Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Juli 2022 (720 21 421 / 152) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Neuanmeldung nach rechtskräftiger Ablehnung einer I nvalidenrente. Auf die beweiskräf- tigen Verwaltungsgutachten kann abgestellt werden, womit der Versicherte Anspruch auf eine halbe Rente hat. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Katja Wag- ner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Barbara Wyler, Rechtsanwältin, Zürcherstrasse 310, Postfach 340, 8501 Frauenfeld gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.a Der 1961 geborene und zuletzt als Lagerist tätig ge wesene A.____ meldete sich erst- mals mit Gesuch vom 16. November 2016 unter Hinweis au f Schulterbeschwerden bei der Eid- genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug a n. Mit Verfügung vom 18. Mai 2010 verneinte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landsch aft (IV-Stelle) einen Rentenanspruch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht infolge Nichterfüllens des gesetzlichen Wartejahres. Dies e Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. A.b Am 9. Oktober 2015 meldete sich der Versicherte erne ut zum Bezug von Leistungen der IV an, wobei er im entsprechenden Formular auf einen Unfall am Arbeitsplatz 2004, auf Schulter- und Rückenbeschwerden sowie eine Darmverkrümmung hinwies. Mit Vorbescheid vom 4. Mai 2016 kündigte die IV-Stelle an, dass sie au f das neue Leistungsbegehren nicht ein- treten werde. Im Rahmen des darauffolgenden Einwandverfahrens veranlasste die IV-Stelle ein bidisziplinäres Gutachten bei Dr. med. B.____, FMH Rhe umatologie und Allgemeine Innere Medizin, sowie bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie. Mit Vorbescheid vom 18. September 2017 stellte sie erneut einen Nichtei ntretensentscheid in Aussicht. Zur Be- gründung führte sie an, dass keine rentenrelevante Versch lechterung der gesundheitlichen Verhältnisse eingetreten sei. Nachdem der Versicherte gegen diesen Vorbescheid abermals Einwand erhoben hatte, beauftragte die IV-Stelle Dr . C.____ mit einem Verlaufsgutachten. Mit Verfügung vom 8. November 2021 sprach sie dem Versicher ten rückwirkend ab 1. Mai 2019 eine halbe IV-Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vert reten durch Dr. Barbara Wyler, Ad- vokatin, mit Eingabe vom 9. Dezember 2021 Beschwerde be im Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge richt). Darin beantragte er, die Ver- fügung vom 8. November 2021 sowie die hierzu ergangene Berechnungsverfügung vom 29. November 2021 betreffend Invalidenrente seien aufzuheben und die Angelegenheit zur me- dizinischen und auch zur erwerbsmässigen ergänzenden Abkläru ng an die Vorinstanz zurück- zuweisen. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer ab März 2016 eine ganze Invalidenrente zu- zusprechen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um unentgeltli- che Prozessführung und Verbeiständung mit Advokatin Wyle r als Rechtsvertreterin. Zur Be- gründung machte er im Wesentlichen geltend, dass die Gut achten, auf welche sich die leis- tungszusprechende Verfügung stütze, nicht über den erfo rderlichen Beweiswert verfügen wür- den. Gestützt auf die Berichte seiner behandelnden Är zte sei bereits im Zeitpunkt der Anmel- dung eine höhere Beeinträchtigung der Arbeitsfähigk eit erstellt. Die gutachterlich attestierte Restarbeitsfähigkeit sei sodann nicht mehr verwertbar. C. In ihrer Vernehmlassung vom 31. Januar 2022 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Schreiben vom 10. Februar 2022 liess der Beschwerd eführer mitteilen, dass er das Kostenerlassgesuch zurückziehe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Geri cht und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19 . Juni 2020 beschlossene Ände- rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kra ft. Die vorliegend angefochtene Verfü- gung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgeme inen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmu ngen des IVG und diejenigen der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT SG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendb ar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wie- dergegeben, zitiert und angewendet. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten od er verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchsc hnittlich mindestens 40% arbeits- unfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Abla uf dieses Jahres zu mindestens 40% inva- lid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von minde stens 40% besteht Anspruch auf eine Vier- telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem Inva- liditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelre nte und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbs- fähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 u nd 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkranku ngen einem strukturierten Be- weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwi- ckelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, di e – unter Berücksichtigung von leis- tungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits u nd von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erre ichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrund- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu trag en hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 3. Die vorliegende Angelegenheit betrifft eine Neuan meldung nach rechtskräftiger Ableh- nung einer Invalidenrente. Im Falle eines Eintretens a uf eine Neuanmeldung ist nach Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV i.V.m. Art. 17 Abs. 1 ATSG analog zu einer Rentenrevision zu prüfen, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem Erlass der frühe ren rechtskräftigen Verfügung in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert haben (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b). Nachdem die IV-Stelle zuletzt noch mit Vorbescheid vom 18. September 2017 mangels rentenrelevanter Verschlechterung der gesu ndheitlichen Verhältnisse einen Nichteintretensentscheid in Aussicht gestellt hatte, sprach sie dem Versicherten mit Verfügung vom 8. November 2021 rückwirkend eine halbe Invalidenrent e zu. Damit hat sie eine rechtser- hebliche Sachverhaltsänderung seit der leistungsablehne nden Verfügung vom 18. Mai 2010 anerkannt, die eine rentenrelevante Invalidität zu beg ründen vermag. Das Vorliegen eines Re- visionsgrunds ist zwischen den Parteien daher (nicht mehr) streitig. Streitig sind hingegen die Höhe des Rentenanspruchs sowie der Eintritt der rente nbegründenden Arbeitsunfähigkeit bzw. Invalidität. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist eingeholt en Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts sin d im Wesentlichen die folgen- den Unterlagen von Relevanz: 5.2 Mit Schreiben vom 23. November 2015 reichte der Ha usarzt des Versicherten, Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, im Hinblick auf die Neu- anmeldung aktuelle MRT-Befunde ein. Am 9. November 2 015 wurden im Bereich der Halswir- belsäule (HWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS) die fo lgenden Diagnosen erhoben: Chond- rose der Bandscheibe C4/5, leichte beidseitige Spondylart hrose, Osteochondrose C5/6 und C6/7 (bei beidseitiger Unkovertebralarthrose und Spon dylarthrose komme es zu einer signifi- kanten ossären Einengung der Neuroforamina beidseits mit möglicher Affektion der Nervenwur- zel C6 und C7), erosive Osteochondrose der Bandscheibe L5 /S1 mit Retrospondylose von L5 und kleiner breitbasiger Diskushernie posterolateral rechts mit Kontakt zum Abgangsbereich der Nervenwurzel S1, leichte Spondylarthrose L5/S1. In Bezu g auf die rechte Schulter ergab die MRT-Bildgebung vom 15. November 2015 eine Tendinopat hie der Supraspinatussehne rechts mit leichtgradiger Begleitbursitis subacromialis/subdeltoi dea sowie eine leichtgradige AC- Gelenksarthrose. Mit einer MRT gleichen Datums wurde an der linken Schulter ebenfalls eine Tendinopathie, ferner eine Teilruptur der Supraspin atussehne links mit leichtgradiger Begleit- bursitis sowie eine leichtgradige aktivierte AC-Gelenksarthrose erhoben. 5.3 Im Rahmen des Einwandverfahrens gegen den mit Vo rbescheid vom 4. Mai 2016 in Aussicht gestellten Nichteintretensentscheid reichte der Beschwerdeführer weitere Berichte ein. Im Bericht vom 8. Juli 2016 diagnostizierte Dr. D.____ ein rezidivierendes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei Segmentdegeneration L5/S1, ein chro nisches Zervikovertebralsyndrom bei Segmentdegeneration C5/6 und C6/7 sowie eine chro nische Schulterperiarthropathie beid- seits. Die in der Diagnoseliste genannten und beschrieb enen Abnützungen im Bereich der LWS, der HWS und beider Schultern würden sicher eine B ehinderung bei der Durchführung körperlicher Tätigkeiten darstellen. Die Belastung dies er Strukturen führe zu Schmerzen und teilweise zu schmerzbedingten Bewegungseinschränkungen. A ls behandelnder Arzt würde er jeweils aus Befangenheitsgründen eine konkrete Stellungnahme zur Zumutbarkeit von Erwerbs- tätigkeiten zuhanden involvierter Versicherungen ablehnen. Er verlange hierfür eine unabhängi- ge, neutrale medizinische Begutachtung. Eine solche Beg utachtung sollte angesichts der oben in der Diagnoseliste beschriebenen, bildgebend dokume ntierten pathologischen Befunde auf jeden Fall erfolgen. Ganz allgemein lasse sich sagen, d ass bei den beschriebenen Befunden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach versicherungsmedizinischen Richtlinien eine leichte kör perliche Tätigkeit in der Regel als vollzeitlich zumutbar erachtet werde. Die Zumutbarkeitsf rage stelle sich vor allem für körperlich mittelschwere Tätigkeiten. Schwere körperliche Tätigkei ten würden in der Regel als nicht mehr zumutbar beurteilt. Hierbei handle es sich indessen nu r um grobe Einschätzungen, ohne Ver- bindlichkeit. 5.4 Mit Bericht vom 10. Juli 2016 stellte Dr. med. E._ ___, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, die Diagnosen einer depressiven Episode mittleren, intermittierend auch schweren Grads (ICD-10 F32.1, 32.2) sowie einer chronischen Schmerzstörung (F45.41). Seit Jahren seien eine bedrückte Stimmung, Interessen- und Freudenverlust, ein verminderter Antrieb, ein Verlust des Selbstwertgefühls, suizidale Ideationen, klagen über verminderte kognitive Leistungen, Schlaf- störungen und Libidoverlust nachweisbar. Beide Störungen, insbesondere bei komorbidem Auf- treten, würden die Arbeitsfähigkeit verringern. Die Arbeitsunfähigkeit könne aus psychiatrischer Sicht auf 60% geschätzt werden. Bei anhaltendem protra hiertem Verlauf sei eine stationäre Behandlung vorgesehen. 5.5 Die IV-Stelle veranlasste ein Gutachten bei den Dre s. C.____ und B.____, welches am 15./18. November 2016 erstattet wurde. Darin wurde a us bidisziplinärer Sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebral syndrom mit intermittierend spondylo- gener Ausstrahlung links und eine Periarthropathia humeroscapularis rechts diagnostiziert. Im rheumatologischen Fachteil führte Dr. B.____ im We sentlichen aus, dass der periphere Ge- lenkstatus unauffällig sei, namentlich im Bereich der S chultern. Hier finde sich aktiv eine etwas schlechtere Beweglichkeit auf der rechten Seite. So fl ektiere und abduziere er nicht gleich wie auf der linken Seite, sondern breche etwas vorher ab. Passiv bestehe hingegen in beiden Schultern keinerlei Einschränkung. Die Impingement-Tes ts seien negativ. Er gebe zwar Be- schwerden an, jedoch etwas diffus in der rechten Schulter. So seien diese Tests nicht reprodu- zierbar. Die Impingement-Tests links seien alle negativ. Atrophien fänden sich keine. So seien der Supra- und Infraspinatus auf beiden Seiten kräfti g ausgebildet, was auf den regelmässigen Gebrauch dieser Muskulatur schliessen lasse. Hier hätten sich bei einer relevanten Schonung über die Jahre Atrophien ausbilden müssen. Bezüglich de r linken Schulter gebe er bei der heu- tigen Untersuchung keine Beschwerden an. Der übrige Gele nkstatus sei altersentsprechend normal bis auf ein leichtes retropatelläres Knirschen, wobei hier keine Beschwerden angegeben würden. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielt der G utachter fest, dass von Seiten der Rücken- problematik lumbal keine körperliche Schwerarbeit möglich sei. Von Seiten der rechten Schulter seien keine Arbeiten mit dem rechten Arm dauernd auf oder über Schulterhöhe in einem körper- lich schweren Bereich zulässig. Arbeiten in einem körperli ch leichten bis gelegentlich mittel- schweren Bereich mit dem rechten Arm auf oder über Sch ulterhöhe seien hingegen zumutbar. Für eine körperliche Tätigkeit welche die oben genannten Restriktionen berücksichtige, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Im psychiatrischen Fachteil konnten keine Diagnosen mit Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden. Der Explorand habe im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung anfänglich über seine somatischen Beschwerden geklagt. Die Beschwerde schilderung sei diffus gewesen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und er habe keinen leidenden Eindruck hinterlassen. Er habe auch nicht berichtet, dass er im Alltag bei seinen Aktivitäten durch irgendwelche Beschwe rden eingeschränkt sei. Der Explo- rand habe einen ausgeglichenen Eindruck gemacht. Er hab e sich differenziert ausgedrückt und sei auch zu einem Scherz aufgelegt gewesen. Es hätten üb erhaupt keine psychopathologi- schen Symptome ausgemacht werden können. Im Gegensatz zu seinen Angaben nehme der Explorand ein verordnetes Antidepressivum nur sehr unreg elmässig ein. In den bisherigen Tä- tigkeiten wie auch in jeder anderen beruflichen Tätigke it bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Es bestünden keine Hinweise dafür, dass die Arbei tsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht jemals eingeschränkt gewesen sei. Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung gelangten die Gu tachter zur Auffassung, dass die rheu- matologische Beurteilung als Gesamtbeurteilung gelte, nachdem aus psychiatrischer Sicht kei- ne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Seit der leistungsablehnenden Verfügung vom 18. Mai 2010 sei keine rentenrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetre- ten. 5.6 Im Rahmen des Einwandverfahrens legte der Beschwer deführer einen weiteren Bericht von Dr. E.____ vom 8. Oktober 2017 ins Recht. Beim Pat ienten bestehe eine langgezogene depressive Episode, mittleren, in jüngster Zeit vermehr t schweren Grads, aktuell mit suizidalen Ideationen. Gemäss mehrjähriger Beobachtung komme es se it Herbstbeginn regelmässig zu schlechteren Phasen, so auch diesmal. Eine saisonale Kom ponente sei nicht von der Hand zu weisen. Vor einem Jahr habe eine Hospitalisierung dank a ktiver Mithilfe der Verwandtschaft vermieden werden können. Die Indikation für eine stati onäre Krisenintervention sei nun gege- ben. 5.7 Im Bericht der Psychiatrie F.____ vom 9. Juli 2018 ( teilstationärer Aufenthalt seit 30. Mai 2018) wurden ein Verdacht auf eine narzisstisch e Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.80), evtl. kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-1 0 F61.0), sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode o hne psychotische Symptome (ICD-10 F33.1) diagnostiziert. Der Patient sei mit seinen Geschwi stern in einem von Leistung geprägten Umfeld aufgewachsen. Mittels seiner sozialen Kompetenze n und kognitiven Ressourcen und mittels grossen Einsatzes sei es ihm möglich gewesen, sich vo m Hilfsarbeiter zum Speditions- leiter in derselben Firma heraufzuarbeiten. Die plöt zliche Arbeitslosigkeit und die körperlichen Einschränkungen sowie die daraus resultierenden finanzie llen Engpässe hätten ihn aus seiner leistungsstarken Laufbahn geworfen. Aufgrund der langjährigen Chronifizierung der Schmerzen sowie den zunehmenden Problemen in der Familie sei es für den Patienten erforderlich, ganz grundsätzlich an seiner Krankheitsakzeptanz zu arbeiten. Es sei davon auszugehen, dass er über die Jahre dysfunktionale Ressourcen und Strategien entwickelt habe, welche der zentralen Thematik seiner strukturellen Defizite Aufschub leisten wü rden. Das depressive Erleben des Patienten sei vor dem Hintergrund einer Persönlichkeitss törung zu sehen, welche die depressi- ve Problematik verschärfe. Die Anforderungen an seine Em otionsregulation und den Umgang mit Konflikten würden aktuell die Bewältigungsfähigkei ten des Patienten übersteigen, was wie- derum mit Hoffnungslosigkeit und erhöhter Suizidalität einhergehe. Als Prozedere wurde die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufnahme der tagesklinischen Behandlung an drei Tagen pro Woche mit dem Ziel des Rück- gangs der depressiven Symptomatik empfohlen. 5.8 Mit Verlaufsbericht der Psychiatrie F.____ vom 6. Okt ober 2019 wurden folgende Di- agnosen gestellt: rezidivierende depressive Störung, gege nwärtig mittelgradige Episode (ICD- 10 F33.1), chronische Schmerzstörung mit somatischen und psyc hischen Faktoren (ICD-10 F45.41), Verdacht auf andauernde Persönlichkeitsänderun g nach psychischer Krankheit (ICD- 10 F62.1), Differenzialdiagnose (DD): andauernde Per sönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80), DD: sonstige Reaktion a uf schwere Belastungen (ICD-10 F43.8): Posttraumatische Verbitterungsstörung. Der Pati ent werde seit 30. Mai 2018 in der Ta- gesklinik teilstationär behandelt. Im Rahmen der Einzel gespräche habe sich herausgestellt, dass eine berufliche Wiedereingliederung im bisher ausgeübten Beruf eine deutliche Überforde- rung darstellen würde, auch im Hinblick auf die Schmerzp roblematik. Insofern habe sich der Behandlungsfokus in den Einzelgesprächen auf die psychoth erapeutische Bearbeitung seiner depressiven Symptome, die Anpassungsschwierigkeiten bzw. die Persönlichkeitsveränderung und auf die Emotionsregulation fokussiert. Gegenstand d er Gruppentherapie hätten die interak- tionellen Schwierigkeiten mit anderen sowie die eige ne Wahrnehmung des Körpers und der Emotionen gebildet. Eine niederfrequentere ambulant e Therapie scheine der Komplexität des Falls nicht gerecht zu werden, sodass die affektive und p sychosomatische Symptomatik be- handlungsresistent bleiben bzw. sich wieder verschlechtern könnten. Zudem sei neben der ta- gesklinischen Behandlung eine pharmakotherapeutische Be handlung des depressiven Symp- toms indiziert. Aufgrund der Beobachtungen innerhalb der Tagesklinik und des schwierigen Be- handlungsverlaufs bei gleichzeitig zahlreichen Ressourcen sei aktuell von einer Teilarbeitsfä- higkeit in geschütztem Rahmen auszugehen. 5.9 Die IV-Stelle gab daraufhin ein Verlaufsgutachte n bei Dr. C.____ in Auftrag, welches am 5. Februar 2020 erstattet wurde. Darin diagnostizie rte der Gutachter eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ( ICD-10 F33.1). Der Explorand habe 2007 seine Arbeitsstelle aufgrund der chronischen Schulterbeschwerden nach einem Sturz ver- loren. Dies habe dazu geführt, dass er sein Haus mit g rossem Verlust habe verkaufen müssen. Der Explorand erhalte keine Einkünfte mehr, er sei v on Zuwendungen seiner Familie abhängig, wofür er sich schäme. Zunehmend habe sich ein depressives Zu standsbild entwickelt. Der Ex- plorand sei freudlos, depressiv und zeige einen soziale n Rückzug. Die von ihm geklagten Kon- zentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen hätten nicht objektiviert werden können. Sein Den- ken sei von depressiven Inhalten geprägt. Er zeige eine n sozialen Rückzug, pflege praktisch nur noch Kontakte innerhalb seiner Familie. Die Bezi ehung mit seiner Ehefrau sei aufgrund der depressiven Stimmungslage und seinen finanziellen Schwierigkeiten gereizt. Er habe sich auch von seinen Geschwistern zurückgezogen, weil er sich für se in Scheitern schäme. Der Explo- rand fühle sich wertlos, beklage einen Lebensverleider u nd gelegentliche Suizidgedanken. Das depressive Zustandsbild sei mittelgradig ausgeprägt. E ine weitere psychiatrische Diagnose könne nicht gestellt werden. Der bis Mitte 2019 behand elnde Psychiater, Dr. E.____, habe auf- grund einer mittelgradigen, zum Teil schweren depressi ven Episode und einer chronischen Schmerzstörung eine Arbeitsunfähigkeit von 60% attestie rt. Die Psychiatrie F.____ habe in ih- rem Bericht vom 16. Oktober 2019 eine rezidivierende dep ressive Störung, gegenwärtig mittel- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gradige Episode, eine chronische Schmerzstörung sowie ei nen Verdacht auf eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit oder chr onischem Schmerzsyndrom auf- grund einer posttraumatischen Verbitterungsstörung di agnostiziert. Die Diagnose einer depres- siven Störung könne bestätigt werden. Eine chronische Sch merzstörung liege nicht vor. Der Explorand habe kaum über Schmerzen geklagt und nehme n ur gelegentlich Schmerzmittel ein. Er habe nicht darüber geklagt, dass er im Alltag durch S chmerzen eingeschränkt sei. Der Ex- plorand sei demnach im Alltag nicht durch schwere, inv alidisierende Schmerzen beeinträchtigt. Die Diagnose einer Schmerzstörung könne daher nicht be stätigt werden. Der Explorand leide auch nicht seit Jahren an einer schweren psychischen Kran kheit. Gemäss ICD-10 könne nur eine schizophrene Erkrankung, die zu einer massiven Persönli chkeitsänderung führe, diese Diagnose begründen. Der Explorand leide unter einer depressiven Störung, die nicht schwer- gradig ausgeprägt sei. Somit könne keine Persönlichkei tsänderung nach psychischer Krankheit diagnostiziert werden. Der Explorand leide ferner nic ht seit Jahren an chronischen objektivier- baren Schmerzen, die sein Leben wesentlich beeinträchti gen würden. Somit könne auch keine andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischen Schmer zen diagnostiziert werden. Im Weiteren fänden sich keine Hinweise auf schwere Belastungen, womit auch keine posttraumati- sche Verbitterungsstörung bestätigt werden könne. Im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung diagnostizierte der Gutachter eine Arbeits(un)fähigkeit von 50% sowohl für die angestammte als auch eine angepasste Tätigkeit. Diese bestehe seit Aufnahme der teilstationären Behandlung in der Psychiatrie F.____ im Mai 2018. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen V erfügung vom 8. November 2021 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und der A rbeitsfähigkeit in erster Linie auf die vorstehend zitierten Gutachten der Dres. B.____ und C.__ __. Gestützt auf die gutachterlichen Ergebnisse ging sie davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit des Versicherten seit Mai 2018 rechtserheblich eingeschränkt und dem Versicherten im Zei tpunkt des frühestmöglichen Ren- tenbeginns (Mai 2019) sowohl die angestammte als auch eine leidensadaptierte Tätigkeit zu 50% zumutbar sei. 6.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist de n im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Die Gutachten sind insgesamt umfassend und die dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die vorgenommenen Schlussfolge- rungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die Gutach ter haben den Versicherten persön- lich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und gehen einlässlich auf seine Angaben und Beschwerden ein. Sie setzen sich zudem fundiert mit den bei den Akten liegenden medizi- nischen Unterlagen auseinander und begründen abweichen de Einschätzungen in überzeugen- der Weise. 6.3 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht gee ignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft der Gutachten der Dres. B.____ und C.____ infrage zu stellen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 Der Beschwerdeführer zweifelt den Beweiswert des rheumatologischen Fachgutach- tens im Wesentlichen insofern an, als er geltend macht, dass dieses mit Blick auf das Erstel- lungsdatum nicht mehr aktuell sei. Diesbezüglich gilt es zunächst darauf hinzuweisen, dass sich keine allgemeingültigen Regeln formulieren lassen, wann eine Expertise veraltet ist. Gemäss Bundesgericht lässt sich ange- sichts der Besonderheiten jedes einzelnen Falls nicht allg emein sagen, welche konkreten Ab- klärungsmassnahmen in gesundheitlicher Hinsicht für eine rechtsgenügliche Sachverhaltser- mittlung geboten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 18 . Januar 2017, 9C_643/2016, E. 4.2 und vom 6. November 2009, 9C_575/2009, E. 3.1 und 3. 2.2.2). Zwar war die vorliegende Ex- pertise im Verfügungszeitpunkt bereits knapp fünf Jahre alt. Indessen gilt es zu beachten, dass im Anschluss an das Gutachten keine medizinischen Behandlung en betreffend die somatische Situation des Versicherten dokumentiert sind, sodass sich d er medizinischen Aktenlage auch keine Hinweise entnehmen lassen, die auf eine zwischenzeit liche Verschlechterung des Ge- sundheitszustands hinweisen würden. Der Beschwerdeführe r legt denn auch in keiner Weise dar, inwiefern das Gutachten von Dr. B.____ vom 18. Nov ember 2016 seinem aktuellen Ge- sundheitszustand nicht mehr gerecht werde. Sein Einwand erschöpft sich im Wesentlichen in dem Argument, dass das Gutachten nicht mehr aktuell sei, ohne seine Behauptung dabei auch nur ansatzweise mit konkreten Anhaltspunkten zu untermaue rn oder Aspekte zu benennen, die bei der gutachterlichen Untersuchung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Soweit der Beschwerdeführer sich auf den Bericht von Dr. D.____ vom 8. Juli 2016 beruft, gilt es darauf hinzuweisen, dass die darin aufgeführten Diagnosen Dr. B.____ bekannt waren und er sich mit diesem Bericht in seinem Gutachten entsprechend auseinandergesetzt hat. Dessen ungeachtet ging Dr. D.____ in Übereinstimmung mit den gutachterl ichen Ausführungen davon aus, dass sich die erhobenen Befunde versicherungsmedizinischen Richtli nien zufolge mit einer voll- schichtigen leichten körperliche Tätigkeit vereinbaren lassen (vgl. E. 5.3 hiervor). Bestätigt wer- den diese Feststellungen auch in der RAD-Beurteilung vom 23. Mai 2018. Darin gelangte Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Tra umatologie des Bewegungsapparates, überzeugend zum Schluss, dass Dr. B.____ neben der Schulter - auch die Wirbelsäulenproble- matik nachvollziehbar beurteilt habe. Die zervikalen Besch werden seien dabei ausdrücklich unter die Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä higkeit subsumiert worden, womit die lumbalen wie auch die zervikalen Beschwerden gutachterli ch komplex und differenziert gewür- digt worden seien (vgl. RAD-Beurteilung vom 23. Mai 2 018, IV-act. 99). Vor diesem medizini- schen Hintergrund besteht aber kein Anlass für weitere Abklärungen. 6.4.2 Hinsichtlich der psychiatrischen Gutachten von Dr. C. ____ macht der Beschwerdefüh- rer im Wesentlichen geltend, dass bereits im Zeitpun kt der Anmeldung eine höhere Beeinträch- tigung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen gewesen sei (zu m anspruchsbegründenden Eintritt der Arbeitsunfähigkeit vgl. E. 6.5 hiernach). Die über 12-jährige psychiatrische Behandlung bei Dr. E.____ lasse auf einen erheblichen Leidensdruck schliessen . Die mindestens mittelgradige, teilweise auch schwere depressive Störung sei nicht nur von Dr. E.____ diagnostiziert worden, auch im Verlaufsbericht der Psychiatrie F.____ vom 16. Oktober 2019 finde sich die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, bestehend seit mindestens 2004. Darüber hinaus sei eine chronische Sch merzstörung mit somatischen und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychischen Faktoren seit mindestens 2007, eine andauernd e Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit seit 2004 sowie als Differenzialdiag nosen eine andauernde Persönlich- keitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom bzw. sonstige Reaktionen auf schwere Belas- tungen mit posttraumatischer Verbitterungsstörung dokumentiert. Vorab ist anzumerken, dass in Bezug auf das Vorliegen de r Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, Einigkeit zwischen den involvierten Fachpersonen besteht. Unter Berücksichtigung des unter Er wägung 6.2 hiervor Dargelegten ist ferner darauf hinzuweisen, dass sich Dr. C.____ in sei nem Gutachten vom 5. Februar 2020 ausführlich mit den abweichenden Diagnosen der behandelnden Fachärzte auseinandergesetzt und nachvollziehbar begründet hat, weshalb er diese nicht bestätigen kann. So konnte er bspw. aufgrund der Tatsache, dass der Explorand im Alltag ni cht durch schwere, invalidisierende Schmerzen beeinträchtigt ist, die Diagnose einer somato formen Schmerzstörung nicht bestäti- gen. Ferner legte er schlüssig dar, dass nur eine schizophrene Erkrankung als Ursache für eine Persönlichkeitsänderung in Betracht falle (vgl. E. 5.10 hiervor). Demgegenüber äussern sich die behandelnden Ärzte der Psychiatrie F.____ in ihrem Beri cht vom 9. Juli 2018 nicht zur Arbeits- fähigkeit des Versicherten. Eine nachvollziehbare Begrü ndung für die über die depressive Stö- rung hinaus bestehenden Diagnosen und die in der Folge veranschlagte Arbeitsunfähigkeit lässt sich ferner auch dem Verlaufsbericht vom 16. Oktober 2019 nicht entnehmen. Ins Gewicht fällt dabei auch, dass hinsichtlich des am Ratingbogen Mini-ICF-APP gemessenen Funktionsni- veaus vorwiegend eine mässige Beeinträchtigung erhoben und ferner auf zahlreiche Ressour- cen des Beschwerdeführers hingewiesen wurde (vgl. Beric ht vom 16. Oktober 2019, IV- act. 123, S. 3 f.). Aufgrund dieser Befundlage ist wen ig nachvollziehbar, weshalb beim Versi- cherten nur noch eine Teilarbeitsfähigkeit im geschützt en Rahmen bestehen soll. Diese Berich- te vermögen daher keine Zweifel an den gutachterlich en Ausführungen zu begründen. Die Vor- bringen des Beschwerdeführers beschränken sich denn auch in psychiatrischer Hinsicht im Wesentlichen auf einen pauschalen Hinweis auf die in d en vorstehend zitierten Berichten ge- stellten (abweichenden) Diagnosen. Er unterlässt es inde ssen gänzlich, näher darzulegen, in- wiefern die Gutachten von Dr. C.____ den rechtsprechu ngsgemässen Anforderungen an eine beweistaugliche Beurteilungsgrundlage nicht genügen sollen. 6.4.3 Überdies hat sich Dr. C.____ in seinem Verlaufsg utachten hinreichend mit der psychi- schen Krankheitsentwicklung auseinandergesetzt und nachvoll ziehbar dargelegt, dass sich der Gesundheitszustand seit der Begutachtung im November 201 6 verändert hat. Im direkten Ver- gleich der erhobenen Befunde in den Gutachten vom Novem ber 2016 und vom Februar 2020 lässt sich ein verändertes Beschwerdebild feststellen. Fer ner lässt sich auch eine Veränderung hinsichtlich des Ausmasses und der Schwere der Beschwerden aus objektiver Sicht ausma- chen. Im damaligen Zeitpunkt hatte der Gutachter kein e psychopathologischen Symptome ausmachen können, die einer psychiatrischen Störung zugeschri eben werden konnten. Der Explorand hatte dem Gutachter ferner einen ausgeglichenen Eindruck vermittelt (vgl. psychiatri- sches Gutachten vom 15. November 2016, S. 19). Demgegen über berichtete Dr. C.____ an- lässlich der Verlaufsbegutachtung von einer herabgeset zten, klagsamen und depressiven Stimmung. Im Weiteren stellte er eine eingeschränkte affektive Modulationsfähigkeit, einen leicht verminderten Antrieb sowie ein von depressiven I nhalten geprägtes Denken fest. Der Ex- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht plorand beklagte im Weiteren einen Lebensverleider un d gelegentliche Suizidgedanken (vgl. psychiatrisches Gutachten vom 5. Februar 2020, S. 26 f.). In Übereinstimmung mit den Fest- stellungen der Ärzte in der Psychiatrie F.____ beschrieb der Gutachter aktuell einen sozialen Rückzug und eine infolge des depressiven Zustandsbilds be lastete Beziehung zur Ehefrau. Er bekräftigte, dass er im Rahmen der Begutachtung 2016 keine depressiven Symptome habe feststellen können. Nach einer umfassenden Prüfung gelan gte der Gutachter nachvollziehbar zum Schluss, dass aufgrund der diagnostizierten depressiven St örung, mittelgradiger Ausprä- gung, seit der Aufnahme der stationären Behandlung im Mai 2018 beim Exploranden nur noch eine Arbeitsfähigkeit von 50% bestehe. 6.5 Der Beschwerdeführer beanstandet ferner den Rente nbeginn, mithin den seitens der IV-Stelle festgelegten Zeitpunkt des Eintritts der ans pruchsrelevanten Arbeitsunfähigkeit. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei dieser Frage auf d as Gutachten von Dr. C.____ vom 5. Oktober 2020, wonach die gesundheitlichen Beeintr ächtigungen bzw. die Arbeitsunfähigkeit von 50% seit Aufnahme der teilstationären Behandlung i n der Psychiatrie F.____ im Mai 2018 bestehe. Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer u nter Hinweis auf die Berichte von Dr. E.____ sowie der Psychiatrie F.____ auf den Stand punkt, die mittelgradige depressive Stö- rung habe bereits anlässlich der Anmeldung vom 15. Okto ber 2015 bestanden, womit ihm die Rentenleistungen unter Berücksichtigung der sechsmonatigen Karenzfrist nach Eingang der Anmeldung ab März 2016 zuzusprechen seien. Wie die Beschwerdegegnerin diesbezüglich zutreffend einw endet, gab der Versicherte im Rah- men der Anmeldung im Oktober 2015 keinerlei depressive Symptome an. Auch der Hausarzt Dr. D.____ hat sich weder in seinem im Zusammenhang m it der Anmeldung eingereichten Be- richt vom 23. November 2015 noch in jenem vom 8. Juli 20 16 zu allfälligen psychischen Be- schwerden des Versicherten geäussert (vgl. E. 5.2 und 5.3 hiervor). In echtzeitlicher Hinsicht liegt im vorliegend massgebenden Zeitraum namentlich da s erste Gutachten von Dr. C.____ vom 15. November 2016 vor, worin dieser gestützt auf se ine persönliche Untersuchung und ausführliche Befunderhebung überzeugend zum Schluss gela ngte, dass keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden kön nten (vgl. E. 5.5 und 6.4.3 hiervor). Hingegen lässt sich dem Bericht von Dr. E.____ vom 11. Jul i 2016 keine schlüssige Begrün- dung für die darin vorgenommene Arbeitsunfähigkeitsb eurteilung entnehmen, sodass er am Gutachten vom 15. November 2016 keine konkreten Zweifel zu begründen vermag. Dies umso weniger, als Dr. E.____ in einem weiteren Bericht vom 8. Oktober 2017 feststellte, dass eine Hospitalisierung des Versicherten im damaligen Zeitpunk t dank aktiver Mithilfe der Verwandt- schaft habe vermieden werden können. Anhaltspunkte dafür, dass beim Versicherten bereits im Oktober 2015 eine Depression mit entsprechenden Auswirku ngen auf die Arbeitsfähigkeit be- standen hätte, lassen sich – entgegen dem Dafürhalten d es Beschwerdeführers – auch den Berichten der Psychiatrie F.____ vom 9. Juli 2018 und 1 6. Oktober 2019 nicht entnehmen. Wenngleich die Depression als seit 2004 bestehend aufg eführt wird, finden sich keine Ausfüh- rungen in dieser Hinsicht, zumal die entsprechenden Be handler, mangels zuvor erfolgter The- rapien in dieser Institution, ohnehin nicht in der La ge gewesen wären, die gesundheitlichen Be- einträchtigungen des Versicherten echtzeitlich festzustellen. Wohl dürfte es zutreffen, dass sich die gesundheitliche Situation des Versicherten bereits zu einem früheren Zeitpunkt schleichend Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht verschlechtert hat, zumal sich affektive Störungen nicht von heute auf morgen manifestieren. Gleichwohl sind daraus resultierende Beeinträchtigungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit indessen erst seit Aufnahme der teilstationären Be handlung in der Psychiatrie F.____ im Mai 2018 medizinisch echtzeitlich belegt. Unter diesen U mständen kann eine zufolge der psy- chischen Beeinträchtigung anspruchsrelevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erst ab Mai 2018 angenommen werden, mit der Folge, dass das Wart ejahr – wie von der Beschwerdegeg- nerin festgelegt – auch erst ab diesem Zeitpunkt zu lau fen begann. 7. Nach dem Gesagten kann auf die vorstehend zitierten Gutachten der Dres. B.____ und C.____ und die darin formulierte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden. 8.1 Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, dass die ihm gutachterlich attestier- te Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar sei. Er begründet sein Vorbringen im Wesentli- chen unter Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter und s eine somatischen und psychischen Beeinträchtigungen. 8.2.1 Hinsichtlich der attestierten Arbeitsfähigkeit i n einer leidensangepassten Tätigkeit ist die Unterscheidung massgebend zwischen der medizinisch attestierten Arbeitsfähigkeit und der Frage, ob und inwieweit eine bestimmte Restarbeitsfähi gkeit mit dem gegebenen Leistungspro- fil auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch verwertbar ist (Art. 7 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG). Dabei wird auch das fortgeschritt ene Alter, obgleich an sich ein invaliditäts- fremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weite- ren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auch auf eine m ausgeglichenen Arbeitsmarkt realisti- scherweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr d eren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Mög- lichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwer- ten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bem essen, sondern hängt von den Umstän- den ab, die mit Blick auf die Anforderungen der Verwe isungstätigkeiten massgebend sind. Zu beachten sind dabei beispielsweise die Art und Beschaffenh eit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeit ungsaufwand und in diesem Zusam- menhang auch die Persönlichkeitsstruktur, die vorhandenen Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem ange- stammten Bereich (Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2010, 9C_124/2010, E. 5.1). 8.2.2 Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkei t auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt auch davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem für einen all fälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Die im gesamten Bereich des Sozialversicherungsrechts geltende Schadenminderungs- pflicht und die daraus abgeleitete Selbsteingliederungslast (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juni 2011, 9C_916/20 10, E. 2.2) gebieten grundsätzlich, die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigke it möglichst früh zu beantworten. Das Bundesgericht hat in seinem Leitentscheid BGE 138 V 457 entschieden, dass dabei auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer Erwerbst ätigkeit abzustellen ist. Als ausge- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit, sobald die medizini- schen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhalt sfeststellung erlauben (BGE 138 V 457, E. 3.4; vgl. auch Urteil des Bundesge richts vom 10. Mai 2013, 9C_954/2012, E. 3.1). Dieser Zeitpunkt fällt vorliegend auf das Dat um des Gutachtens von Dr. C.____ vom 5. Februar 2020. Zu diesem Zeitpunkt war der Beschwerd eführer 58 Jahre alt, womit die ver- bleibende Aktivitätsdauer bis zum Eintritt ins AHV-Alter noch rund sieben Jahre betrug. 8.2.3 Die hierzu ergangene Rechtsprechung ist vielfälti g (vgl. MARCO WEISS , Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit aufgrund vorgerückten Alters – Rechtsprechungstendenzen, SZS 2018 S. 630 ff.). Allerdings zeigt die Analyse der Rechtspraxi s, dass die Verneinung der Verwertbar- keit bei unter 60-jährigen die absolute Ausnahme bild et und nur vorkommt, wenn derart qualifi- zierende Begleitumstände hinzutreten, die auch für sich alleine betrachtet die Verwertbarkeit als höchst zweifelhaft erscheinen lassen (P HILIPP EGLI /M ARTINA FILIPPO / THOMAS GÄCHTER /M ICHAEL E. MEIER , Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invali denversi- cherung, Winterthur/Zürich 2021, Rz. 156). So verneinte das Bundesgericht eine Verwertbarkeit bei einem 58 Jahre alten Versicherten, der in seiner angestammten Arbeit nicht mehr tätig sein konnte und nur limitierte Ressourcen für einen Wechsel zu Arbeiten ohne Einsatz der Hände mitbrachte. Das Bundesgericht bemängelte, dass sich der V erweis der Vorinstanz, wonach Überwachungsfunktionen eine stetig wachsende Bedeutun g zukäme, nicht nur auf reine Über- wachungsarbeiten, sondern allgemein auf körperlich nich t stark belastendende Bedienungs- und Überwachungsfunktionen bezog, also auch auf leichte Maschinenbedienung, leichte Sor- tier-, Prüf- und Verpackungsarbeiten, welche den Einsatz der Hände voraussetzen. Zudem hät- te die Vorinstanz nicht dargelegt, inwiefern es auf d em ausgeglichenen Arbeitsmarkt Stellen gebe, welche dem Versicherten zumutbar seien, könnte er doch unbestrittenermassen seine beiden Hände nicht mehr einsetzen. Das Bundesgericht wi es auch darauf hin, dass dem vo- rinstanzlichen Entscheid nicht zu entnehmen war, weshalb dem Versicherten die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit trotz der grossen Limitierung en im manuellen Bereich zumutbar sein soll, obwohl nach der Rechtsprechung die faktische Einh ändigkeit oder eine massgebliche Be- schränkung der dominanten Hand auf Zudienfunktionen ei ne erheblich erschwerte Verwertbar- keit der Restarbeitsfähigkeit bedeuteten (Urteil des B undesgerichts vom 29. August 2014, 8C_248/2014, E. 3; E GLI /F ILIPPO /G ÄCHTER /MEIER , a.a.O., Rz. 150). Ferner erachtete das Bun- desgericht einen im massgebenden Zeitpunkt 55 Jahre alt en Versicherten einem Arbeitgeber auf dem ersten Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr zumutbar, dessen Zumutbarkeitspro- fil nicht nur hinsichtlich der in Frage kommenden Tätigke iten (kognitiv einfachste, repetitive, manuelle Hilfs- bzw. Routinearbeiten), sondern auch in Bezug auf die zu beachtenden Rah- menbedingungen (hohe Konstanz der Arbeitsabläufe, kein Zeit- oder Arbeitsdruck, verständnis- volles Team) sehr einschränkend war. Hinzu kam die Notw endigkeit einer engen Begleitung bzw. Führung des Versicherten. Des Weiteren war zu beacht en, dass der Versicherte in Über- forderungssituationen mit inadäquatem oder sogar aggre ssivem Verhalten reagiere, was die potenziellen Einsatzmöglichkeiten weiter reduzierte (Urte il des Bundesgerichts vom 15. März 2017, 9C_277/2016, E. 4.3; EGLI /F ILIPPO /G ÄCHTER /MEIER , a.a.O., Rz. 148). Sodann gilt eine verbleibende Aktivitätsdauer von rund fünf Jahren rechtsprechungsgemäss grundsätzlich als ausreichend, um eine neue einfache Erwe rbstätigkeit aufzunehmen, sich ein- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuarbeiten und die Arbeit auszuüben (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 7. März 2017, 9C_677/2016, E. 4.3). 8.3 Dem im massgebenden Zeitpunkt 58 Jahre alten Versich erten verbleibt noch eine Akti- vitätsdauer von rund sieben Jahren, womit die kritische Sch welle nicht erreicht ist (vgl. E. 8.2.3 hiervor). Ferner sind vorliegend keine qualifizierenden Begleitumstände ersichtlich, die eine ausnahmsweise Verneinung der Verwertbarkeit begründen würden (vgl. E. 8.2.3 hiervor). Die Dres. B.____ und C.____ attestierten dem Versicherten in Bezug auf eine leidensadaptierte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Die Restar beitsfähigkeit des Versicherten ist zwar ein- geschränkt, doch entspricht dies durchaus einem üblichen Arbeitspensum (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 19. Juni 2017, 8C_28/2017, E. 5.2). E ntgegen der Auffassung des Beschwer- deführers unterliegt das ihm noch zumutbare Tätigkeitsfeld sodann auch nicht derart vielen Ein- schränkungen, dass eine Anstellung künftig nicht mehr als r ealistisch zu bezeichnen wäre. Die sachlichen Limitierungen (leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeit und keine Arbeiten mit dem rechten Arm dauernd auf oder über Schulterhöhe) schränken die Chancen der Verwertung der fraglichen Restarbeitsfähigkeit im Ergebnis zwar e in, lassen sie aber nicht als völlig unrea- listisch erscheinen. Das Belastungsprofil steht der Ausübung von leichten Kontroll-, Sortier- und Prüfarbeiten sowie einfachen Überwachungs- oder Monta gearbeiten nicht entgegen. Diese Be- schäftigungen sind nicht mit einem grossen Einarbeitungsaufwand verbunden, und Hilfsarbeiten werden auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmar kt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt (vgl. BGE 146 V 16 E. 7.2.1). Im Lichte der hohen Hürden, die das Bundesgericht für die Annahme einer Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen im Allgemei- nen sowie bei unter 60-jährigen im Besonderen entwi ckelt hat, ist deshalb von der Verwertbar- keit der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. 9.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Gemäss Art. 16 ATSG hat die Invaliditätsbemessung b ei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu erfolgen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkom mensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 128 V 30 E. 1). Dabei ist in zeitl icher Hinsicht grundsätzlich auf die Ge- gebenheiten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Renten beginns abzustellen (BGE 129 V 222, 128 V 174). Unter Berücksichtigung des auf Mai 2018 festzulegenden Beginns des Wartejahres (vgl. E. 6.5 hiervor), kommt der frühestmögliche Renten beginn vorliegend auf den 1. Mai 2019 zu liegen, wie dies die Beschwerdegegnerin in ihrer V erfügung 8. November 2021 korrekt fest- gesetzt hat. 9.2 Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 8. November 2021 den erforderli- chen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anha nd der Gegenüberstellung der Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vergleichseinkommen einen Invaliditätsgrad von 53% err echnet. Die von der Beschwerdegeg- nerin gestützt auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebun g 2018 ermittelten Vergleichsein- kommen wie auch die Höhe des leidensbedingten Abzugs von 5% wurden vom Versicherten zu Recht nicht beanstandet. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, die im Rah- men der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Ger icht eine andere Einschätzung zu rechtfertigen vermöchten, erübrigt sich eine detaillie rte Auseinandersetzung mit den durch die IV-Stelle ermittelten Vergleichseinkommen. Diesbezügli ch kann vollumfänglich auf die Ausfüh- rungen in der angefochtenen Verfügung vom 8. November 2021 verwiesen werden. 10. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Ve rfügung vom 8. November 2021 nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist daher abzuweisen. 11. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Dem Ausgang des Verfahrens entspre- chend wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht