Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Oktober 2021 (720 21 239 / 273) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Begutachtung: Stichhaltige Gründe, die für eine Wiederholung der Zufallszuweisung oder den Austausch der Gutachter sprechen würden, liegen nicht vor. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Ana Dettwiler, Advoka- tin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A.1 Die 1961 geborene A.____ meldete sich am 7. März 2 018 bei der Invalidenversiche- rung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der Verhä ltnisse und Konsultation des Regi- onalen Ärztlichen Dienstes (RAD) sprach ihr die IV-Ste lle Basel-Landschaft (IV-Stelle) für den Zeitraum vom 1. September 2018 bis 31. Mai 2019 eine befristete Viertelsrente zu (Verfügung vom 2. Oktober 2019). Die hiergegen erhobene Beschwerd e hiess das Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urte il vom 4. Januar 2021 (KVGE 720 19 357 / 01) in dem Sinne gut, als es die Verfügung der IV-Stelle vom 2. Oktober 2019 aufhob und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht diese anwies, über die Vergabeplattform SuisseMed@P eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten in den Disziplinen Psychiatrie, Rheumatologi e, Neurologie und Kardiologie anzu- ordnen. A.2 Mit Schreiben vom 14. Januar 2021 informierte di e IV-Stelle die Rechtsvertreterin der Versicherten, Advokatin Ana Dettwiler, darüber, dass ein e umfassende medizinische Untersu- chung in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Psych iatrie, Rheumatologie, Neurologie und Kardiologie durchgeführt werde. Die Wahl der Gut achterstelle erfolge nach dem Zufalls- prinzip gemäss Art. 72 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vo m 17. Januar 1961. Mit E-Mail vom 9. Februar 2021 teilte das Suisse MED@P-Team der IV-Stelle mit, dass der Auftrag der PMEDA Polydisziplinäre Medizinische Abklär ungen AG (PMEDA) zugeteilt wor- den sei. Am 15. Februar 2021 zeigte die IV-Stelle Ad vokatin Ana Dettwiler an, dass die Exper- tise durch die PMEDA mit den Gutachtern Dr. med. B.__ __, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Dr. med. C.____, FMH Kardiologie und Allgem eine Innere Medizin, Dr. med. D.____, FMH Neurologie, Dr. med. E.____, Fachärztin für Neu rologie sowie Psychiatrie und Psychothe- rapie, und Dr. med. F.____, Facharzt für Physikalische M edizin und Rehabilitation, erfolgen werde. Am 1. März 2021 äusserte diese gegen die Begut achtung durch die PMEDA grundsätz- liche Bedenken und machte gegen die Dres. B.____, D._ ___, E.____ und F.____ Ausstands- gründe geltend. Am 17. April 2021 nahm der medizinisch e Leiter der PMEDA, Prof. Dr. med. G.____, FMH Neurologie, zu den Einwänden der Versicherten Stellung. In Kenntnis dieser Stel- lungnahme wiederholte die Beschwerdeführerin am 30. April 2021 ihre Bedenken gegen die Dres. B.____, D.____, E.____ und F.____ und beantrag te, ein anderes Begutachtungsinstitut zu beauftragen resp. die Gutachterstelle neu auszulosen. Am 6. Mai 2021 teilte die IV-Stelle Advokatin Dettwiler mit, dass sie an der geplanten Begu tachtung festhalte. Im Schreiben vom 20. Mai 2021 bedauerte diese den Entscheid und betont e, dass Dr. F.____ kein Facharzt für Rheumatologie sei. Gleichzeitig ersuchte sie die IV-Stel le um Erlass eines anfechtbaren Zwi- schenentscheids. Mit Zwischenverfügung vom 20. Juli 2021 h ielt die IV-Stelle an der geplanten Begutachtung durch die PMEDA und an Dr. F.____ als Gutachter fest. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, weiterhin vert reten durch Advokatin Dettwiler, am 20. August 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte, in Gutheissung der Be- schwerde sei die Zwischenverfügung vom 20. Juli 2021 aufzuheben und die Beschwerdegegne- rin anzuweisen, die Zuweisung der polydisziplinären Begut achtung nach dem Zufallsprinzip via SuisseMED@P zu wiederholen; unter o/e-Kostenfolge. Sie rügte eine Verletzung des rechtli- chen Gehörs, da sich die IV-Stelle mit ihren Einwendung en nicht vollständig, eigenständig und sachgerecht auseinandergesetzt habe. Zudem würden das Vor gehen der PMEDA im Vorfeld der Begutachtung, die Profile der vorgeschlagenen Guta chter und die Äusserungen des medi- zinischen Leiters der PMEDA vom 17. April 2021 erhebliche Zweifel an einer sachgerechten, fachkundigen und sorgfältigen Begutachtung wecken. C. In ihrer Vernehmlassung vom 7. September 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen form- und fristgerecht erhobene – Beschwerde vom 20. August 2021 ist einzutrete n. 1.2 Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g VPO entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung durch Präsidialentscheid über Beschwerden gegen selbständig an fechtbare prozess- und verfahrens- leitende Verfügungen gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG. Bei der vorliegend angefochtenen Zwi- schenverfügung der IV-Stelle vom 20. Juli 2021 handelt es sich um eine solche verfahrenslei- tende Verfügung im Sinne der genannten Bestimmung. D ie Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde fällt somit in die Kompetenz der präsidierenden Person des Kantonsgerichts. 2.1 Die Beschwerdeführerin bringt in formeller Hinsic ht vor, dass sich die Beschwerdegeg- nerin in der angefochtenen Zwischenverfügung mit ihren Einwänden nicht vollständig, eigen- ständig und sachgerecht auseinandergesetzt habe. Damit rügt sie eine Verletzung des rechtli- chen Gehörs. Sollte sich diese Rüge als begründet erweis en, kann dies zur Aufhebung des an- gefochtenen Entscheids führen, ohne dass die Angelegenhe it materiell geprüft würde. Die be- treffenden Einwände sind deshalb vorab zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). 2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwe izerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. In Konkretisierung dieses verfassungsrechtlichen Gehörsanspruchs statuiert Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die grundsätzliche Pflicht der Versicherungsträger, ihre Verfü gungen zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen. Eine Ve rletzung des rechtlichen Gehörs kann – auf Antrag oder von Amtes wegen – die Aufhebung des angefochtenen Verwaltungsakts und die Rückweisung der Sache zu neuer Entscheidung unter W ahrung der Verfahrensrechte der betroffenen Partei zur Folge haben. Davon kann ausnahm sweise abgesehen werden, wenn die Rechtsmittelinstanz in tatsächlicher und rechtlicher Hin sicht über uneingeschränkte Kognition verfügt und wenn die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderli- chen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hin- weis). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Die IV-Stelle scheint aufgrund der Eingabe der B eschwerdeführerin vom 20. Mai 2021 davon ausgegangen zu sein, dass deren Bedenken gegen die Gutachter Dres. B.____, D.____ und E.____ ausgeräumt und einzig noch die Eignung der PMEDA und insbesondere von Dr. F.____ als Gutachter streitig waren. In der Folge beschränkte sie sich in der angefochtenen Zwischenverfügung vom 20. Juli 2021 auf die Beurteilung dieser Rügen. Dieses Vorgehen ist jedoch nicht rechtskonform, stellte doch die Versicherte die Eignung der Dres. B.____, D.____ und E.____ als medizinische Experten auch nach Erhalt d er Erklärung von Prof. Dr. G.____ in Frage (vgl. Schreiben vom 30. April 2021) und bedauer te in ihrer Eingabe vom 20. Mai 2021 den Entscheid der IV-Stelle, trotz der vorgebrachten Ei nwände an der Begutachtung durch die PMEDA festzuhalten. Wohl rügte sie in dieser Eingabe im Wesentlichen das Vorgehen der PMEDA und bemängelte die Wahl von Dr. F.____ als rhe umatologischen Experten. Bei dieser Sachlage kann aber entgegen der Auffassung der IV-Stel le nicht davon ausgegangen werden, dass die Bedenken der Beschwerdeführerin gegen die Dr es. B.____, D.____ und E.____ aus- geräumt waren. Eine entsprechende eindeutige Erklärung der Versicherten liegt jedenfalls nicht vor. Vielmehr erneuerte die Beschwerdeführerin in der vorliegenden Beschwerde ihre Einwände gegen die Dres. B.____, D.____ und E.____ und die IV -Stelle räumte in ihrer Vernehmlassung vom 7. September 2021 selbst ein, dass die Beschwerdefüh rerin «die vorgeschlagenen Gut- achter, allem voran Dr. F.____» abgelehnt habe. Da e s die IV-Stelle unterliess, sich in der an- gefochtenen Zwischenverfügung vom 20. Juli 2021 auch mi t den Einwänden der Versicherten gegen die Dres. B.____, D.____ und E.____ auseinande rzusetzen, leidet der angefochtene Entscheid an einem Begründungsmangel und beinhaltet i nsoweit eine Gehörsverletzung. Nachdem nun aber dem Kantonsgericht sowohl in tatsächlich er wie auch in rechtlicher Hinsicht uneingeschränkte Kognition zukommt und die Beschwerdefü hrerin ihre Einwände ohne Ein- schränkungen vorbringen konnte, steht einer Heilung des Begründungsmangels der Zwischen- verfügung nichts im Wege. Sie drängt sich geradezu auf, da eine Rückweisung der Streitsache zur Heilung des Begründungsmangels lediglich einen ver fahrensmässigen Leerlauf zur Folge hätte und die dadurch verbundene Verzögerung des Verfa hrens auch nicht im Interesse der Parteien ist. 3.1 Materiell streitig und zu prüfen ist, ob die Kriti k der Beschwerdeführerin an der Zuteilung des Begutachtungsauftrags an die PMEDA als solche und an die Dres. B.____, D.____, E.____ und F.____ im Besonderen fundiert ist. 3.2 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabk lärung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinde n, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. 3.3 Die Gutachterwahl bei polydisziplinären MEDAS-Begu tachtungen hat immer nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen (Art. 72 bis Abs. 2 IVV; BGE 138 V 271 E. 1.1, 139 V 349 E. 5.2 ). In einem ersten Schritt teilt die IV-Stelle der versichert en Person mit, dass eine Expertise einge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht holt werden soll; zugleich gibt sie ihr die Art der vo rgesehenen Begutachtung (poly- oder mono- bzw. bidisziplinär) sowie die vorgesehenen Fachdisziplinen und Gutachterfragen bekannt (vgl. auch Rz. 2077 ff. des Kreisschreibens über das Verfa hren in der Invalidenversicherung [KSVI], gültig ab 1. Januar 2010; Stand 1. Januar 2 018). In einem zweiten Schritt teilt die IV- Stelle der versicherten Person die mittels Zufallszuweisu ng (durch die vom Bundesamt für So- zialversicherungen [BSV] entwickelte Vergabeplattform Su isseMED@P, über welche der ge- samte Verlauf der Gutachtenseinholung gesteuert und kont rolliert wird; vgl. SuisseMED@P: Handbuch für Gutachter- und IV-Stellen = Anhang V KS VI) zugeteilte Gutachterstelle und die Namen der Sachverständigen inklusive Facharzttitel mit. In der Folge hat die Versicherte die Möglichkeit, materielle oder formelle personenbezogene Einwendungen geltend zu machen (vgl. BGE 139 V 349 E. 5.2.2). Dieses Zuweisungsmodell s oll generelle, aus den Rahmenbe- dingungen des Gutachterwesens fliessende Abhängigkeits- und Befangenheitsbefürchtungen neutralisieren (vgl. BGE 139 V 349 E. 5.2.2.1). Nur b ei stichhaltigen Einwendungen gegen be- zeichnete Sachverständige ist die Zufallszuweisung allenfalls zu wiederholen bzw. zu modifizie- ren, indem die Beteiligten beispielsweise übereinkommen , an der ausgelosten MEDAS festzu- halten, dabei aber eine Arztperson nicht mitwirken zu lassen. Bei erneuter Nichteinigkeit ist eine Zwischenverfügung zu erlassen. Auch nach Einführung der Zu weisungsplattform Suisse- MED@P haben sich die Beteiligten mit Einwendungen au seinanderzusetzen, die sich aus dem konkreten Einzelfall ergeben, insoweit sind Konsensbestreb ungen weiterhin nicht hinfällig (vgl. BGE 139 V 349 E. 5.2.1, 5.2.2 und 5.2.2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2013, 9C_475/2013, E. 2.1). 4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die PMEDA als Institution fragwürdig sei, da sie unter anderem im Vergleich zu anderen Begutacht ungsinstitutionen überdurchschnittlich häufig in Verweistätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiere und neurologische Gutach- ten ohne entsprechende Fachkompetenz erstelle. Zudem hal te der medizinische Leiter der PMEDA Vortragsveranstaltungen zur Vermeidung ungerechtf ertigter IV-Leistungen ab und set- ze Gutachterinnen und Gutachtern ohne Bezug zur Schweiz ein. Konkret bestünden auch er- hebliche Bedenken gegen die Dres. B.____, D.____, E.____ und F.____. 4.2 Gemäss den materiell unverändert von Art. 58 aBV in Art. 30 Abs. 1 BV überführten, ebenfalls in Art. 6 Ziff. 1 EMRK enthaltenen Garanti en hat der Einzelne Anspruch darauf, dass seine Sache von einem unparteilichen, unvoreingenommen en und unbefangenen Gericht ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Liege n bei objektiver Betrachtungsweise Gegebenheiten vor, die den Anschein der Befangenheit und der Gefahr der Voreingenommen- heit zu begründen vermögen, ist die Garantie verletzt. Nach der Rechtsprechung des Bundes- gerichts wird diese Verfahrensgarantie sinngemäss auch au f das Erfordernis der Unabhängig- keit und Unparteilichkeit von Sachverständigen angewendet . In BGE 123 V 175 wurde die Un- abhängigkeit der MEDAS als Institution grundsätzlich bejaht. Ferner ist auf die Rechtsprechung hinzuweisen, wonach nur die für eine Behörde tätigen P ersonen befangen sein können, nicht aber die Behörde als solche. Ausstandsbegehren gegen säm tliche Mitglieder einer Behörde sind nur zulässig, wenn gegen jedes einzelne Mitglied spe zifische Ausstandsgründe geltend gemacht werden, die über die Kritik hinausgehen, die Behörde als solche sei befangen. Ent- sprechendes gilt auch hinsichtlich einer MEDAS (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. August Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2007, I 874/06, E. 4.1, vom 29. August 2011, 9C_418/2 010, E. 1; BGE 137 V 210 E. 1.3.3, je- weils mit weiteren Hinweisen). Gemäss Art. 44 ATSG ka nn die versicherte Person den Gutach- ter aus triftigen Gründen ablehnen. Darunter fallen die eigentlichen gesetzlichen Ausstands- gründe (Art. 36 Abs. 1 ATSG) sowie weitere Aspekte wie etwa die fehlende Sachkenntnis. An- gesichts der überragenden Bedeutung von Gutachten bei sozialversicherungsrechtlichen Leis- tungsentscheiden ist ein hoher Massstab an die Unparteilichkeit von Sachverständigen zu legen (vgl. BGE 122 V 162; UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Auflage 2020, N. 51 zu Art. 44 ATSG). 4.3 Die generell gehaltene Kritik der Beschwerdeführe rin an die PMEDA als Institution, wo- nach diese im Vergleich zu anderen Begutachtungsinstit utionen überdurchschnittlich häufig in Verweistätigkeiten eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit att estiere und neurologische Gutachten nicht lege artis erstelle, wird nicht belegt und stellt dahe r keinen Grund dar, um die Zufallszuweisung zu wiederholen. Dasselbe gilt hinsichtlich der Kritik am medizinischen Leiter der PMEDA, wo- nach dieser befangen sei und Gutachterinnen und Guta chtern ohne Bezug zur Schweiz einset- ze. Ferner liegen keine konkreten Befangenheitsgründe g egen ihn und die eingesetzten medi- zinischen Experten vor, welche über eine pauschale Ablehn ung hinausgehen. Wenn sie mo- niert, der PMEDA-Experte Dr. B.____ verfüge nicht über eine Berufsausübungsbewilligung (vgl. dazu Art. 34 f. des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2006 ü ber die universitären Medizinalberufe [Medizinalberufegesetz, MedBG]), ist ihr entgegenzuhalte n, dass Ziff. 3 Abs. 3 des Anhangs 1 zur Mustervereinbarung zwischen dem Bundesamt für Sozialversicherungen und medizinischen Gutachterstellen lediglich verlangt, dass die Experten ü ber die zur Ausübung ihrer Tätigkeit notwendigen Bewilligungen verfügen. Mit Blick auf die Begutachtung schreibt das Bundesrecht keine Berufsausübungsbewilligung vor (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 27. April 2016, 9C_121/2016, E. 4.3). Dass der Experte einer solchen au s einem anderen Grund bedurft hätte, wird nicht dargelegt. Weiter begründet die Tatsache, dass die PMEDA-Expertin Dr. E.____ (bloss) über eine beschränkte Berufsausübungsbewilligung in der Schweiz verfügt, keine Zwei- fel an deren fachlicher Qualifikation. Insbesondere b estehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sie mit den hiesigen Rechtsbegriffen zu wenig vertraut se in könnte. Ebenso wenig sind Hinwei- se darauf dargetan oder ersichtlich, dass es ihr an den gr undlegenden Kenntnissen der hiesi- gen Lebensverhältnisse fehlen würde, namentlich der Gegebenheiten in der Arbeitswelt, so sich diese denn überhaupt in wesentlicher Weise von denjenig en ihres Herkunftslandes unterschei- den mögen. Eine praktische Tätigkeit in der Schweiz wird von den medizinischen Experten nicht verlangt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom Urteil vom 19. Mai 2020, 8C_767/2019, E. 3.3.3). Weiter ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer in nicht ersichtlich, wie die Tatsache, dass Dr. D.____ für mehrere Begutachtungsinstitute täti g ist, ein Verstoss gegen das in Art. 71 bis Abs. 2 IVV verankerte Zufallsprinzip ist oder sonstwie Bedenken hinsichtlich seiner Unabhängigkeit resp. Unvoreingenommenheit begründen sol l. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich bemängelt, dass Dr. F.____ nicht über einen Fa charzttitel für Rheumatologie, son- dern über einen solchen für Physikalische Medizin und Reha bilitation verfüge, trifft zwar zu, dass es zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leis tungsansprüche verlässlicher medi- zinischer Entscheidungsgrundlagen bedarf (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1) und der Beweiswert einer spezialärztlichen Expertise u.a. davon abhängt, ob die begutachtende Person über die entsprechende Fachausbildung verfügt. Für die Eignung einer Ärztin oder eines Arztes als Gut- achterperson in einer bestimmten medizinischen Disziplin ist daher ein entsprechender, dem Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachweis der erforderlichen Fachkenntnisse dienender spezi alärztlicher Titel der berichtenden oder zumindest der den Bericht visierenden Arztperson erf orderlich (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 26. Januar 2011, 9C_547/2010, E. 2.2). Die T atsache, dass das rheumatologische Teilgutachten nicht von einem Facharzt für Rheumatolog ie, sondern von einem solchen für Physikalische Medizin und Rehabilitation erstellt wird, ve rmag aber die Beweistauglichkeit des Gutachtens nicht von Vornherein in Frage zu stellen. V ielmehr führte der medizinische Leiter der PMEDA am 17. April 2021 nachvollziehbar aus, dass di e Fachärzte für Rheumatologie und für Physikalische Medizin gleichwertig und äquivalent sind. Eine anderslautende medizinisch fundierte Meinung liegt nicht vor. Daher ist nicht ersichtlich, weshalb Dr. F.____ mit seiner spe- zialmedizinischen Hauptkompetenz als Facharzt für Physikal ische Medizin und Rehabilitation nicht in der Lage sein soll, die gesundheitlichen Beschw erden und die damit einhergehende Arbeitsfähigkeit der Versicherten kompetent zu beurtei len. Ob sein Gutachten die inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen an eine zu erstattende ärztliche Expertise erfüllt, wird im Rahmen eines allfälligen Hauptverfahrens zu entscheiden sein. 5. Im Ergebnis ist folglich festzuhalten, dass die Wahl d er Gutachterstelle korrekterweise über die Plattform SuisseMED@P nach dem Zufallsprinzip erfolgt ist. Dass die PMEDA als Gutachterstelle ausgelost wurde, ist deshalb hinzunehmen. Stichhaltige Gründe, die für eine Wiederholung der Zufallszuweisung oder den Austausch der Dres. B.____, D.____, E.____ und F.____ als Gutachter resp. Gutachterin sprechen würden , liegen ebenfalls nicht vor. Die Be- schwerde ist deshalb abzuweisen. 6. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligun g oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliege nden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 400.-- fest. Vorliegend ist die Beschwerde- führerin unterliegende Partei, weshalb sie die Verfah renskosten zu tragen hat. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. Eine Parteient- schädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. 7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzuma chenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwische nentscheid im Sinne des BGG. Dem- nach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtl ichen Angelegenheiten an das Bundes- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehe nde Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht