<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 96 S.419</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>96</b></span> <span class="ft2"><b>Doppelbesteuerung, interkantonal.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Sog. Durchgriff durch Immobiliengesellschaft auf Alleinaktio-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>när im interkantonalen Verhältnis.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">30. August 2001 in Sachen Z., RV.2000.50287/K 6261</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Die Rekurrenten sind Alleinaktionäre der M. AG mit Sitz in</span><br/> <span class="ft1">N./AG. Gemäss "Bilanz zum 31.12.1996" der M. AG belief sich das</span><br/> <span class="ft1">Darlehen des Rekurrenten zu diesem Zeitpunkt auf Fr. 601'683.40.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss den Ausführungen des Rekurrenten hat die M. AG mit einem</span><br/> <span class="ft1">Teil des Darlehens in A./GR eine Eigentumswohnung für</span><br/> <span class="ft1">Fr. 300'000.-- gekauft. Aufgrund des sog. "Durchgriffs" der bündner</span><br/> <span class="ft1">Steuerbehörden haben jedoch die Rekurrenten, und nicht die M. AG</span><br/> <span class="ft1">als zivilrechtliche Eigentümerin, die Wohnung in A./GR zu versteu-</span><br/> <span class="ft1">ern. Die Rekurrenten sind daher der Auffassung, dass das im Kanton</span><br/> <span class="ft1">Aargau steuerbare Gesamtvermögen von Fr. 1'045'934.-- um einen</span><br/> <span class="ft1">Teilbetrag des Darlehens von Fr.</span> <span class="ft1">300'000.-- auf (abgerundet)</span><br/> <span class="ft1">Fr. 745'000.-- zu reduzieren sei, ansonsten eine unzulässige Doppel-</span><br/> <span class="ft1">besteuerung vorliege.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Ob bei der Besteuerung einer Liegenschaft ein "Durch-</span><br/> <span class="ft1">griff" durch die Immobiliengesellschaft auf den Alleinaktionär zuläs-</span><br/> <span class="ft1">sig ist, beurteilt sich im interkantonalen Verhältnis nach den bundes-</span><br/> <span class="ft1">gerichtlichen Normen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung. Diese</span><br/> <span class="ft1">lassen den "Durchgriff" zu, soweit die Immobiliengesellschaft allein</span><br/> <span class="ft1">Zwecken der Steuerumgehung dient. In Doppelbesteuerungsfällen</span><br/> <span class="ft1">wird Steuerumgehung angenommen, wenn</span><br/> <span class="ft1">a) die vom Steuerpflichtigen gewählte Rechtsgestaltung als un-</span><br/> <span class="ft1">gewöhnlich ("insolite"), sachwidrig, oder absonderlich, jedenfalls der</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftlichen Gegebenheit völlig unangemessen erscheint,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) anzunehmen ist, dass diese Wahl missbräuchlich, lediglich</span><br/> <span class="ft1">deshalb getroffen worden ist, um Steuern einzusparen, welche bei</span><br/> <span class="ft1">sachgemässer Ordnung der Verhältnisse geschuldet wären,</span><br/> <span class="ft1">c) das gewählte Vorgehen tatsächlich zu einer erheblichen Steu-</span><br/> <span class="ft1">erersparnis führen würde, sofern es von der Steuerbehörde hinge-</span><br/> <span class="ft1">nommen würde.</span><br/> <span class="ft1">Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so wird der Besteuerung</span><br/> <span class="ft1">auch dann, wenn die gewählte Rechtsform unter dem Gesichtswinkel</span><br/> <span class="ft1">des Zivilrechts als gültig und wirksam erscheint, nicht diese Gestal-</span><br/> <span class="ft1">tung zugrunde gelegt, sondern die Ordnung, welche der sachgemässe</span><br/> <span class="ft1">Ausdruck des von den Beteiligten erstrebten wirtschaftlichen Zwecks</span><br/> <span class="ft1">gewesen wäre.</span><br/> <span class="ft1">b) In dem in ASA 40 S. 210 ff. beurteilten Sachverhalt war ein</span><br/> <span class="ft1">Ferienhaus das einzige Aktivum der Aktiengesellschaft, und die Im-</span><br/> <span class="ft1">mobiliengesellschaft hatte keinen andern Zweck als die Verwaltung</span><br/> <span class="ft1">dieses Hauses. Bei Annahme einer Steuerumgehung fiel die Aktien-</span><br/> <span class="ft1">gesellschaft als Steuersubjekt überhaupt dahin. Beim in StR 38</span><br/> <span class="ft1">S. 239 ff. beurteilten Sachverhalt stand die Existenz der Aktienge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaft als solcher steuerrechtlich nicht in Frage. Sie besass noch</span><br/> <span class="ft1">andere Aktiven (unter anderem auch Liegenschaften in verschiede-</span><br/> <span class="ft1">nen Kantonen, davon ein Mehrfamilienhaus mit Ferienwohnungen</span><br/> <span class="ft1">im Kanton Graubünden), deren steuerliche Zurechnung an die Akti-</span><br/> <span class="ft1">engesellschaft nicht zur Diskussion stand. Es fragte sich einzig, ob</span><br/> <span class="ft1">darin, dass die Aktiengesellschaft auch noch Eigentümerin eines</span><br/> <span class="ft1">Ferienhauses war, welches vom Steuerpflichtigen persönlich benutzt</span><br/> <span class="ft1">wurde, eine Steuerumgehung liege, die zur Folge hätte, dass dieses</span><br/> <span class="ft1">Aktivum steuerlich nicht ihr, sondern dem Steuerpflichtigen zuzu-</span><br/> <span class="ft1">rechnen wäre. Der "Durchgriff" wurde mangels Nachweises der be-</span><br/> <span class="ft1">haupteten Steuerersparnis als unzulässig beurteilt.</span><br/> <span class="ft1">c) Die M. AG hat ausser der Wohnung in A./GR (Buchwert</span><br/> <span class="ft1">Fr. 300'000.--) noch Land in V./AG (Buchwert Fr. 267'940.--) und in</span><br/> <span class="ft1">R./AG (Fr. 50'000.--). Ausserdem gehören zum Anlagevermögen</span><br/> <span class="ft1">Fahrzeuge und Maschinen/Mobiliar. Die M. AG weist für das Jahr</span><br/> <span class="ft1">1995 einen Liegenschaftsertrag von Fr. 39'400.-- und für das Jahr</span><br/> <span class="ft1">1996 von Fr. 46'488.-- (gemäss handschriftlicher Notiz inkl. A./GR</span><br/> <span class="ft1">Fr. 10'000.--) aus. Bei der Annahme einer Steuerumgehung würde</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">also die M. AG als Steuersubjekt nicht dahin fallen, weil die Eigen-</span><br/> <span class="ft1">tumswohnung in A./GR nicht das einzige Aktivum ist. Unter diesen</span><br/> <span class="ft1">Umständen kann analog zum Sachverhalt, welcher dem in der StR 38</span><br/> <span class="ft1">S. 239 ff. beurteilten Fall zugrunde liegt, nur durch die M. AG auf</span><br/> <span class="ft1">die Rekurrenten "hindurchgegriffen" werden, wenn der Kanton</span><br/> <span class="ft1">Graubünden durch die Einschaltung der Immobiliengesellschaft eine</span><br/> <span class="ft1">erhebliche Steuerersparnis nachweisen könnte. Ein solcher Nachweis</span><br/> <span class="ft1">wurde jedoch nicht erbracht. Die Eigentumswohnung in A./GR ist</span><br/> <span class="ft1">daher aus aargauischer Sicht steuerlich (entsprechend den zivilrecht-</span><br/> <span class="ft1">lichen Eigentumsverhältnissen) der M. AG und nicht den Rekurren-</span><br/> <span class="ft1">ten zuzuweisen. Sie ist bei der aargauischen Steuerausscheidung</span><br/> <span class="ft1">nicht zu berücksichtigen, und das steuerbare Vermögen der Rekur-</span><br/> <span class="ft1">renten ist nicht um den (im Kanton Graubünden versteuerten) Wert</span><br/> <span class="ft1">der Eigentumswohnung in A./GR zu reduzieren.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Die Rekurrenten machen geltend, es gehe nicht an, dass</span><br/> <span class="ft1">sie die Eigentumswohnung in A./GR im Kanton Graubünden und das</span><br/> <span class="ft1">gleiche Vermögenssubstrat von Fr. 300'000.-- nochmals als Darle-</span><br/> <span class="ft1">hensguthaben gegenüber der M. AG im Kanton Aargau versteuern</span><br/> <span class="ft1">müssen. Es liege im Umfang von Fr. 300'000.-- eine unzulässige</span><br/> <span class="ft1">Doppelbesteuerung vor.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Rekurrenten dürfen an sich bei direkter Besteuerung im</span><br/> <span class="ft1">Kanton Graubünden für die Eigentumswohnung in A./GR nicht</span><br/> <span class="ft1">gleichzeitig im Kanton Aargau über die Beteiligung an der M. AG</span><br/> <span class="ft1">bzw. das dieser gewährte Darlehen für die Liegenschaft in A./GR</span><br/> <span class="ft1">besteuert werden (vgl. StR 38 S. 244). Da der von den bündner Steu-</span><br/> <span class="ft1">erbehörden vorgenommene "Durchgriff" nach Auffassung des StRG</span><br/> <span class="ft1">nicht zulässig ist, haben die aargauischen Steuerbehörden auf diesen</span><br/> <span class="ft1">"Durchgriff" jedoch keine Rücksicht zu nehmen. Ergibt sich durch</span><br/> <span class="ft1">die Veranlagungen in beiden Kantonen (vorliegend Kt. GR und Kt.</span><br/> <span class="ft1">AG) insgesamt eine unzulässige Doppelbesteuerung, können sich die</span><br/> <span class="ft1">Steuerpflichtigen noch nach Eröffnung der Veranlagung im zweiten</span><br/> <span class="ft1">Kanton (vorliegend Kt. AG) mit einer Doppelbesteuerungsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerde zur Wehr setzen (vgl. VGE vom 9. September 1996 in</span><br/> <span class="ft1">Sachen V. mit Hinweis auf ASA 64 S. 169 ff.; StR 52 S. 534 ff.); es</span><br/> <span class="ft1">wird dann auch die mitangefochtene frühere, im andern Kanton er-</span><br/> <span class="ft1">gangene Veranlagung in das Beschwerdeverfahren einbezogen.</span><br/></div> </div> </body> </html>