B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4563/2014 U r t e i l v o m 2 7 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch Mag. iur. Christian Hoffs, Rechtsassessor, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen / Appenzell, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 11. Juli 2014 / (…). D-4563/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Eingabe vom 27. März 2012 an das BFM beantragte die HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen / Appenzell unter der Überschrift "Asylgesuch gemäss Art. 20 AsylG" im Auftrag der Beschwer- deführerin und (…), alle im Sudan, sowie ihrer als anerkannter Flüchtling in der Schweiz wohnhaften Schwester, es sei auf das Gesuch einzutr e- ten, den sich im Sudan aufhaltenden Gesuchstellenden die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens zu b e- willigen und die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und (…) festzustellen. Gleichzeitig wurden ein fremdsprachiges , handschriftliches, von der Beschwerdeführerin unterzeichnetes Schreiben vom 1. März 2012 samt deutscher Übersetzung , (…) sowie je eine Vollmacht der B e- schwerdeführerin und (…), alles in Kopie, sowie ein Foto der Beschwer- deführerin in Militäruniform eingereicht (…). A.b Mit Schreiben vom (…) reichte das HEKS beim BFM ein fremdspra- chiges, handschriftliches, von der Beschwerdeführerin unterzeichnetes Schreiben vom (…) im Original samt deutscher Übersetzung betreffend die Situation im Flüchtlingslager B._______ ein. A.c Mit Zwischenverfügung vom (…) bestätigte das BFM gegenüber dem HEKS den Erhalt des Asylgesuchs aus dem Ausland und um Erteilung ei- ner Einreisebewilligung betreffend die Beschwerdeführerin (…) und teilte ihm unter Hinweis auf BVGE 2007/30 mit, die s chweizerische Botschaft im Sudan sei aufgrund der Zunahme der eingereichten A sylgesuche, des begrenzten Personalbestands sowie wegen fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht mehr in der L a- ge, eine persönliche Befragung durchzuführen . Das BFM ersuchte das HEKS in diesem Zusammenhang unter Hinweis auf die Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts um Beantwortung konkreter Fragen betreffend persönliche Angaben, Familie und Angehörige in einem Drittstaat, Asylgründe , Auf- enthalt im Sudan sowie um Einreichung von Dokumenten und Beweismit- teln bis zum (…). Zudem wurde de r Beschwerdeführerin für den Fall, dass den Rechtsbegehren nicht stattgegeben werden könnte, Gelege n- heit zu abschliessenden Bemerkungen beziehungsweise Einwänden i n- nert der erwähnten Frist eingeräumt. Schliesslich wurde das HEKS darauf aufmerksam gemacht, dass das Antwortschreiben von der Beschwerd e- führerin selbst zu verfassen oder zumindest zu unterschreiben sei, damit D-4563/2014 Seite 3 diese persönlich in Erscheinung trete, fa lls deren bisheriges Ersuchen diesen Formvorschriften nicht bereits entspreche (…). A.d Nach stillschweigend gewährter Fristerstreckung r eichte das HEKS mit Schreiben vom (…) beim BFM ein handschriftliches, von der B e- schwerdeführerin unterzeichnetes Antwortschreiben vom (…) samt deut- scher Übersetzung, (…) und ein Passfoto im Original sowie einen fremd- sprachigen Ausweis und (…) ein (…). Mit Schreiben vom (…) reichte das HEKS einen vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) ausgestellten fremdsprach igen Ausweis der B e- schwerdeführerin nach (…). A.e Mit Schreiben vom (…) teilte das HEKS dem BFM eine Telefonnu m- mer in C._______ mit, über welche die Beschwerdeführerin kontaktiert werden könne, und ersuchte um beförderlichen Abschluss des Verfahrens (…). A.f Nach vorgängiger Korrespondenz reichte das HEKS m it Schreiben vom (…) beim BFM eine Vollmacht der Beschwerdeführerin im Original ein (…). B. In ihren schriftlichen Eingabe n machte die Beschwerdeführerin zur B e- gründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, sie sei eritreische Staatsangehörige tigrinischer Ethnie und orthodoxen Glaubens aus D._______. Im Zeitraum von (…) habe sie als Soldatin Nationaldienst ge- leistet. Nach (…) Monaten habe sie aufgrund familiärer Probleme um Ent- lassung gebeten. Als ihr Begehren abgelehnt worden sei, habe sie um Ur- laub ersucht, welcher ihr für einen Monat gewährt worden sei. Bei dieser Gelegenheit sei sie am (…) 2011 zusammen mit (…), aus Eritrea gefl o- hen und am (…) 2011 im UNHCR-Flüchtlingslager B._______ im Sudan angekommen. Dort habe sie sich als Flüchtling registriert und (…) getrof- fen. Als sie eines Tages zusammen einkaufen gegangen sei en, seien sie von E._______ entführt und am (…) 2011 nach F._______ gebracht wor- den. Von dort seien s ie am (…) 2011 zusammen mit (…) Eritreern nach Eritrea deportiert und in G._______ in Haft genommen worden. Die B e- schwerdeführerin wisse nicht, wie sie und (…) von den H._______ den eritreischen Behörden übergeben worden seien. Mit Hilfe eines (…) sei ihnen die Flucht aus dem Gefängnis gelungen . Über I._______ und J._______ seien sie am (…) 2012 nach K._______ gelangt. Zurzeit woh- ne sie mit ihrem Lebenspartner, (…) in C._______. Sie w erde von ihrer D-4563/2014 Seite 4 Schwester in der Schweiz finanziell teilweise unterstützt. Sie könne nicht länger im Sudan bleiben, da sie dort aufgrund ihrer Herkunft und Religion schlecht behandelt würde. Zudem habe sie Angst vor einer Entführung oder Deportation nach Eritrea. C. Mit Verfügung vom 11. Juli 2014 – eröffnet am (…) 2014 – verweigerte das BFM der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz und lehnte deren Asylgesuch ab (…). D. Mit Eingabe vom 15. August 2014 (Datum des Poststempels) an das Bundesverwaltungsgericht beantragte d ie Beschwerdeführerin durch i h- ren Rechtsvertreter unter Kosten - und Entschädigungsfolge die Au fhe- bung der Verfügung des BFM vom 11. Juli 2014 und die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfa h- rens in der Schweiz, eventualiter die Rückweisung der Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz. In prozessual er Hinsicht wurde die G e- währung der unentgeltlichen Rechtspflege, insbesondere das Absehen von einer Kostenvorschusspflicht , und die Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands beantragt. Auf die Begründung wird, soweit entschei d- wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht (Art. 105 Asylge- setz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die dringlichen Ä nderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012, welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, kommen vorliegend nicht zur Anwendung, wurde doch in der Übergangsbesti m-D-4563/2014 Seite 5 mung (Ziffer III) festgehalten, dass für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung des Asylgesetzes gestellt worden sind – was vorliegend der Fall ist – die Art. 12, 19, 20, 41 Absatz 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung gelten. 2. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art . 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Fest stellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschied en (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchf üh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 Das Bundesamt konnte ein im Ausland gestelltes Asylgesuch able h- nen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen konnte oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden konn- te (Art. 3, Art. 7 und AsylG und aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligte das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet we r- den konnte, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein an- deres Land auszureisen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG konnte das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische D-4563/2014 Seite 6 Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machten, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbark eit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschla g- gebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzb e- dürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob e i- ne Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128, sowie auch d ie Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D-2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). 5.3 Gemäss neuer Rechtsprechung schliesst indes im Auslandverfahren das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft allein aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen die Bewilligung zur Einreise von vornherein aus. Dem- zufolge kommt der Frage massgebliches Gewicht zu, ob die Person, die aus einem Drittstaat ein Asylgesuch stellt, bereits zum Zeitpunkt der Au s- reise eine asylrechtlich relevante Gefährdung zu gewärtigen hatte (vg l. zum Ganzen BVGE 2012/26 E. 7 S. 519 f.). 6. Ein Asylgesuch konnte gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt zu überweisen hatte (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sah Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asy l- gründe schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung konnte sich e r- übrigen, wenn der Sach verhalt bereits aufgrund des eingereichten Asy l- gesuchs als entscheidreif erstellt erschien; der asylsuchenden Person D-4563/2014 Seite 7 war aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). 6.1 Die Beschwerdeführerin wurde nicht zu ihrem Asylgesuch befragt. Ihr wurde jedoch mit Zwischenverfügung des BFM vom (…) ein Katalog von für die vollständige Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts noch zu beantwortenden offenen Fragen zugestellt, wozu sie am (…) schriftlich Stellung nahm (vgl. Sachverhalt A.c und d ). Der entscheidwesentliche Sachverhalt erscheint angesichts der schriftlichen Darlegung der Asy l- gründe soweit erstellt, dass die entscheidrelevanten Elemente vorliegen. 6.2 Bei dieser Sachlage bestand keine Veranlassung, die Beschwerd e- führerin vorgängig eines Entscheides durch eine schweizerische Vertr e- tung zusätzlich persönlich anhören zu lassen. Das BFM hat – mithin in diesem Punkt – den verfahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan. 7. 7.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, den Akten seien keine konkreten oder glaubhaft dargelegten A n- haltspunkte dafür zu entnehmen, dass d ie Beschwerdeführerin zum Zeit- punkt der Ausreise aus Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt hätte oder ihr solche gedroht hätten. N a- mentlich habe sie sich damals in einem einmonatigen, bewil ligten Urlaub befunden, weshalb davon ausgegangen werden könne, dass ihr keine Sanktionen durch die eritreischen Behörden gedroht hätten. Der Vollstän- digkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass es der Beschwerdeführerin zuzumuten sei, sich beim UNHCR zu melden, falls ihre Situation tatsäc h- lich kritisch sein sollte. Zwar sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihren Heimat- staat illegal verlassen habe. Dabei handle es sich um einen subjektiven Nachfluchtgrund im Sinne von Art. 54 AsylG. Diese Gesetzesbestimmung schliesse Personen von der Asylgewährung aus, welche erst durch ihre Flucht oder durch ein Verhalten nach der Flucht Flüchtlinge geworden seien. Bei einem Ausschluss der Asylgewährung könne im Hinblick auf die auszusprechende Wegweisung keine Einreisebewilligung erteilt we r- den. Die Erteilung einer solchen an Personen, welche nach den gesetzl i- chen Bestimmungen wieder weggewiesen werden müssten, widerspr e- che praxisgemäss (vgl. BVGE 2011/10 E. 7) der gesetzlichen Logik. Z u-D-4563/2014 Seite 8 sammenfassend sei festzuhalten, dass keine glaubhaft dargelegten A n- haltspunkte dafür vorliegen würden, dass die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Ausreise von einreiserelevanten Nachteilen bedroht worden sei. Damit erübrige sich eine Prüfung der weiteren Voraussetzungen der Erteilung einer Einreisebewilligung im asylrechtlichen Auslandsverfahren. 7.2 In der Beschwerde wird vorweg eingewendet, die Beschwerdeführerin sei durch die Reise in den Sudan aus Sicht der eritreischen Behörden zu einer Landesverräterin geworden, die sich ihrer Pflicht zum Wehrdienst verweigere. Ob sie sich in einem Urlaub vom Wehrdienst bef unden habe oder nicht, sei völlig unerheblich. Tatsache sei, dass sie zum Zeitpunkt ih- rer Flucht aus Eritrea Angehörige der eritreischen Armee gewesen sei, desertiert sei und das Land illegal verlassen habe. Deshalb habe sie en t- gegen der Annahme des BFM begründete Furcht, bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus- gesetzt zu werden. Das Bundesamt habe diesen Sachverhalt verkannt. Deshalb habe es auch unterlassen, die weiteren Voraussetzungen der Er- teilung einer Einreisebewilligung zu prüfen. Sollte dieser Mangel durch das BFM im Beschwerdeverfahren geheilt werden, sei die angefochtene Verfügung dennoch aufzuheben und der Beschwerdeführerin zwecks Durchführung eines ordentlichen Asyl verfahrens die Einreisebewilligung in die Schweiz zu erteilen. Sollte der Mangel nicht geheilt werden können, sei eventualiter die Sache zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (…). 7.3 Diese Einwände der Beschwerdeführerin treffen grundsätz lich zu. Gemäss dem von der Vorinstanz unbestrittenen Sachverhalt wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um Entlassung aus dem Nationaldienst, nachdem sie diesen während (…) Monaten als Soldatin geleistet hatte, abgelehnt. Mithin befand sie sich, als sie sich in ihrem Urlaub auf den Weg zur sudanesischen Grenze machte, weiterhin im Nationaldienst be- ziehungsweise im Sinne der asylrechtlichen Praxis in konkretem Kontakt mit den mit der Durchsetzung der Dienstpflicht betrauten Organen des eritreischen Staates (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize- rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3 E. 4.10 und 4.11 S. 39 ff.). Sie hätte zweifell os flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile zu gewärtigen gehabt, wenn sie, als sie sich in der Absicht, sich dem weite- ren Nationaldienst im Ausland zu entziehen, auf dem Weg zur eritreisch- sudanesischen Grenze von den Behörden ihres Heimatstaates aufgegri f- fen worden wäre. D-4563/2014 Seite 9 7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin be- reits wegen ihrer Desertion auf eritreischem Territorium begründete Furcht vor ernstzunehmenden Schwierigkeiten im Sinne von Art. 3 AsylG mit den eritreischen Behörden gehabt hatte. Indem in der angefochtenen Verfügung festgestellt wurde, dass die Beschwerdeführerin erst durch i h- re illegale Ausreise Flüchtling geworden sei und damit einen subjektiven Nachfluchtgrund verwirklicht habe, hat das BFM mit der falschen Anwen- dung der Art. 3 und 54 AsylG Bundesrecht verletzt , weshalb die Vorin- stanz in der Folge die Prüfung der Frage der Zumut barkeit des Verbleibs der Beschwerdeführerin im Drittstaat Sudan zu Unrecht unterlassen hat. Bei dieser Sachlage kann die Prüfung der Frage offenbleiben, ob das BFM in casu auch aufgrund einer unzutreffenden oder unvollständigen Sachverhaltsgrundlage entschieden hat und die angefochtene Verfügung auch diesbezüglich nicht weiter Bestand hätte haben können. 8. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung beantragt worden ist . Die angefoch- tene Verfügung vom 11. Juli 2014 ist aufzuheben und die Sache (unter Prüfung der Frage der Zumutbarkeit des Verbleibs der Beschwerdeführ e- rin im Drittstaat Sudan) zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Angesichts der vollständigen Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung kann dahingestellt bleiben, ob das BFM zu Recht das Asylgesuch aus dem Ausland abgewiesen und die Einreise verweigert hat. 9. 9.1 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 3 VwVG), womit auch das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Ab s. 1 VwVG) gegen s- tandslos wird. 9.3 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und ve r- hältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (Art. 64 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, D-4563/2014 Seite 10 SR 173.320.2]), womit das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung (Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG) ebenfalls gegenstandslos wird. Bisher wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht . Auf das Nachfo r- dern einer solchen kann indes verzichtet werden, da sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten hinreichend zuverlässig abschät- zen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Der Beschwerdeführerin ist gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 8-13 VGKE) eine Parteientschädigung von Fr. (…) (inkl. Auslagen und allfällige Mehr- wertsteuer) zuzusprechen. Das BFM ist anzuweisen, der Beschwerdefüh- rerin den genannten Betrag auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-4563/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefoc h- tenen Verfügung beantragt worden ist. 2. Die Verfügung des BFM vom 11. Juli 2014 wird aufgehoben und die S a- che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4 Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. (…) (inkl. Auslagen) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und das BFM. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: