Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. April 2022 (810 21 264) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung / falsche Angaben im Bewilligungsverfah- ren Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin i.V. Chantal Fischli Beteiligte A.____ , vertreten durch Dieter Roth, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung (RRB Nr. 1219 vom 7. September 2021) A. A.____, geboren am XX.XX.1971, Bürger von Sri La nka, reiste am 2. November 2009 in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch, welches mi t Entscheid des Bundesamtes für Flüchtlinge (heute: Staatssekretariat für Migration [SE M]) vom 23. Oktober 2014 abgewiesen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurde. Jedoch wurde ihm die vorläufige Aufnahme bew illigt. Dagegen erhob A.____ Beschwer- de beim Bundesverwaltungsgericht, welches die Beschwerde am 19. Mai 2016 guthiess, worauf A.____ als Flüchtling anerkannt wurde. Daraufhin erteilte das Amt für Migration und Bürgerrecht des Kantons Basel-Landschaft (AfMB) A.____ am 2. Juni 20 16 eine Aufenthaltsbewilligung, welche einmal und bis zum 29. Mai 2018 verlängert wurde. B. Am 17. November 2015 wurde A.____ von der Staatsa nwaltschaft wegen mehrfachen Exhibitionismus zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen be i einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. C. A.____ reichte am 8. Juli 2016 beim SEM ein Famil iennachzugsgesuch für seine Ehe- frau B.____, geboren am XX.XX.1973, und seine drei T öchter C.____, geboren am XX.XX.1997, D.____, geboren am XX.XX.2004, und E.____, geboren am XX.XX.2006, ein. Das SEM liess die Töchter sowie die Ehefrau am 5. Septembe r 2016 auf der Schweizer Vertretung in Colombo/Sri Lanka befragen, da verschiedene Unstimm igkeiten in den Angaben des Famili- ennachzuggesuchs und den Aussagen im Asylverfahren vorzufin den waren. Das SEM verfügte am 4. Januar 2018 nach Gewährung des rechtlichen Geh örs den Widerruf des Asyls wie auch die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft von A.____. A.____ habe durch falsche Angaben im Asylverfahren seine Flüchtlingseigenschaft und das Asyl erschlichen. Die dagegen erhobene Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht wurde am 10. April 2018 abgewiesen. D. Am 26. April 2019 reiste die älteste Tochter C.____ in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Das Asylgesuch wurde abgelehnt. Zurzeit läuft der Wegweisungsvollzug. E. Mit Schreiben vom 22. Juli 2020 gewährte das AfMB A .____ das rechtliche Gehör zum möglichen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung sowie z ur Wegweisung aus der Schweiz. Mit Schreiben vom 10. August 2020 machte A.____ von seinem rechtlichen Gehör Gebrauch. F. Mit Verfügung vom 2. Dezember 2020 verweigerte das AfMB A.____ die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und setzte eine Ausreisefrist bis 31. Januar 2021. A.____ habe im Asylverfahren falsche Angaben gemacht sowie auch wesentli che Tatsachen verschwiegen und dadurch das Asyl sowie die Aufenthaltsbewilligung ersch lichen. Das AfMB bejahte das Vorlie- gen eines Widerrufsgrundes und die Verhältnismässigkeit der Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und verneinte das Vorliegen eines Härtefalles. Zudem war das AfMB nicht bereit, A.____ die Aufenthaltsbewilligung im Rahmen seines Ermessens zu erteilen. G. Mit Eingabe vom 21. Dezember 2020 erhob A.____, n achfolgend immer vertreten durch Advokat Dieter Roth, beim Regierungsrat des Kant ons Basel-Landschaft (Regierungsrat) Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung der Verfügun g vom 2. Dezember 2020 und die Ver- längerung der Aufenthaltsbewilligung unter o/e-Kosten folge sowie im Fall des Unterliegens die unentgeltliche Rechtspflege. Er machte geltend, dass die Ehefrau und Kinder auf der Vertretung in Colombo aus Angst und Misstrauen gegenüber den Behö rden und dem Geheimdienst fal- sche Aussagen gemacht hätten. Bei der Rückkehr in sein He imatland Sri Lanka müsse A.____ Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht begründete Furcht vor weiteren Verfolgungen haben. Z udem verletze eine Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung auch das Recht auf Familienleben. H. Im Betreibungsregister ist A.____ mit einer Betreib ung vom 10. August 2021 in der Höhe von Fr. 1'360.-- verzeichnet. I. Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit Beschluss ( RRB) Nr. 1219 vom 7. September 2021 ab. Er verwies auf die Täuschung de r Behörden durch Angaben von fal- schen Geburtsdaten seiner drei Kinder und an den falschen Hochzeitsort. A.____ halte sich seit knapp vier Jahren bewilligt in der Schweiz auf. Wenn d ie Anwesenheit während des Rechtsmit- telverfahrens mitgezählt werde, ergebe dies eine Dauer von ca. sieben Jahren, die der Be- schwerdeführer bewilligt in der Schweiz verbracht habe. Die vier bzw. sieben Jahre des bewil- ligten Aufenthalts würden nicht reichen, um sich auf Ar t. 8 Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. No vember 1950 berufen zu können. Des Weiteren sei der Beschwerdeführer nicht genügend i ntegriert. Die Wegweisung sei zumut- bar, da in Sri Lanka kein «real risk» der Verfolgung be stehe. Zudem sei die Nichtverlängerung verhältnismässig. J. Mit Eingabe vom 20. September 2021 erhob A.____ ge gen den RRB beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kan tonsgericht), Beschwerde. Er bean- tragt, es sei in Gutheissung der Beschwerde der RRB Nr. 1219 vom 7. September 2021 aufzu- heben, es sei dem Beschwerdeführer die Aufenthaltsbewi lligung ordentlich zu verlängern und es sei von der Wegweisung abzusehen. Für den Fall des Un terliegens sei die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren. Mit erg änzender Beschwerdebegründung vom 22. November 2022 machte er im Wesentlichen gelten d, dass die falschen Angaben über seine Aufenthaltssituation damit zu begründen seien, dass bereits viel Zeit dazwischenliege und die Ehefrau und Kinder Zeitabläufe verwechselt und au s der Erinnerung falsche Angaben ge- macht hätten. Zusätzlich hätten sie den Beschwerdeführer v or dem sri-lankischen Geheim- dienst schützen wollen. Ausserdem sei er über die Erwerbstätigkeit gut integriert und sei in Kon- takt zu vielen Arbeitskollegen und deren Familien. Eine Rückweisung würde ihn entwurzeln. Er sei nach wie vor exilpolitisch tätig und nehme an diversen Demonstrationen teil. K. Der Regierungsrat beantragt in seiner Stellungnah me vom 10. Januar 2022 die kos- tenpflichtige Abweisung der Beschwerde. L. Mit Verfügung vom 2. Februar 2022 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen und der Entscheid über das Gesuch um unentgeltl iche Prozessführung und Verbeistän- dung mit der Hauptsache überlassen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 der Verfassung- und Verwaltungs prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist eine verwaltungsgerichtliche Besch werde beim Kantonsgericht gegen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheide des Regierungsrates zulässig. Es liegt weder e in Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzlicher Ausschlusstatbestand vor, so dass das Kantonsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig ist. Der Beschwerdeführer ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein sch ützenswertes Interesse an dessen Aufhebung. Die Beschwerde wurde frist- und formgerech t eingereicht. Demnach ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2 Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 2. Streitgegenstand der vorliegenden Beschwerde bildet die Nichtverlängerung der Auf- enthaltsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz. 3.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und Art. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländ erinnen und Ausländer und über die Integration [AIG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art . 2 AIG). Die zuständige kantonale Be- hörde entscheidet in den Fällen nach Art. 18 ff. und 27 ff. AIG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Ein en Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AIG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vo r (BGE 135 II 1 E. 1.1; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 3.2 Zunächst ist festzuhalten, dass kein Staatsvertrag zwisch en der Schweiz und Sri Lanka besteht, welcher dem Beschwerdeführer einen Anspruch a uf Aufenthalt in der Schweiz einräu- men würde. Es ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer e inen Anspruch aus dem schweizeri- schen Verfassungs- und Gesetzesrecht oder der EMRK ableiten kann. 3.3 Wie oben aufgeführt, aberkannte das SEM die Flüch tlingseigenschaft und widerrief das Asyl gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a des Asylgesetzes (AsylG ) vom 26. Juni 1998, was vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 10. April 2018 bestätigt wurde. Der Widerruf des Asyls und die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft gilt gegenüber allen eidgenössischen und kan- tonalen Behörden gemäss Art. 63 Abs. 3 AsylG. 3.4 Aufenthaltsbewilligungen sind befristet und zweckgeb unden (Art. 33 AIG). Die Aufent- haltsbewilligung kann nach Art. 33 Abs. 3 AIG verläng ert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AIG vorliegen. Bei einem Wegfall oder einer Änderung des ursprünglichen Aufenthaltszwecks ist jeweils eine neue Bewilligung erfor derlich (vgl. Art. 54 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007; M ARC Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht SPESCHA /A NDREAS ZÜND /P ETER BOLZLI /C ONSTANTIN HRUSCHKA /F ANNY DE WECK , Migrations- recht, 5. Auflage, Zürich 2019, Art. 33 N. 4). Nach A rt. 62 Abs. 1 lit. a AIG kann die Aufenthalts- bewilligung widerrufen werden, wenn die betroffene ausländische Person im Bewilligungsver- fahren falsche Angaben macht oder wesentliche Tatsachen verschweigt. Erforderlich ist hierbei eine Täuschungsabsicht. Eine solche ist zu bejahen, wenn die ausländische Person einen fal- schen Anschein über Tatsachen erweckt hat oder aufrechterhält, von dem sie vernünftigerweise wissen musste, dass er für den Bewilligungsentscheid von B edeutung sein könnte (BGE 135 II 1 E. 4.1). 3.5. Grund für die Erteilung der Aufenthaltsbewilli gung war die Gewährung des Asyls. Ge- mäss Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. April 201 8 hat der Beschwerdeführer das Asyl mittels Angaben von falschen Tatsachen erschlichen. Das Bundesverwaltungsgericht geht in seinem Urteil auf die Widersprüche der verschiedene n Angaben des Beschwerdeführers und der Mitglieder seiner Familie ein. Es führt in seine m Urteil aus, es ergebe sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seines Asylverfahrens u nd des Gesuchs um Familien- nachzug die Geburtsdaten seiner Töchter jeweils seinen Z wecken gemäss angepasst habe. Des Weiteren sei nicht ersichtlich, wie der Beschwerdefü hrer im Jahr 2005 in dem Ort, in dem er angeblich verfolgt worden sei und sich habe versteckt h alten müssen, scheinbar habe prob- lemlos heiraten können. Zusätzlich habe er die zwecks Arbei tserwerbs langen Aufenthalte in Dubai verheimlicht, um seiner Geschichte der Verfolgung in Sri Lanka den Anschein der Wahr- heit zu verleihen. Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich auch mit dem Argument des Beschwerdeführers, die Familie habe falsche Angaben gemacht, um den Beschwerdeführer vor dem sri-lankischen Geheimdienst zu schützen, und kam zum Schl uss, dem könne nicht gefolgt werden. Es gibt keinen Anlass an den Ausführungen und Schlussfolgerungen des Bundesver- waltungsgerichts zu zweifeln. Demzufolge ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Behörden über entscheidwesentliche Sachverhaltselemente absichtlich getäuscht haben muss, um Asyl zu erhalten. Demnach ist der Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. a AIG gegeben. 3.6 Gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG kann die Bewillig ung widerrufen werden, wenn der Ausländer eine mit der Verfügung verbundene Bedingun g nicht mehr einhält. Mit dem Entzug des Asyls fällt der ursprüngliche Aufenthaltszweck dahin, w omit auch der Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG erfüllt ist. 4.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes führt nicht au tomatisch zur Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Ein Widerruf bzw. die Nich tverlängerung der Bewilligung ist nur ge- rechtfertigt, wenn die jeweils im Einzelfall vorzunehm ende Interessenabwägung die entspre- chende Massnahme auch als verhältnismässig erscheinen lässt. Da bei sind namentlich der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen An wesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3). 4.2 Bevor die Interessenabwägung vorgenommen wird, i st auf die Rüge des Beschwerde- führers einzugehen, die Nichtverlängerung seiner Aufen thaltsbewilligung und die damit verbun- dene Wegweisung würden sein Recht auf Achtung des Pri vat- und Familienlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK verletzen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3. Nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK hat jede Person das Rech t auf Achtung ihres Privat- und Fa- milienlebens. Die EMRK verschafft jedoch keinen Anspru ch auf Einreise und Aufenthalt oder auf einen Aufenthaltstitel in einem bestimmten Staat. Art. 8 EMRK hindert die Konventionsstaa- ten nicht daran, die Anwesenheit auf ihrem Staatsgeb iet zu regeln (vgl. Art. 8 Abs. 2 EMRK) und den Aufenthalt ausländischer Personen unter Beachtu ng überwiegender Interessen des Familien- und Privatlebens gegebenenfalls auch wieder zu beenden. Ausländerrechtliche Fern- haltemassnahmen können aber unter bestimmten Umständen das Recht auf Familienleben und allenfalls das Recht auf Privatleben verletzen. Unter d em Aspekt des Familienlebens ist Art. 8 EMRK berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder F ernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberech- tigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne We iteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen. Der sich hie r aufhaltende Familienangehörige muss über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen (Urteil des BGer 2C_105/2017 vom 8. Mai 2018 E. 3.2 f.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspr echung ist der Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK im Wesentlichen auf die ei- gentliche Kernfamilie, folglich auf die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern, beschränkt. Das Verhältnis zwischen Eltern und ihren volljährigen Kindern ist lediglich geeignet, einen Bewilligungsanspruch zu begründen, fal ls hier nicht vorliegende besondere Verhältnisse vorliegen (BGE 144 II 1 E. 6.1). 4.4 Zurzeit lebt die älteste Tochter des Beschwerdefüh rers in der Schweiz. Da ihr Asylge- such abgewiesen wurde, befindet sie sich im Wegweisungspro zess und wird die Schweiz ver- lassen müssen, womit sie über kein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt. Zudem ist die Toch- ter bereits volljährig. Daher sind die Voraussetzungen für die Berufung auf das von Art. 8 Abs. 1 EMRK garantierte Familienleben nicht gegeben. 4.5 Unabhängig vom Vorliegen einer familiären Bezieh ung kann eine ausländerrechtliche Fernhaltemassnahme unter gewissen Umständen den Anspruch a uf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 EMRK verletzen: Nach ständiger Rechtsprechu ng des Bundesgerichts genügen eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integration hierzu nicht; erforderlich sind besonders intensive, über eine normale Integratio n hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (BGE 144 II 1 E. 6.1; BGE 130 II 281 E. 3.2.1; BGE 126 II 377 E. 2c; jeweils mit Hinweisen). Nach einer re chtmässigen Aufenthaltsdauer von rund zehn Jahren kann regelmässig davon ausgegangen werden, dass die sozialen Beziehungen in der Schweiz so eng geworden sind, dass es für eine Aufent haltsbeendigung besonderer Grün- de bedarf, wobei es sich im Einzelfall anders verhalten und die Integration zu wünschen übrig- lassen kann. Es kann aber auch sein, dass schon zu einem frü heren Zeitpunkt der Anspruch auf Achtung des Privatlebens betroffen ist. Liegt nach einer längeren bewilligten Aufenthalts- dauer, die zwar zehn Jahre noch nicht erreicht hat, eine besonders ausgeprägte Integration vor, kann es den Anspruch auf Achtung des Privatlebens verlet zen, wenn eine Bewilligung nicht erneuert wird (BGE 144 I 266 E. 3.9). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6 Seit dem erstinstanzlich verfügten Bewilligungswider ruf konnte der Beschwerdeführer seinen Aufenthalt nur auf die aufschiebende Wirkung von Rechtsmitteln stützen. Diesem Auf- enthalt ist praxisgemäss kein besonderes Gewicht beizumessen (Urteil des BGer 2C_413/2020 vom 24. August 2020 E. 3.1; BGE 137 II 1 E. 4.3; 2C_4 17/2018 vom 19. November 2018 E. 7.2). 4.7 Der Beschwerdeführer kam am 2. November 2009 in d ie Schweiz und beantragte Asyl, dem schliesslich entsprochen wurde, worauf er am 2. Juni 2 016 eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Die Falschangabe im Asylverfahren und schliesslich i m Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung stellt einen Widerrufs- und keinen Nichtigkeitsgrund dar (Urteil des BGer 2C_748/2014 vom 12. Januar 2015 E. 3.1; vgl. aber Ur teil des BGer 2A.420/2006 vom 29. No- vember 2006 E. 2.3). Es geht bei Art. 62 Abs. 1 lit. a AIG um ein nachträgliches Dahinfallen der Bewilligung, nicht um eine ursprüngliche Ungültigkeit. Es stellt sich die Frage, welche Gewich- tung dem Aufenthalt während des Asylverfahrens beizumessen ist, da dem Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft aufgrund falscher Angaben i m Asylverfahren aberkannt worden ist. Diese Frage kann jedoch offen gelassen werden, da - wi e nachfolgend aufzuzeigen sein wird - selbst für den Fall, dass die Zeit vom 2. November 2009 bis zum 2. Dezember 2020 als integra- tionsbegründende Aufenthaltsdauer berücksichtigt wird, keine hinreichende Integration vorliegt. Ebenso kann die Frage offen gelassen werden, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch aus dem Recht auf Privatleben gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK hat, weil der Eingriff in das Recht auf Privatleben - wie nachfolgend aufzuzeigen ist - verhältnismässig ist. 4.8 Zu berücksichtigen ist im Übrigen, dass bei Vorliegen von Widerrufsgründen verhält- nismässige Eingriffe in das Recht auf Familien- und Pr ivatleben gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK statthaft sind. Bei der Beurteilung aufenthaltsbeende nder Massnahmen im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist auf dieselben Kriterien, die auch b ei der Verhältnismässigkeit eines Bewilli- gungswiderrufs zu beurteilen sind, abzustellen (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; Urteil des BGer 2C_872/2013 vom 1. Mai 2014 E. 2.2.3). Selbst wenn si ch der Beschwerdeführer auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen könnte, wäre eine Einschränkung dieses Anspruchs somit un- ter der Voraussetzung zulässig, dass sie sich als verhältnismä ssig erweist (Urteil des Kantons- gerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [K GE VV], vom 8. Dezember 2021 [810 21 171] E. 7.7). 5.1 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer integriert ist. In Art. 58a AIG werden die Integ- rationskriterien auf Gesetzesstufe explizit und abschliessen d definiert. Gemäss Art. 58a Abs. 1 AIG berücksichtigt die zuständige Behörde bei der Beurte ilung der Integration folgende Krite- rien: die Beachtung der öffentlichen Sicherheit und O rdnung (lit. a); die Respektierung der Wer- te der Bundesverfassung (lit. b); die Sprachkompetenz ( lit. c) sowie die Teilnahme am Wirt- schaftsleben oder am Erwerb von Bildung (lit. d). 5.2 In beruflicher und wirtschaftlicher Hinsicht ist de r Beschwerdeführer integriert. Er arbei- tet seit April 2015 im variablen Stundeneinsatz bei F.____ und ist seit rund sechs Jahren von der Sozialhilfe unabhängig. Sein Betreibungsregisterau szug verzeichnet bloss eine Betreibung von Fr. 1'360.--. Daraus lässt sich schliessen, dass der Beschwerdeführer seine Rechnungen in Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Regel bezahlt. Der Beschwerdeführer verfügt über keine Berufsausbildung und wird in der Schweiz nur Hilfstätigkeiten ausüben können. Demnach st ellt er keine qualifizierte Arbeitskraft für unsere hiesige Wirtschaft dar. 5.3 Gemäss Art. 58a Abs. 1 lit. c AIG i.V.m. Art 77d VZAE gilt der Nachweis für die Sprachkompetenz in einer Landessprache als erbracht, wen n die Ausländerin oder der Auslän- der diese als Muttersprache spricht und schreibt (lit. a); während mindestens drei Jahren die obligatorische Schule in dieser Landessprache besucht hat (lit. b); eine Ausbildung auf Sekun- darstufe II oder Tertiärstufe in dieser Landessprache b esucht hat (lit. c); oder über einen Sprachnachweis verfügt, der die entsprechende Sprachkom petenzen in dieser Landessprache bescheinigt und der sich auf ein Sprachnachweisverfahren abstützt, das den allgemein aner- kannten Qualitätsstandards für Sprachtests entspricht (li t. d). Der Beschwerdeführer besuchte einen Deutschkurs auf dem tiefsten Niveau (Niveau A1), wohl merklich elf Jahre nach seiner Einreise in die Schweiz. Am 4. Februar 2019 benötigte der Beschwerdeführer sogar einen Dol- metscher, um beim AfMB vorzusprechen. Es kann jedoch von ei ner ausländischen Person, die seit zwölf Jahren im Raum Basel lebt, erwartet werden , dass die sprachliche Integration weiter fortgeschritten ist und kein Deutschkurs auf diesem tief en Niveau besucht werden muss. Ge- mäss dem Beschwerdeführer kommuniziere er jedoch gut mit seinen Mitarbeitern und Gästen. Dennoch bleibt daran festzuhalten, dass die nachgewiesene sprachliche Integration nicht genü- gend ist und den Anforderungen von Art. 58a Abs. 1 l it. c AIG i.V.m. Art. 77d Abs. 1 lit. d VZAE nicht entspricht. 5.4 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass sei ne sozialen Beziehungen inner- halb der Belegschaft von F.____ im Laufe der Jahre ge wachsen seien und ein stabiles soziales Netz darstellen würden. Der Beschwerdeführer führte di ese sozialen Beziehungen nicht weiter aus, nannte keinen Namen oder spezifische Aktivitäten, di e er gemeinsam mit Freunden unter- nimmt, womit diese als nicht substantiiert gelten. In ei ner Gesamtbetrachtung der Situation des Beschwerdeführers fällt auf, dass auch weitere Anhaltspu nkte für eine gelungene Integration, wie beispielsweise die Teilnahme am öffentlichen Leben, fehlen. 5.5 Insbesondere beruft sich der Beschwerdeführer auf das enge Verhältnis zu seiner äl- testen Tochter. Sie befindet sich jedoch nur in der Sc hweiz, weil ihre Wegweisung noch nicht vollzogen wurde. Besonders durch den Umstand, dass er seine zwei weiteren Töchter und sei- ne Ehefrau im Rahmen des Familiennachzugs in die Schwe iz holen wollte, müssen die familiä- ren Beziehungen als intakt gelten. Der Beschwerdeführer reiste erst mit 38 Jahren in die Schweiz ein, womit er den überwiegenden Teil seines Lebens in seinem Heimatland lebte, wo er die Kindheit und Jugend sowie viele Jahre des Erwachs enseins verbrachte, sämtliche Schu- len besuchte, arbeitete, heiratete und eine Familie gründete. Er spricht die Amtssprachen und kennt die Sitten und Bräuche. Auch wenn der Beschwerdef ührer bereits seit ca. 12 Jahren in der Schweiz lebt, liegt keine Heimatentfremdung vor, w elche eine Rückkehr ins Heimatland unverhältnismässig erscheinen liesse. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 Der Beschwerdeführer wurde zwei Mal in geringem Ma ss straffällig und wurde einmal betrieben. Diese zwei kleineren Verstösse gegen die Rec htsordnung fallen bei der Beurteilung der Integration nicht ins Gewicht. 5.7 Gesamthaft ist somit festzuhalten, dass der Beschwerde führer keine besonders inten- siven, über eine normale Integration hinausgehenden pr ivaten Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur vorweist und folglich nicht gut integriert ist. Es lässt sich zudem feststel- len, dass der Beschwerdeführer durchaus starke Verbindungen zu seinem Heimatland aufweist. 6.1 Zu prüfen ist, ob der Vollzug der Wegweisung aus d er Schweiz für den Beschwerde- führer unzumutbar und ob die Wegweisung unzulässig ist. Der Beschwerdeführer macht gel- tend, dass sich seit dem Referenzurteil des Bundesverwalt ungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 die Lage am 16. November 2019 verschlechtert habe, indem Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten gewählt worden sei und dieser seinen Bruder und früheren Präsidenten Mahinda Rajapaksa als Premierminister eingesetzt habe. I m Norden und Osten von Sri Lanka gebe es seither mehr militärische Checkpoints und die Übe rwachung und Kontrollen hätten zu- genommen. Zudem habe es in den letzten Jahren Razzien gegeben, anlässlich derer nach dem Beschwerdeführer gefragt worden sei. Aus diesen Gründ en sei der Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz für den Beschwerdeführer unzumutbar. 6.2 Hierzu wird zuerst die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzu gs geprüft. Die Wegweisung ist dann nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der ausländischen Person in den Heimat-, Herkunfts- oder e inen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Der Beschwerdeführer kann sich nicht auf das Non-Refoulement-Gebot von Art. 33 Ziff. 1 des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüch tlinge (FK) vom 28. Juli 1951 sowie von Art. 5 Abs. 1 AsylG berufen, da ihm das SEM die Flüch tlingseigenschaft aberkannt hat. Nach dem Non-Refoulement-Gebot gemäss Art. 3 EMRK dar f niemand in einen Staat ausge- schafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Ar t unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe drohen würden. Diese Norm fin det auf alle Personen Anwendung und gilt absolut (vgl. J ENS MEYER -LADEWIG /M ARTIN NETTESHEIM /S TEFAN VON RAUMER , EMRK Hand- kommentar, 4. Auflage, Baden-Baden 2017, Art. 3 EMRK N. 1). Art. 3 EMRK schützt alle Per- sonen vor Folter oder unmenschlicher oder erniedrigend er Behandlung. Ein Staat verstösst ge- gen Art. 3 EMRK, wenn eine Person abgeschoben wird, ob wohl ernsthafte Gründe vorgetragen werden, dass im Aufnahmeland eine ernsthafte Gefahr e iner Behandlung besteht, die Art. 3 EMRK widerspricht (vgl. J ENS MEYER -LADEWIG /M ARTIN NETTESHEIM /S TEFAN VON RAUMER , a.a.O, Art. 3 N. 65; Urteile des EGMR Husseini gegen S chweden [10611/09] vom 13. Oktober 2011 § 79; Chamaiev gegen Georgien und Russland [363 78/02] vom 12. April 2005 § 335). Die blosse Möglichkeit einer Misshandlung aufgrund der allge meinen Situation im Land genügt nicht, um eine Verletzung von Art. 3 EMRK anzunehmen. Die drohende Misshandlung muss eine genügende Schwere aufweisen, um in den Anwendungsbereich von Art. 3 EMRK zu fallen. Die betroffene ausländische Person muss hierbei gewicht ige Gründe darlegen, die auf eine solch konkrete Gefahr schliessen lassen; der Eintritt der geltend gemachten Gefährdung der ausländischen Person muss mithin von erheblicher Wahrschein lichkeit sein (Urteile des EGMR Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Husseini gegen Schweden [10611/09] vom 13. Oktober 201 1 § 79; Saadi gegen Italien [37201/06] vom 28. Februar 2008 § 125). 6.3 Um die Unzulässigkeit der Wegweisung im konkreten F all zu prüfen wird zuerst die allgemeine Situation des Landes beurteilt. Danach wir d aufgrund der konkreten Umstände des Falles die spezifische Gefahr für die betroffene Person abgeschätzt (BGE 139 II 65 E. 5.4). 6.4 Wie der Regierungsrat in E. 4.e) seines Beschlusses a usführt, sind gemäss dem Bun- desverwaltungsgericht aus der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt. Als Risikofaktoren iden- tifiziert das Gericht das Vorhandensein einer tatsächliche n oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den Liberation Tigers of Tam il Eelam (LTTE), die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen sowie frühere Verhaftungen durch die sri- lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermute- ten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren). Einem gesteigerten Risi- ko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliege n ausserdem Personen, die ohne die er- forderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die lnternationale Organisation für Migration (lOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Na rben (sogenannte schwach risiko- begründende Faktoren). Gemäss dem Bundesverwaltungsger icht haben insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachte ilen, denen seitens der sri- lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatis- mus wiederaufleben zu lassen. Diese Analyse hat gemäss e inem Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts vom 30. Juli 2020 nach wie vor Gültigkei t (Urteil E-500/2018 vom 13. Juli 2020, E. 6.1 ff. mit Verweis auf das Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016). 6.5 Das SEM stellte bereits im Entscheid vom 4. Januar 2 018 im Verfahren um Asylwider- ruf und Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft fest, da ss der Beschwerdeführer kein speziel- les Risikoprofil gemäss den obig aufgeführten Kriterien aufweise und folglich kein Anlass zur Befürchtung bestehe, dass der Beschwerdeführer einer asylrelevanten Verfolgungsmassnahme ausgesetzt sei. Dies wurde vom Bundesverwaltungsgericht mi t dem Urteil D-742/2018 vom 10. April 2018 (E. 5.1) bestätigt. 6.6 Das AfMB forderte im Auftrag des instruierenden R echtsdienstes des Regierungsrats und Landrats beim SEM einen Amtsbericht zur Einschätzung der Zulässigkeit der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka an. Das SEM kam in seinem Amtsbericht vom 30. Juli 2021 zum Schluss, dass der blosse Hinweis auf die aktuel le Situation im Heimatland und die exilpolitische Tätigkeit im Rahmen von Teilnahmen an Demonstrationen in der Schweiz kein «real risk» gemäss der Praxis des EGMR darstellen würden. Der Beschwerdeführer habe keine konkreten Beweise zugestellt, aus denen ersichtlich sei, i n welchem Rahmen er sich exilpoli- tisch engagiere und welche Gefahr damit einhergehe. Z udem ändere der vom Beschwerdefüh- rer geltend gemachte Machtwechsel des Präsidenten nichts an der Tatsache, dass für sri- lankische Rückkehrer aus der Schweiz generell, das heisst ohn e weitere individuelle Gefähr- dungskomponente keine Verfolgungsgefahr bestünde. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.7 Amtsberichten, die auf besonderen Fachkenntnissen b eruhen, kommt ein dem Sach- verständigengutachten vergleichbarer Beweiswert zu. In Fa chfragen darf die Entscheidinstanz nicht ohne triftige Gründe von einem solchen Gutachten abweichen. Ein Grund zum Abweichen liegt namentlich vor, wenn das Gutachten Irrtümer, Lück en oder Widersprüche enthält oder wenn die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Pun kten zweifelhaft erscheint (KASPAR PLÜSS , in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltung srechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Auflage, Zürich 2014, § 7 Rz. 146 f.). Das SEM als zuständige Fachbehörde, welche sich eingehend mit der Rückkehr von Personen aus Sri Lanka seit dem Machtwechsel des Präsidenten beschäftigt, ist eingehend auf die Lage in Sri Lanka sowie auf die konkreten Umstände des Beschwerdeführers eingegangen. Der Regierungsrat befasst sich umfassend mit dem Bericht des SEM in der E. 4.e seines RRB. Es besteh t kein Anlass an der Beurteilung des SEM zu zweifeln. Das Kantonsgericht schliesst sich den Ausfüh rungen des Regierungsrats vollumfänglich an. Demzufolge ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr keiner Gefährdung ausgesetzt ist. 7.1 Aus dem Gesagten folgt, dass der Vollzug der Wegw eisung zulässig ist. Zu prüfen bleibt, ob der Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz zumutbar ist. 7.2 Der Vollzug kann für Ausländerinnen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewa lt und medizinischer Notlage im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG). Dabei erfordert die Beantwor- tung der Frage, ob die Ausländerin oder der Ausländer im Falle des Vollzugs der Wegweisung im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet wäre, eine Prognose, welche vor dem länder- spezifischen Hintergrund im Rahmen einer Einzelfallbeur teilung unter Berücksichtigung der Verhältnisse vor Ort und der individuellen Lebensumstän de der betroffenen Person vorzuneh- men ist (Urteil des BVGer D-3622/2011 vom 8. Oktober 20 14 E. 7.7.4). Der Vollzug der Weg- weisung kann nicht einzig aufgrund der allgemeinen Situ ation, sondern auch aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer und gesundheitlicher Na tur unzumutbar sein (Urteil des BVGer D-3622/2011 vom 8. Oktober 2014 E. 7.5). Das BVG er hat auch in neuerer Rechtspre- chung bestätigt, dass keine Situation von Krieg, Bürgerkr ieg oder allgemeiner Gewalt in Sri Lanka vorherrsche (vgl. Urteil des BVGer D-640/2019 vom 1 4. Juli 2021 E. 7.3.1). Der Be- schwerdeführer bringt keine substantiierten Gründe vor, die gegen eine Zumutbarkeit der Weg- weisung sprechen würden. 8.1 Zu prüfen bleibt, ob die Nichtverlängerung der A ufenthaltsbewilligung und die Wegwei- sung verhältnismässig sind. 8.2 Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung ist nur gerechtfertigt, wenn sich diese gestützt auf eine im Einzelfall vorzunehmende Interessensa bwägung als verhältnismässig er- weist (vgl. Art. 96 Abs. 1 AIG; BGE 135 II 377 E. 4.2 ). Nach dem Grundsatz der Verhältnismäs- sigkeit muss eine Verwaltungsmassnahme zur Verwirklichung d es im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in ei- nem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufla- ge, Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 514 ff.). Dabei sind d ie jeweiligen Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Intere ssen sorgfältig gegeneinander abzuwä- gen (BGE 135 II 110 E. 2.1). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Erteilung bzw. Belassung der Bewilligung und der öffentlichen Inte- ressen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Si nne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Im Rahmen der Ver- hältnismässigkeitsprüfung sind die bekannten Kriterien wie Dauer der Anwesenheit, persönliche Beziehungen zur Schweiz, berufliche Situation, Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage, persönliches Verhalten sowie Integrationsgrad zu berücksichtigen (vgl . BGE 135 II 377 E. 4.3 ff.) sowie die der betroffenen Person und seiner Familie drohenden Nachteile zu beachten (BGE 139 I 31 E. 2.3.1 mit Hinweisen). 8.3 Ein zulässiges öffentliches Interesse für die Wegweisun g liegt im Bestreben, eine restrik- tive Einwanderungspolitik gegenüber Ausländerinnen und Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums durchzusetzen. Eine solche rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbe völkerung, auf die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung de r in der Schweiz bereits ansässigen Ausländer und die Verbesserung der Arbeitsmarktstruktur s owie auf eine möglichst ausgegli- chene Beschäftigung (BGE 135 I 153 E. 2.2.1; BGE 135 I 143 E. 2.2). Das öffentliche Interesse an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung e rschöpft sich vorliegend im Bestreben, eine restriktive Einwanderungspolitik durchzusetzen. Es steht ausser Frage, dass eine Wegwei- sung für die Erreichung dieser fremdenpolizeilichen Ziele eine geeignete und erforderliche Mas- snahme ist. 8.4 Diesen öffentlichen Interessen sind die privaten Inte ressen des Beschwerdeführers gegenüberzustellen. Der heute 50-jährige Beschwerdefüh rer lebt seit zwölf Jahren in der Schweiz, wobei auf jeden Fall seinem Aufenthalt ab 2 . Dezember 2020 kein besonderes Ge- wicht beigemessen werden kann. Trotz seiner Anwesenheitsdauer hat sich der Beschwerdefüh- rer, wie bereits oben ausgeführt, nicht ausreichend integriert. 8.5 Positiv ist zu würdigen, dass der Beschwerdeführer se it April 2015 im variablen Stun- denlohn bei F.____ arbeitet und selbst für seinen Leb ensunterhalt aufkommt und somit als be- ruflich integriert gelten kann. Jedoch beschränkt sich seine Tätigkeit bei F.____ auf Arbeiten, die als ungelernte Hilfskraft ausgeübt werden können. Die Schweiz ist im medizinischen und technischen Bereich auf qualifizierte ausländische Arbeitskräfte angewiesen (vgl. Botschaft des Bundesrates zum AIG vom 8. März 2013, BBI 2013 2397, S. 2442). Diese Qualifikationen erfüllt der Beschwerdeführer nicht. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka könnte er auch wieder als Schreiner arbeiten, so dass er wirtschaftlich abgesichert w äre. Nicht ins Gewicht fällt für die Beurteilung, dass der Beschwerdeführer zwei Mal im ger ingen Mass strafffällig und einmal be- trieben wurde. 8.6 Dass dem Beschwerdeführer eine Ausreise ins Heimatlan d letztlich nicht zumutbar wäre, ist nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer reiste erst mit 38 Jahren in die Schweiz ein, Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht womit er den überwiegenden Teil seines Lebens in seinem Heimatland lebte, wo er die Kindheit und Jugend sowie viele Jahre des Erwachsenseins verbrachte , sämtliche Schulen besuchte, arbeitete, heiratete und eine Familie gründete. Er spricht die Amtssprachen und kennt die Sitten und Bräuche. Seine Frau und seine Kinder leben in Sri Lanka, womit er über ein gewisses sozi- ales Netz in Sri Lanka verfügt. Die familiären Verbind ungen scheinen intakt zu sein, da der Be- schwerdeführer seine Frau und Kinder mittels des Familiennachzugs in die Schweiz nachziehen wollte. An der intakten Beziehung ist auch nicht aufgr und des Umstands zu zweifeln, dass er seine Familie abgesehen von seiner ältesten Tochter, di e sich zurzeit aufgrund des Wegwei- sungsprozesses noch in der Schweiz befindet, seit 2009 ni cht mehr physisch gesehen hat. Im Rahmen einer Gesamtabwägung der involvierten Interessen überwiegt das öffentliche Interesse an der aufenthaltsbeendenden Massnahme das private Inter esse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz. Dass die Rückkehr unbestreitbar mit persönlichen und wirtschaftlichen Nachteilen für den Beschwerdeführer verbunden ist, änder t an der Zumutbarkeit nichts. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Wegweis ung aus der Schweiz erweisen sich demzufolge als verhältnismässig. 9. Der Beschwerdeführer beantragt eventualiter die E rteilung einer neuen Aufenthaltsbe- willigung aufgrund eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles. Der Regierungsrat behan- delt in E. 7 seines Beschlusses diesen Antrag und kommt zum Schluss, dass kein Härtefall vor- liegt, da der Beschwerdeführer durch die Nichtverlänger ung seiner Aufenthaltsbewilligung nicht ungleich härter getroffen wird, als Ausländer in dersel ben Lage. Die Ausführungen des Regie- rungsrats sind nicht zu beanstanden, weshalb er einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall demnach ohne Rechtsverletzung verneinen durfte. 10. Damit erweisen sich die Nichtverlängerung der Auf enthaltsbewilligung und die Weg- weisung als rechtmässig. 11.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfa hrens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht ko stenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfa hrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- sind entsprechend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerd eführer aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 VPO). 11.2 Der Beschwerdeführer beantragt die unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän- dung. Hierfür müssen die Voraussetzungen von § 22 VPO erfüllt sein. Der Beschwerdeführer muss bedürftig sein und die Beschwerde darf nicht aussi chtslos sein. Der Beschwerdeführer ist aufgrund des mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspfle ge eingereichten Unterlagen zwei- felsohne bedürftig. Zu prüfen bleibt, ob das Verfahre n aussichtslos ist. Als aussichtslos sind Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewin naussichten und Verlustgefahren un- gefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringe r sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verf ügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu ei- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht nem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen). In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen erweist sich die Beschwerde an das Kantonsgericht als aussichtslos. Das Gesuch um Bewilligung der unent- geltlichen Rechtspflege ist daher abzuweisen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Pr ozessfüh- rung und Verbeiständung wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 19. September 2022 Beschwerde beim Bundesge- richt (2C_766/2022) erhoben.