B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4272/2018 U r t e i l v o m 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Kolumbien, vertreten durch Rechtsanwältin B._______, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 25. Juni 2018 / N (…). E-4272/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer sei zusammen mit seiner Familie – die Eltern, Ge- schwister (N […]) sowie ein Cousin (N […]) – am (…) 2018 von C._______ (Departemento D._______) nach Bogotá gefahren, von wo aus sie am (…) 2018 per Flugzeug das Heimatland verliessen. Am 20. April 2018 reichten sie in der Schweiz ihre Asylgesuche ein. B. Anlässlich der Befragung vom 9. Mai 2018 und der Anhörung vom 24. Mai 2018 brachte der Beschwerdeführer vor, dass die Familie von Dissidenten der FARC („Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“) – respektive von den „Bacrim“ („Bandas criminales emergentes“) – mit dem Tod bedroht worden sei, weil sein Vater als Menschenrechtsaktivist gearbeitet habe. Bei dieser Arbeit sei er, wegen seinen körperlichen Beeinträchtigungen, durch einzelne Familienmitglieder unt erstützt worden. Er habe den Opfern des kolumbianischen Bürgerkrieges jeweils geholfen, diverse Formulare aus- zufüllen, um Entschädigungen oder sonstige Hilfe zu erhalten. Erstmals seien sie am (…) 2015, weil sein Vater sich damals auch für eine linksge- richtete Partei engagiert habe, gewarnt worden. Letztmals sei dies am (…) 2017 geschehen, als sein Vater fast angefahren worden sei. Sie hätten je- weils Anzeigen erstattet, welche indes von Behörde zu Behörde weiterge- leitet worden seien, weshalb offensichtlich sei, dass der kolumbianische Staat kein Schutz garantieren könne. Nachdem am (…) 2018 bewaffnete Personen ihr Haus aufgesucht hätten, um nach dem Vater zu suchen, hät- ten sie sich entschieden, das Land zu verlassen (A5 S. 7 f.; A7 F12 ff.). Eigene Verfolgungsgründe brachte der Beschwerdeführer keine vor (A5 S. 8; A7 F14 ff.). C. Mit Verfügung vom 25. Juni 2018 – eröffnet am 27. Juni 2018 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. D. Mit Eingabe vom 18. Juli 2018 (Poststempel: 23. Juli 2018) an das Bun- desverwaltungsgericht ersuchte die Rechtsvertreterin im Namen des Be- schwerdeführers, dass die Frist für die Einreichung einer Beschwerde zu erstrecken sei. E-4272/2018 Seite 3 E. Mit Zwischenverfügung vom 26. Juli 2018 nahm die zuständige Instrukti- onsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts diese Eingabe als Be- schwerde entgegen und forderte den Beschwerdeführer auf, diese im Sinne von Art. 52 Abs. 1 VwVG zu verbessern. F. Am 3. August 2018 reichte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsver- treterin eine Beschwerdeverbesserung ein und beantragte, dass die ange- fochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur Sach- verhaltsabklärung an die Vo rinstanz zurückzuweisen sei; implizit sei der Beschwerdeführer als Flüchtlinge anzuerkennen und ihm Asyl zu erteilen; eventualiter sei ein Vollzugshindernis festzustellen. Ausserdem sei der Be- schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und im Sinne einer su- perprovisorischen Massnahme ein Vollzugsstopp anzuordnen. Ferner sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und in der Person der Rechtsvertreterin eine amtliche Rechtsbeiständin zu bestellen. Als Beilagen zur Beschwerde befinden sich – neben bereits eingereichten Dokumenten – verschiedene Berichte und Presseartikel über die Situation in Kolumbien sowie mehrere Bestätigungsschreiben. G. In den vorinstanzlichen Akten liegen unter anderem die Identitätskarte, der Reisepass sowie eine Kopie eines Auszuges des Geburtsregisters des Be- schwerdeführers. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be - schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent schei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). E-4272/2018 Seite 4 Eine solche Ausnahme im Sinne von A rt. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimie rt ( Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten. 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerde in Verwaltungssa- chen aufschiebende Wirkung. Weil die Vorinstanz die aufschiebende Wir- kung der Beschwerde nicht entzogen hat (Art. 55 Abs. 2 VwVG), wird auf die Gesuche, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu ertei- len und ein superprovisorischer Vollzugsstopp anzuweisen, mangels Rechtsschutzinteresse nicht eingetreten. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Ric hterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Vorweg ist die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung zu prüfen, da ein allenfalls ungenügend abgeklärter Sachverhalt eine materi- elle Behandlung verunmöglichen würde. In der Beschwerde wurde in all- gemeiner Weise darauf hingewiesen, dass Menschenrechtsaktivisten und ihre Familien in Kolumbien äusserst gefährdet seien. Das SEM habe in seinen Erwägungen weder die konkreten politischen Aktivitäten des Vaters des Beschwerdeführers noch die Todesdrohungen durch paramilitärische Organisationen berücksichtigt. Mit dieser Begründung wird jedoch nicht E-4272/2018 Seite 5 eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung, welche vorliegend nicht zu bemängeln ist, gerügt, sondern der Anspruch auf rechtliches Gehör. 4.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in Art. 29 ff. VwVG für das Bun- desverwaltungsverfahren konkretisierte Grundsatz des Anspruchs auf rechtliches Gehör umfasst unter anderem das Recht der Parteien, vor Er- lass der Verfügung angehört zu werden (Art. 30 Abs. 1 VwVG). Ferner hat die Behörde die Pflicht, alle erheblichen und rechtzeitigen Vorbringen der Parteien zu würdigen, bevor sie verfügt (Art. 32 Abs. 1 VwVG), und ihre Verfügung zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). 4.3 Durch die Begründungspflicht ist d as SEM angehalten, die wesentli- chen Überlegungen zu nennen, von denen es sich hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Dem ist die Vorinstanz nachgekommen, weil sie in ihrer Verfügung vom 25. Juni 2018 ausführlich darlegt hat, dass bei Übergriffen Dritter zunächst zu prüfen ist, ob der Heimatstaat genügend Schutz für die bedrohte Person bieten kann und will. Dabei kam die Vor - instanz zum Schluss, dem kolumbianischen Staat könne weder mangeln- der Schutzwille noch mangelnde Schutzfähigkeit unterstellt werden (Art. 3 AsylG). Weiter führte das SEM aus, dass der Beschwerdeführer nicht auf den Schutz eines Drittstaates angewiesen sei, weil eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe (Art. 3 AsylG). Schliesslich legte es dar, dass nicht nachvollziehbar sei (Art. 7 AsylG), weshalb die Ausreise erst im (…) 2018 erfolgt sei, obwohl die letzte persönliche Bedrohung bere its im (…) 2017 geschehen sei (im […] 2018 sei niemand ausser der Tante des Be- schwerdeführers zu Hause gewesen). Auf widersprüchliche Schilderungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern müsse bei dieser Sachlage nicht eingegangen werden. Es ist davon auszugehen, dass das SEM dies- bezügliche Beweistücke genügend gewürdigt hat. Das konkrete Dokument der „Personería Municipal de C._______“ (Beschwerdebeilage 9) konnte vom SEM bis anhin nicht direkt berücksichtigt werden, zumal es erst am 5. Juli 2018 erlassen wurde. 4.4 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist nach dem Gesagten nicht ver- letzt, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Grün- den aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im E-4272/2018 Seite 6 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge - geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Materiell trägt der Beschwerdeführer vor, d ie Situation sei für Men- schenrechtsaktivisten und ihre Familien in Kolumbien schon aus genereller Sicht äusserst gefährlich, aber vorliegend sei auch konkret belegt, dass sein Vater durch paramilitärische Organisationen bedroht sei. Der kolum- bianische Staat sei nicht in der Lage, gefährdete Menschenrechtsaktivisten und ihre Familien zu schützen. Aus den Unterlagen ergebe sich eindeutig, dass die angerufenen Behörden sich für den Schu tz der Familie nicht zu- ständig fühlten und die Verantwortung dafür jeweils weiterleiten würden. Ausserdem sei vorliegend keine Fluchtalternative zu erkennen, da die er- wähnten paramilitärischen Organisationen nicht nur lokal, sondern in ganz Kolumbien aktiv seien. 6.2 Eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure – wie vorliegend die er- wähnten paramilitärischen Organisationen – kann grundsätzlich flücht- lingsrelevant sein, wenn es der betroffenen Person nicht möglich ist, davor im Heimatstaat adäquaten Schutz zu finden. Nach der sogenannten Schutztheorie ist nichtstaatliche Verfolgung nur dann asylrelevant, wenn der Staat unfähig oder nicht willens ist, Schutz vor besagter Verfolgung zu bieten. Es ist dabei vom Staat nicht eine faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Perso- nen zu verlangen, weil es keinem Staat gelingen kann, die absolute Sicher- heit seiner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine funktionierende und effiziente Schutzinfra- struktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie an polizeiliche Aufgaben E-4272/2018 Seite 7 wahrnehmende Organe wie an ein Rechts - und Justizsystem zu denken ist, welches eine effektive Strafverfolgung ermöglicht. Ob das bestehende Schutzsystem als in diesem Sinne effizient erachtet werden kann, hängt letztlich auch davon ab, ob der Schutz die von Verfolgung betroffene Per- son tatsächlich erreicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3 m.w.H.). Die Inan- spruchnahme dieses Schutzsystems muss der betr offenen Person dem- nach objektiv zugänglich und individuell zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter Berücksichtigung des länderspezifi- schen Kontexts zu beurteilen ist. 6.3 Wie das Erstatten von diversen Anzeigen durch den Vater des Be- schwerdeführers gezeigt hat, ist das kolumbianische Schutzsystem für ihn zugänglich. Auch hat die Polizei nach dem Vorfall vom (…) 2017 offenbar durch Patrouillen versucht, die Gefährdungslage der gesamten Familie zu minimieren. Aus den Akten des Vaters ergibt sich ferner, dass der Vorfall vom (…) 2017 am (…) 2017 der „ Personería Municipal de C._______“ gemeldet wurde (N […], A2, Beweismittel 3). Am (…) 2018 wurde die Anzeige der Polizei weitergeleitet (N […], A2, Beweismittel 4) und verschiedene Stellen wurden aufgefordert, Schutzvorschläge zu erbringen ( N […], A2, Beweismittel 5). Schliesslich erwiderte die „Unidad Nacional de Protección“ in Bogotá am (…) 2018, dass die Situation von einer „Grupo de Valoración Preliminar“ (GVP) analysiert werde. Es erstaunt somit nicht, dass sich die „Unidad para las Víctimas“ gemäss Schreiben vom (…) 2018 (Beschwerdebeilage 10) für das Ereignis vom (…) 2017 als nicht zuständig erachtete. Die einge- reichte polizeiliche Broschüre über den Selbstschutz (Beschwerde bei- lage 11) ist ausserdem positiv als allgemeine Zusatzinformation zu werten. Es kann folglich nicht gesagt werden, dass die Drohungen – deren Glaub- haftigkeit im vorliegenden Urteil offen gelassen werden können – von Ko- lumbien aufgrund fehlender Schutzbereitschaft tat enlos hingenommen werden. 6.4 Die Einschätzung des SEM ist zu bestätigen, dass interne Fluchtalter- nativen bestehen, weshalb nicht davon auszugehen ist, die paramilitäri- schen Organisationen würden die Familie des Beschwerdeführers in ganz Kolumbien verfolgen. D ies ergibt sich daraus, dass Kolumbien nicht flä- chendeckend von den Paramilitärs beherrscht wird und das Profil des Va- ters des Beschwerdeführers auf lokale respektive regionale Aktivitäten schliessen lässt. E-4272/2018 Seite 8 6.5 Das Bundesverwaltungsgericht geht wie das SEM davon aus, dass un- ter diesen Umständen keine asylrelevante Verfolgung vorliegt. Der Familie des Beschwerdeführers steht bei einer Rückkehr nach Kolumbien ferner bei Bedarf eine innerstaatliche Schutzalternative auf dem Staatsgebiet von Kolumbien zur Verfügung, was einen notwendigen Schutz eines Drittstaa- tes ausschliesst. Das SEM hat daher zu Recht das Asylgesuch des Be- schwerdeführers abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegensteh en (Art. 83 Abs. 3 AuG). 8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). E-4272/2018 Seite 9 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Ko- lumbien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung nach Kolumbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124 ff. m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Kolum- bien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un- zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti mmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 In Kolumbien fand über fünfzig Jahre ein bewaffneter Konflikt zwi- schen den kolumbianischen Streitkräften, den Gueri llas und paramilitäri-E-4272/2018 Seite 10 schen Gruppen statt. Im November 2016 wurde der aktuelle Friedensver- trag zwischen dem kolumbianischen Staat und der FARC geschlossen, der später von beiden Kammern des Kongresses gutgeheissen wurde. Nicht vergessen bleibt, dass allen Parteien während des Konflikts schwere Men- schenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden; bei den meisten Opfern handelt es sich um Zivilpersonen. Gemessen an der allgemeinen Lage in Kolumbien von heute sind jedoch keine allgemeine Vollzugshindernisse im Sinne der Unzumutbarkeit erkennbar. 8.3.2 Auch aus individueller Sicht ist der Wegweisungsvollzug zumutbar. Der Beschwerdeführer und seine Familie verfügen in ihrer Heimat über ein funktionierendes Beziehungsnetz, wo sie zwischenzeitlich vor der Ausreise auch untergekommen sind. Die Grossmutter des Beschwerdeführers be- sitzt in C._______ ausserdem ein Haus, wo auch seine Tante wohnt. Der Beschwerdeführer hat die Primar- und Sekundarschule beendet und je ein Semester (…) studiert. Vor seiner Ausreise war er für fast ein Jahr bei der (…) als (…)mitarbeiter tätig. Folglich ist nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Kolumbien in eine existenzbedrohende Situation geraten wird. 8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, der über einen Reise- pass und eine Identitätskarte verfügt, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vo rinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-4272/2018 Seite 11 10. 10.1 Mit der Beschwerde wurde die Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung, ein Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die amtliche Rechtsbeiständung der Rechtsvertreterin beantragt. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Begehren als aus- sichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Vo- raussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozesshilfe (Art. 65 Abs. 1 VwVG) nicht stattzugeben ist. 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und – angesichts der fast identischen Verfahren des Cousins und seiner restlichen Familie – redu- ziert auf insgesamt Fr. 350.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 10.3 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 110a AsylG ist mangels Erfüllens der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen. Der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos ge- worden. (Dispositiv nächste Seite) E-4272/2018 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten war. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge- wiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 350.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser B etrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe