Seite 1 Entscheid vom 25. Mai 2018 (510 17 114) __________________________________________________ ___________________ Konfiskatorische Besteuerung Besetzung Steuergerichtspräsident A. Zähndler, Steu errichter M. Zeller, Dr. L. Schneider, S. Schmid, M. Angehrn, Gerichtsschreiber D. Brügger Parteien A.____ , vertreten durch AGEBA Treuhand AG , Hofackerstr. 3 a , 4132 Muttenz Rekurrentin gegen Taxations - und Erlasskommission , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal , Rekursgegnerin betreffend Gesuch um Reduktion der Vermögenssteuer 2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Gesuch vom 21. April 2017 wandte sich die Vertreterin der Pflichtigen an die Taxations- und Erlasskommission mit dem Antrag, der Vermögenssteuerwert p er 31. Dezember 2015 der Be- teiligung der Steuerpflichtigen an der B.____ AG sei so zu reduzieren, dass die Vermögens- sowie die Einkommenssteuer auf dieser Beteiligung 60% d er Dividendenausschüttung nicht übersteigt. Mit Entscheid vom 18. Oktober 2017 wies die Taxations- u nd Erlasskommission das Gesuch ab. Zur Begründung führte sie aus, die B.____ AG müsse als blosses “Gefäss“ mit umfangrei- chen liquiden Anlagen und Streubesitz betrachtet werd en, so dass sich das unternehmerische Wirken nur auf einen verschwindend kleinen Teil des Vermögens der Pflichtigen beziehe. B. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2017 erhob die Vertreteri n der Steuerpflichtigen Rekurs und machte geltend, für die Berechnung der Reduktion dürfe nicht auf den Buchwert der Beteiligung abgestellt werden, sondern es sei der Verkehrswert zu berücksichtigen. Mit Vernehmlassung vom 9. Januar 2018 schloss die Taxation s- und Erlasskommission auf Abweisung des Rekurses und wies darauf hin, dass es sich fakti sch um eine blosse Finanzan- lage und damit gar nicht um eine unternehmerische Beteiligung handle. Anlässlich der heutigen Verhandlung halten die Parteien an ihren Begehren fest. Erwägungen: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 183 Abs. 4 des Gesetzes vom 7. Februar 1974 über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG; SGS 331) zur B eurteilung des vorliegenden Rekur- ses zuständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übe rsteigt, vom Präsidenten und vier Richterin- nen und Richtern beurteilt. Da die in formeller Hinsi cht an einen Rekurs zu stellenden Anforde- rungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Vorliegend unterliegt der Beurteilung, ob der Vermö genssteuerwert der Beteiligung der Rekur- rentin reduziert zu besteuern ist. 2.1. Gemäss der alten, bis am 31. Dezember 2013 geltenden F assung von § 183 Abs. 1 StG konnte die Taxationskommission (heute: Taxations- und Erl asskommission) im Einschätzungs- oder das Steuergericht im Rekursverfahren von der gesetzli chen Ordnung in angemessener Weise abweichen, wenn sich bei der Anwendung der gesetzl ichen Bestimmungen in Einzelfäl- len eine sachlich ungerechtfertigte Belastung ergab. Bereits zur Bestimmung mit diesem Wort- laut wurde jedoch eingewendet, dass die darin vorgese hene Korrekturmöglichkeit eine Abwei- chung vom Grundsatz der gesetzesmässigen Besteuerung dars telle, welcher in Art. 127 Abs. 1 Seite 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) verankert ist und eine zentrale Säule des schweizerischen Steuerrechts darstellt. Aus diesem Grund wurde zur grossen Zurückhaltung bei de r Anwendung dieses Ausnahme- rechts gemahnt (vgl. Nefzger, in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, § 183 N 1). 2.2. Gemäss der neuen, auf den 1. Januar 2014 in Kraft ge setzten Fassung von § 183 Abs. 1 StG, kann die Rekursgegnerin im Einschätzu ng- oder das Steuergericht im Re- kursverfahren von der gesetzlichen Ordnung in angemessener Weise abweichen, wenn sich bei der Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen in Einzel fällen eine sachlich ungerechtfertigte Belastung oder eine regelmässig konfiskatorische Besteuer ung, die vom Gesetzgeber nicht voraussehbar oder so nicht beabsichtigt worden war , ergibt [geänderter Wortlaut kursiv]. Da weder der Vorlage an den Landrat vom 21. August 2012 noch dem Bericht der Finanzkommis- sion vom 7. März 2013 und den Protokollen der Landratssit zungen vom 21. März bzw. 25. April 2013 (Geschäftsnummer 2012-222, www.bl.ch/landrat ) etwas zur zitierten Änderung entnom- men werden kann, liegt es nahe, dass der Gesetzgeber d amit lediglich die seit Jahren beste- hende Praxis festschreiben wollte, auf welche bereits im 2004 erschienenen Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft hingewiesen wo rden ist (vgl. Nefzger, a.a.O., § 183 N 11; vgl. zum Ganzen: Entscheid des Steuergerichts [ StGE] vom 3. Juli 2015, 510 15 7, E. 2d, m.w.H.). Die Norm erhielt durch die Änderung aber deutlich mehr Kontur, indem nunmehr ein expliziter Bezug zur konfiskatorischen Besteuerung herg estellt wurde. Damit wurde vom Landrat präzisiert, auf welche Art von Fällen diese Bestimmung Anwendung finden soll: Es geht nicht um jene, die die Rekursgegnerin oder das Steuergericht anderes regeln würden, wenn sie als Gesetzgeber auftreten könnten, sondern um jene, i n denen aufgrund von übergeordnetem Recht, insbesondere der Eigentumsgarantie von Art. 26 B V und des darin enthaltenen Verbots der konfiskatorischen Besteuerung, eine einzelfallbezogene Korrektur der Regeln des Steuer- gesetzes zwingend erforderlich ist. 3. 3.1. Eine gegen die Eigentumsgarantie verstossende konfiska torische Besteuerung liegt dann vor, wenn die Steuer das Institut des Eigentums in Frage stellt; der steuerpflichtigen Person darf das Vermögen nicht durch übermässige Besteuerung nach und nach entzogen werden und das Gemeinwesen ist verpflichtet, privates Vermögen in seiner Substanz zu wahren sowie die Mög- lichkeit der Neubildung von Vermögen zu erhalten (vgl. Bundesgerichtsentscheid [BGE] 128 ll 112, E. 10, m.w.H.). Ob eine konfiskatorische B esteuerung vorliegt, beurteilt sich nach der Gesamtheit aller konkreten Umstände wie Steuersatz, Bemessungsgrundlage, Dauer des fiskalischen Eingriffs und dessen Kumulation mit anderen Abgaben. Die Frage stellt sich bei der Besteuerung von Vermögen vor allem dann, wenn dieses d auernd oder langfristig ertraglos bleibt oder einen sehr geringen Ertrag abwirft, der weit unter dem kantonalen Durchschnitt und daher möglicherweise tiefer liegt als die gesamte Steu erbelastung. Eine konfiskatorische Be- steuerung liegt in diesen Fällen aber jedenfalls dann nicht vor, wenn der Eigentümer freiwillig auf einen genügenden Ertrag verzichtet, etwa mit Rücksich t auf familiäre Beziehungen oder weil er hofft, bei späterer Veräusserung des Vermögenso bjektes einen den Vermögensertrag weit übersteigenden Kapitalgewinn zu erzielen. Das kann etwa beim Besitz von Gold oder an- deren Edelmetallen der Fall sein, welche überhaupt ke inen Ertrag abwerfen oder auch bei der Seite 4 Spekulation mit Bauerwartungsland, das teuer bezahlt wi rd, aber ‒ weil vorderhand landwirt- schaftlich genutzt ‒ nur einen geringen Ertrag einbringt. Aber auch dan n, wenn der Eigentümer sein Vermögen nicht in Werte mit durchschnittlichem Ver mögensertrag umwandeln kann oder ihm eine Umwandlung seines Vermögens nicht zumutbar w äre, tritt eine konfiskatorische Be- steuerung jedenfalls dann nicht ein, wenn die an sich üb ermässige steuerliche Belastung von beschränkter Dauer ist (vgl. BGE 106 la 342, E. 6). Erst wenn die Besteuerung (inklusive Ver- mögenssteuer) die Einkünfte einschliesslich Vermögenserträ ge nachhaltig und dauerhaft über- steigt, kann davon gesprochen werden, dass das Vermögen von der Besteuerung derart ange- griffen wird, dass diese als konfiskatorisch zu qualifizieren ist. Aus diesem Grund hat die Prü- fung des konfiskatorischen Charakters einer Besteuerung n ie nur auf der Basis einer Periode, sondern vielmehr anhand mehrerer Perioden zu erfolgen . Die Besteuerung des Vermögens ist mithin erst dann konfiskatorisch, wenn die Erträgnisse au f Dauer nicht ausreichen, um die Steuerlast zu decken, wobei ausserordentliche Umstände ausser Acht zu bleiben haben. Hinzu kommt, dass man den konfiskatorischen Charakter der Steu er ohne weiteres negieren kann, wenn bei einer positiven Konjunkturentwicklung oder gute m Geschäftsgang das Vermögen von Jahr zu Jahr wächst und die Besteuerung hinter dieser Ent wicklung zurückbleibt (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 2C_826/2015 vom 5. Januar 2017, p ubl. in: Die Praxis des Bundesge- richt [Pra] 2018, Nr. 40, S. 341 ff. [= BGE 143 I 73 , E. 5.2]; vgl. zum Ganzen: Urteil des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft vom 30. August 2017, 810 17 8, E. 3.2.1). Wird trotz eines hohen Reingewinns eine geringe Dividende ausgeschüttet, mit welcher die Einkommens- und Vermö- genssteuer auf den Wertschriften und deren Erträgen ni cht bezahlt werden kann, wird die Ver- mögenssubstanz möglicherweise dennoch nicht ausgehöhlt, w eil der innere Wert der Gesell- schaft und damit der innere Wert der Aktien gleichzeitig steigen (vgl. Entscheid der Steuerre- kurskommission Basel-Stadt vom 28. September 2017, STRK. 2017.10, publ. in: Basler Steuer- praxis [BStP], www.bs.ch/steuerverwaltung ). 3.2. Die Hürden für die Annahme einer konfiskatorischen Be steuerung sind also hoch. In die- sem Zusammenhang ist auch auf die anschauliche Zusammenst ellung der Rechtsprechung im Aufsatz von Prof. Adriano Marantelli (Departement fü r Wirtschaftsrecht - Berner Gedanken zur konfiskatorischen Besteuerung, in: Kunz/Weber/Lienhard/Fa rgnoli/Kostkiewicz [Hrsg.], Berner Gedanken zum Recht, Festgabe der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern für den Schweizerischen Juristentag 2014, Bern 2014, S. 245 ff.) zu verweisen: So hat das Bun- desgericht etwa die Belastung einer Parzelle mit ein em Verkehrswert von Fr. 5.2 Mio. mit einer Vermögenssteuer von Fr. 35‘000.-- als nicht konfiskatori sch eingestuft, obwohl die Parzelle le- diglich einen Pachtertrag von Fr. 14‘000.-- generiert e (vgl. BGer 2A.402/2003 vom 16. Juli 2014). Im sog. "Aargauer Fall" erachtete das Bundesgericht es auch nicht als kon- fiskatorisch, dass die Vermögens- und Einkommenssteuer auf Wertpapieren den Ertrag dieser Papiere übersteigt und im betreffenden Steuerjahr ei n negatives Einkommen bewirkt, d.h. dass die Gesamtbelastung in der betreffenden Periode über 100% lag (vgl. BGE 106 Ia 342). 3.3. Zusammenfassend wirkt eine Steuer somit nur dann konfisk atorisch, wenn sie die Sub- stanz des bestehenden Vermögens aushöhlt oder die Neubil dung von Vermögen verunmög- licht. Bei der Beurteilung, ob dies der Fall ist, komm t es nebst anderen Kriterien insbesondere auf Folgendes an: Zum einen auf die Gesamtbelastung einer steuerpflichtigen Person durch die Abgaben und zum anderen auf die Freiwilligkeit eines allfälligen Einkommensverzichts. Seite 5 4. 4.1. Diesen beiden Voraussetzungen Rechnung tragend, zielt e die bestehende Praxis der Re- kursgegnerin und des Steuergerichts bei der Anwendung von § 183 Abs. 1 StG seit jeher auf Situationen ab, wo aufgrund von einer operativen unternehmerischen Tätigkeit der Grossteil der Vermögenswerte einer Person in einer von ihr gehalten en Gesellschaft bzw. in ihrem Anteil an einer Familienunternehmung steckt, dort fest gebunden ist und zudem schlecht rentiert, sodass sich die Vermögensbesteuerung besonders stark auswirkt. Mit anderen Worten geht es um die Kombination des Klumpenrisikos, das sich aus einer untern ehmerischen Aktivität bzw. aus der deswegen nicht möglichen Diversifizierung der Vermögens e rgibt, mit einer schlechten Rendite dieses "Vermögensklumpens", was aufgrund seines hohen Antei ls am Gesamtvermögen zu einer schlechten Rendite des Gesamtvermögens führt und alsdann zur Folge hat, dass eine Gesamtbelastung der steuerpflichtigen Person durch die V ermögenssteuer entsteht, welche sich in besonderem Masse akzentuiert und auch nicht abwendbar, d.h. unfreiwillig ist. 4.2. Konkret hat die Rekursgegnerin vier Kriterien zur Anwen dung von § 183 Abs. 1 StG entwi- ckelt: (a) Es liegt eine unternehmerische bzw. operative Tätigkeit vor; (b) es wird eine qualifizier- te Beteiligung von mindestens 10% am Unternehmen gehal ten; (c) die schlecht rentierende Vermögensstrukturierung ist unfreiwillig, und (d) die vorzunehmende Reduktion muss eine Re- levanzschwelle in Höhe von Fr. 2‘500.-- erreichen. Werden diese Voraussetzungen kumulativ erfüllt, erfolgt eine Reduktion der Vermögenssteuer auf den betreffenden Beteiligungen auf 60% der Dividendenausschüttung (bzw. gegebenenfalls auf 60% einer fiktiven Dividendenausschüt- tung von 1%). 4.3. Diese Kriterien der Taxations- und Erlasskommission wurden von verschiedenen Entschei- den des Steuergerichts aufgenommen: So wurde unter and erem in einem Urteil vom 21. September 2012 darauf hingewiesen, dass das unternehmerische Wirken der steuerpflichti- gen Person massgebend sei. Im Sinne einer Vereinfachun g und Harmonisierung werde dabei auf eine qualifizierte Beteiligungsquote abgestellt, w obei eine solche unter 10% als nicht mehr massgeblich anzusehen sei. Auch müsse das Verhältnis der bet roffenen Beteiligung zu den übrigen im Portfolio gehaltenen Wertschriften ein Au smass annehmen, d.h. eine Wesentlichkeit ausmachen, welche eine Reduktion überhaupt rechtfertige n könne. Dieses Kriterium sei insbe- sondere entwickelt worden, um den Unternehmer davor zu schützen, sein Vermögenssubstrat, welches massgeblich aus Beteiligungen an seiner Firma bestehe, wegen der drückenden Steu- erlast sukzessive veräussern zu müssen. Im Gegensatz zu einer so lchen Konstellation könne bei blossem Streubesitz der Wertschriften immerhin auf e ine andere Vermögensanlage ge- wechselt werden, was beim klassischen Unternehmer eben ni cht der Fall sei (vgl. StGE vom 21. September 2012, 510 12 16, publ. in: Basellandsc haftliche und Baselstädtische Steuerpra- xis [BStPra], Bd. XXI, S. 213 ff., E. 6a). In einem w eiteren Entscheid vom 3. Juli 2016 wurde betreffend die Reduktion der Vermögenssteuer überdies f estgehalten, diese werde vorgenom- men, wenn das Total der auf der Beteiligung lastenden kantonalen und bundesrechtlichen Ein- kommens- und Vermögenssteuern höher als 60% der ausgeschü tteten Dividende sei. Der Steuerwert der betroffenen Beteiligung wurde soweit herabgesetzt, dass pro Jahr nicht mehr als 60% der Dividende (resp. eines fiktiven Ertrags von 1% d es Steuerwertes) wegbesteuert wer- den (StGE vom 3. Juli 2015, a.a.O., E. 4d). Seite 6 5. 5.1. Die von der Taxations- und Erlasskommission entwickelten Kriterien erscheinen grundsätz- lich nach wie vor als sachgerecht, doch decken sie den Aspekt der relevanten steuerlichen Ge- samtbelastung des Vermögens der steuerpflichtigen Person nur unzureichend ab: Sie fokussie- ren nämlich ausschliesslich auf die betroffene Beteiligung und betrachten diese isoliert. Dies widerspricht einerseits der hiervor zitierten Rechtsprechun g von Bundes- und Kantonsgericht zur konfiskatorischen Besteuerung sowie zu § 183 Abs. 1 S tG und andererseits auch der ratio legis dieser Norm: Eine konfiskatorische Besteuerung bzw. eine dieser gleichwertige sachlich ungerechtfertigte Belastung kann von vornherein nur d ann vorliegen, wenn die Summe der ge- schuldeten Abgaben auf den Vermögenswerten die Gesamthe it der Vermögenserträge regel- mässig übersteigt und die Vermögenssteuer dauerhaft durc h Angreifen der Vermögenssub- stanz getilgt werden muss. Umgekehrt formuliert bedeutet dies: Sind die Vermögenserträge gesamthaft betrachtet grösser als die steuerliche Belas tung des Vermögens und entsteht auf diese Weise ein Netto-Vermögenszuwachs, kann von einer konf iskatorischen oder sachlich ungerechtfertigten Besteuerung a priori keine Rede sein. Gleiches gilt auch, wenn die Besteue- rung der Vermögenswerte zwar die Gesamtheit der Vermög enserträge übersteigt, jedoch auf- grund von anderen Faktoren ‒ etwa steuerfreien Kapitalgewinnen ‒ in der betroffenen Steuer- periode dennoch eine Netto-Vermögenszunahme erfolgt. Wenn neues Vermögen gebildet wer- den konnte, schliesst dies bei einer Gesamtbetrachtung das V orliegen einer konfiskatorischen Besteuerung kategorisch aus. 5.2. Dass zwingend eine Gesamtbetrachtung der Vermögensentw icklung und der Vermö- genserträge vorzunehmen ist, ergibt sich wie bereits gesehen nicht nur aus der bundesgerichtli- chen Praxis, sondern auch aus der gefestigten Rechtsprechung des Steuergerichts, wonach die gesamten finanziellen Verhältnisse der steuerpflichtig en Person in Relation zum fraglichen Steuerbetrag eine Steuermilderung rechtfertigen müsse n (vgl. StGE vom 21. September 2012, a.a.O., E. 7, m.w.H.). Auch das Kantonsgericht Basel-La ndschaft hat in seinem Urteil vom 30. August 2017, a.a.O., E. 3.5.2, welches ebenfalls a usdrücklich die Anwendung von § 183 Abs. 1 StG zum Gegenstand hatte, unter Hinweis auf di e bundesgerichtliche Praxis nochmals klargestellt, dass die Prüfung, ob eine konfiskatorische Besteuerung vorliege, gerade nicht an- hand einzelner Vermögenswerte und des darauf entfallen den Steueranteils erfolgen dürfe, son- dern aufgrund einer Betrachtung des gesamten Vermögen s, und zwar über mehrere Perioden, erfolgen müsse. 5.3. Aus dem Obenstehenden ergibt sich, dass Gesuche um Redukti on der Vermögenssteuer nach folgendem Prüfschema bzw. nach folgender Kaskade zu beurteilen sind: In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob eine konfiskato rische Besteuerung überhaupt im Raum stehen kann. Dies ist grundsätzlich dann der Fall, wenn kumulativ a) die Summe der Abgaben auf den Vermögenswerten un d deren Erträgen die Gesamt- heit der Vermögenserträge in der betroffenen Steuerperiode übersteigt; b) die Vermögensentwicklung in der betroffenen Steue rperiode gesamthaft betrachtet negativ ist, d.h. eine Netto-Vermögensabnahme stattfindet, und Seite 7 c) sich die beiden vorgenannten Kriterien entweder be reits in den vergangen Steuerperi- oden manifestiert haben (retrospektive Betrachtung) od er zu erwarten ist, dass dies auch in den Folgeperioden der Fall sein wird (prospektive Betrachtung). Sind die obigen Grundvoraussetzungen gegeben, ist quasi die Eintrittshürde für die Prüfung einer reduzierten Besteuerung überwunden, und es gilt nunmehr in einem zweiten Schritt zu untersuchen, ob die bereits zitierten Elemente gemäss d er Praxis der Rekursgegnerin (eben- falls kumulativ) erfüllt sind, nämlich a) das Vorliegen einer unternehmerischen bzw. operative n Tätigkeit; b) das Halten einer qualifizierten Beteiligung von m indestens 10% am Unternehmen; c) die Unfreiwilligkeit der schlecht rentierenden Vermö gensstrukturierung, und d) eine Relevanzschwelle von Fr. 2‘500.--, welche die vorzunehmende Reduktion ausma- chen muss. Sind sämtliche Voraussetzungen erfüllt, ist eine Redukt ion der Vermögenssteuer, welche auf der qualifizierten Beteiligung lastet, vorzunehmen. 6. 6.1. Im angefochtenen Entscheid ist die Rekursgegnerin direk t zur Berechnung der Reduktion der Vermögenssteuer auf der qualifizierten Beteiligung geschritten. Wie hiervor ausgeführt, ist aber, bevor gegebenenfalls auf die Berechnung einzugeh en ist, vorab die erste Stufe der Kas- kade, d.h. das Vorliegen der Grundvoraussetzungen einer konfiskatorischen Besteuerung zu prüfen. 6.2. Gemäss Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2015 vom 2 3. März 2017 belief sich die Summe der Abgaben auf den Vermögenswerten und deren Erträgen auf rund Fr. 500‘000.-- und die Gesamtheit der Vermögenserträge auf rund Fr . 1,4 Mio. Damit ist das Kriterium, wo- nach die Summe der Abgaben auf den Vermögenswerten u nd deren Erträgen die Gesamtheit der Vermögenserträge in der betroffenen Steuerperio de übersteigen müsste, offenkundig nicht erfüllt. Die Prüfung einer reduzierten Besteuerung sch eitert mithin bereits an der ersten Kaska- denstufe. Ob die übrigen Voraussetzungen gegeben sind, welche wie gesehen kumulativ erfüllt sein müssten, kann bei diesem Ergebnis offen bleiben. 6.3. Daraus folgt, dass sich der Rekurs als unbegründet erweist und abzuweisen ist. 7. Abschliessend bleibt anzumerken, dass die relativ hohe Ver mögensbesteuerung im Kanton Basel-Landschaft aufgrund der Gewaltenteilung weder von der Rekursgegnerin noch vom Steuergericht korrigiert werden kann. Vielmehr müsste hi erfür der Landrat tätig werden. Ein Instrument hierfür könnte neben einer direkten Anpassu ng des Vermögenssteuertarifs auch die Aufnahme einer Höchstbelastungsklausel ins Steuergesetz sein: So kennen die Kantone Bern, Luzern, Basel-Stadt, Aargau, Waadt und Wallis beispiel sweise in ihren Steuergesetzen eine Grenze für die maximale Steuerbelastung. In diesen Kan tonen darf die Belastung des Einkom- mens und/oder des Vermögens bzw. die Gesamtsteuerbelastung durch die Einkommens- und Seite 8 Vermögenssteuer (Kantons- und Gemeindesteuer, manchmal auch Kirchensteuer) einen be- stimmten Wert nicht überschreiten. Im Kanton Bern ermässigt sich etwa für steuerpflichtige Per- sonen, deren Vermögenssteuer 25% des Vermögensertrages ü bersteigt, die Vermögenssteuer auf diesen Betrag, höchstens jedoch auf 2,4‰ des steuerb aren Vermögens (Art. 66 des Steu- ergesetzes des Kantons Bern vom 21. Mai 2000 [StG/BE; BSG 661.11]). Im Kanton Basel-Stadt können steuerpflichtige Personen, deren Steuern auf dem Vermögen und dem Vermögenser- trag 50% des Ertrages aus dem Vermögen übersteigen, ein e entsprechende Herabsetzung der Vermögenssteuer auf diesen Betrag verlangen. In jedem Fall ist jedoch mindestens eine Ver- mögenssteuer von 5‰ des steuerbaren Vermögens zu entrichten (§ 52 des Gesetzes des Kan- tons Basel-Stadt vom 12. April 2000 über die direkten Steuern [Steuergesetz, StG/BS; SG 640.100]). Es obliegt dem Gesetzgeber, zu prüfen, o b derartige Lösungen für den Kanton Basel-Landschaft ebenfalls sinnvoll sein könnten. 8. Ausgangsgemäss hat die Rekurrentin gemäss § 130 StG i.V .m. § 20 Abs. 1 und 3 des Geset- zes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwa ltungsprozessordnung (Verwal- tungsprozessordnung, VPO; SGS 271) Verfahrenskosten von F r. 2‘000.-- zu bezahlen und es ist ihr gestützt auf § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO keine Parteientschädigung auszurichten. Seite 9 Demnach erkennt das Steuergericht: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Rekurrentin hat Verfahrenskosten von Fr. 2‘000.-- (inkl. Auslagen von pauschal Fr. 100.--) zu bezahlen, welche mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. 3. Der Antrag auf Ausrichtung einer Parteientschädigung wird abgewiesen. 4. Mitteilung an die Vertreterin, für sich und zhd. der Rekurrentin (2), die Gemeinde C.____ (1) und die Rekursgegnerin (1).