B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6426/2019 U r t e i l v o m 8 . N o v e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Roswitha Petry, Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. LL.M. Susanne Sadri, Asylhilfe Bern, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 31. Oktober 2019 / N (…). E-6426/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Sri Lanka, tamilischer Ethnie aus B._______, Distrikt Jaffna, Nordprovinz. Durch den Bürgerkrieg wurde die Familie in andere Orte vertrieben, kehrte jedoch im Jahr 2002 wieder nach B._______ zurück. Bis 2013 lebte der Beschwerdeführer ebenfalls dort. Nach dem A-Level habe er hauptsächlich (…) gespielt, da- nach sei er in der (…)branche tätig gewesen. Im August 2013 habe er ge- heiratet, seine Frau stamme aus einer höheren Kaste, weshalb ihre Familie gegen die Verbindung gewesen sei und sie verstossen habe. B. Der Beschwerdeführer erklärte, er sei am 9. März 2014 gemeinsam mit einem Schlepper über den Flughafen Colombo legal mi t eigenem Reise- pass in den Irak ausgereist; dort habe er rund 19 Monate verbracht. Über die Türkei sei er dann weiter in die Schweiz gereist. Am 19. Februar 2016 reichte er im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein Asylgesuch ein. Am 26. Februar 2016 wurde er im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) summarisch befragt, am 27. Februar 2018 wurde er ein- lässlich zu seinen Asylgründen angehört. C. Im Rahmen der Anhörung erklärte der Beschwerdeführer, seine Probleme hätten vor allem mit dem Schicksal seines Bruders zu tun , der 2003 von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (im Folgenden: LTTE) zwangsrekru- tiert worden sei und in deren Geheimdienstabteilung in Kilinochchi gear- beitet habe. Seit 2006 sei der Bruder verschollen; erst im Jahr 2009 habe die Familie erfahren, dass der Bruder versucht habe, «die Bewegung» (die LTTE) zu verlassen; dies sei ihm jedoch nicht gelungen und er sei erneut rekrutiert worden. Im Jahr 2012 sei der Beschwerdeführer von den sri-lan- kischen Behörden verdächtigt worden, zu wissen, wo sich der verschollene Bruder aufhalte. Ende 2012 sei er von den Sicherheitsbehörden einmal mitgenommen und befragt, jedoch wieder freigelassen worden. Nach ei- nem weiteren Besuch durch die Sicherheitsbehörden im Oktober 2013 im Haus der Eltern habe er sich in J._______ drei Monate lang bei einem Freund versteckt. Am 9. März 2014 habe er mit Hilfe eines Schleppers Sri Lanka verlassen. Auch nach seiner Ausreise aus Sri Lanka hätten die Si- cherheitsbehörden ihn und den Bruder mehrmals zu Hause gesucht. Seine Ehefrau lebe seither versteckt bei verschiedenen seiner Verwandten. E-6426/2019 Seite 3 Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Kopie sei- ner Geburtsurkunde, eine beglaubigte Kopie seiner Heiratsurkunde, eine Bestätigung (in Kopie) der Beschwerde seiner Mutter vom 30. März 2010 bei der Human Rights Commission betreffend den verschwundenen Bru- der, eine Kopie des Sc hreibens der Mutter vom 15. April 2010 an den Staatspräsidenten betreffend den Bruder, ein Foto eines Fotos des ver- schollenen Bruders, einen USB -Stick mit einem Video einer Demonstra- tion, an welcher der Beschwerdeführer teilgenommen habe, und zwei Fo- tos seines tamilischen (…)Teams in der Schweiz ein. D. Am 17. Dezember 2018 richtete der Beschwerdeführer ein Schreiben an die Vorinstanz und ersuchte darum, dass seine Adresse in der Schweiz niemandem mitgeteilt werde, denn seit längerer Zeit werde seine Frau vom Criminal Investigation Department (CID) belästigt, was sie in ihren Briefen an ihn schildere. Diese Briefe der Ehefrau reichte der Beschwerdeführer beim SEM ein. Das SEM retournierte die Briefe am 11. Januar 2019 an den Beschwerdeführer und setzte ihm eine Frist, sie zu übersetzen und im Asyl- verfahren einzureichen. Der Beschwerdeführer legte insgesamt elf an ihn gerichtete Briefe seiner Mutter und seiner Ehefrau, jeweils mit Übersetzun- gen, ins Recht. E. Am 31. Oktober 2019, eröffnet am 4. November 2019, lehnte das SEM das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Das SEM kam zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers gesamthaft be- trachtet weder den Anforderunge n an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standzuhal- ten vermögen. Auf die Begründung im Einzelnen wird im Rahmen der Er- wägungen eingegangen. F. Mit Hilfe seiner Rechtsvertreterin (Vollmacht vom 18. November 2019) er- hob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Dezember 2019 gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean- tragte die Aufhebung der Verfügung; es sei ihm politisches Asyl zu gewäh- ren. Ferner sei die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung aus der Schweiz festzustellen und er sei als Folge davon vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die E-6426/2019 Seite 4 Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit der Beschwerde reichte der Be- schwerdeführer ein Schreiben des Anwalts seiner Ehefrau vom 8. Novem- ber 2019 im Original, eine polizeiliche Vorladung betreffend seine Ehefrau vom 5. Februar 2019 im Original samt Übersetzung, einen Brief seiner Ehe- frau vom Februar 2019 mit Briefumschlag samt Übersetzung sowie eine Bestätigung seiner Fürsorgeabhängigkeit vom 21. November 2019 ein. Auf die Beschwerdevorbringen im Einzelnen wird im Rahmen der Erwägungen eingegangen. G. Mit Zwischenverfügung vom 13. Dezember 2019 bestätigte die Instrukti- onsrichterin den Beschwerdeeingang und stellte fest, der Beschwerdefüh- rer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Sie hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. H. Am 3. Mai 2021 lud die Instruktionsrichterin das SEM zur Stellungnahme ein. I. In seiner Stellungnahme vom 10. Mai 2021 hielt das SEM an seinem Ent- scheid fest. Die mit der Beschwerde eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, um seine Einschätzung im angefochtenen Entscheid zu erschüt- tern, zudem hätte der Beschwerdeführer sie bereits im erstinstanzlichen Verfahren einreichen können. Betreffend die geltend gemachten Befürch- tungen im Zusammenhang mit dem Regimewechsel in Sri Lanka sei keine persönliche Betroffenheit des Beschwerdeführers durch den Regierungs- wechsel dargetan. Dies gelte insbesondere auch für den Vorfall rund um die Entführung einer lokalen Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Co- lombo. J. In der Replik vom 7. Juni 2021 rügt der Beschwerdeführer die Vorgehens- weise des SEM, indem die Vernehmlassung sich auf einen Dokumenten- prüfbericht des SEM stütze, der ihm nicht offengelegt werde. Einerseits verweigere das SEM ihm das Recht auf Akteneinsicht und beziehe sich dabei auf ein Urteil des BVGer. Andererseits schenke es seinen Flucht- gründen keinen Glauben, wenn diese nicht belegt werden könnten. Sein Recht auf eine Stellungnahme betreffend die Echtheit der eingereichten Dokumente sei klar verletzt. Er bestehe weiter darauf, dass die von ihm E-6426/2019 Seite 5 vorgelegten Dokumente echt seien und belegten, dass er in Sri Lanka noch immer von den Sicherheitsbehörden gesucht werde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rüge n richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-6426/2019 Seite 6 3. 3.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch in erster Linie ab, weil es die vom Beschwerdeführer geschilderten Fluchtgründe – die von ihm geltend ge- machte Vorverfolgung durch die sri-lankischen Sicherheitsbehörden – nicht als glaubhaft gemacht erachtete. Die Darstellung der Ereignisse zwischen 2012 und Oktober 2013 sei äusserst widersprüchlich ausgefallen. Wo der Beschwerdeführer in der Befragung zur Person (BzP) erklärt habe, die Sol- daten seien zwischen 2011 und 2012 zu ihm nach Hause gekommen, er sei häufig geschlagen und schikaniert worden, auch der Vater habe oft in das Militär-Camp gehen müssen (A3/7.01), habe er in der Anhörung zu Protokoll gegeben, erst Ende 2012 das erste Mal persönlich Probleme be- kommen zu haben (A14/F78 f.). In der BzP habe er vorgebracht , im Jahr 2012 einmal mitgenommen worden zu sein, die Soldaten hätten aber nur gefragt, wo der Bruder sei und ihn dann wieder gehen lassen·(A3/7.01). In der Anhörung habe er dagegen erklärt, er sei von den Soldaten geschlagen und ins Camp nach D._______ mitgenommen worden. Er habe mehrere Stunden in einem dunklen Raum warten müssen und sei danach von zwei bis drei Personen befragt, mit den Füssen getreten und mit den Fäusten geschlagen worden. Anschliessend habe man ihn freigelassen (A 14/F76, F80ff., F88ff., F113). In der BzP habe er ausgesagt, nach dieser Mitnahme Ende 2012 seien die Soldaten zwischendurch auch nach Hause gekom- men und hätten ihn gesucht (A3/7.01). Demgegenüber habe er in der An- hörung gesagt, nach der Freilassung Ende 2012 hätten ihn die Militärs acht bis neun Monate nicht zu Hause aufgesucht (A14/F7 6, F97). Weiter habe er in der BzP zu Protokoll gegeben, dass die Soldaten, als diese ihn im Oktober 2013 wieder zu Hause aufgesucht hätten, seinen Vater zusam- mengeschlagen und den Beschwerdeführer erneut ins Camp in D._______ mitgenommen hätten, wo er von Geheimdienstmitarbeitern mit Stöcken und Händen geschlagen worden sei und erst nach zwei Tagen freigelassen worden sei. 10 bis 15 Tage lang habe es dann keine Probleme mehr gege- ben. Dann seien die Sold aten in seiner Abwesenheit wieder in das Haus der Familie gekommen und hätten seinen Eltern, seiner Schwester sowie seiner Ehefrau gesagt, er solle sich beim Armeecamp von B._______ mel- den. Dies habe ihn zur Flucht nach J._______ veranlasst (A3/7.01). In der Anhörung habe er dagegen gesagt, Mitte Oktober 2013 seien CID-Ange- hörige erneut zu ihm nach Hause gekommen. Da er zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen sei, habe man der Fami lie gesagt, sie solle ihm ausrichten, er müsse sich nach der Arbeit im CID-Büro melden. Die Familie habe ihn dann aus Angst nach J._______ geschickt. Zwei Tage später sei er erneut bei sich zu Hause und später zusätzlich auf dem Sportplatz und am Arbeitsplatz gesucht worden. Die Festhaltung im Oktober 2013 habe er E-6426/2019 Seite 7 dagegen nicht erwähnt (A14/F76, F97, F106). Darauf angesprochen, habe er die Mitnahme im Oktober 2013 auch ausdrücklich verneint. Seine Schil- derungen seien in zentralen Aspekten derart widersprüchlich, dass die Asylrelevanz seiner Asylvorbringen gar nicht geprüft werden müsse. Die vom Beschwerdeführer im Rahmen des Verfahrens vorgelegten Be- weismittel seien nicht geeignet, diese Schlussfolgerung zu entkräften. Die Briefe der Mutter und der Ehefrau seien als Gefälligkeitsschreiben einzu- stufen; teils würden sie inhaltlich «angeleitet» wirken, indem sie sich aus- schliesslich um die angebliche Verfolgung durch das CID drehen würden. Einzig aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer sich länger im Aus- land aufgehalten habe, lasse sich keine ihm im Fall der Rückkehr drohende Verfolgung ableiten. Andere Faktoren, welche eine Verfolgung zu begrün- den vermöchten, seien nicht ersichtlich, dies gelte insbesondere auch für den Umstand, dass der Bruder des Beschwerdeführers ein LTTE-Mitglied gewesen sei und der Beschwerdeführer in der Sc hweiz an Demonstratio- nen teilgenommen habe und hier in einem mit den LTTE sympathisieren- den Umfeld (…) spiele. Diese Aktivitäten seien nicht geeignet, ein heraus- ragendes Risikoprofil zu begründen. 3.2 In der Beschwerdeeingabe wird eingeräumt, dass es zeitliche Unstim- migkeiten im Vortrag des Beschwerdeführers geben möge, die jedoch sei- ner schlechten psychischen Verfassung geschuldet seien. Er habe sehr unter dem Aufenthalt im Irak gelitten und sein Zustand habe sich erst in der Schweiz bessern und stabilisiere n können. Unter der grossen Belastung der Trennung von seiner Familie habe er sich nicht mehr an alle Daten korrekt erinnern können. Abgesehen von diesen zeitlichen Ungenauigkei- ten habe der Beschwerdeführer sein Vorbringen jedoch stringent, mit den politischen Ereignissen übereinstimmend und nachvollziehbar geschildert. Er sei in seiner Abwesenheit erneut im Oktober 2013 von den sri -lanki- schen Behörden zu Hause aufgesucht worden und man habe ihm befoh- len, sich beim Militärcamp zu melden. Aus Angst vor ernsthaften Nachteilen sei er zu einem Bekannten nach J._______ geflüchtet, von dort habe er mit Hilfe eines Schleppers seine Ausreise organisiert. Der Beschwerdeführer könne belegen, dass seine Familie und speziell seine Ehefrau nach seiner Ausreise unter Repressalien der sri-lankischen Regierung gelitten hätten. Er sei (…)Spieler und Mitglied der tamilischen Mannschaft in der Schweiz. Sein Team habe 2018 einen Pokal gewonnen, E-6426/2019 Seite 8 das Foto sei im Internet publiziert worden. Dazu nehme der Beschwerde- führer immer wieder an Demonstrationen für die Anliegen der Tamilen in der Schweiz teil. Nachdem Fotos und Videos dieser Kundgebung en auf Websites der «(…)» publiziert worden seien, hätten die sri-lankischen Be- hörden und Geheimdienste das Zuhause seiner Familie durchsucht. Seine Mutter habe ihm darüber berichtet und ihn angefleht, nicht mehr an solchen Demonstrationen teilzunehmen; sie fürchte, sonst noch einen Sohn zu ver- lieren und erachte den Druck der sri-lankischen Behörden als unerträglich. Obwohl seine Ehefrau den Wohnsitz gewechselt habe, sei auch sie vom Geheimdienst aufgespürt und zu einem Verhör geladen worden; der Inhalt des Briefs seiner Frau sei kein Gefälligkeitsschreiben. Sie habe sogar ei- nen Anwalt beauftragt, um sich gegen die ungerechtfertigten Behelligun- gen zu schützen; der Anwalt habe sie gegen Schmiergeld freikaufen kön- nen. Das SEM sei gehalten, diesen Sachverhalt durch die Schweizer Ver- tretung in Colombo überprüfen zu lassen. Die sri-lankischen Sicherheitsbehörden überwachten die Exilaktivitäten der Tamilen stark. Rückkehrer würden bereits am Flughafen aufgrund ihres Asylantrages und ihrer Aktivitäten im Ausland und allfälliger Kontakte mit im Ausland lebenden Tamilen und LTTE -Leuten verhört. Dazu habe der Beschwerdeführer bereits an der Anhörun g erwähnt, dass seine Familie, nach seiner Teilnahme an der Kundgebung und dem (…)Spiel in der Schweiz von den sri-lankischen Behörden aufgesucht und belästigt worden sei. Die Feststellung des SEM, wonach der Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr keine Verfolgungsmassnahmen in seiner Heimat zu befürchten habe, sei unzutreffend. Die Präsenz der Sicherheitsbehörden sei in den Nord- und Ostprovinzen noch immer sehr hoch, es herrsche ein Klima der Überwachung, Unterdrückung und Einschüchterung. Willkürlich würden Personen verhaftet. Tausende von Menschen seien unter dem Verdacht, Verbindungen zu den LTTE gehabt zu haben, ohne Anklage und Prozess festgenommen worden. Die politische Lage habe sich nach den Präsident- schaftswahlen im November 2019 und speziell nach dem Wahlgewinn von Gotabaya Rajapaksa besonders verschlechtert. Der Rajapaksa -Clan sei für die Vernichtung und Tötung von über 45'000 Tamilen im Jahr 2009 ver- antwortlich. Obwohl gegen Gotabaya Rajapaksa sc hwerwiegende Vor- würfe von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und von Kriegsverbrechen erhoben worden seien, sei er als Präsident gewählt worden. Vor diesem Hintergrund seien die Befürchtungen des Beschwerdeführers berechtigt und die erwähnten Belästigungen plausibel. Er sei der Bruder eines hoch-E-6426/2019 Seite 9 rangigen LTTE-Kaders, nach dem die Behörden noch immer suchten. We- gen seines Bruders und seiner eigenen politischen und sportlichen Aktivi- täten für die Tamilen in der Schweiz habe er von den staatlichen Organen gezielte, asylrelevante Verfolgungsmassnahmen und ernsthafte Nachteile an Leib und Leben zu befürchten. 3.3 In seiner Stellungnahme vom 10. Mai 2021 hielt das SEM zu den neuen, mit der Beschwerde vorgelegten Beweismitteln fest, dass das An- waltsschreiben auffallend allgemein gehalten sei und teilweise dem bereits bekannten Sachverhalt widerspreche, es komme ihm als Gefälligkeits- schreiben nur geringer Beweiswert zu. Auch das undatierte Schreiben der Ehefrau (gemäss Angabe des Beschwerdefü hrers im Februar 2019 ver- fasst) sei ein reines Gefälligkeitsschreiben, in dem die Ehefrau erklärte, sie habe wegen des Beschwerdeführers eine Vorladung von der Polizei erhal- ten. Di e entsprechende Vorladung vom 5 . Februar 2019 habe der Be- schwerdeführer ebenfalls zu den Akten gereicht (Beschwerdebeilage 6). Diese Vorladungen der sri-lankischen Polizei seien nicht fälschungssicher, da sie keine Sicherheitsmerkmale aufwiesen. Eine inhaltliche und formelle Analyse der vom Beschwerdeführer eingereichten Vorladung der Polizei durch das SEM ergebe zudem, dass diese mehrere inhaltliche und formelle Fehler enthalte. Es könne deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Fälschung geschlossen werden. Um einen Lerneffekt zu vermeiden und die Durchführung von Echtheitsüberprüfungen in der Zukunft n icht zu be- einträchtigen, könnten die Informationen, auf welche sich diese Einschät- zung stütze, nicht offengelegt werden. Die Grundlagen und das Resultat der Analyse der polizeilichen Vorladung seien jedoch in einer als geheim klassifizierten und für das Bundesverwaltungsgericht einsehbaren internen Aktennotiz festgehalten, was praxiskonform sei. Der Vollständigkeit haIber wies das SEM auch darauf hin, dass aus der Vorladung der Polizei an die Ehefrau des Beschwerdeführers der Grund für deren Vorladung nicht her- vorgehe; auch aus diesem Grund wäre die Vorladung, selbst wenn sie keine inhaltlichen und formellen Mängel aufweisen würde, kein geeignetes Beweismittel, um eine Verfolgung des Beschwerdeführers zu belegen. Schliesslich sei auch nicht ersichtlich, warum der Beschwerdeführer die auf Beschwerdestufe eingereichten Dokumente nicht bereits während des erstinstanzlichen Verfahrens zu den Akten gereicht hatte, seien diese doch bereits mehrere Monate vor Erlass des Asylentscheides vorhanden gewe- sen. Betreffend die Furcht des Beschwerdeführers vor (weiteren) Inhaftie- rungen im Zusammenhang mit dem Regimewechsel in Sri Lanka führte das SEM aus, der Beschwerdeführer bringe nichts vor, was auf eine per- sönliche Betroffenheit durch den Regierungswechsel hindeute. Dies gelte E-6426/2019 Seite 10 auch für den Vorfall rund um die Entführung einer lokalen Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Colombo. Der Beschwerdeführer könne aus diesen Umständen nichts für sich ableiten, da keine persönliche Betroffenheit vor- liege und er eine solche auch nicht aufgezeigt habe 3.4 In der Replik vom 7. Juni 2021 brachte der Beschwerdeführer ergän- zend vor, seine Ehefrau werde von den Behörden oft aufgesucht und nach seinem Aufenthaltsort gefragt und sie sei auch sexuell belästigt worden. Er sei psychisch krank vor Sorge. Angesichts des neuen Regimes in Sri Lanka und der Vergangenheit des neuen Präsidenten seien seine Befürchtungen mehr als berechtigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die sri-lankischen Behör- den über sein exilpolitisches Engagement sowie seine Teilnahme an den Kundgebungen und am tamilischen (…) Club informiert seien und man ihn im Fall einer Rückkehr zur Rechenschaft ziehe n und ihm unmenschliche Handlungen zufügen werde, sei sehr hoch. Sein langer Auslandsaufent- halt, verbunden mit seinen exil-politischen Aktivitäten, vermöge für ihn als aktenkundig gewordenen und aus dem Land geflüchteten Tamilen eine asylbeachtliche Gefahr zu begründen. Darüber hinaus habe sich die Situ- ation in Sri Lanka auch durch die Corona-Pandemie-bedingten Einschrän- kungen und Gefahren massiv verschlechtert; die sri -lankische Regierung habe das Land in den letzten zwei Woche n unter den Lockdown gesetzt. Armee und Polizei könnten jede Person unter dem Verdacht , «gegen Corona-Anordnungen» verstossen zu haben, verhaften. Die Infizierten - und Sterberate sei seit letztem Monat rapid erhöht, damit besteh e für ihn eine konkrete Gefahr an Leib und Leben. 4. Der Beschwerdeführer rügt in der Replik vom 7. Juni 2021 eine Verletzung des rechtlichen Gehörs beziehungsweise des Akteneinsichtsrechts. Diese formelle Rüge ist vorab zu beurteilen, da dem Beschwerdeführer allenfalls noch das rechtliche Gehör zu gewähren wäre beziehungsweise die Verfü- gung zu kassieren wäre. 4.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG) beinhaltet als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die einer Partei einzuräu- men sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Gel- tung bringen kann (vgl. PATRICK SUTTER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Rz. 1 zu Art. 29 m.w.H.). 4.2 Ebenfalls Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ist der verfahrensrechtli - che Anspruch auf Akteneinsicht (Art. 26 VwVG). So können sich die Be -E-6426/2019 Seite 11 troffenen in einem Verfahren nämlich nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignet Beweis führen beziehungsweise Beweismittel bezeichnen, wenn ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. Das Recht auf Akteneinsicht kann eingeschränkt werden, wenn ein öffentliches oder privates Interesse überwiegt (Art. 27 VwVG). Wird einer Partei die Einsichtnahme in ein Ak - tenstück verweigert, muss ihr die Behörde zumindest von seinem wesent- lichen Inhalt Kenntnis sowie die Gelegenheit geben, sich dazu zu äussern und Gegenbeweismittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). Wird das Aktenein- sichtsrecht eingeschränkt, ist der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten. Je stärker das Verfah rensergebnis von der Stellungnahme der Betroffenen zum konkreten Dokument abhängt und je stärker auf ein Doku- ment bei der Entscheidfindung (zum Nachteil des Betroffenen) abgestellt wird, desto intensiver ist dem Akteneinsichtsrecht Rechnung zu tragen. Aus dem Akteneinsichtsrecht ergibt sich sodann die Aktenführungspflicht, wel- che sämtliche Akten umfasst. Die Aktenführungspflicht beinhaltet insbe - sondere die geordnete Ablage, die Paginierung und die Registrierung der vollständigen Akten im Aktenverzeichnis (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; 2013/23 E. 6.4.1 und 6.4.2, je m.w.H.). 4.3 Der Beschwerdeführer moniert eine Verletzung seines Rechts auf Ak- teneinsicht, da ihm die Einsicht in den Dokumentenprüfbericht betreffend die von ihm eingereichte Vorladung der sri-lankischen Polizei vom 5. Feb- ruar 2019 verweigert worden sei, welchen das SEM in seiner Vernehmlas- sung erwähne. Er stützt seine Argumentation dabei auf das Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts D-6660/2019 vom 11. Mai 2021 E. 3-4 ab. 4.4 Die Vorinstanz führte in ihrer Vernehmlassung aus, der von ihr in Auf- trag gegebene Dokumentenprüfbericht könne nicht offengelegt werden, um Lerneffekte zu vermeiden. Es bestehe ein überwiegendes öffentliches oder privates Interesse an der Geheimhaltung der betreffenden Akten (Art. 27 VwVG), damit nicht ähnliche Abklärungen in zukünftigen Verfahren erschwert oder gar verunmöglicht würden. Deshalb könne keine Einsicht in den besagten Prüfbericht gegeben werden. Ohnehin sei festzustellen, so das SEM, dass aus der Vorladung der Polizei a n die Ehefrau des Be- schwerdeführers der Grund für deren Vorladung nicht hervorgehe. Das Do- kument wäre daher auch dann nicht geeignet, eine Verfolgung des Be- schwerdeführers zu belegen, wenn es keinerlei inhaltliche und formelle Mängel aufweisen würde. E-6426/2019 Seite 12 4.5 Das Bundesverwaltungsgericht bestätigt, dass die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer zu Recht die Einsicht in den Dokumentenprüfbericht ver- weigert hat. Dieses Dokument ist gemäss Art. 27 VwVG von der Aktenein- sicht ausgeschlossen und als «geheim» klassifizert worden (vgl. Aktenver- zeichnis des SEM, act. 24/2), da zur Vermeidung eines Lerneffekts ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Nichtoffenlegung der Feststel- lungen besteht. Das SEM hat dem Beschwerdeführer auch genügend im Sinne des Art. 28 VwVG aufgezei gt, weshalb es das Dokument als ge- fälscht erachtete, und damit den wesentlichen Inhalt des nicht offengeleg- ten Aktenstücks bekanntgegeben (vgl. Beschwerdeakten Ziff. 4, Vernehm- lassung vom 10. Mai 2021, S. 2). Ohnehin hielt die Vorinstanz die einge- reichte Vorladung auch aufgrund ihres Inhalts nicht für ein taugliches Be- weismittel (vgl. Beschwerdeakten Ziff. 4, ebenda). Das Bundesverwaltungsgericht erachtet diese Einschätzung ebenfalls als zutreffend. Die Einwände in der Replik verfangen nicht, dies gilt auc h für den Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -6660/2019 vom 11. Mai 2021. Die in jenem Verfahren getätigten umfangreichen Ab- klärungen durch die Schweizer Vertretung vor Ort (D -6660/2019 E. 2.3) sind nicht vergleichbar mit der Überprüfung eines einzigen Dokuments, für dessen Prüfung das SEM auf Vergleichsmaterial zurückgreifen kann. Aus diesem Grund kann der Beschwerdeführer aus dem Urteil D -6660/2019 nichts zu seinen Gunsten ableiten. Bei dieser Ausgangslage besteht kein Raum für eine we itere Behandlung des Antrags auf Offenlegung; eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, kon- kret des Akteneinsichtsrechts, liegt nicht vor. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen- schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person E-6426/2019 Seite 13 ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs- weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimat staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach- teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan- desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein (vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.). 5.3 Begründet ist die Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus- reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk- licht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr- scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hin- reichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und da- mit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurtei- lung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfol- gen und ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Er- lebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbar en Fällen zu er- gänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2). 5.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Einschätzung en der Vor - instanz im angefochtenen Entscheid, wonach der Beschwerdeführer nicht hat glaubhaft machen können, zum Zeitpunkt der Ausreise aus Sri Lanka von einer asylbeachtlichen Verfolgung bedroht gewesen zu sein. Überzeu-E-6426/2019 Seite 14 gend hat das SEM erläutert, warum es die unterschiedliche zeitliche Ein- ordnung der vom Beschwerdeführer als zentrale, fluchtauslösende Ereig- nisse geschilderten Vorkommnisse rund um die Verhaftungen, die Haus- durchsuchungen und die Misshandlungen in den Jahren 2011-2013 als wi- dersprüchlich und deshalb als nicht glaubhaft gemacht erachtet hat. Die Argumentation in der Beschwerde, wonach der Beschwerdeführer auf- grund seiner schlechten psychischen Verfassung nicht in der Lage gewe- sen sei, die korrekte zeitliche Einordnung vorzunehmen, überzeugt dage- gen nicht. Es geht aus den Akten auch nicht hervor, dass der Beschwerde- führer tatsächlich psychisch so beeinträchtigt gewesen wäre, als dass dies sein Aussageverhalten beeinflusst hätte. Es wurde nicht vorgetragen, dass der Beschwerdeführer wegen seines psychischen Gesundheitszustands in der Schweiz je in Behandlung gewesen wäre. 6.2 Überdies erscheint es auch wenig plausibel, wenn der Beschwerdefüh- rer vorbringt, dass er Jahre nach Ende des Bürgerkriegs noch immer und wiederholt wegen seines Bruders befragt und verhört worden sei. Der Bru- der gilt bereits seit dem Jahr 2006 als verschollen. Für die Behauptung, der Bruder sei ein hochrangiger LTTE -Kader gewesen, vermochte der Be- schwerdeführer keinen Beweis zu führen; die von ihm vorgelegten Fotos zeigen lediglich eine Person in LTTE-Uniform. Vor diesem Hintergrund ist für das Bundesverwaltungsgericht nicht nachvollziehbar, weshalb das In- teresse am verschollenen Bruder so hoch sein sollte, dass in der Folge Jahre später der Beschwerdeführer festgehalten, behelligt und verhört wer- den sollte und die Behelligungen durch die sri -lankischen Sicherheitsbe- hörden sogar soweit gehen sollten, dass nach seiner Ausreise auch seine Ehefrau sowie die Eltern behe lligt und aufgesucht worden sei en (vgl. act. A14/19 F13-15, 61 f .). Aus seinen Aussagen geht vielmehr auch hervor, dass die Ehefrau sich aufgrund von Problemen mit ihrer eigenen Familie versteckt gehalten habe, weil diese die Heirat mit dem Beschwerdeführer nicht gebilligt habe (vgl. act. A14/19 F17 f.). 6.3 Das Gericht teilt die Einschätzung des SEM auch betreffend die vom Beschwerdeführer im erstinstanzlichen Verfahren vorgelegten Beweismit- tel. Die Briefe der Mutter und der Ehefrau enthalten keine wirklich konkre- ten Angaben über mögliche Benachteiligungen; bei den angetönten Geld- zahlungen ist unklar, wer diese Gelder erhalten hat und aus welchem Grund (vgl. Beweismittelverzeichnis, act. A 17, Briefe Nr. 2, 4). Es ist je- denfalls nicht nachvollziehbar, in welcher Weise diese Behelligungen dem Ziel – mehr über den Verbleib des verschollenen LTTE-Bruders zu erfahren – dienen sollten. Als mögliche Schikane gegen die tamilische Bevölkerung E-6426/2019 Seite 15 sind sie zu wenig intensiv, um für das Asylvorbringen des Beschwerdefüh- rers von Relevanz zu sein. 6.4 Auch die vom Beschwerdeführer erst auf Beschwerdestufe eingereich- ten weiteren Beweismittel sind nicht geeignet, das Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer von den Sicherheitsbehörden Sri Lanka s beobachtet und gesucht werde, so dass sogar seine Ehefrau behelligt werde, zu bele- gen. 6.4.1 Zum Schreiben des Anwalts F._______ vom 28. November 2019 ist festzustellen, dass der Anwalt der Ehefrau einen Sachverhalt schildert, den der Beschwerdeführer so nicht vorgetragen hat. Er war gemäss eigenen Angaben selbst nicht wie im Brief behauptet «associated themself with the LTTE movement», sondern es sei immer nur um seinen Bruder gegangen, nur dieser sei Mitglied der LTTE gewesen (vgl. A14/19 F29, 41). Auch die im Anwaltsschreiben erwähnte Eingabe an die Human Rights Commission betraf immer den Bruder und nicht den Beschwerdeführer (vgl. A13 Be- weismittel 2). Es ist wenig nachvollziehbar, dass die Ehefrau des Be- schwerdeführers dies dem Anwalt nicht hätte korrekt mitteilen können. 6.4.2 Auch das Schreiben der Ehefrau an den Beschwerdeführer kann vor dem Hintergrund der obigen Ausführungen, wonach zweifelhaft ist, dass der Beschwerdeführer vom CID überhaupt gesucht werde, kein taugliches Beweismittel darstellen. Wie aus den bereits beim SEM eingereichten Brie- fen der Ehefrau hervorgeht (A17), vermisst sie o ffensichtlich ihren Mann; auch der Beschwerdeführer hat in der Anhörung angegeben, er sei davon ausgegangen, viel schneller in der Schweiz ein Aufenthaltsrecht zu erhal- ten, damit seine Frau hätte nachreisen können (vgl. act. A14/19 F119-124). In dem im beschwerdeverfahren eingereichten Brief berichtet sie, sie sei von der Polizei vorgeladen und verhört worden; man frage nach dem Be- schwerdeführer und dessen Kontakten. Zur Dokumentation einer drohen- den asylbeachtlichen Verfolgung ist dieser Brief – ebenso wie die bereits im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens eingereichten Briefe – nicht geeignet. 6.4.3 Zur Vorladung betreffend die Ehefrau vom 5. Februar 2019, welche mit der Bes chwerde eingereicht wurde, ist F olgendes festzustellen: Das eingereichte Dokument der Polizeivorladu ng trägt den Titel «Mes- sage Form» und wurde von der Polizeistation in G._______ ausgestellt. Das vorgedruckte Formular enthält Felder für Ausstelldatum, Auftrag, Aus-E-6426/2019 Seite 16 führung und Zustellung sowie Aktennummer (je in Singhalesisch und Eng- lisch) sowie Linien fü r die konkrete Vorladung. Das Formular ist hand- schriftlich ausgefüllt, enthält eine Unterschrift und einen englischen Stem- pel ( «Officer in Charge, Police Station, G._______»). Gemäss vom Be- schwerdeführer veranlasster Übersetzung soll die Ehefrau «unverzüglich am 8. Februar 2019 um 10 Uhr in Zusammenhang mit einer Untersuchung durch die Polizeistation in der Beschwerdeabteilung bei mir erscheinen». Das Dokument stammt vom Polizeiposten H._______ («from Station») und richtet sich an den Polizeiposten in G._______ («to Sation»). Das SEM erklärte in seiner Stellungnahme , derartige Police Message Forms seien nicht fälschungssicher. Das vorliegende Dokument erachtete es als gefälscht, da es inhaltliche und formelle Fehler aufweise. Überdies sei der Inhalt viel zu wenig konkret, um daraus abzuleiten, dass das Ziel der Einvernahme seiner Ehefrau die Nachfrage der Polizei nach dem Be- schwerdeführer gewesen sei. Diese Einschätzung teilt auch das Bundes- verwaltungsgericht. Es geht aus der Message Form nicht hervor, weshalb die Ehefrau selbst vorgeladen werden sollte. Beachtlich ist auch der Ein- wand des SEM, dass der Beschwerdeführer nicht zu erklären vermochte, weshalb er dieses Beweisstück nicht bereits im vorinstanzlichen Verfahren habe vorlegen können. Diesem Vorhalt wird in der Replik nichts entgegen- gehalten. 6.5 Gesamthaft ist daher für den Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer asylrelevanten Vorverfolgung des Beschwerdeführers oder einer begrün- deten Furcht vor einer solchen auszugehen, welche die Flüchtlingseigen- schaft gemäss Art. 3 AsylG begründen und zur Asylgewährung führen könnte. 6.6 Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2 019 und daran anknüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stellen (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März 2020 E. 6.2). Es besteht zudem kein persönlicher Bezug des Be- schwerdeführers zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 res- pektive deren Folgen. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine Gefähr- dung entstanden ist, aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetre- tenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen demnach nicht vor. E-6426/2019 Seite 17 7. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Fall seiner Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weil seine Flüchtlingseigenschaft aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen festzustellen wäre. 7.1 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih- res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden (subjektive Nachfluchtgründe). Stattdessen werden Per- sonen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Ist die Gefährdung demgegenüber aufgrund von äusse- ren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte, entstanden, liegen objektive Nachflucht- gründe vor; diesbezüglich wird kein Asylausschluss begründet (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.). 7.2 Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, es bestehe eine Gefähr- dung aufgrund seines exilpolitischen Profils, da er in der Schweiz für die tamilische Sache demonstriere und er vor allem auch Mitglied einer tamili- schen (…)Mannschaft in der Schweiz sei. Zu diesen Vorbringen ist festzu- stellen, dass der Beschwerdeführer in der Anhörung angab, er gehe zwar zu tamilischen Demonstrationen und nehme auch am Märtyrer -Tag teil, aber er halte bei diesen Veranstaltungen allenfalls Plakate hoch oder nehme einfach nur teil (vgl. A14/19 F137 ff.). Den Namen der tamilischen Organisation, welche die Teilnahme an Demonstrationen in der Schweiz organisiert, kannte er nicht genau (A14/19 F143). Seine Mitgliedschaft in einem tamilischen (…)Team in der Schweiz erwähnte er zum Schluss der Anhörung und wie s darauf hin, sie könnte ihn gefährden, da die Mann- schaft einen Pokal gewonnen habe, was auf der Website «(…)» publiziert worden sei (A14/19 S. 17). In der Beschwerde wird vorgebracht, dass die Familie und die Ehefrau in Sri Lanka aufgesucht und behelligt worden seien, nachdem der Beschwerdeführer im Internet zu sehen gewesen sei (vgl. Beschwerdeeingabe S. 6). In der Replik wird argumentiert, die Ehe- frau werde «oft aufgesucht und sei auch sexuell belästigt worden» (vgl. Beschwerdeakten Ziff. 6). Die Machtüb ernahme durch den Rajapaksa- Clan bewirke eine noch stärkere Über wachung der tamilischen Diaspora; es sei gewiss, dass die Teilnahme an Demonstrationen und die Publizität als Mitglied im (…)Team den Beschwerdeführer nun noch stärker gefährde. E-6426/2019 Seite 18 7.3 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde und der Replik erkennt das Bundesverwaltungsgericht vorliegend beim Beschwerdeführer keine Anhaltspunkte für ein herausragend es politisches Profil oder eine expo- nierte Opposition gegen das Regime in Sri Lanka. Es ist nicht davon aus- zugehen, dass er im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka eine begründete Furcht vor Verfolgung haben müsste. Der Beschwerdeführer hat an allen Demonstrationen nicht anders teilgenommen als sehr viele Mitglieder der tamilischen Diaspora in der Schweiz. Dass er ein Sportler ist und (…) Sport auch in der Schweiz betreibt, macht ihn noch nicht zum Oppositionellen. Dass bei der Siegesfeier des (…)Teams tamilische Flaggen zu sehen sind, ist ebenfalls noch kein Beleg für ein starkes politisches Profil. Da die infolge der Aktivitäten des Beschwerdeführers in der Schweiz geltend gemachten Behelligungen der in Sri Lanka verbliebenen Familie und der Ehefrau nicht überwiegend glaubhaft gemacht wurden (vgl. E. 6.3, 6.4), vermag das Bun- desverwaltungsgericht nicht zu erkennen, dass der Beschwerdeführer ein exponiertes politisches Profil aufweist. Es sind auch sonst keine Anhalts- punkte ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im aktuellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten ist und mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen hat. Auch aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft demnach nicht. 7.4 Weiter ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer wegen seiner Zugehö- rigkeit zur tamilischen Ethnie und seinem langen Aufenthalt in der Schweiz bei einer Rückkehr nach Sri Lanka zum heutigen Zeitpunkt ernsthafte Nachteile drohen würden. In seinem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwaltungsgerichts eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen (vgl. a.a.O., E. 8) und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkeh- rende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientierte sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehre n- den, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu wer- den, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich unter ande- rem um das Vorhandensein einer Verbindung zu den LTTE und um das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, übli- cherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Ver- bindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1-8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen E-6426/2019 Seite 19 Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise zu- rückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Mig- ration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sicht- baren Narben (so g. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub- haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betrach t, dass insbeson- dere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behör- den zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separa- tismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1). Die Einschätzungen des Referenzurteils E-1866/2015 sind weiterhin aktuell (vgl. statt vieler in jüngerer Zeit die Urteile des BVGer D-6855/2019 vom 20. Mai 2021 E. 6.2, E-6131/2019 vom 18. Mai 2021 E. 6.5.1). 7.5 Wie dargelegt (oben E. 6), ist die Einschätzung der Vorinstanz zu be- stätigen, dass beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise keine Ri- sikofaktoren bestanden, die ein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lanki- schen Behörden zu begründen vermochten. Es ist somit nicht dav on aus- zugehen, dass dem Beschwerdeführer Verbindungen zu den LTTE vorge- worfen werden, welche im Zusammenhang mit dem Wiedererstarken der Organisation zu sehen wären. Obwohl sein Bruder ein LTTE -Mann war, muss diese Verbindung zur LTTE angesichts des Umstands, dass der Bru- der bereits seit mehr als 1 5 Jahren verschollen ist, als untergeordnet be- zeichnet werden. Es ist dabei auch beachtlich, dass der Beschwerdeführer noch minderjährig war, als der Bruder verschollen ist. Er konnte auch im Rahmen des Verfahrens nicht nachvollziehbar erklären, weshalb das CID nach so langer Zeit nochmals vermutet hätte, der Bruder habe sich nur versteckt und er sei noch am Leben (vgl. act. 14/19 F76, S. 9, F80-88). Da der Beschwerdeführer selbst vor der Ausreise kein politisches Profil auf- wies, sondern erklärt hatte, die Behelligungen des CID hätten immer nur mit dem Verschwinden des Bruders zu tun gehabt, es habe sonst keinen Grund gegeben (vgl. act. A14/19 F108), ist nicht davon auszugehen, dass die sri-lankischen Sicherheitsbehörden ihn als Angehörigen eines LTTE - Kämpfers auf dem Radar hätten , zumal die Rolle des verschollenen Bru- ders in den LTTE ebenfalls nicht belegt werden konnte. Betreffend sein ei- genes Engagement gab der Beschwerdeführer in der Anhörung zu Proto- koll, sich auch in der Schweiz nicht besonders für die Frage der Tamilen zu interessieren; an Demonstrationen nehme er regelmässig nur als einfa- ches Mitglied teil (vgl. act. A14/19 F137 ff.). E-6426/2019 Seite 20 Der Beschwerdeführer hat bis 2014 in Sri Lanka gelebt und es liegen keine Hinweise dafür vor, dass ihm dies nun bei einer Wiedereinreise vorgehal- ten werden sollte oder er sich auf einer «Stop -List» befindet. Aus seiner tamilischen Ethnie, der Landesabwesenheit und dem Asylverfahren in der Schweiz kann er keine Gefährdung ableiten; seine exilpolitischen Aktivitä- ten sind, wie dargelegt (E. 7.3), nicht profiliert genug. In Würdigung aller Umstände ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri- lankischen Regierung nicht zu jener kleinen Gruppe gezählt wird, die be- strebt ist, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Daran ver- mag auch die aktuelle Lage in Sri Lanka, namentlich der Regierungswech- sel und die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten, nichts zu än- dern, zumal auf Beschwerdeebene keine direkten Bezüge zwischen den Vorbringen des Bes chwerdeführers und dem Regierungswechsel aufge- zeigt werden. 7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nichts vorgebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzu- weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat das Asyl- gesuch demnach zu Recht abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). E-6426/2019 Seite 21 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahre n keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 9.4 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen we- der die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Men- schenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12.2 f.). An dieser Ein- schätzung ist auch unter Berücksichtigung der politischen Entwicklungen in Sri Lanka seit November 2019 festzuhalten. Auch im Hinblick auf die diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der sri-lankischen und der schweizerischen Regierung (nach der Entführung einer Angestellten der E-6426/2019 Seite 22 schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November 2019) besteht kein konkreter Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen Entwick- lungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Be- schwerdeführer auswirken (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1466/2020 vom 23. März 2020 E. 7.2.2). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zu- letzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann- ten «Background Check» (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. 9.5 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.6 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Mit dem Refe- renzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwaltungsge- richt seine bisherige Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/24) und die gegen- wärtige Praxis des SEM bestätigt, wonach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz zumutbar ist. An dieser Einschätzung vermag auch der Regierungswechsel in Sri Lanka nichts zu ändern. Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas ge- wählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa- Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; w ww.theguardian.com- /world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-premadas- count-continues , abgerufen am 02.04.2020). Gotabaya Rajapaksa war un-E-6426/2019 Seite 23 ter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapa- ksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, V erteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Jour- nalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobach- tern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreit et die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 - Sri Lanka, 14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; di e drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including- presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state-2019- 1127174753/, abgerufen 05.10.2021). Beobachter und ethnische / religi- öse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die ver- mehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Go- tabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf ; im August 20 20 fanden Neuwahlen statt, aus denen Rajapaksas Partei siegreich hervorgegangen ist (vgl. The New York Times 06.08.2020, Sri Lanka Elections Hands Raja- paksa Family a Bigger Slice of Control; Al Jazeera 07.08.2020, Rajapaksa brothers win by landslide in Sri Lanka's election). 9.7 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der politischen Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefähr- dungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016; HRW, Sri Lanka: Families of «Disappear ed» Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs- gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl- suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. An der Lageeinschätzung des Referenz- urteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 ist weiterhin festzuhalten. Durch E-6426/2019 Seite 24 seine Ausführungen zur allgemeinen Situation in Sri Lanka vermag der Be- schwerdeführer keine auf seine Perso n bezogene konkret e Gefährdung darzulegen. Zudem haben sich seine Verfolgungsvorbringen als unglaub- haft erwiesen. Der Beschwerdeführer hat auch keine individuellen Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug vorgetragen. Er ist jung und vergleichsweise gut aus- gebildet. Er hat vor der Ausreise in der (…)branche gearbeitet und ent- stammt einer wohlsituierten Mittelklassefamilie (vgl. act. A 14/19 F 20-26). Die von ihm im Rahmen des Beschwerdeverfahrens geltend ge machte psychische Beeinträchtigung wurde bis anhin nie belegt (vgl. E. 6.1). Auf- grund seiner Berufserfahrung wird es ihm mit der Unterstützung seines Be- ziehungsnetzes vor Ort möglich sein, sich im Heimatland eine Existenz auf- zubauen. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka in eine existenzbedrohende, ihn konkret gefährdende Situation geraten wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. 9.8 In der Beschwerde wird schliesslich vorgebracht, die gesundheitliche Lage in Sri Lanka aufgrund der Covid-19-Pandemie habe sich im Vergleich zu anderen Ländern in den letzten Monaten derart verschlechtert, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in eine medizinische Notlage gera- ten könnte. Besorgniserregend seien in jüngster Zeit vor allem die «neuen» Virusmutationen, welche zu einem rasanten Anstieg der Infektionszahlen führen würden. Die gesundheitliche Lage sei weitgehend ausser Kontrolle geraten, und Sri Lanka werde momentan als Risikogebiet eingestuft. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass d ie blosse Möglichkeit einer Anste- ckung mit SARS-CoV-2 für sich alleine dem Wegweisungsvollzug nicht ent- gegensteht. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein tempo- räres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl. etwa Urteil des BVGer E-3200/2021 vom 21. Juli 2021 E. 8.4.2 m.w.H.). Zudem ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer die Möglichkeit offen- steht, sich noch in der Schweiz gegen Covid-19 impfen zu lassen, so dass er geschützt die Heimreise antreten könnte. 9.9 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE E-6426/2019 Seite 25 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.10 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Verfügung vom 13. Dezember 2019 gutgeheissen wurde und sich aus den Akten keine Veränderung seiner fi- nanziellen Situation ergibt, sind keine Kosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) E-6426/2019 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Susanne Bolz Versand: