Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 16. Mai 2018 (810 16 47) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / Straffälligkeit Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin i.V. Jenny Rohr Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Andreas Bernoulli, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 144 vom 2. Februar 2016) A. Der 1976 in Deutschland geborene und aufgewachse ne tunesische Staatsangehörige A.____ reiste am 20. Juni 2012 zur Vorbereitung der Hochzeit mit der Schweizer Bürgerin B.____ in die Schweiz ein. Am 29. Juni 2012 heirate te er B.____ und erhielt in der Folge eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Im Rahmen einer Leumundsabklärung vom 4. Juni 2015 erfuhr das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM), dass A.____ vor seiner Einreise in die Schweiz in Deutschland insbesondere als Jugendlicher mehrfach straffällig geworden war. Aufgrund dieser Straffälligkeit wurde er am 22. Mai 1995 durch das Am tsgericht Stuttgart zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren (Gesamtstrafe) verurteilt. C. In der Schweiz wurde A.____ dreimal wegen Verletzu ng von Verkehrsregeln verurteilt. Am 26. März 2015 verurteilte ihn sodann das Strafgericht des Kantons Zug wegen gewerbs- mässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfa chen versuchten betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage und mehrfachen Hausfriedensbruchs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten und einer bed ingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen. Die dieser Verurteilung zugrunde liegenden Taten beg ing A.____ im Oktober und November 2008. D. Am 4. August 2015 verfügte das AfM die Nichtverläng erung der Aufenthaltsbewilligung von A.____ und wies ihn aus der Schweiz weg. E. Eine von A.____ und B.____, beide vertreten durch D r. Andreas Bernoulli, Advokat in Basel, dagegen erhobene Beschwerde wies der Regierung srat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 144 vom 2. Februar 2016 ab. F. Dagegen erhoben A.____ und B.____, weiterhin vert reten durch Advokat Andreas Bernoulli, am 8. Februar 2016 Beschwerde beim Kanton sgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie be antragen die vollumfängliche Auf- hebung des RRB vom 2. Februar 2016, die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Be- schwerdeführers und das Absehen von einer Wegweisung; alles unter o/e-Kostenfolge. G. Der Regierungsrat liess sich mit Schreiben vom 31. Mai 2016 vernehmen und bean- tragte die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. H. Mit Verfügung vom 4. Juli 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwie- sen. I. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 8. Februar 201 7 wurde das Verfahren wegen eines bei der Staatsanwaltschaft Solothurn gegen den B eschwerdeführer hängigen Strafverfah- rens betreffend Urkundenfälschung sistiert. J. Auf Antrag der Beschwerdeführer hin wurde die Sistie rung des kantonsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens am 29. Januar 2018 aufgehoben un d der Fall erneut zur Beurteilung an die Kammer überwiesen. K. Die gegen den Beschwerdeführer geführte Strafunte rsuchung betreffend Urkundenfäl- schung ist weiterhin hängig. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Be- schwerde eingetreten werden kann. 1.2 Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung und die damit verbun dene Wegweisung des Beschwerdefüh- rers zu Recht erfolgt sind. 3.1 Ausländische Ehegatten von Schweizer Bürgern haben Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005). Aufgrund der am 29. Juni 2012 geschlossenen Ehe des Beschwerdeführers mit der Schweizer Bürgerin B.____, mit welcher er zusammenwoh nt, hat dieser grundsätzlich einen Anspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung seiner Aufent haltsbewilligung. Die Ansprüche nach Art. 42 AuG erlöschen unter anderem dann, wenn Wider rufsgründe nach Art. 63 AuG vorliegen (Art. 51 Abs. 1 lit. b AuG). Dies ist namentlich der Fall, wenn eine ausländische Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde (Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG). Als "längerfristig" gilt jede Fre iheitsstrafe, deren Dauer ein Jahr überschreitet (BGE 139 I 31 E. 2.1) und zwar unabhängig davon, ob die Strafe bedingt, teilbedingt oder un- bedingt zu vollziehen ist (Urteil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). 3.2 Das AfM machte in seiner Verfügung vom 4. August 20 15 geltend, der Beschwerde- führer habe, indem er bei seiner Anmeldung in der S chweiz seine Vorstrafe aus dem Jahr 1995 verschwiegen habe, den Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG erfüllt. Sodann habe er durch seine Verurteilung vom 26. März 2015 den Widerru fsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG und aufgrund der Menge an Straftaten sowie der lange n Kontinuität der Straftaten zusätzlich den Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG erfüllt. 3.3 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Strafger ichts des Kantons Zug vom 26. März 2015 wegen gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfach er Sachbeschädigung, mehrfa- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen versuchten betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbe itungsanlage und mehrfachen Hausfriedensbruchs zu einer 16-monatigen bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. 3.4 Der Beschwerdeführer bestreitet zwar nicht, dass m it seiner Verurteilung zu einer län- gerfristigen Freiheitsstrafe das Kriterium von Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG formal erfüllt ist. Er ver- neint aber das Vorliegen von Widerrufsgründen mit dem Argument, die dem Urteil zugrunde liegende Delinquenz liege mehrere Jahre zurück. Denn di e Straftaten, zu welchen er mit Urteil des Strafgerichts vom 16. März 2015 verurteilt worden sei, habe er bereits im Jahr 2008 began- gen. Demnach handle es sich um Delikte aus dem Zeitraum vo r seiner Einreise in die Schweiz, welche aufgrund des Zeithorizonts vorliegend nicht berücksichtigt werden dürften. Die Kritik des Beschwerdeführers stellt im Grunde genommen die Verhäl tnismässigkeit der Massnahme in Frage. Darauf wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Demzufolge ist trotz des längeren Zeithorizonts vorliegend festzuhalten, dass de r Beschwerdeführer zu einer Freiheits- strafe von mehr als einem Jahr verurteilt wurde. Der Wi derrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG ist somit erfüllt. 3.5 Ob die weiteren vom AfM angeführten Widerrufsgrü nde erfüllt sind, kann damit – wie die Vorinstanz bereits zutreffend festgestellt hat – of fengelassen werden. 4.1 Liegt ein Widerrufsgrund vor, muss die Massnahme im konkreten Fall auch verhältnis- mässig sein (Art. 96 Abs. 1 AuG). Dies erfordert eine I nteressenabwägung, welche die wesent- lichen Umstände des Einzelfalls berücksichtigt (BGE 135 II 110 E. 2.1). Da der Beschwerdefüh- rer mit einer Schweizerin verheiratet ist und mit ihr zusammenlebt, kann er auch das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. N ovember 1950 anrufen. Somit ist über die landesrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung hi naus eine solche gemäss dem Kon- ventionsrecht vorzunehmen (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; BGE 122 II 1 E. 2). Die konventionsrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung entspricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG. Die Prüfung kann in einem einzigen Schritt vorgenommen werden (Urteile de s Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1 mit Hinweisen). Bei der Prüfung sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurn- herr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 51 AuG N 3; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslän- derrecht, Basel 2009, Rz. 8.48). Verlangt ist insofe rn eine Abwägung der sich gegenüberste- henden privaten Interessen an der Erteilung der Bewill igung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne über wiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit H inweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergangene Zeit- raum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der G rad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die der betro ffenen Person und seiner Familie dro- henden Nachteile zu beachten (BGE 139 I 31 E. 2.3.3 mit Hinweisen; 135 II 377 E. 4.3). Unter anderem ist in diesem Zusammenhang auch dem Kindesinte resse Rechnung zu tragen. Einem Ausländer, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll der weitere Aufenthalt zwar nur mit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht besonderer Zurückhaltung verweigert werden, doch ist die s bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn er hier geboren ist und sein ganzes bis- heriges Leben im Land verbracht hat. Bei schweren Str aftaten, Rückfall und wiederholter Delin- quenz besteht – überwiegende private oder familiäre B indungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein öffentliches Interesse daran, zur Aufrechterh altung der Ordnung bzw. Verhütung von (weiteren) Straftaten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1 und 2.3.2 mit Hinweisen). 4.2 Demzufolge ist anhand der aufgezeigten Rechtslage zu prüfen, ob unter Berücksich- tigung der konkreten Umstände die öffentlichen Interessen an der Nichtverlängerung der Auf- enthaltsbewilligung die privaten Interessen des Beschw erdeführers an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen. 4.3 Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Versch uldens und die fremdenpoli- zeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafgericht verh ängte Strafe (Urteil des Bundesge- richts 2C_295/2009 E. 5.3 nicht publ. in BGE 135 II 37 7; BGE 129 II 215 E. 3.1). Bei schweren Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz best eht regelmässig ein wesentliches öffent- liches Interesse daran, zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Verhütung von (weiteren) Straf- taten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (BGE 139 I 31 E. 2.3.1 f.). 4.4 Die Vorinstanz erwog diesbezüglich, dass der Beschw erdeführer wiederholt und in unterschiedlichem Masse sowohl gegen die deutsche als auch ge gen die schweizerische Rechtsordnung verstossen habe. Nach der Verbüssung seiner Jugendstrafen sei der Be- schwerdeführer deshalb auch aus Deutschland weggewiesen worden. Auch wenn die Geset- zesverstösse des Beschwerdeführers, dessen Verurteilung vom 2 6. März 2015 zu 16 Monaten Freiheitsstrafe (bedingt) und die seither begangenen Strassenverkehrsdelikte aufgrund des verhängten Strafrahmens für sich alleine nicht als erhe blich scheinen mögen, sei nicht zu über- sehen, dass der Beschwerdeführer über zwei Jahrzehnte hin weg in unregelmässigen Abstän- den delinquiert habe. Auch wenn die Jugendstrafen stra frechtlich verjährt seien, könnten sie ausländerrechtlich von gewisser Relevanz sein, insbesondere wenn das Verhalten über Jahre hinweg immer wieder zu Klagen Anlass gegeben habe und das jüngste Delikt (einfache Verlet- zung der Verkehrsregeln) gerade einmal eineinhalb Jahr e zurückliege. Im Rahmen der Interes- senabwägung sei sodann zu beachten, dass sich der Beschwerdef ührer erst seit rund dreiein- halb Jahren in der Schweiz aufhalte, weshalb nicht von g ewichtigen privaten Interessen, die für einen Verbleib in der Schweiz sprechen würden, ausgega ngen werden könne. Ausser der Ehe- frau lebten die gesamte nahe Verwandtschaft im Ausland . Für den Beschwerdeführer spreche der Umstand, dass er in beruflicher bzw. wirtschaftlicher und auch soziale Hinsicht in der Schweiz integriert sei. Insgesamt überwiege das öffentliche Interesse an einer Wegweisung die privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz. 4.5 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, dass angesich ts des offensichtlichen Unter- schieds zwischen seinen früheren Lebensverhältnissen und seinem heutigen stabilen Familien-, Berufs- und Sozialleben von einer günstigen Legalprogno se auszugehen sei. Insbesondere falle ins Gewicht, dass sich das Urteil, das die zur Diskussion stehende fremdenpolizeiliche Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Massnahme ausgelöst habe, auf delinquentes Verhalten im Oktober und November 2008 bzw. auf ein nun mehr als neun Jahre zurückliegendes Fehlverhalten beziehe. Seit seiner Einreise in die Schweiz halte er sich, abgesehen von kleineren SVG-De likten, an die hiesige Rechtsord- nung. Er habe seit bald zwei Jahren keinen Anlass mehr zur Klage gegeben. 5.1 Am 26. März 2015 wurde der Beschwerdeführer wegen gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen versuchten bet rügerischen Missbrauchs einer Da- tenverarbeitungsanlage und mehrfachen Hausfriedensbruches zu einer bedingten Freiheitsstra- fe von 16 Monaten und einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen verurteilt. Gemäss dem Strafurteil betrug der massgebende Strafrahmen 91 Ta gessätze Geldstrafe bis 15 Jahre Frei- heitsstrafe. Vor diesem Hintergrund erscheint die Ver urteilung zu 16 Monaten bedingt nicht als besonders hoch. Vielmehr bewegt sich die Verurteilung eher im unteren Bereich des Strafrah- mens. Demnach kann von einem mittelschweren Verschulden ausgegangen werden, zumal auch das Strafgericht die glaubhaft gezeigte Einsicht und Reue des Beschwerdeführers sowie den Umstand der lange zurückliegenden Taten strafminder nd berücksichtigt hatte. Dem Be- schwerdeführer ist zudem beizupflichten, dass es sich bei den der ausländerrechtlichen Mass- nahme zugrundeliegenden Delikten um solche handelt, w elche er im Jahr 2008, d.h. vor seiner Einreise, begangen hatte. Nach seiner Einreise in die S chweiz wurde der Beschwerdeführer sodann zwei Mal wegen einfacher Verletzung der Verkehrsre geln und einmal wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln strafrechtlich verurteilt . Zusammenfassend ergibt sich daraus dennoch ein öffentliches Interesse an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und der Wegweisung des Beschwerdeführers. 5.2 Dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Be schwerdeführers sind die priva- ten Interessen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau an dessen Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Bezüglich der persönlichen Verhältn isse und dem privaten Interesse des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass der Beschwerdefüh rer zwar erst im Alter von 34 Jah- ren in die Schweiz eingereist ist. Allerdings hat er sei ne prägenden Jugendjahre nicht in seiner Heimat Tunesien, sondern in Deutschland verbracht. Er ist in der Schweiz sodann – wie bereits die Vorinstanz zutreffend anerkannt hat – in sprachliche r, beruflicher und sozialer Hinsicht sehr gut integriert und lebt ein intaktes Familienleben mi t seiner Ehefrau, einer Schweizer Bürgerin. Auch pflegt er eine enge Beziehung zu der im gleichen Haushalt wohnenden vorehelichen Tochter seiner Ehefrau. Ferner ist zu beachten, dass seine gesamte nahe Verwandtschaft nicht in Tunesien, sondern in Deutschland lebt, wo der Beschwer deführer geboren und aufgewach- sen ist. Auch wenn der Beschwerdeführer sich in Tunesie n sprachlich verständigen kann, wür- de ihn eine Rückkehr in seine Heimat hart treffen. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass es der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer aktuellen persönlic hen und beruflichen Umstände wohl kaum zumutbar ist, ihrem Ehemann nach Tunesien zu folge n. Weiter ist in Betracht zu ziehen, dass der Beschwerdeführer die dem Widerrufsgrund zugrun deliegenden Taten vor seiner Ein- reise in die Schweiz und somit vor seiner Ehe begangen hat. In Anbetracht dieser Umstände ist, auch bei einer relativ kurzen Aufenthaltsdauer des Besch werdeführers in der Schweiz, vorlie- gend von einem sehr gewichtigen privaten Interesse des Beschwerdeführers und seiner Familie an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen, welches im R ahmen einer Gesamtwürdigung die öffentlichen Interessen an einer Wegweisung über wiegt. Demgemäss erweist sich die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung des Be- schwerdeführers als nicht verhältnismässig. 6.1 Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, abe r den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). Di e Verwarnung nach Art. 96 Abs. 2 AuG ist eine eigenständige ausländerrechtliche Massnahm e, welche das Verfahren mit einer weniger einschneidenden Folge als der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab- schliesst und einen Endentscheid darstellt (Art. 90 AuG) . Die Verwarnung soll als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsprinzips verhindern, dass es überhaupt zu einer aufenthaltsbeendenden Massnahme kommt, und den Betroffenen auf sein problemat isches Verhalten zu einem Zeit- punkt hinweisen, in welchem sich die Anordnung der anged rohten Massnahme gerade noch nicht rechtfertigt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_ 114/2012 vom 26. März 2013 E. 1.1; 2A.737/2004 vom 30. März 2005 E. 2; in: Die Praxis 2006 Nr. 26 S. 184). Sollte der Beschwer- deführer in absehbarer Zeit in relevanter Weise erneu t straffällig werden und damit das durch das Gericht in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchen, muss e r trotz seinen gewichtigen privaten Interessen mit einer Nichtverlängerung bzw. mit einem W iderruf seiner Aufenthaltsbewilligung rechnen. Der Beschwerdeführer ist deshalb im Rahmen de s vorliegenden Urteils förmlich aus- länderrechtlich zu verwarnen. 6.2 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweise n, dass die weiterhin hängige Strafun- tersuchung mangels Rechtskraft im vorliegenden Verfahren unberücksichtigt geblieben ist und daher, im Falle einer Verurteilung, erstmals bei eine r späteren Verlängerung der Aufenthalts- bewilligung zu berücksichtigen wäre. 6.3 Zusammenfassend ist die Beschwerde somit gutzuheissen, der Beschwerdeführer aus- länderrechtlich zu verwarnen und das AfM anzuweisen, dem Beschwerdeführer die Aufent- haltsbewilligung zu verlängern. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsrechtliche Verfahren vor dem Kantonsge- richt kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die G erichtsgebühren sowie die Beweis- kosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Den Vorinstanzen werden grundsätzl ich keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dementsprechend sin d im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. In seiner Honorarnot e vom 9. Februar 2018 macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer einen Aufwand von 35 Stunden zu Fr. 250.-- sowie Spe- sen, Porto und Kopien in der Höhe von Fr. 300.90 geltend. Gemäss § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (Tarifordnung) vom 1 7. November 2003 beträgt das Honorar Fr. 200.-- bis Fr. 350.-- pro Stunde, je nach Schwier igkeit und Bedeutung der Sache, der damit verbundenen Verantwortung und der persönlichen und fin anziellen Verhältnisse der zahlungs- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflichtigen oder der auftraggebenden Person. Vorlieg end erscheint ein Stundenansatz von Fr. 250.-- als angemessen. Auch der vom Rechtsvertreter geltend gemachte Aufwand von 35 Stunden ist in Anbetracht, dass im vorliegenden Fall zwei Gerichtsverhandlungen stattgefunden haben, nicht zu beanstanden. Folglich ist dem Beschwerde führer eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 9‘050.90 (inkl. Auslagen) zuzusprechen, welche dem Beschwerde- gegner aufzuerlegen ist. 7.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, so ist die Angelegenheit zu deren Neubeurteilung an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungs- rats (RRB Nr. 144) vom 2. Februar 2016 aufgehoben un d das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft angewiesen, dem B eschwer- deführer die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägunge n ausländerrecht- lich verwarnt. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat den Beschwer- deführern eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 9‘050.90 (inkl. Auslagen) auszurichten. 5. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel- Landschaft zurückgewiesen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.