B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4716/2013 U r t e i l v o m 8 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren (…), Staat unbekannt, angeblich Eritrea, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M. (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 29. Juli 2013 / N (…). D-4716/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reiste eigenen Angaben zufolge am 25. Nove m- ber 2009 in die Schweiz ein und ersuchte am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel um Asyl nach. Nachdem sie von dort ins Transitzentrum Altstätten transferiert worden war, wurde sie am 3. De- zember 2009 zu ihrer Person, den Reiseumständen und summarisch zu ihren Asylgründen befr agt. Eine einlässliche Anhörung zu den Fluch t- gründen fand durch das BFM am 23. Dezember 2009 statt. Im Rahmen dieser Anhörungen führte die Beschwerdeführerin hauptsäch- lich aus, sie sei in B._______, Äthiopien, geboren. Sie sei eritreische Staatsangehörige, gehöre der Ethnie der Tigriner an und spreche Amh a- risch. In B._______ habe sie bis 1998/99 zusammen mit ihrer Mutter und ihrer älteren Halbs chwester gelebt und die erste bis siebte Klasse b e- sucht. Ihre Mutter, eine eritreische Staatsangehörige, habe bei der Schul- verwaltung gearbeitet. Ihren Vater, eine n eritreischen Staatsbürger, habe sie nie gekannt. Er le be in Eritrea. Auch eine Tante mütterlicherseits wür- de sich in Eritrea aufhalten. Wo in Eritrea sic h diese Angehörigen befin- den würden, wisse sie aller dings nicht. Ihre Grosseltern mütterlicherseits würden in C._______ leben. Dort sei ihre Mutter aufgewachsen. Diese sei wegen des Vorwurfs, den "Shabia" Informationen vermittelt zu haben, im Mai/Juni 1999 nach Eritrea deportiert worden. Ihre Halbschwester sei zu- sammen mit ihrer Mutter abgeschoben worden. Ihre Mutter habe sie sei t- her nicht mehr gesehen. Sie selber sei in jener Zeit an Malaria erkra nkt, weshalb sie nicht nach Eritrea habe ausreisen können. Sie sei nach D._______ gereist respektive d ie äthiopische Patentante ihrer älteren Schwester habe sie in B._______ bei ihrer Mutter abgeholt. Sie verfüge über keine Identitätspapiere, da sie nie solche besessen habe. Auch be- sitze sie keine Geburtsurkunde. Erwähnte Patentante in Äthiopien sei nicht in der Lage gewesen, ihr Papiere zu besorgen, da sie sich illegal in Äthiopien aufgehalten habe. Die Patentante habe ihr mitge teilt, dass sie deshalb für sie und ihre Familie eine Gefahr darstellen wür de. Aus die- sem Grund und da sie Angst gehabt habe , entdeckt und nach Eritrea d e- portiert zu werden, sei sie am 24. November 2009 mit der Hilfe eines Schleppers, der ihr einen rotbraunen Pass besorgt habe, auf dem Luf t- weg von D._______ aus in die Schweiz gereist. D-4716/2013 Seite 3 B. Das BFM qualifizierte diese Vorbringen mit Verfügung vom 13. März 2012 im Wesentlichen als nicht glaubhaf t. Dabei ging es insbesondere davon aus, dass die Beschwerdeführerin mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wie angegeben eritreische, sondern äthiopische Staatsangehörige sei. Es stellte fest, d ie Beschwerdeführerin erf ülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und wies ihr Asylgesuch vom 25. November 2009 ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. D a- bei stellte sich das BFM auf den Standpunkt, der Vollzug nach Ät hiopien sei zulässig, zumutbar und möglich. C. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer damaligen Rechtsvertreterin vom 26. März 2012 – unter Beilegung diver- ser Integrationsatteste – Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Zur hauptsächlichen Begründung wurde ausgeführt, die Beschwerdefü h- rerin besitze mehr oder weniger keine Staatsangehörigkeit. Sie habe nie behaupten wollen, sie sei offiziell eritreische Staatsangehörige. Sie habe einfach gewusst, dass sie Eritreerin sei. Eine Rückkehr nach Äthiopien oder Eritrea sei nicht möglich. Sie würde in beiden Staaten nicht als d e- ren Staatsangehörige gelten. Zu ihrer Tante nach Äthiopien könne sie nicht zurückkehren. D. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Urteil D-1652/2012 vom 19. Februar 2013 im Wesentlichen die Erwägungen des BFM in dessen Ve r- fügung vom 13. März 2012 und wies die Beschwerde vom 26. März 2012 ab. Insbesondere erachtete es die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrer eritreischen Staatsangehörigkeit als nicht gla ubhaft und ging davon aus, dass sie in ihrem mutmasslichen Herkunftsstaat Äthiopien zumindest über eine Aufenthaltsbewilligung verfüge respektive dieser Staat ihr He i- matstaat sei. Ausserdem ging das Gericht davon aus, die Beschwerd e- führerin verfüge in Äthiopien über einen sozialen und finanziellen Rüc k- halt. Da aufgrund ihres Aussageverhaltens die konkreten Lebensumstä n- de in Äthiopien nicht vollständig geklärt seien, könne auch nicht davon ausgegangen werden, sie gerate als alleinstehende zurückkehrende Per- son in eine existenzbedrohende Lage (BVGE 2011/25 E. 8.4). E. Mit Schreiben vom 13. Mai 2013 ersuchte rubrizierter Rechtsvertreter beim BFM betreffend den Vollzug der Wegweisung um Wiedererwägung D-4716/2013 Seite 4 der Verfügung vom 13. März 2012. Es wurde beantragt, es se i der B e- schwerdeführerin wegen Unzumutbarkeit allenfalls wegen Unmöglichkeit des Vollzuges der Wegweisung die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Begründet wurde das Gesuch mit neuen Tatsachen respektive wesentlich veränderten Verhältnissen seit Ergehen der v orinstanzlichen Verfügung. Anhand dreier beigelegter Zeugenaussagen von Be kannten der Mutter der Beschwerdeführerin werde bestätigt, dass die Mutter im Jahre 1999 von B._______ nach Eritrea deportiert worden sei und heute dort lebe. Die vom BFM au fgestellte Regelvermutung, die Beschwerdeführerin ver- füge in Äthiopien über ein tragfähiges Beziehungsnetz, erweise sich somit als falsch. Vor dem Hintergrund der Rechtsprechung des Bundesverwa l- tungsgerichts hinsichtlich der Zumutbarkeit des Vollzuges der Wegwe i- sung von alleinstehenden Frauen nach Äthiopien (E -4637/2011 E. 7.3.1) sei der Vollzug der Wegweisung somit unzumutbar. Im Weiteren wurde auf die Integration der Beschwerdeführerin (Deutschkenntnisse, Beruf s- vorbereitungsjahr, Lehrvertrag respektive Ausbildung als Restauration s- angestellte, etc.) verwiesen und dazu verschiedene Un terlagen zu den Akten gereicht. Es wurde geltend gemacht, bei einer Wegweisung würde eine junge Frau aus ihrem sozialen Umfeld gerissen, was sich negativ auf ihre Psyche auswirken könne. Die persönlichen Verhältnisse und der Grad der Integration seien gemäss Art. 96 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) zu berücksichtigen. Ohne die Einwilligung der Betroffenen sei e i- ne Wegweisung n ach Äthiopien respektive eine Papierbeschaffung aus- serdem nicht möglich. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich daher als unzumutbar allenfalls als unzulässig. F. Mit Schreiben vom 17. Juli 2013 ersuchte der Rechtsvertreter das BFM um Auskunft über den Ver fahrensstand. Gleichzeitig reichte er weitere Beweismittel zur beruflichen Integration der Beschwerdeführerin (Note n- ausweis, Anerkennungsurkunde, Empfehlun gsschreiben, Lehrvertrag) ein. G. Mit Entscheid vom 29. Juli 2013 wies das BFM das Wiedererwägungsg e- such vom 13. Mai 2013 ab, erklärte die Verfügung vom 13. März 2012 für rechtskräftig und vollstreckbar und stellte fest, dass einer allfälligen B e- schwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. Die eingereichten Zeugenaussagen erachtete es dabei als blosse Gefälligkeitsschreiben, D-4716/2013 Seite 5 weshalb diese nicht geeignet seien, die eritreische Herkunft der B e- schwerdeführerin und die Deportation der Familie zu beweisen. H. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 22. August 2013 Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht. Darin wurde beantragt, die Verfügung des BFM vom 29. Juli 2013 sei vollumfänglich aufzuheben, es sei die Unzulässigkeit oder die Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung festzustellen und die vor- läufige Au fnahme der Beschwerdeführerin anzuordnen. In verfahren s- rechtlicher Hinsicht wurde um Erteilung der aufschiebenden Wirkung s o- wie darum ersucht, das Migrationsamt des Kantons E._______ sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuweisen, von jeglichen Vol l- zugsmassnahmen abzusehen. Ausserdem wurde um Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung ersucht sowie beantragt, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. In der Beschwerde wurde hauptsächlich argumentiert, das BFM spreche in unzulässiger Weise den eingereichten Zeugenaussagen den Bewei s- wert ab. Die Beschwerdeführerin habe nur beschränkte Möglichkeiten, ih- re Vorbringen zu beweisen, so dass keine strikten Beweise verlangt we r- den könnten. Dem BFM stünde es im Übrigen offen, via Botschafts anfra- ge abzuklären, ob die genannten Zeugen tatsächlich existieren würden. Im Übrigen werde das Original der Aussagen beigelegt. Es gebe keinen Anlass, an der Deportation der Mutter zu zweifeln. Dies zeige auch der Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) Ende der 90-er Jahre. Je besser die Integration und die wirtschaftliche Zukunftsperspektive des- to kleiner sei das öffentliche Interesse an einer Wegweisung der B e- schwerdeführerin. Die Integration müsse bei der Wegweisung berücksich- tigt werden. Das BFM gehe nicht auf die Frage der Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Vollzuges der Wegweisung ein. Gemäss einem Bericht von Amnesty International von 2013 würde Äthiopien notorisch Me n- schenrechtsverletzungen begehen. Di e Beschwerdeführerin würde die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Die Mutter der Beschwerdeführerin lebe in Eritrea. Auch ihr Vater sei zwischenzeitlich dorthin ausgereist. Sie ve r- füge somit über kei n Beziehungsnetz in Äthiopien. Der Vollzug ihrer Wegweisung sei im Sinne der Rechtsprechung d es Bundesverwaltungs- gerichts unzumutbar. Eine Papierbeschaffung sei ohne Einverständnis der Beschwerdeführerin seit Jahren nicht möglich und daher der Vollzug der Wegweisung auch technisch unmöglich. D-4716/2013 Seite 6 I. Mit Verfügung vom 30. August 2013 verzichtete die Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses und setzte den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin vor- läufig aus. Gleichzeitig erteilte es dem BFM die Gelegenheit , sich zur Be- schwerde bis zum 16. September 2013 vernehmen zu lassen. J. In seiner Vernehmlassung vom 10. September 2013 verneinte das BFM die Notwendigkeit der beantragten Botschaftsabklärung, da selbst wenn die Zeugenaussagen von den darin genannten Personen verfasst worden wären, dies nicht bedeute, dass diese damit die Wahrheit bezeugt hätten. K. Zur Vernehmlassung des BFM wurde der Beschwerdeführerin am 12. September 2013 die Gelegenheit zur Einreichung einer Replik bis zum 27. September 2013 erteilt. L. In der Replik vom 27. September 2013 wurde argumentiert, dass die erit- reische Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin habe belegt werden können. Daher sei eine neue materielle Würdigung nötig. Das Bunde s- verwaltungsgericht sei in seinem Entscheid lediglich vermutungsweise davon ausgegangen, dass sie in Äthiopien über eine Aufenthaltsbewill i- gung verfüge. Die Tatsache, dass ihr aufgrund ihrer er itreischen Staats- angehörigkeit die Flüchtlingseigenschaft zukomme, sei vom Bundesve r- waltungsgericht nicht abschliessend geklärt worden. Mit beigelegter Bes- tätigung des äthiopischen Konsulats in Genf werde ausserdem belegt, dass sie über keinen Aufenthaltsstatus in Äthiopien verfüge. Denn mit diesem werde erklärt, dass kein Nachweis habe ausgestellt werden kö n- nen, dass sie äthiopische Staatsbürgerin sei o der in Äthiopien über eine Aufenthaltsberechtigung verfügen würde. M. Das BFM wurde am 3. Oktober 2013 eingeladen, sich bis zum 18. Okt o- ber 2013 zur Replik vom 27. September 2013 zu äussern. N. In seiner Stellungnahme vom 18. Oktober 2013 vertrat das BFM die An- sicht, das Dokument der äthiopischen Mission in Genf attestiere, dass die Beschwerdeführerin keine äthiopische Papiere habe und ihr daher keine D-4716/2013 Seite 7 äthiopische Bestätigung ausgestellt werden könne. Es sage nichts üb er ihre wahre Nationalität aus. Die äthiopische Botschaft stelle entsprechen- de Bestätigungen nur dann aus , wenn sich die Person mit einem Ident i- tätsdokument ausweisen könne. O. Der Beschwerdeführerin wurde am 25. Oktober 2013 die Gelegenheit er- teilt, sich bis zum 11. November 2013 zur Vernehmlassung des BFM vom 18. Oktober 2013 zu äussern. P. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 11. November 2013 liess die B e- schwerdeführerin hauptsächlich erklären, das BFM spreche sowohl den Zeugenaussagen als auch der Bestätigung der äthiopischen Botschaft den Beweiswert für den Beleg ihrer eritreischen Staatsangehörigkeit ab. Es könne ihr indes nicht zugemutet werden, jeden Zweifel auszuräumen und den vollen Beweis zu erbringen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltun gsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Nach Lehre und Praxis können Wiedererwägungsentscheide grun d- sätzlich wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmit- telweg weitergezogen werden (vgl. BGE 113 Ia 146 f.; VPB 1985 Nr. 24; FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 220; URSINA BEERLI-BONORAND, Die ausserordentlichen Rechtsmittel in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 174 f.). Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt daher auch Beschwerden gegen Verfügungen, in denen das Bundesamt es ablehnt, einen früheren Entscheid auf Gesuch hin in Wiedererwägung zu ziehen. Das Bunde s- verwaltungsgericht ist somit zuständig für die Beurteilung der vorliege n-D-4716/2013 Seite 8 den Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005, BGG, SR 173.110). 1.3 Der Bundesrat beschloss am 13. Dezember 2013 mittels der Veror d- nung über eine Teilinkraftsetzung der Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 – unter dem Vorbehalt der in Abs. 2 und 3 der genannten Verordnung aufgeführten Artikel – die Inkraftsetzung der Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (BBl 2012 9685) per 1. Februar 2014. Gemäss Abs. 2 der Über- gangsbestimmungen des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 b etreffend die Änderung vom 14. Dezember 2012 gilt unter anderem bei Wiedererwä- gungsgesuchen für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes vom 26. J uni 1998 hängigen Ver- fahren bisheriges Recht in der Fassung vom 1. Januar 2008. 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer - deführerin ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe bung beziehungsweise Änd e- rung. Die Beschwerdeführerin ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (aArt. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Mit der vorliegenden Beschwerde kann die Verletzung von Bundes- recht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebl i- chen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden ( vgl. aArt. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Die Wiedererwäg ung im Verwaltungsverfahren war unter bisherigem Recht ein gesetzlich nicht geregelter Rechtsbehelf, auf dessen Behan d- lung durch die verfügende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis wird aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Voraussetzungen ein verfassung s- mässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein Wiedererwägungsg e- such einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachve rhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise seit dem Urteil der mit einer D-4716/2013 Seite 9 Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz in wesentlicher Weise ve r- ändert hat und mithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nac h- träglich eingetretene Veränderu ngen der Sachlage anzupassen ist. Au s- serdem können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererw ä- gung begründen, sofern sie sich auf eine in materielle Rechtskraft e r- wachsene Verfügung beziehen, die entweder unangefochten geblieben oder deren Beschwerd everfahren mit einem formellen Prozessurteil a b- geschlossen worden ist. Ein solchermassen als qualifiziertes Wiedere r- wägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist grundsätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln (vgl. KARIN SCHER- RER, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], VwVG, Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 66 Rz. 16 f). 2.2 Ebenfalls unter dem Blickwinkel der Wiedererwägung – und nicht et- wa der Revision – zu prüfen sind gemäss einem am 5. Juni 2013 erga n- genen Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts nach Abschluss des ordentlichen Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht entsta n- dene Beweismittel und Tatsachen, welche vorbestehende Tatsachen b e- legen sollen (BVGE 2013/22) . Liegt mit anderen Worten eine materiell rechtskräftige Verfügung vor, die angefochten wurde und deren B e- schwerdeverfahren mit einem materiellen Urteil endete und werden nach Abschluss des ordentlichen Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsg e- richt entstandene Beweismittel, welche vorbestehende Tatsachen bel e- gen sollen und erheblich sind, geltend gemac ht, sind diese durch das BFM – analog revisionsrechtlicher Gesichtspunkte im Sinne von Art. 66 VwVG – im Rahmen der Wiedererwägung zu prüfen. 2.3 Der Sinn der Wiedererwä gung – wie auch der Revision – ist sodann nicht die erneute rechtliche Würdigung eines bereits hinlänglich erstellten und endgültig beurteil ten Sachverhalts (vgl. EMARK 1999 Nr. 4 E. 5a S. 24 f.). Anders ausgedrückt ist es un zulässig, e in rechtskräftig ab - geschlossenes Verfahren unter dem Titel eines Wieder erwägungs- gesuchs faktisch zu wie derholen, indem die rechtliche Beurteilung der verfügenden Behörde (erneut) in Frage gestellt wird. Gar nicht erst ein - zutreten ist auf ein Wiedererwäg ungsgesuch schliesslich dann, wenn zu dessen Begründung lediglich un substanziierte Behauptungen aufge stellt werden und aus der Rechtssc hrift die tatsächlichen Anhaltspunk te, die auf das Vorliegen eines Wiedererwägungsgrundes hindeuten sollen, nicht ersichtlich sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 25 E. 4.2 S. 227 f., EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f., EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd S. 156). D-4716/2013 Seite 10 3. 3.1 Mit der Berufung auf die dem Wiedererwägungsgesuch vom 13. Mai 2013 beigelegten Erklärungen dreier angeblich in B._______ lebenden Personen äthiopischer Nationalität vom 6. Mai 2013 (28/08/2005 äthiop i- scher Kalender), mit welcher die Deportation der eritreischen Mutter nach Eritrea belegt werden soll, wird nicht – wie im Wiedererwägungsgesuch angenommen – eine nachträglich veränderte Sachlage geltend gemacht. Damit wird auf eine veränderte Beweislage hingewiesen, mit welcher der im ordentlichen Verfahren festgest ellte Sachverhalt neu beurteilt werden soll. Das Sachverhaltselement der Deportation der Mutter nach Eritrea respektive der eritreischen Staatszugehörigkeit oder Herkunft der Be- schwerdeführerin bildete im ordentlichen Asyl- und Beschwerdeverfahren bereits das Kernthema. Es handelt sich somit nicht um die Anpassung ei- ner ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene Veränderung der Sachlage. Vielmehr wird mit dem nach Abschluss des ordentlichen Beschwerdeverfahrens entstandenen Dokument der im Rahmen des vorliegenden Wiedererwägungsverfahrens zu prüfende Re- visionsgrund (vgl. E. 2.2) von Art. 66 Ab s. 2 Bst. a VwVG angerufen, wo- nach die Beschwerdeinstanz einen Entscheid in Revision zieht, wenn e i- ne Partei neue, erhebliche Tatsachen und Beweismittel vorbringt. 3.2 Gründe im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG gelten nicht als Re- visionsgründe, wenn die Partei sie im Rahmen des Verfahrens, das dem (Beschwerde-)Entscheid voranging, oder auf dem Weg einer Beschwe r- de, die ihr zustand, geltend machen konnte (Art. 66 Abs. 3 VwVG) . Auf- grund des zwingenden Charakters des Non -Refoulement-Gebotes g e- mäss Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) ist im Wiederwägungsverfahren der im Revision s- verfahren geltende Grundsatz analog anzuwenden, wonach ein recht s- kräftiges Urteil auch dann in Revision zu ziehen ist, wenn die neuen Vo r- bringen verspätet sind, aber offensichtlich machen, dass dem G e- suchsteller Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behandlung dr oht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis besteht (EMARK 1998 Nr. 3 S 19 ff.). 3.3 3.3.1 Das BFM hat erwähnte Erklärungen dreier äthiopischer Personen vom 6. Mai 2013 in der angefochtenen Verfügung als Gefälligkeitsschrei- ben erachtet. Es befand diese als nicht geeignet, um den Nachweis der D-4716/2013 Seite 11 von der Beschwerdeführerin behaupteten eritreischen Herkunft und der Deportation der Familie zu erbringen. Es verneinte, dass die als "Ze u- genaussagen" betitelten Erklärungen zu einem anderen Entscheid führen könnten. Damit verneinte es implizit deren Erheblichkeit analog Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG. Das BFM sprach auch auf Vernehmlassungsstufe den schriftlichen Aussagen der drei Personen vom 6. Mai 2013 die Erheb- lichkeit ab, indem es erwog, dass selbst wenn die Aussagen von den dar- in genannten Personen verfasst worden wären, dies nicht bedeuten wü r- de, dass damit die Wahrheit bezeugt worden sei. 3.3.2 Dazu ist vorab festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist, weshalb es der Beschwerdeführerin nicht möglich gewesen sein soll te, bereits im or- dentlichen Asyl- respektive im Beschwerdeverfahren Bestätigungen von ihr in B._______ bekannten Personen erhältlich zu machen, um die von ihr behauptete Deportation ihrer Mutter oder ihr e eritreische Staatsange- hörigkeit respektive Herkunft zu stützen. Eine Begründung dafür, weshalb die Erklärungen von drei angeblich in B._______ wohnhaften Personen erst am 6. Mai 2013 ausgestellt wurden, wird weder im Wiedererw ä- gungsgesuch noch in der Rechtsmittelschrift dargelegt. Den Angaben der drei Personen zufolge kannten diese die Mutter und die Beschwerdefü h- rerin bereits vor der en Deportation im Jahre 1999. Es erstaunt daher, dass die Beschwerdeführerin, die sich seit November 2009 in der Schweiz befindet, bis anhin keine entsprechende Bestätigungen dieser Personen, die sie im ordentlichen Verfahren nie erwähnte, beibringen konnte. Dieses Beweismittel wäre damit wohl als verspätet eingereicht zu qualifizieren. Ungeachtet dessen fällt sodann auf, dass nicht feststeht, von wem genau und von wo aus das Dokument vom 6. Mai 2013 der Be- schwerdeführerin respektive deren Rechtsvertreter zugestellt wurde. Ge- mäss dem Wiedererwägungsge such vom 13. Mai 2013 lagen die Erklä- rungen in jenem Zeitpunkt einzig in Form einer Fax -Kopie vor. Die darin enthaltene Nummer (…) deutet jedoch nicht auf eine äthio pische Fax - Nummer hin (vgl. act. B1/29). Damit ist zweifelhaft, ob der Fax aus Äthio- pien stammt. Auch dem der Beschwerde beigelegten Original kann nichts über dessen Herkunft respektive Zustellung entnommen werden, da ein entsprechendes postalisches Übermittlungscouvert fehlt. Ob die im D o- kument vom 6. Mai 2013 enthaltenen Aussagen tatsächlich von den darin genannten Personen abgegeben wurden, ist ebenfalls unklar. In der Fax- Kopie vom 6. Mai 2013 sind bloss schlecht oder zum Teil unlesbare Ko- pien von Identitätsausweisen enthalten, weshalb es nicht möglich ist, die in den Erklärungen vom 6. Mai 2013 enthaltenen Personalien mit jenen auf den Identitätsausweisen zu vergleichen. Selbst wenn aber – wie vom D-4716/2013 Seite 12 BFM zutreffend erwogen – die im Schreiben vom 6. Mai 2013 enthaltenen Aussagen tatsächlich von den darin genannten Personen verfasst worden sein sollten, würde dies noch nicht bedeuten, dass deren Anga ben als wahr respektive als glaubhaft zu erachten wären, zumal diese nicht etwa amtlich beglaubigt sind, indem sie beispielsweise gegenüber der Kebele abgegeben wurden. Nach Kenntnis des Gerichts sind zudem Bestätigun- gen einer Kebele, die über eine früher in Äthiopien wohnhafte Person, insbesondere auch über deren Herkunft, Auskunft geben können, in der Regel durchaus erhältlich. Es erscheint auch vor diesem Hintergrund nicht verständlich, weshalb es der Beschwerdeführerin bis dato nicht möglich gewesen sein sollte , einen entsprechenden Nachweis zu erbri n- gen. Im Weiteren fällt auf, dass die drei angeblich in B._______ wohnhaf- ten Personen darlegen, die Mutter der Beschwerdeführerin sei 1999 mit "ihren Kindern" nach Eritrea deportiert worden. Nach Aussagen der B e- schwerdeführerin wurden aber lediglich die Mutter und die Halbschwester nach Eritrea deportiert (vgl. act. A7/23 S. 8). Die Beschwerdeführerin sel- ber verblieb in Äthiopien . Mit dem BFM ist daher einherzuge hen, dass das Schreiben vom 6. Mai 2013 zum Nachweis der Glaubhaftigkeit der von der Beschwerdeführerin dargelegten Deportation der Mutter im Jahre 1999 nicht geeignet und damit in Analogie zu Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG als nicht erheblich zu bezeichnen ist. Entgegen der im Wiedererw ä- gungsgesuch vom 13. Mai 2013 vertretenen Ansicht kann dem Schreiben vom 6. Mai 2013 sodann auch nicht entnommen werden, dass die Mutter heute in Erit rea lebt und es stellt auch keinen Beleg für eine eritreische Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführe rin dar. In diesem Zusamme n- hang ist im Übrigen auf Folgendes zu verweisen: 3.3.3 Selbst davon ausgehend, die Mutter der Beschwerdeführerin wäre vor Ausbruch des Krieges 1998 tatsächlich eine in Äthiopien niedergela s- sene, eritreische Staatsangehörige gewe sen – indem sie zuvor etwa am Referendum von 1993 teilgenommen hätte – , ist festzuhalten, dass damit die damals minderjährige Beschwerdeführerin nebst der äthiopischen auch die eritreische Staatsangehörigkeit innegehabt hätte. Wäre die Mu t- ter der Beschwerdeführerin in jenem Zeitpunkt dagegen eine in Äthiopien wohnhafte Person eritreischer Herkunft gewesen, die die eritreische Staatsangehörigkeit – etwa mangels Teilnahme am Unabhängigkeitsrefe- rendum von 1993 – zuvor nicht erlangt hätt e, so wäre n die Mutter und damit auch die Beschwerdef ührerin vor Ausbruch des eritreisch- äthiopischen Grenzkrieges im Mai 1998 einzig als äthiopische Staatsa n- gehörige behandelt worden und sie hätten in jenem Zeitpunkt nicht gleichzeitig über die eritreische Staatsangehörigkeit verfügt. So oder a n-D-4716/2013 Seite 13 ders hätte d ie Beschwerdeführerin damit aber vor Ausbruch des Gren z- krieges die äthiopische Staatsbürgerschaft innegehabt. Nach Ausbruch des Grenzkrieges 1998 entzog der äthiopische Staat Personen eritre i- scher Herkunft zwar die äthiopische Staatsbürgerschaft, mithin au ch je- nen Personen, die zuvor nicht im Besitz der eritreischen Staatsbürge r- schaft waren. Nach dem Krieg galt aber spätestens ab 2004 für Eritreer und Eritreerinnen, die in Äthiopien verblieben waren, dass sich diese g e- mäss der Regierungsdirektive vom Januar 2004 (Directive Issued to D e- termine the Residence Status of Eritrean Nationals Residing in Ethiopia ) registrieren lassen konnten und in der Folge eine ständige Aufenthalts- bewilligung erhielten. Für die in Äthiopien verbliebenen Personen eritre i- schen Urspr ungs, die nach Auffassung der äthiopischen Behörden die eritreische Staatsangehörigkeit aktiv wahrgenommen und deshalb ihre äthiopische aufgegeben hatten, liess die Direktive zudem die Möglichkeit offen, nach dem neuen Nationalitätengesetz vom Dezember 200 3 den Wiedererwerb der äthiopischen Staatsangehörigkeit beantragen zu kö n- nen. Die Direktive bezog sich jedoch ausschliesslich auf Personen eritrei- schen Ursprungs, die bis zu deren Erlass permanent Wohnsitz in Äthi o- pien hatten (vgl. zum Ganzen: Urteil D -8860/2010 des Bundesverwa l- tungsgerichts vom 12. Oktober 2012 E. 4.5.10 mit weiteren Hinweisen). Wäre tatsächlich von einer eritreischen Staatsangehörigkeit oder Herkunft der Beschwerdeführerin auszugehen, so hätte für sie, die ihren ständigen Wohnsitz in Äthiopien hatte (vgl. act. A1/13 S. 1 und 10, act. A7/23 S. 5), demnach ohne Weiteres die Möglichkeit bestanden, entweder eine stä n- dige Aufenthaltsbewilligung oder aber (wieder) die äthiopische Staatsa n- gehörigkeit zu erlangen. Die Annahme des Bundesverwaltungsgerichts in dessen Urteil D-1652/2012 vom 19. Februar 2013 , bei der Beschwerde- führerin handle es sich um eine äthiopische Staatsangehörige oder sie verfüge dort zumindest über eine Aufenthaltsbewilligung (vgl. act. A19/11 E. 4.1 S. 6) wäre auch vor diesem Hintergrund nach wie vor zu stüt zen. Die eingereichten "Zeugenaussagen" würden sich demnach auch ins o- weit als u nerheblich erweisen. Auch würden damit keine Gründe ang e- führt, mit denen die Einschätzung des Gerichts, wonach es die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihren Lebensumständen in Äthiopien respek- tive ihrem (familiären ) Beziehungsnet z als nicht glaubhaft wertete (vgl. act. A19/11 S. 6 E. 4.1 und S. 8 f. E. 5.5 ), widerlegt würde. Denn selbst wenn sich die Mutter – wie von ihr stets darg elegt – nicht mehr in Äthi o- pien befunden hätte, wären – wie unter E. 3.4 besehen – ihre übrigen An- gaben zu ihrem vor ihrer Ausreise aus Äthiopien vorhandenen Bezi e- hungsnetz weiterhin als nicht glaubhaft zu qualifizieren. D-4716/2013 Seite 14 3.4 Das Vorhandensein eines (familiäre n) Beziehungsnetz in Äthiopien wird in der Beschwerde vom 22. August 2013 – wie bereits im ordentl i- chen Beschwerdeverfahren – negiert. Der ursprünglichen Beurteilung des Bundesverwaltungsgerichts, es sei davon auszugehen, dass vor Ort ein sozialer und finanzieller Rückhalt bestehe, (vgl. act. A19/11 S. 8 f. E. 5.5), wird das neue Vorbringen, der Vater der Beschwerdeführerin sei zwi- schenzeitlich ebenfalls nach Eritrea ausgereist (vgl. act. B5/8 S. 7) , ge- genübergestellt. Aus diesem, mit ke inen Beweismitteln gestütztem No- vum (vgl. da zu nachfolgend E. 3.5.1 ) wäre jedoch zu schliessen, dass sich der Vater der Beschwerdeführerin bis anhin in Äthiopien b efunden hätte. Damit hätte sie dort aber entgegen ihren früheren Aussagen über einen familiären Anknüpfungspunkt verfügt. Denn dem B FM gegenüber erwähnte sie stets, ihr Vater, den sie nie gekannt habe, lebe – ebenso wie sämtliche weitere Verwandte – in Eritrea (vgl. a ct. A1/13 S. 3, act. A7/23 S. 5). Die zuvor von der Vorinstanz und vom Bundesverwaltu ngsgericht getroffene Feststellung, ihr Vorbringen, in Äthiopien über kein familiäres Beziehungsnetz zu verfügen, sei als nicht glaubhaft zu erachten, wird damit zusätzlich bestärkt. Diesem, erst im Beschwerdeverfahren gegen den Wiedererwägungsentscheid vo rgebrachten Novum kommt damit ebenfalls keine Erheblichkeit zu. 3.5 3.5.1 Im Beschwerdeverfahren nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz können im Rahmen des Streitgegenstandes Noven geltend gemacht werden ( RHINOW/KOLLER/KISS, Öffentliches Prozessrecht und Justizve r- fassungsrecht des Bundes, 1996, N 1050). E s können bisher nicht g e- würdigte, bekannte wie auch bis anhin nicht bekannte Sachverhaltsu m- stände und neue Beweismittel vorgebracht werden ( ANDRÉ MO- SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bu n- desverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.204). 3.5.2 Beim eingereichten Dokument der äthiopischen Mission in Genf , handelt es sich um ein Novum. Dieses wurde erst auf Beschwerdeebene eingereicht und datiert vom 19. September 2013. Es ist erst nach dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Februar 2013 ent- standen und somit im Rahmen des vorliegenden Verfahrens ebenfalls analog Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG zu prüfen. Das BFM stellte sich hi n- sichtlich dieses Beweismit tels in seiner Vernehmlassung auf den Sta nd- punkt, damit werde kein Nachweis über die wahre Nationalität der B e- schwerdeführerin erbracht, sondern es werde lediglich bestätigt, dass sie keine äthiopischen Papiere besitze. Eine Bestätigung der äthiopischen D-4716/2013 Seite 15 Nationalität werde durch die äthiopische Bo tschaft nur dann ausgestellt, wenn sich eine Person mit Identitätsdokumenten ausweisen könne. Damit geht das BFM implizit davon aus, dass die Bestätigung der Botschaft zum Nachweis der eritreischen Herkunft oder Staatsangehörigkeit der B e- schwerdeführerin n icht geei gnet ist. Mit anderen Worten hält es dieses Dokument als nicht erheblich im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG. Dieser Ansicht ist, wie nachstehend (vgl. E. 3.5.3) dargelegt, zu folgen: 3.5.3 Das Schreiben der äthiopischen Mission in Genf hält unter anderem fest:"This refers to Ms. A._______ request of attestation regarding her na- tionality. In this regard […] informs you that she doesn't have any Ethiopi- an attestation. In the case of Ms. A._______, she couldn't get an Ethiop i- an attestation". Daraus lässt sich ableiten, dass sie (die Beschwerdefü h- rerin) über kei ne äthiopische Bestätigung respektive über keine äthiopi- schen Papiere verfügt. Auch lässt sich erkennen, dass die Mission keine Bestätigung über die Nationalität ausstellt. Damit wird indes wed er g e- sagt, dass die Beschwerdeführerin keine äthiopische Staatsangehörige (mehr) ist, noch wird daraus ersichtlich, dass sie eritreische Staatsange- hörige oder eritreischer Herkunft ist. Auch kann dem Schreiben nicht – wie in der Rechtsmittelschrift argumentiert – entnommen werden, dass sie in Äthiopien über keine Aufenthaltsbewilligung ver fügt(e) oder eine solche nicht (erneut) beantragen könnte. Vielmehr bleibt der Grund, wes- halb sie über kein e äthiopischen Papiere verfügt respekti ve zum Erhalt einer Bestä tigung der Nationalität nicht in der Lage ist, unklar. Dieses Beweismittel ist demnach weder geeignet, die von der Beschwerdeführ e- rin behauptete eritreische Staatsangehörigkeit oder Herkunft zu belegen, noch stellt es einen Nachweis dafür dar, dass es sich bei ihr nicht um eine Person äthiopischer Nationalität handelt oder ihr in Äthiopien ein Aufent- haltsrecht zugekommen ist respektive zustehen würde. 3.6 Aufgrund dieser Erwägungen sind demnach weder erwähnte Erkl ä- rungen dreier Personen vom 6. Mai 2013 noch die Erklärung der äthiop i- schen Mission in Genf vom 19. September 2013 geeignet, die Annahme im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1652/2012 vom 19. Februar 2013, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine äthiopische Staatsangehörige oder aber um eine Person, die in Äthiopien über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt respektive verfügte, handelt, zu widerl e- gen. Auch eignen sich die eingereichten Dokumente zum Nachweis der von der Beschwerdeführerin behaupteten eritreischen Staatsangehöri g- keit nicht. D-4716/2013 Seite 16 3.7 Im Übrigen bildet der blosse Verweis in der Rechtsmittelschrift auf ei- nen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom März 2005 (vgl. act. B5/8 S. 5) zu Deportationen von Personen aus Äthiopien nach Eritrea von Vornherein keinen Wiedererwägungsgrund. Damit wird weder eine nac h- trägliche veränderte Sachlage dargelegt oder ein im Sinne einer (quali f- zierten) Wiedererwägung zu prüfen des neues, erhebliches Vorbringen oder Beweismittel eingebracht. Erwähnter Bericht der SFH äusserst sich zudem bloss in allgemeiner Form zu den Ende der 1990 -er Jahre erfolg- ten Deportationen von Personen eritreischer Herkunft aus Äthiopien nach Eritrea und nimmt nicht etwa persönlich Bezug zur Mutter der Beschwer- deführerin, womit er ohnehin nicht für einen entsprechenden Nachweis einer erfolgten Deportation der Mutter taugen würde. Ausserdem handelt es sich dabei um Tatsachen, die dem Bundesverwaltungsgeric ht längst bekannt sind (vgl. BVGE 2011/25) und im Entscheid vom 19. Februar 2013 – unter Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen – mithin Ein- gang fanden (vgl. act. A19/11 S. 6 E. 4.1). 3.8 Weshalb – wie in der Rechtsmittelschrift ausserdem neu moniert wird – der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin aufgrund einer wesentlich veränderten allgemeinen Lage in Äthiopien unter wiedererwä- gungsrechtlichen Gesichtspunkten als unzulässig im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AuG zu erachten wäre, wird in der Rechtsmittelschrift nicht näher ausgeführt. In diesem Zusammenhang wird lediglich auf einen Ausschnitt aus einem Bericht von Amnesty Inter national vom 23. Mai 2013 verwie- sen, wonach das Recht auf freie Meinungsäußerung unterdrückt worden sei und d ie Behörden tatsächliche und vermeintliche Gegner der Regi e- rung inhaftiert hätten, f riedliche Proteste unterdrückt und w illkürliche Festnahmen und Inhaftierungen angeordnet worden seien und Folter und andere Misshandlungen in Hafteinrichtungen verbreitet gewesen seien. Der Bericht bezieht sich allerdings auf im Jahr 2012 durch Äthiopien b e- gangene Menschenrechtsverletzungen. Von einer seit Ergehen des U r- teils des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Februar 2013 veränderten Sachlage kann demnach nicht gesprochen werden. Inwiefern die B e- schwerdeführerin, die sich in Äthiopien nie politisch betätigte, bei einer Rückkehr nach Äthiopien aufgrund dieses Berichts nunmehr einem kon- kreten Risiko einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre, wird zudem in keiner Weise sub stantiiert. Auf das en t- sprechende Vorbringen ist daher nicht weiter einzugehen, zumal es an der Feststellung im Urteil de s Bundesverwaltungsge richts D-1652/2012 vom 19. Februar 2013, wonach der Vollzug der Wegweisung auch in An- betracht der allgemein vorherrschenden Menschenrechtslage in Äthiopien D-4716/2013 Seite 17 als zulässig beurteilt wurde (vgl. act. A19/11 S. 8 E. 5.4), denn auch nichts ändern würde. 3.9 Der Grad der Integration im Sin ne von Art. 96 AuG ist kein massg e- bend zu berücksichtigendes Kriterium im vorliegenden Wiedererw ä- gungsverfahren, da diesbezüglich von einer seit Ergehen des Entsche i- des vom 19. Februar 2013 wesentlich veränderte n Sachlage ebenfalls nicht gesprochen werden kann. Bereits in der Beschwerde vom 26. März 2012 wurde auf eine fortgeschrittene Integration in Form von sehr guten Deutschkenntnissen, einer Lehrstelle als Restaurationsangestellte und einem guten Umfeld aufmerksam gemacht (vgl. act. A14/5 S. 4). Diesen Umstand hat das Bundesverwaltungsgericht – wenn auch nicht explizit im Rahmen von Art. 96 AuG – in seinen Erwägungen vom 19. Februar 2013 berücksichtigt (vgl. act. A 19/11 S. 8 E. 5.5). Es ist zwar sehr erf reulich, dass die Beschwerdeführerin am 27. Juni 2013 die zweijährige Lehre als Restaurationsangestellte mit Bravour abschliessen konnte und man ihr mit Beginn am 1. August 2013 eine Zusatzlehre in diesem Bereich in Aussicht stellte (vgl. act. B2/9 S. 5 ff .). Aufgrund dieser, nicht derart massgeblich geänderten Integratio nslage, kann indessen nicht davon ausgegangen werden, die Möglichkeit einer Wiedereingliederung bei ei- ner Rückkehr nach Äthi opien werde dadurch verhindert. Auch kann nicht davon gesprochen werden, dass bei einer Rückkehr der Beschwerdefü h- rerin die Gefahr einer Entwurzelung bestünde, welche den Vollzug ihrer Wegweisung als unverhältnismässig erscheinen lassen wür de. Die B e- schwerdeführerin hat nämlich den grössten Teil ihres Lebens nicht in de r Schweiz, sondern in Äthio pien verbracht. Dort ist sie ge boren, aufge- wachsen und zur Schule gegangen. Wie vorstehend er wähnt (E. 3.4) ist zudem (nach wie vor ) davon auszugehen, sie verfüge in Äthiopien über ein soziales Beziehungsnetz und einen finanziell en Rückhalt. Ihre in der Schweiz bislang absolvierte Ausbildung als Restaurationsangestellte dürf- te ihr schliesslich auch in Äthiopien zum Vorteil gereichen und ihr bei der Suche nach einer Anstellung behilflich sein. 3.10 Dem Einwand in der Beschwerde, der Vollzug der Wegweisung nach Äthiopien sei unmöglich im Sinne von Art. 83 Abs 2 AuG, kommt im vo r- liegenden Wiedererwägungsverfahren keine Bedeutung zu. Damit wird weder auf eine veränderte Sachlage hingewiesen, noch werden allfällige zu prüfende Revisionsgründe analog Art. 66 VwVG angerufen. Die Mög- lichkeit des Vollzuges der Wegweisung nach Äthiopien im Sinne erwähn- ter Bestimmung wurde zudem durch das Bundesverwaltungsgericht schon geprüft und bejaht (vgl. act. A19/11 S. 9 E. 5.6). Es sei dennoch an D-4716/2013 Seite 18 dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, dass auch im heutigen Zei t- punkt keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, der Vollzug der Wegweisung nach Äthiopien erwiese sich als unmöglich. Die Beschwerdeführerin ist – wie alle Asylsuchenden – verpflichtet, bei der Beschaffung von entspr e- chenden, rechtsgültigen Papieren mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG) . Der Einwand in der Beschwerde, eine Rückschaffung nach Äthiopien sei g e- gen den Willen der Betroffenen nicht möglich, erschiene damit ohneh in als nicht stichhaltig. 3.11 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verf ü- gung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist de s- halb abzuweisen. 4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'200.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung der unentgel t- lichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zur Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung fehlt. (Dispositiv nächste Seite) D-4716/2013 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200. – werden der Beschwer- deführerin auferlegt. Diese sind mittels beiliegendem Einzahlungsschein zu Gunsten der Gerichtskasse einzuzahlen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Claudia Jorns Morgenegg Versand: