B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-453/2024 U r t e i l v o m 26 . J a n u a r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Chiara Piras, mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler; Gerichtsschreiber Nikola Nastovski. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 11. Januar 2024 / N (…). D-453/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 10. Juli 2023 in der Schweiz ein Asylge- such ein. B. Ein am 13. Juli 2023 durchgeführter Abgleich mit der europäischen Finger- abdruckdatenbank EURODAC ergab, dass der Beschwerdeführer be reits am 1. Dezember 2022 in Griechenland um Asyl ersucht hatte und ihm am 3. April 2023 internationaler Schutz gewährt wurde. C. Am 14. Juli 2023 ersuchte das SEM die griechischen Behörden um Aus- kunft zur Person des Beschwerdeführers mittels Informationser suchen nach Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla- ments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder St aatenlosen in einem Mitglied- staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III- VO). D. Am 24. Juli 2023 beantworteten die griechischen Behörden das Informati- onsersuchen des SEM. E. Am 25. Juli 2023 ersuchte das SEM die griechischen Behörden gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rats vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Drittstaatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und auf das Abkommen zwischen der Schweiz und der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28 . August 2006 (SR 0.142.113.729) um die Rückübernahme des Beschwerdeführers. F. Am 9. August 2023 fand die Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) statt. Anlässlich dieser Befragung gab der Be- schwerdeführer an, er sei am (…) 2007 geboren. D-453/2024 Seite 3 G. Die griechischen Behörden hiessen das Gesuch des SEM um Rücküber- nahme des Beschwerdeführers am 11. August 2023 gut. H. Mit Schreiben vom 29. November 2023 erhielt der Beschwerdeführer Ge- legenheit zur Stellungnahme zur medizinischen Abklärung, die das Institut B._______ im Auftrag des SEM am 18. August 2023 durchgeführt hatte (nachfolgend: Altersgutachten). Mit Eingabe vom 20. Dezember 2023 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine entsprechende Stellungnahme bei der Vorinstanz ein. I. Am 27. Dezember 2023 wurde das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) vom (…) 2007 auf den (…) 2006, mit Bestreitungsvermerk, angepasst. J. Am 10. Januar 2024 stellte das SEM der Rechtsvertretung des Beschwer- deführers den Entscheidentwurf zur Stellungnahme zu. Am folgenden Tag übermittelte diese der Vorinstanz ihre Stellungnahme. K. Mit Verfügung vom 11. Januar 2024 – eröffnet am 12. Januar 2024 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und ford erte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, ansonsten er in Haft genommen und unter Zwang nach Griechenland zu- rückgeführt werden könne. Weiter wurde der Kanton C._______ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt, das Geburtsdatum des Beschwerde- führers im ZEMIS auf den (…) 2006, mit Bestreitungsvermerk, festgelegt und ihm wurden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt. L. Am 15. Januar 2024 legte die Rechtsvertretung ihr Mandat nieder. M. Mit Eingabe vom 19. Januar 2024 erhob der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung der Vo- rinstanz sei aufzuheben und sie sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch D-453/2024 Seite 4 einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen. Ferner sei die Unzulässigkeit resp ektive die Unzumutbarkeit der Wegweisung (recte: des Wegweisungsvollzugs) nach Griechenland festzustellen. Even- tualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um aufschiebende Wirkung und um die Sistierung des Wegweisungsvollzugs. Die Vorinstanz und die zuständigen Vollzugsbehörden seien mittels vorsorglicher Massnahmen anzuweisen, bis zum Entscheid üb er die Beschwerde von jeglichen Voll- zugshandlungen abzusehen. Zudem beantragte er die Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. N. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 22. Januar 2024 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge- richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal- tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge- setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge- biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor- liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist D-453/2024 Seite 5 – unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausführungen (vgl. E. 1.3 hiernach) – einzutreten. 1.3 Auf den Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu er- teilen, ist nicht einzutreten, da der Beschwerde von Gesetzes wegen auf- schiebende Wirkung zukommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 42 AsylG), und diese von der Vorinstanz nicht entzogen wurde. 2. Die Kognition des Bund esverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Wie sich aus den Beschwerdeanträgen ergibt, richtet sich die vorliegende Beschwerde ausschliesslich gegen den Nichteintretensentscheid der Vor- instanz sowie die angeordnete Wegweisung und deren Vollzug (Dispositiv- ziffern 1 bis 4). Die Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfügung (Ände- rung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums ) bildet nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 Das SEM stellt in der angefochtenen Verfügung fest, der Beschwerde- führer sei in Griechenland als Flüchtling anerkannt worden und Griechen- land habe sich bereit erklärt, ihn zurückzunehmen. In Bezug auf die geltend gemachte Minderjährigkeit führt die Vorinstanz aus, dass seine Angaben zu seinem Alter und Lebenslauf nicht überzeugt hätten. So habe er einer- seits den (…) als Geburtsdatum geltend gemacht, andererseits habe der Beschwerdeführer erklärt, er sei (…) alt. Mit diesem Widerspruch konfron- tiert, habe er eingeräumt, dass ein höheres Alter möglich sei. Er habe zu- dem keine rechtsgenüglichen Identitätsdokumente eingereicht. Ausserdem sei er in Griechenland mit dem Geburtsdatum (…) registriert worden. Das D-453/2024 Seite 6 Altersgutachten habe sodann zum Zeitpunkt der Untersuchung (18. August 2023) ein durchschnittliches Alter von (…) bis (…) Jahren bei einem Min- destalter von (…) Jahren ergeben. Das registrierte Alter von (…), das gleichermassen dem vom Beschwerdeführer genannten Geburtsdatum des (…) und dem vom SEM erfassten Geburtsdatum des (…) entspreche, könne nicht zutreffen. Daher sei sein Alter im ZEMIS auf den (…) (unter Anbringung eines Bestreitungsvermerks) geändert worden. In seiner Stel- lungnahme habe er keine Argumente vorgebracht, welche das SEM veran- lassen würden, am Ergebnis des Altersgutachtens zu zweifeln, zumal eine Auseinandersetzung mit den aufgezeigten Widersprüchen, Ungenauigkei- ten und weiteren Ungereimtheiten ausgeblieben sei. Nicht zu überzeugen vermöge zudem die generelle Behauptung, die Tazkira liege ei nfach zu- hause herum und niemand frage danach, als Erklärung für das Fehlen ei- ner Kopie derselben. Es könne erwartet werden, dass der Beschwerdefüh- rer von einem Identitätsdokument wie einer Tazkira zumindest eine – allen- falls elektronische, im Mobiltelefon oder in sozialen Netzwerken hinterlegte – Kopie besitze und mit sich führen würde, als er sein Heimatland definitiv verlassen habe. 5.2 Zu den geltend gemachten Problemen in Griechenland hält das SEM mit Verweis auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 fest, dass es sich beim Be- schwerdeführer um einen jungen, gesunden Mann handle, de r nunmehr volljährig sei und nicht in die Kategorie äusserst vulnerabler Personen ge- mäss Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts falle. Der Wegwei- sungsvollzug von Personen mit einem Schutzstatus in Griechenland sei zulässig und zumutbar. Auch wenn die Lebensbedingungen anerkannter- massen nicht einfach seien, könne er sich auf die Garantien der Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rats vom 13. Dezem- ber 2011 über Normen für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes (sog. Qualifikationsrichtlinie) berufen. Es könne von i hm erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden. Die Vorinstanz sehe keine Grundlage für die Befürchtung des Beschwer- deführers, er könne von den griechischen Behörden in die Türkei zurück- geschickt werden, zumal er in Griechenland als Flüchtling anerkannt sei. 5.3 Im Weiteren seien seine Ausführungen zu den Umständen in Griechen- land mit Zweifeln behaftet. Er sei wegen des dort angegebenen D-453/2024 Seite 7 Geburtsdatums als Minderjähriger behandelt und demzufolge in speziellen Unterkünften untergebracht worden. In Griechenland gebe es ausserdem zahlreiche Unterstützungs- und Unterbringungsmöglichkeiten für unbeglei- tete minderjährige Asylsuchende. Es werde sodann anerkannt, dass in Griechenland im Allgemeinen schwierige ökonomische Lebensbe dingun- gen herrschen würden, dies e würden jedoch die ganze Bevölkerung be- treffen und die Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht zu widerlegen vermögen. Der Beschwerdeführer habe ausserdem nicht dargelegt, inwiefern er nicht über die Res sourcen verfüge, um seine Rechte in Griechenland geltend zu machen. Die geltend gemachte (Dro- gen-)Kriminalität in Griechenland ändere ebenfalls nichts an der Auffas- sung, dass Griechenland als sicherer Drittstaat gelte, in dem keine Situa- tion allgemeiner Gewalt herrsche. Bei Bedarf stehe dem Beschwerdeführer die Möglichkeit offen, sich an die dortigen Polizeibehörden zu wenden. Griechenland habe seiner Rückübernahme ausdrücklich zugestimmt und er verfüge über eine gültige Aufenthaltsbewilligung. Er könne sic h bei der Rückkehr somit auf die ihm zustehenden Rechte berufen. 5.4 Zum Vorwurf der Rechtsverzögerung wies das SEM darauf hin, dem Beschwerdeführer rund drei Monate nach Eingang des Altersgutachtens das rechtliche Gehör gewährt zu haben. Dies sei zwar nicht im unmittelba- ren Anschluss erfolgt, aber auch nicht ungebührlich lange danach. Zudem stellte es in Frage, ob seine Rechtsvertretung überhaupt hätte früher Stel- lung beziehen können, schliesslich habe sie die Frist zur Stellungnahme bis zum Maximum ausgeschöpft. Die Vorinstanz führte weiter aus, dass für das Vorliegen von Wegweisungsvollzugshindernissen auf den Zeitpunkt des Entscheids abzustellen sei. Eine allfällige Gewährung der vorläufigen Aufnahme hätte aufgrund der Aktenlage infolge Volljährigkeit nur we nige Wochen später wieder aufgehoben werden müssen und hätte aus verfah- rensökonomischer Sicht wenig Sinn ergeben. 6. 6.1 In der Beschwerde macht der Beschwerdeführer zunächst einen Verstoss des SEM gegen den Beschleunigungsgrundsatz sowie den Grundsatz von Treu und Glauben geltend. Es sei kein legitimer Grund für das lange Zuwarten der Gehörsgewährung ersichtlich. Auf eine Anfrage nach dem Verfahrensstand habe das SEM am 31. Oktober 2023 mitgeteilt, es werde demnächst das rechtliche Gehör gewähren. Allerdings hab e es nach dieser E-Mail einen weiteren Monat zugewartet. Damit liege eine wi- derrechtliche Rechtsverzögerung vor. Das SEM habe absichtlich vor dem Hintergrund der geplanten Altersanpassung auf den (…) so lange D-453/2024 Seite 8 zugewartet, damit die Volljährigkeit des Beschwerdeführers eintrete. Diese Altersanpassung sei zudem willkürlich auf den (…) erfolgt, entgegen der glaubhaften Darlegungen des Beschwerdeführers. Diesbezüglich wird auf die durch seine Rechtsvertretung eingereichte Stellungnahmen verwiesen. Das Altersgutachten stütze sich auf eine Studie mit nur zwei Probanden und werde kritisiert. Eine andere Studie mit mehr Probanden weise für das- selbe Wachstumsstadium der Schlüsselbeine ein Mindestalter von (…) Jahren aus. Das vorliegende Mindestalter von (…) Jahren sei deshalb überhöht. 6.2 Der Beschwerdeführer macht im Weiteren geltend, er habe in Grie- chenland unter desaströsen Bedingungen im Camp gelebt. Er sei dort wie ein Krimineller behandelt worden und habe massive Gewalt erlebt. Von den griechischen Polizeibehörden sei er geschlagen und ihm sei der Arm ge- brochen worden. Sie hätten ihm gedroht, ihn nach Afghanistan zurückzu- schicken. Der Beschwerdeführer habe in Griechenland weder Unterstüt- zung durch eine NGO erhalten noch verfüge er über ein familiäres oder soziales Netzwerk. Bei einer Rückweisung hätte er keinen Zugang zu Ob- dach, medizinischer Versorgung oder Unterstützungsleistungen. 6.3 Ferner bringt der Beschwerdeführer eine Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes vor, da die angefochtene Verfügung keine Angaben zu seiner gesundheitlichen Situation mache. 6.4 In Bezug auf die Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs fordert der Beschwerdeführer eine analoge Berücksich- tigung der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung im Zusam- menhang mit der Dublin-III-VO. Die Zustände in Griechenland würden ei- nen Wegweisungsvollzug unzulässig und unzumutbar machen. Diesbe- züglich zitierte der Beschwerdeführer eine Pressemitteilung der Europäi- schen Kommission (Beschwerdeschrift, S. 4). Es gebe begründete Zweifel an der Umsetzung der Qualifikationsrichtlinie durch den griechischen Staat. Der Beschwerdeführer bringt diesbezüglich weitere Berichte vor und erklärte, er könne nur mit staatlicher Unterstützung überleben, diese sei jedoch nicht gewährleistet. Ferner ver weist der Beschwerdeführer auf die internationale und europäische Praxis im Umgang mit Schutzberechtigten in Griechenland und zitiert hierbei Entscheide von Oberverwaltungsgerich- ten diverser deutscher Bundesländer. Er habe in Griechenland keinen Zu- gang zu den Gesundheitsdiensten und es gebe keine psychologischen so- wie psychiatrischen Angebote für Asylsuchende und Schutzstatusinha- bende. Bei einer Rückkehr würde ihm eine existenzielle Notlage drohen D-453/2024 Seite 9 und er sei nicht in der Lage, aus eigener Kraft seine Rechte vor Ort einzu- fordern, da er weder die örtliche Sprache noch Kenntnisse des griechi- schen Rechtssystems habe. 7. 7.1 Mit der Beschwerdeschrift werden Verfahrensfehler seitens der Vor - instanz geltend gemacht, namentlich Verstösse gegen den Beschleuni- gungsgrundsatz, den Grundsatz von Treu und Glauben und den Untersu- chungsgrundsatz. Zunächst ist auf diese formellen Rügen einzugehen, da diese allenfalls zu einer Kassation der vorinstanzlichen Verfügung führen können. 7.2 Dem Vorwurf, dass die lange Dauer des vorinstanzlic hen Verfahrens den Zweck verfolgt habe, die Volljährigkeit des Beschwerdeführers zu er- reichen, kann nicht gefolgt werden. Zwischen dem Asylgesuch des Be- schwerdeführers am 10. Juli 2023 und der Eröffnung der vorinstanzlichen Verfügung am 12. Januar 2024 liegen ziemlich genau sechs Monate. Damit bewegt sich die Verfahrensdauer in einem vertretbaren Rahmen, insbeson- dere bei Berücksichtigung der diversen Korrespondenzen mit den griechi- schen Behörden und der Erstellung des Altersgutachtens. Hinzu tritt, dass eine lange vorinstanzliche Verfahrensdauer im Prinzip mittels einer Rechts- verzögerungsbeschwerde gemäss Art. 64a VwVG (vgl. Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101]) bis zum Erlasszeitpunkt gerügt werden kann. Insofern ist keine Verletzung des Beschleunigungsgebotes ersichtlich. 7.3 7.3.1 Anknüpfend an die Rüge der Verletzung des Beschleunigungsge- bots, macht der Beschwerdeführer eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben (vgl. Art. 9 BV) geltend. Der in Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV verankerte Grundsatz von Treu und Glauben verleiht einer Person An- spruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherun- gen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden (BGE 129 I 161 E. 4.1; 126 II 377 E. 3a; vgl. zum Ganzen etwa HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zü- rich/St. Gallen 2020, S. 143 ff.; MÜLLER/SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 31 ff.). Dies bedeutet unter anderem, dass sich die Verwaltungsbehörden gegenüber Privaten nicht widersprüchlich verhalten dürfen. Insbesondere dürfen sie einen einmal in einer bestimm- ten Angelegenheit eingenommenen Standpunkt nicht ohne sachlichen Grund wechseln (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., S. 162). D-453/2024 Seite 10 7.3.2 Inwiefern durch die Handlungen der Vorinstanz eine Vertrauens- grundlage geschaffen und eine damit zusammenhängende Erwartung beim Beschwerdeführer geweckt wurde, ist weder aus der Beschwerde noch aus den Akten ersichtlich. Ebenso wenig sind im Verhalten des SEM Widersprüchlichkeiten festzumachen. Folglich ist keine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben zu erkennen. 7.4 7.4.1 Im Verwaltungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 ff. VwVG). Die Behörden sorgen – unter Vorbehalt der Mitwirkungspflichten der Parteien – für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheb- lichen Sachverhalts (vgl. BGE 140 I 285 E. 6.3.1). Die unrichtige oder un- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststel- lung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn die Behörde trotz der geltenden Un- tersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen rechtsgenüg- lich abgeklärt oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachum- stände berücksichtigt hat (vgl. SCHINDLER, in: Auer /Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 49 N 29). 7.4.2 Vorliegend wurde gerügt, die vorinstanzliche Verfügung enthalte keine Angaben zur Prüfung der gesundheitlichen Situation des Beschwer- deführers. Allerdings bleibt die Beschwerdeschrift im Unklaren darüber, in- wiefern damit der Untersuchungsgrundsatz im vorliegenden Fall verletzt worden sei. Der Beschwerdeführer wurde zu seiner gesundheitlichen Ver- fassung befragt und hat sich als gesund bezeichnet (vgl. SEM-Akte 18/12, F 8.02). Am 9. Januar 2024 hat sich das SEM beim Gesundheitsdienst des D._______ erkundigt und erfahren, dass sich der Beschwerdeführer trotz entsprechenden Hinweises nie gemeldet habe (vgl. SEM-Akte 32/1). In der angefochtenen Verfügung hielt die Vorinstanz sodann fest, es handle sich beim Beschwerdeführer um einen (jungen) gesunden Mann (vgl. SEM - Akte 36/17 S. 3 und 15 erster Abschnitt). Auch diese Rüge schlägt somit fehl. 7.5 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass mit Blick auf das vorinstanzliche Verfahren das Vorliegen von Verfahrensfehlern zu ver- neinen ist. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Ziff. 3 der Rechtsbegehren). Das D-453/2024 Seite 11 entsprechende Eventualbegehren ist abzuweisen, zumal auch der rechts- erhebliche Sachverhalt spruchreif ist. 8. 8.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re- gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat. 8.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun- gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Mit Be- schluss des Bundesrats vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsassozia- tion (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. 8.3 Bei Griechenland – einem Mitgliedstatt der EU – handelt es sich um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG. Sodann geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer sich zuvor dort auf- gehalten hat und von diesem Staat am 3. April 2023 als Flüchtling aner- kannt wurde. Er verfügt über eine gültige Aufenthaltsbewilligung und die griechischen Behörden haben seiner Rückübernahme am 11. August 2023 explizit zugestimmt. Er kann folglich nach Griechenland zurückkehren und das SEM ist grundsätzlich zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten. 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asy lgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung ni cht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; D-453/2024 Seite 12 Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän- der und über die Integration vom 16. Dezember 2005 [AIG; SR 142.20]). 10.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.3 10.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK; SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Gru ndfreiheiten (EMRK; SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder er- niedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 10.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat – wie das SEM zutreffend fest- hält – mit Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 festgestellt, dass der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätzlich zulässig ist (vgl. a.a.O. E. 11.2 und 11.4). Namentlich wurde erwogen, dass nicht von einer Situation aus- zugehen sei, in der jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und erniedrigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Die Ausführungen in der Beschwerde so- wie die vom Beschwerdeführer angeführten Quellen ändern nichts an die- ser bundesverwaltungsgerichtlichen Einschätzung, zumal die genannten Berichte allgemeinen Charakter aufweisen und keinen direkten Zusam- menhang zur individuellen Situation des Beschwerdeführers aufweisen. D-453/2024 Seite 13 10.3.3 Aus den Akten gehen sodann keine gesundheitlichen Beeinträchti- gungen des Beschwerdeführers, die derart schwerwiegend sind, dass bei einer Überstellung nach Griechenland eine ernsthafte, rapide und irrever- sible Verschlechterung seiner Lage, verbunden mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkür zung der Lebenserwartung, zu erwarten wäre, wie sie zur Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen gefordert wird. Das Gericht geht davon aus, dass zumindest die notwendige medizinische Versorgung im Hinblick auf die Magenprobleme des Beschwerdeführers (vgl. SEM-Akte 18/12 F8.02) in Griechenland gewährleistet sein wird. Auch unter Berücksichtigung der Schwächen des griechischen Aufnahmesystems vermag allein die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die hohe Schwelle zum «real risk» nicht zu erreichen. 10.3.4 Diesen Erwägungen zufolge erweist sich der Vollzug der Wegwei- sung als zulässig. 10.4 10.4.1 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl. a.a.O. E. 11.3). Die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt im Hinblick auf Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Beispiel Personen, die an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1). 10.4.2 Es obliegt der betroffenen Person, diese Vermutung umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behör- den im konkreten Fall das Völkerrecht verletzten, ihr nicht den notwendigen Schutz gewährten oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aus- setzten respektive, dass sie im Fall einer Rückkehr nach Griechenland dort aufgrund von i ndividuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder ge- sundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4). 10.4.3 Soweit der Beschwerdeführer in materieller Hinsicht an der Glaub- haftigkeit seiner Minderjährigkeit festhält, ist festzustellen, dass Asyl su- chende verpflichtet sind, ihre Identität offenzulegen und Reisepapiere so- wie Identitätsausweise abzugeben (Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Person zu D-453/2024 Seite 14 beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen im Sinne von Art. 7 AsylG. In einer Gesamtwürdigung müssen die Gründe, welche für die Minderjährigkeit sprechen, überwiegen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3). Gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, seine Minderjährigkeit zumindest glaubhaft zu machen, respektive bleiben ent- sprechende Behauptungen unsubstantiiert, so ist von der Beweislosigkeit und mithin von der Volljährigkeit auszugehen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 7.1). 10.4.4 Das SEM hat sämtliche Aspekte des vorliegenden Einzelfalles in seine Gesamtwürdigung einbezogen und alle Elemente, welche Rück- schlüsse auf das Alter des Beschwerdeführers zulassen könnten, nament- lich seine Aussagen und das Altersgutachten, sorgfältig abgewogen. Auf die ausführliche und zutreffende diesbezügliche Begründung in der ange- fochtenen Verfügung kann verwiesen werden, insbesondere auch in Bezug auf den Vorwurf der ungenügenden Probandenzahl in der Referenzstudie. Das vorliegende Altersgutachten stützt sich auf die Ergebnisse einer kör- perlichen, einer zahnröntgenologischen und einer radiologischen Untersu- chung (Röntgen der Hand und Computertomographie [CT] der medialen Anteile der Schlüsselbe ine) und das Gericht sieht keinen Anlass, am Er- gebnis dieses Gutachtens zu zweifeln, weshalb diesem erhöhter Beweis- wert zukommt. 10.4.5 Zusammenfassend ist das SEM zu Recht zum Schluss gelangt, der Beschwerdeführer habe die behauptete Minderjährigkeit nicht glaub haft gemacht. Die Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, die von der Vorinstanz vorgenommene Beurteilung in Frage zu stellen. Weitere diesbezügliche Ausführungen im Zusammenhang mit der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen sich somit. 10.4.6 Der Beschwerdeführer vermag sodann die oben umschriebene Le- galvermutung nicht umzustossen und konkrete Anhaltspunkte dafür glaub- haft zu machen, dass er im Falle einer Rückführung nach Griechenland in eine existenzielle Notlage geraten würde. Auch wenn die Situation für an- erkannte Flüchtlinge in Griechenland schwierig ist, wird es dem Beschwer- deführer bei der Rückkehr möglich sein, sich für eine Unterkunft und Sozi- alleistungen an die entsprechenden Stellen zu wenden und im Bedarfsfall seine Rechte einzu fordern sowie nötigenfalls die unentgeltliche Hilfe der zahlreich vorhandenen Nichtregierungsorganisationen zu beanspruchen. Dies gilt auch in Anbetracht des geltend gemachten jungen Alters. Er macht D-453/2024 Seite 15 in der Beschwerde nicht respektive nur äusserst pauschal geltend, er habe dies bereits vergeblich versucht. In der Beschwerde wird hierzu geltend gemacht, dass der Hinweis auf die meist überlasteten NGOs bedeute, dass die staatlichen Unterstützungsleistungen nicht ausreichend seien (Be- schwerde S. 5). Das Gericht verkennt nicht, dass das griechische Asylsys- tem Schwachstellen aufweist, alleine damit ist die Legalvermutung aber nicht umgestossen. Auch ist festzuhalten, dass die NGO in Griechenland von verschiedenen Akteuren (wie etwa der Europäischen Union) gerade finanziert werden, um staatliche Angebote zu ergänzen (vgl. Referenzurteil a.a.O. E. 9). 10.4.7 Schliesslich steht auch der Gesundheitszustand des Beschwerde- führers einer Überstellung nach Griechenland nicht entgegen. Er gehört nicht zu den äusserst vulnerablen Personen, die an schweren Krankheiten im Sinne des erwähnten Referenzurteils leiden, bei denen der Vollzug der Wegweisung nur bei Vorliegen besonders günstiger Umstände zumutbar ist. Eine allfällig notwendige medizinische Behandlung steht ihm grund- sätzlich auch in Griechenland zur Verfügung. 10.4.8 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs mit zutreffender Begründung bejaht. Insbesondere hielt es zu Recht fest, dass der Beschwerdeführer alleine aufgrund seines Alters nicht als äusserst vulnerable Person im Sinne der bundesverwal- tungsgerichtlichen Rechtsprechung gelte und keine Hinweise auf andere Vulnerabilitätskriterien vorliegen würden. Um Wiederholungen zu vermei- den, ist auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen. 10.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich schliesslich auch als mög- lich, zumal die griechischen Behörden am 11. August 2023 der Rücküber- nahme des Beschwerdeführers explizit zugestimmt haben und er über eine bis zum 2. April 2026 gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt. 10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG) und – D-453/2024 Seite 16 soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, weil sich die Beschwerde entsprechend den vorstehenden Erwä- gungen bereits von vornherein als aussichtlos im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erwiesen hat. Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 A bs. 1 VwVG). Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit dem vorliegenden Urteil in der Sache gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) D-453/2024 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Chiara Piras Nikola Nastovski Versand: