B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6787/2023 U r t e i l v o m 1 9 . D e z e m b e r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter Manuel Borla; Gerichtsschreiberin Bettina Hofmann. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 5. Dezember 2023. D-6787/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 21. Mai 2023 in der Schweiz um Asyl nach. B. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein- heit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführerin am 13. Oktober 2021 und am 3. März 2022 in Griechenland Asylgesuche eingereicht hatte und ihr dort am 16. März 2022 Schutz gewährt worden war. C. Am 24. Mai 2023 beauftragte die Beschwerdeführerin die ihr zugewiesene Rechtsvertretung. D. Am 6. Juni 2023 erfolgte das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Ver- ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim- mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats- angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO). Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu einem allfälligen Wegweisungsvoll- zug nach Griechenland gab die Beschwerdeführerin an, von den griechi- schen Behörden als Flüchtling anerkannt worden zu sein. Allerdings habe sie nach erhaltener Schutzgewährung die Unterkunft verlassen müssen und danach – zusammen mit anderen Flüchtlingen – in einer Mietwohnung in B._______ gelebt. (…) habe sie monatlich mit 180 Euro unterstützt. Im Übrigen habe sie sich erfolglos darum bemüht, die griechische Sprache zu lernen und eine Arbeit zu finden. Infolge Geldmangels habe sie schliesslich keine Möglichkeit gehabt, ihre gesundheitlichen Beschwerden behandeln zu lassen. Angesichts dieser Notsituation und des Wunsches, mit ihrem in der Schweiz lebenden Ehemann (C._______) zusammenzuleben, sei sie in die Schweiz weitergereist. Letzteren habe sie im Jahr 2007 in Somalia geheiratet und mit demselben in einem Haushalt gelebt, bis er im Jahr 2008 in die Schweiz geflohen sei. Sein im Jahr 2014 gestelltes Gesuch um Fa- miliennachzug sei abgewiesen worden. D-6787/2023 Seite 3 Hinsichtlich ihres Gesundheitszustands machte die Beschwerdeführerin geltend, infolge der Erlebnisse in Somalia psychisch angeschlagen zu sein und an (…) und (…) zu leiden. E. E.a Am 8. Juni 2023 ersuchte das SEM die griechischen Behörden ge- stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen u nd Ver- fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt- staatsangehöriger (sog. Rückführungs-Richtlinie) und das Abkommen zwi- schen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Helleni- schen Republik über die Rückübernahme von Per sonen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729) um Rückübernahme der Beschwerdeführerin. E.b Am 12. Juni 2023 stimmten die griechischen Behörden dem Rücküber- nahmeersuchen des SEM ausdrücklich zu. Gleichzeitig informierten sie darüber, dass die Beschwerdeführerin in Griechenland über einen Flücht- lingsstatus und über eine bis am 22. März 2025 gültige Aufenthaltsbewilli- gung verfüge. F. F.a Am 5. Oktober 2023 teilte das SEM der Beschwerdeführerin mit, dass es beabsichtige, die geltend gemachte Familienbeziehung zu C._______ zu verneinen. Trotz Aufforderung im persönlichen Gespräch habe sie es unterlassen, dem SEM entsprechende Unterlagen – insbesondere Nach- weise über die Eheschliessung in Somalia und den ausländerrechtlichen Status von C._______ – einzureichen. Gleichzeitig räumte es ihr Gelegen- heit zur Stellungnahme ein. F.b Am 18. Oktober 2023 liess die Beschwerdeführerin durch ihre zuge- wiesene Rechtsvertretung mitteilen, dass ihr C._______ bislang keine Un- terlagen ausgehändigt habe. G. G.a Im Laufe des vo rinstanzlichen Verfahrens wurde die Beschwerdefüh- rerin mehrfach beim zuständigen Pflegedienst vorstellig und im Zusam- menhang mit (…), (…), (…), (…) sowie (…) ärztlich behandelt. Ausserdem hat sie erste Impfdosen gegen (…) erhalten. G.b Am 23. November 2023 wa ndte sich das SEM an den für die Be- schwerdeführerin zuständigen Pflegedienst und ersuchte um Einsicht in D-6787/2023 Seite 4 aktuelle medizinische Unterlagen der Beschwerdeführerin sowie um Aus- kunft betreffend allfällige ausstehende Arzttermine. G.c Der zuständige Pflegedienst i nformierte das SEM gleichentags dar- über, dass die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit ihren (…) wei- terbehandelt worden sei und eine weitere Impfdosis erhalten habe. Gleichzeitig informierte der zuständige Pflegedienst das SEM darüber, dass am 6./7. Dezember 2023 wiederum eine (…) Konsultation sowie die Fortführung des Impfplans vorgesehen seien. H. H.a Am 1. Dezember 2023 übermittelte das SEM den ablehnenden Verfü- gungsentwurf – zusammen mit den editionspflichtigen Akten – an die Be- schwerdeführerin zur Stellungnahme. H.b In ihrer Stellungnahme vom 5. Dezember 2023 führte die Beschwer- deführerin – handelnd durch ihre zugewiesene Rechtsvertretung – im We- sentlichen aus, entgegen d er vom SEM vertretenen Ansicht in Griechen- land keine (ausreichende) Unterstützung erhalten zu haben. Ausserdem leide sie an psychischen Problemen, welche sich durch eine Wegweisung nach Griechenland verschlimmern würden. I. Mit Verfügung vom 5. Dezember 2023 (tags darauf eröffnet) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asyl- gesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie aus der Schweiz weg und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft die- ser Verfügung zu verlassen, ansonsten könne sie in Haft genommen und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt werden. Ferner beauftragte es den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. J. Am 6. Dezember 2023 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit. K. Mit handschriftlich ergänzter Formular -Eingabe vom 7. Dezember 2023 (Datum des Poststempels) erhob die Beschwerdeführerin gegen die vo- rinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr unter Zu- erkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren . Eventualiter sei D-6787/2023 Seite 5 die Unzulässigkeit, die Unzumutbarkeit und die Unmöglichkeit des Weg- weisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses sowie um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung. Ausserdem sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzu- stellen. Der Beschwerde beigelegt war eine Kopie der angefochtenen Verfügung. L. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 8. Dezember 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Gleichentags bestätigte es den Eingang der Beschwerde. M. Am 11. Dezember 2023 reichte die Beschwerdeführerin eine Fürsorg eab- hängigkeitsbestätigung datiert vom 8. Dezember 2023 nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Be- schwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist – unter Vorbehalt der Erwägungen 1.2 und 2.2 – einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Soweit die Beschwerdeführerin die Wiederherstellung der aufschieben- den Wirkung der Beschwerde beantragt, kann festgehalten werden, dass dieser von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM diese vorliegend nicht entzogen hat, weshalb darauf mangels Rechtsschutzinteresses ni cht ein- zutreten ist. D-6787/2023 Seite 6 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen, ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsä tzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5). Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl bilden demgegenüber nicht Gegenstand des angefochtenen Nichteintretensentscheides und da- mit auch nicht des Beschwerdeverfahrens. Auf die diesbezüglichen An- träge ist nicht einzutreten. Bezüglich der Frage der ausländerrechtlichen Wegweisung und des Weg- weisungsvollzugs hat das SEM eine materielle Prüfung v orgenommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zu- kommt. 3. Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachstehend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu- ständigkeit mit Zustim mung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Das SEM tritt in der Regel auf ein Asylgesuch nicht ein, wenn Asyl - suchende in einen sicheren Drittstaat im Sinn e von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten ha- ben (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG). 4.2 Das SEM stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass es sich bei Griechenla nd, als Mitglied der Europäischen Union (EU), um einen verfolgungssicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt (vgl. Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007). Den vorinstanzlichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass die Beschwer- deführerin in Griechenland als Flüchtling anerkannt wurde und die griechi- schen Behörden ihrer Rückübernahme ausdrücklich zustimmten (vgl. SEM-Akten […]-18/1). D-6787/2023 Seite 7 4.3 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass sie in Griechenland als Flüchtling anerkannt wurde, und sie hat nicht behauptet, das Asylverfahren in Griechenland sei in ihrem Fall fehlerhaft gewesen beziehungsweise es würde ihr dort die Rückschiebung in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat un- ter Verletzung des Refoulement-Verbots drohen. Auch enthält die Be- schwerde keine diesbezüglichen Einwände, womit das SEM zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch der Be- schwerdeführerin nicht eingetreten ist. 5. 5.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück- sichtigt den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt in der Schweiz weder über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch – wie nachfolgend dargelegt – über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Soweit nicht das Gesetz oder das Freizügigkeitsabkommen einen Anspruch auf Erteilung einer Auf- enthaltsbewilligung vermittelt, kommt als Anspruchsgrundlage Art. 8 EMRK in Betracht (vgl. BVGE 2013/37 E. 5; EMARK 2001 Nr. 21 E. 8a und b so- wie E. 9). Gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für ein aus dieser Garantie fliessender Anspruch auf ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz Voraussetzung, dass der sich hier aufhaltende Angehörige über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt. C._______ (N […]) verfügt über eine Aufenthaltsbewilligung B aufgrund eines Härte falls und damit nicht über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz, weshalb die Beschwerdeführerin – ungeachtet der Frage der tatsächlich gelebten Be- ziehung – keinen Anspruch auf Aufenthalt aus Art. 8 EMRK ableiten kann. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 6. 6.1 Das SEM regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme, wenn der Vollzug der Weg- weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG, Art. 83 Abs. 1 AlG). 6.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstan- dard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). D-6787/2023 Seite 8 7. 7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Rechtsprechung da- von aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK, des Überein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105], des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpfli chtungen grundsätzlich nachkommt. Das Gericht anerkennt, dass die Lebensbedin- gungen in Griechenland schwierig sind. Dennoch ist gemäss Rechtspre- chung diesbezüglich nicht von einer generellen unmenschlichen oder ent- würdigenden Behandlung von Schutzberechtig ten im Sinne von Art. 3 EMRK auszugehen. Die bekannten Unzulänglichkeiten treten nicht in einer Weise auf, welche darauf schliessen liesse n, dass Griechenland grundsätzlich nicht gewillt oder nicht fähig sei, Schutzberechtigten die ihnen zustehenden Rechte und Ansprüche zu gewähren, beziehungsweise dass diese bei Bedarf nicht auf dem Rechtsweg durchgesetzt werden könnten (vgl. Referenzurteile des BVGer E -3427/2021 und E -3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11 sowie D -559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 7, jeweils m.w.H.) 7.3 Aufgrund der Akten liegen, wie vom SEM zutreffend festgehalten, keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Insbesondere hat sie nicht erwähnt, rechtlich gegen die geltend gemachte Verweigerung von Unterstützungsleistungen vorgegangen zu sein. Sodann stellt eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsw eise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] sowie zur neueren Praxis des EGMR die Urteile Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H., bestätigt durch Savran ge- gen Dänemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer 57467/15, §§ 121 ff.). Die im vorinstanzlichen Verfahren belegten Gesundheitsprobleme der Beschwerdeführerin vermögen die Feststellung der Unz ulässigkeit im D-6787/2023 Seite 9 Sinne der erwähnten Rechtsprechung offensichtlich nicht zu rechtfertigen (vgl. Prozessgeschichte, Bst. G; SEM -Akten […]-11/2, -32/4, -33/3, -34/1, -35/1, -36/4, -37/3, -38/4, -39/2, -42/2, und -43/1). Etwas anderes wird auf Beschwerdeebene bezeichnenderweise auch nicht vorgebracht. 7.4 Der Vollzug der Wegweisung ist somit als zulässig zu qualifizieren. 8. 8.1 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl. Anhang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung so- wie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL, SR 142.281]). Die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt bezüglich Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Beispiel Personen, die an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. be- reits zitiertes Referenzurteil des BVGer E-3427/2021 und E -3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.5.1). 8.2 Das SEM hat zutreffend auf die Verpflichtungen Griechenlands gegen- über Schutzberechtigten bezüglich Unterbringung, medizinischer Versor- gung, Sozialhilfe und Erwerbstätigkeit hingewiesen, welche sich insbeson- dere aus der Qualifikationsrichtlinie sowie auch aus der FK ergeben. Auch wenn eine adäquate Eingliederung der Beschwerdeführerin in die sozialen Strukturen Griechenlands als anerkannter Flüchtling mit nicht zu verken- nenden Erschwernissen verbunden ist, vermögen ihre Vorbringen die An- forderungen an eine konkrete Gefährdung nicht zu erfüllen. Bei einer Rück- kehr ist es der Beschwerdeführerin möglich, sich für eine Unterkunft und Sozialleistungen an die entsprechenden Stellen zu wenden und im Be- darfsfall ihre Rechte einzufordern sowie nötigenfalls die unentgeltliche Hilfe der zahlreich vorhandenen Nichtregierungsorganisationen zu beanspru- chen. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die zu bestätigenden Ausfüh- rungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 8.3 Sodann steht auch der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin (vgl. oben E. 7.3) – mit Verweis auf die diesbezüglichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung – einer Überstellung nach Griechenland nicht entgegen. Sie gehört offensichtlich nicht zu den äusserst vulnerablen Per- sonen, die an schweren Krankheiten im Sinne des erwähnten Referenzur- teils leiden, bei denen der Vollzug der Wegweisung nur bei Vorliegen be- sonders günstiger Umstände zumutbar ist. D-6787/2023 Seite 10 8.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zumutbar. 9. Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich als möglich zu erachten (Art. 83 Abs. 2 AIG) , zumal die griechischen Behörden einer Rücküber- nahme der Beschwerdeführerin, wie bereits mehrfach festgehalten, aus- drücklich zugestimmt haben. 10. Nach dem Gesagten ist der vom SEM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen. 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. 12.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 102m Abs. 4 AsylG). Aufgrund der vorstehenden Er- wägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten ha- ben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht ge- geben, weshalb die Gesuche ungeachtet der ausgewiesenen Mittellosig- keit abzuweisen sind. 12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses ist mit vor- liegendem Urteil gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) D-6787/2023 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Bettina Hofmann Versand: