Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Januar 2018 (720 17 295 / 11) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Dem verwaltungsinternen Gutachten (RAD- Bericht) kommt kein ausschlaggebender Beweiswert zu. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Marco Chevalier , Rechtsanwalt, Elisabethenstrasse 28, Postfach 425, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1972 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Janu ar 2012 bis 31. März 2015 in einem Teilzeitpensum als Raumpflegerin bei der B.____AG a ngestellt. Am 1. Juli 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Diskushernie bei der Ei dgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen, erwerblichen und hauswirtschaftli chen Verhältnisse ab. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wies sie mit Verfügung vo m 15. August 2017 – in Anwendung der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemischten Methode der Invaliditätsbemessung – einen An spruch von A.____ auf eine Rente ab, da keine rentenbegründende Erwerbseinbusse ausgewiesen sei. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr . Marco Chevalier, am 14. Septem- ber 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landscha ft, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 15. August 2017 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr ab Januar 2 016 eine ganze Invalidenrente auszu- richten. Eventualiter sei der Fall zu weiteren Abkläru ngen an die Beschwerdegegnerin zurück- zuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass der Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen b eruhe. Zudem seien die Haushalts- abklärung und der Einkommensvergleich nicht korrekt durchgeführt worden. C. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 14. November 2017 unter Hinweis auf eine Beurteilung von Dr. med. C.____, FMH Orthop ädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD ) beider Basel, vom 25. Septem- ber 2017 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 14. Septemb er 2017 ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem G rad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine gan ze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 6 0%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k önnte, in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht inva lid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.2 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Auf gabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werde n kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abge stellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Ab s. 2 IVG). Dies ist die spezifische Me- thode der Invaliditätsbemessung (Betätigungsvergleich; BGE 141 V 20 E. 3.2). 3.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sin d oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Sind sie daneben auch im Aufgabenber eich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatte n oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Inval iditätsgrad in beiden Bereichen zu be- messen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Meth ode der Invaliditätsbemessung (BGE 141 V 20 f. E. 3.2 mit Hinweisen). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundhe itsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach d en Grundsätzen für Erwerbstäti- ge zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961; in der hier anwendbaren, bis 31. Dezember 2017 gültig gewesenen Fassung). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwe ilig erwerbstätig oder als nicht er- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bund esgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versich erten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 15. August 2017) entwickelt haben, wobei für di e hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderl ich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 3.5 Vorliegend bemass die IV-Stelle den Invaliditätsgr ad der Versicherten nach der ge- mischten Methode. Dabei stellte sie bei der Festlegung der Anteile der Erwerbstätigkeit und der Haushalttätigkeit auf die im “Fragebogen zur Ermittlu ng der Erwerbstätigkeit“ vom 9. Oktober 2016 wiedergegebenen Angaben der Versicherten ab, won ach diese ohne gesundheitliche Be- einträchtigung in einem Pensum von 50% eines Vollpens ums einer ausserhäuslichen Erwerbs- tätigkeit nachgegangen wäre. Gestützt auf diese Aussage der Versicherten setzte die IV-Stelle den Anteil der Erwerbstätigkeit auf 50% und jenen der Haushaltstätigkeit entsprechend auf 50% fest, was von der Versicherten nicht in Frage gestellt wird. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachperso nen oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen v orzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerde führerin liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht allesamt gew ürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wi edergegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. 6.1 Am 30. Juli 2015 diagnostizierte Prof. Dr. med. D .____, FMH Neurochirurgie, einen Status nach zervikaler Diskektomie und Cage-Fusion C5/6 am 21. April 2015 wegen einer me- diolateralen und foraminalen Diskushernie C5/6 links. N ach dem Eingriff hätten sich die radiku- lären Schmerzen links deutlich zurückgebildet. Unmittelbar nach der Operation habe die Versi- cherte intermittierend starke Nackenschmerzen verspürt. Im weiteren Verlauf hätten sich diese initial nicht wesentlich zurückgebildet. Bei der letzt en Kontrolle am 30. Juni 2015 waren die Na- ckenbeschwerden tendenziell besser. Die Versicherte könne ihren Kopf allseits besser bewe- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen. Sie habe weiterhin Physiotherapie. Momentan seie n keine weiteren Interventionen an der HWS geplant. Ab August/September 2015 könnte die Versicherte wieder arbeitsfähig werden. 6.2 Auf Anfrage der IV-Stelle hielt der behandelnde Arzt Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, am 12. August 2015 fest, dass die Versic herte bereits bei leichten Tätigkeiten Nackenschmerzen habe. Es bestünde seit dem 14. Oktober 201 4 eine vollständige Arbeitsun- fähigkeit. Aktuell sei keine berufliche Tätigkeit möglich. 6.3 Am 23. März 2016 diagnostizierte Prof. Dr. med. F. ____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, chronische Ze rvikalgien bei Status nach Dis- kektomie und Cage-Einlage C5/6 am 21. April 2015. Rad iologisch zeige auch die aktuelle CT- Untersuchung keine sichere Durchbauung im Bereich des Cage s. Es bestehe weiterhin die Möglichkeit, dass eine sehr straffe Pseudoarthrose vorliege . Allerdings sei die Chance sehr ge- ring, dass die Versicherte nach einer Revisionsoperation mit Re-Spondylodese deutlich weniger Beschwerden habe. Sie selbst sei sehr zurückhaltend geg enüber einer weiteren Operation und möchte zuwarten. In ihrer ursprünglichen Tätigkeit als R aumpflegerin sei die Versicherte be- schwerdebedingt weiterhin vollständig arbeitsunfähig. I n einer leichten rückengerechten Tätig- keit betrage die Arbeitsfähigkeit maximal vier Stunden pro Tag. 6.4 Dr. C.____ führte am 29. Juni 2016 aus, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auszumachen sei. Die Versicherte klage t rotz operationstechnisch weitgehend erfolgreichem Eingriff an der Halswirbelsäule (HWS) ü ber unverändert anhaltende Beschwer- den. Die aussergewöhnlich schmerzhafte Symptomatik der HWS -spezifischen medizinischen Befunde sei jedoch auch postoperativ nicht hinlänglich o bjektivierbar. Zu berücksichtigen sei, dass in der letzten CT-Kontrolle nur innerhalb des impl antierten Cages keine sichere Durch- bauung habe festgestellt werden können, der Cage selb st jedoch an den jeweils korrespondie- renden Endplatten ausdrücklich gut knöchern integriert g ewesen sei. Das Vorliegen einer straf- fen Pseudoarthrose sei nicht gesichert, weshalb die postu lierten Beschwerden letztlich fraglich seien. Der Stellenwert der Pathologie relativiere sich nicht zuletzt auch an der fehlenden opera- tiven Korrigierbarkeit. Die Beurteilung von Prof. F.____, wonach selbst eine vollständige Konso- lidierung innerhalb des Cages durch einen Revisionseingr iff keine wesentliche Besserung der Beschwerden der Versicherten erwarten lasse, bedeute im Umkehrschluss, dass die anhalten- den Beschwerden in der Form, wie sie auftreten, nicht wesentlich auf die beschriebene, mögli- che, aber straffe Pseudoarthrose zurückzuführen seien. Dami t sei letztlich kein objektives pa- thologisches Korrelat der subjektiven Beschwerden nachweisbar. Der Einschätzung der Arbeits- fähigkeit von Prof. F.____, wonach der Versicherten eine angepasste Arbeit im Umfang von vier Stunden pro Tag zumutbar sei, könne nicht gefolgt werd en. Er stütze seine Einschätzung ohne Bezug zu den ergonomischen Anforderungen der zuletzt ausgeübten Tätigkeit und zudem stark auf die subjektiven Angaben der Versicherten ab. Es sei daher davon auszugehen, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Reinigung weitgehen d einer angepassten Tätigkeit entspre- che. Auch die Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Dr . E.____ sei nicht nachvollziehbar. Seit der Untersuchung bei Prof. D.____ vom 30. Juli 2015 kö nne eine schrittweise Erhöhung der Arbeitsfähigkeit angenommen werden. Demnach sei die Versicherte vom 21. April 2015 bis Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 30. Juli 2015 zu 0% und vom 31. Juli 2015 bis 30. Sep tember 2015 zu 50% arbeitsfähig gewe- sen. Seit dem 1. Oktober 2015 bestünde eine vollständige Arbeitsfähigkeit. 6.5 Am 22. Mai 2017 hielt Dr. E.____ fest, dass die Ve rsicherte nicht in der Lage sei, vier Stunden am Stück zu arbeiten. Sie müsse sich auch bei nur leichter Tätigkeit bereits nach einer Stunde beschwerdebedingt hinlegen. Eine berufliche Tätigkeit sei nicht möglich. 6.6 Am 16. Juni 2017 hielt der RAD-Arzt Dr. C.____ e rgänzend fest, dass keine neuen me- dizinischen Unterlagen vorliegen würden, die die Beurteilung vom 29. Juni 2016 in Frage stellen könnten. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefocht enen Verfügung vom 15. August 2017 bei der Würdigung des massgebenden medizinischen Sa chverhalts auf die erwähnten Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr. C.____ vom 29. Juni 2 016 und 16. Juni 2017 und ging davon aus, dass die Versicherte vom 21. April 2015 bis 3 0. Juli 2015 zu 0%, vom 31. Juli 2015 bis 30. September 2015 zu 50% und seit dem 1. Oktober 2015 zu 100% arbeitsfähig sei. Wie oben ausgeführt, sind an die Beweiswürdigung strenge A nforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall wie hier ohne Einholung eines externe n Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkei t und Schlüssigkeit der versicherungs- internen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklä rungen vorzunehmen (vgl. E. 4.3 hiervor und die dortigen Rechtsprechungshinweise). Solche Zweifel an der Schlüssigkeit der Zumutbarkeitsbeurteilung des RAD-Arztes Dr. C.____ ergeben sich zunächst mit Blick auf dem Bericht von Prof. F.____ vom 23. März 2016. Während Dr . C.____ – ohne die Beschwerdefüh- rerin persönlich untersucht zu haben – eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verneint und der Versicherten seit dem 1. Oktober 201 5 eine vollständige Arbeitsfähigkeit be- scheinigt, ergibt sich aus dem Bericht von Prof. F.____ e in anderes Bild: Er erachtet die Versi- cherte in ihrer bisherigen Tätigkeit beschwerdebedingt für vollständig arbeitsunfähig und attes- tiert ihr für angepasste Tätigkeiten eine Arbeitsfähi gkeit von maximal 4 Stunden pro Tag. Zwar können die Angaben des behandelnden Prof. F.____ nich t als alleinige Beurteilungsgrundlage dienen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5). Angesichts der klar divergierenden Einschätzung der Rest- arbeitsfähigkeit lassen sie aber dennoch Zweifel an d en Schlussfolgerungen des RAD-Arztes Dr. C.____ aufkommen. Kommt hinzu, dass diese Beurteilung, wonach sich der Stellenwert der Pathologie, wie sie von Prof. F.____ beschrieben werde , unter anderem wegen der fehlenden operativen Korrigierbarkeit relativiere, nicht nachvoll zogen werden kann. Jedenfalls lässt die geringe Wahrscheinlichkeit einer gesundheitlichen Verbe sserung durch eine weitere Operation nicht ohne Weiteres darauf schliessen, dass die Versicherte kein Beschwerden verursachendes pathologisches Korrelat mit Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit aufweist. Die Diskussion des RAD-Arztes Dr. C.____ in Bezug auf die klinischen Feststel lungen des behandelnden Arztes Prof. F.____ anhand der Bildgebung und der gutachter lichen Richtlinien vermag nicht zu über- zeugen. Auch seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit weckt Zweifel an der Zuverlässigkeit seines versicherungsinternen Aktengutachtens. Jedenfalls kann allei n aufgrund der Prognose von Prof. D.____ vom 30. Juli 2015, wonach die Versicherte im August/September 2015 wieder ar- beitsfähig sein könnte, nicht zuverlässig davon ausgegang en werden, dass sie ab 1. Oktober 2015 wiederum eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit au fwies. Bei diesem Beweisergebnis kann Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht auf die von der IV-Stelle als massgeblich erachtete versicherungsinterne Beurteilung ab- gestellt werden. Die angefochtene Verfügung vom 15. August 2017 ist deshalb aufzuheben und es sind weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. 7.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die S ozialversicherungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache a n die Verwaltung zurückweisen. Die Be- schwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst die nöti gen Abklärungen vorzunehmen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobene n Sachverhalt überhaupt für gutacht- lich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administra tivexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist (vgl. BGE 137 V 263 E. 4.4. 1 ff.). Da die Beschwerdegegnerin vor- liegend den medizinischen Sachverhalt unvollständig abg eklärt hat und es nicht die Aufgabe des kantonalen Gerichts ist, im Verwaltungsverfahren ver säumte Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin auch u nter Berücksichtigung der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts nichts entgegen. Demzuf olge ist die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuwe isen. Diese wird den Gesundheits- zustand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten durch ein versicherungsexternes Gutachten abzuklären haben. Hernach wird sie eine erneute Abklär ung im Haushaltsbereich durchführen müssen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass die Ge wichtung des Bereichs Kin- derbetreuung von 10% bei einem Haushalt mit einem K leinkind (Jahrgang 2014) nicht über- zeugt. Beachtung zu schenken ist ausserdem der Tatsache, dass d er im Rahmen der Scha- denminderungspflicht zu erwartenden – erweiterten – Mithilfe des Ehemannes der Beschwerde- führerin infolge seiner beruflichen Tätigkeit Grenzen gesetzt sind. Gestützt auf die Ergebnisse dieser Aktenergänzungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Rentenanspruch der Be- schwerdeführerin neu zu befinden haben. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weite ren Vorgehen im Sinne der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-S telle zurück, so gilt in prozessualer Hin- sicht die beschwerdeführende Partei als obsiegende und d ie IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufe rlegt. Bei diesem Ausgang des Ver- fahrens ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wesha lb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nic ht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund diese r Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskost en aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahrenskosten erhoben und der von der Beschwerd eführerin geleistete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- ist zurückzuerstatten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerde gutzuheisse n und die Sache zur erneuten Ab- klärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurü ckzuweisen ist, hat diese der Be- schwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Der Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin hat in seiner Honorarnote vom 20. November 2 017 einen Zeitaufwand von 11,25 Stun- den geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellen den Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 29.30. Der Beschwerdefüh rerin ist deshalb eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘069.15 (11,25 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 29.30 + 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nac hteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 15. August 2017 aufge- hoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘069.15 (inkl. Ausl agen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht