Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. März 2020 (720 19 194 / 45) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Voller Beweiswert eines versicherungsinternen medizinischen Berichts. Kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung, da die Gesundheitsbeeinträchtigungen des Beschwerdeführers keine spezifischen Einschränkungen im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung darstellen, welche einen solchen Anspruch begründen würden. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Daniela Bu- ser Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Jürg Walker , Fürspre- cher, Solothurnerstrasse 101, 4600 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen / IV-Rente A.a Der 1965 geborene A.____ wuchs in der Türkei auf und besuchte dort die Schule. Er reiste 1989 in die Schweiz ein und war seither an ver schiedenen Arbeitsstellen tätig, zuletzt bei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der B.____ AG als Produktionsmitarbeiter im Fensterbau. Die Kündigung dieser Anstellung er- folgte per 31. Dezember 2017 aufgrund der Schliessung des Produktionsstandortes und der Ver- lagerung desselben ins Ausland. A.b Der Versicherte erlitt am 7. Mai 1993 einen Unfal l, wobei er sich eine distale Fraktur des Os skaphoideum rechts mit diskreter Dislokation eines Frag mentes zuzog. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) anerkannte in der Folg e ihre Leistungspflicht. Im Dezember 2017 brachte der damalige Arbeitgeber des Versicherten der Suva einen Rückfall zur Anzeige. Der Versicherte begab sich aufgrund von chronischen Handgelenksschmerzen rechts bei Pseu- darthrose am Processus styloideus ulnae, bei einem Verda cht auf eine zentrale TFCC-Läsion sowie bei einem Status nach Vorderarmfraktur im Mai 1993, welche konservativ therapiert wurde, in ärztliche Behandlung. Für den Rückfall erbrachte die Suva die gesetzlichen Versicherungsleis- tungen. Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolgte ein rund vierwöchiger stationärer Aufenthalt in der Rehaklinik X.____ (Rehaklinik). Im Austrittsbericht der Rehaklinik vom 26. November 2018 wurde festgehalten, dass eine mindestens leichte Arbeit ganztags zumutbar sei. Zu beachten seien dabei spezielle Einschränkungen, welche sich aufgrund der Beschwerden an der rechten Hand, der rechten Schulter und der Halswirbelsäule ergäben. A.c Im Dezember 2018 meldete sich A.____ unter Hinwei s auf chronische Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit am Handgelenk rechts sowie Einschränkungen der rechten Schulter zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle Basel-Land schaft (IV-Stelle) an. Die erwähnten Beschwerden seien dabei auf einen Unfall zurückzuführen. Die IV-Stelle zog zur vertieften Ab- klärung der gesundheitlichen Verhältnisse die Akten der Suva bei. Gestützt auf den Austrittsbe- richt der Rehaklinik X.____ vom 26. November 2018 lehnt e die IV-Stelle den Anspruch auf Ar- beitsvermittlung nach durchgeführtem Vorbescheidverfahr en mit Verfügung vom 10. Mai 2019 ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Fürsprecher Jürg Walker, am 5. Juni 2019 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherun gsrecht (Kantonsgericht). Er bean- tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Angelegenheit zur Vornahme von umfassenden Abklärungen. Eventualiter seie n ihm berufliche Eingliederungs- massnahmen und subeventuell eine mindestens halbe Inval idenrente zuzusprechen. Seine An- träge begründete er im Wesentlichen damit, dass die IV-Stelle keine rechtsgenügende Abklärung des Sachverhalts sowie keinen Einkommensvergleich vorgenommen habe. Auch erwiesen sich die Akten als unvollständig, weshalb nicht auf diese ab gestellt werden könne. Darüber hinaus habe sich die IV-Stelle nur mit der Arbeitsvermittlung befasst. Weitere berufliche Eingliederungs- massnahmen sowie eine Invalidenrente seien dagegen nicht geprüft worden. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 17. Juli 20 19 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass der Austrittsbericht der Rehakli- nik vom 26. November 2018 neben unfallkausalen auch unfallfremde Befunde berücksichtige und dieser somit umfassend sei. Auch habe eine erhebliche S ymptomausweitung und Selbstlimitie- rung beobachtet werden können, womit die Beschwerdepräsentation nur beschränkt verwertbar sei. Die Abklärung des medizinischen Gesundheitszustandes sei umfassend erfolgt und lasse Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ohne Zweifel zu. Über den Rentenanspruch und die Arbeits- vermittlung werde gewöhnlich nicht im selben Entscheid e ntschieden. Ohnehin ergebe der Ein- kommensvergleich, dass weder Anspruch auf Umschulung noch auf eine Invalidenrente bestehe. Der Vernehmlassung liegt der Bericht von Dr. med. C.__ __, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), sowie die Akten- notiz von pract. med. D.____, RAD, bei. D. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts vom 10. September 2019 erging die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung un d Verbeiständung mit Fürsprecher Jürg Walker. E. In der Replik vom 6. November 2019 hielt der Beschwe rdeführer im Wesentlichen an seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift vom 5. Juni 2019 fest. Der Replik liegt der Sprech- stundenbericht von Dr. med. E.____ vom 5. November 2019 bei. F. Mit Duplik vom 11. Dezember 2019 verwies die IV-Stell e im Wesentlichen auf ihre Aus- führungen in der Vernehmlassung vom 17. Juli 2019. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich Stel- lung genommen hat. Insoweit bestimmen Verfügung oder Einspracheentscheid den beschwer- deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Streit gegenstand im System der nachträgli- chen Verwaltungsrechtspflege ist mithin stets das Rechtsverh ältnis, das Gegenstand der ange- fochtenen Verfügung bzw. des angefochtenen Einspracheen tscheids bildet, und zwar in dem Ausmass, als die Regelung des Rechtsverhältnisses nach den Parteianträgen des Beschwerde- verfahrens noch streitig ist (FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 46). Bezieht sich die Beschwerde auf ein nicht durch die Verfügung oder den Einspracheent- scheid bestimmtes Rechtsverhältnis, gehören die beanstande ten Aspekte weder zum Anfech- tungs-, noch zum Streitgegenstand (BGE 125 V 413 E. 1b). Diesfalls steht den Betroffenen keine Befugnis zu, verfügungs- oder einspracheweise (noch) nicht geregelte Rechtsverhältnisse durch eine Beschwerde richterlich überprüfen zu lassen (BGE 118 V 311 E. 3b mit Hinweisen; ULRICH Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht MEYER , Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, in: Basler Juristische Mitteilungen [BJM] 1989 S. 25) und das Gericht kann auf die entsprechende Beschwerde nicht eintreten. 1.2.2 Vorliegend hat die IV-Stelle in der angefochte nen Verfügung 10. Mai 2019 den Anspruch auf Arbeitsvermittlung abgelehnt, weshalb sich die richterliche Überprüfung grundsätzlich darauf zu beschränken hat. Soweit der Beschwerdeführer die Prüfung von weiteren beruflichen Einglie- derungsmassnahmen oder einer Invalidenrente geltend mac ht, ist darauf nicht einzutreten, da diese nicht Gegenstand der strittigen Verfügung sind. Das Vorliegen einer impliziten Rechtsver- weigerungsbeschwerde ist ebenfalls zu verneinen, zumal sich den Akten keine Hinweise entneh- men lassen, wonach die IV-Stelle eine umfassende Prüfu ng verweigert hätte. Eine Rechtsver- weigerung wird darüber hinaus auch durch den Beschwerdeführer nicht geltend gemacht. Dem- zufolge ist auf die übrigen Begehren des Beschwerdeführe rs, welche nicht im Zusammenhang mit dem Anspruch auf Arbeitsvermittlung stehen, nicht einzutreten. 2. Strittig ist vorliegend, ob die IV-Stelle den Ansp ruch des Beschwerdeführers auf Arbeits- vermittlung zu Recht abgelehnt hat. 2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von ein er Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notw endig und geeignet sind, die Er- werbsfähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzun- gen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfü llt sind (lit. b). Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1 bis IVG). Laut Art. 8 Abs. 3 IVG bestehen die Einglieder ungsmassnahmen unter anderen in Massnahmen beruflicher Art (lit. c). Zu diese n gehören die Berufsberatung (Art. 15 IVG), die erstmalige berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG), die Umschulung (Art. 17 IVG), die Ar- beitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 IVG), der Arbeitsversuch (Art. 18a IVG), Einarbeitungszuschüsse (Art. 18b IVG), Entschädigungen für Beitragserhöhungen (Art. 18c IVG) sowie die Kapitalhilfe (Art. 18d IVG). 2.2 Ausgangspunkt jedes Anspruchs auf berufliche Massnah men der Invalidenversicherung ist das Vorhandensein eines (drohenden) invalidisierenden Gesundheitsschadens. Als Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG gilt die voraussicht- liche bleibende oder längere Zeit dauernde ganze ode r teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall. Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträch- tigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutba- rer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög- lichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3 Der Rechtsprechung des Bundesgerichts zufolge bedarf d er Anspruch auf Arbeitsver- mittlung zwar weder einer Invalidität noch eines Mindest invaliditätsgrades. Es bedarf aber einer spezifischen Einschränkung gesundheitlicher Art, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht troffen ist, als der versicherten Person nur leichte Täti gkeiten voll zumutbar sind. Die leistungs- spezifische Invalidität des Anspruchs liegt vor, wenn die Behinderung Probleme bei der Stellen- suche verursacht. Dies trifft beispielsweise zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch möglich ist oder dem potenzielle n Arbeitgeber die besonderen Mög- lichkeiten und Grenzen der versicherten Person erläutert werden müssen (z.B. welche Tätigkei- ten trotz Sehbehinderung erledigt werden können), dam it sie überhaupt eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten (Urteil des Bundesg erichts vom 12. Januar 2016, 8C_641/2015, E. 2. mit Hinweisen). 3.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismi ttel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei- lung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesonder e darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hin sichtlich des Beweiswertes eines Arzt- berichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die str eitigen Belange umfassend ist, auf all- seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispielsweis e Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver sicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4. Der strittigen Angelegenheit liegen diverse ärztli che Unterlagen zu Grunde. Im Folgen- den werden diejenigen Berichte wiedergegeben, welche sich für den Entscheid als zentral erwei- sen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Dr. med. F.____, FMH Handchirurgie, erhob im Be richt vom 9. November 2017 gestützt auf die Magnetresonanztomographie (MRT) des rechten Han dgelenks vom 6. November 2017 die Diagnose von chronischen Handgelenksschmerzen rechts bei einer Pseudarthrose am Pro- cessus styloideus ulnae sowie den Verdacht auf eine zentrale Läsion am triangulären fibrokarti- laginären Komplex (Triangular fibrocartilage complex [TFCC]) bei einem Status nach einer Vor- derarmfraktur im Mai 1993, welche lediglich konserva tiv therapiert worden sei. Am Handgelenk rechts habe sich ein reizloses Integument ohne Rötung oder Schwellung gezeigt. Über dem Pro- cessus styloideus ulnae, der Fovea sowie über dem dritten und vierten Strecksehnenfach sei jedoch eine Druckdolenz festgestellt worden. 4.2 Gemäss Operationsbericht vom 9. März 2018 führte Dr. med. G.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparat es, beim Versicherten am 5. März 2018 eine Handgelenksarthroskopie rechts mit Ulnaverkürzu ngsosteotomie und offener TFCC- Refixation durch. Dabei sei intraoperativ eine zentrale grosse TFCC-Läsion festgestellt worden. Die Osteotomie habe vollständig geschlossen und reponiert werden können. 4.3 Dr. G.____ zeigte sich gemäss den Ausführungen im S prechstundenbericht vom 18. Ap- ril 2018 ein einwandfreier postoperativer Verlauf mi t lokaler Druckdolenz im Operationsgebiet. Die Beweglichkeit des rechten Handgelenks sei schmerzbedingt eingeschränkt gewesen. Die Röntgenuntersuchung habe eine regelrechte Implantatlage mit Lockerung der Zugschraube ge- zeigt. Die übrigen Schrauben würden festsitzen und es ze ige sich eine fortschreitende Konsoli- dation der Osteotomiestelle. Der Patient sei mit dem Verlauf grundsätzlich zufrieden. Es würden regelmässige ergotherapeutische Massnahmen durchgeführt. Unter langsam aufbauender Be- lastung bis zur zwölften postoperativen Woche könne nach Massgabe der Beschwerden mit der Mobilisation begonnen werden. Eine Vollbelastung sei erst drei Monate postoperativ erlaubt. 4.4 Im Bericht vom 4. Juni 2018 erhob Dr. G.____ eine n weiterhin regelrechten postoperati- ven Verlauf. Grundsätzlich sei auch der Patient mit de r Entwicklung zufrieden, er klage jedoch noch über diffuse Beschwerden in der gesamten Zirkumferenz des Handgelenks. Die Beweglich- keit sei vor allem aufgrund des Gegenspannens durch den Patienten eingeschränkt. Gelinge es ihm, das Handgelenk locker zu lassen, könne eine verbesserte Beweglichkeit festgestellt werden. Ab sofort sei ein intensives Training der Beweglichkeit durchzuführen. Ein leichtgradiger Belas- tungsaufbau sei möglich. 4.5 Dr. F.____ erhob im Sprechstundenbericht vom 27 . Juli 2018 beim Versicherten persis- tierende Handgelenksbeschwerden nach einer Handgelenksarthroskopie, Ulnaverkürzungsoste- otomie und offener TFCC-Refixation vom 5. März 2018. Der Patient habe über keinerlei Verbes- serung berichtet. Das ganze Handgelenk und der gesamte U nterarm bis hin zum Ellenbogen würden schmerzen. Die röntgendiagnostische Untersuchung vom 27. Juli 2018 zeige jedoch keine Auffälligkeiten. In der Ergotherapie seien nun zusätzlich die Epicondylitiden zu behandeln und die Muskulatur des Unterarms zu lockern. Der Patien t sehe keine Möglichkeit für eine Stei- gerung der Belastung, denn er habe zu starke Schmerzen. Ihm wurde eine berufliche Umschu- lung nahegelegt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6 Nach den Ausführungen von Dr. F.____ im Sprechstun denbericht vom 5. September 2018 klagte der Versicherte unverändert über ulnarseiti ge Handgelenksschmerzen. Er könne nicht arbeiten, führe jedoch regelmässig Ergotherapie durch. Dr. F.____ erhob gestützt auf den Röntgenbefund vom 5. September 2018 eine geheilte Ve rkürzungsosteotomie ohne Sekundär- dislokation. Es zeige sich intaktes Osteosynthesematerial. E ine Anpassung der Arbeitsfähigkeit auf bis zu 50 % werde als möglich erachtet. Die Ergotherapiebehandlung solle fortgeführt werden. 4.7 Der Versicherte unterzog sich am 12. September 2018 einer kreisärztlichen Untersu- chung im Auftrag der Suva bei Dr. med. H.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatolo- gie des Bewegungsapparates. Er klagte dabei über ein Anschwellen der rechten Hand im Bereich des Handrückens sowie über Schmerzen jeweils unter Belastung. Er habe von der Operation am 5. März 2018 nicht profitiert. Schmerzmittel nehme er bei Bedarf. Schmerzen habe er ausserdem am ganzen rechten Arm, im Ellenbogen sowie in der Schulter. Den Ellenbogen und die Schulter könne er deshalb nicht mehr richtig bewegen. Die Ergotherapie besuche er ein- bis zweimal die Woche. Dr. H.____ erhob den Befund einer deutlich hängenden Schulter rechts. Nach Aufforde- rung sich gerade hinzustellen, habe ein Schultergleichstand erreicht werden können. Die Musku- latur im Bereich des Schultergürtels und der oberen Extremitäten sei normal entwickelt und ohne auffällige Seitendifferenzen. Der überkreuzte Händedruck sei links kräftig, rechts jedoch praktisch nicht wahrnehmbar. Eine Zumutbarkeitsbeurteilung gestalte sich schwierig, da sich die durch den Versicherten geklagten Beschwerden nicht mit einer TFCC-Läsion bzw. deren Refixation und ei- ner Ulnaosteotomie, welche rund ein halbes Jahr zurückliege, erklären liessen. Zur Verbesserung der Funktion im Bereich des rechten Armes sowie zur Beurteilung der Zumutbarkeit sei eine sta- tionäre Rehabilitation in der Rehaklinik X.____ vorzunehmen. 4.8 Dr. F.____ erhob im Sprechstundenbericht vom 19. November 2018 gestützt auf die ra- diologische Untersuchung vom 15. November 2018 den Befund einer verheilten Osteotomie mit gelockerter Zugschraube. Diese sei jedoch nicht weiter gewandert. Der Versicherte klage weiter über persistierende, ulnarseitige Handgelenksschmerzen, we lche überwiegend bei Belastung auftreten würden. Das Bewegungsausmass sei noch eingesch ränkt. Dr. F.____ erachtete eine Arbeitsfähigkeit von 80 % ab dem 1. Januar 2019 dennoch als gegeben. In Anbetracht der normal funktionierenden linken Hand und den Einschränkungen an der rechten Hand gäbe es aus medi- zinischer Sicht jedoch keinen Grund, eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 50 % aufrechtzuerhal- ten. 4.9 Im Austrittsbericht der Rehaklinik X.____ vom 26. No vember 2018 erhob Dr. med. I.____, FMH Prävention und Gesundheitswesen, die Diag nose von chronischen Handgelenks- schmerzen rechts bei Pseudarthrose am Prozessus styloideus ulnae und einer TFCC-Läsion bei einem Status nach einer Vorderarmfraktur im Mai 1993. Am 5. März 2018 habe eine Handge- lenksarthroskopie rechts mit Ulnaverkürzungsosteotomie un d offener TFCC-Refixation stattge- funden. Gemäss Röntgen des rechten Handgelenks vom 17. April 2018 zeige sich postoperativ eine regelrechte Stellung der Ulna. Ein Osteotomiespalt sei abgrenzbar, wobei die Konsolidierung begonnen habe. Aus neurologischer Sicht bestehe kein Hinweis für das Vorliegen einer Patholo- gie des Nervus ulnaris rechts, soweit dies klinisch neurologisch und durch die aufgrund schmerz- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bedingter Unverträglichkeit nicht vollständig durchgefü hrten elektrophysiologischen Untersu- chungen belegt werden könne. Anamnestisch wurden darüb er hinaus Schulterbeschwerden er- hoben. Die MR-Arthrographie vom 17. Oktober 2018 habe eine kleine transmurale Ruptur am Ansatz der Supraspinatussehne gezeigt. Ebenso seien mehrere intraossäre Ganglien am Ansatz der Infraspinatus- sowie der Subskapularissehne als mögliche Hinweise für Mikrorisse ersichtlich. Auch habe sich eine AC-Gelenksarthrose gezeigt. Dr. I._ ___ erhob weiter eine Zervikobrachial- gie. Diesbezüglich habe das MRT der Halswirbelsäule (HWS ) vom 18. Oktober 2018 eine aus- geprägte Osteochondrose der Halswirbelkörper (HWK) 5 un d 6 mit zirkulärer Bandscheiben- protrusion gezeigt. In diesem Segment bestehe zudem eine Streckfehlhaltung. Ferner zeige sich eine multisegmentale Bandscheibendegeneration sowie eine Spondylose und eine Spondylarth- rose betont in der unteren HWS. Die Neuroforamina de r HWK 4 und 5 bzw. 5 und 6 seien beid- seitig eingeengt. Eine Nervenwurzelkompression liege jedoch nicht vor. Aus psychiatrischer Sicht wurde eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion diagnostiziert. Im Rahmen der Abklärung habe sich ein äusserst schmerzfokussierter Patient in leicht gedrückter Stimmung ge- zeigt. So habe der Versicherte über die Schmerzproblematik und die dadurch entstandenen Ver- änderungen, insbesondere über Einschränkungen im Alltag, berufliche Sorgen, eine gedrückte Stimmung, Gedankenkreisen, Durchschlafstörungen und erhöhte Reizbarkeit berichtet. Aus psy- chosomatischer Sicht habe die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Re- aktion erhoben werden können, wobei diese ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei. Aus- serdem habe der Patient ein auffälliges Schmerz- und Leistungsverhalten gezeigt. Es habe eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet werden können. Diesbezüglich sei die Beschreibung der Schmerzen wenig differenziert erfolgt und das Schmerzverhalten sei nicht adäquat gewesen. Die zu erwartenden Verbesserungen hätten aufgrund der Selbstlimitierung nicht erreicht werden können. Demzufolge seien die Resultate der physischen Leistungstests für die Zumutbarkeitsbe- urteilung der körperlichen Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Das Ausmass der demonstrier- ten physischen Einschränkungen lasse sich zudem nur ungenügend mit den objektivierbaren pa- thologischen Befunden der klinischen Untersuchung erklär en. Von einer weiteren Behandlung der rechten Hand sei keine namhafte Besserung mehr zu erwarten. Die unfallfremden Beschwer- den an der HWS und der rechten Schulter könnten dage gen von einer Behandlung profitieren. Im Rahmen der Zumutbarkeitsbeurteilung sei festgehalten worden, dass die angestammte beruf- liche Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter im Fensterbau dem Versicherten nicht mehr zugemutet werden könne. Es sei dabei insbesondere festes Zupacken mit beiden Händen erforderlich, was aufgrund der unfallbedingten Funktionsstörung der recht en Hand dauerhaft nicht mehr möglich sei. Eine mindestens leichte Arbeit sei dem Versicherten d agegen ganztags zumutbar. Dabei seien jedoch spezielle Einschränkungen zu beachten: Tätigkeiten, die einen festen Faustschluss rechts erfordern würden, seien infolge der Funktionsstör ung der Hand unfallbedingt nicht mehr ausführbar. Ebenso wenig seien Tätigkeiten auf Leite rn, Gerüsten oder Dächern zumutbar, da sich der Versicherte aufgrund des Unfalls im Mai 1993 nur ungenügend mit dem betroffenen Arm gegen Stürze absichern könne. Darüber hinaus könnten de m Versicherten Arbeiten über Kopf, Tätigkeiten mit länger andauernden monotonen Kopfha ltungen oder häufigen und endgradigen Rotationsbewegungen des Kopfes, das Bewegen von schweren Lasten mit Hubwagen ohne Ei- genantrieb sowie das Bedienen von schwergängigen Hebeln, Werkzeugen und Steuereinrichtun- gen aus unfallfremden Gründen nicht mehr zugemutet werden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.10 Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, erhob ein seinem Bericht vom 6. Ja- nuar 2019 den Befund von chronischen Handgelenksschmerzen, welche sich seit der Operation im März 2018 nicht wesentlich verbessert hätten. Der Pati ent mache seit mindestens Juli 2018 einen leicht depressiven Eindruck. Auch müsse vermutet werden, dass ein Teil der Handgelenks- schmerzen und der übrigen wechselhaften Schmerzen psychosomatischer Ursache seien. In An- betracht der chronischen Schmerzen und der Kündigung de r langjährigen Arbeitsstelle sei eine ausgeprägte Hilflosigkeit und Verzweiflung des Patient en festzustellen. Es bestehe mindestens eine Anpassungsstörung, möglicherweise sogar eine leichte Depression. Sofern sich die psychi- sche Situation verbessere, sei durchaus auch eine Verbesseru ng der Arbeitsfähigkeit möglich. Aufgrund der schlechten Sprachkenntnisse und der undifferenzierten Art des Patienten sei jedoch eine Psychotherapie wenig erfolgversprechend. Schwere körperliche Tätigkeiten seien dem Pa- tienten nicht mehr zumutbar, wohingegen leichte körper liche Tätigkeiten vollumfänglich möglich seien. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Frage nach einem allfälligen Anspruch auf Arbeitsvermittlun g auf den Austrittsbericht der Rehaklinik X.____ vom 26. November 2018. Dieser Bericht nehme g estützt auf einen vierwöchigen statio- nären Aufenthalt des Beschwerdeführers eine umfassende Beurteilung des Gesundheitszustan- des und der Arbeitsfähigkeit vor. Berücksichtigt worden seien dabei sowohl unfallkausale als auch unfallfremde Einschränkungen. Mit Blick auf die medizinische Aktenlage würden an der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit keine Zweifel bestehen, weshalb dem Austrittsbericht voller Beweiswert zu komme. 5.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, dass die Beschwerdegegnerin keine um- fassende Begutachtung zur Abklärung des Gesundheitszustandes vorgenommen habe. Vielmehr sei auf den Bericht der Rehaklinik X.____ vom 26. Novem ber 2018 aus dem Suva-Verfahren abgestützt worden. Dieser Bericht enthalte jedoch ledi glich eine Beurteilung aus unfallkausaler Sicht und äussere sich demzufolge nur zu jenen Einschränk ungen, welche sich aus den Unfall- folgen ergeben würden. Die übrigen Gesundheitsbeeinträchtigungen fänden dagegen keinen Ein- gang in die medizinische Beurteilung. Zudem sei bislang keine umfassende psychosomatische Beurteilung mit vollständiger Diagnosestellung erfolgt und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit sei nicht nachvollziehbar erhoben worden. Damit sei durch die IV-Stelle keine rechtsgenügende Abklärung des Sachverhalts erfolgt. Ebenso erwiesen sic h die Akten als unvollständig, da der Verlaufsbericht der Jahreskontrolle nicht eingeholt und der erwähnte Austrittsbericht der Rehakli- nik nicht dem RAD zur Prüfung der Verwertbarkeit vorgelegt worden sei. 5.3 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden, wie s ich den nachfolgenden Ausführungen entnehmen lässt. Im Austrittsbericht der Rehaklinik X.____ vom 26. November 2018 wurden so- wohl unfallkausale Beschwerden und Diagnosen am rechten Handgelenk als auch unfallfremde im Bereich der rechten Schulter und der Halswirbelsäule erhoben. Neben der ausführlichen me- dizinischen Dokumentation der Handgelenksbeschwerden wurde während des Aufenthalts in der Rehaklinik ergänzend eine MR-Arthrographie der rechten Schulter wie auch eine MRT der Hals- wirbelsäule durchgeführt (vgl. E. 4.9). Damit wurden Beschwerden vertieft abgeklärt, welche nicht Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf den Unfall vom Mai 1993 zurückzuführen sind. Auch i m Rahmen der Zumutbarkeitsbeurtei- lung erfolgte wiederum eine differenzierte Beurteilung zur Unterscheidung von unfallkausalen und unfallfremden Gesundheitsstörungen sowie deren Auswirkungen. Mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen ist somit festzuhalten, dass sowohl die me dizinischen Abklärungen als auch die Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik sämtliche Beschwerdekomplexe des Versicherten um- fassen. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach ledig lich die unfallkausalen Gesund- heitsbeeinträchtigungen berücksichtigt worden seien, erweist sich damit als unbegründet. 5.4.1 Im Rahmen des vierwöchigen Aufenthalts in der Re haklinik X.____ fand eine psychoso- matische Abklärung statt. Dabei habe sich ein äusserst schmerzfokussierter Patient in leicht ge- drückter Stimmung gezeigt. Diagnostisch wurde eine Anpassungsstörung mit längerer depressi- ver Reaktion erhoben, wobei eine erhebliche Symptoma usweitung beobachtet werden konnte. Dieser Befund korrespondiert mit der somatischen Beurteilung im Bericht, wonach das Ausmass der durch den Versicherten demonstrierten Einschränkungen lediglich teilweise mit den objekti- vierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersu chungen und der bildgebenden Ver- fahren habe erklärt werden können. Diese Inkonsistenzen konnten ausserdem bereits durch Dr. H.____ in seinem Bericht vom 12. September 2018 anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung festgestellt werden. Eine durch den Psychostatus bedingt e Arbeitsunfähigkeit konnte während des Klinikaufenthaltes nicht erhoben werden. Divergierende ärztliche Einschätzungen dazu sind den Akten ebenfalls nicht zu entnehmen. Schliesslich erhob auch der behandelnde Arzt Dr. J.____ in seinem Bericht vom 6. Januar 2018 eine Anpassu ngsstörung, maximal jedoch eine leichte Depression. Weitergehende psychische Einschränkungen werden durch den Beschwer- deführer auch nicht geltend gemacht. Vor diesem Hinte rgrund erweisen sich die Befunde sowie die Zumutbarkeitsbeurteilung aus psychosomatischer Sicht als nachvollziehbar. 5.4.2 Betreffend die diagnostizierten chronischen Handg elenksschmerzen bei Pseudarthrose am Prozessus styloideus ulnae sowie bei TFCC-Läsion ist f estzuhalten, dass der postoperative Verlauf nach der am 5. März 2018 durchgeführten Handgelenksarthroskopie rechts mit Ulnaver- kürzungsosteotomie und offener TFCC-Refixation durch di e regelmässigen Berichte von Dr. G.____ und Dr. F.____ durchgängig belegt ist und daher eine differenzierte Grundlage für die Beurteilung zumutbarer Arbeit liefert. Zusammenfassend ist den Berichten ein regelrechter post- operativer Verlauf zu entnehmen. Daher ist es auch nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle den Bericht der Jahreskontrolle vom März 2019 nicht eingeholt hat. Vielmehr ist den Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung zu folgen, wonach angesichts der Aktenlage von der Verlaufskontrolle ein Jahr nach dem operativen E ingriff kein wegweisender Befund zu erwarten gewesen sei. Darüber hinaus wird durch den Beschwerdeführer auch keine massgebli- che Änderung in der Befundlage geltend gemacht. 5.4.3 Aufgrund der am rechten Handgelenk bestehenden E inschränkungen ist die ange- stammte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter im Fensterbau nicht mehr zumutbar. In körperlicher Hinsicht kann dem Versicherten jedoch eine mindesten leicht e Verweistätigkeit ganztags zuge- mutet werden. Im Zusammenhang mit der beeinträchtigten Funktion der rechten Hand sind dabei wiederum Tätigkeiten, die einen festen Faustschluss erfordern sowie Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüsten zufolge Absturzgefahr nicht mehr möglich. In Anbetracht der während des Aufenthalts Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Rehaklinik festgestellten Inkonsistenzen mit Sympto mausweitung und Selbstlimitierung können die vom Versicherten präsentierten Beschwerden nur bedingt berücksichtigt werden. In- folge dessen erscheint diese Zumutbarkeitsbeurteilung als schlüssig. 5.4.5 Die Beschwerdekomplexe im Bereich der rechten Schu lter und der HWS wurden wäh- rend des Aufenthalts in der Rehaklinik vertieft abgeklärt, indem eine MR-Arthrographie der rech- ten Schulter sowie eine MRT der HWS durchgeführt wurden. An der rechten Schulter zeigte die radiologische Untersuchung eine kleine transmurale Ruptur am Ansatz der Supraspinatussehne, mehrere intraossäre Ganglien am Ansatz der Infraspina tus- sowie der Subskapularissehne als möglicher Hinweis für Mikrorisse und eine AC-Gelenksarthrose. Gestützt auf die MRT der HWS wurde eine ausgeprägte Osteochondrose an den HWK 5 und 6 mit zirkulärer Bandscheiben- protrusion und Einengung der Neuroforamina linksbetont ohne Nervenwurzelkompression erho- ben. Weiter zeigte sich eine multisegmentale Bandscheibendegeneration, eine Spondylose und Spondylarthrose betont in der unteren HWS sowie eine Einengung der Neuroforamina an den HWK 4 und 5 bzw. 5 und 6 beidseits ohne Kompression de r Nervenwurzel. Aufgrund der erho- benen Befunde wurden im Rahmen der Zumutbarkeitsbeurteilung Einschränkungen für eine min- destens leichte Verweistätigkeit formuliert. Demnach sin d aufgrund der Beschwerden an der rechten Schulter keine Arbeiten über Kopf, kein Bewe gen von schweren Lasten mit Hubwagen ohne Eigenantrieb sowie kein Bedienen von schwergängig en Hebeln, Werkzeugen und Steuer- einrichtungen mehr zumutbar. Ebenso bestehen Einschränku ngen für Arbeiten auf Leitern, Ge- rüsten und Dächern, da sich der Versicherte mit dem betro ffenen Arm nur ungenügend gegen Stürze absichern kann. Bedingt durch die Beeinträchtigungen der HWS sind Arbeiten über Kopf, Tätigkeiten mit längerdauernden monotonen Kopfhaltu ngen, das Bewegen von schweren Hub- wagen ohne Eigenantrieb sowie Tätigkeiten, die häufige und endgradige Rotationsbewegungen des Kopfes und der HWS erfordern, nicht mehr auszuführe n. Abschliessend wurde im Bericht festgehalten, dass der Beschwerdeführer von einer Behan dlung der beiden genannten Be- schwerdekomplexe profitieren könnte. Vor diesem Hintergrund sowie in Anbetracht der erhobe- nen Befunde, der fehlenden Voruntersuchungen, der fes tgestellten Inkonsistenzen und der Ab- wesenheit von anderslautenden medizinischen Einschätzungen, erweist sich auch die medizini- sche Beurteilung der Beschwerden an der rechten Schulter und der HWS als nachvollziehbar. 5.4.6 Mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen erwe ist sich der Austrittsbericht der Rehaklinik X.____ vom 26. November 2018 als umfassend und nachvollziehbar. Damit ist er be- weiskräftig genug, um gestützt darauf den Anspruch auf Arbeitsvermittlung zu prüfen. Weitere medizinische Abklärungen erübrigen sich in der Folge. D ie IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 10. Mai 2019 somit zu Recht auf diesen Bericht abgestellt. 5.5 In Bezug auf die fehlende Dokumentation der Vorl age des Austrittsberichts der Rehakli- nik X.____ vom 26. November 2018 beim RAD kann festgehalten werden, dass die IV-Stelle vor Erlass der angefochtenen Verfügung lediglich eine mündliche Besprechung mit Dr. D.____, RAD, durchgeführt hat und diese im Dossier nicht schriftlich fest gehalten wurde. Im Rahmen der Ver- nehmlassung wurde jedoch ein ausführlicher Bericht von D r. C.____, RAD, vom 10. Juli 2019 sowie eine Aktennotiz von Dr. D.____, RAD, vom 9. Juli 2019 in das Verfahren eingebracht. In Anbetracht der dichten medizinischen Aktenlage sowie der nachträglichen Einbringung vermag Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Umstand der fehlenden Dokumentation nicht ausreichend Zweifel zu begründen, um der me- dizinischen Einschätzung der IV-Stelle den Beweiswert abzuerkennen. 6. Im vorliegenden Fall ist dem Versicherten gemäss dem Austrittsbericht der Rehaklinik X.____ vom 26. November 2018 eine mindestens leichte Arbeit ganztags zumutbar. Zu beachten sind dabei verschiedene Einschränkungen, welche sich aufgrund seiner Beschwerden am rech- ten Handgelenk, an der rechten Schulter und im Bere ich der HWS ergeben. Insofern stellt sich nunmehr die Frage, ob ein Anspruch auf Arbeitsvermittl ung besteht. Wie bereits ausgeführt (E. 2.3 hiervor), bedarf dieser Anspruch einer spezifi schen Einschränkung gesundheitlicher Art, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit betroffen i st, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind – was vorliegend der F all ist. Dabei ist von einer spezifischen Ein- schränkung im Sinne der Rechtsprechung auszugehen, wenn die gesundheitliche Beeinträchti- gung selbst bei der Stellensuche Probleme verursacht. Eine spezifische Einschränkung gesund- heitlicher Art im erwähnten Sinne ist vorliegen jedoch nicht gegeben. Zwar bestehen bedingt durch den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers durchaus Einschränkungen, indem etwa Tätigkeiten, die einen festen Faustschluss der rechten H and erfordern oder Tätigkeiten auf Lei- tern, Gerüsten und Dächern infolge von Absturzgefahr ni cht mehr zumutbar sind. Auch können aufgrund der Einschränkungen im Bereich der rechten S chulter und der HWS namentlich keine Arbeiten über Kopf oder Tätigkeiten, die häufige und endgradige Rotationsbewegungen des Kop- fes und der HWS erfordern, mehr verrichtet werden. Diese Einschränkungen wirken sich jedoch lediglich auf das Stellenprofil aus und verursachen keine direkten Probleme bei der Stellensuche. Es mag dabei zutreffen, dass der Beschwerdeführer mit Blick auf die Berufsbildung, das Alter und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht leicht v ermittelbar ist. Dennoch kann er eine sei- nen Einschränkungen angepasste Arbeitsstelle auf dem massgebenden ausgeglichenen Arbeits- markt selber finden. Der Beschwerdegegnerin ist insofern zuzustimmen, als dass aufgrund der Gesundheitsbeschwerden vorliegend keine speziellen Anford erungen an den Arbeitgeber oder den Arbeitsplatz gestellt werden. Die Suche nach eine r solchen Tätigkeit bedarf damit keiner besonderen Kenntnisse, weshalb auch kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung besteht. 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass dem Austrittsbericht de r Rehaklinik X.____ vom 26. November 2018 voller Beweiswert zukommt. Entsprechend den Ausführungen im erwähnten Bericht bestehen zwar aus den medizinischen Befunden resultierende Einschränkungen in Bezug auf das Stellenprofil. Die Gesundheitsbeeinträchtigungen des Beschwerdeführers stellen jedoch keine spezifischen Einschränkungen im Sinne der bundesge richtlichen Rechtsprechung dar, weshalb bei der Stellensuche auch keine besonderen Kenntnisse erforderlich sind. Die IV-Stelle hat den Anspruch auf Arbeitsvermittlung somit zu Recht a bgelehnt. Damit erweist sich die Be- schwerde als unbegründet und ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdefüh rer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Ver- fügung vom 10. September 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Part eientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 1 VPO). Da dem Beschwerdeführer mit Verfügu ng vom 10. September 2019 die un- entgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 b eträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertre ter des Versicherten hat keine Kosten- note eingereicht, weshalb das Gericht das Honorar nach Ermessen festsetzt. Im Vergleich zu anderen, ähnlich gelagerten Verfahren rechtfertigt es sich den Zeitaufwand auf 8 Stunden fest- zusetzen. Hinzu kommen Auslagen für Porti, Kopien und dergleichen von pauschal Fr. 50.--. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist somit eine Partei entschädigung in der Höhe von Fr. 1'777.05 (8 Stunden à Fr. 200.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 50.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den dem Beschwer- deführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar von Fr. 1'777.05 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ger ichtkasse aus- gerichtet.