<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 96 S.485</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">485</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>96 Sondernutzungsplanung</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Teile eines Sondernutzungsplans, die gegen zwingende Festsetzungen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Allgemeinen Nutzungsplans verstossen, sind gesetzeswidrig und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>daher ungültig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 29. März 2006</span><br/> <span class="ft5">i.S. S. gegen Baukonsortium M. und Gemeinderat Mellingen</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der Allgemeine Nutznungsplan der Gemeinde Mellingen von</span><br/> <span class="ft1">1994 beschränkt die Geschosszahl für die Zonen W3 und WG3 auf</span><br/> <span class="ft1">drei Geschosse. Ein viertes Geschoss ist einzig in der WG3 möglich,</span><br/> <span class="ft1">wenn ein Sondernutzungsplan dies so vorsieht. Vor der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">instanz stellte sich die Frage, ob der Sondernutzungsplan «Kreuz-</span><br/> <span class="ft1">zelg» von 1979, der noch unter altem Recht erlassen worden war und</span><br/> <span class="ft1">für das Baugrundstück in der W3 viergeschossige Bauten zulässt,</span><br/> <span class="ft1">gültig bleibt.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. In einem nächsten Schritt ist somit zu untersuchen, ob in der</span><br/> <span class="ft1">betreffenden Zone vier Vollgeschosse zulässig sind.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">486</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Gestaltungsplan «Kreuzzelg» umfasst ein Gebiet, in wel-</span><br/> <span class="ft1">chem gemäss Grundnutzung (W3) drei Geschosse zugelassen sind.</span><br/> <span class="ft1">Er wurde vom Grossen Rat am 20. Juni 1981 genehmigt. Nach § 7</span><br/> <span class="ft1">der dazu geltenden Spezialbauvorschriften wird die maximale Ge-</span><br/> <span class="ft1">schosszahl für jede Baufläche festgelegt und im Plan eingetragen.</span><br/> <span class="ft1">Für die Baufläche 7 sind gemäss Situationsplan vier Geschosse zu-</span><br/> <span class="ft1">lässig. (...)</span><br/> <span class="ft1">Nach § 168 Abs. 1 BauG bleiben die vor Inkrafttreten dieses</span><br/> <span class="ft1">Gesetzes aufgestellten Nutzungspläne sowie Nutzungs- und Ausfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungsvorschriften des Kantons und der Gemeinden in Kraft, so weit</span><br/> <span class="ft1">sie dem unmittelbar anwendbaren neuen Recht nicht widersprechen.</span><br/> <span class="ft1">Kanton und Gemeinden sorgen dafür, dass andere Widersprüche im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der normalen Überprüfung der Pläne und Vorschriften be-</span><br/> <span class="ft1">seitigt werden. (...)</span><br/> <span class="ft1">Nach § 21 Abs. 2 BauG können Gestaltungspläne von den all-</span><br/> <span class="ft1">gemeinen Nutzungsplänen und -vorschriften abweichen, wenn da-</span><br/> <span class="ft1">durch ein siedlungs- und landschaftsgestalterisch besseres Ergebnis</span><br/> <span class="ft1">erzielt wird, die zonengemässe Nutzung nicht übermässig beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigt wird und keine überwiegenden Interessen entgegen stehen.</span><br/> <span class="ft1">So weit die Gemeinden nichts anderes festlegen, dürfen Gestaltungs-</span><br/> <span class="ft1">pläne gemäss § 3 Abs. 2 ABauV von den allgemeinen Nutzungsplä-</span><br/> <span class="ft1">nen und -vorschriften u.a. bezüglich der Baumasse abweichen (höch-</span><br/> <span class="ft1">stens jedoch um ein zusätzliches Geschoss).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 18 Abs. 3 BNO vom 24. März 1994/26. November</span><br/> <span class="ft1">1996 kann der Gemeinderat in den WG-Zonen im Rahmen der Son-</span><br/> <span class="ft1">dernutzungsplanung ein zusätzliches Geschoss bewilligen, wenn da-</span><br/> <span class="ft1">durch das Quartier- und Ortsbild nicht beeinträchtigt wird. In der Zo-</span><br/> <span class="ft1">ne W3, in welcher das Gebiet Kreuzzelg ... liegt, wird kein</span><br/> <span class="ft1">zusätzliches Geschoss zugelassen. Dass der Gemeinderat beim Erlass</span><br/> <span class="ft1">der neuen Nutzungsplanung vor 10 Jahren nur in den Wohn- und Ge-</span><br/> <span class="ft1">werbezonen ein zusätzliches Geschoss zulassen wollte, nicht aber in</span><br/> <span class="ft1">den Wohnzonen, hängt damit zusammen, dass der Gemeinderat in</span><br/> <span class="ft1">den reinen Wohngebieten bessere Lichtverhältnisse und damit eine</span><br/> <span class="ft1">bessere Wohnqualität schaffen wollte als in den gemischten Zonen.</span><br/> <span class="ft1">Eine solche Massnahme ist aus raumplanerischer Sicht nicht zu be-</span><br/> <span class="ft1">anstanden. Den Gemeinden steht im Übrigen auch auf Grund der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">487</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gemeindeautonomie ein weites Ermessen beim Erlass von Zonen-</span><br/> <span class="ft1">vorschriften zu. (...)</span><br/> <span class="ft1">Der Gestaltungsplan «Kreuzzelg» von 1979/1981 wurde mit der</span><br/> <span class="ft1">Genehmigung der Bau- und Nutzungsordnung sowie des Zonenpla-</span><br/> <span class="ft1">nes von 1994/96 insoweit ausser Kraft gesetzt, als er mit höherran-</span><br/> <span class="ft1">gigem Recht in Widerspruch steht. Die Bauherrschaft ist der Auf-</span><br/> <span class="ft1">fassung, dass der Gestaltungsplan nach wie vor in Kraft sei, weil er</span><br/> <span class="ft1">formell nie aufgehoben wurde. Nach dem klaren Wortlaut von § 168</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 Satz 1 BauG erübrigte sich allerdings eine formelle Aufhe-</span><br/> <span class="ft1">bung.</span><br/> <span class="ft1">Somit dürfte die geplante Baute nur mit drei Vollgeschossen</span><br/> <span class="ft1">realisiert werden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>