B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5617/2015 U r t e i l v o m 2 1 . J u n i 2 0 1 7 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Lara Ragonesi, Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Ariane Burkhardt, Berner Rechtsbera- tungsstelle für Menschen in Not, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des SEM vom 11. August 2015 / N (…). E-5617/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat Eritrea eigenen Anga- ben zufolge im April 2013 in Richtung Sudan, von wo aus er über Libyen und Italien am 25. April 2014 illegal in die Schweiz einreiste. Gleichentags reichte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel ein Asylgesuch ein. Dort gab er anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 26. Mai 2014 an, im Jahre (…) geboren und somit minderjährig zu sein. B. Mit Schreiben vom 27. Mai 2014 informierte das BFM den Migrationsdienst des Kantons Bern, dem der Beschwerdeführer für das weitere Verfahren zugewiesen worden war, dass es sich bei diesem um eine unbegleitete minderjährige Person handle. Ferner bat es die kantonale Behörde um Ein- leitung der für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) vorgesehe- nen Schutzmassnahmen. C. Mit Vollmacht vom 16. Oktober 2014 mandatierte der Beschwerdeführer Frau Anna-Katarina Strub „zur Vertretung in Sachen Asyl“. D. Das BFM hörte den Beschwerdeführer, begleitet von seiner Rechtsvertre- terin, am 20. November 2014 vertieft zu den Asylgründen an E. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei eritreischer Staatsangehöriger (Ethnie der Saho) und er habe mit seinen Eltern und Geschwistern bis im Jahr (…) in B._______ (Eritrea) gelebt. Im gleichen Jahr hätten Soldaten seinen Vater zu Hause abgeholt. Seine Mutter, welche dem Vater am nächsten Tag Klei- der habe vorbeibringen wollen, sei nicht mehr zurückgekehrt. Seither habe er seine Eltern n icht mehr gesehen. Ein Onkel väterlicherseits habe sich nach dem Verschwinden seiner Eltern um ihn und seine beiden Geschwis- ter gekümmert, mit ihm seien sie schliesslich im Jahr (…) nach C._______ (Eritrea) gezogen. Der Umstand, d ass seine Eltern verschwunden seien, seine Schwester im Jahr (…) das Land verlassen habe und seine beiden Kollegen in den Militärdienst eingezogen worden seien, habe bei ihm die Angst ausgelöst, selber in den Militärdienst eingezogen zu werden. Auf- grund dessen habe er den Entschluss gefasst, Eritrea zu verlassen. Eines Tages sei er mit einem Freund spontan in Richtung Sudan aufgebrochen. E-5617/2015 Seite 3 F. Mit Verfügung vom 11. August 2015 – eröffnet am 12. August 2015 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ordnete es die vorläufige Aufnahme an. G. Mit Eingabe vom 10. September 2015 liess der Beschwerdeführer, han- delnd durch seine Rechtsvertreterin, gegen den Entscheid vom 11. August 2015 beim Bundesverwaltungsgericht B eschwerde erheben und bean- tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, der Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen, eventualiter sei die Angelegenheit zur rechts- genüglichen Abklärung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. In formeller Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Pro- zessführung zu gewähren, die Unterzeichnende sei ihm als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen und es sei von der Erhebung eines Kosten- vorschusses abzusehen. H. Mit Zwischenverfügung vom 23. September 2015 hiess die Instruktions- richterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 110 a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) gut und ordnete dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig gab sie dem SEM die Gelegenheit, zur Beschwerde Stellung zu nehmen. I. Nach einmalig gewährter Fristverlängerung hielt die Vorinstanz in ihrer Ver- nehmlassung vom 28. Oktober 2015 – nebst zusätzlichen Ausführungen – an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Instruktionsrichterin gab dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfü- gung vom 29. Okto ber 2015 Gelegenheit, eine Stellungnahme zur Ver- nehmlassung einzureichen. J. Nach einmalig gewährter Fristverläng erung nahm der Beschwerdeführer mit Replik vom 26. November 2015 zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung. E-5617/2015 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgeric hts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet – aufgrund der Rechtsbe- gehren und deren Begründung – nur die Frage der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft zufolge illegaler Ausreise. Der Wegweisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs vorläufig aufgenommen hat. 4. 4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge- hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün- dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 E-5617/2015 Seite 5 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei- bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg- lichen psychischen Druck bewirken. 4.2 Beruft sich eine Person darauf, dass durch ihre illegale Ausreise (sog. Republikflucht) oder durch ihr Verhalten nach der Ausreise aus dem Hei- mat- oder Herkunftsstaat (insbesondere durch politische Exilaktivitäten) eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, hat sie begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Ve rfolgung, wenn der Heimat - oder Her- kunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit vom fraglichen Umstand er- fahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrecht- lich relevanter Weise verfolgt würde (Urteil des BVGer E -5232/2015 vom 3. Februar 2015, E. 5.3). Durch Republikflucht zum Flüchtling wird demzufolge, wer sich aufgrund der unerlaubten Ausreise mit Sanktionen seines Heimatstaates konfrontiert sieht, die bezüglich ihrer Art, ihres Ausmasses und der politischen Motiva- tion des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen (CARONI/GRASDORF-MEYER/OTT/SCHEIBER, Migrationsrecht, 3. Aufl. 2014, S. 239, 241). Solch subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen ( vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel- che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassa- tion der vorinstanzl ichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer E-5617/2015 Seite 6 rügt zur Hauptsache eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie die Ver- letzung der Pflicht zur vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts. 5.1.1 Diesbezüglich bringt der Beschwerdeführer vor, d ie Anhörung vom 20. November 2014 habe sich nicht von einer Befragung einer erwachse- nen Person unterschieden, obwohl er zum Zeitpunkt der Befragung noch minderjährig gewesen sei. So sei kein vertrauensvolles Klima geschaffen worden, die sonst üblichen einleitenden Fragen zur Befindlichkeit, den Le- bensumständen sowie nach allfälligen Kontakten mit der Familie seien nicht gestellt worden. Er sei zudem gesiezt worden und insbesondere bei den Fragen betreffend illegale Ausreise fehle es an einer differenzierten Fragestellung. Zudem seien ihm diesbezüglich gerade mal zehn Fragen gestellt worden, obwohl in Anbetracht der grossen Bedeutung der näheren Umstände eine viel detailliertere und umfassendere Abklärung hätte erfol- gen sollen. 5.1.2 Des Weiteren habe der Sachverhalt wegen der eingeschränkten sprachlichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers, sich in Tigrinya auszu- drücken, nur mangelhaft abgeklärt werden können. Schliesslich hätte ein Missverständnis geklärt werden können, wäre ihm diesbezüglich das recht- liche Gehör gewährt worden. 5.1.3 In ihrer Vernehmlassung vom 28. Oktober 2015 hält die Vorinstanz an ihrem Standpunkt fest. Ergänzend wird festgestellt, die Anhörung sei kindgerecht erfolgt. So seien dem Beschwerdeführer einfache und klare Fragen gestellt worden, Fachausdrücke seien vermieden und bei Ver- ständnisproblemen seien die Fragen anders gestellt worden. Zudem seien ihm weit über zehn Fragen bezüglich der Ausreisegründe gestellt worden. 5.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, sorgfält ig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). 5.2.1 Gemäss Art. 7 Abs. 5 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) haben Personen, die minderjährige asylsuchende Personen anhören, den besonderen Aspekten der Minderjährigkeit Rech- nung zu tragen. E-5617/2015 Seite 7 5.2.2 Wie das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2014/30 festgestellt hat, sind bei der Anhörung eines minderjährigen Asylsuchenden spezifisch e Faktoren zu berücksichtigen: Alter; Reifegrad, Komplexität der Vorbringen, besondere verfahrensrechtliche Anforderungen hinsichtlich des Beweis- werts der Vorbringen. Das SEM hat Massnahmen zu treffen, damit sich das Kind wohl fühlt (vgl. a.a.O. E. 2.3.2). Zudem sind speziell bei unbegleiteten Minderjährigen besondere Anforderungen an die Form der Fragestellung und an den Rhythmus der Befragung zu knüpfen, wobei die vom UNHCR formulierten Direktiven und Empfehlungen insbesondere bei der Anhörung von unbegle iteten Minderjährigen heranzuziehen sind (vgl. a.a.O. E. 2.3.3). Insbesondere hat das SEM bei der Befragung von Minderjähri- gen für eine bereits zu Beginn der Anhörung entspannte Atmosphäre zu sorgen und ein Klima des Vertrauens zu schaffen, das wiederum dem Kind ermöglichen soll, sich frei über das Erlebte auszu drücken (vgl. a.a.O. E. 2.3.3.2). 5.2.3 In den vorliegenden Akten bestehen keine Hinweise darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht Zweifel hegen müsste, dass die für die Anhö- rung des Beschwerdeführers beauftragte Befragerin in Befragungstechnik von Minderjährigen nicht geschult war. Der Beschwerdeführer konnte sich sehr ausführlich und frei zu seinen Asylgründen äussern, ohne dass er da- bei unterbrochen wurde. Es wurden ihm mehrere, einfach formulierte per- sönliche Fragen zu seiner Familie, zum Verschwinden seiner Eltern, seinen Kontakten, seinem Heimatland und der Ausreise gestellt, wobei eine einfa- che Sprache gewählt, jeweils nur eine Frage auf einmal und in zusammen- hängender Weise gestellt wurde. Der Beschwerdeführer zeigte überdies keine Mühe, die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Zudem erhielt auch die Hilfswerksvertreterin Gelegenheit, dem Beschwerdeführer ergänzende Fragen zu stellen. Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers machte sodann keine Bemerkungen, dass die Anhörung den Bedürfnissen des Be- schwerdeführers nicht gerecht geworden wäre. Im Weiteren wies auch die anwesende Hilfswerksvertreterin nur auf die angeblichen Übersetzungs- fehler hin und machte keine Bemerkungen in Richtung nicht kindgerechter Anhörung. Schliesslich kann dem Protokoll auch entnommen werden, dass während der knapp vierstündigen Befragung eine Pause eingelegt wurde. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass die mit der Anhörung des Beschwerdeführers beauftra gte Befragerin dessen besondere Anlie- gen im Sinne der hiervor gemachten Feststellungen beachtete. Daran ver- mag auch die Tatsache nichts zu ändern, dass die Befragerin den Be- schwerdeführer während der Anhörung siezte. Das Ebengesagte gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben zum Zeitpunkt E-5617/2015 Seite 8 der Anhörung bereits siebzehn Jahre alt war und seine Vorbringen keine erhöhte Komplexität erkennen lassen. Damit entsprach die Vorinstanz den Anforderungen an eine kind s- beziehungsweise altersgerechte Anhörung und konnte davon ausgehen, da ss der Beschwerdeführer seine persönli- chen Asylgründe vortragen konnte. 5.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Sie ist in dem Ausmass zur Untersuchung des Sachverhaltes verpflichtet, als man dies vernünftigerweise von ihr erwarten kann. Der Un- tersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der gesetzlichen Mitwir- kungspflicht der Parteien. Art. 13 VwVG verpflichtet die Parteien, an der Feststellung des Sachverhaltes in Verfahren mitzuwirken, die sie durch ihr Begehren einge leitet haben. Trotz des Untersuchungsgrundsatzes kann sich die entscheidende Behörde in der Regel darauf beschränken, die Vor- bringen der Partei zu würdigen und die von ihm angebotenen Beweise ab- zunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Eine ergän- zende Untersuchung kann sich jedoch aufdrängen, wenn aufgrund dieser Vorbringen und Beweismittel berechtigte Zweifel oder Unsicherheiten be- stehen, die voraussichtlich nur mit Ermittlung von Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). 5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann den rechtserheblichen Sach- verhalt, wie ihn die Vorinstanz festgestellt hat, uneingeschränkt überprüfen (vgl. Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es ist dazu in dem Masse verpflichtet, als die Beschwerdepartei die Sachverhaltsfeststellungen oder die ihr zugrunde lie- gende Beweiswürdigung als fehlerhaft rügt und sich mit der angefochtenen Verfügung sachbezogen auseinandersetzt (vgl. CHRISTOPH AUER, Streitge- genstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen Prozessmaximen, 1997, S. 79 f.; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-36/2008 vom 30. November 2011 E. 5.1). 5.3.2 Festzustellen ist, dass sich das SEM auf die wesentlichen Argumente des Beschwerdeführers beschränkte, sich in der angefochtenen Verfügung mit seinen Vorbringen differenziert auseinandersetzte und zum Ergebnis kam, dass die geltend gemachten Vorfluchtgründe und die illegale Ausreise im Wesentlichen nicht glaubhaft seien. Die zentralen Elemente seiner Schilderungen wurden dabei in der Verfügung gewürdigt, so dass für den Beschwerdeführer ersichtlich war, von welchen Überlegungen sich die Vo- rinstanz bei der Entscheidfindung leiten liess, und eine sachgerechte An- fechtung der Verfügung für ihn möglich war. E-5617/2015 Seite 9 5.3.3 Die Rüge, wonach der Sachverhalt, infolge unzureichender sprachli- cher Fähigkeiten des Beschwerdeführers, nur mangelhaft habe abgeklärt werden können, geht fehl. Der Beschwerdeführer gab an der BzP und an der Anhörung mehrmals an, die Dolmetscherin „gut“ verstanden zu haben. Die protokollierten Aussagen wurden von ihm nach der Rückübersetzung zudem unterschriftlich als korrekt bezeichnet. Weiter sind den Befragungs- protokollen auch keine wesentlichen Verständigungsschwierigkei ten zu entnehmen. Der Beschwerdeführer hat auf alle Fragen ver ständlich und klar geantwortet und selbst bei den Fragen nach der Verständigung hat er mehrmals angegeben, er verstehe die Dolmetscherin. Schliesslich brachte auch seine Rechtsvertreterin während oder am Ende der Anhörung keine diesbezüglichen Anmerkungen an. 5.3.4 Weiter ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz den rechts- erheblichen Sachverhalt noch vertiefter hätte abklären sollen, wo dem Be- schwerdeführer im Rahmen der Anhörung vom 20. November 2014 zu sei- nen Ausreisegründen doch weit mehr als – wie in der Beschwerdeeingabe geltend gemacht – zehn Fragen gestellt wurden und dieser abschliessend auch erklärte, dass er alles für sein Asylgesuch Wesentliche habe sagen können. Schliesslich bleibt der Vollständigkeit halber anzumerken, dass sich im heutigen Zeitpunkt die Beurteilung der Frage, ob die illegale Aus- reise des Beschwerdeführers von der Vorinstanz zu Recht als unglaubhaft erachtet wurde, erübrigt (vgl. nachstehend E. 6). 5.3.5 Die Frage, ob die Vorinstanz das rechtliche Gehör des Beschwerde- führers verletzt hat, indem sie ihn nicht direkt auf den vermeintlichen Wi- derspruch betreffend seine Freunde D._______ und E._______ angespro- chen hat, kann an dieser Stelle offen bleiben, denn auch eine nicht beson- ders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann ausnahms- weise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von ei- ner Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzus ehen, wenn und so- weit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu un- nötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffe- nen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu verein- baren wären (vgl. dazu BGE 137 I 195 E. 2.3.2, m.w.H., vgl. auch BVGE 2008/47 E. 3.3.4 m.w.H.). Im vorliegenden Fall kann – wenn überhaupt – von einem geringfügigen Mangel ausgegangen werden, der im Rahmen E-5617/2015 Seite 10 des Beschwerdeverfahrens als geheilt betrachtet werden kann. Auch würde eine Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und zu einer unnötigen Verzögerung führen. 5.4 Die vom Beschwerdeführer erhobenen formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegründet. Damit besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung zu kassieren, weshalb das entsprechende Be- gehren abzuweisen ist. 6. 6.1 Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers infolge illegaler Ausreise zu Recht verneint hat. 6.2 Das SEM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Wesentli- chen mit der Begründung ab, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Der Vollständigkeit halber hielt die Vorinstanz dennoch fest, dass zwischen dem vom Beschwerdeführer gel tend gemachten Verschwinden seiner El- tern und seiner eigenen Ausreise weder ein sachlicher noch ein zeitlicher Zusammengang bestehe n würde und er mit der Rekrutierung seiner Freunde auch keine gezielt gegen ihn gerichtete Verfolgung zum Ausdruck gebracht habe. 6.3 Mit Blick auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte illegale Aus- reise führt die Vorinstanz aus, infolge unglaubhafter Schilderungen zu den Ausreisegründen, zum Reiseweg und zu den Reiseumständen sei an sei- ner Glaubwürdigkeit zu zweifeln. Aus der Unglaubhaftigkeit seiner Aussa- gen könne zwar nicht auf eine legale Ausreise geschlossen werden, es ge- nüge jedoch auch nicht, sich auf die notorisch schwierige Ausreise zu be- rufen, ohne die konkreten Ausreisegründe und –umstände glaubhaft dar- zutun. Es sei deshalb davon auszugehen, dass er Eritrea auf legale Weise verlassen habe. 6.4 In materieller Hinsicht bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, seine Ausführungen zu den A usreisegründen seien glaubhaft . Dazu ergänzt er die in den Befragungen gemachten Aussagen und erklärt, dass seine Ausführungen zu der ill egalen Ausreise nachvollziehbar seien und auch aus den Akten keine Widersprüche erkennbar seien, welche gegen seine Glaubwürdigkeit sprechen würden. Bei der Prüfung der von der Vorinstanz aufgeführten, angeblichen Unglaubwürdigkeitselementen sei zudem zu würdigen, dass sich die eingeschränkten sprachlichen E-5617/2015 Seite 11 Fähigkeiten des Beschwerdeführers massgeblich auf die Anhörung ausgewirkt hätten. 6.5 Gemäss langjähriger, bisheriger Praxis der schweizerischen Asylbe- hörden begründete bereits eine (glaubhaft gemachte) illegale Ausreise aus Eritrea ohne Weiteres die Flüchtlingseigenschaft. Das SEM verschärfte diese Praxis im Sommer 2016. Aufgrund der nachfolgenden Ausführungen kann auf eine eingehende Glaubhaftigkeitsbeurteilung der illegalen Aus- reise des Beschwerdeführers verzichtet werden. 6.6 Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Rahmen des Referen- zurteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der Frage, ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Nach einer umfassenden Ana- lyse aller zur Verfügung stehenden Länderinformationen befand das Ge- richt, dass sich die bi sherige Praxis nicht mehr aufrechterhalten liess und vom SEM zu Recht angepasst worden war. Es änderte seine Praxis hin- sichtlich der Flüchtlingseigenschaft aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe und kam zum Schluss, dass im Kontext von Eritrea die illegale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreicht. Vielmehr bedarf es hierzu zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche die asylsu- chende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich rele- vanten Verfolgungsgefahr führen könnten ( ausführlich dazu das Urteil D-7898/2015 E. 4.6–5.1). Das Gericht kam im eben genannten Urteil wie erwähnt zum Schluss, dass nicht nur, aber auch für Minderjährige allein aufgrund e iner illegalen Aus- reise keine begründete Furcht vor asylrechtlich beachtlicher Verfolgung an- genommen werden kann. 6.6.1 Der Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt der Ausreise minderjährig. Weder verweigerte er den Nationaldienst noch desertierte er. Gemäss ei- genen Aussagen wurde er auch noch nie von den Behörden oder von Po- lizisten kontaktiert. Auch sonst liegen keine Hinweise vor, welche eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung erkennen lassen. Nachdem der Beschwerdeführer neben der illegalen Ausreise keine zusätzlichen An- knüpfungspunkte für eine Verschärfung seines Profils aufweist, ist vorlie- gend nicht von einer flüchtlingsrechtlich beachtlichen Verfolgung auszuge- hen. Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz stellt keine Verletzung E-5617/2015 Seite 12 von Bundesrecht dar. Die erhobene Rüge erweist sich somit als unbegrün- det. 7. Wie die Vorinstanz kommt das Gericht deshalb zum Schluss, dass der Be- schwerdeführer keine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG geltend machen kann. Die Vorinstanz verneinte da- her zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG ). Aufgrund der Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist jedoch auf die Erhebung von Ver- fahrenskosten zu verzichten. 9.2 Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands im Sinne von Art. 110 a Abs. 1 AsylG wurde mit Zwischenverfügung vom 23. September 2015 gutgeheissen und dem Beschwerdeführer die rubri- zierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Die notwendigerweise erwachsenen Parteikosten sind deshalb durch das Bun- desverwaltungsgericht zu übernehmen (vgl. Art. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach Praxis des Gerichts werden amtlich bestellte Rechtsvertreter ohne Anwaltspatent mit einem Stundensatz von Fr. 100.– bis 150.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Es wurde keine Kostennote ein- gereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu be- stimmen sind. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfak- toren (Art. 9–13 VGKE) ist der Rechtsbeiständin zu Lasten des Bundesver- waltungsgerichts ein Honorar von insgesamt Fr. 900.– zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-5617/2015 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird durch das Bundesverwaltungsgericht eine Entschädigung von Fr. 900.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Lara Ragonesi Versand: