200 20 278 BV FUE/IMD/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 8. Juni Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichter Kölliker Gerichtsschreiber Imhasly A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Kläger gegen C.________ c/o D.________ AG vertreten durch Advokatin E.________ Beklagte betreffend Klage vom 14. April 2020 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1969 geborene A.________ (Kläger), angelernter ..., seit 2. Mai 2001 bei der (zwischenzeitlich im Handelsregister gelöschten [vgl. Schweizeri- sches Handelsamtsblatt Nr. ... vom TT. MM. 2010]) F.________ AG als ... angestellt und dadurch bei der (damaligen) G.________ (heute: G.________ [vgl. www.zefix.ch]) berufsvorsorgeversichert (Akten der IV- Stelle für Versicherte im Ausland [IVSTA; act. IIIA] 15), erlitt am 16. Juni 2003 auf einer Baustelle einen Unfall am linken Knie (Verdrehtrauma des linken Kniegelenks; vgl. act. IIIA 10 S. 6), woraufhin die H.________ ge- stützt auf erwerbliche und medizinische Abklärungen, insbesondere auf eine kreisärztliche Untersuchung, mit Verfügung vom 14. Juni 2007 bei einem Invaliditätsgrad von 18 % eine Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Juni 2007 zusprach (Akten der H.________ [act. III] 55, 125, 140). Die IV-Stelle Bern verneinte mit Verfügung vom 2. Oktober 2007 bei einem Invaliditäts- grad von 18 % einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (act. IIIA 43). Vom 22. März bis 31. August 2012 war A.________ bei der I.________ AG (Klagebeilage [act. I] 5; Akten der C.________ [Beklagte; act. IIA] 2) und vom 1. September bis 14. Dezember 2012 sowie vom 1. Februar bis 31. Oktober 2013 bei der D.________ AG in einem Vollpensum als ... ange- stellt (act. I 6 f., 9 f., 14). Durch letzteres Arbeitsverhältnis war er bei der C.________ berufsvorsorgerechtlich versichert (Akten der C.________ [act. II] 1, 5 f.). Am 5. März 2013 verdrehte sich A.________ gemäss Un- fallmeldung vom 12. März 2013 (act. III 157) das linke Knie, woraufhin er vollständig arbeitsunfähig geschrieben wurde (act. III 158, 164, 166 S. 3, 168 S. 2). Mit Verfügung vom 5. Juli 2018 sprach die IVSTA A.________ bei einem Invaliditätsgrad von 80 % eine ganze Invalidenrente samt Kinder- rente mit Wirkung ab 1. April 2014 zu (Akten der IVSTA [IIIC] 231). In der Folge ersuchte A.________ die C.________ um Ausrichtung einer Invali- denrente aus beruflicher Vorsorge, welches Gesuch diese abschlägig be- antwortete (act. II 9, 12).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 3 B. Mit Eingabe vom 14. April 2020 erhob A.________, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, Klage gegen die C.________ mit dem Rechts- begehren, die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger eine Invalidenrente ab 1. April 2014 auszurichten, nebst Zins zu 5 % seit 14. April 2020. Mit prozessleitender Verfügung vom 16. April 2020 ersuchte der Instrukti- onsrichter die IVSTA und die H.________ um Zustellung der den Kläger betreffenden Akten. Diese gingen am 22. (H.________) bzw. am 30. April 2020 (IVSTA) beim Verwaltungsgericht ein. Die Beklagte, vertreten durch Advokatin E.________, beantragte mit Kla- geantwort vom 1. Juli 2020 die Abweisung der Klage. Mit Replik vom 6. August 2020 bzw. Duplik vom 4. September 2020 hielten die Parteien an den bisherigen Ausführungen und Anträgen fest. Erwägungen: 1. 1.1Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsge- richts des Kantons Bern ist als einzige kantonale Instanz sachlich und funk- tionell zuständig zur Beurteilung der mit Klage vom 14. April 2020 geltend gemachten Ansprüche (Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40] i.V.m. Art. 87 lit. c des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21] und Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organi- sation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]). Die Beklagte hat ihren Sitz im Kanton Bern (Schweizerisches Han- delsamtsblatt [SHAB] Nr. ... vom TT. MM. 2003), womit das angerufene Gericht zur Behandlung der Klage örtlich zuständig ist (Art. 73 Abs. 3 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 4 BVG). Auch die übrigen Prozessvoraussetzungen sind erfüllt, insbesondere ist die Klage formgerecht eingelangt (Art. 32 VRPG) und ist der Rechtsver- treter des Klägers gehörig bevollmächtigt (Art. 15 Abs. 1 VPRG; Akten des Klägers [act. I] 1). Auf die Klage ist somit einzutreten. 1.2Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Klägers auf eine Invali- denrente gegenüber der Beklagten ab 1. April 2014 (nebst Zins zu 5 % seit 14. April 2020) und damit zusammenhängend insbesondere, wann die für die Entstehung des Leistungsanspruchs relevante Arbeitsunfähigkeit einge- treten ist und ob der sachliche und zeitliche Konnex zur nachmaligen Inva- lidität gegeben sind. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Nach Art. 73 Abs. 2 BVG sehen die Kantone ein einfaches, ra- sches und in der Regel kostenloses Verfahren vor, wobei der Richter den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen hat. Innerhalb des Streitge- genstandes ist das Berufsvorsorgegericht in Durchbrechung der Dispositi- onsmaxime an die Begehren der Parteien nicht gebunden (BGE 135 V 26 E. 3.1 mit Hinweisen, Art. 92 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Anspruch auf Invalidenleistungen haben nach Art. 23 lit. a BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Inva- lidität geführt hat, versichert waren. Versicherte, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente in Höhe der Waisenrente (Art. 25 Abs. 1 Satz 1 BVG). 2.2Das BVG definiert den Begriff der Invalidität nicht, sondern verweist auf die Invalidenversicherung (vgl. Art. 23 lit. a BVG und Art. 4 der Verord- nung vom 18. April 1984 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVV 2; SR 831.441.1]). Aus der engen Verbindung zwi-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 5 schen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversicherung und demjeni- gen auf Invalidenleistungen nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbe- griff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invali- denversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 120 V 106 E. 3c S. 108). 2.2.1Nach der Rechtsprechung sind Vorsorgeeinrichtungen, die aus- drücklich oder unter Hinweis auf das Gesetz vom gleichen Invaliditätsbe- griff wie die Invalidenversicherung ausgehen, an die Invaliditätsbemessung der IV-Stelle oder – im Beschwerdefall – des kantonalen Sozialversiche- rungsgerichts resp. des Bundesgerichts gebunden, sofern sie in das invali- denversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen wurden, die konkrete Fragestellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der In- validenversicherung entscheidend war und die invalidenversicherungs- rechtliche Betrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint. Diese Bindungswirkung findet ihre positivrechtliche Grundlage in den Art. 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 BVG, welche an die Regelung des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) anknüpfen oder diese übernehmen (BGE 143 V 434 E. 2.2 S. 437). 2.2.2Im Hinblick auf die verbindliche Wirkung der IV-rechtlichen Qualifi- kation sind die IV-Stellen gehalten, die Vorsorgeeinrichtung(en) spätestens im Vorbescheidverfahren in das IV-rechtliche Verfahren einzubeziehen. Erfolgt dieser Einbezug nicht, vermag der Beschluss der IV-Stelle keine Bindungswirkung für die berufliche Vorsorge zu entfalten (BGE 138 V 125 E. 3.3 S. 130, 129 V 73 E. 4.2.2 S. 76; SVR 2019 BVG Nr. 44 E. 5.1 S. 173). Selbst wenn die Vorsorgeeinrichtung – bei fehlendem Einbezug ins IV-rechtliche Verfahren – innerhalb der Rechtsmittelfrist anderweitig von der Verfügung Kenntnis erhält, erzeugt der Entscheid der IV-Organe keine Bindungswirkung für die Vorsorgeeinrichtung. Sie ist auch nach Treu und Glauben nicht gehalten, die Verfügung anzufechten oder deren Eröffnung zu ihren Handen zu verlangen (SVR 2012 BVG Nr. 30 S. 122 E. 3.2). 2.3Die Invalidenleistungen nach Art. 23 lit. a BVG werden von derje- nigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Entscheidend ist dabei Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 6 einzig der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invali- denleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Für eine einmal aus – während der Versicherungsdauer aufgetretener – Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrich- tung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vor- sorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG [Umkehrschluss]; BGE 136 V 65 E. 3.1 S. 68; SVR 2020 BVG Nr. 6 S. 26 E. 3.1). 2.4Unter Arbeitsunfähigkeit ist eine erhebliche und dauerhafte Ein- busse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Auf- gabenbereich zu verstehen (BGE 134 V 20 E. 3.2.2 S. 23). Sie muss min- destens 20 % betragen (BGE 144 V 58 E. 4.4 S. 62; SVR 2020 BVG Nr. 6 S. 27 E. 3.2). Ob eine Person trotz Lohnzahlung tatsächlich erheblich ar- beitsunfähig war, ob sie also im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses – im Hinblick auf den angestammten Tätigkeitsbereich – ihre übliche oder aber nunmehr eine behinderungsbedingt eingeschränkte Leistung erbrachte, ist von Amtes wegen mit aller Sorgfalt zu prüfen. Rechtsprechungsgemäss ist erforderlich, dass sich die behauptete Arbeitsunfähigkeit im Arbeitsverhält- nis, das über die Vorsorgepflicht den Versicherungsschutz begründet, kon- kret nachteilig bemerkbar gemacht hat, so etwa durch einen Abfall der Leis- tungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitge- bers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich be- dingte Arbeitsausfälle. Nur beim Vorliegen besonderer Umstände darf die Möglichkeit einer von der arbeitsrechtlich zu Tage tretenden Situation in Wirklichkeit abweichenden Lage – etwa in dem Sinne, dass ein Arbeitneh- mer zwar zur Erbringung einer vollen Arbeitsleistung verpflichtet war und auch entsprechend entlöhnt wurde, tatsächlich aber eben doch keine volle Arbeitsleistung hat erbringen können – in Betracht gezogen werden (SVR 2008 IV Nr. 11 S. 33 E. 5.1, 2005 BVG Nr. 5 S. 15 E. 2.2). Die Leistungs- einbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgestellte medizinisch-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 7 theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der be- ruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeu- genden) medizinischen Einschätzung, die ordentlicherweise echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (SVR 2020 BVG Nr. 6 S. 27 E. 3.2, 2014 BVG Nr. 6 S. 19 E. 4.2). 2.5Der Anspruch auf Invalidenleistungen der (obligatorischen) berufli- chen Vorsorge setzt einen engen sachlichen und zeitlichen Zusammen- hang zwischen der während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses (einsch- liesslich der Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestandenen Arbeitsunfähigkeit und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus. 2.5.1Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsscha- den, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, von der Art her im Wesentlichen derselbe ist wie derjenige, der der Erwerbsunfähigkeit zu Grunde liegt. Nicht erforderlich ist ein adäquater Kausalzusammenhang; eine Wechsel- wirkung im Sinne natürlicher Kausalität genügt (BGE 134 V 20 E. 3.2 S. 22; SVR 2020 BVG Nr. 17 S. 76 E. 2.2.2, 2001 BVG Nr. 18 S. 70 E. 5b). 2.5.2Die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt vor- aus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, nicht während längerer Zeit wieder ar- beitsfähig war. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Ge- sundheitsschadens, dessen prognostische Beurteilung durch den Arzt so- wie die Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben. Zu den für die Be- urteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen zählen auch die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnisse, wie Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 8 etwa die Tatsache, dass eine voll vermittlungsfähige, Stellen suchende Person über längere Zeit hinweg Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche Bedeutung bei- gemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. So schliesst na- mentlich die Vermittlungsfähigkeit im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinne das Vorliegen einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsun- fähigkeit nicht per se aus (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 S. 22; SVR 2020 BVG Nr. 17 S. 76 E. 2.2.2, 2019 BVG Nr. 30 S. 118 E. 2.2). Eine zuverlässige Einschätzung des zeitlichen Zusammenhangs ist nur möglich, wenn die Entwicklung gesamthaft betrachtet wird. Die Frage, ob eine nachhaltige Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit möglich war, ist somit auch im Lichte von erst später gewonnenen Erkenntnissen zu beurteilen (SVR 2014 BVG Nr. 36 S. 136 E. 5.3). 2.5.3Der zeitliche Konnex zwischen der während des Vorsorgeverhält- nisses eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der späteren Invalidität wird unterbrochen, wenn während mehr als drei Monaten eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist; eine Arbeitsfähigkeit von 80 % genügt nicht (BGE 144 V 58; SVR 2019 BVG Nr. 30 S. 118 E. 2.2, 2018 BVG Nr. 37 S. 138 E. 2.1.2). Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit (allen- falls auch erst im Rückblick) als Eingliederungsversuch zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung unwahrscheinlich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 S. 22; SVR 2014 BVG Nr. 36 S. 135 E. 1.2.2). 2.6Nach Art. 26 Abs. 1 BVG beginnt der Anspruch auf Invalidenleis- tungen der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge seit Inkrafttreten der 5. IV-Revision (1. Januar 2008) mit der Entstehung des Anspruchs auf eine Rente der Invalidenversicherung nach Art. 29 Abs. 1 IVG, d.h. frühestens sechs Monate nach der Anmeldung bei der Invalidenversicherung, und nicht mit Ablauf der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG (BGE 142 V 419 E. 4.3.2 S. 422).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 9 3. 3.1Die IVSTA sprach dem Kläger ab dem 1. April 2014 eine ganze Invalidenrente samt Kinderrente zu. Der diesbezügliche Vorbescheid vom 28. Februar 2018 sowie die Verfügung vom 5. Juli 2018 wurden der Be- klagten eröffnet (act. IIIC 220 S. 2, 231 S. 2). Damit sind die formellen Vor- aussetzungen für deren Bindung an die Feststellungen der IV erfüllt (vgl. E. 2.2.1 hiervor). In materieller Hinsicht ist eine Bindungswirkung indes zu verneinen: Aufgrund der IV-Anmeldung vom Oktober 2013 (act. IIIA 45), die von der IVSTA als verspätet qualifiziert wurde (vgl. act. IIIC 225 S. 2), be- stand invalidenversicherungsrechtlich kein Anlass, den Verlauf der Arbeits- unfähigkeit mehr als sechs Monate vor dem Zeitpunkt der Anmeldung (d.h. vor April 2013) zu prüfen (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b und 29 Abs. 1 IVG). Hin- sichtlich weiter zurückliegender Zeiten fallen daher verbindlichkeitsrechtlich massgebende Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe von vorn- herein ausser Betracht. Dabei ist nicht entscheidend, ob die IVSTA den – weiter als sechs Monate vor der Anmeldung zurückliegenden – Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit offenlässt oder wie vorliegend bestimmt (auf den 5. März 2013 [act. IIIC 225 S. 2]; Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 16. Dezember 2016, 9C_896/2015, E. 4.2 mit Hinweisen; vgl. auch MARC HÜRZELER in: SCHNEIDER/GEISER/GÄCHTER, Kommentar zum BVG und FZG, 2. Aufl. 2019, N 6 zu Art. 24, wonach die Feststellungen der IV für deren Leistungen rechtserheblich gewesen sein müssen, damit sie für die Vorsorgeeinrichtungen verbindlich sind). Mithin sind die vorliegend zu beurteilenden streitbetroffenen Fragen ohne Bindung an die von der IVSTA getroffenen und der Verfügung vom 5. Juli 2018 (act. IIIC 231) zu- grunde gelegten Tatsachenfeststellungen zu prüfen. Dasselbe Ergebnis folgt auch aus dem Umstand, dass die IVSTA keine präzise Invaliditätsbe- messung vornahm, sondern direkt von einer attestierten Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit von 80 % (vgl. act. IIIC 202 S. 1, 219 S. 2) schloss, es bestehe Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (act. IIIC 220 S. 2). Nimmt die Invalidenversicherung nämlich – wie hier – keine präzise Bemessung des Invaliditätsgrades vor, so entfaltet der von der Invaliden- versicherung ermittelte Invaliditätsgrad für die berufliche Vorsorge keine Bindungswirkung (SVR 2007 IV Nr. 3 S. 9 E. 4.1). Schliesslich ist die be- klagte Vorsorgeeinrichtung – wie nachfolgend bei der zeitlichen Konnexität Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 10 gezeigt wird (vgl. E. 3.4 und 3.6) – nur für eines von mehreren invalidisie- renden Leiden leistungspflichtig, womit auch aus diesem Grund die Fest- stellungen der IVSTA für die Beklagte nicht verbindlich sind (HÜRZELER, a.a.O., N 6 zu Art. 24). 3.2Der Rentenzusprache durch die IVSTA per 1. April 2014 mittels Verfügung vom 5. Juli 2018 (act. IIIC 231) lag einerseits ein somatisches Leiden in Form einer schweren posttraumatischen Gonarthrose links (ICD-10: M17.5) und andererseits ein psychisches Leiden in Form einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.1) zu Grunde (vgl. act. IIIB 100 S. 25; act. IIIC 202, 219). Nachfolgend ist zunächst auf das somatische Leiden einzugehen. Diesbe- züglich ergibt sich aus den Akten – soweit entscheidwesentlich – das Fol- gende: 3.2.1Der Kreisarzt der H.________ Dr. med. J.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, definierte im Bericht betreffend die ärztliche Abschlussuntersuchung vom 10. November 2005 (act. III 55) mit Blick auf einen Status nach Arbeitsun- fall am 16. Juni 2003 mit Verdrehtrauma des linken Kniegelenks das fol- gende Zumutbarkeitsprofil: Ganztägiger Einsatz für leichte Tätigkeiten in alternierender Position weitgehend sitzend mit der Möglichkeit, das linke Kniegelenk zuweilen etwas zu bewegen, ganz kurz zu stehen oder wenige Meter umher zu gehen. Keine Arbeiten in Zwangsposition der Kniegelenke, d.h. in tiefer Hocke oder in kniender Position. Kein Heben und Tragen von Lasten über 5 kg. Im Bericht vom 27. Februar 2007 (act. III 123) stellte der Kreisarzt nach erfolgter Untersuchung des Versicherten einen weiterhin stabilisierten Zu- stand des linken Kniegelenks fest und bestätigte das im Bericht vom 10. November 2005 definierte Zumutbarkeitsprofil. 3.2.2In der Krankengeschichte hielt Dr. med. K.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, betreffend Konsultation vom 6. März 2013 (act. IIIC 199 S. 31) fest, am Vortag sei beim Abdrehen des Körpers zur linken Seite ein Schmerz in das linke Knie eingeschossen, der 20-25 Minuten angedauert habe. Seither könne der Patient das linke Bein nicht mehr mit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 11 vollem Körpergewicht belasten. Im Zeugnis vom 8. März 2013 (act. III 158 S. 2) attestierte er eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem 6. März 2013 und führte aus, der Patient stehe bei ihm wegen eines Unfalls in Be- handlung. In der Folge verlängerte der behandelnde Arzt die Arbeitsun- fähigkeitsbescheinigung mehrfach (vgl. act. III 168 S. 2, 182 S. 2, 185 S. 1, 190 S. 2, 191). 3.2.3Dem Bericht des Spitals L.________ AG vom 22. März 2013 (act. III 166 S. 2 f.) ist die Diagnose schwere posttraumatische Gonarthrose links (ICD-10: M17.5) bei Status nach Arbeitsunfall linkes Knie 2003 sowie Sta- tus nach Tibiaosteotomie links und Mosaikplastik am medialen Femurkon- dylus 04/05 zu entnehmen. Der Patient habe seit ca. drei Wochen bei der Arbeit starke linksseitige Knieschmerzen. Ein am 8. März 2013 durchge- führtes Röntgen habe keine Hinweise auf frische ossäre Läsionen gezeigt. Die Symptome würden am ehesten im Rahmen einer aktivierten Arthrose medial interpretiert. Die Arthrose sei sekundär posttraumatisch und als eine Folge des Unfalles im Jahr 2003 zu bezeichnen. 3.2.4Am 6. Mai 2013 erfolgte im M.________ ein chirurgischer Eingriff am linken Knie (Kniearthroskopie, Osteophytendébridement medialer Fe- murkondylus und distaler Patellapol, Microfracturing medialer Femurkondy- lus, Metallentfernung [act. III 184]). In dessen Folge wurde eine vollständi- ge Arbeitsunfähigkeit bis 16. Juni 2013 attestiert (act. III 189). 3.2.5Im Bericht betreffend kreisärztliche Abschlussuntersuchung vom 9. August 2013 (act. III 203) diagnostizierte der Kreisarzt Dr. med. N.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eine posttraumatische medial betonte Gonarthrose. Bereits bei der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 10. November 2005 sei seines Erachtens das Problem mit seiner weiteren Entwicklung erkannt und folgerichtig ein vorausschauend bereits tiefes Zumutbar- keitsprofil im Sinne eines Knietotalprothesenträgers definiert worden. Die letzte Operation vom 6. Mai 2013 habe gemäss Aussage des Versicherten nur anfänglich eine kurzzeitige Besserung gebracht, insgesamt aber keine relevante Veränderung. Aktuell bestünden wieder die gleichen Beschwer- den. Der Versicherte gebe an, insgesamt sei die Situation trotz mehrerer Operationen eigentlich kontinuierlich schlechter geworden. Bei der heutigen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 12 Untersuchung sei ein reizloses Knie ohne Entzündungszeichen zu finden. Nicht zu zweifeln sei an der radiologisch eindeutig feststellbaren relevanten medial betonten Gonarthrose links. Die geltend gemachten Beschwerden seien allerdings mit dem Röntgenbefund nicht zu vereinbaren. Insgesamt wirke der Versicherte körperlich doch etwas dekonditioniert und auf seine Schmerzproblematik am Knie fixiert. Das Zumutbarkeitsprofil, wie es be- reits zweimal definiert worden sei, bleibe unverändert. 3.3Gestützt auf die hiervor wiedergegebenen kreisärztlichen Berichte vom 10. November 2005 (act. III 55), 27. Februar 2007 (act. III 123) und 9. August 2013 (act. III 203) ist erstellt, dass dem Kläger die angestammte Tätigkeit als ... infolge des Unfalls vom 16. Juni 2003 (act. III 208; act. IIIA 15) aus somatischer Sicht mindestens seit November 2005, dem Zeitpunkt der ersten kreisärztlichen Untersuchung, dauerhaft und vollständig unzumutbar war, währenddem ihm eine adaptierte Verweistätigkeit ohne Leistungseinschränkung vollschichtig zumutbar war (vgl. auch act. IIIC 84). Mithin bestand in der angestammten Tätigkeit seit mindestens 2005 durchgehend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Gestützt auf das erstmals von Kreisarzt Dr. med. J.________ definierte Zumutbarkeitsprofil wurde der Kläger von der H.________ denn auch bei einem Invaliditätsgrad von 18 % berentet (act. III 140). Nach dem zweiten Unfall vom 5. März 2013 (act. III 157) bestätigte die H.________ mit Schreiben vom 13. August 2013 (act. III 209) unter Hinweis auf die kreisärztliche Untersuchung vom 9. August 2013 dieses Zumutbarkeitsprofil, an welchem sich nichts geändert habe. Entsprechend verweigerte sie eine Erhöhung der Rentenleistungen. 3.4Beim heute geklagten somatischen Leiden im linken Knie handelt es sich nach dem Gesagten um denselben Gesundheitsschaden, für welchen dem Kläger seitens der H.________ ab dem 1. Juni 2007 eine Rente zugesprochen worden war (act. III 140). Die mindestens seit November 2005 bestehende Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als ... dauert seit damals ununterbrochen an. Die ab 2012 stattgehabten mehrmonatigen Einsätze des Klägers als ... bei der I.________ AG bzw. bei der D.________ AG vermochten diesen zeitli- chen Kausalzusammenhang nicht zu unterbrechen, weil die während die-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 13 sen Arbeitsverhältnissen ausgeführten Tätigkeiten nicht als angepasst bzw. zumutbar, sondern im Gegenteil dem von den Kreisärzten der H.________ definierten Zumutbarkeitsprofil klar widersprechend – namentlich beinhalte- ten die Tätigkeiten häufiges Heben und Tragen von Lasten bis 20 kg, lan- ges Stehen und kniende Tätigkeiten (act. IIIA 53 S. 5) – und daher als of- fenkundig unzumutbar bzw. gesundheitsschädigend qualifiziert werden müssen. In diesem Sinne äusserte sich auch med. pract. O.________, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation und Ärztin beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), wonach der Versicherte bis zum Un- fall vom 5. März 2013 einer "nicht angepassten Tätigkeit ganztags auf dem Bau" nachgegangen sei (act. IIIC 84 S. 2). Der behandelnde Arzt Dr. med. K.________ vermerkte in der Krankengeschichte diesbezüglich, seit dem Jahr 2003 habe sich die Schwellung des linken Knies nie vollständig zurückgebildet. Das vergangene Jahr habe der Patient sehr gut gearbeitet, wobei das linke Bein am Abend aber müde gewesen sei und ihn etwas geschmerzt habe (Konsultation vom 6. März 2013 [act. IIIC S. 199 S. 31]). Aufgrund der medizinischen Akten ist damit evident, dass sich der Ge- sundheitszustand des Klägers nach dem Unfall vom 16. Juni 2003 nicht in einer Weise verbessert hatte, die ihm erlaubte, seinen angestammten Beruf als ... wieder dauerhaft auszuüben. Darüber hinaus gilt nicht nur als ar- beitsunfähig, wer gesundheitsbedingt die bisherige Tätigkeit nicht mehr oder nur noch beschränkt ausüben kann, sondern auch eine Person, wel- cher die weitere Verrichtung ihrer Berufsarbeit nur unter der Gefahr, ihren Gesundheitszustand zu verschlimmern, möglich ist (Entscheid des BGer vom 8C_407/2020, E. 6.1), was hier offensichtlich der Fall ist. So hat der Kläger gegenüber der H.________ im Juni 2013 denn auch ausgeführt, er habe letztes Jahr wieder mehr gearbeitet, was sich schlecht auf das Knie ausgewirkt habe (act. IIIA 58 S. 121). Damit wurde der zeitliche Konnex trotz der mehr als dreimonatigen Tätig- keit auf dem angestammten Beruf nicht unterbrochen (vgl. HANS-ULRICH STAUFFER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruflichen Vorsorge, 4. Aufl. 2019, S. 94). In diesem Zusammenhang ist klarzustellen, dass die Feststellung der IVSTA in der Begründung vom 18. Mai 2018 (act. IIIC 225 S. 2) zur Verfügung vom 5. Juli 2018 (act. IIIC 231), (erst) seit 5. März 2013 bestehe in der Tätigkeit als ... eine Arbeitsunfähigkeit von (lediglich) 80 %, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 14 im Lichte der Aktenlage, wie sie sich den Organen der Invalidenversiche- rung bei Verfügungserlass präsentierte, offensichtlich unhaltbar ist. Damit bestand die Arbeitsunfähigkeit aus somatischen Gründen bereits bei Be- ginn des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten (hier interessierend: ab 1. Februar 2013 [act. I 7; act. II 6]), womit sie keine Leistungspflicht für das Knieleiden links trifft. 3.5In psychischer Hinsicht präsentiert sich die medizinische Aktenlage wie folgt: 3.5.1Der Kreisarzt-Stellvertreter Dr. med. P.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte anlässlich der Untersuchung vom 18. Oktober 2004 (act. III 20) eine schlechte psychische Verfassung fest. Der Patient breche während der Schilderung der Beschwerden, welche sehr nervös vorgetragen würden, immer wieder in Tränen aus. 3.5.2Dr. med. K.________ diagnostizierte im Bericht vom 13. März 2006 (act. IIIA 18) u.a. einen Status nach reaktiver Depression von Februar bis Juni 2003 und attestierte diesbezüglich eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom 3. März bis zum 21. April 2003. 3.5.3Im Abklärungsbericht der Beruflichen Abklärungsstelle Q.________ vom 8. November 2006 (act. IIIA 34) wurde ein Status nach reaktiver Depression Februar - Juni 2003 festgehalten (S. 5). Der Versicherte habe im Rahmen der vierwöchigen Abklärung ganztags arbeiten können. Er habe vor allem sitzend mit hochgelagertem linken Bein und Gehpausen gearbeitet. Seine Leistungsfähigkeit sei im Verlaufe der Abklärung bis 75 bzw. 80 % angestiegen. Die fehlenden Deutschkenntnisse seien für die Wiedereingliederung ein Hindernis. 3.5.4Der Kreisarzt Dr. med. J.________ führte im Bericht vom 27. Februar 2007 (act. III 123) aus, der Versicherte habe im Rahmen der Abschlussbesprechung angegeben, seit einigen Monaten sei seine moralische Verfassung sehr schlecht. Er sehe sich in seinem Zustand nicht als arbeitsfähig an. 3.5.5Dr. med. K.________ diagnostizierte im Zuweisungsschreiben an das Spital M.________ vom 7. September 2013 (act. IIIA 55 S. 24) u.a. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 15 eine reaktive Depression wegen existenzieller Zukunftsängste sowie einen Status nach reaktivem ängstlich-depressivem Zustandsbild im Winter/Frühling 2002/2003: psychosomatisches Konsilium vom 19. Mai 2003 im Spital M.________. Im Zeugnis vom 18. Oktober 2013 (act. IIIA 50 S. 6) attestierte er eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem 6. August 2013 aufgrund einer posttraumatischen reaktiven Depression. 3.5.6Dr. med. R.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera- pie, diagnostizierte im Gutachten vom 28. Januar 2014 zu Handen des Taggeldversicherers (act. IIIC 177) aus psychiatrischer Sicht eine mittel- gradige depressive Episode einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.1) mit/bei psychogenem Tremor/Wippen (S. 20). Es lägen die Kardinalsymptome Stimmungstief, Freudlosigkeit, Antriebsmangel sowie die Zusatzsymptome Konzentrationsverminderung, leichte Gedächtniss- törung, Aufmerksamkeitsverminderung, Selbstwertverminderung, negative Zukunftsperspektiven, Früherwachen und Morgentief vor. Gegen eine schwere Depression sprächen die zwar verminderte aber doch teilweise noch erhaltene Konzentrationsleistung und Aufmerksamkeit, auch nach einer langen Exploration, sowie die nicht vorhandene Suizidalität. Die ob- jektiv nachvollziehbare Belastung durch seine nicht besser werdenden Knieprobleme im Rahmen der Gonarthrose und die Knieschmerzen gingen der aktuellen depressiven Störung sicherlich voraus (S. 18). Die Arbeits- fähigkeit betrage aktuell 50 %. Konkret sei es dem Exploranden möglich, während ca. sechs Stunden pro Tag an fünf Tagen in der Woche eine Leis- tung von ca. jeweils 80 % zu erbringen. 3.5.7Dem Bericht der psychiatrischen Dienste S.________ vom 10. Fe- bruar 2014 (act. I 12) ist die Diagnose mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.1) zu entnehmen. Der Patient habe sich in einem ängstlich-agitierten Zustand gezeigt, stark zitternd im Erstge- spräch. Er habe vor allem innere Unruhe, Grübeln, Konzentrationsstörun- gen, Früherwachen, Antriebs-/Appetitstörungen, Sorgen und Zukunftsängs- te und Verzweiflung geschildert. Der Patient führe die Symptomatik auf die massive Verschlechterung der Knieproblematik trotz mehrmaliger Operati- onen zurück.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 16 3.5.8In der Nachbeurteilung vom 22. Mai 2014 (act. IIIC 185 S. 141 ff.) hielt Dr. med. R.________ fest, das aktuell vorliegende Zustandsbild unter- scheide sich wenig vom im Januar anlässlich der Begutachtung angetroffe- nen Zustandsbild. In einigen Bereichen gehe es etwas besser (Psychomo- torik/Wippen, Schlaf, Diarrhöe), im Kern bestünden aber die depressiven Symptome unverändert weiter. Die Stimmung sei gedrückt, die Kurzzeitge- dächtnisleistung vermindert, die Konzentration sei sogar etwas schlechter als vor drei Monaten, es bestehe ein vermehrter sozialer Rückzug und neu seien agoraphobische Symptome aufgetreten, welche sich aber noch unter der Depression subsumieren liessen. Die Symptome seien nach wie vor mittelschwer. Überlagert sei das Bild weiterhin von der Schmerzproblematik im Knie, welche sich auf das rechte Knie und den Rücken ausgeweitet ha- be. Die während der Begutachtung vor vier Monaten ausgesprochenen Behandlungsempfehlungen bezüglich Pharmakotherapie seien zwar umge- setzt worden, hätten aber kaum Verbesserung gebracht. Angesichts der anhaltenden mittelschweren Depression sei der Explorand aus psychiatri- scher Sicht weiterhin zu 50 % arbeitsfähig in einer Tätigkeit, welche or- thopädisch möglich sei. Bezüglich depressiver Symptomatik stelle sich die Situation angesichts der fehlenden Fortschritte weniger optimistisch als vor vier Monaten dar. 3.5.9Im Bericht der psychiatrischen Dienste S.________ vom 13. Juni 2014 (act. IIIC 79) wurde eine mittelgradige bis schwere depressive Episo- de mit somatischem Syndrom im Sinne einer agitierten Depression (ICD- 10: F32.11), bestehend seit Juni 2013, diagnostiziert. Die bisherige Tätig- keit im Baugewerbe sei aus psychiatrischer Sicht nicht zumutbar. Eine dem Beschwerdebild angepasste, vor allem das Knie nicht belastende, leichte Tätigkeit sei für maximal 2 Stunden am Tag vermutlich zumutbar. Es sei von einer deutlich eingeschränkten Leistungsfähigkeit mit einer deutlich verminderten Belastbarkeit resp. Stresstoleranz auszugehen. Dem Austrittsbericht der psychiatrischen Dienste S.________ vom 28. Au- gust 2014 (act. IIIC 89) betreffend den stationären Aufenthalt vom 11. bis 26. August 2014 sind die Diagnosen schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2), anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und schädlicher Gebrauch von Sedativa Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 17 (Xanax; ICD-10: F13.1) zu entnehmen. Laut Aussage des Patienten hänge seine depressive Krise sehr stark mit der Knieproblematik zusammen. Im Verlauf des stationären Aufenthaltes berichte der Patient nach Umstellung der Medikation über eine leichte Verbesserung der depressiven Symptoma- tik. Im Bericht vom 12. Februar 2015 (act. IIIC 129) diagnostizierten die Ärzte der psychiatrischen Dienste S.________ eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2). Der Heilungsverlauf gestal- te sich problematisch. Trotz stationärer Behandlung im August 2014 habe keine wesentliche Besserung des Zustandsbilds erzielt werden können. Im Gegenteil scheine die Chronifizierung den Verlauf noch negativ zu beein- flussen. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80 %. Leichte, nicht an- strengende Tätigkeiten seien – soweit körperlich bei den starken Schmer- zen tolerierbar – zumutbar. Zwischen dem 7. Januar und dem 3. Februar 2015 befand sich der Kläger wiederum bei den psychiatrischen Diensten S.________ in stationärer Be- handlung. Im diesbezüglichen Bericht vom 24. Februar 2015 (act. IIIC 98 S. 2 ff.) wurden eine Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10: F41.2) sowie ein Benzodiazepin-Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F13.2) diagnostiziert. Der Patient sei auf freiwilliger Basis durch seine bisherige ambulante Betreuung zur medikamentösen Einstellung einer depressiven Episode und zum stationären Xanax-Entzug zugewiesen worden. Im Ver- lauf der Behandlung habe sich das depressive Syndrom leicht verbessert, vor allem hätten sich die Schlafstörungen reduziert. Die Ängste seien wei- terhin bestehen geblieben. 3.5.10Dr. med. T.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera- pie, Arzt beim Medizinischen Dienst der IVSTA, diagnostizierte in der Stel- lungnahme vom 7. Dezember 2016 (act. IIIC 202) eine rezidivierende chro- nifizierte depressive Störung, mindestens mittelgradig (ICD-10: F33.1). In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % ab 5. März 2013. Eine Verweisungstätigkeit sei nicht zumutbar. Orthopädisch sei eine Arbeit auf dem angestammten Beruf nicht mehr möglich. Psychia- trisch gesehen wäre bei einem ..., der des Deutschen mächtig sei und über eine genügende Intelligenz verfüge, eine Verweisarbeit von vielleicht 50 % Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 18 möglich gewesen. Diese sei aber beim Versicherten nicht verwirklichbar. Daher sei er je länger der Kampf mit den Versicherungen angedauert habe, desto mehr in eine verzweifelte Depression gestürzt. 3.6Aus den hiervor wiedergegebenen medizinischen Unterlagen er- gibt sich, dass im Nachgang an das Ereignis vom 5. März 2013 (act. III 157) eine psychische Beeinträchtigung erstmals von Dr. med. K.________, dem Hausarzt des Klägers, im Zuweisungsschreiben vom 7. September 2013 an das Spital M.________ (act. IIIA 55 S. 24) beschrieben worden ist. Im Zeugnis vom 18. Oktober 2013 (act. IIIA 50 S. 6) attestierte er daraufhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem 6. August 2013 aufgrund einer posttraumatischen reaktiven Depression. Dies deckt sich mit den Eintragungen in der Krankengeschichte, worin der Hausarzt erstmals bezüglich der Konsultation vom 6. August 2013 eine reaktive Depression festhielt (act. IIIA 58 S. 109]). Zu diesem Zeitpunkt war der Kläger bei der D.________ AG angestellt (vgl. act. I 7) und dadurch bei der Beklagten berufsvorsorgerechtlich versichert (act. II 6 f.). Im weiteren Verlauf sind diesbezüglich Behandlungen, dabei insbesondere stationäre Aufenthalte in den psychiatrischen Diensten S.________, sowie eine durchgehende Ar- beitsunfähigkeit dokumentiert (act. IIIC 79, 89, 98 S. 2, 129). Der sachliche und zeitliche Konnex zur nachmaligen Invalidität, aufgrund welcher die IVST dem Kläger ab dem 1. April 2014 eine ganze Rente zugesprochen hat (Verfügung vom 5. Juli 2018 [act. IIIC 231]), ist damit erstellt. 3.7Soweit die Beklagte vorbringt, bereits bei Begründung des Vorsor- geverhältnisses zwischen dem Kläger und ihr habe eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen vorgelegen und deren zeitlicher Zusammenhang mit der später eingetretenen Invalidität sei nie unterbrochen worden (vgl. Klageantwort, S. 2 Ziff. 1, S. 4 f. Ziff. 10, S. 13 Ziff. 25; Duplik S. 5 Ziff. 8), ist ihr nicht zu folgen: Aufgrund der Aktenlage ist erstellt und insoweit auch unbestritten, dass der Kläger im Anschluss an den Unfall vom 16. Juni 2003 (act. IIIA 10 S. 6) – bzw. gemäss Aussagen von Dr. med. K.________ bereits zuvor (vgl. act. IIIA 18) – längere Zeit an psychischen Beschwerden gelitten hat, wobei diese von den Ärzten grösstenteils in Zusammenhang mit den Kniebe- schwerden links und der damit verbundenen Arbeitsunfähigkeit, Zukunfts-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 19 angst und Perspektivlosigkeit gebracht worden sind. Bezüglich des Zeit- raums nach Abschluss der Verfahren bei der H.________ (Zusprache einer Rente bei einem Invaliditätsgrad von 18 % mittels Verfügung vom 14. Juni 2007 [act. III 140]) und der IV-Stelle Bern (Verneinung einer Rente bei ei- nem Invaliditätsgrad von 18 % mittels Verfügung vom 2. Oktober 2007 [act. IIIA 43]) bis zum Ereignis vom 5. März 2013 (act. III 157) finden sich in den medizinischen Akten keine Auskünfte über den psychischen Gesundheits- zustand des Klägers. Im Anschluss an das Ereignis vom 5. März 2013 ist – wie vorstehend dargelegt (E. 3.6) – eine psychische Einschränkung erst wieder ab dem 6. August 2013 aktenkundig. Eine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit aus psychischen Gründen für den Zeitraum von 2008 bis Au- gust 2013 ist damit gestützt auf die medizinische Aktenlage nicht ausge- wiesen. Gegen eine entsprechende Einschränkung spricht die Tatsache, dass der Kläger zunächst mit der I.________ AG (22. März bis 31. August 2012) und sodann mit der D.________ AG (1. September bis 14. Dezem- ber 2012 sowie 1. Februar bis 31. Oktober 2013) einen Einsatzvertrag bzw. Arbeitsverträge mit jeweils einem Pensum von 100 % im Stundenlohn ab- geschlossen (act. I 5 ff.) und – wie aus den jeweiligen Lohnabrechnungen hervorgeht (act. I 8) – auch grösstenteils zu diesem Pensum gearbeitet hat. So bestreitet denn auch die Beklagte explizit nicht, dass der Kläger zumin- dest im Rahmen des Arbeitsverhältnisses mit der I.________ AG während fünfeinhalb Monaten zu 100 % gearbeitet hat (Klageantwort S. 9 Ziff. 14). Selbst wenn also vor der Aufnahme der Arbeitstätigkeit bei der I.________ AG eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen vor- gelegen haben sollte, wurde der zeitliche Zusammenhang zur nachmaligen Invalidität durch die mehrmonatige Arbeitstätigkeit – wenn auch in einer aus somatischen Gründen unzumutbaren Tätigkeit – unterbrochen (vgl. E. 2.5.3 hiervor). 4. 4.1Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungs-gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 20 Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). 4.2Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 4.3Für die Invaliditätsbemessung ist auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med. R.________ vom 28. Januar 2014 (act. IIIC 177) bzw. vom 22. Mai 2014 (Nachbeurteilung; act. IIIC 185 S. 141 ff.) abzustellen. Dieses erfüllt die vorstehend wiedergegebenen, von der Rechtsprechung aufgestellten Anforderungen an den Beweiswert von ärztlichen Berichten und Gutachten. Die vom Gutachter gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.1) ist unter Berücksichtigung der klassifikatorischen Vorgaben (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285) nachvollziehbar hergeleitet und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit schlüssig begründet. Das Gutachten wurde in Kenntnis der Vorakten erstellt, beruht auf zwei Untersuchungen im Abstand von mehreren Monaten und ist für die streitigen Belange umfassend. Die geklagten Beschwerden wurden wiedergegeben und es fand eine Auseinandersetzung damit statt. Die Einschätzungen des Gutachters hinsichtlich Diagnostik und Arbeitsunfähigkeit wurden von Dr. med. T.________, Arzt beim Medizini- schen Dienst der IVSTA, in der Stellungnahme vom 7. Dezember 2016 (act. IIIC 202) denn auch grundsätzlich bestätigt. Nicht zu folgen ist Dr. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 21 med. T.________ insoweit, als er ausgeführt hat, die vom Gutachter nach- vollziehbar begründete Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer Verweisungs- tätigkeit sei beim Kläger aus sprachlichen und intellektuellen Gründen nicht umsetzbar und somit auch nicht zumutbar gewesen. Dabei handelt es sich um invaliditätsfremde Faktoren, welche bei der Frage des invalidisierenden Charakters des diagnostizierten Gesundheitsschadens unberücksichtigt zu bleiben haben (vgl. BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). Ebenfalls nichts an der überzeugenden Einschätzung des Gutachters zu ändern vermögen die Atteste des Hausarztes Dr. med. K.________, wonach eine Arbeitsunfähig- keit von 80 % vorliege (bspw. act. IIIC 190 S. 1, 197). Einerseits ist er als Facharzt für Allgemeine Innere Medizin nicht befähigt, die psychiatrische Beurteilung des Gutachters in Zweifel zu ziehen (vgl. Entscheid des BGer vom 6. Oktober 2014, 9C_139/2014, E. 5.2), andererseits tritt er teilweise advokatorisch auf, indem er eine Berentung für angezeigt hält und die Mög- lichkeit, eine Verweistätigkeit auszuüben, aus nicht medizinischen Gründen (fehlende schulische Kenntnisse) ausschliesst (vgl. act. IIIC 185 S. 87). Der psychiatrische Gutachter setzte sich im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar und schlüssig begründet mit den sog. Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 auseinander (vgl. act. IIIC 177 S. 18 ff., 185 S. 146 f.). Er verneinte eine Aggravation (sog. Aus- schlussgrund [BGE 141 V 281 E. 2.2 und 2.2.1 S. 287]), verwies auf die fehlenden Fortschritte trotz Inanspruchnahme von Therapieoptionen, den vermehrten sozialen Rückzug und die schlechte Tagesstruktur. Die medizi- nisch-psychiatrische Folgenabschätzung ist daher grundsätzlich nicht an- zuzweifeln und eine vertiefte juristische Überprüfung hat demnach zu un- terbleiben (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3 S. 369). Dementsprechend ist auf die ärztlicherseits attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus rechtlicher Optik abzustellen. Anhaltspunkte, dass im Nachgang an die letzte gutachterliche Untersuchung vom 21. Mai 2014 (act. IIIC 185 S. 141) erhebliche Änderun- gen des Gesundheitszustandes des Klägers eingetreten wären, ergeben sich aufgrund der Aktenlage nicht. Vielmehr hat denn auch die IVSTA im Rahmen der Rentenzusprache vom 28. Februar 2018 erkannt, es liege seither ein unveränderter Zustand vor (act. IIIC 219 f.).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 22 5. 5.1Der Versicherte hat Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der IV zu mindestens 70 % invalid ist, auf eine Dreiviertelsren- te, wenn er zu mindestens 60 % invalid ist, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine Viertelsrente, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist (Art. 24 Abs. 1 BVG; vgl. auch Ziff. 3.4.3 des Reglements für die obligatorische Vorsorge [Reglement act. II 10]). Der Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht nach Ablauf der Lohnzah- lung oder der Auszahlung von Kranken- und Unfalltaggeldern, welche min- destens 80 Prozent des entgangenen Lohnes betragen und mindestens zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert wurden (Ziff. 3.4.4 des Reglements). 5.2Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 5.2.1Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung rea- lisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf statistische Werte wie die vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Lohn- strukturerhebungen (LSE) abzustellen. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Fak-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 23 toren abgestellt werden (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110; SVR 2019 UV Nr. 40 S. 153 E. 6.2.3). 5.2.2Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss LSE herangezogen wer- den (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 E. 5.1.3). 5.3Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe- ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 S. 300, 129 V 222). 5.4Nach dem hiervor Dargelegten wurde die – hier massgebende – Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen seit dem 6. August 2013 at- testiert (vgl. act. IIIC 171 S. 2; E. 3.6 hiervor). Der frühestmögliche Renten- beginn ist damit auf August 2014 festzusetzen (vgl. Art. 26 Abs. 1 BVG i.V.m. Art. 28 Abs. 1 IVG). Auf diesen Zeitpunkt hin ist die Invaliditätsbe- messung vorzunehmen. 5.4.1Da mit dem Arbeitsvertrag vom 13. Juli 2012 zwischen dem Be- schwerdeführer und der D.________ AG einzig ein bis zum 14. Dezember 2012 befristetes Arbeitsverhältnis vereinbart worden war (vgl. act. I 6) und nicht feststeht, dass dieses bei guter Gesundheit des Klägers in der Folge verlängert worden wäre, ist für die Bestimmung des Valideneinkommens nicht das in jenem Arbeitsverhältnis erzielte Einkommen, sondern ein Ta- bellenlohn gemäss LSE heranzuziehen. Gestützt auf Tabelle TA1 der LSE 2014, Männer, Ziffer 41-43 (Baugewerbe), Kompetenzniveau 1 ("Einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art") und unter Berücksichti- gung der betriebsüblichen Wochenarbeitszeit resultiert ein Valideneinkom- men von Fr. 68'562.-- (Fr. 5'507.-- x 12 / 40 Wochenstunden x 41.5 Wo- chenstunden [BFS, Tabelle T03.02.03.01.04.01, Ziff. 41-43]).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 24 5.4.2Das Invalideneinkommen ist – da der Beschwerdeführer keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat (vgl. E. 4.2.2 hiervor) – ebenfalls anhand eines LSE-Tabellenlohnes zu bestimmen. Ge- stützt auf Tabelle TA1 der LSE 2014, Männer, Total, Kompetenzniveau 1 ("Einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art") und unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Wochenarbeitszeit sowie der gut- achterlich festgestellten zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50 % ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 33'227.-- (Fr. 5'312.-- x 12 / 40 Wochen- stunden x 41.7 Wochenstunden [BFS, Tabelle T03.02.03.01.04.01, Ziff. 41- 43] x 0.5). 5.4.3Aus der Gegenüberstellung der beiden Vergleichseinkommen re- sultiert ein Invaliditätsgrad von (gerundet [vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123; SVR 2019 IV Nr. 61 S. 198 E. 7.1]) 52 % ([Fr. 68'562.-- - Fr. 33'227.--] / Fr. 68'562.--), was zu einer halben Invalidenrente samt Kin- derrenten (vgl. Art. 25 Abs. 1 Satz 1 BVG sowie Ziff. 3.4.1 des Reglements [act. I 10]) berechtigt (vgl. E. 5.1 hiervor). 6. 6.1Im Berufsvorsorgerecht werden Verzugszinsen sowohl im Leis- tungs- als auch im Beitragsbereich im Falle fehlender statutarischer Grund- lage gestützt auf Art. 104 Abs. 1 des Schweizerischen Obligationenrechts (OR; SR 220) zugelassen. Denn die Gewährung von Verzugszinsen war im Bereich der beruflichen Vorsorge seit jeher aufgrund der vorsorgevertragli- chen Entstehung des Versicherungsverhältnisses und der damit anwend- baren allgemeinen Bestimmungen des Obligationenrechts die Regel, und es hat diese Ordnung durch das BVG keine Änderung erfahren (BGE 145 V 18 E. 4.2 S. 21). Für BVG-Renten gilt die Verzugszinsregelung von Art. 105 Abs. 1 OR, wo- nach Verzugszinsen für Renten ab Betreibung oder Klageerhebung ge- schuldet sind (BGE 137 V 373 E. 6.6 S. 382; SVR 2015 BVG Nr. 32 S. 119 E. 4.1).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 25 6.2Mangels anderweitiger Regelung im einschlägigen Reglement (act. II 10) gilt hinsichtlich der seitens des Klägers beantragten Verzugszin- sen das hiervor Wiedergegebene. Demnach hat die Beklagte dem Kläger auf die geschuldeten Invalidenleistungen einen Verzugszins von 5 % ab dem Zeitpunkt der Klageeinreichung, d.h. ab dem 14. April 2020, resp. ab später eingetretenem Verfall auszurichten. 7. Nach dem Dargelegten ist die Klage insoweit gutzuheissen, als die Beklag- te dem Kläger ab dem 1. August 2014 eine halbe Invalidenrente samt Kin- derrenten (vgl. act. IIIC 231 ff.) gemäss den gesetzlichen und reglementari- schen Bestimmungen – basierend auf einem Invaliditätsgrad von 52 % – auszurichten hat. Zudem hat die Beklagte dem Kläger einen Verzugszins von 5 % ab dem 14. April 2020 resp. ab später eingetretenem Verfall aus- zurichten. Soweit weitergehend ist die Klage abzuweisen. Die frankenmässige Bezifferung des Anspruchs bildet nicht Streitgegen- stand (vgl. Rechtsschriften) und ist folglich nicht vom Gericht vorzunehmen (vgl. BGE 129 V 450 E. 3.4 und 4 S. 453 ff.). Die Sache ist zur betraglichen Festsetzung der Rente – unter Koordination der Leistungen der Unfallversi- cherung im Sinne von Ziff. 3.2 des Reglements (act. II 10) – sowie des Ver- zugszinses an die Beklagte zu überweisen. 8. 8.1In Anwendung von Art. 73 Abs. 2 BVG sind keine Verfahrenskos- ten zu erheben. 8.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht dem obsiegenden, an- waltlich vertretenen Kläger ein Anspruch auf Parteientschädigung zu (Art. 109 Abs. 1 VRPG). Der Kläger wird durch Rechtsanwalt B.________ vertreten. Dessen Kos- tennote vom 15. September 2020 mit geltend gemachtem Honorar von Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 26 Fr. 3'962.50 (15.85 Stunden à Fr. 250.--), Auslagen von Fr. 97.30 sowie Fr. 312.60 Mehrwertsteuer (7.7 % von Fr. 4'059.80) ist nicht zu beanstan- den. Dementsprechend hat die Beklagte dem Kläger eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 4'372.40 (inkl. Auslagen und MWSt.) zu bezahlen. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Klage wird insoweit gutgeheissen, als die Beklagte verurteilt wird, dem Kläger mit Wirkung ab 1. August 2014 eine halbe Invalidenrente samt Kinderrenten aus beruflicher Vorsorge gemäss den gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen – basierend auf einem Invali- ditätsgrad von 52 % – zu bezahlen, zuzüglich Zins von 5 % ab dem 14. April 2020 resp. ab später eingetretenem Verfall. Soweit weiterge- hend wird die Klage abgewiesen. 2. Die Sache wird an die Beklagte überwiesen, damit sie im Sinne der Erwägungen die Rentenbetreffnisse und den Verzugszins betraglich festsetze und auszahle. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Beklagte hat dem Kläger die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 4'372.40 (inkl. Auslagen und MWSt.) zu ersetzen. 5. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Klägers - Advokatin E.________ z.H. der Beklagten - Bundesamt für Sozialversicherungen Zur Kenntnis: - Bernische BVG- und Stiftungsaufsicht (BBSA), Belpstrasse 48, Post- fach, 3000 Bern 14Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Juni 2021, BV/20/278, Seite 27 Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.