Bu nde s ve rw altungs ge r icht Tr i buna l adm inis tr a tif fé dé r al Tr i buna le amm inis tr at ivo fe de r ale Tr i buna l adm inis tr a ti v fe de r al Abteilung IV D-3588/2011/sed U r t e i l v o m 5 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Mai 2011 / N (…). D-3588/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Sri Lanka im Oktober 2007 auf dem Seeweg. N ach einem längeren Aufenthalt in Afrika gelangte er am 2. September 2008 von Italien her kommend in die Schweiz, wo er am 3. September 2008 um Asyl nachsuchte. Am 16. Sep- tember 2008 führte das BFM eine Summarbefra gung durch. Die Anh ö- rung fand am 30. Juli 2009 statt. A.b. Der Beschwerdeführer – ein T amile aus B._______ – machte gel- tend, er und seine Angehörigen hätten wegen der kriegerischen Ereig - nisse immer wieder umziehen müssen. Er sei immer wieder dazu genötigt worden, an Anlässen und V ersammlungen der Liberation Tigers of T amil Eelam (LTTE) teilzunehmen. Zudem habe er Bunker ausheben, sich um V erletzte kümmern und tote Personen wegtragen müssen. Zeitweilig ha- be er auch in ihrem Steuerbüro gearbeitet. Seine Angehörigen hätten nichts mit den LTTE zu tun gehabt. Einmal habe er für die LTTE einen Transportdienst mit seinem Motorrad durchführen müssen. Dabei habe sein Fahrgast bei einem Check-Point eine Bombe auf Soldaten geworfen. Monate später sei er polizeilich verhaftet worden. Man habe ihn für fünf T age beziehungsweise eine Woche inhaftiert, heftig geschlagen und der LTTE-Mitgliedschaft beschuldigt. Er habe die Anschuldigungen von sich gewiesen. Dank der Unterstützung seines V aters respektive eines Pfar- rers sei er freigekommen. Er sei ausserdem im Fokus von Unbekannten in Zivil gestanden beziehungs weise von diesen festgenommen worden. Sie hätten ihn zuhause gesucht und seien mit einem weissen V an vorge- fahren. Bei Misshandlungen habe er Verletzungen erlitten. Deshalb sei er nach einer weiteren Haft nach C._______ geflüchtet. Dort sei er am 10. August 2007 erneut festgenommen und gefoltert worden. Er sei gezwun- gen worden, die angebliche Zugehörigkeit zu den LTTE schriftlich zu bes- tätigen. Die Entlassung sei zwei Wochen später durch V ermittlung eines Freundes seines V aters erfolgt. Er werde indes seit dem 15. September 2007 mit einem in C._______ ausgestellten Haftbefehl polizeilich g e- sucht. In Anbetracht der geschilderten Situation sei er ausser Landes ge- flohen. A.c. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer den erwähnten Haftbe- fehl in Kopie zu den Akten. Ferner übermittelte die zuständige kantonale Behörde dem BFM den srilankischen Führersche in des Beschwerdefüh- rers. D-3588/2011 Seite 3 B. Mit V erfügung vom 20. Mai 2011 – eröffnet am 24. Mai 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei genschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei sung aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug. Die V orinstanz erachtete die geltend gemachte V erfolgung durch die Sicherheitskräfte für unglaub- haft. C. C.a. Mit Eingabe vom 2 3. Juni 2011 beantragte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung des vorinstanzlichen Ent- scheids, die Feststellung seiner Flüchtlingseigen schaft und die Asylg e- währung, eventualiter die Feststellung der Unzumut barkeit des Wegwei- sungsvollzugs verbunden mit der vorläufigen Auf nahme in der Schweiz sowie in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 des V erwal tungsverfahrensgesetzes vom 20. De zember 1968 [VwVG, SR 172.021]) samt Entbindung von der V orschusspflicht. C.b. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer die Kopie eines kirchli- chen Schreibens vom 7. Juni 2011 zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 28. Juni 2011 verzichtete das Bundesverwal- tungsgericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hiess das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. E. Am 7. Juli 2011 reichte de r Beschwerdeführer ein weiteres Beweismittel (Schreiben von D._______ vom 6. Juli 2011) ein. Gemäss diesem Schreiben bestätige seine Schwester die von ihm geltend gemach ten Vorfälle. F. Mit V ernehmlassung vom 13. Juli 2011 beantragte das BFM die Abwei - sung der Beschwerde. G. Mit Replik vom 19. August 2011 hielt der Beschwerdeführer an seinen bisherigen Vorbringen fest. Gleichzeitig gab er Originale der bereits ein- gereichten Beweismittel zu den Akten. D-3588/2011 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des V erwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen V erfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei V orliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das V erfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am V erfahren vor der V orinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene V erfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die V erletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als D-3588/2011 Seite 5 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). V orbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre V or- bringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (Art. 7 Abs. 3 AsylG), wichtige T atsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des V erfahrens V orbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am V erfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den V orbringen des Beschwerd e- führers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaf t- machung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der V orbrin- gen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentli- che und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhalts- darstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhalts darstellung spre- chen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. die von der vormaligen Be schwerdeinstanz begründete Rechtsprechung in Entscheidungen und Mit teilungen der Schweizer i- schen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f. mit weiteren Hinweisen, welche vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird). 4. 4.1. Die V orinstanz hat die Glaubhaftigkeit der V orbringen des Be - schwerdeführers verneint. Er habe bei der Erstbefragung angegeben, Ende 2006 beziehungsweise Anfang 2007 das erste Mal festgenommen worden zu sein. Im Rahmen der Anhö rung habe er indes geltend ge - macht, einige T age nach einem Bombenattentat im Jahre 2005 verhaftet D-3588/2011 Seite 6 worden zu sein. Auch die Anzahl der Festnahmen habe er unterschiedlich zu Protokoll gegeben (Summarbefragung: unzählige Festnahmen; Anhö- rung: lediglich drei Festnahmen). Im Weiteren habe er die Umstände sei- ner Entlassung aus der Haft in C._______ nicht konkret, detailliert und dif- ferenziert darzulegen vermocht, was gegen die Glaubhaftigkeit auch die- ser behördlichen V erfolgung spreche. Ferner sei realitätsfremd, dass er erst einige Monate nach dem geschilderten Bombenattentat festgeno m- men worden sei, obwohl die Behörden Beweise für seine Deliktsteilna h- me gehabt hätten und in solchen Fällen rigoros gegen V erdächtige vor- gehen würden. Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel rechtfertigten mangels Beweiswertes keine andere Sichtweise. 4.2. In den Rekurseingaben macht der Beschwerdeführer geltend, seine Erlebnisse anlässlich der Anhörung recht ausführlich dargelegt zu haben. Die vom BFM aufgelisteten Widersprüche fielen nicht entscheidend ins Gewicht. Der eingereichte Brief des Pfarrers aus dem Herkunftsort des Beschwerdeführers bestätige die V orbringen. 5. V orliegend kommt das Bundesverwaltungsgericht in Abwägung sämtli - cher Aussagen zum Schluss, dass die V orinstanz zu Recht von der feh- lenden Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Ausreise ausging. 5.1. Es mag zwar zutreffen, dass der Beschwerdeführer im V erlaufe des srilankischen Bürgerkrieges im Rahmen allgemeiner Razzien der Sicher- heitskräfte oder bei Kontrollen vorübergehend festgehalten und auch ge- schlagen wurde. Eine zielgerichtete Suche nach seiner Person vermochte er indes weder für den damaligen noch den heutigen Zeitpunkt glaubhaft zu machen. 5.2. So hat die V orinstanz in ihren Erwägungen aufgezeigt, dass das an- gebliche V orgehen der Sicherheitskräfte in der geschilderten Form auf - grund widersprüchlicher, nicht hinreichend substanziierter und realität s- fremder Angaben nicht glaubhaft wirke. Die Feststellungen des BFM, überzeugen, weshalb auf sie verwiesen werden kann. Auf V orhalten war der Beschwerdeführer nicht in der Lage, nachvollziehbare Erklärungen zu geben (A 14/16 Antworten 137 ff.). V or dem Bundesverwaltungsgericht beschränkt er sich im Wesentlichen darauf, die Ungereimtheiten als nicht entscheidrelevant einzustufen. Detaillierte Argumente für diese Sichtwe i- se fehlen indes völlig. Entsprechend kann sie nicht geteilt werden. Viel- mehr ergeben sich aus den Akten weitere Hinweise für die mangelnde D-3588/2011 Seite 7 Glaubhaftigkeit. So kann k aum nachvollzogen werden, dass der B e- schwerdeführer, welcher nach einem Ortswech sel in C._______ angeb- lich inhaftiert und gefoltert worden sei, ausgerechnet wieder dort eine auch erwerbsmässige Perspektive gesucht haben soll (A 14/16 Antworten 100 f.). Zudem sind seine Schilderungen zum Haftbefehl und zum angeb- lich erneuten Auftauchen der Polizei weitgehend stereotyp ausgefallen . Auffallend sind ferner seine substanzarmen und wiederum ste reotypen Aussagen zu den Umständen der Ausreise und der Reise route verbun- den mit einem längeren Afrika -Aufenthalt. Namentlich auch seine ma n- gelhafte Kooperation zur Beibringung von Reisedokumenten ist evident (A 5/10 S. 3 ff.; A 14/16 Antworten 5 ff., A 14/16 Antworten 116 ff.). V or diesem Hintergrund entsteht der Eindruck, dass er Sri Lanka auf an dere als die von ihm geltend gemachte Art und ausgerüstet mit entsprechen - den, mutmasslich auf seinen Namen lautenden Dokumenten verlassen hat. Auch vor diesem Hintergrund vermag der in Kopie eingereichte Haft- befehl die ange bliche Suche nach dem Beschwerdeführer nicht hinre i- chend glaubhaft zu machen. Die ferner eingereichten Beweismittel eines Pfarrers und das Statement seiner Schwester erschei nen aufgrund der Formulierungen als mutmassliche Gefälligkeitsdoku mente; schon a uf- grund ihrer wenig konkreten Inhalte vermögen sie das angeblich Vorgefal- lene respektive Befürchtete nicht rechtsgenüglich zu belegen. 5.3. Insgesamt ist daraus zu schliessen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des V erlassens seines Heimatlandes im Jahre 2007 keinen ge- zielten und intensiven Behelligungen ausgesetzt gewesen ist. 6. 6.1. Darüber hinaus ist an dieser Stelle auf die markant veränderte Lage im Heimatland des Beschwerdeführers seit seiner Ausreise einzugehen (vgl. Urteil BVGE E-6620/2008 vom 27. Oktober 2011). Am 19. Mai 2009 verkündete die Regierung Sri Lankas offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE, und Präsident Rajapakse erklärte den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet. Das Führungskader der LTTE ist der Medienberichterstattung zufolge komplett ausgelöscht wor - den. Hinweise auf aktive LTTE-Kader im Norden Sri Lankas gibt es laut SFH keine. Die höchstrangigen LTTE -Kader waren entweder gefangen genommen oder getötet worden (so auch der LTTE-Chef V elupillai Prab- hakaran), oder sie konnten das Land verlassen. Trotz dieser V eränderun- gen gibt es Personenkreise, die seit Beendigung des militäri schen Kon- fliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausge setzt sind. D-3588/2011 Seite 8 Dazu gehören unter anderem Personen, die auch nach Be endigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in V erbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex -Generals Sarath Fonseka, Journalisten und andere in der Medienbranche tätige Personen, international und lokal tätige V ertreter von NGOs, die sich für die Men - schenrechte einsetzen oder V erstösse kritisieren, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Personen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen, abgewie sene Asylbewerber mit V erdacht zu Kontakten zum LTTE-Kader oder Personen, die über beträchtliche finan- zielle Mittel verfügen (siehe die aus führliche Darstellung der Persone n- gruppen im erwähnten Urteil BVGE E-6220/2006 E. 8). 6.2. Aus den Akten gehen nach dem Gesagten keine glaubhaften A n- haltspunkte dafür hervor, dass der Beschwerdeführer seitens der sri - lankischen Behörden heute als oppositionell aktiv wahrgenommen würde oder sonst einer dieser Risikogruppen zugehörig erklärt werden müsste. Das gemäss seinen Angaben erzwungene Engagement für die LTTE liegt zum einen weit zurück und wurde kaum fundiert vorgebracht; zum ande- ren vermochte er nicht glaubhaft zu machen, deswegen persönlich rele- vanten Behelligungen seitens der Sicherheitskräfte ausgesetzt gewesen zu sein. Solche Behelligungen erschein en auch aufgrund seiner vorge - brachten finanziellen Situation aktuell nicht als hinreichend wahrschein - lich. Auch eine Gefährdung nach der Rückkehr wegen Kontak ten zu LTTE-Kadern im Ausland liegt insofern nicht auf der Hand, als der blosse langjährige Aufenthalt in der Schweiz noch kein eigentliches persönliches Risikoprofil ausmacht. Dazu ist festzuhalten, dass er keine Nähe seiner Familie zur LTTE geltend machte und insoweit auch eine Gefährdung wegen im Land verbliebender allfälliger LTTE-Kader aus der Familie aus- scheidet (A 5/10 S. 5). Schliesslich ist nach der Zerschlagung der LTTE auch eine diesbezügliche V erfolgung nicht beachtlich wahrscheinlich. 7. 7.1. Zusammenfassend ist somit nicht davon auszugehen, dass der Be - schwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise von den srilankischen Sicher - heitskräften landesweit gesucht wurde oder in naher Zukunft eine V erfol- gung zu befürchten hätte. Das Gericht stellt fest, dass der Beschwerd e- führer Sri Lanka aus anderen als den von ihm geltend gemach ten Grün- den verliess; auch im heutigen Zeitpunkt muss nicht ange nommen wer- den, dass ihm bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes drohen würden. Damit erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe oder die Beweismittel D-3588/2011 Seite 9 einzugehen, weil diese am Ergebnis des vorliegenden V erfahrens nichts zu ändern vermögen. 7.2. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Be - schwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaub- haft machen konnte. Das BFM hat das Asylgesuch damit zu Recht abge- wiesen. Die Beschwerde ist folglich im Asylpunkt abzuweisen. 8. 8.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den V ollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinweisen). 9. 9.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge - mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner V o r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht - lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Aus- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 9.2. Der V ollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche V erpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). D-3588/2011 Seite 10 9.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei - nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV , SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2.2. Die V orinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrüc kschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh- rers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 9.2.3. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei- ner Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Weder die allge - meine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdefüh rers lassen den Wegwe i- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzuläs sig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der V ollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. D-3588/2011 Seite 11 9.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der V ollzug der Wegweisung insb e- sondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausge- setzt wäre. 9.3.1. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewen- det, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönli- cher V erfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigenschaft noch jene des völker rechtlichen Non-Refoulement-Prinzips erfüllen, je - doch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allge- meiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weite- ren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische V ersorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden V erhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften V erschlechterung ihres Gesund- heitszustands, der Invalidität oder sogar dem T od ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1, mit weiteren V erweisen). 9.3.2. In der angefochtenen V erfügung vom 20. Mai 2011 hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges fest, in Gebieten, die seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stünden, herrsche weitgehend ein normales Alltagsleben. Der Beschwerdeführer stamme aus B._______. Dort lebten seine Eltern. Er sei ein junger und gesunder Mann mit einem Beziehungsnetz vor Ort. Es sprächen demnach weder die vor Ort her r- schende Sic herheitslage noch individuelle Gründe gegen die Zumut - barkeit des V ollzugs. 9.3.3. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber unter V erweis auf Ur- teile des Bundesveraltungsgerichts und Publikationen verschiedener Or- ganisationen eine vor Ort nach wie vor angespan nte Lage geltend. Das BFM verkenne die relevanten Umstände. Insbesondere Rückkehrer mit langem Auslandaufenthalt riskierten mit erheblicher Wahrscheinlich keit Behelligungen bereits am Flughafen. Auch Entführungen ereigneten sich nach wie vor. Die Sicherheitskräfte seien im Norden und Osten noch im - mer sehr präsent. Die dort ansässigen T amilen litten unter prekären Be- dingungen. Die Praxisänderung des BFM betref fend Rückkehr in diese Gebiete sei mithin verfrüht. Demzufolge komme für den Beschwerdefüh- rer eine Rückkehr nach B._______ nicht in Betracht. Auch die V oraus-D-3588/2011 Seite 12 setzungen für eine innerstaatliche Fluchtalternative seien nicht erfüllt. Zu- dem lebten zwei seiner Brüder in der Schweiz. 9.3.4. Im erwähnten Urteil E -6220/2006 aktualisierte das Bundesverwal- tungsgericht die letztmals in BVGE 2008/2 definierte Lage analyse Sri Lankas und passte die Wegweisungspraxis an. Hinsichtlich des Wegwei- sungsvollzugs hält das Gericht fest, dass dieser in das ge samte Gebiet der Ostprovinz grundsätzlich zumutbar sei (a .a.O. E. 13.1). Auch der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz – mit Ausnahme des V anni-Ge- biets – sei grundsätzlich zumutbar, wobei sich eine zurückhaltende Beur- teilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien sowie eine Be rücksichti- gung des zeitlichen Elementes aufdränge (a.a.O. E. 13.2.1). Weiterhin als unzumutbar müsse der Wegweisungsvollzug, übereinstimmend mit dem BFM, für das V anni-Gebiet gelten, welches zu Beginn des Jahres 2008 noch von den LTTE kontrolliert worden sei und in welchem sich in der Folge bis zum endgültigen Sieg über die LTTE die Kriegshandlungen ab- gespielt hätten (a.a.O. E. 13.2.2). Für Personen, die aus dem übri gen Staatsgebiet von Sri Lanka (d.h. die Provinzen North Central, North Wes- tern, Central, Western [namentlich der G rossraum Colombo], Southern, Sabarugamuwa und die Uva -Provinz) stammten und dorthin zu - rückkehrten, sei der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar (a.a.O. E.13.3). 9.3.5. Der Beschwerdeführer macht geltend, aus B._______ zu stammen. Eine Rück kehr nach E._____ ist nach neuer Rechtsprechung grund - sätzlich als zu mutbar zu betrachten, wobei aber eine sorgfältige, zu - rückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien vorz u- nehmen ist. In B._______ halten sich eine Eltern und zwei Schwes tern auf (vgl. S. 7 der Beschwerde; A 5/10 S. 1 ff.; A 14/16 Antwort 10). Er ver- fügt über eine gewisse Schulbildung und hat vor der Ausreise mit dem Va- ter in der Landwirtschaft gearbeitet. Aus den V erfahrensakten und na- mentlich der Beschwerdeschrift gehen keine konkreten Anzeichen hervor, wonach sich die Lebensumstände des Beschwerdeführers seit dem Zeit- punkt der im erstinstanzlichen V erfahren gemachten Angaben massgeb- lich verändert haben sollten. Er verfügt somit in seinem Heimatstaat über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz, welches ihm eine soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederung ermöglichen sollte. Auch die finan- zielle Unterstützung von V erwandten aus der Schweiz kommt in Betracht. Medizinische Leiden werden nicht geltend gemacht. D-3588/2011 Seite 13 9.3.6. Nach dem G esagten erweist sich der V ollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.4. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen V ertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der V ollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM den Wegwe i- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert hat. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme aus- ser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene V erfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wären die V erfahrens- kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht hat jedoch das Gesuch des Be - schwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Instruktionsverfügung vom 28. Juni 2011 gutgeheissen und es besteht aufgrund der Akten kein Anlass, auf diesen Entscheid zurückzukommen. (Dispositiv nächste Seite) D-3588/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine V erfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber V ersand: