<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp310400"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>124 III 286<br/><br/><br/><div class="paraatf">51. Auszug aus dem Urteil der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer vom 22. Juli 1998 i.S. B. (Beschwerde)</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp311648"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 193 SchKG</span>; <span class="artref">Art. 593 Abs. 1 ZGB</span>. <div class="paratf">Einem Erben, der die Erbschaft unter öffentlichem Inventar angenommen oder die amtliche Liquidation verlangt hat, können die Kosten des Konkursverfahrens nicht auferlegt werden, wenn in der Folge - wegen Überschuldung der Erbschaft - die Erbschaftsbehörde das Konkursgericht benachrichtigt und dieses die konkursamtliche Liquidation anordnet. </div> </div> </div> <a name="idp317344"></a> <a name="idp322720"></a> <br/><div> <a name="idp328224"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 287</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page287"></a><div class="center pagebreak">BGE 124 III 286 S. 287</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp329936"></a><span class="bold">A.- </span>Nach dem Tode von G. am 27. Januar 1997 schlugen die Erben die Erbschaft aus, mit Ausnahme der Erbin B. Diese verlangte am 25. Februar 1997 die Aufnahme eines öffentlichen Inventars.</div> <div class="paraatf">Wegen Überschuldung des Nachlasses ersuchte das Bezirksamt Gaster am 18. November 1997 um Liquidation des Nachlasses durch das Konkursamt des Kantons St. Gallen. Das Bezirksgerichtspräsidium Gaster ordnete diese am 26. November 1997 an, stellte aber am 26. Februar 1998 das Konkursverfahren mangels Aktiven wieder ein.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp332416"></a><span class="bold">B.- </span>Mit Verfügung vom 7. April 1998 auferlegte das Konkursamt der Erbin B. die Kosten des Konkursverfahrens von Fr. 1'779.60.</div> <div class="paraatf">Darüber beschwerte sich B. beim Kantonsgericht St. Gallen als kantonaler Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs. Ihre Beschwerde wurde indessen mit Entscheid vom 25. Juni 1998 abgewiesen.</div> <div class="paraatf">Demgegenüber hiess die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichts die Beschwerde gut.</div> <br/><div> <a name="idp335072"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp336032"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>Das Kantonsgericht St. Gallen hat die Verfügung des Konkursamtes des Kantons St. Gallen vom 7. April 1998, womit der Beschwerdeführerin die Kosten des Konkursverfahrens in der Höhe von Fr. 1'779.60 auferlegt wurden, geschützt. Dabei hat es jedoch offenbar verkannt, dass die Beschwerdeführerin nicht die konkursamtliche Liquidation verlangt, sondern die Erbschaft unter öffentlichem Inventar angenommen hat.</div> <div class="paraatf">a) Die Kosten des Konkursverfahrens können Erben auferlegt werden, wenn sie selber nach Massgabe von <span class="artref">Art. 193 Abs. 3 SchKG</span> die konkursamtliche Liquidation verlangen. Indessen ist die Kostenauflage unzulässig, wenn ein Erbe die Erbschaft unter öffentlichem Inventar annimmt oder die amtliche Liquidation verlangt (<span class="artref">Art. 593 Abs. 1 ZGB</span>) und in der Folge die Erbschaftsbehörde das Konkursgericht benachrichtigt und dieses die konkursamtliche Liquidation <a name="page288"></a><div class="center pagebreak">BGE 124 III 286 S. 288</div>anordnet (<span class="artref"><artref id="CH/281.1/193/2" type="start"></artref><artref id="CH/281.1/193/1" type="start"></artref>Art. 193 Abs. 1 und 2 SchKG</span><artref id="CH/281.1/193/2" type="end"></artref><artref id="CH/281.1/2" type="end"></artref>, <span class="artref">Art. 597 ZGB</span>; siehe AMONN/GASSER, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 6. Auflage Bern 1997, § 38, N. 42 im Gegensatz zu N. 41).</div> <div class="paraatf">b) Nach den für die erkennende Kammer verbindlichen Feststellungen der kantonalen Aufsichtsbehörde (Art. 63 Abs. 2 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 81 OG</span>) hat die Beschwerdeführerin die Erbschaft unter öffentlichem Inventar angenommen. Wegen Überschuldung der Erbschaft hat das Bezirksamt Gaster als Erbschaftsbehörde am 18. November 1997 den Antrag auf konkursamtliche Liquidation gestellt. Deren Kosten konnten nach dem oben Gesagten nicht der Beschwerdeführerin auferlegt werden; und daran vermögen auch die Überlegungen der kantonalen Aufsichtsbehörde nichts zu ändern:</div> <div class="paraatf">Wenn sie im angefochtenen Entscheid zwar richtigerweise davon ausgeht, dass sich das konkursamtliche Liquidationsverfahren nach <span class="artref">Art. 194 SchKG</span> und nach den allgemeinen Vorschriften des Konkursrechtes richtet (MARTIN KARRER, in: Honsell/Vogt/Geiser, Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, N. 10 zu <span class="artref">Art. 597 ZGB</span>), so beruft sich anderseits die Beschwerdeführerin zu Recht auf ebendiese Stelle in der Literatur, wo - unter Hinweis auf <span class="artref">Art. 262 SchKG</span> - auch gesagt wird, dass sämtliche Kosten aus Eröffnung und Durchführung des Konkursverfahrens zu Lasten der Masse gingen und dass die Erben nicht belastet werden könnten, wenn die Masse ungenügend sei (vgl. auch <span class="bgeref_err">BGE 71 III 164</span>, S. 170).</div> <div class="paraatf">Gestützt auf <span class="artref">Art. 169 SchKG</span> (in Verbindung mit <span class="artref">Art. 194 SchKG</span>) kann die Beschwerdeführerin deshalb nicht belangt werden, weil nicht sie, sondern die Erbschaftsbehörde die konkursamtliche Liquidation beantragt hat.</div> </div></body></html></html>