Seite 1 Entscheid vom 18. Januar 2013 (510 12 62) __________________________________________________ ___________________ Rückstellungen für künftigen Liegenschaftsunterhalt Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Gerich tsschreiber i.V. v. Q. P. Tran Parteien A. AG , Rekurrentin gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staatssteuer 2010 Seite 2 Sachverhalt: 1. Die Rekurrentin bildete seit dem Steuerjahr 2005 Rückstellungen von insgesamt Fr. 25'000.--. Mit Veranlagungsverfügung zur Staatssteuer 2 010 vom 17. November 2011 wurden ihr diese Rückstellungen als Gewinn und Kapital aufgerech net und die Rekurrentin zu einem Steuerbetrag von Fr. 1'244.10 veranlagt. 2. Mit Schreiben vom 13. Dezember 2011 erhob die Pfli chtige Einsprache und beantragte, die Veranlagung sei auf Basis des Saldos der Erfolgsrechn ung von Fr. 2'071.-- abzüglich Ver- lustverrechnung von Fr. 6'336.-- vorzunehmen. Auf die Aufrechnung der per 31. Dezember 2010 bestehenden Rückstellungen sei zu verzichten. Als Eventu alantrag begehrte sie, die Ver- anlagung sei auf Basis des Saldos der Erfolgsrechnung von Fr. 2'071.-- unter Aufrechnung der im Jahr 2010 in die Rückstellung eingelegten Fr. 4'000. -- abzüglich Verlustrechnung von Fr. 6'336.-- vorzunehmen. Zur Begründung führte die Pflichtige aus, da die L iegenschaft mit einem Buchwert von Fr. 312'000.-- deutlich unterbewertet sei, verzichte si e seit Jahren auf Abschreibungen. Alle Investitionen würden aktiviert. Eine mehr als 50 Jahre a lte Liegenschaft benötige Unterhaltsar- beiten. Es sei dabei seit 2005 von einem bescheidenen Wert von jährlich 2 % des sehr tiefen Buchwertes auszugehen, was Fr. 6'000.-- pro Jahr ergebe. Seit 2005 werde die Differenz des tatsächlichen Unterhaltsaufwandes zu den Fr. 6'000.-- i n die Rückstellung Unterhalt eingelegt bzw. dieser entnommen. Da in den letzten Jahren meist weniger als Fr. 6'000.-- Unterhalt ange- fallen seien, habe sich die Rückstellung entsprechend er höht. Sobald aber ein höherer Sanie- rungsbedarf komme, sei die bestehende Rückstellung unzure ichend. Für eine Kleinst- Immobiliengesellschaft mit einer einzigen Liegenschaft se i die erläuterte Praxis die einzig sinn- volle Möglichkeit, eine nachvollziehbare Erfolgsrechnung a ufzustellen, die auch aus betriebs- wirtschaftlicher Sicht korrekt sei. Die Rückstellung sei n icht für ein bestehendes konkretes Pro- jekt vorgesehen. Sie diene vielmehr dem sehr tief geschät zten, zu erwartenden kumulierten Unterhaltsaufwand, der aus den abgelaufenen Geschäftsj ahren resultiere. Die Praxisänderung in dieser Sache sei in der Veranlagungsverfügung 2009 mitgeteilt worden, was der Rekurrentin jedoch entgangen sei. Die Veranlagungen bis zum Jahr 2009 seien zudem durch die Steuerverwaltung definitiv erfolgt. Die Rückstellung in der Bilanz, sowie deren Bi ldung über die Erfolgsrechnung, sei bis zum Jahr 2009 von der Steuerverwaltung akzeptiert worden. Seite 3 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 27. Juli 2012 wies die S teuerverwaltung die Einsprache ab. Zur Begründung führte sie aus, Rückstellungen für künfti ge Unterhaltsarbeiten seien steuerlich nicht zulässig. Die Bildung solcher Rückstellunge n werde zulasten der Erfolgsrech- nung gemäss gängiger Praxis nur zugelassen, sofern ein kon kretes Projekt für eine umfassen- de Gebäuderenovation vorliege. Nur in solchen Ausnah mefällen lasse sich aufgrund des aus- schliesslich zweckbestimmten Mitteleinsatzes eine Interpret ation des Rückstellungsbegriffs steuerrechtlich rechtfertigen. Da vorliegend kein konkre tes Projekt bestehe, sei die fragliche Rückstellung nicht zulässig. Obschon die fraglichen Rückstellu ngen in der Vergangenheit ak- zeptiert worden seien, lasse sich daraus nicht herleiten, dass mit den definitiven Veranlagungen der Vorjahre die Rückstellungen bis zu einer bestimmten Höhe faktisch akzeptiert seien. Die Veranlagungsbehörde könne in jeder Steuerperiode die Begründetheit von Rückstellungen er- neut überprüfen. 4. Mit Schreiben vom 27. August 2012 erhob die Rekurren tin Rekurs und begehrte, die Veranlagung sei auf Basis des Saldos der Erfolgsrechnung von Fr. 2'071.-- abzüglich Ver- lustverrechnung von Fr. 6'336.-- vorzunehmen. Auf die Au frechnung der per 31.12.2009 beste- henden Rückstellung Unterhalt von Fr. 21'000.-- sei zu ve rzichten. 2. Die neue Praxis der Steu- erverwaltung bezüglich Unterhalts-Rückstellungen sei zumind est bei Kleinst- Immobiliengesellschaften im Sinne der nachfolgenden Ziffern aufzuheben oder zu lockern. Zur Begründung des Eventualantrages führte die Rekurr entin zusätzlich aus, eine Rück- stellung könne nicht nur isoliert in der Bilanz stehen. V ielmehr habe die Bildung oder Auflösung einer Rückstellung immer einen Einfluss auf die Erfolgsre chnung und damit auf das steuerbare Ergebnis. Die offenbar fälschliche frühere Akzeptanz der Rückstellung habe somit auf jedes Jahresergebnis, in dem eine Veränderung der Rückstellung erfolgt sei, einen Einfluss. Konkret würde die Steuerverwaltung mit ihrem nachträglichen Nicht-Akzeptieren einer Rückstellung aus früheren, definitiv veranlagten Jahren die steuerbare n Ergebnisse dieser Jahre ändern. Die Bil- dung von Rückstellungen dürften erst ab dem Zeitpunkt, ab welchem diese als steuerlich unzu- lässig erklärt worden seien, aufgerechnet werden, also frühestens ab 2010. Subeventualiter werde der Antrag gestellt, die früheren Steuerjahre, in welchen die Rückstellung gebildet wor- den sei, sei neu zu veranlagen, indem die dem Jahre 2010 belastete Steueraufrechnung zeitge- recht auf die verschiedenen Steuerjahre aufgeteilt werde. Die Rekurrentin führte weiter aus, im Jahre 2011 seie n grössere Unterhaltsarbeiten in Höhe von Fr. 22'715.-- angefallen, womit gemäss beste hender Praxis bei der Gesellschaft Fr. Seite 4 16'000.-- Rückstellung entnommen worden seien, damit n ur noch ein kleiner Verlust von Fr. 3'722.-- resultiere. Gemäss neuester Praxis wäre für das J ahr 2011 hingegen ein grosser Ver- lust von Fr. 19'722.-- auszuweisen gewesen. 5. In ihrer Vernehmlassung vom 20. September 2012 bea ntragte die Steuerverwaltung die Abweisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, Rückstellungen könnten nur gebildet werden, wenn ein Verlustrisiko unmittelbar bevorstehe, handelsrechtlich bet rachtet, die Ausgabe zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit eintrete. Die Ursache für die B ildung von Rückstellungen müsse aber im betreffenden Jahr bereits eingetreten sein. Künfti ge Risiken und Investitionen könnten nicht mit Rückstellungen abgedeckt werden. Die ab dem Jahr 2005 gebildeten Rückstellungen für eine geplante Sanierung der einzigen Liegenschaft hät te sich im Verlauf der Jahre auf einen Umfang von Fr. 25'000.-- gesteigert, ohne dass eine solche Sanierung konkret geplant oder gar durchgeführt worden sei. Erst im Jahre 2011 seien gem äss den Ausführungen der Rekurrentin Renovationsarbeiten durchgeführt worden. Dies führe a ber nicht zu einer Rückwirkung der Be- gründetheit für die vor Jahren gebildeten Rückstellung en. Rückstellungen seien nur für beste- hende Verpflichtungen oder drohende Verlustrisiken zul ässig. Andernfalls wäre es möglich, bei erwarteten künftigen Verlusten bereits in der Gegenwart Ausgleichsreserven für künftige Verlus- te zu bilden. Eine derartige Steueroptimierung sei aufgrund der Erfordernisse der Notwendigkeit von Rückstellungen sowie des strengen Periodizitätsprinzips nicht zulässig. 6. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Der Präsident des Steuergerichts zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 1 StG werden Rekurse, deren u mstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 2'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuerge- richts als Einzelrichter beurteilt. Seite 5 Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten. 2. Der Beurteilung unterliegt im vorliegenden Fall, ob die steuerliche Aufrechnung der Rückstellungen in Höhe von Fr. 25'000.-- zu Recht erfolgt ist. a) Gemäss § 55 Abs. 1 StG sind für Abschreibungen, Rückst ellungen, Rücklagen und Ersatzbeschaffungen die §§ 30-32 StG sinngemäss anwendbar. Rückstellungen zulasten der Erfolgsrechnung sind gemäss § 31 Abs. 1 StG zu- lässig für im Geschäftsjahr begründete Verpflichtungen, deren Höhe noch unbestimmt ist (lit. a), Verlustrisiken, die mit Aktiven des Umlaufvermögens, insbeso ndere Waren und Debitoren, ver- bunden sind (lit. b) sowie andere unmittelbar drohend e Verlustrisiken, die im Geschäftsjahr be- gründet wurden (lit. c). Bisherige Rückstellungen, die nicht mehr oder nicht mehr im bisherigen Umfang begründet sind, werden dem steuerbaren Geschäftsertrag zugerechnet (Abs. 2 StG). Die Regelungen in den §§ 30 ff. im kantonalen Steu ergesetz finden ihren Rah- men in Art. 10 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (St HG) und entsprechen nahezu wort- wörtlich Art. 29 ff. des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG). Es kann deshalb bezüglich dieser Bestimmungen we itgehend auf die Kommentare zu den Rückstellungen nach DBG und StHG verwiesen werden. b) Die Bilanzierung von Rückstellungen richtet sich nach den allgemeinen Ge- winnermittlungsregeln. Steuerrechtlich werden Rückstellu ngen in erster Linie als Abzüge zur Berechnung des steuerbaren Gewinns und Kapitals betrach tet (vgl. Zöbeli Daniel, Rückstellun- gen in der Rechnungslegung, Diss., Freiburg. i. Ue. 200 3 S. 160). Zur Definition des Begriffes "Rückstellungen" und dessen Abgrenzung zu anderen Bilanz positionen wie der Rücklage ist festzuhalten, dass dieser sich nicht per se definieren lä sst und somit auch nicht per se von an- deren Begrifflichkeiten wie der Rücklage abzugrenzen ist . Steuerrechtlich können die Begriffe etwas anderes beinhalten als nach handelsrechtlicher u nd betriebswirtschaftlicher Betrachtung (vgl. Reich/Züger, in: Martin Zweifel/Peter Athanas [H rsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht I/2a, Art. 29 DBG N 4; Reich, in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Art. 10 StHG N 19). Seite 6 c) § 31 StG enthält keine allgemein umschriebenen Vora ussetzungen für die Ab- ziehbarkeit von Rückstellungen. Es werden vielmehr vier ver schiedene Arten von abziehbaren Rückstellungen umschrieben. Die Voraussetzungen der Abzieh barkeit von Rückstellungen er- geben sich jedoch im Wesentlichen aus dem Rückstellungsbegri ff selber, resp. aus der dazu ermittelten Lehre und Rechtsprechung. Es lässt sich nicht in jedem konkreten Fall eine Zuord- nung der Rückstellung zu einer bestimmten Rückstellungsar t vornehmen (vgl. Reich/Züger, a.a.O., Art. 29 DBG N 6). d) Trotz terminologischem Wirrwarr versteht die allgeme ine Lehre und Rechtspre- chung unter einer Rückstellung eine echte Fremdkapitalposition, mit welcher der laufenden Ge- schäftsperiode ein tatsächlich oder zumindest wahrscheinlich verursachter, in seiner Höhe aber noch nicht genau bekannter Aufwand oder Verlust gewinn mindernd angerechnet, geldmässig aber erst in einer späteren Periode verwirklicht wird ( vgl. Klöti-Weber/Siegrist/Weber, Kommen- tar zum Aargauer Steuergesetz, 3. A., Bern 2009, § 36 N 29; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., Zürich 2006, § 64 N 75; Reich, a.a.O., Art. 10 StHG N 23; Treuhand Kammer [Hrsg.], Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprü- fung, Bd. 1, Zürich 2009, Ziff. 6.23; Der Steuerentscheid [StE] 2010, B 72.14.2 Nr. 35, E. 2.1). Gemäss Art. 699 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend d ie Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 20. März 1911 (OR) müss en Rückstellungen gebildet werden, soweit sie nach allgemein anerkannten kaufmänn ischen Grundsätzen notwendig sind. Sobald handelsrechtlich eine Pflicht zur Bildung von Rückst ellungen gegeben ist, sind solche gestützt auf das Massgeblichkeitsprinzip auch steuerlich zuzulassen. Steuerlich nicht anerkannt werden hingegen sog. Willkürreserven, die handelsrechtl ich aufgrund des Vorsichtigkeitsprin- zips zwar zulässig, aber nicht notwendig sind. Diese Einschränkung ergibt sich aus dem Grund- satz der Periodizität, welcher die Besteuerung des in einem bestimmten Zeitraum effektiv erziel- ten Ertrages verlangt. Das Periodizitätsprinzip lässt es n icht zu, dass Gewinne durch Bildung von Rückstellungen in zeitlicher Hinsicht beliebig verschoben werden. Bezüglich der Höhe der Rückstellung sind die handelsrechtlichen Vorschriften anwe ndbar. Massgebend ist der Betrag, mit dessen Beanspruchung gerechnet werden muss (vgl. Fel ix in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, 31 N 2 ff; Reich, a.a.O., Art. 10 StHG N 21). e) Risiken und Ursachen, welche die Rückstellungen begr ünden, müssen im betref- fenden Geschäftsjahr, in dem die Rückstellung gebildet w ird, eingetreten sein. Künftige Risiken oder Investitionen in der Zukunft können nicht mit Rückst ellungen abgedeckt werden (vgl. Rich- Seite 7 ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, Zür ich 2009, Art. 29 DBG N 4; Teitler- Feinberg, a.a.O., S. 325). Rückstellungen reservieren weder flüssige Mittel, noch sonstige Akti- ven zur Deckung irgendwelcher Risiken. Da das allgemeine Unternehmungsrisiko nicht quanti- fizierbar ist, können nur Verpflichtungen aus konkreten Einzelrisiken zurückgestellt werden (vgl. Zöbeli, a.a.O., S. 21; Teitler-Feinberg, a.a.O., S. 327). f) Tatsachen, die Rückstellungen als geschäftsmässig begrü ndet erscheinen las- sen sowie die Höhe der Rückstellungen, sind steuermindern d und deshalb vom Steuerpflichti- gen nachzuweisen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE ] Nr. 2A.71/2006 vom 21. Juni 2006, E. 3.3.3; Blumenstein/Locher, System des schweizeri schen Steuerrechts, 6. Auflage, Zü- rich 2002, S. 416; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a. O., § 64 N 79). Dazu müssen die per Bi- lanzstichtag bestehenden Verpflichtungen oder drohenden Verlustrisiken anhand von Ge- schäftsunterlagen belegt werden. Ist ein detaillierter Nachweis nicht möglich oder nicht zumut- bar, sind Schätzungen zulässig, sofern hinreichend Schät zungsunterlagen bestehen (Felix a.a.O., 31 N 5). 3. a) Als Hauptargument legte die Rekurrentin ins Rech t, dass die Rückstellungen einer künftigen Grosssanierung dienen würden. Die ersten grösseren Unterhalts- resp. Renova- tionsarbeiten wurden aber erst im Jahr 2011 durchgefü hrt und können deshalb nicht als Be- gründung für eine Rückstellung per 31. Dezember 2010 dienen. Es fehlt am notwendigen Be- zug zur Vergangenheit, d.h. einem verpflichtenden Ereig nis zwischen den Steuerjahren 2005 bis 2010. In casu wurden über fünf Steuerperioden hin weg Rückstellungen gebildet, die keinem konkreten Projekt zugedacht waren. Die Rekurrentin begrü ndete die Rückstellungen lediglich mit einem in der Zukunft liegenden und zu erwartende n höheren Sanierungsbedarf der Liegen- schaft. Dies reicht gemäss oben zitierter Lehre und Rechtsp rechung nicht aus, um Rückstellun- gen zu rechtfertigen. Ein tatsächlich oder zumindest w ahrscheinlich verursachter, in seiner Hö- he aber noch nicht genau bekannter Aufwand, der geldm ässig erst in einer späteren Periode verwirklicht wird, vermochte die Rekurrentin nicht nachzuw eisen. Künftige Risiken oder Investi- tionen in der Zukunft dürfen nicht mit Rückstellungen a bgedeckt werden. Während der Ver- handlung erläuterte die Rekurrentin ausführlich, dass keine Investitionen resp. Renovationen konkret geplant waren. Die Rekurrentin vermag den Nachw eis der steuermindernden Tatsache deshalb nicht zu erbringen und hat somit die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Seite 8 b) Im Weiteren führte die Pflichtige aus, würden die naturgemäss unregelmässig anfallenden Unterhaltskosten jeweils voll jenem Jahr an gelastet, in dem sie bezahlt würden, ergäben sich von Jahr zu Jahr massive Sprünge beim Ergeb nis. Dazu ist festzuhalten, dass dies eine systemkonforme Auswirkung darstellt. Andernfalls wäre es möglich bei erwarteten künftigen Verlusten in der Gegenwart "Ausgleichsreserven für künftige Verluste" zu bilden. Die- se Möglichkeit der Steueroptimierung ist aufgrund des E rfordernisses der Notwendigkeit einer Rückstellung und des Periodizitätsprinzips nicht zulässig. Let zteres besagt, dass grundsätzlich lediglich die in der Berechnungsperiode effektiv eingetretenen Wertverminderungen der Erfolgs- rechnung belastet werden dürfen (vgl. Mäusli-Allensbach/ Oertli, Das schweizerische Steuer- recht, 5. Aufl., St. Gallen 2008, S. 97; Zöbeli, a.a .O., S. 162). Für laufend vorzunehmende In- vestitionen sind demgemäss eben gerade keine Rückstellungen möglich (vgl. Reich/Züger, in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht I/2a, Art. 29 DBG N 36). 4. a) Eventualiter begehrte die Rekurrentin, die Ver anlagung sei auf Basis des Saldos der Erfolgsrechnung von Fr. 2'071.-- unter Aufrechnung der im Jahr 2010 in die Rückstellung eingelegten Fr. 4'000.-- abzüglich Verlustrechnung von Fr. 6'336.-- vorzunehmen. Zur Begründung führte sie aus, die Bildung von Rückste llungen dürfe nur ab dem Zeitpunkt, ab welchem diese als steuerlich unzulässig erklärt worden sei, aufgerechnet werden, in casu also frühestens ab 2010. b) An sich müsste die Aufrechnung stets rückwirkend auf d en Zeitpunkt erfolgen, in welchem die Ursache für die Passivierung weggefallen ist. In der Praxis wird indes aufgrund der besonderen Natur der Rückstellungen die Auflösung steu erlich in jener Periode vorgenommen, bei deren Veranlagung die Steuerbehörden den Wegfal l der geschäftsmässigen Begründetheit des Passivpostens entdecken. (vgl. Reich/Züger, in: Martin Z weifel/Peter Athanas [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht I/2a, Art. 29 DBG N 49). § 31 Abs. 2 StG sieht vor, dass die Steuerbehörden verlangen können, dass nicht mehr begründete Rückstellungen aufzulösen sind. Aufgrund dieser Bestimmung und den o bigen Ausführungen war die Steuer- verwaltung berechtigt, derartige Rückstellungen aufzurechnen. Unabhängig von diesem Grund- satz, sind bestehende Rückstellungen grundsätzlich an jede m Bilanzstichtag neu zu beurteilen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 64 N 88). W ie bereits erwähnt, wurden die ersten grösseren Sanierungsarbeiten erst im Jahre 2011 in Auft rag gegeben, womit anzumerken bleibt, dass die veranlagende Behörde schon in vergangen en Jahren eine konsequente Auf- Seite 9 rechnung der nicht begründeten Bilanzposten hätte verfo lgen können und sollen (vgl. Klöti- Weber/Siegrist/Weber, a.a.O., § 36 N 33). 5. a) Die Rekurrentin brachte als Argument weiter vo r, dass die Geschäftsmässigkeit der geltend gemachten Rückstellungen in der Vergangen heit immer anerkannt worden sei und mit der nachträglichen einmaligen Aufrechnung der Ein lagen im Jahre 2010 somit faktisch die definitiven Veranlagungen bis 2009 korrigiert würden, was kaum rechtskonform sein könne. Subeventualiter begehrte die Rekurrentin deshalb, dass der gesamte Vorgang wenigstens kon- sequent durchgeführt werden müsse. Dazu seien die frühe ren Steuerjahre, in welchen die Rückstellung gebildet worden sei, neu zu veranlagen, in dem die dem Jahre 2010 belastete Steueraufrechnung zeitgerecht auf die verschiedenen Steuerjahre aufgeteilt würde. b) Die in einer früheren Steuerperiode getroffenen Taxationen entfalten grundsätz- lich keine Rechtskraft für spätere Veranlagungen. Vielmehr kann die Steuerbehörde im Rahmen jeder Neuveranlagung eines Steuerpflichtigen sowohl d ie tatsächliche als auch die rechtliche Ausgangslage vollumfänglich überprüfen und, soweit er forderlich, abweichend würdigen. In Rechtskraft erwächst jeweils nur die einzelne Veranlagung , die als befristeter Verwaltungsakt ausschliesslich für die betreffende Steuerperiode Rechtswi rkungen entfaltet. Die späteren Ver- anlagungen sind daher jederzeit einer erneuten umfas senden Überprüfung zugänglich (Der Steuerentscheid [StE] 2003 B 72.14.2 Nr. 31, E. 4.2). Die Aufrechnung der gebildeten Rückstel- lungen in der Steuerperiode 2010 ist demgemäss korrekt erfolgt und nicht zu beanstanden. Aus all diesen Gründen erweist sich der vorliegende Rekur s als unbegründet und ist abzuwei- sen. 6. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind der Re kurrentin Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 400.-- aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO)). Seite 10 Demgemäss wird erkannt: ://: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Der Rekurrentin werden gemäss § 130 StG i.V.m. § 2 0 VPO die Verfahrenskos- ten in der Höhe von Fr. 400.-- (inkl. Fr. 100.-- pausc haler Auslagen) auferlegt, welche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. 3. Mitteilung an die Rekurrentin (1), die Gemeinde B. (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiber i.V.: v. Q. P. Tran