<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Zivilprozessrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>57</b></span> <span class="ft3"><b>Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands (§ 6 Abs. 2 AnwT; § 3</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Abs. 2 Satz 2 AnwT)</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Aus der Praxis, wonach für zusätzliche Rechtsschriften und Ver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>handlungen in der Regel ein Zuschlag von 20 % gewährt wird, kann</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nicht abgeleitet werden, dass der Wegfall der Hauptrechtsschriften</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und der Hauptverhandlung einen Abzug von maximal 20 % erlaube.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Bemühungen des Anwalts im Zusammenhang mit der Gewäh-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rung der unentgeltlichen Rechtspflege sind wie eine in einer einfa-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chen Gesuchssache im Sinne von § 3 Abs. 2 Satz 2 AnwT erstattete</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Rechtsschrift mit dazugehöriger Instruktion zu entschädigen, wobei</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ein Betrag von Fr. 350.00 bis Fr. 700.00 angemessen erscheint.</b></span><br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 15. August 2016</span><br/> <span class="ft5">(ZOR.2016.23).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft7">3.4.2</span><br/> <span class="ft7">[...]</span><br/> <span class="ft7">Fehlt es wie vorliegend an einer Hauptverhandlung, weil an der</span><br/> <span class="ft7">mit der Grundentschädigung abgegoltenen Einigungsverhandlung</span><br/> <span class="ft7">eine Scheidungskonvention unterzeichnet werden konnte, ist ein dem</span><br/> <span class="ft7">Minderaufwand des Anwalts entsprechender Abschlag gemäss § 6</span><br/> <span class="ft7">Abs. 2 AnwT angezeigt. Aus der Praxis, wonach für zusätzliche</span><br/> <span class="ft7">Rechtsschriften und Verhandlungen in der Regel ein Zuschlag von</span><br/> <span class="ft7">20 % gewährt wird, kann nicht abgeleitet werden, dass der Wegfall</span><br/> <span class="ft7">der Hauptrechtsschriften (Klage/Klageantwort) und der Hauptver-</span><br/> <span class="ft7">handlung (mit Ergänzung des Behauptungs- und Durchführung des</span><br/> <span class="ft7">Beweisverfahrens) spiegelbildlich einen Abzug von maximal 20 %</span><br/> <span class="ft7">erlaube, nachdem diese der Sammlung des Prozessstoffes, die zusätz-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">340</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">lichen Vorkehren hingegen lediglich dessen Ergänzung dienen. Die</span><br/> <span class="ft7">Hauptverhandlung ist regelmässig aufwändiger als die Einigungsver-</span><br/> <span class="ft7">handlung, welche vorliegend lediglich 1.5 Stunden in Anspruch ge-</span><br/> <span class="ft7">nommen hat. Da die Hauptverhandlung entfallen ist und der Kläger</span><br/> <span class="ft7">keine (Haupt-)Rechtsschrift bzw. Klageantwort erstattet hat, er-</span><br/> <span class="ft7">scheint ein Abzug für den dadurch entstandenen Minderaufwand von</span><br/> <span class="ft7">insgesamt 50 % gerechtfertigt. Die von der Vorinstanz vorgenomme-</span><br/> <span class="ft7">nen Abzüge von insgesamt 50 % sind somit im Ergebnis nicht zu</span><br/> <span class="ft7">beanstanden.</span><br/> <span class="ft7">[...]</span><br/> <span class="ft7">3.4.3.</span><br/> <span class="ft7">Wie dem Beschwerdeführer aus dem ihn betreffenden Entscheid</span><br/> <span class="ft7">des Obergerichts vom 23. Oktober 2012 (ZOR.2012.81) bekannt sein</span><br/> <span class="ft7">sollte, sind die Bemühungen des Anwalts im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft7">Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege praxisgemäss nicht mit</span><br/> <span class="ft7">einem Zuschlag gemäss § 6 Abs. 3 AnwT, sondern wie eine in einer</span><br/> <span class="ft7">einfachen Gesuchssache im Sinne von § 3 Abs. 2 Satz 2 AnwT er-</span><br/> <span class="ft7">stattete Rechtsschrift mit dazugehöriger Instruktion zu entschädigen,</span><br/> <span class="ft7">wobei für ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechts-</span><br/> <span class="ft7">pflege inkl. dazugehöriger Instruktion ein Betrag von Fr. 350.00 bis</span><br/> <span class="ft7">Fr. 700.00 angemessen erscheint, was 25 - 50 % einer Grundentschä-</span><br/> <span class="ft7">digung von Fr. 1'400.00 nach § 3 Abs. 2 Satz 2 in Verbindung mit § 3</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 lit. b AnwT entspricht. Nachdem die Mandantin des</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführers gemäss dessen Gesuch vom 11. Mai 2015 auf Er-</span><br/> <span class="ft7">gänzungsleistungen angewiesen war, haben sich die Verhältnisse als</span><br/> <span class="ft7">einfach präsentiert. Ausserdem hat der Beschwerdeführer im Gesuch</span><br/> <span class="ft7">darauf hingewiesen, dass er persönlich über keine weiteren Unterla-</span><br/> <span class="ft7">gen als den Kontoauszug der Beklagten verfüge (woraus deren Ab-</span><br/> <span class="ft7">hängigkeit von Ergänzungsleistungen ersichtlich ist), weshalb er das</span><br/> <span class="ft7">Gerichtspräsidium erbete, sich direkt an den Beistand zu wenden,</span><br/> <span class="ft7">wenn wider Erwarten ergänzende Auskünfte und Unterlagen benötigt</span><br/> <span class="ft7">würden. Daraus erhellt, dass der Instruktionsaufwand äusserst gering</span><br/> <span class="ft7">gewesen ist. Es rechtfertigt sich aus diesen Gründen von einem Be-</span><br/> <span class="ft7">trag von Fr. 350.00 für das URP-Gesuch auszugehen.</span><br/></div> </div> </body> </html>