B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1864/2018 U r t e i l v o m 1 8 . F e b r u a r 2 0 2 1 Besetzung Richter Lorenz Noli (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Grégory Sauder, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch dipl.-jur. Tilla Jacomet, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Ostschweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 23. Februar 2018 / N (…). E-1864/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer stellte am 8. November 2015 zusammen mit seinen Eltern und vier Geschwistern im damaligen Empfangs - und Verfahrens- zentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch, wobei das SEM zunächst alle unter der Verfahrensnummer N (…) erfasste, dem Beschwerdeführer aber nach Erreichen seiner Volljährigkeit die vorliegende Verfahrensnummer N (…) zuwies. Ein Cousin des Beschwerdeführers ( B._______; N […]) stellte ebenfalls mit der Familie des Beschwerdeführers ein Asylgesuch. Der Beschwerdeführer ist seit dem 19. Januar 2016 rechtsvertreten. An- lässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 18. November 2015 und der Anhörung vom 6. November 2017 zu seinen Asylgründen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei ethnischer Usbeke und habe mit seinen Eltern, seinen zehn (teil- weise an einer […] leidenden) Geschwistern sowie seinem Cousin B._______ in C._______ (im Folgenden: D._______ [Provinz Balkh]) ge- lebt. Dort seien sie bis zur Ausreise geblieben beziehungsweise sein Vater habe ihn wegen der Taliban und der «Bachabazis» die letzten zwei Jahre ins Dorf E._______ (Provinz Balkh) zu Verwandten mütterlicherseits ge- schickt, während die Restfamilie – inklusive beziehungsweise exklusive den Vater – auf dessen Anraten nach F._______ (Provinz Dschuzdschan) aufs Land umgezogen sei. Er sei bis zur Ausreise Schüler gewesen und habe die Schule zehn beziehungsweise acht Jahre besucht beziehungs- weise er könne die Anzahl Schuljahre nicht genau beziffern und wisse auch sein Geburtsdatum nicht genau. Sein Vater habe in D._______ ein (…)ge- schäft betrieben und auch noch (…) besessen. Er selber habe in Afghanis- tan keine Probleme gehabt, zumal er auf Anraten seines Vaters das Haus kaum verlassen habe. Sein Vater habe aber viele Feinde gehabt , sei manchmal in D._______ von Milizionären der «G._______» beziehungs- weise der «H._______» abgeholt und später in F._______ einmal von den Taliban festgenommen, festgehalten, gefoltert und gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. Die Feinde seines Vaters seien auch seine eigenen Feinde. Er sei einzig aus den Gründen seines Vaters, die er aber nicht ge- nau kenne, ausgereist; die Gründe des Vaters seien von diesem in Erfah- rung zu bringen. Im Hinblick darauf, die kranken Kinder in Indien behandeln zu lassen, und wegen besagter Feinde habe sein Vater alles verkauft und die Ausreise der Familie und von B._______ beschlossen. Während letzt- lich dennoch (…) seiner Geschwister in Afghanistan bei Verwandten zu- rückgeblieben seien, habe er Afghanistan zusammen mit seinen Eltern und E-1864/2018 Seite 3 den vier weiteren Geschwistern und im B esitze seines Reisepasses An- fang Oktober 2015 legal und kontrolliert auf dem Luftweg ab Kabul mit Des- tination Türkei verlassen; seinen Reisepass habe er in der Türkei zurück- gelassen. Von dort seien sie, nunmehr in Begleitung des in Istanbul ge- troffenen B._______, nach Griechenland und via Balkanroute nach Öster- reich gelangt, um schliesslich von dort am 8. November 2015 illegal in die Schweiz weiterzureisen. Angesprochen auf die Aussage seines Vaters in der BzP , wonach die ganze Familie die letzten 20 Jahre immer in D._______ gelebt habe, verwies der Beschwerdeführer auf die schwierige Befragungssituation im EVZ, die Kürze der BzP und auf den Umstand, dass der Dolmetscher seinen Vater nicht recht verstanden habe, weshalb er (Beschwerdeführer) die Funktion als Zwischenübersetzer eingenommen habe. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer ein Familienfoto und eine Ko- pie seiner Tazkara – das Original sei verloren gegangen – zu den Akten. Seinen in der Türkei zurückgelassenen Pass stellte er in der BzP zur Nach- reichung in Aussicht; er wurde jedoch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht ein- gereicht. Im Übrigen wird auf die in den Verfahrensakten der Eltern und Geschwister (N […]) befindlichen Beweismittel verwiesen. B. Mit Verfügung vom 2 3. Februar 2018 – eröffnet am 26. Februar 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte de ssen Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Zusammen mit dem Entscheid erhielt der Beschwerdeführer Einsicht in die editionspflich- tigen Akten. Mit Verfügung vom 28. Februar 2018 lehnte das SEM auch d ie Asylgesu- che seiner Eltern und Geschwister ab. Bei diesen verzichtete es indessen infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges auf den Vollzug der Wegweisung und gewährte ihnen die vorläufige Aufnahme. C. Mit Eingabe vom 28. März 2018 (und Ergänzungen vom 29. Mai 2019, 5. und 25. Juli 2019 , 15. August 2019, 4. Dezember 2019 sowie vom 28. April 2020) erhob der Beschwerdeführer gegen die ihn betreffende Ver- fügung vom 2 3. Februar 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsge- richt. Darin beantragt er deren Aufhebung, die Feststellung seiner Flücht-E-1864/2018 Seite 4 lingseigenschaft und die Gewährung von Asyl sowie eventualiter die Rück- weisung der Sache an die Vorinstanz zur Neube urteilung. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht beantragt er ferner nebst einer koordinierten Verfah- rensführung mit seinen Eltern und Geschwistern (vgl. Beschwerde S. 10) die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung ein es Kostenvorschusses und Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin. Mit Eingabe gleichen Datums erhob en auch die Eltern und Geschwister beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die sie betreffende Verfügung de s SEM. Das Gericht versah jenes Verfahren mit der Ge- schäftsnummer E-1869/2018 und führte beide Verfahren in der Folge ko- ordiniert. Das die Eltern und Geschwister betreffende Urteil ergeht eben- falls mit heutigem Datum. Das Asylverfahren von B._______ endete mit Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts E-4880/2016 vom 7. März 2019, welches die vorinstanzliche Abweisung dessen Asylgesuchs mit Anordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzuges (Verfügung des SEM vom 12. Juli 2016) rechts- kräftig bestätigte. D. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 4. April 2018 wurden die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses und amtliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen. E. Drei Geschwister des Beschwerdeführers – das eine a m (…) in der Schweiz geboren und die anderen beiden mittels (…) in die Schweiz nach- gereist – wurden praxisgemäss in das Asyl- und Beschwerdeverfahren der Eltern (und weiteren Geschwister) des Beschwerdeführers integriert. Vier weitere Geschwister (I._______, J._______, K._______ und L._______; ebenfalls N […]) reisten am 11. Februar 2020 ebenso mittels (…) legal in die Schweiz ein und stellten am 13. Februar 2020 eigene Asyl- gesuche mit eigenen Asylgründen. Mit unangefochten gebliebener Verfü- gung vom 13. März 2020 lehnte das SEM deren Asylgesuche unter Anord- nung der Wegweisung ab, gewährte ihnen jedoch infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme. E-1864/2018 Seite 5 F. Mit Instruktionsverfügung vom 16. Oktober 2020 wurde das SEM zur Ver- nehmlassung bis zum 5. November 2020 eingeladen. G. Am 28. Oktober 2020 zog das SEM die angefochtene Verfügung insoweit teilweise in Wiedererwägung, als es den Beschwerdeführer infolge Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufnahm. H. Nachdem die beigeordnete Rechtsbeiständin mit Schreiben an das Bun- desverwaltungsgericht vom 21. Oktober 2020 mitgeteilt hatte, d er Be- schwerdeführer würde nicht mehr von ihr, sondern «von den Kollegen der Rechtberatungsstelle (…)» vertreten, verfügte das Bundesverwaltungsge- richt am 10. November 2020, dass an der mit Zwischenverfügung vom 4. April 2018 verfügten Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amt- liche Rechtsbeiständin der Beschwerdeführenden festgeha lten werde. In der Begründung wies der Instruktionsrichter darauf hin, dass eine amtliche Rechtsverbeiständung ein persönliches, vom öffentlichen Recht be- herrschtes Mandatsverhältnis begründe, welches von der mandatierten Person weder einseitig aufgelöst n och weiterübertragen werden könne, sondern die Beendigung des amtlichen Mandats eines formellen Gesuchs, triftiger Gründe und der Entbindung durch das Gericht bedürfe; diese Vo- raussetzungen seien vorliegend nicht gegeben. I. Mit Instruktionsverfügung vom 10. November 2020 wurde das SEM betref- fend den materiell zur Beurteilung verbleibenden Verfahrensgegenstand (Flüchtlingseigenschaft und Asyl) erneut zur Vernehmlassung bis zum 25. November 2020 eingeladen. Mit Vernehmlassung vom 23. November 2020 beantragt das SEM unter Hinweis auf seine Erwägungen gemäss angefochtener Verfügung und auf das Asyl- und Beschwerdeverfahren des Vaters des Beschwerdeführers sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer vom Bundesverwal- tungsgericht am 25. November 2020 zur Kenntnis gebracht. E-1864/2018 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde i st frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung d er Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 1.5 Das Bundesverwaltungsgericht ist dem Antrag auf koordinierte Füh- rung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens mit jenem der Eltern und Geschwister des Beschwerdeführers in zeitlicher wie auch – soweit pro- zessgegenständlich möglich – in prozessualer Hinsicht nachgekommen. Beide Urteile ergehen mit heutigem Datum. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die vom SEM nach Eintritt der Volljährigkeit des Beschwerdeführers vorgenommene Verfahrens- und Dossierseparierung mit Zuweisung einer eigenen neuen N-Nummer weder prozessual angezeigt oder erforderlich war, noch – angesichts der augen- fälligen Konnexität der Vorbringen des Beschwerdeführers mit jenen seiner E-1864/2018 Seite 7 Familienangehörigen (insb. des Vaters) – praktikabel erscheint. Vielmehr geht den neu erstellten Akten N (…) für sich betrachtet die Übersichtlichkeit ab, zumal sie kopierte Aktenstücke aus dem N-Dossier der Eltern und Ge- schwister enthalten, nicht aber Beweismittel aus deren Verfahrensakten, die auch für die Beurteilung seines Asylgesuchs bedeutsam wären. We- sentlich vorteilhafter wäre gewesen, den Beschwerdeführer zwar mit einem separaten Asylentscheid zu bedienen, die Akten jedoch nicht zu trennen und den Beschwerdeführer unter der N-Nummer seiner Familienangehöri- gen zu belassen. Ob diese zu kritisierende Aktenführung des SEM für sich besehen allenfalls gar die Schwelle einer kassationsauslösenden Verlet- zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 VwVG) erreicht hätte, kann vorliegend dahingestellt bleiben: Das SEM hat die beiden Aktenbestände im Hinblick au f die Beurteilung der Asylge- suche gegenseitig beigezogen (unter zusätzlichem Beizug der Akten von B._______) und die Rechtsvertretung sämtlicher Familienmitglieder ist die- selbe, weshalb auch auf Seiten des Beschwerdeführers der Zugriff auf beide Aktenbestände stets sichergestellt war und ist. Diesem ist somit auf- grund der vorliegenden Konstellation keinerlei Nachteil erwachsen. 1.6 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer am 28. Oktober 2020 wie- dererwägungsweise infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufgenommen hat, ist die Beschwerde – soweit sie den Vollzug der Wegweisung betrifft (vgl. Eventualantrag Ziff. 2 der Beschwerde) als gegenstandslos geworden abzuschreiben. Als materiell zu beurteilender Verfahrensgegenstand verbleibt somit vorliegend die Prüfung der Flücht- lingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisungsanordnung als solcher. Teile der angefochtenen Verfügung sowie der Beschwerde und Ergän- zungseingaben, die den ursprünglich angefochtenen Wegweisungsvollzug betreffen, werden somit nachfolgend nicht mehr thematisiert. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen i hrer E-1864/2018 Seite 8 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Frei heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege- ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht genügen. So hätten sich der Beschwerdeführer wie auch die drei befragten und angehörten Familien- angehörigen betreffend ihren letzten Wohnsitz – und ebenso den Wohnsitz der Geschwister des Familienvaters und weiterer Verwandter – in Afgha- nistan in den letzten zwei bis drei Jahren vor der Ausreise ( D._______, F._______, E._______) mehrfach und erheblich widersprochen, auch hin- sichtlich der betreffenden Zeitspannen. Die diesbezüglichen Aussagen würden überdies nicht mit jenen von B._______ übereinstimmen. Die auf Vorhalt vom Beschwerdeführer und seine n Familienangehörigen unter- nommenen Erklärungen (insb. Verständigungsschwierigkeiten mit dem Dolmetscher) überzeugten bei Betrachtung der Protokolle (klare und un- missverständliche Fragen und Antworten sowie Übereinstimmungen in an- deren Punkten) nicht, seien zum Teil ausweichend, nicht nachvollziehbar, unsubstanziiert, als Schutzbehauptungen zu werten oder generierten gar weitere Widersprüche und Ungereimtheiten. Der erstmals in den jeweiligen Anhörungen geltend gemachte Umzug der Familie zwei bis drei Jahre vor der Ausreise sei mithin als unbeachtlicher Nachschub zu betrachten, was Zweifel am Wahrheitsgehalt der Asylvorbringen aufkommen lasse . Diese würden zudem durch zahlreiche widersprüchliche Angaben rund um die E-1864/2018 Seite 9 Biografie des Beschwerdeführers (Geburtsdatum, Alter, Dauer des Schul- besuchs) sowie betreffend Existenz und Lebensumstände von Familien- mitgliedern und Verwandten noch verstärkt, die er auf Vorhalt ebenso we- nig habe ausräumen können . Der angebliche Umzug von der Stadt aufs Land sei auch unter dem Aspekt der allgemeinen Erfahrung und Logik des Handelns nicht nachvollziehbar, handle es sich doch bei D._______ um eine der sichersten und von der Regierung beherrschten Städte in Afgha- nistan, was denn auch durch B._______ ausdrücklich bestätigt worden sei. Demgegenüber befänden sich E._______ und F._______ in einer abgele- genen, durch die Taliban beanspruchten Region. Dort seien zudem weder (…) für die kranken Kinder noch deren medizinische Betreuung erhältlich und die hierfür notwendigen regelmässigen Reise n von F._______ nach D._______ und zurück seien angesichts des damit verbundenen Gefähr- dungspotenzials nicht nachvollziehbar. Dies gelte ebenso für das Zuwarten mit der Ausreise, zumal der vom Vater gewonnene Erlös aus dem Verkauf insbesondere des Hauses eine umgehende Ausreise und die angestrebte medizinische Behandlung der kranken Kinder im Ausland ermöglicht hätte. Mit dem somit als unglaubhaft zu qualifizierenden Umzug aufs Land werde den Verfolgungshandlungen die Grundlage entzogen. Angesichts ihrer Un- glaubhaftigkeit erübrige es sich, die Vorbringen auf ihre Asylrelevanz hin zu prüfen. Die übrigen Ausreisegründe seien rein familiärer Natur. Er erfülle die Flüchtlingseigenschaft daher nicht. Die gesetzliche Regelfolge der Ab- lehnung des Asylgesuchs sei die Wegweisung aus der Schweiz. Betreffend die Begründung des angeordneten und als durchführbar erkannten Voll- zugs der Wegweisung wird auf die angefochtene Verfügung verwiesen. 4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bekräftigt der Beschwerdeführer zu- nächst den erstinstanzlich geltend gemachten Sachverhalt und ergänzt diesen mit Erweiterungen betreffend die hauptsächlich von den Taliban ausgehende Verfolgungssituation seines Vaters, einem ehemaligen (…) unter General M._______. Weiter erklärt er, von seinem Vater deshalb nach E._______ (statt F._______) geschickt worden zu sein, um nicht der- einst in die Hände der Taliban zu geraten oder seitens der örtlichen Kom- mandanten der als «Bachabazi» bezeichneten Form der Kinderprostitution ausgesetzt zu werden. Bezugnehmend auf die vorinstanzlichen Erwägun- gen räum t er aufgetretene Unstimmigkeiten und Unklarheiten in seinen Aussagen zwar ein, stellt aber dennoch fest, dass die Unglaubhaftigkeits- erkenntnis des SEM nicht überzeuge und von Voreingenommenheit sowie Fehlern in der Verfahrensführung geprägt sei. Das SEM verkenne, dass es die BzP aller befragten Familienmitglieder stark verkürzt durchgeführt habe E-1864/2018 Seite 10 und die Übersetzung nicht wie vermerkt auf Usbekisch, sondern auf Turk- menisch erfolgt sei, wobei sein Vater, der nur etwas Turkmenisch spreche, jeweils als Zwischenübersetzer habe agieren müssen ; die Fragen seien jeweils an diesen gerichtet gewesen. Eine diesbezüglich (von der Rechts- vertretung) an da s SEM gerichtete und der Beschwerde beiliegende An- frage sei bislang unbeantwortet geblieben. Aufgrund seiner nur mittelmäs- sigen Turkmenischkenntnisse habe der Vater die Fragen nach dem letzten Wohnort falsch verstanden und angenommen, es werde nach de r letzten Stadt gefragt, wo sie gewohnt hätten. Dies habe dazu geführt, dass sämt- liche diesbezüglichen Antworten in der BzP falsch erfasst worden seien. Die Vorinstanz unterlasse es sodann, ausreichend zu berücksichtigen, dass er in seiner Familieneinheit geflü chtet und der Ausreiseentscheid al- lein von seinem Vater getroffen worden sei ; er selber habe «nie gelernt, eigenständig und ohne die führende Hand seines Vaters im Alltag zurecht- zukommen». Ausschlaggebend für den Ausreiseentscheid des Vaters seien neben der Aussicht auf medizinische Behandlung der kranken Kinder im Ausland dessen Vorfluchtgründe gewesen, deren ausführliche Schilde- rung dem Vater aber seitens der voreingenommenen, dessen Anspruch auf rechtliches Gehör missachtenden Fachspezialistin mit ihrem «hostilen» und von Unterbrechungen geprägten Befragungsstil und in Verkennung dessen besonderen Gefährdungsprofils verwehrt worden sei. Auch seine eigene Anhörung sei von einem wenig vertrauensvollen Klima geprägt ge- wesen. Das SEM habe angesichts dieser Mängel und durch das Versäum- nis, bei allen Familienmitgliedern «Zeitabläufe oder Detailwissen genauer abzufragen», den Sachverhalt in kassationsauslösender Weise unvollstän- dig ermittelt und im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung unzutreffend ge- würdigt. Aufgrund der Fluchtgeschichte seines Vaters lägen Hinweise vor, dass auch ihm im Falle einer Rückkehr (Reflex-)Verfolgung drohe, welche Gefahr aber erst nach sorgfältiger Untersuchung des Asylgesuchs des Va- ters abschliessend beurteilt werden könne. Der Beschwerdeführer reichte Kopien zahlreicher Beweismittel ein, die be- reits im Verfahren der Eltern und Geschwister (E-1869/2018) vorgelegt be- ziehungsweise von den Grenzkontrollbehörden zuhanden des SEM einge- zogen wurden. Insoweit ist auf die betreffenden Akten und die Beweismit- telerfassung im Urteil E-1869/2018 zu verweisen. Betreffend jene Teile der Beschwerdebegründung und die entsprechenden Beweismittel, die sich thematisch mit der Frage des Vollzugs der Wegwei- sung befassen, wird auf die Beschwerdeakten verwiesen. E-1864/2018 Seite 11 4.3 Das SEM verweist in seiner Vernehmlassung auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und hält insbesondere daran fest, dass der Beschwerdeführer in seinem Asylverfahren keine persönlichen, sondern nur die Probleme seines Vaters als Ausreisegrund erwähnt habe, weshalb auf die betreffenden Erwägungen des SEM im dortigen Verfahren zu ver- weisen sei, insbesondere auch betreffend die Beanstandungen zur Verfah- rensführung. 5. 5.1 Soweit der Beschwerdeführer eine mangelhafte, insbesondere unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und eine Verlet- zung des rechtlichen Gehörs durch Mängel in der Durchführung seiner BzP und Anhörung wie auch jener seiner Familienangehörigen rügt und die Ver- wertbarkeit der angefertigten Befragungs - und Anhörungsprotokolle als Entscheidgrundlagen in Frage stellt, ist vorab Folgendes in Erwägung zu ziehen: 5.1.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen si nd, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen, was sich entsprechend in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung niederzuschla- gen hat (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei- standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Der Anspruch auf recht- liches Gehör beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts, nicht aber dessen rechtliche Würdigung. Die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Be- schwerdegrund und dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG eine umfassende Sachverhaltskontrolle. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststel- lung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu- grunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollstän- dig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum- stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs- verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, E-1864/2018 Seite 12 Rz. 1043). Ermittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler - oder lü- ckenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und weist die Sache an die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtserhebli- chen Sachverhalt neu und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU- BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltun gsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155). Der Untersuchungs- grundsatz gehört sodann zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwal- tungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. 5.1.2 Soweit der Beschwerdeführer Beanstandungen bei der Durchführung der BzP und der Anhörungen seiner Familienangehörigen und eine damit einhergehende fehlehrhafte beziehungsweise unvollständige Sachver- haltsfeststellung durch das SEM rügt, ist zunächst festzustellen, dass diese Familienangehörigen nicht Partei des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sind. Die betreffenden Rügen sind vorliegend aber dennoch zuzulassen, da der Beschwerdeführer hauptsächlich auf die Fluchtgründe seines Vaters verweist, ohne eigene solche vorzubringen. Es kann hierbei auf die vorste- henden Erwägungen E. 1.5 (2. Abschnitt) und 4.3 verwiesen werden. Die Rügen sind indessen nicht berechtigt: Im ebenfalls heute ergehenden Ur- teil E-1869/2018 der Familienangehörigen hat das Bundesverwaltungsge- richt festgestellt, dass die Protokolle von deren BzP und Anhörungen als Entscheidgrundlagen verwertbar und eine Verletzung des Untersuchungs- grundsatzes, de s Anspruchs auf Wahrung des rechtlichen Gehörs oder weiterer Parteirechte d ieser Beschwerdeführenden nicht ersichtlich sei. Das Gericht erkannte weiter, dass d er Sachverhalt mit den Befragungen und Anhörungen, der Beweismittelabnahme und im Übrigen mit dem Bei- zug der Verfahrensakten des Beschwerdeführers und von B._______ ge- nügend erhoben sei und eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz nicht in Betracht falle. Auf die diesbezüglich umfassenden Erwägungen im besagten Urteil (vgl. dort E. 5.1) kann vollu mfänglich verwiesen werden. Die BzP und die Anhörung des Beschwerdeführers selber und der damit wie auch mit den vorgelegten Beweismitteln vom SEM erhobene Sachver- halt sind nicht anders zu beurteilen. Die Akten lassen keine Anhaltspunkte für die Annahme ei ner vorinstanzlichen Voreingenommenheit oder von Fehlern in der Verfahrensführung betreffend den Beschwerdeführer erken- nen und solche werden in der vorliegenden Beschwerde auch nicht näher spezifiziert, abgesehen von der pauschalen Verweisung auf das (inte rne) E-1864/2018 Seite 13 HWV-Protokoll, welchem aber keine dahingehenden und bedeutsamen An- haltspunkte zu entnehmen sind; das dem Anhörungsprotokoll anhängende Unterschriftenblatt der HWV enthält denn auch keinerlei Beanstandungen. Im Übrigen erweckt es nicht geringes Erstaunen, wenn in der vorliegenden Rechtsmitteleingabe (und übereinstimmend in jener der Familienangehöri- gen) erwähnt wird, der Vater sei auch bei m Beschwerdeführer als Zwi- schenübersetzer beigezogen worden, der Beschwerdeführer selber aber in seiner Anhörung behauptet, er (Beschwerdeführer) habe als Zwischen- übersetzer für seinen Vater agiert (vgl. vorinstanzliche Akte A24 F9). Der weitere an die Vorinstanz gerichtete Vorwurf in der Beschwerde, wonach diese es unterlassen habe, ausreichend zu berücksichtigen, dass er in sei- ner Familieneinheit geflüchtet und der Ausreiseentscheid von seinem Vater für ihn getroffen worden sei, ist haltlos. Vielmehr hat das SEM diesen As- pekt sowohl im Sachverhalt der angefochtenen Verfügung erfasst (vgl. dort Ziff. I/2 [vorletzter Abs chnitt]) als auch in den Erwägungen gewürdigt, in- dem insbesondere die Aussagen des Vaters in die Glaubhaftigkeitsbeurtei- lung der Vorbringen des Beschwerdeführers einbezogen wurden; im Übri- gen kann auf die rügebezogene klare Stellungnahme des SEM in seiner Vernehmlassung verwiesen werden (vgl. oben E. 4.3). Schliesslich ist an- gesichts der aktenkundigen Protokolle auch nicht erkennbar, inwiefern es das SEM versäumt haben soll, «Zeitabläufe oder Detailwissen genauer ab- zufragen». 5.2 Das SEM ist nach somit korrekte r und insbesondere vollständiger Sachverhaltsfeststellung und ebenso anstandsloser Beweismittelwürdi- gung in seinen umfassenden und hinlänglich auf die Akten abgestützten Erwägungen mit zutreffender Begründung zur Erkenntnis gelangt, die gel- tend gemachten V erfolgungsvorbringen würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines asylbegründenden Sachver- halts nicht genügen. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist auf die be- treffenden Erwägungen gemäss angefochtener Verfügung und die Zusam- menfassung oben (E. 4.1) zu verweisen. Die Erwägungen geben dem Bun- desverwaltungsgericht zu keinen Beanstandungen von Amtes wegen An- lass. Das SEM ist den praxisgemässen Leitlinien der Glaubhaftigkeitsprü- fung (vgl. dazu BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.) nachgekommen. Die Beschwerde und ihre Ergänzungen führen, soweit sie sich nicht ohnehin in blossen Wiederholungen, Bekräftigungen und Gegenbehauptungen erschöpfen oder gar das Bestehen von gewis- sen Unstimmigkeiten einräumen, zu kein er gegenüber der Einschätzung des SEM anderen Betrachtungsweise: Dabei ist zunächst auf die Erwä- gungen im heute ergehenden Urteil E -1869/2018 (dort E. 5.2) betreffend E-1864/2018 Seite 14 die Eltern und Geschwister des Beschwerdeführers sowie auf E. 5.1.2 oben zu verweisen. Dem Ersuchen des Beschwerdeführers, die den Asyl- punkt betreffende Argumentation gemäss der Beschwerde der Eltern und Geschwister zu berücksichtigen (vgl. vorliegende Beschwerde S. 10), ist das Gericht mit obigen Erwägungen nachgekommen. Weitere Einwände substanzieller Art gegen die spezifisch den Beschwerdeführer betreffende Glaubhaftigkeitsbeurteilung des SEM sind der Beschwerde nicht zu ent- nehmen. Die auf Beschwerdestufe vorgelegten Beweismittel (s. E. 4.2 oben) führen nicht zu einer anderen Glaubhaftigkeit seinschätzung. Auch hierbei kann auf das heutige Urteil E -1869/2018 des Bundesverwaltungsgerichts (dort insb. E. 5.2, 2. Abschnitt) verwiesen werden. Mithin vermag auch der Be- schwerdeführer weder auf erstinstanzlicher Stufe noch auf Beschwerde- ebene ein Beweismittel vorzulegen, das geeignet wäre, die gewonnenen Glaubhaftigkeitserkenntnisse des SEM und des Bundesverwaltungsge- richts anders zu beleuchten oder gar den strikten Beweis für eine irgendwie geartete Verfolgung oder Verfolgungsfurcht zu erbringen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM zutreffend von der Un- glaubhaftigkeit einer erlebten oder befürchteten Verfolgung des Beschwer- deführers seitens der Taliban oder anderer Akteure ausgegangen ist. 5.3 Aufgrund der zuvor bestätigten Unglaubhaftigkeit de r Asylvorbringen des Beschwerdeführers besteht, wie bereits vom SEM zutreffend erkannt, kein Anlass mehr zur Prüfung ihrer flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit, denn es fehlt an einem unter Art. 3 AsylG subsumierbaren Sachverhalt. Dennoch sind in diesem Kontext einige präzisierende Bemerkungen anzu- bringen: So trifft der Hinweis in der angefochtenen Verfügung, wonach die Asylgründe teilweise familiärer Natur seien, insofern nicht zu, als damit of- fenbar der Verweis des Beschwerdeführers auf die Gründe seines Vaters gemeint sein sollte. Familiär ist nun zwar seine Beziehung zum Vater, nicht aber der Hinweis auf die angeblich von diesem abgeleitete Verfolgungssi- tuation, denn der Vater hat durchaus (wenngleich nicht glaubhafte) Gründe nach Massgabe des im Sinne von Art. 18 AsylG weiten Verfolgungsbegriffs vorgebracht, wogegen beispielsweise medizinische oder eben rein famili- äre Gründe gar nicht tauglich wären, einer materiellen Prüfung zugeführt zu werden (vgl. Art 31 a Abs. 3 AsylG). Der Beschwerdeführer seinerse its verkennt mit seinem Hinweis auf das Vorliegen einer mit seinem Vater in Zusammenhang stehenden Reflexverfolgung, dass die blosse Berufung E-1864/2018 Seite 15 auf die Verfolgungsgründe des Vaters bestenfalls zur Annahme eines (ab- geleiteten) Anspruchs auf Familienasyl führen können, wogegen für die An- nahme einer Reflexverfolgung ganz andere Voraussetzungen erfüllt sein müssten, die insbesondere eine eigene, wenngleich reflexive Verfolgung oder Verfolgungsfurcht in der Person des Reflexverfolgten beinhalten müsste; solches wird aber nicht geltend gemacht. In allgemeiner Hinsicht ist schliesslich festzuhalten, dass eine allfällige subjektiv empfundene Ver- folgungsfurcht für sich besehen keine flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit im Sinne von Art. 3 AsylG aufweist, solange sie nicht auch objektiv begrün- det erscheint. Dies gilt auch umgekehrt. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat mithin, wer gute – d.h. von Dritten nachvoll- ziehbare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Ele- ment) vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). Eine Furcht, die wie vor- liegend nicht vom Beschwerdeführer selber ausgeht, sondern nur von des- sen Vater für ihn empfunden wird, ist nicht subjektiv; sie ist auch nicht ob- jektiv, da diese Einschätzung vorliegend nur von einer und zudem dem Be- schwerdeführer nahestehenden Person vorgenommen wird. Der Beschwerdeführer vermag somit gesamthaft weder aus subjektiver Perspektive noch aus objektiv nachvollziehbaren Gründen eine Furcht glaubhaft darzutun, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu- kunft Opfer von Verfolgung zu werden, wobei ergänzend wiederum auf die Erwägungen im heute ergehenden Urteil E-1869/2018 (dort E. 5.3) betref- fend die Eltern und Geschwister des Beschwerdeführers verwiesen wer- den kann. 5.4 Das SEM hat somit das Bestehen einer asylrelevanten Verfolgungssi- tuation des Beschwerdeführers und mithin seine behauptungsgemässen Ansprüche auf (originäre oder abgeleitete) Feststellung der Flüchtlingsei- genschaft und Gewährung des Asyls nach korrekter Sachverhaltsfeststel- lung und zutreffender Würdigung der vorgelegten Beweismittel zu Recht verneint. 5.5 Der Vollständigkeit halber bleibt festzuhalten, dass das SEM, da der Beschwerdeführer insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Auf- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt, auch seine Wegweisung zu Recht angeordnet hat (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der Beschwerde auch nicht bestritten. E-1864/2018 Seite 16 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung, so- weit sie nicht durch Wiedererwägung gegenstandslos geworden ist, Bun- desrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) ist. Die Beschwerde ist inso- weit abzuweisen. Es erübrigt sich, auf deren Inhalt, die Ergänzungseinga- ben und die vorgelegten Beweismittel weiter einzugehen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten insoweit dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, als die Beschwerde abzuweisen ist (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist jedoch in Berücksichtigung des mit Zwischenverfügung vom 4. April 2018 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG zu verzichten, zumal nicht von wesentlich veränderten finanziellen Verhältnissen seither auszugehen ist. 7.2 Der mit derselben Zwischenverfügung amtlich beigeordneten Rechts- beiständin ist ein amtliches Honorar für ihre notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten, soweit die Beschwerde abzuwei- sen ist (Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE sowie die erwähnte Zwischen- verfügung vom 4. April 2018). Soweit die Beschwerde als durch Wiederer- wägung gegenstandslos geworden abzuschreiben ist, hat der Beschwer- deführer Anspruch auf Ausrichtung einer Parteientschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen und verhältnismässig hohen Parteikosten (vgl. Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 15 i.V.m. Art. 5 und Art. 7 ff. VGKE), zumal er diesbezüglich faktisch als (hälftig) obsiegend zu betrachten ist. Die Rechtsvertreterin präsentiert in der aktuellsten vorliegenden Fa ssung eine Honorarnote vom 5. Juli 2019, die einen Totalbetrag (inkl. Auslagen) von Fr. 1’590.– bei einem Stundenansatz von Fr. 200.– ausweist. Der seit- herige Aufwand ist überschaubar und von Amtes wegen abzuschätzen. In Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) und des reduzierten Stundenansatzes für das Honorar – nicht aber für die Parteientschädigung – bei amtlich bestellten nichtanwaltlichen Rechtsbeiständen (vgl. Zwischenverfügung vom 4. April 2018 S. 3) ist das vom B undesverwaltungsgericht auszurichtende Honorar für das vorlie- gende Verfahren auf insgesamt Fr. 800.– und die vom SEM auszurich- tende Parteientschädigung auf Fr. 1'200. – (je inkl. Auslagen) festzusetzen. Darin berücksichtigt ist der Umstand, dass der zeitli che Aufwand der Rechtsvertreterin leicht überhöht erscheint, zumal sie bei der Bearbeitung E-1864/2018 Seite 17 der Beschwerdesache und bei der Beschwerderedaktion von Vorleistun- gen im Verfahren E-1869/2018 profitieren konnte, die dort mittels Honorar entschädigt wurden. (Dispositiv nächste Seite) E-1864/2018 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht als durch Wiedererwä- gung gegenstandslos geworden abgeschrieben wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung von Fr. 1'200.– auszurichten. 4. Der amtlich beigeordneten Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichts- kasse ein Honorar von Fr. 800.– zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Urs David Versand: