B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6402/2013 U r t e i l v o m 2 5 . A p r i l 2 0 1 4 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, vertreten durch Veronica Martin, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-6402/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der aus dem Kosovo stammende Z._______ (geb. 1989, im Folgenden: Gesuchsteller) beantragte am 23. April 2013 bei der Schweizerischen Botschaft in Pristina ein Schengen -Visum für einen Besuchsaufenthalt von einem Monat (29. Juni 2013 bis 27. Juli 2013) bei seinem Cousin (nachfolgend: Beschwerdeführer bzw. Gastgeber) und dessen Ehefrau in Bern. Ein erstes Visumgesuch des Gesuchstellers war von der Vorinstanz mit Verfügung vom 25. Mai 2012 abgelehnt worden. B. Mit Formularentscheid vom 24. April 2013 lehnte es die Schweizer Vertre- tung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Ha l- tung damit, es könne keine Absicht des Gesuchstellers festgestellt we r- den, vor Ablauf des Visums aus dem Hoheitsgebiet der Schengen- Mitgliedstaaten auszureisen. C. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 1. Mai 2013 bei der Vorinstanz Einsprache. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, der Gesuchsteller habe keinerlei Absichten in der Schweiz zu verbleiben. Er habe bisher immer mit seiner Ker nfamilie im Heimatland gelebt, absolviere ein Wirtschaftsstudium und gehe nebenbei einer ger e- gelten Arbeit nach. D. Auf Ersuchen der Vorinstanz hin, richteten die Einwohnerdienste, Migrati- on und Fremdenpolizei der Stadt Bern (EMF) einen Fragenkatalog an den Beschwerdeführer, welcher dieser am 13. September 2013 beantwortet retournierte. Des Weiteren reichte er diverse Unterlagen zu den Akten. E. Mit Verfügung vom 14. Oktober 2013 wies die Vorinstanz die Einsprache gegen die Verweigerung der Einreisebewilligung ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, der Gesuchsteller stamme aus einer Re- gion, aus welcher – als Folge der insbesondere in wirtschaftlicher Hi n- sicht herrschenden Verhältnisse – der Zuwanderungsdruck nach wie vor stark anhalte. Beim Gesuchst eller handle es sich um einen 24jährigen, unverheirateten und kinderlosen Mann, der in Pristina Wirtschaft studiere. Es sei davon auszugehen, dass ih m keinerlei besondere familiäre oder gesellschaftliche Verpflichtungen oblägen. Es sei auch unklar, in welchen C-6402/2013 Seite 3 wirtschaftlichen Verhältnissen sich der Gesuchsteller mit seiner Familie befinde. Zwar könne wegen des Studiums auf eine gewisse berufliche Verpflichtung geschlossen werden. Dieser Umstand sei hingeg en ange- sichts des wirtschaftlichen Umfelds sowie der schlechten Zukunftsau s- sichten zu relativieren. Erfahrungsgemäss könne dies die Gesuchsteller nicht davon abhalten, ins Ausland zu emigrieren. Es könne somit nicht von einer anstandslosen und fristgerechten Wiederausreise ausgegangen werden. F. Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. November 2013 beantragt der Be- schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vor - instanzlichen Verfügung und die Erteilung des gewünschten Besucherv i- sums für einen Mona t. Im Wesentlichen macht er geltend, der G e- suchsteller absolviere ein Wirtschaftsstudium an der Universität in Prist i- na. Als umsichtiger und pflichtbewusster Student arbeite er neben se i- nem Studium, um so einerseits bereits ein Standbein im Wirtschaftsleb en und damit nach Studienabschluss bessere Berufschancen zu haben und andererseits die Familie finanziell zu entlasten. Damit oblägen dem G e- suchsteller durch sein Studium sowie durch sein unbefristetes Arbeitsve r- hältnis beim Unternehmen "C._______" gesellschaftliche Verpflichtungen. Er stamme aus der Mittelschicht und habe bisher zu keinerlei Klagen A n- lass gegeben. Aufgrund seiner qualifizierten Arbeitstätigkeit könne davon ausgegangen werden, dass er nach Beendigung des Studiums eine A n- stellung erhalten werde. G. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Januar 2014 beantragt die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde . Ergänzend wird festgehalten, der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vorgelegte Arbeitsvertrag der Firma "C._______" vermöge nicht zu überzeugen. Aus d em Dokument gehe hervor, dass sich der Gesuchsteller seit 1. Juli 2011 in einem Arbeitsve r- hältnis mit dieser Firma befinde und dort eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden zu leisten habe. Merkwürdig erscheine aber, dass der Gesuchsteller zu dieser Ze it bereits als Verkäufer für ein anderes Unte r- nehmen ("Y ._______") tätig gewesen sei, offensichtlich auch als Vollzei t- angestellter. Diese Feststellungen seien aktenkundig. Gemäss Arbeitsver- trag mit der "Y ._______" bestehe dieses Arbeitsverhältnis bereits seit dem 1. September 2010. Unter diesen Umständen werde die vorgebrachte Erwerbstätigkeit als nicht glaubwürdig eingestuft, sodass vorliegend nicht von gefestigten beruflichen Verpflichtungen ausgegangen werden könne. C-6402/2013 Seite 4 H. Von seinem Replikrecht machte der B eschwerdeführer mit schriftlicher Eingabe vom 14. Februar 2014 Gebrauch. Er macht ergänzend geltend, der Gesuchsteller studiere am "College S._______" Wirtschaft. Abgese- hen von der Verpflichtung als Student habe er auch gegenüber zwei A r- beitgebern weitere Verpflichtungen. Er arbeite neben seinem Studium sowohl bei der Firma " C._______" als auch bei " Y ._______". Diesbezüg- lich sei anzumerken, dass er am 22. November 2012 vom Unternehmen "C._______" verwarnt worden sei, weil er seinen vertraglichen Verpflic h- tungen nicht nachgekommen sei. Konkret habe er sein Pensum aufgrund der Verpflichtung bei " Y ._______", nicht mehr erfüllt. Zum heutigen Zei t- punkt sei er nach wie vor bei beiden Unternehmen angestellt, erhalte aber bei der "C._______" nur Lohnentschädigung für tatsächlich geleiste- te Arbeit. Die dortige Arbeit stelle damit einen Nebenerwerb dar. Damit sei hinreichend begründet, dass die Arbeitstätigkeit des Gesuchstellers keine Farce, sondern eine Tatsache darstelle. I. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit entscheidwesentlich, in den E r- wägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG , welche von einer in Art. 33 VGG aufg e- führten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Besuchszw e- cken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bundesver wal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, ric h- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die frist - und formgerecht eingereichte B e- schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). C-6402/2013 Seite 5 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wend et im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eines kosovarischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen einmonatigen Aufenthalt in der Schweiz zugr unde. Da sich der Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA -Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwe n- dungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazugehörigen gemei n- schaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abwei- chenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mi t Hinweisen). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli che Vor- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaa ten C-6402/2013 Seite 6 verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. EGLI/MEYER, in: Caroni/ Gächter/Thurnherr, Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Bürger von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schen - gen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen je Zeitraum von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedokumente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Dritt länder, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, de ren Staatsange- hörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti gen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Vi sum für den längerfristi gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen D rittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des weiteren d ürfen Drittstaatsangehörige – wie es bereits der B e- schwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe ausführt – nicht im Schen- gener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge - schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Bezie -C-6402/2013 Seite 7 hungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, es gäbe keine Anhaltspunkte dafür, dass er eine Gefahr im oberwähnten Sinne darstelle (vgl. Rechtsmitteleingabe vom 15. November 2013, Art. 5). Dem gilt es zu entgegnen, dass eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK auch dann anzunehmen ist, wenn die drittstaats- angehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen - Raums fristge recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Di e Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausrei- se nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der ge sicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG ve r- langt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufe nthalts- zwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die orden tlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk - ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Die ses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellen den Staates gültig (Art. 32 i. V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter den selben Voraus- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Aufgrund seiner kosovarischen Staatsangehörigkeit unter liegt der Gesuchsteller der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einre i- sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesiche r-C-6402/2013 Seite 8 ten Wiederausreise im Vordergrund. Eine s olche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse des Gesuchstellers in seinem Heimatland als nicht gen ü- gend gesichert. Zur Einschätzung entsprechender Risiken sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreis e- gesuche von Bür gerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewi lligung in Ein - klang steht. 5.3 Dass im Heimatland des Gesuchstellers grosse Teile der Bevölkerung von wirtschaftlich ungünstigen Verhältnissen betroffen sind, kann nicht in Abrede gestellt werden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner lag 2012 nach Schätzung des Internationalen Währungsfond s (IWF) bei 2.760 Euro, das BIP insgesamt bei etwa 5 Mrd. Euro. Damit bleibt Kosovo das ärmste Land auf dem Balkan. Allerdings sind zuverlässige Angaben über die Höhe der Transferleistungen der Diaspora ( die Angaben gehen bis zu etwa 500 Mio. Euro/Jahr) und Informationen über das Ausmaß der Schattenwirtschaft letztlich nur schwer zu erhalten. Die Arbeitslosenrate stellt eine der grössten Herausforderungen für die sozio -ökonomische Entwicklung des Landes dar. Im ersten Halbjahr 2012 betrug die Arbeit s- losenquote nach offiziellen Angaben 35,1%. Laut der gemeinsam von Weltbank und der kosovarischen Statistikagentur erstellten Studie „ La- bour Force Survey 2012 “ soll sie bei den 15 -25jährigen sogar bei 60% liegen. Insgesamt ergibt sich ein leicht verbesserter Trend gegenüber den Vorjahren (Quelle: Deutsches Auswärtiges Amt, www.auswaertiges- amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinformationen > Kosovo > Wirtschaftspolitik, Stand: Februar 2014, besucht im März 2014). Vor die- sem Hintergrund besteht vielfach der Wille zur Auswanderung, welcher sich besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen manifes- tiert. Ein im Ausland bereits bestehendes, minimales soziales Bezi e- hungsnetz aus Verwandten oder Freunden ist zudem ein wichtiges El e- ment, das den Entscheid auszuwandern noch akzentuieren kann. De m- entsprechend hoch ist der Zuwanderungsdruck auf die Schweiz und a n- dere Teile Europas. C-6402/2013 Seite 9 5.4 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die erwähnten allg e- meinen Umstände, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkr e- ten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Pe r- son im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesel l- schaftliche oder familiäre Ver antwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umg e- kehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflic h- tungen haben, das Risiko für ein ausländerrechtlich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen bald 25 -jährigen, u n- verheirateten und kinderlosen Mann, der noch im Haushalt seiner Eltern lebt (vgl. vom Beschwerdeführer beantworteter Fragenkatalog der Stadt Bern vom 13. September 2013). Zwar wird dort weiter erwähnt, der G e- suchsteller unterstütze seine Eltern bei tägli chen Arbeiten. K onkrete Pflichten des Gesuchstellers, welche einen besonderen Betreuungsb e- darf (der Elte rn) aufzeigen, der nur durch ihn selbst abgedeckt werden könnte, sind hingegen weder aus den Akten ersichtlich noch werden sie geltend gemacht. Es kann demnach nicht davon ausgegangen werden, im persönlichen oder familiären Umfeld des Gastes seien Verpflichtungen oder gar Abhängigkeiten vorhanden, die besondere Gewähr für eine Rückkehr ins Heimatland bieten könnten. 6.2 In wirtschaftlicher Hinsicht wird ausgeführt, der Gesuchsteller sei Student am "College S._______" in Pristina , wo er Wirtschaft studiere. Daneben habe er e ine unbefristete Anstellung beim Unternehmen "C._______" (vgl. Beschwerde vom 15. November 2013). 6.2.1 Die Vorinstanz macht diesbezüglich geltend, die Angaben zur E r- werbstätigkeit des Gesuchstellers seien nicht glaubhaft. Insbesondere vermöge der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vorgelegte Arbeit s- vertrag der Firma " C._______" nicht zu überzeugen. Aus dem Dokument gehe hervor, dass sich der Gesuchsteller seit dem 1. Juli 2011 in einem Arbeitsverhältnis mit dieser Firma befinde und dort eine wö chentliche Ar- beitszeit von 40 Stunden zu leisten habe. Merkwürdig erscheine aber, dass der Gesuchsteller zu dieser Zeit bereits als Verkäufer für ein and e- res Unternehmen ("Y ._______") tätig gewesen sei, offensichtlich auch als Vollzeitangestellter. Gemäss Arbeitsvertrag mit der " Y ._______" bestehe C-6402/2013 Seite 10 dieses Arbeitsverhältnis bereits ab dem 1. September 2010. Unter diesen Umständen könne vorliegend nicht von gefestigten beruflichen Verpflic h- tungen aus gegangen werden (vgl. Vernehmlassung vom 13. Januar 2014). 6.2.2 Diesbezüglich führt der Beschwerdeführer replikweise aus, der G e- suchsteller arbeite neben seinem Studium sowohl bei der Firma "C._______" als auch bei " Y ._______". Es sei anzumerken, dass er am 22. November 2012 vom Unternehmen "C._______" verwarnt worden sei, weil er seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen s ei. Konkret habe er sein Pensum aufgrund der Verpflichtung bei "Y ._______" nicht mehr erfüllt. Zum heutigen Zeitpunkt sei er nach wie vor bei beiden Unternehmen angestellt, erhalte aber bei der Firma "C._______" nur Lohnentschädigung für tatsächlich geleistete Arbeit. Die dortige Arbeit stelle damit ein Nebenerwerb dar. Damit sei hinreichend begründet, dass die Arbeitstätigkeit des Gesuchstellers keine Farce, sondern eine Tats a- che darstelle. 6.2.3 Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass bezüglich der beiden Ar- beitsverhältnisse des Gesuchstellers einige Ungereimtheiten bestehen , die seine Angaben in Frage stellen: Machte er in seinem Gesuch um E r- teilung eines Schengen-Visums lediglich geltend, er sei Student (vgl. Fra- ge 19 "derzeitige berufliche Tätigkeit"), so wird in der Einsprache vom 1. Mai 2013 ausgeführt, der Gesuchsteller gehe nebst seinem Wir t- schaftsstudium einer geregelten Arbeit nach. Es erscheint hingegen u n- wahrscheinlich, dass der Gesuchsteller seit geraumer Zeit – die Arbeits- verhältnisse ist er laut den Arbeitsverträgen am 1. September 2010 bzw . 1. Juli 2011 eingegan gen – nebst seinem Wirtschaftsstudium über zwei Arbeitsstellen verfügt, zumal er zumindest mit der Firma " C._______" ei- ne wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden vertraglich vereinbart hat (vgl. Arbeitsvertrag mit der Firma "C._______" vom 1. Juli 2011 sowie un- datierter Arbeitsv ertrag mit der Firma " Y ._______"). Ein Arbeitspensum also, welches einer Vollzeitstelle ents pricht. Die zu den Akten gelegte Verwarnung der Firma " C._______" erfolgte denn auch bereits am 22. November 2012. Dort wurde er darauf hingewiesen, dass eine weitere Zusammenarbeit mit ihm nicht akzeptiert werden könne, sollte er sein Verhalten bezüglich Unterschreitens der vertraglich vereinbarten Arbeit s- zeit und Qualität der Arbeit nicht ändern. 6.2.4 Zudem ist nicht nachvollziehbar, wieso nicht schon in der Be- schwerde vom 15. November 2013 beide angeblichen Arbeitsverhältnisse C-6402/2013 Seite 11 offen gelegt wurden, sondern dort nur auf die Erwerbstätigkeit bei der Firma " C._______" hingewiesen wurde, diese aber nun lediglich ein en Nebenerwerb darstellen soll (vgl. Replik vom 14. Februar 2014). Kommt hinzu, dass die Arbeitstätigkeit bei der Firma " C._______" in der B e- schwerde vom 15. November 2013 als "qualifiziert" eingestuft wurde, wo- von bei einer Nebenerwerbstätigkeit wohl eher nicht ausgegangen we r- den kann. Damit ist auch die Aussage des Beschwerdeführers zu relat i- vieren, aufgrund seiner qualifizierten Arbeitstätigkeit kön ne der G e- suchsteller nach Beendigung seines Studiums eine Anstellung erhalten. Vielmehr bestehen gewisse Zweifel, ob sich die Berufsaussichten mit dem angestrebten Abschluss tatsächlich so präsentieren wie von ihm gel- tend gemacht. 6.3 Abschliessend ist auch auf das Fehlen aktueller Arbeitsbestätigun- gen, Bankauszügen und Lohnabrechnungen hinzuweisen. Auch fehlen konkrete Angaben über die aktuellen finanziellen Verhältnisse seiner Fa- milie; diesbezügliche Unterlagen wurden trotz zweimaliger Ankündigung nicht nachgereicht (vgl. Beweismittelverzeichnisse der Beschwerde vom 15. November 2013 und der Replik vom 14. Februar 2014). Es kann s o- mit nicht davon ausgegangen werden, der Gesuchsteller lebe in soliden wirtschaftlichen Verhältnissen, die ihn von e iner Emigration abzuhalten vermöchten. 7. Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund konnte die Vorinstanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise des Gesuchstellers nach einem Besuchsaufenthalt besteht. Mit der fehlenden Gewähr für eine a n- standslose Wiederausreise ist eine zwingende Voraussetzung zur Erte i- lung eines Schengen-Visums nicht erfüllt. An dieser Einschätzung vermö- gen auch die gegenteiligen Zusicherungen des Beschwerdeführers nichts zu ändern (vgl. Replik vom 14. Februar 2014) . Als solcher kann er mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse finanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein bestim m- tes Tun oder Unterlassen seines Gaste s einstehen (vgl. in diesem Z u- sammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Im Übrigen wurden auch keine Grün- de für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. dazu Ziffer 4.5 hiervor) vorgebracht und liegen auch nicht vor. 8. Aus den vorstehend en Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verf ü-C-6402/2013 Seite 12 gung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die B e- schwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der unter liegende Be- schwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG ; Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Regle ments vom 21. Februar 2008 über die Kos ten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-6402/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Beza h- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) – das Amt für Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei (EMF) der Stadt Bern Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: