B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3420/2013/mel U r t e i l v o m 5 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), Äthiopien, beide vertreten durch lic. iur. Patricia Müller, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Familiennachzug zugunsten von C._______, Äthiopien; Verfügung des BFM vom 15. Mai 2013 / N (…). D-3420/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger Äthiopiens – reichte am 8. September 2010 in der Schweiz ein Asylgesuch ein, wobei er anläss- lich der summarischen Befragung vom 14. September 2010 und der ei n- lässlichen Anhörung vom 14. Oktober 2010 im Wesentlichen vor brachte, er sei Mitglied der Ethiopian People's Revolutionary Democratic Front (EPRDF) und seit Ende 2005 für den äthiopischen Geheimdi enst tä tig gewesen. Er und seine Familie seien daher von verschiedenen Personen in seinem persönlichen Umfeld bedroht worden. Da sich die Situation immer mehr zugespitzt habe, habe er versucht, aus der Tätigkeit ausz u- steigen, sei aber gezwungen worden, wei ter zu arbeiten. Zudem sei er bei der Arbeit mit körperlicher Gewalt bestraft und für den Fall, dass er flüchten würde, mit dem Tod bedroht worden. Mit Verfügung des BFM vom 25 . Oktober 2010 wurde der Beschwerd e- führer als Flüchtling im Sinne von Art. 3 de s Asylgesetzes vom 26. Ju ni 1998 (AsylG, SR 142.31) anerkannt und ihm Asyl in der Schweiz gewährt. Im Nachgang dazu wurde ihm von der zuständigen kantonalen Behörde eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung erteilt. B. Am 3. Juni 2011 reichte der Bes chwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – beim BFM betreffend seine Ehefrau B._______ (Be- schwerdeführerin) und ihr gemeinsames Kind D._______ ein Gesuch um Familienvereinigung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG i.V.m. Art. 37 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ein. Er brachte vor, er habe die Beschwerdeführerin im Jahr 2007 geheiratet, und im Jahr 2008 sei das gemeinsame Kind zur Welt gekommen. Mit seinem Gesuch reichte er als Beweis mittel eine Kopie de r Heiratsurkunde, zwei Fotos von der Hochzeit, die Kopie der Geburtsurkunde des Kindes D._______ und ein Foto von ihm, seiner Ehefrau und seinem Sohn zu den Akten. Am 1. September 2011 bat das BFM den Beschwerdeführer unter Hi n- weis auf die Mitwirkungspfli cht (Art. 8 AsylG ) zu verschiedenen Wide r- sprüchen Stellung zu nehmen. Mit Schreiben vom 23. September 2011 korrigierte der Beschwerdeführer, die Trauung habe am 27. März 2008 stattgefunden, einen Monat vor der Geburt des gemeinsamen Kindes. Ferner brachte er vor, sie hätten sich D-3420/2013 Seite 3 lediglich kirchlich trauen lassen. Sie hätten sich auch nicht – wie vom BFM behauptet – getrennt, sonder n die Beschwerdeführerin h abe au f- grund des psychischen Druckes wegen der Arbeit ihres Mannes die Flucht ergriffen. Der Beschwerdeführer habe dann die elterliche Sorge für das gemeinsame Kind D._______ übernommen. C. Mit Verfügung vom 14. März 2012 bewilligte das BFM die Einreise der Beschwerdeführerin und des gemeinsamen Sohnes in die Schweiz. Nach entsprechendem Gesuch des Beschwe rdeführers vom 30. März 2012, übernahm das BFM mit Verfügung vom 10. April 2012 deren Einreisekos- ten. D. Am 15. Mai 2012 ersuchte die Beschwerdeführerin und der gemeinsame Sohn um die Gewährung von Asyl. Anlässlich der Befragung vom 5. Juni 2012 machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie sei in die Schweiz gekommen, um mit ihrem Mann hier zu leben. Sie habe se l- ber keine Probleme in Äthiopien gehabt. Nur wegen der Arbeit ihres Man- nes habe sie Schwierigkeiten gehabt. Dreimal se ien Leute vom Gehei m- dienst zu ihr gekommen und hätten sie aufgefordert, Dokumente ihres Mannes herzugeben. Sie hätten sie eingeschüchtert und in ein Auto g e- zerrt. Zudem gab die Beschwerdeführerin an, sie habe neben dem Kind mit dem Beschwerdeführer einen weiteren Sohn – C._______, geboren (…) –, welcher bei seiner Grossmutter väterlicherseits lebe. E. Mit Eingabe vom 2. Februar 2013 ersuchten die Beschwerdeführenden das BFM um eine möglichst baldige Behandlung des Asylgesuches, r e- spektive den Einschluss in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde - führers, da es für den Zugang zu Integrationsmassnahmen von grosser Bedeutung sei, über eine ordentliche Aufenthaltsbewilligung zu verfügen. F. Mit Verfügung vom 21. Februar 2013 stellte das BFM fest, die Beschwer- deführerin und der gemeinsame Sohn erfüllten die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht, da sie keine eigenen Asylgründe geltend machten. Ihnen sei jedoch im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG aufgrund ih- rer religiösen Heirat mit dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. D-3420/2013 Seite 4 G. Am 9. April 2013 reichte die Beschwerdeführerin – handelnd durch ihre Rechtsvertreterin – beim BFM ein Gesuch um Familienvereinigung betref- fend ihren Sohn C._______ gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG i.V.m. Art. 37 AsylV1 ein. Mit ihrem Gesuch reichte sie als Beweis mittel drei Fotos von sich mit ihrem Sohn zu den Akten. H. Mit Verfügung des BFM vom 15. Mai 2013 – eröffnet am 21. Mai 2013 – wurde dem Kind C._______ die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt und das Gesuch um Familienzusammenführung abgelehnt. I. Gegen diesen Entscheid erhob en die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 14. Juni 2013 Beschwerde, wobei sie die Bewilligung der Einreise des Kindes beantragte n, eventualiter die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. Gleichzeitig ersuchten sie um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Verzicht auf Erhebung e i- nes Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Behandlung von Beschwerden gegen Verfügungen des BFM; dabei en t- scheidet das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorliegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 und 33 des Verwaltungsgerichtsgese t- zes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG). 1.3 Auf dem Gebiet des Asyls können mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des recht s- erheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-3420/2013 Seite 5 1.4 Auf die frist- und formgerechte Eingabe der legitimierten Beschwerde- führenden ist einzutreten (vgl. dazu Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG). 1.5 Aufgrund der Aktenlage ist auf die Durchführung eines Schrifte n- wechsels zu verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 In der Beschwerd e wird gerügt, das BFM habe es unterlassen, den Beschwerdeführenden die Gelegenheit einzuräumen bezüglich den Fami- lienverhältnissen in Äthiopien Auskunft zu geben , womit der Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt worden sei. Im Gesuch um Familienverein i- gung sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass um eine Mitte i- lung gebeten werde, falls weitere Angaben benötigt würden. Dies stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfas- sung der Schweizerischen Eidgen ossenschaft vom 1 8. April 1999 [ BV, SR 101]) und des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 12 VwVG) dar. Diese formelle Rüge ist vorgängig zu prüfen, da diese gegebenenfalls zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen könnte. 2.2 Mit der Stellung des Gesuches um Familiennachzug nehmen die Ge- suchsteller in der Regel das ihnen zukommende Recht auf Gehör gen ü- gend wahr; ein Anspruch auf Anhörung, wie dies im Rahmen eines Asy l- gesuches geregelt ist, besteht nicht. Die Behörde muss in ihrer Recht s- anwendung sodann nur ins ofern das rechtliche Gehör gewähren, als sie sich auf eine Rechtsnorm oder auch ein Sachverhaltselement stützt, mit der die Rechtssuchenden nicht hätten rechnen müssen. Dies ist vorli e- gend nicht der Fall. 2.3 Auch die implizite Rüge, der Sachverhalt sei unric htig oder nicht vol l- ständig erstellt worden, vermag nicht zu überzeugen. "Unrichtig" ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Am- tes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, Art. 49, in: Christoph Auer/Markus Müller /Benjamin Schindler, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Z ü- rich/St. Gallen 2008, Rz. 28, S. 676 f.). Ihre Grenze findet die Unters u- chungspflicht allerdings in der Mitwirkungspflicht (vgl . Art. 8 AsylG). D-3420/2013 Seite 6 Aufgrund der Aktenlage – insbesondere durch die Protokolle der Anh ö- rung respektive der Befragungen der Beschwerdeführenden während de- ren Asylverfahren, sowie durch die Akten bezüglich des Familiennachz u- ges der Beschwerdeführerin und ihres gemeinsamen Sohnes – erscheint der rechtserhebliche Sachverhalt als genügend erstellt. Das Angebot wei- terer Auskünfte der Beschwerdeführenden in ihrem Ge such an das BFM ändert daran nichts. Hätten die Beschwerdeführenden weitere Beweismit- tel oder Vorbringe n geltend machen wollen, hätten diese Eingaben im Rahmen der Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG selbständig vorge- bracht werden müssen. Eine Verletzung der prozessualen Rechte ist d a- her nicht ersichtlich. 3. 3.1 In der angefochtenen Verfügung gelangt das BF M zum Schluss, aus den Akten ginge hervor, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingse i- genschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht erfülle. Sie sei in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes einbezogen worden. Da die B e- schwerdeführerin bereits ihrerseits in die Flüchtlingseigenschaft einbez o- gen worden sei, bestehe nach gängiger Praxis der Asylbehörden keine Grundlage für einen Einbezug ihres Sohnes. 3.2 Im Rahmen ihrer Beschwerdebegründung bringen die Beschwerd e- führenden im Wesentlichen vor, nach ihre r Flucht aufgrund des psych i- schen Druckes habe sie (die Beschwerdeführerin) die beiden Kinder bei ihrem Ehemann zurückgelassen. E r (der Beschwerdeführer) habe dann die elterliche Sorge für beide Kinder übernommen. Er habe bei der Anhö- rung nicht erwähnt, da ss er einen Pflegesohn habe, beziehungsweise seine Ehefrau und er ein weiteres Kind zu versorgen hätten. Sie habe auf eine eigene Anhörung zu ihren Asylgründen verzichtet, damit über ihr Asylgesuch schneller hätte entschieden werden können. Sie habe ang e- nommen, dass sie dadurch ihren älteren Sohn auch schn eller in die Schweiz holen könn e. Er sei wiederum davon ausgegangen, dass C._______ nicht in die Schweiz kommen dürfe, da er ihn nicht gezeugt habe. Er sei der Überzeugung gewesen, seine Frau müsse zuerst in die Schweiz reisen und eine Aufenthaltsbewilligung vorweisen können, bevor ein Gesuch um Familienvereinigung gestellt werden könne. Er sei aber C._______ Pflegevater und fülle für ihn die Vaterrolle aus. Daher müsse ihm die Einreise bewilligt werden. D-3420/2013 Seite 7 4. 4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und deren minderjährige Kinder als Flüchtlinge anerkannt und er halten Asyl, sofern keine beson deren Umstände dagegen sprechen . Besondere Um- stände sind beispielsweise anzunehmen, wenn das Familienmitglied Bür- ger eines anderen Staates als der Flüchtling und die Familie in diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Status derivativ e r- worben hat, oder wenn das Familienleben während längerer Zeit nicht ge- lebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben. Massgeblich für die Beurteilung ist der Zeitpunkt des Asyl- beziehungsweise Beschwerdeentscheides. 4.2 In jedem Fall bedingt die Zu erkennung der Flüchtlingseigen schaft, dass die anspruchsberechtigte Person ihren Hei mat- oder Herkunftsstaat verlassen hat; im Hinblick hierauf haben Personen, welche nach Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge anzuerkennen sind, aus Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebewilligung, sofern sie sich im Ausland aufhalten, es sich um Mitglieder der Kernfamilie handelt und die- se aufgrund der Umstände der Flucht vom aner kannten Flüchtling g e- trennt wurden . Darunter fallen namentlich die Ehegatten und die noch minderjährigen Kinder von Flüchtlingen, welche sich noch im Heimatstaat befinden oder erst einen Drittstaat erreicht haben. Unter dem Begriff der minderjährigen Kinder im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG werden auch die Stief- und Adoptivkinder, Pflegekinder und andere subsumiert , da die Norm nach ihrer ratio legis die Herstellung eines einheitlichen Rechtsst a- tus innerhalb der Kernfamilie bezweckt. Diesen ist – im Sinne eines asyl- rechtlichen Familiennachz uges respektive der Familienzusammenfü h- rung – die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, jedoch ebenfalls nur dann, wenn eine Trennung durch die Fluchtumstände stattgefunden hat. Auch in diesem Fall bildet demnach die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden haben muss, eine "conditio sine qua non". Zweck der Bestimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist somit alleine die Wiedervereinigung von vorbestandenen Familiengemeinschaf- ten. 4.3 Erfüllt die Person, von welcher die Flüchtlings eigenschaft abgeleitet wird ihrerseits ausschliesslich die Flüchtlingseigenschaft im formellen Sinne – ist selber also in keiner Weise Flüchtling im materiellen Sinne – so ist dies als besonderer Umstand im Sinne von Art. 51 AsylG zu b e- trachten, der gegen den Ei nbezug ins Familienasyl spricht und damit auch die Bewilligung zur Einreise ausschliesst (vgl. zum Ganzen Urteil D-3420/2013 Seite 8 des Bundesverwaltungsgerichts D-2110/2013 vom 31. Mai 2013 E. 2; Ur- teil des Bundesverwaltungsgerich ts D-6263/2011 vom 16. Januar 2013 E. 4 jeweils mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung der vormali- gen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK), welche vom Bundes- verwaltungsgericht weitergeführt wird). 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin erfüllt gemäss Verfügung vom 21. Februar 2013, die unangefo chten in Rechtskraft erwuchs, die Flüchtlingseige n- schaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht. Sie wurde allein gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtling anerkannt. Wie bereits ausgeführt , kann g emäss geltender Praxis die abgeleitete (formelle) Flüchtlin gsei- genschaft nur dann weiterübertragen werden , wenn Flüchtlinge ihrerseits auch – in ihrer eigenen Person aufgrund der eige nen Sachverhaltsvor- bringen – die materielle Flüchtlingseigenschaft erfüllten. Die Beschwerde- führerin machte in ihrem Asylverfahren keine eigenen Asylgründe geltend und aufgrund der Aktenlage vermag auch nicht zu überzeugen, sie habe dies aus Gründen der Effizienz unterlassen. Vielmehr fällt auf, dass w e- der im Rahmen des Familiennachzugsgesuches vom 3. Juni 2011 von ei- ner mögliche Gefährdung der Beschwerdeführerin die Rede ist, noch im Laufe des entsprechenden Verfahrens auf eine entsprechende Gefahr hingewiesen wurde. Zwar wurde auf eine beförderliche Behandlung des Gesuchs gedrängt, dies aber mit der Begründung , die Beschwerdefü h- renden litten unter der Trennung. Im Rahmen der Befragung zur Person der Beschwerdeführerin nach deren Einreise wird wiederum nur vorg e- bracht, sie sei in die Schweiz gekommen, um mit ihrem Ehemann zu l e- ben. Von einer Gefährdungssituation im Zeitpunkt der Ausreise wird nichts erwähnt. Zwar seien Personen des Geheimdienstes bei ihr vorbe i- gekommen und sie hätten nach Dokumenten des Beschwerdeführers g e- fragt, dies lag im Zeitpunkt der Ausreise jedoch bereits längere Zeit z u- rück (das Kind sei damals (…) alt gewesen) und die entsprechenden Vor- bringen vermitteln auch nicht den Eindruck einer genügenden Intensität einer asylrechtlich relevanten Verfolgung . Die im vorliegenden Verfahren geltend gemachte Behauptung, die Beschwerdeführerin erfülle ih rerseits die originäre Flüchtlingseigenschaft muss nach diesen Erwägungen als nachgeschoben und unglaubhaft erachtet werden. Damit kann die Einrei- se des Sohnes aufgrund eines Einschlusses in die derivative Flüchtlings- eigenschaft der Beschwerdeführerin nicht bewilligt werden. 5.2 Somit bleibt zu prüfen, ob C._______ in die (originäre) Flüchtlingse i- genschaft des Beschwerdeführers einbezogen werden kann. D-3420/2013 Seite 9 5.2.1 Wie vorstehend aufgezeigt ist für die Bewilligung der Einreise im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG zwingende Grundvoraussetzung, dass die Familienangehörigen durch die Flucht getrennt wurden. Aufgrund der A k- tenlage besteht jedoch kein Anlass zur Annahme, der Beschwerdeführer habe mit dem Kind C._______ jemals i m Sinne einer Familiengemei n- schaft zusammengelebt. 5.2.2 Im ganzen Asylverfahren des Beschwerdeführers sowie auch im Verfahren bezüglich der Familienzusammenführung der Beschwerdefü h- rerin und ihres gemeinsamen Sohnes erwähnte der Beschwerdeführer nie ein Pflegekind oder ein anderes Kind, welches unter seiner elterlichen Sorge gestanden wäre. So spricht er explizit und wiederholt von nur e i- nem Kind (vgl. Akten BFM unter anderem A1 S. 3; A10 F60 ff.; B1 S. 1; B5 S. 2). Hätte C._______ tatsächlich, wie dies in der Beschwerde vo r- gebracht wird, beim Beschwerdeführer gelebt und hätte der Beschwer - deführer die Vaterrolle für ihn inne gehabt, wäre es zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer ihn zumindest erwähnt hätte. Das Fehlen ent- sprechender Angaben spricht für sich. Ferner gibt auch die Beschwerd e- führerin zu P rotokoll, dass C._______ bei der Grossmutter väterliche r- seits lebe (vgl. C3 S. 5). Somit lässt die Aktenlage nicht darauf schlie s- sen, es liege eine familiäre Verbindung vor, welche gemäss den Besti m- mungen nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG zur Einreise und zum Familien- asyl berechtigen würde. 5.3 In dieser Hinsicht bleibt nochmals festzuhalten, dass die Bestimmu n- gen zum Familienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG weder zur Wieder- aufnahme einer bereits in der Heimat abgebrochenen familiären Bezi e- hung noch zur Aufnahme von neuen respektive von zuvor noch gar nicht gelebten familiären Beziehungen herangezogen werden können. Das I n- stitut des Familienasyls zielt somit nach der Konzeption des Gesetzes und ständiger Praxis alleine auf die Bewahrung bestehender Familienge - meinschaften ab, respektive auf deren Wiederherstellung, sollte es au f- grund der Fluchtumstände zu einer erzwungenen Trennung der Fami lie gekommen sein (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgericht s D-2110/2013 vom 31. Mai 2013 E. 4.5 mit weiteren Hinweisen) . Nach vorstehenden Erwägungen sind diese Anforderungen in Bezug auf das Kind C._______ nicht erfüllt. 5.4 Die eingereichten Fotos, welche die Beschwerdeführerin angeblich mit ihrem Kind C._______ zeigten, vermögen nichts an den vorstehenden Erwägungen zu ändern. D-3420/2013 Seite 10 6. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass das BFM zu Recht das Gesuch um Familiennachzug respektive um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG abgelehnt hat. Die angefochtene Verfügung ist daher zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen. 7. 7.1 Mit dem vorliegenden Entscheid wird das Gesuch um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegenstand s- los. Dem Bundesverwaltungsgericht liegt keine Fürsorgebestätigung vor, womit die behauptete Mittellosigkeit unbewiesen bleibt. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist demnach abzuweisen. 7.2 Somit sind bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-3420/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betr ag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an d ie Beschwerdeführe nden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Anne Kneer Versand: