B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5722/2019 U r t e i l v o m 7. J u n i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Isabelle Müller, Caritas Schweiz, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 7. Oktober 2019 / N (…). D-5722/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (…) und reiste am 29. März 2017 im Rahmen eines sogenann- ten Relocation -Verfahrens von Italien herkommend in die Schweiz ein. Gleichentags suchte er im damaligen Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach und wurde dort am 10. April 2017 zu seiner Identität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen be- fragt (Befragung zur Person; BzP). Ausserdem wurde er nach allfälligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gefragt. Die ausführliche Anhörung zu den Asylgründen fand am 18. Dezember 2017 statt. A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er stamme aus dem Dorf C._______ (Region D._______). Im Jahr (…) sei er für den Militärdienst aufgeboten und für die Grundausbildung in ein Ausbildungszentrum nach E._______ gebracht worden. Nach ungefähr drei Monaten habe er sich beim Sport verletzt und in Spitalpflege begeben müssen. Anschliessend sei er auf Geheiss des Arztes zur Erholung nach Hause gegangen. Da sich das Militär in der Folge nicht bei ihm gemeldet habe, sei er auch nach seiner vollständigen Gene- sung nicht in den Militärdienst zurückgekehrt, sondern habe zuhause seine Plantagen bewirtschaftet und die Erzeugnisse auf dem Markt in F._______ (Vorort von G._______) verkauft. Dort sei er dann Ende (…) seinem militä- rischen Vorgesetzten begegnet, welcher ihn ebenfalls wiedererkannt habe. Daraufhin sei er zuhause von zwei Soldaten aufgesucht und mitgenommen worden. Sie hätten ihn ins Gefängnis H._______ gebracht. Nach einem Monat sei ihm mitgeteilt worden, er werde zu seiner Einheit nach I._______ verlegt. Vor der Abfahrt sei ihm sowie einigen Mithäftlingen erlaubt worden, in Begleitung von Soldaten in der Stadt Kleider einzuka ufen. Bei dieser Gelegenheit sei ihm die Flucht gelungen. Er sei zunächst ins Heimatdorf zurückgekehrt, dann aber aus Angst vor einer erneuten Verhaftung – in Begleitung seines ebenfalls ausreisewilligen Freundes F. – umgehend zu Fuss in Richtung Äthiopien aus dem Heimatland ausgereist. A.c Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver- fahrens folgende Unterlagen zu den Akten: zwei Dokumente betreffend sei- nen Aufenthalt im Sudan (Aufenthaltstitel sowie Arbeitserlaubnis; inkl. Übersetzung), ein italienisches Reisedokument («Lasciapassare») sowie D-5722/2019 Seite 3 Kopien (inkl. Übersetzungen) der Identitätskarte des Vaters, der vorläufi- gen Identitätskarte der Mutter und je einer Wohnsitzbestätigung von ihm und seiner Mutter. B. Das SEM stellte mit Verfügung vom 7. O ktober 2019 fest, der Beschwer- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. C. Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom 31. Oktober 2019 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Anerken- nung als Flüchtling, die Gewährung von Asyl sowie eventualiter die Anord- nung der vorläufigen Aufnahme infolge Unzulässigkeit und/oder Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um unentgeltliche Verbeiständung. Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Voll- macht vom 14. Oktober 2019, ein ärztliches Schreiben vom 16. Oktober 2016, eine Auskunft der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlings- hilfe (SFH) vom 3. Juli 2019 («Eritrea: Gesundheitsversorgung») sowie eine Bestätigung betreffend Sozialhilfebezug vom 21. Oktober 2019 bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 7. November 2019 hielt die Instruktionsrichte- rin fest, der Beschwerdeführer könne den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Sie forderte ihn ausserdem auf, bis zum 22. November 2019 einen Arztbericht nachzureichen. E. Mit Eingabe vom 13. November 2019 reichte der Beschwerdeführer einen ärztlichen Bericht von Dr. med. R. R. vom 12. November 2019, eine Ter- minmitteilung des Kantonsspitals (…) vom 16. Oktober 2019 sowie eine Aufstellung der Aufwendungen der Rechtsvertreterin vom 13. November 2019 zu den Akten. F. Mit Zwischenverfügung vom 20. November 2019 hiess die Instruktionsrich-D-5722/2019 Seite 4 terin die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Verbei- ständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer antragsgemäss seine Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin zu. G. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 14. Januar 2020 weitere Unterlagen (in Kopie) zu den Akten: ein Schreiben des Kantonsspitals (…) vom 9. Dezember 2019, einen histologischen Diagnosebericht des (…) Kantonsspitals vom 12. Dezember 2019, einen mikrobiologischen Labor- bericht vom 31. Dezember 2019 sowie ein ärztliches Schreiben von Dr. med. R. R. vom 3. Januar 2020. H. Mit Eingabe vom 16. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer eine E-Mail-Korrespondenz zwischen seiner Rechtsvertreterin und Dr. med. R. R. vom 4. Dezember 2020 nach und erkundigte sich nach dem Stand des Beschwerdeverfahrens. I. Die Instruktionsrichterin beantwortete die V erfahrensstandsanfrage mit Schreiben vom 21. Dezember 2020. J. Auf entsprechende Aufforderung hin (vgl. Verfügung vom 26. Januar 2021) reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Februar 2021 weitere ärztliche Unterlagen (in Kopie) zu den Akten: einen är ztlichen Bericht von Dr. med. R. R. vom 1. Februar 2021, einen ärztlichen Bericht von Dr. med. R. D. vom 23. Januar 2020 (inkl. Laborblatt und Sonographiebericht), eine E-Mail von Dr. med. T. v. B. vom 17. Februar 2020 sowie einen ärztlichen Bericht von Dr. med. T. v. B. vom 7. Januar 2020. Der Eingabe lag ausser- dem eine aktualisierte Aufstellung der Aufwendungen der Rechtsvertreterin vom 3. Februar 2021 bei. K. Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 11. März 2021 vollumfäng- lich an seiner Verfügung fest. L. Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 29. März 2021, hielt da-D-5722/2019 Seite 5 bei sinngemäss an den gestellten Rechtsbegehren fest, stellte die Einrei- chung eines weiteren Beweismittels in Aussicht und ersuchte das Gericht, mit dem Entscheid zuzuwarten. M. Mit Eingabe vom 6. April 2021 reichte der Beschwerdeführer eine aktuali- sierte Aufstellung der Aufwendungen der Rechtsvertreterin selben Datums sowie eine E -Mail-Korrespondenz zwischen der Rechtsvertreterin und Dr. med. M. J. vom März/April 2021 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls, und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt indes das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen D-5722/2019 Seite 6 richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli- chen aus, der Beschwerdeführer habe sich bei der Darlegung seiner Asyl- gründe mehrfach widersprochen, und zwar bezüglich der Dauer der Be- handlung im Krankenhaus, des Zeitpunkts der Festn ahme sowie der Frage, ob ihm der Aufenthalt zuhause lediglich für eine beschränkte Zeit- dauer bewilligt worden sei oder ob er ein zeitlich unbeschränktes Arztzeug- nis erhalten habe. Auf Vorhalt der Widersprüche habe er diese nicht plau- sibel auflösen können. Ausserdem habe er seine Asylgründe trotz der mehrfachen Aufforderung, das Erlebte detailliert zu schildern, mehrheitlich nur knapp, oberflächlich und wenig anschaulich dargelegt. Die substanzar- men Ausführungen könnten nicht durch den Erinnerungsverlust auf grund des Zeitablaufs oder durch Konzentrationsschwäche erklärt werden; denn die ausführliche und anschauliche Schilderung der Ausreise zeige, dass der Beschwerdeführer durchaus in der Lage sei, länger zurückliegende Er- eignisse detailliert und mit Realkennzeichen versehen zu erzählen. Insge- samt seien die Vorbringen betreffend den Militärdienst, die Haft sowie die Flucht nicht glaubhaft. Die geltend gemachte illegale Ausreise vermöge so- dann keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung zu be- gründen, da – angesichts der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen zum Mili- tärdienst, zur Haft und zur Flucht – im Falle des Beschwerdeführers keine weiteren Faktoren bestünden, welche ihn in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen l assen würden (Verweis auf das Referenzurteil des BVGer D -7898/2015 vom 30. Januar 2017). Die Asylvorbringen seien damit teils unglaubhaft, teils nicht asylrelevant, wes- halb die Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch abzu- lehnen sei. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das SEM als zulässig, zumutbar und möglich. Hinsichtlich der Zumutbarkeit des Vollzugs stellte es insbesondere fest, der Beschwerdeführer sei jung und gesund und ver- füge am Herkunftsort über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz. 3.2 In der Beschwerde wird entgegnet, es treffe nicht zu, dass der Be- schwerdeführer seine Vorbringen nicht konkret und glaubhaft geschildert habe. Es sei zu berücksichtigen, dass die BzP lediglich summarischen Charakter aufweise und meist nicht wortwörtlich protokolliert und übersetzt werde, weshalb ihr nur ein beschränkter Beweiswert zukomme. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts dürften daher Widersprü- che zwischen den Angaben in BzP und der Anhörung für die Beurteilung D-5722/2019 Seite 7 der Glaubhaftigkeit nur in bestimmten, klar definierten Fällen herangezo- gen werden. Im vorliegenden Fall habe der Beschwerdeführer in allen we- sentlichen Punkten übereinstimmende Angaben gemacht. Die Hilfswerk- vertretung habe auf ihrem Unterschriftenblatt sodann festgehalten, der Be- schwerdeführer habe Konzentrationsschwierigkeiten gehabt, sei wohl mit der Anhörungssituation überfordert gewesen, habe sich leicht ablenken lassen und die gestellten Fragen teilweise inhaltlich falsch beantwortet res- pektive nicht verstanden. Ausserdem stehe der Beschwerdeführer in ärzt- licher Behandlung und sei bei seiner Ankunft in einem schlechten Allge- meinzustand gewesen. Das SEM habe die Beobachtungen der Hilfswerk- vertretung nicht in seine Erwägungen betreffend die Frage der Glaubhaf- tigkeit miteinbezogen; der Entscheid sei diesbezüglich mangelhaft begrün- det. Zu den vom SEM genannten Widersprüchen hinsichtlich der Dauer des Spitalaufenthalts und des Arztzeugnisses habe der Beschwerdeführer der Rechtsvertreterin gegenüber erklärt, er habe vom Arzt ein Zeugnis er- halten, und es sei ihm gesagt worden, er solle zwei Monate zuhause blei- ben, anschliessend müsse er zu seiner Einheit zurückkehren. Dies habe er aber nicht gemacht, sondern stattdessen zuhause auf eine Nachricht sei- ner Einheit gewartet. Er sei davon ausgegangen, dass sich das Militär bei ihm melden würde. Der Widerspruch hinsichtlich des Zeitpunkts der Fest- nahme betreffe einen Zeitunterschied von weniger als 24 Stunden und sei daher nicht gravierend. Bezüglich des Vorwurfs, der Beschwerdeführer habe knappe, vage und oberflächliche Aussagen gemacht, sei auf die er- wähnten Beobachtungen der Hilfswerkvertretung zu verweisen. Der Be- schwerdeführer habe die ihm gestellten Fragen bestmöglich zu beantwor- ten versucht. Ferner würden seine Ausführungen zum E inzug in den Mili- tärdienst mit den Erkenntnissen im Country of Origin Information Report des European Asylum Support Office (EASO) vom September 2019 («Erit- rea, National service, exit and return») übereinstimmen. Eine Gesamtwür- digung der Aussagen ergebe na ch dem Gesagten, dass diese überwie- gend glaubhaft seien. Die Vorbringen seien ausserdem asylrelevant. Da der Beschwerdeführer nach seiner Genesung nicht freiwillig zu seiner Ein- heit zurückgekehrt, danach aus der Haft geflüchtet sei und sich ins Ausland abgesetzt habe, gelte er als Wehrdienstverweigerer und Landesverräter und müsse deswegen mit einer unverhältnismässig schweren Bestrafung und damit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung rechnen. Somit sei ihm Asyl zu gewähren. Hinsichtlich des Even tualantrags auf Gewäh- rung der vorläufigen Aufnahme wird geltend gemacht, der Vollzug der Weg- weisung verstosse gegen das Refoulement-Verbot sowie gegen Art. 3 und 4 EMRK und sei daher unzulässig. Ausserdem sei der Wegweisungsvoll-D-5722/2019 Seite 8 zug unzumutbar; denn der Bes chwerdeführer stamme aus einem ärmli- chen Milieu und verfüge über eine geringe Bildung. Bei einer Rückkehr würde er daher in eine existenzbedrohende Situation geraten. Ausserdem leide der Beschwerdeführer an mehreren gesundheitlichen Problemen ([…]). Es seien weitere Abklärungen hängig. Die Datenlage zum Zustand des Gesundheitswesens in Eritrea sei dürftig und unzuverlässig. Gemäss einem Bericht der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 3. Juli 2019 sei jedenfalls der Zugang zu medizin ischen Ein- richtungen erschwert und Medikamente sowie spezifische Behandlungen für die Betroffenen meist unerschwinglich. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass der Friedensschluss zwischen Eritrea und Äthiopien weder zu einer verbesserten Menschenrechtslage noch zu Reformen im Wehrdienst ge- führt hätten und die unsichere Datenlage zur Situation von Deserteuren, Refraktären, illegal Ausgereisten und Rückkehrern keine zuverlässigen Aussagen erlaubten. 3.3 In der Eingabe vom 16. Dezember 2020 wird ausgeführt, der Be- schwerdeführer befinde sich nach wie vor in Behandlung. Er leide weiterhin an (…) und einer (…). Auch das (…) sei nicht normal. Hinzu komme eine (…) unter Beteiligung von resistenten Bakterien (MRSA [Methicillin -resis- tente Staphylococcus aureus]). Es sei eine Weiterbehandlung für die Dauer von 6-12 Monaten indiziert, ein Behandlungsabbruch würde zu einer Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes führen. Die Situation sei für den Beschwerdeführer psychisch belastend. In der Eingabe vom 3. Februar 2021 wird vorgebracht, der Beschwerdeführer leide nach wie vor an (…), die entsprechenden Behandlungen würden weitergeführt. Auch sein (…) sei nach wie vor zu niedrig. Der behandelnde Arzt erachte eine Behandlung im Heimatland nicht als gesichert. Ohne adäquate Behandlung sei von ei- ner lebenslänglichen Infektion auszugehen, welche schlimmstenfalls einen frühen Tod zur Folge haben könne. Aufgrund der Untersuchungsmaxime würden Abklärungen zum medizinischen Sachverhalt, namentlich der Be- handelbarkeit der diagnostizierten Krankheiten, den Asylbehörden oblie- gen. Angesichts der medizinischen Versorgungslage in Eritrea sei der Voll- zug der Wegweisung wohl unzumutbar. 3.4 Das SEM gibt in seiner Vernehmlassung zu bedenken, es sei nur dann die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs a us medizinischen Grün- den anzunehmen, wenn eine absolut notwendige medizinische Behand- lung im Heimatland nicht zur Verfügung stehe und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährlichen Beeinträchtigung des Gesundheitszustan-D-5722/2019 Seite 9 des führen würde (Verweis auf die Rechtsprechung des BVGer). Der Arzt- bericht vom 1. Februar 2021 lasse nicht den Schluss zu, dass dies vorlie- gend der Fall sei. Die (…) seien behandelt worden, und die (…) sei offenbar nicht erneut aufgetreten. Die (…) sei zwar nicht heilbar und die Progn ose schlecht, jedoch fänden sich im Arztbericht und den darin erwähnten Quel- len keine Anhaltspunkte dafür, dass eine Nichtbehandlung zu einer ra- schen und lebensbedrohlichen Verschlechterung des Gesundheitszu- stands führen würde. Bei der Prüfung von medizini schen Vollzugshinder- nissen gelte jedoch eine Kurzzeitperspektive. Die gemäss Arztbericht wei- terhin anormalen (…) seien ebenfalls nicht als besorgniserregend zu er- achten. 3.5 In der Replik wird kritisiert, die Einschätzungen des SEM zum medizi- nischen Sachverhalt seien nicht begründet respektive unqualifiziert. Der behandelnde Hausarzt erachte insbesondere die Behauptung des SEM, das massive (…), die erhöhten (…) sowie die (…) seien nicht besorgniser- regend, als falsch. Zudem habe sich das SEM weder zur Frage der Behan- delbarkeit noch zur Frage des Zugangs zur medizinischen Versorgung ge- äussert, obwohl ihm eine Abklärungspflicht obliege. Laut Angaben des Ver- eins «Medcare for People in Eritrea» (www.medcare-eritrea.de) gebe es in ganz Eritrea lediglich zwei Hals-Nasen-Ohren-Fachärzte. Viele notwendige Leistungen könnten nicht erbracht werden. Dr. med. M. J., Chefarzt einer HNO-Klinik in Potsdam und Mitinitiant einer HNO -Klinik in Eritrea, sei der Auffassung, dass eine Versorgung der (…) in Eritrea nur möglich sei, wenn der Patient in Asmara lebe, da es nur dort zwei HNO -Ärzte gebe, welche die (…) regelmässig reinigen könnten. Werde dies nicht gemacht, könne es zu einer Sepsis kommen. Der Beschwerdeführer stamme aus einem Dorf, und seine Familie gehöre zur ärmeren Landbevölkerung. Er habe nie in Asmara gelebt. Obwohl der Beschwerdeführer nun schon seit vier Jah- ren in der Schweiz lebe und hier medizinisch behandelt werde, hätten sich seine (…) nicht normalisiert und sein (…) sei weiterhin zu niedrig. Bei einer Rückkehr nach Eritrea hätte er eine rasche Verschlechterung seines Ge- sundheitszustandes zu befürchten. Der Vollzug der Wegweisung sei daher unzumutbar. 3.6 In der Eingabe vom 6. April 2021 wird angefügt, gemäss dem beigeleg- ten Schreiben von Dr. med. M. J. könne eine (…) in Eritrea nicht diagnos- tiziert und behandelt werden. Demnach sei eine schnelle Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers mit lebensbedrohlichen Folgen im Falle eines Wegweisungsvollzugs wahrscheinlich. Auch im D-5722/2019 Seite 10 Sinne der vom SEM erwäh nten Kurzzeitperspektive müsse der Wegwei- sungsvollzug daher als unzumutbar bezeichnet werden. 4. 4.1 Auf Beschwerdeebene wird unter anderem gerügt, das SEM habe den rechtserheblichen Sachverhalt nicht korrekt festgestellt und den Entscheid ungenügend begründet. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen. 4.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter- lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. auch Art. 30–33 VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sach verhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen ab- geklärt hat, oder wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachum- stände berücksichtigt w urden. Allerdings findet der Untersuchungsgrund- satz seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Ausserdem ist die Behörde nicht verpflichtet, zu je- dem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu ALFRED KÖLZ/I- SABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 629 ff.; CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl., 2019, Rz. 17 zu Art. 12; BENJAMIN SCHIND- LER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 29 ff. zu Art. 49). Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG) folgt sodann, dass alle erheblichen Parteivorbringen zu prüfen und zu würdigen und Entscheide zu begründen sind (vgl. Art. 32 Abs. 1 sowie Art. 35 Abs. 1 VwVG; BVGE 2016/9 E. 5.1 m.w.H.). 4.3 Auf Beschwerdeebene wird sinngemäss gerügt, das SEM habe den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt, weil es trotz der geltenden Untersuchungsmaxime keine Abklärungen zum medizinischen Sachverhalt, namentlich zur Frage, ob die diagnostizierten Krankheiten be- handelbar und der Zugang zu allfälligen Behandlungsmöglichkeiten gesi- chert sei, getätigt habe (vgl. die Eingabe vom 3. Februar 2021 sowie die Replik vom 29. März 2021). Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. D-5722/2019 Seite 11 Der Beschwerdeführer machte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens keinerlei gesundheitlichen Probleme geltend, weshalb für das SEM auch keine Veranlassung bestand, diesbezüglich Abklärungen zu tätigen. Die Rüge, das SEM habe den medizinischen Sachverhalt ungenügend festge- stellt, ist da her als unbegründet zu erachten. Die gesundheitlichen Prob- leme des Beschwerdeführers wurden erst auf Beschwerdeebene akten- kundig gemacht, und der Beschwerdeführer hatte im Verlauf des Instrukti- onsverfahrens Gelegenheit, diese zu substanziieren und zu beleg en. Wie auch die nachfolgenden Ausführungen (vgl. E. 10.2.3) zeigen, ist der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt im heutigen Zeitpunkt als aus- reichend erstellt und spruchreif zu erachten. 4.4 In der Beschwerde wird ferner gerügt, der Asylentscheid sei mangelhaft begründet, weil das SEM dabei nicht berücksichtigt habe, dass der Be- schwerdeführer bei seiner Ankunft in einem schlechten Allgemeinzustand gewesen sei und – den Feststellungen der Hilfswerkvertretung zufolge – Schwierigkeiten gehabt habe, auf die ihm gestellten Fragen angemessen zu antworten. Dazu ist Folgendes zu bemerken: Der Beschwerdeführer wurde in der BzP nach allfälligen gesundheitlichen Problemen gefragt und machte dabei keine geltend (vgl. A4 Ziff. 8.02). Zudem ergeben sich weder aus dem Protokoll der Anhörung noch aus den Bemerkungen der Hilfs- werkvertretung konkrete Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer im damaligen Zeitpunkt gesundheitlich beeinträchtigt war und deswegen der Befragung nicht hätte folgen können. Ferner trifft es zwar zu, dass er häufig Rückfragen stellte und teilweise desinteressiert wirkte; die Befragerin wie- derholte in diesen Fällen jedoch die Fragen respektive hakte in der Regel nach. Zudem machte der Beschwerdeführer teilweise durchaus konkrete und detaillierte Aussagen (namentlich zu seiner Ausreise aus Eritrea; vgl. A13 F228 ff.), was gegen das Vorbringen spricht, er habe generell unter Konzentrationsschwierigkeiten respektive an Überforderung gelitten. Im Übrigen nahm das SEM in seiner Verfügung implizit durchau s Bezug auf die Feststellungen der Hilfswerkvertretung, indem es erwog, die substanz- armen Ausführungen des Beschwerdeführers liessen sich nicht durch Er- innerungsverluste aufgrund des Zeitablaufs oder Konzentrationsschwä- chen erklären (vgl. S. 5 der angefochtenen Verfügung). Insgesamt ergeben sich demnach keine Hinweise auf eine mangelhafte Begründung der vor - instanzlichen Verfügung. 4.5 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün- det. D-5722/2019 Seite 12 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlin gen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge- richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver- schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 5.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings- eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.). 6. 6.1 Wie das SEM zu Recht bemerkt hat, enthalten die vom Beschwerde- führer geltend gemachten Vorfluchtgründe mehrere Widersprüche, und seine Aussagen zur Grundausbildung, zur Haft sowie zur Flucht sind in weiten Teilen vage und unsubstanziiert ausgefallen: D-5722/2019 Seite 13 6.1.1 Der Beschwerdeführer brachte vor, er sei im Jahr (…) für den Militär- dienst aufgeboten worden und habe daraufhin bis zu seiner Sportverlet- zung drei Monate lang eine militärische Grundausbildung erhalten. Obwohl er angeblich ein schriftliches Aufgebot erhalten hatte, konnte er jedoch nicht genau angeben, wann er habe einrücken müssen, sondern erklärte lediglich, es sei im Jahr (…) gewesen (vgl. A13 F68 ff.). Zur angeblich er- haltenen Ausbildung und dem Tagesablauf in der Kaserne äusserte er sich trotz mehrmaligen Nachfragens durch die Befragerin nur vage und de tail- arm, wobei er im Sinne von konkreten Aktivitäten lediglich das Marschieren mit einer Holzwaffe sowie das Fussballspielen erwähnte (vgl. A13 F88, F95 ff.). Seine Schilderung der Kaserne und deren Umgebung (vgl. A13 F107 ff.; F164) muss im eritreischen Kontext als beliebig bezeichnet werden und könnte in derselben Art und Weise auch von jemandem erzählt werden, der nicht selber vor Ort war. Im Weiteren ist davon auszugehen, dass die meis- ten jungen Eritreer mit dem Rekrutierungsablauf vertraut sind, insbes on- dere, wenn sie, wie der Beschwerdeführer, ältere Geschwister haben. Der in der Beschwerde hervorgehobene Umstand, dass die – rudimentären – Schilderungen des Beschwerdeführers zu seiner Rekrutierung im Wesent- lichen mit den Ausführungen im EASO-Report 2019 übereinstimmen, stellt daher kein überzeugendes Glaubhaftigkeitsindiz dar. 6.1.2 Hinsichtlich des anschliessenden Aufenthalts im Krankenhaus machte der Beschwerdeführer sodann zunächst geltend, er habe einen Monat dort verbracht (vgl. A4 Ziff. 1.17.05 und Ziff. 7.01). In der Anhörung sprach er dagegen von zwei Monaten (vgl. A13 F126). Die Frage, unter welchen Bedingungen er nach Hause entlassen worden sei, beantwortete er ebenfalls unterschiedlich: In der BzP gab er an, ihm sei ein Schreiben ausgehändigt worden, wonach er nach zwei Monaten Erholungszeit wieder nach E._______ hätte zurückkehren müssen, er habe jedoch beschlossen, dies nicht zu tun (vgl. A4 Ziff. 7.02 und 7.01). Im Widerspruch dazu erklärte er in der Anhörung, der Arzt habe ihm einen unbegrenzten Krankenurlaub gewährt, daher habe er zuhause auf eine Nachricht von seiner Einheit ge- wartet (vgl. A13 F130 und F133). Eine weitere Ungereimtheit betrifft den Zeitpunkt der angeblichen Verhaftung. Diesbezüglich gab der Beschwer- deführer in der BzP an, nachdem er zufällig seinen Vorgesetzten getroffen habe, sei er noch am selben Abend verhaftet worden (vgl. A4 Ziff 7.01). In der Anhörung führte er dagegen aus, die Verhaftung sei am folgenden Tag erfolgt (vgl. A13 F88). Dem Beschwerdeführer wurde in der Anhörung Ge- legenheit gegeben, sich zu diesen Widersprüchen zu äussern; er war je- doch nicht in der Lage, diese in plausibler Weise aufzulösen (vgl. dazu A13 D-5722/2019 Seite 14 F54 ff.). Auch die diesbezüglichen Vorbringen in der Beschwerde (der Wi- derspruch betreffend den Verhaftung szeitpunkt sei nicht gravierend; der Arzt habe dem Beschwerdeführer gesagt, er solle nach zwei Monaten zu seiner Einheit zurückkehren, er sei jedoch davon ausgegangen, das Militär werde sich bei ihm melden) vermögen die Ungereimtheiten nicht zu relati- vieren. Im Übrigen betreffen die genannten Widersprüche zentrale Punkte der Asylbegründung, und die unterschiedlichen Aussagen sind offensicht- lich unvereinbar, weshalb es trotz des summarischen Charakters der BzP zulässig ist, diese Widersprüche für die Beurtei lung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen (vgl. dazu statt vieler das Urteil des BVGer E-319/2019 vom 11. November 2020 E. 5.2). 6.1.3 Der Beschwerdeführer wurde ferner gebeten, das Gefängnis und die Haftbedingungen zu beschreiben. Seine diesbezüglichen Aussagen e r- schöpfen sich in allgemeingültigen Phrasen und stereotypen Beschreibun- gen, die nicht erlebnisbegründet wirken (vgl. A13 F175 ff.). Zudem wider- sprach er sich hinsichtlich der Behandlung im Gefängnis, indem er erst vor- brachte, es habe dort keine Misshandlun gen gegeben (vgl. A4 Ziff. 7.02), später jedoch geltend machte, die Soldaten hätten ihn und seine Mithäft- linge geschlagen und brutal behandelt (vgl. A13 F190). Weitere Ungereimt- heiten finden sich in seinen Aussagen zur Flucht. Dazu sagte der Be- schwerdeführer zunächst aus, er hätte zusammen mit sechs bis sieben weiteren Häftlingen nach G._______ verlegt werden sollen, aber zuvor habe man ihnen erlaubt, in Begleitung von sechs bis sieben Soldaten ein- kaufen zu gehen (vgl. A4 Ziff. 7.01). In der Anhörung legte er indessen dar, sie seien auf der Einkaufstour ungefähr zehn Personen gewesen, davon ungefähr sechs Häftlinge und der Rest (d.h. vier) Soldaten (vgl. A13 F203 f.). Diese Darstellung der Ereignisse ist widersprüchlich. 6.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen sind die vom Beschwerdefüh- rer geschilderten Vorfluchtgründe insgesamt als unglaubhaft zu e rachten. Diese Einschätzung wird bestärkt durch die Tatsache, dass die Angehöri- gen des Beschwerdeführers nach dessen Ausreise offensichtlich in keiner Art und Weise von den Behörden, namentlich dem Militär, behelligt worden sind und nach dem Beschwerdeführ er – trotz seiner angeblichen Flucht aus der Haft – offenbar nicht gesucht wurde n beziehungsweise werden (vgl. dazu A13 F27 und F242 f.). 7. 7.1 Der Beschwerdeführer macht im Weiteren subjektive Nachfluchtgründe geltend, indem er vorbringt, er müsse aufgrund sei ner illegalen Ausreise D-5722/2019 Seite 15 aus Eritrea im Falle seiner Rückkehr mit flüchtlingsrechtlich relevanter Ver- folgung rechnen. 7.2 In seinem Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 gelangte das Bundesverwaltungsgericht unter Berücksichtigung von Berichten un- terschiedlicher Organisationen und in Würdigung der Erkenntnisse aus verschiedenen Fact-Finding-Missionen in Eritrea zum Schluss, die Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG allein aufgrund einer illegalen Ausreise aus Eritrea erscheine nicht als objektiv begründet. Ins- besondere könne die früher vertretene Auffassung, wonach illegal ausge- reiste Personen von den eritreischen Behörden generell als Verräter be- trachtet würden, nicht mehr als zutreffend erachtet werden. Auch das Ri- siko, nach der Rückkehr in den Nationaldienst eingezogen zu werden, sei flüchtlingsrechtlich nicht relevant, da es sich dabei grundsätzlich nicht um eine Massnahme handle, welche aus flüchtlingsrechtlich relevanten Moti- ven erfolge. Im Kontext von Eritrea reiche somit die illegale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht aus. Es sei nur dann von einem erheblichen Bestrafungsrisiko im Falle der Rückkehr auszugehen, wenn nebst der illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzuträten, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als misslie- bige Person erscheinen lassen würden (vgl. ebenda, E. 5.1 und E. 2). 7.3 Derartige zusätzliche Anknüpfungspunkte, welche zu einer Schärfung des Profils des Beschwerdeführers führen könnten, bestehen im vorliegen- den Fall nicht. Die geltend gemachten Vorfluchtgründe, namentlich die an- gebliche Desertion aus dem Nationaldienst, sind, wie vorstehend ausge- führt wurde, als unglaubhaft zu qualifizieren. Es sind auch keine anderwei- tigen Faktoren ersichtlich, die den Beschwerdeführer in den Augen des erit- reischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen können. Die geltend gemachte illegale Ausreise führt daher – ungeachtet der Frage ih- rer Glaubhaftigkeit – nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers. 8. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl- gründe nicht geeignet sind, eine asyl - respektive flüchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entspre- chende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Demnach hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge- such abgelehnt. D-5722/2019 Seite 16 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordne t den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz- lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 11. 11.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 11.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Das flüchtlingsrecht- liche Refoulement-Verbot schützt nur Personen, welche die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG vera nkerte Grundsatz der Nichtrück- schiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rück- kehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. D-5722/2019 Seite 17 11.1.2 Sodann ist das Bundesverwaltungsgericht im Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/4 zum Schluss gelangt, der Wegweisungsvollzug nach Erit- rea sei auch angesichts einer (allfälligen) drohenden Einziehung in den Na- tionaldienst als zulässig im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AuG in Verbindung mit Art. 4 EMRK zu qualifizieren. Dabei wurde erwogen, es handle sich beim eritreischen Nationaldienst nicht um Sklaverei oder Leibeigenschaft (vgl. ebenda, E. 6.1.4). Ferner müsse der Nationaldienst zwar grundsätzlich als Zwangsarbeit (Art. 4 Abs. 2 EMRK) qualifiziert werden; allerdings könne im Falle von Eritrea nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit davon ausge- gangen werden, dass während der Leistung des Nationaldienstes generell das ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs - und Pflichtarbeit bestehe (vgl. ebenda, E. 6.1.5). Die in der Beschwerde zitierte Passage aus dem Bericht der UN-Sonderberichterstatterin zu Erit- rea vom Juni/Juli 2018 vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, zumal sich der fragliche Text nicht zur Auslegung von Art. 4 EMRK äussert. 11.1.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer R ückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, m.w.H.). Im vorstehend erwähnten Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/4 führte das Bun- desverwaltungsgericht diesbezüglich aus, es existierten keine hinreichen- den Belege dafür, dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im Natio- naldienst derart flächendeckend stattfänden, dass jede Dienstleistende und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden (vgl. ebenda, E. 6.1.6). Somit besteht selbst bei einer allfälligen erneuten Einziehung des Beschwerdeführers in den eritreischen Nationaldienst kein ernsthaftes Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK. Den Akten sind ferner auch keine anderweitigen, konkreten und glaubhaften Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass der Beschwer- deführer im Falle einer Rückkehr nach Eritrea dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Schliesslich lässt auch die allgemeine D-5722/2019 Seite 18 Menschenrechtssituation in Eritrea den Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 11.1.4 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Eritrea erweist sich nach dem Gesagten insgesamt als zulässig. 11.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 11.2.1 Gemäss BVGE 2018 IV/4 vermag eine bevorstehende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst allein nicht zur Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs zu führen (vgl. a.a.O. E. 6.2.3–6.2.5). Im Sinn der obigen Ausführungen erübrigt es sich zudem, auf den Umgang der eritreischen Behörden mit Deserteuren einzugehen, da de r Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen konnte, er habe sich im Zeitpunkt seiner Ausreise seiner Dienstpflicht entzogen. 11.2.2 Laut geltender Rechtsprechung kann in Eritrea sodann nicht von ei- nem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt bezie- hungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Kon- flikte sich nicht zu verzeichnen. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Exis- tenzbedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorlie- gen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünsti- gende individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 11.2.3 Es handelt sich beim Beschwerdeführer um einen heute (…)-jähri- gen Mann mit durchschnittlicher Schulbildung, welcher am Herkunftsort in der (familieneigenen) Landwirtschaft tätig war, wobei er die Erzeugnisse teilweise auf dem Markt verkaufte. Es ist davon auszugehen, dass er bei D-5722/2019 Seite 19 einer Rückkehr nach Eritrea erneut auf diese Weise seinen Lebensunter- halt bestreiten könnte. Seinen Angaben zufolge leben sowohl seine Eltern als auch mehrere Geschwister sowie ein Onkel nach wie vor in Eritrea. Seine Eltern besitzen ein eigenes Haus und betreiben Landwirtschaft. Da- mit verfügt der Beschwerdeführer am Herkunftsort über eine gesicherte Wohnmöglichkeit und ein soziales Beziehungsnetz, welches ihn bei Bedarf unterstützen könnte. 11.2.4 Hinsichtlich der geltend gemachten medizinischen Probleme ist so- dann Folgendes festzustellen: Beim Beschwerdeführer wurden Ende 2019 eine durch (…) hervorgerufene (…) sowie eine (…) diagnostiziert. Gemäss den aktenkundigen ärztlichen Unterlagen (vgl. d ie E-Mail von Dr. med. R. R. an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vom 4. Dezember 2020, den Arztbericht von R. R. vom 1. Februar 2021 sowie den Arztbericht von Dr. med. R. D. vom 23. Januar 2020 [Beschwerdeakten Nr. 7 S. 3 so- wie Nr. 10 S. 3, 5 un d 6]) wurden diese Erkrankungen umgehend behan- delt. Es ist davon auszugehen, dass auch die bei (…) angezeigten Nach- kontrollen (drei und sechs Monate nach der [einmaligen] Verabreichung von Praziquantel; vgl. dazu die Bemerkungen im Arztbericht von Dr. med. R. D. vom 23. Januar 2020) durchgeführt worden sind. Die eingereichten Arztberichte enthalten keine Hinweise auf ein Therapieversagen respektive eine weiterhin bestehende Infektion mit (…), woraus zu schliessen ist, dass die entsprechende Therapie erfolgr eich war. Im Weiteren leidet der Be- schwerdeführer an einer (…), unter Beteiligung von MRSA (Methicillin-re- sistenter Staphylococcus aureus). Der zuständige Hals -Nasen-Ohrenarzt leitete eine Langzeitbehandlung mit Bactrim ein und erklärte, er werde beim Beschwerdeführer regelmässig eine (…) vornehmen (vgl. die E-Mail von Dr. med. T. v.B. vom 17. Februar 2020 sowie seinen Arztbericht vom 7. Januar 2020 [Beschwerdeakten Nr. 10 S. 11 und 12). Dem Arztbericht von Dr. med. R. R. vom 1. Februar 2021 ist zu entnehme n, dass die Behand- lung mit Bactrim nach wie vor andauert. Der Hausarzt R. R. führt im er- wähnten Arztbericht unter anderem aus, es bestehe die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer an der (…) sterben könnte. R. R. verweist dabei auf den Wikipedia-Eintrag zu (…) ([…]). Auch der von der Rechtsvertreterin kontaktierte HNO-Facharzt M. J. erklärt in seiner E-Mail vom 6. April 2021 (allerdings ohne dies näher auszuführen oder zu dokumentieren), die (…) stelle in Eritrea eine lebensbedrohliche Erkrankung dar (vgl. Beschwerde- akte Nr. 15 S. 3). Die Lektüre des von R. R. erwähnten Wikipedia-Eintrags sowie weiterer Quellen (vgl. beispielsweise […]) bestätigt indes die von R. R. und M. J. geäusserte Auffassung, wonach es sich bei der (…) um eine D-5722/2019 Seite 20 lebensbedrohliche Krankheit handle, nicht. Die Problematik der (…) be- steht grundsätzlich […]. Als Folge der (…) kann es zu (…) kommen. In schweren Fällen kann sich auch die (…) zurückbilden. Diese Symptome sind jedoch per se allesamt nicht lebensbedrohlich. Gewiss kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass es bei einer unsachgemässen Ab- tragung der (…) zu häufigem (…) und in der Folge – namentlich unter un- günstigen hygienischen Verhältnissen – möglicherweise zu einer Blutver- giftung mit Todesfolge kommen kann. Diese Komplikation dürfte indessen nur in seltenen, extremen Fällen eintreten. Es ist daher davon auszugehen, dass die bestehende (…) bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers nach Eritrea selbst ohne adäquate Behandlung nicht zu einer raschen und le- bensgefährlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes führen würde. Im Weiteren ist festzustellen, dass die Behandlung der (…) primär in einer gründlichen und andauernden (…) besteht, namentlich mit (…) (vgl. dazu beispielsweise den bereits erwähnten Wikipedia-Eintrag). Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer diesbezüglich von seinem Hausarzt hinreichend instruiert wurde. Im vorliegenden Fall ist den Akten zufolge ausserdem eine regelmässige Entfernung der (…) angezeigt. Diese erfolgt vorzugsweise durch eine fachkundige Person (auch wenn der Beschwerdeführer dies – nach entsprechender, fachkundiger Einweisung – theoretisch wohl auch selber vornehmen könnte). Aus der E-Mail von Dr. med. M. J. vom 30. März 2021 (vgl. Beschwerdeakte Nr. 15 S. 4) geht dies- bezüglich hervor, dass es in Asmara zwei HNO-Ärzte gibt, welche eine pro- fessionelle (…) durchführen können (vgl. dazu auch die vom britischen Fo- reign, Commonwealth & Development Office [FCDO] publizierte Liste von medizinischen Einrichtungen und Spezialist en vom März 2021, https://www.gov.uk/government/publications/eritrea-doctors/eritrea-list-of- medical-facilities). Der Beschwerdeführer stammt zwar nicht aus Asmara, jedoch dauert die Fahrt von seinem Herkunftsort nach Asmara seinen An- gaben zufolge lediglich (…) Minuten (vgl. A13 F19). Ferner war er in der Vergangenheit offenbar ohne weiteres in der Lage, zwecks Verkaufs seines Gemüses auf dem Markt regelmässig nach (…) zu fahren (vgl. A13 F137). Bei einer Rückkehr nach Eritrea ist es ihm daher zuzumuten, si ch bei Be- darf zu einem HNO -Arzt nach Asmara zu begeben. Es ist ferner davon auszugehen, dass er die Langzeitbehandlung mit Bactrim auch in Eritrea weiterführen könnte, zumal dieses Medikament (beziehungsweise die Fixkombination Trimethoprim und Sulfamethoxazol) dort grundsätzlich er- hältlich ist (vgl. die Eritrean National List of Medicines [2010], S. 36; https://www.who.int/selection_medicines/country_lists/eri_eml_2010.pdf). Um eine lückenlose medikamentöse Weiterbehandlung sicherzustellen, D-5722/2019 Seite 21 hat der Beschwe rdeführer überdies die Möglichkeit, medizinische Rück- kehrhilfe zu beantragen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Soweit er darauf hinweist, er sei nach wie vor untergewichtig und seine (…) hätten sich noch nicht normalisiert, ist festzustellen, dass die Ursache für diese Anomalien offenbar trotz der bisher erfolgten Untersuchungen und Be- handlungen unklar sind. Diese unspezifischen Befunde lassen jedoch für sich genommen nicht dara uf schliessen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Eritrea mit einer raschen und lebensbedrohlichen Ver- schlechterung seines Gesundheitszustandes rechnen müsste. 11.2.5 Insgesamt ist nach dem Gesagten nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Eritrea aus wirtschaftli- chen, sozialen oder medizinischen Gründen in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung ist daher auch in individueller Hinsicht als zumutbar zu erachten. 11.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Die aktuelle Corona -Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls nicht entgegen; denn es handelt sich dabei – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Voll- zugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland ange- passt wird. 11.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt ric htig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 13. D-5722/2019 Seite 22 13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 20. November 2019 gutgeheissen worden ist, werden keine Verfahrenskosten erhoben. 13.2 Mit derselben Verfügung wurde ferner auch das Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen. Die Festsetzung des amtlichen Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) . In der aktualisierten Kosten- note vom 6. April 2021 wird ein Aufwand von total 13 Stunden und 5 Minu- ten ausgewiesen, was angemessen erscheint. Gemäss der bereits in der Zwischenverfügung vom 20. November 2019 dargelegten Praxis des Ge- richts bei amtlicher Vertretung (vgl. auch Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) ist der geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 180.– auf Fr. 150.– zu kürzen. Spesen sind aufgrund der tatsächlichen Kosten auszuzahlen (vgl. Art. 11 Abs. 1 VGKE). Die ohne nähere Angaben geltend ge machte Spe- senpauschale von Fr. 50.– ist demnach nicht zu vergüten, zumal keine be- sonderen Verhältnisse vorliegen, welche die Auszahlung eines Pauschal- betrags rechtfertigen würden (vgl. Art. 11 Abs. 3 VGKE). Der amtlichen Ver- treterin ist demnach zu Lasten d es Bundesverwaltungsgerichts ein Hono- rar von insgesamt Fr. 2’114.– (inkl. Mehrwertsteueranteil) zuzusprechen. D-5722/2019 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichtskasse ein Ho- norar in der Höhe von Fr. 2’114.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut Versand: