Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. August 2015 (720 15 17 / 203) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung an die IV-Stelle zu weiteren Sachverhaltsabklärungen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Denis G. Giovannelli, Rechtsanwalt, Baarerstrasse 34, Postfach, 6300 Zug gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1962 geborene A.____ arbeitete seit August 1 999 im Rahmen eines Teilzeitpen- sums als Reinigungsmitarbeiterin bei B.____. Am 22. September 2011 meldete sich A.____ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklä- rung der gesundheitlichen, der erwerblichen und der hauswirtschaftlichen Verhältnisse ermittel- te die IV-Stelle Basel-Landschaft bei der Versicher ten in Anwendung der gemischten Bemes- sungsmethode - mit Anteilen von 38 % an Erwerbs- un d von 62 % an Haushaltstätigkeit - ab 28. März 2012 einen Invaliditätsgrad von 50 % und a b 8. März 2013 einen solchen von 16 %. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens mit Verfügung vom 27. November 2014 für den Zeitraum vom 1. März 2012 bis 30. Juni 2013 eine befristete halbe Rente zu. Gleich zeitig lehnte sie einen weiteren Renten- anspruch ab 1. Juli 2013 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Denis G. Giovan- nelli, am 14. Januar 2015 Beschwerde beim Kantonsgerich t, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben und es sei ihr mindestens eine unbefristete halbe Rente auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen m it der Massgabe, gestützt auf ein Obergutachten neu zu verfügen. Zudem seien ihr die un entgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertrete r zu bewilligen; alles unter o/e- Kostenfolge. C. Mit Eingabe vom 15. April 2015 teilte die IV-Stel le dem Kantonsgericht mit, dass sie mit einer gleichentags erlassenen neuen Verfügung die an gefochtene Verfügung vom 27. Novem- ber 2014 „zwecks Durchführung weiterer medizinischer Abkläru ngen“ aufgehoben habe. Sie beantragte dem Gericht deshalb, „das Beschwerdeverfahre n sei zufolge Wiedererwägung lite pendente von der Kontrolle abzuschreiben.“ D. Mit Verfügung vom 19. Juni 2014 bewilligte das Kan tonsgericht der Beschwerdeführe- rin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für d as vorliegende Beschwerdeverfahren die un- entgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Ve rbeiständung mit Rechtsanwalt Denis G. Giovannelli als Rechtsvertreter. E. In seiner prozessleitenden Verfügung vom 27. April 2015 hielt der Instruktionsrichter fest, dass das Beschwerdeverfahren entgegen dem Antrag d er IV-Stelle nicht ohne Weiteres zufolge Wiedererwägung lite pendente abgeschrieben we rden könne. Wenn - wie im vorliegen- den Fall - eine leistungszusprechende Verfügung angefoch ten sei, müsse der Beschwerdefüh- rerin vor einer Aufhebung der Verfügung zwecks weiterer Abklärungen durch die Verwaltung Gelegenheit zum Rückzug der Beschwerde gegeben werden. Der Instruktionsrichter forderte die Beschwerdeführerin deshalb auf, dem Kantonsgericht m itzuteilen, ob sie die Beschwerde vom 14. Januar 2015 zurückziehe oder ob sie an dieser fe sthalte. Was die Begründung dieser Vorgehensweise betrifft, kann an dieser Stelle vollumfänglich auf die entsprechenden Erwägun- gen des Instruktionsrichters in der Verfügung vom 27. April 2015 verwiesen werden. F. Nachdem die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 2. Juni 2015 mitgeteilt hatte, dass sie an der Beschwerde festhalte, wurde die Angelege nheit am 9. Juni 2015 dem Kantons- gericht zur Beurteilung überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 14. Januar 2015 ist demnach einzutreten. 2. Die Versicherte beanstandet in ihrer Beschwerde, die IV-Stelle habe im Rahmen des Vorbescheidverfahrens medizinische Unterlagen eingeholt, die ihr nicht zugestellt worden sei- en. Sie habe sich deshalb vor Verfügungserlass inhaltli ch nicht damit auseinandersetzen kön- nen, was eine unheilbare Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör darstelle. Bei die- sem Einwand der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine Rüge formeller Natur. Sollte sich diese als begründet erweisen, kann dies zur Aufhebung de r angefochtenen Verfügung führen, ohne dass die Angelegenheit materiell beurteilt würd e. Der betreffende Einwand ist darum ei- gentlich vorab zu prüfen (vgl. Urteil W. des Bundesger ichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, ist nun a ber die angefochtene Verfügung - wenn auch aus anderen Gründen - ohnehin aufzuheben und die Angelgenehit zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhaltes und zur anschliessenden Neuve rfügung an die IV-Stelle zu- rückzuweisen. Die Frage, ob hier tatsächlich von einer unh eilbaren Verletzung des rechtlichen Gehörs ausgegangen werden müsste, braucht unter diesen U mständen nicht weiter geprüft zu werden und es kann von weiteren Erörterungen zu diese m formellen Einwand der Versicherten abgesehen werden. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psy chische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 4.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 5.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil H. des Bu ndesgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 27. November 2014) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit de r im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erford erlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 5.2 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d der Versicherten nach der gemischten Methode bemessen, was von der Beschwerdeführerin - zu R echt - nicht bestritten wird. Die IV- Stelle hat bei der Festlegung der Anteile der Erwerb stätigkeit und der Haushalttätigkeit auf die im “Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit“ vom 29. November/2. Dezember 2013 wie- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dergegebenen Angaben der Versicherten abgestellt, wonach diese ohne gesundheitliche Beein- trächtigungen wie bis anhin im Umfang von 16,3 Stunden pro Woche - was einem Pensum von 38 % eines Vollpensums entspricht - einer ausserhäuslich en Erwerbstätigkeit nachgehen wür- de. Gestützt auf diese Aussage der Versicherten hat die IV -Stelle den Anteil der Erwerbstätig- keit auf 38 % und jenen der Haushalttätigkeit entsprech end auf 62 % festgesetzt, was nicht zu beanstanden ist und denn auch von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt wird. 6. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 6.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der Person noch zugemutet wer- den können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 6.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 7.1 Nach ständiger Rechtsprechung hat das Sozialversicheru ngsgericht die Gesetzmäs- sigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach dem Sachverhalt zu beurteilen hat, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vorgelegen hat (BGE 130 V 140 E. 2.1, 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Daraus folgt, dass für die Beurt eilung der vorliegenden Beschwerde grundsätzlich der (medizinische) Sachverhalt massgebend ist, der am 27. November 2014, dem Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Rentenverfügung der IV-Stelle, vorgelegen hat. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 27. November 2014 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf die Ergebnisse des von ihr eingeholten bidisziplinären, psychiatrischen/rheumatologischen Gutachtens der Begutachtungsstelle C.____ vom 24. Juni 2013. Darin wurden bei der Versicherten a ls Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit somat ischen und psychischen Faktoren, eine somatoforme autonome Funktionsstörung unteres Ver dauungssystem, ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit eher nicht-radikul ärer Schmerzausstrahlung ins rechte Bein und chronische Armschmerzen links mehrfacher Ursache e rhoben. In Bezug auf die Ar- beitsfähigkeit der Explorandin hielten die Gutachter der Begutachtungsstelle C.____ fest, für körperlich leichte Tätigkeiten ohne Heben, Stossen ode r Ziehen von Lasten über 3-5 kg, ohne repetitives Fassen-Müssen mit der linken Hand, ohne gebü ckt, kauernd oder kniend zu verrich- tende Tätigkeitsanteile, ohne besondere Anforderungen an die Feinmotorik und mit der Mög- lichkeit zum selbständigen Wechsel der Körperposition ersc heine eine Arbeitsfähigkeit von 60 % als zumutbar. 7.3 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens liess die Versicher te verschiedene Arztberichte einreichen, unter anderen einen Bericht des Spitals D.____, Innere Medizin/Endokrinologie, vom 3. Februar 2014 und eine solchen des Spitals E.____ , Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 11. April 2014. Da sich diese beiden Berich- te zum medizinischen Sachverhalt vor Erlass der angefocht en Verfügung vom 27. November 2014 äussern und demzufolge im Rahmen der vorliegenden Prüfung des Rentenanspruchs der Versicherten mit zu berücksichtigen sind (vgl. E. 7.1 hiervo r), unterbreitete die IV-Stelle die bei- den Schreiben ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme. In seiner Beurtei- lung vom 25. Februar/19. März 2015 gelangte der RAD-A rzt Dr. med. F.____, Facharzt für Or- thopädie und Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, zur Auffassung, dass die beiden Berichte von erheblicher medizinischer Relevanz se ien, da aufgrund eines bei der Ver- sicherten am 2. April 2014 erfolgten operativen Eingr iffs am linken Kniegelenk ein neuer medi- zinischer Sachverhalt bestehe. Zur abschliessenden Klärun g der gesundheitlichen Verhältnisse der Versicherten seien Nachfragen beim Spital E.____ (Orthopädie) und beim Spital D.____ (Innere Medizin und Endokrinologie) notwendig. 7.4 Die vorstehenden Ausführungen zeigen, dass sich der vorliegend massgebende medi- zinische Sachverhalt im Zeitraum zwischen der im März 2013 erfolgten Begutachtung der Be- gutachtungsstelle C.____ und dem Erlass der angefochten en Verfügung vom 27. November 2014 in anspruchsrelevanter Weise verändert haben könn te. Ob dies effektiv zutrifft, lässt sich gestützt auf die vorhandene medizinischen Aktenlage nicht abschliessend beurteilen. So ist insbesondere nicht geklärt, ob und inwieweit der opera tive Eingriff am linken Kniegelenk und der postoperative Verlauf sich auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten ausgewirkt haben bzw. allenfalls noch auswirken. Die Abklärungsergebnisse aus d em Verwaltungsverfahren sind mit anderen Worten nicht ausreichend beweiskräftig, der rel evante medizinische Sachverhalt be- darf vielmehr weiterer Abklärung. Dieser Einschätzung ha t sich mittlerweilen auch die IV-Stelle vollumfänglich angeschlossen, geht sie doch in ihrer Eing abe vom 15. April 2015 gestützt auf die Beurteilung ihres RAD-Arztes Dr. F.____ ebenfalls d avon aus, dass sie in dieser Angele- genheit weitere Abklärungen des medizinischen Sachverhalts vorzunehmen haben wird. Dieser Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nachträglichen Beurteilung der IV-Stelle ist, zumal sich auch die Beschwerdeführerin dieser Betrachtungsweise nicht widersetzt, seitens des Kantonsgerichts grundsätzlich nichts mehr bei- zufügen. Zu erwähnen bleibt einzig, dass die IV-Stelle bei der ergänzenden Abklärung bzw. der Neubeurteilung - mit Blick auf die im Gutachten der Be gutachtungsstelle C.____ gestellte Hauptdiagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somati schen und psychischen Faktoren - zusätzlich auch den Anforderungen der vom Bundesgeric ht mit Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 geänderten Schmerzrechtsprechung Rechnung zu tragen haben wird. 7.5 Gestützt auf die Ergebnisse ihrer zusätzlichen Abkläru ngen wird die IV-Stelle über den Rentenanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. 7.6 Die vorliegende Beschwerde ist somit in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochte- ne Verfügung vom 27. November 2014 aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abklä- rung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neue n Verfügung an die IV-Stelle Basel- Landschaft zurückzuweisen ist. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verf ahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Kostennote vom 30. Juni 2015 für das vorliegende Verfahren ein Honorar von Fr. 2‘604.30 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) g eltend gemacht, was sich umfangmäs- sig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rec htsfragen als angemessen erweist. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der genannten Höhe zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 9.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil K. des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil K. des Bundesge- richts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 27. Novem ber 2014 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV- Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘604.30 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht