<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 80 S.375</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">375</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>80 Begründungspflicht;</b></span> <span class="ft1"><b>Beweiserhebung.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Rechtsfolgen, wenn die Beschwerde an das Verwaltungsgericht ganz</b></span><br/> <span class="ft1"><b>oder weitgehend mit der Beschwerde an die Vorinstanz identisch ist</b></span><br/> <span class="ft1"><b>und auf die Erwägungen der Vorinstanz nicht oder nicht ausreichend</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Bezug genommen wird (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Das Begehren um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK muss ausdrücklich und vorbehaltlos</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gestellt werden (Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 23. August</span><br/> <span class="ft2">2001 in Sachen H. gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">2. a) Die Beschwerdeschrift muss einen Antrag sowie eine Be-</span><br/> <span class="ft5">gründung enthalten (§ 39 Abs. 2 Satz 1 VRPG). Mit der Begründung</span><br/> <span class="ft5">ist darzulegen, in welchen Punkten nach Auffassung des Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführers der angefochtene Entscheid Mängel aufweist. Eine stereo-</span><br/> <span class="ft5">type Wiederholung der bereits gegen den vorinstanzlichen Entscheid</span><br/> <span class="ft5">vorgebrachten Rügen ohne Bezugnahme auf die Erwägungen im</span><br/> <span class="ft5">angefochtenen Entscheid reicht nicht aus; in solchen Fällen ist auf</span><br/> <span class="ft5">die Beschwerde nicht einzutreten. Gleiches gilt, wenn pauschal auf</span><br/> <span class="ft5">vorangegangene Rechtsschriften verwiesen wird (Michael Merker,</span><br/> <span class="ft5">Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aar-</span><br/> <span class="ft5">gauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Diss. Zürich</span><br/> <span class="ft5">1998, § 39 N 39; vgl. auch BGE 113 Ib 287 f.).</span><br/> <span class="ft5">b) Es fällt auf, dass die Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom</span><br/> <span class="ft5">7. September 1999 und die Verwaltungsbeschwerde vom 24. Sep-</span><br/> <span class="ft5">tember 1998 über weite Strecken inhaltsgleich sind. Neu sind vor</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht im Wesentlichen nur die Ausführungen betref-</span><br/> <span class="ft5">fend das rechtliche Gehör. Sonst sind die beiden Rechtsschriften vom</span><br/> <span class="ft5">Wortlaut her bis auf wenige, unbedeutende Ausnahmen identisch.</span><br/> <span class="ft5">Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft5">wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kaum oder überhaupt</span><br/> <span class="ft5">nicht Bezug genommen. Exemplarisch dafür sind etwa die folgenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">376</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Argumentationspunkte: In der Verwaltungsbeschwerde wurde die</span><br/> <span class="ft5">Ansicht vertreten, bis zum Sturmschaden und wegen des Wunsches</span><br/> <span class="ft5">der kantonalen Beamten, die östliche Anbaute zu entfernen, sei eine</span><br/> <span class="ft5">weitgehend intakte Baute mit gesunder Kernsubstanz vorhanden</span><br/> <span class="ft5">gewesen. Der Regierungsrat hat dazu mit substantiellen</span><br/> <span class="ft5">Ausführungen Stellung genommen. Die Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft5">schwerde äussert sich zu dieser Begründung nicht, sondern nimmt</span><br/> <span class="ft5">den Wortlaut der Verwaltungsbeschwerde unverändert wieder auf.</span><br/> <span class="ft5">Die gleiche Situation besteht bezüglich der Rüge, es fehlten Unterla-</span><br/> <span class="ft5">gen zur Quantifizierung der noch vorhandenen Bausubstanz durch</span><br/> <span class="ft5">die Koordinationsstelle Baugesuche, der Behauptung, die Keller-</span><br/> <span class="ft5">erweiterung sei ausdrücklich freigestellt und der Kellerabgang vom</span><br/> <span class="ft5">Gemeinderat gestattet worden sowie des Hinweises auf die Ver-</span><br/> <span class="ft5">gleichsfälle "Müslen". Auch in der Stellungnahme vom 3. Dezember</span><br/> <span class="ft5">1999 wird nicht, zumindest nicht substantiell, "nachgebessert".</span><br/> <span class="ft5">Wenn auch diese Begründungsmängel gesamthaft kaum ausrei-</span><br/> <span class="ft5">chen, um auf die Beschwerde nicht einzutreten, so ist ihnen doch</span><br/> <span class="ft5">gemäss bestehender Praxis in der Weise Rechnung zu tragen, dass</span><br/> <span class="ft5">das Verwaltungsgericht im Grundsatz auf die Erwägungen im vorin-</span><br/> <span class="ft5">stanzlichen Entscheid verweisen und sich auf eine summarische Be-</span><br/> <span class="ft5">gründung beschränken kann.</span><br/> <span class="ft5">3. Der Beschwerdeführer verlangt ausdrücklich die Durchfüh-</span><br/> <span class="ft5">rung einer Augenscheinsverhandlung.</span><br/> <span class="ft5">a) Der durch Art. 29 Abs. 2 BV gewährleistete Anspruch auf</span><br/> <span class="ft5">rechtliches Gehör verlangt, dass die rechtsanwendende Behörde die</span><br/> <span class="ft5">Argumente und Verfahrensanträge der Parteien entgegennimmt, prüft</span><br/> <span class="ft5">und die rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel ab-</span><br/> <span class="ft5">nimmt, soweit diese nicht rechtlich unerhebliche Tatsachen betreffen</span><br/> <span class="ft5">oder von vornherein untauglich sind, über die streitigen Tatsachen</span><br/> <span class="ft5">Beweis zu erbringen; die Behörde darf also im Wege einer soge-</span><br/> <span class="ft5">nannten antizipierten (vorweggenommenen) Beweiswürdigung zu</span><br/> <span class="ft5">einem solchen Schluss kommen (Bundesgericht, in: ZBl 94/1993,</span><br/> <span class="ft5">S. 318; BGE 117 Ia 268 f. mit Hinweisen; AGVE 1991, S. 365 f.).</span><br/> <span class="ft5">Auf einen Augenschein kann die urteilende Behörde somit dann</span><br/> <span class="ft5">verzichten, wenn er nichts am Ergebnis zu ändern vermöchte (BGE</span><br/> <span class="ft5">112 Ia 202; AGVE 1991, S. 365 f.; VGE II/75 vom 9. September</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">377</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">1998 [BE.98.00088] in Sachen C., S. 10). Auch Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span><br/> <span class="ft5">vermittelt keinen weitergehenden Anspruch. Ersucht eine Prozess-</span><br/> <span class="ft5">partei um Durchführung eines Augenscheins, ist hieraus nicht ohne</span><br/> <span class="ft5">Weiteres auf ein Begehren um Durchführung einer öffentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft5">handlung zu schliessen; denn ob ein Augenschein durchzuführen sei,</span><br/> <span class="ft5">ist eine nach innerstaatlichem Verfahrensrecht zu beurteilende be-</span><br/> <span class="ft5">weisrechtliche Frage, während es sich bei der in Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span><br/> <span class="ft5">vorgesehenen öffentlichen Verhandlung um eine nach Konventions-</span><br/> <span class="ft5">recht zu beurteilende Verfahrensgarantie handelt. Das Begehren um</span><br/> <span class="ft5">eine öffentliche Verhandlung muss ausdrücklich und vorbehaltlos</span><br/> <span class="ft5">gestellt werden (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, VRG, Kom-</span><br/> <span class="ft5">mentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich,</span><br/> <span class="ft5">2. Auflage, Zürich 1999, § 59 N 7; vgl. zum Ganzen auch: VGE</span><br/> <span class="ft5">III/165 vom 8. Dezember 1999 [BE.97.00016] in Sachen Baukon-</span><br/> <span class="ft5">sortium H., S. 17 f.).</span><br/> <span class="ft5">b) Aus der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ergibt sich klar, dass</span><br/> <span class="ft5">eine Augenscheinsverhandlung <i>zu Beweiszwecken</i> anbegehrt ist und</span><br/> <span class="ft5">nicht eine öffentliche Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1</span><br/> <span class="ft5">EMRK. Der Entscheid über die Abnahme des beantragten Beweis-</span><br/> <span class="ft5">mittels liegt daher im Ermessen des Verwaltungsgerichts. Dabei ist in</span><br/> <span class="ft5">erster Linie zu berücksichtigen, dass die bei den Akten liegenden</span><br/> <span class="ft5">Fotos und Projektpläne dem Verwaltungsgericht ein ausreichendes</span><br/> <span class="ft5">Bild vom fraglichen Gebäude und den an ihm vorgenommenen bau-</span><br/> <span class="ft5">lichen Änderungen vermitteln. Es ist nicht ersichtlich, was ein</span><br/> <span class="ft5">Augenschein des Gerichts an sachdienlichen Aufschlüssen zusätzlich</span><br/> <span class="ft5">bringen könnte. Dies gilt umso mehr, als sich das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft5">vor dem Hintergrund der erwähnten Begründungsmängel weitgehend</span><br/> <span class="ft5">auf den vorinstanzlichen Entscheid abstützen darf (Erw. 2 hievor).</span><br/> <span class="ft5">Der Fall wird deshalb auf Grundlage der Akten entschieden.</span><br/></div> </div> </body> </html>