Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Juli 2016 (720 16 139 / 171) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Beschwerdeführerin hat die Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation in einer Weise glaubhaft gemacht hat, welche ein Eintreten auf das Leistungsbegehren er- forderlich macht. Die IV-Stelle ist zu Unrecht auf die Leistungsanmeldung nicht eingetre- ten. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Die ter Freiburghaus, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Roman Felix , Advokat , Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A.1 Die 1966 geborene A.____ meldete sich am 17. Ma i 2001 erstmals bei der Invalidenver- sicherung (IV) an und beantragte eine Rente. Mit Ve rfügung vom 26. Februar 2003 wies die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) das Leistungsbe gehren ab. Nachdem sich die Versicherte am 8. Mai 2007 erneut bei der IV-Stelle zum Leistun gsbezug angemeldet hatte, wies diese das Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistungsbegehren nach Abklärung der Verhältnisse mit Ver fügung vom 26. März 2010 auf- grund eines rentenausschliessenden IV-Grads von 15% wiederum ab. A.2 Am 1. September 2015 meldete sich A.____ unter Hi nweis auf starke rheumatische Schmerzen, ein Panvertebral- und Fibromyalgiesyndrom, eine chronisch obstruktive Lungener- krankung und eine Gonarthrose zum dritten Mal bei der I V-Stelle zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle die Verhältnisse ein weiteres Mal abgeklärt hatte, trat sie nach Durchfüh- rung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 17. Mä rz 2016 auf das Leistungsbegehren nicht ein. Zur Begründung führte sie aus, die Versicher te habe nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der Verfügung vom 26. März 2010 wesentlich verändert hätten. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat R oman Felix, am 2. Mai 2016 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie bean- tragte, in Aufhebung der Verfügung vom 17. März 2016 sei die Beschwerdegegnerin zu ver- pflichten, auf ihr Leistungsbegehren einzutreten und d ieses materiell zu beurteilen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung liess sie ausführen, dass sie die relevante Veränderung des Ge- sundheitszustandes glaubhaft gemacht habe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Juni 2016 schloss die Beschwerdegegnerin unter Hin- weis auf die Stellungnahme von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regio- naler ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 14. Mai 2016 auf Abweisung der Beschwerde. D. Am 20. Juli 2016 reichte die Beschwerdeführerin we itere medizinische Unterlagen zu den Akten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereich- te Beschwerde ist einzutreten. 2. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auf die N euanmeldung der Beschwerdefüh- rerin zum Leistungsbezug vom 1. September 2015 zu Recht nicht eingetreten ist. 3.1 Wurde ein Rentenanspruch einer versicherten Person w egen eines zu geringen IV- Grads verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Vero rdnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuanmeldung zum Renten bezug nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 erfüllt sind. Danach ist von d er versicherten Person im Ge- such glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invaliditä t in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise geändert hat. Gelingt ihr dies nicht, so wi rd auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. BGE 117 V 200 E. 4b). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht damit einer Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit be urteilte Sachverhalt sich in der Zwi- schenzeit nicht verändert hat. Erheblich ist eine Sachve rhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend ge- machten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil de s Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruch sprüfung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1 mit weiteren Hinweisen). Die Verwaltung ver fügt bei der Beurteilung der Eintretens- voraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Glaubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderunge n stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind allerdings herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozialversich erungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigs- tens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus n och mit der Möglichkeit zu rech- nen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die beha uptete Änderung nicht erstellen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 3.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darz ulegen. Wie das Bundesgericht im Entscheid 130 V 64 ff. bekräftigt hat, spielt der Unt ersuchungsgrundsatz, wonach die Verwal- tung von Amtes wegen für die richtige und vollständig e Abklärung des rechtserheblichen Sach- verhaltes zu sorgen hat (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen), insoweit nicht. Wird in der Neuanmeldung bloss auf ergänzende Be weismittel, insbesondere Arztberich- te, hingewiesen, die noch beigebracht würden oder vo n der Verwaltung beizuziehen seien, ist der versicherten Person nach der Rechtsprechung eine angemessene Frist zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebenen- falls auf Nichteintreten zu erkennen sei (BGE 130 V 68 f. E. 5.2.5 mit Hinweisen). Wenn die der Neuanmeldung beiliegenden ärztlichen Berichte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse alle nfalls rechtfertigen würde, ist es der Ver- waltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzu stellen oder bei der versicherten Person Belege nachzufordern, eine Verpflichtung der IV -Stelle zur Nachforderung weiterer An- gaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht indessen nur , wenn den – für sich allein genom- men nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arztberichte n konkrete Hinweise entnommen wer- den können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erh ebungen erstellbare rechtserhebli- che Änderung vorliegt. Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch ke in materielles Eintreten auf die Neu- anmeldung (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Zeitlicher Ausgangspunkt für die Prüfung der verän derten Verhältnisse bildet die letzte materielle Beurteilung des Rentenanspruchs mit rechtskonfo rmer Sachverhaltsabklärung, Be- weiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleic hs. Vorliegend wurde mit Verfü- gung vom 26. März 2010 ein Rentenanspruch der Beschwerd eführerin bei einem IV-Grad von 15% verneint. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob ei ne Änderung in den tatsächlichen Ver- hältnissen erfolgt ist, die ein Eintreten auf die Neua nmeldung rechtfertigen würde, durch Ver- gleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenv erfügung vom 26. März 2010 bestan- den hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Nichteintretensverfügung vom 17. März 2016. 4.1 Die IV-Stelle stützte ihre rentenablehnende Verfü gung vom 26. März 2010 auf das von ihr bei Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allg emeine Innere Medizin, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in Auftrag gegebene Gutachten vom 19. November 2008. Demnach wurde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine beginnende laterale Gonarthrose links (ICD-10 M17) festgestellt. O hne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Ganzkörperschmerzsyndrom ohne organische Ursac he (Panalgiesyndrom; ICD- 10 M79), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), ein Status nach Unfall am 28. Dezember 2006 mit Tibiaplateau-Impressionsfraktur, nach Fraktur des linken Processus articularis des Atlas und ein Verdacht auf eine Rippenfr aktur II-IV links, eine Adipositas (ICD-10 E66), anamnestisch ein Asthma bronchiale (ICD-10 J45) sow ie ein Status nach Operation des Carpaltunnelsyndroms (CTS) links am 30. August 2007. Im letzten MRI des Kniegelenks wür- den sich sehr diskrete Unregelmässigkeiten des Knorpels zeig en. Die Bone-bruise-Fraktur sei ausgeheilt. Das Röntgenbild zeige eine beginnende lat eral betonte Gon-arthrose mit leichter Verschmälerung des Gelenkspaltes und osteophytäre Ausziehung en. In psychiatrischer Hin- sicht sei eine depressive Störung zu verneinen. Es bestün de eine erhebliche Diskrepanz zwi- schen den subjektiven Angaben der Versicherten und den o bjektiven Untersuchungsbefunden. Dies sei typisch für eine somatoforme Schmerzstörung. Der Explorandin sei es möglich, ihre Schmerzen zu überwinden. Durch die diskret beginnende la terale Gonarthrose seien der Versi- cherten Tätigkeiten, bei welchen sie dauernd auf Treppen, Gerüste oder Leitern steigen müsse, nicht mehr zumutbar. Bei langen Gehstrecken von zwei Stu nden benötige sie eine Pause. Ge- hen auf unebenem Boden sei ungünstig. Das Ganzkörperschme rzsyndrom sei psychogen und habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. 4.2 Im Zuge ihrer Neuanmeldung vom 1. September 201 5 reichte die Versicherte einen Bericht des Kantonsspitals X.____ vom 19. September 2014 ein. Demnach war sie vom 1. bis 20. September 2014 in der Klinik für Schmerztherapie hospitalisiert. Diagnostiziert wurden eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.40), Prob- leme in Bezug auf die wirtschaftliche Lage (ICD-10 Z5 9) und den engeren Familienkreis (ICD- 10 Z63), eine Hemi-/Hypästhesie am linken Gesicht, Arm und Bein, eine Adipositas Grad II, ein Status nach beidseitiger CTS-Operation, eine Opiatdauertherapie, Asthma bronchiale, ein Niko- tinabusus und Osteoporose. Die Aufnahme in die multim odulare Schmerztherapie sei aufgrund einer chronischen Schmerzstörung mit einer im Vordergrund stehenden Cervicocephalgie, einer erfolglosen unimodalen ambulanten Behandlung, einer mittlerweile bestehenden psychischen Begleiterkrankung, einer Beeinträchtigung der Lebensqu alität und Arbeitsfähigkeit sowie einer Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Opiatdauertherapie erfolgt. Anamnestisch bestünden seit 1987 Schmerzen, die heute als „im- mer gleich und überall“ beschrieben würden. Die medizi nischen Untersuchungen inklusive La- bor und EKG seien bis auf die übergewichtige Konstituti on und die leichten Knöchelödeme un- auffällig. Aktuell würden sich weder klinisch noch labo rmässig Hinweise auf ein chronisches entzündliches Geschehen finden. 4.3 Vom 2. bis 7. Februar 2015 war die Versicherte ern eut in der Klinik für Schmerzthera- pie hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 4. März 2015 wurden nebst den im Bericht vom 19. September 2014 aufgeführten Diagnosen im Rahmen der Schmerzstörung eine leichtgradi- ge depressive Episode (ICD-10 F32.0), Osteoporose und ei n Verdacht auf eine Migräne ohne Aura (ICD-10 G43.0) diagnostiziert. 4.4 Am 18. September 2015 stellte der behandelnde Ar zt Dr. med. E.____, FMH Physikali- sche Medizin und Rehabilitation, eine chronische Schmerzst örung mit somatischen und psychi- schen Faktoren, eine rezidivierende depressive Störung, eine Pangonarthrose rechts, Osteopo- rose, einen Status nach Kniearthroplastik links am 5. März 2015, eine Adipositas Grad II, ein Asthma bronchiale und einen Folsäuremangel fest. Die Versicherte klage über belastungs- und bewegungsabhängige starke Kreuz-, Schultergürtel-, Kni e- und Handgelenkschmerzen rechts. Langes Stehen und Sitzen sei nicht möglich und sie könne mit Hilfe von zwei Vorderarmstöcken nur noch eine maximale Gehstrecke von 400m zurücklegen. Die Versicherte leide unter Antrieb- und Lustlosigkeit, depressiver Stimmung und sozialer Isola tion. Im Verlauf des letzten Jahres habe sich vor allem das depressive Zustandsbild verschlechtert. Eine erneute Prüfung des Ren- tenbegehrens sei angezeigt. 4.5 Am 23. Oktober 2015 hielt Dr. med. F.____, FMH A nästhesiologie, fest, die Versicherte berichte sieben Monate nach der Kniearthroplastik im Ve rgleich zur Situation präoperativ über eine minimale Verbesserung der Schmerzen. Es bestünden weiterhin eine muskuläre Dysba- lance und ein Gewebeschwund. 4.6 Dem Bericht des Kantonsspitals Y.____ vom 28. November 2015 kann entnommen werden, dass bei der Versicherten am 24. November 2015 eine laparoskopische Cholezystek- tomie durchgeführt wurde. Zudem wurden beidseitige Pa ngonarthrosen mit Status nach Knietransplantation links am 5. März 2015 mit postoperativ persistierenden Gonalgien beidseits, eine leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0) sowie ein Benzodiazepinabusus bejaht. Weiter wurden im Bericht vom 17. Dezember 2015 anhalte nde belastungsverstärkte Lumbo- ischialgien links bei ISG-Blockierung und anhaltende Gona lgien links bei Status nach Knietransplantation links im März 2015 sowie vermehrt sch merzhafte Schwellungen in beiden Unterschenkeln mit Verdacht auf Lymphödeme festgestellt. 4.7 Am 8. Januar 2016 bescheinigte Dr. F.____, dass di e Versicherte aufgrund der chroni- schen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren b ei multilokularem Schmerzgeschehen weiterhin schmerztherapeutisch betreut werde. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.8 Am 26. Februar 2016 hielt Dr. B.____ fest, aufg rund der vorhandenen Akten sei davon auszugehen, dass sich das Ausmass der seit Jahren bekannten Sc hmerzproblematik nicht we- sentlich verändert habe. Die Gonarthrose sei seit Jahren bekannt und von Dr. C.____ hinläng- lich abgeklärt worden. Die zwischenzeitlich durchgeführte operative Sanierung habe eher eine Verbesserung der Beschwerden gebracht. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit infolge der Adipositas sei nicht plausibel und das Asthma bronchiale sei ebenfalls seit Jahren bekannt. Ausserdem sei nicht von einer Verschlechterung des psychisch en Gesundheitszustandes aus- zugehen. Der behandelnde Anästhesist Dr. F.____ führe ke ine neuen Beschwerden, Befunde, Diagnosen oder anderweitige Hinweise auf, die auf ei ne Verschlechterung hindeuten würden oder die es erlauben würden, die bisherigen Abklärungen grundlegend in Frage zu stellen. Auch wenn die Bezeichnung der Hauptdiagnose (generalisiert es Schmerzsyndrom; Panalgiesyn- drom; Ganzkörperschmerzsyndrom; chronische Schmerzstörung mi t somatischen und psychi- schen Faktoren) gewissen Änderungen unterliege, sei der G esundheitszustand als unverändert einzuschätzen. 5.1 Der Auffassung der IV-Stelle kann nicht beigepfli chtet werden. Wie oben (vgl. E. 3.2 hiervor) ausgeführt, genügt es für das Glaubhaftmachen i m Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklä- rung werde sich die behauptete Sachverhaltsänderung nich t erstellen lassen. Solche Anhalts- punkte sind vorliegend aufgrund der neu aufgelegten me dizinischen Unterlagen zu bejahen. So bescheinigte der behandelnde Arzt Dr. E.____ im Berich t vom 18. September 2015 (neu) eine Pangonarthrose rechts sowie eine Verschlechterung des p sychischen Gesundheitszustandes der Versicherten im Verlauf des letzten Jahres. Auch wen n mit dem RAD davon auszugehen ist, dass die am 5. März 2015 durchgeführte Kniearthroplastik links eher eine Verbesserung der Schmerzen gebracht hat (vgl. auch den Bericht von Dr. F .____ vom 23. Oktober 2015), ging er in seiner Stellungnahme auf die von Dr. E.____ festge stellte Pangonarthrose rechts nicht näher ein, was Zweifel an der Richtigkeit seiner Beurteilung begründet. Mit den Hinweisen auf die be- stehende Pangonarthrose rechts und auf die Verschlechter ung des psychischen Zustandes reicht der Bericht von Dr. E.____ aus, um eine anspr uchserhebliche Änderung des Gesund- heitszustandes der Beschwerdeführerin glaubhaft zu mache n. Bei dieser Ausgangslage und einer Zeitspanne von sechs Jahren zwischen den beiden zu vergleichenden Sachverhalten kann es die IV-Stelle nicht dabei bewenden lassen, di e neu vorgelegten Arztberichte lediglich einer internen Prüfung durch den Psychiater des RAD zu zuführen. Vielmehr muss sie die Sa- che an die Hand nehmen und nach Durchführung entspreche nder medizinischer Abklärungen materiell über den geltend gemachten Leistungsanspruch der Versicherten verfügen. 5.2 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Besch werdeführerin die Ver- schlechterung ihrer gesundheitlichen Situation in einer Weise glaubhaft gemacht hat, welche ein Eintreten auf das Leistungsbegehren erforderlich macht. Folglich ist die IV-Stelle zu Unrecht auf die Leistungsanmeldung nicht eingetreten. Die Ang elegenheit ist daher an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese die glaubhaft gemachte Verschle chterung des Gesundheitszu- standes weiter abklärt. Demnach ist in Gutheissung der B eschwerde die Verfügung der IV- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle Basel-Landschaft vom 17. März 2016 aufzuheben u nd diese anzuweisen, auf das Leis- tungsbegehren der Beschwerdeführerin vom 1. September 2015 einzutreten. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 ist das Beschwerdeverfahren bei S treitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanton alen Versicherungsgericht kosten- pflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt; gegenüber der Vorinstanz bzw. den kan tonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vorinstanz un terlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten und der Beschw erdeführerin der geleistete Kos- tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückzuerstatten. 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin in casu obsiegende Partei ist, ist ihr eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Versicher- ten hat in seiner Honorarnote vom 17. Juni 2016 für d as vorliegende Beschwerdeverfahren ei- nen Zeitaufwand von 6,25 Stunden geltend gemacht, wa s umfangmässig angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstande n ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zu r Anwendung gelangenden Stun- denansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstan den sind sodann die in der Hono- rarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 35 .--. Der Beschwerdeführerin ist dem- nach eine Parteientschädigung von Fr. 1‘725.30 (6,25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 35.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öf fentlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). 7.2 Beim vorliegenden Entscheid, durch welchen die Besch werdegegnerin verpflichtet wird, auf das Leistungsbegehren einzutreten, handelt es sich somi t um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 A bs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesge richt. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Ba- sel-Landschaft vom 17. März 2016 aufgehoben und diese angewiesen, auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin vom 1. September 2015 einzutreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 1‘725.30 (inkl. Ausl agen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht