B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1395/2020 U r t e i l v o m 2 . A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Constance Leisinger, mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Julia Day, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); Verfügung des SEM vom 27. Februar 2020. E-1395/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge im (…) 2013 und gelangte am 5. Januar 2020 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Nach seiner Zuweisung in das Bundesasylzentrum (BAZ) Region B._______ fand am 13. Januar 2020 die Personalienauf- nahme (PA; Protokoll in den SEM -Akten act. [...]-12/9, nachfolgend act. 12/9) und am 17. Januar 2020 das Dublin-Gespräch (Protokoll in den SEM- Akten act. [...]-15/4, nachfolgend act. 15/4) statt . Am 18. Februar 2020 wurde er zu seinen Asylgründen angehört (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten act. [...]-22/16, nachfolgend act. 22/16). Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, er sei sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus d em Vanni-Gebiet. Die letzten zwei Jahre vor der Ausreise habe er in eine m Schulinternat in C._______ verbracht. Seine Eltern seien Mitglieder der LTTE (Liberation Tigers of Ta- mil Eelam) gewesen. Sein Vater sei dort für die Finanzen in einer (…) zu- ständig gewesen. Seine Mutter habe als (…) für ein (…) dieser Organisa- tion gearbeitet. Er und seine jüngere Schwester seien nie Mitglied der Or- ganisation gewesen. Er habe jedoch im Alter von (…) bis (…) Jahren The- aterstücke in LTTE-Kleidern aufgeführt und als (…)jähriger während unge- fähr einer Woche mit seinem Vater (…). 2009 habe sich seine Familie bei Kriegsende dem Militär ergeben. Sein Vater sei abgeführt worden und seit- her verschollen. Seine Mutter habe unter anderem mit Hilfe der sri -lanki- schen Human Rights Co mmission wiederholt versucht, ihn ausfindig zu machen. Sie sei deshalb mehrmals von der Polizei und dem CID (Criminal Investigation Department) vorgeladen, befragt und zuhause belästigt wor- den. Im (…) 2013 sei sie deshalb auf Anraten ihrer Verwandten mit ihm und seiner jüngeren Schwester nach Thailand geflüchtet, wo sie vom Flücht- lingshochkommissariat der Vereinten Nationen ( UNHCR) als Flüchtlinge anerkannt worden seien. Er sei dort wegen Suizidgedanken zweimal bei einem Psychiater in Behandlung gewesen. Er habe Thailand verlassen und sei mit Hilfe eines Schleppers illegal in die Schweiz eingereist, weil sein Aufenthalt dort nicht geregelt worden sei. Der Beschwerdeführer reichte verschiedene Dokumente ( Passkopie, Flüchtlingskarte und weitere Unterlagen des UNHCR in Thailand, Geburts- registerauszug, Schulunterlagen, Familienkarte, Umsiedlungsbestätigung, E-1395/2020 Seite 3 medizinische Unterlagen aus Thailand, Bestätigungsschreiben eines thai- ländischen Pfarrers, Vorladung der sri-lankischen Polizei für seine Mutter und drei Farbfotos seiner Eltern) zu den Akten. B. Mit Schreiben vom 25. Februar 2020 reichte die Rechtsvertretung medizi- nische Akten (Zuweisungen zur medizinischen Abklärung vom 11. und 17. Februar 2020 sowie Arztbericht vom 20. Februar 2020) ein. C. Am 26. Februar 2020 nahm die Rechtsvertretung Stellung zum Entscheid- entwurf. Sie führte aus, die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft sei ungenü- gend gewesen, weil die Verfolgung der Eltern des Beschwerdeführers zu wenig berücksichtigt worden sei. Dies stelle eine Verletzung der Untersu- chungs- und Begründungspflicht dar. Die (…)malige Abweisung der bei der Schweizer Botschaft in Thailand eingereichten Asylgesuche der Familien- angehörigen (Beschwerdeführer, Mutter und Schwester) zwischen 2014 und 2016 sage nichts über ihre Flüchtlingseigenschaft aus, weil das Bot- schaftsasyl 2012 abgeschafft worden sei. Die Sachlage bezüglich der Flüchtlingseigenschaft der Mutter sei dem SEM aufgrund der Gesuche zu- gänglich und müsse in die Erwägungen des vorliegenden Entwurfs einflies- sen. Am (…) 2018 habe der Beschwerdeführer ein Gesuch um Erteilung eines humanitären Visums gestellt, das am 11. Juni 2018 abgelehnt wor- den sei. Die dagegen erhobene Beschwerde sei zurzeit beim Bundesver- waltungsgericht hängig. Somit sei eventualiter der Ausgang dieses Verfah- rens abzuwarten, weil relevante Erwägungen zur Flüchtlingseigenschaft der Mutter hervorgehen könnten. Es sei jedoch darauf hinzuweisen, dass sich die Voraussetzungen für ein humanitäres Visum von den jenigen für die Gewährung von Asyl unterscheiden würden. Man könne sich somit nicht pauschal auf den Standpunkt stellen, bei einer Ablehnung eines Ge- suchs um ein humanitäres Visum sei auch die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Das Verfahren sei dem erweiterten Verfahren zuzuweisen, weil die nötigen Nachforschungen innerhalb des getakteten Verfahrens nicht mög- lich seien. Auch die vergleichsweise lange Begründung des Entscheident- wurfs zeige, dass es sich um einen komplexen Sachverhalt handle. Die Ausführungen zur Asylrelevanz der Aussagen des Beschwerdeführers und zum Wegweisungsvollzug würden bestritten. Der Sachverhalt sei ungenü- gend abgeklärt. Auch der medizinische Sachverhalt sei ungenügend fest- gestellt worden . Die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer in der Schweiz besser fühle, sei ein Hinweis darauf, dass sich sein Gesundheits- zustand in einem sicheren Umfeld endlich stabilisiert habe. Ein erneuter E-1395/2020 Seite 4 Wechsel in eine neue Umgebung mit einem unzureichenden sozialen Netz wäre für ihn mit diversen Trauma verbunden und würde sich nachteilig auf seine suizidale Veranlagung auswirken. Eine gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil E-6952/2018 vom 12. November 2019 E. 5.7) erforderliche individuelle Zusicherung für eine Behandlung und me- dizinische Unterstützung am möglichen Aufenthaltsort in Sri Lana liege nicht vor. D. Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 27. Februar 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an und händigte ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. Zum Sachverhalt vor Einreichen des Asylgesuchs führte es aus, der Beschwerdeführer habe zwischen 2014 und 2016 zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester (…) Asylgesuche bei der Schweizer Botschaft in Thailand gestellt, die alle abgelehnt worden seien. Am 8. Juni 2018 hät- ten sie bei der Botschaft in Thailand einen Antrag auf Erteilung eines hu- manitären Visums eingereicht, der mit Verfügung vom 11. Juni 2018 abge- lehnt worden sei. Die dagegen erhobene Einsprache vom 14. Juni 2018 respektive 5. Juli 2018 sei mit Entscheid vom 10. Juli 2018 abgewiesen worden. Am 30. August 2018 sei gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsg ericht erhoben worden. Dieses Verfahren sei zurzeit noch hängig. E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 9. März 2020 gelangte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung an das Bundesverwaltungsgericht und be- antragte unter Aufhebung dieser Verfügung sei seine Flüchtlingseigen- schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die vorläu- fige Aufnahme anzuordnen, subeventualiter die Sache zur rechtsgenügli- chen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfah- rensrechtlicher Hinsicht beantragte er, unter Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh- ren. Als Beilagen reichte er Kopien der Vollmacht, der angefochtenen Ver- fügung, der UNHCR-Karte, eines Fotos des Beschwerdeführers in einem Propaganda-Theater der LTTE und Kopien der Arztberichte vom 4. sowie 20. Februar 2020 ein. E-1395/2020 Seite 5 F. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 10. März 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). G. Am 12. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht der Rechts- vertreterin den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher E-1395/2020 Seite 6 Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu we rden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Ar t. 3 AsylG erfüllt eine asylsu- chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft befürchten muss, die ihr gezielt und aufgrun d bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimat- staates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie- hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). 5. 5.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlings- eigenschaft nicht zu genügen. Insbesondere könne aus den geltend ge- machten Verfolgungsmassnahmen, die sich gegen die Mutter gerichtet hät- ten, keine gegen den Beschwerdeführer gerichtete Verfolgung abgeleitet werden. Er habe angegeben, selber nichts Nachteiliges in Sri Lanka erlebt zu haben, er sei in Ruhe gelassen worden. Er sei weder in Haft gewesen noch habe er sonst jemals Probleme mit den sri-lankischen Behörden ge- habt. Es sei deshalb nicht davon auszugehen, dass er vor seiner Ausreise im (…) 2013 asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt gewesen sei. Seine Zu- gehörigkeit zur tamilischen Ethnie und seine etwas mehr als sechsjährige Landesabwesenheit reichten praxisgemäss für die Annahme von Ve rfol- gungsmassnahmen der sri-lankischen Behörden bei seiner Rückkehr nicht aus. Ebenso stellten die Befragung illegal ausgereister Rückkehrer am E-1395/2020 Seite 7 Flughafen und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise keine asylrelevanten Massnahmen dar. Dies gelte auch für Kon- trollmassnahmen am Herkunftsort. Hingegen würden Personen, die beson- ders enge Beziehungen zu den LTTE gehabt und kein Rehabilitierungspro- gramm durchlaufen hätten, nach wie vor verhaftet. Der Beschwerdeführer sei vor seiner Ausreise in keiner Art und Weise in den Fokus der Behörden geraten, zumal er bei Kriegsende noch nicht einmal zehnjährig gewesen sei. Den Akten könnten auch keine Hinweise darauf entnommen werden, dass er für sie von besonderem Interesse sein könnte. Dafür spreche auch, dass er weder in Thailand noch in der Schweiz exilpolitisch tätig gewesen sei und auch sonst keine Aktivitäten im Zusammenhang mit den LTTE vor- zuweisen habe. Auch aus dem Dokument betreffend Rechtsstreit um ein Grundstück ergebe sich keine Verbindung zu seiner Person. Ebenso wenig könnten seinen weiteren Aussagen, er könne das, was er erlebt und gese- hen habe, nicht vergessen, und er würde etwas unternehmen, um seinen Vater zu finden, Hinweise auf eine künftige asylrelevante Verfolgung ent- nommen werden. Folglich sei trotz gewisser vorhandener Risikofaktoren nicht von einem Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden auszu- gehen. Die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa, dem Bruder des früheren Präsidenten Mahindar Rajapaksa, vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. Zwar würden mit seiner Wahl und ersten Anzeichen zunehmender Überwachungsaktivi- täten Befürchtungen vor mehr Repression und Überwachung von Men- schenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppositionellen, regierungskritischen Personen und Minderheiten einhergehen. Dennoch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur Annahme, dass ganze Volksgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Es gebe keine Berichte über asylrelevante Verfolgungsmassnahmen gegenüber den genannten Perso- nengruppen nach den Wahlen. Tamilische Medien hätten bislang ebenfalls nicht über grosse Veränderungen der Situation im tamilisch geprägten Nor- den und Osten Sri Lankas berichtet. Das SEM prüfe das Verfolgungsrisiko weiterhin im Einzelfall. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungs- gefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person zu eben diesem Ereignis respektive seinen Fol- gen. Dafür reiche es nicht aus, pauschal auf politische Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit oder mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen, sondern es sei eine hinreichende Subsumption im Einzelfall notwendig. Dies sei vom Beschwerdeführer nicht dargetan worden. Seinen Aussagen bei der Anhörung könne entnommen werden, dass sich für seine in Sri E-1395/2020 Seite 8 Lanka verbliebenen Familienmitglieder seit dem Machtwechsel nichts ver- ändert habe. Somit bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Die UNHCR -Flüchtlingskarte aus Thailand ver- möge an dieser Beurteilung nichts zu ändern, zumal die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft in den Zuständigkeitsbereich der Schweiz falle. Das Bestätigungsschreiben des Pfarrers aus Thailand sei als Gefälligkeits- schreiben mit einem entsprechend geringen Beweiswert zu klassieren. Auch die eingereichten Farbfotos der Eltern bei ihrer Tätigkeit für die LTTE vermöchten an den bisherigen Erwägungen nichts zu ändern, zumal ihre Aktivitäten nicht angezweifelt worden seien. Die übrigen Dokumente (Ge- burtsregisterauszug, Schulunterlagen, Familienkarte und Umsiedelungs- bestätigung) vermöchten die gesuchsbegründenden Aussagen nicht zu be- legen. Zur Stellungnahme der Rechtsvertretung sei festzuhalten, dass die Akten der Anträge auf humanitäre Visa für die Prüfung des Asylgesuchs beigezo- gen worden seien. Sie vermöchten keine andere Beurteilung herbeizufüh- ren. Mit dem Entscheid müsse nicht zugewartet werden, weil die Visums- verfahren in keinem direkten Zusammenhang mit dem Asylverfahren des Beschwerdeführers in der Schweiz stünden. Der Sachverhalt sei ausrei- chend erstellt. Der Antrag der Rechtsvertretung auf Zuweisung in d as er- weiterte Verfahren müsse zurückgewiesen werden, weil dem von ihr dar- gelegten Zusammenhang zwischen der Länge des Entscheidentwurfs und der Komplexität des Sachverhalts nicht gefolgt werden könne. Zum Ge- sundheitszustand des Beschwerdeführers könne den mit Eingabe der Rechtsvertretung vom 25. Februar 2019 (recte: 25. Februar 2020) einge- reichten medizinischen Akten entnommen werden, dass er sich einer Zahnbehandlung unterzogen habe. Zudem habe sich sein Schlaf gebes- sert, er erhalte jedoch weiterhin Medika mente wegen einer Depression. Diese Unterlagen vermöchten an den Erwägungen im Entscheidentwurf zum Gesundheitszustand (Ziff. III) mangels wesentlich neuer Erkenntnisse nichts zu ändern. Den Ausführungen zum medizinischen Sachverhalt könne somit gefolgt we rden. Zum in der Stellungnahme erwähnten Urteil des BVGer E-6952/2018 vom 12. November 2019 E.5.7 sei anzumerken, dass aus Sicht des SEM die Erwägungen zur individuellen Zusicherung medizinischer Behandlungen in Angola nicht in der von der Rechtsvertre- tung geltend gemachten Form für Sri Lanka anwendbar seien. Die bisheri- gen Ausführungen zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs würden deshalb als ausreichend erachtet. E-1395/2020 Seite 9 5.2 In der Beschwerde wurde in formeller Hinsicht ausgeführt, das SEM habe das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers und die Begründungs- pflicht verletzt, weil es vor dem Nichteintretensentscheid das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im hängigen Beschwerdeverfahren F - 4968/2018 (Visum aus humanitären Gründen) nicht abgewartet habe. In materieller Hinsicht wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei vor seiner 2013 erfolgte Ausreise nach Thailand mit seiner Mutter und Schwester von den sri-lankischen Behörden verschont worden, weil er damals erst (…)jäh- rig gewesen sei. Die Verfolgung seiner Mutter se i für ihn als Kind in ihrer Obhut genauso massgebend gewesen. Aufgrund seiner Aussagen bei der Anhörung bestehe ein Rechtsstreit über das Grundstück und Haus der Fa- milie an der (…) Road, (…) in D._______ im Vanni-Gebiet. Er vermute, dass die Personen, die sich den Besitz nach dem Krieg hätten überschrei- ben lassen, für den Verrat an seinen Eltern verantwortlich seien. Seine Mut- ter sei noch im letzten Jahr von der Polizei vorgeladen worden. Diese Per- sonen hätten ein aktuelles Interesse daran, dass die Familie des Be- schwerdeführers als LTTE-Rebellen ins Visier der Behörden gerate. Mit der Vorladung sei belegt, dass die Mutter noch im letzten Jahr als Mitglied der LTTE bezeichnet worden sei. Der inzwischen volljährige Beschwerdeführer sei der einzige Sohn. Bei e iner Rückkehr nach Sri Lanka würde sich der Rechtsstreit seiner Familie auf ihn als Familienoberhaupt verlagern und er wäre asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt. Seine Eltern seien im Dorf als LTTE-Rebellen bekannt und er selber sei früh in Propagandaaktivitäten in- volviert gewesen. Durch den Rechtsstreit bestehe ein aktuelles Interesse, den Beschwerdeführer als Mitglied der LTTE zu bezeichnen. Er habe aus- gesagt, nach seiner Rückkehr seinen Vater suchen zu wollen. Er wäre auf- grund des tamilischen Brauchs und des gesellschaftlichen Drucks ver- pflichtet, Nachforschungen zu betreiben, was ihn entsprechend exponieren würde. Durch diese einzelnen Faktoren ergebe sich kumulativ gesehen ein verschärftes Risiko im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverwaltungs- gerichts. 6. 6.1 Die formelle Rüge erweist sich als unbegründet. Wie die Rechtsvertre- tung in der Beschwerde selber ausführt, unterscheiden sich die Vorausset- zungen für die Erteilung eines Visums aus humanitären Gründen von den- jenigen für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft. In der angefochte- nen Verfügung wurde in Bezug auf die gleichlautende formelle Rüge in der Stellungnahme zutreffend ausgeführt, dass das beim Bundesverwaltungs- gericht noch hängige Beschwerdeverfahren F-4968/2018 betreffend Visum E-1395/2020 Seite 10 aus humanitären Gründen (vgl. act. 21/123) und das Asylverfahren des Be- schwerdeführers keinen direkten Einfluss aufeinander haben, weshalb mit dem Asylentscheid nicht zugewartet werden muss. Im Gegenteil: Im Rah- men der Beurteilung eines Gesuchs um Erteilun g eines humanitären Vi- sums wird keine Prüfung der Flüchtlingseigenschaft vorgenommen. Eine solche Prüfung erfolgt vielmehr nach Bewilligung des humanitären Visums, Einreise in die Schweiz und entsprechende Asylgesuchstellung (vgl. auch BVGE 2015/5 E. 4 ff. zu den Voraussetzungen der Erteilung eines huma- nitären Visums und dem Prüfungsumfang). Die Vorinstanz war daher ge- halten, das Asylgesuch des Beschwerdeführers anhand zu nehmen und zu prüfen. Dabei obliegt es dem Beschwerdeführer im Rahmen seiner Mitwir- kungspflicht, alles wesentlichen Aspekte, die für die Prüfung seines Ge- suchs von Relevanz sein könnten, vorzutragen, auch solche, welche auf eine Reflexverfolgung schliessen lassen könnten. Dies hat der Beschwer- deführer im Rahmen der Anhörung auch getan. Das SEM hat seinerseits im Sachverhalt die bisherige Prozessgeschichte des alle drei Familienmit- glieder (Beschwerdeführer, Mutter, Tochter) betreffenden Visumsverfah- rens aufgeführt sowie die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vor- bringen einer materiellen W ürdigung unterzogen. Damit ist es seiner Be- gründungspflicht und dem Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtli- ches Gehör nachgekommen. Dies betrifft im Übrigen auch die Ausführun- gen zur medizinischen Situation des Beschwerdeführers. Aus den Akten ergeben s ich auch keinerlei Hinweise darauf, dass die Vorinstanz den Sachverhalt unrichtig respektive unvollständig festgestellt haben könnte. Somit liegen keine Gründe vor, die eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz aus formellen Gründen rechtfertigen würden. Das subeventua- liter gestellte Rechtsbegehren ist deshalb abzuweisen. 6.2 6.2.1 In materieller Hinsicht gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit dem SEM zum Schluss, dass die gesuchsbegründenen Aussagen des Be- schwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen vermögen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vollum- fänglich auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 6.2.2 Insbesondere machte der Beschwerdeführer in Bezug auf seine Pe- ron keine Vorfluchtg ründe im Sinne eigener Behelligungen gegen seine Person geltend. Es ist aufgrund seiner Aussagen auch nicht von einer in objektiver Hinsicht begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung auszuge- hen. Der Beschwerdeführer keinen Sachverhalt vorgetragen, welche r die E-1395/2020 Seite 11 Annahme einer Reflexverfolgung rechtfertigen könnte. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass sich aus der polizeilichen Vorladung , welche an seine Mutter im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit um ein Grund- stück gerichtet gewesen sein soll, kein Bezug zu seiner Person ergibt (vgl. act. 22/16 F37 f.). Ebenso wenig ergeben sich aus dem Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe, der Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten, weil er aufgrund des tamilischen Brauchs verpflichtet wäre, die bis zum Jahr 2013 erfolglos gebliebenen Nachforschungen seiner Mutter nach dem Verbleib seines Vaters fortzuführen, Hinweise auf eine zukünftige asylrelevante Ver- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG . Insgesamt ist auch bei unterstellter Glaubhaftigkeit der ehemaligen Mitgliedschaft der Eltern bei der LTTE vor Kriegsende aufgrund seiner Aussagen bei der Anhörung, er und seine Schwester seien nicht bei der LTTE gewesen, und er habe vor seiner Aus- reise nach Thailand im (…) 2013 keine Probleme mit den sri -lankischen Behörden gehabt, er sei in Ruhe gelassen worden (act. 22/9 F72 ff.), nicht von einem Verfolgungsinteresse an seiner Person auszugehen. 6.2.3 Aufgrund der Akten ist auch nicht ersichtlich, dass der Beschwerde- führer aus anderen Gründen ein persönliches Profil aufweist, das die Auf- merksamkeit der sri -lankischen Sicherheitsbehörden auf sich ziehen könnte (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8). Auch diesbezüglich ist auf die einlässliche Begründung in der Verfügung zu verweisen (act. 31/12 E. 2, vgl. auch vorstehende Erwägung 5.1). Auch mit der Papierbe- schaffung auf dem sri-lankischen Generalkonsulat und einer allfälligen Be- fragung bei der Einreise am Flughafen in Colombo sind regelmässig keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen verbunden (vgl. BVGE 2017/6 E. 4.3.3). 6.2.4 An dieser Einschätzung änder t auch der Regierungswechsel vom 16. November 2019 nichts. Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Raja- paksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zei- tung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa -Clan an d ie Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri -lanka- presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März 2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten be- gangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts- verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet E-1395/2020 Seite 12 die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei- nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma- hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. https://www.aninews.in/ne ws/world/asia/sri-lanka-35-including-presi- dents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state2019112717 4753/, abgerufen am 1. April 2020). Beobachter und ethnische/religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die ver- mehrte Überwachung vo n Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Go- tabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Ann ahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Im vorliegenden konkreten Einzelfall besteht aufgrund des Gesagten kein persönlicher Bezug des Beschwerde- führers zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive de- ren Folgen. 6.3 Der Beschwerdeführer vermochte insgesamt keine Vorfluchtgründe und auch keine im heutigen Zeitpunkt in objektiver Hinsicht begründete Furcht darzutun, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG zu erleiden. Die Beschwerdevorbringen führen zu keiner anderen Beurteilung. Das SEM hat das Asylgesuch des Beschwer- deführers zu Recht abgelehnt. E-1395/2020 Seite 13 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach de n gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. E-1395/2020 Seite 14 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be - schwerdeführer nicht gelungen ist , eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er habe gelegentlich Sui- zidgedanken, ist zur Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzuhalten, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur in seltenen Ausnahmefällen einen Ve rstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Praxis des EGMR, EGMR, Beschwerde-Nr. 41738/10 P . gegen Belgien vom 13. Dezember 2016). Der EGMR anerkennt grundsätzlich keinen durch die EMRK geschützten Anspruch auf Verbleib in einem Konventionsstaat, um weiterhin in den Genuss medizinischer Unterstützung zu kommen (vgl. Ur- teil des EGMR vom 2. Mai 1997 i.S. D. gegen Vereinigtes Königreich). Hin- sichtlich der Gefahr einer Selbstgefährdung bei einer zwangsweisen Über- stellung ist der wegweisende Staat gemäss Praxis des EGMR nicht ver- pflichtet, vom Vollzug der Wegweisung Abstand zu nehmen, falls Ausländer oder Ausländerinnen Suizidgedanken haben. Die Überstellung vermag nicht gegen Art. 3 EMRK zu verstossen, wenn der wegweise nde Staat Massnahmen ergreift, um die Umsetzung solcher Gedanken zu verhindern (vgl. den Unzulässigkeitsentscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. D. und andere gegen Deutschland [Beschwerde Nr. 33743/03], angeführt in Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 23 E. 5.1 [S. 212]). Vorliegend ist, entgegen den diesbezüglichen Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe, festzustellen, dass eine Rückführung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka nicht gegen Art. 3 EMRK verstösst, zumal seine psychische Erkran- kung die hohe Schwelle zur Annahme eines „real risk“ offensichtlich nicht erreicht. Weiterhin bestehenden oder sich gar akzentuierenden suizidalen Tendenzen ist im Falle einer (zwangsweisen) Rückführung bei der Ausge- staltung der Modalitäten durch angemessene, sorgfältige Vorbereitung Rechnung zu tragen, indem geeignete medizinische Massnahmen getrof- fen werden und eine adäquate Betreuung (beispielsweise durch medizini- sches Fachpersonal) sichergestellt w ird. Der Beschwerdeführer befindet E-1395/2020 Seite 15 sich in der Schweiz in ärztlicher Behandlung, weshalb einer möglicher- weise erneut auftretenden akuten Suizidalität medikamentös entgegenge- wirkt werden kann. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un- zulässig erscheinen (vgl. Urteil BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprü- fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig. 8.4 8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge- mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord - und Ost- provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri- terien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder soz ialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und E-1395/2020 Seite 16 Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). Im als Referenzurteil publizierten Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5 erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins „Vanni-Gebiet“, wo der Beschwerdeführer bis zu seiner Ausreise gelebt hat, als zumutbar. An dieser Einschätzung ver- mögen die Gewaltvorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri -lankischen Regierung verhängte Ausnahmezustand, der am 28. August 2019 wieder aufgehoben wurde, und die mit den Wahlen im November 2019 zusammenhängenden gewalt tätigen Ausschreitungen nichts zu ändern. 8.4.3 In individueller Hinsicht ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen jungen Mann handelt, der in Sri Lanka acht Jahre die Schule – in den letzten zwei Jahren ein Privatinternat in C._______ – besucht hat. Auch in Thailand besuchte er die Schule im Flüchtlingscamp und absolvierte Sprachkurse in Englisch und Thailändisch sowie einen Kurs für Computerbasiskenntnisse. Des Weiteren sammelte er in Thailand Arbeitserfahrung als (…). Seine (…) mütterlicherseits unter- stützten die Familie wiederholt finanziell. Die (…) in E._______ übernahm einen Teil seiner über 20'000 CHF betragenden Reisekosten von Thailand in die Schweiz. Gemäss seinen weiteren Aussagen besitzt seine (…) müt- terlicherseits ein grosses Feld in Sri Lanka und konnte die Familie des Be- schwerdeführers aufgrund von Ernteeinnahmen finanziell unterstützen (act. 22/16 S. 4 ff. F25 ff. , F54). Seine (…) mütterlicherseits leben in Sri Lanka. Es ist mithin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer über ein tragfähiges verwandtschaftliches Beziehungsnetz verfügt, und ihm eine soziale und wirtschaftliche Reintegration möglich sein wird. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr in sein Heimatland in eine existenzielle Notlage geraten wird. 8.4.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, in Thailand Suizidgedanken gehabt zu haben und deshalb zweimal zu einem Psychiater in F._______ gegangen zu sein. Er leide hier in der Schweiz an einer Depression und nehme Medikamente. Er sei in psychiatrischer Behandlung. Bei der Anhö- rung führte er auf die Frage nach seinem Gesundheitszustand aus, er habe noch Zahnschmerzen wegen einer erfolgten Behandlung und ein ängstli- ches Gefühl, ansonsten habe er keine anderen gesundh eitlichen Prob- leme. Die Suizidgedanken seien seit seiner Ankunft in der Schweiz weniger geworden. Er müsse aber wegen einer Depression Medikamente einneh- men (act. 22/3 F14 ff.). E-1395/2020 Seite 17 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund einer medizini- schen Notlage kann nur geschlossen werden, wenn eine notwendige me- dizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Stand ard entsprechende medizinische Be- handlung möglich ist (vgl. BVGE 2017 VI/7 E. 6, 2011/9 E. 7 und 2009/2 E. 9.3.2 je m.w.H.). Vorliegend ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die psychischen Probleme des Beschwerdeführers nicht derart sind, dass sie bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka zu einer massiven Verschlechterung seines Gesundheitszustandes und einer medizinischen Notlage führen würden (vgl. auch den ärztlichen Bericht vom 17. Feb- ruar 2020 act. 29/1). Der Beschwerdeführer kann sich sodann auch im Hei- matland behandeln lassen. Die Gesun dheitsversorgung ist in Sri Lanka grundsätzlich kostenlos, zudem hat das Land in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt und verfügt neben Spitälern mit psychiatrischen Abtei- lungen zur stationären Betreuung auch über zahlreiche Einrichtungen für die ambulante Behandlung von psychisch erkrankten Patienten (vgl. unter anderen Urteile des BVGer E-5842/2019 vom 25. November 2019 E. 10.4, D-3210/2018 vom 5. Juli 2019 E. 8.3 und D-2356/2019 vom 27. Juni 2019 E. 9.2 m.w.H.). Dem Beschwerdeführer steht es zudem frei, bei der Rück- kehrberatungsstelle der IOM (International Organization for Migration) ge- stützt auf Art. 93 AsylG medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen. Diese kann durch die Abgabe von Medikam enten, Hilfe bei der Ausreiseorgani- sation oder durch Unterstützung während und nach der Rückkehr gewährt werden. Die Entgegnungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, zu ei- ner anderen Beurteilung zu gelangen. 8.4.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). E-1395/2020 Seite 18 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 10.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb der Antrag abzuweisen ist. 10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1395/2020 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird abge- wiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Constance Leisinger Peter Jaggi