Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. November 2013 (720 11 433 / 273) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-rechtliche Relevanz einer Alkoholabhängigkeit; Würdigung des medizinischen Sachverhaltes (Gerichtsgutachten); eine abschliessende Klärung des medizinischen Sachverhaltes setzt vorlie- gend das Erreichen einer Alkoholabstinenz voraus Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Michael Guex, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch E duard Schoch, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 28, 4143 Dornach 1 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1951 geborene, früher als Buchhalter tätig ge wesene A.____ meldete sich am 8. Juli 2010 unter Hinweis auf “Depressionen“ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem sie die gesundh eitlichen und die erwerblichen Verhältnisse des Versicherten abgeklärt hatte, lehnte di e IV-Stelle Basel-Landschaft - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vo m 1. November 2011 einen Anspruch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von A.____ auf eine IV-Rente ab. Zur Begründung hiel t sie fest, dass der Invaliditätsgrad unter 40 % liege. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Eduard Schoch, am 3. Dezember 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), wobei er beantragte, es sei die Verfügu ng vom 1. November 2011 aufzuheben. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter zu gewähren; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2011 bewilligte da s Gericht dem Beschwerdeführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorl iegende Beschwerdeverfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Eduard Schoch als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 28. Dezember 2011 bean tragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 2. Februar 2012 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der An gelegenheit gestützt auf die medizini- sche Aktenlage nicht möglich sei. Die vorhandenen fachä rztlichen Gutachten und Berichte wür- den in relevanten Punkten wie der Diagnosestellung und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu stark voneinander abweichen. Das Kantonsg ericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und ein fachärztliches Gerichtsgutachten zum psychischen Gesundheitszu- stand und zu dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers anzuord- nen. Gleichzeitig gab das Kantonsgericht den Parteie n Gelegenheit, sich auf eine gemeinsame Gutachterperson zu einigen. Aufgrund der Mitteilung der Parteien, dass ein solcher gemeinsamer Gutachtervorschlag nicht zu Stande gekommen sei, bestimmte das Kantonsgericht m it Verfügung vom 11. Juni 2012 Dr. med. Dipl.-Psych. B.____, Psychiatrie und Psychotherap ie, zum Gerichtsgutachter. Gleich- zeitig unterbreitete es den Parteien den vorgesehenen Fragenkatalog. Nachdem die Parteien keine Ausstandsgründe gegen die Person des vorgeschlagenen Gerichtsgutachters erhoben hatten und die IV-Stelle am 4. Juli 2012 von der Mög lichkeit, Zusatzfragen zu stellen, Gebrauch gemacht hatte, erging der entsprechende Auftrag am 23. Juli 2012 an Dr. B.____. F. Am 16. Mai 2013 erstattete Dr. B.____ das in Auftr ag gegebene psychiatrische Ge- richtsgutachten. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutach- tens und zur Frage zu äussern, wie sich die Ergebnisse der aktuellen medizinischen Begutach- tung auf einen allfälligen Leistungsanspruch des Versicher ten auswirken würden. Während der Beschwerdeführer am 21. Juni 2013 mitteilte, dass er au f Anmerkungen zum Gutachten ver- zichte, machte die IV-Stelle am 3. Juli 2013 von der Mög lichkeit zur Stellungnahme Gebrauch, wobei sie ihrer Eingabe eine Beurteilung des RAD-Arztes pract. med. C.____, Facharzt für Psy- chiatrie und Psychotherapie, vom 1. Juli 2013 beilegte. Am 27. Juli 2013 äusserte sich der Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer zu diesem Schreiben der IV-Stelle vom 3. Juli 2013 und zu den Ausführungen des RAD-Arztes pract. med. C.____ vom 1. Juli 2013. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 3. Dezember 2011 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abt eilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experti n oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Au fgabe es ist, seine Fachkenntnis- se der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ein en bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, we nn die Gerichtsexpertise wider- sprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Ober gutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurt eilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fach experten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Ober- expertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende S chlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszu standes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten als erstes einen Bericht bei Dr. med. D._ ___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein. Dieser führte in seinem Schreiben vom 23. Au gust 2010 aus, der Versicherte stehe seit Ende April 2009 wegen einer schweren rezidivierende n Depression (ICD-10 F33.11) mit sekundärem schädlichem Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10. 1) auf dem Boden einer narziss- tisch-impulsiven Persönlichkeitsstruktur (-störung?) in seine r psychiatrisch-psycho- therapeutischen Behandlung. Um wieder Fuss im beruflich en Umfeld fassen zu können, bedür- fe der Versicherte eines ihn stark strukturierenden Rahm ens, in welchem er mehr zur Ruhe fin- den, wieder zu Kräften kommen und neue, reale Berufsp erspektiven für sich erarbeiten könne. Im Weiteren gab die IV-Stelle eine psychiatrische Begu tachtung des Versicherten bei Dr. med. E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in Auftrag. In seinem Gutachten, welches er am 15. Dezember 2010 erstattete, hielt der Facharzt als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2) und als solche ohne Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenw ärtig remittiert (ICD-10 F33.4), fest. In seiner Beurteilung führte Dr. E.____ aus, der Explora nd konsumiere seit Jahren regelmässig hohe Mengen an Alkohol. Er habe nie an einer schwere n psychiatrischen Störung gelitten, zu deren Behandlung er Alkohol eingesetzt hätte. Es handl e sich somit um eine primäre Alkohol- abhängigkeit. Für eine kontinuierliche Arbeitsleistung d es Versicherten sei es notwendig, dass dieser auf den Konsum von Alkohol verzichte. Bei einem so lchen Verzicht wäre seine Arbeits- fähigkeit weder in der bisherigen noch in einer ande ren, seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden Tätigkeit eingeschränkt. Seit 1998 sei d er Explorand nur von Mitte 2001 bis 2003 einer geregelten beruflichen Tätigkeit nachgega ngen. Das langjährige Fernbleiben vom Arbeitsplatz hänge aber von den sozialen Umständen ab un d auch von der Schwierigkeit, in seinem Alter eine Arbeitsstelle zu finden. Es bestünden keine Hinweise darauf, dass der Explo- rand während längerer Zeit an einer mittelgradigen oder schweren depressiven Störung gelitten habe. Im Zeitpunkt der Untersuchung seien keine Sympto me einer depressiven Störung vor- handen gewesen. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 1. November 2011 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vollumfän glich auf das psychiatrische Gut- achten von Dr. E.____ vom 15. Dezember 2010. Sie gin g demzufolge davon aus, dass dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht die Ausübung der angestammten und einer alterna- tiven, seinen Fähigkeiten entsprechenden Tätigkeit i m Umfang von 100 % zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.4 hiervor), ist den im Rahm en des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen. Anlässlich der ersten in dieser Angel egenheit erfolgten Urteilsberatung vom 2. Februar 2012 gelangte das Kantonsgericht nun all erdings zur Auffassung, dass in Bezug auf das Gutachten von Dr. E.____ vom 15. Dezember 2010 sol che Indizien vorliegen würden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Letztlich gelinge es dem Gutachter nicht, schlüssig und überzeugend aufzuzeigen, weshalb in Bezug auf die Diagnosestellung und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf seine und nicht auf die stark divergierende Beurteilung des behandelnden Psychiaters abzustel- len sei, und weshalb es sich bei der Alkoholabhängigke it des Versicherten um eine primäre Al- koholabhängigkeit und nicht - wie vom behandelnden Psychi ater geltend gemacht - um einen sekundären schädlichen Gebrauch von Alkohol handle. Entge gen der von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 1. November 2011 vertretene n Auffassung komme dem psychi- atrischen Gutachten von Dr. E.____ demnach keine ausschl aggebende Beweiskraft zu. Da die übrigen damals vorliegenden medizinischen Berichte ebenf alls keine ausreichende Grundlage für eine abschliessende Beurteilung der Beschwerde bildeten, beschloss das Gericht anlässlich der Urteilsberatung vom 2. Februar 2012, den Fall auszu stellen und die erforderliche zusätzli- che Abklärung des medizinischen Sachverhaltes im Rahmen ei nes psychiatrischen Gerichts- gutachtens vornehmen zu lassen, mit dessen Erstellung in de r Folge Dr. B.____ beauftragt wurde. 6.1 Im Rahmen seiner Begutachtung hat Dr. B.____ den Versicherten zweimal ambulant psychiatrisch exploriert. Gestützt auf seine Untersuchungen hält Dr. B.____ in seinem Gerichts- gutachten vom 16. Mai 2013 folgende Diagnosen mit Ausw irkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1) eine Alkoholabhängigkeit, derzeitig ständiger Subst anzgebrauch (ICD-10 F10.25); DD alko- holbedingte Wesensänderung (ICD-10 F10.71/F10.74) so wie (2) eine rezidivierend depressive Störung, zum Untersuchungszeitpunkt leichtgradig ausgepr ägte depressive Episode (ICD-10 F32.00), vor dem Hintergrund akzentuierter narzisstisch-im pulsiver Persönlichkeitsanteile (ICD- 10 Z73.1). In seiner Beurteilung führt Dr. B.____ i m Zusammenhang mit der Diagnosestellung aus, anlässlich der Begutachtung hätten beim Explorande n die Hauptsymptome einer Depres- sion nach ICD-10, nämlich eine depressive Verstimmung, ei ne leichte Freudminderung, eine Interessenminderung sowie eine leichte Antriebsstörung mit vermehrter Ermüdbarkeit vorgele- gen. Als sogenannte Zusatzsymptome seien eine verminderte Konzentration und Aufmerksam- keit, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Insuffizienzge fühle sowie negative und pessimistische Zukunftsperspektiven und Schlafstörungen feststellbar gewesen. Hinsichtlich des Vorliegens einer Alkoholabhängigkeitserkrankung seien sich alle inv olvierten Fachärzte einig. Sowohl Dr. D.____ als auch Dr. E.____ würden die betreffend e Erkrankung bestätigen. Auch er sei der Auffassung, dass die Kriterien einer Alkoholabhängigkeitserkrankung - nämlich ein starkes Ver- langen nach Substanzkonsum, eine verminderte Fähigkeit zur Kontrolle bezüglich Beginn, Be- endigung und Menge, Hinweise für eine Toleranzentwickl ung und anhaltender Konsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen - unstreitig erfüllt seie n. Hinsichtlich der von Dr. D.____ be- schriebenen impulsiv-narzisstischen Persönlichkeitsakzentuierung sei vor dem Hintergrund der gravierenden Alkoholproblematik auch an eine alkoholbe dingte Wesensänderung zu denken. Für alkoholbedingte Beeinträchtigungen würden die in der Untersuchungssituation auffallende affektive Nivellierung, die Beeinträchtigungen in der K onzentration und Merkfähigkeit, die be- schriebene Antriebsminderung und Strukturlosigkeit in der Tagesgestaltung sowie die auffallen- den Wortfindungsstörungen sprechen. Der Verlauf der letzten Jahre weise auf eine zur Chron ifizierung tendierende Beschwerdesymp- tomatik hin. Es sei dem Exploranden trotz stationärer Beh andlung, trotz ambulanter psychiatri- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht scher-psychotherapeutischer Behandlung und trotz Suchtgrupp enteilnahme nicht gelungen, eine einschneidende Verringerung seines Alkoholkonsums o der gar eine Abstinenz im Hinblick auf seine Alkoholkonsumgewohnheiten zu erreichen. Vielm ehr würden die aktuellen Untersu- chungsergebnisse auf eine weiterhin floride Suchtproblematik mit psychisch-geistigen Langzeit- folgen hinweisen. Vor dem Hintergrund dieser weiterhi n floriden Alkoholproblematik sei die Ein- schätzung des Schweregrades und des Chronifizierungsgrad es der depressiven Störung aber auch der auffälligen Persönlichkeitsanteile - seien sie j etzt persönlichkeitsimmanent oder im Rahmen einer Wesensänderung zu beurteilen - nicht zuverlässig möglich. 6.2 Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führt Dr. B.____ aus, in psychisch-geistiger Hinsicht sei der Versicherte durch die affektiven, psychomotorischen, kog nitiven, formalgedanklichen und vegetativen Symptome deutlich beeinträchtigt. Auf der p sychiatrisch-körperlichen Ebene beste- he eine Verminderung der Vitalgefühle, die sich leistungsmindernd auswirke. Auf der Ebene der sozialen Kommunikationsfähigkeit würden sich Hinweise auf eine Affektverflachung und ver- minderte Kritikfähigkeit (z.B. im Sinne einer deutlich en Bagatellisierungstendenz seines Alko- holproblems) bei ansonsten kommunikativer und zugänglicher Persönlichkeit ergeben. In Anbe- tracht dieser Beeinträchtigungen sei in einer Tätigkeit als Steuerberater von einer 70 %-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Aus psychiatrischer Sicht se i hingegen zum Untersuchungs- zeitpunkt von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit in ein er ruhigen, stressarmen, gut strukturierten, nicht monotonen und mit eher geringer Verantwortung verbundenen Arbeitstätigkeit auszuge- hen, dies aber nur nach vorgeschaltetem Arbeitstraining und einer Belastbarkeitserprobung (geschützter Arbeitsrahmen) und nachfolgender Unterstütz ung bei der Stellensuche. Die eben- falls vorhandenen invaliditätsfremden Faktoren wie eine Dekonditionierung und ein sehr un- günstiges Wiedereingliederungsalter habe er in dieser m edizinisch-theoretischen Zumutbar- keitsbeurteilung nicht mitberücksichtigt. 6.3 Im Zusammenhang mit der Frage, ob es sich bei der A lkoholabhängigkeit des Exploran- den um eine primäre Alkoholabhängigkeit oder um einen sekundären schädlichen Gebrauch von Alkohol handle, hält der Gutachter fest, es handle sich „am ehesten“ um eine sekundäre Alkoholabhängigkeit, die durch eine Anhäufung von Bel astungsfaktoren und depressiver Ent- wicklung (1998 Tod der Ehefrau, 2007 Tod der Eltern, 2008 Tod seines Bruders) ausgelöst worden sei und zu einer Akzentuierung eines vormals zumin dest sozial verträglichen Alkohol- konsums geführt habe. Im Gegensatz zu Dr. E.____, der von einer primären Sucht ausgegan- gen sei, erscheine ihm der Zusammenhang zwischen den gen annten belastenden Lebenser- eignissen, konsekutiver depressiver Verstimmung und Akzentui erung eines vorher sozial ver- träglichen Alkoholkonsums im Sinne eines dysfunktionalen B ewältigungsversuchs, also ein se- kundärer Alkoholismus, als wahrscheinlicher. Zwischenzeitlic h habe sich die Alkoholabhängig- keit aber von den auslösenden Belastungssituationen bzw. a uch von der depressiven Störung entkoppelt und eine Eigendynamik entwickelt. Mittlerwe ile stehe deshalb aufgrund des langjäh- rigen Alkoholabusus weniger die Frage eines primären oder sekundären Alkoholabusus im Vor- dergrund; entscheidend seien vielmehr die aufgrund de r Untersuchungssituation erkennbaren Hinweise auf sekundäre Folgen des Alkoholabusus im Sinne einer alkoholbedingten Wesens- änderung. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Zum Aspekt, ob der medizinische Zustand durch Heil behandlungen verbessert werden könne, führt Dr. B.____ aus, der Explorand befinde sich in einer adäquaten psychiatrisch- psychotherapeutischen Behandlung, hinsichtlich der medikame ntös-antidepressiven Behand- lung seien keine Optimierungsvorschläge zu machen. Entsche idend für die weitere Prognose sei das Erreichen einer Alkoholabstinenz, die dem Versiche rten im Rahmen seiner Schaden- minderungspflicht auch zumutbar sei. Ob die Alkoholabstinenz durch eine ambulante Betreuung erreicht werden könne, sei angesichts des bisherigen Ver laufs eher zu bezweifeln. In diesem Falle wäre eine nochmalige stationäre Behandlung zum Erreichen der Alkoholabstinenz ange- zeigt. Nach Erreichung derselben wäre im Rahmen einer Belastbarkeitserprobung bzw. eines Arbeitstrainings die Arbeitsfähigkeit realiter neu zu beurteilen. Das Erreichen einer vollen Ar- beitsfähigkeit erscheine angesichts des sich zum Untersuchu ngszeitpunkt darstellenden Befun- des allerdings wenig wahrscheinlich. 6.5 Auf die abschliessende Frage der IV-Stelle, ob auf grund der Suchterkrankung sekundä- re Folgeschäden vorliegen würden, welche die Arbeitsfäh igkeit ihrerseits einschränkten, betont Dr. B.____ nochmals, dass vor dem Hintergrund der weiter hin floriden Alkoholproblematik die Einschätzung des Schweregrades und des Chronifizierungsgra des der depressiven Störung aber auch der auffälligen Persönlichkeitsanteile - sei en sie jetzt persönlichkeitsimmanent oder im Rahmen einer Wesensänderung zu beurteilen - nicht zuverlässig möglich sei. 7.1 Wie dem Gerichtsgutachten von Dr. B.____ zu entne hmen ist, steht beim Beschwerde- führer dessen Alkoholabhängigkeit im Zentrum der gesu ndheitlichen Problematik. In diesem Zusammenhang ist auf die ständige bundesgerichtliche Re chtsprechung zu verweisen, wonach Alkoholismus, für sich allein betrachtet, keine Invalidi tät im Sinne des Gesetzes begründet. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst rel evant, wenn er eine Krankheit oder ei- nen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperliche r, geistiger oder psychischer, die Erwerbs- fähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetre ten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsscha dens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 268 E. 3c mit Hinweis). Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht mass- gebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwür digung einzubeziehen, was impli- ziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suc htmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist (Urteil O. de s EVG vom 8. August 2006, I 169/06, E. 2.2 mit Hinweisen). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht bet rifft, ist für die invalidenversiche- rungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, d ass dem Alkoholismus eine ausrei- chend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung e iner Suchtkrankheit geeignete Ge- sundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine er hebliche Teilursache der Alkohol- sucht darstellt; es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz untergeordnete Teilursache handelt. Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und E rwerbsfähigkeit einschränkt. Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychi- schem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen (Urteil O. des EVG vom 8. August 2006, I 169/06, E. 2.2 mit Hinweisen). 7.2.1 Die Frage, ob es sich bei der Alkoholabhängigkeit des Versicherten um eine primäre Alkoholabhängigkeit oder um einen sekundären schädlichen Gebrauch von Alkohol handle, war - wie oben aufgezeigt - in den fachärztlichen Stellu ngnahmen, die dem Kantonsgericht anläss- lich der ersten Urteilsberatung vorlagen, kontrovers beu rteilt worden. Die Frage wird vom Ge- richtsgutachter nunmehr dahingehend beantwortet, dass es sich „am ehesten“ um eine sekun- däre Alkoholabhängigkeit handle, die durch eine Anh äufung von Belastungsfaktoren und de- pressiver Entwicklung ausgelöst worden sei und zu einer Akze ntuierung eines vormals zumin- dest sozial verträglichen Alkoholkonsums geführt habe. Wie nunmehr auch die IV-Stelle in ihrer Stellungnahme vom 3. Juli 2013 einräumt, kann dieser schlüssigen gutachterlichen Einschät- zung beigepflichtet werden. 7.2.2 Beruht eine Alkoholabhängigkeit auf einer krankh eitsbedingten Ursache, so ist sie nach dem oben Gesagten (vgl. E. 7.1 hiervor) invalidenversicher ungsrechtlich nur dann von Bedeu- tung, wenn sie Folge eines Gesundheitsschadens ist, welchem seinerseits Krankheitswert zu- kommt. Die der Abhängigkeit zugrunde liegende Gesundhei tsstörung muss deshalb von einer ausreichenden Schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignet sein. Die Beschwerdegegnerin bestreitet in der bereit s erwähnten Stellungnahme, dass diese Voraussetzung vorliegend erfüllt ist. Sie weist darauf hi n, dass der Gutachter als psychische Begleiterkrankung lediglich eine leichtgradige Episode einer rezidivierenden depressiven Stö- rung diagnostiziert habe. Eine solche leichte depressive E pisode stelle keine Komorbidität von erheblicher Schwere und Ausprägung dar und es handle si ch bei dieser Diagnose um ein Lei- den von bloss vorübergehender Natur, welches in der Re gel nicht invalidisierend sei. Wie es sich mit diesem Einwand der IV-Stelle verhält, kann au s den nachfolgenden Erwägungen vor- liegend letztlich offen bleiben. 7.2.3 Dr. B.____ weist in seinem Gutachten ausdrückli ch darauf hin, dass sich die Alkoholab- hängigkeit zwischenzeitlich von den auslösenden Belastungssi tuationen bzw. auch von der de- pressiven Störung entkoppelt und eine Eigendynamik entwi ckelt habe. Mittlerweile stehe des- halb aufgrund des langjährigen Alkoholabusus weniger die Frage eines primären oder sekundä- ren Alkoholabusus im Vordergrund; entscheidend seien viel mehr die im Rahmen der Untersu- chung erkennbaren Hinweise auf sekundäre Folgen des Alko holabusus im Sinne einer alkohol- bedingten Wesensänderung. In Anbetracht dieser Festst ellungen des Gutachters, an deren Richtigkeit zu zweifeln kein Anlass besteht, steht heute vor allem die Frage im Raum, ob beim Versicherten aufgrund der Suchterkrankung sekundäre Fol geschäden vorliegen, welche die Arbeitsfähigkeit ihrerseits einschränken. Laut Dr. B.____ sind nun aber vor dem Hintergrund der weiterhin floriden Alkoholproblematik Aussagen zum Schwe regrad und Chronifizierungsgrad sowohl der depressiven Störung als auch der auffälligen Persönlichkeitsanteile - seien diese nun persönlichkeitsimmanent oder im Rahmen einer Wesen sänderung zu beurteilen - nicht zu- verlässig möglich. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.4 Eine schlüssige fachärztliche Einschätzung der im Gut achten angesprochenen alkohol- bedingten Wesensänderung - im Sinne einer sekundären Fo lge des Alkoholabusus - und der Auswirkungen derselben auf die Arbeitsfähigkeit, setzt l aut den nachvollziehbaren Ausführun- gen des Experten das Erreichen einer Alkoholabstinenz vora us. Der Gesundheitszustand und die gesundheitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfähig keit können mit anderen Worten erst nach Erreichen der Alkoholabstinenz abschliessend beurte ilt werden. Dr. B.____ ist diesbezüg- lich der Auffassung, dass es dem Versicherten im Rahmen der ihm obliegenden Schadenmin- derungspflicht zumutbar wäre, sich einer solchen Behandl ung zum Erreichen der Alkoholabsti- nenz zu unterziehen. 7.3 Aus dem Gesagten folgt, dass der Rentenanspruch des Beschwerdeführers auch im Lichte des schlüssigen und überzeugenden Gerichtsgutachtens v on Dr. B.____ vom 16. Mai 2013 nicht abschliessend beurteilt werden kann. Soweit die Beschwerdegegnerin in ihrer Stel- lungnahme vom 3. Juli 2013 zum Gerichtsgutachten empfie hlt, den Versicherten zu einer Be- handlung zum Erreichen der Alkoholabstinenz zu verpflichte n und ihn anschliessend erneut psychiatrisch begutachten zu lassen, ist ihr grundsätzlich beizupflichten. 7.4 Nach Auffassung des Kantonsgerichts ist es allerdings nich t seine Aufgabe, sondern diejenige der IV-Stelle, gegenüber dem Versicherten u nter dem Titel der Mitwirkungs- bzw. der Schadenminderungspflicht eine - vom Gutachter als zumut bar bezeichnete - Behandlung zum Erreichen der Alkoholabstinenz und den Nachweis einer sol chen Abstinenz anzuordnen. Dabei wird die IV-Stelle sowohl über die Dauer der Behandl ung als auch über die Frage zu befinden haben, ob diese in ambulantem oder in stationärem Ra hmen zu erfolgen hat. Dies bedeutet, dass die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, als d ie angefochtene Verfügung vom 1. November 2011 aufzuheben und die Angelegenheit an die IV-Stelle zurückzuweisen ist. Die- se wird den Versicherten zu einer Behandlung zum Erreich en einer Alkoholabstinenz zu ver- pflichten haben. Nach Erreichung derselben wird sie den Gesundheitszustand und die gesund- heitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Ve rsicherten wiederum gutachterlich ab- klären zu lassen haben. Dabei dürfte es sich als sinnvoll erweisen, diese erneute Begutachtung in Form eines Verlaufsgutachtens durch den bereits mit dem Fall betrauten Facharzt Dr. B.____ vornehmen zu lassen. Nach Vorliegen der Ergebnisse der er neuten Begutachtung wird die IV- Stelle über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu zu befinden haben. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zu ergän zender Abklärung und neuer Beurtei- lung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unte rliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 8.3 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend war das Ge- richt anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 2. Feb ruar 2012 zum Ergebnis gelangt, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Aus Gründen der Verfahrensfairness erachtete das Ge richt damals eine Rückweisung der Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle als nicht opportun, sondern es entschied sich stattdessen, die erforderliche zusätzliche Abklärung d es medizinischen Sachverhaltes im Rahmen eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens vornehmen zu lassen. Wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, war das in der Folge eingeholte Gerichtsgutachten von Dr. B.____ vom 16. Mai 2013 im Hinblick auf das nunmehr beschlossene weitere Vorgehen und somit auch für die weitere Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicherten unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach die Kosten die- ses Gutachtens, welche sich gemäss eingereichter Honorarrec hnung auf Fr. 4'500.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 8.4 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 9. September 2013 für d as vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 12,33 Stunden geltend gemacht, was sich umfang mässig in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erw eist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschni ttliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen . Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 101.--. Dem Beschwerdefüh- rer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe vo n Fr. 3‘438.20 (12,33 Stunden Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht à Fr. 250.- + Auslagen von Fr. 101.-- zuzüglich 8 % Mehr wertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 1. Novemb er 2011 aufgehoben und die Angelegenheit zum weiteren Vorge hen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV- Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 4‘500.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘438.20 (inkl. Au slagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht