<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 42 S.147</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>42</b></span> <span class="ft2"><b>Bedeutung von Gutachten der Eidgen. Natur- und Heimatschutzkommis-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sion (ENHK) nach Art. 17a NHG; Mitwirkungsrechte im Verwaltungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verfahren.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die ENHK kann auf Ersuchen oder mit Zustimmung eines Kantons</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zu Vorhaben im kantonalen Aufgabenbereich tätig werden (Erw. 6/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Keine Beeinträchtigung der formellen Mitwirkungsrechte, wenn ein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gutachter Ortsbesichtigungen zu seiner Orientierung im Gelände und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ohne Anwesenheit der Parteien durchführt (Erw. 6/d und e).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Gutachten der ENHK unterliegen der freien Beweiswürdigung und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>können die für eine Interessenabwägung notwendigen Sachverhalts-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>feststellungen, insbesondere für die Abgrenzung einer Naturschutz-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zone, nicht ersetzen (Erw. 7/b und d).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">148</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 22. Oktober 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen F. AG gegen den Genehmigungsentscheid des Grossen Rates vom 16. Ja-</span><br/> <span class="ft3">nuar 2001 und den Entscheid des Regierungsrates vom 17. Mai 2000.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">6. Der Beschwerdeentscheid begründet die Zuweisung zur Na-</span><br/> <span class="ft1">turschutzzone Magerwiese ergänzend mit dem Gutachten der ENHK</span><br/> <span class="ft1">vom 17. Februar 1999. Gegen dieses Gutachten erheben die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerinnen formelle Rügen und machen geltend, der</span><br/> <span class="ft1">ENHK fehle die gesetzliche Kompetenz und Legitimation zur Er-</span><br/> <span class="ft1">stattung eines Gutachtens für das umstrittene Gebiet. Vor der Ex-</span><br/> <span class="ft1">pertenernennung hätte keine Anhörung stattgefunden noch hätten die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerinnen an der Begehung durch die Mitglieder der</span><br/> <span class="ft1">Kommission teilnehmen können.</span><br/> <span class="ft1">a) Der durch Art. 29 Abs. 2 BV und § 15 VRPG gewährleistete</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung</span><br/> <span class="ft1">und garantiert andererseits den Betroffenen ein persönlichkeitsbezo-</span><br/> <span class="ft1">genes Mitwirkungsrecht im Verfahren. Dazu gehört nach der Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung, dass sich die Betroffenen vor Erlass des Entscheids zur</span><br/> <span class="ft1">Sache äussern, erhebliche Beweise beibringen, Einsicht in die Akten</span><br/> <span class="ft1">nehmen und an der Erhebung von Beweisen entweder mitwirken</span><br/> <span class="ft1">oder sich zumindest zum Beweisergebnis äussern können, wenn</span><br/> <span class="ft1">dieses geeignet ist, einen Entscheid zu beeinflussen (BGE 127 I 56;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1997, S.</span> <span class="ft1">373; VGE IV/11 vom 16.</span> <span class="ft1">Mai 2003</span><br/> <span class="ft1">[BE.2002.000127] in Sachen H. und Mitb., S. 11; Michele Albertini,</span><br/> <span class="ft1">Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsverfahren des modernen Staates, Diss. Bern 2000, S. 259</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen; Reinhold Hotz, in: Bernhard Ehrenzeller/Philippe</span><br/> <span class="ft1">Mastronardi/Rainer J. Schweizer/Klaus A. Vallender, Die schweize-</span><br/> <span class="ft1">rische Bundesverfassung, Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2002</span><br/> <span class="ft1">[Kommentar BV], Art. 29 N 23 ff.; René Rhinow/Heinrich Kol-</span><br/> <span class="ft1">ler/Christina Kiss, Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungs-</span><br/> <span class="ft1">recht des Bundes, Basel 1996, Rz. 285). Der verfassungsrechtliche</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf Mitwirkung am Beweisverfahren umfasst die Teilan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">149</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sprüche, Beweisanträge zu stellen, an den Beweiserhebungen teilzu-</span><br/> <span class="ft1">nehmen und sich zum Ergebnis des Beweisverfahrens zu äussern</span><br/> <span class="ft1">(Hotz, a.a.O., Art. 29 N 33 mit Hinweisen; BGE 126 I 16 und</span><br/> <span class="ft1">BGE 126 V 131 f.). Im Verwaltungsverfahren gilt das Mitwirkungs-</span><br/> <span class="ft1">oder Äusserungsrecht des Betroffenen namentlich im Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang mit der Durchführung eines Augenscheins (BGE 121 V 152 f.;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1999, S. 361 ff.; 1986, S. 337). Hinsichtlich der Anordnung</span><br/> <span class="ft1">einer verwaltungsexternen Expertise im Verwaltungsverfahren, deren</span><br/> <span class="ft1">Aufgabe es ist, den konkreten Sachverhalt festzustellen und/oder zu</span><br/> <span class="ft1">würdigen, sind mangels weitergehender kantonaler Verfahrensregeln</span><br/> <span class="ft1">die Minimalanforderungen der verfassungsrechtlichen Garantie ein-</span><br/> <span class="ft1">zuhalten. § 22 VRPG bindet die Verwaltungsbehörden bei der Be-</span><br/> <span class="ft1">weiserhebung nicht wie das Verwaltungsgericht an die Verfahrensre-</span><br/> <span class="ft1">geln der Zivilprozessordnung (§ 22 Abs. 1 und Abs. 3 Satz 1 e con-</span><br/> <span class="ft1">trario VRPG; AGVE 1986, S. 336). Auch aus § 15 VRPG ergeben</span><br/> <span class="ft1">sich für das Verfahren der Experteninstruktion und die Tätigkeit der</span><br/> <span class="ft1">Experten keine zusätzlichen Mitwirkungsrechte der Betroffenen.</span><br/> <span class="ft1">Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts hält im</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsverfahren eine Beweiserhebung mittels Expertise vor der</span><br/> <span class="ft1">Verfassung stand, wenn den Betroffenen das Äusserungsrecht nach</span><br/> <span class="ft1">Erstattung des Gutachtens eingeräumt wird, die Experten vor</span><br/> <span class="ft1">Bestellung und Erstattung des Gutachtens förmlich in Pflicht</span><br/> <span class="ft1">genommen werden und die Betroffenen bei der Instruktion teilneh-</span><br/> <span class="ft1">men können (AGVE 1999, S. 361 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss Art. 17a NHG erstattet die ENHK Gutachten, wo es</span><br/> <span class="ft1">sich nicht um die Erfüllung einer Bundesaufgabe handelt. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung wurde vom Bundesrat in Art. 25 Abs. 1 lit. e NHV wie</span><br/> <span class="ft1">folgt konkretisiert:</span><br/> <span class="ft3">"Sie [ENHK und EKD] erstatten besondere Gutachten (Art. 17a NHG), sofern</span><br/> <span class="ft3">ein Vorhaben, das keine Bundesaufgabe nach Art. 2 NHG darstellt, ein Objekt</span><br/> <span class="ft3">beeinträchtigen könnte, das in einem Inventar des Bundes nach Art. 5 NHG aufge-</span><br/> <span class="ft3">führt oder anderweitig von besonderer Bedeutung ist."</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesrecht unterscheidet damit Gutachten nach Art. 17a</span><br/> <span class="ft1">NHG von den obligatorischen und fakultativen Gutachten nach Art. 7</span><br/> <span class="ft1">und 8 NHG, wo es um die Erfüllung von Bundesaufgaben geht und</span><br/> <span class="ft1">die ENHK oder auf Ersuchen des BUWAL eine kantonale Fachstelle</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">150</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">oder ein kantonales Organ (Art. 9 NHG) zur Erstattung einer</span><br/> <span class="ft1">Expertise verpflichtet sind oder werden können und die ENHK von</span><br/> <span class="ft1">Amtes wegen tätig wird. Die Gutachten nach Art. 17a NHG, welche</span><br/> <span class="ft1">nicht die Erfüllung einer Bundesaufgabe beinhalten, setzen entweder</span><br/> <span class="ft1">die Beeinträchtigung eines Bundesinventars oder ein Objekt von</span><br/> <span class="ft1">anderweitig besonderer Bedeutung voraus (Jörg Leimbacher,</span><br/> <span class="ft1">Kommentar NHG, Art. 17a N 1 ff.). Art. 17a NHG und Art. 25 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">lit. e NHV umschreiben aber die Zuständigkeit der ENHK nicht ab-</span><br/> <span class="ft1">schliessend und schliessen insbesondere nicht aus, dass die ENHK</span><br/> <span class="ft1">tätig wird und dabei feststellt, dass keine Objekte der Bundesinven-</span><br/> <span class="ft1">tare oder solche von besonderer Bedeutung beeinträchtigt sind. Die</span><br/> <span class="ft1">ENHK kann in diesem Sinn und auf Ersuchen oder mit Zustimmung</span><br/> <span class="ft1">eines Kantons auch beratend tätig werden, ohne dass die Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zungen von Art. 17a NHG und Art. 25 Abs. 1 lit. e NHV erfüllt sind</span><br/> <span class="ft1">(ähnlich Leimbacher, a.a.O., Art. 17a N 6 f.). Mit andern Worten ha-</span><br/> <span class="ft1">ben die gesetzlichen Zuständigkeitsregeln nur die Bedeutung, dass</span><br/> <span class="ft1">die ENHK oder das BUWAL eine Expertentätigkeit der Kommission</span><br/> <span class="ft1">ablehnen kann, wenn die Voraussetzungen von Art. 17a NHG i.V.m.</span><br/> <span class="ft1">Art. 25 Abs. 1 lit. e NHV nicht gegeben sind.</span><br/> <span class="ft1">c) Der Regierungsrat und die ENHK stützen sich für die Legi-</span><br/> <span class="ft1">timation des Gutachtens vom 17. Februar 1999 auf den Umstand,</span><br/> <span class="ft1">dass auf Grund der bis zum Expertenauftrag vorhandenen Grundla-</span><br/> <span class="ft1">gen und den vorgenommenen Abklärungen zumindest ein kantonales</span><br/> <span class="ft1">Interesse bestehe und ein bundesweites Interesse nicht von vorn-</span><br/> <span class="ft1">herein ausgeschlossen bzw. denkbar sei. Der Sekretär der ENHK hat</span><br/> <span class="ft1">anlässlich der Orientierungsversammlung vom 2. Dezember 1998 für</span><br/> <span class="ft1">das Gutachten vom 17. Februar 1999 zudem ausdrücklich darauf</span><br/> <span class="ft1">hingewiesen, dass die ENHK auch Gutachten erstellt zu Vorhaben,</span><br/> <span class="ft1">die in den kantonalen Aufgabenbereich fallen und nicht unbedingt</span><br/> <span class="ft1">Schutzgebiete von nationaler Bedeutung betreffen. Die Kommission</span><br/> <span class="ft1">sieht ihre Funktion vorliegend auch vornehmlich in einer beratenden</span><br/> <span class="ft1">Tätigkeit zuhanden des Regierungsrats zur Begutachtung der von der</span><br/> <span class="ft1">Verwaltung festgestellten Naturschutzaspekte und in der Abgabe von</span><br/> <span class="ft1">Empfehlungen. Mit dieser Einschränkung und insoweit entgegen der</span><br/> <span class="ft1">im Beschwerdeentscheid geäusserten Auffassung ist mit der Tätigkeit</span><br/> <span class="ft1">der ENHK im vorliegenden Verfahren weder die Beeinträchtigung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">eines im Bundesinventar nach Art. 5 NHG aufgeführten oder eines</span><br/> <span class="ft1">anderweitig als von besonderer Bedeutung betrachteten Naturobjekts</span><br/> <span class="ft1">impliziert. Anderseits untersteht das Gutachten der ENHK der freien</span><br/> <span class="ft1">Beweiswürdigung (BGE 125 II 602; Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">22. Juli 1999, in: Umweltrecht in der Praxis [URP] 1999, S. 794 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Dabei ist insbesondere den Umständen und dem Inhalt eines Gut-</span><br/> <span class="ft1">achtens nach Art. 17a NHG, welches im Sinne der guten Dienste ei-</span><br/> <span class="ft1">ner Bundesbehörde erstellt wurde, Rechnung zu tragen. Mit andern</span><br/> <span class="ft1">Worten ist die Frage, ob die ENHK zu Recht oder zu Unrecht das</span><br/> <span class="ft1">Gutachten erstattet hat, vom Problem der Verbindlichkeit des vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Gutachtens der ENHK zu unterscheiden.</span><br/> <span class="ft1">d) Nach § 22 Abs. 1 VRPG kann die Verwaltungsbehörde zur</span><br/> <span class="ft1">Abklärung eines Sachverhalts Expertisen anordnen.</span><br/> <span class="ft1">aa) Von den Beschwerdeführerinnen wird die fachliche Kom-</span><br/> <span class="ft1">petenz der ENHK zu Recht nicht in Frage gestellt. Ob die ENHK auf</span><br/> <span class="ft1">Grund von Art. 17a NHG und Art. 25 Abs. 1 lit. e NHV berechtigt</span><br/> <span class="ft1">war, ein Gutachten zu erstellen, ist eine Frage, die im Verhältnis der</span><br/> <span class="ft1">ENHK zur zuständigen Bundesbehörde relevant sein kann, nicht aber</span><br/> <span class="ft1">für die Zulässigkeit ihrer Expertentätigkeit im Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">vor dem Regierungsrat. Die Stellung der ENHK als beratende Kom-</span><br/> <span class="ft1">mission des Bundes sowie ihre Organisation mit der Wahl durch den</span><br/> <span class="ft1">Bundesrat (Art. 25 Abs. 1 NHG und Art. 24 Abs. 1 NHV) erfordern</span><br/> <span class="ft1">auch nicht, dass die Mitglieder der ENHK förmlich in Pflicht genom-</span><br/> <span class="ft1">men werden.</span><br/> <span class="ft1">bb) Der Gutachterauftrag wurde vom damaligen Vorsteher des</span><br/> <span class="ft1">Baudepartements am 12. Januar 1998 ohne vorherige Anfrage bei</span><br/> <span class="ft1">den betroffenen Grundeigentümern in Auftrag gegeben. Sämtliche</span><br/> <span class="ft1">Beteiligten hatten aber die Gelegenheit, Ergänzungsfragen zu stellen.</span><br/> <span class="ft1">Das Baudepartement teilte sodann mit Schreiben vom 2. Juli 1998</span><br/> <span class="ft1">allen Beteiligten mit, dass am 23. Juli 1998 eine Begehung durch</span><br/> <span class="ft1">eine Delegation der ENHK und zwei weitere Begehungen zu einem</span><br/> <span class="ft1">späteren Zeitpunkt stattfinden werden. Den Verfahrensbeteiligten</span><br/> <span class="ft1">wurde auch mitgeteilt, sie würden nachträglich Gelegenheit haben,</span><br/> <span class="ft1">zum Bericht der ENHK schriftlich Stellung zu nehmen. Weitere Be-</span><br/> <span class="ft1">gehungen der Experten fanden am 19. und 22. Juli, 6. August und</span><br/> <span class="ft1">4. September 1998 im Gebiet "Bruggerberg" statt. Der Experte K.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">152</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führte an der Orientierungsversammlung vom 2. Dezember 1998</span><br/> <span class="ft1">hiezu aus, dass er sich bei seinen verschiedenen Begehungen ein Bild</span><br/> <span class="ft1">über die hier "zugängliche Grünlandvegetation, welche seinen</span><br/> <span class="ft1">Niederschlag auf der vorliegenden Vegetationskarte gefunden habe",</span><br/> <span class="ft1">verschafft habe. Auf dieser Karte sei ersichtlich, wo die Arten, die</span><br/> <span class="ft1">der Kanton als typische Arten von geschützten, trockenen Lebens-</span><br/> <span class="ft1">räumen bezeichnet, vorkommen. Es würden sich aber auch Arten fin-</span><br/> <span class="ft1">den, die gemäss Naturschutzverordnung geschützt seien. Es könne</span><br/> <span class="ft1">somit parzellenscharf ausgesagt werden, wo was vorkomme resp. wo</span><br/> <span class="ft1">sich die als schützenswert bezeichneten Grünlandtypen befänden. Im</span><br/> <span class="ft1">Folgenden zeigt es sich, dass über die Begehungen nur ungefähre</span><br/> <span class="ft1">Standortangaben möglich waren. Der Sekretär der ENHK stellte</span><br/> <span class="ft1">zwar eine Datenliste mit den ungefähren Begehungsorten ohne</span><br/> <span class="ft1">Parzellenbezeichnung zusammen mit dem Gutachten in Aussicht.</span><br/> <span class="ft1">Diese Grundlagen des Gutachtens wurden im regierungsrätlichen</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahren weder den Verfahrensbeteiligten noch dem</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrat als Entscheidbehörde zugestellt. Damit ist fest-</span><br/> <span class="ft1">zuhalten, dass den Beschwerdeführerinnen wesentliche Grundlagen</span><br/> <span class="ft1">fehlten, soweit der Plan von Prof. K. weitere oder andere Fest-</span><br/> <span class="ft1">stellungen zu ökologischen Werten mit Bezug auf ihre Parzellen</span><br/> <span class="ft1">Nrn. ... enthalten hatte. Die ENHK hat vor Verwaltungsgericht die</span><br/> <span class="ft1">von Prof. K. aufgenommenen Vegetationskarten und Routenkarten</span><br/> <span class="ft1">eingereicht. Im Plan von Prof. K. und aus der Datenliste ist ersicht-</span><br/> <span class="ft1">lich, dass eine Begehung der Parzellen Nrn. ... am 23. Juni 1998</span><br/> <span class="ft1">stattgefunden hat. Dabei wurden keine über die kantonalen Fest-</span><br/> <span class="ft1">stellungen hinausgehenden Sachverhaltsfeststellungen gemacht: Die</span><br/> <span class="ft1">von Prof. K. gefundenen Pflanzen (Bromus erectus, Origanum vul-</span><br/> <span class="ft1">gare und Ranunculus bulbosus) wurden auch schon vom kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Sachverständigen an seiner Begehung vom 3.</span> <span class="ft1">September 1997</span><br/> <span class="ft1">festgehalten. Das von der ENHK eingeholte Stechimmeninventar</span><br/> <span class="ft1">macht zu den Parzellen der Beschwerdeführerinnen keine Aussagen.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Beurteilung des faunistischen Potentials des "Bruggerbergs"</span><br/> <span class="ft1">stützte sich die ENHK ausserdem auf den Bericht der KARCH (...)</span><br/> <span class="ft1">sowie auf das kantonale Reptilieninventar, ohne eigene Untersuchun-</span><br/> <span class="ft1">gen anzustellen. Bestehen keine zusätzlichen, über die Berichte der</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Sachverständigen hinausgehenden Sachverhaltsfeststel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">153</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lungen und Erkenntnisse der ENHK zu den Parzellen Nrn. ..., ist der</span><br/> <span class="ft1">verfassungsrechtliche Gehörsanspruch der Beschwerdeführerinnen</span><br/> <span class="ft1">nicht verletzt.</span><br/> <span class="ft1">cc) Unbestritten ist, dass sich die Beschwerdeführerinnen zum</span><br/> <span class="ft1">Gutachten äussern konnten sowie die Möglichkeit zu Ergänzungs-</span><br/> <span class="ft1">fragen hatten und die Verfahrensgarantien insoweit gewahrt sind.</span><br/> <span class="ft1">Bedenken hinsichtlich der Mitwirkungsrechte der Betroffenen beste-</span><br/> <span class="ft1">hen durch die Verfahrensleitung bei der Beweiserhebung. Die An-</span><br/> <span class="ft1">kündigung eines einzigen Besichtigungstermins zur Orientierung in</span><br/> <span class="ft1">einem Gebiet, welches den gesamten "Bruggerberg" umfasst, stellt</span><br/> <span class="ft1">keine realistische Möglichkeit für die verfahrensrechtlich gebotene</span><br/> <span class="ft1">Teilnahme und Mitwirkung der Betroffenen an einem formellen Au-</span><br/> <span class="ft1">genschein dar. Wesentlich für die Verfahrensgarantien ist entgegen</span><br/> <span class="ft1">der Vorinstanz nicht die "Tätigkeit der ENHK mit der Begutachtung"</span><br/> <span class="ft1">oder der "Sinn des Gutachtens", sondern der Inhalt, das Ziel und der</span><br/> <span class="ft1">Zweck einer Besichtigung durch die Experten. Die ENHK hat mit</span><br/> <span class="ft1">diesen Besichtigungen indessen die Sachverhaltsfeststellung und</span><br/> <span class="ft1">Grundlagen zum Biotop- und Artenschutz im Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">hinsichtlich der Parzellen Nrn. ... nicht ergänzt, sondern blosse Orts-</span><br/> <span class="ft1">besichtigungen der Experten zur Orientierung im Gelände durchge-</span><br/> <span class="ft1">führt (vgl. BGE vom 24. September 1996, in: URP 1996 S. 824 und</span><br/> <span class="ft1">§ 257 Abs. 1 ZPO im Zivilprozess). Eine Sachverhaltsergänzung zu</span><br/> <span class="ft1">Kennarten nach der NSV zum Reptilienschutz und der Schutzwür-</span><br/> <span class="ft1">digkeiten von Naturobjekten auf den Parzellen Nrn. ... ist aus den</span><br/> <span class="ft1">von der ENHK eingereichten Akten auch nicht zu entnehmen.</span><br/> <span class="ft1">e) Aus den vorstehenden Gründen ergibt sich, dass die Mitwir-</span><br/> <span class="ft1">kungsrechte der Beschwerdeführerinnen bei den Erhebungen durch</span><br/> <span class="ft1">die ENHK zwar beschränkt waren, dies aber keine Verletzung des</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Gehörs darstellt, nachdem der massgebliche Sachverhalt</span><br/> <span class="ft1">für die umstrittenen Parzellen durch die Ortsbesichtigung nicht er-</span><br/> <span class="ft1">gänzt wurde. Der Regierungsrat hat auch - auf Grund der Fragestel-</span><br/> <span class="ft1">lung - den Zweck des Gutachtens in der Überprüfung der Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">der Schutzwürdigkeit durch die kantonalen Stellen und auf der</span><br/> <span class="ft1">Grundlage der kantonalen Unterlagen gesehen. Unter diesen Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen liegt in der fehlenden Möglichkeit der Beschwerdeführerin-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">154</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nen, an den Begehungen der ENHK-Experten teilzunehmen, keine</span><br/> <span class="ft1">Beeinträchtigung ihrer Mitwirkungsrechte.</span><br/> <span class="ft1">Das Gutachten und die Beweiserhebung sind daher in formeller</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht weder unter Art. 29 Abs. 2 BV noch nach § 15 und § 22</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 VRPG zu beanstanden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>