A bteilung V E -5093/2006 {T 0/2} U rteil vom 26. M ärz 2007 M itw irkung: R ichterin Teuscher, R ichter G alliker, G ysi G erichtsschreiber Abbühl A ._______, alias B ._______, dessen Ehefrau C ._______, alias D ._______, und deren Kindes E._______, Algerien vertreten durch F._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 23. O ktober 2006 i.S. Vollzug der W egw eisung (W iedererw ägung) / N B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie von den Beschw erdeführern am 23. Septem ber 2002 eingereichten Asylge- suche w ies das Bundesam t für Flüchtlinge (BFF, seit dem 1. Januar 2005 Bundesam t für M igration [BFM ]) m it Verfügung vom 5. Februar 2003 ab und ordnete die W egw eisung aus der Schw eiz sow ie den Vollzug an. D ie dagegen erhobene Beschw erde w ies die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) m it U rteil vom 30. August 2006 ab. B. M it Eingabe vom 3. O ktober 2006 liessen die Beschw erdeführer beantragen, sie seien w iedererw ägungsw eise vorläufig aufzunehm en. Zur Begründung w urde im W esentlichen angeführt, die Beschw erdeführer befänden sich effektiv schon seit über vier Jahren in der Schw eiz, da sie sich vor der Einreichung der Asylgesuche m it einem Visum in der Schw eiz aufgehalten hätten. Für sie, speziell für die Tochter, w elche in der Pubertät sei, w ürde eine R ückreise in die H eim at eine grosse H ärte bedeuten. Sie sei seit vier Jahren eingeschult und sehr gut integriert. Auch die Beschw erdeführer seien bem üht, sich zu integrieren. D ie Tochter habe nie arabisch schreiben gelernt. W egen der politischen Verfolgung des Vaters, w elcher nicht zurückkehren könne, da er dort sogleich inhaftiert w ürde, habe sie in Algerien nicht eingeschult w erden können. Zur U nterm auerung der Vorbringen w urden verschiedene D okum ente ins R echt gelegt, darunter Berichte von Lehrpersonen über die Integration der Tochter sow ie ein Faxschreiben eines algerischen R echtsanw alts. C . M it Verfügung vom 23. O ktober 2006 w ies das BFM das W iedererw ägungsgesuch ab, bezeichnete die Verfügung vom 5. Februar 2003 als rechtskräftig und vollstreckbar und stellte fest, einer allfälligen Beschw erde kom m e keine aufschiebende W irkung zu. D . M it Beschw erde vom 31. O ktober 2006 liessen die Beschw erdeführer beantragen, die Verfügung des BFM vom 23. O ktober 2006 sei aufzuheben. Es sei der Verfügung die aufschiebende W irkung zu erteilen. Sie seien vorläufig aufzunehm en. Es sei ihnen zu gestatten, den Ausgang des Beschw erdeverfahrens in der Schw eiz abzuw arten. Von der Erhebung von Verfahrenskosten sei abzusehen. E. M it Zw ischenverfügung AR K vom 1. N ovem ber 2006 w urde der Vollzug provisorisch ausgesetzt. F. M it Zw ischenverfügung vom 13. N ovem ber 2006 stellte die zuständige Instruktionsrichterin der AR K fest, über die definitive Vollzugsaussetzung w erde zu einem späteren Zeitpunkt befunden, w ies das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege ab und setzte Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 1'200.--. D ieser w urde am 27. N ovem ber 2006 einbezahlt. G . M it Schreiben vom 21. D ezem ber 2006 liess der Beschw erdeführer m itteilen, dass er Am nesty N ational eingeschaltet und dieser verschiedene D okum ente zugestellt habe. 3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G ; SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG ; SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. Zu den anfechtbaren Entscheiden gehören auch Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG ; SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 Abs. 1 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G ; SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehem aligen AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). Auf die am 1. Januar 2007 bereits hängigen Asylverfahren sind zudem die in Kraft getretenen Bestim m ungen der Asylgesetzänderung vom 16. D ezem ber 2005 (vgl. im Einzelnen AS 2006 4767) anw endbar (Abs. 1 der U ebergangsbestim m ungen zur Aenderung vom 16. D ezem ber 2005). 1.3 N achdem nach Lehre und Praxis W iedererw ägungsentscheide grundsätzlich w ie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen R echtsm ittelw eg w eitergezogen w erden können, ist das Bundesverw altungsgericht auch zuständig für die Beurteilung von W iedererw ägungsbeschw erdeverfahren. 1.4 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführer sind legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. Ü ber offensichtlich unbegründete Beschw erden w ird in einem vereinfachten Verfahren entschieden. W ie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, w eshalb auf einen Schriftenw echsel verzichtet w erden kann und der Beschw erdeentscheid nur sum m arisch zu begründen ist (Art. 111 Abs. 1 und 3 AsylG ). 4. 4.1 Ein Anspruch auf W iedererw ägung besteht nam entlich dann, w enn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsw eise seit dem U rteil der m it Beschw erde angerufenen R echtsm ittelinstanz (vgl. 4 Entscheidungen und M itteilungen der AR K [EM AR K] 1995 N r. 21, Erw . 1c, S. 204) in w esentlicher W eise verändert hat und m ithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist (vgl. EM AR K 2003 N r. 7, Erw . 1, S. 42 f.). Ferner können auch R evisionsgründe im Sinne von Art. 66 Vw VG zu einer W iedererw ägung führen, jedoch nur dann, w enn eine unangefochten gebliebene, form ell rechtskräftig gew ordene Verfügung vorliegt (vgl. EM AR K 2003 N r. 17, Erw . 2a, S. 103 f.) oder, w enn zw ar vorgängig ein R echtsm ittel ergriffen w orden w ar, die R evisionsgründe sich jedoch nicht auf das Zustandekom m en des im betreffenden Beschw erdeverfahren ergangenen Prozessurteils der AR K, sondern auf die m it Beschw erde angefochtene Verfügung des Bundesam tes beziehen (vgl. EM AR K 1998 N r. 8, Erw . 3, S. 53 f.). Eine W iedererw ägung fällt hingegen dann nicht in Betracht, w enn lediglich eine neue W ürdigung der beim früheren Entscheid bereits bekannten Tatsachen herbeigeführt w erden soll oder G ründe angeführt w erden, die bereits in einem ordentlichen Beschw erdeverfahren gegen die frühere Verfügung hätten geltend gem acht w erden können (vgl. EM AR K 2003 N r. 17, Erw . 2b, S. 104). 4.2 D as BFM führte zur Begründung seines ablehnenden W iedererw ägungsentscheids aus, es w erde sinngem äss eine nachträglich geänderte Sachlage geltend gem acht. H insichtlich der Aufenthaltsdauer in der Schw eiz sei auf das U rteil der AR K hinzuw eisen, w onach auch ein knappes Ü berschreiten der Vierjahresfrist noch nicht zu einer vorläufigen Aufnahm e w egen Vorliegens einer schw erw iegenden persönlichen N otlage führe. D ie fehlende Schulbildung der Tochter in Algerien w erde m it der politischen Verfolgung des Vaters in Zusam m enhang gebracht, w elcher indes eine solche Verfolgung nicht habe glaubhaft m achen können. Algerien stelle zudem die H eim at dar, w o die Tochter der Beschw erdeführer - im G egensatz zur Schw eiz - über viele Verw andte verfüge. Zudem lasse sich aus dem Alter der Tochter schliessen, dass bei ihr noch keine eigenständige Sozialisierung erfolgt sein dürfte. Schliesslich sei auch der Eingang der im Faxschreiben eines algerischen R echtsanw alts in Aussicht gestellten D okum ente zur Verfolgung nicht abzuw arten. Auch die AR K sei in ihrem U rteil zum Schluss gekom m en, dass die behauptete behördliche Verfolgung unglaubhaft und (m indestens) ein Bew eism ittel als gefälscht zu taxieren seien. 4.3 In der R echtsm itteleingabe w ird im W esentlichen geltend gem acht, die R ückreise der Beschw erdeführer sei insbesondere für die Tochter m it einer ausserordentlichen H ärte verbunden. Zudem habe der Beschw erdeführer m it Schreiben vom 25. O ktober 2006 verschiedene D okum ente eingereicht, w elche die Vorinstanz nicht geprüft habe. D iese D okum ente w ürden zeigen, dass gegen den Beschw erdeführer ein hängiges Verfahren in seinem H eim atland bestehe. N ach einer R ückkehr in sein Land w erde dieses Verfahren unverzüglich w ieder aufgenom m en w erden. Im W eiteren sei gegen ihn ein H aftbefehl erlassen w orden. Sobald er in Algerien einreisen w erde, w erde er alsbald verhaftet. D ie eingereichten D okum ente seien auf ihre Echtheit zu prüfen. D ie Fam ilie habe zudem nach vier Jahren Landesabw esenheit keine Bleibe m ehr und die gute Existenzgrundlage bestehe auch nicht m ehr. 4.4 W ie bereits in der Zw ischenverfügung vom 13. N ovem ber 2006 festgehalten, ist noch einm al darauf hinzuw eisen, dass im vorliegenden Fall von den Beschw erdeführern lediglich eine W iedererw ägung in der ersten der oben unter 5 Ziffer 4.1 aufgeführten Bedeutung, das heisst eine seit R echtskraft der Verfügung vom 5. Februar 2003 eingetretene, w esentlich veränderte Sachlage geltend gem acht w erden kann, da sie bereits ein ordentliches R echtsm ittelverfahren durchlaufen haben. G ründe im Sinne von Art. 66 Vw VG m üssten dem nach in einem R evisionsverfahren geltend gem acht w erden. Insow eit die Beschw erdeführer m it dem Einreichen von verschiedenen D okum enten die vom Bundesam t w ie auch von der AR K als unglaubhaft erachteten Verfolgungsgründe belegen w ollen, ist som it im vorliegenden W iedererw ägungsverfahren nicht w eiter darauf einzugehen. D arüber hinaus ist zu betonen, dass das N ichteinverstandensein m it den Erw ägungen im rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren keinen W iedererw ägungsgrund bildet. Es ist darauf hinzuw eisen, dass ein W iedererw ägungsgesuch nicht dazu dient, Verw altungsentscheide im m er w ieder in Frage zu stellen, w eil die eigene Beurteilung eines Sachverhaltes anders ausfällt als diejenige der dam it befassten Behörde. Som it erübrigt es sich, auf die entsprechenden Ausführungen in der Beschw erde zur schw ierigen Situation der Beschw erdeführer bei einer R ückkehr und som it auf Tatsachen, die im ordentlichen Verfahren und insbesondere auch von der AR K in ihrem Beschw erdeurteil als Sachverhaltselem ente bei der Beurteilung des Falles berücksichtigt w urden, hier noch einm al einzugehen. M it Verw eis auf die Erw ägungen der Vorinstanz ist festzuhalten, dass in casu keine seit R echtskraft der Verfügung des Bundesam tes, m ithin seit dem 30. August 2006, w esentlich veränderte Sachlage vorliegt, w elche ein w iedererw ägungsw eises Zurückkom m en auf die ursprüngliche Verfügung der Vorinstanz rechtfertigen w ürde. Es erübrigt sich bei dieser Sachlage, noch näher auf die Ausführungen in der Beschw erde respektive der Eingabe vom 25. O ktober 2006 sow ie auf die eingereichten D okum ente einzugehen, da sie an diesem Schluss auch nichts zu ändern verm ögen. 5. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esagten abzuw eisen. Es erübrigt sich som it, über eine definitive Vollzugsaussetzung zu befinden, w eshalb das entsprechende sinngem ässe G esuch gegenstandslos gew orden ist. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschw erdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ) und auf insgesam t Fr. 1'200.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE]). D ie Verfahrenskosten sind m it dem am 27. N ovem ber 2006 geleisteten Kostenvorschuss in der selben H öhe zu verrechnen. (D ispositiv nächste Seite)6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 1'200.--, w erden den Beschw erdeführern auferlegt und m it dem geleisteten Kostenvorschuss in der selben H öhe verrechnet. 3. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin der Beschw erdeführer, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N ) - das Ausländeram t des Kantons G ._______ ad G ._______ ELAR (Beilagen: zw ei R eisepässe, Identitätsausw eis N r. ) D ie vorsitzende R ichterin: D er G erichtsschreiber: M arianne Teuscher M arco Abbühl Versand am :