<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 20 S.85</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">85</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Strassenverkehrsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>20</b></span> <span class="ft3"><b>Anordnung einer Kontrollfahrt; berechtigte Bedenken bezüglich Fahreig-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nung.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Anordnung einer Kontrollfahrt (Erw. 1, 2.3.3).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Das Aufgebot zur Kontrollfahrt ist ein verfahrensleitender Zwi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schenentscheid, welcher selbständig anfechtbar ist. Die allgemeinen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Verfahrensvorschriften des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (§ 15 ff.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>VRPG) sind daher einzuhalten, insbesondere § 23 VRPG betreffend</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Eröffnung einer Verfügung (Erw. 2, insbesondere 2.3, 2.4.1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Um eine Kontrollfahrt anzuordnen, dürfen im Interesse der Ver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kehrssicherheit die Voraussetzungen an die Bedenken hinsichtlich</b></span><br/> <span class="ft3"><b>der Fahreignung nicht zu hoch gesetzt werden (Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 10. August 2006 in</span><br/> <span class="ft6">Sachen H.S. gegen den Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inne-</span><br/> <span class="ft6">res.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">1.</span><br/> <span class="ft8">1.1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Fall ist die Verfügung</span><br/> <span class="ft8">des Strassenverkehrsamts, mit welcher dem Beschwerdeführer der</span><br/> <span class="ft8">Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen wurde, weil er unent-</span><br/> <span class="ft8">schuldigt zur angeordneten Kontrollfahrt nicht erschienen ist. Der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführer macht geltend, dass eine Kontrollfahrt nicht hätte</span><br/> <span class="ft8">angeordnet werden dürfen. Im Rahmen des Verwaltungsbeschwerde-</span><br/> <span class="ft8">verfahrens hat die Vorinstanz u.a. geprüft, ob die Anordnung der</span><br/> <span class="ft8">Kontrollfahrt materiell rechtmässig war. Streitgegenstand vor Ver-</span><br/> <span class="ft8">waltungsgericht ist somit nicht nur der Sicherungsentzug, sondern</span><br/> <span class="ft8">auch die Anordnung der Kontrollfahrt. Es stellt sich vorweg die</span><br/> <span class="ft8">Frage, ob die Anordnung der Kontrollfahrt formell rechtmässig er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">86</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">folgte, d.h. es ist zu prüfen, ob es sich bei der Anordnung einer Kon-</span><br/> <span class="ft8">trollfahrt um verfügungsfreies Verwaltungshandeln, um eine (nicht</span><br/> <span class="ft8">selbständig anfechtbare) Zwischenverfügung, oder um eine selbstän-</span><br/> <span class="ft8">dig anfechtbare Verfügung handelt.</span><br/> <span class="ft8">1.2.</span><br/> <span class="ft8">1.2.1. Die Ausstellung eines Führerausweises setzt unter ande-</span><br/> <span class="ft8">rem voraus, dass eine Person über die nötigen Kenntnisse und Fähig-</span><br/> <span class="ft8">keiten zum Führen eines Fahrzeuges verfügt (Art. 14 Abs. 1 SVG).</span><br/> <span class="ft8">Wird nachträglich festgestellt, dass die Fahreignung fehlt, ist der</span><br/> <span class="ft8">Führerausweis nach Art. 16 Abs. 1 und Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG auf</span><br/> <span class="ft8">unbestimmte Zeit zu entziehen. Bestehen Bedenken über die</span><br/> <span class="ft8">Eignung eines Fahrzeuglenkers, so kann zur Abklärung der notwen-</span><br/> <span class="ft8">digen Massnahmen eine Kontrollfahrt angeordnet werden (Art. 29</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 VZV). Bestehen ernsthafte Bedenken an der Fahreignung, so</span><br/> <span class="ft8">kann der Lern- oder Führerausweis vorsorglich entzogen werden</span><br/> <span class="ft8">(Art. 30 VZV).</span><br/> <span class="ft8">1.2.2. Um feststellen zu können, ob eine Person noch über die</span><br/> <span class="ft8">nötigen Voraussetzungen verfügt, um ein Fahrzeug sicher lenken zu</span><br/> <span class="ft8">können, bedarf es der Sachverhaltsabklärung durch die zuständige</span><br/> <span class="ft8">Behörde. Als Mittel der Sachverhaltsfeststellung dient unter anderem</span><br/> <span class="ft8">die Durchführung einer Kontrollfahrt. Diese Abklärung bedingt, dass</span><br/> <span class="ft8">der Fahrzeughalter persönlich erscheint und auf diese Art und Weise</span><br/> <span class="ft8">an der Sachverhaltsermittlung mitwirkt (René Schaffhauser, Grund-</span><br/> <span class="ft8">riss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Bd. III: Die Admi-</span><br/> <span class="ft8">nistrativmassnahmen, Bern 1995, N 2650 und 2664). Als Rechtsfolge</span><br/> <span class="ft8">für unentschuldigtes Fernbleiben von einer solchen Kontrollfahrt</span><br/> <span class="ft8">sieht die Verordnung die Vermutung des Nichtbestehens vor (Art. 29</span><br/> <span class="ft8">Abs. 4 VZV). Diese persönliche Mitwirkung unterscheidet sich von</span><br/> <span class="ft8">den üblichen Mitwirkungspflichten in der zwingenden Folge des</span><br/> <span class="ft8">Entzugs des Ausweises bei unentschuldigtem Fernbleiben (René</span><br/> <span class="ft8">Schaffhauser, a.a.O., N 2666). Ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren</span><br/> <span class="ft8">ist nicht vorgesehen. Die Vermutung des Nichtbestehens kommt</span><br/> <span class="ft8">einer Beweislastumkehr gleich, indem entgegen des Untersu-</span><br/> <span class="ft8">chungsgrundsatzes der Betroffene tätig werden muss und nachzuwei-</span><br/> <span class="ft8">sen hat, dass er unverschuldet ferngeblieben ist, wobei ihn das nicht</span><br/> <span class="ft8">vor einer erneuten Anordnung der Kontrollfahrt schützt. Das Unter-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">87</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">lassen der Mitwirkung unterliegt somit im Gegensatz zu einer Oblie-</span><br/> <span class="ft8">genheit nicht mehr nur der freien Beweiswürdigung nach § 20 Abs. 1</span><br/> <span class="ft8">VPRG. Der Entzug des Führerausweises auf Grund unentschuldigten</span><br/> <span class="ft8">Fernbleibens von einer Kontrollfahrt ist ein Sicherungsentzug, dem</span><br/> <span class="ft8">repressiv-pönaler Charakter zukommt. Zu prüfen ist im Folgenden,</span><br/> <span class="ft8">welchen gesetzlichen Anforderungen das Aufgebot zu einer Kon-</span><br/> <span class="ft8">trollfahrt zu genügen hat.</span><br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1. Als Verfügung gilt ein individueller, an den Einzelnen ge-</span><br/> <span class="ft8">richteter Hoheitsakt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche</span><br/> <span class="ft8">Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder feststellend in verbindlicher</span><br/> <span class="ft8">und erzwingbarer Weise geregelt wird (vgl. AGVE 1993, S. 596;</span><br/> <span class="ft8">Michael Merker, Rechtsmittel, Klage- und Normenkontrollverfahren</span><br/> <span class="ft8">nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft8">[Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG], Zürich 1998, § 38 N 4; Ulrich</span><br/> <span class="ft8">Häfelin/Georg Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage,</span><br/> <span class="ft8">Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 854). Entscheide weisen dieselben</span><br/> <span class="ft8">Merkmale wie die Verfügungen auf und unterscheiden sich in der</span><br/> <span class="ft8">Qualität als Anfechtungsobjekte nicht grundsätzlich (Merker, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft8">§ 38 N 20). Als Zwischenentscheide werden verfahrensleitende (pro-</span><br/> <span class="ft8">zessleitende) Verfügungen oder Entscheide bezeichnet, die das Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahren nicht abschliessen, sondern es im Rahmen der Prozessin-</span><br/> <span class="ft8">struktion von der Rechtshängigkeit zum Endentscheid führen (Mer-</span><br/> <span class="ft8">ker, a.a.O., § 38 N 53).</span><br/> <span class="ft8">2.2.</span><br/> <span class="ft8">2.2.1. Mit seinem Schreiben hat das Strassenverkehrsamt, als</span><br/> <span class="ft8">kantonale Behörde, einseitig, in Anwendung von öffentlichem Recht</span><br/> <span class="ft8">des Bundes, eine Kontrollfahrt angeordnet. Dieses Schreiben nennt</span><br/> <span class="ft8">die betroffene Person und verpflichtet den Adressaten zu einem Tun,</span><br/> <span class="ft8">das keiner weiteren Konkretisierung bedarf. Sämtliche Elemente ei-</span><br/> <span class="ft8">ner Verfügung sind folglich bei der Anordnung der Kontrollfahrt</span><br/> <span class="ft8">durch das Strassenverkehrsamt erfüllt. Daran ändern auch die feh-</span><br/> <span class="ft8">lende Bezeichnung als Verfügung und die fehlende Rechtsmittelbe-</span><br/> <span class="ft8">lehrung nichts. Die Bezeichnung als Verfügung ist nämlich weder</span><br/> <span class="ft8">begriffsnotwendig noch Gültigkeitsvoraussetzung (vgl. AGVE 1982,</span><br/> <span class="ft8">S. 297; Merker, a.a.O., § 38 N 7). Die fehlende Rechtsmittelbeleh-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">88</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">rung hat ihrerseits keine Nichtigkeit der Verfügung zur Folge; es dür-</span><br/> <span class="ft8">fen dem Betroffenen aus der mangelhaften Eröffnung lediglich keine</span><br/> <span class="ft8">Rechtsnachteile erwachsen (vgl. Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 976</span><br/> <span class="ft8">und 1645).</span><br/> <span class="ft8">2.2.2. Im Anschluss an die Anzeige durch die Kantonspolizei</span><br/> <span class="ft8">hat das Strassenverkehrsamt ein Verfahren im Hinblick auf einen Si-</span><br/> <span class="ft8">cherungsentzug wegen fehlender Fahrtauglichkeit eingeleitet. Das</span><br/> <span class="ft8">Aufgebot zu einer Kontrollfahrt ist mit einer Beweisanordnung ver-</span><br/> <span class="ft8">gleichbar (vgl. AGVE 1993, S. 392). Die Anordnung dient der Er-</span><br/> <span class="ft8">mittlung des Sachverhalts und stellt einen Zwischenschritt im Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahren darüber, ob dem Ausweisinhaber die Fahrbewilligung mit</span><br/> <span class="ft8">oder ohne Auflagen belassen oder ob sie entzogen wird, dar. Bei der</span><br/> <span class="ft8">Anordnung einer Kontrollfahrt nach Art. 29 VZV handelt es sich</span><br/> <span class="ft8">demzufolge um einen Zwischenentscheid im Sicherungsentzugsver-</span><br/> <span class="ft8">fahren. Die Anordnung weist zudem die Besonderheit der zwingen-</span><br/> <span class="ft8">den Sanktionierung bei unentschuldigtem Fernbleiben auf (Abs. 4).</span><br/> <span class="ft8">Es stellt sich daher die Frage, ob nachträglicher Rechtsschutz genügt,</span><br/> <span class="ft8">oder ob es sich bei der Anordnung einer Kontrollfahrt um einen selb-</span><br/> <span class="ft8">ständig anfechtbaren Zwischenentscheid handelt.</span><br/> <span class="ft8">2.3.</span><br/> <span class="ft8">2.3.1. Zwischenentscheide können in der Regel nicht für sich</span><br/> <span class="ft8">allein, sondern erst zusammen mit dem Endentscheid angefochten</span><br/> <span class="ft8">werden. Sie sind nach konstanter Rechtsprechung des Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft8">gerichts ausnahmsweise dann selbständig weiterziehbar, wenn sie für</span><br/> <span class="ft8">den Betroffenen einen später nicht wiedergutzumachenden Nachteil</span><br/> <span class="ft8">mit sich bringen (AGVE 1999, S. 355; 1998, S. 434; 1993, S. 392;</span><br/> <span class="ft8">1992, S. 454; 1991, S. 195; 1990, S. 318). Zu berücksichtigen sind</span><br/> <span class="ft8">die sich stellenden Rechtsschutzinteressen, wobei ein tatsächlicher</span><br/> <span class="ft8">Nachteil des Betroffenen genügt (vgl. BGE 120 Ib 100; Merker,</span><br/> <span class="ft8">a.a.O., § 38 N 55).</span><br/> <span class="ft8">2.3.2. Das Verwaltungsgericht hat sich verschiedentlich über die</span><br/> <span class="ft8">selbständige Anfechtbarkeit von bestimmten Zwischenverfügungen</span><br/> <span class="ft8">oder -entscheiden geäussert. Betreffend das Strassenverkehrsrecht</span><br/> <span class="ft8">hat das Verwaltungsgericht den Entzug des Führerausweises für die</span><br/> <span class="ft8">Dauer eines Beschwerdeverfahrens als nicht wiedergutzumachenden</span><br/> <span class="ft8">Nachteil anerkannt (AGVE 1991, S. 195 f.). Im Jahr 2002 hat das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">89</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Verwaltungsgericht entschieden, dass ein vorsorglicher Sicherungs-</span><br/> <span class="ft8">entzug nach Art. 16 Abs. 1 des altrechtlichen Strassenverkehrsgeset-</span><br/> <span class="ft8">zes (aSVG) und Art. 35 Abs. 3 sowie Art. 36 Abs. 1 der altrechtli-</span><br/> <span class="ft8">chen Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen</span><br/> <span class="ft8">zum Strassenverkehr (aVZV) einen Zwischenentscheid darstellt, der</span><br/> <span class="ft8">für den Betroffenen einen tatsächlichen Nachteil bewirkt, indem sich</span><br/> <span class="ft8">der vorsorgliche Entzug des Führerausweises für ihn faktisch wie ein</span><br/> <span class="ft8">definitiver Sicherungsentzug auswirkt (AGVE 2002, S. 144).</span><br/> <span class="ft8">Bejaht wurde der nicht wiedergutzumachende Nachteil auch bei</span><br/> <span class="ft8">einer Zwischenverfügung, die den Adressaten zur Einleitung eines</span><br/> <span class="ft8">verwaltungsgerichtlichen Klageverfahrens innert Frist aufforderte -</span><br/> <span class="ft8">ihm damit die Klägerrolle im Prozess auferlegte - und ihm im Un-</span><br/> <span class="ft8">terlassungsfall negative Folgen androhte (AGVE 1990, S. 318). Da-</span><br/> <span class="ft8">neben hat das Verwaltungsgericht im Hinblick auf die möglichen</span><br/> <span class="ft8">Folgen die Anfechtungsmöglichkeit der Verfügung betreffend Kos-</span><br/> <span class="ft8">tenvorschuss bejaht (AGVE 1998, S. 435). Ebenfalls unter Berück-</span><br/> <span class="ft8">sichtigung der Unterlassungsfolgen wurde der Anspruch auf eine</span><br/> <span class="ft8">selbständig anfechtbare Zwischenverfügung bei einem Gesuch um</span><br/> <span class="ft8">Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege grundsätzlich bejaht</span><br/> <span class="ft8">(AGVE 1999, S. 358).</span><br/> <span class="ft8">Das Bundesgericht hat in einem älteren Entscheid ausgeführt,</span><br/> <span class="ft8">dass die Androhung einer Sanktion zwar weder neue Pflichten zu</span><br/> <span class="ft8">Lasten des Betroffenen schaffe, noch solche dadurch festgestellt</span><br/> <span class="ft8">würden. Dennoch erleichtere die vorausgegangene Androhung den</span><br/> <span class="ft8">späteren Entzug einer Berechtigung, der sonst als unverhältnismässig</span><br/> <span class="ft8">erscheinen könnte. Die Androhung verschlechtere daher die Rechts-</span><br/> <span class="ft8">stellung des Betroffenen, so dass dieser die Möglichkeit haben müs-</span><br/> <span class="ft8">se, sie anzufechten. Gestützt auf diese Erwägungen hat das Bun-</span><br/> <span class="ft8">desgericht letztlich die Androhung, im Weigerungsfalle der Einhal-</span><br/> <span class="ft8">tung der aufgestellten Weisung, die Anerkennung als bankengesetzli-</span><br/> <span class="ft8">che Revisionsstelle zu entziehen, einer Verfügung im Sinne von</span><br/> <span class="ft8">Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom</span><br/> <span class="ft8">20. Dezember 1968 gleichgestellt (vgl. BGE 103 Ib 353; dazu auch</span><br/> <span class="ft8">Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983,</span><br/> <span class="ft8">S. 136, Ziff. 5.4).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">90</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">2.3.3. Mit dem Aufgebot zu einer Kontrollfahrt wird die Pflicht</span><br/> <span class="ft8">zur Durchführung einer solchen statuiert. Bleibt die betroffene Per-</span><br/> <span class="ft8">son der Kontrollfahrt unentschuldigt fern, gilt diese als nicht bestan-</span><br/> <span class="ft8">den (Art. 29 Abs. 4 VZV), und es wird ihr der Führerausweis entzo-</span><br/> <span class="ft8">gen (Art. 29 Abs. 2 lit. a Satz 1 VZV). Diese Rechtsfolge ist eine</span><br/> <span class="ft8">Verschlechterung der Rechtsstellung des Betroffenen. Gemäss</span><br/> <span class="ft8">Art. 29 Abs. 3 VZV kann die Kontrollfahrt nicht wiederholt werden.</span><br/> <span class="ft8">Die Säumnisfolge des Nichtbestehens bedeutet somit, dass der Be-</span><br/> <span class="ft8">troffene als fahruntauglich gilt, ohne dass ein Nachweis der Fahrun-</span><br/> <span class="ft8">tauglichkeit vorliegt. Diese Vermutung kann in einem späteren</span><br/> <span class="ft8">Rechtsmittelverfahren gegen den Führerausweisentzug gemäss Wort-</span><br/> <span class="ft8">laut der Verordnung nicht widerlegt werden (Art.</span> <span class="ft8">29 Abs.</span> <span class="ft8">2</span><br/> <span class="ft8">lit. a Satz 2 VZV; Art. 29 Abs. 3 VZV). Der Betroffene ist angesichts</span><br/> <span class="ft8">der drohenden, schwerwiegenden Rechtsfolge des Ausweisentzugs</span><br/> <span class="ft8">faktisch gezwungen, die Kontrollfahrt anzutreten. Dies erweist sich</span><br/> <span class="ft8">als schwerwiegender Nachteil, der im Rechtsmittelverfahren gegen</span><br/> <span class="ft8">den Endentscheid nicht, jedenfalls nicht mehr zeitgerecht, zu korri-</span><br/> <span class="ft8">gieren ist. Ein rechtsstaatliches Verfahren mit vorgängiger Anfech-</span><br/> <span class="ft8">tungsmöglichkeit drängt sich umso mehr auf, weil die Anforderun-</span><br/> <span class="ft8">gen an die materiellen Voraussetzungen für ein Aufgebot zur Kon-</span><br/> <span class="ft8">trollfahrt gering sind (siehe hinten Erw. 3.1.3).</span><br/> <span class="ft8">2.4.</span><br/> <span class="ft8">2.4.1. Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass das Aufgebot</span><br/> <span class="ft8">zur Kontrollfahrt gemäss Art. 29 VZV als verfahrensleitender Zwi-</span><br/> <span class="ft8">schenentscheid zu qualifizieren ist, welcher selbständig anfechtbar</span><br/> <span class="ft8">ist. Der Charakter einer selbständig anfechtbaren Zwischenverfügung</span><br/> <span class="ft8">beinhaltet, dass die allgemeinen Verfahrensvorschriften des Verwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsrechtspflegegesetzes (§§ 15 ff. VRPG) eingehalten werden</span><br/> <span class="ft8">müssen, worunter auch die Anforderungen an die Eröffnung einer</span><br/> <span class="ft8">Verfügung gemäss § 23 VRPG fallen. Das Aufgebot zur Kontroll-</span><br/> <span class="ft8">fahrt ist als Verfügung zu bezeichnen, schriftlich zu eröffnen und ge-</span><br/> <span class="ft8">gen Empfangsbestätigung zuzustellen, sowie mit einer Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft8">belehrung zu versehen (§ 23 Abs. 1-4 VRPG). Falls erhebliche Be-</span><br/> <span class="ft8">denken an der Fahreignung vorliegen, kann der Sicherheit im Stras-</span><br/> <span class="ft8">senverkehr gegebenenfalls mit Entzug der aufschiebenden Wirkung</span><br/> <span class="ft8">(§ 44 VRPG) Genüge getan werden. Bei konkreten Anhaltspunkten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">91</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">für die fehlende Fahreignung, die ernsthafte Bedenken begründen, ist</span><br/> <span class="ft8">ein vorsorglicher Sicherungsentzug nach Art. 30 VZV zu prüfen.</span><br/> <span class="ft8">2.4.2. Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer das</span><br/> <span class="ft8">schriftliche Aufgebot zur Kontrollfahrt erhalten, wenn auch nicht</span><br/> <span class="ft8">eingeschrieben. Er hat sich nach Erhalt des Aufgebots umgehend</span><br/> <span class="ft8">beim Strassenverkehrsamt schriftlich verlauten lassen, indem er um</span><br/> <span class="ft8">den Verzicht auf die Durchführung der Kontrollfahrt, allenfalls um</span><br/> <span class="ft8">Verschiebung des Termins, ersuchte. Somit reichte er eine Eingabe</span><br/> <span class="ft8">gegen die Anordnung der Kontrollfahrt ein. Dass er dieses Schreiben</span><br/> <span class="ft8">nicht als Beschwerde bezeichnet und bei der falschen Instanz einge-</span><br/> <span class="ft8">reicht hat, darf ihm nicht zum Nachteil gereichen, da die Verfügung</span><br/> <span class="ft8">nicht als solche bezeichnet war und keine Rechtsmittelbelehrung</span><br/> <span class="ft8">enthielt. Richtigerweise hätte seine Eingabe an das Departement als</span><br/> <span class="ft8">zuständige Instanz weitergeleitet werden müssen. Auf Grund der</span><br/> <span class="ft8">aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ist die Anordnung der</span><br/> <span class="ft8">Kontrollfahrt somit nicht rechtskräftig geworden, weshalb ein unent-</span><br/> <span class="ft8">schuldigtes Fernbleiben gar nicht möglich war. Der Führerausweis</span><br/> <span class="ft8">hätte dem Beschwerdeführer daher nicht gestützt auf Art. 29 Abs. 4</span><br/> <span class="ft8">VZV entzogen werden dürfen, weshalb die Verfügung des Strassen-</span><br/> <span class="ft8">verkehrsamts und der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben sind.</span><br/> <span class="ft8">Unter diesen Umständen kann offen gelassen werden, ob die Ableh-</span><br/> <span class="ft8">nung des Verschiebungsgesuchs des Beschwerdeführers durch das</span><br/> <span class="ft8">Strassenverkehrsamt rechtmässig war.</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1.</span><br/> <span class="ft8">3.1.1. Der Beschwerdeführer machte stets geltend, die Voraus-</span><br/> <span class="ft8">setzungen für die Anordnung einer Kontrollfahrt seien nicht erfüllt.</span><br/> <span class="ft8">Weil die Vorinstanz diese Frage im Rahmen des vorliegenden Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahrens materiell überprüft hat, ist das Verfahren diesbezüglich nicht</span><br/> <span class="ft8">zurückzuweisen. Das Verwaltungsgericht hat zu prüfen, ob die Vor-</span><br/> <span class="ft8">aussetzungen von Art. 29 Abs. 1 VZV erfüllt sind, d.h. insbesondere,</span><br/> <span class="ft8">ob berechtigte Bedenken über die Eignung des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft8">als Fahrzeuglenker vorlagen.</span><br/> <span class="ft8">3.1.2. Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er auf dem Park-</span><br/> <span class="ft8">platz nur mit "Zwängerei" sein Auto habe verlassen können. Bei sei-</span><br/> <span class="ft8">ner Rückkehr habe D.M. ihm die Zufügung eines Lackschadens und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">92</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">einer Beule vorgeworfen, was er sofort zurückgewiesen habe, da er</span><br/> <span class="ft8">sorgfältig parkiert habe. Als er am gleichen Tag über Mittag nicht zu</span><br/> <span class="ft8">Hause gewesen sei, habe das Ehepaar M. sein Auto auf dem Haus-</span><br/> <span class="ft8">platz inspiziert. Er habe eine Notiz gefunden, auf welcher gestanden</span><br/> <span class="ft8">habe, dass dafür gesorgt werde, dass ihm der Führerausweis wegge-</span><br/> <span class="ft8">nommen werde. Eine Woche später habe D.M. bei der Kantonspoli-</span><br/> <span class="ft8">zei wegen Fahrzeugbeschädigung und seinen "Fahrkünsten" Anzeige</span><br/> <span class="ft8">erstattet, was er von Anfang an zurückgewiesen habe. Der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer macht damit sinngemäss geltend, dass er zu Unrecht</span><br/> <span class="ft8">zu einer Kontrollfahrt aufgeboten worden sei.</span><br/> <span class="ft8">3.1.3. Die Anordnung einer Kontrollfahrt kann erfolgen, wenn</span><br/> <span class="ft8">Bedenken über die Eignung eines Fahrzeuglenkers bestehen (Art. 29</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 VZV). Zum einen weist der Wortlaut dieser Bestimmung</span><br/> <span class="ft8">durch die Verwendung des Wortes Bedenken darauf hin, dass entge-</span><br/> <span class="ft8">gen der mutmasslichen Ansicht des Beschwerdeführers Beweiserhe-</span><br/> <span class="ft8">bungen im Sinne von § 22 VRPG nicht erforderlich sind. Es bedarf</span><br/> <span class="ft8">keiner Beweise, die unmittelbar oder mittelbar die Fahruntauglich-</span><br/> <span class="ft8">keit aufzeigen. Mit anderen Worten muss nicht feststehen, ob jemand</span><br/> <span class="ft8">einen Personen- oder einen Sachschaden schuldhaft verursacht hat.</span><br/> <span class="ft8">Schon gar nicht erforderlich ist, dass Gewissheit über die Fahrun-</span><br/> <span class="ft8">tauglichkeit besteht, denn diese soll gerade mit der Kontrollfahrt</span><br/> <span class="ft8">überprüft werden. Vielmehr genügen Zweifel, die mit Blick auf das</span><br/> <span class="ft8">Willkürverbot (Art. 9 BV) einer gewissen Objektivität zu genügen</span><br/> <span class="ft8">haben. Im Interesse der Verkehrssicherheit dürfen die Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft8">gen an die Bedenken nicht zu hoch gesetzt werden, weshalb es aus-</span><br/> <span class="ft8">reicht, wenn beispielsweise das Alter eines Fahrzeuglenkers, Be-</span><br/> <span class="ft8">richte von Behörden und Fachpersonen oder der Zustand des Fahr-</span><br/> <span class="ft8">zeugs begründete Zweifel entstehen lassen. Bei der Frage, ob eine</span><br/> <span class="ft8">Kontrollfahrt anzuordnen ist, verfügt die Verwaltungsbehörde über</span><br/> <span class="ft8">einen erheblichen Ermessensspielraum (BGE 127 II 131).</span><br/> <span class="ft8">3.1.4. Der rapportierende Kantonspolizist hat gemäss Rapport</span><br/> <span class="ft8">selber keine weitergehenden Abklärungen getroffen und sich neben</span><br/> <span class="ft8">der Aussage von D.M. auf eigene, frühere Eindrücke vom Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer abgestützt, als er das Strassenverkehrsamt um Abklä-</span><br/> <span class="ft8">rung der Fahreignung ersuchte. Zuständig zum Aufgebot zu einer</span><br/> <span class="ft8">Kontrollfahrt ist jedoch das Strassenverkehrsamt. Es hat sich beim</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">93</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Entscheid, ob eine Kontrollfahrt angeordnet werden sollte, nicht al-</span><br/> <span class="ft8">lein auf die Aussagen oder Eindrücke von einer Privatperson verlas-</span><br/> <span class="ft8">sen, sondern sich zusätzlich beim Hausarzt des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft8">erkundigt. Das Strassenverkehrsamt hatte, vor etwas mehr als zwei</span><br/> <span class="ft8">Monaten vor der Begegnung von D.M. und dem Beschwerdeführer,</span><br/> <span class="ft8">gestützt auf die vertrauensärztliche Untersuchung die Weiterbelas-</span><br/> <span class="ft8">sung verfügt. In diesem Zeitpunkt bestand für das Strassenver-</span><br/> <span class="ft8">kehrsamt kein Anlass, an der Fahreignung des Beschwerdeführers zu</span><br/> <span class="ft8">zweifeln. Die alle zwei Jahre stattfindende vertrauensärztliche Unter-</span><br/> <span class="ft8">suchung älterer Ausweisinhaber schliesst allerdings die Anordnung</span><br/> <span class="ft8">einer Kontrollfahrt nicht aus, sobald neue Gesichtspunkte Zweifel an</span><br/> <span class="ft8">der Fahreignung aufkommen lassen. Vielmehr ist die Eignung unver-</span><br/> <span class="ft8">züglich abzuklären, wenn sich der Lenker auffällig verhält (BGE 127</span><br/> <span class="ft8">II 129 ff.). Erst der Polizeirapport, die Anfrage beim Arzt und das</span><br/> <span class="ft8">Alter des Beschwerdeführers veranlassten das Strassenverkehrsamt</span><br/> <span class="ft8">zur Anordnung der Kontrollfahrt. In ihrer Gesamtheit bewirken die</span><br/> <span class="ft8">genannten Aspekte begründbare Zweifel, weshalb die Anordnung der</span><br/> <span class="ft8">Kontrollfahrt verhältnismässig ist. Ein widersprüchliches Verhalten</span><br/> <span class="ft8">oder eine sonstige Rechtsverletzung ist nicht auszumachen. Schliess-</span><br/> <span class="ft8">lich ist nicht ersichtlich, inwiefern die Anordnung der Kontrollfahrt</span><br/> <span class="ft8">unzweckmässig sein sollte.</span><br/> <span class="ft8">3.1.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass berechtigte Bedenken</span><br/> <span class="ft8">über die Eignung des Beschwerdeführers als Fahrzeugführer bestan-</span><br/> <span class="ft8">den und somit zu Recht eine Anordnung einer Kontrollfahrt gemäss</span><br/> <span class="ft8">Art. 29 Abs. 1 VZV erfolgte.</span><br/></div> </div> </body> </html>