<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2021.00594</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=224192&amp;W10_KEY=13013447&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2021.00594</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 11.07.2024</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Ãbriges Verwaltungsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Bewilligung für Veranstaltung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Bewilligung für Veranstaltung. [Widerruf der kantonalen Bewilligung für die Durchführung des Alba Festivals 2021 aufgrund der epidemiologischen Lage.] Ein aktuelles, schutzwürdiges Feststellungsinteresse kann dann vorliegen, wenn die Feststellung der Wiedergutmachung einer bereits erfolgten Rechtsverletzung dient, etwa, wenn an der Aufhebung eines angefochtenen Entscheids zwar kein aktuelles Interesse mehr besteht, die beschwerdeführende Person aber eine Verletzung der EMRK vertretbar geltend macht. In diesen Fällen ist das Verwaltungsgericht aufgrund von Art. 13 EMRK oder Art. 6 Ziff. 1 EMRK gehalten, auf die Beschwerde einzutreten und die geltend gemachte Konventionsverletzung umfassend materiell zu prüfen, sofern die Sache im Zuständigkeitsbereich des Verwaltungsgerichts liegt und die rechtsuchende Person noch keinen anderen konventionskonformen Rechtsbehelf erheben konnte (E. 1.5.2). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts können sich grundsätzlich nur natürliche Personen auf das Diskriminierungsverbot von Art. 8 Abs. 2 BV berufen (E. 1.6.1). Keine solche Beschränkung kennt die Rechtsprechung des EGMR zu Art. 14 EMRK: Dieses Gericht hört auch Beschwerden von juristischen Personen und anderen Gruppierungen wegen Verletzung von Art. 14 EMRK, sobald sie von einer Massnahme, die den Schutzbereich einer anderen Konventionsgarantie - wie beispielsweise die Versammlungsfreiheit (Art. 11 EMRK) - berührt, direkt betroffen sind und sich selbst auf die andere Konventionsgarantie berufen bzw. berufen können (E. 1.6.2 f.). Vorliegend kommt ein Eintreten auf den Feststellungsantrag der Beschwerdeführerin nur insoweit infrage, als die Verletzung von Art. 14 EMRK und allenfalls von Art. 8 Abs. 1 BV betroffen ist (E. 1.6.4 ff.). Von einer gegen Art. 14 EMRK verstossenden Diskriminierung ist auszugehen, wenn andere Personen oder Personengruppen, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden, besser behandelt werden, die Unterscheidung auf einem verpönten Merkmal beruht und sie nicht durch objektive und vernünftige Gründe gerechtfertigt ist, das heisst, sie kein legitimes Ziel verfolgt oder kein vernünftiges Verhältnis zwischen dem eingesetzten Mittel und dem angestrebten Ziel besteht (E. 2). Die Frage der Vergleichbarkeit beurteilt sich bei Massnahmen, welche die Behörden zum Schutz der Gesundheit ergreifen, in erster Linie nach der Gefahrenlage bzw. nach den Risiken, die von den betroffenen Situationen ausgehen; massgebend ist mit anderen Worten die epidemiologische Sicht. Die von der Beschwerdeführerin aufgeführten Veranstaltungen waren zumindest teilweise vergleichbar mit dem Alba Festival 2021 (E. 3.4). Die Beschwerdeführerin und das Alba Festival 2021 wurden wegen der geografischen bzw. nationalen Herkunft des Publikums anders behandelt als vergleichbare Veranstaltungen und ihre Organisatoren. Darin liegt eine direkte (potenzielle) Diskriminierung (E. 4). Diese Diskriminierung war nicht durch objektive und vernünftige Gründe gerechtfertigt. Die angeblich überproportional hohe Ansteckungsrate und die tiefe Impfquote der voraussichtlichen Teilnehmerschaft des Alba Festivals 2021 beruhte nur zu einem geringen Teil auf belastbaren Daten. Es ist zweifelhaft, ob auf dieser Basis in guten Treuen angenommen werden durfte, vom Alba Festival 2021 und seinem Publikum gehe â trotz Schutzkonzept und Zugangsbeschränkung - eine signifikant grössere Gefahr aus als von den vergleichbaren Veranstaltungen (E. 5). Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdeführerin mit dem Bewilligungsentzug anknüpfend an ein verpöntes Merkmal ohne qualifizierte sachliche Gründe ungleich behandelt und damit das Diskriminierungsverbot von Art. 14 EMRK verletzt (E. 6.1). Teilweise Gutheissung, soweit Eintreten. Feststellung der Verletzung des Diskriminierungsverbots nach Art. 14 EMRK.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEWILLIGUNG">BEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEWILLIGUNGSRÃCKNAHME">BEWILLIGUNGSRÃCKNAHME</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: COVID-19">COVID-19</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DISKRIMINIERUNG">DISKRIMINIERUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DISKRIMINIERUNGSVERBOT">DISKRIMINIERUNGSVERBOT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FESTSTELLUNGSBEGEHREN">FESTSTELLUNGSBEGEHREN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FESTSTELLUNGSINTERESSE">FESTSTELLUNGSINTERESSE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GLEICHBEHANDLUNGSGEBOT">GLEICHBEHANDLUNGSGEBOT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GROSSVERANSTALTUNGEN">GROSSVERANSTALTUNGEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: IMPFUNG">IMPFUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: JURISTISCHE PERSON">JURISTISCHE PERSON</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Besonderes Verwaltungsrecht (ohne...) ST: POLIZEI-, SICHERHEITS- UND ORDNUNGSRECHT">POLIZEI-, SICHERHEITS- UND ORDNUNGSRECHT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTFERTIGUNGSGRÃNDE">RECHTFERTIGUNGSGRÃNDE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHUTZWÃRDIGES INTERESSE">SCHUTZWÃRDIGES INTERESSE</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 8 Abs. I BV</span><br/><span class="gerade">Art. 6 Ziff. I EMRK</span><br/><span class="ungerade">Art. 11 EMRK</span><br/><span class="gerade">Art. 13 EMRK</span><br/><span class="ungerade">Art. 14 EMRK</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>3. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=66219" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2021.00594</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 3. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">11. Juli 2024</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident AndrÃ© Moser<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichter Daniel Schweikert, Ersatzrichter Moritz Seiler, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiber Cyrill Bienz.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><a id="RU_AUTOTEXT_DRITT_N">A AG, <span>vertreten durch RA Dr.</span></a><span> </span><span>B und/oder RA C,</span></p> <p class="MsoNormal"><b>BeschwerdefÃ¼hrerin, </b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Regierungsrat des Kantons ZÃ¼rich, </p> <p class="MsoNormal"><b>Beschwerdegegner, </b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel">und</p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal">Stadtpolizei ZÃ¼rich, <br/> Spezialabteilung,<b> </b>BÃ¼ro fÃ¼r Veranstaltungen<b> </b></p> <p class="MsoNormal"><b>Mitbeteiligte, </b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Bewilligung fÃ¼r Veranstaltung,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Mit Eingabe vom 30. Juni 2021 ersuchte die A AG die Direktion der Justiz und des Innern um Bewilligung fÃ¼r die DurchfÃ¼hrung des Alba Festivals 2021 auf dem Hardturm-Areal in ZÃ¼rich am Wochenende des 4. und 5. September 2021. Diese Veranstaltung war nach damaliger Rechtslage im Besonderen bewilligungspflichtig, weil mehr als 1'000 Besucherinnen und Besucher erwartet wurden, es sich also um eine Grossveranstaltung im Sinn von Art. 16 Abs. 1 der Verordnung vom 23. Juni 2021 Ã¼ber Massnahmen in der besonderen Lage zur BekÃ¤mpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung besondere Lage; SR 818.101.26 und AS 2021 379; aufgehoben am 17. Februar 2022) handelte. Zusammen mit dem Gesuch reichte die A AG ein Schutzkonzept ein, das sie am 21. Juli 2021 ergÃ¤nzte bzw. nachbesserte. Mit VerfÃ¼gung vom 27. Juli 2021 erteilte die Direktion der Justiz und des Innern (im Folgenden: Justizdirektion) der A AG die Bewilligung, die Grossveranstaltung durchzufÃ¼hren. Zugleich wurde die A AG verpflichtet, das Schutzkonzept umzusetzen und den zustÃ¤ndigen BehÃ¶rden jederzeit Zutritt zur Grossveranstaltung zu gewÃ¤hren (Dispositivziffern II und III). Weiter hielt die VerfÃ¼gung fest, dass der Kanton die Bewilligung ohne EntschÃ¤digungsfolgen widerrufen oder zusÃ¤tzliche EinschrÃ¤nkungen verfÃ¼gen kÃ¶nne.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 2. September 2021 widerrief die PrÃ¤sidentin des Regierungsrats die Bewilligung der Grossveranstaltung vom 4. und 5. September 2021. Zur BegrÃ¼ndung fÃ¼hrte sie im Wesentlichen an, dass die Zahl der aufgrund von Covid-19 hospitalisierten Personen im Kanton ZÃ¼rich in den vorangegangenen Wochen und Tagen kontinuierlich angestiegen sei. Es seien im Kanton ZÃ¼rich derzeit (d.h. per 2. September 2021) 192 Personen hospitalisiert, wovon sich 67 Personen in Intensivpflege befÃ¤nden, darunter 57 Personen, die beatmet werden mÃ¼ssten. Von 15 SpitÃ¤lern mit zertifizierten IPS-Betten im Kanton verfÃ¼gten nur deren vier Ã¼ber (wenige) freie PlÃ¤tze fÃ¼r Covid-19-Patientinnen und Patienten. Aufgrund der hohen Auslastung der Intensivpflege hÃ¤tten in den vorangegangenen Tagen medizinisch nicht dringende Eingriffe aufgeschoben werden mÃ¼ssen (vgl. PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 2. September 2021 Ziff. 5). Mehr als ein Drittel der gesamtschweizerisch Hospitalisierten habe SÃ¼dosteuropa als mÃ¶glichen Ansteckungsort angegeben. 80 % der vermuteten Ansteckungsorte lÃ¤gen im Kosovo und in Nordmazedonien. Diese LÃ¤nder hÃ¤tten hohe Inzidenzen von 990 pro Mio. und 463 pro Mio. bei gleichzeitig sehr tiefer Durchimpfungsquote (a.a.O., Ziff. 6). Erkenntnisse aus dem Contact Tracing im Kanton ZÃ¼rich und den aktuellen Hospitalisierungen zeigten, dass FerienrÃ¼ckkehrerinnen und -rÃ¼ckkehrer aus diesen LÃ¤ndern sich Ã¼berdurchschnittlich oft mit Covid-19 infiziert hÃ¤tten. Dabei sei auch ersichtlich, dass die Impfquote unter diesen Personen verglichen mit der GesamtbevÃ¶lkerung wesentlich tiefer sei (a.a.O., Ziff. 7). Aus der tiefen Impfquote schloss die PrÃ¤sidentin des Regierungsrats, dass zahlreiche der erwarteten insgesamt 20'000 Besucherinnen und Besucher (das heisst: 10'000 pro Tag) der Grossveranstaltung zur Erlangung des Zertifikats fÃ¼r den Zutritt einen PCR- oder Antigen-Schnelltest durchfÃ¼hren lassen wÃ¼rden. Es sei bekannt, dass dabei, insbesondere bei den Antigen-Schnelltests, auch falsch-negative Ergebnisse resultieren kÃ¶nnten. Zudem bestehe das Risiko, dass zum Zeitpunkt der Entnahme der Probe bei einer infizierten Person noch wenig Virenlast vorhanden und das Resultat deshalb negativ sei, die Person dann aber zum Zeitpunkt der Grossveranstaltung andere Personen anstecke. Aufgrund der geschilderten Ausgangslage bestehe mithin ein hohes Risiko, dass es anlÃ¤sslich der Grossveranstaltung aufgrund des Besucherkreises zur Verbreitung von Covid-19 und Infizierung zahlreicher Besucherinnen und Besucher sowie ihrem weiteren sozialen Umfeld (Schule usw.) komme. Mit der bekannten VerzÃ¶gerung wÃ¼rde es mit der Delta-Variante des Virus wohl auch zu zahlreichen weiteren Hospitalisationen kommen (a.a.O., Ziff. 8). An einem Musikfestival sei mit viel Bewegung und einer intensiven Zirkulation auf dem FestivalgelÃ¤nde zu rechnen. Damit steige die Gefahr, dass Basisvorsichtsmassnahmen wie Abstandhalten und die Vermeidung lauter GesprÃ¤che nicht eingehalten werden kÃ¶nnten. Menschen mit hoher Virenlast kÃ¶nnten dadurch auf kleinem Raum sehr viele weitere Personen anstecken (a.a.O., Ziff. 9).</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Gesuch um superprovisorische Aufhebung des Widerrufs der Bewilligung des Alba Festivals 2021 und Beschwerde gegen die PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 2. September 2021 gelangte die A AG gleichentags an das Verwaltungsgericht. Sie beantragte, die PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 2. September 2021 aufzuheben und die DurchfÃ¼hrung des Anlasses gemÃ¤ss der Bewilligung vom 27. Juli 2021 zu bewilligen. Aufgrund der Dringlichkeit seien die erforderlichen Anordnungen (Aufhebung der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 2. September 2021 und BestÃ¤tigung der Bewilligung vom 27. Juli 2021) superprovisorisch, d.h. ohne AnhÃ¶rung sÃ¤mtlicher Parteien, vorzunehmen. Ferner sei aufgrund der Dringlichkeit die in der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung angeordnete Ausserkraftsetzung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde aufzuheben. Schliesslich beantragte die A AG, den Regierungsrat zur Bezahlung der Gerichtskosten und einer ParteientschÃ¤digung zu verpflichten. </p> <p class="Urteilstext">Mit VerfÃ¼gung vom 3. September 2021 wies der PrÃ¤sident der 3. Abteilung des Verwaltungsgerichts die AntrÃ¤ge auf superprovisorische Aufhebung der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung, auf superprovisorische BestÃ¤tigung der Bewilligung vom 27. Juli 2021 und auf superprovisorische Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ab.</p> <p class="Urteilstext">Mit ergÃ¤nzender Eingabe vom 4. Oktober 2021 erklÃ¤rte die A AG auf entsprechende Aufforderung mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 6. September 2021 hin sinngemÃ¤ss, an der Beschwerde festzuhalten. Sie stellte weiterhin bzw. erneut Antrag auf Aufhebung der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 2. September 2021. Weil das anvisierte Veranstaltungswochenende bereits verstrichen war, ersetzte sie den Antrag auf BestÃ¤tigung der Bewilligung durch einen Antrag auf Feststellung der Rechtswidrigkeit der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung. </p> <p class="Urteilstext">Mit Eingabe vom 8. Oktober 2021 ersuchte die A AG das Verwaltungsgericht um Sistierung des Verfahrens. Sie und der Kanton ZÃ¼rich befÃ¤nden sich in Verfahren betreffend die Deckung des Schadens, welcher der A AG aus dem Bewilligungsentzug entstanden sei. Der AbteilungsprÃ¤sident gab diesem Sistierungsgesuch mit VerfÃ¼gung vom 9. November 2021 statt und sistierte das Verfahren einstweilen bis am 31. Januar 2022. Aufgrund mehrerer Gesuche um VerlÃ¤ngerung der Sistierung blieb das Verfahren in der Folge bis zum 28. April 2023 sistiert. Am 8. Juli 2022 â also wÃ¤hrend der Sistierung des Verfahrens â reichte die A AG eine Noveneingabe ein. Am 14. Juni 2023 teilte die A AG dem Verwaltungsgericht telefonisch mit, die VergleichsgesprÃ¤che zwischen den Parteien seien gescheitert. Daraufhin verfÃ¼gte der AbteilungsprÃ¤sident mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 16. Juni 2023 die Wiederaufnahme des Verfahrens, erÃ¶ffnete den Schriftenwechsel und holte die Akten ein. Mit Beschwerdeantwort vom 17. August 2023 beantragte die Justizdirektion (namens des Regierungsrats) dem Verwaltungsgericht, die Beschwerde als gegenstandslos abzuschreiben, soweit darauf einzutreten sei. Eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen. Die A AG nahm dazu ihrerseits mit Eingabe vom 4. Oktober 2023 Stellung. Es folgten zwei weitere Eingaben der Justizdirektion (vom 16. Oktober 2023 und vom 24. November 2023) und eine weitere Eingabe der A AG (vom 30. Oktober 2023). Die als Mitbeteiligte rubrizierte Stadtpolizei ZÃ¼rich liess sich nicht vernehmen.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist nach § 41 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG; LS 175.2) unter anderem zustÃ¤ndig fÃ¼r die letztinstanzliche Beurteilung von Beschwerden gegen Anordnungen im Sinn von § 19 Abs. 1 lit. a VRG. Anordnungen des Regierungsrats wie die hier streitbetroffene PrÃ¤sidialverfÃ¼gung kÃ¶nnen bei keiner anderen Verwaltungs- oder Gerichtsinstanz angefochten werden (§ 19b Abs. 2 VRG e contrario). Folglich steht dagegen grundsÃ¤tzlich die Beschwerde an das Verwaltungsgericht offen (vgl. VGr, 11. Januar 2024, VB.2023.00238, E. 1).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrung vor Verwaltungsgericht setzt voraus, dass der BeschwerdefÃ¼hrer durch die Anordnung berÃ¼hrt ist und ein schutzwÃ¼rdiges Interesse an der Aufhebung oder AbÃ¤nderung hat (§ 49 in Verbindung mit § 21 Abs. 1 VRG). Der Beschwerdegegner macht geltend, dass das schutzwÃ¼rdige Interesse der BeschwerdefÃ¼hrerin an der Aufhebung der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung mit Ablauf des vorgesehenen Veranstaltungswochenendes entfallen sei. </p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Das schutzwÃ¼rdige Interesse an der BeschwerdefÃ¼hrung muss grundsÃ¤tzlich aktuell sein, d.h. es muss nicht nur im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung, sondern auch noch im Zeitpunkt des Entscheids bestehen (vgl. VGr, 31. Januar 2024, VB.2023.00716, E. 3.1.3; Martin Bertschi in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich (VRG), 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 21 N. 24). Wenn der BeschwerdefÃ¼hrer bereits im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung kein schutzwÃ¼rdiges Interesse an der Aufhebung oder AbÃ¤nderung der angefochtenen Anordnung hat, tritt das Verwaltungsgericht auf die Beschwerde nicht ein. Wenn das schutzwÃ¼rdige Interesse erst nach Erhebung der Beschwerde entfÃ¤llt und das Verwaltungsgericht also bereits mit der Sache befasst ist, schreibt es das Verfahren grundsÃ¤tzlich als gegenstandslos geworden ab (vgl. Bertschi, § 21 N. 26; vgl. auch BGE 142 I 135 E. 1.3.1; vgl. zu den Ausnahmen sogleich E. 1.4).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.4 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin stellt zu Recht nicht infrage, dass sie an der Aufhebung der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung und der Wiederherstellung der damit widerrufenen Bewilligung zur DurchfÃ¼hrung des Alba Festivals 2021 kein aktuelles Interesse mehr hat. Gleich wie das Bundesgericht (vgl. BGE 147 I 478 E. 2.2; 146 II 335 E. 1.3; vgl. auch Art. 111 Abs. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]) tritt das Verwaltungsgericht auf Begehren aber auch ohne aktuelles Interesse ausnahmsweise ein, wenn sich die aufgeworfene Frage jederzeit unter gleichen oder Ã¤hnlichen UmstÃ¤nden wieder stellen kÃ¶nnte, eine rechtzeitige ÃberprÃ¼fung im Einzelfall kaum je mÃ¶glich wÃ¤re und die Beantwortung wegen deren grundsÃ¤tzlicher Bedeutung im Ã¶ffentlichen Interesse liegt (vgl. VGr, 31. Januar 2024, VB.2023.00716, E. 3.1.3 m.w.H.). Diese kumulativen Voraussetzungen sind hier indessen jedenfalls nicht vollstÃ¤ndig erfÃ¼llt. Das Verwaltungsgericht und das Bundesgericht haben sich bereits verschiedentlich mit der Frage befasst, inwiefern EinschrÃ¤nkungen und Verbote von Versammlungen im Kontext der Covid-19-Pandemie zulÃ¤ssig waren (vgl. BGE 148 I 33; 148 I 19 E. 19; 147 I 450; VGr, 29. April 2021, AN.2021.00003). Ob der Bewilligungsentzug und damit im Ergebnis das Veranstaltungsverbot im vorliegenden Fall verhÃ¤ltnismÃ¤ssig war, erreicht jedenfalls vor dem Hintergrund dieser bereits ergangenen Urteile nicht mehr die QualitÃ¤t einer Grundsatzfrage. Im Unterschied zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung im September 2021 lÃ¤sst sich seit der Wiederaufnahme des Verfahrens im Sommer 2023 und erst recht zum heutigen Zeitpunkt auch nicht mehr sagen, dass sich diese Frage unter gleichen oder Ã¤hnlichen UmstÃ¤nden jederzeit wieder stellen kÃ¶nnte. Seit der schweizweiten Aufhebung der Pandemie-Massnahmen im FrÃ¼hjahr 2022 ist es zu keinen weiteren pandemiebedingten EinschrÃ¤nkungen oder Verboten von Grossveranstaltungen mehr gekommen. Auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass sich die VerhÃ¤ltnisse wieder Ã¤ndern kÃ¶nnten, namentlich wenn neue Varianten des Virus auftreten, fehlen konkrete Anhaltspunkte dafÃ¼r, dass die BehÃ¶rden demnÃ¤chst erneut geneigt sein kÃ¶nnten, Massnahmen zur PandemiebekÃ¤mpfung zu ergreifen und Veranstaltungen wie das streitbetroffene Festival zu verbieten (vgl. auch VGr, 1. MÃ¤rz 2022, AN.2021.00030, E. 1.4).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.5 </b>In Bezug auf die ursprÃ¼nglich gestellten AntrÃ¤ge mÃ¼sste das Verfahren also nach dem Gesagten mangels eines hinreichenden Rechtsschutzinteresses abgeschrieben werden. Die BeschwerdefÃ¼hrerin hat indessen mit Eingabe vom 4. Oktober 2021 neue AntrÃ¤ge gestellt und dabei insbesondere ihren Antrag auf Wiederherstellung der Bewilligung durch einen Antrag auf Feststellung der Rechtswidrigkeit des Widerrufs der Bewilligung ersetzt. Diese Ãnderung der BeschwerdeantrÃ¤ge erfolgte vor Ablauf der Beschwerdefrist und ist als solche an sich zulÃ¤ssig (vgl. zur analogen Rechtslage beim Rekurs VGr, 5. Februar 2014, VB.2013.00476, E. 6.3.2; Alain Griffel, Kommentar VRG, § 23 N. 16). </p> <p class="Erwgung3"><b>1.5.1 </b>Feststellungsbegehren setzen ein spezifisches schutzwÃ¼rdiges (Feststellungs-)Interesse voraus. Der Gesuchsteller muss einen eigenen, persÃ¶nlichen praktischen Nutzen an der Feststellung dartun kÃ¶nnen (VGr, 7. Dezember 2023, VB.2023.00532, E. 1.2.2). Dieser Nutzen kann rechtlicher oder tatsÃ¤chlicher Natur sein (vgl. BGE 144 II 233 E. 7.2). Der Feststellungsantrag kann keine abstrakten, theoretischen Rechtsfragen, sondern nur konkrete Rechte oder Pflichten zum Gegenstand haben (VGr, 31. Januar 2024, VB.2023.00716, E. 3.1.4; vgl. auch BGE 135 II 60 E. 3.3.3; JÃ¼rg Bosshart/Martin Bertschi, Kommentar VRG, § 19 N. 25; Art. 25 N. 23 f.; Beatrice Weber-DÃ¼rler/Pandora Kunz-Notter, in: Christoph Auer/Markus MÃ¼ller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Bundesgesetz Ã¼ber das Verwaltungsverfahren, Kommentar, 2. A., ZÃ¼rich/St. Gallen 2019 [DIKE-Komm. VwVG], Art. 25 N. 23 ff., je auch zur ZulÃ¤ssigkeit von Feststellungsbegehren betreffend kÃ¼nftige Sachverhalte). Feststellungsbegehren sind insoweit subsidiÃ¤r zu Leistungs- und Gestaltungsbegehren, als in der Regel kein schutzwÃ¼rdiges Feststellungsinteresse besteht, wenn das mit dem Feststellungsbegehren angestrebte Ziel ebenso gut mit einem Leistungs- oder Gestaltungsbegehren erreicht werden kann (vgl. VGr, 7. Dezember 2023, VB.2023.00532, E. 1.2.2).</p> <p class="Erwgung3"><b>1.5.2 </b>Auch das Interesse an einem Feststellungsbegehren muss grundsÃ¤tzlich aktuell sein, wobei die Praxis auch hier eine Ausnahme macht fÃ¼r Grundsatzfragen, die sonst nie geklÃ¤rt werden kÃ¶nnten (VGr, 7. Dezember 2023, VB.2023.00532, E. 1.2.2). Aktuell ist das Feststellungsinteresse etwa, wenn die rechtsuchende Person Dispositionen ins Auge gefasst hat, die von der Feststellung abhÃ¤ngen (vgl. VGr, 7. Dezember 2023, VB.2023.00532, E. 1.2.2). Ein aktuelles, schutzwÃ¼rdiges Feststellungsinteresse kann aber auch vorliegen, wenn die Feststellung der Wiedergutmachung einer bereits erfolgten Rechtsverletzung dient. Ein solches Feststellungsinteresse anerkennt die Rechtsprechung etwa, wenn an der Aufhebung eines angefochtenen Entscheids zwar kein aktuelles Interesse mehr besteht, die beschwerdefÃ¼hrende Person aber eine Verletzung der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) vertretbar geltend macht (vgl. BGE 142 I 135 E. 1.3.1 und 3.4; 141 IV 349 E. 2.1; 139 I 206 E. 1.2.1; 137 I 296 E. 4.3.1; 136 I 274 E. 1.3; 127 I 115 E. 7c; vgl. auch VGr, 10. November 2022, VB.2022.00243, E. 3.1). Das Feststellungsinteresse folgt insoweit schon aus der Konvention selbst. Denn in diesen FÃ¤llen ist das Verwaltungsgericht aufgrund von Art. 13 EMRK oder â in Bezug auf zivilrechtliche Streitigkeiten und strafrechtliche Anklagen â Art. 6 Ziff. 1 EMRK gehalten, auf die Beschwerde einzutreten und die geltend gemachte Konventionsverletzung umfassend materiell zu prÃ¼fen, sofern die Sache im Ã¶rtlichen, sachlichen und funktionellen ZustÃ¤ndigkeitsbereich des Verwaltungsgerichts liegt und die rechtsuchende Person noch keinen anderen konventionskonformen Rechtsbehelf erheben konnte (vgl. BGE 137 I 296 E. 4.3.1; 136 I 274 E. 1.3; vgl. auch EuropÃ¤ischer Gerichtshof fÃ¼r Menschenrechte [EGMR], 20. Februar 2024, <i>Wa Baile gegen Schweiz</i>, §§ 145 ff.). Auch fÃ¼r die Verletzung verfassungsmÃ¤ssiger Rechte hat das Bundesgericht zuweilen ein Feststellungsinteresse in Betracht gezogen, wobei sich die gerÃ¼gten Verfassungsverletzungen in der Regel mit Konventionsverletzungen Ã¼berschnitten (vgl. BGE 141 IV 349 E. 2.1; 140 I 246 E. 2.5.1; 138 IV 81 E. 2.4; 138 II 513 E. 6.3; 130 I 312 E. 3; 129 V 411 E. 1.3).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.6 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin rÃ¼gt in ihren diversen Rechtschriften, dass die angefochtene PrÃ¤sidialverfÃ¼gung das verfassungsmÃ¤ssige Gleichbehandlungsgebot (Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [SR 101; BV]) und die verfassungs- und konventionsmÃ¤ssigen Diskriminierungsverbote (Art. 8 Abs. 2 BV und Art. 14 EMRK) verletze. </p> <p class="Erwgung3"><b>1.6.1 </b>Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kÃ¶nnen sich grundsÃ¤tzlich nur natÃ¼rliche Personen auf das Diskriminierungsverbot von Art. 8 Abs. 2 BV berufen. Eine Ausnahme zieht das Bundesgericht fÃ¼r juristische Personen in Betracht, die einen ideellen Zweck verfolgen, namentlich Organisationen mit religiÃ¶ser Zwecksetzung (BGr, 23. Februar 2024, 2C_87/2023, E. 4.1, zur Publikation vorgesehen; BGE 139 I 242 E. 5.3). Diese Voraussetzung erfÃ¼llt die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht. </p> <p class="Erwgung3"><b>1.6.2 </b>Keine solche BeschrÃ¤nkung kennt die Rechtsprechung des EGMR zu Art. 14 EMRK: Dieses Gericht hÃ¶rt auch Beschwerden von juristischen Personen und anderen Gruppierungen wegen Verletzung von Art. 14 EMRK, sobald sie von einer Massnahme, die den Schutzbereich einer anderen Konventionsgarantie berÃ¼hrt, direkt betroffen sind und sich selbst auf die andere Konventionsgarantie berufen bzw. berufen kÃ¶nnen (vgl. EGMR, 13. Februar 2024, <i>Executief van de Moslims van BelgiÃ« und andere gegen Belgien</i>, § 51; EGMR, 16. Januar 2014, <i>Tierbefreier E.V. gegen Deutschland</i>, § 63; vgl. auch EMRK, 20. September 2011, <i>OAO Neftyanaya Kompaniya Yukos gegen Russland</i>, § 613). Diese Verbindung mit einer anderen Konventionsgarantie folgt daraus, dass das konventionsrechtliche Diskriminierungsverbot als akzessorisches Recht ausgestaltet ist (vgl. BGE 149 I 248 E. 7.3 mit Hinweisen). Wenn der EGMR bereits eine Verletzung der anderen Konventionsgarantie erkannt hat, lÃ¤sst er zuweilen offen, ob auch Art. 14 EMRK verletzt ist (EGMR, 25. Juli 2002, <i>Sovtransavto Holding gegen Ukraine</i>, § 101; EGMR, 11. Januar 2000, <i>News Verlags GmbH &amp; Co. KG gegen Ãsterreich</i>, § 62). </p> <p class="Erwgung3"><b>1.6.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin kann sich als Organisatorin des Alba Festivals 2021 auf die Versammlungsfreiheit (Art. 11 Ziff. 1 EMRK) berufen (vgl. EKMR, 15. MÃ¤rz 1984, A.<i> Association und H. gegen Ãsterreich</i>, § 2; EKMR, 16. Juli 1980, <i>Christians against racism and fascism gegen Vereinigtes KÃ¶nigreich</i>, § 4; vgl. auch EGMR, 15. November 2018, <i>Nawalny gegen Russland</i>, § 98; EGMR, 31. MÃ¤rz 2009, <i>Hyde Park und andere gegen Moldau</i>, § 19; Felix Arndt/Anja Engels/Anna von Oettingen, in: EMRK Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, 3. A., MÃ¼nchen 2021, Art. 11 N. 5). Dieses Recht garantiert seinen TrÃ¤gern, dass sie sich frei und friedlich versammeln dÃ¼rfen, wobei gewisse EinschrÃ¤nkungen nach Art. 11 Ziff. 2 EMRK zulÃ¤ssig sind. Der EGMR verfolgt ein weites VerstÃ¤ndnis der Versammlung, lehnt es aber ab, den Begriff anhand abschliessender Kriterien zu definieren. Immerhin hat er festgehalten, dass sowohl private als auch ZusammenkÃ¼nfte mehrerer Menschen auf Ã¶ffentlichem Boden darunterfallen, unabhÃ¤ngig davon, ob sie statisch sind oder sich bewegen (EGMR, 15. November 2018, <i>Nawalny gegen Russland</i>, § 98 mit Hinweisen). Das Alba Festival 2021, das sich der Musik aus dem Balkan gewidmet hÃ¤tte und bei dem mehrere Tausend Menschen mit albanischen Wurzeln hÃ¤tten zusammenkommen sollen, ist als friedliche Versammlung im Sinn von Art. 11 EMRK zu charakterisieren. Das Verbot der DurchfÃ¼hrung tangiert also den Schutzbereich der Konventionsgarantie. Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht sodann geltend, dass vergleichbare Veranstaltungen nicht abgesagt worden seien. Sie und die potenziellen Teilnehmer seien Opfer einer Diskriminierung wegen der nationalen Herkunft der Teilnehmer geworden. Entgegen dem Beschwerdegegner ist damit eine Verletzung von Art. 14 EMRK vertretbar geltend gemacht (vgl. dazu auch unten E. 4.4). </p> <p class="Erwgung3"><b>1.6.4 </b>Die Verletzung anderer Konventionsgarantien macht die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht geltend. Die konventionsrechtliche Versammlungsfreiheit (Art. 11 EMRK) thematisiert sie nur wegen der AkzessorietÃ¤t des Diskriminierungsverbots. Dass diese Konventionsgarantie effektiv verletzt worden wÃ¤re, behauptet die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht. Auf andere Konventionsgarantien oder verfassungsmÃ¤ssige Rechte beruft sich die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht. Das von der BeschwerdefÃ¼hrerin angerufene VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2 BV) ist nur ein verfassungsrechtliches Prinzip bzw. ein Verfassungsgrundsatz und kein verfassungsmÃ¤ssiges Recht (vgl. BGE 149 I 305 E. 3.4; 148 II 475 E. 5; 135 V 172 E. 7.3.2). Daraus allein lÃ¤sst sich kein aktuelles Feststellungsinteresse ableiten. Dass der vorliegende Fall keine Grundsatzfrage aufwirft, wurde bereits dargelegt (vgl. E. 1.4). </p> <p class="Erwgung3"><b>1.6.5 </b>Unter diesen UmstÃ¤nden kommt ein Eintreten auf den Feststellungsantrag nur insoweit infrage, als die Verletzung von Art. 14 EMRK und allenfalls von Art. 8 Abs. 1 BV betroffen ist. DafÃ¼r kann die BeschwerdefÃ¼hrerin entgegen dem Beschwerdegegner nicht auf das Staatshaftungsverfahren verwiesen werden. Es ist zwar nicht generell ausgeschlossen, dass ein Staatshaftungsverfahren einen wirksamen Rechtsbehelf darstellen und Art. 13 EMRK genÃ¼gen kann (vgl. EGMR, 4. Juni 2020, <i>Association Innocence en Danger und Association Enfance et Partage gegen Frankreich</i>, §§ 193 f.; EGMR, 31. Januar 2017, <i>Kalneniene gegen Belgien</i>, §§ 62 f.). Das setzt aber voraus, dass das mit der Konventionsverletzung verbundene Unrecht finanziell effektiv und vollstÃ¤ndig ausgeglichen werden kann. Selbst wenn der BeschwerdefÃ¼hrerin der Schaden aus dem kurzfristigen Bewilligungsentzug â bzw. dem Verbot der DurchfÃ¼hrung der Veranstaltung â ersetzt wÃ¼rde, wÃ¤re jedenfalls noch nicht garantiert, dass damit Art. 13 EMRK bzw. den von der Rechtsprechung daraus abgeleiteten Anforderungen GenÃ¼ge getan und der Opfer-Status fÃ¼r eine Individualbeschwerde nach Art. 34 EMRK ausgeschlossen wÃ¤re (vgl. zu einer analogen Situation EGMR, 20. Februar 2024, <i>Wa Baile gegen Schweiz</i>, §§ 64 f.; vgl. auch EGMR, 20. September 2011, <i>Shesti Mai Engineering OOD und andere gegen Bulgarien</i>, § 67). Umgekehrt wÃ¼rde aus der Feststellung der Verletzung von Art. 14 EMRK aber auch noch nicht folgen, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin Anspruch auf Ersatz der erlittenen VermÃ¶genseinbusse hat. Denn dafÃ¼r mÃ¼ssten die Voraussetzungen des kantonalen Staatshaftungsrechts erfÃ¼llt sein (§ 6 Abs. 1 des Haftungsgesetzes vom 14. September 1969 [HaftG]). Namentlich mÃ¼sste gerade die konventionswidrige Diskriminierung die VermÃ¶genseinbusse kausal verursacht haben. Unter dem Gesichtswinkel der Einmaligkeit des Rechtsschutzes (§ 21 Abs. 1 HaftG) wird das zustÃ¤ndige Gericht ferner zu berÃ¼cksichtigen haben, dass die streitige WiderrufsverfÃ¼gung mangels aktuellen Interesses nur hinsichtlich einer Diskriminierung einer (beschrÃ¤nkten) RechtmÃ¤ssigkeitskontrolle unterzogen werden konnte. Sodann stellt sich insbesondere die Frage nach der Tragweite der Freizeichnungsklausel in der widerrufenen BewilligungsverfÃ¼gung der Justizdirektion vom 27. Juli 2021.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.7 </b>Nach dem Gesagten ist auf das Feststellungsbegehren einzutreten, soweit die BeschwerdefÃ¼hrerin geltend macht, diskriminiert worden zu sein. Im Ãbrigen ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. </p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2">Art. 14 EMRK garantiert den Genuss der in der EMRK anerkannten Rechte und Freiheiten ohne Diskriminierung insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, der ZugehÃ¶rigkeit zu einer nationalen Minderheit, des VermÃ¶gens, der Geburt oder eines sonstigen Status (vgl. BGE 149 I 248 E. 7.3; 143 I 1 E. 5.5; EGMR, 5. September 2017, <i>FÃ¡biÃ¡n gegen Ungarn</i>, § 112). Nicht jede Ungleichbehandlung ist unzulÃ¤ssig; von einer konventionswidrigen Diskriminierung ist vielmehr nur auszugehen, wenn andere Personen oder Personengruppen, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden, besser behandelt werden, die Unterscheidung auf einem verpÃ¶nten Merkmal beruht und sie nicht durch objektive und vernÃ¼nftige GrÃ¼nde gerechtfertigt ist, das heisst, sie kein legitimes Ziel verfolgt oder kein vernÃ¼nftiges VerhÃ¤ltnis zwischen dem eingesetzten Mittel und dem angestrebten Ziel besteht (BGE 149 I 248 E. 7.3; EGMR, 20. Februar 2024, <i>Wa Baile gegen Schweiz</i>, § 90; EGMR, 11. Oktober 2022, <i>Beeler gegen Schweiz</i>, § 93). </p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>ZunÃ¤chst stellt sich die Frage, ob sich andere Personen respektive Personengruppen in einer vergleichbaren Situation befanden.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht geltend, dass am und rund um das geplante Veranstaltungswochenende (4. und 5. September 2021) im Kanton ZÃ¼rich eine Reihe von anderen Grossveranstaltungen stattgefunden hÃ¤tten, deren DurchfÃ¼hrung der Kanton ZÃ¼rich nicht untersagt habe. Sie erwÃ¤hnt folgende AnlÃ¤sse: Die Fussballspiele in der Stadt ZÃ¼rich zwischen dem FC ZÃ¼rich und dem Grasshopper Club ZÃ¼rich vom 21. August 2021 und zwischen dem FC ZÃ¼rich und Servette Genf vom 21. September 2021, die politische Kundgebung Zurich Pride vom 4. September 2021 in der Stadt ZÃ¼rich, das Rakete Open Air vom 4. September 2021 in der Gemeinde Richterswil, das Leichtathletik-Meeting Weltklasse ZÃ¼rich vom 9. September 2021 in der Stadt ZÃ¼rich und das Terrazzza â Horse Park Festival vom 10. und 11. September 2021 in der Gemeinde Dielsdorf. Nicht weiter einzugehen ist auf das Energy Air Festival, das nicht im Kanton ZÃ¼rich stattfand und auf das sich die BeschwerdefÃ¼hrerin ohnehin nur ergÃ¤nzend beruft.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Der Beschwerdegegner bestreitet, dass diese Veranstaltungen mit dem Alba Festival vergleichbar gewesen seien. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.1 </b>In Bezug auf die Zurich Pride macht er geltend, dass sich die Teilnehmer bei dieser Veranstaltung von einem zu einem anderen Ort bewegt hÃ¤tten, was die Durchmischung reduziert habe. Zudem sei diese Veranstaltung als Demonstration bzw. politische Kundgebung durch die Meinungs- und Versammlungsfreiheit besonders geschÃ¼tzt, was sowohl in der Covid-19-Verordnung besondere Lage zum Ausdruck gekommen als auch vom Bundesgericht anerkannt worden sei (BGE 148 I 33 E. 7.7.1). </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.2 </b>In Bezug auf die Fussballspiele und das Leichtathletikmeeting Weltklasse ZÃ¼rich bestreitet der Beschwerdegegner die Vergleichbarkeit, weil bei diesen Veranstaltungen SitzplÃ¤tze vorhanden gewesen seien, was die Durchmischung und das Infektionsrisiko reduziere.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.3 </b>In Bezug auf das Rakete Open Air sieht der Beschwerdegegner einen wesentlichen Unterschied darin, dass diese Veranstaltung 5'000 Teilnehmer verzeichnete, wÃ¤hrend fÃ¼r das Alba Festival im Zeitpunkt des Widerrufs 7'521 Tickets fÃ¼r Samstag und 6'973 Tickets fÃ¼r Sonntag verkauft gewesen seien.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.4 </b>Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin aufgefÃ¼hrten Veranstaltungen waren zumindest teilweise vergleichbar mit dem Alba Festival 2021. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.4.1 </b>Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage der Vergleichbarkeit bei Massnahmen, welche die BehÃ¶rden zum Schutz der Gesundheit ergreifen, in erster Linie nach der Gefahrenlage bzw. nach den Risiken, die von den betroffenen Situationen ausgehen; massgebend ist mit anderen Worten die epidemiologische Sicht (vgl. BGE 148 I 33 E. 7.6; VGr, 29. April 2021, AN.2021.00003, E. 5.3.3.5; vgl. auch HansjÃ¶rg Seiler, Corona-Massnahmen und VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit, ZÃ¼rich/Genf 2024, S. 227 ff. und 286). Aus dieser Warte sind politische Kundgebungen und andere Veranstaltungen entgegen dem Beschwerdegegner vergleichbar. So hat denn auch das Bundesgericht im vom Beschwerdegegner zitierten Urteil festgehalten, dass "aus rein epidemiologischer Sicht [â¦] Menschenansammlungen und Veranstaltungen, bei welchen das Ansteckungsrisiko vergleichbar ist," grundsÃ¤tzlich gleich zu behandeln seien (BGE 148 I 33 E. 7.6). Die politische Zielsetzung der Zurich Pride hat also nicht zur Folge, dass diese Veranstaltung mit dem Alba Festival 2021 nicht vergleichbar gewesen wÃ¤re.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.4.2 </b>Die Zahl der Teilnehmer beeinflusst bzw. beeinflusste im Kontext der Covid-19-Pandemie das epidemiologische Risiko, das von einer Veranstaltung ausgeht bzw. ausging (vgl. BGE 148 I 33 E. 7.5; 148 I 19 E. 6.2.1 und 6.2.2). Auch die Durchmischung der Teilnehmer kann bzw. konnte einen gewissen Einfluss haben (vgl. VGr, 29. April 2021, AN.2021.00003, E. 5.3.3.6). Ob von Veranstaltungen Ã¤hnliche Risiken fÃ¼r die Gesundheit ausgehen und sie aus epidemiologischer Sicht vergleichbar sind, hÃ¤ngt also zumindest auch von diesen Faktoren ab. Vorliegend sind die Unterschiede zwischen der streitbetroffenen und den Ã¼brigen Veranstaltungen allerdings eher graduell und nicht derart markant, dass die Vergleichbarkeit ausgeschlossen wÃ¤re. Zumindest fast alle Veranstaltungen verzeichneten Teilnehmer- bzw. Zuschauerzahlen von tausenden oder sogar zehntausenden Personen (Zurich Pride und Weltklasse ZÃ¼rich: Ã¼ber 20'000 Personen [vgl. Medienmitteilung der Stadt ZÃ¼rich vom 4. September 2021, "Friedliche Demonstration anlÃ¤sslich Zurich Pride Festival 2021", https://www.stadt-zuerich.ch/pd/de/index/stadtpolizei_zuerich/medien/medienmitteilungen/2021/september/friedliche_demonstrationanlaesslichzurichpridefestival2021.html; Tages-Anzeiger vom 6. September 2021, "Ãber 20â000 feiern und mobilisieren fÃ¼r mÃ¶glichst viele Ja-Stimmen", S. 16; Tagesanzeiger vom 10. September 2021, "Und sie rocken auch den Letzigrund", S. 32]; Fussball-Derby zwischen dem FC ZÃ¼rich und dem Grasshoppers Club ZÃ¼rich: ca. 15'000 Personen [vgl. NZZ am Sonntag vom 22. August 2021, "Endlich wieder Derby", S. 38 f.]; Fussballspiel zwischen FC ZÃ¼rich und Servette Genf: ca. 7'000 Zuschauer [Tages-Anzeiger vom 22. September 2021, "Erst die Wende, dann der Tiefschlag", S. 24]; Rakete Open Air: ca. 5'000 [vgl. tagesanzeiger.ch, "Tausende Technofans feiern am See, als gÃ¤be es kein Corona mehr", 6. September 2021, https://www.tagesanzeiger.ch/tausende-technofans-feiern-am-see-als-gaebe-es-kein-corona-mehr-871881795618]; fÃ¼r das Terrazzza â Horse Park Festival fehlen Angaben zu den Besucherzahlen, sodass insoweit kein Vergleich mÃ¶glich ist). Es erscheint als plausibel, dass die Durchmischung bei den SportanlÃ¤ssen mit SitzplÃ¤tzen geringer gewesen sein dÃ¼rfte als bei einem Musikfestival an der freien Luft. Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin eingereichten Bilder belegen allerdings, dass auch der Stehplatzsektor des Letzigrund-Stadions ("SÃ¼dkurve") an den Fussballspielen mit Tausenden von Zuschauern dicht gefÃ¼llt war. Ein signifikanter Unterschied kann in dieser Hinsicht also nur im VerhÃ¤ltnis zum Leichtathletikmeeting Weltklasse ZÃ¼rich ausgemacht werden. Von vornherein weniger plausibel ist die Behauptung des Beschwerdegegners, die Durchmischung sei bei DemonstrationsumzÃ¼gen wie der Zurich Pride "deutlich geringer" als bei einem Musikfestival. Der Beschwerdegegner bringt denn auch keine Beweismittel fÃ¼r diese Behauptung bei. DemgegenÃ¼ber hat die BeschwerdefÃ¼hrerin Fotos eingereicht, die eine dicht gedrÃ¤ngte Menschenmasse zeigen und nahelegen, dass es an dieser Veranstaltung zu einer erheblichen Durchmischung gekommen sein dÃ¼rfte. </p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Als NÃ¤chstes ist zu prÃ¼fen, ob das Verbot der DurchfÃ¼hrung des Alba Festivals 2021 eine Diskriminierung im Sinn von Art. 14 EMRK darstellt.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Eine (direkte) Diskriminierung liegt vor, wenn BehÃ¶rden die Ungleichbehandlung vergleichbarer Situationen offen mit einem Merkmal einer Personengruppe begrÃ¼nden, die nach Art. 14 EMRK geschÃ¼tzt ist. Ebenfalls potenziell unzulÃ¤ssig bzw. nur bei Vorliegen einer sachlichen BegrÃ¼ndung zulÃ¤ssig sind Massnahmen, die zwar nicht unmittelbar an ein verpÃ¶ntes Merkmal anknÃ¼pfen, aber im Resultat ganz Ã¼berwiegend eine vor Diskriminierung geschÃ¼tzte Personengruppe benachteiligen (sog. indirekte oder mittelbare Diskriminierung; vgl. BGE 149 I 248 E. 7.2; EGMR, 18. Februar 2022, <i>Muhammad gegen Spanien</i>, § 93).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Der Beschwerdegegner begrÃ¼ndete das Verbot der DurchfÃ¼hrung des Alba Festivals 2021 mit den knappen medizinischen Versorgungsressourcen (insb. hohe Belegung der SpitÃ¤ler) einerseits und andererseits dem grossen Risiko, das wegen der Zusammensetzung des Publikums von dieser Veranstaltung ausgehe. Er hat dieses Risiko zurÃ¼ckgefÃ¼hrt auf den Ã¼berdurchschnittlichen Anteil von Patienten mit Bezug zum Balkan auf den Intensivpflegestationen, die damals hohen Inzidenzen im Balkan, die sich in vielen Ansteckungen bei FerienrÃ¼ckkehrern (v.a. aus Kosovo und Nord-Mazedonien) niedergeschlagen hÃ¤tten, sowie die tiefe Impfquote unter diesen FerienrÃ¼ckkehrern und im Balkan generell (vgl. oben Sachverhalt II.). In der Medienmitteilung vom 2. September 2021 hat der Beschwerdegegner ausgefÃ¼hrt, "dass die Impfquote in dieser BevÃ¶lkerungsgruppe zu tief ist, um in der derzeitigen epidemiologischen Lage eine solche Grossveranstaltung verantworten zu kÃ¶nnen." Ausserdem diene die Massnahme auch dem Schutz dieser BevÃ¶lkerungsgruppe (vgl. https://www.zh.ch/de/news-uebersicht/medienmitteilungen/2021/09/widerruf-bewilligung-alba-festival.html). </p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Ausweislich der BegrÃ¼ndung der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung und der Medienmitteilung vom selben Tag wurden die BeschwerdefÃ¼hrerin und das Alba Festival 2021 wegen der geografischen bzw. nationalen Herkunft des Publikums anders behandelt als vergleichbare Veranstaltungen und ihre Organisatoren. Darin liegt entgegen dem Beschwerdegegner eine direkte und keine indirekte (potenzielle) Diskriminierung. Daran Ã¤ndert nichts, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin als juristische Person des Schweizer Rechts das verpÃ¶nte Merkmal selbst nicht trÃ¤gt bzw. nicht tragen kann. Der EGMR setzt dies in seiner Rechtsprechung zu Art. 14 EMRK nÃ¤mlich nicht voraus. Vielmehr genÃ¼gt es, wenn die juristische Person von der diskriminierenden Massnahme selbst betroffen ist und diese den Schutzbereich einer Konventionsgarantie berÃ¼hrt (vgl. Hinweise oben E. 1.6.3). Unter diesen Voraussetzungen gilt die juristische Person nÃ¤mlich als direktes Opfer der konventionswidrigen Massnahme und nicht bloss als mittelbares Opfer, wie der Beschwerdegegner meint. Aus dem Urteil des EGMR, auf das der Beschwerdegegner verweist, ergibt sich nichts anderes. Dort ging es um eine Nichtregierungsorganisation, die vor Gericht an der Stelle eines verstorbenen Mannes aufgetreten und â im Unterschied zur BeschwerdefÃ¼hrerin â von der staatlichen Massnahme selbst nicht betroffen war (vgl. EGMR, 17. Juli 2014, <i>Centre for Legal Resources on behalf of Valentin CÃ¢mpeanu gegen RumÃ¤nien</i>, §§ 96 ff.). Im Ãbrigen erkannte der EGMR aber selbst dieser Organisation die BeschwerdefÃ¤higkeit zu (a.a.O., § 112 ff.).</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Es bleibt zu prÃ¼fen, ob die potenzielle Diskriminierung durch objektive und vernÃ¼nftige GrÃ¼nde gerechtfertigt ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Die Benachteiligung der BeschwerdefÃ¼hrerin im Vergleich zu den Organisatoren der vergleichbaren Veranstaltungen wÃ¤re nicht konventionswidrig, falls erstens vom Alba Festival 2021 eine ungleich grÃ¶ssere Gefahr ausging als von den vergleichbaren Veranstaltungen, mithin die DurchfÃ¼hrung des Alba Festivals 2021 drohte, die KapazitÃ¤ten der Gesundheitsversorgung Ã¼berzustrapazieren, nicht aber die DurchfÃ¼hrung der vergleichbaren Veranstaltungen, und zweitens diese grÃ¶ssere Gefahr mit milderen Massnahmen nicht auf das Gefahrenpotenzial der vergleichbaren Veranstaltungen hÃ¤tte reduziert werden kÃ¶nnen.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.1 </b>Der Beschwerdegegner sah und sieht das besondere Gefahrenpotenzial des Alba Festivals 2021 in erster Linie darin begrÃ¼ndet, dass die Inzidenzen im Kosovo und in Nord-Mazedonien hoch und die Impfquoten in diesen LÃ¤ndern tief gewesen seien, wobei anerkanntermassen nur fÃ¼r die erste Aussage belastbare Daten vorlagen und die zweite Aussage auf einer Mutmassung der Swiss National Covid-19 Science Task Force beruhte. FÃ¼r die Aussagen, dass die Impfquote unter den FerienrÃ¼ckkehrern, die anschliessend hospitalisiert wurden, sowie in der hiesigen albanisch-stÃ¤mmigen BevÃ¶lkerung im Vergleich zur GesamtbevÃ¶lkerung generell wesentlich tiefer sei, beruft sich der Beschwerdegegner ebenfalls nicht auf statistische Daten, sondern auf ein Zeitungsinterview mit dem Chefarzt der Herzchirurgie des Triemlispitals (Tages-Anzeiger vom 27. August 2021, "Es ist unverantwortlich, sich nicht impfen zu lassen", S. 19) und auf "Kennerinnen und Kenner der albanischen Gemeinschaft", die in einem Zeitungsartikel anonym zitiert worden waren (NZZ vom 26. August 2021, "Warum Albaner in der Schweiz Impfmuffel sind", S. 7). </p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.2 </b>Der Beschwerdegegner bestreitet nicht, dass fÃ¼r eine tiefe Impfquote bei FerienrÃ¼ckkehrern aus SÃ¼dosteuropa "keine wissenschaftliche Klarheit" vorlag. Er ist aber der Ansicht, dass in dieser Frage eine "erhebliche PlausibilitÃ¤t" genÃ¼gen mÃ¼sse. Diese "erhebliche PlausibilitÃ¤t" hatte das Bundesgericht im vom Beschwerdegegner fÃ¼r seinen Standpunkt zitierten Urteil fÃ¼r die Fragen genÃ¼gen lassen, ob ohne die strengen Massnahmen in den ersten Monaten der Covid-19-Pandemie die SpitÃ¤ler im Kanton Schwyz Ã¼berlastet und wie hoch die Ãbersterblichkeit gewesen wÃ¤ren. Der Beweis solcher hypothetischer Sachverhalte kann schon rein logisch gar nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit erbracht werden (vgl. BGE 147 I 450 E. 3.3.4), weswegen sich bereits aus diesem Grund eine Beweiserleichterung aufdrÃ¤ngt (vgl. auch Seiler, S. 32). Ob eine Ã¤hnliche Beweiserleichterung angebracht ist, wenn es wie hier um die Frage geht, ob von einer bestimmten, durch Art. 14 EMRK geschÃ¼tzten Personengruppe ein besonderes Risiko ausgeht, ist jedoch zweifelhaft. Es ist zu bedenken, dass die Last fÃ¼r die Rechtfertigung einer diskriminierenden Massnahme beim Staat liegt (vgl. EGMR, 14. Januar 2020, <i>Beizaras und Levickas gegen Litauen</i>, § 115). Beweiserleichterungen in diesem Bereich brÃ¤chten die Gefahr mit sich, dass eine geschÃ¼tzte Personengruppe trotz schwacher Beweislage systematischen Benachteiligungen ausgesetzt oder gar zum SÃ¼ndenbock fÃ¼r ein Problem gemacht werden kÃ¶nnte, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Vorliegend wÃ¤re es fÃ¼r den Beschwerdegegner respektive seine Ãmter jedenfalls nicht unmÃ¶glich gewesen, frÃ¼hzeitig belastbare Daten zu erheben Ã¼ber die Impfquote unter den hospitalisierten FerienrÃ¼ckkehrern aus dem Balkan und Ã¼ber die Ansteckungen und die Impfquote in der albanisch-stÃ¤mmigen BevÃ¶lkerung im Kanton ZÃ¼rich. Es ist zwar einzurÃ¤umen, dass solche Erhebungen sehr aufwÃ¤ndig gewesen wÃ¤ren. Wenn das Diskriminierungsverbot jedoch nicht seiner Schutzwirkung entleert werden soll, gebietet sich auf jeden Fall einige ZurÃ¼ckhaltung in der Annahme, die BeweisfÃ¼hrung Ã¼ber die Rechtfertigung sei dem Staat nicht zumutbar. </p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.3 </b>Die BeweisfÃ¼hrung des Beschwerdegegners betreffend die angeblich Ã¼berproportional hohe Ansteckungsrate und die tiefe Impfquote der voraussichtlichen Teilnehmerschaft des Alba Festivals 2021 beruhte nur zu einem geringen Teil auf belastbaren Daten und zu einem grÃ¶sseren Teil auf einer Kette von Anekdoten, Mutmassungen und Vermutungen. Ob auf dieser Basis in guten Treuen angenommen werden durfte, vom Alba Festival 2021 und seinem Publikum gehe â trotz Schutzkonzept und ZugangsbeschrÃ¤nkung nach der 3G-Regel (Geimpft, Genesen, Getestet) â eine signifikant grÃ¶ssere Gefahr aus als von den vergleichbaren Veranstaltungen, ist zweifelhaft (vgl. Ã¤hnlich auch die von der BeschwerdefÃ¼hrerin eingereichten beiden Stellungnahmen der EidgenÃ¶ssischen Kommission gegen Rassismus [EKR]) und dies umso mehr, als der Beschwerdegegner nach eigenem Bekunden Ã¼ber die Ansteckungsrate und die Impfquote unter den Teilnehmern und Besuchern der vergleichbaren Veranstaltungen gar keine Informationen hatte. Es wÃ¤re also ohne Weiteres denkbar, dass das Publikum einer oder mehrerer dieser Veranstaltungen eine hÃ¶here Ansteckungsrate und eine tiefere Impfquote aufwies als das erwartete Publikum des Alba Festivals 2021. </p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.4 </b>Das gilt insbesondere fÃ¼r die Zurich Pride, die mit einem Publikum von mehr als 20'000 Personen am 4. September 2021 nicht nur deutlich grÃ¶sser war als das Alba Festival 2021, sondern als politische Kundgebung Ã¼ber kein Schutzkonzept verfÃ¼gen musste (Art. 19 Covid-19-Verordnung besondere Lage) und zu der folglich auch Personen Zugang hatten, die weder geimpft noch genesen noch getestet waren. Der Demonstrationsumzug der Zurich Pride dauerte zwar nur einige Stunden, doch war absehbar, dass die nach ZÃ¼rich gereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschliessend zu einem grossen Teil in der Stadt verweilen oder sich in Bars und Clubs einfinden wÃ¼rden, zumindest soweit sie geimpft, genesen oder getestet waren und Ã¼ber ein Covid-Zertifikat verfÃ¼gten (vgl. auch https://gay.ch/pepi/impressionen-von-der-zurich-pride-2021). Unter diesen UmstÃ¤nden ist nicht anzunehmen, dass die Gefahr, die von der Zurich Pride fÃ¼r die Gesundheitsversorgung ausging, wesentlich geringer war als die Gefahr, die das Alba Festival 2021 bedeutet hÃ¤tte. Gleichwohl verbot der Beschwerdegegner die DurchfÃ¼hrung des Demonstrationsumzugs der Zurich Pride nicht und unterwarf ihn offenbar auch keinen EinschrÃ¤nkungen. Jedenfalls in diesem Ausmass â keine EinschrÃ¤nkungen fÃ¼r die Zurich Pride, vollstÃ¤ndiges Verbot des Alba Festivals 2021 â lÃ¤sst sich die Privilegierung der Zurich Pride respektive die Benachteiligung des Alba Festivals 2021 auch mit dem politischen Zweck der Zurich Pride nicht rechtfertigen. Das Bundesgericht hat zwar dafÃ¼rgehalten, dass die Teilnehmerzahl von politischen Kundgebungen im Unterschied zu privaten Versammlungen trotz gleichen epidemiologischen Risikos nicht generell-abstrakt auf 15 Personen beschrÃ¤nkt werden durfte, weil dadurch die Appell- und PublizitÃ¤tswirkung sowie die mediale Resonanz verloren ginge und die Kundgebung faktisch verboten wÃ¼rde (BGE 148 I 33 E. 7.7.1 und 7.8.2; vgl. auch VGr, 29. April 2021, AN.2021.00003, E. 5.3.3.5). DemgegenÃ¼ber hielt es das Bundesgericht fÃ¼r zulÃ¤ssig, die Teilnehmerzahl von politischen Kundgebungen auf 300 Personen zu beschrÃ¤nken (BGE 148 I 19 E. 6.4.2). Daraus erhellt, dass auch politische Kundgebungen vor EinschrÃ¤nkungen jedenfalls nicht generell gefeit waren. </p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.5 </b>Selbst wenn im Vergleich mit den Fussballspielen und dem Rakete Open Air mit dem Beschwerdegegner unterstellt wÃ¼rde, dass das Publikum des Alba Festivals 2021 eine grÃ¶ssere Gefahr fÃ¼r die medizinischen Versorgungsressourcen bedeutet hÃ¤tte, Ã¼berschritt die Benachteiligung der BeschwerdefÃ¼hrerin auch im VerhÃ¤ltnis zu diesen Veranstaltungen jedenfalls das im Rahmen von Art. 14 EMRK zulÃ¤ssige Mass. Die Diskriminierung wÃ¤re nÃ¤mlich einerseits milder ausgefallen, wenn die Fussballspiele und das Rakete Open Air wenigstens strengen EinschrÃ¤nkungen unterworfen worden wÃ¤ren. Andererseits hÃ¤tte der Regierungsrat die Diskriminierung auch abschwÃ¤chen kÃ¶nnen, indem er die zugelassene Besucherzahl des Alba Festivals 2021 reduziert oder den Zugang auf geimpfte und genesene Personen beschrÃ¤nkt hÃ¤tte, statt die DurchfÃ¼hrung der Veranstaltung ganz zu verbieten. Damit ist nicht gesagt, dass diese unter dem Gesichtspunkt von Art. 14 EMRK milderen Massnahmen die Gefahr einer Ãberlastung der SpitÃ¤ler gleich wirksam wie der komplette Bewilligungsentzug bekÃ¤mpft oder gar beseitigt hÃ¤tte und dieser deshalb auch unter dem Gesichtspunkt von Art. 11 EMRK Ã¼bermÃ¤ssig bzw. unzulÃ¤ssig war; diese Frage ist hier nicht zu prÃ¼fen (vgl. oben E. 1.6.4; vgl. auch zur gebotenen ZurÃ¼ckhaltung Seiler, S. 313 ff.).</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b>Nach dem Gesagten hat der Beschwerdegegner die BeschwerdefÃ¼hrerin mit dem Bewilligungsentzug anknÃ¼pfend an ein verpÃ¶ntes Merkmal ohne qualifizierte sachliche GrÃ¼nde ungleich behandelt und damit das Diskriminierungsverbot von Art. 14 EMRK verletzt. Diese Konventionsverletzung ist im Urteilsdispositiv festzustellen. </p> <p class="Erwgung2"><b>6.2 </b>Unter diesen UmstÃ¤nden erÃ¼brigt sich die Frage, ob die BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r sich genommen auch an der Feststellung einer Verletzung von Art. 8 Abs. 1 BV ein schutzwÃ¼rdiges Interesse hÃ¤tte; ein schutzwÃ¼rdiges Interesse an einer separaten Feststellung einer Verletzung des Gleichbehandlungsgebots besteht vorliegend jedenfalls nicht. Auch im Ãbrigen ist auf die Beschwerde mangels schutzwÃ¼rdigen Interesses nicht einzutreten.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.3 </b>Die Gerichtskosten werden nach Massgabe des Unterliegens verlegt (§ 65a Abs. 2 VRG in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG). Der Umstand, dass die Beschwerde (nur) teilweise gutzuheissen ist, soweit darauf einzutreten ist, rechtfertigt es vorliegend in einer Gesamtbetrachtung nicht, auch die â Ã¼berwiegend obsiegende â BeschwerdefÃ¼hrerin mit Gerichtskosten zu belasten. Vielmehr sind diese vollumfÃ¤nglich dem Beschwerdegegner aufzuerlegen. Dieser ist sodann zu verpflichten, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine angemessene ParteientschÃ¤digung zu bezahlen. Keinen Anspruch auf eine ParteientschÃ¤digung hat mangels Obsiegens der Beschwerdegegner. Ohnehin gehÃ¶rt es zu dessen amtlichen Aufgaben, Rechtsmittel zu beantworten (§ 17 Abs. 2 VRG; VGr, 11. Januar 2024, VB.2023.00543, E. 8).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2">1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Es wird festgestellt, dass die PrÃ¤sidialverfÃ¼gung des Regierungsrats vom 2. September 2021 das Diskriminierungsverbot nach Art. 14 EMRK verletzt hat. Im Ãbrigen wird auf die Beschwerde nicht eingetreten.</p> <p class="Einzug2">2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 6'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 780.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 6'780.--</u> Total der Kosten.</p> <p class="Einzug2">3. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</p> <p class="Einzug2">4. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine ParteientschÃ¤digung von Fr 4'000.- zu bezahlen, zahlbar innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Urteils.</p> <p class="Einzug2">5. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</p> <p class="Einzug2">6. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) die Mitbeteiligte.</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>