Abteilung IV D-4381/2006/wid {T 0/2} U r t e i l v o m 1 0 . F e b r u a r 2 0 0 9 Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Jean-Pierre Monnet, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. A._______, geboren (...), Kosovo, vertreten durch Ingeborg Schneider, Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende, (...), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Vollzug der Wegweisung ; Verfügung des BFM vom 30. Juni 2005 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-4381/2006 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen Hei- matstaat (...) am 23. November 2003 auf dem Landweg und gelangte über (...) am 27. November 2003 unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz. Am selben Tag suchte er in (...) um Asyl nach. Am 1. Dezember 2003 fand dort die Empfangsstellenbefragung statt. Am 9. Januar 2004 und 15. Juni 2005 wurde er durch die zuständige Behörde des Kantons (...), dem er für die Dauer des Asylverfahrens zugewiesen wurde, zu den Asylgründen befragt. Das damals zuständige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) verzichtete auf eine ergänzende Anhörung. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei alba- nisch-sprechender Angehöriger der Volksgruppe der Ashkali. Er habe mit seinen Eltern bis im (...) 1991 in (...)/Kosovo gelebt und sich weder politisch noch religiös betätigt. Ebensowenig habe er mit den hei- matlichen Behörden oder irgendwelchen Organisationen Probleme ge- habt. Im Jahr 1991 habe er zusammen mit seinen Eltern und Ge- schwistern den Kosovo verlassen und sich nach (...) begeben, wo sie sich bis (...) als Asylbewerber aufgehalten hätten. Nach der Ablehnung des dortigen Asylgesuchs sei die ganze Familie (...) ausgeschafft worden. Zurück in der Heimat sei er von Albanern beschimpft und angespuckt worden. Im Kosovo sei die allgemeine Lage unbefriedigend gewesen. So habe die Familie festgestellt, dass ihr ehemaliges Wohnhaus in (...), wie alle anderen Häuser der Ashkali auch, zerstört gewesen sei. Er habe dort auch weder die Schule besuchen noch - aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit - eine Arbeitsstelle finden können. Die Familie habe vergeblich bei verschiedenen Hilfsorganisationen versucht, finanzielle Hilfe zu erhalten. Aufgrund der fehlenden Zukunftsperspektiven habe die Familie bereits (...) versucht, in die Schweiz zu gelangen, sei aber (...) zurückgewiesen worden. Von dort seien sie nach Kosovo zurückge- kehrt, wo sie bei verschiedenen Verwandten gelebt hätten, bis sie ihre Heimat im November 2003 erneut in Richtung Schweiz verlassen hät- ten. Für die weiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. Seite 2D-4381/2006 B. Mit Verfügung vom 30. Juni 2005 - eröffnet am 4. Juli 2005 - stellte das Bundesamt fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen genügten den Anforderun- gen an die Flüchtlingseigenschaft nicht. So sei die ungünstige Situa- tion für einen Neubeginn im Heimatstaat Ausdruck der dortigen nach wie vor erschwerten wirtschaftlichen Lebensbedingungen. Den sich aus dieser allgemeinen Lage ergebenden Lebensbedingungen fehle es an den für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft erforderli- chen Voraussetzungen. Auch die geltend gemachten Beschimpfungen und Bespuckungen durch albanischstämmige Privatpersonen, welche Übergriffe beim Beschwerdeführer eine ständige Angst ausgelöst hät- ten, seien asylrechtlich nicht relevant. Trotz teilweise schwerwiegender Übergriffe auf Angehörige der ethnischen Minderheiten in Kosovo, na- mentlich Ashkali, seit Beendigung des bewaffneten Konflikts zwischen der Bundesrepublik Jugoslawien und den Mitgliedstaaten der NATO und dem Einmarsch der KFOR-Truppen am 12. Juni 1999 könne kein systematisches Vorgehen zur Vertreibung der ethnischen Minderheiten aus Kosovo festgestellt werden. Die seit Mitte 1999 einer internationa- len Polizei übertragenen Polizeiaufgaben würden nunmehr zusehends von den über 5000 Angehörigen des seit Herbst 1999 neu gebildeten kosovo-albanischen Kosovo Police Service (KPS) wahrgenommen, in welchem auch Angehörige der verschiedenen Minderheiten tätig seien. Die zivilen Verwaltungsaufgaben seien von der United Nations Interim Administration in Kosovo (UNMIK) übernommen worden, welche ihre Verantwortung auf Bezirksstufe sukzessive auf die gewählten Vertreter der Kosovo-Albaner und der Minderheiten übertragen habe. Das frü- here serbische Rechts- und Justizsystem sei von der internationalen Gemeinschaft von Grund auf erneuert worden und sei insgesamt ef- fektiver geworden. Strafgerichtsbarkeit und Strafvollstreckung würden heute grösstenteils funktionieren. Zudem seien wichtige internationale Hilfswerke vor Ort aktiv. Die KFOR und die internationale Polizei der UNMIK - in Zusammenarbeit mit dem KPS - seien in der Lage, die eth- nischen Minderheiten in Kosovo zu schützen. Die polizeiliche Präsenz sei gut sichtbar und flächendeckend. Bei Übergriffen würden die Si- cherheitskräfte regelmässig intervenieren und Straftaten gegen Ange- hörige von Minderheiten würden geahndet. Demnach sei vom Schutz- willen und der weitgehenden Schutzfähigkeit der Sicherheitskräfte in Seite 3D-4381/2006 Kosovo auszugehen. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumut- bar und möglich. Insbesondere habe sich die Sicherheitssituation in Kosovo dank des KFOR-Einsatzes verbessert oder zumindest stabili- siert. Die Wahrscheinlichkeit einer konkreten Gefährdung könne für al- banischsprachige Roma, Ashkali und Ägypter - mit Ausnahme einiger Dörfer beziehungsweise Gemeinden - alleine aufgrund der Ethnie aus- geschlossen werden. Zudem sei für diese Ethnien die Bewegungsfrei- heit grundsätzlich in ganz Kosovo gegeben. Auch der Zugang zu den medizinischen und sozialen Strukturen sei in aller Regel gewährleistet. Dem jungen und gesunden Beschwerdeführer dürfe in seiner Heimat eine Arbeitsaufnahme zugemutet werden. Er habe erklärt, dass auch verschiedene Verwandte in Kosovo leben würden, mit denen er ein gutes Verhältnis pflege. Seine Familie habe sowohl dort als auch (...) ein intaktes Beziehungsnetz. Nötigenfalls würden die Verwandten den Beschwerdeführer und seine Familie auch finanziell unterstützen. Zudem habe (...) in Kosovo ein grosses Haus erstellen lassen, welches während der meisten Zeit leer stehe. Mithin erweise sich eine Rückkehr nach Kosovo aufgrund des intakten familiären Beziehungsnetzes, der bestehenden Wohnmöglichkeit und auch aufgrund des Alters und Gesundheitszustands des Beschwerdeführers als zumutbar. C. Mit Eingabe vom 30. Juli 2005 an die damals zuständige Schweizeri- sche Asylrekurskommission (ARK) beantragte der Beschwerdeführer (...), durch seine Rechtsvertreterin unter Kosten- und Entschädigungs- folge, es sei die angefochtene Verfügung im Wegweisungspunkt aufzuheben, von einer Wegweisung abzusehen und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (...) beantragt. Gleichzeitig wurde ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 25. Juli 2005 zur Situation der Roma-Gemeinschaften in Kosovo zu den Akten gereicht. Darauf sowie auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Zwischenverfügung vom 9. August 2005 wurden die Beschwerde- verfahren (...), das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen, da die mutmasslichen Verfahrenskosten durch das Sicherheitskonto gedeckt waren, aus demselben Grund auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet und dem Seite 4D-4381/2006 Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. E. Mit Vernehmlassung vom 16. Dezember 2005 beantragte das Bundes- amt die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte es aus, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung des Standpunkts rechtfertig- ten. Namentlich habe das BFM das Schweizer Verbindungsbüro in Prishtina am (...) um verschiedene Abklärungen betreffend die Situation der Ashkali in (...) und der Verwandten des Be- schwerdeführers im Heimatstaat ersucht. Aus dem Abklärungsbericht vom (...) gehe insbesondere hervor, dass der Beschwerdeführer und seine Familieangehörigen seit dem Jahr (...) nicht mehr nach Kosovo zurückgekehrt seien. (...) In (...) lebten (...) Ashkali-Familien, welche etwa (...) Personen umfassten. Diese seien sehr gut integriert. In der Gemeinde bestünden in Bezug auf die Sicherheit keine Probleme, indes sei die wirtschaftliche Situation sehr schlecht. (...) des Beschwerdeführers lebten in Kosovo. (...) und (...) lebten zusammen mit den Albanern in (...) und (...) besässen (...). Damit würden sie (...) Sie lebten in (...) Die Situation von (...). sei noch schwieriger. Ihr Haus befinde sich (...) Von der (...) Familie arbeite (...). In (...) lebe (...) des Be schwerdeführers. Dieser sei aus (...) zurückgekehrt und habe (...) Bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers und seiner Famili- enangehörigen könnten sie dort vorübergehend - für einige Monate - einziehen. Zudem besitze die (...) Aufgrund des Abklärungsberichts erweise sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. Zusätzlich wohnten verschiedene Verwandte in Kosovo, die dem Beschwerdeführer und seinen Familienangehörigen bei der Reintegration behilflich sein könnten, zumal sowohl (...) als auch (...) des Beschwerdeführers sehr gut integriert seien. Das in Kosovo vorhandene Beziehungsnetz könne als gut und tragfähig bewertet werden. Aufgrund der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage in ganz Kosovo werde es dem Beschwerdeführer und seinen Familienangehörigen zwar nicht leicht fallen, sich eine gute wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Aber der Beschwerdeführer und seine Familienangehörigen hätten sehr viele Verwandte im Ausland, die ihnen beim Aufbau finanzielle Hilfe leisten könnten. Der Beschwerdeführer und seine Geschwister sollten zudem imstande sein, ihre in (...) Schulen und Ausbildungen auch in Kosovo Seite 5D-4381/2006 weiterzuführen. Gewisse Anstrengungen - wie zum Beispiel (...) - müssten natürlich erbracht werden, würden aber zumutbar erscheinen. F. Am 11. Januar 2006 nahm der Beschwerdeführer in seiner Replik zum Inhalt der Vernehmlassung Stellung. Gleichzeitig reichte er ein (...) Schreiben vom (...) zu den Akten. G. Am (...) heiratete (...) eine (...), woraufhin seine Beschwerde mit Beschluss der ARK vom (...) als gegenstandslos geworden abgeschrieben wurde, wogegen die Be schwerdem des Beschwerdeführers sowie von (...) hängig blieben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge- richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge- setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in die- sem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei- lung der bei der ehemaligen ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Be- schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der Be- Seite 6D-4381/2006 schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung des Asylge- suchs sowie die Wegweisung an sich blieben vorliegend unangefoch- ten und sind mit Ablauf der Beschwerdefrist in Rechtskraft erwachsen. Gegen stand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet somit ein- zig die Frage des Vollzugs der Wegweisung (Art. 44 AsylG). 4. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge- setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslän- der [AuG, SR 142.20]). 4.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän- ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge- fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No - vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten Seite 7D-4381/2006 (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 4.1.1Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. M ARIO G ATTIKER , Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb- liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Re- foulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach un- ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 4.1.2Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwer- deführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Euro- päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon- krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri- schen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 16 S. 122, mit weite- ren Hinweisen; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Dies ist ihm nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Kosovo lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 4.1.3Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 4.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Seite 8D-4381/2006 4.2.1Das Bundesverwaltungsgericht erachtet den Vollzug der Weg- weisung von albanischsprachigen Roma, Ashkali und Ägyptern nach Kosovo ge stützt auf die dort herrschende allgemeine (Sicherheits-)Lage als in der Regel zumutbar, sofern aufgrund einer Einzelfallabklärung bestimmte Reintegrationskriterien (namentlich be- rufliche Ausbildung, Gesundheitszustand, Alter, ausreichende wirt- schaftliche Lebensgrundlage und Beziehungsnetz im Kosovo) als ge- geben erachtet werden können (vgl. dazu letztmals BVGE 2007/10, mit weiteren Hinweisen), 4.2.2In seiner Stellungnahme vom 11. Januar 2006 zur Vernehmlas- sung des BFM wendet der Beschwerdeführer ein, (...) habe Angst gehabt, den Personen, welche sie im Auftrag des Verbindungsbüros aufgesucht und befragt haben, Auskunft zu geben. Es entspreche dem üblichen Verhalten der Ashkali in Kosovo, dass sie niemandem vertrauten und niemandem Auskünfte geben wollten. Entgegen den Ausführungen in der Vernehmlassung, wonach in (...) etwa (...) Ashkali lebten, handle es sich um lediglich (...) Familien. Deren Häuser befänden sich in unmittelbarer Nähe zum (...) wohne in (...) Die Situation (...). entspreche der Schilderung im Bericht des Verbindungsbüros. (...) lebten alle im Ausland. (...) Dem Beschwerdeführer (...) wäre es nicht möglich, dort zu wohnen. (...) Auch dort könnten der Beschwerdeführer (...) nicht leben. In Bezug auf die Tragfähigkeit des Beziehungsnetzes könnten der Beschwerdeführer und seine Familienangehörigen mit Sicherheit mit dem guten Willen ihrer Verwandten rechnen. Diese seien jedoch alle auf die Unterstützung von im Ausland lebenden Familienmitgliedern angewiesen. Selbst kaum über das Nötigste zum Überleben verfügend, sei fraglich, wie sie einer zurückkehrenden (...) Familie behilflich sein könnten. Die meisten Jugendlichen hätten Kosovo verlassen, um sich im Ausland eine Zukunft aufzubauen. Dies sei in ihrer Heimat nicht möglich. Angehörige von Minderheiten in Kosovo - Roma, Ashkali, etc. - seien in vielen Bereichen des täglichen Lebens, insbesondere bei der Arbeitssuche und beim Zugang zu sozialen Diensten, auf eine Weise benachteiligt, die den Aufbau einer existenzsichernden Grundlage erschwere oder verunmögliche. Dies würde in dem zu den Akten gereichten Bericht der SFH bestätigt. Der Beschwerdeführer (...) bemühten sich um den Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz in der Schweiz. Der Beschwerdeführer und (...) seien seit einiger Zeit erwerbstätig, (...) demnächst aufnehmen würde. (...). Seite 9D-4381/2006 4.2.3Der Beschwerdeführer ist jung und - soweit aktenkundig - bei guter Gesundheit. Er verfügt über (...) und hat sich zum (...) ausbilden lassen. Die Einzelfallabklärung durch das Verbindungsbüro in Prishtina hat ergeben, dass mehrere Verwandte von ihm nach wie vor in Kosovo wohnhaft sind. Unter diesen Umständen ist der Wegweisungsvollzug selbst in Berücksichtigung der in der Stellungnahme des Beschwerdeführers enthaltenen Einwände grundsätzlich als zumutbar zu erachten. Zwar dürfte für den Beschwerdeführer - wie für eine breite Bevölkerungsschicht ebenfalls - in erster Linie die prekäre Wirtschaftslage eine Schwierigkeit darstellen. In diesem Zusammenhang ist aber festzuhalten, dass die ARK sich wiederholt dahingehend geäussert hat, dass grundsätzlich „blosse“ soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie insbesondere der Mangel an Wohnung und Arbeitsplätzen, von welchen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, keine existenzbedrohende Situation darstellten, welche den Wegweisungsvollzug von vornherein als unzumutbar erscheinen liesse (vgl. EMARK 1994 Nr. 19. E. 6b). Solche Schwierigkeiten könnten einzig allenfalls in Kombination mit anderen Unzu mutbarkeitsfaktoren zur Unzu mutbarkeit des Weg - weisungsvollzugs führen (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5e). Diese Rechtsprechung erweist sich auch heute noch als zutreffend. Zudem ist zu erwarten, dass der Beschwerdeführer von seinen im Ausland wohnhaften Verwandten gegebenenfalls unterstützt würde. Im Übrigen wird mit Urteil gleichen Datums die Beschwerde (...) abgewiesen. Nach dem Gesagten wäre der Beschwerdeführer somit im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat nicht auf sich alleine gestellt. In Würdigung sämtlicher relevanter Umstände des vorliegenden Falles und ohne die schwierigen Verhältnisse im Heimatstaat zu verkennen, erweist sich der Vollzug der Wegweisung mithin nicht als unzumutbar. 4.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä- tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut- bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). Seite 10D-4381/2006 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten auf Fr. 600.-- fest- zusetzen (Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) und dem Be schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) Seite 11D-4381/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an: - die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beila- ge: Einzahlungsschein) - das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, zu den Akten Ref.-Nr. N (...) - (...) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: Seite 12