<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 138 S.575</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">575</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>138</b></span> <span class="ft2"><b>Nichtwiederwahl.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>An der Feststellung der Widerrechtlichkeit einer Nichtwiederwahl</b></span><br/> <span class="ft2"><b>besteht ein berechtigtes Interesse. Auf ein entsprechendes Feststel-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lungsbegehren ist neben einem gleichzeitig eingereichten Begehren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>um Entschädigung einzutreten (Erw. I/3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Gründe für die Rechtmässigkeit der Nichtwiederwahl. Der Beamte</b></span><br/> <span class="ft2"><b>muss grundsätzlich vorgängig ermahnt worden sein (Erw. II/2/a).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Erfordernis der Verhältnismässigkeit der Nichtwiederwahl. Interes-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>senabwägung (Erw. II/5).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Kriterien für die Bemessung der Entschädigung (Erw. II/6).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 27. Mai 2002 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">X. gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 17. Oktober 2001</span><br/> <span class="ft4">(BE.2001.50003).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. 3. Der Beschwerdeführer verlangt im vorliegenden Verfahren</span><br/> <span class="ft1">einerseits die Feststellung der Widerrechtlichkeit der Nichtwieder-</span><br/> <span class="ft1">wahl und anderseits eine Entschädigung analog § 12 PersG.</span><br/> <span class="ft1">a) § 12 PersG legt fest, dass Mitarbeitenden, denen widerrecht-</span><br/> <span class="ft1">lich gekündigt wurde, ein Anspruch auf Entschädigung zusteht; diese</span><br/> <span class="ft1">bemisst sich nach den Bestimmungen über die missbräuchliche Kün-</span><br/> <span class="ft1">digung des Schweizerischen Obligationenrechts. Die Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">bezieht sich in erster Linie auf Mitarbeitende, deren Arbeitsverhältnis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">576</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">auf einem öffentlichrechtlichen Anstellungsvertrag beruht. Das</span><br/> <span class="ft1">Personalrekursgericht hat indessen bereits in anderem Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang entschieden, dass § 12 PersG auf die nicht vom Volk oder vom</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rat gewählten, aber dennoch mit Verfügung angestellten</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Mitarbeitenden analog anzuwenden und die entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Forderung im Beschwerdeverfahren geltend zu machen ist</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2001, S. 526 ff.). Auf das Entschädigungsbegehren ist folg-</span><br/> <span class="ft1">lich einzutreten.</span><br/> <span class="ft1">b) Eine Feststellungsverfügung ist zu erlassen, wenn der Betrof-</span><br/> <span class="ft1">fene ein schützenswertes Interesse an der Feststellung des Bestehens</span><br/> <span class="ft1">oder Nichtbestehens eines konkreten öffentlichrechtlichen Rechts-</span><br/> <span class="ft1">verhältnisses nachweisen kann und keine öffentlichen oder privaten</span><br/> <span class="ft1">Interessen entgegenstehen. Ein rechtlich geschütztes Interesse ist</span><br/> <span class="ft1">nicht vorausgesetzt; rein tatsächliche, wirtschaftliche oder ideelle</span><br/> <span class="ft1">Interessen genügen, soweit sie nur vernünftig und durch die Unklar-</span><br/> <span class="ft1">heit über das Bestehen eines Rechtsverhältnisses gerechtfertigt sind.</span><br/> <span class="ft1">Das Interesse muss aktuell sein; dies ist nur dann der Fall, wenn der</span><br/> <span class="ft1">Bürger bei Verweigerung der nachgesuchten Feststellungsverfügung</span><br/> <span class="ft1">Gefahr läuft, Massnahmen zu treffen oder zu unterlassen mit der</span><br/> <span class="ft1">Folge, dass ihm dadurch Nachteile entstehen könnten (Michael Mer-</span><br/> <span class="ft1">ker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem</span><br/> <span class="ft1">aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Diss. Zürich</span><br/> <span class="ft1">1998, § 38 N 27). Negative Voraussetzung des Feststellungsan-</span><br/> <span class="ft1">spruchs ist die fehlende Möglichkeit, alternativ den Erlass einer Leis-</span><br/> <span class="ft1">tungs- oder Gestaltungsverfügung durchzusetzen, da die Feststel-</span><br/> <span class="ft1">lungsverfügung subsidiärer Natur ist (Merker, a.a.O., § 38 N 28 und</span><br/> <span class="ft1">34; Ulrich Zimmerli/Walter Kälin/Regina Kiener, Grundlagen des</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Verfahrensrechts, Bern 1997, S. 43, je mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Bezogen auf die finanziellen Konsequenzen kommt dem Fest-</span><br/> <span class="ft1">stellungsbegehren bloss eine subsidiäre Bedeutung zu. Im Hinblick</span><br/> <span class="ft1">auf das berufliche Fortkommen besteht indessen regelmässig ein</span><br/> <span class="ft1">eigenständiges, spezifisches Interesse der betroffenen Person an der</span><br/> <span class="ft1">Feststellung einer allfälligen Widerrechtlichkeit der Nichtwieder-</span><br/> <span class="ft1">wahl. § 80 Abs. 2 des zürcherischen Gesetzes über den Rechtsschutz</span><br/> <span class="ft1">in Verwaltungssachen vom 24. Mai 1959 (Fassung vom 8. Juni 1997)</span><br/> <span class="ft1">legt denn auch ausdrücklich fest: "Hält das Verwaltungsgericht eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">577</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kündigung, Nichtwiederwahl, Einstellung im Amt oder vorzeitige</span><br/> <span class="ft1">Entlassung für nicht gerechtfertigt, stellt es dies fest und bestimmt</span><br/> <span class="ft1">die Entschädigung, welche das Gemeinwesen zu entrichten hat."</span><br/> <span class="ft1">Damit wird im gleichen Verfahren sowohl ein Feststellungsentscheid</span><br/> <span class="ft1">getroffen als auch (soweit nötig) über die sich daraus ergebenden</span><br/> <span class="ft1">vermögensrechtlichen Folgen entschieden, d.h. es wird implizit da-</span><br/> <span class="ft1">von ausgegangen, dass ein selbständiges, gegenüber dem Begehren</span><br/> <span class="ft1">auf Leistung von Entschädigung oder Schadenersatz unabhängiges</span><br/> <span class="ft1">Feststellungsinteresse besteht. Gemäss dem mit Inkrafttreten des</span><br/> <span class="ft1">Personalgesetzes aufgehobenen § 59 VRPG wurde in zwei separaten</span><br/> <span class="ft1">Verfahren ein Feststellungsentscheid betreffend der Widerrechtlich-</span><br/> <span class="ft1">keit einer disziplinarischen Entlassung getroffen und gegebenenfalls</span><br/> <span class="ft1">eine Entschädigung festgesetzt; d.h. auch hier wurde der Feststellung</span><br/> <span class="ft1">der Widerrechtlichkeit eine eigenständige Bedeutung zugemessen.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund dieser Erwägungen rechtfertigt es sich, ein eigenstän-</span><br/> <span class="ft1">diges, von der Entschädigungsforderung unabhängiges Feststel-</span><br/> <span class="ft1">lungsinteresse zu bejahen. Auf das vom Beschwerdeführer geltend</span><br/> <span class="ft1">gemachte Feststellungsbegehren ist demzufolge ebenfalls einzutre-</span><br/> <span class="ft1">ten. (...)</span><br/> <span class="ft1">II. 2. a) (...) Als Gründe für eine (rechtmässige) Nichtwieder-</span><br/> <span class="ft1">wahl werden in der Literatur namentlich die Aufhebung des Amtes</span><br/> <span class="ft1">oder die Untauglichkeit des Beamten angeführt. Wer dem Amt nicht</span><br/> <span class="ft1">genügt, mithin nicht alles erbringt, was seine Tätigkeit erheischt,</span><br/> <span class="ft1">wessen fachliches Können, Gesundheit, Vertrauenswürdigkeit oder</span><br/> <span class="ft1">persönliche Lebensverhältnisse zu ernsten Klagen Anlass geben,</span><br/> <span class="ft1">muss nicht wiedergewählt werden. Nebst der Tauglichkeit ist also das</span><br/> <span class="ft1">Verhalten, und zwar das gesamte verschuldete und unverschuldete</span><br/> <span class="ft1">Verhalten des Beamten in der vergangenen Amtsperiode, zu</span><br/> <span class="ft1">überprüfen und in einer Gesamtwürdigung zu entscheiden, ob der</span><br/> <span class="ft1">Beamte den Anforderungen des Amtes weiterhin genügen wird. Als</span><br/> <span class="ft1">konkrete triftige Gründe, welche einen Beamten als untauglich er-</span><br/> <span class="ft1">scheinen lassen und eine Nichtwiederwahl rechtfertigen, werden von</span><br/> <span class="ft1">der Lehre namentlich etwa Unpünktlichkeit, übermässige krank-</span><br/> <span class="ft1">heitsbedingte Absenzen und eigenmächtiger Ferienbezug, fehlender</span><br/> <span class="ft1">Wille zur Zusammenarbeit, ungenügende Leistung und Rechtswid-</span><br/> <span class="ft1">rigkeiten erwähnt. In einer Interessenabwägung muss alsdann das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">578</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Verwaltungsinteresse an einer störungsfreien und geordneten Diens-</span><br/> <span class="ft1">terfüllung gegen das Interesse des Beamten an einer Weiterbeschäfti-</span><br/> <span class="ft1">gung abgewogen werden. Im Rahmen des Verhältnismässigkeitsprin-</span><br/> <span class="ft1">zips kommt dem Erfordernis der Ermahnung wesentliche Bedeutung</span><br/> <span class="ft1">zu: Auch im Falle der Beendigung des Dienstverhältnisses durch</span><br/> <span class="ft1">Nichtwiederwahl muss der Beamte grundsätzlich vorgängig ermahnt</span><br/> <span class="ft1">und ihm Gelegenheit geboten worden sein, sich zu bessern (vgl. zum</span><br/> <span class="ft1">Ganzen: Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Solothurn</span><br/> <span class="ft1">vom 20. September 1993, zitiert in: Peter Hänni, Das öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Dienstrecht der Schweiz, Zürich 2002, S. 491 f., mit Hinweisen). (...)</span><br/> <span class="ft1">5. Den erheblichen Bedenken gegenüber der Unterrichtsqualität</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers sowie seinen Schwächen in der Kommuni-</span><br/> <span class="ft1">kation mit der Schulleitung steht somit das private Interesse an einer</span><br/> <span class="ft1">Weiterbeschäftigung gegenüber.</span><br/> <span class="ft1">a) Das Gutachten von Dr. M. sowie die Eindrücke des Aus-</span><br/> <span class="ft1">schusses der Aufsichtskommission belegen, dass die Unterrichtsqua-</span><br/> <span class="ft1">lität des Beschwerdeführers jedenfalls für die Gymnasialstufe unge-</span><br/> <span class="ft1">nügend war. Obwohl der Gutachter nicht ausschliesst, dass eine</span><br/> <span class="ft1">fachlich-didaktische Weiterbildung die erforderliche Besserung brin-</span><br/> <span class="ft1">gen könnte, muss - unabhängig von Qualifikationen des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers in anderen Bereichen - die festgestellte Untauglichkeit</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich als genügender sachlicher Grund gewertet werden,</span><br/> <span class="ft1">welcher eine Nichtwiederwahl zu rechtfertigen vermag. Dies gilt</span><br/> <span class="ft1">umso mehr, als der Gutachter die Entwicklungsfähigkeit des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers für schwer beurteilbar hält. Die Schwächen in der</span><br/> <span class="ft1">Kommunikation mit der Schulleitung erscheinen demgegenüber von</span><br/> <span class="ft1">deutlich untergeordneter Bedeutung.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Wie gesehen (vgl. Erw. 2/a hievor), kommt im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">der Interessenabwägung dem Erfordernis der Ermahnung eine we-</span><br/> <span class="ft1">sentliche Bedeutung zu: Der Betroffene muss grundsätzlich vorgän-</span><br/> <span class="ft1">gig der Nichtwiederwahl auf sein Ungenügen hingewiesen und ihm</span><br/> <span class="ft1">Gelegenheit geboten worden sein, sich zu bessern (vgl. zusätzlich:</span><br/> <span class="ft1">BJM 1994, S. 101, mit zahlreichen Hinweisen). Von diesem Erfor-</span><br/> <span class="ft1">dernis, welches sich aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip ergibt,</span><br/> <span class="ft1">sind lediglich Fälle ausgenommen, in denen sich der Beamte völlig</span><br/> <span class="ft1">untragbar gemacht oder in denen er eine Dienstauffassung an den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">579</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Tag gelegt hat, welche der wohlverstandenen Dienstpflicht völlig</span><br/> <span class="ft1">zuwiderläuft, so dass eine Ermahnung nach allgemeiner Lebenser-</span><br/> <span class="ft1">fahrung als untaugliche Massnahme erscheint. Eine Ermahnung kann</span><br/> <span class="ft1">auch dann unterbleiben, wenn es sich um ein Verhalten kurz vor der</span><br/> <span class="ft1">Wiederwahl handelt und deshalb die für eine Bewährung erforderli-</span><br/> <span class="ft1">che Zeit fehlt (BJM 1994, S. 101 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">bb) Im vorliegenden Fall besteht kein Anlass, vom Erfordernis</span><br/> <span class="ft1">einer Ermahnung und gleichzeitigen Einräumung einer Bewäh-</span><br/> <span class="ft1">rungsmöglichkeit abzusehen. Dies gilt um so mehr, als - wie erwähnt</span><br/> <span class="ft1">- die privaten Interessen des Beschwerdeführers sehr hoch einzustu-</span><br/> <span class="ft1">fen sind. Es kann keine Rede davon sein, dass er sich völlig untrag-</span><br/> <span class="ft1">bar gemacht oder eine inakzeptable Dienstauffassung an den Tag</span><br/> <span class="ft1">gelegt hätte. Hinzu kommt, dass der Gutachter nicht ausschloss, dass</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer mit entsprechender Weiterbildung das not-</span><br/> <span class="ft1">wendige Kompetenzprofil erreichen könnte; es lässt sich daher nicht</span><br/> <span class="ft1">argumentieren, eine Besserung sei ohnehin nicht zu erwarten gewe-</span><br/> <span class="ft1">sen. Schliesslich hätte selbst nach Vorliegen des Gutachtens genü-</span><br/> <span class="ft1">gend Zeit bestanden, um dem Beschwerdeführer noch vor dem Wie-</span><br/> <span class="ft1">derwahltermin eine Bewährungschance einzuräumen; jedenfalls wäre</span><br/> <span class="ft1">es durchaus möglich gewesen, nach erfolgter Pensenreduktion sei-</span><br/> <span class="ft1">tens der Schulleitung einen Antrag auf Nichtwiederwahl zu stellen</span><br/> <span class="ft1">und diesen unter den Vorbehalt wesentlicher Besserungen zu stellen,</span><br/> <span class="ft1">im Folgenden die Unterrichtstätigkeit des Beschwerdeführers bis</span><br/> <span class="ft1">Ende 2001 weiter zu überprüfen und anschliessend den Antrag ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend zu ergänzen. Es wäre allenfalls auch denkbar gewesen,</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer bloss provisorisch wiederzuwählen (BGE 119</span><br/> <span class="ft1">Ib 101 mit Hinweisen) und seine längerfristige Beschäftigung von</span><br/> <span class="ft1">der Qualität des Unterrichts abhängig zu machen.</span><br/> <span class="ft1">cc) Mit Beschluss des Regierungsrats vom 21. Juni 2000 wurde</span><br/> <span class="ft1">für das Schuljahr 2000/2001 das Pensum des Beschwerdeführers auf</span><br/> <span class="ft1">12 Lektionen pro Woche festgelegt und ihm gleichzeitig die Auflage</span><br/> <span class="ft1">erteilt, innert Jahresfrist eine Weiterbildung zu absolvieren. Rück-</span><br/> <span class="ft1">blickend muss festgehalten werden, dass ihm mit diesem Beschluss</span><br/> <span class="ft1">keine Chance zur Besserung eingeräumt wurde: Gemäss Aussage des</span><br/> <span class="ft1">Rektors der Kantonsschule Y. wurde die Unterrichtsführung im</span><br/> <span class="ft1">Schuljahr 2000/2001 gar nicht mehr überprüft, da ohnehin eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">580</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Nichtwiederwahl beantragt wurde. Der Beschluss betreffend Pensen-</span><br/> <span class="ft1">reduktion stellt somit keine Ermahnung dar, mit welcher dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer die Möglichkeit geboten worden wäre, sich zu be-</span><br/> <span class="ft1">währen. Dies gilt auch in Bezug auf die Zustellung des Gutachtens</span><br/> <span class="ft1">verbunden mit der Ankündigung, dass das Pensum reduziert werde;</span><br/> <span class="ft1">nach diesem Zeitpunkt fand keine Überprüfung der Unterrichtsfüh-</span><br/> <span class="ft1">rung mehr statt.</span><br/> <span class="ft1">Weitere schriftliche Erklärungen, welche als Ermahnung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers betreffend seiner Unterrichtstätigkeit interpretiert</span><br/> <span class="ft1">werden könnten, sind nicht erkennbar. Dies gilt insbesondere auch in</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf das Schreiben vom 10. Mai 1999: Die Unterrichtsführung</span><br/> <span class="ft1">ist darin nur von sekundärer Bedeutung (in erster Linie geht es um</span><br/> <span class="ft1">den Vorwurf des Alkoholmissbrauchs); die Kritik, welche sich auf</span><br/> <span class="ft1">zwei Sätze beschränkt ("Anlass zur Kritik gab auch verschiedentlich</span><br/> <span class="ft1">Deine Unterrichtsführung: Die Studierenden haben von Langeweile</span><br/> <span class="ft1">gesprochen, auch davon, dass Du hin und wieder aus der Stunde</span><br/> <span class="ft1">gehst"), ist bloss indirekt formuliert und wenig konkret. Schliesslich</span><br/> <span class="ft1">wurde im erwähnten Schreiben nur eine genauere Unterrichtsüber-</span><br/> <span class="ft1">prüfung angeordnet bzw. keine eigentliche Beanstandung vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde am 21. Juni 2000 durch K.W. und</span><br/> <span class="ft1">B.D. über die Resultate der Schulbesuche des Ausschusses der Auf-</span><br/> <span class="ft1">sichtskommission orientiert; zuvor erfolgten keine Feed-backs. Da -</span><br/> <span class="ft1">wie erwähnt - im Schuljahr 2000/2001 keine Überprüfung der Unter-</span><br/> <span class="ft1">richtstätigkeit des Beschwerdeführers mehr erfolgte, war es ihm un-</span><br/> <span class="ft1">möglich, sich aufgrund der geäusserten Beanstandungen zu verbes-</span><br/> <span class="ft1">sern und zu bewähren. Die Unterredung kann somit ebenfalls nicht</span><br/> <span class="ft1">als Ermahnung einschliesslich der Einräumung einer Besserungs-</span><br/> <span class="ft1">chance angesehen werden. Dasselbe ergibt sich in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft1">1999 und früher erfolgten Gespräche zwischen dem Rektor der</span><br/> <span class="ft1">Kantonsschule Z. und dem Beschwerdeführer. Einerseits ist deren</span><br/> <span class="ft1">Inhalt weitgehend umstritten, anderseits waren sie - analog zum</span><br/> <span class="ft1">erwähnten Schreiben vom 10. Mai 1999 - geprägt von (noch) nicht</span><br/> <span class="ft1">objektivierten Aussagen Dritter. Der Rektor selber hat denn auch</span><br/> <span class="ft1">anlässlich der Verhandlung die Frage, ob der Beschwerdeführer je</span><br/> <span class="ft1">formell ermahnt worden sei, verneint.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">581</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dd) Somit ergibt sich, dass in Bezug auf den Hauptvorwurf,</span><br/> <span class="ft1">nämlich die ungenügende Unterrichtsführung, der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">nie rechtsgenüglich ermahnt bzw. ihm nie eine echte Gelegenheit zur</span><br/> <span class="ft1">Besserung eingeräumt wurde. Dieselbe Beurteilung ergibt sich auch</span><br/> <span class="ft1">im Zusammenhang mit dem Vorwurf mangelhafter Kommunikation,</span><br/> <span class="ft1">welche aber für sich allein kaum eine Nichtwiederwahl zu rechtferti-</span><br/> <span class="ft1">gen vermöchte. Die beanstandete Nichtwiederwahl des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers erweist sich dementsprechend als unverhältnismässig und</span><br/> <span class="ft1">damit als ungerechtfertigt.</span><br/> <span class="ft1">6. a) Die Entschädigung gemäss § 12 PersG "bemisst sich nach</span><br/> <span class="ft1">den Bestimmungen über die missbräuchliche Kündigung des</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Obligationenrechts". Die Entschädigung aufgrund</span><br/> <span class="ft1">missbräuchlicher Kündigung wird vom Richter "unter Würdigung</span><br/> <span class="ft1">aller Umstände festgesetzt, darf aber den Betrag nicht übersteigen,</span><br/> <span class="ft1">der dem Lohn des Arbeitnehmers für 6 Monate entspricht" (336a</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 1 OR). Bei der Bemessung der Entschädigung ist in ers-</span><br/> <span class="ft1">ter Linie die objektive Schwere der Rechtsverletzung massgebend,</span><br/> <span class="ft1">die ihrerseits abhängt von der Enge der arbeitsvertraglichen Bezie-</span><br/> <span class="ft1">hungen, dem Zeitpunkt der Kündigung, der Art, wie die Kündigung</span><br/> <span class="ft1">erteilt wurde und der Schwere des Eingriffs in die Persönlichkeit des</span><br/> <span class="ft1">Gekündigten. Zu berücksichtigen ist auch das subjektive Verschulden</span><br/> <span class="ft1">und die soziale und wirtschaftliche Lage des Kündigenden; unmass-</span><br/> <span class="ft1">geblich sind demgegenüber die sozialen und wirtschaftlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnisse des Gekündigten und die wirtschaftlichen Auswirkungen</span><br/> <span class="ft1">bei demselben (Adrian Stähelin, Zürcher Kommentar, Art. 319 - 362</span><br/> <span class="ft1">OR, Bern 1985, Art. 336a N 6 f. mit Hinweisen). Uneinheitlich ist</span><br/> <span class="ft1">die Rechtsprechung zur Frage, ob sich die Dauer des Arbeitsverhält-</span><br/> <span class="ft1">nisses direkt auf die Höhe der Entschädigung auswirken kann; jeden-</span><br/> <span class="ft1">falls darf eine besonders kurze Dauer nicht als Argument für eine</span><br/> <span class="ft1">Kürzung der Entschädigung dienen (BGE 123 III 256 mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen). In der Praxis werden vorwiegend Entschädigungen von höchs-</span><br/> <span class="ft1">tens ein bis drei Monatslöhnen ausgesprochen (Stähelin, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Art. 336a N 6; Jürg Brühwiler, Kommentar zum Einzelarbeitsvertrag,</span><br/> <span class="ft1">Art. 319 - 343 OR, 2. Auflage, Bern 1996, Art. 336a N 2; je mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">wiesen). Massgebend für die Berechnung der Entschädigung ist der</span><br/> <span class="ft1">Bruttolohn ohne Sozialabzüge; die nur ein- oder zweimal zahlbaren</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">582</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Zulagen, z.B. Gratifikationen, sind anteilsmässig zuzurechnen (Stä-</span><br/> <span class="ft1">helin, a.a.O., 336a N 6).</span><br/> <span class="ft1">b) Vorab ist wesentlich, dass sachliche Gründe vorlagen, welche</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich geeignet waren, eine Nichtwiederwahl des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers zu rechtfertigen. Trotz fehlender Ermahnung bzw. trotz</span><br/> <span class="ft1">fehlender Gelegenheit zur Besserung ist daher die Entschädigung</span><br/> <span class="ft1">eher tief anzusetzen. Dies gilt um so mehr, als es sich um eine</span><br/> <span class="ft1">Nichtwiederwahl am Ende der Amtsperiode und nicht um eine Ent-</span><br/> <span class="ft1">lassung während derselben handelte und daher der Eingriff in die</span><br/> <span class="ft1">Persönlichkeit des Beschwerdeführers als eher gering anzusehen ist.</span><br/> <span class="ft1">Erschwerend kommt höchstens die langjährige Dauer des Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">verhältnisses hinzu.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer begründet sein Begehren auf eine maxi-</span><br/> <span class="ft1">male Entschädigung von sechs Monatslöhnen mit dem "unfairen</span><br/> <span class="ft1">Vorgehen der Behörden", dem "ausserordentlich langwierigen und</span><br/> <span class="ft1">(...) belastenden Verfahren", dem "widersprüchlichen Verhalten" des</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrates und dessen "fehlender Bereitschaft, auf angeblich</span><br/> <span class="ft1">frühere Vergleichsangebote (Sabbat-Jahr)" zurückzukommen. Der</span><br/> <span class="ft1">pauschale Vorwurf des unfairen Vorgehens ist indessen in keiner Art</span><br/> <span class="ft1">und Weise belegt und daher unbeachtlich. Dasselbe gilt im Übrigen</span><br/> <span class="ft1">auch für den Vorwurf der Verletzung der Rechtsgleichheit, lagen</span><br/> <span class="ft1">doch sachliche Gründe für eine Nichtwiederwahl vor; vergleichbare</span><br/> <span class="ft1">Fälle, in denen es zu einer Wiederwahl gekommen wäre, werden</span><br/> <span class="ft1">vom Beschwerdeführer nicht dargetan und sind nicht erkennbar.</span><br/> <span class="ft1">Ebenso wenig nachvollziehbar ist der Vorwurf des widersprüchlichen</span><br/> <span class="ft1">Verhaltens; entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers kann</span><br/> <span class="ft1">im Beschluss betreffend Pensenreduktion keine Zusicherung einer</span><br/> <span class="ft1">Wiederwahl erblickt werden. Ein eigentliches "Sabbat-Jahr" wurde</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer nie angeboten; die Behauptung, es habe an</span><br/> <span class="ft1">der Bereitschaft gefehlt, auf das entsprechende Angebot zurückzu-</span><br/> <span class="ft1">kommen, erweist sich somit als haltlos. Schliesslich ist wesentlich,</span><br/> <span class="ft1">dass ein Verfahren betreffend Nichtwiederwahl per se langwierig und</span><br/> <span class="ft1">belastend ist; zusätzliche Erschwernisse sind im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt erscheint die Zusprechung einer Entschädigung in</span><br/> <span class="ft1">der Höhe eines Monatslohnes, inkl. dem entsprechenden Anteil am</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">583</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">13. Monatslohn, als angemessen. Dabei rechtfertigt es sich, vom</span><br/> <span class="ft1">Lohn auszugehen, welcher der Beschwerdeführer in seinem letzten</span><br/> <span class="ft1">Schuljahr mit einem Pensum von 12 Lektionen/Woche erhielt.</span><br/></div> </div> </body> </html>