<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">491</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Gesundheitsrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>97</b></span> <span class="ft3"><b>Disziplinarverfahren</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Anwendbarkeit des MedBG</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Führung einer umfassenden Krankenakte gehört zu den Pflich-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ten eines Zahnarztes.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Der Zahnarzt muss Patientinnen und Patienten nicht nur über die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Diagnose und die Behandlung aufklären, sondern auch über die Be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>handlungskosten.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die ausgesprochene Verwarnung als mildeste Disziplinarstrafe ist an-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gesichts der verletzten Berufspflichten angemessen.</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 20. August 2014 i.S. C.M.</span><br/> <span class="ft6">gegen Departement Gesundheit und Soziales (RRB-Nr. 2014-000899).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft10">2.</span><br/> <span class="ft10">2.1.</span> <span class="ft10">C.M. macht geltend, dass das Gesetz über die Medizinal-</span><br/> <span class="ft10">berufe nur auf Personen anwendbar sei, die einen universitären Me-</span><br/> <span class="ft10">dizinalberuf selbständig ausüben. Er aber sei Geschäftsführer der X.</span><br/> <span class="ft10">GmbH und als solcher Angestellter der GmbH und nicht selbständig</span><br/> <span class="ft10">erwerbend. Aufgrund der Verletzung des Bundesrechts sei die Verfü-</span><br/> <span class="ft10">gung aufzuheben.</span><br/> <span class="ft10">2.2</span><br/> <span class="ft10">Das spricht im 6. Kapitel (Berufsausübung und Fortbildung) in</span><br/> <span class="ft10">der Tat von der "selbständigen Ausübung eines universitären Medi-</span><br/> <span class="ft10">zinalberufs". Gemäss Botschaft vom 3. September 2004 werden als</span><br/> <span class="ft10">Kriterien zur Abgrenzung zwischen der selbständigen und der un-</span><br/> <span class="ft10">selbständiger Erwerbstätigkeit diejenigen herbeigezogen, die im</span><br/> <span class="ft10">Steuer- und Sozialversicherungsrecht gelten. Gemäss den von der</span><br/> <span class="ft10">Rechtsprechung entwickelten Kriterien spreche für eine unselbstän-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">492</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">dige Erwerbstätigkeit unter anderem das Bestehen eines Subordina-</span><br/> <span class="ft10">tionsverhältnisses und das Fehlen eines Unternehmerrisikos. Auf eine</span><br/> <span class="ft10">selbständige Tätigkeit weisen die Vornahme von Investitionen, die</span><br/> <span class="ft10">Benützung eigener Geschäftsräume, Unternehmerrisiko, volle Ver-</span><br/> <span class="ft10">antwortung nach aussen und die Beschäftigung von eigenem Per-</span><br/> <span class="ft10">sonal hin (vgl. Botschaft vom 3. Juli 2013, Botschaft zur Änderung</span><br/> <span class="ft10">des Medizinalberufegesetzes, S. 6209).</span><br/> <span class="ft10">2.3</span><br/> <span class="ft10">Laut Handelsregistereintrag ist C.M. der alleinige Gesellschaf-</span><br/> <span class="ft10">ter und Geschäftsführer der X. GmbH und hat das Stammkapital von</span><br/> <span class="ft10">Fr. 20'000.- alleine geleistet. Der Zweck der X. GmbH wird wie</span><br/> <span class="ft10">folgt umschrieben:</span><br/> <span class="ft8"><i>"Entwicklung, Vermarktung, Vermittlung und Verkauf eines Pro-</i></span><br/> <span class="ft8"><i>jektes und Produktes namens "X. mit ökologischer Komponente an</i></span><br/> <span class="ft8"><i>Zahnkliniken, Zahnarztpraxen und/oder entsprechende Kompetenz-</i></span><br/> <span class="ft8"><i>zentren zu preisvorteilhaften Zahnbehandlungen sowie Offerieren</i></span><br/> <span class="ft8"><i>und Durchführen von praktischen und theoretischen Fortbildungs-</i></span><br/> <span class="ft8"><i>veranstaltungen in der ganzen Schweiz; kann Zweigniederlassungen</i></span><br/> <span class="ft8"><i>errichten, sich an Unternehmen beteiligen, sich mit diesen zusam-</i></span><br/> <span class="ft8"><i>menschliessen, Tochtergesellschaften errichten sowie Grundeigen-</i></span><br/> <span class="ft8"><i>tum erwerben, veräussern, belasten und vermieten."</i></span><br/> <span class="ft10">Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, tritt C.M. gegenüber</span><br/> <span class="ft10">seinen Patientinnen und Patienten in seinem eigenem Namen als</span><br/> <span class="ft10">Rechnungssteller und Leistungserbringer auf. Auch die Zahnärzte-</span><br/> <span class="ft10">kasse AG erwähnte nur den Namen des C.M. und nicht die X.</span><br/> <span class="ft10">GmbH. Ebenfalls stellte die Vorinstanz korrekt fest, dass die Führung</span><br/> <span class="ft10">der Zahnarztpraxis nicht zum eigentlichen Zweck der X. GmbH</span><br/> <span class="ft10">gehört. C.M. trägt das alleinige finanzielle Risiko und hat das</span><br/> <span class="ft10">Stammkapital alleine eingebracht. C.M. führt die Praxis und stellt</span><br/> <span class="ft10">das Personal an und ist an keine Weisungen eines Arbeitgebers ge-</span><br/> <span class="ft10">bunden. Dass sich nun C. M. als Angestellter hinter seiner GmbH</span><br/> <span class="ft10">"versteckt" und das MedBG für nicht-anwendbar hält, grenzt an</span><br/> <span class="ft10">Rechtsmissbrauch.</span><br/> <span class="ft10">Die Vorinstanz verletzte das Bundesrecht nicht, indem sie das</span><br/> <span class="ft10">MedBG anwandte.</span><br/> <span class="ft10">3.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">493</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">3.1</span><br/> <span class="ft10">C.M. bringt vor, dass er die Aufklärungspflicht nicht verletzt</span><br/> <span class="ft10">habe. Er habe bei Y. ein Panoramabild erstellt und sie über die</span><br/> <span class="ft10">Kosten informiert, welche mit den geplanten Massnahmen entstehen</span><br/> <span class="ft10">würden. Die wirtschaftliche Aufklärung beschränke sich darauf, dass</span><br/> <span class="ft10">der Arzt den Patienten darüber aufzuklären habe, falls die obli-</span><br/> <span class="ft10">gatorische Krankenversicherung die Kosten der Behandlung nicht</span><br/> <span class="ft10">übernehmen werde. Art. 31 KVG vom 18. März 1994 i.V.m. Art. 17-</span><br/> <span class="ft10">19a der Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen</span><br/> <span class="ft10">Krankenversicherung (Krankenpflege-Leistungsverordnung, KLV)</span><br/> <span class="ft10">vom 29. September 1995 sei auf andere Medizinalpersonen zuge-</span><br/> <span class="ft10">schnitten und nicht auf Zahnärzte, da die obligatorische Kranken-</span><br/> <span class="ft10">versicherung die zahnärztliche Behandlungskosten nur dann bezahle,</span><br/> <span class="ft10">wenn der Zahnschaden durch eine "schwere, nicht vermeidbare</span><br/> <span class="ft10">Erkrankung des Kausystems" oder durch eine schwere Allgemeiner-</span><br/> <span class="ft10">krankung bedingt sei.</span><br/> <span class="ft10">3.2</span><br/> <span class="ft10">Der Zahnarzt hat die Patientin bzw. den Patienten über den</span><br/> <span class="ft10">Ablauf und die Wirkung der geplanten Behandlung aufzuklären. Die</span><br/> <span class="ft10">Aufklärungspflicht ergibt sich einerseits aus dem Persönlichkeits-</span><br/> <span class="ft10">schutz der Patientin bzw. des Patienten gemäss Art. 28 ff. ZGB sowie</span><br/> <span class="ft10">aus dem Auftragsrecht und dem Deliktsrecht des OR (Art. 394 ff.</span><br/> <span class="ft10">bzw. Art. 41 ff. OR). Ebenfalls ist die Aufklärungspflicht als Berufs-</span><br/> <span class="ft10">pflicht im kantonalen öffentlichen Recht in § 28 Abs. 2 lit. b GesG</span><br/> <span class="ft10">i.V.m. § 3 der Verordnung über die Rechte und Pflichten der Patient-</span><br/> <span class="ft10">innen und Patienten (Patientenverordnung, PatV) vom 11. November</span><br/> <span class="ft10">2009 explizit geregelt; im Bundesrecht wird die Pflicht zur Auf-</span><br/> <span class="ft10">klärung der Patientin bzw. des Patienten aus Art. 40 Abs. 1 lit. c</span><br/> <span class="ft10">MedBG abgeleitet. Als Berufspflichten gemäss Art. 40 MedBG sind</span><br/> <span class="ft10">die Verhaltenspflichten zu verstehen, die Personen, die universitäre</span><br/> <span class="ft10">Medizinalberufe selbständig ausüben, bei der Ausübung ihres Berufs</span><br/> <span class="ft10">zu befolgen haben. Die Berufspflichten bezwecken, die Medizinal-</span><br/> <span class="ft10">person zu einem Verhalten zu bewegen, welches das Vertrauen der</span><br/> <span class="ft10">Patientinnen und Patienten gewährleistet. Ausserdem sollen das An-</span><br/> <span class="ft10">sehen der Medizinalberufe in der Öffentlichkeit und die Qualität der</span><br/> <span class="ft10">medizinischen Dienstleistungen gewahrt bleiben (vgl. W</span><span class="ft6">ALTER</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">494</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">F</span><span class="ft6">ELLMANN</span><span class="ft10">, Kommentar zu Art. 40 N 8 f., in: A</span><span class="ft6">RIANE</span> <span class="ft10">A</span><span class="ft6">YER</span><span class="ft10">/U</span><span class="ft6">ELI</span><br/> <span class="ft10">K</span><span class="ft6">IESER</span><span class="ft10">/T</span><span class="ft6">OMAS</span> <span class="ft10">P</span><span class="ft6">OLEDNA</span><span class="ft10">/D</span><span class="ft6">OMINIQUE</span> <span class="ft10">S</span><span class="ft6">PRUMONT</span><span class="ft10">, [Hrsg.], Medizi-</span><br/> <span class="ft10">nalberufegesetz [MedBG], Basel 2009). Die Patientin bzw. der</span><br/> <span class="ft10">Patient soll in der Lage sein, der vorgeschlagenen Behandlung zuzu-</span><br/> <span class="ft10">stimmen oder sie abzulehnen, dies gehört zum Selbstbestimmungs-</span><br/> <span class="ft10">recht. Empfehlenswert ist die Aushändigung eines Aufklärungs-</span><br/> <span class="ft10">formulars wie es die Ärztin bzw. der Arzt benutzt, in welchem die</span><br/> <span class="ft10">Behandlung und die etwaigen Risiken aufgeführt werden, und wel-</span><br/> <span class="ft10">ches die Patientin bzw. der Patient vor der Behandlung unterschreibt.</span><br/> <span class="ft10">Falls die Aufklärung nur mündlich erfolgt, sollte zumindest in der</span><br/> <span class="ft10">Krankengeschichte die Durchführung des Aufklärungsgesprächs do-</span><br/> <span class="ft10">kumentiert werden mit Hinweisen auf die erfolgte Information über</span><br/> <span class="ft10">Diagnose und Art der geplanten Massnahme, mögliche Risiken, Al-</span><br/> <span class="ft10">ternativbehandlungen und über den Behandlungsplan (vgl. C</span><span class="ft6">LAUDIA</span><br/> <span class="ft10">F</span><span class="ft6">INK</span><span class="ft10">, Aufklärungspflicht von Medizinalpersonen [Arzt, Tierarzt,</span><br/> <span class="ft10">Apotheker], Bern, 2008, S. 206). Der Zahnarzt trägt wie der Arzt die</span><br/> <span class="ft10">Beweislast für die gehörige Aufklärung (BGE 117 Ib 202; 133 III</span><br/> <span class="ft10">129; 4A_485/2009).</span><br/> <span class="ft10">3.3</span><br/> <span class="ft10">Y. gab im Schreiben vom 6. Februar 2014 an, dass C.M. im</span><br/> <span class="ft10">Anfangsgespräch von Ersatz der Amalgamfüllungen gesprochen und</span><br/> <span class="ft10">ihr mündlich einen Kostenvoranschlag von rund Fr. 3'000.- unter-</span><br/> <span class="ft10">breitet habe. Erst am 17. Dezember 2009 habe er erstmals Kronen</span><br/> <span class="ft10">erwähnt. Am 19. Januar 2010 als sie die definitive Rechnung erhalten</span><br/> <span class="ft10">habe, sei sie über die Höhe der gesamten Behandlungskosten in</span><br/> <span class="ft10">Kenntnis gesetzt worden. Betreffend die Behandlung hätten sich sie</span><br/> <span class="ft10">und C.M. lediglich über den Ersatz der Amalgamfüllungen durch</span><br/> <span class="ft10">Kunststofffüllungen geeinigt.</span><br/> <span class="ft10">Aus der Krankenakte ist nicht ersichtlich, dass C.M. die</span><br/> <span class="ft10">Patientin über die Behandlung und deren Ablauf aufgeklärt hat. Auch</span><br/> <span class="ft10">dass er mit ihr ein Aufklärungsgespräch geführt hat, geht aus der</span><br/> <span class="ft10">Krankengeschichte nicht hervor.</span><br/> <span class="ft10">Im Weiteren trägt der Zahnarzt auch eine Aufklärungspflicht</span><br/> <span class="ft10">über die Kosten (vgl. § 3 Abs. 1 lit. c PatV). Es trifft zwar zu, dass</span><br/> <span class="ft10">die Krankenversicherung im vorliegenden Fall die Behandlungs-</span><br/> <span class="ft10">kosten nicht übernimmt. Davon ging die Patientin denn auch nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">495</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">aus. Bei Behandlungskosten jedoch in der Höhe von Fr. 18'200.-</span><br/> <span class="ft10">musste die Patientin von Anfang an informiert werden und nicht erst,</span><br/> <span class="ft10">als Y. die definitive Rechnung erhielt. Dies umso mehr, als C.M. klar</span><br/> <span class="ft10">war, dass die Krankenversicherung eben nicht für die Behandlungs-</span><br/> <span class="ft10">kosten aufkommt. Bei einem nicht notfallmässigen Eingriff, der mit</span><br/> <span class="ft10">so hohen Kostenfolgen verbunden ist, ist es geboten, die Patientin zu</span><br/> <span class="ft10">Beginn in einem Aufklärungsgespräch gründlich zu informieren, da-</span><br/> <span class="ft10">mit sie gegebenenfalls eine Zweitmeinung einholen und sich den</span><br/> <span class="ft10">Entscheid in Ruhe überlegen kann. Diese Chance wurde ihr genom-</span><br/> <span class="ft10">men. Aus der Krankenakte ergeben sich keine Hinweise, dass C.M.</span><br/> <span class="ft10">Y. über die Behandlung aufgeklärt hat. Ebenfalls wurden die Be-</span><br/> <span class="ft10">handlungskosten von über Fr. 18'000 .- (Kostenvoranschlag und Be-</span><br/> <span class="ft10">sprechung) erst am 19. Januar 2010 in der Krankenakte vermerkt. Y.</span><br/> <span class="ft10">musste nicht damit rechnen, dass die von C.M. vorgesehene Behand-</span><br/> <span class="ft10">lung über Fr. 18'000.- kosten würde. Sie bezahlte die Rechnungen in</span><br/> <span class="ft10">der Höhe von total Fr. 3'500.- nur für das Ersetzen der Amalgam-</span><br/> <span class="ft10">füllungen. Y. konnte aufgrund der mangelhaften Aufklärung davon</span><br/> <span class="ft10">ausgehen, dass dies der Endbetrag für ihre Behandlung sei und es</span><br/> <span class="ft10">sich nicht um Akonto-Rechnungen handelt.</span><br/> <span class="ft10">4.</span><br/> <span class="ft10">4.1</span><br/> <span class="ft10">C.M. ist der Ansicht, dass das Erstellen eines Panoramabildes</span><br/> <span class="ft10">mit anschliessender Besprechung ein Standardvorgehen sei. Es stim-</span><br/> <span class="ft10">me nicht, dass er die Krankenakte nur rudimentär geführt habe.</span><br/> <span class="ft10">4.2</span><br/> <span class="ft10">Die Führung einer Patientendokumentation ist in § 15 Abs. 1 lit.</span><br/> <span class="ft10">b GesG i.V.m. § 55 ff. VBOB geregelt. Die Krankenakte muss</span><br/> <span class="ft10">vollständig sein und umfasst die Anamnese des Zahnarztes, die</span><br/> <span class="ft10">angeordnete Therapie bzw. Massnahmen und den Ablauf und Ge-</span><br/> <span class="ft10">genstand der Aufklärung (vgl. C</span><span class="ft6">LAUDIA</span> <span class="ft10">F</span><span class="ft6">INK</span><span class="ft10">, a.a.O., S. 184; W</span><span class="ft6">AL</span><span class="ft11">-</span><br/> <span class="ft6">TER</span> <span class="ft10">F</span><span class="ft6">ELLMANN</span><span class="ft10">, in: M</span><span class="ft6">ORITZ</span> <span class="ft10">W.</span> <span class="ft10">K</span><span class="ft6">UHN</span><span class="ft10">/T</span><span class="ft6">HOMAS</span> <span class="ft10">P</span><span class="ft6">OLEDNA</span> <span class="ft10">[Hrsg.]</span><br/> <span class="ft10">Arztrecht in der Praxis, Zürich 2007, 2. Auflage, S. 136 f.). Diese</span><br/> <span class="ft10">Pflicht bildet Teil der sorgfältigen Behandlung. Sie dient wie</span><br/> <span class="ft10">vorstehend erwähnt auch der Beweissicherung für die (Zahn)ärztin</span><br/> <span class="ft10">bzw. für den Zahn(arzt).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">496</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Für eine derart umfassende Behandlung mit erheblichen Kos-</span><br/> <span class="ft10">ten, wie sie C.M. bei Y. geplant hat, ist erstaunlich, dass keine ge-</span><br/> <span class="ft10">naueren Ausführungen in der Krankengeschichte angebracht worden</span><br/> <span class="ft10">sind. In der Tat ist die Krankenakte von Y. sehr dürftig geführt. Es</span><br/> <span class="ft10">fehlen Hinweise auf Aufklärung, Endkosten und sämtliche von An-</span><br/> <span class="ft10">fang geplanten Massnahmen der Behandlung. Auch in diesem Punkt</span><br/> <span class="ft10">ist der Vorwurf der Vorinstanz nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft10">5.</span><br/> <span class="ft10">Wie die obigen Ausführungen zeigen, hat C.M. die Berufs-</span><br/> <span class="ft10">pflichten gemäss dem Medizinalberufegesetz und dem kantonalen</span><br/> <span class="ft10">Gesundheitsgesetz verletzt. Die Vorinstanz ist die kantonale Auf-</span><br/> <span class="ft10">sichtsbehörde für selbständig tätige Personen, die einen universitären</span><br/> <span class="ft10">Medizinalberuf ausüben. Sie trifft die für die Einhaltung der Berufs-</span><br/> <span class="ft10">pflichten nötigen Massnahmen (vgl. Art. 41 MedBG). Gemäss</span><br/> <span class="ft10">Art. 43 Abs. 1 lit. a MedBG kann die Aufsichtsbehörde bei Ver-</span><br/> <span class="ft10">letzung der Berufspflichten, der Vorschriften dieses Gesetzes oder</span><br/> <span class="ft10">von Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetz als leichteste Dis-</span><br/> <span class="ft10">ziplinarmassnahme eine Verwarnung aussprechen. Das öffentliche</span><br/> <span class="ft10">Interesse an einer qualitativ einwandfreier Behandlung und Einhal-</span><br/> <span class="ft10">tung der Berufspflichten ist höher zu gewichten als das Interesse des</span><br/> <span class="ft10">Beschwerdeführers, nicht diszipliniert zu werden. Die Verwarnung</span><br/> <span class="ft10">ist die mildeste Disziplinarmassnahme und ist geeignet, die Rechte</span><br/> <span class="ft10">der Patientinnen und Patienten gemäss Art. 40 lit. c MedBG zu</span><br/> <span class="ft10">wahren. Die Aussprechung einer Disziplinarmassnahme ist ange-</span><br/> <span class="ft10">sichts der verletzten Berufspflichten angemessen.</span><br/> <span class="ft10">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>