Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. November 2017 (720 17 155 / 293) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Aurelia Jenny, Rechts- anwältin, schadenanwaelte.ch, Postfach 3284, 8034 Zürich gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1968 geborene A.____ war vom 4. Juli 2011 bi s 31. August 2015 als Sachbearbei- terin bei der B.____ AG tätig. Am 21. September 201 4 erlitt sie einen Nichtberufsunfall, als sie beim Joggen ausrutschte, stolperte und sich dabei a n der Halswirbelsäule verletzte. Nach Ein- gang der Unfallmeldung erbrachte die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) als obligatorischer Unfallversicherer die gesetzlichen Leistungen für die Folgen dieses Ereignisses. Im weiteren Verlauf stellte sie diese jedoch mit Ve rfügung vom 5. August 2015 mangels Kausa- lität zwischen Unfall und aktuell vorliegendem Beschwerdebild per 23. August 2015 ein. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 30. Juni 2015 hatte sich A.____ unter Hinweis auf “ Gefühlslosigkeit im rechten Arm und in einzelnen Fingern der rechten Hand, Bewegungseinschrän kung und Kraftlosigkeit im rechten Arm, Erschöpfungszustand, Verkrampfung der Muskulatur, Nack en- und Kopfschmerzen nach drei Stunden mit sitzender Tätigkeit (Computerarbeit) “ auch bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemeldet. Na chdem sich berufliche Massnah- men als nicht durchführbar erwiesen hatten, teilte die IV-Stelle Basel-Landschaft der Versicher- ten am 27. August 2015 mit, dass sie zur Prüfung der R entenfrage übergehe. Sie klärte in der Folge die gesundheitlichen und die erwerblichen Verh ältnisse der Versicherten ab, wobei sie einen Invaliditätsgrad von 3 % ermittelte. Gestützt a uf dieses Ergebnis lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. April 2017 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwältin Aurelia Jenny namens und im Auftrag von A.____ am 23. Mai 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei der Beschwerdeführerin in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine IV-Rente auszurichten. Ev entualiter sei die Angelegenheit zur näheren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und der A rbeitsfähigkeit der Beschwerde- führerin an die IV-Stelle zurückzuweisen; subeventualiter sei die Angelegenheit zur Prüfung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf Gewährung beruflich er Massnahmen an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu La sten der IV-Stelle. Ausserdem seien der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessf ührung und die unentgeltliche Verbei- ständung zu bewilligen. Letzteres Gesuch zog die Beschwer deführerin am 4. Juli 2017 wieder zurück. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juli 2017 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Zudem legte sie ihren Ausführungen eine n achträglich eingeholte Beurteilung von Dr. med. C.____, Orthopädische Chirurgie und Traumato logie des Bewegungsapparates FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 6. Juli 2017 bei. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Rep- lik vom 10. August 2017 an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesent- lichen bisherigen Vorbringen fest. Die IV-Stelle wiede rum beantragte in ihrer Duplik vom 23. August 2017, welcher sie eine weitere Beurteilung von Dr. C.____ vom 16. August 2017 beilegte, nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. E. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden Be schwerde hatte das Kantonsgericht bei der Suva die das Unfallereignis der Versicherten vo m 21. September 2014 betreffenden Akten beigezogen. In der Folge reichte die Suva dem G ericht nicht nur das angeforderte Dossi- er, sondern auch zusätzliche Unterlagen ein, die einen weiteren, von der Versicherten am 20. September 2016 erlittenen Bagatellunfall betreffen. Bei diesem zweiten Ereignis handelte es sich um eine Auffahrkollision zwischen zwei Personenwagen, in welche die Beschwerdeführerin als Beifahrerin des vorderen, vor einem Fussgängerstreifen haltenden Autos involviert war. Das Kantonsgericht gab den Parteien Gelegenheit, zu diesen zusätzlichen Unfallakten der Suva Stellung zu nehmen. Während die IV-Stelle im Rahmen ihrer Duplik vom 23. August 2017 - un- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter Beilage einer Aktennotiz von Dr. C.____ vom 21. A ugust 2017 - von dieser Möglichkeit Ge- brauch machte, äusserte sich die Beschwerdeführerin mit e iner separaten Eingabe vom 5. Oktober 2017 hierzu. Zudem reichte die Versicherte zusammen mit dieser Stellungnahme ein ärztliches Gutachten ein, welches Dr. med. D.____, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, Lörrach (D), am 22. Dezember 2016 für die Deutsche Rentenversicherung Bund über sie verfasst hatte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Soweit die Versicherte in ihrer Beschwerde beantra gt, subeventualiter sei die Angele- genheit zur Prüfung ihres Anspruchs auf Gewährung ber uflicher Massnahmen an die IV-Stelle zurückzuweisen, ist sie darauf hinzuweisen, dass im versicher ungsgerichtlichen Beschwerde- verfahren grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überp rüfen und zu beurteilen sind, zu denen der zuständige Versicherungsträger vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den be schwerdeweise weiterziehbaren An- fechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügun g ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a mit Hinweisen). Vorliegend b ildet ein allfälliger Anspruch der Versicher- ten auf berufliche Massnahmen nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung. Somit fehlt es aber in Bezug auf dieses Rechtsbegehren der Versicherten an einem tauglichen Anfechtungs- objekt, weshalb auf die Beschwerde in diesem Punkt nicht eingetreten werden kann. 1.3 Einzutreten ist demgegenüber auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde vom 23. Mai 2017, soweit sich die darin gest ellten Rechtsbegehren auf den von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung verneint en Rentenanspruch der Versicherten be- ziehen. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des Gesundheitszusta ndes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei den Dres. med. E.____, Neurologi e FMH, und F.____, Rheumatologie FMH, Innere Medizin FMH und Manuelle Medizin SAMM, ei n bidisziplinäres (neurologi- sches/rheumatologisches) Gutachten in Auftrag. 4.1.1 In seinem neurologischen Teilgutachten vom 3. Juli 2016 erhob Dr. E.____ bei der Versicherten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine intermittierende radiku- läre Reizsymptomatik und eine residuelle leichte radikulär e Ausfallssymptomatik rechts bei Zu- stand nach Foraminalstenose C4/5 rechts und sensomotori schem Wurzelausfallsyndrom C5 rechts sowie Spinalstenose C3 bis C5 bei Status nach Kor pektomie C4 und Dekompression C3 bis C5 und Stabilisation mit PINA-Cage und Platte C3 nach C5 am 2. Dezember 2014. Als Lei- den ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er ein Carpaltunnelsyndrom rechts mässig bis mittelstark und links mässig ausgeprägt. In seiner Beurteilung führte Dr. E.____ aus, bei der aktuellen Untersuchung seien noch eine leicht a usgeprägte radikuläre Ausfallssympto- matik und eine mögliche intermittierende Reizsymptomati k feststellbar gewesen. Die Angaben der Explorandin, aktuell unter sehr starken Genickschmerzen ( Schmerzangabe von VAS 9) zu leiden, sei nur schwer nachvollziehbar, da sich keine bei sehr starken Schmerzen üblicherweise Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auftretende vegetative Begleitsymptomatik, keine psychomoto rische Unruhe und kein entspre- chender Affekt habe feststellen lassen. Insgesamt sei die aus neurologischer Sicht zu beurtei- lende radikuläre Beeinträchtigung mit Schmerzangabe von VAS 2 als nur leicht zu gewichten. Was die Indikatoren betreffe, so würden sich gewisse Inkonsi stenzen im Sinne einer möglichen Verdeutlichungstendenz ergeben. So bestehe eine ausge prägte Diskrepanz zwischen der von der Explorandin geklagten Schmerzintensität und der star ke Schmerzen begleitenden Co- Elemente. Die eigene Einschätzung der Explorandin in Bezug auf ihre Arbeitsfähigkeit sei aus seiner fachärztlichen Sicht nicht nachvollziehbar. Aus re in neurologischer Optik bestehe eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in Tätigkeiten mit Kopfzwangshaltungen sowie mit erhöh- ter Belastung des Schultergürtels. In Tätigkeiten ohne Kopfzwangshaltungen mit nur leichter bis höchstens mässiger Belastung der Schultergürtels sei bei der Explorandin drei Monate ab dem operativen Eingriff, also spätestens seit 1. April 20 15, von einer 100 %-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Bis dann habe seit dem Zeitpunkt des Unfalls eine volle Arbeitsunfähigkeit be- standen. 4.1.2 Dr. F.____ erhob in seinem rheumatologischen Te ilgutachten vom 16. August 2016 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein zervikovertebrales Syndrom mit/bei (1) Status nach Korpektomie C4 und Dekompression C3 bis C5, S tabilisation mit PINA Cage und CLSP C3 nach C5 am 2. Dezember 2014 bei sensomotorischem Ausfallssyndrom C5 rechts bei Foraminalstenose C4/5 rechts und zentraler Spinalstenose C3 bis C5, (2) Osteochondrosen C5/6 und C6/7 (mehrere Röntgen HWS, CT HWS 12.12.20 15) und (3) intermittierend radikulä- rer Reizsymptomatik rechts (gemäss neurologischem Gutachte n Dr. E.____ vom 03.07.2016). Als Leiden ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. F.____ ein mässiges bis mittelstarkes Carpaltunnelsyndrom rechts sowie ein mässiges Carpaltunne lsyndrom links fest. In seiner Be- urteilung wies der rheumatologische Gutachter darauf h in, dass residuelle Beschwerden zervi- kal und im Bereich des Oberarms rechts und Parästhesien, vor allem distal des Ellbogens rechts bis in die Finger III – V reichend, bestünden. Die subjektive Schmerzintensität werde in einer subjektiv erheblichen Stärke zervikal mit VAS 8 un d im Oberarm mit VAS 6-7 angegeben. Hier bestehe eine gewisse Diskrepanz in Relation zwischen s ubjektivem Schmerzerleben und den objektiv eher geringgradigen Befunden und den gel eisteten Tagesaktivitäten. Letztere be- stünden darin, dass die Explorandin täglich 20 Minuten jogge, dreimal wöchentlich das Fitness- Center für jeweils 2 Stunden besuche, einen 5-Personenh aushalt in einem Einfamilienhaus mit Hof und Garten bewältige, regelmässig Velo fahre und auch ihre Kinder mit dem Auto regel- mässig an Sportveranstaltungen fahre. Zusammengefasst wü rden diese Tagesaktivitäten dem Vollpensum einer körperlich leichten Tätigkeit entspre chen. Bildgebend liege ein regelrechter Operationssitus vor ohne Progredienz der degenerativen V eränderungen. Aus rein rheumatolo- gischer Sicht bestehe in einer wechselbelastenden gemischt en Bürotätigkeit ohne dauernde Zwangshaltungen ebenso wie in allen anderen optimal angepassten Verweistätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bezogen auf ein Ganztagepe nsum. Die letzte durchgeführte Tätigkeit in der Zolldeklaration sei nicht optimal angepasst gewe sen, da grosse Anteile nur in Form von Schreibarbeiten zu verrichten und erhebliche Gewichte z u heben gewesen seien, so dass in einer solchen Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % bezogen auf ein Vollpensum auszu- gehen sei. Diese Zumutbarkeitsbeurteilung gelte seit Sep tember 2015. In der Zeit davor habe vom 25. September 2014 bis 25. Februar 2015 eine vollst ändige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anschliessend habe sich die Arbeitsunfähigkeit bis zum 13. April 2015 auf 80 % und vom 14. April 2015 bis Ende Juni 2015 auf 60 % belaufen. Beru fliche Massnahmen seien nur fraglich indiziert, da sich die Explorandin zu nur 40 % als arbei tsfähig erachte. Die abweichenden Zu- mutbarkeitsbeurteilungen der behandelnden Ärzte, die von einer 40 %-igen Arbeitsfähigkeit ausgingen, würden sich an den subjektiven Angaben der Versicherten orientieren und seien nicht nachvollziehbar. Auf Seiten der Explorandin beste he eine gewisse Selbsthinderungsüber- zeugung, welche einer Wiederaufnahme einer Tätigkeit zu einem gewissen Grade im Wege stünde, erschwerend komme sicherlich auch der Stellenverlu st hinzu. Zu keinem Zeitpunkt sei aber der Eindruck einer Aggravation oder Simulation entstanden. 4.1.3 Im Rahmen ihrer abschliessenden bidisziplinären K onsensbeurteilung wiesen die bei- den Gutachter Dres. E.____ und F.____ darauf hin, dass sich aus neurologischer Sicht geringe- re Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ergeben würden . Da die Einschränkungen aus dem Fachgebiet der Rheumatologie mit anderen Worten über diejenigen des Fachgebiets der Neu- rologie hinausgehen würden, gelte, so das abschliessend Fazit der Gutachter, die rheumatolo- gische Zumutbarkeitsbeurteilung als Gesamtbeurteilung fü r die Fächer Rheumatologie und Neurologie. 4.2.1 Im Rahmen seiner Würdigung der Gutachten gelang te der RAD-Arzt Dr. C.____ zur Auffassung, dass das Gutachten von Dr. F.____ noch Frage n aufwerfe bzw. offen lasse. So sei etwa nicht klar, weshalb dieser der Versicherten zum einen eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bzw. von 70 % in der bisherigen Tätigkeit attestiere und zum andern gleichzeitig festhalte, dass die Alltagsaktivitäten der Versicherten einem Vollpensum in einer leichten Tätigkeit entsprechen würden. Die IV-Stelle gelangte deshalb mit entsprech enden Rückfragen an Dr. F.____. In sei- ner ergänzenden Stellungnahme vom 8. September 2016 führte dieser aus, dass sich ein Gut- achter an objektiven Parametern wie klinischen Kriterien und radiologischen Befunden zu orien- tieren habe. Auch wenn die geschilderten Tagesaktivitä ten im Prinzip einem körperlich leichten Vollpensum entsprächen, bleibe unter Würdigung der objektiven Parameter - bezogen auf ein Vollpensum - dennoch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Letztlich sei die Zumutbarkeits- beurteilung kein mathematischer Prozess, sondern sie stehe a uch in Zusammenhang mit gut- achterlicher Erfahrung und Intuition. Insgesamt werde daher an der Zumutbarkeitsbeurteilung festgehalten. 4.2.2 In Bezug auf das neurologische Gutachten monierte der RAD-Arzt Dr. C.____ die feh- lende Auseinandersetzung des Experten mit den abweichenden ärztlichen Einschätzungen. Die IV-Stelle bat deshalb Dr. E.____ um eine entsprechende kontroverse Diskussion der abwei- chenden medizinischen Beurteilungen der behandelnden Ä rzte. In seiner ergänzenden Stel- lungnahme vom 20. September 2016 wies Dr. E.____ dara uf hin, dass er ausschliesslich die neurologische Symptomatik und Beeinträchtigung, also die radikuläre Reiz- und Ausfallssymp- tomatik, beurteilt habe. Demgegenüber hätten die be handelnden Ärzte die rheumatologische und die neurologische Symptomatik vermischt und dieses Gesa mtbild in ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt. Ausserdem habe der Guta chter im Gegensatz zu den behan- delnden Ärzten auch die Art und Weise der Symptomdarste llung der Explorandin, deren Scha- denminderungspflicht und ihre zumutbare Willensanstren gung zu berücksichtigen, was ein zu- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sätzlicher Grund für die differente Beurteilung der Ar beitsfähigkeit durch die behandelnden Ärz- te sei. 4.2.3 Auf eine weitere im Auftrag des RAD-Arztes Dr. C .____ erfolgte Anfrage der IV-Stelle hin, wie die 20 %-ige Einschränkung in einer wechselbel astenden gemischten Bürotätigkeit zu begründen sei, führte Dr. F.____ mit Schreiben vom 1 1. Oktober 2016 aus, dass die Beein- trächtigung auch in einer leichten körperlichen Tätigke it durch verschiedene Faktoren bedingt sei. Einerseits bestünden doch deutliche Osteochondrosen, welche nicht reversibel seien, son- dern weiter fortschreiten würden. Zum andern bestehe eine intermittierende radikuläre Reizsitu- ation, welche nur zeitweilig vorhanden sei. Wenn dies e aber auftrete, liege seines Erachtens eine leichte Einschränkung vor. Aus der Summe dieser Fakte n resultiere auch in einer idealen leichten körperlichen Tätigkeit eine Einschränkung von 20 %. 4.3 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist de n im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen un d -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor . Das ausführliche bidisziplinäre Gut- achten der Dres. E.____ und F.____ vom 3. Juli/16. Aug ust 2016 (samt ergänzenden Stellung- nahmen vom 8./20. September und 11. Oktober 2016) w eist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlang t wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die strei- tigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Unt ersuchungen, es berücksichtigt die ge- klagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abge geben worden, es ist in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteil ung der aktuellen medizinischen Situation schlüssig und es enthält einleuchtende Schlussfolgerungen. 4.4 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 5. April 2017 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes der Versicherten - zu Recht - ebenfalls auf die Ergeb- nisse, zu denen die Dres. E.____ und F.____ in ihrem G utachten vom 3. Juli/16. August 2016 gelangt sind. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hingegen folgte sie nicht der Einschätzung der Gutachter, wonach in einer wechselbelastenden gemi schten Bürotätigkeit ohne dauernde Zwangshaltungen ebenso wie in allen anderen optimal angepassten Verweistätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bezogen auf ein Ganztagepen sum bestehe. Stattdessen übernahm sie die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. C.____, wonach die Versicherte ab dem 1. April 2015 in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sachbearbeiteri n wie auch in allen weiteren, ihren Mög- lichkeiten entsprechenden Verweistätigkeiten (Tätigkei ten ohne Kopfzwangshaltung mit nur noch leichter bis höchstens mässiger Belastung des Schult ergürtels) im Umfang von 100 % arbeitsfähig sei. In letzterem Punkt kann der vorinstan zlichen Beweiswürdigung nicht gefolgt werden. Dr. C.____ führt zur Begründung seiner von d er gutachterlichen Zumutbarkeitsbeurtei- lung abweichenden Auffassung aus, die Einschätzung von Dr. F.____ sei insoweit widersprüch- lich, als dieser der Versicherten zum einen lediglich ei ne Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer idealen leichten Tätigkeit attestiere und zum andern gleichzeitig festhalte, dass die Alltagsaktivi- täten der Versicherten einem Vollpensum in einer leichten Tätigkeit entsprechen würden. Dieser Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vordergründige Widerspruch wird nun allerdings durch d ie Ausführungen von Dr. F.____ in den ergänzenden Stellungnahmen vom 8. September/11. Oktobe r 2016 geklärt. Der Experte weist darin zu Recht darauf hin, dass sich ein Gutachter an objektiven Parametern wie klinischen Kri- terien und radiologischen Befunden zu orientieren hat, und er legt nachvollziehbar dar, dass der Versicherten unter Würdigung dieser objektiven Parameter - bezogen auf ein Vollpensum - dennoch eine (leichte) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden kann, auch wenn die von ihr geschilderten Tagesaktivitäten im Prinzip ei nem körperlich leichten Vollpensum ent- sprechen würden. Entgegen der Auffassung der IV-Stelle besteht deshalb kein hinreichend be- gründeter Anlass, um vorliegend von der Beurteilung d er Arbeitsfähigkeit durch die Gutachter Dres. E.____ und F.____ abzuweichen. Mit diesen ist dem zufolge davon auszugehen, dass die Versicherte in einer wechselbelastenden gemischten Bürot ätigkeit ohne dauernde Zwangshal- tungen ebenso wie in allen anderen optimal angepassten Verweistätigkeiten im Umfang von 80 % arbeitsfähig ist. 4.5 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der Dres. E.____ und F.____ vom 3. Juli/16. August 2016 in Zweifel zu ziehen. 4.5.1 Die Beschwerdeführerin moniert, dass sich Dr. E.___ _ nicht mit den abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte auseinandergesetzt habe. Der genannte Gutachter hat sich in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 20. September 2016 auf Ersuchen der IV- Stelle zu diesem Punkt geäussert. Dabei hat er zu Rech t darauf hingewiesen, dass die behan- delnden Ärzte die rheumatologische und die neurologische Symptomatik vermischt und in ihren Zumutbarkeitsbeurteilungen dieses Gesamtbild gewürdigt hätten. Folglich ist es nachvollzieh- bar, dass Dr. E.____ als Neurologe zu diesen Beurteilu ngen nicht weiter Stellung nehmen konnte. Dazu kommt, dass die Gutachter Dres. E.____ und F.____ in ihrer bidisziplinären Kon- sensbeurteilung zum Schluss gelangt sind, dass die rheuma tologische Zumutbarkeitsbeurtei- lung als Gesamtbeurteilung für die Fächer Rheumatolog ie und Neurologie gelte. Unter diesen Umständen genügt es aber, dass der Rheumatologe Dr. F._ ___ Stellung zu den abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte genommen hat. Di e entsprechenden Ausführungen sind denn auch überzeugend. So zeigt er in seinem Teilg utachten schlüssig auf, dass die von Dr. med. G.____, Neurochirurgie FMH, attestierte, lediglich 40 %-ige Arbeitsfähigkeit im Hinblick auf die als sehr diskret beschriebene Parese nicht nachvollzi ehbar sei. In Bezug auf die Zumut- barkeitsbeurteilungen von Dr. med. H.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, weist Dr. F.____ zutreffend darauf hin, dass diese weitestgehend auf de n subjektiven Angaben der Versicherten basieren würden, weshalb sie schon aus diesem Grund nicht massgeblich seien. 4.5.2 Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren gelte nd, auch bei ihrer letzten Arbeitstätig- keit für die I.____ AG habe sich gezeigt, dass sie nicht i n der Lage sei, ein Pensum von mehr als 40 % zu bewältigen. Diesem Einwand ist entgegen zu halten, dass diesem angeblichen “Tatbeweis“ kein höherer Beweiswert zukommt als einer Se lbsteinschätzung. In Anbetracht der von den Gutachtern Dres. E.____ und F.____ festgestellt en Selbstlimitierung der Versicherten sagt das von ihr selbst gewählte und bewältigte Pensum nichts über ihre tatsächliche Leistungs- fähigkeit aus. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5.3 Ferner rügt die Beschwerdeführerin, dass wegen i hrer Schmerzproblematik auch eine psychiatrische Abklärung erforderlich gewesen wäre, insofern sei der medizinische Sachverhalt mangelhaft ermittelt worden. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Versi- cherte gemäss eigenen Angaben an höchstens zwei Tagen pro Woche Schmerzmittel einnimmt (vgl. das Teilgutachten von Dr. F.____, S. 21), so dass nicht von einer namhaften Schmerz- problematik gesprochen werden kann. Ausserdem finden sic h in den ganzen medizinischen Akten keinerlei Hinweise, wonach eine psychiatrische Problematik vorliegen könnte. Somit hatte die IV-Stelle aber keine Veranlassung, die Versicherte zu sätzlich auch durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie begutachten zu lassen. Der entsprechende Einwand der Beschwerdeführerin ist deshalb unbegründet. 4.5.4 Die Beschwerdeführerin verweist schliesslich auf de n Auffahrunfall, den sie am 20. September 2016 erlitten hat, und auf das Gutachten, welches Dr. D.____ am 22. Dezember 2016 für die Deutsche Rentenversicherung Bund über sie v erfasst hat. In diesem Gutachten wird zwar an einer Stelle erwähnt, dass die Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben im Sep- tember 2016 einen Heckauffahrunfall mit Schleudertraum a erlitten habe. Ansonsten wird im gesamten Gutachten aber ausschliesslich auf den Unfall B ezug genommen, den die Versicher- te am 21. September 2014 beim Joggen erlitten hatte . Auch bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit attestiert Dr. D.____ eine gleichbleibende Be einträchtigung seit April 2015, d.h. ohne etwa eine Verschlimmerung des Zustandes nach dem Auffahr unfall vom September 2016 fest- zuhalten. Im Übrigen sind die Suva-Akten zum Auffahrunf all vom 20. September 2016 äusserst dünn. Offenbar wurde als medizinische Behandlung ausschl iesslich Physiotherapie verordnet, so dass vor diesem Hintergrund nicht von einer nachhaltig en Verschlimmerung des Gesund- heitszustandes durch das zweite Unfallereignis ausgegangen werden kann. Es sind mit ande- ren Worten auch aufgrund des Auffahrunfalls vom 20. S eptember 2016 keine weiteren Abklä- rungen des medizinischen Sachverhalts indiziert. Was schl iesslich die abweichende Zumutbar- keitsbeurteilung durch Dr. D.____ betrifft, so erweist sich diese als zu wenig begründet, um das überzeugende Gutachten der Dres. E.____ und F.____ zu entkräften. 4.6 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach mit de n Gutachtern Dres. E.____ und F.____ festzuhalten, dass die Versicherte in einer wechselbelastenden gemischten Bürotä- tigkeit ohne dauernde Zwangshaltungen ebenso wie in a llen anderen optimal angepassten Verweistätigkeiten im Umfang von 80 % arbeitsfähig ist. 5. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 2.4 hiervor) ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstäti- gen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). 5.1 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Per- son im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdi enen würde. Dabei wird in der Re- gel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung un d der realen Einkommensentwicklung an- gepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesund- heitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 325 E. 4.1). Vorliegend ist davon auszuge- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche B eeinträchtigungen weiterhin als Sachbearbeiterin bei der B.____ AG tätig wäre. Laut den Angaben der genannten Firma im Fragebogen für Arbeitgebende vom 21. Juli 2015 hätte die Versicherte dabei im Jahr 2015 ein Gehalt von Fr. 5‘900.-- pro Monat bzw. - bei 13 Monat slöhnen - von Fr. 76‘700.-- pro Jahr er- zielt. Die IV-Stelle ist denn auch in der angefochtene n Verfügung zu Recht von diesem Betrag ausgegangen. 5.2.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nac h der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwer bstätigkeit aus, bei der - kumulativ - beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzune hmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziall ohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom- men gegeben, namentlich weil die versicherte Person nac h Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue E rwerbstätigkeit aufgenommen hat, so sind für die Bemessung des Invalideneinkommens die Tabell enlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik h eranzuziehen (BGE 143 V 295 E. 2.2). 5.2.2 Die Rechtsprechung wendet für die Bestimmung des Invalideneinkommens anhand von LSE-Tabellenlöhnen in der Regel die Monatslöhne gemäss Tabelle TA1 (Monatlicher Brut- tolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftsabteilungen, Anf orderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht - Privater Sektor), Zeile "Total", an. Biswei len wird aber auch auf Löhne einzelner Sektoren (Sektor 2 "Produktion" oder 3 "Dienstleistunge n") oder gar einzelner Branchen abge- stellt, wenn dies als sachgerecht erscheint, um der im Ei nzelfall zumutbaren erwerblichen Ver- wertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen. Dies geschieht namentlich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit i n diesem Bereich tätig gewesen sind und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt. Es besteht jedoch kein Grundsatz, wonach stets auf die Tabelle TA1 abzustellen ist. So kann es sich nach den konkre- ten Umständen des Einzelfalls rechtfertigen, stattdessen auf die Tabelle TA7 (oder T7S) abzu- stellen, wenn dies eine genauere Festsetzung des Invalide neinkommens erlaubt und der versi- cherten Person der entsprechende Sektor offen steht und zumutbar ist (Urteil A. des Bundesge- richts vom 15. Mai 2014, 8C_910/2013, E. 3.1.2.1 mit Hinweisen). 5.2.3 Die IV-Stelle hat bei der Berechnung des Invali deneinkommens der Versicherten auf die statistischen Lohndaten der Tabelle T17 (“Monatlic her Bruttolohn [Zentralwert] nach Berufs- gruppen; Lebensalter und Geschlecht“) der LSE 2014 ab gestellt. Innerhalb dieser Tabelle hat sie die Lohnzahlen der Position 41 (“Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte“) herangezogen. Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin der Auffassung, dass von den Monatslöhnen ge- mäss Tabelle TA1 und innerhalb dieser Tabelle vom Total der Frauenlöhne im Kompetenzni- veau 1 auszugehen sei. Das Kantonsgericht hat zwar jüngst i n einem Entscheid vom 27. Juli 2017 (Verfahren-Nr. 720 17 102) grundsätzliche Bedenken gegen die Anwendung der TA17 ins Feld geführt (vgl. insbes. E. 6.2 f. des Entscheids), vorl iegend gilt es aber zu beachten, dass Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Anwendung der TA1, wie sie die Beschwerdeführerin postuliert, der Tatsache, dass der Versicherten ihre angestammte Tätigkeit als Bürokauffra u noch möglich ist, nur unzureichend Rechnung tragen würde. Demgegenüber werden in der Ta belle TA17 - im Gegensatz zur Ta- belle TA1 - die allgemeinen Büro- und Sekretariatskräf te ausdrücklich als eigene Kategorie auf- geführt, sodass es sich vorliegend als sachgerecht und somit als vertretbar erweist, ausnahms- weise von diesen Lohnzahlen auszugehen. 5.2.4 Die IV-Stelle ist bei der Anwendung der Tabell e T17 innerhalb der massgebenden Po- sition 41 (“Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte“) vo n einem Monatslohn von Fr. 5‘915.-- ausgegangen, was dem Total der Frauenlöhne aller Leb ensalter in dieser Sparte entspricht. Dies ist insoweit nicht korrekt, als nicht auf das Total d er Frauenlöhne aller Lebensalter, son- dern auf das Total der Frauenlöhne in der Alterskatego rie, welcher die Versicherte angehört, abzustellen ist. Dies bedeutet, dass im Fall der 1968 geborenen Versicherten die Durchschnitts- löhne der Alterskategorie “30 - 49 Jahre“ massgebend sin d, weshalb konkret von einem Tabel- lenlohn von Fr. 5'985.-- auszugehen ist. Dieser Betra g ist in einem nächsten Schritt an die be- triebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden ( Bundesamt für Statistik, Statistik der betriebsüblichen Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen, “Tota l“) und an die Nominallohnentwick- lung von + 0,5 % (Bundesamt für Statistik, Nominallo hnindex, Frauen 2014 - 2015, Tabelle T1.1.10) anzupassen, was einen Monatslohn von Fr. 6‘270 .55 bzw. ein Jahresgehalt von Fr. 75‘247.-- ergibt. Da die Versicherte laut den massg ebenden medizinischen Unterlagen in einer solchen Tätigkeit lediglich noch zu 80 % arbeitsfähig ist, resultiert für sie grundsätzlich ein Invalideneinkommen von Fr. 60‘198.-- (Fr. 75‘247.-- x 80 %). 5.3 Setzt man im Einkommensvergleich die vorstehend er mittelten Validen- und Invaliden- einkommen von Fr. 76‘700.-- bzw. von Fr. 60‘198.-- ein ander gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 16'502.--, was einen massgebenden Invaliditätsgrad von 21,51 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 22 % ergibt. 5.4 Sowohl der von der IV-Stelle in der angefochtene n Verfügung auf der Basis einer 100 %-igen Arbeitsfähigkeit ermittelte Invaliditätsg rad von 3 % als auch der nunmehr gestützt auf eine Arbeitsfähigkeit von 80 % berechnete Invalid itätsgrad von 22 % liegen unter dem für einen Rentenanspruch mindestens erforderlichen Invalidi tätsgrad von 40 %. Die IV-Stelle hat deshalb einen Rentenanspruch der Versicherten im Ergebn is zu Recht abgelehnt. Die gegen die betreffende Verfügung vom 5. April 2017 erhoben e Beschwerde erweist sich als unbegrün- det, weshalb sie abgewiesen werden muss, soweit darauf eingetreten werden kann (vgl. E. 1.2 hiervor). 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlic h auf 800 Franken fest. Nach § 20 Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel de r unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen dieses Urteil wurde am 2. März 2018 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahren Nr. 8C_212/2018) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht