2010 1 Veröffentlichung im Amtsbericht. Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Art. 5 UWG; Art. 10 Abs. 2 lit . c und Art. 11 lit. c IVöB; Art. 9 Abs. 1 lit. c, Art. 16, Art. 28, Art. 30 Abs. 1, Art. 32 Abs. 1 und Art. 34 VRöB. Submission der Organisation von S prachaufenthalten (OGE 60/2010/18 vom 2. Juli 2010) Submissionsstreitigkeiten gelten als zivilrechtlich e Ansprüche im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Die Parteien können daher unter anderem eine öf- fentliche Gerichtsverhandlung verlangen (E. 2a). Die Aufteilung des Auftrags ist bei Einverständnis des erstklassierten Anbieters zulässig (E. 3). Baut ein Sprachinstitut zusammen mit der Schule Sp rachkurse auf, so erbringt es damit nicht in dem Sinn eine schöpferis che Leistung, dass es ins- künftig aus Gründen des Schutzes geistigen Eigentum s als einziger Anbieter in Frage kommt und eine Submission der weiteren Dur chführung der Sprach- kurse deshalb ausgeschlossen wäre (E. 4). Die Preisofferte der Beschwerdeführerin ist unter den gegebenen Um- ständen nicht als unabänderlicher Festpreis für die gesamte Vertragsdauer zu verstehen, obwohl sie – im Gegensatz zur Zuschlagsb edachten – keinen Preis- anpassungsvorbehalt angebracht hat. Es bestand dahe r kein Anlass für ent- sprechende weitere Abklärungen, und die verschieden en Preisofferten konn- ten direkt miteinander verglichen werden (E. 6c und d). Betrachtet eine Anbieterin die Vorgabe des Kriteriu ms Preis in der Aus- schreibung als missverständlich, so hat sie insowei t bei der Vergabebehörde nachzufragen. Wegen des Prinzips der Unabänderlichk eit des Angebots kann sie nicht nachträglich eine angepasste Preisofferte auf neuer Kalkulations- grundlage nachreichen (E. 6d und e). Die Kantonsschule Schaffhausen schrieb die Organis ation der Sprach- aufenthalte in Frankreich und England in den Jahren 2011–2015 im offenen Verfahren aus. Es gingen vier Offerten ein, darunte r eine der X. AG und eine der Y. GmbH. Die Kantonsschule vergab den Sprachauf enthalt Frankreich an die Y. GmbH und den Sprachaufenthalt England an die X. AG. Diese erhob Beschwerde ans Obergericht und beantragte in erster Linie, die Sprach- aufenthalte sowohl in Frankreich als auch in Englan d an sie zu vergeben. Das Obergericht führte auf Antrag der zum Verfahren bei geladenen Y. GmbH eine öffentliche Verhandlung durch und wies die Beschwerde in der Folge ab. 2010 2 Aus den Erwägungen: 2.– a) Submissionsstreitigkeiten gelten grundsätzlich al s zivilrechtliche Ansprüche im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK 1 und fallen daher unter die ent- sprechenden Schutzgarantien. Dazu gehört unter ande rem der Anspruch auf eine öffentliche Gerichtsverhandlung. 2 Das Obergericht hat daher eine Ver- handlung durchgeführt, nachdem die Beigeladene dies in ihrer ersten Rechts- schrift verlangt hatte. b) … 3.– Mit der angefochtenen Verfügung hat die Kantonssc hule den aus- geschriebenen Auftrag auf zwei Anbieterinnen aufgeteilt. Die Beigeladene hat zwar diesen Entscheid nicht angefochten. Sie macht aber im vorliegenden Verfahren geltend, der Auftrag hätte nur im Paket ( England und Frankreich) erteilt werden dürfen. Das könnte unter Umständen i nsoweit von Bedeutung sein, als im verwaltungsgerichtlichen Verfahren der angefochtene Entscheid prinzipiell auch zuungunsten der beschwerdeführende n Partei geändert wer- den könnte (Art. 46 VRG 3). Die Auftraggeberin oder der Auftraggeber kann den Auftrag nur dann und insoweit aufteilen und an verschiedene Anbieter innen und Anbieter ver- geben, wenn sie oder er dies in der Ausschreibung o der den Ausschreibungs- unterlagen bekanntgemacht hat oder vor der Vergabe das Einverständnis der- jenigen Anbieterin oder desjenigen Anbieters, der v oraussichtlich den Zu- schlag erhält, eingeholt hat (Art. 34 VRöB 4). 5 Die Kantonsschule hat zwar in den Ausschreibungsun terlagen die Inter- essenten gebeten, die Angebote für die Sprachaufent halte in Frankreich (ca. 100 Schüler) und die Sprachaufenthalte in England ( ca. 60 Schüler) separat auszuweisen. Sie hat jedoch nicht konkret erklärt, sie beabsichtige, den Auf- trag allenfalls aufzuteilen. Erst nach Auswertung d er eingegangenen Angebo- te informierte sie die Beschwerdeführerin und die B eigeladene darüber, dass sie den Auftrag aufteilen wolle. Die Beigeladene – als gesamthaft Erst- 1 Europäische Konvention zum Schutze der Menschenre chte und Grundfreiheiten vom 4. No- vember 1950 (EMRK, SR 0.101). 2 Galli/Moser/Lang/Clerc, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 1. Ban d, 2. A., Zürich/ Basel/Genf 2007, S. 355, Rz. 772, mit Hinweisen. 3 Gesetz über den Rechtsschutz in Verwaltungssachen vom 20. September 1971 (Verwaltungs- rechtspflegegesetz, VRG, SHR 172.200). 4 Vergaberichtlinien zur Interkantonalen Vereinbaru ng über das öffentliche Beschaffungs- wesen vom 15. April 2003 (VRöB, SHR 172.512). 5 Vgl. zur Problematik auch Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 203 ff., Rz. 482 ff., mit Hinweisen. 2010 3 klassierte gemäss Auswertungstabelle – erklärte sic h damit einverstanden. Sie hat im Übrigen den hierauf ergangenen Vergabeentsch eid nicht angefochten. Damit hat sie insbesondere auch die darin angeordne te Aufteilung des Auf- trags grundsätzlich akzeptiert. … Demnach kann offenbleiben, ob bereits aus der Auss chreibung sinn- gemäss die Absicht einer allfälligen Aufteilung abz uleiten gewesen sei. Die Alternativvoraussetzung des Einverständnisses der g emäss Auswertung vor- aussichtlich mit dem Zuschlag bedachten Anbieterin ist jedenfalls erfüllt. Es besteht daher kein Grund, die Aufteilung als solche zum Nachteil der Be- schwerdeführerin in Frage zu stellen. … 4.– Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe zu sammen mit den Verantwortlichen der Kantonsschule die Sprachkurse in den letzten elf Jahren von Null auf aufgebaut und ständig verbessert. Sie stellt in Frage, ob nach ih- rer langjährigen Erarbeitung eines auf die Kantonss chule zugeschnittenen Leistungspakets überhaupt noch ein Submissionsverfa hren durchgeführt wer- den könne. Darin könnten die Mitbewerber das von de r Beschwerdeführerin erarbeitete Produkt ohne Vorleistungen übernehmen; ihr allfälliger Preis- vorteil resultiere so aus einer lauterkeitsrechtlic h verpönten Übernahme frem- der Leistung. Damit würden die lauterkeitsrechtlich en Schutzrechte der Be- schwerdeführerin im Sinn von Art. 10 Abs. 2 lit. c IVöB 6 verletzt. Gemäss der angesprochenen Bestimmung brauchen die Auftraggeberin und der Auftraggeber einen Auftrag unter anderem da nn nicht nach den Be- stimmungen der IVöB zu vergeben, wenn dadurch beste hende Schutzrechte des geistigen Eigentums verletzt würden. Es handelt sich um einen Tat- bestand, bei welchem ein Auftrag im freihändigen Ve rfahren, d.h. ohne Aus- schreibung direkt vergeben werden kann (Art. 12 Abs . 1 lit. c IVöB). In den Vergaberichtlinien wird das so konkretisiert, dass ein Auftrag unabhängig vom Auftragswert direkt und ohne Ausschreibung verg eben werden kann, wenn unter anderem aus Gründen des Schutzes geistig en Eigentums nur eine Anbieterin oder ein Anbieter in Frage kommt und es keine angemessene Al- ternative gibt (Art. 9 Abs. 1 lit. c VRöB). Die Rüge, über das im Leistungskatalog umschrieben e Produkt könne gar kein Vergabeverfahren durchgeführt werden bzw. die Submission hätte nicht im gewählten offenen Verfahren vorgenommen we rden dürfen, hätte grundsätzlich schon mit Beschwerde gegen die Aussch reibung geltend ge- 6 Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen vom 25. November 1994 / 15. März 2001 (IVöB, SHR 172.510). 2010 4 macht werden müssen. 7 Allerdings enthielt diese offenbar keine Rechtsmit tel- belehrung. Es kann jedoch offenbleiben, ob deswegen mit einer Beschwerde bis nach dem Vergabeentscheid habe zugewartet dürfe n. 8 Jedenfalls ist nicht ersichtlich, dass mit dem vorliegenden Vergabeverfa hren konkrete Schutz- rechte des geistigen Eigentums der Beschwerdeführer in – etwa allfällige Pa- tent- oder Urheberrechte – verletzt würden. Der von der Beschwerdeführerin angerufene Art. 5 UWG 9 verpönt die unbefugte Verwertung eines Arbeits- ergebnisses bzw. einer in einem Arbeitsergebnis zum Ausdruck kommenden schöpferischen Leistung, d.h. des Resultats einer b estimmten (geistigen oder materiellen) Tätigkeit. 10 Die Beschwerdeführerin tut jedoch nicht dar, in- wieweit ihre Aufbauarbeit eine eigentliche immateri algüterrechtlich relevante schöpferische Leistung – etwa ein urheberrechtlich geschütztes kreatives Werk – darstelle. Ihre Dienstleistung an sich ist j edenfalls nicht wettbewerbs- rechtlich geschützt. Die Kantonsschule hat zwar in den Ausschreibungs- unterlagen Vorgaben zu den Sprachschulen und zur Au sgestaltung der Sprachaufenthalte gemacht, die auf ihren bisherigen Erfahrungen basieren dürften; sie hat aber den am Auftrag Interessierten nicht etwa eine eigentliche Dokumentation der Beschwerdeführerin übergeben, die allenfalls als Arbeits- ergebnis im Sinn von Art. 5 UWG hätte betrachtet we rden können. Wenn im Übrigen die Beschwerdeführerin erklärt, sie habe di e Kurse "zusammen mit den Verantwortlichen der Kantonsschule" aufgebaut, so ist daraus zu schlies- sen, dass das Produkt – wie auch immer es betrachte t wird – jedenfalls nicht ihr allein zugeordnet werden kann. Mit der Ausschre ibung wurden somit kei- ne immaterialgüter- bzw. wettbewerbsrechtlichen Bestimmungen verletzt. Die Ausnahmetatbestände von Art. 9 Abs. 1 VRöB sind im Übrigen nur zurück- haltend anzuwenden bzw. einschränkend auszulegen. 11 Der Kantonsschule kann daher keine Rechtsverletzun g vorgeworfen wer- den, weil sie den Auftrag nicht freihändig – an die Beschwerdeführerin – ver- geben, sondern im offenen Verfahren ausgeschrieben hat. 5.– … 6.– Das wirtschaftlich günstigste Angebot erhält den Zuschlag. Dabei können verschiedene Kriterien berücksichtigt werden , insbesondere Qualität, 7 Vgl. Art. 15 Abs. 1 bis lit. a IVöB; Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 382 ff., Rz. 820, 823, mit Hin- weisen. 8 Vgl. Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 392, Rz. 839. 9 Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb vom 19. Dezember 1986 (UWG, SR 241). 10 Carl Baudenbacher, Lauterkeitsrecht, Kommentar zum Gesetz gegen den u nlauteren Wett- bewerb (UWG), Basel 2001, Art. 5 N. 2, S. 718; Pedrazzini/Pedrazzini, Unlauterer Wett- bewerb, UWG, 2. A., Bern 2002, S. 189, Rz. 9.05. 11 Vgl. Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 90 f., Rz. 207 f., mit Hinweisen. 2010 5 Preis, Zweckmässigkeit, Termine, technischer Wert, Ästhetik, Betriebskosten, Nachhaltigkeit, Kreativität, Kundendienst, Infrastr uktur, Lehrlingsausbildung (Art. 32 Abs. 1 VRöB). Hiefür werden die Angebote nach einheitlichen Krite- rien fachlich und rechnerisch geprüft, und es wird eine objektive Vergleichs- tabelle über die Angebote erstellt (Art. 28 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 VRöB). a) Die Angebote der Beschwerdeführerin und der Beige ladenen unter- scheiden sich nur im Preis. Bei den übrigen Zuschla gskriterien wurden sie gleich bewertet. Letzteres wurde von keiner Seite in Frage gestellt, so dass die Bewertung der weiteren Kriterien nicht zu überprüfen ist. b) Die Beschwerdeführerin macht zusammenfassend gelt end, das Sub- missionsgremium habe den rechtserheblichen Sachverh alt unrichtig und un- vollständig festgestellt, indem es ihre ohne Preisa npassungsvorbehalt ein- gereichte Preisofferte mit der unter Anpassungsvorb ehalt, rein auf dem Preis- stand von Februar 2010 kalkulierten Preisofferte de r Beigeladenen verglichen habe, ohne diesen erheblichen Unterschied in die Be urteilung mit einzubezie- hen. Das Submissionsgremium habe sodann eine Rechts verletzung begangen, indem es in den Submissionsunterlagen keine Vorgabe n zur Preiskalkulation gemacht und dann die offerierten Preise ungeachtet der von den Anbietern individuell angebrachten Vorbehalte miteinander verglichen habe. Die Kantonsschule erklärt, sie sei bei der Ausschr eibung davon aus- gegangen, dass die offerierten Preise auf den Preis en von 2010 basierten. Sie könne nachvollziehen, dass ihre Vorgaben zu diesem Punkt interpretations- bedürftig gewesen seien. Die Beigeladene macht geltend, der Ausschreibung l asse sich nicht ent- nehmen, dass ein Fixpreis für die gesamte Auftragsd auer (2011–2015) vor- gegeben gewesen sei. Das widerspreche auch der Prax is. In der Reisebranche gebe es keine Fixpreise für fünfjährige Arrangement s mit Flugreisen. Ent- sprechend falsch sei die Darstellung der Beschwerde führerin, dass sie ins- künftige Änderungen der Wechselkurse und Flugpreise in ihrer Offerte bereits berücksichtigt habe. c) In der Ausschreibung wurde in der Rubrik "Dauer d er Verbindlichkeit des Angebots" festgehalten: "90 Tage ab Eingabe der Offerte. Die Angebots- preise sind verbindliche Nettopreise. Es findet kei ne Abgebotsrunde statt." Im Kriterienkatalog, der den Ausschreibungsunterlagen beigelegt war, wurde so- dann das Preisangebot als "Nettopreis" umschrieben. Aus dem Begriff "Nettopreis" lässt sich für die hi er interessierende Frage nichts ableiten. Insbesondere schliesst der Begriff allfällige Preisanpassungen bei gewissen Änderungen der massgeblichen Kostenfaktoren (etwa Flugpreise 2010 6 oder Wechselkurse) nicht aus. Wäre ein solcher Auss chluss gewollt gewesen, hätte der Begriff "Fixpreis" o.Ä. verwendet werden müssen. Die Kantonsschule erklärt, sie sei sich bei der Au sschreibung bewusst gewesen, dass es irgendwann einmal Preisanpassungen geben könnte. Sie ha- be sich überlegt, wie lang die im Angebotszeitpunkt kalkulierten Preise gelten sollten. Deshalb habe sie geschrieben, das Angebot sei 90 Tage ab Eingabe der Offerte verbindlich. Die Dauer der Verbindlichk eit des Angebots, die in den Ausschreibungsunterlagen grundsätzlich anzugebe n ist (Art. 14 lit. f VRöB), betrifft jedoch nach allgemeinem submissions rechtlichem Ver- ständnis nicht die von der Kantonsschule angesproch ene Problematik, son- dern die Frist, während deren Lauf der Anbieter an sein Angebot in dem Sinn gebunden ist, dass er nach dem Zuschlagsentscheid d urch einseitige An- nahmeerklärung der Vergabebehörde zum Vertragspartn er gemacht wird. So- bald dies der Fall ist, der Vertrag also zustande g ekommen ist, gilt dieser mit allen seinen Elementen – einschliesslich allfällige r darin vereinbarter, ge- gebenenfalls von gewissen Bedingungen abhängiger Anpassungen – über die- se Bindungsfrist hinaus für die gesamte Dauer der Vertragsabwicklung. Die Ausschreibung enthält somit keine klare Vorgab e, ob ein während der gesamten Vertragsdauer unabänderlicher Preis zu offerieren sei oder ob im Angebot allfällige Preisanpassungen vorbehalten sein dürften. d) Es geht um Sprachaufenthalte im Ausland während d er nächsten fünf Jahre. Dass in der Reisebranche grundsätzlich keine für fünf Jahre geltenden Fixpreise festgelegt werden, bestreitet die Beschwe rdeführerin nicht; solche Fixpreise sind mit Blick auf die erfahrungsgemäss n icht voraussehbaren Schwankungen der Flugpreise, Wechselkurse etc. auch kaum vorstellbar. Da- her ist es völlig aussergewöhnlich, wenn sich ein A nbieter – entgegen der Branchenübung – für fünf Jahre auf feste Preise ohn e Anpassungsmöglichkeit verpflichtet. Die Beigeladene hat denn auch in ihrer Offerte erk lärt, die genauen Flugpreise für 2011 seien noch nicht bekannt; Preis änderungen blieben vor- behalten; die Offerte basiere auf den Preisen für 2 010, einer Ausschreibung für fünf Jahre und den heutigen Devisenkursen. Auch die vierte Anbieterin hat in ihrer Offerte ausdrücklich auf allfällige Preisanpassungen hingewiesen. Die Beschwerdeführerin hat dagegen in ihrem Angebo t die Frage allfälli- ger Preisanpassungen nicht angesprochen. Sie hat zw ar keine Preisanpas- sungsklausel bzw. keinen Preisänderungsvorbehalt an gegeben. Sie hat jedoch auch nicht konkret erklärt, ihre Angebotspreise sei en Fixpreise, die ungeach- tet der künftigen Änderungen der Flug- und Bahnprei se oder Wechselkurse während der gesamten Vertragsdauer unverändert gelten sollten. Insbesondere hat sie in der Offerte auch nicht erklärt, sie habe für den Zeitraum 2011–2015 2010 7 das Risiko von Preisänderungen im Rahmen des kaufmä nnisch Vernünftigen und Absehbaren in ihre Preiskalkulation aufzunehmen versucht. Bei den bisherigen Sprachaufenthalten der Kantonss chule, die von der Beschwerdeführerin organisiert wurden, gab es die b ranchenüblichen Preis- anpassungen. In dieser Situation durfte die Beschwe rdeführerin nicht un- besehen davon ausgehen, mit der Ausschreibung werde – entgegen der bis- herigen Praxis – klarerweise ein Fixpreis für die g esamte Vertragsdauer ver- langt. Betrachtete sie aber die Vorgabe des Kriteri ums Preis als missverständ- lich oder zu wenig präzis, so war sie nach Treu und Glauben gehalten, sich bei der Vergabebehörde zu erkundigen, wie die aus i hrer Sicht unklare For- mulierung zu verstehen sei bzw. was von ihr in diesem Punkt konkret erwartet werde, oder wenigstens im Angebot klarzustellen, wi e ihre Preisofferte ge- meint sei, um so dem von ihr erkannten Missverständnis entgegenzutreten. 12 In ihren beiden Offerten, in denen sie unter ander em die Preise pro Schü- ler angab, hielt die Beschwerdeführerin eingangs un ter "Datum" jeweils fest: "2011 – Wochen 17–19". Auch wenn sie im Begleitschr eiben erklärte, sie schicke die Offerten für die Jahre 2011–2015, konnt e so der Eindruck ent- stehen, der Angebotspreis beziehe sich nur auf das in den Offerten konkret angegebene Jahr 2011. In der Beschwerdeverhandlung widersprach die Be- schwerdeführerin der entsprechenden Feststellung de r Beigeladenen von sich aus nicht. Auf konkrete Frage verwies sie auf den B egleitbrief und räumte ein, dass sie in den Offerten statt "2011" vielleic ht richtigerweise hätte schrei- ben müssen "2011–2015". Die Beigeladene gab im Übri gen in ihrer Offerte "2011–2015" eingangs ebenfalls nur die Reisedaten d es Jahrs 2011 an, unter- breitete aber – wie erwähnt – in der Folge eine dif ferenzierte Preisofferte. In den Ausschreibungsunterlagen waren generell die "Ka lenderwochen 17–19" angegeben. Von daher drängte sich eine Fokussierung auf die Sprach- aufenthalte im Jahr 2011 in der Offerte jedenfalls dann nicht auf, wenn ein unabänderlicher Preis für die gesamte Vertragsdauer offeriert werden sollte. Nach Eingabe der Offerte schlug die Beschwerdeführ erin der Kantons- schule mit Mail … vor, gemeinsam einen Weg zu finde n bzw. eine Vereinba- rung zu treffen, um in der Zukunft grosse Kursschwa nkungen bei der End- preisgestaltung berücksichtigen zu können. Das war noch vor den Gesprächen zwischen der Kantonsschule einerseits sowie der Bes chwerdeführerin und der Beigeladenen anderseits, in bzw. nach welchen die K antonsschule konkrete 12 Vgl. Art. 16 VRöB; Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 101, Rz. 229 (zur Fragepflicht), S. 122 f., Rz. 287 (zur Zulässigkeit von Vorbehalten bzw. ausl egenden Erklärungen in der Offerte bei mangelhaften Ausschreibungsunterlagen), S. 174 f., Rz. 420 ff. (zur generellen Pflicht der Anbieter, festgestellte Mängel der Unterlagen oder des Verfahrens bei der Vergabestelle so- fort geltend zu machen). 2010 8 Vereinbarungsentwürfe zur Preisgestaltung einbracht e. Nach ihrem ent- sprechenden Vorstoss konnte daher die Beschwerdefüh rerin nicht überrascht sein, dass die Kantonsschule diese Thematik tatsäch lich aufgriff. Der Vor- stoss zeigt sodann, dass – auch wenn sie dies in de r Offerte nicht erwähnt hat- te – letztlich auch die Beschwerdeführerin eine all fällige Anpassung der Prei- se anstrebte. Die Beigeladene hält im Übrigen den Ausführungen d er Beschwerde- führerin grundsätzlich zutreffend entgegen, dass ge wisse künftige Änderun- gen kaum absehbar seien und daher kaum vernünftig e inkalkuliert werden könnten. Wenn die Beschwerdeführerin hierauf erklär t, dass die "clausula re- bus sic stantibus" auch für sie gelte und sie versu cht habe, künftige Änderun- gen einzukalkulieren, die unter dieser Schwelle läg en, so relativiert sie damit ihre Behauptung, sie habe das Risiko von Preisänder ungen einkalkuliert, gleich selber. Im Ergebnis bekundet sie so gleichsa m einen mentalen, der Kantonsschule nicht kommunizierten Anpassungsvorbeh alt bei gewissen Än- derungen der massgeblichen preisbestimmenden Faktor en. Wo die fragliche Schwelle liege, konkretisiert sie im Übrigen nicht, obwohl die Beigeladene in diesem Zusammenhang unter Hinweis auf die Unbestimm theit des von der Beschwerdeführerin erwähnten "Absehbaren" verlangt hatte, diese habe ihre Kalkulationsgrundlagen offenzulegen. In dieser Situation erscheint es in der Gesamtbetr achtung zum einen ge- nerell als unglaubhaft, dass die Preisofferte der B eschwerdeführerin tat- sächlich als unabänderlicher Festpreis für die gesa mte Vertragsdauer zu ver- stehen sei. Zum andern durfte die Kantonsschule in guten Treuen jedenfalls davon ausgehen, dass auch die Angebotspreise der Be schwerdeführerin pra- xisgemäss unter Anpassungsvorbehalt stünden. Soweit das Angebot der Be- schwerdeführerin insoweit als unklar erscheinen sol lte, hat dies unter den ge- schilderten Umständen die Beschwerdeführerin zu vertreten. Die Kantonsschule hatte daher grundsätzlich keinen Anlass, den Sach- verhalt diesbezüglich noch weiter abzuklären oder v on der Beschwerdeführe- rin Erläuterungen zu deren Angebot einzuholen. Es i st ihr sodann keine Rechtsverletzung vorzuwerfen, wenn sie die Angebots preise der Beschwerde- führerin und der Beigeladenen bei der abschliessend en Prüfung direkt ver- glichen hat, ohne zuvor noch eine Bereinigung nach gewissen Kriterien vor- zunehmen. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass sie hinsichtlich der Sprach- aufenthalte für Frankreich die Offerte der Beigeladenen besser bewertet hat. e) Die Beschwerdeführerin beantragt, ihr Gelegenheit zu geben, eine Preisofferte auf der Grundlage des letzten Vereinba rungsentwurfs der Kan- tonsschule, eventuell auf einer von dieser definier ten und aktualisierten Kal- kulationsgrundlage nachzureichen. Dieser Antrag ist vor dem Hintergrund zu 2010 9 sehen, dass die Beschwerdeführerin behauptet, bei e iner Offertstellung mit der Möglichkeit von jährlichen Preisanpassungen hät te sie einen merklich günstigeren Preis offerieren können. Im kantonalen Submissionsverfahren gilt der Grunds atz des Verzichts auf Abgebotsrunden (Art. 11 lit. c IVöB), worauf hi er in der Ausschreibung denn auch ausdrücklich hingewiesen wurde. Zwar könn en Erläuterungen eines Angebots verlangt werden (Art. 29 VRöB). Verh andlungen zwischen dem Auftraggeber und den Anbietern über Preise, Pre isnachlässe und Ände- rungen des Leistungsinhalts in diesem Zusammenhang sind jedoch unzulässig (Art. 30 Abs. 1 VRöB). Aus dem Verhandlungsverbot ergibt sich das Prinzip der grundsätzlichen Unveränderbarkeit der Angebote. Auch aufgrund von E rläuterungsbegehren dürfen die betreffenden Anbieter ihr Angebot nicht abändern, sondern nur Klarstellungen und Präzisierungen vorhandener Offer tinhalte im Hinblick auf die Offertbereinigung liefern. Das Angebot darf nac h Ablauf des Eingabe- termins auch nicht mit Zustimmung der Vergabebehörd e abgeändert wer- den. 13 Die von der Beschwerdeführerin angestrebte nachträ gliche Optimierung des Angebots – zumal nach Kenntnisnahme vom Angebot der Beigeladenen – liefe im Ergebnis auf eine verpönte Nachbesserung b zw. Änderung hinaus. Dem entsprechenden Antrag kann daher nicht stattgeg eben werden, auch wenn ihn die Kantonsschule als Vergabebehörde grund sätzlich nachvollzie- hen kann. f) Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde aufgr und der vor- stehenden Erwägungen als unbegründet; sie ist abzuweisen. 13 Galli/Moser/Lang/Clerc, S. 184 f., Rz. 444 f., mit Hinweisen.