TPF 2005 199 199 TPF 2005199 51.AuszugausdemEntscheiddesPr äsidentenderBeschwerdekammerin SachenBundesanwaltschaftgegenA.undunbekannte Täterschaftvom 21. November 2005 (TK.2005.151) Telefonüberwachung; Absehen von Mitteilung bzw. Aufschub der Mitteilung. Art. 10 Abs. 3 lit. a BÜPF DasAbsehenvoneinerMitteilungder TelefonüberwachungandenBetroffenen istnurausnahmsweisez ulässig; stattdessenkanneinAufschubz ulässigsein, beispielsweise biszum Ab schluss eines ausländischen Ermittlungsverfahrens. Surveillance téléphonique; renonciation à la communication, respectivement report de celle-ci. Art. 10 al. 3 let. a LSCPT Larenonciation à unecommunicationdelasurveillance téléphoniqueà laper- sonne visée n'estadmissible qu'à titreexceptionnel;enlieuetplace,unreport peut être admissible,p.ex. jusqu'à la clôture d'une procédured'enquêteétran- gère. Sorveglianza telefonica; rinuncia alla comunicazione risp. differimento della comunicazione. Art. 10 cpv. 3 lett. a LSCPT Larinunciaallacomunicazionedellasorveglianzatelefonicaa ll’interessatoè ammissibilesoloincasieccezionali; può inveceessereammissibileundifferi- mento, ad esempio fino alla conclusione di una procedura investigativa estera. Zusammenfassung des Sachverhalts: ImVorfeldderdefinitivenEinstellungeinesErmittlungsverfahrensersuchte dieBundesanwaltschaft bezüglichzahlreicherTelef onüberwachungenum Zustimmung zumAbsehen von einer Mitteilungan die Betroffenen.TPF 2005 199 200 DerPr äsidentderBeschwerdekammerverweigertediesebzw.erteilteseine Zustimmung zu einemAufschub der Mitteilungbis 31. Dezember 2006. Aus den Erwägungen: (… ) ImvorliegendenErsuchenmachtdieBundesanwaltschaftneugeltend,die ErmittlungenseienabgeschlossenunddasgerichtspolizeilicheErmittlungs- verfahrengegenA.sowiegegenunbekannte Täterschaftwerdedefinitiv eingestellt.( … )NachdemdieBundesanwaltschaftdasErmittlungsverfahren gegenA.undunbekannte Täterschaftnunmehrdefinitiveinstellenwill,ist siezurMitteilungder ÜberwachungenandiebetroffenenPersonenver- pflichtet.AufdasErsuchenumAbsehenvonMitteilungenistdemnach grundsätzlich einzutreten. DasStrafverfahren,indessenRahmendievorliegendinFragestehenden Überwachungsmassnahmenangeordnetundgenehmigtwordensind,richtet sicheinerseitsgegenA.sowieandererseitsgegenunbekannteT äterschaft. A.wirdver dächtigt,einerderDrahtzieherdesMordesvom12. März2003 amdamaligenserbischenMinisterpr äsidentenZoranDjindjicgewesenso- wieeinerderAnf ührerdesserbischenUntergrundclansB.zusein.Erstellte sicham2.Mai2004inBelgradderPolizei,istseitherinhaftiertundstehtin SerbienunterAnklage.NachAuffassungderBundesanwaltschaft würden beieinerMitteilungder ÜberwachungendieentsprechendenKenntnisse vondenBetroffenenumgehenduntereinanderausgetauschtwerden.Da- durch würdendieimweiterenUmfeldinverschiedenenanderen(kantona- lenund ausländischen)VerfahrenimGangebefindlichenErmittlungen gegendiesogewarntenPersonenimKreisedesB.-Clanstorpediertund ErfolgemitBezugaufdieAufdeckungderkriminellenOrganisationsstruk- turstarkgef ährdetbzw.verunm öglicht.DieGeheimhaltungder Überwa- chungmassnahmenliegeoffensichtlichim überwiegenden öffentlichen InteresseimSinnevonArt.10Abs.3lit.a BÜPF. DieEinstellungdesEr- mittlungsverfahrensgegenA.undunbekannteT äterschaftdurchdieBun- desanwaltschafthat – obwohldiesnurimplizitausdemErsuchenhervor- geht – grundsätzlichzurFolge,dassdieausder Überwachunggewonnenen ErkenntnissenichtzuBeweiszweckenverwendetwerden(H ANSJAKOB, BÜPF/VÜPF,KommentarzumBundesgesetzundzurVerordnung überdie ÜberwachungdesPost-undFernmeldeverkehrs,St.Gallen2002,S.233TPF 2005 199 201 Ziff.28).Diestrifftjedenfallszu,solangedieErkenntnissenichtimRah- menvonAbtretungsverf ügungen anandere Behördenweitergegebenwer- den(H ANSJAKOB,a.a.O.,S.227Ziff.13).DamitistdieGrundvorausset- zungf üreinenMitteilungsverzichtbzw.-aufschubansicherf üllt. MitBlick aufdasangerufene überwiegende öffentlicheInteresselegtdieBundesan- waltschaftindesnichtkonkretdar,welcheErmittlungenanderer Behörden beieinerMitteilungder Überwachungengef ährdet würden.Sieweistin diesemZusammenhanglediglichaufErmittlungsverfahrenin Österreich undDeutschlandhin,inwelchenC.alsKontaktpersoneinerHauptzielper- sonfiguriere,welcheinVerbindungmitdemB.-Clanstehensolle.Die ErmittlungenderBundesanwaltschaftselbstergaben,dassC.einenintensi- venKontaktzuMitgliederndesB.-Clans,speziellzuD.,unter hält;Beweise füreinendirektenKontaktzuA.konntendurchdie Überwachungsmass- nahmenjedochnichterbrachtwerden.Nachdemdie ÜberwachungenPer- sonenimnahenUmfeldvonA.betrafenundhinreichendeAnhaltspunkte dafürbestehen,dassdiesePersonenKontaktemitMitgliederndesB.-Clans pflegen, würdeeinesofortigeMitteilungoffensichtlichdieimGangebe- findlichenErmittlungenanderer Behördengef ährden,dennesmussbei dieserSachlagevoneinerWeiterleitungdererhaltenenInformationenandie MitgliederdesB.-Clansausgegangenwerden.NachAbschlussdieserEr- mittlungenisteineGef ährdungderBek ämpfungdesorganisiertenVerbre- chens-soweitMitgliederdesB.-ClansinFragestehen-nicht längergege- ben.DaherkannnichteinVerzicht,welchernachdemWillendesGesetz- gebersdieabsoluteAusnahmedarstellenmuss(H ANSJAKOB,a.a.O.,S.233 Ziff.30),sondernblosseinAufschubderMitteilungeninFragekommen (vgl. HANSJAKOB,a.a.O.,S.235Ziff.35).DieserAufschubistinzeitlicher HinsichtmitdemAbschlussdergenanntenUntersuchungender österreichi- schenunddeutschenStrafuntersuch ungsbehördenzukoordinieren;konkrete Ermittlungenanderer Behördenwurdennichtnamhaftgemacht.ImSinne einerKontrolleistderAufschubzudemmiteinerFristzuversehen(H ANS- JAKOB,a.a.O., S. 233 Ziff. 30).( … )