<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: GB.2000.00005</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=105689&amp;W10_KEY=13013580&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>GB.2000.00005</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 27.09.2000</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/Einzelrichter</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Steuerrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Steuerstrafverfahren</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Verletzung von Verfahrenspflichten Auch im Strafverfahren wegen Verletzung von Verfahrenspflichten hat die Angeschuldigte das Recht auf eine persönliche Einvernahme vor Erlass des Strafbescheids. § 244 Abs. 2 StG ist verfassungswidrig.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANHÃRUNGSPFLICHT">ANHÃRUNGSPFLICHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BUSSE">BUSSE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PERSÃNLICHE BEFRAGUNG">PERSÃNLICHE BEFRAGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTLICHES GEHÃR">RECHTLICHES GEHÃR</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: STRAFE">STRAFE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Steuerrecht UR: Nach- und Strafsteuern ST: STRAFSTEUER">STRAFSTEUER</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Steuerrecht UR: Nach- und Strafsteuern ST: VERFAHREN">VERFAHREN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERFAHRENSGARANTIE">VERFAHRENSGARANTIE</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 29 lit. II BV</span><br/><span class="gerade">Art. 6 EMRK</span><br/><span class="ungerade">§ 244 lit. II StG</span><br/><span class="gerade">§ 252 StG</span><br/><span class="ungerade">Art. 48 lit. II StGB</span><br/><span class="gerade">Art. 63 StGB</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. Um ein Steuerinventar Ã¼ber den Nachlass von J., verstorben im MÃ¤rz 1999, erstellen zu kÃ¶nnen, forderte das Steueramt der Stadt ZÃ¼rich den Erbenvertreter K. zweimal vergeblich auf, verschiedene Bankunterlagen des Verstorbenen einzureichen. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Auf eine Aufforderung des kantonalen Steueramts vom 14. Januar 2000, diese und weitere Unterlagen sowie die vollstÃ¤ndig ausgefÃ¼llten SteuererklÃ¤rungen 1998, 1999 A und B einzureichen, meldete sich L. am 4. Februar 2000 telefonisch und erklÃ¤rte, sie werde in Absprache mit ihrem Bruder die Erbenvertretung Ã¼bernehmen. MÃ¼ndlich wurde ihr die Frist bis Ende MÃ¤rz 2000 verlÃ¤ngert. Als die Unterlagen wiederum nicht eintrafen, verlang­te das kantonale Steueramt mit Schreiben vom 18. April 2000 deren umgehende Einreichung. Am 27. April 2000 meldete sich L. und teilte dem Steueramt mit, dass der Fall noch beim TreuhÃ¤nder in Bearbeitung sei. Am 30. Mai 2000 wurde eine erste Mahnung versandt. Der SteuerkommissÃ¤r versuchte, L. telefonisch zu erreichen, die in Aussicht gestellten RÃ¼ckrufe blieben jedoch aus. Eine zweite Mahnung, worin der Erbenvertreterin eine Busse angedroht wurde, erfolgte am 10. Juli 2000. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Mit Strafbescheid vom 14. August 2000 auferlegte das kantonale Steueramt L. wegen Verletzung von Verfahrenspflichten eine Busse im Betrag von Fr. 800.-.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Mit Schreiben vom 24. August 2000 stellte L. ein "Begehren um Erlass des Bussenentscheids". Das kantonale Steueramt Ã¼berwies das Begehren und die Akten am 30. Au­gust 2000 dem Verwaltungsgericht.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Hauptverhandlung vor dem Einzelrichter des Verwaltungsgerichts fand am 27. September 2000 statt. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Der Einzelrichter zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. Die Angeschuldigte und die Gemeinde kÃ¶nnen innert 30 Tagen seit der Zustellung des Strafbescheids beim Kantonalen Steueramt schriftlich Beurteilung durch das Ver­waltungsgericht verlangen (§ 252 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG]). Leidet die Untersuchung der SteuerbehÃ¶rden bzw. die Anklage an einem gravierenden Mangel, kann das Gericht ausnahmsweise seiner Untersuchungspflicht durch RÃ¼ckweisung an die VerwaltungsbehÃ¶rde nachkommen (Expertenkommission Steuerstrafrecht, Nachsteuer und Steuerstrafrecht, Muri-Bern 1994, S. 99; Felix Richner/Walter Frei/Stefan Kaufmann, Kommentar zum harmonisierten ZÃ¼rcher Steuergesetz, ZÃ¼rich 1999, VB 243-259 N. 78, § 254 N. 3).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. a) Bei der Busse wegen Verletzung von Verfahrenspflichten handelt es sich eben­so wie bei der Hinterziehungsbusse um eine echte kriminalrechtliche Strafe. Auf das Verfahren gelangen dementsprechend die Garantien der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonven­tion vom 4. November 1950, insbesondere Art. 6, zur Anwendung. Ebenfalls zu beachten sind die entsprechenden strafprozessualen GrundsÃ¤tze der Bundesverfassung, insbesondere der Anspruch auf rechtliches GehÃ¶r in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 19. April 1999 (BV; vgl. auch Roman Sieber in: Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht I/1, Basel und Frankfurt am Main 1997, Art. 55 StHG N. 23 mit weiteren Hinweisen; Richner/Frei/Kaufmann, VB 234-264 N. 6, § 234 N. 5). Zu diesen der Angeschuldigten zustehenden Rechten gehÃ¶rt nicht nur das Recht, sich zur Beschuldigung, zum Beweisergebnis und zum Strafantrag zu Ã¤ussern, sondern auch das Recht auf persÃ¶nliche Einvernahme. Die Angeschuldigte muss die Gelegenheit haben, sich im Verlauf des gesamten Verfahrens mindestens einmal mÃ¼ndlich zu Ã¤ussern (vgl. BGE 119 Ib 311 E. 7 S. 331 ff.; Richner/­Frei/Kaufmann, VB 243-259 N. 47), kann doch die mit der Angelegenheit befasste BehÃ¶rde nur so einen Eindruck von der PersÃ¶nlichkeit der Angeschuldigten gewinnen, die inneren TatumstÃ¤nde beurteilen (subjektiver Tatbestand, Verschulden, BeweggrÃ¼nde) und die unerlÃ¤sslichen Entscheidgrundlagen fÃ¼r die Strafzumessung (Gesundheitszustand, LebensumstÃ¤nde, Strafempfindlichkeit, Charakter) erhalten (Roman Sieber in: Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht I/2, Basel 2000, Art. 182 DBG N. 65; Martin Zweifel, Das rechtliche GehÃ¶r im Steuerhinterziehungsverfahren, ASA 60 [1991/92], S. 473). Da bereits die den Sachverhalt als erste zu untersuchende und zu beurteilende BehÃ¶rde das Verschulden der Angeschuldigten zu ergrÃ¼nden und gegebenenfalls in ihrem Strafbescheid zu berÃ¼cksichtigen hat, ist die Aussage der "mindestens einmaligen AnhÃ¶rung" dahingehend zu prÃ¤zisieren, dass eine persÃ¶nliche Befragung bereits im Verfahren vor dem kantonalen Steueramt erfolgen muss. Insofern gilt die zum alten Steuergesetz entwickelte Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts weiterhin (RB 1989 Nr. 41, 1991 Nr. 29). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Dass nach § 244 Abs. 2 StG die Einleitung des Strafverfahrens wegen Verletzung von Verfahrenspflichten direkt durch Erlass eines Strafbescheids erfolgen kann, verstÃ¶sst angesichts der Qualifizierung der Busse als echte kriminalrechtliche Strafe gegen hÃ¶­herrangiges Recht. Demzufolge ist die Angeschuldigte entgegen dem Wortlaut von § 244 Abs. 2 StG durch das kantonale Steueramt zwingend mindestens anzuhÃ¶ren und zu den persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnissen zu befragen. NÃ¶tigenfalls sind im Rahmen von § 248 f. StG weitere AbklÃ¤rungen vorzunehmen. Dadurch entstehende Kosten sind bei einem Schuldspruch der GebÃ¼ssten aufzuerlegen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) Nach wie vor gilt auch, dass die amtlich vorzuladende Angeschuldigte im Verfahren vor dem kantonalen Steueramt auf das Recht zur persÃ¶nlichen mÃ¼ndlichen Einvernahme verzichten kann. Ein solcher Verzicht darf etwa bei unentschuldigtem Fernbleiben angenommen werden. In einem derartigen Fall ist aufgrund der Akten zu entscheiden, sofern die Angeschuldigte in der Vorladung zur Einvernahme auf diese Folgen seines Verzichts aufmerksam gemacht wurde (RB 1990 Nr. 48). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>d) Im vorliegenden Fall ist die Angeschuldigte von der Abteilung Inventarkontrolle des kantonalen Steueramts nicht angehÃ¶rt worden, bevor diese einen Strafbescheid erlassen hat. Ein solches Vorgehen verletzt die den UntersuchungsbehÃ¶rden obliegende Untersuchungs- und AnhÃ¶rungspflicht. Bei einem solcherart erlassenen Strafbescheid entspricht die Strafzumessung nicht den gesetzlichen Vorgaben (Art. 48 Ziff. 2 und Art. 63 des Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937). Weder haben die nÃ¤heren UmstÃ¤nde und BeweggrÃ¼nde, noch das Vorleben oder die Ã¼brigen persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnisse, wie Einkommen und VermÃ¶gen, Familienstand, Familienpflichten, Beruf und Erwerb usw. erforscht werden kÃ¶nnen. Es hat der Vorinstanz am besonders fÃ¼r die Beurteilung der Schuld und Strafzumessung bedeutsamen Eindruck von der PersÃ¶nlichkeit der Angeschuldigten gefehlt, die nur aufgrund der mÃ¼ndlichen Aussage des Beschuldigten von der StrafbehÃ¶rde gewonnen werden kann (RB 1991 Nr. 29). Daher hat das kantonale Steueramt die Angeschuldigte <br/> - unter der Androhung, dass bei Fernbleiben aufgrund der Akten entschieden werde - anzuhalten, an einer mÃ¼ndlichen Einvernahme persÃ¶nlich zu erscheinen. AnlÃ¤sslich der mÃ¼ndlichen Befragung ist die Angeschuldigte Ã¼ber die ihr zur Last gelegte Verfehlung zu orientieren und sie ist zu ihrer Person und zur Sache zu befragen. Dabei sind sowohl die belastenden als auch die entlastenden Elemente gleichermassen durch die Untersuchung abzuklÃ¤ren und im Hinblick auf eine allfÃ¤llige Strafzumessung sind auch die persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnisse der Angeschuldigten zu beleuchten.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>e) Kommt die SteuerbehÃ¶rde nach ergÃ¤nzter Untersuchung zum Schluss, der Strafbescheid sei aufzuheben, kann sie von sich aus das Strafverfahren einstellen. Andernfalls sind die ergÃ¤nzten Akten unverzÃ¼glich an das Verwaltungsgericht zu Ã¼berweisen (§ 253 StG). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. ...</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>DemgemÃ¤ss verfÃ¼gt der Einzelrichter:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Anklage wird im Sinn der ErwÃ¤gungen einstweilen nicht zugelassen, und die Akten werden an das kantonale Steueramt, Inventarkontrolle, zurÃ¼ckgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2. ...</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>