B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-3098/2014 U r t e i l v o m 1 8 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, Richter Michael Beusch, Gerichtsschreiber Beat König. Parteien A._______ AG, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung, Dienst für Informationsaustausch in Steuersachen SEI, Amtshilfe, Vorinstanz. Gegenstand Amtshilfe (DBA AT-CH). A-3098/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Schreiben vom 11. Juni 2013 stellte das Central Liaison Office for International Cooperation der österreichischen Steuerfahndung (im Fo l- genden: CLO) bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (nachfolgend: ESTV) gestützt auf Art. 26 des Abkommens vom 30. Januar 1974 zwi- schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Öste r- reich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Ste u- ern vom Einkommen und vom Vermögen (SR 0.672.916.31; im Folge n- den: DBA-AT) ein Amtshilfegesuch. Darin führte es insbesondere aus, es sei ihm bekannt, dass zwischen der österreichischen Staatsangehörigen B._______ und der A._______ AG mit Sitz in X._______ ein Dienstver- trag abgeschlossen worden sei . Nach den dem CLO zur Verfügung st e- henden Informationen verfüge B._______ in der Schweiz weder über eine Aufenthalts- noch über eine Arbeitsbewilligung, so dass anzunehmen sei, dass ihre Einkünfte aus diesem Dienstvertrag weder in der Schweiz noch in Österreich versteuert worden seien. Da der Verdacht bestehe, dass B._______ Fakten, Geschäftsvorfälle, Einkomme n, Produkte oder and e- res verheimlicht und sich an einer Steuerhinterziehung beteiligt haben könnte, werde in Österreich gegen sie ermittelt. Für die Jahre, welche Gegenstand der Ermittlung seien, habe B._______ in Österreich keine Steuererklärung eingereicht. Im Einzelnen ersucht das CLO um Antworten auf die Fragen, - ob B._______ vom 1. Juli 2009 bis 7. Juni 2013 bei der A._______ AG als Arbeitnehmerin beschäftigt war, - ob B._______ in der Schweiz Wohnsitz hat oder hatte, - ob B._______ in der Schwe iz über eine Arbeits - und/oder Aufen t- haltsbewilligung verfügt oder verfügt hat, - ob Einkünfte B._______s aus unselbständiger Arbeit bzw. Einkünfte aus einem Dienstvertrag zwischen der A._______ AG und B._______ versteuert wurden, - ob die A._______ AG als Arbeitgeberin registriert ist (und gegeb e- nenfalls seit wann dies der Fall ist), - ob die A._______ AG tatsächlich existiert (bzw. über einen G e- schäftsbetrieb verfügt) oder ob es sich bei ihr um eine Brief kasten- firma an der Adresse Y._______strasse in X._______ handelt, A-3098/2014 Seite 3 - welche anderen Unternehmen am Unternehmenssitz der A._______ AG tätig sind und ob sich im dortigen Gebäude Briefkastenfirmen b e- finden, - ob und gegebenenfalls in welcher Höhe die A._______ AG in der Schweiz Steuern entrichtet, - in welchem Geschäftsgebiet die A._______ AG tätig ist. Das CLO ersuchte weiter um Übermittlung von Kopien sämtlicher rel e- vanter Dokumente bezüglich des in Frage stehenden «Einkommens aus unselbständiger Arbeit oder sonstiger persönlicher Tätigkeit» B._______s (S. 6 des Amtshilfegesuches). Ferner erklärte es, alle üblichen Informati- onsquellen ausgeschöpft zu habe n, welche greifbar gewesen seien , um die verlangten Informationen einzuholen, «ohne das Risiko einzugehen, das Ergebnis der Ermittlungen zu g efährden» (S. 1 des Amtshilfeges u- ches). Schliesslich stellte das CLO in Aussicht, dass die ihm aufgrund des Ersuchens über mittelten Informationen nur gemäss der erwähnten B e- stimmung des DBA -AT verwendet und insbesondere soweit nach dieser Vorschrift erforderlich geheim gehalten würden. A.b Mit E-Mail vom 8. Juli 2013 machte das CLO weitere Ausführungen zu seinem Ersuchen und übermittelte der ESTV einen Auszug aus dem Zentralen Melderegister Österreichs betreffend B._______. B. B.a Am 15. August 2013 forderte die EST V die Steuerverwaltung des Kantons C._______ unter Beilage einer Kopie des Amtshilfegesuches auf, die hiervor erwähnten Fragen des CLO zu beantworten. Die kantona- le Steuerverwaltung des Kantons C._______ nahm mit Schreiben vom 30. August 2013 zu diesen Fra gen Stellung und reichte der ESTV einen Handelsregisterauszug betreffend die A._______ AG ein. B.b Mit Verfügung vom 16. September 2013 verlangte die ESTV von der A._______ AG Informationen betreffend die Fragen, ob B._______ im Zeitraum vom 1. Januar 2012 bi s zum 7. Juni 2013 im oder für den B e- trieb der A._______ AG tätig war, sie im Betrieb dieser Gesellschaft in dieser Zeitspanne Einkommen erzielt hat und welche Höhe dieses Ei n- kommen gegebenenfalls erreichte. Ferner ersuchte die ESTV um Angabe der aktuell g ültigen Adresse B._______s. Die A._______ AG antwortete darauf mit Schreiben vom 22. Oktober 2013. A-3098/2014 Seite 4 C. Mit Schreiben vom 4. März 2014 setzte die ESTV B._______ und die A._______ AG darüber in Kenntnis, welche Informationen sie dem CLO gestützt auf dessen Amtshilfeersuchen zu übermitteln beabsichtigt e. Zugleich gab sie ihnen Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. D. Nachdem die der A._______ AG angesetzte Frist zur freigestellten Ste l- lungnahme ungenutzt verstrichen war, erliess die ESTV (im Folgenden auch: Vorinstanz) gegenüber d ieser Gesellschaft die Schlussverfügung vom 6. Mai 2014, nach welcher die ESTV dem CLO Amtshilfe «betreffend [die] [A._______ AG ]» leistet (Dispositiv -Ziff. 1 d er Schlussverfügung). Nach Dispositiv -Ziff. 2 der Schlussverfügung übermittelt die ESTV dem CLO folgende «Unterlagen» betreffend die A._______ AG: «1. Existiert die Firma A._______ AG in X._______ tatsächlich (Geschäft s- betrieb) oder handelt es sich um eine Briefkastenfirma? Welche anderen Unternehmen sind am Unternehmenssitz der A._______ AG tätig? B e- finden sich in diesem Gebäude Briefkastenfirmen? Die A._______ AG existiert in der Schweiz und ist mit folgender Adres se registriert: Y._______strasse in X._______ . Bitte sehen Sie den Auszug aus dem Handelsregister. Ob es im Gebäude Briefkastenfirmen gibt, ist uns nicht bekannt. 2. Führt das Unternehmen A._______ AG in der Schweiz Steuern ab? (und in welcher Höhe) In we lchem Geschäftsgebiet ist das Unternehmen t ä- tig? Die A._______ AG ist im Kanton C._______ registriert und zahlt dort auch Steuern. Die Höhe der Steuern für das Jahr 2012 ist der Steue r- verwaltung noch nicht bekannt. In Bezug auf das Geschäftsgebiet der A._______ AG verweisen wir Sie auf den Auszug aus dem Handelsregister. 3. War Frau B._______ vom 1. Juli 2009 bis zum 7. Juni 2013 als Arbei t- nehmerin bei der A._______ AG beschäftigt? Die ersuchte Information dient zur Anwendung des innerstaatlichen Steuerrechts Österreichs. Artikel 26 DBA -AT-CH ist in diesem Fall für I n- formationen ab dem 1. Januar 2012 anwendbar. Aus diesem Grund kö n- nen wir die Frage nicht für die Zeit zwischen dem 1. Juli 2009 und 31. Dezember 2011 beantworten. Frau B._______ war im Zeitra um vom 1. Januar 2012 bis zum 7. Juni 2013 bei A._______ AG beschäftigt.» A-3098/2014 Seite 5 Gemäss Dispositiv-Ziff. 3 der Schlussverfügung wird die ESTV das CLO darauf hinweisen, dass «a. die unter Ziffer 2 genannten Unterlagen im ersuchenden Staat nur im Verfahren gegen Frau B._______, c/o Frau Dr. D._______ […], Öste r- reich, für den im Ersuchen vom 11. Juni 2013 genannten Tatbestand bzw. Tatbestände verwertet werden dürfen; b. die edierten Unterlagen wie Informationen, die nach dem innerstaatlichen Recht der Schweiz bescha fft wurden, geheim zu halten sind und nur Personen oder Behörden (einschliesslich der Gerichte und der Verwa l- tungsbehörden) zugänglich gemacht werden dürfen, die mit der Veranl a- gung, Erhebung oder Verwaltung, der Vollstreckung oder Strafverfolgung oder mit der Entscheidung von Rechtsmitteln hinsichtlich der unter das schweizerisch-österreichische Dop pelbesteuerungsabkommen vom 30. Januar 1974 fallenden Steuern befasst sind. E. Mit Beschwerde vom 5. Juni 2014 beantragt die A._______ AG (im Fol- genden auch: Beschwerdeführerin), die an sie gerichtete Schlussverf ü- gung der Vorinstanz vom 6. Mai 2014 sei aufzuheben und auf die Weite r- gabe von Informationen an das CLO sei zu verzichten. Eventualiter ve r- langt die Beschwerdeführerin, «die Antwort auf die Frage des CL O 'War Frau B._______ vom 1 Juli 2009 bis zum Juni 2013 als Arbeitnehmerin bei der A._______ AG beschäftigt?' sei aus den zu übermittelnden Info r- mationen zu streichen» (Beschwerde, S. 2). F. In ihrer Vernehmlassung vom 4. August 2014 beantragt die ESTV die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. G. Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereich- ten Unterlagen wird – sofern erforderlich – in den folgenden Erwägungen eingegangen. A-3098/2014 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des österrei- chischen CLO gestützt auf das DBA -AT zugrunde. Da das vorliegende Amtshilfegesuch am 11. Juni 2013, also nach dem Inkrafttreten des Bu n- desgesetzes vom 28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersachen (Steueramtshilfegesetz, StAhiG; SR 672.5) am 1. Februar 2013 eingereicht wurde, richtet sich die Durchführung dieses Abkommens nach diesem Gesetz (vgl. Art. 24 StAhiG e contrario). Vorbehalten bleiben abweichende Bestimmungen de s im vorliegenden Fall anwendbaren DBA-AT (vgl. Art. 1 Abs. 2 StAhiG). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Zu den beim Bunde s- verwaltungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehört damit auc h die Schlussverfügung der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe, insbesondere der Amtshilfe im Rahmen des DBA -AT (Art. 32 VGG e contrario, Art. 19 Abs. 1 StAhiG). Die Zuständigkeit des Bundesverwal- tungsgerichts zur Behandlung der Beschwerde ist somit gegeben. 1.3 Die Beschwerdeführerin erfüllt als Verfügungsadressatin die Vorau s- setzungen der Beschwerdebefugnis (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG in Verbi n- dung mit Art. 19 Abs. 2 StAhiG). Die Beschwerde wurde zudem form- und fristgerecht eingereicht (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) , so dass darauf einzutreten ist. 2. 2.1 Nach der heute geltenden Fassung von Art. 26 DBA-AT tauschen die zuständigen Behörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen aus, «die zur Durchführung dieses Abkomme ns oder zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fallenden Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Ab- kommen widerspricht» (Art. 26 Abs. 1 Satz 1 DBA-AT). Dabei ist der I n- formationsaustausch nicht durch Art. 1 DBA -AT, wonach das Abkommen für in einem Vertragsstaat oder in beiden Vertragsstaaten ansässige Pe r- sonen gilt, beschränkt (Art. 26 Abs. 1 Satz 2 DBA -AT). Zu den unter das Abkommen fallenden Steuern zählt namentlich die Einkommenssteuer in Österreich (vgl. Art. 2 DBA -AT, insbesondere Art. 2 Abs. 3 Ziff. 1 Bst. a DBA-AT). A-3098/2014 Seite 7 Art. 26 Abs. 3 DBA-AT enthält bestimmte Beschränkungen der Pflicht zur Leistung von Amtshilfe. So wird der ersuchte Vertrag sstaat von der Ve r- pflichtung enthoben, von den Gesetzen oder der Verwaltungspraxis des einen oder des anderen Vertragsstaates abzuweichen (Bst. a), oder I n- formationen zu erteilen, welche nach den Gesetzen oder im üblichen Verwaltungsverfahren eines der bei den Vertragsstaaten nicht beschafft werden können (Bst. b). Auch besteht gemäss Art. 26 Abs. 3 (Bst. c) DBA-AT keine Verpflichtung zur Erteilung von Informationen, «die ein Handels-, Geschäfts -, Industrie -, Gewerbe - oder Berufsgeheimnis oder ein Geschäftsverfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre public widerspräche». Freilich enthält die Art. 2 6 Abs. 3 DBA -AT vorgehende Vorschrift von Art. 26 Abs. 5 DBA -AT ihrerseits Einschränkungen der in ersterer B e- stimmung vorgesehenen Beschränkungen der Amtshilfeverpflichtung. So darf der ersuchte Vertragsstaat nach Art. 26 Abs. 5 DBA -AT die Leistung von Amtshilfe nicht «nur deshalb ablehnen, weil sich die Informationen bei einer Bank, einem sonstigen Finanzinstitut, einem Bevollmächtigten, Beauftragten oder Treuhänder befinden oder weil sie sich auf das Eige n- tum an einer Person beziehen» (Satz 1). In diesem Zu sammenhang räumt Art. 26 Abs. 5 Satz 2 DBA -AT den Steuerbehörden des ersuchten Staates die Befugnis ein, die Offenlegung entsprechender Informationen durchzusetzen. 2.2 Nach der früheren, mit dem Protokoll zur Änderung des DBA -AT vom 21. März 2006 ins DBA-AT aufgenommenen Fassung von Art. 26 DBA-AT (im Folgenden: aArt. 26 DBA -AT; vgl. dazu AS 2007 1253 ff., 1255 ) tauschten die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten «auf Verlangen die gemäss den Steuergesetzgebungen der Vertragsstaaten erhältlichen Auskünfte aus, die notwendig sind zur Durchführung dieses Abkommens sowie zusätzlich zur Durchführung des innerstaatlichen Rechts im Falle von Holdinggesellschaften, sofern unter das Abkommen fallende Steuern betroffen sind» (Abs. 1 Bst. a der Bestimmung). Daneben w urde nach aArt. 26 (Abs. 1 Bst. b Satz 1) DBA-AT auch zur Durchführung des inner- staatlichen Rechts bei Betrugsdelikten Amtshilfe gewährt. 3. 3.1 Art. 4 StAhiG mit der Überschrift «Grundsätze» sieht in Abs. 1 vor, dass Amtshilfe ausschliesslich auf Ersuchen gele istet wird. In der Bo t- schaft zum Erlass eines Steueramtshilfegesetzes vom 6. Juli 2011 wird festgehalten, dass diese Vorschrift unter anderem die spontane Amtshilfe-A-3098/2014 Seite 8 leistung grundsätzlich ausschliesst (BBl 2011 6193 ff., 6204). Unter spon- taner (internationaler) Amtshilfe ist die Informationsübermittlung an au s- ländische Behörden zu verstehen, die ohne oder ohne konkretes Ers u- chen erfolgt. Unterschieden werden kann dabei zwischen selbständiger bzw. antizipierter spontaner Amtshilfe, das heisst der spontanen Übermitt- lung von Informationen ohne vorgängiges Amtshilfeersuchen, und der e r- gänzenden spontanen Amtshilfe im Sinne einer zusätzlichen Amtshilf e- leistung im Rahmen eines bereits gestellten Amtshilfegesuches (vgl. zum Begriff der spontanen Amtshilfe BVGE 2010/26 E. 5.6, mit Hinweisen). 3.2 Nach Art. 3 Bst. a StAhiG gilt als betroffene Person diejenige Person, über die im Amtshilfeersuchen Informationen verlangt werden. Gemäss Art. 4 Abs. 3 StAhiG ist die Übermittlung von Informationen zu Personen, welche nicht vo m Ersuchen betroffen sind, nicht zulässig. In der erwähnten Botschaft zum Erlass eines Steueramtshilfegesetzes wird unter anderem Folgendes ausgeführt (BBl 2011 6193 ff., 6205; vgl. dazu auch AURÉLIA RAPPO/AURÉLIE TILLE, Les conditions d’assistance administ- rative internationale en matière fiscale selon la LAAF, in: RDAF 2013 II S. 1 ff., S. 14): «Es ist unzulässig, Informationen über Personen zu übermitteln, die offe n- sichtlich nicht von der zu untersuchenden Angelegenheit betroffen sind. D a- bei ist insbeson dere an Personen zu denken, die in Dokumenten über die betroffene Person zufällig auftauchen und mit dem Steuerzweck, zu welchem der ersuchende Staat die Informationen wünscht, in keinem Zusammenhang stehen, wie Bankmitarbeiter, Mitinhaberinnen von Konten oder Bevollmäc h- tigte. Daten über Vermögenszuflüsse und -abflüsse verraten regelmässig Angaben über Drittpersonen. Macht die Unterbindung dieser Informationen eine Amtshilfe wertlos, so kann eine Übermittlung erwogen werden. In di e- sem Fall erhalten diese Pe rsonen jedoch eine Beschwerdemöglichkeit (vgl. Art. 19 Abs. 2).» Die vorausgesetzte Betroffenheit ist nach der Botschaft also insbesond e- re zu verneinen, wenn die fragliche Person a) zufällig in den edierten U n- terlagen zur eigentlich betroffenen Person gena nnt wird und sie b) in ke i- nem Zusammenhang zu dem vom ersuchenden Staat mit dem Amtshilf e- gesuch verfolgten Steuerzweck steht. Dies hat a fortiori dann zu gelten, wenn mit dem Amtshilfegesuch auch über eine andere Person Informat i- onen verlangt werden als über die betroffene Person im Sinn des Amtshil- fegesetzes. Massgeblich ist bei alledem, ob c) die Unterbindung dieser Informationen über Nichtbetroffene eine Amtshilfe wertlos erscheinen las- sen; ist dies der Fall, so kann eine Übermittlung dennoch erwogen we r-A-3098/2014 Seite 9 den, aber nur wenn diesen die Rechte gemäss Art. 19 Abs. 2 bzw. Art. 14 Abs. 2 StAhiG eingeräumt werden und dem beschwerdeberechtigten Nichtbetroffenen gemäss Art. 17 Abs. 1 StAhiG eine Schlussverfügung eröffnet wird, in welcher die Amtshilfeleistung begrü ndet sowie der U m- fang der zu übermittelnden Informationen bestimmt werden. Das DBA -AT enthält keine diesen Vorschriften des StAhiG widerspr e- chenden Regelungen. 4. 4.1 Das vorliegend streitbetroffene Auskunftsersuchen des CLO nennt B._______ als betroffene Person sowie ihre Adresse. Die Beschwerd e- führerin wird im Gesuch als mutmassliche Informationsinhaberin bezeic h- net. Angegeben ist ferner, dass das Amtshilfegesuch zwecks Erhebung der Einkommenssteuer in Österreich im Z eitraum vom 1. Juli 20 09 bis 7. Juni 2013 gestellt wird. Gefordert werden Angaben zu den «Theme n- bereichen» «Einkommen aus unselbständiger Arbeit oder son stiger per- sönlicher Tätigkeit», «Beschäftigungs -/Leiharbeitnehmertätigkeiten» und «Zahlungen» (vgl. S. 5 des Auskunftsersuch ens). Im Einzelnen bittet das CLO um Antworten auf die hiervor in Bst. A.a genannten Fragen. Mit Blick auf den hier erwähnten Inhalt des Auskunftsersuchens sowie den im Gesuch geäusserten Verdacht, dass B._______ unversteuerte Einkünfte aus einem Dienstve rtrag erzielt habe, ist nach Treu und Gla u- ben davon auszugehen, dass das CLO e inzig bezüglich B._______ als betroffene Person (vgl. E. 3.2) um Amtshilfe ersucht und es in diesem Zu- sammenhang auch Informationen über die Beschwerdeführerin sowie andere Unternehmen am Unternehmenssitz der Beschwerdeführerin ve r- langt. Diese Annahme rechtfertigt sich auch deshalb, weil sich das G e- such nach seinem Wortlaut ausschliesslich auf die Einkommens -, nicht jedoch auf die Körperschaftssteuer bezieht. Auch nicht ansatzweise ist dem Amtshilfegesuch zu entnehmen, die Beschwerdeführerin weise ab- kommensrelevante steuerliche , allenfalls bislang zu Unrecht nicht b e- rücksichtigte Anknüpfungspunkte in Österreich auf. Zwar hat das CLO die Beschwerdeführerin im Gesuch auch unter dem Abschnitt «Informationen über die […] juristische Person […] im ersuchenden Staat» genannt (S. 3 f. des Gesuches) . Dies lässt indessen ebenso wenig wie der U m- stand, dass das CLO die schweizerische Firmenadresse der Beschwe r- deführerin in der Rubrik «Anschrift(en) im ersuchenden Staat» aufführte (vgl. S. 4 des Gesuches) , den Schluss zu, dass das CLO ein Amtshilf e- gesuch betreffend die Beschwerdeführerin gestellt hat. Denn es ist une r-A-3098/2014 Seite 10 findlich, weshalb das CLO an diesen Stellen des Gesuchformulars sin n- gemäss davon ausgeht, die Beschwerdeführerin habe ihren Sitz im ersu- chenden Staat Österreich , obschon es diesen Sitz ausdrücklich und zu Recht in Baar in der Schweiz verortete. 4.2 Nach dem Gesagten ist ausschliesslich von einem Amtshilfegesuch des CLO betreffend B._______ auszugehen. Die vorinstanzliche Anor d- nung, wonach die ESTV dem CLO «betreffend [die] A._______ AG» Amtshilfe leiste (Dispositiv -Ziff. 1 der Schlussverfügung), steht d eshalb mangels Amtshilfegesuches betreffend die Beschwerdeführerin im Wider- spruch zum gesetzlich verankerten Grundsatz, wonach Amtshilfe nur auf Ersuchen zu leisten ist (vgl. E. 3.1). Diese Anordnung liesse sich ebenso wie die daran anknüpfenden Dispositiv -Ziff. 2 und 3 der angefochtenen Schlussverfügung nur a ufrecht erhalten, wenn dieser Grundsatz vorli e- gend ausnahmsweise nicht greifen würde . Die Übermittlung der streitb e- troffenen Informationen an die österreichischen Behörden unter dem Titel «Amtshilfe betreffend die A._______ AG» liefe nämlich im Ergebnis dar- auf hinaus, dass unabhängig vom Auskunftsersuchen betreffend B._______ selbständige oder antizipierte spontane Amtshilfe betreffend die Beschwerdeführerin geleistet würde. Daran kann auch der mit Disp o- sitiv-Ziff. 3 der Schlussverfügung in Aussicht gestell te Hinweis an das CLO nichts ändern, dass die in Frage stehenden Informationen nur im Verfahren gegen B._______ verwertet werden dürfen. Es sind vorliegend keine Gründe ersichtlich, welche eine Ausnahme vom grundsätzlichen Verbot der spontanen Amtshilfe im Sinne von Art. 4 Abs. 1 StAhiG zulassen würden. Zum einen enthält weder das frühere noch das heute geltende einschlägige Abkommensrecht mit Österreich eine diesbezüglich vom Steueramtshilfegesetz abweichende Regelung (vgl. E. 2). Zum anderen sind dem Ersuchen des CLO keine Anhaltspunk- te zu entneh men, welche hinsichtlich der in der Schweiz inkorporierten Beschwerdeführerin auf steuerliche Anknüpfungspunkte in Österreich hindeuten und damit die Frage nach der Notwendigkeit spontaner Amts- hilfe überhaupt aufwerfen könnten. 4.3 Es ergibt sich somit, dass die angefochtene Schlussverfügung nicht rechtskonform und deshalb aufzuheben ist. Es darf keine Amtshilfe betref- fend die A._______ AG mit Sitz in X._______ geleistet werden. Die Fr a- ge, ob im Rahmen des Amtshil feverfahrens betreffend «B._______» mit Bezug auf die hier in Frage stehenden Informati o- nen eine Schlussverfügung gegen die Beschwerdeführerin als vom Ers u-A-3098/2014 Seite 11 chen nicht betroffene Person (vgl. Art. 4 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 StAhiG; E. 3.2) hät te ergehen dürfen, kann unter diesen Umstä n- den dahingestellt bleiben. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. 5. 5.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind der obsiegenden Beschwerd e- führerin und der Vorinstanz keine Verf ahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 VwVG). Der im vorliegenden Verfahren geleistete Kostenvo r- schuss von Fr. 2'500. - ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten. 5.2 Eine Parteientschädigung steht der obsiegenden Beschwerdeführerin nicht zu, da sie nicht anwaltlich vertreten ist und ihr durch die Beschwe r- deführung keine nennenswerten Kosten entstanden sind (Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 6. Gemäss Art. 83 Bst. h BGG kann dieser Entscheid auf dem Gebiet der in- ternationalen Amtshilfe in Steuersachen innerhalb von 10 Tagen nur dann mit Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten an das Bu n- desgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet das Bundesgericht. (Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.) A-3098/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Di e angefochtene Schlussverfügung der ESTV vom 6. Mai 2014 wird aufgehoben. Es wird keine Amtshilfe betreffend die A._______ AG mit Sitz in X._______ geleistet. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der im vorliegenden Verfah- ren geleistete Kostenvorschuss von Fr. 2'5 00.- wird der Beschwerdefü h- rerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückersta t- tet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde); – die Vorinstanz (Ref.-Nr. […]; Gerichtsurkunde). Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Riedo Beat König Rechtsmittelbelehrung: Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuersachen kann innert 10 Tagen nach Eröffnung nur dann beim Bu n- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grun d- sätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG han- delt (Art. 82, Art. 83 Bst. h, Art. 84a, Art. 90 ff. und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). In der Rechtsschrift ist auszuführen, warum die jeweilige Vorau s- setzung erfüllt ist. Im Übrigen ist die Rechtsschrift in einer Amtssprache A-3098/2014 Seite 13 abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angab e der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene En t- scheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: