B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-878/2012 U r t e i l v o m 6. J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Antonio Imoberdorf, Gerichtsschreiber Julius Longauer. Parteien A.X._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Einreiseverbot; Suspension. C-878/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass die Beschwerdeführerin, eine in der Schweiz niedergelassene m a- zedonische Staatsangehörige, mit dem britischen Bürger B.X._______ verheiratet ist und zusammen mit ihm e inen im Jahr 2000 geborenen Sohn hat, dass sich B.X._______ seit dem Jahr 1998 in der Schweiz aufhielt und während seines Aufenthaltes zahlreiche Verurteilungen vor allem im B e- reich der Vermögensdelikte mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Ja h- ren erwirkte, dass er zuletzt am 22. April 2009 des mehrfachen, teil weise gewerb s- mässigen Betrugs, d er mehrfachen Urkundenfälschung , der versuchten Erpressung und der Nötigung schuldig gesprochen und zu einer unb e- dingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt wurde, dass B.X._______ mit Entscheid der Migrationsbehörde d es Kan tons Bern vom 15. Juli 2009 , letztinstanzlich bestätigt durch das Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011 (Urteil 2C_680/2010), sein Aufen t- haltsrecht in der Schweiz verlor und weggewiesen wurde, dass B.X._______ am 24. Februar 2011 dem Ausreisebefehl Folge leiste- te und sich nach Grossbritannien begab, wo er sich – soweit bekannt – nach wie vor aufhält, dass die Vorinstanz am 28. April 2011 gegen B.X._______ ein fünfjähri- ges Einreiseverbot erliess, wogegen er erf olglos an das Bundesverwa l- tungsgericht (Urteil C-2731/2011 vom 18.11.2011) und schliesslich an das Bundesgericht gelangte (Urteil 2C_1045/2011 vom 18.04.2012), dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 13. Januar 2012 das Gesuch der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes um Suspension des Einreis e- verbots für die Zeit vom 5. Dezember 2011 bis 4. Januar 2012 nach Ei n- holung einer Stellungnahme des Kantons Bern abwies, dass die Beschwerdeführerin gegen die vorgenannte Verfügung mit Rechtsmitteleingabe vom 12. Febru ar 2012 an das Bundesverwaltung s- gericht gelangte und um Suspension des Einreiseverbots für die Dauer von 30 Tagen ersuchte, dass die Vorinstanz mit Vernehmlassung vom 12. April 2012 die Abwe i- sung der Beschwerde beantragte und gleichzeitig signalisierte, sie sei frü-C-878/2012 Seite 3 hestens im Sommer 2012 bereit, ein allfälliges Suspensionsgesuch wohl- wollend zu prüfen, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 7. Juni 2012 replikweise an den gestellten Rechtsbegehren festhielt, dass Verfügungen des BFM über die Suspensio n eines Einreiseverbots der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht unterliegen ( Art. 31 , 32 und 33 Bst. d des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]), dass sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) richtet, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts and e- res bestimmt (Art. 37 VGG), dass die Beschwerdeführerin als Ehefrau des materiellen Verfügungsa d- ressaten zur Beschwerde legitimiert ist und auf ihre im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde eingetreten werden kann (Art. 48 ff. VwVG), dass B.X._______ Angehöriger eines Mitgliedstaates der Europäische Union (EU) ist, dass daher auf ihn und seine Familienangehörigen das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nur zur Anwendung gelangt, soweit das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft eine r- seits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitglied staaten an- dererseits über die Freizügigkeit ( Freizügigkeitsabkommen, FZA, SR 0.142.112.681) keine abweichenden Bestimmungen enthält oder das AUG günstigere Bestimmungen vorsieht (Art. 2 Abs. 2 AuG), dass gemäss Art. 67 Abs. 5 AuG ein bestehendes Einreiseverbot aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen vorübergehend ausgesetzt werden kann (Suspension), dass von B.X._______, wie in den in seiner Sache ergangenen Ur teilen betr. Aufenthaltsbewilligung und Einreiseverbot ausführlich dargelegt wird, eine aktuelle und erhebliche Gefahr für Straftaten namentlich gegen das Vermögen ausgeht, C-878/2012 Seite 4 dass angesichts der Persönlichkeit B.X._______s und seiner langjähr i- gen, bis in die Jugendzeit zurückreichende n kriminellen Karriere , das vergleichsweise kurze Wohlverhalt en während und nach Abschluss des letzten Strafvollzugs die Gefahr weiterer Straftaten nicht relativiert, dass auf der anderen Seite wichtige, in den Schutzbereich des Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) fallende Interessen an angemes- senen Kontakten innerhalb der Familie bestehen, dass B.X._______ die Schweiz allerdings erst am 24. Februar 2011 ver- liess, die Trennung von seiner Familie – sollten sich die Familienangehö- rigen tatsächlich nicht gesehen haben – zum Zeitpunkt der angefocht e- nen Verfügung weniger als ein Jahr andauerte, dass jedoch entgegen den unsubstantiierten Ausführungen der B e- schwerdeführerin nicht erkennbar ist, weshalb es der Familie nicht mög- lich gewesen sein sollte, sich in dieser Zeit in Grossbritannien oder an ei- nem anderen Ort ausserhalb der Schweiz zu treffen, dass im Übrigen B.X._______ – soweit bekannt – in Wien als unehelicher Sohn einer Österreicherin und eines britischen Staatsangehörigen geb o- ren wurde, durch Abstammung auch Österreicher ist bzw. war und in Ös- terreich einen beträchtlichen Teil seines Lebens verbrachte, dass der Familie deshalb die Möglichkeit offen stehen dürfte, ein auf Dauer angelegtes Zusammenleben ausserhalb der Schweiz nicht n ur in Grossbritannien, sondern auch in Österreich aufzunehmen, dass ein solche r Schritt angesichts der sprachlichen, kulturellen und g e- sellschaftlichen Nähe dieses Landes zur Schweiz namentlich der B e- schwerdeführerin und dem Kind entgegenkommen müsste, dass das Anliegen der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes, Weih- nachten 2011 und den Jahreswechsel 2011/2012 gemeinsam in der Schweiz zu verbringen, durchaus verständlich war, dass ihm jedoch kein aussergewöhnliches Gewicht zukam, wie es be i- spielsweise bei einer schweren Erkrankung oder einem Todesfall inner- halb des engsten Familienkreises der Fall ist, dass bei dieser Sachlage das öffentliche Interesse, durch die Fernhaltung B.X._______s künftige Straftaten zu verhindern, das Interesse seiner C-878/2012 Seite 5 Familie an einem Zusammentreffen in der Schweiz zum Zeitpunkt der an- gefochtenen Verfügung (vorläufig noch) überwog, das dieses überwiegende öffentliche Interesse an der Verhinderung künf- tiger Straftaten den mit der angefochtenen Massnahme verbundenen Eingriff in das konventionsrechtlich geschützte Familienleben rechtfertigte (Art. 8 Ziff. 1 EMRK), dass die Schweiz sodann im Interesse der Verhinderung künftiger Strafta- ten gestützt auf Art. 5 Anhang I FZA berechtigt war, das B.X._______ aus dem FZA zukommende Recht auf Einreise einzuschränken, dass diese Beurteilung zum heutigen Zeitpunkt – andauerndes Wohlver- halten B.X._______s und hinreichende Gründe vorausgesetzt – durchaus anders ausfallen könnte, wie die Vorinstanz in ihrer Vernehml assung an- deutet, dass diese Frage jedoch nicht vom Bundesverwaltungs gericht im Ra h- men des vorliegenden Rechtsmittelverfahrens, sondern von der Vori n- stanz anlässlich eines allfälligen neuen Gesuchs um Suspension des Ein- reiseverbots zu prüfen ist, dass die a ngefochtene Verfügung unter dem Gesichtspunkt von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden und die Beschwerde demzufolge abzuwe i- sen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten der Beschwerdefüh- rerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass das FZA der Beschwerdeführerin als Angehörige r eines Ni chtver- tragsstaates bloss eine abgeleitete Rechtsstellung vermittelt, welche die vorliegend zu beurteilende Konstellation nicht erfasst, dass sich die Beschwerdeführerin daher nicht auf Art. 11 Abs. 3 FZA beru- fen kann, weshalb ihr gegenüber das vorliegende Urteil endgültig ist (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110). Dispositiv S. 6 C-878/2012 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 800. - werden der Beschwerd e- führerin auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kos- tenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (…) – die Vorinstanz (…) – den Migrationsdienst des Kantons Bern Versand: Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Julius Longauer