B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1740/2025 U r t e i l v om 1 4 . M a i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichterin Roswitha Petry, mit Zustimmung von Richter Manuel Borla, Gerichtsschreiberin Flavia Mark. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Lukas Siegfried, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat - Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG); Verfügung des SEM vom 6. März 2025 / N (…). E-1740/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 11. Dezember 2024 in der Schweiz um Asyl nach. B. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Euro- dac»-Datenbank ergab, dass er am (…) 2024 in Bulgarien ein Asylgesuch eingereicht hatte. C. Am 23. Dezember 2024 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer – im Rahmen des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) und im Beisein sei- ner Rechtsvertretung – das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Bulgariens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer all- fälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt. Dabei machte der Besc hwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei in Bulgarien von Polizisten geschlagen worden. Weil er diese nicht verstan- den habe, kenne er den Grund nicht. Auch seine Brüder seien geschlagen worden, die Erstattung einer Anzeige sei jedoch nicht möglich gewe sen. Würde er nach Bulgarien zurückgeschickt werden, würde man ihn einsper- ren. In der Schweiz wolle er hingegen zukünftig arbeiten gehen, um sich um seine Familie zu kümmern. Zudem würde er seine Mutter zum Arzt be- gleiten und auch eine Pflegefunktion betreffend seine behinderte Schwes- ter einnehmen. Auf den medizinischen Sachverhalt angesprochen gab er an, dass es ihm gut gehe. D. Am (…) 2025 ersuchte die Vorinstanz die bulgarischen Behörden um Wie- deraufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. E. Am (…) 2025 lehnten die bulgarischen Behörden das Ersuchen der Vo- rinstanz um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf die E-1740/2025 Seite 3 Dublin-III-VO ab und teilten mit, der Beschwerdeführer würde in Bulgarien seit dem (…) 2024 über subsidiären Schutz («subsidiary protection») ver- fügen; es sei gestützt auf das Rückübernahmeabkommen ein erneutes Ge- such bei der zuständigen Stelle einzureichen. F. Am (…) 2025 ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden um Rücküber- nahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahre n in den Mitgliedstaaten zur Rückfüh- rung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger (EU -Rückführungsrichtlinie) sowie auf das bilaterale Abkommen vom 21. November 2008 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Republik Bulga- rien über die Rückübernahme von Personen mit unbefugtem Aufenthalt (SR 0.142.112.149). G. Mit Eingabe vom 21. Januar 2025 stellte der Beschwerdeführer einen An- trag auf Selbsteintritt gemäss Art. 17 Dublin-III-VO aus humanitären Grün- den. Gleichentags wurde auch ein Unterkunftswechsel beantragt. H. Am (…) 2025 stimmten die bulgarischen Behörden dem Rückübernahme- ersuchen der Vorinstanz zu, da der Beschwerdeführer über subsidiären Schutz in Bulgarien verfügen würde. I. Mit Schreiben vom 31. Januar 2025 teilte die Vorinstanz dem Beschwerde- führer – unter Beilage des Schreibens der bulgarischen Behörden – mit, Abklärungen hätten ergeben, dass ihm in Bulgarien subsidiärer Schutz ge- währt worden sei. Sie beabsichtige daher, gestützt auf Art. 31 a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf sein Asylgesuch nicht einzutreten , und ge- währe ihm diesbezüglich das rechtliche Gehör. J. Mit Eingabe vom 5. Februar 2025 reichte der Beschwerdeführer Laborbe- richte vom (…) und (…) 2025 sowie ein medizinisches Datenblatt für in- terne Arztbesuche im B._______ mit Einträgen vom (…) und (…) und vom (…) 2025 zu den Akten. Diesen Unterlagen kann im Wesentlichen entnom- men werden, er leide an (…). Aufgrund des Verdachtes auf eine (…) sei er in der Psychiatrie angemeldet worden. Wegen des Verdachts auf (…) seien E-1740/2025 Seite 4 ihm sodann (…) bei Bedarf verschrieben worden. Die (…) würden mittels wiederholten Blutbildern überwacht. K. Mit Stellungnahme vom 10. Februar 2025 teilte der Beschwerdeführer mit, er würde unter (…) leiden und häufig Medikamente sowie Arzttermine be- nötigen, die er in Bulgarien jedoch nicht erhalten habe. Zudem seien er und seine Familie lediglich (…) Tage im Asylheim gewesen, danach hätten sie auf der Strasse schlafen müssen. Hilfe von de r bulgarischen Regierung oder von privaten Organisationen sei nicht erhältlich gewesen. L. Am 19. Februar 2025 wurden dem SEM eine Zuweisung zur medizinischen Abklärung vom (…) 2025 und ein Arztbericht sowie ein Medikamentenre- zept vom (…) 2025 zu den Akten gereicht. Diesen Dokumenten kann im Wesentlichen entnommen werden, dass eine Psychoedukation betreffend (…) bei den (…) erfolgt, die regelmässige Einnahme von (…) verordnet worden und ihm ein Rezept für (…) ausgestellt worden sei. M. Eine Anfrage des SEM an Medic-Help wurde am 25. Februar 2025 beant- wortet. Demnach sei der Beschwerdeführer wegen (…) beim (…) gewesen und habe einen Termin bei den (…) wegen (…) wahrgenommen. Er nehme derzeit (…) zum Schlafen ein, ansonsten sei sein Gesundheitszustand zur- zeit unauffällig. N. N.a Das SEM übermittelte am 4. März 2025 den Entwurf des angekündig- ten Nichteintretensentscheids zur Stellungnahme. N.b Am 5. März 2025 reichte die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers ihre Stellungnahme ein. Darin hielt sie fest, der Beschwerdeführer sei mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden. So würde das SEM beispiels- weise schreiben, man solle sich in Bulgarien bei Polizeigewalt ans Jus- tizsystem wenden. Dies, obwohl er bereits geltend gemacht habe, dass sein Bruder und er erfolglos versucht hätten, die erlittene Polizeigewalt zur Anzeige zu bringen. Zudem stelle sich das SEM auf den Standpunkt, Bul- garien sei ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem, obwohl seit Jahren und aufgrund vieler Länderberichte bekannt sei, dass dieses Land alles andere als funktionierende Behörden und ein mangelfreies Asylsys- tem aufweise. So habe es das SEM denn auch gänzlich unterlassen, auf E-1740/2025 Seite 5 den von der Rechtsvertretung thematisierten Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) einzugehen. Vielmehr sei der Entscheidentwurf voll von den üblichen Textbausteinen, ohne dass die konkreten Umstände des Einzelfalls berücksichtigt würden. Aus diesen Gründen müsse weiterhin davon ausgegangen werden, dass die Rechte des Beschwerdeführers bei einer Überstellung nach Bulgarien verletzt würden. O. Mit Verfügung vom 6. März 2025 – gleichentags eröffnet – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Be- schwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug nach Bulgarien an. Ferner wurden ihm die editionspflich- tigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt. P. Mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters vom 11. März 2025 liess der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragte, auf sein Asylgesuch sei einzutreten und ihm sei die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. Mit der Beschwerde wurden vier Berichte betreffend die Situation in Bulgarien für geflüchtete Personen eingereicht. Q. Am 14. März 2025 bestätigte die zuständige Instruktionsrichterin den Ein- gang der Beschwerde und hielt fest, dass der Beschwerdeführer den Aus- gang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten könne. R. Mit Zwischenverfügung vom 18. März 2025 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– bis zum 28. März 2025 zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen, wobei er darauf hingewiesen wurde, dass bei Nichtbezahlen innerhalb dieser Frist auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. Diese Verfügung wurde in der Folge vom Be- schwerdeführer nicht abgeholt. Sein Rechtsvertreter gab auf telefonische Nachfrage an, dass seine Adresse nicht korrekt erfasst worden sei und ge- ändert werden müsse. S. Mit Zwischenverfügung vom 4. April 2025 wurde der Beschwerdeführer er- neut aufgefordert innert einer (nicht erstreckbaren) Notfrist von sieben Ar- beitstagen den einverlangten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750. – einzuzahlen. E-1740/2025 Seite 6 T. Der einverlangte Kostenvorschuss ging am 9. April 2025 beim Gericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden; der Be- schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti- miert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Nachdem auch der eingeforderte Kostenvorschuss rechtzeitig überwiesen wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Der Beschwerdeführer beantragt zwar das Eintreten auf sein Asylgesuch, seine materiellen Rechtsbegehren und die Begründung der Beschwerde beziehen sich aber ausschliesslich auf die Unzulässigkeit und die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit einzig der Vollzug der Wegweisung. Die Dispositiv- ziffern 1 (Nichteintreten auf Asylgesuch) und 2 (verfügte Wegweisung) der angefochtenen Verfügung sind mangels Anfechtung in Rechtskraft erwach- sen. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet. Sie ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) E-1740/2025 Seite 7 ohne Durchführung eines Schriftenwechsels mit summarischer Begrün- dung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz führt in ihrer Verfügung vom 6. März 2025 im Wesentli- chen aus, es sei, da der Beschwerdeführer über einen subsidiären Schutz- status in Bulgarien verfüge, sichergestellt, dass er nach seiner Rückkehr dort weiterhin über eine gültige und verlängerbare Aufenthaltsberechtigung verfüge. Personen mit Schutzstatu s in Bulgarien könnten sich ferner auf die sogenannte Qualifikationsrichtlinie berufen, wonach sie bulgarischen Bürgern und Bürgerinnen in Bezug auf die Fürsorge und den Zugang zu Gerichten gleichgestellt seien respektive in Bezug auf die Erwerbstätigkeit oder die Gewährung einer Unterkunft anderen Ausländern und Auslände- rinnen gleichgestellt seien. Unterstützungsleistungen und weitere Rechte müssten direkt bei den zuständigen Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg. Zudem stehe auch die Möglichkeit offen, sich ergänzend um Hilfe an eine der vor Ort tätigen Hilfsorganisationen zu wenden. Wenngleich anzuerkennen sei, dass die Lebensbedingungen in Bulgarien für die gesamte Bevölkerung schwierig seien, liege es am Be- schwerdeführer, die R egelvermutung der Asylbehörde umzustossen und konkret nachzuweisen, dass Bulgarien ihm seine Rechte völkerrechtswid- rig verweigern und Unterstützungsleistungen entsprechend unterlassen würde. Im vorliegenden Zeitpunkt sei, bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung folgend, nicht von einem «real risk» auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Bulgarien einer menschenrechtswidrigen Behand- lung ausgesetzt wäre. Insofern der Beschwerdeführer geltend mache, dass er nach (…) Tagen im Asylheim auf der Strasse habe schlafen müssen und keine Unterstützung vom Staat oder Hilfsorganisationen erhalten habe, sei darauf hinzuweisen, dass Angaben, bei welchen Behörden er konkret Un- terstützung beantragt habe und bei welchen Instanzen er sich nach einer allfälligen Verweigerung beschwert habe, fehlen würden. Hinsichtlich der von ihm geschilderten Polizeigewalt sei ferner festzuhal- ten, dass Bulgarien ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem sei. Seine Aussage, wonach ihm der Zugang zum Justizsystem verwehrt wor- den sei, lasse er unbelegt. Auch in diesem Zusammenhang könne er sich an die zuständigen Beschwerdeinstanzen wenden. Daran vermöge auch der von der Rechtsvertretung eingebrachte Bericht der SFH nichts zu än- dern, zumal dieser vom 30. August 2019 datiere und die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes, an welcher sich das SEM zu orientieren habe, in Kenntnis des erwähnten Berichtes erfolgt sei. E-1740/2025 Seite 8 Betreffend den medizinischen Sachverhalt sei im Übrigen darauf hinzuwei- sen, dass die medizinische Versorgung in Bulgarien (inklusive allfälliger psychologischer resp. psychiatrischer Behandlungsmöglichkeiten) für Per- sonen mit Schutzstatus gewährleistet sei . Es könne daher davon ausge- gangen werden, dass eine adäquate Behandlung seiner gesundheitlichen Beschwerden im EU-Staat Bulgarien gegeben sei. 5.2 In der Beschwerdeschrift wird dagegen im Wesentlichen vorgebracht, es werde in diversen Länderberichten unmissv erständlich festgehalten, dass in Bulgarien keinerlei wirkliche und effektive Integrationshilfe geleistet werde. Zudem garantiere der erteilte subsidiäre Schutz nicht im Gerings- ten, dass eine definitive Aufnahme in Bulgarien erfolgen werde. Es sei grundsätzlich jederzeit möglich, dass syrische Staatsangehörige mit die- sem Schutzstatus in ihren Heimatstaat, wo die Situation trotz des Macht- wechsels noch sehr labil und ungewiss sei, zurückgeschafft würden. Die Minimalvoraussetzungen für ein nur einigermassen würdiges Leben seien in Bulgarien nicht gegeben. Das SEM beharre trotzdem auf den angeblich weitgehend korrekt umgesetzten völkerrechtlichen Verpflichtungen. Die zahlreichen Länderberichte, welche das Gegenteil beweisen würden, wür- den schlichtweg ignoriert. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 6.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 33 Abs. 1 des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 und 4 EMRK) einer Weiterreise der Aus- länderin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Dritt- staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie Bul- garien einer ist – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Ver- pflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement -Verbot und grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten. Es obliegt der be- troffenen Person, diese Legalvermutung umzustossen. Dazu hat sie E-1740/2025 Seite 9 ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden, respektive dass sie im in Frage ste- henden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli- cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. Urteile des BVGer E-3453/2022 vom 27. Dezember 2022 E. 8.4 und E-6592/2020 vom 12. Januar 2021 E. 8.2, je m.w.H.). 6.2.1 Der Beschwerdeführer hat in Bulgarien einen subsidiären Schutzsta- tus zugesprochen erhalten. Als Schutzberechtigter kann er sich auf die Ga- rantien der Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezem ber 2011 (Qualifikationsrichtlinie) berufen – insbe- sondere die Regel betreffend den Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], Bil- dung [Art. 27], Sozialhilfeleistungen [Art. 29], Wohnraum [Art. 32] und me- dizinischer Versorgung [Art. 30] –, zu deren Einhaltung Bulg arien als EU- Mitgliedstaat völkerrechtlich verpflichtet ist. Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Rückkehr nach Bul- garien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in Bulgarien für die gesamte Bevölkerung mitunter schwierig sind; dennoch ist unter diesen Umständen im heutigen Zeitpunkt nicht von einem «real risk» auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in diesen Staat einer men- schenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Auch unter Berüc k- sichtigung der Schwächen des bulgarischen Aufnahmesystems vermag die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die einer Ausset- zung einer existenziellen Notlage und andauernden menschenrechtswidri- gen Behandlung gleichkäme, die Schwelle eines entsprechenden «real risk» nicht zu erreichen. Was die gesundheitlichen Beeinträchtigungen (…) betrifft, ist festzuhalten, dass eine zwangsweise Wegweisung von Personen mit g esundheitlichen Problemen nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar- stellt. Die geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigung en des Beschwerdeführers stellen sich nicht als so schwerwiegend dar, dass eine Gefahr der Verletzung von Art. 3 EMRK besteht (zu den Anforderungen vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des E-1740/2025 Seite 10 Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] sowie zur neue- ren Praxis des EGMR das Urteil Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezem- ber 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.H.). 6.2.2 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zulässig. 6.3 6.3.1 Bei der Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist vorab erneut festzuhalten, dass Bulgarien an die Qualifikationsrichtlinie ge- bunden ist. Auch wenn eine adäquate Eingliederung des Beschwerdefüh- rers in die sozialen Strukturen Bulgariens als Person mit internationalem Schutzstatus mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden sein dürfte, vermögen seine Vorbringen die hohen Anforderungen an eine kon- krete Gefährdung im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AIG nicht zu erfüllen. 6.3.2 Vom Beschwerdeführer darf denn auch erwartet werden, sich bei Un- terstützungsbedarf an die bulgarischen Behörden zu wenden und die er- forderliche Hilfe einzufordern, nötigenfalls auf dem Rechtsweg. 6.3.3 Mit Bezug auf den Gesundheitszustand ist festzuhalten, dass aus medizinischen Gründen nach konstanter Praxis nur dann auf Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs zu schliessen ist, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Zielstaat nicht zu r Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung er- achtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz ab- solut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Zielstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizi- nische Behandlung möglich ist (vgl. die publizierte Praxis des Bundesver- waltungsgerichts unter BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1 und 2009/2 E. 9.3.2). Die medizinischen Leiden des Beschwerdeführers (…) erweisen sich als nicht derart gravierend, dass bei einer Überstellung nach Bul garien mit dem Risiko einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechte- rung des Gesundheitszustands zu rechnen wäre. Bulgarien verfügt denn auch über die notwendige medizinische Infrastruktur zur Behandlung der geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Der Beschwer- deführer hat das Gericht nicht davon überzeugt, dass er in Bulgarien kei- nen Zugang zu einer medizinischen Behandlung hatte, welche zur E-1740/2025 Seite 11 Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz gegebenenfalls not- wendig ist. Die Aussage des Beschwerdeführers, er habe in Bulgarien keine Behandlung für seine (…) erhalten, steht denn auch im Widerspruch zu seiner Angabe anlässlich des Dublin-Gesprächs, dass es ihm gesund- heitlich gut gehe. 6.3.4 Betreffend den Vorfall, wonach der Beschwerdeführer in Bulgarien von Polizisten geschlagen worden sei, ist in Übereinstimmung mit den Aus- führungen der Vorinstanz festzuhalten, dass er sich bei Bedarf in Bulgarien an die zuständigen Stellen, welche als schutzfähig und schutzwillig zu er- achten sind, wenden kann. Der Beschwerdeführer brachte zwar vor, dass seine in diesem Zusammenhang erstattete Anzeige durch die Polizeibe- hörde nicht aufgenommen worden sei. Dass er diesbezüglich weitere Schritte unternommen und den Rechtsweg beschritten hat, geht aus sei- nen Schilderungen jedoch nicht hervor. 6.3.5 Insgesamt ist nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer gerate bei einer Rückkehr nach Bulgarien in eine existenzgefährdende Situation. An dieser Einschätzung ändern auch die von ihm thematisierten Länder- berichte nichts. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass diese nicht eine auf seinen Einzelfall bezogene Situation begründen und keine Abweichung von der aktuellen Einschätzung der Situation in Bulga- rien rechtfertigen. 6.3.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die gesetzliche Vermutung gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG, dass der Vollzug der Wegweisung in den EU-Staat Bulgarien zumutbar ist, umzustossen. 6.4 Der Vollzug ist schliesslich in Übereinstimmung mit der Vorinstanz als möglich zu erachten (vgl. Art. 83 Abs. 2 AIG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angef ochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-1740/2025 Seite 12 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750. – fest- zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Be- zahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-1740/2025 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Flavia Mark Versand: