Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Juni 2015 (720 14 336) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Kein Anspruch auf eine unbefristete IV-Rente. Das v on der Vorinstanz eingeholte rheu- matologische Gutachten erfüllt die beweisrechtlichen Anforderungen. Die Kosten für das Privatgutachten trägt die Beschwerdeführerin. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Christina Mar- kiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Katrin Plattner, Behin- dertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.8845.7479.91) A. Die 1982 geborene A.____ war als Pflegeassistent in tätig. Seit August 2012 arbeitet sie als Tagesmutter und seit Januar 2014 als Springerin bei der B.____, Bereich schulergänzende Tagesbetreuung. Seite 2 Am 21. Februar 2011 meldete sich A.____ unter Hinweis auf ein zervikoradikuläres Reizsyn- drom bei intraforaminaler Hernie und Irritation der Nervenwurzel bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Gestützt auf die Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Rheumatolo- gie, vom 1. Dezember 2012 und Dr. med. D.____, FMH P sychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Juli 2013 sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfüg ung vom 24. September 2014 rückwirkend ab 1. August 2011 eine bis 31. Januar 2013 befristete Dreiviertelsrente, basierend auf einem IV- Grad von 62% zu. Für die Zeit danach lehnte sie einen Rentenanspruch bei einem ermittelten IV-Grad von 39% ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Katrin Plat tner, Behindertenforum, mit Eingabe vom 20. Oktober 2014 Beschwerde ans Kantonsgericht. Sie beantragte die Aufhebung der an- gefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer unbef risteten Dreiviertelsrente über den 1. Februar 2013 hinaus. Weiter seien die Kosten für die Erstellung des ärztlichen Berichts von Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie, vom 16. September 20 14 in der Höhe von Fr. 2‘311.80 zu vergüten. Zur Begründung führte sie an, dass das rheuma tologische Gutachten von Dr. C.____ beweisuntauglich sei. Ausserdem sei ein leidensbedingt er Abzug vom Invalideneinkommen vorzunehmen. C. Mit Vernehmlassung vom 22. Dezember 2014 beantragte die IV-Stelle mit Verweis auf die Stellungnahme von Dr. C.____ vom 18. Dezember 20 14 zum Bericht von Dr. E.____ die Abweisung der Beschwerde. Zudem seien die Kosten für d ie Erstellung des Arztberichtes von Dr. E.____ vom 16. September 2014 nicht der IV-Stelle aufzuerlegen. D. Die Parteien hielten mit Replik vom 2. Februar 20 15 und Duplik vom 9. Februar 2015 an ihren Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführe rin Anspruch auf eine unbefristete IV- Rente hat. 1.2 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- Seite 3 erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 1.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad bei erwerbstätigen Versicherten auf- grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird da s Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Eink ommensdifferenz der IV-Grad bestim- men lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136). 2. Auf die rückwirkende Zusprechung einer befristeten I V-Rente sind die für die Renten- revision geltenden Bestimmungen analog anzuwenden (Art . 17 Abs. 1 ATSG und Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Nach der Rechtspre- chung ist die Frage, ob eine erhebliche, d.h. mit Bezu g auf den Invaliditätsgrad rentenwirksame Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten i st, durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügun g bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der streitigen Revisionsverfügung zu beurteilen (BGE 130 V 351 E. 3.5.2). Wird rück- wirkend eine befristete Rente zugesprochen, sind einer seits der Zeitpunkt des Rentenbeginns Seite 4 und anderseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -aufhebung die massgebenden Vergleichszeitpunkte. 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob das rheumatologi- sche Gutachten von Dr. C.____ vom 1. Dezember 2012 den beweisrechtlichen Anforderungen genügt und darauf abgestellt werden kann. Der Gutach ter kam zum Schluss, dass die Be- schwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht in einer a ngepassten Tätigkeit zu 100% arbeits- fähig sei. Die Versicherte stellt die Beweiskraft des Gut achtens bezüglich Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit in Frage und verweist auf den medizinischen Bericht von Dr. E.____ vom 16. Sep- tember 2014. Die IV-Stelle hält an der Beurteilung von Dr. C.____ fest und verweist ihrerseits auf dessen Stellungnahme vom 18. Dezember 2012. 4.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arb eitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich Seite 5 des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten in so- matischer Hinsicht auf das Gutachten von Dr. C.____. Er diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisch-undulierendes zervikovertebrales Schmerzsyndrom seit ca. 1998, exazerbiert 2007/2008 und 2010, erstmals aufgetreten n ach möglichem HWS- Distorsionsereignis bei einem Auto-Heckauffahrunfall 199 8. Ohne Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit nannte er einen Status nach arthroskopischem Mi krofrakturing und Knorpeldébride- ment am OSG rechts am 21. August 2008, einen Status nach lateral release-Operation am rechten Knie bei rezidivierenden Patellasubluxationen 2006 sowie einen Status nach Beckenos- teotomie nach Salter beidseits am 19. September 1984. Aufgrund der bildgebend nachgewie- senen degenerativen Veränderungen der HWS sei retrosp ektiv aus heutiger Sicht das seiner- zeitige Vorliegen einer zervikoradikulären Symptomatik rechts im Zeitraum 2009 bis 2011 denk- bar, wenn auch fachneurologisch im Februar 2011 das Vorliegen einer radikulären Symptomatik verneint worden sei und konsiliarisch in erster Linie muskul äre Verspannungszustände als Schmerzursache erkannt worden seien. Entsprechend seien auch beim jetzigen Beschwerde- bild prazervikale und rechts die Schultermuskulatur betr effende Muskelverspannungen der kli- nisch relevante Hauptbefund. Die HWS-Beweglichkeit sei unterschiedlich eingeschränkt, in der passiven Prüfung bestehe eine deutliche Verminderung d er Beweglichkeit, unter Ablenkungs- Seite 6 bedingungen sei der „range of motion“ deutlich freier, was auf eine funktionelle Komponente der Symptomatik mit muskulärer Fehlhaltung und habitueller Fehlinnervation schliessen lasse. Die vom behandelnden Rheumatologen Dr. med. F.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabili- tation, seit 1. Oktober 2010 attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit könne heute nicht mehr bestä- tigt werden, weil sie auf einer gesamtmedizinischen Sicht unter Einbezug der subjektiv empfun- denen Limitierung durch die Versicherte selbst basiere. A us muskuloskelettärer Sicht sei der Versicherten wegen der degenerativen Veränderungen de r HWS und des eher hageren Habi- tus, biomechanisch eine gewisse Belastbarkeitsminderung zu zuerkennen. Die aktuell ausgeüb- te Tätigkeit scheine jedoch muskuloskelettär nicht derart belastend zu sein, dass nicht ein voll- zeitiges Pensum zumutbar wäre. Es sei denkbar, dass noch a ndere, nicht somatische Faktoren mitbeteiligt seien. Er empfehle deshalb eine psychiatri sche Beurteilung. Für die erlernte Tätig- keit als Pflegeassistentin könne keine abschliessende Arbeitsfähigkeit formuliert werden, da die Anforderungen für diesen Beruf je nach Anstellungsverhäl tnis verschieden seien. Uneinge- schränkt zumutbar seien leichte, selten mittelschwere Verwe istätigkeiten ohne Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten von mehr als 10 kg. Tätigkeiten, d ie regelmässig über Kopf oder eine Reklination bzw. Rotation des Kopfes erforderten, seie n zu vermeiden. Diese Einschätzung gelte ab Zeitpunkt der Untersuchung (Oktober 2012). Für die Zeit vor der Begutachtung schlies- se er sich der echtzeitlich von Dr. med. F.____ attesti erten 50%igen Arbeitsunfähigkeit an, weil retrospektiv keine zuverlässigen Angaben gemacht werden könnten. 5.2 Dr. D.____ diagnostizierte in seinem Gutachten vo m 22. Juli 2013 akzentuierte neuroti- sche Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z 73.1) sowie eine anhal tende somatoforme Schmerzstö- rung. Obwohl Dr. D.____ die Foersterkriterien (vgl. BG E 139 V 547 und 132 V 65) als nicht er- füllt erachtete und die Diagnose der akzentuierten ne urotischen Persönlichkeitszüge als Z- Diagnose definitionsgemäss ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bleibt, attestierte er der Beschwerdeführerin aufgrund des subjektiven Schmerzerle bens, der eingeschränkten Kraftent- faltung und Ausdauer sowie der psychophysischen Belastbarke it eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 20% (vgl. Erläuterungen vom 16. September 2013). In der Konsensbespre- chung kamen die Gutachter überein, dass gesamthaft von ei ner 80%igen Arbeitsfähigkeit aus- zugehen sei. 5.3 Dr. F.____ erachtete mit Blick auf die bekannten D iagnosen eine limitierte Leistungsfä- higkeit in allen Aktivitäten als ausgewiesen. Als Kleinkin derbetreuerin sei die Beschwerdeführe- rin zu maximal 50% arbeitsfähig und die Tätigkeit als Pflegeassistentin könne „im Rahmen von schweren körperlichen Tätigkeiten“ nicht mehr ausgeübt w erden (vgl. Schreiben vom 13. Mai 2014). 5.4 Die Versicherte holte bei Dr. E.____ eine fachärzt liche Zweitmeinung ein. Er diagnosti- zierte in seinem Bericht vom 16. September 2014 ein chr onisches zervikobrachiales Syndrom rechts, eine Links-/Rechtsskoliose der Wirbelsäule (LWS: 10° , BWS 14° , HWS 10° ), ein lum- bospondylogenes Schmerzsyndrom sowie eine beginnende Coxarthrose beidseits. Nach seiner Seite 7 Ansicht fehlten im Gutachten von Dr. C.____ wesentliche Befunde. Die Skoliose sei im Gutach- ten weder klinisch noch radiologisch erwähnt worden, obwo hl diese für einen Grossteil der Be- schwerden ursächlich sei. Die Störungen in den Hüften wür den zwar erwähnt, aber als unbe- deutend interpretiert. Die Probleme in den Hüften zu sammen mit der Beckenstörung (aktuell Beckenhochstand links 1 cm mit Beckenverwringung) seien massgeblich für die Entstehung der Skoliose und damit mitverantwortlich für die Beschwerde n in den Schulterblättern. Die Arbeits- fähigkeit sei klar eingeschränkt hinsichtlich Dauer und In tensität einer Tätigkeit. Die Versicherte könne grundsätzlich alle Bewegungen ausführen, aber sie ermüde rascher durch die schlechte Stabilisierung des Armes an der Schulter und der Rippen thorax sowie aufgrund der schlechten Rumpfkraft. Somit seien zum Beispiel Arbeiten über Kopf ungünstig, da durch die Haltearbeit ein rascher Kraftverlust eintrete. Lasten heben oder Tr agen überforderten sowohl den Arm als auch den Rumpf. Längeres Sitzen oder Stehen sei wegen der Beckenstörung und der Skolio- se/Rumpfstabilität ebenfalls eingeschränkt. Wechselbelaste nde Tätigkeiten seien zu bevorzu- gen. Die aktuelle Tätigkeit in der Kinderbetreuung o der im angestammten Beruf in der Pflege böten die Möglichkeit der Wechselbelastung und wären mö glich. Die Kraftausdauer reiche ak- tuell für drei bis vier Stunden. Durch einen Aufbau de r Rumpfkraft und Optimierung der Schul- teranbindung könne die Arbeitsfähigkeit gesteigert we rden. Eine Verbesserung der Arbeitsfä- higkeit dürfe in 2-3 Jahren erwartet werden. 5.5 Dr. C.____ nahm am 18. Dezember 2014 Stellung zu m Untersuchungsbericht von Dr. E.____ und den Bericht des behandelnden Arztes Dr. F.__ __. Im Wesentlichen führte er an, dass die Befundbeschreibungen von Dr. E.____ zweifellos differenzierter und detaillierter seien als in seinem Gutachten. Es würden sich aber keine grundsä tzlich neuen Symptomangaben oder anamnestische Hinweise auf neue Krankheiten erge ben. Dr. C.____ kam zum Schluss, dass auch in Kenntnis der zusätzlichen Darlegungen der be handelnden Ärzte an einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten f estzuhalten sei. Allenfalls sei aufgrund des zunehmend chronischen Verlaufes die Traglimite auf 5 bis 7,5 kg herabzusetzen und ein etwas höherer Pausenbedarf zu berücksichtigen. 6. Die IV-Stelle hielt daraufhin an ihrer Invaliditä tsbemessung in ihrer Verfügung vom 24. September 2014 fest. Dies ist nicht zu beanstanden. Insgesamt ergeben sich aus dem Un- tersuchungsbericht von Dr. E.____ und dem aktuellen B ericht von Dr. F.____ keine zusätzli- chen Erkenntnisse, die eine andere Beurteilung der Sach lage erfordern. Vielmehr handelt es sich um eine unterschiedliche Beurteilung des Gesundheit szustandes bzw. der sich daraus er- gebenden Arbeitsfähigkeit der Versicherten. So beschrei bt Dr. C.____ nachvollziehbar, dass er keine Beschwerdebilder übersehen habe, sondern, dass sie von Dr. E.____ anders gewertet worden seien. So werde der Beckenhochstand um 1 cm von D r. E.____ als mitverantwortlich für das Beschwerdebild beschrieben, obwohl Beckenstand-Asym metrien bis zu 1 cm innerhalb der klinischen Messstreuung lägen und als nicht relevant qua lifiziert würden. Die Skoliose der Wirbelsäule werde demnach auch unterschiedlich beurte ilt. Insgesamt folge Dr. E.____ manu- almedizinischen und chiropraktischen Konzepten, anhand w elcher die Schmerzen im Ach- Seite 8 senskelett zu erklären versucht würden. Die Versicherte l eide zwar an schmerzhaften Muskel- verspannungen und daraus folgende Bewegungseinschränkung en, diese gälten jedoch nach breitem wissenschaftlichem Konsens als reversible Funktionsst örungen und seien in der Regel behandelbar. Dr. C.____ gelangt deshalb zur Auffassung , dass die Versicherte - trotz degene- rativer Veränderungen im HWS-Bereich - aufgrund ihre s jugendlichen Alters und des hohen Reversibilitätspotentials in der Ausübung einer angepasste n Tätigkeit nicht wesentlich einge- schränkt sei. Davon geht im Übrigen auch Dr. E.____ aus, indem er betont, dass die Arbeitsfä- higkeit durch Stärkung der Rumpfkraft und Optimierung der Schulteranbindung gesteigert wer- den kann. Im Wesentlichen beschreiben somit beide Rheumatologen eine muskuläre Problema- tik, welche eine Verweistätigkeit nicht ausschliesst. Dr. C.____ erachtet eine solche bereits ab Gutachtenzeitpunkt zu 100% zumutbar, Dr. E.____ dagegen erst nach zwei bis drei Jahren Kraftaufbau. Weshalb dies erst in zwei bis drei Jahren de r Fall sein soll, begründet er dagegen nicht. In Würdigung der ärztlichen Untersuchungsberichte und der detaillierten Auseinanderset- zung von Dr. C.____ mit den abweichenden Beurteilungen von Dr. F.____ – welcher einzig sei- ne frühere Einschätzung bestätigt - und Dr. E.____ erw eist sich das Gutachten von Dr. C.____ vom 1. Dezember 2012 nach wie vor als beweistaugliche medizinische Grundlage. Nicht zuletzt ist zu beachten, dass psychische Faktoren hinsichtlich der Leist ungslimitierung mitwirken. Die- ser Aspekt wurde von Dr. E.____ nicht mitberücksichtigt - o ffenbar hatte er keine Kenntnis vom psychiatrischen Gutachten von Dr. D.____ -, weshalb seine Beurteilung nicht auf vollständiger Aktenlage beruht und bereits aus diesem Grund zurückhaltend zu bewerten ist. 7. In Bezug auf den Einkommensvergleich wird die Ermit tlung des Validen- und Invaliden- einkommens zurecht nicht beanstandet. Für das Validenei nkommen stellte die IV-Stelle auf Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (L SE) des Bundesamtes für Statistik 2010, Sektor Gesundheits- und Sozialwesen, Anforderun gsniveau 3 des Arbeitsplatzes, Spalte Frauen, ab. Den Lohn von Fr. 5‘629.-- passte sie der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,5 Stunden und der Nominallohnentwicklung an. Es resultierte ein jährliches Einkommen für das Jahr 2012 von Fr. 70‘784.--. Für das Invalidene inkommen berücksichtigte die IV-Stelle Tabelle TA 1 der LSE 2010, Privater Sektor, Anforderu ngsniveau 4 des Arbeitsplatzes, Spalte Frauen. Der monatliche Verdienst von Fr. 4‘225.-- passt e sie auch hier der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden und der Nom inallohnentwicklung bis ins Jahr 2012 an. Dies ergab einen Jahreslohn von Fr. 53‘917.-- für e in volles Pensum. Bei einer zumutbaren Tätigkeit von 80% ergibt dies ein Einkommen von Fr. 4 3‘133.-- (vgl. Verfügung vom 24. Sep- tember 2014). 8.1 Vom anhand der Tabellenlöhne der LSE erhobenen Invalideneinkommen sind praxis- gemäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsach e Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli chenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- Seite 9 schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Abzu g ist unter Würdigung der Umstän- de im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamth aft zu schätzen. Er darf 25% nicht übersteigen. 8.2 Die Versicherte erachtet einen leidensbedingten Ab zug als angebracht. Die von Dr. D.____ attestierte Einschränkung, dass nur noch Tätig keiten ohne Zeit- und Leistungsdruck zumutbar seien, rechtfertige gemäss Rechtsprechung de s Bundesgerichts bereits einen Abzug vom Invalidenlohn. Es könne unter keinen Umständen angeno mmen werden, dass diese Ein- schränkung bereits im auf 80% reduziertem Pensum enthalt en sei, bestehe doch der Zeit- und Leistungsdruck grundsätzlich unabhängig vom zeitlich zu leist enden Pensum. Werde zudem berücksichtigt, dass Dr. E.____ nur noch wechselbelastend e Tätigkeiten ohne längeres Sitzen oder Stehen, ohne Tragen und Heben von Lasten für zu mutbar erachte, sei die Vornahme ei- nes leidensbedingten Abzuges zwingend bei mindestens 10% festzusetzen. Die IV-Stelle ist dagegen der Auffassung, dass kein leidensbedingter Abzu g gerechtfertigt sei. Die zu erwarten- de Lohneinbusse aufgrund der Einschränkungen sei durch d as reduzierte Pensum und die Be- rücksichtigung von Anforderungsprofil 4 der Spalte Tota l bereits ausreichend berücksichtigt worden. 8.3 Den gesundheitlichen Einschränkungen wurde durch das reduzierte Pensum und vor allem mit der Berücksichtigung der tieferen Löhne aus d em Anforderungsniveau 4 der Spalte Total schon Rechnung getragen. Hier sind auch Hilfsarbe iten berücksichtigt, welche keine ho- hen körperlichen Anforderungen voraussetzen und auch wechs elbelastend ausgeführt werden können. Ein weiterer Abzug würde einer Doppelberücksichti gung gleichkommen. Das Bundes- gericht hat den Umstand, dass aus psychiatrischer Sicht nur noch Tätigkeiten ohne Zeit- und Leistungsdruck zumutbar seien, als Abzugsgrund anerkannt. D enn, wenn heutzutage zeitlicher und leistungsmässiger Druck nicht zugemutet werden könne, müsse auch bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage mit einer im Vergleich zu einem Gesunden tieferen Entlöhnung rechnen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013 E. 3.4). Ist der versicherten Person jedoch lediglich „besonderer bzw. grosser“ Zeit- und Le istungsdruck nicht zumutbar, rechtfertigt sich kein zusätzlicher Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2015, 8C_693/2014 E. 4.2.1 und 4.2.2). Vorliegend f ührte Dr. D.____ an, dass die Versicherte durch ihr subjektives Schmerzempfinden, in ihrer Kraften tfaltung, ihrer Ausdauer und in ihrer psychophysischen Belastbarkeit etwas eingeschränkt sei. Dies b edeutet auf die Rechtspre- chung übertragen höchstens, dass sie keinem besonderen od er grösseren Zeit- und Leistungs- druck ausgesetzt werden sollte, nicht aber, dass kein „normal er“ zeitlicher und leistungsmässi- ger Druck zumutbar sei, was die Formulierung „etwas eingeschränkt“ impliziert. Allfällige weitere Abzugsgründe kommen nicht in Betracht, weshalb die IV -Stelle zurecht von einem leidensbe- dingten Abzug abgesehen hat. 9. Setzt man im Einkommensvergleich für das Jahr 2012 das Invalideneinkommen von Fr. 43‘133.-- dem Valideneinkommen von Fr. 70‘785.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Seite 10 Erwerbseinbusse von Fr. 27‘651.-- , was einen IV-Grad vo n 39% ergibt, womit der Rentenan- spruch nach einer Übergangszeit von drei Monaten auf En de Januar 2013 wegfällt. Die Verfü- gung der IV-Stelle vom 24. September 2014 ist demgemäss zu bestätigen. 10. Die Beschwerdeführerin beantragt die Übernahme d er Kosten für den medizinischen Bericht von Dr. E.____. Die Kosten eines Gutachtens, d as von der versicherten Person veran- lasst worden ist, sind vom Versicherungsträger dann zu über nehmen, wenn sich der Sachver- halt erst aufgrund des neu beigebrachten Untersuchungser gebnisses schlüssig feststellen lässt und dem Versicherungsträger insoweit eine Verletzung der Pflicht zur rechtsgenüglichen Sach- verhaltsabklärung vorzuwerfen ist (vgl. BGE 139 V 496 E. 4.4, 140 V 70 E. 6.1). Dies ist vorlie- gend nicht der Fall, weshalb der Antrag auf Übernahm e der Kosten für den Bericht von Dr. E.____ vom 16. September 2014 abzuweisen ist. 11. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Der Beschwerdeführerin ist mit Verfügung vom 23. Oktober 2014 die unentgeltliche Pro zessführung bewilligt worden. Aus die- sem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 12. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Da § 22 Abs. 2 VPO den Kreis der Personen, die al s unentgeltlicher Rechtsbeistand be- stellt werden können, auf Anwälte und Anwältinnen be schränkt, kann die unentgeltliche Rechtspflege nicht in Bezug auf die Verbeiständung durch die Vertreterin der Beschwerdeführe- rin gewährt werden (vgl. Verfügung vom 23. Oktober 2014). 13. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 11 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht