Obergericht des Kantons Zürich III. Strafkammer Geschäfts-Nr.: UH170423-O/U/HEI Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Th. Meyer, Präsident, Oberrichterin lic. iur. A. Meier, Ersatzoberrichter lic. iur. Th. Vesely und Gerichtsschreibe- rin lic. iur. A. Sterchi Beschluss vom 11. Januar 2018 in Sachen A._____, Beschwerdeführer verteidigt durch Fürsprecher Dr. iur. X._____ gegen Staatsanwaltschaft See/Oberland, Beschwerdegegnerin sowie 1. B._____, 2. C._____, 3. D._____, 4. E._____, 5. F._____, Verfahrensbeteiligte betreffend Ausschluss der Gerichtsberichterstattenden Beschwerde gegen den Beschluss des Bezirksgerichts Hinwil vom 5. Dezember 2017, DG170033 - 2 - Erwägungen: I. 1. Am Bezirksgericht Hinwil (nachfolgend Vorinstanz) ist ein Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer , Sohn von Bundesrat G._____, hängig. Am 29. November 2017 liess der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz unter anderem den Antrag stellen, es sei en die Öffentlichkeit und mit ihr auch die Gerichtsbe- richterstattenden von der Hauptv erhandlung auszuschliessen (Urk. 3/1) . Mit B e- schluss vom 5. Dezember 2017 schloss die Vorinstanz die Öffentlichkeit im Sinne von Art. 70 Abs. 1 StPO aus; akkreditierten Geri chtsberichterstattern gestattete sie den Zutritt zur Verhandlung . Dabei ordnete sie an, dass den Gerichtsberich t- erstattern die Anklageschrift zu Beginn der Verhandlung ausgehändigt wird (Urk. 4). Gegen diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer am 22. Dez ember 2017 Beschwerde erheben. Dabei liess er den A ntrag stellen, es seien in Aufhebung von Dispositiv Ziffer 2 des angefoch tenen Beschlusses die Medien von der Hauptverhandlung und der Urteilseröffnung auszuschliessen und die Verhandlung im Sitzungskalender nicht zu veröffentlichen; nach Abschluss des Verfahrens sei der Presse eine Mitteilung vom Gericht zukommen zu lassen, welche keine kon- kreten Straftatbestände und kein Strafmass, sondern nur die Verfahrens - und die Strafart benenne; eventualiter sei auch das Strafmass bekanntzugeben, subeven- tualiter sei den zugelassenen Gerichtsberichterstattern die Anklageschrift nicht auszuhändigen und vorzuschreiben, dass über Sachverhalte und Tatbestände nicht mehr berichtet werden dürfe, als bereits bekannt sei (Urk. 2). 2. Da sich die Beschwerde - wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird - sofort als offensichtlich unbegründet erweist, kann auf die Einholung von Stellungnah- men verzichtet werden (Art. 390 Abs. 2 StPO). - 3 - II. 1. Die V orinstanz schloss in ihrem Entscheid die allgemeine Öffentlich keit vom Prozess aus . Dies ist indessen nicht Gegenstand der vorliegenden B e- schwerde. Diese richtet sich nur gegen die Zulassung der Presse zur Hauptver- handlung. Es ist im folgenden daher lediglich zu prüfen, ob besondere Gründe vorliegen, welche auch den Ausschluss der Gerichtsberichterstattenden gebieten. 2. a) Die Vorinstanz vertrat im angefochtenen Entscheid die Auffassung, dass eine öffentliche Berichterstattung im vorliegenden Fall zwangsläufig eine identifizierende Berichterstattung sei und ausser Frage stehe, dass eine solche die Persönlichkeitsrechte des Beschwerdeführers und seiner Familienmitglieder massiv beeinträchtige. Sie kam aber nach vorgenommener Interessenabwägung zum Schluss, dass ei n Ausschluss der Gerichtsberichterstatter weder verhältnis- mässig noch zielführend sei (Urk. 4 S. 7 ff.). b) Der Beschwerdeführer führt zur Begründung seiner Beschwerde zusa m- mengefasst aus, es sei kein Grund auszumachen, der eine solch massive Per- sönlichkeitsverletzung legitimiere. Der allgemeine Grundsatz der Anonymisierung dürfe nicht geopfert werden. Durch einen Ausschluss der Medien sei der Grund- satz der Justizöffentlichkeit mangels Relevanz des Straffalls nicht beeinträchtigt ; die Informations- bzw. Medienfreiheit sei nur am Rande betroffen, gehe es bei ei- ner Berichterstattung über seinen Straffall doch primär um die Stillung der öffentl i- chen Sensationslust. Die bisher in der Presse erschienenen Berichte seien als persönlichkeitsverletzend zu bezeichnen; bei weiteren Bekanntgaben und Beric h- ten nähme diese Persönlichkeitsverletzung weiter zu , zumal fraglich sei, ob die Medien - wie dies die Vorinstanz hoffe - gewillt seien, freiwillig Zurückhaltung zu üben (Urk. 2). 3. Gemäss Art. 69 StPO sind die Verhandlun gen vor dem erstinstanzlichen Gericht und dem Berufungsgericht sowie die mündliche Eröffnung von Urteilen und Beschlüssen dieser Gerichte mit Ausnahme der Beratung publikums- und medienöffentlich. Das Öffentlichkeitsprinzip im Sinne der allgemeinen Zugängl ich- keit und der Möglichkeit der Kenntnisnahme einer staatlichen Tätigkeit gilt als - 4 - rechtsstaatliches Prinzip und wesentliches Element der Demokratie. Dabei geht es um den Anspruch des Individuums auf einen fairen Prozess durch Transpa- renz und Kontrolle staatlichen Han delns (BGer 6B_350/2012 vom 28. Februar 2013 E. 1.3 m.w.H. ; BSK StPO -Saxer/Thurnheer, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 69 N 11 ff.). Letzteres liegt aber ebenso im Interesse der Öffentlich keit (BSK, a.a.O., N 13) Ungeachtet der erheblichen demokrat ischen, rechtstaatlichen und grund- rechtlichen Bedeutung des Öffentlichkeitsprinzips gibt es jedoch auch gegenteil i- ge Interessen. Dabei ist namentlich an den Persönlichkeitsschutz und dort insbe- sondere an den Schutz der Privat - und Intimsphäre, aber auch an Geschäftsge- heimnisse von Verfahrensbeteiligten oder Dritten zu denken. In Frage kommen auch staatliche Interessen wie z.B. der Schutz der öffentlichen Ordn ung (BSK StPO-Saxer/Thurnheer, a.a.O., Art. 69 N 25). Deshalb kann das Gericht gemäss Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO e inen vollstän- digen oder teilweisen Ausschluss der Öffentlichkeit unter anderem dann vors e- hen, wenn schutzwürdige Interessen einer beteiligten Person , insbesondere des Opfers, dies erfordern. Des Weiteren kann das Gericht gemäss Art. 70 Abs. 3 StPO Gerichtsberichterstattern und weiteren Personen, die ein berechtigtes Int e- resse haben, unter bestimmten Auflagen den Zutritt zu nicht öffentlichen Verhand- lungen gestatten. Diese Bestimmung ermöglicht es in besonderem Mass, die Verbindung zwischen R echtspflege und Öffentlichkeit wenigstens mittelbar au f- rechtzuerhalten und den verschiedenen im Spiel liegenden Interessen Rechnung zu tragen (Brüschweiler in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Kommentar, Z ü- rich/Basel/Genf 2014, Art. 70 N 8). Beim Entscheid über den Öffentlichkeitsausschluss ist zu beachten, dass Publikums- und Medienöffentlichkeit die verfassungsrechtliche Regel, der Au s- schluss der Öffentlichkeit die legitimationsbedürftige Ausnahme ist. Es sind die I n- teressen, zu deren Schutz der Ausschlus s erfolgen soll, und die Interessen der Öffentlichkeit sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Der Ausschluss der Öffen t- lichkeit muss verhältnismässig, d.h. geeignet und erforderlich sein. Die Güter- und Interessenabwägung erfolgt teilweise nach Beteiligungskategorie und Delikt sart - 5 - differenziert. Zwar geniesst auch ein Beschuldigter den Schutz seiner Persönlich- keit. Dennoch ist gegenüber dem Öffentlichkeitsausschluss im Interesse des B e- schuldigten Zurückhaltung angebracht. Grundsätzlich muss die beschuldigte Pe r- son die mit einer öffentlichen Verhandlung möglicherweise verbundenen psychi- sche Belastung en und Konsequenzen erdulden. Er kann nicht allein deswegen den Ausschluss der Öffentlichkeit verlangen (vgl. zum Ganzen BSK StPO - Saxer/Thurnheer, a.a.O., Art. 69 N 19 und Art. 70 N 2 und N 8 f .; BGE 119 Ia 99 E. 4.b). 4. a) Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zutreffend dar gelegt hat (Urk. 4 S. 9) erweist sich angesichts dieser Abwägungskriterien ein Aus- schluss oder eine - subeventualiter beantragte (Urk. 2 S. 2) - Einschränkung der Medienöffentlichkeit und -freiheit nicht als gerechtfertigt . Gerade wenn ein er- wachsenes Kind einer hohen Magistratsperson angeklagt und die Publikumsö f- fentlichkeit zu dessen Schutz bereits ausgeschlossen ist, besteht ein grosses ö f- fentliches Interesse daran, dass das Öffentlichkeitsprinzip durch die Präsenz der Medien wenigstens mittelbar aufrechterhalten und damit die Kontrolle über das korrekte Funktionieren der Justiz gewährleistet und jeder Anschein von Kabinetts- justiz vermieden wird. Dass es sich - was die Schwere der Straftaten betrifft - um einen eher unbedeutenden Fall handeln dürfte und ein Geständnis vorliegt (vgl. dazu die Ausführungen des Besc hwerdeführers in Urk. 2 S. 11), vermag daran nichts zu ändern. D ie dem Öffentlichkeitsgrundsatz zukommende Kontrollfunktion ist nicht auf schwere Straffälle beschränkt, sondern soll durchaus auch in kleine- ren Fällen z um Tragen kommen (BGE 119 Ia 99 E. 4 c. aa). Angesichts dieser Umstände sind d em Beschwerdeführer die durch die Medienöffentlich keit mög- licherweise zusätzlich entstehenden Belastungen zuzumuten. Es geht dem B e- schwerdeführer letztlich einzig darum, zu verhindern, dass die ihm vorgeworfenen Delikte und die zu erwartende Verurteilung bzw. das Strafmass bekannt werden. Ein solcher subjektiver Wunsch ist zwar verständlich, legitimiert jedoch keine Ausnahme des Medienöffentlichkeitsgebots. Die Möglichkeit, dass Delikte und Sanktionen publik werden, gehört vielmehr zum Strafprozess und allein der Status als Verwandter ei ner prominenten Person verleiht diesbezüglich keine Sonde r- rechte oder Anspruch auf eine Sonderbehandlung. V ielmehr besteht hier ein h o-- 6 - hes Interesse der Öffentlichkeit an einer Kontrolle von Durchführung und Ausgang des Verfahrens. Dass es zu eine r Gerichtsverhandlung kommen wird, liegt allein im eingestandenen Fehlverhalten des Beschwerdeführers. b) Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass - wie schon die Vorinstanz fes t- stellte (Urk. 4 S. 9) - ein Ausschluss der Medienöffentlichkeit die Persönlichkeits- rechte des Beschwerdeführers nicht zu schützen vermöchte; ein Ausschluss wäre damit auch mangels Geeignetheit nicht verhältnismäs sig. Nachdem die Öffen t- lichkeit durch die Medien bereits Kennt nis vom Verfahren und der bevorstehen- den Hauptverhandlung hat (Urk. 3/3; Urk. 3/4; Urk. 3/8 -10; Urk. 3/12; Urk. 3/15- 18), böte ein Ausschluss der Medienöffentlichkeit keinen effektiven Schutz der Persönlichkeit des Beschwerdeführers. Vielmehr entst ünde dadurch Raum für Spekulationen, was die Sache mutmasslich "interessanter" und "brisanter " ma- chen würde . Eine sachgerechte und transparente Berichterstattung hingegen beugt Gerüchten vor, mindert die Gefahr einer Verschärfung und Perpetuierung des Eingriffs in die Persönlichkeitsrechte des Beschwerdeführers und gibt au s- serdem weniger Anlass zu potentiell gehässigen Kommentaren und Leserbriefen. In diesem Zusammenhang rechtfertigt sich die Bemerkung, dass in den Kommen- taren zu den bisher erschienenen Zeitungsartikeln durchaus auch Stimmen zu vernehmen sind, die die Berichterst attung der Medien zur Straffälligkeit des B e- schwerdeführers kritisieren (Urk. 3/16 S. 3 f. ; Urk. 3/2 S. 2; vgl. dazu die Ausfüh- rungen des Beschwerdeführers in Urk. 2 S. 10). Indessen ist es nicht Aufgabe der Kammer, sich zur Qua lität und zum Informationsgehalt der bisher in diesem Zu- sammenhang erschienenen Zeitungsartikeln und Kommentaren zu äussern. Dass die Medienschaffenden bei der Frage der Identifizierung (vgl. dazu Richtlinien 7.2. und 7.4. zur "Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalisti nnen und Journa- listen in Urk. 3/6) dem Recht der Öffentlichkeit auf Information gegenüber dem Schutz der Privatsphäre des Beschwerdeführers den Vorrang gaben, ist - entge- gen der sinngemässen Auffassung des Beschwerdeführers - prima facie vertret- bar. Ob dadurch - wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht (Urk. 2 S. 12) - ei- ne widerrechtliche Verletzung der Persönlichkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 2 ZGB vorliegt, ist weder in einem Zivilverfahren festgestellt worden, noch ist diese Frage von der Kammer zu beantworten. Weitere Ausführungen zu diesem Punkt und zur - 7 - Kritik des Beschwerdeführers an der bis herigen Medienkampagne (Urk. 2 S. 6 ff.) erübrigen sich damit. 5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den akkreditierten Ge- richtsberichterstattern zu Recht den uneingeschränkten und auflagefreien Zutritt zur Verhandlung gestattete. Die Beschwerde ist damit abzuweisen. III. Ausgangsgemäss wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 428 Abs. 1 St PO). Die Gerichtsgebühr ist in Beachtung der Bemessungskriterien von § 2 Abs. 1 lit. b -d GebV OG und gestützt auf § 17 Abs. 1 GebV OG auf Fr. 900.-- fest- zusetzen. Entschädigungen sind keine zuzusprechen. Es wird beschlossen: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 900.-- festgesetzt und dem Beschwerdefüh- rer auferlegt. 3. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen. 4. Schriftliche Mitteilung an: − Fürsprecher Dr. iur. X._____, zweifach für sich und den Beschwerde- führer (per Gerichtsurkunde) − die Staatsanwaltschaft See/Oberland (gegen Empfangsbestätigung) − das Bezirksgericht Hinwil, ad DG170033 (gegen Empfangsschein) − B._____, c/o H._____ [Printmedium] (per Einschreiben) − C._____, c/o I._____ [Printmedium] (per Einschreiben) − D._____, c/o J._____ [Printmedium (per Einschreiben) − E._____, K._____ [Nachrichtenagentur] (per Einschreiben) − F._____, c/o L._____ [Printmedium] (per Einschreiben) - 8 - sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Erledigung allfälliger Rechtsmittel an: − die Zentrale Inkassostelle der Gerichte (elektronisch) 5. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann unter den einschränkenden Voraussetzungen von Art. 93 des Bundesgerichtsgesetzes Beschwerde in Strafsachen er- hoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang an gerechnet, bei der Ersten öffentlich-rechtlichen Abtei lung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts- gesetzes. Zürich, 11. Januar 2018 Obergericht des Kantons Zürich III. Strafkammer Präsident: lic. iur. Th. Meyer Gerichtsschreiberin: lic. iur. A. Sterchi