B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6669/2019 U r t e i l v o m 1 4 . D e z e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Constance Leisinger Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Sri Lanka, alle vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 6. November 2019 / N (…). E-6669/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, tamilischer Ethnie, ist gemäss ihren Angaben in A._______ geboren und aufgewachsen. Sie habe von ihrer Geburt bis zum (…). Lebensjahr mit der Familie in A._______ gelebt. Die Schule habe sie in der zehnten Klasse abgebrochen und geheiratet. Mit ihrem Ehemann (Beschwerdeführer Verfahren E -6675/2019) habe sie in B._______, ge- wohnt. Im Jahr (…) sei sie legal mit ihrem Reisepass nach C._______ ge- reist, um dort das Kind S. wegen eines Leberproblems behandeln zu las- sen. Nach der Ausreise des Ehemannes im (…) 2015 sei sie mit den zwei Kin- dern zurückgeblieben. Etwa im (…) 2018 sei sie zu einer Tante (…) nach A._______ gezogen, wo sie zwei Wochen bis zur Ausreise gelebt habe. Am (…) 2018 sei sie mit den Kindern und in Begleitung der Tante mit dem Bus nach Colombo und am (…) 2018 auf dem Luftweg in Begleitung eines Schleppers legal, alle je mit einem auf die eigenen Personalien lautenden Reisepass, ausgereist. Sie seien zunächst in ein ihnen unbekanntes Land und drei Wochen später auf dem Luft weg nach Italien gelangt, wo ihnen von den Behörden mit dem Hinweis auf ein gefälschtes Visum die Reise- pässe abgenommen worden seien. Die Beschwerdeführerin hätte in der Folge bei den italienischen Behörden vorsprechen sollen, habe jedoch zu- vor den Ehemann in der Schweiz kontaktiert und sei anschliessend mit sei- ner Hilfe am (…) 2018 illegal in die Schweiz eingereist. Am gleichen Tag stellte sie für sich und die zwei Kinder ein Asylgesuch. A.b Am 17. Mai 2018 wurde im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Chiasso die Befragung zur Person (BzP), am 2. August 2018 im EVZ Alt- stätten die eingehende Befragung zu den Asylgründen der Beschwerde- führerin durchgeführt. A.c Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch namentlich wie folgt: Nach der Ausreise ihres Ehemannes im (…) 2015 seien in Zivil gekleidete Personen des Criminal Investigation Department (CID) insgesamt viermal zu ihr nach Hause gekommen. Das erste Mal sei etwa im (…) 2016 ein Mann namens P . gekommen; diesen habe sie bereits früher im CID-Büro in Point Pedro gesehen, als er ihren Ehemann bedroht habe. P . sei an die- sem Tag durch die tagsüber offenstehende Tür gekommen und habe nach E-6669/2019 Seite 3 dem Ehemann gefragt. Ihre Auskunft, sie habe keinen Kontakt mit dem Ehemann, habe er nicht geglaubt und sie fest am Arm gepackt, worauf sie verraten habe, dass der Ehemann in der Schweiz sei. P . sei danach wieder gegangen. Die Beschwerdeführerin habe in der Folge jeweils bei der Schwiegermutter in der Nachbarschaft übernachtet; tagsüber sei sie wei- terhin im eigenen Haus geblieben. Etwa im (…) 2016 sei P . mit einer wei- teren Person des CID erneut gekommen, habe sich nach dem Ehemann erkundigt und sie bezüglich ihrer Antwort, dieser sei in der Schweiz, der Lüge bezichtigt. Danach seien beide wieder gegangen. Nach drei Monaten r espektive im Jahr 2017 sei P . das dritte Mal aufge- taucht. Sie habe die Türen nicht geschlossen gehabt und P . sei einfach ins Wohnzimmer gelangt. Er habe ihr erklärt, seinen Informationen zufolge halte sich der Ehemann in Sri Lanka auf. Sie habe unter Träne n mit Schreien gedroht, worauf P . sie mit dem Gewehr bedroht und sie wie be- reits beim ersten Besuch durch ihr Nachthemd hindurch am Oberkörper berührt habe. Dann sei er wieder gegangen. Die Schwiegermutter habe sich in der Folge öfters bei der Beschwerdefü hrerin aufgehalten, zumal P . gegen die Beschwerdeführerin und die Kinder Drohungen ausgestossen habe. Aus Angst, dieser würde die Kinder entführen, habe sie von einer Anzeige abgesehen. Sie habe jedoch ihrem Ehemann vom Vorfall erzählt. Dieser habe danach – allerdings erfolglos – versucht, für sie und die Kinder die Ausreise zu organisieren. Etwa im (…) 2018 sei P ., in Begleitung eines anderen Mannes, das vierte Mal zu ihr nach Hause gekommen. Wie immer sei die Türe zum Hof offen gestanden und die beiden se ien mit ihren Motorrädern bis zum Haus ge- fahren. Sie hätten der Beschwerdeführerin mitgeteilt, gemäss ihren Infor- mationen habe der Ehemann in D._______ an Demonstrationen teilge- nommen, und von ihr verlangt, ihren Gatten zur Rückkehr nach Sri Lanka aufzufordern. Dabei habe ein Mann ihre Hände auf dem Rücken festgehal- ten und P . habe sie durch ihre Kleider hindurch am Oberkörper und zwi- schen den Beinen berührt. Nach etwa 20 Minuten seien beide wieder ge- gangen. Die Beschwerdeführerin habe ihren Ehemann telefonisch kontak- tiert und ihn nach dieser Demonstrationsteilnahme befragt. Ihre Schwie- germutter habe die Beschwerdeführerin zu sich genommen, von dort sei sie anschliessend zur Tante nach A._______ gegangen und etwa zwei Wo- chen später mit Hilfe eines Schleppers aus Sri Lanka ausgereist. Nach ih- rer Ausreise seien zweimal Behördenvertreter in Uniform bei der Schwie- germutter aufgetaucht. Den zweiten Besuch habe die Familie ihres Ehe-E-6669/2019 Seite 4 mannes fotografisch festgehalten. Nachdem die Schwiegermutter schrift- lich bestätigt h abe, dass die Beschwerdeführerin mit den Kindern in der Schweiz sei, hätten die Besuche aufgehört. A.d Die Beschwerdeführerin machte drei fast identische Handyfotografien aktenkundig, welche die Rückenansicht von drei Personen in Uniform, im Hof eines Hauses stehend, eine weisshaarige Frau in türkisfarbenem Pul- lover, ein Haus im Hintergrund sowie spielende Kinder zeigen. Weiter reichte sie ihre Identitätskarte im Original, eine beglaubigte Kopie ihres Ge- burtsscheines und eine beglaubigte Kopie ihres Ehescheines zu den erst- instanzlichen Akten. A.e Sodann wurde die Kopie eines Arztberichts vom 30. Juli 2018, die Ko- pie einer Dispensation (…) vom 30. Juli 2018, die Kopie für ein Dauerrezept vom 30. Juli 2018 betreffend (…) (S.) sowie die Kopie eines Schreibens der Pol izei von C._______ vom 5. Mai 2018 zu den Akten gereicht. Weiter wurde betreffend die gesundheitliche Situation von S. ein ärztlicher Bericht vom 14. August 2018 und ein Kurzschreiben des (…) vom 21. Au- gust 2018 aktenkundig gemacht. Am 20. Juni 2019 verf asste die behan- delnde Ärztin (…) einen weiteren Bericht, woraufhin das SEM am 25. Juli 2019 ein internes medizinisches Consulting veranlasste. Der entspre- chende Bericht datiert vom 23. Oktober 2019. B. Am 11. Mai 2018 liess der Ehemann der Beschwerdeführeri n, handelnd durch den gemeinsamen Rechtsvertreter, beim SEM ein zweites Asylge- such einreichen. C. Am 29. August 2019 wurde das dritte gemeinsame Kind der Beschwerde- führerin und ihres Ehemannes in der Schweiz geboren. D. Mit Verfügung vom 6. November 2019 (ze itgleich mit der Abweisungsver- fügung über das Mehrfachgesuch des Ehemannes) stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. E-6669/2019 Seite 5 E. Die Beschwerdeführerin reichte durch ihren Rechtsvertreter am 16. De- zember 2019 gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde ein. Dabei wurde um Einsicht in die gesamten erstinstanzli- chen Akten, namentlich in die Aktenstücke B33, B34, B36, B37, B40, B41, B43 und B46 sowie anschliessende Fristansetzung zur Beschwerdeergän- zung ersucht. Weiter wurde um Mitteilung der mit der Behandlung dieses Beschwerdeverfahrens befassten Gerichtspersonen ersucht; es sei zudem die Zufälligkeit deren Wahl, andernfalls die angewandten konkreten und objektiven Kriterien für die Wahl der betreffenden Gerichtspersonen mitzu- teilen. Die Verfügung vom 6. November 2019 sei wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehörs aufzu heben und an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung vom 6. November 2019 aufzu- heben und zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsfeststellung und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen, eventuell sei in Aufhebung der Verfügung vom 6. November 2019 die Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführerin festzustellen und ihr in der Schweiz Asyl zu gewähren, eventuell seien die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Ver- fügung aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder mindestens die Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. Mit der Beschwerde wurden über 162 Beilagen zu den Akten gereicht. F. Am 18. Dezember 2019 bestätigte das Gericht den Eingang der Be- schwerde und verfügte, die Beschwerdeführenden könnten d en Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten. G. Mit Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2019 teilte die Instruktionsrich- terin den Beschwerdeführenden den mit ihrem Beschwerdeverfahren voraussichtlich befassten Spruchkörper mit. Hinsichtlich der Zufälligkeit der Auswahl des Spruchgremiums wurde auf die Bestimmungen des Bundes- gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwal- tungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) verwiesen. Mit gleicher Verfügung wurden die Beschwerdeführenden zum Leisten eines Kostenvorschusses innert Frist aufgefordert. H. Am 6. Januar 2020 ersuchten die Beschwerdeführenden um Befreiung von der Bezahlung von Verfahrenskosten sowie um Verzicht auf die Erhebung E-6669/2019 Seite 6 des Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 750.–. Zur Begründung reich- ten sie eine Unterstützungsbestätigung der AOZ Zürich vom 6. Januar 2020 zu den Akten. I. Mit Verfügung vom 8. Januar 2020 hiess die Instruktionsrichterin das nach- trägliche Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut. In Aufhebung der Ziffer 3 der Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2019 wurden die Beschwerdeführenden antragsgemäss von der Pflicht zur Leis- tung des Kostenvorschusses befreit. J. Am 24. März 2020 liessen die Beschwerdeführenden eine Ergänzung zur Beschwerdeschrift vom 16. Dezember 2019 einreichen. K. Mit Zwischenverfügung vom 11. März 2021 wurde den Beschwerdeführen- den der wesentliche Inhalt der Aktenstücke B33, B34, B36, B40, B41 und B46 des Dossiers N 652 709 (vgl. oben Bst. E) mitgeteilt, das Gesuch um Zustellung derselben und um vollumfängliche Einsicht wurde abgewiesen. Gleichzeitig stellte die Instruktionsrichterin fest, dass bezüglich des Ge- sundheitszustandes des Kindes S. aktualisierte medizinische Unterlagen fehlten, und sie forderte die Beschwerdeführenden zum Einreichen eines aussagekräftigen, aktuellen Arztberichtes auf. L. Mit Eingabe vom 26. März 2021 reichten die Beschwerdeführenden zwei Austrittsberichte (…) Zürich vom 16. und 19. Februar 2021 ein und ersuch- ten um Erstreckung der Frist zum Beibringen eines Arztberichtes. In der Eingabe wurde zudem erneut die bei der Beschwerdeführerin bestehende Reflexverfolgung angesprochen. M. Das Gesuch um Fristerstreckung wurde mit verfahrensleitender Verfügung vom 30. März 2021 im beantragten Rahmen gutgeheissen. N. Mit Ei ngabe vom 13. April 2021 wurde ein Arztbericht, datierend vom 25. März 2021, zu den Akten gereicht. E-6669/2019 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Der Ehemann der Beschwerdeführerin reichte beim Bundesverwal- tungsgericht zeitgleich eine Beschwerde geg en die ihn betreffende nega- tive Verfügung des SEM vom 6. November 2019 ein. Diese wurde unter der separaten Verfahrensnummer E-6675/2019 entgegengenommen und wird zeitlich mit dem vorliegenden Verfahren koordiniert. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgeri chts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-6669/2019 Seite 8 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. Der in der Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2019 bekanntgegebene Spruchkörper wurde aufgrund der Abwesenheit des Zweitrichters und der Drittrichterin insofern angepasst, als diese durch die mit der Stellvertretung betrauten Richterinnen Christa Luterbacher und Constance Leisinger er- setzt wurden. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefä lschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Einleitend führte das SEM in seiner Verfügung vom 6. November 2019 aus, der Ehemann der Beschwerdeführerin habe am 21. September 2015 ein erstes Asylgesuch gestellt. Mit Entscheid vom 22. Januar 2018 sei sein Asylgesuch abgelehnt und die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug verfügt worden. Das Bundesverwaltungsgericht habe eine dage- gen erhobene Beschwerde am 12. März 2018 abgewiesen, womit die Ver- fügung des SEM in Rechtskraft erwachsen sei. E-6669/2019 Seite 9 5.2 Der Ehemann habe am 11. Mai 2018 beim SEM ein neues Asylgesuch anhängig gemacht, welches mit Verfügung vom 6. November 2019 und da- mit gleichzeitig mit demjenigen der Beschwerdeführenden abgelehnt werde. 5.3 Es sei vorweg festzuhalten, dass die Asylbegründung des Ehemannes als unglaubhaft beurteilt und diese Feststellung durch das Bundesverwal- tungsgericht in letzter Instanz gestützt worden sei. Insofern sei den eige- nen Vorbringen der Beschwerdeführerin, mit denen sie wegen der Schwie- rigkeiten des Ehemannes eine Reflexverfolgung geltend mache, die Grundlage entzogen. Entsprechend seien ihre diesbezüglichen Schilde- rungen oberflächlich und auch unplausibel ausgefallen. 5.3.1 Die Beschwerdeführerin habe angegeben, wiederholt von CID -Be- amten tagsüber zu Hau se aufgesucht, sexuell belästigt und unter Druck gesetzt worden zu sein, was ihr grosse Angst bereitet habe. Dennoch wolle sie sich weiterhin zuhause aufgehalten haben, ohne minimale Sicherheits- vorkehrungen zu treffen. So habe sie nicht einmal das Hoftor abgeschlos- sen und erklärt, dies wäre zwar mittels Kette und Schloss möglich gewe- sen, aber sie habe nicht abgeschlossen, wenn sie sich daheim aufgehalten habe. Dieses Verhalten sei nicht nachvollziehbar. Sodann solle der vierte Besuch des CID und die damit v erbundenen sexuellen Übergriffe die Be- schwerdeführerin zum Wegzug zuerst zur Schwiegermutter, dann zu einer Tante in A._______ und zwei Wochen später zum Verlassen Sri Lankas bewogen haben. Dass die Beschwerdeführerin trotz der genannten sexu- ellen Übergrif fe keine entsprechenden Handlungen und Vorsichtsmass- nahmen vorgenommen habe, wie sie nach solchen Vorkommnissen zu er- warten gewesen wären, mute seltsam an. Es sei auch merkwürdig, dass der besagte CID -Beamte es bei seinen mehrmaligen Besuchen bei den beschriebenen Berührungen durch die Kleidung belassen haben solle, zu- mal die Beschwerdeführerin ihn nie angezeigt oder anderweitig zur Re- chenschaft gezogen haben wolle. 5.3.2 Weiter seien in den Aussagen keine Realkennzeichen erkennbar. So habe die Beschwerdeführerin geltend gemacht, viermal durch einen oder zwei Beamte(n) des CID zu Hause besucht, kurz einvernommen und se- xuell belästigt worden zu sein. Dabei habe sie in der Anhörung mehrfach die Gelegenheit zur freien Schilderung dieser Vorfälle erhalten. Indessen würden die Aussagen nicht die Qualität aufweisen, welche zu erwarten wäre, wenn eine Person mit ihren individuellen kognitiven Fähigkeiten ein E-6669/2019 Seite 10 solches Ereignis unter den geltend gemachten Umständen tatsächlich er- lebt hätte. Den Darstellungen würden die für real Erlebtes typischen Merk- male wie Detailreichtum, Beschreiben von Emotionen und Gedankengän- gen, räumliche und zeitliche Verknüpfung der Ereignisse sowie die Schil- derungen von nebensächlichen und ausgefallenen Einzelheiten, die nor- malerweise die Erzählungen von tatsächlich erlebten Begebenheiten präg- ten, fehlen. Die Aussagen seien demzufolge zu wenig begründet, zumal sie diese auch ohne Erlebnishintergrund hätte darlegen können. Die be- stehenden Zweifel am Wahrheitsgehalt der Vorbringen würden dadurch er- härtet. 5.4 Die eingereichten Beweismittel könnten den Sachverhalt nicht stützen. Beispielsweise habe die Beschwerdeführerin drei fast identische Fotos auf dem Mobiltelefon vorgelegt, welche die Rückenansichten dreier Personen in Uniform, im Hof eines Hauses stehend, festgehalten hätten. Dahinter sei eine weisshaarige Frau in einem türkisfarbenen Pullover abgebildet, wel- ches die Schwiegermutter sein solle. Die Beschwerdeführerin habe dazu angegeben, diese Personen hätten nach ihrer Ausreise nach ihrem Mann und seiner Familie gefragt. Indessen vermöchten diese Fotos die Asylvor- bringen nicht zu untermauern. Die Beschwerdeführerin habe auch keinen der abgebildeten Uniformierten identifizieren können. Da die CID-Leute zu- vor immer in Zivil zu ihr gekommen seien, fehle der Bezug zu den Männern auf den Fotos. Es sei folglich nicht erkennbar, was diese Uniformierten von der Schwiegermutter gewollt hätten. Gemäss der Beschwerdeführerin hät- ten sich diese mit einer Bestätigung begnügt, dass die Beschwerdeführen- den ausser Landes seien und seien nicht wiedergekommen. Auch aus die- ser Sicht würden die gezeigten Bilder die Vorbringen nicht untermauern. Insgesamt würden die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin den Anfor- derungen an die Glaubhaftigkeit daher nicht genügen. 5.5 Selbst bei vorausgesetzter Glaubhaftigkeit würde es sich bei den ge- schilderten Behelligungen – das viermalige Erscheinen zu Hause und drei- malige Berühren durch ihre Kleidung in einem Zeitraum von zwei Jahren – nicht um ernsthafte Nachteile im Sinn des Asylgesetzes handeln, die einen Verbleib im Heimatland verunmöglicht oder unzumutbar erschwert hätten. 5.6 Es bleibe auch bei Unglaubhaftigkeit der Vorbringen zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Fall einer Rückkehr dennoch begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinn von Art. 3 AsylG habe. E-6669/2019 Seite 11 5.7 Die Beschwerdeführerin habe keine Vorfluchtgründe glaubhaft ge- macht. Vielmehr habe sie bis April 2018 und damit nach Kriegsende noch neun Jahre im Heimatstaat ge lebt. Allfällige, im Zeitpunkt i hrer Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse sei- tens der sri -lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. 5.8 Insgesamt bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, die Be- schwerdeführerin werde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfol- gungsmassnahmen ausgesetzt. Die Vorbringen würden weder den Anfor- derungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, noch denje- nigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten. Die Be- schwerdeführenden erfüllten demzufolge die Flüchtlingseigenschaft nicht und ihr Asylgesuch sei abzuweisen. 6. 6.1 Zu den auf Beschwerdeebene gestellten Rechtsbegehren betreffend Akteneinsicht und Offenlegung der mit der vorliegenden Beschwerde be- trauten Gerichtspersonen wurde in den Zwischenverfügungen vom 23. De- zember 2019 und 11. März 2021 Stellung genommen und es wurde der wesentliche Inhalt der Aktenstücke B33, B34, B36, B40, B41 und B46 des Dossiers N 652 709 mitgeteilt. Auf diese Verfügung kann verwiesen wer- den. Die Aktenstücke B37 und B43 wurden in der Zwischenverfügung nicht explizit erwähnt. Diese wurden von der Vorinstanz zu Unrecht als interne Akten charakterisiert, mithin sind be ide Aktenstücke der Offenlegung zu- gänglich. 6.1.1 Bei Aktenstück B37 handelt es sich um Angaben der behandelnden Ärztin von S., mit denen sie festhält, der Patient sei kürzlich mit einer Blu- tung eingeliefert worden. Bei ihm bestehe ein erhöhtes Blutungsrisiko i n der Speiseröhre und es werde versucht, dieses mit einer Varizenligatur zu stabilisieren. Die Behandlung beanspruche einige Zeit. Aktenstück B43 be- inhaltet einen E -Mail-Austausch zwischen dem SEM und der behandeln- den Ärztin. Diese informiert darin über de n Zeitpunkt der nächsten Unter- suchung und dass sie dann präziser Auskunft geben könne. E-6669/2019 Seite 12 6.1.2 Zu beiden Aktenstücken ist festzuhalten, dass namentlich angesichts der nachfolgenden Erwägungen keine Notwendigkeit zum Ansetzen einer Frist zur Stellungnahme bestanden hat. 6.2 Die Beschwerdeführenden bringen sodann weitere formelle Rügen an: 6.2.1 Hinsichtlich der geltend gemachten Reflexverfolgung wird gerügt, die diesbezüglichen Schlussfolgerungen der Vorinstanz würden auf mangeln- dem Länderwissen zu frauenspezifischen Fluchtg ründen in Sri Lanka, ei- ner falschen und unvollständigen Abklärung des Gesundheitszustandes, einer mangelhaften Würdigung der Beweismittel und einer mangelhaften Glaubhaftigkeitsprüfung beruhen. Damit verletze das SEM das rechtliche Gehör und die Verfügung sei aufzuheben. Im Gespräch mit dem Rechts- vertreter hätten die Schilderungen der Beschwerdeführerin einen sehr glaubhaften Eindruck gemacht. Der für die angefochtene Verfügung ver- antwortliche Sachbearbeiter habe sich keinen persönlichen Eindruck ma- chen können, sondern sich auf das bei der Anhörung erstellte Protokoll stützen müssen. So habe er die von der Beschwerdeführerin gezeigten Aufnahmen auf ihrem Mobiltelefon nicht gesehen und sich auf die Bildbe- schreibungen der die Anhörung durchführenden Befragerin stützen müs- sen, deren Beschreibung völlig ungenügend ausgefallen sei. Die haupt- sächliche Handlung – wie die Schwiegermutter habe unterschreiben müs- sen – fehle im Beschrieb und die Fotos seien anschliessend nie eingefor- dert worden. Dies sei der Beschwerdeführerin aufgrund der durch das SEM festgestellten, vermeintlichen Unglaubhaftigkeit der Vorbringen zum Nach- teil erwachsen. 6.2.2 Das SEM habe vorliegend sowohl die individuellen Asylgründe als auch die Asylgründe aufgrund der Zugehörigkeit zur bestimmten soziale n Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe der vermeintlichen oder tatsächli- chen Unterstützer der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) und der Zu- gehörigkeit zur bestimmten sozialen Gruppe d er tamilischen Frauen un- vollständig und unrichtig ermittelt und abgeklärt. Die Beschwerdeführerin habe eine viermalige Verfolgung geltend gemacht, wobei sie dreimal sexuell belästigt worden sei. Die diesbezügliche Glaub- haftigkeitsprüfung durch das SEM sei mangelhaft ausgefallen und die wei- tere Schlussfolgerung, dass selbst bei Glaubhaftigkeit diese Reflexverfol- gungen kein asylrelevantes Ausmass annehmen würden, fusse auf einer E-6669/2019 Seite 13 inkorrekten Abklärung des Sachverhaltes der genderspezifischen Gefähr- dungslage für tamilische Frauen in Sri Lanka. Dabei hätte das SEM die einschlägigen Berichte und Informationen (die im Rechtsmittel eingehend dargestellt werden) konsultieren können. Durch dieses Unterlassen des SEM sei der rechtserhebliche Sachverhalt unvollständig und unrichtig ab- geklärt worden. Weiter habe die Beschwerdeführerin in den Befragungen vorgebracht, dass mehrere Familienmitglieder in E._______ leben würden und dort ein Asylgesuch gestellt hätten. Dass die Vorinstanz hier nicht nachgefragt habe, erstaune, zumal ihr bekannt sein müsste, dass es sich bei familiären Beziehungen zu Personen mit LTTE-Verbindungen um einen asylrelevan- ten Risikofaktor handle. Die Beschwerdeführerin habe gegenüber dem Rechtsvertreter nun vorgebracht, dass mehrere ihrer Familienangehörigen Verbindungen zu den LTTE hätten. Sie sei daran, entsprechende Beweis- mittel zu beschaffen und ersuche um entsprechende Fristansetzung zum Einreichen und zur Beschwerdeergänzung. Sodann weise (…) S. einen sehr fragilen Gesundheitszustand aus. Dies habe das SEM inkorrekt und unvollständig abgeklärt. Hierbei handle es sich um einen besonders schwerwiegenden Mangel, zumal von den ent- sprechenden Abklärungen das Leben des Beschwerdeführers abhänge. Allein deshalb sei die Verfügung aufzuheben. Das SEM habe letztlich nicht berücksichtigt, dass die Mutter mit ihrem Kind wegen der ungenügenden Behandlungsmöglichkeiten in Sri Lanka nach C._______ habe reisen müs- sen. Zudem dürfte das Fluchtvorhaben der Familie entsprechend auch zu einer Armut geführt haben, womit die Familie erst recht nicht in der Lage gewesen sein dürfte, ihren Wohnort und beste vorhandene Behandlungs- möglichkeiten zu wählen. Insgesamt würde bei einem Wegweisungsvoll- zug der Tod des Kindes durch das SEM bewusst in Kauf genommen, was weder zulässig noch zumutbar sei. Sodann sei nicht erkennbar, ob das durchgeführte medizinische Consulting bezogen auf den konkreten Fall o- der nur in allgemeingültiger Form durchgeführt worden sei. 6.2.3 Unter eingehenden Ausführungen wird weiter festgehalten, das SEM habe die bedeutenden Entwicklungen in Sri Lanka in der Verfügung entwe- der inkorrekt oder unvollständig abgeklärt oder aber gar nicht thematisiert. Eine angemessene Risikoüberprüfung habe es so gar nicht vornehmen können. Zudem begründe das SEM seine sehr knappen Aussagen zur Ländersituation nicht, weshalb auch eine Verletzung der Begründungs- pflicht vorliege und bereits aus diesen Gründen die Verfügung aufzuheben E-6669/2019 Seite 14 und zurückzuweisen sei. Einlässlich und unter Anführen von Fallbeispielen und Berichten wird die Entwicklung der Menschenrechtslage, der Meinungsfreiheit und Minderhei- tenrechte in Sri Lanka – namentlich seit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa – beschrieben und eine daraus resultierende markante Erhöhung der Ge- fährdungslage für zurückkehrende abgewie sene Asylgesuchsteller abge- leitet. Dessen Wahl bedeute eine Zäsur in der jüngeren Geschichte Sri Lankas und besiegle endgültig den vermeintlichen Reformkurs der vorma- ligen Regierung unter Sirisena. Das Kabinett von Gotabaya Rajapaksa ver- wandle sich zunehmend in ein Lager von Kriegsverbrechern. So habe er die Ministerien mit Familienangehörigen und hochrangigen EPDP Leuten besetzt; beispielsweise sei der ehemalige Kriegsherr Kamal Gunaratne als Verteidigungssekretär eingesetzt worden. Im Kontext wird auf den Entfüh- rungsfall einer Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft vom 25. November 2019 hingewiesen und beantragt, es sei diesbezüglich abzuklären, ob un- ter den dabei erpressten Daten der Name der Beschwerdeführerin zu fin- den sei und welche Daten generell auf d em Mobiltelefon der Entführten erpresst worden seien. Sodann habe bereits Sirisena den Kriegsverbrecher Shavendra Silva, des- sen politische Loyalität bei Gotabaya Rajapaksa liege, zum neuen Armee- chef ernannt und habe das Militär mit polizeilichen Kompete nzen ausge- stattet. Seither seien Aktivisten, Journalisten und Angehörige von Minder- heiten grossen Gefahren ausgesetzt, die Überwachungsmassnahmen hät- ten zugenommen, der Reformkurs sei abgebrochen. Die sri-lankischen Be- hörden führten eine sogenannte interna tionale Blacklist, wobei ab Mitte 2018 wieder vermehrt Personen mit tamilischer Ethnie mit LTTE -Hinter- grund auf dieselbe gesetzt worden seien, die Einträge seit 2016 nicht un- erheblich zunähmen und eine Zunahme von entsprechenden Ermittlungs- tätigkeiten zu beobachten sei. Dabei dürften die sri-lankischen Sicherheits- behörden über eine noch umfangreichere interne Blacklist verfügen. Eine gravierend erhöhte Gefährdungslage ergebe sich besonders für rückkeh- rende Asylgesuchsteller, wobei solche aus Exilzentren der LTTE, wie aus der Schweiz, unter einem Generalverdacht stünden. Es sei insgesamt mit einer nochmals erhöhten Anwendung von Folter zu rechnen. Die zu erwar- tende Straflosigkeit der eingesetzten Militärs werde potenzielle Täter zu- sätzlich befeuern, Menschenrechtsverletzungen zu begehen und zu einer Zunahme von Folter und anderer Menschenrechtsverletzungen führen, wobei besonders LTTE-Mitglieder der Gruppe tamilischer Rückkehrer aus E-6669/2019 Seite 15 der Diaspora und exilpolitisch aktive Personen namentlich der Schweiz be- troffen seien, zumal die Überwachung der Diaspora zugenommen habe. Die im Referenzurteil des BVGer vom 15. Juli 2016 definierten Risikofak- toren hätten im Kontext der aktuellen Lage in Sri Lanka verstärkt Geltung. Die Angehörigen ethnischer Minderheiten müssten bei einer Verhaftung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Folter und weitere Übergriffe befürch- ten. Auch wenn ein tamilischer Asylgesuchsteller zum Zeitpunkt seiner Ausreise nicht verfolgt worden sei, sei bei entsprechenden LTTE -Verbin- dungen trotzdem von ei ner Gefährdung der Person bei einer Rückkehr auszugehen; dies bestätigte auch das Bundesverwaltungsgericht in seiner Rechtsprechung. 6.2.4 Vor diesem Hintergrund sei die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Furcht um Leib und Leben bei einer Rückkehr beg ründet. Die Beschwerdeführerin werde aufgrund ihrer familiären Verbindungen wohl verdächtigt, selber Verbindungen mit den LTTE zu haben oder mit diesen zu sympathisieren. Zumindest sei klar, dass diese Verbindungen bereits ausreichen würden, um zum Ziel fü r Reflexverfolgung zu werden. Zudem lebe die Beschwerdeführerin seit über eineinhalb Jahren in der Schweiz, gemeinsam mit ihrem zuvor geflüchteten Ehemann. Insgesamt sei sie so- mit gleich mehreren Risikogruppen zuzurechnen. Daher sei naheliegend, dass sie aufgrund ihrer politischen Überzeugungen und Tätigkeiten bei ei- ner Rückkehr vom sri-lankischen Sicherheitsapparat ins Visier genommen und Opfer von Verfolgungsmassnahmen werden würde. 6.2.5 Der eigens erstellte Länderbericht zeige auf, wie sich die Situation in Sri Lanka tatsächlich präsentiere. Dieser sei zu berücksichtigen. Da das SEM die aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka nicht einbezogen habe, sei der rechtserhebliche Sachverhalt auch in diesem Punkt unvollständig und unrichtig abgeklärt und eine Aufhebung d er angefochtenen Verfügung rechtfertige sich auch in diesem Kontext. 7. 7.1 Die Beschwerdeführerin lässt vorbringen, mehrere Familienmitglieder würden in E._______ leben und hätten dort Asylgesuche gestellt. Dies hätte das SEM hinsichtlich einer allfälligen LTTE-Zugehörigkeit dieser An- gehörigen abklären müssen. Sie sei am Besorgen von entsprechenden Be- weismitteln. 7.1.1 Die Beschwerdeführerin sagte dazu in der BzP , der Vater sei im Jahr (…) (damals war sie (…)) nach E._______ gegangen und habe dort ein E-6669/2019 Seite 16 Asylgesuch gestellt, die Mutter und ein Bruder seien im Jahr (…) gefolgt. Sie wisse nicht, wo diese in E._______ leben würden, da sie keine Bezie- hung zu ihnen pflege. Sie gab auch an, bereits im Jahr (…) das Elternhaus verlassen und im Haus der Schwiegermutter gelebt zu haben (vgl. B12/15 S. 5 und 6). In der Anhörung vom 2. August 2018 wiederholte sie, der Vater habe im Jahr (…) in E._______ ein Asylgesuch gestellt, die Mutter und die Geschwister seien danach zu ihm gelangt (vgl. B30/24 F/A 44). Diese hät- ten einen geregelten Aufenthaltsstatus, ob sie anerkannte Flüchtlinge seien, wisse sie nicht. Sie habe erst seit ihrer Ankunft in der Schweiz re- gelmässig Kontakt mit ihnen (vgl. a.a.O. F/A 45 bis 49). In Sri Lanka habe sie keinen solchen regelmässigen Kontakt gehabt, da die Familie ob ihrer frühen Heirat – sie habe deswegen auch im Jahr (…) das Elternhaus ver- lassen und in B._______ gelebt – wütend gewesen sei (vgl. a.a.O. F/A 33, 53). Dass ihr aus der Ausrei se ihrer Familienmitglieder je Probleme er- wachsen wären, machte sie an keiner Stelle geltend. Vor Beginn der Anhörung wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass die begleitende Rechtsvertreterin bei Bedarf unterbrechen sowie sich mit der Beschwerdeführerin beraten dürfe und es wurde nachgefragt, ob die Beschwerdeführerin die Rechte und Pflichten im vorliegenden Verfahren kenne, was diese bejahte (vgl. a.a.O. F. 4 bis 8). Am Ende der Anhörung wurde sie gefragt, ob sie alle wesentlichen Asylgründe habe vo rbringen können, was sie ebenfalls vorbehaltlos bejahte. Abschliessend erklärten in der Folge sowohl die anwesende Hilfswerkvertretung als auch die anwe- sende Rechtsvertreterin, keine eigenen Fragen zu haben (vgl. a.a.O. F/A 217 f.). Es ist daher festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Mitwirkungspflichten eine allfällige aus der familiären Situation resul- tierende erlebte, befürchtete oder konkret drohende Verfolgung bereits bei der Anhörung hätte erwähnen können und müssen. Dies gilt umso mehr, als sie von einer rechtlich ausgewiesenen Vertreterin (mit Substitutionsvoll- macht) begleitet gewesen und diese namentlich bei diesem Fragekomplex bei Bedarf hätte einwirken können und müssen. Eine unvollständige Abklä- rung des diesbezüglichen Sachverh alts durch das SEM ist demzufolge nicht ersichtlich. Zudem sind den Aussagen der Beschwerdeführerin keine persönlichen Verfolgungsängste wegen ihrer Familienmitglieder zu entneh- men und aus ihren Schilderungen sind keinerlei Hinweise auf einen famili- ären LTTE-Hintergrund ihrer in E._______ lebenden Familie erkennbar. Es ist aufgrund ihrer Antworten vielmehr zu schliessen, dass ihr – sie war im Zeitpunkt der Ausreise der Familie (…) respektive (…) Jahre alt und ge- mäss ihren Angaben ausgezogen – insgesamt im Zusammenhang mit ihrer Familie keine Probleme erwachsen sind. Eine weitere Fristansetzung im E-6669/2019 Seite 17 Nachgang zur ordentlichen Beschwerdefrist konnte damit unterbleiben, dies umso mehr, als die Beschwerdeführerin angegeben hatte, seit ihrer Ankunft in der Schweiz im Frühjahr 2018 in regelmässigem Kontakt mit den in E._______ lebenden Angehörigen zu stehen. Dass sie in den Befragun- gen dennoch keinerlei entsprechende Unterlagen erwähnt geschweige denn in Aussicht gestellt hat (diese wären in E._______ mit Sicherheit rasch erhältlich gewesen) und es auch in der Beschwerde mit dem Hinweis bewenden lässt, sie sei am Beschaffen von Unterlagen, lässt nicht auf eine von ihr in diesem Zusammenhang ernsthaft befürchtete konkrete (Reflex-) Verfolgung schliessen. Diese Feststell ung wird gestützt durch den Um- stand, dass die Beschwerdeführerin – seit Stellen des Asylgesuchs (…) 2018 vertreten durch den in Asylverfahren bestens ausgewiesenen Rechtsvertreter – bis heute diese in Aussicht gestellten Beweismittel nicht eingereicht hat. Insgesamt ist demnach weder eine Verletzung der Abklä- rungspflicht noch eine unvollständige Erhebung des Sachverhalts seitens der Vorinstanz ersichtlich und weitere diesbezügliche Schriftenwechsel auf Beschwerdeebene konnten ebenfalls unterbleiben. 7.1.2 Sodann geht die Rüge fehl, Sachverhaltsermittlung und rechtliches Gehör seien dadurch verletzt, dass die von der Beschwerdeführerin wäh- rend der Anhörung auf dem Mobiltelefon gespeicherten und gezeigten Auf- nahmen in der Protokollniederschrift völlig unzureichend beschrieben und in der Folge nicht nachgefordert worden seien. Auch hier ist darauf hinzu- weisen, dass eine rechtskundige Rechtsvertreterin der Anhörung beige- wohnt hat, welche die Bilder einsehen respektive eine ungenügende Bild- beschreibung hätte monieren und letztlich selber die Mandantin zum Ein- reichen gedruckter Exemplare hätte ermahnen können und müssen. We- der die Rechtsvertreterin noch die Hilfswerkvertreterin brachten hier jedoch Einwände an und die Beschwerdeführerin unterzeichnete das Protokoll am Ende der Befragung als vollständig und korrekt erfasst mit ihrer Unter- schrift. Die Bildbeschriebe in der Niederschrift der Anhörung durften daher vollumfänglich in die Entscheidfindung einbezogen werden. Diese Mobilbilder liegen nun als Beilage 2 der Beschwerde vor. Eine Sich- tung derselben ergibt, dass die von der anhörenden Sachbearbeiterin im Protokoll festgehaltene Bildbeschreibung in keiner Weise als ungenügend beurteilt werden kann. Aufgrund dessen, dass die schriftlich erfassten und unterschriftlich als kor-E-6669/2019 Seite 18 rekt genehmigten Aussagen Grundlage für den Entscheid bilden, ist im Üb- rigen auch nicht zwingend, dass die befragende und verfügende Person identisch sein müssen. 7.1.3 Was weiter das Vorbringen betrifft, das Lagebild des SEM vom 16. August 2016 stütze sich vorwiegend auf nichtexistierende und nicht be- wiesene Quellen, weshalb dieses Lagebild fehlerhaft und dabei der Unter- suchungsgrundsatz verletzt worden sei, und der seitens des Rechtsvertre- ters erstellte und aktuelle Länderbericht sei einzubeziehen, i st darauf hin- zuweisen, dass (wie bereits in mehreren vom Rechtsvertreter geführten Verfahren festgestellt) die länderspezifische Lageanalyse des SEM öffent- lich zugänglich ist und das Abstützen auf dieselbe den verfahrensrechtli- chen Bestimmungen zu genügen vermag. Die Rüge, das SEM stütze sich durch die Verwendung dieses Berichts auf einen unvollständigen und un- richtigen Sacherhalt, ist somit unbegründet, zumal in casu die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung den besagten Lagebericht vom 16. August 2016 gar nicht erwähnt hat. Die Frage, inwiefern sich ein Bericht auf ver- lässliche und überzeugende Quellen abstützt, stellt schliesslich keine for- melle Frage dar, sondern ist gegebenenfalls im Rahmen der materiellen Würdigung durch das Gericht zu berücksichti gen. Sodann ist hinsichtlich der vom Rechtsvertreter verfassten Länderanalyse zu erwähnen, dass die Asylbehörden die Entwicklung der Situation in Sri Lanka mit ausgewiese- nen Fachspezialisten und der notwendigen Aufmerksamkeit verfolgen und neue Erkenntnisse in die Entscheidfindungen einfliessen. 7.1.4 Als keinesfalls haltbar erweisen sich die Ausführungen, das SEM habe im Zusammenhang mit der Krankheit des Kindes S. den Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Den diesbezüglichen Vorakten ist zu entnehmen, dass die Vorinstanz medizinische Abklärungen vorgenommen und zusätz- lich ein medizinisches Consulting – entgegen der Befürchtung der Be- schwerdeführenden auf die Krankheit von S. bezogen – durchgeführt, den sich daraus ergebenden Sachverhalt in der Verfügung erfasst und in ihre Erwägungen einbezogen hat. Dass die diesbezügliche Würdigung durch die Vorinstanz von den Beschwerdeführenden als nicht zutreffend beurteilt wird, beschlägt nicht die formelle Natur der rechtsgenüglichen Sachver- haltsermittlung, sondern ist eine Fra ge der materiellen Würdigung dieser erstellten Sachverhaltselemente. 7.1.5 Zu verneinen ist schliesslich auch eine Verletzung der Begründungs- pflicht (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; 2008/47 E. 3.2). In der angefochtenen E-6669/2019 Seite 19 Verfügung hat das SEM nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend dif- ferenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten liess. Es hat sich mit den wesentlichen Vorbringen der Beschwerdeführenden aus- einandergesetzt. Der blosse Umstand, dass diese die Auffassung des SEM nicht teilen, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine ma- teriellrechtliche Frage. Dies gilt im Übrigen generell für die Ausführungen in der Beschwerde unter dem Titel der unvollständigen Sachverhaltsfest- stellung zu den individuellen Vorbringen. Auch hier ist festzuhalten, dass diese sich im Kern nicht gegen die Sachverhaltsermittlung und -feststellung der Vorinstanz, sondern gegen die ihr zugrundliegende Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung der Vorbringen richten, mithin es sich auch hier um Fragen materieller Natur handelt. 7.2 In materieller Hinsicht wird an der Glaubhaftigkeit der Asylgründe der Beschwerdeführerin festgehalten und ausgeführt, die diesbezüglichen Er- wägungen der Vorinstanz seien unzutreffend (Beschwerde S. 52 ff). 7.2.1 Dazu wird einleitend eine fehlende Neutralität und Offenheit auf Sei- ten des SEM angesprochen sowie geltend gemacht, die Beschwerdefüh- rerin sei bei der vertieften Anhörung am 2. August 2018 wegen (…) S., (…) etwa eine Woche zuvor im Spital behandelt worden sei, nicht zu 100 Pro- zent bei der Sache gewesen. Bei S. sei es nach der Anhörung zudem zu Komplikationen gekommen. Dies habe die Vorinstanz nicht beachtet. Zu- dem sei die Beschwerdeführerin zusätzlich durch Schamgefühle und Schmerzhaftigkeit der Erinnerungen in ihrer Aussagefähigke it einge- schränkt gewesen, als sie über die traumatisierenden Reflexverfolgungen und die sexuellen Misshandlungen habe reden müssen. Dies sei dem ent- sprechenden Aussageverhalten zu entnehmen. Entgegen der aktenwidri- gen Feststellung der Vorinstanz habe die Beschwerdeführerin zudem nicht erst nach dem vierten, sondern bereits nach dem dritten Zwischenfall ent- schieden, das Land zu verlassen, jedoch sei der erste Ausreiseversuch ge- scheitert. Unverständlich sei sodann die Ausführung in der Verfügung, wo- nach bezüglich des besagten CID-Beamten, der sie sexuell belästigt habe, nicht nachvollziehbar sei, dass dieser es bei Berührungen durch Kleider belassen habe, zumal sie gegen diesen nie Anzeige erstattet oder ander- weitige Schritte unternommen habe. Diese Aussage we ise auf eine man- gelnde Sensibilisierung des Sachbearbeiters hinsichtlich frauenspezifi- scher Fluchtgründe hin und werde dem Ernst dieser Zwischenfälle nicht gerecht. Zudem würden die Schilderungen der sexuellen Übergriffe einige Realkennzeichen aufweisen. I nsgesamt erweise sich die diesbezügliche E-6669/2019 Seite 20 Begründung der Vorinstanz als nicht nachvollziehbar und es sei zusam- menfassend davon auszugehen, dass alle diese Sachverhaltselemente entweder mittels objektiven Beweismitteln belegt oder aber zumindest glaubhaft gemacht worden seien. 7.2.2 Sodann erfülle die Beschwerdeführerin mehrere Risikofaktoren. Sie sei bereits Opfer von Verfolgung geworden, sie sei tamilischer Ethnie, als Frau besonders exponiert und habe einen LTTE -Familienhintergrund auf- grund des Ehemannes und seinetwegen viermal Reflexverfolgung erlitten, sei dabei dreimal sexuell misshandelt, beim vierten Mal fast vergewaltigt worden. Der Umstand der familiären LTTE -Verbindungen sei als schwer- gewichtiger Risikofaktor zu werten. Zudem verfüge sie über keine gültigen Einreisepapiere. Unter eingehender Begründung und Auflisten zahlreicher Quellen wird weiter festgehalten, die Tatsache der Zugehörigkeit zur Ethnie der Tamilen bedeute, dass der Beschwerdeführerin, wie allen aus der Schweiz zurückkehrenden abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden mit mehrjährigem Aufenthalt in der Schweiz , potenziell eine Inhaftierung dro- hen könne. Diese Gefährdung für rückkehrende abgewiesene tamilische Asylsuchende müsse je individuell geprüft werden. Zudem müsse ange- sichts der Entwicklung in Sri Lanka von einer neuen Struktur der Verfolgung von Tamilen mit LTTE-Verbindungen ausgegangen werden in dem Sinn, als jeder LTTE-Unterstützer und jedes LTTE-Mitglied bestraft werde, selbst wenn die Unterstützungsleistungen Jahre zurückliegen würden. Es sei zu- dem festzuhalten, dass besonders tamilische Frauen generell und beson- ders bei tatsächlichen oder vermeintlichen Verbindungen zu den LTTE ge- fährdet seien, Opfer sexueller Gewalt, willkürlicher behördlicher Massnah- men und Verfolgung zu werden. 7.3 Entgegen der Auffassung in der Beschwerdeschrift ist festzuhalten, dass an den Vorbringen der Beschwerdeführerin nachhaltige Zweifel anzu- bringen sind. 7.3.1 Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-1183/2018 vom 12. März 2018 die Abweisung des Asylgesuchs des Ehemannes durch die Vorinstanz, und dabei namentlich deren Schlussfolgerung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen, letztinstanzlich bestätigt hat. Im Rahmen des zweiten Asylverfahrens (Mehrfachgesuch) konnte der Beschwerdeführer keine Gründe dartun, die zu einer anderen Sichtweise führen würden. Für die entsprechende Begründung ist auf das Urteil E-6675/2019 zu verweisen, welches gleichzeitig mit vorliegendem E-6669/2019 Seite 21 Urteil erlassen wird. Allein vor diesem Hintergrund ist der von der Be- schwerdeführerin geltend gemachten, auf den Vorbringen des Ehemannes gründenden, Reflexverfolgung der Boden entzogen. 7.3.2 Zudem geht den zentralen Schilderungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich der viermaligen Nachstellungen die Erlebnisbasiertheit ab. Es fehlen typische Merkmale respektive Realkennzeichen. Die Beschwerde- führerin hatte namentlich bei der Anhörung – der ausschliesslich Frauen beiwohnten – mehrfach Gelegenheit zur freien Schilderung. Dennoch blie- ben ihre Aussagen insgesamt vage und wenig substanziiert. So fehlen auf- fällige Einzelheiten, wie sie bei tatsächlichem Erleben solch einschneiden- der Begebenheiten wie sexuellen Belästigungen vorkommen, und insbe- sondere ihre Beschreibung des Hauptpeinigers P ., der an jedem Vorfall massgeblich beteiligt gewesen sein soll, fällt augenfällig oberflächlich aus. Die Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, an dieser Ein- schätzung etwas zu ändern. Weiter ist nicht nachvollziehbar, dass die Be- schwerdeführerin zwar von Ängsten um ihre eigene Person und von Angst vor Entführung der Kinder gesprochen, es jedoch unterlassen hat, mini- malste Sicherheitsvorkehrungen zum eigenen Schutz und dem der Kinder zu ergreifen. So hat sie sich weiterhin tagsüber , ohne das Haus richtig zu sichern (Verriegeln des Hoftors), und überwiegend allein zu Hause aufge- halten und die Kinder gingen weiterhin allein zur Schule. Namentlich auch bezüglich der Sorge um die Kinder wäre jedoch zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin trotz oder gerade wegen ihrer Ängste allenfalls mit Unterstützung der Tante, der Schwiegermutter oder den bei dieser leben- den Angehörigen (…), Anzeige erstattet oder sich anderweitig um Schutz beispielsweise beim Children and Women’s Bureau in Jaffna bemüht hätte. Im Gesamtkontext bestehen daher erhebliche Zweifel an den geltend ge- machten Nachteilen und namentlich den beschriebenen sexuellen Nöti- gungen (die entgegen der Darstellung in der Beschwerde nicht als "M iss- handlungen" gelten, sondern allenfalls den Tatbestand "sexuelle Belästi- gung", wie in Art. 198 StGB [SR 311.0] definiert, erfüllen könnten). Die ge- genteilige Auffassung in der Beschwerde lässt keine andere Schlussfolge- rung zu. Insbesondere überzeugen vorliegend die Einwendungen nicht, die Beschwerdeführerin habe sich bei der Anhörung aus Sorge um (…) S. nicht konzentrieren können, sie sei nach den sexuellen Misshandlungen trauma- tisiert gewesen und habe deswegen nicht richtig darüber sprechen können. Die Beschwerdeführerin hat an der Anhörung keine solchen Konzentrati- onsschwierigkeiten erwähnt. Vielmehr hat sie dargelegt, es gehe ihr gut (vgl. B30/24 F/A 10 und 11). Ausserdem ist erneut darauf hinzuweisen, E-6669/2019 Seite 22 dass die Beschwerdeführerin von einer Rechtsvertreterin begleitet gewe- sen ist, welche entsprechend hätte intervenieren können und müssen. So- dann wurde insbesondere die vertiefte Anhörung im Beisein eines reinen Frauenteams durchgeführt, die Verschwiegenheitspflicht aller Beteiligter war einleitend kommuniziert worden und die Beschwerdeführerin wurde explizit darauf hingewiesen, sie könne ohne Furcht sprechen (vgl. B30/24 F/A 9). Auch bezüglich der heikleren Schilderungen sexueller Übergriffe sah sich die Rechtsvertretung offensichtlich weder dazu veranlasst, auf ein Unvermögen ihrer Mandantin, darüber offen zu reden, hinzuweisen noch hielt sie es für nötig, eine kurze Unterbrechung einzufordern. Und letztlich hat auch die anwesende und neutral agierende Hilfswerk svertretung auf ihrem Beiblatt keine Bemerkungen bezüglich allfälliger traumabedingter Auffälligkeiten im Aussageverhalten angebracht. 7.3.3 Das Vorbringen in der Beschwerde, die Familie der Beschwerdefüh- rerin weise einen LTTE-Hintergrund auf und sei deswegen nach E._______ geflüchtet, erweist sich als aktenwidrig. Allein aus der Emigration der Fa- milienmitglieder ist der Beschwerdeführerin gemäss Akten offenbar kein Nachteil erwachsen. Dieses Nachschieben neuer Vorbringen auf Be- schwerdeebene ist nicht glaubhaft und bestärkt die erheblichen Zweifel an den geltend gemachten Asylgründen. Letztlich ist anzufügen, dass sich in den Aussagen der Beschwerdeführerin weitere Ungereimtheiten finden, die der Glaubhaftigkeit abträglich sind. So sagte sie in der BzP zunächst, der dritte Vorfall sei drei Monate nach dem zweiten vom (…) 2016 gesche- hen, um dann jedoch anzugeben, das dritte Mal sei P . im (…) 2017 erneut gekommen (vgl. B12/15 S.10). Weiter gab die Beschwerdeführerin einer- seits an, sie habe im Jahr 2013, damit im Alter von (…) Jahren, geheiratet. Das Hochzeitsjahr ist durch die beigebrachte Eheurkunde zwar bestätigt. Indessen stimmen ihre weiteren Angaben hierzu nicht, wenn sie beispiels- weise als Erklärung des wenigen Kontakts mit den eigenen Familienange- hörigen in Sri Lanka festh alten lässt, sie habe im Alter von (…) Jahren, damit im Jahr (…), geheiratet, die Eltern seien nicht einverstanden gewe- sen und sie habe fortan bei der Schwiegermutter gelebt (vgl. B12/15 S. 4 f., B30/24 F/A 53). Dass sie ein solch einprägsames Zerwürfnis mit der ei- genen Familie zeitlich widersprüchlich geschildert hat, ist nicht nachvoll- ziehbar. Nicht stimmig hat sie erstaunlicherweise auch den Zeitpunkt der Ausreise des Ehemannes angegeben, indem sie erklärte, dieser sei im (…) 2015 ausgereist (vgl. B30/24 F/A 39 und 82). E-6669/2019 Seite 23 7.4 Zusammenfassend erachtet daher das Bundesverwaltungsgericht die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Vorfluchtgründe als überwie- gend unglaubhaft. Die dazu vorgelegten Unterlagen, wie die gezeigten Bil- der auf dem Mobiltelefon der Beschwerdeführerin, vermögen an dieser Ein- schätzung nichts zu ändern . Den entsprechenden Ausführungen und Schlussfolgerungen der Vorinstanz ist insgesamt zuzustimmen. 7.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Beurtei- lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobe- gründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün- deten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentli- cher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegrün- dende Faktoren dar . Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene Gruppe tatsächlich mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri -lankischen Behörden be- strebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Ri- sikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop List" vermerkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Straf- registereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri -lankische Staatsangehörige, die sich im Au sland regimekritisch betätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8). 8. 8.1 Wie vorstehend dargelegt, kann der Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden, dass sie aufgrund der Tätigkeit ihres Ehemannes im Zeitpunkt ih- rer Ausreise behördlich gesucht war. Die hierzu geltend gemachten Behel- ligungen sind unglaubhaft und Probleme wegen der in E._______ leben- den Familienmitglieder hat sie in den Befragungen keine geltend gemacht. E-6669/2019 Seite 24 Es bestehen auch keine Anhaltspunkte, dass deshalb ein staatliches Inte- resse zum heutigen Zeitpunkt bestehen würde, welches zu einer allfälligen Gefährdung der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr führen würde. Entgegen der Behauptung in der Beschwerde (vgl. E. 6.2.4) hat die Be- schwerdeführerin auch keine eigenen Sympathien oder gar Tätigkeiten für die LTTE geltend gemacht und die ebenfalls erwähnten Urteile des Bun- desverwaltungsgerichts (E -133/2018 vom 12. September 2019; D - 3127/2018 vom 26. September 2019) gründen auf anderen, nicht auf das vorliegende Verfahren übertragbaren, Sachverhaltsgrundlagen. Entspre- chend wurde die Beschwerdeführerin keiner Straftat angeklagt oder verur- teilt, und ein Strafregistereintrag liegt offenbar nicht vor. Exilpolitische Akti- vitäten macht sie keine geltend. Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die Aufmerksamkeit der sri-lan- kischen Behörden auf sich gezogen haben könnte. Sie läuft somit nicht Gefahr, von den heimatlichen Behörden der Wiederbelebung des tamili- schen Separatismus verdächtigt zu werden. Sie und die Kinder konnten zudem mit eigenen, auf die echten Personalien lautenden Reisepässen problemlos über den Flughafen Colombo ausreisen. Sie macht zwar gel- tend, diese Reisedokumente seien ihr in C._______ abgenommen worden. Indessen hat sie ihren rechtsgültigen Identitätsausweis zu de n Akten des SEM gereicht und verfügt damit bei der Wiedereinreise über ein identitäts- belegendes Dokument. Auch das Stellen eines Asylgesuchs in der Schweiz und die dreijährige Landesabwesenheit begründen keine flüchtlingsrecht- lich relevante Furcht vor einer Verfolgung. 8.2 Seit Einreichen des Asylgesuchs durch die Beschwerdeführerin ist die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen gewesen. Dazu werden auch in der Beschwerde zahlreiche Berichte und Zeitungsar- tikel sowie ein eigens verfasster Länderbericht, begleitet von entsprechen- der Kritik an der diesbezüglichen Schweizer Asylpraxis, eingereicht. Diese Unterlagen und kritischen Ausführungen vermögen in casu am Ergebnis nichts zu ändern. Die Beweismittel weisen keinen individuell konkreten Be- zug zur Situation der Beschwerdeführerin auf, und sie kann auch aus der von ihr dokumentierten Kritik an der generellen Menschenrechtssituation in ihrem Heimatstaat nichts zu ihren Gunsten ableiten. Es ist nach Auffas- sung des Gerichts nicht davon auszugehen, dass bei jeder rückkehrenden Person grundsätzlich und ohne Vorliegen jeglicher weiterer individueller Gefährdungskomponenten eine begründete Furcht vor Verfolgung zu be- jahen wäre. Insofern ist das Vorliegen einer Kollektivverfolgung auszu- schliessen. E-6669/2019 Seite 25 8.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Sachverhalt rechts- genüglich erstellt worden und vom SEM zutreffend beurteilt worden ist. Der Beschwerdeführerin ist es nicht gelungen, eine im Sinn von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungsgefahr nachzuweisen oder gla ubhaft darzutun. Ins- gesamt hat d ie Vorinstanz nach dem Gesagten ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 9.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solc hen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind praxisgemäss alter- nativer Natur – ist eine von ihnen erfüllt, erweist sich der Vollzug der Weg- weisung als undurchführbar und die weitere Anwesenheit in der Schweiz ist gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Au fnahme zu regeln (vgl. etwa BVGE 2011/7 E.8). 10.3 10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung E-6669/2019 Seite 26 festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 10.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 ist das Gericht nach einer eingehenden Analyse der Sicherheitslage in Sri Lanka zum Sch luss ge- kommen, dass der Vollzug von Wegweisungen in die Nordprovinz grund- sätzlich zumutbar ist (vgl. E. 13.2). Betreffend den Distrikt Jaffna, aus wel- chem die Beschwerdeführerin stammt, hielt es zusammenfassend fest, dass es den Wegweisungsvollzug dorthin als zumutbar erachte, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (Existenz eines tragfähi- gen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden könne (vgl. E. 13.3.3.). Im Referenzurteil D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 wurde zudem auch der Vollzug von Wegweisungen ins "Vanni-Gebiet" nicht mehr als grundsätzlich unzumutbar qualifiziert (vgl. E. 9.5). 10.3.3 In der Rechtsmitteleingabe wird in individueller Hinsicht geltend ge- macht, (…) S. weise einen äusserst problematischen und fragilen Gesund- heitszustand auf. Seine Erkrankung sei gemäss mehrerer fachärztlicher Meinungen in Sri Lanka nicht in der notwendigen Weise behandelbar und es bestehe ein hohes Risiko, dass S. jederzeit in eine medizinische und lebensgefährdende Notlage geraten könne. So habe S. selbst in der Schweiz bereits einmal reanimiert werden müssen. Sodann sei der ökono- mische und physische Zugang zu allenfalls vorhandenen medizinischen Dienstleistungen in Sri Lanka nicht gewährleistet. Dies alles führe zur Un- zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs für S.. 10.3.4 Das SEM kam gestützt auf das durchgeführte medizinische Consul- ting vom 23. Oktober 2019 zum Schluss, die gemeinsame Wegweisung der Beschwerdeführenden sei auch in Anbetracht der gesundheitlichen Situa- tion von S. zu bejahen. Im staatlichen (…) Hospital wie im privaten (…) Hospital in A._______ bestünden die Möglichkeiten, die notwendigen me- dizinischen Massnahmen zu ergreifen. Diese medizinischen Versorgungs- strukturen vor Ort würden es ermöglichen, die nötigen operativen Eingriffe notfallmässig durchzuführen. Es hätten sich bei der Behandlung und im Krankheitsverlauf in der Schweiz zwar anfänglich Komplikationen gezeigt, inzwischen habe sich der Krankheitsverlauf jedoch stabilisiert. E-6669/2019 Seite 27 10.3.5 Im Grundsatz treffen die Ausführungen der Vorinstanz zu, wonach es in Sri Lanka medizinische Behandlungsmöglichkeiten gibt. Indessen ist – wie nachfolgend aufgezeigt – im vorliegenden Fall die Möglichkeit einer notfallmässigen Behandlung in Sri Lanka kritisch zu beleuchten. Die Beschwerdeführerin führte im Kontext aus, wegen eines Leberleidens mit S. einmal in C._______ gewesen zu sein. Ösophagusvarizen (Krampf- adern der Speiseröhre), wie sie bei S. diagnostiziert sind (vgl. Arztbericht vom 14. August 2018; B35/4) stellen dabei eine Komplikation einer solchen (chronischen) Lebererkrankung dar (vgl. allgemein dazu: Ösophagusvari- zen: Symptome, Risiken, Thera pie - NetDoktor, abgerufen 10. Oktober 2021). Wenn Ösophagusvarizen aufbrechen und bluten, kommt es rasch zu einer lebensbedrohlichen Situation. Dabei besteht gemäss Arztbericht vom 14. August 2018 (vgl. a.a.O.) bei S. ein hohes Blutungsrisiko. Die be- handelnden Ärzte des (…) führten am 21. August 2018 ebenfalls aus, es bestehe bei S. ein sehr hohes Risiko einer weiteren Varizennachblutung. Dies verlange auch nach Spitalaustritt nach regelmässigen und engma- schigen ambulanten Kontrollen, wobei das Risiko eine r lebensbedrohli- chen Varizenblutung bestehen bleibe und eine Transportfähigkeit nicht ge- geben sei (vgl. B/39/2). Das Risiko einer akuten Blutung stabilisierte sich in der Folge etwas, insofern ist der Vorinstanz zuzustimmen. Im ausführli- chen Arztbericht vom 20. Juni 2019 (vgl. B44/3) wiesen die behandelnden Ärzte jedoch neu darauf hin, es sei bei S. zusätzlich und erschwerend eine Entgleisung der Blutgerinnungsfaktoren diagnostiziert worden, wodurch die Blutungsgefahr und gegebenenfalls die Schwere einer möglichen Blu- tung erhöht und verschlimmert werde. Eine für ein solches Krankheitsbild erforderliche medizinische Versorgung könne in Sri Lanka gemäss ihren Kenntnissen nicht garantiert werden. Eine Behandlung der Erkrankung im letzten Moment, mithin bei Auftreten der Symptome, sei im Rahmen dieses Krankheitsbildes nicht sinnvoll, da zu diesem Zeitpunkt ein Überleben nicht wahrscheinlich sei. Diese Ausführungen werden im aktualisierten Arztbe- richt vom 25. März 2021 nachhaltig bestätigt. Zusätzlich wird ausgefü hrt, die Speiseröhre zeige sich zunehmend vernarbt. Bei S. sei es durch den Überdruck im Lebervenensystem zudem zu einer massiven Vergrösserung der Milz gekommen. Dies führe zu chronischem übermässigem Abbau der weissen Blutkörperchen und der Blutplättchen. S. weise hierbei sehr tiefe Werte auf. Dies könne schneller zu Schleimhautblutungen führen, was durch die bereits diagnostizierten Auffälligkeiten in der Blutgerinnung zu- sätzlich risikoerhöhend wirke. Eine entsprechende intensiv -medizinische, voraussichtlich lebenslang notwendige, Begleitung und Behandlung sei nach Sicht der behandelnden Ärzte in Sri Lanka nicht garantiert. E-6669/2019 Seite 28 Gestützt auf diese übereinstimmenden fachärztlichen Berichte ist entge- gen der Auffassung der Vorinstanz nicht von einer wirklichen Stabilisierung des Gesundheitszustandes von S. auszugehen. Der beschriebene Krank- heitsverlauf zeichnet vielmehr das Bild einer schwer einzuordnenden künf- tigen Entwicklung und Prognosestellung in Bezug auf die Krankheit. Dies gilt umso mehr, als bei S. zusä tzlich eine schlechte Blutgerinnung, eine massiv vergrösserte Milz und damit verbunden ein übermässiger Abbau der weissen Blutkörperchen und Blutplättchen diagnostiziert worden sind. Im Bericht vom 14. August 2018 wurde die Transportfähigkeit als nicht ge- geben beurteilt. Angesichts des Krankheitsverlaufs sind auch im Urteils- zeitpunkt diesbezüglich schwere Bedenken anzubringen. 10.3.6 Das Bundesverwaltungsgericht kommt daher insgesamt nach dem Gesagten zum Schluss, dass S., sofern überhaupt von einer Reisefähigkeit auszugehen wäre, bei einer Rückschaffung nach Sri Lanka in eine konkret drohende, lebensbedrohliche Notlage geraten würde. 10.3.7 Der Vollzug der Wegweisung von S. erweist sich folglich als nicht zumutbar und er ist in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In Berücksich- tigung des Grundsatzes der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG) sind die weiteren Beschwerdeführenden in dessen vorläufige Aufnahme einzube- ziehen, zumal aus den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Aus- schlussgründen nach Art. 83 Abs. 7 AIG hervorgehen. 11. 11.1 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfü- gung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg- lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist im Asylpunkt abzu- weisen; im Wegweisungsvollzugspunkt ist die Beschwerde insoweit gutzu- heissen, als die Beschwerdeführenden in der Schweiz vorläufig aufzuneh- men sind. 11.2 Mit Urteil E-6675/2019 gleichen Datums wird der Vater von S . eben- falls im Rahmen von Art. 44 AsylG in die vorläufige Aufnahme von S. ein- bezogen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens (teilweises Obsiegen der Be- schwerdeführenden) wären die reduzierten Kosten grundsätzlich ihnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG ). Nachdem jedoch das in der Be-E-6669/2019 Seite 29 schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 8. Januar 2020 gutgeheissen worden ist und sich an der finanziellen Situation der Be- schwerdeführenden g emäss Akten nichts geändert hat, sind vorliegend keine Verfahrenskosten zu erheben. 12.1 Den Beschwerdeführenden ist für das teilweise Obsiegen im Wegwei- sungspunkt eine Parteientschädigung zuzusprechen. Diese ist bei der vor- liegenden Aktenlage von Amtes wegen festzulegen (vgl. Art. 8 ff. und Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Praxisgemäss ist im vorliegenden Fall von einem hälftigen Obsiegen aus- zugehen. D as SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-6669/2019 Seite 30 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird betreffend Vollzug der Wegweisung im Sinne der Er- wägungen gutgeheissen und im Übrigen abgewiesen. 2. Die angefochtene Verfügung wird in den Ziffern 4 und 5 aufgehoben und das SEM wird angewiesen, die Beschwerdeführenden vorläuf ig in der Schweiz aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das teilweise Obsiegen im Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘500.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Eveline Chastonay Versand: