B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3324/2022 law/blp U r t e i l v o m 22 . S e p t e m b e r 2 0 2 2 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Patrick Blumer. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Mohammad Abdelwahab, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 6. Juli 2022 / N (…). D-3324/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am 19. Juli 2021 in der Schweiz um Asyl nach und wurde daraufhin dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (…) zugewiesen. Am 23. Juli 2021 wurden seine Personalien aufgenommen, am 1. September 2021 ein Dublin-Gespräch durchgeführt und am 10. Sep- tember 2021 wurde er vom SEM einlässlich zu seinen Asylgründen gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) angehört. A.b Der Beschwerdeführer machte zu seinem Lebenslauf und zur Begrün- dung seines Asylgesuches im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei kurdischer Ethnie und in B._______ zur Welt gekommen, wo er bis zu seiner Ausreise mit seinen Eltern und Geschwister n zusammengelebt habe. Für seinen Unt erhalt sei bis dahin stets sein Vater aufgekommen. Dieser habe unter anderem einen Kindergarten betrieben. Ab 2012 habe er (der Beschwerdeführer) regelmässig an Demonstrationen teilgenommen. Er habe sich jedoch ab dem Jahr 2014 stark in Acht neh- men müssen, weil er damit gerechnet habe, für den Militärdienst gesucht zu werden. So habe er etwa Regierungsgebäude gemieden und sich meist bei seiner Grossmutter aufgehalten. Demonstriert habe er jedoch weiter- hin. Im Jahr 2015 sei ein Freund von ihm, mit welchem er gemeinsam an Demonstrationen teilgenommen habe, in Haft gekommen. Er ( der Be- schwerdeführer) habe seither nie wieder von ihm gehört. Im selben Jahr sei seinem Vater von der Polizei «ein Beleg» für ihn überreicht worden. Er (der Beschwerdeführer) habe sich wegen der Demonstrationsteilnahmen bei den Behörden melden müssen. Ein Polizist habe seinem Vater erklärt, dass zu ermitteln sei, ob er ( der Beschwerdeführer) tatsächlich demons- triert habe. Am selben Tag sei seinem Vater für ihn ein Militäraufgebot aus- gehändigt worden. Nach Erhalt der Dokumente habe er (der Beschwerde- führer) sich, in der Annahme zuhause gesucht zu werden, noch öfter im Haus seiner Grossmutter zurückgezogen. Auch die erwähnte Vorladung habe ihn jedoch nicht davon abgehalten, weiterhin an Dem onstrationen teilzunehmen. Er habe erst damit aufgehört, als drei Monate später eine Razzia im Elternhaus veranlasst worden sei. Es sei nach ihm gesucht wor- den. Zwei oder drei Tage lang habe er sich daraufhin im Speicherdach sei- ner Grossmutter versteckt. Ein Freund seines Vaters habe ihn schliesslich Mitte Oktober 2015 mit ei- nem Minibus abgeholt und an die Grenze zu Kurdistan gebracht, wo er (der D-3324/2022 Seite 3 Beschwerdeführer) fünf oder sechs Jahre geblieben sei, in der Hoffnung einst nach Hause zurückkehren zu können. Es sei ihm jedoch psychisch zunehmend schlechter gegangen, weshalb er sich entschieden habe, sei- nem Bruder C._______ in die Schweiz zu folgen. Er (der Beschwerdefüh- rer) sei im D._______ von der UNO als Flüchtling anerkannt gewesen. Den Flüchtlingsausweis habe er im Zuge seiner Weiterreise jedoch weggewor- fen. C._______ sei ebenfalls ausgereist, weil dieser wegen des Militär- dienstes gesucht worden sei. Nach der erwähnten Razzia sei in der Heimat nie mehr nach ihm ( dem Beschwerdeführer) gesucht worden. Er wisse jedoch nicht, was geschehe, würde er nach Syrien zurückkehren. A.c Am 16. September 2021 wurde der Beschwerdeführer dem erweiter- ten Verfahren zugeteilt. A.d Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des vorinstanzlichen Ver- fahrens seine Identitätskarte im Original, einen Suchbefehl vom (…), ein als Rekrutierungsaufgebot bezeichnetes Dokument vom (…) und ein wei- teres Dokument betreffend Militär vom (…) (Aufgebot vom Aushebungs- amt), je in Kopie, zu den Akten. B. Der Beschwerdeführer ersuchte am 21. März 2022 um einen raschen Ent- scheid und erkundigte sich nach dem Verfahrensstand. C. Mit Verfügung vom 6. Juli 2022 – eröffnet am 9. Juli 2022 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, nahm ihn aber infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf und händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver- zeichnis aus. D. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 1 . August 2022 (Datum Post- stempel: 2. August 2022) liess der Beschwerdeführer gegen diesen Ent- scheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantra- gen, die Ziffern 1 bis 3 der Verfügung des SEM seien aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegwei-D-3324/2022 Seite 4 sungsvollzugs festzustellen, subeventualiter sei die Sache zwecks Vor- nahme von weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen . In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er beantragen, es sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und von der Erhebung eines Kostenvor- schusses abzusehen. Der Beschwerde lag die angefochtene V erfügung in Kopie, ein Foto des Beschwerdeführers und die Sozialhilfebestätigung vom (…) bei. E. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 3. August 2022 den Eingang der vorliegenden Beschwerde. F. Mit Zwischenverfügung vom 23. August 2022 wies der Instruktionsrichter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und setzte dem Beschwerdeführer eine Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 750.– bis zum 7. September 2022, verbunden mit dem Hin- weis, auf die Beschwerde werde ni cht eingetreten, wenn der Kostenvor- schuss innert Frist nicht bezahlt werde. G. Am 5. September 2022 wurde der eingeforderte Kostenvorschuss einbe- zahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der D-3324/2022 Seite 5 Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem der einverlangte Kosten- vorschuss innert angesetzter Frist bezahlt wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Beschwerdeentscheid nur summa- risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-3324/2022 Seite 6 5. 5.1 Das SEM führt in seiner Verfügun g aus, dass die Vorbringen des Be- schwerdeführers weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge- mäss Art. 7 AsylG standhalten würden. Seine Angaben würden insgesamt kein eindeutiges Bild darüber abgeben, ob er sich bereits ab 2014 in Gefahr gewähnt habe oder sich aus anderen Gründen im Haus der Grossmutter aufgehalten habe. Es wären diesbezüg- lich konkretere und konsistentere Angaben zu erwarten gewesen. Das- selbe gelte für den Umstand, dass er ab 2014 bei der Grossmutter unter- getaucht sei, jedoch weiterhin demonstriert habe, was nicht ohne Weiteres nachvollziehbar sei. Damit konfrontiert habe er angegeben, dass es eine Vorsichtsmassnahme gewesen sei, um nicht verhaftet zu werden. Sein Zu- hause habe jeden Moment gestürmt werden können. Diese Angabe über- zeuge nicht, zumal er erklärt habe, dass es auch bei den Demonstrationen regelmässig zu Zusammenstössen mit Behörden gekommen sei. Seine diesbezüglichen Schilderungen seien sehr allgemein g ehalten gewesen und würden wenig Bezug auf die persönliche Situation nehmen. Ebenfalls fragwürdig scheine, dass er auch dann noch demonstriert habe, nachdem er offensichtlich von den Be hörden gesucht worden sei . Auf Nachfrage habe er dazu wenig differenzierte Angaben gemacht, welchen keine Glaub- haftigkeitselemente im Sinne von Realkennzeichen entnommen werden können. Der Beschwerdeführer habe die Razzia in den Kontext der angeblichen Demonstrationen gestellt. Weiter habe er in diesem Zusammenhang er- klärt, dass seinem Vater drei Monate vor der Razzia ein Dokument über- reicht worden sei, gemäss welchem wegen der Demonstra tionen gegen den Beschwerdeführer ermittelt worden sei. Dass er gleichentags zum Dienst aufgeboten worden sei, habe er im Rahmen des freien Berichts nicht erzählt. Beim Einreichen der erwähnten Dokumente habe er hinge- gen erklärt, dass das eine im Zusammenh ang mit den Demonstrationen gestanden sei, ein anderes sei vom Rekrutierungszentrum. Darauf ange- sprochen habe er zunächst allgemeine und ausweichend anmutende An- gaben zur allgemeinen Dienstpflicht gemacht. Auf erneute Nachfrage habe er ohne vorgängig je darauf hingewiesen worden zu sein ausgeführt, dass die beiden Dokumente seinem Vater am selben Tag ausgehändigt worden seien. Er habe die Matura abgeschlossen und habe in den Militärdienst eintreten müssen. Weitere Angaben zum Inhalt des Dokuments habe er nicht machen können, was nicht nachvollziehbar sei. Zudem erscheine D-3324/2022 Seite 7 merkwürdig, dass sein Vater die beiden Dokumente am selben Tag erhal- ten haben soll, wenn gleich der Beschwerdeführer den Umstand in einen grösseren Kontext gebettet nicht vorgebracht habe. E s wäre zu erwarten gewesen, dass er die Tatsache akzentuierter thematisiert hätte. In Syrien könne jegliche Art von Dokumenten käuflich erworben werden , weshalb diesen nur im Zusammenhang mit einem glaubhaften Sachver- haltsvortrag Relevanz beigemessen werde n könne. Seine Schilderungen würden nichts darüber aussagen, wie sein Vater an das Dokument oder die Dokumente habe gelangen können. Näher dazu befragt, habe der Be- schwerdeführer nebst allgemeinen Ausführungen zum syrischen Regime lediglich erklärt, dass e in Polizist seinem Vater gesagt habe, er solle sich bei der Polizei melden. Sein Vater habe ihm das Demonstrieren nicht ver- boten, sondern nur davon abgeraten, was an sich eine relativierende Aus- sage darstelle. Im Weiteren seien seine Schilderungen jedoch wenig sub- stantiiert geblieben. Seine oberflächlichen und undifferenzierten Angaben würden nicht den Eindruck einer erlebnisbasierten Begebenheit vermitteln. Es wäre zu erwarten gewesen, dass er mehr zum geltend gemachten Um- stand hätte berichten können, gemäss welchem seinem Vater am selben Tag mehrere, teils behördeninterne Dokumente, überreicht worden seien. Vor dem Hintergrund der unglaubhaften Vorbringen im Zusammenhang mit dem Erhalt der Dokumente, komme diesen somit keine Relevanz zu. Seine Angaben zur geltend gemachten Razzia seien wenig detailliert ausgefal- len. Es erscheine insgesamt nicht glaubhaft, dass er unmittelbar vor seiner Ausreise seitens der Behörden gesucht worden sei und bei einer Rückkehr eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu befürchten hätte – sei es aufgrund der Teilnahme an Demonstrationen oder in Zusammenhang mit der Wehrpflicht. Den Ausführungen des Beschwerdeführers sei nicht zu entnehmen, dass er von der syrischen Armee als diensttauglich erklärt worden sei. Er habe seinen Angaben zufolge weder eine Aushebung durchlaufen noch sei ihm ein Militärdienstbüchlein ausgestellt worden. Dass er vom Militär in irgend- einer Weise bereits einberufen oder kontaktiert worden sei, sei nicht glaub- haft. Da er noch kein Militärdienstbüchlein erhalten und sich noch nicht den obligatorischen medizinischen Tests unterzogen habe, sei nicht gesichert, ob er überhaupt als militärdiensttauglich befunden worden wäre. Durch seine Ausreise aus Syrien habe er sich somit der wehrdienstlichen Muste- rung, nicht jedoch der eigentlichen Dienstpflicht entzogen. Allein der Um- stand, dass er sich vor einem künftigen Einzug in den Militärdienst fürchte, D-3324/2022 Seite 8 vermöge gemäss ständiger Praxis keine Furcht vor flüchtlingsrechtlich re- levanter Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen. Daran ändere auch die Angabe nichts, wonach er in Kurdistan als Flüchtling anerkannt worden sei. Er habe den angeblichen Umstand nicht belegen können. Aus den Dossiers seines in der Schweiz ansässigen Bruders C._______ (N […]) seiner Cousin E._______ (N […]) und F._______ (N […]) sowie sei- ner Cousine G._______ (N […]) seien keine Hinweise hervorgegangen, dass der Beschwerdeführer in der Heimat gefährdet sein könnte. 5.2 In der Beschwerde wird dem im Wesentlichen entgegenhalten, der Be- schwerdeführer sei erst im Jahr (…) öfters bei seiner Grossmutter gewe- sen. Er gehöre einer Kultur an, in der Grossvater und Grossmutter einen hohen Stellenwert in der Familie einnehmen würden. Er habe mit seiner Familie in derselben Strasse wie seine Grossmutter gelebt, die nur wenige Häuser vom Elternhaus entfernt gewohnt habe. Sein Aufenthalt im Haus seiner Grossmutter sei nichts Neues gewesen, aber nachdem er die Vor- ladung erhalten habe, sei er die meiste Zeit bei ihr geblieben, und nachdem die Sicherheitskräfte das Haus seiner Eltern gestürmt und durchsucht hät- ten, sei er im Haus seiner Grossmutter versteckt geblieben, bis er Syrien habe verlassen müssen. Anscheinend sei dem SEM dieser Punkt nicht ganz klar gewesen, daher hätte es eine zweite Anhörung mit dem Be- schwerdeführer führen sollen, damit er die Angelegenheit detaillierter hätte erläutern können. Seine Aussagen seien glaubhaft und seine Angaben auch in Bezug auf die bei ihm zu Hause durchgeführte Razzia durch die Sicherheitsbehörden sehr detailliert ausgefallen und würden einen hohen Grad an Individualität sowie Emotionalität aufweisen. Die Vorinstanz habe vorliegend den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen. Er habe Syrien lediglich wegen des syrischen Regimes verlassen. Bezüglich der eingereichten Beweismittel (Such- und Haftbefehl und Aufforderung zum Militärdienst) hätten keine ob- jektiven Fälschungsmerkmale festgestellt werden können. Die Vorinstanz habe deshalb ihre Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts schwerwiegend verletzt. Seine Antwort an der Anhörung, er wisse nicht, was ihm bei einer Rückkehr nach Syrien pas- sieren könne, bedeute, dass ihm alle Möglichkeiten offenstehen würden. Er sei im Zeitpunkt der Ausreise gezielt asylrelevant verfolgt worden. Er sei gesund und leide an keiner chronischen Krankheit, was der Beweis dafür sei, dass er in der Lage gewesen sei, den Militärdienst zu leisten. Ihm sei D-3324/2022 Seite 9 Asyl zu gewähren, da keine Ausschlussgründe vorlägen. Die illegale Aus- reise im Nachgang zum Verdacht, den die Behörde gehegt habe, k omme als Nachfluchtgrund hinzu. 6. 6.1 Es ist vorab festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist , inwiefern der Um- stand der Anwesenheit von ausschliesslich weiblichen Personen anlässlich der Anhörung, dazu geführt haben soll, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen sei, seine Asylgründe adäquat zu schildern. Der in der Beschwerde diesbezüglich erhobene, aber nicht weiter präzisierter Ein- wand, wonach sich dies negativ auf ihn ausgewirkt habe (vgl. Beschwerde S. 4 f), überzeugt nicht. 6.2 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das SEM in seinen Erwägungen m it überzeugender sowie hinlänglich auf die Akten und die Praxis abgestützter Begründung zur zu- treffenden Erkenntnis gelangt, dass die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG sind und den Anforderun- gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Zur Ver- meidung von Wiederholungen kann mit den nachfolgenden Ergänzungen daher vorweg auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. Ziff. II) und die obige Zusammenfassung derselben (vgl. E. 5.1) verwiesen werden. 6.3 Gemäss Praxis vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion für sich alleine die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen, sondern nur, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). Im syrischen Kontext wird dies dann ange- nommen, wenn zusätzliche exponierende Faktoren gegeben sind, welche darauf schliessen lassen, dass eine Person als Regimegegner angesehen wird und damit aus politischen Gründen eine unverhältnismässige Bestra- fung zu gewärtigen hätte. Hingegen droht Wehrdienstverweigerern und Deserteuren, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind, nicht mit genü- gender Wahrscheinlichkeit eine Strafe, welche die Schwelle der Asylrele- vanz erreichen würde (vgl. BVGE 2020 VI/4 E. 5 f., insbes. E. 6.2.4). 6.4 Im Falle des Beschwerdeführers ist übereinstimmend mit dem SEM da- von auszugehen, dass die unmittelbar vor der Ausreise erfolgte behördli- che Suche nach dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seiner Teil- nahme an Demonstrationen nicht glaubhaft ist, zumal die Erklärung in der Beschwerde, wonach das Versteck bei seiner Grossmutter in derselben D-3324/2022 Seite 10 Strasse nur wenige Häuser von seinem Elternhaus gelegen sei, keine Klä- rung bringt, die zu einer anderen Beurteilung führt. Weiter liegt im Falle des Beschwerdeführers keine Konstellation vor, die mit jener im Urteil BVGE 2015/3 vergleichbar wäre. Zwar gehört er der kur- dischen Ethnie an. Dies allein stellt aber keinen Risikofaktor dar, zumal weder aus seinen Aussagen an den Befragungen noch aus der Be- schwerde hervorgeht, dass er zusätzliche exponierende Faktoren aufwei- sen würde, welche ihn als Regimegegner erscheinen liessen. So hat er zu Protokoll gegeben, weder er noch seine Familie seien je politisch aktiv ge- wesen (vgl. SEM -act. […]-21/16 F95 f. und 9 9). Zu Recht hält das SEM weiter fest, dass er sich durch seine Ausreise aus Syrien – wenn überhaupt – der wehrdienstlichen Musterung, nicht jedoch der eigentlichen Dienst- pflicht entzogen hat. In der Beschwerde wird im Übrigen nicht ansatzweise ausgeführt, inwiefern die diesbezüglichen Erwägungen des SEM unzutref- fend sein sollen. Stattdessen wird ausschweifend und wiederholend aus- geführt, der Beschwerdeführer habe glaubhaft ausgesagt, ohne dabei stichhaltige Argumente vorzubringen, welche geeignet sein könn ten, hin- sichtlich der Frage der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen zu einer von dem- jenigen des SEM abweichenden Einschätzung zu gelangen. An der zutref- fenden Beurteilung des SEM vermag schliesslich auch mit der Beschwerde als Beilage 3 eingereichte Foto, auf dem der Beschwerdeführer anlässlich einer Kundgebung abgebildet sein soll, nichts zu ändern. Nach dem Gesagten ist unter Verweis auf die Erwägungen des SEM in der angefochtenen Verfügung nicht davon auszugehen, dass der Beschwerde- führer im Falle einer Fe stnahme durch die syrischen Behörden mit einer politisch motivierten Bestrafung oder einer Behandlung rechnen müsste, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Ar t. 3 AsylG gleichzusetzen wäre. 6.5 Schliesslich führt eine illegale Ausreise aus Syrien nicht zur Annahme, dass einer syrischen Person bei einer Rückkehr in ihr Heimatland mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung droht. Zwar ist aufgrund der illegalen Ausreise und der längeren Land es- abwesenheit davon auszugehen, dass bei einer Wiedereinreise nach Sy- rien eine Befragung durch die heimatlichen Behörden stattfindet. Da der Beschwerdeführer aber keine Vorverfolgung erlitten hat und nicht davon auszugehen ist, dass er vor dem Verlassen Sy riens als regimefeindliche Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten ist, kann mit hinrei-D-3324/2022 Seite 11 chender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass er als staatsge- fährdend eingestuft würde. Ferner ist auch nicht aktenkundig – und der Be- schwerdeführer macht im Übrigen solches auch nicht geltend –, dass er sich seit seiner Ausreise exilpolitisch betätigt hätte. Somit ist nicht davon auszugehen, er könnte nach einer (hypothetischen) Rückkehr als regime- feindliche Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil publiziert]; bestätigt beispielsweise im Urteil des BVGer E-2791/2019 vom 22. Juni 2020 E. 6.5). 6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers folgerichtig ab- gelehnt. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf den in der Beschwerde formulier- ten Subeventualantrag (Kassation) zwecks Sachverhaltsabklärung näher einzugehen, da dieser unbegründet geblieben ist und sich aus den Akten ohnehin keine Anhaltspunkte ergeben, welche auf eine unrichtige oder un- vollständige Erhebung des rechtserheblichen Sachverhalts durch das SEM ergeben. 7. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 8.2 Nachdem der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und wegen der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien vom SEM infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vor- läufig in der Schweiz aufgenommen wurde, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug D-3324/2022 Seite 12 der Wegweisung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – heute nicht, da diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 8.4 [als Referenzurteil publiziert], BVGE 2011/7 E. 8 und 2009/51 E. 5.4). Auf den Eventualantrag, es sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, ist mithin mangels eines schützenswerten Interesses nicht einzutreten. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 200 8 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 5. September 2022 in gleicher Höhe ge- leistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu ver- wenden. (Dispositiv nächste Seite) D-3324/2022 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese einzutreten ist. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zu deren Be- zahlung verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Patrick Blumer Versand: