B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3608/2020 U r t e i l v o m 2 4 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Roswitha Petry, Gerichtsschreiberin Michelle Nathalie Nef. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Rajeevan Linganathan, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Wiedererwägung/Mehrfachgesuch); Verfügung des SEM vom 15. Juni 2020 / N (…). E-3608/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer reiste am 11. November 2014 in die Schweiz ein und suchte am 18. November 2014 um Asyl nach. Im Rahmen des Asylverfahrens machte er im Wesentlichen geltend, er sei sri -lankischer Staatsangehöriger, tamilischer Ethnie und stamme aus B._______, Distrikt C._______, Nordprovinz. Er habe dort zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern gewohnt. Nach Abschluss des A-Levels habe er ab 2006 res- pektive 2008 ein (…)geschäft geführt, das er von seinem Bruder D._______ (N […]) übernommen habe. Das zweite Geschäft seines Bru- ders D._______ habe sein Bruder E._______ übernommen. Beide Unter- nehmen befänden sich direkt gegenüber (…). Nebst anderen Kunden hät- ten deshalb auch (…) das Geschäft besucht und bei ihm (…). Aufgrund seiner Geschäftstätigkeit hät ten Militärangehörige ihn wiederholt ins (…) mitgenommen und geschlagen. Am 14. September 2013 sei sein Geschäft in Brand gesetzt worden. Da- raufhin habe er umgehend die Polizei verständigt. Nach deren Eintreffen seien Angehörige des Criminal Investigation Departements (CID) an ihn herangetreten. Sie hätten die Brandstiftung offen zugegeben und zur Be- gründung angegeben, er habe den (…) erlaubt, (…). Die se Begegnung habe er auf entsprechende Anordnung für sich behalten . Das Geschäft habe er instandgesetzt und nach zehn oder fünfzehn Tagen wiedereröffnet. In der Folge hätten die Behörden ihn schikaniert. Ausserdem habe er sich wöchentlich im Militärcamp zur Unterschrift melden müssen. Nachdem er einmal nicht hingegangen sei, sei er gesucht worden. Deshalb sei er am (…) 2014 mit einem gefälschten Pass ausgereist. A.b Mit Verfügung vom 5. Dezember 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asyl- gesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Voll- zug an. Zur Begründung führte sie aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers ge- nügten den Anforderungen an das Glaubhaftmachen nicht. Zudem ver- neinte sie eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung aufgrund der im Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren. A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundes- verwaltungsgericht mit Urteil E-21/2018 vom 23. Mai 2018 ab. E-3608/2020 Seite 3 B. Am 20. Juli 2018 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz eine als «qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch» bezeichnete Eingabe ein. Er führte aus, nach dem Beschwerdeurteil habe er Kontakt zu seinem Umfeld in Sri Lanka aufgenommen und seine Rückkehr angekündigt . Ein paar Tage später, am (…) 2018, hätten mehrere unbekannte Personen seine Familienangehörigen über ihn befragt sowie bedroht. Diesen Vorfall habe die Familie der Polizei gemeldet. Auch die Medien hätten davon Kenntnis erhalten und darüber berichtet. Kurz darauf hätten die Polizisten seiner Fa- milie mutmasslich auf entsprechende Anordnung einer höherrangigen Stelle geraten, die Anzeige zurückzuziehen . Aus diesem Erei gnis werde ersichtlich, dass nach wie vor ein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lan- kischen Behörden an seiner Person bestehe. Er gehöre zur sozialen Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden, die bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka mit überwiegender Wahrscheinlichkeit systematisch verhaftet, gefoltert sowie inhaftiert werden. Es sei zudem gerichtsnotorisch, dass Personen, die für die Wegweisung Ersatzreisepapiere ausgestellt er- hielten, auf einer «Black-List» landeten. Dem Gesuch lagen Zeitungsartikel sowie Fotos betreffend den erwähnten Vorfall als Beweismittel bei. C. Mit Verfügung vom 15. Juni 2020 wies die Vorinstanz das Wiedererwä- gungsgesuch ab, stellte fest, die Verfügung vom 5. Dezember 2017 sei rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.– und hielt fest, eine r allfälligen Beschwerde komme keine auf- schiebende Wirkung zu. D. Mit Eingabe vom 16. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er beantragt, die Verfügung der Vorinstanz vom 15. Juni 2020 sei vollumfänglich aufzu- heben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwiesen. Subeventualiter sei der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar und/oder unzulässig zu qualifizieren und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. Der vorliegenden Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die kantonale Migrationsbehörde anzuweisen, den Wegweisungsvollzug auszusetzen. Es sei ihm für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege, unter E-3608/2020 Seite 4 Beiordnung des Unterzeichnenden als unentgeltlichen Rechtsbeistand, zu gewähren. E. Mit Zwischenverfügung vom 21. Juli 2020 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gut, stellte fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, forderte ihn auf, innert sieben Tagen ab Erhalt dieser Verfügung eine Fürsorgebestätigung einzureichen und wies das Ge- such um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung ab. F. Am 30. Juli 2020 liess der Beschwerdeführer dem Gericht eine Nothilfe - Bestätigung des Sozialamtes des Kantons F._______ vom 21. Juli 2020 zukommen. G. Mit Zwischenverfügung vom 18. August 2020 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. H. In der Vernehmlassung vom 26. August 2020 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde. I. Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2020 erhielt der Beschwerdeführer Gelegenheit zur Einreichung einer Replik. Diese ging am 15. September 2020 beim Gericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än- derung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und E-3608/2020 Seite 5 Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom- men worden. 2. 2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 2.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2.3 2.3.1 Ein Wiedererwägungsgesuch im Sinne von Art. 111b AsylG bezweckt die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Asyl- und Wegweisungsver- fügung an nachträglich eingetretene Tatsachen, welche in der Regel die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs betreffen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5). Falls die abzuändernde Verfügung unangefochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisionsgründe zu einem Anspruch auf Wiedererwägung führen. Ein solches "qualifiziertes Wiedererwägungs- gesuch" (vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4) ist vom SEM nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln. Qualifizierte Wiedererwägungsgründe in diesem Sinne liegen vor, wenn bei gleichbleibender Sachlage neue Tat- sachen und Beweismittel geltend gemacht werden. Werden hingegen Tat- sachen vorgebracht, die sich nachträglich zugetragen haben und die zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft führen sollen, stellt dies ein Asyl- folgegesuch beziehungsweise neues Asylgesuch gemäss Art. 111c AsylG dar (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 f. m.w.N.). 2.3.2 In der Eingabe vom 20. Juli 2018 an die Vorinstanz brachte der Be- schwerdeführer vor , aufgrund des seinetwegen erfolgten Überfalls auf seine Familie am (…) 2018 werde er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka E-3608/2020 Seite 6 Opfer asylrelevanter Verfolgung. Er macht demnach einen neuen Sachver- halt betreffend Feststellung der Flüchtlingseigenschaft geltend, der sich nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -21/2018 vom 23. Mai 2018 zugetragen hat, und reichte hierzu Beweismittel ein. Die Vorinstanz hätte das G esuch vom 20. Juli 2018 folglich nicht gestützt auf Art. 111b AsylG als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch, sondern als Mehrfach- gesuch gemäss Art. 111c Abs. 1 AsylG behandeln müssen. Nachdem sie sich vorliegend aber mit sämtlichen V orbringen des Beschwer deführers auseinandergesetzt hat und dem Bundesverwaltungsgericht im Bereich des Ausländerrechts umfasse nde Kognition zukommt (vgl. E. 3), besteht keine Veranlassung für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. 2.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legit imiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Der Beschwerdeführer erhebt verschiedene formellen Rügen, welche vorab zu beurteilen sind, da diese bei berechtigtem Vorbringen zur Kassa- tion der angefochtenen Verfügung führen können. 5. 5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge- listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. E-3608/2020 Seite 7 KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe den Unter- suchungsgrundsatz verletzt, da sie die aktuelle Lageentwicklung in Sri Lanka nicht berücksichtigt habe , namentlich die Machtübernahme durch den Rajapaksa -Clan. Durch die unrechtmässig lange Verzögerung des Verfahrens sei es zu einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung ge- kommen. Wie der Beschwerdeführer zutreffend festhält, hat sich die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung nicht zur aktuellen Situation in Sri Lanka ge- äussert, insofern den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festge- stellt. Vor diesem Hintergrund übermittelte die Instruktionsrichterin die Be- schwerde zur Vernehmlassung. In dieser äusserte sich die Vorinstanz zur momentanen Lage in Sri Lanka sowie zum Einfluss auf das Gesuch des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer erhielt daraufhin Gelegenheit zur Einreichung einer Replik. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist somit zum Urteilszeitpunkt vollständig erstellt. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur ergänzenden Sachverh altsermittlung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Soweit der Beschwerdeführer die Verfahrensdauer bean- standet, hätte es ihm jederzeit offen gestanden, eine Rechtsverzögerungs- beschwerde einzureichen. Im Weiteren vermengt der Beschwerdeführer mit seinen Ausführungen zur Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes formelle Verfahrensfehler mit der materiellen Würdigung der Vorbringen. Eine von der Ansicht des Beschwerdeführers abweichende Würdigung der Vorinstanz stellt keine Verletzung von Art. 12 VwVG dar. 6. 6.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl . BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü- fen und in ihrer Entscheidfind ung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein- lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi- derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). E-3608/2020 Seite 8 6.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Die Vorinstanz habe es unterlassen, die wesentlichen Tatsachen und vor- handenen Beweismittel umfassend sowie korrekt zu würdigen. Die Vor- instanz habe die vorgebrachten Asylgründe bloss selektiv beurteilt. Die ein- gereichten Zeitungsartikel seien weder einzeln analysiert noch thematisiert worden. Wie sich der angefochtenen Verfügung entnehmen lässt, hat die Vor - instanz die neuen Vorbringen geprüft und dabei auch Bezug auf die einge- reichten Zeitungsinserate genommen. Die Tatsache, dass die Vorinstanz diese anders beurteilt als vom Beschwerdeführer erwünscht, betrifft nicht den Anspruch auf rechtliches Gehör, sondern die materielle Würdigung. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor. 6.3 Im Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz habe die Begründungspflicht verletzt. Es scheine so, als ob es sich bei der ange- fochtenen Verfügung angesichts der etlichen Verweise auf den bisherigen Verfahrensausgang und der fehlenden Aufarbeitung der neuen Aktendoku- mente um eine formlose Abschreibung handle. Da es sich beim Wiederer- wägungsgesuch weder um ein unbegründetes noch wiederholt gleich be- gründetes Gesuch handle, sei die Begründung nicht genügend. Da die Vorinstanz das Gesuch des Beschwerdeführers vom 20. Juli 2018 materiell geprüft und mittels Verfügung abgewiesen hat, handelt es sich offensichtlich nicht um eine formlose Abschreibung im Sinne von Art. 111b Abs. 4 AsylG, die im Übrigen nicht anfechtbar ist (BVGE 2015/28 E. 2 und 3). Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die wesentlichen Überlegungen aufgeführt, von denen sie sich hat leiten lassen. Eine sach- gerechte Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung war – wie die vorlie- gende Beschwerde zeigt – möglich. Die Rüge ist unbegründet. 7. 7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re- ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus - gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben ode r Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). E-3608/2020 Seite 9 7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings- eigenschaft, wenn die B ehörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 8. 8.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus , die Suche nach dem Beschwerdeführer respektive der Überfall auf die Familie sei durch unbekannte Personen und nicht durch staatliche Behörden erfolgt. Aus der Eingabe gehe der Hintergrund der Suche nach ihm nicht hervor. Die Tatsache, dass die Familienangehörigen den Vorfall gemäss ihren An- gaben gegenüber den Medien als bedrohlich empfunden hätten, begründe keine Anhaltspunkte für eine asylbeachtliche Verfolgungsabsicht gegen- über dem Beschwerdeführer. Zudem bestünden keine Hinweise, wonach die heimatlichen Behörden ihrer Schutz - beziehungsweise Aufklärungs- pflicht nicht nachgekommen seien. Die Familie des Beschwerdeführers habe bei der Polizei Anzeige erstatten können. Für das Vorbringen, die Po- lizei habe die Familie auf entsprechende Anweisung einer übergeordneten Stelle dazu gebracht, diese zurückzuziehen, gebe es keine stichhaltigen Belege. Es werde davon ausgegangen, dass di e Polizeibehörden in Sri Lanka Anzeigen entgegennähmen und bearbeiteten. Im Unterlassungsfall bestehe die Möglichkeit, sich an die National Police Commission (NPC) sowie an die nationale Menschenrechtskommission zu wenden. Vor die- sem Hintergrund erwiesen sich die vorgebrachten Vorkommnisse respek- tive Beweismittel als nicht erheblich. Darüber hinaus sei kein Zusammen- hang zu den Vorbringen aus dem abgeschlossenen Asylverfahren ersicht- lich, zumal jene für unglaubhaft befunden worden seien. Das Erwähnen des Brandes im Jahr 2013 gegenüber den Medien nach dem Vorfall im (…) 2018 sei unerheblich und wirke vielmehr gesucht sowie medienwirksam in Szene gesetzt. Die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, die Einschätzung im Asylentscheid vom 28. November 2017 umzustossen. Im Weiteren ergäben sich aus den Akten keine konkreten Hinweise, dass der Beschwerdeführer auf einer «Stop-list» oder «Watch-list» verzeichnet sei, welche die sri-lankischen Behörden im Rahmen der Sicherstellung der öffentlichen Ruhe un d Ordnung und Kontrolle der Ein - sowie Ausreisen führten. Im rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren habe er keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen können. Im zweiten Gesuch E-3608/2020 Seite 10 seien keine stichhaltigen Argumente oder Belege enthalten, welche geeig- net wären, eine asylbeachtliche Verfolgungsmotivation im Heimatstaat zu begründen. Die Aufnahme in eine solche Liste erfolge nicht bloss aufgrund der Beschaffung von Ersatzreisepapieren. Insgesamt würden keine Gründe vorliegen, die zur Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft führten. 8.2 In der Beschwerde rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 3 sowie Art. 7 AsylG. Die Vorinstanz habe sich bloss oberflächlich mit den eingereichten Beweismitteln auseinandergesetzt. Beim Argument, die Verbindung zwischen dem Überfall im Jahr 2018 und dem Brand im Jahr 2013 wirke gekünstelt, stelle die Vorinstanz einzig auf die im abgeschlos- senen Asylverfahren verneinte Glaubhaftigkeit ab. Die Vorinstanz habe nicht dargelegt, weshalb die Zeitungsartikel keine tauglichen Beweismittel darstellten und sie in Bezug auf das bisherige Asylgeschehen irrelevant seien. Die Tatsache, dass die Polizeibehörde die Anzeige nicht habe wei- terverfolgen wollen, sei für ihn nicht belegbar. Im Weiteren handle es sich lediglich um eine Spekulation der Vorinstanz, der Überfall sei durch private Dritte erfolgt und der Hintergrund sei nicht erstellt. Die Vorinstanz verkenne seine Vorgeschichte und die aktuell kritische Lage in Sri Lanka, welche eine persönliche Fehde ausschliessen würden. Es könne kein Zufall sein, dass dieser Vorfall nach dem negativen Asylentscheid und der Bekannt- gabe der Rückkehr stattgefunden habe. Die Vorinstanz sei in Willkür ver- fallen, indem sie die Beweismittel pauschal als unglaubhaft beziehungs- weise untauglich klassifiziert habe. Darüber hinaus bestehe aufgrund des Machtwechsels respektive der Machtübernahme durch die Rajapaksa-Brü- der in Sri Lanka begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung. Die Ge- fährdungslage habe sich intensiviert und Personen mit einem Profil wie sei- nem (abgewiesener Asylsuchender tamilischer Abstammung, [vermeintli- chen] LTTE-Verbindungen sowie exilpolitische Tätigkeiten) seien bei einer Rückkehr gefährdet. 8.3 In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer habe im vorherigen Asylverfahren anlässlich der Befragungen eine LTTE- Mitgliedschaft verneint und angegeben, nichts mit dieser Organisation zu tun gehabt zu haben. Die nachträglich erwähnten Verbindungen seien da- mals für unglaubhaft befunden worden. Neue stichhaltige Argumente oder Beweismittel habe er für die erneut vorgebrachten Verbindungen zu den LTTE nicht aufgezeigt. Die von ihm geltend gemachte Gefährdung in die- sem Zusammenhang sei unglaubhaft. Was die exilpolitischen Aktivitäten betreffe, sei im vorliegenden Verfahren nichts eingereicht worden, das die Einschätzung im rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren ändere. Der E-3608/2020 Seite 11 Beschwerdeführer verweise lediglich pauschal auf exilpolitische Aktivitä- ten. Zudem sei Folgendes in Ergänzung zur angefochtenen Verfügung festzu- halten: Gegenüber Personen tamilischer Ethnie, welche nach einem Aus- landaufenthalt zurückkehrten, wiesen die sri-lankischen Behörden eine er- höhte Wachsamkeit auf. Die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie sowie die mehrjährige Landesabwesenheit des Beschwerdeführ ers reichten für sich alleine gemäss Praxis für die Annahme flüchtlingsrechtlich relevanter Nachteile aber nicht aus. Rückkehrer, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdokumente verfügten, im Ausland ein Asylverfah- ren durchlaufen hätten oder behördlich gesucht würden, würden am Flug- hafen zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befragung allein und das allfäl- lige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen dar. Regelmässig würden Rückkehrer auch am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfas- sung der Identität, bis hin zur Überwachung der Aktivitäten der Person be- fragt. Auch diese Kontrollmassnahmen am Herkunftsort nähmen grund- sätzlich kein flüchtlingsrechtlich relevantes Ausmass an. Hingegen würden Personen, welche vormals besonders enge Beziehungen zu den LTTE hat- ten und kein Rehabilitationsprogramm durchlaufen hätten, nach wie vor verhaftet. Aufgrund des längeren Auslandaufenthaltes des Beschwerde- führers sowie des sen Durchlaufens eines Asylverfahrens in der Schweiz sei nicht anzunehmen, die sri-lankischen Sicherheitsbehörden würden ihn als Person mit engen Beziehungen zu den LTTE betrachten. Diese Ein- schätzung werde auch nicht durch die Präsidentschaftswahlen am 16. No- vember 2019 umgestossen. Mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten und der Einsetzung sogenannter Presidential Task Forces gin- gen Befürchtungen von mehr Einschüchterungen von Minderheiten, Men- schenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppositionell en und weiteren regie- rungskritischen Personen einher. Die Überwachung der Zivilbevölkerung habe seit den Anschlägen an Ostern 2019 und nochmals nach den Präsi- dentschaftswahlen zugenommen. Es gebe jedoch keinen Anlass zur An- nahme, ganze Volks- oder Berufsgruppen seien unter Präsident Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschafts- wahlen sei ein persönlicher Bezug zu diesem Ereignis respektive dessen Folgen. D afür sei eine hinreichende Konkretisierung notwendig, welche vorliegend nicht gegeben sei. E-3608/2020 Seite 12 8.4 In der Replik entgegnet der Beschwerdeführer, die Vorinstanz hätte die neuen Vorbringen mit den bisherigen Asylgründen verknüpfen so llen. Sie wiederhole aber bloss, dass im vorherigen Verfahren die Unglaubhaftigkeit der Aussagen festgestellt worden sei . Die Vorbringen habe sie lediglich oberflächlich sowie ungenügend geprüft. Der Überfall durch das CID auf die Familie sei unbestritten, weshalb die begründ ete Furcht vor asylrele- vanter Verfolgung erstellt sei. Sodann unterscheide sich s ein Risikoprofil von jenem eines normalen Rückkehrers. Er werde in Sri Lanka aufgrund seiner Vergangenheit, namentlich seiner exilpolitischen Tätigkeiten sowie Verbindungen zu den LTTE, individuell gesucht. Bereits anlässlich der BzP habe er seinen Bezug zu den LTTE angeführt. Insofern habe bereits des- halb ein Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden bestanden. Mit den neu eingereichten Beweismittel n werde dargelegt, dass ein solches weiterhin bestehe. Darüber hinaus hätten die Parlamentswahlen am 5. Au- gust 2020 zu einer Lageveränderung geführt. Diese werde höchstwahr- scheinlich zu einer Verfassungsänderung führen, welche es den Sicher- heitsbehörden ermöglichen werde, gege n Personen mit mutmasslicher LTTE-Vergangenheit mit noch härteren Mittel vorgehen zu können. 9. 9.1 Vorab ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer geltend ge- machten Asylgründe im rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren als unglaubhaft beurteilt respektive das Vorliegen einer Gefährdung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka verneint worden sind. 9.2 Wie der Beschwerdeführer zutreffend festhält, hat die Vorinstanz den Überfall vom (…) 2018 an sich nicht bestritten. Anders als der Beschwer- deführer kam sie aber zum Schluss, dieser sei von privaten Drittpersonen und nicht von staatlichen Institutionen durchgeführt worden. Dabei hat sie zur Begründung insbesondere auch Bezug auf die vom Beschwerdeführer eingereichten Zeitungsberichte genommen und sich nicht einzig auf die für unglaubhaft befunden en Asylgründe im abgeschlossenen Asylverfahren abgestützt. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers ist im Vorfall vom (…) 2018 keine gegen ihn gerichtete Verfolgungshandlung durch die sri-lankischen Behörden ersichtlich. Eine solche ergibt sich vor allem auch nicht aus den eingereichten Fotos und Zeitungsausschnitten. Die Fotos zeigen lediglich die Anwesenheit von Polizisten auf einem Grundstück. D en beigelegten Übersetzungen der Zeitungsberichte lässt sich entnehmen, dass diese gestützt auf die Aussagen des Vaters des Be- schwerdeführers verfasst worden sind. Dieser gab an, bei den Angreifern habe es sich um unbekannte Männer gehandelt (vgl. SEM-Akte B9/3 sowie E-3608/2020 Seite 13 B1/20 Beilage 3). Entsprechend stellt es keine Spekulation der Vorinstanz dar, wenn sie das Vorliegen einer staatlichen Verfolgung verneint. Den Ak- ten lassen sich – in Anbetracht der im abgeschlossenen Asylverfahren für unglaubhaft respektive nicht asylrelevant befundenen Asylgründe – auch keine anderen konkreten Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass der Über- fall auf das Elternhaus wegen eines staatlichen Verfolgungsinteresses am Beschwerdeführer erfolgt ist. Die vom Beschwerdeführer erwähnte Anzei- geerstattung durch die Familie zeigt sodann auf, dass sie Zugang zur staat- lichen Schutzinfrastruktur hat te und diese in Anspruch genommen hat. Dass die Polizisten auf Anordnung einer höherrangigen Stelle geraten hät- ten, die Anzeige zurückzuziehen, ist eine blosse Mutmassung. Vielmehr erscheint vorliegend wahrscheinlich, dass die Polizei keine Möglichkeit hatte, die unbekannte Täterschaft ausfindig zu machen, weshalb sie der Familie – wie vom Beschwerdeführer festgehalten – gesagt habe, sie könne nichts für sie tun (vgl. SEM-Akte B1/20 S. 5). Mit der Vorinstanz ist zudem davon auszugehen, dass zwischen diesem Ereignis und den Vor- bringen im ordentlichen Asylverfahren kein Zusammenhang besteht. Des- halb ist auch nicht zu bemängeln, dass die Vorinstanz auf die Unglaubhaf- tigkeit der Asylgründe im abgesch lossenen Verfahren verwiesen hat. Im Übrigen ist auf die vorinstanzliche Verfügung zu verweisen. 9.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) festgehalten, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die Stop-List, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivi- täten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnte n. Demgegenüber wür- den das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise res- pektive durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Fak- toren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine ge- nommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berücksicht igung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flücht- lingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. a.a.O. E. 8.5.5). Nach Auffassung des Gerichts bestehen nach wie vor keine stichhaltigen Gründe zur Annahme, dass der Beschwerdeführer einer der im zitierten E-3608/2020 Seite 14 Referenzurteil genannten Risikogruppen zuzurechnen ist. Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-21/2018 vom 23. Mai 2018 wurde festge- stellt, dass der Beschwerdeführer kein flüchtlingsrechtlich relevantes Ge- fährdungsprofil im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsge- richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 aufweist. Angesichts dessen, dass – wie vorstehend ausgeführt – der Übergriff von Privatpersonen im (…) 2018 keine asylrelevante Verfolgung darstellt, ändert sich an dieser Einschät- zung nichts. Auf mögliche Verbindungen zu den LTTE sowie exilpolitische Aktivitäten des Beschwerdeführers ist bereits im Rahmen des ersten Asyl- gesuchs eingegangen worden. Diesbezüglich bringt der Beschwerdeführer nichts Neues vor. Insofern sind keine zusätzlichen Faktoren hinzugetreten, die zu einer Verschärfung seines Profils führen . Vor diesem Hintergrund sind demnach auch die Verweise der Vorinstanz auf das abgeschlossene Asylverfahren nicht zu beanstanden. Aus dem blossen Hinweis auf die zwi- schenzeitlich erfolgte Wahl Gotabaya Rajapaksas zum Präsidenten Sri Lankas sowie die Parlamentswahlen im August 2020 vermag der B e- schwerdeführer sodann keine individuelle Gefahr einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung seiner Person abzuleiten. Weitergehend kann dies- bezüglich – um Wiederholungen zu vermeiden – auf die zutreffenden Er- wägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Ergänzend ist lediglich fest- zuhalten, dass im Zusammenhang mit der Entführung der Botschaftsmitar- beiterin gemäss Auskunft der Schweizerischen Botschaft keine Informatio- nen an die sri -lankischen Behörden gelangt sind, so dass keine Anhalts- punkte auf eine er höhte Gefährdungssituation hinweisen. Insgesamt ist aufgrund der Aktenlage auch im Rahmen des vorliegenden Verfahrens nicht anzunehmen, dass dem Beschwerdeführer persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 9.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigen- schaft erneut verneint und das Gesuch des Beschwerdeführers vom 20. Juli 2018 abgelehnt. Eine Bundesrechtsverletzung liegt nicht vor, wes- halb ein Verstoss gegen das Willkürverbot nach Art. 9 BV ausgeschlossen ist. 10. 10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). E-3608/2020 Seite 15 10.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 11. 11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 11.2 Der Vollzug ist nicht zulässi g, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein La nd gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung findet vorliegend mangels Erfüllung der F lüchtlingseigenschaft durch den Be- schwerdeführer keine Anwendung. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da- für, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote- nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Eu- ropäischen Gerichtshofes für Menschenrec hte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete E-3608/2020 Seite 16 Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Men- schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auf- fassung des Gerichts nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Ref erenzurteil BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka m it beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten «Back- ground Check» (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In - und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungs- vollzug erweist sich somit als zulässig. 11.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 11.3.1 Hierzu hielt die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung sowie der Vernehmlassung fest, der Eingabe vom 20. Juli 2018 sowie der Be- schwerde seien verglichen mit dem abgeschlossenen Verfahren keine neuen Argumente dafür zu entnehmen, dass dieser zwischenzeitlich unzu- mutbar geworden sei. In der Beschwerde habe sich der Beschwerdeführer auf allgemeine Darlegungen beschränkt. Die angeführten persönlichen Verbindungen zu den LTTE seien zudem unglaubhaft. Davon ausgehend, erübrigten sich Ausführungen dazu, wie sich glaubhafte Verbindungen zu den LTTE vor der Ausreise aus dem Heimatstaat auf den Beschwerdefüh- rer auswirken könnten. Der bewaffnete Konflikt sei im Mai 2009 beendet worden und die Sicherheitslage habe sich verbessert. In den letzten Jahren hätten sich verschiedene Sicherheitsvorfälle ereignet, namentlich Angriffe von extremistischen Buddhisten auf Angehörige der muslimischen Ge- meinschaft sowie dschihadistisch motivierte Terroranschläge auf Kirchen und Hotels an Ostern 2019. Infolge der Terroranschläge seien die Sicher- heitsvorkehrungen verschärft worden, wobei der Ausnahmezustand im Au-E-3608/2020 Seite 17 gust 2019 aufgehoben worden sei. Trotz dieser Vorfälle sei die Sicherheits- lage heute als ruhig zu bezeichnen. Es bestehe keine unsichere, von be- waffneten Konflikten oder anderen unberechenbaren Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer Rückkehrer unabhängig ihres individuellen Hinter- grunds konkret gefährdet wären. Es sei nicht von einer Situation allgemei- ner Gewalt auszugehen. Individuelle Gründe, die ge gen die Zumutbarkeit des Vollzugs sprechen würden, bringe der Beschwerdeführer – mit Aus- nahme der unglaubhaften LTTE-Verbindungen – nicht vor. 11.3.2 Der Beschwerdeführer hält den vorinstanzlichen Ausführungen zur Zumutbarkeit des Vollzugs auf Beschwerdeebene ni chts Substantielles entgegen. Er führt einzig in oberflächlicher Weise aus, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka sei er aufgrund seines Profils sowie angesichts der aktuel- len Lage gefährdet. Wie die Vorinstanz aber zutreffend ausführte, vermö- gen die momentanen Entwicklungen in Sri Lanka an der generellen Zumut- barkeit des Vollzugs nicht zu ändern. In individueller Hinsicht sind keine Veränderungen seit dem Beschwerdeurteil E -21/2018 vom 23. Mai 2018 eingetreten. Angesichts dessen kann deshalb, um Wiederholungen zu ver- meiden, auf die Erwägungen der Vorinstanz sowie das genannte Be- schwerdeurteil verwiesen werden. Die Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs ist nach wie vor zu bejahen. 11.4 Ferner obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedo- kumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich- nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 11.5 Schliesslich steht auch im Gegensatz zur vom Beschwerdeführer ver- tretenen Ansicht die Corona -Pandemie dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein temporä- res Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeit- punkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl. Entschei- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e sowie das Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.). 11.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). E-3608/2020 Seite 18 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) . Da ihm indes mit Zwischenverfügung vom 18. August 2020 die unentgeltliche Prozessfüh- rung gewährt wurde und keine massgebende Veränderung der finanziellen Verhältnisse ersichtlich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-3608/2020 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Barbara Balmelli Michelle Nathalie Nef