Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. April 2016 (715 15 342) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Der Beschwerdeführer ist von der Erfüllung der Beitragszeit befreit, weil die Ausarbei- tung einer Dissertation in concreto eine verwertbare Ausbildung im Sinne von Art. 14 Abs. i lit. a AVIG darstellt. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. A.____ meldete sich am 29. Mai 2015 bei seiner W ohnsitzgemeinde zur Arbeitsvermitt- lung und am 1. Juni 2015 bei der Öffentlichen Arbeitslosenversicherung Baselland (Kasse) zum Bezug von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung (ALV) ab 1. Juni 2015 an. Er gab an, eine Tätigkeit im Umfang von höchstens 80 % zu suchen. A ls letzten Arbeitgeber nannte Jan Frecè die B.___, wo er vom 1. Januar 2013 bis 30. Septemb er 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet habe. Auf die Frage, ob er während insge samt mehr als 12 Monaten wegen Schul- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausbildung, Umschulung oder Weiterbildung nicht in ei nem Arbeitsverhältnis gestanden sei, hielt er fest, dass er von November 2013 bis Mai 2015 eine Doktorarbeit an der C.____ verfasst habe. Mit Verfügung Nr. 1107/2015 vom 18. Juni 2015 lehnte die Kasse den Anspruch des Ver- sicherten auf Arbeitslosenentschädigung wegen Nichterfüll ens der Anspruchsvoraussetzungen ab. Sie begründete ihre Ablehnung damit, dass der Ver sicherte innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit nicht während 12 Monaten einer beitra gspflichtigen Beschäftigung nachgegan- gen sei. Zudem erfülle er die Voraussetzungen für den gesetzlichen Befreiungstatbestand nicht, da die im Selbststudium absolvierte Weiterbildungszeit in der Regel aufgrund ungenügender Überprüfbarkeit nicht anerkannt werden könne. Die dageg en erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Gewerbe und Ar beit (KIGA) am 2. Oktober 2015 ab. Dabei wurde festgestellt, der Versicherte habe zwar nachgewiesen, dass er während 10 Jahren in der Schweiz gelebt und die Dissertation n icht im Selbststudium ausgearbeitet ha- be. Zudem stehe fest, dass es ihm wegen seiner intensiven Arbeit an der Doktorarbeit nicht möglich gewesen sei, einer Beschäftigung nachzugehen. Zu beachten sei jedoch, dass die Ausarbeitung einer Dissertation kein verwertbarer Leh rgang sei, welcher die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen würde. Aus diesem Grund habe der Versicherte keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Juni 2015. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, mit Eingabe vom 5. November 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids und die Ausrichtung von Taggeldern ab 1. Juni 2015; unter o/e-Kostenfolg e. Zur Begründung führte der Beschwer- deführer im Wesentlichen aus, dass die Ausfertigung de r Dissertation in jedem Fall eine Ausbil- dung im Sinne der geltenden gesetzlichen Regelungen se i, weshalb er von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sei. Zudem gebe es keine gesetzliche Grundlage, welche die Verwertbarkeit einer Ausbildung vorschreibe. C. Die Kasse liess sich am 20. Januar 2016 zur Beschwerde ve rnehmen und beantragte unter Hinweis auf ihren Einspracheentscheid vom 2. Oktober 2015 deren Abweisung. D. Am 7. März 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Zusammenstellung mehrerer Stel- leninserate ein. Diesen sei zu entnehmen, dass für ein en Stellenantritt eine Dissertation er- wünscht sei. Die Kasse verzichtet diesbezüglich am 1. Apri l 2016 auf eine Stellungnahme und verwies auf ihre Vernehmlassung vom 20. Januar 2016. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungs gericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. a der Verord- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigk eit des kantonalen Versicherungsge- richts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Kassen, welche die Arbeitslosenentschädigung betreffen, nach dem Ort, wo die versicherte Person die Kontroll- pflicht erfüllt. Vorliegend erfüllt der Beschwerdeführ er die Kontrollpflicht im Kanton Basel- Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kanto nsgerichts Basel-Landschaft zu beja- hen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit . a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kant onsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gege n Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auc h sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fr ist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 5. November 2015 ist deshalb einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdefüh rers auf Arbeitslosenent- schädigung strittig. 3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG besteht ein Ansp ruch auf Arbeitslosenentschädigung nur dann, wenn die versicherte Person die Beitragszeit e rfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. Die Beitragszeit hat nach Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Die Rahm enfrist für die Beitragszeit beginnt ge- mäss Art. 9 Abs. 3 AVIG zwei Jahre vor der Rahmenfrist f ür den Leistungsbezug. Letztere wie- derum fängt gemäss Art. 9 Abs. 2 AVIG mit dem Tag an, an dem sämtliche Anspruchsvoraus- setzungen erfüllt sind. Massgebend ist dabei der Zeitpunkt , in welchem sich die versicherte Person erstmals zur Erfüllung der Kontrollpflicht auf der Wohnsitzgemeinde meldet (Art. 17 Abs. 2 AVIG). 3.2 Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG besagt, dass jene versi cherten Personen von der Erfüllung der Beitragszeiten befreit sind, die innerhalb der Ra hmenfrist (vgl. Art. 9 Abs. 3 AVIG) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit wegen einer Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung nicht erfüllen konnten sofern sie während mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten. 3.3 Zwischen dem Befreiungsgrund gemäss Art. 14 Abs. 1 l it. a AVIG und der Nichterfül- lung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammenhang besteh en (vgl. BGE 131 V 279 E. 1.2). Um als kausal zu gelten, muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten bestanden ha- ben. Bei kürzerer Verhinderung bleibt der versicherten Person während der zweijährigen Rah- menfrist genügend Zeit, um eine ausreichende beitragsp flichtige Beschäftigung auszuüben. Da eine Teilzeitbeschäftigung hinsichtlich der Erfüllung de r Beitragszeit einer Vollzeitbeschäftigung gleichgestellt ist (vgl. Art. 11 Abs. 4 Satz 1 AVIV), li egt die erforderliche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versicherten Person aus einem der in Ar t. 14 Abs. 1 lit. a bis c AVIG genann- ten Gründen auch nicht möglich und zumutbar war, ein Te ilzeitarbeitsverhältnis einzugehen (vgl. BGE 130 V 229 E. 1.2.3; BGE 126 V 387 E. 2b, 1 21 V 342 E. 5b; ARV 1995 Nr. 29 S. 167 E. 3b mit Hinweisen; Urteile des Eidgenössischen Versicheru ngsgerichts [EVG; heute: Bundes- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gericht, sozialrechtliche Abteilung] vom 29. November 200 5, C 153/05, E. 4 und vom 14. Sep- tember 2004, C 284/03, E. 2.1; vgl. BGE 130 V 231 f. E. 1.2.3 mit Hinweisen [= Pra 2005 Nr. 81, S. 610, E. 1.2.3]). Art. 14 AVIG ist als Ausn ahmeklausel vom Grundsatz der Mindestbei- tragspflicht subsidiär zu Art. 13 AVIG und gelangt bei genügender Beitragszeit nicht zur An- wendung. 3.4 Als Ausbildung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG gilt nach der langjährigen Praxis des Bundesgerichts jede systematische, auf der Grundlage e ines ordnungsgemässen, rechtlich oder zumindest faktisch anerkannten (üblichen) Lehrgange s beruhende Vorbereitung auf eine künftige erwerbliche Tätigkeit (ARV 1996/1997 Nr. 5 E. 2a, 2000 Nr. 28 E. 1b mit weiteren Hin- weisen; T HOMAS N USSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwal - tungsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit, Basel/Genf/Münche n 2016, Rz. 237). Dabei wird vo- rausgesetzt, dass die Ausbildung, zu der sowohl die Prüfun gsvorbereitung als auch die Nach- besserung von Abschlussarbeiten zählen, zeitlich intensiv i st, und die Zeit, welche die Ausbil- dung in Anspruch nimmt, genügend überprüfbar ist (ARV 1990 Nr. 2 E. 2b, 2000 Nr. 27 E. 2c). Entscheidend ist, dass die versicherte Person aufgrund ih rer Weiterbildung an der Ausübung einer Arbeitnehmertätigkeit verhindert wird. Das Staat ssekretariat für Wirtschaft (SECO) führt dazu im Kreisschreiben (AVIG-Praxis ALE, Stand Januar 201 6,) aus, dass die versicherte Per- son den absolvierten Lehrgang mit einer Bescheinigung der Ausbildungsstätte nachweisen müsse. Daraus müssen die Dauer und die zeitliche Inanspruch nahme inkl. Vorbereitungszeiten hervorgehen (z.B. Stunden pro Woche). Die im Selbststu dium absolvierte Weiterbildungszeit könne deshalb in der Regel aufgrund ungenügender Über prüfbarkeit nicht als Befreiungsgrund anerkannt werden (AVIG-Praxis ALE B187). Unter den Beg riff der Ausbildung kann grundsätz- lich auch ein Praktikum fallen, welches Bestandteil eine r Ausbildung und genügend überprüfbar ist. Auf höchstrichterlicher Ebene wurde die Frage, ob die Arbeit an einer Dissertation als Aus- bzw. Weiterbildungszeit im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG anerkannt werden kann, bis jetzt noch nicht beurteilt. Im Urteil vom 1. Mai 2007, C 4/2007, stellt das Bundesgericht in Erwägung 5 lediglich fest, dass die Verwaltung anhand der konkreten Unterlagen zu prüfen habe, inwieweit ein Studienaufenthalt im Ausland für die Ausfertigun g einer Dissertation einen Befreiungstatbe- stand nach Art. 14 AVIG darstelle. Im Urteil vom 4. Ju ni 2008 (8C_378/2007) hatte das Bun- desgericht die Frage zu beurteilen, ob eine versichert e Person während des Doktorstudiums vermittlungsfähig sei. In Erwägung 3.2 stellte es fest, dass eine Stelle als Doktorandin zur Fer- tigstellung der Dissertation mit dem Ziel, den Doktorti tel in Biowissenschaften zu erlangen, klar- erweise Aus- oder Weiterbildungszwecken diene, weshalb die versicherte Person in diesem Umfange nicht dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügun g stehe. Das Zürcher Sozialversi- cherungsgericht vertrat sodann im Entscheid AL.2004.001 82 vom 17. November 2004 die Auf- fassung, dass eine Dissertation die Voraussetzungen von Art . 14 Abs. 1 lit. a AVIG grundsätz- lich nicht erfülle. In der Literatur wird die Meinung vertreten, dass bei einer Weiterbildung an der Universität, z.B. durch eine Doktorarbeit, im Einzelfall geprüft werde n muss, ob und im welchem Umfang die Verhinderung an der Ausübung einer beitragspflichtig en Arbeitnehmertätigkeit auch objektiv Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht begründet ist. So zum Beispiel, ob das Fakultätsreglement die versicherte Person zur regel- mässigen Teilnahme an Übungen oder Seminarien zwingt ( GERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Band I zu Art. 1 -58, Bern und Stuttgart 1988, Art. 14 Rz. 24Art. 14 N 18). 4.1 Vorliegend steht fest, dass der Beschwerdeführer wäh rend der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 1. Juni 2013 bis 31. Mai 2015 die Mini malbeitragszeit von zwölf Monaten im Sinne von Art. 13 Abs. 1 AVIG nicht erfüllt. Zu prüf en bleibt deshalb sein Anspruch auf Arbeits- losenentschädigung ab 1. Juni 2015 unter dem Gesichtspunkt der Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG. 4.2.1 Diesbezüglich ist zunächst was folgt zu beachten: D er Beschwerdeführer führte am 15. Juni 2015 zuhanden der Kasse aus, dass seine Promotion aus drei Teilen bestehe. Den ersten Teil habe er von August 2009 bis September 2013 berufsbegleitend absolviert. Danach habe er sich von Oktober 2013 bis Mai 2015 zu 100% dem Verfassen seiner Doktorarbeit ge- widmet. Den letzten Teil werde er wiederum berufsbeg leitend abschliessen. Diese Angaben wurden von Prof. Dr. D.____ am 15. Juni 2015 bestätigt. Dieser bekräftigte, dass die schriftliche Ausarbeitung der Arbeit in der Zeit von Oktober 2013 bis Mai 2015 nicht berufsbegleitend er- folgt sei. Im Einspracheverfahren hielt Prof. D.____ am 14. Juli 2015 ergänzend fest, dass die derzeitige mit der Fertigstellung der Dissertation verbu ndene Arbeitsbelastung des Beschwer- deführers mit einer 80%-Anstellung vereinbar sei. Insge samt folge die Erstellung der Dissertati- on einem typischen Modus von externen Promovenden: zunäch st laufe die Arbeit im Rahmen einer berufsbegleitenden Phase an; es folge eine intensive, zu 100% auslastende Arbeitsphase; schliesslich werde die Arbeit wiederum berufsbegleitend a bgeschlossen. Auch Prof. Dr. E.____ von der C.____ äusserte sich am 2. Juli 2015 dahingehen d, dass der Beschwerdeführer in der Zeit vom 1. Oktober 2013 bis zum 28. Mai 2015 im Rahmen seines Aufenthaltes als Wochen- aufenthalter Teil einer Doktorandengruppe am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen gewesen sei. Dort habe er den Be schwerdeführer beim Verfassen sei- ner Dissertationsarbeit als Zweitbetreuer unterstützt. Er habe regelmässige Besprechungen mit ihm über den aktuellen Arbeitsstand und allfällige Fragen gehabt. Abgesehen von 1 bis 2 Tagen im Monat, an denen der Beschwerdeführer aufgrund von Besprechungen mit Prof. D.____ von der B.____ in der Schweiz gewesen sei, habe er ein tägl iches Pensum von 8 bis 10 Stunden pro Arbeitstag absolviert. Des Weiteren sei der Beschwerde führer mit Ausnahme der Tage zwi- schen Weihnachten und Neujahr nicht in den Urlaub gefah ren, sondern habe sich vollumfäng- lich auf das zügige Verfassen der Doktorarbeit konzentriert . Insofern könne er dessen hochgra- diges Engagement und seine langen täglichen Präsenzzeit en, die keine gleichzeitige Arbeitstä- tigkeit erlaubt hätten, nur bestätigen. 4.2.2 Der Beschwerdeführer war gestützt auf diese Ausf ührungen während der Ausarbeitung seiner Dissertation an einer Erwerbstätigkeit verhindert. Dies wird auch von der Beschwerde- gegnerin nicht mehr bestritten, hielt sie doch im Einsp racheentscheid vom 2. Oktober 2015 (Zif- fer 16) fest, dass es sich beim Studium des Einsprechers nicht um ein Selbststudium gehandelt habe und es ihm nicht möglich gewesen sei, in der Zeitspa nne zwischen dem 1. Oktober 2013 und dem 28. Mai 2015 einer Beschäftigung nachzugehen. Damit ist die Kausalität zwischen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht fehlender Beitragszeit und der Verhinderung während mehr als zwölf Monaten grundsätzlich gegeben. 4.3.1 Zu prüfen bleibt, ob das Verfassen einer Dissert ation ein verwertbarer Lehrgang ist und ob dieses Erfordernis erfüllt sein muss, um sich auf den Befreiungstatbestand von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG berufen zu können. Der Beschwerdeführer bestreitet dies und macht im Wesentli- chen geltend, das Gesetz sehe nicht vor, dass ein Ausbil dungsgang verwertbar sein müsse. Zudem stütze sich die Beschwerdegegnerin in ihrer Argumentation nur auf die beiden Zeitungs- artikel, aus welchen kein allgemeingültiger Schluss gezog en werden dürfe. Weiter habe das Kantonsgericht im Urteil vom 3. März 2015 (recte: 2011) , Verfahrens Nr. 715 10 286, bereits festgehalten, dass eine Dissertation eine verwertbare Ausb ildung darstelle, weshalb diese Fra- ge grundsätzlich zu bejahen sei. Er habe mittlerweile e ine Stelle gefunden, die er nach Ab- schluss seiner Dissertation antreten könne und bei welcher e in Doktorat explizit gewünscht worden sei. Die Beschwerdegegnerin führt demgegenübe r aus, dass ein Doktortitel im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften die Chance auf dem Arbeitsmarkt nicht erhöhe und auch nicht zu einem höheren Einkommen führe. Beim Besch werdeführer komme noch er- schwerend dazu, dass er erst sieben Jahre nach Abschluss seine s Soziologiestudiums mit der Dissertation angefangen habe und beim Abschluss 40 Jahre a lt gewesen sei. Gemäss ihren Abklärungen betreffend die Verwertbarkeit einer Dissert ation als Lehrgang könne dem Zei- tungsartikel im F.____ vom 13. August 2012 entnommen werden, dass immer mehr Personen mit einem Sozial- oder Geisteswissenschaftlichen Studium e ine Doktorarbeit verfassten. Dies erleichtere den Berufseinstieg aber nicht, weil die b etroffenen Personen nach Abschluss der Dissertation oft schon über 30 Jahre alt seien und es ihn en an Berufserfahrung fehle. Wichtig sei, dass man bereits während dem Grundstudium Kontakte zur Arbeitswelt knüpfe, denn ohne Netzwerk komme man auch mit einem Doktortitel nicht wei ter. Weiter gehe aus dem Aufsatz des Schweizer Wirtschaftshistorikers G.____ in der Zeit ung H.____ vom 8. Dezember 2014 unter anderem hervor, dass eine Dissertation in den Gei stes- und Sozialwissenschaften kaum Einfluss auf die Einkommenshöhe habe. 4.3.2 Mit dem Beschwerdeführer ist festzustellen, dass d er Wortlaut von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG die Verwertbarkeit der Ausbildung nicht konkret als Voraussetzung nennt. Demgegenüber ist dem Kreisschreiben des SECO (AVIG-Praxis ALE B187) zu entnehmen, dass als Ausbildung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG jeder auf de m Arbeitsmarkt verwertbare Lehrgang gilt. Zwar richten sich diese Verwaltungsweisungen grundsätzlich nur an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich . Indes berücksichtigt das Gericht die Kreisschreiben insbesondere dann und weicht nicht ohne triftigen Grund davon ab, wenn sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Au slegung der anwendbaren gesetzli- chen Bestimmungen zulassen und eine überzeugende Konkreti sierung der rechtlichen Vorga- ben enthalten. Dadurch trägt es dem Bestreben der Ver waltung Rechnung, durch interne Wei- sungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährle isten (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2015, 8C_742/2014, E.1.3 mit Hinweisen). A uch das Kantonsgericht nahm zur Ver- wertbarkeit der Ausbildung, wie sie in den Weisungen umschrieben wird, bereits Stellung und setzte diese als erforderliches Kriterium voraus (vgl. Urte il des Kantonsgerichts vom 3. März 2011, Verf. Nr. 715 10 286, E. 4.3.2). Dabei hielt es fest, dass der “Leistungsausweis eines Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Doktorstudiums zu verbesserten Chancen auf dem Arbeitsmarkt führen und sich ein Doktortitel positiv auf die Höhe des Arbeitsentgelts auswirken kann. Die Frage der Verwertbarkeit eines Doktorstudiums auf dem Arbeitsmarkt ist somit grundsätzli ch zu bejahen“. Davon ist auch vor- liegend - entgegen der Argumentation der Beschwerdeg egnerin - auszugehen. Soweit sich de- ren Begründung auf die beiden zitierten Zeitungsartike l stützt, sind diese vorliegend nicht ge- eignet, die Ausfertigung der Dissertation als nicht ve rwertbar zu bezeichnen. Diese sind nicht als objektive Beweismittel zu bezeichnen, weil sie ausgeh end von einem Einzelfall die subjekti- ve Meinung der Verfasser wieder geben. Den beiden Artikeln ist denn auch nicht telquel zu ent- nehmen, dass die Erlangung eines Doktortitels in jedem Fall ohne Einfluss auf die Chancen auf dem Arbeitsmarkt bleibe. Es wird viel mehr in pauschalier ender Weise ausgeführt, dass Perso- nen, welche sich mit dem Verfassen einer Dissertation besch äftigt haben, aufgrund ihres höhe- ren Alters und mangels Arbeitserfahrung im Zeitpunkt de s Eintritts ins Erwerbsleben keine er- höhten Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Dies triff t vorliegend nicht zu. Der Beschwerde- führer arbeitete bereits während dem Studium für di e I.____ in einem Teilzeitpensum. Danach war er von 2003 bis 2010 in einem Vollzeitpensum als Projektmanager und technischer Experte für dieselbe Firma tätig. Daneben hat er im August 20 09 mit seiner Dissertation angefangen. Nachdem er seine Stelle bei der I.____ im Jahr 2010 au fgegeben hatte, arbeitete er von April 2010 bis Dezember 2012 in einem Pensum von 70% als wisse nschaftlicher Mitarbeiter am J.____. Im Anschluss daran war er von Januar 2013 bis Sept ember 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der B.____. Der Beschwerdeführer verfü gte daher bereits im Zeitpunkt als er mit seiner Dissertation begann, über umfassende Arbeits- un d Berufserfahrung. Unter diesen Um- ständen kann ihm nicht vorgehalten werden, dass er die Di ssertation nur aus wissenschaftli- chem Interesse oder Liebhaberei verfasst habe (vgl. G ABRIELA RIEMER -KAFKA : Bildung, Ausbil- dung und Weiterbildung aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht, in: SZS 2004, S. 210). Viel- mehr steht fest, dass sie beim Beschwerdeführer Karrier e fördernd ist und seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht hat. So wurde das Spektrum der für ihn möglichen Stellen um jene erweitert, die neben Berufserfahrung auch eine Promot ion verlangen, was bei vielen akademi- schen Lehr- und Forschungstätigkeiten im universitären w ie auch im Fachhochschulbereich zutrifft. Dies belegen im Übrigen auch die eingereichte n Stelleninserate. Der Beschwerdeführer selbst fand seine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der K.____, weil er über eine Dis- sertation verfügte, wie den Ausführungen seines Vorge setzten vom 15. Februar 2016 zu ent- nehmen ist. 4.4 Zusammenfassend kann daher festgehalten werden, das s die Ausfertigung der Disser- tation vorliegend eine verwertbare Ausbildung ist, welche den Beschwerdeführer während mehr als zwölf Monaten hinderte, ein Arbeitsverhältnis einzu gehen und die Beitragszeit zu erfüllen. Weil zudem das Erfordernis des zehnjährigen Wohnsitzes in der Schweiz nachgewiesenermas- sen ebenfalls erfüllt ist, ist der Beschwerdeführer im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG von der Erfüllung der Beitragspflicht befreit. Er hat damit Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, so- fern die übrigen Voraussetzungen gegeben sind. Diese w erden von der Vorinstanz zu prüfen sein. Die erhobene Beschwerde erweist sich somit als begründet, weshalb sie gutzuheissen ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Es verbleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 5.2 Anspruch auf eine Parteientschädigung. Sein Rechtsve rtreter hat in der Honorarnote vom 7. März 2016 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 8.25 Stun- den und Barauslagen in der Höhe von Fr. 48.00 geltend gemacht, was angesichts der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen angemessen ersche int. Damit ist dem Beschwerdefüh- rer für das vorliegende Verfahren eine Parteientschäd igung in der Höhe von insgesamt Fr. 2‘279.30 (8.25 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Au slagen in der Höhe von Fr. 48.-- und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid d er Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 2. Oktober 2015 wird gutge heissen und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. Der angefochtene Entscheid wird aufgeho- ben und die Angelegenheit zur Prüfung der übrigen A nspruchsvoraus- setzungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat de m Beschwerdefüh- rer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘279.30 (inkl. Ausla- gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegnerin am 17. Juni 2016 beim Bundes- gericht (siehe nach Vorliegend des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_418/2016 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht