Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. August 2017 (720 17 141 / 201) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht sind nicht die Diagnosen und deren Anzahl entscheidend, sondern die Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Daniel Riner , Adv o- kat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1964 geborene A.____ war zuletzt vom 22. Mai 2013 bis 31. Dezember 2015 bei der B.____AG als Raumpflegerin angestellt. Am 9. März 2 016 meldete sie sich bei der Invaliden- versicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem di e IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte sie einen IV-Grad Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 0%. Gestützt auf dieses Ergebnis wies sie einen Anspruch von A.____ auf eine Rente nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 28. März 2017 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat D r. Daniel Riner, am 11. Mai 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicher ungsgericht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es seien ihr die gesetzlichen Leistungen aus der Invalidenversicherung zuzuspre- chen und es seien weitere medizinische Abklärungen durchz uführen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilli gung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokat Dr. Riner als Rechtsvertreter. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 16. Mai 2017 wurde der Beschwerd eführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- kat Dr. Riner als Rechtsvertreter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 30. Mai 2017 schloss die IV -Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 11. Mai 2017 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Be schwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 28. März 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindes- tens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Den Berichten und Gut- achten versicherungsinterner Fachpersonen hingegen kommt nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung ei nes externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind er gänzende Abklärungen vorzuneh- men (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urte il des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des damaligen Eidge- nössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärung en zu nehmen, wenn die behan- delnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen . Vorbehalten bleiben Fälle, in de- nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspri ngende – Aspekte benennen, die im Rah- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht men der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt gebl ieben sind (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im W esentlichen die folgenden medizini- schen Unterlagen zu berücksichtigen: 7.1 Der behandelnde Arzt Dr. med. C.____, FMH Allgem eine Innere Medizin, diagnostizierte am 20. April 2016 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit einen Verdacht auf eine seronegative HLA-B27-positive Oligoarthritis. Die Versicherte habe sei t Anfang August 2015 starke Schmer- zen im rechten Vorderarm mit Schwellung des Handrückens un d des rechten Handgelenks. Zudem bestünden wandernde Schmerzen über die Lenden- und Brustwirbelsäule (LWS, BWS) und beide Iliosakralgelenke (ISG). Die Rheumaserologi e und die Borrelientests würden initial einen hohen Verdacht auf eine Lyme-Arthritis als Ursache zeigen. Auf die antibiotische Behand- lung mit Doxyclin habe die Versicherte aber nur unwesentlich reagiert. Auch die Behandlung mit Steroiden und die wiederholte Applikation von Metoject hätten zu keiner Besserung geführt. Die Resultate der bei Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, veran- lassten Zusatzuntersuchungen würden noch ausstehen. Nach langer Schmerzphase ohne Bes- serung sei sicher auch eine gewisse emotionale Überlage rung der Schmerzproblematik denk- bar. Die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin sei der Versicherten nicht mehr zumutbar. 7.2 Am 17. Mai 2016 diagnostizierte Dr. D.____ mit Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit ei- nen Verdacht auf eine seronegative, ananegative HLA-B 27-positive Oligoarthritis. Ohne Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Hyperpa rathyreoidismus mit Hyperkalzämie und Vitamin D-Mangel sowie ein lumbo- und zervicovertebral es Schmerzsyndrom. Die Versicherte stehe hinsichtlich einer spezifisch entzündlichen rheumatol ogischen Grunderkrankung und ent- sprechender Therapie weiterhin in Abklärung. Bis zur siche ren Diagnose durch das Universi- tätsspital E.____ sei keine definitive Beurteilung d er Arbeitsfähigkeit möglich. Derzeit bestünde aber für mittelschwere und schwere wirbelsäulenbelasten de Tätigkeiten eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit. Eine Wiederaufnahme der berufliche n Tätigkeit sei wahrscheinlich möglich. Aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen sei aus rheumatologischer Sicht davon auszugehen, dass für angepasste Verweistätigkeiten langfr istig kaum eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestünde. 7.3 Im Bericht des Universitätsspitals E.____ vom 5. Augu st 2016 wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine undifferenzierte, diff erentialdiagnostisch reaktive Oligoarthritis der rechten Hand, ein Verdacht auf einen primären, differ entialdiagnostisch tertiären Hyperparathy- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht reoidismus und ein chronisches lumbovertebrales Syndrom di agnostiziert. Anamnestisch wür- den Polyarthralgien beschrieben, klinisch würde sich nach Absetzen der Steroidtherapie eine asymmetrische Oligoarthritis der rechten Hand finden, jed och nur milder Ausprägung und ohne systemische Entzündungszeichen. Differentialdiagnostisch komme eine reaktive Oligoarthritis in Frage. Eine diagnostische Gelenkspunktion sei anzustreben. Die asymmetrische Verteilung, das subjektiv fehlende Ansprechen auf das Medikament Prednison, die intraartikuläre Steroidin- filtration und Methotrexat würden eher gegen ein en tzündliches Geschehen, insbesondere eine rheumatologische Arthritis sprechen. Anamnestische und kl inische Hinweise für eine Psoriasis- arthritis oder eine enteropathisch-assoziierte Arthriti s würden sich nicht finden. Ein Post-Lyme- Syndrom sei denkbar, aber eher unwahrscheinlich. Als Ursa che der Polyarthralgien, insbeson- dere der linken Hand komme bei Hyperkalzämie different ialdiagnostisch ein Hyperparathyreoi- dismus in Frage. Eine endokrinologische Beurteilung sei geplant. 7.4 Im Bericht vom 7./9. September 2016 diagnostizierte Dr. med. F.____, Assistenzärztin Universitätsspital E.____, mit Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit eine undifferenzierte differen- tialdiagnostisch reaktive Oligoarthritis der rechten Hand. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit bestünden ein Verdacht auf Hyperparathyreoidismus und ein chronisches lumbovertebrales Syndrom. Bei aktuell gering bis mässig ausgeprägter Synovi alitis seien der Versicherten mittel- schwere bis schwere manuelle Tätigkeiten mit der rechte n Hand nicht zumutbar. Für leichte manuelle Tätigkeiten bestünde wegen vermehrten Pausenbedarfs zur Regeneration der rechten Hand eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20%. M it einer Wiederaufnahme der berufli- chen Tätigkeit bzw. Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne gerechnet werden. Ab welchem Zeit- punkt und in welchem Umfang sei aber noch unklar. 7.5 Am 30. November 2016 hielt Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, fest, dass die subjektiven Beschwerden der Versicherten mit keine m klassisch rheumatologisch- entzündlichen Krankheitsbild hätten erklärt werden kön nen. Manifeste und massgebliche dege- nerative Veränderungen seien offensichtlich nicht ausge wiesen. Zuletzt sei eine undifferenzier- te, wahrscheinlich reaktive, jedoch ausdrücklich nur sehr ger ing ausgeprägte Oligoarhtritis der rechten Hand festgestellt worden. Damit liesse sich für a ngepasste Verweistätigkeiten keine massgebliche Limitierung der Arbeitsfähigkeit begründen. Die zuletzt attestierte Arbeitsunfähig- keit von 20% diene ausdrücklich zur Erholung der rechten Hand und sei versicherungsmedizi- nisch als vorübergehend einzustufen. Spätestens ab dem 18. Mai 2016 sei der Versicherten eine angepasste Tätigkeit unlimitiert zumutbar. 7.6 Auf Anfrage des Rechtsvertreters der Beschwerdeführe rin hielt Dr. D.____ am 28. April 2017 fest, dass ihm die Versicherte im Januar 2016 zugew iesen worden sei und er sie bei Ver- dacht auf eine entzündliche rheumatologische Grunderkr ankung für eine Zweitmeinung in das Universitätsspital überwiesen habe. Eine sichere Diagnose bzw. Klassifizierung einer entzünd- lich rheumatologischen Grundkrankheit sei damals nicht mö glich gewesen. Eine Lyme- Borreliose erscheine eher unwahrscheinlich und das Vorlie gen einer Erbkrankheit sei zu ver- neinen. Weitere Angaben zum Verlauf seien ihm nicht möglich, da er die Versicherte zuletzt am Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Februar 2016 gesehen habe. Die Resultate der dam als diskutierten Hypercalcämie und der endokrinologischen Abklärung seien ihm nicht bekannt. 7.7 Am 23. Mai 2017 hielt der RAD-Arzt Dr. G.____ fe st, dass keine konkreten und keine neuen spezialärztlichen Befunde vorliegen würden, welch e die kolportierten Beschwerden der Versicherten belegen würden. Festgestellt worden sei eine unspezifische Oligoarthritis begrenzt auf die rechte Hand. Ein darüber hinaus gehender Gelenkbefall sei nicht belegt. Nach der Beur- teilung von Dr. D.____ seien keine konkreten Hinweise fü r das Vorliegen einer Erbkrankheit vorhanden und eine Lyme-Borreliose sei nach initialem Verdacht als unwahrscheinlich einzustu- fen. Weitere Abklärungen seien nicht erforderlich. 8.1 Die IV-Stelle ging gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen und insbe- sondere gestützt auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. G.____ vom 30. November 2016 da- von aus, dass die Versicherte im massgebenden Zeitraum in e iner angepassten Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufweise. Wie in Erwägung 5.2 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver lässige Beurteilung des streitigen Rechtanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist , in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet und seine Schlussfolgerungen begründet sind. Rechtsprechungs- gemäss sind an versicherungsinterne Beurteilungen, wie de m vorliegenden Bericht des RAD- Arztes Dr. G.____, strenge Anforderungen zu stellen un d bereits bei geringen Zweifeln an de- ren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit ergänzende Abklärung en vorzunehmen (Urteil des Bun- desgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2; vgl. E. 5.3 hiervor). Solche Zweifel liegen indessen nicht vor. Dr. G.____ zeigte nachvollziehbar auf, dass bei der Versicherten aufgrund der bisher durchgeführten fachärztlichen Abklärungen wede r ein klassisch rheumatologisch- entzündlichen Krankheitsbild noch massgebliche degenerativ e Veränderungen ausgewiesen sei. Mit Blick auf die vorhandenen medizinischen Unterlag en, insbesondere dem Bericht von Dr. F.____ vom 7./9. September 2016, ist auch seine Be urteilung, wonach die erhobenen Be- funde keine massgebliche Limitierung der Leistungsfähig keit in einer körperlich angepassten Tätigkeit zu bewirken vermögen, nachvollziehbar. Insgesamt ist die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. G.____ sowohl in der Darlegung der medizinischen Zu sammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend, weshalb die IV-Stelle bei der Beurtei- lung der medizinischen Sachlage darauf abstellen durfte. 8.2 Die von der Beschwerdeführerin geäusserte Kritik an der Beurteilung des RAD-Arztes Dr. G.____ ist nicht geeignet, deren ausschlaggebenden B eweiswert in Frage zu stellen. Wenn sie geltend macht, die bisher durchgeführten medizinisch en Abklärungen liessen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf schliessen, dass si e nicht unter einer Krankheit mit invalidisierenden Folgen leide, ist ihr entgegenzuhalt en, dass aus invalidenversicherungsrecht- licher Sicht nicht die Diagnosen und deren Anzahl entsch eidend sind, sondern die Auswirkun- gen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Ar beitsfähigkeit (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 mit Hinweis auf BGE 127 V 294, Urteil des Bundesgeri chts vom 3. Dezember 2014, 9C_526/2014, E. 5.1). Auch wenn die Beschwerden der Versicherten diagnostisch nicht eindeu- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tig zuordenbar sind resp. nicht abschliessend geklärt ist, ob allenfalls eine Lyme-Borreliose oder eine Erbkrankheit Ursache der geklagten Beschwerden sein k önnte, wird aufgrund der vorlie- genden medizinischen Unterlagen dennoch deutlich, dass di e erhobenen Befunde keine mass- gebliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit in einer körperlich angepassten Tätigkeit bewir- ken. Eine anderslautende Zumutbarkeitsbeurteilung oder Hinweise für eine zwischenzeitliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes bzw. der Arbeitsf ähigkeit liegen nicht vor. Vor diesem Hintergrund durfte die Vorinstanz in antizipier ter Beweiswürdigung (BGE 137 V 64 E. 5.2; 136 I 229 E. 5.3) – ohne gegen den Untersuchu ngsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) zu verstossen – auf weitere medizinische Abklärungen verzichten und das Leistungsbegehren ab- weisen. 8.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass aufgrund der massgeben den Beurteilung des RAD- Arztes Dr. G.____ vom 30. November 2016 davon auszugehen i st, dass die Beschwerdeführe- rin invalidenversicherungsrechtlich keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufweist. Ein Einkommensvergleich erübrigt sich bei diesem Ergebni s. Selbst wenn eine dauerhafte Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% bestünde, ist da von auszugehen, dass die Beschwer- deführerin ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen e rzielen könnte. Die angefochtene Verfügung, mit welcher der Anspruch der Beschwerdeführ erin auf eine Rente verneint wurde, ist demnach nicht zu beanstanden und die Beschwerde deshalb abzuweisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Da ihr mit Verfügung vom 16. Mai 2017 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde , gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin ebenfalls mit Verfügung vom 16. Mai 2017 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter der B eschwerdeführerin hat in seiner Kostennote vom 7. Juni 2017 für das vorliegende Verfah ren einen Zeitaufwand von 8 Stunden und Auslagen von Fr. 125.30 geltend gemacht, was ange sichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Gemäss § 3 Abs. 2 de r Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Dem Rechtsvertreter ist de shalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘863.30 (8 Stunden à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 125.30 zuzüglich Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 9.4 Zu entscheiden bleibt noch über die Kosten des von d er Beschwerdeführerin bei Dr. D.____ eingeholten Berichts vom 28. April 2017 in der Höhe von Fr. 100.--. Der verfas- sungsmässige Anspruch auf unentgeltliche Prozessführung um fasst neben den ordentlichen Kosten in erster Linie das Anwaltshonorar und darüber hinaus die Auslagen im Sinne der §§ 15 und 16 der Tarifordnung. Ein Anspruch auf die Erstat tung weiterer Auslagen findet indes keine gesetzliche Grundlage. Zwar sind nach der Rechtsprechung unter dem Titel der Parteientschä- digung auch die Kosten privat eingeholter Gutachten zu vergüten, soweit die Parteiexpertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (BGE 115 V 63 E. 5 c; Urteil des Bundesgerichts vom 24. April 2007, I 1008/06, E. 3.1 mit weiteren Hinw eisen). Dieser Grundsatz ist für das Verwal- tungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1 ATSG festge halten (U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 45 Rz. 17). Vorliegend kommt nun aller- dings dem Bericht von Dr. D.____ vom 28. April 2017 im Hinblick auf den Prozessausgang kei- ne entscheidrelevante Bedeutung zu. Vielmehr hat die I V-Stelle – wie oben ausgeführt (vgl. E. 8.1 hiervor) – bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts zu Recht vollumfänglich auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. G.____ vom 30. November 2016 abgestellt. Somit sind die Voraussetzungen für eine Vergütung der Kosten des pr ivat eingeholten Berichts von Dr. D.____ nicht gegeben, weshalb die entsprechenden Kosten weder der IV-Stelle überbun- den, mangels entsprechender gesetzlicher Grundlage abe r auch nicht unter dem Titel der un- entgeltlichen Verbeiständung erstattet werden können. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1‘863.30 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. 4. Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Vergütung der Kosten für den Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bericht von Dr. med. Christoph D.____ vom 28. April 20 17 in der Höhe von Fr. 100.-- wird abgewiesen. http://www.bl.ch/kantonsgericht