Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Januar 2015 (725 14 231/08) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Rückweisung an Vorinstanz zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Nicolai Fullin, Advokat, indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen Helsana Unfall AG , Recht , Postfach , 8081 Zürich , Beschwerdege g- nerin Betreff Leistungen A. Die 1979 geborene A.____ ist seit dem 10. März 2 003 bei den Helvetia Versicherungen als kaufmännische Mitarbeiterin angestellt und in d ieser Eigenschaft bei der Helsana Versiche- rungen AG obligatorisch gegen die Folgen von Unfäll en versichert. Mit „Bagatell-Unfallmeldung UVG“ vom 26. Juni 2012 und „Schadenmeldung“ vom 6. Juli 2012 meldete die Arbeitgeberin, dass A.____ am 16. Juni 2012 hinten rechts in ein A uto habe einsteigen wollen und dabei erst mit dem linken Bein im Auto eingestiegen gewesen se i, als der Fahrer losgefahren sei. A.____ habe sich an der Tür festgehalten und sei ein paar Meter mitgeschleift worden. Ihr linkes Bein Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei abgeknickt, das ganze rechte Bein und der Rücken über den Boden geschleift worden und als der Fahrer angehalten habe, sei sie mit dem Rücken und dem Kopf auf den Boden gefallen. Nachdem sie nach Eingang der Unfallmeldung ihre gesetzl ichen Leistungen für die Folgen die- ses Ereignisses erbracht gehabt habe, habe die Helsana U nfall AG (Helsana) den Fall gemäss Schreiben vom 22. August 2013 an die Versicherte im November 2012 formlos abgeschlossen. Am 22. August 2013 meldete A.____ telefonisch einen R ückfall an. Am 10. Oktober 2013 ging der „Fragebogen für Rückfälle“ bei der Helsana ein. M it dessen Einreichung ersuchte A.____ die Helsana um erneute Ausrichtung von Versicherungsleistun gen im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 16. Juni 2012. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer Abklärungen lehnte die Helsana mit Verfügung vom 24. Janu- ar 2014 eine Leistungspflicht für den gemeldeten Rückf all mit der Begründung ab, dass zwi- schen den im Rückfall geltend gemachten Beschwerden und dem Unfallereignis kein Kausalzu- sammenhang bestehe. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 14. Februar 2014 wies die Helsana mit Einspracheentscheid vom 16. Juni 2014 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Advokat Nicolai Ful- lin, Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialver sicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die Helsana sei zu verpflichten, weitere Versicherungsleistungen für den Unfall vom 16. Juni 2012 zu erbringen. Eventualiter s ei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, weitere medizinische Abklärungen zur Kausalität der von der Beschwerdeführerin geltend ge- machten Beschwerden und dem Unfall vom 16. Juni 2012 zu tätigen und im Anschluss daran erneut über ihre Leistungspflicht zu entscheiden. Ausserd em sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Oktober 2014 beantra gte die Helsana die Beschwerde sei abzuweisen. D. Mit Schreiben vom 16. Oktober 2014 zog die Beschwerd eführerin ihr Gesuch um unent- geltliche Prozessführung zurück, da ihr von ihrer Rechtsschu tzversicherung Kostengutsprache für das Beschwerdeverfahren erteilt worden sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen B estimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ve rsicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Pratteln, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. D emzufolge ist auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 15. August 2014 einzutreten. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallversic herung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbestä nde dar (Art. 22 UVG; BGE 127 V 457 E. 4b, 118 V 297 E. 2d). Bei einem Rü ckfall handelt es sich um das Wiederauf- flackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglich- erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit o rganische oder psychische Veränderun- gen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbi ld führen können. Rückfälle und Spät- folgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis an (Kranken- und Unfall- versicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 3.1 Wie eingangs erwähnt, hat die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin ein Unfall- ereignis vom 16. Juni 2012 gemeldet. Nach Eingang der Unfallmeldung hat die Beschwerde- gegnerin ihre gesetzlichen Leistungen für die Folgen d ieses Ereignisses erbracht. Gemäss Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 22. August 2013 an die Versicherte hat sie im No- vember 2012 den Fall formlos abgeschlossen. Das Bundesger icht hat im Entscheid 132 V 412 ff. festgehalten, dass der Unfallversicherer, welcher die Einstellung der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) ohne Zusprech ung von Dauerleistungen (Invaliden- rente und/oder Integritätsentschädigung) beabsichtigt, den damit einhergehenden Fallabschluss nicht im formlosen Verfahren (Art. 51 Abs. 1 ATSG) behandeln darf, sondern vielmehr verpflich- tet ist, einen solchen Fallabschluss formell zu verfügen. Falls der Versicherer jedoch die (ganze oder teilweise) Verweigerung von Leistungen zu Unrech t nicht in Verfügungsform, sondern formlos mitgeteilt hat und die betroffene Person dami t nicht einverstanden ist, hat sie dies grundsätzlich innerhalb eines Jahres zu erklären. Diesfalls h at der Versicherer eine Verfügung zu erlassen, gegen welche Einsprache erhoben werden kan n. Ohne fristgerechte Intervention Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht erlangt der Entscheid rechtliche Wirksamkeit, wie wenn er zulässigerweise im Rahmen von Art. 51 Abs. 1 ATSG ergangen wäre (BGE 134 V 145). 3.2 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin den Fall we der mit Verfügung noch mittels formloser Mitteilung an die Versicherte abgeschlossen. Mit Schreiben vom 22. August 2013 an die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass der Fall im November 2012 abgeschlossen worden sei. Aus den Akten ist jedoch ein Fallab- schluss nicht ersichtlich. Somit hat auch keine Frist zu lauf en begonnen, innert der die Versi- cherte hätte gegen den Fallabschluss opponieren können. Ausserdem hat die Versicherte am 22. August 2013 und somit vor Ablauf eines Jahres nach de m angeblichen – formlosen – Fall- abschluss neue Versicherungsleistungen gestützt auf das Unfallereignis vom 16. Juni 2012 gel- tend gemacht. Somit ist davon auszugehen, dass der Fal l nicht rechtswirksam abgeschlossen wurde bzw. die Versicherte jedenfalls vor Ablauf eines Ja hres gegen den angeblichen Fallab- schluss im November 2012 opponiert hat. Demzufolge wären weitere Versicherungsleistungen nicht als Leistungen aus einem Rückfall, sondern als Leis tungen aus dem Grundfall von der Beschwerdegegnerin zu erbringen, sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. 4.1 Im Folgenden ist deshalb zu prüfen, ob die Beschw erdegegnerin nach Eingang der von der Versicherten am 22. August 2013 gemeldeten "Rückf allfolgen“ zu Recht die erneute Über- nahme von Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 16. Juni 2012 abgelehnt hat. 4.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt – unter anderem – vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s im Sinne einer Teilursache zu- sammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder g eistige Integrität der versicherten Per- son beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Wort en nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinwei- sen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer ge sundheitlichen Störung ein natür- licher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, w orüber die rechtsanwendende Behör- de – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswür- digung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Bew eisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eine s Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.3 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderli chen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des fortbestehenden Gesundheitsschadens darstellt, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfa llfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszusta nd erreicht ist, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustande s auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bede utung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachge wiesen sein. Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Bewei slast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicher- ten Person, sondern beim Unfallversicherer. Dieser muss j edoch nicht den Beweis für unfall- fremde Ursachen erbringen. Welche Ursachen ein nach w ie vor geklagtes Leiden hat, ist uner- heblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingt en Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefall en sind. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen , dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei v oller Gesundheit sei (Sozialversiche- rungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2008 UV Nr. 11 S. 35 E. 3.3 mit Hinweisen). Beizufügen ist, dass die Beweislastregel, wonach der Unfallversicherer u nd nicht der Versicherte die Beweis- last für das Dahinfallen der natürlichen Unfallkausalitä t trägt, erst Platz greift, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatze s und der Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwie gende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 5.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie insbe sondere der Feststellung natürli- cher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist di e rechtsanwendende Behörde re- gelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Ausschlaggebend für den Bewei swert eines ärztlichen Berichtes ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch d ie Bezeichnung der eingereichten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht o der Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinweisen). 5.2 Im Weiteren ist den im Rahmen des Verwaltungsverfa hrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund ein gehender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Berichte n versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen und (Akten-)Berichten von Sachverständigen, di e nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt werden, erkennt die Rechtsprec hung zwar ebenfalls Beweiswert zu. Es ist allerdings zu betonen, dass ihnen praxisgemäss nicht di eselbe Beweiskraft wie einem ge- richtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen Gutachten zukommt (BGE 135 V 469 E. 4.4 mi t Hinweis auf BGE 125 V 353. E. 3b/ee). Sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtig- keit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 6.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerd eführerin und der Frage der Unfallkausalität liegen die folgenden Berichte vor: 6.2 Die Versicherte war nach dem Unfallereignis vom 1 9. – 26. Juni 2012 bei Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Medizin, in Behandlung. Als Di agnose hielt er eine Kontusion am rechten Bein fest. Gemäss Schreiben von Dr. med. C.____, FMH Innere Medizin und Rheuma- tologie, vom 27. August 2013 habe die Beschwerdeführe rin anlässlich einer Konsultation im Oktober 2012 das Unfallereignis erwähnt und auch währ end der nachfolgenden Konsultationen mehrfach über Kniebeschwerden geklagt. Eine explizite U ntersuchung diesbetreffend habe je- doch bei ihr nie stattgefunden. Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie, veranlasste am 12. August 2013 ein MRI des linken Knies. Die radiolog ische Diagnose von Dr. med. E.____, FMH für med. Radiologie, vom 21. August 2013 gestützt auf das MRI vom 19. August 2013 lau- tete: „Kleinvolumiger Reizerguss. Kleine Femurtrochlea , welche medialseits von der Patella überragt wird. Keine chondralen, keine osteochondral en Defekte. Kreuzbänder, Seitenbänder und Menisci intakt. Keine entzündlichen Veränderungen der Gelenkskapseln im linken Kniege- lenk. Keine Usuren. Keine entzündlichen knöchernen Verä nderungen“. Auf Veranlassung von Dr. med.F.____, FMH Rheumatologie, wurde am 24. Okto ber 2013 ein MRI und CT des linken Oberschenkels angefertigt. Die radiologische Diagnose von Dr. med. G.____, FMH für med. Radiologie, vom 31. Oktober 2013 lautete: „Die umschri ebene, zirzinäre Verkalkung der Mark- raumregion am proximalen Femur ist benigner Natur und könnte mit einer reparativen Sklero- sierung bei Status nach alter Stressfissur sein. Kein Nac hweis eines Enchondroms oder einer Neoplasie.“ Ebenfalls auf Veranlassung von Dr. F.____ w urde am 27. November 2013 ein MRI des rechten Kniegelenks erstellt. Dabei wurde am 5. Dez ember 2013 folgende radiologische Diagnose von Dr. E.____ gestellt: „Minimaler Reizerguss. Das vordere Kreuzband zeigt lang- streckig eine minimale odematöse Verdickung und Kontrasten hancement, vereinbar mit einem Status nach vorderer Kreuzbandruptur in Restitution. H interes Kreuzband und Seitenbänder intakt. Menisci ohne Rissbildungen oder degenerativen Ver änderungen. Keine chondralen und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine osteochondralen Defekte. Kein Status nach Infraktu ren. Als Normvariante kleine Femur- trochlea, welche medialseits von der Patella überragt w ird. Minimales Ödem des Hoffafettkör- pers lateral unter dem Patellapol.“ Im Arztzeugnis UVG vom 13. Dezember 2013 äusserte Dr. F.____ als Diagnose einen Status nach Stressfissur proximaler Femur links, Status nach Ruptur des vorderen Kreuzbandes und Status nach Distorsion des OS G rechts grösser als links. Die Beschwerden seien auf den Unfall vom 16. Juni 2012 zurückzuführen. 6.3 Die Beschwerdegegnerin holte zur Beurteilung der Unfallkausalität der von der Versi- cherten als Rückfall gemeldeten Beschwerden eine Stellun gnahme bei Prof. Dr. med. H.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe gungsapparates, ein. In seinem Bericht vom 23. Januar 2014 bezeichnet der genannte Fa charzt einen natürlichen Kausalzu- sammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 16. Juni 2012 u nd den im Jahr 2013 geklagten Beschwerden als „möglich“. Anlässlich des Unfallereignisses vom 16. Juni 2012 hätten wohl diverse Körperkontusionen und Schürfungen stattgefunden. Eine wesentliche Unfallfolge im Sinne eines Bänderrisses, eines grösseren Hämatoms oder g ar einer Fraktur sei auch im MRI nicht nachgewiesen worden, „wobei mal das linke und m al das rechte Knie im Fokus gestan- den“ sei. In der Dokumentation werde einerseits eine sei t 2 Jahren andauernde Arbeitsunfähig- keit beschrieben, an anderer Stelle werde von rheumato logischer Erkrankung gesprochen, dann sei sogar ein Lupus erythematodes im Spiel. Eine Anmeldung bei der Invalidenversiche- rung laufe. Die letzten Angaben würden darauf hindeu ten, dass die Beschwerden überwiegend wahrscheinlich mit einer Krankheit in Zusammenhang gebr acht werden müssten. Von einem Rückfall oder Spätfolgen könne somit nicht die Rede sein. 7.1 Zu klären ist, ob die Kausalitätsfrage gestützt auf die vorliegenden ärztlichen Unterlagen beantwortet werden kann. Die Beschwerdegegnerin stützt e sich bei der Beurteilung des Ge- sundheitszustands der Beschwerdeführerin und der Frage d es Ursprungs der Beschwerden vollumfänglich auf den Bericht von Prof. H.____ vom 23. Januar 2014 und ging davon aus, dass ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 16. Juni 2013 und den von der Versicherten am 22. August 2013 als Rückfall vorg ebrachten Beschwerden „möglich“ und somit nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit er- stellt sei. 7.2 Vorweg ist festzuhalten, dass die medizinische Beweisla ge dürftig ist. Für Prof. H.____ steht die rheumatologische Erkrankung im Vordergrund, we shalb er die von der Beschwerde- führerin geklagten Beschwerden als wahrscheinlich krankhe itsbedingt wertet. Allerdings setzt sich Prof. H.____ mit den Kniebeschwerden nicht auseina nder und er erklärt auch nicht, wes- halb die Beschwerden nicht unfallkausal sein sollen. Es ist ausserdem nicht ersichtlich, ob Prof. H.____ die MRI vom 24. Oktober und vom 27. November 201 3 bzw. die sich daraus ergeben- den radiologischen Diagnosen vom 31. Oktober und vom 5 . Dezember 2013 sowie der Arztbe- richt von Dr. F.____ vom 13. Dezember 2013 vorgelegen haben. Jedenfalls werden diese Un- terlagen im Bericht von Prof. H.____ weder erwähnt – im Gegensatz zum MRI vom 19. August 2013 – noch bezieht sich Prof. H.____ auf die genannt en MRI und radiologischen Diagnosen. Als Bemerkung wird einzig angefügt, bei der Fallbeurt eilung hätten die Akten bis und mit Ein- gang 20. Januar 2014 vorgelegen. Eine Auseinandersetzu ng mit dem Unfallhergang und den Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegenden bildgebenden Unterlagen wird von Prof. H.____ nicht vorgenommen. Ebenfalls hat Prof. H.____ die Beschwerdeführerin nicht selbst untersu cht. Der von der Beschwerdeführerin geschilderte Unfallhergang und die heute geklagten Be schwerden bzw. die durch die bildge- benden Verfahren festgestellten Läsionen lassen die Unf allkausalität als möglich erscheinen. Dr. F.____ seinerseits geht davon aus, dass die heute geklagten Schmerzen im linken Knie auf die ödematöse Verdickung und Kontrastenhancement, ver einbar mit einem Status nach Kreuz- bandteilruptur am vorderen Kreuzband, und die am rech ten Bein geklagten Beschwerden auf den Status nach alter Stressfissur zurückzuführen seien. Er führt diese Verletzungen auf das Unfallereignis zurück und führt aus, dass die Schmerzen ke ine Folge von Krankheiten seien. Auch auf diese Ausführungen ist Prof. H.____ nicht eingegangen. 7.3 In der Summe bleiben daher gewisse Zweifel an de r Kausalitätsbeurteilung des Vertrau- ensarztes zurück. Dies umso mehr als zu berücksichtigen ist, dass es genügt, wenn das Unfall- ereignis eine Teilursache der heutigen Beschwerden dar stellt. Bei Beurteilungen durch versi- cherungsinterne Ärzte genügen bereits geringste Zweifel, um ihre Verbindlichkeit aufzuheben. Hinzu kommt, dass ein medizinischer Aktenbericht als Entschei dungsgrundlage lediglich zuläs- sig ist, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamn ese, Verlauf und gegenwärtigen Sta- tus ergeben und diese Daten unbestritten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_653/2009, E. 5.2 mit Hinweis). Dies ist vorliegend nicht der Fall. 8.1 Gemäss Bundesgericht stellt sich, wenn der Bericht ei ner versicherungsinternen oder - externen Stelle nicht schlüssig ist und wenn die offene Tatfrage nicht anhand anderer Beweis- mittel geklärt werden kann, das Problem, inwieweit die mit der Streitsache befasste Beschwer- deinstanz noch die Wahl haben soll zwischen einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung, damit diese eine neue oder ergänzende Expertise veranl asst, und der Einholung eines Ge- richtsgutachtens (BGE 137 V 210 E. 4.4.1). Bereits zuvo r hat das Bundesgericht festgehalten, dass den kantonalen Gerichten die Kompetenz zur vollen T atsachenüberprüfung zufällt, die sie nötigenfalls durch Einholung gerichtlicher Expertisen auszuschöpfen haben (BGE 136 V 376 E. 4.2.3). Schliesslich hat das Bundesgericht die bisherige st ändige Rechtsprechung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die freie Wahl hatte, be i festgestellter Abklärungsbedürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen oder aber selber zur Herstellung der Spruchreife zu schreiten (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.3), geändert. So hat es erkannt, dass es zwar nicht angebracht ist, in jedem Beschwerdefall auf der Grundlage eines Gerichtsgutachtens zu urteilen, doch drängt es sich auf, dass die Beschwerdeins tanz im Regelfall ein Gerichtsgut- achten einholt, wenn sie einen medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklä- rungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpert ise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an den Versicheru ngsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bi sher vollständig ungeklärten Frage be- gründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht unbenommen, eine Sache zurückzu- weisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Aus- führungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4) . Zu beachten sind zudem die Ausführun- gen des Bundesgerichts im hiervor zitierten BGE 137 V 21 0 ff., wonach eine weitgehende Ver- lagerung der Expertentätigkeit von der administrativen auf die gerichtliche Ebene sachlich nicht wünschbar ist. Die Rechtsstaatlichkeit der Versicherungsd urchführung litte empfindlich und wä- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht re von einem Substanzverlust bedroht, so das Bundesgericht, wenn die Verwaltung von vornhe- rein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit in jedem ver fügungsweise abgeschlossenen Sozial- versicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtli cher Nachbesserung unterliege (BGE 137 V 210 ff. E. 4.2). 8.2 Vorliegend erscheint eine Rückweisung der Streitsache an die Beschwerdegegnerin im Lichte der Praxis des Bundesgerichts als gerechtfertigt. A ufgrund des Beschwerdebilds kann nicht ausgeschlossen werden, dass die heutigen Schmerzen traumatischen Ursprungs sind. Die Frage des Kausalzusammenhangs wurde von der Beschwerdegeg nerin nur sehr rudimentär abgeklärt. Die gesundheitliche Situation der Beschwerd eführerin ist daher als nahezu ungeklärt zu betrachten. Die Beschwerdegegnerin ist damit ihrer Pflicht zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts nicht genügend nachgekommen, indem sie sich mit der Beurteilung des Vertrau- ensarztes zufriedengegeben hat. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 16. Juni 2014 ist deshalb aufzuheben und die Angelegenheit ist zur ern euten medizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird bei einem versicherungsexternen Facharzt oder einer versicherungsexternen Fachärztin ein Gutachten zur Klärung der Kausalität der Be- schwerden der Versicherten einzuholen haben. Gestützt au f die Ergebnisse des Gutachtens wird die Beschwerdegegnerin über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf weitere Versiche- rungsleistungen neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gut- zuheissen. 9. Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 61 lit . a ATSG). Gemäss dem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung. Der Rechtsvertreter hat gemäss Honorarnote vom 24. November 2014 einen Aufwand von 10 Stun- den und 35 Minuten ausgewiesen. Davon abzuziehen ist de r Aufwand von 40 Minuten, den der Rechtsvertreter im Zusammenhang mit der Rechtsschutzversicheru ng erbracht hat. Die Helsa- na hat folglich dem Rechtsvertreter ein Honorar in Höh e von Fr. 2‘745.20 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Ein- spracheentscheid der Helsana Unfall AG vom 16. Juni 201 4 aufgeho- ben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, damit sie, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, üb er den Leis- tungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Helsana Unfall AG hat der Beschwerdeführerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘745.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht