B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5896/2016 lan U r t e i l v o m 2 2 . M ä r z 2 0 1 8 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. Monika Böckle, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. August 2016 / N (…). D-5896/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge den Heimatstaat im Dezember 2014 und gelangte nach B._______, wo er sich rund fünf- zehn Tage aufhielt. Von dort reiste er nach C._______ weiter. Mitte April 2015 reiste er übers Mittelmeer nach D._______ und gelangte am 27. April 2015 in die Schweiz, wo er am folgenden Tag um Asyl nachsuchte. Am 12. Mai 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) E._______ statt. In der Folge wurde der Beschwer- deführer für die Dauer des Verfahrens dem Kanton F._______ zugewiesen. B. Das SEM ersuchte im Rahmen eines Dublin-Verfahrens am 18. Mai 2015 die G._______ Behörden gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung ein es vo n einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; Dublin -III-VO) um Übernahme des Beschwerdeführers. Die G._______ Behörden lehnten das Übernahmeersuchen des SEM am 12. Juni 2015 ab, da der Beschwer- deführer in D._______ nicht bekannt sei. C. Das SEM teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 8. Juli 2015 mit, das Dublin -Verfahren sei beendet und sein Asylgesuch werde in der Schweiz geprüft. D. Am 14. Juli 2016 wurde der Beschwerdeführer vom SEM zu seinen Asyl- gründen angehört. Im Wesentlichen machte er bei den Befragungen BzP (Bst. A) sowie der Anhörung durch das SEM geltend, er sei äthiopischer Staatsangehöriger somalische Ethnie mit letztem Wohnsitz in U. in der Pro- vinz G., wo er seit Geburt mit seiner Familie gelebt habe. Ab Januar 2012 habe er einen Lebensmittelladen geführt. Ab und zu hätten Dorfbewohner Besorgungen für die ONLF-Bewegung (Ogaden National Liberation Front) erledigt. Ungefähr Mitte 2012 und am 28. Dezember 2013 seien einige Kämpfer der ONLF persönlich in seinem Laden vorbeigekommen. Der Dorfvorsteher habe davon erfahren und daraufhin die Stadtverwaltung von G. informiert. Deren Vertreter seien am 1. Januar 2014 in Begl eitung von Soldaten ins Dorf gekommen. Er sei festgenommen und in Haft versetzt D-5896/2016 Seite 3 worden. Während seiner H._______ Inhaftierung sei er unzählige Male verhört, geschlagen und misshandelt worden. Am 1. Dezember 2014 habe man ihn in ein anderes Gefängnis, das I._______ transferieren wollen. Da- bei sei ihm mitgeteilt worden, dass er zu 25 Jahren Haft verurteilt worden sei. Ein Gerichtsverfahren habe aber nicht stattgefunden. Als der Militär- transporter unterwegs in der Nähe von G. einen Hügel hinaufgefahren sei, habe er vom Fahrzeug springen und sich in die Büsche schlagen können. Man habe auf ihn geschossen, ohne ihn zu treffen. Auch sei er nicht ver- folgt worden, weil das Gebiet eine Hochburg der ONLF gewesen sei. Er sei währen einer Nacht und eines Tages nach Hause gelaufen, wo er sich bei einer Nomadenfamilie versteckt habe . Er habe sich mit seinem Vater ge- troffen und die Ausreise organisiert. Vor diesem Hintergrund sei er am 15. Dezember 2014 per Bus von U. nach A. gefahren und nach einigen Tagen Aufenthalt dort ausgereist. Seinem Vater sei im April 2015 ein Schreiben der Bezirksverwaltung zugeschickt worden. Er sei aufgefordert worden, ihn (den Beschwerdeführer) den Behörden auszuliefern. Da der Vater der Auf- forderung nicht nachgekommen sei, habe man ihn im Okto ber 2015 ver- haftet. Der Beschwerdeführer reichte keine Ausweispapiere oder Identitätsdoku- mente zu den Akten. Anlässlich der Anhörung fanden als Beweismittel ein ID-Antrag vom August 2013 sowie das Schreiben der Bezirksverwaltung vom April 2015 Eingang in die Akten. E. Das SEM stellte mit Verfügung vom 26. August 2016 – eröffnet am 29. Au- gust 2016 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Weg wei- sung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Wegwei- sungsvollzug an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht, weshalb auf eine Prüfung der Asylrelevanz verzichtet werden könne. Teilweise unter Angabe der jeweiligen Fundstellen im Protokoll der Anhörung (A 19 gemäss Akten- verzeichnis SEM) wurde erwogen, es bestünden erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Vorbringen (Einstufung als O NLF Kollaborateur oder Mitglied der Organisation allein aufgrund des Verkaufs von Produkten des Alltagsbedarfs; Mitgliedschaftsverdacht respektive geltend gemachte Verfolgungsmassnahmen aufgrund der Häufigkeit der bei ihm getätigten Einkäufe durch ONLF -Kämpfer; Angaben und Umstände im Zusammen-D-5896/2016 Seite 4 hang mit der Kenntnisnahme des Dorfvorstehers des angeblich verfol- gungsauslösenden Besuchs der ONLF -Mitglieder vom 28. Dezember 2013; realitätsfremde Angaben hinsichtlich der Haft und der angeblichen Verurteilung ohne Verfahren). Gewichtige Vorbehalte seien auch hinsicht- lich der geschilderten Flucht anzubringen (der Logik widersprechende, ab- surde Angaben rund um die Umstände hinsichtlich der Verlegung in ein anderes Gefängnis vor dem Hintergrund einer tatsächlichen ONLF-Mit- gliedschaft und langjährigen Haftstrafe; unglaubhafte Angaben zu den Ge- gebenheiten nach der erfolgten Flucht). Das als Beweismittel eingereichte Schreiben, wonach sein Vater aufgefordert worden sei, ihn (den Beschwer- deführer) den Behörden auszulief ern, erscheine unter anderem aufgrund des Zeitpunkts des Verfassens (April 2015) wenig plausibel und lasse an der angeblichen Suche nach dem Beschwerdeführer zweifeln . Umstände wie (…) würden den Beweiswert des Schreibens zudem schmälern. Der Wortlaut sowie das offensichtlich im Nachhinein eingefügte Datum liessen viel eher vermuten, dass es sich hierbei um ein gefälschtes Dokument handle, mit dem seine unglaubhaften Vorbringen zu belegen versucht werde. Das Beweismittel (ID -Antrag) ändere nichts, da dieses in keinem direkten Zusammenhang zu den Asylgründen stehe. Auf das Einreichen eines Arztberichts zu den angeblichen Folterspuren könne verzichtet wer- den, da ein solcher nicht imstande wäre, den Kausalzusammenhang zwi- schen Verletzung respektive Narbe und Entstehung herzustellen. Der Voll- zug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Hinsichtlich des Zumutbarkeitsaspekts wurde ausgeführt, in Äthiopien herrsche heute we- der Krieg noch Bürgerkrieg noch eine Situation der allgemeinen Gewalt. Im Zusammenhang mit allfälligen individuellen Wegweisungshindernisgrün- den wurde auf ein intaktes Beziehungsnetz, eine gesicherte Wohnsituation am früheren Wohnort, seine frühere Erwerbstätigkeit, sein Alter und seine Gesundheit hingewiesen. F. Mit Eingabe vom 27. September 2016 liess der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und unter Kosten - und Entschädigungsfolge (inkl. MwSt.) beantragen, es sei die Verfügung des SEM aufzuheben. Es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh- rers anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei der Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit auszusetzen und dem Beschwer- deführer die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen . Es sei dem Be- schwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110a Abs. 1lit. a und Abs. 3 AsylG zu bewilligen. Es D-5896/2016 Seite 5 sei die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin zu bestellen und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Auf die Be- gründung der Beschwerde wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwä- gungen eingegangen. G. Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2016 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um amtliche Verbei- ständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG wurden gutgeheissen. Die rubri- zierte Rechtsvertreterin wurde als amtliche Vertretung eingesetzt. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. H. In seiner Vernehmlassung vom 11. Oktober 2016 hielt das SEM an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Zur Be- gründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, entgegen den Schilderungen in der Beschwerdeschrift sei aus Sicht des SEM der Untersuchungsgrund- satz im vorliegenden Fall nicht verletzt. Zwar hätte ein Arztbericht körperli- che Narben nachweisen und Schlussfolgerungen über den Ver letzungs- hergang anstellen können. Der Arztbericht wäre aber nicht imstande gewe- sen einen Kausalzusammenhang zwischen den Vorbringen des Beschwer- deführers und den Narben herzustellen, da diese einzig auf seinen Aussa- gen beruhen würden. Demnach wäre auch bei Vorliegen eines Arztberichts nicht bewiesen gewesen, dass der Beschwerdeführer die Verletzungen tat- sächlich in der vorgebrachten H._______ Haft im Jahr 2014 erlitten habe. Da er sich diese auch unter anderen Umständen hätte zuziehen können, sei aus Sicht des SEM ein Arztbericht für die Entscheidfällung nicht vonnö- ten gewesen. Die Ausführungen hinsichtlich des Asylpunkts in der Be- schwerdeschrift vermöchten die Einschätzung des SEM nicht zu revidie- ren, da im Grossen und Ganzen bereits Gesagtes wiederholt und lediglich deren Wahrheitsgehalt betont werde. Die bestehenden Ungereimtheiten, die fehlende Logik sowie der geltend gemachte realitätsfremde Ablauf wür- den dadurch jedoch nicht schlüssig geklärt. Das SEM sei nach wie vor der Ansicht, dass der Vollzug der Wegweisung für den Beschwerdeführer zu- mutbar sei. Daran ändere auch der Verweis auf seine Herkunftsregion nichts, da nicht von einer vollumfänglichen, allgemeingültigen Unzumutbar- keit auszugehen sei. Die angebliche Verhaftung des Vaters sei ungenü- gend, um einen Wegfall des gesamten Beziehungsnetzes respektive von D-5896/2016 Seite 6 fehlenden intakten Verhältnissen zu sprechen. Der Beschwerdeführer ver- füge in der Region über seine Partnerin, seine Mutter, diverse Geschwister sowie weitere Verwandte. Zudem sei darauf hinzuweisen , dass der Be- schwerdeführer ein junger gesunder Mann sei, der mehrjährige Berufser- fahrung vorweisen könne. In Kombination mit seinen Sprachkenntnissen sowie seiner dortigen Sozialisation sei durchaus davon auszugehen, dass er imstande sei, sich nach seiner Rückkehr wieder zu integrieren. I. Mit Instruktionsverfügung vom 12. September 2016 wurde dem Beschwer- deführer unter Fristansetzung die Vernehmlassung der Vorinstanz zur Rep- lik zugestellt. Auf die Stellungnahme vom 26. Oktober 2016 wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. D-5896/2016 Seite 7 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, s olchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei- genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie genügend substanzi- iert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sic h nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemei- nen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegrün- det nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ein- wände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behaup- tung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn der Richter von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegen- über nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um- stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Ent- scheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f., BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). D-5896/2016 Seite 8 4. 4.1 Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 37 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess (BZP , SR 273) verpflichtet die Behörde nicht, alles und jedes, was wünschbar wäre, abzuklären. Bei der Auswahl der Beweismittel berücksichtigt sie vielmehr deren Tauglichkeit und Be- weiskraft (vgl. KÖLZ/ HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 276). Zusätzliche Abklärun- gen sind insofern nur dann vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der Par- teivorbringen oder anderer sich aus den Akten erge bender Anhaltspunkte Anlass besteht. Von beantragten Beweisvorkehren kann abgesehen wer- den, wenn der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, nicht rechtser- heblich ist, wenn bereits Feststehendes bewiesen werden soll, wenn von vornherein gewiss ist, das s der angebotenen Beweis keine wesentlich neuen Erkenntnisse zu vermitteln vermag oder wenn die Be hörde den Sachverhalt aufgrund eigener Sachkunde ausreichend würdigen kann (vgl. KÖLZ/HÄNER a.a.O., Rz. 319 und 320; BGE 122 V 157 E. 1d S. 162, mit Hinweis). Gelangt die Behörde bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, der zu beweisende Sachverhalt sei nicht rechtserheblich oder der angebotene Beweis nicht geeignet, weitere Abklärungen herbei- zuführen, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung ausführlich aus, weshalb sie die Darlegungen des Beschwerdeführers für unglaubhaft er- achtete (II/S. 3ff.). Aufgrund dieser Überlegungen und den daraus gezoge- nen Schlussfolgerung verzichtete sie in antizipierter Beweiswürdigung auf das Einholen eines A rztberichts hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Folterspuren, da ein solche r ohnehin nicht im Stande gewesen wäre, „den Kausalzusammenhang zwischen Verletzung respek- tive Narbe und Entstehung herzustellen“. Mit anderen Worten können die entsprechenden Narben auch von einem Arzt nicht abschliessend und al- lein mit dem vom Beschwerdeführer vorgebrachten Sachvortrag erklärt werden respektive deren Ursache und Ursprung können durchaus im Zu- sammenhang mit anderen Ereignissen stehen. Zwar ist mit dem Beschwer- deführer einig zu gehen, dass ein solcher Arztbericht durchaus ein schwa- ches Indiz auf möglichweise erlittene Folterung liefern könnte. Im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung und angesichts der aufgezeigten schwer zu gewichtenden Unglaubhaftigkeiselemente durfte die Vorinstanz aber dennoch auf die Einholung verzichten. Vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass zusätzliche Abklärungen nicht zu neuen sachdienlichen Erkenntnissen hätten führen können beziehungsweise nicht e ntscheider- heblich gewesen wären. Bloss der Vollständigkeit halber sei vermerkt, dass D-5896/2016 Seite 9 es dem Beschwerdeführer unbenommen geblieben wäre, ein entsprechen- des ärztliches Zeugnis selbst anzufordern und einzureic hen, was ihm in Berücksichtigung der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG) hätte zugemutet respektive von ihm hätte erwartet werden kön- nen. So wies er bereits anlässlich der BzP vom 12. Mai 2015 auf sichtbare Spuren von den angeblich erlittenen Folterungen hin, womit ihm genügend Zeit zur Verfügung gestanden hätte, allfällige seine Vorbringen untermau- ernde Unterlagen beizubringen. Nach dem Gesagten stellt der Umstand, dass das SEM eine andere Schlussfolgerung als der Beschwer deführer zog, weder ein Verstoss gegen den Untersuchungsgrundsatz noch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, weshalb die entsprechenden Rü- gen nicht gehört werden können und kein Anlass besteht, die angefochtene Sache zur Erstellung eines medizinische n Berichts beziehungsweise zur rechtsgenüglichen Begründung an das SEM zurückzuweisen. Der Eventu- alantrag ist abzuweisen. 4.2 Wie nachstehend aufzuzeigen sein wird, gelangt das Bundesverwal- tungsgericht hinsichtlich des vom Beschwerdeführer vorgetragenen Sach- verhalts zur grundsätzlich gleichen Beurteilung wie die Vorinstanz und er- achtet dessen Vorbringen insgesamt ebenfalls als unglaubhaft. 4.2.1 Dem Beschwerdeführer ist zwar darin zuzustimmen, dass ein Ver- dacht der Kollaboration respektive Mitgliedschaft zur ONLF nicht ausge- schlossen werden könnte, hätte der Beschwerdeführer tatsächlich im von ihm in der Beschwerdeschrift dargelegten Umfang für die O NLF Handel betrieben. Dies findet in den Akten jedoch keine Stütze, weshalb Letzteres als übertriebene Darst ellung qualifiziert werden muss. Erste Zweifel ent- stehen bereits dadurch, dass es i m Wissen um die Schwere der Konse- quenzen bei einem allfälligen Verdachts der Zugehörigkeit zur ONLF be- fremdlich erscheint, dass der Beschwerdeführer entsprechende Tätigkei- ten im dargelegten Umfang und ohne jegliche Schutzvorkehrungen ausge- führt haben will. Zudem will er zwei Jahre lang als „Grosslieferant der Re- bellen“ seinen Verkäufen von Produkten des alltäglichen Gebrauchs nach- gegangen sein, ohne dass dies das Misstrauen der Behörden geweckt ha- ben soll. Ebenso erstaunt der Umstand, dass in einem winzigen Dorf, wo die Bevölkerung über die Tätigkeiten und Aufenthalte eines jeden Bescheid weiss, nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt vom Dor fvorsitzenden Meldung erstattet wurde. So muss davon ausgegangen werden, dass es dessen Aufgabe und Pflicht gewesen wäre, den zuständigen staatlichen Organen über die regelmässigen Besuche der beim Beschwerdeführer im D-5896/2016 Seite 10 Auftrag der ONLF-Miliz einkaufenden Personen Mitteilung zu machen, ins- besondere auch deshalb, um nicht selbst aufgrund allfälliger diesbezügli- cher Unterlassungen nachteilige Konsequenzen befürchten zu müssen . Nicht ausser Acht gelassen werden darf dabei der Hinweis des Beschwer- deführers, wonach der Dor fvorsteher von allen im Dorf ablaufenden Ge- schehnissen und Angelegenheiten jeweils selber Kenntnis erlangt habe (A19 Fragen 130 ff. S. 14 f.). Insgesamt vermögen die angeblich umfang- reichen Händlertätigkeiten des Beschwerdeführer für die ONLF daher nicht zu überzeugen. Die in diesem Zusammenhang angeführten Hinweise auf die Rechtsprechung und gerichtsnotorische Publikation ändern an dieser Feststellung ebenfalls nichts. 4.2.2 Insbesondere ist aber auch festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich der geltend gemachten Haftstrafe und den geschilderten Umständen der Flucht jeglicher Substanz entbehren und in keiner Weise den Eindruck erwecken, der Beschwerdeführer berichte über selbst Erlebtes. Sodann ist der Vorinstanz Recht zu geben, dass es kaum glaubhaft erscheint, der Beschwerdeführer sei ohne Gerichtsverfahren zu (…) Jahren Haft verurteilt worden. Den Begründungselementen des SEM hierzu wird in der Beschwerde argumentativ wenig Aufschlussreiches ent- gegengesetzt. Die diesbezüglichen Darlegungen erweisen sich entweder als hypothetisch (Ausführungen im Zusammenhang mit möglichen gegen den Beschwerdeführer existierende n Beweisen) oder erschöpfen sich in Kritik, ohne auch nur ansatzweise nachvollziehbar aufzuzeigen, inwiefern die vorinstanzlichen Erwägungen fehl gehen würden und somit keinen Be- stand hätten (Ausführungen im Zusammenhang mit der angeblichen Ver- urteilung ohne Verfahren und richterliche Verfügung). Ebenfalls nicht über- zeugend erweist sich hierzu der Hinweis, dass nicht mit westeuropäischen Massstäben von Rechtsstaatlichkeit argumentiert werden könne. Vor allem aber die angeblichen Fluchtumstände erweisen sich als unglaubhaft. Auch diesbezüglich kann weitgehend auf die zutreffenden Erwägungen der Vor- instanz verwiesen werden. Die in der Beschwerde angeführte Behauptung die Flucht sei vom Beschwerdeführer überzeugend und detailreich darge- legt worden , überzeugt nicht. Zunächst ist festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer gemäss eigenen Angaben von einer Verurteilun g wegen Kollaboration mit der ONLF ausgegangen sei, was drakonische Strafen zur Folge habe. Bereits angesichts der angeblich langjährigen Gefängnisstrafe ([…] Jahre) ist von einer guten Bewachung auszugehen, die Differenzie- rung zwischen Kollaborateur oder Mitglied bei der ONLF scheint dabei bloss marginal. Auch Die Erklärung des Beschwerdeführers, man habe ihn D-5896/2016 Seite 11 als Kaufmann, Händler gekannt und als körperlich nicht besonders leis- tungsfähig eingeschätzt, weshalb er nicht derart umfassend gesichert wurde, ist als reine Schutzbehauptung zu bewerten. Es ist daher in keiner Weise nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer in der beschriebenen Weise vom Lastwagen hätte springen und sich ungehindert habe entfernen können. Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer nach (…) Monate Ge- fängnis unter prekären Haftbedingungen und wenig Nahrung deutlich hätte geschwächt sein müssen. Die diesbezüglichen Ausführungen, sein Körper habe unter dem Einfluss körpereigener Hormone überdurchschnittliche Kräfte entwickelt, vermag dabei nicht zu überzeugen. Dass die bewaffne- ten Wachpersonen keine Verfolgung aufgenommen haben sollen, lässt sich nicht nachvollziehbar erklären, auch nicht damit, dass in der Gegend die ONLF sehr aktiv sei. Die Zweifel werden auch dadurch erhärtet, dass der Beschwerdeführer seine Flucht als angeblich stark gefährdete Person später mit einem Bus von U. nach A. A. fortsetzte, von dort mit verschie- denen anderen Bussen über die Landesgrenze weiterreiste und sich mithin einem erhöhten Risiko des Entdecktwerdens ausgesetzt haben will. 4.2.3 Den Erwägungen des SEM zum fehlenden Beweiswert des einge- reichten Beweismittel (Schreiben vom April 2015) wird nichts Substanziel- les entgegengesetzt. Hinsichtlich der von der Vorinstanz angebrachten Zweifel an der Echtheit des Dokuments werden einerseits die Rückstän- digkeit der Verwaltungseinheit und andererseits deren nicht speditive Ar- beitsweise entgegengehalten. Zur geäusserten Vermutung, wonach der Wortlaut des Schreibens sowie das offensichtlich im Nachhinein eingefügte Datum vielmehr auf eine Fälschung des Beweismittels schliessen liessen, verliert der Beschwerdeführer hingegen kein Wort. Das Gericht sieht keine Veranlassung die diesbezüglichen Ausführungen des SEM zu beanstan- den und hält fest, dass dem Schreiben die beweisrechtliche Bedeutung ab- zusprechen ist, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Identität des Beschwer- deführers keineswegs feststeht. 4.2.4 Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist somit festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, die vorgebra chten Fluchtgründe glaubhaft zu machen. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen, dass es dem Beschwerdeführer, der seit seinem Aufenthalt in der Schweiz über Kontakte zu Leuten in seinem Heimatland verfügt, zu- mutbar und möglich gewesen wär e, entsprechend namhafte, aufschluss- reiche oder seinen Sachvortrag belegende Vorbringen ins Verfahren ein-D-5896/2016 Seite 12 fliessen zu lassen (A 19 Frage 42 S. 6). Das vorliegende Verfahren ist so- mit auch nicht zwecks Klärung der Asylrelevanz der Verfolgung an die Vo- rinstanz zurückzuweisen. 4.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nicht darzutun vermochte, dass er einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war oder begründete Furcht hat, einer solchen aus gesetzt zu werden. Er kann daher n icht als Flüchtling aner kannt werden. Die Vo- rinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdefüh rers demnach zu Recht abgelehnt. Bei dieser Sachlage ist auf die übrigen Vorbringen in der Be- schwerde nicht einzugehen. 5. 5.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund D-5896/2016 Seite 13 nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be - schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rück kehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäisc hen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch liche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg- weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim- mungen zulässig. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung D-5896/2016 Seite 14 festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.5 Der Vollzug der Wegweisung nach Äthiopien ist nach konstanter Praxis grundsätzlich zumutbar (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3 S. 520). Die Lebensbe- dingungen in Äthiopien sind zwar schwierig, weshalb zur Existenzsiche- rung genügend finanzielle Mittel, gefragte berufliche Fähigkeiten sowie ein intaktes Beziehungsnetz erforderlich sind (BVGE 2011/25 E. 8.4). Die Be- gründung der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung hinsichtlich der unterschiedlichen Standpunkte zwischen Äthiopien und Eritrea respektive den in diesem Zusammenhang sporadisch wie deraufflackernden Grenz- konflikten ist für den vorliegenden Fall nicht von Relevanz, weshalb darauf nicht eingegangen zu werden braucht. Der etwas mehr als (…)-jährige und – soweit aktenkundig – gesunde Be- schwerdeführer lebte gemäss eigenen Angabe seit seiner Geburt bis zur Ausreise in U.. Ferner führte er an seinem Herkunftsort während zwei Jah- ren konkurrenzlos einen Laden mit Produkten des Alltagsgebrauchs, um die Familie besser versorgen zu können. Mithin zeigte er damit, dass er im Stande war, für sich und seine Familie zu sorgen respektive ein wirtschaft- liches Fortkommen zu ermöglichen. Nachdem seine Vorbringen hinsicht- lich der angeblichen Verhaftung seines Vaters als unglaubhaft erachtet wurden, ist – wie die Vorinstanz zutreffend erwog – von einem umfangrei- chen intakten Beziehungsnetz des Beschwerdeführers (Eltern, Partnerin, fünf Geschwister, Tante, Onkel) im Heimatland auszugehen. In Würdigung all dieser Umstände ist daher nicht darauf zu schliessen (vgl. zum Beweis- mass BVGE 2014/26 E. 7.7.4), dass der Beschwerdeführer bei der Rück- kehr nach Äthiopien aufgrund der allgemeinen Situation oder aus individu- ellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzielle Notlage geraten würde. Zu erwähnen gilt in diesem Zusam- menhang der Vollständigkeit halber noch, dass es der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe unterliess, den inhaltlich grundsätzlich gleich- lautenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung wie denjenigen in der Vernehmlassung vom 11. Oktober 2016 substanziiert zu begegnen. Die diesbezüglichen erst im Rahmen des eingeräumten Replikrechts angeführ- ten Einwände sind nicht geeignet, namhafte und entscheidende neuen Er- kenntnisse zu Tage zu fördern, welche allfällige individuelle Wegweisungs- hindernisgründe unter dem Zumutbarkeitsaspekt begründen könnten. Die entsprechenden Ausführungen stellen lediglich die eigene, teils mutmas- send und spekulativ zu qualifizierende Sichtweise des Beschwerdeführers dar. D-5896/2016 Seite 15 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. 8.1 Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2016 wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um amtliche Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG gutgeheissen. In der gleichen Verfügung wurde zudem darauf hin gewie- sen, dass bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädigen sei (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). 8.2 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers macht in der eingereich- ten Kostennote vom 27. September einen Aufwand für die Beschwerde von Fr. 1300.– (6 Stunden und 30 Minuten à Fr. 200.–) und einen zusätzlichen Aufwand von Fr. 20.– (Porti, Tel.-/Faxgebühren pauschal) geltend. Insge- samt belaufen sich die Aufwändungen auf Fr. 1320.–. Zu vergüten ist zu- sätzlich der Aufwand für die Replik vom 26. Oktober 2016. Die Rechtsver- treterin verweist in ihrer Rechtsschrift zwar auf eine „ergänzte Kostennote“ in der Beilage. Eine Beilage wurde aber nicht zu den Akten gereicht. Auf das Einfordern der als „ergänzte Kostennote“ bezeichneten Beilage kann indes verzichtet werden, da sich der Aufwand hinreichend und zuverlässig abschätzen lässt . Ausgehend von einem Stundenansatz von Fr. 150.– D-5896/2016 Seite 16 (E. 8.1 hiervor) ist der Rechtsvertreterin insgesamt eine Entschädigung von Fr. 1150.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten. D-5896/2016 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Ho- norar von Fr. 1150.– entrichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Regula Frey Versand: