Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 30. April 2014 (810 14 3) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Steuerbefreiung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Kanto nsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Helena Hess , Gerichtsschreiber Martin Michel Parteien Stiftung A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Christoph Degen und Dr. Roman Baumann Lorant, Advokaten, Dufourstrasse 49, 4010 Basel gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Beigeladene Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV , Eigerstrasse 65, Postfach , 3003 Bern Betreff Direkte Bundessteuer 2013 / Steuerbefreiung (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 28. Juni 2013) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Unter dem Namen „Stiftung A.____“ (nachfolgend: S tiftung) besteht seit dem Jahr 1990 eine Stiftung mit Sitz in B.____, die im Handelsregister des Kantons Basel-Landschaft eingetra- gen ist. B. Mit Entscheid der Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft vom 21. April 1993 wurde die Stiftung wegen Gemeinnützigkeit von der dir ekten Bundessteuer befreit. Am 6. Juni 2005 entschied die Steuerverwaltung, dass die Steuerbefreiung für weitere vier Jahre gelte und alsdann das Gesuch um Steuerbefreiung zu erneuern sei. In der Begründung führte die Steuer- verwaltung aus, mit Rücksicht auf den beachtlichen Liegen schaftenbesitz und die auch für die Zukunft weiterhin in Aussicht genommenen Projekte scheine es angemessen, die Steuer- befreiung vorerst für vier weitere Jahre zu beschränken. Am 29. Oktober 2009 gewährte die Steuerverwaltung der Stiftung die Steuerbefreiung f ür weitere drei Jahre mit der gleichen Be- gründung. C. Am 28. September 2012 ersuchte die Stiftung die S teuerverwaltung um Erneuerung und Verlängerung der Steuerbefreiung für weitere drei Jahre, eventualiter vorläufig für ein Jahr. In Bezug auf den Eventualantrag (Verlängerung um ein Jahr) wies die Stiftung insbesondere auf die spezielle Situation hin, dass sie sich – auf Ersuch en der Stiftungsaufsicht hin – ent- schieden habe, alle rechtlichen Grundlagen umfassend auf den neusten Stand zu bringen. Die- se Unterlagen würden sich zurzeit zur Prüfung bei der S tiftungsaufsicht befinden. Es mache wenig Sinn, nun die Erneuerung auf der Basis der jetzt bestehenden rechtlichen Grundlagen zu beantragen, da die Überarbeitung der Reglemente bereits erfolgt sei und lediglich noch die Ge- nehmigung durch die Stiftungsaufsicht anstehe. Nach de r Verlängerung um ein Jahr sei die Stiftung dann in der Lage, die neuen rechtlichen Grun dlagen mit der entsprechenden Begrün- dung für den Entscheid betreffend Erneuerung der Steuerbefreiung vorzulegen. D. Die Steuerverwaltung entschied am 8. November 2012, die bestehende Befreiung der Stiftung von der direkten Bundessteuer in Anwendung von Art. 56 lit. g des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 ( DBG) ab dem Steuerjahr 2012 aufzu- heben. Den Antrag auf Weitergewährung der Steuerbef reiung von der direkten Bundessteuer bis Ende 2013 wies die Steuerverwaltung ab. E. Die von der Stiftung dagegen erhobene Beschwerde h iess das Steuer- und Enteig- nungsgericht, Abteilung Steuergericht (Steuergericht) am 28. Juni 2013 teilweise gut und wies die Steuerverwaltung an, der Beschwerdeführerin für da s Jahr 2012 die Steuerbefreiung ge- mäss Art. 56 lit. g DBG zu gewähren. Sodann auferlegt e das Steuergericht der Beschwerde- führerin gemäss Art. 144 Abs. 1 DBG reduzierte Verfahre nskosten in der Höhe von Fr. 500.00 (inkl. Auslagen), welche mit dem bereits geleisteten Kost envorschuss verrechnet wurden und entschied, dass die Steuerverwaltung der Beschwerdeführe rin eine reduzierte Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 5‘388.20 (inkl. Auslagen und MWSt) zu bezahlen hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Dagegen liess die Stiftung, vertreten durch Dr. Chri stoph Degen und Dr. Roman Baumann Lorant, Advokaten in Basel, beim Kantonsgeric ht, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht (Kantonsgericht) Beschwerde erheben mit d en Rechtsbegehren, der Steuer- gerichtsentscheid vom 28. Juni 2013 sei teilweise und sow eit aufzuheben, als die Beschwerde der Beschwerdeführerin vom 9. Januar 2013 abgewiesen wurde (Verweigerung der Steuer- befreiung wegen Gemeinnützigkeit für das Jahr 2013); d ementsprechend sei der Beschwerde- führerin die Steuerbefreiung wegen Gemeinnützigkeit f ür das Jahr 2013 zu gewähren; die Auf- erlegung reduzierter Verfahrenskosten in der Höhe von F r. 500.00 durch das Steuergericht sei aufzuheben; für das Verfahren vor der Vorinstanz sei de r Beschwerdeführerin eine volle Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 10‘776.40 zuzuspreche n; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegner. G. Mit Vernehmlassung vom 27. Januar 2014 beantragt d ie Steuerverwaltung die Ab- weisung der Beschwerde. Die Vorinstanz beantragt in ihr er Vernehmlassung vom 4. Februar 2014 mit Verweis auf den angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde. H. Das Kantonsgericht hat den Fall am 21. Februar 20 14 der Kammer zur Beurteilung überwiesen. I. Im Rahmen der Replik vom 24. März 2014 und der Dup liken vom 4. April 2014 hielten die Parteien vollumfänglich an ihren Vorbringen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 145 DBG i.V.m. § 3 der Vollzugsverord nung zum DBG vom 13. Dezember 1994 können Entscheide des Steuergerichts mit Verwaltu ngsgerichtsbeschwerde beim Kan- tonsgericht als letzte kantonale Instanz angefochten wer den. Mit der Beschwerde in Steuersa- chen können gemäss § 45 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 alle Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden. Die fo rmellen Voraussetzungen nach Art. 140 ff. DBG, Art. 145 Abs. 2 DBG sowie §§ 43 ff. VP O sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2.1. Das Steuergericht hiess die Beschwerde hinsichtlich d es Jahres 2012 gut, weil mit der Verfügung vom 29. Oktober 2009 die Steuerbefreiung um drei Jahre verlängert worden sei (d.h. für die Steuerjahre 2010, 2011 und 2012). In der Be gründung führte das Steuergericht aus, ge- mäss Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) habe jede Person Anspruch darauf, von den staatlich en Organen ohne Willkür und nach Treu und Glauben behandelt zu werden. Einer Praxisänd erung könne unter bestimmten Um- ständen das Gebot der Rechtssicherheit im Weg stehen. Vorl iegend hätte die Beschwerdefüh- rerin spätestens anfangs Jahr, konkret anfangs des Jahres 2 012 wissen müssen, ob sie in die- sem Jahr noch den Status als steuerbefreite Institution h abe oder eben nicht. Werde ihr eine Statusänderung nämlich erst im Herbst mitgeteilt, führ e dies zu einer faktisch rückwirkenden Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufhebung der Steuerbefreiung für das ganze Jahr, wa s mit dem Grundsatz der Rechts- und Planungssicherheit nicht vereinbar sei. Dasselbe gelte für allfällige Spender, welche wissen müssten, ob ihre freiwilligen Leistungen an die Stift ung abzugsfähig seien (vorinstanzlicher Ent- scheid E. 4.d.). 2.2. In Bezug auf das Jahr 2013 erwog das Steuergeri cht, die Steuerbefreiung sei zu Recht verweigert worden. Anhand der Jahresrechnungen sei nicht erstellt, ob die ausgewiesenen Mie- terträge aus Liegenschaften stammten, die gemeinnützig oder als Renditeobjekte einzustufen seien. Mindestens im Bereich der Renditeobjekte stehe di e Beschwerdeführerin im Wettbewerb mit anderen Anbietern und sei damit unternehmerisch tä tig. Beim von der Beschwerdeführerin gewählten Modell der Gewährung von Bürgschaften für Mi etzinskautionen sei das Ziel der Be- schwerdeführerin, Gewinn zu erzielen. Sie befinde sich a uch hier im Wettbewerb mit anderen Anbietern und sei damit unternehmerisch tätig. Die Fö rderung des Kulturschaffens sei min- destens teilweise gemeinnützig. Aufgrund der überwiege nden unternehmerischen Tätigkeit der Beschwerdeführerin könne aber offen bleiben, in welchem Mass die Förderung des Kulturschaf- fens gemeinnützig sei, weil gemäss Lehre und Praxis eine S teuerbefreiung nur bei einer unter- geordneten wirtschaftlichen Tätigkeit in Frage komme. Weil zudem eine Spartenrechnung fehle, könnten die einzelnen Sparten auch nicht auf ihre al lfällige Gemeinnützigkeit hin geprüft wer- den, so dass der Beschwerdeführerin insgesamt, d.h. über alle ihre Sparten hinweg, die Steu- erbefreiung zu versagen sei. 3.1. Gemäss Art. 56 lit. g DBG sind juristische Personen , die öffentliche oder gemein- nützige Zwecke verfolgen, für den Gewinn, der ausschliesslich und unwiderruflich diesen Zwe- cken gewidmet ist, von der Steuerpflicht befreit. Unter nehmerische Zwecke sind grundsätzlich nicht gemeinnützig (Art. 56 lit. g Satz 2 DBG). 3.2. Für die Steuerbefreiung wegen Gemeinnützigkeit muss die Tätigkeit der juristischen Person im Interesse der Allgemeinheit liegen und unei gennützig erfolgen (vgl. Kreisschreiben Nr. 12 der Eidgenössischen Steuerverwaltung [EStV] vom 8. Juli 1994). Die Tätigkeit muss aus der jeweils geltenden Gesamtsicht als fördernswert erscheinen. Mit der gemeinnützigen Zielset- zung dürfen nicht Erwerbszwecke oder sonst eigene – unmi ttelbare wirtschaftliche oder persön- liche – Interessen der juristischen Person oder ihrer Mitg lieder verbunden sein (BGE 114 Ib 277, E. 2.b). Je enger der Kreis der Destinatäre definiert ist, desto eher rechtfertigt es sich, an der Uneigennützigkeit zu zweifeln. Die steuerbe freite Zwecksetzung muss tatsäch- lich verfolgt und verwirklicht werden; die hierzu bestim mten Mittel haben unwiderruflich dem gemeinnützigen Zweck zu dienen (vgl. M ARCO GRETER in: Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht Band I/2a, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 2. Auflage 2008, Art. 56 DBG N 23 ff.; PETER LOCHER , Kommentar zum DBG, II. Teil, 2004, Art. 56 DBG N 83 ff.). 3.3. Neben dem gemeinnützigen Zweck nennt Art. 56 lit . g DBG auch die öffentliche Zweckverfolgung als steuerprivilegierte Zielsetzung. Da in Art. 56 lit. g DBG die "öffentlichen Zwecke" neben der Gemeinnützigkeit aufgeführt sind, kann es sich bei ihnen nur um eine be- grenzte – und somit restriktiv zu fassende – Kategorie vo n Aufgaben handeln, die sich eng an die Staatsaufgaben anlehnen müssen. Juristische Personen , die in erster Linie Erwerbs- oder Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Selbsthilfezwecke verfolgen, haben grundsätzlich keinen An spruch auf Steuerbefreiung, auch wenn sie zugleich öffentlichen Zwecken dienen (Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 60 S. 625 ff.). Vorbehalten bleibt eine (gege benenfalls teilweise) Steuerbefreiung, falls eine juristische Person durch einen öffentlich-rechtlichen Akt mit der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe betraut wurde, eine gewisse Aufsicht des Gemeinw esens vorgesehen ist und darüber hinaus die ausschliessliche und unwiderrufliche (dauernde) Widmung des Eigenkapitals für den öffentlichen Zweck in den Statuten stipuliert wird. Auch in diesem Fall muss die vorgegebene Zwecksetzung konkret und überprüfbar tatsächlich verwirklicht werden; es genügt nicht, die steuerbefreite, im öffentlichen Zweck liegende Tätigke it bloss statutarisch zu proklamieren (ASA 70 S. 297 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Ju ni 2008, 2A.42/2007, E. 2.2). Liegt die- se überwiegend im privaten Interesse – so etwa wenn der Erwerbszweck im Vordergrund steht – ist auch eine teilweise Steuerbefreiung nicht mehr gerechtfertigt (vgl. BGE 131 II 1, E. 3.3 f. mit zahlreichen Hinweisen). 4. Ob bei der Beschwerdeführerin die vorstehend genannt en Voraussetzungen für eine Befreiung von der Steuerpflicht im umstrittenen Jahr 2 013 weiterhin erfüllt sind, kann hier indes offengelassen werden, weil die Steuerbefreiung für d as Jahr 2013 – wie nachfolgend aufzuzei- gen ist (siehe hinten E. 4.1. ff.) – bereits aus ander en Gründen zu gewähren ist. 4.1. Die Beschwerdeführerin rügt, die Begründung des E ntscheids der Steuerverwaltung vom 8. November 2012 äussere sich mit keinem Wort zu ihre n zahlreichen anderen Tätigkeiten und Projekten. In den Entscheiden der Jahre 2005 und 2 009 seien diese, namentlich die Miet- zinsbürgschaften, der Kunstfonds, die Förderung und Erri chtung von sozialen Wohn- und Ar- beitsstätten sowie die zahlreichen weiteren Projekte, no ch thematisiert worden und hätten zu Recht zur Gewährung der Steuerbefreiung geführt. Waru m dies jetzt drei Jahre später, bei grundsätzlich gleichbleibenden Aktivitäten der Stiftung a nders sein solle, sei nicht ersichtlich. Der Grossteil der Aktivitäten und Projekte, wie sie 2005 und 2009 bestanden hätten, seien nach wie vor aktuell, seien aber von der Steuerverwaltung schlicht nicht gewürdigt worden (Be- schwerde ans Rekursgericht vom 9. Januar 2013). Die Beschwerdeführerin sei seit ihrer Errich- tung vor bald 23 Jahren ununterbrochen als gemeinnützi ge, steuerbefreite Stiftung anerkannt. Sie habe zahlreiche Schenkungen von Liegenschaften (te ilweise gemischte Schenkungen) ent- gegennehmen können. Ohne diese Opferbereitschaft hätte die Erfolgsgeschichte der Be- schwerdeführerin nicht geschrieben werden können. Darübe r hinaus würden zahlreiche Privat- personen die Zweckerfüllung der Beschwerdeführerin mitte ls Spenden sowie zinsloser und zinsgünstiger Darlehen fördern (Beschwerde vom 31. Dez ember 2013, S. 5 f.). Die Beschwer- deführerin beruft sich damit unter anderem auf den Grundsatz des Vertrauensschutzes. 4.2. Aufgrund der von der Beschwerdeführerin in den Re chtsmittelverfahren eingereichten Unterlagen (Jahresrechnungen, Unterlagen zu den einzelne n Tätigkeiten, [Schenkungs-] Ver- träge, etc.) ist – wie die Beschwerdeführerin zutreff end ausführt und was von der Beschwerde- gegnerin auch nicht in Frage gestellt wird – erstellt, dass sich die Tätigkeit der Stiftung, zumin- dest seit der Beurteilung durch die Steuerverwaltung i m Jahr 2005 und derjenigen im Jahr 2009, nicht wesentlich verändert hat. Die eingereichten Jahresrechnungen sind bei den frühe- ren Prüfungen nie beanstandet worden, vielmehr erachte te die Steuerverwaltung bei beiden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prüfungen die Voraussetzungen einer Steuerbefreiung j eweils weiterhin als gegeben. Dass die damalige Beurteilung fehlerhaft gewesen und die Gewä hrung der Steuerbefreiung zu Unrecht erfolgt sei, wird von der Steuerverwaltung nicht gelte nd gemacht. Zudem haben sich die mass- geblichen Bestimmungen seit den früheren Beurteilungen nicht geändert, womit keine Geset- zesänderung vorliegt. Damit ist vorliegend – wie bereit s die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat (angefochtener Entscheid, E. 4.d.) – von einer Praxi sänderung durch die Steuerverwaltung auszugehen. 4.3. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich ei ne Praxisänderung auf ernsthafte, sachliche Gründe stützen können, die – vor al lem im Hinblick auf das Gebot der Rechtssicherheit – umso gewichtiger sein müssen, je länger die als falsch oder nicht mehr zeit- gemäss erkannte Rechtsanwendung als zutreffend erachtet w orden ist. Eine Praxisänderung lässt sich nur begründen, wenn die neue Lösung besserer Erkenntnis des Gesetzeszwecks, veränderten äusseren Verhältnissen oder gewandelten Re chtsanschauungen entspricht; an- dernfalls ist die bisherige Praxis beizubehalten (BGE 1 32 III 770 E. 4 mit Hinweis). Eine Praxis- änderung darf nicht bloss im Sinne einer momentanen Sc hwankung oder einer singulären Ab- weichung erfolgen, sondern muss in grundsätzlicher Weise als zukünftig wegleitende Neuaus- richtung für alle gleichartigen Sachverhalte gelten. Si nd diese Voraussetzungen erfüllt, steht eine Praxisänderung weder mit dem Grundsatz der Recht ssicherheit noch der Rechtsgleichheit in Widerspruch, obschon jede Änderung der bisherigen R echtsanwendung zwangsläufig mit einer Ungleichbehandlung der früheren und der neuen Fälle verbunden ist (Urteil des Bundes- gerichts vom 21. Mai 2003, 2A.573/2002, E. 3.2; m.w.H.). Eine zulässige neue Praxis ist grund- sätzlich sofort und in allen hängigen Verfahren anzuwen den. Schranken einer solchen Praxis- änderung können sich gegebenenfalls aus dem Grundsatz des V ertrauensschutzes ergeben; diesfalls darf die neue Praxis nicht ohne vorgängige Ankü ndigung Anwendung finden (BGE 135 II 78 E. 3.2 mit Hinweisen). Voraussetzung ist dabe i freilich unter anderem, dass die Per- son, die sich auf den Vertrauensschutz beruft, die alte Praxis kannte und tatsächlich im Ver- trauen darauf handelte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 4. März 2014, 2C_825/2013, E. 5.2; BGE 137 I 69 E. 2.5.1; mit Hinweisen). 4.4. Grundsätzlich kann nur diejenige den Vertrauensschutz anrufen, die gestützt auf ihr Vertrauen eine Disposition getätigt hat, die nicht ohn e Nachteil rückgängig gemacht werden kann. Diesbezüglich ist zunächst zu berücksichtigen, dass es – nach unbestrittener Darstellung der Beschwerdeführerin – bei den früheren Gesuchsverfahr en (in den Jahren 2005 und 2009) Usanz war, dass die Beschwerdeführerin vorgängig im Rahmen eines persönlichen Gesprächs bei der Steuerverwaltung angehört wurde und erst nachh er in Kenntnis sämtlicher Umstände entschieden wurde. Im zu beurteilenden Fall, in welchem die Steuerverwaltung nun zu Unguns- ten der Beschwerdeführerin von der bisherigen Praxis ab wich, wurde dies anders gehandhabt. Die Stiftung konnte und musste aufgrund der bisherigen Praxis und unter Berücksichtigung ihrer unveränderten Tätigkeit jedoch nicht mit einer bevorst ehenden Aufhebung der Steuerbefreiung rechnen. Als steuerbefreite Stiftung war folglich das E innahmen- und Ausgabenverhalten eben- so wie die Buchhaltungspraxis der Beschwerdeführerin we iterhin geprägt von der ihr bisher zu- gestandenen Steuerbefreiung. Ohne diese wären ihr gew isse Gelder nicht zugeflossen. Bei Kenntnis der nun angeführten "Mängel", welche zur Verw eigerung der Steuerbefreiung geführt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht haben, hätte sie zudem die Vergabungen, Spenden, Zuwe ndungen an Dritten, etc. und deren buchhalterische Erfassung gegebenenfalls anpassen könne n. Insofern hat die Beschwerdefüh- rerin Dispositionen getroffen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Die Be- schwerdeführerin kann demzufolge den Vertrauensschutz anrufen. 4.5. Auch wenn die Voraussetzungen betreffend Vertrau ensschutz erfüllt sind, vermag eine Berufung auf Vertrauensschutzinteressen nur durchzudringen, wenn nicht das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts überwiegt. Im Einzelfall ist demgemäss eine Inte- ressenabwägung zwischen dem Vertrauensschutz und dem Intere sse an der richtigen Durch- setzung des objektiven Rechts vorzunehmen (ebenso: Urtei l der Steuerrekurskommission Ba- sel-Stadt vom 24. Januar 1995, publ. in: Der Steueren tscheid [StE] 1997 B 71.63 Nr. 15, E. 3.d.). Bei dieser Abwägung ist zunächst zu bedenken, dass das Interesse des Staates an der Aufhebung der Steuerbefreiung rein fiskalischer Natur ist. Zudem ist in Betracht zu ziehen, dass die die Beschwerdeführerin belastende Verfügung vom 8. November 2012 erst am 7. Dezember 2012 eröffnet worden ist und lediglich mit einer kurzen Begründung versehen war. Aufgrund dieser Verfügung war für die Beschwerdeführerin noch ni cht ausreichend ersichtlich, welche (neuen) Anforderungen von Seiten der Steuerbehörden an die Dokumentation der Tätigkeit der Stiftung gestellt werden. Diese wurden erst im Laufe des Rechtsmittelverfahrens vor dem Steu- ergericht (insbesondere mit der Einreichung der Verne hmlassung vom 4. März 2013) ausführli- cher dargelegt, womit erst im Verlauf des Jahres 2013 kl ar wurde, welche Anpassungen die Stiftung gegebenenfalls vorzunehmen hat. Die Beschwerde führerin hätte aber spätestens an- fangs des Jahres 2013 wissen müssen, aus welchen Gründen ihr der Status als steuerbefreite Institution entzogen werden soll. Demzufolge vermag da s private Vertrauensinteresse der Be- schwerdeführerin das öffentliche Interesse der Steuerbehörden auch noch für das Jahr 2013 zu überwiegen. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde u nd zur Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz, soweit der Beschwerdeführerin darin die Steuerbefreiung für das Jahr 2013 verweigert worden ist. 4.6. Der Vollständigkeit halber ist abschliessend darauf h inzuweisen, dass der Beschwer- deführerin die Steuerbefreiung von der direkten Bunde ssteuer nur für das Jahr 2013 zuzuge- stehen ist. Für weitere Jahre bedarf es eines neuen Gesu chs (bzw. neuer Gesuche), wobei die Stiftung aufgrund des durchlaufenen Verfahrens nun dav on Kenntnis hat, wie sie der Steuer- verwaltung dieses darzulegen und zu dokumentieren hat. 5. Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten des vorinstan zlichen Beschwerde- wie auch des kantonsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens zu Last en der Gerichtskasse (Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 Abs. 1 DBG). Die erhobenen Kostenvorschüsse sind zurück- zuzahlen. Die Steuerverwaltung hat der Beschwerdeführeri n für das Verfahren vor Steuerge- richt eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 10‘7 76.40 (inkl. Auslagen und MWSt.) und für das Verfahren vor Kantonsgericht – der eingereichten Honorarnote vom 11. April 2014 ent- sprechend – eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5‘805.30 (inkl. Auslagen und MWSt.) zu bezahlen (Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundes- gesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Beschwerde führerin für das Jahr 2013 von der direkten Bundessteuer befreit. 2. Die steuer- und kantonsgerichtlichen Verfahrenskosten gehen zu Las- ten der Gerichtskasse. Der ans Kantonsgericht geleistete K ostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- wird der Beschwerdefü hrerin zu- rückerstattet. 3. Die Steuerverwaltung hat der Beschwerdeführerin f ür das Verfahren vor Steuergericht eine Parteientschädigung von Fr. 10‘7 76.40 (inkl. Auslagen und MWSt.) und für das Verfahren vor Kantons gericht eine Parteientschädigung von Fr. 5‘805.30 (inkl. Auslagen un d MWSt.) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiber