<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 65 S.283</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">283</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Sozialhilfe</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>65</b></span> <span class="ft3"><b>Auflage, eine preisgünstigere Wohnung zu beziehen.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Was ist bei Krankheit/Behinderung eine zumutbare Wohnung?</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 10. September 2003 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen M.M. gegen Entscheid des Regierungsrats.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">e) aa) Es ist zweifellos sachgerecht und mit dem Grundsatz der</span><br/> <span class="ft6">Verhältnismässigkeit im Einklang, im Fall übermässig hoher</span><br/> <span class="ft6">Mietkosten die Zusprechung von Sozialhilfe mit der Auflage zu ver-</span><br/> <span class="ft6">binden, eine günstigere Wohnung zu suchen, andernfalls entspre-</span><br/> <span class="ft6">chende Kürzungen bei den Wohnkosten vorgenommen werden</span><br/> <span class="ft6">(vgl. auch AGVE 1993, S. 619). In diesem Sinne sehen auch die</span><br/> <span class="ft6">Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe vom</span><br/> <span class="ft6">18. September 1997 (SKOS-Richtlinien) vor, dass überhöhte Wohn-</span><br/> <span class="ft6">kosten nur so lange zu übernehmen sind, bis eine zumutbare günsti-</span><br/> <span class="ft6">gere Lösung zur Verfügung steht. Die üblichen Kündigungsbedin-</span><br/> <span class="ft6">gungen sind in der Regel zu berücksichtigen. Bevor der Umzug in</span><br/> <span class="ft6">eine günstigere Wohnung verlangt wird, ist jedoch die Situation im</span><br/> <span class="ft6">Einzelfall zu prüfen. Insbesondere sind die Grösse und Zusammen-</span><br/> <span class="ft6">setzung der Familie, eine allfällige Verwurzelung an einem be-</span><br/> <span class="ft6">stimmten Ort, das Alter und die Gesundheit der betroffenen Person</span><br/> <span class="ft6">sowie der Grad ihrer sozialen Integration zu berücksichtigen (siehe</span><br/> <span class="ft6">SKOS-Richtlinien, Kapitel B.3). Auf den vorliegenden Fall übertra-</span><br/> <span class="ft6">gen bedeutet dies, dass die in Frage stehende Auflage dann zu Recht</span><br/> <span class="ft6">erfolgte, wenn der gegenwärtige Mietzins von monatlich Fr. 1'270.--</span><br/> <span class="ft6">gemessen an den legitimen Interessen des Beschwerdeführers und</span><br/> <span class="ft6">seiner Ehefrau überhöht und der Wohnungswechsel zumutbar ist</span><br/> <span class="ft6">sowie die allgemeine Wohnungsmarktsituation tatsächlich den Um-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">284</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">zug in eine angemessene, günstigere Wohnung zulässt (siehe</span><br/> <span class="ft6">AGVE 1993, S. 619).</span><br/> <span class="ft6">bb) (...)</span><br/> <span class="ft6">cc) Der Gemeinderat erachtete den monatlichen Mietzins von</span><br/> <span class="ft6">Fr. 1'270.-- für einen Zweipersonen-Haushalt als übersetzt. Zu die-</span><br/> <span class="ft6">sem Schluss kam er offenbar auf Grund eines quantitativen Ver-</span><br/> <span class="ft6">gleichs mit den Mietkosten anderer Sozialhilfebezüger in Zweiper-</span><br/> <span class="ft6">sonen-Haushalten (Beschluss vom 24. Juni 2002, S. 3). Die konkrete</span><br/> <span class="ft6">Situation des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau fand keine er-</span><br/> <span class="ft6">kennbare Berücksichtigung.</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer machte schon im Gesuchsverfahren wie-</span><br/> <span class="ft6">derholt geltend - und belegte dies mit ärztlichen Zeugnissen -, dass er</span><br/> <span class="ft6">und seine Ehefrau unter massiven gesundheitlichen Gebrechen litten,</span><br/> <span class="ft6">die beider Bewegungsfreiheit und nur schon die Fähigkeit zur Bewe-</span><br/> <span class="ft6">gung an sich signifikant einschränkten, was die Ansprüche an Lage</span><br/> <span class="ft6">und Grösse der Wohnung erheblich beeinflusse. Dass diese Ausfüh-</span><br/> <span class="ft6">rungen geeignet sind, den Kreis der in Frage kommenden Wohnun-</span><br/> <span class="ft6">gen stark einzuschränken und besonders preisgünstige Wohnungen</span><br/> <span class="ft6">eher auszuschliessen, liegt auf der Hand. Damit verknüpft ist die</span><br/> <span class="ft6">Frage der Gewährleistung einer gewissen Mobilität zur Erledigung</span><br/> <span class="ft6">grundlegendster Bedürfnisse für den Beschwerdeführer und seine</span><br/> <span class="ft6">Ehefrau - und der Tragung der entsprechenden Kosten -, sollte eine</span><br/> <span class="ft6">Wohnung mit einem Mietzins in der vom Gemeinderat geforderten</span><br/> <span class="ft6">Bandbreite nicht genügend nahe bei einer Einkaufsmöglichkeit für</span><br/> <span class="ft6">Artikel des täglichen Bedarfs zu finden sein.</span><br/> <span class="ft6">Der Gemeinderat hat sich - angesichts der vorgelegten ärztli-</span><br/> <span class="ft6">chen Zeugnisse zweifellos zu Recht - nicht auf den Standpunkt ge-</span><br/> <span class="ft6">stellt, er erachte die massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit</span><br/> <span class="ft6">des Beschwerdeführers und dessen Ehefrau mit entsprechend er-</span><br/> <span class="ft6">höhten Anforderungen an eine zumutbare Wohnung als unglaubhaft</span><br/> <span class="ft6">oder irrelevant. Also hätte er darlegen müssen, welche Anforderun-</span><br/> <span class="ft6">gen (Lage, Grösse bzw. Anzahl der Zimmer) er für gerechtfertigt</span><br/> <span class="ft6">erachtete, denn erst auf dieser Grundlage wäre es möglich gewesen,</span><br/> <span class="ft6">den ortsüblichen Rahmen des Mietzinses für eine konkret überhaupt</span><br/> <span class="ft6">in Frage kommende Wohnung zu bestimmen, zumal davon ausge-</span><br/> <span class="ft6">gangen wurde, dass der Beschwerdeführer "vorübergehend" ohne</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">285</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">eigenes Motorfahrzeug auskommen müsse (Beschluss vom 24. Juni</span><br/> <span class="ft6">2002, S. 4). Es fehlt demzufolge an einer ausreichenden Begründung</span><br/> <span class="ft6">für Ziff. 2 dieses Beschlusses.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>