B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5563/2014 U r t e i l v o m 2 9 . M a i 2 0 1 5 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren (…), Staat unbekannt, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M., (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. September 2014 / N (…). D-5563/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 18. Juni 2012 in der Schweiz um Asyl nach. A.a Im Rahmen der Befragung im Em pfangs- und Verfahrenszentrum B._______ vom 4. Juli 2012 und der Anhörung durch das vormalige BFM nach Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) vom 21. Mai 2014 brachte der Be- schwerdeführer im Wesentlichen vor, er sei eritreischer Staatsangehöriger und stamme aus C._______. Sein Vater sei im Jahr 1992 wahrscheinlich wegen Aktivitäten für di e Eritrean Liberation Front (ELF) mitgenommen worden und seither spurlos verschwunden . Nach Beendigung des elften Schuljahrs im Jahr 2004 habe er kein zwölftes Jahr in Sawa absolviert , sondern sich bei seiner Mutter versteckt gehalten, da sie aufgrund der Ab- wesenheit seiner drei Brüder – D._______ und E._______ seien bereits im Militärdienst gewesen und F._______ lebe in den USA – sonst niemanden gehabt hätte, der ihr im Haushalt geholfen hätte. Tagsüber habe er als (…) gearbeitet. Am 24. Dezember 2005 habe er in C._______ eine jemeniti- sche Staatsangehörige (Mutter Eritreerin, Vater Jemenit) geheiratet. Seine Ehefrau habe zwar nicht in C._______ gelebt, sei aber immer wieder ein- mal dorthin gekommen (vgl. vorinstanzliche Akten A5 S. 8), respektive sie sei in C._______ geboren, habe immer in Eritrea gelebt und sei mit ihm in C._______ zur Schule gegangen (vgl. A14 S. 4 F26 und S. 5 F30). In ihrem jemenitischen Pass sei als Geburtsort nicht C._______ , sondern Sanaa eingetragen, da ihr Vater dies so gewünscht habe . Im Jahr 2006 sei sie nach Jemen ausgereist. Er habe sie dort im Mai 2012 letztmals gesehen. Damals sei sie schwanger gewesen. Seine ersten beiden Kinder seien in den Jahren 2007 und 2010 geboren worden. Im Juni 20 13 habe er letzt- mals Kontakt zu seiner Ehefrau gehabt. Sie habe ihm damals berichtet, dass das dritte Kind am (…) 2012 zur Welt gekommen sei. Seine Mutter habe in den Jahren 2004 und 2005 für ihn zwei Vorladungen für den Militärdienst erhalten, denen er nicht Folge geleistet habe. Im Au- gust 2006 (vgl. A14 S. 7 F53) respektive am 1. August 2006 (vgl. A5 S. 8) sei es zu einer Razzia gekommen und er sei zwangsrekrutiert worden. Er sei in G._______ inhaftiert und von dort aus nach Sawa gebracht worden (vgl. A5 S. 8), respektive er sei zunächst mit vielen anderen Personen, die auch aufgegriffen worden seien, zum Platz H._______ und von dort ins Stadion von C._______ gebracht worden, von wo aus sie nach Sawa trans-D-5563/2014 Seite 3 feriert worden seien (vgl. A14 S. 8 F64). Nach der sechsmonatigen Ausbil- dung in Sawa sei er ab März 2007 im Militärcamp I._______ in C._______ stationiert gewesen. Er sei einfacher Solda t gewesen und habe verschie- dene Ministerien bewachen müssen (vgl. A5 S. 8), respektive er habe le- diglich in I._______ Wache gehalten (vgl. A14 S. 10 F89). Nach zwei Mo- naten (vgl. A14 S. 10 F90) respektive Ende Mai, anfangs Juni 2007 (vgl. A14 S. 11 F94), beziehungsweise im April 2007 (vgl. A5 S. 7) sei er wäh- rend eines Besuchs zu Hause – ihm sei ein Urlaub von zehn Tagen geneh- migt worden, da seine Mutter erkrankt sei – von mehreren Personen auf- gesucht und auf das Polizeirevier in C._______ gebracht worden. Dort sei er geschlagen und befragt worden. Es sei ihm vorgeworfen worden, mit der Opposition etwas zu tun zu haben: Seine Familie bestehe aus ehemaligen ELF-Kämpfern, die sich weiterhin für die Opposition engagieren würden (vgl. A5 S. 7), beziehungsweise ihm sei vorgeworfen worden, seinen Bru- der E._______, der bei dem Versuch, das Land illegal zu verlassen, fest- genommen worden sei, unterstützt zu haben (vgl. A14 S. 11 F92 ff.); mit der Thematik der ELF-Aktivitäten seiner Familie sei er bei der Verhaftung nicht konfrontiert worden (vgl. A14 S. 19 F164). Vom Polizeirevier sei er in die Haftanstalt J._______ gebracht worden. Dort sei er nicht mehr verhört worden, sondern in Vergessenheit geraten. Er habe unter den harten Haft- bedingungen (unterirdische Unterbringung, mangelhafte Ernährung) gelit- ten, weshalb er auch hierzulande medizinische Hilfe benötige, dank derer es ihm nun besser gehe. Im April 2009 sei eine Amnestie erlassen worden und er sei zusammen mit anderen begnadigten Häftlingen vom Gefängnis ins Militärcamp von J._______ gebracht worden. Es sei ihnen mitgeteilt worden, dass der zuständige Offizier am nächsten Tag eine Erklärung ab- geben werde. Da sie nicht gewusst hätten, was sie dabei erwarten würde, seien sie noch am selben Abend aus dem Militärcamp geflohen. E inige seien bei der Flucht erschossen worden. Er sei einfach nur gera nnt und habe irgendwann festgestel lt, dass er in der Stadt K._______ angekom- men sei, respektive er sei nur teilweise gelaufen und dann mit Hilfe eines zufällig vorbeifa hrenden Autofahrers nach K._______ gelangt. Von dort aus habe er seine Mutter angerufen, die ihm die Telefonnummer von einem in K._______ wohnhaften Familienangehörigen gegeben habe. Dieser habe ihm Zuflucht geboten und ihm bei der Organisation der Ausreise ge- holfen. So sei er mit einem Schiff in den Jemen gelangt. Er habe in Sanaa ein Zimmer gemietet und seine Ehefrau, die bei ihrem Vater gewohnt habe, sei zu ihm gezogen. Trotz der jemenitischen Staatsangehörigkeit seiner Ehefrau und der finanziellen Unterstützung durch seinen in den USA le- benden Bruder F._______ sei die Situation in Sanaa für ihn sehr schwierig gewesen. Als Eritreer sei er diskriminiert und mehrmals inhaftiert worden. D-5563/2014 Seite 4 Die längste Haft habe vier Monate gedauert (vgl. A5 S. 7), respektive er sei nebst einer kurzen Anhaltung nur einmal für zwei Monate beziehungsweise von Januar bis Mai 2012 inhaftiert worden (vgl. A14 S. 21 F167 ff.). Grund für die Inhaftierung sei der Aufstand in Jemen (vgl. A5 S. 7), beziehungs- weise seine Teilnahme an einer Demonstration gegen die Ermordung eines Eritreers vor dem Büro der UNO in Sanaa gewesen (vgl. A14 S. 21 F169). Nach der Freilassung habe er das Land schnellstmöglich verlassen wollen. Im Mai 2012 sei er mit Hilfe eines Schleppers nach L._______ geflogen, von wo aus er via M._______ und N._______ am 18. Juni 2012 in die Schweiz gelangt sei. Er habe in Eritrea nie einen Pass beantragt und die ihm im Jahr 2004 (vgl. A5 S. 6) respektive im Mai 2003 (vgl. A14 S. 2 F6) ausgestellte Identitätskarte habe er im Mai 2004 (vgl. A5 S. 6) respektive irgendwann im Jahr 2004 (vgl. A14 S. 6 F48) verloren. Er reiche aber Iden- titätspapiere seiner Familienangehörigen ein. Wie sein Bruder D._______ zu einem Pass gekommen sei, wisse er nicht; in Eritrea sei alles möglich. Zudem reiche er seine Geburtsurkunde ein. Er habe diese in C._______ ausstellen lassen un d wisse nicht, weshalb sie die festgestellten Fäl- schungsmerkmale (Schreibfehler, fehlender Namensstempel, fremdes Layout) aufweise. Seine Mutter sei seit seiner Flucht vier bis fünf Mal mit- genommen und befragt worden. Sie sei aber nicht für längere Zeit fe stge- halten worden. Zudem sei seine Wohnung durchsucht worden. Etwa im März 2014 habe er erfahren, dass sein Bruder D._______ zwischenzeitlich festgenommen worden sei. Den Grund dafür kenne er nicht, vielleicht habe er Dollar bei sich getragen (vgl. A14 S. 17 F148). Bei einer Rückkehr nach Eritrea drohe ihm (dem Beschwerdeführer) aufgrund seiner Flucht die In- haftierung oder der Tod. A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und die zu den Akten gegebenen Beweismittel (Geburtsurkunde, Eheschein, Kopien der jemenitische Pässe der Ehefrau und Kinder, Kopien der eritreischen Pässe der Mutter und des Bruders D._______., Kopien der eritreischen Identitäts- karten der Brüder D ._______ und E._______, Kopie der Militärkarte des Bruders D._______) verwiesen (vgl. A5 und A14). B. B.a Mit Verfügung vom 2. September 2014 – eröffnet am 3. September 2014 – stellte das BFM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei- genschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Weg- weisung sowie den Wegweisungsvollzug an. D-5563/2014 Seite 5 B.b Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an die Glaub- haftmachung gemäss Art. 7 AsylG noch de njenigen an die Flüchtlingsei- genschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. Der Beschwerdeführer habe zu zent- ralen Elementen seiner Asylvorbringen höchst widersprüchliche Angaben gemacht. Bezüglich der Zwangsrekrutierung habe er zunächst angegeben, in G._______ inhaftiert gewesen zu sein , bevor er nach Sawa gebracht worden sei, später aber ausgesagt, bei einer Razzia aufgegriffen und zum H._______ Platz gebracht worden zu sein, von wo aus er mit weiteren Per- sonen ins Stadion von C._______ und schliesslich nach Sawa transferiert worden sei; von einer Haft in G._______ sei keine Rede mehr gewesen. Auf Vorhalt der Widersprüche habe er lediglich auf das weite Zurückliegen der Ereignisse verwiesen. Auch den Zeitpunkt und die Motivation der an- geblichen Festnahme im Jahr 2007 habe er stark divergierend geschildert. Zunächst habe er angegeben, etwa im April 2007 wegen des Vorwurfs, et- was mit der Opposition zu tun gehabt zu haben, inhaftiert worden zu sein, später indes ausgesagt, die Verhaftung sei im Mai oder Juni 2007 w egen des Vorwurfs erfolgt, seinen Bruder E._______ bei dem Versuch, das Land illegal zu verlassen, unterstützt zu haben. Auf Vorhalt der unvereinbaren Aussagen habe er nur angegeben, den wahren Grund für die Verha ftung nicht zu kennen. Damit vermöge er die Widersprüchlichkeiten indes nicht zu erklären. Es erstaune vielmehr , dass er bei der B efragung am 4. Juli 2012 einen gescheiterten Ausreiseversuch des Bruders E._______ mit kei- nem Wort erwähnt, sondern angegeben habe, E._______ würde noch Mi- litärdienst leisten. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer nicht nach- vollziehbar erklären können, wie sein Bruder D._______, der im Jahr 2012 ebenfalls noch Militärdienst geleistet und von dessen Verhaftung er erst kurz vor der Anhörung vom 21. Mai 2014 erfahren habe, zu einem eritrei- schen Reisepass gekommen sei (Ausstellungsdatum Januar 2011). Die Er- klärung, in Eritrea sei alles möglich, sei unbehelflich, zumal die eritreische Praxis zur Passausstellung an Personen in w ehrdienstfähigem Alter äus- serst restriktiv sei. Der Erklärungsversuch des Beschwerdeführers deute vielmehr darauf hin, dass er mit den Gegebenheiten in Eritrea weit weniger vertraut sei, als er es Glauben machen möchte. Dies rufe starke Zweifel an seiner angeblich dort erfolgten Sozialisation hervor. Auch seine Darstel- lung des Militärdienstes weise Unstimmigkeiten auf, habe er doch zunächst angegeben, verschiedene Ministerien bewacht zu haben, später indes aus- gesagt, nur im Militärcamp I._______ Wache gehalten zu haben. Des Wei- teren kämen angesichts unvereinbarer Aussagen Bedenken an der geltend gemachten Heirat auf. So habe er zunächst angegeben, seine Ehefrau sei jemenitische Staatsangehörige, in Sanaa geboren und habe nicht in D-5563/2014 Seite 6 C._______ gelebt, später indes völlig gegensätzlich ausgesagt, seine Ehe- frau sei in C._______ geboren, habe dort mit ihm die Schule besucht und bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2006 gelebt. Die Behauptung, der Vater der Ehefrau habe gewollt, dass in ihrem Reisepass Sanaa und nicht C._______ als Geburtsort eingetragen werde, sei abwegig. Überdies seien auch die Angaben zu r illegalen Ausreise aus Eritrea unstimmig. So habe der Beschwerdeführer erst angegeben, von J._______ nach K._______ und über O._______ per Schiff nach P ._______ im Jemen gelangt zu sein, später aber ausgesagt, die Ausreise sei von Q._______ nach R._______ erfolgt. Auf Vorhalt habe er lediglich zu Protokoll gegeben, bei der B efra- gung keinen klaren Kopf gehabt zu haben. Schliesslich seien auch die An- gaben zu den Inhaftierungen in Jemen widersprüchlich, habe der Be- schwerdeführer doch zunächst gesagt, aufgrund der Probleme des dorti- gen Aufstands für vier Monate und mehrmals für kürzere Zeit inhaftiert ge- wesen zu sein, später aber angegeben, nur einmal für zwei Monate in Haft gewesen zu sein, da er vor dem Büro der UNO in Sanaa gegen die Ermor- dung eines Eritreers demonstriert habe. Auf Vorhalt der abweichenden An- gaben habe er sich lediglich dahingehend korrigiert, dass die Haft doch vier und nicht zwei Monate gedauert habe . Insgesamt würden sich sämtliche Asylvorbringen und wesentliche Eckpunkte der Biographie des Beschwer- deführers als unstimmig und widersprüchlich erweisen, weshalb berech- tigte Zweifel an der Glaubhaftigkeit sein er Schilderungen bestehen wür- den. Zudem handle es sich bei der eingereichten eritreischen Geburtsur- kunde mutmasslich um eine Fälschung (Schreibfehler, fehlende Namens- stempel, völlig anderes Layout al s das Vergleichsmaterial) . Auf Vorhalt habe der Beschwerdeführer die Indizien, die auf eine Fälschung hindeuten würden, nicht aus dem Weg zu räumen vermocht. Es könne ihm folglich nicht geglaubt werden, dass er Eritrea aufgrund der von ihm geltend ge- machten Ereignisse illegal verlassen habe. Er versuche offens ichtlich, seine wahre Identität und Herkunft sowie seine persönlichen Verhältnisse zu verschleiern. Unter diesen Umständen sei es dem BFM nicht möglich, seine genaue Herkunft zu ermitteln. Die Staatsangehörigkeit des Be- schwerdeführers sei unbekannt. Zwar sei der Sachverhalt von Amtes we- gen festzustellen, jedoch finde die Untersuchungspflicht ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers. Angesichts der unglaubhaften Inhaftierung und Flucht des Beschwerdeführers könne es nicht Aufgabe des BFM sein, allfällige weitere hypothetische illegale Ausreisemöglichkei- ten zu prüfen. Die tatsächlichen Umstände der Ausreise des Beschwerde- führers aus Eritrea – sollte sie je erfolgt sein – würden im Dunkeln bleiben. Es reiche nicht aus, die konkreten Ausreisegründe und -umstände nur an- satzweise darzulegen. Auch das V orliegen subjektiver Nachfluchtgründe D-5563/2014 Seite 7 müsse bewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden, was vorlie- gend nicht der Fall sei. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten des- halb weder den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. Er erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft nicht. Das Asylgesuch sei abzulehnen und die Wegweisung anzuordnen. Die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs sei grundsätzlich von Am- tes weg en zu prüfen, jedoch finde diese Untersuchungspflicht ebenfalls ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden, der auch die Substanziierungslast trage. Es sei nicht Aufgabe der Asylbehörden, nach hypothetischen Wegweisungshindernissen zu forschen. Dem BFM sei es nicht möglich, die wahre Identität des Beschwerdeführers festzustellen. Es müsse vielmehr davon ausgegangen werden, dass er seine echte Identität, Staatsangehörigkeit, Herkunft und die persönlichen Verhältnisse verschlei- ern wolle. Durch die Verletzung der Mitwirkungspflicht verunmögliche es der Beschwerdeführer dem BFM, sich in Kenntnis d er tatsächlichen per- sönlichen Verhältnisse zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs oder allfälligen Vollzugshindernissen zu äussern, und er habe die Folgen zu tra- gen. Sein Aussageverhalten lasse vermuten, dass weder die in seinem ver- mutlichen Heimat- oder Herkunftsstaat herrschende Situation noch andere Anhaltspunkte gegen die Zumutbarkeit der Rückführung in diesen spre- chen würden. Es sei ihm zuzumuten, s ich bei der zuständigen Vertretung seines Heimatlandes die allenfalls benötigten Reisepapiere zu beschaffen. Der Wegweisungsvollzug sei deshalb als durchführbar zu erachten. C. C.a Mit Eingabe vom 29. September 2014 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, worin um Aufhebung der vo- rinstanzlichen Verfügung und um Rückweisung der Sache zur rechts- genüglichen Sachverhaltsabklärung und neuem Entscheid, eventualiter um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls, subeventualiter um Gewährung der vorläufigen Aufnahme, ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde zudem – unter Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 19. September 2014 – um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses sowie um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung in der Person von Tarig Hassan ersucht. C.b Zur Begründung machte der Beschwerde führer im Wesentlichen gel- tend, sein Vater sei wohl wegen Zusammenarbeit mit der ELF im Jahr 1992 D-5563/2014 Seite 8 verschleppt worden und seither nie mehr aufg etaucht. Da der Gesund- heitszustand seiner Mutter nicht gut gewesen sei, habe er nicht wie üblich das zwölfte Schuljahr in Sawa absolviert, sondern sich bei seiner Tante und anderen Familienangehörigen versteckt. Nach Einbruch der Dunkelheit habe er jeweils seine Mutter besucht. Tagsüber habe er gearbeitet. Seine Ehefrau, die aufgrund ihres Vaters jemenitische Staatsbürgerin sei, habe er in C._______ kennengelernt. Er habe dort mit ih r und seiner Mutter in einer Wohnung zusammengelebt. In den Jahren 2004 und 2005 habe seine Mutter zwei schriftliche Vorladungen für den Militärdienst für ihn ent- gegengenommen. Im August 2006 sei er auf dem Nachhauseweg in eine Razzia gekommen. Er se i zu der Sammelstelle G._______ in C._______ gebracht und von dort mit vielen anderen nach Sawa gefahren worden. Nach einer sechsmonatigen Ausbildung sei er in eine Ei nheit beim (…) in C._______ eingeteilt worden. Seine Einheit sei im Militärcamp in I._______ stationiert gewesen. Seine Aufgabe sei es gewesen, verschiedene Ministe- rien zu bewachen. Als er nach zwei Monaten erfahren habe, dass seine Mutter krank sei, habe er Urlaub beantragt. Ende Mai oder anfangs Juni 2007 sei er zu Hause von vier Behördenmitgliede rn aufgesucht und zum Polizeirevier gebracht worden. Dort sei er verhört und geschlagen worden. Den wahren Grund für die Festnahme habe er nie erfahren. Er sei zu sei- nem Bruder E._______ befragt worden, der beim Versuch, das Land illegal zu verlassen, festgenommen worden sei. Ob dies aber der wahre Grund für seine eigene Festnahme gewesen sei, wisse er nicht. Vom Polizeirevier sei er zusammen mit anderen Personen nach J._______ gebracht worden. Dort sei er während zirka zwei Jahren unter menschenunwürdigen Bedin- gungen inhaftiert gewesen. Im April 2009 sei eine Amnestie erlassen und er sei – wie andere – aus dem Gefängnis entlassen worden. Sie seien von einer Militäreinheit abgeholt und ins Militärcamp von J._______ gebracht worden. Ihnen sei gesagt worden, der Offizier werde am nächsten Tag eine Erklärung abgeben. Da er und die anderen Häftlinge Angst gehabt hätten, seien sie noch am gleichen Abend aus dem Militärcamp geflohen . Er sei ohne Orientierung davongerannt. Als Anhalter sei er mit einem Autofahrer nach K._______ gelangt. Er habe seine Mutter angerufen, die ihm die Te- lefonnummer eines Familienangehörigen geg eben habe, der ihn bei sich zu Hause versteckt und ihm bei der Organisation der Ausreise geholfen habe. Mit einem Boot sei er nach Jemen gelangt. Dort habe er d ank der finanziellen Unterstützung seines in den USA lebenden Bruders überleben können. Nachdem er vor dem Büro der UNO in Sanaa gegen die Ermor- dung eines Eritreers protestiert habe, sei er von Januar bis Mai 2012 inhaf- tiert worden. Nach der Entlassung sei er am 8. Mai 2012 nach L._______ geflogen, von wo aus er via M._______ und N._______ am 18. Juni 2012 D-5563/2014 Seite 9 in die Schweiz gelangt sei. Seine Ehefrau und Kinder habe er in Jemen zurücklassen müssen. Er habe bisher keinen Kontakt zu ihnen herstellen können und sorge sich um sie. Hinsichtlich des Vorwurfs der widersprüchlichen Darlegung seiner Asyl- gründe weise er darauf hin, dass er aufgrund der traumatischen Erlebnisse während der Haft in Eritrea und Jemen Probleme habe, sich richtig zu er- innern, wenn er unter Druck stehe. Er befinde sich diesbezüglich in medi- zinischer Behandlung. Zudem habe die Anhörung bis nach 19 Uhr gedau- ert. Dem Protokoll sei zu entnehmen, dass die Hilfswerksvertretung eine ergänzende Befragung angeregt habe, damit die Ungereimtheiten und of- fen gebliebenen Fragen in Ruhe geklärt werden könnten. Dies zeige, dass der rechtserhebliche Sachverhalt durch die Vorinstanz mangelhaft abge- klärt worden sei, weshalb d ie Sache zurückzuweisen sei. Bezüglich des Vorwurfs, er habe sich zur Zwangsrekrutierung widersprüchlich geäussert, habe er bereits bei der Anhörung darauf hingewiesen, dass er bei der Be- fragung durcheinander gewesen sei. Zudem seien seine Angaben nicht derart widersprüchlich, wie von der Vorinstanz dargestellt. G._______ sei einer der Orte, an dem Militärdienstpflichtige zur Überführung nach Sawa versammelt würden. Das Stadion in C._______ sei eine zweite solche Sammelstelle. Er habe somit lediglich die Sammelstelle verwechselt. Hin- sichtlich der genannten Umstände der Festnahme im Jahr 2007 (Vorwurf der Oppositionstätigkeit respektive der Unterstützung seines Bruders D._______ bei der illegalen Ausreise) liege kein Widerspruch vor, zumal er gesagt habe, dass er den wahren Grund für seine Inhaftierung nicht kenne. Bezüglich der angezweifelten eritreischen Herkunft respektive Sozialisa- tion könne ihm nicht vorgeworfen werden, dass er nicht wisse, wie sein Bruder D._______ zu einem Reisepass gekommen sei. Er habe seine Fa- milie um Zustellung von Dokumenten gebeten und die Kopie des brüderli- chen Reisepasses erhalten. E s sei nicht an ihm, zu erklären, wie D._______ trotz der restriktiven Voraussetzungen zu einem Reisepass habe kommen können. Mangelnde Vertrautheit mit den eritreischen Gege- benheiten könne ihm angesichts detaillierter Angaben zu Orten (bspw. an seinen Wohnsitz angrenzende Quartiere, Schule) und Umständen (bspw. Ausstellung der Identitätskarte) nicht vorgeworfen werden. Hinsichtlich der Darstellung des Militärdienstes habe er sich nicht widersprüchlich geäus- sert. I._______ sei der Ort gewesen, an dem seine Einheit stationiert ge- wesen sei, und von wo aus er verschiedene Ministe rien habe bewachen müssen. Bei der Befragung habe er Sanaa als Geburtsort seiner Ehefrau genannt, weil dies der im jemenitischen Pass seiner Ehefrau eingetragene D-5563/2014 Seite 10 Geburtsort sei; in Wahrheit sei sie aber in C._______ geboren. Dieser Di- vergenz liege jedoch nur eine Formalität zugrunde. Die jemenitischen Be- hörden würden in Pässen keine ausländischen Geburtsorte eintragen, und der Vater seiner Ehefrau habe auch nicht gewollt, dass in ihrem Pass C._______ als Geburtsort stehe. Hinsichtlich der Unstimmigkeiten bei der Schilderung des Reis ewegs weise er erneu t darauf hin , dass er bei der Befragung keinen klaren Kopf gehabt habe. Zudem habe sich der Schlep- per um die Organisation der Reise gekümmert. Bezüglich des Vorwurfs, er habe sich zu den Inhaftierungen in Jemen widersprüchlich geäussert, weise er darauf hin, dass die diesbezüglichen Fragen erst nach der Rück- übersetzung eingeschoben worden seien. Zu diesem Zeitpunkt sei er nicht mehr in der Lage gewesen, klar zu denken. Hinsichtlich der angeblich ge- fälschten Geburtsurkunde halte er daran fest, dass er dieses Dokument bei der zuständigen Amtsstelle habe ausstellen lassen. Schreibfehler oder ein anderes Layout als des für Geburtsurkunden üblichen könnten ihm nicht vorgeworfen werden. Im Übrigen sei dieses Dokument nicht von entschei- dender Relevanz, da er seine eritreische Herkunft eindeutig belegen könne; es sei ihm mittlerweile gelungen, mit Hilf e seines Bruders E._______ eine Kopie seiner verlorenen Identitätskarte zu beschaffen. Er habe somit die überwiegende Mehrheit der aufgezeigten Ungereimtheiten entkräften und sowohl seine Herkunft als auch seine Asylgründe glaubhaft darzulegen vermocht. Er habe den Militärdienst, zu dessen Beleg er eine Fotografie einreiche, die Inhaftierung und die Flucht nach K._______ de- tailliert geschildert. Die Vorinstanz setze sich mit der Frage der Asylrele- vanz seiner Angaben gar nicht auseinander. Diese sei jedoch gegeben. Er habe glaubhaft dargelegt, dass er im Jahr 2007 unrechtmässig verhaftet und ohne Durchführung eines fairen Verfahrens während zweier Jahre un- ter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert worden sei. Zudem sei er während des Militärdienstes körperlich bestraft worden. Überdies bestehe aufgrund seines Vaters, der mit der ELF zusammengearbeitet habe, die Gefahr einer Reflexverfolgung. Sein Bruder E._______ sei wegen des Ver- suchs der illegalen Ausreise verhaftet worden. Sein Bruder E._______ sei – laut Information seiner Mutter – ebenfalls festgenommen worden. Da er somit in Eritrea wegen Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe respektive wegen seiner politischen Anschauungen an Leib und Leben und in seiner Freiheit gefährdet sei, erfülle er die Flüchtlingseigenschaft ge- mäss Art. 3 AsylG und es sei ihm Asyl zu gewähren. Sollte ihm kein Asyl gewährt werden, wäre er aufgrund des Vorliegens sub- jektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling vorläufig aufzunehmen . Er habe Eritrea illegal verlassen. Zudem habe er begonnen, sich in der Schw eiz D-5563/2014 Seite 11 exilpolitisch zu betätigen (vgl. beiliegende Fotos, Bescheinigung der Erit- rean National Salvation Front [ENSF], Visitenkarte der Oppositionsführerin S._______). Ein Wegweisungsvollzug nach Eritrea wäre unzulässig und unzumutbar. Das Stellen eines Asylgesuchs werde als Kritik an der eritrei- schen Regierung aufgefasst. Zudem gelte er als Deserteur. D. Mit Zwischenverfügung vom 2. Oktober 2014 – eröffnet am 3. Oktober 2014 – stellte der Instruktionsrichter fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Gleichzeitig hiess er die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und Rechtsverbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG gut und ordnete Tarig Hassan dem Beschwerdeführer als unentgeltlichen Rechtsbeistand bei. Zudem forderte er den Beschwer- deführer auf, innert dreissi g Tagen einen Arztbericht einzureichen, und wies darauf hin, dass das Beschwerdeverfahren bei ungenutztem Fristab- lauf aufgrund der Aktenlage weitergeführt werde. E. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2014 reichte der Beschwerdeführer einen ärztlichen Bericht vom 24. Oktober 2014 (Diagnosen: […]) sowie eine Kos- tennote zu den Akten. F. In seiner Vernehmlassung vom 20. November 2014 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. Bei G._______ handle es sich nicht um einen Ort, an dem Militärdienstpflicht ige zur Überführung nach Sawa ver- sammelt würden, sondern um ein Gefängnis in der Nähe von C._______. Folglich vermöge die Ausführung des Beschwerdeführers, er habe lediglich die Sammelstelle verwechselt, nicht als Erklärung für seine unterschiedli- chen Angaben zu dienen, zumal er zuvor keine Verwechslung geltend ge- macht habe (vgl. A14 S. 17 F145). Kopien von Identitätsdokumenten an- geblicher Familienangehöriger vermöchten keinen Beweiswert zu entfal- ten, da weder die tatsächliche Verwandtschaft noch die Echtheit der Doku- mente überprüft werden könnten. Gleiches gelte für die Kopie der Identi- tätskarte des Beschwerdeführers. Hinsichtlich der Echtheit dieses Doku- ments seien massive Vorbehalte angebracht, habe der Beschwerdeführer doch zunächst angegeben, die Identitätskarte sei im Jahr 2004 ausgestellt worden, später hingegen den Mai 2003 als Ausstellungsmonat genannt; das eingereichte Dokument weise indes wiederum ein anderes Ausstel-D-5563/2014 Seite 12 lungsdatum auf (10. Dezember 2002). Abgesehen davon nenne das Doku- ment als Geburtsort T._______, obwohl der Beschwerdeführer C._______ als Geburtsort genannt und diesen gar mit einer angeblichen Geburtsur- kunde habe belegen wollen. Ferner sei nicht ersichtlich, wie der Bruder zu einer Kopie der im Jahr 2004 verloren gegangenen Identitätskarte des Be- schwerdeführers gekommen sei. Eine Erklärung, weshalb der Beschwer- deführer von seiner Familie eine angebliche Geburtsurkunde, aber bis zur Beschwerdeerhebung keine Kopie seiner Identitätskarte erhalten habe, bleibe ebenfalls aus. Es vermöge nicht zu überzeugen, dass die Identitäts- karte bis zum Asylentscheid unauffindbar gewesen, dem Beschwerdefüh- rer danach jedoch innert weniger Wochen aus Eritrea zugesandt worden sei. Die Kopie der Identitätskarte sei deshalb nicht geeignet, die Vorbringen oder die eritreische Staatsangehörigkeit des Be schwerdeführers zu bele- gen. Daran ändere auch die Auffassung des Beschwerdeführers, er habe ein umfassendes Wissen zu Eritrea, nichts, zumal sich seine Ausführungen auf ein begrenztes Kenntnisspektrum beschränken würden, das erlernbar sei. Gleiches gelte für den Militärdienst, der mit einem Foto, das ihn angeb- lich in Sawa zeige, belegt werden solle. Aus diesem Beweismittel liessen sich indes keine Rückschlüsse auf den Ort oder die Umst ände zum Zeit- punkt der Aufnahme ziehen. Der Beschwerdeführer reiche keine sonstigen Dokumente zu seiner Zeit in Eritrea ein, die geeignet wären, seine Natio- nalität zu belegen. Es sei ihm daher nicht gelungen, die Staatsangehörig- keit glaubhaft zu machen. Das exilpolitische Engagement, das der Beschwerdeführer zuvor nicht the- matisiert habe, sei nicht geeignet, den Entscheid des BFM zu ändern. Die Fotos angeblicher Veranstaltungsteilnahmen würden keine Rückschlüsse auf die eritreische Staatsange hörigkeit zulassen, und es sei folglich nicht ersichtlich, weshalb durch die Veranst altungsteilnahmen begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung in Eritrea entstehen sollte. An dieser Einschätzung vermöge auch die Bescheinigung der ENSF vom (…) 2014 nichts zu ändern, zumal sich diese über die Nationalität des Beschwerde- führers aussch weige und nichts über dessen politische Aktivitäten aus- sage. Angesichts der zum Zeitpunkt der Entscheidfindung vorhandenen Unglaubhaftigkeitselemente sei darauf verzichtet worden, eine ergänzende Anhörung durchzuführen. Der Beschwerdeführer sei auf sämtliche im Asyl- entscheid thematisierten Unstimmigkeiten angesprochen und es sei ihm bezüglich der mutmasslich gefälschten Geburtsurkunde das rechtliche Ge- hör gewährt worden. Der Sachverhalt sei somit vollständig erstellt worden. In der längeren Anhörungsdauer könne kein Rechtsfertigungsgrund für die Unstimmigkeiten erblickt werden, zumal eine halbstündige Pause gemacht D-5563/2014 Seite 13 worden sei. Die medizinischen Unterlagen seien nicht geeignet, die Un- glaubhaftigkeitselemente aus dem Weg zu räumen. Versehentliche Un- stimmigkeiten könnten allenfalls durch gesundheitliche Einschränkungen gerechtfertigt sein, jedoch liessen sich dadurch das Mass der widersprüch- lichen Angaben und die mutmassliche F älschung von Urkunden nicht er- klären. Bei dieser Ausgangslage könne es nicht Sache der Asylbehörden sein, nach hypothetischen Herkunftsländern zu suchen oder deren Vorhan- densein bei fehlender Glaubhaftmachung durch den Asylsuchenden anzu- nehmen. Der Beschwerdeführer habe die Folgen der unglaubhaften Anga- ben zu seiner Identität/Staats-angehörigkeit und zu den Fluchtgründen zu tragen, indem vermutungsweise davon auszugehen sei, es stünden einer Wegweisung an den bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse entgegen. G. In seiner Replik vom 10. Dezember 2014 entgegnete der Beschwerdefüh- rer im Wesentlichen, G._______ sei zwar ein Gefängnis, aber auch ein Ort, von dem aus Personen in den Militärdienst gebracht würden. Er habe den Begriff "Sammelstelle" verwendet, um aufzuzeigen, dass sowohl G._______ als auch der Platz H._____ __ Orte seien, von denen aus Zwangsrekrutierte nach Sawa gebracht würden. Gewisse Ungereimtheiten liessen sich mit der zeitlichen Distanz zwischen der Befragung und der An- hörung erklären. Er habe bei der Anhörung gesagt, dass er sich nicht mehr an alles erinnern könne und verwirrt sei. Zudem sei er vom Dolmetscher, der anscheinend ein regimetreuer Eritreer sei und regelmässig nach As- mara reise, eingeschüchtert worden, weshalb die Korrektheit der Anhörung angezweifelt werden müsse. Eine ergänzende Befragung mit einem ande- ren Dolmetscher sei angezeigt, zumal auch der Hilfswerkvertreter festge- halten habe, dass Fragen offen geblieben seien. Er habe zwei Daten genannt, da er sich an das Ausstellungsdatum seiner Identitätskarte nicht mehr genau habe erinnern können. Dies sei jedoch nicht relevant. Die eingereichte Kopie zeige das korrekte Ausstellungsda- tum (10. Dezember 2002). Bei der Übersetzung der Identitätskarte sei es bezüglich des Geburtsorts zu einem Flüchtigkeitsf ehler gek ommen (T._______ statt C._______). Sein Bruder habe nach der Ausstellung der Identitätskarten der Familienmitglieder Kopien gemacht. Dies erkläre, wes- halb er die betreffende Kopie einreichen könne, obwohl er das Originaldo- kument im Jahr 2004 verloren habe . Nach Erlass des negativen Asylent- scheids habe seine Familie das Haus erneut durchsucht und sei dabei auf die besagte Kopie der Identitätskarte gestossen. Mittlerweile habe er auch D-5563/2014 Seite 14 noch seinen Schülerausweis von 1997/1998 erhalten. Mit den eingereich- ten Dokumenten und den Angaben zu seinem Leben in Eritrea sei seine eritreische Staatsangehörigkeit hinreichend belegt. Hinsichtlich des exilpolitischen Engagements komme es nicht darauf an, ob ihn die Schweizer Behörden für einen Eritreer halten würden. Relevant sei nur, ob der eritreische Sicherheitsdienst ihn als exilpolitischen Eritreer identifiziert habe. Er spreche Tigrinya und sei Mitglied der ENSF, die ihn kaum aufgenommen hätte, wenn er nicht Eritreer wäre. Die Oppositions- führerin S._______ sei bereit, Fragen zu ihm zu beantworten, sollte an sei- ner Glaubwürdigkeit gezweifelt werden. Es sei allgemein bekannt, dass die eritreische Diaspora mittels sogenannter "Agenten" überwacht werde. Rückkehrende mit exilpolitischen Aktivitäten hätten willkürliche Verhaftung und unmenschliche Be handlung zu befürchten. Sein Engagement sei si- cherlich aufgefallen, so dass er bei einer Rüc kkehr mit einer willkürlichen Verhaftung und unmenschlicher Behandlung oder Folter rechnen müsse. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Be - schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 D-5563/2014 Seite 15 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Vorbringen sind glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilde- rungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemei- nen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesonde re nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweis- mittel abstützt (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachver- haltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen, überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 [S. 142 f.]). 3.3 Wer sich darauf beruft, durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsland sei eine Gefährdungssituation geschaffen worden (bspw. durch exilpoliti sche Aktivitäten), macht subjektive Nach- fluchtgründe geltend (Art. 54 AsylG). Solche begründen zwar die Flücht- lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Asylausschluss, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder D-5563/2014 Seite 16 nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Personen, welche subjektive Nach- fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, werden als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1, 2009/29 E. 5.1). Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Besti mmung von Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend machen, die we- gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und die weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, keine Flüchtlinge sind. Diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber jedoch durch den – gesetzgebungstechnisch an sich unnötigen – ausdrücklichen Hin- weis auf den Vorbehalt der Geltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) wieder relativiert (Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). 4. Der Beschwerdeführer machte geltend, der rechtserhebliche Sachverhalt sei durch die Vorinstanz ungenügend erhoben und damit sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der vo- rinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilun- gen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekursk ommission [EMARK] 2004 Nr. 38). 4.1 Im Asylverfahren gilt – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – der Un- tersuchungsgrundsatz. Die Behörde ist demnach verpflichtet, von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 12 VwVG). Der Anspruch auf rechtliches Ge- hör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, diese sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheid- findung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss, so dass der Betroffene den Entscheid gegebenen- falls sachgerecht anfechten kann, wobei nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (Art. 12, 29 und 32 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 29 Abs. 2 BV ; vgl. hierzu auch BVGE 2008/47 und 2009/35). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet D-5563/2014 Seite 17 einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden. 4.2 Vorliegend lassen sich den Akten keine Hinweise dafür entnehmen, dass das vorinstanzliche Verfahren den Anforderungen an eine vollstän- dige und korrekte Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts nicht entsprochen hätte. Der Beschwerdeführer konnte seine Asylgründe einge- hend darlegen und es wurde ihm umfassend Gelegenheit eingeräumt, zu den vom BFM festgestellten Widersprüchlichkeiten in seinen Aussagen und den Fälschungsmerkmalen der eingereichten Geburtsurkunde Stel- lung zu nehmen. Hinsichtlich der erst in der Replik vom 10. Dezember 2014 geäusserten Zweifel an der Übersetzung der Aussagen des Beschwerde- führers respektive der Objektivität des Dolmetschers ist darauf hinzuwei- sen, dass dem Beschwerdeführer die Protokollierung seiner Aussagen rückübersetzt wurde und er die Richtigkeit unterschriftlich bestätigt hat. Für eine Voreingenommenheit des Übersetzers liegen keine Anhaltspunkte vor und es besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus for- mellen Gründen aufzuheben. Der Beschwerdeantrag um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist deshalb abzuweisen. 5. Das BFM erachtete die vorgebrachten Fluchtgründe wie auch die geltend gemachte Herkunft und Sozialisation des Beschwerdeführers als den An- forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend. Dieser Einschätzung ist im Ergebnis beizupflichten. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die nicht zu beanstandenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Den Rechtsmitteleinga- ben sind keine stichhaltigen Entgegnungen zu entnehmen, d ie geeignet wären, eine Änderung der angefochtenen Verfügung hinsichtlich der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls (und der Durchführbarkeit des Weg- weisungsvollzugs) herbeizuführen. 5.1 Eine Überprüfung der Akte n ergibt, dass die Ausführungen des Be- schwerdeführers zu den Fluchtgründen sowie seiner Herkunft und den per- sönlichen Verhältnissen nicht zu überzeugen vermögen. Der Auf fassung des Beschwerdeführers, er habe die ihm vorgehaltenen Unglaubhaftigkeit- selemente mehrheitlich entkräften können, kann nicht gefolgt werden. D-5563/2014 Seite 18 5.1.1 Der in Art. 12 VwVG statuierte Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen feststellt, findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (Art. 8 AsylG), der auch die Substanziierungspflicht trägt (Art. 7 AsylG). Zur Mitwirkungspflicht gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzugeben, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken und die Asylgründe dar- zulegen sowie Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). 5.1.2 Die Identität des Beschwerdeführers steht nicht fest. Im vorinstanzli- chen Verfahren hat er keine ihn betreffenden Identitätsdokumente einge- reicht und seine Vorbringen zur Herkunft vermögen nicht zu überzeugen. Vielmehr besteht Grund zur Annahme, er versuche seine wahre Herkunft und seine persönlichen Verhältnisse zu verschleiern. Die zu den Akten ge- gebene Geburtsurkunde weist laut der Vorinstanz diverse Fälschungs- merkmale auf, welche der Beschwerdeführer mit dem blossen Einwand, er wisse nicht, wie es zu diesen gekommen sei, in keiner Weise zu entkräften vermochte. Indem er der besagten Geburtsurkunde in der Rechtsmittelein- gabe vom 29. September 2014 selbst die Relevanz abspricht, vermag er im Übrigen den erweckten Verdacht, ein mutmasslich gefälschtes Doku- ment eingereicht zu haben, nicht zu entkräften. Als Erklärung für die Pa- pierlosigkeit brachte er vor, er habe seine eritreische Identitätskarte – das einzige Ausweisdokument, das er je besessen habe – im Jahr 2004 verlo- ren. Mit der Beschwerdeeingabe vom 29. September 2014 reichte er eine Kopie eben dieser Identitätskarte ein, ohne sich zu deren Beschaffung trotz des Verlusts des Originaldokuments vor zehn Jahren zu äussern. Erst in der Replik vom 10. Dezember 2014 erklärte er diesbezüglich, sein Bruder habe die Kopie angefertigt, wie er dies von den Identitätsdokumenten aller Familienmitglieder gemacht habe. Diese Erklärung vermag indes nicht zu überzeugen, zumal der Beschwerdeführer damit nicht darzulegen vermag, weshalb er ausgerechnet die Kopie seiner eigenen Identitätskarte erst auf Beschwerdeebene einreichte. Hätte das Dokument tatsächlich schon be- standen, wäre vielmehr zu erwarten gewesen, dass er d ieses – wie die Ausweiskopien der angeblichen Familienmitglieder – bereits im erstin- stanzlichen Verfahren zu den Akten gereicht hätte. Im Übrigen ist die Kopie der Identitätskarte des Beschwerdeführers nicht geeignet, die geltend ge- machte Identität und Herkunft zu belegen , da sie eine Überprüfung der Echtheit des entsprechenden Originaldokuments nicht zulässt. Die Auswei- skopie stimmt zudem inhaltlich nicht mit den Aussagen des Beschwerde- führers überein. Laut seinen Angaben wurde die Identitätskarte im Mai 2003 respektive im Jahr 2004 ausgestellt, wohingegen das eingereichte D-5563/2014 Seite 19 Dokument den 10. Dezember 2002 als Ausstellungsdatum nennt. Der An- sicht des Beschwerdeführers, wonach diese Widersprüche nicht relevant seien, kann nicht gefolgt werden. Kopien von Ausweispapieren vermeintli- cher Verwandter vermögen die Identität des Beschwerdeführers ebenfalls nicht zu beweisen. Im Übrigen ist seine gänzlich unsubstanziierte Antwort auf die Frage, wie sein Bruder D._______, der im Jahr 2012 noch Militär- dienst geleistet habe, im wehrdienstpflichten Alter trotz der äusserst rest- riktiven Ausstellungspraxis und der geltend gemachten behördlichen Ver- folgung zweier Brüder (E._______. [gescheiterter Ausreiseversuch 2007] und Beschwerdeführer [illegale Ausreise 2009]) im Jahr 2011 zu einem erit- reischen Pass gekommen sei, wonach in Eritrea halt alles möglich sei, ebenso unbehelflich wie sein Einwand in der Rechtsmitteleingabe vom 29. September 2014, es sei nicht an ihm, die Passausstellung zu erklären. Insgesamt sind die Beweismittel, die der Beschw erdeführer eingereicht hat, nicht geeignet, zur Klärung seiner Identität und Herkunft beizutragen. Seine Identität und Herkunft und damit auch die Verwandtschaft zu den angeblichen Familienmitgliedern stehen nicht fest. Die Zweifel an der be- haupteten Sozialisation in Eritrea werde n durch die höchst widersprüchli- chen Aussagen des Beschwerdeführers zur angeblich Ende 2005 in C._______ erfolgten Heirat mit einer jemenitischen Staatsangehörigen und zur illegalen Ausreise aus Eritrea im Jahr 2009 weiter verstärkt. Mit dem pauschalen Einwand, er habe bei der Befragung keinen klaren Kopf ge- habt, vermag er die grundlegend divergierenden Angaben zum Wohnort der Ehefrau vor der Heirat und deren Geburtsort sowie zu seiner Ausreise- route aus Eritrea, die in keiner Weise in Einklang zu bringen sind, nicht zu erklären. Sein Verhalten, den Sachverhalt bei Vorhalt von Unglaubhaftig- keitselementen laufend anzupassen (bspw. auf Vorhalt der gänzlich wider- sprüchlichen Angaben zum Geburtsort der Ehefrau [Sanaa/Jemen respek- tive E._______/Eritrea] Nachschieben einer abwegigen Erklärung für den im jemenitischen Pass eingetragenen Geburtsort Sanaa ["Wunscheintrag" des Vaters]), bekräftigt den Eindruck, er sei nicht gewillt, seine Herkunft und persönlichen Verhältnisse offenzulegen. 5.1.3 Die Darlegung der Fluchtgründe, wonach der Beschwerdeführer im Jahr 2 007 während eines Urlaubs aus dem Militärdienst festgenommen und bis zu einer im April 2009 erlassenen Amnestie in J._______ inhaftiert worden sei, nach der Begnadigung geflohen und illegal zu seiner Ehefrau nach Jemen ausgereist sei, wo er als Eritreer indes schikaniert und inhaf- tiert worden sei, weshalb er auch von dort im Mai 2012 ausgereist sei, ver- mag ebenfalls nicht zu überzeugen. Der Beschwerdeführer hat alle zentra-D-5563/2014 Seite 20 len Punkte seiner Asylvorbringen (Zwangsrekrutierung, Leistung des Mili- tärdienstes, Festnahme und Inhaftierung, Flucht und illegale Ausreise aus Eritrea, Aufenthalt in Jemen) höchst widersprüchlich geschildert. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen des BFM in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, denen der Beschwer- deführer nichts Substanzielles entgegenzusetzen vermag . Die ihm vom BFM zu Recht vorgehaltene Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen vermag der Beschwerdeführer weder mit dem Verweis auf die zeitliche Distanz zwi- schen der Befragung und Anhörung noch mit der Berufung auf Konzentra- tionsprobleme bei der Befragung und das im Arztbericht vom 24. Oktober 2014 attestierte Kra nkheitsbild (Diagnosen: […]) zu entkräften. Das BFM hat diesbezüglich zutreffend festgestellt, dass sich das hohe Mass der wi- dersprüchlichen Angaben in allen zentralen Punkten (wie auch die mut- massliche Fälschung von Dokumenten [Geburtsurkunde]) durch gesund- heitliche Einschränkungen nicht erklären lässt. Im Übrigen münden die Er- klärungsversuche des Beschw erdeführers auch hier in eine fortlaufende Anpassung des Sachverhalts (bspw. Nachschieben einer blossen Ver- wechslung der Sammelstellen hinsichtlich der Zwangsrekrutierung; Aus- flucht in Unkenntnis des wahren Grunds für seine Festnahme im Jahr 2007 nach Vorhalt der diesbezüglichen widersprüchlichen Angaben ). Dieses Verhalten ist indes nicht geeignet, die vom BFM aufgezei gten Mängel zu beheben und die Fluchtvorbringen in einem glaubhafteren Licht erscheinen zu lassen. Es entsteht vielmehr das Bild eines konstruierten, in sich in kei- ner Weise stimmigen Sachverhaltskomplexes. Die auf Beschwerdeebene eingereichte Fotografie, die den Beschwerdeführer angeblich in Sawa zeige, vermag weder die behauptete eritreische Staatsangehörigkeit zu be- weisen noch die geltend gemachte Zwangsrekrutierung und Flucht aus J._______ zu belegen, zumal sich aus ihr – wie vom BFM in der Vernehm- lassung vom 20. November 2014 zutreffend moniert – keine Rückschlüsse auf den Ort und die Umstände zum Zeitpunkt der Aufnahme ziehen lassen. Mangels feststehender Verwandtschaft zu den angeblichen Famil ienmit- gliedern vermag der Beschwerdeführer auch keine ihm diesbezüglich dro- hende Verfolgung seiner Person durch die eritreischen Behörden im Sinne einer Reflexverfolgung glaubhaft zu machen. 5.1.4 Die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner Herkunft und sei- nen Fluchtgründen halten aufgrund des Gesagten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Es erübrigt sich, auf die weiteren diesbezüglichen Ausführungen in den Rechtsmitteleinga- ben näher einzugehen, da diese an der fehlenden Glaubhaftigkeit der Her- kunft und Fluchtvorbringen nichts zu ändern vermögen. D-5563/2014 Seite 21 5.2 Durch die Verheimlichung respektive Verschleierung der wahren Her- kunft verunmöglicht der Beschwerdeführer den Behörden nähere Abklä- rungen hinsichtlich einer allfälligen Verfolgungssituation in seinem tatsäch- lichen Heimatstaat und dem effektiven Status in einem etwaigen ande rn Staat. Der Beschwerdeführer hat die Folgen seines Verhaltens insofern zu verantworten, als vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestehen. Daran vermag auch das auf Beschwerdeebene neu geltend gemachte exilpolitische Engagement des Beschwerdeführers für die ENSF nichts zu ändern, zumal er damit die an- gebliche eritreische Staatsangehörigkeit nicht zu belegen vermag. 5.3 Dem Beschwerdeführer ist es aufgrund des Gesagten nicht gelungen, die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumin- dest glaubhaft zu machen. Das Bundesamt hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange- ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.7.4, 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.1 Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvoll- zugs sind zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen, jedoch findet diese Abklärungspflicht der Asylbehörden – wie bereits zuvor ausgeführt – ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 D-5563/2014 Seite 22 AsylG), die auch die Substanziierungspflicht trägt (Art. 7 AsylG). Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hin- weisen nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypotheti- schen Herkunftsländern zu forschen (vgl. statt vieler: BVGE 2014/12 E. 5.9 und 6, Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-3355/2014 vom 15. August 2014 E. 8.2 und D-4548/2014 vom 7. Januar 2015 E. 6.1). Entzieht der Asylsuchende mit seinem Verhalten dem Gericht die für genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, ist es nicht Sache der Beschwerdeinstanz, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu er- gehen. 7.2 Der Beschwerdeführer hat keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere eingereicht und seine Angaben zur Herkunft sind unglaubhaft ausgefallen. Seine Identität und Staatsangehörigkeit sowie seine persönlichen Verhält- nisse stehen bis heute nicht fest. Durch die Verletzung seiner Mitwirkungs- pflicht respektive die Verheimlichung seiner wahren Identität und Herkunft verunmöglicht er die Prüfung, welche Staatsangehörigkeit er besitzt, und welchen Status er an seinem bisherigen Aufenthaltsort hatte. Der Be- schwerdeführer hat die Folgen seiner fehlenden Mitwirkung insofern zu tra- gen, als vermutungsweise davon auszugehen ist, dass einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat respektive der Rückkehr an den bisheri- gen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entge- genstehen (Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2-4 AuG). Das BFM hat den Vollzug der Wegweisung somit zu Recht als durchführbar erachtet. Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement steht dem Vollzug der Wegweisung nicht entgegen, da dieses nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen, was beim Beschwerdeführer nicht der Fall ist. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er- hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grund satz der Nichtrückschiebung vorliegend keine Anwendung finden. 7.3 Der verfügte Wegweisungsvollzug ist damit zu bestätigen und eine An- ordnung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers fällt ausser Be- tracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. D-5563/2014 Seite 23 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Angesichts der ihm mit Zwischenverfügung vom 2. Oktober 2014 gewährten unentgelt- lichen Prozessführung ist indessen von der Kostenerhebung abzusehen. 9.2 Nachdem der Rechtsvertreter dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2. Oktober 2014 als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet wurde, ist ihm ein amtliches Honorar auszurichten. Die eingereichte Kostennote vom 10. Dezember 2014 weist einen Stun- denansatz von Fr. 300.– auf. Dieser ist als übersetzt zu erachten und pra- xisgemäss auf Fr. 200.– zu kürzen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsge- richts D-673/2014 vom 10. Oktober 2014, E-5088/2014 vom 20. November 2014 und D-4548/2014 vom 7. Januar 2015). Nachdem der zeitliche Ver- tretungsaufwand angemessen erscheint, ist dem Rechtsvertreter für seine Bemühungen im Beschwerdeverfahren zulasten des Gerichts ein amtli- ches Honorar in der Höhe von Fr. 3118.– (gerundet; Aufwand Fr. 2870.– zuzüglich Mehrwertsteuer Fr. 229.60 und Auslagen Fr. 17.90) auszurich- ten. (Dispositiv nächste Seite) D-5563/2014 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wird zulasten der Gerichts- kasse ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 3118.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand: