Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. Dezember 2013 (725 12 376 / 288) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Qualifikation als Berufsunfall; berufliches Interesse bejaht, wenn die Teilnahme an einem Rundstreckenrennen in erster Linie der Werbung und Kundengewinnung dient Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Michael Guex, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Jan Herrmann , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Der 1966 geborene A.____ ist seit dem 18. Februar 2005 Gesellschafter und Geschäfts- führer der B.____ GmbH und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 6. Mai 2012 verunfallte der Versicherte anlässlich der Teilnahme an e iner Autorennveranstaltung auf dem C.____ring in Deutschland schwer, wobei er verschiedene Verletzungen der unteren Gliedmas- sen, eine Kinnplatzwunde, ein Monokelhämatom und eine Halswirbelsäulendistorsion erlitt. Die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht SUVA erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistunge n (Heilkosten, Taggelder), kürzte je- doch mit Verfügung vom 19. September 2012 die auszuri chtenden Geldleistungen um 50%, weil der Versicherte beim Eingehen eines Wagnisses einen Nichtberufsunfall erlitten habe. Die dagegen erhobene Einsprache wurde mit Einspracheentsch eid vom 30. Oktober 2012 abge- wiesen. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Jan Hermann, Advo- kat in Basel, mit Eingabe vom 29. November 2012 Beschw erde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es seien ihm in Aufhebung des ange- fochtenen Einspracheentscheids die ungekürzten gesetzlichen Leistungen der Unfallversiche- rung zuzusprechen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde nach Ermessen des Gerichts die Durchführung einer öffentlichen Parteiverhandlung un d die Befragung von Zeugen beantragt; alles unter o/e Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegner in. Begründungsweise führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, dass die Teilnahme am Autorennen, bei dem sich der Unfall ereignete, im Rahmen eines zwischen der Arbeitge berin und einem weiteren Unterneh- men abgeschlossenen Sponsoringvertrags und damit im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit und im Interesse der Arbeitgeberin erfolgt sei. Die Renntätigkeit im Rahmen des von der B.____ GmbH organisierten „D.____-Cups“ sowie im Rahmen von S ponsoringverträgen diene der Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen des Unte rnehmens. Damit stelle der Unfall einen Berufsunfall dar. C. In ihrer Vernehmlassung vom 31. Januar 2013 schloss d ie Beschwerdegegnerin auf eine vollumfängliche Abweisung der Beschwerde samt aller Beweisanträgen und auf die Bestä- tigung des angefochtenen Einspracheentscheids. Sie führ te aus, dass sich weder in der Be- triebsbeschreibung noch im Handelsregistereintrag der F irma Hinweise dafür fänden, dass das Bestreiten von Autorennen zu den betrieblichen Tätigke iten des Unternehmens gehöre. Das vorliegend interessierende Rennen am C.____ring sei nicht Teil des „D.____-Cups“. Die im ein- gereichten Sponsoringvertrag aufgeführten Pflichten d es Beschwerdeführers seien nicht ar- beitsvertraglicher Natur, sondern beträfen eine zusätzlich e Aktivität. Der Beschwerdeführer ha- be sich bei einem Nichtberufsunfall, dem unbestritten e in absolutes Wagnis zugrunde liege, verletzt, weshalb die Kürzung gerechtfertigt sei. D. Mit Replik vom 23. März 2013 führte der Beschwerdef ührer aus, dass nicht nur der „D.____-Cup“, sondern auch die Renntätigkeit im Rah men abgeschlossener Sponsoringverträ- ge in der beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers l iege. So sei der – unter anderem das Rennen am C.____ring betreffende – Sponsoringvertrag von der Arbeitgeberin und nicht vom Beschwerdeführer selbst abgeschlossen worden. Die B.____ GmbH habe in der Folge aufgrund des Vertrages für dieses Rennen auch Rechnung gestellt. D er Beschwerdeführer erhalte ein fixes Monatsgehalt und sei reiner Lohnempfänger. Bei d er Ausübung einer sportlichen Disziplin gelte ein Sportunfall dann als Berufsunfall, wenn die sportliche Tätigkeit mit Erwerbsabsicht ausgeübt worden sei. Dies sei vorliegend zu bejahen. E. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 24 . April 2013 am gestellten Rechts- begehren vollumfänglich fest. Entscheidend für die Qual ifikation eines Sportunfalls als Berufs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht unfall sei, ob die Teilnahme an einer sportlichen Vera nstaltung Ausfluss der versicherten Be- triebstätigkeit sei bzw. in welcher Intensität die Teiln ahme dem betrieblichen Zweck diene oder ein privates Interesse darstelle. Die die Versicherung b egründende Tätigkeit sei diejenige als Geschäftsführer bzw. Mechaniker. Die Betätigung als Renn fahrer sei hingegen überwiegend dem wettkampfmässigen, sportlichen und privaten Lebensb ereich zuzuordnen. Die berufliche Komponente, namentlich der Werbeeffekt für das Unte rnehmen, trete demgegenüber erheblich in den Hintergrund. Diese mache einen bloss geringen A nteil an den versicherungsrelevanten Tätigkeiten der GmbH aus. Die Durchführung der betri eblichen Arbeit sei nicht untrennbar mit der Verpflichtung zur Sportausübung gekoppelt, wesha lb kein Berufsunfallversicherungsschutz bestehe. F. Mit Eingabe vom 3. Dezember 2013 reichte der Besch werdeführer dem Gericht ergän- zende Unterlagen zur Prämieneinreihung und –festsetzung der B.____ GmbH ein. G. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurde de r Beschwerdeführer befragt. Aus- serdem wurden E.____, ein Mitarbeiter des Beschwerdefüh rers, als Auskunftsperson und F.____, G.____ Treuhand, als Zeuge einvernommen. Be reits im Vorfeld der Parteiverhandlung wurde H.____, ein weiterer Mitarbeiter des Beschwerde führers, schriftlich als Auskunftsperson befragt und dessen Auskunft vom 11. November 2013 den Pa rteien zur fakultativen Stellung- nahme unterbreitet. Der Beschwerdeführer hielt anläs slich der Parteiverhandlung an den ge- stellten Rechtsbegehren fest. Die Beschwerdegegnerin be antragte hingegen neu die Vernei- nung ihrer Leistungspflicht und die Rückerstattung sämtli cher bereits erbrachter Leistungen; eventualiter die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids. Auf die Ausführungen der Parteien, der Auskunftspersone n und des Zeugen ist – soweit not- wendig – nachfolgend in den Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in I.___, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde ist demnach einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Aufgrund des angefochtenen Einspracheentscheids ist un ter den Parteien in erster Linie strittig und somit vom Gericht zu prüfen, ob es si ch beim Unfall des Beschwerdeführers auf dem C.____ring um einen Berufs- oder Nichtberufsunfall handelte. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, Leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise a rbeitsunfähig, hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). 3.2 Als Berufsunfälle gelten nach Art. 7 Abs. 1 lit. a UVG Unfälle, die dem Versicherten bei Arbeiten zustossen, die er auf Anordnung des Arbeitgebe rs oder in dessen Interesse ausführt. Ausserdem gelten gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. b UVG Unfäll e während der Arbeitspausen sowie vor und nach der Arbeit, sofern sich der Versicherte befu gterweise in der Arbeitsstätte oder im Bereiche der mit seiner beruflichen Tätigkeit zusammen hängenden Gefahren aufhält, als Be- rufsunfälle. Der gesetzliche Begriff des Berufsunfalls knüpft sachlich an die auf Anordnung oder im Interesse des Arbeitgebers ausgeführten Arbeiten, ze itlich an die Arbeitszeit inklusive Pau- sen sowie örtlich an den Aufenthaltsort vor und nach der Arbeit an (BGE 139 V 150 E. 2.1). Un- erheblich ist, ob zwischen der angeordneten Arbeit und d em Unfall ein Kausalzusammenhang besteht oder ob die angeordnete Arbeit während oder ausserhalb der normalen Arbeitszeit ver- richtet wird (ALFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 94 f.). Die Definition des Berufsunfalls knüpft einzig an die Berufstätigkeit selbst an, bei deren Ausübung sich der Unfall ereignen muss. Präzisierend füh rt Art. 12 der Verordnung zur Unfall- versicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 Unfälle auf Ge schäfts- und Dienstreisen nach Verlassen der Wohnung und bis zur Rückkehr in diese, ausse r wenn sich der Unfall während der Freizeit ereignet (Art. 12 Abs. 1 lit. a UVV), bei Betriebsausflügen, die der Arbeitgeber orga- nisiert oder finanziert (Art. 12 Abs. 1 lit. b UVV), beim Besuch von Schulen und Kursen, die nach Gesetz oder Vertrag vorgesehen oder vom Arbeitgeb er gestattet sind, ausser wenn sich der Unfall während der Freizeit ereignet (Art. 12 Ab s. 1 lit. c UVV) und bei Transporten mit be- triebseigenen Fahrzeugen auf dem Arbeitsweg, die der Arbeitgeber organisiert und finanziert (Art. 12 Abs. 1 lit. d UVV) ausdrücklich als Berufsunfälle auf. Alle anderen Unfälle, bei denen keines dieser genannt en Kriterien erfüllt ist, fallen gemäss Art. 8 Abs. 1 UVG unter den Begriff des Nichtberufsunfalls. 3.3 Gemäss Art. 39 UVG kann der Bundesrat aussergewöhnli che Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfä lle zur Verweigerung sämtlicher Leis- tungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Von dieser Kompetenzdelegation machte der Bundesrat in Art. 49 und 50 UVV Gebrauch. Gemäss A rt. 50 Abs. 1 UVV werden die Geld- leistungen bei Nichtberufsunfällen, die auf ein Wagnis zurückgehen, um die Hälfte gekürzt und in besonders schweren Fällen verweigert. Wagnisse sind la ut Art. 50 Abs. 2 Satz 1 UVV Hand- lungen, mit denen sich der Versicherte einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne die Vor- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht kehren zu treffen oder treffen zu können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschrän- ken. Bei Berufsunfällen ist eine Kürzung oder Verweige rung der Leistungen wegen der Einge- hung eines Wagnisses gesetzlich nicht vorgesehen (Art. 39 UVG e contrario). 4. Gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden U ntersuchungsgrundsatz haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht v on Amtes wegen und ohne Bin- dung an die Parteibegehren für die richtige und voll ständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen (vgl. THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f. Rz 2 ff.). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweis- führungspflicht begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicher ungsprozess tragen mithin die Partei- en in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im F alle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiese n gebliebenen Sachverhalt Rechte ab- leiten will (L OCHER , a.a.O., S. 451 Rz 41). Nach der Praxis des Eidgenössisch en Versiche- rungsgerichts (EVG, heute: Schweizerisches Bundesgericht , Sozialrechtliche Abteilungen) liegt die Beweislast bei anspruchsbegründenden Tatfragen dem zufolge bei der Partei, welche den Anspruch geltend macht. Bei anspruchsaufhebenden Tatfra gen liegt sie bei der Partei, welche sich auf das Dahinfallen des Anspruches beruft (vgl. Krank en- und Unfallversicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). Diese Beweis- regeln kommen allerdings erst dann zur Anwendung, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Be weiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinl ichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 5.1 Gemäss Handelregisterauszug vom 27. November 2013 b ezweckt die B.____ GmbH den Betrieb einer Autogarage, insbesondere Unterhalt s- und Reparaturarbeiten an klassischen Sport- und Rennsportfahrzeugen. Die Gesellschaft kann si ch an anderen Unternehmen beteili- gen sowie Grundeigentum erwerben, belasten, veräussern und verwalten. Gemäss Betriebsbe- schreibung an die SUVA vom 9. März 2005 betrifft die Tätigkeit der GmbH die Fahrzeugelektrik; das Bereitstellen, die Reparatur und der Unterhalt von leichten Motorfahrzeugen mache 72% der branchenüblichen Tätigkeit aus, daneben mache die Administration, d.h. die Unterneh- mensführung, Marketing, Verkauf, technische und administr ative Arbeiten, 28% der gesamten Tätigkeit aus. In der Betriebsbeschreibung vom 9. März 2005 wurde die Frage nach Test- und Rennfahrten offengelassen. Der Beschwerdeführer führte in seiner Beschwerde vom 29. November 2012 aus, dass neben der Vorbereitung, de r Restauration und dem Aufbau von Rennfahrzeugen auch die Durchführung von Test- und Pro befahrten zu den Dienstleistungen der GmbH gehörten. Zur Vermarktung der von ihm import ierten Rennfahrzeugen des Typs D.____ sowie der weiteren Dienstleistungen des Unternehmens sei von der GmbH der „D.____- Cup“ gegründet und organisiert worden. Die Renntätig keit des Beschwerdeführers und seiner Arbeitnehmer diene der unabdingbaren direkten Kundenpflege und der Akquirierung von neuen Kunden. Am 6. März 2012 habe die GmbH ausserdem einen Sponsoringvertrag mit der J.____ AG abgeschlossen, wonach sich der Beschwerdeführer verpflicht e, an festgelegten Veranstal- tungen seine Rennfahrzeuge einzusetzen und als Fahrer d ieser Fahrzeuge Rundstreckenren- nen zu bestreiten. Er stelle sich ausserdem als Berater zur Verfügung und erlaube dem Sponsor Zugriff auf die Fahrzeugdaten und Auswertungen. Auf Wunsch des Sponsors habe der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer sogenannte Taxifahrten auf der Rennstr ecke durchzuführen und sich als Coach und Repräsentant zur Verfügung zu stellen. Im Ge genzug erhalte die GmbH von dem Sponsor für den vereinbarten Zeitraum finanzielle Mi ttel, namentlich einen Betrag vom Fr. 5‘000.– pro Anlass. Das Rennen auf dem C.____ring gehörte gemäss Sponsoringvertrag vom 6. März 2012 zu den Anlässen, an denen der Beschwerde führer als Fahrer teilzunehmen hatte. 5.2 Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung zu seiner beruflichen Tätigkeit befragt, führ- te der Beschwerdeführer aus, dass er die B.____ GmbH im Jahr 2005 gegründet habe, um sich mit speziellen, anspruchsvollen Fahrzeugen auseinanderzusetzen. Finanziell lohne es sich, sich auf solche Nischenprodukte zu spezialisieren. Die GmbH ma che auch Geschäfte mit Oldtimern und historischen Rennautos. Er habe seit der Gründung d er GmbH an Rennfahrten teilgenom- men, anfangs jedoch sehr wenig. Kurz vor dem Unfall ha be die Renntätigkeit dagegen ein sehr grosses Ausmass angenommen, sie seien jedes Wochenende an e iner Rennveranstaltung ge- wesen. Es sei auch für die Angestellten unzumutbar gewo rden. Bei einer Rennveranstaltung seien er und das Mechanikerteam der B.____ GmbH jeweil s drei Tage vor Ort. Zum Sponso- ringvertrag mit der J.____ AG führte der Beschwerdeführ er aus, dass die AG selbst vier Fahr- zeuge habe. Er und andere Angestellte der GmbH seien i n diesen Fahrzeugen für die Firma Rundstreckenrennen gefahren. Auch am C.____ring sei er für die J.____ AG gefahren. Die Entschädigung für die Teilnahme am Rennen und die He rausgabe der Renndaten in der Höhe von Fr. 5‘000.– sei der GmbH ausgerichtet worden. Die Rechnung habe er als Geschäftsführer aus gesundheitlichen Gründen erst im November 2012 stell en können. Für die Teilnahme an den Rennen entschädige ihn die GmbH nicht speziell. Er erhalte ein fixes Monatsgehalt und je nachdem einen Bonus. Die Tätigkeit im Rahmen des Sponsoringvertrags stelle nicht die übliche Tätigkeit der GmbH dar. Die an die J.____ AG gestellten Rechnungen beträfen jedoch nicht nur die Teilnahme an Rennfahrten, sondern insbesondere a uch Entschädigungen für Testfahrten, Reparatur und Wartung. Dies sei der Hauptteil ihrer Tätigkeit. An den Rennveranstaltungen erhalte er jeweils viele Aufträge, auch von Rennkonkurre nten. Ohne neue Aufträge sei er nie von einer Rennveranstaltung zurückgekommen. Zur Vermarktu ng der D.____-Rennserie, na- mentlich der Fahrzeuge und des von der GmbH angebotene n Unterhalts, habe er den „D.____- Cup“ gegründet und organisiert. Aufgrund der Geschäfts beziehung zur J.____ AG sei der Na- men später zu „J.____-Trophy“ geändert worden. Das Unf allrennen sei auch Teil dieses Cups gewesen. Der Beschwerdeführer gab weiter an, dass die B etriebsbeschreibung aus dem Jahr 2005 nicht von ihm selbst, sondern von seinem damaligen B uchhalter, ausgefüllt worden sei. Bei der Neueinreihung im Jahr 2009 sei allerdings ein SUVA-Sachbearbeiter im Betrieb vorbei- gekommen, er habe die Rennfahrzeuge und die Buchhal tung der GmbH gesehen und habe gewusst, in welchen Bereichen das Unternehmen tätig gew esen sei. Zur ebenfalls existieren- den Einzelfirma „K.____ Racing“ befragt, führte der Beschwerdeführer aus, dass diese ur- sprünglich der einzige Betrieb gewesen sei. Nach der Gr ündung der GmbH habe er die Firma einfach stehen lassen. Unter dem Namen der Firma vermi ete er ausschliesslich einige Renn- fahrzeuge. Die Einzelfima habe auch keine Angestellten . Für Rennen oder Technik habe die Einzelfirma nie Rechnungen gestellt. Sie habe auch mit der Renntätigkeit der GmbH nichts zu tun. Die Buchhaltung der beiden Unternehmen halte er streng getrennt. Dass die Rennfahrzeu- ge der GmbH unter anderem mit „K.____ Racing“ angesch rieben seien, habe keinen Bezug zur Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einzelfirma. Vielmehr werde im Rennbereich alles mit dem Zusatz „Racing“ gekennzeichnet. Er habe sich für den Zusatz entschieden, da aus dem Namen der GmbH nicht ohne Weiteres er- sichtlich sei, dass sie auf Rennsport spezialisiert seien. Der Umsatz der Einzelfirma belaufe sich auf circa Fr. 50‘000.– bis Fr. 100‘000.– pro Jahr. Die Vermietung lohne sich finanziell, sonst würde er es nicht machen. Ergänzend erwähnt der Beschwer deführer, dass das Risiko bei Testfahrten grösser sei als bei Rennfahrten, da man bei Testfahrten aufgrund eines Gefühls der Sicherheit mehr riskiere. 5.3 Der schriftlich als Auskunftsperson befragte H.____ f ührte am 11. November 2013 aus, dass er die Lehre als Fahrzeugelektriker-Elektroniker im August 2001 bei der ehemaligen Ein- zelfirma angefangen habe und danach von der neu gegrü ndeten B.____ GmbH übernommen worden sei. Nach Abschluss der Lehre im Juli 2005 sei er für weitere drei Jahre bei der GmbH als Fahrzeugelektriker-Elektroniker und Automechaniker a ngestellt gewesen. Während dieser Zeit sei er im Rahmen seiner Tätigkeit bei der GmbH r egelmässig, wöchentlich oder mehrmals wöchentlich, als Testfahrer von Rennfahrzeugen eingesetzt worden. Die Testfahrten hätten oft auf Rennstrecken im nahen Ausland stattgefunden, teilw eise aber auch auf weiter entfernten Rennstrecken. Nach der Lehre habe er ausserdem im Rahme n der Anstellung bei der GmbH während zwei Jahren an rund 15 Rennen der „L.____ Cha llenge“ teilgenommen, sowie bei wei- teren fünf bis sechs Rennen des „M.____ Cup“. Letztere Re nnen habe er mit einem D.____ 9S der GmbH absolviert, um das Auto besser bekannt zu mac hen. Ausserdem habe er an einem Langstreckenrennen mit einem Kunden und seinem Fahrzeug Typ D.____ 9S teilgenommen. Heute sei er als Renn- und Dateningenieur in N.____ angestellt. 5.4 In der heutigen Befragung gab der als Auskunftsper son einvernommene E.____ zu- nächst an, dass er bei der B.____ GmbH als Rennmechanike r angestellt sei für den Oldtimer- und Rennfahrzeugausbau, wobei er in letzter Zeit mehr, d.h. zu einem Anteil von mehr als 50%, an Rennfahrzeugen arbeite. Unter dem Vertrag als Renn mechaniker sei er in den Jahren 2004 bis 2006 auch als Rennfahrer eingesetzt worden und insge samt wohl zwischen 25 und 30 Ren- nen gefahren. Heute fahre er keine Rennen mehr, sondern bloss Testfahrten. Je nachdem, was geprüft werden solle, würde man bei Testfahrten so sch nell fahren wie bei Rennen. Sowohl die Test- wie auch die Rennfahrten fänden jeweils während der Arbeitszeit statt. Spesen, Material- verschleisskosten und ähnliches seien vom Arbeitgeber überno mmen worden. Auch die Autos seien vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt worden. E ine spezielle Vergütung oder einen ausgesonderten Lohnanteil, der die Renn- und Testfahrten abdecken würde, gäbe es nicht. Die GmbH nehme seiner Ansicht nach an diesen Rennen Teil, u m Präsenz zu zeigen, Werbung zu machen und letztlich Kunden zu akquirieren. Dass er als Arbeitnehmer an diesen Rennen habe teilnehmen dürfen, empfände er auch als Zeichen der Wertschätzung. Für ihn sei die Teilnahme an den Rennen sowohl Beruf wie auch Hobby. An den Ren nfahrzeugen seien Kleber mit den Aufschriften „K.____ Racing“ und „B.____“ angebracht. Unter dem Namen „K.____ Racing“ seien die Rennveranstaltungen organisiert worden. 5.5 Der als Zeuge einvernommene F.____, G.____ Treuha nd, führte anlässlich der heuti- gen Parteiverhandlung aus, dass die G.____ Treuhand di e B._____ GmbH seit dem Jahr 2006 buchhalterisch betreue. Die GmbH sei unter anderem auch in der Sparte Rennsport tätig, einer- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht seits im Bereich Reparatur und Service, andererseits zu e inem geringeren Teil im Bereich Han- del. Den auf Rennwagen spezialisierte Anteil der Repar atur- und Servicetätigkeit würde er in etwa auf einen Drittel schätzen. Daneben mache der Han del mit Rennwagen wohl noch einen geringen Anteil aus. Einer der Kunden der GmbH im Re nnsportbereich sei die J.____ AG. Er habe entsprechende Rechnungen behandelt. Diese Rechn ungen hätten sowohl Test- wie auch Rennfahrten betroffen, die Zahlungen seien jeweils be i der GmbH eingegangen. Der Umsatz aus dieser Beziehung liege wohl zwischen Fr. 100‘000.– u nd Fr. 300‘000.–, dies bei einem Ge- samtumsatz der GmbH in der Höhe von Fr. 1‘000‘000.– und Fr. 1‘300‘000.–. Die Arbeit an Auto- rennen werde speziell vergütet. Der Beschwerdeführer schre ibe entsprechende Rechnungen, wobei auch ein Anteil an Reparaturen bzw. Arbeiten zur Vorbereitung von Rennen darin inbe- griffen sein könne. Zur auf den Namen des Beschwerdeführ ers eingetragenen Einzelfirma „K.____ Racing“ befragt, gab F.____ an, dass die GmbH alle Sparten der Geschäftstätigkeit des Beschwerdeführers abdecke und sämtliche Arbeitnehmer von der GmbH angestellt seien. Die GmbH sei aus der älteren Einzelfirma entstanden, das heute noch bestehende „Gefäss“ der Einzelfirma sei aus emotionalen Gründen vom Beschwerdefü hrer beibehalten worden. Die Ein- zelfirma habe indessen keine Arbeitnehmer und mache blo ss wenig Umsatz. Die Tätigkeit der Einzelfirma sei ihm nicht bekannt. Er sei für die Buchhaltung der Einzelfirma nicht zuständig. 6.1 Wie in Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt, gelten al s Berufsunfälle jene Unfälle, die sich bei Arbeiten auf Anordnung oder im Interesse des Arbe itsgebers ereignen (Art. 7 Abs. 1 lit. a UVG). Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist nicht erforderlich, dass die Tätigkeit, bei der sich der Unfall ereignete, untrennbar mit ein er arbeitsvertraglich vereinbarten Verpflich- tung im Sinne eines arbeitsvertraglich konkret definiert en Arbeitsvorgangs gekoppelt ist. Eine Tätigkeit, die keinen eigentlichen Arbeitsvorgang dar stellt, kann dennoch im Interesse des Ar- beitgebers stattfinden (vgl. BGE 88 II 44 E. 2c). Massgeb end ist deshalb auch nicht der im Handelsregister festgehaltene Zweck oder die beim Unfa llversicherer eingereichte Betriebsbe- schreibung. Letztere dient gemäss der Wegleitung der SUV A in erster Linie der Erfassung der Grundlagen des Betriebs und der Prämieneinreihung (We gleitung der SUVA durch die Unfall- versicherung, 2008, S. 102). Dass darin nicht jede Tätigk eit, die potentiell im Rahmen der be- trieblichen Arbeit vorgenommen werden könnte, aufgefüh rt werden kann, versteht sich von selbst. Die Tätigkeit, die zum Unfall führte, muss den n auch nicht der Schwerpunktsetzung des betrieblichen Zwecks entsprechen. Dass im vorliegenden Fall aus der Betriebsbeschreibung vom 9. März 2005 nicht hervorging, dass die B.____ GmbH auch im Bereich des Rennsports tätig war bzw. sein würde, ist somit für die Qualifika tion des Unfalls als Berufs- oder Nichtbe- rufsunfall nicht entscheidend. Vielmehr kann der notwen dige sachliche Anknüpfungspunkt mit der beruflichen Tätigkeit auch anders gegeben sein. Abg esehen davon, dass aufgrund der vom Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Dezember 2012 ein gereichten Unterlagen zur Prämien- einreihung in den Jahren 2011 bis 2013 und den heutig en Ausführungen des Beschwerdefüh- rers zur Betriebsbesichtigung im Jahr 2009 unklar gebli eben ist, ob die Beschwerdegegnerin zum Zeitpunkt des Unfalls tatsächlich nicht über die Rennt ätigkeit der GmbH informiert war, wäre es stossend, wenn der Versicherungsschutz des Arbeitne hmers wegen eines Versäum- nisses des Arbeitgebers eingeschränkt würde. Dass der vorliegend betroffene Arbeitnehmer als Geschäftsführer auch für die Erstellung der Betriebsb eschreibung verantwortlich war, kann da- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ran grundsätzlich nichts ändern. Die allfällige Verlet zung der Melde- und Auskunftspflicht ist mit anderen, namentlich den in Art. 112 f. UVG genannten, Mitteln zu sanktionieren. 6.2 Die Definition des Berufsunfalls knüpft nach dem soeben Ausgeführten einzig an die berufliche Tätigkeit an. Entscheidend ist, ob die Tätigkeit dem Interesse des Arbeitgebers dient. Die B.____ GmbH betreibt unter anderem den Auf- und Ausbau von Rennfahrzeugen und ist Importeur der Rennwagenmarke D.____. Das Unternehmen beschäftigt sich in einem nicht un- erheblichen Ausmass mit Rennfahrzeugen. So macht alleine die auf Rennfahrzeuge und –dienstleistungen basierende Geschäftsbeziehung mit der J.____ AG einen Anteil von 10% bis 30% des Gesamtumsatzes der GmbH aus. Dass die Mitarbeiter der GmbH diejenigen (Renn-)Fahrzeuge, die sie für ihre Kunden ausrüstet od er in Stand stellt, im Rahmen von Test- und Probefahrten auf ihre Funktionen überprüfen müsse n, erscheint ohne Weiteres einleuch- tend. Die Vornahme von Testfahrten ist damit als Bestan dteil der betrieblichen Tätigkeit der GmbH anzusehen. 6.3 Fraglich ist hingegen, ob auch das Bestreiten von kom petitiven Rennen als Bestandteil der betrieblichen Tätigkeit zu würdigen ist. Die Teilnahme an Rundstreckenrennen gehört unbe- strittenermassen nicht zu den Kernaufgaben der B.____ GmbH. Daraus lässt sich aber nicht schliessen, dass die Renntätigkeit des Beschwerdeführers au sschliesslich oder hauptsächlich als sportliches Hobby anzusehen ist und demnach einem reinen privaten Interesse entsprechen würde. Bei der Bestimmung des Interesses sind einerseits die konkreten Umstände zu berück- sichtigen. Der Begriff des Interesses ist andererseits zu ob jektivieren, wobei zu fragen ist, ob nach allgemeiner Erfahrung das Interesse des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers überwiegt. Folglich ist weder auf die subjektive Beurteilung des A rbeitgebers noch auf die des Arbeitneh- mers abzustellen. Erst wenn das objektivierte Interesse des Arbeitnehmers an der Tätigkeit überwiegt, handelt es sich um einen Nichtberufsunfall (MAURER , a.a.O., S. 95). Aufgrund der Spezialisierung der GmbH auf (historische) Rennfahrzeuge und Oldtimer ist davon auszugehen, dass diese einen sehr spezifischen und begrenzten Kundenst amm hat. Eine zielgerichtete und erfolgreiche Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen der GmbH muss auf diesen spezi- fischen Kundenstamm, namentlich auf Personen, die selbe r einen Rennwagen fahren und ge- gebenenfalls an Rennen teilnehmen, angepasst sein. Die Organisation eines Rundstrecken- Cups und die (erfolgreiche) Teilnahme des Geschäftsführ ers sowie anderer Arbeitnehmer an Rundstreckenrennen stellen eine glaubwürdige Vermarktung der Dienstleistungen und Produkte der GmbH dar. Die Ermittlung und Verwertung von Ren ndaten zeigt den Kunden die Qualität der angebotenen Produkte und Dienstleistungen, nament lich der Wartung und Aufrüstung. Der Beschwerdeführer hat diesbezüglich heute glaubhaft darg elegt, dass die Akquirierung neuer Kunden häufig an den Rennstrecken erfolge und er nach jeder Teilnahme an einer Rennveran- staltung neue Aufträge erhalte. Das aktive Auftreten un d die Teilnahme an Rennveranstaltun- gen dienen somit hauptsächlich einem betrieblichen Zw eck, namentlich dem der Kundenpflege und –akquirierung. Dass sich der Beschwerdeführer an den Wettkämpfen und sportlichen Erfol- gen auch privat erfreute und folglich von einem gemischt en Interesse ausgegangen werden kann, ändert an dem im Vordergrund stehenden beruflic hen Zweck der Teilnahme nichts. Fer- ner spricht auch die Tatsache, dass neben dem Beschwerdefü hrer auch andere Arbeitnehmer, namentlich die befragten Auskunftspersonen, im Rahmen ihrer Tätigkeit für die GmbH an Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rundstreckenrennen teilgenommen haben und die entsprechenden Spesen und Materialkosten von der GmbH übernommen wurden, gegen ein reines oder überwiegend privates Interesse. Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auf Art. 12 Abs. 1 lit. b UVV, wonach Unfälle, die sich bei vom Arbeitgeber organisierten oder finanzierten Be triebsausflügen ereignen, als Berufsun- fälle zu qualifizieren sind. Die von der Arbeitgeberi n organisierten Rennveranstaltungen, bei denen von der Arbeitsgeberin zur Verfügung gestelltes oder mittels Spesen entschädigtes Ma- terial verwendet wird und die überdies in erster Lin ie Werbe- und Marketingzwecken dienen, weisen somit in jedem Fall einen genügenden sachlichen Zusammenhang mit der Berufstätig- keit auf. 6.4 Dieses für die von den Mitarbeitern der GmbH durchg eführten Wettrennen im Allge- meinen geltende berufliche Interesse stand auch beim R ennen am C.____ring, an dem der Be- schwerdeführer verunfallte, im Vordergrund. Das Rennen bildete gemäss Aussagen des Be- schwerdeführers Teil des von der GmbH organisierten Rundr ennen-Cups, diente also der Ver- marktung der von der GmbH vertriebenen Rennwagenmarke n und der entsprechenden Dienst- leistungen. Ausserdem war der Beschwerdeführer aufgrun d des zwischen der GmbH und der J.____ AG geschlossenen Sponsoringvertrags zur persönlichen Teilnahme verpflichtet. Entge- gen der Ansicht der Beschwerdegegnerin kann aus dieser persönlichen Verpflichtung nicht ge- schlossen werden, dass der Sponsoringvertrag eine zusätzliche Aktivität des Beschwerdefüh- rers betraf. Vielmehr erscheint es im Rahmen des zwischen der GmbH und dem Sponsor abge- schlossenen Vertrags als naheliegend, eine persönliche Lei stungspflicht festzulegen, da der Sponsor den erfolgreichsten bzw. bekanntesten Fahrer m it seiner Marke in Verbindung bringen will. Im Rahmen der Ermittlung des Interesses erscheint der Sponsoringvertrag indessen nicht als zentral. Entscheidend ist vielmehr, dass der Beschwerde führer zu Werbezwecken und zur Kundengewinnung und damit im geschäftlichen Interesse d er GmbH an dem Rundstreckenren- nen teilnahm, an dem sich der Unfall ereignete. Der Beschwerdeführer ist folglich bei einer Tä- tigkeit verunfallt, die er im Interesse des Arbeitgeber s ausgeführt hat. Der erlittene Unfall ist gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. a UVG als Berufsunfall zu qualifizieren. 7.1 Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung änderte die Beschwerdegegnerin ihren An- trag im Sinne einer reformatio in peius dahingehend, dass die Leistungspflicht der SUVA ge- samthaft zu verneinen sei und die erbrachten Leistungen zurückzuerstatten seien. Zur Begrün- dung führte sie aus, dass die Renntätigkeit des Beschwer deführers nicht im Rahmen seiner Anstellung als Geschäftsführer bei der B.____ GmbH zu se hen, sondern unter die Tätigkeit der Einzelfirma „K.____ Racing“ zu subsumieren sei. Deren Zweck sei gemäss Handelsregister die Erbringung von Rennservices aller Art und die Organisation von Events für den Motorsport. Das Gericht habe diesbezüglich die tatsächlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Da die Einzelfir- ma nicht bei der SUVA versichert sei, sei diese nicht für die Folgen des Unfalls vom 6. Mai 2012 leistungspflichtig. Zuständig sei vielmehr die Ersatzkasse. 7.2 Ist eine versicherte Person bei mehreren Arbeitgebe rn beschäftigt und erleidet sie ei- nen Berufsunfall, so ist gemäss Art. 99 Abs. 1 UVV der Unfallversicherer desjenigen Arbeitge- bers leistungspflichtig, in dessen Dienst der Versicherte verunfallt ist. Entscheidend müssen dabei – wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt – die tatsächlichen wirtschaftlichen Ge- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebenheiten sein. Aufgrund der Zweckbeschreibungen in den Handelsregisterauszügen der GmbH und der Einzelfirma scheint die Renntätigkeit des Beschwerdeführers in der Tat eher der letzteren zuzuordnen zu sein. Indessen zeichnen die realen wirtschaftlichen Gegebenheiten ein anderes Bild. So wurden die Verträge betreffend den Rennbetrieb, z.B. mit der J.____ AG, of- fenkundig von der GmbH abgeschlossen und die Rechnunge n von dieser gestellt. Der Be- schwerdeführer und sein Treuhänder haben anlässlich der heutigen Parteiverhandlung glaub- haft geschildert, dass auch die entsprechenden Erträge de r GmbH zufliessen und dort einen nicht unwesentlichen Teil des Gesamtumsatzes ausmachen. D ie Teilnahme an den Rennver- anstaltungen diente ausserdem in erster Linie der Kund enakquirierung und –pflege für die B.____ GmbH. Der Beschwerdeführer hat weiter erläute rt, dass die Einzelfirma lediglich die Vermietung von Rennwagen bezweckt und einen entsprechen d tieferen Umsatz erzielt und die Buchhaltungen streng getrennt werden. Die Angaben de s Beschwerdeführers betreffend die Verwendung der Marke „K.____ Racing“ im Rahmen der Re nntätigkeit der GmbH erscheinen ebenfalls einleuchtend. Nicht zuletzt ist darauf hinzuw eisen, dass augenscheinlich bloss die GmbH Arbeitnehmer beschäftigt, diese im Rahmen ihrer Arbeitsverhältnisse an Rennveranstal- tungen teilnehmen und für ihre Arbeit mit dem allge meinen Lohn zuzüglich Spesen von der GmbH entschädigt werden. Entgegen der Ansicht der Beschw erdegegnerin bestehen in den Akten keine Anhaltspunkte dafür, an den im Wesentlichen übereinstimmenden Aussagen des Beschwerdeführers und der Auskunftspersonen bzw. des Zeug ens zu zweifeln oder von einer wirtschaftlichen Verflechtung der beiden Betriebe auszug ehen. Die Tätigkeit des Beschwerde- führers und seiner Mitarbeitenden an den Rennveranstal tungen ist somit wirtschaftlich der GmbH zuzuordnen. Unfallversicherer der GmbH ist die Besc hwerdegegnerin. Sie ist folglich auch im Grundsatz für den vom Beschwerdeführer erlittenen Unfall leistungspflichtig. 8. Nach dem Ausgeführten ist der Unfall vom 6. Mai 20 12 als Berufsunfall im Sinne von Art. 7 UVG zu qualifizieren. Eine Kürzung gemäss Art. 3 9 UVG in Verbindung mit Art. 50 UVV ist damit nicht möglich. Da der Beschwerdeführer den Un fall im Rahmen seiner Tätigkeit für die B.____ GmbH erlitt und die Beschwerdegegnerin deren U nfallversicherer ist, ist die Beschwer- de gutzuheissen. Dem Beschwerdeführer sind für den Unfal l vom 6. Mai 2012 von der Be- schwerdegegnerin die ungekürzten gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für den vo rliegenden Prozess keine Verfah- renskosten zu erheben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusp rechen. Der in der Honorarnote vom 4. Dezember 2013 für das vorliegende Verfahren gelt end gemachte Zeitaufwand von 25.2 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sach verhalts- und Rechtsfragen als an- gemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 613.–. Dem Beschwerdeführer ist d emnach eine Parteientschädigung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 7‘466.05 (25.2 Stunde n à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 613.– zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 30. Oktober 2012 aufgehoben und die Beschwerdegegnerin wird ver- pflichtet, dem Beschwerdeführer für den Unfall vom 6. Mai 2012 die ungekürzten gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer f ür das vorlie- gende Verfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7‘466.05 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht