Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. August 2019 ( 720 19 119 / 201) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Evelyne Frey Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Ama Mülthaler, Rechts- anwältin, Advokatur & Rechtsberatung TRIAS AG, Rautistrasse 12, 8047 Zürich, p.A. Büro Basel, Salinenstrasse 25, 4133 Pratteln 1 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2001 sprach die IV-St elle Basel-Landschaft (IV-Stelle) der 1981 geborenen A.____ eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab dem 1. November 2000 zu. Mit Verfügung vom 13. Februar 2004 hob die IV-Ste lle diese Invalidenrente auf, nachdem sie in Anwendung der spezifischen Methode neu einen In validitätsgrad von 4.5 % errechnet hatte. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 8. Oktober 2010 meldete sich A.____ erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle errechnete mittels der gemischten Methode e inen Invaliditätsgrad von 1 % und lehnte das Gesuch mit Verfügung vom 25. Oktober 2011 ab. Die dritte Anmeldung bei der IV-Stelle zum Leistung sbezug erfolgte am 19. Mai 2017. Nach Abklärung der erwerblichen, hauswirtschaftlichen und med izinischen Verhältnisse sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Ste lle mit Verfügung vom 7. März 2019 einen Rentenanspruch unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 20 %, welchen sie nach der allgemeinen Methode berechnete, ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin A ma Mülthaler, mit Eingabe vom 8. April 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, die ange fochtene Verfügung der IV-Stelle sei auf- zuheben und ab 1. November 2017 sei ihr eine volle Inva lidenrente auszurichten. Eventualiter sei ihr ab 1. November 2017 eine Dreiviertelsrente, sube ventualiter eine halbe Invalidenrente auszurichten. Zudem beantragte sie die unentgeltliche P rozessführung und Verbeiständung mit Advokatin Ama Mülthaler als Rechtsvertreterin. Zur Begr ündung brachte sie im Wesentlichen vor, dass auf das Gutachten von Dr. B.____, FMH Psychiatri e und Psychotherapie, vom 23. Februar 2018 nicht abgestellt werden könne. Es sei den Einschätzungen der behandelnden Ärzte zu folgen und es sei ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten einzuholen. C. Mit Verfügung vom 10. April 2019 genehmigte das K antonsgericht die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Rechtsanwältin Ama Mülthaler als Rechtsvertreterin. D. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Mai 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Streitig und zu prüfen ist, in welchem Ausmass die Versicherte aufgrund ihrer gesund- heitlichen Beeinträchtigungen arbeits- bzw. erwerbsunfäh ig ist. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person sowie um den Invaliditätsgrad bemessen zu Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht können, ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf- gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszus tand zu beurteilen und dazu Stel- lung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Ausk ünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der P erson noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehend er Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigu ng volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hin- blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Z weifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati- entinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b /cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arzt es einerseits und von Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anl ass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpr etation entspringende – Aspekte benen- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.4 Zu beachten ist sodann, dass die Annahme einer al lenfalls invalidisierenden psychi- schen Gesundheitsbeeinträchtigung eine fachärztlich (psych iatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem vorau ssetzt (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesund heitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jede m Fall ein medizinisches Substrat vo- raus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grund sätzlich sämtliche psychischen Er- krankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Be lastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreich- bare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Ent- scheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis ein er rechtlich relevanten Arbeits- und Er- werbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welch e sich für den Entscheid als zentral erweisen. 6.1 Für die erneute Anmeldung der Beschwerdeführerin bei der IV-Stelle verfasste die be- handelnde Psychologin, Frau C.____, zusammen mit dem zu ständigen Arzt, Dr. D.____, FMH Allgemeinmedizin und Psychosomatik, den Bericht vom 8. Ju ni 2017. Sie halten zunächst fest, dass aus dem SKID II Interview eine histrionische Persö nlichkeitsstörung (ICD 10: F 60.4) her- vorgegangen sei. Dies decke sich mit dem klinischen Eindr uck und den vielen entsprechenden Hinweisen in der Lebensgeschichte der Patientin. Aufgru nd der bisherigen Befunde müsse zu- dem die Diagnose einer leichten Intelligenzminderung (ICD 10: F 70) gestellt werden. Auf eine erneute Prüfung dieser Diagnose sei verzichtet worden, weil das Ergebnis der beiden Gutach- ten aus den Jahren 2001 und 2011 konsistent geblieben se i. Schliesslich habe die Durchfüh- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung des Beck-Depressions-Inventars die Diagnose einer mitt elgradigen depressiven Episode (ICD 10: F 32.1) ergeben. Alle drei Diagnosen hätte n Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Diese habe von März 2015 bis März 2017 50 % betragen und seit April 2017 liege sie bei 30 %. Mit angemessener Unterstützung, einem ihren Bedürfnisse n angepassten Arbeitsplatz und ei- nem entsprechenden Arbeitstraining könne die Arbeits fähigkeit auf maximal 50 % gesteigert werden. 6.2 Die IV-Stelle beauftragte Dr. B.____ anlässlich de r erwähnten Neuanmeldung der Be- schwerdeführerin mit einer gutachterlichen Abklärung. In seinem psychiatrischen Gutachten vom 23. Februar 2018 hält dieser als Diagnose mit Auswir kung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte Intelligenzminderung (ICD10: F 70) fest. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hät- ten die Diagnosen der Störungen durch Cannabinoide mi t einem Status nach schädlichem Ge- brauch (ICD10: F 12.1) zwischen 2002 und 2017, der Störungen durch Kokain mit einem Status nach schädlichem Gebrauch (ICD 10: F 14.1) zwischen 200 2 und 2017 sowie der Störungen durch andere Stimulantien mit einem Status nach schädli chem Gebrauch (ICD 10: F 15.1) zwi- schen 2002 und 2017. Der Gesichtsausdruck der Explorandi n habe keinerlei Hinweise für eine Müdigkeit, eine Depressivität oder eine Avitalität gezei gt. Die Explorandin sei elegant gekleidet, geschminkt und parfümiert gewesen und habe Schmuck getragen. Die anfängliche Anspannung und Nervosität in der Körperhaltung bzw. im Gesichtsausdr uck habe im Verlauf des Gesprächs nachgelassen. Mimik und Gestik seien nicht reduziert gew esen. Während der gesamten Unter- suchungsdauer hätten sich keinerlei interaktionellen Schw ierigkeiten ergeben und die Bericht- erstattung der Explorandin sei in keiner Weise theatralisch oder dramatisch erfolgt. Das formale Denken sei stets einfach strukturiert, ansonsten aber unau ffällig gewesen. Ich-Störungen sowie Sinnestäuschungen aller Art hätten gefehlt und die Gr undstimmung der Explorandin sei jeder- zeit euthym gewesen. Während der Anamnese der Explorand in sei die Intelligenz wiederholt abgeklärt worden und es sei wiederholt eine leichte Intelligenzminderung festgestellt worden. Im ABI-Gutachten vom 5. Mai 2011 werde nachvollziehbar be gründet, dass die Explorandin somit in einer einfachen, überschaubaren Tätigkeit, welche kei ne hohen Anforderungen an intellektu- elle Fähigkeiten beinhaltet, nicht eingeschränkt sei, da sie im Handlungsbereich deutlich besse- re Werte als im verbalen Bereich erzielt habe. In der h iesigen Begutachtung habe er aufgrund der gut dokumentierten Aktenlage keine erneute Intel ligenzprüfung vorgenommen. Im klini- schen Eindruck hätten die Intelligenz und auch die allge meinen kognitiven Ressourcen der Ex- plorandin als eher einfach imponiert. Ferner sei die Affektivität der Explorandin nicht patholo- gisch verändert. Objektive Untersuchungsbefunde einer de pressiven Störung würden nicht vor- liegen. Sämtliche objektiven Parameter zur Affektivität seien vollständig bland ausgefallen. Dasselbe gelte für all jene spezifischen objektiven Para meter, welche sehr gut die innerpsychi- sche Vitalität objektiv abzubilden vermögen und zu welchen grundsätzlich das äussere Erschei- nungsbild, Psycho- und Sprachmotorik, Mimik und Gestik, Denktempo, kognitive Leistungen, fehlende Affektverarmung sowie affektive Schwingungsfäh igkeit gehören würden. Die Ein- gangskriterien einer depressiven Episode gemäss ICD-10 seie n nicht erfüllt. Schliesslich wür- den die Tagesaktivitäten der Explorandin gegen eine Af fektpathologie sprechen. Nebst ihren beruflichen Einsätzen, welchen sie jeweils vormittags nachgehe (zurzeit betrage ihr Pensum 30 - 35 %), könne sie sich vollumfänglich um den Haushalt, d ie Einkäufe, um ihren Sohn und um ihre Körperpflege kümmern. Zudem sei sie sozial gut ei ngebunden und pflege regelmässige Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht soziale Kontakte. Weiter sei in Bezug auf die innerpsychi sche Struktur festzuhalten, dass die Explorandin unter belastenden Familienverhältnissen au fgewachsen sei. Dass sie im Rahmen ihrer leichten Intelligenzminderung nicht jene Leistun gen erbringen könne wie Personen mit unbeeinträchtigter Intelligenz, habe einen fragilisierten Selbstwert beziehungsweise Narzissmus zur Folge. Deshalb neige die Explorandin zu einer hohen Anpassung und versuche ihre intellek- tuellen Schwächen zu kompensieren, wie dies im psychiatrischen Gutachten vom 22. Juni 2001 der EPD Liestal einleuchtend beschrieben worden sei. Die s zeige sich denn auch im äusseren Erscheinungsbild der Explorandin, welches jedoch kein Hin weis für eine histrionische Persön- lichkeitsstörung sei, wie dies Frau C.____ in ihrem Bericht beurteilt und lediglich mittels der sub- jektiven Angaben der Explorandin begründet habe. Die e legante und modische Kleidung der Explorandin gehöre vielmehr zur Bandbreite der gesellschaftlichen Norm. Zudem könne sie sich dadurch immerhin im sozialen Kontext immer wieder prof ilieren, was sie aufgrund ihrer Intelli- genzminderung in anderen Bereichen, wie in der Berufsanamnese, nicht könne. Zusammenfas- send sei festzustellen, dass sämtliche Defizite in diesen anamnestischen Bereichen der Intelli- genzminderung (und nicht einer Persönlichkeitsstörung) zugeordnet werden könnten. Weil die histrionische Persönlichkeitsstörung im Bericht vom 8. Juni 2017 von Frau C.____ diagnostiziert worden sei, diskutiere er die entsprechenden Voraussetzung en explizit. Dabei komme er zum Schluss, dass lediglich die zweite Voraussetzung der «Suggest ibilität, leichte Beeinflussbarkeit durch andere Personen oder durch äussere Umstände» erfüll t sei. Die anderen Kriterien (1. Dramatische Selbstdarstellung, theatralisches Auftret en oder übertriebener Ausdruck von Gefühlen; 3. Oberflächliche labile Affekte; 4. Ständi ge Suche nach aufregenden Erlebnissen und Aktivitäten, in denen die betreffende Person im M ittelpunkt der Aufmerksamkeit steht; 5. Unangemessen verführerisch in Erscheinung und Verhalt en; 6. Übermässige Beschäftigung damit, äusserlich attraktiv zu erscheinen) würden dagegen nicht vorliegen, weshalb eine histrio- nische Persönlichkeitsstörung mit Sicherheit ausgeschlossen werden könne. Zusammenfas- send sei festzuhalten, dass keine relevante Pathologie der innerpsychischen Struktur bestehe. Sodann würden psychosoziale Faktoren vorliegen, welche a ber primär invaliditätsfremd seien. Schliesslich würden die qualitativen Funktionsfähigkeiten aus psychiatrischer Sicht einzig durch die leichte Intelligenzminderung diskret beeinträchtigt , da der Explorandin aufgrund ihrer Intelli- genzminderung lediglich Tätigkeiten ohne hohe intellekt uelle Anforderungen möglich seien. Namentlich könne sie in bestimmten Situationen aufgrun d ihrer Intelligenzminderung nicht auf ausreichende kognitive und intellektuelle Ressourcen zurü ckgreifen, weshalb sie dann auch (neben ihrer privaten und sozialen Anamnese) in ihrer beruflichen Anamnese belastet sei. Aus diesem Grund beurteile er die Intelligenzminderung im Unterschied zum ABI-Gutachten als Di- agnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Dass sich die Explorandin nicht mehr als 50 % arbeitsfähig sehe, habe mit überwiegender Wahrscheinli chkeit damit zu tun, dass sie im Rah- men ihrer Intelligenzminderung ihre subjektiven Fähigk eiten unterschätze. Die qualitativen Funktionsfähigkeiten könne er auch anhand der sogenan nten ICF-Kriterien diskutieren. Von diesen Kriterien sei die Explorandin lediglich in ihrer Planungs- und Strukturierungsfähigkeit von Aufgaben (maximal) sowie – aufgrund ihrer Intelligen zminderung – in ihrer Entscheidungs- und Urteilungsfähigkeit und in ihrer Durchhalte- und Sel bstbehauptungsfähigkeit leicht beeinträch- tigt. Im Rahmen ihrer Intelligenzminderung könne sie sich nicht immer auf adäquate Bewälti- gungsstrategien in Belastungssituationen abstützen. Dass elbe gelte für die Flexibilität und Um- stellungsfähigkeit. Zusammengefasst ergebe dies aus psych iatrischer Sicht eine Funktionsein- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht busse von 20 %. In ihrer angestammten und in einer a ngepassten Tätigkeit bestehe damit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. 6.3 Gemäss Haushaltsabklärung vom 8. Juni 2018 könne di e Explorandin im Haushalt prin- zipiell alles erledigen. Ihr Sohn brauche noch eine al tersentsprechende Betreuung, aber keine «Kinderbetreuung» mehr. Ein 100%iges Erwerbspensum se i möglich. Die Explorandin bemühe sich immer wieder zu arbeiten und scheue sich nicht, mehr ere Reinigungsarbeiten gleichzeitig auszuführen. Ohne gesundheitliche Beschwerden würde sie wahrscheinlich seit September 2017 ein Vollzeitpensum ausüben. Deshalb habe die abkl ärende Person auf eine detaillierte Protokollierung der Haushaltsabklärung verzichtet. 6.4 Dr. E.____, FMH Allgemeinmedizin, Regional ärztli cher Dienst beider Basel (RAD), schrieb in seiner Stellungnahme vom 28. Februar 2018, dass das Gutachten von Dr. B.____ den bundesgerichtlichen Anforderungen an eine medizini sche Beweisgrundlage entspreche. Er empfehle, darauf abzustellen und von der 80%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. Zudem führte er aus, dass die Standardindikatoren geprüft worden seien. 6.5 Frau C.____ und Dr. D.____ verfassten im Rahmen d es Einwandverfahrens eine Stel- lungnahme datiert vom 19. September 2018. In ihrer (belastenden) Lebensgeschichte habe die Patientin schon früh die Erfahrung gemacht, dass sie mi t ihrer Erscheinung eine starke Kontrol- le auf ihr Gegenüber ausüben könne. Dementsprechend l iege es nahe, dass Attraktivität und Charme längerfristig funktional eingesetzt würden, um sich Fürsorge und Aufmerksamkeit zu sichern. Dadurch kompensiere die Patientin in anderen F ertigkeitsbereichen. Damit zusam- menhängende Verhaltensmuster seien bis heute noch vorha nden und erkennbar. Die Lebens- ereignisse in der Kindheit der Patientin seien keine av ersiven Lebensereignisse, wie dies der Gutachter Dr. B.____ beschrieben habe. Es handle sich d abei um komplex-traumatische Ereig- nisse, welche sich auf die Entwicklung der Persönlichkeit a usgewirkt hätten. Von den sechs ICD-10 Kriterien einer histrionischen Persönlichkeitsstörung seien fünf vollumfänglich erfüllt. Die Patientin habe berichtet, dass sie aufgrund von Überfor derung und Problemen mit der einen Chefin einige Stellen gekündigt habe, weshalb sie momentan in einem Pensum von weniger als 20 % arbeite. Der Einschätzung von Dr. B.____, dass die Explorandin wahrscheinlich aufgrund ihrer Intelligenzminderung ihre subjektiven Funktionsf ähigkeiten unterschätze, könne nicht ge- folgt werden. So habe die Patientin während einer P hase ihres Therapieverlaufs verschiedene Vorstellungsgespräche gehabt. Sie habe in der Therapie dann berichtet, dass sie die eine Ar- beit aufgrund der Kleidervorschriften nicht angenomme n habe (keine starke Schminke, kein Schmuck und keine künstlichen Fingernägel). Die IV-Anmel dung sei erst erfolgt, nachdem die Patientin gemerkt habe, dass ihr die Erhöhung ihres Pe nsums nicht möglich sei. In Bezug auf die Depression legen Frau C.____ und Dr. D.____ dar, dass von einer rezidivierenden depres- siven Störung (ICD-10: F 33.4) auszugehen sei, welche geg enwärtig remittiert sei. Sollten sich gewisse Lebensumstände (Aufmerksamkeit durch einen Mann, Arbeitspensum) verändern, müsse mit einer erneuten depressiven Episode gerechnet werden. Im Vergleich zu den Beurtei- lungen durch Dr. B.____ würden die qualitativen Funkt ionseinbussen schon aufgrund der Intel- ligenzminderung und aufgrund der histrionischen Persönli chkeitsstörung deutlich höher liegen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Patientin sei in ihrer Planungs- und Strukturierun gsfähigkeit mittelgradig eingeschränkt. Schwer eingeschränkt sei ihre Fähigkeit, sich im Verhalt en, Denken und Erleben wechselnden Situationen anzupassen. Veränderungen in den Arbeitsa nforderungen, kurzfristige Zeitver- schiebungen, räumliche Veränderungen, neue soziale Part ner und die Übertragung neuer Auf- gaben würden für sie eine grosse Herausforderung bzw. Überforderung darstellen. Ebenfalls schwer eingeschränkt seien ihre Fähigkeit zu familiären u nd intimen Beziehungen sowie ihre Fähigkeit, in sozialen Konflikten oder in Konfliktsituationen für ihre Überzeugungen einzustehen, ohne dabei soziale Normen zu verletzen. In der Anwend ung fachlicher Kompetenzen sei sie deutlich eingeschränkt, genauso wie in ihrer Gruppenfähi gkeit, in ihrer Kontaktfähigkeit zu Drit- ten und in ihrer Fähigkeit zu Spontan-Aktivitäten. Aufgrund der Diagnosen der Intelligenzminde- rung und der histrionischen Persönlichkeitsstörung sei d er Patientin ein Pensum von weniger als 30 % zuzumuten. Wahrscheinlich sei von einem Pensum von 20 % auszugehen, welches mithilfe eines Arbeitstrainings bestenfalls auf 50 % gesteigert werden könne. 6.6 Der Haushaltsbericht vom 8. Juni 2018 sowie die Ei nschätzungen von Frau C.____ und Dr. D.____ vom 19. September 2018 wurden Dr. B.____ zur Stellungnahme vorgelegt. Dieser stellte in seinem Bericht vom 3. Dezember 2018 fest, da ss der Haushaltsbericht keine Beurtei- lung allfälliger Einschränkungen im Haushalt enthalte und seine Ausführungen zu den Tagesak- tivitäten der Explorandin diesem Bericht nicht widersp rechen würden. In Bezug auf die Stel- lungnahme von Frau C.____ und Dr. D.____ hielt er a n sämtlichen seiner divergierenden Beur- teilungen fest. Er wiederholte dabei, dass das Erschei nen und Auftreten in der heutigen Gesell- schaft für viele Menschen wichtig sei und dass die regelmä ssige und gute Pflege der Exploran- din nicht pathologisch sei, mithin nicht unter das entsp rechende Kriterium einer histrionischen Persönlichkeitsstörung falle, sondern dass sich die Explor andin diesbezüglich in der gesell- schaftlichen Norm bewege. Zudem betonte er die Untersche idung zwischen den subjektiven Wahrnehmungen der Patienten und den objektiven Untersu chungsbefunden des Untersuchers. Dies gelte unter anderem in Bezug auf die von Frau C._ ___ erwähnten BDI-Ergebnisse (Beck Depressions-Inventar). Dieses erfasse ausschliesslich subjektive Angaben eines Patienten. Auch wenn es der Untersucher sei, der letztlich den Fra gebogen ausfülle, handle es nicht um eine Fremdbeurteilung, sondern um eine Selbstbeurteil ung, das heisst um eine Beurteilung der psychischen Beschwerden durch den Patienten selbst. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 7. März 2019 bei der Be- urteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten auf das psychiat- rische Gutachten vom 23. Februar 2018 von Dr. B.____ so wie auf dessen Ergänzung vom 3. Dezember 2018. Sie ging demzufolge von der 80%ige n Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh- rerin in ihrer angestammten und in einer angepassten T ätigkeit aus. Diese vorinstanzliche Be- weiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausge führt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Un tersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Das Gutachten von Dr. B.____ samt ergänzender Stellungnahme weist weder formale noch in haltliche Mängel auf. Es ist - wie dies Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - f ür die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt di e geklagten Beschwerden, ist in Kennt- nis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen S ituation ein, setzt sich mit den vor- handenen abweichenden ärztlichen Einschätzungen ausein ander und ist in den Schlussfolge- rungen überzeugend. Wie Dr. E.____ am 28. Februar 20 18 zu Recht feststellte, prüfte Dr. B.____ auch die erforderlichen Standardindikatoren (vgl. hierzu E. 4.4 hiervor). Demzufolge kann bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage au f das Gutachten von Dr. B.____ abge- stellt werden. 7.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin sind nicht g eeignet, die ausschlaggebende Beweiskraft des psychiatrischen Gutachtens von Dr. B.____ i n Frage zu stellen. Sie macht gel- tend, dass den Einschätzungen der behandelnden Ärzte zu folgen sowie zur Beurteilung ihres Gesundheitszustandes und ihrer Arbeitsfähigkeit ein po lydisziplinäres Gutachten erforderlich sei. Auf das Gutachten von Dr. B.____ könne nicht abgestellt werden. 7.3.1 Im Zusammenhang mit den Diagnosen beanstandet si e zunächst, dass Dr. B.____ das Nichtvorliegen der histrionischen Persönlichkeitsstörung n icht nachvollziehbar oder schlüssig dargelegt und er zu divergierenden Einschätzungen von a nderen Ärzten nicht Stellung genom- men habe. Dabei sei insbesondere in Bezug auf die Di agnose der histrionischen Persönlich- keitsstörung der Einschätzung von Frau C.____ und Dr. D. ____ zu folgen. Diesem Einwand kann nicht beigepflichtet werden. Aus dem Gutachten geht klar hervor, dass sich Dr. B.____ eingehend mit der Diagnose der histrionischen Persönlic hkeitsstörung befasste. Dabei nahm er an verschiedenen Stellen zu unterschiedlichen Beurteilungen von anderen Ärzten und von Frau C.____ ausdrücklich Stellung und legte dar, weshalb er eine andere Einschätzung vornahm. Insgesamt prüfte er sämtliche ICD-10 Kriterien der erwä hnten Diagnose und verneinte ihr Vor- liegen überzeugend. Die Untersuchungsbefunde decken sich dabei mit seinen Schlussfolge- rungen und zum Kriterium der äusseren Erscheinung nahm e r in seiner Ergänzung nochmals nachvollziehbar Stellung. Soweit Frau C.____ und Dr. D.____ die Kriterien einer histrionischen Persönlichkeitsstörung bejahen, überzeugt ihre Begründu ng demgegenüber mangels hinrei- chender objektiver Befunde nicht. Vielmehr stützten sie sich dabei hauptsächlich auf subjektive Angaben der Beschwerdeführerin (Situationen, welche d ie Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Therapie erzählte sowie auf das BDI), weshalb hie r der Beurteilung von Dr. B.____ zu fol- gen ist. 7.3.2 In Bezug auf die Diagnose der Intelligenzminder ung rügt die Beschwerdeführerin, dass der Gutachter für die Beurteilung ihrer Intelligenz und Affektivität keine eigenen Untersuchun- gen durchgeführt, sondern auf andere Arztberichte und die Darstellung der Beschwerdeführerin abgestellt habe. Richtig ist, dass Dr. B.____ in Bezug auf die Intelligenzminderung keine eige- nen Untersuchungen vornahm. Entgegen dem Vorbringen d er Beschwerdeführerin ist dieses Vorgehen jedoch nicht zu beanstanden, da er sich diesbezügl ich auf die dichte, unbestrittene und widerspruchsfreie Dokumentation in den Akten stüt zte. In dieser Hinsicht deckt sich seine Beurteilung insbesondere auch mit derjenigen von Frau C.____ und Dr. D.____, auf deren Ein- schätzungen sich die Beschwerdeführerin beruft. Ebenso b egründet er nachvollziehbar, dass Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich die erwähnte Diagnose auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirke. Entge- gen den Ausführungen der Beschwerdeführerin nahm Dr. B.____ im Rahmen der Beurteilung der Affektivität der Beschwerdeführerin diverse Untersuchungen vor. Er gelangte mehrfach zum Ergebnis, dass die entsprechenden Befunde nicht besteh en würden. Dabei setzte er sich so- wohl mit den Befunden als auch mit den subjektiven Anga ben der Beschwerdeführerin ausei- nander. Dem Einwand, dass Dr. B.____ diverse Aspekte ausse r Acht gelassen und keine eige- nen Befunde erhoben haben soll, kann deshalb nicht gefolgt werden. 7.3.3 Ferner beanstandet die Beschwerdeführerin im Z usammenhang mit ihrer Arbeitsfähig- keit die Feststellungen von Dr. B.____, dass sie ihre sub jektiven Funktionsfähigkeiten unter- schätze und deshalb ihre Arbeitsfähigkeit lediglich mit 50 % einschätze. Dieser Einwand wird jedoch von der Beschwerdeführerin nicht näher begründe t. Dasselbe gilt für die entsprechen- den Ausführungen von Frau C.____ und Dr. D.____, we lche hierzu ausführten, dass die Be- schwerdeführerin während einer bestimmten Zeit eine Arbeitsstelle gesucht habe und eine Stel- le für sie aufgrund der Kleidung nicht in Frage gekomm en sei. Damit stützten sie sich lediglich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin und begründeten weder Unschlüssigkei- ten noch zeigten sie Widersprüche in der Einschätzung von Dr. B.____ auf. Vielmehr ist festzu- stellen, dass die Erläuterungen von Dr. B.____ zur 20%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausführlich und schlüssig sind. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin zog Dr. B.____ ausreichende Kriterien zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bei, wobei er insbe- sondere die Einschränkungen der qualitativen Funktionsf ähigkeit von zwei Seiten her diskutier- te. Dabei zeigen auch die Tagesaktivitäten der Beschwerdef ührerin auf, dass ihr eine Tätigkeit als Haushaltshilfe in einem 80%igen Pensum möglich ist. Dies gilt erst recht, wenn man be- denkt, dass die Betreuung ihres Sohnes angesichts seines Alters zunehmend kleiner und in naher Zukunft ganz wegfallen wird. Demzufolge ist entsp rechend der Beurteilung von Dr. B.____ von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. 7.3.4 Aufgrund dieser Ausführungen ist festzustellen, dass die Beurteilungen der behandeln- den Psychologin und des behandelnden Arztes nicht geeigne t sind, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens von Dr. B.____ in Frage zu st ellen. Dies gilt umso mehr, als solche Berichte nach der Rechtsprechung aufgrund der auftrag srechtlichen Vertrauensstellung zu den Patientinnen und Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind. In Bezug auf Berichte von behan- delnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahru ngstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BG E 125 V 353 E. 3b/cc). In diesem Zu- sammenhang fällt vorliegend zudem auf, dass Frau C.___ _ und Dr. D.____ ihren Begründun- gen mehrfach die subjektiven Angaben der Beschwerdeführe rin zugrunde legten, wogegen Dr. B.____ insbesondere auf die selber erhobenen Be funde und auf die anderen Arztberichte Bezug nahm. 7.4 Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin die Person d es Gutachters. Dieses Vorbrin- gen erfolgt jedoch verspätet. Den vorliegenden Unterl agen ist zu entnehmen, dass die Be- schwerdeführerin frühzeitig wusste, durch wen sie begut achtet werden würde. Gleichzeitig mit Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dieser Mitteilung erfolgte zudem der Hinweis, Einwendu ngen gegen die Art der Begutachtung, die vorgesehene Fachdisziplin sowie die begutachtende P erson seien innert 15 Tagen schrift- lich einzureichen. Ohne einen solchen Gegenbericht werd e von ihrem Einverständnis ausge- gangen. Mangels entsprechender Hinweise in den vorlieg enden Unterlagen ist davon auszuge- hen, dass die Beschwerdegegnerin keine entsprechenden E inwendungen vorbrachte, weshalb die IV-Stelle von ihrem Einverständnis mit Dr. B.____ als Gutachter ausgehen durfte. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Indizien g egen die Zuverlässigkeit des Gutachtens vorliegen und die Vorbringen der Beschwerdef ührerin ebenfalls keine Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens zu wecken vermögen, womit ke ine weitere Begutachtung zu erfolgen hat. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist daher entspre- chend dem Gutachten von Dr. B.____ vom 23. Februar 2 018 von einer 80%igen Arbeitsfähig- keit in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. 9. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsan- wendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleichsein- kommen vorzunehmen wäre und die Berechnung auch von der Versicherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzu ng mit dem durch die IV-Stelle angestell- ten Einkommensvergleich. Es ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh- rerin ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Die angefochtene Verfü- gung vom 7. März 2019, mit welcher ein Anspruch der Be schwerdeführerin auf eine Rente ver- neint wurde, ist nicht zu beanstanden und die dagegen gerichtete Beschwerde deshalb abzu- weisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver- weigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicheru ngsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängi g vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich- tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich au f Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdefü hrerin ist mit Verfügung vom 10. April 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewi lligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 10.2 Dem Prozessausgang entsprechend wird der Beschwerde führerin keine Parteient- schädigung zugesprochen. Da der Beschwerdeführerin jedo ch mit Verfügung vom 10. April 2019 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. Novembe r 2003 beträgt das Honorar bei unent- geltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honorarnote vom 26. Juni 2019 für das vo rliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 955 Minuten bzw. 15.91 Stunden geltend gemacht. Von diesem Aufwand sind jedoch dieje- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht nigen Positionen abzuziehen, welche vor Erlass der ang efochtenen Verfügung vom 7. März 2019 erfolgten. Dabei handelt es sich um die ersten vie r Positionen, welche gesamthaft den Aufwand von 140 Minuten ergeben. Daraus resultiert ein Aufwand von 815 Minuten bzw. 13.58 Stunden, welcher sich angesichts der sich stellenden Rechts fragen als angemessen erweist. Unter Anwendung des Ansatzes von Fr. 200.-- ergibt dies ein Honorar von Fr. 2‘716.66. Zu kür- zen sind des Weiteren die ausgewiesenen Auslagen für Kop ien in der Höhe von Fr. 438.--, da pro Kopie Fr. 1.-- anstelle der für Massenkopien gelte nden Fr. 0.50 (vgl. § 15 Abs. 1 der Tarif- ordnung für die Anwältinnen und Anwälte) verrechnet worden sind. Für Auslagen wird deshalb der Betrag von Fr. 306.50 (Tele- und Portoauslagen von 3 % von Fr. 2‘716.66 + 1 LSI à Fr. 6.-- + 438 Kopien à Fr. 0.50) zugesprochen. Der Rechtsvertreterin ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘255.95 (13.58 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 306.50 + 7,7 % Mehr- wertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar von Fr. 3‘255.95 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerich tskasse ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdeführerin am 28. Oktober 2019 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_726/2019 ) erhoben.