C-3693/2010 Seite 1 B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-3693/2010 U r t e i l v o m 2 7 . S e p t e m b e r 2 0 11 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richter Jean-Daniel Dubey, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien S._______, vertreten durch lic. iur. Lucius Richard Blattner, Rechtsanwalt, Kasinostrasse 3, 8032 Zürich, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot. C-3693/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 14. Dezember 2006 wurde die serbische Staatsangehörige S._______ (geb. 26. August 1962; nachfolgend: die Beschwerdeführerin) durch die Kantonspolizei Zürich verhaftet und in Untersuchungshaft ve r- setzt. Ihr wurde vorgeworfen, diversen Geschädigten, welche einen Kredit benötigt bzw. eine Finanzanlage gesucht hätten, den Eindruck vermittelt zu haben, ihnen durch angebliche Beziehungen zur Credit Suisse zum gewünschten Kredit bez. zur gewünschten Finanzanlage verhelfen zu können. Sie habe den geschädigten Personen dabei jeweils vorgegeben, dazu seien die Gründung einer Firma sowie die Eröffnung eines Bankkon- tos sowie weitere Handlungen nötig, zwecks diesen sie Geld verlangt und erhalten habe. Dabei sei sie weder in der Lage noch gewillt gewesen, den Geschädigten den Kredit bzw. die Finanzanlage zu verschaffen. Der B e- schwerdeführerin wurde alsdann vorgeworfen, mehrmals durch falsche Angaben ein Visum erhalten und sich damit widerrechtlich in der Schweiz aufgehalten zu haben. B. Am 30. September 2008 erhob die Staatsanwaltschaft Zürich -Sihl Ankla- ge gegen die Beschwerdeführerin. Die Anklagepunkte umfassten g e- werbsmässigen Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 des Schweize- rischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0), das mehrfache Erschleichen einer falschen Beurkundung gemäss Art. 253 Abs. 1 StGB sowie mehrf aches Vergehen gegen das Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, BS 1 121). Mit Urteil vom 14. Oktober 2009 sprach das Bezirksgericht Zü- rich die Beschwerdeführerin der mehrfachen Täuschung der Behörden im Sinne von Art. 118 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) und der meh r- fachen Widerhandlung gegen das ANAG im Sinne von dessen Art. 23 Abs. 1 al. 4 schuldig , sprach sie vom Vorwurf des gewerbsmässig en Be- trugs frei und verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monate n, teil- weise als Zusatzstrafe zu einem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Z ü- rich-Sihl vom 7. Februar 2005. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde u n- ter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren aufgeschoben. Das Strafurteil blieb unangefochten. C-3693/2010 Seite 3 C. Mit Schreiben vom 15. Februar 2010 wurde die Beschwerdeführerin von der Vorinstanz im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs da r- über informiert, es werde erwogen, ein auf sechs Jahre befris tetes Einrei- severbot gegen sie zu erlassen. Nachdem die Beschwerdeführerin mit Korrespondenz vom 14. April 2010 diesbezüglich Stellung genommen hatte, verhängte die Vorinstanz am 20. April 2010 ihr gegenüber ein nun- mehr vierjähriges Einreiseverbot für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein, veranlasste dessen Ausschreibung im Schengener Info r- mationssystem (SIS) und entzog einer allfälligen Beschwerde die au f- schiebende Wirkung. Zur Begründung dieser Massnahme führte letztere unter Bezugnahme auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG (zur damaligen Fassung vgl. AS 2007 5457) aus, wegen mehrfacher Täuschung der Behörden sowie mehrfacher Widerhandlung gegen das ANAG liege ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung vor. Die Ausländerin sei zu einer Freih eitsstrafe von 15 Monaten verurteilt worden; das Urteil gehe von einer erheblichen objektiven Schwere der Tat und einer erheblichen kriminellen Energie der Täterin aus. D. Mit Beschwerde vom 21. Mai 2010 an das Bundesverwaltungsgericht b e- antragt die Besch werdeführerin die Aufhebung des Einreiseverbots. Eventualiter sei das Einreiseverbot auf das Staatsgebiet der Schweiz zu beschränken; subeventualiter sei es auf zwei Jahre festzusetzen. Sie macht im Wesentlichen geltend, in Bezug au f die generelle Verhängu ng eines Einreiseverbots und die Höhe der verfügten Massnahme r üge sie die Unangemessenheit der behördlichen Anordnung. Bereits aus der Formulierung von Art. 67 Abs. 1 lit. a AuG gehe hervor, dass ein Einreise- verbot nicht zwingend erlassen werden müsse; de r Behörde werde vie l- mehr ein gewisses Ermessen eingeräumt. Zur Bestimmung der Dauer des Einreiseverbots habe sich die Vorinstanz offenbar primär an der Strafhöhe des Urteils des Bezirksgerichts Zürich orientiert, wobei eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Anklageschrift, den Akten sowie dem Urteil nicht stattgefunden habe. So sei nicht berücksichtigt worden, dass die Freiheitsstrafe bedingt verhängt worden sei. Bezüglich des Vo r- wurfs des gewerbsmässigen Betrugs sei sie zudem freigesprochen wo r- den, was aber keinen gebührenden Einfluss auf die Höhe des Strafma s- ses gehabt habe. Ein Freispruch vom Deliktsvorwurf des Betruges hätte hingegen zu einer massiven Reduktion der von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafe von 18 Monaten führen müssen. Da die Strafe bedingt ausgefällt worden sei, habe die Beschwerdeführerin jedoch darauf ve r-C-3693/2010 Seite 4 zichtet, ein Rechtsmittel gegen die viel zu hoch ausgefällte Strafe einz u- legen. Eine umfassende Analyse der Akten durch die Vorinstanz hätte des Weiteren aufgezeigt, dass die vo n ihr begangenen Verstösse gegen das Ausländerrecht weder von einer erheblichen objektiven Schwere noch von einer – von ihr ausgehenden – erheblichen kriminellen Energie zeugen würden. Auch gefährde sie die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht; sie habe sich vielmehr stets bemüht, sich an die gesetzlichen Vo r- schriften zu halten. Es müsse zudem berücksichtigt werden, dass wohl auch das Bezirksgericht Zürich erkannt habe, es müsse eine günstige Prognose bezüglich zukünftiger Gefährdung gestellt werden, da es ihr ei- ne bedingte Strafe gewährt habe. Das über sie verhängte Einreiseverbot von vier Jahren erscheine in Anlehnung an Literatur und Rechtsprechung als überhöht und sei im Hinblick auf die Ausdehnung auf den ganzen Schengenraum – insbesondere vor dem Hintergrund ihrer beruflichen Tä- tigkeit als Finanzdienstleisterin – als unverhältnismässig zu qualifizieren. Das Einreiseverbot würde ihr wirtschaftliches Ende bedeuten, sei doch der Schengenraum für serbische Geschäftsleute, welche grenzüber- schreitend tätig seien, der wichtigste Wirtschaftsraum überhaupt. Ihre existenzielle Gefährdung sei ein schwerer Eingriff in ihre Privatsphäre. E. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 3. August 2010 auf Abweisung der Beschwerde. F. Mit Replik vom 6. September 2010 hält die Beschwerdeführerin an ihrer Beschwerde fest. G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgeset- zes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern ke ine Au s-C-3693/2010 Seite 5 nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das BFM, das mit der A n- ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und daher ein zulässiges Anfechtungsob jekt erla ssen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts a n- deres bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3. Die Beschwerdeführerin ist als Verf ügungsadressatin legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. Art. 49 ff. VwVG). 1.4. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgese tzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün- dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sach - und Rechtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3. 3.1. Wird gegen eine Person, welche nicht Angehörige eines Staates ist, der durch eines der Schengen -Assozierungsabkommen gebunden ist (vgl. Anhang 1 Ziffer 1 AuG), ein Einreiseverbot nach Art. 67 AuG ve r- hängt, wird diese Person gestützt auf Art. 94 Abs. 1 und Art. 96 des Über- einkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens betreffend den schrittweisen Abbau der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen (Schengener Durchführungsübereinkommen [SDÜ], Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 -62) und Ar t. 16 Abs. 2 und 4 des Bu n- desgesetzes vom 13. Juni 2008 über die polizeilichen Informationssyst e-C-3693/2010 Seite 6 me des Bundes (BPI, SR 361) grundsätzlich im Schengener Informat i- onssystem [SIS], vgl. dazu Art. 92 ff. SDÜ) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Eine solche Ausschreibung einer Person im SIS zur Ein- reiseverweigerung aufgrund einer vom BFM verhängten Fernhaltemas s- nahme bewirkt, dass ihr die Einreise in das Hoheitsgebiet der Schengen - Mitgliedstaaten verweigert wird (vgl. Art. 13 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1-32]). 3.2. Soweit der Rechtsvertreter argume ntiert, die verhängte Fernhalt e- massnahme erweise sich wegen ihrer Wirksamkeit auf den ganzen Schengenraum in räumlicher Hinsicht als unverhältnismässig, gilt es fes t- zuhalten, dass die Beschwerdeführerin nicht Bürgerin eines Schenge n- staates ist, weshalb das fragliche Einreiseverbot im SIS ausgeschrieben wurde (Art. 96 SDÜ). Das in Art. 25 SDÜ vorgesehene Konsultationsve r- fahren regelt, wann der ausschreibende Vertragsstaat die Einreiseve r- weigerung gegenüber einem Drittstaatsangehörigen im SIS wieder löscht. Dies wäre dann der Fall, wenn ein anderes Schengenland der Beschwer- deführerin eine Aufenthaltserlaubnis erteilte oder zusicherte. Ein solcher Aufenthaltstitel wird aber nur bei Vorliegen gewichtiger Gründe erteilt, insbesondere wegen humanitärer Erwägungen oder infolge internation a- ler Verpflichtungen (Art. 25 SDÜ; vgl. hierzu auch Urteil des Bundesve r- waltungsgerichts C-20/2010 vom 12. Oktober 2010 E. 6.2.1). Damit wird den Anforderungen an die Verhältnismässigkeit Genüge getan. Einze l- fallweise bestehen weite re Lockerungsmöglichkeiten (bezogen auf Ei n- reisen in die Schweiz siehe beispielsweise die Möglichkeit der Suspens i- on des Einreiseverbots gemäss Art. 67 Abs. 5 AuG). Vorliegend wurde die Schweiz von keiner anderen Vertragspartei konsultiert und die Beschwer- deführerin besitzt derzeit auch kein Aufenthaltsrecht in einem Schenge n- staat. Das Einreiseverbot gegen sie wurde demzufolge zu Recht im SIS ausgeschrieben. 4. 4.1. Mit Inkrafttreten des AuG am 1. Januar 2008 wurde das ANAG abge- löst (vgl. Art. 125 AuG i.V.m. Ziffer I des Anhangs 2 zum AuG). Das AuG beansprucht Geltung auf alle Verfahren, die nach seinem Inkrafttreten eingeleitet wurden, sei es nun auf Gesuch hin oder von Amtes wegen (vgl. Art. 126 Abs. 1 AuG e contrario; ferner BVGE 2008/1 E. 2 mit Hi n-C-3693/2010 Seite 7 weisen). Wenn bei der Anwendung des neuen Rechts auf Verhältnisse abgestellt wird, die zum Teil noch unter der Herrschaft des alten Rechts entstanden sind und die beim Inkrafttreten des neuen Rechts andauern, liegt eine unechte Rückwirkung vor, die – vorbehältlich des Vertrauens- schutzprinzips – grundsätzlich zulässig ist (vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Ve rwaltungsrecht, 6 . Aufl., Zü rich/ St. Gallen 2010, Rz. 337 ff. sowie BVGE 2009/3 E. 3.2). 4.2. Das in Art. 67 AuG geregelte Einreis everbot entspricht der alt - rechtlichen Einreisesperre des Art. 13 ANAG. Auf den 1. Januar 2011 trat als Folge der Weiterentwicklung des Schengen -Besitzstandes eine neue Fassung in Kraft (zum Ganzen vgl. BBl 2009 8881 und AS 2010 5925). Nach Art. 67 Abs. 1 AuG wird ein Einreiseverbot vom BFM unter Vorb e- halt von Abs. 5 nun gegenüber weggewiesenen Ausländerinnen und Aus- ländern verfügt, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die betroffen e Person der Ausreiseverpflichtung nicht nachgekommen ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AuG). Es kann nach Art. 67 Abs. 2 AuG sodann gegen ausländ i- sche Personen erlassen werden, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verst ossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Art. 67 Abs. 2 Bst. b) oder in Vorbereitungs -, Ausschaffungs- oder Durchset- zungshaft genommen werden mussten (Art. 67 Abs. 2 Bst. c). Das Einrei- severbot wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt. Es kann für eine längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann die verfügende Behörde aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG). Die bisher bestehende Praxis der Vorinstanz bei der Ansetzung von Fernhaltemassnahmen ist mit den obgenannten Grundsätzen vereinbar (vgl. BBl 2009 8896 ad Art. 67 Abs. 3 AuG in fine), weswegen sich für die Beschwerdeführerin im Ergebnis nichts ändert (Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts C-820/2009 vom 9. März 2011 E. 5.1 mit Hinweis). 5. 5.1. Das Einreiseverbot will seiner Natur nach nicht vergangenes Feh l- verhalten sanktionieren, sondern der Gefahr einer künftigen Störung der C-3693/2010 Seite 8 öffentlichen Sicherheit und Ordnung vorbeugen (BBl 2002 3813). Die Feststellung einer solchen Ge fahr ist ein Wahrscheinlichkeitsurteil, das sich naturgemäss auf vergangenes Verhalten der betroffenen ausländi - schen Person abstützen muss. Stellt bereits dieses vergangene Verhalten eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar, wird die Gefahr künftiger Störungen von Gesetzes wegen vermutet (BBl 2002 3760; vgl. auch CATERINA NÄGELI / NIK SCHOCH, Ausländische Personen als Straftä - ter und Straftäterinnen, in: Peter Uebersax / Beat Rudin / Thomas Hugi Yar / Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Handbücher für die Anwalts- praxis, Band VIII, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 22.177; a.M . PAUL-LUKAS GOOD / PATRICK SUTTER, Einreiseverbot als Sanktion für vergangenes Verhalten oder Mittel zur Gefahrenabwehr?, in: Sicherheit & Recht 3/2010, S. 199 ff.; zur relativierten Bedeutung der Rückfallgefahr bei au s- länderrechtlichen Administrativmassnahmen gemäss nationalem Recht vgl. BGE 136 II 5 E. 4.2 S. 20 mit Hinweisen). Das Gesetz lässt des halb einen Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung als Anla ss für ein Einreiseverbot genügen, ohne dass die Gefahr einer Stö rung nachgewiesen werden müsste. Nur wenn die Vermutungsbasis nicht e r- füllt ist, verlangt Art. 80 Abs. 2 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit ( VZAE, SR 142.201) konkrete Anhaltspunkte, dass der Aufenthalt der betreffenden Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führt. 5.2. Der Begriff der öffentlichen Sicherheit und Ord nung gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG umfasst die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Eingeschlossen ist die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (BBl 2002 3809; vgl. auch RAINER J. SCHWEIZER / PATRICK SUTTER / NINA WIDMER, Grundbegriffe, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Sicherheits - und Ordnungsrecht des Bundes, SBVR Bd. III/1, Basel 2008, Teil B: Grundbegriffe, Rz. 13 mit Hinweisen). Folge - richtig bezeichnet Art. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE die Missachtung gesetzli - cher Vorschriften beispielhaft als eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Widerhandlungen gegen Normen des Ausländerrechts fa l- len ohne weiteres unter die Begriffsbestimmung und können als solche ein Einreiseverbot nach sich ziehen (vgl. BBl 2002 3813). 6. 6.1. Die Beschwerdeführerin wurde mit rechtskräftigem Urteil des B e- zirksgerichts Zürich vom 14. Oktober 2009 der mehrfachen Täuschung C-3693/2010 Seite 9 der Behörden im Sinne von Art. 118 Abs. 1 AuG und der mehrfachen W i- derhandlung gegen das ANAG im Sinne von dessen Art. 23 Abs. 1 al. 4 schuldig gesprochen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 M o- naten bestraft. Das Bezirksgericht sah es als erstellt an, dass die B e- schwerdeführerin durch das Tätigen falscher Angaben ein Visum erschl i- chen hat. Sie handelte d enn auch in der Absicht, mit jedem gestellten V i- sumantrag die Schweizer Botschaft in Belgrad bezüglich der Einreise - und Aufenthaltsgründe in der Schweiz zu täuschen (vgl. Urteil des B e- zirksgerichts Zürich, S. 56). Ihr hätte auch bewusst sein müssen, dass sie rechtswidrig in die Schweiz einreiste bzw. sich rechtswidrig in der Schweiz aufhielt. Von einer blossen Unvorsichtigkeit bei der Visaerla n- gung, wie es die Beschwerdeführerin hingegen geltend macht, kann d a- mit nicht ausgegangen werden (vgl. Replik vom 6 . September 2010, S. 6). Damit erweisen sich auch die beschwerdeweise getätigten Einwän- de, sie sei stets gewillt gewesen, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten und sie habe sich vor jeder Einreise mit den Einreiseformalitäten auseinandergesetzt, als unhaltbar. 6.2. Ebenfalls als erstellt sah es das Gericht an, dass die Beschwerd e- führerin mit ihrer Vorgehensweise fremdenpolizeiliche Vorschriften und Regeln gänzlich ignorierte und eine allein auf den eigenen Vorteil bedach- te Einstellung an den Tag legte, womit sie in diesem Bereich erhebliche kriminelle Energie aufwendete. Damit sei die objektive Tatschwere im Hinblick auf die Widerhandlung im Sinne von Art. 118 Abs. 1 AuG wie auch bezüglich der Widerhandlung gegen das ANAG als erheblich zu b e- zeichnen (vgl . Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 14. Oktober 2009, S. 62f.). Die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin – insbesondere die beschwerdeweise getätigten Aussagen, ihr Verhalten habe weder von einer erheblichen objektiven Schwere gezeugt n och sei eine erhebliche kriminelle Energie von ihr ausgegangen – können damit nicht gehört wer den; sie kommen bloss appellatorischer Kritik gleich. Liegt im Zeitpunkt der Entscheidung über das Einreiseverbot ein recht s- kräftiges Strafurteil vor, so soll die Behörde nicht ohne Not von den Fes t- stellungen des Strafrichters abweichen (vgl. beispielsweise Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C-6231/6275/2007 vom 7. November 2008 E. 6.5 oder C-33/2006 vom 15. Mai 2007 E. 6.2 [je mit Hinweisen]). Für das Abweichen von der strafrichterlichen Erkenntnis bestand bzw. besteht weder im vorinstanzlichen noch im vorliegenden Verfahren Anlass. Auf den Einwand, die Vorinstanz hätte sich nicht vertieft mit der Anklag e- schrift, den Akten und dem Urteil auseinandergesetzt, kann unter diesen Umständen denn auch nicht eingegangen werden. Dass die Beschwerde-C-3693/2010 Seite 10 führerin das Strafurteil – in welchem nach ihrer Meinung eine viel zu hohe Strafe ausgefällt worden sei, da sie vom Deliktsvorwurf des gewerbsmä s- sigen Betruges freigesprochen worden sei (vgl. Beschwerde vom 21. Mai 2010, Rz. 20) – lediglich deshalb nicht weiter gezogen habe, weil die Strafe bedingt ausgefällt wurde, ist zudem unter Beachtung der obg e- nannten Ausführungen für das vorliegende Verfahren ohne jede Rel e- vanz. Die von de r Beschwerdeführerin verübten mehrfachen Widerhand- lungen – welche klar eine Missachtung gesetzlicher Vorschrif ten darstel- len – sind somit geeignet, ein Einreiseverbot gemäss Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG in der Fassung vom 1. Januar 2008 bzw. Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG in der Fassung vom 1. Januar 2011 nach sich zu ziehen. Von einer "gene- rellen Verhängung" der Fernhaltemassnahme (vgl. Beschwerde, Rz 15) durch die Vorinstanz kann demnach keine Rede sein. 7. Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübu ng des Ermes- sens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältnismä s- sigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem öffentlichen Interesse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beeinträchtig- ten privaten Interessen des Betroffenen andererseits. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des or d- nungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse des Verf ü- gungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen (vgl. statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 613 ff.). 7.1. Das Fehlverhalten der Beschwerdeführerin wiegt objektiv keines- wegs leicht. Mit Blick auf die Dauer der verhängten Massnahme erscheint insbesondere von Belang, dass sie aus rein finanziellen und egoistischen Motiven handelte und eine mehrmalige Tatbegehung vorlag (vgl. Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 14. Oktober 2009, S. 62) . Bereits mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich -Sihl vom 7. Februar 2005 wur- de sie wegen Widerhandlungen gegen das ANAG verurteilt, weil sie sich vom 24. Mai bis zum 3. September 2004 an verschiedenen Daten rechtswidrig in der Schweiz aufgehalten h atte. Dies konnte sie jedoch nicht davon abhalten, während des damals laufenden Strafverfahrens und auch nachdem der Strafbefehl ausgestellt worden war, erneut gegen ausländerrechtliche Bestimmungen zu verstossen, ist sie doch bereits am 9. September 2004 erneut und danach bis zu ihrer Verhaftung im D e- zember 2006 noch mehrmals rechtswidrig in die Schweiz einge reist. So gab sie an, sich mit einem sechs Monate gültigen Visum jeweils 15 Tage C-3693/2010 Seite 11 pro Monat in der Schweiz aufgehalten zu haben (vgl. Urteil des Bezirk s- gerichts Zürich vom 14. Oktober 2009, S. 51 , 53 und 67). Die Beschwer- deführerin hat sich somit während zweieinhalb Jahren regelmässig rechtswidrig in der Schweiz aufgehalten. Dieses Verhalten, welches vorab auf die Erlangung persönlicher finanzieller Vorteile ausgerichtet war, ve r- mittelt das Bild einer Geringschätzung hiesiger Konventionen und Gese t- zesnormen. Sowohl aus Gründen der Spezial - als auch der Generalpr ä- vention bestehen somit gewichtige öffentliche Interessen an einer Fer n- haltung der Beschwerdeführerin, hat sie doch eine erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt (vgl. Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 14. Oktober 2009, S. 62). 7.2. Auf der anderen Seite is t zu berücksichtigen, dass die Beschwerde- führerin rund vier Monate in Untersuchungshaft verbrachte. Diese Erfa h- rung könnte Anlass für sie sein, sich künftig wohl zu verhalten. Gewisse Zweifel diesbezüglich sind hingegen sicherlich nicht ganz auszuschlie s- sen (vgl. E. 7.1.). Auch hat das Bezirksgericht Zürich diesen Umstand bei der Festlegung der Dauer der Probezeit mitberücksichtigt (vgl. Urteil vom 14. Oktober 2009, S. 67). 7.3. An persönlichen Interessen macht die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitteleingabe geltend, sie sei als Finanzdienstleisterin zwingend darauf angewiesen, in ganz Europa reisen zu können. Sie besitze wicht i- ge Kundschaft in der Schweiz und den EU -Ländern. Da sie grosses Ve r- trauen zu ihren Kunden aufgebaut habe, erfordere dies auch weiterhin deren persönliche Betreuung. Ein Einreiseverbot für den ganz en Schen- genraum hätte zur Folge, dass ihr die Ausübung ihres Berufes nicht mehr möglich sei. Der Schengenraum sei für serbische Geschäftsleute der wichtigste Wirtschaftsraum überhaupt. Ein Einreiseverbot für den ganzen Schengen-Raum würde das wirtschaftlic he Ende für sie bedeuten. Die damit einhergehende existenzielle Gefährdung sei als schwerer Eingriff in ihre Privatsphäre zu werten. Diese Betroffenheit überwiege ein – von ihr überdies bestrittenes – öffentliches Interesse an einem Einreiseverbot mehr als deutlich. Das Einreiseverbot sei somit unverhältnismässig. Diesbezüglich gilt es auszuführen, dass der Kontakt zwischen der B e- schwerdeführerin und ihren Kunden wohl vor allem durch Briefverkehr, Telefonate, E-Mail-Verkehr, Videotelefonie usw. abläuft. Im Falle der u n- umgänglichen persönlichen Betreuung der Kunden ist darauf hinzuwe i- sen, dass das Einreiseverbot keineswegs absolut gilt. Einerseits können die schweizerischen Behörden auf Gesuch hin und bei Vorliegen stichhal-C-3693/2010 Seite 12 tiger Gründe die Wirkungen des Einr eiseverbots für bestimmte Zeit au s- setzen (Art. 67 Abs. 5 AuG). Folglich steht es der Beschwerdeführerin nö- tigenfalls frei, bei der Vorinstanz ein Gesuch um Suspension zu stellen. Die Suspension wird aber praxisgemäss nur für eine kurze und klar b e- grenzte Z eit gewährt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-2681/2010 vom 6. Mai 2011 E. 6.3 mit Hinweis ). Andererseits haben die übrigen Schengen -Staaten in ähnlicher Weise die Möglichkeit, der Beschwerdeführerin ungeachtet des Einreiseverbots di e Einreise in das eigene Hoheitsgebiet unter bestimmten Voraussetzungen zu gestatten. 7.4 Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden Interessen führt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Anordnung des Einreiseverbots als solches nicht zu beanstanden ist und sich dessen Dauer von vier Jahren als verhältnismässig und angemessen erweist. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt; sie ist auch angemessen (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-3693/2010 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten vo n Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.- ver- rechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: