B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-1739/2012 U r t e i l v o m 2 4 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien A._______, vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung. C-1739/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Nachdem ein erstes Einreisebegehren von der Schweizerischen Bo t- schaft in Ankara am 6. Februar 2008 formlos abgewiesen worden war, beantragte die aus der Türkei stammende A._______ (geb. 1978, im Fol- genden: Gesuchstellerin/Eingeladene bzw. Beschwerdeführeri n) – dies- mal zusammen mit ihrem Ehemann B._______ (geb. 1975) und der ge- meinsamen dreijährigen Tochter C._______ – am 4. Januar 2012 bei der- selben Vertretung erneut um Erteilung eines Einreisevisums. Al s Zweck der beabsichtigten Reise gaben die Eheleute an, ihren in St. Gallen wohnhaften Bruder respektive Schwager D._______ (geb. 1981, im Fo l- genden: Gastgeber ) während drei Wochen besuchen zu wollen . Dieser hatte am 30. November 2011 ein entsprechendes Einladungsschreiben an die Schweizer Botschaft gerichtet. B. Mit Verfügung vom 5. Januar 2012 wies die Schweizer vertretung die V i- saanträge ab. Dagegen liess die Gesuchstellerin durch ihren Rechtsve r- treter beim Bundesamt für Migration (BFM) am 16. Januar 2012 frist- und formgerecht Einsprache erheben. C. Nachdem die Migrationsbehörde des Kantons St. Gallen beim Gastgeber ergänzende Auskünfte eingeholt und an das BFM weitergeleitet hatte, wies die Vorinstanz die Einsprache am 24. Februar 2012 ab. Dies im w e- sentlichen mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wie- derausreise nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert b e- trachtet werden. Die Gesuchstellerin stamme aus einer Region, aus we l- cher als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht her r- schenden Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck festz u- stellen sei. Wie die Erfahrung zeige, würden deshalb viele Personen ve r- suchen, sich insbesondere auch im westlichen Ausland eine vermeintlich bessere Zukunft aufzubauen. Die Eingeladene sei zwar Hausfrau und Mutter, habe jedoch nicht alleine, sondern zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter ein Einreisebegehren gestellt . Damit oblägen ihr in der Türkei keine engen familiären Verpflichtungen mehr, die gegebenenfalls Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr bieten kön nten. Zudem habe die Hochzeit des Bruders, an welcher die Gesuchstellerin habe teilnehmen wollen, bereits Ende Januar 2012 stattgefunden. C-1739/2012 Seite 3 D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 29. März 2012 beantragt die Beschwerd e- führerin beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebun g des Einsprach e- entscheids der Vorinstanz und die Erteilung eines Besuchervisums für sich und ihren Ehemann. In formeller Hinsicht wird um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwal- tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ersucht. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, Ende Januar 2012 habe die Hochzeit ihres Bruders stattgefunden, zu der sie und ihr Ehemann mit zwei weiteren Verwandten eingeladen wo r- den seien. Letztere seien einige Tage nach der Hochzeit in die Türkei z u- rückgekehrt, nachdem ihnen zuvor problemlos ein Einreisevisum ausg e- stellt worden sei. Aus politischen Gründen sei ihr Bruder vor Jahren durch türkische Sicherheitskräfte erschossen worden. Da auch ihr V ater in d e- ren Visier geraten sei, sei er vor mehr als zehn Jahren in die Schweiz g e- flüchtet. Sie und ihren Ehemann habe er seit mehr als zehn Jahren, seine Enkelkinder noch nie gesehen, weil er aus politischen Gründen nicht in die Türkei reisen dürfe. E. Mit Instruktionsverfügung vom 30. April 2012 wurde die Beschwerdefü h- rerin vom Bundesverwaltungsgericht darauf hingewiesen, dass nur sie am Einspracheverfahren vor dem BFM teilgenommen habe, weshalb sich die Beschwerde vom 29. März 2012 nur auf sie allein, je doch nicht auch auf ihren Ehemann beziehen könne. Gleichzeitig wurde die Beschwerde- führerin ersucht mitzuteilen, ob sie unter diesen Umständen an ihrer B e- schwerde festzuhalten beabsichtige. Mit Schreiben vom 29. Mai 2012 teilte die Beschwerdeführerin mit, sie halte an ihrer Rechtsmitteleingabe fest. F. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Juli 2012 spricht sich die Vorin stanz für die Abweisung der Beschwerde aus und hält ergänzend fest, die B e- schwerdeführerin sei Hausfrau und lebe mit ihrer Familie in der Stadt Diyarbakir, einem Industriestandort in Südostanatolien. Trotz wirtschaftl i- chem Aufschwung durch ein Staudammprojekt gelte diese Region immer noch als eine der am schwächsten entwickelten Gege nden in der Türkei mit einer Arbeitslosigkeit von rund 20% im Jahre 2010. Aus diesem Grun- de wanderten viele Menschen in die türkischen Millionenstädte oder gar ins westliche Ausland aus . Komme hinzu, dass der Vater der Beschwe r-C-1739/2012 Seite 4 deführerin, welchem in der Schweiz Asyl gewährt worden sei, im Jahre 2002 für seine fünf damals bereits volljährigen Kinder, darunter die B e- schwerdeführerin, ein Gesuch um Familiennachzug (Familienasyl) ge- stellt habe, welches jedoch verweigert worden sei. Schliesslich macht die Vorinstanz erneut geltend, durch den Umstand, dass auch der Ehemann zusammen mit der minderjährigen Tochter ein Visumbegehren gestellt habe, wären in der Türkei keine nahen Bindungen oder Verpflichtungen mehr vorhanden, welche allenfalls Gewähr für eine fristgerechte Rüc k- kehr geboten hätten. G. In ihrer Replik vom 6. August 2012 hält die Beschwerdeführerin an ihre n Anträgen und deren Begründung vollumfänglich fest und bringt im We i- tern vor, das von der Vorinstanz erwähnte Familiennachzugsbegehren sei vor rund zehn Jahren gestellt worden. Inzwischen hätten sich die Sac h- umstände ver ändert, sei sie doch mittlerweile verheiratet und Mutter zweier minderjähriger Kinder. Nach ihrem Besuchsaufenthalt in der Schweiz werde sie zu ihrer Familie in die Türkei zurückkehren. H. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Er - wägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschw erden gegen Ver- fügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführ- ten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen bzw. Ein- spracheentscheide des BFM, mit denen die Ertei lung eines Schengenv i- sums zu Besuchszwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bu n- desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). C-1739/2012 Seite 5 1.3 Art. 48 Abs. 1 VwVG legt fest, dass zur Erhebung einer Beschwerde berechtigt ist, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (Bst. a), wer durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist (Bst. b) und wer ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c). 1.4 Als erste Voraussetzung nennt Art. 48 Abs. 1 Bst. a VwVG die sog. formelle Beschwer. Dies bedeutet, das s die beschwerdeführende Person am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen haben muss, soweit sie d a- zu in der Lage war, und sie mit ihren Anträgen ganz oder teilweise unte r- legen ist (vgl. VERA MARANTELLI-SONANINI/SAID HUBER, in: Wal d- mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, Art. 48 N 22; ISABELLE HÄNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz. 6 zu Art. 48). 1.5 Vorliegend ist diese Voraussetzung nur bei der Beschwe rdeführerin – nicht jedoch bei ihrem Ehemann – erfüllt, welche am 16. Januar 2012 al- lein Einsprache gegen ihren durch die Schweizerische Botschaft in Anka- ra abgelehnten Visumsantrag erhoben hat (vgl. Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts C-6305/2011 vom 10. April 2013 E. 1.3 und 1.4 mit Hi n- weis). Da die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. Art. 48 Abs. 1 Bst. b und c VwVG, Art. 50 und 52 VwVG), ist auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführerin betreffend, einzutreten. Soweit in der Rechtsmitteleingabe um Erteilung einer Einreisebewilligung auch für ihren Ehemann ersucht wird, erweist sich das Rechtsmittel als unzulässig (vgl. Bst. E. des Sachverhalts). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werde n (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be - schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gem achten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die C-1739/2012 Seite 6 Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1, BVGE 2011/43 E. 6.1 und BVGE 2011/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer türkischen Staats- angehörigen um Erteilung eines Visums für einen dreiwöchigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Beschwerdeführerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die bea b- sichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht übersc hreitet, fällt die vorli e- gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsb e- reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Da s Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen -Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der erwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Vo r- aussetzungen für Einreis e und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI/TOBIAS D. MEYER, in: Caroni/Gächter/Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedok u-C-1739/2012 Seite 7 mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengre n- zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, er forderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gül ti- gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfri s- tigen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerte i- lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visak odex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informat i- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge schrieben sein und ke i- ne Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentl i- che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglie d- staats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentlic he Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer- ner Ur teil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drit t- staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswi d-C-1739/2012 Seite 8 rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi- cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 200 9/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusamme n- hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erfo rderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschrän k- ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Vorau s- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Die Vorinstanz verweigerte die Erteilung des beantragten Schenge n- visums mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wiede r- ausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 5.2 Wie oben erwähnt, unterliegt die Beschwerdeführerin als türkische Staatsangehörige der Visumspflicht ( Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 ). Bei der Prüfung der Einre i- sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesiche r- ten Wiederausreise im Vordergrund, wel che die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Lage im Heimatland sowie der persönlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin anzweifelt. Dazu lassen sich in der Regel keine gesi- cherten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.3 Vorliegend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz unter Berücksichtigung der Verhältnisse im Herkunftsland und der persönlichen Lebensumstände e i- nen ermessensfehlerfreien Entscheid getroffen hat. Dabei rechtfertig t es sich, Einreisegesuchen von Personen aus Staaten mit politisch und/oder C-1739/2012 Seite 9 wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen mit einer gewi s- sen Zurückhaltung zu begegnen, da d ie persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befriste- ten Einreisebewilligung in Einklang steht. 5.4 In der Türkei sind auch heute noch breite Bevölkerungsschichten von vergleichsweise schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedi n- gungen betroffen. Nach den Wachstumsschüben der Vorjahre hat die tür- kische Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2012 deutlich an Kraft verloren. Im Zuge der konjunkturellen Abkühlung hat die türkische Regierung ihre u r- sprüngliche Wachstumserwartung für das Gesamtjahr 2013 von 4% auf 3,6% gesenkt. Das P ro-Kopf-Einkommen stieg im Jahr 2012 geringf ügig auf 10'504 USD, wobei für Ende 2013 ein Anstieg des Pro -Kopf- Einkommens auf 10'818 USD erwartet wurde. Die Inflation (Verbraucher- preise), die im Jahr 2011 noch auf 10,5% angestiegen war, konnte Ende 2012 auf 6,5% gesenkt werden. Insgesamt bleibt die Arbeitslosigkeit, in s- besondere die Jugendarbeitslosigkeit, ein gravierendes Problem. Aus der überwiegend jungen Bevölkerung dr ängen jährlich mehr als eine halbe Million Arbeitssuchende auf den Arbeitsmarkt und kön nen dort nicht a b- sorbiert werden. Hinzu kommt das starke Gefälle zwischen struktu r- schwachen ländlichen Gebieten (etwa im Osten und Südosten) und den wirtschaftlich prosperierenden Metropolen. Auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen wandert die ländliche Bevölkerung weite r- hin in die Städte und industriellen Zentren ab. Die durchschnittliche A r- beitslosenquote lag im Jahr 2012 bei 9,2% und ist damit im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken. D er überwiegende Teil der in Industrie, Lan d- wirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter bezieht weiterhin den of- fiziellen Mindestlohn, welcher für das zweite Halbjahr 2013 auf 1'021 Tür- kische Lira (ca. Fr. 410.-) festgesetzt wurde. Die Entwicklung der Rea l- einkommen hat mit der Wirtschaftsentwicklung nich t Schritt halten kö n- nen, so dass insbesondere die unteren Bevölkerungsschichten am Rande des Existenzminimums leben (Quelle: Deutsches Auswärtiges Amt, im In- ternet unter: www.auswaertiges-amt.de > Reise und Sicherheit > Reise - und Sicherheitshinweise: Länd er A-Z > Türkei > Wirtschaft; Stand: No- vember 2013; Seite besucht im Januar 2014; vgl. auch Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts C-1055/2012 vom 9. Dezember 2013 E. 6.4). Vor dem aufgezeigten wirtschaftlichen Hintergrund ist – vor allem bei jün- geren und un gebundenen Personen – gemeinhin ein starker Migrat i- onsdruck festzustellen. Insbesondere Nordamerika und Europa gelten als Wunschdestinationen von Menschen im erwerbsfähigen Alter, die auf ein C-1739/2012 Seite 10 in wirtschaftlicher Hinsicht besseres Leben hoffen. Die Tendenz zur Aus- wanderung zeigt sich erfahrungsgemäss besonders stark bei Personen, die hier bereits über minimale soziale Kontakte verfügen. In Anbetracht der erwähnten, für breite Bevölkerungsschichten nach wie vor vergleichsweise schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Lebensbe- dingungen in der Türkei, und unter Berücksichtigung, dass die Berei t- schaft, das Heimatland zu verlassen, erfahrungsgemäss dort begünstigt wird, wo bereits Verwandte oder Bekannte im Ausland leben, ist die Beur- teilung der Vorinstanz, die das Risiko einer nicht fristgerechten Wiede r- ausreise als relativ hoch ein schätzte, nicht zu beanstanden. Allerdings wäre es zu schematisch und nicht halt bar, generell und ohne spezifische Anhaltspunkte ausschliesslich aufgrund der allgemeinen Lage in der Her- kunftsregion auf eine nicht hin reichend ge sicherte Wiederausreise zu schliessen. Es gilt somit, über die Situation im Herkunftsland hinaus, ebenfalls die weiteren Umstände des Einzel falles zu würdigen. Namen t- lich können berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verpflichtungen die Prognose einer anstandslosen Wiederausreise begünstigen. 6. 6.1 Vorab ist festzuhalten, dass sich d as BFM weder in der angefocht e- nen Verfügung noch in seiner Vernehmlassung ausführlich mit den pe r- sönlichen Verhältnissen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt hat. Als unbehelflich und überholt erweist sich insbesondere der vorinstanzli- che Einwand (vgl. die Stellungnahme vom 6. Juli 2012 ), wonach die Be- schwerdeführerin keine familiären Verpflichtungen im Heimatland mehr wahrzunehmen hätte, wenn sie zusammen mit Ehemann und (minderjäh- riger) Tochter ihre Angehörigen in der Schweiz besuchen würde. Dies, nachdem das Bundesverwaltungsgericht in seiner Instruktionsverfügung vom 30. April 2012 explizit festgehalten hatte, die Beschwerde könne sich nur auf die Beschwerdeführerin alleine beziehen; das Begehren, auch dem Ehemann ein Einreisevisum zu erteilen, erweise sich als unzulässig (vgl. Bst. E. des Sachverhalts). 6.2 Bei der Besc hwerdeführerin handelt es sich um eine mittlerweile 36-jährige, verheiratete Frau und Mutter von zwei Kindern im Alter von fünf und zehn Jahren, welche in Diyarbakir, der zehntgrössten türkischen Stadt, lebt. Soweit ersichtlich, leben weitere Geschwister d er Beschwer- deführerin in derselben Region. Diese Gegebenheiten sprechen für eine intakte soziale Struktur und einen engen familiären Bezug zum Heima t- land. Insbesondere der Umstand, dass die Beschwerdeführerin für die C-1739/2012 Seite 11 Dauer des beabsichtigten (drei- oder vi erwöchigen) Aufenthaltes in der Schweiz ihre nächsten Angehörigen (Ehemann, zwei Kinder) in der Türkei zurücklassen würde, lässt auf persönliche Verpflichtungen und daraus auf eine gewisse Verwurzelung schliessen, was die Gefahr einer Emigration im Vergleich zu jüngeren und ungebundenen Landsleuten relativiert. 6.3 Soweit die Vorinstanz auf die hohe Arbeitslosigkeit (unter der e r- werbsfähigen Bevölkerung) in der Heimatregion verweist, gilt es festz u- halten, dass die Beschwerdeführerin als Hausfrau ohnehin keiner Er- werbstätigkeit nachgeht. Im Berufsleben verankert ist hingegen ihr Eh e- mann, welcher gemä ss den Angaben im Einreisegesuch sowie in der Stellungnahme des Gastgebers in einem Spital in Diyarbakir angestellt sein soll. Anzunehmen ist, dass die Betroffenen g egebenenfalls auch auf die finanzielle Unterstützung ihrer in der Schweiz lebenden Angehörigen zählen könnten. Aufgrund der Aktenlage ist demnach davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann über eine relativ gesicher- te wirtschaftliche Existenz in ihrem Heimatland verfügen, die geeignet ist, das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise nach einem B e- suchsaufenthalt in der Schweiz entscheidend herabsetzen. 6.4 Insgesamt betrachtet verfügt die Beschwerdeführerin somit durchaus über eine massgebliche familiäre wie auch wirtschaftliche Verankerung in der Türkei , wofür auch die eher massvolle Dauer des geplanten B e- suchsaufenthalts von höchstens einem Monat spricht. Die Vorinstanz hat es jedoch sowohl vor Erlass ihrer Verfügung wie auch im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens unterlassen, den dargestellten Sachverhalt eingehend zu prüfen. Vielmehr hebt sie hervor, zwei Brüder sowie die El- tern der Beschwerdeführerin lebten schon in der Schweiz. Zudem habe ihr Vater, nachdem ihm hierzulande Asyl gewährt worden sei, beim dama- ligen Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) um Familienzusammenführung e r- sucht. Aus den beigezogenen Asylakten geht hervor, dass das BFF am 21. Juni 2002 die Einreisebewilligung für dessen Ehefrau sowie den d a- mals minderjährigen Sohn E._______ erteilt, bezüglich seiner damals be- reits volljährigen weiteren Kinder – darunter die Beschwerdeführerin – je- doch die Einreise verweigert und ihr Asylgesuch zwecks Familienverein i- gung abgewiesen hat. Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde von der damaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) abgewi e- sen, unter anderem mit dem Argument, die Betroffenen hätten keine pe r- sönlichen Asylgründe vorgebracht. C-1739/2012 Seite 12 Die von der Vorinstanz aufgeführte Gefahr weiterer Zuwanderungen von Familienmitgliedern vermag schon deshalb nicht zu überzeugen, weil d as erwähnte Gesuch um Familienzusammenführung einerseits länger als zehn Jahre zurückliegt. Im fraglichen Jahr (2002) befanden sich immerhin noch 3989 Personen aus der Türkei in der Schweiz im Asylprozess. Seit- dem ist die Anzahl der Asylsuchenden aus diesem Land stetig zurückg e- gangen, wobei im letzten Jahr noch 437 Personen (2002: 1958 Pers o- nen) hierzulande ein Asylgesuch gestellt ha ben (vgl. Asylstatistiken 2002 bis 2013 des BFM, im Internet unter: www.bfm.admin.ch > Dokumentation > Zahlen und Fakten > Asylstatistik > Jahresstatistiken). Anderseits hätte die Beschwerdeführerin mit einer Ausreise aus dem Heimatland wohl kaum ein Jahrzehnt oder noch länger zugewartet, wäre sie dort ebenfalls – wie ihr Vater – politisch verfolgt. Sowohl ihre Mutter als auch ihr Bruder E._______ – im Jahre 2004 in die Flüchtlingseigenschaft des Ehemannes bzw. Vaters einbezogen – haben inzwischen ausdrücklich auf ihre Flücht- lingseigenschaft und das ihnen in der Schweiz gewährte Asyl v erzichtet mit der Begründung, politisch gesehen bestehe für sie in ihrem Herkunfts- land keine Gefahr mehr. Bleibt s chliesslich festzuhalten, dass sich die persönlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin – mittlerweile verheira- tet und Mutter von zwei minder jährigen Kindern – seither wesentlich ver- ändert haben (vgl. auch Urteil e des Bundesverwaltungsgerichts C-4919/2012 vom 18. Januar 2013 E. 6.4 sowie C-468/2011 vom 15. No- vember 2011 E. 8.3). 6.5 Im Weitern gilt es festzuhalten, dass im vorliegenden Fall keine Zwei- fel am deklarierten Aufenthaltszweck (Besuchsaufenthalt; vgl. Art. 16 i.V.m. Art. 12 Abs. 2 Bst. c in fine VEV) bestehen, hat doch die Beschwer- deführerin ihren Vater, der als anerkannter Flüchtling seine Angehörigen nicht im Heimatland besuchen darf, seit rund dreizehn Jahren nicht mehr gesehen. Die Interessen der Beschwerdeführerin sowie der Familiena n- gehörigen in der Schweiz am geplanten Besuchsaufenthal t liegen auf der Hand und sind durchaus als gewichtig anzusehen. Demgegenüber sind keine überwiegenden öffentlichen Interessen ersichtlich, die für eine Au f- rechterhaltung der Einreiseverweigerung sprächen. 7. Aus vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass in casu keine Hind e- rungsgründe im Sinne von Art. 5 SGK bzw. Art. 5 AuG erkennbar sind. Demzufolge ist festzu stellen, dass die ange fochtene Verfügung den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig respektive unvollständig festhält und in fehlerhafter Ausübung des Ermessens ergangen ist (Art. 49 Bst. a C-1739/2012 Seite 13 und b VwVG). Die Be schwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur neuerlichen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dabei ist vom BFM abzuklären, ob die in Art. 2 Abs. 1 VEV genannten Einreisevoraussetzungen gemäss Sche n- gener Grenzkodex erfüllt sind oder allenfalls gemäss Art. 2 Abs. 4 VEV aus humanitären Gründen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit zu erteilen ist. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahre ns sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG) , womit das Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos geworden ist . Ferner ist der obsiegenden Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 und Art. 10 Abs. 2 (nichtanwaltliche Vertretung) des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu Lasten der Vori n- stanz eine angemessene Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) C-1739/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten werden kann. Die angefochtene Verfügung vom 24. Februar 2012 wird aufgeh o- ben und die Sache zur neuerlichen Abklärung und Beurteilung an die Vor- instanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.- zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. ZEMIS […], […] und […] sowie N […] zurück) – das Migrationsamt des Kantons St. Gallen Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: