Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Januar 2022 (715 21 166 / 13) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Für die Übernahme der Kosten des beantragten Kurses besteht keine arbeitsmarktliche Indika- tion. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Christina Markie- wicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen KIGA Baselland , Ergänzende Massnahmen ALV, Güterstrasse 107, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Individuelle Bildungsmassnahme A. Die 1969 geborene A.____ meldete sich am 11. Janu ar 2019 zur Arbeitsvermittlung an und stellte Antrag auf Ausrichtung von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung (ALV) ab dem 1. Februar 2019. Mit Gesuch vom 21. Januar 2021 beantragte sie die Bewilligung der Teilnahme am Kurs "Ressourcenorientiertes Coaching" und die Übernahme der Ausbildungskosten im Um- fang von Fr. 3'450.-- sowie die Rückerstattung der Reise- und Verpflegungsauslagen im Umfang von Fr. 286.--. Mit Verfügung vom 9. Februar 2021 le hnte das Kantonale Amt für Industrie, Ge- werbe und Arbeit (KIGA) Baselland, Abteilung Ergänzen de Massnahmen ALV, dieses Gesuch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab. Daran hielt das KIGA mit Einspracheentscheid vom 26. April 2021 fest. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass kein Anspruch auf Übernahme der Kosten der nach Aussteuerung beginnenden Massnahmen bestehe. Die Teilnahme an Bildungs- oder Beschäftigungsmassnah- men sei gemäss Art. 59d des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 nur dann erlaubt, wenn der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung nicht erschöpft sei. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 26 . Mai 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht). Darin beantragte sie, es sei der angefochtene Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und es seien ihr die Teilnahme am Kursbesuch vom 4. März 2021 bis 25. Juni 2021 und die Übernahme der Kosten von insgesamt Fr. 3'507.20 zu bewilligen; unter o/e-Kostenfolge. In ihrer Begründung führte sie unter Hinweis auf das Urteil des Kantonsgerichts vom 15. Dezember 2014 E. 4.2 (Verfahrens-Nr. 715 14 164) aus, dass eine Teilnahme an neuen Massnahmen nach einer einmal erfolgten Aussteuerung nicht ausgeschlossen sei. Zudem machte sie im Wesentlichen gel tend, die in Frage stehende Mass- nahme vermöge ihre Vermittlungsfähigkeit konkret zu verbessern. C. Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2021 anerkannte da s KIGA den Einwand der Be- schwerdeführerin, wonach es für über 50-jährige Versicher te möglich sein könne, unabhängig von ihrem Anspruch auf Arbeitsloslosenentschädigung bis z um Ende der Rahmenfrist für den Leistungsbezug an Bildungs- und Beschäftigungsmassnahmen teilzunehmen. Indessen ging sie im Wesentlichen davon aus, dass vorliegend die Vermittlu ngsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit der ersuchten Massnahme nicht konkret verbessert werde, weshalb sie mithin auf Abweisung der Beschwerde schloss. D. Mit Instruktionsverfügung vom 14. Juli 2021 ordnete d as Gericht zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs einen zweiten Schriftenwechsel an, da d ie Vernehmlassung vom 16. Juni 2021 im Vergleich zum Einspracheentscheid vom 26. April 2021 neue Vorbringen enthalte. E. Im zweiten Schriftenwechsel hielten die Beschwerdefü hrerin mit Replik vom 13. August 2021 und die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 9. September 2021 im Wesentlichen an ihren Anträgen und an den bereits gemachten Ausführungen fest. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art . 100 Abs. 3 AVIG kann der Bundesrat die örtliche Zuständigkeit des kanto- nalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 regeln. Laut Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31 . August 1983 ist für die Beurteilung von Beschwerden geg en Verfügungen und Einspracheentscheide einer kantonalen Amtsstelle das Versicherungsgericht desselben Kantons zuständig. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Ve rfahrens bildet der Einspracheent- scheid, der das KIGA als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art . 85 AVIG erlassen hat, sodass Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän- dig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobe ne Beschwerde der Versicherten vom 26. Mai 2021 gegen den Einspracheentscheid der Vorinstanz ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. In ihrer Beschwerde beantragt die Ve rsicherte, es seien ihr Kurskosten und die Auslagen im Betrag von insgesamt Fr. 3'507.20 zu e rstatten. Die Angelegenheit ist folglich präsidial zu entscheiden. 2.1 Gemäss Art. 1a Abs. 2 AVIG will das Gesetz drohen de Arbeitslosigkeit verhüten, beste- hende Arbeitslosigkeit bekämpfen und die rasche und dau erhafte Eingliederung in den Arbeits- markt fördern. Diesem Zweck dienen unter anderem die arbeitsmarktlichen Massnahmen (Art. 59 bis 75b AVIG). Gemäss Art. 59 Abs. 1 AVIG erbringt die Versicherung finanzielle Leistungen für arbeitsmarktliche Massnahmen zu Gunsten von versicherten Perso nen und von Personen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Zu den arbeitsmarktlich en Massnahmen gehören unter ande- rem Bildungsmassnahmen nach Art. 60 AVIG (Art. 59 Abs. 1bis AVIG). Als solche gelten individu- elle oder kollektive Kurse zur Umschulung, Weiterbildun g oder Eingliederung (Art. 60 Abs. 1 AVIG). 2.2 Mit arbeitsmarktlichen Massnahmen soll nach Art. 59 A bs. 2 AVIG die Eingliederung von Versicherten, die aus Gründen des Arbeitsmarkts erschwert vermittelbar sind, gefördert werden. Eine schwere Vermittelbarkeit liegt vor, wenn es einer versicherten Person nicht mehr möglich ist, die eigene Arbeitskraft auf dem aktuellen Arbeitsma rkt zu verwerten, weil die erworbenen Fähigkeiten den heutigen Anforderungen nicht mehr g enügen oder die betroffene Person nicht rechtzeitig auf den schnellen Wandel in der Berufsbra nche zu reagieren vermochte (K URT PÄRLI /JULIA HUG /A NDREAS PETRIK , Arbeit, Krankheit, Invalidität, Arbeits- und sozialversicherungs- rechtliche Aspekte, Bern 2015, Rz. 836 ff.). Aus Art. 59 Abs. 2 AVIG ergibt sich namentlich die Voraussetzung der Eingliederungswirksamkeit einer Massnahme. So muss eine Weiterbildung beispielsweise die Vermittelbarkeit im Einzelfall verb essern (lit. a), wobei die Förderung der be- ruflichen Qualifikation auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abzustimmen ist (lit. b). Nach der Praxis des Bundesgerichts muss die Teilnahme an einer arbeitsmarktlichen Massnahme die Ver- mittlungsfähigkeit der versicherten Person massgeblich v erbessern (vgl. K UPFER BUCHER BARBARA , in: Stauffer Hans-Ulrich/Cardinaux Basile [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2019, Art. 59 Gr undsätze, S. 341 mit Verweisen auf die entsprechende Rechtsprechung). Ein rein theoretischer Nu tzen, der im konkreten Fall die Ver- mittlungsfähigkeit kaum verbessert, ist nicht ausreichend, um die Voraussetzungen nach Art. 59 AVIG zu erfüllen. Vielmehr muss die Wahrscheinlichkeit dargetan sein, dass die Vermittlungsfä- higkeit durch einen – im Hinblick auf ein konkretes beruf liches Ziel – absolvierten Kursbesuch tatsächlich und in erheblichem Masse gefördert wird (ARV 1987 S. 114 mit Hinweisen; vgl. zum Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ganzen auch H ARDY LANDOLT , Das Zumutbarkeitsprinzip im Schweizerischen Sozialversiche- rungsrecht, Zürich 1995, S. 446 ff.). Es darf nicht ei n höheres Berufsziel, also die bildungsmäs- sige, soziale oder wirtschaftliche Verbesserung im Vorderg rund stehen, sondern die Verbesse- rung der Einsatzmöglichkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die arbeitsmarktliche Vermit- telbarkeit einer versicherten Person wird letztlich wohl dann verbessert, wenn die Präventivmass- nahme so ausgerichtet ist, dass die dadurch neu erworbe nen Fertigkeiten und Kenntnisse ent- weder die Wettbewerbsfähigkeit der versicherten Person für die Zukunft generell und nachhaltig oder aber im Hinblick auf eine konkret in Aussicht stehende und grundsätzlich dauerhafte Arbeits- gelegenheit deutlich verbessern (GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Band II, N 45 zu Art. 59). 2.3 Grundvoraussetzung für den Anspruch auf Teilnahme an individuellen arbeitsmarktli- chen Massnahmen ist die arbeitsmarktliche Indikation. Leistungen sind nur zuzusprechen, wenn die (inländische) Arbeitsmarktlage dies unmittelbar gebi etet. Die Anspruchsvoraussetzung der arbeitsmarktlichen Indikation besteht aus einer objektiven und subjektiven Komponente. Das ob- jektive Element bezieht sich auf den aktuellen Bedarf de s Arbeitsmarktes nach Arbeitskräften. Die subjektive Komponente betrifft die Anpassungsbedürftigkeit der versicherten Person an diese Nachfrage. Die Frage, ob die arbeitsmarktliche Indikation im Einzelfall gegeben ist, beurteilt sich aufgrund sämtlicher im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung massgebenden Umstände. Insbeson- dere ist mit Hilfe amtlicher und privater Statistiken die Situation auf dem konkreten, für die versi- cherte Person in Frage kommenden Arbeitsmarkt abzuklären (Urteil des Bundesgerichts vom 16. April 2018, 8C_67/2018, E. 4.1 mit zahlreichen Hinwei sen). Zwischen der Notwendigkeit einer arbeitsmarktlichen Massnahme und der Schwierigkeit der be troffenen Person, eine zumutbare Arbeit zu finden, muss demnach ein enger Zusammenhang bestehen, damit ein Leistungsan- spruch entsteht. Die arbeitsmarktliche Massnahme muss sich aus arbeitsmarktlichen Gründen geradezu aufdrängen. Gründe ohne einen solchen arbeitsmarktlichen Bezug führen regelmässig zu einer Ablehnung des Anspruchs auf arbeitsmarktliche Ma ssnahmen (P ÄRLI /H UG /PETRIK , a.a.O., Rz. 836 ff.). 2.4 Wie bei allen sozialversicherungsrechtlichen Sachleist ungen unterstehen auch die Kos- tenvergütungsleistungen der ALV den Kriterien der Ein fachheit, Notwendigkeit und Zweckmäs- sigkeit (Urteil des eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1 Januar 2008: Bundesge- richt, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 3. Mai 2004, C 241/03, E. 3). Es besteht deshalb stets nur ein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen der ALV, die mit Blick auf den Eingliederungs- zweck angemessen und notwendig sind, nicht aber auf die n ach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehrungen. Nach dem bei Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversiche- rung geltenden und auch hier anwendbaren Grundsatz si nd nur die im Einzelfall notwendigen, aber dennoch genügenden Massnahmen zu gewähren, und der voraussichtliche Erfolg der Mas- snahme muss in einem vernünftigen Verhältnis zu den Ko sten stehen (BGE 112 V 397, E. 1b; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2009, 8C_600/2008, E. 5.1.). 2.5 Die ALV ist aus dem Grundsatz der Zweckgebundenhe it der arbeitsmarktlichen Mass- nahmen demnach weder für die berufliche Grundausbildung noch zur Erfüllung von Berufswün- schen sowie für die allgemeine Förderung der beruflichen Weiterbildung zuständig (vgl. BGE 111 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht V 275 E. 2d). Deren Aufgabe ist es lediglich, in gewissen Fällen durch konkrete Eingliederungs- oder Weiterbildungsmassnahmen eine bestehende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen oder eine dro- hende Arbeitslosigkeit zu verhindern (vgl. BGE 111 V 27 1 E. 2b). Die Grenze zwischen Grund- ausbildung und allgemeiner beruflicher Weiterbildung einerseits, Umschulung und Weiterbildung im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinne andererseits, ist fliessend. Im Einzelfall ist zu wür- digen, welche Umstände überwiegen. Entscheidende Bede utung hat dabei die Frage, ob das Berufsspektrum der versicherten Person ihre Vermittelbarkeit auf ganz spezielle Tätigkeitsberei- che ("Nischen") einschränkt oder nicht. Ein solch berufsspezi fisches Risiko der Arbeitslosigkeit stellt ein gewichtiges Indiz dar für die Notwendigkeit einer gezielten Umschulung oder Weiterbil- dung im Rahmen von arbeitsmarktlichen Massnahmen (THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenver- sicherung, in: Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 3. A. 2016 S. 2475 Rz. 688 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Im Weiteren muss die soziale Üblichkeit unter Berücksichtigung des Alters, der Motivation und der weiteren Lebensumstände der ver sicherten Person angeschaut werden. Es ist demnach zu prüfen, ob die fragliche Vorkehr bei den gegebenen Umständen nicht ohnehin Bestandteil der üblichen Berufsausbildung ist, ob die versicherte Person den Kurs auch besuchen würde, wenn sie nicht arbeitslos wäre (vgl. BGE 111 V 2 71 E. 2d). In zeitlicher Hinsicht ist fest- zustellen, dass nur Kurse von beschränkter Dauer als Massnahmen der Umschulung oder Wei- terbildung im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinne anerkannt werden können. Dabei hat eine Kursdauer von einem Jahr als obere Limite zu gelten; Leistungsgesuche für länger dauernde Kurse können nur ausnahmsweise entsprochen werden. Denn mehrjährige Bildungsgänge – d.h. eigentliche Grundausbildungen – sind vom Kreis der durch die Arbeitslosenversicherung zu über- nehmenden Massnahmen regelmässig ausgeschlossen. Dagegen werden mehrmonatige Kurse als Vorkehren der Umschulung oder Weiterbildung im Sinne der Arbeitslosenversicherung aner- kannt (Urteil des Bundesgerichts vom 28. März 2007, C 227/06, E. 2.1). 2.6. Die ALV fördert nebst der Wiedereingliederung in die unselbstständige Erwerbstätigkeit auch die selbstständige Erwerbstätigkeit im Sinne einer arbeitsmarktlichen Massnahme zur Ver- hütung und Bekämpfung von Arbeitslosigkeit. Gemäss Art. 71a AVIG kann die selbstständige Erwerbstätigkeit mittels Ausrichtung von Taggeldern und Übernahme von 20 % des Verlustrisikos von der ALV unterstützt werden. Nach Ansicht der herrschenden Lehre und der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung ist die Übernahme von Kursen durch di e ALV zur direkten Förderung der selbstständigen Erwerbstätigkeit jedoch gesetzlich nicht vorgesehen (vgl. BGE 128 V 195 E. 5.b). Eine Ausnahme von dieser Regelung sieht vor, dass die Te ilnahme der versicherten Person an Kursen während der Planungsphase genehmigt werden kann, sofern es sich dabei um Weiterbil- dungskurse handelt, die in einem direkten Zusammenhang mit der geplanten selbstständigen Erwerbstätigkeit stehen. Kurse der beruflichen Grunda usbildung oder der allgemeinen berufli- chen Weiterbildung bleiben von der Kostenübernahme jedoch weiterhin ausgeschlossen (AVIG- Praxis, Rz. K68). 3.1 Die Beschwerdeführerin arbeitete seit 2001 als Do lmetscherin und Übersetzerin. Im fort- geschrittenen Alter schloss sie 2015 erfolgreich das Stud ium der Jurisprudenz ab. In der Folge war sie mehr als ein Jahr als Anwaltspraktikantin in einer Rechtsanwaltskanzlei und danach drei Monate als juristische Volontärin tätig. Indessen gelang es ihr in den nachfolgenden Jahren nicht, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Anstellung als Juristin zu finden. Sie zog deshalb in Betracht, die Anwaltsprüfung zu absol- vieren, um ihre Vermittlungsfähigkeit zu verbessern. Zusätzlich stellte sie das vorliegend zur Be- urteilung stehende Kursgesuch. Mit diesem beantragte sie die Bewilligung der Teilnahme am Kurs "Ressourcenorientiertes Coaching" und die Übernahme der Kurskosten sowie der anfallen- den Auslagen in der Gesamthöhe von Fr. 3'507.20. Dieser von der Lernwerkstatt B.____ GmbH angebotene Lehrgang setzte sich aus insgesamt zehn Kurstagen im Zeitraum vom 4. März 2021 bis 25. Juni 2021 zusammen. 3.2 Das KIGA lehnte dieses Kursgesuch mit Verfügung vo m 9. Februar 2021 bzw. mit dem vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid vom 26. Ap ril 2021 mit der Begründung ab, es bestehe kein Anspruch auf Übernahme der Kosten der nach Aussteuerung beginnenden Mass- nahmen. In der Vernehmlassung vom 16. Juni 2021 kam das KIGA aufgrund der Vorbringen der Beschwerdeführerin auf ihre Begründung zurück und gab der Versicherten insofern Recht, dass versicherte Personen, die älter als 50 Jahre alt seien, unabhängig von ihrem Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung bis zum Ende der Rahmenfrist für den Leistungsbezug an Bildungs- und Beschäftigungsprogrammen teilnehmen könnten (Art. 59 Abs. 3 bis AVIG). Das KIGA begründete die Ablehnung des Kursgesuchs nunmehr im Wesentlichen damit, dass keine arbeitsmarktliche Indikation des beantragten Kurses bestehe. Der Kursbesuch würde die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten als Juristin nicht konkret verbessern. Im Übri gen scheine die Versicherte mit dem Kursbesuch hauptsächlich auf eine selbständige Tätigkeit abzuzielen. Da die Beschwerdeführe- rin im Bereich des Coachings keine Erfahrungen habe, kö nne die Ausbildung zum Coach man- gels Grundausbildung nicht als berufliche Weiterbildung qualifiziert werden. In der Duplik vom 9. September 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrer Stellungnahme vom 16. Juni 2021 fest. 3.3 Den Schlussfolgerungen der Beschwerdegegnerin, wo nach keine arbeitsmarktliche In- dikation als Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Kurs "Ressourcenorientiertes Coaching" bestehe, ist – entgegen der Auffassung der Beschwerdef ührerin – zu folgen. Aufgrund der For- mulare "Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen" ist davon auszugehen, dass im juristi- schen Arbeitsmarkt, welcher der Beschwerdeführerin offenst eht, in objektiver Hinsicht im Zeit- punkt des Gesuchs genügend offene Stellen vorhanden waren. In subjektiver Hinsicht dürfte die Beschwerdeführerin den in diesen Berufsfeldern gestell ten Anforderungen grundsätzlich genü- gen. Indessen könnte eine Anpassungsbedürftigkeit darin bestehen, dass sie (noch) nicht über das Anwaltspatent verfügt. Dieses beabsichtigte die B eschwerdeführerin im Zeitpunkt der Ge- suchseinreichung zu erlangen. Der juristische Arbeitsmarkt erfordert im Wesentlichen juristische Qualifikationen, insbesondere das abgeschlossene rechtsw issenschaftliche Studium bzw. das Anwaltspatent, weshalb mit dem beantragten Kursbesuch kein direkter Bezug dazu festzustellen ist. Wenn die Beschwerdeführerin geltend macht, ihre Vermittlungsfähigkeit werde durch den Be- such des Kurses erheblich gefördert, da professionelle Kommunikation für den juristischen Beruf absolut notwendig sei, kann ihr nicht gefolgt werden. Zwar ist ihr dahingehend zuzustimmen, dass auch im juristischen Bereich soziale Kompetenzen nachgefragt werden – und auch ein theoreti- scher Nutzen am Coaching im Rechtswesen nicht abzustreit en ist. Dennoch kann nicht darauf geschlossen werden, dass der in Frage stehende Kursbesuch ihre Vermittlungsfähigkeit tatsäch- lich und erheblich verbessern würde. Die in den Akten en thaltenen Formulare "Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen und "BG Verlaufsprotokolle" legen nahe, dass die Ablehnung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Bewerbungen hauptsächlich fachspezifisch, insbesonders mangels Anwaltspatent, begrün- det wurde. So führte die Versicherte in ihrer Beschwer de vom 26. Mai 2021 aus, dass in den Stellenausschreibungen häufig das Anwaltspatent verlangt worden sei. Damit ist in Bezug auf den ersuchten Kursbesuch das Fehlen des verlangten unmit telbaren Bezugs zum juristischen Arbeitsmarkt nicht von der Hand zu weisen. Wenn sie nun mehr in ihrer Replik vom 13. August 2021 geltend macht, dass ihr fortgeschrittenes Alter, die fehlende Berufserfahrung und eventuell auch die fehlende deutsche Muttersprachigkeit die Able hnungen begründeten, vermag dies nichts zu ändern, da diesen Faktoren wesensgemäss auch nicht mit dem beantragten Kursbe- such beizukommen wäre. Hinzu tritt, dass die Beschwerdefüh rerin nicht glaubhaft darlegt, dass der Kursbesuch zu einer Anstellung im juristischen Bereich führen würde, bzw. die Absolvierung des Kurses eine Voraussetzung für einen konkreten Stellenantritt wäre. 3.4 Soweit die Beschwerdeführerin im Weiteren vorbrin gt, der Kurs "Ressourcenorientiertes Coaching" sei arbeitslosenversicherungsrechtlich als beru fliche Weiterbildung zu qualifizieren, verfängt dies nicht. Wie oben in Erwägung 2.5 ausgeführt, verläuft die Grenze zwischen Grund- ausbildung und allgemeiner beruflicher Weiterbildung einerseits und arbeitslosenversicherungs- rechtlicher Umschulung und berufliche Weiterbildung ande rseits fliesend. Dabei ist im Einzelfall zu würdigen, welche Umstände überwiegen, wobei entscheidend ist, ob das Berufsspektrum der Versicherten ihre Vermittelbarkeit auf ganz spezielle T ätigkeitsbereiche einschränkt oder nicht. Die Versicherte hat das Studium der Rechtswissenschaft erfo lgreich abgeschlossen, anschlies- send juristische Praktika absolviert und sodann während zwei Jahren eine juristische Anstellung gesucht. Ihr Berufsspektrum umfasst somit den juristischen Bereich, welcher nicht auf spezifische Tätigkeitsbereiche eingeschränkt ist. Demnach kann in Be zug auf die Beschwerdeführerin der Kurs "Ressourcenorientiertes Coaching" nicht als beruflic he Weiterbildung qualifiziert werden. Zudem erhellt die Webseite der Kursveranstalter, dass sich der Kurs vorwiegend an Bildungs- fachleute und Arbeitsagogen richtet. Die Tatsache, dass diese Auflistung nicht abschliessend ist und auch anderen Personen der Kursbesuch offensteht, ändert daran – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – nichts. Wenn sie diesbezüglich geltend macht, der Kurs richte sich an Personen, die sich Kompetenzen als Coachende aneignen wo llen oder Personen, welche die eidgenössisch anerkannte Berufsprüfung "Betrieblicher Me ntor mit eidgenössischem Fachaus- weis" erlangen wollen, bestätigt dies, dass der Kurs die Grundausbildung bzw. die allgemeine berufliche Weiterbildung bezweckt. 3.5 Da der Kurs "Ressourcenorientiertes Coaching" nicht al s berufliche Weiterbildung, son- dern als Grundausbildung bzw. allgemeine Weiterbildu ng zu qualifizieren ist, erübrigt sich die Diskussion, ob deren Teilnahme im Rahmen einer Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit genehmigt werden kann (vgl. E. 2.6). 4. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass in Bezug au f den Besuch des Kurses "Res- sourcenorientiertes Coaching" nicht von einer arbeitsmarktlichen Indikation ausgegangen werden kann. Die Beschwerdegegnerin hat die Kostenübernahme de s Kurses im Ergebnis deshalb zu Recht abgelehnt. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kosten- pflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kos- tenpflicht vor, kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichts- kosten auferlegen. Da das AVIG keine Kostenpflicht vorsieht und sich die Parteien weder mutwil- lig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorl iegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht