B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4946/2012 U r t e i l v o m 1 5 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), alias C._______, geboren (…), und D._______, geboren (…), alias E._______, geboren (…), Eritrea, beide vertreten durch (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 21. August 2012 / N (…). D-4946/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Vater der Beschwerdeführenden ersuchte die Schweiz am 26. Oktober 2007 um Asyl. Mit Verfügung vom 14. August 2009 lehnte das BFM sein Asylgesuch ab, anerkannte ihn indessen aufgrund subjekti- ver Nachfluchtgründe als Flüchtling und gewährte ihm die vorläufige Au f- nahme in der Schweiz wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges. B. Mit Eingabe vom 10. Oktober 2011 reichte der Vater der Beschwerdefü h- renden ein Asylgesuch aus dem Ausland zugunsten der Beschwerdefüh- renden und zwei weiterer Kinder ([…]) ein. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass die Situa- tion in Eritrea für seine vier angeblich noch minderjährigen Kinder schwie- rig sei, da sie sich auf kein tragfähiges soziales Netz mehr abstützen könnten. Die Mutter der Kinder sei bei der Geburt des letzten Kindes (…) gestorben. Die Grossmutter sei mittlerweile alt und gesundheitlich stark angeschlagen, weshalb sie sich nicht mehr angemessen um die Kinder kümmern könne. Auch kämen alle demnächst ins militärdienstpflichtige Alter, womit ihnen eine unmenschliche Behandlung drohe. In der Anh ö- rung zu seinen Asylgründen am 20. Oktober 2008 habe er sich hinsich t- lich der Geburtsdaten seiner Kinder geirrt (vgl. A 9/8 S. 3; Geburtsjahre der Kinder damals: […]). Den drei dem Gesuch beiliegenden Taufurkun- den – jene von F._______ fehle leider – seien die richtigen Geburtsdaten zu entnehmen ([…]). Zur Stützung der Vorbringen wurde n eine Bestätigung der eritreischen Behörden, wonach die Mutter der vier Kinder an einer schweren Kran k- heit gestorben sei, und drei eritreische Taufurkunden zu den Akten g e- reicht. C. Am 10. November 2011 teilte das BFM dem Vater der Beschwerde füh- renden mit, aufgrund der zahlreichen Ungereimtheiten in den Akten sei davon auszugehen , dass drei der vier Kinder volljährig seien. Demen t- sprechend sei der Vater aufzufordern, innert Frist Vollmachten für die Ver- tretung dieser Kinder einzureichen. In Eritrea gebe es keine schweizeri- sche Vertretung, weshalb das Asylverfahren schriftlich und ohne Anhö- rung abzuwickeln sei. Da der entscheidrelevante Sachverhalt noch nicht gänzlich erstellt sei, werde dem Vater unter Fristansetzung Gelegenheit D-4946/2012 Seite 3 eingeräumt, Fragen hinsichtlich des Aufenthalts seiner Kinder in Eritrea, zu ihrer familiären Situation und ihren Fluchtgründen zu beantworten. D. Mit Eingabe vom 29. Februar 2012 nahm der Vater der Beschwerdefü h- renden innert erstreckter Frist Stellung und führte aus, die Beschwerd e- führenden hätten Eritrea anfangs Oktober 2011 illegal verlassen und wür- den sich gegenwärtig in G._______ bei seiner neuen Ehefrau, die er am (…) im Sudan geheiratet habe, aufhalten. Die anderen beiden Kinder se i- en immer noch in Eritrea, wo sie jedoch über kein tragfähiges soziales Netz mehr verfüg ten. Die vier Kinder würden bald für den Militärdienst aufgeboten werden, wo insbesondere den beiden beschwerdeführenden Töchter (recte: eine Tochter und ein Sohn) eine unmenschliche Behan d- lung aufgrund seiner illegalen Ausreise drohe. Die Beschwerdeführenden hätten sich in G._______ noch nicht beim UNHCR registrieren las sen. Der Aufenthalt im Flüchtlingscamp sei jedoch ohnehin unzumutbar. E. Mit Eingabe vom 15. März 2012 wurden zwei von den Beschwerdefü h- renden unterzeichnete Vollmachten zu den Akten gereicht. Mit Verfügung vom 9. Mai 2012 stellte das BFM fest, dass den ein gereichten Dokumen- ten kein e klar den Kindern zurechenbare Willensäusserung zu entne h- men sei , wonach diese aufgrund von asylrelevanten Nachteilen in der Schweiz um Schutz ersuchten. Mit Eingabe vom 4. Juni 2012 liess der Vater innert Frist die mit Eingabe vom 29. Februar 2012 eingereichte Stel- lungnahme von den Beschwerdeführenden unterzeichnet zu den Ak ten reichen. F. Mit Eingabe vom 6. Juli 2012 reichte der Vater der Beschwerdeführenden ein Gesuch um Familiennachzug für seine vier Kinder sowie für seine neue Ehefrau ein. G. Mit Verfügung vom 21. August 2012 – eröffnet am 27. August 2012 – ver- weigerte das BFM den Beschwerdeführenden und den beiden anderen Kindern die Einrei se in die Schweiz , lehnte ihre Asylgesuche aus dem Ausland ab und stellte fest, dass die Voraussetzungen für eine Familien- zusammenführungen nicht erfüllt seien . Über das Gesuch der Ehefrau werde später mit separater Verfügung entschieden. D-4946/2012 Seite 4 H. Mit Eingabe vom 2 0. September 2012 liessen die Beschwerdeführenden – handelnd durch ihren Vater – Beschwerde beim Bundesverwaltungsge- richt erheben und beantragten die Bewilligung der Einreise zwecks Durchführung des Asylverfahrens beziehungsweise die Gewährung von Asyl. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unen t- geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsve r- fahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. I. Mit Verfügung vom 10. Oktober 2012 stellte die zuständige Instruktion s- richterin fest, da ss über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zei t- punkt befunden und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzic h- tet werde. Des weiteren wurde festgehalten, dass sich das Beschwerd e- verfahren – die Beschwerdeeingabe bezieht sich eindeutig lediglich auf zwei der vier Kinder – auf die im Sudan verweilenden Kinder beschränke. J. In ihrer Vernehmlassung vom 18. Oktober 2012 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. K. Mit Einga be vom 5. November 2012 nahmen die Beschwerdeführenden zur Vernehmlassung des BFM Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e-D-4946/2012 Seite 5 rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, wesha lb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil ge- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wurden u n- ter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisherigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. 4. 4.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in d ie Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen and e- ren Staat auszureisen (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuch ende Person schutzbedürftig ist. D-4946/2012 Seite 6 Schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Ra s- se, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei - len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hin - weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 4.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus - setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit zur ander- weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungsmö g- lichkeiten in der Schweiz in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der b e- troffenen Personen, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärungen zugemutet wer- den kann. Die Einreise ist aber selbst im Falle einer allfälligen Schutzb e- dürftigkeit zu verweigern, wenn Asylausschlussgründe vorliegen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/10). 5. 5.1 Zur Begründung ihres Entscheides führte die Vorinstanz aus, d en Schilderungen der Beschwerdeführenden seien keine Hinweise auf ernstzunehmende Schwierigkeiten mit de n eritreischen Behörden zu ent- nehmen, wobei der Vater auch in seiner Eingabe vom 29. Februar 2012 darauf hingewiesen habe, die Kinder hätten in Eritrea keine konkreten Probleme gehabt (vgl. act. B7 S. 2). Anlässlich seines eigenen Asylg e- suchs habe er zudem andere Angaben bezüglich des Alters seiner Kinder und hinsichtlich des Vornamens des ältesten Kindes gemacht. Die vom Vater der Beschwerdeführenden diesbezüglich vorgebrachten Erkl ä-D-4946/2012 Seite 7 rungsversuche – er habe irrtümlich falsche Angaben gemacht – seien nicht überzeugend. Das BFM gehe vielmehr davon aus, dass drei der vier Kinder volljährig seien, wobei die eingereichten Geburtsurkunde n – da untaugliche Beweismittel – nichts an dieser Feststellung zu ändern ve r- möchten. Indessen sei aufgrund der mutmasslich illegalen Ausreise und der mögl i- cherweise bevorstehenden Militärdienstleistung zu prüfen, ob einer allfä l- ligen Asylgewährung ein Ausschlussgrund im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe. Entgegen den Vorbringen des Vaters der B e- schwerdeführenden sei der Aufenthalt im Flüchtlingscamp – unbesehen der schwierigen humanitären Situation – nicht per se als unzumutbar zu qualifizieren. Den Beschwerdeführenden stehe es frei, sich beim UNHCR registrieren zu lassen. Aufgrund der Volljährigkeit der Beschwerdefü hren- den und dem Umstand, dass sie mit der nunmehrigen Ehefrau des Vaters zusammenlebten sowie der Tatsache, dass sie offenbar den Lebensu n- terhalt ohne Unterstützung des UNHCR zu bestreiten vermöchten, sei ein weiterer Verbleib im Sudan zumutbar, weshalb die Beschwerdeführenden nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen seien. Anschliessend daran folgen Ausführungen der Vorinstanz zur Situation der sich nach wie vor in Eritrea befindenden Kinder, welche für das vo r- liegende Verfahren – da nicht Gegenstand d es Beschwerdeverfahrens – unwesentlich sind, weshalb diesbezüglich auf weitere Erörterungen ve r- zichtet werden kann. In der angefochtenen Verfügung vom 21. August 2012 führt die Vori n- stanz weiter aus, dass auch die Beurteilung des Gesuchs um Familie n- nachzug zu keinem anderen Ergebnis führe . Für die von der Vorinstanz als volljährig erachteten Kinder seien die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 1 AsylG ohnehin nicht er füllt. Des Weiteren könne den Akten en t- nommen werden, dass der Vater der Beschwerdeführenden seit 1997/1998 nur noch für kurze Zeit mit seinen Kindern zusammenge lebt und er 2003 Eritrea definitiv verlassen habe. Im Februar 2003 habe er sich mit einer anderen Frau nach Brauch verheiratet und gemeinsam mit ihr im Jahr (…) in der Schweiz um Asyl ersucht. Auf Gesuch hin sei diese neue Lebensgefährtin sowie deren Kind am (…) in seine Flüchtlingse i- genschaft einbezogen worden. Unbesehen davon, dass auch diese Fami- liengemeinschaft inzwischen nicht mehr bestehe, habe der Vater mit se i- nem Verhalten klar zu erkennen gegeben, dass er sich einer neuen Par t- nerschaft zugewandt habe , und die Familienangehörigen in Eritrea an D-4946/2012 Seite 8 wesentlicher Bedeutung verloren h ätten. Von einer tatsächlich gelebten Beziehung mit seinen Kindern könne seit 200 3 nicht mehr gesprochen werden, weshalb die Voraussetzungen von Art. 51 AsylG vorliegend nicht erfüllt seien. 5.2 Die Beschwerdeführenden hielten den Erwägungen der Vorinstanz entgegen, dass das Bundesverwaltungsgericht in Fällen, wo sich Frauen ohne weitere erwachsenen Familienmitglied er in einem Drittstaat befin- den und demnach hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und persönlichen Si- cherheit unter prekären Bedingungen leben müssen, den weiteren Verbleib im Aufenthaltsstaat als unzumutbar erachte und eine Einreis e- bewilligung erteile, sofe rn eine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben sei. Die Beschwerdeführen den seien, wie bereits mehrfach er- klärt, minderjährig; unabhängig davon seien sie als Frauen ohne männl i- che Familienangehörige besonders verletzlich. Die neue Ehefrau des Va- ters, welche am (…) eine gemeinsame Tochter zur Welt gebracht habe, sei nicht in der Lage, auch noch für die Beschwerdeführenden zu sorgen. Die neue Ehefrau sei nicht erwerbstätig, der Vater selber sei fürsorgeab- hängig, weshalb die soziale und finanzielle Situ ation äusserst prekär sei. Zudem gelte es – unter Hinweis auf zwei Berichte der Schweizeri schen Flüchtlingshilfe SFH (Entführungen im Sudan vom 3. Mai 2011 sowie Fa- miliennachzug über den Sudan in die Schweiz vom 16. Juni 2011) – auch zu berücksichtigen, da ss die Lage für eritreische Flüchtlinge im Sudan allgemein äusserst schwierig sei. Als alleinstehende junge Frauen seien die Beschwerdeführenden äusserst verletzlich, weshalb ein weiterer Verbleib im Flüchtlingscamp nicht zumutbar sei , und ihnen aufgrund d er Beziehungsnähe die Einreise in die Schweiz zu bewilligen sei. 5.3 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass es den B e- schwerdeführenden nicht g elungen sei, eine asylrelevante Gefährdung geltend zu machen. Selbst wenn die Beschwerdeführenden Eritrea illegal verlassen hätten, handle es sich hierbei lediglich um subjektive Nac h- fluchtgründe, gestützt auf welche keine Einreisebewilligung erteilt werden könne. Auch sei es dem Vater der Beschwerdeführenden nicht gelungen, die Ungereimtheiten hinsichtlich des Alters und Geschlechts der B e- schwerdeführenden auszuräumen. 5.4 In der Replik hielt der Vater der Beschwerdeführenden fest, er en t- schuldige sich noch einmal f ür die abweichenden Alter s- und G e- schlechtsangaben zu seinen Kindern. D._______ sei sein Sohn und nicht – wie fälschlicherweise in der Beschwerdeeingabe vom 20. September D-4946/2012 Seite 9 2012 festgehalten – seine Tochter. Diese Widersprüche seien auf Mis s- verständnisse und mangelnde Konzentration zurückzuführen. 6. 6.1 Hält sich die asylsuchende Person – wie im vorliegenden Fall – in ei- nem Drittstaat auf, bedeutet dies noch nicht zwingend, dass es ihr auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. In einem solchen Fall ist aber im Sinne einer Ve rmutung davon auszugehen, die betreffe n- de Person habe in diesem Drittstaat bereits den erforderlichen Schutz ge- funden, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und der Ve r- weigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnä he zur Schweiz abzuwägen (vgl. BVGE 2011/10). 6.2 Diesbezüglich ergibt eine Überprüfung der Akten, dass sich die en t- sprechenden Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung als zutreffend erweisen. Das BFM hat in seiner Verfügung vom 21. August 2012 richt i- gerweise festgehalten, dass infolge der hohen Anzahl eritreischer Flüch t- linge im Sudan deren Lage nicht einfach ist. Dennoch bestehen im vorlie- genden Verfahren keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass ein weiterer Verbleib im Sudan , wo die Beschwerdeführenden eigenen Angaben zufolge seit Oktober 2011 in einem Camp leben, nicht zumutbar oder nicht möglich ist. Auch geht die Vorinstanz richtig, wenn sie anmerkt, dass es den Beschwerdeführenden offensteht, sich beim UNHCR regis t- rieren zu lassen. Die vom Vater in der Beschwerde gemachten Einwände hinsichtlich der besonderen Verwundbarkeit der von keinem männlich en Familienmitglied begleiteten weiblichen Beschwerdeführenden können schon deshalb nicht gehört werden, da es sich bei einem der beiden B e- schwerdeführenden um einen Mann handelt. Diesbezüglich ist auch fes t- zuhalten, dass sich der Vater der Beschwerdeführenden bei ga nz grund- legenden Angaben zu seinen Kindern (Alter, Geschlecht, Name) meh r- mals diametral widersprochen hat. Unbesehen davon erübrigen sich diesbezüglich – im Lichte der nachfolgenden Erwägungen – weitere Erör- terungen. 7. 7.1 Das Schweizer Recht unterscheidet zw ischen zwei Kategorien von Flüchtlingen (vgl. zum Ganzen: WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r-D-4946/2012 Seite 10 sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.46 f. und 11.77): Es nennt die Flüchtlinge, denen Asyl gewährt worden ist und die in de n Genuss sämtlicher in der Flüchtlingskonvention und im Asylgesetz aufgelisteten Rechte kommen. Und es bezeichnet di e- jenigen Flüchtlinge, die aufgrund eines Ausschlussgrundes kein Asyl e r- halten und die aus der Schweiz weggewiesen werden. Da sie jedoch als gefährdet gelten, ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig und sie wer- den deshalb im Sinne einer Ersatzmassnahme in der Schweiz vorläufig aufgenommen (vgl. CHRISTINE AMANN, Die Rechte des Flüchtlings, B a- den-Baden 1994, S. 28 ff. und 86 ff.). Gemäss der j üngsten Praxis des Bundesverwaltungsgerichts entspricht es nun aber nicht der gesetzlichen Logik, Personen, die sich im Ausland befinden, die Einreise in die Schweiz zu gewähren, um sie anschliessend – trotz allfälliger Anerkennung als Flüchtlinge – aus der Schweiz wegz u- weisen (vgl. BVGE 2011/10). Aus diesem Grund ist die Einreise trotz al l- fälligen Bestehens der Flüchtlingseigenschaft und überwiegender Bezi e- hungsnähe zur Schweiz nicht zu bewilligen, falls die einreisewillige Pe r- son vom Asyl auszuschliessen ist. Die Flüchtlingskonvention enthält selbst nach weitester Interpretation kein Recht auf Einreise aus einem nicht an den Signatarstaat angrenzenden Land (vgl. AMANN, a.a.O., S. 151 ff.) – und dementsprechend ergibt sich in diesen Konstellationen auch keine Verpflichtung der Schweiz. 7.2 Gemäss Art. 54 AsylG ist vom Asyl auszuschliessen, wer allein au f- grund von subjektiven Nachfluchtgründen die Flüchtlingseigenschaft e r- füllt. Deshalb ist Asylsuchenden, die gemäss Art. 54 AsylG vom Asyl aus- geschlossen würden und die sich im Ausland befinden, die Einreise in die Schweiz grundsätzlich nicht zu bewilligen. Neben der reinen Logik des im Schweizer Recht für die vorläufige Aufnahme von Flüchtlingen vorges e- henen Verfahrens wird dieses Resultat auch durch die gebotene restrikti- ve Umschreibung der Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewi l- ligung und den den Behörden zustehenden weiten Ermessensspielraum gestützt. 7.3 Demzufolge kommt der Frage massgebliches Gewicht zu, ob die Pe r- son, die aus einem Drittstaat ein Asyl gesuch stellt, bereits im Zeitpunkt der Ausreise asylrechtlich relevante Verfolgung zu gewärtigen hatte (vgl. zum Ganzen BVGE D-3402/2011 vom 30. Oktober 2012). D-4946/2012 Seite 11 8. Demnach ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausge- setzt waren. 8.1 In der angefochtenen Verfügung vom 21. August 2012 stellte die Vor- instanz fest, das s dem von den Beschwerdeführenden geltend gemac h- ten Sachverhalt nichts zu entnehmen sei, was darauf hinweisen würde, dass ihnen im Falle einer Rückkehr nach Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten drohten. Auch habe der Vater der Beschwerdeführenden im Schreiben vom 29. Februar 2012 selbst darauf hingewiesen, dass die Kinder in Eritrea keine konkreten Probleme mit den Behörden gehabt hät- ten (vgl. B 7/3 S. 2). 8.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, dass sich die B e- schwerdeführenden als besonders verletzlich erwiesen und ihnen ein wei- terer Verbleib im Flüchtlingscamp aufgrund der prekär en Lebensbedi n- gungen nicht zu zumuten sei. 8.3 Eine Überprüfung der Akten ergibt, dass sich die betreffend der G e- fährdung im Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea gemachten Ausführungen der Vorinstanz als zutreffend erweisen. Den Akten sind keinerlei Hinweise zu entnehmen, die auf im Zeitpunkt ih- rer Ausreise aus Eritrea bestehende, ernstzunehmenden Schwierigkeiten im Sinne von Art. 3 AsylG hindeuten. Die Aussage des Vaters – "[a]lle meine Kinder haben als Minderjährige keine konkreten Probleme mit den Behörden gehabt" (vgl. B 7/3 S. 2) – bestätigt diese Feststellung. Die gel- tend gemachte Reflexverfolgung – den beiden Töchtern drohe aufgrund seiner illegalen Ausreise eine unmenschliche Behandlung, wenn sie ins Militär eingezogen würden (vgl. B 1/7 S. 4) – erschöpft sich in unsubstan- tiierten Ausführungen, ohne dass konkrete Hinweise auf eine objektiv b e- gründete Furcht glaubhaft gemacht worden wären. Im vorliegenden Ver- fahren liegen sodann insbesondere auch keine Hinweise vor, dass die mit der Durchsetzung der Dienstpflicht betrauten eritreischen Organe mit den Beschwerdeführenden in konkreten Kontakt getreten wären, die B e- schwerdeführenden einen Marschbefehl erhalten hätten oder gar dese r- tiert wären, weshalb auch diesbezüglich keine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG auszumachen ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 3). Angesichts der klaren Sachlage und des Umstands, dass diesbezüglich in der B e-D-4946/2012 Seite 12 schwerde nichts relevantes geltend gemacht wurde, erübrigen sich weite- re Ausführungen. Insbesondere kann im vorliegenden Verfahren auch offenbleiben, ob der mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, eingeführte Art. 3 Abs. 3 AsylG (" Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Weh r- dienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge ") im vorliegenden B e- schwerdeverfahren anzuwenden gewesen wäre. 8.4 Insgesamt ist damit festzuhalten, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, glaubhaft zu machen, sie hätten im Zeitpunkt der Au s- reise ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlebt oder solche zu befürchten gehabt. 8.5 Diesen Ausführungen gemäss und wie von der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung richtigerweise festgestellt, wären die Beschwerdefü h- renden, selbst wenn ihnen aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen – namentlich aufgrund der im Oktober 2011 erfolgten angeblich illegalen Ausreise aus Eritrea – die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen wäre, im Sinne von Art. 54 AsylG vom Asyl auszuschlies sen. Deshalb ist den B e- schwerdeführenden die Einreise in die Schweiz nicht zu bewilli gen (vgl. E. 7.1). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und a ngemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das BFM hat die Asylgesuche und Gesuche um Einreise in die Schweiz zu Recht abgelehnt. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerd e- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführen- den stellten in ihrer Beschwerde jedoch ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Gemäss dieser Bestimmung wird von der Erhe bung von Verfahrenskosten abg e- sehen, wenn die Partei nicht über die erforderliche n Mittel verfügt und i h- re Beschwerdevorbring en nicht aussichtslos erscheinen. Vorliegend ist D-4946/2012 Seite 13 von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden auszugehen. Nach dem Gesagten waren die Begehren auch nicht als aussichtslos zu bezeichnen. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist somit gutzuheissen und es sind keine Kosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-4946/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden , das BFM und die schweizerische Vertretung in Khartoum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: