Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 26. Juni 2019 (810 19 18) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Gesuch um Reduktion der Vermögenssteuer 2014 Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Clau de Jeanneret, Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch B.____, C.____ AG , gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Beschwerdegeg- nerin Einwohnergemeinde D.____ , Beigeladene Betreff Gesuch um Reduktion der Vermögenssteuer 2014 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 19. Oktober 2018) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 5. November 2015 stellte A.____, vertreten dur ch B.____, C.____ AG, bei der Ta- xations- und Erlasskommission des Kantons Basel-Landschaft ( Taxations- und Erlasskommis- sion) ein Gesuch gemäss § 183 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuer- gesetz, StG) vom 7. Februar 1974 um Reduktion der Staa tssteuer 2014 mit dem Antrag, es sei der Vermögenssteuerwert von Wertschriften, Guthaben, Ba rgeld und Gold soweit zu reduzie- ren, dass eine konfiskatorische Besteuerung vermieden wer de; die Summe des Vermögenser- trages solle zu 60%, maximal zu 100% zur Begleichung der Einkommens- und Vermögens- steuern verwendet werden müssen. B. Mit Entscheid vom 16. März 2016 wies die Taxations- u nd Erlasskommission das Ge- such von A.____ ab. Der von ihr gegen den Entscheid der T axations- und Erlasskommission erhobene Rekurs wurde vom Steuer- und Enteignungsger icht Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht), mit Entscheid vom 23. September 2016 teilweise gutgeheissen. Dagegen erhoben die Taxations- und Erlasskommission sowie die Steuerverwaltung des Kan- tons Basel-Landschaft (Steuerverwaltung) Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsger icht). Auf die Beschwerde der Taxa- tions- und Erlasskommission trat das Kantonsgericht nicht e in (Urteil des Kantonsgerichts, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 3 0. August 2017 [810 17 9]). Die Beschwerde der Steuerverwaltung hiess das Kantonsgerich t gut, es hob den Entscheid des Steuergerichts vom 23. September 2016 auf und wies die Angelegenheit zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Taxations- und Erlasskommissi on zurück (KGE VV vom 30. August 2017 [810 17 8]). Es hielt zusammenfassend fest, dass das Vorgehen des Steuerge- richts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung widerspreche, wonach das Vorliegen einer kon- fiskatorischen Besteuerung nach der Gesamtheit aller konkr eten Umstände zu beurteilen sei. Ob eine konfiskatorische Besteuerung vorliege, sei demna ch nicht lediglich anhand einzelner Vermögenselemente bzw. des darauf entfallenden Steuera nteils, sondern des gesamten Ver- mögens zu prüfen. Die Prüfung des konfiskatorischen Chara kters einer Besteuerung habe zu- dem nicht nur auf der Basis einer Periode, sondern me hrerer Perioden zu erfolgen. Eine solche umfassende, den bundesrechtlichen Anforderungen genüge nde Prüfung, ob im vorliegenden Fall eine konfiskatorische Besteuerung vorliege, sei bis anhin weder durch die Taxations- und Erlasskommission noch durch das Steuergericht vorgenommen worden. C. Die Taxations- und Erlasskommission prüfte das Gesuch von A.____ neu, gelangte wiederum zum Schluss, dass keine konfiskatorische Besteuerung vorliege, und wies ihr Gesuch mit Entscheid vom 9. Mai 2018 erneut ab. Sie stellte zu sammenfassend fest, dass das Vermö- gen von A.____ jährlich zugenommen habe und demzufolg e keine konfiskatorische Besteue- rung gegeben sei. D. Den mit Eingabe vom 29. Juni 2018 von A.____ gegen den Entscheid der Taxations- und Erlasskommission erhobenen Rekurs wies das Steuergericht mit Entscheid vom 19. Oktober 2018 ab. E. Dagegen erhob A.____, vertreten durch B.____, C.__ __ AG, am 27. Januar 2019 Be- schwerde beim Kantonsgericht mit dem Antrag, es sei das steuerbare Vermögen soweit zu re- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht duzieren, dass eine konfiskatorische Besteuerung vermieden werde; der Vermögensertrag solle zu 60%, maximal zu 100% zur Begleichung der Einkommens- un d Vermögenssteuern auf dem versteuerten Vermögen und dem entsprechenden Vermögen sertrag verwendet werden müs- sen. Weiter beantragt die Beschwerdeführerin, es sei de m Rechtsvertreter Akteneinsicht zu gewähren und er sei an die Verhandlung des Kantonsger ichts einzuladen; alles unter o/e- Kostenfolge. F. Mit Eingabe vom 5. Februar 2019 liess sich das Steue rgericht vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Es verwies auf die Erwägu ngen im angefochtenen Entscheid und stellte sich auf den Standpunkt, dass sowohl es selbe r als auch die Taxations- und Erlass- kommission die verbindlichen Anweisungen gemäss KGE VV vom 30. August 2017 [810 17 8] umgesetzt hätten und dementsprechend das Gesuch bzw. d er Rekurs der Beschwerdeführerin abgewiesen worden sei. Da es sich um dieselbe Steuerpfl ichtige und dasselbe Steuerjahr 2014 handle, stelle sich die Frage, ob die Angelegenheit vom Kantonsgericht überhaupt nochmals an die Hand zu nehmen sei oder nicht bereits eine res iudicata vorliege. G. Mit Vernehmlassung vom 18. Februar 2019 beantragt die Steuerverwaltung, die Be- schwerde sei abzuweisen. H. Die Einwohnergemeinde D.____ beantragt mit Einga be vom 7. Februar 2019 die kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde. I. Mit Verfügung vom 18. März 2019 wurde der Fall de r Kammer zur Beurteilung über- wiesen. J. Am 20. März 2019 reichte das Steuergericht eine ergä nzende Stellungnahme ein. K. Mit Eingabe vom 15. April 2019 reichte die Beschwe rdeführerin unaufgefordert eine Replik ein. Die beigelegte Honorarnote datiert vom 12. April 2019. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (Verwaltungsprozessordnung, VPO) vom 16. Dezem ber 1993 wendet das Gericht das Recht von Amtes wegen an. Es prüft insbesondere, ob di e Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind. Gemäss § 131 Abs. 1 StG können Entscheide des Steu ergerichts mit Verwaltungsge- richtsbeschwerde beim Kantonsgericht angefochten werden. Die Zuständigkeit des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, zur Behandlung der vorliegenden Be- schwerde ist demnach gegeben. Die Beschwerdeführerin ist gestützt auf § 131 Abs. 1 lit. a StG in Verbindung mit § 47 Abs. 1 lit. a VPO zur Beschwerd e legitimiert. Der Beschwerdegegner beantragt, es sei nicht auf die Beschwerde einzutreten, und macht geltend, bei der vorliegenden Angelegenheit handle es sich um eine bereits abgeurtei lte Sache (res iudicata), weil das Kan- tonsgericht mit KGE VV vom 30. August 2017 (810 17 8 ) darüber befunden habe. Mit KGE VV Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 30. August 2017 (810 17 8) hob das Kantonsgericht den damals angefochtenen Entscheid des Steuergerichts vom 23. September 2016 betreffend die Staatssteuer 2014 auf und wies die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Taxations- und Erlasskommission zurück. Letztere wurde angewiesen, über das Gesuch neu zu befinden und zu prüfen, ob in Bezug auf die Steu- erperiode 2014 eine konfiskatorische Besteuerung vorliege (KGE VV vom 30. August 2017 [810 17 8]). Damit kann entgegen der Auffassung des Beschwe rdegegners keine Rede von einer bereits abgeurteilten Sache sein und der diesbezügliche Einwand des Beschwerdegegners läuft ins Leere. Da auch die weiteren formellen Voraussetzu ngen gemäss § 131 StG und den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Mit der Beschwerde in Steuersachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Ver fahrens gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt im vorliegenden Fall somit volle Kognition zu. 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die hohe Ve rmögenssteuerbelastung eine unzu- lässige konfiskatorische Besteuerung darstellt, sodass der V ermögenswert der von der Be- schwerdeführerin deklarierten Wertschriften und Guthabe n bzw. des Bargeldes und Goldes reduziert zu besteuern ist. 4.1 Das Steuergericht erwog im angefochtenen Entscheid, dass eine Steuer nur dann kon- fiskatorisch wirke, wenn sie die Substanz des bestehenden Vermögens aushöhle oder die Neu- bildung von Vermögen verunmögliche. Bei der Beurteilun g, ob dies der Fall sei, komme es nebst anderen Kriterien insbesondere auf die Gesamtbe lastung einer steuerpflichtigen Person durch die Abgaben und auf die Freiwilligkeit eines all fälligen Einkommensverzichts an. Unter Berücksichtigung dieser beiden Voraussetzungen habe die b estehende Praxis der Taxations- und Erlasskommission und des Steuergerichts bei der Anwendung von § 183 StG seit jeher auf Situationen abgezielt, in denen aufgrund einer opera tiven unternehmerischen Tätigkeit der Grossteil der Vermögenswerte einer Person in einer von i hr gehaltenen Gesellschaft bzw. in ihrem Anteil an einer Familienunternehmung stecke, dort festgebunden sei und zudem schlecht rentiere, sodass sich die Vermögensbesteuerung besonde rs stark auswirke. Dazu habe die Taxations- und Erlasskommission vier Kriterien entwickelt: 1. Es müsse eine unternehmerische bzw. operative Tätigkeit vorliegen, 2. Es werde eine qualifizierte Beteiligung von mindestens 10% am Unternehmen gehalten, 3. Die schlecht rentieren de Vermögensstruktur sei unfreiwillig, 4. Die vorzunehmende Reduktion müsse eine Relevanzschwelle in der Höhe von Fr. 2'500.-- erreichen. Neben diesen Kriterien sei zu berücksichtigen , dass eine konfiskatorische Besteue- rung nur vorliegen könne, wenn die Summe der geschuld eten Abgaben auf den Vermögens- werten die Gesamtheit der Vermögenserträge regelmässig übersteige und die Vermögenssteu- er dauerhaft durch Angreifen der Vermögenssubstanz get ilgt werden müsse. Gesuche um Re- duktion der Vermögenssteuer seien nach folgendem Prüfschema zu beurteilen: In einem ersten Schritt sei zu prüfen, ob eine konfiska torische Besteuerung überhaupt im Raum stehen könne. Dies sei grundsätzlich dann der Fall, wenn kumulativ a) die Summe der Abgaben auf den Vermögenswerten und deren Erträgen die Gesamtheit der Vermögenserträge in der betroffenen Steuerperiode übersteige; Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) die Vermögensentwicklung in der betroffenen Steuer periode gesamthaft betrachtet negativ sei, d.h. eine Netto-Vermögensabnahme stattfinde; und c) sich die beiden vorgenannten Kriterien entweder be reits in den vergangenen Steuerperioden manifestiert hätten (retrospektive Betrachtung) oder zu erwarten sei, dass dies auch in den Fol- geperioden der Fall sein werde (prospektive Betrachtung). Seien diese Grundvoraussetzungen gegeben, sei quasi die Eintrittshürde für die Prüfung einer reduzier- ten Besteuerung überwunden, und es gelte nunmehr in einem zweiten Schritt zu untersuchen, ob die bereits zitierten Elemente gemäss der Praxis der Taxa tions- und Erlasskommission (ebenfalls kumulativ) erfüllt seien, nämlich: a) das Vorliegen einer unternehmerischen bzw. operati ven Tätigkeit; b) das Halten einer qualifizierten Beteiligung von mindestens 10% am Unternehmen; c) die Unfreiwilligkeit der schlecht rentierenden Vermö gensstrukturierung; und d) eine Relevanzschwelle von Fr. 2'500.--, welche die vorzunehmende Reduktion ausmachen müs- se. Bei einer Betrachtung des steuerbaren Vermögens der Be schwerdeführerin falle auf, dass die- se ihr Vermögen in den letzten Jahren habe vermehren können und demzufolge von einer ne- gativen Vermögensentwicklung keine Rede sein könne. Ger ade im Jahr 2014 habe sich das Vermögen um 3 Mio. Franken erhöht und damit sei das K riterium, wonach die Vermögensent- wicklung in der betroffenen Steuerperiode gesamthaft betrachtet negativ sein müsse, nicht er- füllt. Da die Voraussetzungen für das Vorliegen einer konfiskatorischen Besteuerung kumulativ gegeben sein müssten, seien die weiteren Voraussetzungen nicht mehr zu prüfen, da im vorlie- genden Fall bereits die erste Voraussetzung nicht erfüll t sei. Demzufolge sei der Rekurs als unbegründet abzuweisen. 4.2 Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend , dass der gesamte Vermö- gensertrag stets die oberste Grenze der Steuerlast bilde, bei welcher die Konfiskation erreicht werde. Eine "positive Konjunkturentwicklung" sei für Verm ögen mit Aktien im Streubesitz nicht relevant. Das Steuergericht gelange zu einer falschen Sc hlussfolgerung, wenn es als Mass für die Beurteilung, ob eine Konfiskation vorliege oder n icht, nicht mehr auf die Vermögenserträge, sondern auf den Zuwachs an Vermögen abstelle. Es stell e sich die Frage, was dem Vermö- genszuwachs zuzurechnen sei. Insbesondere im Zusammenhang mit den Kapitalgewinnen würden sich zahlreiche Fragen aufdrängen, welche vom Steuergericht im streitgegenständli- chen Entscheid unbeantwortet geblieben seien. Der Einbe zug des Vermögenszuwachses zur Finanzierung von Steuern auf Vermögen, die den Vermö gensertrag übersteigen würden, sei willkürlich. Die einzig zulässige Basis zur Bestimmung der G renze zur konfiskatorischen Be- steuerung von Vermögen bilde somit der Vermögensertra g. Der Vermögensstandvergleich zur Feststellung einer konfiskatorischen Besteuerung sei indess en abzulehnen, weil er nicht be- gründet sei, jeglicher Rechtsgrundlagen entbehre und viele Fragen offenlasse. Realisierte oder nicht realisierte private Kapital- und Kursgewinne seie n zur Bezahlung der Vermögenssteuern nicht zu berücksichtigen, weshalb ein schlichter Vermögenssta ndvergleich zur Feststellung ei- ner konfiskatorischen Besteuerung keineswegs genüge. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Die Beschwerdegegnerin betont, dass der Gesetzestext von § 183 StG nicht in kumu- lativer Art und Weise von einem Härtefall und einer konfiskatorischen Besteuerung spreche, sondern alternativ. Ferner ist sie der Auffassung, dass bei einer positiven Vermögensentwick- lung (z.B. durch Kapital- und Kursgewinne etc.) trotz hoher Vermögenssteuerbelastung von vornherein nicht von einer konfiskatorischen Besteuerung die Rede sein könne. Im konkreten Fall weist sie im Zusammenhang mit der Kunstsammlung darauf hin, dass im Gegensatz zu den Wertschriften, bei denen der jeweils volle Nenn- bzw. Kurswert in die Bemessung einbezogen werden müsse, bei der Vermögensanlage in Kunstsammlung en (Gemälde und Skulpturen) nur gerade die Hälfte des Versicherungswertes steuerlich hera ngezogen werde. Das effektive Ver- mögen würde deshalb wesentlich höher sein als steuerlich massgebend, was den direkten Ver- gleich entsprechend erschwere. Zusammenfassend könne gesa gt werden, dass der erhebliche Wertschriftenbestand insbesondere auch durch einen dama ls steuerfreien Kapitalgewinn ent- standen sei, inzwischen trotz hoher Steuerbelastungen e in Vermögenszuwachs stattgefunden habe und auf freiwilliger Basis erfolgte gewisse ertra glose Anlagen möglicherweise auf eine spätere Realisierung von Kapitalgewinnen ausgelegt sei en. Somit erfolge keine unabwendbare und andauernde konfiskatorische Besteuerung, welche sukzessiv e die Substanz schmälere bzw. eine Vermögensbildung über die Jahre hinweg veru nmögliche. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin könne auch das Abstellen auf ein e reine Renditeberechnung der Ver- mögensanlagen für das Vorliegen einer konfiskatorischen Besteuerung nicht massgeblich sein. Gerade die Vermögensumschichtung in eine ertraglose Ku nstsammlung im Verkehrswert von ca. 60 Mio. Franken zeige deutlich, dass auf einen mögl ichen Vermögensertrag verzichtet wer- de. Anders zu entscheiden, würde das Kriterium der Unfreiwilligkeit aushöhlen. 5.1.1 Eine gegen die Eigentumsgarantie (Art. 26 der Bundesverfassung [BV] vom 18. April 1999) verstossende konfiskatorische Besteuerung liegt dann vor, wenn die Steuer das Institut des Eigentums in Frage stellt; dem Abgabepflichtigen darf das Vermögen nicht durch übermäs- sige Besteuerung nach und nach entzogen werden und das G emeinwesen ist verpflichtet, pri- vates Vermögen in seiner Substanz zu wahren sowie die M öglichkeit der Neubildung von Ver- mögen zu erhalten (vgl. BGE 128 II 112 E. 10b/bb mit Hinweisen). Ob eine konfiskatorische Besteuerung vorliegt, beurteilt sich nach der Gesamthei t aller konkreten Umstände wie Steuer- satz, Bemessungsgrundlage, Dauer des fiskalischen Eingriffs und dessen Kumulation mit ande- ren Abgaben (vgl. BGE 106 Ia 342 E. 6). Die Frage st ellt sich bei der Besteuerung von Vermö- gen vor allem dann, wenn dieses dauernd oder langfristi g ertraglos bleibt oder einen sehr ge- ringen Ertrag abwirft, der weit unter dem kantonalen Durchschnitt und daher möglicherweise tiefer liegt als die gesamte Steuerbelastung. Eine konf iskatorische Besteuerung liegt in diesen Fällen jedenfalls dann nicht vor, wenn der Eigentümer freiwillig auf einen genügenden Ertrag, etwa mit Rücksicht auf familiäre Beziehungen, verzichtet oder weil er hofft, bei späterer Ver- äusserung des Vermögensobjektes einen den Vermögensertra g weit übersteigenden Kapital- gewinn zu erzielen. Das kann etwa beim Besitz von Gold oder anderen Edelmetallen der Fall sein, welche überhaupt keinen Ertrag abwerfen, oder a uch bei der Spekulation mit Bauerwar- tungsland, das teuer bezahlt wird, aber, weil vorderha nd landwirtschaftlich genutzt, nur einen geringen Ertrag einbringt. Auch wenn der Eigentümer sein Vermögen nicht in Werte mit durch- schnittlichem Vermögensertrag umwandeln kann oder ihm eine Umwandlung seines Vermö- gens nicht zumutbar wäre, tritt eine konfiskatorische Beste uerung jedenfalls dann nicht ein, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wenn die an sich übermässige steuerliche Belastung von be schränkter Dauer ist (vgl. BGE 106 Ia 342 E. 6c). Erst wenn die Besteuerung, inklusive Verm ögenssteuer, die Einkünfte, ein- schliesslich Vermögenserträge, nachhaltig und dauerhaft ü bersteigt, kann davon gesprochen werden, dass das Vermögen von der Besteuerung derart a ngegriffen wird, dass diese als kon- fiskatorisch zu qualifizieren ist. Genau deshalb hat die Prüfung des konfiskatorischen Charak- ters einer Besteuerung nie nur auf der Basis einer Per iode, sondern mehrerer Perioden zu er- folgen. Die Besteuerung des Vermögens ist mithin erst da nn konfiskatorisch, wenn die Erträg- nisse auf Dauer nicht ausreichen, um die Steuerlast zu d ecken, wobei ausserordentliche Um- stände ausser Acht zu bleiben haben (vgl. BGE 143 I 73 E. 5.2; BGE 143 V 254 E. 6.4.1). Hinzu kommt, dass man den konfiskatorischen Charakter der Steu er ohne weiteres negieren kann, wenn bei einer positiven Konjunkturentwicklung oder gute m Geschäftsgang das Vermögen von Jahr zu Jahr wächst und die Besteuerung hinter dieser Entwicklung zurückbleibt (vgl. BGE 143 I 73 E. 5.2). Die konfiskatorische Besteuerung muss demnach wesentlich, dauerhaft und unfrei- willig sein. 5.1.2 Die Eigentumsgarantie gemäss Art. 26 Abs. 1 BV enthält keine Verpflichtung des kan- tonalen Gesetzgebers, einen Sondertarif in Form einer Belastungsobergrenze einzuführen. Die Bundesgesetzgebung überlässt es den Kantonen, das verfassun gsrechtliche Verbot der konfis- katorischen Besteuerung in Ausschöpfung ihrer Finanzauton omie (Art. 47 Abs. 2 BV) umzuset- zen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_961/2014 vom 8. Juli 2015 E. 2.3). Im Kanton Basel- Landschaft wurde gesetzlich weder eine minimale Vermög enssteuer noch eine Belastungs- obergrenze festgelegt. Nach der bundesgerichtlichen Recht sprechung zu Art. 26 BV ist jeweils zu prüfen, ob sich eine Besteuerung im Einzelfall als k onfiskatorisch auswirkt (vgl. BGE 106 Ia 342 E. 6a). 5.2 Das basellandschaftliche Recht enthält in § 183 Abs. 1 StG unter dem Titel "Behand- lung von Härtefällen" folgende Regelung: "Ergibt sich bei der Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen in Einzelfällen eine sachlich ungerechtfer tigte Belastung oder eine regelmässig konfiskatorische Besteuerung, die vom Gesetzgeber nicht vor aussehbar oder so nicht beab- sichtigt worden war, kann die kantonale Taxations- und Erlasskommission von der gesetzlichen Ordnung in angemessener Weise abweichen". Wie in KGE VV vom 30. August 2017 (810 17 8) E. 3.2.3 bereits ausgeführt, wurde die Formulierung "[…] oder eine regelmässig konfiskatori- sche Besteuerung, die vom Gesetzgeber nicht voraussehbar o der so nicht beabsichtigt worden war […]" im Rahmen der vom Landrat am 25. April 2013 beschlossenen und am 1. Januar 2014 in Kraft getretenen Revision von § 183 StG eingefügt. Den Materialien lässt sich zur fraglichen Anpassung von § 183 Abs. 1 StG nichts entnehmen. Imme rhin ist festzustellen, dass das Steu- ergericht bereits vor deren Inkrafttreten im Rahmen von § 183 StG das Vorliegen einer konfis- katorischen Besteuerung prüfte (vgl. Entscheid des Steuer gerichts vom 21. September 2012 [510 2012 16] E. 5; Entscheid des Steuergerichts vom 7 . März 2003 [10/2003] E. 4). Ein Härte- fall liegt nur vor, wenn sowohl eine objektive als au ch eine subjektive Härte vorliegt. Von objek- tiver Härte wird gesprochen, wenn die gesetzliche Regelu ng zu einer ungerechtfertigten, stos- senden Belastung führt, weil der Gesetzgeber für den in Frage stehenden ganz speziellen Fall die steuerlichen Konsequenzen seiner Normierung nicht vorausgesehen hat. Eine subjektive Härte wird dann bejaht, wenn sich die steuerliche Mehrbelastung für die steuerpflichtige Person Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht als unbillig erweist (P ETER B. NEFZGER , in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, Basel 2004, N 3 zu § 183 StG). 6. Die Taxations- und Erlasskommission stellte in ihrem E ntscheid vom 9. Mai 2018 auf die nachfolgenden Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Beschwerdeführerin ab: Vermögen 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Wertschriften 220'913’303 207'438’591 206'914’744 210'210’813 208 '027’328 189'493’967 187'498’475 Kunst & Skulpturen 1'900’000 4'900’000 11'328’000 10'109’178 15'586’73 8 25'607’000 29'575’452 Wertschriften- erträge 2'467’845 1'783’040 1'871’672 1'690’050 2'194’646 1 '814’859 1'654’348 Die Vorinstanz führte zur vorstehenden Übersicht aus, das s diese sämtliches bewegliches Vermögen beinhalte und dass auf den Wertschriften teil weise auch steuerfreie Kapitalgewinne hätten realisiert werden können, deren Umfang jedoch nicht beziffert werden könne. Ausser dem selbstbewohnten Einfamilienhaus mit einem Steuer wert von 1 Mio. Franken seien keine weiteren Immobilien vorhanden. Ferner sei ein deutl icher Zuwachs an der Kunstsammlung, welche ertraglos sei, festzustellen: So habe der Vermöge nswert der Kunstsammlung im Jahr 2010 2 Mio. Franken und 2016 rund 30 Mio. Franken be tragen. Die Einkommensverhältnisse seien mit einem durchschnittlichen Erwerbseinkommen von Fr . 200'000.-- (ab 2016 mit einem Renteneinkommen von Fr. 160'000.--) und Vermögensert rägen von 1.7 Mio. Franken relativ konstant. Das Total der Steuerbelastung pro Jahr betrag e durchschnittlich 2 Mio. Franken. Da- von ausgehend, dass das gesamte Einkommen (Erwerbs- bzw. Renteneinkommen und Vermö- genserträge) für die direkten Steuern verwendet werden müsse, sei trotzdem noch ein jährlicher Zuwachs im Vermögen bei der Kunstsammlung von rund 4.5 Mio. Franken möglich gewesen. Diese jährlichen Zunahmen könnten unter Umständen noch n icht realisierte private und damit steuerfreie Kapitalgewinne darstellen. Wenn noch weit er zurückgeblickt werde, sei das als er- heblich zu bezeichnende bewegliche Vermögen insbesonder e durch den damaligen Verkauf der Aktien der E.____ AG im Jahr 2008 entstanden, welc her als privater Kapitalgewinn steuer- frei gewesen sei. Trotz der hohen Steuerbelastungen h abe weiterhin ein Vermögenszuwachs stattgefunden und zu beachten sei, dass gewisse ertraglo se Anlagen wiederum auf eine späte- re Realisierung von Kapitalgewinnen ausgerichtet seien. 7. Gestützt auf die Akten kann festgestellt werden, dass d ie Taxations- und Erlasskom- mission sowie das Steuergericht entsprechend der bundesgeri chtlichen Rechtsprechung die gesamte Vermögenssituation der Beschwerdeführerin beurteilt und dabei mehrere Steuerperio- den berücksichtigt haben. Mit den Vorinstanzen kann festge halten werden, dass sich das Ver- mögen der Beschwerdeführerin in den Jahren 2010 bis 2016 jeweils beträchtlich erhöhte. So- wohl in der betroffenen Steuerperiode 2014 als auch i n den Jahren zuvor ist das Vermögen der Beschwerdeführerin durchschnittlich um mehrere Millionen Franken angewachsen (Stand Ende 2011: 212 Mio. Franken; 2012: 218 Mio. Franken, 201 3: 220 Mio. Franken, 2014: 223 Mio. Franken). Zutreffend ist zwar, dass der Vermögensertrag zur Bestreitung der Vermögenssteuer nicht ausreicht, und die Vermögenssteuerlast höher ist als das gesamte Einkommen bestehend Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus dem Erwerbseinkommen und den Vermögenserträgen. D ies allein rechtfertigt jedoch die Annahme einer konfiskatorischen Besteuerung noch nicht. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt in Fällen, in denen das Vermögen dauernd oder langfristig ertraglos bleibt oder einen sehr geringen Ertrag abwirft, eine konfi skatorische Besteuerung jedenfalls dann nicht vor, wenn der Eigentümer freiwillig auf einen g enügenden Ertrag verzichtet oder weil er hofft, bei späterer Veräusserung des Vermögensobjektes e inen den Vermögensertrag weit übersteigenden Kapitalgewinn zu erzielen. Das kann etw a beim Besitz von Gold oder andern Edelmetallen der Fall sein, welche überhaupt keinen Ertrag abwerfen. Aber auch dann, wenn der Eigentümer sein Vermögen nicht in Werte mit durch schnittlichem Vermögensertrag umwan- deln kann oder ihm eine Umwandlung seines Vermögens ni cht zumutbar wäre, tritt eine konfis- katorische Besteuerung jedenfalls dann nicht ein, wenn d ie an sich übermässige steuerliche Belastung von beschränkter Dauer ist. Tritt sie nur für die Dauer eines oder einiger weniger Steuerjahre ein, dann ist der Wesenskern der Eigentums garantie dadurch nicht berührt. Der konfiskatorische Charakter der Steuer kann ohne weiteres n egiert werden, wenn bei einer posi- tiven Konjunkturentwicklung oder gutem Geschäftsgang das V ermögen von Jahr zu Jahr wächst und die Besteuerung hinter dieser Entwicklung zur ückbleibt (vgl. E. 5.1.1 hiervor). Im vorliegenden Fall wurde das Vermögen gesamthaft betrachtet. Die Vermögenswerte haben sich über mehrere Steuerperioden nicht aufgelöst und die N eubildung von Vermögen wurde nicht verhindert. Die Beschwerdeführerin macht denn auch nicht geltend und belegt in keiner Weise, dass die Besteuerung des Vermögens nach und nach zu einem Vermögensentzug geführt oder die Neubildung von Vermögen verunmöglicht habe. Ferner setzt sie sich mit der bundesgericht- lichen Rechtsprechung, wonach von vornherein nicht von e iner konfiskatorischen Besteuerung gesprochen werden kann, wenn bei einer positiven Konj unkturentwicklung das Vermögen von Jahr zu Jahr wächst, in ihrer Beschwerdeschrift nicht subst antiiert auseinander, sondern be- schränkt sich darauf, lediglich ihre nicht näher begründet e Sichtweise wiederzugeben. Insbe- sondere der nicht weiter begründete Einwand der Beschw erdeführerin, es dürfe nicht auf einen Zuwachs des Vermögens abgestellt werden, verfängt gest ützt auf die vorstehenden Ausführun- gen und mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechun g somit nicht. Auch gegen die von den Vorinstanzen angeführten Zahlen bringt sie nichts v or und deshalb kann ohne weiteres auf diese abgestellt werden. Demzufolge kann mit den Vor instanzen festgehalten werden, dass sich das Vermögen der Beschwerdeführerin kontinuierlich u m mehrere Millionen Franken ver- grösserte. Angesichts der positiven Vermögensentwicklung un d des Umstands, dass die Be- steuerung in der Höhe von durchschnittlich 2 Mio. Franke n hinter der dargelegten Vermögens- entwicklung zurückbleibt, kann im vorliegenden Fall gest ützt auf die bundesgerichtliche Recht- sprechung das Vorliegen einer konfiskatorischen Besteuerung verneint werden. 8. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen kann somit festgehalten werden, dass im vorliegenden Fall die hohe steuerliche Belastung nicht zu einem Verzehr des Vermögens führt und eine allfällige Neubildung von Vermögen nicht verhindert wird. Demzufolge ist der Wesens- kern der Eigentumsgarantie dadurch nicht berührt und die vorgenommene Besteuerung ist mit der in Art. 26 BV garantierten Eigentumsgarantie vere inbar. Dies führt zur Abweisung der Be- schwerde. Bei diesem Ausgang des Verfahrens und unter H inweis auf das damalige Urteil (vgl. KGE VV vom 30. August 2017 [810 17 8], insbesonde re E. 3.3.2) erübrigt es sich, näher auf das Prüfungsschema des Beschwerdegegners einzugehen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Demzufolge ha t die Beschwerdeführerin noch restli- che Kosten in der Höhe von Fr. 1'600.-- zu bezahlen, w elche ihr in Rechnung zu stellen sind. Die Parteikosten sind in Anwendung von § 21 Abs. 1 und 2 VPO wettzuschlagen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. Die Beschwerdefü hrerin hat dem- nach restliche Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'6 00.-- zu bezah- len. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen Vizepräsident Gerichtsschreiberin