Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Juli 2017 (720 17 38 / 191) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts, Kritik an den eingeholten Gutach- ten durch die behandelnden Fachärzte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Anna Arquint , Behinde r- tenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1956 geborene A.____ arbeitete zuletzt seit dem 3. Mai 2004 als Hilfsarbeiter- Metallbauer bei der B.____ GmbH in C.____. Am 15. J anuar 2007 meldete er sich unter Hin- weis auf starke Schmerzen im Oberarm bei der Eidgen össischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landscha ft (IV-Stelle) klärte in der Folge die ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab und lehnte mit Verfügung vom 30. Mai 2007 die Kostengutsprache für berufliche Massnahmen ab. Auf erneute Leistungsbegehren vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 23. Juni 2010 und 5. Februar 2013 trat die IV-Stelle jeweils mit Verfügungen vom 24. Februar 2011 und 9. Juli 2013 nicht ein. Ein Schreiben der n unmehr von A.____ als Rechtsvertreterin beauftragten Anna Arquint vom 28. Januar 2015 wurde v on der IV-Stelle als neue Anmeldung zum Leistungsbezug entgegengenommen. Nach Abklärung de s aktuellen medizinischen Sach- verhalts sowie nach Durchführung eines Vorbescheidverfahre ns lehnte die IV-Stelle mit Verfü- gung vom 3. Januar 2017 den Rentenanspruch des Versiche rten aufgrund eines ermittelten Invaliditätsgrades von 5% ab. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Anna Arquint, am 24. Januar 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuhebe n und es seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen, eventualiter sei eine zusätzliche Begutachtung, allenfalls beauftragt durch das Gericht, durchzuführen. In verfahrensrechtliche r Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung beantragt, alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die eingeholten rheu matologischen und psychiatrischen Gut- achten beweisrechtlich nicht verwertbar seien. So würden sie Lücken und Unvollständigkeiten aufweisen, den Einschätzungen der behandelnden Ärzte we sentlich widersprechen und in Be- zug auf die herangezogenen Ressourcen zu unzulässigen Schlü ssen gelangen. Ferner seien die sprachlichen Schwierigkeiten des Beschwerdeführers ungenügend berücksichtigt worden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 22. März 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Die eingeholten Gutachten erwi esen sich als nachvollziehbar und schlüssig, weshalb darauf abgestellt werden könne. Die Kri tik des Beschwerdeführers vermöge diese nicht in Zweifel zu ziehen. Es sei folglich zu ke iner Verletzung des Untersuchungsgrund- satzes gekommen. D. Mit Eingabe vom 3. April 2017 zog der Beschwerdefü hrer das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung zurück. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 24. Januar 2017 ist demnach ei nzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invali- denversicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit od er Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigu ng der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behan dlung und Eingliederung verblei- bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke iten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG ). Für die Beurteilung des Vorlie- gens der Erwerbsunfähigkeit sind nach dem mit der 5. I V-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgra des bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stü tzt sich der angefochtene Entscheid hin- gegen ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweis- würdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zwei- feln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztliche n Feststellungen ergänzende Abklä- rungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27 . Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 3.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natu r von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnd en Ärzte wichtige – und nicht rein sub- jektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Asp ekte benennen, die im Rahmen der Begut- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl . Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar ( BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.2.1 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Leiturtei l BGE 141 V 281 ff. seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Lei den (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) revidiert hat. Eine Einschränkung der Leist ungsfähigkeit kann danach weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Ge- sundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Rentenanspruch – in Nachachtung der ver- fassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 de r Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rech tsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem namentlich aus medizini- scher, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutun g nicht weiter fest. Anstelle des bis- herigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rah- men wird im Regelfall anhand von auf den funktionelle n Schweregrad bezogenen Standardindi- katoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen erg ebnisoffen und symmetrisch beur- teilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfakto ren wie den vorhandenen Ressour- cen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 4.2.2 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei den genannten Gesundheitsschäden beachtlichen Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indi- katoren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behand lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffen- den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsent wicklung und der Persönlichkeits- struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Im drit- ten Indikatoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen ver haltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität sniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederun gsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 296 ff. E. 4). 4.2.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stär ker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und damit ve rgleichbare Leiden können somit eine Invalidität nur begründen, wenn die funktionelle n Auswirkungen der medizinisch festge- stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfal l anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegende r Wahrscheinlichkeit in einem an- spruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind. Fehlt es daran , hat die Folgen der Beweislo- sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 308 E. 6). 5. Bei der Würdigung des vorliegenden medizinischen Sach verhalts sind insbesondere die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Nach der ersten Anmeldung des Beschwerdeführers bei der IV gab die Beschwerde- gegnerin eine bidisziplinäre Begutachtung in Auftrag. Im Gutachten vom 2. April 2007 diagnos- tizierten die involvierten Fachärzte Dr. med. D.____, F MH Rheumatologie sowie Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.5), angegebene ch ronische lumbale Rücken- schmerzen seit Jahren mit seit mehreren Monaten bestehend er brennender Schmerzsympto- matik im linken Oberschenkel ohne Nachweis eines organische n Substrats, angegebene zervi- kale Schmerzen sowie ein Halbseitenschmerzsyndrom auf der li nken Seite ohne Nachweis ei- nes organischen Korrelates. Die Diagnosen hätten keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers wurde in der Folge mit Verfügung vom 30. Mai 2007 abgelehnt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Ein am 1. Dezember 2010 durchgeführtes EMG ergab Befunde, die mit einer begin- nenden Neuropathie sowie einem beginnenden Karpaltunnelsyndrom rechts vereinbar seien. 5.3 Mit Schreiben vom 3. November 2013 führte die beh andelnde Rheumatologin Dr. med. F.____, FMH Rheumatologie, aus, dass in den bisherigen IV-Verfahren die inzwischen bildgebend bestätigte Diagnose einer Spondylarthritis nicht berücksichtigt worden sei. Unter einer Behandlung mit Methotrexat sei es zu einer deutl ichen Verbesserung der Beschwerden an den peripheren Gelenken gekommen. Indessen würden starke Rückenschmerzen auch un- ter einer Begleittherapie mit TNF-Alpha-Blocker persi stieren. Nach einem wiederholten MRI sowie radiologischen Kontrollen der Hals- und Lendenwirbelsäule habe sich das Bild einer non- radiologischen Spondylarthritis gezeigt. Somit seien rad iologisch keine oder bloss leichte Ver- änderungen der Wirbelsäule zu sehen, im MRI würden jedoch deutliche Entzündungszeichen sichtbar. Die Untersuchung bestätige die Persistenz der en tzündlichen Arthritis beim Patienten trotz maximaler medikamentöser Therapie. Zurzeit bestehe für sämtliche Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. 5.4 Die IV-Stelle veranlasste in der Folge eine erneut e Begutachtung durch die Dres. D.____ und E.____. Im Gutachten vom 18. Mai 2015 wurd en in rheumatologischer Hinsicht folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkei t gestellt: eine seronegative Spondylar- thropathie (Spondylarthritis) mit radiomorphologisch seh r diskreten Befunden, vereinbar mit einem entzündlichen Geschehen, im Status mit keinerlei Sy novitiden und unter Behandlung. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien ein seit Ja hren chronifiziertes Halbseitenkörper- schmerzsyndrom links, eine Polyneuropathie sowie ein begi nnendes Karpaltunnelsyndrom rechts. Die vorliegenden diskreten bildgebenden Befunde würden sich sehr oft auch bei klinisch asymptomatischen Patienten zeigen. Insgesamt sei dennoch wahrscheinlich von einer entzünd- lichen Problematik auszugehen. Es müsse jedoch festgehalten werden, dass die gesamte Schilderung der Schmerzsymptomatik durch den Exploranden m it den stärksten Schmerzen im Oberschenkelbereich vom Schmerzcharakter (Nadelstiche, Br ennen, etc.) her nicht zu einem entzündlichen Geschehen passe, sondern klar einer funktion ellen Problematik entspreche. Die brennenden Schmerzen im Bereich der Füsse seien wiede rum auf eine Polyneuropathie zu- rückzuführen. Diesbezüglich scheine ein organisches Problem vorzuliegen. Zusammenfassend liege einerseits eine funktionelle Komponente, anderer seits wahrscheinlich eine entzündliche Problematik vor. Das funktionelle Problem dominiere jed och klar und sei für einen Grossteil der subjektiv erlebten Beschwerden verantwortlich. Eine gen aue Trennung der Komponenten sei indessen schwierig. Aufgrund der entzündlichen-rheumato logischen Krankheit sei eine körper- lich schwere oder mittelschwere Tätigkeit nicht zumutbar . Für eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Heben, Stossen oder Ziehen von Gewichten über 10 kg, ohne dauerndem Sitzen oder Stehen, ohne Zwangshaltungen oder repetitivem Vornüb ergebeugtsein bestünde eine Arbeits- fähigkeit von 100%. Diese Beurteilung gelte ab 2. Februar 2012. Aus psychiatrischer Sicht hielt Dr. E.____ mit Gutachten vom 18. Mai 2015 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4) fest, die je doch keinen Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit habe. Der Explorand beklage seit Jahren stärk er werdende Schmerzen. Diese beträ- fen nun den ganzen Körper. Er könne nicht länger als eine Stunde in derselben Position bleiben Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und fühle nebst den anhaltenden Schmerzen oft ein Ameisenlaufen. Die Schmerzen würden nie aufhören und durch die Schmerzmittel lediglich abgeschw ächt. Seine psychische Verfassung sei nicht gut, weil er viele Probleme habe. Er leide auch unter einer Müdigkeit, die er jedoch mitunter den zahlreichen Medikamenten zuschreibe, die er einnehme. Der Explorand sei in sei- nem formalen Denken auf die Körperschmerzen eingeengt . Seit der letzten Begutachtung sei es auch zu einer weiteren deutlichen Schmerzausweitung g ekommen. Gleichzeitig bestünden zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren. Es sei nie der Eindruck eines bewusstseinsnahen Mechanismus entstanden, es bestünden keine Hinweise auf eine Aggravation oder eine Be- gehrlichkeit. Hingegen wirke der Explorand in seinen zah lreichen und teilweise sich wiederho- lenden Schilderungen der Schmerzen verdeutlichend. D ie Foerster-Kriterien seien nicht genü- gend erfüllt. Es liege keine relevante Affektpathologi e oder Persönlichkeitsstörung und somit keine psychiatrische Komorbidität vor. Aus objektiver Sic ht bestünden eine vollständig intakte innerpsychische Vitalität und weiterhin vollständig erhaltene qualitative Funktionsfähigkeiten. Da aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe, gelte die rheumato- logische Beurteilung als Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit. 5.5 Mit neurologischem Gutachten vom 12. September 201 5 diagnostizierte Dr. med. G.____, FMH Neurologie, eine leichte bis gr enzwertige Polyneuropathie, ein leichtes Karpaltunnelsyndrom rechts sowie ein marginales Karpaltun nelsyndrom links. Die Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Explorand beklage ein chronisches, im Verlauf progredientes multilokuläres Schmerzsyndrom, namentlich im Bereich des linken Armes und Beines sowie im Bereich des lumbalen Rückens mit panv ertebraler Ausbreitung. In keiner der drei zwischen 2010 und 2014 durchgeführten MRI-Unte rsuchungen habe sich bildmorpho- logisch eine Kompromittierung neuraler Strukturen geze igt. Auch anlässlich der aktuellen gut- achterlichen neurologischen Abklärung hätten sich bezüglich der geklagten Rückenbeschwer- den keine relevanten pathologischen Befunde gezeigt. W eder im Bereich der Halswirbelsäule noch der Lendenwirbelsäule seien relevante Bewegungsei nschränkungen oder radikuläre bzw. spinale Symptome feststellbar gewesen. Die paravertebral e Muskulatur weise keine relevanten Tendomyosen auf. Es lägen keine sensomotorischen radikulären Ausfälle vor, die Muskeleigen- reflexe hätten symmetrisch mittellebhaft ausgelöst werden können. Zusammenfassend bestehe eine nur leichte bis grenzwertige Neuropathie, welche i m bisherigen Verlauf nicht progredient sei. Sie sei wohl als organischer Beschwerdekern der vom Exp loranden geklagten brennenden Dysästhesien der Füsse sowie der als Restless-Legs-Syndrom an mutenden nächtlichen Bewe- gungsunruhe der Füsse zu verstehen. Eine namhafte allta gsrelevante Funktionseinschränkung könne daraus jedoch nicht abgeleitet werden. Gleiches g elte für das Karpaltunnelsyndrom. Aus neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arb eitsfähigkeit. Zwar könne sich das Karpaltunnelsyndrom bei körperlich belastenden manuellen Tätigkeiten verschlechtern, dieses Beschwerdebild sei jedoch grundsätzlich behandelbar. 5.6 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte Dr. F._ ___ ein Schreiben vom 18. Dezember 2015 ein. Darin führte sie aus, dass der P atient an einer Spondylarthritis leide, welche bereits maximal therapiert werde und trotzdem ak tiv bleibe. Die Krankheitsaktivität fluk- tuiere über die Jahre, entspreche aber jeweils einem hohen bis sehr hohen Bereich. Die ge- schilderten Symptome seien kongruent und jederzeit absolu t nachvollziehbar. Sie würde eine Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht konstante Aktivität der Erkrankung mit periodischen Exazer bationen beobachten. Bei einem solchen Krankheitsverlauf habe der Patient auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance. Die konstante Aktivität der Krankheit führe überdies zu einer nicht-überwindbaren Erschöpfung und damit zusammenhängend zu Problemen in der Konzentrat ion und Leistungsfähigkeit. Mit einer Biologika-Therapie habe der Patient eine Verbesserung der Beschwerden von 20% wahrneh- men können, die Einschränkungen im Alltag würden jedoc h in erheblichem Ausmass verblei- ben. 5.7 Der behandelnde Facharzt Dr. med. H.____, FMH Psych iatrie und Psychotherapie, bestätigte mit Bericht vom 6. Januar 2016, dass der Patient seit dem 25. August 2014 bei ihm in ambulanter Behandlung stehe. Es sei eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F 32.11) sowie eine anhaltende somato forme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4) zu diagnostizieren. Die depressive Entwicklung sei auf die psychosozialen und finanziel- len Probleme des Patienten zurückzuführen, hätte sich zwische nzeitlich jedoch verselbststän- digt und chronifiziert. Die Foerster-Kriterien seien erfüllt. Neben der psychiatrischen Komorbidi- tät seien auch der ausgewiesene soziale Rückzug in allen Le bensbereichen sowie unbefriedi- gende Behandlungsergebnisse trotz konsequenter Behandlu ngsbemühungen gegeben. Das psychiatrische Gutachten von Dr. E.____ weise verschiedene Mängel auf. So würden die laten- ten Selbstmordgedanken des Patienten nicht erwähnt, de r soziale Rückzug unrichtig gewertet und die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten überschätzt. 5.8 Mit Stellungnahmen vom 25. April 2016 und 27. Jul i 2016 nahm pract. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, des Regionalen Ärztliche n Dienstes (RAD) der Be- schwerdegegnerin zur Kritik von Dr. H.____ Stellung. 5.9 Mit Schreiben vom 15. August 2016 führte Dr. D.__ __ aus, dass dem Bericht von Dr. F.____ keine substantiellen neue Fakten zu entnehme n seien, die seine Beurteilung zu än- dern vermögen würden. Vielmehr sei dem vom Explorande n beschriebenen Tagesablauf zu entnehmen, dass er regelmässige Tagesaktivitäten tätige. So fahre er seine Frau mit dem Auto zur Arbeit und gehe anschliessend in seinen Garten, um zu arbeiten und zu spazieren. Danach hole er seine Frau von der Arbeit ab. Der Tagesablauf entspreche insgesamt einer leichten kör- perlichen Betätigung, dies etwa im Umfang eines Ganzta gespensums. Im körperlichen Status hätten sich überdies keine entzündlichen Befunde gezeigt und die radiologischen Befunde sei- en diskret gewesen. 5.10 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens r eichte der Beschwerdeführer einen aktuellen Bericht der behandelnden Rheumatologi n vom 25. Januar 2017 ein. Darin be- kräftigt Dr. F.____ den schubweisen Charakter der Spond ylarthritis des Beschwerdeführers. Trotz maximaler Behandlung persistiere die Krankheit jew eils ohne komplette Remission. Zwar würden viele Patienten mit einer Spondylarthritis arbe iten können, diese Patienten sprächen jedoch jeweils auf die Therapien an. Beim Beschwerdef ührer sei dies nicht der Fall. Nicht nur die im Vordergrund stehenden Rückenschmerzen, sondern a uch das intermittierende Auftreten von Fersenschmerzen beidseits sowie Schmerzen in den Fing ergelenken, Knien, Handgelenk und Schultern seien Ausdruck der aktiven Erkrankung. Unter Therapie habe beim Patienten Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine deutliche Regredienz der Intensität der Beschwerd en erreicht werden können, jedoch kei- ne Remission. Somit bestehe weiterhin eine Arbeitsunfä higkeit von 100% für schwere und mit- telschwere Tätigkeiten. Für leichte Tätigkeiten sei eine maximale Arbeitsfähigkeit von 30% zu attestieren. 5.11 Mit Schreiben vom 21. Februar 2017 und 20. März 2017 nahmen die RAD-Ärzte Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, respektive med. pract. I.____ zu den medizi- nischen Vorbringen in der Beschwerde Stellung. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefoch tenen Verfügung vom 3. Januar 2017 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts vol lumfänglich auf die Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 18. Mai 2015, das Gutachte n von Dr. G.____ vom 12. September 2015 sowie die Einschätzungen ihrer RAD-Ärzte ab. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Versicherten eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 100% zumutbar sei. Wie unter Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt, ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen. Solche Indizien liegen vorliegend nicht vor. Die Gutachten der Dres. D.____, E.____ und G.____ weisen keine formellen Mängel auf, beruhen auf eingehenden Untersu- chungen des Versicherten und berücksichtigten auch die übri gen bei den Akten liegenden me- dizinischen Berichte. Zudem gehen sie auf die geklagten Beschwerden ein und vermitteln so ein genügend umfassendes Bild über den Gesundheitszustan d des Versicherten. Es wird deut- lich, dass der Versicherte nebst einer chronischen Spondylarthritis keine somatischen oder psy- chiatrischen Beschwerden mit Einfluss auf die Arbeitsfähi gkeit aufweist. Vor diesem Hinter- grund ist auch die fachärztliche Einschätzung der Arbei tsfähigkeit nachvollziehbar begründet. Insgesamt ist die Beurteilung in den rheumatologischen, neurologischen und psychiatrischen Gutachten sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend. 6.2 Daran vermögen auch die Vorbringen des Beschwerdef ührers nichts zu ändern. In Bezug auf das rheumatologische Gutachten von Dr. D.___ _ vom 18. Mai 2015 bringt er insbe- sondere vor, dass die gutachterliche „Momentaufnahme“ die chronische und schubweise auftre- tende Krankheit bloss ungenügend dargestellt habe. So komme auch seine behandelnde Rheumatologin Dr. F.____ – welche ihn schon seit Jahren behandle und als Erste die Diagnose einer Spondylarthritis gestellt habe – zu einer andere n Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Dem ist entgegenzuhalten, dass Dr. D.____ sämtliche medizini schen Vorakten sowie sämtliche bild- gebenden Untersuchungsbefunde vorgelegen haben und es ihm als Facharzt durchaus möglich ist, den Verlauf einer chronischen bzw. schubweisen Krankh eit nachzuvollziehen. Es sind denn auch keine Anhaltspunkte dafür vorhanden, dass er diesen Verlauf in seiner Beurteilung nicht berücksichtigt habe. Vielmehr äussert sich Dr. D.____ dif ferenziert zur Abgrenzung der ent- zündlichen Erkrankung von der ebenfalls vorhandenen funkti onellen Schmerzproblematik. Dr. F.____ unterscheidet zwischen diesen Beschwerdebilder n nicht, obwohl dies aufgrund der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht diskreten Befunde und der psychiatrischerseits im Raum steh enden Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung angezeigt wäre. Im Übrigen finden sich in den Berichten von Dr. F.____ unklare bzw. widersprüchliche Angaben über die Erfolge der medikamentösen The- rapien sowie der Art und Ausprägung der Schmerzen des B eschwerdeführers. Der zur Kritik des psychiatrischen Gutachtens von Dr. E.____ vom 18. Mai 201 5 zitierte Bericht des behan- delnden Psychiaters Dr. H.____ ist ebenfalls nicht geeignet, die Einschätzung des Gutachters in Frage zu stellen. Dr. H.____ stützt seine abweichende Beurteilung ausschliesslich auf die sub- jektiven Angaben seines Patienten, der Bericht enthält k aum objektive Befunde. Die Kritik am Gutachten von Dr. E.____ ist – sofern Dr. H.____ inha ltlich dazu überhaupt Stellung nimmt – weder begründet noch substantiiert. Die Ausführungen des behandelnden Arztes vermögen daher – auch im Hinblick auf die vorgebrachten Mängel in der Anamnese – das beweiskräftige Gutachten von Dr. E.____ nicht in Frage zu stellen (vgl. auch E. 3.4 hiervor). Ferner bringt der Beschwerdeführer unter Hinweis auf die entsprechenden Ausführungen von Dr. H.____ vor, dass seine mangelnden Deutschkenntnisse eine regelrechte Verständigung mit den Gutachtern verunmöglicht hätten. Dieses Vorbringen erscheint nicht n achvollziehbar, erwähnen doch so- wohl Dr. D.____ (Gutachten vom 2. April 2007, S. 7 u nd vom 18. Mai 2015, S. 19) und Dr. E.____ (Gutachten vom 2. April 2007, S 16 und vom 18. Mai 2015, S. 15) wie auch Dr. G.____ (Gutachten vom 12. September 2015, S. 3) die guten oder doch zumindest zu- reichenden Deutschkenntnisse des Exploranden. Aus den Gutac hten werden sodann auch kei- nerlei Verständigungsschwierigkeiten ersichtlich. 6.3 Auch die für die Indikatorenprüfung relevanten Ressourcen und Einschränkungen las- sen sich den Gutachten, insbesondere dem psychiatrischen Gut achten von Dr. E.____ vom 18. Mai 2015, entnehmen (vgl. E. 4.2 hiervor). Dies w ird denn auch vom Beschwerdeführer nicht grundsätzlich bestritten. Allerdings bringt er vo r, dass sein Tagesablauf und seine Bezie- hungen zu Unrecht als Hinweis auf intakte Ressourcen her angezogen würden. Dem Beschwer- deführer ist zwar zuzustimmen, dass auch Invalide ihren Ta g gestalten, sich betätigen und so- ziale Kontakte pflegen dürfen. Indessen wird aus dem im Gutachten geschilderten Tagesablauf des Beschwerdeführers doch eine nicht unerhebliche Aktivit ät ersichtlich. So steht der Be- schwerdeführer regelmässig früh auf, fährt Auto, arbeit et in seinem Freizeitgarten und pflegt intakte Beziehungen zu seiner Tochter, den Enkelkindern sowie zu Verwandten. Dr. E.____ beschreibt in seinem Gutachten ferner intakte persönli che Ressourcen. Eine psychiatrische Komorbidität wird überzeugend verneint. Der Beschwerde führer steht in psychiatrischer Be- handlung, allerdings – gemäss Abklärungen der Beschwerd egegnerin – bloss in einer losen Frequenz von ca. einmal im Monat. Eine Einschränkung d es Versicherten im Alltag ist aus den Angaben des Beschwerdeführers jedenfalls nicht ersichtlich. Aufgrund der beschriebenen Res- sourcen, dem Tagesablauf und der Persönlichkeitsstruktur de s Beschwerdeführers ist eine zu- sätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu verneinen. 6.4 Zusammenfassend lassen die Gutachten der Dres. D.___ _, E.____ und G.____ eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicher ten zu, weshalb die Beschwerde- gegnerin bei der Beurteilung der medizinischen Sachla ge darauf abstellen durfte. Folglich ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer lei chten körperlichen Tätigkeit ohne Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Heben, Stossen oder Ziehen von Gewichten über 10 kg, o hne dauerndem Sitzen oder Stehen, ohne Zwangshaltungen oder repetitivem Vornübergebeugtsein in einem vollen Pensum arbeits- fähig ist. Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesa gten eine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so ist dem An trag des Beschwerdeführers, wonach weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen seie n, nicht stattzugeben. Der An- spruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisan träge zu stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabna hme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsach en abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt da s Gericht bei pflichtgemässer Beweis- würdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des rele- vanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreich end abgeklärt ist, kann auf ein be- antragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbu ndene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässi g (BGE 141 I 64 E. 3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.3 hiervor), ist gem äss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommen svergleichs zu bestimmen. Die Be- schwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung vom 3. Januar 2017 den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand d er Gegenüberstellung des Vali- deneinkommens als Schlosser von Fr. 66‘163.– (gestützt a uf die Tabellen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik [LSE] 2014, Tabelle TA 1, Sektor 24-25) und des zumutbaren Invalideneinkommens von 63‘130.– (ge stützt auf die LSE 2014, Tabelle TA 1, Privater Sektor Total, unter Berücksichtigung ein es leidensbedingten Abzuges von 5%) einen Invaliditätsgrad von 5% ermittelt. Die Berechnun g, die vom Versicherten nicht bean- standet worden ist, erweist sich als rechtens. Es kann diesb ezüglich vollumfänglich auf die ent- sprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügu ng vom 3. Januar 2017 verwiesen wer- den. 8. Nach dem Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Besch werdegegnerin einen Renten- anspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat. Di e angefochtene Verfügung vom 3. Januar 2017 erweist sich als korrekt und die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 8 00. – festgesetzt werden, ihm zu auf- erlegen sind. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvor schuss verrechnet. Die ausserordentli- chen Kosten sind entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wettzuschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– wer den dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kosten vorschuss von Fr. 800.– verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht