Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. Juli 2016 (810 16 28) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Zuteilung elterliche Obhut / Regelung Besuchsrecht Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Beat Walther, Christian Haidlauf , Jgnaz Jermann, Gerichts- schreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Boris Banga , Rechtsa n- walt gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner Betreff Zuteilung elterliche Obhut / Regelung Besuc hsrecht / Entzug der auf- schiebenden Wirkung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 22. Dezember 2015) A. D.____, geboren 2009, ist das gemeinsame Kind de r unverheirateten Eltern A.____, geboren 1984, und C.____, geboren 1986. Mit Entsche id der Kindes- und Erwachsenenschutz- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht behörde B.____ (KESB) vom 4. Mai 2015 wurde der Kind smutter nach der Geburt ihres dritten Sohnes E.____ das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D. ____ entzogen und dieser vorläufig bei seinem Vater platziert. B. Die KESB übertrug den Kindseltern mit Entscheid vom 10. Juni 2015 die gemeinsame elterliche Sorge über D.____ und stellte fest, dass die definitive Obhutszuteilung zu einem spä- teren Zeitpunkt erfolge. C. Die KESB beauftragte am 3. August 2015 die Psychiat rie Baselland, Kinder- und Ju- gendpsychiatrie (KJP), einen Fachbericht über die Zuteil ung der elterlichen Obhut über D.____ zu erstellen. D. Am 3. September 2015 wurde D.____ aufgrund seines psychisch auffälligen Verhal- tens im Einverständnis der Kindseltern notfallmässig im Kinderhaus F.____ in G.____ platziert. Nachdem der Kindsvater mit der Platzierung von D.____ nicht mehr einverstanden gewesen war, entzog ihm die KESB mit Entscheid vom 5. Oktober 2 015 das Aufenthaltsbestimmungs- recht über seinen Sohn und platzierte D.____ bis zum def initiven Entscheid über die Obhutszu- teilung im Kinderhaus F.____. E. Die KESB verfügte am 19. Oktober 2015 die Weiterf ührung der bestehenden Erzie- hungsbeistandschaft für D.____ und ernannte per 1. No vember 2015 aufgrund des Stellen- wechsels der bisherigen Beiständin eine neue Beiständin. F. Mit Entscheid vom 22. Dezember 2015 teilte die KESB die elterliche Obhut über D.____ dem Kindsvater zu und hob die Platzierung im Kinderhaus F.____ auf. G. Mit Eingabe vom 25. Januar 2016 erhob A.____, vert reten durch Boris Banga, Rechts- anwalt in Grenchen, Beschwerde beim Kantonsgericht Base l-Landschaft, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Es wurde bea ntragt, dass der Entscheid der KESB vom 22. Dezember 2015 aufzuheben und der Beschwer deführerin die elterliche Obhut sowie 100% der Erziehungsgutschriften zuzuteilen sei. Dem Kindsvater sei ein analoges Be- suchs- und Ferienrecht einzuräumen. Eventualiter sei die S ache zur neuen Beurteilung an die KESB zurückzuweisen. Alles unter o/e-Kostenfolge, wobei der Beschwerdeführerin die unent- geltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewillig en sei. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht wurde die Erteilung der aufschiebenden Wirkung beantragt. H. Mit Eingabe vom 1. März 2015 liess sich die KESB verneh men und schloss auf Abwei- sung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. I. Mit Verfügung vom 21. März 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen und das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erteilu ng der aufschiebenden Wirkung abgewiesen. Im Weiteren wurde festgestellt, dass vorgä ngig eine Anhörung von D.____ durch- geführt werde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Mit Eingabe vom 6. April 2016 reichte die Beschwerdef ührerin weitere Unterlagen zu ihrem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbe iständung sowie die Honorarnote ein. K. Am 22. Juni 2016 fand die Anhörung von D.____ dur ch die Präsidentin des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, statt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des k antonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), d ie der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufheb ung oder Änderung des angefochte- nen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin i st als direkte Verfahrensbeteiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen P rozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 erfüllt sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2.1 Die Beschwerdeführerin rügt vorerst in formeller Hi nsicht die Verletzung des rechtli- chen Gehörs. Dies begründet sie damit, dass D.____ vor d em Entscheid der KESB nicht ange- hört worden sei, obschon er das sechste Altersjahr zu diese m Zeitpunkt vollendet hatte. Aus diesem Grund sei der angefochtene Entscheid aufzuheben. 2.2 Diesbezüglich ist festzuhalten, dass gemäss dem in Art . 12 Abs. 2 des Übereinkom- men über die Rechte des Kindes (UKRK) vom 20. November 1989 verankerten Grundsatz Kin- der anzuhören sind, wenn ein Gerichts- oder Verwaltung sverfahren ihre Angelegenheiten be- trifft (CHRISTOPH HÄFELI , Die Aufhebung der elterlichen Obhut nach Art. 310 Z GB, in: Zeitschrift für Vormundschaftswesen [ZVW], 56 1-2/200 S. 111 ff., S . 122). Gemäss bundesgerichtlicher Praxis ist Art. 12 Abs. 2 UKRK direkt anwendbar (BGE 12 4 III 93 E. 3a). Die Anhörung dient einerseits der Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Kin des und andererseits der Sachver- haltsermittlung (P ETER TUOR /B ERNAHRD SCHNYDER /J ÖRG SCHMID / ALEXANDRA RUMO -JUNGO , Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 12. Auflage, Zürich 2002 , S. 260). Die rechtsanwenden- den Behörden sind grundsätzlich jedoch nur dann verpfl ichtet, dem Kind Gelegenheit zur Mei- nungsäusserung zu geben – und anschliessend diese Meinung auch angemessen zu berück- sichtigen – wenn das Kind fähig ist, sich eine eigene Mei nung zu bilden (vgl. Art. 12 Abs. 2 und Abs. 1 UKRK). Als Richtlinie ist eine Kindesanhörung gr undsätzlich ab dem vollendeten sechs- ten Altersjahr möglich (BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Di e Interessen eines Kindes können in vieler- lei Verwaltungs- und Gerichtsverfahren in irgendeiner Weise "berührt" sein, ohne dass sich deswegen eine Anhörung des Kindes sachlich rechtfertigen würde. Der konventionsrechtliche Anhörungsanspruch muss sich vernünftigerweise auf Verfahren beschränken, in denen persön- lichkeitsrelevante essentielle eigene Interessen des Kinde s unmittelbar auf dem Spiele stehen, wie dies insbesondere etwa bei Trennung des Kindes von sei ner Familie (vgl. Art. 314a Abs. 1 ZGB [Verfahren bei Kindesschutzmassnahmen]) oder in eherechtlichen Verfahren (vgl. Art. 298 Abs. 1 ZPO) der Fall ist (Urteil des Bundesgerichts 5A_61/2008 vom 16. Juni 2008 E. 2.3). 2.3 Die Verletzung des verfassungsrechtlichen Anspruchs au f rechtliches Gehör führt zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Dies unabhängig davon, ob die fraglichen verfah- rensrechtlichen Mängel einen Einfluss auf das Ergebnis ha ben (BGE 122 II 469 E. 4a; JÖRG PAUL MÜLLER /MARKUS SCHEFER , Grundrechte in der Schweiz, 4. Auflage, Bern 2008, S. 853). Nach der Praxis des Bundesgerichts kann aber ein e im erstinstanzlichen Verfahren erfolgte Gehörsverletzung im Rechtsmittelverfahren geh eilt werden. Dies ist dann zulässig, wenn das rechtliche Gehör nachträglich gewährt wurde, die Rechtsmittelinstanz über freie Kog- nition in Rechts- und Sachverhaltsfragen verfügt, mithin eine Ermessensüberprüfung möglich ist und dem Betroffenen die gleichen Mitwirkungsrechte wie vor erster Instanz zustehen (BGE 122 II 286 E. 6b; JÖRG PAUL MÜLLER /M ARKUS SCHEFER , a.a.O., S. 855 mit weiteren Hin- weisen). Die Heilung eines allfälligen Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 127 V 437 E. 3d/aa, 126 V 132 E. 2b, je mit Hinweisen). 2.4 Die KESB führt in ihrer Vernehmlassung vom 1. Mär z 2015 aus, dass D.____ zunächst aufgrund des zwischen ihm und den Kindseltern bestehenden Loyalitätskonflikts nicht persön- lich angehört worden sei. Eine Anhörung hätte für D. ____ eine unnötige zusätzliche Belastung dargestellt. Zudem habe der Gutachter der KJP festgeha lten, dass D.____ noch zu klein sei, um sich eine objektive Meinung zu bilden, weshalb er au ch im Rahmen des Gutachtens nicht angehört worden sei. 2.5 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass D.____ vo r dem Entscheid der KESB nicht angehört wurde. Wie bereits erwähnt (E. 2.2), kann a uf die Anhörung des Kindes aufgrund sei- nes Alters oder anderer wichtiger Gründe verzichtet werd en, ein Verzicht sollte jedoch die Aus- nahme sein. Zum Zeitpunkt des Entscheids war D.____ sechs Jahre alt, so dass er sich auf- grund seines Alters grundsätzlich eine eigene Meinung hä tte bilden können. Durch das vorlie- gende Verfahren ist D.____ zudem unmittelbar in seinen eigenen Interessen betroffen, weshalb sich sein Einbezug in dieses Verfahren aufdrängt. Um D. ____ somit die Möglichkeit zu geben, seine Wünsche und Bedürfnisse aufzeigen zu können, wäre eine vorgängige Anhörung wichtig gewesen. D.____s Standpunkt bezüglich der angeordneten Obhutszuteilung konnte damit nicht Eingang in das Verfahren finden, insbesondere, da er auch im Rahmen des Gutachtens der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht KJP nicht befragt wurde. Die KESB hätte D.____ vor Erl ass des Entscheids vom 22. Dezem- ber 2015 persönlich anhören müssen, weshalb der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt wurde. Es bleibt allerdings zu prüfen, ob die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aufgestellten Voraussetzungen für die Heilung einer Ge hörsverletzung erfüllt sind. D.____ wur- de am 11. Juli 2016 von der Präsidentin des Kantonsgerich ts angehört und hatte dabei Gele- genheit, sich zur verfügten Obhutszuteilung an seinen Va ter zu äussern. Das rechtliche Gehör wurde ihm somit nachträglich gewährt. Gemäss Art. 450 a ZGB verfügt das Kantonsgericht im vorliegenden Verfahren über eine umfassende Kognition in Rechts- sowie Sachverhaltsfragen und kann die Angemessenheit des Entscheids vom 22. Dezem ber 2015 überprüfen, so dass dem Betroffenen die gleichen Mitwirkungsrechte wie vor e rster Instanz zustehen. Die nach der Praxis des Bundesgerichts aufgestellten Bedingungen für eine Heilung der im erstinstanzlichen Verfahren erfolgten Gehörsverletzung sind demnach erfüllt. Es kann somit festgehalten werden, dass im Zusammenhang mit der Obhutszuteilung an den Kin dsvater durch die KESB der An- spruch von D.____ auf rechtliches Gehör verletzt wurde, d ie Verletzung jedoch im vorliegenden Verfahren geheilt werden konnte. Die vorliegende Beschwerde ist somit materiell zu beurteilen. 3.1 In materiell-rechtlicher Hinsicht moniert die Besch werdeführerin zunächst, dass auf das Gutachten der KJP nicht abgestellt werden könne, da ihr e Aussagen falsch wiedergegeben worden seien und keine Auskunft beim Mutter-Kind-Haus H.____ eingeholt worden sei. Zudem sei der Gutachter in schlechter gesundheitlicher Verfassu ng gewesen. Vielmehr sei der Bericht der Beiständin vom 21. Juni 2015 als Entscheidungsgrun dlage beizuziehen, da diese die Ver- hältnisse besser beurteilen könne und eine Obhutszuteilung an die Beschwerdeführerin emp- fohlen habe. Aus diesen Gründen sei ein neues Gutachten einzuholen. 3.2.1 Aus dem Hauptgutachten der KJP vom 5. November 201 5 geht hervor, dass Dr. med. I.____, stellvertretender Chefarzt der KJP, E xplorationen mit der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdegegner durchgeführt hat, wobei die Beschwerdeführerin zusätzlich test- psychologisch untersucht wurde. Ergänzend stützte sich der Gu tachter auf diverse Aktenaus- züge der KESB und Berichte der Beiständinnen sowie wei terer Fachpersonen. Zudem fand am 12. Oktober 2015 ein gemeinsames Gespräch mit allen Be teiligten, insbesondere beiden Kind- seltern, statt. Im Hauptgutachten vom 5. November 2015 kommt der Gutachter zum Schluss, dass aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht die Obhut de m Kindsvater zugeteilt werden solle, da bei ihm und in seiner Umgebung eher stabilisierende Faktoren zu finden seien. Gleich- zeitig wurde im Gutachten auf die Möglichkeit einer Fr emdplatzierung hingewiesen. Daraufhin erteilte die KESB Dr. med. I.____ den Auftrag, in einem Ergänzungsgutachten zu beurteilen, ob die Obhut über D.____ dem Kindsvater zuzuteilen oder o b eine Fremdplatzierung im Sinne des Kindeswohls vorzuziehen sei. Im Rahmen des Ergänzungsgut achtens vom 11. Dezember 2015 stützte sich Dr. med. I.____ auf weitere Aktenauszüge der KESB und eine erneute Exploration des Kindsvaters mit testpsychologischer Untersuchung. Mit der Beschwerdeführerin sowie mit ihrer Therapeutin wurden telefonische Explorationen d urchgeführt. Im Ergänzungsgutachten kommt Dr. med. I.____ zu der Einschätzung, dass die Obh utszuteilung an den Kindsvater einer Fremdplatzierung vorzuziehen sei, da dieser ein stabiler es Lebensumfeld aufweise und die Kindsmutter dieses Vorgehen auch akzeptieren würde. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.2 Inwiefern gesundheitliche Probleme zum Zeitpun kt des Gutachtens bei Dr. med. I.____ bestanden bzw. Einfluss auf das Gutachten gehabt haben, ist in keiner Weise ersichtlich und wird von den Parteien auch nicht substantiiert dargeleg t. Zu der weiteren Rüge der Beschwer- deführerin ist festzuhalten, dass sich der Gutachter unte r dem Titel “Zusammenfassung und Stellungnahme“ auf einen Bericht des Mutter-Kind-Hause s vom 5. November 2015 bezieht, wo- nach sich die Beschwerdeführerin selbständig um die P flege und Erziehung des neugeborenen E.____ kümmere und einem Austritt aus dem Mutter-Kind-Haus nichts im Weg stünde. Damit ist eine – wenn auch kurze – positive Einschätzung des Mutter- Kind-Hauses betreffend die Be- schwerdeführerin in die gutachterliche Beurteilung ein geflossen, welche inhaltlich von den Par- teien nicht bestritten worden ist. Im Weiteren moniert die Beschwerdeführerin, dass sie sich nie damit einverstanden erklärt habe, dass die Obhut über D. ____ seinem Vater zugeteilt werde, auch wenn er stattdessen in einem Heim oder einer Pfl egefamilie platziert werden müsse. In seinem Ergänzungsgutachten vom 11. Dezember 2015 stützt sich Dr. med. I.____ zur Beant- wortung der zentralen Fragen auf die telefonische Expl oration der Beschwerdeführerin vom 22. November 2015, anlässlich welcher sie sich für eine Obhutszuteilung an den Kindsvater ausgesprochen habe. Sie habe ihre Zustimmung damit b egründet, dass es für D.____ sicher besser sei, als im Heim oder in einer Pflegefamilie pl atziert zu werden. Die Tatsache, dass sich der Gutachter in seinem Ergänzungsgutachten zur einzige n und zentralen Frage, ob die Obhut über D.____ dem Vater zuzuteilen oder eine Fremdplatzi erung vorzuziehen sei, mehrere Male auf die telefonische Aussage der Beschwerdeführerin be zieht und aufgrund ihrer Aussage von einem abgeschwächten Loyalitätskonflikt bei D.____ ausg eht, deutet darauf hin, dass sich die Beschwerdeführerin auch tatsächlich dahingehend geäusse rt haben muss und kein Missver- ständnis vorliegt. Zudem führt der Kindsvater anlässlich s einer telefonischen Anhörung am 17. Dezember 2015 aus, dass die Beschwerdeführerin ihm gegenüber ebenfalls bestätigt habe, dass D.____ lieber bei ihm leben solle, als in einem H eim oder bei einer Pflegefamilie (vgl. Aktennotiz der KESB vom 17. Dezember 2015). 3.2.3 Des Weiteren beanstandet die Beschwerdeführerin, dass im angefochtenen Entscheid nicht auf den Bericht der Beiständin vom 21. Juli 2015, in welchem eine Obhutszuteilung an die Beschwerdeführerin empfohlen werde (sofern diese bis im Mai 2016 im Mutter-Kind-Haus blei- be), abgestellt wurde. Im Hauptgutachten wird auf diesen Bericht Bezug genommen und darge- legt, weshalb der Empfehlung der Beiständin nicht ge folgt werden könne. So führt der Gutach- ter aus, die Beiständin habe auf seine telefonische Nachfrage hin erläutert, es sei das Beste für D.____, wenn er bei keinem der beiden Eltern aufwach sen würde; die Mutter vernachlässige ihn und der Vater sei rigide-autoritär in seinem Erzi ehungsstil. Nachdem die Beiständin letztlich ihre anfängliche Empfehlung revidiert hatte, hat sich für den Gutachter eine weitere, vertiefte Auseinandersetzung mit ihrem Bericht vom 21. Juli 2015 erübrigt. Dennoch hielt er zum Bericht vom 21. Juli 2015 fest, dass die Beschwerdeführerin die “Minimalkriterien“, die in diesem Fall an die Erziehungsfähigkeit gestellt werden müssten, bei einem vorzeitigen Austritt aus dem Mutter- Kind-Haus nicht erfülle. Da sich die Beiständin von ihre r Empfehlung distanziert hatte, ist es nachvollziehbar, dass sich der angefochtene Entscheid vom 22. Dezember 2015 nicht auf ihren Bericht vom 21. Juni 2015 abstützt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Rüge n gegen die Gutachten der KJP sind nach dem Gesagten unbegründet. Das Hauptgutacht en vom 5. November 2015 sowie das Ergänzungsgutachten vom 11. Dezember 2015 sind umfassend, sorgfältig und ausführlich und wurden in Kenntnis der Vorakten abgegeben. Die gutacht erliche Beurteilung der Situation leuchtet ein und die Schlussfolgerungen des Gutachters er scheinen ohne weiteres nachvoll- ziehbar. Die KESB hat zu Recht auf diese Gutachten abge stellt, weshalb kein neues Gutachten zur Frage der Obhutszuteilung einzuholen ist. 4.1 In der Hauptsache ist sodann umstritten, ob die K ESB die elterliche Obhut über D.____ sowie 100% der Erziehungsgutschriften zu Recht dem Kindsv ater und nicht der Beschwerde- führerin zugeteilt hat. 4.2 Der Begriff “Obhut“ bezieht sich auf die effektive Betreuung des Kindes. Gemäss Art. 301 Abs. 1bis ZGB kann derjenige Elternteil, welcher das Kind betre ut, Entscheidungen al- lein treffen, wenn die Angelegenheit alltäglich ode r dringlich ist (Ziffer 1) oder wenn der andere Elternteil nicht mit vernünftigem Aufwand zu erreichen ist (Ziffer 2). Die elterliche Sorge schliesst das Recht ein, den Aufenthaltsort des Kindes zu b estimmen (Art. 301a Abs. 1 ZGB), was bisher Teil des Obhutsrechts bildete (BGE 136 III 353 E. 3.2; REGINA AEBI -MÜLLER , Aktuel- le Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Familienrecht, in : Jusletter 4. Juli 2016, S. 26). Demzufolge kommt bei der gemeinsamen elterlichen Sorg e beiden Eltern das Aufenthaltsbe- stimmungsrecht zu und sie haben zusammen zu entscheiden, b ei wem das Kind wohnen wird (Urteil des Bundesgerichts 5A_985/2014 vom 25. Juni 2 015 E. 3.2.1). Können sich die Eltern nicht über die Obhutszuteilung einigen, regelt die Kin desschutzbehörde zusammen mit dem Entscheid über die elterliche Sorge die übrigen stritt igen Punkte (Art. 298b Abs. 3 ZGB). Be- steht hingegen Einigkeit über die elterliche Sorge, ist es entgegen dem Wortlaut des Gesetzes auch möglich, nur ein Verfahren zur Regelung der “üb rigen strittigen Punkte“ zu eröffnen (INGEBORG SCHWENZER /MICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/ Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 5. Auflage, Basel 2014, Art. 298b R z. 6). Damit sind analog zu Art. 298 Abs. 2 ZGB die Obhut, der persönliche Verkehr oder die Betreuungsanteile gemeint (INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 298b Rz. 6). 4.3 Wird den Eltern die gemeinsame elterliche Sorge b elassen bzw. erteilt, kann das Ge- richt entweder einem Elternteil die alleinige Obhut zuteilen oder alternierende Obhut beider El- ternteile festlegen (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 298 Rz. 4). Unter neuem Recht bleiben die von der Rechtsprechung entwicke lten Kriterien für die Obhutszutei- lung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts 5A_985/201 4 vom 25. Juni 2015 E. 3.2.1; R EGINA AEBI -MÜLLER , a.a.O., S. 26). Massgebend ist das Kindeswohl, die I nteressen der Eltern haben in den Hintergrund zu treten. Wesentliche Kriterien si nd die persönliche Beziehung zwischen Kind und Eltern, deren Erziehungsfähigkeit und Dispon ibilität für eine persönliche Betreuung sowie ihre Bereitschaft, die Kontakte zum anderen Elter nteil zu fördern; es ist jene Lösung zu wählen, welche die beste Gewähr für eine harmonische Entfaltung in geistig-psychischer, kör- perlicher und sozialer Hinsicht bietet. Sind Erziehungsfä higkeit und Betreuungsverhältnisse der Eltern gleichwertig, kommt der Stabilität der Verhält nisse besonderes Gewicht zu; es gilt unnö- tige Veränderungen im örtlichen und sozialen Umfeld d er Kinder zu vermeiden (vgl. zum Gan- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zen Urteil des Bundesgerichts 5A_985/2014 vom 25. Juni 2015 E. 3.2.1, I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 298 Rz. 5). 5.1 Die Vorinstanz prüfte die Obhutszuteilung anhand der vorstehend dargelegten Kriterien (E. 4.3) und befragte zudem den Gutachter nach seiner Einschätzung und Gewichtung der ein- zelnen Zuteilungskriterien (vgl. Hauptgutachten vom 5. November 2015 S. 19). Zunächst attes- tierte die KESB beiden Eltern eine gleichwertige Erzi ehungsfähigkeit. Sodann stellte sie fest, dass beide Elternteile die Bereitschaft zeigen würden, Unterstützungsangebote wie auch eine sozialpädagogische Familienbegleitung oder eine psycholo gische Therapie für D.____ in An- spruch zu nehmen, um ihrem Sohn die beste Entwicklung e rmöglichen zu können. Im Weiteren hält die KESB in ihrem Entscheid fest, dass gestützt au f das Gutachten der KJP vom 5. November 2015 die Instabilität der psychischen Verfassu ng der Kindsmutter, welche in der Vergangenheit zu Überforderung und Verwahrlosung geführt hätte, mit grosser Wahrscheinlich- keit kurz- bis mittelfristig fortbestehend sei. Für D.___ _ sei jedoch Stabilität in örtlicher sowie familiärer Hinsicht dringend erforderlich. Der Kindsvater habe sodann während mehreren Mona- ten bewiesen, dass er in der Lage sei, die Verantwortu ng und die Betreuung seines Sohnes zu übernehmen. Zudem besuche D.____ seit dem Frühjahr 20 15 den Kindergarten am Wohnort des Kindsvaters. 5.2 Die Beschwerdeführerin rügt die Obhutszuteilung an den Kindsvater und führt aus, dass nicht nachvollziehbar sei, warum ihr nach Jahren klagloser Betreuung und Erziehung die Obhut über ihren Sohn entzogen und dem Kindsvater zugeteilt worden sei, ohne dies näher und ausreichend zu begründen. 5.3 Weder aus den Gutachten der KJP noch den Berichte n der Beiständin oder weiteren Akten geht hervor, dass der Kindsvater nicht geeignet wär e, die Obhut über D.____ angemes- sen auszuüben. Der Kindsvater ist verheiratet und lebt m it seiner Frau und deren beiden Söh- nen aus erster Ehe zusammen in J.____. Nach ihrem Hausb esuch beschreibt die Beiständin die Familie als harmonisch und den Umgang untereinande r als vertraut und angenehm. Der Kindsvater und seine Frau hätten einen bestimmten, ab er freundlichen Umgangston, wenn sie den Kindern etwas auftragen würden. Die Wohnung der Familie befinde sich in einer verkehrs- armen Gegend und D.____ spiele gerne draussen mit K.__ __ (Sohn der Ehefrau des Kindsva- ters). Auch zu anderen Kindern im Quartier habe D.___ _ Kontakt (vgl. Bericht der Beiständin vom 14. April 2015). Der Kindsvater und seine Ehefrau würden den Kindern Grenzen setzen und würden bei Diskussionen beständig, aber ruhig und l iebevoll bleiben. Sie seien konsequent und liessen den Kindern altersadäquate Freiheiten (B ericht der Beiständin vom 21. Juli 2015). D.____ besucht seit dem Frühjahr 2015 den Kindergarten in J.____ und hat dort bereits viele Freunde gefunden. Der Kindsvater hat sich auch um die Weiterführung der Logopädie sowie um eine psychologische Begleitung von D.____ gekümmert (vgl. Anhörungsprotokoll von D.____ vom 11. Juli 2016, Bericht der Beiständin vom 21 . Juli 2015) Auch als sich D.____ auf- grund des hängigen Verfahrens und der emotionalen Belastung auffällig verhielt (Schlafstörung, Essensverweigerung) hat sich der Kindsvater umgehend Hilf e geholt (vgl. Verfügung der KESB vom 5. Oktober 2015, Bericht Kinderhaus F.____ vom 22. S eptember 2015, Bericht der Bei- ständin vom 3. September 2015). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Demgegenüber wirkt die Situation der Beschwerdefü hrerin instabil und unsicher. Es ist zwar richtig, dass D.____ seit seiner Geburt – mit Ausnah me einer halbjährigen Platzierung in einer Pflegefamilie – bei der Beschwerdeführerin gel ebt hat. Während dieser Zeit kann jedoch nicht von einer klaglosen Betreuung und Erziehung von D._ ___ gesprochen werden. Aus den vorinstanzlichen Akten geht hervor, dass bereits rund ei n halbes Jahr nach der Geburt von D.____ aufgrund einer Überforderungssituation der Eltern für D.____ und seinen älteren Bruder eine Beistandschaft errichtet wurde, um die Eltern in d er Kindererziehung und -betreuung zu unterstützen (vgl. Auszug aus dem Protokoll der Vormundscha ftsbehörde L.____ vom 31. August 2010). Nachdem die errichtete Beistandschaft sowie die Familienbegleitung nicht ausgereicht hatten, beauftragte die damalige Vormun dschaftsbehörde L.____ den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst Bruderholz (heute: Psychiatrie B aselland, Kinder- und Jugend- psychiatrie), ein Abklärungsgutachten zu erstellen (vgl. V erfügung der Vormundschaftsbehörde L.____ vom 1. Juni 2011). Dr. med. M.____, Oberärztin Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst, hielt sodann in ihrem Gutachten vom 1. März 20 12 fest, dass die Beschwerdeführerin durch die beiden Kinder (D.____ und N.____) an ihre Grenzen komme und zeitweise nicht in der Lage sei, den Kindern eine altersgerechte und in dividuelle Betreuung und Förderung zu bieten. (vgl. Kinderpsychiatrisches Gutachten vom 1. März 2012 S. 7). Am 18. Juli 2012 wurde der Beschwerdeführerin das Aufenthaltsbestimmungsrecht übe r D.____ entzogen und D.____ in einer Pflegefamilie platziert, nachdem die Beschwerdeführerin der Beiständin mitgeteilt hatte, weder sie noch ihr Partner, O.____, könnten die Betre uung von D.____ noch übernehmen (vgl. Verfügung der Vormundschaftsbehörde L.____ vom 1 8. Juli 2012). Während der Platzie- rung von D.____ konnte sich die Beschwerdeführerin psychi sch stabilisieren, weshalb D.____ mit Verfügung vom 13. Dezember 2012 rückplatziert werd en konnte, mit der Auflage, dass er das Tagesheim besuchen und die Beschwerdeführerin durch d ie sozialpädagogische Familien- begleitung unterstützt werde. In ihrem Bericht vom 13 . August 2014 hielt die Beiständin fest, dass D.____ im November 2013 hospitalisiert gewesen sei, da er Medikamente seiner Mutter eingenommen habe und diese Angelegenheit in der Kind erschutzgruppe des UKBB behandelt worden sei. Weiter hielt die Beiständin fest, dass sich die Beschwerdeführerin sehr bemühe, eine gute Mutter zu sein; sie und O.____ kämen aber schn ell an ihre Grenzen im Umgang mit D.____. Obschon seit neun Monaten eine Familienbeglei tung installiert sei, werde D.____ auch in der Gegenwart der Beiständin angeschrien und grob a ngefasst. Mit Schreiben vom 18. März 2015 reichte die Frauenklinik B.____ bei der K ESB eine Gefährdungsmeldung für das ungeborene Kind der Beschwerdeführerin ein. Im Schrei ben wurde ausgeführt, dass aus ärztli- cher Sicht stark bezweifelt werde, dass sich die Beschwerdefüh rerin postnatal angemessen um ihr Kind kümmern könne; betreffend D.____ habe sich d ie Frauenklinik bereits telefonisch an die KESB gewandt. Weiter hielt die Frauenklinik fest, dass bei der Beschwerdeführerin seit län- gerem eine psychosoziale Belastungssituation mit deutlicher Überforderung und Verwahrlosung zu Hause bestehe. Aufgrund bekannter Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (2010), v.a. abhängige Persönlichkeitsstörung und Status n ach Hospitalisation bei Suizidge- danken (2012) habe sich die Beschwerdeführerin in Behandlung befunden und nehme Cipralex, wobei sie seit Wochen pausiere. Auch schränke der sehr regelmässige Cannabisabusus ihre Handlungs- und Urteilsfähigkeit deutlich ein. In ihrem Bericht vom 14. April 2015 beantragte die Beiständin die Platzierung von D.____ bei seinem Vater. Zur Begründung führte sie aus, dass Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht es die Lebensumstände und die psychische Verfassung der Besc hwerdeführerin nicht zulies- sen, ihr die Betreuung von D.____ und dem erwarteten Kind anzuvertrauen. D.____ werde bis abends fremdbetreut, da die Mutter seinen Bedürfnissen nicht nachkommen könne. Auch habe ihre Erziehungsfähigkeit trotz einjähriger Familienbe gleitung nicht gefördert werden können, da die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen. Die schwierige Partnersituation, der Konsum von Cannabis, d er leichtfertige Umgang mit Medika- menten und die Verweigerung von regelmässigen Therapie gesprächen, würden dazu führen, dass die Beschwerdeführerin ihren Emotionen und Gemüt szuständen ausgeliefert sei und ihre Pflichten nicht wahrnehmen könne. 5.5 Nach der Geburt ihres dritten Kindes zog die Beschwe rdeführerin in das Mutter-Kind- Haus H.____. Das Heim hielt im Gesprächsprotokoll des St andortgesprächs vom 10. Juli 2015 fest, dass die Beschwerdeführerin die Erziehung und Bet reuung ihrer Kinder ernst nehme und diese verantwortungsbewusst erfülle. Sie übernehme Veran twortung und halte ihr Zimmer in Ordnung. Durch den Wandel in ihrem Leben komme sie abe r immer wieder an ihre Grenzen, was sie überfordere. Man könne sie jedoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zu- rückholen. Trotz unfreiwilligem Aufenthalt mache die Be schwerdeführerin gut mit und setze die Anregungen des Teams um. Die Therapie besuche sie regel mässig. Wenn D.____ bei seiner Mutter im Heim sei, kümmere sie sich sehr gut um ihn und widme ihm viel Zeit und Aufmerk- samkeit. 5.6 Der Gutachter kommt in seinem Hauptgutachten vom 11. Dezember 2015 zum Schluss, es sei davon auszugehen, dass bei der Beschwerdefüh rerin erhebliche psychische Probleme vorliegen würden, die psychiatrisch als Persönli chkeitsstörung klassifiziert würden. Diese Störung wirke sich auch auf die Erziehungsfähigkeit aus und zeige sich im Umgang mit D.____ in einem vernachlässigenden Erziehungsstil. 6.1 Aufgrund der vorstehenden Aktenbeurteilung ist erste llt, dass die Lebensumstände der Beschwerdeführerin zurzeit nicht sehr stabil sind und si e trotz jahrelanger sozialpädagogischer Familienbegleitung für D.____ kein strukturiertes und stabiles Umfeld schaffen konnte. In ihrem Antrag vom 21. Juli 2015 macht die Beiständin die Obh utszuteilung an die Beschwerdeführerin davon abhängig, dass die Beschwerdeführerin bis Mai 2016 im Mutter-Kind-Heim bleibe und die Themen ihrer psychosozialen Belastungssituation, des Konsum s von Betäubungsmitteln, des Verdachts auf eine Persönlichkeitsstörung und ihrer Suizi dgedanken während des Heimaufent- haltes erarbeitet werden müssten, damit die Beschwerde führerin nicht wieder in den gleichen Lebensstil mit Überforderungs- und Verwahrlosungstenden zen zurückfalle. In diesem Zusam- menhang wird im Hauptgutachten vom 5. November 2015 ausgeführt, dass die Defizite der Be- schwerdeführerin in der Erziehungsfähigkeit unter Anle itung, wie im Mutter-Kind-Haus, oder durch Unterstützung des Partners ausgeglichen werden könn en. Aufgrund der Vorgeschichte sei hingegen fraglich, wie dauerhaft und stabil sich die Partnerschaft entwickle. Der derzeitige Partner der Beschwerdeführerin strebe eine Berufstätig keit an, weshalb er weniger zu Hause wäre. Dass die Beschwerdeführerin unter Anleitung bzw. m it umfangreicher Unterstützung ein geeignetes Umfeld für D.____ schaffen könnte, in welche m er sich altersadäquat entwickeln kann, wird nicht bestritten und vom Mutter-Kind-Haus auch so bestätigt (vgl. Gesprächsprotokoll Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Standortgesprächs Mutter-Kind-Haus vom 10. Juli 201 5). Hingegen sind sich die Fachper- sonen dahingehend einig, dass die Beschwerdeführerin wah rscheinlich in ihre alten Verhal- tensmuster mit Überforderungs- und Verwahrlosungstendenz zurückfallen wird, sofern sie keine engmaschige Unterstützung erfährt und sie ihre momenta ne Lebenssituation nicht stabilisieren kann. Die Beschwerdeführerin ist seit 2008 in therapeu tischer Behandlung (vgl. Ergänzungs- gutachten vom 11. Dezember 2015, S. 6), eine nachhalti ge Stabilisation ihres psychischen Ge- sundheitszustandes konnte dennoch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht erreicht werden (Antrag der Beiständin vom 21. Juli 2015, S. 4; Hauptgutachten vom 5. November 2015, S. 19). Hinzu kommt, dass D.____ in der Zeit, bevor die Beschwerdeführ erin in das Mutter-Kind-Haus einge- treten ist, tagsüber in einem Tagesheim und nicht von der Beschwerdeführerin betreut wurde (vgl. Entscheid der KESB vom 8. Oktober 2013; Antrag d er Beiständin vom 21. Juli 2015, S. 4). Wie die Beschwerdeführerin mit der Betreuung von zwei Kindern, einer neuen Wohnsituation, ihren psychischen Problemen, ihrem Betäubungsmittelkonsum und einer vorbelasteten Partner- schaft umgehen wird, ist somit schwer abzuschätzen. Aus d em Gutachten geht hervor, dass sich die psychische Instabilität der Beschwerdeführerin auf ihre Erziehungsfähigkeit auswirken und sich in der Vernachlässigung des Kindes zeigen werde, was zu geringer personeller Kon- stanz und geringer Konstanz in der örtlichen Umgebung f ühre. Stabilität der örtlichen und fami- liären Verhältnisse ist jedoch nach den Ausführungen des Gutachters dringend erforderlich. Die Situation des Kindsvaters war in der Vergangenheit bzw. als D.____ noch jünger war, ebenfalls nicht problemlos und er hat sich kaum um D.____ gekümmer t (vgl. Aktennotiz der KESB des Telefonats mit der Therapeutin der Beschwerdeführerin vom 16. Dezember 2015; Auszug aus dem Protokoll der Vormundschaftsbehörde L.____ vom 31. August 2010, wo auf die Überforde- rung der Eltern von D.____ hingewiesen wird). Vorlie gend ausschlaggebend sind jedoch die aktuellen Verhältnisse und diese sind beim Kindsvater de utlich stabiler und bieten D.____ die von ihm dringend benötigte Konstanz in personeller wi e auch örtlicher Hinsicht (vgl. E. 5.3). D.____ wird nach den Sommerferien in J.____ die Prima rschule besuchen, wo er auf dieselben Kinder trifft, welche er bereits aus dem Kindergarten kennt und welche er zu seinen Freunden zählt (vgl. Anhörungsprotokoll von D.____ vom 11. Juli 2016). Seine Logopädiestunden sowie eine wöchentliche Therapiesitzung kann er auch in der Primarschule weiter besuchen. Aus den Äusserungen von D.____ anlässlich seiner Anhörung geht hervor, dass er sich in J.____ bei seinem Vater, der neuen Frau seines Vaters und deren b eiden Söhnen, wohl fühlt. Obschon sich D.____ erst seit Frühling 2015 mit einem Unterbru ch von 3 ½ Monaten bei seinem Vater aufhält, hat er sich gut eingelebt. Es ist im Interesse von D.____, dass er in dieser Umgebung und Wohnung für die nächste Zeit bleiben kann. 6.2 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Vor instanz aufgrund der unsi- cheren Lebensumstände der Beschwerdeführerin zu Recht festg ehalten hat, dass der Kindsva- ter die für D.____ dringend benötigte Stabilität und Kontinuität besser gewährleistet. Ebenso hat die Vorinstanz richtigerweise festgehalten, dass beim Ki ndsvater auch von einer gewissen Be- ständigkeit dieser Faktoren ausgegangen werde. Diese bei den Kriterien waren denn auch aus- schlaggebend für die Zuteilung der Obhut an den Kindsva ter. Dass der Beschwerdeführerin bis auf einen halbjährigen Unterbruch die Obhut über D. ____ zugeteilt war, hat hinter die Kriterien der Stabilität und Kontinuität zurückzutreten. Wie aus den Akten ersichtlich ist, ist der Kindsva- ter zudem bemüht, das Besuchsrecht wie vereinbart zu gewährleisten und mit der Beschwerde- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht führerin zu kooperieren (vgl. Aktennotiz der telefonisch en Anhörung des Kindsvaters vom 17. Dezember 2015). Gestützt auf diese Ausführungen ist festzuhalten, dass der vorinstanzliche Entscheid über die Zuteilung der Obhut für D.____ an den Kindsvater begründet und die Be- schwerde abzuweisen ist. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Im vorliege nden Verfahren hat die Beschwerde- führerin mit Beschwerdeeingabe vom 25. Januar 2016 ei n Gesuch um Bewilligung der unent- geltlichen Rechtspflege gestellt und die erforderliche n Belege eingereicht. In Berücksichtigung dieser Unterlagen ist ihre Bedürftigkeit für das vorl iegende Beschwerdeverfahren nachgewie- sen. Die Beschwerde ist zudem bei summarischer Prüfung ni cht als offensichtlich aussichtslos anzusehen und die Notwendigkeit der Verbeiständung de r Beschwerdeführerin ist gestützt auf die sich im vorliegenden Verfahren stellenden Rechtsfrag en zu bejahen. Die Voraussetzungen von § 22 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 sind damit erfüllt, weshalb das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen ist. 7.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsg ericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise un terliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Entsprechend dem Ausgang des Verfahr ens sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der Beschwerdeführerin auf zuerlegen und zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung der Gerichtskasse zu belasten. 7.3 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Aus gang des Verfahrens sind vorlie- gend die Parteikosten wettzuschlagen. Der Rechtsvertrete r der Beschwerdeführerin macht in seiner Honorarnote vom 6. April 2016 einen als angemes sen zu beurteilenden Aufwand von 7.67 Stunden à Fr. 200.-- geltend, zuzüglich Auslagen von Fr. 72.50, d.h. gesamthaft Fr. 1‘605.90. Zufolge Bewilligung der unentgeltlich en Verbeiständung ist dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 1‘605.90 (inkl. Auslagen) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.4 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung wird bewilligt. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'605.90 (inkl. Auslagen und MWSt) zu Lasten der G erichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin