Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Juni 2012 (725 11 219 / 173) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Bemessung des Invalideneinkommens Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yves Thom men, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dominik Zehntner, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer-Münch, Advokat, Güter- strasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Die 1950 geborene A.____ war seit 1997 als Sachbea rbeiterin bei der B.____ AG tätig und durch die Arbeitgeberin bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obliga- torisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankhei ten versichert. Am 2. Juni 1998 erlitt A.____ bei einem Auffahrunfall eine Kontusion der re chten Thoraxhälfte (vgl. “Arztzeugnis UVG“ des Spitals C.____ vom 13. Juli 1998). Nach Eingan g der Unfallmeldung erbrachte die SUVA die gesetzlichen Leistungen für die Folgen dieses Un falls, wobei der Fall bereits im Au- gust 1998 abgeschlossen werden konnte. Am 22. August 200 1 liess die nunmehr als Verkäufe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rin bei der D.____ AG tätige Versicherte der SUVA weg en Beschwerden im Bereich der Hals- wirbelsäule einen Rückfall melden, worauf die SUVA wi ederum die gesetzlichen Leistungen in Form von Taggeldern und Heilbehandlung ausrichtete. Mit Verfügung vom 27. April 2004 stellte die SUVA ihr e Leistungen rückwirkend per 1. Novem- ber 2003 ein. Auf Einsprache der Versicherten hin zog sie diese Verfügung jedoch in Wiederer- wägung und hob sie mit einer neuen Verfügung vom 10. August 2004 auf. Gleichzeitig sprach die SUVA in dieser neuen Verfügung A.____ eine Inte gritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 35 % zu. Mit einer weiteren Ver fügung vom 30. Dezember 2005 stellte die SUVA die Versicherungsleistungen mit Wirkung ab 31. Juli 2004 erneut ein. Auf Einsprache der Versicherten hin wurde jedoch auch diese Verfügung zurückgenommen. In der Folge nahm die SUVA weitere Abklärungen des me dizinischen Sachverhaltes und der erwerblichen Situation der seit 1. März 2005 als selbstä ndige Immobilienmaklerin tätigen Versi- cherten vor. Auf Grund der Ergebnisse dieser Abklärungen stellte die SUVA die Taggeldleistun- gen per 31. Oktober 2010 ein. Gleichzeitig verneinte si e gestützt auf einen von ihr ermittelten Invaliditätsgrad von 8,92 % einen Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente. Daran hielt die SUVA auf Einsprache der Versicherten hin mit Einspracheen tscheid vom 31. Mai 2011 fest, wobei sie den massgebenden Invaliditätsgrad nunmehr mit 9,15 % bezifferte. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Advokat Dominik Zehntner, am 17. Juni 2011 Beschwerde beim Kantonsgeri cht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei de r angefochtene Einspracheentscheid auf- zuheben und es sei ihr eine auf einem Invaliditätsgrad v on 25 bis 30 % basierende Invaliden- rente ab 1. November 2010 zuzusprechen. Eventuell sei d ie Sache zur Vornahme weiterer Ab- klärungen und neuem Entscheid an die Beschwerdegegner in zurückzuweisen; unter o/e- Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. September 2011 bea ntragte die SUVA, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, die Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten so wohl die Beschwerdeführerin mit Replik vom 29. November 2011 als auch die SUVA mit Duplik vom 1. März 2012 an ihren bisherigen Anträgen und Ausführungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in E.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 17. Juni 2011 ist demnach einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistungspflicht des Un- fallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Erei gnis und dem eingetretenen Schaden (Invalidität, Integritätseinbusse) ein natürliche r (vgl. dazu BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen) und ein adäquater (vgl. dazu BGE 129 V 18 1 E. 3.2 mit Hinweis) Kausalzusam- menhang besteht. 2.2 Im vorliegenden Verfahren ist der medizinische Sachv erhalt nicht (mehr) streitig. Eben- so wird das Vorliegen eines natürlichen und adäquaten K ausalzusammenhangs zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (In validität) von keiner Partei in Frage gestellt. Schliesslich besteht auch Einigkeit, dass die Be schwerdegegnerin den Fall zu Recht per 31. Oktober 2010 abgeschlossen und auf diesen Zeit punkt hin einen allfälligen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente geprüft hat. Auf all diese Aspekte ist deshalb im Rahmen des vorliegenden Verfahrens nicht weiter einzugehen. 3. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist einzig, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente der Beschwerdegegnerin hat. 3.1 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu minde stens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit da uernde ganze oder teilweise Erwerbs- unfähigkeit. Diese wiederum entspricht dem durch Beeintr ächtigung der körperlichen oder geis- tigen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Beha ndlung und Eingliederung verblei- benden ganzen oder teilweisen Verlust der Erwerbsmögli chkeiten auf dem in Betracht kom- menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). 3.2 Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Inva liditätsgrades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In validität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie- hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffe rnmässig möglichst genau ermit- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht telt und einander gegenübergestellt werden. Aus der E inkommensdifferenz lässt sich der Invali- ditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Dem hier zu beurteilenden Fall liegt insofern ein e spezielle Konstellation zu Grunde, als die Beschwerdeführerin im Unfallzeitpunkt (Juni 1998 ) und im Zeitpunkt der Rückfallmel- dung (August 2001) jeweils noch eine unselbständige Erw erbstätigkeit als Sachbearbeiterin bzw. als Verkäuferin ausgeübt hatte, währenddem sie im Zeitpunkt eines allfälligen Rentenbe- ginns (November 2010) als selbständigerwerbende Immobi lienmaklerin tätig war und weiterhin ist. Bemisst man den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin anhand der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs gemäss Art. 16 ATSG, besteht demn ach die Besonderheit, dass einander auf der einen Seite als Validenlohn ein Ein kommen aus unselbständiger Erwerbstätig- keit und auf der anderen Seite als Invalidenlohn ein Einkommen aus selbständiger Erwerbstä- tigkeit gegenüber stehen. Die Beschwerdeführerin erachtet dies als äusserst problematisch und sie vertritt deshalb die Auffassung, dass der Invalidität sgrad vorliegend einzig anhand eines Betätigungsvergleichs, wie er im Bereich der Eidgenössi schen Invalidenversicherung (IV) zur Anwendung gelange, bemessen werden könne. 4.2 Bei der Invaliditätsbemessung im IV-Bereich wird, sofern sich die beiden hypotheti- schen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder sch ätzen lassen, in Anlehnung an die spezifische Methode für nicht erwerbstätige Versichert e (Art. 28a Abs. 2 des Bundesgeset- zes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1 959) ein Betätigungsvergleich ange- stellt und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwer blichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situa tion bestimmt. Der grundsätzliche Unter- schied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur spezifisc hen Methode (gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG) besteht darin, dass die Invaliditä t nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchem bemessen wird. Vielmeh r ist zunächst anhand des Art. 28a Abs. 2 IVG die leidensbedingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerblichen Auswirkungen besonders zu gewichten. E ine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen einer erwerbstätigen Person kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise, eine Erwerbseinbusse gleichen Umfan gs zur Folge zu haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betä tigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei diese r Kategorie von Versicherten die In- validität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimme n ist (ausserordentliches Bemes- sungsverfahren; BGE 128 V 30 f. E. 1 mit Hinweisen). 4.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kan n vorliegend kein verwertbarer Betätigungsvergleich vorgenommen werden. Wie oben ausgeführt, war die Versicherte vor Ein- tritt des Gesundheitsschadens im Rahmen von unselbständi gen Erwerbstätigkeiten zuerst als Sachbearbeiterin und später als Verkäuferin angestellt . Die selbständige Erwerbstätigkeit als Immobilienmaklerin hingegen hat sie erst nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufgenommen. Ein Betätigungsvergleich kommt aber ledig lich in Frage, wenn die versicherte Person dieselbe selbständige Erwerbstätigkeit bereits vo r Eintritt des Gesundheitsschadens ausgeübt hat und diese nach dessen Eintritt - mit en tsprechenden Einschränkungen - weiterhin ausübt. Nur unter diesen Voraussetzungen lässt sich ein au f die konkrete berufliche Situation Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der versicherten Person bezogener direkter “Vorher/Na chher-Vergleich“ vornehmen. Ein sol- ches Vorgehen ist in casu nach dem Gesagten nicht möglich. 5. Somit ist der Invaliditätsgrad der Versicherten im vorliegenden Fall anhand eines Ein- kommensvergleichs zu ermitteln. 5.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad d er überwiegenden Wahrschein- lichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. D ie Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel auf den letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, ab zustellen ist (Urteil I. des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Bundesge richt, sozialrechtliche Abteilun- gen] vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit za hlreichen Hinweisen). Vorliegend ist die SUVA davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsbeeinträchtigungen weiterhin ihrer im Zeitpunkt der Rückfallmeldung ausg eübten Tätigkeit als Verkäuferin bei der D.____ AG nachgehen würde. Gestützt auf die bei den A kten liegenden Angaben der genann- ten Firma vom 7. Juni 2010 hätte die Versicherte im Jah r 2010 in dieser Tätigkeit ein Einkom- men von Fr. 88'400.-- erzielt. Die SUVA hat dem Einko mmensvergleich diesen Betrag als Vali- deneinkommen zu Grunde gelegt, was von der Versicherte n im vorliegenden Beschwerdever- fahren - zu Recht - nicht (mehr) in Frage gestellt wird. 5.2 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zum utbarerweise noch reali- sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von d er beruflich-erwerblichen Situati- on auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steh t (BGE 129 V 475 E. 4.2.1). Ein von ihr tatsächlich erzielter Verdienst bleibt jedoch, für sich allein betrachtet, grundsätzlich kein genügendes Kriterium für die Bemessung der Erwerbsunfähigkeit und damit des Invaliditätsgra- des. Als Invalidenlohn kann der tatsächlich erzielte Verd ienst nur gelten, wenn - kumulativ - be- sonders stabile Arbeitsverhältnisse eine Bezugnahme auf den allgemeinen Arbeitsmarkt prak- tisch erübrigen, wenn die versicherte Person eine Tätigkei t ausübt, bei der anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und wenn das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (ULRICH MEYER -BLASER , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: Murer/Stauffer, [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrech t, 2. Auflage, Zürich/Basel/ Genf 2010, S. 308). 5.3 Die Beschwerdeführerin ist seit März 2005 als selbst ändige Immobileinmaklerin tätig. Es stellt sich die Frage, ob bei der Ermittlung des Invalideneinkommens auf den Lohn abgestellt werden kann, den sie im Rahmen dieser Tätigkeit erzie lt hat. Den bei den Akten liegenden Ge- schäftsabschlüssen kann entnommen werden, dass die Versicher te seit 2005 folgende Rein- gewinne erzielt hat: 2005: Fr. 561.35; 2006: Fr. 25' 597.83; 2007: Fr. 62'015.43; 2008: Fr. 90'125.32; 2009: Fr. 72'302.56; 2010: Fr. 61'766.--. Diese Zahlen machen deutlich, dass der jeweilige Reingewinn der Versicherten jährlich erheblichen Schwankungen unterliegt. Die SUVA ist deshalb im angefochtenen Einspracheentscheid bei der Ermittlung des Invalideneinkom- mens vom durchschnittlichen Reingewinn der Jahre 2007 b is 2009, welcher sich auf Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 74'814.44 beläuft, ausgegangen. Die sog. “Aufbau jahre“ 2005 und 2006 mit erheblich unter- durchschnittlichen Reingewinnen hat sie dabei - wohl zu Recht - ausser Acht gelassen. Da die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung Entwicklungen d es massgebenden Sachverhalts bis zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides (mit-) zu berücksi chtigen hat (vgl. BGE 130 V 140 E. 2.1 mit Hinweis) und der Einspracheentsch eid vorliegend vom 31. Mai 2011 da- tiert, wäre es aber angezeigt gewesen, auch das Geschäft sergebnis des Jahres 2010 in die Berechnung des durchschnittlichen Reingewinns einzubeziehe n. Errechnet man den durch- schnittlichen Gewinn anhand der Jahre 2007 bis 2010, so r esultiert daraus ein Betrag von Fr. 71'552.33. Dieser liegt um knapp 4,4 % unter dem von der SUVA gestützt auf die Jahr 2007 bis 2009 ermittelten Durchschnitt von Fr. 74'814.44. In Anbetracht dieser zum Teil doch erhebli- chen Schwankungen zwischen den einzelnen jährlichen Reing ewinnen ab 2007 - mit einem Minimum von Fr. 61'766.-- und einem Maximum von Fr. 90'125.32 - , der immer noch nicht sehr langen Dauer der selbständigen Erwerbstätigkeit der Versicherten und der letztlich aus diesen Umständen resultierenden Zufälligkeiten kann vorliegend bei der Ermittlung des Invalidenein- kommens der Beschwerdeführerin nicht auf diese von ihr effektiv erzielten Einkommen abge- stellt werden. Als Invalidenlohn kann nach dem oben Gesagten (vgl. E. 5.2 hiervor) der tatsäch- lich erzielte Verdienst nur gelten, wenn - unter ande rem - besonders stabile Arbeits- und eben auch Lohnverhältnisse vorliegen. Diese Voraussetzung ist in casu nicht gegeben. 5.4 Kann nach dem Gesagten nicht auf einen aussagekräf tigen, in der Tätigkeit als selb- ständige Immobilienmaklerin tatsächlich erzielten Verdienst der Versicherten abgestellt werden, stellt sich die Frage, auf welche andere Weise das Invali deneinkommen der Beschwerdeführe- rin ermittelt werden kann. Die SUVA hat hierzu in ih rer Vernehmlassung vom 19. September 2011 ausgeführt, falls man zum eben genannten Schluss gelange, sei die Versicherte so zu behandeln, wie wenn sie ihre Tätigkeit als Selbständig erwerbende aufgeben würde und es sei- en ihr demnach im Rahmen der Invaliditätsbemessung jen e Einkünfte anzurechnen, die sie bei Aufnahme einer leidensangepassten unselbständigen Erw erbstätigkeit zumutbarerweise erzie- len könnte. Dieses von der Beschwerdegegnerin skizzierte V orgehen erweist sich als zielfüh- rend und zulässig (vgl. etwa das Urteil G. des EVG vom 18. Juli 2005, I 15/05, E. 6.1.2). Es kann deshalb mit der SUVA davon ausgegangen werden, d ass die Versicherte auf Grund ihres Gesundheitszustandes und in Anbetracht ihrer jetzigen Tä tigkeit als selbständige Immobilen- maklerin durchaus in der Lage wäre, in der Immobilenbr anche auch eine unselbständige Er- werbstätigkeit zu verrichten. Somit rechtfertigt es sich, b ei der Ermittlung des Invalideneinkom- mens von einem Durchschnittslohn auszugehen, den die Ve rsicherte bei der Ausübung einer solchen unselbständigen Tätigkeit im Sektor “Immobilienwesen“ erzielen würde. 5.5 Übt eine versicherte Person keine zumutbare, leidens angepasste Tätigkeit aus, so wird das Invalideneinkommen praxisgemäss unter Beizug der Tabel lenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statisti k ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Laut den Vorbringen der SUVA in ihrer Ver- nehmlassung sei der massgebliche Tabellenlohn der Beschwe rdeführerin für eine zumutbare Tätigkeit im Bereich “Immobilienwesen“ gestützt auf d ie Tabelle TA1, Sektor 70/71 (“Immobi- lienwesen und Vermietung beweglicher Sachen“) und i nnerhalb dieses Sektors im Anforde- rungsniveau 1 + 2 zu ermitteln. Während der vorgeschlag ene Sektor zu keinen Erörterungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anlass gibt, erweist es sich als fraglich, ob die Tätigkeit der Versicherten effektiv dem Anforde- rungsniveau 1 + 2, welches die Verrichtung höchst anspru chsvoller und schwierigster Arbeiten bzw. die Ausübung selbständiger und qualifizierter Arbe iten beinhaltet, zugeordnet werden kann. In diesem Zusammenhang gilt es zu berücksichtigen, da ss die Versicherte während län- gerer Zeit als Sachbearbeiterin und als Verkäuferin ang estellt war. Im März 2005 hat sie sich sodann im Alter von 55 Jahren entschieden, eine selbstä ndige Erwerbstätigkeit als Immobilien- maklerin aufzunehmen, wobei sie sich von Grund auf in di ese Tätigkeit einarbeiten musste. In Berücksichtigung dieser Berufsbiographie der Beschwerdeführerin erscheint es angebracht, bei der Ermittlung des massgeblichen Tabellenlohnes der Ver sicherten nicht - wie von der SUVA postuliert - vom Anforderungsniveau 1 + 2, sondern led iglich vom Anforderungsniveau 3 der LSE auszugehen. Laut Tabelle TA1 der LSE 2008 belief sich der Durchschnittslohn der Frauen im Sektor 70/71 (“Immobilienwesen und Vermietung bew eglicher Sachen“) im Anforderungsni- veau 3 im Jahr 2008 auf Fr. 5'641.-- pro Monat (LSE 2 008, Privater Sektor, Tabelle TA1, Frau- en, Sektor 70/71, Anforderungsniveau 3). Dabei ist zu beachten, dass dieser Tabellenlohn auf einer einheitlichen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden beruht und auf die im Jahr 2008 in dieser Branche durchschnittlich geleistete Wochenarbeitszeit von 41,6 Stunden (vgl. Die Volkswirt- schaft 9/2010 S. 98 Tabelle B 9.2, Sektor K) umzurechne n ist. Daraus resultiert ein Monatslohn von Fr. 5'867.--. Dieser Betrag ist der bis ins Jahr 2 010 erfolgten Nominallohnentwicklung der Frauenlöhne im Immobilienwesen von + 3,3 % (Bundesamt für Statistik, Die Lohnentwicklung 2010, S. 20, Tabelle T1.2.05, Frauen, Sektor J,K) anz upassen, was ein Invalideneinkommen von Fr. 6’061.-- pro Monat bzw. ein Jahresgehalt von Fr. 72'732.-- ergibt. 5.6 Von diesem anhand der Tabellenlöhne der LSE erho benen Invalideneinkommen sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen de s konkreten Einzelfalles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dien stjahre, Nationalität/Aufenthaltskate- gorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemä ssem Ermessen gesamthaft zu schät- zen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesam t höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Vorliegend ergeben sich aus den persönlichen und beruflichen Umständen der Versicherten keine Anhaltspunkte, welche einen Abzug vom Tabellenlohn nahelegen würden. Von der Vornahme eines solchen ist deshalb in casu abzuse hen. Im Einkommensvergleich ist demnach von einem massgebenden Invalideneinkommen der V ersicherten von Fr. 72'732.-- auszugehen. 5.7 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalidene inkommen von Fr. 72'732.-- dem oben (vgl. E. 5.1 hiervor) festgehaltenen Valideneinkom men von Fr. 88’400.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 15’668.- -, was einen Invaliditätsgrad der Versi- cherten von 17,72 %, bzw. gerundet von 18 % (vgl. zur Ru ndungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) ergibt. Somit hat die Beschwerdeführerin aber Anspruc h auf eine auf diesem Erwerbsunfähig- keitsgrad basierende Invalidenrente der Beschwerdegegnerin. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die SUVA einen R entenanspruch der Versi- cherten zu Unrecht abgelehnt hat. In teilweiser Guthei ssung der Beschwerde ist deshalb der angefochtene Einspracheentscheid vom 31. Mai 2011 aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. November 2010 Anspruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 18 % hat. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens ents prechend ist der Beschwerdeführe- rin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Be schwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner H onorarnote vom 23. Mai 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 19 Stund en geltend gemacht, was sich umfang- mässig zwar als hoch, in Anbetracht der sich stellenden Sach verhalts- und Rechtsfragen und in Berücksichtigung des Umstandes, dass ein doppelter Schriftenwechsel durchgeführt worden ist, noch als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung ge langenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind s odann die in der Honorarnote aus- gewiesenen Auslagen von Fr. 89.50. Der Beschwerdeführ erin ist deshalb eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 5'226.65 (19 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 89.50 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Ein- spracheentscheid der SUVA vom 31. Mai 2011 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin mit Wirku ng ab 1. No- vember 2010 Anspruch auf eine Invalidenrente basierend a uf einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 18 % hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die SUVA hat der Beschwerdeführerin eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 5'226.65 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwer tsteuer) zu bezahlen. Gegen dieses Urteil wurde von A.____ am 28.09.2012 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_796/2012 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht