<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 45 S.262</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">262</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>45</b></span> <span class="ft2"><b>Gemeindeautonomie im Zusammenhang mit Kürzungen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Im Zusammenhang mit der Kürzung von Sozialhilfe besteht für die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gemeinden kein geschützter Autonomiebereich. Es besteht daher</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keine Verpflichtung des Bezirksamts zur beschränkten Ermessens-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>überprüfung und -ausübung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 23. Dezember 2008 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen Einwohnergemeinde X. gegen das Bezirksamt Bremgarten</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2008.315).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">263</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">2.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Gemeindeautonomie ist nach Massgabe des kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Rechts gewährleistet (Art. 50 Abs. 1 BV). Eine Gemeinde ist in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht</span><br/> <span class="ft1">abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">zur Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidungsfreiheit einräumt. Der geschützte Autonomiebereich kann</span><br/> <span class="ft1">sich auf die Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener kommunaler</span><br/> <span class="ft1">Vorschriften beziehen oder einen entsprechenden Spielraum bei der</span><br/> <span class="ft1">Anwendung des kantonalen oder eidgenössischen Rechts betreffen.</span><br/> <span class="ft1">Der Schutz der Gemeindeautonomie setzt eine solche nicht in einem</span><br/> <span class="ft1">ganzen Aufgabengebiet, sondern lediglich im streitigen Bereich vor-</span><br/> <span class="ft1">aus (BGE 129 I 410 Erw. 2.1 mit Hinweisen; BGE vom 10. Juli 2006</span><br/> <span class="ft1">[2P.230/2005], Erw. 2.2).</span><br/> <span class="ft1">Nicht jeder unbestimmte Gesetzesbegriff des kantonalen Rechts</span><br/> <span class="ft1">gewährt der Gemeinde einen geschützten Autonomiebereich</span><br/> <span class="ft1">(BGE 100 Ia 272 Erw. 6). Ob die der Gemeinde gewährte Entschei-</span><br/> <span class="ft1">dungsfreiheit in einem bestimmten Bereich "relativ erheblich" ist,</span><br/> <span class="ft1">ergibt sich aus ihrer Bedeutung für den Sinn der kommunalen</span><br/> <span class="ft1">Selbständigkeit, d.h. daraus, ob nach der kantonalen Gesetzgebung</span><br/> <span class="ft1">durch die kommunale Gestaltung mehr Demokratie und Rechts-</span><br/> <span class="ft1">staatlichkeit sowie eine bessere und sinnvollere Aufgabenerfüllung</span><br/> <span class="ft1">auf lokaler Ebene ermöglicht werden soll (BGE 118 Ia 218 Erw. 3d).</span><br/> <span class="ft1">Geht es um eine Entscheidungsfreiheit, die nicht in erster Linie</span><br/> <span class="ft1">deshalb besteht, weil einer Verschiedenheit der lokalen Bedürfnisse</span><br/> <span class="ft1">Rechnung zu tragen ist, sondern die sich daraus ergibt, dass in jedem</span><br/> <span class="ft1">Einzelfall im Interesse der Betroffenen sachgerechte Entscheidungen</span><br/> <span class="ft1">gefällt werden sollen, besteht von der Sache her grundsätzlich noch</span><br/> <span class="ft1">keine Autonomie der einzelnen Gemeinden (BGE 118 Ia 218</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3d/e); erst ein erheblicher Ermessensspielraum, der auch die</span><br/> <span class="ft1">Berücksichtigung ergänzender eigener Kriterien erlaubt, begründet in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">264</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">solchen Fällen Autonomie (vgl. BGE vom 1. Juni 2006 [2P.16/2006],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2.2; zum Ganzen: BGE vom 10. Juli 2006 [2P.230/2005],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2.3).</span><br/> <span class="ft1">2.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Im Einzelnen ergibt sich der Umfang der kommunalen Auto-</span><br/> <span class="ft1">nomie aus dem für den entsprechenden Bereich anwendbaren kanto-</span><br/> <span class="ft1">nalen Verfassungs- und Gesetzesrecht (BGE vom 10. Juli 2006</span><br/> <span class="ft1">[2P.230/2005], Erw. 3.1). Nach § 6 Abs. 1 SPG ist die Gemeinde am</span><br/> <span class="ft1">Unterstützungswohnsitz zur Gewährung von Sozialhilfe zuständig.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat regelt Art und Höhe der materiellen Hilfe, wobei</span><br/> <span class="ft1">eine Koordination mit anderen Kantonen angestrebt wird (§ 10</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 SPG). Für die Bemessung der materiellen Hilfe hat der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat die SKOS-Richtlinien grundsätzlich für verbindlich erklärt</span><br/> <span class="ft1">(§ 10 Abs. 1 SPG i.V.m. § 10 Abs. 1 SPV).</span><br/> <span class="ft1">Bei der Kürzung der materiellen Unterstützung (§ 13 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">SPG) ist die Existenzsicherung zu beachten (§ 15 Abs. 1 SPV), wel-</span><br/> <span class="ft1">che bei 65 % des Grundbedarfs I gemäss den SKOS-Richtlinien liegt</span><br/> <span class="ft1">(§ 15 Abs. 2 SPV). Das Ausmass der Kürzung richtet sich letztlich</span><br/> <span class="ft1">nach den konkreten Umständen des Einzelfalls und muss dem</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV; § 3 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">VRPG) Rechnung tragen (Kommentar zur SPV vom 7. August 2002,</span><br/> <span class="ft1">hrsg. vom DGS, S. 8). Dabei hat die Kürzung insbesondere in einem</span><br/> <span class="ft1">angemessenen Verhältnis zum Fehlverhalten bzw. Verschulden zu</span><br/> <span class="ft1">stehen (SKOS-Richtlinien, Kapitel A.8.2). Eine Entscheidungsfrei-</span><br/> <span class="ft1">heit im Autonomiebereich sieht § 15 SPV entgegen der Einwohner-</span><br/> <span class="ft1">gemeinde X. nicht vor.</span><br/> <span class="ft1">2.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Das Bezirksamt als Beschwerdeinstanz gegen Verfügungen und</span><br/> <span class="ft1">Entscheide der Sozialbehörden (§ 58 Abs. 1 SPG) ist gemäss § 58</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 SPG i.V.m. § 49 VRPG zur vollen Überprüfung der geltend</span><br/> <span class="ft1">gemachten Beschwerdegründe - einschliesslich der Ermessenskon-</span><br/> <span class="ft1">trolle - verpflichtet. Eine Beschränkung seiner Kognition besteht</span><br/> <span class="ft1">nicht (vgl. Merker, a.a.O., § 49 N 7).</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Sozial-</span><br/> <span class="ft1">behörde im Zusammenhang mit der Kürzung von Sozialhilfe zwar</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">265</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ein Beurteilungsspielraum zusteht. Dabei geht es jedoch nicht um</span><br/> <span class="ft1">eine Entscheidungsfreiheit im Autonomiebereich, sondern vielmehr</span><br/> <span class="ft1">um die konkreten Umstände des Einzelfalls, die ihr besser bekannt</span><br/> <span class="ft1">sein können und deshalb zu einer gewissen Zurückhaltung bei der</span><br/> <span class="ft1">Aufhebung eines erstinstanzlichen Entscheids führen können. Eine</span><br/> <span class="ft1">Verpflichtung des Bezirksamts zur beschränkten Ermessensüberprü-</span><br/> <span class="ft1">fung und Ermessensausübung besteht indessen nicht (Merker, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">§ 49 N 4 f. und N 37). Die Beschwerde ist insoweit unbegründet.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>