B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-807/2014 U r t e i l v o m 3 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), Mazedonien, alle vertreten durch Annelise Gerber, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 16. Januar 2014 / N (…). E-807/2014 Seite 2 Sachverhalt: A.a Die Beschwerdeführenden, aus Kumanevo stammende Roma, suchten am 12. März 2012 in der Schweiz um Asyl nach. Mit Verfügung vom 4. Mai 2012 lehnte das BFM die Asylgesuche ab und ordnete die We g- weisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 4. Juni 2012 wurde mit Urteil des Bundesverwaltung s- gerichts vom 8. Mai 2013 abgewiesen. A.b Die Ausreisefrist wurde auf den 21. Juni 2013 angesetzt. A.c Mit Eingabe vom 10. Juni 2013 ersuchten die Beschwerdeführenden beim BFM um Wiedererwägung der vorinstanzlichen Verfügung vom 4. Mai 2012 sowie um Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutba r- keit des Vollzugs der Wegweisung und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme. Dabei wiesen sie u.a. auf erhebliche gesundheitliche Probl e- me hin, aufgrund derer sie in regelmässiger ärztlicher/ps ychologischer Behandlung seien. Beim Beschwerdeführer sei eine Wirbelsäulenentzü n- dung festgestellt worden, die Mandantin leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Zudem leide der Sohn C._______ an einem Pauken- erguss und habe eine hypotone Gesicht smuskulatur. Mit Verfügung des BFM vom 27. Juni 2013 wies das BFM das Wiedererwägungsgesuch ab und erklärte die Verfügung vom 12. März 2012 (recte: 4. Mai 2012) für rechtskräftig und vollstreckbar. B. Mit Eingabe vom 9. Dezember 2013 ersuchten die Beschwerdeführenden beim BFM erneut um Wiedererwägung der Verfügung vom 4. Mai 2012 sowie um Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vol l- zugs der Wegweisung und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme. Zur Begründung wurde auf die nach wie vor schlechte gesundheitliche Situa- tion der Beschwerdeführenden hingewiesen. Gleichzeitig wurden folgende medizinische Unterlagen als Beweismittel eingereicht: – Austrittsbericht des Kantonsspitals E._______ vom 5. November 2013 betreffend den Beschwerdeführer, – Arbeitsunfähigkeitsbestätigung des Kantonsspitals E._______ vom 5. November 2013 betreffend den Beschwerdeführer, E-807/2014 Seite 3 – Arztbericht der Psychiatrie E._______ vom 19. November 2013 betreffend die Beschwerdeführerin. C. Mit Verfügung vom 16. Januar 2014 – eröffnet am 17. Januar 2014 – wies das BFM das Wiedererwägungsgesuch ab, erklärte seine Verfügung vom 4. Mai 2012 als rechtskräftig und vollstreckbar und hielt fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zu komme. Zur B e- gründung wurde ausgeführt, da ss keine Gründe vorliegen würden, we l- che die Rechtskraft der Verfügung vom 4. Mai 2012 beseitigen könnten. D. Mit vorab per Telefax vom 17. Februar 2014 eingereichter Eingabe erh o- ben die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin beim Bu n- desverwaltungsgericht dagegen Beschwerde und beantragten, es sei die Verfügung vom 4. Mai 2012 in Wiedererwägung zu ziehen sowie die U n- zulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festz u- stellen und die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. In ve r- fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der aufschi e- benden Wirkung. Zudem sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Auf die Begründung im Einzelnen wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Ferner wurde betreffend die Be schwerdefüh- rerin ein ärztliches Gutachten in Aussicht gestellt. E. Mit Telefax vom 18. Februar 2014 verfügte die Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts die zuständige kantonale Behörde gestützt auf Art. 56 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) die sofortige Aussetzung des Vollzugs der Wegwe i- sung. F. Am 27. Februar 2014 wurde betreffend die Beschwerdeführerin ein Arz t- bericht der Psychiatrie E._______ vom 19. Februar 2014 eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden E-807/2014 Seite 4 gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher ein e Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wiede r- erwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Bei Wiedererwägungsgesuchen gilt für die im Zeitpunkt des Inkrafttre- tens der Änderung vom 14. Dezember 2012 des AsylG – mithin am 1. Februar 2014 – hängigen Verfahren bisherig es Recht in der Fassung vom 1. Januar 2008 (Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 Abs. 2). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts sowie die zulässigen R ü- gen bestimmen sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine s olche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-807/2014 Seite 5 5. 5.1 Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht geregelter Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfügende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweiz erischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Voraussetzungen ein ve r- fassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f. mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz in w e- sentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage an- zupassen ist. 5.2 Da die Vorinstanz den Anspruch der Beschwerdeführenden auf B e- handlung ihres Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede stellte und da r- auf eintrat, hat das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen, ob das BFM das Gesuch zu Recht abwies. 6. Vorliegend wurde als Wiedererwägungsgrund im Wesentlichen geltend gemacht, die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführenden stelle sich noch immer schlecht dar. Der Beschwerdeführer habe zudem kür z- lich eine Achillessehnenruptur erlitten. Er sei deswegen hospitalisiert worden und benötige regelmässige Wundkontrollen. Bezüglich der Wi r- belsäulenentzündung sei er weiterhin in Behandlung, wobei er in Maz e- donien mit grösster Wahrscheinlichkeit keinen Zugang z u der notwend i- gen ärztlichen Behandlung erhielte. Hinsichtlich der Beschwerdeführerin habe deren behandelnde Psychologin keine Änderung festgestellt. Sie benötige regelmässige Behandlung, die in Mazedonien nicht möglich sei, zumal die Erkrankung am Ort der erlittenen traumatischen Erlebnisse nicht geheilt werden könne. Den eingereichten ärztlichen Unterlagen komme Beweiswert zu. Sie seien schlüssig, nachvollziehbar begründet und in sich widerspruchsfrei. 7. 7.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des ablehnenden Wiedererwä- gungsentscheides vom 16. Januar 2014 hinsichtlich der medizinischen Probleme des Beschwerdeführers im Wesentlichen an, wie bereits im E-807/2014 Seite 6 Entscheid des BFM vom 27. Juni 2013 angeführt, verfüge Mazedonien in Skopje über eine vergleichsweise gut ausge baute medizinische Infr a- struktur und könne weitgehend alle Krankheitsbilder behandeln. Die Ta t- sache, dass die medizinische Versorgungslage in Mazedonien nicht auf westeuropäischem Niveau liege, spiele keine entscheidende Rolle, zumal dem Beschwerdeführer angesichts der dort bestehenden medizinischen Strukturen bei einer Rückkehr in das Heimatland keine drastische und l e- bensbedrohende Verschlechterung seines Gesundheitszustandes drohe. Weiter bestehe in Mazedonien eine obligatorische Krankenversicherung, welche auf das Prinzip der Universalität (Deckung aller Bürger) abstelle. Daher könne von einer flächendeckenden medizinischen Versorgung – unabhängig der finanziellen Verhältnisse der erkrankten Person – ausge- gangen werden. Zwar sei die Krankenversicherung eng mit der Erwerb s- tätigkeit verknüpft, indessen könnten Versicherungsleistungen auch an registrierte Arbeitslose ausgerichtet werden. Dem Beschwerdeführer, der bis zu seiner Ausreise in einem F._______ gearbeitet habe, könne zug e- mutet werden, sich bei der Rückkehr nach Mazedonien mittels Registri e- rung als Arbeitsloser um eine Krankenversicherung zu bemühen. Es kö n- ne somit aufgrund der vorliegenden gesundheitlichen Situation des B e- schwerdeführers nicht auf eine konkrete Gefährdung im Sinne einer m e- dizinischen Notlage gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG geschlossen werden. Was die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin betreffe, seien diese bereits Gegenstand des Beschwerdeverfahrens und des ersten Wiedererwägungsgesuches gewesen. Dabei habe schon das Bunde s- verwaltungsgericht auf die in Mazedonien existierenden Behandlung s- möglichkeiten hingewiesen. Diese Sachverhaltselemente seien daher nicht neu im Sinne von Art. 66 Abs. 2 lit. a VwVG. Daran vermöge auch der eingereichte Arztbericht vom 19. November 2013 nichts zu ändern. Darin sei nämlich festgehalten worden, dass die Gesamtsituation unver- ändert sei. 7.2 In der Rechtsmitteleingabe wird dem entgegengehalten, die gesun d- heitliche Situation sei nach wie vor sehr schlecht. Die erlebte Vergewalt i- gung und versuchte Vergewalti gung der Beschwerdeführerin würden frauenspezifische Fluchtgründe darstellen. Es sei von deren Glaubwü r- digkeit auszugehen. Bei einer Rückkehr in die gleiche Situation könnten die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin nicht behandelt we r- den. Zudem bef inde sich auch der Beschwerdeführer weiterhin in ärztl i- cher Behandlung und sei auf Kontrollen angewiesen. Im Weiteren sei auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verfolgung aus ethnischen Gründen hinzuweisen. E-807/2014 Seite 7 Mit Eingabe vom 24. Februar 2014 wurde unter Beilage eines entspr e- chenden Arztberichtes der Psychiatrie E._______ vom 19. Februar 2014 darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin schwanger sei , we s- halb die psychiatrische Medikation deutlich gestrafft werden müsse. Überdies könnten die mit d er Schwangerschaft einhergehenden körperl i- chen Veränderungen zu einer erhöhten psychischen Vulnerabilität führen. 8. 8.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach einer Gesamtbeurteilung zum Schluss, dass es den Beschwerdeführenden trotz der auf B e- schwerdeebene gemachten Ausführungen und Entgegnungen sowie den im Verfahren eingereichten Beweismitteln (Arztberichte und Arbeitsunf ä- higkeitszeugnis) nicht gelingt, die von der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Recht gezogene Schlussfolgerung zu widerlegen, won ach keine Gründe vorliegen, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 4. Mai 2012 beseitigen können, zumal weder der gegenwärtige gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers noch derjenige der Beschwerdeführerin einem Wegweisungsvollzug entgegenstehen. Je denfalls genügt die Ta t- sache, dass die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführenden we i- terhin schlecht ist, nicht, um zu einem anderen Schluss zu kommen. Die Vorinstanz müsste nämlich deshalb wiedererwägungsweise zu einem a n- deren Entscheid gelangen können, weil der Wegweisungsvollzug sich neu als unzumutbar herausstellen würde. Dies ist vorliegend – wie nach- folgend dargelegt – offenbar nicht der Fall. An dieser Stelle ist zudem a n- zuführen, dass die Frage der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Ver- gewaltigung der Beschwerdeführerin im Jahre 2010 sowie de s Vergewal- tigungsversuchs nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind und sich daher entsprechende Erörterungen erübrigen. 8.2 Der Gesundheitszustand einer asylsuchenden Per son ist sowohl bei der Prüfung der Zulässigkeit als auch derjenigen der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges zu beachten. 8.2.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtl i- che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin od er des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entg e- genstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 8.2.2 Was die in den eingereichten medizinischen Unterlagen betreffend die Beschwerdeführenden diagnostizierten gesundheitlichen Beschwe r- den und die d adurch bedingten ambulanten Behandlungen betrifft, so E-807/2014 Seite 8 kann gemäss der Praxis des EGMR der Vollzug der Wegweisung eines abgewiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen im Einzel- fall einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz aussergewöhnliche Umstände Voraussetzung. Vorliegend können solche ganz aussergewöhnlichen Umstände („very exceptional circum - stances“), wie sie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in seinem Urteil vom 2. Mai 1997 i.S. D. gegen Grossbrita nnien feststellte, wo neben einer kurzen Lebenserwartung aufseiten des an AIDS erkrankten Auszuweisenden erschwerend die Gefahr eines Todes unter extremen physischen und psychischen Leiden hinzukam, hinlän g- lich ausgeschlossen werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2 011/9 E. 7.1 S. 117 f., BVGE 2009/2 E. 9.1.3). 8.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung im Sinne der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung insb e- sondere dann nicht zumutbar sein, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung au s- gesetzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgu ng weder die Voraussetzungen der Flüchtlingse i- genschaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips er- füllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situ a- tion allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können . Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorher rschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVGE 2 011/24 E. 11.1 mit weiteren Hinweisen). Bei der hier im Vordergrund stehenden Gefährdungsvariante der medizinischen Notlage nach Art. 83 Abs. 4 AuG ist besonders zu beachten, dass nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn das Fehlen einer notwendigen medizinischen Behandlung im He i- matland nach der Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person fü h- ren würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medi- zinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer me n-E-807/2014 Seite 9 schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt j e- denfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard en tsprechende medizinische B e- handlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2 und BVGE 2011/50 E. 8.3). 8.3.1 Wie die Vorinstanz in ihrer Verfügung festgehalten hat, ist bereits das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 8. Mai 2013 zum Schluss gelangt, dass in Mazedonien eine hinreichende medizinische und psychiatrische Versorgung gewährleistet ist. Das Bundesverwaltungsge- richt verweist vorliegend zudem auf die zutreffende Einschätzung des BFM, wonach in Mazedonien eine obligatorische sowie eine freiwillige Krankenversicherung existieren. Insbesondere die obligatorische Vers i- cherung stellt auf das Prinzip der Universalität, d.h. der Deckung aller Bürger, der Solidarität sowie der Gleichheit ab. Medizinische Behandlu n- gen sind in Mazedonien über das ganze Terri torium verteilt erhältlich und zwar auf primärer (Allgemeinmediziner, Hausärzte etc.), sekundärer (Spezialisten) und tertiärer (Spitäler) Ebene (vgl. ADRIAN SCHUSTER, Ma- zedonien: Medizinische Pflege und Krankenversicherung für körperlich Behinderte, SFH [S chweizerische Flüchtlingshilfe], August 2012, S. 2 ff. m.w.H.; Council of Europe: European Social Charter; European Commi t- tee of Social Rights, Conclusions XIX -2 [2009], ["The former Yugoslav Republic of Macedonia"], Articles 11, 12 and 13 of the Charter, Januar 2010, S. 6 f.; Urteil E-2476/2013 vom 22. Oktober 2013 ). 95% der Bevöl- kerung Mazedoniens sind krankenversichert: Arbeitnehmer, Selbständige, Beamte, Menschen mit einer Behinderung, Bauern, auf dem Arbeitsamt registrierte Arbeitslose, Renten- und Sozialhilfebezüger, Kriegsveteranen sowie die Familienmitglieder versicherter Personen. Personen, welche längere Zeit nicht in Mazedonien gelebt haben, können sich nach der Rückkehr bei einem Krankenversicherungsfonds anmelden und sind ab dem gleichen Tag versichert (vgl. ADRIAN SCHUSTER, Mazedonien: Entzug der Reisepässe zwangsweise rückgeführter Personen, SFH, März 2013, S. 5 f.; ADRIAN SCHUSTER, Mazedonien: Medizinische Pflege und Kra n- kenversicherung für körperlich Behinderte, a.a.O., S. 4 f.; Council of E u- rope: European Social Charter; European Committee of Social Rights, a.a.O., S. 15). Die mazedonische Krankenversicherung deckt ein Grundpaket an Lei s- tungen auf primärer und sekundärer Stufe, Medikamente, medizinische Hilfsmittel, präventive Programme und Rehabilitationen ab (vgl. ADRIAN SCHUSTER, Mazedonien: Medizinische Pflege und Krankenversicherung E-807/2014 Seite 10 für körperlich Behinderte, a.a.O., S. 5 f. m.w.H.). Hinsichtlich der Koste n- beteiligung an Medikamenten der Krankenversicherung müssen diese auf der positiven Liste für die Kompensation durch den mazedonischen G e- sundheitsfonds (Macedonian Health Fund) angeführt sein. Die versicherte Person muss zwischen 5 bis 20% der Kosten der Medikamente selber übernehmen – ausser bei einer Behandlung rund um die Mutterschaft und bei schweren Krankheiten (bösartige oder ansteckende Erkranku n- gen). 8.3.2 Hinsichtlich der angeführten und durch medizinische Unterlagen be- legte Beeinträchtigung des physischen Gesundheitszustandes des B e- schwerdeführers sowie des psychischen Gesundheitszustandes der B e- schwerdeführerin (vgl. E. 6 oben) sind den Akten keine stichhaltigen A n- haltspunkte für das Vorliegen einer medizinischen Notlage in Mazedonien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu entnehmen, die neu nach dem Urteil vom 8. Mai 2013 entstanden wäre, zumal auch in der Beschwerdeschrift nicht von einer wesentlichen Verschlechterung insbesondere der psychi- schen Situation der Beschwerdeführerin sondern lediglich einer weiterhin schlechten Situation ausgegangen worden ist. Daran vermag auch die im Arztbericht vom 19. Februar 2014 festgestellte Schwangerschaft der B e- schwerdeführerin nichts zu ändern. 8.3.3 Nach dem Gesagten geht das Gericht von eine r individuellen Zu- gangsmöglichkeit der Beschwerdeführenden zum mazedonischen G e- sundheitssystem aus. Dabei vermag auch der Hinweis, wonach es für die Beschwerdeführerin unmöglich sei, sich am Ort ihrer Vergewaltigung und des Vergewaltigungsversuches behandeln zu lassen, nichts zu ändern. Da die benötigten Therapien erhältlich sind, erweist sich der Wegwe i- sungsvollzug vorliegend als zumutbar. Schliesslich ist darauf hinzuwe i- sen, dass die Beschwerdeführenden im Rahmen der individuellen Rüc k- kehrhilfe die Möglichkeit haben, zusätzliche medizinische Hilfeleistungen (Kauf von Medikamenten, Organisation einer me dizinischen Behandlung nach der Rückkehr, ärztliche Begleitung während der Heimreise) zu b e- antragen. 8.4 Insgesamt sprechen die bestehenden gesundheitlichen Beschwerden weiterhin nicht gegen einen Vollzug der Wegweisung, und es besteht kein Anlass, von einer d erart verschlechterten Lage auszugehen, dass der letzte rechtskräftige Entscheid des BFM wiedererwägungsweise aufzuh e- ben wäre. E-807/2014 Seite 11 8.5 Ferner ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, wenn die asy l- suchende Person weder in den Heimat - oder in den Herkunftsstaa t noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). Der Vollzug ist vorliegend mangels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch als möglich zu bezeichnen. 8.6 Zusammengefasst ist der Vollzug der Wegweisung als zulässig , z u- mutbar und möglich zu betrachten. Nach dem Gesagten fällt eine Anor d- nung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 8.7 Mit dem vorliegenden direkten Entscheid wird das Gesuch um G e- währung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos. 9. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgel t- lichen Rechtspflege gemäss A rt. 65 Abs. 1 und 2 VwVG ist ab zuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorliegenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren , weshalb die kumulativen Vorau s- setzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht e r- füllt sind. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf in s- gesamt Fr. 1200.‒ festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem B un- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-807/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1200.‒ werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu- gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand: