2019 1 Submission; Untersuchungsgrundsatz und Rechtsanwendung von Amtes wegen; Aktenführungspflicht ; Bewertungsmethode – Art. 1 Abs. 3 lit. c und lit. d, Art. 13 lit. f und Art. 18 Abs. 1 IVöB; Art. 44 Abs. 1 VRG; Art. 32 Abs. 1 VRöB. Untersuchungsgrundsatz und Rechtsanwendung von Amtes wegen bei Sub- missionsbeschwerden (E. 4.2). Die fehlende Dokumentierung des Ablaufs und des Ergebnisses einer Punkte- vergabe durch die Jury stellt eine Verletzung der Aktenführungspflicht der Verga- bestelle dar. Die Pflichtmässigkeit der Ermessensausübung kann so nicht gericht- lich beurteilt werden (E. 4.2.2). Angesichts der Gewichtung der Zuschlagskriterien "Funktionalität / Komfort / Optik" mit 60% und "Preis " mit 40% kann die gewählte Bewertungsmethode, welche es verunmöglicht, bezüglich Funktionalität, Komfort und Optik gleichwertige Produkte gleich zu bewerten, zu Verzerrungen führen und das ohnehin tief gewichtete Zuschlagskriterium "Preis" verwässern. Ver stoss gegen das Wirtschafts - und Transparenzgebot vorliegend bejaht (E. 4.2.3). OGE 60/2018/45 vom 30. April 2019 Keine Veröffentlichung im Amtsbericht Sachverhalt Die Stadt Schaffhausen führte zur Beschaffung von Schulmobiliar für das Schul- haus X., namentlich von Schülerstühlen und Schülertischen, ein Einladungsverfah- ren durch und liess das Mobiliar durch ein 14-köpfiges Gremium auf Funktionalität, Komfort und Optik bewerten (Zuschlagskriterium 1; Gewichtung: 60%). Den Zu- schlag erhielt die D. AG. Dagegen erhob die E . AG, welche den besseren Ange- botspreis (Zuschlagskriterium 2; Gewichtung: 40%) offeriert hatte, Verwaltungs- gerichtsbeschwerde ans Obergericht. Dieses lud die D . AG zum Verfahren bei, hiess die Beschwerde gut und wies die Sache an die Stadt Schaffhausen zur Neu- durchführung der Bewertung des ersten Zuschlagskriteriums zurück. Aus den Erwägungen 2. Im Submissionsverfahren sollen unter anderem d ie Gleichbehandlung der Anbieterinnen und eine unparteiische Vergabe sowie die Transparenz des Verga- beverfahrens und die wirtschaftliche Verwendung öffentl icher Mittel sichergestellt werden (Art. 1 Abs. 3 lit. b bis d der Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen vom 25. November 1994 / 15. März 2001 [IVöB, 2019 2 SHR 172.510]). Die Vergabestelle legt die für die Beschaffung massgeblichen Kri- terien im Hinblick auf die Besonderheiten des jeweiligen Auftrags zu Beginn des Verfahrens fest und gibt diese bekannt. Dabei hat sie die Zuschlagskriterien im Voraus in der Reihenfolge ihrer Bedeutung darzulegen oder zumindest die relative Bedeutung, die sie den einzelnen Kriterien beimessen will, ersichtlich zu machen (Art. 12 lit. m und Art. 14 lit. i der Vergaberichtlinien vom 15. April 2003 zur Inter- kantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen vom 25. No- vember 1994 / 15. März 2001 [VRöB, SHR 172.512]). Beim Entscheid darüber, welches Angebot anhand der Zu schlagskriterien das wirtschaft lich günstigste ist, und damit insbesondere auch bei der Bewertung der Zuschlagskriterien selber, steht der Vergabestelle ein erheblicher Ermessensspi elraum zu, in welchen das Gericht nicht eingreifen kann, es sei denn, er werde überschritten oder missbraucht (vgl. Art. 16 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 IVöB; ferner OGE 60/2018/7 vom 3. Juli 2018 E. 3.1 f. und OGE 60/2017/17 vom 1. Dezember 20 17 E. 2.3, Amtsb ericht 2017, S. 134 f., jeweils mit Hinweis; ferner BGE 143 II 553 E. 6.3.2 S. 558 f.). 3.1. Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, sie habe die Vergabe verloren, weil sie beim Schülertisch nur 44 Punkte (Beigeladene: 110 Punkte) bzw. beim Schülerstuhl nur 119 Punkte (Beigeladene: 149 Punkte) erzielt habe, obwohl sie praktisch denselben Tisch bzw. Stuhl wie die Beigeladene offeriert habe. Es gebe bei ihren Produkten und den Produkte n der Beigeladenen aus fachmänni- scher Sicht keine qualitativen U nterschiede. Sie habe die Tische und Stühle offe- riert, welche die Stadt Schaffhausen ausgeschrieben habe, und nicht wie die Bei- geladene noch zusätzliche Leistungen angeboten. Die Stadt Schaffhausen habe in ihr er Beurteilung auf Kriterien ab gestellt, welche nie ausgeschrieben worden seien. Die zusätzlichen Leistungen hätten nicht in die Beurteilung einbezogen wer- den dürfen. Wären die verlangten Kr iterien korrekt ausgeschrieben worden, hätte die Beschwerdeführerin diese ebenso gut wie die Beigeladene erfüllt. Sodann sei die Beurteilung in den Punkten, in denen die Beigeladene eine bessere Beurteilung erfahren habe, nicht stichhaltig und nicht massgeblich. Die Qualitätsbeurteilung durch die Jury sei laienhaft und die Jury in Bezug auf die für die Punktierung zu beachtende Ausschreibung zu wenig sensibilisiert gewesen. Der Zuschlag hätte aufgrund des grossen Punktevorsprungs im Preis offensichtlich der Beschw erde- führerin erteilt werden müssen . Es werd e die Einholung einer fachmännischen Expertise beantragt. 3.2. Die Stadt Schaffhausen weist darauf hin, dass das Mobili ar für das Schul- haus X. parallel zum Mobiliar für das Schulhaus Y. beschafft worden sei. Die Bewertung der Produkte habe einmalig für beide Schulhäuser stattgefunden und es habe sich rangmässig die gleiche Klassierung ergeben. 2019 3 Nach Ansicht der Stadt Schaffhausen ist die Bewertung des Zuschlagskriteriums Z1 "Funktionalität / Komfort / Optik" korrekt erfolgt . Die Jury sei neutral und breit zusammengesetzt gewesen (je zwei Lehrpersonen der Schulhäuser X. und Y., die Hauswarte der beiden Schulhäuser, zwei Personen aus dem Bereich Bildung, der Leiter Facility Ma nagement, zwei Vertreter des Architektenteams des Neubaus Schulhaus Y. und drei Vertreter des Hochbauamts). Jedes Jurymitglied habe die einzelnen Mobiliarpositionen persönlich mit Punkten bewertet. Dabei seien pro Produkt je Jurymitglied drei Punkte zur Verfügung gestanden. Zwei Punkte seien für das nach A nsicht des Jurymitglieds beste Produkt und ein Punkt sei an das zweitbeste Produkt vergeben worden. Anschliessend seien die verteilten Punkte zusammengezählt und über den Mengenprozentsatz mit den Kosten zu einer Ge- samtbewertung verrechnet worden. Die höch ste Punktzahl sei anschliessend mit 5 Punkten in die KBOB -Skala (Konferenz der Bau - und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren) übersetzt worden. Darunter sei linear gewichtet und ganz- zahlig zu Gunsten der Anbieterinnen aufgerundet worden. Die Bewertung habe mit zwei Gruppen an zwei Tagen stattgefunden. Die Punktzahlen der beiden Tage seien separat erfasst worden, wobei die Produkte der Beigeladenen jeweils am besten bewertet worden seien. Zwar seien die Tische und Stühle der Beschwerde- führerin und der Beigeladenen als Folge der detaillierten Vorgaben im Devis ähn- lich; in der Praxis seien sie jedoch nicht deckungsgleich. Die Beschwerdeführerin habe sich im Gegensatz zur Beigeladenen an das geforderte Mindestmass gehal- ten, weshalb ihre Produkte schlechter abgeschnitten hätten. Eine von der Beigela- denen angebotene, aber explizit nicht erwünschte Funktion (Schrägstellfunktion beim Schülertisch) sei nicht in die Beurteilung eingeflossen. Im Übrigen habe auch die Beschwerdeführerin über das Mindestmass hin ausgehende Produkteigen- schaften (kippbare Sitzfläche beim Schüler stuhl) offeriert. Insgesamt lege die Be- schwerdeführerin eine technische Perspektive an den Tag und versteife sich auf die mechanischen Eigenschaften und materiellen Ausführungen des Mobiliars. Sie lasse ausser Acht, dass die Funktionalität neben Komfort und Optik lediglich einen Teil des Zuschlagskriteriums Z1 ausmache, und könne nun nicht nachträglich eine Anpassung an das bei der Jury beliebtere Design vornehmen. Schliesslich seien die Bewer tungskomponenten durch die Interdisziplinarität der Jury, das Bewer- tungsprozedere und den direkten Vergleich der Möbel soweit möglich versachlicht worden, weshalb sich die Einholung einer unabhängigen Expertise erübrige. 4.1. Die Beschwerdeführerin beschränkt sich im Wesentlichen darauf, die Gleichwertigkeit der von ihr und von der Beigeladenen angebotenen Schülertische und Schülerstühle anhand von technischen Ausführungen zu behaupten. Dabei fokussiert sie sich jedoch auf die von der Beigeladenen hervorgehobenen "beson- deren Attribute" des von dieser angebotenen Mobiliars. Die Beschwerdeführerin 2019 4 setzt sich weder mit der ausführlichen Begründung der Stadt Schaffhausen noch mit der beim Zuschlagskriterium Z1 "Funktionalität / Komfort / Optik" angewandten Bewertungsmethode konkret auseinander. Sie stützt ihre Ausführungen auch nicht weiter auf die Vergabeakten, in welche sie grundsätzlich hätte Einsicht nehmen können. Die behauptete Laienhaftigkeit bzw. Fehlerhaftigkeit der Punktier ung durch die Jury wird ebenso wenig substantiiert begründet wie der Antrag auf Ein- holung einer fachmännischen Exper tise. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die Beigeladene habe nicht geforderte Zusatzleistungen offeriert und sei deshalb zu Unrecht besser bewertet worden, vermag sie nicht durchzudringen. Bei den behaupteten Zusatzleistungen wie der ersetzbaren und dreidimensional be- weglichen Lehne mit integriertem Wipp-Element des Schülerstuhls handelt es sich um spezifische Eigenschaften der von der Beigeladenen angebotenen Produkte. Es steht einer Anbieterin im Rahmen des durch die Vergabestelle definierten Be- schaffungsgegenstands grundsätzlich frei zu bestimm en, welches Produkt sie mit welchen Eigenschaften offerieren will. Dies stimmt mit der vergaberechtlichen Ziel- setzung eines wirksamen Wettbewerbs überein (vgl. Art. 1 Abs. 3 lit. a und Art. 11 lit. b IVöB) und erlaubt es letztlich, in Kombination mit dem Preiselement, die wirt- schaftliche Verwendung öffentlicher Mittel sicherzustellen (vgl. Ar t. 1 Abs. 3 lit. d IVöB) und dem wirtschaftlich günstigsten Angebot den Zuschlag zu erteilen (vgl. Art. 32 Abs. 1 VRöB). Im Übrigen übersieht die Beschwerdeführerin, dass sie, wie die Stadt Schaffhausen zutreffend festgehalten hat, ebenfalls gewisse Produk tei- genschaften wie eine kippbare Sitzfläche beim Schülerstuhl offerierte, welche nicht im Leistungsverzeichnis aufgeführt waren. Schliesslich war die Stadt Schaffhausen bei der Wahl der zur Bewertung eingesetzten Mittel grundsätzlich frei, solange das eingeschlagene Verfahren geeignet ist, eine sachliche Bewertung zu gewähr- leisten (vgl. Galli/Moser/Lang/Steiner, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. A., Zü rich/Basel/Genf 2013, Rz. 984, S. 441, mit Verweis auf VGer ZH VB.2003.00204 vom 17. März 2004 E. 2.3.3). Die Beurteilungsjury setzte sich aus Mitarbeitern des Hochbauamts sowie aus Personen aus dem Schulbetrieb und dem Bauwesen zusammen. Ein derartiges Gremium scheint grundsätzlich in der Lage zu sein, die f raglichen Produkte sachlich kor rekt auf Funktionalität, Komfort und Optik zu bewerten, weshalb der Vorwurf der Laienhaftigkeit am Ziel vorbeigeht. Der Antrag auf Einholung einer fachmännischen Expertise ist daher nach dem Gesagten abzuweisen und die Rügen der Beschwerdeführerin erweisen sich al s unbegründet. 4.2. Das Obergericht stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersu- chungsgrundsatz; Art. 7 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über den Binnenmarkt [BGBM] vom 29. Juni 1998 [EG BGBM, SHR 172.500] und § 5 Abs. 2 der Verordnung vom 15. April 2003 zur Interkantonalen Vereinbarung über das 2019 5 öffentliche Beschaffungswesen vom 25. November 1994 / 15. März 2001 [ViVöB, SHR 172.511] i.V.m. Art. 44 Abs. 1 des Gesetzes über den Rechtsschutz in Ver- waltungssachen vom 20. September 1971 [Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRG, SHR 172.200]) und wendet das Recht von Amtes wegen an (vgl. OGE 60/2018/7 vom 3. Juli 2018 E. 3.3). Der Untersuchungsgrundsatz wird indes durch das Rüge- prinzip bzw. die Mitwirkungspflichten der Parteien relati viert, wonach die Parteien die notwendigen Sachvorbringen fristgerecht selber vorzutragen haben (vgl. Art. 3 EG BGBM und § 5 Abs. 1 ViVöB; zu den öffentlichen Beschaffungen des Bundes BGE 143 II 425 E. 5.1 S. 438 f.). Das Obergericht kann in diesem Sinne F ragen nachgehen, die von der Beschwerdeführerin zwar nicht ausdrücklich aufgeworfen wurden, zu deren Beantwortung aufgrund der Parteivorbringen in Kombination mit den Akten aber durchaus Anlass besteht (Galli/M oser/Lang/Steiner, Rz. 1380, S. 701 f., mit Hinweisen; vgl. BGE 143 II 425 E. 5.3 S. 440 f.) bzw. wenn rechtliche Mängel offensichtlich sind (vgl. BGE 141 II 307 E. 6.7 S. 316). 4.2.1. […] 4.2.2. Näher einzugehen ist indes auf den Ablauf der Jurypunktevergabe. Ge- mäss den nicht ausgefüllten Beurteilu ngsblättern entsprach ein grüner Aufkleber zwei Punkten und sagte aus, dass das Jurymitglied das mit grün bewertete Produkt wählen würde. Ein gelber Aufkleber entsprach demnach einem Punkt und sagte aus, dass das mit gelb bewertete Produkt für das Jurymitg lied ein Kompromiss wäre. Ohne Aufkleber gab es keine Punkte für Produkte, die das Jurymitglied nicht wählen würde. Die Stadt Schaffhausen führte in Übereinstimmung mit den Instruk- tionen auf den Beurteilungsblättern – welche nahelegen, dass die Aufkleber v er- schiedenen Produkten zuzuordnen waren – zunächst aus, jedem Jurymitglied seien drei Punkte zur Verfügung gestanden. Das einzelne Jurymitglied habe für das nach seiner Ansicht beste Produkt zwei Punkte und für das zweitbeste Produkt einen Punkt vergeben. Später machte die Stadt Schaffhausen abweichend davon geltend, die Jurymitglieder hätten pro Möbelkategorie maximal drei Punkte zu ver- geben gehabt und seien in der Aufteilung der Punkte vollkommen frei gewesen. Zu keinem Zeitpunkt habe es Restriktionen geg eben, wonach in jedem Fall zwei Punkte an das beste und ein Punkt an das zweitbeste Produkt zu vergeben gewe- sen seien. Zwar habe man den Jurymitgliedern die Möglichkeit bieten wollen, zwei qualitativ ähnliche Produkte mit Punkten zu versehen. Jedoch hätten sie auch alle drei Punkte einem einzigen Produkt erteilen können. Dies hätten einige Mitglieder beim Schülertisch der Beigeladenen offenkundig auch getan. Schliesslich präzi- sierte die Stadt Schaffhausen, die Jurymitglieder se ien vollkommen frei gewesen und hätten auch keine bzw. nicht alle Punkte vergeben können. Einzige Einschrän- kung sei die maximale Anzahl von drei Punkten gewesen. In die sem Sinne seien 2019 6 auch keine abgezählten grünen und gelben Aufkleber verteilt worden. Stattdessen seien die Aufkleber in Form eines Bogens fü r alle Jurymitglieder zur Bedie nung aufgelegen. Es sei denkbar, dass ein Jurymitglied für den Schülertisch der Beige- ladenen anstatt eines grünen zwei gelbe Aufkleber verwendet habe. Entscheidend sei, dass die Maximalpunktzahl von 42 Pu nkten für alle Jurymitglieder zusammen pro Möbelkategorie nicht überschritten worden sei. Dadurch sei sichergestellt wor- den, dass kein Jurymitglied mehr als die ihm zugestandenen Punkte vergeben habe und dass tatsächlich bloss 14 Jurymitglieder an der Bewertung teilgenommen hätten. Hätten nämlich, wie vom Obergericht in Frage gestellt, tatsächlich 15 Jury- mitglieder teilgenommen, hätte sich dies unweigerlich auch in der Maximalpunkt- zahl niedergeschlagen. Die Ausführungen der Stadt Schaffhausen zum Ablauf der Punktevergabe erschei- nen insgesamt widersprüchlich. Entgegen ihrer Darstellung war mit dem gewählten System überdies nicht gewährleistet, dass jedes Jurymitglied höchstens drei Punkte vergab. Hätten gewisse Jurymitglieder nicht die gesamten ihnen zur Verfü- gung stehenden drei Punkte vergeben, wäre die Maximalpunktzahl von 42 Punkten auch dann nicht überschritten worden, wenn einzelne Jurymitglieder unzulässiger- weise (höchstens im gleichen Umfang) mehr als drei Punkte verteilt hätten. Wie die Jurymitglieder mit den Aufklebern wirklich umgegangen sind, ist der Stadt Schaffhausen im Übrigen selber nicht klar, äussert sie doch insoweit lediglich Mut- massungen ("offenkundig", "denkbar"). In dieser Situation und angesichts des Um- stands, dass die Beurteilungsblätter vo n den Jurymitgliedern nicht aus gefüllt und somit ihre Beweggründe nicht schriftlich festgehalten wurden, erscheint es zudem fraglich, wie die Stadt Schaffhausen in der Lage war, das Ergebnis der Jurypunkte- vergabe […] im Detail zu begründen. Mangels schriftlicher Dokumentation sind der Ablauf und das Ergebnis der Jurypunktevergabe und damit die grossen Abwei- chungen bei der Bewertung des hauptsächlichen Zusch lagskriteriums letztlich nicht nachvollziehbar und die Pflichtmässigkeit der Ermessensausübung durch die Vergabestelle einer gerichtlichen Überprüfung daher nicht zugänglich (vgl. OGE 60/2003/9 vom 19. Dezember 2003 E. 2c, Amtsbericht 2003, S. 138 f.). Die s stellt eine schwerwiegende Verletzung der aus dem rechtlichen Gehör fliessenden Aktenführungspflicht der Vergabestelle (vgl. dazu BGE 142 I 86 E. 2.2 S. 89 und BGer 2C_13/2018 vom 16. November 2018 E. 3.5.2 mit Hinweisen) dar, welche im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht geheilt werden kann, da hierzu letztlich die im Ermessen der Stadt Schaffhausen liegende Bewertung des Zuschlagskrite- riums Z1 "Funktionalität / Komfort / Optik" zu wiederholen ist. Folglich rechtfertigt dies für sich allein bereits die Aufhebung des Zuschlags. 2019 7 4.2.3. Sodann erscheint […] auch die gewählte Bewertungsmethode des Zu- schlagskriteriums Z1 "Funktionalität / Komfort / Optik" als problematisch. Gemäss den Ausschreibungsunterlagen wären die durch die Anbieterinnen bereitgestellten Möbel unter Abdeckung der Firmenbezeichnungen von einem Gremium aus sechs bis zehn Personen neutral auf Funktionalität, Komfort und Optik zu bewerten gewesen. Alle Einzelbewertungen sollten sodann die Gesamtnote Z1 ergeben, wo- bei die Notenskala für die beiden Zuschlagskriterien Z1 "Funktionalität / Komfort / Optik" und Z2 "Preis" von 0 (schlechteste Note) bis 5 (beste Note) reichte. Nicht definiert war die für die Bewertung des Zuschlagskriteriums Z1 anzuwendende Punkteskala bzw. das anzuwendende Punktesystem. Abgesehen davon, dass die Firmenbezeichnungen entgegen den Ausschreibungsunterlagen nicht abgedeckt waren, verunmöglichte das gewählte Vorgehen, wonach jedes Jurymitglied pro Möbelkategorie maximal drei Punkte vergeben konnte, eine neutrale Bewertun g der einzelnen Möbelstücke. Insofern ist unerheblich, ob durch die Identifizierbarkeit der einzelnen Herstellerinnen bzw. Anbieterinnen für alle die gleichen Be- dingungen herrschten. Die Jurymitglieder waren auf diese Weise nämlich gezwun- gen, die Möbelstücke relativ bzw. in Relation zueinander zu bewerten, und somit für sich bereits eine individuelle Rangfolge der Produkte festzulegen. Dies gilt un- geachtet der Frage, ob die Jurymitglieder für das in ihren Augen beste Produkt zwei und für das zweitbeste Pro dukt einen Punkt zu vergeben hatten oder ob sie in der Aufteilung der Punkte völlig frei waren (vgl. vorstehende E. 4.2.2). Es war ihnen namentlich nicht möglich, zwei oder mehreren Produkten die ma ximale Punktzahl von zwei Punkten zu vergeben, selbst wenn diese ihnen gleichwertig erschienen sein sollten. Auch war es ihnen nicht möglich, sämtlichen fünf Produk- ten einer Möbelkategorie zumindest einen Punkt zu vergeben, selbst wenn sie alle für die Jurymitglieder als "Kompromiss" in Frage gekommen wären. Dem gewähl- ten Vorgehen ist daher immanent, dass hinsichtlich des Zuschlagskriteriu ms Z1 gleichwertige Produkte unterschiedlich bewertet werden und ein besser bewerte- tes, aber im Endeffekt gleichwertiges Produkt trotz eines höheren Angebotspreises allenfalls den Zuschlag erhalten kann. Angesichts der Gewichtung des Zuschlags- kriteriums Z1 mit 60% könnten so im vorliegen den Fall auch keine bzw. lediglich geringfügige Unterschiede in der Funktionalität, i m Komfort oder in der Optik er- hebliche Auswirkungen zeitigen und zu Verzerrungen führen. D as angewandte Punktesystem erscheint deshalb geeignet, die gewählte Gewichtung des Zu- schlagskriteriums Z1 effektiv zu verstärken bzw. das – bei weitgehend standardi- sierten Gütern wie dem fraglichen Schulmobiliar – mit 40% bereits tief gewichtete Zuschlagskriterium Z2 "Preis" (vgl. dazu BGE 143 II 553 E. 6.4 S. 559) zu verwäs- sern und dadurch das Wirtschaftlichkeitsgebot nach Art. 1 Abs. 3 lit. d und Art. 13 lit. f IVöB (vgl. BGer 2C_147/2017 vom 23. Januar 2018 E. 2.5.2) zu verletzen. Im 2019 8 Übrigen erscheint vorliegend auch das Transparenzgebot nach Art. 1 Abs. 3 lit. c IVöB (vgl. BGE 143 II 553 E. 7.7 S. 565 f.) missachtet. Denn die in den Ausschrei- bungsunterlagen festgelegte neutrale Bewertung durch ein Gremium aus sechs bis zehn Personen legt nach Treu und Glauben nahe, dass jedes Produkt unter Aus- schöpfung der gewählten Punkteskala und ohne Rücksicht auf die übrigen Pro- dukte individuell zu bewerten ist. Der Zuschlag ist folglich auch wegen der Rechts- fehlerhaftigkeit der angewandten Bewertungsmethode bzw. d es ange wandten Punktesystems aufzuheben. 4.3. Ist der Vertrag noch nicht abgeschlossen, kann das Obergericht die Aufhe- bung des Zuschlags beschliessen und in der Sache selbst entscheiden oder sie an die Auftraggeberin oder den Auftraggeber mit oder ohne verbindliche Anordnung zurückweisen (Art. 18 Abs. 1 IVöB). Vorliegend is t der Zuschlag vom 14. Dezem- ber 2018 aufzuheben und die Sache zwecks Neudurchführung der Bewertung des Zuschlagskriteriums Z1 "Funktionalität / Komfort / Optik" in dokumentierter Form und zu den in den Ausschreibungsunterlagen definierten Bedingungen an die Stadt Schaffhausen zurückzuweisen. Diese hat eine geeignete Bewer tungsmethode bzw. ein geeignetes Punktesystem zu wählen, welches den Anforderungen des Vergaberechts, namentlich dem Wirtschaftlichkeits - und dem Transparenzgebot, genügt. Die F. AG als Drittanbieterin ist angesichts der ungeteilten Rechtswirkung des Zuschlags ebenfalls in die neue Bewertung einzubeziehen (vgl. BGE 141 II 14 E. 4.7 S. 31 f.).