B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5522/2012 U r t e i l v o m 1 7 . D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. September 2012 / N (…). E-5522/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin – eine aus B._______ stammende türkische Staatsangehörige kurdischer Volkszugehörigkeit – verliess ihr Heimatland eigenen Angaben zufolge am 25. Januar 2012 und gelangte gleichentags mit ihrem Reisepass und einem Visum per Flugzeug in die Schweiz, wo sie am 19. März 2012 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nachsuchte. Am 26. März 2012 fand die summar i- sche Befragung statt und am 20. Juni 2012 erfolgte die direkte Anhörung zu den Asylgründen. Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin dabei im Wesentlichen geltend, sie sei zusammen mit ihren Eltern , ihren vier Brüdern und einer Schwester – wovon zwei Brüder und die Schwester in der Schweiz leben – in D._______ aufgewachsen. Obwohl sie w egen (gesundheitliche Probleme), habe sie alleine wohnen und einer Arbeit in der (...) einer Fabrik in B._______ nachgehen können. Daneben habe sie für Erdbebenopfer von Van Geld gesammelt und ihre Adresse für ein paar Studentinnen gegeben, die diese in ihrem Wohnheim hätten angeben müssen, um an den Wochenenden das Studentenheim verlassen zu dür- fen. Nachdem ein Polizist bei ihrem Vorgesetzten in der Fabrik gewesen sei, sei ihr die Stelle am 30. September 2011 gekündigt worden. Wegen Verdachts, die PKK ( Partiya Karkerên Kurdistan) finanziell zu unterstü t- zen, hätten Polizisten i n der Nacht des 30. Oktobers 2011 bei ihr eine Hausdurchsuchung durchgeführt und sie dabei wegen (…) belästigt und erniedrigt. Zudem hätten sie ihr (…) weggenommen und ihr mit ihrer Ver- gewaltigung gedroht. Auch sei sie ge schlagen und getre ten worden und habe wegen eines zerbrochenen Tellers eine Schnittwunde erlitten. D a- nach sei sie auf den Polizeiposten mitgenommen, über ihre Geldsammel- aktionen befragt und ohne eine Unterschrift zu leisten nach ein paar Stunden wieder freigelassen worden. Gleichzeitig sei ihr mit ihrer Fest- nahme und damit gedroht worden, dass sie (die Polizisten) wiederko m- men würden. Nach ihrer Freilassung habe sie sich für eine Weile bei Be- kannten in E._______ aufgehalten und sei noch zwei Mal in ihre Wo h- nung zurückgekehrt. Im Dezember 2011 sei sie zu ihrer (…) nach Istanbul gezogen, wo sie sich kurz bis vor ihrer Ausreise aufgehalten habe. Zum Beweis ihrer Identität legte die Beschwerdeführerin ihren Reisepass und ihre Identitätskarte ins Recht. E-5522/2012 Seite 3 B. Mit Schreiben vom 30. Juli 2012 forderte das BFM die Beschwerdeführe- rin auf, eine Entbindungserklärung von der ärztlichen Schweigepflicht s o- wie einen detaillierten ärztlichen Bericht welcher Aufschluss über ihren aktuellen Gesundheitszustand gebe, einzureichen. C. Mit Eingabe vom 23. August 2012 kam sie dieser Aufforderung nach und liess verschiedene Berichte zu den Akten reichen ( der Uniklinik F._______ vom 15. Mai 2012, des Spitals G._______ vom 17. Juli 2012, des Spitals G._______ vom 30. Juli 2012 sowie jener über die Operation eines (...) vom 7. August 2012 des Spitals G._______). D. Mit Datum vom 10. September 2012 ging beim BFM ein ärztlicher Bericht von Dr. med. N.E., FMH, Psychiatrie-Psychotherapie vom 7. September 2012 ein. Daraus ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des in der Türkei Erlebten , des erlittenen Verlustes ihres Arbeitsplatzes und ihrer Unabhängigkeit an einer (…) ([…]) leide und sie seit dem 24. Juli 2012 in psychotherapeutischer Behandlung sei. E. Mit Verfügung vom 20. September 2012 – eröffnet am folgenden Tag – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen- schaft mangels Asylrelevanz der geltend gemachten Vorbringen nicht, wies das Asylgesuch vom 19. März 2012 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und erachtete den Wegweisungsv ollzug als zulässig, zumutbar und möglich. F. Mit Eingabe vom 22. Oktober 2012 – Datum Poststempel – liess die Be- schwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und dabei in mat e- rieller Hinsicht beantragen, der Entscheid des BFM sei in den Punkten 4 und 5 aufzuheben , es sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihr sei die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfah- rensrechtlicher Hinsicht liess sie um Gewährung der un entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D e- zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchen. E-5522/2012 Seite 4 G. Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2012 stellte die zuständige I n- struktionsrichterin fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, erkannte, dass Gegenstand des Verfahrens lediglich der Vollzug der Wegweisung bildet, verwies den En t- scheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfl e- ge auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete vorderhand auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig forderte sie die Vorinstanz zur Stellungnahme auf. H. In seiner Stellungnahme vom 1. November 2012 hielt das BFM an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. I. Mit Schreiben vom 21. November 2012 liess die Beschwerdeführerin re p- lizieren. J. Mit Eingabe vom 28. November 2012 wurde ein Schreiben von Dr. med. N.E. vom 26. November 20 12 nachgereicht. Darin wurden weitere Au s- führungen zu den vorgefallenen Ereignissen in der Türkei und zur familiä- ren Situation der Beschwerdeführerin in der Schweiz gemacht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslie fe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von E-5522/2012 Seite 5 Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz t eilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblich en Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Verfügung des BFM vom 20. September 2012 ist, soweit sie die Fr a- ge der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung betrifft (Ziff. 1 und 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung), in Rechtskraft erwachsen und auch die Anordnung der Wegweisung als solche (Ziff. 3 des Dispos i- tivs) ist nicht mehr zu prüfen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit ausschliesslich die Prüfung der Frage, ob das Bundes amt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und mö g- lich erklärt hat (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 – 4 des Bundes- gesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslä n- der (AuG, SR 142.20]) 4. 4.1 In seiner Verfügung vom 20. September 2012 führt das BFM in Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung im Wesent- lichen aus, die Rückkehr der Beschwerdeführerin in die Türkei ziehe kei- ne lebensbedrohliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nach sich. Die Schwierigkeiten und Schmerzen hätten bereits in der Tü r- kei vorbestanden, wo sie trotz dieser Leiden alleine habe leben können. Die gemäss dem Arztbericht vom 15. Mai 2012 bestehende Behan d- lungsmöglichkeit mit (…) sei noch in Abklärung und sollte b is zur Ausrei-E-5522/2012 Seite 6 sefrist abgeschlossen sein. Weitere Kontrollen könnten – wie vor ihrer Ausreise – in der Türkei erfolgen. Zwar stehe der (...) Befund des (…) noch aus, aber auch bei eine r (…) könne die weitere Behandlung in der Türkei durchgeführt werden, zum al der Zugang zu medizinischen Lei s- tungen im Heimatland der Beschwerdeführerin für jedermann gewährlei s- tet sei. Sollte sie finanzielle Schwierigkeiten haben, könnte sie eine sog e- nannte "Yesil Kart" (Grüne Karte) beantragen, welche zu unentgeltlichen medizinischen Leistungen in den staatlichen Gesundheitseinrichtungen berechtige. Ferner stünde es ihr frei, bei der kantonalen Rückkehrber a- tungsstelle medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen, die durch Abgabe von Medikamenten, Hilfe bei der Ausreiseorganisation oder durch Unte r- stützung während der Rückkehr gewährt werden könne. Schliesslich le b- ten ihre (…) sowie weitere Verwandte in der Türkei, welche ihr bei der Reintegration helfen könnten und sie erhalte überdies eine Rente. 4.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe vom 22. Oktober macht die Beschwerde- führerin geltend, indem das BFM den Wegweisungsvollzug in die Türkei trotz der dort vorgefallenen Geschehnisse seitens der Polizei als grun d- sätzlich zumutbar erwäge, verkenne es, dass sie wegen des Vorfalls vom 30. Oktober 2011 stark traumatisiert und gedemütigt sei, weshalb sie sich psychotherapeutisch behandeln lassen müsse. Bei einer allfälligen We g- weisung in ihr Heimatland sei mit einer starken Verschlechterung ihrer Verfassung zu rechnen, was eine Chronifizierung der (…) zur Folge hätte. 4.3 In seiner Vernehmlassung vom 1. November 2012 entgegnet das BFM, in der Türkei und besonders in B._______, von wo die Beschwerde- führerin stamme, sei die medizinische Betreuung für psychisch Kranke gewährleistet. Zudem bestünde kein geogra phisches Hindernis für ihre Behandelbarkeit in B._______ und die Genesung ihrer psychischen Ve r- fassung im Kreise ihrer Familie sowie in ihrem gewohnten Umfeld sei er- folgsversprechender als in einer ihr fremden Umgebung wie der Schweiz. Ferner müsse e ntgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin davon ausgegangen werden, dass sie eine nähere Beziehung zu (...) in Istanbul habe, habe sie doch vor ihrer Ausreise aus der Türkei bei dieser gewohnt. 4.4 In der Replik vom 21. November 2012 wird entgegnet, die Beschwe r- deführerin könne in der Türkei nicht auf ein unterstützendes familiäres Umfeld zurückgreifen, da ihre Eltern bereits (…) beziehungsweise (…) Jahre alt und selbst pflegebedürftig seien. Mit (...) stehe sie in keiner B e- ziehung, welche für ihre Genesung förderlich wäre. In der Schweiz hinge-E-5522/2012 Seite 7 gen würden (…) leben, bei welchen sie sich geborgen fühle und die sie unterstützen könnten. 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegw eisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und an dernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 5.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Keine Person darf in irgendeiner Form zur Au s- reise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben ode r ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellu ng der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Der Vollzug der Wegweisung in die Türkei ist vorliegend in Beachtung dieser massgeblichen völker - und landesrechtlichen Besti m- mungen zulässig, da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebl iche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtling s- rechtlichen Non -Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwe n- dung findet und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige B e- handlung im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) e r- sichtlich sind, die ihr in der Türkei droht. Nach dem Gesagten ist der Voll- zug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrecht- lichen Bestimmungen zulässig. E-5522/2012 Seite 8 5.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insb e- sondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausg e- setzt wäre. Diese Bestim mung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen a n- gewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingse i- genschaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips er- füllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situ a- tion allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.1 S. 756 f., BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748). Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.4 5.4.1 In der Türkei herrscht kein Krieg, Bürgerkrieg und keine Situ ation allgemeiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug dorthin ist somit nicht grundsätzlich als unzumutbar zu erachten. Zu prüfen bleibt aufgrund der Ausführungen in der Beschwerde, der Replik und der eingereichten ärztli- chen Berichte ob der Vollzug der Wegweisung mit Blick auf den heutigen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG erachtet werden muss. 5.4.2 Bezüglich der am 23. August 2012 beim BFM eingegangenen ärztli- chen Berichte zum physischen Gesundheitszustand de r Beschwerdefüh- rerin (vgl. dazu Bst. C des vorliegenden Urteils ) kann vollumfänglich auf die nicht zu beanstandenden vorinstanzlichen Ausführungen in ihrer Ver- fügung verwiesen werden, wonach die se in der Türkei weiter behandelt werden können (vgl. E. 4.1) . Was die mit dem ärztlichen Bericht von Dr. N.E., FMH, Psychiatrie-Psychotherapie, vom 7. September 2012 belegten psychischen Probleme anbelangt (vgl. dazu Bst. D des vorliegenden U r- teils), äusserte sich das BFM explizit erst in der Vernehmlassung und stellte zu Recht fest, dass diese ebenfalls im Heimatland behandelbar sind (vgl. E. 4.3). In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund gesundheitlicher Probleme eines abgewiesenen Asylsuchenden E-5522/2012 Seite 9 nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzug s geschlossen werden kann, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im He i- matland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der be- troffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und drin- gende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung e i- ner menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann nicht vor, wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat eine nicht an schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behand- lung möglich ist. Wenn die notwendige Behandlung im Heimat - oder Her- kunftsstaat sichergestellt ist, so ist der Vollzug der Wegweisung als z u- mutbar zu beurteilen (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Auch wenn in der Tür- kei der Standard der Behandlung von physisch und psychisch Erkrankten nicht dem schweizerischen Standard entsprechen sollte, ist dennoch grundsätzlich davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin (wie- der) möglich sein wird, die notwendigen ärztlichen Behandlungen zu e r- halten. Die Psychotherapie kann in B._______ im Universitätsspital, wel- ches neben Psychotherapien auch Ergotherapie anbietet, fortgesetzt werden. Allenfalls könnte sich die Beschwerdeführerin auch an eine in der Türkei landesweit tätigen psychiatrische Einrichtung, welche über ausge- bildetes Personal verfügt, wenden. Nach dem Gesagten ist davon ausz u- gehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückschaffung ins Heimat- land nicht mit einer existenzgefährdenden Verschlechterung ihre s Ge- sundheitszustandes zu rechnen hat. Zur möglichen Behandelbarkeit ihrer gesundheitlichen Probleme nimmt die Beschwerdeführerin im Übrigen auf Beschwerdeebene nicht Stellung und wendet in diesem Zusammenhang einzig ein, bei einer dauernden Bedrohungssituation im Heimatland mü s- se mit einem vollständigen Scheitern der Behandlung der psychischen Probleme gerechnet werden. Dies stellt jedoch eine blosse Mutmassung dar, welche durch die Akten nicht gestützt wird. 5.4.3 Aus den Akten ergibt sich ferner, dass die Beschwerdeführerin in ih- rem letzten Wohnort B._______ – trotz der behaupteten und nicht beleg- ten Pflegebedürftigkeit der in D._______ lebenden Eltern – mit ihrem Bruder offenkundig über einen engen familiären Anknüpfungspunkt ve r- fügt (vgl. Akten BFM A 5 S. 4, A 13 S. 3). Eigenen Angaben gemäss leben in unmittelbarer Nähe auch noch A.G. und E.G., bei denen sie nach der polizeilichen Befragung gewesen und mit denen sie "fast wie eine Familie geworden" sei. Auch lassen die weiteren Angaben der Beschwerdeführe- rin (vgl. A 13 S. 2 A: 4, S. 6 A: 32, S. 8 A: 49, S. 9 A: 58) darauf schlies- sen, dass sie in ihrem Heimatland über ein Beziehungsnetz verfügt. Dar-E-5522/2012 Seite 10 über hinaus verfügt sie über eine gute sc hulische Bildung (13 Jahre Schule, davon 2 Jahre Hochschule ) und Ausbildung zur (...) mit an- schliessender Berufserfahrung. Es kann somit davon ausgegangen we r- den, dass sie sich in ihrem Heimatland reintegrieren wird. Dies nicht z u- letzt, weil sie zeitlebens in der Türkei gelebt hat und sich erst seit elf Mo- naten in der Schweiz aufhält. Dass sie in der Sc hweiz über Geschwister verfügt und zu (...) in Istanbul angeblich in keiner Beziehung stehe (vgl. Replik vom 21. November 2012), was im Übrigen nicht restlos überzeugt, vermag nichts an dieser Schlussfolgerung zu ändern. Nach dem Gesagten ist der Wegweisungsvollzug somit auch als zumu t- bar zu erachten. 5.5 Schliesslich ist auch von der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), zumal die Beschwerdeführerin über e i- nen gültigen Reisepass verfügt. 5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht als durchführbar erachtet hat. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG fällt somit nicht in Betracht. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt ric htig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 7. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgel t- lichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist gutzuheissen, da die Begehren nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnten und von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen ist. Somit sind der Be- schwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. E-5522/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskos- ten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand: