B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3038/2010/wif U r t e i l v o m 1 4 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________ geboren (…), Togo, (…)Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. März 2010 / N_________ D-3038/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer s einen Heimat- staat am 10. Juli 2008 und gelangte am 11. Juli 2008 illegal in die Schweiz, wo er gleichentags im B._________ um Asyl nachsuchte. Anlässlich der Erstbefragung vom 24. Juli 2008 und der Anhörung durch das BFM in C._______ vom 1. Juli 2009 machte der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er sei an seinem Herkunftsort D.________ als Lehrling der E._______ beigetreten und anlässlich von Demonstrationen im Sicherheitsdienst der Partei täti g gewesen. Noch vor Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit im Bauunter- nehmen seines Onkels habe er die Mitgliedschaft bei der E._______ auf- gegeben. Nachdem er einen Versorgungsengpass bei der Lieferung von Zement festgestellt gehabt habe, habe er am 8. März 2008 die Regierung dafür kritisiert, dass diese den in Togo herge stellten Zement zulasten der togolesischen Bevölkerung exportiere und im Weiteren ausgeführt, in T o- go habe sich nichts geändert, der Vater sei an der Macht geblieben und der Sohn sei gleich wie der Vater. In der Folge sei er auf der Baustelle von der Polizei verhaftet und in Haft genommen und dabei geschlagen worden. In der Nacht des zehnten Tages der Haft habe er das Bewuss t- sein verloren und sei im Krankenhaus wieder erwacht, wo er am näch s- ten Tag von einem Freund seines Vaters, einem Polizeichef, erkannt wor- den sei. Der Polizei chef habe erfahren, dass er bei der Rückkehr ins Kommissariat umgebracht werde n solle , und ihm seine Hilfe bei der Flucht angeboten. Am nächsten Tag habe ihm der Polizeichef militärische Sportbekleidung gebracht, in der er das Spital verlassen habe. In der Fo l- ge habe er seinen Onkel angerufen, der ihn mit dem Auto nach F.________ gebracht habe, wo er von einem Arzt behandelt worden sei. Während er sich in F._______ versteckt gehabt habe, habe seine Mutter zwei an ihn adressierte Vorladungen erhalten. Nach Erhalt der ersten Vor- ladung habe sie seinen Vater angerufen, um ihn zu warnen, worauf er nicht mehr nach Hause zurückgekehrt sei; sie selber habe die Flucht e r- griffen, als sich Soldaten dem Haus genähert hätten. Eine dritte Vorl a- dung sei seiner Tante übergeben worden, als diese zuhause einen Be- such habe abstatten wollen. In der Folge habe sich der Onkel an den ge- nannten Polizeichef gewandt und diesen erneut um Hilfe gebeten. Am 10. Juli 2008 sei er von seinem Onkel und dem Polizeichef von F.________ nach Ghana gefahren worden, wobei sie die Grenze nach Verhandlungen mit dem Grenzposten in G.________ hätten passieren können. Danach D-3038/2010 Seite 3 sei der Polizeichef nach Togo zurückgekehrt, während sein Onkel ihn zum Flughafen gebracht habe, wo ein Vertreter einer NGO ihn in Empfang ge- nommen, mit einem ghanaischen Reisepass aus gestattet habe und mit ihm über Tripolis nach Genf geflogen sei. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte d er Beschwerdeführer eine auf den 26. Dezember 2008 datier te Vorladung sowie einen auf der Interne t- seite der UFC am 21. Juni 2009 publizierten Artikel der H._______ zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 31 . März 2010 stellte das BFM fest, die Asylvorbri n- gen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubha f- tigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. Demzufolge verneinte es die Flüchtlingseige n- schaft des Beschwerde führers, lehnte das Asylgesuch ab und ver fügte die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug. C. Mit auf den 28. April 2010 datierter, zuhanden der s chweizerischen Post am 29. April 2010 aufgegebener Beschwerde an das Bundesverwa l- tungsgericht beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der ang e- fochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl. D. Mit Zwischenverfügung vom 10. Mai 2010 wurde dem Beschwer deführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. Gleichzeitig wurde unter Androhung des Nichteintretens im Unt er- lassungsfall ein Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– mit Zahlungs- frist bis zum 25. Mai 2010 erhoben. E. In seiner Eingabe vom 18. Mai 2010 ersuchte der Beschwerdeführer u n- ter Beilage einer Fürsorgebestätigung um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021); eventualiter sei die Zahlungsfrist um einen Monat zu verlän- gern. F. Mit Zwischenverfügung vom 21. Mai 2010 wurde das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG D-3038/2010 Seite 4 gutgeheissen und in wiedererwägungsweiser Änderung der Zwischenver- fügung vom 10. Mai 2010 auf den erhobenen Kostenvorschuss verzichtet. G. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Juli 2010 – welche dem Beschwerdefüh- rer in der Folge zur Kenntnis gebracht wurde – beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. H. Mit Eingabe vom 4. August 2010 reichte der Beschwerdeführer ein Ar- beitszeugnis ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungs gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor instanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung be son- ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf hebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Be - schwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. D-3038/2010 Seite 5 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unricht ige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen o der massgeblich auf ge fälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Wie das BFM zutreffend festgestellt hat, vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten. 4.2 Mit dem BFM ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung vom 1. Juli 2009 abweichend von seiner Aussage im Ra h- men der Erstanhörung, bei der Festnahme sei seine Identitätskarte aus der Tasche gefallen und d anach bei der Polizei geblieben (vgl. BFM - Protokoll A4 S. 3 ), angab, seine Identitätskarte sei zuhause geblieben und sein Onkel habe sie ihm danach aus Ghana zugestellt (vgl. A13 S. 3). Die Erklärung anlässlich der Anhörung, wonach er nicht daran gedacht gehabt habe, dass seine Identitätskarte zuhause geblieben sei und er andere Dokumente bei der Festnahme verloren habe (vgl. A13 S. 3) ve r- mag nicht zu überzeugen. Auch die Entgegnung in der Beschwerde, wo- nach er bei der Erstanhörung davon ausgegangen sei, dass "se ine ge- samten Papiere beim Geschlagen werden durch die Polizei herausgefa l- len und bei der Polizei geblieben seien, später sich jedoch herausgestellt habe, dass seine Identitätskarte beim Hemdenwechseln in der Bru stta- sche des alten Hemdes geblieben sei " ist nicht geeignet, den festgestell- ten Widerspruch zu beseitigen. Im Weiteren sind die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach sich der Onkel in Togo knapp einer Festnah- me habe entziehen können, als er die Dokumente bei der Post habe au f- geben wollen und si ch in der Folge mit diesen Dokumenten nach Ghana abgesetzt habe, auffallend konstruiert und realitätsfremd ausgefallen, ist doch wenig nachvollziehbar, dass die Angestellten der Poststelle nament- liche Kenntnis vom Beschwerdeführer als gesuchte Person gehabt haben D-3038/2010 Seite 6 sollten. Die Erklärungsversuche des Beschwer deführers anlässlich der Anhörung beziehungsweise in der Beschwer de, wonach er überall auf Fahndungsplakaten namentlich als gesuchte Person aufgef ührt gewesen sei, vermögen nicht zu überzeugen, erscheint doch ein derartiges behörd- liches Verfolgungsinteresse aufgrund der verhältnismässig geringen Ve r- fehlung des Beschwerdeführers als realitätsfremd. In diesem Zusammen- hang ist mit dem BFM darauf hinzuweisen, dass es dem Beschwerdefüh- rer nicht gelungen ist, die Gründe für seine Festnahme überzeugend da r- zustellen, gab er doch, obwohl angeblich davon überzeugt, aufgrund se i- ner öffentlich geäusserten kritischen Bemerkungen verhaftet worden zu sein (v gl. A13 S. 7), im Weiteren an, während seiner zehntägigen Haft seien ihm diese nie vorgehalten worden beziehungsweise habe keine Be- fragung hierzu stattgefunden (vgl. A13 S. 7). Mit der Entgegnung in der Beschwerde, wonach ihm die Polizisten unter Anwendung von Gewalt deutlich zu erkennen gegeben hätten, wegen seiner geäusserten Kritik misshandelt zu werden, vermag der Beschwerdeführer nicht plausibel zu erklären, weshalb er, obwohl sichtlicher Grund seiner Verhaftung, wä h- rend der zehntägigen Haft nie zu sei ner geäusserten Kritik befragt wo r- den ist. 4.3 Wie das BFM im Weiteren zutreffend ausgeführt hat, ist auch die Schilderung der Flucht aus dem Spital widersprüchlich und realitätsfremd ausgefallen. Zum einen gab der Beschwerdeführer abweichend von se i- ner Aussage anlässlich der Erstanhörung, wonach er das Spital in militäri- scher Sportbekleidung mühelos habe verlassen können (vgl. A4 S. 5), im Rahmen der Anhörung an, er sei mit dem genannten Sportanzug bekle i- det über die Mauer des Spitals geklettert und so geflohen (vgl. A13 S. 9). Mit dem Hinweis auf ein mögliches Missverständnis bei der Übersetzung vermag dieser Widerspruch nicht beseitigt zu werden, gab der Beschwe r- deführer doch unmissverständ lich an, über die Mauer geklettert zu sein ("J'ai escaladé le mur"). Der nachträgliche Erklärungsversuch, er sei nicht etwa über die Mauer geklettert, sondern habe die Mauer "überwunden", indem er durch das für Fussgänger vorgesehene kleine Tor das Areal ver- lassen habe, vermag keineswegs zu überzeugen. Zum anderen erscheint es real itätsfremd, dass der Beschwerdeführer derart mühelos bezieh- ungsweise unbemerkt das Polizeispital hätte verlassen können. Schliess- lich gab der Beschwerdeführer abweichend von der Aussage anlässlich der Erstanhörung, bei dem Spital habe es sich um ein Polizeispital g e- handelt, in dem sich nur Gefangene befunden hätten (vgl. A4 S. 5), im Rahmen der Anhörung an, er wisse nicht, ob die anderen Personen, d e- nen er begegnet sei, Gefangene gewesen seien (vgl. A13 S. 8). Die Ent-D-3038/2010 Seite 7 gegnung in der Beschwerde, wonach er einfach von sich auf seine Mitpa- tienten geschlossen habe und aus diesem Grund wie selbstverständlich davon ausgegangen sei, dass es sich bei seinen Mitpatienten ebenfalls um hospitalisierte Häftlinge handle, vermag das widersprüchliche Auss a- geverhalten des Beschwerdeführers nicht überzeugend zu erklären. 4.4 Im Weiteren ist die im Original eingereichte angebliche Vorladung vom 26. Dezember 2008 vor dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen und aufgrund ihres fraglichen Inhalts als wenig beweistauglich zu erachten. Wie das BFM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festhielt, gab der Beschwerdeführer an, diese Vorladung sei seiner Tante übergeben worden, während er sich in B._______ befunden habe, somit vor seiner i m Juli 2008 erfolg ten Ausreise. I ndessen entspricht das auf dem Dokument aufgeführte Ausstellungsdatum einem viel späteren Zei t- punkt. Mit der nachträglichen Erklärung in der Beschwerde, er habe wä h- rend der Anhörung etwas durcheinandergebracht, vermag diese Diskr e- panz nicht beseitigt zu werden. Im Weiteren ist mit dem BFM festzuste l- len, dass die Vorgehensweise der Behörden, sich nach der Flucht des Beschwerdeführers sichtlich darauf zu beschränken, diesem eine Vorl a- dung zuzustellen, realitätsfremd erscheint. Schliesslich ist der auf der In- ternetseite der UFC am 21. Juni 2009 publizierte Artikel der E._______ bereits mangels hinreichendem Sachzusammenhang zur Stützung der Vorbringen nicht geeignet. 4.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerde führer nicht gelungen ist, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile erlitten hat oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatte beziehungsweise im Fall der Rückkehr nach Togo befürchten müsste. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerde- führers demnach zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrecht liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2). D-3038/2010 Seite 8 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundes ge- setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Aus län- der [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländer- recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge - zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei - nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge - fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über - einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau - same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No- vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei heiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmensch licher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen wer den. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrecht lich er- hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -D-3038/2010 Seite 9 Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung fin den. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Togo ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde füh- rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei - ner Ausschaffung nach Togo dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be - handlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge - richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Fol- terausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiter en Hinweisen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht ge - lungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Togo lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg weisung so - wohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunfts - staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Bot schaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Vorab ist festzustellen, dass angesichts der heutigen Lage in Togo nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkriegsähnliche n Verhältnissen gesprochen werden kann, welche für den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung darstellen würde (vgl. dazu BVGE 2009/2 E. 9.2.2). Auch aufgrund der persönlichen Situation des Beschwerde führers sind keine Gründe ersicht lich, die gegen die Zumutbarkeit des Weg wei- sungsvollzugs sprechen. Der – soweit den Akten zu entnehmen ist – gesunde Beschwerdeführer verfügt über e ine gute Aus bildung (Elek tri-D-3038/2010 Seite 10 ker) sowie mehrjährige Berufserfahrung, weshalb anzuneh men ist, er könne s ich in seiner Heimat wieder wirtschaftlich inte grieren. Gemäss seinen Angaben leben überdies seine Eltern und Geschwister nach wie vor in Togo. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Beschwerde führer in seiner Heimat über ein soziales Bezi ehungs- netz verfügt, welches ihm eine Reintegration erleichtern kann. Blosse soziale und wirtschaf tliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im All gemeinen betroffen ist, genügen nicht, um eine kon - krete Ge fährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis in Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 2 S. 12 f. und EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit als zumutbar zu bezeichnen. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu stän- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not wendi- gen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes halb der Vollzug der We gweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Weg weisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Vollzug zu Recht als zulässig, z u- mutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Da dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 21. Mai 2010 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-3038/2010 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: