B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1184/2023 U r t e i l v om 1 0 . M ä r z 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Roswitha Petry, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer; Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, BAZ (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 28. Februar 2023 / N (…). E-1184/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer Afghanistan un- gefähr im Dezember 2021 und suchte am (…) Januar 2023 in der Schweiz um Asyl nach. B. Die Abklärungen des SEM ergaben, dass er am (…) 2022 in Bulgarien und am (…) 2023 in Österreich um Asyl nachgesucht hatte. Den Akten des Bun- desamtes für Zoll und Grenzsicherheit, welche zu den Akten des SEM hin- zugezogen wurden, ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer beim Grenzübergang eine österreichische Verfahrenskarte auf sich trug (erfass- tes Geburtsdatum: […]). C. Am 13. Januar 2023 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zuge- wiesene Rechtsvertretung. D. Am 16. Januar 2023 ersuchte die Vorinstanz die bulgarischen Behörden um weitere Infor mationen zum Stand des Asylverfahrens betreffend den Beschwerdeführer in Bulgarien. E. E.a. Mit E-Mail vom 13. Januar 2023 informierte die damalige Rechtsver- tretung des Beschwerdeführers das SEM, dass dieser minderjährig sei und sein korrektes Geburtsdatum der (…) sei. Er werde seine Familie bitten, ihm seine Tazkira zuzusenden. E.b. Daraufhin sagte das SEM das Dublin -Gespräch ab und disponierte neu eine Erstbefragung UMA (unbegleitete minderjährige Asylsuchende). F. Die bulgarischen Behörden wiesen das SEM mit Schreiben vom 27. Januar 2023 darauf hin, dass der Beschwerdeführer bei ihnen unter de m Namen «B._______» und dem Geburtsdatum « (…)» registriert worden sei. Er habe am (…) 2022 um Asyl ersucht und sei am (…) 2023 untergetaucht. Er habe selbst ausgesagt, volljährig zu sein, weshalb er als Erwachsener erfasst worden sei. Ausserdem sei er nicht aus Bulgarien ausgewiesen worden. E-1184/2023 Seite 3 G. Anlässlich der Erstbefragung UMA vom 6. Februar 2023 (SEM-Akten 1225667-18/12, nachfolgend A18) gewährte das SEM dem Beschwerde- führer das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Bu lgariens oder Österreichs für die Durchführung seines Asylverfahrens. Zudem kon- frontierte es ihn mit seinen Zweifeln an der nachträglich geltend gemachten Minderjährigkeit. Der Beschwerdeführer reichte anlässlich dieser Befragung eine Kopie sei- nes afghanischen Identitätsdokuments (Tazkira) zu den Akten und erklärte, er kenne sein Geburtsdatum nicht genau. Seiner Tazkira sei aber zu ent- nehmen, dass er am (…) (gem. afgh. Kalender: […]) gemäss seiner äusse- ren Erscheinung wie ein (…) ausgesehen habe. Auf dem Personalienblatt habe er den (…) angegeben, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Be- sitz seiner Tazkira gewesen sei. Er habe den Irrtum korrigiert, nachdem er die Tazkira erhalten habe. Nach der Ausstellung seiner Tazkira sei er ein- geschult worden, er wisse aber nicht genau, in welchem Jahr. Die Schule habe er sechs beziehungswiese vier Jahre lang besucht. Als er (…)-jährig gewesen sei, habe er diese verlassen. Ungefähr im Dezember 2021 sei er aus Afghanistan ausgereist. Auf dem Personalienblatt habe jemand ande- res diesen Teil ausgefüllt und August 2021 angegeben. Hinsichtlich der allfälligen Zuständigkeit Bulgariens brachte er vor, nicht dorthin zurückkehren zu wollen, da er dort festgenommen und in ein Ge- fängnis gebracht worden sei. Erst nachdem er seine Fingerabdrücke ab- gegeben habe, sei er freigelassen worden. Man gehe in den Gefängnissen schlecht mit den Menschen um, man werde geschlagen und erhalte kein richtiges Essen. Ein Asylgesuch habe er nicht gestellt, da die Schweiz im- mer sein Ziel gewesen sei. Die bulgarischen Behörden hätten einfach ein Geburtsdatum aufgeschrieben, er habe gar keines angegeben. Er habe aber den gleichen Namen wie in der Schweiz beziehungsweise neben sei- nem Vornamen den Vornamen seines Vaters genannt, da er den Nachna- men ja aussuchen könne. Er habe danach einen «Zettel» erhalten mit dem er aufgefordert worden sei, das Land zu verlassen. Auch in Österreich seien ihm die Fingerabdrücke abgenommen worden und auch die österrei- chischen Behörden hätten das Geburtsdatum selbst erfasst und ihm ein Schreiben ausgehändigt, wonach er Österreich verlassen müsse. In Bezug auf den medizinischen Sachverhalt legte der Beschwerdefüh rer dar, (…). E-1184/2023 Seite 4 Die Rechtsvertretung beantragte am Ende der Befragung , im ZEMIS sei der (…) als Geburtsdatum zu erfassen, zumal dieses Datum näher am Aus- stellungsdatum der Tazkira liege. Falls am Geburtsdatum vom (…) festge- halten werde, beantrage sie, dass der Beschwerdeführer dennoch wie ein Minderjähriger zu behandeln sei, da das SEM praxisgemäss ungenaue Geburtsdaten erfasse. Ausserdem sei ein rechtsmedizinisches Altersgut- achten durchzuführen. H. H.a. Am 8. Februar 2023 ersuchte das SEM die österreichischen Behörden gestützt auf Art. Art. 18 Abs. 1 Bst. b Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (nachfolgend: Dublin -III-VO) um Rückübernahme des Be- schwerdeführers. H.b. Die österreichischen Behörden lehnten das Ersuchen am 14. Februar 2023 mit der Begründung ab, Bulgarien sei für die Durchführung des Asyl- verfahrens zuständig. I. I.a. Am selben Tag ersuchte das SEM in der Folge die bulgarischen Behör- den um Rückübernahme des Beschwerdeführers; ebenfalls gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. I.b. Die bulgarischen Behörden hiessen das Gesuch gestützt auf dieselbe Bestimmung am 27. Februar 2023 gut. J. Mit Verfügung vom 28. Februar 2023 – tags darauf eröffnet – trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegwei- sung nach Bulgarien an und forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig stellte es fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent- scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu und das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS laute auf den (…). Ferner beauftragte das SEM den zuständigen Kanton ([…]) mit dem Vollzug der Wegweisung und ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Akten- verzeichnis an. E-1184/2023 Seite 5 In Bezug auf die geltend gemachte Minderjährigkeit des Beschwerdefüh- rers hielt es zusammengefasst fest, dass er diese nicht mit rechtsgenügli- chen Ausweisdokumenten habe belegen können, seine Angaben zu sei- nem Alter, seiner schulischen Laufbahn, dem Alter seiner Geschwister un- genau und zum Teil widersprüchlich ausgefallen seien . Ausserdem sei er sowohl in Bulgarien als auch in Österreich als vol ljährig registriert worden und vor Erhalt der Tazkira selbst von seiner Volljährigkeit ausgegangen. K. Mit Eingabe vom 1. März 2023 informierte die Rechtsvertretung das SEM über die Niederlegung des Vertretungsmandats. L. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsg ericht vom 1. März 2023 beantragt der – nicht mehr vertretene – Beschwerdeführer, die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das im ZEMIS ge- führte Geburtsdatum vom (…) auf den (…) zu berichtigen. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Erstellung des Sachverhalts an das SEM zu- rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses, um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands sowie um Er- teilung der aufschiebenden Wirkung. M. Am 2. März 2023 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori- schen Vollzugsstopp an. Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsge- richt die vorinstanzlichen Akten in elektronischer Form vor. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs- gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu- ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Be schwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). E-1184/2023 Seite 6 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser heblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichtein- tretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG betreffend das Asyl- gesuch des Beschwerdeführers (Ziffer 1 des Dispositivs der angefochten- en Verfügung) als auch gegen die ZEMIS -Eintragung betreffend dessen Geburtsdatum (Ziffer 5 des Verfügungsdispositivs). Über das Begehren um Änderung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums ist nicht im vorliegen- den Dublin-Verfahren zu entscheiden, weshalb im Nachgang ein separates Verfahren unter der Geschäfts-Nr. E-1300/2023 bezüglich der beantragten Datenänderung zu führen ist (vgl. auch Urteil des BVGer E-4231/2021 vom 8. Oktober 2021 E. 2.3). Eine Koordination erfolgt insofern, als in beiden Verfahren derselbe Spruchkörper eingesetzt ist. 3. 3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur- teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet. 4. 4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals E-1184/2023 Seite 7 ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). Vom Wiederaufnahmeverfahren ausgeschlossen sind unbegleitete Min- derjährige. Im Falle von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre An- knüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem der Minderjährige seinen An- trag gestellt hat (vgl. u.a. Urteile BVGer D-3656/2021 vom 20. August 2021 E. 4.2, F-949/2021 vom 24. März 2021 E. 3.2). 4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu- ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei- sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand- lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin- gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein ande rer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied- staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 4.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge- nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 konkretisiert; das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Be- stimmung «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zustä ndig wäre. Liegen individu- elle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 5. 5.1 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in Bulgarien ein Asylgesuch ein- gereicht zu haben, auch wenn er dies nicht beabsichtigt habe. Er macht aber sinngemäss geltend, aufgrund der von ihm glaubhaft gemachten Min-E-1184/2023 Seite 8 derjährigkeit sei gestützt auf Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO von der Zuständig- keit der schweizerischen Asylbehörden für sein Asylgesuch auszugehen. In Afghanistan sei das Alter zwar nicht so wichtig, dennoch könne seiner Tazkira entnommen werde, dass er heute erst (…) Jahre alt und somit min- derjährig sei. Konkret bemängelt der Beschwerdeführer in diesem Zusam- menhang, die Vorinstanz habe es pflichtwidrig unterlassen, ein Altersgut- achten in Auftrag zu geben. Damit macht er sinngemäss geltend, das SEM habe den Sachverhalt unvollständig und unrichtig festgestellt sowie seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. 5.2 Asylsuchende sind verpflichtet, ihre Identität offenzulegen und Reise- papiere sowie Identitätsaus weise abzugeben (Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Person zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen. In einer Gesamtwürdigung müssen die Gründe, welche für die Minderjährigkeit sprechen, überwiegen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3). Gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, seine Minderjäh- rigkeit zumindest glaubhaft zu machen respektive bleiben entsprechende Behauptungen unsubstantiiert, so ist von d er Beweislosigkeit und mithin von der Volljährigkeit auszugehen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 7.1). 5.3 5.3.1 Zur Einschätzung des Alters des Beschwerdeführers ist vorliegend eine Gesamtwürdigung vorzunehmen, bei der die Kopie seiner Tazkira, die protokollierten Aussagen zu den persönlichen Lebensumständen , insbe- sondere seine Angaben zum Alter, zu den familiären Umständen und zum Schulbesuch zu berücksichtigen sind (vgl. EMARK a.a.O. E. 6.4.3 f.). 5.3.2 Der vom Beschwerdeführer zum Beleg seines Alters eingereichten Tazkira kann praxisgemäss nur ein geringer Beweiswert beigemessen wer- den. Diese enthält keine Sicherheitsmerkmale und kann deshalb einfach gefälscht werden. Selbst bei Annahme der Echtheit einer Tazkira stimmen nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die darin ent- haltenen zeitlichen Angaben über das Geburtsdatum nicht immer mit dem wirklichen Alter überein. Die Geburtsdaten werden je nach Ausstellungsort unterschiedlich eingetragen und oft basiert die Angabe auf einer Einschät- zung des Alters aufgrund des Aussehens der Person im Zeitpunkt der Aus- stellung (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.2, bestätigt u.a. im Urteil des BVGer D - 60/2020 vom 8. Februar 2021 E. 4.3.2). Vorliegend geht au s der Tazkira E-1184/2023 Seite 9 sogar hervor, dass es sich bei der Altersangabe lediglich um eine Schät- zung handle, die auf der äusseren Erscheinung des Beschwerdeführers im Oktober 2010 beruhe. 5.3.3 Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung ver- mag das Aussageverhalten des Beschwerdeführers das Gericht nicht von seiner Minderjährigkeit zu überzeugen. So liegen den bulgarischen, öster- reichischen und schweizerischen Behörden drei verschiedene Geburtsda- ten vor ([…] [Angaben gem. bulgarischen Behörden], […] [Angaben gem. österreichischen Behörden und Ersterfassung in der Schweiz] und […] [An- gaben des Beschwerdeführers nach Erhalt der Tazkira]). Die Angaben zu seinem Alter variieren folglich zwischen (…) und (heute) (…) Jahren (bzw. (…) Jahre zum Zeitpunkt der Einreichung des Asylgesuchs in der Schweiz). Es ist nicht davon auszugehen, dass sowohl die bulgarischen als auch die österreichischen Behörden nicht nach dem Geburtsdatum gefragt hätten, wie vom Beschwerdeführer behauptet (vgl. A18 Ziff. 2.06 ). Die bulgari- schen Behörden halten in ihrem Schreiben vom 27. Januar 2023 sogar fest, dass der Beschwerdeführer selbst angegeben habe, volljährig zu sein (vgl. SEM-Akten 1225667-15/1). Auch dass er in Bulgarien einen «Zettel» erhalten habe, wonach er das Land verlassen müsse, widerspricht den An- gaben der bulgarischen Behörden im betreffenden Schreiben, welches ausdrücklich festhält, dass er nicht ausgeschafft worden sei. Er sei viel- mehr am (…) 2022 untergetaucht. Zur allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers trägt sodann nicht bei, dass er sich in Bulgarien unter einem anderen Namen (C._______) hat registrieren lassen als in Öster- reich und in der Schweiz (vgl. SEM-Akten 1225667-15/1 und 1225667-25/1 sowie A18 Ziff. 2.06). Daran ändert nichts, dass er für sich in Anspruch nimmt, seinen Nachnamen selbst aussuchen zu dürfen (vgl. A18 Ziff. 2.06). Die weiteren anlässlich der Erstbefragung gestellten Fr agen, welche Auf- schluss über sein Alter hätten geben können, konnte er nicht beantworten. So konnte er zwar ungefähr angeben, wie alt seine Geschwister seien, die Altersabstände zu diesen konnte er aber nicht nennen (vgl. A18 Ziff. 3.02). Auch hinsichtlich seiner schulischen Laufbahn fielen seine Angaben unklar aus. So erklärte er zunächst , die Schule bis zur (…) Klasse besucht zu haben. Danach gab er hingegen an, die Schule in der (…) Klasse verlassen zu haben (vgl. A18 Ziff. 1.17.04). Schliesslich gab er zu Protokoll, er habe die Schule im Alter von (…) Jahren beendet. Hinzu kommt, dass auch die österreichischen Behörden den Beschwerdeführer nach Bulgarien über- stellen wollten, mithin auch von dessen Volljährigkeit ausgegangen sind. E-1184/2023 Seite 10 5.3.4 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Minderjährigkeit glaubhaft zu machen. Seine äusserst vagen Anga- ben zu jeglichen Bereichen, welche Rückschlüsse auf sein Alter zugelas- sen hätten, lassen insgesamt den Schluss zu, dass er an einer korrekten Feststellung seines Alters nicht hat mitwirken wollen. Auch wenn unter Be- rücksichtigung des soziokulturellen Hintergrundes nicht auszuschliessen ist, dass sein Geburtsdatum – und Daten ganz allgemein – in seinem Hei- matstaat keine grosse Rolle spielen, wäre von ihm zu erwarten gewesen, dass er genauere Angaben zu seinem Alter und zu den persönlichen Um- ständen, die Rückschlüsse darauf zuliessen, machen könnte. Da seine we- nigen Angaben zu seinem Alter nicht kohärent sind und die Tazkira lediglich eine Schätzung festhält, ergeben sich insgesamt keine konkreten Anhalts- punkte, welche für die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers sprechen. Angesichts der völlig unsubstantiierten Angaben ist im Ergebnis von der Beweislosigkeit und damit der Unglaubhaftigkeit der von ihm geltend ge- machten Minderjährigkeit auszugehen (vgl. EMARK a.a.O. E.7.1). 5.3.5 Die Vorinstanz hat eine Gesamtwürdigung aller Indizien vorgenom- men und ihre Schlussfolgerung hinreichend begründet. In Berücksic hti- gung sämtlicher Umstände des vorliegenden Falles konnte das SEM auch auf die Durchführung eines Altersgutachtens verzichten, weil es genü- gende Hinweise auf die Volljährigkeit des Beschwerdeführers hatte. Eine Verletzung der Begründungspflicht oder eine unvollständige Sachverhalts- feststellung liegt nicht vor. 5.4 Zusammenfassend hat das SEM nach rechtsgenüglicher Feststellung des diesbezüglichen Sachverhalts und mit zutreffender und hinreichender Begründung festgestellt, der Beschwerdeführer habe die geltend ge- machte Minderjährigkeit nicht glaubhaft gemacht. 6. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eurodac»-Datenbank ergab, dass dieser am (…) 2022 in Bulgarien ein Asylgesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die bulgarischen Behörden am 14. Februar 2023 um Wiederaufnahme des Beschwerde- führers. Die bulgarischen Behörden stimmten dem Gesuch um Übernahme am 27. Februar 2023 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu. Damit ist die grundsätzliche Zuständigkeit Bulgariens zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens – ungeachtet des Einwandes des Beschwerdeführers, er sei zur Abgabe seiner Fingerabrücke in Bulgarien gezwungen worden – gegeben. E-1184/2023 Seite 11 7. 7.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei ihm in Bulgarien Gewalt angetan worden und er sei dort nicht in Sicherheit. Er gehe überdies nicht davon aus, dass dort ein faires Asylverfahren durchgeführt werde. 7.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli- che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Asylsuchende in Bulgarien würden systemische Schwach- stellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdi- genden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden. 7.3 Bulgarien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und de s Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich- tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per- sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er- geben. 7.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Referen zurteil F‑7195/2018 vom 11. Februar 2020 ausführlich mit dem bulgarischen Asyl- system und der Situation asylsuchender Personen in diesem Dublin -Mit- gliedstaat auseinandergesetzt. Es hat festgehalten, dass das dortige Asyl- verfahren sowie die Aufnahmebedingungen zwar gewisse Mängel aufwei- sen würden, diese aber nicht systemischer Natur seien, weshalb von Über- stellungen nach Bulgarien grundsätzlich nicht abzusehen sei. Korrekte Asylverfahren seien in Bulgarien nicht systembedingt unmöglich. Die tiefe Anerkennungsquote gegenüber Staatsangehörigen gewisser Länder rechtfertige es nicht, auf Überstellungen nach Bulgarien zu verzichten. Be- troffene Personen könnten gegen einen negativen Asylentscheid ein wirk- sames Rechtsmittel einlegen. Zudem seien die Bedingungen in de n Auf- nahme- und Haftzentren zwar prekär, könnten aber nicht als unmenschlich oder entwürdigend qualifiziert werden (a.a.O. E. 6.6.1 und E. 6.6.7). Das E-1184/2023 Seite 12 Bundesverwaltungsgericht geht auch heute nicht von systemischen Män- geln im bulgarischen Asylverfahren aus (vgl. statt vieler Urteile des BVGer D-5948/2022 vom 25. Januar 2023 E. 6.2 und D -6008/2022 vom 16. Ja- nuar 2023 E. 6.3). An dieser Einschätzung vermag auch die Belastung Bul- gariens durch ukrainische Kriegsflüchtlinge nichts zu ändern (vgl. etwa Ur- teil des BVGer F-4005/2022 vom 1. November 2022 E. 7.2 m.w.H.). 7.5 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. 8. 8.1 Der Beschwerdeführer hat auch kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die bulgarischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder auf- zunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Bulgarien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde , zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Bulgarien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. 8.2 Der Beschwerdeführer hat ferner keine konkreten Hinweise für die An- nahme dargetan, Bulgarien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnah- merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Übri- gen an die dafür zuständigen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 der Aufnahmerichtlinie). Zudem steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort tä- tigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. Es sind keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich, der Beschwerdeführer geriete im Falle ei- ner Überstellung wegen der dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine exis- tenzielle Notlage. Der Beschwerdeführer macht auf Beschwerdeebene geltend, in Bulgarien inhaftiert worden und erst nach Abgabe der Fingerabdrücke entlassen wor- den zu sein . Die Schlepper gingen schlecht mit Asylsuchenden um . Wer E-1184/2023 Seite 13 an der bulgarischen Grenze gefasst werde, würde «fast zu Tode» geschla- gen. Auf Asylsuchende würden Hunde losgelassen . Auch im Gefängnis werde man geschlagen, dürfe nicht das Gebäude verlassen und erhalte kein richtiges Essen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer beim Grenzübertritt und bei seiner Ankunft Übergriffe erlebt hat. Er spricht dies- bezüglich jedoch mehrheitlich von möglichen Szenarien an der bulgari- schen Grenze und im dortigen Gefängnis. Er bringt nicht differenziert vor, was ihm persönlich geschehen sei und wovon er lediglich gehört habe . Auch auf Beschwerdeeben e erklärt er lediglich, Gewalt erlebt zu haben, spezifiziert dieses Vorbringen allerdings nicht. Es ist ausserdem darauf hin- zuweisen, dass sich der Beschwerdeführer nach seiner Überstellung in ei- ner anderen Situation als bei seiner ersten Einreise nach Bulgarien befin- den wird. S odann hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht festgestellt, dass Bulgarien als Rechtsstaat mit einem funktionieren- den Justizsystem einzustufen ist. Folglich ist von der grundsätzlichen Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit dieses Staates auszugehen. Bei einer ungerechten Behandlung durch Beamten oder Behörden ist es dem Be- schwerdeführer zuzumuten, seinen Schutz – nötigenfalls mit Unterstützung einer in Bulgarien tätigen Hilfsorganisation – rechtlich einzufordern. Es lie- gen keine Hinweise v or, dass Bulgarien dem Beschwerdeführer den Zu- gang zu einem Asylverfahren und einer medizinische Behandlung verwei- gert hätte oder zukünftig verweigern würde. 9. 9.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbeson- dere hat das SEM auch im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers alle wesentlichen Umstände hinreichend berück- sichtigt und den Akten sind auch sonst keine Hinweise auf einen Ermes- sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 9.2 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er- messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist E-1184/2023 Seite 14 festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein- räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 9.3 Somit bleibt Bulgarien der für die Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Bulga- rien ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 24, 25 und 29 Dub- lin-III-VO (…)aufzunehmen. 10. Das SEM ist demnach zu Recht in Anw endung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Überstellung nach Bulgarien angeordnet. 11. Nach dem Gesagten ist die B eschwerde abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 12. 12.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren betreffend den Nichteintretensentscheid abgeschlossen, weshalb der Antrag auf Er- teilung der aufschiebenden Wirkung und das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos ge worden sind. Der mit superprovisorischer Massnahme vom 2. März 2023 angeordnete Voll- zugsstopp fällt dahin. 12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie amtliche Verbeiständung sind unbesehen der finan- ziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers abzuweisen, da die Be- schwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu be- zeichnen ist und es daher an einer gesetzlichen Grundlage zu deren Ge- währung fehlt. (Dispositiv nächste Seite) E-1184/2023 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Verbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Regina Seraina Goll Versand: