200 22 271 UV ACT/ISD/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 11. Juli 2022 Verwaltungsrichter Ackermann Gerichtsschreiber Isliker A.________ vertreten durch Fürsprecher B.________ Beschwerdeführerin gegen Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG Postfach, 8010 Zürich Beschwerdegegnerin betreffend Zwischenverfügung vom 18. März 2022 (Schaden-Nr.: ...) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1957 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) erlitt am 30. Dezember 1993 gemäss Schadenmeldung vom 4. Januar 1994 (Akten der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG [Allianz bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 1001) bei einer Frontalkol- lision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug ein Schleudertrauma. Nach Abklärungen sprach ihr die C.________ (C.________; Auflösung per TT. MM 2003 infolge Fusion mit der Allianz; vgl. SHAB Nr. ... vom TT. MM 2002 und Nr. ... vom TT. MM 2003) mit Verfügung vom 30. Dezember 1996 (AB 1009) mit Wirkung ab dem 1. Januar 1997 eine 50%ige Komple- mentär-Invalidenrente der obligatorischen Unfallversicherung und mit Ver- fügung vom 4. April 1997 (AB 1011) eine Integritätsentschädigung von 25 % zu. Die Rente wurde in der Folge wiederholt an die Teuerung sowie aufgrund der Ablösung der Invalidenrente der Invalidenversicherung (IV) durch die Altersrente der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) per 1. April 2021 angepasst (vgl. AB 1013, 1015, 1018, 1020, 1022 f., 1025). Mit Schreiben vom 7. Februar 2022 (AB 1026) teilte die Allianz mit, dass anlässlich der Rentenzusprache mit Verfügung vom 30. Dezember 1996 (AB 1009) keine Adäquanzprüfung vorgenommen worden sei, weshalb die Rechtmässigkeit der zugesprochenen Leistungen überprüft werde und in diesem Zusammenhang eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung vorgesehen sei. Nach verschiedener Korrespondenz zwischen den Partei- en (AB 1027-1029) erliess die Allianz am 18. März 2022 (AB 1030) eine Zwischenverfügung, mit welcher sie eine polydisziplinäre Begutachtung durch die Begutachtungsstelle D.________ anordnete. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Fürsprecher B.________, mit Eingabe vom 3. Mai 2022 Beschwerde und beantragte, im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 3 wiederherzustellen und der vorliegenden Beschwerde gegen die Zwischen- verfügung vom 18. März 2022 die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Wei- ter sei die angefochtene Zwischenverfügung vollumfänglich aufzuheben. Mit Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2022 beantragte die Beschwerdegeg- nerin die Abweisung der Beschwerde. Mit prozessleitender Verfügung vom 7. Juni 2022 stellte der Instruktions- richter in Gutheissung des Gesuchs die aufschiebende Wirkung der Be- schwerde wieder her. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Bei der Anordnung des Gutachtens handelt es sich um eine Zwischenver- fügung (Art. 44 Abs. 4 ATSG) solche können unter anderem dann ange- fochten werden, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können. Diese Anfechtungsvoraussetzung ist – wie im Bereich der Invalidenversicherungs-Angelegenheiten (vgl. dazu BGE 138 V 271 E. 1.2.1 S. 275 und E. 1.2.3 S. 276, 137 V 210 E. 3.4.2.7 S. 256) – für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren in Unfallversicherungs-Angelegen- heiten zu bejahen, womit die entsprechende Verfügung unter Erhebung aller gesetzlich vorgesehenen Rügen rechtlicher und tatsächlicher Natur angefochten werden kann (BGE 138 V 318 Regeste und E. 6.1.4 S. 323). Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 4 gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Zwischenverfügung vom 18. März 2022 (AB 1030). Streitig und zu prüfen ist allein, ob die Beschwerdegegne- rin zu Recht eine Begutachtung angeordnet hat (AB 1030/4; vgl. auch hin- ten E. 3.1). 1.3Die Mitglieder des Verwaltungsgerichts behandeln als Einzelrichte- rin oder Einzelrichter Beschwerden gegen Zwischenverfügungen und Zwi- schenentscheide (Art. 57 Abs. 2 lit. b GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Er bestimmt die Art und den Umfang der not- wendigen Abklärungen (Art. 43 Abs. 1 bis ATSG). Der Untersuchungsgrund- satz besagt, dass die verfügende Instanz den rechtserheblichen Sachver- halt von Amtes wegen, aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vor- bringen oder Beweisanträge der Parteien, abklären und feststellen muss. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden zusätzliche Abklärungen stets vor- zunehmen oder zu veranlassen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a S. 283). Der Untersuchungsgrund-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 5 satz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mit- wirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a S. 158; SVR 2020 KV Nr. 23 S. 111 E. 8.3.2). 2.2Erachtet der Versicherungsträger im Rahmen von medizinischen Abklärungen ein Gutachten als notwendig, so legt er je nach Erfordernis eine der folgenden Arten fest (Art. 44 Abs. 1 ATSG): monodisziplinäres Gutachten (lit. a), bidisziplinäres Gutachten (lit. b), polydisziplinäres Gut- achten (lit. c). Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachver- haltes ein Gutachten bei einem oder mehreren unabhängigen Sachver- ständigen einholen, so gibt er der Partei deren Namen bekannt. Diese kann innert zehn Tagen aus den Gründen nach Art. 36 Abs. 1 Sachverständige ablehnen und Gegenvorschläge machen (Art. 44 Abs. 2 ATSG). Mit der Bekanntgabe der Namen stellt der Versicherungsträger der Partei auch die Fragen an den oder die Sachverständigen zu und weist sie auf die Mög- lichkeit hin, innert der gleichen Frist Zusatzfragen in schriftlicher Form ein- zureichen. Der Versicherungsträger entscheidet abschliessend über die Fragen an den oder die Sachverständigen (Art. 44 Abs. 3 ATSG). Hält der Versicherungsträger trotz Ablehnungsantrag an den vorgesehenen Sach- verständigen fest, so teilt er dies der Partei durch Zwischenverfügung mit (Art. 44 Abs. 4 ATSG). 2.3Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügun- gen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die Wiedererwägung dient der nachträglichen Kor- rektur einer ursprünglich unrichtigen Rechtsanwendung oder Sachverhalts- feststellung durch die Verwaltung (BGE 117 V 8 E. 2c S. 17; SVR 2019 IV Nr. 47 S. 153 E. 2.1; Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 30. Okto- ber 2012, 9C_396/2012, E. 2.1). Nach der Rechtsprechung kann die Wiedererwägung rechtskräftiger Verfü- gungen bzw. Einspracheentscheide nur in Betracht kommen, wenn es sich um die Korrektur grober Fehler der Verwaltung handelt (ZAK 1988 S. 555 E. 2b). Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar. In die-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 6 sem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn die notwendigen (fachärztlichen) Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderli- chen Sorgfalt durchgeführt wurden, oder wenn eine Leistung aufgrund fal- scher Rechtsregeln bzw. ohne oder in unrichtiger Anwendung der massge- blichen Bestimmungen zugesprochen wurde. Zurückhaltung bei der An- nahme zweifelloser Unrichtigkeit ist stets dann geboten, wenn der Wieder- erwägungsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung betrifft, deren Beurteilung massgeblich auf Schätzungen oder Beweiswürdigungen und damit auf Elementen beruht, die notwendigerweise Ermessenszüge auf- weisen. Eine vor dem Hintergrund der seinerzeitigen Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis vertretbare Beurteilung der (invaliditäts- mässigen) Anspruchsvoraussetzungen kann nicht zweifellos unrichtig sein (BGE 141 V 405 E. 5.2 S. 414; SVR 2021 UV Nr. 1 S. 4 E. 6.1, 2019 IV Nr. 47 S. 153 E. 2.1). Um wiedererwägungsweise auf eine verfügte Leistung zurückkommen zu können, genügt es nicht, wenn ein einzelnes Anspruchselement rechtswid- rig festgelegt wurde. Vielmehr hat sich die Leistungszusprache auch im Ergebnis als offensichtlich unrichtig zu erweisen. So muss etwa, damit eine zugesprochene Rente wegen einer unkorrekten Invaliditätsbemessung wiedererwägungsweise aufgehoben werden kann, – nach damaliger Sach- und Rechtslage – erstellt sein, dass eine korrekte Invaliditätsbemessung hinsichtlich des Leistungsanspruchs zu einem anderen Ergebnis geführt hätte (BGE 140 V 77 E. 3.1 S. 79; SVR 2019 IV Nr. 47 S. 154 E. 3.1.2). 3. 3.1Hier kommt einzig der verfügten Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung Dispositivcharakter zu (siehe auch vorne E. 1.2). Denn im Verfügungsdispositiv wurde allein über die vorgesehene Begutachtung ho- heitlich entschieden (AB 1030/4 Ziff. 1) und die Beschwerdegegnerin be- zeichnete den betreffenden Verwaltungsentscheid ausdrücklich als "Zwi- schenverfügung" (AB 1030/1). Nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung und damit auch nicht Streitgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren (vgl. auch vorne Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 7 E. 1.2) bildet demzufolge eine allfällige Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG; vgl. vorne E. 2.3) der leistungszusprechenden Verfügung vom 30. Dezember 1996 (AB 1009). Die Beschwerdegegnerin hat denn auch mit der angefochtenen Verfügung formell keine Wiedererwägung der ur- sprünglichen Rentenverfügung vorgenommen. Nachdem bisher keine for- melle Wiedererwägung der ursprünglichen Verfügung erfolgt ist, besteht zum aktuellen Zeitpunkt unter dem Titel der Wiedererwägung kein Anlass für eine gutachterliche Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes. Dies gilt umso mehr, als es der Beschwerdegegnerin frei gestanden wäre, bei verneinter Adäquanz – als Rechtsfrage (vgl. BGE 112 V 30 E. 1b S. 33) – die Leistungen wiedererwägungsweise aufzuheben. 3.2Die mit Zwischenverfügung vom 18. März 2022 (AB 1030) angeord- nete Begutachtung erweist sich sodann selbst für den Fall, dass die Be- schwerdegegnerin eine Wiedererwägung der leistungszusprechenden Ver- fügung vom 30. Dezember 1996 (AB 1009) inzident durchgeführt hätte, als nicht erforderlich (wobei offen bleiben kann, ob nicht eine formelle Wieder- erwägung notwendig wäre). Zwar stellt eine Rentenzusprechung ohne ex- plizite oder wenigstens implizite Prüfung des adäquaten Kausalzusammen- hangs – wovon die die Beschwerdegegnerin ausgeht (vgl. AB 1026, 1030; Beschwerdeantwort S. 6 Ziff. 29) – eine Leistungszusprechung aufgrund falscher Rechtsanwendung und damit eine zweifellos rechtsfehlerhafte Ver- fügung dar, weshalb der Unfallversicherer berechtigt ist, darauf zurückzu- kommen, wie offensichtlich von der Beschwerdegegnerin vertreten. Indes bildet alleine der Umstand, dass im Rahmen der ursprünglichen Verfügung vom 30. Dezember 1996 (AB 1009) allenfalls keine Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs vorgenommen wurde, keine hinreichende Grund- lage für die – allein streitgegenständliche (vgl. vorne E. 1.2) – beabsichtigte medizinische Begutachtung, zumal sich die Leistungszusprache auch im Ergebnis als offensichtlich unrichtig zu erweisen hat (vgl. vorne E. 2.3). Aber auch im Fall, dass im Rahmen der Wiedererwägung bei einem Rechtsanwendungsfehler (wie hier) nicht geprüft werden muss, ob der Ent- scheid im Ergebnis unrichtig ist (dazu: SUSANNE BOLLINGER, Wiedererwä- gung: Wann liegt eine zweifellose Unrichtigkeit vor?, in Ueli Kieser [Hrsg.]; November-Tagung zum Sozialversicherungsrecht 2021, S. 88), ist eine neue Begutachtung nicht notwendig: Soweit eine nunmehr formell nachge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 8 holte Überprüfung der adäquaten Kausalität zur Verneinung eines Kausal- zusammenhangs führen sollte und keine anderweitigen organisch nachge- wiesenen Unfallfolgen bestünden, wovon die Beschwerdegegnerin ausgeht (vgl. AB 1030), entfiele ein Rentenanspruch gegenüber der obligatorischen Unfallversicherung. Bei Verneinung eines adäquaten Kausalzusammen- hangs im Rahmen einer speziellen Adäquanzprüfung braucht die Frage, ob der natürliche Kausalzusammenhang tatsächlich besteht, nicht geprüft zu werden (BGE 147 V 207 E. 6.1 S. 211, 135 V 465 E. 5.1 S. 472), sodass keine weiteren medizinischen Abklärungen – also auch kein Gutachten – erforderlich wären. Soweit aber ein adäquater Kausalzusammenhang nun- mehr bejaht würde, wären die bisherigen Rentenleistungen zu Recht aus- gerichtet worden und die Leistungsausrichtung folglich nicht zweifellos un- richtig gewesen, womit kein Anlass für ein Zurückkommen auf die ur- sprüngliche Verfügung bestünde. Auch in diesem Fall würde sich ein medi- zinisches Gutachten erübrigen. Im Übrigen könnte die Beschwerdegegne- rin die Rechtsfrage der Adäquanz nicht mittels eines medizinischen Gut- achtens beantworten, da letzteres allein den natürlichen Kausalzusam- menhang zum Gegenstand haben kann. 3.3Alternativ zur Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) bestünde grundsätzlich die Möglichkeit der Anordnung einer medizinischen Begut- achtung im Rahmen einer (ordentlichen) Rentenrevision gestützt auf Art. 17 Abs. 1 ATSG. Im Bereich der Unfallversicherung kann indes – in Abwei- chung von Art. 17 Abs. 1 ATSG – eine Rente ab dem Monat, in dem die berechtigte Person eine Altersrente der AHV bezieht, spätestens jedoch ab Erreichen des Rentenalters nach Art. 21 des Bundesgesetzes vom 20. De- zember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10), nicht mehr revidiert werden (Art. 22 UVG). Eine ordentliche Revision der Invalidenrente der Unfallversicherung gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG ist mit dem im März 2021 erreichten Pensionsalter und dem Bezug einer Altersrente der AHV seit April 2021 (AB 1025) ausgeschlossen, womit für die Anordnung einer medizinischen Begutachtung ebenfalls kein Raum mehr besteht. 3.4Nach dem Dargelegten erweist sich die mit Zwischenverfügung vom 18. März 2022 (AB 1030) angeordnete medizinische Begutachtung als Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 9 nicht erforderlich und damit als unzulässig. Die Beschwerde ist folglich gut- zuheissen und die angefochtene Zwischenverfügung aufzuheben. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. f bis ATSG (Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Mit am 1. Juli 2022 eingereichter und nicht zu beanstandender Kostennote hat Fürsprecher B.________ ein Honorar von Fr. 1'816.15 (5.9 Stunden à Fr. 280.--), Auslagen von Fr. 34.30 und die Mehrwertsteuer (MWST) von Fr. 129.85 geltend gemacht. Der gesamte Parteikostenersatz wird somit auf Fr. 1'816.15 (inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt. Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Zwischenverfügung der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG vom 18. März 2022 aufgeho- ben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 1'816.15 (inkl. Auslagen und MWST), zu er- setzen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juli 2022, UV/22/271, Seite 10 4. Zu eröffnen (R): - Fürsprecher B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG - Bundesamt für Gesundheit Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.