Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 14. Januar 2015 (810 14 265) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Steuerrechtlich relevante Voraussetzungen für die Bejahung des faktischen Getrenntle- bens von Ehegatten, Besteuerung von Unterhaltsbeiträgen Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Parteien A. X. ____ und B. X. ____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Stadt Treuhand Basel GmbH gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Betreff Staatssteuer 2009 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 11. April 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2009 vom 1. März 2012 wurden A.X.____ und B.X.____ gemeinsam als Ehepaar besteuert . Gegen diese Veranlagung erhoben die Steuerpflichtigen, in der Folge immer durch die Stadt Treuhand Basel GmbH vertreten, bei der Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (Steuerverwaltung) Einsprache. Sie bean- tragten unter anderem, dass die Ehefrau zufolge tatsä chlicher Trennung vom Ehemann alleine besteuert werde. Zur Begründung führten sie aus, dass di e Ehegatten seit dem 1. April 2009 getrennt leben würden. Per 1. April 2009 habe sich de r Ehemann in C.____ (Deutschland) an- gemeldet. Die Abmeldung in D.____ habe er vergessen. D ie Ehegatten hätten eine Trennungs- konvention abgeschlossen. Mit Einspracheentscheid vom 28. Ju ni 2013 wies die Steuerverwal- tung die Einsprache ab. Der Steuerpflichtige sei bis zu m 30. November 2012 in D.____ gemel- det gewesen. Der Wille zum endgültigen Getrenntleben sei nicht schlüssig dargelegt worden. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhoben die Steuer pflichtigen am 31. Juli 2013 beim Steuer- und Enteignungsgericht, Abteilung Steuer gericht (Steuergericht), Rekurs. Sie be- antragten, es sei zufolge fehlender Steuerpflicht des E hemannes bzw. zufolge tatsächlicher Trennung die Ehefrau alleine und nur mit ihren Steu erfaktoren zu besteuern. Eventualiter – für den Fall der Beibehaltung der Zusammenbesteuerung der Ehegatten – sei das Vermögen ge- genüber der Veranlagung um Fr. 17‘515.-- zu kürzen, da dieser Betrag in der Veranlagung dop- pelt berücksichtigt worden sei. In ihrer Vernehmlassung vo m 14. Oktober 2013 beantragte die Steuerverwaltung die teilweise Gutheissung des Rekurses. Bezüglich des Hauptantrages sei die Beschwerde abzuweisen. Der Rekurs sei hingegen im Pu nkt betreffend Verrechnungssteu- erabzug in der Höhe von Fr. 17‘515.-- gutzuheissen. An der Verhandlung vom 31. Januar 2014 stellte das Ste uergericht fest, dass unter der Annah- me, die Ehegatten seien getrennt lebend, allenfalls e ine Aufrechnung von Unterhaltszahlungen zum steuerbaren Einkommen der Rekurrentin vorzunehmen wä re. Mit Verfügung vom 31. Ja- nuar 2014 teilte das Steuergericht den Rekurrenten som it mit, dass es beabsichtige, die vom getrennt lebenden Ehemann bezahlten Unterhaltsbeiträg e in der Höhe von Fr. 111‘582.-- für das Jahr 2009 gegenüber der Ehefrau als Einkommen au fzurechnen, was eine reformatio in peius zur Folge haben könnte. Die Rekurrenten hielten mit Schreiben vom 27. Februar 2014 am Rekurs fest. C. Mit Entscheid vom 11. April 2014 hiess das Steuergeri cht den Rekurs im Sinne der Erwägungen teilweise gut. Die Steuerverwaltung wurde angewiesen, die Rekurrentin zwar se- parat zu besteuern, dies aber unter Aufrechnung der Unt erhaltsleistungen des Ehemannes an die Ehefrau in der Höhe von Fr. 111‘581.--, womit d er anzurechnende Betrag im Vergleich zum an der Verhandlung vom 31. Januar 2014 errechneten B etrag um Fr. 1.-- reduziert wurde. Das Steuergericht kam zum Schluss, dass die Ehegatten für d as Jahr 2009 als getrennt lebend zu betrachten und demzufolge auch getrennt zu veranlagen seien. D. Gegen diesen Entscheid erhoben die Ehegatten X.___ _ beim Kantonsgericht, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), am 4. September 2014 Beschwerde. Sie beantragten, es sei der Anteil des von A.X.____ überwiesenen “Familiengeldes“, der auf die volljährige Tochter E.____ (geboren 1990) entfalle, u nd jener, der auf die gemeinsamen Steu- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ern der Vorjahre entfalle, in der Höhe gemäss Beschwerd ebegründung als Unterhaltszahlung an die Tochter bzw. als Teilzahlung von A.X.____ an die Steuern von der Besteuerung bei B.X.____ auszunehmen. In der Begründung wurde ausgefü hrt, dass die Unterhaltsaufwendun- gen für die Tochter Fr. 59‘259.50 betragen würden. Dieser Betrag sei der Tochter anzurechnen und damit nicht durch B.X.____ zu versteuern. Da die S teuerpflichtige des Weiteren im Februar 2009 Steuern in der Höhe von Fr. 86‘800.-- von ihrem Sparkonto einbezahlt habe, obwohl diese noch die Zeit der gemeinsamen Veranlagung betroffen hätten, wäre dieser Betrag vom “Famili- engeld“ abzuziehen. Damit wäre der Steuerpflichtigen vo m Gesamtbetrag des “Familiengeldes“ nichts mehr als “Alimenteneinkommen“ aufzurechnen. Das Steuergericht beantragte in seiner Vernehmlassung vom 12. November 2012 die teilweise Gutheissung der Beschwerde. Lediglich der Betrag in d er Höhe von Fr. 11‘231.22 (Zahlung an die Universität vom 5. Januar 2009) sei der Tochter an zurechnen und damit nicht durch die Steuerpflichtige zu versteuern. Die Steuerverwaltung stellte in ihrer Vernehmlassung vo m 17. November 2014 den Antrag, es sei die Beschwerde abzuweisen. Sie führte aus, dass sie nach wie vor der Ansicht sei, dass im Steuerjahr 2009 das Ehepaar X.____ nicht als getrennt zu gelten habe und verwies diesbezüg- lich auf das Kreisschreiben Nr. 30, Ehepaar- und Familienbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, der Eidgenössischen Steuer verwaltung (ESTV; Kreisschreiben Nr. 30) und auf ihre Ausführungen in der Vernehmlassu ng an das Steuergericht vom 14. Okto- ber 2013. Das Kantonsgericht habe diesbezüglich gemäss VP O volle Kognition. Die örtliche Trennung der Ehegatten sei nur durch die beruflichen U mstände des Ehemannes und nicht durch die Aufgabe der ehelichen Gemeinschaft begründet . Den Ausführungen des Steuerge- richts sei nur dann zuzustimmen, wenn man zum Schluss komme, dass das Ehepaar X.____ im Jahr 2009 getrennt gewesen sei. Dann seien aufgrund d er Trennung sämtliche Zahlungen an die Familie als Unterhalt zu qualifizieren und bei d er Steuerpflichtigen als Einkommen zu be- steuern. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Nach § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 wendet das Gericht da s Recht von Amtes wegen an. Es prüft insbesondere, ob die Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind. Die Beschwerde vom 4. Sep- tember 2014 richtet sich gegen den Entscheid des Steuergerichts vom 11. April 2014 betreffend die Staatssteuer für das Jahr 2009. Die Beschwerde ist ge mäss § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, St G) vom 7. Februar 1974 durch das Kantonsgericht zu beurteilen. Die übrigen formellen V oraussetzungen – wie auch die Be- schwerdefrist – nach §§ 43 ff. VPO sind erfüllt, so dass a uf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Gemäss § 45 Abs. 1 VPO können mit der verwaltungsg erichtlichen Beschwerde Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Untersch reitung oder Missbrauch des Er- messens (lit. a) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit ei ner Verfügung ist hingegen nur in Aus- nahmefällen vorgesehen (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). Mit de r Beschwerde in Steuersachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen En tscheids und des vorangegange- nen Verfahrens gerügt werden. § 45 Abs. 2 VPO setzt dam it die bundesrechtlichen Vorgaben um, wonach im kantonalen Rekurs- und Beschwerdeverfahren betreffend direkte Bundesssteu- er gemäss Art. 140 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die d irekte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 in Verbindung mit Art. 145 Abs. 2 DBG alle Mängel des angefochtenen Entscheides und des vorangegangenen Verfahrens gerügt w erden können. Hinsichtlich der Staats- und Gemeindesteuern wäre eine solch weitgehend e Kontrolle vorinstanzlicher Ent- scheide gemäss Art. 50 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die H armonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Deze mber 1990 nur für das Rekursver- fahren vor Steuergericht, nicht aber für das Beschwerdeve rfahren vor Kantonsgericht gefordert. Der Gesetzgeber hat sich jedoch entschieden, die im DBG verlangte Ermessenskontrolle hin- sichtlich der direkten Bundessteuer auch auf die Staats- und Gemeindesteuern auszuweiten. Deshalb kann das Kantonsgericht vorliegend die Angemessenh eit des angefochtenen Ent- scheides überprüfen. 3. Die Beschwerdeführer machen geltend, das Steuergeri cht habe sie zu Recht getrennt veranlagt. Hingegen sei die Aufrechnung eines Betrages von Fr. 111‘581.-- als Unterhaltsleis- tungen nicht gerechtfertigt. Diese Zahlungen würden kei ne Unterhaltsleistungen an die Ehefrau oder den minderjährigen Sohn des Beschwerdeführers da rstellen. Vielmehr seien diese Zah- lungen im Umfang von rund Fr. 60‘000.-- zum einen der Ehefrau treuhänderisch für die vom Ehemann an die volljährige Tochter zu zahlenden Ausbil dungsbeiträge geleistet worden. Zum anderen habe die Ehefrau von diesem Geld für ihren Ehemann Steuern bezahlt. Das Steuergericht führt aus, die Beschwerdeführer seien zwar als getrenntlebend zu qualifizie- ren und demzufolge auch getrennt zu veranlagen. Die d er Frau unter dem Titel “Familiengeld“ geleisteten Zahlungen würden aber Unterhaltszahlungen darstellen, welche beim Empfänger zu besteuern seien. Soweit die Beschwerdeführer behaupten würden, dass diese Beträge nicht als Unterhaltszahlungen zu berücksichtigen seien, obliege ihnen hierfür der Beweis. Mit Ausnahme eines Betrages von Fr. 11‘231.22, welcher ohne weitere s den vom Ehemann zu tragenden Ausbildungskosten seiner volljährigen Tochter zugeordnet werden könne, seien die übrigen vom Ehemann der Ehefrau überwiesenen Beträge als Unterhaltszahlungen zu qualifizieren. Die Steuerverwaltung vertritt die Auffassung, dass bei den Beschwerdeführern keine faktische Trennung vorliege, weshalb diese nicht getrennt zu vera nlagen seien. Werde von einer fakti- schen Trennung ausgegangen, so seien die an die Ehefr au geleisteten Zahlungen als Unter- haltszahlungen bei der Ehefrau zu besteuern. 4.1. Als erstes ist zu prüfen, ob vorliegendenfalls von ei ner faktisch getrennten Ehe auszu- gehen ist. 4.2. Nach § 8 StG werden Einkommen und Vermögen der Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, ohne Rücksicht auf de n Güterstand zusammengerechnet Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Abs. 1; so auch Art. 3 Abs. 3 StHG). Die Ehegatten sin d gemeinsam steuerpflichtig (Abs. 2). Bei Scheidung und bei rechtlicher oder tatsächlicher Trennung wird jeder Ehegatte für die gan- ze Steuerperiode getrennt besteuert (Abs. 5). Die geme inschaftliche Ehegattenbesteuerung hat zur Voraussetzung, dass die Ehe rechtlich und tatsächlich un getrennt ist. Liegt dagegen eine rechtlich oder auch nur tatsächlich getrennte Ehe vor, kommt eine gemeinschaftliche Besteue- rung der Ehegatten bei Aufgabe der gemeinsamen Mittel nicht mehr in Frage. Im Fall der recht- lichen oder tatsächlich getrennten Ehe wird jeder Ehe gatte für seine eigenen Steuerfaktoren zu dem auf ihn anwendbaren Steuertarif besteuert. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt für verheiratete Personen grundsätzlich die Ehe gattenbesteuerung. Daraus wird umgekehrt gefolgert, dass bei rechtlicher oder tatsächlicher Tren nung das Einkommen der Ehegatten je selbständig besteuert wird (vgl. Entscheid des Bundesgerich ts 2C_452/2012, 2C_453/2012 vom 7. November 2012 E. 3 mit weiteren Hinweisen). Ha t jedoch ein Ehegatte einen ausländi- schen Wohnsitz, so ist trotz rechtlich und tatsächlich unget rennter Ehe lediglich der in der Schweiz wohnhafte Ehepartner im Inland unbeschränkt ste uerpflichtig. Zudem wird auch nur das Einkommen des Letzteren besteuert. Das Einkommen des i m Ausland wohnhaften Ehegat- ten ist insoweit nur zur Satzbestimmung des Einkommens des in der Schweiz wohnhaften Ehe- gatten heranzuziehen (Urteil des Bundesgerichts 2C_614/2011 vom 4. Mai 2012 E. 2.3 mit wei- teren Hinweisen). Gemäss § 9 Abs. 1 StG werden Einkom men und Vermögen von Kindern un- ter elterlicher Sorge dem Inhaber der elterlichen Sor ge zugerechnet (so auch Art. 3 Abs. 3 StHG). Diese Zurechnung entfällt ab Beginn des Jahres, in dem sie volljährig werden. Nach Lehre und Rechtsprechung liegt eine faktische Trennung, die zu einer getrennten Besteu- erung der Ehegatten führt, vor, wenn folgende Vorausse tzungen kumulativ erfüllt sind (Urteil des Bundesgerichts 2C_523/2007 vom 5. Februar 2008 E. 2 .3 mit weiteren Hinweisen, siehe auch BGE 138 II 302 E. 2.2; Kreisschreiben Nr. 30 Ziff. 1.3): - Keine gemeinsame eheliche Wohnung (Art. 162 ZGB), A ufhebung des gemeinsamen Haushaltes (Art. 175 ZGB), Bestehen eines eigenen Woh nsitzes für jeden Ehegatten (Art. 23 ZGB). - Keine Gemeinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung u nd Unterhalt mehr vorhanden. - Kein gemeinsames Auftreten des Ehepaares in der Öf fentlichkeit mehr. - Die Trennung muss von Dauer sein (mindestens ein Ja hr) oder mit der Auflösung der Ehe enden. Machen die Ehegatten das Bestehen einer faktischen Trenn ung geltend, ist dieser Nachweis von den Ehegatten zu erbringen (B ERNHARD J. GREMINGER /B ETTINA BÄRTSCHI , in: Zwei- fel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, I/2a, Art. 1 - 82 DBG, Rz 17 zu Art. 9 DBG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgericht es besteht auch beim Vorliegen zweier verschiedener Wohnsitze der beiden Ehegatten kein Anlass zu einer getrennten Veran- lagung, solange diese an der Fortführung der eheliche n Gemeinschaft festhalten und diesen Willen auch zum Ausdruck bringen. Werden von beiden Sei ten Mittel - über übliche Gelegen- heitsgeschenke hinaus - für die gemeinsame Lebenshalt ung eingesetzt (nicht in Betracht fallen richterlich oder freiwillig vereinbarte Alimentenleist ungen), sind die Ehegatten trotz eigener Wohnung und gegebenenfalls auch eigenem zivilrechtlichem Wohnsitz zusammen zu veranla- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen (Urteil des Bundesgerichts 2C_523/2007 vom 5. Febr uar 2008 E. 2.3 mit weiteren Hinwei- sen, siehe auch BGE 138 II 302 E. 2.2; Kreisschreiben Nr. 30 Ziff. 1.3). 4.3. Nachdem der Beschwerdeführer für kurze Zeit in F. ____ (Deutschland) gewohnt hatte, meldete er sich am 1. April 2009 in C.____ an. In D._ ___ hat er sich erst im Jahre 2012 abge- meldet. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Abmeldung von D.____ vergessen zu haben, da für die Anmeldung in C.____ keine Bestätigung ei ner Abmeldung vorzulegen war. Diese Aussage ist glaubhaft und nachvollziehbar. In der Trenn ungsvereinbarung vom 28. März 2009 wird festgehalten, dass die Ehegatten seit dem 1. Juni 2008 getrennt leben würden. Zudem wurden Unterhaltsbeiträge festgelegt, wobei diese ni cht ziffernmässig festgelegt wurden. Auf- grund der Vereinbarung lässt sich zumindest ein Teil de r geschuldeten Unterhaltsbeiträge aber bestimmen. So gewährleistete der Ehemann gemäss Trennungsvereinbarung den Unterhalt der Liegenschaft Y.____strasse und während der Trennung e in unentgeltliches, nicht einzutragen- des Wohnrecht zu Gunsten der Ehefrau. Weiter wird in de r Trennungsvereinbarung festgehal- ten, dass die Ehefrau ihren eigenen Unterhalt grundsät zlich aus eigenen Mittel leisten könne. Für die Aufrechterhaltung des gewohnten Lebensstandards während der Trennungsphase sei der Ehemann besorgt; z.B. mittels Finanzierung von Ferien und Ähnlichem. Der Ehemann leiste “Unterhaltszahlungen an die Kinder und Beiträge an de ren Ausbildung wie bisher direkt an die Kinder selbst bzw. an die Universitäten usw.“ Bestimmbar si nd somit die Wohnkosten und die Beiträge an die Kinder. Ein gewichtiges Indiz für die faktische Trennung sind die regelmässigen Zahlungen des Ehemannes auf das Konto der Ehefrau. Die Zahlung erfolgte jeweils anfangs Monat. Die Betragshöhe ist nicht immer gleich, betrug jedoch mehrheitlich zwischen knapp Fr. 9‘000.-- und Fr. 12‘000.--. Diese Zahlungen werd en als “Familiengeld“ bezeichnet. Insge- samt leistete der Ehemann für das Jahr 2009 Fr. 111‘58 1.-- als “Familiengeld“ betitelte Zahlun- gen. Diese Zahlungen wären – wie die Vorinstanz richtig festhält – unüblich, wenn die Ehegat- ten zwar getrennte Wohnsitze hätten, ihren Lebensunte rhalt aber aus gemeinsamen Mitteln bestreiten würden. Aufgrund der Tatsache, dass diese gru ndsätzlich anfangs Monat und damit regelmässig beglichen wurden und in der Regel eine äh nliche Höhe aufwiesen, sind diese Zah- lungen als regelmässige Zahlungen, die den Charakter vo n Unterhaltszahlungen haben, zu be- zeichnen. Ausserdem spricht für eine Trennung auch, dass di e Rekurrentin aus der ehelichen Wohnung in eine kleinere Wohnung gezogen ist. In der Trennungsvereinbarung wird ausge- führt, dass der Ehemann die auf seinen Namen lautend en Bankkonti und Wertschriften, die Ehefrau die auf ihren Namen lautenden behalte. Die auf beide gemeinsam lautenden Konti würden ebenfalls bei der Ehefrau verbleiben. Es wurd e ausdrücklich vereinbart, dass die Be- nennung der Konti während der Trennung nicht geände rt werden solle. Es ist zwar unüblich, dass Konti als gemeinsame Konti weitergeführt werden. De facto handelte es sich aber nicht um gemeinsame Konti, da sie jeweils nur durch einen de r Ehegatten benutzt wurden. Auch die Tatsache, dass der Personenwagen weiterhin auf den Ehe mann zugelassen war, ist nicht üb- lich, kann aber für die steuerrechtliche Beurteilung ni cht ausschlaggebend sein. Aufgrund der gesamten Umstände überwiegen die Indizien, welche für eine faktische Trennung sprechen. Damit sind die Ehegatten getrennt zu besteuern und da s Einkommen des Ehemannes ist folg- lich nicht zur Satzbestimmung des Einkommens der Ehefrau heranzuziehen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1. Als nächstes ist zu prüfen, ob die vom Ehemann unter dem Titel “Familiengeld“ geleis- teten Beiträge in der Höhe von Fr. 111‘581.-- bei de r Beschwerdeführerin als Unterhaltszahlun- gen anzurechnen sind. 5.2. Zum steuerbaren Einkommen gehören nach § 24 lit. f StG insbesondere Unterhaltsbei- träge, die der geschiedene oder getrennt lebende Ehe gatte für sich und die unter seiner elterli- chen Sorge stehenden Kinder erhält. Der Einkommenssteue r nicht unterworfen sind nach § 28 lit. g StG Leistungen in Erfüllung familienrechtlicher Verpflichtungen, ausgenommen die Unter- haltsbeiträge für den geschiedenen oder getrennt lebe nden Ehegatten sowie die Unterhaltsbei- träge, die ein Elternteil für die unter seiner elte rlichen Gewalt stehenden Kinder erhält. Unter- haltsbeiträge sind regelmässig oder unregelmässig wiede rkehrende Unterstützungen und Un- terhaltsleistungen zur Deckung des laufenden Lebensbedar fs, die dem Empfänger keinen Ver- mögenszuwachs verschaffen. Der Rechtsgrund für diese Un terhaltsbeiträge muss dabei unter anderem in einer tatsächlichen Trennung der Ehegatte n und/oder in einem Kindsverhältnis lie- gen, wobei der Elternteil die Unterhaltsbeiträge für die unter seiner elterlichen Sorge stehenden Kinder erhält (F ELIX RICHNER /W ALTER FREI /STEFAN KAUFMANN /H ANS ULRICH MEUTER , Hand- kommentar zum DBG, Zürich 2009, 2. Aufl., Rz 59 zu Art. 23 DBG). Unterhaltszahlungen an Kinder können jedoch zeitlich nur bis zum Erreichen der Volljährigkeit des Kindes vom Einkommen abgezogen werden können. Zahlung en nach dem 18. Geburtstag können steuerlich nicht mehr als Alimente berücksichtigt we rden. Dafür kann ab diesem Zeit- punkt der Unterstützungsabzug nach § 33 StG geltend ge macht werden, wenn das Kind wegen seiner beruflichen Ausbildung noch unterstützt werden muss. Auf der anderen Seite fliessen diese Alimente aus steuerlicher Sicht neu dem Kind zu un d nicht mehr dem sorgeberechtigten Elternteil, der diese Kinderalimente bisher versteuern musste. Solche Unterhaltsleistungen an das volljährige Kind werden im Gesetz als steuerfrei er klärt, soweit es sich nur um Zahlungen für den notwendigen Lebensunterhalt und die berufli che Erstausbildung handelt (vgl. Merkblatt zur Ehe- und Familienbesteuerung der Steuerverwaltung Basel-Landschaft gültig ab Steuerjahr 2007). 5.3. Die Beschwerdeführer machen geltend, der der Ehe frau vom Beschwerdeführer be- zahlte Betrag von Fr. 111‘581.-- stelle keinen Unterha ltsbeitrag dar. Vielmehr habe sie diesen Betrag im Umfang von Fr. 59‘259.50 für Ausbildungskoste n für ihre volljährige Tochter E.____ treuhänderisch erhalten. Im Weiteren habe sie vom erhal tenen Betrag für ihren Ehemann Steu- ern in der Höhe von rund Fr. 64‘000.-- bezahlt. Die Ehefrau habe im Februar 2009 Steuern in der Höhe von Fr. 86‘000.-- von ihrem Sparkonto einbeza hlt, welche noch die Zeit der gemein- samen Veranlagung betroffen hätten. Da bei einem Ein kommensverhältnis von Fr. 194‘798.-- zu Fr. 67‘485.-- 74% der Steuerbelastung, also Fr. 64‘232.--, vom Ehemann zu tragen gewesen seien, sei dieser Betrag vom Familiengeld abzuziehen. D amit bleibe kein Raum für eine An- rechnung irgendwelcher Unterhaltszahlungen. 5.4. Allfällige Abmachungen zwischen den Ehegatten be züglich der Frage, wer welche Steuerschulden zu bezahlen hat und wie diese Zahlung en allenfalls untereinander zu verrech- nen sind, sind nicht bekannt. Hätte es sich wirklich um S teuern gehandelt, die vom Ehemann Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht geschuldet waren bzw. mit seinem Anteil des Einkommens i n Verbindung standen, so ist nicht ersichtlich, aus welchem Grund der Ehemann diese Zahlungen an die Ehefrau hätte leisten sol- len, damit diese ihrerseits die Steuerschuld bezahlt, statt sie direkt bei der Steuerverwaltung Basel-Landschaft bzw. Gemeindeverwaltung zu begleichen . Damit können diese von der Ehe- frau getätigten Steuerzahlungen nicht vom bezahlten Unterhaltsbeitrag in Abzug gebracht wer- den. 5.5. Gemäss Ziffer 4 der Trennungsvereinbarung leistet der Ehemann Unterhaltszahlungen an die Kinder und Beiträge an deren Ausbildung “wie bisher direkt an die Kinder selbst bzw. an die Universitäten usw.“ Unterhaltsbeiträge, welche der Vater an die Mutter für den minderjähri- gen Sohn bezahlt hat, sind von der Mutter zu besteuern . Können die Beschwerdeführer bele- gen, dass der Ehemann – entgegen der Trennungsvereinbar ung – Ausbildungsbeiträge für die Tochter nicht direkt an diese oder an die “Universität usw.“ ausgerichtet hat und diese im be- zahlten “Familiengeld“ beinhaltet sind, so können diese im dargelegten Umfang von den der Ehefrau bezahlten Beiträgen (Familiengeld) abgezogen werden. Eine trennungsvereinbarungs- widrige Bezahlung von Ausbildungsbeiträgen für die voll jährige Tochter an die Mutter muss aber von den Beschwerdeführern nachgewiesen werden. Fü r die Trennung der Ehegemein- schaft stützen sich die Beschwerdeführer massgeblich auf die Trennungsvereinbarung. Demzu- folge sind sie grundsätzlich auch bei deren Inhalt zu behaften. Nach der von den Beschwerdeführern ins Recht gelegten Liste “Unterhalt Tochter E.____ 2009“ hat die Mutter Euro 7‘400.-- für das Frühlingssemester 2009 der Tochter beglichen. Gemäss erst im kantonsgerichtlichen Verfahren eingereichtem Bel eg hat die Mutter am 5. Januar 2009 von ihrem Konto eine Einzahlung in der Höhe von Euro 7‘400.-- an eine Bank in G.____ mit dem Vermerk “payment spring 2009 E.____“ getätigt. En tsprechend dem Schreiben der H.____ wurden für das Frühjahrssemester 2009 auch Euro 7‘400.- - bezahlt. Der entsprechende Ge- genwert in Schweizerfranken in der Höhe von Fr. 11‘ 231.20 kann somit – wie auch vom Steu- ergericht in seiner Vernehmlassung vom 12. November 20 14 beantragt – den Ausbildungskos- ten von E.____ zugeordnet werden und ist somit vom Unter haltsbeitrag, den der Ehemann der Ehefrau überwiesen hat, abzuziehen. Die Beschwerdeführer machen gemäss der Liste für den Un terhalt der Tochter, welche sich für Studienzwecke in G.____ aufhielt, geltend, dass der Beschwerdeführer der Beschwerdeführerin für die Bleibe der Tochter E.____ Mietzinszahlungen von Juni bis November 2009 an I.____ in der Höhe von Euro 2‘100.-- (6 Monate à je Euro 350. --) bezahlt habe. Gemäss Bankauszügen der Ehefrau hat die Beschwerdeführerin am 12. Juni 2 009, am 9. Juli 2009, am 22. September 2009, am 22. Oktober 2009 und am 24. November 2009 je weils Euro 350.-- an I.____ mit dem Vermerk “alquiler E.X.____“ (alquiler = Miete) überw iesen (Belastung Juni Fr. 536.81, Juli Fr. 538.33, September Fr. 538.54, Oktober Fr. 536.65 , November Fr. 521.54). Damit kann die- ser Betrag in der Höhe von Fr. 2‘671.87 den Ausbildungskosten der Tochter E.____ zugeordnet werden, womit der Unterhaltsbeitrag an die Ehefrau um diesen Betrag zu reduzieren ist. Wie bereits festgehalten, bezahlt der Ehemann gemäss Tr ennungsvereinbarung Unterhaltszah- lungen an die Kinder und Beiträge an deren Ausbildu ng wie bisher direkt an die Kinder selbst Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. an die Universitäten. Soweit nun die Ehefrau gel tend macht, auch die von ihr an die Toch- ter getätigten Einzahlungen in der Höhe von Fr. 11‘2 57.48 seien als Beiträge des Vaters an die Tochter, welche die Mutter nur für den Vater weiterge leitet habe, zu betrachten, ist sie nicht zu hören. Die Trennungsvereinbarung geht nicht davon aus, dass einzig der Ehemann an den Un- terhalt der Kinder Beiträge zu leisten hat. Insofern ist mangels anderweitiger Vereinbarung da- von auszugehen, dass die von der Beschwerdeführerin an die Tochter im Jahre 2009 bezahlten Beträge in der Höhe von Fr. 11‘257.48 Unterhaltszahlun gen der Mutter an die Tochter darstel- len. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern sie diese Zahlung en ebenfalls für ihren Ehemann geleistet haben soll. Die Zahlungen der Mutter an die Tochter sind aufgrund der Volljährigkeit der Toch- ter nicht abzugsfähig. Der Beschwerdeführerin steht bez üglich der Tochter nur ein Unterstüt- zungsabzug nach § 33 StG zu. 6. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwer deführer als faktisch ge- trennt zu betrachten sind, weshalb sie auch getrennt zu veranlagen sind, und dass der Ehefrau die von ihrem Ehemann bezahlten Unterhaltszahlungen in der Höhe von Fr. 97‘678.-- als steu- erbares Einkommen aufzurechnen sind. Dieser Betrag result iert aus den vom Ehemann an die Ehefrau geleisteten Zahlungen in der Höhe von Fr. 111‘581.-- abzüglich der von der Ehefrau für den Ehemann an die von diesem zu tragenden Ausbildungskost en an die erwachsene Tochter geleisteten Zahlungen von insgesamt Fr. 13‘903.-- (Fr. 11‘231.20 + Fr. 2‘671.87). Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Ehefrau im Jahre 2009 an ih re volljährige Tochter Unterstüt- zungsleistungen in der Höhe von Fr. 11‘247.48 geleistet hat, weshalb ihr ein Unterstützungsab- zug nach § 33 StG zusteht. Die Beschwerde ist demzufolge teilweise gutzuheissen. 7.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Na ch § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei aufer- legt. Nach § 6 Abs. 3 VPO können bei Beschwerden in S teuersachen – anders als in anderen Rechtsgebieten – ohne weiteres neue Beweismittel erst i m kantonsgerichtlichen Verfahren vor- gebracht werden. Die Reduktion des Unterhaltsbeitrages an die Ehefrau um die Frühjahrsse- mesterkosten der Universität der Tochter erfolgt nur a ufgrund des erst vor dem kantonsgericht- lichen Verfahren eingereichten Bankbelegs. Der Vorinsta nz ist somit nicht vorzuwerfen, dass sie die Reduktion des Unterhaltsbeitrages um diese Ausb ildungskosten nicht vorgenommen hat. Da die Beschwerdeführer nur in einem sehr gerin gfügigen Rahmen obsiegen und überdies bezüglich der Reduktion des Unterhaltsbeitrags um den Betrag für das Frühlingssemester 2009 der Vorinstanz nichts vorzuwerfen ist, rechtfertigt es sich, die gesamten Verfahrenskosten den Beschwerdeführern aufzuerlegen. Da beide Beschwerden – diejenige betreffend Staatssteuer 2009 und diejenige betreffend direkte Bundessteuer 20 09 – gemeinsam behandelt wurden, werden die Verfahrenskosten für das vorliegende Beschwerde verfahren auf einen im Vergleich zu den in der Regel für eine Urteilsberatung festgeleg ten Verfahrenskosten tieferen Betrag und zwar auf Fr. 900.-- festgelegt und gehen zu Lasten der Beschwerdeführer. 7.2. Nach § 21 VPO in Verbindung mit § 4 Abs. 3 des An waltsgesetzes Basel-Landschaft vom 25. Oktober 2001 kann der ganz oder teilweise obsiege nden Partei für den Beizug eines berufsmässigen Vertreters angemessene Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zu- gesprochen werden. Aus dem gleichen Grund, aus dem es sich rechtfertigt, die vollumfängli- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Verfahrenskosten den Beschwerdeführern aufzuerlegen, wird den Beschwerdeführern keine Parteientschädigung zugesprochen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werde n Ziffern 1 und 2 des Dispositivs des Entscheids Nr. 510 13 66 des Steuergerichts vom 11. April 2014 aufgehoben und die Angelegenheit zur Neuveranlagung im Sinne der Erwägungen an die Steuerverwaltung zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 900.-- w erden den Beschwer- deführern in solidarischer Verbindung auferlegt und mi t dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. D er zuviel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 500.-- wird den Be- schwerdeführern zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid haben die Ehegatten X.____ Beschw erde beim Bundesgericht (Ver- fahrensnummer 2C_503/2015) erhoben.