Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 10. Mai 2022 (400 22 36) ____________________________________________________________________ Obligationenrecht Arbeitsrecht; Ferienabgeltungsverbot gemäss Art. 329d OR; ausnahmsweise Zulässig- keit einer Ferienentschädigung bei unregelmässiger Beschäftigung, was auch bei einem Vollpensum der Fall sein kann (E. 4.7) ; Analysemethode zur Ermittlung einer unregel- mässigen Beschäftigung im Einzelfall (E. 4.8) ; Lohnfortzahlung bei Krankheit g emäss Art. 324a OR; Arztzeugnis als «Anscheinsbeweis» (E. 5.7); Arztzeugnis aus ärztlicher Te- lekonsultation (E. 5.8) Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richter Philippe Spitz (Ref.), Richterin Barbara Jermann Richterich; Gerichtsschreiber i.V. Nicolas Lehmann Parteien A. ____, vertreten durch Advokat Dr. Roberto Peduzzi, Heuberg 7, Postfach 2032, 4001 Basel, Klägerin und Berufungsbeklagte gegen B. ____ AG, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Alfred Blesi, Usteristrasse 10, Postfach 3921, 8021 Zürich 1, Beklagte und Berufungsklägerin Gegenstand Arbeitsstreitigkeit Berufung gegen den Entscheid des Gerichtspräsidenten des Zivilkreis- gerichts Basel-Landschaft West vom 5. November 2021 A. A. ____ wurde per 1. September 2003 bei der B. ____ AG als Betriebsarbeiterin Verpa- ckung in einem Pensum von 100% angestellt. Der Arbeitsvert rag sah eine Arbeitszeit von 45 Stunden pro Woche sowie einen Stundenlohn von CH F 18.00 brutto zzgl. einer Feri enent- schädigung von 8,33% bzw. ab Januar 2019 von 10,64 % vor. Am 16. März 2020 ordnete die B. ____ AG ihren Mitarbeitern aufgrund der Covid-19-Pandemie sowie gestützt auf die entspre- chende Notverordnung des Bundesrates Zwangsferien a n. Mittels Einschreiben vom 18. Juni Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2020 kündigte die B. ____ AG sodann das A rbeitsverhältnis mit A. ____ per 30. September 2020 aus Gründen der Reorganisation und der Neustrukturierung der betrieblichen Abteilungen. B. Gegen diese Kündigung erhob A. ____ am 28. September 2020 Einsprache, machte eine missbräuchliche Kündigung gemäs s Art. 336 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzesbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR, SR 220]) gel- tend und verlangte von der B. ____ AG, ihre Kündigung bis zum 16. Oktober 2020 zu begrün- den. Auf diese Einsprache reagierte die B. ____ AG indes nicht, woraufhin A. ____ mit Schlich- tungsgesuch vom 2. März 2021 an die Schlichtungsbehörde für arbeitsrechtliche Streitigkeiten beim Zivilkreisgericht Basel -Landschaft West (Zivilkreisgericht) gelangte. Da anlässlich der Schlichtungsverhandlung keine Einigung zwischen den Parteien erzielt werden konnte, wurde A. ____ am 20. April 2021 die Klagebewilligung ausgestellt. C. Mit Klage vom 4. Mai 2021 beantragte A. ____ (Klägerin) die Verurteilung der B. ____ AG (Beklagte) zur Bezahlung von CHF 1'186.25 zzgl. Zins zu 5% seit dem 6. April 2020 (Ersatzzah- lung für die Dauer der Krankheit in Höhe der entgangenen Taggelder), CHF 6'845.10 zzgl. Zins zu 5% seit dem 20. Juni 2020 (Entschädigung wegen missbräuchli cher Kündigung), CHF 17'340.70 unter Abführung der gesetzlich geschuldeten Sozialbeiträge zzgl. Zins zu 5% seit dem 1. September 2017 (Ferienentschädigung) sowie CHF 115.00 unter Abführung der gesetz- lich geschuldeten Sozialbeiträge zzgl. Zins zu 5% seit dem 1. September 2017 (Fei ertagsent- schädigung) unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beklagten. Des Weiteren sei der Klägerin die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Die Beklagte beantragte demgegenüber mit Kla- geantwort vom 13. Juli 2021 die vollumfängliche Abweisung der Klage unter o/e-Kostenfolge. Nach durchgeführtem Schriftenwechsel wurden die Parteien zur erstinstanzlichen Hauptver- handlung vom 5. November 2021 geladen, an welcher die Klägerin im Rahmen einer Klageän- derung unter dem Titel "Ersatzzahlung für die Dauer der Kra nkheit in Höhe der entgangenen Taggelder" anstelle von CHF 1'186.25 neu CHF 1'518.00 und unter dem Titel "Feiertagsent- schädigung" anstelle von CHF 115.00 neu CHF 230.00 geltend machte, ansonsten aber an ihren Rechtsbegehren festhielt. Die Beklagte hielt im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptver- handlung vollumfänglich an ihren Anträgen fest. D. Mit schriftlich eröffnetem Entscheid vom 5. November 2021 hiess der Gerichtspräsi dent des Zivilkreisgerichts die Klage teilweise gut und verurteilte die Beklagte, der K lägerin CHF 1'518.00 brutto, CHF 17'340.70 brutto sowie CHF 230.00 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 zu bezahlen und von diesen Beträgen jeweils die gesetzlichen Sozialabzüge ab- zuführen. Für die Mehrforderung wurde die Klage indes abgewiesen (D ispositiv-Ziffer 1). Es wurden sodann keine Gerichtskosten erhoben. Im Weiteren wurde die Beklagte verpflichtet, der Klägerin eine reduzierte Parteientschädigun g von CHF 3'328.90 (inkl. Ausla gen und Mehrwert- steuer von CHF 256.30) zu bezahlen (Dispositiv -Ziffer 2). Auf die Erwägungen der Vorinstanz wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Entscheids eingegangen. E. Gegen den begründeten Entscheid des Gerichtspräsidenten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 2021 erhob die B. ____ AG (fo rtan: Berufungskl ägerin), vertreten durch Rechts - anwalt Dr. Alfred Blesi, mit Eingabe vom 31. Januar 2022 Berufung beim Kantonsgericht B asel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht (Kantonsgericht). Sie begehrte, es seien die Ziffern 1 und 2 des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheids der Vo rinstanz unter Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin auf- zuheben und die Klage mit Bezug auf die von der Vorinstanz gutgeheissenen Ferien - entschädigung von CHF 17'340.70 brutto sowie Lohnfortzahlung während geltend gemachter Krankheit von CH F 1'518.00 brutto abzuweisen. Eventuali ter sei das Verfahren an die Vo r- instanz zur Ergänzung des Sachverhaltes und Neuentscheidung zu rückzuweisen. Unter Kos- ten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin und Berufungsbeklagten. F. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 1. Februar 2022 forderte das Kantonsgericht die Gegenpartei zur Berufungsantwort innert 30 Tagen auf. G. A. ____ (fortan: Berufungsbeklagte), vertreten durch Advokat Dr. Roberto Peduzzi, reichte mit Eingabe vom 4. März 202 2 ihre Berufungsantwort ein, mit welcher sie die Abweisung der Berufung und die vollumfängliche Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids vom 5. Novem- ber 2021 unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Berufungsklägerin beantragte. H. Mit Verfügung vom 7. März 2022 wurde die Berufungsantwort vom 4. März 2022 inklusive Beilagen der Berufungsklägerin zur Kenntnisnahme und freiwilligen Replik zugestellt und der Schriftenwechsel geschlossen. Zudem wurde den Parteien der Entscheid der Dreierkammer des Kantonsgerichts aufgrund der Akten in Aussicht gestellt. I. Mit als "Nacheingabe zu rechtlichen Noven" überschriebener Eingabe vom 20. April 2022 reichte die Berufungsklägerin dem Kantonsgericht das Urteil 4A_31/2021 des Bundesgerichts vom 30. März 2022 zum Thema Feriene ntschädigung bei unregelmässiger Vollzeit - beschäftigung ein. J. Mit Stellungnahme vom 22. April 2022 zur Noveneingabe der Berufungsklägerin vom 20. April 2022 führte die Berufungsbeklagte aus, die zusätzliche Eingabe der Berufungsklägerin sei unbeachtlich und inhaltlich unzutreffend. Erwägungen 1. Gegen erstinstanzliche Endentscheide kann gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a der Schweize ri- schen Zivilprozessordnung (ZPO, SR 272) Berufung erh oben werden, wobei in vermögens- rechtlichen Angelegenheiten die Berufung g emäss Art. 308 Abs. 2 ZPO nur zulässig ist, wenn der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 be- trägt. Die Berufung ist schriftlich und begründet innert 30 T agen seit Zustellung des begrün de- ten Entscheids bei der Re chtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Vorliegend hat das Kantonsgericht die Berufung vom 31. Januar 2022 gegen den Entscheid des Gerichtspräsi- denten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 2021 zu beurteilen. Mit diesem erstinstanzlichen Endentscheid bejahte die Vorinstanz den Anspruch der Berufungsbeklagten gegenüber der Berufungsklägerin auf Bezahlung von CHF 1'518.00 brutto, CHF 17'340.70 brutto sowie CHF 230.00 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 und hiess die Klage damit teilwe ise gut. Der Streitwert im vorliegenden Prozess nach den zuletzt bei der Vorinstanz aufrechterhal- tenen Rechtsbegehren liegt bei CHF 25’933.80 (vgl. lit. C hievor) und damit über der für eine Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berufung erforderlichen Streitwertgrenze von CHF 10'000.00. Der b egründete Entscheid des Gerichtspräsidenten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 2021 wurde der Berufungsklägerin gemäss Rückschein der Schweizerischen Post am 14. Dezember 2021 zugestellt. Die 30-tägige Rechtsmittelfrist steht während den Gerichtsferien (18. Dezember 2021 bis und mit 2. Januar 2022) still, weshalb die Frist gestützt auf Art. 145 Abs. 1 lit. c ZPO am Montag, 31. Januar 2022, endete. Die gleichentags bei der Post zum Versand aufgegebene Berufungsschrift erfolgte so- mit fristgerecht (Art. 142 f. ZPO). Die Berufungsklägerin rügt mit ihrer Berufung vom 31. Januar 2022 namentlich die rechtsfehlerhafte Anwendung des in Art. 329d OR normierten Abgeltungs- verbots des Ferienlohns sowie des in Art. 324a OR und in Art. 33 Abs. 4 des Gesamtarbeitsver- trags 2019 für die Schweizerische Bäcker -, Konditoren- und Confiseur-Branche (GAV) geregel- ten Anspruchs auf Lohnfortzahlung bei Krankheit. Darüber hinaus macht sie die unrichtige Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz geltend, mithin allesamt zulä ssige Beru- fungsgründe (Art. 310 ZPO). Da auch die weiteren Formalien und Prozessvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 59 ZPO), ist auf die Berufung einzutreten. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. c i.V.m. § 5 Abs. 1 e contrario des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG ZPO, SGS 221) ist die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beur- teilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreisgerichte sachlich zustän- dig. Noven 2.1 Nach Art. 317 Abs. 1 ZPO können neue Tatsachen und Beweismittel im Rechtsmittel - verfahren nur noch berücksichtigt werden, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten. Neue rechtli- che Begründungen sind von dieser Bestimmung nicht erfasst und können im kantonalen Beru- fungsverfahren sowie vor Bundesgericht unbeschränkt vorgebracht werden, was sich insbeson- dere aus dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen ergibt (BGer 4 A_519/2011 vom 28. November 2011 E. 2.1; KARL SPÜHLER, Basler Kommentar, Schweizerische Zivilpro- zessordnung, 3. Aufl., 2017, Art. 317 N 12). Zum Vorbringen sog. unechter Noven, von Tatsa- chenbehauptungen oder Beweismitteln zu einem Sachverhalt, welcher sich bereits vor Ab- schluss des vorinstanzlichen Verfahrens verwirklicht hat, ist zudem auf die strenge Praxis des Bundesgerichts hinzuweisen, wonach der Rechtsmittelkläger die Gründe detailliert darzulegen habe, weshalb er die Tatsache oder das Beweismittel ni cht schon vor erster Instanz habe vor- bringen können (vgl. BGE 143 III 43 E. 4.1). 2.2 Fraglich ist zunächst, ob die in den zweitinstanzlichen Rechtsschriften dargelegten Be- rechnungstabellen betreffend die von der Berufungsbeklagten geleisteten Arbeitsstund en von Januar 2015 bis September 2020 als Noven zu betrachten sind. Die Berufungsklägerin führt in ihrer Berufungsschrift vom 31. Januar 2022 zwei Berechnungstabellen auf (Rz. 20 und Rz. 39), welchen die Berufungsbeklagte in ihrer Berufungsantwort vom 4. M ärz 2022 zwei eigene tabel- larische Aufstellungen der geleisteten Arbeitsstunden in besagtem Zeitraum gegenüberstellt (Rz. 32 und Anhang). Da diese Berechnungstabellen indes bereits im vorinstanzlichen Verfah- ren bekannte Daten wiedergeben (siehe insb. Klage beilage 34), sind sie nicht als Noven, son- dern vielmehr als argumentationsbezogene Neustrukturierung zu bereits im vorinstanzlichen Verfahren vorgetragenen Tatsachen anzusehen, welche im Rechtsmittelverfahren zu berück- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtigen sind. Die in der Berufungssc hrift aufgeführte Werktagstabelle des Kantons Basel - Landschaft für die Jahre 2015 bis 2020 mit Korrekturfaktoren ist sodann gerichtsnotorisch und damit im vorliegenden Verfahren ebenfalls zu beachten. Des Weiteren gelangt die Bestimmung über die Novenschra nke gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO im Hinblick auf den von der Berufungsklägerin mit Eingabe vom 20. April 2022 dem Kantonsge- richt eingereichten Entscheid des Bundesgerichts 4A_31/2021 vom 30. März 2022 nicht zur Anwendung. Bei der rechtlichen Würdigung des fe stgestellten Sachverhalts hat das Gericht die in Betracht kommenden Rechtssätze gemäss Art. 57 ZPO von Amtes wegen anzuwe nden (iura novit curia), wobei Prozessrecht und materielles Recht gleichermassen darunterfallen. Daraus ergibt sich, dass die Eventualmaxime nicht für die rechtliche Begründung der Parteistandpunkte gilt. Das Kantonsgericht ist vielmehr stets von Amtes wegen dazu verpflichtet, die Rechtsfragen zu prüfen und die richtigen Normen unter Berücksichtigung von Rechtsprechung und Lehre an- zuwenden. Ausführungen zur Rechtslage können daher nicht als Noven im Sinne von Art. 317 Abs. 1 ZPO bezeichnet werden. Gegenstand des Berufungsverfahrens 3. Im vorliegenden Berufungsverfahren geht es lediglich noch um die von der Vorinstanz gutgeheissene Ferienentschädigung von CHF 17'340.70 brutto sowie die Lohnfortzahlung wäh- rend geltend gemachter Krankheit von CHF 1'518.00 brutto. Gegen die der Berufungsbeklagten von der Vorinstanz zugesprochene Feiertagsentschädigung von CHF 230.00 brutto erhob die Berufungsklägerin indes keine Berufung, womit diesbezüglich der Entscheid des Gerichtspräsi- denten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 2021 e contrario Art. 315 Abs. 1 ZPO rechtskräf- tig geworden ist. Der Antrag der Berufungsbeklagten auf Entschädigung zufo lge missbräuchli- cher Kündigung wurde von der Vorinstanz sodann abgewiesen. Nachdem die Berufungsbeklag- te gegen diesen Teil des vorinstanzlichen Entscheids ihrerseits weder eine Berufung erhob, noch im vorliegenden Berufungsverfahren eine Anschlussberufung erklärte, ist die Abweisung des Antrags auf Entschädigung zufolge missbräuchlicher Kündigung bzw. Ziffer 1 Absatz 2 des Dispositivs des Entscheids des Gerichtspräsidenten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 2021 ebenfalls rechtskräftig geworden (Art. 315 Abs. 1 ZPO e contrario). Ferienentschädigung 4.1 Hauptstreitpunkt des vorliegenden Verfahrens bilden die unterschiedlichen Ansichten der Parteien über die Zulässigkeit der Abgeltung der Ferien der Berufungsbeklagten mit ihrem lau- fenden Monatslohn als Zuschlag zwischen März 2016 und September 2020. Nicht bestritten ist, dass die Berufungsbeklagte seit dem 1. September 2003 bis zum 30. September 2020 als Be- triebsarbeiterin Verpackung für die Berufungsklägerin in einem vereinbarten Arbeitspensum von 100% und zu einem Stundenlohn von CHF 18.00 brutto arbeitete. Der Berufungsbeklagten wurde zwischen März 2016 und Dezember 2018 als monatliche Ferienentschädigung ein Lohn- zuschlag von 8,33% sowie ab Januar 2019 ein solcher von 10,64% ausgerichtet. Der für die Ferien bestimmte Lohnanteil ist dabei im Arbeitsvertrag zwischen der Berufungsklägerin und der Berufungsbeklagten vom 1. Januar 2017 resp. im Arbeitsvertrag vom 1. September 2003 unter der Ziffer V. "Lohn" explizit aufgeführt. Des Weiteren ist auf den entsprec henden monatli- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Lohnabrechnungen unter der Position "E011 Ferienentschädigung" bzw. ab Januar 2019 unter der Position "E103 Ferienentschädigung 5 Wo" die Ferienentschädigung mit dem Faktor, der Einheit und dem Betrag ausgewiesen. Zudem ist erstellt, das s die Berufungsbeklagte ihre Ferien im fraglichen Zeitraum auch tatsächlich beziehen konnte. 4.2 Umstritten ist nach wie vor, ob die Erwerbstätigkeit der Berufungsbeklagten als unre gel- mässig qualifiziert werden kann. Die Vorinstanz gelangt e zum Schluss, di e Berufungsklägerin habe, indem sie die Ferienentschädigung mit dem laufenden Lohn abgegolten habe, die absolut zwingende Norm von Art. 329d Abs. 2 OR verletzt. Sie erwog, nach bun desgerichtlicher Recht- sprechung könne zwar grundsätzlich auch bei eine r Vollzeiterwerbstätigkeit unregelmässig ge- arbeitet werden, aus dem von der Berufungsklägerin angerufenen Entscheid 4A_619/2019 vom 15. April 2020 könne aber nichts zu ihren Gunsten abgeleitet werden, zumal sich das Bundes- gericht in diesem Entscheid nicht mit de r Methodik zur Bestimmung der Unregelmässigkeit ei- nes Arbeitsverhältnisses auseinandergesetzt habe. Im vorliegenden Fall habe die Berufungsbe- klagte stets von Montag bis Freitag zu jeweils vergleichbaren Zeiten gearbeitet. Vor diesem Hintergrund erscheine ein Vergleich der Arbeitsstunden eines Monats mit denjenigen des Vor- monats kaum zweckdienlich, insbesondere da die miteinander zu vergleichenden Monate eine unterschiedliche Anzahl Arbeitstage hätten und sich bereits daraus Differenzen ergeben wür- den. Zudem könne es nicht Sinn und Zweck der Ausnahmeregelung des Bundesgerichts sein, in jeglichen Arbeitsverhältnissen durch Vergleich von monatlichen Arbeitsstunden etwaige Ab- weichungen festzustellen, um ein unregelmässiges Arbeitsverhältnis zu kreieren. Ein solc hes Vorgehen heble die Ausnahmeregelung aus, da es einem Arbeitsverhältnis inhärent sei, dass nicht jederzeit die exakt gleiche Anzahl Stunden gearbeitet werde. Nach Ansicht des Zivilkreis- gerichts wäre es für die Berufungsklägerin sodann ein Leichtes gewesen, den Anteil des Ferien- lohns am Gesamtlohn zwar jeden Monat separat zu berechnen und auszuweisen, diesen je- doch nicht monatlich auszuzahlen, sondern auf einem buchhalterischen Ferienkonto gutzu- schreiben und erst be im effektiven Ferienbezug auszu richten. Von einer unüberwindbaren Schwierigkeit, das Abge ltungsverbot durchzusetzen, wel che gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Ausrichtung einer Ferienentschädigung auch bei einer Vollzeiterwerbstä- tigkeit zulässt, könne daher keine Rede sein. Die Berufu ngsbeklagte habe sich schliesslich auch nicht widersprüchlich verhalten, zumal der Widerspruch zwischen der Zustimmung zu ei- ner Vereinbarung und der nachträglichen Geltendmachung ihrer Ungültigkeit unter Berufung auf zwingendes Recht nur dann als Rechtsmissbrauch anzusehen sei, wenn zusätzliche besondere Umstände gegeben seien. Derartige Umstände seien indes vorliegend nicht ersichtlich. 4.3 Die Berufungsklägerin macht in ihrer Berufungsschrift zusammenfassend geltend, aus dem Vergleich der Anzahl Arbeitsst unden eines Monats mit der Anzahl Arbeitsstunden des Vormonats gehe hervor, dass das Arbeitsverhältnis zwischen ihr und der Berufungsbeklagten als unregelmässige Vollzeitbeschäftigung zu qualifizieren sei, weshalb die bezogenen Ferien mit einem klar vereinbarten und stets ausgewiesenen Lohnzuschlag hätten entschädigt werden dürfen. Selbst bei Berichtigung der geleisteten Arbeitsstunden um die Anzahl tatsächlich ver- fügbarer monatlicher Werktage seien insgesamt 63 Veränderungen der monatlichen Arbeitszei- ten a uszumachen, wovon 36 Schwankungen 10% und mehr, 12 Schwankungen sogar über 20% betragen würden. Eine anderweitige Analysemethode sei nicht ersichtlich. Der ständig Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht variierende Arbeitsumfang der Berufungsbeklagten sei im Wesentlichen der schwankenden und unvorhersehbaren Auftragslage geschuldet gewesen, weshalb die monatlichen Schwankungen auch keiner Regelmässigkeit folgen würden. Es könne sodann keine Rolle spielen, dass die Berufungsbeklagte in der Regel von Montag bis Freitag gearbeitet habe. Entscheiden d sei viel- mehr, dass ihre Arbeitseinsätze von Tag zu Tag und von Monat zu Monat erheblich geschwankt hätten. Die Vorinstanz verkenne sodann, dass die Berechnung des Ferienlohns der Berufungs- beklagten durchaus Schwierigkeiten bereitet hätten, die selbst mit einer geeigneten Lohnsoft- ware nicht hätten behoben werden können. Die erstinstanzlich vorgeschlagene Vorgehenswei- se, wonach die Berufungsklägerin den Ferienlohn hätte zurückbehalten und diesen während den Ferien der Berufungsbeklagten hät te auszahlen müssen, wäre nur dann korrekt, wenn die über das ganze Jahr geleistete Anzahl Arbeitsstunden der Berufungsbeklagten identisch gewe- sen wären und der Ferienlohn damit konstant gleich hoch gewesen sei, was vorliegend aller- dings nicht der Fall sei. Die Problematik der Ferienlohnberechnung bei unregelmässigen Be- schäftigungsverhältnissen bestehe darin, dass unter dem Jahr unklar sei, wie viele Arbeitsstun- den einer Ferienwoche entsprechen würden und welcher Betrag während diesen Ferien auszu- zahlen sei. Schliesslich se i die Auszahlung des Ferienlohnzuschlags auch in Übereinstimmung mit den Gepflogenheiten der Bäcker -, Konditoren- und Confiseur-Branche erfolgt, was sich da- ran zeige, dass der Einschluss von Ferien - und Feiertagszuschlägen für im Stundenlohn Ange- stellte im GAV ausdrücklich vorgesehen sei. 4.4 Die Berufungsbeklagte bringt demgegenüber in ihrer Berufungsantwort im Wesentlichen vor, der Entscheid der Vorinstanz sei sorgfältig begründet und sowohl in den Erwägungen wie auch im Endergebnis absolut korrekt. Die i m vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweis- mittel würden aufzeigen, dass die Berufungsbeklagte einer regelmässigen Arbeitstätigkeit nachgegangen sei. Sie habe jahrelang im Stundenlohn in einem Pensum von 100% jeweils von Montag bis Freitag und zu vergleichbaren Zeiten gearbeitet. Zwar habe es immer wieder kleine- re Abweichungen gegeben, diese seien jedoch nicht durch die Unvorhersehbarkeit der Tätigkeit oder die Unmöglichkeit der Arbeitsplanung zu begründen. Vielmehr handle es sich um kleinere Schwankungen, die bei einer Anstellung generell unvermeidbar seien und das Gesamtbild einer fest angestellten Mitarbeiterin mit regelmässigem Pensum, geregelten Arbeitszeiten und plan- baren Einsätzen nicht ändern würden. Vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen Recht- sprechung sei es sodann offensichtlich, dass sich eine Korrektur der umstrittenen Praxis zur Zulässigkeit der Abgeltung der Ferienentschädigung anbahne. Diese Praxis sei obsolet und – wenn überhaupt – nur noch äusserst restriktiv anzuwenden. Des Wei teren sei unbestritten, dass die zur Verpackung angestellte Berufungsbeklagte keine Tätigkeit ausgeübt habe, die mit nicht zu planenden Schwierigkeiten, unregelmässigen Schichten oder anderen Umständen ein- hergegangen sei, welche einen regelmässigen Einsatz i n unzumutbarem Mass erschwert hät- ten. Zudem könne in der heutigen Zeit keinesfalls mehr von unüberwindbaren Schwierigkeiten für die Verwaltung des Ferienanspruchs von im Stundenlohn Angestellten gesprochen werden. Somit bestehe keine betriebliche Notwendig keit mehr, auf das System der laufenden Auszah- lung eines Ferienzuschlags zu bestehen. Selbst wenn die von der Berufungsklägerin ange- wandte Analysemethode zur Bestimmung der Abweichungen in den monatlichen Arbeitszeiten angewendet werde, führe dies zum Erge bnis, dass das Arbeitsverhältnis der Berufungsbeklag- ten regelmässig gewesen sei. Zunächst sei diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass nach der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorstellung der Berufungsklägerin jede Abweichung der monatlichen Arbeitszeit doppelt gezählt werde. Die Berechnungsmethode sollte sich daher vielmehr am Monatsdurchschnitt orientieren und nicht am jeweiligen Vormonat. Zudem gebe die Berufungsklägerin die im Urteil des Bun- desgerichts 4A_619/2019 vom 15. April 2020 zur Diskussion gestandene Methode falsch wie- der. Schliesslich vergleiche die Berufungsklägerin die Arbeitszeiten seit Januar 2015, obschon die Ferienentschädigung erst ab März 2016 ein geklagt werde, womit die Arbeitszeiten vor die- sem Zeitpunkt irrelevant seien. Wende man die vorgenannten Korrekturen an, so wü rden sich lediglich noch 15 Abweichungen von mehr als 10%, fünf davon von mehr als 25% ergeben. Zu- dem sei darauf hinzuweisen, dass die meisten Abweichungen in den Monaten August und Sep- tember zu verzeichnen seien, in denen die Berufungsbeklagte jeweils min destens fünf Tage Ferien bezog und während der verbliebenen Zeit Mehrarbeit geleistet habe. Diese Mehrarbeit lasse sich dadurch erklären, dass die Berufungsbeklagte keine Ferienvertretung gehabt habe und en tsprechend habe vorarbeiten müs sen. Entsprechend s eien die Abweichungen für die Berufungsklägerin einfach vorherzusehen gewesen. Vor einer Unvorhersehbarkeit oder Unbe- rechenbarkeit der Arbeitslas t der Beru fungsbeklagten könne keine Rede sei. Wenn die Beru- fungsklägerin darüber hinaus behaupte, die Jahresarbeitszeit schwanke erheblich, so unterlaufe ihr der Fehler, dass sie die erfassten Stunden pauschal vergleiche, ohne dabei die Differenzen an Anzahl Arbeitstage pro Jahr zu berücksichtigen. Werde dies gemacht, so würden sich die jährlichen Abweichungen von der Durchschnittsarbeitszeit in den Jahren 2016 bis 2020 zwi- schen -3% und 3% bewegen. 4.5 Die Berufungsklägerin führt mit Eingabe vom 20. April 2020 aus, im dem Urteil des Bun- desgerichts 4A_31/2021 vom 30. März 2022 zugrundeliegenden Sachverhalt sei die monatliche Arbeitszeitveränderung mit derselben Methode analysiert worden wie im vorliegenden Fall. Da das Bundesgericht im vorgenannten Urteil eine n dem vorliegenden Fall sehr ähn lichen Fall zu beurteilen gehabt habe, sei auch hier von einer unregelmässige n Vollzeitbeschäftigung auszu- gehen. 4.6 Die Berufungsbeklagte entgegnet in ihrer Stellungna hme vom 22. April 2022, die Aus füh- rungen der Berufungsklägerin über die vermeintliche Äh nlichkeit zwischen dem streitge gen- ständlichen Sachverhalt und dem Sachverhal t, welcher dem Urteil des Bundesgerichts 4A_31/2021 vom 30. März 2022 zu Grunde liege, ziele am Kern der entscheidungsrelevanten Frage vorbei. Die von der Berufungsklägerin verwendete mathematische Methode zur Fest - stellung der vermeintlichen Unregelmässig keit der Arbeitstätigkeit der Berufungsbeklagten sei nicht zielführend. Entscheidend sei eine Gesamtwürdigung aller Sachverhaltselemente und nicht etwa die Überschreitung von willkürlich festgelegten prozentualen Abweichungswerten. 4.7 Gemäss Art. 329d Abs . 1 OR hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer für die Ferien den gesamten darauf entfallenden Lohn zu entrichten. Nach einhelliger Lehre und Rechtsprechung bedeutet diese Bestimmung, dass der Arbeitnehmer während den Ferien lohnmässig nicht schlechter gestellt werden darf, als wenn er in dieser Zeit gearbeitet hätte (BGE 136 III 283 E. 2.3.5; ADRIAN STAEHELIN, Zürcher Kommentar, Der Arbeitsvertrag, 4. Aufl., 2006, Art. 329d N 1). Die Bestimmung ist relativ zwingend (Art. 362 Abs. 1 OR). Vereinbarungen, die de n Arbeitneh- mer schlechter stellen, sind nichtig (Art. 362 Abs. 2 OR). Die absolut zwin gende Norm von Art. 329d Abs. 2 OR (Art. 361 OR) best immt zudem, dass die Ferien wäh rend der Dauer des Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsverhältnisses nicht durch Geldleistungen oder andere Vergüns tigungen abgegolten wer- den dürfen (BGE 129 III 493 E. 3.1) . Zweck der Ferien ist die Erho lung des Arbeitnehmers (BGE 128 III 271 E. 4.a/aa). Der Erholungszweck der Ferien macht deren Abgeltung durch eine blosse Geldleistung im Allgemeinen unzulässig (BGE 1 07 II 430 E. 3.a; STAEHELIN, a.a.O., Art. 329d N 12). Wird dennoch der Ferienlohn (neben dem Ferienbezug in natura) durch Lohn- pauschalen oder Lohnzuschläge abgegolten, so riskiert die Ar beitgeberin die Doppelzahlung des Ferienlohns ( ULLIN STREIFF/ADRIAN VON KAENEL/ROGER RUDOLPH, Praxiskommentar, Ar- beitsvertrag, 7. Aufl., 2012, Art. 329d N 8). Da die Durchsetzung des Verbots der Abgeltung mit dem laufenden Lohn bei unregelmässigen Beschäftigungen gemäss bundesgerichtlicher Recht- sprechung Schwierigkeiten be reiten kann, hat das Bundesgericht die Abgeltung des Ferien- lohns mit dem laufenden Lohn in Abweichung vom Gesetzestext bei unregelmässiger Beschäf- tigung ausnahmsweise zugelassen, dies aber an drei Voraussetzungen geknüpft (BGer 4A_31/2021 vom 30. März 2022 E. 3.2.1). Voraussetzung ist erstens, dass es sich um eine un- regelmässige Beschäftigung handelt. Diesbezüglich hat das Bundesgericht festgehalten, eine solche sei auch bei einer Vollzeitanstellung möglich (BGer 4A _619/2019 vom 15. April 2020 E. 3.4; BGer 4C.90/2003 vom 7. Juli 2003 E. 2.4.3). Ob ein Beschäftigungsverhältnis als unre- gelmässig zu qualifizieren ist, stellt eine Rechtsfrage dar (BGer 4A_31/2021 vom 30. März 2022 E. 3.3.2). Als zweite Voraussetzung ist ein schriftlicher Arbeitsvertrag gefordert , in dem der für die Ferien bestimmte Lohnanteil klar und ausdrücklich ausgeschieden wird. Drittens ist erforder- lich, dass auch in den einzelnen schriftli chen Lohnabrechnungen der für die Ferien bestimmte Lohnanteil in diesem Sinne ausgewie sen wird. Der bl osse Hinweis, "Ferienlohn inbegriffen", genügt indes nicht. Erforderlich ist, dass der Ferienlohn durch Angabe eines bestimmten Be- trags oder eines Prozentsatzes als solcher erscheint und zwar sowohl im Arbeitsvertrag als auch auf den einzelnen Lohnabrech nungen (BGE 129 III 493 E. 3.2; BGer 4A_616/2019 vom 15. April 2020 E. 3.1). Die in der Lehre daran geübte Kritik aufnehmend, hat das Bundesgericht in Entscheiden die Zulässigkeit dieser laufenden Ausrichtung auch unter den genannten stren- gen formellen Bedin gungen in Frage gestellt. In BGE 129 III 493 liess das Bundesgericht gar offen, ob mit Blick auf den an sich klaren Wortlaut des Gesetzes und die in der Tat kaum jemals unüberwindbaren Schwierigkeiten bei der Berechnung des auf die Ferien entfallenden Lohn es an der Möglichkeit einer Abgeltung des Feriengeldes im laufenden Lohn überhaupt festgehalten werden könne (E. 3.3). Es konnte diese Frage aber jeweils offen lassen, da in den zu beurtei- lenden Fällen bereits die genannten formellen Voraussetzungen für eine solche Abgeltung nicht erfüllt waren (vgl. BGer 4A_72/2018 vom 6. August 2018 E. 4.4.1). 4.8 Im vorliegenden Fall ist der für die Ferien bestimmte Lohnanteil sowohl im schriftlichen Arbeitsvertrag wie auch in den einzelnen Lohnabrechnungen klar und ausd rücklich aufgeführt. Die beiden oben genannten (formellen) Voraussetzungen sind damit erfüllt, was von den Par- teien auch nicht bestritten wird. Umstritten ist einzig, ob von einem unregelmässigen Beschäfti- gungsverhältnis gesprochen werden kann. Hierzu führ t die Berufungsklägerin in ihrer Beru- fungsschrift vom 31. Januar 2022 eine Analyse der monatlich vergüteten Arbeitsstunden zwi- schen Januar 2015 und September 2020 durch, wobei sie die Arbeitsstunden entsprechend der Anzahl tatsächlich verfügbarer Werktage gewichtet (Berufung Rz. 39). Aus der entsprechenden tabellarischen Übersicht gehen für die im vorliegenden Fall massbegliche Zeitspanne zwischen März 2016 und September 2020 49 Veränderungen der monatlichen Arbeitszeiten hervor, wo- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei 27 dieser Veränderung en 10% und mehr sowie acht dieser Veränderungen über 20% be- tragen. Zunächst ist festzuhalten, dass zur Ermittlung einer unregelmässigen Beschäftigung höchstrichterlich keine Analysemethode vorgegeben wird. Das Bundesgericht schützt zwar in seinem neuen Ent scheid BGer 4A_31/2021 vom 31. März 2022 eine Berechnungsmethode, in der die jeweiligen Arbeitszeiten eines Monats mit denjenigen des Vormonats verglichen werden. Diesbezüglich hat das Bundesgericht festgehalten, wenn bei 35 von 56 analysierten Lohnab- rechnungen eine Differenz von 10% oder mehr (bis 25%) zum Vormonat bestehen würden, könne von einer unregelmässigen Beschäftigung ausgegangen werden (BGer 4A_31/2021 vom 31. März 2022 E. 3.3.2). Dennoch lässt sich aus diesem Entscheid keine konkrete Berech- nungsmethode ableiten, zumal unklar ist, auf welche Basiswerte sich die genannte Methode stützt und ob bzw. inwiefern diese auf bereinigten Werten basiert. Sodann ist keine Intention des Bundesgerichts erkennbar, wonach mit dem neuen Entscheid eine Berechnungsm ethode vorgeschrieben werden soll, womit das Kantonsgericht zur Beurteilung des vorliegenden Falls auch nicht an die in BGer 4A_31/2021 aufgeführte Berechnungsweise gebunden ist. Insofern kann die Berufungsklägerin aus dem vorgenannten Entscheid diesbezügl ich nichts zu ihren Gunsten ableiten. Es bleibt im Einzelfall zu entscheiden, welche Analysemethode zur Bestim- mung der Regelmässigkeit eines Arbeitsverhältnisses herangezogen werden sollte. Der Vor - instanz ist dabei beizupflichten, wenn diese davon ausgeht, dass die von der Berufungsklägerin angewandte Berechnungsmethode für das vorliegend zu beurteilende Vollzeitbeschäftigungs- verhältnis unzulänglich ist. Wie die Berufungsbeklagte zu Recht vorbringt, ist der Vergleich der monatlichen Arbeitszeiten mit jenen des Vormonats ungenau, da eine derartige Anknüpfung dazu führt, dass sich jede Schwankung doppelt auswirkt. Die Anwendung dieser Methode in Arbeitsverhältnissen mit Vollzeitpensa, in denen jeweils von Montag bis Freitag zu vergleichba- ren Zeiten gearbeitet wird, würde den in Art. 329d OR normierten Grundgedanken aushebeln. Allein gestützt auf die von der Berufungsklägerin angewandte mathematische Berechnungsme- thode kann daher nicht gesagt werden, es liege ein unregelmässiges Arbeitsverhältnis vor. Des Weiteren ist an dieser Stelle anzumerken, dass die grössten Abweichungen in den monatlichen Arbeitszeiten jeweils in den Zeitraum der Sommerferien, d.h. Juli und August, sowie in die Weihnachtszeit fallen. Die Berufungsbeklagte arbeitete in einem 100% -Pensum, w obei sich Abweichungen in den monatlichen Arbeitszeiten aufgrund saisonal bedarfsbezogener Spitzen sowie Ferienabsenzen ergaben. Derartige Schwankungen sind nachvollziehbar und für die Be- rufungsklägerin auch vorhersehbar. Insofern greift ihr Vorbringen, wo nach der variierende Ar- beitsumfang im Wesentlichen der unvorhersehbaren Auftragslage geschuldet und infolgedes- sen die monatlichen Schwankungen keiner Regelmässigkeit folgen würden, nicht. Darüber hin- aus müsste nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur An wendung der Ausnahmeregelung eine unregelmässige Beschäftigung vorliegen, welche es dem Arbeitgeber in unzumutbarer Weise erschwert, den jeweiligen Ferienanspruch über das Jahr fortlaufend zu berechnen oder ihn zwingt, eine komplizierte jährliche Abrechnun g vorzu nehmen (BGer 4A_31/2021 vom 30. März 2022 E. 3.3.1). Diesbezüglich ist auf die vom Bundesgericht wie auch von der Vor - instanz aufgeworfene Frage hinzuweisen, inwiefern in der heutigen Zeit der zunehmenden Digi- talisierung überhaupt noch solche Schwie rigkeiten bestehen können (vgl. BGE 129 III 493 E. 3.3). Jedenfalls sind derartige praktische Schwierigkeite n im vorliegenden Fall nicht ersicht- lich. Es bestehen durchaus EDV -Lösungen für die Lohnadministration, welche geeignet sind, bei vorliegend zu unte rsuchendem Beschäftigungsverhältnis den Ferienanspruch klar zu be- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht stimmen und auszuweisen. Die Berufungsklägerin hätte sodann, wie bereits von der Vorinstanz festgehalten, buchhalterisch ein Ferienkonto führen können, auf dem sie den Anteil des Ferien- lohns am Gesamtlohn hätte gutschreiben und diesen erst anlässlich des effektiven Ferienbe- zugs der Berufungsbeklagten hätte auszahlen können. Dies wäre unproblematisch möglich ge- wesen. Unter Berücksichtigung der vorgenannten Umstände kann vorliegend nicht von ein em unregelmässigen Vollzeitarbeitsverhältnis gesprochen werden, welche eine Abgeltung der Feri- en mit den laufenden Lohnzahlungen rechtfertigen würde, womit die Berufung in diesem Punkt abzuweisen ist. Die von der Vorinstanz festgesetzte Höhe der Ferienents chädigung von CHF 17'340.70 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 wurde nicht bestritten, weshalb der Entscheid des Gerichtspräsidente n des Zivilkreisgerichts in die ser Hinsicht vollumfänglich bestätigt wird. Lohnfortzahlung während geltend gemachter Krankheit 5.1 Des Weiteren ist fraglich, ob die Berufungsklägerin der Berufungsbeklagten für die Zeit vom 26. März 2020 bis zum 9. April 2020 Lohn aufgrund g eltend gemachter Krankheit nachzu- zahlen hat bzw. ob Letztere rechtsgenüglich nachweisen konnte, dass sie zu dieser Zeit krank war. Unbestritten ist, dass die Berufungsbeklagte in vorgenannter Zeitspanne an der Arbeit ver- hindert war und dieser Ausfall in die Wartefrist der Krankentaggeldversicherung fiel. 5.2 Hinsichtlich der Lohnfortzahlung während g eltend gemachter Krankheit erwog die Vor - instanz, die Berufungsbeklagte habe für die Zeit vom 26. März 2020 bis 9. April 2020 ein Arzt- zeugnis vom 26. März 2020 eingereicht. Erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses und anlässlich des vorinstanzlichen Verfahrens werde dieses bestritten. Sofern die Berufungskläge- rin die Arbeitsunfähigkeit der Berufungsbeklagten in Frage gestellt habe, wäre ihr die Möglich- keit der Anordnung einer vertrauensärztlichen Untersuchung zugestanden, wovon jedoch kein Gebrauch gemacht worden sei. Vielmehr habe die Berufungsklägerin erst vier Monate nach der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit ein anderes Zeugnis vom Hausarzt der Berufungsbeklag- ten in X. ____ verlangt. Durch diese Vorgehensweise habe es die Berufungsklägerin der Be ru- fungsbeklagten verunmöglicht, ein entsprechendes Arztzeugnis erhältlich zu machen, zumal ein ursprünglich nicht mit der Behandlung betrauter Arzt eine vier Monate zurückliegende Arbeits- unfähigkeit hätte attestieren müssen. Zudem hätte auf ein so lches Zeugnis gar nicht abgestellt werden dürfen. Aufgrund dessen und unter Berücksichtigung der Covid-19-bedingten Umstände seien keine begründeten Zweifel an der Richtigkeit des von der Berufungsbeklagten eingereich- ten Arztzeugnisses vom 26. März 2020 ersichtlich, womit ihre Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vom 26. März 2020 bis und mit 9. April 2020 als erstellt zu gelten habe. Da die Berufungsklägerin der Berufungsbeklagten gemäss GAV während der Wartefrist 88% des Lohnes zu entrichten habe, sei die Berufungskläge rin zu verurteilen, der Berufungsbeklagten CHF 1'518.00 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 zu bezahlen. 5.3 Die Berufungsklägerin bringt vor, die Vorinstanz v ermische den Lohnfortzahlungsan- spruch mit dem Anspruch auf Taggelder der Krankentaggeld versicherung, welche nach Art. 33 Abs. 2 GAV erst nach einer Wartefrist von 30 Tagen einsetzen würde. Wenn die Beru fungsbe- klagte in ihrer Klage Schadenersatz für angeblich entfallene Taggelder der Krankentaggelder verlange, verkenne sie, dass ihr erster Kr ankheitsfall in die Wartefrist gefallen sei, womit ihr Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Taggelder entgangen und infolgedessen auch kein Schaden entstanden sei. In Bezug auf das von der Berufungsbeklagten eingereichte Arztzeugnis sei sodann festzuhalten, dass dieses unleserlich und n icht unterzeichnet sei. Die Berufungsbeklagte habe dies im vorinstanzlichen Verfahren zwar bestritten, hierzu indes mit Beilage 17 ein anderes Dokument eingereicht. Dem- gemäss sei das von der Berufungsbeklagten eingereichte Dokument zum Nachweis einer an- geblichen Arbeitsunfähigkeit in jeder Hinsicht ungenügend. Selbst wenn es leserlich gewesen wäre, ergäbe sich daraus nicht, dass di e von der Berufungsbeklagten beh auptete Arbeitsunfä- higkeit durch einen Arzt aufgrund einer Konsultation nach medizinischer Begutachtung bestätigt worden sei, was die Berufungsbeklagte auch gar nicht behauptet habe. Die Vorinstanz habe sodann aktenwidrig festgestellt, die Berufungsklägerin habe nicht behauptet, die Berufungsbe- klagte vor dem 1. August 2020 auf das Arztzeugnis angespr ochen zu haben. Wie in Rz. 29 der Klageantwort angeführt, habe sie die Berufungsbeklagte aufge fordert, ihre Arbeitsunfähigkeit durch ein Zeugnis zu belegen. Wenn die Berufungsbeklagte erst Monate später ein lesbares Zeugnis einreichte, anhand dessen sich a ber bestätigt habe, dass die Krankschreibung allein aufgrund einer telefonischen Patientenschilderung erfolgt sei, könne sie ihre Beweisnot nicht heilen. Des Weiteren habe die Vorinstanz eine unzulässige Verkehrung der Beweislastregeln vorgenommen. Selbst wenn die Berufungsklägerin die Be rufungsbeklagte nicht aufgefordert hätte, ein korrektes Arztzeugnis einzureichen, was bestritten werde, würde dies nicht zu einer Beweislastumkehr führten. Der Berufungsbeklagten habe aufgrund der eigestellten Lohnzah- lung k lar sein müssen, dass die Berufungsklägerin das von einem Arzt in Paris ausgestellte Dokument nicht akzeptiere und die angebliche Arbeitsunfähigkeit für nicht erwiesen halte. An- gesichts der ausgebliebenen Lohnzahlung sei auch die vorinstanzliche Feststellu ng unrichtig, die Berufungsklägerin habe die Arbeitsunfähigkeit der Berufungsbeklagten nicht moniert. Indem das Zivilkreisgericht die Berufungsklägerin verpflichtet habe, der Berufungsbeklagten für die Zeit vom 26. März 2020 bis 9. April 2020 Lohn nachzuza hlen, verletze sie Art. 324a OR sowie Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB, SR 210). 5.4 Die Berufungsbeklagte erachtet dagegen die Ansicht der Vorinstanz als korrekt, wonach Anspruch auf Lohnersatz während der Krankheit bestehe. Sie habe mit Klagebeilage 8 sowie der inhaltlich identischen Klagebeilage 17 ein Arztzeugnis eingereicht, mit welchen ihr der All- gemeinmediziner Dr. C. ____ nach erfolgter Untersuchung die Arbeitsunfähigkeit bestätigt ha- be. Diese Bestätigung sei sodann vom begutachtend en Arzt unterzeichnet. Die Tatsache, dass ein zweites Arztzeugnis mit demselben Inhalt des ersten nachgereicht worden sei, habe keinen Einfluss auf die Gültigkeit der Bescheinigung. So sei auch ein an den "service médical" adres- siertes Zeugnis ein valables Beweismittel für die Arbeitsunfähigkeit. Insofern beweise Klagebei- lage 17 die Arbeitsunfähigkeit der Berufungsbeklagten für den Zeitraum zwischen dem 26. März 2020 und dem 9. April 2020. Sie habe sich am 26. März 2020 einer Telekonsultation unterzo- gen, womit das Arztzeugnis entgegen den Behauptungen der Berufungsklägerin auch nicht ein- zig auf Parteischilderungen beruhe, sondern die Untersuchung dank der Videokonferenz auf objektiven Feststellungen des Arztes basiere. Zu beachten sei, dass die Konsultation während der Covid-19-Pandemie stattgefunden habe, während der das Recht zum Verlassen des eige- nen Hauses in Frankreich stark eingeschränkt gewesen sei. Des Weiteren habe die Berufungs- klägerin ihre Mitwirkungspflicht verletzt, indem sie die Berufungsbeklagt e erst nach langem Zu- warten zur Einreichung eines neuen Arztzeugnisses aufgefordert habe. Schliesslich habe die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berufungsbeklagte aus dem Umstand, dass die Lohnzahlungen während ihrer Arbeitsunfähig- keit eingestellt worden seien, nicht schliessen können, da ss ihr Arztzeugnis nicht akzeptiert worden sei, zumal im Betrieb der Berufungsklägerin generell mit den Lohnzahlungen zugewar- tet worden sei. 5.5 Wird der Arbeitnehmer aus Gründen, die in seiner Person liegen, wie Krankheit, Unfall Erfüllung gesetzlicher Pf lichten oder Ausübung eines öffentlichen Amtes, ohne sein Verschul - den an der Arbeitsleistung verhindert, so hat ihm der Arbeitgeber gemäss Art. 324a Abs. 1 OR für eine beschränkte Zeit den darauf entfallenden Lohn zu entri chten, samt einer angemesse- nen Vergütung für ausfallenden Naturallohn, sofern das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder für mehr als drei Monate eingegangen ist. Festzuhalten ist, dass vorliegen- des Arbeitsverhältnis zwischen der Berufungsklägerin und der Berufungsbeklag ten dem allge- meinverbindlich erklärten GAV untersteht, was von den Parteien auch nicht bestritten wird. Ge- mäss Art. 33 Abs. 4 GAV hat die Arbeitgeberin während der Wartefrist dem Arbeitnehmer 88% des Lohnes, maximal jedoch den bisherigen Nettolohn zu entri chten, wobei Art. 324a OR vor- behalten bleibt. Die Wartefrist darf gemäss Art. 33 Abs. 2 GAV maximal 60 Tage betragen. 5.6 Vorweg ist festzuhalten, dass das Vorbringen der Berufungsklägerin, wonach die Arbeits- verhinderung der Berufungsbeklagten in die Warte frist gefallen sei, womit ihr keine Taggelder entgangen und ihr deshalb kein Schaden entstanden sei, nicht zu hören ist. Die Vorinstanz hat der Berufungsbeklagten keine Taggelder der Krankentaggeldversicherung, sondern eine Lohn- fortzahlung in der Höhe von CHF 1'518.00 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 zu- gesprochen. 5.7 Grundsätzlich liegt die Beweislast für die Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitnehmer (Art. 8 ZGB). Obwohl der Beweis der Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit oder Unfall in der Regel durch ein ärztliches Zeugnis erbracht wird ( STAEHELIN, a.a.O., Art. 324a N 9), bewirkt dieses keine Beweislastumkehr ( ROLAND MÜLLER, Arztzeugnisse in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, AJP, 2010, S. 167 ff., S. 169). Das Arztzeugnis stellt kein absolutes Bewe ismittel dar (BGer 4A_227/2009 vom 28. Juli 2009 E. 3.1.3; BGer 1C_64/2008 vom 14. April 2008 E. 3.4; STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, a.a.O., Art. 324a –Art. 324b N 1 2). Vielmehr ist dieses als Par- teibehauptung anzusehen ( MÜLLER, a.a.O., S. 169). Ein Arz tzeugnis verbessert aber die Be- weislage des Arbeitnehmers entscheidend, da die Geric hte meist darauf abstellen ("Anscheins- beweis"), solange nicht begründete Zweifel an dessen Richtigkeit geweckt wurden. Es genügt nicht, dass die Arbeitgeberin nur die Möglichkeit eines atypischen Ablaufs darlegt. Der Beweis des ersten Anscheins entfällt vielmehr erst dann, wenn ein Sachverhalt dargetan wird, welcher die ernsthafte Möglichkeit eines anderen als des erfahrungsmässigen Geschehensablaufs ergibt (MÜLLER, a.a.O., S. 169) . Nicht beweisbildend sind grundsätzlich die Arztzeugnisse, die sich allein auf die Patientenschilderung abstützen und ohne eigene objektive Feststellungen abgegeben werden ( MÜLLER, a.a.O., S. 172). Hat der Arbeitgeber begründete Zweifel an der Richtigkeit eines Arztzeugnisses oder ist es vertraglich vereinbart, so ist er berechtigt, auf eige- ne Kosten eine vertrauensärztliche Untersuchung zu verlangen ( THOMAS PIETRUSZAK, Kurz- kommentar, Obligationenrecht, 2014, Art. 324a N 17; STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, a.a .O., Art. 324a–Art. 324b N 12). Es bleibt damit im Ergebnis eine Frage der Beweiswürdigung, ob ein Gericht auf ein Arztzeugnis abstellt ( FRANK EMMEL, Handkommentar zum Schweizer Privat- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht recht, Vertragsverhältnisse Teil 2: Arbeitsvertrag, Werkvertrag, Auftrag , GoA, Bürgschaft, 3. Aufl., 2016, Art. 324a N 3). Mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären ist und wie das Er- gebnis davon zu würdigen ist, schreibt Art. 8 ZGB dem Gericht nicht vor. Diese Bestimmung schliesst selbst eine vorweggenommene Beweiswürdig ung und Indizienbeweise nicht aus (BGer 4A_69/2011 vom 29. März 2011 E. 2.1). Erweist sich eine geltend gemachte Arbeitsver- hinderung nicht als bestehend, ist für die Zeit der Arbeitsverhinderung kein Lohn geschuldet (STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, a.a.O., Art. 324a–Art. 324b N 12 N 12). 5.8 Gestützt auf die allgemeine Beweislastregel von Art. 8 ZGB obliegt es vorliegend der Be- rufungsbeklagten, ihre Arbeitsunfähigkeit zu beweisen. Sie legte zum Beweis ihrer Arbeits unfä- higkeit zwei Arztzeugnisse ins Recht (Klage beilagen 8 und 17), welche den Zeitraum zwischen dem 26. März 2020 und dem 9. April 2020 betreffen und von Dr. C. ____ ausgestellt sind. Fest- zustellen ist, dass das als Klagebeilage 17 eingereichte Zeugnis besser leserlich ist als jenes, welches als Klagebeilage 8 eingereicht wurde. Ersteres ist sodann unterzeichnet. Wie die Beru- fungsklägerin zu Recht festhält, unterscheiden sich die beiden Zeugnisse insofern, als dass auf dem einen Arztzeugnis rechts oben "volet 3, à adresser à votre EMPLOYEUR ou au POLE EMPLOI" (Klagebeilage 8), auf dem anderen demgegenüber "volet 1, à adresser au service médical" (Klagebeilage 17) vermerkt ist. Dies ändert indes nichts daran, dass die Zeugnisse den gleichen Sachverhalt beschlagen. Die Anmerkungen zeigen lediglich auf, das s verschiede- ne Versionen des Arztzeugnisses angefertigt wurden, wobei eine Version für die Berufungsklä- gerin als Arbeitgeberin, die andere Version für die Versicherung ausgestellt wurde. Die Beru- fungsbeklagte reichte im vorinstanzlichen Verfahren sodann ei ne von Dr. C. ____ ausgestellte und unterzeichnete Bestätigung vom 8. November 2021 der am 26. März 2020 durchgeführten Telekonsultation (Klagebeilage 19) sowie eine SMS -Bestätigung des Telekonsultationstermins vom 26. März 2020 um 15:00 Uhr inklusive eine r diesbezüglichen Zahlungsbestätigung über EUR 30.00 (Klagebeilage 20) ein. An dieser Stelle ist anzumerken, dass in Frankreich zum Zeitpunkt der ärztlichen Untersuchung im Zuge der Covid-19-Pandemie eine Ausgangssperre in Kraft war. Vor diesem Hintergrund erscheint es glaubhaft und nachvollziehbar, dass die ärztli- che Untersuchung der Berufungsbeklagten via Telekonsultati on erfolgte. Soweit sich die Vor- bringen der Berufungsklägerin gegen die Art und Weise der am 26. März 2020 durchgeführten ärztlichen Untersuchung der Berufungsbeklagten richten, sind diese sodann nicht zu hören. Bei einer Telekonsultation kann sich der untersuchende Arzt auf objektive Eindrücke stützen, womit diese Form der Untersuchung gerade nicht auf reinen Patientenschilderungen basiert. Die Be- rufungsklägerin muss sich zudem entgegenhalten lassen, dass sie von der Berufungsbeklagten erst mit E -Mail von F. ____ vom 12. August 2020 und damit r und vier Monate nach der fragli- chen Arbeitsunfähigkeit ein Arztzeugnis ihres Hausarztes in X. ____ verlangte, ansonsten sie für die Zeit vom 26. März 2020 bis zum 9. April 2020 keine Lohnfortzahlungen erhalten werde (Klagebeilage 22). Aus der internen E -Mail von D. ____ an E. ____ vom 4. April 2020, wonach das eingereichte Arztzeugnis der Berufungsbeklagten "komisch", nicht gestempelt und auch nicht unterschrieben sowie der Arzt in Paris sei (Vorinstanzliche Beilage der Berufungsklägerin, nicht nummeriert) erhellt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt bei der Berufungsklägerin Zweifel an der Richtigkeit des Arztzeugnisses bestanden haben. Der Berufungsklägerin als Arbeitgeberin obliegt es, zeitnah der Berufungsbeklagten als Arbei tnehmerin anzuzeigen, wenn Zweifel an einem Arztzeugnis bestehen, ansonsten sich die Ar beitgeberin treuwidrig verhält. Vorliegend Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht erfolgte diese Mitteilung zu spät, zumal es für die Berufungsbeklagte unmöglich war, zu diesem Zeitpunkt noch ein ärztliches Zeugnis ihres Hausarztes in X. ____ für ihre Arbeitsunfähigkeit vom 26. März 2020 bis 9. April 2020 zu erhalten. Sofern die Berufungsbeklagte Zweifel an der Richtigkeit des Arztzeugnisses hatte, hätte sie zudem ohne Weiteres eine vertrauensärztliche Untersuchung der Berufungsbeklagten anordnen können. Diesbezüglich ist zu dem anzumer- ken, dass die Berufungsklägerin nichts aus den im März 2020 und April 2020 ausgebliebenen Lohnzahlungen ableiten kann. Aus der anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung getä- tigten Aussage von F. ____ geht hervor, dass die Berufungsklägeri n aufgrund vieler Arbeitsun- fähigkeiten im Betrieb mit sämtlichen Lohnzahlungen in besagten Monaten abwartete, womit die Berufungsbeklagte daraus nicht schliessen konnte, dass das eingereichte Arztzeugnis nicht akzeptiert werde und damit die Arbeitsunfähigk eit für nicht erwiesen gelte (vgl. Protokoll der Gerichtsverhandlung vom 5. November 2021 zur Zeugeneinvernahme von F. ____, S. 23; vgl. auch vorinstanzlicher Entscheid E. II.B.20). Die Vorinstanz ist damit namentlich aufgrund der Covid-19-bedingten Umstände sowie der Tatsache, dass sich Telekonsultationen auf objektive Eindrücke des behandelnden Arztes stützten, zu Recht davon ausgegangen, dass keine be- gründeten Zweifel an der Richtigkeit der von der Berufungsbeklagten eingereichten Ar ztzeug- nisse vom 26. M ärz 2020 bestehen, womit ihre unverschuldete Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vom 26. März 2020 bis und mit 9. April 2020 rechtsgenügend bewiesen ist. Die Berufung er- weist sich deshalb auch in diesem Punkt als unbegründet. Kosten des Berufungsverfahrens 6. Abschliessend ist über die Verlegung der im Berufungsverfahren entstandenen Kosten zu befinden. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei auferlegt. Nach Art. 114 lit. c ZPO dürfen bei Streitigkeiten aus einem Arbeitsverh ältnis bis zu einem Streitwert von CHF 30'000.00 keine Gerichtskosten gesprochen werden. Diese Vorschrift entfaltet auch im kantonalen Rechtsmittelverfahren Gültigkeit, weshalb mit dem vorliegenden Entscheid keine Gerichtsgebühr zu erheben ist. Da die Beru fungsklägerin im vorliegenden Ver- fahren vollständig unterliegt, hat sie antragsgemäss eine Parteientschädigung an die Beru- fungsbeklagte auszurichten. Der Rechtsbeistand der Berufungsbeklagten hat mit Honorarnote vom 11. März 2022 die Zusprechung einer Part eientschädigung von total CHF 3'993.50 (Grundhonorar von CHF 3'600.00 zuzüglich Spesen von CHF 108.00 und Mehrwertsteuer von CHF 285.00) beantragt. Die an die Berufungsbeklagte zu bezahlende Parteientschädigung be- misst sich in Anwendung von § 2 Abs. 2 und § 10 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO, SGS 178.112) nach dem zweitinstanzlichen Streitwert, welcher vorliegend CHF 25’933.80 beträgt. § 7 Abs. 1 lit. e TO sieht hierfür ein Honorar von CHF 3' 300.00 bis CHF 6'450.00 vor. Für das z weitinstanzliche Verfahren bemisst sich das Grundhonorar nach denselben Grundsätzen wie für das erstinstanzliche Verfahren, wobei dieses jedoch ohne schriftliche Berufungsbegründung nur 50%, mit einer solchen bis zu 100% des jeweiligen Grundhonorars beträg t. Demgemäss erscheint das von der Berufungsbeklagten geltend ge- machte Grundhonorar von CHF 3'600.00 als angemessen, wobei für die Bemessung desselben vorliegend nebst einem Grundhonorar keine Zuschläge gemäss § 10 Abs. 1 i.V.m. § 8 TO ge- rechtfertigt sind. Zur Bemessung der Parteientschädigung ist vorliegend angesichts der von der Berufungsbeklagten eingereichten Berufungsantwort sowie der Tatsache, dass lediglich ein Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schriftenwechsel und keine Hauptverhandlung durchgeführt wurde, von 75% des obgenannten Grundhonorars auszugehen, was einen Betrag von CHF 2'700.00 ergibt. Hinzu kommen Ausla- gen von CHF 108.00 für 71 Kopien à CHF 1.50 sowie die Mehrwertsteuer von 7,7%, womit eine Parteientschädigung von CHF 3'024.20 resultiert. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Die Berufungsklägerin hat der Berufungsbeklagten für das Berufungs- verfahren eine Parteientschädigung von CHF 3'024.20 (inkl. Auslagen und MWSt) zu bezahlen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber i.V. Nicolas Lehmann Gegen diesen Entscheid wurde beim Schweizerischen Bundesgericht Beschwerde erho- ben (Verfahren 4A_357/2022).