Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. Oktober 2015 (720 13 289 / 282) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit; dem einge- holten Gerichtsgutachten kommt ausschlaggebende Beweiskraft zu Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Schmid, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1966 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 1 . August 2004 bis zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 10. Dezember 2009 als Service techniker bei der B.____ Garage in C.____. Am 16. Februar 2010 (Eingang) meldete er si ch bei der Eidgenössischen Invalidenver- sicherung (IV) zur Früherfassung und am 16. März 20 10 unter Hinweis auf eine Diskushernie L4/L5 mit defektem Ischias im linken Bein zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge den medi zinischen und erwerblichen Sachverhalt ab Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und prüfte Eingliederungsmassnahmen. Während den Abklär ungsmassnahmen der IV-Stelle musste sich A.____ diversen Operationen am Rücken und an d er Achillessehne unterziehen und befand sich zudem in psychiatrischer Behandlung. Nach E inholung eines polydisziplinären Gutachtens bei der Begutachtungsstelle D._____ und Durchf ührung eines Vorbescheidverfah- rens sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 2. September 2013 für den Zeit- raum vom 1. Dezember 2010 bis 31. Mai 2012 eine halb e und vom 1. Juni 2012 bis 31. März 2013 eine ganze Rente zu. Für die Zeit ab 1. April 20 13 lehnte sie einen Rentenanspruch unter Hinweis auf einen ermittelten Invaliditätsgrad von 28% ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Markus Schmid, am 7. Oktober 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei ihm in Au fhebung der angefochtenen Verfügung ab 1. Dezember 2010 bis auf weiteres eine ganze Invalid enrente, basierend auf einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 70%, auszurichten. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und von Seiten des Gerichts ein polydisziplinäres Gutachten bei neutraler Stelle einzuholen; alles unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. I n der Begründung präzisierte der Beschwerdeführer, dass die angefochtene Verfügung hin sichtlich des Zeitraums vom 1. Dezember 2010 bis 31. März 2013, für den ihm eine h albe respektive eine ganze Rente zu- gesprochen wurde, nicht angefochten werde. Verlangt we rde vielmehr auch nach 1. April 2013 die Ausrichtung einer ganzen Rente. Begründungsweise fü hrte der Beschwerdeführer im We- sentlichen aus, dass das Gutachten der Begutachtungsstell e D._____ unvollständig sei, nicht auf voller Aktenkenntnis beruhe, die geklagten Beschwerd en nicht genügend berücksichtige, widersprüchlich und nicht nachvollziehbar sei. Es genüge den bundesgerichtlichen Anforderun- gen in verschiedener Hinsicht nicht und sei deshalb nicht beweistauglich. C. In ihrer Vernehmlassung vom 26. November 2013 schl oss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Unter Hinweis auf die bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eingeholte Stellungnahme führte sie aus, dass au f das polydisziplinäre Gutachten der Begutachtungsstelle D._____ abgestellt werden könne. D. Mit Replik vom 27. Januar 2014 und Duplik vom 3. Mär z 2014 hielten der Beschwerde- führer und die Beschwerdegegnerin an ihren jeweiligen Ausführungen fest. E. Mit Eingabe vom 2. Mai 2014 reichte der Beschwerde führer den Bericht betreffend eine MRI-Untersuchung vom 12. April 2014 ein. F. Anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 9. Mai 201 4 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung gestützt a uf die medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Gutachten der Begutachtungsstelle D ._____ vermöge in Bezug auf die Vollständigkeit der Untersuchungen sowie der Auseinande rsetzung mit den geklagten Be- schwerden und den früheren Befunden und Diagnosen der behandelnden Ärzte nicht zu über- zeugen. Die Unklarheiten bezüglich des medizinischen Sachverh alts würden durch den einge- reichten aktuellen MRI-Befund verstärkt. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall aus- zustellen und ein orthopädisches Gerichtsgutachten einzuhol en. Den Parteien wurde Gelegen- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht heit gegeben, gemeinsam eine Gutachterperson auszuwähl en. Gleichzeitig unterbreitete das Kantonsgericht den Parteien den vorgesehenen Fragekatalog. G. Mit Eingaben vom 4. Juli 2014 und 11. Juli 2014 t eilten die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführer mit, dass betreffend Gutachterperson keine Einigung habe erzielt werden können und schlugen jeweils einen orthopädischen Gutachter vor. H. Das Kantonsgericht hielt mit Verfügung vom 30. Juli 2014 fest, dass beide vorgeschla- gene Gutachter den angebotenen Auftrag aus Kapazität s- respektive Zeitgründen abgelehnt hätten und bestimmte Dr. med. E.____, Facharzt für Or thopädie sowie für Manuelle Medi- zin/Chirotherapie/Akupunktur, als Gerichtsgutachter. Der Beschwerdeführer brachte mit Einga- be vom 12. August 2014 Einwendungen gegen die fachli che Kompetenz von Dr. E.____ vor und teilte mit, dass er sich in naher Zukunft erneut an der Wirbelsäule operieren lassen müsse. Mit Verfügung vom 29. August 2014 hielt das Kantonsge richt an der Ernennung von Dr. E.____ fest und gab gleichentags das Gerichtsgutachten in Auftrag. I. Am 5. Januar 2015 ging das in Auftrag gegebene Ger ichtsgutachten ein. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt d es Gerichtsgutachtens und zur Frage, wie sich dessen Ergebnisse auf den Leistungsanspruch auswirkten , zu äussern. Mit Eingabe vom 4. Februar 2015 brachte der Beschwerdeführer vor, das s spätestens ab April 2011 Anspruch auf eine ganze Rente bestehe. Beantragt sei gemäss der B eschwerde vom 7. Oktober 2013 indessen bereits ab 1. Dezember 2010 die Ausrichtung ei ner ganzen Invalidenrente. Die Be- schwerdegegnerin kritisierte das eingeholte Gerichtsgutacht en mit Eingabe vom 5. Februar 2015 insbesondere unter Hinweis auf den aktuell instab ilen Gesundheitszustand und brachte vor, dass wichtige Fragen weiterhin ungeklärt blieben. J. Auf schriftliche Nachfrage des Kantonsgerichts hin prä zisierte Dr. E.____ am 10. April 2015 seine Angaben zur retrospektiven Einschätzung der A rbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh- rers in der angestammten sowie in angepassten Tätigke iten und machte weitere Ausführungen zur umstrittenen Wurzelverklebung sowie zum Verlauf der Beschwerden an der Lendenwirbel- säule und der gesundheitlichen Entwicklung. K. In ihren Stellungnahmen vom 11. Mai 2015 und 12. Mai 2015 hielten der Beschwerde- führer und die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen an ihren Standpunkten fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 7. Oktober 2013 ist demnach ei nzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführ er ab 1. Dezember 2010 Anspruch auf eine unbefristete ganze Rente der Invalidenversicherun g hat. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2. September 2013 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 20 08 anwendbaren Fassung) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn si e zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsg rades bildet damit die Frage, in wel- chem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundhe itlichen Beeinträchtigungen ar- beitsunfähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebene nfalls auch andere Fach- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sow ie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de s medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsba rkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Eine abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f . E. 3b/aa mit Hinweisen). Gleicher- massen ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwer deführers gab die Be- schwerdegegnerin bei der Begutachtungsstelle D._____ ei n polydisziplinäres Gutachten in den Fachrichtungen Orthopädie/Traumatologie, Innere Medizi n, Neurologie und Psychiatrie in Auf- trag. Im Gutachten vom 7. Februar 2013 wurde als Diag nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit ein Status nach zweimaliger wirbelsäulenchirurgi scher Revision einer Diskushernie L4/L5 am 24. März 2010 und 19. März 2012 mit dem Resid ualbefund eines Ausfalls des Patel- larsehnenreflexes (PSR) links und einer diskreten Hypästhesie und Hyperalgesie über dem lin- ken Schienbein bei erhaltener Motorik festgestellt. Ohn e Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Status nach traumatischer Achillessehnenrupt ur rechts am 8. Januar 2011, ein Status nach primärer Achillessehnennaht am Unfalltag sowie notwendig gewordener plastischer Versorgung am 15. März 2011; eine rezidivierende depressi ve Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4) und ein schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1). Im orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten wurde f estgestellt, dass die aktuelle Rönt- genuntersuchung der Lendenwirbelsäule vom 18. Dezember 2012 einen postoperativ leicht verschmälerten Bandscheibenraum im Bewegungssegment L4/L5 gezeigt habe. Im Übrigen liege eine unauffällige Wirbelsäulenanatomie vor. Die flachbogige rechtskonvexe Skoliosefehl- haltung thorakolumbal gelte als funktionell irrelevant . Die Kraft des linken Beines sei trotz noch geklagten Schmerzen nicht herabgemindert. Die Muskulat ur sei minim um 1 cm weniger aus- geprägt als auf der rechten Gegenseite. Im aktuellen Röntgenbild des Beckens sei eine scharf begrenzte Raumforderung im Bereich des proxialen femurs linksseitig beschrieben worden. Die differentialdiagnostische Vermutung eines Impingements habe jedoch im Rahmen der klini- schen Abklärung nicht bestätigt werden können. Die Achil lessehnenfunktion rechts sei inzwi- schen wieder vollständig intakt und das Gangbild entsprechend unauffällig. Aus internistischer Sicht seien keine Beschwerden oder Pa thologien vorhanden. Die medizini- sche Vorgeschichte des Exploranden werde durch die Beschw erden seitens des Rückens be- stimmt. Laut neurologischem Teilgutachten beklage der Explorand aktuell Schmerzen im Rücken, wel- che eine gewisse Zeit nach Bewegungen aufträten sowie Be schwerden im linken Bein, nicht mehr so schlimm wie früher. Von neurologsicher Seite fal le der Befund nach der Untersuchung prinzipiell sehr befriedigend aus. Die noch geäusserten Schmerzen könnten nicht mit einer Dis- kushernie anderer Lokalisation erklärt werden. Sie müsste n weichteilbedingt sein oder degene- rativ. Von neurologischer Seite sei zehn Monate postoper ativ von einem sehr befriedigenden Zustand ausgehen. Das Belastungsprofil müsse von orthopädischer Seite definiert werden. Aus neurologischer Sicht sei die noch immer vorhandene vollst ändige Arbeitsunfähigkeit schwierig nachzuvollziehen. Die begutachtende Psychiaterin stellte keine psychiatrische n Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit. Im Rahmen der Bandscheibenproblema tik sei es zum Auftreten depressiver Symptome gekommen. Der Explorand sei erstmals im Jahr 2010 psychiatrisch vorstellig gewor- den. Im Jahr 2011 sei es zu einer erneuten Schmerzexazerbation und einer verstärkten depres- siven Reaktion gekommen; im Herbst 2011 auch mit Suizidged anken. Nach Abklingen der de- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht pressiven Phase stabilisierte sich der psychiatrische Zustand we iter. Inzwischen beschreibe sich der Explorand seit Januar 2013 als weitgehend sympto mfrei. Es werde noch eine Erhal- tungsdosis des Antidepressivums verabreicht und zur Stützung immer wieder psychiatrische Gespräche wahrgenommen. Aktuell seien keine psychopatholog ischen Funktionsstörungen mehr nachweisbar, die eine Arbeitsunfähigkeit begrün den könnten. Für die Jahre 2011 und 2012 seien jedoch aufgrund der nachgewiesenen Depression Einschränkungen festzuhalten. In der Gesamtbeurteilung halten die involvierten Fachä rzte fest, dass die bisherige Tätigkeit in einer Autowerkstatt aufgrund der lumbalen Diskusherniena namnese dauerhaft nicht mehr zu- mutbar sei. Seit mindestens Januar 2010 bestehe in der angestammten Tätigkeit somit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten l eichten bis mittelschweren, rückenadap- tierten und wechselbelasteten Tätigkeit, ohne Zwangshaltungen oder repetitiven Bewegungsan- forderungen an den Rumpf, nicht vornüber gebeugt steh end, kniend, hockend oder kauernd sowie ohne Heben, Tragen oder Bewegen von Gewichten über 15 kg, habe aufgrund der Achil- lessehnenruptur vom 8. Januar 2011 bis 15. Juni 2011 e ine vollständige Arbeitsunfähigkeit vor- gelegen. Im Zeitrahmen vom 1. Oktober 2011 bis 31. De zember 2012 sei eine angepasste Tä- tigkeit in einem 50%-Pensum möglich gewesen. Die Ein schränkung begründe sich namentlich mit den psychiatrischen Beschwerden. Seit dem 1. Januar 2013 bestehe – basierend auf der orthopädischen Beurteilung – eine volle Arbeitsfähig keit mit einer Leistungseinschränkung von 20% aufgrund der rezidivierenden Schmerzausstrahlungen und tieflumbalen Rückenschmer- zen. 5.2 Die Beschwerdegegnerin stütze sich bei der Beurteil ung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers auf die Ergebnisse des Gutachtens der Begutachtungsstelle D._____. Sie kam dementsprechend zum Schluss, dass der Beschwerdefü hrer vom 10. Dezember 2010 (Ablauf des Wartejahres) bis 18. März 2012 zu 58%, vom 19 . März 2012 bis 31. Dezember 2012 zu 100% und ab 1. Januar 2013 zu 28% invalid gew esen sei. Im Rahmen des vorliegen- den Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. Mai 2014 den Bericht betreffend MRI der Lendenwirbelsäule vom 12. April 2014 ein. Er führte aus, dass dar- aus das Vorliegen einer rechtsparamedianen Diskushernie mit Wurzelkontakt und Deviation mit L5 rechts sowie einer Wurzelkompression L4 links deutlich w erde. Damit stehe fest, dass die Schmerzen des Beschwerdeführers stets dieselben gewesen und nunmehr erklärt seien. 5.3 Anlässlich der ersten Urteilsberatung im vorliegende n Verfahren vom 9. Mai 2014 kam das Kantonsgericht zum Schluss, dass dem Gutachten der Begu tachtungsstelle D._____ keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. Es hielt fest, dass d ie vom Beschwerdeführer ge- klagten Beschwerden und Schmerzen nur ungenügend abgeklär t wurden bzw. ohne Begrün- dung unberücksichtigt blieben. Die begutachtende Neurologin sah die geklagten Schmerzen als weichteilbedingt oder degenerativ an und verwies sie dam it in eine andere Fachdisziplin. Der zur Würdigung dieser Schmerzen zuständige Orthopäde besch ränkte sich in der Folge jedoch darauf festzustellen, dass das rein neurologische Restbela stungsprofil mit dem orthopädisch formulierten Restbelastungsprofil deckungsgleich sei, ohne sich mit dem von Seiten der Neuro- login vermuteten Ursprung der Beschwerden auseinanderzus etzen. Als nicht nachvollziehbar erachtete das Kantonsgericht, dass sowohl die Beschwerden im linken Bein wie auch des Rü- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ckens in diesem Zusammenhang als „so gut wie vollständig“ beziehungsweise „weitgehend“ regredient bezeichnet wurden, obwohl entsprechende ve rtiefte Abklärungen fehlten und den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers damit ohne Begrü ndung widersprochen wurde. Ferner hat die begutachtende Neurologin die gemäss Op erationsbericht vom 19. März 2012 festgehaltene (und unbehobene) Wurzelverklebung L4/L5 augenscheinlich nicht berücksichtigt, sondern vielmehr angegeben, dass die entsprechende Operation erfolgreich und komplikations- los verlaufen sei. Entgegen der vom RAD-Arzt Dr. med. F .___, FMH Orthopädie und Physikali- sche und Rehabilitative Medizin, in seiner Stellungnah me vom 27. Februar 2014 geäusserten Auffassung finden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass e ine gegebenenfalls bleibende Verkle- bung den Gutachtern bekannt gewesen und somit in die Be urteilung der Leistungsfähigkeit mit- eingeflossen sei. Das Gutachten der Begutachtungsstelle D._____ beruhte folglich auf unvoll- ständigen Untersuchungen, berücksichtigte sowohl die gekla gten Beschwerden wie auch die vorhandenen Akten nicht genügend und erschien in seinen Schlussfolgerungen deshalb nicht nachvollziehbar. Das Gutachten erfüllte die von der Recht sprechung entwickelten Kriterien für die Beweistauglichkeit (vgl. E. 4.3 hiervor) nicht. Da die übrigen bei den Akten liegenden medi- zinischen Berichte auch keine verlässliche Entscheidgrundlag e bildeten, stellte das Kantonsge- richt fest, dass die im Verwaltungsverfahren vorgenommene medizinische Abklärung ungenü- gend gewesen sei. Dafür spreche auch der im aktuellen B eschwerdeverfahren eingereichte MRI-Befund vom 12. April 2014. Ob diese Befunde neu oder ob sie vorbestehend seien und auf den von der Begutachtungsstelle D._____ veranlassten Röntgenaufnahmen bloss nicht sichtbar gewesen seien, lasse sich aus medizinischer Laiensicht nicht b eantworten. Es bestehe somit in medizinischer Hinsicht weiterer Abklärungsbedarf. Das Kant onsgericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und ein orthopädisches Gerichtsgutachten einzuholen. 5.4 Im orthopädischen Gerichtsgutachten vom 30. Dezembe r 2014 hielt Dr. E.___ fest, dass sich der Explorand vier Wochen vor der aktuellen gut achterlichen Untersuchung am 3. September 2014 einer weiteren Operation an der Wirbelsäule (L4/L5) habe unterziehen müs- sen. Dr. E.___ diagnostizierte mit Einfluss auf die Arbe itsfähigkeit eine residuelle sensible und motorische L4-Radikulopathie links und ein Status nach Di skushernie L4/L5 links lateral intrafo- raminal mit Quadricepsparese links (2009) bei einem St atus nach Sequestrektomie und Dis- kektomie (2010), einem Status nach Diskektomie, Dekompressi on und Neurolyse (2012) sowie einer Redekompression und TLIF, Devex Cage, transpedikulä re Stabilisation mit Expedium po- lyaxial und dorsolateraler Spondylodese (2014). Ohne Au swirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen eines Status nach Ruptur und Rerupt ur der rechten Achillessehne (2011) und einer fibrösen Dysplasie im Bereich des linken Fem urs (Erstdiagnose ca. 2007). Die ange- stammte Tätigkeit als Servicetechniker sei dem Exploranden dauerhaft nicht mehr zumutbar. Aktuell bestehe auch in einer angepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit. Frühestens sechs Monate postoperativ sei zu erwarten, dass dem Explo randen leidensangepasste leichte Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule, Vi brationen und Erschütterungen, ohne häufigem Heben und Tragen von Gewichten über 10 kg o hne Hilfsmittel, ohne häufigem Bü- cken, Klettern und Steigen sowie ohne Arbeiten in Kälte, Zugluft oder mit erheblichen Tempera- turschwankungen in reduziertem Pensum bei erhöhtem Pause nbedarf möglich sein würden. Der Verbleib der radikulären Symptomatik mit chronische n Schmerzzuständen könne das Leis- tungsvermögen auch hinsichtlich der Dauer deutlich einsch ränken. Bezüglich der Einschätzun- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen im Gutachten der Begutachtungsstelle D._____ hielt Dr. E.____ fest, dass sich im neurolo- gischen Teilgutachten kein objektiver Befund inklusive Neu rophysiologie, Quantifizierung oder Erörterung der neurologischen Defizitsymptomatik finde u nd sich somit die Schlussfolgerung eines „sehr befriedigenden Zustandes“ nicht rechtfertig e. Ebensowenig könne daraus eine kor- rekte Darstellung des Leistungsbildes abgeleitet werden. Eine vollständige Rückbildung der noch am 28. August 2012 dokumentierten chronischen De nervationsprozesse bis zum Explora- tionszeitpunkt des neurologischen Teilgutachtens der Beg utachtungsstelle D._____ am 15. Januar 2013 sei äusserst unwahrscheinlich. Auch die orthopädische Einschätzung der Leis- tungsfähigkeit erscheine aufgrund der Befunde nicht konkl usiv. Zu den mit MRI vom 12. April 2014 festgestellten Befunden führte Dr. E.___ aus, da ss die Osteochondrose L4/L5 und die Obliteration/Stenosierung des Neuroforamens L4/L5 als v orbestehend anzusehen seien. Die osteodiskogene Kompression des Neuroforamens L4/L5 links sei ein degenerativer Prozess verbunden mit narbigen Veränderungen nach zweimaliger operativer Intervention und somit ebenfalls vorbestehend. Die Befunde wirkten sich auf die Arbeitsfähigkeit aus, da sie verant- wortlich seien für die radikuläre Symptomatik mit chroni schen Schmerzzuständen der lumbalen Wirbelsäule und des linken Beins. Die Frage nach dem zeitlichen Auftreten der Befunde könne weder quantitativ noch hinsichtlich des Leistungsbildes exakt beantwortet werden. 5.5 Auf schriftliche Rückfrage des Kantonsgerichts hin prä zisierte der Gerichtsgutachter mit Eingabe vom 10. April 2015 seine retrospektive Ei nschätzung der Arbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers. So hielt er fest, dass aufgrund des Ba ndscheibenvorfalls inklusive Wirbelsäu- lenoperation und Rekonvaleszenz vom 9. Dezember 2009 b is 31. August 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in allen, d.h. auch in adaptierte n Tätigkeiten bestanden habe. Vom 1. September 2010 bis 8. Januar 2011 sei der Beschwerde führer in einer leidensangepassten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig gewesen. Ab dem 9. Januar 2011 bis 13. März 2013 lag zu- nächst aufgrund der Achillessehnenruptur und –reruptur und anschliessend aufgrund der Len- denwirbelsäulenproblematik mit mehreren Operationen d urchgehend eine 100%ige Arbeitsun- fähigkeit in allen Tätigkeiten vor. Aus den Berichten vom 13. März 2013 bis 20. Juni 2013 sei eine objektivierbar minime Besserung der Befunde zu entn ehmen. Entsprechend sei davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit für leichte, vorw iegend im Sitzen auszuübende Tätig- keiten ab dem 13. März 2013 bis zum Verfügungszeitpunkt am 2. September 2013 bei 60% gelegen habe. Weiter führte Dr. E.___ aus, dass die anlässlich der Operation vom 19. März 2012 entdeckte und belassene Wurzelverklebung im Sinne einer periduralen Fibrose oder Nar- benbildung postoperativ mit überwiegender Wahrscheinli chkeit Zugkraft auf die Nervenwurzel ausgeübt oder zur Kompression der Wurzel geführt habe . Das Auftreten bzw. Persistieren der vom Beschwerdeführer beklagten Rücken-, Gesäss- und/oder Be inschmerzen liesse sich dadurch erklären. Auf Wunsch der Beschwerdegegnerin machte der Gerichtsgutachter überdies weitere Angaben zum Krankheitsverlauf und der gesundhei tlichen Entwicklung zwischen Ende 2012 und April 2014 und begründete in diesem Zusammenhang insbesondere auch die von ihm vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. 6. Wie bereits unter Erwägung 4.4 hiervor ausgeführt, weicht das Gericht bei der Würdi- gung des medizinischen Sachverhalts bei Gerichtsgutachten p raxisgemäss nicht ohne zwin- gende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend sind keine solchen Gründ e ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens vom 30. De zember 2014 in Frage zu stellen oder davon abzuweichen. Das Gutachten weist weder for male noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.3 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, b erücksichtigt die geklagten Beschwer- den, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, le uchtet in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und setzt sich ausführlich mit den bei den Akten liegenden (abweichen den) fachärztlichen Einschätzungen auseinander. Das Gutachten und namentlich auch die auf Rückfrage hin eingereichte Ergän- zung ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Das Geri chtsgutachten vom 30. Dezember 2014 inklusive Ergänzung vom 10. April 2015 erfüllt dam it die rechtsprechungsgemässen Vor- aussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlag e. Daran vermögen auch die Vorbrin- gen der Beschwerdegegnerin nichts zu ändern. Zwar war d er Zeitpunkt der gerichtlichen Be- gutachtung kurz nach der vorgenommenen Wirbelsäulenoper ation tatsächlich ungünstig. Eine retrospektive Beurteilung des Gesundheitszustandes für den im vorliegenden Verfahren mass- gebenden Zeitraum (vgl. E. 2 hiervor) war indessen dennoch möglich. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist es nicht Hauptaufgabe des Ge richtsgutachters, das Administrativ- gutachten zu entkräften. Vielmehr wurde die grundsätzli ch mangelnde Beweiskraft des (ortho- pädischen und neurologischen) Administrativgutachtens der Begutachtungsstelle D._____ vom 7. Februar 2013 bereits anlässlich der ersten Urteilsber atung vom 9. Mai 2014 festgestellt. Das Gerichtsgutachten setzt sich ausserdem genügend mit der abweichenden Einschätzung der Gutachter der Begutachtungsstelle D._____ auseinander. Insbesondere bestätigt das eingehol- te Gerichtsgutachten – entgegen den Ausführungen im Ad ministrativgutachten – das Vorliegen eines objektivierbaren Befundes, welcher die Beschwerden des Versicherten zu erklären ver- mag. Daraus ergibt sich nachvollziehbar eine Abweichung in der Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Der Gerichtsgutachter hat sich diesbezü glich begründet auf die echtzeitlichen medizinischen Unterlagen abgestützt und deren Plausibili tät auch anhand der neuesten Er- kenntnisse nach dem operativen Eingriff vom 3. Septemb er 2014 überprüfen können. Der Be- schwerdeführer bestreitet denn auch die Beweiskraft de s Gerichtsgutachtens zu Recht nicht. Nach dem Ausgeführten ist zur Beurteilung der umstritte nen Fragen auf das schlüssige, nach- vollziehbare und beweiskräftige Gerichtsgutachten vom 30. Dezember 2014 inklusive Ergän- zung vom 10. April 2015 abzustellen. 7.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), i st der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim men. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 2. September 2013 zur Erm ittlung des Invaliditätsgrades den erfor- derlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Der Beschwerdef ührer stellt – zu Recht – we- der das ermittelte Valideneinkommen noch den anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2010 des Bundesamtes für Statistik ermittelte Invalideneinkommen in Frage. Von diesem Invalideneinkommen hat die IV-St elle dem Beschwerdeführer einen lei- densbedingten Abzug vom Tabellenlohn (vgl. hierzu BGE 12 6 V 75 ff. und 134 V 322 ff.) in der Höhe von 15% gewährt, was in Anbetracht der persönliche n und beruflichen Umstände des Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten nicht zu beanstanden ist. Indessen sind die ermittelten Vergleichseinkommen der Arbeitsfähigkeit gemäss Gerichtsgutachten vom 30. Dezemb er 2014 anzupassen. Demzufolge war der Beschwerdeführer in allen Tätigkeiten vom 9. Dezember 2009 bis 31. August 2010 zu 100%, vom 1. September 2010 bis 8. Januar 2011 zu 0% , vom 9. Januar 2011 bis 13. März 2013 wiederum zu 100% und ab 13. März 2013 bis zum Ver fügungszeitpunkt (2. September 2013) zu 60% arbeitsunfähig. Die für den Zeitraum vo m 1. Oktober 2011 bis 31. Dezember 2012 attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychisch en Gründen wirkt sich nach dem soeben Ausgeführten nicht aus, da die psychische Arbeits unfähigkeit in der 100%igen somati- schen Arbeitsunfähigkeit aufgeht. 7.2 Aus einer Gegenüberstellung der ermittelten Valid eneinkommen von Fr. 57‘850.– bzw. ab 1. Januar 2011 von Fr. 58‘544.– mit den gemäss LSE 2010, Tabelle TA1, privater Sektor, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 4, Männer, ermitte lten Invalideneinkommen (entspre- chend der attestierten Arbeitsfähigkeit und unter Berücksichtigung der der betriebsüblichen Wo- chenarbeitszeit und der Nominallohnentwicklung sowie ein es leidensbedingten Abzuges von 15%) ergibt sich Folgendes: Beim Ablauf des Wartejahres am 10. Dezember 2010 war der Be- schwerdeführer zu 100% arbeitsfähig. Ab 9. Januar 201 1 bestand indessen eine 100%ige Ar- beitsunfähigkeit. Diese Verschlechterung des Gesundheit szustandes führte gemäss Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [ IVV] vom 17. Januar 1961 ab 1. April 2011 zu einem Anspruch auf eine ganze Rente. Lediglich der Vollständigkeit halber ist festzu- halten, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführe r bereits ab 1. Dezember 2010 eine halbe Rente zugesprochen hat. Da dem Beschwerdefü hrer nach der dargelegten Rech- nung ab April 2011 eine ganze Rente zugesprochen wird, droht ihm im Ergebnis indessen keine Schlechterstellung. Ab 13. März 2013 bestand in einer a ngepassten Verweistätigkeit eine 40%ige Arbeitsfähigkeit. Daraus resultiert ein Invali ditätsgrad von 64% (bei einem Validenein- kommen von Fr. 58‘544.– und einem Invalideneinkommen vo n Fr. 21‘054.50 [LSE-Lohn: Fr. 61‘925.– x Invaliditätsgrad 40% - leidensbedingte r Abzug 15%]), womit der Beschwerdefüh- rer vom 1. Juli 2013 (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV) bis mind estens zum Verfügungszeitpunkt An- spruch auf eine Dreiviertelsrente hat. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshal b die IV-Stelle als unter liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Dem Beschwerde- führer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 8.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträg er die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, we nn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nach träglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. BG E 137 V 265 f. E. 4.4.2). In der Fol- ge stellte das Bundesgericht präzisierend Kriterien auf, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferle gt werden können, zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 496 ff.). Es erwog, es müsse ein Zusamme nhang bestehen zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notw endigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellat ionen der Fall: Wenn ein manifester Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztlichen Auffassungen be- stehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begr ündete Argumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwor- tet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt habe, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (v gl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwaltung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektier t und ihre Auffassung auf objekti- ve konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Gerichtsgutachtens an sie nicht gerechtfertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erf olge (zum Beispiel aufgrund der Ein- reichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens ; zum Ganzen: BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hinweisen). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässli ch der Urteilsberatung vom 9. Mai 2014 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestüt zt auf die damals vorhandene Ak- tenlage nicht möglich war. Wie im Beschluss vom 9. Mai 2014 und in Erwägung 5.3 hiervor aus- führlich festgehalten, wies das Gutachten der Begutacht ungsstelle D._____ in verschiedener Hinsicht Widersprüche auf, basierte auf ungenügenden Un tersuchungen, setzte sich mit den geklagten Beschwerden und abweichenden ärztlichen Einschät zungen nicht ausreichend aus- einander und war deshalb im Ergebnis nicht nachvollzieh bar. Damit genügte es den Anforde- rungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht . Die Kosten des Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss der eingereichten Honorarnote vom 7. Januar 2015 auf Fr. 4'800.– belau- fen, sind unter diesen Umständen der Vorinstanz aufzuerlegen. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der in den Honorarnoten vom 24. März 2014, 4. Februar 2015 und 11. Juni 2015 für das vorlie gende Verfahren geltend gemachte Zeit- aufwand von insgesamt 22.2 Stunden erweist sich in Anbe tracht der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstan den sind sodann die in der Hono- rarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 558.–. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der geltend g emachten Höhe von Fr. 6‘596.65 (22.2 Stunden à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 558.– zu züglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 2. September 2013 aufgehoben und festg estellt wird, dass der Beschwerdeführer vom 1. April 2011 bis 30. Juni 2013 An- spruch auf eine ganze und ab 1. Juli 2013 Anspruch auf eine Dreivier- telsrente der Invalidenversicherung hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten der gerichtlichen Begutachtung in der Höhe von Fr. 4‘800.– werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 6‘596.65 (inklusive Auslag en und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht