Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Mai 2015 (720 14 344) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bestätigung der Anordnung einer psychiatrischen Neubegutachtung im Rahmen des IV- Abklärungsverfahrens nach vorgängigen drei Alkoholabstinenzkontrollen samt Blutbild beim Hausarzt Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Monica Armesto, Advoka- tin, indemnis, Spalenberg 20, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A. Der 1957 geborene A.____ meldete sich am 16. Feb ruar 2009 unter Hinweis auf Be- schwerden an der Halswirbelsäule (HWS), am Nacken u nd am Rücken bei der Invalidenversi- cherung (IV) zum Leistungsbezug an. Im Rahmen der m edizinischen Sachverhaltsabklärung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gab die IV-Stelle Basel-Landschaft ein polydisziplinär es Gutachten bei der B.____ in Auftrag, welches am 26. Oktober 2012 erstattet wurde. Aufgrund der Stellungnahme des Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 28. November 2012 wurden den Experten der B.____ Rückfra- gen gestellt. Da die Antworten der B.____ vom 7. Februar 2013 nicht alle Unklarheiten beseitig- ten, verlangte die IV-Stelle vom Versicherten mit Zwische nverfügung vom 26. September 2014 den Nachweis der Alkoholabstinenz mittels drei Kontrollen in monatlichem Abstand und kleinem Blutbild beim Hausarzt. Gleichzeitig ordnete es eine p sychiatrische Begutachtung bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychologie, an. B. Mit Eingabe vom 30. Oktober 2014 erhob Advokatin M onica Armesto im Namen und Auftrag des Versicherten Beschwerde ans Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte, es sei die angefochtene Zwischenverfüg ung aufzuheben und die IV-Stelle zu verpflichten, ohne Anordnung einer weiteren Begutachtu ng gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der B.____ vom 26. Oktober 2012 und deren St ellungnahme vom 7. Februar 2013 über die Leistungsansprüche des Versicherten zu entscheide n. Ausserdem sei dem Versicher- ten die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Z ur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass der medizinische Sachverhalt mit dem Gutachten der B.____ umfassend abgeklärt sei. Damit liege ein schlüssiges Gutachten vor, welchem volle Beweiskraft zukomme. Eine erneute psychiatrische Begutachtung stelle eine unzulässige Einholung einer "second opinion" dar. C. Am 15. Dezember 2014 bewilligte das Kantonsgericht die unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung. D. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Januar 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejah en ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Bei der Rüge des Beschwerdefüh- rers, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil der medizinische Sachverhalt bereits umfassend abgeklärt sei, handelt es si ch um eine materielle Einwendung, wie sie den kantonalen Gerichten nunmehr beschwerdeweis e unterbreitet werden kann (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde vom 30. Oktober 2014 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) statuiert die Sachverhaltsabkläru ng von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amt es wegen durchzuführenden Abklärun- gen im Sinne von Art. 43 ATSG beinhalten indessen rech tsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine "second opinion" zum bereit s in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urt eil des Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_957/2010, E. 6.1). 3.1 Zu prüfen ist, ob es sich bei der vorgesehenen Begut achtung durch Dr. C.____ samt Nachweis der Alkoholabstinenz um das Einholen einer unzul ässigen "second opinion" handelt und damit eine unzulässige Verfahrensverzögerung darstel lt. Um diese Frage beantworten zu können, müsste die vorliegende medizinische Aktenlage auf ihre Vollständigkeit und Schlüssig- keit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfu ng der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass die Endverfügung im Hinblick auf d ie Beurteilung der medizinischen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Unter Berücksichtigung, dass die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der IV-Stelle liegt und ihr deshalb im Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum be züglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vo rliegenden Verfahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilun g der Aktenlage im Sinne einer Plausibili- täts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entsch eidend ist, ob die Gründe, die die IV-Stelle für die Notwendigkeit weiterer medizinischer Abklärungen anführt, plausibel erschei- nen. Demnach greift das Gericht bei der Frage der Not wendigkeit einer weiteren Begutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten Verwal tung nur dann ein, wenn klar erkenn- bare Fehleinschätzungen vorliegen, eine Begutachtung von vornherein untauglich angelegt wä- re oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess. 3.2 Aus der medizinischen Aktenlage geht hervor, dass der V ersicherte von der B.____ internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch begutachtet wurde. Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hielten die Experten in ihr em Gutachten vom 26. Oktober 2012 eine re- zidivierende depressive Störung, gegenwärtig in Remission stendenz, Hinweise auf eine Per- sönlichkeitsstörung und auf eine grenzwertige Begabung, ein chronifiziertes, zervikobrachiales Schmerzsyndrom, ein chronifiziertes, lumbospondylogenes Schmerzsyndrom und eine Hepatitis C fest. Der erhöhte Alkoholkonsum, der Nikotinabusus, de r Status nach Drogenabusus sowie die anamnestische Hepatitis B beeinflussten dagegen die Arbeitsfähigkeit nicht. Die somati- schen Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Leistungs fähigkeit des Versicherten werden von den Parteien nicht bestritten, weshalb auf die Da rlegung der diesbezüglichen gutachterli- chen Ausführungen verzichtet wird. Hinsichtlich der psychia trischen Beeinträchtigungen führten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Experten an, dass der Versicherte an einer depressive n Störung leide, welche zu zwei Sui- zidversuchen und zu einer stationären Behandlung von knapp einem Jahr geführt habe. Ab En- de Oktober 2011 habe sich eine Verbesserung eingestellt. Als Diagnose sei deshalb eine re- zidivierende depressive Störung, gegenwärtig in Remissionst endenz, festzuhalten. Die vom behandelnden Arzt beschriebene Borderline-Persönlichke itsstruktur oder Borderline- Persönlichkeitsstörung sei mit der Entwicklung einer Persö nlichkeitsstörung vereinbar. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung werde im jetzigen Zeitpunkt vorsichtigerweise nicht ge- stellt; stattdessen werde von auffälligen Persönlichkeitszügen gesprochen. Fest stehe, dass der Versicherte in seiner Persönlichkeit zahlreiche Vulnerab ilitäten aufweise, die im Zusammen- hang mit seinen früheren schwierigen Beziehungen und Ve rlusten ständen. Es liege zudem eine erhöhte Kränkbarkeit vor. Die Anpassungsfähigkeit in Bezug auf Regeln und Routinen, die Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Umstell ungs-, die Entscheidungs- und Urteilsfä- higkeit seien leicht eingeschränkt. Die Durchhaltefähig keit sei, insbesondere bei sozialem Stress, emotionaler Belastung oder Frustrationen, deutl ich beeinträchtigt. Dadurch werde die Selbstbehauptungs- und Durchsetzungsfähigkeit vermindert , was teilweise auch zu Schwierig- keiten bei der Kontaktfähigkeit mit Dritten führen kön ne. Die Darstellung dieses Störungsbe- reichs sei wichtig, da dieser in Komorbidität mit der depressiven Störung die Arbeitsfähigkeit des Versicherten gefährde. Die Beanspruchung der medizin ischen Angebote, die Suizidversu- che und der Ausprägungsgrad der psychosozialen Restriktionen und Desintegrationen deuteten auf einen nicht unerheblichen Schweregrad der psychischen Störungen hin. Aufgrund fremd- anamnestischer Angaben sei von einer grenzwertigen Bega bung auszugehen. Weiter sei da- rauf hinzuweisen, dass beim Versicherten aufgrund der e rhöhten CDT-Werte ein ernsthaftes Alkoholproblem, wahrscheinlich im Sinne einer Abhängi gkeit, bestehe. Die Angaben des Versi- cherten, wonach er nicht im Übermass Alkohol trinke, sei en nicht glaubhaft. Das Suchtleiden stehe im Hintergrund und beeinflusse die Arbeitsfähigke it nicht. Die depressive Störung, die Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung und die grenzwe rtige Begabung setzten die Stress- oder Frustrationstoleranz des Versicherten und dementspre chend die Belastbarkeit herab. Die Tätigkeiten als Mitarbeiter im Geldtransport oder andere Tätigkeiten in der freien Wirtschaft sei- en dem Versicherten seit November 2008 nicht mehr zumutb ar. Dagegen könne ihm ein Belas- tungstraining im geschützten Rahmen zugemutet werden. N ach Durchführung eines Arbeitsbe- lastungstests und eines 6-monatigen Arbeitstrainings soll te es dem Versicherten möglich sein, leichte, wechselbelastende Tätigkeiten zu vier Stunden p ro Tag auszuführen. Dabei seien das Tragen oder Heben von Lasten von mehr als 7,5 kg, länge r andauernde Zwangshaltungen des Kopfes oder des Rückens sowie Überkopfarbeiten zu vermeiden. Zudem sollte es sich um eine einfache, gut strukturierte Tätigkeit handeln, bei welcher gute Abgrenzungsmöglichkeiten, keine Schichtarbeit und keine besonderen Anforderungen an menschliche Interaktionen beständen. 4.2 Die IV-Stelle unterbreitete das Gutachten der B._ ___ Dr. med. D.____, FMH Psychiat- rie und Psychotherapie, RAD, zur Stellungnahme. Dieser k am am 28. November 2012 zum Schluss, dass in Bezug auf das psychiatrische Fachgutachten vom 29. August 2012 noch offe- ne Fragen geklärt werden müssten. In seiner Stellungnah me vom 7. Februar 2013 führte der begutachtende Psychiater der B.____, Dr. med. E.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, aus, dass der Versicherte an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig in Remis- sionstendenz, leide und es sich somit - nicht wie Dr. D.__ __ anführte - um eine remittierte re- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zidivierende depressive Störung handle. Damit sei die de pressive Störung noch nicht vollstän- dig zurückgebildet, weshalb sie durchaus Auswirkungen auf di e Arbeitsfähigkeit haben könne. Ausserdem bestehe in der Remissionsphase ein sehr hohes R ückfallrisiko. Es treffe zu, dass eine akzentuierte Persönlichkeitsstörung für sich allein noch keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehe. Im Gutachten sei darauf hingewiesen word en, dass die einzelnen Diagnosen als Gesamtes gesehen werden müssten. Beim Versicherten bestä nden ernsthafte Probleme im Bereich der Persönlichkeit. Dieses Störungsbild beeinträ chtige die Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten in Komorbidität mit der depressiven Störung so st ark, dass eine vollständige Arbeitsun- fähigkeit bestehe. Der erhöhte Alkoholkonsum dürfe mi t Blick auf den hohen CDT-Wert von über 7 durchaus als Alkoholabhängigkeit bezeichnet werden. In Berücksichtigung der diagnosti- zierten dysfunktionalen Persönlichkeitszüge, der rezidivie renden depressiven Störung und den biografischen Ereignissen sei aber davon auszugehen, dass das Suchtgeschehen Folge eines seelischen Gesundheitsschadens sei. Das Alkoholproblem sei Au sdruck einer desolaten psy- chischen Situation, charakterisiert durch die schwierige Per sönlichkeit und der gestörten Affek- tivität. Da die Eigenanamnese nicht mit dem festgestellten Alkoholabusus übereinstimme, seien weitere Abklärungen notwendig. Da bisher noch keine CDT-Werte in monatlichen oder halbjähr- lichen Abständen erhoben worden seien, werde deren reg elmässige Überprüfung über längere Zeit empfohlen. Der Versicherte leide an verschiedenen psychischen Störungen und Handi- caps, so dass er kaum über Ressourcen verfüge. Die Sympto me seien allein mit dem Willen trotz Compliance und Bereitschaft zur Veränderung und Leistungsmotivation nur bedingt über- windbar. 4.3 Gestützt auf die Stellungnahme von Dr. D.____ vom 29. April 2013, wonach dieser die Antworten von Dr. E.____ immer noch als unvollständig o der nicht als überzeugend betrachte- te, holte die IV-Stelle einen Bericht des behandelnde n Psychiaters Dr. med. F.____ ein. Dieser führte in seinem Bericht vom 18. Juli 2013 aus, dass bei m Versicherten der soziale und finanzi- elle Druck im Vordergrund stehe, weshalb er die Persönlichkeitsstörung zurzeit nicht behandeln könne. Zur Frage, inwieweit der Alkohol den Gesundhei tszustand des Versicherten beeinflusse und zu den Angaben über dessen intellektuelle Leistungsfähigkeit verwies er auf seinen Bericht vom 12. Juli 2012. Diesem ist zu entnehmen, dass die re zidivierende depressive Störung ge- genwärtig remittiert sei. Er könne mit dem Versicherten aufgrund der schwierigen sozialen Situ- ation nur sozialpsychiatrisch arbeiten. Um eine Stabilitä t erreichen zu können, sei eine regel- mässige psychotherapeutische Behandlung wichtig, da das Per sönlichkeitsmuster des Versi- cherten für die depressive Entgleisung und für den schädlichen Gebrauch von Suchtsubstanzen verantwortlich sei. Aus finanziellen Gründen müsse der V ersicherte mit dem Vater zusammen- leben, mit welchem ihn sehr traumatische Erinnerungen a us der Kindheit verbinden würden. Auch wenn inzwischen positive Lebensereignisse eingetret en seien, leide der Versicherte nach wie vor an einer emotional-instabilen Persönlichkeitsst örung. Die Instabilität habe sich im letz- ten Jahr gezeigt, als er aufgrund der Probleme auf der Beziehungsebene Suizidversuche unter- nommen habe. Eine Arbeitsfähigkeit könne je nach Ver lauf der Therapie erreicht werden bzw. sei von der Stabilität des Versicherten abhängig. Bis dah in bestehe eine 100%ige Arbeitsunfä- higkeit. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 In der interdisziplinären Fallbesprechung vom 13. Mai 2014 kamen die RAD-Ärzte zum Schluss, dass die von Dr. E.____ beschriebenen Auswirkungen des akuten und chronischen Alkoholkonsums auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten n icht nachvollziehbar seien. Die psy- chiatrischen Beeinträchtigungen seien nicht derart ausg eprägt, dass diese Ursache oder Folge der Alkoholabhängigkeit sein könnten: Die Depression sei in Remission und es bestehe nur ein Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung und auf eine Mi nderbegabung. Es stelle sich daher die Frage, ob ohne Alkoholabhängigkeit Erkrankungen beständen, die eine relevante Arbeitsun- fähigkeit begründeten. Es sei deshalb eine Abstinenz vo n drei Monaten zu verlangen. Danach sei nochmals eine psychiatrische Begutachtung durchzuführen. Der RAD-Arzt pract. med. G.____ präzisierte das weitere Vorgehen am 24. Juni 201 4, indem er insgesamt drei Kontrollen der aus dem Blut zu ermittelnden Parameter CDT, GOT, GGT und MCV im monatlichen Ab- stand und ein kleines Blutbild beim Hausarzt forderte, u m die Abstinenz bzw. das Fehlen eines schädlichen Gebrauchs von Alkohol nachzuweisen. Falls der Na chweis der Abstinenz vorliege, sei eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. C.____ vorzunehmen. 5.1 Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medikamen- tenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie ein e Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Ge- sundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Fo lge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c S. 268). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründen d sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbstständiger Gesundheitssch ädigungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG; Urteile des Bunde sgerichts vom 11. März 2015, 8C_580/2014, E. 2.2.1 und vom 19. August 2013, 9C_856/2012, E. 2.2.1). 5.2 Angesichts der finalen Natur der Invalidenversicherun g (BGE 120 V 95 E. 4c S. 103; ULRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Zü- rich/Basel/Genf 2014, S. 30 ff.) ist nicht entscheidend, ob die Alkoholsucht Folge eines körperli- chen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzu- sammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrelevant, soweit sie al s solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich bedeutsam, soweit sie in einem engen Zusam- menhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Sucht - einem Symptom gleich - Teil eines Gesundhei tsschadens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Alkohol- konsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelab hängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt ([EVG; heute: Bundesge richt] vom 6. Dezember 1991 E. 4d, in: ZAK 1992 S. 169; vgl. auch Urteil des EVG vom 19. Juni 2002, I 390/01, E. 2b). Um- gekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psy- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht chosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitr agen, wenn und soweit sie den Wir- kungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2015, 8C_580/2014, E. 2.2.2 mit Hinweisen). 5.3 Die Experten setzten sich in ihrem Gutachten vom 26 . Oktober 2012 nur am Rande mit der Alkoholproblematik des Versicherten auseinander. Au fgrund der hohen CDT-Werte schlos- sen sie auf einen erhöhten Alkoholkonsum und äusserten den Verdacht auf eine Alkoholabhän- gigkeit. Mangels CDT-Vergleichswerte legen sie jedoch kei ne abschliessende Diagnose fest. Da das Suchtleiden damals im Hintergrund stand, rechnete n sie der Alkohol-problematik keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu. In der Folge führten sie den erhöh- ten Alkoholkonsums unter den Diagnosen ohne Einfluss au f die Arbeitsfähigkeit auf. In seiner Stellungnahme vom 7. Februar 2013 setzte sich Dr. E.__ __ unter anderem mit der Frage der Invalidisierung der Alkoholsucht auseinander. Er legte dar, dass im Grunde genommen nicht nur ein erhöhter Alkoholkonsum, sondern eine Alkoholab hängigkeit bestehe. Zur Begründung wies er darauf hin, dass die dysfunktionalen Persönlichkei tszüge (Differentialdiagnose: Persön- lichkeitsstörung), die rezidivierende depressive Störung sow ie die Biografie eng miteinander verknüpft seien, weshalb die Alkoholproblematik nicht isol iert betrachtet werden könne. Es sei davon auszugehen, dass das Suchtgeschehen Folge eines seeli schen Gesundheitsschadens sei. Die Alkoholabhängigkeit begründe für sich allein zwar keine Arbeitsunfähigkeit, sie habe aber einen grossen Anteil am stark beeinträchtigten psychischen Gesundheitszustand, weshalb der Versicherte unter Berücksichtigung sämtlicher psychischer Störungen vollständig arbeitsun- fähig sei. Diese Ausführungen verdeutlichen, dass die psychischen Beeinträchtigungen sowie die Biografie des Versicherten zwar nicht für sich allein, aber im Zusammenspiel invalidisierend wirken. Erklärungen zum Zusammenhang zwischen der Alkoholabhängigkeit und den Befunden einer rezidivierenden depressiven Störung und der dysfunkt ionalen Persönlichkeitszüge bzw. der Persönlichkeitsstörung fehlen. Eine solche differenzierte Auseinandersetzung ist jedoch vor dem Hintergrund der aufgeführten Rechtsprechung zur Such tproblematik und Invalidität erfor- derlich. Dazu kommt, dass die Experten ein Alkoholproblem des Versicherten zwar erkannten, dessen Auswirkungen aber mangels Vorliegens von CDT-Verg leichswerten letztendlich nicht zuverlässig beurteilen konnten. Weiter ist zu beachten, da ss Dr. E.____ anlässlich seiner Un- tersuchung im August 2012 feststellte, dass sich die depre ssive Störung in einer Remissions- phase befinde, die noch nicht abgeschlossen sei. Unter diesen Umständen drängt sich in Bezug auf das depressive Leiden eine aktuelle psychiatrische Begu tachtung auf. Damit stellte die IV- Stelle zu Recht fest, dass sich aus dem Gutachten der B._ ___ und der Stellungnahme vom 7. Februar 2013 nicht alle Antworten für die Beurteilung des Leistungsanspruchs des Versicher- ten ergeben. 5.4 Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass bei einer erneuten psychiatrischen Begutachtung unter anderem die Frage zu beurteilen ist, ob die von den Gutachtern der B.____ festgestellte Alkoholabhängigkeit invaliditätsbegründen d ist. Geht es - wie hier - darum, einen invaliditätsfremden Alkoholkonsum bei der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auszublenden, so ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung der Nachwei s einer Abstinenz im Abklä- rungsverfahren angezeigt (Urteile des Bundesgerichts vom 22. November 2013, 9C_370/2013, E. 4.2.1 und vom 1. Juli 2013, 9C_706/2012, E. 3.2 mit Hinweis auf das Urteil des EVG vom Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. August 2006, I 169/06, E. 2.2). Gemäss den Ausführ ungen der Gutachter der B.____ ist auf- grund der hohen CDT-Werte davon auszugehen, dass ein e rhöhter Alkoholkonsum bestehe. Die vom Versicherten geäusserten gegenteiligen Angaben hielten die Gutachter als nicht glaubhaft. Eine Begutachtung des Versicherten in intoxikiertem Zustand macht keinen Sinn. Um beurteilen zu können, ob die Alkoholabhängigkeit inva liditätsrelevant ist, muss der Versicherte abstinent sein. Ohne gesicherte Alkoholabstinenz sind die Erkenntnisse eines neuen psychiatri- schen Gutachtens nicht verlässlich genug, um darauf abstell en zu können (vgl. Rz. 1052 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2015). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle v om Versicherten ver- langte, vor der Anordnung einer psychiatrischen Abklärun g drei Abstinenzkontrollen in monatli- chen Abständen samt Blutbild beim Hausarzt durchzuführen. 6. Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzustellen, da ss mit Blick auf die in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierte Abklärungspflicht und d en der IV-Stelle zukommenden Ermes- sensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmä ssigkeit von medizinischen Er- hebungen nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz di e Durchführung von drei Kontrollen zum Nachweis der Alkoholabstinenz in monatlichen Abstände n samt kleinem Blutbild beim Hausarzt und anschliessend eine psychiatrische Begutachtung bei Dr. C.____ anordnete. Die Kontrollen und die Begutachtung dienen der für den E ndentscheid notwendigen Sachverhalts- abklärung und stellen nicht nur eine "second opinion" d ar. Es besteht bei dieser Sachlage we- der Grund zur Annahme, dass diese Anordnungen untaugli ch sind noch dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten lie ss. Formelle Ausstands- oder Ableh- nungsgründe, die gegen die Begutachtung durch Dr. C. ____ sprechen würden, sind aufgrund der vorliegenden Akten keine ersichtlich. Unter Beachtu ng, dass die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der IV-Stelle liegt und zudem keine Hinweise ersicht- lich sind, dass dem Versicherten die Kontrollen und eine Begutachtung beschwerdebedingt nicht zumutbar wären, besteht für das Kantonsgericht ke in Anlass, korrigierend einzugreifen. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahr en bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Versicherte unterlie- gende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu aufe rlegen sind. Dem Versicherten ist nun allerdings mit Verfügung vom 15. Dezember 2014 die un entgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse ge- nommen. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Versicherten in der Verfügung vom 15. Dezem ber 2014 die unentgeltliche Verbei- ständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt worden i st, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1. Janu ar 2014 geltenden Fassung) beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 20 0.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beschwerdeführers machte in ihrer Honorarnote vom 2 1. Januar 2015 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 6 Stunden und 35 Min uten geltend, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rech tsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslag en von Fr. 62.20. Der Rechtsver- treterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'489.20 (6 Stunden und 35 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 62.20 und 8 % Me hrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 8. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um eine n selbstständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn e ine Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unt er den in Art. 93 Abs. 1 BGG ge- nannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht nunm ehr im Grundsatzurteil vom 9. Mai 2012, 9C_950/2011, feststellte, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfügungen der IV-Stellen betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bundesgericht weiterziehbar, sofern nicht Ausstandsgründ e beurteilt worden sind. Es ist daher fraglich, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegenden Fall erfüllt sind. Der Ent- scheid darüber obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehend e Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'489.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) ausgerichtet.