B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1191/2018 U r t e i l v o m 2 3 . D e z e m b e r 2 0 1 9 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiberin Irina Wyss. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch MLaw El Uali Emmhammed Said, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 31. Januar 2018 / N (…). D-1191/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigene n Angaben zufolge seinen Heimat- staat im Dezember 2014 illegal und reiste am 17. Juni 2015 in die Schweiz ein, wo er am 21. Juni 2015 um Asyl nachsuchte. Am 1. Juli 2015 wurde er zu seiner Person und seinem Reiseweg sowie summarisch zu seinen Asyl- gründen befragt (Befr agung zur Person [BzP]). Am 22. September 2015 fand die vertiefte Anhörung statt. Sein Asylgesuch begründete der Beschwerdeführer im Wesentlichen da- mit, dass er von der Schule verwiesen worden und in seinem Dorf eine Razzia durchgeführt worden sei, bei welcher alle Personen ohne Passier- schein oder Schülerausweis mitgenommen worden seien. Aus Furcht vor einer Festnahme sei er daraufhin geflohen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer die Kopie eines Tauf- scheins zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 31. Januar 2018 (eröffnet am 1. Februar 2018) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. C. Mit Eingabe vom 23. Februar 2018 (Eingang beim Bundesverwaltungsge- richt am 27. Februar 2018) erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seine ehemalige Rechtsvertreterin – gegen diese Verfügung beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der Verfü- gung der Vorinstanz, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anordnung der vorläufigen Auf- nahme aufgrund Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs, subeventualiter die Rückweisung der Verfügung an d ie Vo- rinstanz zur Neubeurteilung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung sowie um Beiordnung seiner ehemaligen Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer verschiedene Arztberichte des Kantonsspitals B._______ seine körperlichen Beschwerden betreffend D-1191/2018 Seite 3 zu den Akten und stellte die Einreichung eines weiteren ärztlichen Berichts in Aussicht. D. Mit Eingabe vom 26. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Für- sorgebestätigung zu den Akten. E. Mit Instruktionsverfügung vom 5. März 2018 stellte der damals zuständige Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver- fahrens in der Schweiz abwarten. Weiter hiess er die Gesuche um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um amtliche Rechtsverbei- ständung gut, ordnete ihm seine ehemalige Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei und verzichtete auf die Erhebun g eines Kostenvor- schusses. Gleichzeitig setzte er dem Beschwerdeführer Frist, den in Aus- sicht gestellten ärztlichen Bericht einzureichen. F. Mit Eingabe vom 20. März 2018 reichte der Beschwerdeführer einen ärzt- lichen Bericht von MSc. C._______ und Dr. med. D._______ vom 19. März 2018 zu den Akten. G. Mit Eingabe vom 25. Mai 2018 ersuchte die ehemalige Rechtsvertreterin um Entlassung als amtliche Rechtsbeiständin und schlug MLaw Ruedy Bollak als neuen Rechtsbeistand vor. H. Mit Instruktionsverfügung vom 30. Mai 2018 entband der damals zustän- dige Instruktionsrichter die ehemalige Rechtsbeiständin von ihrem Amt und ordnete dem Beschwerdeführer antragsgemäss MLaw Ruedy Bollak als amtlichen Rechtsbeistand bei. I. Mit Eingabe vom 28. Februar 2019 ersuchte der ehemalige Rechtsvertre- ter, MLaw Ruedy Bollak, um Entlassung als amtlicher Rechtsbeistand und schlug MLaw El Uali Emmhammed Said als neuen Rechtsbeistand vor. J. Mit Instruktionsverfügung vom 1. März 2019 entband die neu zuständige Instruktionsrichterin den e hemaligen amtlichen Rechtsbeistand von sei- nem Amt und ordnete dem Beschwerdeführer MLaw El Uali Emmhammed D-1191/2018 Seite 4 Said als amtlichen Rechtsbeistand bei. Zudem lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. K. Mit Eingabe vom 14. März 2019 nahm die Vorinstanz zur Beschwerde Stel- lung. L. Auf Aufforderung der Instruktionsrichterin reichte der Beschwerdeführer nach erstreckter Frist eine Replik sowie zwei Arztberichte (einen Verlaufs- bericht von MSc. C._______ und Dr. med. D._______ vom 15. April 2019 sowie einen Arztbericht des Universitätsspitals E._______ vom 8. Februar 2019) zu den Akten. M. Am 15. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Kostennote zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und aArt 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-1191/2018 Seite 5 2. Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zu lässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. 4.1 Die in der Beschwerde erhobenen formellen Rügen sind vorab zu be- urteilen, da deren Gutheissung allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 4.2 Der Beschwerdeführer rügt in der Beschwerde die Verfahrensführung der Vorinstanz und macht dabei eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie der Pflicht zur vollständigen und richtig en Abklärung des rechtser- heblichen Sachverhalts geltend. Er stell t die Verwert barkeit des Befra- gungsprotokolls der Anhörung vom 22. September 2015 (SEM-Akte A19) in Frage und führt dazu aus, seine schlechte psychische Verfassung sei in dieser Anhörung nicht berücksichtigt worden. Nach seiner Ankunft sei er traumatisiert, erschöpft, mit der Situation überfordert und angesichts die- ses Zustands nicht in der Lage gewesen, sich detaillierter und substantiier- ter zu seinen Asylgründen zu äussern. Die Vorinstanz habe den Vermerk der Hilfswerkvertretung, dass er offenbar ein medizinisches oder psycho- logisches Problem verheimliche, nicht berücksichtigt und auch nicht in die Abwägungen der Glaubhaftigkeit miteinbezogen. Da er zu diesem Zeit- punkt minderjährig gewesen sei, hätte sie sich in Anbetracht dieses Hin- weises vergewissern müssen, ob er unter gesundheitlichen Problemen leide, welche seine Fähigkeit, angehört zu werden, beeinträchtigen oder den Ausgang des Verfahrens beeinflussen könnten. Seinem Alter und sei- ner psychischen Verfassung sei dadurch nicht angemessen Rechnung ge- tragen worden. 4.3 4.3.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, d amit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE D-1191/2018 Seite 6 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü- fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. 4.4 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter- lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa- chumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Art. 12 N. 16; BENJAMIN SCHINDLER, in: a.a.O., Art. 49 N. 29). 4.5 4.5.1 Bei einer eingehenden Prüfung des Anhörungsverlaufs anhand des entsprechenden Protokolls (vgl. A19) fällt vorweg auf, dass die befragende Person die Befragung nebst den allgemeinen Informationen über die Pflichten des Beschwerdeführers mit dem Hinweis einleitete, dass es wich- tig sei, dass der Beschwerdeführer sich wohlfühle und er melden solle, wenn dies aus irgendeinem Grund nicht der Fall sei oder wenn er etwas nicht verstehe (A19 F3). Weiter vermitteln die an den (im Zeitpunkt der An- hörung knapp über 17 -jährigen) Beschwerdeführer gerichteten Fragen durchwegs den Eindruck, dass sich die befr agende Person des SEM be- mühte, eine für den Minderjährigen angenehme Befragungssituation zu schaffen. Deutlich wird dies unter anderem aus der eben erwähnten Einlei- tung betreffend das Wohlbefinden des Beschwerdeführers sowie den da- rauffolgenden Fragen, wie es ihm gehe, ob er sich bereits in der Schweiz eingelebt habe oder was er im Alltag mache (A19 F4 ff.). Seine Antworten machen an keiner Stelle in der Anhörung den Anschein, er wäre namentlich aus psychischen Gründen nicht in der Lage gewesen, adäquat auf die ihm gestellten Fragen zu antworten. Zudem geht aus dem Protokoll hervor, dass der Beschwerdeführer während der Anhörung mehrfach die Möglich- keit hatte, sich frei zu seinen Asylgründen zu äussern (vgl. A19 F65, F162). Zum Abschluss der Anhörung machte sodann die Hilfswerkvertretung von dem ihr zustehenden Recht Gebrauch und stellte ergänzende Fragen (A19 D-1191/2018 Seite 7 F154-F161). Nach erfolgter Rückübersetzung bestätigte der Beschwerde- führer schliesslich, dass das Protokoll vollständig sei und seinen freien Äusserungen entspreche (A19 S. 16). Im Allgemeinen scheint die Anhö- rung sehr sorgfältig durchgeführt worden zu sein. Der speziellen Situation des Beschwerdeführers als unbegleiteter Minderjähriger im vorinstanzli- chen Verfahren wurde ferner dadurch Rechnung getragen, dass ihm vor Ansetzung des Anhörungstermins eine rechtskundige Vertrauensperson beigeordnet wurde, welche ihn zu der Anhörung begleitete (vgl. dazu Art. 17 Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 7 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 über Verfahrensfragen [ASylV 1, SR 142.311]). Mangels Hin- weise, welche auf einen Verfahrensfehler die Anhörung betreffend schlies- sen lassen, muss sich d er Beschwerdeführer folglich auf die in der Anhö- rung festgehaltenen Aussagen behaften lassen. 4.5.2 Der Beschwerdeführer machte in keiner der beiden Befragungen ge- sundheitliche Probleme gelten d, obwohl er bereits in der BzP auf seine Pflicht aufmerksam gemacht wurde, für das Asylverfahren massgebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen anzugeben. Die entsprechende Frage nach seinem Gesundheitszustand beantwortete er mit „ich bin gesund“ (A7 8.02). Die Vorinstanz klärte diese Frage demnach bereits zu Beginn des vorinstanzlichen Verfahrens und kam ihrer entsprechenden Abklärungs- pflicht nach. Wie der Besch werdeführer korrekt vorbringt, vermerkte die Hilfswerkvertretung anlässlich der Anhörung auf dem Unterschriftenblatt unter „Beobachtung der Anhörung“, dass der Gesuchsteller jünger zu sein scheine als angegeben (Geburtsjahr 1998) und zudem ein medizinische s oder psychologisches Problem zu verheimlichen scheine (vgl. A19 hin- terste Seite). Abgesehen vom Hinweis der Hilfswerkvertretung waren dem SEM den Akten zufolge aber keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen bekannt, welche es bei der Entscheidfindung hätte berücksichtigen kön- nen. In beiden Befragungen ergaben sich aus dem Verhalten des Be- schwerdeführers oder seinen Aussagen keinerlei Hinweise auf das Vorlie- gen von für das Asylverfahren relevante n gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Erst auf Beschwerdeebene wurden erstmals entsprechende Be- schwerden geltend gemacht , und am 22. Februar 2018, einen knappen Monat nach Eröffnung der vorinstanzlichen Verfügung, begab sich der Be- schwerdeführer in psychologische Behandlung. Während des vorinstanzli- chen Verfahrens zeigte er (soweit aus den Akten ersichtlich) denn auch keine medizinische Behandlungsbedürftigkeit an, obwohl Asylsuchende im vorinstanzlichen Verfahren jederzeit Zugang zu medizinischer Behandlung haben. In diesem Zusammenhang ist der Beschwerdeführer schliesslich auf die ihm bekannte Mitwirkungspflicht zu verweisen, welche er (auch D-1191/2018 Seite 8 wenn dabei sein jugendliches Alter und seine entsprechende Unerfahren- heit berücksichtigt werden) soweit möglich wahrzunehmen hat. Angesichts der sorgfältig durchgeführten A nhörung (siehe oben E. 4.4.1) sowie der weitgehend fehlenden Hinweise auf eine für das Asylverfahren relevante gesundheitliche Beeinträchtigung des Beschwerdeführers bestand somit für die Vorinstanz auch unter Berücksichtigung der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers keine Veranlassung, von sich aus medizinische Abklä- rungen in die Wege zu leiten. 4.5.3 Zusammenfassend ergeben sich aus dem Anhörungsprotokoll keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer während der Anhörung in einer Situation war, welche es ihm aufgrund seines psychischen Zustandes verunmöglicht hat, seine Asylgründe umfassend und abschliessend darzu- legen und der Befragung zu folgen. Somit liegt weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs noch ein unvollständig oder unrichtig abgeklärter Sach- verhalt vor. Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet und der entsprechende Rückweisungsantrag ist abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Fl üchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-D-1191/2018 Seite 9 schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend. Diese be- gründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des A syls. Daher werden Personen bei Nachweis oder Glaubhaftmachung von subjektiven Nach- fluchtgründen gemäss Art. 7 AsylG als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 6. 6.1 Vorweg ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer im vor - instanzlichen Verfahren geltend gemachten Asylgründe (Schulverweis so- wie eine Razzia durch Militärpersonen, vor welcher er sich versteckt habe) keine gegen ihn gerichtete Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes darstel- len und somit nicht zur Feststellung der Flüchtlin gseigenschaft sowie zur Gewährung von Asyl zu führen vermögen. Die Glaubhaftigkeit dieser Vor- bringen kann deshalb vorliegend offengelassen werden. 6.2 6.2.1 Auf Beschwerdeebene brachte der Beschwerdeführer erstmals vor, er sei in der Schule aufgrund eines Streits mit einem Schulkameraden von seinem Lehrer geschlagen und bestraft worden. Am nächsten Tag habe er mit seinen Eltern in der Schule erscheinen müssen, wobei in der Zwischen- zeit die Eltern des Schulkameraden die Polizei benachrichtigt hätten. Diese habe ihn inhaftiert und für drei Tage festgehalten. Dabei sei er oft geschla- gen worden . Schliesslich habe er aus dem Gefängnis fliehen können. Nachdem er in sein Dorf zurückgekehrt sei, habe dort eine Razzia stattge- funden. 6.2.2 Das SEM zweifelte in seiner Vernehmlassung den Wahrheitsgehalt der neu geltend gemachten Asylgründe an, da diese ohne zwingenden Grund erst im späteren Verlauf des Verfahrens geltend gemacht worden seien und nicht lediglich eine Konkretisierung der bereits dargelegten Er- eignisse darstellen würden. Die Begründung für das Nichterwähnen der Vorbringen – die psychische Verfassung des Beschwerdeführers im Zeit- punkt der Befragungen – vermöge nicht zu überzeugen. Es sei ihm zuzu- muten gewesen, die nun vorgebrachten Fluchtgründe ber eits im vo- rinstanzlichen Verfahren wenigstens ansatzweise zu erwähnen. 6.2.3 Bei nachgeschobenen Vorbringen im Sinne von verspäteten Asyl- gründen handelt es sich um Vorbringen, die erst anlässlich einer zweiten oder dritten Anhörung oder aber erst auf Beschwerde ebene geltend ge- macht werden. Von einer effektiv verfolgten Person darf erwartet werden, D-1191/2018 Seite 10 dass sie zumindest die wichtigsten Gründe, die sie zum Verlassen des Hei- matstaates bewogen haben, bereits bei der ersten sich ihr bietenden Ge- legenheit, also bei der B zP oder in einer schriftlichen Asylbegründung nennt (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993/3 E. 3). Der asylsuchenden Person muss dabei die Gelegenheit geboten werden, abschliessend zumindest ansatzweise alle Asylgründe zu erwähnen. Zu beachten ist in diesem Zu- sammenhang, dass die Glaubhaftigkeit nachgeschobener Vorbringen stets durch eine Gesamtwürdigung im konkreten Einzelfall zu beurteilen ist, da die Tatsache, dass einzelne Aussagen erst im späte ren Verlauf des Asyl- verfahrens vorgebracht werden, die Vorbringen der asylsuchenden Person nicht zwingend unglaubhaft macht (vgl. EMARK 1998/4). So können bei- spielsweise traumatische Erlebnisse unter Umständen erst in der Anhö- rung geschildert werden. 6.2.4 Vorliegend hat der Beschwerdeführer den seinen Ausführungen zu- folge eigentlichen Grund für seine Flucht (Festnahme und Haft) und somit sein zentrales Asylvorbringen weder in der BzP noch in der Anhörung zu Protokoll gegeben und diesen auch nicht nur ansatzweis e erwähnt. Die konkreten jeweiligen Nachfragen, ob es sonst noch Gründe gebe, welche gegen eine allfällige Rückkehr in seinen Heimatstaat sprechen könnten, verneinte er in beiden Befragungen explizit (A7 7.03; A19 F162). Bei der vertieften Schilderung der Vorkommnisse in der Schule gab der Beschwer- deführer zudem mehrfach die Ereignisse nach seinem Fehlen in der Schule zu Protokoll, ohne entweder einen Streit mit einem Schulkameraden, die Polizei oder gar eine Festnahme zu erwähnen (A19 F65, F70, F80). Folg- lich sind d iese Vorbringen als nachgeschoben und somit als unglaubhaft zu erachten. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass der Beschwerde- führer diese verspätete Geltendmachung mit seiner schlechten psychi- schen Verfassung zu erklären versucht. Der Beschwerdeführer macht dies- bezüglich geltend, er sei traumatisiert, erschöpft und mit der Situation über- fordert und angesichts dieses Zustands nicht in der Lage gewesen, sich detailliert und substantiiert zu seinen Asylgründen zu äussern. Zwar ist ak- tenkundig, dass der Beschwerdeführer zum heutigen Zeitpunkt an einer psychischen Erkrankung leidet (Posttraumatische Belastungsstörung so- wie mittelgradige depressive Episode; vgl. dazu Arztberichte vom 15. März 2018 [Beschwerdeakte Nr. 4] sowie vom 15. April 2019 [Bes chwerdeakte Nr. 13; vgl. dazu auch unten E. 9.4.3). Diese vermag jedoch – sofern sie im Zeitpunkt der Befragungen überhaupt bereits im selben A usmass be- standen hat – das konsequente Verschweigen dieser Vorkommnisse in zwei Befragungen und während des gesamten vorinstanzlichen Verfahrens D-1191/2018 Seite 11 nicht zu rechtfertigen, zumal dem Beschwerdeführer entsprechend einfa- che Fragen gestellt wurden und die befragende Person in der Anhörung zu allfälligen weiteren Ereignissen am besagten Tag mehrfach nachhakte (vgl. A19 F70 ff., F80, F120 ff.) . Weitere Gründe, welche auf eine erschwerte Befragungssituation schliessen lassen und die Argumentation des Be- schwerdeführers stützen würden, sind den Akten , wie bereits festgestellt (vgl. oben E. 4.4) nicht zu entnehmen. Zu erwähnen ist schliesslich, dass sich den Ausführungen in der Beschwerde zu den neu vorgebrachten Fluchtgründen keinerlei Details entnehmen lassen; im Gegenteil sind diese in wenigen Sätzen aufgeführt. Dabei bleibt unklar, unter welchen Umstän- den der Beschwerdeführer verhaftet worden sein will, fehlen doch Einzel- heiten zum Gefängnisaufenthalt sowie solche zu seiner Flucht. Auch unter Berücksichtigung des im Zeitpunkt der beiden Anhörungen junge n Alters des Beschwerdeführers und seiner psychischen Verfassung müssen d ie auf Beschwerdeebene erstmals geltend gemachten Vorbringen als un- glaubhaft erachtet werden. 6.3 Diesen Ausführungen zufolge ist es dem Beschwerdeführer nicht ge- lungen, Asylgründe im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er habe Eritrea illegal ver- lassen. Aufgrund des Umstands, dass er verhaftet worden und aus dem Gefängnis geflohen sei, lägen entsprechende Anknüpfungspunkte vor, wel- che ihn in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person er- scheinen liessen. Deshalb sei er wegen subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 7.2 Aufgrund einer allfälligen illegalen Ausreise des Beschwerdeführers aus Eritrea – deren Glaubhaftigkeit vorliegend offenbleiben kann – ergibt sich ebenfalls keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsgefahr. Das Bundesverwaltungsgericht ging in seiner früheren Rechtsprechung davon aus, dass bei einer illegalen Ausreise aus Eritrea im Falle einer Rückkehr die Gefahr einer flüchtlingsrechtlich relevanten Bestrafung bestehe. Im Re- ferenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 kam das Gericht aber zum Schluss, dass sich diese Praxis nicht mehr aufrechterhalten lasse und eine illegale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlings eigenschaft nicht ausreiche. Eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsgefahr sei nur dann anzunehmen, wenn zusätzliche Anknüpfungspunkte vorlägen, wel- che zu einer Schärfung des Profils führten (vgl. Referenzurteil D-7898/2015 D-1191/2018 Seite 12 E. 4.1 und E. 5.1 f.). Eine solche Profilschärfung ist im Falle des Beschwer- deführers entgegen seiner Ausführungen in der Beschwerde zu verneinen, da er – wie oben dargelegt – keine Verfolgung glaubhaft zu machen ver- mochte. Auch sonst sind den Akten keine entsprechenden An knüpfungs- punkte zu entnehmen. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers demnach zu Recht verneint. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen D-1191/2018 Seite 13 Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. Zu beachten ist insbesondere auch das Verbot der Zwangsarbeit nach Art. 4 Abs. 2 EMRK. 9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 9.2.3 Der Beschwerdeführer reiste als Minderjähriger aus Eritrea aus und befindet sich im grundsätzlich wehrpflichtigen Alter. Da nicht davon auszu- gehen ist, dass er bereits Nationaldienst geleistet hat und aus diesem ent- lassen wurde, ist zu prüfen, ob ihm bei einer Rückkehr nach Eritrea und einem allfälligen Einzug in den Nationaldienst eine völkerrechtswidrige Be- handlung droht. Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei bevorstehender Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesverwaltungs- gericht in einem kürzlich ergangenen Grundsatzurteil geklärt worden (vgl. BVGE 2018 VI/4, E. 6.1). Das Gericht hat d ie Zulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Verbots der Sklaverei und Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) und des Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Ver- bots der Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK) geprüft und bejaht. Von einer drohenden Verletzung dieser völkerrechtlichen Bestimmungen ist demnach selbst bei einer allfälligen Einziehung des Beschwerdeführers in den eritreischen Nationaldienst nicht auszugehen. Dass er – wie er in der Beschwerde vorbringt – aufgrund des- sen, dass er sich den Behörden durch seine Ausreise nicht zur Verfügung gehalten hat, mit einer Haftstrafe rechnen muss, ist, da er (noch) gar kein Aufgebot für den Nationaldienst erhalten hat, nicht anzunehmen. 9.2.4 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs ergeben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwer- deschrift. Der Wegweisungsvollzug ist folglich als zulässig zu erachten. D-1191/2018 Seite 14 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.3.2 Der aktuellen Rechtsprechung zufolge kann in Eritrea nicht von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewa lt beziehungs- weise genereller Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Be- reichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwie- rig. Die medizinische Grundvers orgung, die Ernährungssituation, der Zu- gang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage d es Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedro- hung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individu- elle Faktoren aber nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs (vgl. das Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 9.3.3 In der Vernehmlassung führte das SEM aus, die Behandlung der psy- chischen Beschwerden des Beschwerdeführers sei in Eritrea zwar er- schwert, aber möglich. Diese seien gemäss den eingereichten Arztberich- ten von einer gewissen Schwere, jedoch gehe daraus auch hervor, dass keine akute Suizidalität vorliege. Es sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr mangels möglicher Behandlung ei- ner akuten Lebensgefahr ausgesetzt sei. Zudem sei auf die Möglichkeit von medizinischer Rückkehrhilfe zu verweisen. Bei der diagnostizierten und behandelten Knochenkrankheit handle es sich nicht um eine Krank- heit, welche zu einer raschen und lebensbedrohlichen Beeinträchtigung des Gesundheitszustands zu führen vermöge. Vielmehr sei der Beschwer- deführer erfolgreich operiert worden. Ferner gehe aus den eingereichten Arztberichten hervor, dass es ihm möglich gewesen sei, nach er folgter Operation Fussball zu spielen, womit entgegen der Ausführungen in der Beschwerde nicht davon auszugehen sei, dass er in seiner Heimat keine körperliche Arbeit leisten könne. D-1191/2018 Seite 15 9.3.4 Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde und in der Replik vor, dass der Wegweisungsvollzug als unzumutbar zu erachten sei, da er unter einer seltenen Knochenkrankheit leide und Symptome einer posttrau- matischen Belastungsstörung aufweise. Aufgrund der körperlichen Beein- trächtigung könne er nicht in der Landwirtschaft arbei ten, und es sei aus- serdem zweifelhaft, ob er bei weiteren Komplikationen in Eritrea eine ge- eignete medizinische Versorgung erhalten könne. Sein psychischer Zu- stand würde sich in seinem Heimatstaat verschlechtern und sich nachteilig auf seine Fähigkeit, sich wieder zu integrieren, auswirken. Begünstigende individuelle Umstände, welche den Vollzug als zumutbar erscheinen lies- sen, lägen jedenfalls nicht vor. Gemäss dem psychiatrischen Bericht vom 15. April 2019 leide er an einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer mittelgradigen depressiven Episode. Zudem bestehe der Verdacht auf eine Persönlichkeitsakzentuierung mit negativistischen Zügen. Hin- sichtlich der Therapie-Möglichkeiten in Eritrea seien die Möglichkeiten be- schränkt, wie auch die Vorinstanz f estgestellt habe. Sie habe es jedoch unterlassen zu untersuchen, ob in seinem konkreten Fall tatsächlich eine reelle Chance bestehe, sich einer Therapie unterziehen zu können. Der allgemeine Verweis auf eine psychiatrische Institution in Asmara sei dies- bezüglich nicht ausreichend; er stamme aus ärmlichen Verhältnissen weit weg von Asmara. Zudem sei fraglich, ob für ein solch komplexes Störungs- bild überhaupt eine Therapiemöglichkeit bestehe. Hinsichtlich der Kno- chenkrankheit habe die Vorinstanz die erfolgreiche Operation erwähnt, da- bei jedoch ausser Acht gelassen, dass mit einer Operation keine definitive Heilung erreicht werden könne. Dem beigelegten Arztbericht vom 8. Feb- ruar 2019 sei zu entnehmen, dass neue Operationen notwendig seien. Auch hier habe die Vorinstanz es unterlassen, eine genaue Sachverhalts- abklärung vorzunehmen. 9.3.5 Der Beschwerdeführer macht verschiedene gesundheitliche (psychi- sche und körperliche) Beeinträchtigungen geltend. Dabei handelt es sich um eine posttraumatische Belastungsstörung und eine mittelgradige de- pressive Episode sowie um eine multiple Osteochondromatose (vgl. Arzt- und Verlaufsberichte von MSc. C._______ und Dr. med. D._______ vom 19. März 2018 und 15. April 2019 betreffend die psychische Erkrankung [Beschwerdeakten Nrn. 4 und 13 ] sowie Arzt- und Austrittberichte vom 29. März 2016, 24. Mai 2016, 3. Oktober 2016 , 22. November 2016, 30. März 2017 , 5. April 2017 , 11. April 2017 und des Kantonsspitals B._______ sowie Arztbericht des Universitätsspitals E._______ vom 8. Februar 201 9 betreffend die körperliche Erkrankung [Multiple Osteo-D-1191/2018 Seite 16 chondromatose; Beschwerdeakten Nrn. 1 und 13]). Letztere ist umgangs- sprachlich als "Gutartige Knochentumore" bekannt. Der Beschwerdeführer litt aufgrund dieser Erkrankung an Schmerzen und Steifigkeit in verschie- denen Gelenken und wurde am 23. September 2016 operiert, wobei die Operation offenbar erfolgreich verlaufen ist und die entsprechenden Schmerzen abgenommen haben (vgl. Arztbe richt des Kantonsspitals B._______ vom 22. November 2016). Im Frühling 2017 hielt er sich auf- grund eines unfall bedingten Kreuzbandrisses zudem für einige Tage im Spital auf und wurde danach mit einer Beinschiene, einer Verordnung zur Physiotherapie sowie verordneten Medikamenten entlassen (vgl. Arztbe- richte des Kantonsspitals B._______ vom 5. April 2017 und 11. April 2017). Die betreffenden ärztlichen Berichte lassen darauf schliessen, dass die bis- herigen Behandlungen erfolgreich verliefen . Allerdings wurde der Be- schwerdeführer gemäss dem Arztbericht vom 8. Februar 2019 aufgru nd seiner Knochenkrankheit erneut vorstellig mit Schmerzen an Handgelen- ken, Sprunggelenken, Becken, Schulterblatt etc. Gemäss dem Arztbericht vom 8. Februar 2019 stand im Februar 2019 eine weitere Operation bevor, wobei den Akten nicht entnommen werden kan n, ob diese tatsächlich durchgeführt wurde. Was die psychische Erkrankung des B eschwerdeführers in Form einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer mittelgradige n depressi- ven Episode betrifft, erachten die behandelnden Ärzte eine regelmässige Behandlung in Form einer Psychotherapie (wöchentliche Sitzungen) über einen längeren Zeitraum und eventuell eine allfällige begleitende medika- mentöse Behandlung als notwendig. Gemäss dem ärztlichen Bericht vom 15. April 2019 handle es sich dabei um ein ko mplexes Störungsbild, wel- ches eine längerfristige Behandlung erfordere; ohne Behandlung sei eine deutliche Verschlechterung und ungünstige Prognose zu erwarten und eine psychische Dekompensation mit suizidalen Gedanken oder Handlun- gen wäre nicht ausgeschlossen. Der Zugang zu psychiatrischer Behandlung ist trotz Verbesserung der me- dizinischen Infrastrukturen in Eritrea mangels ausreichende n Fachperso- nals nach wie vor erschwert (vgl. European Asylum Support Office, EASO- Bericht über Herkunftsländer -Informationen, Länderfokus Eritrea, Mai 2015). Allerdings kann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nur dann geschlossen werden, wenn eine notwendige medizinische Behand- lung im Heimatstaat schlicht nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen u nd lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund- heitszustands, zur Invalidität oder gar zum Tod der betroffenen Person D-1191/2018 Seite 17 führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Exis tenz absolut notwendig ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3). Der Beschwerdeführer wohnte seinen Angaben zufolge bis zu seiner Aus- reise im Dorf F._______ (Schreibweise gemäss Anhörungsprotokoll) in der Nähe der Stadt G._______ (zu Fuss drei Stunden) , Zoba Debub, und stammt somit aus einem eher dichter besiedelten Gebiet. Er kann folglich in die Nähe der Städte Adi Keyh , Adi Kwala, Senafe, Mendefera oder Dekemhare zurückkehren, wo mit die sich vor allem in städtischen Gebieten befindenden Gesundheitszentren für ihn erreichbar sind. Auch G._______ selbst verfügt gemäss dem Beschwerdeführer über ein Krankenhaus. In Asmara (rund 100km vom Heimatdorf des Beschwer- deführers entfernt, Busverbindung von Tsonora nach Asmara ) existiert nebst anderen Krankenhäusern und verschiedenen Gesundheitszentren eine psychiatrische Anstalt (St. Mary's Psychiatric Hospital). Falls der Be- schwerdeführer künftig auf eine medikamentöse Behandlung angewiesen sein sollte , ist festzuhalten, dass in Eritrea g ewisse Medikamente zwar schwer erhältlich, andere wiederum aber auch leicht zugänglich und häufig kostenlos sind (vgl. D-2311/2016 E. 16.17). Weiter gilt es zu berücksichti- gen, dass der Beschwerdeführer in ein familiäres Umfeld zurückkehren kann, welches ihm bei der Bewältigung seiner gesundheitlichen Probleme unterstützend zur Seite stehen kann (Vater, Mutter, Geschwister). Soziale, ihn unterstützende Anknüpfungspunkte sind somit erkennbar und die Wohnsituation vor Ort scheint ebenfalls gesichert (Elternha us sowie eine Mietwohnung in G._______). Die vorgebrachten gesundheitlichen Be- schwerden vermögen demnach nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs zu sprechen, da die von der Rechtsprechung für die Unzu- mutbarkeit des Vollzugs geforderte hohe Sch welle der gesundheitlichen Beeinträchtigung aufgrund der Aktenlage nicht erfüllt ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 7, m.H. auf die Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- rechte [EGMR]). Nötigenfalls kann den Bedürfnissen des Beschwerdefüh- rers ferner durch medizinische Rückkehrhilfe Rechnung getragen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. Au- gust 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Diese kann in Form von Beiträgen zur Durchführung einer medizinischen Behandlung, durch Mitgabe der benö- tigten Medikamente oder durch Ausrichtung einer Pauschale für medizini- sche Leistungen gewährt werden. Der Vollzug der Wegweisung ist somit als zumutbar zu erachten. D-1191/2018 Seite 18 9.4 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh- rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit Instruktionsverfügung vom 5. März 2018 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 11.2 Mit derselben Zwischenverfügung h iess der damalige Instruktions- richter das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gestützt auf Art. 110a Abs. 1 AsylG gut und ordnete dem Beschwerdeführer seine ehe- malige Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistä ndin bei. Mit Instrukti- onsverfügung vom 30 . Mai 2018 setzte der damalige Instruktionsrichter aufgrund Auflösung des Arbeitsverhältnisses der ehemaligen Rechtsver- treterin einen neuen Rechtsbeistand ein. Am 1. März 2019 wurde dem Be- schwerdeführer der aktuelle Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Somit ist grundsätzlich allen Rechtsvertreter/innen zu Lasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar auszurichten. Die ehemalige Rechtsvertreterin als auch der ehemalige Rechtsvertreter beantragten je-D-1191/2018 Seite 19 doch, ein allfällig ihnen zustehendes Honorar der HEKS Rechtsberatungs- stelle zu überweisen. Der neue Rechtsbeistand ist ebenfalls für diese Rechtsberatungsstelle tätig. Demnach ist diesem ein Honorar für seine not- wendigen Ausgaben im Beschwerdeverfahren auszurichten. In der vom Rechtsvertreter eingereichten Kostennote wird ein Arbeitsaufwand von rund 11 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 250.– sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 63.– ausgewiesen. Während der Arbeitsaufwand und die Auslagen als gerechtfertigt erscheinen, ist der Stundenansatz auf Fr. 150.– zu kürzen. Dem Rechtsvertreter ist unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 – 13 VGKE) sowie der Ent- schädigungspraxis in vergleichbaren Fällen zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 1'725.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-1191/2018 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem Rechtsvertreter wird zu Lasten der Gerichtskasse ein amtliches Ho- norar von Fr. 1'725.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Irina Wyss Versand: