<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp342736"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>106 IV 405<br/><br/><br/><div class="paraatf">99. Urteil des Kassationshofes vom 19. Dezember 1980 i.S. Generaldirektion PTT gegen T. (Nichtigkeitsbeschwerde)</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp343984"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf">1. <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span>; Art. 2 Abs. 5, 90, 103 Abs. 2 SVG; <span class="artref">Art. 1 Abs. 2 VRV</span>; <span class="artref">Art. 104 Abs. 4 SSV</span>. Parkierungsbeschränkungen im Parkraum der Schanzenpost in Bern. <div class="paratf"><span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span> bildet keine gesetzliche Grundlage zur Regelung des fahrenden und ruhenden öffentlichen Verkehrs auf den diesem zugänglichen Arealen der PTT durch mündliche Anordnungen des Postpersonals oder durch amtliche Anschläge. Die PTT-Betriebe können den öffentlichen Verkehr auf solchen Arealen nur gemäss <span class="artref">Art. 2 Abs. 5 SVG</span> und <span class="artref">Art. 104 Abs. 4 SSV</span> durch die in der SSV vorgesehenen Signale und Markierungen regeln (E. 1-4). Die Missachtung dieser Signale und Markierungen kann nicht im Verwaltungsstrafverfahren geahndet werden (E. 5). </div> <div class="paratf">2. <span class="artref">Art. 101 Abs. 2 VStrR</span>. </div> <div class="paratf">Das Gericht darf über die Entschädigung auch im Grundsatz erst befinden, nachdem es der Verwaltung Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben hat (E. 6). </div> </div> </div> <a name="idp189312"></a> <a name="idp395120"></a> <br/><div> <a name="idp407344"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 406</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page406"></a><div class="center pagebreak">BGE 106 IV 405 S. 406</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp409008"></a><span class="bold">A.- </span>1. Am Nachmittag des 12. Februar 1980 parkierte T. seinen Personenwagen während 14 Minuten auf dem Postkundenparkplatz der Schanzenpost in Bern. Während eines Teils dieser Zeit trank er in einer nahegelegenen Gaststätte einen Kaffee. Danach begab er sich zur Post, um seine Postsachen abzugeben.</div> <div class="paraatf">2. Der im Tiefparterre der Schanzenpost befindliche Parkraum weist folgende Signale und Anschläge auf:</div> <div class="paraatf">- bei der Einfahrt in den Parkplatz rechts auf Augenhöhe das Hinweissignal 4.17 (<span class="artref">Art. 48 Abs. 1 SSV</span>; Parkieren gestattet) mit der Zusatztafel unten "Nur für Postkunden 15 Minuten";</div> <div class="paraatf">- im Innern des Parkraums ungefähr in dessen Mitte je links und rechts erhöht dasselbe Hinweissignal mit den Zusatztafeln oben "Nur für Postkunden" und unten "15 Minuten";</div> <div class="paraatf">- an insgesamt drei Stellen im Innern des Parkraums auf Augenhöhe den Anschlag</div> <div class="paraatf">"Verbot (gestützt auf <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span>) <a name="page407"></a><div class="center pagebreak">BGE 106 IV 405 S. 407</div> </div> <div class="paraatf">Die Schweizerische Eidgenossenschaft (PTT-Betriebe) in Bern als Eigentümerin der neuen Schanzenpost in Bern, Parzelle Grundbuchblatt Nr. 1110, Kreis I, belegen hiermit diese Liegenschaft gegen jede Besitzesstörung mit Verbot. Insbesondere sind verboten:</div> <div class="paraatf">das Parkieren von Motor- und anderen Fahrzeugen irgendwelcher Art auf dem nur für Postkunden der Schanzenpost reservierten Areal über die maximal zulässige Parkzeit von 15 Minuten;</div> <div class="paraatf">die unbefugte Benützung der für das PTT-Personal reservierten Einstellhalle im 1. Untergeschoss;</div> <div class="paraatf">das Parkieren von privaten Fahrzeugen aller Art auf dem Areal der Postautostation auf der Plattform über den Geleisen;</div> <div class="paraatf">das Parkieren ausserhalb der markierten Parkfelder.</div> <div class="paraatf">Diese Verbote gelten Tag und Nacht, sowie an Sonn- und Feiertagen.</div> <div class="paraatf">Zuwiderhandelnde werden mit einer Busse von 20-100 Franken bestraft.</div> <div class="paraatf">Schadenersatzansprüche für Beschädigungen bleiben vorbehalten. Für Unfälle, welche aus Nichtbeachtung dieser Verbote entstehen, wird jede Haftung abgelehnt.</div> <div class="paraatf">3000 Bern, den 1. Februar 1976</div> <div class="paraatf">Namens des PTT-Betriebe</div> <div class="paraatf">Die Kreispostdirektion Bern</div> <div class="paraatf">Müller." - zwischen je zwei Parkplätzen links und rechts an den Längswänden des Parkraumes insgesamt vierzehnmal der rotumrandete, auf Augenhöhe angebrachte Anschlag</div> <div class="paraatf">"Parkieren nur für die Erledigung von Postgeschäften in der Schanzenpost</div> <div class="paraatf">gestattet; Parkzeit max. 15 Minuten. Dieses Verbot gilt Tag und Nacht</div> <div class="paraatf">sowie an Sonn- und Feiertagen. Kreispostdirektion Bern."</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp426128"></a><span class="bold">B.- </span>Am 25. Februar 1980 stellte die Kreispostdirektion T. einen Strafbescheid zu, in welchem sie ihn wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span> (SR 783.0) mit Fr. 20.-- büsste.</div> <div class="paraatf">Da die Busse nicht bezahlt wurde, leitete die Verwaltung das ordentliche Verwaltungsstrafverfahren ein. Die Kreispostdirektion Bern stellte T. am 19. März 1980 das Schlussprotokoll zu, und nachdem dessen Verteidiger die Aufhebung des Verfahrens beantragt hatte, erliess sie am 2. Mai 1980 eine im Schuld- und Strafpunkt dem früheren Strafbescheid gleiche Strafverfügung.</div> <div class="paraatf">T. erhob Einsprache und verlangte gerichtliche Beurteilung.</div> <div class="paraatf">Der Gerichtspräsident VIII von Bern sprach T. am 2. September 1980 von der Anschuldigung der Verletzung des PVG frei. Die Verfahrenskosten hatte der Staat zu tragen, und dem Angeschuldigten wurde eine Entschädigung zugesprochen, <a name="page408"></a><div class="center pagebreak">BGE 106 IV 405 S. 408</div>"wobei der Generaldirektion PTT eine Frist von 10 Tagen gemäss <span class="artref">Art. 101 Abs. 2 VStrR</span>" angesetzt wurde.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp434160"></a><span class="bold">C.- </span>Die Generaldirektion PTT führt Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das Urteil des Gerichtspräsidenten sei aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.</div> <div class="paraatf">T. beantragt Abweisung der Nichtigkeitsbeschwerde.</div> <br/><div> <a name="idp439984"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Das Bundesgericht zieht in Erwägung:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp440880"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span>Unbestritten ist, dass die Einstellhalle der Schanzenpost Bern den mit Motorfahrzeugen anfahrenden Postkunden und damit einem unbestimmbaren Personenkreis zur Verfügung steht. Es handelt sich somit um eine Verkehrsfläche, die dem allgemeinen Verkehr dient (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1980&amp;to_year=1980&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F101-IV-173%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page175">BGE 101 IV 175</a>, <a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1980&amp;to_year=1980&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F92-IV-10%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page11">BGE 92 IV 11</a>, <a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1980&amp;to_year=1980&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F86-IV-29%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page31">BGE 86 IV 31</a>; siehe auch SCHULTZ, Die strafrechtliche Rechtsprechung zum Strassenverkehrsrecht 1968-1972, S. 66 betreffend Abstellgarage über dem Bahnhof Bern; 1973-1977, S. 70 betreffend Parkgarage Elisabethen in Basel; siehe auch <a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1980&amp;to_year=1980&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F100-IV-98%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page99">BGE 100 IV 99</a>; für das deutsche Recht: BULLERT, Gehören Parkhäuser zum öffentlichen Verkehrsraum? in DAR 1963 S. 325 ff.; JAGUSCH, Strassenverkehrsrecht, 25. Aufl., § 1 StVO 2 N. 14).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp450096"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Die Generaldirektion PTT stellt sich auf den Standpunkt, der als Anhang zum VStrR erlassene <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span> ermächtige die PTT klarerweise, Verhaltensnormen anzuordnen, damit die reibungslose Abwicklung des Postbetriebs gewährleistet sei. Diese Sondernorm, die keinen Vorbehalt zugunsten des SVG und seiner Nebenerlasse enthalte, gelte auch für Anordnungen betreffend das Parkieren in der fraglichen Einstellhalle. Demgegenüber vertritt die Vorinstanz die Auffassung, die Bestimmungen des SVG und der dazugehörigen Verordnungen "überlagerten" die Vorschriften des PVG, wenn es um die Regelung des fliessenden oder ruhenden Verkehrs in den dem allgemeinen Verkehr offenstehenden Räumlichkeiten der PTT-Betriebe gehe.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp453952"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>Nach <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span> wird mit Busse bis zu Fr. 100.-- bestraft, wer auf Areal oder in Räumen oder Fahrzeugen, die dem Postbetrieb dienen, den mündlichen Anordnungen des Postpersonals oder amtlichen Anschlägen nicht Folge leistet. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend bemerkt, <a name="page409"></a><div class="center pagebreak">BGE 106 IV 405 S. 409</div>ist diese Bestimmung im Anhang zum VStrR erlassen worden. Sie enthält in der Tat keinen ausdrücklichen Vorbehalt zugunsten der ordentlichen Strassenverkehrsordnung. Aber ebensowenig weist sie ausdrücklich darauf hin, dass der öffentliche Motorfahrzeugverkehr auf Arealen und in Räumen der PTT durch mündliche Anordnungen des Postpersonals oder durch amtliche Anschläge unter Ausschluss der spezifischen Vorschriften des SVG und seiner Nebenerlasse geregelt werden wollte. Die parlamentarischen Beratungen ergeben keine für die Auslegung der Bestimmung nützlichen Hinweise. Einzig im Motivenbericht zum Vorentwurf der Expertenkommission des EJPD vom 10. Juli 1963 findet sich eine kurze Erläuterung, indem zu Art. 63 vermerkt wird: "Die Ordnungswidrigkeiten (bisher Art. 61) werden vermehrt tatbestandsmässig umschrieben" (S. 85). Dass damit wesentliche Neuerungen hätten eingeführt werden wollen, wurde mit keinem Wort gesagt. Zieht man aber den Art. 61 des PVG vom 2. Oktober 1924 (BS 7 S. 772) heran, so wird klar, dass der heutige <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span> aus Art. 61 Abs. 2 zweiter Satz ("wer in Postwagen oder in Postschalterräumen den dienstlichen Anordnungen des Postpersonals zuwiderhandelt") hervorgegangen ist, der seinem Wortlaut und Sinne nach zweifellos nicht den öffentlichen Motorfahrzeugverkehr betraf. Diesen berücksichtigt das Postverkehrsgesetz einzig im unverändert geltenden Art. 3 Abs. 3, wonach der Bundesrat für den Verkehr auf Bergstrassen allgemein verbindliche Fahrordnungsvorschriften erlassen kann, die für die Sicherheit der Fahrten der Post und der konzessionierten Unternehmungen notwendig sind. Gestützt auf <span class="artref">Art. 3 Abs. 3 PVG</span> wurde - ausdrücklich in Ergänzung des <span class="artref">Art. 62 MFV</span> (dem der heute geltende <span class="artref">Art. 45 SVG</span> entspricht) - der Bundesratsbeschluss vom 10. April 1953 über den Wagenverkehr auf Bergpoststrassen (SR 741.124) erlassen. Dessen Art. 6, wonach Widerhandlungen gegen den Bundesratsbeschluss nach <span class="artref">Art. 61 Abs. 2 PVG</span> zu ahnden sind, wurde durch <span class="artref">Art. 90 SVG</span> abgelöst (s. auch <span class="artref">Art. 107 Abs. 3 SVG</span>; s. die Fn. 1 zu Art. 6 des BRB), mit der Folge, dass die erwähnten Widerhandlungen nicht im Verwaltungsstrafverfahren, sondern im kantonalen Strafverfahren zu ahnden sind. Zudem enthalten auch <span class="artref">Art. 38 Abs. 3 VRV</span> sowie Art. 45 Abs. 2 und 111 Abs. 1 SSV Regeln betreffend die Bergpoststrassen. All dies weist darauf hin, dass der Gesetzgeber den den Postbetrieb <a name="page410"></a><div class="center pagebreak">BGE 106 IV 405 S. 410</div>berührenden Motorfahrzeugverkehr grundsätzlich der Ordnung des SVG und seiner Nebenerlasse hat unterstellen wollen. Hierfür sprechen überdies die im SVG und in der SSV enthaltenen besonderen Vorschriften über die Strassen und Grundstücke im Eigentum des Bundes:</div> <div class="paraatf">Nach <span class="artref">Art. 2 Abs. 5 SVG</span> bestimmen für Strassen im Eigentum des Bundes (worunter gemäss <span class="artref">Art. 1 Abs. 1 VRV</span> alle im Eigentum des Bundes stehenden, dem allgemeinen Verkehr offenstehenden Verkehrsflächen zu verstehen sind) die vom Bundesrat bezeichneten Bundesbehörden, ob und unter welchen Bedingungen der öffentliche Verkehr gestattet ist; sie stellen auch die erforderlichen Signale auf. In Ausführung dieser gesetzlichen Vorschrift wird in <span class="artref">Art. 104 Abs. 4 SSV</span> hervorgehoben, dass dem Bund die Signalisation auf seinen Strassen und Grundstücken Obliegt. Und weiter sieht <span class="artref">Art. 111 Abs. 2 SSV</span> vor, dass Verfügungen, durch die der öffentliche Verkehr auf Strassen und Grundstücken des Bundes beschränkt oder ausgeschlossen werden soll (<span class="artref">Art. 2 Abs. 5 SVG</span>), vom eidg. Departement, dem die mit der Verwaltung der Strasse und des Grundstückes betraute Amtsstelle oder Anstalt untersteht, getroffen werden. Die Generaldirektionen der SBB und der PTT-Betriebe werden ausdrücklich als für ihre Grundstücke zuständig erklärt. Sodann verlangt <span class="artref">Art. 111 Abs. 3 SSV</span>, dass solche Verfügungen im Bundesblatt unter Hinweis auf die Beschwerdemöglichkeit an den Bundesrat nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz zu veröffentlichen seien. Es kann nicht zweifelhaft sein, dass die genannten <span class="artref">Art. 2 Abs. 5 SVG</span> und 104 Abs. 4 SSV unter dem Begriff der Signalisation grundsätzlich die Kennzeichnung mit den Signalen der SSV meinen (<span class="artref">Art. 1 Abs. 1 und <artref id="CH/741.21/2" type="start"></artref>Art. 2 SSV</span><artref id="CH/741.21/1/1" type="end"></artref>, welche letztere Bestimmung in Abs. 3 einzig einen Vorbehalt zugunsten des militärischen Strassenverkehrs enthält; siehe auch die zahlreichen publizierten Anwendungsverfügungen z.B. BBl 1971 I, 1 S. 133<span class="artref">; <span class="bgeref_err">1971 I 2</span></span> S. 1294, 1980 II S. 263, 786).</div> <div class="paraatf">Allerdings sieht <span class="artref">Art. 112 SSV</span> für das Bahngebiet vor, dass Verkehrsverbote aufgrund der Gesetzgebung über die Bahnpolizei durch die in dieser Verordnung vorgesehenen Signale angezeigt werden "können", was besagt, dass die spezifisch bahnpolizeiliche Kennzeichnung die Regel und die Verwendung der Signale der SSV, über die sich die Bahnunternehmung mit der Behörde verständigt, fakultativ ist. Aus <span class="artref">Art. 112 SSV</span> liesse sich <a name="page411"></a><div class="center pagebreak">BGE 106 IV 405 S. 411</div>für den hier zu beurteilenden Fall indessen selbst dann nichts ableiten, wenn man diese das "Bahngebiet" (Marginale) betreffende Bestimmung analog auf Postgebiet anwenden wollte. Denn diese Bestimmung gestattet nicht die Verwendung von Zeichen, die in der SSV nicht vorgesehen sind, sondern sie erlaubt umgekehrt die Verwendung von Signalen der SSV in Fällen, in welchen nach den einschlägigen Erlassen grundsätzlich andere Zeichen verwendet werden.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp501296"></a><span class="bold" id="consideration_4.">4. </span><span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span> bildet nach dem Gesagten keine gesetzliche Grundlage zur Regelung des fahrenden und ruhenden öffentlichen Verkehrs auf den diesem zugänglichen Arealen der PTT durch mündliche Anordnungen des Postpersonals oder durch amtliche Anschläge. Die PTT-Betriebe können den öffentlichen Verkehr auf solchen Arealen nur gemäss <span class="artref">Art. 2 Abs. 5 SVG</span> und 104 Abs. 4 SSV durch die in der SSV vorgesehenen Signale, vor deren Anbringung das in der SSV vorgeschriebene Verfahren (vgl. insbes. Art. 111) einzuhalten ist, regeln. Da somit das Parkieren auf dem Parkplatz der Schanzenpost in Bern nicht mittels amtlicher Anschläge im Sinne von <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span> geregelt werden kann, hat sich der Beschwerdegegner, indem er diese Anschläge missachtete, nicht strafbar gemacht.</div> <div class="paraatf">Die Vorinstanz hat T. demnach zu Recht von der Anschuldigung der fahrlässigen Verletzung des Postverkehrsgesetzes freigesprochen. Die von der Generaldirektion PTT in der Nichtigkeitsbeschwerde dagegen erhobene Kritik ist unbegründet.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp509392"></a><span class="bold" id="consideration_5.">5. </span>Das Parkieren im Parkraum der Schanzenpost in Bern wird indessen, wie erwähnt, nicht nur durch amtliche Anschläge im Sinne von <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span>, sondern auch durch das Signal 4.17 (<span class="artref">Art. 48 Abs. 1 SSV</span>; Parkieren gestattet) und die Zusatztafel unten "Nur für Postkunden 15 Minuten" (so bei der Einfahrt) resp. durch das Signal 4.17 und die Zusatztafeln oben "Nur für Postkunden" und unten "15 Minuten" (so im Innern des Parkraums) geregelt.</div> <div class="paraatf">Der Gerichtspräsident VIII von Bern hat sich in seinen Urteilserwägungen auch mit dieser Signalisation auseinandergesetzt und hält dafür, dass T. sich an sie gehalten habe, da er Postkunde war und seinen Wagen 14 Minuten im Parkraum der Schanzenpost parkiert hatte. Die Rechtslage wäre nach Auffassung der Vorinstanz anders, wenn die Zusatztafeln im Sinne der SSV bestimmen würden, dass höchstens 15 Minuten <a name="page412"></a><div class="center pagebreak">BGE 106 IV 405 S. 412</div>und nur zur Erledigung von Postgeschäften und ausschliesslich während der Erledigung dieser Postgeschäfte parkiert werden dürfe; das sei aber nicht der Fall.</div> <div class="paraatf">Der Gerichtspräsident hat jedoch richtigerweise darauf verzichtet, T. im Urteilsdispositiv, das allein in Rechtskraft erwächst, auch vom Vorwurf der Verletzung von Verkehrsregeln (<span class="artref"><artref id="CH/741.01/27" type="start"></artref>Art. 27 und 90 SVG</span><artref id="CH/741.01/90" type="end"></artref>, <span class="artref">Art. 63 Abs. 3 SSV</span>) freizusprechen. Darüber konnte im Verwaltungsstrafverfahren, in dessen Rahmen das angefochtene Urteil gefällt worden ist, nicht entschieden werden. Die Verfolgung von Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung obliegt den Kantonen (<span class="artref">Art. 103 Abs. 2 SVG</span>); das Verfahren bestimmt sich - vorbehältlich des Ordnungsbussenverfahrens gemäss dem Bundesgesetz vom 24. Juni 1970 über Ordnungsbussen im Strassenverkehr (SR 741.03) - von Anfang an nach dem kantonalen Prozessrecht. Ein solches Verfahren wegen Widerhandlung gegen das SVG ist im vorliegenden Fall weder eingeleitet noch durchgeführt und abgeschlossen worden. Zudem könnte das Urteil des erstinstanzlichen Gerichts betreffend Widerhandlung gegen das SVG, auch wenn es nicht mit einem kantonalen Rechtsmittel wegen Verletzung eidgenössischen Rechts anfechtbar ist, nicht mit der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde angefochten werden (Art. 268 Ziff. 1 in fine BStP). Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin und des Beschwerdegegners zu Sinn und Bedeutung der Zusatztafeln "Nur für Postkunden", "15 Minuten" kann daher nicht eingetreten werden.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp525792"></a><span class="bold" id="consideration_6.">6. </span>Die Vorinstanz hat schliesslich entschieden: "Dem Angeschuldigten wird eine Entschädigung ausgerichtet, wobei der Generaldirektion PTT eine Frist von 10 Tagen gemäss <span class="artref">Art. 101 Abs. 2 VStrR</span> angesetzt wird." Die Beschwerdeführerin ficht diesen Urteilsspruch zu Recht als bundesrechtswidrig an. Gemäss <span class="artref">Art. 101 Abs. 2 VStrR</span> hat das Gericht, bevor es eine Entschädigung festsetzt, der beteiligten Verwaltung Gelegenheit zu gehen, sich zum Anspruch und seiner Höhe zu äussern und Antrag zu stellen. Im angefochtenen Entscheid hat jedoch die Vorinstanz über die grundsätzliche Begründetheit des Anspruchs bereits erkannt, ohne dass die Generaldirektion PTT hiezu angehört worden wäre. Das war unzulässig, denn nach der angeführten Bestimmung hatte die Beschwerdeführerin ein Recht darauf, bereits zum Grundsatz der Anspruchsberechtigung Stellung zu beziehen. Die Nichtigkeitsbeschwerde <a name="page413"></a><div class="center pagebreak">BGE 106 IV 405 S. 413</div>ist daher in diesem Punkt gutzuheissen und das angefochtene Urteil insoweit aufzuheben.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp532080"></a><span class="bold" id="consideration_7.">7. </span>Da die Generaldirektion PTT in bezug auf die Frage der Anwendung von <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 PVG</span>, welche den Hauptpunkt ihrer Nichtigkeitsbeschwerde bildet, unterliegt, hat sie dem Beschwerdegegner für das Verfahren vor Bundesgericht eine Prozessentschädigung von Fr. 500.-- zu bezahlen (<span class="artref">Art. 83 Abs. 1 VStrR</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 278 Abs. 3 BStP</span>).</div> <br/><div> <a name="idp538400"></a><span class="big bold" id="dispositiv">Dispositiv</span> </div> <br/><div class="paraatf">Demnach erkennt das Bundesgericht:</div> <div class="paraatf">Die Nichtigkeitsbeschwerde wird im Sinne der Erwägungen teilweise gutgeheissen, soweit auf sie eingetreten werden kann.</div> </div></body></html></html>