B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-349/2018 U r t e i l v o m 11 . F e b r u a r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Constance Leisinger, Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 8. Dezember 2017 / N (…). E-349/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ (bei Vavuniya/Nordprovinz) – verliess seine Heimat gemäss eigenen Angaben am (…) 2015 auf dem Luftweg. Dabei habe er einen sri -lankischen Reisepass lautend auf den Namen (…) benutzt. Von der Türkei aus sei er auf dem Landweg am 16. Dezember 2015 in die Schweiz gelangt, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 10. Februar 2016 wurde er dem Kanton (…) zugewiesen. B. B.a Am 22. Dezember 2015 fand eine summarische Befragung zur Person (BzP) statt und am 26. Juni 2017 wurde er eingehend zu seinen Asylgrün- den angehört. Dabei informierte er, er sei bei C._______ (Nordprovinz) auf- gewachsen und habe eine (…) Fachhochschule (…) abgeschlossen. Im Februar 2007 habe er seine Ehefrau in B._______ geheiratet, mit welcher er zwei Kinder habe; sie würden sich weiterhin in Sri Lanka aufhalten. Seit dem Jahr 2004 bis etwa (…) 2007 habe er bei C._______ gegen Ent- gelt für die (…)abteilung der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) im Bereich (…) gearbeitet und (…) (A20 F36 ff., 56, 170 und 204). Er sei je- doch nie deren Mitglied gewesen (A20 F2 8). Neben dem Leiter namens D._______ hätten in dieser Abteilung weitere Personen gearbeitet, darun- ter auch sein Freund E._______ (A20 F43 f.). Mit D._______ sei er aus- serdem regelmässig mit einem Auto unterwegs gewesen und habe sich bei den jeweiligen Checkpoints (so auch in F._______ bei Vavuniya) auf einer Liste für Zivilisten registrieren lassen (A20 F28 und 64 ff.). Nachdem er im Februar 2007 geheiratet habe, habe er diese Tätigkeit bei den LTTE been- det, sei nach (…) zu seiner Ehefrau umgezogen und habe die Leitung einer (…)firma übernommen (A20 F53 f.). Im (…) 2007 sei er zweimal von Beamten des CID (Criminal Investigation Department) auf der Strasse ange halten worden. Man habe ihn verdäch- tigt, dass über die (…)firma Geld der LTTE fliesse und dass er für diese Organisation spioniere. Beim ersten Mal sei er bei einem Telekommunika- tionsbüro in der Nähe des (…) Camps (bei Vavuniya) befragt worden. Beim zweiten Mal hätten sie ihn für zwei Tage ins Camp mitgenommen und dort befragt (A20 F19 ff. und S. 29). Dabei sei er von einem Beamten, der früher beim Checkpoint in F._______ gearbeitet habe, als Mitarbeiter respektive Mitglied der LTTE erkannt worden (A20 F28). Nach diesen zwei Tagen sei E-349/2018 Seite 3 er aufgrund des Einflusses seiner Schwiegermutter, welche für eine Nicht- regierungsorganisation (NGO) namens «(...)» gearbeitet habe, freigekom- men (A20 F32). Der Beschwerdeführer habe diesen Zwischenfall der «Hu- man Rights Commission» in Vavuniya gemeldet (A20 F15 ff.). Nach der Entlassung aus dem (…) Camp sei er ohne seine Familie nach C._______ zurückgekehrt und habe dort für ein Bauunternehmen gearbei- tet (A20 F55 und 85 f.). Seinen Freund E._______ habe er in dieser Zeit oft im Büro der (…)abteilung der LTTE besucht (A20 F55 und 57 ff.). Als sich gegen Kriegsende im (…) 2009 die Bevölkerung der sri -lankischen Armee ergeben habe, sei er in F._______ von einem ehemaligen LTTE- Mitglied als deren Angehöriger identifiziert und an einen unbekannten Ort, vermutlich das (…) Camp bei Vavuniya (A20 F110), gebracht worden (A20 F80 ff.). Während neun Tagen sei er über seine Tätigkeit für die LTTE und ihre Vermögensbewegungen befragt und gefoltert worden (A20 F87 ff.). Ausserdem hätten die Beamten gewusst, dass einer seiner älteren Brüder bei den LTTE als Märtyrer gestorben sei (A20 F104). Offenbar sei er in dieser Zeit von G._______, einem Mitglied der EPDP (Eelam People’s De- mocratic Party) und Bekannten der Schwiegermutter, in den Gängen des Camps erkannt worden. Nachdem die Schwiegermutter vom Aufenthaltsort des Beschwerdeführers erfahren habe, habe sie G._______ bezahlt ihn freizubekommen (A20 F112 ff. und 131 ff.). Um sich zu erholen, habe er sich die folgenden sechs Monate nur im Haus seiner Schwiegermutter auf- gehalten (A20 F125). Ab (…) 2010 (bis […] 2012) habe er für eine NGO «(…)» gearbeitet (A20 F78 f. und 126 ff.). Im (…) 2010 seien Beamte des CID zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn festgenommen. Ihm sei eine Mitgliedschaft bei den LTTE sowie der Umstand, dass er sich nie den Behörden ergeben und kein Rehabilitationsprogramm durchlaufen habe, vorgeworfen worden (A20 F133 ff.). Einen Tag später sei er nach Colombo in den «forth floor» überführt worden, wo er wiederum wäh rend drei Tagen befragt und ge- schlagen worden sei; ausserdem hätten sie ihn daktyloskopiert und foto- grafiert (A20 F136 ff.). Dank seiner Schwiegermutter, welche mit einem Po- lizisten in Colombo Kontakt aufgenommen habe, sei er freigekommen (A20 F138, 144 ff.). Ende 2011 oder im Jahr 2012 habe er sich für zehn Tage geschäftlich an einem Workshop in Indien aufgehalten. Für diese Reise habe er seinen eigenen Reisepass, mit einem von seinem (damaligen) Arbeitgeber orga- nisierten Visum, benutzt (A7 S. 5). E-349/2018 Seite 4 Ab dem Jahr 2012 bis zum (…) 2015 habe er als (…) für (…) der Vereinten Nationen [Anmerkung des Gerichts]) in (…) (Nordprovinz) gearbeitet (A20 F69 ff.). Auch nach dem Zwischenfall im «forth floor» im (…) 2010 sei er weiterhin vom CID beobachtet sowie festgenommen, über zwei Personen namens H._______ und I._______ befragt und wieder freigelassen worden (A20 F167, 169 und 195 ff.). Ausserdem sei er bedroht worden, weil er als Zeuge bei einer möglichen Untersuchung der Kredgsverbrechen durch die UNO hätte aussagen können (A20 F171). Sowohl im Jahr 2014 (A20 F192, 195) als auch im Jahr 2015 (A20 F182 f.) sei er je einmal zum Verhör ab- geholt und in ein Camp gebracht worden. Ferner hätten Beamte des CID das Haus, in w elchem er mit seiner Familie gewohnt habe, im Jahr 2015 (A20 F172, 176 und 179) mehrmals durchsucht und ihn auch zu Hause befragt; dies auch, weil seine Ehefrau mit einer LTTE -Aktivistin namens J._______ Kontakt gehabt hab . (A20 F167 f., 173, 177 ff. ). Irgendwann habe er gewusst, dass er nicht mehr in diesem Land bleiben könne (A7 S. 8); im (…) 2015 sei er schliesslich ausgereist. B.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im Juli 2017 folgende Unterlagen ein (A21): Kopien mehrerer «Individual Contrac- tor Agreements» aus den Jahren 2012, 2013 und 2015 zwischen (…) (Büro […] der Vereinten Nationen [Anmerkung des Gerichts]) und dem Be- schwerdeführer, eine Karte der «Human Rights Commission of Sri Lanka» aus dem Jahr 2007 (im Original) sowie die Originale von zwei Schreiben «To whom it may concern» der «(…)» vom 20. Juli 2012 und von (…) vom 4. Juni 2015. C. Mit Verfügung vom 8. Dezember 2017 lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz so- wie den Vollzug der Wegweisung an. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die Inhaftierungen (…) 2010 im Zeitpunkt der Ausreise im (…) 2015 rund fünf Jahre zurückgelegen hätten. Der Beschwerdeführer sei immer wieder – ohne jemals einem Rehabilita- tionsprogramm zugewiesen zu werden – entlassen worden, weshalb da- von auszugehen sei, dass die sri -lankischen Behörden nicht von einer LTTE-Mitgliedschaft ausgegangen seien. Auch wenn er unter Umständen schlimme Erfahrungen gemacht habe, sei darauf hinzuweisen, dass eine Asylgewährung keine Wiedergutmachung für früher erlittenes Unrecht sei. Zudem sei er in den Jahren 2011 oder 2012 nach Indien gereist und wieder freiwillig nach Sri Lanka zurückgekehrt, woraus zu schliessen sei, dass er E-349/2018 Seite 5 nach seiner Freilassung im (…) 2010 keine asylrelevante Verfolgung mehr befürchtet habe. Überdies seien Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Schilderungen im Zu- sammenhang mit den geltend gemachten Inhaftierungen zwischen 2007 und 2010 anzubringen: So seien die vorgebrachten Folterungen im (…) 2009 nicht konsistent genug umschrieben worden. Ferner habe er sich be- züglich der Umstände seiner Freilassung unterschiedlich geäussert. So sei er gemäss der Aussage in der BzP im Jahr 2010 durch das gleiche Mitglied der EPDP freigekommen, welches ihm auch schon im (…) 2009 nach der neuntägigen Inhaftierung geholfen habe. An der Anhörung habe er indes umschrieben, dass ein Polizist, welcher von seiner Schwiegermutter kon- taktiert worden sei, seine Freilassung aus dem «forth floor» in Colombo (2010) veranlasst habe. Ausserdem habe er an der BzP die mehrtätige In- haftierung in Colombo nicht erwähnt, was angesichts des Umstandes, dass es sich hierbei um ein einschneidendes Vorkommnis handle, nicht plausi- bel sei. Der Beschwerdeführer machte sodann geltend, aufgrund von Kontakten zu H._______ und I._______ sowie des Verdachts, die LTTE wieder zum Le- ben erwecken zu wollen, sei er im (…) 2014 und im Spätsommer 2015 wiederholt zuhause oder in einem Camp befragt worden. Diese Benachtei- ligungen seien einerseits nicht intensi v genug, anderseits fehle es an ei- nem asylrelevanten Motiv. Überdies liege keine asylrelevante Verfolgung vor, wenn staatliche Massnahmen wie vorliegend rechtsstaatlich legitimen Zwecken dienen würden. Abgesehen davon seien die Schilderungen des Beschwerdeführers auch bezüglich dieser Vorbringen nicht überzeugend. So habe er die Aussage in der BzP , das CID habe von ihm verlangt, als Spitzel tätig zu sein, an der Anhörung mit keinem Wort erwähnt. Die Erklä- rung, er habe dies vergessen, überzeuge nicht. Zudem scheine das Vor- gehen des CID, ihn mehrmals festzunehmen und stundenlang zu befragen, nicht nachvollziehbar. Es wäre vielmehr zu erwarten gewesen, dass gegen ihn umfassende Untersuchungsmassnahmen eingeleitet worden wären. Schliesslich würden die eingereichten Beweismittel lediglich seine ver- schiedenen Tätigkeiten, jedoch keine asylrelevante Verfolgung belegen. Zusammenfassend habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft darlegen können, vor seiner Ausreise im (…) 2015 asylrelevanten Verfolgungsmass- nahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Ferner seien im Zeitpunkt der Aus-E-349/2018 Seite 6 reise keine bestehenden Risikofaktoren festzustellen. Aufgrund der Akten- lage sei ausserdem nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten würde. D. Mit Eingabe vom 15. Januar 2018 erhob der Beschwerdeführer durch sei- nen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht u nd stellte nachfolgende Anträge: Das Bundesverwaltungsgericht habe nach dem Eingang der Beschwerde unverzüglich darzulegen, welche Gerichts- personen mit der Behandlung der vorliegenden Sache betraut würden. Gleichzeitig habe das Gericht zu bestätigen, dass diese Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien. Das SEM sei anzuweisen, sämtliche nicht-öffentlich zugänglichen Quellen seines Lagebildes vom 16. August 2016 zu Sri Lanka offenzulegen , und es sei eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen. Es sei festzustellen, da ss die Verfü- gung des SEM vom 8. Dezember 2017 aufgrund einer Verletzung des An- spruchs auf gleiche und gerechte Behandlung nichtig respektive ungültig sei; das SEM sei anzuweisen, das Asylverfahren des Beschwerdeführers weiterzuführen. Sodann sei die Verfügung wegen Verletzung des Willkür- verbots, eventualiter wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs, eventuali- ter wegen Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene Ver- fügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter seien die Ziffern 4 und 5 der ange- fochtenen Verfügung aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. Auf die Be- gründung dieser Rechtsmitteleingabe wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. Unter dem Titel «Beweisanträge» (vgl. Beschwerde Ziff. 7) wurde zudem beantragt, der Beschwerdeführer sei in einer gleichgeschlechtlichen Runde erneut zu seinen Asylgründen durch das Bundesverwaltungsgericht anzuhören. Ferner sei eine angemessene Frist zur Einreichung eines aus- führlichen medizinischen Berichts sowie von Material seine Schwiegermut- ter respektive seinen verstorbenen Bruder betreffend anzusetzen. Zur Stützung seiner Vorbringen legte der Rechtsvertreter der Rechtsmitte- leingabe unter anderem eine Stellungnahme vom 18. Oktober 2016 zum E-349/2018 Seite 7 Lagebild des SEM vom 16. August 2016 (verfasst durch sein Ad vokatur- büro), ein Rechtsgutachten von Prof. Dr. Walter Kälin zuhanden des SEM vom 23. Februar 2014 und eine vom Rechtsvertreter besorgte Zusammen- stellung von Länderinformationen zur aktuellen Lage von Sri Lanka (Stand 12. Oktober 2017, inkl. Anhang) bei. E. Mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2018 teilte das B undesverwal- tungsgericht die Zusammensetzung des damaligen Spruchgremiums mit (welches später änderte, vgl. Bst. L), wies den Antrag, sämtliche nicht-öf- fentlich zugänglichen Quellen des SEM-Lagebildes vom 16. August 2016 zu Sri Lanka seien offenzulegen und danach sei eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen, ab und forderte den Beschwerde- führer auf, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu leisten. Ferner wurde festgestellt, dass die Frage der Zufälligkeit der Auswahl des Spruchgremiums die (automatisierte) Geschäftsverteilung und Verfahren- sabwicklung am Bundesverwaltungsgericht beschlage und diesbezüglich auf die betreffenden Bestimmungen des Geschäftsreglements vom 17. Ap- ril 2008 für das Bundesverwaltungsgericht (VGR; SR 173.320.1) verwiesen werden könne, womit dem Antrag um entsprechende Dokumentierung Ge- nüge getan sei. F. Der Kostenvorschuss wurde am 2. Februar 2018 fristgerecht einbezahlt. G. Mit Eingabe vom 2. Februar 2018 wies der Rechtsvertreter darauf hin, dass der Antrag auf Bestätigung, dass der Spruchkörper zufällig ausgewählt sei, nicht rechtsgenüglich beantwortet worden sei. Des Weiteren wurde das Gericht aufgerufen, seinen gesetzlich verankerten Pflichten nachzukom- men und die bisher nicht-öffentlich gemachten Quellen des Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 offenzulegen. H. Im Rahmen seiner ersten Vernehmlassung vom 6. März 2018 hielt das SEM bezüglich der Rüge der Verletzung des Anspruchs auf gleiche und gerechte Behandlung fest, dass der Name der Chefin Asylverfahren ( mit dem Kürzel «Wrs») aus dem Staatskalender ersichtlich sei und es sich beim Kürzel «Mae» um eine Fachreferentin mit Namen (…) handle. Aus- serdem wies das SEM darauf hin, dass der Beschwerdeführer bezüglich einer Anhörung durch ein gleichgeschlechtliches Befra gungsteam diese E-349/2018 Seite 8 auf Nachfrage hin explizit abgelehnt habe (A20 F91). Ferner habe er im vorinstanzlichen Verfahren bis zum Ergehen der angefochtenen Verfügung keine gesundheitlichen Probleme geltend gemacht und in der BzP auf Nachfrage gesagt, er sei gesund (A7 S. 9); im Rahmen seiner Mitwirkungs- pflicht hätte er jedoch jederzeit ein Arztzeugnis einreichen können. Hin- sichtlich des Vorbringens, sein Bruder sei als Kämpfer der LTTE gestorben und dies sei als Risikofaktor nicht beachtet worden, sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer nie geltend gemacht habe, aufgrund des Bruders ein Problem mit den sri-lankischen Behörden gehabt zu haben. I. Mit Replik vom 23. März 2018 hielt der Rechtsvertreter an der Nichtigkeit der Verfügung aufgrund einer Verletzung des A nspruchs auf gleiche und gerechte Behandlung fest, weil die Namen aller daran beteiligten Personen im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung hätten bekannt gegeben werden sollen (und nicht erst später), weshalb dieser formelle Fehler nicht geheilt werden kön ne. Ferner h abe beim Vorbringen einer geschlechtsspezifi- schen Gewalt die gesuchstellende Person nicht nur ein en Anspruch auf eine gleichgeschlechtliche Anhörung, sondern es sei die Pflicht der befra- genden Person, eine solche Anhörung durchzuführen. Bezüglich des Ge- sundheitszustandes des Beschwerdeführers entbehre es jeder Logik, nach der Schilderung der Vorbringen an der Anhörung keine diesbezüglich me- dizinische Abklärung einzuleiten. Mittlerweile sei der Beschwerdeführer zur Behandlung angemeldet (es wurde die Zuweisungsbestätigung des Ambu- latoriums für Folter- und Kriegsopfer (…) vom 2. Februar 2018 eingereicht [Beilage 51]). Im Übrigen sei nochmals darauf hinzuweisen, dass die be- fragende Person an der Anhörung mit keinem Wort auf die Aussage des Beschwerdeführers, sein Bruder habe einen Märtyrertod erlitten, eingegan- gen sei, weswegen nochmals um eine Fristansetzung ersucht werde, um entsprechendes Material einreichen zu können. Schliesslich wurden aktu- elle politische Entwicklungen in Sri Lanka dargelegt und auf die Ausführun- gen des Urteils des EGMR (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) X. vs. Schweiz vom 26. Januar 2017 (Nr. 16744/14) sowie auf die anony- misierte Vernehmlassung des SEM vom 8. November 2017 des Verfahrens D-4794/2017 (vgl. Beilage 56) hingewiesen. J. Mit Eingabe vom 28. August 2018 wurde unter anderem ein Bericht des Erstgespräches des Ambulatoriums für Folter - und Kriegsopfer (…) vom 21. August 2018 (vgl. Beilage 57) zu den Akten gereicht. Darin wurde beim E-349/2018 Seite 9 Beschwerdeführer eine Posttraumatische Belastungsstörung und eine mit- telgrade depressive Episode diagnostiziert. Zudem wurde eine vom Rechtsvertreter besorgte weitere Zusammenstellung von Länderinformati- onen zu Sri Lanka (inklusive Anhang; Stand 15. August 2018) eingereicht. K. Mit Eingabe vom 6. April 2020 wurde ein Update (Stand 26. Februar 2020) zur Ländersituation in Sri Lanka dargelegt und ein vom Rechtsvertreter ver- fasster Bericht zur aktuellen Lage dieses Landes (Stand 23. Januar 2020, inkl. Anhang) zu den Akten ge reicht (vgl. Beilage 61). Ausgeführt wurde, die Verschlechterung der Situation erfordere zwingend eine vollständige materielle Neuprüfung der Sache. Fallbezogen sei im gegenwärtigen Kon- text aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer tamilischer Ethnie sei, sich schon aussergewöhnlich lange im Ausland aufhalte , aus der Schweiz, einem Diasporazentrum der LTTE, nach Sri Lanka zurückkehren würde und unbestritten über viele Jahre für die LTTE tätig gewesen sei, von einer Gefährdung seines Lebens auszugehen. L. Mit Verfügung vom 28. August 2020 wurde dem Beschwerdeführer die ge- änderte Zusammensetzung des Spruchgremiums mitgeteilt und die Vor - instanz zu einer weiteren Vernehmlassung eingeladen. M. Im Rahmen seiner zweiten Vernehmlassung vom 29. September 2020 hielt das SEM be züglich des eingereichten ärztlichen Berichts fest, dass die Posttraumatische Belastungsstörung auch in Sri Lanka behandelt werden könne; das SEM verwies diesbezüglich auf das Urteil des BVGer E - 7137/2018 vom 23. Januar 2019 E. 12.3. Hinsichtlich der Sicherheitslage in Sri Lanka sei nicht von einer erhöhten Gefährdung zurückkehrender Ta- milen oder von einer Situation allgemeiner Gewalt gemäss A rt. 83 Abs. 4 AIG auszugehen. N. Mit Eingabe vom 16. Oktober 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Ver- nehmlassung Stellung. Er widersprach der Erwägung des SEM, die medi- zinische Versorgung in Sri Lanka habe grosse Fortschritte gemacht , und reichte diesbezüglich zwei jüngere Botschaftsabklärungen aus anderen Asylverfahren ein (vgl. Kopien von Abklärungen der schweizerischen Bot- schaft in Colombo vom 6. November 2019 und vom 10. Januar 2018 [Bei-E-349/2018 Seite 10 lagen 62 f.]). Weiter hielt er fest, der pauschale Verweis des SEM auf Be- handlungsmöglichkeiten, ohne die konkrete Zugänglichkeit einer Behand- lung darzulegen, verletze die Begründungspflicht; die Lage sei ausserdem aufgrund der Corona-Pandemie zusätzlich erschwert. Erneut beantragte er eine Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung eines aktuellen Arztberichts. Ferner wurden weitere Ausführungen zur Lage in Sri Lanka dargelegt und ein vom Rechtsvertreter verfasster Zusatzbericht (Stand 10. April 2020) be- ziehungsweise ein "Rapport Ländersituation Sri Lanka 11. April – 26. Juni 2020" inklusive Anhang; Beilagen 64 und 65) zu den Akten gereicht. Schliesslich wurde der Sachverhalt ergänzt: Der Freund des Beschwerde- führers E._______, der mit ihm in der (…)abteilung ([…]) der LTTE zusam- mengearbeitet habe (A20 F43), sei im Jahr 2009 aus Sri Lanka geflüchtet und ein Jahr später in Belgien als Flüchtling anerkannt worden. In der Zwi- schenzeit habe er die belgische Staatsangehörigkeit erhalten und wohne heute in der Schweiz . Hierzu reichte der Beschwerdeführer Kopien des Anhörungsprotokolls von E._______ vom 1. Juli 2010 (Beilage 66) und dessen belgischer Asylverfügung vom (…) 2010 (Beilage 67) sowie Kopien des belgischen Reisepasses, der Identitätskarte (Beilagen 68 f.) und der Aufenthaltsbewilligung B (Beilage 70) ein. Im Januar 2020 habe E._______ anlässlich eines Aufenthalts in Sri Lanka die Familie des Beschwerdefüh- rers bei C._______ mehrmals besucht. Dabei sei er auf der Strasse ange- halten und zum Aufenthaltsort des Beschwerdeführers befragt worden. Es sei ihm mitgeteilt worden, die sri -lankischen Behörden würden den Be- schwerdeführer verdächtigen, sich in der Schweiz für den tamilischen Se- paratismus einzusetzen. O. Im Dossier der Vorinstanz befinden sich ausserdem die sri-lankische Iden- titätskarte sowie der Führerausweis (A18) des Beschwerdeführers. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne E-349/2018 Seite 11 von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zuläss igen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. In der Beschwerde wurden diverse formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie – sofern begründet – allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 3.1 Vorab gilt es festzuhalten, dass das aktuelle Spruchgremium dem Be- schwerdeführer am 28. August 2020 bekannt gegeben wurde; diesem wurde in der Eingabe vom 26. Oktober 2020 nichts entgegengehalten. Auf den Antrag, es sei die Zufälligkeit des Spruchgremiums zu bestätigen (vgl. Beschwerde S. 5 f.; Eingabe vom 2. Februar 2018, oben Bst. G), ist – so- weit über die Ausführungen in der Instruktionsverfügung vom 18. Januar 2018 hinausgehend (oben, Bst. E) – praxisgemäss nicht einzutreten (vgl. Teilurteil BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.2 f.). E-349/2018 Seite 12 3.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Willkürverbots und eine unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sach- verhalts. Ausserdem seien der Anspruch auf gleiche und gerechte Behand- lung, die Begründungspflicht sowie das rechtliche Gehör verletzt. Gemäss dem verfassungsmässigen Grundsatz von Art. 29 Abs. 1 BV hat eine Person in einem Verwaltungsverfahren Anspruch auf gleiche und ge- rechte Behandlung und somit auch auf eine rechtmässig zusammenge- setzte, zuständige und unbefangene Behörde. Dieser Anspruch setzt die Bekanntgabe der personellen Zusammensetzung der Behörde voraus, wo- bei eine Bekanntgabe in irgendeiner Form ausreicht, beispielsweise wenn deren Namen dem Betroffenen gar nicht persönlich mitgeteilt werden, diese jedoch einer allgemein zugänglichen Publikation wie etwa in einem amtlichen Blatt, einem Staatskalender oder einem Rechenschafts bericht der Behörde entnommen werden können (vgl. BVGE 2019 VI/6 E. 8.1 m.w.H.). Die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf gleiche und gerechte Behand- lung bezieht sich darauf, dass aus der angefochtenen Verfügung nicht her- vorgehe, welche Personen den Asylentscheid vom 8. Dezember 2017 er- lassen hätten. Diesbezüglich liess sich lediglich ein Name (Kürzel Wrs, Chefin Fachbereich Asylverfahren EVZ) dem Staatskalender entnehmen. Bezüglich des anderen Kürzels (Mae) gab das SEM in seiner Vernehmlas- sung vom 6. März 2018 den Namen und die Funktion der betreffenden Sachbearbeiterin bekannt. Damit wurde der ursprüngliche Mangel beho- ben und kann durch die Möglichkeit des Beschwerdeführers, entsprechend Stellung zu nehmen , als geheilt betrachtet werden, und es war dem Be- schwerdeführer möglich, seinen Anspruch auf richtige Besetzung der Vo- rinstanz und die Wahrung der unparteiischen Beurteilung seiner Sache zu überprüfen. Vor diesem Hintergrund besteht folglich keine Grundlage, den angefochtenen Entscheid für nichtig zu erklären und die Sache an die Vo- rinstanz zurückzuweisen, zumal das Gericht in BVGE 2019 VI/6 E. 8.4 er- wog, die abgehandelten formellen Mängel seien nicht als krass zu bezeich- nen. 3.3 Ferner rügt der Beschwerdeführereine Verletzung des rechtlichen Ge- hörs. 3.3.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass E-349/2018 Seite 13 eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört insbesondere das Rech t der Betroffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 und BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begr ündung muss so ab- gefasst sein, dass der oder die Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegun- gen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 3.3.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, es verletze das rechtliche Gehör, dass die Anhörung erst eineinhalb Jahre nach der BzP durchgeführt worden sei. Trotz dieser längeren Zeitspanne habe das SEM dem Be- schwerdeführer vorgeworfen, die Angaben in den jeweiligen Interviews seien widersprüchlich ausgefallen. Diese Vorgehensweise missachte über- dies die Empfehlungen von Prof. Dr. Walter Kälin in einem Rechtsgutach- ten aus dem Jahr 2014. Ausserdem habe der Beschwerdeführer unter an- derem eine geschlechtsspezifische Gewalt geltend gemacht, weshalb die Anhörung umgehend hätte abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt in einem reinen Männerteam hätte nachgeholt werden müssen, um sicher- zustellen, dass der Beschwerdeführer nicht aus Scham- oder Schuldgefühl relevante Sachverhaltselemente verschweige (Beschwerde S. 16 f.) Dies- bezüglich sei der Vorinstanz auch Willkür vorzuwerfen (Beschwerde S. 15 f.) 3.3.3 Vorliegend ist nicht schlüssig dargelegt, inwiefern dem Beschwerde- führer aus dem Umstand, dass die Anhörung 18 Monate nach der BzP E-349/2018 Seite 14 durchgeführt wurde, konkret ein Nachteil entstanden sein soll. Der Be- schwerdeführer wurde zunächst zu seiner Person befragt (BzP) und an- schliessend eingehend angehört, wodurch er uneingeschränkt seine Vor- bringen darlegen konnte. Ausserdem dürfen Widersprüche gemäss Recht- sprechung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit herangezogen werden, wenn klare Aussagen in der BzP in wesentlichen Punkten der Asylbegrün- dung von den späteren Aussagen in der Anhörung diametral abweichen oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits anlässlich der BzP zu- mindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilun- gen der Schweizerischen Asylr ekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3). Auch wenn es wünschenswert wäre, dass zwischen BzP und Anhörung nur ein relativ kurzer Zeitraum liegt, gibt es keine zwingende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung des SEM, die Anhörung innerhalb ei- nes gewissen Zeitraums nach der BzP durchzuführ en. Bei dem vom Be- schwerdeführer zitierten Rechtsgutachten handelt es sich zudem lediglich um eine Empfehlung von Prof. Dr. Walter Kälin an das SEM, aus welcher der Beschwerdeführer keine Ansprüche ableiten kann. Die Frage, ob Wi- dersprüche in den Aussagen allenfalls mit der Zeitspanne zwischen BzP und Anhörung begründet werden k önnen, ist im Rahmen der materiellen Beurteilung zu erörtern (vgl. statt vieler Urteil BVGer D -2130/2017 vom 14. Oktober 2020 E. 5.4.3). Die Rüge geht somit insgesamt fehl. 3.3.4 Des Weiteren ist festzuhalten, dass sich aus dem Protokoll der BzP keine klaren Hinweise dafür entnehmen lassen, dass der Beschwerdefüh- rer mit einer geschlechtsspezifischen Verfolgung konfrontiert worden wäre; der Beschwerdeführer gab dort lediglich zu Protokoll, er sei misshandelt worden (vgl. A7 S. 8). Er wurde noch am gleichen Tag auf sein Recht hin- gewiesen, bei der Anhörung ausschliesslich in Gegenwart von Männern angehört zu werden, und gefragt, ob er dies möchte; der Beschwerdeführer verneinte das und sagte, es sei ihm egal (vgl. A8). Als er konkret an der Anhörung geschlechtsspezifische Vorbringen geltend machte, wurde er nochmals auf sein Recht gemäss Art. 6 der Asylverord- nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) aufmerksam gemacht, was er wiederum ab lehnte (A20 F91). Damit hat der Beschwerdeführer ausdrücklich s einen Verzicht auf eine gleichgeschlechtliche Anhörungs- runde erklärt. Die Verfahrensgarantien bei Hinweisen auf geschlechtsspe- zifische Verfolgung sind zwar von Amtes wegen und nicht nur auf ausdrück- liches Verlangen hin anzuwenden; die betreffenden Gesuchstellenden kön- nen aber darauf verzichten (vgl. BVGE 2015/42). Das SEM hat somit seine E-349/2018 Seite 15 Pflicht, in der vorgesehenen Weise vorzugehen, sobald entsprechende Hinweise vorliegen, korrekt erfüllt und ist auch nicht willkürlich vorgegan- gen. Die diesbezügliche Rüge ist daher abzuweisen. 3.4 Ferner wird eine Verletzung der Begründungspflicht gerügt. 3.4.1 Aus der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermögli- chen soll, den Entscheid sa chgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Die Begründungs- dichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfah- rensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwie- genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es bei Verfahren betreffend Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 und BVGE 2008/47 E. 3.2). 3.4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, d as SEM habe die Tätigkeit des Beschwerdeführers für die LTTE nicht in Zweifel gezogen, indes habe es behauptet, dass er – entgegen bekannten Informationen – deswegen in Sri Lanka nicht verfolgt werden könne. Damit habe das SEM bewusst be- kannte Informationen ignoriert, sich folglich auch nicht damit auseinander- gesetzt und demnach die Begründungspflicht verletzt (Beschwerde S. 17 f.). Namentlich sei seit dem Erlass des Geric htsurteils des High Court Va- vuniya von Ende Juli 2017 bekannt gewesen, dass der sri-lankische Staat Personen, welche für die LTTE aktiv gewesen seien, jahrelang verfolge und auch nur ideologische und administrative Arbeiten zugunsten der LTTE zu einer lebe nslangen Inhaftierung führen könnten. Die Behauptung des SEM, der Beschwerdeführer werde aufgrund seiner Aktivitäten in Sri Lanka nicht verfolgt, sei daher auch willkürlich (Beschwerde S. 14 f.). Überdies, so der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 16. Oktober 2020, habe sich das SEM in seiner Vernehmlassung vom 29. September 2020 pauschal auf den Standpunkt gestellt, dass eine psychologische Behand- lung des Beschwerdeführers in Sri Lanka möglich sei. Ob und inwiefern diese für ihn auch zugänglich sei, sei indes nicht abgehandelt worden. Auch dies verletze die Begründungspflicht. Ferner stelle auch die Nichtan- erkennung der offensichtlichen schweren psychischen Schädigung des E-349/2018 Seite 16 Beschwerdeführers und das fehlende Verständnis für die Auswirkungen ei- ner solchen Traumatisierung Willkür dar und verletze in stossender Weise den Gerechtigkeitsgedanken (Beschwerde S. 15). 3.4.3 Auch diese Rügen sind nicht zu bestätigen. In seiner Verfügung hat das SEM nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert auf- gezeigt, von welchen Überlegungen es sich hat leiten lassen. Es hat sich ausserdem mit sämtlichen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinan- dergesetzt. So stellt insbesondere das Vorbringen, das SEM habe sich nicht an bekannten Informationen zur Lage in Sri Lanka orientiert, eine Kri- tik an der Würdigung des Sachverhalts durch das SEM und mithin eine materielle Kritik in der Sache selbst dar. Aus den Erwägungen der Ver- nehmlassung vom 29. September 2020 lässt sich ferner implizit entneh- men, dass die angegebenen Betreuungs- und Behandlungsplätze für psy- chisch kranke Personen zugänglich seien. Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht oder gar des Willkürverbots, sondern eine materi- elle Frage. Was schliesslich die Hinweise auf einen Entscheid des High Court Vavuniya von Ende Juli 2017 betrifft, ist auch auf nachfolgende E. 3.5 zu verweisen. 3.5 Schliesslich wird eine unrichtige und unvollständige Sachverhaltsfest- stellung gerügt (Beschwerde S. 18 ff.). 3.5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a -e aufge- listeten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletz ung der behördlichen Untersu- chungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwalt ungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 3.5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, d er Sachverhalt sei unrichtig festgestellt worden, weil aufgrund des Urteils des High Court in Vavuniya vom 25. Juli 2017 (vgl. Beilagen 9 f., 15 ff.) klar sei, dass der sri-lankische Staat ehemals für die LTTE aktive Personen jahrela ng weiterhin verfolge, E-349/2018 Seite 17 und dass der Beschwerdeführer mithin bei einer Rückkehr behördlich ver- folgt würde. Gleiches ergebe sich aus einem Verfahren vor dem High Court in Colombo (vgl. Beilagen 13 f.). Der Einschätzung des Bundesverwal- tungsgerichts in früher en Äusserungen, im Urteil des High Court in Va- vuniya sei ein absoluter Ausnahmefall – ein Kriegsverbrechen –- beurteilt worden, sei zu widersprechen. Ferner sei der Sachverhalt unvollständig festgestellt worden, weil das SEM es zum einen unterlassen habe, den Gesundheitszustand des Beschwer- deführers (Beschwerde S. 28 ff.) sowie die Umstände bezüglich der Schwiegermutter respektive des Bruders (Beschwerde S. 30) abzuklären. So hätte es nähere Informationen zu diesen Personen einholen oder die Schwiegermutter als Zeugin durch die schweizerische Botschaft in Co- lombo befragen müssen. Zum anderen habe die Vorinstanz die aktuelle Situation in Sri Lanka nur ungenügend abgeklärt, weil das von ihr erstellte Lagebild den Anforderun- gen an korrekt erhobene Länderinformationen nicht genüge. Ferner wur- den in der Beschwerdeschrift die angeblich mangelhaften Sachverhaltsab- klärungen betreffend die allgemeine Verbesserung der Menschenrecht s- lage in Sri Lanka durch die Vo rinstanz sowie die angebliche Fehlerhaf- tigkeit von aktuellen Entscheiden des SEM und des Bundesve rwaltungs- gerichts hervorgehoben (vgl. Beschwerde S. 30 ff. und Beilagen 27 ff.). 3.5.3 Zunächst ist festzustellen, dass d er Beschwerdeführer die Feststel- lung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der materiellen Würdigung der Sache vermengt. Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung alle wesentlichen Sachverhaltselemente fest und würdigte die Ausführun- gen des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der (damals aktuellen) Lage. Alleine der Umstand, dass die Vorinstanz zum einen in ihrer Länder- praxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und sie zum anderen aus sachlichen Gründen auch zu einer an- deren Würdigung der Vorbringen gelangt, als von ihm verlangt, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung, sondern stellt eine inhalt- liche Kritik an der materiellen Würdigung der Vorinstanz dar. 3.5.4 Im Einzelnen ist überdies festzustellen, dass es sich bei den Vorbrin- gen im Zusammenhang mit dem Urteil des High Court in Vavuniya um ein vom Beschwerdeführer prognostiziertes hypothetisches Gefährdungssze- nario handelt . Eine Prognose ist indes bezüglich der Feststellung des E-349/2018 Seite 18 rechtserheblichen Sachverhalts nicht von Belang, zumal sich der im fragli- chen Urteil erwähnte Fall eines ehemaligen LTTE-Mitglieds wesentlich von der Situation des Beschwerdeführers unterscheidet. Ferner führte der Beschwerdeführer anlässlich der BzP aus, er sei gesund (A7 S. 9). An der Anhörung beschrieb er, wie genau er bei den jeweiligen Inhaftierungen misshandelt worden sei. Jedoch hat er nie über konkrete physische oder psychische Beeinträchtigungen als Folge der Misshandlun- gen berichtet; auch nicht , als er generell bemerkte, lieber hier (in der Schweiz) den Gnadentod zu bekommen, als nach Sri Lanka zurückzukeh- ren und dort zu sterben (A20 F220). Schliesslich beendete er die Anhörung damit, dass er seines Wissens alles habe erzählen können (A20 F217). Im Rahmen seiner Mitwirkung spflicht hätte er während der Anhörung – wie auch zu späterer Gelegenheit – jederzeit die Möglichkeit und auch die Ob- liegenheit gehabt, sich diesbezüglich zu äussern oder ärztliche Unterlagen einzureichen (Art. 8 und aArt. 26bis resp. Art. 26a AsylG; vgl. auch BVGE 2009/50 E. 10.2). Hinsichtlich des Bruders des Beschwerdeführers hat das SEM die Aussage über dessen Märtyrertod (A20 F104) in seiner Verfügung nicht angezwei- felt, indes sah es diesen als irrelevant an, weil der Beschwerdeführer keine diesbezügliche Verfolgung geltend gemacht habe (vgl. Vernehmlassung vom 6. März 2018). Soweit schliesslich ergangene Entscheide der Vorinstanz sowie des Bun- desverwaltungsgerichts – auch bezüglich des Urteils des High Court in Va- vuniya – kritisiert werden, ist darauf nicht näher einzugehen. Aus dieser Kritik an einzelnen Verfahren lässt sich für die Beurteilung der Asylvorbrin- gen des Beschwerdeführers nichts ableiten, werden doch in Asylverfahren jeweils konkrete Einzelfälle beurteilt. Im Beschwerdeverfahren wird nichts vorgetragen, was den relevanten Sachverhalt ergänzen würde. Es bleibt festzuhalten, dass der rechtserheb- liche Sachverhalt vom SEM richtig und vollständig festgestellt wurde und folglich auch nicht von einem willkürlichen Verhalten seitens des SEM aus- zugehen ist. 3.6 Der Antrag des Beschwerdeführers, das SEM sei anzuweisen, ihm sämtliche nicht -öffentliche Quellen des Lagebildes der Vorinstanz vom 16. August 2016 zu Sri Lanka offenzulegen, wurde bereits mit Verfügung vom 18. Januar 2018 abgewiesen. Es best eht kein Anlass hierauf E-349/2018 Seite 19 zurückzukommen (vgl. statt vieler Urteile BVGer D -6759/2017 vom 24. September 2020 E. 5.2.2 und D-4191/2018 vom 8. August 2018 E. 5, je m.w.H.). Soweit inhaltliche Kritik am Lagebild geübt und dessen Fehlerhaftigkeit behau ptet wird, hat sich das Gericht ebenfalls schon wiederholt mit diesen Vorbringen auseinandergesetzt (vgl. in jüngster Zeit Entscheide D-1529/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 4.4.2, E-5733/2018 vom 15. Dezember 2020 E. 5.5, D -7345/2017 vom 14. Dezember 2020 E. 4.3); hierauf kann verwiesen werden. 3.7 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un- begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbe- züglichen Rechtsbegehren sind somit abzuweisen. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer stellte für den Fall einer materiellen Beurteilung seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweis- anträge (vgl. Beschwerde S. 37 f.): 4.1.1 Er sei in einer gleichgeschlechtlichen Runde erneut zu seinen Asyl- gründen durch das Bundesverwaltungsgericht anzuhören. In diesem Zu- sammenhang ist klarzustellen, dass der blosse und substanzlos bleibende Hinweis auf Abklärungsbedarf keinen Anlass zur Durchführung einer wei- teren Anhörung – auch nicht in einer reinen Männerrunde – gibt, zumal bereits festgestellt wurde, dass der Sachverhalt von der Vorinstanz hinrei- chend abgeklärt wurde und die Verfahrensvorschriften bei Hinweisen auf geschlechtsspezifische Verfolgung nicht verletzt worden sind (vgl. oben E. 3.3.4). 4.1.2 Es sei dem Beschwerdeführer eine angemessene Frist zur Einrei- chung eines ausführlichen ärztlichen respektive psychiatrischen Berichts beziehungsweise von Material über die Tätigkeit seiner Schwiegermutter und seines verstorbenen Bruders anzusetzen. Di ese Anträge wurden im Laufe des Verfahrens mehrmals gestellt (vgl. z.B. Eingaben vom 23. März 2018 und 16. Oktober 2020). Was allfällige Unterlagen betreffend die Schwiegermutter und den Bruder betrifft, wurde im Verlauf des Beschwerdeverfahrens nichts ei ngereicht. Betreffend die geltend gemachten psychischen Schwierigkeiten reichte der Beschwerdeführer dem Gericht mit den Eingaben vom 23. März und vom 28. August 2018 je eine Kopie einer Zuweisungsbestätigung sowie eines E-349/2018 Seite 20 Berichts (des Erstgesprächs zwischen dem Beschwerdeführer und den zu- ständigen Ärzten) des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer (…), da- tierend vom 21. August 2018 ein (vgl. Beilagen 51 und 57). Gemäss Art. 32 Abs. 2 VwVG sind Parteivorbringen, die ausschlaggebend erscheinen, auch ohne vorherige Fristansetzung bis zum Urteilsdatum zu berücksichtigen. Der Beschwerdeführer war im Beschwerdeverfahren von einem im Asylverfahren erfahrenen Rechtsvertreter vertreten; er reichte denn auch wiederholt – neben dem ärztlichen Bericht vom 21. August 2018 – wiederholt (letztmals am 6. April 2020) Unterlagen und allgemeines In- formationsmaterial zur Situation in Sri Lanka zu den Akten. Es wäre ihm zumutbar gewesen und hätte ihm aufgrund seiner Mitwirkungspflicht oble- gen, weitere ärztliche Berichte aus der mutmasslich fortgeführten Behand- lung einzureichen. Angesichts dieser Umstände sind die Anträge betref- fend Fristansetzung zur Einreichung von Beweisunterlagen zum heutigen Zeitpunkt abzuweisen. 4.2 Des Weiteren beantragte der Beschwerdeführer, die Vernehmlassung des SEM vom 8. November 2017 des Verfahrens D-4749/2017 (recte: D- 4794/2017) sei im vorliegenden Verfahren beizuziehen (vgl. Beschwerde S. 45). Dort gestehe das SEM ein, dass jeder zurückgeschaffte Tamile am Flughafen in Colombo einer mehrstufigen intensiven Überprüfung und Be- fragung unterzogen werde und die von der Schweiz im Rahmen der Pa- pierbeschaffung übermittelten Daten zur Vorbereitung der Verfolgung ver- wendet würden . Die fragliche Vernehmlassung wurde mit Eingabe vom 23. März 2018 als Beilage 56 eingereicht; ein weiterer Aktenbeizug erübrigt sich mithin. Inwiefern sie im individuell-konkreten Fall des Beschwerdefüh- rers von hinreichender Relevanz sein sollte, wird nicht dargetan. Im Übri- gen sind die fragliche Vernehmlassung und die damit verknüpften Vorbrin- gen des Beschwerdeführers schon in anderen Verfahren wiederholt gewür- digt worden; auf die entsprechenden Entscheide kann hier verwiesen wer- den (vgl. z.B. Urteile BVGer D -1701/2018 vom 3. Juni 2020 E. 5.2; D- 1984/2018 vom 7. Mai 2020 E. 8.4 und E -110/2018 vom 17. April 2020 E. 9.2). 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer E-349/2018 Seite 21 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Nach Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtli ngen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. Personen mit subjektiven Nachflucht- gründen erhalten zwar kein Asyl, we rden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Massgebend ist dabei einzig, ob die heimatlichen Behör- den das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforde- rungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5 1 und 2009/28 E. 7.1). 5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigen schaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. In seiner Beschwerde machte der Beschwerdeführer geltend, er habe von 2004 bis im (…) 2007 für die (...)abteilung der LTTE gearbeitet, was vom SEM nicht bezweifelt worden sei. (…). Folglich verfüge er über ein Wissen von enormer Brisanz, weshalb er besonders gefährdet sei. Später habe er vor allem bei der Inhaftierung im (…) Camp ([…] 2009) sowie im «forth floor» in Colombo ( […] 2010) massive Folterungen erfah- ren, was ihn – auch heute noch erkennbar – traumatisiert habe. Das SEM habe bei seiner Glaubhaftigkeitsprüfung nicht berücksichtigt, dass sich eine schwere psychische Traumatisierung im Aussageverhalten in dem Sinne zeige, dass das Geschehene ständig leicht verändert werde. Ein E-349/2018 Seite 22 noch einzureichender ärztlicher Bericht werde zeigen, dass der Beschwer- deführer gar nicht in der Lage gewesen sei, seine Sache widerspruchsfrei zu schildern. Hinsichtlich einer durch behördliche Verfolgung erlittenen Traumatisierung sei ferner auf das Urteil BVGer D-4543/2013 vom 22. November 2017 zu verweisen, weil sich in diesen Fällen die Frage stelle, ob einer solchen Per- son zugemutet werden kann, in dieses Land zurückzukehren (sog. «zwin- gende Gründe»). Trotz den Folterungen habe sich der Beschwerdeführer indes nicht bre- chen lassen, wie sein weiteres (…) im kriegszerstörten Vanni-Gebiet ein- deutig gezeigt habe. Damit habe er einen weiteren Verdacht auf sich ge- lenkt, zumal er den sri-lankischen Behörden für sein brisantes Wissen be- reits bekannt gewesen sei. Ausserdem sei er in dieser Zeit im Kontakt mit wichtigen LTTE-Exponenten wie J._______ oder dem Widerstandskämp- fer I._______ gestanden, welche alle dauerhaft überwacht worden seien. Bezüglich der Gefährdungslage von tamilischen Rückkehrenden (vgl. hierzu Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) seien aus- serdem entsprechende Risikoprofile zu überprüfen. So sei en neben den früheren LTTE-Aktivitäten der Aufenthalt des Beschwerdeführers i n der Schweiz, einem tamilischen Diaspora-Zentrum, seine illegale Ausreise so- wie der Umstand, dass er über keine Reisepapiere verfüge, zu berücksich- tigen. 7. In einem ersten Schritt sind die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers zu untersuchen. Dabei ergibt sich, dass den Erwägungen des SEM nicht voll- umfänglich zugestimmt werden kann. 7.1 Zunächst ist festzuhalten, dass das SEM die Tätigkeit des Beschwer- deführers in der (...)abteilung der LTTE nicht bezweifelt. Indes zieht es die Inhaftierungen – insbesondere die Foltervorbringen – bis im (…) 2010 wie auch die Schilderungen bezüglich der späteren Festnahmen (bis zur Aus- reise im […] 2015) in Zweifel. Ausserdem seien diese Vorbringen nicht asyl- relevant (vgl. Bst. C). 7.1.1 Eine wesentlich e Voraussetzung für die Glaubhaftmachung einer Verfolgung ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, plau- sible, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der E-349/2018 Seite 23 dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat- sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi- nalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Darüber hin- aus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen nicht der Fall ist. Entscheidend für die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG ist, ob im Rahmen ei- ner Gesamtwürdigung aller Elemente die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Für die Glaub- haftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt des Vorbringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der ges amten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Glaubhaftmachung bedeutet zudem – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zw eifel am Vorbringen der gesuchstel- lenden Person (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2 und 2010/57 E. 2.3). 7.1.2 Die geltend gemachten LTTE -Aktivitäten des Beschwerdeführers, der zwar nicht Mitglied der LTTE gewesen sei, aber von 2004 bis 2007 als Zivilist in der (...)abteilung gearbeitet und dort insbesondere Kenntnisse (…) erlangt habe, erachtet auch das Gericht als glaubhaft gemacht. Der Beschwerdeführe hat seine Tätigkeiten widerspruchsfrei und substantiiert geschildert; auch wenn die Ereignisse nicht in einem chronologischen Ab- lauf zur Sprache kamen, bleiben seine Aussagen kongruent und stimmig. Im Beschwerdeverfahren wurden Unterlagen beigebracht, die ein damali- ger Kollege, E._______, im Rahmen seines eigenen Asylverfahrens einge- reicht hatte (vgl. Eingabe vom 16. Oktober 2020 und Beilagen 66 ff.); die Aussagen des Beschwerdeführers, der seinerseits den Kollegen E._______ wiederholt namentlich genannt hatte (vgl. A20 F 43 f., 59, 62 f.), decken sich mit dessen Angaben. 7.1.3 Die Umstände der Festnahme des Beschwerdeführers in F._______ gegen Kriegsende im (...) 2009 (A20 F80 f.) entsprechen den Kenntnissen des Gerichts (vgl. hierzu z.B. Meldung des WFP [World Food Programme] vom 15. Mai 2009, WFP versorgt tausende Flüchtlinge in Sri Lanka [https://de.wfp.org/pressemitteilungen/wfp-versorgt-tausende-fluechtlinge- sri-lanka, besucht am 23.11.2020]). Wiederum blieben die Aussagen kon- gruent, auch wenn sie nicht in chronologischem Ablauf zur Sprache kamen; die Aussagen in der BzP und in der Anhörung stimmen überein. Auch E-349/2018 Seite 24 scheint plausibel, dass der Beschwerdeführer an diesem Checkpoint durch ein LTTE-Mitglied aus der Zeit, als er für die LTTE tätig war, erkannt wurde (vgl. A20 F82). Ebenso konnte der Beschwerdeführer überzeugend darle- gen, woran er erkannt habe, dass er wohl ins (...) Camp verbracht worden sei (vgl. A20 F111). Die weiteren Schilderungen über seine Misshandlungen während neun Ta- gen (A20 F87 ff.) sind insgesamt detailliert und substantiiert; angesichts der Tatsache, dass er während seiner Tätigkeit für die LTTE Einsicht in we- sentliche Abläufe und Kontaktdaten hatte , ist auch einleuchtend, was die Folterer vom Beschwerdeführer erfahren wollten. In den Aussagen sind fer- ner verschiedene Realkennzeichen erkennbar: zum Beispiel die Glühbirne im Raum ohne Sonnenlicht (A20 F97 und 109), die vier Frauen im Raum, wovon eine aufgrund der Misshandlungen gestorben ist (A20 F97 und 108), die Kleider der Personen der Anti-Terrorismus-Abteilung (A20 F100), welche ihm ausserdem Bilder von Personen mit Bezug zu den LTTE ge- zeigt haben (A20 F100), sowie die Blutspuren und der Gestank im Raum (A20 F109). Insgesamt unterstreicht es auch die Glaubhaftigkeit der Schil- derungen, dass der Beschwerdeführer Erinnerungslücken einräumen musste und auf die Schwierigkeit hinwies, die erlebten Verhöre noch präzis auseinanderhalten zu können (A20 F105 f.). Das Gericht teilt die Eischät- zung des SEM, der Beschwerdeführer habe die Misshandlungen nicht kon- sistent zu schildern vermocht, insgesamt nicht. Ferner ist auch die nicht aufgebauschte Erwähnung, dass sein Bruder als Mä rtyrer gestorben ist (A20 F104) überzeugend. Letztlich sind auch seine Schilderungen, wie er dank seiner Schwiegermutter und durch die Hilfe von G._______, einem Mitglied der EPDP , freigekommen ist, als widerspruchsfrei und glaubhaft zu werten (A7 S. 8; A20 F112 ff. und 131 ff.). Für die Glaubhaftigkeit der im Jahr 2009 erlebten Folterungen spricht schliesslich auch der eingereichte Arztbericht des Ambulatoriums für Folter und Kriegsopfer vom 21. August 2018 (Beilage 57; vgl. oben Bst. J). 7.1.4 Die Angaben zu der darauffolgenden vorgebrachten Inhaftierung im (…) 2010, worauf er im «forth floor» in Colombo während drei Tagen miss- handelt worden sei, überzeugen hingegen nicht. Zwar kann der Beschwer- deführer Einzelheiten des Raums umschreiben (A20 F138), dennoch hin- terlässt das Geschilderte insgesamt einen substanzlosen Eindruck . Aus- serdem leuchtet seine Überführung von Vavuniya nach Colombo nicht ein, da man ihn auch in Vavuniya hätte befragen können. Des Weiteren ist un- klar, ob er mithilfe eines Polizisten (A20 F138, 145, 149 f. und 157) oder E-349/2018 Seite 25 des gleichen EPDP-Mitglieds wie bei der früheren Haft im (...) Camp (A7 S. 8) freigekommen sei; die Aussagen in der BzP und in der Anhörung sind in dies em Punkt widersprüchlich . Die diesbezügliche Erklärung, die Schwiegermutter habe zwar mit dem EPDP -Mitglied Kontakt aufgenom- men, aber den Polizisten bezahlt (A20 F162), ist nicht nachvollziehbar und löst den Widerspruch nicht überzeugend auf , zumal nicht vorstellbar ist, dass die Schwiegermutter zu jeder Zeit die richtigen Kontakte auch in Co- lombo gehabt hätte. Zudem hat der Beschwerdeführer, wie das SEM be- reits festgestellt hat, die Mitnahme in den «forth floor» an der BzP nicht erwähnt, sondern nur, dass er vom CID verhaftet worden sei, «weil er für die Bewegung gearbeitet hatte und nicht rehabilitiert worden war» (A7 S. 8). 7.1.5 Soweit der Beschwerdeführer sodann geltend macht, i m (…) Monat des Jahres 2014 sei er erneut verhaftet worden (A7 S. 8; A20 F192, 195), weil er unter anderem auch zu LTTE -Aktivisten namens I._______ und J._______ direkt oder indirekt Kontakt gehabt habe (A20 F167 ff.), und auch im Jahr 2015 sei er einmal in ein Camp gebracht worden (A20 F182 f.) und seien Beamte des CID mehrmals zu ihm nach Hause gekommen, hät- ten alles durchsucht und ihn befragt (A20 F172 ff.), überzeugen diese Vor- bringen nicht. Wäre er wirklich verdächtig gewesen, hätte das CID ihn ohne Weiteres für eine längere Zeit festhalten können. Ferner erscheinen die geschilderten Gründe für die Hausdurchsuchungen – Kontakte zu I._______ und J._______ – als konstruiert , zumal die Ehefrau des Be- schwerdeführers direkten Kontakt zur Letztgenannten gehabt habe, aber – soweit aus den Akten erkennbar – diesbezüglich keine Probleme mit dem CID gehabt habe. Ausserdem war seit Kriegsende im (...) 2009 zu viel Zeit verstrichen, als dass der Beschwerdeführer weiterhin für das CID auf sri- lankischem Boden hätte interessant sein können; an diesen Erwägungen ändern auch die Aussagen seines Freundes E._______ nichts, dass er auch heute noch verfolgt werde (vgl. Eingabe vom 16. Oktober 2020). Folg- lich sind diese Vorbringen insgesamt nichtglaubhaft geworden. 7.1.6 Als Zwischenergebnis gilt festzuhalten, dass sowohl die LTTE-Aktivi- täten des Beschwerdeführers als auch die Festnahme und die Folterungen im (...) 2009 glaubhaft sind; hingegen sind die späteren Verhaftungen und Misshandlungen in Zweifel zu ziehen. 7.2 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorbringen im Sinne von Art. 3 AsylG relevant sind. E-349/2018 Seite 26 7.2.1 Der Beschwerdeführer wurde glaubhaft im (...) 2009 aufgrund eines Verfolgungsmotivs gemäss Art. 3 AsylG durch staatliche Akteure gefoltert. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist jedoch die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung o- der begründeten Furcht vor einer solchen. Dies ist im vorliegenden Fall – trotz der glaubhaft dargelegten Folterungen im (...) 2009 – zu verneinen. Dies ergibt sich einerseits daraus, dass nach den Ereignissen im (...) 2009 der Beschwerdeführer keine weiteren ernsthaften Nachteile hat glaubhaft machen können, weshalb der zeitliche Kausalzusammenhang zwischen der erlebten Verfolgung und der Flucht zu verneinen ist . Andererseits ist auch aus dem Grund keine begründete Furcht erkennbar, da ss der Be- schwerdeführer sich im Jahr 2011 oder 2012 in Indien aufgehalten hat; da- mals will er eigenen Angaben gemäss mit seinem eigenen Reisepass aus- gereist und nach zehn Tagen wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt sein. Mit seiner Rückke hr hat er auch aus subjektiver Sicht dargetan, dass er eine weitere Benachteiligung – zwei bis drei Jahre nach den erlittenen Fol- terungen im (...) 2009 – damals nicht befürchtet hat. 7.2.2 Die nach der Rückkehr aus Indien angeblich erlebten späteren Be- helligungen in den Jahren 2014 und 2015 müssen nach dem oben Gesag- ten insgesamt bezweifelt werden. Zutreffend wären im Übrigen auch die Erwägungen des SEM, dass die geltend gemachten gelegentlichen Befra- gungen von kurzer Dauer nicht die erforderliche Intensität aufw eisen wür- den, um als relevant im Sinne Art. 3 AsylG zu gelten. 7.2.3 Als weiteres Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die im (…) 2009 erlittenen, glaubhaft gemachten Folterungen als ernsthafte Nachteile zu bezeichnen sind, jedoch keinen hinlänglichen Kausalz usammenhang zur Ausreise aufweisen. Im Zeitpunkt der definitiven Ausreise aus Sri Lanka im (…) 2015 bestand keine begründete Furcht , dass sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft weitere Verfolgungsmass- nahmen verwirklichen würden. 7.3 In einem zweiten Schritt gilt zu prüfen, wie sich die Situation nach der Ausreise des Beschwerdeführers im (…) 2015 – mit Einbezug der glaub- haften Vorgeschichte – im heutigen Zeitpunkt des Entscheids darstellt und ob subjektive Nachfluchtgründe bestehen (vgl. Referenzurteil BVGer E - 1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.6). 7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri E-349/2018 Seite 27 Lanka vorgenommen (vgl. a.a.O. E. 8) und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht ge- nerell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausge- setzt seien (vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurtei- lung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Be- achtlich sind namentlich das Vorhandensein einer tatsächlichen oder ver- meintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, die Teil- nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.1 ff.). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unter- liegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurück- geführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, so wie Personen mit gut sicht baren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.4 f.). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Ri- sikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Per- son ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkeh- rer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri -lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1). 7.3.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um eine Person, welche in glaubhafter Weise in den Jahren 2004 bis 2007 für die LTTE in einer Abtei- lung tätig war, in welcher Informationen (…) der LTTE verarbeitet wurden. Dass die sri-lankischen Behörden bei Kriegsende im (…) 2009 an diesen Informationen interessiert waren, lässt sich nicht von der Hand weisen. Der Beschwerdeführer hatte mithin (auch wenn er offiziell kein Mitglied dieser Organisation war) eine relevante Verbindung zu den LTTE, zumal er auch an Checkpoints, welche er mit seinem damaligen Chef D._______, passiert hatte, aufgefallen war und später wiedererkannt wurde (A20 F28 und 64 ff.). Überdies war einer seiner älteren Brüder als Märtyrer bei der LTTE gestorben (A20 F104), was vom SEM in seiner Verfügung nicht angezwei- felt wurde; auch diesbezüglich besteht eine weitere Verbindung des B e- schwerdeführers zu den LTTE. E-349/2018 Seite 28 Ferner war der Beschwerdeführer – wie er glaubhaft dargelegt hat – im Jahr 2009 während neun Tagen inhaftiert, was aus heutiger Sicht ebenfalls einen Risikofaktor darstellt, auch wenn unklar bleibt, ob sein Name auf ei- ner sogenannten «Stop List» steht oder ob jemals gegen ihn ein Haftbefehl ausgestellt wurde. Schliesslich hält sich der Beschwerdeführer nunmehr seit fünf Jahren in der Schweiz auf, einem für die tamilische Diaspora wichtigen Exilzentrum, wo namentlich die LTTE – anders als in anderen europäischen Ländern – als Organisation nicht verboten ist. 7.3.3 Zwar war der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2015, wie oben dargelegt wurde, nicht asylrelevant gefähr- det. Im heutigen Zeitpunkt, im Zusam menhang mit einer Rückkehr nach jahrelangem Aufenthalt in der Schweiz, kann sich die ehemalige Gefähr- dungslage wegen seiner LTTE-Verbindungen indessen wieder akzentuie- ren. Gerade dass er vor Kriegsende Kenntnisse über (…) hatte, könnte nach einer Rückkehr aus der Schweiz – verbunden mit der Tatsache eines jahrelangen Aufenthalts in einem Land mit einer bedeutenden tamilischen Diaspora – wieder an Wichtigkeit gewinnen. Obwohl keine Hinweise vor- liegen, dass der Beschwerdeführ er sich im Exil politisch engagiert hat , muss die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Verfolgung als erheblich gel- ten, weil er aus Sicht der sri-lankischen Behörden als Bedrohung bezüglich des tamilischen Separatismus wahrgenommen werden kann. Eine begründete Furcht vor zukünftigen flüchtlingsrelevanten Nachteilen – im Sinne subjektiver Nachfluchtgründen – ist daher zu bejahen, zumal die Schwelle zur Annahme begründeter Furcht bei Personen, die in der Ver- gangenheit bereits Opfer von Verfolgungen geworden waren, herabgesetzt ist (vgl. BVGE 2010/9 E. 5.2). 7.4 Nach dem Gesagten ist d ie Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde- führers infolge des Vorliegens von subjektiven Nachfluchtgründen zu beja- hen ist. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach mit Blick auf das Gebot des Non -Refoulement (Art. 5 AsylG) als unzulässig, da davon ausgegangen werden muss, dass er im Falle seiner Rückkehr ins Heimat- land mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Die Asylberechtigung bleibt dem Beschwer- deführer indes aufgrund der Ausschlussklausel von Art. 54 AsylG verwehrt; das Asylgesuch wurde zu Recht abgelehnt. E-349/2018 Seite 29 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen, soweit die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Feststellung der Unzulässigkeit des Weg- weisungsvollzugs beantragt wurden. Soweit die Gewährung von Asyl und Aufhebung der Wegweisung beantragt wurden, ist die Beschwerde abzu- weisen. Die angefochtene Verfügung ist demnach in den Dispositivzif- fern 1, 4 und 5 aufzuheben und das SEM ist anzuweisen, den Beschwer- deführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 10. 10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Bei der Verfahrenskonstellation wie der vorliegenden (Abweisung der Beschwerde betreffend Asylgewäh- rung und Anordnung der Wegweisung , Gutheissung betreffend Anerken- nung der Flüchtlingseigenschaft und betreffend den Wegweisungsvollzug) wird praxisgemäss ein Obsiegen zu zwei Dritteln angenommen. 10.2 Aufgrund der sehr umfangreichen Eingaben auf Beschwerdeebene mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Bezug zum Beschwerdeführer sind die Verfahrenskosten praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.– festzu- legen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Weil der Beschwerdeführer jedoch teilweise (zu zwei Drit- teln) obsiegt hat, sind ihm reduzierte Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.– aufzuerlegen. Dieser Betrag ist dem am 2. Februar 2018 geleis- teten Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 250.– ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. E-349/2018 Seite 30 Der obsiegenden Partei ist von Amtes wegen oder auf Antrag hin eine Ent- schädigung für die ihr erwachsenen notwendigen (und jedenfalls verhält- nismässigen) Kosten zu sprechen. Bei teilweisem Obsiegen (vorliegend Obsiegen zu zwei Dritteln) ist die Parteientschädigung entsprechend zu reduzieren (Art. 7 Abs. 2 VGKE). Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu be- stimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Als notwendig gelten Kosten, wenn sie zur sachgerechten und wirksamen Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung unerlässlich erscheinen. Weitschweifige und redun- dante Vorbringen sowie generelle Ausführungen ohne Bezug zum Be- schwerdeführer gelten folglich nicht als notwendig. In Anwendung der ge- nannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren wäre die Parteientschädigung von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 1'800.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag und Auslagen) festzu- legen, wovon – aufgrund der Reduktion um einen Drittel – dem Beschwer- deführer durch das SEM Fr. 1'200.– auszurichten sind. E-349/2018 Seite 31 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird betreffend Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Vollzug der Wegweisung (Dispositivziffern 1, 4 und 5 der angefochte- nen Verfügung) gutgeheissen. Betreffend die Gewährung von Asyl und die Anordnung der Wegweisung wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 3. Es werden reduzierte Verfahrenskosten von Fr. 500.– auferlegt. Dieser Be- trag wird dem Kostenvorschuss entnommen. Der Restbetrag von Fr. 250.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine reduzierte Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'200.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Patricia Petermann Loewe Versand: