lediglich äusserst kurz und ohne eine ersichtliche Aktivität zu sehen. Daraus lässt sich grundsätzlich keine aktive und regel- mässige journalistische Tätigkeit ableiten. Obwohl nicht gänzlich abzustrei- ten ist, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich dieser drei Wochen dau- ernden Konferenz der 32. Session des UNO -Menschenrechtsrats durch das Tragen des Besucher-Badge mit sichtbarem Namen exponiert haben und für jede beliebige, an dieser Session teilnehmende Person identifizier- bar gewesen sein könnte , ist nicht davon auszugehen , dass er aufgrund einer einmaligen exilpolitischen Aktion den sri-lankischen Behörden als Re- gimekritiker aufgefallen sein soll. Auch bei dem für die P ._______ geführten Interview mit Nimalka Fernando, anlässlich welchem er physisch gut er- kennbar sowie der Name auf se inem Badge problemlos lesbar und somit für Aussenstehende identifizierbar ist, hande lt es sich ebenfalls um eine einmalige Aktion, welche in engem Zusammenhang mit seiner Teilnahme an der Konferenz steht. 6.4 Andere exilpolitisch e Tätigkeiten als die erwähnten machte der Be- schwerdeführer nicht geltend, weshalb angenommen werden muss, dass er sich weder regelmässig noch in einem besonderen Mass in politischer Weise engagiert. Insofern kann nicht – wie in der Beschwerdeschrift dar-D-1888/2018 Seite 17 gestellt – von einer kontinuierlichen und regelmässigen politischen Tätig- keit die Rede sein. Insgesamt ist nicht davo n auszugehen, dass er auf- grund seiner exilpolitischen Aktivitäten den sri-lankischen Behörden aufge- fallen ist und aufgrund dessen bei einer Rückkehr einer asylrechtlich rele- vanten Verfolgung ausgesetzt wäre. 6.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurt eil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verha ftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teilnahme an exilpoli- tischen regimekritischen Handlungen und um das Vorliegen früherer Ver- haftungen durch die sri -lankischen Behörden, ü blicherweise im Zusam- menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sogenannte stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1– 8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspa- piere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise zurückgeführt wer- den oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (soge- nannte schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach- ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen- den Person ergeben. Dabei zieh t es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatis- mus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 6.6 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi- denten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa -Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential- candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März 2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema- ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht D-1888/2018 Seite 18 war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge- gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun- gen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja- paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.ani- news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha- mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753/, abgerufen am 15. Februar 2021). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten befürchten i nsbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwa- chung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel we ckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa- ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen m it einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein- zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der a sylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol- gen besteht. 6.7 Aus den Akten geht nicht hervor, dass dem Beschwerdeführer anhand seines Lebenslaufs von den Behörden eine tatsächliche oder vermeintli- che, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE unterstellt worden wäre (vgl. E . 5.2f. ). Weiter ist seine einmalige exilpolitische Aktivität als D-1888/2018 Seite 19 nicht erheblich zu betrachten (vgl. E.6.3f.). Sodann machte er keine straf- rechtliche Verfolgung geltend, welche zu einem möglichen Eintrag auf der sog. «Stop-List» führen könnte. Angesichts der vorangehenden Erwägun- gen ist deshalb nicht davon auszugehen, dass stark risikobegründende Faktoren vorliegen. Schwach risikobegründende Faktoren führen allein für sich genommen in der Regel nicht zu einer asylrelevanten Verfolgungsgefahr (vgl. Referenz- urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, E.8.5.5). In der BzP machte der Be- schwerdeführer zwar geltend, er habe Narben an seinem Körper (vgl. act. A4/12, F7.01). Diese wurden gemäss Aktenlage je doch weder behandelt noch hat er in seiner Beschwerde solche im Sin ne von möglichen Risiko- faktoren im Wegweisungsvollzugspunkt erwähnt. Deshalb ist daraus zu schliessen, dass sich die erwähnten Narben an unauffälligen respektive für das menschliche Auge an unsichtbaren Stellen befinden und dementspre- chend kein Risiko für den Beschwerdeführer darstellen. Sodann ist zwar nicht abzustreiten, dass er sich während einer beachtlichen Zeitspanne im Ausland aufgehalten hat. Diese langjährige Landesabwesenheit führt je- doch allein nicht zu einem potentiellen Risikofaktor, welcher einem Vollzug der Wegweisung im Wege stehen würde. Gemäss der internationalen Organisation für Migration (IOM) spielt es für die sri-lankische Polizei keine Rolle, wie lange eine Person landesabwe- send sei. Vielmehr habe die Polizei Interesse an kriminellen Handlungen, welche in Sri Lanka begangen worden seien, zu welchen auch die illegale Ausreise gehöre. Obwohl es vereinzelt zu Fällen von Diskriminierungen bei der Einreise von tamilischen Personen gekommen sei, sei keine diesbe- zügliche systematische Praxis erkennbar (vgl. UK Home Office, Report of a Home Office fact-finding mission to Sri Lanka – Conducted between 28 September and 5 October 2019, 20.01.2020,https://assets.publishing.ser- vice.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_ data/file/ 859277/Sri_Lanka_FFM_report_2020.pdf, abgerufen am 27. Oktober 2020). Auch das australische Department of Foreign Affair s and Trade (DFAT) schreibt im November 2019, dass illegale Ausreise bestraft werden könne, wohingegen freiwillig Rückkehrende von d en Behörden nicht be- merkt würden, wenn sie Sri Lanka legal und mit einem Reisepass verlas- sen hätten (vgl. Department of Fore ign Affairs and Trade (DFAT), DFAT Country Information Report Sri Lanka , 04.11.2019, https://www.dfat.gov.au/sites/default/files/country-information-report-sri- lanka.pdf, abgerufen am 20. Oktober 2020). D-1888/2018 Seite 20 6.8 Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht seiner teilweise unglaubhaf- ten Schilderungen zu den Fluchtgründen ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer legal und mit eigenem Pass aus Sri Lanka nach Indien ausgereist ist (vgl. E. 5.3) und ihm bei einer Rückkehr – auch unter Berück- sichtigung seiner mehrjährigen Landesabwesenheit – keine Gefahr einer asylbegründenden Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden droht. 6.9 Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko aus- gesetzt wäre und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG be- fürchten müsste. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (A rt. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). D-1888/2018 Seite 21 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder ernied rigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä- ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien vom 31. Mai 2011, 41178/08; D-1888/2018 Seite 22 T.N. gegen Dänemark vom 20. Januar 2011, 20594/08; P .K. gegen Däne- mark vom 20. Januar 2011, 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien vom 17. Juli 2008, 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge- gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann- ten „Background Check“ (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. 8.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzu g für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.6 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge- walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende g egangen. In den beiden Referenzur- teilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei- sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie- gen von individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan- densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so- wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 E. 13.2 ff. und Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 8.7 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aus dem Distrikt Kandy – also der Zentralprovinz stammt – und somit gemäss Rechtspre- chung bei einem Wegweisungsvollzug die individuellen Zumutbarkeitskri-D-1888/2018 Seite 23 terien nicht erfüllt sein müssen. Dennoch kann davon ausgegangen wer- den, dass er über ein tragfähiges familiäres Netzwerk verfügt, zumal er zu seinen Eltern und einer Schwester, welche alle in D._______ leben, regel- mässigen Kontakt pflegt (vgl. act. A18/22, F19 -21). Aufgrund seiner her- vorragenden universitären Ausbildung sowie seiner Arbeitserfahrung in ei- nem gefragten Sektor, wird es ihm möglich sein, eine geeignete Anstellung zu finden (vgl. act. A4/12, F1.17.03 bis 1.17.05). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.8 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt ric htig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Am 30. April 2018 wurde von der rubrizierten Rechtsvertreterin der Kostenvorschuss von Fr. 750.– zugunsten der Gerichtskasse einbezahlt. Mit Verfügung vom 28. Mai 2018 wurde das Gesuch um Rückzahlung des Kostenvorschusses abgewiesen. Nachdem mit Verfügung vom 28. Juni 2018 das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG und unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers – ex nunc und pro futuro – gutgeheissen wurde, wird dem Beschwerdeführer ein anteilsmässiger Betrag von Fr. 500.– von der Gerichtskasse zurückerstattet und der verbleibende Betrag von D-1888/2018 Seite 24 Fr. 250.– für die dem Gericht entstandenen Kosten vor dem Ergehen der Verfügung vom 28. Juni 2018 verwendet. 10.2 Nachdem die rubrizierte Recht svertreterin mit Zwischenverfügung vom 28. Juni 2018 als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt wurde (vgl. aArt. 110a Abs. 1 AsylG), ist ihr für ihren Aufwand nach dem 28. Juni 2018 ein amtliches Honorar zu entrichten, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Praxisgemäss ist bei einer nicht- anwaltlichen Rechtsvertretung von einem Stundenansatz von Fr. 100.- bis 150.- auszugehen. Der amtlichen Rechtsvertreterin ist folglich zulasten der Gerichtskasse amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 150.– (inklusive Aus- lagen) zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-1888/2018 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten, welche nach dem Ergehen der Verfügung vom 28. Juni 2018 entstanden sind, werden dem Beschwerdeführer zurückbe- zahlt. Die vor dem Ergehen d er Verfügung entstandenen Kosten von Fr. 250.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. 3. Dieser Betrag wird dem Kostenvorschuss entnommen. Der Restbetrag von Fr. 500.– wird zurückerstattet. 4. Der rubrizierten Rechtsvertreter in wird für ihren Aufwand als amtliche Rechtsbeiständin ein Honorar von Fr. 150.– (inklusive Auslagen) zulasten der Gerichtskasse ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Martina von Wattenwyl Versand: