<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 17" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 17</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">206</span> </div> <div class="page" id="S206"> <span class="text"><b>17 </b> <b>Anlieferungsverbot für ein Ladengeschäft wegen nächtlicher Lärm-</b></span><br/> <span class="text">immissionen</span><br/> <span class="text">Der durch den nächtlichen Güterumschlag eines Verkaufsgeschäfts mit</span><br/> <span class="text">Frischprodukten erzeugte Lärm ist nach Anhang 6 LSV zu beurteilen,</span><br/> <span class="text">auch wenn der Anlieferungsvorgang nur relativ kurz andauert. Eine Ein-</span><br/> <span class="text">zelfallbeurteilung direkt gestützt auf das USG (unter Zuhilfenahme der</span><br/> <span class="text">BAFU-Vollzugshilfe für die Beurteilung von Alltagslärm), mit der Be-</span><br/> <span class="text">gründung, Anhang 6 LSV und die dort vorgesehene Ermittlung des mass-</span><br/> <span class="text">gebenden Beurteilungspegels (energieäquivalenter Dauerschallpegel) bil-</span><br/> <span class="text">deten den Lärm eines nur wenige Minuten andauernden Güterumschlags</span><br/> <span class="text">nicht angemessen ab, drängt sich nicht auf. Der Störungswirkung von</span><br/> <span class="text">Spitzenwerten und der Impulshaltigkeit scheppernder Geräusche kann</span><br/> <span class="text">mit Pegelkorrekturen Rechnung getragen werden. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 1. März</span><br/> <span class="text">2018, in Sachen A. AG und B. AG gegen C., Gemeinderat E. und</span><br/> <span class="text">Departement Bau, Verkehr und Umwelt (WBE.2016.390).</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">207</span> </div> <div class="page" id="S207"> <div role="main"> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">1.</span><br/> <span class="text">Die Beschwerdeführerin 1 ist Stockwerkeigentümerin eines La-</span><br/> <span class="text">denlokals im Erdgeschoss des Gebäudes Nr. UUU auf der Parzelle</span><br/> <span class="text">Nr. XXX der Gemeinde E. Das betreffende Grundstück befindet sich</span><br/> <span class="text">in der Dorfzone D, wo namentlich mässig störende Gewerbe- und</span><br/> <span class="text">Dienstleistungsbetriebe sowie Verkaufsgeschäfte bis 500 m2 Nettola-</span><br/> <span class="text">denfläche zulässig sind und die Empfindlichkeitsstufe III (gemäss</span><br/> <span class="text">Art. 43 Abs. 1 lit. c LSV gilt [§§ 6 Abs. 1 und 8 Abs. 2 BNO]). Die</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin 1 vermietet das Ladenlokal an die Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führerin 2, die dort eine F.-Filiale betreibt. Im Dachgeschoss des glei-</span><br/> <span class="text">chen Gebäudes (Nr. UUU) wohnt die Beschwerdegegnerin. Sie ist</span><br/> <span class="text">ebenfalls Stockwerkeigentümerin und wehrt sich gegen Nachtruhe-</span><br/> <span class="text">störungen, die durch Geräusche während der Anlieferung von Frisch-</span><br/> <span class="text">produkten für den F.-Laden in der Nachtruhephase (zwischen</span><br/> <span class="text">22.00 Uhr und 6.00 Uhr) verursacht werden.</span><br/> <span class="text">Die Vorinstanz hat die gerügten Lärmimmissionen unter drei</span><br/> <span class="text">Aspekten gewürdigt: die Vereinbarkeit mit dem Bundesumwelt-</span><br/> <span class="text">schutzrecht, den kommunalen Zonenvorschriften und den Bestim-</span><br/> <span class="text">mungen im Polizeireglement (...).</span><br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">2.1.</span><br/> <span class="text">In Erw. 3.2 des angefochtenen Entscheids hat die Vorinstanz das</span><br/> <span class="text">in Frage stehende Verkaufslokal zutreffend als neue ortsfeste Anlage</span><br/> <span class="text">im Sinne der Umweltschutzgesetzgebung (Art. 7 Abs. 7 USG und</span><br/> <span class="text">Art. 7 und 47 LSV) qualifiziert.</span><br/> <span class="text">Die Lärmemissionen einer neuen ortsfesten Anlage müssen</span><br/> <span class="text">nach den Anordnungen der Vollzugsbehörde so weit begrenzt wer-</span><br/> <span class="text">den: (a) als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaft-</span><br/> <span class="text">lich tragbar ist und (b) dass die von der Anlage allein erzeugten</span><br/> <span class="text">Lärmimmissionen die Planungswerte nicht überschreiten (Art. 7</span><br/> <span class="text">Abs. 1 LSV; vgl. auch Art. 25 Abs. 1 USG). Diese beiden Anforde-</span><br/> <span class="text">rungen gelten kumulativ; Art. 7 Abs. 1 lit. a LSV ist Ausdruck des</span><br/> <span class="text">bereits in Art. 11 Abs. 2 USG als allgemeiner Grundsatz statuierten</span><br/> <span class="text">umweltschutzrechtlichen Vorsorgeprinzips (ANDRÉ SCHRADE/THEO</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">208</span> </div> <div class="page" id="S208"> <div role="main"> <span class="text">LORETAN, in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Auflage,</span><br/> <span class="text">Zürich/Basel/Genf 2004, Art. 11 N 34b).</span><br/> <span class="text">Die Planungswerte bilden die niedrigste Schwelle der in drei</span><br/> <span class="text">Kategorien unterteilten Belastungsgrenzwerte, gefolgt von den Im-</span><br/> <span class="text">missionsgrenzwerten und den noch höheren Alarmwerten. Für be-</span><br/> <span class="text">stimmte Lärmarten (Strassenverkehrslärm, Eisenbahnlärm, zivile</span><br/> <span class="text">Flugplätze, Industrie- und Gewerbelärm, zivile Schiessanlagen, Mili-</span><br/> <span class="text">tärflugplätze sowie militärische Waffen-, Schiess- und Übungsplätze)</span><br/> <span class="text">werden in den Anhängen 3-9 LSV Belastungsgrenzwerte definiert.</span><br/> <span class="text">Fehlen gesetzlich festgelegte Belastungsgrenzwerte (für andere</span><br/> <span class="text">Lärmarten), so erfolgt die Beurteilung der Lärmimmissionen unmit-</span><br/> <span class="text">telbar gestützt auf das USG. Zu beachten ist vorab Art. 23 USG, wo-</span><br/> <span class="text">nach die Planungswerte unter den Immissionsgrenzwerten liegen</span><br/> <span class="text">müssen; nach den Art. 15 und 13 Abs. 2 USG sind die Immissions-</span><br/> <span class="text">grenzwerte so festzulegen, dass nach dem Stand der Wissenschaft</span><br/> <span class="text">oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die Bevölke-</span><br/> <span class="text">rung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören, unter Berück-</span><br/> <span class="text">sichtigung der Wirkungen auf Personengruppen mit erhöhter Emp-</span><br/> <span class="text">findlichkeit, wie Kinder, Kranke, Betagte und Schwangere; Art. 19</span><br/> <span class="text">USG regelt die Alarmwerte, die über den Immissionsgrenzwerten lie-</span><br/> <span class="text">gen und der Beurteilung der Dringlichkeit von Sanierungen dienen</span><br/> <span class="text">(vgl. Art. 40 Abs. 3 LSV). Dabei muss sich die Vollzugsbehörde um</span><br/> <span class="text">eine objektivierte Betrachtung bemühen und darf nicht auf das sub-</span><br/> <span class="text">jektive Empfinden einzelner Nachbarn abstellen. Amtliche Richtli-</span><br/> <span class="text">nien können die Vollzugsbehörde bei ihrer Aufgabe unterstützen. Als</span><br/> <span class="text">Entscheidungshilfe können ferner fachlich genügend abgestützte aus-</span><br/> <span class="text">ländische oder private Richtlinien herangezogen werden, sofern die</span><br/> <span class="text">Kriterien, auf welchen sie beruhen, mit jenen des schweizerischen</span><br/> <span class="text">Lärmschutzrechts vereinbar sind. Eine analoge Anwendung von Be-</span><br/> <span class="text">lastungsgrenzwerten anderer Lärmarten ist jedoch grundsätzlich pro-</span><br/> <span class="text">blematisch, weil Belastungsgrenzwerte typisierbare Situationen vo-</span><br/> <span class="text">raussetzen, die sich auf einfache Weise durch akustische Beschrei-</span><br/> <span class="text">bungsgrössen zuverlässig erfassen lassen (BGE 133 II 292, Erw. 3.3;</span><br/> <span class="text">123 II 325, Erw. 4d/bb; Urteil des Bundesgerichts vom 27. Februar</span><br/> <span class="text">2014 [1C_161/2013, 1C_162/2013, 1C_163/2013, 1C_164/2013],</span><br/> <span class="text">Erw. 3.3).</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">209</span> </div> <div class="page" id="S209"> <div role="main"> <span class="text">Auf dieselbe Weise ist vorzugehen, wenn ein in der LSV festge-</span><br/> <span class="text">legter Grenzwert nicht gesetzeskonform ist, weil er den Kriterien des</span><br/> <span class="text">USG nicht oder nicht mehr entspricht. Die rechtsanwendende Behör-</span><br/> <span class="text">de hat sich in diesem Fall jedoch möglichst weitgehend an den vom</span><br/> <span class="text">Verordnungsgeber getroffenen Wertungen zu orientieren und nur die</span><br/> <span class="text">zur Beachtung des Gesetzes notwendigen Anpassungen vorzuneh-</span><br/> <span class="text">men (CHRISTOPH ZÄCH/ROBERT WOLF, in: Kommentar zum</span><br/> <span class="text">Umweltschutzgesetz, a.a.O., Art. 15 N 45).</span><br/> <span class="text">Im Rahmen der Einzelfallbeurteilung sind der Charakter des</span><br/> <span class="text">Lärms, Zeitpunkt und Auftreten sowie die Lärmempfindlichkeit bzw.</span><br/> <span class="text">Lärmvorbelastung zu berücksichtigen. Neue Anlagen dürfen im Hin-</span><br/> <span class="text">blick auf die Einhaltung der Planungswerte während der Nacht höch-</span><br/> <span class="text">stens geringfügige Störungen verursachen (BGE 137 II 30, Erw. 3.4;</span><br/> <span class="text">Urteile des Bundesgerichts vom 9. August 2016 [1C_521/2015],</span><br/> <span class="text">Erw. 6.2, und vom 13. Juli 2011 [1C_58/2011], Erw. 4.1).</span><br/> <span class="text">2.2.</span><br/> <span class="text">Die Vorinstanz gelangte in Erw. 3.3.1 des angefochtenen Ent-</span><br/> <span class="text">scheids unter Bezugnahme auf einen vom Verwaltungsgericht beur-</span><br/> <span class="text">teilten Präzedenzfall (VGE vom 28. August 2007 [WBE.2006.300])</span><br/> <span class="text">zum Schluss, die LSV, Anhang 6 (Belastungsgrenzwerte für Indu-</span><br/> <span class="text">strie- und Gewerbelärm), erfasse die von der Beschwerdegegnerin</span><br/> <span class="text">kritisierten Lärmimmissionen, die bei der nächtlichen Belieferung</span><br/> <span class="text">des F.-Ladens mit Frischprodukten entstünden, nicht angemessen. Da</span><br/> <span class="text">die von der Beschwerdegegnerin beklagten, mit Ausnahme des Sonn-</span><br/> <span class="text">tags jede Nacht (zwischen 2.00 Uhr und 3.00 Uhr) auftretenden Ge-</span><br/> <span class="text">räusche (Motorenlärm des Lastwagens, Gespräche, Zuschlagen von</span><br/> <span class="text">Türen, Absenken und Anheben der hydraulischen Hebebühne, Auf-</span><br/> <span class="text">schlagen der Hebebühne auf dem Asphaltboden, das Schie-</span><br/> <span class="text">ben/Ziehen von Rollwagen über die geriffelte Hebebühne samt Ein-</span><br/> <span class="text">und Ausrasten und danach über den körnigen Asphaltbelag bis zum</span><br/> <span class="text">Lieferanteneingang) jeweils nur relativ kurze Zeit (rund zehn Minu-</span><br/> <span class="text">ten) andauerten, fielen sie bei der Beurteilung des Lärms nach den</span><br/> <span class="text">gemittelten Pegeln gemäss Anhang 6 LSV kaum ins Gewicht, so dass</span><br/> <span class="text">die dort geregelten Planungswerte der massgeblichen Empfindlich-</span><br/> <span class="text">keitsstufe III eingehalten würden. Würden jedoch derart kurzzeitige</span><br/> <span class="text">und wiederholt auftretende Störungen in der Schlafperiode die bei</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">210</span> </div> <div class="page" id="S210"> <div role="main"> <span class="text">45-50 dB(A) liegende Weckschwelle überschreiten, könne nicht von</span><br/> <span class="text">vornherein ausgeschlossen werden, dass dadurch das Wohlbefinden</span><br/> <span class="text">der schlafenden Bevölkerung beeinträchtigt werde. Vor diesem Hin-</span><br/> <span class="text">tergrund sei festzuhalten, dass die Belastungsgrenzwerte für Indu-</span><br/> <span class="text">strie- und Gewerbelärm nicht auf Immissionen der hier streitigen Art</span><br/> <span class="text">zugeschnitten seien und diesbezüglich keine sachgerechten Ergebnis-</span><br/> <span class="text">se lieferten. Das habe auch die beim vorinstanzlichen Augenschein</span><br/> <span class="text">anwesende kantonale Fachperson bestätigt. Deshalb seien vorliegend</span><br/> <span class="text">nicht die in Anhang 6 der LSV enthaltenen Planungswerte massgeb-</span><br/> <span class="text">lich, sondern es sei eine Einzelfallbeurteilung vorzunehmen.</span><br/> <span class="text">Stattdessen hat die Vorinstanz auf die vom Bundesamt für Um-</span><br/> <span class="text">welt (BAFU) im Jahr 2014 herausgegebene Vollzugshilfe im Um-</span><br/> <span class="text">gang mit Alltagslärm ( Beurteilung Alltagslärm ; nachfolgend: Voll-</span><br/> <span class="text">zugshilfe Alltagslärm) zurückgegriffen. Diese beschreibe - so die</span><br/> <span class="text">Vorinstanz - einen gangbaren Weg zur Beurteilung von Störwir-</span><br/> <span class="text">kungen von Lärmsituationen, für welche Belastungsgrenzwerte fehl-</span><br/> <span class="text">ten bzw. keine sachgerechten Ergebnisse lieferten. Ziel der darin dar-</span><br/> <span class="text">gestellten Methode sei die Ermittlung einer objektivierten Quantifi-</span><br/> <span class="text">zierung der Störwirkung.</span><br/> <span class="text">Bei der Störung des Schlafes orientiere sich die Vollzugshilfe</span><br/> <span class="text">Alltagslärm an den lärmbedingten Aufwachreaktionen (AWR). Nach</span><br/> <span class="text">dem Stand der Wissenschaft und der Erfahrung liessen mehr als eine</span><br/> <span class="text">AWR pro Nacht auf eine Überschreitung der Immissionsgrenzwerte</span><br/> <span class="text">und mehr als drei AWR pro Woche auf eine Überschreitung der Pla-</span><br/> <span class="text">nungswerte schliessen. Nebst der Anzahl AWR berücksichtige die</span><br/> <span class="text">Vollzugshilfe Alltagslärm die Empfindlichkeitsstufe des betroffenen</span><br/> <span class="text">Gebiets (ES), die erhöhte Lärmempfindlichkeit spezieller Personen-</span><br/> <span class="text">gruppen (SP) sowie die örtlichen Gegebenheiten (ÖG) respektive die</span><br/> <span class="text">Lärmvorbelastung. Die Erheblichkeit der Störung ergebe sich aus der</span><br/> <span class="text">Summe der für die genannten Parameter (AWR/ES/SP/ÖG) einge-</span><br/> <span class="text">setzten, in der Vollzugshilfe Alltagslärm angegebenen Werte. Unter-</span><br/> <span class="text">schieden werde zwischen sehr stark störend bei einer Summe von 3</span><br/> <span class="text">(= über Alarmwert), erheblich störend bei einer Summe von 2 (=</span><br/> <span class="text">zwischen Immissionsgrenzwert und Alarmwert), störend bei einer</span><br/> <span class="text">Summe von 1 (= zwischen Planungswert und Immissionsgrenzwert)</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">211</span> </div> <div class="page" id="S211"> <div role="main"> <span class="text">und höchstens geringfügig störend bei einer Summe von 0 (= unter</span><br/> <span class="text">Planungswert).</span><br/> <span class="text">Für den Parameter AWR hat die Vorinstanz den Wert 2 in die</span><br/> <span class="text">auf S. 55 der Vollzugshilfe Alltagslärm wiedergegebene Formel (für</span><br/> <span class="text">die Beurteilung nächtlicher Störungen) eingesetzt; dies mit der Be-</span><br/> <span class="text">gründung, die von der Fachperson der Abteilung für Umwelt des</span><br/> <span class="text">BVU beim Augenschein vom 15. April 2015 gemessenen Schallpe-</span><br/> <span class="text">gelwerte der lautesten Geräusche von 55-58 dB(A), mithin rund 5-</span><br/> <span class="text">10 dB(A) über der Weckschwelle, könnten - wie das Beispiel der</span><br/> <span class="text">Beschwerdegegnerin zeige - zu einer Aufwachreaktion pro Nacht</span><br/> <span class="text">führen. Dem Parameter ES hat die Vorinstanz den Wert -1 (= Emp-</span><br/> <span class="text">findlichkeitsstufe III) und den Parametern SP und ÖG die Werte 0</span><br/> <span class="text">(keine sensiblen Bevölkerungsgruppen und keine spezielle örtliche</span><br/> <span class="text">Gegebenheiten, bzw. Lärmbelastung entspricht der Empfindlichkeits-</span><br/> <span class="text">stufe) zugeordnet. Auf diese Weise resultiere eine Summe von 1 (2 +</span><br/> <span class="text">-1+ 0 +0), die einer Störung entspreche, die zwischen dem Planungs-</span><br/> <span class="text">wert und dem Immissionsgrenzwert liege, also den Planungswert</span><br/> <span class="text">überschreite.</span><br/> <span class="text">2.3.</span><br/> <span class="text">Die Beschwerdeführerinnen sind demgegenüber der Auffas-</span><br/> <span class="text">sung, beim durch die Warenlieferung an einen Detailhändler verur-</span><br/> <span class="text">sachten Lärm handle es sich um Gewerbelärm, auf den Anhang 6 der</span><br/> <span class="text">LSV anwendbar sei, nicht um Alltagslärm im Sinne der Vollzugshilfe</span><br/> <span class="text">Alltagslärm. (...)</span><br/> <span class="text">2.4.</span><br/> <span class="text">2.4.1.</span><br/> <span class="text">Die Vollzugsbehörden haben die ermittelten Aussenlärmimmis-</span><br/> <span class="text">sionen ortsfester Anlagen grundsätzlich anhand der Belastungsgrenz-</span><br/> <span class="text">werte nach den Anhängen 3 ff. der LSV zu beurteilen (Art. 40 Abs. 1</span><br/> <span class="text">LSV). Vorbehalten bleiben - wie erwähnt - Fälle, in denen diese Be-</span><br/> <span class="text">lastungsgrenzwerte kein gesetzeskonformes Ergebnis liefern (siehe</span><br/> <span class="text">Erw. 2.1 vorne).</span><br/> <span class="text">Anhang 6 LSV regelt die Belastungsgrenzwerte für Industrie-</span><br/> <span class="text">und Gewerbelärm. Darunter fällt gemäss Ziff. 1 Abs. 1 Lärm von An-</span><br/> <span class="text">lagen der Industrie, des Gewerbes und der Landwirtschaft (lit. a), des</span><br/> <span class="text">Güterumschlages bei Anlagen der Industrie, des Gewerbes und der</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">212</span> </div> <div class="page" id="S212"> <div role="main"> <span class="text">Landwirtschaft sowie bei Bahnhöfen und Flugplätzen (lit. b), des</span><br/> <span class="text">Verkehrs auf dem Betriebsareal von Industrie- und Gewerbeanlagen</span><br/> <span class="text">sowie auf dem Hofareal von Landwirtschaftsbetrieben (lit. c), von</span><br/> <span class="text">Parkhäusern sowie von grösseren Parkplätzen ausserhalb von Stras-</span><br/> <span class="text">sen (lit. d) und von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen (lit. e).</span><br/> <span class="text">Daneben werden eine ganze Reihe weiterer Anlagen den Industrie-</span><br/> <span class="text">und Gewerbeanlagen gleichgestellt, namentlich Energie-, Entsor-</span><br/> <span class="text">gungs- und Förderanlagen, Luft- und Standseilbahnen, Skilifte,</span><br/> <span class="text">Schwimmbad- und Wärmepumpen sowie Motorsportanlagen, die re-</span><br/> <span class="text">gelmässig während längerer Zeit betrieben werden. Auch der Lärm</span><br/> <span class="text">von Reparaturwerkstätten, Unterhaltsbetrieben und ähnlichen Betrie-</span><br/> <span class="text">ben auf Bahnarealen, zivilen und militärischen Flugplätzen und mili-</span><br/> <span class="text">tärischen Waffen-, Schiess- und Übungsplätzen wird nach Anhang 6</span><br/> <span class="text">LSV beurteilt. Der Geltungsbereich von Anhang 6 LSV ist demnach</span><br/> <span class="text">ziemlich umfassend und erstreckt sich auf die verschiedensten Arten</span><br/> <span class="text">von Lärm, die vom Betrieb von Industrie- und Gewerbeanlagen oder</span><br/> <span class="text">anderen Anlagen mit vergleichbarem Lärm ausgehen. Hingegen kön-</span><br/> <span class="text">nen Lärmarten, die sich wesentlich von der Natur des Industrie- und</span><br/> <span class="text">Gewerbelärms unterscheiden, wie Gaststättenlärm, Sport- und Frei-</span><br/> <span class="text">zeitlärm, Lärm von Recyclingsammelstellen sowie sonstigem All-</span><br/> <span class="text">tagslärm, nicht nach Anhang 6 LSV ermittelt und beurteilt werden.</span><br/> <span class="text">Diese Lärmarten sind im Einzelfall zu beurteilen. Dabei können ent-</span><br/> <span class="text">sprechende Vollzugshilfen, etwa die Vollzugshilfe Alltagslärm, und</span><br/> <span class="text">andere Hilfsmittel beigezogen werden (Vollzugshilfe Ermittlung</span><br/> <span class="text">und Beurteilung von Industrie- und Gewerbelärm des BAFU, Bern</span><br/> <span class="text">2016 [nachfolgend: Vollzugshilfe Industrie- und Gewerbelärm],</span><br/> <span class="text">S. 16). Ferner ist eine Beurteilung nach Anhang 6 LSV dann nicht</span><br/> <span class="text">störungsgerecht, wenn die Zahl der jährlichen Betriebstage, an denen</span><br/> <span class="text">der Lärm auftritt, dermassen klein ist, dass von eigentlichen Einzele-</span><br/> <span class="text">reignissen gesprochen werden muss. Auch in diesem Fall hat eine</span><br/> <span class="text">Einzelfallbewertung direkt gestützt auf Art. 15, 19 und 23 USG statt-</span><br/> <span class="text">zufinden (Vollzugshilfe Industrie- und Gewerbelärm, S. 20).</span><br/> <span class="text">Der Lärm von Industrie- und Gewerbeanlagen kennzeichnet</span><br/> <span class="text">sich dadurch, dass die charakteristischen Lärmeigenschaften nicht</span><br/> <span class="text">nur von Betrieb zu Betrieb variieren, sondern sogar innerhalb eines</span><br/> <span class="text">Betriebes Phasen mit unterschiedlichem Lärmcharakter auftreten</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 8 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">213</span> </div> <div class="page" id="S213"> <div role="main"> <span class="text">können. Zur möglichst störungsgerechten Ermittlung der am Immis-</span><br/> <span class="text">sionsort einwirkenden Belastung wird der Lärm von Industrie- und</span><br/> <span class="text">Gewerbeanlagen daher in verschiedene Lärmphasen (i) unterteilt. Als</span><br/> <span class="text">Lärmphasen werden dabei Zeitabschnitte bezeichnet, in denen am</span><br/> <span class="text">Immissionsort hinsichtlich Schallpegelhöhe, Ton- und Impulshaltig-</span><br/> <span class="text">keit ein einheitlicher Lärm einwirkt. Erzeugt beispielsweise eine An-</span><br/> <span class="text">lage in ihrem normalen Betriebszustand einen einigermassen gleich-</span><br/> <span class="text">mässigen, sich durch keine besonderen Lärmeigenschaften auszeich-</span><br/> <span class="text">nenden Betriebslärm, so wird dieser Zeitabschnitt als eine Lärmpha-</span><br/> <span class="text">se behandelt. Erfolgt nun in diesem Betrieb eine regelmässige Wa-</span><br/> <span class="text">renanlieferung, die während einer bestimmten Zeit schlagenden und</span><br/> <span class="text">scheppernden Lärm erzeugt, so wird diese Zeit der Warenanlieferung</span><br/> <span class="text">als eine weitere Lärmphase behandelt. Der Beurteilungspegel des</span><br/> <span class="text">Gesamtbetriebes (Lr) wird berechnet, indem die Teilbeurteilungspe-</span><br/> <span class="text">gel (Lr,i) der verschiedenen Lärmphasen energetisch addiert werden.</span><br/> <span class="text">Diese Teilbeurteilungspegel wiederum setzen sich - wie bei den</span><br/> <span class="text">meisten anderen Lärmarten - aus einem Mittelungspegel (Leq,i) und</span><br/> <span class="text">den jeweils massgebenden Pegelkorrekturen (K1,i; K2,i; K3,i) zu-</span><br/> <span class="text">sammen. Untersuchungen haben gezeigt, dass der variable Charakter</span><br/> <span class="text">von Industrie- und Gewerbelärm generell störender wirkt als dies</span><br/> <span class="text">durch den reinen Mittelungspegel abgebildet wird. Diese Erkenntnis</span><br/> <span class="text">hat zur Pegelkorrektur K1,i geführt. Mit den Pegelkorrekturen K2,i</span><br/> <span class="text">und K3,i wird berücksichtigt, dass sich tonhaltige Lärmereignisse be-</span><br/> <span class="text">sonders störend auswirken und impulshaltige, schlagende Geräusche</span><br/> <span class="text">ebenfalls zu einer erhöhten Belästigung beitragen. Schliesslich er-</span><br/> <span class="text">folgt eine Betriebszeitkorrektur mit dem Term 10 · log (ti/to), der</span><br/> <span class="text">die Dauer einer Lärmphase berücksichtigt (vgl. zum Ganzen Anhang</span><br/> <span class="text">6 LSV, Ziff. 3, und Vollzugshilfe Industrie- und Gewerbelärm,</span><br/> <span class="text">S. 17 ff.).</span><br/> <span class="text">2.4.2.</span><br/> <span class="text">Von seiner Natur her handelt es sich bei den von der Vorinstanz</span><br/> <span class="text">beim Augenschein vom 15. April 2015 festgestellten, durch die An-</span><br/> <span class="text">lieferung von Frischprodukten für den F.-Laden verursachten Geräu-</span><br/> <span class="text">schen um Lärm, der die charakteristischen Eigenschaften von Ge-</span><br/> <span class="text">werbelärm, konkret des in Anhang 6 LSV explizit genannten Lärms</span><br/> <span class="text">des Güterumschlages bei Gewerbeanlagen aufweist. Die registrierten</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 9 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">214</span> </div> <div class="page" id="S214"> <div role="main"> <span class="text">Geräusche (Motorenlärm des Lastwagens, Zuschlagen von Türen,</span><br/> <span class="text">Absenken und Anheben der hydraulischen Hebebühne, Aufschlagen</span><br/> <span class="text">der Hebebühne auf dem Asphaltboden, das Schieben/Ziehen von</span><br/> <span class="text">Rollwagen über die geriffelte Hebebühne samt Ein- und Ausrasten</span><br/> <span class="text">und danach über den körnigen Asphaltbelag bis zum Lieferantenein-</span><br/> <span class="text">gang) sind keineswegs dermassen singulär, als dass eine Anwendung</span><br/> <span class="text">von Anhang 6 LSV schon wegen der Andersartigkeit des Lärms im</span><br/> <span class="text">Vergleich mit dem Güterumschlag anderer Gewerbebetriebe ausge-</span><br/> <span class="text">schlossen wäre. Auch andernorts werden für die Anlieferung von</span><br/> <span class="text">Waren typischerweise Lastwagen mit hydraulischer Hebebühne, die</span><br/> <span class="text">oftmals geriffelt und - aus Sicherheitsgründen - mit einer Vorrich-</span><br/> <span class="text">tung für die Befestigung von rollbarem Material ausgestattet ist, so-</span><br/> <span class="text">wie für den Transport der Ware vom Lastwagen zum Warenlager des</span><br/> <span class="text">belieferten Verkaufsgeschäfts Holzpaletten (mit Gabelstaplern) oder</span><br/> <span class="text">- wie im vorliegenden Fall - mit Plastikrädern versehene Metallrost-</span><br/> <span class="text">körbe eingesetzt.</span><br/> <span class="text">Die Vorinstanz hat denn auch nur deshalb von einer Anwendung</span><br/> <span class="text">der LSV abgesehen, weil sie die nächtliche Lärmphase als zu kurz</span><br/> <span class="text">erachtet, um mit der in Anhang 6 LSV vorgesehenen Berechnungs-</span><br/> <span class="text">methode ein brauchbares (repräsentatives) Ergebnis zu erhalten, das</span><br/> <span class="text">die tatsächlich auftretenden Störungen gebührend reflektiert. Diese</span><br/> <span class="text">Sichtweise greift jedoch aus den folgenden Überlegungen zu kurz.</span><br/> <span class="text">Der Hauptvorteil des in der LSV für die Ermittlung des Beurtei-</span><br/> <span class="text">lungspegels (Lr) der meisten Lärmarten verwendeten Mittelungspe-</span><br/> <span class="text">gels (Leq; auch energieäquivalenter Dauerschallpegel oder Intensi-</span><br/> <span class="text">tätsmittel genannt) besteht darin, dass damit ein zeitlich schwanken-</span><br/> <span class="text">des Schallereignis mit einer einzigen Beurteilungsgrösse charakteri-</span><br/> <span class="text">siert werden kann. Als Beurteilungsgrösse ist der Leq für verschie-</span><br/> <span class="text">denste Lärmarten sinnvoll. Bei Industrie- und Gewerbelärm mit be-</span><br/> <span class="text">deutender Impulshaftigkeit der Schallereignisse kann der Leq proble-</span><br/> <span class="text">matisch sein, weil dann die störenden Spitzenwerte quasi verdünnt</span><br/> <span class="text">werden können. Trotzdem wird der Leq auch bei solchen Lärmarten</span><br/> <span class="text">angewandt. Die subjektive Störwirkung durch die Impulse kann</span><br/> <span class="text">nachträglich mit einer Pegelkorrektur ausgeglichen werden</span><br/> <span class="text">(http://www.laermorama.ch/m1_akustik/schallpegel_ w.html#leq).</span><br/> <span class="text">Eine derartige Pegelkorrektur ist - wie dargelegt - auch in Anhang 6</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 10 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">215</span> </div> <div class="page" id="S215"> <div role="main"> <span class="text">LSV vorgesehen. Mit der Pegelkorrektur K1 wird der Beurteilungs-</span><br/> <span class="text">pegel mit Bezug auf Lärm des Güterumschlages ohne weiteres um 5</span><br/> <span class="text">dB(A) angehoben. Mit der Pegelkorrektur K3 kann der Beurteilungs-</span><br/> <span class="text">pegel für Lärm mit stark hörbarem Impuls, der insbesondere für Wa-</span><br/> <span class="text">renanlieferungen typisch ist, um weitere 6 dB(A) erhöht werden (An-</span><br/> <span class="text">hang 6 LSV, Ziff. 33, und Vollzugshilfe Industrie- und Gewerbelärm,</span><br/> <span class="text">S. 24). Das lässt den Beurteilungspegel um nicht weniger als insge-</span><br/> <span class="text">samt 11 dB(A) ansteigen. Damit wird dem Umstand, dass sich pri-</span><br/> <span class="text">mär die vereinzelten Spitzenwerte (und weniger der durchschnittli-</span><br/> <span class="text">che Schallpegel) störend auswirken, hinreichend Rechnung getragen.</span><br/> <span class="text">Die Verdünnung bezieht sich sodann auf den gemessenen Zeitraum</span><br/> <span class="text">(Mittelung über die Messdauer). Weniger Schallereignisse während</span><br/> <span class="text">einer kürzeren Lärmphase werden auch auf eine kleinere Zeiteinheit</span><br/> <span class="text">verteilt.</span><br/> <span class="text">Die Dauer der Lärmphase spielt vor allem bei der sog. Be-</span><br/> <span class="text">triebszeitkorrektur eine Rolle. Die Korrektur wird aus dem Verhält-</span><br/> <span class="text">nis der effektiven täglichen Betriebsdauer (ti) zur maximal mögli-</span><br/> <span class="text">chen Betriebszeit (to) von 12 Stunden bzw. 720 Minuten pro Tag/</span><br/> <span class="text">Nacht berechnet (Anhang 6 LSV, Ziff. 31, und Vollzugshilfe Indu-</span><br/> <span class="text">strie- und Gewerbelärm, S. 19). Kürzere effektive Betriebsdauern</span><br/> <span class="text">führen somit zu einem tieferen Beurteilungspegel. Das ist gewollt,</span><br/> <span class="text">weil supponiert wird, dass ein Geräusch umso störender beurteilt</span><br/> <span class="text">werden soll, je länger es im Mittel dauert (Vollzugshilfe Industrie-</span><br/> <span class="text">und Gewerbelärm, S. 19). Würde man hingegen die Ansicht vertre-</span><br/> <span class="text">ten, dass die Störwirkungen von kürzeren und längeren Lärmphasen</span><br/> <span class="text">die gleichen sind oder sich zumindest nicht in genügendem Masse</span><br/> <span class="text">voneinander unterscheiden, um die in Anhang 6 LSV vorgesehene</span><br/> <span class="text">Betriebszeitkorrektur zu rechtfertigen, so könnte dort angesetzt und</span><br/> <span class="text">diese verändert werden, um für eine Annäherung bis hin zu einem</span><br/> <span class="text">Ausgleich der Beurteilungspegel von kürzeren und längeren Lärm-</span><br/> <span class="text">phasen zu sorgen.</span><br/> <span class="text">Auf S. 25 geht die Vollzugshilfe Industrie- und Gewerbelärm</span><br/> <span class="text">darauf ein, wie der Beurteilungspegel von Güterumschlag in der</span><br/> <span class="text">Nacht zu bestimmen ist. Beschrieben wird die folgende Situation:</span><br/> <span class="text">Ein neuer Frischproduktebetrieb in der Kernzone beginnt um</span><br/> <span class="text">3.00 Uhr morgens mit dem Güterumschlag. Der Vorgang dauert eine</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 11 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">216</span> </div> <div class="page" id="S216"> <div role="main"> <span class="text">Stunde. Die Betriebszeitkorrektur (Mittelung des Schallpegels über</span><br/> <span class="text">die ganze Nacht) sorgt dafür, dass der Planungswert eingehalten</span><br/> <span class="text">wird. Basierend darauf wird die Frage aufgeworfen, ob dem Betrieb</span><br/> <span class="text">die Betriebszeitkorrektur zugestanden werden muss. Die Antwort</span><br/> <span class="text">lautet, dass die Beurteilung nach Anhang 6 LSV erfolgt und der Mit-</span><br/> <span class="text">telungspegel (Leq) über die gesamte Nacht (12 Stunden) zeitlich zu</span><br/> <span class="text">mitteln ist. Zusätzlich wird auf die Möglichkeit emissionsbegrenzen-</span><br/> <span class="text">der Massnahmen im Rahmen des Vorsorgeprinzips (Art. 11 Abs. 2</span><br/> <span class="text">USG) oder verschärfter Massnahmen (Art. 11 Abs. 3 USG) hinge-</span><br/> <span class="text">wiesen.</span><br/> <span class="text">Weshalb ein nächtlicher Güterumschlag, der - wie hier - nur</span><br/> <span class="text">einige Minuten bis maximal eine halbe Stunde dauert anders behan-</span><br/> <span class="text">delt werden sollte, ist nicht ersichtlich. Zwar bewirkt die Verkürzung</span><br/> <span class="text">der Lärmphase wegen der Betriebszeitkorrektur , dass der Beurtei-</span><br/> <span class="text">lungspegel im Vergleich zu einer Lärmphase von einer Stunde noch</span><br/> <span class="text">mehr abnimmt. Das ist zumindest bis zu einem gewissen Grad auch</span><br/> <span class="text">sachgerecht, weil die Störungswirkungen eines längeren Anlie-</span><br/> <span class="text">ferungsprozesses klar intensiver sind. Ein solcher führt tendenziell zu</span><br/> <span class="text">mehr Aufwachreaktionen und hindert die betroffenen Anwohner län-</span><br/> <span class="text">gere Zeit daran, wieder einzuschlafen. Man könnte jedoch die Be-</span><br/> <span class="text">triebszeitkorrektur nach oben begrenzen, um zu vermeiden, dass</span><br/> <span class="text">sehr kurz andauernde nächtliche Güterumschläge überhaupt nicht</span><br/> <span class="text">mehr ins Gewicht fallen, indem beispielsweise Lärmphasen von we-</span><br/> <span class="text">niger als einer halben Stunde auf eine halbe Stunde aufgerundet wer-</span><br/> <span class="text">den, weil hinsichtlich der Störungswirkung kein signifikanter Unter-</span><br/> <span class="text">schied zwischen einer Lärmphase von einer Viertelstunde und einer</span><br/> <span class="text">solchen von einer halben Stunde besteht. Solche Korrekturen sind im</span><br/> <span class="text">System der LSV durchaus möglich, ohne dass auf eine Einzelfallbe-</span><br/> <span class="text">urteilung und in deren Rahmen auf eine Vollzugshilfe ausgewichen</span><br/> <span class="text">werden muss, die - wie die Vollzugshilfe Alltagslärm - für andere</span><br/> <span class="text">(nicht gewerbliche) Lärmarten konzipiert ist (Freizeitaktivitäten,</span><br/> <span class="text">Glocken, Tierhaltungen, Tierschreckanlagen etc.).</span><br/> <span class="text">2.4.3.</span><br/> <span class="text">Namentlich der Glockenschlag von Kirchturmuhren lässt sich</span><br/> <span class="text">von seiner Charakteristik her nicht mit Lärm vergleichen, der durch</span><br/> <span class="text">Warenanlieferungen erzeugt wird. Die einzelnen, in sich abgeschlos-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 12 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">217</span> </div> <div class="page" id="S217"> <div role="main"> <span class="text">senen Lärmphasen sind noch einmal deutlich kürzer, wiederholen</span><br/> <span class="text">sich dafür umso öfter über die ganze Nacht verteilt (vor allem beim</span><br/> <span class="text">Viertelstundenschlag mit 32 Mal zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr),</span><br/> <span class="text">und beinhalten ausschliesslich ausgesprochen impulshaltige Geräu-</span><br/> <span class="text">sche. Aufgrund dessen ist es schlechterdings unmöglich, die tatsäch-</span><br/> <span class="text">lichen Störungswirkungen von Glockenschlägen mit dem Mitte-</span><br/> <span class="text">lungspegel Leq zu erfassen. Eine Betriebszeitkorrektur fällt ohne-</span><br/> <span class="text">hin ausser Betracht. In diesem von der LSV nicht geregelten Bereich</span><br/> <span class="text">macht es Sinn, in Anwendung der Vollzugshilfe Alltagslärm auf die</span><br/> <span class="text">Anzahl lärmbedingter Aufwachreaktionen (AWR) pro Nacht abzu-</span><br/> <span class="text">stellen. Wegen der Andersartigkeit des Lärms können die Resultate</span><br/> <span class="text">der ETH-Studie zur Ermittlung von Aufwachreaktionen durch Glo-</span><br/> <span class="text">ckenläuten (MARK BRINK/SARAH OMLIN/CHRISTIAN MÜLLER/RETO</span><br/> <span class="text">PIEREN/MATHIAS BASNER, An event-related analysis of awakening</span><br/> <span class="text">reactions due to nocturnal church bell noise, Science oft he Total</span><br/> <span class="text">Environment, 409 [24], 5210-5220) nicht unbesehen auf den durch</span><br/> <span class="text">einen Güterumschlag erzeugten Lärm übertragen werden. Aus dieser</span><br/> <span class="text">Studie hat sich ergeben, dass die Anzahl Aufwachreaktionen pro</span><br/> <span class="text">Nacht erstens von der Dauer des Schlafs und zweitens - in noch viel</span><br/> <span class="text">stärkerem Mass - davon abhängt, ob die Kirchturmuhr stündlich,</span><br/> <span class="text">halbstündlich oder im Viertelstundentakt schlägt. Bei einem viertel-</span><br/> <span class="text">stündlichen Glockenschlag führt schon ein Schallpegel von 40-</span><br/> <span class="text">45 dB(A) zu mindestens einer Aufwachreaktion pro Nacht; beim</span><br/> <span class="text">halbstündlichen Glockenschlag bedarf es dafür eines Schallpegels</span><br/> <span class="text">von 45-50 dB(A) und beim stündlichen Glockenschlag von 55-60</span><br/> <span class="text">dB(A) (vgl. Vollzugshilfe Alltagslärm, S. 56). Im Gegensatz zum</span><br/> <span class="text">Glockenschlag, der die ganze Nacht über zu verzeichnen ist, konzen-</span><br/> <span class="text">trieren sich die Geräusche der vorliegend zu beurteilenden Warenan-</span><br/> <span class="text">lieferung auf eine einzige nächtliche Lärmphase von ca. (je nach Lie-</span><br/> <span class="text">ferumfang) 10-25 Minuten Dauer. Auch wenn innerhalb dieser</span><br/> <span class="text">Lärmphase mehrere stark impulsartige Geräusche auftreten, welche</span><br/> <span class="text">für die Spitzenwerte sorgen, ist die Störungswirkung doch eine ande-</span><br/> <span class="text">re als bei den über einen wesentlich längeren Zeitraum verteilten</span><br/> <span class="text">Glockenschlägen. Insofern bestehen keine gesicherten (wissenschaft-</span><br/> <span class="text">lichen, auf entsprechenden Untersuchungen basierenden) Erkenntnis-</span><br/> <span class="text">se dazu, wo genau die Weckschwelle bei Geräuschen des Güterum-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 13 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">218</span> </div> <div class="page" id="S218"> <div role="main"> <span class="text">schlags liegt bzw. ab welchem Schallpegel mit mindestens einer Auf-</span><br/> <span class="text">wachreaktion pro Nacht zu rechnen ist. Eine allgemein gültige Weck-</span><br/> <span class="text">schwelle von 45-50 dB(A) existiert aufgrund der neuesten Erkennt-</span><br/> <span class="text">nisse der erwähnten ETH-Studie selbst innerhalb der gleichen Lärm-</span><br/> <span class="text">kategorie (Glockenläuten) offenbar nicht (vgl. dazu auch das Urteil</span><br/> <span class="text">des Bundesgerichts vom 13. Dezember 2017 [1C_383/2016,</span><br/> <span class="text">1C_409/2016], Erw. 5.3 und 5.6). Das muss erst recht für verschiede-</span><br/> <span class="text">ne Lärmarten gelten.</span><br/> <span class="text">Im Zusammenhang mit Fluglärm z.B. wurde die kritische</span><br/> <span class="text">Weckschwelle bis anhin immer erst bei 60 dB(A) angenommen</span><br/> <span class="text">(BGE 137 II 58, Erw. 5.3.5; Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="text">18. Januar 2010 [1C_297/2009], Erw. 3.1 und 4). Von einer Weck-</span><br/> <span class="text">schwelle von 45-50 dB(A) hat das Bundesgericht bei Strassenlärm</span><br/> <span class="text">mit sog. stochastischen Geräuschen, an die sich der Mensch nicht ge-</span><br/> <span class="text">wöhnt (BGE 101 Ib 405, Erw. 3a/aa und BGE 102 Ib 271, Erw. 3a),</span><br/> <span class="text">gesprochen. In einem späteren Entscheid (BGE 110 Ib 340) zitierte</span><br/> <span class="text">das Bundesgericht allerdings aus einem Schallgutachten, in welchem</span><br/> <span class="text">sich der Experte dahingehend äusserte, dass die Frage der Schlafstö-</span><br/> <span class="text">rung durch Lärm ein seit Jahrzehnten kontroverses Thema sei. Ob</span><br/> <span class="text">ein Geräusch einen Schlafenden wecke, hänge von derart vielen Fak-</span><br/> <span class="text">toren ab, dass verbindliche Aussagen kaum möglich seien; jedenfalls</span><br/> <span class="text">lasse sich angesichts der unterschiedlichen Untersuchungsergebnisse</span><br/> <span class="text">die Annahme einer allgemein gültigen Weckschwelle von 45-50</span><br/> <span class="text">dB(A) nicht stichhaltig begründen (a.a.O., Erw. 8).</span><br/> <span class="text">In Anbetracht dessen bestehen keine genügenden Anhaltspunkte</span><br/> <span class="text">dafür, dass die Belastungsgrenzwerte in Anhang 6 LSV für Lärm von</span><br/> <span class="text">(nächtlichem) Güterumschlag nicht störungsgerecht festgelegt wur-</span><br/> <span class="text">den. Eine Einzelfallbeurteilung direkt gestützt auf das USG unter Zu-</span><br/> <span class="text">hilfenahme der für andersartigen Lärm konzipierten Vollzugshilfe</span><br/> <span class="text">Alltagslärm drängt sich nicht auf, zumal die Anzahl Aufwachreaktio-</span><br/> <span class="text">nen pro Nacht für diese spezifische Art von Lärm nicht oder zu we-</span><br/> <span class="text">nig erforscht ist und die LSV selber (Pegel-)Korrekturen vorsieht, die</span><br/> <span class="text">den impulshaltigen Geräuschen (das Einhaken der Rollwagen auf der</span><br/> <span class="text">Hebebühne, das Aufschlagen der Hebebühne auf dem Asphalt und</span><br/> <span class="text">das Ziehen der Rollwagen über den körnigen Asphalt) Rechnung</span><br/> <span class="text">tragen. Schliesslich kann durch eine Begrenzung der Betriebszeit-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 14 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">219</span> </div> <div class="page" id="S219"> <div role="main"> <span class="text">korrektur vermieden werden, dass Anlieferungen von sehr kurzer</span><br/> <span class="text">Dauer nicht mehr ins Gewicht fallen. Vom Sachverhalt, den das Ver-</span><br/> <span class="text">waltungsgericht im Urteil vom 28. August 2007 (WBE.2006.300) zu</span><br/> <span class="text">beurteilen hatte, unterscheidet sich der vorliegende insofern, als es</span><br/> <span class="text">um regelmässige (praktisch allnächtliche), nicht bloss um sporadi-</span><br/> <span class="text">sche Anlieferungen geht, für die eine Beurteilung nach Anhang 6</span><br/> <span class="text">LSV ein weniger störungsgerechtes Resultat liefert (Vollzugshilfe In-</span><br/> <span class="text">dustrie- und Gewerbelärm, S. 20 unten). Zudem stellt menschlicher</span><br/> <span class="text">Verhaltenslärm (lautes Zurufen), der wegen seines Informationsge-</span><br/> <span class="text">haltes als stark störend empfunden werden kann, was sich aber in den</span><br/> <span class="text">Belastungsgrenzwerten nicht niederschlägt (BGE 123 II 325,</span><br/> <span class="text">Erw. 4d/aa; ROBERT HOFMANN, Keine Grenzwerte - kein Lärm? in:</span><br/> <span class="text">URP 1994, S. 428), gemäss den Feststellungen der Vorinstanz im</span><br/> <span class="text">vorliegenden Fall kein Problem dar. Demnach ist die Einhaltung der</span><br/> <span class="text">Planungswerte anhand von Anhang 6 LSV zu beurteilen. Die Voll-</span><br/> <span class="text">zugshilfe Alltagslärm ist demgegenüber nicht anwendbar.</span><br/> <span class="text">2.5.</span><br/> <span class="text">Die Vorinstanz hielt in Erw. 3.3.1 des angefochtenen Entscheids</span><br/> <span class="text">fest, die in Anhang 6 LSV (...) enthaltenen Planungswerte würden</span><br/> <span class="text">mit den am Augenschein vom 15. April 2015 gemessenen Schallpe-</span><br/> <span class="text">geln der Geräusche der Belieferung des F.-Ladens mit Frischproduk-</span><br/> <span class="text">ten nicht überschritten. Sie äussert sich jedoch nicht dazu, welcher</span><br/> <span class="text">Beurteilungspegel gestützt auf die LSV konkret ermittelt wurde, in-</span><br/> <span class="text">wieweit Pegelkorrekturen (K1; K2; K3) berücksichtigt und eine Be-</span><br/> <span class="text">triebszeitkorrektur vorgenommen wurde. (...) Bei der Messung hat</span><br/> <span class="text">die Fachperson des BVU das Mikrophon des Schallpegelmessers auf</span><br/> <span class="text">dem Kopfkissen im Bett der Beschwerdegegnerin platziert. Das ist</span><br/> <span class="text">zweifelsohne richtig, wenn der Beurteilungspegel hernach aufgrund</span><br/> <span class="text">einer Einzelfallbeurteilung anhand der Vollzugshilfe Alltagslärm be-</span><br/> <span class="text">rechnet wird. In diesen Fällen ist eine Gesamtbetrachtung vorzuneh-</span><br/> <span class="text">men, die unterschiedlichen Situationen mit stärkeren und schwäche-</span><br/> <span class="text">ren Lärmbelastungen Rechnung trägt. (...) Im Anwendungsbereich</span><br/> <span class="text">der LSV sind hingegen die Lärmimmissionen in der Mitte der offe-</span><br/> <span class="text">nen Fenster lärmempfindlicher Räume zu ermitteln (Art. 39 Abs. 1</span><br/> <span class="text">LSV; ALAIN GRIFFEL/HERIBERT RAUSCH, Kommentar zum Umwelt-</span><br/> <span class="text">schutzgesetz, Ergänzungsband zur 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 15 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">220</span> </div> <div class="page" id="S220"> <div role="main"> <span class="text">2011, Art. 15 N 27). Das betrifft nicht nur die lärmempfindlichen</span><br/> <span class="text">Räume in der Wohnung der Beschwerdegegnerin, sondern auch die-</span><br/> <span class="text">jenigen an allenfalls noch exponierterer Lage, etwa in den Woh-</span><br/> <span class="text">nungen im ersten und zweiten Obergeschoss des gleichen Gebäudes.</span><br/> <span class="text">Dort dürften höhere Werte zu erwarten sein. Aus diesem Grund müs-</span><br/> <span class="text">sen die Messungen wiederholt werden. Dabei ist insbesondere</span><br/> <span class="text">sicherzustellen, dass sich die Bedingungen am Messtermin möglichst</span><br/> <span class="text">wenig von denjenigen einer alltäglichen Situation unterscheiden, was</span><br/> <span class="text">wohl am ehesten gewährleistet werden kann, indem der Chauffeur</span><br/> <span class="text">nichts von der Durchführung der Messungen weiss und die</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin 2 verpflichtet wird, jenen Lastwagen zu verwen-</span><br/> <span class="text">den, der auf der Anlieferungstour mit E. üblicherweise oder überwie-</span><br/> <span class="text">gend zum Einsatz kommt.</span><br/> <span class="text">2.6.</span><br/> <span class="text">In einem weiteren Schritt wäre selbst bei Einhaltung der Pla-</span><br/> <span class="text">nungswerte gemäss Anhang 6 LSV zu prüfen, ob von der Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführerin 2 im Rahmen des umweltrechtlichen Vorsorgeprinzips</span><br/> <span class="text">(Art. 11 Abs. 2 USG und Art. 7 Abs. 1 lit. a LSV) emissionsbegren-</span><br/> <span class="text">zende Massnahmen verlangt werden können, die technisch und be-</span><br/> <span class="text">trieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar sind. Technisch und</span><br/> <span class="text">betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar sind in der Regel</span><br/> <span class="text">lärmmindernde Kunststoffmatten im Abladebereich sowie die Schu-</span><br/> <span class="text">lung der Mitarbeitenden, lärmarm zu arbeiten. Bei Betrieben mit täg-</span><br/> <span class="text">lichem (oder nächtlichem) Güterumschlag sollte der Umschlagbe-</span><br/> <span class="text">reich abgeschlossen gestaltet werden. Eine weitere Massnahme im</span><br/> <span class="text">Sinne der Vorsorge ist der Ersatz von tonalen Rückfahrwarnsystemen</span><br/> <span class="text">mit lärmärmeren Alternativen (Breitband-Alarme oder Rückfahr-</span><br/> <span class="text">kameras oder Fahrzeuge, die den PIEK-Standard einhalten (Voll-</span><br/> <span class="text">zugshilfe Industrie- und Gewerbelärm, S. 25). Denkbar wären so-</span><br/> <span class="text">dann die von den Beschwerdeführerinnen selber und von der Vorin-</span><br/> <span class="text">stanz in den Rechtsschriften im verwaltungsgerichtlichen Verfahren</span><br/> <span class="text">vorgeschlagenen Massnahmen, z.B. der Einsatz von Rollwagen mit</span><br/> <span class="text">Flüster- oder Vollgummirollen, ein lärmarmer Asphaltbelag im An-</span><br/> <span class="text">lieferungsbereich, die Verwendung nicht geriffelter Hebebühnen, die</span><br/> <span class="text">Beschichtung der Hebebühne mit einem Gummibezug, damit das</span><br/> <span class="text">Geräusch beim Aufschlagen auf dem Boden gedämpft wird, Gummi-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 16 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">221</span> </div> <div class="page" id="S221"> <div role="main"> <span class="text">puffer am Fahrzeug, um die Geräusche beim Schliessen der Hebe-</span><br/> <span class="text">bühne zu reduzieren etc. Die Ergreifung solcher Massnahmen kann</span><br/> <span class="text">entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin durchgesetzt und</span><br/> <span class="text">kontrolliert werden.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>