B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1898/2012 U r t e i l v o m 3 0 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B.______, geboren (…), und deren Kinder C._______, geboren (…), und D._______, geboren (…), Sri Lanka, alle vertreten durch Anaïs Arnoux, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. März 2012 / N _______. D-1898/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamil i- scher Ethnie – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 8. November 2006 und gelangte am 24. November 2006 auf dem Se e- weg nach E._______. Am folgenden Tag begab er sich nach F._______ , wo er am 29. November 2006 ankam und gleichentags ein Asylgesuch einreichte. Nach dem negativen As ylentscheid verliess er F._______ am 1. Januar 2010 und reiste am 4. Januar 2010 via G._______ und ihm un- bekannte Länder illegal in die Schweiz ein, wo er am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) H._______ um Asyl nachsuch- te. Mit Verfügung vom 30. März 2010 trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 4. Januar 2010 nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisung s- vollzug nach F._______ an. A.b Die Beschwerdeführerin – eine sri-lankische Staatsangehörige tamili- scher Ethnie – verliess ihre Heimat gemäss eigenen Angaben zusammen mit ihrer älteren Tochter am 27. Mai 2010 auf dem Seeweg. Am 12. Juni 2010 kamen sie in einem Hafen in einem ihnen unbekannten Land an , von wo sie am fol genden Tag im Auto in Richtung Schweiz aufbrachen. Am 14. Juni 2010 seien sie illegal in die Schweiz ein gereist, wo sie glei- chentags im EVZ H._______ um Asyl nachsuchten. A.c Mit Verfügung vom 7. September 2010 hielt das BFM im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens fest, da nunmehr die Schweiz für die Meh r- heit der Familie zuständig sei, die Asylgesuche zu prüfen, gehe die Z u- ständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers ebenfalls auf die Schweiz über. Infolgedessen wurde der Entscheid vom 30. März 2010 in Anwendung von Art. 58 Abs. 1 des Verwaltungsverfa h- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) wiedere r- wägungsweise aufgehoben und festgestellt, das nationale Verfahren wer- de wieder aufgenommen. Mit Entscheid vom 13. September 2010 schrieb das Bundesverwaltung s- gericht die gegen die Verfügung vom 30. März 2010 erhobene Beschwer- de als gegenstandslos geworden ab. D-1898/2012 Seite 3 B. B.a Am 11. Januar 2010 beziehungsweise 22. Juni 2010 fanden die B e- fragungen zur Person statt und am 24. Februar 2012 wurden die B e- schwerdeführenden zu ihren Asylgründen angehört. B.a.a Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer geltend, er sei seit 1991 bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) in I._______ gewesen und habe beim Geheimdienst gearbeitet. 1993 hät- ten ihm die LTTE erlaubt, wieder auszutreten. Da es damals "Kopfnicker" gegeben habe, habe er beschlossen, Sri Lanka zu verlassen. Er sei de s- halb noch im selben Jahr nach J._______ gereist, wo er gearbeitet habe. 1997 habe er sich wiederum nach Sri Lanka begeben und sei ab Deze m- ber 1999 zuerst bei der Firma K._______, dann bis Dezember 2004 in ei- nem Hotel und anschliessend bis zu seiner definitiven Ausreise als Te e- händler tätig gewesen. Am 1. November 2006 hätten Leute der Karuna -Gruppe ihn zu Hause gesucht. Als er diese Leute gesehen habe, sei er sofort geflüchtet und noch am gleichen Abend mit dem Zug nach L._______ gereist. Am fol- genden Tag habe die Polizei ihn zusammen mit den Leuten der Karuna - Gruppe zu Hause aufgesucht. Von L._______ aus habe er am 8. Novem- ber 2006 Sri Lanka auf dem Seeweg verlassen, um in F._______ ein Asylgesuch zu stellen. Nach der Ausreise aus der Heimat sei weiterhin nach ihm gefragt worden, wobei man auch seine Frau bedroht habe. Die Leute der Karuna-Gruppe hätten von ihr zudem Geld verlangt. B.a.b Die Beschwerdeführerin führte zur Begründung ihres Asylgesuchs aus, seitdem ihr Mann am 1. November 2006 von Leuten in einem wei s- sen Van zu Hause gesucht worden sei, habe auch sie Probleme gehabt. So sei am 2. November 2006 die Polizei zusammen mit den Leuten des weissen Vans zu ihr gekommen und habe den Beschwerdeführer g e- sucht. Sie, ihr Vater und ihre Tochter seien geschlagen worden. Des Wei- teren habe es anonyme Drohanrufe gegeben und die Polizei sei einige Male vorbeigekommen. Als das Asy lgesuch ihres Mannes in F._______ abgelehnt worden sei, habe er ihr eine grössere Geldsumme überwiesen. In der Folge habe sie anonyme Telefonate erhalten, in welchen Geld von ihr verlangt worden se i. Ausserdem hätten Unbekannte ihr Ha us be o- bachtet und es sei ihr mit der Entführung ihrer Tochter gedroht worden, sollte sie innert Frist nicht eine bestimmte Geldsumme leisten. Da sie be- fürchtet habe, die Tochter könnte entführt und getötet werden, seien sie gemeinsam aus Sri Lanka in Richtung Schweiz ausgereist. D-1898/2012 Seite 4 B.b Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seiner Identitätskarte ein, die Beschwerdeführerin gab den Originalausweis ab. Ausserdem reichten sie ihre Heir ats- und ihre eigenen Geburtsurkunden, die Geburtsurkunde ihrer älteren Tochter sowie eine Kopie des Belegs einer Banküberweisung vom 30. Oktober 2009 zu den Akten. B.c Am (…) wurde Tochter D._______ in der Schweiz geboren. B.d Mit Schreiben vom 29. Februar 2012 gewährte das BFM den Be - schwerdeführenden Einsicht in die asylrelevanten Akten. C. Mit Verfügung vom 6. März 2012 – eröffnet am 7. März 2012 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche vom 4. Januar 2010 und 14. Juni 2010 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungs- vollzug an. D. Mit Eingabe vom 10. April 2012 liessen die Beschwerdeführenden gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich au f- zuheben und ihnen h ierzulande Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon ihnen die vorläufige Aufnahme zu g e- währen. Es sei ihnen die unentgel tliche Rechtspflege zu gewähren un d eine Parteientschädigung zuzusprechen; insbesondere sei auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Es sei festzustellen, dass die Beschwerde aufschiebende Wirkung habe, und ihnen sei zu allfälligen Stellungnahmen des Beschwerdegegners das Replikrecht zu gewähren. Zur Unter mauerung der Vorbringen wurden folgende Dokumente ins Recht gelegt: – Ein ärztliches Zeugnis der Hals-Nasen-Ohren-Praxis, M._______, vom 3. Februar 2011 betreffend Tochter C._______, – ein Bericht Audiologie der Klinik für O hren-, Nasen -, Hals - und G e- sichtschirurgie des Universitätsspitals N._______ hinsichtlich einer Untersuchung vom 6. April 2011, D-1898/2012 Seite 5 – ein Schreiben vom 16. Dezember 2011, mit welchem das Durc h- gangszentrum O._______, P ._______, dem Zentrum für Gehör und Sprache, N._______, diverse Unterlagen hinsichtlich der Einschulung von Tochter C._______ zukommen liess, – den Beschwerdeführer betreffen de Arztzeugnisse von Dr. med. Q._______, R._______, vom 23. Januar 2012, 22. Februar 2012 und 5. April 2012, – ein Bestätigungss chreiben vom 22. März 2012 eine s gewissen S._______, T._______, U._______, – ein Bestätigungsschreiben vom 2. April 2012 der Fachstelle Sonde r- pädagogik, M._______, – ein Schreiben des Zentrums für Gehör und Sprache vom 3. April 2012 an die Beschwerdeführende n betref fend Schulung ihrer Tochter C._______, – eine Fürsorgebestätigung vom 3. April 2012, – ein den Beschwerdeführer betreffender ärztlicher Bericht von Dr. med. Q._______ vom 10. April 2012 inkl. Berichte der Operationen vom 10. Oktober 2011 und 14. Okto ber 2011 im Kantonsspital M._______ und – eine Kopie der an den Beschwerdeführer versandten Honorarnote vom 10. April 2012 Auf die Beschwerdebegründung wird – soweit entscheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen. E. Mit Zwischenverfügung vom 25. Mai 2012 teilte der zuständige Instrukt i- onsrichter den Beschwerdeführenden mit, sie dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, wies die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG s o- wie um Verzicht auf di e Erhebung eines Kostenvorschusses ab und fo r- derte die Beschwerdeführenden unter Hinweis auf die Säumnisfolge auf, bis zum 11. Juni 2012 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.- zu leisten. D-1898/2012 Seite 6 F. Der Kostenvorschuss wurde am 5. Juni 2012 fristgerecht einbezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG , SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme liegt in casu nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Besch werde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann d ie Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h-D-1898/2012 Seite 7 rung ei nes Schriftenwechsels verzichtet, weshalb sich der Antrag auf Gewährung des Replikrechts als gegenstandslos erweist. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druc k bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden mit der Begründung ab, ihre Vorbringen genügten insgesamt weder den Anforde- rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjen i- gen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG. Verschiedene Ungereimt- heiten in den Aussagen der Beschwerdeführenden führten dazu, dass ih- nen ihre Vorbringen nicht geglaubt werden könnten. Aufgrund des Profils des Beschwerdeführers sei zudem kein ernsthaftes Verfolgun gsinteresse der Behörden an seiner Person festzustellen, welches zum jetzigen Zei t- punkt mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu asylrelevanten Verfolgung s- massnahmen führen könnte. Das entsprechende Vorbringen sei daher nicht asylrelevant. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das Bundesamt als zulässig, z u- mutbar und möglich. D-1898/2012 Seite 8 5.2 5.2.1 In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen an der Glaubha f- tigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführenden festgehalten und die s- bezüglich zunächst gerügt, zwischen den Befragungen und Anhörungen liege jeweils sehr viel Zeit, weshalb es sogar als normal bezeichnet we r- den müsse, wenn "Ungereimtheiten" bestünden. Es sei zu bedenken, dass laut Rechtsprechung Widersprüche, die sich gegenüber den Ang a- ben in der Befragung zur Person ergäb en, nur dann relevant seien, wenn klare Aussagen diametral voneinander abwichen oder zentrale Asylgrü n- de bei der Befragung zur Person nicht einmal ansatzweise erwähnt wü r- den (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekur s- kommission [EMARK] 1993 Nr. 3). Vorliegend spreche das BFM jedoch nicht einmal von Widersprüchen, sondern nur von Ungereimtheiten. Als solche könnten diese auf der Grundlage von Art. 7 Abs. 3 AsylG nicht für die Argumentation herangezogen werden, wenn es um die Beurteilung der Glau bhaftigkeit von Vorbringen gehe. Es handle sich dabei um von der Vorinstanz isoliert erwähnte, kleinere Ungereimtheiten wie geringe Abweichungen in der Datierung bestimmter Ereignisse oder unterschie d- liche Formulierungen und Wortlaute, welche einerseits aufgrund von Ner- vosität der Beschwerdeführenden gegenüber den behördlichen Autorit ä- ten und andererseits aufgrund der langen Zeitdauer zwischen den Befr a- gungen leicht nachvollziehbar seien. Zudem hätten die Beschwerdefü h- renden entgegen der Behauptung des BFM sehr wohl versucht, die jewei- ligen Ungereimtheiten auf Nachfrage hin so gut wie möglich aufzulösen oder zu erklären, wie sich durch die Gesamtschau der Akten klar er gebe. Im Weiteren falle auf, dass sich das BFM in der angefochtenen Verfügung vorbehalte, später noch weitere Ungereimtheiten geltend zu ma chen, womit es der Ansicht zu sein scheine, der Entscheid könne im Laufe der Zeit noch ergänzt werden. Eine solch allgemeine Aussage, es gebe we i- tere "Ungereimtheiten", die in keiner Weise belegt sei, verletze den Grundsatz der Transparenz und neh me den Beschwerdeführenden die Möglichkeit, auf dem Beschwerdeweg angemessen zu reagieren und von ihrem Replikrecht Gebrauch zu machen. 5.2.2 Darüber hinaus machen die Beschwerdeführenden geltend, sie hät- ten in ihrem Heimatland begründete Angst vor asylrechtlich relevanter Verfolgung, weil sie verschiedenen Risikogruppen angehörten. So sei der Beschwerdeführer ein LTTE -Mitglied gewesen und habe sowohl in F._______ als auch in der Schweiz ein Asylgesuch gestell t, während die Beschwerdeführerin mit ihm verheiratet sei und in der Schweiz ebenfalls um Asyl nachgesucht habe. Hinzu komme, dass der Umstand, wonach D-1898/2012 Seite 9 bereits fünfeinhalb Jahre vergangen seien , seit sich der Beschwerdefü h- rer letztmals in Sri Lanka aufgehal ten habe, ihn aus Sicht der Behörden noch viel verdächtiger mache. Es bestehe die gros se Gefahr, dass er be- reits am Flughafen in Colombo festgenommen werde. 5.2.3 Hinsichtlich der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs wird insbesondere vorgebracht, d ie kumula tive Würdi gung der auf d ie Be- schwerdeführenden zutreffenden Faktoren erlaube es nicht, von der Z u- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs auszuge hen, da Rückkehrer in Sri Lanka bekanntermassen verstärkter Beobachtung und Gefangennahme bis hin zu schwerer Folteru ng ausgesetzt seien. Selbst wenn von der Z u- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden sollte, sei doch dessen Unzumutbarkeit festzustellen. Der Beschwerdeführer verf ü- ge in seiner Heimat über kein familiäres Netz, weil seine Eltern versto r- ben seien und seine drei Schwestern im Ausland lebten. Zwar lebten die Eltern und mehrere Geschwister der Beschwerdeführerin in Sri Lanka, doch wäre die Wohnperspektive nicht gesichert, da im Haus der Eltern nebst diesen noch eine Schwester der Beschwerdeführerin mit ihrer F a- milie wohne, weshalb kein Platz mehr für andere vorhanden sei. Die Be- schwerdeführenden mü ssten somit aus einer ungesicherten Wohnpe r- spektive heraus ein Auskommen suchen, was ihnen aufgrund der aktuel- len Lage in der stark militarisierten und kontrollierten Ostprovinz, in der es immer noch häufig zu Entführungen, Folter und Tötungen komme, nicht zuzumuten sei. Die seit dem 1. Mai 2012 wieder vorhandene Arbeitsf ä- higkeit des Beschwerdeführers sei jedoch aufgr und seiner gesundheitl i- chen Situation mit Vorsicht zu bewerten. Vergangenes Jahr sei ihm bei einer wegen schwerer Knieprobleme erfolgten Operation auf der rechten Seite eine Knieprothese eingesetzt worden. Auch das linke Knie sei von einer beginnenden Arthrose betroffen. Seit der Operation bedürfe er re- gelmässiger Physiotherapie und Kontrollen durch den behandelnden Arzt. Die ältere Tochter sei aufgrund ihrer Schwerhörig keit beidseitig auf Hör- geräte angewiesen, deren regelmässige Anpassung fachgerecht vorg e- nommen werden müsse. Ausserdem benötig e sie eine spezielle Förd e- rung, welche sie nur in einer auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Sonde r- schule erhalten könne. 5.3 5.3.1 Im Zusammenhang mit der in der Beschwerde erhobenen Rüge, das BFM habe den Grundsatz der Transparenz verletzt und den B e- schwerdeführenden die Möglichkeit genom men, auf dem Rechts weg an- gemessen zu reagieren sowie vom Replikrecht Gebrauch zu machen, i n-D-1898/2012 Seite 10 dem es die "weiteren Ungereimtheiten" nicht belegt habe, ist vorab Fo l- gendes festzuhalten: Aus der angefochtenen Verfügung vom 6. März 2012 wird klar ersichtlich, aufgrund welcher Ungereimtheiten das Bundesamt zum Schluss gelan g- te, die Vorbringen der Beschwerdeführenden seien als unglaubhaft zu qualifizieren. Der Begründungspflicht wur de somit vollumfänglich en t- sprochen, so dass es den Beschwerdeführenden möglich war, die Verf ü- gung auf dem Beschwerdeweg rechtswirksam anzufechten. Wie in der Beschwerde zutreffend festgestellt wird, behielt sich das BFM zwar eine spätere Geltendmachung weiterer Ungereimtheiten ausdrück lich vor. An- gesichts dessen, wonach das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Verfahren auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtete (vgl. E. 3.), gibt es jedoch keine weiteren vorinstanzlichen Eingaben, welche den Beschwerdeführenden zur Stellungnahme hätten unterbreitet werden müssen. Demnach liegt entgegen anderslautender Einschätzung keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Die entsprechende Rüge erweist sich als unbegründet. 5.3.2 Nach einer genauen Prüfung der vorliegenden Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht im Weiteren zum Schluss, dass d ie Glaubhaf- tigkeit des von den Beschwerdeführenden geschilderten Sachvortrags aufgrund verschiedener Ungereimtheiten zu bezweifeln ist. 5.3.2.1 Was seine angebliche Flucht betrifft, gab der Beschwerdeführer zunächst an, er sei am 1. November 2006, als er V._______ gesehen ha- be, hinter dem Ha us weggerannt und nach W._______ gegangen, wo er sich bei einem Bekannten aufgehalten habe. Am 2. November 2006 sei er in L._______ angekommen, wo er bei einem weitentfernten Verwandt en gelebt habe (vgl. Befragungsprotokoll vom 11. Januar 2010, A1 S. 7). Demgegenüber erklärte er anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen, er sei nach X._______ geflüchtet und zur Tante seiner Frau nach Y ._______ gegangen; in L._______ sei er bei seinem Onkel geblieben (vgl. Anhörungsprotokoll vom 24. Februar 2012, A46 S. 8 F74, S. 9 F86). Als er auf diesen Widerspruch angesprochen wur de, gab er an , er sei über X._______ nach Y ._______ zur Tante seiner Frau gegan gen. Er wisse nicht, weshalb dies bei der B efragung zur Person anders protoko l- liert worden sei; vielleicht habe er es falsch g esagt (vgl. A46 S. 12 F112/113). In Anbetracht dessen, dass der Beschwerdeführer nach der Rückübersetzung des Protokolls un terschriftlich bestätigte, dieses ent- spreche seinen Aussagen und der Wahrheit (vgl. A1 S. 12), muss seine D-1898/2012 Seite 11 Begründung als blosse Schutzbehauptung qualifiziert werden. Bei der Be- fragung zur Person wies er ausserdem darauf hin, am 2. November 2006 sei die Polizei zu ihnen nach Hause gekommen und habe si ch nach ihm erkundigt (vgl. A1 S. 7) . Anlässlich der Anhörung zu den Asylgrün den er- wähnte er diesen Vorfall indessen nicht von sich aus, sondern e rst auf Nachfrage hin (vgl. A46 S. 12). Seine Aussage, dieses Ereignis sei ihm im Rahmen der Anhörung nicht in den Sinn gekommen (vgl. A46 S. 12 F110), ist als unbehelflicher Erklärungsversuch zu beurteilen, umso mehr, als vor dem Hintergrund, dass seine Frau von der Polizei bedroht und beinahe geschlagen worden sein soll (vgl. A1 S. 7), zu erwarten gewesen wäre, dass er auch bei der Anhörung von si ch aus darauf zu sprechen gekommen wäre. 5.3.2.2 Die Beschwerdeführerin machte ihrerseits geltend, als der B e- schwerdeführer in F._______ gewesen sei, hätte n sie mehrere anonyme Telefonanrufe erhalten, den ersten etwa eine Woche nach dem 1. N o- vember 2006, den letzten am 20. Mai 2010. Insgesamt seien es rund 100 Anrufe gewesen (vgl. Befragungsprotokoll vom 22. Juni 2010, B1 S. 6). Angesichts dieser Vielzahl an Anrufen während rund vier Jahren ist es nicht nachvollziehbar, weshalb d ie Beschwerdeführerin ihr e Heimat nicht bereits früher, sondern erst im Jahr 2010 verliess (vgl. B1 S. 7). Darüber hinaus sind auch bei ihr Widersprüche festzustellen. So gab sie be i- spielsweise bei der Befragung zur Per son an, seit Dezember 2009 habe sie mehrmals unbekannte Leute auf der Strasse gesehen, welche ständig in Richtung ihres Hauses geschaut hätten (v gl. B1 S. 6), machte bei der Anhörung hingegen geltend, diese Männer seien 1 -2 Wochen nach dem ersten Vorfall im November 2006 gekommen (vgl. Anhörungsprotokoll vom 24. Februar 2012, B13 S. 12 F116/117). 5.3.2.3 Vorliegend steht fest, dass das BFM zwischen den Befragungen vom 11. Januar 2010 beziehungsweise 22. Juni 2010 und den Anhöru n- gen vom 24. Februar 2012 zweifellos viel Zeit verstreichen liess. Erfah- rungsgemäss können nach einem längeren Zeitablauf denn auch gewisse Erinnerungslücken nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Doch vor dem Hintergrund, wonach sich die in casu festgestellten Ungereimtheiten be- ziehungsweise Widersprüche auf solche Ereignis se beziehen, welche für die Ausreise der Beschwerdeführenden ausschlaggebend gewesen sein sollen, hätten übereinstimmende Angaben erwartet werden dürfen. Infol- gedessen vermögen die Beschwerdeführenden aus der Argumentation, wonach es aufgrund des grossen Zeitablaufs zwischen den Befragungen und Anhörungen sogar als normal bezeichnet werden müsse, wenn "U n-D-1898/2012 Seite 12 gereimtheiten" bestünden, nichts zu ihrem Vorteil abzuleiten. Im Weiteren ist es für den Ausgang des Verf ahrens nicht von Bedeutung, dass das BFM die als u nglaubhaft erachteten Vorbringen nicht als Widersprüche, sondern als "Ungereimt heiten" bezeichnete. E ntgegen anderslau tender Einschätzung ist nicht ersichtlich, weshalb diese Ungereimtheiten, welche offensichtlich an der Glaubhaftigkeit zweifeln lassen, für eine Beurteilung im Sinne von Art. 7 Abs. 3 AsylG nicht hätten herangezogen werden sol- len. Auch das Argument , die Ungereimtheiten seien unter anderem auf die Nervosität der Beschwerdeführenden gegenüber den behördlichen Autoritäten zurückzuführen, kann nicht gehört werden, zumal angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer in F._______ bereits ein Asylverfah- ren durchlief, davon auszugehen ist, Behördengänge seien ihm nicht gänzlich unvertraut. 5.3.3 Was die Furcht der Beschwerdeführenden vor künftiger asylrelevan- ter Verfolgung anbelangt, ist Folgendes festzustellen: Der Beschwerdeführer machte geltend , er sei in den Jahren 1991 -1993 als LTTE-Mitglied beim Geheimdienst tätig gewesen, habe aber weder ei- nen Rang innegehabt noch an Kämpfen teilgenommen (vgl. A46 S. 4 F16-F18, S. 5 F29). Vor dem Hintergrund, dass er den Akten zufolge i n- nerhalb der LTTE keine Führungsposition besetzte und auch nie an b e- waffneten Aktionen beteiligt war, ist nicht ersichtlich, weshalb er und seine Familie im heutigen Zeitpunkt die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Be- hörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich ziehen sollten. Dies umso weniger, als die LTTE -Mitgliedschaft inzwischen rund zwanzig Jahre zurückliegt , und es den Beschwerdeführenden nicht ge- lungen i st, ihre Asylvorbringen glaubhaft zu machen (vgl. E. 5.3.2 ff.). In Anbetracht dieser Umstände ist nicht davon auszugehen, dass die B e- schwerdeführenden bei ei ner Rückkehr nach Sri Lanka irgendwelchen asylrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre n. Auch das Bestätigungsschreiben vom 22. März 2012 vermag die angebl i- che Verfolgungssituation nicht zu belegen , da d essen Verfasser zum ei- nen einzig erklärt , er kenne die Beschwe rdeführenden schon lange und zum anderen deren bereits bekannte Asylvorbringen wiederholt, indem er ausführt, sie hätten Sri Lanka wegen Drohungen und Problemen verla s- sen müssen und ihr Leben wä re bei einer Rückkehr in Gefahr. Das er- wähnte Dokument ist somit als Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert zu qualifizieren. D-1898/2012 Seite 13 5.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM berecht igterweise zum Ergebnis gelangte, die Vorbringen der Beschwerdeführenden genügten weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG noch denjenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG. Die Asylge- suche wurden infolgedessen zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schwei z und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Weg weisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungs vollzugshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vorgängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Handbücher für die Anwalts- praxis, Band VIII, 2. Aufl., Basel 2009, S. 568 Rz. 11.148). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr D-1898/2012 Seite 14 läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des A bkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen F olter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingse igenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerde - führenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspe kt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde - führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen G e- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kamm er], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Da sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, ist nicht d a- von auszugehen, ihnen drohe im Falle einer Rückkehr in ihre Heimat eine derartige Gefahr , welche den Vollzug der Wegweisung unzulässig e r- scheinen liesse. Auch ist von einer seit Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich verbesserten Menschenrechts- und Sicherheitslage in Sri Lanka auszu- gehen (vgl. BVGE 2011/24 E. 12.) , weshalb der Wegweisungsvollzug D-1898/2012 Seite 15 zum heuti gen Zeitpunkt nicht als unzu lässig er scheint. Die in der B e- schwerde gemachten Quellenangaben vermögen zu keiner anderen Ein- schätzung zu führen. Wie dem Bericht Audiologie der Klinik für Ohren -, Nasen-, Hals- und Ge- sichtschirurgie des Universitätsspitals N._______ zu entnehmen ist, wu r- de bei der Tochter C._______ eine beidseitige, hochgradige sensorine u- rale Schwerhörigkeit unklarer Genese diagnostiziert. Dem Beschwerde- führer wurde laut dem Bericht von Dr. med. Q._______ vom 10. April 2012 am 10. Oktober 2011 rechts eine Kniep rothese implantiert. Diese gesundheitlichen Probleme sind zwar zweifellos zu bedauern, stellen j e- doch selbst dann unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK kein völke r- rechtliches Vollzugshindernis dar, falls im Heimatland der medizinische Standard schlechter als in der Schweiz wäre, zumal die Ausweisung einer unter gesundheitlichen Beschwerden leidenden P erson nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen eine Verletzung von Art. 3 EMRK zur Folge hat (vgl. Urteil des EGMR vom 27. Mai 2008 i.S. N. gegen Vereinig- tes Königreich [Grossbritannien], Ziffn. 34, 42, 43, 44, Besch werde Nr. 26565/05; BVGE 2009/2 E. 9.1.3; EMARK 2004 Nr. 6 E. 7 S. 40 ff.). Solche ganz aussergewöhnlichen Umstände sind in casu nicht ersichtlich, umso weniger, als die erwähnten medizin ischen Probleme nicht leben s- bedrohlich sind. Angesichts dessen, dass der EGMR grundsätzlich keinen durch die EMRK geschützten Anspruch auf Verbleib in einem Konvent i- onsstaat anerkennt, um weiterhin in den Genuss medizinischer, sozialer oder anderer Formen der Unterstützung zu kommen, vermag auch der Umstand, wonach die hörbe hinderte Tochter seit Januar 2012 ei ne Son- derschule besucht (vgl. Bestätigungsschreiben vom 2. April 2012) und der Beschwerdeführer seit der Operation auf regelmässige Physiotherapie und Kontrollen durch den behandelnden Arzt angewiesen ist (vgl. B e- schwerde, S. 23), zu keinem Bleiberecht in der Schweiz zu führen. 7.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. D-1898/2012 Seite 16 7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet gemäss seiner aktuellen Rechtsprechung den Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz aufgrund der dort herrschenden allgemeinen Lage als grun d- sätzlich zumutbar. In BVGE 2011/24 wurde diesbezüglich im Wesentl i- chen ausgeführt, in der Ostprovinz habe sich die Lage nach übereinsti m- menden Quellen weitgehend stabilisiert und normalisiert. Es gebe zwar vermehrt Berichte über kriminelle Aktivitäten (namentlich Entführungen von und Einbrüche bei wohlhabenden Personen) , und es werde im Al l- gemeinen davon ausgegangen, dass diese Straftaten von Angehörigen paramilitärischer Gruppierungen begangen würden, welche in einem g e- wissen Ausmass Rückendeckung durch die sri -lankischen Sic herheits- kräfte genössen. Die Beziehung zwischen den verschiedenen Ethnien im Osten sei relativ entspannt. Die Sicher heitseinschränkungen im U._______-Distrikt hätten bereits im Jahr 2009 merklich abgenommen. Darüber hinaus sei d ie seit 2009 erfolgte Entspann ung der Sicherheitsla- ge in der Ostprovinz auch für die lokale Bevölkerung spürbar, und der Fortschritt sei erkennbar geworden (vgl. a.a.O., E. 13.1). Nach dem Gesagten ist die Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Distrikt U._______, wo sie von 1988 bi s zum 22. Mai 2010 beziehung s- weise von 1997 bis zum 1. November 2006 gelebt haben (vgl. A1 S. 1, B1 S. 1), grundsätzlich als zumutbar zu beurteilen. 7.3.2 Des Weiteren ist zu prüfen, ob allfällige individuelle Gründe gegen eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in ihre Heimat sprechen. 7.3.2.1 Vor dem Hintergrund der geltend gemachten und ärztlich bestätig- ten gesundheitlichen Probleme (Kniebeschwerden beim Beschwerdefü h- rer/Schwerhörigkeit bei der älteren Tochter) gilt es zunächst abzuklären, ob bei einer Rückkehr im Heimatland mit einer angemessenen medizin i- schen Versorgung gerechnet werden kann. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass Sri Lankas medizinische Einrichtu n- gen vom Staat und dem privaten Sektor getragen werden. Die Investiti o- nen in das Gesundheitswesen haben in den letzten Jahren zugenommen und konnten so die medizinische Infrastruktur bewahren. Staatliche Kra n- kenhäuser sind in jeder grösseren Stadt angesiedelt und verfügen über moderne Geräte, so dass sie viele Behandlungsmethoden anbieten kö n- nen. Die medizinischen Dienstleistungen sind in der Regel kostenlos. Die grossen medizinischen Einrichtungen in den ländlichen Regionen sind j e- doch überfüllt und meist zu über 100% belegt. Zusätzlich gibt es viele D-1898/2012 Seite 17 sehr gut ausgestattete Privatkliniken in Co lombo, die über modernste Ausrüstung verfügen und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung bieten, allerdings sind die sehr teuer. Anders als in ökonomisch wohlh a- benderen Ländern, in denen ein Grossteil der Gesundheitsausgaben von Krankenversicherungen gedeckt wird, werden die privaten Gesundheit s- ausgaben in Sri Lanka nahezu vollständig von den Patienten getragen. Die staatlichen Strukturen zur medizinischen Versorgung in Trincomalee sind funktionstüchtig. Es gibt ein Hauptkrankenhaus und mehrere G e- bietskrankenhäuser beziehungsweise Krankenhäuser in den ländlichen Regionen. In Trincomalee Stadt gibt es zudem einige private Kranke n- häuser (vgl. Länderinformationsblatt Sri Lanka, Juni 2011, publiziert auf der Webseite des Bundesamts für Migration und Flüc htlinge <http://www.bamf.de> > Rückkehrförderung > Länderinformationen > In- formationsblätter (Country Fact Sheets) > Sri Lanka, besucht am 11. Sep- tember 2012). Angesichts dieser Umstände ergibt sich, dass die vorliegend infrage st e- henden gesundheitlichen Probleme einer Wegweisung nicht entgege n- stehen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass e ine angemessene me- dizinische Betreuung des Beschwerdeführers und sei ner Tochter auch in Sri Lanka gewährleistet ist . Ausserdem haben sie die Möglichkeit, nöt i- genfalls medizinische Rückkehrhilfe in Anspruch zu nehmen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). 7.3.2.2 Gemäss den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts sind in Sri Lanka mehrere Sonderschulen für hör - und sehbehinderte Kinder vorhanden (vgl. <http://www.pediatriconcall.com> > Sri Lanka > Special Schools, besucht am 31. Oktober 2012). So befindet sich n icht allzu weit entfernt von der Heimatregion der Beschwerdeführenden beispielsweise in Anuradhapura (Nördliche Zentralprovinz) die Anuradhapura Deaf and Blind School. Diese Schule bietet neben Unterricht und Therapie für hör- geschädigte und bl inde Kinder die Möglichkeit einer Berufsausbildung. Daneben verfügt sie auch über Wohneinrichtungen. Im Weiteren gibt es in Va vuniya (Nordprovinz) den im Jahr 2000 eröffnete n Empowerment Campus. Dabei handelt es sich um eine Schule, welche von der nation a- len Nichtregierungsorganisation SEED (Social Economical & Enviro n- mental Developers) betrieben wird. An dieser Schule werden rund 80 Schüler/innen mit Lernschwierigkeiten oder Hör - und Sprachbehinderun- gen unterrichtet. Sie gliedert sich in die Bereiche der schulischen- und be- ruflichen Ausbildung, wobei besonderer Wert auf die E rziehung zur Selb-D-1898/2012 Seite 18 ständigkeit gelegt wird. Die am Campus unterrichtenden Lehrer/innen verfügen über ein Diplom in Special Education und alle Mitarbeiter/innen sind in der Gebärdensprache geschult (vgl. <http://seed-ngo.org> > Community Based Rehabilitation, besucht am 31. Oktober 2012). Nach dem Gesagten kann davon ausgegangen werden, dass die B e- schwerdeführenden auch in Sri Lanka die Möglichkeit haben werden, ihre hörgeschädigte Tochter in einer der dafür vorgesehenen Institution en ih- ren Bedürfnissen entsprechend fördern zu lassen. 7.3.2.3 In casu sind überdies keine Hinweise darauf ersichtlich, dass die Beschwerdeführenden in ihrem Heimatland aus anderen persönlichen Gründen einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt sein könnten. Da sie eigenen Angaben zufolge während meh- rerer Jahre im U._______ -Distrikt lebten (vgl. A1 S. 1, B1 S. 1 ), darf d a- von ausgegangen werden, dass sie mit diesem Umfeld bestens ver traut sind und ihnen ein Wiedereinstieg gelingen wird. Die Beschwerdeführerin verfügt im Weiteren über einen A-Level-Abschluss und hat E rfahrung als Kindergärtnerin, zumal sie von 1997 bis im April 2010 in diesem Be reich tätig war (vgl. B1 S. 3 ). Auch der Beschwerdeführer besuchte die Schule und sammelte in verschiedenen Bereichen Arbeitserfahrung. So war er im Teehandel tätig war, reparierte Kopiergeräte und arbeitete in einer Fisch- fabrik (vgl. A1 S. 2/3 ). Angesichts dessen wird es ihnen möglich sein, in der Heimat für sich und die Kinder eine neue Existenz aufzubauen. Da der Beschwerdeführer seit dem 1. Mai 2012 wiederum arbeitsfähig ist (vgl. Arztzeugnis von Dr. med. Q._______ vom 5. April 2012), darf ihm zugemutet werden, eine seiner Gesundheitssituation angepasste Arbeit zu suchen. Im Übr igen besteht ein tragfähiges so ziales Beziehungsnetz, weil mehrere Verwandte der Beschwerdeführe rin im Distrikt U._______ leben (Eltern, zwei Brüder, zwei Schwestern, je zwei Onkel und eine Tan- te mütterlicher- und väterlicherseits [vgl. B1 S. 3/4]). Somit ist davon aus- zugehen, dass die Beschwerdeführenden auch ausserhalb des Elter n- hauses der Beschwerdeführerin zumindest vorübergehend eine Wohnge- legenheit finden werden, weshalb sie aus dem Vorbringen, ihre Wohnper- spektive wäre aus Platzgründen nicht gesichert, da im Elternhaus der Be- schwerdeführerin mittlerweile nebst den Eltern eine ih rer Schwestern mit Familie wohne , nichts zu ihren Gunsten abzulei ten vermögen. Darüber hinaus sind keine weiteren individuellen Gründe ersichtlich, aufgrund d e- rer geschlossen werden könnte, die Beschwerdeführenden gerieten im Falle der Rückkehr in eine existenzbedrohende Situation. D-1898/2012 Seite 19 7.3.3 In Berücksichtigung aller Umstände ist der Wegweisungsvollzug übereinstimmend mit dem BFM auch als zumutbar zu qualifizieren. 7.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG, dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig , zumutbar und mög lich erachtet. Damit fällt eine A n- ordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) , auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 5. Juni 2012 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-1898/2012 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag wird mit dem am 5. Juni 2012 einbezahlten Ko s- tenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand: