Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 3. Dezember 2014 (810 14 235) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Beistandswechsel / Neufestlegung Aufgabengebiete Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Beat Walther, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl , Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch B. ____ gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C .____ , Beschwerdege g- nerin Beigeladene D.____ , vertreten durch Elisabeth Gutzwiller Emmerth , Advokatin Betreff Beistandswechsel / Neufestlegung Aufgabenge biete (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 31. Juli 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. D.____ ist am 13. Juli 1940 geboren; ihr Ehemann , A.____ am 3. November 1934. B. Am 28. Mai 2012 reichten B.____, E.____ (Schwester von D.____) und F.____ (Bruder von A.____) der Vormundschaftsbehörde G.____ eine Gef ährdungsmeldung betreffend die Ehegatten D.___ und A.____ ein. Am 27. Juni 2013 ers uchte F.____ die Kindes- und Erwach- senenschutzbehörde C.____ (KESB) erneut um den Erlass von Schutzmassnahmen für die Ehegatten D.____ und A.____ (vgl. E-Mail von F.____ a n H.____, Präsidentin KESB, vom 27. Juni 2013). Die KESB hat am 9. August 2013 ein en tsprechendes Verfahren eröffnet. Am 21. Oktober 2013, während eines Klinikaufenthalts der Ehegatten in den Universitären Psychiat- rischen Kliniken Basel (UPK), zeigte Dr. med. I.____ der KESB eine Gefährdung der Ehegatten D.____ und A.____ an. Er hielt fest, dass aus seiner Sic ht aufgrund der zugrundeliegenden Grunderkrankungen der Ehegatten bei einer Rückkehr ins g emeinsame Eigenheim eine massi- ve Eigengefährdung bestehe. C. Die Ehegatten D.____ und A.____ wurden vom 17. b is 20. Dezember 2013 fürsorge- risch untergebracht. D. Aus den Vorakten ergibt sich, dass die Ehegatten D.___ _ und A.____ bis Ende Dezem- ber 2013 von J.____, Advokat, in rechtlichen Belangen vertreten, ferner sechsmal pro Woche durch eine Haushaltshilfe unterstützt und dreimal pro Wo che durch eine Spitex betreut wurden. Aufgrund des ungehaltenen Benehmens der Beigeladenen hätten die Mandate beendet werden müssen (vgl. E-Mail von J.____, Advokat, an K.____, Mitgl ied KESB, vom 20. Dezember 2013; Aktennotiz der KESB vom 6. Januar 2014; Kündigungsschrei ben Spitex vom 31. Dezember 2013). Seither wohnt A.____ in der Stiftung L.____. E. Die KESB hat gemäss ihrem Schreiben vom 14. Februar 2014 beim Registre Foncier in X.____ um einen Grundbuchauszug der Liegenschaft “Y._ ___“ Nr. 18, Z.____, ersucht, um al- lenfalls Sicherungsmassnahmen wie eine Grundbuchsperre z u erwirken. Die erwähnte Liegen- schaft steht im Eigentum von A.____, weshalb die KESB ihm mit Entscheid vom 18. Februar 2014 vorsorglich die Verfügungsbefugnis darüber entzogen hat. F. Mit Entscheid der KESB vom 13. März 2014 wurde für d ie Ehegatten D.____ und A.____ eine Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung errichtet. Als Beiständin wurde die Tochter B.____ ernannt. Dageg en erhob D.____ am 2. April 2014 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Zur Begründung führte sie aus, dass sie sich in der Lage fühle, ihre ad- ministrativen Angelegenheiten zu erledigen. Am 4. Jun i 2014 fand eine Vorverhandlung am Kantonsgericht statt, anlässlich welcher D.____, vertrete n durch Elisabeth Gutzwiller Emmerth, Advokatin, beantragte, dass eine aussenstehende Person al s Beistand eingesetzt würde. Ent- sprechend haben sich die Parteien darauf verständigt, dass für beide Ehegatten eine externe, unabhängige Beistandsperson einzusetzen sei. Das kantonsgeri chtliche Verfahren 810 14 92 wurde mit Verfügung vom 4. Juni 2014 sistiert. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Entscheid vom 31. Juli 2014 betreffend D.____ hat die KESB neu M.____, Advokat im Advokatur- und Notariatsbüro N.____, als Beistand er nannt und das Mandatsverhältnis zur zuvor eingesetzten Beiständin B.____ in Bezug auf D.__ __ aufgelöst. Daraufhin hat Letztere ihre Beschwerde beim Kantonsgericht am 14. August 2014 z urückgezogen. Das Verfahren 810 14 92 wurde mit Verfügung vom 20. August 2014 abgeschrieben. H. Mit separatem Entscheid der KESB vom 31. Juli 2014 b etreffend A.____ wurde neu M.____ als Beistand für die Bereiche Einkommens- und Ve rmögensverwaltung eingesetzt. Ent- sprechend wurden die Aufgabengebiete der bisherigen B eiständin B.____ auf die Sorge und Vertretung von A.____ im Bereich Soziales und Wohnen b eschränkt. Gegen diesen Entscheid der KESB erhob A.____, vertreten durch B.____, am 15 . August 2014 Beschwerde beim Kan- tonsgericht. I. Am 8. September 2014 liessen sich die KESB und am 2 2. September 2014 die Beigela- dene, nach wie vor vertreten durch Advokatin Elisabeth Gutzwiller Emmerth, vernehmen. Beide Parteien beantragten die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. J. Mit Präsidialverfügung vom 23. September 2014 wurde der Fall der Kammer im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheide einer Erwachse nenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 de s kantonalen Gesetzes über die Ein- führung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgeri cht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Demnach ist die Fünferkammer der Abteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorlie genden Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro zessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind P ersonen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffe nen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände rung des angefochtenen Ent- scheids haben (Ziff. 3). Der Beschwerdeführer ist als dire kter Verfahrensbeteiligter zur Be- schwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen for mellen Voraussetzungen gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. Allerdings auferlegt sich das Kantonsgericht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht entsprechend der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei de r Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe und bei der Ermessenskontrolle eine gewisse Zurückhaltung. Dies insbesondere deshalb, weil die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden als Fachbehörden anzusehen sind (vgl. Art. 440 Abs. 1 ZGB). Verfügt eine Behörde über besonderes Fachwissen, so ist ihr bei der Bewertung von ausgesprochenen Fachfragen ein gewisser Beurteilungsspielraum zu belassen, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkt e geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat ( vgl. DANIEL STECK , in: Thomas Gei- ser/Ruth E. Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwach senenschutz, Basel 2012, Art. 450a N 17 ff.; U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungs- recht, 6. Auflage, Zürich 2010, N 446c f.; Urteil des K antonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 8. Mai 2013 [810 13 10], E. 1.4; BGE 135 II 384 E. 2.2.2, jeweils mit weiteren Hinweisen). 2. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob d ie KESB M.____ zu Recht als neuen Beistand für die administrativen und finanziellen Ang elegenheiten des Beschwerdeführers ein- gesetzt bzw. die Aufgaben der bisherigen Beiständin B.____ entsprechend beschränkt hat. 3.1 In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer ei ne Verletzung des rechtlichen Ge- hörs. Er moniert zunächst eine mangelhafte Eröffnung de s angefochtenen Entscheids, da die- ser gemäss Verteiler nur seiner Beiständin und nicht ihm persönlich zugestellt worden sei. Fer- ner beanstandet er, vor dem Erlass des Entscheids vom 31. Juli 2014 nicht angehört worden zu sein (vgl. Beschwerdeschrift vom 15. August 2014, Entschei d der KESB vom 31. Juli 2014, S. 5). 3.2 Die formellen Rügen betreffend eine Verletzung d es Rechts auf Eröffnung des Ent- scheids sowie auf vorgängige Äusserung und Anhörung sind i m Folgenden vor einer allfälligen inhaltlichen Beurteilung zu prüfen. 3.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 gewährleistet eine effektive Mit- wirkung im Verfahren zum Erlass von Entscheidungen, die in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreifen (GEROLD STEINMANN , in: Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommen- tar, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2014, N 42 zu Art. 29). Gemäss § 9 Abs. 3 der Verfassung des Kantons Basel-Landschaft (KV) vom 17. Mai 1984 haben die Parteien in allen Fällen Anspruch auf rechtliches Gehör, auf eine faire Behandlung und auf einen begründeten, mit einer Rechts- mittelbelehrung versehenen Entscheid innert angemessener Frist. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist sodann in § 13 des kantonalen Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG) vom 13. Juni 1988 statuiert. Der kantonalrechtliche Anspruch geht nich t über denjenigen von Art. 29 BV hin- aus und somit kann weitgehend auf die diesbezügliche Le hre und Rechtsprechung verwiesen werden. Die Garantie des rechtlichen Gehörs hat für das rechtsstaatliche Verfahren eine zentra- le Bedeutung und wird von Art. 29 Abs. 2 BV gewährlei stet (vgl. RENÉ RHINOW , Grundzüge des Schweizerischen Verfassungsrechts, Basel 2003, Rz. 2737 f f.). Das rechtliche Gehör dient ei- nerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein per sönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs- recht dar (GEROLD STEINMANN , a.a.O., N 42 zu Art. 29). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Die Pflicht zur Eröffnung von Entscheiden an alle Beteiligten ist Ausfluss der Gewäh- rung des rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht (BGE 133 I 201 E. 2.1; G EROLD STEINMANN , a.a.O., N 50 zu Art. 29). Vorliegend wurde der Ent scheid der Beiständin des Be- schwerdeführers eröffnet. Im Eröffnungszeitpunkt war sie gestützt auf Art. 391 Abs. 3 ZGB be- fugt, die Post zu öffnen (vgl. Entscheid der KESB vom 1 3. März 2014 Ziff. 5). Post umfasst den gesamten Briefverkehr inklusive elektronische Formen (H ELMUT HENKEL , in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutzrecht, Basel 2012, N 26 zu Art. 391). Vor diesem Hintergrund ist die Eröffnung des angefochtenen Entscheids nicht zu beanstanden und es liegt diesbezüglich keine Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör vor. 3.5 Ein weiterer Teilaspekt des Anspruchs auf rechtliche s Gehör ist das Recht auf vorgän- gige Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen ei nen Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhalts sichert. Die Behörde muss diese Äusserungen zur Kenntnis nehmen und sich damit in der Entscheidfindung und -begründung sachgerecht auseinandersetzen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör besteht unbestritten auch im Bereich des Erwachsenenschut- zes. So regelt Art. 447 ZGB, dass die betroffene Person angehört wird, sofern dies nicht als unverhältnismässig erscheint. Art. 447 ZGB verpflichtet di e KESB somit, die betroffene Person persönlich anzuhören. Die persönliche Anhörung ist Ausdr uck des Persönlichkeitsrechts und bildet ein qualifiziertes persönliches Mitwirkungsrecht des Betroffenen. Sie steht der betroffenen Person um ihrer Persönlichkeit willen zu und stellt ein höchstpersönliches Recht dar (CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N 7 zu Art. 447). Steht bei der Anhörung die Sachverhaltsa bklärung im Vordergrund, so spielt es keine Rolle, ob die betroffene Person urteilsfähig i st oder nicht. Auch urteilsunfähige Personen können angehört werden (C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., N 12 zu Art. 447). Die KESB ist insbesondere auch hinsichtlich der Errichtung e iner Beistandschaft oder im separaten Ernennungsverfahren verpflichtet, den Betroffenen, wenn er urteilsfähig ist, zur Person des Bei- standes anzuhören. Sie hat ihn dabei auf sein Vorschla gs- und Ablehnungsrecht unter Ein- schluss des Rechts, Beweisanträge zu stellen, hinzuweisen (vg l. RUTH E. REUSSER , in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutzrecht, a.a.O., N 23 zu Art. 401). 4.1 Aus den Verfahrensakten sowie aus den unbestrittenen Darlegungen der Parteien er- hellt, dass der Beschwerdeführer vor dem Erlass des angefochtenen Entscheids der KESB vom 31. Juli 2014 nicht angehört wurde (vgl. Beschwerde vom 1 5. August 2014, S. 1; Vernehmlas- sung KESB vom 8. September 2014, S. 2). Aufgrund der demenziellen Erkrankung des Be- schwerdeführers habe die KESB darauf verzichtet (vgl. Vern ehmlassung KESB vom 8. September 2014, S. 2). Aus ihrer Sicht hätte die Beiständin ihren Vater leicht beeinflussen können und somit wäre eine erneute Anhörung nicht zielführend gewesen. In ihrer Vernehmlas- sung vom 22. September 2014 führt die Beigeladene ebenfalls aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner fortgeschrittenen Demenzerkrankung nicht in der Lage sei, die vorliegende An- gelegenheit in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Demgege nüber macht der Beschwerdeführer gel- tend, dass es ihm deutlich besser gehe, seitdem er im Al tersheim L.____ wohne. Sein Zustand hätte eine vorgängige Befragung durchaus zugelassen. Die s habe die Beiständin der KESB Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtzeitig mitgeteilt, dennoch sei auf die Durchführ ung einer Anhörung verzichtet worden (vgl. Beschwerde vom 15. August 2014). 4.2 Die Urteilsfähigkeit einer Person muss in der Rege l von einer Fachperson beurteilt werden (vgl. HELMUT HENKEL , a.a.O., N 9 zu Art. 390). Die KESB muss zwar nicht st ets ein Ex- pertengutachten einholen. Soweit sie selbst über das nötige Fachwissen verfügt, indem sie z.B. einen Arzt mit genügenden Fachkenntnissen im Spruchkörper hat, kann und soll sie die Beurtei- lung selber vornehmen. In der vorliegenden Angelegenheit hat die KESB ihr allfälliges Fachwis- sen nicht offengelegt (vgl. CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., N 19 ff. zu Art. 447 m.w.H.). Ferner findet sich in den Akten kein Arztzeugnis, welches e ine Demenzerkrankung bzw. eine Urteilsunfähigkeit des Beschwerdeführers belegen würde. D er Argumentation der KESB, der Beschwerdeführer sei nicht mehr in der Lage, seine Mei nung ohne Beeinflussung durch Dritte zu äussern, weshalb auf eine Anhörung verzichtet worden sei, kann daher nicht unbesehen gefolgt werden. Vielmehr hätte die KESB die Urteils fähigkeit des Beschwerdeführers abklären müssen. Mangels Anhörung ist etwa bis heute unklar gebl ieben, ob die Vorbehalte gegenüber dem Advokatur- und Notariatsbüro N.____ tatsächlich vom Beschwerdeführer oder vielmehr von der Beiständin ausgehen. Da es hierbei um die Abkl ärung des Sachverhalts geht, wäre die KESB unabhängig des Bestehens einer allfälligen Urtei lsunfähigkeit beim Beschwerdeführer gehalten gewesen, diesen anzuhören. Damit hätte die KESB zum einen die massgebenden Unklarheiten beseitigen und sich zum anderen ein aktue lles, eigenes und unverfälschtes Bild über den Beschwerdeführer machen können. Erst nach diesen wesentlichen Abklärungen durch die KESB hätte das weitere Vorgehen bestimmt werden können. 4.3 Das rechtliche Gehör ist lediglich dann sinnvoll un d stellt keinen Leerlauf dar, wenn es vorgängig gewährt wird. Nur dann erfüllt es seinen eigentlichen Zweck, nämlich der Behörde zu ermöglichen, in Kenntnis aller Umstände zu entscheiden, also auch in Kenntnis der Gründe, die der Betroffene zu den Vorkommnissen und der ins Auge g efassten Massnahmen vorbringt. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen steht fest, dass d er Beschwerdeführer vor dem Er- lass des Entscheids zu Unrecht nicht angehört wurde und se in Anspruch auf rechtliches Gehör dadurch verletzt worden ist. 5.1 Eine Verletzung des Anspruchs auf persönliche Anhö rung führt ungeachtet der Erfolg- saussichten der Beschwerde in der Sache selbst grundsätzli ch zur Aufhebung der angefochte- nen Verfügung (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.2 mit Hinweise n, C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., N 37 zu Art. 447). Darauf kann in nicht besond ers schwerwiegenden Fällen verzichtet werden, wenn die betroffene Person sich vor einer Rechtsm ittelinstanz äussern kann, die so- wohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei übe rprüft; zudem darf dem Betroffenen dar- aus kein Nachteil erwachsen (vgl. BGE 138 III 225 E. 3.3; BGE 135 I 279 E. 2.6; BVGE 2009/61 E. 4.1.3 je mit Hinweisen). Diese sogenannte "Heilun g" ist aber in der Regel ausgeschlossen, wenn es sich um eine besonders schwerwiegende Verletzung der Parteirechte handelt. Selbst dann kann jedoch ausnahmsweise von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abge- sehen werden, wenn und soweit dies zu einem "formalistisch en Leerlauf" und damit zu unnöti- gen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beför- derlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. Urteile des Kantonsgerichts, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vo m 5. September 2007 [810 06 199] und vom 11. Januar 2012 [810 11 122]; BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 133 I 201 E. 2.2; BGE 132 V 387 E. 5.1). 5.2 Wie dargelegt, wurde eine Beistandschaft für die E hegatten D.____ und A.____ errich- tet und ihre Tochter als Beiständin eingesetzt. Nachdem d ie Beigeladene gegen diesen Ent- scheid Beschwerde erhoben hat, setzte die KESB neu M.___ _ als Beistand ein (vgl. Entscheid der KESB vom 31. Juli 2014). Mit separatem Entscheid be treffend den Beschwerdeführer hat die KESB als neuen zusätzlichen Beistand M.____ auch für den Beschwerdeführer ernannt (vgl. Entscheid der KESB in Sachen A.____ vom 31. Jul i 2014). Zur Begründung führte die KESB aus, dass die Beistandschaft des Beschwerdeführers ni cht getrennt von derjenigen der Beigeladenen betrachtet werden könne. Inwiefern dieser Einwand für die festgestellten Verfah- rensfehler relevant sein soll bzw. was die KESB daraus ableitet, ist nicht erkennbar. Das Gesetz schreibt nicht vor, für Ehegatten sei derselbe Beistand einzusetzen. Auch wenn dies aus prag- matischen Gründen wohl regelmässig so gehandhabt wird, ve rmag es den Verzicht auf eine Anhörung des Beschwerdeführers nicht zu rechtfertigen. W eitere Gründe wie etwa die Unge- eignetheit der Tochter als Beiständin, welche einen Be istandswechsel betreffend A.____ allen- falls hätten begründen können, sind nicht ersichtlich und werden von der KESB auch nicht gel- tend gemacht. Die KESB begründet ihr Vorgehen ferner damit, dass gestützt auf Art. 401 Abs. 1 ZGB dem Vorschlag einer Vertrauensperson durch die betr offene (zu verbeiständende) Person grundsätzlich zu entsprechen sei. Dies ist zutreffend, hat jedoch für beide zu verbeiständende Personen gleichermassen zu gelten. Wie erwähnt, ist die persönliche Anhörung Ausdruck des Persönlichkeitsrechts und bildet ein qualifiziertes persö nliches Mitwirkungsrecht des Betroffe- nen. Ferner sollen die behördlichen Massnahmen die Selb stbestimmung der betroffenen Per- sonen als Ausdruck der Menschenwürde so weit wie möglich erhalten und fördern (Art. 388 Abs. 2 ZGB). Das Selbstbestimmungsrecht verlangt, dass die b etroffene Person nicht nur posi- tiv eine Vertrauensperson als Beistand bezeichnen kann (Art. 401 Abs. 1 ZGB), sondern auch negativ eine Person als Beistand ablehnen darf (Art. 40 1 Abs. 3 ZGB; R UTH E. REUSSER , a.a.O., N 21 ff. zu Art. 401 m.w.H.). Vorschlagsberech tigt ist die betroffene Person, wenn sie urteilsfähig ist. An die Urteilsfähigkeit sind keine h ohen Anforderungen zu stellen (R UTH E. REUSSER , a.a.O., N 8 zu Art. 401). Vorliegend ist – wie aus geführt (vgl. E. 4.2) – unklar, ob und allenfalls wie weitreichend die Urteilsfähigkeit des B eschwerdeführers beeinträchtigt ist. Das Versäumnis der KESB, den Sachverhalt vollständig abzukl ären, stellt somit einen gravierenden Verfahrensfehler dar. Indem sie das Verfahren gestützt auf diesen unvollständigen Sachverhalt weitergeführt hat, ist nicht auszuschliessen, dass sie den B eschwerdeführer in Bezug auf sein Ablehnungsrecht gemäss Art. 401 Abs. 3 ZGB hätte anhör en müssen. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Ausführungen, dass der angefochtene Entscheid bei korrekter Einräumung des rechtlichen Gehörs so allenfalls gar ni cht hätte ergehen dürfen. Vor diesem Hintergrund erweist sich die Gehörsverletzung als besonder s schwerwiegend und eine Heilung dieser Verfahrensfehler im kantonsgerichtlichen Verfahren ist nicht angezeigt. 5.3 Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen und die KESB anzuweisen, den Beschwerdeführer persönlich anzuhören und anschliessend e rneut über einen allfälligen Bei- standswechsel bzw. eine Neufestlegung der Aufgaben der aktuellen Beiständin zu entscheiden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bei dieser Sachlage ist auf die weiteren formellen und materiellen Rügen des Beschwerdefüh- rers nicht weiter einzugehen. 6.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt. Den Vorinstanzen wer- den keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. 6.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gest ützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts beziehungsweise einer Anwältin ein e angemessene Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Vorlie gend liess sich der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten, weshalb er auch keine Parteientschädigung geltend machen kann. Im Übrigen werden die Parteikosten werden wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d der KESB C.____ vom 31. Juli 2014 aufgehoben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die KESB C.____ zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gele istete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- wird dem Beschwerdefü hrer zurück- erstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin