<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2025-04-22-7B_32-2024.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>7B_32/2024</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 22. April 2025</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>II. strafrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Abrecht, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichterin Koch, Bundesrichter Kölz, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Hahn. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">vertreten durch Advokat Dr. Andreas Noll, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Strafgericht des Kantons Basel-Stadt, Strafgerichtspräsidentin, </div> <div class="para">Schützenmattstrasse 20, 4003 Basel, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Aktenführung, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Entscheid des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt, Einzelgericht, vom 5. Dezember 2023 (BES.2023.144). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Beim Strafgericht des Kantons Basel-Stadt ist ein Strafverfahren gegen A.________ hängig wegen des Verdachts des mehrfachen Betrugs sowie mehrfachen unrechtmässigen Bezugs von Leistungen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Mit Eingabe vom 15. September 2023 beantragte A.________ gegenüber der strafgerichtlichen Verfahrensleiterin, die Verfahrensakten seien mit einem Aktenverzeichnis zu versehen. Mit Verfügung vom 20. September 2023 hiess die strafgerichtliche Verfahrensleitung diesen Antrag gut und ordnete an, die Staatsanwaltschaft habe ein Aktenverzeichnis zu erstellen. </div> <div class="para">In der Folge stellte die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 27. September 2023 ein Gesuch um Wiedererwägung und beantragte die Abweisung des Antrags auf Erstellung eines Aktenverzeichnisses. Mit Verfügung vom 5. Oktober 2023 entsprach die Verfahrensleitung des Strafgerichts dem Wiedererwägungsgesuch und wies den Antrag von A.________ auf Erstellung eines Aktenverzeichnisses ab. Auf die von A.________ dagegen erhobenen Beschwerde trat das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt mit Entscheid vom 5. Dezember 2023 nicht ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Mit Eingabe vom 11. Januar 2024 führt A.________ Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht. Sie beantragt die Aufhebung des Entscheids des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 5. Dezember 2023. Zudem sei das Appellationsgericht anzuweisen, "für eine Zustellung der vollständigen Verfahrensakten in StPO-konformer Weise (<span class="artref">Art. 100 Abs. 2 StPO</span>) zu sorgen, d.h. systematisch geordnet und in paginierter Form mit einem Inhaltsverzeichnis versehen sowie unter Beilage des Verfahrensprotokolls - sei es dadurch, dass die Vorinstanz die Aufbereitung der Akten und deren Zustellung an die Beschwerdeführerin selbst vornimmt, sei es dadurch, dass die Vorinstanz die entsprechenden Anweisungen der Beschwerdegegnerin oder aber der Staatsanwaltschaft erteilt". In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht A.________ um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung für das bundesgerichtliche Verfahren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Vorakten wurden beigezogen, Vernehmlassungen wurden keine eingeholt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Angefochten ist ein kantonal letztinstanzlicher Nichteintretensentscheid in einer strafrechtlichen Angelegenheit. Dagegen steht die Beschwerde in Strafsachen nach <span class="artref">Art. 78 ff. BGG</span> grundsätzlich offen. Zur Rüge, die Vorinstanz sei auf ihr Rechtsmittel zu Unrecht nicht eingetreten, was eine formelle Rechtsverweigerung darstelle, ist die Beschwerdeführerin unabhängig von ihrer Legitimation in der Sache berechtigt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-76%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page76">BGE 146 IV 76</a> E. 2; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">141 IV 1</a> E. 1.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-258%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page258">138 IV 258</a> E. 1.1). Aufgrund der Tatsache, dass die Vorinstanz auf die kantonale Beschwerde nicht eingetreten ist, beschränkt sich indes der Streitgegenstand des bundesgerichtlichen Verfahrens auf die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht einen Nichteintretensentscheid getroffen hat (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-I-155%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page155">BGE 142 I 155</a> E. 4.4.2 mit Hinweisen). Trifft dies zu, so hat es damit sein Bewenden. Erweist sich das angefochtene Urteil hingegen als bundesrechtswidrig, so ist die Sache zu weiterer Beurteilung des Falls zurückzuweisen. Soweit die Beschwerdeführerin daher Ausführungen macht bzw. Sachanträge stellt, die über eine reine Rückweisung hinausgehen, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-II-38%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page38">BGE 135 II 38</a> E. 1.2; Urteil 1B_266/2017 vom 5. Oktober 2017 E. 1.1, nicht publ. in: <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-475%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page475">BGE 143 IV 475</a>). Im Rahmen des vorgenannten Streitgegenstands erweist sich die Beschwerde demgegenüber als zulässig und geben auch die weiteren Sachurteilsvoraussetzungen gemäss <span class="artref">Art. 78 ff. BGG</span> zu keinen Bemerkungen Anlass. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Die Beschwerdeführerin macht zusammengefasst geltend, die Vorinstanz hätte ihre Beschwerdelegitimation nicht vom Erfordernis eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils rechtlicher Art abhängig machen dürfen. Der vorliegende Streitgegenstand betreffe nicht einen abgelehnten Beweisantrag im Sinne von <span class="artref">Art. 394 lit. b StPO</span>. Zudem handle es sich beim Entscheid der erstinstanzlichen Verfahrensleitung vom 5. Oktober 2023 betreffend Abweisung des Antrags auf Erstellung eines Aktenverzeichnisses aufgrund des Eingriffs in ihren grund- und konventionsrechtlich garantierten Anspruch auf rechtliches Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>; <span class="artref"><artref id="CH/0.101/6/3" type="start"></artref><artref id="CH/0.101/6/1" type="start"></artref>Art. 6 Ziff. 1 und 3 EMRK</span><artref id="CH/0.101/6/3" type="end"></artref><artref id="CH/0.101/3" type="end"></artref>), entgegen der Auffassung der Vorinstanz, auch nicht um einen verfahrensleitenden Entscheid im Sinne von <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO</span>. Selbst wenn dem so wäre, bewirke die Verweigerung der Erstellung eines rechtskonformen Aktenverzeichnisses gemäss <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 StPO</span> einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.1.</b> Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, wenn sie ausführt, der Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens sei kein abgewiesener Beweisantrag, weshalb der Beschwerdeausschlussgrund gemäss <span class="artref">Art. 394 lit. b StPO</span> nicht zur Anwendung kommen könne. </div> <div class="para">Massgebend für die Beurteilung der Frage, ob die Vorinstanz auf die StPO-Beschwerde hätte eintreten müssen, ist <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO</span>. Gemäss <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO</span> ist die Beschwerde gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie Verfahrenshandlungen der erstinstanzlichen Gerichte zulässig; ausgenommen sind verfahrensleitende Entscheide. Diese Bestimmung ist in Zusammenhang mit <span class="artref">Art. 65 Abs. 1 StPO</span> zu lesen, wonach verfahrensleitende Anordnungen der Gerichte nur mit dem Endentscheid angefochten werden können. Nach der Rechtsprechung ist die unmittelbare Beschwerdeführung nach <span class="artref">Art. 65 Abs. 1 StPO</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. b 2</span>. Teilsatz StPO bei Entscheiden, die den Gang des Verfahrens betreffen, ausgeschlossen. Dabei handelt es sich insbesondere um alle Entscheide, welche sich auf die Fortführung und den Ablauf des Verfahrens vor und während der Hauptverhandlung beziehen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-168%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page174">BGE 143 IV 174</a> E. 2.2; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-IV-202%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page202">140 IV 202</a> E. 2.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-193%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page193">138 IV 193</a> E. 4.3.1). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.2.</b> Bei Anordnungen über den Verfahrensgang, die vor der Eröffnung der Hauptverhandlung getroffen werden, beschränkt die Rechtsprechung den Ausschluss der Beschwerde gemäss <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO</span> indessen auf Entscheide, welche keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können. Diese sind weder mit StPO-Beschwerde noch unmittelbar mit Beschwerde an das Bundesgericht anfechtbar (vgl. <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span>). Kann ein verfahrensleitender Entscheid jedoch einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken, ist die Beschwerde gemäss <span class="artref">Art. 393 StPO</span> grundsätzlich zulässig, bevor gegen den dabei ergehenden Entscheid die Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht erhoben werden kann (vgl. <span class="artref">Art. 78 ff. BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-175%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page175">BGE 143 IV 175</a> E. 2.2; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-IV-202%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page202">140 IV 202</a> E. 2.1; Urteile 7B_283/2023 vom 24. Mai 2024 E. 5.2; 1B_569/2011 vom 23. Dezember 2011 E. 2). Der Begriff des nicht wieder gutzumachenden Nachteils entspricht demjenigen in <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span> (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-175%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page175">BGE 143 IV 175</a> E. 2.3; Urteil 1B_421/2019 vom 2. Dezember 2019 E. 2). In Strafsachen muss der Nachteil nicht bloss tatsächlicher, sondern rechtlicher Natur sein. Nicht wieder gutzumachend bedeutet, dass er auch mit einem für die beschwerdeführende Person günstigen Endentscheid nicht oder nicht vollständig behoben werden kann. Ein lediglich tatsächlicher Nachteil wie die Verteuerung oder Verlängerung des Verfahrens genügt nicht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F148-IV-155%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page155">BGE 148 IV 155</a> E. 1.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-175%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page175">143 IV 175</a> E. 2.3; je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> Entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdeführerin verletzte die Vorinstanz angesichts der vorgenannten Rechtsprechung kein Bundesrecht, wenn sie die Zulässigkeit der StPO-Beschwerde gemäss <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO</span> von der Voraussetzung des Vorliegens eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils abhängig machte. Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang aus dem von ihr zitierten bundesgerichtlichen Leitentscheid <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-475%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page475">BGE 143 IV 475</a>. Dieser betraf eine andere Sachverhaltskonstellation, in welcher es um den Anwendungsbereich von <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO</span> ging, mithin eine Verfahrenshandlung der Staatsanwaltschaft angefochten war (a.a.O., E. 2.4 ff.). Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdeführerin sodann, wenn sie ausführt, die Verfügung der erstinstanzlichen Verfahrensleitung stelle keinen verfahrensleitenden Entscheid im Sinne von <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO</span> dar. Die Aktenführung wiederspiegelt den Verfahrensgang. Entscheide betreffend die Aktenführungspflicht, die Übersetzung der Verfahrensakten und den Inhalt sowie Umfang der Strafakten stellen daher Entscheide über die Verfahrensführung bzw. die Verfahrensleitung dar, die nur unter der Voraussetzung des Bestehens eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils der StPO-Beschwerde zugänglich sind (vgl. Urteile 1B_334/2021 vom 7. April 2022 E. 2.4; 1B_678/2012 vom 9. Januar 2013 E. 1 und E. 3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.</b> Zu prüfen bleibt damit, ob die Vorinstanz mangels Vorliegens eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils im vorgenannten Sinn (vgl. E. 2.2.2 hiervor) zu Recht auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen die Verfügung der erstinstanzlichen Verfahrensleitung vom 5. Oktober 2023 nicht eingetreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.1.</b> Die Beschwerdeführerin bringt korrekt vor, dass die (teilweise) Verweigerung des Akteneinsichtsrechts nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span> bewirken kann (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-IV-188%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page188">BGE 147 IV 188</a> E. 1.3.3; Urteile 7B_269/2023 vom 29. November 2024 E. 1.3; 7B_578/2023 vom 23. Oktober 2023 E. 2.3). Nicht ersichtlich ist hingegen, was die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren daraus abzuleiten versucht. Sie bringt selber vor, dass sie mehrfach die Gelegenheit erhielt, die Strafakten vollumfänglich einzusehen. Namentlich nennt sie den Aktenumfang der sie betreffenden Strafakten und teilt sie diesen in Haupt- und Beilageakten auf. Selbst von einer teilweisen Verweigerung der Akteneinsicht kann somit nicht die Rede sein und es liegt daher insoweit kein nicht wieder gutzumachender Nachteil vor. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.2.</b> Die Beschwerdeführerin rügt weiter, die Aktenführung der kantonalen Strafverfolgungsbehörden entspreche in ihrem Fall nicht den Vorgaben, welche in <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 StPO</span> normiert seien. Namentlich fehle es an einem Aktenverzeichnis und hätte sie die insgesamt 433 Seiten umfassenden Akten "regelrecht durchforsten" müssen. Eine derartige Beschränkung ihres Akteneinsichtsrechts verletze ihren Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span> und <span class="artref">Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span>. Zudem habe ihr amtlicher Verteidiger sie dadurch nicht wirksam verteidigen können, was eine Verletzung von <span class="artref">Art. 107 und <artref id="CH/312.0/128" type="start"></artref>Art. 128 StPO</span><artref id="CH/312.0/107" type="end"></artref>, <span class="artref">Art. 32 Abs. 2 BV</span> und <span class="artref">Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 EMRK</span> darstelle. Damit bewirke der angefochtene Entscheid für sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil gemäss <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span>. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.3.</b> Auch mit dieser Argumentation vermag die Beschwerdeführerin keine Verletzung von Bundesrecht durch die Vorinstanz aufzuzeigen. Richtig ist, dass eine Verletzung der aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span> abgeleiteten Aktenführungspflicht (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=05.04.2025&amp;to_date=24.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-I-86%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page86">BGE 142 I 86</a> E. 2.2) das Akteneinsichtsrecht der beschuldigten Person beschränken und damit eine Gehörsverletzung bewirken kann (vgl. Urteil 1B_527/2021 vom 16. Dezember 2021 E. 2.2). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist eine solche Beschränkung des Akteneinsichtsrechts nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedoch grundsätzlich mit keinem nicht wieder gutzumachenden Nachteil verbunden, weil sie - wie jede andere Verweigerung des rechtlichen Gehörs - auch noch bei der Anfechtung des Endentscheids wirksam gerügt und die damit verbundenen Nachteile in der Regel durch die Aufhebung des Endentscheids rückgängig gemacht werden können (Urteile 7B_269/2023 vom 29. November 2023 E. 1.3; 7B_578/2023 vom 23. Oktober 2023 E. 2.3; 1B_23/2023 vom 6. April 2023 E. 1.3.3; je mit Hinweisen). </div> <div class="para">Weshalb sich dies im vorliegenden Fall anders verhalten sollte, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht dargetan. Nach den für das Bundesgericht gemäss <span class="artref">Art. 105 Abs. 1 BGG</span> verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz nahm die Verteidigung der Beschwerdeführerin am 9. Juni 2022 und am 6. Dezember 2022 ihr Akteneinsichtsrecht wahr. Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin ergibt sich zudem, dass sie die 433 Seiten umfassenden Verfahrensakten (113 Seiten Hauptakten und 320 Seiten Beilageakten) einsehen konnte, dies jedoch aufgrund des fehlenden Aktenverzeichnisses für sie mit einem - soweit ersichtlich - zeitlichen Mehraufwand verbunden gewesen sei. Sie sei daher im erstinstanzlichen Hauptverfahren schlechter gestellt gewesen, als wenn sie über ein Aktenverzeichnis verfügt hätte. </div> <div class="para">Aus den Vorbringen der Beschwerdeführerin und den kantonalen Akten ist nicht ersichtlich, ob dieser Nachteil beispielsweise mit einer grosszügigeren zeitlichen Aufwandsentschädigung der Verteidigung aufgewogen werden konnte. Aber selbst wenn dem nicht so wäre, könnte die Beschwerdeführerin ihren Einwand und auch ihre Rüge, wonach sie durch ihre Verteidigung aufgrund des fehlenden Aktenverzeichnisses nicht habe wirksam verteidigt werden können, im Rahmen des Berufungsverfahrens oder nötigenfalls mit einer Beschwerde in Strafsachen (<span class="artref">Art. 93 Abs. 3 BGG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 95 BGG</span>) gegen das Berufungsurteil geltend machen (Urteile 6B_376/2024 vom 5. Juni 2024 E. 3; 6B_1095/2019 vom 30. Oktober 2019 E. 3.3.2 ff., in welchen die Rüge einer unzureichenden Aktenführung durch die kantonalen Behörden auch noch mit einer Beschwerde in Strafsachen vorgetragen werden konnte). Dasselbe gilt hinsichtlich des Vorbringens der Beschwerdeführerin, wonach die erstinstanzliche Verfahrensleitung in Willkür (<span class="artref">Art. 9 BV</span>) verfallen sei und dazu treuwidrig gehandelt habe, wenn sie zunächst mit Verfügung vom 20. September 2023 angeordnet habe, die Staatsanwaltschaft müsse ein Aktenverzeichnis erstellen, diese Verfügung jedoch im Anschluss auf Antrag der Staatsanwaltschaft am 5. Oktober 2023 wiedererwägungsweise aufgehoben habe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.4.</b> Nicht nachvollziehbar ist es schliesslich, wenn die Beschwerdeführerin sinngemäss die Auffassung zu vertreten scheint, ein Eingriff in ihren grundrechtlich garantierten Anspruch auf rechtliches Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>) bewirke bereits für sich alleine betrachtet einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil. Wie vorstehend ausgeführt, ist es insoweit entscheidend, ob der allenfalls unzulässige Eingriff in die grundrechtliche Verfahrensgarantie mit einer späteren Beschwerde gegen den Endentscheid behoben werden kann. Ist dies der Fall, liegt nach der vorgenannten ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts gerade kein nicht wieder gutzumachender Nachteil vor (vgl. E. 2.2.2 hiervor). Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdeführerin aus den von ihr insoweit referenzierten Urteilen des Bundesgerichts, in denen dieses auf Beschwerden gegen Zwischenentscheide betreffend die Anordnung von strafprozessualer Haft oder Beschlagnahmungen eingetreten ist. Hierbei handelt es sich - anders als vorliegend - um Zwischenentscheide betreffend Zwangsmassnahmen. Solche Entscheide sind mit konkreten Nachteilen verbunden, die grundsätzlich auch mit einem für die beschuldigte Person günstigen Endentscheid nicht mehr vollständig behoben werden können. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.5.</b> Zusammengefasst verletzt es kein Bundesrecht, wenn die Vorinstanz gestützt auf <span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO</span> mangels Vorliegens eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils rechtlicher Natur auf die Beschwerde nicht eingetreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die unterliegende Beschwerdeführerin grundsätzlich kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). Sie stellt jedoch ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Da die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kann dem Gesuch entsprochen werden (<span class="artref">Art. 64 BGG</span>). Damit sind für das bundesgerichtliche Verfahren keine Kosten zu erheben und ist der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin aus der Bundesgerichtskasse angemessen zu entschädigen. Die Beschwerdeführerin wird allerdings darauf hingewiesen, dass sie der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn sie aufgrund einer Verbesserung ihrer finanziellen Situation dazu in der Lage ist (<span class="artref">Art. 64 Abs. 4 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird gutgeheissen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Rechtsanwalt Dr. Andreas Noll wird für das bundesgerichtliche Verfahren als unentgeltlicher Rechtsbeistand eingesetzt und aus der Bundesgerichtskasse mit Fr. 1'500.-- entschädigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt, Einzelgericht, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 22. April 2025 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. strafrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Abrecht </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Hahn </div> </div></body></html>