<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>87</b></span> <span class="ft3"><b>Hauszufahrt; Dachgeschoss, Dachaufbauten</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Eine 31 m lange private Zufahrt zur Erschliessung von vier Gebäu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den gilt als Hauszufahrt und darf bei der Berechnung der Ausnüt-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zungsziffer zur anrechenbaren Grundstücksfläche gezählt werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2.2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Am Dach angebrachte Vorbauten, die über die Trauflinie ragen, sind</b></span><br/> <span class="ft3"><b>keine blossen Dachaufbauten; sie machen das Dachgeschoss zum</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Vollgeschoss (Erw. 4).</b></span><br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom</span><br/> <span class="ft5">8. Dezember 2017 (BVURA.17.386).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">415</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.2</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer rügt in Zusammenhang mit der Berech-</span><br/> <span class="ft1">nung der Ausnützungsziffer, dass der Zufahrtsweg als Feinerschlies-</span><br/> <span class="ft1">sungsanlage gelte und die Bauherrschaft diesen Weg nicht habe zur</span><br/> <span class="ft1">anrechenbaren Grundstücksfläche zählen dürfen.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss anwendbarem Recht dürfen die Flächen der Hauszu-</span><br/> <span class="ft1">fahrten zur anrechenbaren Grundstücksfläche gezählt werden, nicht</span><br/> <span class="ft1">aber die Flächen bestehender oder projektierter Strassen der Grund-,</span><br/> <span class="ft1">Grob- oder Feinerschliessung (§ 32 Abs. 4 BauV; Anhang 1 Ziff. 8.1</span><br/> <span class="ft1">BauV). Die Feinerschliessung umfasst den Anschluss einzelner</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke oder Gruppen von Parzellen an die Anlagen der Grob-</span><br/> <span class="ft1">oder Grunderschliessung. Von der Feinerschliessung abzugrenzen</span><br/> <span class="ft1">sind die Hauszufahrten: Diese verbinden ein einzelnes Gebäude oder</span><br/> <span class="ft1">eine zusammengehörende Gebäudegruppe mit den Anlagen der Fein-</span><br/> <span class="ft1">oder Groberschliessung. Abgrenzungskriterien für die Beurteilung,</span><br/> <span class="ft1">ob es sich um eine blosse Hauszufahrt oder um eine Feiner-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsanlage handelt, können sein die Bautiefe, die Zahl der</span><br/> <span class="ft1">erschlossenen Parzellen und Gebäuden und ihre Zusammengehörig-</span><br/> <span class="ft1">keit, die Länge der Strasse sowie die Darstellung im Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft1">plan. Die Abgrenzung im Einzelnen kann unklar sein. In einem Fall</span><br/> <span class="ft1">hat das Verwaltungsgericht entschieden, dass eine 150 m lange pri-</span><br/> <span class="ft1">vate Strasse, die zu sieben unterschiedlichen Grundstücken (Gebäu-</span><br/> <span class="ft1">den) führt und diese erschliesst, nicht mehr als blosse Hauszufahrt</span><br/> <span class="ft1">angesehen werden kann (VGE III/15 vom 23. Februar 2016,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.1.1; Verein für Landesplanung, Die Baulanderschliessung und</span><br/> <span class="ft1">deren Finanzierung, Schriftenfolge 72 / Juni 2006, S. 11 f.).</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall wird der bestehende Zufahrtsweg auf der</span><br/> <span class="ft1">Bauparzelle so ausgebaut, dass er nicht mehr bloss das eine Wohnge-</span><br/> <span class="ft1">bäude auf der Westseite der Bauparzelle erschliesst, sondern auch als</span><br/> <span class="ft1">Zufahrt für die drei neuen Häuser auf der Ostseite genutzt werden</span><br/> <span class="ft1">kann. Der Weg misst eine Länge von rund 31 m und ist 4 m breit</span><br/> <span class="ft1">(Fläche ca. 170 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft1">). Im Erschliessungsplan ist die alte Zufahrt zur</span><br/> <span class="ft1">Information abgebildet. Aufgrund der geringen Länge ist es richtig,</span><br/> <span class="ft1">den Weg als Hauszufahrt zu taxieren und ihn zur anrechenbaren</span><br/> <span class="ft1">Grundstücksfläche zu zählen. Die Beschwerde erweist sich in diesem</span><br/> <span class="ft1">Punkt als unbegründet.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <img src="https://agve.weblaw.ch/img/public/AGVE-2017-87-1.jpg"/> <span class="ft9"><b>Abbildung 1</b></span> <span class="ft7">Die 31 m lange Zufahrt (umrahmt) gilt als Hauszufahrt und nicht als Feinerschliessung.</span><br/> <span class="ft1">4. Vorspringende Gebäudeteile und Dachgeschoss</span><br/> <span class="ft1">4.1</span><br/> <span class="ft1">Alle drei Häuser weisen auf beiden Traufseiten je einen Vorbau</span><br/> <span class="ft1">im Ausmass von 1/3 der Fassadenbreite auf. Der Vorbau setzt</span><br/> <span class="ft1">schleppgaubenartig rund 80 cm unter dem First an, ragt 1,15 m über</span><br/> <span class="ft1">die Fassadenlinie und ist kastenähnlich dem ganzen Gebäude</span><br/> <span class="ft1">vorgelagert. Der Beschwerdeführer meint, dass diese vorspringenden</span><br/> <span class="ft1">Gebäudeteile keine zulässigen Dachdurchbrüche darstellten und das</span><br/> <span class="ft1">Dach zum Vollgeschoss machten.</span><br/> <span class="ft1">4.2</span><br/> <span class="ft1">Die Gemeinde hat die Begriffe der Interkantonalen Vereinba-</span><br/> <span class="ft1">rung über die Harmonisierung der Baubegriffe (IVHB) noch nicht in</span><br/> <span class="ft1">ihr Recht übernommen. Anwendbar sind daher anstelle der §§ 16-31</span><br/> <span class="ft1">BauV die im Anhang 3 BauV enthaltenen Bestimmungen (§ 64</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BauV). Danach gelten als Dachgeschoss Flächen unter</span><br/> <span class="ft1">zulässigen Schrägdächern, wenn die Dachfläche höchstens auf einem</span><br/> <span class="ft1">Drittel der Fassadenlänge durchbrochen wird. Mit Dachdurch-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">brüchen sind Dachaufbauten, Dacheinschnitte, Dachflächenfenster</span><br/> <span class="ft1">sowie spezielle Giebelkonstruktionen gemeint (Anhang 3 BauV: § 16</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 ABauV).</span><br/> <span class="ft1">Was Dachaufbauten sind, führt der Verordnungstext nicht näher</span><br/> <span class="ft1">aus. Darunter fallen namentlich Lukarnen und Gauben. Es sind Bau-</span><br/> <span class="ft1">teile, die die Dachhaut nach aussen durchbrechen. Die hier fraglichen</span><br/> <span class="ft1">Vorbauten sind nun allerdings nur zum Teil auf dem Dach positio-</span><br/> <span class="ft1">niert. Sie durchbrechen die Trauflinie und sind dieser vorgelagert.</span><br/> <span class="ft1">Sie werden so zu Fassadenteilen und machen das Dachgeschoss zum</span><br/> <span class="ft1">Vollgeschoss. Zusammen mit dem Erd- und dem Obergeschoss zäh-</span><br/> <span class="ft1">len die Häuser drei Geschosse. In der Dorfzone, in der nur zwei Voll-</span><br/> <span class="ft1">geschosse erstellt werden dürfen, sind solche Häuser unzulässig (§ 6</span><br/> <span class="ft1">BO).</span><br/> <span class="ft1">Auch in diesem Punkt ist die Beschwerde gutzuheissen.</span><br/> <span class="ft1"><img height="100" src="https://agve.weblaw.ch/img/public/AGVE-2017-87-2.jpg" width="100"/></span><br/> <span class="ft9"><b>Abbildung 2</b></span> <span class="ft7">Der Vorbau steht 1,15 m vor der Trauflinie und macht das Dachgeschoss zum</span><br/> <span class="ft7">Vollgeschoss.</span><br/></div> </div> </body> </html>