<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 8 S.42</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">42</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft1"><b>8</b></span> <span class="ft1"><b>Art. 84 SchKG.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Der Gesetzgeber hat mit dem in Art. 84 SchKG statuierten Beschleuni-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gungsgebot eine Einschränkung des rechtlichen Gehörs vorgesehen, so</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">43</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>dass der Rechtsöffnungsrichter nach Einholung der schriftlichen Stel-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>lungnahme des Betriebenen ohne Ansetzung einer Verhandlung und ohne</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Berücksichtigung nachträglich eingereichter Beweismittel seinen Ent-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>scheid fällen darf.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 19. Oktober</span><br/> <span class="ft2">2000 in Sachen N.A.B. gegen S. L.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. a) Gemäss Art. 84 Abs. 2 SchKG gibt der Rechtsöffnungs-</span><br/> <span class="ft4">richter dem Betriebenen sofort nach Eingang des Gesuches Gelegen-</span><br/> <span class="ft4">heit zur mündlichen oder schriftlichen Stellungnahme und eröffnet</span><br/> <span class="ft4">danach innert fünf Tagen seinen Entscheid. Diese Regelung lässt den</span><br/> <span class="ft4">Kantonen die Wahl zwischen dem schriftlichen und dem mündlichen</span><br/> <span class="ft4">Verfahren (Daniel Staehelin, Kommentar zum Bundesgesetz über</span><br/> <span class="ft4">Schuldbetreibung und Konkurs, Basel/Genf/München 1998, N. 41 zu</span><br/> <span class="ft4">Art. 84 SchKG mit Hinweisen). Aus der Formulierung geht klar her-</span><br/> <span class="ft4">vor, dass der Bundesgesetzgeber für das im Summarverfahren abzu-</span><br/> <span class="ft4">wandelnde Rechtsöffnungsverfahren im Vergleich zum ordentlichen</span><br/> <span class="ft4">Verfahren auch in Bezug auf den Gehörsanspruch Einschränkungen</span><br/> <span class="ft4">vornehmen wollte. Hätte der Bundesgesetzgeber den Parteien das</span><br/> <span class="ft4">volle rechtliche Gehör gewähren wollen, so hätte er den Rechtsöff-</span><br/> <span class="ft4">nungsrichter nicht dazu angehalten, seinen Entscheid in der kurzen</span><br/> <span class="ft4">Frist von fünf Tagen zu erlassen. Der Anspruch auf Gewährung des</span><br/> <span class="ft4">vollen rechtlichen Gehörs und das Beschleunigungsgebot gemäss</span><br/> <span class="ft4">Art. 84 Abs. 2 SchKG sind nicht miteinander vereinbar. In diesem</span><br/> <span class="ft4">Interessenkonflikt hat sich der Gesetzgeber klar für die zeitliche Be-</span><br/> <span class="ft4">schleunigung und damit die Beschränkung des rechtlichen Gehörs</span><br/> <span class="ft4">ausgesprochen. Darauf weist auch die Verwendung des Wortes "da-</span><br/> <span class="ft4">nach" in der erwähnten Bestimmung hin. Nach Eingang des Gesuchs</span><br/> <span class="ft4">ist der Gegenpartei Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme zu</span><br/> <span class="ft4">geben oder es ist zu einer mündlichen Verhandlung vorzuladen. Das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">44</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">kantonale summarische Verfahren stellt dem Ermessen des Summar-</span><br/> <span class="ft4">richters anheim, welchen dieser beiden Wege er wählt (§ 292 ZPO).</span><br/> <span class="ft4">b) Bei der gesetzlich genannten Frist von fünf Tagen zur Eröff-</span><br/> <span class="ft4">nung des Entscheids handelt es sich um eine Ordnungsvorschrift, die</span><br/> <span class="ft4">gemäss Lehre und Praxis nur dahin ausgelegt werden kann, dass</span><br/> <span class="ft4">Art. 84 SchKG jeden Verfahrensaufschub verbietet (Staehelin, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">N. 62 zu Art. 84 SchKG mit Hinweisen). Damit im Einklang steht</span><br/> <span class="ft4">auch Art. 82 Abs. 2 SchKG, gemäss welchem der Betriebene Ein-</span><br/> <span class="ft4">wendungen, welche die Schuldanerkennung entkräften, <i>sofort</i> glaub-</span><br/> <span class="ft4">haft zu machen hat. Unter diesem Aspekt sind die Beweismittel, die</span><br/> <span class="ft4">von den Parteien angerufen werden können, beschränkt (Staehelin,</span><br/> <span class="ft4">a.a.O., N. 56 zu Art. 84 SchKG mit Hinweisen). Im provisorischen</span><br/> <span class="ft4">Rechtsöffnungsverfahren gelangen von Bundesrechts wegen grund-</span><br/> <span class="ft4">sätzlich alle Beweismittel zur Verwertung, soweit das Rechtsöff-</span><br/> <span class="ft4">nungsverfahren dadurch keine Verzögerung erfährt. Der Rechtsöff-</span><br/> <span class="ft4">nungsrichter wird aber aufgrund des Rechtsöffnungsbegehrens oder</span><br/> <span class="ft4">einer Stellungnahme des Betriebenen keine Beweisanordnung im</span><br/> <span class="ft4">Sinne von § 205 ZPO erlassen und gestützt darauf Zeugen vorladen,</span><br/> <span class="ft4">da ein derartiges Vorgehen wegen der damit verbundenen zeitlichen</span><br/> <span class="ft4">Verzögerung Art. 84 SchKG verletzte. Hingegen hat er die an der</span><br/> <span class="ft4">Gerichtsverhandlung oder im schriftlichen Verfahren offerierten und</span><br/> <span class="ft4">sofort abnehmbaren Beweismittel zu berücksichtigen. Auf diese Wei-</span><br/> <span class="ft4">se ist gewährleistet, dass der Betriebene Einwendungen im Sinne von</span><br/> <span class="ft4">Art. 82 Abs. 2 SchKG sofort glaubhaft machen kann.</span><br/> <span class="ft4">c) Aus vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass die Vorin-</span><br/> <span class="ft4">stanz nach Einholung der Stellungnahme (Klageantwort) beim Be-</span><br/> <span class="ft4">klagten auf die Ansetzung einer Verhandlung verzichten durfte. Das</span><br/> <span class="ft4">rechtliche Gehör wurde dadurch nicht verletzt. Falls keine Verhand-</span><br/> <span class="ft4">lung durchgeführt wird, hat der Schuldner, der seine Einwendungen</span><br/> <span class="ft4">mit Zeugenbeweis führen will, in der Klageantwort schriftliche Er-</span><br/> <span class="ft4">klärungen dieser Personen einzureichen (Staehelin, a.a.O., N. 56 zu</span><br/> <span class="ft4">Art. 84 SchKG mit Hinweisen), auch wenn der Beklagte in der Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde zu Recht darauf hinweist, dass die vorgängige Kontaktie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">rung von Zeugen und Einholung von schriftlichen Erklärungen einen</span><br/> <span class="ft4">negativen Einfluss auf den Beweiswert der Aussagen haben kann</span><br/> <span class="ft4">(Beschwerde S. 5). Allerdings stellt diesbezüglich das Gewicht der</span><br/> <span class="ft4">Zeugenaussage unter Strafdrohung in einem späteren Prozess nach</span><br/> <span class="ft4">wie vor ein genügendes Gegengewicht dar. Ein Anspruch auf Durch-</span><br/> <span class="ft4">führung einer Verhandlung unter Vorladung der angebotenen Zeugen</span><br/> <span class="ft4">besteht wegen des Beschleunigungsgebotes nicht.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>