<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">74</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <span class="ft3"><b>9</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Bei der Ermittlung eines Ergänzungsleistungsanspruchs sind zur Be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stimmung des Vermögensverzehrsbetrags nach Art. 11 Abs. 1 lit. c</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ELG nur Schulden zu berücksichtigen, die tatsächlich entstanden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sind und deren Höhe feststeht. Der Bestand und die Höhe der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Entschädigung für einen Beistand stehen erst mit dem Entscheid der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde fest. Die Entschädigung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kann erst zu diesem Zeitpunkt in der Berechnung des Ergänzungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>leistungsanspruchs berücksichtigt und als Schuld vom Vermögen in</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Abzug gebracht werden.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Lebenshaltungskosten gelten von den Ergänzungsleistungen als ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>deckt, das heisst, sie sind damit zu bezahlen, was eine Berücksich-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tigung von diesbezüglich am Ende des Kalenderjahres bestehenden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Schulden in Form eines Abzugs vom Vermögen zur Berechnung des</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Vermögensverzehrs nach Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG ausschliesst.</b></span><br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 27. Sep-</span><br/> <span class="ft5">tember 2016 i.S. C.M. gegen SVA Aargau (VBE.2016.429).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Sozialversicherungsrecht</span> <span class="page_no">75</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">2.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 4 Abs. 1 i.V.m. Art. 9 Abs. 1 ELG haben Personen</span><br/> <span class="ft1">mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz, welche eine der Voraussetzungen nach den Art. 4 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">lit. a bis d ELG erfüllen, Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn</span><br/> <span class="ft1">die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen überstei-</span><br/> <span class="ft1">gen.</span><br/> <span class="ft1">2.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG wird ein Fünfzehntel des</span><br/> <span class="ft1">Reinvermögens als Einnahmen angerechnet, soweit es bei alleinste-</span><br/> <span class="ft1">henden Personen Fr. 37'500.00 übersteigt. Da das Reinvermögen</span><br/> <span class="ft1">massgebend ist, sind vom rohen Vermögen Schulden der betroffenen</span><br/> <span class="ft1">Person abzuziehen, bevor der Vermögensverzehrsbetrag ermittelt</span><br/> <span class="ft1">wird. Die Schuld muss tatsächlich entstanden sein, deren Fälligkeit</span><br/> <span class="ft1">ist jedoch nicht erforderlich. Ungewisse Schulden oder Schulden, de-</span><br/> <span class="ft1">ren Höhe noch nicht feststeht, können nicht berücksichtigt werden.</span><br/> <span class="ft1">Bestand der Schuld und Schuldnereigenschaft müssen nachgewiesen</span><br/> <span class="ft1">sein (J</span><span class="ft5">ÖHL</span><span class="ft1">/U</span><span class="ft5">SINGER</span><span class="ft1">-E</span><span class="ft5">GGER</span><span class="ft1">, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in:</span><br/> <span class="ft1">Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale</span><br/> <span class="ft1">Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 1848 N. 166).</span><br/> <span class="ft1">2.1.3.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 404 Abs. 1 ZGB hat der Beistand Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">eine angemessene Entschädigung und auf Ersatz der notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Spesen aus dem Vermögen der betroffenen Person. Die Erwachse-</span><br/> <span class="ft1">nenschutzbehörde legt die Höhe der Entschädigung fest (Art. 404</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 1 ZGB und § 13 Abs. 1 V KESR). Bei volljährigen</span><br/> <span class="ft1">Personen wird die Entschädigung aus deren Vermögen entrichtet</span><br/> <span class="ft1">(§ 67 Abs. 4 EG ZGB), sofern sich dieses auf mindestens</span><br/> <span class="ft1">Fr. 15'000.00 beläuft (§ 14 Abs. 1 V KESR).</span><br/> <span class="ft1">2.1.4.</span><br/> <span class="ft1">Lebenshaltungskosten gelten, soweit sie anerkannte Ausgaben</span><br/> <span class="ft1">im Sinne von Art. 10 ELG darstellen, von den Ergänzungsleistungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">76</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">als gedeckt, das heisst sie sind damit zu bezahlen, was eine Berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigung von diesbezüglich am Ende des Kalenderjahres bestehen-</span><br/> <span class="ft1">den Schulden in Form eines Abzugs vom Vermögen zur Berechnung</span><br/> <span class="ft1">des Vermögensverzehrs nach Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG ausschliesst.</span><br/> <span class="ft1">Lediglich über die anerkannten Ausgaben hinausgehende Kosten</span><br/> <span class="ft1">sind bei der Berechnung des Vermögens in Abzug zu bringen (Urteile</span><br/> <span class="ft1">des Bundesgerichts 9C_333/2014 vom 22. August 2014 E. 4.1;</span><br/> <span class="ft1">9C_396/2013, 9C_397/2013, 9C_398/2013 vom 15. Oktober 2013 E.</span><br/> <span class="ft1">6.1 und 6.2).</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Bestand und die Höhe der Entschädigung für die Man-</span><br/> <span class="ft1">datsträger standen erst mit den Entscheiden durch die KESB vom</span><br/> <span class="ft1">15. Juli 2015 und durch den Gemeinderat F. vom 10. August 2015</span><br/> <span class="ft1">fest, welche für die Bemessung der Entschädigung der Beistände</span><br/> <span class="ft1">zuständig waren (vgl. Art. 404 Abs. 2 Satz 1 ZGB und § 13 Abs. 1 V</span><br/> <span class="ft1">KESR). Die Entschädigungsforderungen konnten deshalb erst per</span><br/> <span class="ft1">dann in der Berechnung des Ergänzungsleistungsanspruchs</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigt werden und waren als Schulden vom Vermögen in</span><br/> <span class="ft1">Abzug zu bringen. Vorher bestand keine dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">zuzurechnende Verpflichtung zur Zahlung an seine Eltern. Seine</span><br/> <span class="ft1">Zahlungspflicht wurde erst durch die Entscheide des Gemeinderats F.</span><br/> <span class="ft1">vom 10. August 2015 und der KESB vom 15. Juli 2015 konkretisiert.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die bewilligten Auslagen für den Lebensunterhalt des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers stellen keine Schulden dar, welche vom Vermögen</span><br/> <span class="ft1">abzuziehen wären. Vielmehr gelten sie als anerkannte Ausgaben,</span><br/> <span class="ft1">welche durch die Ergänzungsleistungen gedeckt sind (vgl. Urteile</span><br/> <span class="ft1">des Bundesgerichts 9C_333/2014 vom 22. August 2014 E. 4.1;</span><br/> <span class="ft1">9C_396/2013, 9C_397/2013, 9C_398/2013 vom 15. Oktober 2013 E.</span><br/> <span class="ft1">6.1 und 6.2).</span><br/> <span class="ft1">Die Eltern hatten ohne entsprechende Verpflichtung über meh-</span><br/> <span class="ft1">rere Jahre hinweg Auslagen für den Lebensunterhalt des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers bezahlt. Die Zahlungen waren nicht mit Geldern ihres</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Sozialversicherungsrecht</span> <span class="page_no">77</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sohnes erfolgt, sondern mit eigenen Mitteln, weshalb sich das Ver-</span><br/> <span class="ft1">mögen des Beschwerdeführers sukzessive erhöht hatte. Da die</span><br/> <span class="ft1">Vermögensverschiebung zum Beschwerdeführer ohne Rechtsgrund</span><br/> <span class="ft1">erfolgt war, steht den Eltern ein Anspruch aus ungerechtfertigter</span><br/> <span class="ft1">Bereicherung gegen den Beschwerdeführer zu (vgl. Art. 62 OR). Der</span><br/> <span class="ft1">Anspruch war in dem Zeitpunkt entstanden, in dem die Eltern Ausla-</span><br/> <span class="ft1">gen für den Lebensunterhalt des Beschwerdeführers aus ihrem</span><br/> <span class="ft1">Vermögen getätigt hatten. Die Höhe des Rückerstattungsanspruchs</span><br/> <span class="ft1">der Eltern und der entsprechenden Schuld des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">war im Zeitpunkt der Bezahlung der Lebenshaltungskosten aus dem</span><br/> <span class="ft1">Vermögen der Eltern bestimmbar gewesen. Aus diesem Grund (vgl.</span><br/> <span class="ft1">BGE 142 V 311 E. 3.3 S. 314) sind die den Eltern zugesprochenen</span><br/> <span class="ft1">Beträge für den Lebensunterhalt des Beschwerdeführers in der</span><br/> <span class="ft1">Berechnung des Ergänzungsleistungsanspruchs rückwirkend ab Ja-</span><br/> <span class="ft1">nuar 2010 so zu berücksichtigen, wie wenn sie bereits damals mit</span><br/> <span class="ft1">Geldern des Beschwerdeführers bezahlt worden wären.</span><br/></div> </div> </body> </html>