200 20 115 IV WIS/REL/ARJ Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 3. November 2020 Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin Verwaltungsrichter Jakob, Verwaltungsrichter Schütz Gerichtsschreiberin Bischof A.________ vertreten durch Rechtsanwältin B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 8. Januar 2020 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1966 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) verfügt über keine Berufsbildung und war zuletzt als ... in einem Pensum von 100 % erwerbstätig (Antwortbeilage der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Be- schwerdegegnerin; AB] 2). Am 26. November 2017 meldete er sich unter Hinweis auf eine seit April desselben Jahres bestehende schwere Depres- sion bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbe- zug an (AB 2). Die IVB nahm Abklärungen in erwerblicher und medizini- scher Hinsicht vor und stellte gestützt auf einen Bericht des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD [AB 72]) mit Vorbescheid vom 14. Oktober 2019 (AB 74) die Abweisung des Leistungsbegehrens mangels Vorliegens eines invalidisierenden Gesundheitsschadens in Aussicht. Damit zeigte sich der Versicherte – vertreten durch Rechtsanwältin B.________ – mit Einwand vom 23. Dezember 2019 (AB 78) nicht einverstanden und beantragte die Ausrichtung der ihm gesetzlich zustehenden IV-Leistungen sowie die Ein- holung eines medizinischen Gutachtens. Am 8. Januar 2020 verfügte die IVB dem Vorbescheid entsprechend und verneinte den Anspruch auf IV- Leistungen (AB 80). B. Hiergegen erhob der Versicherte – weiterhin vertreten durch Rechtsanwäl- tin B.________ – am 6. Februar 2020 Beschwerde beim Verwaltungsge- richt des Kantons Bern. Er beantragt die Ausrichtung der ihm gesetzlich zustehenden IV-Leistungen sowie die Einholung eines gerichtlichen Gut- achtens zur Klärung des Sachverhaltes. Mit Schreiben vom 20. Februar 2020 liess er aktuelle medizinische Berichte zu den Akten reichen. Mit Beschwerdeantwort vom 9. März 2020 beantragt die Beschwerdegeg- nerin die Abweisung der Beschwerde. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 8. Januar 2020 (AB 80). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der IV. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 4 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so- wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be- fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti- gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 S. 221). 2.2.1Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorga- ben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine renten- begründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429). 2.2.2Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein- trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält (BGE 141 V 281 E. 2.2 S. 287; SVR 2016 UV Nr. 25 S. 83 E. 6). Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Aus- schlussgründe eine versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene anhand eines normativen Prüfungsras- ters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 5 Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). 2.3Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren lassen sich oft nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinne des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche Invaliditätsbegriff klar zwischen dem Gesundheitsschaden, an dem die versicherte Person leidet, und der durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, welche durch soziale Um- stände verursacht werden und bei Wegfall der Belastung wieder ver- schwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Zwar kann einer fachge- recht diagnostizierten psychischen Krankheit der invalidisierende Charakter nicht mit dem blossen Hinweis auf eine bestehende psychosoziale Belas- tungssituation abgesprochen werden. Je stärker aber psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Nur wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart verselbst- ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlim- mern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (BGE 139 V 547 E. 3.2.2 S. 552; SVR 2010 IV Nr. 19 S. 59 E. 5.2). In diesem Sinn werden Wechselwirkungen zwischen sich körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen Umwelt berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark als nach dem in der Medizin verbreiteten bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 204 E. 4.2). 2.4Um den IV-Grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be- urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 6 welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 3. 3.1Zum Gesundheitszustand und zur Leistungsfähigkeit des Be- schwerdeführers ist den Akten im Wesentlichen das Folgende zu entneh- men: 3.1.1Im Arztzeugnis vom 12. Juni 2017 (AB 15.1 S. 4) nannte die behan- delnde Hausärztin Dr. med. C.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, die Diagnose einer reaktiven depressiven Symptomatik, verwies auf seit längerer Zeit bestehende Probleme am Arbeitsplatz und attestierte ab dem 25. April 2017 bis auf weiteres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 3.1.2Die Ärzte des psychiatrischen Dienstes des Spitals D.________ nannten nach der stationären Behandlung vom 31. Mai 2017 bis zum 13. Juli 2017 im Austrittsbericht vom 18. Juli 2017 (AB 32 S. 16 ff.) die Dia- gnosen einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Sympto- me (ICD-10: F32.2), differentialdiagnostisch ein Burnout-Syndrom bei be- lastender Arbeitssituation (S. 16). Der Beschwerdeführer trete in gebesser- tem Zustand aus (S. 18). Im Bericht vom 19. Juli 2017 (AB 15.1 S. 1 ff.) zu Handen der Taggeldversicherung wiederholten die Ärzte die Diagnose und hielten fest, dass der Beschwerdeführer bis zum stationären Aufenthalt 100 % arbeitsunfähig gewesen und die zukünftige Arbeitsfähigkeit durch den ambulanten Therapeuten zu beurteilen sei. Aufgrund des positiven Verlaufs könne auf eine günstige Prognose geschlossen werden. Das Tempo und das Ausmass des beruflichen Wiedereinstiegs hängten vom ambulanten Verlauf ab (S. 2). 3.1.3Nach einem weiteren stationären Aufenthalt vom 6. September 2017 bis zum 23. Oktober 2017 diagnostizierten die Fachärzte des psychia- trischen Dienstes des Spitals D.________ im Austrittsbericht vom 23. Ok-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 7 tober 2017 (AB 11 S. 2) bzw. vom 15. Dezember 2017 (AB 32 S. 13 ff.) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode oh- ne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2) und differentialdiagnostisch ein Burnout-Syndrom bei belastender Arbeitssituation bzw. Spannungskopf- schmerzen/Migräne. Der Beschwerdeführer trete am 30. Oktober 2017 in die Klinik E.________ ein. Dort wurde ihm für die Dauer der tagesklini- schen Behandlung bis voraussichtlich am 21. Januar 2017 (recte: 2018) eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert (AB 11 S. 1). 3.1.4Die Fachärzte für psychosomatische Medizin des Spitals F.________, stellten im Bericht vom 8. Februar 2018 (AB 32 S. 9 ff.) die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem Syndrom sowie eines ausgedehnten Lappen-/Schrägrisses des medialen Meniskus Knie links im Jahr 2006. Es bestehe keine Indikation für eine Übernahme der Behandlung auf der psychosomatischen Abteilung, viel- mehr scheine eine ambulante psychiatrische Begleitung sinnvoll (S. 12). 3.1.5Im Bericht vom 12. Juni 2018 (AB 24) nannte der Oberarzt des Am- bulatoriums E.________, med. pract. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits- fähigkeit (S. 4 Ziff. 2.5): - rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (Februar 2018, ICD-10: F33.1), vorher hätten die Sym- ptome einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2) entsprochen, - Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewälti- gung: akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen Antei- len (November 2017; ICD-10: Z73). Seit dem 26. Mai 2017 bestehe für die Tätigkeit als ... eine Arbeitsunfähig- keit von 100 % (S. 2 Ziff. 1.3). Aktuell gehe es dem Beschwerdeführer et- was besser, die Behandlung in der Klinik, therapeutische Gespräche im Ambulatorium und medikamentöse Behandlungen hätten seine Skills und Coping-Strategien vergrössert (S. 3 Ziff. 2.2). Es sei noch kein genaues Datum bezüglich des Wiedereinstiegs in die Arbeit vorgesehen (S. 4 Ziff. 2.7), ein gemeinsames Gespräch mit dem Arbeitgeber bezüglich der Wiedereingliederung werde voraussichtlich im Juli 2018 stattfinden.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 8 3.1.6Die Hausärztin Dr. med. C.________ hielt im Bericht vom 3. Sep- tember 2019 (recte: 2018 [AB 32 S. 1 ff.]) die Diagnosen einer schweren depressiven Episode ohne psychotischen Symptome (ICD-10: F32.2) und differentialdiagnostisch ein Burnout-Syndrom bei belastender Arbeitssitua- tion fest (S. 4 Ziff. 2.5). Vom 24. April 2017 bis zum 2. September 2018 habe eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, seit dem 3. September 2018 liege vorläufig eine solche von 50 % vor (S. 3 Ziff. 1.3). Es bestehe eine gute Prognose und vermutlich werde der Beschwerdeführer ab Ende Jahr wieder zu 100 % arbeiten können (S. 5 Ziff. 2.7). 3.1.7Die RAD-Ärztin Dr. med. H.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, fasste im Bericht vom 4. Januar 2019 (AB 37) die vor- liegenden medizinischen Berichte zusammen und hielt fest, dass die Dia- gnosekriterien nach ICD-10 nicht objektiv gesichert seien, da es an einem Psychostatus fehle, welcher die Diagnose begründen könnte (S. 7). Aus- schlussdiagnosen seien differentialdiagnostisch nicht berücksichtigt. In der Gesamtschau sei eine primäre psychiatrische Grunderkrankung nicht aus- gewiesen (S. 8). Aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe nur für die Zeit der stationären und der teilstationären Behandlungen eine Arbeitsun- fähigkeit. Eine darüberhinausgehende Arbeitsunfähigkeit sei im psychiatri- schen Fachgebiet nicht objektiv begründet und nicht plausibel nachvoll- ziehbar. Zur Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit in somatischer Hinsicht liess sie weitere Informationen bei den behandelnden Fachärzten einholen. 3.1.8Prof. Dr. med. I.________, Facharzt für Oto-Rhino-Laryngologie und Praktischer Arzt, konnte im Bericht vom 6. März 2019 (AB 49 S. 3 ff.) auf seinem Fachgebiet weder eine Diagnose erheben noch eine Arbeitsun- fähigkeit attestieren (S. 3 Ziff. 1.3 und S. 5 Ziff. 2.5). 3.1.9Med. pract. G.________ des Ambulatoriums E.________ hielt im Verlaufsbericht vom 7. März 2019 (AB 54) erneut die Diagnose einer rezi- divierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD- 10: F33.1), deren Symptome früher einer schweren Episode ohne psycho- tische Symptome (ICD-10: F33.2) entsprochen hätten, und Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung, akzentuierte Per- sönlichkeitszüge mit narzisstischen Anteilen (ICD-10: Z73) fest (S. 2). Es habe vom 12. Juni 2018 bis zum 23. September 2018 eine vollständige Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 9 Arbeitsunfähigkeit bestanden, danach eine solche von 50 % mit einer Leis- tungseinschränkung von 30 % und seit dem 13. November 2018 bis zum 20. März 2019 bestehe wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 3 f.). Zunächst habe sich die Situation des Beschwerdeführers verbes- sert, er habe einen geplanten, mit dem Arbeitgeber vereinbarten Wieder- einstieg mit 50 % Anwesenheit und 30 % Leistungsfähigkeit begonnen (S. 2). Aufgrund der Situation mit dem Sohn und dem Wiederauftreten von HNO-Beschwerden zusammen mit der Zunahme von Stress und Überfor- derung sei es erneut zu Schlafproblemen gekommen. Sobald sich die Be- schwerden noch etwas verbesserten, könne wie vorher erneut ein Wieder- einstieg in die bisherige Arbeit stattfinden (S. 4). Wichtig dabei sei, dass der Beschwerdeführer sich nicht zu schnell überfordere und das Arbeitspen- sum zu schnell steigere, weil dann eine erneute Überforderung drohen könne. Als erster Schritt sei eine Anwesenheit von 50 % mit einer Leis- tungsfähigkeit von 30 % angemessen. 3.1.10Nach der Durchführung verschiedener Blutanalysen (vgl. AB 63) hielt Dr. med. H.________ am 5. Juni 2019 (AB 64) fest, dass laborchemi- sch und klinisch kein Hinweis auf eine akute oder chronische Stress- bzw. Distress-Reaktion oder auf eine akute oder chronische Entzündung vorlie- ge. Eiweiss, Blutzucker und Schilddrüsenstoffwechsel sowie Leber- und Nierenfunktion seien normal (S. 2). Nebenbefundlich hätten sich erhöhte Blutfette gezeigt, was kontrollbedürftig sei; das Screening auf polyvalente Drogen sei negativ. 3.1.11Im Bericht vom 15. August 2019 (AB 72) hielt die RAD-Ärztin Dr. med. H.________ fest, dass in den seit der letzten RAD-Stellungnahme eingegangenen ärztlichen Berichten weiterhin die Diagnosen der rezidivie- renden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD- 10: F33.1), sowie Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebens- bewältigung, akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen Anteilen (ICD-10: Z73) attestiert würden (S. 2 f.). Objektive Befunde im Sinne eines vollständigen Psychostatus nach AMDP lägen nicht vor und die Diagnosen seien nicht unter Berücksichtigung von Differentialdiagnosen gestellt wor- den (S. 3). Im somatischen Fachgebiet würden dem Beschwerdeführer folgende Diagnosen attestiert: habituelles Schnarchen mit Zeichen des Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 10 Upper Airway Resistance Syndrom (UARS), Verdacht auf obstruktive Venti- lationsstörung, Schlafapnoe, arterielle Hypertonie sowie refluxbedingte La- ryngitis gastrica. Prof. Dr. med. I.________ dokumentiere eine uneinge- schränkte Arbeitsunfähigkeit sowie die Fahreignung des Beschwerdefüh- rers. Zusammengefasst hätten weder im psychiatrischen noch im somati- schen Fachgebiet versicherungsmedizinisch relevante Erkrankungen vor- gelegen und lägen auch aktuell nicht vor (S. 4). Dokumentiert seien weiter- hin psychosoziale Belastungen, welche zur erneuten Arbeitsunfähigkeits- Attestierung geführt hätten. Dem Beschwerdeführer seien sämtliche Tätig- keiten, die seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprächen, bis zu einem Pensum von 100 % zumutbar. 3.1.12Im Aufnahmebericht der psychiatrischen Dienste der J.________ AG vom 13. Januar 2020 (Beschwerdebeilage [BB] 4) diagnostizierte der Oberarzt Dr. med. K.________ eine rezidivierende Depression mit schwe- rer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen, ausgeprägtem somatischem Syndrom, vor allem ausgeprägten Schlafstörungen und laten- ter Suizidalität (ICD-10: F33.3 [S. 3]). Klinisch seien ein anhaltendes Stim- mungstief, Antriebsminderung, ein negatives Selbstbild und eine pessimis- tische Zukunftsperspektive feststellbar. Alle drei Säulen der Depressions- symptomatik seien damit erfüllt. Im Rahmen der Testung "Becks- Depressions-Inventar Version II" habe der Beschwerdeführer 51 Punkte erreicht, was einer schwersten depressiven Episode entspreche. Mit Anhe- donie, Früherwachen, Morgentief, innerer Unruhe, Appetitverlust, Ge- wichtsverlust und Libidoverlust übertreffe er die zur Diagnose eines somati- schen Symptoms notwendigen vier Elemente. Eine Persönlichkeitsstörung habe nach dem ersten Kontakt nicht diagnostiziert werden können. Die Ausprägung des Zustandsbildes erlaube eine effektive Behandlung im am- bulanten Rahmen nicht, es werde dem Beschwerdeführer dringend angera- ten, sich im psychiatrischen Dienst L.________auf der Abteilung "Integrier- te Depressionsbehandlung IDM" störungsspezifisch stationär behandeln zu lassen. Dieser im Beschwerdeverfahren eingereichte Bericht ist – soweit den zeit- lich massgebenden Sachverhalt bis zum Erlass der Verfügung vom 8. Ja-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 11 nuar 2020 (AB 80) beschlagend – grundsätzlich zu berücksichtigen (vgl. BGE 131 V 9 E.1 S.11, 121 V 362 E.1b S.366). 3.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.3Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise auf einen somatischen Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. AB 49 S. 3) und Entsprechendes wird vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht. 3.4Die Beschwerdegegnerin hat sich in der hier angefochtenen Verfü- gung vom 8. Januar 2020 (AB 80) auf die Aktenbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. med. H.________ vom 15. August 2019 (AB 72) gestützt. Die RAD- Ärztin hält in diesem Bericht fest, dass weder im somatischen noch im psychiatrischen Fachgebiet eine versicherungsmedizinisch relevante Er- krankung vorliege und die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit aussch- liesslich auf psychosoziale Belastungen zurückzuführen seien (S. 4). Dem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 12 Beschwerdeführer seien deshalb sämtliche, seinen Fähigkeiten und Fertig- keiten entsprechende Tätigkeiten zu 100 % zumutbar. 3.4.1Grundsätzlich kommt Berichten und Gutachten versicherungsinter- ner Ärzte – anders als der Beschwerdeführer es in der Beschwerde vom 6. Februar 2020 ausführt (S. 8 Ziff. 3) – Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich wider- spruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objekti- vität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Um- stände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung ob- jektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354). Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichbaren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2018 IV Nr. 4 S. 12 E. 3.2, 2009 IV Nr. 53 S. 165 E. 3.3.2). Soll allerdings ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs- internen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzu- nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65). Nach der Praxis sind zudem auch Aktengutachten nicht zu beanstanden, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Der Untersuchungsbefund muss allerdings lücken- los vorliegen und der Experte muss sich aufgrund vorhandener Unterlagen ein gesamthaft lückenloses Bild machen können (RKUV 2006 U 578 S. 175 E. 3.4, 1988 U 56 S. 371 E. 5b). 3.4.2Der letzte medizinische Bericht vor der abschliessenden RAD- Beurteilung vom 15. August 2019 (AB 72) und vor Erlass der angefochte- nen Verfügung vom 8. Januar 2020 (AB 80) datiert vom 7. März 2019 (AB 54). Dass sich in der Zeit von März 2019 bis zum Erlass der angefoch- tenen Verfügung eine Veränderung in der gesundheitlichen Situation erge- ben hätte, wird weder vom Beschwerdeführer geltend gemacht, noch fin-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 13 den sich in den Akten entsprechende Hinweise, so dass von einer lücken- losen Befundlage auszugehen ist. Allerdings ergeben sich aus anderen Gründen Zweifel an der Aktenbeurteilung von Dr. med. H.________ vom 15. August 2019 (AB 72), wie nachfolgend darzulegen ist. 3.4.3Anders als die RAD-Ärztin, welche die geltend gemachte Arbeitsun- fähigkeit ausschliesslich auf psychosoziale Belastungsfaktoren zurückführt (AB 72 S. 4), haben alle behandelnden Ärzte von 2017 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung im Januar 2020 durchgehend eine mittelgradige bis schwere Depression mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert (AB 11 S. 2, AB 15.1 S. 4, AB 24, AB 32 S. 1 ff., S. 9 ff. und S. 16 ff., AB 37, AB 49 S. 3 und AB 54). Während die Beurteilungen der behandeln- den Ärzte auf persönlichen Untersuchungen und teilweise längeren Be- handlungen basieren, handelt es sich bei der Einschätzung der RAD-Ärztin um eine reine Aktenbeurteilung. Es ist nicht nachvollziehbar, wie die RAD- Ärztin ohne eigene Untersuchung zum Schluss kommen konnte, dass eine psychiatrische Erkrankung nicht vorliegt und nie vorgelegen hat (AB 72 S. 4), denn wie sie selbst feststellt, mangelt es an objektiven Befunden (vollständiger Psychostatus nach AMDP) und setzt doch auch der Aus- schluss eines psychisch relevanten Gesundheitsschadens einen vollstän- dig erhobenen Psychostatus voraus. Zudem wurde in sämtlichen vorlie- genden Berichten ausnahmslos und durchgehend eine Depression dia- gnostiziert. Zwar kann aufgrund der Aktenlage tatsächlich davon ausge- gangen werden, dass sich die verschiedenen psychosozialen Belastungssi- tuationen – insbesondere am Arbeitsplatz und allenfalls auch bezüglich der Erziehung des Sohnes – auf den psychischen Zustand des Beschwerde- führers ausgewirkt und die diagnostizierte Depression gar ausgelöst haben könnten, wenn die Hausärztin zunächst eine reaktive Depression unter Hinweis auf längerdauernde Probleme am Arbeitsplatz diagnostizierte (AB 15.1 S. 4). Der psychische Zustand des Beschwerdeführers hat sich denn auch jeweils während der Klinikaufenthalte bei verminderter Expositi- on gegenüber den psychosozialen Belastungssituationen gebessert (AB 24 S. 3 Ziff. 2.2 und AB 32 S. 18). Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Besserung der psychischen Verfassung attestierten die behandelnden Ärz- te und Psychiater, welche den Beschwerdeführer während einer gewissen Zeit begleitet haben, bei den Austritten aus den stationären Behandlungen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 14 zumindest eine mittelgradige (AB 24 S. 4 Ziff. 2.5), zeitweise gar eine schwere depressive Episode (AB 32 S. 16). Aufgrund der gesamten Akten- lage bestehen deshalb berechtigte Zweifel an der Beurteilung der RAD- Ärztin und gewisse Hinweise darauf, dass beim Beschwerdeführer ein psy- chischer Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor- gelegen hat und vorliegt und einzig dessen Schweregrad durch die psy- chosozialen Belastungssituationen beeinflusst wird. Wie es sich damit je- doch im Detail verhält erschliesst sich aus den Akten nicht restlos. Schliesslich kann auch der Aufnahmebericht der J.________ AG vom 13. Januar 2020 (BB 4), in welchem eine rezidivierende Depression mit einer schweren Episode mit psychotischen Symptomen, ausgeprägtem somatischem Syndrom (vor allem ausgeprägten Schlafstörungen und laten- ter Suizidalität) diagnostiziert wurde, vorliegend nicht gänzlich ausgeblen- det werden. Zwar ist die Aufnahme in die psychiatrischen Dienste der J.________ AG erst fünf Tage nach dem Erlass der angefochtenen Verfü- gung vom 8. Januar 2020 (AB 80) erfolgt, doch lässt der Bericht vom 13. Januar 2020 (BB 4) gerade mit Blick auf diese kurze Zeitspanne auch Rückschlüsse auf den hier zu beurteilenden Sachverhalt zu. So wurden beim Eintritt in die psychiatrischen Dienste der J.________ AG klinisch unter anderem explizit ein anhaltendes Stimmungstief sowie eine An- triebsminderung festgestellt, was auf ein schon länger dauerndes Gesche- hen schliessen lässt. In Kombination mit den übrigen vorliegenden Berich- ten der behandelnden Ärzte und den dort gestellten Diagnosen bzw. deren Schweregrad drängt sich die Schlussfolgerung auf, dass die affektiven Symptome, derentwegen die rezidivierende Depression mit schwerer de- pressiver Episode (ICD-10: F33.3) diagnostiziert wurde, eine längere Vor- geschichte haben müssen und damit auch den zu beurteilenden Zeitraum bis zur Verfügung vom 8. Januar 2020 (AB 80) betroffen haben können. Wenn die Psychiater der J.________ AG im Bericht vom 13. Januar 2020 (BB 4) schliesslich ausführten, dass alle drei Säulen der Depressionssym- ptomatik (anhaltendes Stimmungstief, Antriebsminderung, ein negatives Selbstbild und eine pessimistische Zukunftsperspektive) beim Beschwerde- führer erfüllt seien, vermag dies die Beurteilung der RAD-Ärztin ebenfalls in Frage zu stellen, hat diese doch die von den behandelnden Ärzten gestell- ten Diagnosen mit der Begründung beanstandet, dass keine objektiven Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 15 Befunde vorliegen würden und die Diagnose einer Depression nicht unter Berücksichtigung einer Differenzialdiagnose gestellt worden sei (AB 72 S. 3 oben). 3.4.4Nach dem Dargelegten bestehen Zweifel an der Aktenbeurteilung der RAD-Psychiaterin Dr. med. H.________ vom 15. August 2019 (AB 72). Eine dem Untersuchungsgrundsatz gerecht werdende hinreichende Ab- klärung ist bis anhin unterblieben und die Abgrenzung zwischen psychoso- zialen Belastungssituationen (E. 2.3 vorstehend) und dem Vorliegen einer allenfalls invalidisierenden Diagnose lässt sich anhand der zur Verfügung stehenden Berichte nicht abschliessend vornehmen. Wird wie vorliegend die Schlüssigkeit der Feststellungen der versiche- rungsinternen Fachpersonen durch nachvollziehbare Berichte der behan- delnden Ärzte in Zweifel gezogen (E. 3.4.3 hiervor), genügt der pauschale Hinweis auf deren auftragsrechtliche Stellung (BGE 125 V 351 E. 3a cc S. 353) nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Vielmehr bedarf es hier einer (monodisziplinären) psychiatrischen Begutachtung (vgl. BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 135 V 465 E. 4.4 - 4.6 S. 469). Hinsichtlich des gestellten Eventualantrags (Beschwerde vom 6. Februar 2020 S. 2 Ziff. I Ziff. 2) gilt es darauf hinzuweisen, dass die Aufgabe der erstmaligen spezialärztlichen Begutachtung im Rahmen der Untersuchungsmaxime primär der Verwal- tung zufällt. Die Sache ist deshalb unter Berücksichtigung der höchstrich- terlichen Rechtsprechung (BGE 137 V 210) zur umfassenden Abklärung der psychiatrischen Situation an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. E. 3.4.1 vorstehend). 3.5Das Vorbringen der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 9. März 2020 (S. 4), wonach selbst bei Vorliegen eines Gesundheits- schadens aufgrund der rechtlichen Nachprüfung der Indikatoren gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 141 V 281) eine Invalidität verneint werden müsste, kann nach dem vorstehend Dargelegten nicht gefolgt werden, denn der Sachverhalt erweist sich mangels gesicherter Diagnosen (vgl. dazu AB 72 S. 3) auch für eine Indikatorenprüfung als un- genügend abgeklärt.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 16 4. Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde vom 6. Februar 2020 gutzu- heissen und die angefochtene Verfügung vom 8. Januar 2020 (AB 80) ist aufzuheben. Die Akten sind an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine psychiatrische Begutachtung gemäss den vorstehenden Erwägungen in Auftrag gebe und anschliessend gestützt darauf neu verfü- ge. 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.–, hat bei diesem Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor- schuss von Fr. 800.– ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechts- kraft des Urteils zurückzuerstatten. 5.2Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge- setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit- sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Mit Kostennote vom 24. März 2020 macht Rechtsanwältin B.________ eine Parteientschädigung von total Fr. 5'210.20, bestehend aus einem Honorar von Fr. 4'725.–, Auslagen von Fr. 112.70 und Mehrwertsteuer von Fr. 372.50, geltend. Dies erscheint angesichts der Tatsache, dass die Rechtsvertreterin den Beschwerdeführer bereits im Verwaltungsverfahren vertreten hat (AB 78), und unter Berücksichtigung der nicht umfangreichen Akten wie auch des einfachen Schriftenwechsels als übersetzt. Der Partei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 17 kostenersatz wird deshalb – mit Blick auf den im Vergleich zu ähnlich gela- gerten Fällen gebotenen Aufwand – ermessensweise auf pauschal Fr. 3'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu ersetzen. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der IV-Stelle Bern vom 8. Januar 2020 aufgehoben und die Sache an die Beschwerde- gegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme der Abklärun- gen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.– werden der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.– ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückzuerstatten. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf pauschal Fr. 3‘000.– (inkl. Auslagen und Mehr- wertsteuer), zu ersetzen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwältin B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Zur Kenntnis: - M.________ AG Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Nov. 2020, IV/20/115, Seite 18 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.