B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5362/2020 U r t e i l v o m 1 0 . A u g u s t 2 0 2 2 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Chrystel Tornare Villanueva, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, amtlich verbeiständet durch Derya Özgül, LL.M., Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 29. September 2020 / N (…). E-5362/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein Kurde mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess den Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (…) August 2019, gelangte am 6. September 2019 in die Schweiz und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Am 11. September 2019 fand die Aufnahme seiner Perso- nalien statt. A.b Im Rahmen des sogenannten Dublin-Gesprächs vom 17. September 2019 bestätigte der Beschwerdeführer in Anwesenheit der Rechtsvertre- tung insbesondere, keine gesundheitlichen Probleme zu haben. A.c Am 27. September 2019 liess der Beschwerdeführer durch die Rechts- vertretung die folgenden Beweismittel zu den Akten des SEM reichen: Re- ferenzschreiben von C._______ (anerkannter Flüchtling in der Schweiz), Whatsapp-Auszüge betreffend den Austau sch über politische Aktivitäten mit Mitg liedern der Halkların Demokratik Partisi [HDP] aus der Partei - zentrale, Ernennung/Bestätigung des Beschwerdeführers zum offiziellen Wahlbeobachter der HDP für die Parlamentswahlen 2 018, Fotos des Be- schwerdeführers mit D._______ (Abgeordneter der HDP und Bürgermeis- ter), Fotos des Beschwerdeführers von Demonstrationen zum 1. Mai, Do- kumente seiner Universitätsausbildung, Korrespondenz mit dem "Hoch- schulrat" der Türkei, Fotos von politischen Karikaturen sowie ein vom Be- schwerdeführer verfasster Bericht in der Zeitung "(…)". A.d Am 8. Oktober 2019 führte das SEM die Anhörung des Beschwerde- führers zu seinen Asylgründen durch. Dieser reichte bei dieser Gelegenheit ein türkischsprachiges Referenzschreiben seiner Cousine E._______ und eine Kopie ihres (…) Aufenthaltsdokuments zu den Akten. A.e Sein Asylgesuch begründete der Beschwerdeführer wie folgt: Seine Familie stamme aus F._______ (Provinz Kahramanmaras), wo er auch geboren sei. Allerdings hätten sie gemeinsam die letzt en zwanzig Jahre in B._______ gelebt. Die Eltern seien heute noch dort wohnhaft, die beiden Brüder hätten im Ausland lebende Frauen geheiratet und die Türkei verlassen. Er sei im Jahr (…) zwecks Studiums nach Nordzypern ausge- reist, und nach Studienabschluss, im (…), in die Türkei zurückgekehrt. Er sei seit seiner Zeit am Gymnasium in B._______ politisch aktiv. Damals sei seine Cousine Parteipräsidentin der Ezilenlerin Sosyalist Partisi (ESP) in B._______ gewesen. Er habe damals für den Jugendflügel dieser Partei E-5362/2020 Seite 3 verschiedene Aktivitäten, wie das Verteilen von Flyern, die Teilnahme an Kundgebungen oder das Aufhängen von Plakaten, aus- geführt, sei aber nie offizielles Mitglied einer Partei geworden. Im Jahr 2013 sei er wie viele ESP -Aktivisten verhaftet, befragt und wieder freigelassen worden. Andere, denen bedeutendere Rollen zugekommen seien, habe man angeklagt und zur Festnahme ausgeschrieben. Er habe später wäh- rend seines Zypern-Aufenthalts zunehmend Aufgaben für die HDP über- nommen. Im Jahr 2017 seien die Bemühungen seiner Partei auf Nord - zypern derart erfolgreich gewesen, dass die Mehrheit der dortigen Stimm- bürger sich gegen die Einführung des Präsidialsystems gestellt habe. Dies habe die Aufmerksamkeit der türkischen Regierung geweckt. Er sei in Nordzypern bei der Gründung eines Komitees dabei gewesen, das gemäss Anweisung der HDP Aktivitäten auf der Mittelmeerinsel durchgeführt habe. Dieses Komitee habe er ab dem Jahr 2018 bis zur Rückkehr in die Türkei angeführt und dabei jeweils direkt mit der HDP-Zentrale auf dem Festland kommuniziert. Deshalb sei er in den Fokus der türkischen Behörden gera- ten. Das Komitee habe im Vorfeld der türkischen Gemeindewahlen vom (…) 2019 eine Liste von in Nordzypern lebenden Kurden erstellt. Ziel sei deren finanzielle Unterstützung gewesen, damit die Stimmberechtigten zum Abstimmen in die Türkei hätten reisen können. Diese Liste sei in sei- nem Besitz gewesen. Türkische Zivilpolizisten hätten seine Wohnung auf Nordzypern danach durchsucht, ihn in Gewahrsam genommen und ihn be- droht, damit er die Namen der anderen Komitee -Mitglieder verrate und diese Liste aushändige. Man habe ihm mit dem Einfrieren des Universitäts- diploms sowie damit gedroht, er werde in der Türkei nie eine öffentliche Anstellung finden, da er die dafür erf orderlichen Sicherheitsbefragungen nicht bestehen werde. Dennoch habe der Beschwerdeführer sein Diplom erhalten, dieses sei jedoch nicht mehr im System des türkischen Hoch- schulrats ersichtlich. Auf Nordzypern sei er bereits zuvor zwei Mal – einmal wegen angeblich zu Newroz ausgerufener Parolen, das andere Mal bei ei- ner routinemässigen Personenkontrolle – von der Polizei mitgenommen und kurz festgehalten worden. Im (…), nach erfolgreichem Studienabschluss, sei er in die Türkei zurück- gekehrt. Dabei sei er bei der Passkontrolle angehalten und erneut wegen der Liste mit den in Nordzypern ansässigen Kurden angegangen und be- droht worden. Am (…) 2019 sei es im Osten der Türkei zu zahlreichen Razzien und dabei zu Festnahmen von HDP-Vertretern gekommen. lm Rahmen dieser Ope- ration sei auch in seinem Haus eine Razzia erfolgt, wobei er damals nicht E-5362/2020 Seite 4 zu Hause gewesen sei. Er habe darauf nicht weiter im Heimatland bleiben können, auch wenn noch nie ein offizielles Strafverfahren gegen ihn eröff- net worden sei. Am (…) August 2019 habe er die Türkei auf dem Landweg mit der Hilfe eines Schleppers verlassen und sei in der Folge durch unbe- kannte Länder in die Schweiz gelangt. A.f Mit Schreiben vom 15. Oktober 2019 teilte das SEM dem Beschwerde- führer mit, sein Asylgesuch bedürfe weiterer Abklärungen, weshalb dieses fortan im erweiterten Verfahren behandelt und er für die Dauer des Asyl- verfahrens dem Aufenthaltskanton G._______ zugewiesen werde. A.g Am 16. Oktober 2019 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM mit, ihr Mandatsverhältnis in Sachen Asylverfahren sei beendet. A.h Am 13. Mai 2020 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu verschiedenen, von ihm vorgetragenen Sachverhalts- elementen und forderte ihn gleichzeitig zum Beibringen weiterer Beweis- mittel und verfahrensrelevanter Unterlagen auf, die sich bereits in seinem Besitz befinden würden oder die auf dem Internetportal des türkischen Staates (E-Devlet) vorzufinden seien. A.i Mit Eingabe vom 25. Mai 2020 liess der Beschwerdeführer durch seine neu bevollmächtigte Rechtsvertreterin eine ausführliche Stellungnahme sowie die folgenden Beweismittel einreichen: Liste kritischer Gebiete, ein Auszug E-Devlet vom (…) Mai 2020 (Anerkennungsprozess hängig), ein Auszug E-Devlet vom (…) Mai 2019 (Bestätigung […] Klasse Universität), ein Auszug E-Devlet vom (…) Mai 2020 (Gymnasiumdiplom), einen Zei- tungsbericht vom (…) 2019 (einen Staatsbesuch […] betreffend), einen Zeitungs-bericht über einen Studenten (weggewie sen aus Nord -Zypern wegen einer Fotografie mit einem Poster des Kurdenführers Öcalan). B. Mit Schreiben vom 9. Juli 2020 ersuchte der Beschwerdeführer die Vor - instanz um Angaben hinsichtlich des Verfahrensstandes. Das SEM beant- wortete die Anfrage am 24. Juli 2020. C. Mit (am 1. Oktober 2020 eröffneter) Verfügung vom 29. September 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, wies sein Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. E-5362/2020 Seite 5 D. D.a Mit Eingabe vom 30. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer, han- delnd durch seine Rechtsvertreterin, beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. September 2020 ein. Er bean- tragte die Aufhebung d ieses Entscheids und die Gewährung von Asyl ; eventualiter sei der Entscheid zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter sei festzustellen, dass eine Wegweisung weder zulässig noch zumutbar sei und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. D.b In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses und die Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin beantragt. D.c Der Beschwerdeschrift wurde n unter anderem die folgenden Unter - lagen beigelegt: Consulting des SEM vom 7. Januar 2020; zwei Informati- onsschreiben "YÖK", wonach Diplome von türkischen Staatsangehörigen, die in Zypern studiert hätten, keine Anerkennung benötigen; Schreiben des Anwalts H._______ vom 22. Oktober 2020; Dokument der Oberstaatsan- waltschaft B._______; Zeitungsbericht von Razzien; Facebook -Auszug; Foto des TV-Berichts eines kurdischen Festivals mit Bild von A bdullah Öcalan im Hintergrund. E. Der Instruktionsrichter stellte mit Zwischenverfügung vom 13. November 2020 fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, und forderte ihn gleichzeitig auf, innert 30 Tagen die in Aussicht gestellten Beweismittel im Original einzureichen. Mit gleicher Ver- fügung wurde er aufgefordert, die der Beschwerde beigelegten Beweismit- tel in eine Amtssprache übersetzt einzureichen. F. Am 4. Dezember 2020 wurden die Übersetzungen der Beweismittel ein - gereicht und geltend gemacht, aktuell sei es nicht möglich, weitere Beweis- mittel einzureichen. G. Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2021 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Rechtsvertre- terin des Beschwerdeführers wurde als amtliche Rechtsbeiständin ein- gesetzt, und die Vorinstanz wurde zum Einreichen einer Vernehmlassung eingeladen. E-5362/2020 Seite 6 H. H.a Die Vorinstanz reichte ihre Vernehmlassung (nach gewährter Frister- streckung) am 16. Februar 2021 zu den Beschwerdeakten. In ihren Aus- führungen hielt sie vollumfänglich an den Erwägungen in der Verfügung vom 29. September 2020 fest. H.b Die Vernehmlassung des SEM wurde dem Beschwerdeführer am 22. Februar 2021 unter Ansetzen einer Frist zur Replik zur Kenn tnis ge- bracht. H.c Der Beschwerdeführer reichte seine Replik am 8. März 2021 ebenfalls fristgerecht zu den Beschwerdeakten. I. Am 11. November 2021 liess der Beschwerdeführer beim Bundesverwal- tungsgericht weitere Unterlagen mit Übersetzungen einreichen: Ein An- waltsschreiben vom 3. November 2021, einen Antrag auf Haftbefehl der Oberstaatsanwaltschaft B._______ vom (…) Oktober 2021 und einen Be- schluss Haftbefehl des (…) des Amtsgerichts B._______ vom (…) Oktober 2021. J. J.a Gestützt auf die neu zu den Akten gelangten Unterlagen wurde die Vorinstanz am 19. November 2021 eingeladen, sich ergänzend vernehmen zu lassen. J.b Die Vorinstanz reichte ihre ergänzende Stellungnahme am 7. Dezem- ber 2021 innert erstreckter Frist zu den Akten. Diese wurde dem Beschwer- deführer am 9. Dezember 2021 unter Ansetzen einer Frist zu Gegen - äusserungen zugestellt. J.c Der Beschwerdeführer reichte seine Stellungnahme am 23. Dezember 2021 zu den Beschwerdeakten. Der Eingabe wurden zwei weitere Beweis- mittel beigelegt: Eine Vollmachterteilung des Beschw erdeführers von Au- gust 2021 an seinen neuen Anwalt I._______ sowie ein Protokoll der Staatsanwaltschaft B._______ vom (…) Dezember 2021. K. K.a Mit Schreiben vom 14. Februar 2022 ersuchte die amtliche Rechtsbei- ständin um beförderliche Behandlung des Beschwerdeve rfahrens ihres Mandanten. E-5362/2020 Seite 7 K.b Der Instruktionsrichter bestätigte am 16. Februar 2022, den Wunsch nach einem baldigen Verfahrensabschluss zur Kenntnis genommen zu ha- ben. Er teilte dem Beschwerdeführer mit, aufgrund der aktuellen Belastung des Gerichts könnten keine verbindlichen Angaben über die voraussichtli- che Dauer bis zum Urteilszeitpunkt gemacht werden. K.c Am 3. Juni 2022 ersuchte die amtliche Rechtsbeiständin erneut um baldigen Verfahrensabschluss. Sie reichte zudem einen USB-Stick (enthal- tend eine Dokumentation der exilpolitischen Aktivitäten ihres Mandanten) zu den Akten und hielt dazu fest, diese exponierten Aktivitäten würden sein Gefährdungsprofil verstärken und er müsse bei einer Rückkehr in die Türkei nunmehr nicht nur wegen des hängigen Strafverfahre ns, sondern zusätzlich wegen dieser Aktivitäten im Ausland mit Verfolgungshandlungen rechnen. Hinsichtlich des Stands des Strafverfahrens (…) in der Türkei habe der Anwalt auf Nachfrage nichts Neues mitteilen können. Dem Schreiben wurde auch eine aktualisierte Honorarnote beigelegt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end- gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer h at am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-5362/2020 Seite 8 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und d ie zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das Staatssekretariat begründete seine Abweisung des Asylgesuchs im Wesentlichen wie folgt: 4.1.1 Der Beschwerdeführer könne bezüglich der geltend gemachten Poli- zeirazzia vom (…) 2019 nicht belegen, dass diese tatsächlich im Haus der Familie stattgefunden habe. Ein solches behördliches Vorgehen müsste er mittels einer schriftlichen Bestätigung der Durchsuchung belegen können. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs habe die Rechtsvertretung dazu aus- geführt, die Eltern hätten damals keine Bestätigung erhalten und eine sol- che aus Angst auch nicht verlangt ; zudem sei auch nicht klar, ob es sich bei der Razzia überhaupt um eine offizielle Hausdurchsuchung gehandelt habe. Die letztere Feststellung erstaune, zumal die Rechtsvertretung auch festhalte, am fraglichen Tag seien in der Türkei bei Razzien in (…) Provin- zen insgesamt (…) Personen wegen angeblicher Verbindungen zur Kurdi- schen Arbeiterpartei PKK festgenommen worden; mithin habe eine gross- angelegte, offizielle Aktion der türkischen Behörden stattgefunden. E-5362/2020 Seite 9 Auch die übrigen Argumente der Rechtsvertretung vermöchten die vom SEM aufgeworfenen Bedenken nicht zu entkräften. Die Liste von Erklärungen gehe auf diese letztlich kaum ein. Diese Ausführungen würden daher wenig relevant respektive wie Ausflüchte wirken und könnten nicht überzeugen. Hinzu komme, dass die entsprechenden Ausführungen des Beschwerdeführers in der Anhörung vage ausfallen seien und er auf Rück- fragen nur sehr knapp geantwortet habe. Seine Angaben zum Aufenthalts- ort während der Razzia seien ungenau geblieben. Unter Berücksichtigung des hohen Bildungsniveaus des Beschwerdeführers entstehe nie der Ein- druck, er berichte von Ereignissen, die er zwar nicht direkt erlebt habe, die aber doch ihn und sein persönliches Umfeld nachhaltig berührt hätten. Insgesamt erscheine dieses Vorbringen somit als eine "opportunistische Konstruktion" und halte den Anforderungen an das Glaubhaftmachen ge- mäss Art. 7 AsylG nicht stand. 4.1.2 Die weiteren Vorbringen würden – vorab ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit – auf ihre flüchtlingsrechtliche Relevanz hin geprüft. 4.1.3 Der Beschwerdeführer mache geltend, sein in Nordzypern erworbe- ner Universitätsabschluss werde in der Türkei nicht anerkannt. Gemäss den eingereichten Unterlagen sei indes der Anerkennungsprozess im Gang; mithin stehe der Ausgang dieses Prozederes noch nicht fest. Selbst unter der Annahme, die Anerkennung werde nicht gewährt, m üsse fest- gehalten werden, dass eine solche Verweigerung – wie auch die Verhinde- rung einer Staatsanstellung – zwar diskriminierend wären, jedoch für sich allein keine ausreichend intensiven Verfolgungsmassnahmen darstellen würden, um eine flüchtlingsrechtliche Relevanz im Sinn des Asylgesetzes zu entfalten. 4.1.4 Die geltend gemachten mehrfachen Festnahmen, bei denen der Beschwerdeführer nie länger als einen Tag lang festgehalten worden sei, seien als Schikanen der türkischen Polizei aufgrund der kurdischen Ethnie zu werten. Es sei allgemein bekannt, dass Angehörige der kurdischen Be- völkerung in der Türkei Schikanen und Benachteiligungen verschiedenster Art ausgesetzt sein können. Auch dabei handle es sich nicht um ernsthafte Nachteile im Sinn des Asylgesetzes, die einen Verbleib im Heimatland ver- unmöglichen oder unzumutbar erschweren würden. Diese allgemeine Situation für die kurdische Bevölkerung führe gemäss gefestigter Praxis für sich allein nicht zur Anerkennung der Flüchtlingsei genschaft. Diese Ein- schätzung gelte trotz der sich – nach dem Putschversuch vom Juli 2016 – allgemein verschlechternden Menschenrechtslage in der Türkei, von der E-5362/2020 Seite 10 auch die Kurden, insbesondere im Südosten der Türkei, betroffen seien. Die geltend gemachten kurzen Festhaltungen würden in ihrer Intensität nicht über die Nachteile hinausgehen, welche weite Teile der kurdischen Bevölkerung in der Türkei in ähnlicher Weise treffen könnten , und seien damit flüchtlingsrechtlich nicht relevant. 4.1.5 Der Beschwerdeführer mache geltend , die türkischen Behörden würden ihn wegen seine Aktivitäten für die HDP festnehmen, foltern und psychisch unter Druck setzen wollen. Die von ihm angeblich getätigten politischen Aktivitäten würden jedoch für sich alleine nicht automatisch auf ein übermässiges behördliches Interesse an seiner Person deuten. Ent- sprechend habe der Beschwerdeführer ausgeführt, es sei nie ein offizielles Verfahren gegen ihn eröffnet worden. Des Weiteren habe die türkische Polizei ihn im (…) 2019 bei seiner Rückkehr aus Nordzypern am Flughafen (nachdem seine Wohnung in Nordzypern angeblich von den türkischen Be- hörden durchsucht worden sei) lediglich befragt und nicht festgenommen, nachdem er dort versichert habe, die HDP nur unterstützt zu haben, nicht jedoch deren Mitglied gewesen zu sein. Aus diesen Vorbringen könne da- her weder abgeleitet werden, die Behörden hätten damals aktiv nach ihm gesucht, noch dass diese ihn in Zukunft suchen könnten. Entsprechend sei seine Familie nach seiner Ausreise nie von den Behörden behelligt worden. Bezeichnenderweise habe der Beschwerdeführer während der Anhörung mehrfach betont, dass vor allem die Probleme mit dem Diplom und die da- mit verbundene Unsicherheit im Hinblick auf seine Karriere und Zukunft der Hauptgrund für die Ausreise gewesen seien. 4.1.6 Hinsichtlich der nachgereichten Beweismittel und vieler der von sei- ner Rechtsvertretung vorgebrachten Einwände sei festzustellen , dass diese mehrheitlich die allgemeine Lage in der Türkei, respektive in Nord - zypern betreffen und seine persönlichen Vorbringen nur am Rande tangie- ren würden. Diesen Argumenten könne bei der Beurteilung der Vorbringen keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zugesprochen werden. Insgesamt sei nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, die Befürchtungen des Beschwerdeführers, die türkische Polizei würde gezielt nach ihm su- chen und ihn bei einer Rückkehr inhaftie ren, würden sich ver wirklichen. Dies gelte umso mehr, als die Razzia im Elternhaus, mithin die einzige ge- schilderte Verfolgungsmassnahme, die nach seiner Rückkehr aus Nord - zypern auf türkischem Boden erfolgt sei, nicht glaubhaft sei. Insgesamt gehe somit aus den Akten nirgendwo hervor , dass die Furcht des Be- schwerdeführers, er könnte bei einer Rückkehr in sein Heimatland von den E-5362/2020 Seite 11 türkischen Behörden gesucht werden, sich mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit und in absehbarer Zeit verwirklichen könnte. Diese Befürchtungen des Beschwerdeführers würden damit die Anforderungen von Art. 3 AsylG ebenfalls nicht erfüllen. 4.1.7 Hinsichtlich der in Nordzypern erlebten Razzia und Drohungen durch türkische Zivilpolizisten sowie der dort erlebten kurzen Festhaltungen sei im Übrigen festzuhalten, dass das Gebiet Nordzypern nicht zu seinem Heimatland gehöre, auch wenn der türkische Staat dort grossen Einfluss ausübe. Allfällige Asylvorbringen, die sich in Nordzypern ereignet hätten, könnten nur dann die Flüchtlingseigenschaft begründen, wenn diese auch im Heimatstaat zu einer Verfolgungssituation führen würden. Nach den vor- stehenden Erwägungen sei jedoch nicht anzunehmen, dass der Beschwer- deführer aufgrund der Probleme in Nordzypern auch in der Türkei entspre- chende Nachteile befürchten müsste. Damit könne darauf verzichtet wer- den, das in Nordzypern angeblich Erlebte im vorliegenden Asylentscheid eingehend zu thematisieren und einer Glaubhaftigkeitsprüfung zu unterzie- hen. Dennoch sei der Vollständigkeit halber anzumerken, da ss auch diese Nachteile nicht die notwendige Intensität aufweisen würden, um eine flüchtlingsrechtIiche Relevanz im Sinn von Art. 3 AsyIG zu entfalten. Die Razzia sei angeblich nur erfolgt, um an eine Liste zu gelangen, und bei den Festnahmen sei der Besch werdeführer anschliessend nie ins Gefängnis gekommen. Diese Vorbringen seien damit als Schikanen im begrenzten Zeitfenster der türkischen Kommunalwahlen zu werten und würden, wie erwähnt, die Anforderungen an die Intensität der Verfolgung nicht erfüllen. 4.1.8 Der Beschwerdeführer mache geltend, bereits im Gymnasium für den Jugendflügel der ESP politische Aktivitäten ausgeführt zu haben, was im Jahr 2013 zu seiner Festnahme geführt habe. Indes sei er nach den Be - fragungen freigelassen worden und habe selber ausgeführt, dass die Personen, welche damals exponiertere politische Rollen eingenommen und die als Beweismittel eingereichten Referenzschreiben mit Blick auf die damaligen Ereignisse verfasst hätten, im Gegensatz zum Beschwerde- führer angeklagt und zur Verhaftung ausgeschrieben worden seien. Seine damaligen, niederschwelligen politischen Aktivitäten hätten auch nicht dazu geführt, dass er verstärkt ins Visier der türkischen Behörden geraten wäre. Dies zeige sich auch dadurch, dass er ungehindert und legal nach Nord-zypern habe ausreisen können und bei seiner Rückkehr in die Türkei wegen dieser früheren politischen Tätigkeiten nicht verhaftet worden sei. E-5362/2020 Seite 12 Zudem würden diese Aktivitäten auch nicht in einem zeitlich oder sachlich ausreichend engen Kausalzusammenhang zu seiner letzten Ausreise aus dem Heimatland stehen. Auch diese Vorbringen seien insgesamt nicht asylrelevant. 4.2 In der Beschwerde schrift wird der Argumentation der Vorinstanz Folgendes entgegnet: 4.2.1 Bezüglich des Durchsuchungsbefehls wird festgehalten, der von der Vorinstanz herangezogene Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 1. Februar 2019 (Türkei: Zugang für Familienangehörige zu Haus- durchsuchungs-, Beschlagnahmungs- und Haftbefehlen) führe auch aus, dass ein Durchsuchungsbefehl in der Praxis nicht immer ausgehändigt werde und die Behörden gesetzlich dazu nicht verpflichtet seien. Was Voll- machten betreffe, sei es seit April 2019 zunehmend schwierig, solche im Ausland ausgestellte Bevollmächtigungen durch türkische Gerichte akzep- tieren zu lassen. Dem Beschwerdeführer sei dies bis anhin nicht gelungen. Weiter stelle die Vorinstanz zu Unrecht fest, die Ausführungen während der Anhörung seien vage und knapp ausgefallen und er habe bezüglich des Aufenthaltsortes während der Razzia ungenaue Angaben gemacht. Der Beschwerdeführer habe auf Nachfrage die Ereignisse detailliert, per- sönlich und nachvollziehbar erzählt. Deren Glaubhaftigkeit sei nicht anzu- zweifeln. Er habe auch nachvollziehbar geschildert, dass er während der Razzia bei einem Freund versteckt gewesen sei. 4.2.2 Hinsichtlich des Universitätsabschlusses habe die Vorinstanz den Sachverhalt unrichtig festgestellt und übersehe "die asylrelevanten Sinne" davon. Erstens sei nicht ersichtlich, weshalb das Diplom überhaupt einem Anerkennungsprozess unterstehe, würden doch gemäss "YÖK" Diplome von türkischen Staatsangehörigen, welche in Zypern studiert hätten, grundsätzlich keine Anerkennung benötigen. Zweitens sei der Beschwer- deführer in Zypern und bei der Einreise an der Grenze im Zusammenhang mit dem Diplom bedroht worden. Zeitungsberichte würden bestätigen, dass die türkischen Behörden auf diese Weise oppositionell-politische Aktivitä- ten verhindern möchten. So werde dafür gesorgt, dass Studenten im vier- ten Jahr nicht weiter studieren könnten oder vom Studium ausgeschlossen würden oder das Diplom nicht anerkannt beziehungsweise dem Anerken- nungsprozess unterworfen werde, um dessen Gültigkeit zu verhindern. Sodann sei es unmöglich, dass die Behörden vom landesweiten, öffentlich ausgetragenen Engagement des Beschwerdeführers nichts gewusst E-5362/2020 Seite 13 hätten. Medienberichte würden bestätigen, dass der behördliche Druck ge- gen politisches Engagement der HDP – wie es der Beschwerdeführer aus- geführt habe – gerichtet gewesen sei. Die Anweisungen des türkischen In- nenministers Suleyman Soylu seien gezielt gegen politisch aktive Pe rso- nen wie den Beschwerdeführer gerichtet gewesen. Diese Situation sei mit dem neuen Ermittlungsverfahren zu verknüpfen, weshalb kein gerechtes Rechtsverfahren zu erwarten sei. Dabei werde wegen "Mitgliedschaft in ei- ner terroristischen Organisation " ermittelt, wobei die Untergrenze des Strafantrags bei sechs Jahren und drei Monaten liege, wie dem SEM be- kannt sein müsste. 4.2.3 Hinsichtlich der mehrfachen Festnahmen sei festzuhalten, dass die politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers für die Sache der Kurden den Behörden bekannt gewesen seien. Die Festnahmen und Hausdurch- suchungen würden dies belegen. Das SEM gehe davon aus, diese Nach- teile würden generell die Kurden betreffen. Damit missachte es, dass der Beschwerdeführer in exponierter Stelle als Landesverantwortlicher für die HDP tätig gewesen und deswegen in den Fokus der türkischen Behörden geraten sei. Zudem würden auch einfache HDP-Mitglieder mit wenig expo- nierenden Tätigkeiten Festnahmen erleben. Der Beschwerdeführer sei le- gal politisch aktiv gewesen und habe nie eine Straftat begangen. Daher hätten die Behörden grossen Druck ausgeübt, damit er sich nicht mehr politisch engagier e. Der Druck habe sich dabei stetig erhöht. Dass der Beschwerdeführer nur einen Tag lang festgehalten worden sei, ändere nichts daran, dass die dabei erlebte physische und psychische Gewalt in- akzeptabel sei. Zudem sei der Beschwerdeführer hierzu nicht weiter be- fragt worden. Die Nachteile seien nicht wegen seiner kurdisch-alevitischen Herkunft, sondern wegen seinen oppositionspolitischen Tätigkeiten zuge- fügt worden. Es sei anzunehmen, dass diese Festnahmen registriert wor- den seien. Für den Fall eines Ermittlungsverfahrens hätten die Behörden somit Bezugsmomente, um ihn als Terrorist beziehungsweise Unterstützer einer terroristischen Organisation (wie die HDP oft bezeichnet werde) zu erfassen. Zwar sei die HDP die drittgrösste politische Partei ; ungeachtet dessen seien beide Co-Präsidenten verhaftet, etliche Bürgermeister und hunderte Gemeinderäte ihres Amtes enthoben worden und gegen dut- zende einfache Mitglieder sei ermittelt worden, um die Parteiarbeit zu ver- unmöglichen. Das politische Profil des Beschwerdeführers und seine Posi- tion in der HDP würden ein behördliches Interesse an seiner Person be- gründen, mithin könne nicht nur von allgemeinen Schikanen gesprochen werden. E-5362/2020 Seite 14 4.2.4 Der Beschwerdeführer sei während des Studiums in Zypern 2014 bis 2019 stets in exponierter Stelle politisch aktiv gewesen. Die Razzia sei im August 2019 und damit kurz nach seiner Heimreise im Juni erfolgt, weshalb von vorangegangenen Ermittlungen auszugehen sei, zumal der Beschwer- deführer am Flughafen diesbezüglich angesprochen worden sei. Durch diese Razzia habe der Beschwerdeführer begründete Furcht vor einer be- vorstehenden Verhaftung, mit der er bereits mehrfach bedroht worden sei. Der Druck sei in Zypern nicht durch zypriotische Behörden, sondern von türkischen Polizisten ausgegangen; diese hätten dort die Razzia durchge- führt, weshalb anzunehmen sei, dass diese auch im Auftrag der türkischen Behörde erfolgt sei. Diese Razzia bloss in den Zusammenhang der Wahl- kampagne zu stellen, sei unrichtig, zumal der Beschwerdeführer HDP - Verantwortlicher für ganz Zypern gewesen sei. Die Kenntnis über die sich bei ihm befindliche Liste sei nur durch vorangegangene Ermittlungen mög- lich geworden. Ein allfälliges Strafverfahren sei damit nur in der Türkei, nicht in Zypern zu eröffnen gewesen. Zudem entspreche es der behördli- chen Taktik, erst nach einer Einreise von Aktivisten ein Verfahren einzulei- ten und Ermittlungen zuvor im Geheimen durchzuführen. 4.2.5 Was die Behelligung der Familie nach der Ausreise des Beschwerde- führers betreffe, habe eine Nachfrage ergeben, dass mehrmals Polizisten zur elterlichen Wohnung gekommen seien und nach dem Beschwerdefüh- rer gefragt hätten. Dies hätten sie dem Beschwerdeführer bis anhin nicht erzählt, um ihn nicht zu beunruhigen. Über die Eltern sei ein Anwalt bevoll- mächtigt worden, der sich nun um Informationen bemühe. Gemäss diesem bestehe bei der Oberstaatsanwaltschaft B._______ ein Ermittlungsdossier unter der Nummer (…) wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Orga- nisation. Die entsprechenden Akten würden raschmöglichst nachgereicht. In B._______ hätten sodann am 14. Juli 2020 Razzien stattgefunden, bei denen mehrere HDP -Funktionäre festgenommen und später inhaftiert worden seien. Die Ermittlungen gegen den Beschwerdeführer hätten ver- mutlich zwischen 2014 und 2019 stattgefunden, aber möglicherweise sei den Behörden auch sein Aufenthalt in der Schweiz bekannt, zumal er einmal auf Facebook von seinem Nachbarn bedroht worden sei, und auch schon ein im Fernsehen ausgestrahltes Bild von ihm verschickt worden sei, das ihn in G._______ auf einem kurdischen Festival am Tan- zen zeige. Es sei durchaus möglich, dass er dort von Personen in der Tür- kei erkannt worden sei. E-5362/2020 Seite 15 4.2.6 Sodann sei die Schlussfolgerung der Vorinstanz unzutreffend, wo- nach der Beschwerdeführer als Hauptgrund der Ausreise die Probleme mit seiner Diplomanerkennung genannt habe. Dies gehe bereits aus dem Pro- tokoll der Anhörung hervor. So sei er in Frage F125 nach weiteren Proble- men gefragt worden, worauf er jenes mit dem Diplom genannt habe. Mit seiner Aussage zu F147, mit diesem Diplom habe alles angefangen , habe er dann gemeint, die direkten Auswirkungen hätten im Zusammen- hang mit diesem Diplom begonnen. 4.2.7 Insgesamt lasse die die Vorinstanz den Überblick vermissen, und sie stelle den Sachverhalt unrichtig und aus dem Kontext herausgerissen dar. Die Aktivitäten als Führungsperson und die Bekannt heit in Zypern, die Festnahmen, die Razzien sowohl in Zypern als auch in B._______ würden alle in einem engen Kausalzusammenhang stehen. Es sei mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer bei einem weiteren Verbleib in der Türkei festgenommen worden und die Eröffnung eines Verfahrens erfolgt wäre. Es sei anzunehmen, dass wegen den politi- schen Aktivitäten ein Datenblatt bestehe und der Beschwerdeführer stets damit konfrontiert und deshalb ernsthaften Nachteilen ausgesetzt werde. Seine Führungsposition in der HDP auf Zypern sei den türkischen Behör- den bekannt gewesen und habe zu einer Verfolgungssituation geführt. De- ren Intensität sei aufgrund der Razzia in der Wohnung wegen der Wahlliste gegeben, auch wenn die Festnahme nicht zu einer Gefängnisstrafe geführt habe. Zudem deute auch die Festnahme anlässlich einer Routinekontrolle darauf hin, dass er registriert respektive ein Datenblatt über ihn errichtet worden sei. 4.2.8 Sodann sei bekannt, dass verschiedene Personen, die im Ausland für die HDP tätig gewesen seien, nicht bei der Einreise, sondern erst später bei der Ausreise Probleme erhalten hätten. Allfällige Ermittlungen würden lange dauern und würden selten bekannt, bevor es zu plötzlichen Festnah- men komme; für Personen in der Türkei sei dies umso mehr der Fall. Was letztlich seine politischen Aktivitäten im Jahr 2013 betreffe, habe er nicht behauptet, diese seien Grund für seine Ausreise gewesen. Vielmehr habe er damit aufzeigen wollen, seit 2013 politisch aktiv und damit den Behörden bekannt gewesen zu sein, und dass er wegen der Festnahme im Jahr 2014 im Ausland studiert habe. 4.2.9 Insgesamt habe die Vorinstanz den rechtsrelevanten Sachverhalt nicht korrekt abgeklärt respektive bei der rechtlichen Beurteilung nicht be- rücksichtigt. Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass sich E-5362/2020 Seite 16 die allgemeine Lage in der Türkei seit dem Putschversuch im Juli 2016 ver- schlechtert habe. Präsident Erdogan habe den Kampf gegen die Kurden wiederaufgenommen und gehe mit aller Härte gegen als oppositionell gel- tende Kurden vor. Das Wiederaufflammen dieses Konflikts habe massive Auswirkungen auf Personen wie den Beschwerdeführer, die sehr wahr- scheinlich ein Datenblatt hätten. Es bestehe ein hohes Risiko, dass ein Strafverfahren eröffnet werde, sobald er in die Türkei einreisen würde. Die politischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers würden mithin seinen Asylanspruch begründen. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt in Würdigung aller vorliegenden Sachverhaltselemente zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwer- deführers in ihrer Gesamtheit nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigen- schaft führen. 5.1.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei wegen seiner früheren Tätigkeiten für den Jugendflügel der ESP und namentlich des späteren En- gagements für die HDP während des Studiums in Nordzypern in den Fokus der türkischen Behörden geraten. So sei er bei seiner Rückkehr in die Tür- kei im (…) am Flughafen mitgenommen, verhört und bedroht worden (auch in der Sache mit dem erworbenen Diplom); dies sei im Zusammenhang mit der im Vorfeld der Kommunalwahlen vom 31. März 2019 erstellten Liste mit Kurden geschehen. Man habe ihn unter der Androhung einreisen lassen, man werde ihn mit seinen Tätigkeiten von (…) bis (…) konfrontieren, sollte er sich weigern, diese Informationen herauszugeben. Er sei nach der Ein- reise in die Türkei nach B._______ gegangen und habe sich dort wieder bei den Eltern aufgehalten. In dieser Zeit und bis zu der grossangelegten Operation vom (…) 2019, bei der es zahlreiche Razzien und Festnahmen gegeben habe, sei ihm nichts geschehen. Bei der Aktion vom (…) 2019 sei auch im Elternhaus eine Razzia erfolgt; diese sei gezielt gegen ihn gerich- tet gewesen, und er sei nur dank Abwesenheit einer Festnahme und Folter entgangen. Die Vorinstanz hat diese s Vorbringen mit überzeugender Be- gründung als unglaubhaft qualifiziert. Diesen in der Vernehmlassung vom 16. Februar 2021 weiter konkretisierten Ausführungen des SEM sind zwei Punkte anzufügen: Erstens ist es schwer verständlich, dass die Eltern sich trotz gewisser Vorbehalte nicht wenigstens (erkennbar) nachträglich um eine Bestätigung dieser Razzia bemüht haben, zumal dies zweifelsohne im Interesse ihres Sohnes gewesen wäre, der den Vorfall als Auslöser der Ausreise dargestellt hatte (vgl. Protokoll Anhörung ad A/F118) . Zweitens E-5362/2020 Seite 17 hat der Beschwerdeführer in seinem Rechtsmittel ausgeführt, eine Nach- frage bei der Familie habe ergeben, dass mehrmals Polizisten zur elterli- chen Wohnung gekommen seien und nach ihm gefragt hätten; dies hätten sie ihm bis anhin nicht erzählt, um ihn nicht zu beunruhigen (vgl. Be- schwerde S. 9); ein derart unlogisches Verhalten von Angehörigen eines in der Schweiz um flüchtlingsrechtlichen Schutz Nachsuchenden muss als geradezu abwegig bezeichnet werden. 5.1.2 Weiter ist kaum nachvollziehbar, dass die türkischen Behörden es ei- nerseits bei der Wiedereinreise des Beschwerdeführers im (…) 2019 an der Grenze beim Festhalten, Befragen und Drohen belassen haben sollen, dann aber andererseits die Razzia im Rahmen der Grossoperation vom (…) 2019 gezielt gegen ihn gerichtet gewesen sein soll . Wäre das Inte- resse der Behörden am Beschwerdeführer – namentlich an seinen angeb- lich exponierenden politischen Aktivitäten und an der besagten Liste – tat- sächlich dergestalt hoch gewesen, wäre die Festnahme mit hoher Wahr- scheinlichkeit unmittelbar beim Grenzübertritt respektive kurz darauf erfolgt (im zweiteren Fall direkt gegen ihn und wohl nicht erst im Rahmen einer grossen landesweiten Operation), um ihm nicht die Möglichkeit zum Unter- tauchen zu geben . Die diesbezügliche Gegenargumentation auf Be- schwerdeebene überzeugen das Gericht in diesem Kontext nicht. 5.1.3 Das Gericht qualifiziert das Vorbringen der Razzia im Haus der Fa- milie nach dem Gesagten ebenfalls als unglaubhaft. 5.2 Der Beschwerdeführer hat auf Beschwerdeebene verschiedene Be- weismittel ins Recht gelegt. 5.2.1 So sind zwei Schreiben des türkischen Hochschulrats Yükseköğretim Kurulu (YÖK) zu den Akten gereicht worden. Gemäss diesen müssten tür- kische Staatsangehörige für ihre auf Zypern erhaltenen Diplome kein An- erkennungsverfahren durchlaufen. Entgegen diesen Informatio nen sei es beim Beschwerdeführer jedoch zu einem solc hen Verfahren gekommen, was seine Verfolgungssituation untermauere. So sei es seinen politischen Aktivitäten geschuldet, dass er im (…) 2019 durch den YÖK als "aktiver Student" erfasst, später jedoch keinen Eintrag mehr gehabt habe respektive als nicht mehr aktiver Student eingetragen gewesen sei (vgl. Protokoll Anhörung F/A65 und 136). E-5362/2020 Seite 18 5.2.2 Auch in diesem Zusammenhang sind die Ausführungen der Vor - instanz als stichhaltig zu beurteilen. Dass gemäss den eingereichten Unterlagen allenfalls vorliegend dennoch ein Anerkennungsverfahren des Diploms anhängig gemacht worden sein kann, lässt erstens nicht bereits auf eine asylrechtlich relevante, konkret drohende Verfolgung schliessen; zweitens kann aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers ein solches Verfahren durchaus in Zusammenhang mit der von ihm nach der Rückkehr nach B._______ angestrebten Spezialisierung gestanden haben (vgl. a.a.O. F/A106). Weiter ist festzuhalten, dass das Diplom vom (…) 2019 und die Abschrift des akademischen Zeugnisses (Transcript of Academic Record) vom (…) 2019 datieren. Dass er demnach am (…) 2019 – dem Ausstelldatum der Studentenbescheinigung durch den YÖK – als aktiver Student geführt war, ist mithin nicht auffällig, sondern wirkt korrekt. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass ihm nach der geltend ge- machten kurzen Festnahme im Jahr 2013 bis zur Reise nach Zypern we- gen der – vom SEM zutreffend als niederschwellig bezeichneten – Aktivi- täten für die ESP von 2011 bis 2013 – keine weiteren Nachteile erwachsen sind. 5.2.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, seine (gemäss seinen Anga- ben stetig relevanter werdenden) Aktivitäten für die HDP in N ordzypern seien den türkischen Behörden bekannt gewesen. Er macht geltend, dass er zu einer äusserst verantwortungsvollen Führungsposition in der Partei gekommen sei (vgl. Protokoll Anhörung ad A/F: "F62: lch muss um Präzi- sierung bitten. Was meinen Sie genau mit einer Führungsposition der HDP? lch war bei der HDP in Zypern in der Führungsposition. F63: Heisst das, Sie waren der Leiter der ganzen HDP au f Zypern? Ja. lch war der Verantwortliche für das Komitee"; vgl. auch Beschwerde S. 3: "Landesver- antwortlicher der Partei" ); dies erscheint schon deshalb als unglau bhaft, weil er gleichzeitig geltend macht , er sei nie Mitglied der HDP gewesen. Seine Erklärung, die Parteizentrale habe nicht gewollt, dass er offizielles Mitglied werde, weil sie befürchtet hätten, dass er dann in den Fokus der Behörden geraten würde (vg l. a.a.O. ad A/F103), vermag offensichtlich nicht zu überzeugen. 5.2.4 Sodann bestehen, wie oben ausgeführt, erhebliche Zweifel daran, dass die Behörden das angebliche Engagement des Beschwerdeführers während der Studienzeit auf Zypern als ernsthaft regimekriti sch wahr - genommen haben, wären doch sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit spätes- tens bei seiner Wiedereinreise im Jahr 2019 entsprechende Massnahmen E-5362/2020 Seite 19 erfolgt. Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer angegeben hat, er sei auch während des Studiums immer mal wieder in die Türkei nach Hause zurückgekehrt (vgl. Protokoll Anhörung F/A33); dass er dabei Prob- leme am Grenzübergang gehabt hätte, machte er nicht geltend (mit der Festnahme "bei der Passkontrolle" [vgl. a.a.O. F/A84] ist offensichtlich die- jenige bei der letzten Einreise in die Türkei im Jahr 2019 gemeint; vgl. a.a.O. ad A/F95 ff.). Bezeichnenderweise war es ihm in dieser Zeitspanne ([…]) auch ohne Weiteres möglich, einen neuen Identitätsausweis ausge- stellt zu erhalten (vgl. a.a.O. F/A 10 ff.). All dies wäre kaum so problemlos möglich gewesen, wären seine angeblich exponierten Aktivitäten den Be- hörden bekannt gewesen; überdies wirkt das Verhalten des Beschwerdeführers eher sorglos, was ein Indiz dafür ist, dass er sich trotz des angeblichen Engagements bei seinen verschiedenen Kontakten mit den heimatlichen Behörden offenbar sicher gefühlt hat. 5.2.5 Insgesamt ist die Feststellung der Vorinstanz zu bestätigen, dass es sich bei den Vorfällen auf Zypern im Vorfeld der Wahlen vom (…) 2019, wäre von der Glaubhaftigkeit dieser Ereignisse auszugehen, um geringfügige – inhaltlich und zeitlich begrenzte – Schikanen gehandelt ha- ben dürfte. Der Einwand, die türkischen Behörden würden mitunter be- wusst die Einreise abwarten um erst danach aktiv gegen missliebige Per- sonen vorgehen zu können, erweist sich vorliegend nicht als stichhaltig. 5.2.6 Der Beschwerdeführer reichte mit der Beschwerde den Screenshot eines Dokuments der Oberstaatsanwaltschaft B._______ ein, gemäss dem gegen ihn am (…) 2020 ein Verfahren unter der Nummer (…) eröffnet wor- den sei. Bei Durchsicht dieses Beweismittels fällt ins Auge, dass darauf jeglicher Hinweis auf den Gegenstand des Verfahrens fehlt. Die diesbezüg- lichen Ausführungen der Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 16. Feb- ruar 2020 wirken formal und inhaltlich überzeugend. 5.2.7 Im Bestätigungsschreiben des Anwalts H._______ vom 22. Oktober 2020 (die Übersetzung wurde am 4. Dezember 2020 nachgereicht) wird festgehalten, es seien unter der Anzeige -Nr. (…) Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation hängig, das Verfahren werde von der Oberstaatsanwaltschaft B._______ geführt. Vor- weg fällt hier auf, da ss die aufgeführte Bürger-Identifikationsnummer ("[…]") nicht mit derjenigen auf dem vom Beschwerdeführer eingereichten Identitätsausweis ("[…]") übereinstimmt. E-5362/2020 Seite 20 Mit der Übersetzung dieses Schreibens wurde am 4. Dezember 2020 ein weiteres Schreiben desselben Anwalts, datierend vom 2. Dezember 2020, zu den Akten gereicht. Darin wird die Verfahrensnummer (…) zwecks Er- mittlungen wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer Terrororganisa- tion wiederholt und festgehalten, das Verfahren sei hängig. Weiter wird dar- gelegt, die Ermittlungen würden geheim gehalten, weshalb keine weiteren Informationen und Dokumente erhältlich gemacht werden könnten. Beide Anwaltsschreiben hinterlassen einen wenig substanziierten Ein- druck, zumal von einem Anwalt nähere Angaben, beispielsweise seiner Be- mühungen und – bei der vorliegenden Konstellation – das Dokumentieren des entsprechenden Geheimhaltungsbeschlusses , zu erwarten gewesen wären. Schliesslich erweist sich der im Begleitschreiben gemachte Hinweis auf eine Grossrazzia vom (…) Juli 2020 und insbesondere die Mutmassung dazu, der Beschwerdeführer könnte bei einem Aufenthalt am Ort des Ge- schehens auch betroffen gewesen sein, in dieser pauschalen Form als un- behelflich. 5.2.8 Der Beschwerdeführer hat im September 201 9 in der Schweiz um Asyl ersucht und anlässlich der eingehenden Anhörung vom 8. Oktober 2019 erklärt, es sei kein Verfahren gegen ihn hängig und er rechne nicht damit, weitere Dokumente nachreichen zu können. Abgesehen von seinen Problemen bei der Einreise im (…) und der Razzia im (…) 2019 sei die Sache mit dem Einfrieren des Diploms sein Hauptproblem gewesen. Er habe diesbezüglich zwar beim YÖK vorgesprochen jedoch keinen Anwalt eingeschaltet (vgl. Protokoll Anhörung F/A7, 125 ff); der Beruf sei für ihn d as Wichtigste im Leben gewesen (vgl. a.a.O. F/A131). Für die Eltern habe seine Ausreise keine Konsequenzen gezeitigt (vgl. a.a.O. F/A129). 5.2.9 Erst nach Erhalt des Asylentscheids vom 29. September 2020 wurde in der Beschwerde vom 30. Oktober 2020 geltend gemacht, es sei am (…) 2020 ein Verfahren gegen den Beschwerdeführer anhängig gemacht wor- den. Nachdem die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 16. Februar 2021 sorgfältige Ausführungen namentlich zu den eingereichten Unterlagen gemacht und diese dem Beschw erdeführer zur Kenntnis gebracht worden waren, reichte dieser am 11. November 2021 weitere Unterlagen betreffend das Strafverfahren nach und führte aus, diese über einen neu bevollmächtigten Anwalt erhalten zu haben. Auch mit diesen Un- terlagen hat sich die Vorinstanz in der ergänzenden Vernehmlassung vom 7. Dezember 2021 ausführlich und detailliert auseinandergesetzt. E-5362/2020 Seite 21 5.2.10 Im Verfahrenskontext erstaunt vorab einigermassen, dass der Be- schwerdeführer nunmehr aus dem bis dahin gemäss seinen Angaben unter behördlichem Geheimhaltungsinteresse geführten Strafverfahren doch Dokumente erhältlich machen konnte. Ungeachtet dessen ist mit der Vor - instanz festzuhalten, dass diesen Dokumenten vom (…) und (…) Oktober 2021 der inhaltliche Zusammenhang, namentlich mit dem Begleitschreiben desselben Anwaltes vom 3. November 2021 , nicht entnommen werden kann. So hat der Anwalt festgehalten, nach Abschluss der "polizeilichen Vorgänge" seien die Beweismittel im Verfahren (…) der Oberstaatsanwalt- schaft übergeben worden und die Untersuchung werde nunmehr unter der neuen Aktennummer 202(…)8 fortgesetzt. Tatvorwurf sei "Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation / Propagandatätigkeit für eine terroristi- sche Organisation". Aufgrund der Beweismittel sei am (…) Oktober 2021 von der Staatsanwaltschaft die Ausstellung eines "Haftbefehls" beantragt worden, und das (…) des Amtsgerichts B._______ habe diesen antrags- gemäss erlassen. 5.2.11 Indessen datiert der Antrag auf Ausstellung vom (…) Oktober 2021, und es finden sich in den entsprechenden Unterlagen weitere zeitliche Un- stimmigkeiten: Der Beschluss auf "Haftbefehl" datiert vom (…) Oktober 2021, wobei im Beschluss als Antragsdatum unzutreffenderweise ebenfalls der (…) Oktober 2021 festgehalten wird. Sodann spricht der Anwalt im Be- gleitschreiben vom 3. November 2021 im letzten Absatz davon, aufgrund des Haftbefehls ("tutuklamna") sei die Wahrscheinlichkeit der Inhaftierung bei Betreten der Türkei hoch. Demgegenüber geht es in beiden Verfahrens- dokumenten nicht um einen Haftbefehl ("Tutuklamna"), sondern es geht um einen Vorführbefehl zwecks Einvernahme ("Yakalama Emri"), und es erstaunt, dass der türkische Anwalt die verfahrensrechtlichen Unterschiede dieser beiden Begriffe nicht korrekt auseinanderhält. Die Vorinstanz hat in ihrer ergänzenden Vernehmlassung vom 7. Dezember 2021 korrekt von ei- nem Vorführbefehl ("Yakalama Emri") gesprochen. Sie führt dazu überzeu- gend aus, gemäss den Formulierungen im Anwaltsschreiben solle der Vor- wurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organis ation / Propagan- datätigkeit für eine terroristische Organisation" im Raum stehen, im Antrag der Staatsanwaltschaft sei jedoch nur der Straftatbestand der Propagan- datätigkeit für eine terroristische Organisation gemäss Art. 7 Abs. 2 des tür- kischen Antiterrorgesetzes aufgeführt. Als zutreffend erweist sich auch die Argumentation des SEM, es sei kaum nachvollziehbar, dass als Datum der Straftat der (…) 2021 und als Tatort B._______ aufgeführt werde, zumal sich der Beschwerdeführer seit Se ptember 2019 in der Schweiz aufhält. E-5362/2020 Seite 22 Bezeichnenderweise ist beiden lediglich in elektronischer Form vorliegen- den Dokumenten nicht zu entnehmen , welche Sachverhalte dem Be- schwerdeführer nunmehr allenfalls konkret vorgeworfen werden. Dass die Verfahrensnummer geändert habe, erachtete die Vorinstanz zwar als nicht zum Vornherein unmöglich; allerdings hielt sie zutreffend dafür, dies- falls wäre ein entspre chender Zusammenführungsbeschluss ergangen, der dem Beschwerdeführer respektive dessen Anwalt zugänglich gewesen wäre und hätte eingereicht werden können und müssen. 5.2.12 Nach Erhalt der ergänzenden Vernehmlassung hat der Beschwer- deführer am 23. Dezember 2021 eine undatierte Anwaltsvollmacht in Kopie sowie eine notarielle Beglaubigung (der Echtheit der Unterschrift des Be- schwerdeführers) zu den Akten gereicht. Der Beschwerdeführer reichte ein weiteres Verfahrensdokument , ein Protokoll der Staatsanwaltschaft B._______ vom (…) Dezember 2021 zu den Akten und führte aus, zu wei- teren Dokumenten sei dem türkischen Anwalt die Einsicht verweigert wor- den. In der vorgelegten Urkunde wird festgehalten, gegen den Beschwer- deführer laufe unter dem Aktenzeichen (…) ein Verfahren. Der Oberstaats- anwalt habe diese Akte an die Untersuchungsbehörde weitergeleite t, die Akte sei mit der neuen Nummer (…) versehen und zu dieser neuen Num- mer sei ein Zusammenführungsbeschluss unter der Nummer (…) erlassen worden. Dieser Zusammenführungsbeschluss sei versehentlich unter der Nummer (…) aufgeführt, indessen werde das Verfahren unter der Nummer (…) weitergeführt. Mit diesem neuen Auszug eines Protokolls soll offen- sichtlich das Bestehen des nicht eingereichten Zusammenführungsbe- schlusses belegt werden. Hierzu hält das Gericht fest, dass der türkische Anwalt gemäss Schreiben vom 3. November 2021 bereits damals von einem solchen Zusammen - führungsbeschluss Kenntnis hatte. Daraus ist zu schliessen, dass die Ein- reichung des – angeblich mit unrichtiger Aktennummer versehen en – Dokuments offensichtlich möglich gewesen wäre. Stattdessen wird ohne weitere Erläuterung nunmehr das erst später erstellte Protokoll einer (unter schwer nachvollziehbaren Umständen erfolgten) internen Berichtigung der Verfahrensnummern eingereicht. 5.2.13 Mit Bezug auf die übrigen, bereits im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel kann auf die Ausführungen in der angefochte- nen Verfügung verwiesen werden. Die vom Beschwerdeführer eingereich- ten Bestätigungen eines Landsmannes und seiner Cousin e weisen ange- sichts der Verfahrensumstände den Charakter von Gefälligkeitsschreiben E-5362/2020 Seite 23 auf. Dass er sich mit dem Artikel in der Zeitung " (…)" politisch besonders exponiert hätte, macht er selber nicht geltend (vgl. Protokoll Anhörung ad A/F132: "ein bisschen politischer Humor"). 5.2.14 Insgesamt fällt im Zusammenhang mit den angeblichen Fluchtgrün- den auch eine Steigerung der Vorbringen respektive ein "Nachlegen" von Beweismitteln auf: So hatte der Beschwerdeführer z u Beginn des Asyl - verfahrens noch angegeben, es sei kein Verfahren gegen ihn eingeleitet worden; nach Erhalt des negativen Asylentscheids wurde in der Be- schwerde von einem zwischenzeitlich eingeleiteten Verfahren berichtet . Und in den Eingaben vom 4. Dezember 2020 und 8. März 2021 wurde aus- geführt, es könn ten vom türkischen Rechtsanwalt wegen eines Geheim- haltungsbeschlusses keine weiteren Verfahrensdokumente beschafft wer- den; später wurden solche trotzdem nachgerecht, was in der Eingabe vom 11. November 2021 – wenig überzeugend – mit der Mandatierung eines neuen Rechtsanwalts in der Türkei begründet wurde. 5.3 Der Beschwerdeführer macht exilpolitische Aktivitäten geltend und hat dazu namentlich am 3. Juni 2022 verschiedene Unterlagen auf einem USB-Stick (mit nummeriertem Beschrieb) zu den Akten gereicht. 5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass die Aktivitäten kurdischer Exilorganisationen oder einzelner Exponenten eines gewissen Formats von regimetreuen Bürgern oder im Ausland lebenden Behörden- vertretern der Türkei beobachtet werden. Gemäss seiner gefes tigten Rechtsprechung reicht dieser Umstand jedoch für sich allein genommen nicht aus, um eine tatsächliche Gefährdung im Falle der Rückkehr in die Türkei als wahrscheinlich erscheinen zu lassen. Vielmehr müssten kon- krete Anhaltspunkte – nicht nur die abstrakte oder rein theoretische Mög- lichkeit – dafür vorliegen, dass exilpolitisch aktive Staatsangehörige der Türkei tatsächlich das Interesse der heimatlichen Behörden auf sich gezo- gen haben respektive als regimefeindliche Person namentlich identifiziert und registriert worden sind. Das Gericht geht davon aus, dass sich die tür- kischen Behörden auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über die massentypischen und niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpoliti- scher Proteste hinaus Funktionen wahrgen ommen und / oder Aktivitäten entwickelt haben, welche die Person aus der Masse der Unzufriedenen herausheben und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erschei- nen lassen. Massgebend ist dabei nicht primär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Individualisierbarkeit, sondern eine öf- fentliche Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit der asylsuchenden E-5362/2020 Seite 24 Person, der Form des Auftritts und des Inhalts der in der Öffentlichkeit ab- gegebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, dass sie zu einer Gefahr für den Bestand des türkischen Regimes wird (vgl. hierzu etwa die Urteile des BVGer D -5125/2015 vom 30. Mai 2018 E. 9.3, D-705/2018 vom 18. Februar 2019 E. 6.1.1 oder E-6542/2017 vom 11. November 2019 E. 7.3.3). 5.3.2 Aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen lassen sich keine konkreten Anhaltspunkte entnehmen, dass er aufgrund seiner politischen Aktivitäten in der Schweiz das Interesse der türkischen Behör- den auf sich gezogen hätte. Seine politischen Tätigkeiten be schränkten sich gemäss Aktenlage im Wesentlichen auf die Teilnahme an Demonstra- tionen in verschiedenen Kantonen, auf die Teilnahme an Kundgebungen zugunsten von PKK-Chef Öcalan und der Teilnahme an einer Unterschrif- tensammlung gegen das europäische Verbot der PKK sowie der Teilnahme an einer Newroz-Feier in der Schweiz . Aus den Fotos der Kundgebungs- teilnahmen ist eine über die massentypischen Erscheinungsformen exil - politischer Proteste hinausgehende Funktion des Beschwerdeführers nicht ersichtlich. Zwar ist er auf den Fotos als Teilnehmer, teils eine Fahne und mit anderen Teilnehmenden ein Transparent tragend, zu erkennen. Dass ihm dabei eine exponierte Funktion innerhalb der Organisation der entspre- chenden Proteste zugekommen wäre, ist diesen Bildern und Videoaufnah- men aber nicht zu entnehmen. Dass er wegen dieser Exilaktivitäten in den Fokus der türkischen Justiz gelang t – und in der Folge auch identifiziert worden – sein könnte, ist nicht anzunehmen; dies umso weniger, als seine Vorfluchtgründe als im Wesentlichen unglaubhaft zu beurteilen waren und mithin nicht davon auszugehen ist, er habe bereits vor seiner Ausreise bei den türkischen Behörden als staatsgefährdend im Visier gestanden. 5.4 Zusammenfassend ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerde- führer mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit befürchten m uss, bei einer Rückkehr in den Heimatstaat in absehbarer Zukunft flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile zu erleiden. Es ist ihm nicht gelungen, Asylgründe gemäss Art. 3 AsylG oder sogenannte subjektive Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG glaubhaft zu machen. Das SEM hat zu Recht fest- gestellt, dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht aufweist, und sein Asyl - gesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es dar auf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den E-5362/2020 Seite 25 Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn vö lkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 7.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. E-5362/2020 Seite 26 7.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.2.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 7.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1 Auch unter Berücksichtigung des Wiederaufflammens des türkisch - kurdischen Konfliktes sowie der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der PKK und staatlichen Sicherheitskräften seit Juli 2015 in ver- schiedenen Provinzen im Südosten des Landes sowie der Entwicklungen nach dem Putschversuch im Juli 2016 ist gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts nicht von einer landesweiten Situation allge- meiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen in der gesamten Türkei auszugehen (vgl. statt vieler Urteile des BVGer E -1716/2020 vom E-5362/2020 Seite 27 22. April 2020 E. 7.4.1 und E -2182/2020 vom 17. Dezember 2020 E. 12.4.1 je m. H.). Der Beschwerdeführer stammt aus B._______ und damit nicht aus einer Region, bei der die geltende Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts von der generellen Unzumutbarkeit des Voll- zugs von Wegweisungen ausgeht (vgl. BVGE 2013/2 E. 9.6 und Referenz- urteil E-1948/2018 E. 7.3.1). 7.3.2 In individueller Hins icht ist festzuhalten, dass der gemäss Akten gesunde Beschwerdeführer in der Türkei die Schule und auf Zypern die Universität besucht und mit (…) abgeschlossen hat, mithin über eine sehr gute Ausbildung verfügt. Er hat keine familiären Verpflichtungen und ange- geben, der wirtschaftliche Lebensstandard der Familie in der Heimat sei gut; sie würden ein (…) Haus besitzen, der Vater arbeite als (…)angestell- ter und die Mutter sei Hausfrau. Es ist damit davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer gelingen wird, sich im Heimatland wieder zu integ- rieren, wobei ihn bei Bedarf seine Eltern unterstützen können werden. 7.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Instruktionsverfügung vom 20. Januar 2021 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgelt - lichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen. Im Urteilszeitpunkt liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, die finanzielle E-5362/2020 Seite 28 Lage hätte sich seither entscheidrelevant verändert, weshalb keine Verfah- renskosten zu erheben sind. 9.2 Mit gleicher Instruktionsverfügung wurde auch das Gesuch um Gewäh- rung der amtlichen Verbeiständung gutgeheissen und die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt (Art. 102m AsylG). Demnach ist dieser ein Honorar für die notwendigen Aufwendungen im Beschwerdever- fahren auszurichten. Die Rechtsbeiständin reichte mit der Beschwerde am 30. Oktober 2020, mit der Replik vom 8. März 2021 und mit der Eingabe vom 3. Juni 2022 jeweils aktual isierte Kostennoten zu den Akten; ausge- hend von einem Stundenansatz von Fr. 185.– werden darin 25 ¼ Honorar- stunden ausgewiesen. Dieser zeitliche Aufwand der amtlichen Rechtsbei- ständin ist den Umständen des konkreten Verfahrens nicht vollumfänglich angemessen. Beispielsweise ist der veranschlagte Aufwand von 10 Stun- den für das Verfassen der 14-seitigen Beschwerdeschrift deutlich zu hoch bemessen, zumal angesichts der zusätzlich veranschlagten 3 ½ Stunden für Aktenstudium und Besprechungen. Der notwendige zeit liche Vertre- tungsaufwand ist deshalb auf 18 Honorarstunden zu kürzen. Unter Berück- sichtigung des in der Zwischenverfügung vom 20. Januar 2021 kommuni- zierten Stundeansatzes von Fr. 150.– ist das durch die Gerichtkasse zu vergütende Honorar damit auf insgesa mt Fr. 2760.– (inkl. Auslagen) fest- zusetzen. (Dispositiv nächste Seite) E-5362/2020 Seite 29 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird vom Bundesverwaltungsgericht für das Verfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 2760.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay