B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3927/2011/was U r t e i l v o m 2 7 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Juni 2011 / N (…). D-3927/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger Sri Lanka s tamilischer Ethnie – verliess im Oktober 2007 Sri Lanka in Ri chtung Thailand und reiste am 22. September 2008 über Doha und Mailand in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl ersuchte. Er wurde vom BFM am 25. Sep- tember 2008 summarisch befragt und am 22. Juli 2009 einlässlich zu sei- nen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches führte er im Wesentlichen aus , er stamme aus Z._______ ([…] Jaffna-Halbinsel), wo weiterhin seine Eltern und seine zwei jüngeren Brüder und seine Grossmutter wohnhaft seien. Er habe nach dreizehn Jahren seine Schulzeit (…) mit einem Advanced- Level-Abschluss beendet. Er habe um Geld zu verdienen mit seinem Kol- legen B._______ seit dem Jahre 2006 Sand- und Erdtransporte durchge- führt. Sie hätten jeweils in einem Waldstück Material abgegraben und dieses verkauft. Das Abgraben sei jedoch wegen der Gefahr des Eindri n- gens von Meerwasser ins Landesinnere verboten gewesen (s owohl von der Polizei als auch von auch der LTTE), weshalb er jeweils bei den Transporten mit seinem Motorrad vorausgefahren sei, um nach Kontrollen Ausschau zu halten. Ungefähr im Dezember 2006 seien sie dann aber von zwei LTTE -Angehörigen in Zivil angeha lten worden, welche in der Folge von ihm 25'000 und von seinem Kollegen 150'000 Rupien verlangt hätten. Nachdem sie gesagt hätten, dass sie diese Beträge nicht aufbri n- gen könnten, hätten die Männer ihre Forderung für ihn auf 15'000 und für seinen Kollegen auf 100'000 respektive auf 50'000 Rupien reduziert. Die Männer hätten ihnen ihre Identitätskarten abgenommen und ihnen diese erst am nächsten Tag – nachdem sie bezahlt hätten – wieder zurückge- geben. Zwei Wochen nach diesem Vorfall sei die Armee bei B._______ erschienen, worauf seinem Kollegen vorgeworfen worden sei, er habe Geld an die LTTE bezahlt. B._______ habe dabei seinen Namen bekannt gegeben. Danach sei die Armee wieder abgezogen, je doch sei sein Ko l- lege am 12. Januar 2007 entführt worden und seither verschwunden. Et- wa 25 Tage später, respektive am 24. oder 25. Januar 2007 sei er in der Nacht vor der Armee mitgenommen und zum Armee-Camp gebracht wor- den. Dort sei er in der Folge befragt , dabei geschlagen und misshandelt worden. Zwar sei er am nächsten Tag wieder freigelassen worden, er ha- be jedoch von da an einer Mel depflicht unterstanden und sich jeden Tag beim kleinen Armee-Camp sowie jeden Sonntag im grossen Armee-Camp melden müssen. Im Mai 2007 sei er aus der Meldepflicht entlassen wor-D-3927/2011 Seite 3 den. Von da an habe er sich aus Furcht um sein Leben zwei Monate bei einem Pfarrer versteckt. Dies unter anderem auch weil im Jahre 2006 ein Freund von ihm erschossen worden sei, n achdem dessen Meldepflicht beendet worden sei . Seine Eltern hätten dann einem M ann der Eelam People's Revolutionary Liberation Front ( EPRLF) 50'000 Rupien bezahlt, damit dieser für ihn einen Passierschein nach Colombo organisiere, was etwa einen Monat gedauert habe. Schliesslich sei er im Juli 2007 z u- sammen mit seinem Vater und dem E PRLF-Mann von Jaffna per Schiff und Zug nach Colombo gereist. Dort habe er bis zur Ausreise bei seinem Onkel gewohnt. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seine Iden- titätskarte, ein Schreiben einer Menschenrechtsorganisation betreffe nd die Festnahme des Freundes, einen Brief der Frau des Freundes gerich- tet an eine Menschenrechtsorganisation sowie die Kopie des Schiffsbillets von Jaffna nach Y._______ zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 8. Juni 2011 – eröffnet am 10. Juni 2011 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka an. C. Mit Eingabe vom 16. Juni 2011 liess der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – beim BFM um vollständige Einsicht in sei- ne gesamten Asylakten ersuchen, inklusive die von ihm eingereichte n Beweismittel sowie allfällige Vollzugsakten. D. Am 20. Juni 2011 gewährte das BFM dem Beschwerdeführer Einsicht in die seiner Auffassung zufolge entscheidrelevanten Akten, indem es dem Beschwerdeführer – soweit ersichtlich – in Kopie das Empfangsstelle n- protokoll, das Anhörungsprotokoll und den angefochtenen Entscheid z u- stellte (vgl. BFM Akten A1, A9 und A12). Drei Aktenstücke wurden als in- terne Akten bezeichnet und von der Einsichtnahm e ausdrücklich ausg e- nommen (vgl. A5, A11 und A13; laut Aktenverzeichnis ein internes Triage- blatt, eine Begleitnotiz und ein interner Kopienverteiler), und im Übrigen vom BFM erklärt, auf die Zustellung unwesentlicher o der bereits bekann- ter Aktenstücke werde aus ökonomischen Gründen verzichtet. D-3927/2011 Seite 4 E. Gegen den Entscheid vom 8. Juni 2011 erhob der Beschwerdeführer am 11. Juli 2011 Beschwerde. In seiner Eingabe beantragte er zur Haupt - sache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache ans BFM, eventualiter die Aufhebung der angefochtenen Verf ü- gung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, subeventualiter die teilweise Aufhebung der angefochtenen Verf ü- gung und die Feststellun g der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollz u- ges. In prozessualer Hinsicht ersuchte er vorab um die Gewährung vol l- ständiger Akteneinsicht und anschliessend um die Möglichkeit zur Einre i- chung einer Beschwerdeergänzung, wobei er namentlich geltend machte, entgegen seinem ausdrücklichen Ersuchen vom 16. Juni 2011 sei ihm vom BFM weder Einsicht ins Beweismittelverzeichnis gewährt noch die von ihm beim BFM eingereichten und im angefochtenen Entscheid au s- drücklich erwähnten Beweismittel offengelegt worden. Im Weiter en e r- suchte er namentlich um Einsichtnahme in den vom BFM im angefocht e- nen Entscheid erwähnten Dienstreisebericht zu Sri Lanka vom Herbst 2010 sowie um Einsicht in weitere Länderinformationen . Sodann bea n- tragte er die Bekanntgabe des für sein Verfahren zus tändigen Spruchkör- pers. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Haft- bestätigung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (International Committee of the Red Cross; ICRC) betreffend den Ehemann seiner Cousine, diverse Artikel aus dem Internet und verschiedene Berichte zur aktuellen Lage in Sri Lanka, darunter die Richtlinien des Amtes des H o- hen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) vom 5. Juli 2010 betreffend den internationalen Schutzbedarf sri -lankischer Asylsu- chender, sowie die Cases of "Disappearances", Abductions, and Missing Individuals der Sri Lankan Human Rights Groups, in welcher auch der Fall seines Freundes B._______ dokumentiert sei, zu den Akten. F. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Juli 2011 stellte der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer könne den Au s- gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Weiter wurde der B e- schwerdeführer aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– einzubezahlen, unter Androh ung des Nichteintretens im Unte r- lassungsfall (vgl. dazu Art. 63 Abs. 4 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]). Gleichzeitig wurden ihm in Kopie die drei von ihm bei der Vorinstanz vorgelegten Beweismittel s o-D-3927/2011 Seite 5 wie eine Kopie des Beweismittelumschlags (vgl. A10) des BFM zugestellt, wobei für ergänzende Ausführungen dazu auf die vorstehend erwähnte Frist verwiesen wurde. In Zusammenhang mit dem Antrag um Einsich t- nahme in den Dienstreisebericht des BFM zu Sri Lanka wurde auf den kommenden Schriftenwechsel (im Sinne von Art. 57 Abs. 1 VwVG) ve r- wiesen. Abschliessend wurde dem Beschwerdeführer die Zusammense t- zung des Spruchkörpers bekannt gegeben, unter Vorbehalt allfälliger Wechsel respektive Stellvertretungen bei Abwesenheiten. G. Mit Eingabe vom 2. August 2011 reichte der Beschwerdeführer eine B e- schwerdeergänzung nach und legte ein Schreiben des Sekretariates des Defence Ministry betreffend den Ehem ann seiner Cousine, welcher au f- grund seiner Tätigkeiten beim LTTE-Grenzschutz festgenommen worden sei, ins Recht. Ebenfalls am 2. August 2011 wurde der Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– fristgerecht einbezahlt. H. In seiner Vernehmlassung vom 12. August 2011 hielt das BFM vollu m- fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte di e Abweisung der Beschwerde. Es bemerkte zusätzlich, dass Länderinformationen, die der internen Erkenntnisbildung dienten, nicht Bestandteil des Akteneinsicht s- recht seien. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 16. August 2011 zur Kenntnisnahme zugestellt. I. Mit Eingabe vom 20. September 2011 ergänzte der Beschwerdeführer seine Beschwerde und reichte weitere Artikel und Berichte zur aktuellen Lage in Sri Lanka sowi e den Gesetzestext des Prevention of Terrorism Act (PTA) zu den Akten. J. Mit Verfügung vom 19. März 2012 stellte die Instruktionsrichterin dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers Kopien der vom BFM angeferti g- ten Zusammenfassung der Ergebnisse der Dienstr eise nach Sri Lanka vom September 2010 und seiner diesbezüglichen Stellungnahme vom 23. Januar 2012 im Verfahren D-3747/2011 zu und gab dem Beschwerde- führer Gelegenheit, sich innert Frist zu diesen Dokumenten zu äussern D-3927/2011 Seite 6 soweit dies über die Stellungnahme i m Verfahren D -3747/2011 hinaus notwendig erscheine. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer aufgefo r- dert, die anerbotenen Übersetzungen der Beweismittel nachzureichen. Beides jeweils unter Hinweis, dass das Verfahren ansonsten aufgrund der derzeitigen Aktenlage fortgesetzt werde. K. Mit Eingabe vom 3. April 2012 nahm der Beschwerdeführer zu den ihm zugestellten Dokumenten Stellung und machte ergänzende Ausführungen zur aktuellen Lage in Sir Lanka. Überdies reichte er vier Fotos des Ha u- ses seiner Eltern sowie diverse Artikel und Berichte zur allgemeinen Situ- ation in Sri Lanka , darunter unter anderem das Themenpapier der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 22. September 2011, zu den Akten. L. Mit Verfügung vom 10. April 2010 stellte die zuständige Instruktionsrichte- rin fest, der entscheidrelevante Sachverhalt werde nach Eingang der Ein- gabe vom 3. April 2012 als erstellt erachtet, weshalb das Gesuch um Fristansetzung zur Einreichung weiterer Beweismittel abgewiesen werde. Allfällig nachfolgende Eingaben resp ektive nachträglich eingereichte B e- weismittel würden – soweit relevant – praxisgemäss im Sinne der B e- stimmung von Art. 32 Abs. 2 VwVG berücksichtigt. M. Mit Schreiben vom 7. Juni 2012 reichte der Beschwerdeführer eine weite- re Beschwerdeergänzung ein, wobei er auf den Reichtum seiner Familie aufmerksam machte. Zur Stützung dieses Vorbringens reichte er drei F o- toausdrucke des Kontos des Vaters ein sowie vier Fotos des Lieferw a- gens der Familie zu den Akten. N. Mit Eingabe vom 7. August 2012 machte der Beschwerde führer auf die aktuelle Lage in Sri Lanka aufmerksam und reichte, neben weiteren Art i- keln und Berichten betreffend die aktuelle Lage in Sri Lanka, einen Arz t- bericht von C._______, Fachärztin Allgemeine Medizin FMH, sowie die Erklärung über die Entbindung der ärztlichen Schweigepflicht zu den A k- ten. D-3927/2011 Seite 7 O. Am 8. August reichte der Beschwerdeführer eine detaillierte Kostennote seines Rechtsvertreters zu den Akten. P. Mit Eingabe vom 22. März 2013 reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel zu den Akten und stellte die aktuelle Lage Sri Lankas umfas- send dar. Dazu reichte er wiederum diverse Artikel und Berichte zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwer deführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nich t vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereich t. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-3927/2011 Seite 8 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, we l- che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Ka s- sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdefü h- rer stellte den Antrag, die angefochtene Verfügung sei wegen unrichtiger und unvollständiger Sachverhaltsfeststellung und wegen der Verletzung des Prinzips des rechtlichen Gehörs durch das BFM aufzuheben und die Akten zur Vornahme entsprechender Abklärungen an die Vorinstanz zu überweisen. 3.1 3.1.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Un- richtig" ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Be hörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sac h- verhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den En t- scheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, Art. 49, in: Christoph Auer/Markus Müller, Benjamin Schindler, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltung s- verfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 28, S. 676 f.). Ihre Grenze findet die Untersuchungspflicht allerdings in der Mitwirkungspflicht des Asyls u- chenden (vgl. Art. 8 AsylG). 3.1.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bunde s- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die ver- fügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfäl- tig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung der Verfügung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid ge gebenenfalls sachgerecht an- zufechten. Art. 35 Abs. 1 VwVG umschreibt den Inhalt der Begründung s-D-3927/2011 Seite 9 pflicht nicht näher; verlangt wird aber, dass die Begründung eines En t- scheides so abgefasst wird, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten ka nn, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des En t- scheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, Art. 35, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Rz. 6 ff., S. 510 ff.; BVGE 2007/30 E. 5.6). 3.1.3 Der Anspruch der Beschwerdepartei auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 VwVG) umfasst verschiedene Teilgehalte, die als Mi t- wirkungsrechte und Informationsansprüche ausgestaltet sind, so unter anderem auch das Recht auf Einsicht in die Verfahrensakten (Art. 26 - 28 VwVG), das der betroffenen Person ermöglichen soll, die Grundlagen e i- nes sie betreffenden Entscheids zu kontrollieren und gegebenenfalls wirksam und sachbezogen Stellung zu beziehen (vgl. etwa MICHELE AL- BERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 255, m.w.N.; STEPHAN C. BRUNNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 26, N 2; BERNHARD WALD- MANN/MAGNUS OESCHGER, in: Waldmann/ Weissenberger [Hrsg.], Praxi s- kommentar VwVG, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 26, N 4 ff., 32 f.). U m- fasst vom Anspruch auf Wahrung des rechtlichen Gehörs ist zudem auch die der Behörde obliegende Pflicht zur Begründung ihres Entscheids, womit der betroffenen Person die Tatsachen und Rechtsnormen zur Kenntnis gebracht werden sollen, die für den Entscheid massgeblich w a- ren und ihr eine sachgerechte Anfechtung ermöglichen soll (vgl. FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHWANK, in: Wal dmann/Weissenberger [Hrsg.], a.a.O., Art. 35, N 10, 17). 3.2 3.2.1 Der Beschwerdeführer brachte vor, er habe mit Schreiben vom 16. Juni 2011 beim BFM um Einsicht in die gesamten Akten, sowie in die- jenigen Aktenstücke und Unterlagen, welche von ihm bereits eingerei cht wurden, ersucht. Die Gewährung der Akteneinsicht (Schreiben vom 20. Juni 2011) habe aber die von ihm eingereichten Beweismittel nicht umfasst. Mit Verfügung vom 15. Juli 2011 stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass der Anspruch des Beschwerdef ührers auf eine Einsichtnahme in die drei von ihm eingereichten Beweismittel – fremdsprachige Papiere in Kopie (soweit ersichtlich ein Formular der Menschenrechtskommission D-3927/2011 Seite 10 von Sri Lanka, ein persönlicher Brief und ein Schiffsbillet) – ausser Frage stünde (Art. 27 Abs. 3 VwVG). In der genannten Zwischenverfügung wu r- den ihm aus prozessökonomischen Gründen diese Beweismittel, inklus i- ve einer Kopie des Beweismittelumschlags (vgl. A10 ) zur Einsichtnahme zugestellt und ihm gleichzeitig die Gelegenheit gebo ten, dazu Stellung zu nehmen. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 2. August 2011 nahm der Beschwerdeführer zu diesen drei Beweismitteln einlässlich Stellung. 3.2.2 Ferner rügt er eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts durch die Verweigerung der Einsicht in den im angefochtenen Entscheid erwähnten Dienstreisebericht. Mit Verfügung vom 19. März 2012 hielt die Instruktionsrichterin fest, b e- züglich der beantragten Akteneinsicht in den Dienstreisebericht des BFM vom Herbst 2010 sowie in allfällige weitere, vom BFM verwendete Lä n- derinformationen, habe das Bundesverwaltungsgericht bereits im Ra h- men eines anderen Beschwerdeverfahrens festgehalten, dass das BFM die Ergebnisse der fraglichen Dienstreise nach Sri Lanka vom September 2010 in zusammengefasster Form offenzulegen habe, wogegen in allfäll i- ge weitere Länderinformationen keine Einsicht zu gewähren sei (Verweis auf die Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts v om 29. N o- vember 2011 im Verfahren D-3747/2011). Da der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers auch im Verfahren D-3747/2011 als Rechtsvertreter auf- getreten sei, seien ihm sowohl die erwähnte Zwischenverfügung als auch der seither vom BFM erhältlich gemachte Dienstreisebericht vom 22. De- zember 2011 bekannt; zudem habe er am 23. Januar 2011 eine einlässli- che Stellungnahme zum BFM-Bericht im besagten Verfahren eingereicht. Daher würden der Be richt des BFM vom 22. Dezember 2011 sowie die diesbezügliche Stellungnahme des Rechtsvertreters (beides dem Verfa h- ren D -3747/2011 entnommen) im vorliegenden Verfahren zu den Akten genommen. Die Instruktionsrichterin gab dem Beschwerdeführer gleic h- zeitig Gelegenheit, soweit notwendig innert Frist ergänzende Ausführu n- gen zum f raglichen Dienstreisebericht zu machen. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 3. April 2012 nahm der Beschwerdeführer zum Dienstreisebericht des BFM einlässlich Stellung. 3.2.3 In seiner Beschwerde beantragte der Beschwerdeführer weiter, dass ein im Verfahren D-3042/2011 eingereichtes Beweismittel beizuzie- hen ist, da dieses die erneute Registrierungspraxis der sri-lankischen Be- hörden gegenüber der tamilischen Bevölkerung beweisen würde. D-3927/2011 Seite 11 Dieser Antrag ist abzuweisen. Das Gericht sieht keine Veranlassung auf den nicht näher begründeten Antrag einzugehen, da diesbezüglich ke i- nerlei Sachzusammenhang geltend gemacht wird , und im übrigen eine erneute Registrierungspraxis der Behörden gar nicht bestritten wird. 3.2.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass dem Anspruch de s Be- schwerdeführers auf rechtliches Gehör in Bezug auf das Recht auf Ei n- sicht in die Verfahrensakten , soweit dieser diesbezüglich als verletzt zu erkennen war, im Rahmen der erwähnten Zwischenverfügungen und der folgenden Gelegenheit zur Stellungnahme bezi ehungsweise Beschwe r- deergänzung in ausreichender Weise Genüge getan worden ist. 3.3 3.3.1 Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, d as BFM nenne nicht alle Quellen, auf welche es seinen Entscheid abstütze namentlich . Dies kön- ne auch nicht damit begründet werden, es handle sich um "interne A k- ten", welche nicht dem Akteneinsichtsrecht unterstünden, da sich diese mit entscheidrelevanten Fragen betreffend den Zuständen im Osten und Norden Sri Lankas auseinandersetzten. Des Weiteren seien die Ausfü h- rungen des BFM zur Sicherheitslage und zu den Lebensbedingungen pauschal und minimalistisch, nichts weiter als eine unbelegte und nicht überprüfbare Parteibehauptung und unter dem Gesichtspunkt der B e- gründungspflicht völlig ungenügend. Indem nicht alle Quellen offengelegt würden, sei es ihm nicht möglich, im Rahmen der Beschwerde zu den vom BFM verwendeten Informationen sachgerecht Stellung zu nehmen oder Gegenbeweise vorzubringen. Somit habe das BFM bei der Prüfung des Wegweisungsvollzuges seine Begründungspflicht und damit das rechtliche Gehör massiv verletzt. Das Bundesverwaltungsgericht käme in einem Urteil E-5688/2012 vom 18. März 2013 zum Schluss, es sei nicht zulässig, dass das BFM pauschal auf eine Einschätzung und einen Sach- verhalt verweise, ohne die entsprechenden Q uellen und die konkreten vorliegenden Beweismittel zu benennen. Aus dem Urteil D-980/2012 vom 18. März 2013 ergebe sich nun das Gegenteil. Dort werde behauptet, Fachwissen als solches wie etwa Kenntnisse über das Herkunftsland könne nicht ediert werden. Ei ne Offenlegung beziehungsweise eine Au f- listung sämtlicher verwendeter Quellen in Verfügungen sei im Verwa l- tungsverfahren denn auch weder üblich noch erforderlich, zumal es sich bei einer Verfügung nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung handle. Die Begründungspflicht diene nicht der Offenlegung von Amtswissen. Es sei jedoch ohne weiteres möglich und erforderlich die verwendeten Que l- len offen zu legen, zumal nur so der Beweis des Gegenteils möglich sei. D-3927/2011 Seite 12 Ein angeblich vorhandenes Amtswissen könne logischer weise nicht nur behauptet, sondern es müsse auch verlangt werden, dass die verifizie r- baren Quellen offengelegt würden. Die Weigerung des BFM und auch des Bundesverwaltungsgerichts sich mit der seither eingetretenen sac h- verhaltsmässigen Änderung auseinanderzusetzen und aktuelle Länderi n- formationen beizuziehen stelle eine Rechtsverweigerung dar. 3.3.2 In Bezug auf das vom Beschwerdeführer genannte Urteil des Bu n- desveraltungsgerichts E-5688/2012 vom 18. März 2013 ist zu bemerken, dass es sich dabei um ein Verfahren bezüglich Asylwiderruf handelte. Das Bundesverwaltungsgericht stellte dabei fest, das BFM habe die dies- bezügliche Verfügung in Bezug auf die Handlungen des dortigen Be- schwerdeführers in erster Linie auf eine n z usammenfassenden Bericht des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB) gestützt, ohne dass es selber Nachforschungen zum Sachverhalt angestellt oder diesen zumindest überprüft hatte (vgl. Urteil des Bundesveraltungsgerichts E-5688/2012 vom 18. März 2013 E.8.2 ff). Darüber hinaus habe es das BFM unterla s- sen, dem Beschwerdeführer Einsicht in Befragungsprotokolle in der Bo t- schaft oder in ähnliche Dokumente zu gewähren (vgl. E-5688/2012 E.6.4.4 f.). Es handelte sich somit nicht um allgemeine Informationen zur aktuellen Lage eines Herkunftsstaates – wie dies im Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts D -980/2012 vom 18. März 2013 oder auch vorlie- gend der Fall ist –, sondern um spezifische Informationen zu konkreten Handlungen des Beschwerdeführers. Die entsprechenden Erwägungen können aus diesem Grund bezüglich der Pflicht des BFM Quellen offen- zulegen nicht miteinander verglichen werden. Daraus folgt, dass sich die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgericht in den genannten Urte i- len nicht widerspricht. Überdies zeigt die 26 Seiten umfassende B e- schwerde, dass eine Anfechtung des Entscheides des BFM durchaus möglich war. Daher ist nach wie vor daran festzuhalten, eine Offenlegung beziehungsweise eine Auflistung sämtlicher verwendeter und öffentlich zugänglicher Quellen in Verfügungen im Verwaltungsverfahren weder üb- lich noch erforderlich ist, zumal es sich bei einer Verfügung nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung handelt. Der Begründungspflicht ist damit Genüge getan. 3.4 3.4.1 Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, s eit der letzten Anhörung am 22. Juli 2009 hätten sich massgebliche Umstände verändert, womit er vor Erlass der BFM -Verfügung erneut hätte angehört werden müs sen. Daher sei das recht liche Gehör verletzt und auch der rechtserhebliche D-3927/2011 Seite 13 Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt worden. Da sich seine Gefährdung weiter aus den LTTE -Unterstützungstätigkeiten und Verbi n- dungen ergebe, hätte das BFM zudem zu diesem Themenbereich zwi n- gend weitere Abklärungen tätigen müssen. Insbesondere habe das BFM keine genau eren Abklärungen zu der Bussgeldzahlung, zu Familienmi t- gliedern mit LTTE-Kontakten (namentlich der Ehemann der Cousine) und zur Entführung seines Freundes B._______ veranlasst. Das BFM habe überdies die Vorbringen nicht vor dem Hintergrund aktueller und re levan- ter Länderinformationen geprüft und Sachverhaltselemente von zentraler Bedeutung ignoriert. Somit sei der rechtserhebliche Sachverhalt weder vollständig noch korrekt abgeklärt worden. 3.4.2 Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass die Untersuchungspflicht der Behörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Gesuchstellenden findet (Art. 8 AsylG), welche auch die Substantiierungslast tragen (Art. 7 AsylG). Dem Beschwerdeführer ist genügend Ze it zur Verfügung gestan- den, sich zu einer allfälligen neuen persönlichen Situation in Verbindung mit den Ereignissen in Sri Lanka seit dem Jahr 2009 zu äussern. Wie den Befragungsprotokollen zu entnehmen ist, wurde der Beschwerdeführer durch die Vorinstanz summarisch befragt und ausführlich zu seinen Asy l- gründen angehört ( vgl. A1 und A9). Auch die Hilfswerkvertretung machte diesbezüglich keine Anmerkungen, wonach die Befragung unvollständig gewesen sei (vgl. A9, "Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung (HWV) gemäss Art. 30 Abs. 4 AsylG"). Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Be- schwerdeführer nach seiner letzten Anhörung am 22. Juli 2009 bis zum Ergehen der angefochtenen Verfügung keine aktuellen Ereignisse zuhan- den des BFM vermeldete, weshalb das Bundesamt zu Recht keine weite- ren Abklärungen vornahm und insbesondere darauf verzichtete, den B e- schwerdeführer nochmals anzuhören. Die Protokolle stellen eine ausre i- chende Basis für die Prüfung einer allfällig begründeten Furcht vor einer asylrelevanten Verfolgung beziehungsweise des Vorliegens von Wegwe i- sungsvollzugshindernissen dar, womit der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt zu betrachten ist. 3.5 Das Bundesverwaltungsgericht geht somit insgesamt gesehen davon aus, dass das BFM den rechtserheblichen S achverhalt erstellt hat und seiner Begründungspflicht (abgesehen des Verweises auf die Dienstreise und der Nichtoffenlegung der drei von ihm beim BFM eingereichten Be- weismittel) ausreichend nachgekommen ist. Auf die in der Beschwerde geltend gemachten Vorb ringen wird nachstehend bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers eingegangen (vgl. E. 8). D-3927/2011 Seite 14 Die Verletzung des rechtlichen Ge hörs durch die Vorinstanz wurde auf Beschwerdeebene geheilt; dieser ist im Rahmen der Prozesskosten Rechnung zu tragen. Bei dieser Sachlage besteht somit keine Veranla s- sung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb die entsprechenden Rechtsbegehren abzuweisen sind. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährd ung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers müssten vor dem Hinte r- grund der allgemein angespannten Situation betrachtet werden, welche während des Bürgerkrieges geherrscht habe. Die Situation in Sri Lanka stelle sich heute jedoch anders dar: Der Krieg sei im Mai 2009 mit der Niederlage der separatis tischen LTTE zu Ende gegangen. Die S i- cherheits- und Menschenrechtslage sei zwar noch nicht in allen Teilen des Landes zufriedenstellend, doch die Anzahl von Gewaltereignissen sei erheblich zurückgegangen. Die LTTE sei vernichtend geschlagen worden und verf üge über keine handlungsfähige Struktur mehr. Die LTTE stelle damit auch für den Beschwerdeführer keine unmittelbare Bedrohung mehr dar. Auch der Einfluss der bewaffneten Gruppen habe seit dem E n- de des Bürgerkrieges stark abgenommen. Auf eine Zusammenarbei t der Regierung mit bewaffneten Organis ationen oder Gruppierungen bestehe D-3927/2011 Seite 15 keinerlei Hinweise mehr. Zudem würden Übergriffe auf die Zivilbevölk e- rung von Seiten krimineller Einzeltäter oder bewaffneter Gruppen mittle r- weile von den zuständigen Behörden geahndet. Es treffe zwar durchaus zu, dass die sri -lankischen Behörden auch nach dem Ende der krieger i- schen Auseinandersetzungen alles daran setzten, ein Wiedererstarken der LTTE zu verhindern und deshalb nach wie vor gegen ehemalige Kämpfer und Führungspe rsönlichkeiten der LTTE vorgingen. Der B e- schwerdeführer habe allerdings nie geltend gemacht, ein aktives oder s o- gar führendes Mitglied der LTTE gewesen zu sein. Er sei von den LTTE im Jahr 2006 lediglich gezwungen worden, eine Busse zu bezahlen. Er habe zu dem angegeben, nach Beendigung seiner Meldepflicht im Juli 2007 nach Colombo gereist zu sein, wo er sich mehrere Monate au f- gehalten habe und sich einen Pass habe ausstellen lassen um anschlie s- send legal über den Flughafen von Colombo auszureisen. Dies mach e deutlich, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt von den sri -lankischen Be- hörden nicht mehr ernsthaft verd ächtigt worden sein könne, eine Gefahr für die Sicherheit des sri-lankischen Staates darzustellen, sonst wären sie konsequent gegen ihn vorgegangen. Di es sei jedoch beim Beschwerd e- führer offensichtlich nicht der Fall gewesen. In seinen Schilderungen fä n- den sich zudem keine Hinweise dafür, dass die sri -lankischen Behörden heute ein ernsthaftes Interesse daran haben könnten, gerade ihn zu ve r- folgen. Angesichts seines inexistenten politischen Profils sei nicht davon auszugehen, dass er zum jetzigen Zeitpunkt mit erheblicher Wahrschei n- lichkeit von asylrelevanten Schwierigkeiten bedroht sei. Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien daher nicht asylrelevant. Bei offensichtlich fehlender Asylrelevanz könne darauf verzichtet werden, auf allfällige U n- glaubhaftigkeitselemente in den Vorbringen des Beschwerdeführers ei n- zugehen. Auch die ins Recht gelegten Beweismittel könnten keine asylre- levante Verfolgung durch di e sri -lankischen Behörden belegen. So wü r- den sich die beiden Kopien der Human Rights Commission of Sri Lanka sowie der Brief der Frau seines Kollegen nicht auf den Beschwerdeführer persönlich beziehen, sondern auf seinen Kollegen. Sie enthielten keine Hinweise auf eine Verfolgung des Beschwerdeführers durch die sri - lankischen Behörden. Dies treffe auch für die Kopie des Schiffbillets zu. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 5.2 In der Beschwerde vom 11. Juli 2011 ergänzte der Beschwerdeführer seine Vorbringen , der Ehemann seiner Cousine sei am 24. April 2011, nach zweijährigem Auf enthalt in einem Camp entlassen worden. Er sei aufgrund seiner Tätigkeit beim LTTE-Grenzschutz inhaftiert gewesen und D-3927/2011 Seite 16 sei nun einer Meldepflicht unterstellt worden, wobei er unter dem ständi- gen Druck stehe, Informationen über andere LTTE -Aktivisten und Unte r- stützer zu liefern. Er sei auch zu seinen Aktivitäten und Ausreiseumstä n- den (des Beschwerdeführers) befragt worden. Zudem habe er über die Finanzierung seines Lebens Auskunft geben müssen, wobei er gege n- über den Behörden ihn (den Beschwerdeführer) genannt ha be. Da er tat- sächlich seiner Cousine und ihrem Ehem ann regelmässig Geld aus der Schweiz sende, finanziere er ein ehemaliges LTTE-Mitglied. Weiter seien auch seine Eltern im Jahr 2009 sowie bei der Registrierung im Jahr 2011 nach ihm befragt worden, was beweise, dass die behördliche Suche nach ihm nicht abgebrochen sei. Er habe zudem an verschiedenen Demonstra- tionen von LTTE -Anhängern in X._______ und W._______ teilgenom- men, das letzte Mal am (…). Da er am Verpflegungsbuffet mitgeholfen habe, sei er von vielen Leuten gesehen worden. Zudem existierten Ha n- dyaufnahmen von ihm, womit auch die sri-lankische Regierung über se i- ne exilpolitische Tätigkeit informiert sei. Ferner machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, das Schweigen des BFM bezüglich der Unglaubhaftigkeitselemente bedeute, dass es seine Vorbringen insgesamt als glaubwürdig und weitestgehend widerspruchsfrei erachte. Bezüglich der angeblich nicht vorhandenen Asylrelevanz sei zu bemerken, e r habe nie eine Gefährdung durch die LTTE, sondern nur durch die sri-lankische Armee geltend gemacht. Das BFM habe in der angefochtenen Verfügung den falschen Akteur als U r- sprung der Gefährdungssituation bezeichnet. Ferner sei es unrichtig, wenn das BFM behaupte, dass keine Hinweise auf eine Verfolgung durch die sri -lankischen Behörden vorl iegen würde n. Die den Behörden b e- kannte Bussgeldzahlung an die LTTE sei als finanzielle Unterstützung der LTTE qualifiziert worden. Er sei nach seiner Haft einer Meldepflicht unte r- legt worden und auch seine Familie werde nach wie vor nach ihm befragt. Es sei also nicht so, dass sich die Verfolgung nach seiner Haftentlassung einfach "in Luft aufgelöst " habe. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Zahlung des Bussgeldes auch bei der LTTE registriert worden sei (mit der Kopie der Identitätskarte). Durch die Behändigung der administrativen Akten der LTTE nach dem Ende des Krieges durch die sri -lankische Ar- mee sei auch über diesen Weg im Rahmen des Screening -Prozesses sein Name ersichtlich geworden. Dabei spiele es den Behörden keine Rolle, ob er offiziell ein LTTE-Mitglied gewesen sei oder ob er die Buss- geldzahlung unter Zwang habe leisten müssen. Was seine Verbindungen zu den LTTE anbelange, sei zu bemerken, dass er mit seinem Kollegen B._______, welcher für die LTTE tätig gewesen sei, zusammengearbeitet D-3927/2011 Seite 17 habe, eine Bussgeldzahlung habe leisten müssen, dem Ehemann seiner Cousine, welcher beim LTTE -Grenzschutz gewesen sei, regelmässig Geld zusende und er zudem bei der Durchführung von LTTE - Demonstrationen in der Schweiz mithelfe, wobei er in diesem Zusa m- menhang zumindest bildmässig durch die sri-lankischen Behörden regist- riert worden sei. Die legale Ausreise im Jahre 2007 aufgrund des fehle n- den Überprüfungssystems der sri-lankischen Behörden, sei noch kein In- diz, dass er damals nicht mehr gesucht worden sei. Er habe ohne Wissen der Behörden ausreisen können, insbesondere da sein Pass heimlich und gegen Bezahlung ausgestellt worden sei. Seine Vorbringen seien insg e- samt glaubwürdig und widerspruchsfrei. Was die Flüchtlingseigenschaft angehe, definiere das UNHCR f ünf Hauptkategorien, welche unter Umständen einer asylrelevanten Verfo l- gung in Sri Lanka entgegen stünden , wobei Personen mit Verdacht auf Verbindungen zu den LTTE zur Hauptrisikogruppe gehörten. Er weise durch seine genannten Verbindungen zu den LTTE ein aktuelles Gefähr- dungsprofil auf. Das Verschwinden B._______, welches auch auf der Lis- te von Human Rights Watch festgehal ten sei, sei in erster Linie auf die Bussgeldzahlung zurückzuführen. Somit sei diese Zahlung und dessen Tätigkeit für die LTTE von den B ehörden als gravierend eingestuft wo r- den. Die Armee habe mit Sicherheit von der Verbindung zwischen ihnen gewusst, womit er selber verdächtig werde, auch für die LTTE tätig gewe- sen zu sein. Dieser Verdacht sei durch sein Verstecken und seine Ausrei- se für d ie sri-lankischen Behörden bestätigt wor den. Seine Flucht müsse aber auch im Zusammenhang mit der Tötung seines Freundes D._______ gesehen werden, welcher nach Beendigung der Meldepflicht umgebracht worden sei. Heute bestünde für ehemalige LTTE - Unterstützer in Sri Lan ka, aufgrund der Bestrebungen der sri -lankischen Regierung ein Wiederaufkeimen der LTTE zu verhindern, ein höheres Ri- siko einer Festnahme durch die Sicherheitsbehörden als vorher. Er sei seit dem Wiederaufflammen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den LTTE und der sri -lankischen Armee von den sri -lankischen Sicherheitsbehörden konsequent verfolgt worden. Es sei davon auszug e- hen, dass die Daten über ihn und seine Unterstützungstätigkeit für die LTTE sowie sein mehrfacher Entzug vor dem Zugriff der sri -lankischen Behörden mittlerweil e auf einer entsprechenden Fahndungsliste zentral angelegt seien und bei einer Rückkehr auch von den Immigrationsbehö r- den eingesehen werden könnten. In diesem Zusammenhang stehe auch die Forderung des CID nach einem Foto von ihm. Es sei davon auszug e- hen, dass er mit einer Festnahme und einem Verhör mit für ihn unvorhe r-D-3927/2011 Seite 18 sehbaren Konsequenzen rechnen müsse, weshalb er in Sri Lanka massiv vor Übergriffen auf sein Leib und Leben von Seiten des sri -lankischen Staates bedroht sei. Zudem würde er wohl auch von paramilitärischen Gruppen bedroht werden. Er habe diesbezüglich auch in der Befragung zu Protokoll gegeben: "Damit die Schuld nicht auf die Armee fällt, sagen sie, man solle nicht mehr zur Unterschrift kommen und erschiessen einen dann" (A2/12, S. 6). 5.3 Mit Eingabe vom 2. August 2011 nahm der Beschwerdeführer explizit zu den von ihm bei der Vorinstanz eingereichten Beweismittel Stellung und fügte hinzu, von seinem Arbeitskollegen B._______ fehle weiterhin jede Spur. Die Ehefrau halte im eingereichten Brief fest, dass B._______ nachmittags um 4.30 Uhr durch das Militär verhaftet worden sei. Sie habe die Human Rights Commission of Sri Lanka ausdrücklich darum gebeten, sich um eine Freilassung ihres Ehemannes zu bemühen. Das zudem ein- gereichte Formularschreiben des Sekretariates des Verteidigungsministe- riums Sri Lanka betreffend den Ma nn der Cousine sei ein Dokument we l- ches aufzeige, dass bei einem Verdacht auf Mitgliedschaft oder Unte r- stützung der LTTE d ie Ausnahmezustandsgesetzgebung eine legale B a- sis für sämtliche Massnahmen darstelle. 5.4 In der Eingabe vom 20. September 2011 machte der Beschwerdefüh- rer im Wesentlichen geltend, e r sei ein junger tamilischer aus Jaffna stammender Mann, welcher sowohl in den Akten der LTTE als auch im System der sri-lankischen Behörden selbst aufgrund deren Verdächtigun- gen registriert sei. Er habe Verwandte und enge Freunde, die nachwei s- lich für die LTTE tätig gewesen seien und die er unterstützt habe , bezie- hungsweise mit denen er zusammengearbeitet habe. Schliesslich habe er in der Schweiz, wo die LTTE nicht verboten sei en, ein Asylgesuch g e- stellt. Somit erfülle er nicht nur das Risikoprof il gemäss dem UNHCR und der SFH, sonder auch jenes gemäss der aktuellen Rechtsprechung des Europäische Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) . Ferner machte der Beschwerdeführer in umfassender Weise auf allgemeine Entwicklun- gen in Sri Lanka aufmerksam und betonte, i hm drohe nach wie vor eine asylrelevante Verfolgung in Sri Lanka, dies einerseits im Rahmen einer Verhaftung unter dem PTA aufgrund der Verdächtigung der LTTE, and e- rerseits drohe ihm auch Gewalt und Tötung durch paramilitärische Gru p- pierungen auf dem extralegalen Weg. 5.5 In der Beschwerdeergänzung vom 3. April 2012 nahm der Beschwer- deführer ausführlich zum Dienstreisebericht Stellung und verwies auf die D-3927/2011 Seite 19 aktuelle Lage in Sri Lanka. Zudem ergänzte er, sein Vater sei landesweit in Sri Lanka als eine Art (Beruf) tätig. Daher sei die Familie sehr wohlh a- bend; sie besitze unter anderem ein Haus mit einem Wert von cir ca Fr. 50'000.– und ein grosses Geschäftsauto (eine Art Lastwagen). Er la u- fe Gefahr wegen des Reichtums seiner Familie – insbesondere auch i n- folge seiner Eige nschaft als ältester Sohn – entführt oder unrechtmässig verhaftet zu werden, um von seiner Familie Geld zu erpressen. Somit e r- fülle er auch das Risikoprofil gemäss BVGE 2011/24 E. 8.5. Er habe b e- reits erwähnt, dass er sich exilpolitisch engagiert habe. Er habe an sämt- lichen Demonstrationen teilgenommen, welche in den vergangenen M o- naten in X._______ und W._______ stattgefunden hätten. Weiter sei er am (…) in V._______ im (…) gewesen. Er sei bei diesen Veranstaltungen jeweils bis am Schluss geblieben und habe beim Aufräumen geholfen. Aus den Berichten und aus seinen Ausführungen zur aktuellen Lage in Sri Lanka sei zwingend zu schliessen, dass diese Aktivitäten den sri - lankischen Behörden bekannt seien und bei einer allfälligen Rückkehr Verfolgungsmassnahmen nach sich ziehen würden. Ferner habe er au f- grund grosser Ängste und depressiver Zustände einen Arzttermin. 5.6 Mit Eingabe vom 7. August 2012 machte der Beschwerdeführer da r- auf aufmerksam, dass das Oberste Gericht Grossbritannien s Ende Mai 2012 einen Rückführungsstopp für 40 abgewiesene tamilische Asyls u- chende angeordnet habe. Dies zeige, dass zahlreiche abgewiesene tami- lische Asylsuchende bei ihrer Rückkehr Opfer von Menschenrechtsverlet- zungen würden. Dem gleichzeitig eingereichten ärztlichen Bericht von C._______ vom 12. Juni 2012 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer wegen schuppender Kopfhaut, welche seit seiner Arbeit als (…) auftreten würde, und Ängsten, eine Glatze zu bekommen, in Behandlung gewesen sei. Zudem habe er aufgrund von Stress am Arbeitsplatz und Problemen mit der Famili e ein thorakales Druckgefühl und Herzklopfen vor dem Ei n- schlafen, was mit einem Muskelrelaxan habe behandelt werden können. Weitere Behandlungen und Abklärungen seien nicht vorgesehen. 5.7 In einer weiteren Beschwerdeergänzung vom 22. März 2013 verwies der Beschwerdeführer auf das Urteil des Bundesverwaltungsgericht s BVGE 2011/24, in welchem verschiedene Risikoprofile bezüglich der Flüchtlingseigenschaft von tamilischen Personen in Sri Lanka definie rt würden. Dieses Urteil basiere aber auf Berichten aus dem Jahr 2010. Zum heutigen Zeitpunkt präsentiere sich der entsprechende rechtserhe b-D-3927/2011 Seite 20 liche Sachverhalt deutlich anders . Es sei zwar festzuhalten, dass die d i- rekte militärische Konfrontation in Sri Lanka im Mai 2009 zu Ende gega n- gen sei, der Kampf der Regierung, welche um jeden Preis ein Wiedere r- starken der LTTE verhindern will, aber noch keineswegs abgeschlossen sei und s ich durch die immer neuen und zusätzlichen Massnahmen die Verfolgungsstruktur von oppositionellen Tamilen dauernd weiterentwickeln würde. Zu beachten sei zudem, dass er bei einem negativen Asylen t- scheid zur Gruppe der tamilischen abgewiesenen Asylgesuchste llern ge- hören würde, welche von einer Rückschaffung nach Sri Lanka bedroht seien und er deshalb in asylrelevanter Art und Weise bedroht wäre. Nachdem er auch heute noch als LTTE -Unterstützer gesucht werde, sei davon auszugehen, dass dies in das Information ssystem eingespeist worden sei, in welches die Behörden am Flughafen Einsicht hätten. D a- durch entstehe eine unmittelbare Gefahr, dass er Opfer von extralegaler Gewalt und Tötung werde. Neben rehabilitierten LTTE -Mitgliedern mache die sri-lankische Regierung vor allem die politischen Aktivitäten der Tami- len im Ausland für den befürchteten beginnenden neuen Aufstand der Tamilen verantwortlich, weshalb diese genauestens überwacht würden. Die Kontrollen und Verhöre von zurückgeschafften Asylgesuchstellern, insbesondere zu deren Aktivitäten im Exil, würden nun umso strenger sein. Zudem sei die Gefahr, aufgrund der generellen Verdächtigungen i n- haftiert und bei der Freilassung Opfer einer extralegalen Tötu ng zu we r- den, massiv gewachsen. 6. Die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers werden weder vom BFM noch vom Bundesverwaltungsgericht angezweifelt. Es ist somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Voraussetzungen für die Ane r- kennung als Flüchtling gemäss Art. 3 AsylG zu erfüllen vermag. 6.1 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person erns t- hafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche im Fall einer Rückkehr in den Hei matstaat befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund b e- stimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Eine Ver- folgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG kann von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerkennung der Flüchtlingse i- genschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person einer lande s- weiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil i h- res Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die Beu r-D-3927/2011 Seite 21 teilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung nach der Aktualität der Ver folgungsfurcht ebenfalls we- sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5 S. 154 f. und BVGE 2010/57 E. 2 S. 826 ff., beide mit weite- ren Hinweisen). 6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vor handen sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andere r- seits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wi s- sen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Grü n- de für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl . BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f. mit weiteren Hinweisen). 7. 7.1 Seit Mai 2009 ist gemäss weitgehend übereinstimmenden Berichten insgesamt von einer seit Beendigung des militärischen Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE erheblich verbesserten Lage in Sri Lanka auszugehen. Militärisch gelten die LTTE als vernichtet; es gibt keine Anzeichen, dass sie heute noch in der Lage wären, Angriffe auf die Sicherheitskräfte oder sonstige Attentate auszuführen. Die Sicherheitsl a- ge hat sich in bedeutsamer We ise stabilisiert, auch wenn sich das Land immer noch in einem Entwicklungsprozess befindet. Die Mensche n- rechtslage hat sich jedoch gleichzeitig namentlich hinsichtlich der Me i- nungsäusserungs- und der Pressefreiheit weiter verschlechtert. Politisch Oppositionelle jeglicher Couleur werden seitens der Regierung als Staatsfeinde betrachtet und müssen mit entsprechenden Verfolgung s- massnahmen rechnen (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.6). Aus diesem Grunde definierte das Bundesverwaltungsgericht im Grundsatzurteil BVGE D-3927/2011 Seite 22 2011/24 – im Sinne von Risikogruppen – Personenkreise, deren Zugehö- rige einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen. Zu diesen Risikogru p- pen gehören namentlich (1) Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbind ung zu stehen beziehungsweise gestanden zu sein, (2) kritisch auftretende Journalisten und Medienschaffende, (3) Menschenrechtsaktivisten und regimekritische Nichtregierungsorganisationen-Vertreter, ferner (4) Personen, die Opfer oder Zeuge schwerer Mensch enrechtsverstösse wurden oder diesbezüg- lich juristische Schritte einleiten, sowie (5) Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTT E unterstellt werden beziehungs weise die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen ( vgl. BVGE 2011/24 E. 8). Innerhalb der Risikogruppen muss im Einzelfall untersucht werden, ob die individuellen Begebenheiten eine asylrelevante Verfolgungsgefahr zu begründen vermögen. Namentlich bildet nach Auffassung des Bu n- desverwaltungsgerichts der Umstand allein, dass ein Angehöriger der ta- milischen Ethnie im Zeitraum vor dem Ende des Bürgerkriegs mit den LTTE in Kontakt kam, kein ausreichendes Kriterium für eine asylrechtlich relevante Gefährdung. Diese Einschätzung trifft auch zum heutigen Zei t- punkt zu, ist doch aufgrund der in den ehemals von den LTTE kontrollie r- ten Gebieten von dieser Organisation aufgebauten Strukturen davon aus- zugehen, dass praktisch die gesamte dortige Bevölkerung in bestimmter Weise entsprechende Kontakte aufwies. Die Wahrscheinlichkeit eines konkreten Verfolgungsrisikos setzt vielmehr ein entsprechendes besonde- res Profil der betreffenden Person voraus (vgl. beispielsweise Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1858/2012 vom 24. Januar 2013 E. 6.2). Diese Lageeinschätzung des Grundsatzurteils BVGE 201 1/24 des Bu n- desverwaltungsgerichts ist weiterhin zutreffend und wird in der jüngsten Einschätzung des UNHCR und in den weiteren vom Beschwerdeführer eingereichten Berichten betreffend die politische und menschenrechtliche Lage in Sri Lanka bestätigt, wobei im Bericht der SFH vom 15. November 2012 klar zum Ausdruck gebracht wird, es gebe keine Hinweise, dass sämtliche Rückkehrenden systematisch entführt, verhaftet oder gefoltert werden würden (vgl. UNHCR: Eligibility Guidelines for Assessing the I n- ternational Protection Needs of Asylum Seekers from Sri Lanka, 21. D e- zember 2012; AMNESTY INTERNATIONAL [AI], Report 2012, London 2012, S. 314 ff. [AI-Index: POL 10/001/2012]; dies., Sri Lanka: Locked away: Sri Lanka's security detainees, London 2012 [AI -Index: ASA 37/003/2012]; HUMAN RIGHTS WATCH, World Report 2012, New York 2012, S. 388 ff.; IN- TERNATIONAL CRISIS GROUP, Sri Lanka's North I: The Denial of Minority Rights, Crisis Group Asia Report N°219, Colombo/Brüssel 2012; SCHWEI- ZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE, Sri Lan ka: Aktuelle Situation für aus dem D-3927/2011 Seite 23 Norden oder Osten stammende TamilInnen in Colombo und für Rückke h- rerInnen nach Sri Lanka, Bern 2011; SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE, Sri Lanka: Aktuelle Situation, Bern, 15. November 2012 sowie Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2625/2011 vom 22. Januar 2013 E.5.5.3). Somit kann davon ausgegangen werden, dass auch nach Konsultation insbesondere der vom Beschwerdeführer eingereichten Quellen bezü g- lich der Einschätzung der Lage in Sri Lanka rückkehrenden Tamilen g e- mäss der nach wie vor geltenden Rechtsprechung nicht in genereller Weise unmenschliche Behandlung droht (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). 7.2 Mit der Gefährdungssituation, jedoch im Hinblick auf eine EMRK - widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europ äischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, hat sich auch der EGMR wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, A p- plication no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Auch der EGMR hält fest, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurüc k- kehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; eine entsprechen- de Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in B e- tracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich A s- pekte wie eine frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offe nen Haftbe- fehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeic h- nung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London od er von einem anderen Ort, we l- cher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von Identitätspapieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE -Mitglied (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). 8. 8.1 Der Beschwerdeführer macht geltend , verschiedenen Risikogruppen anzugehören. So werde er verdächtigt, in Verbindung zu den LTTE zu stehen, sei im Falle eines abgewiesenen Asylgesuchs ein Rückkehrer aus der Schweiz, welchem nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt würden D-3927/2011 Seite 24 und habe überdies eine Familie mit beträchtlichen finanziellen Mitteln (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.1, E. 8.4 und E. 8.5). Bei den beiden erstg e- nannten Gruppen muss eine Verbindung zu den LTTE bestehen. Somit ist die geltend gemachte Verbindung in einem ersten Schritt zu prüfen. 8.1.1 Wie das BFM richtig bemerkte, gab der Beschwerdeführer nie an, selber Mitglied oder Unterstützer der LTTE gewesen zu sein. Er habe je- doch durch die Sandtransporte und die damit verbundene Bussgeldza h- lung an d ie LTTE das Interesse der sri -lankischen Behörden geweckt. In der eintägigen Haft wurde er dann aber in erster Linie nicht nach seiner Verbindung gefragt, sonder nach einer Person aus dem selben Ort, wobei er keine Auskunft habe geben können (vgl. A9 F70 ff.). So wurde er nach kurzer Zeit wieder freigelassen und einer Meldepflicht unterstellt, die dann aber ihrerseits aufgehoben wurde. Da diese Vorfälle darüber hinaus noch vor Ende der Kriegshandlungen im Mai 2009 stattfanden, ist es heute unwahrscheinlich, dass die sri-lankischen Behörden den Beschwerdefüh- rer aufgrund der Sandtransporte oder der da mit verbundenen Bussgel d- zahlung an die LTTE – welche kaum als Finanzierung der LTTE anges e- hen werden kann und daher auch nicht in den Akten der LTTE auftauchen dürfte – der Verbindungen zu den LTTE verdächtigten, zumal die meisten Personen, welche im von den LTTE kontrollierten Gebiet gelebt haben, wohl ähnliche Kontakte und Verbindungen mit den LTTE aufweisen dürf- ten und nicht alleine aufgrund dessen, Schutz gemäs s des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) benötigen (vgl. UNHCR, a.a.O. 2012, S. 26). Aufgrund des- sen ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer kein Risikoprofil au f- weist, das ihn – im Vergleich zum Zeitpunkt seiner Ausreise – in der heu- tigen Zeit und unter den derzeit in Sri Lanka herrschenden Bedingungen als in asylrelevanter Weise gefährdet erscheinen lassen würde. Auch die auf Beschwerdeebene gemachten Ausführungen beinhalten keine ko n- kreten Indizien, die im Zeitpunkt der Ausreise oder aktuell ein Verfo l- gungsinteresse durch die sri -lankische Regierung als wahrscheinlich e r- scheinen liessen. Zudem ist nicht ersichtlich, in wiefern die Eltern im Jahr 2009 respektive 2011 nach dem Beschwerdeführer befragt wu rden. Aus den diesbezüglichen Vorbringen in der Beschwerde, welche sich im G e- gensatz zu den allgemeinen Ausführungen zur Lage in Sri Lanka auf l e- diglich einen Satz beschränken (vgl. Beschwerde S. 8), kann keine anhal- tende Verfolgung abgeleitet werden. Anzumerken ist zudem, dass das in der Beschwerde vom 11. Juli 2011 genannte Zitat bezüglich extralegaler Tötungen von paramilitärischen Gruppen offensicht lich nicht aus diesem D-3927/2011 Seite 25 Beschwerdeverfahren stammt, da das Protokoll der Befragung gemäss Aktenführung des BFM nicht das Dokument A2 sonder A1 ist. 8.1.2 Eine Verfolgung des Beschwerdeführers erscheint auch im Hinblick seiner vorgebrachten Verbindung zum Ehemann seiner Cousine und zu seinem Kollegen B._______ nicht wahrscheinlicher. Es besteht kein Grund zur Annahme, der Beschwerdeführer habe wegen des Ehemannes seiner Cousine mit Nachteilen zu rechnen. Das Vorbringen, der Ehemann der Cousine sei unter Druck gesetzt worden, Informationen über den B e- schwerdeführer p reiszugeben, sowie das Vorbringen, der Beschwerd e- führer sende seiner Cousine und ihrem Mann Geld, was die sri -lankische Armee als finanzielle Unterstützung eines ehemaligen LTTE -Mitgliedes ansehe, sind durch nichts belegte Behauptungen und vermögen das R e- sultat nicht zu ändern, da darüber hinaus keine enge Beziehung zu der Cousine geltend gemacht wird. Zur Verhaftung seines Arbeitskollegen B._______ sowie auch zur Tötung seines Freundes D._______ nach dessen Beendigung der Meldepflicht liegen keine konkrete n Angaben zu den Hintergründen (wie zum Beispiel deren Verbindung zu den LTTE) der von den Behörden gegen diese Personen getroffenen Massnahmen vor . So erscheint es auch im Hinblick auf die Freilassung des Beschwerdefüh- rers wahrscheinlich, dass B._______ aufgrund anderer Tätigkeiten als die Sandtransporte respektive die Bussgeldzahlung ins Interesse der sri - lankischen Behörden geriet. Diese Vorbringen sind demnach nicht geei g- net, eine asylrelevante Gefährdung des Beschwerdeführers zu belegen. 8.1.3 Nach dem Gesag ten sind den Asylvorbringen des Beschwerdefü h- rers keine konkreten und stichhaltigen Hinweise zu entnehmen, dieser weise eine Verbindung, respektive einen Verdacht auf eine Verbindung zu den LTTE im Sinne des BVGE 2011/24 E. 8.1 oder E. 8.4 auf, welche ihn zum heutigen Zeitpunkt und unter den derzeit in Sri Lanka herrschenden Bedingungen in seinem Heimatstaat als in asylrelevanter Weise gefährdet erscheinen lässt. 8.2 Als dritte Risikogruppe machte der Beschwerdeführer geltend, seine Familie verfüge aufgrund (des Berufes) seines Vaters ein beträchtliches Vermögen. Auf drei Fotoausdrucken des Kontos des Vaters soll ein Ve r- mögen von über einer Million Rupien (rund Fr. 7500. –) im März 2012 zei- gen. Zudem wies er darauf hin, dass seine Familie ein Haus im Wert zum Fr. 50'000.– besitze. Es ist jedoch aus Sicht des Bundesverwaltungsg e- richts offensichtlich, dass bei diese n Beträgen noch nicht von einem b e- trächtlichen (liquiden) Vermögen gesprochen werden kann. Somit ist die D-3927/2011 Seite 26 Gefahr, dass der Beschwerdeführer aufgrund de s Reichtums seiner F a- milie entführt wird, nicht gewichtig . Auch d ie eingereichten Fot os des Lastwagens vermögen nicht, ein beträchtliches Vermögen und eine d a- durch bedingte Verfolgung im Sinne von BVGE 2011/24 E. 8.5 zu aufzu- zeigen. In diesem Zusammenhang ist vor allem auch darauf hinzuweisen, dass die Familie bis anhin offenbar noch keine entsprechenden Schwi e- rigkeiten gehabt hat. 8.3 In Bezug auf sein exilpolitisches Engagement kann festgestellt we r- den, dass es sich bei den explizit genannten Demonstrationen, an wel- chen der Beschwerdeführer teilgenommen habe, um Grossdemonstratio- nen mit mehr als tausend Teilnehmenden handelt, wobei es den sri - lankischen Behörden nicht möglich gewesen sein kann, jeden Demons t- ranten zu identifizieren. Auch wenn der Beschwerdefüh rer jeweils bis am Ende geblieben sei respektive beim Verpflegungsbuffet mitgeholfen habe, verfügt er über kein Profil, welches über die blosse Teilnahme an D e- monstrationen hinausgeht, und auf entsprechende Kontakte und das Vor- liegen subjektiver Nachfluchtgründe schliessen lässt. 8.4 Seine Ausführungen versucht der Beschwerdeführer mit einer gro s- sen Zahl von Beweismitteln zu belegen, welche sich zur politischen und menschenrechtlichen Lage in Sri Lanka und deren Entwicklung im Verlauf der letzten Jahre äussern, jedoch ohne konkreten Bezug zur Person des Beschwerdeführers und dessen individuellen Asylvorbringen sind. Aus diesen Berichten geht hervor – und ist aus Sicht des Bundesverwaltungs- gerichts nicht bestritten –, dass die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka auch nach dem Ende des Bürgerkriegs im Mai 2009 noch in verschiedener Hinsicht als problematisch zu bezeichnen ist und ehemal i- ge Angehörige und Anhänger der LTTE unter bestimmten Umständen mit erheblichen Problemen und Menschenrechtsverletzunge n konfrontiert sind. Allerdings ist gestützt auf die genannten Quellen und weitere Berich- te unabhängiger Institutionen und Organisationen – und zwar auch dieje- nigen, auf welche sich der Beschwerdeführer stützt – ebenfalls festzustel- len, dass die Wahrschein lichkeit einer konkreten asylrechtlich relevanten Gefährdung zum heutigen Zeitpunkt ein entsprechendes Profil der betre f- fenden Person voraussetzt. 8.5 Zusammenfassend ist nach einer Gesamtwürdigung aller relevanter Faktoren festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine bestehende oder unmittelbar drohende asylrelevante Verfolgungsge-D-3927/2011 Seite 27 fahr nachzuweisen. Somit hat die Vorinstanz zu Recht dessen Flüch t- lingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgewiesen. 9. 9.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinweisen). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bes timmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E.10.2 S. 502). 10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der D-3927/2011 Seite 28 Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigens chaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung fi nden. Eine Rückkehr des Beschwerdefü h- rers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 10.4 Sodann ergeben sich weder aus seinen Aussagen noch aus den Ak- ten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung mit b e- achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der B e- schwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder u n- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). 10.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht nahm in BVGE 2011/24 zur Frage der Gefährdung von Pers onen aus Sri Lanka eine Lageana lyse vor. Es gebe Personenkreise, die immer noch einer erhöhten V erfolgungsgefahr ausgesetzt sein könnten. Indes ist entgegen den Ausführungen in der Be- schwerde nicht in genereller Weise davon auszugehen, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka unmenschliche Behandlung (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2, SFH, a.a.O, S. 20ff.; UNHCR, a.a.O, S. 26ff.). Auch der EGMR unterstreicht, dass nicht in genereller We ise davon auszu - gehen sei, zurückkehrenden Tam ilen drohe unmenschliche Behand lung; eine entsprechende Risiko einschätzung müsse vielmehr verschie dene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Ein zelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürch- tung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befra gung ein Interesse. 10.4.2 Eine entsprechende konkrete Gefahr, die dem Beschwerdeführer drohen könnte, ist jedoch nicht ersichtlich, auch nicht unter Berücksicht i-D-3927/2011 Seite 29 gung der jüngsten Berichte. So wurde bereits festgestellt, dass die Asy l- vorbringen des Beschwerdeführers nicht auf begründete Furcht vor ernst- haften Nachteilen im Falle der Rückkehr ins Heimatland schliessen la s- sen. Gegenteiliges vermag der Beschwerdeführer a uch nicht mit den ein- gereichten Beweismitteln, aus denen kein "real risk" abgeleitet werden kann, zu belegen. 10.5 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Weg- weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt entgegen den wenig stich halti- gen Beschw erdevorbringen ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 10.6 10.6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind, Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.; Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 10.6.2 Mit BVGE 2011/24 hat das Bundesverwaltungsgericht die in BVGE 2008/2 publizierte Wegweisungsvollzugspraxis teilweise abgeändert. Im Distrikt Jaffna – aus welchem der Beschwerdeführer stammt und wo auch seine Familie lebt – hat sich die Sicherheits - und Versorgungslage seit dem Kriegsende deutlich verbessert. Die Militärpräsenz hat abgeno m- men, ist aber nach wie vor auf praktisch jeder Strasse sichtbar. Gleichzei- tig haben die Polizei - und Zivilbehörden ihre Funktionen und Tätigkeiten wieder aufgenommen, so dass keine Situation a llgemeiner Gewalt mehr herrscht. Die politische Lage ist ebenfalls nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr in dieses Gebiet als generell unzumutbar eingestuft werden muss. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen B e- reich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvoll- zug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurteilung der i n- dividuellen Zumutbarkeitskriterien auf, bei der auch das zeitliche Element (Ausreise vor oder nach dem Ende des Bürgerkrieges im Mai 2009) ge- bührend zu berücksichtigen ist (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). D-3927/2011 Seite 30 10.6.3 Der Beschwerdeführer stammt gemäss eigenen Angaben aus Z._______ (Distrikt Jaffna), wo er auch grösstenteils lebte. Gemäss sei- nen Angaben leben in Z._______ seine Eltern, zwei Brüder sowie seine Grossmutter (vgl. A9 F12). Somit ist anzunehmen, dass er dort über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz sowie über eine gesicherte Woh n- situation verfügt und er sich trotz der längeren Abwesenheit wieder wird integrieren können. Er besuchte zudem 13 Jahre lang die Schule und ver- fügt über einen Advanced-Level-Abschluss (vgl. A1 S. 2; A9 F24). Sodann bestätigt der eingereichte Arztbericht vom 12. Juni 2012 lediglich die e r- folgreiche Behandlung von Schuppen und eines thorakalen Druckgefühls. Somit ist aus den Akten nichts anderes zu entnehmen, als es sich beim Beschwerdefürer um einen grundsätzlich gesunden jungen Mann handelt, bei welchem der Vollzug der Wegweisung sich auch nicht als aus g e- sundheitlichen Gründen als unzumutbar erweist. 10.7 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 10.8 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zustä n- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückke hr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 12. 12.1 Die Kosten des Verfahrens sind grundsätzlich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und ange- sichts des ausserordentlichen Aufwandes angemessen zu erhöhen (vgl. Art. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, D-3927/2011 Seite 31 SR 173.320.2]). Indessen stellte das BFM die im erstinstanzlichen Verfah- ren eingereichten Beweismittel nicht zu und verletzte damit das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers in Bezug auf das Recht auf Einsicht in die Verfahrensakten, welches erst im Rahmen des Instruktionsverfahrens mit der Stellungnahme des Beschwerdeführers gewahrt wurde. Insofern wu r- de in der Beschwerde zu Recht ein Verfahrensmangel gerügt, dieser j e- doch durch die Rechtsmittelinstanz geheilt (vgl. E. 3.3 .1 ff. vorstehend). Es erscheint somit gerechtfertigt, die Verfahrenskosten in Anwendung von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu ermässigen (vgl. dazu ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht, Basel 2008, S. 212, Rz. 4.60). Eine Reduktion der Verfa h- renskosten auf Fr. 600.– erscheint angemessen. Der Betrag wird mit dem bereits einbezahlten Kostenvorschuss Fr. 600 .– in gleicher Höhe ver- rechnet. 12.2 Angesichts des soeben Gesagten ist dem Beschwerdeführer schliesslich trotz des Umstandes, wonach er im vorliegenden Beschwe r- deverfahren mit seinen Rechtsbegehren letztlich nicht durchgedrungen ist, eine angemessene (reduzie rte) Parteientschädigung für die ihm aus der Beschwerdeführung im Rahmen des festgestellten Verfahrensma n- gels erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen. In der eingereic h- ten Kostennote vom 8. August 2012 macht der Rechtsvertreter unter Hinweis auf seine Mehrwertsteuerpflicht insgesamt einen Arbeitsaufwand von 28.75 Stunden (à Fr. 240. –) und Auslagen von Fr. 128.70 geltend. Vorliegend ist eine Parteientschädigung jedoch nur für diejenigen Au f- wendungen zu gewähren, die auf die Verletzung des rechtlichen Geh örs durch die Vorinstanz zurückzuführen sind. Dementsprechend und in B e- rücksichtigung der in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 8- 13 VGKE) ist die Parteie ntschädigung auf insgesamt Fr. 300.– (inkl. Aus- lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-3927/2011 Seite 32 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt und mit dem am 2. August 2011 geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.– verrechnet. 3. Das BFM hat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bun - desverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 300.– zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Anne Kneer Versand: