Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. Mai 2015 (810 14 351) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber i.V. Simon Keller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Philippe Häner , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 1699 vom 11. November 2014) A. Der kosovarische Staatsangehörige A.____, gebore n 1974, reiste am 31. März 1990 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein u nd verfügt seither über die Niederlas- sungsbewilligung. Er ist seit dem 21. April 1995 mi t B.____, geboren 1974, verheiratet, welche am 3. August 1996 in die Schweiz einreiste. Das Ehe paar hat zwei Söhne namens C.____, ge- boren 1999, und D.____, geboren 2002. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 16. November 2009 stellte B.____ für sich und i hre beiden Söhne das Gesuch um Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung. Das Ge such wurde am 10. Dezember 2009 vom Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) bezüglich B.____ gutgeheissen. Bezüglich der beiden Söhne wurde das Gesuch mit der Begründung abgewiesen, dass beide schon seit längerer Zeit im Kosovo leben und dort zur Schule gehen würden. C. A.____ ist in der Vergangenheit mehrfach strafrecht lich in Erscheinung getreten: Am 15. Januar 1996 wurde er vom Obergericht des Kantons Aa rgau wegen qualifizierter Wider- handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu drei Jahren Zuchthaus und einer bedingt voll- ziehbaren 10-jährigen Landesverweisung, bei einer Pro bezeit von fünf Jahren, verurteilt. Mit Urteil vom 26. Januar 1996 wurde er vom Strafgericht Ba sel-Landschaft der groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen, was eine Haft von fünf Tagen sowie eine Busse in der Höhe von Fr. 300.-- nach sich zog. D. Mit Verfügung vom 25. August 1997 wurde A.____ g estützt auf die genannten Verurtei- lungen durch die damalige Justiz-, Polizei- und Militä rdirektion des Kantons Basel-Landschaft die Ausweisung angedroht. E. Mit Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abte ilung Zivil- und Strafrecht, vom 9. September 2008 wurde A.____ wegen Angriffs zu sech s Monaten bedingter Freiheitsstrafe, bei einer Probezeit von drei Jahren, verurteilt. Sod ann wurde er mit Urteil des Strafgerichts Ba- sel-Stadt vom 15. Mai 2012 der Freiheitsberaubung, der mehrfachen Drohung sowie der Verlet- zung der Verkehrsregeln für schuldig befunden und zu ein er bedingten Geldstrafe von 120 Ta- gessätzen zu Fr. 100.-- verurteilt, unter Auferlegung einer Probezeit von vier Jahren. Gegen dieses Urteil meldete A.____ Berufung an. F. Mit Schreiben vom 9. August 2012 wurde A.____ aufg rund der strafrechtlichen Verur- teilungen vom 9. September 2008 und 15. Mai 2012 vo m AfM ermahnt. Er wurde darauf auf- merksam gemacht, dass fremdenpolizeiliche Massnahmen geprüf t würden, sollte er erneut ge- richtlich verurteilt werden oder sich nicht an die geltende Ordnung halten. G. Am 4. April 2013 widerrief das AfM die Ermahnung vom 9. August 2012. Angesichts der Androhung vom 25. August 1997 sei eine weitere E rmahnung obsolet, zumal diese nach wie vor gelte. Überdies sei das Strafgerichtsurteil vom 15. Mai 2012 noch nicht rechtskräftig, weshalb man A.____ dieses noch nicht entgegenhalten könne. Man behalte sich aber vor, nach dessen Rechtskraft ausländerrechtliche Massnahmen zu prüfen. H. Mit Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt vom 4 . Dezember 2013 wurde das Ur- teil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 15. Mai 2012 wei tgehend bestätigt und A.____ wurde wegen Freiheitsberaubung und mehrfacher Drohung für schuldig befunden und zu einer beding- ten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 100.-- verurtei lt, unter Auferlegung einer Probezeit von vier Jahren. Hingegen wurde er vom Vorwurf der Ver letzung der Verkehrsregeln freige- sprochen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Am 20. Juni 2014 verfügte das AfM nach vorgängiger G ewährung des rechtlichen Ge- hörs den Widerruf der Niederlassungsbewilligung von A.____ und dessen Wegweisung aus der Schweiz, wobei die Ausreise spätestens bis zum 20. Juli 201 4 zu erfolgen habe. Es stellte zu- dem fest, dass die Niederlassungsbewilligungen von B.____ und den beiden Kindern erloschen seien, da deren Lebensmittelpunkt im Kosovo sei. J. Die von A.____, vertreten durch Philippe Häner, Adv okat in Basel, gegen diese Verfü- gung erhobene Beschwerde wurde mit Entscheid des Regi erungsrats des Kantons Basel- Landschaft (Regierungsrat) vom 11. November 2014 abgew iesen. Es wurde verfügt, dass A.____ die Schweiz innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids zu verlassen habe. K. Mit Eingabe vom 19. November 2014 erhob A.____, n ach wie vor durch Philippe Häner anwaltlich vertreten, gegen den Entscheid des Regierun gsrats vom 11. November 2014 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er stellt das Begehren, es sei der angefochtene Entsche id aufzuheben und es sei ihm demzu- folge die Niederlassungsbewilligung zu verlängern; unte r o/e Kostenfolge zulasten des Be- schwerdegegners. In seiner Beschwerdebegründung vom 19. Dezember 2014 hält der Be- schwerdeführer vollumfänglich an den gestellten Begehren fest. L. Am 21. November 2014 stellte der Beschwerdeführer beim AfM ein Familiennachzugs- gesuch für seine Ehefrau und seine beiden Kinder. M. Mit Vernehmlassung vom 13. Januar 2015 stellt der Regierungsrat das Begehren, es sei die Beschwerde unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. N. Mit Präsidialverfügung vom 13. März 2015 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung überwiesen. O. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten d ie Parteien an ihren Rechtsbegeh- ren und wesentlichen Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Strittig ist, ob der Widerruf der Niederlassungsbe willigung und die damit verbundene Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht erfolgten. 4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Ausländerinnen und Aus- länder (AuG) vom 16. Dezember 2005 i.V.m. Art. 62 li t. b AuG kann die Niederlassungs- bewilligung widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer zu einer längerfristi- gen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Das Bundesger icht hat das Kriterium der Länger- fristigkeit der Strafe in diesem Kontext dahingehend ko nkretisiert, dass es einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere unterjäh rige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 137 II 297 E. 2.3.6; 13 5 II 377 E. 4.2). Keine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesp rochen wurde (Urteil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Der Widerruf sgrund gilt auch für Niederlassungs- bewilligungen ausländischer Personen, die sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). 4.2 Mit der Verurteilung vom 15. Januar 1996 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren Zuchthaus durch das Obergericht des Kantons Aargau ist vo rliegend eine längerfristige Frei- heitsstrafe ausgesprochen worden und der Widerrufsgrun d von Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 lit. b AuG ist damit erfüllt. Ob das Verhalte n des Beschwerdeführers zugleich als schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten ist, wie es die Vorinstanz a ngenommen hat, bedarf keiner näheren Betrachtung, da dieser Widerrufsgrund nur subsidiär zur Anwendung gelangt, wenn es an den Voraussetzungen für einen Widerruf aufgrund der Verurt eilung zu einer längerfristigen Frei- heitsstrafe fehlt (BGE 135 II 377 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_888/2012 vom 13. März 2013 E. 3, 2C_1029/2011 vom 10. April 2012 E. 3.1). 5.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes ist Grundvorausse tzung für den Widerruf der Bewilligung. Der Widerruf der Niederlassungsbewillig ung ist jedoch nur gerechtfertigt, wenn er sich gestützt auf eine im Einzelfall vorzunehmende Interess enabwägung als verhältnismässig erweist (Art. 96 Abs. 1 AuG). Dabei sind namentlich di e Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesen heit sowie die dem Betroffenen und sei- ner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (vgl . Urteile des Bundesgerichts 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1, 2C_50/2012 vom 28 . September 2012 E. 5; BGE 135 II 377 E. 4.3; A NDREAS Z ÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 8.31). Die Niederlassungsbewilligun g eines Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit ist dies jedoch selbst dann nic ht ausgeschlossen, wenn der Ausländer Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat. Bei schweren Strafta- ten und bei Rückfall bzw. wiederholter Delinquenz best eht regelmässig ein wesentliches öffent- liches Interesse, die Anwesenheit eines Ausländers zu beende n, der dermassen die öffentliche Sicherheit und Ordnung beeinträchtigt (vgl. Urteil d es Bundesgerichts 2C_486/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2). 5.2 Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, abe r den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). Di e Verwarnung nach Art. 96 Abs. 2 AuG ist eine eigenständige ausländerrechtliche Massnahm e, welche das Verfahren mit einer weniger einschneidenden Folge als dem Widerruf oder d er Nichtverlängerung der Bewilligung abschliesst und einen Endentscheid bildet (Art. 90 AuG). Die Verwarnung soll als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsprinzips (Art. 5 Abs. 2 BV) verhindern, dass es überhaupt zu einer aufent- haltsbeendenden Massnahme kommt, und den Betroffenen auf sein problematisches Verhalten zu einem Zeitpunkt hinweisen, in welchem sich die Anord nung der angedrohten Massnahme gerade noch nicht rechtfertigt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_114/2012 vom 26. März 2013 E. 1.1, 2A.737/2004 vom 30. März 2005 E. 2, in: Pra 2006 Nr. 26 S. 184). 6.1 Der Beschwerdeführer macht vorab geltend, der Reg ierungsrat lasse im angefochte- nen Entscheid unerwähnt, dass er mit Schreiben des AfM vom 9. August 2012 unter expliziter Bezugnahme auf die Verurteilung durch das Strafgerich t Basel-Stadt vom 15. Mai 2012 ver- warnt worden sei. Mit anderen Worten sei ihm die Niederlassungsbewilligung in Kenntnis dieser letzten Verurteilung belassen worden, sofern keine ern eute gerichtliche Verurteilung folge. Da er sich seither unbestrittenermassen nichts mehr habe zuschul den kommen lassen, setze sich das AfM mit dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung in Widerspruch zu seinem eigenen Verhalten. 6.2 Der Regierungsrat hält dem in seiner Vernehmlassu ng entgegen, dass die Ermahnung des AfM vom 9. August 2012 versehentlich erfolgt sei. Mit der Rücknahme der Ermahnung vom 4. April 2013 habe das AfM den Fehler eingestanden. Der Beschwerdeführer könne sich heute nicht mehr auf dieses Versehen berufen und gleichsam unt er Anrufung des Vertrauensgrund- satzes für sich einen Vorteil daraus ableiten. 6.3 Dazu ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer mit Schreiben des AfM vom 9. August 2012 unter Verweis auf seine beiden Verurte ilungen in den Jahren 2008 und 2012 sowie die altrechtlichen Bestimmungen über die Ausweisu ng (Art. 10 Abs. lit. a und b ANAG) darauf aufmerksam gemacht wurde, dass fremdenpolizeilich e Massnahmen gegen ihn geprüft würden, sollte er erneut gerichtlich verurteilt werden oder sich nicht an die geltende Ordnung halten. Das als "Ermahnung" bezeichnete Schreiben vom 9 . August 2012 enthält keine Rechtsmittelbelehrung. Es wurde dem Beschwerdeführer we der mit eingeschriebener Post zu- gestellt noch wurde dafür eine Gebühr erhoben. Ob de m Schreiben der Charakter einer Verfü- gung bzw. Verwarnung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 AuG zukommt, erscheint vor diesem Hin- tergrund zweifelhaft. Wie es sich damit verhält, kann letztlich offen gelassen werden. Der Wider- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ruf der Niederlassungsbewilligung erweist sich gemäss den nachfolgenden Erwägungen unab- hängig davon unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit als unzulässig. 7.1 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid, dass der Beschwerdeführer seit 20 Jahren wiederholt delinquiert habe und sich von Sanktionen nicht habe beeindrucken lassen. So sei er unter anderem 1996 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Überdies habe die Androhung der Ausweisung vom 25. Aug ust 1997 keinerlei Wirkung gezeigt. Aufgrund der langjährigen Freiheitsstrafen, der Summierung der einzelnen Verstösse, der noto- rischen Uneinsichtigkeit und der schlechten Legalprognose se i das Interesse an der Wegwei- sung des Beschwerdeführers als hoch einzustufen. Des Weit eren hält der Regierungsrat fest, dass der Beschwerdeführer seit 1990 in der Schweiz lebe . Es sei somit von einer langen Auf- enthaltsdauer auszugehen, was zwangsläufig auch zu persönlichen Beziehungen geführt habe. Eine Rückkehr in sein Heimatland sei dem Beschwerdeführer jedoch gleichwohl zumutbar, da er mit den Gepflogenheiten und der Kultur im Kosovo bestens vertraut sei. Die unter dem Blickwinkel der Verhältnismässigkeit vorgenommene Gesamtwürdigung der Vorinstanz, wonach das als hoch einzustufende sicherheitspolizeiliche Interesse an der Wegweisung des Be- schwerdeführers dessen privaten Interessen vorgehe, sei nicht zu beanstanden. 7.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er während der 24 Jahre, in denen er mitt- lerweile in der Schweiz lebe, lediglich vier Mal straffä llig geworden sei. Diese Delikte würden teilweise etliche Jahre zurückliegen und die Straftaten seien im Laufe der Zeit immer weniger schwerwiegend geworden, weshalb man nicht von einer sch lechten Legalprognose sprechen könne. Das schwerste Delikt, welches vom 15. Januar 1996 da tiere und mit drei Jahren Zucht- haus geahndet worden sei, habe er vor über 20 Jahren b egangen. Zudem sei er nach der Er- mahnung vom 9. August 2012 strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung getreten. Seine persönli- chen Beziehungen in der Schweiz seien sehr eng, während er im Kosovo bis auf seine Familie, welche in absehbarer Zeit in die Schweiz zurückkehre, ni cht so viele enge Beziehungen pflege. Er sei in der Schweiz sowohl in beruflicher als auch in sozialer und sprachlicher Hinsicht inte- griert. Überdies habe er keinerlei Schulden. Seine Weg weisung erweise sich demnach als un- verhältnismässig. 7.3 Den Akten zufolge wurde der Beschwerdeführer, seit er 1990 in die Schweiz einreiste, mehrfach straffällig, wobei gegen ihn vier rechtskräft ige Verurteilungen vorliegen. Er wurde zu (teilweise bedingten) Freiheitsstrafen von gesamthaft d rei Jahren, sechs Monaten und fünf Ta- gen sowie einer Geldstrafe in der Höhe von 120 Tagessät zen zu Fr. 100.-- und einer Busse in der Höhe von Fr. 300.-- verurteilt. Bezüglich der Deli nquenz des Beschwerdeführers ist festzu- stellen, dass namentlich seine Verurteilung wegen Widerh andlungen gegen das Betäubungs- mittelgesetz aus dem Jahr 1996 angesichts der ausgesprochenen Freiheitsstrafe von drei Jah- ren ein erhebliches Verschulden begründet. Allerdings ist in diesem Zusammenhang zu berück- sichtigen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Tatbegehung im relativ jungen Alter von 18 Jahren selber drogenabhängig war und unter dem E influss einer älteren damaligen Vertrau- ensperson aus dem Drogenmilieu stand. Mithin hat der Beschwerdeführer zumindest teilweise auch zur Finanzierung seiner eigenen Sucht mit Drogen g ehandelt. Demgegenüber hat er im heutigen Zeitpunkt keinerlei Drogenprobleme mehr. Zu beachten gilt überdies, dass das fragli- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht che Delikt nunmehr über zwei Jahrzehnte zurückliegt, wes halb es auch aus diesem Grund im heutigen Zeitpunkt im Rahmen der Interessenabwägung n icht mehr entscheidend ins Gewicht fallen kann. Nach dem genannten Urteil folgten drei weitere Verurteilungen gegen den Be- schwerdeführer wegen grober Verkehrsregelverletzung, Angr iffs sowie Freiheitsberaubung und Drohung. Zwar fallen namentlich die beiden Verurtei lungen aus den Jahren 2008 und 2012 nicht unerheblich ins Gewicht. Ohne die fraglichen Delikt e zu bagatellisieren, kann diesbezüg- lich angesichts der bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 6 Monaten bzw. der bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen gleichwohl nicht von ein em schwerwiegenden Verschulden gesprochen werden. 7.4 Den genannten öffentlichen Interessen sind die pr ivaten Interessen des Beschwerde- führers am Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Dem Beschwerdeführer ist darin bei- zupflichten, dass seine Niederlassungsbewilligung aufgru nd der langen Aufenthaltsdauer nur mit Zurückhaltung widerrufen werden kann. Auch wenn es sich bei ihm nicht um einen Auslän- der der zweiten Generation handelt, gilt zu berücksicht igen, dass er sich seit nunmehr 25 Jah- ren in der Schweiz aufhält, wobei er die prägenden Ju gendjahre teilweise hier verbracht hat. Ungeachtet der Tatsache, dass seine Frau und seine beiden Kinder aktuell im Kosovo leben, ist aufgrund der langen Aufenthaltsdauer von einem gewic htigen privaten Interesse des Be- schwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz auszugehe n. Der Beschwerdeführer be- herrscht die deutsche Sprache und verfügt in der Schweiz aktenkundig über ein grösseres sozi- ales Beziehungsnetz, welches gemäss seinen Ausführungen anl ässlich der heutigen Parteiver- handlung namentlich auch von seiner sportlichen Tätigkeit herrührt. Auch das Verhältnis zu sei- nen in der Schweiz lebenden Geschwistern ist den Akten z ufolge gut. Zu seinen Gunsten spricht sodann, dass er keine Schulden hat. Des Weiteren kann der Beschwerdeführer mittler- weile als beruflich gut integriert angesehen werden. Zwar bezog er mit seiner Familie vorüber- gehend Sozialhilfe (von 2005 bis 2008), wobei in diese m Zusammenhang erwähnt sei, dass gegen ihn Anzeigen wegen Sozialhilfemissbrauch und Sch warzarbeit vorlagen, welche jedoch nicht zu Verurteilungen führten. Der Beschwerdeführer hatte indes diverse Anstellungen bei verschiedenen Betrieben, bei denen ihm einhellig ein g uter Leumund ausgestellt wurde. Seit dem 15. Januar 2012 geht er im Rahmen einer Anstellun g als Taxifahrer einer vollberuflichen Erwerbstätigkeit nach. Auch in diesem Unternehmen bewe rten die Verantwortlichen sowohl seine Person als auch seine Arbeit als vorbildlich. 7.5 Nach dem Gesagten lässt sich angesichts der wiederhol ten Straffälligkeit des Be- schwerdeführers zwar ein ordnungs- und sicherheitspolizeilich es Interesse an dessen Fernhal- tung aus der Schweiz nicht von der Hand weisen. Entgeg en der Auffassung des Regierungsra- tes kann im Fall des Beschwerdeführers jedoch keinesfalls von einem uneinsichtigen Gewohn- heitsdelinquenten gesprochen werden. Gesamthaft betra chtet vermögen die öffentlichen Si- cherheitsinteressen an der Wegweisung des Beschwerdeführers dessen private Interessen, welche insbesondere mit Blick auf die lange Anwesenheitsda uer in der Schweiz hoch zu ge- wichten sind, nicht zu überwiegen. Der Widerruf der Ni ederlassungsbewilligung des Beschwer- deführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz erweisen sich demnach unter dem Ge- sichtspunkt der Verhältnismässigkeit als unzulässig. Eine and ere Beurteilung würde sich aller- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dings aufdrängen, wenn der Beschwerdeführer erneut s traffällig würde. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantons- gericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen di e Gerichtsgebühren sowie die Be- weiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dementsprechend sind im vorlieg enden Verfahren keine Verfahrens- kosten zu erheben. 8.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. Gestützt darauf hat der Regierungs- rat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor Kantonsgericht eine Parteientschädigung aus- zurichten, welche ausgehend von der Honorarnote des Beschwe rdeführers vom 22. April 2015 auf Fr. 2'750.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) festzusetzen ist. 8.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, so ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfa hrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat des Kantons Basel- Landschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gele istete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 2‘100.-- wird dem Beschwerdefü hrer zurück- erstattet. 4. Der Regierungsrat hat dem Beschwerdeführer für da s vorliegende Ver- fahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2 ‘750.-- (inkl. Aus- lagen und 8 % MWST) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.