B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4402/2013 U r t e i l v o m 2 1 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter William Waeber, Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, eigenen Angaben zufolge geboren am (…) be- ziehungsweise (…), Afghanistan, vertreten durch Advokat Hüsnü Yilmaz, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des BFM vom 31. Juli 2013 / N (…). E-4402/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Tadschike afghanischer Staatsan- gehörigkeit, verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 1. Juli 2013 und gelangte via Dubai und Belgrad am 11. Juli 2013 in di e Schweiz, wo er am darauffolgenden Tag im Flughafen Zürich um Asyl nachsuchte. B. Mit Verfügung vom 12. Juli 2013 – gleichentags eröffnet – verweigerte das B FM dem Beschwerdeführer vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihm für die Dauer von maximal 60 Tagen den Transitbereich des Flughafens Zürich als Aufenthaltsort zu. C. Anlässlich der Kurzbefragung vom 17. Juli 2013 sowie der einlässlichen Anhörung vom 24. Juli 2013 im Flughafen Züri ch machte der Beschwer- deführer zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei [minderjährig] und habe mit seiner Familie zusammen in Kabul ge- lebt, wo er [Gymnasium] besucht und insbesondere (…) gelernt habe . Nach seinem Gymnasiumabschluss (…) – er habe sowohl die (…) Klasse als auch die (…) Klasse überspringen können – habe er in B._______ seine erste Arbeitsstelle angetreten. Aufgrund der dort herrschenden pre- kären Sicherheitslage – seine Firma sei einerseits durch die Taliban be- droht worden, andererseits habe man Probleme mit einheimischen Grup- pierungen gehabt – sei er nach nur drei Monaten nach Kabul zurückg e- kehrt, wo er eine neue Arbeitsstelle gefunden habe. [Sexuelle Belästigung seitens des Vorgesetzten]. Der Beschwerdeführer habe das Büro verla s- sen und sei nie mehr in die Firma zurückgekehrt . Als er seiner Familie vom Vorfall berichtet habe, habe ihm [Familienangehöriger] davon abge- raten, den Übergriff der Polizei zu melden, da es sich beim Vorgesetzten um einen einflussreichen Mann handle. Nach diesem Vorfall habe sein Chef mehrmals versucht, mit dem Beschwerdeführer telefonisch in Kon- takt zu treten. Als [Familienangehöriger] einmal den Anruf beantwortet habe, habe der Vorgesetzte gesagt, der Beschwerdeführer sol le wieder ins Geschäft kommen, ansonsten werde er anders mit ihm umgehen . Die Leute aus der Umgebung hätten ihn in der Folge auf der Strasse mer k- würdig angestarrt und gedacht, dass ihn der Vorgesetzte vergewaltigt hät- te, was dem Beschwerdeführer einen schlechten Ruf eingebracht habe. E-4402/2013 Seite 3 Ausserdem sei [Familienangehöriger] des Beschwerdeführers [kürzlich] von Leuten seines Vorgesetzten auf dem Nachhauseweg überfallen und mit dem Messer verletzt worden. Die Familie des Beschwerdeführers h a- be ihm daraufhin Vo rwürfe gemacht. Um weiteren Schwierigkeiten zu entgehen, habe er sich entschlossen, sein Heimatland zu verlassen. Im Übrigen habe er [Geschwisterteil] (N […]), [welches] in C._______ lebe, sowie weitere Familienangehörige in der Schweiz. D. Die Flughafenpolizei stellte bei der Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz einen afghanischen Reisepass (ausgestellt auf der afghanischen Botschaft in (…) am (…) 2011), zwei (…) Aufenthaltstitel (jeweils ausge- stellt in […] am […] sowie […] 2011), eine Tazkara (ausgestellt in Kabul, Afghanistan am […] 2011) sowie verschiedene auf den Namen des B e- schwerdeführers ausgestellte (…) Kundenkarten ([…]) sicher. Mit Bericht vom 11. Juli 2013 hielt die Ausweisprüfstelle der Kantonspol i- zei Zürich fest, beim Reisepass lasse sich eine Blankofälschung nicht rechtsgenüglich nachweisen. Hingegen wurden der darin enthaltene [zwei Aufenthaltstitel] – beide Papiere seien gemäss Angaben der Behörden in der SIS Blankoausweis -Datenbank als "Sache zur Sicherstellun g" ve r- zeichnet worden – als Blankofälschungen eingestuft. Überdies hätten bei der Tazkara keine objektiven Fälschungsmerkmale festgestellt werden können. Im Übrigen ergab e in Abgleich der Flughafenpolizei Zürich mit dem zen t- ralen Visa -Informationssystem ( CS-VIS) und der EURODAC -Datenbank keine Treffer. E. Mit Schreiben des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 17. Juli 2013 an das BFM wurde die Mandatierung angezeigt und insbesondere beantragt, dem Beschwerdeführer sei die Einreise in die Schweiz zu be- willigen und er sei dem Kanton (…), in welchem [Geschwisterteil] des Be- schwerdeführers lebe, zuzuteilen. F. Mit Telefax vom 18. Juli 2013 informierte das BFM u.a. die Zentralstelle MNA über die bevorstehende Anhörung des Beschwerdeführers vom 24. Juli 2013. E-4402/2013 Seite 4 Mit Telefax vom 22. Juli 2013 setzte die Vorinstanz auch den Rechtsve r- treter des Beschwerdeführers über den genauen Termin der Anhörung in Kenntnis. Das BFM hielt zudem fest, der Rechtsvertreter habe dem Bun- desamt am 18. Juli 2013 telefonisch mitgeteilt, voraussichtlich werde nicht er, sondern ein Mitarbeiter der Zentralstelle MNA an der Anhörung teilnehmen, weshalb es lediglich die Zentralstelle MNA bezüglich der Di- rektanhörung benachrichtigt habe. Da die Zentralstelle MNA daraufhin al- lerdings erklärt habe, am 24. Juli 2013 nicht an der Anhörung teilnehmen zu können, liege es in der Verantwortung des Rechtsvertreters , sich mit ihr in Verbindung zu setzen und das Mandatsproblem zu lösen. G. Mit Schreiben vom 23. Juli 2013 bat der Rechtsvertreter das BFM darum, die bevorstehende Anhörung des Beschwerdeführers um einen respekt i- ve zwei Tage zu verschieben, da weder er noch die Zentralstelle MNA an der Direktanhörung vom 24. Juli 2013 teilnehmen könnten. Die Direktanhörung fand am 24. Juli 2013 statt. H. Mit Telefax vom 30. Juli 2013 setzte der Rechtsvertreter das BFM darüber in Kenntnis, dass er den Beschwerdeführer auch weiter hin vertreten wer- de. Überdies wurden der Entlassungsbericht eines afghanischen Kra n- kenhauses vom (…) 2013 [den in Kabul attackierten Familienangehörigen betreffend] sowie ein Artikel des "Figaro" über die Situation eines jungen missbrauchten Knaben in Afghanistan in Kopie ins Recht gelegt. I. Mit Verfügung vom 31. Juli 2013 – gleichentags eröffnet – hielt das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus dem Transitbereich des Flughafens Zürich sowie den Vollzug der Wegweisung an. Zur Be- gründung führte es insbesondere aus, es gehe von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers aus. Seine Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] nicht stand halten. Zudem sei der Vollzug de r Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich. Auf die detaillierte Begrü n- dung wird – soweit urteilsrelevant – in den Erwägungen eingegangen. J. Mit Eingabe vom 5. August 2013 (in Briefkasten eingeworfen am 5. A u-E-4402/2013 Seite 5 gust 2013; Datum Poststempel: 6. August 2013 ; vorab per Telefax vom 5. August 2013) an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Rechtsvertreter namens und im Auftrag des Beschwerdeführers , die Ver- fügung des BFM vom 31. Juli 2013 sei aufzuheben , die Sache sei zur Neubeurteilung an das BFM zu rückzuweisen, es sei dem Beschwerd e- führer die Einreise in die Schweiz zu gestatten und er sei für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton (...) zuzuweisen; eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen; subeventua- liter sei die v orläufige Aufnahme anzuordnen. In ver fahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kos tenvorschusses ersucht. Des Weiteren wurde die Anor d- nung von provisorischen Massnahmen sowie die Zuerkennung der au f- schiebenden Wirkung der Beschwerde beantragt. Zur Begründung wurde im Wesentlich ausgeführt, das BFM habe – trotz der vorliegenden authentischen Tazkara und ohne ein medizinisches Gutachten anzuordnen (vgl. Art. 26 Abs. 2 bis AsylG) – den Beschwerde- führer als volljährig bezeichnet. Sodann sei die Anhörung des Beschwer- deführers in Abwesenheit seines Rechtsvertreters beziehungsweise einer Vertrauensperson erfolgt. Im Übrigen sei es unhaltbar, dass das BFM e i- ne Verschiebung der Anhörung um ein bis zwei Tage abgelehnt habe. Mit der Beschwerde wurden namentlich diverse Bestätigungsschreiben von in der Schweiz lebenden Ver wandten eingereicht. Auf die mit der B e- schwerde eingereichten Unterlagen sowie die detaillierte Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. K. Mit Verfügung vom 13. August 2013 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, der Be schwerde komme aufschiebende Wirkung zu, auf einen Ko s- tenvorschuss werde verzichtet und über die weiteren Anträge werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. L. Mit Telefax vom 15. August 2013 reichte der Rechtsvertreter eine Kosten- note zu den Akten. E-4402/2013 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und e ntscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet. 1.5 Aus den Akten ergeben sich – unabhängig von der Altersangabe – in keiner Weise Zweifel an der Urteilsfähigkeit de s Beschwerdeführers, weshalb nachfolgend vom Bestehen der Urteils - und damit der Prozess- fähigkeit auszugehen ist. Die Frage der Mündigkeit kann somit vorliegend offen gelassen werden. Der Beschwerdeführer verfügt im Übrigen über einen Anwalt. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige E-4402/2013 Seite 7 oder unvollständige Feststellung des rechtserhebl ichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Vor allfälligen weiteren Erwägungen ist vorab der Frage nachzugehen, ob das BFM den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat, indem es die Anhörung des Beschwerdeführers in Abwesenheit seines Rechtsvertr e- ters beziehungsweise einer Vertrauensperson durchgeführt hat , da der Anspruch verfahrensrechtlicher Natur ist und seine Verletzung grundsätz- lich die Aufhebung des angefochtenen Entscheids nach sich zieht (vgl. BVGE 2008/14 E. 4.1, BVGE 2007/30 E. 8.2). Die Rechtsprechung hat allerdings aus prozessökonomischen Gründen Leitlinien für die He i- lung von Gehörsverletzungen auf Beschwerdeebene entwickelt, nach welchen sich eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rüc k- weisung der Sache an die Vorinstanz erübrigt, wenn das Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt, sowie die fest- gestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt werden kann (vg l. EMARK 1994 Nr. 1 E. 6b und 2004 Nr. 38 E. 7.1, vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt in BVGE 2007/30 E. 8.2). 4. 4.1 In formeller Hinsicht wurde in der Beschwerde schrift gerügt, die ein- lässliche Anhörung vom 24. Juli 2013 hätte nicht in Abwesenheit der Ver- tretung des Beschwerdeführers erfolgen dürfen. Der Rechtsvertreter habe die Einladung des BFM zur Anhörung vom 24. Juli 2013 per Telefax erst am 22. Juli 2013 um 16:16 Uhr erhalten. Mit Te lefax vom 23. Juli 2013 habe er das BFM darüber in Kenntnis gesetzt, dass er aufgrund eines anderweitigen Termins nicht in der Lage sein werde, am besagten Tag an der Anhörung teilzunehmen. Zudem habe er noch am selben Tag mit der Zentralstelle MNA Kontakt aufgenommen, welche jedoch ebenfalls erklärt habe, dass kein Mitarbeiter disponibel sei, um an der Direktanhörung an- wesend zu sein . Der Rechtsvertreter habe daraufhin das B FM um Ve r- schiebung des Termins auf den 25. oder 26. Juli 2013 ersucht, woraufhin das Bundesamt ihm telefonisch mitgeteilt habe, dass die Anhörung aus organisatorischen sowie Kostengründen nicht verschoben werden könne. E-4402/2013 Seite 8 4.2 Inhaltlich gewährleistet das Recht auf Vertretung und Verbeiständung als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör die Befugnis, Pr o- zesshandlungen durch einen Dritten eigener Wahl ausführen zu lassen oder sich bei mündlichen Verhandlungen von einem Dritten eigener Wahl unterstützen zu lassen. Die Vertretung und Verbeiständung kann auf j e- der Stufe des Verfahrens erfolgen (vgl. Art. 11 VwVG). Damit bringt das Gesetz zum Ausdruck, dass eine Partei jederzeit einen Vertreter bestellen oder einen Beistand zuziehen darf. Das Verfahren nimmt auch nach der Bestellung eines Vertreters seinen Lauf. Allerdings hat die Behörde da r- auf zu achten, dass es dem Vertreter möglich ist, seine Aufgaben auch tatsächlich wahrzunehmen. So ist ihm unter Vorbehalt der zeitgerechten Erledigung des Verfahrens die erforderliche Zeit zum Aktenstudium einzu- räumen, allenfalls unter Erstreckung behördlicher Fristen, und es sind Termine (Instruktionsverhandlungen, Zeugeneinvernahmen, Augensche i- ne und dergleichen) vorgängig abzusprechen . Das verfahrensmässige Recht auf Vertretung und Verbeiständung gilt nicht absolut. Eine Ei n- schränkung ist unter Wahrung der Verhältnismässigkeit zulässig, wenn sachliche Gründe es rechtfertigen. So ist etwa ein Verbot der Vertretung durch Anwältinnen und Anwälte erlaubt, wenn es nicht um bedeutende In- teressen geht oder sich keine komplizierten Fragen stellen und durch das Verbot die Kostenfreiheit des Verfahrens sowie die Schnelligkeit der Ve r- fahrenserledigung besser verwirklicht wer den können als bei Zulassung von Vertreterinnen und Vertre tern (RES NYFFENEGGER, in A u- er/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, N 2 f. und N 14 zu Art. 11). 4.3 Aus den Akten geht hervor , dass der Rechtsvertreter des Beschwe r- deführers die Einladung zur Direktanhörung vom 24. Juli 2013 erst am 22. Juli 2013 um 16:18 Uhr per Telefax erhalten und das BFM umgehend um eine Verschiebung des Termins ersucht hat, da er am Tag der Anhö- rung bereits anderweitig verpflichtet gewesen sei. Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass die Vorladung der Rechtsvertreters für die Anh ö- rung mithin sehr kurzfristig erfolgt ist. Diese Frist entspricht nicht einmal der gesetzlich geregelten Frist von mindestens fünf Arbeitstagen, welche gemäss Art. 25 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. A u- gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) bei der Vorladung von Hilfswerksvertr e- tern – welchen keine Parteirechte zustehen – zu beachten ist. Das BFM hätte bei einer Vorladungsfrist von lediglich einem vollen Arbeitstag Rück- sprache mit dem Rechtsvertreter nehmen müssen, da dessen sofortige und uneingeschränkte Verfügbarkeit nicht vorausgesetzt werden kann. Des Weiteren ist un abhängig vom Umstand , dass das BFM vermutlich E-4402/2013 Seite 9 davon ausging, die Zentralstelle MNA, welche das Bundesamt mit Telefax vom 18. Juli 2013 über das genaue Datum der Anhörung informierte, werde der Einladung Folge leisten und an der Anhörung teilnehmen, fest- zuhalten, dass vorliegend die Direktanhörung des Besc hwerdeführers ohne jegliche Vertretung durchgeführt und das aus Art. 11 VwVG flies- sende Recht des Beschwerdeführers somit nicht gewahrt wurde. Aus den Akten geht im Übrigen nicht hervor, dass der Rechtsvertreter des B e- schwerdeführers sein Mandat jemals nie dergelegt hat . Zwar ist einz u- räumen, dass in einem Flughafenverfahren eine gewisse Dringlichkeit zur Erledigung der Fälle besteht , jedoch kann nicht allein aus Dringlichkeits- überlegungen ein Aufschub der Anhörung verweigert werden, zumal es vorliegend um die Frage einer Verschiebung des Anhörungstermins um lediglich einen respektive zwei Tage ging . Auch wenn g emäss Art. 23 Abs. 2 AsylG der vorinstanzliche Entscheid freilich innert 20 Tagen nach Einreichung des Asylgesuchs zu eröffnen ist (andernfalls ist die asylsu- chende Person einem Kanton zuzuweisen), sind keine sachlichen Gründe ersichtlich, weshalb das BFM, welches bis zum 31. Juli 2013 Zeit hatte, dem Beschwerdeführer die vorinstanzliche Verfügung zu eröffnen , die Anhörung nicht auf den 25. oder 26. Juli 2013 hätte verschieben können. Sodann sind im vorliegenden Fall, in welchem es insbesondere um die Abklärung der Minderjährigkeit geht, die Interessen des Beschwerdefü h- rers als gewichtiger zu erachten als organisatorische Motive oder Kos- tengründe. Im Übrigen ist bei der vorliegenden Sachlage nicht vollends abgeklärt – namentlich wurden die Akten [Geschwisterteil] des Beschwerdeführers (unter Einholung [der] Einwilligung) nicht beigezogen –, ob es sich b eim Beschwerdeführer tatsächlich um einen Minderjährigen handelt. Seine Aussagen hinterlassen jedenfalls keinen offensichtlich realitätsfernen so- wie unsubstanziierten Eindruck, so dass eine Minderjährigkeit offensicht- lich verneint werden m üsste. Ausserdem ist nicht plausibel, in welchem Kontext sich der Beschwerdeführer einen afghanischen Reisepass – die Flughafenpolizei hielt hierzu fest, eine Blankofälschung lasse sich nicht rechtsgenüglich nachweisen – auf der afghanischen Botschaft in (...) hät- te ausstellen lassen sollen, was die Erwägung des BFM, das dem fragl i- chen Pass die angebliche Volljährigkeit des Beschwerdeführers entne h- men will, zweifelhaft erscheinen lässt. Aufgrund der Aktenlage, wie sie sich derzeit darstellt, kann freilich nicht ohne jeden Zweifel der Schluss gezogen werden, beim Beschwerdeführer handle es sich um einen Mi n- derjährigen, da bezüglich seines Alters noch abzuklärende Ungereimthei- ten bestehen. E-4402/2013 Seite 10 4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das BFM den Rechtsvertre- ter grundsätzlich zu kurzfristig über den Termin der Direktanhörung info r- miert und zu Unrecht die beantragte Terminverschiebung verweigert hat . Da es im vorliegenden Fall ferner um bedeutende Interessen geht, sind keine sachlichen Gründe ersichtlich, die eine Einschränkung des verfah- rensmässigen Rechts auf Vertretung rechtfertigen würden. Nach dem Gesagten ist mithin festzuhalten, dass das BFM angesichts der vorli e- genden Umstände durch das Festhalten an der Durchführung der Anh ö- rung am 24. Juli 2013 in Abwesenheit des Rechtsvertreters den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat. Unter diesen Umständen kann das Anhörungsprotokoll vom 24. Juli 2013 nicht als Grundlage eines erstinstanzlichen Entscheides über das Asylgesuch des Beschwerdeführers dienen und ist daher aus dem Recht zu weisen . Der rechtserhebliche Sachverhalt gilt folglich als nicht erhoben. Eine Heilung der Gehörsverletzung auf Beschwerdeebene kommt bei der vorliegenden Sachlage nicht in Betracht. 5. 5.1 Durch das Nichtgewähren des rechtl ichen Gehörs hat das BFM Bu n- desrecht verletzt. Da die Verletzung des rechtlichen Gehörs formeller N a- tur ist, erübrigt es sich, in der Sache Stellung zu nehmen. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen, die Verfügung des BFM vom 31. Juli 2013 ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das BFM ist insbesondere anzuweisen, eine ordentliche Anhö rung im Sinne von Art. 29 AsylG im Beisein des Rechtsvertreters durchzuführen und einer allfälligen Minderjährigkeit des Beschwerdeführers Rechnung zu tragen. Der Beschwerdeführer seine r- seits hat im Rahmen der Mitwirkungspflicht an der Sachverhaltsfestste l- lung aktiv mitzuwirken (Art. 8 Asyl; BVGE 2011/27, E. 4.2 S. 539), im Fall einer Befragung möglichst genaue Angaben zu machen und die objektive Beweislast zu tragen. 5.2 Weiter ist das BFM angesichts der nunmehr abgelaufenen Frist g e- mäss Art. 23 Abs. 2 AsylG (Er öffnung des erstinstanzlichen Entscheids innert 20 Tagen nach Gesuchseinreichung), anzuweisen, die umgehende Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz zu bewilligen. E-4402/2013 Seite 11 5.3 Was die Zuweisung eines Gesuchstellenden an einen Kanton betrifft, hat das Bundesverwaltungsgericht in seinem Grundsatzurteil BVGE 2008/47 festgehalten, das BFM müsse sich, wenn die asylsuchende Per- son ein ausdrückliches und eingehend begründetes Gesuch gestellt h a- be, aus Gründen familiärer Beziehungen in einen bestimmten Kanton z u- gewiesen zu werden, damit konkret auseinandersetzen. Eine blosse Formularverfügung genüge den Anforderungen an die Begründungspflicht nicht und verletz e das rechtliche Gehör. Demnach hat sich das BFM mit dem Gesuch des Beschwerdeführers betreffend Zuweisung an den Ka n- ton (...) noch auseinanderzusetzen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG) , womit das Gesuch um Erlass der Verfa h- renskosten gegenstandslos wird. 6.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 8 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die notwendigerweise erwa chse- nen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechtsvertreter reichte mit Eingabe vom 15. August 2013 seine Ko s- tennote ein, gemäss welcher er für das Verfahren des Beschwerdeführers vor Bundesverwaltungsgericht (ab Eröffnung der aufgehobenen Verf ü- gung des BFM vom 31. Juli 2013; der im vorinstanzlichen Verfahren getä- tigte Aufwand kann vorliegend nicht entschädigt werden ) einen Aufwand von insgesamt 12.11 Stunden und Auslagen in der Höhe von Fr. 50.– gel- tend machte. Der in Rechnung gestellte Aufwand erscheint angemessen, weshalb dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der Beme s- sungsgrundsätze nach Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt (VGKE, SR 173.320.2) und eines Stundenansatzes von Fr. 250.– ei- ne Parteientschädigung von Fr. 3'323.70 (inkl. Auslagen und Meh r- wertsteuer) zuzusprechen ist. Die Vorinstanz ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 2 VwVG anzuweisen, dem Beschwerdeführern diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist mithin gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) E-4402/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 31. Juli 2013 wird aufgehoben und die S a- che zur Anhörung des Beschwerdeführers sowie zur anschliessenden Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. 3. Das BFM wird angewiesen, die umgehende Einreise des Beschwerdefüh- rers in die Schweiz zu bewilligen und sich mit dem Gesuch des B e- schwerdeführers betreffend Zuweisung an den Kanton (...) auseinander- zusetzen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung von Fr. 3'323.70 auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM, die Flughafenpo- lizei und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: