B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3623/2013/wif U r t e i l v o m 9 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Sudan, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M., Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Mai 2013 / N (…). D-3623/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein aus B._______ (…-Darfur) stammender sudanesischer Staatsangehöriger der Ethnie der Fur angehörend, suchte am 19. November 2006 in der Schweiz um Asyl nach . Zur Beg ründung machte er im Wesentlichen geltend, er habe wegen der anhaltend kriege- rischen Zustände und der Gefahr, als Zwangsrekrutierter gegen die eig e- ne Bevölkerung eingesetzt zu werden, seine Heimat verlassen. A.b Das BFM erachtete die Vorbringen mit Verfügung vom 17. Januar 2007 als nicht glaubhaft, stellte fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Dabei verneinte die Vor instanz die Zumutbarkeit des Vollzugs ins Herkunftsgebiet und stellte fest, der Beschwerdeführer verfüge ausse r- halb der Krisenregion Darfur – so zum Beispiel in C._______ – über eine innerstaatliche Aufenthaltsalternative. B. B.a Gegen diesen Entscheid liess de r Beschwerdeführer mittels Eingabe seiner damaligen Rechtsvertretung vom 22. Februar 2007 beim Bundes- verwaltungsgericht im Vollzugspunkt Beschwerde erheben. B.b Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens beantragte das BFM am 16. März 2007 die Abweisung der Beschwerde. B.c Mit Replik vom 3. April 2007 hielt der Beschwerdeführer an seinen Vorbringen fest. C. C.a Am 18. März 2010 reichte der Beschwerdeführer Beweismittel für sein exilpolitisches Engagement ein. Es handelte sich dabei um zwei Akk- reditierungskarten der UNOG vom (…). April 2009 sowie (…). Juni 2009 und ein Schreiben des Präsidenten der NGO " Darfur Friedens- und Ent- wicklungszentrum". Der Beschwerdeführer habe an zwei UN -Konfe- renzen in D._______ als Zeuge der Verbrechen in seinem Heimatstaa t teilgenommen. C.b Mit Zwischenverfügung vom 19. Mai 2010 stellte das Bundesverwa l- tungsgericht (erneut) fest, das Verfahren richte sich lediglich gegen den angeordneten Wegweisungsvollzug. Aufgrund der Aktenlage wurde dem D-3623/2013 Seite 3 Beschwerdeführer Frist angesetzt für eine Stellungnahme, ob er mit der Eingabe vom 18. März 2010 im Rahmen eines zweiten Asylgesuchs E r- eignisse mit allfälliger Relevanz für die Flüchtlingseigenschaft geltend mache. C.c Nach gewährter Fristerstreckung legte der Beschwerdeführer mit Ein- gabe vom 14. Juni 2010 dar, er mache solche Ereignisse geltend. Als weitere Belege gab er eine Mitgliederkarte des Sudan Liberation Mov e- ment (SLM), eine Akkreditierungskarte der (…). Session des UNO -Men- schenrechtsrates, die Statuten des Darfur Friedens - und Entwic klungs- zentrums, einen Zeitungsbericht über die Ermordung eines nach der Rückkehr in den Sudan getöteten Asylsuchenden sowie acht Fotos (Ver- anstaltung in D._______) zu den Akten. D. Am 17. Juni 2010 schrieb das Bundesverwaltungsgericht das Beschwe r- deverfahren als gegenstandslos geworden ab und forderte das BFM auf, betreffend den Beschwerdeführer ein zweites Asylverfahren einzuleiten. Dessen Ausgang könne der Beschwerdeführer in der Schweiz abwarten. E. Im Rahmen des neuen Asylverfahrens führte das BFM am 7. J uli 2010 eine Anhörung durch. Der Beschwerdeführer machte geltend, seit 2007 Mitglied des Darfur Friedens- und Entwicklungszentrums (DFEZ) zu sein. Am 9. Oktober 2009 sei er dem SLM beigetreten. Er habe an Anlässen dieser Gruppierungen und insbesondere auch an UNO -Sitzungen in D._______ teilgenommen. Die Statuten des DFEZ belegten seine Mi t- gliedschaft bei dieser Gruppierung und die Tatsache, dass er sich für h u- manitäre Belange einsetze. Den Zeitungsartike l über die Ermordung ei- nes nach der Rück kehr in den Sudan getöteten Asylsuchenden aus Dar- fur habe er eingereicht, weil ihm dasselbe Schicksal drohe. Die Fotos seien anlässlich einer UNO-Konferenz vom März 2010 in D._______ auf- genommen worden. Sie zeigten ihn und andere Engagierte im Rahmen der besagten Konferenz. Er sei als Mitglied der DFEZ dazu eingeladen worden. Von April 2008 bis April 2009 habe er an drei weiteren Konferen- zen teilgenommen. Als Augenzeuge aus Darfur habe er sich zur Situation vor Ort g eäussert. In der Folge sei jeweils beschlossen worden, ob eine Demonstration stattfinde oder nicht. Die sudanesischen Sicherheitskräfte wüssten von seinem Engagement. Sudanesische Regierungspolitiker hät- ten immer wieder mit den Aktivisten gesprochen, sie f otografiert und auf- gefordert, mit den Protesten aufzuhören. Zudem habe er 2009 an einer D-3623/2013 Seite 4 Protestaktion zusammen mit Juden teilgenommen. Dabei sei er wiederum durch sudanesische Regierungsmitglieder beobachtet worden. Man habe die Teilnehmenden beschuldigt, für Israel und gegen die muslimische Welt zu sein. Sein Vater sei in diesem Zusammenhang vor kurzer Zeit im Sudan kontaktiert worden. Man habe ihm erklärt, sein Sohn kooperiere in Europa mit Israel, was nicht gut sei, und Fotos von Demonstrationen g e- zeigt. Im Falle der Rückkehr müsse er wegen seiner Aktivitäten mithin das Schlimmste befürchten. F. F.a Mit Verfügung vom 27. Mai 2013 – eröffnet am 29. Mai 2013 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein zweites Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es se i- ne Wegweisung aus der Schweiz an und forderte ihn – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfa ll – auf, die Schweiz bis zum 22. Juli 2013 zu verlassen. F.b Die Vorinstanz erwog, exilpolitische Aktivitäten könnten nur dann im Sinne von subjektiven Nachfluchtgründen zur Flüchtlingseigenschaft fü h- ren, wenn davon ausgegangen werden müsse, dass diese Aktivi täten im Falle einer Rückkehr in den Sudan mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Massnahmen für den Betroffenen zur Folge hätten. Die blosse Mitgliedschaft des Beschwerdeführers beim SLM und DFEZ und die Teil- nahme an Konferenzen, Treffen und Protestaktionen liessen jedoch nicht auf eine drohende asylrelevante Verfolgung im Heimatstaat schliessen. Den Akten könnten keine Hinweise dafür entnommen werden, dass die sudanesischen Behörden von der Mitgliedschaft auc h nur Kenntnis g e- nommen oder gar gestützt darauf irgendwelche Massnahmen zu seinem Nachteil eingeleitet hätten. Zwar habe er wie erwähnt an Konferenzen teilgenommen und sich mit der Führung der DFEZ getroffen. Eine ve r- antwortungsvolle Funktion in exponiert er Art und Weise sei dabei aber nicht erkennbar; es handle sich lediglich um eine ausgesprochen niedrig profilierte exilpolitische Tätigkeit. Die sudanesischen Behörden hätten aber nur Interesse an der Identifizierung von Personen, deren Aktivitäten als ko nkrete Bedrohung für das politische System wahrgenommen wü r- den. Entsprechend sei davon auszugehen, dass er aufgrund seines E n- gagements nicht ins Visier der heimatlichen Behörden geraten sei. De m- zufolge bestehe keine konkrete Gefahr im Falle der Rückkehr in den Su- dan, zumal keine Anhaltspunkte für die Annahme, im Sudan wären gegen ihn aufgrund der geltend gemachten Aktivitäten behördliche Massnahmen eingeleitet worden, bestünden. Die geltend gemachten subjektiven Nach-D-3623/2013 Seite 5 fluchtgründe hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AslyG nicht stand, weshalb er nicht als Flüchtling ane r- kannt werden könne. Betreffend Zumutbarkeit des Vollzugs hielt die Vo r- instanz fest, der aus Darfur stammende Beschwerdeführer verfüge – bei- spielsweise in C._______ – über eine innerstaatliche Aufenthaltsalternati- ve. G. G.a Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 25. Juni 2013 beantragte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigen- schaft, eventualiter d ie Feststellung der Unzulässig keit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verbunden mit der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz sowie die unentgeltliche Rechts pflege (Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsver fahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) samt Entbindung von der Vorschusspflicht. G.b Zur Begründung legte der Beschwerdeführer dar, im März 2008, April 2009, Juni 2009, März 2010 sowie März 2012 hätten in D._______ UNO- Konferenzen über Menschenrechte stattgefunden. Er habe dabei jeweils als Augenzeuge von den persönlich erlebten Geschehnissen in Darfur be- richtet. Ferner habe er an mehreren Demonstrationen gegen das sudane- sische Regime und am Symposium des internationalen Strafgerichtsho fs vom November 2010 in E._______ teilgenommen. Es treffe zwar zu, dass er innerhalb der Organisationen SLM und DFEZ keine führenden Funkt i- onen innehabe. Entgegen der vorinstanzlichen Sichtweise führe dies aber nicht automatisch zum Schluss, dass die sudan esischen Behörden und insbesondere der Geheimdienst kein Interesse an seinen Tätigkeiten b e- kunden würden. So habe er als Repräsentant der genannten Organisatio- nen an öffentlichen Veranstaltungen teilgenommen und mit Journalisten geredet. Nicht nachvollzie hbar sei, in welcher Form das BFM Hinweise aus den Akten erwarte, welche darauf hindeuten sollten, dass die sud a- nesischen Behörden von seinem Engagement für besagte Organisation Kenntnis erhalten beziehungsweise Massnahmen zu seinem Nachteil ein- geleitet hätten. Es könne jedenfalls nicht erwartet werden, dass er dafür Beweise in Form von offiziellen Dokumenten vorlege. Das Bundesverwal- tungsgericht habe im Urteil E -1979/2008 vom 31. Mai 2013 ein breites Spektrum von gefährdeten Personen erwähnt. Davon, dass die sudanesi- schen Behörden lediglich an Personen, deren Aktivitäten als konkrete Be- drohung für das politische System wahrgenommen würden, interessiert seien, könne somit nicht die Rede sein. Das SLM werde nach wie vor als D-3623/2013 Seite 6 Rebellengruppe bekämpft. Der Besc hwerdeführer arbeite für die Organ i- sation als Informant. Gemäss dem eingereichten Bestätigungsschreiben werde er deswegen durch die sudanesischen Behörden gesucht. An UNO-Konferenzen habe er sich mit führenden Personen der sudanes i- schen Opposition über die aktuelle Lage in Darfur unterhalten. Dies sei den sudanesischen Behörden und dem Geheimdienst National Intelligen- ce and Security Services (NISS) mit Sicherheit nicht entgangen. Auch habe er mehrfach an Demonstrationen gegen das sudanesische Regime teilgenommen und sich gegen die Behörden geäussert. Nach dem G e- sagten und in Anbetracht weiterer Erwägungen im erwähnten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (langer Auslandaufenthalt) habe er begründe- te Furcht vor ernsthaften Nachteilen. Er sei demnach als Flüch tling anzu- erkennen. Schliesslich würde ein allfälliger Vollzug der Wegweisung g e- gen die relevanten gesetzlichen Bestimmungen verstossen. G.c Der Eingabe lagen Belege für die Teilnahme an UNO -Konferenzen und zwei Schreiben eines SLM -Verantwortlichen aus Frankreich bei. Die allfällige Nachrei chung einer Bestätigung für die Bedürftigkeit wurde in Aussicht gestellt. H. Mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 2013 verzichtete das Gericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hiess das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Dasjenige gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. H.a Mit Vernehmlassung vom 18. Juli 2013 beantragte das BFM die Abwe i- sung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Be- schwerdeführer am 25. Juli 2013 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u-D-3623/2013 Seite 7 ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vo m 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 1.4 Ein erstes Asylverfahren des Beschwerdeführers ist bezüglich Asyl und Flüchtlingseigenschaft rechtskräftig abgeschlossen worden. Vorli e- gend Prozessgegenstand bildet die Frage, ob der Beschwerdeführer au f- grund exilpolitischer Aktivitäten die Flüchtlingseigenschaft erfüllt sowie die Anordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge fährdung des Leibes, des D-3623/2013 Seite 8 Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen od er massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exilak- tivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, sich s o- mit auf das Vorliegen so genannter subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfo l- gung, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrschein- lichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person de s- halb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352; UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, D._______ 1993, Ziff. 94 ff.). Subjektive Nac h- fluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuc h- lich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flücht- linge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit wei- teren Hinweisen). 5. 5.1 Im Sudan dient der Geheimdienst NISS als Instrument der National Congress Party (NCP) und der Regierung dazu, landesweit Kritiker einzu- schüchtern oder zum Schweigen zu bringen, darunter Mitglieder der O p- position, Studenten, Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Aktivisten der Zivilgesellschaft sowie Angehörige von nationalen und internationalen Nichtregierungs- und UN -Organisationen. Ins Visier der sudanesischen Behörden und insbesondere des sudanesischen Geheimdienstes geraten Personen dann, wenn sie sich politisch engagieren, sich kritisch gegen die Regierung und die NCP sowie gegen Behörden oder über die Lage in D-3623/2013 Seite 9 den aktuellen Konfliktregionen (South Kordofan, Blue Nile, Darfur) äu s- sern oder verdächtigt werden, eine Rebellengruppe zu unterstützen. M e- dien werden weiterhin und seit Januar 2011 noch aggressiver zensuriert, Publikationen konfisziert, soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und YouTube werden infiltriert, Journalisten eingeschüchtert, verhaftet und ge- foltert. Es ist davon auszugehen, dass der sudanesischen Regierung auch exilpolitische Betätigungen von Asylsuchenden bekannt werden. Der sudanesische Geheimdienst beschäftigt sich im Ausland mit der Überwachung und Kontrolle von sudanesischen Op positionsbewegun- gen. Die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse werden im Sudan ausg e- wertet und unter anderem militärischen Stellen zur Verfügung gestellt . Zu beachten ist, dass nicht jede politische Aktivität von sudanesischen Pe r- sonen im Ausland beobachtet wird. Eine solche umfassende Beobac h- tung dürfte die finanziellen, technischen und personellen Möglichkeiten der sudanesischen Regierung schlicht überschreiten. Im Blickpunkt der Regierung dürften jedoch solche Personen stehen, die sich aufgrund b e- sonderer Umstände aus dem eher anonymen Kreis der blossen Teilne h- mer an politischen Veranstaltungen von Exilorganisationen herausheben (vgl. Urteil D-7162/2010 vom 29. Oktober 2012 E. 5.1 und die dort ang e- gebenen Quellen). 5.2 Hinweise für die aktuelle Gefährdungsla ge vor Ort ergeben sich n a- mentlich auch aus BVGE 2013/5 vom 4. Februar 2013 E. 5.3.10: " Ge- mäss den vorliegenden Quellen geraten Personen dann ins Visier der su- danesischen Behörden und insbesondere des Geheim - und Sicherheits- dienstes NISS, wenn sie sich politisch engagieren, sich kritisch gegen die Regierung, die regierende NCP , gegen Behörden oder über die Lage in Darfur äussern oder verdächtigt werden, eine Rebellengruppe zu unte r- stützen, unabhängig von der regionalen Herkunft oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe. " Für die nachfolgende Liste der Vorfälle kann auf S. 17 f. des zitierten Urteils verwiesen werden. 5.3 Schliesslich erwähnt der Beschwerdeführer das Urteil E -1979/2008 vom 31. Mai 2013. Darin wird in E. 10.5 eine Gefährdungslag e im Sinne von BVGE 2013/5 skizziert. Ferner kam das Gericht in diesem Urteil zum Schluss, angesichts des Umfangs und der Art seiner Aktivitäten wie ins- besondere auch angesichts seines offiziellen Auftretens als Repräsentant der SLM/A aus der Schweiz an ei ner UNO-Konferenz müsse davon aus- gegangen werden, dass das sudanesische Regime auf den Beschwerde- führer (des Verfahrens E-1979/2008) aufmerksam geworden sei. Gemäss den Akten habe er sich seit Jahren mit der Darfur -Frage auseinanderge-D-3623/2013 Seite 10 setzt. Wie die aktuelle Lageanalyse der Situation in Darfur aufzeig e, sei der Darfur -Konflikt nach wie vor ungelöst, wobei die SLA – als deren Schweizer Repräsentant sich der Beschwerdeführer auf internationaler Ebene zu erkennen g egeben habe – nach wie vor von den staatlichen Behörden im Sudan als Rebellengruppe bekämpft werde. Ferner müssten sudanesische Staatsangehörige nach einem längeren Auslandaufenthalt bei einer Rückkehr mit Anhörungen durch die sudanesischen Sicherheits- organe rechnen. Dabei würden auch Fragen nach etwaigen Kontakten zur Auslandopposition gestellt. Personen, welche in D._______ u.a. mit der Organisation SLM/A in Verbindung gewesen seien und sich sogar ö f- fentlich engagieren würden, seien mit Sicherheit von der Regierung r e- gistriert worden . Ebenfalls würde mit Sicherheit ein solcher Rückkehrer bei seiner Ankunft von den sudanesischen Behörden abgefangen und verhaftet werden (a.a.O. S. 36 ff.). 5.4 Der Beschwerdeführer räumt ein, als Mitglied der beiden von ihm g e- nannten Organisationen keine Fü hrungsfunktionen wahrgenommen zu haben. Insoweit kann bei ihm auch in Anbetracht seiner langjährigen Akti- vitäten nicht von einer entscheidenden Schärfung seines politischen Pro- fils in letzter Zeit ausgegangen werden. Andererseits ist unbestritten, dass er über Jahre als Mitglied der DFEZ an UNO -Anlässen partizipierte und zumindest im Umfeld dieser Konferenzen zusammen mit Führungspers o- nen dieser regierungsfeindlichen Organisationen auftrat , und dies bereits seit 2008. Auch soll er Journalistenfragen beantwo rtet haben . Zudem macht er geltend, sein Vater sei seinetwegen im Sudan durch die Behö r- den kontaktiert worden. Insgesamt weist er so nunmehr ein politisches Profil auf, welches den Arg wohn der mit Sicherheit auch in D._______ (verdeckt) operierenden sudanesischen Sicherheitskräfte im Sinne einer Identifizierung und Fichierung als zwar nicht hochkarätigen, aber durc h- aus ernst zu nehmen den Regimegegner erweckt haben dürfte. Aufgrund der gesamten Aktenlage ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh- rer seit seinem Aufenthalt in der Schweiz vom sudanesischen Regime als aktiver Oppositioneller registriert wurde. Vor diesem Hintergrund besteht hinreichender Anlass zur Annahme, dass er bei der Rückkehr in den S u- dan mit ernsthaften Nachteilen von Seiten des suda nesischen Regimes zu rechnen hätte. Die geltend gemachte Furcht vor künftiger Verfolgung ist daher als begründet zu erkennen. Da sich die Gefahr der Verfolgung bereits bei einer allfälligen Wiedereinreise in den Sudan zeigen dürfte, besteht kein hinreichen der Anlass zur Annahme, dem Beschwerdeführer stünde eine innerstaatliche Schutzalternative zur Verfügung. D-3623/2013 Seite 11 5.5 Zusammenfassend ist unter diesen Umständen festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer gelungen ist, das Bestehen subjekti ver Nac h- fluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG glaubhaft zu machen, und er da- mit die Voraussetzungen für die Zuerken nung der Flücht lingseigenschaft erfüllt, von der Asylgewährung jedoch ausgeschlossen bleibt. Es kann mithin davon abgesehen werden, auf weitere Vorbringen und die Beweis- mittel näher einzugehen. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Ab s. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgeg enstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 D-3623/2013 Seite 12 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Be schwer- deführer b egründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnte. Der Vollzug der Wegwei sung in den Sudan erweist sich daher wegen drohender Verlet zung des flüch t- lingsrechtlichen Gebots des Non -Refoulement (Art. 5 AsylG) sowi e auch mit Blick auf Art. 3 EMRK als unzulässig, da davon ausgegangen werden muss, dass er im Falle sei ner Rückkehr ins Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit menschenrechtswidriger Behandlung ausgesetzt w ä- re. 8. Diesen Erwägungen gemäss ist die Beschwerde gutzuheissen und der Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Insofern als dem Beschwerdeführer in der angefochtenen Verfügung die Gewährung von Asyl verweigert wird, und in der Folge die Wegweisung anordnet, ist dies zu bestätigen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen. 9.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteient schädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des Regle - ments vom 21. Februar 2008 über die Kos ten und Ent schädigungen vor dem Bundes verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach dem sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Ak tenlage hinreichend zuverlässig abschätzen lässt, erübrigt sich die Einholung einer Kos tenno- te. Die von der Vorinstanz aus zurichtende Parteientschädigung ist un ter Berücksichtigung der mass gebenden Be messungsfaktoren von Amtes wegen auf Fr. 1'200.– festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE) D-3623/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die vorinstanzliche Verfügung wird – mit Ausnahme der Dispositivziffern 2 und 3 – aufgehoben und das BFM angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 1'200.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: