B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5964/2012 U r t e i l v o m 2 3 . N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren _______, Sri Lanka, c/o Schweizerische Vertretung in Colombo, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 11. September 2007. D-5964/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführ erin sich mit Schreiben vom 27. September 2006 mit einem in englischer Sprache abgefassten Schreiben an die schweizerische Vertretung in Colombo wandte und da r- in sinngemäss um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um G e- währung des Asyls ersuchte, dass sie in einem weiteren in englischer Sprache gehaltene n Schreiben vom 7. November 2006 ergänzende Ausführungen zu ihren in der Eing a- be vom 27. September 2006 enthaltenen Begehren anbrachte und gleichzeitig verschiedene Beweismittel in Kopie zu den Akten reichte, dass sie dabei im Wesentlichen vortrug, sie sei sri -lankische Staatsange- hörige tamilischer Ethnie und stamme aus B._______ (Distrikt Trincoma- lee, Ostprovinz), dass ihr Ehemann sowie ihre älteste Tochter C._______ bei der französi- schen Nichtregierungsorganisation D._______ gearbeitet hätten, dass am 4. August 2006 auf das Büro der D._______ in E._______ (Dist- rikt Trincomalee) ein Anschlag verübt worden sei, bei dem 17 lokale Mi t- arbeiter, darunter auch ihr Ehemann und ihre Tochter C._______, um s Leben gekommen seien, dass sie seither mit ihren drei anderen Kinder (zwei erwachsene Söhne und eine ebenfalls erwachsene Tochter) auf sich selbst gestellt sei, dass sie sich auch um ihre Sicherheit sowie um diejenige ihrer Kinder sorge und daher kaum noch das Haus verlasse, dass sie insbesondere befürchte, man würde sie und ihre Kinder au f- grund ihrer tamilischen Ethnie mit den "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) in Verbindung bringen und demzufolge als Terroristen betrachten, dass das BFM ohn e vorgängige persönliche Befragung der Beschwerd e- führerin mit Verfügung vom 11. September 2007 deren Einreise in die Schweiz nicht bewilligte und das Asylgesuch ablehnte, dass die Vorinstanz zur Begründung im Wesentlichen ausführte, sie habe grosses Verständnis dafür, dass die Beschwerdeführerin nach dem trag i- schen Vorfall von August 2006 bei der schweizerischen Vertretung und bei anderen Botschaften um Asyl ersucht habe, D-5964/2012 Seite 3 dass der Ehemann und die Tochter der Beschwerdeführerin jedoch in Sri Lanka während Jahren bei der französischen Nichtregierungsorganisation D._______ angestellt gewesen seien und im Rahmen dieses Engag e- ments ihr Leben verloren hätten, dass diese Anstellung bei der D._______ Beziehungen und Bindungen zu Frankreich hätten entstehen lassen, w as – wenn auch in einem weniger starken Ausmass – gleichzeitig auch für ihre Angehörigen gegolten habe, dass es der Beschwerdeführerin – auch wenn Frankreich über kein fo r- malisiertes Asyl- und Einreiseverfahren auf seiner Vertretung in Sri Lanka verfüge – zumutbar sei, ein Gesuch um Erteilung einer Einreisebewill i- gung auf der französischen Botschaft in Colombo einzureichen, zumal in einem konkreten Fall die französischen Behörden den Familienangehör i- gen eines ebenfalls beim Massaker von E._______ getöteten D._______- Mitarbeiters Asyl gewährt hätten, dass den Akten auch zu entnehmen sei, dass die Beschwerdeführerin über gewisse familiäre Beziehungen zu in Frankreich wohnhaften Pers o- nen verfüge, dass überdies bekannt sei, dass die Beschwerdeführerin bereits be i der französischen Botschaft und bei den kanadischen Behörden Asylgesuche gestellt habe, wobei das BFM über eine allfällige Stellungnahme seitens der französischen Behörden nicht orientiert sei, dass zusammenfassend festzuhalten sei, dass die Beschwerdef ührerin über keinerlei Beziehungsnähe zur Schweiz verfüge, jedoch die Möglic h- keit einer anderweitigen Schutzsuche habe, dass die Beschwerdeführerin somit die Anforderungen an eine Aufnahme in der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht erfülle, weshalb ihre Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen und das Asylgesuch abzulehnen sei, dass die schweizerische Vertretung in Colombo die Verfügung des BFM vom 11. September 2007 der Beschwerdeführerin per einges chriebener Post zukommen liess und von dieser – gemäss den Angaben der schwei- zerischen Vertretung – am 25. September 2007 entgegengenommen wurde, dass die Beschwerdeführerin mit en glischsprachiger Eingabe vom 5. Oktober 2007 (Eingangsstempel der schweizerischen Vertretung in Co-D-5964/2012 Seite 4 lombo: 9. Oktober 2007) sinngemäss die Aufhebung der BFM -Verfügung vom 11. September 2007, die Bewilligung der Einreise in die Schweiz und die Gewährung des Asyls beantragte, dass die Eingabe vom 5. Oktober 2007 indessen ers t am 16. November 2012 vom BFM an das Bundesverwaltungsgericht weiter- geleitet wurde, dass das BFM dem Bundesverwaltungsgericht in einem der Beschwe r- deeingabe beigelegten Schreiben vom 15. November 20 12 mitteilte, an- lässlich einer Ende März 2012 stattgefun denen internen Revision seien auf der Botschaft in Colombo zahlreiche nicht vorschriftsgemäss beha n- delte Dokumente und Unterlagen – darunter auch die fragliche B e- schwerdeschrift – gefunden und in der Folge zur genauen Prü fung der Inhalte dem Bundesamt zugestellt worden, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfa h- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Aus- lieferungsersuchens des Staates, vor dem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Ar. 31 -33 des Verwaltungsg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32], Art. 83 Bst. d Zi ff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110), dass sich gemäss ständiger Praxis die Zuständigkeit der Beschwerdei n- stanz aufgrund des engen sachlichen Zusammenhangs auch auf die Verweigerung der Einreisebewilligung im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG erstreckt, dass die Beschwerde nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst ist, indessen auf die Ansetzung einer Frist zur entsprechenden B e- schwerdeverbesserung im Sinne von Art. 52 VwVG praxisgemäss aus prozessökonomischen Gründen verz ichtet werden kann, da – mit Au s- nahme der angefochtenen Verfügung – die Eingaben des vorinstanzl i- chen Verfahrens ebenfalls in englischer Sprache gehalten sind und die Rechtsmitteleingabe verständlich ist, so dass ohne weiteres darüber b e- funden werden kann, D-5964/2012 Seite 5 dass der vorliegende Entscheid jedoch in deutscher Sprache ergeht (Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), dass die Beschwerdeführerin durch die angefochtene Verfügung beso n- ders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der B e- schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit geprüft werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend au fgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass das Bundesverwaltungsgericht erst mit Eingang des Schreibens des BFM vom 15. November 2012 am 19. November 2012 Kenntnis von der rechtzeitig bei der schweizerischen Vertretung in Colombo eingereichten Beschwerde erhalten hat, dass es für das Bundesverwaltungsgericht aufgrund der jahrelangen Ver- zögerung in der Übermittlung der Beschwerdeschrift heute nicht mehr möglich ist zu prüfen, ob das BFM in seiner Verfügung vom 11. September 2007 den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vol l- ständig festgestellt hat und ob dieser angemessen ist, zumal sich seit Er- gehen der angefochtenen Verfügung und der Einreichung der Beschwe r- deschrift die Verhältnisse in Sri Lanka massgeblich verändert haben, dass es darüber hinaus auch nicht Sache der Beschwerdeinstanz sein kann, Versäumnisse der Vorinstanz – zumal solche, wie in casu gesch e-D-5964/2012 Seite 6 hen, gröbster Art – auf Rekursebene nachzuholen, umso weniger, als da- durch der Beschwerdeführerin ein Instanzenzug verloren gehen würde, dass aufgrund der Aktenlage – und unter ausdrücklichem Hinweis auf BVGE 2007/30 E. 5 – auch eine Befragung der Beschwerdeführerin (die- se wurde bis anhin nicht persönlich angehört) angezeigt erscheint, dass der angefochtene Entscheid daher aufzuheben und von Amtes we- gen zur vollständigen, aktuellen Sachverhaltsfeststellung und zur Neube- urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist (Art. 61 Abs, 1 VwVG), dass aus den Akten keine konkreten Hinweise für eine der Beschwerd e- führerin akut drohende Lebensgefahr hervorgehen, welche die Erteilung einer sofortigen Einreisebewilligung erfordern würde, zumal sich die al l- gemeine Lage in Sri Lanka seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zw i- schen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich verbessert hat (vgl. BVGE 2011/24), dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheb en sind (Art. 63 Abs. 1 und VwVG), dass vorliegend keine Parteientschädigung zuzusprechen ist, zumal d a- von auszugehen ist, dass der nicht vertretenen Beschwerdeführerin durch die Beschwerdeführung keine verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind (vgl. A rt. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5964/2012 Seite 7 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Verfügung des BFM vo m 11. September 2007 wird aufgehoben und die Sache zur vollständigen , namentlich aktuellen Sachverhaltsermittlung und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die schwei- zerische Vertretung in Colombo. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni Versand: