<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 59" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 59</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">358</span> </div> <div class="page" id="S358"> <div role="main"> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>59 </b> <b>Zonenwidrige Pensionspferdehaltung in der Landwirtschaftszone </b></span><br/> <span class="text"><b>Sistierung des Beschwerdeverfahrens </b></span><br/> <span class="text"><b>Nachträgliches Baubewilligungsverfahren für seit Langem bestehen-</b></span><br/> <span class="text">de Bauten und Anlagen </span><br/> <span class="text"><b>Beschränkung der hobbymässigen Pferdehaltung auf vier Tiere in</b></span><br/> <span class="text">Abgrenzung zu der auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens</span><br/> <span class="text">ausgerichteten gewerblichen Pferdehaltung </span><br/> <span class="text"><b>Rückbau nicht bewilligungsfähiger Bauten und Anlagen </b></span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 27. März 2019 i.S. R.S. gegen</span><br/> <span class="text">den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt/Gemeinderats O.</span><br/> <span class="text">und Gemeinderats Z. (RRB Nr. 2019-000324).</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">359</span> </div> <div class="page" id="S359"> <div role="main"> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">1. Sistierungsantrag</span><br/> <span class="text">1.1</span><br/> <span class="text">Der Beschwerdeführer beantragt in der Beschwerdeschrift vom</span><br/> <span class="text">2. Juli 2018, das Beschwerdeverfahren sei zu sistieren, bis der Be-</span><br/> <span class="text">triebszusammenschluss mit dem landwirtschaftlichen Gewerbe der</span><br/> <span class="text">Schwiegereltern des Beschwerdeführers vollzogen werden konnte</span><br/> <span class="text">beziehungsweise bis die aktuell laufende Gesamtrevision der Nut-</span><br/> <span class="text">zungsplanung in Z. beziehungsweise in der Gemeinde O. rechtskräf-</span><br/> <span class="text">tig abgeschlossen ist. Mit Eingabe vom 5. November 2018 hat er be-</span><br/> <span class="text">antragt, das Verfahren einstweilen zumindest bis zum 30. Juni 2019</span><br/> <span class="text">zu sistieren. Das Ziel eines Betriebszusammenschlusses bis Mitte</span><br/> <span class="text">2019 sei allerdings ambitiös.</span><br/> <span class="text">1.2</span><br/> <span class="text">Die Sistierung eines Beschwerdeverfahrens ist im Verwaltungs-</span><br/> <span class="text">rechtspflegegesetz nicht geregelt. Verlangt wird von der mit der In-</span><br/> <span class="text">struktion betrauten Person lediglich eine effiziente Durchführung des</span><br/> <span class="text">Verfahrens (§ 47 Abs. 1 VRPG). Eine Sistierung muss deshalb durch</span><br/> <span class="text">zureichende Gründe gerechtfertigt sein, andernfalls läge eine mit</span><br/> <span class="text">dem Beschleunigungsgebot gemäss Art. 29 Abs. 1 BV nicht zu ver-</span><br/> <span class="text">einbarende Rechtsverzögerung vor (vgl. BGE 134 IV 43, Erw. 2.3).</span><br/> <span class="text">Eine Sistierung ausnahmsweise rechtfertigen können insbesondere</span><br/> <span class="text">Zweckmässigkeitsüberlegungen und prozessökonomische Gründe,</span><br/> <span class="text">wie etwa die Hängigkeit eines anderen Verfahrens, dessen Ausgang</span><br/> <span class="text">von präjudizieller Bedeutung ist (vgl. BGE 130 V 90, Erw. 5; 123 II</span><br/> <span class="text">1, Erw. 2/b; 122 II 211, Erw. 3/e). Die rechtsanwendende Behörde</span><br/> <span class="text">hat somit einerseits die Notwendigkeit, innerhalb einer angemesse-</span><br/> <span class="text">nen Frist zu entscheiden, und andererseits das Risiko von wider-</span><br/> <span class="text">sprüchlichen Entscheiden beziehungsweise andere Gründe der</span><br/> <span class="text">Zweckmässigkeit gegeneinander abzuwägen, wobei nach der Recht-</span><br/> <span class="text">sprechung des Bundesgerichts das verfassungsmässige Beschleuni-</span><br/> <span class="text">gungsgebot in der Regel stärker zu gewichten ist und die Ver-</span><br/> <span class="text">fahrenssistierung daher die Ausnahme bleiben muss (vgl. BGE 135</span><br/> <span class="text">III 127, Erw. 3.4; 130 V 90, Erw. 5; 119 II 386, Erw. 1/b). Wenig</span><br/> <span class="text">problematisch ist die Sistierung, wenn alle Verfahrensbeteiligten zu-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">360</span> </div> <div class="page" id="S360"> <div role="main"> <span class="text">stimmen und die zuständige Behörde damit ebenfalls einverstanden</span><br/> <span class="text">ist. Andernfalls ist ein derartiges Begehren unter Abwägung aller da-</span><br/> <span class="text">für und dagegen sprechenden Interessen zu beurteilen, wobei der Be-</span><br/> <span class="text">hörde ein relativ grosser Ermessensspielraum zukommt (Bundesver-</span><br/> <span class="text">waltungsgerichtsurteil A-3924/2012 vom 18. Februar 2013,</span><br/> <span class="text">Erw. 3.4). Gegen eine Sistierung lässt sich regelmässig die damit</span><br/> <span class="text">verbundene Verlängerung der Verfahrensdauer anführen, die privaten</span><br/> <span class="text">oder öffentlichen Interessen zuwiderlaufen kann (vgl. AGVE 1999,</span><br/> <span class="text">S. 145 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">Diese Anliegen verlangen, dass über die Rechtmässigkeit und</span><br/> <span class="text">den allfälligen Rückbau von ohne Baubewilligung erstellten Bauten</span><br/> <span class="text">beförderlich entschieden wird. Eine sich in naher Zukunft abzeich-</span><br/> <span class="text">nende Rechtsänderung, welche die nachträgliche Bewilligung er-</span><br/> <span class="text">laubt, kann zwar Anlass für eine Verfahrenssistierung sein. Die neuen</span><br/> <span class="text">Vorschriften müssen aber beschlossen oder zumindest aufgelegt</span><br/> <span class="text">worden sein, um eine Sistierung zu rechtfertigen. Vage Aussichten</span><br/> <span class="text">auf eine Rechtsänderung genügen nicht. Ebenso wenig darf sistiert</span><br/> <span class="text">werden, wenn eine Rechtsänderung zwar beabsichtigt, ihr Inhalt aber</span><br/> <span class="text">noch unbestimmt ist (zum Ganzen: VGE vom 30. März 2012,</span><br/> <span class="text">WBE.2011.156, S. 6 mit Hinweisen; VGE vom 16. September 2013,</span><br/> <span class="text">WBE.2012.36, Erw. I./4.2, S. 6).</span><br/> <span class="text">1.3</span><br/> <span class="text">Der Beschwerdeführer hat seinen Sistierungsantrag in der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeschrift vom 2. Juli 2018 damit begründet, er und seine Frau</span><br/> <span class="text">planten einen Betriebszusammenschluss mit dem landwirtschaft-</span><br/> <span class="text">lichen Gewerbe der Schwiegereltern des Beschwerdeführers. Es liege</span><br/> <span class="text">dann keine zonenwidrige Freizeit-Landwirtschaft mehr vor, sondern</span><br/> <span class="text">eine zonenkonforme Pferdehaltung auf einem landwirtschaftlichen</span><br/> <span class="text">Gewerbebetrieb. Ferner würden derzeit die Nutzungsplanungen in</span><br/> <span class="text">den Gemeinden Z. und O. revidiert. Er habe in beiden Gemeinden</span><br/> <span class="text">den Antrag gestellt, es sei eine Spezialzone für die Pferdehaltung zu</span><br/> <span class="text">schaffen, damit sein Betrieb erhalten werden könne. Mit Eingabe</span><br/> <span class="text">vom 5. November 2018 machte er zusätzlich geltend, er erwäge den</span><br/> <span class="text">Verkauf des Betriebs an die Schwiegereltern E. und P. H., die in M.</span><br/> <span class="text">ein landwirtschaftliches Gewerbe führten. Nach der Zusammen-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">361</span> </div> <div class="page" id="S361"> <div role="main"> <span class="text">führung der beiden Betriebe werde seine Ehefrau U. H. den vereinig-</span><br/> <span class="text">ten Betrieb führen.</span><br/> <span class="text">Die strittigen Bauten und Anlagen für die Pferdehaltung befin-</span><br/> <span class="text">den sich auf den Parzellen 1326 und 3441 in Z. sowie auf den Parzel-</span><br/> <span class="text">len 1756, 1757 und 4188 im angrenzenden O. Sämtliche Parzellen</span><br/> <span class="text">sind ausserhalb der Bauzonen in der Landwirtschaftszone gelegen.</span><br/> <span class="text">Die Parzellen 1756, 1757 und 4188 sind überdies mit einer Land-</span><br/> <span class="text">schaftsschutzzone überlagert, in welcher Bauten und Anlagen sowie</span><br/> <span class="text">Terrainveränderungen grundsätzlich verboten sind. Ein engerer Hof-</span><br/> <span class="text">bereich ist zwar mit einem sogenannten Siedlungsei von dieser</span><br/> <span class="text">Landschaftsschutzzone ausgenommen. Davon können jedoch nur be-</span><br/> <span class="text">triebsnotwendige Bauten für die Landwirtschaft profitieren. Der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer führt anerkanntermassen keinen Landwirtschafts-</span><br/> <span class="text">betrieb, seine Pferdehaltung ist in der Landwirtschaftszone zonen-</span><br/> <span class="text">widrig. Gemäss Darstellung des Beschwerdeführers wurde die land-</span><br/> <span class="text">wirtschaftliche Tätigkeit im Jahre 1998 aufgegeben. Er argumentiert</span><br/> <span class="text">heute einerseits mit dem Besitzstandsschutz und andererseits damit,</span><br/> <span class="text">die Pferdehaltung könne durch einen Betriebszusammenschluss mit</span><br/> <span class="text">einem landwirtschaftlichen Gewerbe oder durch Schaffung einer</span><br/> <span class="text">Spezialzone für die Pferdehaltung zonenkonform und damit legali-</span><br/> <span class="text">siert werden.</span><br/> <span class="text">Die Landwirtschaft Aargau DFR hat in ihrer Stellungnahme</span><br/> <span class="text">vom 17. August 2018 ausgeführt, der in Aussicht gestellte Betriebs-</span><br/> <span class="text">zusammenschluss sei nicht geeignet, die Voraussetzungen für die</span><br/> <span class="text">nachträgliche Bewilligung der ohne Baubewilligung erstellten Bau-</span><br/> <span class="text">ten und Anlagen für die Pferdehaltung zu schaffen. Gemäss Art. 10</span><br/> <span class="text">LBV gilt als Betriebsgemeinschaft der Zusammenschluss von zwei</span><br/> <span class="text">oder mehr Betrieben zu einem einzigen Betrieb, wenn:</span><br/> <span class="text">a. die Zusammenarbeit in einem schriftlichen Vertrag geregelt</span><br/> <span class="text">ist;</span><br/> <span class="text">b. die Bewirtschafter und Bewirtschafterinnen die Betriebsge-</span><br/> <span class="text">meinschaft gemeinsam auf eigene Rechnung und Gefahr führen und</span><br/> <span class="text">damit das Geschäftsrisiko tragen;</span><br/> <span class="text">c. die Bewirtschafter und Bewirtschafterinnen der beteiligten</span><br/> <span class="text">Betriebe für die Betriebsgemeinschaft tätig sind und nicht mehr als</span><br/> <span class="text">75 Prozent ausserhalb der Betriebsgemeinschaft arbeiten;</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">362</span> </div> <div class="page" id="S362"> <div role="main"> <span class="text">d. die Betriebszentren der beteiligten Betriebe innerhalb einer</span><br/> <span class="text">Fahrdistanz von höchstens 15 km liegen; und</span><br/> <span class="text">e. jeder der beteiligten Betriebe vor dem Zusammenschluss ei-</span><br/> <span class="text">nen Mindestarbeitsbedarf von 0,20 SAK erreicht.</span><br/> <span class="text">Ein Betriebszusammenschluss zur Betriebsgemeinschaft schei-</span><br/> <span class="text">tert nach der Beurteilung der Landwirtschaft Aargau DFR als kanto-</span><br/> <span class="text">nale Fachstelle vorliegend schon daran, dass es sich beim bestehen-</span><br/> <span class="text">den Pferdehaltungsbetrieb des Beschwerdeführers nicht um einen</span><br/> <span class="text">Betrieb im Sinne der landwirtschaftlichen Begriffsverordnung han-</span><br/> <span class="text">delt und er von der Landwirtschaft Aargau DFR nicht als Landwirt-</span><br/> <span class="text">schaftsbetrieb anerkannt ist. Zusätzlich sind auch noch die vorste-</span><br/> <span class="text">henden Kriterien c und e von Art. 10 LBV nicht erfüllt. Der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer hat darauf argumentiert, er wolle den Pferde-</span><br/> <span class="text">haltungsbetrieb an die Schwiegereltern verkaufen, die zwar ein</span><br/> <span class="text">landwirtschaftliches Gewerbe besässen, den Betrieb aber altershalber</span><br/> <span class="text">nicht selbst führen würden, da sie 1939 beziehungsweise 1941 gebo-</span><br/> <span class="text">ren seien. Die Führung des Betriebs würde seine 1970 geborene Ehe-</span><br/> <span class="text">frau übernehmen. Heute sind sämtliche Gebäude und Anlagen des</span><br/> <span class="text">Pferdehaltungsbetriebs ausser dem Wohnhaus verpachtet (vgl. ...).</span><br/> <span class="text">Noch am 5. November 2018 hat der Rechtsanwalt des Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führers berichtet, der Verkauf solle bis Ende 2018 umgesetzt sein.</span><br/> <span class="text">Bestehende Pachtverträge müssten aber teilweise aufgelöst und neu</span><br/> <span class="text">abgeschlossen werden. Die umfangreichen Arbeiten benötigten Zeit,</span><br/> <span class="text">würden aber bei ambitiöser Vorgehensweise voraussichtlich bis Mitte</span><br/> <span class="text">2019 abgeschlossen sein. Allenfalls müsste die Sistierung eben bis</span><br/> <span class="text">zum Abschluss der Arbeiten verlängert werden. Gleichzeitig macht</span><br/> <span class="text">der Beschwerdeführer aber geltend, ein Kaufvertrag sei bereits im</span><br/> <span class="text">Jahre 2016 entworfen worden. Dass dieser auch im Januar 2019 noch</span><br/> <span class="text">nicht unterzeichnet war, spricht nicht für eine ambitiöse Weiterver-</span><br/> <span class="text">folgung des Projekts zur Legalisierung der Pferdehaltung in der</span><br/> <span class="text">Landwirtschaftszone. Die von den beteiligten Gemeinden erstellte</span><br/> <span class="text">Chronologie der Ereignisse auf dem Betrieb an der X-gasse zeigt,</span><br/> <span class="text">dass es der Beschwerdeführer trotz regelmässiger behördlicher Mah-</span><br/> <span class="text">nung seit dem Jahre 2003 nicht zustande brachte, den Pfer-</span><br/> <span class="text">dehaltungsbetrieb auf eine rechtlich korrekte Basis zu stellen. Statt</span><br/> <span class="text">ein Baugesuch auszuarbeiten und einzureichen, in welchem die noch</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">363</span> </div> <div class="page" id="S363"> <div role="main"> <span class="text">nicht bewilligten Bauten und Anlagen gehörig koloriert sind, hat er</span><br/> <span class="text">laufend ohne Baubewilligung weitere Bauten errichtet und die Be-</span><br/> <span class="text">hörden mit Versprechungen hingehalten. Zwar hat der Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führer nun am 22. März 2019 einen vom 22. Februar 2019 datieren-</span><br/> <span class="text">den Kaufvertrag eingereicht, wonach nicht die Schwiegereltern seine</span><br/> <span class="text">Parzellen erwerben, sondern seine Frau insgesamt sechs Parzellen ih-</span><br/> <span class="text">rer Mutter. Zudem wurde offenbar ein Rückkaufsrecht begründet,</span><br/> <span class="text">wodurch der Kauf wieder rückgängig gemacht werden könnte. Die</span><br/> <span class="text">von der Landwirtschaft Aargau DFR aufgezeigten Hindernisse für</span><br/> <span class="text">eine Bewilligung der strittigen Bauten werden damit aber in absehba-</span><br/> <span class="text">rer Zeit nicht beseitigt. Es bestehen keine zwei landwirtschaftlichen</span><br/> <span class="text">Betriebe, welche zusammengeschlossen werden könnten. Die Ehe-</span><br/> <span class="text">frau des Beschwerdeführers, welche bisher nicht einmal den Pensi-</span><br/> <span class="text">onspferdebetrieb geführt hat, müsste das landwirtschaftliche Gewer-</span><br/> <span class="text">be und den Pensionspferdestall selber und auf eigene Rechnung und</span><br/> <span class="text">Gefahr betreiben. Dazu müssten zuerst einmal die bestehenden</span><br/> <span class="text">Pachtverträge gekündigt werden und es wäre auch in diesem Fall</span><br/> <span class="text">noch offen, ob überhaupt zusätzliche Bauten bewilligungsfähig wä-</span><br/> <span class="text">ren. Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass die</span><br/> <span class="text">strittigen Bauten in naher Zukunft mit erheblicher Wahrschein-</span><br/> <span class="text">lichkeit bewilligungsfähig werden könnten.</span><br/> <span class="text">Unwahrscheinlich scheint auch, dass der Pferdehaltungsbetrieb</span><br/> <span class="text">innert nützlicher Frist durch eine andere Zonierung legalisiert werden</span><br/> <span class="text">kann. Der Beschwerdeführer hat den betroffenen Gemeinden Z. und</span><br/> <span class="text">O. zwar die Schaffung einer Spezialzone für die Pferdehaltung bean-</span><br/> <span class="text">tragt. Der Gemeinderat O. hat allerdings mit Protokollauszug vom</span><br/> <span class="text">20. August 2018 berichtet, der aktuelle Entwurf des Kulturlandplans</span><br/> <span class="text">sehe im Bereich der Parzellen des Beschwerdeführers keine Än-</span><br/> <span class="text">derung vor. Die Planungskommission sei zurzeit daran, die grosse</span><br/> <span class="text">Anzahl der Mitwirkungsbegehren sowie die Anträge des Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführers zuhanden des Gemeinderats zu bearbeiten. Konkrete Anga-</span><br/> <span class="text">ben zum Ausgang der Prüfung könnten noch nicht gemacht werden.</span><br/> <span class="text">Ähnlich hat sich auch der Stadtrat Z. in seiner Stellungnahme vom</span><br/> <span class="text">5. September 2018 geäussert. Die Stadt Z. hat die vom Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führer beantragte Neuzonierung seiner Parzellen im Rahmen des</span><br/> <span class="text">Mitwirkungsverfahrens zur laufenden Zonenplanrevision abgelehnt.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">364</span> </div> <div class="page" id="S364"> <div role="main"> <span class="text">Der Stadtrat ist zwar je nach Ausgang der laufenden Abklärungen be-</span><br/> <span class="text">reit, seine seinerzeitigen raumplanerischen Beschlüsse in Wiederer-</span><br/> <span class="text">wägung zu ziehen. Eine Umsetzung würde aber erst in einem nach-</span><br/> <span class="text">gelagerten Teilrevisionsverfahren der Nutzungsplanung erfolgen.</span><br/> <span class="text">Im heutigen Zeitpunkt kann also keine Rede davon sein, eine</span><br/> <span class="text">Revision der Nutzungsplanung, welche den Pferdehaltungsbetrieb</span><br/> <span class="text">zonenkonform macht, sei von den Gemeinden bereits beschlossen</span><br/> <span class="text">oder zumindest aufgelegt. Es besteht bloss die Hoffnung des Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführers, dass künftig eine Revision zu seinen Gunsten er-</span><br/> <span class="text">folgt. Der Inhalt einer allfälligen Revision ist aber noch unbestimmt</span><br/> <span class="text">und damit ist ebenso offen, ob und allenfalls in welchem Umfang die</span><br/> <span class="text">strittigen Bauten und Anlagen davon profitieren könnten. Unbe-</span><br/> <span class="text">stimmt ist auch, bis wann eine allfällige Revision der Nutzungspla-</span><br/> <span class="text">nung zu Gunsten des Beschwerdeführers abgeschlossen werden</span><br/> <span class="text">könnte. Dass dies in naher Zukunft der Fall sein wird, kann aufgrund</span><br/> <span class="text">der Aussagen der beiden Gemeinderäte ausgeschlossen werden. Je-</span><br/> <span class="text">denfalls sind die vom Verwaltungsgericht für eine Sistierung des Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeverfahrens vorausgesetzten Bedingungen heute klar nicht</span><br/> <span class="text">erfüllt. Das Sistierungsbegehren des Beschwerdeführers ist daher ab-</span><br/> <span class="text">zuweisen.</span><br/> <span class="text">2. (...)</span><br/> <span class="text">3. Bewilligungsfähigkeit</span><br/> <span class="text">3.1</span><br/> <span class="text">Die vom Beschwerdeführer ohne Baubewilligung erstellten</span><br/> <span class="text">Bauten und Anlagen befinden sich auf den Parzellen 1326 und 3441</span><br/> <span class="text">in Z. sowie auf den Parzellen 1756, 1757 und 4188 in O., welche alle</span><br/> <span class="text">in der Landwirtschaftszone liegen. Die Parzellen in O. sind überdies</span><br/> <span class="text">mit einer Landschaftsschutzzone überlagert. Bei allen Hoch- und</span><br/> <span class="text">Tiefbauten beziehungsweise Anlagen handelt es sich um künstlich</span><br/> <span class="text">hergestellte und mit dem Boden fest verbundene Objekte im Sinne</span><br/> <span class="text">von § 6 Abs. 1 lit. a BauG, mithin um Bauten, welche gemäss § 59</span><br/> <span class="text">Abs. 1 BauG unbestrittenermassen einer Baubewilligung bedürfen.</span><br/> <span class="text">Dies ergibt sich bereits aus Art. 22 Abs. 1 RPG. Voraussetzung einer</span><br/> <span class="text">Bewilligung ist, dass die Bauten und Anlagen dem Zweck der Nut-</span><br/> <span class="text">zungszone entsprechen und das Land erschlossen ist (Art. 22 Abs. 2</span><br/> <span class="text">RPG). Eine Erschliessung ist vorliegend vorhanden, strittig ist jedoch</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 8 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">365</span> </div> <div class="page" id="S365"> <div role="main"> <span class="text">die Vereinbarkeit der Bauten und Anlagen sowie ihrer Nutzung mit</span><br/> <span class="text">der Zonierung der Parzellen. In der Landwirtschaftszone zonenkon-</span><br/> <span class="text">form sind gemäss Art. 16a Abs. 1 RPG Bauten und Anlagen, die zur</span><br/> <span class="text">landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden</span><br/> <span class="text">Gartenbau nötig sind. Der Beschwerdeführer führt jedoch keinen</span><br/> <span class="text">Landwirtschafts- oder Gartenbaubetrieb. Es handelt sich gemäss der</span><br/> <span class="text">Landwirtschaft Aargau DFR um einen Betrieb, welcher die landwirt-</span><br/> <span class="text">schaftliche Tätigkeit vor langer Zeit eingestellt hat. Eine gewinn-</span><br/> <span class="text">oder ertragsorientierte, bodenabhängige landwirtschaftliche Produk-</span><br/> <span class="text">tion findet nicht statt. Die Liegenschaft ist deshalb als zonenfremd</span><br/> <span class="text">einzustufen (vgl. ...). Neue Bauten und Anlagen, die zur Haltung von</span><br/> <span class="text">Pferden nötig sind, werden nur auf einem bestehenden landwirt-</span><br/> <span class="text">schaftlichen Gewerbe im Sinne des Bundesgesetzes vom 4. Oktober</span><br/> <span class="text">1991 über das bäuerliche Bodenrecht als zonenkonform bewilligt,</span><br/> <span class="text">wenn dieses Gewerbe über eine überwiegend betriebseigene Futter-</span><br/> <span class="text">grundlage und Weiden für die Pferdehaltung verfügt (Art. 16abis</span><br/> <span class="text">Abs. 1 RPG). Nachdem der Beschwerdeführer kein landwirt-</span><br/> <span class="text">schaftliches Gewerbe, ja nicht einmal einen Landwirtschaftsbetrieb</span><br/> <span class="text">führt, können ihm gestützt auf Art. 16abis RPG keine Bauten und</span><br/> <span class="text">Anlagen in der Landwirtschaftszone bewilligt werden. Offen steht</span><br/> <span class="text">ihm lediglich die hobbymässige Pferdehaltung in bestehenden alt-</span><br/> <span class="text">rechtlichen Bauten.</span><br/> <span class="text">Gemäss Art. 24e Abs. 1 RPG werden Bewohnern und Bewoh-</span><br/> <span class="text">nerinnen einer nahe gelegenen Wohnbaute bauliche Massnahmen in</span><br/> <span class="text">unbewohnten Gebäuden oder Gebäudeteilen, die in ihrer Substanz</span><br/> <span class="text">erhalten sind, für die hobbymässige Tierhaltung bewilligt. Ferner</span><br/> <span class="text">sind für diese Tiere Aussenanlagen bewilligungsfähig, soweit sie für</span><br/> <span class="text">eine tiergerechte Haltung notwendig sind (Art. 24e Abs. 2 RPG).</span><br/> <span class="text">Gemeint sind Allwetterausläufe, nicht aber Reitplätze. Wenn R. S.,</span><br/> <span class="text">der heute nicht in einer nahegelegenen Wohnbaute, sondern an der</span><br/> <span class="text">rund 3 km entfernten S.-trasse in Z. wohnt, an der X-gasse in Z.</span><br/> <span class="text">Wohnsitz nimmt, können ihm also der Einbau von Pferdeboxen in</span><br/> <span class="text">den Ökonomietrakt des altrechtlichen, vor 1972 erbauten ehemaligen</span><br/> <span class="text">Landwirtschaftsgebäudes an der X-gasse für die hobbymässige Hal-</span><br/> <span class="text">tung von vier eigenen Pferden bewilligt werden. Der angefochtene</span><br/> <span class="text">Entscheid der Abteilung für Baubewilligungen BVU (...) gesteht</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 9 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">366</span> </div> <div class="page" id="S366"> <div role="main"> <span class="text">dem Beschwerdeführer denn auch in Erwägung 2.2 grundsätzlich</span><br/> <span class="text">den Einbau von vier Boxen in das bestehende Ökonomiegebäude für</span><br/> <span class="text">die Haltung von vier Pferden sowie eine maximal 160 m2 grosse</span><br/> <span class="text">Allwetterauslauffläche unmittelbar angrenzend an das Stallgebäude</span><br/> <span class="text">als bewilligungsfähig zu. Im Interesse einer tierfreundlichen Haltung</span><br/> <span class="text">erlaubt sie damit etwas mehr als die 36 m2 pro Pferd, welche die</span><br/> <span class="text">Wegleitung Pferd und Raumplanung, Version 2015, des Bundesamtes</span><br/> <span class="text">für Raumentwicklung beziehungsweise die Tierschutzverordnung für</span><br/> <span class="text">Equiden mit einer Widerristhöhe von über 175 cm vorsieht (vgl. Ta-</span><br/> <span class="text">belle 7 des Anhangs 1 TSchV; Art. 34b Abs. 3 RPV). Weitergehende</span><br/> <span class="text">Bauten und Anlagen für die hobbymässige Pferdehaltung</span><br/> <span class="text">beziehungsweise für die Freizeit-Landwirtschaft, das heisst</span><br/> <span class="text">Allwetterausläufe für mehr als vier Pferde, Reitplätze, Springgärten,</span><br/> <span class="text">Unterstände, Weidezelte usw., sind jedoch nicht bewilligungsfähig</span><br/> <span class="text">(vgl. Art. 24e RPG, Art. 34 Abs. 5 RPV).</span><br/> <span class="text">3.2</span><br/> <span class="text">Der Beschwerdeführer beanstandet diese Limitierung auf vier</span><br/> <span class="text">hobbymässig gehaltene Tiere. Er ist der Meinung, für diese Limitie-</span><br/> <span class="text">rung gebe es im eidgenössischen Raumplanungsrecht keine Grund-</span><br/> <span class="text">lage. Zudem seien schon vor 1998 mindestens sieben bis rund zehn</span><br/> <span class="text">Pferde auf dem Betrieb des Beschwerdeführers eingestellt gewesen</span><br/> <span class="text">und von Selbstbewirtschaftern versorgt worden. Diese Anzahl Pferde</span><br/> <span class="text">und die dafür erforderlichen beziehungsweise damals vorhandenen</span><br/> <span class="text">Bauten seien besitzstandsgeschützt.</span><br/> <span class="text">Die gemäss Art. 24e RPG zulässige hobbymässige Tierhaltung</span><br/> <span class="text">in nicht mehr landwirtschaftlich genutzten unbewohnten Gebäuden</span><br/> <span class="text">oder Gebäudeteilen setzt voraus, dass der Tierhalter oder die Tierhal-</span><br/> <span class="text">terin in einer nahegelegenen Wohnbaute wohnt und die Tiere von</span><br/> <span class="text">dort aus betreut. Bezüglich der Anzahl Pferde, die maximal hobby-</span><br/> <span class="text">mässig gehalten werden dürfen, hat das Verwaltungsgericht erwogen</span><br/> <span class="text">(Urteil des Verwaltungsgerichts, WBE.2016.404, vom 5. Mai 2017</span><br/> <span class="text">i.S. M.S., Erw. II. 5.3.2):</span><br/> <span class="text">Gemäss Art. 42b Abs. 3 RPV dürfen nur so viele Tiere gehal-</span><br/> <span class="text">ten werden, wie die Hobbytierhalter selber betreuen können. Damit</span><br/> <span class="text">wird die zulässige Anzahl Tiere beschränkt. Die Beschränkung ergibt</span><br/> <span class="text">sich aus dem Umstand, dass die Pferdehaltung durch die Bewohner</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 10 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">367</span> </div> <div class="page" id="S367"> <div role="main"> <span class="text">der nahe gelegenen Wohnbaute erfolgen muss. Der Aufwand für</span><br/> <span class="text">Pflege und Betreuung der Tiere muss durch die Bewohner eigenhän-</span><br/> <span class="text">dig bewältigt werden können. Bei der hobbymässigen Tierhaltung,</span><br/> <span class="text">die nicht auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens ausgerichtet</span><br/> <span class="text">ist, sondern aus Liebhaberei ausgeübt wird und der Freizeitgestaltung</span><br/> <span class="text">dient, bilden somit vier Pferde die Obergrenze (vgl. zum Ganzen:</span><br/> <span class="text">Wegleitung 'Pferd und Raumplanung', Aktualisierte Version 2015,</span><br/> <span class="text">des Bundesamts für Raumentwicklung, ARE/Wegleitung, S. 15 f.).</span><br/> <span class="text">Werden also mehr als vier Pferde gehalten, ist davon auszuge-</span><br/> <span class="text">hen, dass diese gegen Entgelt Dritten zur Verfügung gestellt werden,</span><br/> <span class="text">womit eine gewerbliche Pferdehaltung vorliegt, welche den Rahmen</span><br/> <span class="text">von Art. 24e RPG sprengt. Das Bundesgericht hat diese ständige kan-</span><br/> <span class="text">tonale Praxis wie folgt bestätigt (Urteil 1C_347/2017 vom 23. März</span><br/> <span class="text">2018 i.S. M.S., Erw. 4.4.1):</span><br/> <span class="text">Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, dass sich aus</span><br/> <span class="text">Art. 42b Abs. 3 RPV und aus der Wegleitung des ARE Pferd und</span><br/> <span class="text">Raumplanung keine fixe Obergrenze von vier Pferden ergibt. Indes</span><br/> <span class="text">erscheint diese von den Vorinstanzen vorliegend angenommene Be-</span><br/> <span class="text">schränkung der hobbymässigen Haltung auf vier Tiere in Ab-</span><br/> <span class="text">grenzung zu der auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens ausge-</span><br/> <span class="text">richteten gewerblichen Pferdehaltung durchaus sachgerecht und in-</span><br/> <span class="text">nerhalb des Ermessensspielraums der kommunalen und kantonalen</span><br/> <span class="text">Behörden liegend.</span><br/> <span class="text">Das Bundesgericht hat sogar erwogen, dass selbst eine durch</span><br/> <span class="text">einen Landwirt geführte Pferdepension - also die Haltung von frem-</span><br/> <span class="text">den Pferden - nur solange zonenkonform ist, als sie auf höchstens</span><br/> <span class="text">vier Pferde beschränkt bleibt und die Futtergrundlage des Betriebs</span><br/> <span class="text">ausreicht (BGE 122 II 160 E. 3c S. 163 f.), während der hobby- oder</span><br/> <span class="text">gewerbsmässigen Pferdehaltung durch Nichtlandwirte kein zonen-</span><br/> <span class="text">konformer landwirtschaftlicher Charakter zukommt (BGE 122 II 160</span><br/> <span class="text">E. 3b S. 162 mit Hinweisen). Es besteht also raumplanungsrechtlich</span><br/> <span class="text">keine Möglichkeit, dem Beschwerdeführer, der keinen Landwirt-</span><br/> <span class="text">schaftsbetrieb führt, mehr als vier eigene Pferde und die dafür erfor-</span><br/> <span class="text">derlichen Boxen oder die Führung eines Pensionspferdestalls und die</span><br/> <span class="text">baulichen Einrichtungen für die Unterbringung der Pferde sowie</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 11 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">368</span> </div> <div class="page" id="S368"> <div role="main"> <span class="text">Plätze aus Verbundsteinen, Sand, Kies oder Schnitzel für die Nut-</span><br/> <span class="text">zung, Ausbildung und Bewegung der Pferde zu bewilligen.</span><br/> <span class="text">3.3</span><br/> <span class="text">3.3.1</span><br/> <span class="text">Die Vorinstanz hat alle ohne Baubewilligung erstellten Bauten</span><br/> <span class="text">und Anlagen abgewiesen und bezüglich der Wiederherstellung der</span><br/> <span class="text">Topographie auf die Luftaufnahme 1998 verwiesen. Der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer hat daraus fälschlich geschlossen, er müsse alle auf</span><br/> <span class="text">der Luftaufnahme 1998 nicht vorhandenen, also später erstellten</span><br/> <span class="text">Bauten und Anlagen beseitigen und er dürfe die auf der Aufnahme</span><br/> <span class="text">vorhandenen Bauten und Einrichtungen samt dem im Jahre 1998</span><br/> <span class="text">existenten Pferdebestand erhalten. Er erachtet diesen Bestand als be-</span><br/> <span class="text">sitzstandsgeschützt und behauptet, 1998 seien sieben bis zehn Pferde</span><br/> <span class="text">auf dem Betrieb gehalten worden, weshalb er auch künftig so viele</span><br/> <span class="text">Pferde halten dürfe und die dafür erforderlichen Bauten nicht zu-</span><br/> <span class="text">rückbauen müsse.</span><br/> <span class="text">Die Abteilung für Baubewilligungen BVU hat darauf die an</span><br/> <span class="text">sich bereits aufgrund der gewählten Formulierung ( die erstellten</span><br/> <span class="text">Bauten und Anlagen müssen unter folgenden Auflagen zurückgebaut</span><br/> <span class="text">werden ) unmissverständliche Verfügung vom 9. April 2018 dahin-</span><br/> <span class="text">gehend erläutert, es müssten alle auf Seite 2 der Verfügung aufge-</span><br/> <span class="text">zählten und abgewiesenen Bauten und Anlagen zurückgebaut wer-</span><br/> <span class="text">den. Auf die Luftaufnahme 1998 sei nur bezüglich der wiederher-</span><br/> <span class="text">zustellenden Topographie verwiesen worden und das Luftbild von</span><br/> <span class="text">1998 habe man verwendet, weil kein älteres und namentlich keines</span><br/> <span class="text">von 1972 verfügbar ist. Grundsätzlich sind alle seit dem 1. Juli 1972</span><br/> <span class="text">(erste Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet) ohne</span><br/> <span class="text">Baubewilligung erstellten, aber bewilligungspflichtigen Bauten und</span><br/> <span class="text">Anlagen zurückzubauen, sofern sie nicht nachträglich bewilligungs-</span><br/> <span class="text">fähig sind, was die Vorinstanz im vorliegenden Fall verneint hat</span><br/> <span class="text">(vgl. ...).</span><br/> <span class="text">Für die seit dem 1. Juli 1972 errichteten Bauten und Anlagen</span><br/> <span class="text">sowie die eingestallten Pferde kann der Beschwerdeführer keine</span><br/> <span class="text">Baubewilligungen vorweisen. Gemäss seinem nachträglichen Bauge-</span><br/> <span class="text">such wurden die strittigen baulichen Veränderungen wohl zwischen</span><br/> <span class="text">1995 und 2014 ausgeführt. Nur bezüglich des freistehenden Unter-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 12 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">369</span> </div> <div class="page" id="S369"> <div role="main"> <span class="text">stands Nr. 7 macht er geltend, er sei bereits 1970 erstellt worden. Es</span><br/> <span class="text">mag sein, dass damals noch keine Baubewilligungspflicht für solche</span><br/> <span class="text">Unterstände bestand und deshalb für die erstmalige Erstellung dieses</span><br/> <span class="text">Unterstands keine Baubewilligung vorgelegt werden kann. Bewilli-</span><br/> <span class="text">gungspflichtig waren jedoch die nach 1998 erfolgte Umnutzung, die</span><br/> <span class="text">Erweiterung und der Ausbau zu einem Pferdestall. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führer hat die bewilligungspflichtigen Veränderungen ohne Baube-</span><br/> <span class="text">willigung vorgenommen, weshalb keine rechtmässig entstandene,</span><br/> <span class="text">altrechtliche Baute vorliegt, welche besitzstandsgeschützt ist. Allein</span><br/> <span class="text">stehende, unbewohnte landwirtschaftliche Bauten profitieren nicht</span><br/> <span class="text">von der Besitzstandsgarantie von Art. 24c RPG (Art. 41 Abs. 2 RPV)</span><br/> <span class="text">und können daher nicht mit behördlicher Bewilligung teilweise ge-</span><br/> <span class="text">ändert, umgebaut und erweitert werden.</span><br/> <span class="text">Der Beschwerdeführer argumentiert ferner, die Behörden hätten</span><br/> <span class="text">von den Pferden und den für sie erstellten Bauten Kenntnis gehabt</span><br/> <span class="text">und sie während vielen Jahren toleriert. Das Recht ein nachträgliches</span><br/> <span class="text">Baubewilligungsverfahren durchzuführen und den Rückbau anzu-</span><br/> <span class="text">ordnen sei verwirkt. Zudem habe bis 1998 ein Landwirtschafts-</span><br/> <span class="text">betrieb bestanden und die Pferdehaltung sei somit bis 1998 recht-</span><br/> <span class="text">mässig erfolgt. Der Zustand im Jahre 1998 sei, wenn nicht formell,</span><br/> <span class="text">so doch zumindest materiell rechtmässig gewesen und somit besitz-</span><br/> <span class="text">standsgeschützt.</span><br/> <span class="text">Bauten ausserhalb der Bauzonen sind entweder legal oder ille-</span><br/> <span class="text">gal erstellt worden. Eine dritte Kategorie besteht nicht. Bei illegal er-</span><br/> <span class="text">stellten Bauten ist in erster Linie zu prüfen, ob die Rechtswidrigkeit</span><br/> <span class="text">bloss formaler oder auch materieller Natur ist. Hierzu ist grundsätz-</span><br/> <span class="text">lich ein nachträgliches Baubewilligungsverfahren durchzuführen.</span><br/> <span class="text">Zeigt sich, dass die Baute materiell rechtswidrig ist, so stellt sich die</span><br/> <span class="text">Frage, ob die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verlangt</span><br/> <span class="text">werden kann. Dies ist im Normalfall zu bejahen, kann aber aus</span><br/> <span class="text">Gründen der Verhältnismässigkeit zu verneinen sein oder weil der</span><br/> <span class="text">Grundeigentümer den rechtswidrigen Zustand gestützt auf den</span><br/> <span class="text">Grundsatz von Treu und Glauben beibehalten darf. Die Frage, ob</span><br/> <span class="text">eine Baute fortbestehen oder gar gestützt auf Art. 24c RPG umgebaut</span><br/> <span class="text">und erweitert werden darf, stellt sich immer nur dann, wenn die Be-</span><br/> <span class="text">seitigung dieser Baute nicht (mehr) verlangt werden kann. In dieser</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 13 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">370</span> </div> <div class="page" id="S370"> <div role="main"> <span class="text">Konstellation würde aber die Voraussetzung von Art. 24c RPG, wo-</span><br/> <span class="text">nach die Bestandesgarantie rechtmässig erstellten Bauten und Anla-</span><br/> <span class="text">gen zukommt, ihres Sinnes entleert, würde eine der Garantie von</span><br/> <span class="text">Art. 24c RPG gleichkommende Bestandesgarantie auch illegal</span><br/> <span class="text">errichteten Bauten und Anlagen zugestanden (Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="text">gerichts, 1A.17/2004, vom 19. Mai 2004 i.S. P.S. M., Erw. 2.2.5).</span><br/> <span class="text">Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verwirkt der An-</span><br/> <span class="text">spruch der Behörden auf Wiederherstellung des rechtmässigen Zu-</span><br/> <span class="text">stands im Interesse der Rechtssicherheit grundsätzlich nach 30 Jah-</span><br/> <span class="text">ren, sofern der Kanton keine kürzeren Verwirkungsfristen vorsieht</span><br/> <span class="text">(BGE 136 II 365; 132 II 39; Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="text">19. September 2001, 1 P. 768/2000, Erw. 3a; AGVE 2000, S. 263).</span><br/> <span class="text">Eine kantonale Regelung von Verwirkungsfristen kennt das aar-</span><br/> <span class="text">gauische Recht nicht. Kürzere Verwirkungsfristen können sich je-</span><br/> <span class="text">doch aus Gründen des Vertrauensschutzes ergeben. Dies ist nament-</span><br/> <span class="text">lich dann der Fall, wenn die Baupolizeibehörden zwar vor Ablauf der</span><br/> <span class="text">30-jährigen Frist einschreiten, den baurechtswidrigen Zustand aber</span><br/> <span class="text">über Jahre hinaus duldeten, obschon ihnen die Gesetzwidrigkeit be-</span><br/> <span class="text">kannt war oder sie diese bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt</span><br/> <span class="text">hätten kennen müssen (BGE 136 II 365; 132 II 39; 107 la 124; Urteil</span><br/> <span class="text">des Bundesgerichts vom 19. September 2001, 1 P. 768/2000,</span><br/> <span class="text">Erw. 3a; AGVE 2000, S. 263 f., wobei bei blosser Untätigkeit der</span><br/> <span class="text">Behörde grosse Zurückhaltung bei der Deutung der Untätigkeit als</span><br/> <span class="text">behördliche Duldung geboten sei). Darauf kann sich aber nur beru-</span><br/> <span class="text">fen, wer selbst im guten Glauben gehandelt hat, das heisst ange-</span><br/> <span class="text">nommen hat und (unter Anwendung zumutbarer Sorgfalt) annehmen</span><br/> <span class="text">durfte, die von ihm ausgeübte Nutzung sei rechtmässig beziehungs-</span><br/> <span class="text">weise stehe mit einer Baubewilligung in Einklang (BGE 136 II 365;</span><br/> <span class="text">132 11 39; 111 Ib 221 ff.).</span><br/> <span class="text">Im vorliegenden Fall bestehen die strittigen Bauten und Anla-</span><br/> <span class="text">gen noch keine 30 Jahre. Es kann den Behörden auch nicht vorge-</span><br/> <span class="text">worfen werden, sie hätten den rechtswidrigen Zustand über lange</span><br/> <span class="text">Jahre gekannt und toleriert. Aus der von den beteiligten kantonalen</span><br/> <span class="text">und kommunalen Behörden erstellten Chronologie der Ereignisse</span><br/> <span class="text">kann geschlossen werden, dass die Behörden zwar seit etwa</span><br/> <span class="text">2002/2003 Kenntnis von Bauplänen und unbewilligten Bauten hat-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 14 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">371</span> </div> <div class="page" id="S371"> <div role="main"> <span class="text">ten. Sie verlangten darauf vom Beschwerdeführer immer wieder er-</span><br/> <span class="text">folglos Baugesuche und aussagekräftige Gesuchsunterlagen. Dem</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführer musste also die Baubewilligungspflicht bekannt</span><br/> <span class="text">sein. Statt die geforderten Unterlagen einzureichen, erstellte er aber</span><br/> <span class="text">nach 2003 bösgläubig immer neue Bauten und Anlagen und hielt die</span><br/> <span class="text">Behörden hin. Damit verunmöglichte er eine behördliche Prüfung</span><br/> <span class="text">der Bewilligungsfähigkeit und die begründete Anordnung des Rück-</span><br/> <span class="text">baus. Eine Verwirkung des Rechts der Behörden, die Bewilligungs-</span><br/> <span class="text">fähigkeit zu prüfen und den Rückbau anzuordnen, ist daher nicht</span><br/> <span class="text">eingetreten.</span><br/> <span class="text">3.3.2</span><br/> <span class="text">Unbegründet ist auch die Auffassung des Beschwerdeführers,</span><br/> <span class="text">der 1998 vorhandene Pferdebestand und die dafür bis 1998 erstellten</span><br/> <span class="text">Bauten und Anlagen seien, wenn nicht formell, so doch zumindest</span><br/> <span class="text">materiell rechtmässig gewesen und damit besitzstandsgeschützt.</span><br/> <span class="text">Grundvoraussetzung jeder Besitzstandsgarantie ist, dass die be-</span><br/> <span class="text">stehende Baute oder Anlage ursprünglich rechtmässig erstellt wurde</span><br/> <span class="text">oder später rechtmässig geworden ist. Rechtmässig ist eine Baute,</span><br/> <span class="text">wenn sie formell oder materiell rechtmässig war oder ist. Als formell</span><br/> <span class="text">rechtmässig gilt eine Baute, wenn dafür eine Baubewilligungspflicht</span><br/> <span class="text">besteht oder bestand und eine rechtskräftige und weder nichtige noch</span><br/> <span class="text">widerrufene Baubewilligung vorliegt, gleichgültig, ob diese dem ma-</span><br/> <span class="text">teriellen Recht je entsprach oder entspricht. Die ausschliesslich ma-</span><br/> <span class="text">terielle Rechtmässigkeit einer Baute begründet die Besitzstandsga-</span><br/> <span class="text">rantie, wenn die Baute in Übereinstimmung mit dem materiellen</span><br/> <span class="text">Recht entstand oder damit zu einem Zeitpunkt in Übereinstimmung</span><br/> <span class="text">gebracht wurde, als (noch) keine Baubewilligungspflicht bestand</span><br/> <span class="text">(vgl. zum Ganzen: AGVE 2000, S. 255 f.; 1989, S. 229 und 242, je</span><br/> <span class="text">mit Hinweisen; 1981, S. 225 f.).</span><br/> <span class="text">Formelle Baubewilligungen für die baubewilligungspflichten</span><br/> <span class="text">Bauten und Anlagen wurden nicht erteilt. Die Bauten waren aber</span><br/> <span class="text">auch nicht bis 1998 materiell rechtmässig, bloss, weil die landwirt-</span><br/> <span class="text">schaftliche Tätigkeit erst nach 1972 eingestellt worden war. Bis wann</span><br/> <span class="text">und in welchem Umfang Landwirtschaft betrieben wurde, ist unklar.</span><br/> <span class="text">Der Beschwerdeführer geht von einer landwirtschaftlichen Nutzung</span><br/> <span class="text">bis 1998 aus und verweist als Beweis auf einen Gesellschaftsvertrag</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 15 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">372</span> </div> <div class="page" id="S372"> <div role="main"> <span class="text">aus dem Jahre 1991, der von der damaligen Abteilung Landwirt-</span><br/> <span class="text">schaft des Finanzdepartements am 28. Oktober 1991 anerkannt wur-</span><br/> <span class="text">de. Gemäss den eingereichten Belegen vereinbarte E. S. als damalige</span><br/> <span class="text">Vertreterin des Betriebs S. mit W. H., Z., eine Betriebs-</span><br/> <span class="text">zweiggemeinschaft im Hinblick auf die betriebliche Zusammenarbeit</span><br/> <span class="text">bei der Milchproduktion. Der Vertrag trat auf den 1. Mai 1991 in</span><br/> <span class="text">Kraft, wurde für fünf Jahre abgeschlossen und verlängerte sich ohne</span><br/> <span class="text">Kündigung um weitere fünf Jahre. Daraus kann geschlossen werden,</span><br/> <span class="text">dass zumindest 1991 noch eine landwirtschaftliche Tierhaltung be-</span><br/> <span class="text">stand. Ob 1996 eine Vertragsverlängerung erfolgt ist und der Vertrag</span><br/> <span class="text">bis 1998 erfüllt wurde, ist dagegen nicht klar. Gemäss dem Vertrag</span><br/> <span class="text">sollte die Milchviehhaltung künftig auf dem Betrieb H. erfolgen und</span><br/> <span class="text">der Betrieb S. Rinderaufzucht betreiben. Nicht deklariert ist der Um-</span><br/> <span class="text">fang der Rinderhaltung. Es ist daher nicht klar, ob bis 1998 ein Land-</span><br/> <span class="text">wirtschaftsbetrieb oder ein landwirtschaftliches Gewerbe bestand.</span><br/> <span class="text">Das kann aber offen bleiben. Die Bestimmung von Art. 16abis RPG,</span><br/> <span class="text">welche es erlaubt, einem landwirtschaftlichen Gewerbe Bauten und</span><br/> <span class="text">Anlagen für die Haltung von Pferden zu bewilligen, wurde erst durch</span><br/> <span class="text">Bundesgesetz vom 22. März 2013 geschaffen und per 1. Mai 2014 in</span><br/> <span class="text">Kraft gesetzt. Nach dem ursprünglichen Raumplanungsgesetz von</span><br/> <span class="text">1979 und bis 1998 war die Pferdehaltung auf Landwirtschaftsbetrie-</span><br/> <span class="text">ben ausserhalb der Bauzonen grundsätzlich nur zonenkonform, wenn</span><br/> <span class="text">die Pferde als Arbeitstiere landwirtschaftlich genutzt wurden oder</span><br/> <span class="text">wenn mit den Pferden eine bodenabhängige Fleisch- oder Stuten-</span><br/> <span class="text">milchproduktion betrieben wurde. Eine nebenbetriebliche Pensions-</span><br/> <span class="text">pferdehaltung war nur zulässig, wenn der Landwirtschaftsbetrieb</span><br/> <span class="text">auch ohne Pensionspferde die Anforderungen an ein landwirtschaft-</span><br/> <span class="text">liches Gewerbe erfüllte, wobei die Pensionspferde wenn immer mög-</span><br/> <span class="text">lich in bestehenden Bauten unterzubringen waren. Neubauten waren</span><br/> <span class="text">dagegen bei Verfügbarkeit von nicht mehr für die Landwirtschaft be-</span><br/> <span class="text">nötigten Bauten nicht bewilligungsfähig und Aussenanlagen aller Art</span><br/> <span class="text">unzulässig (vgl. Wegleitung Pferd und Raumplanung des Bundes-</span><br/> <span class="text">amtes für Raumentwicklung, vom Mai 2003, S. 12).</span><br/> <span class="text">Es kann also keinesfalls die Rede davon sein, dass bis 1998</span><br/> <span class="text">noch Neubauten für die Pferdehaltung (Unterstände mit Pferdeboxen,</span><br/> <span class="text">Ausläufe und Reitplätze) ausserhalb der bestehenden Ökonomie-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 16 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">373</span> </div> <div class="page" id="S373"> <div role="main"> <span class="text">bauten materiell rechtmässig waren. Die Praxis war damals vielmehr</span><br/> <span class="text">noch restriktiver bezüglich Neubauten und das Erfordernis eines</span><br/> <span class="text">landwirtschaftlichen Gewerbes bestand schon damals. Den Nachweis</span><br/> <span class="text">eines bis 1998 bestehenden landwirtschaftlichen Gewerbes vermag</span><br/> <span class="text">der Beschwerdeführer aber mit dem Gesellschaftsvertrag vom</span><br/> <span class="text">27. April 1991 nicht zu erbringen. Die angeblich schon zwischen</span><br/> <span class="text">1995 und 1998 erstellten Bauten und Anlagen und ein allfälliger Be-</span><br/> <span class="text">stand von sieben bis zehn fremden Pferden waren also auch materiell</span><br/> <span class="text">rechtswidrig, weshalb dafür kein Besitzstandsschutz besteht. Es</span><br/> <span class="text">kommt hinzu, dass die gewerbsmässige Pferdehaltung als nichtland-</span><br/> <span class="text">wirtschaftlicher Nebenbetrieb spätestens bei Aufgabe des landwirt-</span><br/> <span class="text">schaftlichen Gewerbes ebenfalls hätte eingestellt werden müssen.</span><br/> <span class="text">Hätte der Beschwerdeführer 1995 noch ein landwirtschaftliches Ge-</span><br/> <span class="text">werbe betrieben und eine Baubewilligung für eine Neubaute für die</span><br/> <span class="text">Pferdehaltung - zum Beispiel für einen Pferdeauslauf - erhalten, was</span><br/> <span class="text">vorliegend gerade nicht zutrifft, wäre diese höchstwahrscheinlich mit</span><br/> <span class="text">einem Beseitigungsrevers verbunden worden. Die Baute hätte also</span><br/> <span class="text">bei Aufgabe des landwirtschaftlichen Gewerbes ebenfalls zurückge-</span><br/> <span class="text">baut werden müssen.</span><br/> <span class="text">4. Rückbauanordnung</span><br/> <span class="text">Nach dem Gesagten wurden alle strittigen Bauten und Anlagen</span><br/> <span class="text">ohne die erforderliche Baubewilligung erstellt und die Voraussetzun-</span><br/> <span class="text">gen für eine nachträgliche Bewilligung sind nicht erfüllt. Es trifft</span><br/> <span class="text">auch nicht zu, dass das behördliche Recht, ein nachträgliches Bau-</span><br/> <span class="text">bewilligungsverfahren durchzuführen und den Rückbau nicht be-</span><br/> <span class="text">willigungsfähiger Bauten zu verfügen, verwirkt ist, zumal sich die</span><br/> <span class="text">Behörden um die Herstellung des rechtmässigen Zustands bemüht</span><br/> <span class="text">haben, während der Beschwerdeführer trotz behördlicher Interven-</span><br/> <span class="text">tion fortgesetzt neue Bauten und Anlagen erstellte oder bestehende</span><br/> <span class="text">erweiterte.</span><br/> <span class="text">Gemäss § 159 Abs. 1 BauG kann unter anderem die Herstellung</span><br/> <span class="text">des rechtmässigen Zustands, insbesondere die Beseitigung oder Än-</span><br/> <span class="text">derung von rechtswidrigen Bauten, angeordnet werden, wenn durch</span><br/> <span class="text">die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewilligung, unter Ver-</span><br/> <span class="text">letzung einer solchen oder auf andere Weise ein unrechtmässiger Zu-</span><br/> <span class="text">stand geschaffen worden ist. Der Wiederherstellung des recht-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 17 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">374</span> </div> <div class="page" id="S374"> <div role="main"> <span class="text">mässigen Zustands gemäss § 159 Abs. 1 BauG kommt massgebendes</span><br/> <span class="text">Gewicht für den ordnungsgemässen Vollzug des Raumplanungs-</span><br/> <span class="text">rechts zu. Die Duldung illegal errichteter oder erweiterter, dem RPG</span><br/> <span class="text">widersprechender Bauten und Anlagen stellt nämlich den Grundsatz</span><br/> <span class="text">der Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet in Frage und belohnt</span><br/> <span class="text">rechtswidriges Verhalten. Formell rechtswidrige Bauten und Anla-</span><br/> <span class="text">gen, die auch nachträglich nicht legalisiert werden können, müssen</span><br/> <span class="text">daher grundsätzlich beseitigt werden (PETER HÄNNI, Der Abbruch</span><br/> <span class="text">von Bauten und Anlagen, in: Baurecht 2005, S. 153). Die Anordnung</span><br/> <span class="text">des Abbruchs bereits erstellter Bauten und Anlagen kann jedoch nach</span><br/> <span class="text">den allgemeinen Prinzipien des Verfassungs- und Verwaltungsrechts</span><br/> <span class="text">(ganz oder teilweise) ausgeschlossen sein (BGE 111 Ib 213, 108 Ia</span><br/> <span class="text">216). Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Wiederherstellung des</span><br/> <span class="text">rechtmässigen Zustands unverhältnismässig wäre.</span><br/> <span class="text">Vorliegend wurden die nicht bewilligungsfähigen Bauten und</span><br/> <span class="text">Anlagen nicht nur zonenwidrig in der Landwirtschaftszone, also in-</span><br/> <span class="text">nerhalb einer freizuhaltenden Nichtbauzone errichtet. Es wurden</span><br/> <span class="text">vielmehr Fruchtfolgeflächen mit sehr guter oder guter Eignung</span><br/> <span class="text">(FFF1) zweckentfremdet, welche gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. a RPG</span><br/> <span class="text">möglichst erhalten bleiben sollen. Das wiegt insofern schwer, als die</span><br/> <span class="text">im Kanton Aargau noch verfügbaren Fruchtfolgeflächen nur noch ge-</span><br/> <span class="text">ringfügig über dem Mindestumfang liegen, welche der Kanton ge-</span><br/> <span class="text">mäss dem bundesrätlichen Sachplan Fruchtfolgeflächen sicher-</span><br/> <span class="text">zustellen hat, und laufend weitere Flächen durch unverzichtbare</span><br/> <span class="text">standortgebundene Anlagen verloren gehen. Für die Erfüllung der</span><br/> <span class="text">Bundesvorgaben ist es deshalb unerlässlich, dass geeignete Flächen</span><br/> <span class="text">ungeachtet ihrer tatsächlichen Nutzung in der jüngeren Ver-</span><br/> <span class="text">gangenheit als Fruchtfolgeflächen erhalten bleiben oder dafür wieder</span><br/> <span class="text">bereitgemacht werden. Vorliegend ist dies noch möglich und zur</span><br/> <span class="text">Wahrung des gewichtigen öffentlichen Interesses an der Sicher-</span><br/> <span class="text">stellung der Landesversorgung in Krisenzeiten geeignet, erforderlich</span><br/> <span class="text">und verhältnismässig.</span><br/> <span class="text">Die auf dem Gebiet der Gemeinde O. erstellten Bauten und An-</span><br/> <span class="text">lagen befinden sich überdies in einer Landschaftsschutzzone. Das um</span><br/> <span class="text">den ehemaligen Landwirtschaftsbetrieb ausgeschiedene sogenannte</span><br/> <span class="text">Siedlungsei nimmt nur betriebsnotwendige landwirtschaftliche Bau-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 18 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">375</span> </div> <div class="page" id="S375"> <div role="main"> <span class="text">ten vom Landschaftsschutz aus. Gemäss § 9 Abs. 1 der NO Kultur-</span><br/> <span class="text">land der Gemeinde O. vom 19. September 2002 (vom Grossen Rat</span><br/> <span class="text">genehmigt am 31. August 2004) dient die Landschaftsschutzzone der</span><br/> <span class="text">Erhaltung der Landschaft in ihrem Aussehen und ihrer Eigenart. Zu-</span><br/> <span class="text">sätzlich zu den Vorschriften der Grundnutzungszone sind Bauten und</span><br/> <span class="text">Anlagen sowie Terrainveränderungen (Abgrabungen, Aufschüt-</span><br/> <span class="text">tungen, Ablagerungen) grundsätzlich verboten. Nur kleinere Terrain-</span><br/> <span class="text">veränderungen, Bienenhäuschen, Weideunterstände, Fahrnisbauten,</span><br/> <span class="text">die der Bewirtschaftung dienen, betriebsnotwendige Installationen</span><br/> <span class="text">(Hagelschutznetze usw.) sowie Bauten und Anlagen für den ökolo-</span><br/> <span class="text">gischen Ausgleich können bewilligt werden, wenn sie auf den Stand-</span><br/> <span class="text">ort angewiesen sind und keine überwiegenden Interessen entge-</span><br/> <span class="text">genstehen (§ 9 Abs. 3 NO). Die vom Beschwerdeführer erstellten</span><br/> <span class="text">grossflächigen Bauten und Anlagen stehen in krassem Widerspruch</span><br/> <span class="text">zu diesen zusätzlichen Schutzbestimmungen und sie beeinträchtigen</span><br/> <span class="text">die geschützte Landschaft schwerwiegend. Ein vollständiger Rück-</span><br/> <span class="text">bau aller rechtswidrigen Bauten ist daher zwingend. Eine mildere</span><br/> <span class="text">Massnahme zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands ist</span><br/> <span class="text">nicht sichtbar und wird vom Beschwerdeführer auch nicht geltend</span><br/> <span class="text">gemacht. Zurückzubauen sind entgegen der Auffassung des Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführers nicht nur die nicht bewilligungsfähigen Hochbauten</span><br/> <span class="text">und Hartbelagsflächen, sondern auch der den Boden sauer machende</span><br/> <span class="text">Schnitzelplatz sowie der den natürlichen Bodenaufbau überlagernde</span><br/> <span class="text">Sandplatz, welche die geschützte Landschaft wahrnehmbar und er-</span><br/> <span class="text">heblich störend verändern sowie einer zonenwidrigen Nutzung Vor-</span><br/> <span class="text">schub leisten. Als Auslauf für hobbymässig gehaltene eigene Pferde</span><br/> <span class="text">kann der dem Pferdestall im Ökonomiegebäude vorgelagerte Bereich</span><br/> <span class="text">8a dienen, welcher gemäss der Rückbauanordnung eingekiest werden</span><br/> <span class="text">kann (vgl. Auflage 2). Wie die Abteilung für Baubewilligungen BVU</span><br/> <span class="text">in der Verfügung vom (...) zutreffend erwogen hat, wäre der Einbau</span><br/> <span class="text">von vier Boxen in das bestehende Ökonomiegebäude für die</span><br/> <span class="text">hobbymässige Haltung von vier eigenen Pferden (nicht aber für Pfer-</span><br/> <span class="text">depensionäre) sowie ein an den Stall angrenzender Allwetterauslauf</span><br/> <span class="text">von maximal 160 m2 in einem wohl bereits 1972 als Verkehrsfläche</span><br/> <span class="text">genutzten Bereich grundsätzlich bewilligungsfähig, wenn die Per-</span><br/> <span class="text">sonen, welche eigene Pferde halten, an der X-gasse oder in einer</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 19 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">376</span> </div> <div class="page" id="S376"> <div role="main"> <span class="text">anderen nahe gelegenen Wohnbaute wohnen oder Wohnsitz nehmen.</span><br/> <span class="text">Es ist dem Beschwerdeführer unbenommen, kurzfristig einen ent-</span><br/> <span class="text">sprechenden Nachweis zu erbringen und ein gehöriges Baugesuch</span><br/> <span class="text">einzureichen, welches in der verfügten Rückbaufrist bewilligt wer-</span><br/> <span class="text">den könnte und die Rückbauanordnung diesbezüglich korrigieren</span><br/> <span class="text">würde.</span><br/> <span class="text">Dass die verfügten Rückbaufristen von sechs beziehungsweise</span><br/> <span class="text">drei Monaten unangemessen sind, macht der Beschwerdeführer je-</span><br/> <span class="text">denfalls zu Recht nicht geltend. Sie erlauben einen geordneten Rück-</span><br/> <span class="text">bau und ermöglichen den Mietern der Pferdeboxen, eine andere Un-</span><br/> <span class="text">terbringungsmöglichkeit für ihre Pferde zu wählen. Es darf dabei vo-</span><br/> <span class="text">rausgesetzt werden, dass der Beschwerdeführer seine Mieter über das</span><br/> <span class="text">seit Juli 2018 hängige Beschwerdeverfahren orientiert hat, so dass sie</span><br/> <span class="text">hinreichend Zeit hatten, sich nach alternativen und rechtmässig er-</span><br/> <span class="text">stellten Pferdeställen umzusehen. Dass der Rückbau der rechtswidrig</span><br/> <span class="text">erstellten Bauten und Anlagen mit erheblichen Rückbaukosten ver-</span><br/> <span class="text">bunden ist, wie der Beschwerdeführer geltend macht, kann schliess-</span><br/> <span class="text">lich kein Grund sein, auf einen Rückbau zu verzichten. Wer bösgläu-</span><br/> <span class="text">big gleich mehrere Bauten ohne Baubewilligung erstellt, nimmt in</span><br/> <span class="text">Kauf, dass er einen hohen Wert wieder abschreiben muss. Im Übri-</span><br/> <span class="text">gen dürften die durch die langjährige Vermietung erzielten Einnah-</span><br/> <span class="text">men die Kosten der Erstellung der Bauten und Anlagen sowie die</span><br/> <span class="text">Rückbaukosten beträchtlich übersteigen, so dass dem Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führer auch nach dem Rückbau noch ein erheblicher unrechtmässig</span><br/> <span class="text">erzielter Gewinn verbleibt. Der angeordnete Rückbau erscheint des-</span><br/> <span class="text">halb auch aus finanzieller Sicht als durchaus verhältnismässig.</span><br/> <span class="text">Zusammenfassend erweisen sich die von der Vorinstanz verfüg-</span><br/> <span class="text">ten Rückbauanordnungen als recht- und verhältnismässig.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>