B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4410/2013 U r t e i l v o m 1 2 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichterin Esther Karpathakis, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiberin Martina Stark. Parteien 1. A._______, 2. B._______, 3. C._______, 4. D._______, Aegypten, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 22. Juli 2013 / N (…). E-4410/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die aus Ägypten stammenden Beschwerdeführenden am 20. Juni 2013 in der Schweiz um Asyl nachsuchten und am 28. Juni 2013 im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Chiasso summarisch befragt wu r- den, dass der Beschwerdeführer 1 dabei angab, er habe sein Heima tland 2001 verlassen, um in Europa Arbeit zu finden , und sei zunächst illegal nach Italien gereist, wo er schliesslich 2003 eine Aufenthaltsbewilligung erhalten habe, dass ihm die Aufenthaltsbewilligung mehrmals – letztmals bis Ende 2015 – verlängert worden sei, er diese aber verloren habe, dass er von Italien aus mehrmals mit seinem Pass und seiner italien i- schen Aufenthaltsbewilligung legal nach Ägypten gereist sei, dass die Beschwerdeführerin 2 angab, sie sei im Juli 2010 im Zuge der Familienvereinigung mit ihren Kindern legal nach Milano gereist und habe dort bis zu ihrer Ausreise 2013 mit ihrem Ehemann gelebt, bevor sie g e- meinsam in der Schweiz um Asyl nachgesucht hätten, dass sie im September 2010 eine Aufenthaltsbewill igung erhalten habe, welche ihr mehrmals – letztmals bis Ende 2015 – verlängert worden sei, diese aber verloren gegangen sei, dass die Beschwerdeführenden als Grund für ihre Ausreise aus Italien angaben, sie würden dort weder eine Unterkunft noch Arbeit fi nden und auch nicht von der Sozialhilfe unterstützt, dass die am 3. Juli 2013 seitens des BFM gestellten Informationsgesuche an die italienischen Behörden ergaben, dass die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers 1 am 26. Juli 2011 abgelaufen war und die Be- schwerdeführerin 2 über eine Aufenthaltsbewilligung mit Gültigkeit bis Ap- ril 2015 verfügt (vgl. Schreiben der italienischen Behörden vom 17. Juli 2013, A20/1 sowie A21/1), dass das BFM die italienischen Behörden mit Schreiben vom 18. Juli 2013 um Aufnahme der Beschwerdeführenden gestützt auf A rt. 9 Abs. 1 beziehungsweise Art. 9 Abs. 4 oder Art. 10 Abs. 1 der Verordnung EG Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Feststellung von Krite-E-4410/2013 Seite 3 rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü- fung eines Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Dublin -II-Verordnung) er- suchte, dass die italienischen Behörden mit Schreiben vom 19. Juli 2013 gestützt auf Art. 9 Abs. 1 beziehungsweise Art. 9 Abs. 4 der Dublin-II-Verordnung einer Übernahme der Beschwerdeführenden zustimmten, dass das BFM mit Verfügung vom 22. Juli 2013 – eröffnet am 30. Juli 2013 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerde- führenden nicht eintrat , ihre Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete und die Beschwerdeführenden aufforderte, die Schweiz sp ä- testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerdeführenden verfügte, dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen angab, die italienischen Behörden hätten seinem Ersuchen um Übernahme der Beschwerd efüh- renden gestützt auf Art. 9 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung respektive Art. 9 Abs. 4 Dublin -II-Verordnung zugestimmt, weshalb die Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens bei Italien liege, dass es weiter ausführte, in Italien sei Schutz vor Rückschiebung im Sinn von Art. 5 Abs. 1 AsylG gegeben und es gebe keine Hinweise darauf, dass den Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr dorthin eine Verle t- zung von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) drohe, dass Italien zudem die Richtlinie 2003/9EG des Rates vom 27. Januar 2003 (sogenannte Aufnahmerichtlinie), welche zahlreiche Mindestnormen für die Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden beinhalte, umg e- setzt habe, dass sich die Beschwerdeführenden deshalb an die italienischen Behö r- den wenden könnten, um eine Unterkunft und sozialstaatliche Unterstü t- zung sowie Hilfe bei der Arbeitssuche zu erhalten, wobei allerdings in keinem Staat eine Garantie auf bezahlte Erwerbstätigkeit bestünde, E-4410/2013 Seite 4 dass im Übrigen in I talien nebst den staatlichen Strukturen auch private Hilfsorganisationen existier ten, an die sich die Beschwerdeführenden ebenfalls wenden könnten, um die nötige Unterstützung zu beantragen, dass die Beschwerdeführenden mit Formularbeschwerde vom 5. August 2013 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht B e- schwerde erhoben und beantragten, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und ihnen sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen sowie Asyl zu gewähren, eventualiter sei der Vollzug der Wegweisung als unzu- lässig, unzumutbar oder unmöglich festzustellen und die vorläufige Au f- nahme anzuordnen, dass sie in prozessualer Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwe r- de ersuchten, dass sie ausserdem beantragten, die zuständige Behörde sei anzuwe i- sen, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat - oder He r- kunftsstaats sowie jegliche Datenweitergabe an dieselben zu unterlassen, eventualiter seien die beschwerdeführend en Personen über eine allfällig bereits erfolgte Datenweitergabe mittels separater Verfügung zu informie- ren, dass sie ihre Fürsorgeabhängigkeit anhand einer Bestätigung des Durc h- gangszentrums Renconvilier vom 5. August 2013 belegten, dass die Beschwerdeführenden die Unzumutbarkeit ihrer Rückführung nach Italien damit begründe ten, dass die italienischen Behörden zwar angerufen werden könnten – was sie denn auch getan hätten − , dass sie faktisch aber keine staatliche Hilfe erhalten würden, weil sie weit hinten auf einer entsprechenden Warteliste stünden, dass sie als Migrationsfamilie demzufolge in Italien einem hohen Risiko der Armut ausgesetzt seien, dass die vorinstanzlichen Akte n am 7. August 2013 beim Bundesverwal- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), E-4410/2013 Seite 5 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Re- gel – so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, S R 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V. m. Art. 31‒33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), das sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde – vor- behältlich der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen (Art. 32‒35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerdein- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt i st, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5.), dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensen t- scheid als unrechtmässig erachtet – somit einer selbständigen materie l- len Prüfung enthält, sondern die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwe i- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.), dass es sich bei der Beschwerde vom 5. August 2013 um eine Laienei n- gabe handelt, weshalb die Rechtsbegehren unter Berücksichtigung der Beschwerdebegründung dahingehend verstanden werden k önnen, dass die Beschwerdeführenden sinngemäss beantragen, e s sei zu prüfen, ob das BFM zu Recht gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf ihre Asy l-E-4410/2013 Seite 6 gesuche nicht eingetreten ist und infolgedessen auch zu Recht die Weg- weisung aus der Schweiz nach Italien verfügt hat, dass die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigen schaft und der Gewährung von Asyl demgegenüber nicht Gegenstand des angefocht e- nen Nichteintretensentscheides sind und damit auch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden können, weshalb auf die entspr e- chenden Beschwerdeanträge nicht einzutreten ist, dass es sich beim Dublin-Verfahren um ein Überstellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt, weshalb das Fehlen von Wegweisungsvollzugshindernissen regelmässig bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des gestütz t auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG erfolgenden Nichteintretensentscheides ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645), dass mithin allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse im Rahmen der even tuellen Anwendung der sogenannten Souveränität s- klausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung i.V.m. Art. 29a Abs. 3 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) zu prüfen sind, dass daher im Rahmen des Dublin -Verfahrens systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmassnahmen im Sinn von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), sondern eine entspre- chende Prüfung soweit notwendig – und wie bereits e rwähnt - vielmehr bereits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entsch ieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften- wechsel verzichtet wurde, dass gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah- rens staatsvertraglich zuständig ist, E-4410/2013 Seite 7 dass die Prüfung der staatsvertragli chen Zuständigkeit zur materiellen Behandlung eines Asylgesuches sich nach den Kriterien der Dublin-II- Verordnung richtet (vgl. die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizer i- schen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asyl- antrags [Dublin -Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392.689] i.V.m. Art. 29a Abs. 1 AsylV 1), dass die Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG im Weiteren voraus- setzt, dass der staatsvertraglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person (explizit oder implizit) zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1), dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung die Mitgliedstaaten jeden Asylantrag prüfen, den ein Drittstaatangehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stel lt, wobei der Antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 6 bis 14) Dublin-II-Verordnung als zuständiger Staat bestimmt wird, dass unter anderem derjenige Mitgliedstaat zuständig ist, welche r dem Asylbewerber einen gültigen oder weniger als zwei Jahre zuvor abgela u- fenen Aufenthaltstitel (letzteres solange der Antragsteller das Hohei tsge- biet der Mitgliedstaaten nicht verlassen hat) a usgestellt (Art. 9 Abs. 1 und 4 Dublin -II-Verordnung) oder, dessen Land -, See - oder Luftgrenze der Asylbewerber aus einem Drittstaat kommend legal oder Illegal überschri t- ten hat, oder in welchem der erste Asylantrag gestellt wurde (Art. 5 i.V.m. Art. 6–13 Dublin-II-Verordnung), dass die Übernahmeverpflichtungen erlöschen, we nn der Drittstaatsa n- gehörige das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten für mindestens drei M o- nate verlassen hat, e s sei denn, der Drittstaatsangehörige ist im Besitz eines vom zuständigen Mitgliedstaat ausgestellten gültigen Aufenthaltst i- tels (Art. 16 Abs. 3 Dublin-II-Verordnung), dass die Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung in Abwei- chung von den erwähnten Zuständigk eitskriterien respektive Zuständi g- keitsbestimmungen die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen kann, auch wenn nach den in der Verordnung vorgesehenen Kriterien ein ande- rer Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht), wobei diese Bestimmung E-4410/2013 Seite 8 nicht direkt anwendbar ist, sonder n nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 S. 635 f.), dass bei drohendem Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie in s- besondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), die EMRK, den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) oder das Übereinko m- men vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintritt s- rechts besteht (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2 S. 636 f.; FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K8 K11 S. 74), dass Art. 29a Abs. 3 AsylV1 sodann vorsieht, dass das BFM aus human i- tären Gründen ein Gesuch behandeln kann, selbst wenn nach den Krit e- rien der Dublin-II-Verordnung ein anderer Staat zuständig ist, wobei diese Bestimmung den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszu legen ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 4.1 S. 114 f., BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.), dass Italien den Übernahmeersuchen des BFM vom 18. Juli 2013 g e- stützt auf Art . 9 Abs. 1 respektive Art. 9 Abs. 4 Dublin -II-Verordnung mit Schreiben vom 19. Juli 2013 explizit zustimmte, dass sich nach Prüfung der Akten die vorinstanzlichen Erwägungen als zutreffend erweisen und Italien zur Übernahme der Beschwerdeführe n- den sowie zu r Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens der Beschwerdeführenden zuständig ist, wobei die Zuständigkeit Italiens we- der anlässlich der BzP noch in der Beschwerdeschrift bestritten wird, dass aufgrund der Dublin -II-Verordnung (vgl. Ziffer 2 der Ein leitungsbe- stimmungen) von der Vermutung auszugehen ist, dass jeder Mitgliedstaat als sicher im Sinne der FK erachtet werden kann und alle Staaten das Gebot des Non-Refoulement (Art. 33 FK) sowie (kraft ihrer Mitgliedschaft) Art. 3 EMRK beachten, dass, sofe rn keine systematische (und über die Überstellungsfrist for t- dauernde) Verletzung dieses Grundsatzes durch den zuständigen Mi t- gliedstaat vorliegt, eine beschwerdeführende Person diese Vermutung nur umstossen kann, wenn es ihr gelingt, nachzuweisen oder glau bhaft E-4410/2013 Seite 9 zu machen, dass besondere, ausreichend konkrete Gründe dafür vorli e- gen, dass bei einer Überstellung in den zuständigen Staat für sie die re a- le Gefahr (real risk) eines fehlenden Verfolgungsschutzes respektive die Gefahr eines Verstosses des zuständi gen Mitgliedstaates gegen das Non-Refoulement-Gebot oder Art. 3 EMRK bestehen würde (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 und E. 7.5 S. 636 ff., vgl. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte [EGMR], M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Appl. No. 30696/09], Urteil vom 21. Januar 2011; Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493/10), dass gemäss Praxis des EGMR zudem eine Überstellung in den nach der Dublin-II-Verordnung zuständigen Mitgliedstaat grundsätzlich dann keine Verletzung von Art. 3 EMRK darstellt, wenn dieser wirksame verfahren s- rechtliche Garantien (inkl. Rekursmöglichkeiten) vorsieht, die eine b e- schwerdeführende Person vor einer un mittelbaren Zurückweisung in i h- ren Herkunftsstaat, in dem sie nachweislich Gefahr laufen würde, Folter oder unmenschlicher Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden, schützen, dass man bei einer Überstellung in den zuständigen Mitgliedstaat im Wei- teren von der Prämisse ausgeht, dass dieser kraft seiner Mitgliedschaft den Verpflich tungen aus der Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mitgliedstaa- ten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flü chtlingseigenschaft (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie jenen aus der Aufnahmerichtlinie, darun- ter auch dem Non -Refoulement-Gebot, nachkommt (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2 S. 638), dass die blosse Verletzung er wähnter Richtlinien durch den zuständ i- gen Mitgliedstaat kein selbständiges Recht einer beschwerdeführe n- den Person auf Anrufung zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts b e- gründet, sondern es hierzu grundsätzlich ebenfalls des Nachweises eines "real risk" im S inne der EMRK bedarf ( vgl. dahingehend FILZWIE- SER, SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K11 S. 75), dass, sofern dieser Nachweis nicht gelingt und somit nicht von einem Überstellungshindernis in den zuständigen Mitgliedstaat auszugehen ist, der betroffenen Person die M öglichkeit offensteht, sich im zuständigen Mitgliedstaat mittelbar auf die Verfahrens- oder Aufnahmerichtlinie zu be-E-4410/2013 Seite 10 rufen respektive die entsprechenden innerstaatlichen Rechtsmittel zu e r- greifen, dass Italien unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK u nd der FoK ist und als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin -II-Verordnung zuständiger Staat gehalten ist, die Verfahrensrichtlinie sowie die Aufnahmerichtlinie von Asylbewerbern in Mitgliedstaaten anzuwenden respektive umzusetzen sowie zudem davon ausgegangen werden kann, dass Italien grundsät z- lich als sicher im Sinn der FK erachtet werden kann und das Gebot des Non-Refoulement (Art. 33 FK, Art. 3 EMRK) beachtet (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.3 - 7.7 S. 637 ff.), dass die Beschwerdeführenden im Übrigen gar nicht geltend machen, es drohe ihnen in Italien eine Rückweisung nach Aegypten, sondern ang a- ben, nicht nach Italien zurückkehren zu wollen, da sie dort keine Unte r- kunft und keine finanzielle Unterstützung erhalten könnten, dass diese Ausführungen die Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des vorliegenden Asyl- und Wegweisungsverfahrens nicht zu widerlegen vermögen, zumal nicht davon auszugehen ist, Italien würde in genereller Weise seinen völkerrechtlichen Verpflichtun gen nicht nachkommen r e- spektive in völkerrechtswidriger Weise gegen die Verfahrens - und Auf- nahmerichtlinie verstossen, dass diese Ansicht durch den EGMR bestätigt wird, indem er in seiner neusten Rechtsprechung festhält, dass in Italien kein systematische r Mangel an Unterstützung und Einrichtungen für Asylsuchende (als eine besonders verletzliche Personengruppe) bestehe, dies obwohl die allg e- meine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuche n- den, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit ein em subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. EGMR: Entscheidung Mohammed Hussein und andere vs. Niederlande und It a- lien [Beschwerde Nr. 27725/10] vom 2. April 2013 , Unzulässigkeitsent- scheidung wegen offensichtlicher Unbegründetheit gemäss Art. 35 Abs. 3 EMRK; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-1814/2013 vom 20. Juni 2013, D -3090/2013 vom 7. Juni 2013 sowie D -3055/2013 vom 6. Juni 2013), dass gemäss erwähntem Urteil des EGMR und den darin zitierten Berich- ten in Italien für Dublin -Rückkehrende temporäre Auf nahmezentren g e- schaffen worden seien, wobei in den Aufnahmezentren 500 Plätze für be-E-4410/2013 Seite 11 sonders verletzliche Personen reserviert seien und diese dort auch länger bleiben könnten, nämlich bis zu elf Monaten (vgl. a.a.O § 49, 43, 46, 45), dass demzufolge nicht davon auszugehen ist, den Beschwerdeführenden würde bei einer Rücküberstellung nach Italien der Zugang zu einem fa i- ren Asylverfahren verwehrt oder sie würden als Familie im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten, dass es ihnen im Übrigen offen stehen würde, allfällige Probleme bei der Unterbringung oder bei der Inanspruchnahme sozialstaatlicher Unterstü t- zung bei den zuständigen italienischen Justizbehörden zu rügen, bei- spielsweise mittels Hilfe unabhängiger, vorhandener Hilf sorganisationen in Italien, dass es den Beschwerdeführenden im Übrigen aufgrund des Umstandes, dass sie sich seit rund 12 beziehungsweise 3 Jahren in Italien aufhalten und dort sogar über gültige Aufenthaltstitel verfügen – insbesondere im Vergleich zu an deren Dublin-Rückkehrern − einfacher fallen dürfte, sich dort wieder zurecht zu finden , insbesondere nötigenfalls die zuständigen Stellen um Unterstützung anzugehen, dass aufgrund des Gesagten keine Hindernisse und auch keine human i- tären Gründe im Sinn von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 eine Überstellung der Beschwerdeführenden nach Italien entgegenstehen, dass Italien somit für die Prüfung der Asylgesuche der Beschwerdeführenden gemäss der Dublin -II-VO zuständig und entspr e- chend verpflichtet ist, sie gemäss Art. 17 bis Art. 19 Dublin-II-VO aufzu- nehmen, dass nach dem Gesagten das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs . 2 Bst. d AsylG zu Rec ht auf die Asylgesuche der Beschwerdeführerenden nicht eingetreten ist und, da sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung sind und auch keinen Anspruch darauf geltend machen können, ebenfalls zu Recht in Anwendung von Ar t. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass vorliegend – wie aufgezeigt – kein Anlass zur Ausübung des Selbst- eintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO) besteht, weshalb der vom BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, E-4410/2013 Seite 12 dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist, und die Verfügung des BFM zu bestätigen ist, dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeic h- nen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind, dass der Antrag, die Vollzugsbehörden seien gemäss Art. 97 Abs. 1 AsylG anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit dem Heimat - oder Herkunftsstaat der Beschwerdeführenden sowie jede Weitergabe von Daten an dense l- ben zu unterlassen, sowie alle weiteren prozessualen Anträge mit vorli e- gendem Direktentscheid gegenstandslos geworden sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.- (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-4410/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu- gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Karpathakis Martina Stark Versand: