Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. August 2022 (725 22 67 / 185) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beweiswert des versicherungsinternen Arztberichtes; Prüfung des Zeitpunkts des Fallab- schlusses Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1967, arbeitete ab 1. Januar 201 3 bei der B.____ AG als Chauffeur und war über seine Arbeitgeberin bei der Suva obligat orisch gegen Unfallfolgen versichert. Ge- mäss Unfallmeldung vom 18. September 2013 kam er am 9. Januar 2013 während der Arbeit auf Schnee ins Rutschen und verdrehte sich das rechte Knie. Di e ärztliche Erstbehandlung erfolgte am 22. Juli 2013, wo nach bildgebenden Abklärungen eine Meniskusläsion rechts diagnostiziert wurde. In der Folge erbrachte die Suva die gesetzlichen Versicherungsleistungen und übernahm Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht insbesondere die Kosten für eine arthroskopische partielle Meniskektomie, die im Oktober 2013 durchgeführt wurde. Die ärztliche Behandlung wurde im Dezember 2013 abgeschlossen. Am 19. März 2014 meldete der Versicherte bei der Suva einen Rückfall. Gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen verneinte die Suva mit Verfügung vom 29. April 2015 mangels Unfallkausalität ihre Leistungspflicht für die weitere medizinische Behandlung, namentlich für eine im Juni 2014 vor- genommene Umstellungsosteotomie. Dagegen erhob der Krankentaggeldversicherer von A.____ Einsprache. Mit Schreiben vom 14. April 2017 zog die Suva die angefochtene Verfügung zurück und sicherte dem inzwischen in C.____ wohnhaften Versiche rten die gesetzlichen Leistungen auch für den Rückfall zu. Im weiteren Verlauf erbracht e die Suva für die Folgen der sich entwi- ckelnden Gonarthrose immer wieder Leistungen, namentlich richtete sie Taggeldleistungen aus und übernahm die Kosten für eine stationäre Rehabilit ation. Mit Verfügung vom 6. November 2020 sprach sie ihm eine Integritätsentschädigung basier end auf einem Integritätsschaden von 15 % zu. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Mit Schreiben vom 5. Oktober 2021 teilte die Suva A.____ mit, dass durch eine weitere Behand- lung keine wesentliche Verbesserung des unfallbedingten Zustands mehr erreicht werden könne, weshalb sie die Übernahme der Heilbehandlung und die Ausrichtung von Taggeldern per 30. November 2021 einstellen und den Anspruch auf eine Rente ab 1. Dezember 2021 prüfen werde. Mit Verfügung vom 1. November 2021 verneinte sie den A nspruch auf eine Rente, da keine er- hebliche unfallbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit vorliege. Die dagegen vom Versi- cherten mit Eingabe vom 7. November 2021 erhobene Einsprache wies die Suva mit Einsprache- entscheid vom 25. Januar 2022 ab, im Wesentlichen mit d er Begründung, dass gemäss den übereinstimmenden Einschätzungen ihres Kreisarztes und von Dr. med. G.____ dem Versicher- ten in einer angepassten Tätigkeit eine vollschichtige Arbeit zumutbar sei. Stelle man dem beim letzten Arbeitgeber in der Schweiz erzielten indexbereinigten Lohn den Tabellenlohn gemäss LSE 2018, TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Männer, gegenüb er, so resultiere auch bei Gewährung eines leidensbedingten Abzugs von 5 % noch keine Erwe rbseinbusse, sodass ein Rentenan- spruch bei einem Invaliditätsgrad von 0 % abzulehnen sei. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit Eingabe vom 14. Februar 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht, und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Ausrichtung einer Rente. In der Begründung legte er dar, dass ihm ein Vollzeitpensum nicht zugemutet werden könne. Er habe verschiedene Arztberichte, aus denen hervorgehe, dass mit einer deutlichen Ver- schlechterung zu rechnen sei, wenn er diese Leistung auf dem Arbeitsmarkt erbringen müsste, was er auch schon versucht habe. Zudem gehe der Kreisar zt davon aus, dass die verwertbare Arbeitskraft mit vielen Einschränkungen verbunden sei, w eshalb die Verrichtung einer Arbeit im Rahmen des Zumutbaren nicht einem 100 % Pensum entspr echen könne. Die Arztberichte von Dr. G.____ seien in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit n ie ausführlich besprochen worden. Er habe angegeben, dass er in angemessenem Umfang in der Lage sei, die restliche Arbeitskraft zu tes- ten. Zusätzlich habe er keine Krankmeldung gebraucht, da er von der Niederlassung eine Betreu- erin gehabt habe, die mit ihm die beruflichen Perspektiven am Arbeitsmarkt besprochen und die versucht habe, ihm eine neue Anstellung zu verschaffen, was aber an seinen Einschränkungen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gescheitert sei. Er habe selbst eine neue Anstellung g efunden, die er aber aufgrund seiner Ein- schränkungen nur zu 50 % erfüllen könne. Er habe Tage, an denen es ihm schwerfalle, dieses Pensum durchzuhalten. So oder so komme er nicht ohne di e tägliche Einnahme von Schmerz- mitteln aus. Völlig ausser Acht gelassen werde, dass er durch die Schonhaltung des rechten Beines das linke so überbeanspruche, dass er da schon einen Meniskusriss erlitten habe. Durch die Schonhaltung seien das linke Knie und die Wirbelsäule geschädigt. Er frage sich, ob ein volles Arbeitspensum verhältnismässig sei, da er damit seine restliche Arbeitskraft gefährde und wieder einen Rückfall erleiden und zu 100 % ausfallen könnte. Hinzu komme, dass ein angestellter Arzt immer einen positiven Bericht zugunsten seines Unternehmens ausstelle. Er bekomme nicht ein- mal mehr ein Gespräch bei seinem Arzt und er könne auch nicht bei einem anderen Arzt vorspre- chen. Er müsse aber weiterbehandelt werden, um einer Verschlechterung entgegen zu wirken und den Erhalt der Restarbeitsfähigkeit nicht zu gefährden. C. Auf entsprechende Aufforderung hin teilte die Bes chwerdegegnerin mit Schreiben vom 8. März 2022 mit, dass gestützt auf ihre Akten davon auszugehen sei, dass sich der letzte schwei- zerische Wohnsitz des Beschwerdeführers in einer Gemeinde des Kantons Basel-Landschaft be- funden habe, womit die Zuständigkeit des angerufenen G erichts bejaht werden könne. Mit Be- schwerdeantwort vom 21. März 2021 beantragte die Beschwe rdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 22. März 2022 wurde die Angelege nheit dem Dreiergericht zur Be- urteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1, Art. 57 und 60 Abs. 1 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2 000 kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer über Versicherungsleistungen beim zuständigen kantonalen Versi- cherungsgericht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die betroffene versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hatte. Be findet sich der Wohnsitz der versi- cherten Person im Ausland, so ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz befand oder in dem ihr letzter schweizerischer Ar- beitgeber Wohnsitz hat (Art. 58 Abs. 2 ATSG, 1. Satztei l). Der Beschwerdeführer wohnt in C.____. Sein letzter schweizerischer Wohnsitz befand sich in E.____, Kanton Basel-Landschaft. Demnach ist das Kantonsgericht örtlich für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän- dig. Gemäss § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der V ersicherer, weshalb auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde einzutreten ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in ihre vorübergehenden Leistungen für das Unfallereignis vom 9. Januar 2013 zu Recht pe r 30. November 2021 einstellte und die Ausrichtung einer Rente ablehnte. 3.1 Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG sowie der Verordnung über die U nfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 in Kraft getreten. Versicherungsleist ungen für Unfälle, die sich vor dem In- krafttreten dieser revidierten Bestimmungen ereignet h aben, werden jedoch nach bisherigem Recht ausgerichtet (Übergangsbestimmung in Art. 118 Abs. 1 UVG). So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend noch auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug zu nehmen ist. 3.2 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfall und erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. A rt. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versi- cherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid ist. Gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG entsteht de r Rentenanspruch, wenn von der Fort- setzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfä llige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin. Die verunfallte Person hat solange Anspruch auf Heilbehand- lung, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstel- lung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitige r Prüfung des Anspruchs auf eine Invali- denrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (BGE 137 V 199 E. 2.1, 134 V 109 E. 4.1). Ob eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe d er zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Ver- wendung des Begriffes "namhaft" in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss (BGE 134 V 109 E. 4.3). Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positi- ven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchfüh- rung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prog- nostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesge- richts vom 17. Februar 2021, 8C_739/2020, E. 3 mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt zudem voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähig- keit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlich er Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle U mstände, ohne deren Vorhanden- sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ob zw ischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Ka usalzusammenhang besteht, ist eine Tat- frage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Ver waltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach d em im Sozialversicherungsrecht übli- chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.4 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen. Das Gericht h at diese nach dem für den Sozial- versicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch- tet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder d es Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Denno ch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be- stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf- zustellen (vgl. die ausführliche Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 f. E. 4.4 und 4.5). 4.1 Der entscheidwesentliche medizinische Sachverhalt prä sentiert sich wie folgt: 4.2 Dr. med. F.____, Facharzt für Orthopädische Chirur gie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates und Kreisarzt der Beschwerdegegnerin, untersuchte den Beschwerdeführer am 7. August 2020 persönlich. In seiner Beurteilung vom 11 . August 2020 (act. 239) führt er aus, dass der Versicherte am 9. Januar 2013 eine Läsion des me dialen Meniskus erlitten habe. Im weiteren Verlauf sei 2013 eine Teilmeniskektomie medialseitig erfolgt und dann bei zunehmender Varusfehlstellung im Jahr 2014 eine Tibiavalgisations osteotomie und im Jahr 2016 eine Me- tallentfernung der eingelegten Platte. Nun habe sich im Bereich des rechten Kniegelenks eine deutliche Varusgonarthrose gebildet. Gerade auf der aktuellen Röntgendiagnostik vom Mai 2020 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei diese eindeutig zu erkennen. Klinisch seien Ruhe- und Belastungsschmerzen vorhanden. Ins- gesamt bestehe eine gute Kompensation der Beschwerdesymptomatik. Das Streckdefizit von 5° im Bereich des rechten Kniegelenkes beeinträchtige den Ve rsicherten deutlich. Insgesamt sei aufgrund der klinischen und radiologischen Situation nun von einem medizinischen Endzustand auszugehen. Mit dem Versicherten sei die Situation ausführlich besprochen worden. Die Zumut- barkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bezogen auf da s rechte Kniegelenk sehe eine leicht bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit vor, die g anztags ausgeübt werden könne. Das Besteigen von kürzeren Trittleitern mit bis zu 10 Tritt en sei zumutbar. Nicht zumutbar seien das Besteigen von höheren Trittleitern oder Gerüsten, das Arbeiten in absturzgefährdeten Positionen und das Gehen in unebenem Gelände. Vibrationsbelastungen für die unteren Extremitäten seien ebenfalls nicht zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit besteh e im Rahmen des Zumutbaren. Aufgrund der unfallbedingten Problematik im Bereich des rechten Kniegelenks sei dem Versicherten die angestammte Tätigkeit als Lastwagenchauffeur nicht mehr im bisherigen Umfang zumutbar. Mit Email vom 14. August 2020 (act. 244) präzisiert Dr. F._ ___ seine Einschätzung auf Nachfrage der Administration dahingehend, dass "leicht bis mittelschwer" ein Gewicht von 15 kg bedeute. 4.3 Im Bericht vom 24. September 2020 (act. 260) diag nostiziert Dr. med. G.____, Facharzt für Allgemeinchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, eine posttraumatische Gonarthrose. Wei- tere Massnahmen zur Diagnostik und Heilbehandlung seien nicht erforderlich. Der Versicherte habe sich aufgrund von Schmerzen im rechten Kniegelenk vorgestellt und gebe an, dass die Schmerzen stetig zunehmen würden und er sich schon mit de m Gedanken, einen Oberflächen- ersatz vornehmen zu lassen, auseinandergesetzt habe. In Bezug auf die aktuellen klinischen Untersuchungsbefunde hält Dr. G.____ fest, dass keine Änderung zum Vorbefund bestehe. Bei Durchsicht der Kernspinbilder finde sich eine deutlich medial betonte Gonarthrose mit völlig auf- gebrauchtem Gelenkspalt, osteophytären Anbauten und Varusfehlstellung, Status nach Umstel- lungsosteotomie, lateralseits deutlich bessere Knorpelverhältnisse, allenfalls Grad 1, retropatellar 1-2. Der Versicherte sei weiterhin arbeitsfähig. Mit Bericht vom 8. Februar 2021 (act. 272) diag- nostiziert Dr. G.____ eine posttraumatische Gonarthrose. Der Versicherte benötige Schmerzmit- tel und Krankengymnastik. Er klage noch über Belastungssch merzen im Kniegelenk. Als Unter- suchungsbefund wird eine Kniegelenksbewegung Extension Flexion 0/15/90° festgehalten sowie eine Varusfehlstellung des Kniegelenks. Er verordnete eine neue Kniegelenksbandage und Tili- din sowie Physiotherapie. Der Versicherte sei arbeitsfähig. Im Bericht vom 12. Mai 2021 (act. 283) hält Dr. G.____ bei gleicher Diagnose fest, dass der V ersicherte über eine zunehmende Be- schwerdesymptomatik und eine Bewegungseinschränkung im rechten Knie klage. Klinisch zeige sich ein unauffälliger Befund am rechten Kniegelenk, keine Schwellung, kein Erguss, die Bänder seien stabil, keine Meniskuszeichen sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit Extension Flexion 0/10/90°. Der Versicherte berichte von zunehmenden Schm erzen im Laufe des Tages. Dr. G.____ attestiert erneut eine Arbeitsfähigkeit. Schliesslich berichtet er am 7. Juli 2021 (act. 292) bei gleichlautender Diagnose, dass der Versicherte subjektiv keinen wesentlichen Befundwandel angegeben habe. Weiterhin bestünden intermittierende Belastungsschmerzen, vor allem am Knie innenseitig. Als Befund hält er fest: "Knie rechts: Di skrete periartikuläre Schwellung. Minimaler Gelenkerguss suprapatellar. Extension Flexion 0/10/90°, e ndgradig schmerzhaft. Druckdolenz Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht über dem medialen Gelenkspalt. Bandapparat stabil. PD MS intakt". Die Arbeitsfähigkeit sei ge- geben. Mit Bericht vom 9. September 2021 (act. 296) st ellt Dr. G.____ fest, dass zu Lasten der gesetzlichen Unfallversicherung ab 7. Juli 2021 keine ärztliche Behandlung mehr erforderlich sei. 4.4 In der Folge unterbreitete die Beschwerdegegneri n Dr. F.____ die Berichte von Dr. G.____. Mit Aktennotiz vom 21. September 2021 (act. 297) kommt Dr. F.____ zum Schluss, dass der Endzustand am rechten Knie eingetreten sei. D ie neu eingegangenen medizinischen Unterlagen würden nichts an der Zumutbarkeitsbeurteilung vom 7. August 2020 ändern und den Berichten von Dr. G.____ seien keine wesentlichen medizi nischen Veränderungen zu entneh- men. 4.5 Schliesslich liegt der Bericht von Dr. G.____ vom 2 7. September 2021 (act. 300) bei den Akten. Bei gleichgebliebener Diagnose führt er aus, dass ein deutlich rechts hinkendes Gangbild bestehe. Die Beschwerden seien unverändert. Das Kniegele nk werde möglichst lange in einer Schonhaltung gehalten, um die Beschwerden gering zu hal ten. Der Bewegungsumfang betrage schmerzbedingt Extension Flexion 0/10/90°, danach seien die Schmerzen vor allem retropatellar unerträglich. Eine Arbeitsfähigkeit sei gegeben. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtene n Einspracheentscheid bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf die Beurt eilung von Dr. F.____. In Bezug auf den Beweiswert des kreisärztlichen Untersuchungsberichts vom 20. August 2020 ist festzuhalten, dass den Berichten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte rechtsprechungsgemäss nicht der- selbe Beweiswert zukommt wie einem im Verfahren nach A rt. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Diese internen Berichte sind aber zu berücksichtigen, wenn keine – auch nur geringen – Zwei fel an der Richtigkeit ihrer Schlussfol- gerungen bestehen. Bestehen derartige geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh- men (BGE 135 V 465 E. 4.4). 5.2 Es ist festzustellen, dass sich der kreisärztliche Untersuch ungsbericht von Dr. F.____ vom 20. August 2020 mit den bei den Akten liegenden me dizinischen Unterlagen auseinander- setzt. Dr. F.____ konnte seine Einschätzungen zudem nicht nur auf seine eigenen klinischen Befunde, die er anlässlich einer persönlichen Untersuchun g des Beschwerdeführers erhoben hatte, abstützen, sondern auch auf zuvor getätigte spezia lärztliche Abklärungsergebnisse (vgl. dazu Austrittsbericht der Klinik H.____ vom 21. Novembe r 2019, act. 174). Weiter nimmt der Kreisarzt eine nachvollziehbare Beurteilung des Erreichens des medizinischen Endzustands vor. Auch die Einschätzungen des Gesundheitszustands des rechten Kniegelenks sowie der unfall- bedingten Arbeitsfähigkeit erscheinen schlüssig. Wie von der Beschwerdegegnerin festgestellt, widersprechen die Berichte von Dr. G.____ den Ausführungen von Dr. F.____ nicht. Beide Fach- ärzte gehen vom Erreichen des medizinischen Endzustands aus und attestieren dem Beschwer- deführer eine Arbeitsfähigkeit. Auch den Akten der Be schwerdegegnerin können keine anders- lautenden medizinischen Einschätzungen entnommen werden. Auch reicht der Beschwerdefüh- rer keine Arztberichte ein, aus denen hervorgehen würde, dass eine angepasste Tätigkeit, wie sie von Dr. F.____ umschrieben wurde, zu einer Verschli mmerung des Gesundheitsschadens Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht führen würde. Es besteht damit grundsätzlich kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen von Dr. F.____ zu zweifeln. 5.3.1 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach der Versuch, ihm eine neue Anstellung zu verschaffen, aufgrund der Einschränkungen gescheitert sei, und er zwar selbst eine neue An- stellung gefunden habe, diese aber nur zu 50 % erfüllen könne, vermag die Beurteilung von Dr. F.____ nicht in Zweifel zu ziehen. Für die Bemessung d er Invalidität von erwerbstätigen Versi- cherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnah- men durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (In- valideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Ob eine versicherte Person tatsäch- lich eine leidensangepasste Tätigkeit findet, ist für die Bestimmung des Invaliditätsgrads und da- mit des Anspruchs auf eine Rente nicht von Relevanz. 5.3.2 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Beschwerdegegnerin lasse völlig aus- ser Acht, dass durch die Schonhaltung des rechten Beines da s linke Knie und die Wirbelsäule geschädigt worden seien. Den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten ist aber nicht zu entnehmen, dass das linke Knie und die Wirbelsäule durch die Schonhaltung geschädigt worden wären. Dem Bericht der Klinik H.____ vom 21. November 2019 sind als Diagnosen die bereits bekannte posttraumatische Gonarthrose rechts, ein Bela stungsschmerz bei operativ versorgter Meniskusruptur links vom 14. Oktober 2019 und eine Impingementsymptomatik beider Schultern bei Status nach Schulter-OP rechts und links in den Jahren 2007 und 2011 zu entnehmen. Wei- tere gesundheitliche Beschwerden wie das vom Beschwerdefü hrer vorgetragene Rückenleiden sind dort nicht aufgeführt. Aufgrund der Tatsache sodann, dass weder die Beschwerden im linken Knie noch die Schulterbeschwerden kausal auf das bei der Beschwerdegegnerin versicherte Un- fallereignis vom 9. Januar 2013 zurückzuführen sind, sind sie bei der Beurteilung der Zumutbar- keit der Restarbeitsfähigkeit von Dr. F.____ richtigerweise unberücksichtigt gelassen worden. 5.3.3 Schliesslich stellt der Beschwerdeführer die Unab hängigkeit von Dr. F.____ in Frage, indem er einwendet, es sei fraglich, ob dieser als Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin die Sache unabhängig beurteilen könne. Dazu ist festzuhalten, da ss der Versicherungsträger bei der Prü- fung der Begehren auch den Sachverstand versicherungsint erner medizinischer Fachpersonen einbeziehen darf (vgl. zum Ganzen BGE 135 V 465). Gerade aber wegen der Nähe der Kreisärzte zum Versicherungsträger werden erhöhte Anforderungen an die Qualität ihrer Beurteilungen ge- stellt und – wie bereits in Erwägung 6.1 hiervor ausgeführt – genügen bereits geringe Zweifel, um deren Beweiswert aufzuheben. Im vorliegenden Fall sind keine geringen Zweifel an den Beurtei- lungen von Dr. F.____ angebracht. Ein persönlicher Ausstandsgrund gegen Dr. F.____ wird we- der vom Beschwerdeführer geltend gemacht noch ist ein m öglicher Grund ersichtlich, so dass auch dieser Einwand nicht gehört werden kann. Damit ist zum Schluss zu gelangen, dass keine auch nur geringen Zweifel an der Beweiskraft der Beurteilung von Dr. F.____ angezeigt sind. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Da sowohl Dr. G.____ als auch Dr. F.____ feststell ten, dass vom medizinischen Endzu- stand auszugehen sei, ist nicht zu beanstanden, dass die B eschwerdegegnerin die vorüberge- henden Leistungen (Heilbehandlung und Taggelder) per 30. November 2021 einstellte. Weiter ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Prüfung des Rentenanspruchs gestützt auf die beweiskräftigen medizinischen Beurteilungen von Dr. F.____ vornahm. Es ist folglich da- von auszugehen, dass dem Beschwerdeführer ganztags eine leicht bis mittelschwere, wechsel- belastende Tätigkeit mit dem Besteigen von kürzeren T rittleitern mit bis zu 10 Tritten zumutbar ist. Nicht zumutbar sind das Besteigen von höheren Tritt leitern oder Gerüsten, das Arbeiten in absturzgefährdeten Positionen und das Gehen in unebenem Gelände. Vibrationsbelastungen für die unteren Extremitäten sind ebenfalls nicht zumutbar. 6. Gegen die konkrete Berechnung des Valideneinkommens g estützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin und die Ermittlung des Invalideneinkommens gestützt auf die LSE Ta- bellenlöhne 2018 sowie die konkrete Berechnung des Inv aliditätsgrads erhob der Beschwerde- führer keinen Einwand. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzuneh- men wäre, erübrigt sich eine detaillierte Auseinander setzung mit den vorgenannten Berech- nungsparametern. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentsch eid und in der Verfügung vom 1. November 2021 verwiesen werden. Nach dem Gesagten ist de r angefochtene Einspracheent- scheid vom 25. Januar 2022 nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist des- halb abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . Nach Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Da das UVG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Eine Parteientschädi gung wird dem Ausgang des Verfah- rens entsprechend nicht ausgerichtet. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht