06/07 42 Aufsicht. Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Art. 29 Ab s. 1 und 3 BV. Art. 55 Abs. 1, Art. 58 Abs. 1 GOG. Art. 50 Abs. 1, Art. 123 Abs. 1, Art. 125 ZPO. Zivilprozessu- ales Verfahren. Ist wie vorliegend keine andere Anf echtungsmöglichkeit gege- ben, kann gegen Amtshandlungen und Unterlassungen d er richterlichen Be- hörden jedermann beim Obergericht Aufsichtsbeschwer de erheben. Dabei hat das Obergericht auch einzuschreiten, wenn richterli che Behörden die Geschäf- te ungebührlich verzögern. Das Beschleunigungsgebot steht dabei in einem Spannungsverhältnis "zur Krux des Zivilprozesses", nämlich zur zeitlichen Ausuferung des Zivilprozesses infolge der Gewährung des rechtlichen Gehörs. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör folgt auch e in Anspruch der Partei auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand. Eine Verz ögerung des Scheidungs- verfahrens kann im Interesse vor allem des nicht er werbstätigen Ehegatten sein, wenn er nach der Scheidung mit einer Verringe rung der Unterstützung durch den erwerbstätigen Ehegatten rechnen muss. Gerade bei der Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung kann zudem die Ausweitung des Verfahrens durch Einleitung weiterer Verfahren, ins besondere von Rechtsmit- telverfahren, für den entsprechenden Rechtsanwalt v on Interesse sein, weil er so, wenn nicht auf Kosten der Gegenpartei, dann auf Kosten des solventen Staates Aufwand betreiben kann. Einzelne unnötige B emühungen können des- halb dem Rechtsvertreter nicht mehr aus der Staatsk asse entschädigt werden. Erreicht die Gesamtheit der Bemühungen des unentgel tlichen Rechtsbeistan- des ein Ausmass, das zur Interessenwahrung nicht me hr als notwendig ange- sehen werden kann, kann auch die Rechtsverbeiständu ng überhaupt widerru- fen werden. Wann eine solche Übermässigkeit in eine m konkreten Verfahren erreicht wird, hängt auch von den Umständen des Fal les ab. Dabei sind nicht nur einzelne Verfahren für sich, sondern alle sachl ich miteinander zusammen- hängenden Verfahren zusammen zu betrachten. Zeigt e in regelmässiger Mehr- aufwand eines Anwaltes für unentgeltliche Rechtspfl egemandate im Vergleich zu anderen Rechtsanwälten oder im Vergleich zu priv aten Mandaten, dass er mehr Aufwand betreibt, als im Allgemeinen als notwe ndig erachtet wird, kann es gerechtfertigt sein, dem entsprechenden Rechtsan walt keine Mandate für die unentgeltliche Rechtspflege mehr zu erteilen od er solche Mandate zu ent- ziehen, wenn das Verfahren ausgeweitet bzw. im Zusa mmenhang mit einem Verfahren weitere Verfahren eingeleitet werden. In concreto hat das Schei- dungsverfahren an sich nicht übermässig lange gedau ert, auch wenn das Ehe- schutzverfahren zwar bereits im Jahre 2000 eingelei tet wurde und die rechts- kräftige Scheidung im Jahre 2006 erfolgte. Auch kan n nicht deutlich genug aufgezeigt werden, dass der betreffende Rechtsanwal t eherechtliche Verfahren als unentgeltlicher Rechtsbeistand generell übermässig verzögert. Obergericht, 29. Juni 2007, OG AK 06 18