<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 18 S.65</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">65</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [..]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>18</b></span> <span class="ft2"><b>Verbot aufdringlicher Werbung (§ 16 Abs. 1 AnwG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Fall eines Zeitungsinserates, worin für ein Seminar geworben und eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anwältin als eine der Referentinnen vorgestellt wird.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 13. Dezember 2000</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. (...)</span><br/> <span class="ft1">d) Die Werbung des Anwaltes unterliegt in vierfacher Hinsicht</span><br/> <span class="ft1">Beschränkungen: Rechtfertigung, Inhalt, Form und Art der Verbrei-</span><br/> <span class="ft1">tung.</span><br/> <span class="ft1">aa) Die Nennung des Namens in Verbindung mit der Berufsbe-</span><br/> <span class="ft1">zeichnung ist grundsätzlich als Werbung anzusehen. Diese darf nicht</span><br/> <span class="ft1">dem Zweck dienen, den Anwalt gegenüber seinen Kollegen hervor-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">66</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zuheben und ihm eine besondere Nachfrage zu verschaffen, sondern</span><br/> <span class="ft1">braucht eine besondere Rechtfertigung, einen besonderen Anlass</span><br/> <span class="ft1">(vgl. dazu Michael Pfeifer, Der Rechtsanwalt in der heutigen Gesell-</span><br/> <span class="ft1">schaft, ZSR 115 (1996) II, S. 345; Felix Wolffers, Der Rechtsanwalt</span><br/> <span class="ft1">in der Schweiz, Schulthess Polygraphischer Verlag, Zürich 1986,</span><br/> <span class="ft1">S. 145; Verein Züricherischer Rechtsanwälte (Hrsg.), Handbuch über</span><br/> <span class="ft1">die Berufspflichten des Rechtsanwaltes im Kanton Zürich, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1988, S. 195; Christof Bernhart, Die Werbebeschränkungen für</span><br/> <span class="ft1">wissenschaftliche Berufsarten als Problem der Grundrechte, Berner</span><br/> <span class="ft1">Diss., Barnberg 1994, S. 81). Zumeist wird dieser in Praxiseröff-</span><br/> <span class="ft1">nungen, Adressänderungen, längeren Abwesenheiten etc. erblickt.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend kann die Rechtfertigung der Namens- und Berufsnennung</span><br/> <span class="ft1">in der Teilnahme als Referentin an einem Seminar (....) erblickt</span><br/> <span class="ft1">werden.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Werbung muss inhaltlich wahr sein und keine Über-</span><br/> <span class="ft1">treibungen oder Irreführungen enthalten (Christof Bernhart, Werbung</span><br/> <span class="ft1">der Rechtsanwälte - Ansätze für verfassungsrechtliche Neubewer-</span><br/> <span class="ft1">tung, in: plädoyer 1993, S. 34; Handbuch, S. 196). Sie darf keine un-</span><br/> <span class="ft1">richtigen Erwartungen wecken (BGE 123 I 17). Unwahre oder irre-</span><br/> <span class="ft1">führende Aussagen über die (Anwalts-)Tätigkeit der beschuldigten</span><br/> <span class="ft1">Anwältin sind dem beanstandeten Inserat nicht zu entnehmen.(...)</span><br/> <span class="ft1">Die Werbemassnahme darf keine übertrieben auffällige oder re-</span><br/> <span class="ft1">klamehafte Form haben (Handbuch, S. 199). Marktschreierische und</span><br/> <span class="ft1">auf eigentlichen Kundenfang ausgerichtete Werbung ist nicht erlaubt.</span><br/> <span class="ft1">Sie soll zurückhaltend sein und auf sensationelles und reklamehaftes</span><br/> <span class="ft1">Sichherausstellen gegenüber Berufskollegen verzichten (BGE 123 I</span><br/> <span class="ft1">17).</span><br/> <span class="ft1">cc) Vorliegend erfolgt der Auftritt der beschuldigten Anwältin in</span><br/> <span class="ft1">einem Zeitungsinserat, das allerdings nicht für ihre Anwaltstätigkeit</span><br/> <span class="ft1">sondern für ein Seminar, an dem sie als Referentin teilnimmt, wirbt</span><br/> <span class="ft1">(vgl. lit. aa vorstehend). Das Hauptgewicht des Inserateauftrittes liegt</span><br/> <span class="ft1">somit klar in der Werbung für das Seminar als solches, ein allfälliger</span><br/> <span class="ft1">Werbeeffekt erfolgt nur indirekt. Dass die Gestaltung des Inserates</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">als wenig zurückhaltend angesehen werden kann, stellt für sich allein</span><br/> <span class="ft1">noch keinen Verstoss gegen das Verbot aufdringlicher Werbung dar.</span><br/> <span class="ft1">Vielmehr massgebend ist, dass die - knapp gehaltene - Vorstellung</span><br/> <span class="ft1">der beschuldigten Anwältin in der Gesamterscheinung des Inserates</span><br/> <span class="ft1">einen relativ kleinen Platz einnimmt und neben der Vorstellung der</span><br/> <span class="ft1">anderen Referenten sowie dem übrigen Textteil nicht besonders her-</span><br/> <span class="ft1">vorsticht sowie keine anpreisende, sich hervorhebende Werbewir-</span><br/> <span class="ft1">kung für die Anwaltstätigkeit der beschuldigten Anwältin und auch</span><br/> <span class="ft1">keine herabsetzende Wirkung in Bezug auf andere Anwälte zeitigt.</span><br/> <span class="ft1">Auch die Abbildung der Anwältin mit Foto ist nicht zu bean-</span><br/> <span class="ft1">standen. Während früher der Hinweis des Anwaltes auf seinen Beruf</span><br/> <span class="ft1">mit Foto grundsätzlich verpönt war, ist ein Verbot der Werbung mit</span><br/> <span class="ft1">Foto heute nicht mehr zeitgerecht und kann daher entsprechend der</span><br/> <span class="ft1">eingetretenen Lockerung der Vorschriften über die anwaltliche Wer-</span><br/> <span class="ft1">bung nicht mehr aufrechterhalten werden, solange das Bild selbst,</span><br/> <span class="ft1">allein oder im Zusammenhang mit dem übrigen Text, keine auf-</span><br/> <span class="ft1">dringliche, marktschreierische Anpreisung darstellt (Maya Stutzer,</span><br/> <span class="ft1">Der Anwalt zwischen Werbung und Würde, in: Anwaltswerbung und</span><br/> <span class="ft1">-marketing, DACH Schriftenreihe 10, Verlag Dr. Otto Schmidt</span><br/> <span class="ft1">Köln/Schulthess Polygraphischer Verlag Zürich 1999, S. 89). Eine</span><br/> <span class="ft1">solche aufdringliche Anpreisung ist im vorliegenden Fall zu vernei-</span><br/> <span class="ft1">nen. Weder hinsichtlich der Grösse noch der Art der Abbildung hebt</span><br/> <span class="ft1">sich die Fotografie der beschuldigten Anwältin aus dem Inserat be-</span><br/> <span class="ft1">sonders hervor. Gesamthaft kann festgehalten werden, dass die Wer-</span><br/> <span class="ft1">bewirkung des Inserates für die Anwaltstätigkeit der beschuldigten</span><br/> <span class="ft1">Anwältin gegenüber dem Informationsgehalt für das Seminar in den</span><br/> <span class="ft1">Hintergrund tritt.</span><br/> <span class="ft1">Nicht zu beanstanden ist vorliegend auch die Angabe der Pra-</span><br/> <span class="ft1">xisausrichtung. Mit zunehmender Dichte der Rechtsnormen ist eine</span><br/> <span class="ft1">klare Tendenz zur Spezialisierung anwaltlicher Tätigkeit auszuma-</span><br/> <span class="ft1">chen. Deshalb wird der Hinweis auf bevorzugte Tätigkeitsgebiete</span><br/> <span class="ft1">heute als zulässig erachtet (vgl. Pfeifer, S. 339 ff.). Nicht erlaubt ist</span><br/> <span class="ft1">hingegen, den Eindruck eines staatlich geprüften Spezialisten zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">erwecken (Handbuch, S. 198), was auf den vorliegenden Fall ein-</span><br/> <span class="ft1">deutig nicht zutrifft. Im Zusammenhang mit der Vorstellung als Refe-</span><br/> <span class="ft1">rentin entspricht die Angabe der Praxisausrichtung sodann dem Be-</span><br/> <span class="ft1">dürfnis der Seminarteilnehmerinnen, sich ein Bild über den berufli-</span><br/> <span class="ft1">chen Hintergrund der Referentin machen zu können.</span><br/> <span class="ft1">dd) Die in einem Zeitungsinserat enthaltene Information erfährt</span><br/> <span class="ft1">wohl eine breite Streuung, ist aber naturgemäss weniger aufdringlich,</span><br/> <span class="ft1">als an bestimmte Personen direkt abgegebene respektive verschickte</span><br/> <span class="ft1">Werbung. Es rechtfertigt sich vorliegend nicht, allein aus der Ver-</span><br/> <span class="ft1">breitungsart einen Verstoss gegen das Verbot aufdringlicher Werbung</span><br/> <span class="ft1">abzuleiten, nachdem die Darstellung der beschuldigten Anwältin</span><br/> <span class="ft1">innerhalb des Inserates in Bezug auf Rechtfertigung, Inhalt und Form</span><br/> <span class="ft1">nicht zu beanstanden ist.</span><br/> <span class="ft1">e) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die beschuldigte An-</span><br/> <span class="ft1">wältin sich keines Verstosses gegen das Verbot aufdringlicher Wer-</span><br/> <span class="ft1">bung i.S.v. § 16 Abs. 1 AnwG schuldig gemacht hat.</span><br/></div> </div> </body> </html>