Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. September 2021 (810 21 134) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege / Sachliche Notwendigkeit der unentgeltlichen Verbeiständung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtssch reiber Marius Weh- ren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Annalisa Landi , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenens chutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Unentgeltliche Verbeiständung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 25. Mai 2021) A. C.____ (geb. 2010) und D.____ (geb. 2013) sind di e Kinder von A.____ und E.____, welche über die gemeinsame elterliche Sorge verfügen. B. Mit Urteil der Gerichtspräsidentin des Zivilkreisgerich ts Basel-Landschaft Ost vom 20. Dezember 2018 wurde die in der Vereinbarung der Kindseltern vom 18. Dezember 2018 vorgesehene alternierende Obhut über die Kinder genehmigt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Im Juni 2019 wandte sich der Kindsvater an die Kindes - und Erwachsenenschutzbe- hörde B.____ (KESB) und machte hinsichtlich der Betreuungssituation bei der Kindsmutter eine Kindeswohlgefährdung geltend. Mit Eingabe vom 14. Au gust 2019 beantragte der Kindsvater, dass ihm die Obhut über C.____ und D.____ übertragen werde. D. Mit Entscheid der KESB vom 18. September 2019 wurd en die Kindsmutter und der Kindsvater gestützt auf Art. 307 Abs. 3 ZGB angewiese n, eine kindswohlorientierte Beratung bei der Stiftung F.____ wahrzunehmen. Über den Antra g des Kindsvaters auf Umteilung der Obhut werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. E. Am 28. November 2019 beauftragte die KESB die G. ____ GmbH, den Sachverhalt abzuklären und eine Empfehlung betreffend Zuteilung der Obhut abzugeben. F. In ihrem Bericht vom 23. Januar 2020 empfahl die G .____ GmbH die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB. Hinsichtlich der Obhut wurde empfohlen, diese in Bezug auf C.____ zu 60 % dem Kind svater und zu 40 % der Kindsmutter und in Bezug auf D.____ zu 40 % dem Kindsvater und zu 60 % der Kindsmutter zuzuteilen. G. Mit Eingabe an die KESB vom 27. Februar 2020 führ te der Kindsvater aus, dass er den Bericht der G.____ GmbH nicht akzeptiere und diesen als absolut untauglich, unfair und nicht objektiv zurückweise. H. Mit Entscheid der KESB vom 25. März 2020 wurde für C.____ und D.____ eine Erzie- hungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB er richtet und H.____, I.____ GmbH, als Beistand ernannt. Der Beistand wurde damit beauftr agt, die Kindseltern mit Rat und Tat zu unterstützen und in Bezug auf die beiden Kinder die Ab hol- und Bringzeiten sowie die Ferien und Feiertage zu regeln. I. Mit Entscheid der KESB vom 16. Juni 2020 wurde das O bhutsrecht über C.____ dem Kindsvater und das Obhutsrecht über D.____ der Kindsmutt er zugeteilt. Das Besuchsrecht der Kindseltern wurde dahingehend geregelt, dass die Kind er jedes zweite Wochenende beim je- weils nicht obhutsberechtigten Elternteil und im Einver nehmen der Kindseltern alternierend zu- sammen einen Nachmittag bei einem Elternteil verbringen. J. Am 20. Juni 2020 reichte der Kindsvater bei der KESB ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein. K. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 7. Juli 2020 wurde entschieden, dass über die Frage der Zuteilung der Obhut über C.____ und D.___ _ eine kinderpsychologische Begutach- tung in der Psychiatrischen Klinik J.____ angeordnet werde. Der Fragenkatalog werde den Par- teien vorgängig zur Stellungnahme unterbreitet. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht L. Mit Entscheid vom 1. September 2020 gab die KESB be i der Klinik J.____ ein kinder- psychologisches Gutachten in Auftrag, welches sich unter and erem zur Erziehungsfähigkeit der Kindseltern und zu den Fragen der Obhut, der Betreu ung und dem Besuchsrecht bezüglich der beiden Kinder C.____ und D.____ zu äussern hatte. M. Mit Entscheid der KESB vom 23. Dezember 2020 wurde der bisherige Beistand H.____ infolge gestörten Vertrauensverhältnisses zum Kindsvater a us dem Amt entlassen und als Bei- ständin wurde neu K.____, Mandatsführung L.____ GmbH, eingesetzt. N. Am 13. Januar 2021 erstattete die Klinik J.____ das vo n der KESB in Auftrag gegebe- ne kinderpsychologische Gutachten. O. Mit Entscheid der KESB vom 25. Mai 2021 wurde das G esuch des Kindsvaters um unentgeltliche Rechtspflege gutgeheissen (Ziff. 1). Da s Gesuch um unentgeltliche Verbeistän- dung wurde abgewiesen (Ziff. 3). P. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Annalisa Landi, Advokatin, mit Eingabe vom 7. Juni 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht. Der Beschwerdeführer stell t das Begehren, es sei der Ent- scheid der KESB vom 25. Mai 2021 aufzuheben und es sei ihm die unentgeltliche Prozessfüh- rung sowie die unentgeltliche Verbeiständung im laufe nden Verfahren bei der KESB zu gewäh- ren, dies ab Datum der Einreichung des Gesuchs, spätesten s ab Nachreichung der Akten am 14. August 2020 (Ziff. 1). Unter o/e-Kostenfolge sowie Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung für das vorliegende Verfahren mit der unterzeichneten Advokatin (Ziff. 2). Q. Mit Entscheid der Vorinstanz vom 24. Juni 2021 wurde für C.____ und D.____ eine sozialpädagogische Familienbegleitung mit M.____, N.__ __ GmbH, angeordnet. Ausserdem wurde der persönliche Verkehr zwischen C.____ und der Kin dsmutter im Sinne eines stufen- weisen Aufbaus des Besuchsrechts bis im Februar 2022 festge legt. Des Weiteren wurden die Aufgaben der Beiständin erweitert und diese wurde dam it beauftragt, mit den involvierten Stel- len in Kontakt zu stehen und die Koordination des Helfernetzes zu übernehmen. R. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Juli 2021 beantragt die Vorinstanz, die Rechtsbegeh- ren des Beschwerdeführers seien vollumfänglich abzuweis en, soweit darauf einzutreten sei. Dies unter o/e-Kostenfolge. S. Mit Verfügung vom 18. August 2021 wurde festgehalt en, dass das Urteil schriftlich er- öffnet werde. T. Am 24. August 2021 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ihre Hono- rarnote ein. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Ent- scheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Das kantonale Recht statuiert in § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einfüh- rung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 die Zuständigkeit des Kantons- gerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, fü r die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörd e. Von Bundesrechts wegen an- fechtbar sind Endentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vorsorgli- che Massnahmen (Art. 445 Abs. 3 ZGB). Die Anfechtbarkei t von bundesrechtlich nicht geregel- ten Zwischenverfügungen richtet sich nach den Bestimmunge n des kantonalen Verwaltungs- prozessrechts (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). 1.2 Nach § 43 Abs. 2 bis des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess ord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Zwischenverfügu ngen unter anderem dann selb- ständig mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde angef ochten werden, wenn sie wie im vorliegenden Fall die Verweigerung der unentgeltliche n Rechtspflege zum Gegenstand haben (lit. g). Über Beschwerden gegen Zwischenverfügungen e ntscheidet die präsidierende Person (§ 1 Abs. 3 lit. f VPO). Da sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Strittig ist, ob die Vorinstanz zu Recht die Gewä hrung der unentgeltlichen Verbeistän- dung des Beschwerdeführers für das vorinstanzliche Verfahren verweigerte. 3.2.1 Nach § 23 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 in Verbindung mit § 69 Abs. 4 EG ZGB wird eine Partei im Verfahren vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde auf ihr Begehren hin von der Bezahlung der Verfah- renskosten und der Kosten von Beweismassnahmen befreit, we nn ihr die nötigen Mittel fehlen und ihr Begehren nicht offensichtlich aussichtslos erschei nt. Unter den gleichen Voraussetzun- gen wird einer Partei der kostenlose Beizug eines Anwal ts bzw. einer Anwältin gewährt, sofern dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint (§ 23 Abs. 2 VwVG BL). 3.2.2 Der kantonalrechtliche Anspruch (§ 23 VwVG BL) ge ht nicht über den Gehalt von Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgen ossenschaft (BV) vom 18. April 1999 hinaus, wonach eine Person, die nicht über die er forderlichen Mittel verfügt und deren Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, Anspruch auf une ntgeltliche Verbeiständung hat, soweit dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist. Let zteres ist der Fall, wenn die Interessen der Partei in schwerwiegender Weise betroffen sind u nd der Rechtsstreit in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, welche die B eiziehung einer Rechtsvertretung erfor- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht derlich machen. Droht das in Frage stehende Verfahren besonders stark in die Rechtsposition der betroffenen Person einzugreifen, ist die Bestellu ng einer unentgeltlichen Vertretung grund- sätzlich geboten, sonst nur dann, wenn zur relativen Schwe re des Falles besondere tatsächli- che oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen die gesuchstellende Person auf sich alleine gestellt nicht gewachsen wäre (vgl. BGE 130 I 180 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 5A_683/2020 vom 8. Dezember 2020 E. 3.2). Neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch in der Person der Partei liegende Gründe in Betracht, wie etwa das Alter, die soziale Situation, Sprachkenntnisse und allgemein die Fähig- keit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Massgebend ist zud em das Prinzip der Waffengleich- heit. Ob die Verbeiständung notwendig ist, beurteilt sich stets nach den konkreten Umständen des Einzelfalls (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_683/2020 vom 8. Dezember 2020 E. 3.2). Die sachliche Notwendigkeit einer anwaltlichen Verbeiständun g wird nicht allein dadurch ausge- schlossen, dass das in Frage stehende Verfahren von der Offizialmaxime oder dem Untersu- chungsgrundsatz beherrscht wird (vgl. Urteil des Bundesger ichts 5A_875/2014 vom 20. Mai 2015 E. 3). Die Geltung dieser Verfahrensgrundsätze r echtfertigt es jedoch, an die Vorausset- zungen, unter denen eine rechtsanwaltliche Verbeiständu ng sachlich geboten ist, einen stren- gen Massstab anzulegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom 7. Juli 2016 E. 7.2). 3.3 Der Beschwerdeführer stellte unbestrittenermassen a m 20. Juni 2020 ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Soweit sich die Vorinstan z im angefochtenen Entscheid auf den Standpunkt stellt, der Beschwerdeführer bzw. dessen Rechtsve rtreterin habe (erst) mit E-Mail vom 12. März 2021 sinngemäss ein Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gestellt, kann ihr nicht gefolgt werden. Zunächst ist festzustellen, dass die von der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid getroffene Unterscheidung zwischen unentgeltlich er Rechtspflege einerseits und un- entgeltlicher Rechtsverbeiständung anderseits im basellandschaftlichen Recht keine Grundlage findet. Der Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, w ie er in § 23 VwVG BL statuiert wird, bezieht sich vielmehr sowohl auf die unentgeltliche Proze ssführung (Verfahrenskosten) als auch auf die unentgeltliche Verbeiständung (Kosten der Rechtsverbeiständung). Vor dem Hin- tergrund, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung anwaltlich vertreten war und die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am 1 4. August 2020 ergänzende Unter- lagen zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einrei chte, konnte das Gesuch nicht anders verstanden werden, als dass es sich auch auf die unentgeltli che Verbeiständung bezog. Soweit die Vorinstanz diesbezüglich eine andere Auffassung vertrat, wäre sie nach dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) gehalten gewesen, dem Beschwerdefüh rer Gelegenheit zur Klarstellung einzuräumen, was sie unterlassen hat. Der Standpunkt der Vorinstanz, das Gesuch habe sich lediglich auf den Aspekt der unentgeltlichen Prozessfüh rung bezogen, erweist sich auch aus diesem Grund als unzulässig. Damit ist festzustellen, dass d as Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege vom 20. Juni 2020 sowohl die unentgeltliche Prozessführung als auch die unentgeltliche Verbeiständung umfasste. 3.4.1 In der Sache erwog die Vorinstanz, dass einer Par tei die kostenlose Rechtsverbeistän- dung gewährt werde, wenn dies zur Wahrung ihrer Rech te notwendig sei. Für die Gutheissung eines entsprechenden Gesuchs würden etwa komplexe Sachve rhalte, schwierige Rechtsfragen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder die grosse Tragweite eines Verfahrens sprechen. Im derzeitigen Verfahren bei der KESB gehe es darum, die Obhut und das Besuchsrecht zwischen de n Kindseltern festzulegen. Im Rahmen dieses Verfahrens liege kein komplexer Sachverha lt vor und es stellten sich keine schwierigen Rechtsfragen. Des Weiteren sei eine Erziehun gsbeiständin eingesetzt worden und der Kindsvater könne sich bei Fragen und Anliegen des p ersönlichen Verkehrs an die Beistän- din wenden. Der Kindsvater sei somit nicht auf sich all eine gestellt. Schliesslich bestreite auch die Kindsmutter das Verfahren ohne Rechtsvertretung. 3.4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Auffassun g der Vorinstanz, wonach es sich nicht um einen komplexen Fall handle, sei aktenwidrig und unzutreffend. Er verweist im We- sentlichen auf den Umstand, dass im Juni 2020 die Obhut über C.____ dem Kindsvater und diejenige über D.____ der Kindsmutter zugeteilt und die Geschwister mithin getrennt worden seien. Der Beschwerdeführer habe gegen den entsprechende n Entscheid der Vorinstanz ur- sprünglich Beschwerde einreichen wollen. Er sei von der V orinstanz jedoch damit besänftigt worden, dass ein Gutachten darüber eingeholt werde, w ie die Kinder definitiv betreut werden sollen, und dass es sich um einen vorübergehenden Entsch eid handle, um die Situation zu be- ruhigen. In der Folge habe die Vorinstanz ein Gutachten zur Frage eingeholt, wie die Obhut der Kindseltern (definitiv) zu regeln sei. Vor diesem Hin tergrund und im Hinblick auf den Elternkon- flikt sowie die Situation der Geschwister, welche unter der Woche getrennt voneinander lebten, sei von einem komplexen und hochstrittigen Fall auszugehe n, welcher eine Rechtsvertretung als notwendig erscheinen lasse. 3.4.3 In der Vernehmlassung entgegnet die Vorinstanz zusammengefasst, im Verfahren vor der Vorinstanz sei es darum gegangen, die Obhut und das Besuchsrecht zwischen den Kindsel- tern festzulegen, wobei aktuell besonders die Besuchsre chtsregelung im Fokus stehe. Dabei werde nicht besonders stark in die Rechtsposition des Beschw erdeführers eingegriffen, wie es gemäss der Rechtsprechung beispielsweise bei einem Entzug der elterlichen Sorge der Fall wäre. Der Fall müsste somit in tatsächlicher und recht licher Hinsicht Schwierigkeiten bieten, welche den Beizug einer Rechtsvertretung erforderlich m achten. Unbestritten sei, dass im vor- liegenden Fall verschiedene Massnahmen erforderlich gewe sen seien. So sei nach einer kindswohlorientierten Beratung bei der Stiftung F.____ eine Erziehungsbeistandschaft errichtet, eine kinderpsychiatrische Begutachtung über C.____ und D.____ in der Klinik J.____ in Auftrag gegeben, die Obhut neu festgesetzt und eine sozialpädagogische Familienberatung angeordnet worden. All diese Massnahmen seien jedoch notwendig gew esen, da gemäss Gutachten der Klinik J.____ im vorliegenden Fall von einer chronifizier ten Hochkonflikthaftigkeit der Kindsel- tern auszugehen sei und erhebliche und durchgängige, na hezu alle Lebensbereiche betreffen- de Differenzen bestünden. Verschiedene Versuche, die elt erliche Kooperationsfähigkeit im Sin- ne der Kinder zu erhöhen, seien bereits gescheitert und insbesondere der Kindsvater zeige kei- ne Bereitschaft, zu kooperieren. Die Argumentation, da ss es dem Kindsvater ohne Rechtsver- tretung nicht mehr möglich gewesen sei, sich bei der V orinstanz, beim Beistand oder dem Gut- achter Gehör zu verschaffen, liege weniger bei der komp lexen Sachlage und den genannten Stellen, sondern mehr beim Kindsvater selbst. Es sei insb esondere zu bemerken, dass der Kindsvater das Verfahren bis zum Zeitpunkt der Anordnu ng des Gutachtens alleine bestritten habe. Ebenso sei er in der Lage gewesen, das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege selbst Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht auszufüllen und bei der Vorinstanz einzureichen. Weder die bestehenden Rechtsfragen noch der vorliegende Sachverhalt seien von komplexer Qualitä t, sondern würden durch die Verhal- tensweisen des Kindsvaters und dessen Rechtsvertreterin verkompliziert. 4.1 Die Vorinstanz hat im Rahmen des strittigen, mittle rweile über zwei Jahre dauernden Verfahrens eine Reihe von Massnahmen getroffen und umf assende Abklärungen, nicht zuletzt in Form eines kinderpsychologischen Gutachtens, durchgeführt . Nach Einreichung des Ge- suchs des Beschwerdeführers um Obhutsumteilung wurde zunä chst eine kindswohlorientierte Beratung initiiert. Im Weiteren gab die Vorinstanz e ine externe Abklärung zur Frage der Ob- hutszuteilung in Auftrag. Nach Vorliegen des entspreche nden Berichts errichtete die Vorinstanz für die beiden Kinder eine Beistandschaft und traf ein e Neuregelung über die Obhut. Dabei teil- te sie die Obhut über C.____ dem Kindsvater und dieje nige über D.____ der Kindsmutter zu, dies verbunden mit einem Besuchsrecht jedes zweite Woche nende und der Möglichkeit, dass die Kinder jeweils unter der Woche einen gemeinsamen Nachmittag verbringen können. Nach erfolgter Regelung der Obhut und des persönlichen Ver kehrs entschied die Vorinstanz im Juli 2020, in der vorliegenden Sache ein kinderpsychologisches Gutachten in Auftrag zu geben, welches im Januar 2021 vorlag. Im Juni 2021 entschied die Vorinstanz, eine sozialpädagogi- sche Familienbegleitung einzusetzen und eine Neuregelu ng des persönlichen Verkehrs zwi- schen C.____ und der Kindsmutter im Sinne eines graduel len Ausbaus des Besuchsrechts an- zuordnen. 4.2 Soweit die Vorinstanz ausführt, die veranlassten A bklärungen und Anordnungen seien zu einem erheblichen Teil durch das Verhalten des Beschw erdeführers mitverursacht worden, mag dies zutreffen. Allerdings ist dies Verfahren, welche wie vorliegend hochstrittige Eltern bzw. einen hochkonflikthaften Fall betreffen, bis zu einem gewissen Grad inhärent und kann als sol- ches nicht dazu führen, die Notwendigkeit der Verbeiständ ung zu verneinen. Der Vorinstanz ist dahingehend beizupflichten, dass eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung nicht in jedem Fall, welcher die Regelung der Obhut und des persönlichen Ver kehrs zum Gegenstand hat, ange- zeigt ist. Wie aus dem geschilderten Verfahrensablauf he rvorgeht, waren im vorinstanzlichen Verfahren im Zeitpunkt des Gesuchs des Beschwerdeführers im Juni 2020 jedoch bereits diver- se Massnahmen bzw. Abklärungen getroffen worden, darunte r eine kindswohlorientierte Bera- tung, die Errichtung einer Beistandschaft und die Einholung eines Abklärungsberichts zur Frage der Obhutsregelung. Die Vorinstanz hatte zudem bereits e inen Entscheid zur Obhutsregelung und zum persönlichen Verkehr getroffen, welcher in Recht skraft erwachsen war. Dessen unge- achtet war aus Sicht der Vorinstanz der Sachverhalt of fenbar nicht in einer Art und Weise er- stellt, dass die Fragen der Obhut und des Besuchsrechts ab schliessend beantwortet werden konnten. Anders lässt sich nicht erklären, dass sich die Vor instanz veranlasst sah, zu diesen Fragen eine umfassende kinderpsychologische Begutachtung bei der UPK in Auftrag zu geben. Auch wenn der Schwierigkeitsgrad der im Raum stehenden Fragen aus rechtlicher Sicht als nicht besonders hoch einzustufen gewesen sein mag, standen damit jedenfalls in tatsächlicher Hinsicht komplexe Fragestellungen im Raum, wie nicht zu letzt auch aus dem 50-seitigen Gut- achten der UPK hervorgeht. Vor diesem Hintergrund ko nnte spätestens mit dem Entscheid der Vorinstanz, ein kinderpsychologisches Gutachten einzuholen, nicht mehr davon ausgegangen werden, der vorliegende Fall sei nicht von komplexer Qualität. Mit ihrer Argumentation setzt sich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Vorinstanz letztlich in Widerspruch zu ihrem eigene n Vorgehen bzw. den von ihr veranlass- ten Abklärungen und Anordnungen. Im heutigen Zeitpun kt wird es vorrangig darum gehen, den Kontakt von C.____ zur Kindsmutter aufzubauen, um eine r weiteren Entfremdung vorzubeugen und um einen ausgedehnteren Kontakt der beiden Geschwi ster untereinander zu ermöglichen. Insofern ist von der aktuellen Situation die Kindsmutt er im Besonderen betroffen. Angesichts der im Raum stehenden Kindswohlinteressen der beiden G eschwister ist jedoch auch die Rechtsposition des Kindsvaters nach wie vor relativ schwer tangiert. 4.3 Was den Hinweis der Vorinstanz auf die Beratungsfun ktion der Beiständin anbelangt, so kann diese im vorliegenden Zusammenhang nicht genüg en, zumal sie eine wirksame fachli- che Unterstützung im Verfahren selbst nicht ersetzen kann. A n der Notwendigkeit der Verbei- ständung vermag zudem der Umstand nichts zu ändern, dass die Kindsmutter im vorinstanzli- chen Verfahren nicht anwaltlich vertreten ist. Der Grun dsatz der Waffengleichheit besagt, dass die anwaltliche Vertretung der Gegenpartei regelmässi g die Notwendigkeit der Verbeiständung begründet. Daraus kann jedoch nicht umgekehrt gefolger t werden, dass die Notwendigkeit ei- nes Rechtsbeistands entfällt, wenn die Gegenseite nich t ebenfalls anwaltlich vertreten ist. So- weit die Vorinstanz schliesslich ausführt, der Beschwerdef ührer habe mit seinen eigenen Ein- gaben bewiesen, dass er sich auch auf sich alleine gestellt im Verfahren zurechtfinde, kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Zwar trifft zu, dass d er Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren – nebst einer Vielzahl von E-Mail-Eingaben an die involvierten Personen – diverse förmliche Eingaben machte. Angesichts der dargelegten K omplexität der Sachverhaltsfragen und deren rechtlichen Einordnung kann daraus jedoch ni cht geschlossen werden, dass der Be- schwerdeführer dem Verfahren auf sich alleine gestellt gewachsen wäre. 4.4 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Notwendi gkeit der Verbeiständung im Sin- ne von § 23 Abs. 2 VwVG BL im vorliegenden Fall zu Un recht verneint, was zur Gutheissung der Beschwerde führt. Dem Beschwerdeführer ist ab dem Zeitpunkt der Einreichung des Ge- suchs um unentgeltliche Rechtspflege für das vorinstanzliche Verfahren die unentgeltliche Ver- beiständung zu bewilligen. 5.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Im vorliegenden Fall sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- ausgangsgemäss der Vorinstanz aufzuerlegen. 5.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ve rfahrensausgang ist dem Beschwer- deführer eine Parteientschädigung zulasten der Vorinstanz zuzusprechen, wobei der in der Ho- norarnote geltend gemachte Aufwand von 6.5 Stunden a ls angemessen erscheint. Hinsichtlich der Auslagen für Kopien ist in Bezug auf sämtliche Kopi en vom Ansatz für Massenkopien von Fr. 0.50 pro Seite auszugehen (§ 15 Abs. 2 der Tarifo rdnung für die Anwältinnen und Anwälte [TO] vom 17. November 2003). Die Vorinstanz hat dem Besc hwerdeführer für das Verfahren Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor Kantonsgericht somit eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'584.05 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Das Gesuch um unentgelt liche Rechtspflege erweist sich bei diesem Ausgang als gegenstandslos. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und dem Beschw erdeführer wird für das vorinstanzliche Verfahren per 20. Juni 2020 die une ntgeltliche Ver- beiständung bewilligt. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ auferlegt. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ hat dem Be- schwerdeführer für das Verfahren vor Kantonsgericht eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1'584.05 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiber