Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Juni 2014 (715 13 337 / 137) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosig- keit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV darf nur verfügt werden, wenn das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32 , 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1977 geborene A.____ arbeitete ab 15. Mai 20 12 als Projektleiter bei der B.____ AG. Am 29. April 2013 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist per 31. Mai 2013. Am 8. Mai 2013 meldete sich A.____ zur Arbeitsvermittlung an und am 27. Mai 2013 ersuchte er die Öffentliche Arbeitslosenkasse Ba- selland (Arbeitslosenkasse) um Ausrichtung von Tagg eldern der Arbeitslosenversicherung (ALV) ab 1. Juni 2013. Mit Verfügung vom 1. Juli 20 13 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Juni 2013 für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. Eine von A.____ gegen diese Verfügung erhobene Einsprache hiess die Arbeitslosenkasse mit Einspracheentscheid vom 21. Oktober 2013 teilweise gut und zwar dahingehend, dass sie die angefochtene Verfügung „ in der Sache bestätigte“, die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung jedoch neu auf 26 Tage festsetzte. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 19 . November 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), in welcher er sinn- gemäss die Aufhebung der verfügten Einstelltage beantragte. C. Die Arbeitslosenkasse beantragte in ihrer Vernehmla ssung vom 4. Februar 2014 die Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Vorliegend erfüllt der Beschwerdeführer seine Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel -Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die V erfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kanton sgericht als Versicherungsgericht Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - B eschwerde des Versicherten vom 19. No- vember 2013 ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu ei nem Streitwert von 10'000 Franken durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall beläuft sich der Streitwert bei einer Einstellungs- dauer von 26 Tagen und unter Berücksichtigung des Taggel dansatzes des Versicherten von Fr. 295.25 auf Fr. 7‘676.50; die Beurteilung der Beschwerde vom 19. November 2013 fällt dem- nach in die Kompetenz der präsidierenden Person der Ab teilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. 2. Strittig ist, ob die Arbeitslosenkasse den Beschwerdefü hrer wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 26 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einst ellung in der Anspruchsberechti- gung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung ha t die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Perso n hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, Basel 2007, Rz. 822 ff.). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vo r, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeit svertraglicher Pflichten, der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (A rt. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Nach der Rechtsprechung liegt ein Selbstverschulden im Sinne dieser Bestimmung vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht auf obj ektive Faktoren zurückzuführen ist, sondern auf einem nach den persönlichen Umständen und Verhältn issen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person beruht, für das die Versicherung die Haftung nicht übernimmt (Urteil M. des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2012, E. 4.1 mi t Hinweis). Die versicherte Person muss zudem gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 16 8 der Internationalen Arbeitsor- ganisation (IAO) über Beschäftigungsschutz und Schutz geg en Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 vorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen haben (vg l. BGE 124 V 236 E. 3 a und b). Diese Bestimmung ist auch im Bereich von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV anwendbar, wobei eventu- alvorsätzliches Verhalten genügt. Ein solches ist anzunehmen, wenn die betroffene Person vor- hersehen kann oder vorhersehen muss, dass sie durch ihr Ver halten womöglich eine Kündi- gung durch den Arbeitgeber bewirkt (Urteil M. des Bund esgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2012, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. au ch Urteil F. des Bundesgerichts vom 19. November 2007, 8C_466/2007 E. 3.1). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, sondern er wird ergänzt durch die Mitwirkungspf lichten der Parteien sowie durch die im Anspruch auf rechtliches Gehör mitenthaltenen Parte irechte auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER /B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentsch ädigung, 3. Auflage, Zürich 2008, S. 146). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverh alts genügt den Beweisanforderun- gen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würd igt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV, denn praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rah- men dieser Bestimmung zur Last gelegte Verhalten in be weismässiger Hinsicht klar feststehen (Urteil F. des Bundesgerichts vom 19. November 2007, 8C_466/2007 E. 3.1), ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (BGE 112 V 245 E. 1; Urteile K. des Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts [EVG: heute: Bundesgericht, sozialrechtli che Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1, und M. vom 17. Oktober 2000, C 53/00, E. 3a). 4.3 Nach Art. 81 Abs. 1 lit. a und b AVIG obliegt es der Arbeitslosenkasse, die Anspruchs- berechtigung der versicherten Person zu prüfen und sie in den Fällen von Art. 30 Abs. 1 AVIG in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Im Rahmen di eser Pflichten hat die Kasse nament- lich abzuklären, welche Gründe zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses zwischen der versicher- ten Person und ihrem (ehemaligen) Arbeitgeber geführ t haben. Dabei ist sie für die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts regelmässig auf die Aussa gen des ehemaligen Arbeitge- bers angewiesen. Dieser wird im Formular “Arbeitgeberb escheinigung“ auf seine Pflicht zu wahrheitsgetreuer Auskunft (Art. 28 ATSG) und bei zusät zlichen Erkundigungen der Kasse re- gelmässig auch auf allfällige strafrechtliche Konsequenzen der Verletzung der genannten Pflicht (vgl. Art. 105 und 106 AVIG) aufmerksam gemacht; zude m ist zu berücksichtigen, dass er vom Ausgang des Verfahrens nicht betroffen wird, und es da rf in der Regel davon ausgegangen werden, dass er seine Sachverhaltsdarstellungen abgibt, o hne die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Trotz der erhebl ichen Bedeutung, welche den Aussa- gen des Arbeitgebers zu den Umständen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses zukommt, darf aber nicht einzig auf diese abgestellt werden, wenn die Aussagen bestritten und durch keine weiteren Indizien gestützt werden (Arbeitsrecht und Arbe itslosenversicherung [ARV] 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; BGE 112 V 245 E. 1, je mit Hinweisen). 5.1 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zur Kündig ung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV - mithin die Einstellung in der Anspruchsberechtigung - zu tragen hat. 5.2. Wie den Akten entnommen werden kann, erteilte di e Arbeitgeberin dem Versicherten am 18. Februar 2013 eine schriftliche Verwarnung wegen massiver Kostenüberschreitungen bei einigen Projekten. Sie wies ihn darauf hin, dass man ke ine negativen Projektabschlüsse mehr akzeptiere, wenn diese bei der Vorkalkulation ein positi ves Ergebnis gezeigt hätten. Man weise den Versicherten insbesondere an, die Projektausführung seriös vorzunehmen, für ständige Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kontrollen von Montagequalität und -zeit besorgt zu sei n, die Materiallieferungen und deren sorgfältige, termingerechte Planung zu kontrollieren, eine ständige Kostenkontrolle vorzuneh- men sowie Nachträge und Regiearbeiten umgehend durch führen und bestätigen zu lassen. Sollte bis Mitte Jahr keine sichtbare Besserung eintrete n, sehe man sich gezwungen, das Ar- beitsverhältnis aufzulösen. Am 29. April 2013 sprach die Arbeitgeberin gegenüber dem Versi- cherten die Kündigung des Arbeitsverhältnisses aus, wobei sie im Kündigungsschreiben vom genannten Tag ohne zusätzliche Ausführungen auf die de m Versicherten „dargelegten Gründe“ verwies. Die Arbeitslosenkasse ersuchte deshalb die Arbeitg eberin, näher zu erläutern, welche Gründe zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses geführt hätt en. In ihrem Antwortschreiben vom 10. Juni 2013 verwies die Arbeitgeberin auf die oben e rwähnte schriftliche Verwarnung vom 18. Februar 2013 und führte aus, in deren Folge sei ke ine Besserung eingetreten, sodass man sich gezwungen gesehen habe, das Arbeitsverhältnis aufzulösen . Im Rahmen des Einsprache- verfahrens holte die Arbeitslosenkasse bei der Arbeitgeberin eine zusätzliche Stellungnahme zu den Gründen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses ein. M it Schreiben vom 28. August 2013 führte die Arbeitgeberin dazu aus, in der Zeit zwische n Verwarnung und Kündigung seien auf neuen Projekten keine massiven Kostenüberschreitungen vorgefallen. Bei den betroffenen Pro- jekten mit massiven Kostenüberschreitungen seien jedoch au ch keine Massnahmen ergriffen worden, um die Kostenüberschreitungen einzudämmen, d.h . um diese mit exaktem Ausmass, Nachträgen und Regiearbeiten zu vermindern. Die Kündigung sei nicht gleich nach der Feststel- lung der Kostenüberschreitungen ausgesprochen worden, da dem Mitarbeiter eine Chance zur Verbesserung eingeräumt worden sei. Zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses habe schliess- lich aber auch die Tatsache geführt, dass eine weitere Z usammenarbeit „aufgrund getrübten Vertrauens schlecht möglich gewesen sei.“ 5.3 Der Beschwerdeführer beschränkte sich am 11. Juni 2013 im Fragebogen “Rechtliches Gehör“ in seiner Stellungnahme zu den Gründen der Kündigung durch die Arbeitgeberin auf die Erklärung „ja, es hat Kostenüberschreitungen gegeben, de ren Ursachen in meiner Verantwor- tung lagen.“ In seiner Einsprache vom 2. Juli 2013 gegen die Einstellungsverfügung vom 1. Juli 2013 führte er sodann aus, er bestreite nicht, dass es die Kostüberschreitungen, auf die sich die Verwarnung bezogen habe, gegeben habe. Zu keinem der betroffenen Projekte habe aber eine seriöse Vorkalkulation existiert. Zudem habe die Geschäftsl eitung aufgrund eines umsatz- schwachen ersten Quartals 2012 sowie durchwachsener Quartal e 2 und 3 die Anweisung er- teilt, dass im letzten Quartal 2012 fast die Hälfte de s Jahresumsatzes erwirtschaftet werden müsse, damit das gesteckte Jahresumsatzziel noch erreicht w erden könne. Dies habe zur Fol- ge gehabt, dass in diesem Quartal alle Beteiligten b is an ihre Grenzen - bzw. darüber hinaus - gegangen seien. Er sei in dieser Zeit für bis zu 23 Pr ojekte gleichzeitig verantwortlich gewesen. Während dieser Periode seien auf allen Ebenen der Firma Fehler passiert; Fehler, die sich nicht sofort gezeigt hätten, die aber immer negative Auswirkun gen auf das Projektergebnis gehabt hätten. Am 10. September 2013 machte der Beschwerdefüh rer überdies von der Möglichkeit Gebrauch, zu der von der Arbeitslosenkasse bei der Arbeit geberin eingeholten amtlichen Er- kundigung Stellung zu nehmen. Dabei bestritt er den Vorwurf der Arbeitgeberin, dass er keine Massnahmen gegen die Kostenüberschreitungen ergriffen ha be. Regiearbeiten und Nachträge habe es bei den betroffenen Projekten im Rahmen des Möglichen gegeben. Er lehne denn auch „die alleinige Verantwortung in Form eines Selbstverschu ldens für die Kostenüberschreitungen“ Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach wie vor ab. Zudem weise er darauf hin, dass es na ch der Verwarnung zu keinen weiteren Kostenüberschreitungen und somit zu einer messbaren Ver besserung seiner Arbeit gekommen sei. Was schliesslich das von der Arbeitgeberin erwähnte „getrübte Vertrauen“ betreffe, sei er der Auffassung, dass dieses „nicht zuletzt auch auf die schl echte, einseitige Kommunikations- politik“ der Arbeitgeberin zurückzuführen gewesen sei. 5.4 Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 21. Oktober 2013 gelangte die Arbeitslo- senkasse in Würdigung der vorstehend erwähnten Verfahren sakten zum Ergebnis, dass der Versicherte die durch die Arbeitgeberin ausgesprochene Kü ndigung und somit seine Arbeitslo- sigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV selbst- verschuldet habe. Der Versicherte hingegen erachtet diese Beurteilung der Arbeitslosenkasse in seiner Beschwerde - und in den vorausgegangenen schr iftlichen Stellungnahmen - als unzu- treffend. Er anerkennt zwar durchaus, dass es bei Proj ekten, für die er verantwortlich war, zu Kostenüberschreitungen gekommen ist. Ebenso bestreitet er nicht, dass (auch) ihm im Rahmen seiner Tätigkeit für die ehemalige Arbeitgeberin Fehl er unterlaufen sind. Er weist in diesem Zu- sammenhang aber explizit darauf hin, dass im vierten Qua rtal 2012 aufgrund eines massiven, auf kurzfristig erhöhte Umsatzvorgaben der Arbeitgebe rin zurückzuführenden Leistungsdrucks auf allen Ebenen der Firma Fehler passiert seien; Fe hler, die sich nicht sofort gezeigt hätten, die aber immer negative Auswirkungen auf das Projekterg ebnis gehabt hätten. Zudem gibt er zu bedenken, dass bei verschiedenen älteren Projekten, di e er habe übernehmen müssen, kei- ne seriösen Vorkalkulationen vorgelegen hätten. Berei ts in Anbetracht dieser Einwände des Versicherten, die durchaus plausibel erscheinen, erweist e s sich aber als fraglich, ob die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Versäumnisse tatsächlich auf einem nach seinen persönli- chen Umständen und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten beruhten oder ob diese nicht viel- mehr auf betriebliche Umstände, für die weitgehend d ie Arbeitgeberin einzustehen hatte, zu- rückzuführen waren. Von Bedeutung ist im Weiteren, dass e s seitens des Beschwerdeführers nach Erhalt der im Februar 2013 ausgesprochenen Ver warnung bei neuen Projekten offenbar zu keinen Kostenüberschreitungen mehr gekommen ist. Di es wird denn auch von der Arbeitge- berin in ihrer Stellungnahme vom 28. August 2013 ausdr ücklich bestätigt. Daraus darf aber ge- schlossen werden, dass die Leistungen des Versicherten nach Erhalt der Verwarnung besser geworden sind. Auch diese Entwicklung spricht deutlich ge gen die Annahme einer selbstver- schuldeten, vom Beschwerdeführer zumindest eventualvorsätzli ch in Kauf genommenen Ar- beitslosigkeit. Soweit sich die Arbeitslosenkasse sodann a uf die Aussage der Arbeitgeberin be- ruft, der Versicherte habe bei den betroffenen Projekt en mit massiven Kostenüberschreitungen keine Massnahmen ergriffen, um diese einzudämmen, muss ihr entgegenhalten werden, dass der Beschwerdeführer diese Darstellung der Arbeitgebe rin in seiner Stellungnahme vom 10. September 2013 explizit bestritten und dazu ausge führt hat, es habe bei den betroffenen Projekten Regiearbeiten und Nachträge im Rahmen des Mö glichen gegeben. In einer solchen Konstellation geht es aber nicht an, unbesehen auf die Darstellung der Arbeitgeberin abzustel- len, zumal diese - was das Verhalten des Versicherten nac h Erhalt der Verwarnung betrifft - durch keinerlei weiteren Indizien erhärtet wird. Nichts relevantes zu Lasten des Beschwerdefüh- rers ableiten lässt sich schliesslich aus dem Hinweis der Arbe itgeberin in deren Stellungnahme vom 28. August 2013, wonach zur Kündigung des Arbeitsver hältnisses „auch“ die Tatsache geführt habe, dass eine weitere Zusammenarbeit „aufgrund getrübten Vertrauens schlecht mög- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich gewesen sei.“ Soweit in dieser Aussage ein konkreter Vorwurf an den Versicherten enthal- ten sein sollte, ist dieser derart vage abgefasst, dass er i m vorliegenden Zusammenhang kla- rerwiese nicht weiter verwertbar ist. 5.5 Aus dem Gesagten folgt, dass der Auffassung der Arb eitslosenkasse, wonach der Ver- sicherte die durch die Arbeitgeberin ausgesprochene Kündi gung und somit seine Arbeitslosig- keit selbstverschuldet habe, in Würdigung der vorhanden en Aktenlage nicht beigepflichtet wer- den kann. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.2 hiervor und die dortigen Hinweise), darf eine Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldete r Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV nur verfügt werden, wenn das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht. Diese Voraussetzung ist nach dem Gesagten nicht gegeben. 6. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass vorlie gend nicht von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit des Versicherten im Sinn e von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV ausgegange n werden kann. In Gutheissung der Be- schwerde des Versicherten ist demnach der angefochtene Ei nspracheentscheid der Arbeitslo- senkasse vom 21. Oktober 2013 ersatzlos aufzuheben. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten wiederum können wettgeschlagen werden, da der ob- siegende Beschwerdeführer nicht vertreten ist und ihm d emnach keine Vertretungskosten ent- standen sind (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einspracheent- scheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 21. Oktober 2013 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht