Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 18. Februar 2020 (460 2019 93) ____________________________________________________________________ Strafrecht Mehrfacher (teilweise versuchter) Betrug etc. Besetzung Vizepräsident Stephan Gass, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin A.____ , Privatklägerin gegen B.____ , vertreten durch Advokat Dr. Matthias Aeberli, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Mehrfacher (teilweise versuchter) Betrug etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 14. Februar 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolge nd Strafgericht) vom 14. Februar 2019 wurde B.____ des mehrfachen, teilwei se versuchten Betrugs, der mehrfa- chen, teilweise versuchten Erpressung sowie der Nötigung schuldig erklärt und zu einer teilbe- dingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 28 Monaten, davon 6 Monate unbedingt, bei einer Pro- bezeit von 3 Jahren für den bedingten Teil der Straf e, unter Anrechnung der am 9. März 2017 ausgestandenen Untersuchungshaft von einem Tag verurtei lt (Ziff. 1). Eine Landesverweisung gestützt auf Art. 66a bis StGB wurde nicht angeordnet (Ziff. 2). Ziffer 1 des Dispositivs sowie die Anklageschrift würden gestützt auf Art. 68 Abs. 1 StGB d er C.____ GmbH mitgeteilt (Ziff. 3). Des Weiteren wurde B.____ verurteilt, A.____ Fr. 60'0 00.-- als Schadenersatz zu bezahlen (Ziff. 4). Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kost en des Vorverfahrens in der Höhe von Fr. 3'581.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.-- , gingen gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO zu Lasten von B.____ (Ziff. 5). Das Honorar des amtlichen Verteidigers in der Höhe von Fr. 10'620.80 (inkl. Auslagen und MwSt.) wurde aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorbe- halt der Rückzahlungsverpflichtung von B.____ gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO (Ziff. 6). B. B.____ meldete nach Eröffnung des Urteilsdispositivs beim Strafgericht Berufung an. C. Mit Eingabe vom 16. April 2019 reichte B.____ (nachfo lgend Berufungskläger), vertre- ten durch Advokat Dr. Matthias Aeberli, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Straf- recht (nachfolgend Kantonsgericht), seine Berufungserklä rung ein und teilte mit, dass er das Urteil des Strafgerichts vom 14. Februar 2019 vollumfä nglich anfechte und einen kostenlosen Freispruch begehre. In verfahrensrechtlicher Hinsicht be antragte der Berufungskläger, es sei ihm für das Berufungsverfahren weiterhin die amtliche Verteidigung mit Advokat Dr. Matthias Aeberli zu bewilligen. D. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (nachfolgend Staatsanwaltschaft) erklärte mit Eingabe vom 23. April 2019 Anschlussberufung und stellt e folgende Anträge: Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen (Ziff. 1). In Abänderung von Ziff. 2 des Urteils des Strafgerichts vom 14. Februar 2019 sei gemäss Art. 66a bis StGB eine Landesverweisung für die Dauer von 5 Jahren anzuordnen (Ziff. 2). Im Übrigen sei das gena nnte Urteil zu bestätigen (Ziff. 3); dies alles unter o/e-Kostenfolge (Ziff. 4). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit Verfügung vom 16. Mai 2019 bewilligte das verfah rensleitende Präsidium des Kan- tonsgerichts dem Beschuldigten die amtliche Verteidigu ng mit Advokat Dr. Matthias Aeberli für das zweitinstanzliche Verfahren. F. Der Berufungskläger wiederholte am 14. Juni 2019 seine mit Eingabe vom 16. April 2019 gestellten Anträge und begründete diese summarisch. G. Mit Eingabe vom 16. Juli 2019 reichte der Berufungskläg er seine Berufungsbegrün- dung ein und hielt an seinen bisherigen Anträgen fest. H. Die Staatsanwaltschaft nahm am 16. August 2019 Stellu ng zur Berufungsbegründung des Beschuldigten und beantragte die vollumfängliche Abweisung der Berufung. Weiter verwies sie auf die Anschlussberufungserklärung vom 23. April 2019 und hielt an ihren bisherigen An- trägen und Ausführungen fest. I. Mit Eingabe vom 20. September 2019 nahm der Berufung skläger Stellung zur summa- risch begründeten Anschlussberufungserklärung der Staatsanwaltschaft vom 23. April 2019. J. Mit Verfügung vom 24. September 2019 schloss das verfahrensleitende Präsidium des Kantonsgerichts den Schriftenwechsel. K. An der heutigen Berufungsverhandlung vor Kantonsgericht erscheinen der Beschuldig- te und sein amtlicher Verteidiger, Dr. Matthias Aeberli, sowie die Staatsanwaltschaft. Beide Par- teien halten an ihren bereits schriftlich gestellten Anträgen fest. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerisc hen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Re chtsverletzungen, die unvollstän- dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefoch tenen Punkten umfassend überprüfen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsger icht innert 20 Tagen seit der Zustel- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufun gserklärung einzureichen. Die Anschluss- berufung richtet sich gemäss Art. 401 Abs. 1 StPO sinngem äss nach Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO. Somit ist die schriftliche Anschlussberufung inne rt 20 Tagen seit Zustellung der Beru- fungserklärung der Gegenpartei bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen. 2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts vom 14. Februar 2019 angefochten, wel- ches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Direkt nach der Eröffnung des Urteilsdispositivs meldete der Beschuldigte beim Strafgericht Berufung a n und mit Eingabe vom 16. April 2019 erklärte er Berufung beim Kantonsgericht. Demnach hat d er Berufungskläger die Rechtsmittel- frist gewahrt und ist seiner Erklärungspflicht nachgekom men. Die Staatsanwaltschaft hat mit Eingabe vom 23. April 2019 frist- und formgerecht An schlussberufung erhoben. Die Zuständig- keit der Dreierkammer des Kantonsgerichts als Berufungsger icht zur Beurteilung der vorliegen- den Berufung und Anschlussberufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO, SGS 250). Es zeigt sich somit, dass die Berufung des Beschuldigten sowi e die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sämtliche Formalien erfüllen, weshalb auf diese einzutreten ist. II. Materielles 1. Allgemeines 1.1 Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urtei l nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Aufgrund der seitens de r Parteien eingereichten Rechtsschrif- ten sowie der anlässlich der Berufungsverhandlung geha ltenen Parteivorträge zeigt sich, dass die Schuldsprüche wegen mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs, mehrfacher, teilweise ver- suchter Erpressung sowie Nötigung, die Strafzumessung, die Landesverweisung, die Zivilforde- rung sowie die Auferlegung der Verfahrenskosten Gegenst and des vorliegenden Berufungsver- fahrens bilden. Demgegenüber ist der Entscheid des S trafgerichts in Bezug auf das Honorar der amtlichen Verteidigung unangefochten geblieben, w eshalb dieser Punkt nicht Gegenstand Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des vorliegenden Verfahrens ist. Dieser Punkt des vorin stanzlichen Urteils ist in Rechtskraft erwachsen (vgl. Art. 437 Abs. 1 lit. a und Art. 437 Abs. 2 StPO). 1.2 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urtei- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon- nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft se in Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprec hen, und ohne Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Bew eise. Massgebend ist allein deren Stichhaltigkeit (C HRISTOF RIEDO /G ERHARD FIOLKA /M ARCEL ALEXANDER NIGGLI , Strafprozess- recht, 2011, Rz. 234; T HOMAS HOFER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 1 01) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte un d Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Bes chuldigte unschuldig ist. Als Beweis- würdigungsregel besagt dieser Grundsatz, dass sich der St rafrichter nicht von der Existenz ei- nes für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überze ugt erklären darf, wenn bei objekti- ver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhal t so verwirklicht hat. Die Beweiswür- digungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um er- hebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87, E. 2a ; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1). 1.3 Im Rahmen der Beweiswürdigung sind Aussagen auf Glaub haftigkeitsmerkmale bzw. Lügensignale hin zu analysieren. Aussagen sind gestützt auf eine Vielzahl von inhaltlichen Re- alkennzeichen zu beurteilen, wobei zwischen inhaltlichen Merkmalen (Aussagedetails, Individu- alität, Verflechtung), strukturellen Merkmalen (Strukturgleichheit, Nichtsteuerung, Widerspruchs- freiheit bzw. Homogenität) sowie Wiederholungsmerkmale n (Konstanz, Erweiterung) unter- schieden wird. Das Vorliegen von Realitätskriterien bede utet, dass die betreffende Person mit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hoher Wahrscheinlichkeit über erlebnisfundierte Gesche hnisse berichtet. Zwar besitzt jedes Realitätskriterium für sich allein betrachtet meist nur eine geringe Validität, die Gesamtschau aller Indikatoren kann jedoch einen wesentlich höher en Indizwert für die Glaubhaftigkeit der Aussage haben, wobei sie in der Regel in solchen mit r ealem Erlebnishintergrund signifikanter und ausgeprägter vorkommen als in solchen ohne (M ARTIN HUSSELS , Von Wahrheiten und Lü- gen – Eine Darstellung der Glaubhaftigkeitskriterien an hand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012, S. 369 f.; ANDREAS DONATSCH , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 162 N 15). 1.4 Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmitte- linstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittel- verfahren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). 2.1 Betrug vom 12. bzw. 13. Februar 2017 in der Höh e von Fr. 50'000.-- 2.1.1 In seiner Berufungsbegründung vom 16. Juli 2019 führ t der Beschuldigte im Wesentli- chen aus, dass er zwar der Privatklägerin gegenüber falsche Angaben gemacht habe, dies aber nichts mit einer arglistigen Täuschung zu tun habe, sonde rn mit dem Umstand, dass er auf der Suche nach einer Affäre gewesen sei. Über seine Absich ten habe er jedoch nicht getäuscht, denn der weitere Verlauf der Beziehung sei damals völ lig offen gewesen. Es fehle ohnehin an der arglistigen Täuschung, zumal die Privatklägerin ih n am 12. Februar 2017 erst zum dritten Mal getroffen habe. Zwischen ihm und der Privatklägerin habe zum damaligen Zeitpunkt noch kein Vertrauensverhältnis bestanden. Die Übergabe eine s Betrages von Fr. 50'000.-- an eine praktisch unbekannte Person sei absolut leichtsinnig ge wesen. Die von ihm angeblich gemach- ten Aussagen wären leicht und ohne grossen Aufwand übe rprüfbar gewesen. Völlig unbewie- sen sei weiter die Feststellung der Vorinstanz, wonach es si ch bei der Privatklägerin um eine einsame Frau handle, deren emotional verletzlichen Zu stand der Berufungskläger gezielt für seine Zwecke ausgenutzt habe. 2.1.2 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in ihrer St ellungnahme zur Berufungsbe- gründung vom 16. August 2019 aus, der Beschuldigte gesteh e ein, die Privatklägerin bewusst getäuscht zu haben. Diese bewussten Täuschungen seien g eeignet gewesen, die Privatkläge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rin glauben zu lassen, der Beschuldigte meine es ernst mit ihr, weswegen sie sich in ihn verliebt und ihm ein erhöhtes Vertrauen entgegengebracht habe. Es sei der Beschuldigte gewesen, welcher die Privatklägerin mit Liebesbekundungen bezirzt habe. Es sei ihm geschickt gelungen, die Privatklägerin in sich verliebt zu machen und ihr Ve rtrauen zu gewinnen. Als der Beschul- digte dann noch von Geldsorgen berichtet und angegeben habe, unter Lebensgefahr bei einem "Kredithai" einen Kredit aufnehmen zu wollen, sei d ie Privatklägerin aufgrund ihrer emotionalen Bindung zum Beschuldigten nicht mehr in der Lage gewe sen, dessen geschickte Lügen kritisch zu hinterfragen. 2.1.3 Streitig und zu prüfen ist demzufolge insbesondere, ob der Berufungskläger die Privat- klägerin durch sein Verhalten arglistig getäuscht hat. Gemäss Art. 146 Abs. 1 des Schweizeri- schen Strafgesetzbuches (StGB, SR 311.0) macht sich des B etrugs unter anderem schuldig, wer in der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vor- spiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig ir reführt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen anderen am Vermögen schädigt. Als Täuschung gilt jedes Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem anderen eine von der Wirklichkeit abweichende Vorstellung über objektiv feststeh ende, vergangene oder gegenwärti- ge Tatsachen hervorzurufen. Die Täuschung im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB kann durch konkludentes Verhalten erfolgen. Betrug durch Unterlas sen ist nur unter den Voraussetzungen eines unechten Unterlassungsdelikts strafbar und mithin n ur durch denjenigen Täter möglich, den gegenüber dem Geschädigten eine qualifizierte Rec htspflicht zum Handeln im Sinne einer Garantenpflicht trifft (Art. 11 StGB). Vorliegend hat der Beschuldigte die Privatklägerin über sei- ne Familienverhältnisse, seinen Wohnort, seine Arbeitssi tuation, sein Privatleben, den Darle- henszweck (Hauskauf) sowie sein Interesse an einer ernsthaf ten Beziehung getäuscht. Der Berufungskläger hat zudem auch selber gesagt, dass er das G eld wohl nur erhalten hätte, weil die Privatklägerin in ihn verliebt gewesen sei. Sie h abe ihm vertraut, weil sie ihn geliebt habe. Die Privatklägerin habe ihm helfen wollen und eine l ängerfristige Beziehung mit ihm beabsich- tigt. Sonst hätte sie ihm das Geld nicht gegeben (Einve rnahme des Beschuldigten vom 9. März 2017, Akten S. 395; Einvernahme des Beschuldigten vom 3 . Mai 2018, Akten S. 659). Entge- gen seinen Vorbringen deutet im vorliegenden Fall Vieles darauf hin, dass der Beschuldigte von Anfang an auf das Geld der Privatklägerin aus gewesen i st, zumal er seine finanzielle Situation auch schon sehr bald, mithin anlässlich des zweiten Dates , angesprochen hat (Einvernahme des Beschuldigten vom 9. März 2017, Akten S. 393). Wenn er tatsächlich nur eine Affäre ange- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht strebt hätte, hätte er seine finanziellen Probleme nicht so früh zur Sprache gebracht. Die Privat- klägerin ist aufgrund ihrer emotionalen Bindung zum B eschuldigten nicht mehr fähig gewesen, das zu durchschauen. Demnach ist das Vorliegen einer Täuschung zu bejahen. 2.1.4 Im Weiteren erfordert der Straftatbestand des Betrugs, dass die Täuschung arglistig erfolgt ist. Arglist wird bejaht, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich be- sonderer Machenschaften oder Kniffe bedient. Arglist wir d aber auch schon bei einfachen fal- schen Angaben bejaht, wenn deren Überprüfung nicht ode r nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist oder wenn der Täter das Opfer von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass dieses die Übe rprüfung der Angaben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werd e. Das Merkmal ist nicht erfüllt, wenn das Täuschungsopfer den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte ver- meiden können. Der Tatbestand erfordert aber nicht, da ss das Opfer die grösstmögliche Sorg- falt walten lässt und alle erdenklichen Vorkehren triff t, um den Irrtum zu vermeiden. Arglist scheidet nur bei Leichtfertigkeit des Opfers aus. Bei de r Prüfung der Arglist ist nach der Recht- sprechung nicht darauf abzustellen, wie ein durchschnittl ich vorsichtiger und erfahrener Dritter auf die Täuschung reagiert hätte. Vielmehr ist die Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfall zu berücksichtigen (BGE 135 IV 76, E. 5.2 ; 128 IV 18, E. 3a; 126 IV 165, E. 2a; je mit Hinweisen). Besonderen Schutz erfahren diejenigen Opfer, die gegenüber dem Täter in ei- nem emotionalen Abhängigkeitsverhältnis stehen, sei dies aufgrund von Einsamkeit, sozialer Isolation oder einer Liebesbeziehung. Gerade solche Opfe r sind in erhöhtem Masse für betrü- gerische Anstalten von Tätern, die das Vertrauen ihrer O pfer erschleichen und ihre Gefühle ausbeuten, empfänglich (vgl. H EIDI SÄGESSER , Opfermitverantwortung beim Betrug, ASR - Ab- handlungen zum Schweizerischen Recht Band/Nr. 799, 2014 , N 206 mit zahlreichen Hinwei- sen). Liebesbeteuerungen sind in der Regel geeignet, jemanden zur Annahme zu verleiten, die betreffende Person sei ihm gutgesinnt. Entscheidend ist, ob eine enge persönliche oder gar intime Beziehung vorlag und es der Privatklägerin aufgrund der emotionalen Einbindung schwe- rer fiel, dem Beschuldigten zu misstrauen. Für die Fra ge der Täuschung sind die gesamten Umstände relevant. Entscheidend ist, dass die Privatkläger in in Kenntnis der wahren Verhält- nisse (kein Rückzahlungswille, keine Notsituation, vorgetä uschtes Liebesverhältnis) das Risiko nicht auf sich genommen und dem Beschuldigten kein Darle hen gewährt hätte (BGer 6B_518/2012 vom 5. Februar 2013 E. 3.3.2). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorliegend hat der Beschuldigte mit seinen getätigten Angaben ein regelrechtes Lügengebäude errichtet. Dies ergibt sich aus der Vielzahl der Lügen, w elche perfekt aufeinander abgestimmt waren. Der Beschuldigte hat damit seine gesamte Lebe nssituation erschwindelt. Er hat die Pri- vatklägerin unter anderem über seine Arbeitssituation, seinen Zivilstand, seinen Wohnort sowie seine Gefühle ihr gegenüber belogen. Im vorliegenden Fall ergibt sich das Merkmal der Arglist somit bereits aus der festgestellten Täuschung über seine Gefühle sowie auch über seinen Wil- len resp. die Möglichkeit, das Darlehen zurückzuzahlen, zu mal dies innere Tatsachen betrifft, die von der Privatklägerin nicht hätten überprüft werde n können. Des Weiteren war sich der Beschuldigte darüber im Klaren, dass die Privatklägeri n aufgrund ihrer Verliebtheit bzw. ihres Vertrauensverhältnisses zu ihm von einer Überprüfung seiner Angaben absehen würde. Im Üb- rigen gab es verschiedene Momente, in denen der Beschu ldigte die Privatklägerin davon abge- halten hat, Abklärungen zu tätigen oder in denen der Beschuldigte bei der Privatklägerin auf- kommende Zweifel durch weitere Lügengeschichten geschickt beseitigt hat; namentlich als die Privatklägerin Fragen in Bezug auf sein UBS Konto ode r sein Auto gestellt hat oder seine Mut- ter kennenlernen wollte (Einvernahme der Privatkläger in vom 17. Februar 2017, Akten S. 351). Demnach hat er die Überprüfung seiner wahrheitswidrig en Angaben aktiv durch zusätzliche Lügengeschichten erschwert. Sodann ist zu konstatieren, da ss – entgegen den Ausführungen des Berufungsklägers – die eher kurze Dauer der Beziehung keine entscheidende Rolle spielt, zumal die Intensität der Beziehung in casu gross war. Zu berücksichtigen sind dabei insbeson- dere die Häufigkeit und die Inhalte der Chatunterha ltungen zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten. Aus den WhatsApp Chatnachrichten vom 11. Februar 2017 geht beispiels- weise hervor, dass der Beschuldigte und die Privatklägeri n Geschlechtsverkehr gehabt haben, und dass der Beschuldigte ihr danach sogar vorgespiegelt hat, mit ihr eine Familie gründen zu wollen (Akten S. 225). Namentlich am 12. Februar 2017 hat die Privatklägerin dem Beschuldig- ten per WhatsApp geschrieben: "Habe völliges Vertrauen zu dir. Freue mich auf was auch im- mer sich da entwickelt." (Akten S. 229). Diese Umstände ze ugen klarerweise von einem engen persönlichen Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin, weswegen es ihr aufgrund der emotionalen Einbindung schwerer fiel, de m Beschuldigten zu misstrauen. Die Pri- vatklägerin war zudem aufgrund ihrer Verliebtheit und dem starken Wunsch nach einer festen Beziehung in ihrer Fähigkeit, dem Beschuldigten zu misstr auen und sich selbst zu schützen, offensichtlich erheblich eingeschränkt, was dem Beschuldig ten bewusst war. In Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse hätte die Privatklägerin das V erlustrisiko auf keinen Fall auf sich ge- nommen bzw. dem Beschuldigten kein Darlehen gewährt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arglist scheidet lediglich aus, wenn grundlegendste V orsichtsmassnahmen nicht beachtet wer- den. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz n icht bei jeder Fahrlässigkeit des Ge- täuschten, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lässt. Je grösser mit anderen W orten der vom Täter betriebene Täu- schungsaufwand ist, umso weniger kann dem Geschädigten v orgeworfen werden, er hätte die Täuschung erkennen müssen. Ein erheblich naives Verhalten führt nicht zwingend zur Straflo- sigkeit des Täters. Richtet sich dieser gezielt an geschäftsu nerfahrene und schutzbedürftige Personen, sind an die Opfermitverantwortung keine hohe n Anforderungen zu stellen. Auch las- sen Zweifel des Geschädigten an den Vorbringen des Tät ers die Arglist nicht zwingend entfal- len. Dem ist insbesondere Rechnung zu tragen, wenn der Täter eine besondere Notlage vor- täuscht sowie an die Hilfsbereitschaft des Getäuschten ap pelliert und es folglich nicht um ein lukratives Geschäftsangebot geht, das dieser annehmen ode r bei Zweifeln besser ablehnen sollte (BGer 6B_518/2012 vom 5. Februar 2013 E. 3.4. 1). In Anbetracht ihrer Verliebtheit und des aus ihrer Sicht bestehenden Vertrauensverhältnisses hat die Privatklägerin vorliegend auch nicht besonders leichtfertig gehandelt, zumal sie immer hin schriftliche Darlehensverträge abge- fasst und sich damit abgesichert hat, sodass die Opfermi tverantwortung der Bejahung der Arg- list nicht entgegensteht. 2.1.5 Die arglistige Täuschung muss in der Folge zu einem tä uschungsbedingten Irrtum füh- ren. Es wird somit vorausgesetzt, dass der Getäuschte die v orgespiegelte Tatsache für wahr hält (GUNTHER ARZT , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 146 N 124). Ausserdem erfor- dert der Straftatbestand des Betrugs eine irrtumsbedi ngte Vermögensdisposition. Der vorhan- dene Irrtum muss die Ursache dafür sein, dass der Getä uschte eine Vermögensverfügung trifft. Vermögensdisposition ist jedes Verhalten mit unmittelba r vermögensmindernder Wirkung (GÜNTHER STRATENWERTH /W OLFGANG WOHLERS , Handkommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 146 N 8; G UNTHER ARZT , a.a.O., Art. 146 N 129). In casu erhellt, dass sowoh l das Tatbestands- merkmal des Irrtums als auch jenes der Vermögensdisposi tion erfüllt sind. Durch die arglistige Täuschung des Beschuldigten entstand bei der Privatkläger in ein entsprechender Irrtum und darauf basierend erfolgte die Vermögensdisposition, we lche zu einem Vermögensschaden in der Höhe von Fr. 50'000.-- führte. Der Motivationszusamm enhang ist somit ebenfalls zu beja- hen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1.6 In subjektiver Hinsicht erfordert der Betrug gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB Vorsatz und die Absicht ungerechtfertigter Bereicherung. Die Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, setzt voraus, dass der Täter einen unrechtm ässigen wirtschaftlichen Vorteil an- strebt. Die Bereicherung kann in jeder auch nur vorübe rgehenden geldwerten Besserstellung liegen. Das Bestehen von Rückerstattungs- oder Schadenersa tzansprüchen schliesst das Vor- liegen einer Bereicherung nicht aus (G UNTHER ARZT , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 146 N 193 ff.; G ÜNTER STRATENWERTH /W OLFGANG WOHLERS , Handkommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 137 N 17; STEFAN TRECHSEL /D EAN CRAMERI , Praxiskommentar StGB, 2. Aufl. 2013, vor Art. 137 N 12 ff.). Der Beschuldigte war sich beim Aufbau des engen Vertrauensver- hältnisses mit der Privatklägerin, bei seinen Lügen und Lügengeschichten, verbunden mit der Bitte um Geld und mit der Entgegennahme dieses hohen Betrages, sehr wohl bewusst, was er tat. Er erzählte der Privatklägerin gezielt frei erfun dene Geschichten, einzig mit der Absicht, sie zu täuschen und auf diese Weise Geld von ihr erhältlich zu machen. Demnach handelte er mit direktem Vorsatz und mit Bereicherungsabsicht, womit das Verhalten des Beschuldigten den objektiven und subjektiven Tatbestand des Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB erfüllt. Im Übrigen ist sowohl in Bezug auf das Tatsächliche als a uch in Bezug auf das Rechtliche hin- sichtlich des Betrugs vom 12. bzw. 13. Februar 2017 in de r Höhe von Fr. 50'000.-- gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich auf die ausführli chen und sorgfältig dargelegten Erwägun- gen der Vorinstanz zu verweisen (Urteil des Strafgerich ts vom 14. Februar 2019, E. I, 1. A. und B.). Im Ergebnis hat die Vorinstanz den Beschuldigten zu Recht des Betruges schuldig gespro- chen, weshalb die Berufung des Beschuldigten in diesem Punkt abzuweisen ist. 2.2 Erpressung, eventuell Betrug vom 13. Februar 2 017 in der Höhe von Fr. 10'000.-- 2.2.1 In seiner Berufungsbegründung vom 16. Juli 2019 führ t der Beschuldigte im Wesentli- chen aus, er stelle nicht in Abrede, von der Privatkläger in weitere Fr. 10'000.-- erbeten zu ha- ben. Es werde von ihm jedoch vehement bestritten, diesen Betrag jemals empfangen zu haben. Dass die Privatklägerin zu Hause einen Barbetrag von Fr. 10'000.-- aufbewahrt habe, erscheine absolut unglaubhaft. Der Beschuldigte soll die Privatkl ägerin noch am selben Abend, an wel- chem er die Fr. 10'000.-- bar bezogen haben soll, um w eitere Fr. 10'000.-- ersucht haben. Es sei bemerkenswert, dass diese in der WhatsApp-Kommunikation dieses Abends nicht mit einem Wort erwähne, dass sie ihm bereits wenige Stunden zuvor nochmals Fr. 10'000.-- übergeben habe. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2.2 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in ihrer St ellungnahme zur Berufungsbe- gründung vom 16. August 2019 aus, die diesbezüglichen Au ssagen der Privatklägerin seien stimmig und sehr glaubhaft. Insbesondere habe sie auch angegeben, einen Tresor zu Hause zu haben. Weiter sprächen die schriftlichen und vom Beschuldigten unterzeichneten Darlehensver- träge dafür, dass sie ihm am 13. Februar 2017 Fr. 10' 000.-- in bar übergeben habe. Hätte der Berufungskläger am 13. Februar 2017 wie behauptet kei n Bargeld von der Privatklägerin erhal- ten, wäre zu erwarten gewesen, dass er ihr vorhalte, ihm diese Fr. 10'000.-- vertraglich zugesi- chert, aber noch nicht übergeben zu haben. Schliesslich würden die Bareinzahlungen auf das Konto des Beschuldigten eindeutig belegen, dass dieser Bargeld in der Höhe von Fr. 10'000.-- erhalten haben müsse. 2.2.3 Zwischen den Parteien streitig und zu prüfen ist demzufo lge im Wesentlichen, ob der Beschuldigte am 13. Februar 2017 von der Privatklägeri n Fr. 10'000.-- in bar erhalten hat. Aus dem Kontoauszug des Beschuldigten geht hervor, dass er am 24. Februar 2017 exakt Fr. 10'000.-- auf sein Konto eingezahlt hat (Akten S . 303). Ohne das Geld der Privatklägerin hätte der verschuldete Berufungskläger keine Fr. 10'000. -- zur Verfügung gehabt. Eine nach- vollziehbare und schlüssige Erklärung für diese Einzahlung hat er denn auch nicht liefern kön- nen. Weiter geht aus den Akten hervor, dass beim Darlehe nsvertrag über die Fr. 50'000.-- "bar" durchgestrichen und "per Banküberweisung" von Hand erg änzt wurde (Akten S. 365), während beim Darlehensvertrag über die Fr. 60'000.-- "bar" ni cht durchgestrichen wurde (Akten S. 369). Entgegen dem Vorbringen des Berufungsklägers sind auch die Aussagen der Privatklägerin, wonach sie zu Hause einen Barbetrag von Fr. 10'000.-- aufbewahrt habe, nicht absolut un- glaubhaft. Die Privatklägerin hat denn auch ausgesagt, d ass sie zu Hause einen Tresor habe. Ferner hat der Beschuldigte ihr am 14. Februar 2017 per WhatsApp geschrieben, er könne sei- ne Ex um Fr. 20'000.-- bitten, der Privatklägerin davo n Fr. 10'000.-- geben und die anderen Fr. 10'000.-- für sich behalten (Akten S. 215). Vorlie gend bestehen Indizien, die zusammenge- nommen den rechtsgenüglichen Beweis erbringen, wonach d er Beschuldigte die weiteren Fr. 10'000.-- von der Privatklägerin erhalten hat. An dieser Stelle ist ausserdem darauf hinzuweisen, dass de r Beschuldigte verschiedentlich an- gedeutet hat, die Beziehung zu beenden, falls die Priva tklägerin ihn nicht (weiter) finanziell un- terstütze. Der Beschuldigte hat die Privatklägerin auch m ehrfach unter Druck gesetzt, indem er angegeben hat, er müsse zum Zahnarzt wegen der Weisheit szähne, er sei in Gefahr wegen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Kredithais oder seine Mutter habe Krebs. Nach dem e rsten Kredit habe die Privatklägerin sich eher unter Druck gesetzt gefühlt, zumal der Beschuldi gte Sachen gesagt habe wie "wenn du mir nicht mehr gibst ist es aus" und "gib mir mehr, s onst ist alles weg" (Einvernahme der Privatklägerin vom 17. Februar 2017, Akten S. 359). Im Übrigen ist hinsichtlich der Erpressung, eventuell de s Betrugs vom 13. Februar 2017 in der Höhe von Fr. 10'000.-- auf die bereits gemachten Ausf ührungen unter E. II., 2.1 hiervor sowie vollumfänglich auf die korrekten tatsächlichen und rech tlichen Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urteil des Strafgerichts vom 14. Februar 2019, E. I., 2. A. und B.). Die Vorderrichter haben den Beschuldigten auch hier im Ergebnis zu Recht de s Betruges schuldig gesprochen, weshalb die Berufung auch in diesem Punkt abzuweisen ist. 2.3 Mehrfacher versuchter Betrug begangen vom 13. bis zum 16. Februar 2017 in der Höhe von Fr. 10'000.-- 2.3.1 In seiner Berufungsbegründung vom 16. Juli 2019 führ t der Beschuldigte im Wesentli- chen aus, am Abend des 13. Februars 2017 sowie in den nachfolgenden Tagen sei es immer um die gleichen Fr. 10'000.-- gegangen, die der Ber ufungskläger nach der Überweisung von Fr. 50'000.-- erbeten habe. Spätestens hier fehle es an einer arglistigen Täuschung. 2.3.2 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in ihrer St ellungnahme zur Berufungsbe- gründung vom 16. August 2019 aus, weshalb die Übergab e der Fr. 10'000.-- in bar vom 13. Februar 2017 etwas an der vom Beschuldigten angewa ndten Arglist ändern sollte, sei nicht nachvollziehbar. Schliesslich handle es sich um die Fortfü hrung der vom Beschuldigten begon- nenen Lügengeschichte, welche nicht weniger unwahr werd e, nur, weil die Privatklägerin ihm zwischenzeitlich mehr Geld übergeben habe. 2.3.3 Sowohl die Aussagen der Privatklägerin als auch der Wha tsApp-Chatverlauf belegen den mehrfachen versuchten Betrug. Insbesondere am Aben d des 13. Februar 2017 fragte der Beschuldigte die Privatklägerin via WhatsApp an, ob sie i hm wiederum Fr. 10'000.-- ausleihen könne. Er wolle ein bisschen Sicherheit für sich. Dann f ühle er sich besser (Akten S. 337). Ent- gegen dem Vorbringen des Berufungsklägers kann im zeitlichen Ablauf dieser Liebesbeziehung auch kein eigentlicher Wendepunkt erblickt werden, ab welchem die Arglist verneint werden Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht könnte, weil die Getäuschte mit gebührender Aufmerksamke it den Beschuldigten mit seinen erfundenen Lügengeschichten hätte klar entlarven können und müssen. Auch hinsichtlich des mehrfachen versuchten Betrugs bega ngen vom 13. bis zum 16. Februar 2017 in der Höhe von Fr. 10'000.-- ist ansonsten gestü tzt auf Art. 82 Abs. 4 StPO auf die Erwä- gungen der Vorderrichter zu verweisen (Urteil des Stra fgerichts vom 14. Februar 2019, E. I, 3. A. und B.). Die Vorinstanz hat den Beschuldigten korre kterweise des mehrfachen versuchten Betruges schuldig gesprochen, weshalb die Berufung des Beschuldigten auch in diesem Punkt abzuweisen ist. 2.4 Versuchte Erpressung vom 16. Februar 2017 2.4.1 In seiner Berufungsbegründung vom 16. Juli 2019 führ t der Beschuldigte im Wesentli- chen aus, er habe der Privatklägerin am Telefon gesagt, sie sei tot für ihn. Diese Aussage habe er im Streit gemacht. Er habe mit dieser Aussage nicht versucht, die Privatklägerin zur Zahlung weiterer Fr. 10'000.-- zu drängen. Gegen die Annahm e einer versuchten Erpressung spreche auch der Umstand, dass die Privatklägerin den Beschuldigt en am 20. Februar 2017 alleine in ihre Wohnung gelassen habe. Wäre sie wenige Tage zuvor derart massiv bedroht worden, hät- te sie dies wohl nicht getan. 2.4.2 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in ihrer St ellungnahme zur Berufungsbe- gründung vom 16. August 2019 aus, der Beschuldigte verkenne, dass die Aussage von D.____, wonach die Privatklägerin nicht ängstlich gewirkt habe, a ls sie die Nacht bei ihm verbracht ha- be, ihn in keiner Weise entlaste. Nachdem die Privat klägerin ihr Haus verlassen und sich zu ihrem Bekannten geflüchtet habe, habe keine Gefahr me hr für sie bestanden. Somit habe sie keinen Grund mehr gehabt, Angst zu haben oder ihrem Bekannten gegenüber zu zeigen. Dar- über hinaus sei festzustellen, dass die Privatklägerin a m Nachmittag des 17. Februar 2017 An- zeige gegen den Beschuldigten erstattet habe. Auch dies er Umstand spreche dafür, dass am 16. Februar 2017 etwas Gravierendes vorgefallen sein müsse . Weiter habe die Privatklägerin nachvollziehbar angegeben, dass sie sich nach der Anzeige erstattung am Abend des 17. Feb- ruar 2017 mit dem Beschuldigten zuerst in einem öffen tlichen Lokal getroffen hätte, wobei sie sich wieder aus Angst vor dem Beschuldigten zunächst von zw ei Freunden habe begleiten las- sen. Erst nachdem es dem Beschuldigten wieder gelungen sei, die Privatklägerin erneut zu täu- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen, habe sie ihn noch einmal zu sich nach Hause eingel aden, in der Hoffnung doch noch eine Rückzahlung zu erhalten. 2.4.3 Die Privatklägerin hat dem Beschuldigten am 16. Februar 2017 geschrieben: "Droh mir nicht nochmals mit einem Killer." (Akten S. 239, 633). Weiter hat sie in ihrer Einvernahme vom 17. Februar 2017 ausgeführt, der Beschuldigte habe zu ihr gesagt, si e solle ihm die Fr. 10'000. -- auszahlen. Ansonsten würde es ihn nur Fr. 5'000.-- kosten , um sie beseitigen zu lassen (Akten S. 353). Der Umstand, dass die Privatklägerin in dieser Nacht zu einem Bekannten gegangen ist, um bei ihm zu übernachten, zeigt ausserdem deutli ch, dass sie Angst vor dem Beschuldig- ten hatte. Im Übrigen kann auch hinsichtlich der versuchten Erpres sung vom 16. Februar 2017 vollum- fänglich auf die korrekten tatsächlichen und rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urteil des Strafgerichts vom 14. Februar 201 9, E. I, 4. A. und B.). Im Ergebnis ist der Beschuldigte der versuchten Erpressung schuldig zu sprec hen, und die Berufung auch in die- sem Punkt abzuweisen. 2.5 Erpressung, Nötigung und Drohung vom 20. Febru ar 2017 2.5.1 In seiner Berufungsbegründung vom 16. Juli 2019 führ t der Beschuldigte im Wesentli- chen aus, er habe die Privatklägerin an diesem Abend ni cht erpresst, bedroht oder genötigt. Der WhatsApp-Chatverlauf von der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 2017 sowie der darauf- folgenden Tage widerlege dies klar. Die Privatklägerin könne mit der abgegebenen Erklärung und dem neu verfassten Vertrag auch bezweckt haben, dem B erufungskläger in seiner Situati- on zu helfen, was allenfalls die Chance erhöht hätte, dass er seiner Rückzahlungspflicht nach- komme. Generell müsse an dieser Stelle darauf hingewi esen werden, dass die Vorinstanz rela- tiv vorbehaltlos auf die Aussagen der Privatklägerin abge stellt habe. Dies erscheine problema- tisch, bestünden doch handfeste Hinweise darauf, dass entg egen deren Behauptung ein zu- sätzlicher Barbetrag von Fr. 10'000.-- nicht bezahlt worden sei. 2.5.2 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in ihrer St ellungnahme zur Berufungsbe- gründung vom 16. August 2019 aus, aufgrund der Kontoa uszüge sei erstellt, dass die Aussa- gen des Beschuldigten, wonach er nach der Anzeigeerstattu ng vom 17. Februar 2017 Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 40'000.-- abgehoben habe, nicht zutreffen könnten . Die Annahme, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten durch die abgegebene Erklärung und d en neuen Vertrag hätte helfen wol- len, erscheine lebensfremd, zumal sie beide zu diesem Z eitpunkt bereits zerstritten gewesen seien. 2.5.3 Der Beschuldigte hat selber zugegeben, mit dem Geld d er Privatklägerin seine Schul- den bezahlt zu haben. Aus seinem Kontoauszug geht hervor , dass der Beschuldigte von den zunächst erhaltenen Fr. 50'000.-- bereits am selben Tag , mithin am 13. Februar 2017, Fr. 40'000.-- abgehoben hat und danach immer wieder kleinere Beträge als Lastschriften ver- zeichnet worden sind. Gutschriften sind bis zum 20. Febru ar 2017 nicht mehr erfasst worden (Kontoauszug PostFinance Konto, Akten S. 463 ff.). Ent gegen seinen Ausführungen hätte er der Privatklägerin am 20. Februar 2017 gar keine Fr. 4 0'000.-- aushändigen können. Selbst wenn der Beschuldigte der Privatklägerin tatsächlich Fr. 40'000.-- zurückgegeben hätte, ergäbe es keinerlei Sinn, dass sie ihm das Geld kurz danach wied er überlässt. Mit der Staatsanwalt- schaft ist schliesslich festzuhalten, dass die Annahme, die Privatklägerin hätte dem Beschuldig- ten durch die abgegebene Erklärung und den neuen Ver trag helfen wollen, lebensfremd er- scheint. Ansonsten ist auch hinsichtlich der Erpressung, Nötigung und Drohung vom 20. Februar 2017 vollumfänglich auf die tatsächlichen und rechtlichen Erw ägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urteil des Strafgerichts vom 14. Februar 2019, E. I, 5. A. und B.). Die Vorderrichter haben den Beschuldigten zu Recht der Erpressung sowie der Nötigu ng schuldig gesprochen, weshalb die Berufung auch in diesem Punkt abzuweisen ist. 3. Strafzumessung 3.1 In seiner Berufungsbegründung vom 16. Juli 2019 führ t der Beschuldigte im Wesentli- chen aus, während selbst die Staatsanwaltschaft eine bed ingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten gefordert habe, habe die Vorinstanz eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten verhängt. Bei den Strafzumessungsfaktoren sei sie dabei fälschliche rweise von einer Schadenssumme von Fr. 60'000.-- ausgegangen. Weiter habe es die Vo rinstanz fälschlicherweise als erstellt er- achtet, dass der Beschuldigte, nachdem er schon Fr. 60'0 00.-- erhalten hatte, weitere Fr. 10'000.-- gefordert habe. Weiter gingen die Vor derrichter von einem Betrug in Form des "Heiratsschwindels" aus, obschon sich der Beschuldigte und d ie Privatklägerin am 13. Februar Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2017 erst zum dritten Mal gesehen und rund einen Monat zuvor zum ersten Mal über eine Da- tingplattform gechattet hätten. Bei der Täterkompone nte gehe die Vorinstanz ausserdem von einem einschlägigen Vorleben aus, obschon der Berufungskläger im Jahre 2014 freigesprochen worden sei. 3.2 Die Staatsanwaltschaft verweist in ihrer Stellungnahme zur Berufungsbegründung vom 16. August 2019 auf die zutreffenden Ausführungen im Urteil vom 14. Februar 2019. 3.3 Die meisten Vorbringen des Berufungsklägers sind bereits d urch die Bestätigung der vorinstanzlichen Verurteilungen hinfällig geworden. Zum Einwand des Berufungsklägers, wo- nach die Vorinstanz bei den Täterkomponenten zu Unrec ht von einem einschlägigen Vorleben ausgegangen sei, obschon der Beschuldigte im Jahre 2014 freigesprochen worden sei, ist fest- zuhalten, dass die Vorderrichter lediglich ein "einschlägi ges Vorleben" erwähnen, jedoch nir- gends festhalten, dass der Beschuldigte Vorstrafen habe ( S. 19 des vorinstanzlichen Urteils). Dass dieses einschlägige Vorleben im Rahmen der Täterkomp onenten berücksichtigt worden ist, ist nicht zu beanstanden. Auch der Umstand, dass die Vorinstanz mit ihrer ausgefällten Stra- fe über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinausgegang en ist, vermag die Strafzumessung nicht unangemessen zu machen. An dieser Stelle ist lediglich festzuhalten, dass die V orinstanz im Rahmen der Strafzumessung das Tatverschulden bezüglich des mehrfachen, teilweise ve rsuchten Betrugs als mittel bis schwer bezeichnet und eine Einsatzstrafe von 18 Monaten eingesetzt hat (S. 18 des vorinstanz- lichen Urteils). Berücksichtigt man jedoch, dass der Betru g nach Art. 146 Abs. 1 StGB mit Frei- heitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraf t wird, entspricht eine Einsatzstrafe von 18 Monaten sicherlich nicht einem schweren, sondern höc hstens einem mittelschweren Ver- schulden. Dasselbe gilt für die am Ende festgelegte Freiheitsstrafe von 28 Monaten, welche von der Vorinstanz wiederum als einem mittel- bis schweren V erschulden entsprechend dargestellt wird (S. 21 des vorinstanzlichen Urteils). In Anbetracht der möglichen Höchststrafe entspricht eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten maximal einem mittleren Verschulden. Ansonsten ist auch in Bezug auf die Strafzumessung vollumf änglich auf die korrekten Erwä- gungen der Vorinstanz zu verweisen (Urteil des Strafger ichts vom 14. Februar 2019, E. II.). Im Ergebnis haben die Vorderrichter den Beschuldigten weg en mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs, mehrfacher, teilweise versuchter Erpressung sowi e Nötigung zu Recht zu einer teilbe- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht dingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten, davon 6 Monate unbedingt, verurteilt. In diesem Sinne ist die Berufung des Beschuldigten vollumfänglich abzuweisen. 4. Landesverweisung 4.1 Im Rahmen der Erklärung der Anschlussberufung vom 23. Ap ril 2019 führt die Staats- anwaltschaft aus, der Beschuldigte habe bereits bei der Tatbegehung um sämtliche Umstände gewusst, welche nun für einen Verbleib in der Schweiz a ufgeführt würden. Auch habe ihm die Möglichkeit einer Landesverweisung bereits bei der Tatbe gehung bekannt gewesen sein müs- sen, was ihn jedoch nicht von der gewichtigen Delinquenz habe abhalten können. Der Um- stand, wonach er gemäss eigenen Aussagen auf der Suche n ach einer Affäre gewesen sei, zeige, dass das Verhältnis zu seiner Familie nicht derar t gut sein könne, dass seine persönli- chen Interessen am Verbleib bei seiner Familie in der Schweiz höher zu gewichten wären als die öffentlichen Interessen an der Fernhaltung eines kr iminellen Ausländers. Der Beschuldigte sei vorliegend mit einer erheblichen kriminellen Energie vorgegangen und habe sich auch durch die Einleitung des Strafverfahrens nicht davon abhalten lassen, weitere potentielle Opfer aus- findig zu machen. Daher erscheine die Anordnung einer fakultativen Landesverweisung gemäss Art. 66a bis StGB verhältnismässig und notwendig. 4.2 Der Beschuldigte macht demgegenüber in seiner Stellun gnahme vom 20. September 2019 geltend, er bestreite vehement, die Privatklägerin betrogen, erpresst oder genötigt zu ha- ben. Doch selbst wenn der erstinstanzliche Schuldspruch be stätigt werden sollte, wäre der Ein- schätzung des Strafgerichts zu folgen, wonach bei der vor zunehmenden Interessenabwägung auch der Familie und dabei insbesondere den drei mind erjährigen Töchtern des Beschuldigten, welche über das Schweizer Bürgerrecht verfügten, Rechnun g zu tragen sei. Diese würde eine Wegweisung des Vaters aus der Schweiz schwer treffen. 4.3 Der Beschuldigte ist seit 2003, mithin seit 17 Jahren mit einer Schweizerin verheiratet, hat drei minderjährige Kinder (geb. 2003, 2006 und 2008), welche alle das Schweizer Bürger- recht besitzen. Der Berufungskläger ist integriert, sprich t sehr gut Deutsch und besitzt eine C- Niederlassungsbewilligung. Eine Landesverweisung hätte massive Auswirkungen auf seine Familie. Der Beschuldigte kümmert sich um die drei Töch ter, während seine Frau arbeiten geht (Einvernahme des Beschuldigten vom 9. August 2017, Akten S . 69 f.). Der Ehefrau und den drei Kindern wäre es nicht zumutbar, mit dem Beschuldig ten das Land zu verlassen, wobei das Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindeswohl in der Praxis zentral ist. An dieser Stelle i st auf Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) hinzuweisen, welcher i m vorliegenden Fall einer Landesver- weisung entgegensteht. Zu berücksichtigen ist ferner, dass der Beschuldigte eine Lehre aus der ganzen Angelegenheit gezogen zu haben scheint und ausse rdem seit März 2019 monatlich Fr. 300.-- bis Fr. 400.-- an die Privatklägerin zurückb ezahlt (vgl. Zahlungsdetails der Postfi- nance, anlässlich der Berufungsverhandlung durch den Beschuldigten eingereicht). Damit mani- festiert der Berufungskläger, dass er bemüht ist, seine S chulden bei der Privatklägerin zu be- gleichen. Hingegen ist die Gefahr für die Öffentlichkei t nicht sehr gross, jedenfalls überwiegen die öffentliche Interessen die persönlichen Interessen d es Beschuldigten nicht. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz zu Recht von einer fakulta tiven Landesverweisung abgesehen, weshalb auch die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft abzuweisen ist. 5. Urteilspublikation Ziff. 3 des vorinstanzlichen Urteils, wonach Ziff. 1 de s Dispositivs sowie die Anklageschrift ge- stützt auf Art. 68 Abs. 1 StGB der C.____ GmbH mitget eilt werden, ist zwar von keiner Partei angefochten worden, jedoch von Amtes wegen aufzuhebe n, zumal die Veröffentlichung des Strafurteils nicht im öffentlichen Interesse geboten erscheint. 6. Zivilforderung 6.1 In seiner Berufungsbegründung vom 16. Juli 2019 führ t der Beschuldigte im Wesentli- chen aus, den Betrag von Fr. 50'000.-- anerkenne er als Schuld. Weitere Fr. 10'000.-- seien ihm aber nicht ausbezahlt worden. 6.2 Die Staatsanwaltschaft verweist in ihrer Stellungnahme zur Berufungsbegründung vom 16. August 2019 auf die zutreffenden Ausführungen im Urteil vom 14. Februar 2019. 6.3 In Bezug auf die Zivilforderung ist vollumfänglich auf d ie Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen, wonach der Beschuldigte im Ergebnis zu ve rurteilen ist, der Privatklägerin Fr. 60'000.-- als Schadenersatz zu bezahlen (Urteil des Strafgerichts vom 14. Februar 2019, E. V). Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Kosten vor Strafgericht Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wen n sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Im vorliegenden Fall wurde der Beschuldigte von der Vorinstanz verurteilt . Da der Schuldspruch im Berufungs- verfahren nicht aufgehoben wurde, rechtfertigt es sich nicht, die Kostenregelung des erstin- stanzlichen Verfahrens zu ändern; sie ist vielmehr zu bestä tigen (vgl. Urteil des Strafgerichts vom 14. Februar 2019 E. VI sowie Dispositiv Ziffer 5). III. Kosten vor Kantonsgericht 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht. Entspre- chend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens, mithin der Abweisung der Berufung des Be- schuldigten und der Abweisung der Anschlussberufung der S taatsanwaltschaft, gehen die Ver- fahrenskosten des Kantonsgerichts in der Höhe von Fr. 8' 400.--, bestehend aus einer Gerichts- gebühr von Fr. 8'250.-- (§ 12 Abs. 1 der Verordnung ü ber die Gebühren der Gerichte, GebT, SGS 170.31) sowie Auslagen von Fr. 150.--, je zur Hälf te zu Lasten des Beschuldigten und des Staates. 2. Mit verfahrensleitender Verfügung des Präsidenten des Kantonsgerichts vom 16. Mai 2019 wurde dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren die amtliche Verteidigung bewilligt. Mit Honorarnote vom 17. Februar 2020 weist der Rechtsve rtreter des Beschuldigten einen Auf- wand von 14.67 Stunden à Fr. 200.-- aus (§ 3 Abs. 2 d er Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte, TO, SGS 178.112). Unter Berücksichtigung der konkreten Gegebenheiten erachtet das Berufungsgericht diesen Aufwand als angemessen. Hinzu kommen 5 Stunden Aufwand für die Parteiverhandlung und die Urteilseröffnung vor Ka ntonsgericht. Demzufolge ist dem Vertei- diger des Beschuldigten, Advokat Dr. Matthias Aeberli, für seine Bemühungen im Rechtsmittel- verfahren ein Honorar von Fr. 4'075.40 (inklusive Auslag en von Fr. 141.40) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer von Fr. 313.80, insgesamt somit Fr. 4'389.20, aus der Gerichtskasse zu entrich- ten. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Beschuldigte wird verpflichtet, im Umfang von 50% (= Fr. 2'194.60) dem Kanton die Ent- schädigung für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen s owie der amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem voll en Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft v om 14. Februar 2019, aus- zugsweise lautend: "1. B.____ wird schuldig erklärt des mehrfachen, tei lweise versuchten Betrugs, der mehrfachen, teilweise versuchten Erpressung sowie der Nötigung und verurteilt zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 28 Mona ten, davon 6 Monate unbedingt, bei einer Probezeit von 3 Jahren für den bedingten Teil der Strafe, unter Anrechnung der am 9. März 2017 ausgestandenen U ntersu- chungshaft von einem Tag, in Anwendung von Art. 146 Abs. 1 StGB teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 156 Ziff. 1 StGB teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 181 StGB, Art. 40 StGB, Art. 43 StGB, Ar t. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 51 StGB. 2. Es wird keine Landesverweisung gestützt auf Art. 6 6abis StGB angeordnet. 3. Ziffer 1 des Dispositivs sowie die Anklageschrift we rden gestützt auf Art. 68 Abs. 1 StGB der C.____ GmbH mitgeteilt. 4. B.____ wird verurteilt, A.____ Fr. 60'000.-- a ls Schadenersatz zu bezahlen. 5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten de s Vorverfah- rens in der Höhe von Fr. 3'581.-- und der Gerichtsgebü hr von Fr. 4'000.--, gehen gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO zulasten von B.____. 6. Das Honorar des amtlichen Verteidigers in der Hö he von Fr. 10'620.80 (inkl. Auslagen und MwSt.) wird aus der Gerichts- kasse entrichtet, unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflicht ung von B.____ gemäss Art. 135 Abs.4 StPO." Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten und der Anschluss- berufung der Staatsanwaltschaft vollumfänglich best ätigt. Die Dispositiv- Ziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils wird jedoch von Amtes wegen aufgeho- ben. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von Fr. 8'400.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von Fr. 8'250.-- sowie Auslagen von Fr. 150.--, gehen je zur Hälfte zu Lasten des Besc huldigten und des Staates. Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Dr. Matthias Aebe rli, wird für das Beru- fungsverfahren ein Honorar in der Höhe von Fr. 4'075.4 0 (inkl. Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (Fr. 313.80), somit insge samt Fr. 4'389.20, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung an den Kanton im Umfang von 50% sowie zu r Erstattung der Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vo llen Honorar an die Verteidigung verpflichtet, sobald es seine wirtscha ftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). III. Mitteilungen (…) Vizepräsident Stephan Gass Gerichtsschreiberin Olivia Reber Gegen diesen Entscheid ist Beschwerde beim Bundesgericht erhoben worden (6B_848/2020 ).