B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6512/2015/plo U r t e i l v o m 2 7 . J a n u a r 2 0 1 6 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, c/o schweizerische Botschaft in Khartum, Sudan, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM, zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des SEM vom 17. Juli 2015 / N (…). D-6512/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte mit Schreiben vom 15. Juli 2012 an die schweizerische Vertretung in Khartum (nachfolgend: Botschaft; Eingangs- stempel: 31. Juli 2012) um Asyl nach. Gleichzeitig reichte er einen Ausweis und einen Auszug aus dem äthiopischen Reisepass von Frau B._______ in Kopie ein. B. B.a Mit über die Botschaft versandter Zwischenverfügung vom 29. Januar 2015 – zugestellt am 11. Februar 2015 – teilte das SEM dem Beschwerde- führer unter Hinweis auf das in BVGE 2007/30 veröffentlichte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-6148/2006 vom 27. November 2007 mit, die Botschaft sei aufgrund der Zunahme der eingereichten Asylgesuche, des begrenzten Personalbestands sowie wegen fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht mehr in der Lage, eine persönliche Befragung durchzuführen. In diesem Zusammenhang er- suchte die Botschaft den Beschwerdeführer – unter Hinweis auf seine Mit- wirkungspflicht – zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachver- halts um Beantwortung konkreter Fragen betreffend persönliche Angaben, Familie und Angehörige in einem Drittstaat, Asylgründe sowie Aufenthalt im Sudan innert 30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung. B.b Das nicht datierte Antwortschreiben samt den beiden bereits einge- reichten Ausweiskopien traf am 15. Februar 2015 (Eingangsstempel) bei der Botschaft ein. C. C.a Mit über die Botschaft versandter Zwischenverfügung vom 3. Juni 2015 – zugestellt am 17. Juni 2015 – teilte das SEM dem Beschwerdefüh- rer mit, er habe sich zu seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst wider- sprüchlich geäussert. So habe er in seinem Schreiben vom 31. Juli 2012 ausgeführt, im Jahr (...) aus dem Militärdienst desertiert zu sein, wogegen er gemäss seiner Eingabe vom 15. Februar 2015 im Jahr (...) aus dem Mi- litärdienst entlassen worden sei. Dazu wurde ihm eine 30 -tägige Frist zur Stellungnahme angesetzt. C.b Die Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 2. Juli 2015 traf am selben Tag bei der Botschaft ein. D-6512/2015 Seite 3 D. Am 6. Juli 2015 leitete die Botschaft die Gesuchsunterlagen an das SEM weiter. E. In seinen schriftlichen Eingaben machte der Beschwerdeführer zur Be- gründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei in Asmara geboren und eritreischer Staatsangehöriger islamischer Religionszugehörigkeit. Er habe eine (...) Freundin christlichen Glaubens namens B._______ gehabt, die er im Jahr (...) habe heiraten wollen. Seine Eltern und Verwandten seien dagegen gewesen. Er habe trotzdem mit ihr zusammenbleiben wollen und den Kontakt mit seiner Familie abgebro- chen. Mit dem Ausbruch des Krieges im Jahr 1998 sei er in den Militär- dienst einberufen worden. Im Jahr (...) sei er nach Asmara gegangen, in der Absicht B._______ zu heiraten. Er habe sie jedoch nicht finden können und erfahren, dass sie nach C._______ deportiert worden sei. Er sei sehr niedergeschlagen gewesen und habe nicht mehr in den Nationaldienst zu- rückkehren wollen. Er habe sich unerlaubterweise aus dem Nationaldienst entfernt und in Asmara versteckt. Als er von einem Freund erfahren habe, dass sich B._______ im Sudan befinde, sei er im Jahr 2006 in diesen Staat ausgereist. Er habe sich beim Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) registrieren lassen und sei im Flüchtlingsla- ger D._______ geblieben, bis er einen Flüchtlingsausweis erhalten habe. Daraufhin habe er sich nach Khartum begeben, um B._______ zu suchen. Er habe sie gefunden. Sie hätten geheiratet und nun (...) gemeinsame Kin- der. Er arbeite als (...), aber sein Gehalt reiche nicht aus, um die Familie zu ernähren. Sie hätten keine Freunde oder Verwandte im Sudan. Sie könnten nicht dort bleiben, da es immer schwieriger werde, den Lebensstandard zu halten. Zudem würden seine Kinder wegen der angespannten finanziellen Situation keine Bildung erhalten. Er habe weder eine Aufenthaltsbewilli- gung noch eine Arbeitsstelle und stehe in Gefahr, wieder von seiner Ehe- frau und den Kindern getrennt zu werden. Er ersuche die Schweiz um Asyl, um ein neues und sicheres Leben beginnen zu können. F. Mit über die Botschaft versandter Verfügung vom 17. Juli 2015 – eröffnet am 19. August 2015 – verweigerte das Staatssekretariat dem Beschwer- deführer die Einreise in die Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch ab. D-6512/2015 Seite 4 G. Mit englischsprachiger Eingabe vom 14. September 2015 an die Botschaft (Eingangsstempel: 16. September 2015), welche an das Bundesverwal- tungsgericht (Eingangsstempel: 13. Oktober 2015 ) weitergeleitet wurde, beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm die Einreise in die Schweiz zu bewilligen beziehungsweise Asyl zu gewähren (vgl. dazu auch E. 2.2 nachstehend). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn e von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012, welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, kommen vor- liegend nicht zur Anwendung, wurde doch in der entsprechenden Über- gangsbestimmung (Ziffer III) festgehalten, dass für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung des Asylgesetzes gestellt wor- den sind – was vorliegend der Fall ist – die Art. 12, 19, 20, 41 Absatz 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung gelten. 2. 2.1 Parteieingaben in Verfahren vor Bundesbehörden sind in einer Amts- sprache – in der Regel Deutsch, Französisch oder Italienisch – abzufassen (Art. 70 Abs. 1 BV und Art. 33a Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indessen verzichtet werden, da der in Englisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Wei- teres darüber befunden werden kann. D-6512/2015 Seite 5 2.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Inter esse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und – vom sprachlichen Mangel abgesehen – formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i .V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vorliegende Entscheid in deutscher Sprache. In diesem Zusammenhang wurde in der angefochtenen Verfügung zu Recht darauf hingewiesen, dass das vom Beschwerdeführer eingereichte Asylgesuch aus dem Ausland nur eine Einschätzung von dessen Gefähr- dungssituation erlaube, zumal seine Ehefrau nie persönlich in Erscheinung getreten sei und nie den Willen bekundet habe, die Schweiz um Asyl ersu- chen zu wollen. Daran vermag nichts zu ändern, dass die Beschwerde von der Ehefrau des Beschwerdeführers mitunterzeichnet ist. 2.3 In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Beset- zung mit drei Richtern oder drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schriften- wechsels verzichtet werden. 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG; zur Kognition im Auslandverfahren vgl. BVGE 2015/2). 4. 4.1 Das Staatssekretariat kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ab- lehnen, wenn die asylsuchende Person ke ine Verfolgung glaubhaft ma- chen konnte oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden konnte (Art. 3, Art. 7 und aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligte das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden konnte, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG konnte das Eidge- nössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) schweizerisch e Vertre-D-6512/2015 Seite 6 tungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaub- haft machten, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset- zungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind na- mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzge- währung durch einen a nderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur ander- weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und As- similationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für d ie Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der be- treffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Auf- enthaltsort für die Dauer der Sachv erhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128, sowie auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D -2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). 4.3 Gemäss neuer Rechtsprechung schliesst indes im Auslandverfah ren das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft allein aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen die Bewilligung zur Einreise von vornherein aus. Dem- zufolge kommt der Frage massgebliches Gewicht zu, ob die Person, die aus einem Drittstaat ein Asylgesuch stellt, bereits zum Zeitpunkt der Aus- reise – ungeachtet allfällig bestehender, subjektiver Nachfluchtgründe – zusätzlich auch eine asylrechtlich relevante Gefährdung zu gewärtigen hatte (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/26 E. 7 S. 519 f.). 5. 5.1 Ein Asylgesuch konnte gemä ss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt zu überweisen hatte (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sah Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1). War dies nicht möglich, so wurde die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung bezie- hungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung konnte sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als D-6512/2015 Seite 7 entscheidreif erstellt erschien; der asylsuchenden Person war aber dies- falls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äus- sern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). 5.2 Ebenfalls in den erwähnten dringlichen Änderungen hat der Gesetzge- ber neu Art. 3 Abs. 3 AsylG eingeführt, wonach Personen, die wegen Wehr- dienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, keine Flüchtlinge sind. Vorbehalten bleibt das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Bei den am 29. September 2012 hängigen Verfahren stellt sich deshalb die Frage der intertemporalen Geltung dieser neuen Ge setzesbestimmung. Art. 3 Abs. 3 AsylG ist in Beschwerdeverfahren bezüglich Verfügungen, die das BFM vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Norm am 29. September 2012 erliess, nicht anzuwenden. Hingegen findet die neue gesetzliche Be- stimmung in jenen Fällen Anwendung, die – wie in casu – seit dem 29. Sep- tember 2012 vom BFM entschieden wurden beziehungsweise werden (vgl. BVGE 2013/20 E. 3.2). 5.3 Der Beschwerdeführer wurde nicht zu seinem Asylgesuch befragt. Er hat seine Vorbringen jedoch bereits im Asylgesuch vom 15. Juli 2012 schriftlich dargeleg t (vgl. Sachverhalt Bst. A). Zudem wurde ih m in der Folge mit Zwischenverfügung des SEM vom 29. Januar 2015 ein Katalog von für die vollständige Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts noch zu beantwortenden offenen Fragen zugestellt, wozu er am 15. Feb- ruar 2015 schriftlich Stellung genommen ha t (vgl. Sachverhalt Bst. B). Schliesslich gewährte ihm das SEM mit Zwischenverfügung vom 3. Juni 2015 das rechtliche Gehör zu einem widersprüchlich geschilderten Vorbrin- gen. Dazu hat er mit Schreiben vom 2. Juli 2015 Stellung genommen (vgl. Sachverhalt Bst. C). Der entscheidwesentliche Sachverhalt erscheint an- gesichts der schriftlichen Darlegung der Asylgründe soweit erstellt, dass die entscheidrelevanten Elemente vorliegen. 5.4 Bei dieser Sachlage bestand keine Veranlassung, den Beschwerdefüh- rer vorgängig eines Entscheides durch eine schweizerische Vertretung zu- sätzlich persönlich zu befragen. Das SEM hat den verfahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan. D-6512/2015 Seite 8 6. 6.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, aufgrund der schriftlichen Ausführungen des Beschwerdeführers sei nicht auszuschliessen, dass dieser wegen seiner unerlaubten Entfernung aus dem Nationaldienst und der illegalen Ausreise aus Eritrea ernstzuneh- mende Schwierigkeiten im Sinne von Art. 3 AsylG mit den eritreischen Be- hörden haben könnte, auch wenn gegenüber der Sachverhaltsschilderung aufgrund von mangelnder Substantiierung und gewissen Vorbehalten ge- genüber dem problemlosen sechsjährigen A ufenthalt in Asmara gewisse Zweifel angebracht seien. Es sei zu prüfen, ob einer allfälligen Asylgewäh- rung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl verweigert werden könne, wenn es ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Land um Auf- nahme zu bemühen. Laut Berichten des UNHCR befänden sich zahlreiche eritreische Flücht- linge und Asylbewerber im Sudan. Vor diesem Hintergrund werde – so das SEM – nicht verkannt, dass die Lage vor Ort für diese Menschen wie auch für den Beschwerdeführer nicht einfach sei. Dennoch würden keine kon- kreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib im Sudan für ihn nicht zumutbar oder möglich wäre. Vom UNHCR im Sudan registrierte Flüchtlinge seien einem Flüchtlingslager zugeteilt worden, wo sie sich aufzuhalten hätten und die nötige Versorgung erhielten, wobei sie über kein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land verfügten. Dem Be- schwerdeführer sei daher zuzu muten, beim UNHCR um Schutz zu ersu- chen, falls seine Situation tatsächlich kritisch sein sollte. Gemäss gesicher- ten Erkenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für im Sudan vom UNHCR anerkannte Flüchtlinge gering. Das UNHCR regist- riere vor Ort sämtliche Eritreer, die sich in einem Flüchtlingslager meldeten, unabhängig davon, weshalb sie Eritrea verlassen hätten. Der Beschwer- deführer habe jederzeit die Möglichkeit, sich bei einer Vertretung des UNHCR zu melden und den Flüchtlingsstatus zu erwerben. Das UNHCR habe den Sudan, welcher der FK beigetreten sei, an seine internationalen Verpflichtungen erinnert. In casu lägen keine konkreten Anhaltspunkte da- für vor, dass dem Beschwerdeführer eine Rückführung nach Eritrea drohen könnte. So verfü ge er gemäss den Akten nicht über ein geeignetes Risi- koprofil, das eine Befürchtung vor einer Verschleppung nach Eritrea objek- tiv begründen könnte. Es sei ih m nicht gelungen, glaubhaft darzulegen, persönlich faktisch und unmittelbar bedroht zu sein, um unt er Verletzung des Non -Refoulement-Prinzips nach Eritrea zurückgeschafft zu werden , habe er doch seit seiner Einreise im Jahr (...) keine Probleme im Sudan D-6512/2015 Seite 9 gehabt. Das Leben in Khartum sei für eritreische Flüchtlinge gewiss nicht einfach. Die Hürden für eine zumutbare Existenz in Khartum seien in casu nicht unüberwindbar. Überdies lebe im Sudan eine grosse eritreische Diaspora, die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und weitgehend Unterstützung biete. Gemäss seinen Angaben lebe der Beschwerdeführer in Khartum und verdiene sich seinen Lebensunterhalt als (...). Zudem halte er sich seit (...) Jahren in Khartum auf und habe nebst dem geringen Ein- kommen keine Probleme geltend gemacht. Bei der Anwendung von aArt. 52 Abs. 2 AsylG sei zudem in einer Gesamtschau die Beziehungs- nähe zur Schweiz und die Beziehungsnähe zu anderen Staaten zu prüfen. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers lebten keine Angehörigen von ihm in der Schweiz. Auch s onst seien aus den Akten keine Hinweise auf allfällige Anknüpfungskpunkte zur Schweiz ersichtlich. Aufgrund des- sen sei keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben, welche die vorangegangenen Feststellungen umzustossen vermöge. Mithin liege in casu ein Ausschlussgrund nach aArt. 52 Abs. 2 AsylG vor. Somit benö- tige der Beschwerdeführer den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz nicht und es sei ihm daher zuzumuten, im Drittstaat Sudan zu verbleiben. 6.2 Die Beschwerde beschränkt sich sinngemäss auf ei ne Wiederholung der bisherigen Vorbringen im erstinstanzlichen Asylverfahren. Die Prob- leme des Beschwerdeführers hätten damit begonnen, dass er als Moslem beabsichtigt habe, sich in Eritrea mit seiner Freundin christlichen Glaubens zu verehelichen. Die Lebensumstände im Sudan seien schwierig (vgl. Be- schwerde S. 1–2). 6.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht aufgrund der Aktenlage vorab mit der Auffassung der Vorinstanz einig, wonach der Beschwerdeführer in Erit- rea – trotz gewisser Zweifel – ernstzunehmende beziehungsweise in flücht- lingsrechtlicher Hinsicht relevante Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden hatte beziehungsweise zu befürchten hatte (vgl. E. 6.1 am An- fang). An dieser Feststellung vermag auch die neue gesetzliche Bestim- mung von Art. 3 Abs. 3, 1. Satz AsylG nichts zu ändern, statuiert doch der zweite Satz von Art. 3 Abs. 3 AsylG gleichzeitig den Vorbehalt der FK. 6.4 Im Lichte der oben beschriebenen Konstellation besehen bleibt somit zwingend zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Drittsta at Sudan zugemutet werden kann. Dabei ergibt die Überprüfung der Akten auch unter diesem Gesichtspunkt, dass das SEM dem Beschwerdeführer D-6512/2015 Seite 10 zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und das Asylgesuch abge- lehnt hat. 6.4.1 Was die allgemeinen Lebensbedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan betrifft, sind jene zwar zugestandenermassen nicht einfach, doch teilt der Beschwerdeführer diesbezüglich das Leid mit einer grossen Zahl seiner Landsleute. Die Grundversorgung ist in den Flüchtlingslagern aber gewährleistet und der dortige Aufenthalt ist für die vom UNHCR registrier- ten eritreischen Flüchtlinge grundsätzlich zumutbar. Der Beschwerdeführer lebt gemäss eigenen Angaben seit mehr als (...) Jahren zusammen mit sei- ner Ehefrau und seinen (...) Kindern in Khartum, wo er als (...) erwerbstätig ist. Zudem bringt er nicht vor, dass er dort aufgrund seiner ethnischen Her- kunft und Religion diskriminiert und benachteiligt würde. Die schwierigen Lebensumstände vermögen mithin keine akute und konkrete Gefährdungs- situation des Beschwerdeführers im Sudan zu begründen. Die Ausführun- gen in der Beschwerdeeingabe vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Auch wenn die Lebensumstände de s Beschwerdeführers im Sudan unbestrittenermassen schwierig sind, sind sie nicht dergestalt, dass sie einen weiteren Verbleib gänzlich unzumutbar machen würden. 6.4.2 Aufgrund dieser Erwägungen erscheint es für den Beschwerdeführer objektiv zumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Verfolgungs- gefahr in seinem Heimatstaat Eritrea bestehenden Schutz weiterhin in An- spruch zu nehmen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Vorbringen in der Be- schwerde einzugehen, da diese keine neuen Begründungselemente ent- halten, welche geeignet wären, die Einschätzung des SEM entscheidend zu relativieren. Eine Schutzgewährung durch die Schweiz erscheint somit unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände, welche mit dem Auf- enthalt des Beschwerdeführers im Sudan und seinem dortigen Status als vom UNHCR registrierter Flüchtling verbunden sind, nicht erforderlich. Zu- sammenfassend ergibt sich, dass das SEM zu Recht und mit zutreffender Begründung feststellte, eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG führe zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 8. D-6512/2015 Seite 11 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwal- tungsökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indes auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu ver- zichten. (Dispositiv nächste Seite) D-6512/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige schweizerische Vertretung. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: