<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 34 S.116</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">116</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>34 Kanalisationsanschlussgebühr.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Abgabeschuldner, wenn zwischen Baubewilligung (mit vorläufiger</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abgabenerhebung) und definitiver Abgabenerhebung nach der Fest-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>setzung des Brandversicherungswertes ein Eigentümerwechsel erfolgt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 28. Oktober 2003 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Baukonsortium B. gegen Entscheid des Baudepartements.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">117</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Die einmaligen Kanalisationsanschlussgebühren (§ 34</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. a des Abwasserreglements der Gemeinde S. [AR] vom</span><br/> <span class="ft1">30. November 1990) betragen für Mehrfamilienhäuser 4 % des</span><br/> <span class="ft1">Brandversicherungswertes einschliesslich Zusatz- und Teuerungszu-</span><br/> <span class="ft1">satzversicherungen (§ 39 Abs. 2 lit. b AR) und werden wie folgt</span><br/> <span class="ft1">erhoben: Der Gemeinderat erhebt bei der Erteilung der Bau- bzw.</span><br/> <span class="ft1">Anschlussbewilligung eine Vorauszahlung für die mutmassliche An-</span><br/> <span class="ft1">schlussgebühr auf Grundlage der geschätzten Baukosten (§ 35</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 AR; nachfolgend als erste Abgabenverfügung bezeichnet).</span><br/> <span class="ft1">Nach der definitiven Schätzung der Baute durch das AVA erlässt der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat die "bereinigte Zahlungsverfügung" (§ 35 Abs. 2 AR;</span><br/> <span class="ft1">nachfolgend: zweite Abgabenverfügung). Schuldner der Abgaben ist</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 37 Abs. 1 AR "der jeweilige Grundeigentümer".</span><br/> <span class="ft1">Diese Regelung, die im Normalfall, wenn der Grundeigentümer</span><br/> <span class="ft1">auch Bauherr ist und zwischen Baubewilligung und Abgaben-</span><br/> <span class="ft1">erhebung kein Eigentümerwechsel erfolgt, unproblematisch sein</span><br/> <span class="ft1">mag, ermangelt der Klarheit, wenn das Baugrundstück verkauft wird,</span><br/> <span class="ft1">bevor die Erhebung der Kanalisationsanschlussgebühr abgeschlossen</span><br/> <span class="ft1">ist, und muss für diesen Sachverhalt ausgelegt werden.</span><br/> <span class="ft1">Für die Vorauszahlung (erste Abgabenverfügung) ist die Ertei-</span><br/> <span class="ft1">lung der Bau- bzw. Anschlussbewilligung zeitlich massgeblich. Es</span><br/> <span class="ft1">kann hier offen gelassen werden, ob in jedem Fall der dannzumalige</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer die Vorauszahlung schuldet (§ 35 Abs. 1 i.V.m.</span><br/> <span class="ft1">§ 37 Abs. 1 AR) oder gegebenenfalls der Bauherr. Für die definitive</span><br/> <span class="ft1">Festsetzung der Kanalisationsanschlussgebühr (zweite Abgabenver-</span><br/> <span class="ft1">fügung) scheint es auf den ersten Blick auf das Eigentum im Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt der Schätzung durch das AVA oder der zweiten Abgabenverfü-</span><br/> <span class="ft1">gung anzukommen (§ 35 Abs. 2 i.V.m. § 37 Abs. 1 AR). Damit ent-</span><br/> <span class="ft1">stünde indessen ein Widerspruch zu den Grundlagen der Erhebung</span><br/> <span class="ft1">einer Kanalisationsanschlussgebühr. Der damals noch in Kraft ste-</span><br/> <span class="ft1">hende § 15 Abs. 1 EGGSchG schrieb den Gemeinden vor, Beiträge</span><br/> <span class="ft1">und Gebühren für die Erstellung, den Betrieb und den Unterhalt der</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Abwasseranlagen zu erheben, diese im kommunalen</span><br/> <span class="ft1">Abwasserreglement festzulegen und in Anwendung des Verursacher-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">118</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">prinzips oder nach Vorteil abzustufen. Die Kanalisationsanschluss-</span><br/> <span class="ft1">gebühr soll als Gebühr oder Vorzugslast den Vorteil abgelten, der</span><br/> <span class="ft1">dem Grundeigentümer durch die Erstellung der Kanalisation und die</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit, daran anzuschliessen (als Voraussetzung für die Über-</span><br/> <span class="ft1">baubarkeit), erwächst (vgl. AGVE 2003 33, S. 112 f.; Ulrich Häfe-</span><br/> <span class="ft1">lin/Georg Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zü-</span><br/> <span class="ft1">rich/Basel/Genf 2002, Rz.</span> <span class="ft1">2647, 2650). Dieser Vorteil entsteht</span><br/> <span class="ft1">spätestens im Zeitpunkt des tatsächlichen Anschlusses. Dass dieser</span><br/> <span class="ft1">Gedanke auch dem AR zu Grunde liegt, kann zumindest aus § 36</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 AR abgeleitet werden, wonach die 10-jährige Verjährungsfrist</span><br/> <span class="ft1">für einmalige Abgaben "beginnt, sobald der Abgabegrund eingetreten</span><br/> <span class="ft1">ist". Mit dem Eintritt des Abgabegrundes für die Anschlussgebühr</span><br/> <span class="ft1">kann einzig der Kanalisationsanschluss gemeint sein; mit der</span><br/> <span class="ft1">späteren Gebäudeschätzung des AVA wird nicht der Abgabegrund</span><br/> <span class="ft1">gesetzt, sondern die Grundlage für die Abgabenberechnung geschaf-</span><br/> <span class="ft1">fen. Demgegenüber lässt sich das Abstellen auf das Eigentum im</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der zweiten Abgabenverfügung sachlich kaum begründen</span><br/> <span class="ft1">und hätte zur Folge, dass der Schuldner bei einem Eigentümerwech-</span><br/> <span class="ft1">sel durch den Zufall bestimmt wird. Zusammenfassend ist somit</span><br/> <span class="ft1">festzuhalten, dass der Grundeigentümer im Zeitpunkt des Kanalisati-</span><br/> <span class="ft1">onsanschlusses Schuldner der zweiten Abgabenverfügung ist.</span><br/> <span class="ft1">(Redaktionelle Anmerkung: Eine gegen diesen Entscheid</span><br/> <span class="ft1">erhobene staatsrechtliche Beschwerde hat das Bundesgericht am 3.</span><br/> <span class="ft1">Juni 2004 abgewiesen, soweit es darauf eingetreten ist</span><br/> <span class="ft1">[2P.311/2003]).</span><br/></div> </div> </body> </html>