<h2>SubmittedText<h2><p>Seit geraumer Zeit läuft eine eigentliche mediale Kampagne gegen die Produktion und den Konsum von Fleisch und Fleischprodukten. Dabei wird vielfach verschwiegen, dass tierische Produkte bedeutende Quellen von biologisch hochwertigen Proteinen darstellen und, auch wegen ihrer im Vergleich zu Pflanzen höheren Bioverfügbarkeit, einen wichtigen Beitrag an die Aufnahme von lebensnotwendigen Mikronährstoffen wie Vitamine (v.a. B1, B2, B12) und Spurenelemente (v.a. Eisen, Zink, Selen) leisten. Zudem verfügen tierische Proteine aufgrund ihres ausgeglicheneren Aminosäuremusters über eine bessere Wertigkeit als pflanzliche Produkte.</p><p>Die verschiedenen Arten von Fleisch sind nach wie vor bei den Konsumentinnen und Konsumenten sehr beliebt. Während der Pro-Kopf-Konsum beim Schweinefleisch in den letzten zehn Jahren leicht rückläufig ist, bewegt sich jener von Rindfleisch auf stabilem Niveau und derjenige von Geflügel stagniert.</p><p>Die diversen Antifleisch-Kampagnen blenden immer wieder aus, dass für die Produktion von Fleischersatzprodukten oftmals Zutaten und Zusatzstoffe zum Einsatz gelangen, die in Bezug auf die Umwelt, aber auch die Gesundheit sehr fragwürdig bzw. mindestens zu hinterfragen sind. Auch werden deren Umweltwirkungen insbesondere auch unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit der jeweils verwendeten Ausgangsmaterialien wie auch der jeweiligen Herstellprozesse bei entsprechender Skalierung - wenn überhaupt - meist einfach ausgeblendet.</p><p>Der Bundesrat wird daher gebeten, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Teil der Bundesrat die Meinung, dass Fleisch ein wichtiger Teil einer ausgewogenen Ernährung ist?</p><p>2. Sind detaillierte Daten verfügbar, welche die Produktion von Fleischersatzprodukten in ein Verhältnis setzt zur Umweltbelastung? Falls ja, welche?</p><p>3. Wie hoch sind die Treibhausgasemissionen und der Energieverbrauch, welche diese Produkte verursachen?</p><p>4. Wie beurteilt der Bundesrat die Nachhaltigkeit der Produktion von Fleischersatzprodukten generell?</p><p>5. Wie beurteilt der Bundesrat die ernährungsphysiologische Zusammensetzung von Fleischersatzprodukten mit Blick auf die menschliche Gesundheit?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Unter dem Begriff "Fleischersatz" lässt sich eine Vielzahl von Produkten, die Fleisch und seine Eigenschaften ersetzen, subsumieren. Dazu gehören beispielsweise Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen, verarbeitete Produkte aus nur einer Zutat wie Tofu, Produkte, die Fleisch imitieren sowie Convenience-Produkte, die sich nicht primär über den Proteinanteil definieren, aber oft Fleisch ersetzen. Fleischersatzprodukte sind nicht zwingend rein pflanzlich, sie können auch Milch oder Eier enthalten.</p><p>1. Fleisch hat seinen Platz in der Schweizer Lebensmittelpyramide und ist eine wertvolle Quelle für Makro- und Mikronährstoffe, insbesondere Proteine, die Vitamine A, B1, B12 sowie Eisen und Zink. Gemäss den Schweizer Ernährungsempfehlungen sollte der Fleischkonsum 2 - 3 Portionen (1 Portion = 100 - 120 Gramm) pro Woche nicht überschreiten. Die nationale Ernährungserhebung menuCH zeigt jedoch, dass die Bevölkerung in der Schweiz 3-mal zu viel Fleisch isst. Aus gesundheitlicher Sicht sollte der Fleischkonsum also reduziert und Fleisch teilweise durch andere proteinreiche Lebensmittel wie Fisch, Eier, Tofu, Quorn, Seitan, Milchprodukte oder Hülsenfrüchte abwechslungsweise ersetzt werden.</p><p>2. und 3. Verschiedene Studien vergleichen Ökobilanzen von Fleisch und Fleischersatzprodukten, zum Beispiel UBA 2020, Smetana et al. 2015 und 2021, ESU-Services 2021. Agroscope arbeitet aktuell an einer Weiterentwicklung der Methodik für Ökobilanzen zur besseren Berücksichtigung der Bioverfügbarkeit verschiedener Proteinquellen. Die Studien zeigen, dass Fleischersatzprodukte bei Ökobilanzen in der Regel deutlich besser abschneiden als Fleisch. Sojabasierte Fleischersatzprodukte verursachen demnach rund 50 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als Pouletfleisch und mehr als 80 Prozent weniger als Rindfleisch. Auch der Verbrauch von nicht erneuerbarer Energie ist bei Fleischersatzprodukten deutlich tiefer als bei Fleisch. Bei unverarbeiteten oder wenig verarbeiteten Fleischersatzprodukten fällt der Unterschied noch grösser aus. Bei Produkten basierend auf Mykoprotein (in Bioreaktoren hergestelltes Pilzprotein) und bei Produkten mit hohem Anteil an Eiern oder Milchprodukten kann der Unterschied geringer sein.</p><p>4. In den vergangenen fünf Jahren ist die Nachfrage nach Fleischersatzprodukten stark gestiegen (BLW, 2021: Report zum Schweizer Fleischersatzmarkt). Für die Schweizer Landwirtschaft bietet dieser wachsende Markt Potenzial. Zu dessen Erschliessung braucht es eine Zusammenarbeit über die Wertschöpfungskette hinweg; von der Produktion der Rohstoffe, über deren Aufbereitung und Verarbeitung bis hin zur gezielten Vermarktung.</p><p>Der Bundesrat hat in der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 das Ziel gesetzt, dass der Anteil der Bevölkerung, der sich entsprechend den Ernährungsempfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide ernährt, auf einen Drittel steigt. Pflanzliche Proteine sind ein wichtiger Aspekt eines nachhaltigen Ernährungssystems.</p><p>5. Fleischersatzprodukte variieren sehr stark in ihren Inhaltsstoffen. Bei Fleischersatzprodukten handelt es sich zum Teil um stark verarbeitete Lebensmittel, die ernährungsphysiologisch nicht optimal zusammengesetzt sind.</p><p>Während einige Hersteller, weitgehend oder vollständig auf den Einsatz von Zusatzstoffen verzichten, gibt es auch Produkte mit Lebensmittelzusatzstoffen. Eine Studie der Verbraucherzentrale Niedersachsen von 2020 hat ergeben, dass 29 von 31 stark verarbeiteten veganen Fleischersatzprodukten einen mittleren oder guten Nutri-Score von "C" bis "A" aufwiesen.</p><p>Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, bei verarbeiteten Fleischersatzprodukten, die Zutatenliste und die Nährwertangaben auf der Verpackung zu beachten und solche mit günstiger Zusammensetzung zu bevorzugen (z. B. relevanter Proteingehalt, geringer Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker). Ähnliche Grundsätze gelten für die verarbeiteten Fleischprodukte.</p>  Antwort des Bundesrates.