Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. August 2015 (725 15 67 / 195) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Der Versicherer hat die Kausalität zwischen Beschwerden und Unfall ursprünglich aner- kannt, weshalb er die Beweislast für den Wegfall der Kausalität trägt. Da vorliegend die- ser Beweis nicht erbracht wurde, gilt der Unfall weiterhin als Ursache für die geklagten Beschwerden. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Markus Mattle, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Der 1973 geborene A.____ war seit dem 1. April 2 014 als Bodenleger bei der B.____ GmbH angestellt und aufgrund dieses Arbeitsverhältn isses bei der Schweizerischen Unfallver- sicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Fo lgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Gemäss Schadenmeldung vom 22. Mai 2014 sei A.____ am 9. Mai 2014 ausge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rutscht, als er eine Garagenrampe mit Plastikfolie habe überdecken wollen. Nach 2 - 3 Tagen habe er seine Finger nicht mehr gespürt. Die SUVA erb rachte für die Folgen dieses Unfalls die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeld). Mit Verfügung vom 18. August 2014 schloss die SUVA den Fall ab und stellte di e Versicherungsleistungen per 25. Juli 2014 ein. Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache wurde m it Entscheid vom 9. Januar 2015 von der SUVA abgewiesen. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vert reten durch Advokat Daniel Al- termatt, am 13. Februar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Einspracheentscheid auf- zuheben und es sei festzustellen, dass die Beschwerdegegn erin über den 25. Juli 2014 hinaus die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen habe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 31. März 2015 beantrag te die SUVA, vertreten durch Ad- vokat Andrea Tarnutzer, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in C.____, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit . a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Be schwerdegegnerin ihre Versicherungs- leistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 9. Mai 2014 zu Recht per 25. Juli 2014 ein- gestellt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – vor- aus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetre tenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des na türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Um die Leistungspflicht des Unfallversicherers bejahen zu können, muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nu r ein natürlicher, sondern auch ein adä- quater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtspr echung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geei gnet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinwei s). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftu ngsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vo rliegen eines natürlichen Kausalzusam- menhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der einge tretenen gesundheitlichen Schä- digung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtser hebliche Kausalzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Pra xis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenha ng ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürli- chen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand erreicht ist, wie er unmit telbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Ver- lauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall frü her oder später eingestellt hätte (Sta- tus quo sine). Ebenso wie der leistungsbegründende nat ürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedi ngten Ursachen eines Gesundheits- schadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblic hen Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tat- frage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer. Dieser muss jedoch nicht den Be weis für unfallfremde Ursachen erbrin- gen. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat , ist unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundhei tsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschad en mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (So zialversicherungsrecht – Rechtspre- chung [SVR] 2008 UV Nr. 11 S. 35 E. 3.3 mit Hinweisen ). Beizufügen ist, dass die Beweislast- regel, wonach der Unfallversicherer und nicht der Versicherte die Beweislast für das Dahinfallen der natürlichen Unfallkausalität trägt, erst Platz gre ift, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes und der Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermit- teln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinlichkeit f ür sich hat, der Wirklichkeit zu ent- sprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wi e alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (B GE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherung sträger alleine nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BG E 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 4. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwer deführers und der Frage der Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 9. Mai 2014 un d den heute vorliegenden Be- schwerden liegen im Wesentlichen folgende medizinischen Unterlagen vor: 4.1 Der erstbehandelnde Arzt, Dr. med. D.____, FMH Al lgemeinmedizin, hielt mit Arztzeug- nis vom 13. Mai 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 13. - 16. Mai 2014 wegen des Un- fallereignisses fest. 4.2 Mit Bericht vom 23. Juni 2014 führte Dr. med. E.__ __, FMH Neurologie, gestützt auf eine Elektroneuromyographie (ENMG) vom 20. Juni 2014 a us, der Patient habe unmittelbar nach dem Unfall keine relevanten Beschwerden gehabt. Bei Wiederaufnahme der Arbeit zwei Tage später – nach dem Wochenende – habe der Patient eine Kraftminderung in der rechten Hand bemerkt, welche sich am nächsten Tag zusätzlich akzentu iert habe. Zugleich habe er auch Temperatur-Missempfindungen verspürt. Er habe kurzze itlich auch eine deutliche Verfär- bung der Hand („schneeweiss“) bemerkt. Die Schmerzen seie n nicht im Vordergrund gestan- den, jedoch eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit in der rechten Hand. Es hätten keine Nackenschmerzen bestanden und das Gefühl sei subjektiv intakt g ewesen. St.n.CTS-OP rechts. Klinisch und neurographisch könne ein relevanter p osttraumatischer Nervenschaden praktisch ausgeschlossen werden, insbesondere bestehe kein H inweis für ein Rezidiv des Kar- paltunnel-Syndroms rechts. Bei positiven Tinel-Zeichen ü ber Ulno-Karpalgelenk rechts, fragli- cher Atrophie und Denervationszeichen im M. interosseus do rsalis I rechts dürfte wahrschein- lich eine leichte Ulnaris-Neuropathie über Loge de Gu yon vorliegen, was jedoch die Gesamtkli- nik nicht erkläre. Aufgrund der deutlich eingeschränkten Fingerbeweglichkeit, im Seitenver- gleich markanten Schwellung der Finger sowie vom Pati ent berichteten vegetativen Störungen (wechselnde Temperatur-Missempfindungen zwischen warm und kalt sowie weissliche Verfär- bung der Finger) sei am ehesten von einem beginnenden CRPS auszugehen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Schreiben vom 8. Juli 2014 führte Dr. E.____ aus, u nter der eingeleiteten Ergotherapie sei die CRPS-Symptomatik zwischenzeitlich deutlich regredient , der Patient berichte über eine Kraftzunahme in der Hand um ca. 30 %. Neurologisch kö nne das initial vermutete Loge de Guyon-Syndrom rechts aktuell nun auch neurographisch bestä tigt werden, wobei die Läsions- höhe eher proximal zu vermuten sei. 4.3 Der SUVA-Kreisarzt Dr. med. F.____, FMH Orthopädi sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt am 18. Juli 2014 fest, es sei zumindest nicht überwiegend wahrscheinlich, dass ein Loge de Guyon-Syndrom 3 Tage nach einer Kontusion symptomatisch werde. Ursachen für dieses Syndrom seien nicht einmalige Ereignisse ohne sonstige strukturel- le Läsionen. 4.4 Dr. med. G.____, FMH Medizinische Radiologie/Radio diagnostik, nahm am 11. Juli 2014 eine Röntgen-Arthrographie und eine Magnetresonanz-T omographie des Handgelenks rechts vor. In seiner Beurteilung führte er aus, es liege ein mehrkammriges Handgelenksganglion ulnar palmar in der Region der Guyon-Loge vor, welches verm utlich zu einer Beeinträchtigung des Nervus ulnaris führe. Es würden keine Fraktur und keine Bandläsionen vorliegen. Der TFCC sei intakt. 4.5 Dr. F.____ hielt in seiner Beurteilung vom 14. August 2014 fest, bei der Magnetreso- nanz-Tomographie zwei Monate nach dem Ereignis vom 9. M ai 2014 hätten keine strukturellen Unfallfolgen nachgewiesen werden können. Die aller Wahrscheinlichkeit nach das Syndrom verursachenden Ganglien seien nicht nur mit überwiegen der Wahrscheinlichkeit, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht als Fo lge des Ereignisses anzusehen. Völlig untypisch für Unfallfolgen sei auch, dass zunächst Beschwerd efreiheit bestehe und erst zwei bis drei Tage später sich zunehmend Beschwerden einstell en würden. Er komme zu der Beur- teilung, dass das Loge de Guyon-Syndrom rechts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallbedingt, sondern durch vorbestehende krankhafte Ve ränderungen, verursacht sei. Selbst eine vorübergehende Traumatisierung sei eher unwahrsche inlich. Dazu hätten die Beschwer- den unmittelbar nach dem Ereignis und nicht erst zwei bis drei Tage später auftreten müssen. 4.6 Mit Schreiben vom 24. November 2014 führte Dr. E. ____ aus, beim Patienten sei in der Vorgeschichte ein Karpaltunnel-Syndrom bekannt, welches früher operiert worden sei. Betroffen sei dabei der N. medianus. Am 9. Mai 2014 habe sich de r bekannte Unfall ereignet. Die an- schliessenden Beschwerden in der rechten Hand seien sowohl klinisch als auch elektrophysio- logisch einem anderen Nerv zuzuordnen (N. ulnaris). Diese Beschwerden seien nicht durch das frühere Karpaltunnel-Syndrom zu erklären. 4.7 Am 2. Dezember 2014 führte Dr. F.____ aus, der behandelnde Neurologe Dr. E.____ habe in seinem eigenen Befund vom 20. Juni 2014 eine „ leichte Ulnaris-Neuropathie, die Ge- samtklinik nicht erklärend“, und auch nur „wahrscheinlich“ beschrieben. Ausserdem sei der Be- fund symmetrisch, was gegen eine Unfallgenese spreche. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 7. Januar 2015 nahm Dr. F.____ zum Bericht von Dr. E.____ vom 24. November 2014 Stel- lung und verwies vorweg auf seine Beurteilung vom 14. August 2014. Neue medizinische In- formationen würden nicht vorliegen. Ursächlich für das Loge de Guyon-Syndrom rechts sei sehr wahrscheinlich ein mehrkammriges Handgelenksganglion in der Region dieser Loge, welches auf den Nervus ulnaris Druck ausübe. Bereits in der Beur teilung vom 14. August 2014 habe er erläutert, dass dieses mehrkammrige Handgelenksganglion n icht überwiegend wahrscheinlich als Unfallfolge eines zwei Monate vorher stattgehabten Ereignisses zu werten sei. Insgesamt seien keine strukturellen Läsionen nachgewiesen, welche als Unfallfolge zu werten seien. Aktu- elle Beschwerden seien nicht überwiegend wahrscheinlich als Unfallfolge zu werten. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachverhal- tes im Einspracheentscheid vom 9. Januar 2015 vollumfängl ich auf die Ausführungen des Kreisarztes Dr. F.____ vom 14. August 2014 und vom 7. Jan uar 2015. Sie ging demzufolge davon aus, dass beim Versicherten im Zeitpunkt, auf den sie die strittige Leistungseinstellung anordnete (25. Juli 2014), keine Unfallfolgen mehr vorlagen, die mit dem erforderlichen Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unfal lereignis vom 9. Mai 2014 zurückge- führt werden konnten. Der den Beschwerdeführer behandelnde Arzt Dr. E.____ beziehe zur Frage der Kausalität nicht konkret Stellung. Er führe lediglich aus, es habe sich ein Unfall ereignet und die heutigen Be- schwerden seien nicht durch das frühere Karpaltunnel-S yndrom zu erklären, da die Schmerzen einem anderen Nerv zuzuordnen seien. 5.2 Die Feststellungen von Dr. F.____ vermögen nicht voll ends zu überzeugen. Dr. F.____ erklärt nicht, weshalb das Ganglion, welches f ür das Guyon-Syndrom ursächlich ist, nicht eine Folge des Unfalls vom 9. Mai 20 14 sein soll, obwohl die Ursache eines Ganglions unklar ist und auch die Entstehung dur ch einen Unfall in medizinischen Texten nicht ausgeschlossen, sondern teilweise ausdrücklich a ufgeführt wird (vgl. dazu „Merkblatt“ der Uniklinik Balgrist, Zürich, zum Gan glion im Internet: http://www.balgrist.ch/de/Portaldata/1/Resources/_files/orthopaedie/Patientenbrosch_Hand_Ga nglion.pdf). Auch wenn weder in der Röntgen-Arthrogr aphie noch in der Magnetresonanz- Tomographie strukturelle Läsionen festgestellt wurden, ist nicht auszuschliessen, dass das Ganglion durch den Unfall entstanden ist, da für die Entstehung eines Ganglion eine strukturelle Läsion nicht notwendig ist. Es ist zudem denkbar, dass zwar das Ganglion nicht sofort durch den Unfall entstanden ist, der Unfall aber zu einer Verdickung bzw. Vergrösserung eines bereits bestehenden Ganglions und damit in der Folge zum Loge de Guyon-Syndrom geführt hat. Da- mit wäre die Tatsache, dass die Beschwerden nicht sofort, sondern erst drei Tage nach dem Unfall aufgetreten sind, nachvollziehbar. Auch Dr. F._ ___ hält fest, eine vorübergehende Trau- matisierung sei eher unwahrscheinlich. Damit schliesst er aber eine Traumatisierung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus. Anzufügen bleib t, dass für die Bejahung der Kausalität ein Unfall als Teilursache, z.B. zusammen mit degenerativen Veränderungen, genügt. 5.3 Nach der Rechtsprechung kommt dem Bericht eines versich erungsinternen Arztes nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art . 44 ATSG eingeholten Gutachten Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutacht en. Es genügen bereits geringe Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen ein es versicherungsinternen Arztes, damit sein Gutachten nicht zu berücksichtigen ist (BGE 135 V 47 1 E. 4.7; vgl. auch oben E. 3.2). Ge- stützt auf die obigen Erwägungen bestehen durchaus Zweif el an den Ausführungen von Dr. F.____, weshalb auf seinen Bericht nicht abgestell t werden kann. Somit ist aber der Nach- weis, dass die geklagten Beschwerden nicht durch den Unfall herbeigeführt wurden, nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit geg eben. Nachdem der Versicherer die Kausalität ursprünglich anerkannt hat, trägt diese r die Beweislast für den Wegfall der Kau- salität (vgl. oben E. 2.4). Da vorliegend der Beweis für den Wegfall der Kausalität nicht erbracht wurde, gilt der Unfall über den 25. Juli 2014 hinaus als Ursache für die geklagten Beschwerden. 6. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Beschwerdegeg nerin ihre Versicherungs- leistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 9. M ai 2014 per 25. Juli 2014 zu Unrecht eingestellt hat. Die gegen den betreffenden Einspracheentscheid vom 9. Januar 2015 erhobene Beschwerde erweist sich als begründet, weshalb sie gutzuhe issen und die Beschwerdegegne- rin zu verpflichten ist, die gesetzlichen Leistungen über den 25. Juli 2014 zu erbringen. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusp rechen. Der in der Honorarnote vom 4. Juli 2015 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Zeitaufwand von 6 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Hö- he von Fr. 78.--. Dem Beschwerdeführer ist demnach ein e Parteientschädigung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 1‘704.20 (6 Stunden à Fr. 25 0.-- + Auslagen von Fr. 78.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 9. Januar 2015 aufgehoben und die Beschwerdegegnerin verpflichtet, dem Beschwerdeführer für den Unfall vom 9. Mai 2014 über den 25. Juli 2014 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer f ür das vorlie- gende Verfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘704.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde am 9. November 2015 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_830/2015 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht