Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. März 2019 (720 18 312 / 77) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Nichteintreten: Anfechtungsgegenstand; Voraussetzungen für eine Rechtsverweige- rungsbeschwerde. Ablehnung der unentgeltlichen Verbeiständung im verwaltungsinter- nen Verfahren: Sachliche Gebotenheit. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch André M. Brunner, Advo- kat, Hauptstrasse 55, Postfach 136, 4450 Sissach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Unentgeltliche Verbeiständung / Akteneinsic ht / Rechtsverweigerung A. Der 1968 geborene A.____ meldete sich aufgrund v on diversen gesundheitlichen Prob- lemen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Im Rahmen der Abklärungen holte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) ein polydisziplinäres Gutachten bei der Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) ein, welches am 24. August 2018 erstattet Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurde. Der Rechtsvertreter des Versicherten, André Bru nner, Advokat, rügte mittels Schreiben vom 3. Juli 2018, dass anlässlich der Begutachtungen Unr egelmässigkeiten aufgetreten seien. Mit Schreiben vom 3. Juli 2018 beantragte A.____ aus serdem die unentgeltliche Verbeistän- dung im verwaltungsinternen Verfahren. Mit Verfügung vom 12. September 2018 wies die IV- Stelle das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen V erbeiständung im Einwands- bzw. An- hörungsverfahren ab. Zur Begründung brachte sie im We sentlichen vor, dass der Versicherte vom Sozialdienst der Einwohnergemeinde X.____ finanziel l unterstützt werde. Die Beratung und Betreuung im IV-Verfahren gehöre zu den Pflichte n der öffentlichen Sozialhilfe. Im Übrigen sei es dem Versicherten auch zumutbar, sich von anderen Beratungsstellen unterstützen zu lassen. Die Verbeiständung durch einen Rechtsanwalt sei nicht sachlich geboten. B. Gegen die Verfügung vom 12. September 2018 erhob A.____, vertreten durch Advokat Brunner, am 19. September 2018 Beschwerde beim Kanto nsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei ihm für die Zeit ab 2. Juni 2018, eventuell ab 29. August 2018, die unentgeltliche Verbeiständung mit dem Unterzeichne- ten als Vertreter zu bewilligen (1.). Es sei die Beschwer degegnerin zu verpflichten, ihm umge- hend vollständige Akteneinsicht in sein Dossier, insbesondere in das eingeholte Gutachten der ABI, zu gewähren (2.). Es sei festzustellen, dass durch d ie Verweigerung der Akteneinsicht ge- mäss Schreiben vom 11. September 2018 eine Rechtsverweige rung erfolgt sei (3.). Es sei ihm im vorliegenden Beschwerdeverfahren vor dem Kantonsgeric ht die unentgeltliche Rechtspflege mit dem Unterzeichneten als Vertreter zu bewilligen (4 .); alles unter o/e-Kostenfolge (5.). Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass bereits f ür das Verfassen des Schreibens vom 3. Juli 2018 und die Beratung für die im Hinterg rund zu treffenden Massnahmen der Bei- zug eines in IV-Verfahren erfahrenen Advokaten zwingend notwendig sei. Anders sei die Kor- rektur des ABI Gutachtens nicht möglich. Weiter sei für di e Zeit ab 29. August 2018 – entspre- chend dem Eventualantrag – nicht ansatzweise ersichtlich, wie der psychisch kranke Versicher- te in das über ihn eingeholte ABI Gutachten ohne den Beizug eines erfahrenen Advokaten, wel- cher ihm den Inhalt des Gutachtens erklären und ihm eine Perspektive zum weiteren Vorgehen aufzeigen könne, Einsicht nehmen könne. Die Beschwerdeg egnerin weigere sich, ihm selber direkt Einblick in sein Gutachten zu gewähren. Die Sozial hilfebehörde und andere Beratungs- stellen seien nicht in der Lage, ihm zu helfen bzw. do rt entstünden Kosten, welche er nicht tra- gen könne. Auch von ärztlicher Seite her sei keine Unte rstützung denkbar. Daher bleibe nur noch das Vorgehen, wonach ihm für die Arbeit des Unt erzeichneten die unentgeltliche Verbei- ständung zu bewilligen sei. C. Mit Verfügung vom 24. September 2018 bewilligte d as Kantonsgericht dem Beschwer- deführer für das vorliegende Verfahren die unentgelt liche Prozessführung und die unentgeltli- che Verbeiständung mit Advokat Brunner als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2018 schlo ss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Am 31. Dezember 2018 reichte der Beschwerdeführer se ine Replik und am 28. Februar 2019 die Beschwerdegegnerin ihre Duplik ei n. Beide Parteien hielten an ihren An- trägen fest. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf das Rechtsbegehren in Ziff. 2 der Beschwerde vom 19. September 2018, wonach die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, dem Beschw erdeführer umgehend vollständige Akteneinsicht in sein Dossier, insbesondere in das polydiszipl inäre Gutachten der ABI, zu ge- währen, kann aus nachfolgenden Gründen nicht eingetret en werden. Im verwaltungsgerichtli- chen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhä ltnisse zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung bzw. der Einspracheentscheid den beschwer- deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekeh rt fehlt es an einem Anfechtungs- gegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hinweisen). In der im vor- liegenden Verfahren angefochtenen Verfügung vom 12. S eptember 2018 geht es einzig um die Thematik der unentgeltlichen Verbeiständung. In der Ve rfügung wird weder die Akteneinsicht generell noch in Bezug auf das polydisziplinäre Gutachten der ABI angesprochen. Unter diesen Umständen fehlt es dem Rechtsbegehren in Ziff. 2 an ein em Anfechtungsgegenstand, weshalb darauf nicht einzutreten ist. 1.2.1 Zu prüfen ist im Zusammenhang mit den Eintrete nsvoraussetzungen auch der Antrag des Beschwerdeführers, es sei festzustellen, dass durch die Verweigerung der Akteneinsicht gemäss Schreiben vom 11. September 2018 eine Rechtsverwe igerung erfolgt sei (Rechtsbe- gehren Ziff. 3). 1.2.2 Voraussetzung für eine Rechtsverweigerungsbeschwer de ist, dass die Rechtssuchen- den zuvor ein Begehren auf Erlass einer Verfügung bei der zuständigen Behörde gestellt haben und ein Anspruch auf Erlass einer solchen Verfügung beste ht (A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER /M ARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich 2013, Rz 1306 f.; A NDRÉ MOSER /P ETER UEBERSAX , Prozessieren vor eidge- nössischen Rekurskommissionen, Basel und Frankfurt am Main 1998, Rz. 5.1 ff.). Gemäss Art. 56 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 57 ATSG kann B eschwerde beim kantonalen Versiche- rungsgericht erhoben werden, wenn der Versicherungstr äger entgegen dem Begehren der be- troffenen Person keine Verfügung oder keinen Einsprac heentscheid erlässt. Gegenstand einer solchen Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbeschwerde bilden nicht die materiel- len Rechte und Pflichten, sondern einzig die Frage der Rechtsverweigerung oder Rechtsverzö- gerung (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2008, 9C_854/2007, E. 1 mit Hinweisen). Rechtsverzögerung ist anzunehmen, wenn der Versicherungstr äger das Verfahren nicht innert angemessener Frist abschliesst; Rechtsverweigerung liegt vor, wenn der Versicherungsträger trotz entsprechender Pflicht eine ihm obliegende Amtsha ndlung nicht vornimmt (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Art.56, Rz. 21). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2.3 Nach der Rechtsprechung muss die Beschwerde führend e Partei grundsätzlich ein aktuelles praktisches Interesse an der Beurteilung der von ihr erhobenen Rügen haben, damit auf die Beschwerde eingetreten werden kann. Das Interesse an der Beschwerdeführung ist aktuell und praktisch, wenn der erlittene Nachteil im Zeitpunkt der gerichtlichen Beurteilung noch besteht (BGE 130 V 390, 125 I 397 E. 4a und 116 Ia 363 E. 2a). Fehlt ein solches Interes- se, wird ein Begehren nicht geprüft. Dieses Erfordernis soll sicherstellen, dass das Gericht kon- krete und nicht bloss theoretische Fragen entscheidet. B ei Rechtsverzögerungs- bzw. Rechts- verweigerungsbeschwerden fällt dieses Interesse dahin, wenn die verlangte Amtshandlung vor- genommen wird (Art. 59 ATSG; Schweizerisches Zentralb latt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBI] 1993 S. 128 ff. E. 1; BGE 114 1a 90 E. 5b). M angelt es an einem Rechtsschutzinteresse schon bei der Einreichung der Rechtsverweigerungs- bzw. Rechtsverzögerungsbeschwerde, so ist auf das Begehren nicht einzutreten, weil eine der Prozessvoraussetzungen nicht erfüllt ist. Fällt das Rechtsschutzinteresse erst im Verlaufe des Verfah rens dahin, so wird das Verfahren gegenstandslos. Es wird alsdann förmlich als erledigt erklä rt und abgeschrieben (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2011, 8C_108/2011, E. 1). 1.2.4 Im hier zu beurteilenden Fall stellt sich der d iesbezügliche Sachverhalt gemäss Akten- lage wie folgt dar: Am 11. September 2018 teilte di e IV-Stelle dem Rechtsvertreter des Versi- cherten bezugnehmend auf ein Telefonat vom 10. September 2018 mit, dass eine Akteneinsicht in das Gutachten erst nach Prüfung desselben durch den Re gionalen ärztlichen Dienst (RAD) möglich sei. Am 23. Oktober 2018 hielt die IV-Stelle f est, dass in Bezug auf die Einsichtnahme in das Gutachten der ABI, der Versicherte gebeten werd e, ihr die Anschrift seines behandeln- den Arztes mitzuteilen, damit er das Gutachten mit diesem gemeinsam einsehen könne. Im Schreiben vom 26. November 2018 hielt die IV-Stelle fest, dass sie ohne den Gegenbericht des Versicherten bis zum 4. Dezember 2018 das ABI Gutachten seinem behandelnden Psychiater in Kopie zustellen würden, damit dieser mit ihm zusam men darin Einsicht nehmen und sich ins- besondere auch aus therapeutischer Sicht hierzu äussern könne. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2018 hielt die IV-Stelle schliesslich fest, dass das Gutachten nun in Kopie an den behandelnden Psychiater des Versicherten zugestellt würde , da sich der Beschwerdeführer in Bezug auf ihr Schreiben in seiner Mail vom 29. Novembe r 2018 einzig zur unentgeltlichen Rechtsverbeiständung geäussert habe. 1.2.5 Zum einen ist aus den Akten nicht ersichtlich, dass d er Beschwerdeführer in Bezug auf die Akteneinsicht in das Gutachten der ABI den Erlass ein er anfechtbaren Verfügung von der Beschwerdegegnerin verlangt hätte. Zum anderen scheint sich die IV-Stelle in Bezug auf die Gewährung der Akteneinsicht ohnehin nicht grundsätzlich zu verweigern. Da der Beschwerde- führer mehrfach vorbringt, dass er das Gutachten im Bei sein einer dafür qualifizierten Person einsehen müsse, stellt sich für die Beschwerdegegnerin wo hl eher die Frage, an wen sie das Gutachten der ABI aushändigen soll. Vor diesem Hinter grund sind die Voraussetzungen für eine Rechtsverweigerungsbeschwerde nicht gegeben, weshalb auf das Rechtsbegehren in Ziff. 3 der Beschwerde des Versicherten nicht einzutreten ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.3 Im Übrigen ist auf die form- und fristgerecht beim örtlich und sachlich zuständigen Ge- richt eingereichte Beschwerde vom 19. September 2018 gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 12. September 2018 einzutreten. 1.4 Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die p räsidierende Person der Abtei- lung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts durch Präsi dialentscheid Beschwerden ge- gen selbständig anfechtbare prozess- und verfahrensleitend e Verfügungen gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Anfechtungsobjekt des vorliegenden V erfahrens bildet eine solche ver- fahrensleitende Verfügung der IV-Stelle, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist und gegen die deshalb direkt Beschwerde beim kantonalen V ersicherungsgericht erhoben werden kann (Art. 56 Abs. 1 ATSG und Art. 57 ATSG). Die Beu rteilung der vorliegenden Beschwerde fällt demnach in die Kompetenz der präsidierenden Per son der Abteilung Sozialversicherungs- recht des Kantonsgerichts. 2. Zu prüfen ist, ob die IV-Stelle dem Beschwerdeführ er die unentgeltliche Verbeistän- dung im verwaltungsinternen Verfahren zu Recht verweigert hat. 3.1 Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerisch en Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechts begehren nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistan d ein. Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird im Sozialversicherungsverfahren der gesuchstellenden P erson, wo die Verhältnisse es erfordern, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. 3.2 Kumulative Voraussetzungen für die unentgeltliche Ve rbeiständung im Rahmen dieser Bestimmung sind Bedürftigkeit, Nichtaussichtslosigkeit der Rechtsbegehren sowie sachliche Gebotenheit der Vertretung (BGE 132 V 200E. 4.1). D ie Notwendigkeit der anwaltlichen Vertre- tung als Voraussetzung des Anspruchs auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung im sozialversi- cherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren ist nur in Ausnahmefällen zu bejahen. Da der Unter- suchungsgrundsatz gilt (Art. 43 ATSG), haben die Versicher ungsträger sowie die Durchfüh- rungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen den recht serheblichen Sachverhalt unter Mit- wirkung der Parteien ohnehin nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutrali- tät und Gesetzesgebundenheit (BGE 136 V 376) zu ermit teln. Es müssen sich schwierige Fra- gen rechtlicher oder tatsächlicher Natur stellen. Zu b erücksichtigen sind die konkreten Umstän- de des Einzelfalles, Eigenheiten der anwendbaren Ver fahrensvorschriften sowie weitere Be- sonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Neben der Komp lexität der Rechtsfragen und der Un- übersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch in der Person des oder der Versicherten liegende Gründe in Betracht, etwa die Fähigkeit, sich im Verf ahren zurechtzufinden. Schliesslich muss eine gehörige Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsv ertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen) ausser Betracht fallen (BGE 125 V 32 E. 4b; SVR 2016 IV Nr. 17 S. 50, 8C_931/2015 E. 3; 2015 IV Nr. 18 S. 53, 8C_557/2014 E. 4.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Ist in einem Verwaltungsverfahren die rechtliche R elevanz ärztlicher Berichte zu beur- teilen, sind in der Regel medizinische Kenntnisse und j uristischer Sachverstand erforderlich. Über beides verfügen die versicherten Personen gemeinhi n nicht. Trotzdem kann allein deswe- gen nicht von einer komplexen Fragestellung gesprochen werden, die eine anwaltliche Vertre- tung gebieten würde. Die gegenteilige Auffassung lief e darauf hinaus, dass der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung in praktisch allen Verwaltungsverfahren bejaht werden müsste, in denen medizinische Unterlagen zur Diskussion steh en. Dies würde der Konzeption von Art. 37. Abs. 4 ATSG als einer Ausnahmeregelung wi dersprechen. Es bedarf mithin weite- rer Umstände, welche die Sache als nicht (mehr) einfac h und eine anwaltliche Vertretung als notwendig bzw. sachlich geboten erscheinen lassen (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 21. November 2012, 9C_676/2012, E. 3). Der Massstab ist streng (BGE 132 V 200 E. 5.1.3). 3.4 Die Notwendigkeit anwaltlicher Vertretung ist pro spektiv zu beurteilen. Dies heisst nicht, dass alle erdenklichen Entwicklungen, die künftig a llenfalls eine Verbeiständung begrün- den könnten, zu berücksichtigen wären, solange es an kon kreten Anzeichen für deren Verwirk- lichung fehlt. Andernfalls könnte die Erforderlichkeit d er anwaltlichen Vertretung kaum je ver- neint werden (SVR 2016 IV Nr. 17 S. 50 E. 5.2). 4.1 Die IV-Stelle verfügte die Verweigerung der unen tgeltlichen Verbeiständung im We- sentlichen mit der Begründung, dass der Versicherte vom Sozialdienst seiner Wohnsitzgemein- de finanziell unterstützt werde. Gemäss § 4 des Gesetzes ü ber die Sozial-, Jugend- und die Behindertenhilfe (SHG) vom 21. Juni 2001 hätten notle idende Personen Anspruch auf unent- geltliche Beratung und auf materielle Unterstützung. Die Gemeinde habe alle hilfesuchenden und hilfsbedürftigen Personen fachgerecht zu beraten und im erforderlichen Umfang zu unter- stützen. Nach § 3 der Sozialhilfeverordnung (SHV) vom 25 . September 2001 könne eine fach- gerechte Beratung der hilfesuchenden und hilfsbedürf tigen Person durch die Einrichtung der Sozialdienste oder den Beizug von qualifizierten Stellen und Personen sichergestellt werden. Im Übrigen sei es dem Versicherten auch zumutbar, sich von and eren Beratungsstellen, zum Bei- spiel dem Behindertenforum, der Stiftung Mosaik oder der Procap Nordwestschweiz, unterstüt- zen zu lassen. Die Verbeiständung durch einen Rechtsanwa lt sei vor diesem Hintergrund nicht sachlich geboten. Zusammenfassend sei festzustellen, dass die Voraussetzung der sachlichen Gebotenheit der anwaltlichen Vertretung nicht erfüllt sei. Vor diesem Hintergrund erübrige sich die Prüfung der Bedürftigkeit und der Nichtaussichtslosig keit. In ihrer Vernehmlassung und in ihrer Duplik hielt die IV-Stelle an diesen Ausführungen fest. 4.2 Der Beschwerdeführer bestreitet dies und macht zu nächst geltend, dass bereits für das Verfassen des Schreibens vom 3. Juli 2018 und die Beratu ng für die im Hintergrund zu treffen- den Massnahmen der Beizug eines in IV-Verfahren erfahre nen Advokaten zwingend notwendig gewesen sei. Anders sei die Korrektur des ABI Gutachtens n icht möglich. Der Beschwerdefüh- rer bringt vor, dass sich die Sozialhilfebehörde weigere , die Verantwortung zu übernehmen und das Gutachten mit dem Versicherten anzuschauen. Der behan delnde Arzt habe weder die Zeit noch die rechtlichen Kenntnisse dafür und bei den drei in der Verfügung genannten Beratungs- stellen sei keine unentgeltliche Verbeiständung möglich. Aus diesen Gründen bleibe nur noch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Möglichkeit der unentgeltlichen Verbeiständung dur ch Advokat Brunner, wobei dieser aber nur im Rahmen der Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung tätig werden könne. 4.3 Advokat Brunner beanstandete mit Schreiben vom 3. Juli 2018 die Begutachtungen durch die ABI, welche vom 28. Mai bis 30. Mai 2018 dur chgeführt wurden. Ausserdem bean- tragte er die unentgeltliche Verbeiständung für den V ersicherten. Advokat Brunner führte aus, dass sich Fragen stellen würden, welche der gesundheitli ch angeschlagene Versicherte nicht ohne den Beizug eines Advokaten beantworten könne. Der Versicherte habe beispielsweise selber nicht gewusst, dass er die durchgeführten Untersuchu ngen sofort und nicht etwa erst nach dem Vorliegen des Gutachtens beanstanden müsse. Es sei ihm auch nicht bekannt, wel- che Punkte sinnvollerweise bereits jetzt zu rügen seien. Die Angelegenheit könne keinesfalls als aussichtslos bezeichnet werden, zumal eine Begutachtung angeordnet worden sei. Diese sei jedoch korrekt durchzuführen. 5.1 Die sachliche Notwendigkeit einer anwaltlichen Inte ressenwahrung setzt voraus, dass schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen beantwortet werden müssen. Dabei ist zunächst zu beachten, dass sich die Komplexität des vorliegenden IV-Falles im üblichen Rahmen hält. Es stellen sich – entgegen der in der Beschwerde vertretene n Auffassung – weder in rechtlicher noch in tatsächlicher Hinsicht derart schwierige Fragen, dass der Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin notwendig wäre. Nachdem der Beschwerdeführer sein Leistungsbegehren einge- reicht hatte, untersuchte die IV-Stelle den erwerblich en und gesundheitlichen Sachverhalt. Da- bei holte sie ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten bei der ABI ein, welches am 24. August 2018 erstattet wurde. Die IV-Stelle hat je doch bislang noch nicht einmal einen Vor- bescheid erlassen. Der Versicherte beanstandete durch sei nen Anwalt die von der ABI durch- geführten Untersuchungen bereits mit Schreiben vom 3. Juli 2018, also noch bevor das Gutach- ten durch die ABI erstellt wurde. Er ist der Auffassun g, dass dafür lediglich ein in IV-Verfahren erfahrener Anwalt genügend qualifiziert sei. Ausserdem müsse er die bei der Begutachtung erlebten Ungereimtheiten sofort rügen, später sei dies nicht mehr möglich. 5.2 Dem Beschwerdeführer ist zwar insofern zuzustimmen, als es für das Erkennen von Schwachstellen einer ärztlichen Expertise aufgrund der einschlägigen Rechtsprechung gewisse medizinische Kenntnisse und juristischen Sachverstand bedar f (BGE 134 V 231 E. 5.1). Dies alleine reicht aber nicht aus, um eine anwaltliche Vert retung zu rechtfertigen. Ausserdem trifft es nicht zu, dass das Gutachten im späteren Verlauf des Ver fahrens nicht mehr beanstandet werden kann. Es ist in IV-Beschwerdeverfahren vor dem Ka ntonsgericht üblich, dass das von der IV-Stelle eingeholte Gutachten bemängelt wird. I m Beschwerdeverfahren wird denn auch die unentgeltliche Rechtspflege weitaus grosszügiger gewä hrt, als es noch vor dem Vorbe- scheid oder im Vorbescheidverfahren der Fall ist. Es kommt hinzu, dass in annähernd allen IV- Verfahren medizinische Berichte oder Gutachten zur Diskussion stehen. Zudem leiden zahlrei- che der Versicherten nicht nur an körperlichen, sondern a uch an psychischen Beschwerden. Eine psychische Beeinträchtigung vermag den Beizug eines Anwalts im (Vor- )Vorbescheidverfahren nicht zu rechtfertigen. Würde man dies anders beurteilen, wäre der Bei- zug eines Anwalts im verwaltungsinternen IV-Verfahren wo hl keine Ausnahme mehr, sondern die Regel. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass aus den dem Gericht für das vorliegende Ver- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fahren zur Verfügung stehenden Akten nicht ersichtlich wird, an welchen körperlichen und/oder psychischen Beschwerden der Versicherte leidet. 5.3 Die Fragestellungen im vorliegenden Verfahren sin d nicht derart schwierig, dass sich eine anwaltliche Vertretung bereits im Vorbescheidverfa hren bzw. noch vor dem Vorbescheid- verfahren aufgedrängt hätte. Da der Beschwerdeführer d eutscher Muttersprache ist, fallen zu- dem auch sprachliche Gründe ausser Betracht. Aus den ob igen Erwägungen folgt, dass die ausnahmsweise sachliche Notwendigkeit einer anwaltlichen Interessenwahrung zu verneinen ist. Da die Voraussetzungen für die Gewährung der unent geltlichen Verbeiständung kumulativ erfüllt sein müssen, erübrigt sich die Prüfung der weit eren Voraussetzungen (Bedürftigkeit, Nichtaussichtslosigkeit der Rechtsbegehren, [unentgeltliche ] Interessenswahrung durch Dritte fällt ausser Betracht ). 6. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass vorli egend die sachliche Gebo- tenheit einer unentgeltlichen Verbeiständung gestützt auf die rechtsprechungsgemäss strengen Anforderungen an die Notwendigkeit anwaltlicher Vert retung im Verwaltungsverfahren zu ver- neinen ist. Die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 12. September 2018 ist deshalb nicht zu beanstanden und die hiergegen erhobene Beschwerde ist demnach als unbegründet abzu- weisen. 7.1 Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das Verfahren vor de m kantonalen Versicherungsgericht grundsätzlich kostenlos. Da es sich vorliegend nicht um eine Streitigkeit um Versicherungsleis- tungen im Sinne von Art. 69 Abs. 1 bis des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom (IVG) vom 19. Juni 1959 handelt und die dort geregelt e Kostenpflicht nicht zur Anwendung ge- langt (vgl. SVR 2013 IV Nr. 2 E. 3), sind für das vorli egende Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 7.2 Für das vorliegende Beschwerdeverfahren wurde dem Beschwerdeführer mit Verfü- gung vom 24. September 2018 die unentgeltliche Verbe iständung mit Advokat Brunner bewil- ligt. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Adv okaten vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200 .-- pro Stunde. Dem Rechtsvertreter ist deshalb gemäss der Honorarnote vom 31. Dezember 2018 für das vorliegende Beschwerdever- fahren ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘997.20 (13 Stunden und 12 Minuten à Fr. 200.-- und Auslagen à Fr. 142.90 zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Der Beschwerdeführer wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewä hrt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwische nentscheid im Sinne des BGG. Dem- nach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtl ichen Angelegenheiten an das Bundes- gericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehe nde Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘997.20 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet.