B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1582/2012 U r t e i l v o m 2 8 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter Daniel Willisegger; Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 9. März 2012 / N (…). E-1582/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 25. Januar 2012 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass er anlässlich der Kurzbefragung im Empfangs - und Verfahrenszent- rum (EVZ) B._______ vom (…) im Wesentlichen vorbrachten, er habe sein Heimatland vor zirka anderthalb Jahren verlassen und sei zunäch st in den Iran gefahren, danach in die Türkei und von dort nach Grieche n- land gegangen, wo er neu n Monate geblieben sei, schliesslich nach Ö s- terreich gereist und nach fünf Monaten in die Schweiz gelangt, dass das BFM am 28. Februar 2012 die ungarischen Behörden um Über- nahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. c Verord- nung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt staatsangehörigen in einem Mitglie d- staat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin II -VO) ersuchten, wel- chem diese am 6. März 2012 entsprachen, dass nämlich gemäss Mitteilung der österreichischen Behörden vom 27. Februar 2012 Ungarn von Österreich u m Übernahme des Beschwe r- deführers ersucht wurde, welches Ersuchen die ungarischen Behörden am 28. September 2011 im Sinne von Art. 10 Abs. 1 Dublin II-VO guthies- sen, dass das Bundesamt in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf d as Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 9. März 2012 – eröffnet am 16. März 2012 – nicht eintrat, die Wegweisung nach Ungarn und den Wegweisungsvollzug anordnete und gleichzeitig feststellte, einer allfäll i- gen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, Ungarn sei g e- stützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweize- rischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asy l- antrags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.689) und das Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 zwische n der Schweizer i- schen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Königreich No r- wegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-E-1582/2012 Seite 3 Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung ein es in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags (Übereinkommen vom 17. Dezember 2004, SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig, dass die ungarische n Behörden der Rückübernahme des Beschwerde- führers zugestimmt hätten, dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung gemäss Art. 19 f. Dublin II-VO – bis am 6. September 2012 zu erfolgen habe, dass daher auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht einzutreten sei, dass der Beschwerdeführer in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor Rückschiebung im Sinn e von Art. 5 Abs. 1 AsylG f inden wür- de, weshalb das Non -Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat - oder Herkunftsstaats nicht zu prüfen sei, und ferner für den Fall einer Rück- kehr nach Ungarn keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Kon- vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) bestehen würden, dass weder die in Ungarn herrschende allgemeine Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diesen Staat sprechen würden, dass der Wegweisungsvollzug zudem technisch möglich und praktisch durchführbar sei, dass der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung mit Einga be vom 22. März 2011 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und in materieller Hinsicht beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe- ben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihr Recht zum Selbsteintritt au s- zuüben und sich für vorliegendes Asylgesuch für zuständig zu erklären, eventualiter sei die angefochtene Verfügung bezüglich der Zuständi g- keitsregelung aufzuheben und es sei anstelle der Zuständigkeit Ungarns die Zuständigkeit Österreichs anzuerkennen, dass er in prozessualer Hinsicht beantragte, der Beschwerde s ei im Si n- ne vorsorglicher Massnahmen die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen, E-1582/2012 Seite 4 dass um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses ersucht wurde, dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 26. März 2012 beim Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Re- gel – so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 - 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beso n- ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie- hungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde le- gitimiert ist , weshalb auf die frist - und formgerecht eingereichte B e- schwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich begründete Beschwerden in e inzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend – wie nachfolgend aufg e- zeigt – um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftwechsel verzich- tet wurde, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen (Art. 32 - 35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerd e-E-1582/2012 Seite 5 instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende i n einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass die Behörde gemäss Art. 12 VwVG gehalten ist, den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Untersuchungsgrundsatz), dass dem Bundesverwaltungsgericht eine umfassende Sachverhaltsko n- trolle obliegt, was bedeutet, dass vorinstanzliche Fehler in der Festste l- lung des rechtserheblichen Sachverhaltes eigenständig gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe geltend macht, er habe in Ungarn kein Asylgesuch gestellt, sei dort nicht registriert wo r- den, ein entsprechender Eurodac-Treffer fehle, dass vorliegend die Zustimmu ng Ungarns zur Rückübernahme des Be- schwerdeführers zwar feststeht, dass jedoch aus den Akten – wie in der Rechtsmitteleingabe zu Recht ge- rügt wird – in keiner Weise belegt ist , der Beschwerdeführer habe sich in Ungarn aufgehalten und dort ein Asylgesuch gestellt, dass damit auch die Zuständigkeit Ungarns zur Durchführung des vorlie- genden Asylverfahrens nicht feststeht, dass eine Heilung dieses Verfahrensfehlers durch das Bundesverwa l- tungsgericht auf Beschwerdeebene unangemessen erscheint (vgl. BGE 126 II 123), dass die Beschwerde demnach gut zuheissen, die angefochtene Verf ü- gung des BFM vom 9. März 2012 auf zuheben und die Sache zur Fes t- stellung des rechtserheblichen Sachverhaltes an die Vorinstanz zurüc k- zuweisen ist, dass bei dieser Sachlage der prozessuale Antrag auf Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung (der Beschwerde) hinfällig wird, E-1582/2012 Seite 6 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), dass eine obsiegende Partei Anspruc h auf eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten hat (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), dass dem im Rechtsmittelverfahren nicht ve rtretenen Beschwerdeführer geringe Kosten entstanden sein dürften, so dass von der Ausrichtung ei- ner Parteientschädigung abzusehen ist (Art. 7 Abs. 4 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) E-1582/2012 Seite 7 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gu tgeheissen und die Sache zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, an das BFM und an das Migrationsamt des Kantons C._______. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand: