200 15 640 IV LOU/SHE/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 6. Januar 2017 Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Schütz, Verwaltungsrichter Schwegler Gerichtsschreiber Schnyder A.________ vertreten durch Notar und Fürsprecher Dr. B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 5. Juni 2015 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1971 geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. Be- schwerdeführer) meldete sich am 3. November 2003 mit Hinweis auf eine Gefühlsstörung in den Beinen sowie Muskelschwund bei der IV-Stelle Bern (nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an (Ak- ten der IVB [act. II] 1). Diese tätigte in der Folge berufliche und medizini- sche Abklärungen. Mit Verfügung vom 26. Januar 2006 (act. II 29) sprach sie dem Versicherten ab 1. Juli 2004 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 42% eine Viertelsrente zu. Die Verfügung blieb unangefochten. Die IVB bestätigte nach einem im September 2009 eingeleiteten Rentenrevisions- verfahren (act. II 30) den weiteren Anspruch auf eine Viertelsrente aufgrund eines unveränderten Invaliditätsgrads (act. II 34). B. Nach am 1. August 2008 (act. II 44/29) und 12. Februar 2009 (act. II 58.23) erlittenen Unfällen tätigte die IVB erneut erwerbliche und medizinische Ab- klärungen. Insbesondere gestützt auf die Berichte von Dr. med. C.________, Fachärztin für Anästhesiologie und Allgemeine Innere Medizin FMH vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), vom 22. Juli 2011 (act. IIA 85) und 8. November 2011 (act. IIA 95) nahm die IVB eine Verschlechte- rung des Gesundheitszustandes an und erhöhte die bisherige Viertelsrente mit Verfügung vom 5. Juni 2012 (act. IIA 123/2) bei einem Invaliditätsgrad von 100% ab 1. Juli 2009 auf eine ganze Rente. Bei einem Invaliditätsgrad von 50% senkte sie diese per 1. September 2011 auf eine halbe Invaliden- rente. Die Verfügung blieb unangefochten. Die IVB bestätigte nach einem im Dezember 2012 eingeleiteten Rentenrevisionsverfahren (act. IIA 134) den weiteren Anspruch auf eine halbe Rente aufgrund eines unveränderten Invaliditätsgrads (act. IIA 130).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 3 C. Am 12. April 2014 stellte der Versicherte ein Rentenerhöhungsgesuch. Mit Verfügung vom 26. Juni 2014 (act. IIA 144) lehnte die IVB dieses ab. Im darauf folgenden Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, hob sie diese am 17. November 2014 (act. IIA 165) wiedererwägungsweise auf. Das Verfah- ren wurde mit Urteil vom 27. November 2014, IV 2014/714 (act. IIA 168), zufolge Gegenstandslosigkeit als erledigt abgeschrieben. In der Folge tätig- te die IVB erneut medizinische Abklärungen. Insbesondere gestützt auf die RAD-Berichte von Dr. med. D.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 14. November 2014 (act. IIA 164) und 22. Januar 2015 (act. IIA 173) erhöhte die IVB - nach vorgängig durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren (act. IIA 175 f.) - mit Verfügung vom 5. Juni 2015 (act. IIA 179/2) die bisherige halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100% ab 1. April 2014 auf eine ganze Rente. Ab 1. April 2015 verfügte sie bei einem Invaliditätsgrad von 50% die Ausrichtung einer halben Rente. D. Am 7. Juli 2015 erhob der Versicherte, vertreten durch Fürsprecher B.________, hiergegen Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die ange- fochtene Verfügung sei, soweit sie den Zeitraum ab 1. April 2015 betreffe, aufzuheben und die Streitsache zur vollständigen Abklärung des Sachver- halts und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Eventualiter sei auch für den Zeitraum ab 1. April 2015 eine ganze Invali- denrente zuzusprechen. Gleichentags stellte er das Gesuch um Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Fürspre- cher B.________ als amtlicher Anwalt. Mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2015 schloss die Beschwerdegeg- nerin auf Abweisung der Beschwerde. Am 25. August 2015 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme sowie weitere medizinische Berichte (Akten des Beschwerdeführers [act. I] 5 und 6) ein. Auf Aufforderung des Instruktionsrichters hin (vgl. prozesslei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 4 tende Verfügung vom 26. August 2015) nahm die Beschwerdegegnerin am 21. September 2015 hierzu Stellung und hielt mit Verweis auf den einge- reichten RAD-Bericht von Dr. med. D.________ vom 4. September 2015 (in den Gerichtsakten) an ihrem Rechtsbegehren fest. Der Beschwerdeführer reichte am 30. September 2015 und 27. April 2016 weitere medizinische Berichte ein (act. I 7 und 8), wozu die Beschwerde- gegnerin am 30. Mai 2016 unter Beilage eines weiteren Berichts von RAD- Arzt Dr. med. D.________ vom 10. Mai 2016 (in den Gerichtsakten) Stel- lung bezog. Am 31. August 2016 reichte der Beschwerdeführer Schluss- bemerkungen sowie einen weiteren medizinischen Bericht (act. I 9) ein. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver- waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist ge- geben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche- rung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 5 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 5. Juni 2015 (act. IIA 179) mit welcher die bisher bezogene halbe Invalidenrente revisionsweise per 1. April 2010 auf eine ganze Rente erhöht und per 1. April 2015 auf eine halbe Rente herabgesetzt wurde. In anfechtungs- und streitgegenständlicher Hinsicht liegt ein Rechtsverhält- nis vor, wenn rückwirkend eine abgestufte und/oder befristete IV-Rente zu- gesprochen wird. Wird nur die Abstufung oder die Befristung der Leistun- gen angefochten, wird damit die richterliche Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass die unbestritten gebliebenen Rentenbe- zugszeiten von der richterlichen Prüfung ausgenommen blieben (BGE 125 V 413; AHI 2001 S. 278 E. 1a). Folglich ist der Anspruch auf eine Invaliden- rente - unter Einschluss der grundsätzlich unbestrittenen Zusprechung ei- ner halben Rente vom 1. April 2014 bis 31. März 2015 - zu prüfen und da- bei insbesondere, ob auch nach dem 31. März 2015 Anspruch auf eine Invalidenrente besteht. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 6 glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 2.4Bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten IV-Rente sind die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen analog anzuwenden (BGE 109 V 125 E. 4a S. 127; AHI 1998 S. 121 E. 1b). 2.4.1Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge- hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentli- che Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den In- validitätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invali- denrente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Ge- sundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerb- lichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im übli- chen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszu- standes erheblich verändert haben. Dazu gehört die Verbesserung der Ar- beitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behin-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 7 derung. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gege- ben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 10, 130 V 343 E. 3.5 S. 349). Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Rentenan- spruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berück- sichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlaggeben- den Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invaliditäts- schätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2011 IV Nr. 37 S. 109 E. 1.1). 2.4.2Wird rückwirkend eine abgestufte oder befristete Rente zugespro- chen, sind einerseits der Zeitpunkt des Rentenbeginns und andererseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 und 2 der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV; SR 831.201) festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung, -aufhebung oder -erhöhung die massgebenden Vergleichszeitpunkte (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 16. Juni 2009, 8C_87/2009, E. 2.2). Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraus- sichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 IVV). Bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufga- benbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat (Art. 88a Abs. 2 IVV). 3. Infolge der 2008 und 2009 erlittenen Unfälle liess sich der Versicherte so- wohl an der Schulter als auch am Bein mehrmals operieren (vgl. act. II Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 8 49/17, 44/10, 49/8, 44/2, 55/10, 55/16, 58.10/1, 55/12, 55/11, 55/7, 58.6/4 und 58.6/3). Am 27. April 2010 (act. IIA 87.34) erfolgte die Amputation des linken Unterschenkels. Hierauf wurden weitere operative Eingriffe (vgl. act. IIA 65/13, 65/12, 65/8, 65/7, 65/6) durchgeführt. Wegen der Auswirkungen der beiden Unfälle erhöhte die IVB mit Verfügung vom 5. Juni 2012 (act. IIA 123/2) die bisherige Viertelrente ab 1. Juli 2009 auf eine ganze Rente. Ab 1. September 2011 kam eine halbe Rente zur Auszahlung. Wegen einer koronaren Herzkrankheit wurde der Versicherte am 31. Januar 2014 mit zwei Stents versorgt (vgl. act. IIA 141/4). Im April 2014 (act. IIA 141) stellte er einen Antrag auf eine Rentenerhöhung. Wegen eines Infekts am Ampu- tationsstumpf erfolgte am 20. Mai 2014 (act. IIA 170/10) ein operativer Ein- griff (Nachamputation). 3.1Vorliegend ist durch einen Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Verfügung vom 5. Juni 2012 (act. IIA 123/2), wo letztmals eine einge- hende Überprüfung der Leistungsvoraussetzungen erfolgte, und der hier angefochtenen Verfügung vom 5. Juni 2015 (act. IIA 179/2) zu prüfen, ob in den tatsächlichen Verhältnissen eine wesentliche Änderung eingetreten ist, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad in anspruchsbegründender Weise zu beeinflussen (vgl. E. 2.4.1 hiervor). Die Mitteilung vom 11. März 2013 (act. IIA 139), mit welcher der Invaliditätsgrad von 50% bestätigt wurde, stellt keine Vergleichsbasis dar, da keine umfassende Überprüfung des Renten- anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs erfolgte. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Eingabe vom 31. August 2016) sind allfällige Veränderungen des Gesundheitszustandes nach Erlass der ange- fochtenen Verfügung vom 5. Juni 2015 im vorliegenden Verfahren grundsätzlich nicht relevant, sondern werden allenfalls Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein, da das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheides nach dem Sachverhalt, der zur Zeit seines Erlasses gegeben war, beurteilt (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140, SVR 2008 IV Nr. 8 S. 25 E. 3.4). 3.2Die Verfügung vom 5. Juni 2012 (act. IIA 123/2), mit welcher die bisher bezogene Viertelsrente ab 1. Juli 2009 auf eine ganze Rente erhöht Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 9 und danach ab 1. September 2011 auf eine halbe Rente gesenkt wurde, basierte im Wesentlichen auf folgenden medizinischen Grundlagen: Die RAD-Ärztin, Dr. med. C.________, legte im Bericht vom 21. Juli 2011 (act. IIA 85) eine seit der rentenzusprechenden Verfügung vom 24. Januar 2006 (act. II 28/2) eingetretene grundsätzliche Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes dar und forderte weitere medizinische Berichte an zur Beurteilung der funktionellen Einschränkungen und Formulierung des Zu- mutbarkeitsprofils. Wie ihrem Bericht vom 8. November 2011 (act. IIA 95) entnommen werden kann, sei der Versicherte seit dem 1. Juni 2011 wieder wie folgt arbeits- und leistungsfähig: In angepasster Tätigkeit sei eine wechselbelastende, überwiegend sitzende Tätigkeit im Vollzeitpensum zu- mutbar unter Vermeidung von längerem Gehen/Stehen, unter Vermeidung von Treppensteigen und Tätigkeiten auf Leitern/Gerüsten/in unebenem Ge- lände. Zudem solle das Heben/Tragen von Lasten über 5 kg vermieden werden, ebenfalls kniende und kauernde Tätigkeiten sowie solche in Zwangshaltung. Insgesamt sei hierbei aufgrund der dargelegten Einschrän- kungen von einer Leistungseinschränkung von 50% auszugehen (S. 4 f.). 3.3Mit Mitteilung vom 11. März 2013 (act. IIA 139) bestätigte die Be- schwerdegegnerin bei einem Invaliditätsgrad von 50% den weiteren An- spruch auf die bisher bezogene halbe Rente. Ihren Entscheid stützte sie hierbei vor allem auf den Bericht des behandelnden Hausarztes Dr. med. E.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 27. Febru- ar 2013 (act. IIA 138/4). Dieser ging von einem bis auf eine Druckstelle am linken Unterschenkelstumpf stationären Gesundheitszustand aus (S. 4 Ziff. 2). Das neu hinzugetretene Ulcus im Bereich des Unterschenkelstumpfes habe einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 3). Der Status nach Un- terschenkelamputation wirke sich auf die Gehstrecke und auf die Sitzfähig- keit aus. Es sei allenfalls noch eine 50%-ige Wechselbelastung möglich, mit wechselweisem Sitzen, Stehen oder Gehen. Wegen der Prothese sei ein Gewichtheben einmalig von max. 5-10 kg möglich, längerfristig sollte nicht über 5 kg gehoben werden (S. 4 Beiblatt Ziff. 1). Die bisherige Tätig- keit sei ihm noch zu 50% zumutbar (Beiblatt Ziff. 2). Eine stundenweise Tätigkeit als … wäre möglich, jedoch müsste dazu ein konkreter Arbeits- versuch gemacht werden (Beiblatt Ziff. 3). Eine rein sitzende Arbeit sei un-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 10 günstig. Es müsse berücksichtigt werden, dass der Versicherte nach einer halben Stunde aufstehen sollte, um sich zu bewegen (S. 4 f. Beiblatt Ziff. 4). 3.4Seit der Verfügung vom 5. Juni 2012 und der Mitteilung vom 11. März 2013 ist den Akten betreffend den medizinischen Sachverhalt im We- sentlichen Folgendes zu entnehmen: 3.4.1Im undatierten, der Beschwerdegegnerin am 28. April 2014 (act. IIA 141/3) zugegangenen Zeugnis attestierte der behandelnde Hausarzt Dr. med. E.________ ab dem 2. Dezember 2013 bis und mit 30. April 2014 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit. Voraussichtlich sei die- se dauerhaft. 3.4.2Im Bericht des Spitals F.________ vom 14. Mai 2014 (act. IIA 170/12) wurde ein Stumpfinfekt bei Status nach Unterschenkelamputation 2011 beschrieben. Der Versicherte habe über Schmerzen am amputierten Unterschenkelstumpf linksseitig berichtet, welche vor sechs Monaten erst- mals aufgetreten und seither konstant vorhanden seien. 3.4.3Der RAD-Arzt, Dr. med. D.________, führte im Bericht vom 14. No- vember 2014 (act. IIA 164) aus, es bestehe kein Anhalt auf ein Herzleiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in körperlich leichter Tätigkeit. Das Aneurysma wirke sich nicht negativ auf die Durchblutung der Beine aus, d.h. es habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in körperlich leichter Tätigkeit. Die Situation am Amputationsstumpf habe sich verschlechtert. Aus den Akten könne aber nicht entnommen werden, ob es sich um eine temporäre Verschlechterung handle oder eine dauernde Verschlechterung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege (S. 3). 3.4.4Dr. med. E.________ berichtete am 16. Dezember 2014 (act. IIA 170/1) von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes (S. 1 Ziff. 1) nach Nachamputation. Seit dem 2. Dezember 2013 bestehe eine vollstän- dige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 5). Eine normale Arbeitstätigkeit sei nicht mög- lich (S. 3 Ziff. 1). Im angestammten Beruf als … sei der Versicherte nicht mehr erwerbsfähig (Beiblatt Ziff. 2). Er brauche eine sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung (Beiblatt Ziff. 4). Eine weitere Ver-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 11 schlechterung am Amputationsstumpf sei in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen (Beiblatt Ziff. 5). 3.4.5Dr. med. D.________ führte im RAD-Bericht vom 22. Januar 2015 (act. IIA 173) aus, die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei aufgrund eines Infekts am Amputationsstumpf auch für eine sogenannt angepasste (kör- perlich leichte, vorwiegend sitzende) Tätigkeit ab dem 2. Dezember 2013 vollständig aufgehoben gewesen. Nach dem chirurgischen Infektdébride- ment und der Stumpfnachamputation im Mai 2014 habe sich die Situation am Amputationsstumpf verbessert. Gestützt auf die Angaben des Hausarz- tes vom 16. Dezember 2014 sei anzunehmen, dass der Heilverlauf soweit fortgeschritten sei, dass dem Versicherten bezogen auf den Amputations- stumpf spätestens ab dem 16. Dezember 2014 eine körperlich leichte, vor- wiegend sitzende Tätigkeit wieder gemäss dem früheren Zumutbarkeitspro- fil (vgl. 3.2 hiervor) möglich sein sollte (S. 5). 3.4.6Dem Bericht des Spitals F.________ vom 24. April 2015 (act. I 5) ist zu entnehmen, dass der Versicherte anlässlich der Hospitalisation vom 23. und 24. April 2015 über eine zugenommene Dyspnoe unter Belastung ge- klagt hat, welche am 7. April 2015 aggraviert habe, so dass eine Vorstel- lung auf der Notfallstation erfolgt sei. Dort habe eine akute kardiale Ischä- mie ausgeschlossen werden können. Das im Anschluss während der am- bulanten kardiologischen Kontrolle angefertigte Belastungs-EKG sei positiv ausgefallen, so dass die Indikation zur Re-Koronarangiographie gestellt worden sei. Diese wurde am 23. April 2015 durchgeführt und habe ein gu- tes Ergebnis des Koronarstentings vom Januar 2014 ergeben, aber eine die Angina-pectoris-Beschwerden erklärende 70%-ige Bifurkationsstenose, welche eine deutliche Progression innerhalb eines Jahres aufgewiesen habe. Diese Stenose sei behandelt worden. Das postinterventionelle Er- gebnis sei „sehr gut“ gewesen und der Versicherte hätte am Folgetag in gutem Allgemeinzustand wieder nach Hause entlassen werden können. 3.4.7Wie dem Bericht des Spitals F.________ vom 18. Mai 2015 (act. I 6) zu entnehmen ist, gehe es im Wesentlichen um die Behandlung des sakkulären posttraumatischen Aortenaneurysmas loco classico mit gros- sem intraluminalem Kalk. Die jetzt sichtbaren Verkalkungen würden typi- scherweise im Bereich der Intimaläsion nach Aortenruptur auftreten. Zurzeit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 12 habe der Versicherte diesbezüglich keine Beschwerden. Die Resektion des Kalkes und den Ersatz der proximalen Aorta descendes mit einem kurzen Interponat wurde empfohlen. Der Eingriff könne frühestens Ende Oktober / Anfangs November 2015 durchgeführt werden. 3.4.8Der RAD-Arzt, Dr. med. D.________, nahm am 4. September 2015 (in den Gerichtsakten) Stellung zu den mit der Beschwerde eingereichten Berichten. Wie dem Bericht vom 24. April 2015 (act. I 5) zu entnehmen sei, handle es sich um eine vorübergehende Verschlechterung der koronaren Herzkrankheit. Diese temporäre Verschlimmerung habe zu keiner Ver- schlechterung der Herzfunktion geführt. Letztere sei nach wie vor normal (S. 3). Was den Bericht vom 18. Mai 2015 (act. I 6) betreffe, gehe aus die- sem hervor, dass das vorbekannte Aortenaneurysma sich stationär verhal- te und es sich nach wie vor nicht auf eine körperlich leichte Tätigkeit aus- wirke. Aufgrund der beiden neu eingereichten Berichte sah Dr. med. D.________ eine bleibende Verschlechterung des Gesundheitszustandes als nicht ausgewiesen (S. 4). 3.4.9Im Bericht des Spitals F.________ vom 21. September 2015 (act. I 7) wurde ausgeführt, der Versicherte habe sich erneut bei Schmerzen am linken Unterschenkelstumpf vorgestellt. Diese würden bei Belastung direkt distal am Stumpf auftreten. Im Vergleich zu den Voraufnahmen habe der Röntgenbefund vom 20. Juli 2015 am tibialen Stumpf dorsal wie lateral eine Zunahme der Osteophyten gezeigt. Diese würden eine mechanische Rei- zung verursachen. 3.4.10Im Bericht des Spitals F.________ vom 24. März 2016 (act. I 8) wurden neue Diagnosen/Befunde betreffend das Herz, die Lunge, den rechten Fuss und den Amputationsstumpf des linken Beines aufgeführt. 3.4.11In der Stellungnahme des RAD vom 10. Mai 2016 (in den Gerichts- akten) nahm Dr. med. D.________ Stellung zu den im Beschwerdeverfah- ren vom Versicherten eingereichten Berichten vom 21. September 2015 (act. I 7) und 24. März 2016 (act. I 8). Im Vergleich zur Stellungnahme vom 4. September 2015 (vgl. E. 3.4.8 hiervor) sei neu eine mechanische Rei- zung durch die Osteophyten am tibialen Amputationsstumpf ausgewiesen. Gemäss dem Bericht vom 24. März 2016 (act. I 8) seien betreffend Herz, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 13 Lunge und rechten Fuss neue Diagnosen bzw. Verdachtsdiagnosen ge- stellt worden. Am Amputationsstumpf des linken Beines hätte eine Zunah- me der Osteophyten und an der Leber eine beginnende Leberzirrhose fest- gestellt werden können. Es sei nicht ausgewiesen, dass diese krankheits- wertigen Störungen bereits vor der Verfügung vom 4. Juni 2015 bestanden hätten (S. 3). 3.5Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines ex- ternen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 122 V 157 E. 1d S. 162). 3.6Die Beschwerdegegnerin hat sich in der Verfügung vom 5. Juni 2015 (act. IIA 179/2) im Wesentlichen auf die Berichte des RAD vom 14. November 2014 (act. IIA 164) und 22. Januar 2015 (act. IIA 173) gestützt. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 14 Diese erfüllen die Voraussetzungen der Rechtsprechung an medizinische Berichte (vgl. E. 3.5 hiervor) und überzeugen. Der Arzt des RAD hat sich in seinen Beurteilungen sorgfältig mit den in den medizinischen Akten hinrei- chend dokumentierten gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwer- deführers auseinandergesetzt. Er hat einleuchtend und nachvollziehbar dargelegt, warum die Leistungsfähigkeit ab dem 2. Dezember 2013 wegen eines Infektes am Amputationsstumpf auch für körperlich leichte, vorwie- gend sitzende Tätigkeiten vollständig aufgehoben war, nach dem Infektdé- bridement und der Stumpfnachamputation vom 20. Mai 2014 sich die Situa- tion wieder besserte und spätestens ab dem 16. Dezember 2014 eine kör- perlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit wieder im bisherigen Rahmen von 50% möglich ist (act. IIA 173 S. 5). Eine Aktenbeurteilung war bei der gegebenen Situation zulässig, nachdem es lediglich um eine Würdigung ei- nes bereits erstellten medizinischen Sachverhalts ging und von einer per- sönlichen Untersuchung - wie dies in der Beschwerde indirekt gefordert wird (vgl. S. 5 III. Art. 3 lit. b) - keine neuen Erkenntnisse zu erwarten wa- ren. Von einer unrichtigen und unvollständigen Sachverhaltsfeststellung, wie dies beschwerdeweise behauptet wird (S. 5 f. III. Art. 4 lit. a aa), kann keine Rede sein. Dass die Beschwerdegegnerin auf eine Untersuchung verzichtete, obwohl der Beschwerdeführer angezeigt hat, sich einer sol- chen zu unterziehen (vgl. Einwand vom 27. Februar 2015 [act. IIA 176]), stellt entgegen dessen Vorbringen (vgl. Beschwerde S. 6 III. Art. 4 lit. a bb) keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Anders als von ihm vorge- bracht (vgl. Beschwerde S. 3 III. Art. 1), hat die Beschwerdegegnerin sehr wohl den relevanten Sachverhalt bis zum Erlass der Verfügung vom 5. Juni 2015 (act. IIA 179) abgeklärt und die massgebenden Beschwerden berück- sichtigt. Insbesondere vermag das undatierte, der Beschwerdegegnerin am 12. April 2014 eingereichte (act. IIA 141/3) Arztzeugnis, wonach Dr. med. E.________ von einer voraussichtlich dauerhaften 100%-igen Arbeitsun- fähigkeit ausgeht, nichts an der Schlüssigkeit der Beurteilungen des RAD zu än-dern, zumal der Hausarzt seine Einschätzung nicht begründet. Er bezieht denn auch keine Stellung zu einer Verweistätigkeit. Dr. med. E.________ vermag in keiner Weise auch nur geringste Zweifel an den Beurteilungen von Dr. med. D.________ aufkommen lassen. Weiter bele- gen die vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren eingereichten Arztberichte (act. I 5-9) keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 15 bis zum Erlass der an-gefochtenen Verfügung. Eine allfällige solche Ver- schlechterung beträfe den Zeitraum nach der ergangenen Verfügung und ist aufgrund des zeitlichen Überprüfungshorizontes des Gerichts vorliegend nicht zu berücksichtigen (vgl. E. 3.1 hiervor). Die neu eingereichten und nach dem Verfügungserlass verfassten Arztberichte (act. I 7-9) sind dem- nach hier nicht entscheidwesentlich bzw. der Beschwerdegegnerin zu überweisen zwecks Prüfung, ob damit ein Revisionsgrund ausgewiesen ist. Ob sich die Betreuungssituation des Beschwerdeführers durch die Schei- dung geändert hat (vgl. Beschwerde S. 4 III. Art. 3 lit. b), ist nicht relevant, wurde der Invaliditätsgrad doch ursprünglich in Anwendung der allgemei- nen Methode des Einkommensvergleichs (100% Erwerb) ermittelt, was sich jedenfalls nicht zu seinem Nachteil auswirkte. Somit erübrigen sich auch Ausführungen zu dem vom Beschwerdeführer geforderten Abklärungsbe- richt Haushalt (Beschwerde S. 5 III. Art. 3 lit. b). In der Folge ist auf die be- sagten RAD-Berichte abzustellen. Danach ist eine revisionsrechtlich rele- vante Verschlechterung des Gesundheitszustandes ab 2. Dezember 2013 bzw. eine Verbesserung ab dem 16. Dezember 2014 erstellt, weshalb eine freie und umfassende Prüfung des Rentenanspruchs vorzunehmen ist (vgl. E. 2.4 hiervor). 4. 4.1Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs- massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Ar- beitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom- men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 4.2Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nöti- genfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepass-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 16 ten Verdienst angeknüpft (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 134 V 322 E. 4.1 S. 325). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne ge- sundheitliche Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte gemäss Tabel- lenlohn abzustellen. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemes- sung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abge- stellt werden (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30; Entscheid des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 30. Oktober 2002, I 517/02, E. 1.2). 4.3Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 593; SVR 2014 IV Nr. 37 S. 133 E. 7.1). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsscha- dens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätig- keit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BfS) herausgegebenen Lohn- strukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 593; SVR 2014 IV Nr. 37 S. 133 E. 7.1). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbei- tertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und ent- sprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rech- nung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkre- ten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Na- tionalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämt- licher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchs- tens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2015 IV Nr. 1 S. 1 E. 2.2).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 17 5. 5.1Ab dem 2. Dezember 2013 ist eine vollständige Arbeits- und Er- werbsunfähigkeit ausgewiesen, was unbestritten blieb. Die Beschwerde- gegnerin hat somit zu Recht die halbe Rente in Berücksichtigung der Drei- monatsfrist gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV (vgl. E. 2.4.2 hiervor) per 1. April 2014 auf eine ganze Rente erhöht. 5.2Per 16. Dezember 2014 ist von einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes auszugehen und dem Beschwerdeführer sind wieder - wie vor der Verschlechterung im Dezember 2013 - körperlich leich- te, vorwiegend sitzende Tätigkeiten ganztags bei einer Leistungsein- schränkung von 50% zumutbar (act. IIA 173 S. 5 i.V.m. act. IIA 95 S. 5). Auf diesen Zeitpunkt hin ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen. 5.2.1Aufgrund der fehlenden Berufsausbildung (abgebrochene Lehre [vgl. u.a. act. II 1 S. 4 Ziff. 6.2]) sowie der häufigen Berufswechsel (vgl. u.a. act. II 6) erscheint nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwer- deführer bei guter Gesundheit nach wie vor bei der G.________ AG als … arbeiten würde. Wegen dieser Ungewissheit ist für die Berechnung des hypothetischen Valideneinkommens nicht das zuletzt erzielte Gehalt bis 2013 aufzuindexieren, sondern es ist anhand von Kompetenzniveau 1 (ein- fache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art), Männer der Tabel- le TA1 der LSE 2012 zu ermitteln. Der gleiche Wert ist für das Invalidenein- kommen heranzuziehen, da der Beschwerdeführer seither keine Erwerbs- tätigkeit aufgenommen hat. Sind Validen- und Invalideneinkommen ausge- hend vom selben Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsun- fähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Entscheid des BGer vom 7. April 2016, 9C_898/2015, E. 1). Der Beschwerdeführer ist gemäss den gutachterlichen Feststellungen in einem vollzeitigen Arbeits- pensum mit einer Leistungseinschränkung von 50% arbeitsfähig (vgl. E. 5.2 hiervor). Dies begründet keinen behinderungsbedingten Abzug vom Tabel- lenlohn. Denn sämtlichen behinderungsbedingten Ein-schränkungen wurde bereits mit der reduzierten Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50% genü- gend Rechnung getragen, so dass diese nicht zusätzlich mittels eines lei- densbedingten Abzugs zu berücksichtigen sind (vgl. u.a. Entscheid des Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 18 BGer vom 7. März 2014, 9C_841/2013, E. 4.6). Hier beruhen zudem beide Vergleichseinkommen auf statistischen Grössen, weshalb invaliditätsfrem- de Gründe (Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufent-haltskategorie) bei bei- den Einkommen zu berücksichtigen wären und auch deshalb kein Abzug zu gewähren ist (Entscheid des BGer vom 19. Januar 2009, 8C_42/2008, E. 5). 5.2.2Somit besteht ab dem 16. Dezember 2014 ein Invaliditätsgrad von 50%, der den Anspruch auf eine halbe Invalidenrente begründet. Nach Art. 88a Abs. 1 IVV hat der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der Dreimonatsfrist (vgl. E. 2.4.2 hiervor) ab April 2015 Anspruch auf eine hal- be Invalidenrente. 5.3Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer während zwölf Mona- ten Anspruch auf eine ganze Rente (April 2014 bis März 2015). In der Zeit davor und danach steht ihm eine halbe Rente zu. Die Verfügung vom 5. Juni 2015 (act. IIA 179/2) ist somit nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 6. 6.1Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts- begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun- gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti- gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1). Die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers, welche sich nach der gesamten wirtschaftlichen Situation im Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege beurteilt (vgl. Entscheid des BGer vom 2. Dezember 2010, 8C_772/2010, E. 2.2.1), ist aktenmässig erstellt (vgl. insbesondere Akten der Beschwerdegegnerin [act. IA] 1-6 i.V.m. Eingabe vom 7. Juli 2015 [in den Gerichtsakten] sowie die Beschwerde S. 10 f. Ziff. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 19 4). Im Weiteren ist die Beschwerde nicht als von vornherein aussichtslos zu qualifizieren, weshalb die Voraussetzungen für die Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege erfüllt sind. Das entsprechende Gesuch ist somit gutzuheissen und Fürsprecher B.________ ist dem Beschwerdefüh- rer als amtlicher Anwalt beizuordnen. 6.2Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh- rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Unter Berücksichtigung des gutgeheissenen Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege (vgl. E. 6.1 hiervor) wird er – unter Vorbe- halt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 der Schweizerischen Zivil- prozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – vorläufig von der Zahlungspflicht befreit (Art. 113 VRPG). 6.3Für die obsiegende Beschwerdegegnerin besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 104 Abs. 3 VRPG). 6.4Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestellten Anwäl- tinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwert- steuer werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen für die Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind nach den glei- chen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. Art. 1 der Verordnung über die Entschädigung der amtlichen Anwältinnen und Anwälte vom 20. Oktober 2010 (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stunden- ansatz Fr. 200.--.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 20 In der Kostennote vom 31. August 2015 macht Fürsprecher B.________ unter anderem einen Aufwand vom 18. Mai 2015 geltend. Dieser datiert vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung und ist nicht zu entschädigen. Darüber hinaus zeigt sich die unter Verwendung eines Stundenansatzes von Fr. 200.-- erstellte Kostennote als angemessen. Das amtliche Honorar wird nach Abzug des Aufwandes von 15 Minuten am 18. Mai 2015 und Auslagen von Fr. 1.-- auf Fr. 2‘372.45 (inkl. Auslagen und MWSt.) festge- setzt und Fürsprecher B.________ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ur- teils aus der Gerichtskasse vergütet. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungs- pflicht nach Art. 123 ZPO. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird der Beschwerdeführer – unter Vorbehalt der Nach- zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Der tarifmässige Parteikostenersatz des amtlichen Anwalts wird in die- sem Verfahren auf Fr. 2‘372.45 (inkl. Auslagen und MWSt.) festge- setzt. Dieser Betrag wird Fürsprecher B.________ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils als Honorar für das amtliche Mandat aus der Gerichtskasse vergütet. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO. 5. Die Eingaben des Beschwerdeführers vom 25. August 2015, 30. Sep- tember 2015, 27. April 2016 und 31. August 2016 inkl. Arztberichten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2017, IV/15/640, Seite 21 vom 24. April 2015, 18. Mai 2015, 21. September 2015, 24. März 2016 und 14. August 2016 werden zum Vorgehen im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin weitergeleitet. 6. Zu eröffnen (R): - Notar und Fürsprecher Dr. B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.