B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-155/2014 U r t e i l v o m 1 4 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren (…) bzw. (…), und B._______, geboren (…), Eritrea, beide vertreten durch (…), Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Rechtsverzögerung/Rechtsverweigerung (Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung); N (…). E-155/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ und ihr Ehemann liessen durch den in der Schweiz wohn- haften C._______ mit ans BFM gerichteter Eingabe vom 9. Juli 2012 und unter Beilage eines separaten, von der Beschwerdeführer in verfassten Gesuchs vom 16. Juni 2012 um Asyl und Bewilligung der Einreise zwecks Durchführung des Asylverfahrens in der Schweiz nachsuchen. A.b Mit Schreiben vom 3. November 2012 bedankte sich C._______ beim BFM für die Bewilligung der Einreise des Bruders D._______, der nach Kairo zu gelangen versuche. Er teilte weiter mit, dass die allein und in Furcht in Khartum lebende Beschwerdeführerin hochschwanger und ihr Ehemann seit zwei Monaten verschollen sei ; er sei mutmasslich von der eritreischen Armee entführt worden. A.c Am 12. November 2012 reichte (…) unter Hinweis auf eine zu erwa r- tende Vollmacht, angeblich handelnd für C._______, per Telefax Beweis- mittel zur Schwangerschaft von A._______ ein. Er ersuchte um prioritäre Behandlung des Gesuchs angesichts der schwierigen Umstände in S u- dan (voraussichtliche Niederkunft in weniger als einem Monat , keine Nachrichten vom Kindsvater, Aufenthalt in einem sprachlich, religiös, ku l- turell und politisch fremden Land) und unter Hinweis auf die Uno - Kinderrechtskonvention. B. B.a Mit Zwischenverfügung vom 14. November 2012 teilte das Bunde s- amt gegenüber C._______ mit, die Botschaft in Khartum sei aufgrund des begrenzten Personalbestandes und fehlender Voraussetzungen im s i- cherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht in der Lage, Befr a- gungen von Asylsuchenden durchzuführen. Es lud ihn respektive die Be- schwerdeführerin zwecks Vervollständigung des rechtserheblichen Sac h- verhalts zur Beantwortung eines Fragenkatalogs ein und forderte eine auf ihn lautende Vollmacht der Beschwerdeführerin ein. B.b Am 16. November 2012 trafen beim BFM die Vollmacht für C._______ vom 6. November 2012 und dessen Vollmachtserteilung für (…) (Rechtsvertreter) vom 15. November 2012 ein. B.c Der Rechtsvertreter beantwortete am 12. Dezember 2012, unter Hin- weis auf eine "störungsanfällige Kommunikationskette ", die gestellten Fragen und führte aus, weshalb es der Beschwerdeführerin unzumutbar E-155/2014 Seite 3 sei, mit ihrem Nasciturus beziehungsweise Kleinkind im Sudan auszuha r- ren, und dass dies gegen das Kindeswohl verstosse. B.d Mit Eingabe vo m 21. Februar 2013 liess der Rechtsvertreter dem BFM betreffend die neugeborene B._______ Kopien eines am (…) 2012 in Khartum ausgestellten Geburtsregisterauszugs, eines Geburtsscheins und einen Auszug aus einer Zusammenstellung des UNICEF-Berichts "Levels & Trends in Child Mortality, 2011" zukommen und berief sich auf ein hohes Sterberisiko für das Kind i m Sudan. Zudem orientierte er das BFM darüber, dass der Kindsvater, den er auch als Neuvater bezeichn e- te, sich in einem eritreischen Militärgefängnis befinde. Im Übrigen verwies er ohne Bezugnahme zu seiner Mandantin auf einen in Khartum gesche- henen Entführungsakt. Der Rechtsvertreter stellte Beweismittelbescha f- fungen zum Aufenthalt des Kindsvaters und zum Entführungsfall in Aus- sicht. Anderseits machte er unter Berufung auf im Internet aufgefundene Richtlinien und die Kinderrechtskonvention ein en Anspruch des Klei n- kinds auf rasche und prioritäre Behandlung des Gesuchs geltend. B.e Am 28. März 2013 teilte der Rechtsvertreter dem BFM mit, der Bru- der D._______ halte sich entgegen den "versehentlichen Angaben in der Vollmacht vom 7. März 2013" zur Zeit in Kairo auf, und machte wiederum eine prekäre Situation der Beschwerdeführerinnen geltend. Ferner gab er seinem Un verständnis dafür Au sdruck, dass Nichteintretensentscheide schneller gefällt werden als Fälle von "verletzlichen, von frühem Tod b e- sonders bedrohte Kleinstkindern". B.f Mit Telefax vom 3. Juni 2013 ersuchte der Rechtsvertreter das BFM erneut um prioritäre Behandlung und wies auf eine altersbedingte Krank- heitsanfälligkeit des Kindes, eine schlechte Menschenrechtslage im S u- dan, eine schwierige Situation von eritreischen Deserteuren im Sudan sowie enge Beziehungen der Beschwerdeführerinnen zur Schweiz hin. C. C.a Mit Schreiben vom 5. August 20 13 stellte das BFM dem Rechtsve r- treter diverse Fragen (Unverträglichkeit der Geburtsdaten der Beschwer- deführerin und ihrer Schwester, Unklarheit betreffend den Namen einer Nichte, Angaben zum Schwager und zum Bruder E._______). C.b Die Antwort des Rechtsvertr eters erfolgte wiederum nur per Telefax und datiert vom 15. August 2013. Mitgefaxt wurde eine Geburtsanzeige. D. E-155/2014 Seite 4 D.a Am 4. September 2013 forderte das BFM vom Rechtsvertreter unter Fristansetzung die Einreichung einer aktuellen Foto der Beschwerdefü h- rerin, weitere Informationen zu deren Erreichbarkeit und Wohnsituation sowie zu den Umständen der Entführung ihres Ehemannes. D.b Der Rechtsvertreter lieferte die Antworten per Telefaxeingabe und er- suchte erneut um ein zügiges Verfahren. Der entsprechende Vor akte A19/1 ist eine Farbfoto der Beschwerdeführerin beigeheftet. E. Mit Schreiben vom 12. Januar 2014 wandte sich der Rechtsvertreter an das Bundesverwaltungsgericht und ersuchte, unter Hinweis auf eine u n- angemessene Dauer des erstinstanzlichen Verfahrens und unter B e- zeichnung der Sache als Rechtsverzögerungsstreitigkeit, die Vorinstanz anzuweisen, innert kurzer und anzusetzender Frist den Entscheid zu fä l- len. Für das Beschwerdeverfahren ersuchte er um Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung, einschliesslich Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Er machte geltend, ein Entscheid des BFM stehe seit mehr als drei Mona- ten aus, obschon das Geschäft spruchreif sein dürfte. Verfahren mit G e- suchstellern mit Kindern seien zügiger zu führen als Verfa hren mit e r- wachsenen Gesuchstellern, weshalb sich das BFM nicht an den Or d- nungsfristen für Erwachsene orientieren sollte. Der Sudan sei gegenüber fremden Frauen und Mädchen feindselig eingestellt. Die Kindersterblich- keit sei hoch und die Korruption wuchere, wofür er sich die Beweiserbrin- gung vorbehalte. D as Kindesinteresse gebiete einen raschen Entscheid. "Angesichts der gegebenen Motivationszwänge der Vorinstanz ( parla- mentarisch gewollte Diskrepanz zwischen Bearbeitungskapazität und Pendenzenlast einerseit s, Ordnungsfristen anderseits anderseits)" sei dem BFM eine "quantifizierte Frist" zur Entscheidfällung anzusetzen. F. Nach Feststellung, dass bis anhin k ein erstinstanzlicher Entscheid in der Sache ergangen ist, teilte das Bundesverwaltungsgericht dem Rechtsver- treter mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2014 mit, es nehme die Eingabe vom 12. Januar 2014 als Rechtsverzögerungsbeschwerde ent- gegen. Weiter hiess es das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses und lud das BFM zur Vernehmlassung ein. Die Vorinstanz wurde da- bei gebeten zu erklären, weshalb es über das Asylgesuch noch nicht ent-E-155/2014 Seite 5 schieden und seit dem 28. September 2013 keine weiteren Instruktion s- massnahmen gegenüber den Beschwerdeführerinnen vorgenommen hat. G. Die Vernehmlassung des BFM datiert vom 21. Januar 2014. Das BFM beantragte dabei die Abweisung der Beschwerde: Es habe weitere Abklä- rungen vor Ort zur Situation der Beschwerdeführerin angestrebt. Im Spät- sommer 2013 seien entspr echende Kontakte mit der schweizerischen Vertretung aufgenommen worden, um in Erfahrung zu bringen, welche In- formationen benötigt würden. Zudem habe sich d as ursprüngliche G e- such vom 9. Juli 2012 nach der geltend gemachten Entführung ihres Ehemannes bekanntlich geändert. Es habe eine fundierte Prüfung erfor- dert, die ihre Zeit in Anspruch nehme. Die Auffassung des Rechtsvertr e- ters, wonach das vorliegende Verfahren prioritär zu behandeln sei (weil sich die Beschwerdeführerin und ihre B._______ in einer besonders vul- nerablen Situation befänden), werde vom BFM nicht geteilt , denn z wei Brüder hielten sich in Sudan auf. Bei dieser Sachlage dürfte die B e- schwerdeführerin von diesen Schutz und Unterstützung erwarten können und sei daher nicht auf sich allein g estellt. Zudem existiere eine grosse eritreische Diaspora in Sudan, die in Not geratene Landsleute unterstüt- ze. Daher sei en die Beschwerdeführerinnen nicht in einem besonderen Masse als vulnerabel zu bezeichnen. H. In seiner Replik vom 24. Januar 2014 hielt der Rechtsvertreter hielt dem BFM entgegen, aus der Vernehmlassung sei (implizit) zu schliessen, dass die bisherige Dauer des Verfahrens nicht seinen Mandantinnen zur Last gelegt werden könne. Weiter habe das BFM nicht ausdrücklich in Zweifel gezogen, dass das Verfahren bisher unangemessen lang e dauere, z u- mindest gemessen an den gesetzlichen Ordnungsfristen. Auch habe die Vorinstanz nicht geltend gemacht, die Komplexität des vorliegenden Sachverhalts, einer Untersuchung oder einer Rechtsfindung seien Grün- de für die bisherige Verfahrensdauer oder -verzögerung. Das BFM habe seit mehr als einem Jahr Kenntnis der erforderlichen Fakten. Das Ergeb- nis der im Spätsommer 2013 erhobenen zusätzlichen Abklärungen liege über drei Monate vor. Der Bruder D._______ befinde sich zurzeit in einem eritreischen Militärgefängnis. Bruder E._______ halte sich in Port Sudan auf und könne ebenfalls die Beschwerdeführerin nicht unterstützen. Über die eritreische Diaspora gebe es keine verlässlichen Hinweise . Ein Zu- warten mit dem Entscheid sei bei dieser Sachlage nicht gerechtfertigt. E-155/2014 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrens- gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 1 7. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verz ö- gern einer anfechtbaren Verfügung kann wie gegen die Verfügung selbst Beschwerde geführt werden (Art. 46 a VwVG; v gl. MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz. 3 zu Art. 46a). 2. 2.1. Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu handeln, und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2, m.w.H.). Da die Beschwerdeführerin um Asyl und Einreise (in Form einer anfechtb a- ren Verfügung) ersuchte, ist sie zur Beschwerdeführung legitimiert. 2.2. Weder wird von den Beschwerdeführerinnen vorgebracht, dass BFM verweigere den Erlass einer Verfügung, noch lässt das Verhalten des BFM einen solchen Schluss zu. Die vorliegende Beschwerde ist mithin al- lein unter dem Aspekt einer allfälligen Rechtsverzögerung zu prüfen. 2.3. Gegen das unrechtmässige Verzögern einer Verfügung kann grun d- sätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Dennoch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht völlig im B e- lieben eines Beschwerdeführers. Er muss darlegen, dass er zur Zeit der Beschwerdeeinreichung immer noch ein schutzwürdiges (mithin aktuelles und praktisches) Interesse an der Vornahme der verzögerten Amtshan d- lung hat (vgl. URSINA BEERLI-BONORAND, Die ausserordentlichen Recht s- mittel in der Ve rwaltungsrechtspflege des Bundes und der Kantone, Z ü- rich 1985, S. 221 f.). E-155/2014 Seite 7 Das schutzwürdige Interesse de r Beschwerdeführerin an der Vornahme der allenfalls verzögerten Amtshandlung ergibt sich aus der Tatsache, dass die Vorinstanz bislang nicht in der Sac he entschieden hat, aus dem rechtsstaatlichen und dem spezialgesetzlichen Anspruch auf beförderl i- che Behandlung sowie aus dem in den diversen Eingaben zum Ausdruck gebrachten besonderen Interesse an einer prioritären und schnellen En t- scheidung. Auf die fri st- und formgerecht eingereichte Rechtsverzög e- rungsbeschwerde ist demnach einzutreten. 2.4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden ist in einzelrichterl i- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters zu entsche i- den (Art. 111 Bst. e AsylG) und es handelt sich vorliegend, wie nachfo l- gend aufgezeigt, um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3. Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich vorliegend auf die Frage, ob das Gebot des Rechtsschutzes in angeme s- sener Zeit im konkreten Fall verletzt worden ist. Im Falle einer Guthei s- sung der Beschwerde weist es die Sache mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Dabei hat sich das Gericht jeglicher Andeutung, wie der unrechtmässig verzögerter Entscheid inhalt- lich ausfallen soll, zu enthalten, da es unter Vorbehalt von speziellen Kon- stellationen nicht anstelle der untätigen Behörde entscheiden darf, a n- dernfalls der Instanzenzug verkürzt und möglicherweise Rechte der Ve r- fahrensbeteiligten verletzt würden (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2, m.w.H.). 4. 4.1. In der Beschwerde wird sinngemäss geltend gemacht, das bisherige Verfahren dauere ohne einen objektiven Grund unangemessen lange und länger als die gese tzlichen Vorgaben. Es wird vorgebracht, Auslandver- fahren von alleinstehenden Frauen mit kleinen Kindern se ien zügig und prioritär dem Entscheid zuzuführen. Obschon der vorliegende Fall seit langer Zeit spruchreif erscheine, da die Vorinstanz keine weiteren Mitwir- kungspflichten an die Rechtsvertretung herangetragen habe und damit kein weiterer Abklärungsbedarf ersichtlich sei, lasse der Entscheid immer noch auf sich warten. Dies sei umso mehr stossend, als der Fall sich ein- deutig präsentiere, die Beschwerdeführerinnen gefährdet seien und sehr enge Beziehungen zur Schweiz und Anspruch auf eine Einreisebewilli- gung hätten. E-155/2014 Seite 8 4.2. In der Vernehmlassung stellt das BFM fest, dass weitere Abkläru n- gen erforderlich geworden seien, nachdem gegenüber dem anfänglichen Asylgesuch, in welchem der Ehemann der Beschwerdeführerin noch i n- begriffen war, geltend gemacht worden sei, dieser sei entführt und nach Eritrea zurückgeführt worden. Das BFM habe im Spätsommer diesbezüg- lich mit der schweizerischen Vertretung vor Ort Kontakt au fgenommen. Die neue Ausgangslage erfordere eine fundierte Überprüfung, welche e i- ne gewisse Zeit in Anspruch nehme. Im Übrigen hält das BFM eine priori- täre Behandlung des Gesuchs für nicht geboten, namentlich da die B e- schwerdeführerin in Khartum nicht auf sich allein gestellt sei, sondern sei- tens ihrer beiden Brüder mit Unterstützung rechnen könne, womit sie nicht in besonderem Masse vulnerabel sei . Das BFM beantragt Abwe i- sung der Beschwerde. 4.3. In der Replik wurde namentlich argumentiert, das BFM habe den Fall in unzulässiger und unzumutbarer Weise verzögert und tue dies weite r- hin. Die Beschwerdeführerinnen seien vulnerable Personen. 5. 5.1. Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Danach hat jede Person vor Gerichts - und Verfahrensinstanzen An- spruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). 5.2. Eine Rechtsverzögerung ist anzunehmen, wenn behördliches Ha n- deln zwar nicht grundsätzlich infrage steht (i.S. einer Rechtsverweig e- rung), aber nicht binnen gesetzlicher oder – falls eine solche fehlt – an- gemessener Frist erfolgt, und für die allzu lange Verfahrensdauer keine objektive Rechtfertigung vorliegt. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung aller Umstände zu be- urteilen. In Betracht zu ziehen sind namentlich die Komplexität der Sache, die Bedeutung der Angelegenheit für den Betroffenen, dessen Verhalten, und schliesslich auch einzelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5; MÜLLER, a.a.O. Rz. 6 zu Art. 46 a). Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausgesetzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt, wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemessener Frist verfügt (vgl. BGE 130 I 312 E. 5.2, BGE 107 I b 160 E. 3c, 103 V E-155/2014 Seite 9 190 E. 5.2; FELIX UHLMANN/SIMONE WÄLLE-BÄR, in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Zürich 2009, Art. 46a N 20). In den Fällen, wo die asylsuchende Person sich noch im potenziellen Ver- folgerstaat befindet und in diesem oder in einem Drittstaat in bedeuts a- mer Weise gefährdet erscheint oder in unzumutbaren Verhältnissen lebt, ist zweifellos eine besonders beförderliche Behandlung angezeigt. 5.3. 5.3.1. Gemäss dem (unter dem falschen Marginale " Verfahrensfristen" aufgeführten) Art. 37 Abs. 2 AsylG sind Entscheide, die nicht unter die Ka- tegorien von Abs. 1 des gleichen Artikels fallen (und in welchen eine fün f- tägige Behandlungsfrist vorgegeben wird) , in der Regel innerhalb von zehn Arbeitstagen nach der Gesuchstellung zu treffen. Die frühere Geset- zesbestimmung, wonach solche Verfahren in der Regel innerhalb von 20 Arbeitstagen nach der Gesuchstellung beziehungsweise in der Regel i n- nerhalb von drei Monaten, wenn weitere Abklärungen nach alt Art. 41 AsylG erforderlich sind (alt Art. 37 Abs. 2 und 3 AsylG), wurde per 31. Ja- nuar 2014 aufgehoben (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012) . Allerdings gilt gemäss den Übergangsbestimmu n- gen zur Änderung vom 28. September 2012 für bereits eingereichte Asy l- gesuche aus dem Ausland die Bestimmung von alt Art. 41 Abs. 2 AsylG weiterhin, was nahe legt, dass bei dieser altrechtlichen Behandlungsk a- tegorie die altrechtlichen Behandlungsfristen "gelten" – gemeint ist immer: im Sinne von Ordnungsfristen – sollen. 5.3.2. Das Asylgesuch der Beschwerdeführerin traf im Juli 2012 beim BFM ein. Nach der am 3. November 2012 erfolgten Mitteilung des dam a- ligen Rechtsvertreters C._______, der Ehemann der Beschwerdeführerin sei entführt worden, und der Zuschrift einer (noch) nicht bev ollmächtigten Drittperson sah sich das BFM ge zwungen, das Vertretungsverhältnis zu klären, und hat gleichzeitig dem damaligen Vertreter C._______ (respek- tive den Beschwerdeführerinnen) den ersten Fragenkatalog zu r Bean t- wortung zugestellt (BFM-Verfügung vom 14. November 2012). In der Fol- ge schickte der neue und aktuelle Rechtsvertreter dem BFM diverse Brie- fe und Telefaxe (vgl. Sachverhalt B.b -B.f) und es setzte ein wiederholter Schriftenwechsel ein (vgl. Sachverhalt C und D). Seit dem 28. September 2013 – Beantwortung der vom BFM am 4. Se p- tember 2013 gestellten Fragen durch den Rechtsvertreter – erfolgten kei- ne für die Rechtsvertretung erkennbaren Verfahrenshandlungen mehr. E-155/2014 Seite 10 Damit war die für Fälle, in denen weitere Abklärungen i.S. von alt Art. 41 AsylG erforderlich sind , grundsätzlich gültig gewesene Behandlungsfrist von drei Monaten gemäss alt Art. 37 Abs. 3 AsylG am Ende des Jahres 2013 abgelaufen, weshalb man dem Rechtsvertreter formell nicht vorwer- fen kann, dass er bereits drei Wochen später mit einem R echtsverzöge- rungsbeschwerde ans Bundesverwaltungsgericht gelangte. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Ordnungsfrist, deren Überschreiten im begründeten Einzelfall möglich ist. Dies ergibt sich aus der Formulierung, dass Entscheide "in der Regel" in nerhalb von drei Monaten getroffen werden müssen. Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob sich die lange Ve r- fahrensdauer im vorliegenden Fall mit objektiven Gründen rechtfertigen lässt. Zu betrachten sind vorliegend die erwähnten Kriterien: die Kompl e- xität der Sache, die Bedeutung der Angelegenheit für die Betroffenen, de- ren Verhalten und einzelfallspezifische Entscheidungsabläufe. Nicht in die Prüfung ein bezogen wird allerdings der Zeitraum nach Ei n- gang der Rechtsverzögerungsbeschwerde beim Gericht, da dieses für die Behandlung der Beschwerde notwendigerweise das vorinstanzliche Do s- sier beiziehen musste, womit der Vorinstanz eine Weiterbehandlung des Asylgesuchs praktisch verhindert war. 5.3.3. Die von verschiedenen Personen mitgeteilten Sachverhaltselemen- te lassen die Fragestellung im vorinstanzlichen Verfahren, im Unterscheid zur Auffassung des Rechtsvertreters, als eher komplex erscheinen. Dies nicht allein aus Gründen de r Verständlichkeit der teilweise verwirrlichen und redundanten Eingaben und ihrer Anzahl, sondern vor allem, weil die genaue Kenntnis der fallspezifischen Umstände – namentlich die Aufent- haltssituation der Beschwerdeführerin nen, ihre allfällige Gefährdung, Verbleib und Schicksal der Ehemannes und Vaters, die ökonomische Si- tuation (inkl. Frage nach bestehender oder fehlender Unterstützung durch Verwandte und Bekannte) –, in nachvollziehbarer Weise für das BFM u n- abdingbare Voraussetzung für den Erlass einer Verfügung darstellte . Da sich der rechtserhebliche Sachverhalt während des hängigen erstinstanz- lichen Verfahrens verschiedentlich geändert hat, ist zudem objektiv nach- vollziehbar, dass sich das BFM wiederholt zu amtsinternen Prüfungen der neuen Ausgangslagen und auch zu amtsübergreifenden Absprachen ver- anlasst sah, um sich über sein weiteres Vorgehen klar zu werden. Der amtsinterne E-Mail-Verkehr zwischen der BFM-Sachbearbeiterin und der Kontaktperson in der Schweizerischen Vertretung in Khartum, welcher auch in der BFM -Vernehmlassung vom 21. Januar 2014 erwähnt wurde und der dem Rechtsvertre ter aus Gründen überwiegend öffentlicher und E-155/2014 Seite 11 privater Interessen an der Geheimhaltung (Art. 27 VwVG) beziehungs- weise wegen der Klassifikation als so genannte interne Akten (BGE 115 V 303) nicht offenzulegen ist, zeugt davon. Das BFM war im Zeitpunkt der Anhebung der Beschwerde offensichtlich daran, sich Klarheit über die tat- sächlichen Verhältnisse – welche für den Rechtsvertreter aus seiner Pa r- teisicht durchaus längst klar sein mögen – zu verschaffen. Damit ist einerseits festzustellen, dass das Verfahren im Zeitpunkt der Er- hebung der Rechtsverzögerungsbeschwerde noch nicht entscheidreif war, und das BFM ihm als erforderlich erscheinen den Abklärungen in die Wege geleitet hat. Das Bundesverwaltungsgericht tendiert ohnehin dazu, entgegen dem Wortlaut des Ges etzes bei den für das BFM und das G e- richt geltenden Behandlungsfristen (vgl. Art. 37 und 109 AsylG), ab dem Zeitpunkt der Entscheidreife zu rechnen, zumal eine strikte Berechnung der Behandlungsfrist ab Asylgesuchstellung beziehungsweise Beschwe r- deeingang zu unerwünschten Resultaten, namentlich unvollständig fes t- gestellten Sachverhalten, führen würde. Im Rahmen eines Rechtsverwei- gerungsverfahrens ist allerdings zudem zu prüfen, ob die Vorinstanz in nicht gerechtfertigter Weise die Vornahme von Befragungen o der Abklä- rungen verschleppt und so die Entstehung der Entscheidreife verhindert hat. Für eine solche Betrachtungsweise hat das Gericht im vorliegenden Fall allerdings keinen Anlass. Das Bundesverwaltungsgericht teilt im Übrigen die Einschätzung des BFM, wonach aufgrund der Aktenlage keine unmittelbare Gefahr an Leib und Leben für die Beschwerdeführerinnen erkennbar ist, die zwingend ei- ne sofortige Einreisebewilligung erheischt hätte. Mithin sind weder die vom Rechtsvertreter vermuteten personellen noch finanziellen Engpässe noch ein bewusstes Verschleppen oder eine Nachlässigkeit des BFM für die lange Verfahrensdauer verantwortlich. Es besteht somit kein Grund daran zu zweifeln, dass die Vorinstanz be- müht ist , die erforderlichen Sachverhaltsermittlungen zwecks Erstellung der Entscheidreife vorzunehmen und das Verfahren einem baldigen erst- instanzlichen Entscheid zuzuführen. 5.4. Zusammenfassend erscheint die bisherige Verfahrensdauer in Anbet- racht der Umstände des Einzelfalles als objektiv (noch) gerechtfertigt. Die Vorakten vermochten zu belegen, dass das BFM fortlaufend den Fall e i- ner Spruchreife und einer Entscheidung hat zuführen wollen, aber sich E-155/2014 Seite 12 durch Neuigkeiten und Unerwartetes stets zu weiteren Abklärungen ve r- anlasst sah. 6. Die Beschwerde ist damit abzuweisen. Die Vorakten gehen ans BFM zur Weiterführung des hängigen Verfahrens zurück. Von der beantragten An- setzung einer Frist, innert welcher das erstinstanzliche Verfahren zu erle- digen ist, ist aufgrund der sich präsentierenden Aktenlage abzusehen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten grun d- sätzlich den unterliegenden Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit Beschwerdeeinreichung gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege i.S. von Ar t. 65 Abs. 1 VwVG war allerdings angesichts der vermutungsweise bestehenden Mi t- tellosigkeit der Beschwerdeführerinnen und zufolge des Umstandes, dass das Verfahren im Einreichungszeitpunkt nicht als aussichtlos erschien, gutzuheissen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-155/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das BFM und die kan- tonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: