200 18 547 BV ACT/BOC/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 30. Oktober 2018 Verwaltungsrichter Ackermann, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Schütz Gerichtsschreiberin Bossert Sammelstiftung VITA Hagenholzstrasse 60, 8050 Zürich Klägerin gegen A.________ GmbH Beklagte betreffend Klage vom 26. Juli 2018 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 2 Sachverhalt: A. Die A.________ GmbH schloss sich mit Anschlussvertrag Nr. ... vom 26. Oktober 2015 bzw. 7. Januar 2016 der Sammelstiftung Vita zwecks Durch- führung der beruflichen Vorsorge an, wobei der Vertragsbeginn auf den 1. April 2015 festgesetzt wurde (Akten der Sammelstiftung Vita, Klagebeilage [KB] 1). Da die A.________ GmbH ihren Zahlungspflichten nicht nachkam, kündigte die Sammelstiftung Vita am 15. Mai 2017 den Anschlussvertrag mit der A.________ GmbH per 31. Mai 2017 (KB 13). Die bei Vertragsauf- lösung offenen Beitragsforderungen inklusive Mahnspesen und Verwal- tungskosten von total Fr. 23‘798.45 (KB 6) setzte die Sammelstiftung Vita zuzüglich 5 % Zins ab dem 1. November 2017, Zins bis 31. Oktober 2017 in der Höhe von Fr. 1‘110.85 sowie Fr. 300.-- Betreibungsspesen in Betrei- bung, was Zahlungsbefehlskosten von Fr. 103.30 verursachte (Zahlungs- befehl vom 27. November 2017 in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes B.________ [KB 15]). Dagegen erhob die A.________ GmbH am 22. Januar 2018 Rechtsvorschlag. B. Mit Eingabe vom 26. Juli 2018 beantragt die Sammelstiftung Vita (nachfol- gend: Klägerin) beschwerdeweise das Folgende: 1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Beitrags- ausstand von Fr. 23‘798.45 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. Novem- ber 2017, minus Fr. 1‘607.60 Lohnkorrektur per 27. Februar 2018 und Fr. 197.20 Altersgutschrift per 30. Juni 2018, zuzüglich Fr. 1‘110.85 Zins bis 31. Oktober 2017 und vertragliche Inkassomass- nahmen zu bezahlen. 2. Es sei der in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes B.________ erhobene Rechtsvorschlag vollumfänglich zu beseiti- gen. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklag- ten.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 3 Der Instruktionsrichter forderte die A.________ GmbH (nachfolgend: Be- klagte) mit prozessleitender Verfügung vom 30. Juli 2018 auf, innert Frist eine Klageantwort einzureichen. Die entsprechende Frist liess die Beklagte unbenutzt verstreichen. Mit prozessleitender Verfügung vom 19. September 2018 ersuchte der In- struktionsrichter die Klägerin im Zusammenhang mit dem Versicherten C.________ bezüglich einer allfälligen doppelten Beitragserhebung für das Jahr 2016 Auskunft zu geben, was diese mit Eingabe vom 3. Oktober 2018 getan hat. Gleichzeitig teilte die Klägerin mit, aufgrund einer Lohnkorrektur für das Jahr 2017 ergebe sich eine Gutschrift von Fr. 85.15 (richtig: Fr. 84.30), welche von der Forderung von Fr. 23‘798.45 in Abzug zu brin- gen sei. Diese Eingabe der Klägerin wurde der Beklagten mit prozesslei- tender Verfügung vom 8. Oktober 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt. Erwägungen: 1. 1.1Die Klage wurde formgerecht bei dem gemäss Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlas- senen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) örtlich zuständigen Ge- richt eingereicht. Die sachliche Zuständigkeit richtet sich nach Art. 73 Abs. 1 BVG in Verbindung mit Art. 87 lit. c des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). Bei der eingeklagten Forderung (inkl. Mahn- und Inkassokosten sowie Ver- zugszins) handelt es sich um eine vorsorgerechtliche Streitigkeit zwischen einer Beitragspflichtigen und einer Vorsorgeeinrichtung (vgl. BGE 114 V 102 E. 1b S. 105), womit die sachliche Zuständigkeit des urteilenden Gerichts gegeben ist (vgl. BVR 1991 S. 333 E. 2c). Weil auf dem ordentli- chen Prozessweg zusätzlich auch die Beseitigung des Rechtsvorschlages verlangt werden kann (Art. 79 des Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuldbetreibung und Konkurs [SchKG; SR 281.1]), ist das angerufe-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 4 ne Gericht auch für die Beurteilung des von der Klägerin gestellten Rechtsöffnungsbegehrens zuständig. Folglich ist auf die Klage einzutreten. 1.2Streitig ist, ob die Beklagte der Klägerin einen Beitragsausstand von Fr. 23‘798.45 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. November 2017, minus Fr. 1‘607.60 Lohnkorrektur per 27. Februar 2018 und Fr. 197.20 Altersgut- schrift per 30. Juni 2018, zuzüglich Fr. 1‘110.85 Zins bis 31. Oktober 2017 und vertragliche Inkassomassnahmen zu bezahlen hat und ob in der Be- treibung Nr. ... des Betreibungsamtes B.________ der Rechtsvorschlag vollumfänglich aufzuheben ist. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier- besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG). 2. 2.1Die Vorsorgeeinrichtung legt die Höhe der Beiträge des Arbeitge- bers und der Arbeitnehmer in den reglementarischen Bestimmungen fest. Der Beitrag des Arbeitgebers muss mindestens gleich hoch sein, wie die gesamten Beiträge aller seiner Arbeitnehmer (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 BVG). Der Arbeitgeber schuldet der Vorsorgeeinrichtung die gesamten Beiträge (Art. 66 Abs. 2 Satz 1 BVG). Gemäss Art. 66 Abs. 2 Satz 2 BVG kann die Vorsorgeeinrichtung für nicht rechtzeitig bezahlte Beiträge Verzugszinsen verlangen. Die Höhe der Ver- zugszinsen richtet sich in erster Linie nach der im Vorsorgevertrag getrof- fenen Parteivereinbarung und wo eine solche fehlt, nach den gesetzlichen Verzugsbestimmungen von Art. 102 ff. des Schweizerischen Obligationen- rechts (OR; SR 220; SVR 1994 BVG Nr. 2 S. 5 E. 3b aa; SZS 1990 S. 161 E. 4b). Gemäss Art. 102 OR gerät der Schuldner beim Fehlen einer Verfall- tagsabrede durch Mahnung in Verzug. Ist der Schuldner mit der Zahlung einer Geldschuld in Verzug, so hat er Verzugszinsen von 5 % zu bezahlen (BGE 127 V 377 E. 5e bb S. 390), sofern nicht ein höherer Verzugszins Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 5 vereinbart worden ist (Art. 104 Abs. 1 und 2 OR; Entscheid des EVG vom 11. Dezember 2002, B 21/02, E. 6.1.1). 2.2Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG sehen die Kantone zur Beurteilung von Streitigkeiten aus dem Bereich des BVG ein einfaches, rasches und in der Regel kostenloses Verfahren vor; der Richter stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Es gilt somit der Untersuchungsgrundsatz, der besagt, dass das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat (BGE 138 V 86 E. 5.2.3 S. 97, 125 V 193 E. 2 S. 195). Der Untersuchungsgrundsatz wird beschränkt durch die Mitwirkungspflich- ten der Parteien. Zu diesen gehört im Klageverfahren der beruflichen Vor- sorge die Substanziierungspflicht, welche beinhaltet, dass die wesentlichen Tatsachenbehauptungen und -bestreitungen in den Rechtsschriften enthal- ten sein müssen (BGE 138 V 86 E. 5.2.3 S. 97). Dementsprechend ist es einerseits Sache der klagenden Vorsorgeeinrichtung, die Beitragsforderung so weit zu substanziieren, dass sie überprüft werden kann. Der eingeklagte Forderungsbetrag ist zeitlich und masslich zu spezifizieren, also gestützt auf eine Forderungsübersicht zu behaupten, wie er sich zusammensetzt. In diesem Zusammenhang verbietet es sich, dass das Berufsvorsorgegericht selber in den Akten nach denjenigen Positionen, die für die Beitragshöhe von Belang sind, forschen und eruieren muss, wie der Forderungsbetrag ermittelt wird (BGE 141 V 71 E. 5.2.2 S. 79). Anderseits obliegt es der be- klagten Arbeitgeberin, substanziiert darzulegen, weshalb und gegebenen- falls in welchen Punkten die eingeklagte Beitragsforderung unbegründet bzw. unzutreffend ist. Soweit die eingeklagte Forderung hinreichend sub- stanziiert ist, bleiben unsubstanziierte Bestreitungen unberücksichtigt; demgegenüber darf das Gericht eine Klage, soweit sie nicht hinreichend substanziiert und nachvollziehbar ist, trotz ungenügend sustanziierter oder gänzlich fehlender Bestreitung nicht gutheissen (SZS 2001 S. 562 E. 1a bb).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 6 3. 3.1Gestützt auf den Anschlussvertrag (KB 1) sind die Aktiv- und Pas- sivlegitimation ohne weiteres gegeben. 3.2Die Beklagte war der Klägerin zwischen April 2015 (Ziff. 16 Abs. 1 Anschlussvertrag; KB 1) und Ende Mai 2017 (Kündigung vom 15. Mai 2017; KB 13) angeschlossen und damit grundsätzlich verpflichtet, Beiträge zu bezahlen (Art. 66 BVG, Ziff. 10 Anschlussvertrag [KB 1] sowie Ziff. 5 Vorsorgereglement [KB 3]). 3.3Gemäss Akten beliefen sich die offenen Beiträge per 31. Dezember 2016 auf Fr. 4‘411.55 (Fr. 4‘585.25 - Fr. 100.-- Mahnspesen - Fr. 73.70 Zinsen; KB 6). Vom 1. Januar bis 31. Mai 2017 betrugen die offenen Bei- träge Fr. 18‘113.20 (Fr. 19‘334.50 - Fr. 848.80 Einzahlung vom 27. Juni 2017 - Fr. 372.50 Altersausgleich; KB 14). Der offene Beitragssaldo belief sich per 31. Mai 2017 gemäss Akten folglich auf total Fr. 22‘524.75 (Fr. 4‘411.55 + Fr. 18‘113.20). Betreffend den Versicherten C.________ ist Folgendes zu beachten: Mit Eingabe vom 3. Oktober 2018 teilte die Klägerin mit, aufgrund der Lohnbe- scheinigung der Ausgleichskasse des Kantons Bern (AKB) vom 26. No- vember 2016 für das Jahr 2016 (KB 8) sei der entsprechende Lohn per 11. Juli 2017 auf Fr. 72‘000.-- korrigiert worden, da in der Anmeldung lediglich Fr. 24‘000.-- deklariert worden seien. Somit ergebe sich eine Belastung per 11. Juli 2017 von Fr. 8‘522.10 rückwirkend für das Jahr 2016. Mit Blick auf diese Ausführungen besteht für C.________ für das Jahr 2016 somit keine doppelte Beitragserhebung. Denn Beiträge im Umfang von Fr. 4‘794.20 basieren auf einem Lohn von Fr. 24‘000.--, während Beiträge im Umfang von Fr. 8‘522.40 auf der (nicht gemeldeten) Lohndifferenz von Fr. 48‘000.-- (Fr. 72‘000.-- - Fr. 24‘000.--) beruhen; so sind denn auch die Gesamtbeträ- ge der Jahre 2016 (Fr. 13‘316.60 [Fr. 4‘794.20 + Fr. 8‘522.40]) und 2017 (Fr. 13‘152.10) in etwa gleich hoch (KB 6, S. 1 und 2). Ebenfalls mit Einga- be vom 3. Oktober 2018 teilte die Klägerin mit, sie habe zudem für C.________ den Lohn des Jahres 2017 von Fr. 72‘000.-- auf Fr. 70‘800.-- korrigiert, was zu einer Gutschrift von Fr. 85.15 (richtig: Fr. 84.30) führe. Mit Blick auf die Lohnbescheinigung und Abrechnung der Familienzulagen der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 7 AKB vom 25. November 2017 für das Jahr 2017 (KB 8) ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden. Entsprechend reduzieren sich die Beiträge vom 1. Januar bis 31. Mai 2017 von Fr. 18‘113.20 um die erwähnte Gutschrift von Fr. 84.30 auf Fr. 18‘028.90. Weiter erfolgte per 27. Februar 2018 eine Lohnkorrektur für die Versicherte D.________ zu Gunsten der Beklagten im Betrag von Fr. 1‘607.60 (KB 9). Schliesslich wurde per 30. Juni 2018 ein Zuschuss bei ungünstiger Alters- struktur im Betrag von Fr. 197.20 gutgeschrieben (KB 9), so dass sich die offenen Beiträge für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Mai 2017 auf Fr. 16‘224.10 belaufen (Fr. 18‘028.90 - Fr. 1‘607.60 - Fr. 197.20). Total besteht demnach per 31. Mai 2017 eine offene Beitragsforderung von Fr. 20‘635.65 (Fr. 4‘411.55 + Fr. 16‘224.10). 3.4Entsprechend der Kompetenz des Art. 66 Abs. 2 Satz 2 BVG ist im Fall des Zahlungsverzuges in Ziff. 12 Abs. 1 Satz 2 Anschlussvertrag (KB 1) eine Verzugszinspflicht statuiert, welche allein für ausstehende Beiträge, nicht jedoch für Inkassokosten oder Ähnliches Gültigkeit hat. Damit ist al- lein auf den ausstehenden Beiträgen ein Verzugszins geschuldet. 3.4.1Da weder Anschlussvertrag (KB 1) noch Vorsorgereglement (KB 3) einen Zinssatz vorsehen, ist auf den allgemeinen Zinssatz von 5 % gemäss Art. 104 Abs. 1 OR abzustellen (vgl. E. 2.1 hiervor). 3.4.2Hier liegt keine Verfalltagsabrede vor, denn in Ziff. 10 Anschlussver- trag (KB 1) werden allein die Fälligkeitstermine festgelegt, während Art. 12 Satz 1 Anschlussvertrag (KB 1) eine Mahnung vorsieht. Für die per 31. De- zember 2016 offenen Beiträge über Fr. 4‘411.55 (vgl. E. 3.3 hiervor) liegt eine Mahnung vom 15. Februar 2017 in den Akten (KB 10); für den Restbe- trag von Fr. 16‘224.10, d.h. die Beitragsausstände des Jahres 2017 (vgl. E. 3.3 hiervor), ist die Klage vom 26. Juli 2018 als Mahnung anzusehen. In der Folge schuldet die Beklagte Zinsen von 5 % ab dem 15. Februar 2017 auf dem Betrag von Fr. 4‘411.55 sowie Zinsen von 5 % ab dem 26. Juli 2018 auf dem Restbetrag von Fr. 16‘224.10. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 8 3.5Die Mahnspesen von Fr. 100.-- für eine Mahnung vom 15. Februar 2016 (KB 6, 7), die Inkassomassnahmen von total Fr. 300.-- (KB 14; je Fr. 100.-- für Mahnungen vom 15. Februar, 15. März und 18. April 2017 [KB 6, 10 - 12]), die Betreibungsspesen von Fr. 300.-- (vgl. KB 15) und die Ver- tragsauflösungskosten von Fr. 500.-- (KB 14) finden ihre Grundlagen in Ziff. 2 und 3 des Kostenreglements (KB 1 in fine), welches gestützt auf Art. 5 Anschlussvertrag (KB 1) erlassen worden ist (betreffend Kosten für Mah- nungen und allfällige weitere Inkassobemühungen vgl. auch Ziff. 12 Abs. 2 Anschlussvertrag). Damit sind diese Kosten im Umfang von insgesamt Fr. 1‘200.-- ebenfalls geschuldet. Nicht geschuldet sind dagegen Fr. 300.-- für die angedrohte Information des Kassenvorstandes (KB 11), deren Durchführung jedoch nicht erstellt ist. 3.6Im Zusammenhang mit der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes B.________ sind Zahlungsbefehlskosten von Fr. 103.30 entstanden (KB 15). Die Betreibungskosten sind von Gesetzes wegen geschuldet (Art. 68 SchKG) und vom Schuldner bei erfolgreicher Betreibung zusätzlich zum dem Gläubiger zugesprochenen Betrag zu bezahlen. Diese Kosten bilden nicht Gegenstand des Rechtsöffnungsverfahrens und es braucht dafür kei- ne Rechtsöffnung erteilt zu werden (SVR 2006 KV Nr. 1 S. 2 E. 4.1; RKUV 2004 S. 465 E. 5.3.2). Gemäss Art. 68 Abs. 2 SchKG ist der Gläubiger berechtigt, von den Zahlungen des Schuldners die Betreibungskosten vorab zu erheben. 3.7Nach dem Dargelegten ist die Beklagte in teilweiser Gutheissung der Klage zu verurteilen, der Beklagten Fr. 21‘835.65 (Fr. 20‘635.65 für offene Beiträge [vgl. E. 3.3 hiervor] und Fr. 1‘200.-- für Inkassomassnah- men sowie Vertragsauflösungskosten [vgl. E. 3.5 hiervor]) nebst Zins zu 5 % auf Fr. 4‘411.55 ab dem 17. Februar 2017 und Zins zu 5 % auf Fr. 16‘224.10 ab dem 26. Juli 2018 zu bezahlen. Im erwähnten Umfang ist der Klägerin in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes B.________ die definitive Rechtsöffnung zu erteilen. Im Übrigen ist die Klage abzuwei- sen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 9 4. 4.1Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG soll das Verfahren vor dem kantonalen Gericht in der Regel kostenlos sein. Allerdings gilt auch ohne ausdrückliche gesetzliche Grundlage als allgemeiner Grundsatz des Bundessozialversi- cherungsrechts, dass diese Kostenfreiheit im Falle mutwilliger oder leicht- sinniger Prozessführung eingeschränkt werden kann. Im Zusammenhang mit Prämienstreitigkeiten im Bereich der beruflichen Vorsorge ist auf Grund der besonderen Natur des Verfahrens bei der Beurteilung der Mutwilligkeit nicht nur auf das Verhalten der zahlungspflichtigen Person im gerichtlichen Verfahren abzustellen, sondern es ist auch ihr Verhalten im vorprozessua- len Stadium mit zu berücksichtigen (BGE 124 V 285 E. 3a S. 287 und E. 4b S. 289). Wer als Arbeitgeber oder Versicherter Rechnungen und Mahnun- gen nicht beachtet, sich deswegen von der Vorsorgeeinrichtung betreiben lässt, diese – bei materiell offensichtlich unbegründetem Standpunkt – mit- tels Rechtsvorschlag zwingt, den Rechtsweg zu beschreiten, in eben die- sem selber veranlassten Prozess nichts von sich hören lässt und somit nicht das Geringste zur Klärung des Sachverhalts beiträgt, handelt mutwil- lig. Eine solche Prozessverursachung verbunden mit der durch Untätigkeit geprägten Haltung im Gerichtsverfahren, welche insgesamt auf eine Ver- zögerungstaktik des Zahlungspflichtigen hinausläuft, darf – ohne dass darin eine Bundesrechtswidrigkeit zu erblicken wäre – durch Auferlegung von Gerichtskosten sanktioniert werden (BGE 124 V 285 E. 4b S. 289). Im vorliegenden Fall steht fest, dass die Klägerin das Gericht nur deshalb anrufen musste, weil es die Beklagte unterlassen hat, die fälligen BVG- Beiträge zu bezahlen und gegen den entsprechenden Zahlungsbefehl ohne Grundangabe Rechtsvorschlag erhoben hat. Dieses Recht steht der Be- klagten zwar von Gesetzes wegen zu, so dass ihr nicht allein dessen Aus- übung vorgeworfen werden kann. Demgegenüber hat ihr aber zum Nachteil zu gereichen, dass sie gegenüber der Klägerin weder vor der Klageeinrei- chung noch im vorliegenden Verwaltungsgerichtsverfahren irgendwelche Einwendungen gegen die Rechtmässigkeit der Forderung oder von Teilbe- trägen derselben erhoben hat. In ständiger Praxis wertet das Gericht ein solches Verhalten als krasse und mutwillige Verletzung der Mitwirkungs- pflichten, die sich durch keinerlei schützenswerte Interessen rechtfertigen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 10 lässt und nicht mehr unter die Garantie des kostenfreien Verfahrens fällt (Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Juli 1992, BV 34333, und vom 15. Februar 2001, BV 58564; vgl. auch BGE 124 V 285 E. 4b S. 289). Der Beklagten ist somit mutwilliges Prozessieren vorzuwer- fen, was die Auferlegung der Verfahrenskosten, festgesetzt auf Fr. 1‘000.--, rechtfertigt. 4.2Das BVG regelt nicht, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Anspruch auf Parteientschädigung besteht. Das Eidg. Versicherungsgericht (heute Bundesgericht) hat festgestellt, dass der Grundsatz, wonach obsie- gende Sozialversicherungsträger keinen Anspruch auf eine Parteientschä- digung zu Lasten der versicherten Person haben, auch im erstinstanzlichen Verfahren der beruflichen Vorsorge gilt (BGE 126 V 143 E. 4b S. 150). Im kantonalen Verfahren obsiegende Sozialversicherer, die anwaltlich oder sonst wie qualifiziert vertreten sind, haben jedoch Anspruch auf Parteien- tschädigung, wenn die Prozessführung der Gegenpartei als mutwillig oder leichtsinnig zu bezeichnen ist. Fehlt eine solche Vertretung, müssen zu- sätzlich zu Mutwilligkeit oder Leichtsinn die Voraussetzungen für die Par- teientschädigungsberechtigung einer unvertretenen Partei erfüllt sein (BGE 128 V 323). Da die Klägerin keinen aussenstehenden Anwalt mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt hat und auch nicht von einem aufwändigen Verfahren gesprochen werden kann, ist ihr keine Parteientschädigung zuzusprechen. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die A.________ GmbH verur- teilt, der Sammelstiftung Vita Fr. 21‘835.65 nebst Zins zu 5 % auf Fr. 4‘411.55 ab dem 17. Februar 2017 und Zins zu 5 % auf Fr. 16‘224.10 ab dem 26. Juli 2018 zu bezahlen. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2018, BV/18/547, Seite 11 2. Der Vita Sammelstiftung wird in der Betreibung Nr. ... des Betrei- bungsamtes B.________ für Fr. 21‘835.65 nebst Zins zu 5 % auf Fr. 4‘411.55 ab dem 17. Februar 2017 und Zins zu 5 % auf Fr. 16‘224.10 ab dem 26. Juli 2018 die definitive Rechtsöffnung erteilt. 3. Die Beklagte wird verurteilt, die Verfahrenskosten von Fr. 1‘000.-- zu bezahlen. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Zu eröffnen (R): - Sammelstiftung VITA - A.________ GmbH - Bundesamt für Sozialversicherungen Zur Kenntnisnahme: - Bernische BVG- und Stiftungsaufsicht (BBSA), Belpstrasse 48, Post- fach, 3000 Bern 14 Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.