<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 80 S.331</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>80</b></span> <span class="ft2"><b>Selektives Verfahren; Bewertung der Eignungskriterien; Beschränkung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Anbieterzahl.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Selektives Verfahren (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Mittelwertberechnung bei der Bewertung von Planergemeinschaften</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 4/a-d).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Berücksichtigung neuer oder junger Anbieter (Erw. 4/e).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen für eine Beschränkung der Anbieterzahl (Erw. 5).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 29. Oktober 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Planergemeinschaft I. und Mitb. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Beim selektiven Verfahren können alle Anbietenden einen</span><br/> <span class="ft1">Antrag auf Teilnahme einreichen. Die Vergabestelle bestimmt auf</span><br/> <span class="ft1">Grund der Eignung nach § 10 SubmD (vgl. Erw. b unten) die An-</span><br/> <span class="ft1">bietenden, die ein Angebot einreichen dürfen. Sie kann die Zahl der</span><br/> <span class="ft1">zur Angebotsabgabe eingeladenen Anbietenden beschränken, wenn</span><br/> <span class="ft1">der Zeit-, Arbeits- und Kostenaufwand für das Vergabeverfahren an-</span><br/> <span class="ft1">dernfalls in einem Missverhältnis zum Wert der Leistung stehen</span><br/> <span class="ft1">würde (§ 7 Abs. 2 Satz 4 SubmD; vgl. auch Art. 12 Abs. 1 lit. b IVöB</span><br/> <span class="ft1">und unten Erw. 5). Dabei muss jedoch ein wirksamer Wettbewerb ge-</span><br/> <span class="ft1">währleistet sein (Art. 12 Abs. 1 lit. b IVöB); die Zahl darf, wenn es</span><br/> <span class="ft1">genügend geeignete Anbietende gibt, nicht kleiner als drei sein (§ 7</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">332</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 5 SubmD; § 7 Abs. 3 Satz 2 der Vergaberichtlinien auf</span><br/> <span class="ft1">Grund der IVöB [VRöB]). Zu beachten ist im vorliegenden Fall auch</span><br/> <span class="ft1">Art. X</span> <span class="ft1">Ziff. 1</span> <span class="ft1">des Übereinkommens</span> <span class="ft1">über</span> <span class="ft1">das</span> <span class="ft1">öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Beschaffungswesen (ÜoeB; SR 0.632.0231.422) vom 15. April 1994.</span><br/> <span class="ft1">Nach dieser Bestimmung laden die Beschaffungsstellen für jede</span><br/> <span class="ft1">geplante Beschaffung die grösstmögliche mit einer effizienten Ab-</span><br/> <span class="ft1">wicklung der Beschaffung zu vereinbarende Zahl von in- und aus-</span><br/> <span class="ft1">ländischen Anbietern zur Angebotsabgabe ein. Sie wählen die An-</span><br/> <span class="ft1">bieter, die an dem Verfahren teilnehmen sollen, in gerechter und</span><br/> <span class="ft1">nicht diskriminierender Weise aus.</span><br/> <span class="ft1">b) § 10 SubmD hält unter der Marginalie "Eignungskriterien für</span><br/> <span class="ft1">das selektive Verfahren" fest, die Vergabestelle könne für jeden</span><br/> <span class="ft1">Auftrag oberhalb der Schwellenwerte gemäss § 8 Abs. 1 SubmD in</span><br/> <span class="ft1">der Ausschreibung bzw. in den Ausschreibungsunterlagen festlegen,</span><br/> <span class="ft1">welche für die Ausführung des betreffenden Auftrags wesentlichen</span><br/> <span class="ft1">Eignungskriterien die Anbietenden erfüllen und welche unerlässli-</span><br/> <span class="ft1">chen Nachweise, insbesondere bezüglich der finanziellen, wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen und fachlichen Leistungsfähigkeit, sie erbringen müs-</span><br/> <span class="ft1">sen. Jungen oder sonst neu im Markt Auftretenden sei eine angemes-</span><br/> <span class="ft1">sene, niemanden diskriminierende Chance einzuräumen. Die Eig-</span><br/> <span class="ft1">nungskriterien und die verlangten Eignungsnachweise sind im Vor-</span><br/> <span class="ft1">aus bekannt zu geben. Sie müssen - wie die Zuschlagskriterien - in</span><br/> <span class="ft1">der Reihenfolge ihrer Bedeutung, vollständig und in präziser Form</span><br/> <span class="ft1">veröffentlicht werden. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass bei der</span><br/> <span class="ft1">Eignungsprüfung nicht einzelne Bewerber bevorzugt werden, und</span><br/> <span class="ft1">den Anbietenden ist es möglich, ihren Teilnahmeentscheid in</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis der gestellten Anforderungen zu fällen (vgl. AGVE 1999,</span><br/> <span class="ft1">S. 295; 1998, S. 375 f.; VGE III/84 vom 9. Juni 2000</span><br/> <span class="ft1">[BE.2000.00106] in Sachen R. AG, S. 8, und III/131 vom 27. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2001 [BE.2001.00388] in Sachen R. AG, S. 4 f.; Peter Gauch /</span><br/> <span class="ft1">Hubert Stöckli, Vergabethesen, Thesen zum neuen Vergaberecht des</span><br/> <span class="ft1">Bundes, Freiburg 1999, S. 20).</span><br/> <span class="ft1">c) Bei der Festlegung, Gewichtung und Bewertung der einzel-</span><br/> <span class="ft1">nen Eignungskriterien steht der Vergabebehörde ein weiter Ermes-</span><br/> <span class="ft1">sensspielraum zu, in den das Verwaltungsgericht nicht eingreifen</span><br/> <span class="ft1">darf. Das Verwaltungsgericht hat sich zudem bei der Überprüfung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">333</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">technischer und betrieblicher Aspekte, welche die Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">auf Grund ihres Fachwissens besser beurteilen kann, Zurückhaltung</span><br/> <span class="ft1">aufzuerlegen (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern</span><br/> <span class="ft1">vom 11. August 1997, in: BVR 1998, S. 64). Anzuwenden sind aber</span><br/> <span class="ft1">objektive, überprüfbare und auf die ausgeschriebene Leistung kon-</span><br/> <span class="ft1">kret bezogene Kriterien; leistungsfremde Merkmale der Anbieter, die</span><br/> <span class="ft1">deren Eignung für die Ausführung des konkreten Auftrags nicht</span><br/> <span class="ft1">beeinflussen, dürfen nicht berücksichtigt werden (Gauch/Stöckli,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 19). Grundsätzlich unzulässig ist es daher, sachfremde</span><br/> <span class="ft1">Eignungskriterien heranzuziehen, d.h. Kriterien, die nicht die leis-</span><br/> <span class="ft1">tungsbezogene Eignung des Anbieters betreffen; dazu zählen na-</span><br/> <span class="ft1">mentlich regional-, steuer- oder strukturpolitische Überlegungen.</span><br/> <span class="ft1">Andernfalls begeht die Vergabestelle eine Rechtsverletzung (AGVE</span><br/> <span class="ft1">1999, S. 295 f.; 1998, S. 376; erwähnter VGE [BE.2001.00388] in</span><br/> <span class="ft1">Sachen R. AG, S. 5 f.; Gauch/Stöckli, a.a.O., S. 20, 27). Namentlich</span><br/> <span class="ft1">auch bei der Bewertung der Bewerbungen anhand der einzelnen Eig-</span><br/> <span class="ft1">nungskriterien kommt der Vergabebehörde ein grosser Ermessens-</span><br/> <span class="ft1">spielraum zu. Indessen muss auch die Bewertung in sachlich haltba-</span><br/> <span class="ft1">rer und begründbarer Weise erfolgen, ansonsten der Vergabestelle</span><br/> <span class="ft1">eine Ermessensüberschreitung oder sogar ein Ermessensmissbrauch</span><br/> <span class="ft1">anzulasten ist (AGVE 1998, S. 384). Hingegen kann es nicht Sache</span><br/> <span class="ft1">des Verwaltungsgerichts sein, anstelle der Vergabestelle eine eigene</span><br/> <span class="ft1">Bewertung vorzunehmen (erwähnter VGE [BE.2001.00388] in</span><br/> <span class="ft1">Sachen R. AG, S. 6 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">4. Zu überprüfen ist zunächst die von den Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rinnen als diskriminierend erachtete Mittelwertbildung bei der Be-</span><br/> <span class="ft1">wertung von Planer- bzw. Ingenieurgemeinschaften.</span><br/> <span class="ft1">a) Das Verwaltungsgericht hat in einem früheren Entscheid</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, dass das Vorgehen der Vergabestelle, bei der Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung einer Arbeitsgemeinschaft generell nur den Durchschnitt der</span><br/> <span class="ft1">Bewertung der Beteiligten als Bewertungsgrundlage heranzuziehen,</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich das Ermessen der Vergabebehörde nicht überschreite.</span><br/> <span class="ft1">Eine Ermessensüberschreitung liege jedenfalls dann nicht vor, wenn</span><br/> <span class="ft1">nicht im Voraus angegeben werde, welcher Teil des Projekts durch</span><br/> <span class="ft1">welche der beteiligten Partnerinnen erarbeitet werde. Anders verhalte</span><br/> <span class="ft1">es sich dann, wenn Bewerber sich - ihrer jeweiligen Stärken und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">334</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Schwächen bewusst - die Aufgabenbereiche entsprechend aufteilten</span><br/> <span class="ft1">und dies der Vergabebehörde auch so kundtäten. So würden sie der</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle Gewähr dafür bieten, dass tatsächlich ein Sy-</span><br/> <span class="ft1">nergieeffekt eintrete. In gleicher Weise zu bewerten seien Bewerber,</span><br/> <span class="ft1">die gerade um Schwächen auszugleichen, Arbeitsgemeinschaften</span><br/> <span class="ft1">bildeten und Spezialisten beizögen, jedenfalls wenn dies für die Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabestelle offensichtlich sei (VGE III/17 vom 2. März 1999</span><br/> <span class="ft1">[BE.98.00381] in Sachen ARGE Sch. AG und P. AG, S. 12).</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Im vorliegenden Fall hat die Vergabebehörde bei den</span><br/> <span class="ft1">Teilkriterien Firmenstruktur (Kompetenz I), objektbezogene Fir-</span><br/> <span class="ft1">menreferenzen (Kompetenz I) und Leistungsfähigkeit (Projektorga-</span><br/> <span class="ft1">nisation) die einzelnen Fachgebiete Tunnelbau, Strassenbau und</span><br/> <span class="ft1">elektromechanische Anlagen separat bewertet. Bei Ingenieurgemein-</span><br/> <span class="ft1">schaften wurde die einzelne Partnerfirma in den Fachbereichen (ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Organigramm) bewertet, für welche sie gemäss den Angaben in</span><br/> <span class="ft1">den Bewerbungsunterlagen verantwortlich war. Waren mehrere Part-</span><br/> <span class="ft1">ner im gleichen Fachbereich tätig bzw. für das gleiche Teilprojekt</span><br/> <span class="ft1">verantwortlich, wurde jeder Partner separat bewertet und für die Ge-</span><br/> <span class="ft1">samtbewertung der Mittelwert gebildet. Für die Bewertung unerheb-</span><br/> <span class="ft1">lich waren Erfahrung und Referenzen eines Partners in Fachberei-</span><br/> <span class="ft1">chen, in denen er nicht tätig sein wird.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die detaillierte Bewertung der Beschwerdeführerinnen an-</span><br/> <span class="ft1">hand der Vorgaben der Vergabebehörde stellt sich folgendermassen</span><br/> <span class="ft1">dar: [Tabellarische Darstellung der Bewertungsmatrix].</span><br/> <span class="ft1">Die Abzüge bei den Eignungskriterien im Fachgebiet Tunnelbau</span><br/> <span class="ft1">betreffen vor allem die H. AG, die bei den objektbezogenen</span><br/> <span class="ft1">Firmenreferenzen mit 0 Punkten und bei der Leistungsfähigkeit</span><br/> <span class="ft1">(Personalbestand, Hochschul/FH-Abschluss) mit 75 Punkten bewer-</span><br/> <span class="ft1">tet wurde. Im Fachbereich Strassenbau wurden Abzüge bei der</span><br/> <span class="ft1">Leistungsfähigkeit der E. AG gemacht, die über einen eher kleinen</span><br/> <span class="ft1">Personalbestand verfügt. Die übrigen Abzüge betreffen entweder die</span><br/> <span class="ft1">I. AG (Firmenstruktur elektromechanische Anlagen, Schlüsselper-</span><br/> <span class="ft1">sonen) oder das Planerteam als Gesamtes (Beschreibung Führungs-</span><br/> <span class="ft1">struktur/Aufgabenteilung, QS-Referenzen) und werden von den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerinnen nicht in Frage gestellt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">335</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) aa) Aus dem Organigramm sowie dem Beschrieb der Organi-</span><br/> <span class="ft1">sation des Projektteams geht hervor, dass die Verantwortlichkeiten</span><br/> <span class="ft1">im Fachbereich Tunnelbau bei der I. AG (Tunnelbau bergmännisch)</span><br/> <span class="ft1">und bei der H. AG (Tunnelbau Tagbau), im Fachbereich Strassenbau</span><br/> <span class="ft1">zu je 50% bei der I. AG und bei der E. AG und im Fachbereich elek-</span><br/> <span class="ft1">tromechanische Anlagen bei der I. AG (Elektromechanik) und der</span><br/> <span class="ft1">Subplanerin B. AG (Tunnellüftung) liegen. Die Gesamtprojektleitung</span><br/> <span class="ft1">(Projektleiter und Projektleiter-Stellvertreter) wird durch die I. AG</span><br/> <span class="ft1">wahrgenommen. Die Qualitätssicherung obliegt ebenfalls der I. AG.</span><br/> <span class="ft1">bb) Bei dieser Sachlage lassen sich die von der Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">gemachten Abzüge entgegen der Auffassung der</span> <span class="ft1">Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerinnen nicht als diskriminierend bezeichnen. Auch die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerinnen bestreiten nicht, dass es sich bei der H. AG und</span><br/> <span class="ft1">der E. AG um unter dem im vorliegenden Fall vor allem massgeben-</span><br/> <span class="ft1">den Aspekt der <i>Realisierungsphase</i> neu auf dem Markt auftretende</span><br/> <span class="ft1">Firmen handelt. Die H. AG, der innerhalb des Planerteams die Ver-</span><br/> <span class="ft1">antwortung für die Realisierung des im Tagbau zu erstellenden inner-</span><br/> <span class="ft1">städtischen Tunnelteils zukommt, verfügt nicht über einschlägige</span><br/> <span class="ft1">Referenzen. Alle drei in den Präqualifikationsunterlagen für den</span><br/> <span class="ft1">Bereich Tunnelbau ausgewiesenen Firmenreferenzen sind der I. AG</span><br/> <span class="ft1">zuzuordnen. Dieser Tatsache darf und muss die Vergabestelle bei der</span><br/> <span class="ft1">Bewertung</span> <span class="ft1">der</span> <span class="ft1">Eignung</span> <span class="ft1">angemessen</span> <span class="ft1">Rechnung</span> <span class="ft1">tragen.</span> <span class="ft1">Die</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde weist zu Recht daraufhin, dass andernfalls Bewerber</span><br/> <span class="ft1">diskriminiert würden, die im Bereich, in dem sie tätig werden, über</span><br/> <span class="ft1">grosse oder zumindest mittlere Erfahrung verfügen. Der beim</span><br/> <span class="ft1">Teilkriterium Objektbezogene Firmenreferenzen Tunnelbau ge-</span><br/> <span class="ft1">machte Punkteabzug ist somit weder in Überschreitung des der Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabebehörde zukommenden Ermessens erfolgt noch liegt ein Er-</span><br/> <span class="ft1">messensmissbrauch vor. Gleiches gilt für den (geringen) Abzug bei</span><br/> <span class="ft1">der Leistungsfähigkeit Tunnelbau, der bei der H. AG vorgenommen</span><br/> <span class="ft1">wurde.</span><br/> <span class="ft1">Der Strassenbau fällt gemäss Organigramm zu je 50% in den</span><br/> <span class="ft1">Aufgabenbereich der I. AG und der E. AG. Letztere verfügt nach</span><br/> <span class="ft1">ihren Angaben (Personalliste) über acht Mitarbeiter, wovon eine</span><br/> <span class="ft1">kaufmännische Angestellte und ein Lehrling. Über einen Hochschul-</span><br/> <span class="ft1">/Fachhochschulabschluss verfügen drei Mitarbeiter. Das Punktema-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">336</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ximum erhielt bei der Leistungsfähigkeit Strassenbau, wer einen Per-</span><br/> <span class="ft1">sonalbestand im fraglichen Tätigkeitsbereich von mehr als 15 Perso-</span><br/> <span class="ft1">nen, wovon mindestens acht mit einem Hoch- oder Fach-</span><br/> <span class="ft1">hochschulabschluss, aufwies. Auch hier erweisen sich sowohl der bei</span><br/> <span class="ft1">der E. AG vorgenommene Bewertungsabzug als auch die Mittel-</span><br/> <span class="ft1">wertbewertung der beiden je zu 50% tätig werdenden Unternehmen</span><br/> <span class="ft1">als vertretbar und nicht in Überschreitung des der Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">zukommenden Ermessens erfolgt.</span><br/> <span class="ft1">cc) Zu berücksichtigen ist sodann auch, dass sich die von den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerinnen in Frage gestellte Mittelwertbewertung beim</span><br/> <span class="ft1">Teilkriterium Firmenstruktur im Sachbereich elektromechanische</span><br/> <span class="ft1">Anlagen zugunsten des Planerteams ausgewirkt hat, indem hier die</span><br/> <span class="ft1">mehr als zwanzigjährige Erfahrung der für den Bereich Tunnellüf-</span><br/> <span class="ft1">tung vorgesehenen Subunternehmerin B. AG zu einer besseren Be-</span><br/> <span class="ft1">wertung des Planerteams insgesamt geführt hat.</span><br/> <span class="ft1">d) Die von der Vergabebehörde gewählte Methode zur Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tung von Planerteams ist sachgerecht, indem sie die Stärken und</span><br/> <span class="ft1">Schwächen der beteiligten Partner in denjenigen Bereichen, in denen</span><br/> <span class="ft1">sich diese effektiv auch auswirken können, berücksichtigt. Dem</span><br/> <span class="ft1">durch den Zusammenschluss zu einer Bietergemeinschaft ange-</span><br/> <span class="ft1">strebten Synergieeffekt wird mit dieser Bewertungsmethode durch-</span><br/> <span class="ft1">aus angemessen Rechnung getragen. Die Vergabebehörde weist zu</span><br/> <span class="ft1">Recht daraufhin, dass indessen nicht nur die spezifischen Vorteile</span><br/> <span class="ft1">eines Zusammenschlusses, z.B. die besondere Fachkompetenz oder</span><br/> <span class="ft1">Erfahrung einer Partnerfirma, sondern auch die jeweiligen Schwä-</span><br/> <span class="ft1">chen, soweit sie sich tatsächlich auswirken können, berücksichtigt</span><br/> <span class="ft1">werden müssen. Eine Diskriminierung von Planergemeinschaften</span><br/> <span class="ft1">gegenüber Einzelanbietern erfolgt deswegen nicht. Die Tatsache,</span><br/> <span class="ft1">dass die E. AG und die H. AG im Zusammenhang mit der Ausarbei-</span><br/> <span class="ft1">tung des Generellen Projekts und des Bauprojekts der Ortskernum-</span><br/> <span class="ft1">fahrung bereits verschiedene Planerleistungen erbracht haben, ver-</span><br/> <span class="ft1">mögen nichts daran zu ändern, dass diese beiden Partnerinnen die</span><br/> <span class="ft1">genannten Teilkriterien Objektbezogene Firmenreferenzen Tunnel-</span><br/> <span class="ft1">bau bzw. Leistungsfähigkeit Strassenbau - wie ausgeführt - nicht</span><br/> <span class="ft1">bzw. nur teilweise erfüllen. Dasselbe gilt für den Umstand, dass die</span><br/> <span class="ft1">E. AG und die I. AG über eine Beteiligungsgesellschaft verbunden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">337</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sind. Es handelt sich bei den Partnerfirmen dessen ungeachtet um</span><br/> <span class="ft1">selbständige Unternehmungen, die sich für den vorliegenden Auftrag</span><br/> <span class="ft1">zu einer Ingenieurgemeinschaft zusammengefunden haben und die in</span><br/> <span class="ft1">den Präqualifikationsunterlagen auch als drei eigenständige Firmen</span><br/> <span class="ft1">in Erscheinung treten.</span><br/> <span class="ft1">e) Die Beschwerdeführerinnen verlangen unter Hinweis auf</span><br/> <span class="ft1">§ 10 SubmD, die Bewertung sei so zu modifizieren, dass neu auf</span><br/> <span class="ft1">dem Markt auftretende Firmen eine angemessene, niemanden diskri-</span><br/> <span class="ft1">minierende Chance bei der Zulassung im Rahmen eines selektiven</span><br/> <span class="ft1">Verfahrens hätten. § 10 Satz 2 SubmD besagt, dass bei der Festle-</span><br/> <span class="ft1">gung der Eignungsanforderungen "jungen oder sonst neu im Markt</span><br/> <span class="ft1">Auftretenden (...) eine angemessene, niemanden diskriminierende</span><br/> <span class="ft1">Chance einzuräumen" ist. Dies kann z.B. durch einen Verzicht auf</span><br/> <span class="ft1">einschlägige Referenzen geschehen. Eine zwingende Verpflichtung</span><br/> <span class="ft1">der Vergabestelle, dies in jedem Fall zu tun, lässt sich aus § 10</span><br/> <span class="ft1">SubmD indessen nicht ableiten. Wie ausgeführt, sind die Eignungs-</span><br/> <span class="ft1">kriterien jeweils im Einzelfall und im Hinblick auf die konkrete Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabe in objektiver Art zu bestimmen (Botschaft des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft1">zum Submissionsdekret vom 22. Mai 1996, S. 14), wobei der Verga-</span><br/> <span class="ft1">bebehörde ein grosser Ermessensspielraum zusteht, in den das Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgericht nicht eingreifen darf (vgl. Erw. 3c oben). Wenn die</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde im vorliegenden Fall, indem es unbestreitbar um die</span><br/> <span class="ft1">Realisierung eines bedeutenden und komplexen Strassen- und Tun-</span><br/> <span class="ft1">nelbauprojekts geht, der einschlägigen Erfahrung der Bewerber ein</span><br/> <span class="ft1">sehr grosses Gewicht beimisst, so lässt sich dies nicht als Ermes-</span><br/> <span class="ft1">sensüberschreitung oder in anderer Weise rechtsfehlerhaft beanstan-</span><br/> <span class="ft1">den. Die Vergabestelle hat ihren diesbezüglich hohen Anspruch auch</span><br/> <span class="ft1">konsequent kundgetan, zum einen allein schon mit der Tatsache, dass</span><br/> <span class="ft1">sie sich für die Durchführung eines selektiven Verfahrens entschie-</span><br/> <span class="ft1">den hat, und zum andern, indem sie sowohl in der öffentlichen Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung als auch in den Präqualifikationsunterlagen klar darauf</span><br/> <span class="ft1">hinwies, dass spezifische Fachkompetenz in der Projektierung <i>und</i></span><br/> <span class="ft4"><i>Bauleitung</i> von Strassentunnels erforderlich seien. Im Umstand, dass</span><br/> <span class="ft1">das Fehlen von vergleichbaren Referenzobjekten bei der H. AG zu</span><br/> <span class="ft1">einer Schlechterbewertung führte, ist im vorliegenden Fall kein Ver-</span><br/> <span class="ft1">stoss gegen § 10 Satz 2 SubmD zu erblicken.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">f) Damit erweist sich die Bewertung der Beschwerdeführerin-</span><br/> <span class="ft1">nen als sachgerecht; eine Ermessensüberschreitung oder ein Ermes-</span><br/> <span class="ft1">sensmissbrauch liegt nicht vor.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Die Vergabestelle hat im vorliegenden Fall lediglich drei</span><br/> <span class="ft1">Anbieter für die zweite Stufe und damit zur Einreichung einer Of-</span><br/> <span class="ft1">ferte zugelassen. Den restlichen neun Bewerbern wurde mitgeteilt,</span><br/> <span class="ft1">dass ihre Bewerbung nicht berücksichtigt werden könne. Weder aus</span><br/> <span class="ft1">den verschiedenen Absageschreiben noch aus den übrigen dem Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgericht zur Verfügung stehenden Unterlagen geht hervor, ob</span><br/> <span class="ft1">die Vergabestelle diese Bewerber als nicht geeignet erachtet oder</span><br/> <span class="ft1">aber aus verfahrensökonomischen Gründen vom weiteren Verfahren</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen hat. Lediglich in Bezug auf eine Ingenieurgemein-</span><br/> <span class="ft1">schaft wird festgehalten, diese erfülle die zwingenden Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">nicht, weil sie die elektromechanischen Anlagen nicht durch einen</span><br/> <span class="ft1">Partner, sondern durch Subunternehmer bearbeiten lassen wolle.</span><br/> <span class="ft1">Klar erscheint, dass diejenigen Bewerber, welche die zwingen-</span><br/> <span class="ft1">den Anforderungen gemäss Ziffer 1.10.1 der Präqualifikationsun-</span><br/> <span class="ft1">terlagen nicht erfüllen, zur Auftragsausführung nicht geeignet sind.</span><br/> <span class="ft1">Demgegenüber erachtet die Vergabestelle offensichtlich alle Anbie-</span><br/> <span class="ft1">ter, welche die zwingenden Anforderungen erfüllen, als geeignet. Sie</span><br/> <span class="ft1">hat es jedenfalls unterlassen, festzulegen, welches Punktetotal im</span><br/> <span class="ft1">Minimum erreicht werden musste, um die Eignungsanforderungen zu</span><br/> <span class="ft1">erfüllen. Aus den dem Verwaltungsgericht zur Verfügung stehenden</span><br/> <span class="ft1">Unterlagen ergeben sich denn auch keine Anhaltspunkte dafür, dass</span><br/> <span class="ft1">die Vergabebehörde die Eignung der Beschwerdeführerinnen in</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlicher</span> <span class="ft1">Weise</span> <span class="ft1">in</span> <span class="ft1">Frage</span> <span class="ft1">stellen</span> <span class="ft1">würde.</span> <span class="ft1">Die</span> <span class="ft1">Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerinnen haben 81.3 Punkte erreicht, also mehr als vier</span><br/> <span class="ft1">Fünftel des Punktemaximums. Die Eignung zur Auftragsausführung</span><br/> <span class="ft1">kann ihnen deshalb nicht abgesprochen werden.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Vergabebehörde hat die Anzahl der zur Offerteinreichung</span><br/> <span class="ft1">zugelassenen Anbieter</span> <span class="ft1">auf</span> <span class="ft1">deren</span> <span class="ft1">drei</span> <span class="ft1">beschränkt.</span> <span class="ft1">Die</span> <span class="ft1">Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerinnen stellen angesichts der Grösse und der Komple-</span><br/> <span class="ft1">xität des Projektes Ortskernumfahrung Aarburg mit ausgewiesenen</span><br/> <span class="ft1">Baukosten in der Grössenordnung von Fr. 80 - 90 Mio. diese Be-</span><br/> <span class="ft1">schränkung der Teilnehmerzahl für die zweite Vergabephase in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Frage. Diese Grösse rechtfertige es, die Anzahl der zur Angebotsan-</span><br/> <span class="ft1">gabe Einzuladenden angemessen zu erhöhen.</span><br/> <span class="ft1">c) Zunächst ist festzustellen, dass weder die öffentliche Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung noch die Präqualifikationsunterlagen im vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Fall einen (ausdrücklichen) Hinweis auf die Absicht der Vergabebe-</span><br/> <span class="ft1">hörde enthalten, die Zahl der zur Angebotsabgabe eingeladenen An-</span><br/> <span class="ft1">bietenden zu limitieren. In den Präqualifikationsunterlagen sind unter</span><br/> <span class="ft1">dem Titel "Angabe zur Präqualifikation" die folgenden Hinweise ent-</span><br/> <span class="ft1">halten:</span><br/> <span class="ft5">"Für die Ausschreibung der Ingenieurleistungen kommt das selektive</span><br/> <span class="ft5">Verfahren zur Anwendung. Die Auswahl der Firmen oder Ingenieur-</span><br/> <span class="ft5">gemeinschaften, die zur Offertstellung eingeladen werden, erfolgt auf</span><br/> <span class="ft5">Grund einer Bewertung der Präqualifikationsunterlagen, die gemäss</span><br/> <span class="ft5">dem speziellen Formular für die Bewerbung einzureichen ist.</span><br/> <span class="ft5">Grundsätzlich steht die Ausschreibung allen Bewerbern mit der spezi-</span><br/> <span class="ft5">fischen Fachkompetenz in der Projektierung und Bauleitung von</span><br/> <span class="ft5">Strassentunnels, Strassenbauwerken und elektromechanischen Ein-</span><br/> <span class="ft5">richtungen und mit den nötigen Kapazitäten offen."</span><br/> <span class="ft1">Ein Hinweis auf eine Beschränkung der Teilnehmerzahl kann</span><br/> <span class="ft1">diesen Ausführungen nicht entnommen werden. Sie lassen sich im</span><br/> <span class="ft1">Gegenteil ohne weiteres dahingehend verstehen, dass <i>alle</i> geeigneten</span><br/> <span class="ft1">Bewerber an der Ausschreibung teilnehmen und eine Offerte</span><br/> <span class="ft1">einreichen können. Es stellt sich damit die Frage, ob die Vergabebe-</span><br/> <span class="ft1">hörde die Anbieterzahl nachträglich überhaupt limitieren durfte.</span><br/> <span class="ft1">d) Das Vergaberecht des Bundes enthält in Art. 15 Abs. 4 des</span><br/> <span class="ft1">Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen vom</span><br/> <span class="ft1">16. Dezember 1994 (BoeB; SR 172.056.1) eine mit § 7 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">SubmD und Art. 12 Abs. 1 lit. b IVöB inhaltlich vergleichbare</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung. Die Eidgenössische Rekurskommission für das öffent-</span><br/> <span class="ft1">liche Beschaffungsrecht (BRK) hat im Zusammenhang mit der mög-</span><br/> <span class="ft1">lichen Beschränkung der Anbieterzahl nach Massgabe von Art. 15</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 BoeB festgehalten, dass grundsätzlich alle Bewerber, welche</span><br/> <span class="ft1">die in der Ausschreibung angegebenen Eignungskriterien erfüllten,</span><br/> <span class="ft1">einzuladen seien, ihre Offerte in der zweiten Vergabephase ein-</span><br/> <span class="ft1">zureichen. Das Gesetz erlaube einzig die Teilnehmerzahl zu be-</span><br/> <span class="ft1">schränken, wenn sonst die Auftragsvergabe nicht effizient abge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">340</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wickelt werden könne. Gestützt auf den Grundsatz der Transparenz</span><br/> <span class="ft1">habe die Vergabebehörde die Absicht zur Beschränkung bereits in der</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibung bekannt zu geben. Fehle eine solche Erwähnung, so</span><br/> <span class="ft1">sei eine weitergehende Einschränkung grundsätzlich ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft1">Sie sei nur unter aussergewöhnlichen Umständen zuzulassen, so</span><br/> <span class="ft1">wenn die Vergabebehörde sich mit einer aussergewöhnlich grossen</span><br/> <span class="ft1">Anzahl von Bewerbern, welche die Eignungskriterien erfüllten,</span><br/> <span class="ft1">konfrontiert sehe (Entscheid der BRK vom 26. Mai 1997, in BR</span><br/> <span class="ft1">1997, S. 120).</span><br/> <span class="ft1">e) Weder § 7 Abs. 2 SubmD noch die Anhänge 3, 4 und 5 zum</span><br/> <span class="ft1">SubmD noch die Bestimmungen des ÜoeB (vgl. insb. Art. IX Ziff. 6</span><br/> <span class="ft1">und Art. X Ziff. 1), der IVöB oder der VRöB verlangen ausdrücklich,</span><br/> <span class="ft1">dass die Vergabebehörde in der öffentlichen Ausschreibung oder in</span><br/> <span class="ft1">den Ausschreibungsunterlagen ihre Absicht, die Anzahl Teilnehmer</span><br/> <span class="ft1">im selektiven Verfahren zu limitieren, bekannt gibt. Es stellt sich da-</span><br/> <span class="ft1">mit die Frage, ob eine Gesetzeslücke oder aber ein qualifiziertes</span><br/> <span class="ft1">Schweigen des Gesetzgebers vorliegt. Die BRK geht für die ver-</span><br/> <span class="ft1">gleichbare bundesrechtliche Regelung (unausgesprochen) vom Be-</span><br/> <span class="ft1">stehen einer ausfüllungsbedürftigen Lücke aus und füllt diese, indem</span><br/> <span class="ft1">sie die Verpflichtung zur Bekanntgabe der Limitierungsabsicht in der</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Ausschreibung aus dem Grundsatz der Transparenz</span><br/> <span class="ft1">herleitet (vgl. die Kritik an diesem Vorgehen bei Peter Gauch, in BR</span><br/> <span class="ft1">1997, S. 120, Anmerkung zum vorerwähnten Urteil der BRK; ferner</span><br/> <span class="ft1">Gauch/Stöckli, a.a.O., S. 39 f.).</span><br/> <span class="ft1">Die einschlägigen Materialien zum Submissionsdekret äussern</span><br/> <span class="ft1">sich zur Frage, ob die Limitierungsabsicht in der Ausschreibung</span><br/> <span class="ft1">bekannt gegeben werden muss, nicht. In diesem Zusammenhang ist</span><br/> <span class="ft1">aber festzustellen, dass § 7 Abs. 2 SubmD in der ursprünglichen</span><br/> <span class="ft1">Fassung vom 26. November 1996 eine Beschränkung der Anzahl der</span><br/> <span class="ft1">Anbieter ohnehin nur bei Aufträgen unterhalb der Schwellenwert von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 500'000.-- für Bauaufträge und Fr. 150'000.-- für Liefer- und</span><br/> <span class="ft1">Dienstleistungsaufträge</span> <span class="ft1">zuliess;</span> <span class="ft1">im</span> <span class="ft1">Bereich</span> <span class="ft1">oberhalb</span> <span class="ft1">dieser</span><br/> <span class="ft1">Schwellenwerte war eine Beschränkung nicht möglich (vgl. dazu</span><br/> <span class="ft1">VGE III/28 vom 15. März 1999 [BE.1998.00388] in Sachen T.</span><br/> <span class="ft1">GmbH und L. AG, S. 11 ff.). Anhaltspunkte für ein qualifiziertes</span><br/> <span class="ft1">Schweigen des Dekrets im fraglichen Punkt in dem Sinn, dass der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">341</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Dekretgeber bewusst keine Bekanntgabe der Limitierungsabsicht</span><br/> <span class="ft1">verlangen wollte, lassen sich den Materialien (zum ursprünglichen</span><br/> <span class="ft1">Dekret und zur Revision vom Januar 2000) jedenfalls nicht entneh-</span><br/> <span class="ft1">men. Mithin erscheint es zulässig, zur Beantwortung der Frage auf</span><br/> <span class="ft1">die grundlegenden Prinzipien des Vergaberechts zurückzugreifen.</span><br/> <span class="ft1">Dazu gehören die Förderung des wirksamen Wettbewerbs, das Ver-</span><br/> <span class="ft1">bot der Diskriminierung (vgl. § 1 Abs. 1 SubmD) und der Grundsatz</span><br/> <span class="ft1">der Transparenz. Aus diesen Prinzipien, namentlich aus dem Trans-</span><br/> <span class="ft1">parenzgebot, lässt sich die Verpflichtung der Vergabebehörde, die</span><br/> <span class="ft1">Beschränkungsabsicht in der öffentlichen Ausschreibung oder aber</span><br/> <span class="ft1">jedenfalls in den Präqualifikationsunterlagen den Interessenten</span><br/> <span class="ft1">bekannt zu geben, ohne weiteres ableiten. Einerseits kann es durch-</span><br/> <span class="ft1">aus im berechtigten Interesse der Bewerber liegen, zu wissen, ob die</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle beabsichtigt, alle geeigneten Teilnehmer oder nur eine</span><br/> <span class="ft1">beschränkte Anzahl zur Offertstellung zuzulassen. Die Chancen auf</span><br/> <span class="ft1">eine Zulassung sind je nach dem unterschiedlich gross. Namentlich</span><br/> <span class="ft1">bei grösseren und komplexeren Aufträgen, bei denen das selektive</span><br/> <span class="ft1">Verfahren seinen Hauptanwendungsbereich hat, ist für die Interes-</span><br/> <span class="ft1">senten bereits das Beibringen der verlangten Präqualifikationsunter-</span><br/> <span class="ft1">lagen mit erheblichem Aufwand verbunden; unter Umständen kann</span><br/> <span class="ft1">sogar der Hauptteil des Aufwands bereits auf dieser Stufe des Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens anfallen. Die Interessenten müssen sich gegebenenfalls auch</span><br/> <span class="ft1">bereits in diesem Zeitpunkt zu Bietergemeinschaften zusammen-</span><br/> <span class="ft1">schliessen, was ebenfalls mit Aufwand verbunden ist. Anderseits</span><br/> <span class="ft1">wird die Vergabebehörde durch die Bekanntgabe der Anzahl Teil-</span><br/> <span class="ft1">nehmer, die sie zuzulassen beabsichtigt, gebunden. Dadurch wird</span><br/> <span class="ft1">z.B. verhindert, dass die Limite durch die Vergabebehörde bewusst</span><br/> <span class="ft1">so festgesetzt werden kann, um die Teilnahme eines unerwünschten</span><br/> <span class="ft1">Bewerbers willkürlich zu verhindern. Durch die vorgängige Ankün-</span><br/> <span class="ft1">digung der Limitierungsabsicht werden mit andern Worten auch Ma-</span><br/> <span class="ft1">nipulationsmöglichkeiten ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall hat die Vergabebehörde die Limitierungs-</span><br/> <span class="ft1">absicht weder in der öffentlichen Ausschreibung noch in den Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen bekannt gegeben. Die Ausschreibungsun-</span><br/> <span class="ft1">terlagen legen - wie schon erwähnt - im Gegenteil sogar den Schluss</span><br/> <span class="ft1">nahe, alle geeigneten Bewerber würden zur Offertstellung eingela-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">342</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">den. Insofern erweist sich die nachträgliche Limitierung der Anbie-</span><br/> <span class="ft1">terzahl als nicht zulässig. Nur mehr am Rande ist darauf hinzuwei-</span><br/> <span class="ft1">sen, dass in sämtlichen ausserkantonalen Präqualifikationsverfahren,</span><br/> <span class="ft1">welche das Baudepartement als Beispiele anführt, die Limitierung</span><br/> <span class="ft1">der Teilnehmerzahl offensichtlich spätestens in den Präqualifikati-</span><br/> <span class="ft1">onsunterlagen zum Voraus bekannt gegeben wurde.</span><br/> <span class="ft1">f) Die nachträgliche Beschränkung auf das Minimum von nur</span><br/> <span class="ft1">drei Anbietern erweist sich im vorliegenden Fall überdies auch sach-</span><br/> <span class="ft1">lich nicht als gerechtfertigt. Grundsätzlich ist für jede geplante Be-</span><br/> <span class="ft1">schaffung die grösstmögliche mit einer effizienten Abwicklung der</span><br/> <span class="ft1">Beschaffung zu vereinbarende Zahl von Anbietern zur Angebotsab-</span><br/> <span class="ft1">gabe einzuladen (erwähnter VGE in Sachen T. GmbH/L. AG, S. 12;</span><br/> <span class="ft1">erwähnter Entscheid der BRK in BR 1997, S. 120; Urteil des Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgerichts des Kantons Zürich vom 17. Februar 2000</span><br/> <span class="ft1">[VB.1999.00359] E. 3b/bb; Peter Galli / Daniel Lehmann / Peter</span><br/> <span class="ft1">Rechsteiner, Das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz, Zü-</span><br/> <span class="ft1">rich 1996, Rz. 154; Gauch/Stöckli, a.a.O., S. 39). Limitieren kann die</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle die Teilnehmeranzahl dann, "wenn der Zeit-, Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">und Kostenaufwand für das Vergabeverfahren andernfalls in einem</span><br/> <span class="ft1">Missverhältnis zum Wert der Leistung stehen würde" (§ 7 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">SubmD) bzw. "wenn sonst die Auftragsvergabe nicht effizient abge-</span><br/> <span class="ft1">wickelt werden kann" (Art. 12 Abs. 1 lit. b IVöB; vgl. auch Art. X</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 1 ÜoeB). Die Beschränkung der Teilnehmerzahl zielt somit in</span><br/> <span class="ft1">erster Linie darauf ab, den bei der auftraggebenden Amtsstelle an-</span><br/> <span class="ft1">fallenden Aufwand für die Abwicklung des Vergabeverfahrens in</span><br/> <span class="ft1">einem tragbaren Rahmen zu halten. Beim Entscheid darüber, ob sich</span><br/> <span class="ft1">eine Beschränkung der Teilnehmerzahl rechtfertigt, ist einerseits die</span><br/> <span class="ft1">Komplexität der durchzuführenden Beschaffung, anderseits der Wert</span><br/> <span class="ft1">des zu vergebenden Auftrags zu berücksichtigen. Je komplexer die</span><br/> <span class="ft1">Beschaffung und je geringer der Auftragswert, umso eher ist eine Be-</span><br/> <span class="ft1">schränkung der Teilnehmerzahl gerechtfertigt (Urteil des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichts</span> <span class="ft1">des</span> <span class="ft1">Kantons</span> <span class="ft1">Zürich</span> <span class="ft1">vom</span> <span class="ft1">13.</span> <span class="ft1">April</span> <span class="ft1">2000</span><br/> <span class="ft1">[VB.1999.00385], E. 3c/aa mit Hinweis). Die Mindestzahl von drei</span><br/> <span class="ft1">Anbietern darf nur dann zur Anwendung gelangen, wenn eine grös-</span><br/> <span class="ft1">sere Zahl von Anbietern eine effiziente Abwicklung der Auftragsver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">343</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gabe verunmöglichen würde (Galli/Lehmann/Rechsteiner, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 141; vgl. auch Gauch, in BR 1997, S. 120 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Die Vergabebehörde begründet die Limitierung auf drei Anbie-</span><br/> <span class="ft1">ter in der Vernehmlassung hauptsächlich mit den Kosten, die den</span><br/> <span class="ft1">betreffenden Planern mit der Erarbeitung einer Offerte entstünden.</span><br/> <span class="ft1">So wird davon ausgegangen, dass pro Anbieter mit einem Aufwand</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 40'000.-- bis Fr. 75'000.-- gerechnet werden müsse. Würde</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen der 1. Stufe (Präqualifikation) des Submissionsverfah-</span><br/> <span class="ft1">rens die Anzahl Anbieter nicht eingeschränkt, so würden zusätzliche</span><br/> <span class="ft1">Gesamtkosten (Aufwände Bewerber und interne Kosten des Baude-</span><br/> <span class="ft1">partements) von gegen Fr. 500'000.-- entstehen. Dies erscheine der</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht gerechtfertigt,</span><br/> <span class="ft1">sondern es entstehe ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Wert</span><br/> <span class="ft1">der Leistung.</span><br/> <span class="ft1">Die den einzelnen Anbietern im Zusammenhang mit der Ausar-</span><br/> <span class="ft1">beitung ihrer Offerten entstehenden Kosten vermögen nun jedoch die</span><br/> <span class="ft1">Limitierung der Teilnehmerzahl nicht zu rechtfertigen. Die Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabebehörde darf den Kreis der geeigneten Bewerber und damit den</span><br/> <span class="ft1">Wettbewerb nicht mit dem Argument einschränken, die Anbieter vor</span><br/> <span class="ft1">Kosten zu bewahren. Der unternehmerische Entscheid darüber, ob er</span><br/> <span class="ft1">an einem Submissionsverfahren mit einem Angebot teilnehmen und</span><br/> <span class="ft1">die damit verbundenen Kosten auf sich nehmen will oder nicht, liegt</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich beim einzelnen Anbieter. Die Beschwerdeführerinnen</span><br/> <span class="ft1">machen hier völlig zu Recht geltend, dass die Vergabebehörde es im</span><br/> <span class="ft1">Interesse des freien Wettbewerbs den Bewerbern überlassen müsse,</span><br/> <span class="ft1">zu entscheiden, ob es für sie wirtschaftlich vertretbar sei oder nicht,</span><br/> <span class="ft1">eine Offerte einzureichen.</span><br/> <span class="ft1">Die erwähnte Berechnung des Baudepartements zeigt, dass die</span><br/> <span class="ft1">Kosten der Vergabestelle selbst im Zusammenhang mit der zweiten</span><br/> <span class="ft1">Stufe des Vergabeverfahrens keinesfalls sehr erheblich sein können.</span><br/> <span class="ft1">Von den geschätzten Gesamtkosten von rund Fr. 500'000.-- sind die</span><br/> <span class="ft1">Kosten der zusätzlichen neun Bewerber von Fr. 40'000.-- bis</span><br/> <span class="ft1">Fr. 75'000.-- für den Offertaufwand in Abzug zu bringen. Damit ver-</span><br/> <span class="ft1">bleiben für die Vergabestelle nach ihrer eigenen Schätzung ohne Be-</span><br/> <span class="ft1">schränkung der Teilnehmerzahl zusätzliche Kosten von höchsten</span><br/> <span class="ft1">Fr. 140'000.--. Dieser zusätzliche finanzielle Aufwand für das Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">344</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fahren erscheint bei einer Bausumme von Fr. 80 - 90 Mio. ohne wei-</span><br/> <span class="ft1">teres vertretbar. Im Interesse eines wirksamen Wettbewerbs wäre es</span><br/> <span class="ft1">im vorliegenden Fall wohl angezeigt gewesen, alle geeigneten Be-</span><br/> <span class="ft1">werber zur zweiten Verfahrensstufe zuzulassen und diesen die Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidung darüber, ob sie den mit der Offerterstellung verbundenen</span><br/> <span class="ft1">Aufwand erbringen wollen oder nicht, zu überlassen. Die Beschrän-</span><br/> <span class="ft1">kung auf das Minimum von drei zugelassenen Bewerbern jedenfalls</span><br/> <span class="ft1">lässt sich nicht rechtfertigen; sie verstösst gegen § 7 Abs. 2 SubmD,</span><br/> <span class="ft1">Art. 12 Abs. 1 lit. b IVöB und Art. X Ziff. 1 ÜoeB.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>