B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-4243/2011 U r t e i l v o m 10 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Urech (Vorsitz), Richter Vito Valenti, Richter Frank Seethaler, Gerichtsschreiberin Bianca Spescha. Parteien X._______, Schweden, Beschwerdeführerin, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2, Vorinstanz. Gegenstand Rentenanspruch. B-4243/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1961 in Finnland geborene, heute in Schweden wohnhafte X._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin), ursprünglich finnischer, nunmehr schwedischer Staatsangehörigkeit, lebte in den Jahren 1977 bis 1987, 1997 bis 2000 und 2002 bis 2006 in der Schweiz, wo sie das Gy m- nasium absolvierte sowie Wirtschaft und Recht studierte. Während ihrer Studienzeit war sie hierzulande zeitweise in diversen Beschäftigungen unselbständig sowie als Übersetzerin selbständig arbeitstätig und entrich- tete Beiträge an die Alters -, Hinterlassenen - und Invalidenversicherung (AHV/IV). B. Mit Datum vom 28. September 2007 meldete sich die Beschwerdeführ e- rin bei der IV-Stelle Basel Stadt zum Bezug einer schweizerischen Inval i- denrente an (Posteingang am 4. Januar 2008) [vgl. IV act. 9]. Der Anmel- dung legte die Beschwerdeführerin unter anderem ein Arztzeugnis von Dr. A._______ der schwedischen Försäkringskassan vom 28. September 2007 bei, wonach sie unter paranoider Schizophrenie leide ( vgl. IV act. 7). C. Laut S tellungnahme des Arztes des medizinischen Dienstes der Vori n- stanz Dr. B._______ vom 17. August 2009 sei unklar, ob es sich bei der Störung um immer wieder kurzfristig auftretende psychotische Entgle i- sungen handle, die nicht unter die Diagnose Schizophrenie fielen, oder ob wirklich letztere vorliege (vgl. IV act. 59). D. Mit Schreiben vom 28. Oktober 2009 teilte die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: Vorinstanz) der Beschwerdeführerin mit, dass sie zur Prüfung ihres Gesuches bei der schwedische n Försäkringskassen neue ärztliche Unterlagen angefordert habe. Ausserdem wies die Vori n- stanz die Beschwerdeführerin darauf hin, dass bei in unentschuldbarer Weise erfolgter Verletzung der Auskunfts - und Mitwirkungspflichten au f- grund der Akten verfügt, all fällige Leistungen gekürzt oder die Erhebung eingestellt und Nichteintreten beschlossen werden könne (vgl. IV act. 65). E. Mit Schreiben vom 15. April 2010 teilte die schwedische Försäkringska s- san der Vorinstanz mit, dass sich die Beschwerdeführerin weigere, sich B-4243/2011 Seite 3 erneut medizinisch untersuchen zu lassen . Sie sandte der Vorinstanz ein Gutachten von Dr. C._______ vom 19. Mai 2009 (vgl. IV act. 71 f.). F. Laut Stellungnahme von Dr. B._______ des medizinischen Dienstes der Vorinstanz vom 11. Juli 2010 dränge sich weiterhin die Abklärung auf, ob die Beschwerdeführerin an einer Schizophrenie, einem Alkoholdelir oder einer Persönlichkeitsstörung leide, zumal sich dem gerichtsmedizinischen Gutachten von Dr. C._______ des Universitätsspitals D._______ vom 19. Mai 2009 entnehmen lasse, dass das Vorliegen einer Schizophrenie nicht eindeutig sei (vgl. IV act. 74, 76). G. Mit Schreiben der Vorinstanz vom 28. Juli 2010 machte sie die B e- schwerdeführerin dar auf aufmerksam, mit der schwedischen Fö r- säkringskassan zusammenzuarbeiten bzw. sich untersuchen zu lassen (vgl. IV act. 78). Aus dem Schreiben der Beschwerdeführerin vom 6. A u- gust 2010 geht hervor, dass sie das psychiatrische Gutachten vom 19. Mai 2009 der Vorinstanz und der Försäkringskassan zugestellt habe und seither keine Vorladung zu einer nochmaligen ärztlichen Unters u- chung erhalten habe. Zudem habe sie die Mahnung der Vorinstanz vom 28. Juli 2010 der Fö rsäkringskassan weitergeleitet (vgl. IV act. 79) . Am 30. November 2010 mahnte die Vorinstanz die Beschwerdeführerin e r- neut (vgl. IV act. 80). Im E-Mail-Schreiben der Beschwerdeführerin an die Vorinstanz vom 29. Dezember 2010 führte sie aus, dass sie die Mahnung der Vorinstanz vom 30. November 2010 wiederum der Försäkringskassan weitergeleitet und ihr mit Massnahmen gedroht habe, sollte diese nach wie vor nicht reagieren. Gemäss der Beschwerdeführerin wisse die Fö r- säkringskassan nicht, was die Vorinstanz genau von ihr wolle, da bereits zwei ärztliche Guta chten aus den Jahren 2007 und 2009 vorliegen wü r- den (vgl. IV act. 81) . Im Schreiben vom 10. Januar 2011 wiederholte die Beschwerdeführerin erneut, dass sie mit der Försäkringskassan Kontakt aufgenommen habe, diese ihr aber nicht weiter helfen könne. Auch g eht aus diesem Schreiben klar hervor, dass die Beschwerdeführerin der Me i- nung ist, die Vorinstanz verzögere ohne Grund einen Entscheid über ihr Leistungsgesuch (vgl. IV act. 82) . Im Schreiben der Försäkringskassan an die Vorinstanz vom 10. Februar 2011 geh t hervor, dass die Fö r- säkringskassan keine ärztliche Untersuchung für die Beschwerdeführerin bestellen könne (vgl. IV act. 84). Eine Anfrage der Vorinstanz an die Fö r- säkringskassan vom 28. Februar 2011, weshalb sie keinen medizinischen Auftrag ausführen könnten, blieb unbeantwortet (vgl. IV act. 85). Es folgte B-4243/2011 Seite 4 eine erneute Mahnung der Vorinstanz an die Beschwerdeführerin vom 4. Mai 2011 (vgl. IV act. 88). Aus einem Schreiben der Försäkringskassan vom 3. Mai 2011 geht hervor, dass es ihnen nicht gelungen sei , eine Ant- wort des Arztes der Beschwerdeführerin zu erhalten, da diese dessen Namen nicht bekannt gegeben habe (vgl. IV act. 89). Nach einer letztm a- ligen Mahnung der Vorinstanz am 20. Mai 2011 trat die Vorinstanz in der Folge am 11. Juli 2011 auf das Gesuc h um Leistungen der schweizer i- schen Invalidenversicherung vom 28. September 2007 nicht ein (vgl. IV act. 91, 94). H. Gegen den Nichteintretensentscheid vom 11. Juli 2011 erhob die B e- schwerdeführerin am 29. Juli 2011 beim Bundesverwaltungsgericht B e- schwerde und beantragte, die Vorinstanz sei unter Kostenfolge zu ve r- pflichten, ihr Gesuch um Leistungen der schweizerischen Invalidenvers i- cherung zu behandeln. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass das Arztzeugnis von Dr. A._______ der schwedischen Fö r- säkringskassan vom 28. September 2007, welches ihr eine permanente Arbeitsunfähigkeit infolge paranoider Schizophrenie attestiere, mangels triftiger Gründe nicht überprüft werden müsse, zumal die Diagnose durch das gerichtsmedizinische Gutachten von Dr. C._______ des Universitäts- spitals D._______ vom 19. Mai 2009 bestätigt werde. Des Weiteren hätte sich die Vorinstanz bereits früher um zusätzliche medizinische Unterlagen bemühen können, sei doch die Ärztin Dr. A._______ inzwischen pensio- niert. Im Übrigen sei ihr gestützt auf dieses Arztzeugnis eine finnische I n- validenrente zugesprochen worden. I. Mit Vernehmlassung vom 4. Oktober 2011 beantragte die Vorinstanz die Beschwerde abzuweisen und die angefochtene Verfügung zu bestätigen. Zur Begründung führte sie au s, dass sie weder an die von den ausländ i- schen Staaten getroffenen Entscheidungen über die Invalidität der B e- schwerdeführerin noch an die zugrundeliegenden medizinischen Unterl a- gen gebunden sei. Zudem würden die vorliegenden ärztlichen Berichte vom 28. September 2007 und vom 19. Mai 2009 keine zuverlässige D i- agnose bzw. Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ermöglichen. Die bei der schwedischen Versicherung in Auftrag gegebene psychiatrische Unters u- chung habe der Beschwerdeführerin zugemutet werden dürfen. Letzt ere sei aber trotz mehrmaligem Hinweis auf die möglichen Rechtsfolgen ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen. B-4243/2011 Seite 5 J. Der mit Zwischenverfügung vo m 10. Oktober 2011 auf Fr. 400.– festge- setzte Kostenvorschuss ging innerhalb der angesetzten Frist bei der G e- richtskasse ein. K. Mit Replik vom 24. Oktober 2011 brachte die Beschwerdeführerin im We- sentlichen vor, dass die schwedische Försäkringskassan sie nicht zu e i- ner Untersuchung zwingen dürfe, weshalb eine solche Kompetenz der Vorinstanz, als eine aus schwedische r Sicht ausländische Behörde, erst recht nicht zukommen könne. L. Mit Duplik vom 1. November 2011 hielt die Vorinstanz an ihrer Auffa s- sung, wonach sie staatsvertraglich berechtigt sei, entweder bei der schwedischen Versicherung eine Untersuchung in Auftrag z u geben oder aber die Beschwerdeführerin zu einer Untersuchung in der Schweiz au f- zubieten, fest. M. Mit Eingabe vom 10. November 2011 anerbot die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht, weitere Beweismittel zu den Gesche h- nissen im Jahre 1987 einzure ichen sowie einen ausführlichen Bericht zu schreiben. N. Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher ein- gegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172. 021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Zu diesen gehört auch die IV-Stelle für B-4243/2011 Seite 6 Versicherte im Ausland IVSTA, die mit Verfügungen über Rentengesuche befindet (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgese t- zes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]). 1.2. Nach Art. 59 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist zur Beschwerdeführung vor dem Bundesverwaltungsgericht legitimiert, wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges I n- teresse an deren Aufhebung oder Änderung hat (vgl. auch Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin, die am vorinstanzlichen Verfa h- ren teilgenommen hat, ist als Adressatin durch die angefochtene Verf ü- gung besonders berührt und hat an deren Aufhebung bzw. Änderung ein schutzwürdiges Interesse. Nachdem der Kostenvorschuss fristgerecht bezahlt worden ist, kann auf die frist - und formgerecht eingereichte B e- schwerde eingetreten werden. 1.3. Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit, wenn nicht eine kantonale B e- hörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat (Art. 49 VwVG). 2. Vorab ist zu prüfen, welche Rechtsnormen im vorliegenden Verfahren zur Anwendung gelangen. 2.1. Die Beschwerdeführerin besitzt die schwedi sche Staatsbürgerschaft und wohnt in Schweden, sodass vorliegend das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft andererseits über die Freizügigkeit vom 21. Juni 19 99 (Freizügigkeitsabkommen, nachfolgend: FZA, SR 0.142.112.681) anwendbar ist (Art. 80a IVG). Das Freizügi g- keitsabkommen setzt die verschiedenen bis dahin geltenden bilateralen Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und den einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union insoweit aus, als darin derselbe Sachbereich geregelt wird (Art. 20 FZA). Gemäss Art. 8 Bst. a FZA werden die Systeme der sozialen Sicherheit koordiniert, um insb e- sondere die Gleichbehandlung aller Mitglieder der Vertragss taaten zu gewährleisten. Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 (EWG, SR 0.831. 109.268.1) haben die Personen, die im Gebiet eines Mitgliedstaates wohnen, für die diese Verordnung gilt, die B-4243/2011 Seite 7 gleichen Rechte und Pflichten a ufgrund der Rechtsvorschriften eines Mit- gliedstaates wie die Staatsangehörigen dieses Staates selbst, soweit be - sondere Bestimmungen dieser Verordnung nichts anderes vorsehen. D a- bei ist im Rahmen des FZA und der Verordnung auch die Schweiz als „Mitgliedstaat“ zu betrachten (Art. 1 Abs. 2 von Anhang II des FZA). Die Ausgestaltung des Verfahrens sowie die Prüfung der Anspruchsvorau s- setzungen einer schweizerischen Invalidenrente richtet sich auch nach dem Inkrafttreten des FZA nach schweizerischem Recht (BGE 1 30 V 253 E. 2.4), insbesondere dem IVG, der Verordnung über die Invalidenvers i- cherung vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.201), dem ATSG sowie der entsprechenden Verordnung vom 11. September 2002 (ATSV, SR 830.11). Noch keine Anwendung finden vorliegend auch die am 1. April 2012 in Kraft gesetzten Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Pa r- laments und Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit sowie (EG) Nr. 977/2009 des Europäischen Parl a- ments und Rates vom 16. Sep tember 2009 zur Festlegung der Modalit ä- ten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die der Systeme der sozialen Sicherheit. 2.2. Nach den allgemeinen intertemporalen Regeln sind in verfahren s- rechtlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgeb end, welche im Zeit- punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2). In materiellrechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestan- des Geltung haben (vgl. B GE 130 V 329). Ein allfälliger Leistungsa n- spruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata temporis; vgl. BGE 130 V 445). Damit finden im vorliegenden Verfahren grundsätzlich jene schweizerische Rechtsvorschriften Anwendung, die bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 11. Juli 2011 in Kraft standen (Bestimmungen der 5. IV-Revision). Noch keine Anwendung findet vorli e- gend das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene erste Massnahmenpaket der 6. IV -Revision (IVG in der Fassung vom 18. März 2011 [AS 2011 5659]. 3. 3.1. Im Streit liegt eine Verfügung, mit welche die Vorinstanz auf eine Anmeldung zum Leistungsbezug nicht eingetreten ist. Der Streitgegen -B-4243/2011 Seite 8 stand beschränkt sich somit im vorliegenden Verfahren einzig auf die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf das Leistungsgesuch der B e- schwerdeführerin eingetreten ist. 3.2. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauer n- de ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), die Fol- ge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG). Invalidität ist somit der durch einen Gesundheitsschaden verursachte und nach zumutbarer Behandlung oder Eingliederung verbleibende länger dauernde (volle oder teilweise) Verlust der Erwerb s- möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeit s- markt resp. der Möglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu bet ä- tigen. Der Invaliditätsbegriff enthält damit zwei Elemente: ein medizin i- sches (Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) und ein wirtschaftliches im weiteren Sinn (dauerhafte oder länger dauer n- de Einschränkung der Erwerbsfähigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbe- reich; vgl. dazu UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Art. 8 Rz. 7). Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch psychische Gesundheitsschäden eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG im B e- sonderen setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines ane r- kannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose vo r- aus (vgl. BGE 130 V 396). Eine solche Diagnose ist eine recht lich no t- wendige, aber nicht hinreichende Bedingung für einen invalidisierenden Gesundheitsschaden (BGE 132 V 65 E. 3.4). 4. Zu prüfen gilt, ob die Vorinstanz am 11. Juli 2011, nachdem sie die B e- schwerdeführerin bereits mehrfach vergeblich aufgefordert hat, sich einer medizinischen Untersuchung zu unterziehen bzw. ihr aktuelle medizin i- sche Unterlagen zukommen zu lassen, zurecht auf deren Gesuch um Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung nicht eingetreten ist. 4.1. Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat B-4243/2011 Seite 9 insbesondere in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, BGE 122 V 158 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). So muss, wer Versicherungsleistungen beansprucht, unentgeltlich alle Auskünfte erte i- len, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Ver siche- rungsleistungen erforderlich sind (Art. 28 Abs. 2 ATSG). Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumu t- bar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). Die Anordnung einer U ntersuchung erfolgt in Form einer einfachen Mitteilung an die versicherte Person (URS MÜLLER, Das Verwal- tungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, Rz. 1227). Kommen Personen, die Leistungen der Sozialversicherungen beanspr u- chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer We i- se nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten ve r- fügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Recht sfolgen hinweisen; zudem ist ihnen eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 43 Abs. 3 ATSG). Nach Art. 43 Abs. 2 ATSG sind nur ärztliche oder fachliche Untersuchu n- gen vorzunehmen, die einerseits notwendig sind und andererseits obje k- tiv und subjektiv zumutbar sind. Dabei geht es nicht darum, ob die betre f- fende Person aus ihrer eigenen (subjektiven) Wahrnehmung heraus die Untersuchung als zumutbar betrachtet, sondern darum, dass die subjekti- ven Umstände (etwa Alter der Person, Gesundheitszustand) in ein er ob- jektiven Betrachtung dahingehend gewürdigt werden, ob diese Umstände die Untersuchung zulassen. Die üblichen Untersuchungen in einer Gu t- achtensstelle sind ohne konkret entgegenstehende Umstände generell als zumutbar zu betrachten (vgl. KIESER, ATSG, a.a.O., Art. 43 Rz. 44). Die Verletzung der Auskunfts - oder Mitwirkungspflicht ist nur relevant, wenn sie in unentschuldbarer Weise erfolgt. Art. 43 Abs. 3 ATSG lässt nach erfolglosem Mahn - und Bedenkzeitverfahren zwei Sanktionen zu: Der Verwaltungsträger k ann aufgrund der vorliegenden Akten beschlie s- sen oder er kann – nach Einstellung der Erhebungen – auf das Lei s- tungsbegehren nicht eintreten, wobei nach der Praxis ein Nichteintr e- tensentscheid nicht gefällt werden soll, soweit aufgrund der vorliegenden Akten ein materieller Entscheid möglich ist . Von der Möglichkeit des Nichteintretens ist daher z urückhaltend Gebrauch zu machen (vgl. KIE- SER, ATSG, a.a.O., Art. 43 Rz. 51 ff. mit Hinweisen). B-4243/2011 Seite 10 4.2. Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin seit 1987 infolge psychologischer Probleme sowie wegen Alkoholsucht wi e- derholt stationär behandelt worden ist. Im Arztzeugnis vom 28. September 2007 diagnostizierte Dr. A._______ der schwedischen Försäkringskassan bei der Beschwerdeführerin eine paranoide Schiz o- phrenie, wobei die Ärztin eine Verbesserung des medizinischen Zusta n- des bei Medikamenteneinnahme für möglich hielt. Im gerichtsmedizin i- schen Gutachten vom 19. Mai 2009 vertrat Dr. C._______ des Universi- tätsspitals D._______ die Auffassung, dass das Vorliegen einer Schizo- phrenie nicht eindeutig, aber wahrscheinlich sei und die Beschwerdefü h- rerin in jedem Fall an einer Persönlichkeitsstörung leide. Gestützt auf die- se Zeugnisse kam Dr. B._______ des medizinischen Dienstes der Vori n- stanz in seinen Stellungnahmen vom 17. August 2009 sowie vom 7. Juli 2010 zum Schluss, dass Hinweise auf eine schwere psychische Erkra n- kung vorlägen, dagegen sei fraglich, was zwischen den Psychiatrieau f- enthalten geschehen sei, zumal die Beschwerdeführerin offensichtlich nie ambulant behandelt worden sei. Es sei daher unklar, ob es sich um eine Schizophrenie, ein Alkoholdelir oder eine Persönlichkeitsstörung handle. Das Bundesverwaltungsgericht geht mit der Vorinstanz einig, dass eine erneute Untersuchung der Beschwerdeführerin erforderl ich gewesen wä- re. Zudem ist für die Annahme einer psychisch bedingten Arbeitsunfähi g- keit bzw. Invalidität das Vorliegen einer (nach einem anerkannten Klass i- fikationssystem diagnostizierten) psychischen Störung notwendige – wenn auch nicht hinreichende – Voraussetzung (vgl. ULRICH MEYER- BLASER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 12; BGE 130 V 352 E. 2.2.3, BGE 124 V 29 E. 5b/ bb, vgl. auch BGE 130 V 396). Des Weiteren erkennt das Bundesverwaltungsgericht weder subjektive noch objektive konkrete Umstände, welche die geforder- te psychiatrische Begutachtung als unzumutbar erscheinen lassen kön n- ten, zumal letzere als üblich und daher generell als zumutbar betrachtet werden darf. Die Vorinstanz wies die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 28. Oktober 2009 erstmals darauf hin, dass bei in unentschuldbarer We i- se erfolgter Verletzung der Auskunfts- und Mitwirkungspflichten unter a n- derem die Erhebung eingestellt und Nichteintreten beschlossen werden könne. Danach mahnte die Vorinstanz mit den A ufforderungen vom 28. Juli 2010, 30. November 2010, 4. Mai 2011 sowie 20. Mai 2011 die Beschwerdeführerin diverse Male, mit der schwedischen Försäkringska s- san zusammenzuarbeiten bzw. sich untersuchen zu lassen . Aus den Mahnungen der Vorinstanz geht hervor, dass die Vorinstanz aufgrund der B-4243/2011 Seite 11 Akten zu beschliessen gedenkt. Mit Verfügung vom 11. Juli 2011 trat die Vorinstanz aber auf das Gesuch um Leistungen der schweizerischen I n- validenversicherung nicht ein , dies obwohl das Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in den vorherigen Mahnungen nicht thematisiert wur- de. Im vorliegenden Fall wäre ein Entscheid anhand der Akten durchaus möglich gewesen (vgl. Urteil BGer 8C_733/2010 vom 10. Dezember 2010 insb. a uch E. 3.1), weshalb ein Nichteintretensentscheid, welch er übe r- dies nur rudimentär begründet wurde, nicht zuzulassen ist. Formell betrachtet, scheint das Mahn - und Bedenkzeitverfahren gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG rechtsgenüglich durchgeführt. Hingegen lässt sich den Akten nicht entnehmen, welche Rolle die offizielle Vermittlungsbehör- de am Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin gespielt hat, scheint sich die schwedischen Försäkringskassen doch nicht ganz im klaren zu sein, was die Vorinstanz von ihr überhaupt noch will. Aus dem Schreiben der Försäkringskassen vom 28. Dezember 2010 geht hervor, dass eine ärztli- che Untersuchung nicht habe bestellt werden können. Aus welchen Gründen dies nicht geschehen ist, ist nicht bekannt. Aus einem weiteren Schreiben der Försäkringskassan vom 3. Mai 2011 geht hervor, dass es ihnen nicht gelungen sei, eine Antwort des Arztes der Beschwerdeführerin zu erhalten, da diese dessen Namen nicht bekannt gegeben habe. W a- rum die Beschwerdeführerin den Namen des Arztes nicht nannte, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Sicher scheint nur, dass die Fö r- säkringskassan auf die Anordnung einer neuen medizinischen Unters u- chung verzichtet hat. Fraglich ist ebenfalls, ob die Beschwerdeführerin die Mahnungen der Vorinstanz verstanden hat, zumal die verschiedenen Schreiben nicht ganz klar und trans parent erscheinen. Wie aus ihren Schreiben ersichtlich ist, verstand die Beschwerdeführerin nicht, weshalb die Vorinstanz über ihr Leistungsgesuch nicht entscheiden konnte. Unter den genannten Umständen erfolgte d ie Verletzung der Mitwi r- kungspflichten somit in entschuldbarer Weise und ist daher irrelevant. Die Vorinstanz hätte demnach auf das Leistungsgesuch der Beschwerdefü h- rerin eintreten und über das Leistungsgesuch entscheiden müssen. 4.3. Zusammenfassend gilt daher festzustellen, dass die Vorinstanz zu Unrecht nicht auf die Anmeldung der Beschwerdeführerin eingetreten ist. Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 11. Juli 2011 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurüc k- zuweisen, damit sie das Leistungsgesuch der Beschw erdeführerin vom 28. September 2007 materiell prüfe und anschliessend neu verfüge. S o-B-4243/2011 Seite 12 weit eine psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin noch notwendig wäre, wäre eine solche, wie von Dr. B._______ des medizini- schen Dienstes der Vorinstanz in sein er Stellungnahme vom 17. August 2009 eher in der Schweiz durchzuführen. 5. 5.1. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Keine Verfahrenskosten werden der un- terliegenden Vorinstanz auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 5.2. Der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin sind keine u n- verhältnismässig hohen Kosten entstanden, weshalb ihr keine Parteien t- schädigung zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 i.V.m. Art. 7 Abs. 4 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die Verfügung vom 11. Juli 2011 aufgehoben wird. Die Sache wird zur materiellen Prüfung des Leistungsgesuchs vom 28. September 2007 an die Vorinstanz z u- rückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der bereits geleistete Ve r- fahrenskostenvorschuss von Fr. 400.– wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. B-4243/2011 Seite 13 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein; Beilage: Rückerstattungsformular) – die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Gerichtsurkunde) – das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Urech Bianca Spescha Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern , Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der B e- weismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 16. Januar 2013