B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5192/2016 U r t e i l v o m 3 . N o v e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Petra Vonschallen. Parteien A._______, geboren am (…), unbekannter Herkunft, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 29. Juli 2016 / N (…). E-5192/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben zufolge am 27. Novem- ber 2012 mithilfe eines Schleppers China via Nepal, von wo aus sie am 1. Februar 2013 in ein ihr unbekanntes Land geflogen sei. Am 2. Februar 2013 reiste sie illegal in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Die Befragung zur Person (BzP) fand am 19. Februar 2013 im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Kreuzlingen statt (vgl. Akten SEM A6). Das SEM hörte die Beschwerdeführerin am 12. Mai 2014 vertieft zu den Asylgründen an (vgl. A12). B. Zur Begründung des Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im We- sentlichen geltend, sie sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie und habe seit jeher in B._______ gelebt. Am 27. November 2012 habe sie zu Hause ein Video des Dalai Lama angeschaut, welche s sie von ihrem Bruder erhalten habe. Um den Film auch anderen Leuten im Dorf zeigen zu können, habe sie zusammen mit einer Freundin in einem chinesischen Laden sieben Kopien dieses Films anfertigen lassen. Vier Kopien habe sie ihrer Freundin überlassen. Noch am gleichen Morgen hätten die chinesi- schen Behörden ihre Freundin festgenommen. Aus Angst , ebenfalls ver- haftet zu werden, und auf Anraten ihrer Mutter habe sie gleichentags China verlassen. Die Beschwerdeführerin reichte keine Reise- oder Identitätspapiere zu den Akten. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachstehenden Erwägungen verwiesen. C. Auf Nachfrage des SEM teilte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 21. Dezember 2015 mit, dass gemäss Rückmeldung ihrer Mutter die chi- nesischen Polizisten bei Hausdurchsuchungen ihre Identitätskarte mitge- nommen hätten und sie somit keine Identitätspapiere mehr besitze. D. Mit undatiertem Schreiben (Eingang SEM: 29. Dezember 2015), versendet mittels der China Post Group, bestätigte der Verfasser beziehungsweise die Verfasserin, sie heisse C._______ und sei die Mutter der Beschwerde- führerin. Weiter teilte die Person mit, die chinesische Polizei habe alle ihre E-5192/2016 Seite 3 Dokumente beschlagnahmt und deshalb gebe es keine Möglichkeit, diese wieder zu beschaffen. E. Am 31. Mai 2016 fand ein 64-minütiges Telefoninterview zur Herkunftsab- klärung durch Evaluation des Alltagswissens der Beschwerdeführerin statt (nachfolgend: "Lingua-Alltagswissensevaluation"), mit welchem ein amts- externer Sachverständiger zum Ergebnis kam, die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin im behaupteten geographischen Raum ge- lebt habe, sei klein. F. Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin am 16. Juni 2016 zu den zu- sammengefassten Resultaten der "Lingua-Alltagswissensevaluation" das rechtliche Gehör, welches sie mit Eingabe vom 28. Juni 2016 wahrnahm. Sie reichte gleichzeitig ein Zwischenzeugnis vom 29. Januar 2016 für das 2. Semester 2015/2016 am (…) sowie ein Zertifikat vom 11. Mai 2016 über den Sprachkurs telc Deutsch B1 und ein Zertifikat vom 20. Juli 2015 über den Sprachkurs telc Start Deutsch 2 ein. G. Mit Verfügung vom 29. Juli 2016 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh- rerin erfülle d ie Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungs- vollzug an, verbunden mit der Einschränkung, der Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China werde ausgeschlossen. H. Mit Eingabe vom 27. August 2016 erhob die Beschwerdeführerin gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und in der Sache sei neu zu urteilen, die Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es sei ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei ihr die vorläufige Aufnahme als Flücht- ling infolge unzulässigen Wegweisungsvollzugs zu gewähren, subeventu- aliter sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzumutbar und un- möglich sei. In prozessualer Hinsicht stellte sie den Antrag auf Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung samt Kostenvorschussverzicht. E-5192/2016 Seite 4 Zur Untermauerung ihrer Beschwerdebegründung reichte sie nebst vo- rinstanzlichen Akten einen Vorlehrvertrag vom 19. Juli 2016, das Ab- schlusszeugnis vom 6. Juli 2016 für das 1. Semester 2016 am (…) sowie eine Wohnsitzbestätigung vom 12. August 2016 der Gemeinde D._______ ein. I. Mit Zwischenverfügung vom 1. September 2016 wies die Instruktionsrich- terin den Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Proze ssführung we- gen Aussichtslosigkeit der Beschwerde ab und forderte die Beschwerde- führerin auf, bis zum 16. September 2016 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten, welcher innert Frist bezahlt worden ist. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausna hme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren sichtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-5192/2016 Seite 5 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. Zur Begründung des ablehnenden Entscheids gab die Vorinst anz an, die Beschwerdeführerin sei über ihr Alltagswissen in der angegeben Her- kunftsregion geprüft worden. Der Sachverständige sei zum Schluss ge-E-5192/2016 Seite 6 kommen, die Wahrscheinlichkeit sei klein, dass sie im behaupteten geo- grafischen Raum gelebt habe. Die Einwände der Beschwerdeführerin im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs hätten die Zweifel an ihrer Herkunft nicht zu beseitigen vermögen. Im Gegenteil würden die Schlussfolgerungen des Sachverständigen durch weitere Elemente bestätigt. Sie habe einerseits keine Identitätsnachweise eingereicht und anderseits in diesem Zusammenhang widersprüchliche Angaben gemacht. Insbesondere habe sie geltend gemacht, aufgrund feh- lender Kontaktdaten und um ihre Familie nicht in Gefahr zu bringen, habe sie keinen Kontakt zu diesen aufnehmen können, um einen Identitätsnach- weis zu beschaffen. Später habe sie mit Schreiben vom 21. Dezember 2015 erklärt, sie habe ihre Mu tter kontaktieren können. Sie habe im Feb- ruar 2015 bei einem Besuch des Dalai Lama zufälligerweise jemanden ge- troffen, der ihr die Telefonnummer ihrer Mutter habe mitteilen können. Diese Erklärung überzeuge nicht. Es erscheine wenig realistisch, dass sie plötzlich nach Jahren zufälligerweise jemanden treffe, der die Telefonnum- mer von ihrer Mutter kenne. Vor diesem Hintergrund erscheine die Erklä- rung, wonach ihre Identitätskarte von den chinesischen Behörden be- schlagnahmt worden sei, als nachgeschobene Schut zbehauptung. Eben- falls vermöge das beim SEM eingegangene Schreiben aus China die Zwei- fel an ihrer Herkunft nicht zu beseitigen. Es stehe nicht fest, wer der Ver- fasser dieses Schreibens sei. Dem Schreiben seien auch keine Hinweise auf die Identität des Verfassers zu entnehmen. Die Behauptung, es handle sich um ihre Mutter, reiche nicht aus, um die Einschätzung des Sachver- ständigen umzustossen. Ferner sei das Angebot, die Mutter anzurufen, an- gesichts der Beweislast, die in Sachen Herkunftsnachweis bei der Be- schwerdeführerin und nicht beim SEM liege, unbeachtlich. Ferner seien die Ausführungen zur Asylbegründung sowie zur Ausreise wi- dersprüchlich und somit nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG. 6. 6.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Identität der Beschwerdeführ erin bis heute nicht feststeht. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass der in Art. 12 VwVG statuierte Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen feststellt und sich nötigenfalls der ge- setzlichen Beweismittel bedient, sei ne Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG) findet. Dazu gehört, die Identität offenzu- legen und vorhandene Identitätspapiere abzugeben, an der Feststellung E-5192/2016 Seite 7 des Sachverhaltes mitzuwirken und in der Anhörung die Asylgründe darzu- legen, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die Beschwerdeführerin hat im vorinstanzli- chen Verfahren weder Reise- noch Identitätspapiere, die geeignet wären, etwas zur Klärung ihrer Identität und ihrer Herkunft beizutragen, einge- reicht. Das undatierte Schreiben aus China vermag, wie die Vorinstanz zu Recht dargelegt hat, ihre Identität nicht zu beweisen. Ein weiteres Nach- forschen des SEM durch einen Anruf auf die von der Beschwerdeführerin mitgeteilte Telefonnummer ist unbesehen der Beweislastverteilung vorlie- gend nicht zielführend, da eine Identitätsabklärung per Telefon nicht mög- lich ist. Weder die Identität der angerufenen Person no ch jene der Be- schwerdeführerin kann per Telefon nachgewiesen werden. Die fehlende Beibringung eines Identitätsnachweises stellt eine Verletzung der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG dar, auf welche die Vorinstanz sie bereits anlässlich der BzP (vgl. A6 S. 2 sowie Rz. 4.07) ex- plizit hinwies. 6.2 Die Beschwerdeführerin macht e sinngemäss geltend, die Vorinstanz habe einerseits die Beweise falsch gewürdigt, indem sie falsche Schluss- folgerungen aus der "Lingua-Alltagswissensevaluation" gezogen habe und anderseits bezüglich der Asylvorbringen den Massstab des Glaubhaftma- chens nicht richtig angewendet und damit Bundesrecht verletzt. 6.2.1 Im Rahmen von " Lingua-Alltagswissensevaluation" werden regel- mässig – so auch vorliegend – die landeskundlich-kulturelle Kenntnisse von Asylsuchenden geprüft, wobei die beauftragten Experten über eine entsprechende Befähigung verfügen. Bei einer solchen "Lingua-Alltagswis- sensevaluation" handelt es sich zwar nicht um ein Sachverständigengut- achten im Sinne von Art. 12 Bst. e VwVG (vgl. hierzu Art. 57-61 BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um eine schriftliche Auskunft einer Dritt- person im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. Das Bundesverwaltungsgericht misst einer "Lingua-Alltagswissensevaluation" aber erhöhten Beweiswer t bei, sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objek- tivität und Neutralität des Experten sowie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit gegeben sind, denen eine solche Prüfung zu entspre- chen hat (vgl. Urteil des BVGer D -5625/2013 vom 29. September 2014 E. 4.4.1 f.). Diese Voraussetzungen sind hier erfüllt. Die vorliegend zu be- urteilende Analyse ist fundiert und mit einer überzeugenden sowie ausge- wogenen Begründung vers ehen, die zu keinen Beanstandungen Anlass E-5192/2016 Seite 8 gibt. Zudem bestehen an der fachlichen Qualifikation des Sachverständi- gen keine Zweifel, weshalb der vorliegenden "Lingua-Alltagswissensevalu- ation" erhöhter Beweiswert bei gemessen und von ihrer inhaltlichen Rich- tigkeit und Vollständigkeit ausgegangen wird. 6.2.2 Wie der "Lingua-Alltagswissensevaluation" zu entnehmen ist und von der Vorinstanz in ihrem Schreiben an die Beschwerdeführerin vom 16. Juni 2016 zutreffend festgehalten worden ist, mangelt es der Beschwerdefüh- rerin einerseits an Chinesisch Kenntnissen und anderseits an länderspezi- fischem Wissen namentlich zur Geografie hinsichtlich des Gebiets B._______, bezüglich der üblichen Preise für Nahrungsmittel, zum Schul- systems sowie zum Ausstellungsprozedere der Identitätskarte. In ihrer Stellungnahme vom 28. Juni 2016 sowie in der Beschwerdeschrift bestrei- tet sie grundsätzlich die mangelnden länderspezifischen Kenntnisse nicht, will sie jedoch dadurch erklären, dass sie einerseits n ie eine Schule be- sucht habe und sie anderseits nie viel im Land umher gereist sei. Selbst wenn nach glaubwürdigen Quellen viele Tibeterinnen und Tibeter kein oder nur schlecht Chinesi sch sprechen (vgl. unter anderem Human Rights Watch (HRW), "They Say We Should Be Grateful," Mass Rehousing and Relocation Programs in Tibetan Areas of China, 27.06.2013, <http://www.hrw.org/sites/default/files/reports/tibet0613webwco- ver_0.pdf>, abgerufen am 27.10.2016), vermag dies vorliegend nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin will gemäss eigenen Aussagen in ei- ner Region gelebt haben, wo es ziemlich viele Chinesen gibt (vgl. A12 F50). Danach wäre zu erwarten, dass sie zumindest einfachste Sätze auf Chine- sisch verstehen und beantworten könnte , was ihr jedoch anlässlich der Evaluation weitestgehend nicht möglich war. Ferner wird der wohlbegrün- deten Verfügung der Vorinstanz nichts Stichhaltiges entgegengesetzt. Die Beschwerde erschöpft sich vielmehr i n einer Wiederholung des Stand- punktes, den die Beschwerdeführerin schon im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs zur "Lingua -Alltagswissensevaluation" eingenom- men hat. Diese Bedenken wurden aber in der angefochtenen Verfügung schon berücksichtigt. 6.2.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdevorbringen den vom Sachverständigen geäusserten Schluss, die Beschwerdeführerin habe mit hoher Wahrscheinlichkeit ausserhalt des behaupteten geographi- schen Raumes gelebt, nicht zu entkräften vermögen. 6.3 Somit ist den geltend gemachten Asylvorbringen die Grundlage entzo- gen. Ferner hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ausführlich E-5192/2016 Seite 9 begründet, weshalb die Aussagen der Beschwerdeführerin widersprüchlich und somit nicht glaubhaft sind. Diese Schlussfolgerung der Vorinstanz ist indessen weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstan- den und es kann vollumfänglich auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die mit Beschwerde eingereichten Beweis- mittel sind für die vorliegende Beurteilung nicht relevant, da sie insbeson- dere nicht geeignet sind, ihre Herkunft zu belegen. 6.4 Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Wie bereits in Erwägung 6.1 ausgeführt, ist das Gericht mit der Vorinstanz der Auffassung, dass die Beschwerdeführerin durch die Ver- heimlichung respektive Verschleierung ihrer wahren Herkunft die ihr oblie- gende Mitwirkungspflicht und dadurch den Behörden nähere Abklärungen und eine Rückschaffung in ihren tatsächliche Heimat- oder Herkunftsstaat verunmöglicht. Sie hat die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung zu verantwor- ten. In diesem Sinne ist vorliegend vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen (vgl. Urteil des BVGer E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.10). 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin keine Verfol- gung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag und deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 8. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwei- sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung ist nicht zu beanstanden. 9. 9.1 In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft gemacht. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem E-5192/2016 Seite 10 Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägungen. Ihre Herkunft und Staatsangehörigkeit gelten deshalb als unbekannt. 9.2 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersu- chungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asyl- suchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es ist nicht Sache der Behörde, bei fehlenden, womög- lich gezielt vorenthaltenen Hinweisen, nach allfälligen Wegweisung svoll- zugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Vermu- tungsweise ist deshalb davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E -2450/2014 vom 22. Mai 2014). Ein Vollzug der Weg- weisung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid – of- fenbar in Anwendung von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG – ausdrücklich aus- geschlossen worden. Mit dem Vorenthalten von Informationen und dem Fehlen jeglicher Bemü- hungen, Ausweispapiere und Beweismittel zu beschaffen, die ihre Identität, Herkunft und Vorbringen beweisen könnten, ist die Beschwerdeführerin selber dafür verantwortlich, weshalb sich zuerst die Vorinstanz und nun auch das Gericht mit den Fragen der Wegweisung und deren Vollzugs nur in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise gemäss den vorstehenden Ausführungen befasst. Sie entzieht mit ihrem Verhalten die für genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, und es ist nicht Sache des Gerichts, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu ergehen. 9.3 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allenfalls benötigten Reisedokumente zu beschafften (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug auch als möglich zu bezeich- nen ist. 10. Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun- desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde - führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die E-5192/2016 Seite 11 Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite.) E-5192/2016 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Petra Vonschallen Versand: