Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. September 2020 (720 20 59 / 224) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Taggeldanspruch. Abgrenzung der erstmaligen beruflichen Ausbildung (Art. 16 IVG) von der Umschulung (Art. 17 IVG). Das während der beruflichen Erstausbildung erwirtschaf- tete Einkommen kann bei der Beurteilung, ob während sechs Monaten ein ökonomisch relevantes Einkommen erzielt worden ist, nicht berücksichtigt werden. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Daniela Buser Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D aniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A.a Der 1997 geborene A.____ absolvierte eine Ausbild ung zum Logistiker. Diese Ausbil- dung schloss er im Sommer 2016 mit Eidgenössischem Fähigkeit szeugnis (EFZ) erfolgreich ab und trat anschliessend eine Anstellung als Logistiker/Hilfsgipser im elterliche n Betrieb an. Am 28. Oktober 2016 rückte er in die Rekrutenschule (RS) ein . In der dritten Woche des Militär- dienstes traten bei A.____ belastungsbedingte Rückenbeschw erden auf, weshalb er am 9. Dezember 2016 vorzeitig aus dem Dienst entlassen wurd e. In der Folge wurde ihm ab dem Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Dezember 2016 eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 100 Prozent in der Tätigkeit als Lo- gistiker/Hilfsgipser attestiert. A.b Unter Hinweis auf die seit dem Militärdienst beste henden Rückenbeschwerden melde- te sich A.____ im Juni 2017 zum Leistungsbezug bei der Eid genössischen Invalidenversiche- rung (IV) an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stell e) prüfte in der Folge einen Anspruch des Versicherten auf berufliche Massnahmen. Gestützt auf ihre Abklärungen lehnte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügun g vom 11. Januar 2019 einen An- spruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen ab. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 14. Februar 2019 Beschwerde am Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte, es seien ihm in Aufhebung der an- gefochtenen Verfügung berufliche Massnahmen, namentlich eine Umschulung, zuzusprechen. Mit Urteil vom 29. August 2019 hiess das Kantonsgericht d ie Beschwerde des Versicherten gut und wies die Angelegenheit zur Vornahme von weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurück. Die IV-Stelle habe die Frage, ob dem Versicherten di e angestammte Tätigkeit als Logistiker noch zumutbar sei, ungenügend abgeklärt. Sie wurde d eshalb angewiesen, die beruflichen Tä- tigkeitsfelder, die dem Versicherten im erlernten Beru f als Logistiker EFZ aufgrund des ärztlich formulierten Belastungsprofils noch möglich sind, genauer abzuklären (720 19 52). A.c Im Rahmen dieser Abklärungen fand vom 27. Januar 20 20 bis 23. Februar 2020 eine Evaluation der beruflichen Möglichkeiten in der B.____ statt. Für die Dauer der beruflichen Massnahme wurde A.____ mit Verfügung vom 20. Dezember 2019 für den Zeitraum vom 3. Februar 2020 bis 1. März 2020 ein kleines Taggeld i n der Höhe von Fr. 122.10 zugespro- chen. Gegen diese Verfügung führte A.____ am 3. Febru ar 2020 Beschwerde ans Kantonsge- richt. Am 27. Januar 2020 erliess die IV-Stelle eine bericht igte Verfügung, mit der sie die Verfügung vom 20. Dezember 2019 ersetzte. Darin sprach sie A.____ wiederum ein kleines Taggeld in der Höhe von Fr. 122.10 zu, nunmehr jedoch für den korrekte n Zeitraum vom 27. Januar 2020 bis 23. Februar 2020. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 27. Februar 2020 ebenfalls Beschwerde am Kantonsgericht. Darin beantragte er, es sei ihm in teilweiser Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung ein Taggeld im Betrag von Fr. 136.75 zuzusprec hen. Diesen Antrag begründete er da- mit, dass er nach Abschluss seiner Ausbildung eine Erwerbstätigkeit aufgenommen und demzu- folge Anspruch auf das grosse Taggeld in der Höhe von 8 0 Prozent desjenigen Erwerbsein- kommens habe, welches er vor Eintritt des Gesundheitsschade ns im Rahmen seiner Tätigkeit als Logistiker/Hilfsgipser erzielt hatte. C. Mit prozessleitender Verfügung vom 10. März 2020 erkan nte das Kantonsgericht, dass das hängige Beschwerdeverfahren nunmehr mit der Verf ügung der IV-Stelle vom 27. Januar 2020 als Anfechtungsobjekt fortgeführt wird. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 12. März 2 020 auf Abweisung der Be- schwerde. Sie begründete ihren Antrag damit, dass der V ersicherte nach Abschluss seiner Be- rufslehre nicht während mehr als sechs Monaten ein ökon omisch relevantes Erwerbseinkom- men im erlernten Beruf erzielt habe. Folglich seien di e Voraussetzungen nicht erfüllt, um die berufliche Eingliederungsmassnahme als Umschulung zu qualifizieren. Bei der Abklärung in der B.____ handle es sich vielmehr um eine Massnahme im Rahm en einer erstmaligen beruflichen Ausbildung, weshalb lediglich Anspruch auf das kleine Taggeld bestehe. E. In der Replik vom 27. Mai 2020 hielt der Beschwerde führer im Wesentlichen an den Ausführungen in der Beschwerde vom 3. Februar 2020 f est. In Ergänzung dazu führte er an, dass er ein ökonomisch relevantes Einkommen erzielt habe , zumal auch Lehrlingslöhne in die- se Beurteilung miteinzubeziehen seien. Selbst wenn er d as massgebende Einkommen nicht erreicht hätte, bestehe dennoch ein Anspruch auf das gro sse Taggeld, da feststehe, dass er ohne invaliditätsbedingte Eingliederung ein Einkomme n in der Höhe von drei Vierteln der mini- malen vollen einfachen ordentlichen Invalidenrente verd ienen würde. Ohnehin habe der Versi- cherte auch aufgrund der Besitzstandswahrung Anspruch auf das grosse Taggeld, da das Tag- geld der IV im Betrag mindestens jenem entsprechen mü sse, welches er zuvor von der Militär- versicherung erhalten hatte. F. Mit Duplik vom 23. Juni 2020 führte die IV-Stelle aus, dass ein ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen während mindestens sechs Monaten nach A bschluss der Ausbildung er- zielt werden müsse, was vorliegend jedoch nicht erfolgt sei. Zudem könne aus den von der Mili- tärversicherung ausgerichteten Taggeldern kein Besitzstand abgeleitet werden, da diese ihre Leistungen bereits per 31. Dezember 2017 eingestellt habe. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit sachlich zur Behand- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die fri st- und formgerecht erhobene Be- schwerde des Versicherten vom 27. Februar 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die Präsidentin d er Abteilung Sozialversiche- rungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Anspruch des Ver- sicherten auf ein grosses Taggeld der IV in der Höhe v on Fr. 136.75 während einer Dauer von 28 Tagen. Da ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 27 . Januar 2020 lediglich ein kleines Tag- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht geld in der Höhe von Fr. 122.10 zugesprochen hat, ent spricht der Streitwert vorliegend der Dif- ferenz zwischen dem grossen und dem kleinen Taggeld, welches während 28 Tagen auszurich- ten wäre und damit Fr. 410.20 ([28 × Fr. 122.10] - [28 × Fr. 136.75]). In Anbetracht der Höhe dieses Betrages ist die präsidiale Zuständigkeit gegeben. 2. Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob der Besch werdeführer für die Dauer der Abklä- rungen in der B.____ Anspruch auf ein grosses Taggel d, oder ob ihm die IV-Stelle in der ange- fochtenen Verfügung vom 27. Januar 2020 zu Recht ein le diglich kleines Taggeld zugespro- chen hat. 3.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versic herte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notw endig und geeignet sind, die Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe reich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Vorau ssetzungen für den Anspruch auf die ein- zelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die Einglieder ungsmassnahmen bestehen laut Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG unter anderen in Massnahmen beruflic her Art (Berufsberatung, erstmalige be- rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe). 3.2 Gemäss Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die n och nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen berufli chen Ausbildung in wesentlichem Umfang zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser K osten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten des Versicherten entspricht. Als erstmalige b erufliche Ausbildung gilt nach Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung ( IVV) vom 17. Januar 1961 jede Berufs- lehre oder Anlehre sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mit- tel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorberei tung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte. Der erstmal igen beruflichen Ausbildung gleichgestellt ist laut Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG die berufliche Neu ausbildung invalider Versicherter, die nach dem Eintritt der Invalidität eine ungeeignete und au f die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen haben. 3.3 Nach Art. 17 Abs. 1 IVG haben Versicherte hingege n Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolg e Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbe ssert werden kann. Unter Umschulung im Sinne von Art. 17 IVG ist rechtsprechungsgemäss grundsä tzlich die Summe der Eingliede- rungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die not wendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewese nen versicherten Person eine ihrer früheren Erwerbstätigkeit annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln (Urteil des Bundes- gerichts vom 5. August 2010, 9C_244/2010, E. 3.1). 4.1 Versicherte haben während der Durchführung von Ei ngliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 IVG Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgen- den Tagen wegen der Massnahme verhindert sind, einer Ar beit nachzugehen, oder in ihrer ge- wohnten Tätigkeit zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig sind (Art. 22 Abs. 1 IVG). Versicher- te in der erstmaligen beruflichen Ausbildung und Ver sicherte, die das 20. Altersjahr noch nicht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vollendet haben und noch nicht erwerbstätig gewesen sind , haben Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit ganz oder teilweise e inbüssen (Art. 22 Abs. 1 bis IVG). Das Tag- geld besteht nach Art. 22 Abs. 2 IVG aus einer Grunden tschädigung, auf die alle Versicherten Anspruch haben, und einem Kindergeld für Versicherte m it Kindern. Die Grundentschädigung beträgt gemäss Art 23 Abs. 1 IVG 80 Prozent des letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr als 80 Prozent des Höchstbetrages des Tag- geldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (sog. grosses Taggeld). D er Maximalbetrag entspricht laut Art. 24 Abs. 1 IVG dem Höchstbetrag des versicherten Ta gesverdienstes nach dem Bundesge- setz vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung. Für V ersicherte in der erstmaligen berufli- chen Ausbildung und für Versicherte, die das 20. Altersja hr noch nicht vollendet haben und noch nicht erwerbstätig gewesen sind, beträgt die Grun dentschädigung nach Art. 23 Abs. 2 bis IVG dagegen höchstens 30 Prozent des Höchstbetrages de s Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (sog. kleines Taggeld), wobei der Bundesrat ermächti gt wird, die Höhe der Grundentschä- digung festzusetzen. Gestützt auf diese Norm hat der Ve rordnungsgeber in Art. 22 Abs. 1 IVV das Taggeld von Versicherten in der erstmaligen berufli chen Ausbildung sowie von Versicher- ten vor dem vollendeten 20. Altersjahr, die noch nicht erwerbstätig gewesen sind und sich me- dizinischen Eingliederungsmassnahmen unterziehen, auf 10 P rozent des Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs.1 IVG festgesetzt. 4.2 Im Hinblick auf die Beantwortung der Frage, ob w ährend der Dauer einer beruflichen Eingliederungsmassnahme Anspruch auf das «grosse Taggeld » besteht oder ob das «kleine Taggeld» zur Ausrichtung gelangt, kommt demnach der Qua lifikation der Eingliederungsmass- nahme ausschlaggebende Bedeutung zu. Daher ist es uner lässlich, die Leistungsansprüche nach Art. 16 IVG (erstmalige berufliche Ausbildung) u nd 17 IVG (Umschulung) voneinander abzugrenzen. Diesbezüglich kommt es entscheidend darauf a n, ob die versicherte Person vor Beginn der Eingliederungsmassnahme bereits effektiv erw erbstätig war oder nicht (BGE 118 V 7 E. 1c/aa), wobei nach der Praxis nur eine ök onomisch relevante Erwerbstätigkeit in Betracht fällt (BGE 110 V 263 E. 1a mit Hinweisen; K reisschreiben über die Eingliederungs- massnahmen beruflicher Art [KSBE], Stand am 1. Januar 2 020, Rz. 3005.1). Eine solche liegt vor, wenn die versicherte Person bereits während sechs Mon aten drei Viertel der minimalen vollen einfachen ordentlichen Invalidenrente erzielte u nd dieses Einkommen invaliditätsbedingt verlor (BGE 110 V 263 E. 1c, d und e). Für das Jahr 20 20 betrug dieser Richtwert Fr. 889.-- pro Monat (drei Viertel von Fr. 1‘185.-- [Art. 37 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 5 AHVG in der Fassung gemäss Verordnung 20 vom 13. November 2019 ü ber Anpassungen an die Lohn- und Preisentwicklung bei der AHV/IV/EO]). Aus dem Gesa gten folgt, dass nur diejenige berufli- che Ausbildung als Umschulung gelten und damit unter Ar t. 17 IVG fallen kann, welche die In- validenversicherung einer schon vor Eintritt der Invalidit ät – im Sinne des für die Eingliede- rungsmassnahme spezifischen Versicherungsfalles – erwerbstä tig gewesenen versicherten Person nach dem Eintritt der Invalidität und wegen d ieser Invalidität schuldet (Urteil des Bun- desgerichts vom 11. Mai 2007, I 548/06, E. 4.4; U LRICH MEYER -BLASER , Zum Verhältnismässig- keitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Bern 1985, S. 168, Fn. 734). Ein im Sinne der Rechtsprechung ökonomisch relevantes Einkommen muss daher nicht nur vor Beginn der Ein- gliederungsmassnahme, sondern vor Eintritt der Invalidität im Sinne des spezifischen Versiche- rungsfalles erzielt worden sein. Nur auf diese Weise wir d - vorbehältlich Art. 6 Abs. 2 IVV, wel- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher bei invaliditätsbedingtem Abbruch einer erstmali gen beruflichen Ausbildung die neue be- rufliche Ausbildung unter den dort näher umschriebene n Voraussetzungen der Umschulung gleichstellt - eine Abgrenzung der Umschulung nach Art . 17 IVG einerseits von der beruflichen Neuausbildung nach Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG anderer seits erreicht (BGE 118 V 7 E. 1c/cc). Die- se vom damaligen Eidgenössischen Versicherungsgericht [EVG; heute: Bundesgericht, sozial- rechtliche Abteilungen] entwickelte Rechtsprechung ist au ch unter dem Geltungsbereich der zwischenzeitlich mehrfach revidierten Gesetzgebung, insbeso ndere dem seit 2008 in Kraft ste- henden Art. 22 Abs. 1 bis IVG, weiterhin sinngemäss anwendbar (U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, zu Art. 22, Rz. 9). 5.1 Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der recht serhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Der Versicherte hat seine Ausbildung zum Logistike r EFZ im Sommer 2016 erfolgreich ab- geschlossen. Nach dem Abschluss der Berufslehre trat er pe r 1. August 2016 eine Anstellung als Logistiker/Hilfsgipser im elterlichen Betrieb an. Es handelte sich dabei gemäss Arbeitsver- trag vom 1. August 2016 (act. 3) um eine unbefristete A nstellung zu einem Monatslohn von Fr. 4‘800.--. Am 28. Oktober 2016 rückte der Versicherte in die RS ein. In der dritten Woche des Militärdienstes traten belastungsbedingte Rückenbeschwe ren auf, woraufhin der Versicherte am 9. Dezember 2016 vorzeitig aus dem Dienst entlassen wurde. 5.2 Dr. med. C.____, FMH Physikalische Medizin und Rehab ilitation, erhob im Sprechstun- denbericht vom 31. Januar 2017 (act. 12.1, S. 70 f.) anlässlich der Erstkonsultation die Diagno- se einer akuten Lumbalgie bei fehlender radikulärer Re iz- oder sensomotorischer Ausfallsymp- tomatik, welche unter körperlicher Belastung während der RS aufgetreten sei. Die Magnetreso- nanztomographie (MRT) vom 19. Januar 2017 habe kleine Risse des Anulus fibrosus auf der Höhe des Lendenwirbelkörpe (LWK) 5 bzw. des Sakralwirbe lkörpers (SWK) 1 gezeigt, jedoch keine relevante Bandscheibenherniation. Im weiteren Verlauf bildete sich eine Reizsymptomatik der Wurzel S1 rechtsseitig aus (act. 12.1, S. 56 f.) u nd es kam zu einer Chronifizierung der Lumbalgie (act. 22). Demzufolge wurde dem Versicherte n ab dem 10. Dezember 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere T ätigkeiten wie jener als Logisti- ker/Hilfsgipser attestiert. Mit Bericht vom 19. Juli 2 017 (act. 14) an die IV-Stelle formulierte Dr. C.____ erstmals ein Zumutbarkeitsprofil für eine an gepasste Tätigkeit. Danach sei dem Versicherten eine wechselbelastende Tätigkeit mit Sitze n, Gehen und Stehen und dem Heben von Gewichten bis maximal fünf Kilogramm zu 100 Prozent zumutbar. Die Gewichtslimite in einer leidensadaptierten Tätigkeit wurde derweilen auf zehn Kilogramm erhöht (act. 50). 5.3 Mit Urteil des Kantonsgerichts vom 29. August 2019 (720 19 52) wurde die IV-Stelle angewiesen, weitere Abklärungen im Zusammenhang mit d er Frage, welche beruflichen Tätig- keitsfelder dem Versicherten aufgrund des ärztlich form ulierten Belastbarkeitsprofils im erlern- ten Beruf als Logistiker EFZ noch möglich sind, vorzunehmen. Zu diesem Zweck sowie zur Prü- fung alternativer Berufe fand vom 27. Januar 2020 bi s 23. Februar 2020 ein Aufenthalt in der B.____ statt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Der Beschwerdeführer macht nunmehr geltend, dass e r für die Dauer der beruflichen Massnahme in der B.____ Anspruch auf das grosse Taggeld h at. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden, wie sich aus den nachfolgenden Ausführungen ergibt. 6.2 Anspruch auf Ausrichtung des grossen Taggelds haben – wie vorstehend in Erwägung 4.1 und 4.2 erwähnt – nur diejenigen Versicherten, we lche bereits in ökonomisch relevantem Umfang einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sind. Ein ökonomisch relevantes Erwerbsein- kommen liegt vor, wenn während sechs Monaten ein Einkom men in der Höhe von mindestens drei Vierteln der minimalen vollen einfachen ordentl ichen Invalidenrente erwirtschaftet wurde und dieses aufgrund der Invalidität verloren ging. Für das Jahr 2020 betrug dieser Richtwert Fr. 889.-- pro Monat. 6.3.1 Vorliegend steht fest, dass der Beschwerdeführe r seine Ausbildung zum Logistiker EFZ im Sommer 2016 erfolgreich abgeschlossen hat. Soweit der Beschwerdeführer gestützt auf BGE 110 V 263 geltend macht, auch Lehrlingslöhne seien als ökonomisch relevantes Einkom- men zu berücksichtigen, kann ihm im vorliegenden Fall nich t gefolgt werden. Grundsätzlich kann ein während einer Berufslehre erzieltes Einkommen i m Einzelfall zwar von ökonomischer Relevanz sein, worauf der Beschwerdeführer zu Recht hing ewiesen hat. Jedoch gilt es zu be- rücksichtigen, dass es bei der Abgrenzung der Leistungsanspr üche nach Art. 16 und 17 IVG rechtsprechungsgemäss massgeblich darauf ankommt, ob der Versicherte nach Abschluss sei- ner erstmaligen beruflichen Ausbildung jemals ein ökon omisch relevantes Erwerbseinkommen erzielt hat (Urteil des EVG vom 23. Februar 1999 i.Sa . G., in: AHI-Praxis 4/2000, S. 189; MEYER /R EICHMUTH , a.a.O., zu Art. 17, Rz. 9). Dies entspricht mithin d em Wortlaut von Art. 6 Abs. 1 IVV, wonach als Umschulung insbesondere diejenigen Ausbildungsmassnahmen gelten, welche nach Abschluss der erstmaligen beruflichen Ausbildu ng aufgrund der Invalidität zur Er- haltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benöti gt werden. Zusätzlich zu dieser Voraus- setzung muss der ökonomisch relevante Verdienst während sec hs Monaten vor Beginn der Eingliederungsmassnahme und vor Eintritt der Invalidität im Sinne des für die Massnahme spe- zifischen Versicherungsfalles erzielt worden sein (vgl. Erw ägung 4.2 hiervor). Nur auf diese Weise kann eine klare Abgrenzung der Umschulung (Art. 17 IVG) von der erstmaligen berufli- chen Ausbildung (Art. 16 IVG) und insbesondere der beruflichen Neuausbildung gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG erreicht werden. 6.3.2 Aus dem Gesagten resultiert für den vorliegenden Fall, dass das während der erstma- ligen beruflichen Ausbildung zum Logistiker EFZ erzielte Einkommen nicht berücksichtigt wer- den kann. Schliesslich ist eine Anrechnung des Erwerbseinko mmens erst nach Abschluss der beruflichen Erstausbildung möglich. Der Versicherte war im Anschluss an seine Berufslehre ab dem 1. August 2016 als Logistiker/Hilfsgipser im elterli chen Betrieb angestellt, wobei er einen monatlichen Verdienst von Fr. 4'800.-- erzielte. In An betracht der Lohnsumme ist dem Be- schwerdeführer insoweit zuzustimmen, als dass er für die Monate August 2016 bis Oktober 2016, also für die Dauer von drei Monaten, ein ökono misch relevantes Erwerbseinkommen ausweisen kann. Da jedoch rechtsprechungsgemäss eine Dauer v on sechs Monaten verlangt wird, während der das ökonomisch relevante Erwerbseinkom men erwirtschaftet worden sein muss und der Beschwerdeführer am 28. Oktober 2016 in di e RS eintrat, während der er Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schliesslich arbeitsunfähig wurde, genügt das bis dahin erzi elte Einkommen nicht, um einen Anspruch auf das grosse Taggeld zu begründen. Schliesslic h ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer – selbst bei Berücksichtigung eines geg ebenenfalls ökonomisch relevanten Einkommens aus der Erwerbsersatzversicherung für den Zeitr aum während des Militärdienstes vom 28. Oktober 2016 bis 9. Dezember 2016 – die notwen dige Dauer von sechs Monaten nicht erreicht. 6.4 Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, da ss er selbst bei Nichterzielen eines während sechs Monaten ökonomisch relevanten Erwer bseinkommens Anspruch auf das grosse Taggeld habe. Schliesslich seien nach der bundesger ichtlichen Rechtsprechung in BGE 110 V 263 E. 1e jene Fälle gleichzustellen, in d enen der Versicherte zwar weniger als sechs Monate erwerbstätig gewesen sei, aber aufgrund der gesamten Verhältnisse mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit feststehe, dass er ohne inv aliditätsbedingte Eingliederung ein Einkommen in der Höhe von drei Vierteln der minimale n vollen einfachen ordentlichen Invali- denrente verdienen würde. Er verkennt dabei jedoch, da ss das Bundesgericht diese Praxis an- gesichts der am 1. Juli 1987 in Kraft getretenen revi dierten gesetzlichen Vorschriften über den Taggeldanspruch aufgab und eine bloss hypothetisch ausge übte Erwerbstätigkeit nicht mehr ausreicht, um den Anspruch auf ein grosses Taggeld zu beg ründen (BGE 118 V 7 E. 1c/bb; MEYER /R EICHMUTH , a.a.O., zu Art. 17, Rz. 8). Diese Rüge erweist sich damit als unbegründet. 6.5 Soweit sich der Beschwerdeführer auf die Besitzstand swahrung beruft, übersieht er, dass gemäss Art. 24 Abs. 4 IVG das Taggeld der IV nur dann mindestens dem bisher bezoge- nen Taggeld der Unfallversicherung zu entsprechen hat, wenn bis zur Eingliederung Anspruch auf ein Taggeld nach dem Bundesgesetz über die Unfal lversicherung (UVG) bestand. Da die Militärunfallversicherung ihre Leistungen vorliegend per 31. Dezember 2017 eingestellt hatte (act. 18, S. 2 f.), bestand bereits im Zeitpunkt der A nmeldung bei der IV im Juni 2017 kein An- spruch auf Ausrichtung dieser Taggelder mehr. Im Zeitra um vom 27. Januar 2020 bis 23. Februar 2020, während dem der Beschwerdeführer a n der Eingliederungsmassnahme teil- nahm, war die Militärversicherung längst nicht mehr leistungspflichtig. Die Voraussetzungen der Besitzstandsgarantie sind demzufolge nicht erfüllt. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdefüh rer nach dem Abschluss seiner Berufslehre und vor dem Eintritt der Invaliditä t bzw. vor dem Beginn der Eingliederungs- massnahme lediglich während drei Monaten (August 2016 b is Oktober 2016) ein anrechenba- res, ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen erzielt hat. Fo lglich sind die Voraussetzungen, damit die berufliche Massnahme der B.____ als Umschulung im Sinne von Art. 17 IVG qualifi- ziert werden kann, nicht erfüllt. Vielmehr handelt es si ch bei der Abklärung in der B.____ um eine berufliche Massnahme im Rahmen der erstmaligen be ruflichen Ausbildung. Die IV-Stelle hat dem Versicherten mit Verfügung vom 27. Januar 202 0 deshalb zu Recht lediglich ein klei- nes Taggeld zugesprochen. Die dagegen erhobene Beschwer de erweist sich damit als unbe- gründet und ist abzuweisen. 8.1 Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Ge mäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten w erden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unterlieg enden Partei auferlegt. Bei Präsidi- alentscheiden wie dem vorliegenden, in denen ein durchsc hnittlicher Verfahrensaufwand ent- standen ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Ber ücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 400.-- fest. Vorlieg end ist der Beschwerdeführer unterliegen- de Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Nachdem der Beschwerdefüh- rer einen Kostenvorschuss von Fr. 800.-- bezahlt hat, ist ihm der zu viel geleistete Betrag in der Höhe von Fr. 400.-- zurückzuerstatten. 8.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat der Beschwerdeführ er keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorsc huss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Dem Beschwerdeführer wird der zu viel geleistete Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 400.-- zurückerstattet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.