Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. September 2016 (750 16 110) ____________________________________________________________________ Erwerbsersatzversicherung Abweisung der Beschwerde. Die Ausgleichskasse hat zur Bemessung der Erwerbser- satz-Entschädigung für den Zivildienst zu Recht auf das vordienstliche Einkommen des Beschwerdeführers abgestellt. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Ausgleichskasse für das schweizerische Bankgewerbe , An- kerstrasse 53, Postfach 1170, 8026 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1990 geborene A.____ schloss per Ende des Fr ühjahrssemesters 2015 sein Ba- chelorstudium in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel ab. Vom 29. Juni 2015 bis 24. September 2015 leistete er Zivildienst. Im Ansc hluss daran unternahm er eine Süd- und Mittelamerikareise mit Freunden. Am 22. Februar 201 6 nahm er bei der Bank B.____ eine Tä- tigkeit als „Junior Kundenberater Private Banking“ zu einem monatlichen Lohn von Fr. 5‘600.-- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. zu einem Jahresgehalt von Fr. 72‘000.-- auf. Die Ausgleichskasse für das schweizerische Bankgewerbe (Ausgleichskasse) berechnete in ihrer Verfüg ung vom 21. September 2015 A.____s Erwerbsersatz-Entschädigung für die Dienstperiode vom 29. Juni 2015 bis 31. August 2015 gestützt auf dessen Durchschnittslohn der letzten sech s Monate vor dem Absolvieren des Zivildienstes. Dies führte im Ergebnis zu einer Entschädigung in der Höhe von Fr. 62.-- pro Tag. Eine hiergegen erhobene Einsprache des Versicherten wurd e mit Einspracheentscheid vom 21. März 2016 abgewiesen. B. Gegen den Einspracheentscheid vom 21. März 2016 erhob A.____ am 12. April 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte er sinngemäss, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und ihm eine Entschädigung in der Höhe von 80% seines zukünftigen Gehalts ge- mäss Anstellungsvertrag mit der Bank B.____ zuzusprechen. Z ur Begründung führte er im We- sentlichen aus, dass die Bestätigung der Bank B.____ klar aufzeige, dass er ohne den Zivil- diensteinsatz per 1. Juli 2015 eingestellt worden wäre . Folglich treffe die Randziffer 5004 der Wegleitung zur Erwerbsersatzordnung für Dienstleistende und Mutterschaft (WEO; Stand am 1. Januar 2016) auf ihn zu, da er eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätte, wenn er nicht eingerückt wäre. C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. April 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft (Erwerbsersatzgesetz; EOG) vom 25. Se ptember 1952 auf die Erwerbser- satzordnung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erho ben werden. Soweit sich die Beschwerde – wie im vorliegenden Fall – nicht gegen e inen Einspracheentscheid einer kanto- nalen Ausgleichskasse richtet, ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kan- tons zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän dig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 12. April 2 016 ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts über Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.--. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorliegend strittig ist die Bemessung der Erwerbsersatz-En tschädigung für die Dienstperiode vom 29. Juni 2015 bis 31. August 2015. Der Streitwert l iegt unter Fr. 10‘000.--, weshalb die An- gelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist die Höhe der Erwerbsersatz-Entschädigung für den Zivildiensteinsatz des Versicherten. Insbesondere ist d ie Frage zu klären, ob für die Be- messung der Entschädigung auf das vordienstliche oder auf das zukünftige Einkommen des Beschwerdeführers abgestellt werden muss. 3.1 Nach Art. 1a Abs. 2 EOG haben Personen, die Zivild ienst leisten, für jeden anrechen- baren Diensttag gemäss dem Bundesgesetz über den zivilen E rsatzdienst (Zivildienstgesetz, ZDG) vom 6. Oktober 1995 Anspruch auf eine Entschädigung. Art. 4 EOG normiert den Grund- satz, dass alle Dienstleistenden Anspruch auf die Grundent schädigung haben. Bezüglich der Bemessung dieser Entschädigung unterscheidet der Gesetz geber zwischen der "Grundent- schädigung während der Rekrutenschule und gleichgestellte n Dienstzeiten" (so die Überschrift des Art. 9 EOG) und der "Grundentschädigung während de r anderen Dienste" (so die Über- schrift des Art. 10 EOG). 3.2 Gemäss der genannten Bestimmung von Art. 10 Abs. 1 EOG beträgt die tägliche Grundentschädigung während Diensten, die nicht unter Art. 9 EOG fallen, 80% des durch- schnittlichen vordienstlichen Erwerbseinkommens. Vorbehalten bleibt Art. 16 Abs. 1-3 EOG. War die dienstleistende Person vor Beginn des Dienstes n icht erwerbstätig, so entspricht die tägliche Grundentschädigung den Mindestbeträgen gemäss Art. 16 Abs. 1-3 EOG (Art. 10 Abs. 2 EOG). Gemäss Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG darf die tägl iche Gesamtentschädigung für Dienst- leistende ohne Kinder während der anderen Dienste 25% des Höchstbetrages gemäss Art. 16a EOG nicht unterschreiten. Laut Art. 16a Abs. 1 EOG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 der Ver- ordnung 15 über Anpassungen an die Lohn- und Preisent wicklung bei der AHV/IV/EO vom 15. Oktober 2014 beläuft sich der Höchstbetrag der Gesam tentschädigung im hier massgeben- den Jahr 2015 auf Fr. 245.-- pro Tag. Daraus folgt, d ass die Grundentschädigung von Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG Fr. 62.-- pro Tag beträgt (25% von Fr. 245.--, aufgerundet auf den nächsten runden Frankenbetrag). 3.3 Gemäss Art. 1 Abs. 1 der Verordnung zum Erwerbsersat zgesetz (EOV) vom 24. November 2004 gelten als Erwerbstätige Personen, d ie in den letzten zwölf Monaten vor dem Einrücken während mindestens vier Wochen erwerbstätig waren. Wurde die Mindester- werbsdauer gemäss Rz. 5060 WEO in mehreren unzusammenhän genden Perioden (z.B. wo- chen- oder tageweise) erfüllt, so wird das massgebende Tageseinkommen ermittelt, indem das zuletzt während insgesamt 4 Wochen erzielte Einkommen d urch 28 geteilt wird. Lässt sich auf diese Weise kein angemessenes Durchschnittseinkommen ermi tteln, so ist das auf den Tag umgerechnete Erwerbseinkommen einer längeren Zeitper iode zu berücksichtigen (Rz. 5033 ff. und 5064 WEO). 3.4 Den Erwerbstätigen gleichgestellt sind unter andere m Personen, die glaubhaft ma- chen, dass sie eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätten, wenn sie nicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingerückt wären (Art. 1 Abs. 2 lit. b EOV). Dieses Erfordernis gilt als erfüllt, wenn eine unbefris- tete Erwerbstätigkeit aufgenommen worden wäre oder diese mindestens ein Jahr gedauert hät- te (Rz. 5004 WEO; BGE 136 V 231). Für Personen, die g laubhaft machen, dass sie während des Dienstes eine unselbstständige Erwerbstätigkeit von l ängerer Dauer aufgenommen hätten oder der Verdienst mindestens um 25% gestiegen wäre, wird die Entschädigung auf Grund des Lohns berechnet, der ihnen entgangen ist bzw. den sie verdient hätten (Art. 4 Abs. 2 EOV; Rz. 5041 und 5065 WEO). 3.5 Den Erwerbstätigen gleichgestellt sind auch Persone n, die unmittelbar vor dem Einrü- cken ihre Ausbildung abgeschlossen haben oder diese währen d des Dienstes beendet hätten (Art. 1 Abs. 2 lit. c EOV). Die Entschädigung wird dann auf Grund des ortsüblichen Anfangs- lohns im betreffenden Beruf berechnet (Art. 4 Abs. 2 EOV; Rz. 5042 WEO). Es wird vermutet, dass sie eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätten. Als u nmittelbar gilt dabei eine Zeitspanne von maximal drei Wochen (Urteil des Bundesgerichts vom 1 2. August 2013 9C_57/2013 E. 2.1.1). Diese Vermutung kann hingegen durch den Beweis des Gegenteils umgestossen werden. Das ist der Fall, wenn die Ausgleichskasse davon überzeugt ist, die Dienst leistende Person hätte ohne Dienstleistung keine Erwerbstätigkeit aufgenommen (BGE 137 V 410; Rz. 5006 WEO). 3.6 Für Personen, die kein regelmässiges Einkommen im Sinne von Art. 5 EOV haben, wird für die Ermittlung des vordienstlichen Durchschnit tseinkommens auf das während der drei letzten Monate vor Dienstbeginn erzielte und auf den Ta g umgerechnete Erwerbseinkommen abgestellt (Art. 6 Abs. 1 EOV). Ist auf diese Weise d ie Ermittlung eines angemessenen Durch- schnittseinkommens nicht möglich, so wird das Einkommen einer längeren Zeitspanne – höchs- tens jedoch 12 Monate – berücksichtigt (Art. 6 Abs. 2 EO V; Rz. 5032 WEO). Die Wahl der mas- sgebenden Periode obliegt der Ausgleichskasse. Die Peri ode muss so gewählt werden, dass die Ermittlung eines den Verhältnissen angemessenen Durch schnittslohnes ermöglicht wird (Rz. 5033 WEO). Als Arbeitnehmende mit unregelmässigem Einkommen gelten Dienst leisten- de Personen, die wöchentlich nur einige Tage oder mo natlich weniger als 4 Wochen arbeiten, wie z.B. Taglöhner, die wöchentlich durchschnittlich wen iger als 5 Tage arbeiten. Dagegen gel- ten sowohl Dienst leistende Personen, welche teilzeitbe schäftigt sind als auch jene, die in ei- nem Arbeitsmodell mit Jahresarbeitszeit beschäftigt sind, als Arbeitnehmende mit regelmässi- gem Einkommen (Rz. 5028 WEO). 4.1 Zur Beurteilung der strittigen Frage stehen im W esentlichen folgende Unterlagen zur Verfügung: 4.2 Gemäss einer Bestätigung der Universität Basel, Wirtsc haftswissenschaftliche Fakul- tät, vom 4. August 2015 hat der Versicherte sein Bachel orstudium per Ende des Frühjahrsse- mesters 2015 abgeschlossen. 4.3 In den Akten liegt der Anstellungsvertrag (durch d en Beschwerdeführer unterzeichnet am 9. August 2015) zwischen der Bank B.____ und dem Ver sicherten. Darin ist festgehalten, dass dieser ab 22. Februar 2016 als „Junior Kundenberate r Private Banking“ in einem Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 100%igen Pensum zu einem Lohn von Fr. 5‘600.-- pro M onat (13 x ausbezahlt) bzw. Fr. 72‘800.-- pro Jahr beschäftigt ist. 4.4 Am 14. September 2015 bestätigte die Bank B.____ , dass sie den Versicherten bereits per 1. Juli 2015 angestellt hätte, wenn dieser keinen Zivildienst hätte absolvieren müssen. 4.5 Aus einem Kontoauszug der Bank B.____ geht hervor, dass der Versicherte am 18. März 2015 Fr. 2‘712.-- und am 2. April 2015 Fr. 620.-- an die C.____ AG (Reiseunterneh- men) überwiesen hat. 5.1 In seiner Einsprache machte der Beschwerdeführer g eltend, als er sich für die Zivil- dienststelle entschieden habe, habe er die Absicht gehabt, den kompletten Zivildienst am Stück zu absolvieren, so dass dieser ihm zu einem späteren Zeitp unkt nicht mehr in die Quere kom- men könne. Ob er nach dem Zivildienst arbeiten wolle o der ein Masterstudium aufnehmen wer- de, sei ihm zu jenem Zeitpunkt noch nicht bewusst gewesen. Es sei jedoch nie seine Absicht gewesen, auf Reisen zu gehen. Als der Zivildienst immer n äher gerückt sei, sei ihm bewusst geworden, dass es schwierig werde, eine geeignete Stel le zu finden. Als ihn zwei Freunde auf ihre Süd- und Mittelamerikareise angesprochen hätten, h abe er sich gedacht, das wäre eine gute Möglichkeit, die Zeit zu überbrücken, da er keine A rbeit für nach dem Zivildienst gehabt habe. Nachdem sie die Reise gebucht hätten, sei auf d em Intranet der Bank B.____, bei der er eine Teilzeitstelle mit einem 30% Pensum ausgeübt hab e, eine offene Stelle ausgeschrieben worden. Das Datum des Stellenantritts sei „offen“ gewe sen. Er habe sich um diese Stelle be- worben und sie erhalten. Leider habe er zu diesem Zeit punkt bereits den Zivildiensteinsatz ver- einbart und die Reise gebucht. Die Bank B.____ habe da für Verständnis gehabt und sie hätten sich auf den Start per 22. Februar 2016 geeinigt. Der Versicherte führte aus, dass er die Ar- beitsstelle noch so gerne per 1. Juli 2015 angetreten hätte, ihm das aber nicht mehr möglich gewesen sei. Den Zivildiensteinsatz habe er nicht mehr ver schieben können und die Reise ab- zusagen, wäre mit grossen Kosten verbunden gewesen. 5.2 Im Einspracheentscheid führte die Beschwerdegegneri n aus, dass zwar eine gesetzli- che Vermutung gelte, dass der Versicherte infolge des A bschlusses seiner Ausbildung zu ei- nem ortsüblichen Lohn in der Branche gearbeitet hätte. Allerdings werde durch sein nachdienst- liches Verhalten die Glaubhaftmachung – und auch die g esetzliche Vermutung von Art. 1 und 4 EOV – widerlegt. Der Beschwerdeführer habe auch nach B eendigung des Dienstes die Stelle, die ihm angeboten worden war, nicht angenommen. Die Beschwerdegegnerin verwies diesbe- züglich auf einen ähnlichen Fall des Bundesgerichts (BG E 137 V 410). Bezüglich der Annullie- rungskosten hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass der Ve rsicherte keine konkreten Kosten vorlege. Daher sei von normalen Kosten auszugehen, die sich in solchen Fällen ergäben. Die auf den Namen der Person lautenden Flugtickets könnten regelmässig nicht zurückgegeben werden, wenn keine Versicherung abgeschlossen worden se i. Weitere nicht annullierbare Kos- ten fielen zumeist nicht an. Die Kosten hielten sich ge stützt auf die normalen Lebenserfahrun- gen in solchen Fällen in annehmbarem Rahmen. Schliessl ich hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass der Versicherte vor dem Dienstantritt ein Arbe itnehmer mit unregelmässigem Ein- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommen gewesen sei und die in der Verfügung vom 21. Se ptember 2015 zur Berechnung her- angezogenen Einkommen nicht bestritten seien. 5.3 In seiner Beschwerde verwies der Versicherte bezüglich des chronologischen Ablaufs der Geschehnisse auf seine Einsprache (vgl. E. 5.1 hie rvor). Des Weiteren führte er aus, ohne den Zivildiensteinsatz wäre für ihn die Reise nicht in Frage gekommen und deshalb hätte er die Stelle per 1. Juli 2015 angetreten. Die Kosten für ei ne Annullierung der Reise würden sich auf etwa Fr. 3‘500.-- belaufen, wie man den Rechnungen e ntnehmen könne. Auch auf seinen Kol- legen wären diese Kosten zugekommen und zudem wären du rch die Absage der Reise freund- schaftliche Konflikte entstanden. Ohne den Zivildienst hät te er gemeinsam mit seinem Arbeit- geber nach einer Lösung suchen können, wie sie das Pro blem bezüglich seiner gebuchten Rei- se angehen würden. Des Weiteren führte der Beschwerdefü hrer aus, dass Rz. 5004 WEO auf ihn zutreffe, da er eine Erwerbstätigkeit von länger er Dauer aufgenommen hätte. Er bestehe deshalb auf einen Erwerbsersatz in der Höhe von 80% sei nes Gehalts, welches im Vertrag mit der Bank B.____ vereinbart sei. 5.4 Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Vernehmlassu ng aus, dass gestützt auf die vom Beschwerdeführer eingereichten Dokumente, namentli ch die bezahlten Rechnungen für die Reise, klar sei, dass der Versicherte den Reiseentschluss bereits anfangs 2015, spätestens anfangs März 2015, gefasst haben müsse. Mit diesem Entschl uss habe er gleichzeitig eine Ar- beitsaufnahme in den ersten Wochen nach seinem Bachelorabschluss ausgeschlossen. 6.1 Fest steht, dass der Beschwerdeführer sein Bachelorstud ium per Ende des Frühjahrs- semesters 2015 beendet hat. Aus der Internetseite der Un iversität Basel (https://www.unibas.ch/de/Studium/Termine-Events/Semesterdaten.html) geht hervor, dass die Vorlesungen des Frühjahrssemesters jeweils bis anfangs Juni stattfinden. Das sogenannte „akademische“ Semester dauert grundsätzlich bis zum 31. Ju li. Damit hat der Beschwerdefüh- rer seine Ausbildung wohl unmittelbar vor dem Dienstbeg inn (29. Juni 2015) abgeschlossen. In diesem Fall wird grundsätzlich vermutet, dass der Versiche rte eine Erwerbstätigkeit aufgenom- men hätte und die Entschädigung aufgrund des ortsübli chen Anfangslohnes berechnet (vgl. E. 3.5 hiervor). Des Weiteren könnte der Beschwerdefüh rer glaubhaft machen, dass er eine unselbständige Erwerbstätigkeit von längerer Dauer auf genommen hätte (vgl. E. 3.4 hiervor). Aus nachfolgenden Gründen ist jedoch mit der Beschwerdeg egnerin davon auszugehen, dass weder Art. 1 Abs. 2 lit. b noch Art. 1 Abs. 2 lit. c E OV auf den Beschwerdeführenden Anwen- dung findet. 6.2 Im Entscheid BGE 137 V 410 hielt das Bundesgericht fest, die Vorinstanz habe festge- stellt, dass der Beschwerdeführer sich nach Dienstende am 15. März 2009 bis zum 29. Juni 2009 im Ausland aufgehalten habe. Unter diesen Umständen sei nicht davon auszugehen, dass er unmittelbar nach Studienabschluss eine Erwerbstätigkei t hätte aufnehmen wollen. Daran ändere nichts, dass sich der Beschwerdeführer mit E-Mail vom 18. Februar 2009 um eine (nicht ausgeschriebene) Stelle beworben habe. Das Bundesgerich t führte aus, es sei nicht ersichtlich und werde auch nicht vorgebracht, dass diese Feststellun gen offensichtlich unrichtig sein soll- ten. Weitere Stellenbewerbungen als die erwähnte sei en nicht aktenkundig und seien nicht gel- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tend gemacht worden. Dem unmittelbar an den Dienst an schliessenden und über drei Monate dauernden Auslandaufenthalt stehe lediglich eine einzig e Arbeitsbemühung gegenüber, wes- halb namentlich die vorinstanzliche Schlussfolgerung bet reffend die Erwerbstätigkeit nachvoll- ziehbar sei (BGE 137 V 410 E. 4.3.1 f.). 6.3 Dem Beschwerdeführer ist zwar beizupflichten, dass e r im Unterschied zum Versicher- ten in BGE 137 V 410 (vgl. E. 6.2 hiervor) nicht nur eine Bewerbung geschrieben, sondern die ausgeschriebene Stelle daraufhin auch bekommen hat. We iter ist es durchaus denkbar, dass die Bank B.____ – welche offensichtlich betreffend den Beginn des Anstellungsverhältnisses offen war – für seine geplante Reise Verständnis gehabt und mit dem Versicherten eine Lösung gefunden hätte. Eher unwahrscheinlich ist es jedoch, dass der Beschwerdeführer trotz der ge- buchten Reise, welche er jedenfalls nach dem 24. Septe mber 2015 angetreten und vor dem 22. Februar 2016 beendet haben muss (genaue Reisedaten sind aus den Akten nicht ersicht- lich), bei der Bank B.____ per 1. Juli 2015 angestellt worden wäre. Mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit wäre der Versicherte auch ohne den Zivildi ensteinsatz erst per 22. Februar 2016 (also nach der Reise) eingestellt worden. Denn es erschei nt nicht sinnvoll, eine neue Arbeits- stelle für knapp drei Monate – vom 1. Juli 2015 bis zu m Reiseantritt – aufzunehmen, um diese dann bereits wieder für eine Reise von vier bis fünf Monaten zu unterbrechen. 6.4 Des Weiteren ist mit der Beschwerdegegnerin festzuha lten, dass der Versicherte den Entschluss, die Reise anzutreten, vor der ersten Überweisung an den Reiseveranstalter gefasst haben muss. Damit steht fest, dass der Beschwerdeführer si ch zumindest vor dem 18. März 2015 (vgl. E. 4.5 hiervor) für die Reise und somit ge gen eine Anstellung unmittelbar nach sei- nem Bachelorabschluss bzw. nach seinem Zivildiensteinsatz ent schieden hat. Seinen eigenen Angaben zufolge habe er dies getan, weil ihm bewusst geworden sei, dass es schwierig werden würde, eine geeignete Stelle zu finden und nicht weil es seine Absicht gewesen sei, nach dem Studienabschluss zu reisen. Dies ist durchaus glaubwürdig , es hat jedoch keinen Einfluss auf den Entscheid im vorliegenden Beschwerdeverfahren. Am 1 8. März 2015 bzw. vor dem 18. März 2015 wäre es in zeitlicher Hinsicht sicherlich noc h möglich gewesen, eine Anstellung für die Zeit nach dem Zivildienst (zum Beispiel per 1 . Oktober 2015) zu finden. Mit dem Ent- schluss, die Reise zu buchen, hat es der Beschwerdeführer aber gleichzeitig ausgeschlossen, unmittelbar nach seinem Ausbildungsende bzw. in seinem F all unmittelbar nach dem Ende des Zivildiensteinsatzes eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Wenn er im März 2015 (oder sogar früher) entschieden hat, dass er für die Zeit nach dem Zivildienst wohl keine Stelle mehr finden werde und daher die Reise gebucht hat, hätte er ohne den Zivildiensteinsatz zum selben Zeit- punkt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erst recht entsch ieden, dass es schwierig werde, per 1. Juli 2015 und somit innert einer kürzeren Zeitspanne, eine passende Stelle zu finden. 6.5 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er die St elle bei der Bank B.____ gerne bereits per 1. Juli 2015 angetreten hätte, er aber die gebuchte Reise nicht mehr habe stornieren können, weil dies mit unverhältnismässigen Kosten verbunde n gewesen wäre. Gestützt auf die eingereichten Rechnungen beruft sich der Versicherte a uf diesbezügliche Kosten in der Höhe von Fr. 3‘500.--. Dabei handelt es sich wohl um die ge samten Kosten für die Reise (vgl. E. 4.5 hiervor). Genaue Beträge betreffend eine allfällige Annullierung der Reise bringt der Versicherte Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht jedoch nicht vor. Mit der Beschwerdegegnerin ist zudem festzuhalten, dass es sich mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit nicht ausschliesslich um nich t stornierbare Kosten handelte. Un- wahrscheinlich ist jedenfalls, dass der Versicherte den ganz en Betrag in der Höhe von Fr. 3‘500.-- zu bezahlen gehabt hätte, wenn er die Reise abgesagt hätte. Der Beschwerdeführer bringt schliesslich vor, dass nicht nur auf ihn unverhältni smässig hohe Kosten zugekommen wären, sondern gleichermassen auf seinen Freund und dadurch immaterielle bzw. freundschaft- liche Probleme entstanden wären. Diesbezüglich ist zunä chst darauf hinzuweisen, dass der Versicherte in seiner Einsprache sowie in seiner E-Mail vo m 16. September 2015 an die Aus- gleichskasse noch von zwei Freunden berichtet hat, welche ihn auf die Reise angesprochen hätten. In diesem Fall wäre es wohl für die beiden F reunde kaum problematisch gewesen, zu zweit anstatt zu dritt auf Reisen zu gehen. Deshalb wäre n auch keine Annullierungskosten auf sie zugekommen. In der Beschwerde ist nun von bloss einem F reund die Rede. In Bezug auf dessen Kosten im Falle einer Stornierung der Reise ist auf die oben gemachten Ausführungen zu verweisen. Das bereits Gesagte gilt sowohl für den Versicherten als auch für dessen Freund. Schliesslich ist anzufügen, dass die gebuchte Reise – unab hängig von der Höhe der Annullie- rungskosten – ohnehin in keinem Zusammenhang steht mi t dem Zivildiensteinsatz. Der Be- schwerdeführer hätte die Reise mit überwiegender Wahrsch einlichkeit auch ohne den Zivildien- steinsatz gebucht. 6.6 Abschliessend ist zu Gunsten des Beschwerdeführers anzu merken, dass es durchaus Anerkennung verdient, dass er sein Bachelorstudium in kürzester Zeit erfolgreich absolviert hat, obwohl er stets gleichzeitig gearbeitet hat. Zudem ist der Versicherte keineswegs als arbeits- unwillig oder faul zu bezeichnen; dies hält auch die B eschwerdegegnerin in ihrem Einsprache- entscheid ausdrücklich fest. Schliesslich hat er sich auch m it Erfolg auf die ausgeschriebene Stelle bei der Bank B.____ beworben. Allerdings hat er sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt für die Reise entschieden und hätte deshalb auch ohne d en Zivildiensteinsatz keine unselb- ständige Erwerbstätigkeit per 1. Juli 2015 aufnehmen können. Unter diesen Umständen und vor dem Hintergrund des bereits Ausgeführten (vgl. E. 6.1-6.5 hiervor) vermag er nicht glaubhaft zu machen, dass er eine unselbständige Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätte, wenn er nicht eingerückt wäre. Damit wird auch gleichzeitig die Vermutung, dass der Versicher- te eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte, umgestossen. 7.1 Aus den obigen Erwägungen folgt, dass auf den vorli egenden Fall weder die Bestim- mung des Art. 1 Abs. 2 lit. b EOV (vgl. E. 3.4 hiervor) noch diejenige in Art. 1 Abs. 2 lit. c EOV (vgl. E. 3.5 hiervor) Anwendung findet. Als Grundlage für die Berechnung der Erwerbsersatz- Entschädigung hat daher das vordienstliche Einkommen d es Versicherten zu dienen. Vor dem Dienstantritt war der Beschwerdeführer eine Person mit einem unregelmässigen Einkommen, weshalb die Bemessung gestützt auf Art. 6 EOV zu erfolge n hat (vgl. E. 3.6 hiervor). Dazu hat die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das durchschnittliche vordienstliche Einkommen der letz- ten sechs Monate vor dem Zivildiensteinsatz abgestellt. Die Höhe der in der Verfügung sowie im Einspracheentscheid herangezogenen Einkommen der let zten sechs Monate vor Dienstbe- ginn wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Ausserd em steht sie im Einklang mit den vor- liegenden Akten (vgl. Lohnkonto 2015 des Versicherten bei der Bank B.____). Gestützt auf die- se Grundlage errechnete die Ausgleichskasse eine Entschä digung pro Diensttag, welche unter Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem gesetzlichen Mindestansatz lag. Deshalb hat die Besch werdegegnerin im Ergebnis auch zu Recht den Mindestansatz von Fr. 62.-- pro Diensttag (vgl. E. 3.2 hiervor) angewendet. 7.2 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der angefochtene Einspracheentscheid der Aus- gleichskasse vom 21. März 2016 nicht zu beanstanden ist. Di e dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind de m Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Versicherten am 15. Oktober 2016 Beschwerde beim Bun- desgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_693/2016 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht