<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Straf- und Massnahmenvollzug</span> <span class="page_no">279</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>X. Straf- und Massnahmenvollzug</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>45 Vorzeitiger</b></span> <span class="ft2"><b>Strafvollzug</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ausnahmeweises Absehen vom Erfordernis des aktuellen Interesses</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. I./1.2.1.)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das Durchführen von Besuchen der Lebensgefährtin in Räumen mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Trennscheibe ist unverhältnismässig, wenn dies aus Gründen des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Haftzwecks nicht (mehr) erforderlich ist (Erw. II/3.4.3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 24. Oktober 2013 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen X. (WBE.2013.285).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">X. befand sich vom 9. Oktober 2012 bis zum 8. April 2013 in</span><br/> <span class="ft7">Untersuchungshaft, welche zunächst im Zentralgefängnis der Justiz-</span><br/> <span class="ft7">vollzugsanstalt (JVA) Lenzburg und ab dem 5. März 2013 im Be-</span><br/> <span class="ft7">zirksgefängnis Y. vollzogen wurde.</span><br/> <span class="ft7">Am 1. Februar 2013 ersuchte X. erfolglos darum, dass seine Le-</span><br/> <span class="ft7">bensgefährtin ihn in einem Raum ohne Trennscheibe besuchen dürfe.</span><br/> <span class="ft7">Der Gerichtspräsident des Bezirksgerichts Z. bewilligte am</span><br/> <span class="ft7">8. April 2013 das Gesuch um vorzeitigen Strafvollzug und ordnete</span><br/> <span class="ft7">an, die bewilligten Besuche der Lebensgefährtin X.s seien bis zur</span><br/> <span class="ft7">Verhandlung vom 23. Mai 2013, unter Vorbehalt allfälliger Be-</span><br/> <span class="ft7">dingungen durch die zuständige JVA, ohne Trennscheibe durchzu-</span><br/> <span class="ft7">führen.</span><br/> <span class="ft7">Nachdem in der Folge die Besuche ohne Trennscheibe weiter-</span><br/> <span class="ft7">hin verweigert wurden und die dagegen erhobene Beschwerde vom</span><br/> <span class="ft7">Departement Volkswirtschaft und Inneres am 22. Mai 2013 abgewie-</span><br/> <span class="ft7">sen wurde, erhob X., welcher sich zwischenzeitlich im ordentlichen</span><br/> <span class="ft7">Strafvollzug befand, dagegen am 30. Mai 2013 Verwaltungsgerichts-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">280</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">beschwerde mit dem Antrag, Besuche seien ab sofort ohne Trenn-</span><br/> <span class="ft7">scheibe durchzuführen.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">I.</span><br/> <span class="ft7">1.</span><br/> <span class="ft7">1.1. (...)</span><br/> <span class="ft7">1.2.</span><br/> <span class="ft7">1.2.1.</span><br/> <span class="ft7">Zur Beschwerde ist befugt, wer ein schutzwürdiges eigenes</span><br/> <span class="ft7">Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Entscheids hat (§ 42</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 lit. a VRPG).</span><br/> <span class="ft7">Ein Interesse ist in der Regel nur dann schutzwürdig, wenn es</span><br/> <span class="ft7">aktuell oder in einem qualifizierten Sinn künftig ist (M</span><span class="ft5">ICHAEL</span><br/> <span class="ft7">M</span><span class="ft5">ERKER</span><span class="ft7">, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach</span><br/> <span class="ft7">dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Kom-</span><br/> <span class="ft7">mentar zu § 38 - 72 [a]VRPG, Zürich 1998, § 38 N 139; AGVE</span><br/> <span class="ft7">1991, S. 369 f.). Der Nachteil, den der Beschwerdeführer durch die</span><br/> <span class="ft7">angefochtene Verfügung erleidet, muss durch den Rechtsmittelent-</span><br/> <span class="ft7">scheid beseitigt werden können; damit sind Interessen dann nicht</span><br/> <span class="ft7">mehr aktuell, wenn der Nachteil tatsächlich nicht mehr besteht oder</span><br/> <span class="ft7">bereits irreversibel eingetreten ist. Die aargauische Praxis verlangt</span><br/> <span class="ft7">das Vorliegen eines aktuellen praktischen Interesses an der Aufhe-</span><br/> <span class="ft7">bung oder Änderung des angefochtenen Entscheids nicht bloss beim</span><br/> <span class="ft7">Einreichen der Beschwerde, sondern auch noch im Zeitpunkt der Ur-</span><br/> <span class="ft7">teilsfällung (M</span><span class="ft5">ERKER</span><span class="ft7">, a.a.O., § 38 N 140; AGVE 1990, S. 329).</span><br/> <span class="ft7">Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist vom Erfordernis</span><br/> <span class="ft7">des aktuellen Interesses dann abzusehen, wenn sich die mit der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerde aufgeworfenen grundsätzlichen Fragen jeweils unter glei-</span><br/> <span class="ft7">chen oder ähnlichen Umständen wieder stellen könnten, ohne dass</span><br/> <span class="ft7">im Einzelfall rechtzeitig eine höchstrichterliche Prüfung stattfinden</span><br/> <span class="ft7">könnte. Damit ist zugleich gesagt, dass die nachträgliche Überprü-</span><br/> <span class="ft7">fung einer gegenstandslos gewordenen Anordnung sich auf die sich</span><br/> <span class="ft7">in Zukunft mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erneut stellenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Straf- und Massnahmenvollzug</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Streitfragen zu beschränken hat; die Rechtsmittelinstanz beurteilt,</span><br/> <span class="ft7">unter Ausserachtlassen der zufälligen Modalitäten des obsolet gewor-</span><br/> <span class="ft7">denen Falles, die streitigen Grundsatzfragen, wobei sich der Klä-</span><br/> <span class="ft7">rungsbedarf aber aufgrund der individuellen, potentiell wiederhol-</span><br/> <span class="ft7">baren Situation des Beschwerdeführers bestimmt (BGE 131 II 670,</span><br/> <span class="ft7">Erw. 1.2, mit Hinweisen; vgl. auch zur Praxis des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft7">hinsichtlich der Behandlung von bestimmten Rügen [insb. offen-</span><br/> <span class="ft7">sichtliche Verletzung der EMRK] auch wenn ein aktuelles rechtlich</span><br/> <span class="ft7">geschütztes Interesse verneint wird: BGE 136 III 497, Erw. 2.2).</span><br/> <span class="ft7">Diese Grundsätze sind sinngemäss auf die Beschwerdeverfahren ge-</span><br/> <span class="ft7">mäss VRPG anzuwenden.</span><br/> <span class="ft7">1.2.2.-1.2.3. (...)</span><br/> <span class="ft7">II.</span><br/> <span class="ft7">1.-2. (...)</span><br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">3.1. (...)</span><br/> <span class="ft7">3.2.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">In seiner Stellungnahme führte der Gefängnisleiter Y. aus, dass</span><br/> <span class="ft7">aus Gründen der Gefängnissicherheit Besuche in den Bezirksge-</span><br/> <span class="ft7">fängnissen generell (in der Regel in speziell eingerichteten) Be-</span><br/> <span class="ft7">sucherräumen mit Trennscheibe stattfinden würden. Nebst dem</span><br/> <span class="ft7">Nichtvorhandensein eines Besucherzimmers ohne Trennscheibe hät-</span><br/> <span class="ft7">ten die kantonalen Bezirksgefängnisse auch nicht die Möglichkeit,</span><br/> <span class="ft7">mittels Hilfsmitteln wie Detektionsgeräten eine einwandfreie Über-</span><br/> <span class="ft7">prüfung der Besucher und deren Effekten vorzunehmen. Dieser Um-</span><br/> <span class="ft7">stand sei mit der vorhandenen hohen Gefängnissicherheit nicht ver-</span><br/> <span class="ft7">einbar. Dass Gefangene im vorzeitigen Straf- und Massnahmenvoll-</span><br/> <span class="ft7">zug sich anzahlmässig immer häufiger und auch für lange Zeit in den</span><br/> <span class="ft7">Bezirksgefängnissen aufhalten müssten, ändere nichts an der Tatsa-</span><br/> <span class="ft7">che, dass diese Anstalten für andere Haftformen ausgelegt seien. So-</span><br/> <span class="ft7">wohl die betrieblichen als auch die personellen und baulichen Struk-</span><br/> <span class="ft7">turen liessen sich nicht mit denjenigen einer grossen Justizvollzugs-</span><br/> <span class="ft7">anstalt vergleichen. Im Gegensatz zu den anderen Bezirksgefäng-</span><br/> <span class="ft7">nissen hätten die Gefangenen im Bezirksgefängnis Y. aber immerhin</span><br/> <span class="ft7">die Möglichkeit, an Werktagen einer geregelten Arbeit nachzugehen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">282</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Von diesem Angebot werde rege Gebrauch gemacht und auch der</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer nutze dieses. Abschliessend hält der Gefängnislei-</span><br/> <span class="ft7">ter Y. zudem fest, dass alle gewünschten Besuchstermine der Be-</span><br/> <span class="ft7">sucher des Beschwerdeführers im Bezirksgefängnis ohne Schwierig-</span><br/> <span class="ft7">keiten abgehalten werden konnten. Aus seinen dargelegten Ausfüh-</span><br/> <span class="ft7">rungen werde es daher auch in Zukunft nicht möglich sein, in den</span><br/> <span class="ft7">Bezirksgefängnissen Besuche ohne Trennscheibe abhalten zu kön-</span><br/> <span class="ft7">nen.</span><br/> <span class="ft7">3.3. (...)</span><br/> <span class="ft7">3.4.</span><br/> <span class="ft7">3.4.1.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 236 Abs. 1 StPO kann die Verfahrensleitung der</span><br/> <span class="ft7">beschuldigten Person bewilligen, Freiheitsstrafen vorzeitig anzutre-</span><br/> <span class="ft7">ten, sofern der Stand des Verfahrens es erlaubt. Nach der bundesge-</span><br/> <span class="ft7">richtlichen Rechtsprechung stellt der vorzeitige Strafantritt seiner</span><br/> <span class="ft7">Natur nach eine Massnahme auf der Schwelle zwischen Strafverfol-</span><br/> <span class="ft7">gung und Strafvollzug dar. Er soll ermöglichen, dass der angeschul-</span><br/> <span class="ft7">digten Person bereits vor der rechtskräftigen Urteilsfällung ver-</span><br/> <span class="ft7">besserte Chancen auf Resozialisierung im Rahmen des Strafvollzugs</span><br/> <span class="ft7">geboten werden können (BGE 133 I 270, Erw. 3.2.1). Für den vor-</span><br/> <span class="ft7">zeitigen Strafvollzug ist, auch wenn er in einer Strafanstalt erfolgt,</span><br/> <span class="ft7">grundsätzlich das Haftregime der Untersuchungs- bzw. Sicherheits-</span><br/> <span class="ft7">haft massgebend. Die für den ordentlichen Strafvollzug geltenden</span><br/> <span class="ft7">Vollzugserleichterungen können nach Massgabe der Erfordernisse</span><br/> <span class="ft7">des Verfahrenszwecks und gemäss den Notwendigkeiten, die sich aus</span><br/> <span class="ft7">dem jeweils bestehenden besonderen Haftgrund ergeben, beschränkt</span><br/> <span class="ft7">werden (BGE 133 I 270, Erw. 3.2.1 mit weiterem Hinweis; vgl. auch</span><br/> <span class="ft7">Art. 236 Abs. 4 StPO). Hingegen darf insbesondere bei längerer In-</span><br/> <span class="ft7">haftierung nicht ausser Acht bleiben, dass der vorzeitige Strafantritt</span><br/> <span class="ft7">nicht nur der Sicherung des Untersuchungszwecks im Strafverfahren</span><br/> <span class="ft7">dient, sondern gleichzeitig auch vorgezogenen Strafvollzug darstellt,</span><br/> <span class="ft7">der sich so weit wie möglich an den Grundsätzen von Art. 74 f. StGB</span><br/> <span class="ft7">zu orientieren hat.</span><br/> <span class="ft7">3.4.2.</span><br/> <span class="ft7">Die Durchführung von Besuchen in Räumen mit Trennscheiben</span><br/> <span class="ft7">soll in erster Linie verhindern, dass keine Gegenstände und Schrift-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Straf- und Massnahmenvollzug</span> <span class="page_no">283</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">stücke ausgetauscht werden können, ermöglicht aber auch keine</span><br/> <span class="ft7">Berührungen zwischen der inhaftierten Person und dem Besucher.</span><br/> <span class="ft7">Dies beeinträchtigt die Begegnungen des Beschwerdeführers und sei-</span><br/> <span class="ft7">ner Lebensgefährtin und schränkt ihn damit zweifelsohne in seinen</span><br/> <span class="ft7">Freiheitsrechten ein (vgl. auch Entscheid des deutschen Bundesver-</span><br/> <span class="ft7">fassungsgerichts [BVerfGE] 89, 315, Erw. C/I).</span><br/> <span class="ft7">Wie bereits erwähnt, dürfen die Beschränkungen der Freiheits-</span><br/> <span class="ft7">rechte von Gefangenen nicht über das hinausgehen, was zur Gewähr-</span><br/> <span class="ft7">leistung der Haftzwecke und zur Aufrechterhaltung eines ordnungs-</span><br/> <span class="ft7">gemässen Anstaltsbetriebs erforderlich ist. Insbesondere müssen</span><br/> <span class="ft7">Haftbedingungen vor dem verfassungsrechtlichen Anspruch auf per-</span><br/> <span class="ft7">sönliche Freiheit und Schutz des Familien- und Privatlebens stand-</span><br/> <span class="ft7">halten und verhältnismässig sein (Art. 10 Abs. 2, Art. 13 Abs. 1 und</span><br/> <span class="ft7">Art. 31 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 Abs. 3 BV). Das Haftregime darf nicht</span><br/> <span class="ft7">strenger ausfallen, als der jeweilige Haftzweck es sachlich erfordert</span><br/> <span class="ft7">(BGE 123 I 221, Erw. I/4c, 118 Ia 64, Erw. 2d, je mit Hinweisen). In</span><br/> <span class="ft7">Bezug auf Untersuchungs- und Sicherheitshäftlinge hat das Bundes-</span><br/> <span class="ft7">gericht festgehalten, dass die Erfordernisse des Untersuchungs-</span><br/> <span class="ft7">zwecks nur im konkreten Einzelfall präzise bestimmt werden kön-</span><br/> <span class="ft7">nen. Je höher die Flucht- und Kollusionsgefahr erscheint, desto re-</span><br/> <span class="ft7">striktiver können die Haftbedingungen sein. Ebenso sind Einschrän-</span><br/> <span class="ft7">kungen der Freiheitsrechte zur Gewährleistung der Sicherheit der</span><br/> <span class="ft7">Mitgefangenen und des Gefängnispersonals grundsätzlich zulässig</span><br/> <span class="ft7">(BGE 113 Ia 328, Erw. 4). Auch im vorzeitigen Strafvollzug muss</span><br/> <span class="ft7">mithin ein Mindestmass an Sicherheit, darunter auch eine gewisse</span><br/> <span class="ft7">Beschränkung und Kontrolle von Aussenkontakten, gewährleistet</span><br/> <span class="ft7">sein. Eine entsprechend differenzierte Behandlung von strafpro-</span><br/> <span class="ft7">zessualen Häftlingen und Gefangenen im ordentlichen Strafvollzug</span><br/> <span class="ft7">(etwa hinsichtlich Urlaubs- und Besuchsregelung) hält vor der</span><br/> <span class="ft7">Bundesverfassung grundsätzlich stand (vgl. unter anderem BGE 133</span><br/> <span class="ft7">I 270, Erw. 3.2.1, 123 I 221, Erw. 4c, 118 Ia 64, Erw. 2d, je mit Hin-</span><br/> <span class="ft7">weisen).</span><br/> <span class="ft7">3.4.3.</span><br/> <span class="ft7">Zwar ist der Vorinstanz insofern beizupflichten, als es im</span><br/> <span class="ft7">öffentlichen Interesse liegt, den personellen und zeitlichen Aufwand</span><br/> <span class="ft7">im Verwaltungsbetrieb von Gefängnissen nach Möglichkeit auf ein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">284</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">vertretbares Mass zu beschränken. Dies jedoch nur, solange die da-</span><br/> <span class="ft7">raus resultierenden Eingriffe verhältnismässig bleiben (vgl. BGE 118</span><br/> <span class="ft7">Ia 64, Erw. 3).</span><br/> <span class="ft7">Die Vorinstanz legt vorliegend nicht einzelfallbegründend dar,</span><br/> <span class="ft7">inwiefern die Besuche der Lebensgefährtin des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft7">im Hinblick auf den Haftzweck in Räumen mit Trennscheiben</span><br/> <span class="ft7">stattfinden müssen. Insbesondere behauptet die Vorinstanz nicht, dass</span><br/> <span class="ft7">der Beschwerdeführer als besonders gefährlich oder undiszipliniert</span><br/> <span class="ft7">einzustufen wäre bzw. dass er Fluchtversuche unternommen hätte.</span><br/> <span class="ft7">Ebenso wenig werden konkrete Verdunkelungshandlungen oder -ver-</span><br/> <span class="ft7">suche bzw. eine Kollusionsgefahr dargelegt, welcher mit der Durch-</span><br/> <span class="ft7">führung von Besuchen mit einer Trennscheibe wirkungsvoll be-</span><br/> <span class="ft7">gegnet werden könnte.</span><br/> <span class="ft7">Vielmehr kann den Akten entnommen werden, dass mit der Be-</span><br/> <span class="ft7">willigung des Gesuchs des Beschwerdeführers um vorzeitigen Straf-</span><br/> <span class="ft7">vollzug das DVI damit beauftragt wurde, ihn auf den nächstmög-</span><br/> <span class="ft7">lichen Zeitpunkt in eine geeignete Justizvollzugsanstalt zu überfüh-</span><br/> <span class="ft7">ren, und ihm die Durchführung der Besuche seiner Lebensgefährtin</span><br/> <span class="ft7">bis zur Verhandlung vom 23. Mai 2013 ohne Trennscheibe bewilligt</span><br/> <span class="ft7">wurde, wobei allfällige Bedingungen, welche die zuständige Justiz-</span><br/> <span class="ft7">vollzugsanstalt bei diesen Besuchen verfüge, vorbehalten blieben.</span><br/> <span class="ft7">Daraus erhellt klar, dass das Bezirksgericht Z. nicht vom (Wei-</span><br/> <span class="ft7">ter-)Bestand einer Kollusionsgefahr beim Beschwerdeführer ausging,</span><br/> <span class="ft7">ansonsten die Besuche seiner Lebensgefährtin ohne Trennscheibe</span><br/> <span class="ft7">nicht grundsätzlich bewilligt worden wären. Schliesslich kann auch</span><br/> <span class="ft7">der Meldung zum Vollzug von Freiheitsstrafen und Massnahmen des</span><br/> <span class="ft7">Bezirksgerichts Z. vom 13. Juni 2013 entnommen werden, dass beim</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer keine Kollusionsgefahr besteht.</span><br/> <span class="ft7">Demzufolge ist davon auszugehen, dass beim Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft7">rer nicht mehr der Untersuchungszweck, sondern die Resozialisie-</span><br/> <span class="ft7">rung im Vordergrund steht. Deshalb erfordert es der Haftzweck</span><br/> <span class="ft7">vorliegend nicht, das strenge Regime der Untersuchungsunterhaft auf</span><br/> <span class="ft7">den vorzeitigen Strafvollzug anzuwenden bzw. gefährdet eine Locke-</span><br/> <span class="ft7">rung des strafprozessualen Haftregimes, insbesondere in Bezug auf</span><br/> <span class="ft7">die Einschränkung des Besuchsrechts des Beschwerdeführers, den</span><br/> <span class="ft7">Haftzweck nicht. Die Durchführung von Besuchen der Lebensge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Straf- und Massnahmenvollzug</span> <span class="page_no">285</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">fährtin des Beschwerdeführers in Räumen mit Trennscheibe ist damit</span><br/> <span class="ft7">aus Gründen des Haftzwecks nicht (mehr) erforderlich und somit</span><br/> <span class="ft7">nicht verhältnismässig.</span><br/> <span class="ft7">Im Übrigen erscheint es zumindest fraglich, ob allein betriebli-</span><br/> <span class="ft7">che, personelle und bauliche Strukturen der Bezirksgefängnisse als</span><br/> <span class="ft7">,,Gründe der Gefängnissicherheit" im Sinne der Ziff. 12.3 Abs. 6 der</span><br/> <span class="ft7">Hausordnung angeführt werden können, zumal tatsachenwidrig ist,</span><br/> <span class="ft7">dass im Bezirksgefängnis Y. keine Möglichkeit besteht, mittels Hilfs-</span><br/> <span class="ft7">mitteln wie Detektionsgeräten eine Überprüfung der Besucher und</span><br/> <span class="ft7">deren Effekten vorzunehmen, und auch die Vorinstanz einräumt, dass</span><br/> <span class="ft7">ein Besucherraum zur Verfügung steht, wo Inhaftierte mit Anwälten</span><br/> <span class="ft7">und Behördenmitgliedern ohne Trennscheibe kommunizieren kön-</span><br/> <span class="ft7">nen.</span><br/> <span class="ft7">3.5.</span><br/> <span class="ft7">Unter den genannten Umständen wäre es angezeigt gewesen,</span><br/> <span class="ft7">dem Beschwerdeführer die Besuche seiner Lebensgefährtin während</span><br/> <span class="ft7">des vorzeitigen Strafvollzugs - im Sinne einer Ausnahme gemäss</span><br/> <span class="ft7">Ziff. 12.3 Abs. 6 der Hausordnung - ohne Trennscheibe zu gewäh-</span><br/> <span class="ft7">ren. Dies hat umso mehr seit dem 23. Mai 2013 (Beginn des ordentli-</span><br/> <span class="ft7">chen Strafvollzugs) zu gelten. Die Tatsache, dass im gleichen</span><br/> <span class="ft7">Gefängnis neben strafprozessualen Gefangenen auch Strafvollzugs-</span><br/> <span class="ft7">häftlinge untergebracht sind, für die weniger strenge Sicherheitsvor-</span><br/> <span class="ft7">schriften notwendig erscheinen, darf nicht dazu führen, dass auch</span><br/> <span class="ft7">sämtliche Inhaftierte im ordentlichen Strafvollzug dem gleichen</span><br/> <span class="ft7">strengen Regime der Untersuchungs- und Sicherheitshaft unterwor-</span><br/> <span class="ft7">fen werden.</span><br/></div> </div> </body> </html>