Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. August 2015 (810 14 349) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Edgar Schürmann, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Parteien A.____ , Beschwerdeführ er , vertreten durch Elisabeth Maier , Advokatin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 1698 vom 11. November 2014) A. Der 1983 in Liestal geborene türkische Staatsang ehörige A.____ besitzt seit Geburt eine Niederlassungsbewilligung. Er wuchs in B.____ auf, wo er auch die obligatorische Schule besuchte. Seit 2001 wohnt er mit seiner Familie in C.____. Mit Urteil vom 23. April 2003 wurde A.____ wegen gr ober Verletzung der Verkehrsregeln sowie mehrfacher einfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Busse von Fr. 1‘000.--, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit einer Probezeit von einem Jahr, verurteilt. Mit Ur teil der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft vom 23. November 2011 wurde A.____ des Fah rens in fahrunfähigem Zustand, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge setz sowie der mehrfachen Wider- handlung gegen das kantonale Gastgewerbegesetz schuldig erklärt und zu einer bedingt voll- ziehbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.-- ve rurteilt, unter Auferlegung einer Probe- zeit von zwei Jahren. Zudem wurde er zu einer Busse von F r. 800.-- verurteilt. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 12. Oktober 2012 wurde A .____ der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung, der einfachen Körperverletzung mit einer Waffe sowie des Angriffs schuldig erklärt und zu einer Freiheitsstrafe von zweiein halb Jahren verurteilt, unter Einrech- nung der Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft seit dem 20. Januar 2012, davon zwei Jahre mit bedingtem Strafvollzug, unter Auferlegung einer Probezeit von drei Jahren. In solidarischer Haf- tung wurde A.____ zudem zu Fr. 2‘244.-- Schadenersatz un d zu Fr. 2‘500.-- Genugtuung zu- züglich Zins zu 5% seit dem 30. September 2011 an D.___ _ verurteilt. Dieses Urteil erwuchs in Rechtskraft. B. Nachdem das Amt für Migration des Kantons Basel-Landsch aft (AfM) A.____ das rechtliche Gehör gewährt hatte, widerrief es mit Verf ügung vom 27. Mai 2014 die Niederlas- sungsbewilligung von A.____ und ordnete dessen Wegweisun g aus der Schweiz an, wobei die Ausreise bis spätestens zum 31. Juli 2014 zu erfolgen hab e. Zur Begründung wurde im We- sentlichen ausgeführt, dass A.____ zu einer zweieinhalbj ährigen Freiheitsstrafe verurteilt wor- den sei. Damit seien der Widerrufsgrund der längerfri stigen Freiheitsstrafe sowie derjenige des Verstosses oder der Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gegeben. Der Be- schwerdeführer könne sich nicht auf das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens berufen. Es fehle auch am Erfordernis einer besonderen intensiven, über eine normale Integra- tion hinausgehenden privaten Bindung gesellschaftlicher oder beruflicher Natur. Die Wegwei- sung erscheine als verhältnismässig und es läge keine überd urchschnittliche Eingliederung in die schweizerischen Verhältnisse vor. Auch sei die Ausreise nicht unzumutbar. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, nunmehr und nachfolgend immer vertreten durch Elisabeth Maier, Advokatin, mit Eingaben vom 4. Juni 2014 und vom 28. Juli 2014 beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsra t) Beschwerde und verlangte die Aufhebung der Verfügung des AfM vom 27. Mai 2014 und die Belassung respektive Verlänge- rung der Niederlassungsbewilligung. Eventualiter sei a ufgrund des Vorliegens eines persönli- chen Härtefalls eine Aufenthaltsbewilligung in der Sch weiz zu erteilen respektive das AfM an- zuweisen, dem Bundesamt für Migration (ab dem 1. Janua r 2015 neu Staatssekretariat für Mig- ration [SEM]) einen entsprechenden Antrag zu unterbre iten; alles unter o/e-Kostenfolge. Im Wesentlichen wurde vorgebracht, die angefochtene Verf ügung sei weder recht- noch verhält- nismässig und trage den im vorliegenden Fall auf dem Sp iel stehenden Interessen nicht ange- messen Rechnung. Der Widerrufsgrund der Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicher- heit gelange nur subsidiär zur Anwendung. Somit liege allenfalls nur der Widerrufsgrund der längerfristigen Freiheitsstrafe vor. A.____ sei Auslände r der “dritten Generation“. Den privaten Interessen sei bei der Interessenabwägung ein ganz erhe bliches Gewicht beizumessen. In strafrechtlicher Hinsicht sei A.____ der Tatbeitrag als Mittäter angerechnet worden, da er sich habe einspannen lassen. Unter den Mittätern habe ihn d as geringste Verschulden getroffen. Im Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht migrationsrechtlichen Kontext werde sodann bestritten, dass A.____ ein besonders schweres Gewaltdelikt zur Last gelegt werden könne. A.____ habe einen absolut gewaltlosen Lebenslauf. Er stehe ausserdem seit sieben Jahren in einer festen Beziehung zu einer Schweizerin und das Paar habe seit Mitte 2011 ernsthaft in Erwägung gezogen zu heiraten. Durch das laufende Ver- fahren werde aber das definitive Zusammenleben blocki ert. A.____ unterstütze seine Partnerin zudem seit geraumer Zeit finanziell. Er könne sich somi t auf das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens stützen. Auch zu seinen Eltern beste he ein sehr intensives Verhältnis. A.____ wohne immer noch im Haushalt der Eltern. Falls die Erkrankung des Vaters einen nega- tiven Verlauf nehme, müsse A.____ schon bald den Familie nbetrieb übernehmen. Bei korrekter Würdigung wiege das öffentliche Interesse an einer Au sweisung nicht besonders schwer. A.____ sei in der Schweiz wirtschaftlich gut integriert u nd habe keinen grossen Bezug zur Tür- kei. D. Mit Beschluss Nr. 1698 vom 11. November 2014 wies der R egierungsrat die Be- schwerde gegen die Verfügung des AfM vom 27. Mai 2014 ab und ordnete an, dass A.____ die Schweiz innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Regierungsratsbeschlusses zu verlassen habe. E. Mit Eingabe vom 18. November 2014 erhob A.____ dag egen beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsge richt), Beschwerde und beantragte, es seien der regierungsrätliche Beschluss vom 11. November 2014 und die Verfügung des AfM vom 27. Mai 2014 aufzuheben und das AfM anzuweisen, dem Beschwerdeführer die Niederlas- sungsbewilligung zu belassen resp. zu verlängern; unte r o/e-Kostenfolge. In der ergänzenden Beschwerdebegründung vom 21. Januar 2015 hielt A.____ an den in der Beschwerde gestell- ten Rechtsbegehren fest und stellte zudem den Antrag, es sei der Beschwerde die aufschie- bende Wirkung zu erteilen und eine Parteiverhandlung durchzuführen. In seiner Vernehmlassung vom 24. März 2015 beantragte der Regierungsrat die kostenpflichti- ge Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 27. März 2015 überwies das Gerichtsp räsidium den Fall der Kammer und ordnete das persönliche Erscheinen des Beschwerdeführers z ur Parteiverhandlung an. Die Be- weisanträge des Beschwerdeführers auf Befragung seiner langjährigen Freundin sowie seiner Eltern als Zeugen bzw. Auskunftspersonen wurden abgewiesen. F. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Beschw erdeführer und seine Rechtsvertreterin sowie E.____ vom AfM als Vertreterin des Regierungsrates teil. Die Parteien halten an ihren in den Rechtsschriften gestellten Rechtsb egehren fest. Auf die Ausführungen der Parteien wird – soweit erforderlich – in den Urte ilserwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da der Be schwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse an die Aufhebung des angefochtenen Entscheide s hat, die übrigen formellen Voraus- setzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind und die Zuständigkeit des Kantonsgerichts sowohl örtlich als auch sachlich gegeben ist, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1. Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländeri nnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständ ige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzl ichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Ertei lung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189; M ARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 3. Auflage, Zürich 2012, Rz 1 ff. zu Art. 3 AuG). Gemäss Art. 3 Abs. 2 AuG wird Ausländerinnen und Ausländern d er Aufenthalt in der Schweiz bewilligt, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen, humanitäre Gründe oder die Vereinigung der Familie es erfordern. 3.2. Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der T ürkei besteht kein Staats- vertrag, der dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf An wesenheit in der Schweiz gewähren würde. Es sind entsprechend die Bestimmungen des AuG, vorbehältlich anderer völkerrechtli- cher Verträge, anwendbar. 3.3. Gemäss Art. 34 Abs. 1 AuG verleiht die Niederlassun gsbewilligung ihrem Inhaber grundsätzlich einen zeitlich unbefristeten und unbedingt en Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. 4.1. Der Beschwerdeführer macht einen Anwesenheitsans pruch aus dem Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens geltend. Der Besch werdegegner verneinte im ange- fochtenen Beschluss einen entsprechenden grundrechtlichen Anspruch, da der Beschwerdefüh- rer erwachsen und kinderlos sei und er über keine Kernfamilie in der Schweiz verfüge. Hinweise auf ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Famili e würden nicht bestehen, da er finanziell unabhängig von seinen Eltern lebe. Damit se i der Schutzbereich dieses Grundrechts nicht eröffnet. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2. Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schu tze der Menschenrechte und Grund- freiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 sowie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverf assung der Schweizerischen Eidgenos- senschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Privat- und Familienle- bens können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufent- halt oder Verbleib in einem andern Staat ableiten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /THOMAS HUGI YAR , Aufent- haltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Ausländerrec ht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, Europäische Grund rechte-Zeitschrift [EuGRZ] 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Diese Garantien kö nnen somit dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit un- tersagt und damit das gemeinsame Familienleben vereit elt wird. Gemäss ständiger bundesge- richtlicher Rechtsprechung müssen die sich hierzulande aufh altenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen. Dies ist insbesonder e der Fall, wenn sie das Schwei- zer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung be sitzen oder über eine Aufenthaltsbewil- ligung verfügen, die ihrerseits auf einem gefestigten R echtsanspruch beruht. Zudem müssen diese Personen zur Kernfamilie (Ehegatte oder im glei chen Haushalt lebende, minderjährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Indessen gehen der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) un d das Bundesgericht in ihrer Rechtsprechung in Fällen von aufenthaltsbeendenden Massn ahmen erwachsener Ausländer der zweiten Generation von einem kombinierten Schutzbere ich von Privat- und Familienleben aus (BGE 130 II 281 E. 3.2.2; BGE 129 II 193 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.4.1; Urteil des EGMR M.P.E.V . et al. gegen die Schweiz [3910/2013] vom 8. Juli 2014 § 32; Urteil des EGMR Ma slov gegen Österreich [1638/03] vom 23. Juni 2008 § 63). Dabei wird nicht verlangt, dass no twendigerweise die Bedingungen für ei- nen allein aus dem Schutz des Privatlebens abgeleiteten Bewilligungsanspruch (überdurch- schnittliche, besondere Integration) vorliegen müssten (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_451/2009 vom 7. Dezember 2009 E. 2.2 ). Nach der Rechtsprechung fallen die sozialen Bindungen eines Ausländers im Aufenthaltssta at und zur Gemeinschaft, in der er lebt – insbesondere wenn er im Aufenthaltsstaat gebo ren wurde –, in den Schutzbereich des Privatlebens. Unabhängig vom Bestehen eines Familienlebens wird deshalb bei im Aufenthalts- staat geborenen und aufgewachsenen (erwachsenen) Ausländ erinnen und Ausländern der zweiten Generation insbesondere dann ein Anspruch aus der kombinierten Garantie des Privat- und Familienlebens angenommen, wenn eine aufenthaltsbeendende Massnahme die Trennung von den hier lebenden Eltern und Geschwistern bedeutet (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; 2C_1193/201 3 vom 27. Mai 2014 E. 2.2; 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4; Urteil des EGMR Emre gegen die Schweiz [42034/04] vom 23. Juni 2008 § 60; Urteil des EGMR Ü ner gegen die Niederlande [46410/99] vom 18. Oktober 2006 § 59; M ARTIN BERTSCHI /T HOMAS GÄCHTER , Der Anwesenheitsanspruch aufgrund der Garantie des Privat- und Familienlebens, Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 2003, S. 231; Urteile des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 4. März 2015 [810 14 305] E. 3.4 ff.; vom 4. März 2015 [810 14 255] E. 4.4.1) 4.3. Bereits die Mutter des Beschwerdeführers wurde nach Angaben des Beschwerdefüh- rers in der Schweiz geboren. So hält der Regierungsrat in seinem Beschluss auch fest, dass der Beschwerdeführer ein in der Schweiz geborener Auslän der “dritter Generation“ sei. Die El- tern, die Schwester und beinahe die gesamte Verwandt schaft sowie der Bekanntenkreis des Beschwerdeführers wohnen in der Schweiz. Die Mutter, d er Vater und die Schwester des Be- schwerdeführers besitzen das Schweizer Bürgerrecht. Auf Frage antwortet der Beschwerdefüh- rer anlässlich der heutigen Verhandlung, seine Eltern w ürden seit dem Jahre 1980 in der Schweiz leben und er besitze seit Geburt die Niederlassung sbewilligung. Seine Eltern hätten sich einbürgern lassen, als gegen ihn das Verfahren betr effend Strassenverkehrsdelikte hängig gewesen sei. Ihm sei mitgeteilt worden, dass er deshalb k eine Chance auf Einbürgerung habe, weshalb er damals den Antrag auf Einbürgerung nicht gestellt habe. Der Beschwerdeführer ist zweifelsohne “zumindest“ als Ausl änder der zweiten Generation zu bezeichnen. Er ist in F.____ geboren und in B.____ au fgewachsen, wo er auch die obligatori- sche Schulzeit absolviert hat. Seit dem Wegzug von B.____ wohnt er in C.____. Er hat in der Schweiz das Eidgenössische Wirtepatent erlangt. Aus den V erfahrensakten und der heutigen Parteiverhandlung geht hervor, dass die Beziehung zumindest zu seinen Eltern gelebt wird. Die aufenthaltsbeendende Massnahme würde die Trennung von den hier lebenden Eltern und der hier lebenden Schwester bedeuten. Der Beschwerdeführe r kann sich folglich auf seinen An- spruch aus dem kombinierten Schutzbereich von Privat- un d Familienleben gemäss Art. 8 Abs. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berufen. Es kann fol glich offen bleiben, ob sich der Be- schwerdeführer auf diesen Anspruch auch aufgrund seiner langjährigen Beziehung zu seiner Partnerin, welche Schweizerbürgerin ist, berufen kann. 4.4 Zusammenfassend kann sich der Beschwerdeführer vorliege nd somit auf den durch die Niederlassungsbewilligung im Rahmen des Ausländerge setzes gewährten Rechtsanspruch auf Aufenthalt in der Schweiz sowie auf das Grundrec ht auf Achtung des Privat- und Familien- lebens berufen. 5.1. Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf Aufenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privat- und Fam ilienleben absolut. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist selbst dann möglich, wenn die ausländische Person in der Schweiz geboren wurde und ihr ganzes bisheriges Leben hie r zugebracht hat (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 139 I 16 E. 2.2.1). 5.2. Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mi t Art. 62 lit. b AuG kann die Nieder- lassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer zu einer län- gerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Das B undesgericht hat das Kriterium der Län- gerfristigkeit der Strafe in diesem Kontext dahingehe nd konkretisiert, dass es einer Freiheits- strafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere u nterjährige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 137 II 297 E. 2; BGE 135 II 377 E. 4.2). Keine Rolle spielt, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (Urteil des Bundes- gerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerruf ist ebenfalls möglich, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen d ie öffentliche Sicherheit und Ord- nung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder dies e gefährdet hat (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Die Praxis geht hiervon aus, wenn sie durch ihr H andeln besonders hochwertige Rechts- güter verletzt oder in Gefahr gebracht hat, sich von str afrechtlichen Massnahmen nicht beein- drucken lässt und sich im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die Rechtsordnung zu halten (BGE 137 II 297 E. 3; Urteil des BGer 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.2). Aus beiden Gründen kann die Nieder- lassungsbewilligung auch bei Ausländern widerrufen werd en, die sich seit mehr als fünfzehn Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK darf in das durch Ziff. 1 gesch ützte Rechtsgut eingegriffen werden, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen ist und eine Ma ssnahme darstellt, die in einer demo- kratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirt- schaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ordnun g und zur Verhinderung von strafba- ren Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral so wie der Rechte und Freiheiten an- derer notwendig ist. 5.3.1. Der Regierungsrat kommt in seinem Entscheid zum Schluss, dass der Widerrufsgrund Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit . b AuG aufgrund der Verurteilung des Be- schwerdeführers zu zweieinhalb Jahren gegeben ist. Er fü hrt aus, dass die Art der Verurteilung und die Form der Tatbegehung bei der Beurteilung, o b ein Widerrufsgrund vorliege, nicht be- rücksichtigt werden könne. Der Umstand, dass der Beschwerdef ührer in Mittäterschaft gehan- delt habe, werde (allenfalls) bei der ermessensweisen P rüfung des Widerrufes der Niederlas- sungsbewilligung sowie bei der Beurteilung der Verhält nismässigkeit der Wegweisung berück- sichtigt. 5.3.2. Der Beschwerdeführer erklärt in seiner Beschwer de an das Kantonsgericht, der Regie- rungsrat führe in seinem Entscheid aus, dass die Form der Tatbegehung nicht berücksichtigt werden könne. Grundsätzlich könne diese formale Betra chtungsweise in Erwägung gezogen werden. Da die Vorinstanz diesen Standpunkt aber mit ke inen Fundstellen aus der Rechtspre- chung oder der Literatur belege, werde der Standpunkt der Vorinstanz bestritten und auch vor Kantonsgericht bestritten, dass der Widerrufsgrund des Ar t. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG vorliege. Dem Beschwerdeführer sei strafrechtlich als Mittäter das Verhalten anderer Beteiligter bei einer Auseinandersetzung zweier Gruppen angerechnet worden. Im um- fangreichen Beweisverfahren hätten dem Beschwerdeführe r keine einzige Körperverletzung und auch kein Waffenbesitz zugeordnet werden können. I n strafrechtlicher Hinsicht sei ihm der Tatbeitrag als Mittäter angerechnet worden, da er sich primär habe einspannen lassen, aber seine Rolle – so das Strafgericht – offenbar darin ges ehen habe, den anderen den Rücken frei zu halten. Es sei sodann festgestellt worden, dass ihn unt er den Mittätern das geringste Ver- schulden getroffen habe. Dass sein eigener Tatbeitrag sich vergleichsweise bescheiden ausge- nommen habe, sei zwar zu berücksichtigen, helfe dem Beschwe rdeführer aber nur beschränkt, da er sich aufgrund der mittäterschaftlichen Tatbegehu ng grundsätzlich auch die Handlungen seiner Mittäter als seine eigenen anrechnen lassen müsse. Weiter sei zu beachten, dass die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Strafe teilbedingt und zwar bei einem bedingten Stra fanteil von zwei Jahren ausgefallen sei. Der Beschwerdeführer sei für sein wohl unkritisches Verhal ten im Zusammenhang mit den Vor- gängen, die zur Verurteilung geführt hätten, strafrech tlich zu einer beinahe gleich hohen Strafe wie die anderen Beteiligten verurteilt worden. Das S trafgericht habe in diesem Zusammenhang festgestellt, dass der Umstand, dass sich sein eigener Tatb eitrag “vergleichsweise bescheiden ausgenommen“ habe, zwar zu berücksichtigen sei, dem Beschwerdeführer aber nur beschränkt helfe. Im migrationsrechtlichen Kontext werde dagegen bestritten, dass dem Beschwerdeführer bei dieser Konstellation ein – wie im vorliegenden Ver fahren erforderlich – besonders schweres Gewaltdelikt zur Last gelegt werden könne. 5.4.1. Das Bundesgericht hat sich mit der Frage auseina ndergesetzt, was unter längerfristiger Freiheitsstrafe gemäss Art. 62 lit. b AuG zu verstehen sei (BGE 135 II 376 f. E. 4.2, mit weiteren Hinweisen). Es führt aus, dass sich zu dieser Frage sowohl d as Gesetz als auch die Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vo m 8. März 2002 ausschweigen (Bundesblatt [BBl] 2002 3709 ff., insb. 3810). Die vorberatende Kommission des Nationalrates habe diese offene Formulierung als problematisch erach tet, da sie zu einer unterschiedlichen Interpretation in den Kantonen und mithin zu Rechtsun gleichheiten führen könne. Die Kommis- sionsmehrheit habe daher dem Nationalrat vorgeschlagen, den unbestimmten Begriff der "län- gerfristigen Freiheitsstrafe" zu vermeiden und stattdessen die Formulierung "wenn die Auslän- derin oder der Ausländer zu einer Freiheitsstrafe von zwö lf Monaten oder wiederholt zu einer kurzen Freiheits- oder Geldstrafe verurteilt wurde" in den Gesetzestext aufzunehmen. Die eid- genössischen Räte hätten dies jedoch aufgrund eines entspr echenden Antrags des Bundesra- tes ablehnt. Dieser habe sinngemäss damit argumentiert, dass der von der Kommission vorge- schlagene Wortlaut zu starr sei, während der Begriff "längerfristig" eine flexible, den Umständen des Einzelfalls und dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit gerecht werdende Auslegung er- laube. In der Lehre werde dagegen die Ansicht vertreten, dass die Auslegung eines unbestimm- ten Rechtsbegriffes nicht mit der Frage der Verhältni smässigkeit einer Massnahme vermengt werden dürfe. Der Terminus "längerfristig" sei daher vo n der Rechtsprechung klar und vom konkreten Anwendungsfall losgelöst zu definieren. Hier bei rechtfertige es sich, auf einen Grenzwert von einem Jahr abzustellen, zumal ab dieser S trafhöhe die Geldstrafe als Sankti- onsart ausscheide und ausschliesslich eine Freiheitsstrafe a usgesprochen werden könne. Die genannten Lehrmeinungen würden überzeugen: Dass auslän derrechtliche Fernhaltemassnah- men stets dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu genüge n haben, ergebe sich bereits aus Art. 96 Abs. 1 AuG, welcher die behördliche Ermessensausübung regelt, sowie aus Art. 8 Ziff. 2 EMRK. Es sei daher nicht erforderlich, die Auslegung von Art. 62 lit. b erster Satzteil AuG von den Umständen des Einzelfalls abhängig zu machen. Vielm ehr erscheine es im Interesse der Rechtssicherheit und einer einheitlichen Anwendung des B undesrechts als geboten, den ge- nannten Widerrufsgrund in einer allgemeingültigen W eise zu präzisieren und einen feststehen- den Grenzwert zu bestimmen, ab wann eine Freiheitsstra fe als "längerfristig" im Sinne des Ge- setzeswortlauts zu gelten hat. Hierbei würden die strafr echtlichen Normen über das zulässige Mass der verschiedenen Sanktionen als geeigneter Anknüpfun gspunkt erscheinen: Es leuchte ein, dass eine Freiheitsstrafe kaum als "längerfristig" zu bezeichnen sei, wenn sie sich in einem Rahmen bewege, der grundsätzlich auch die Verurteilung zu einer Geldstrafe zugelassen hätte. Anders sei dagegen dort zu entscheiden, wo aufgrund d es hohen Strafbedürfnisses keine Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wahlmöglichkeit zwischen Freiheitsstrafe und Geldstrafe me hr besteht, sondern als Sanktion zwingend eine Freiheitsstrafe auszusprechen ist. Gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB sei dies der Fall, wenn die Dauer der auszusprechenden Strafe ein Jahr bzw. 360 Tage überschreite. Ein Wider- rufsgrund i.S.v. Art. 62 lit. b erster Satzteil AuG (g egebenenfalls in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG) liege daher vor, wenn gegen eine a usländische Person eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr ausgesprochen worden sei. In jedem Fall rechtfertige sich ein Widerruf bzw. die Nichtverlängerung der Bewilligung aber nur, w enn die jeweils im Einzelfall vorzuneh- mende Interessenabwägung die entsprechende Massnahme au ch als verhältnismässig er- scheinen lasse. Dabei seien namentlich die Schwere des V erschuldens, der Grad der Integrati- on bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie di e dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen. Die Notwendigkeit einer Verhältnismässigkeitsprüfung ergebe sich auch aus Art. 8 Ziff. 2 EMRK: Danach sei ein Eingriff in das von Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Familienleben dann statthaft, wenn er gesetzl ich vorgesehen sei und eine Mass- nahme darstelle, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öf- fentliche Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ordnung oder zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der G esundheit und Moral sowie der Rechte und Freiheiten anderer notwendig erscheine. Bei der Interessenabwägung im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK seien unter anderem die Schwer e des begangenen Delikts zu berück- sichtigen. 5.4.2. Die Begründung des Bundesgerichts, dass der Ter minus "längerfristig" losgelöst vom konkreten Anwendungsfall zu definieren sei, weil er al s unbestimmter Rechtsbegriff nicht mit der Frage der Verhältnismässigkeit einer Massnahme verme ngt werden dürfe, kann nur dazu führen, dass auch die Art der durch die Straftat verlet zten Rechtsgüter und die Tatbeteiligung des Straftäters nicht entscheidend sein können für die Fr age, ob der Widerrufsgrund erfüllt ist. Massbeglich für die Frage, ob ein Widerrufsgrund infol ge einer längerfristigen Freiheitsstrafe gegeben ist, ist somit nur das Vorliegen einer mindeste ns einjährigen Freiheitsstrafe. Die Art der verletzten Rechtsgüter, die Beteiligungsart des Str aftäters, die Tatumstände und die Länge der um ein Jahr überschreitenden Freiheitsstrafe sind an schliessend und ausschliesslich bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit bzw. bei der Ermessensausübung zu berücksichtigen. 5.5. Der Beschwerdeführer wurde gemäss rechtskräftigem St rafgerichtsurteil vom 12. Okto- ber 2012 zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurtei lt, demzufolge liegt den obigen Ausfüh- rungen entsprechend – entgegen der Ansicht des Beschwerd eführers – ein Widerrufsgrund im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Ar t. 62 lit. b AuG vor. Ob sein Verhalten zu- gleich als schwerwiegender Verstoss gegen die öffentlich e Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten ist, bedarf – wie der Regierungsrat korrekt festgehalten hat – keiner näheren Betrachtung, weil dieser Wider rufsgrund nur dann zur Anwendung kommt, wenn es an den Voraussetzungen für einen Widerruf aufgrund der Verurteilung zu einer länger- fristigen Freiheitsstrafe fehlt (vgl. BGE 135 II 377 E . 4.2; Urteil des BGer 2C_888/2012 vom 13. März 2013 E. 3; 2C_1029/2011 vom 10. April 2012 E. 3.1). In der vorliegenden Konstellati- on kommt ihm somit nur subsidiäre und damit keine ent scheidwesentliche Bedeutung zu. Der gesetzliche Anwesenheitsanspruch ist damit grundsätzlich er loschen. Die Verurteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe rechtfertigt dem Grun dsatz nach gleichzeitig einen Eingriff in den Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht grundrechtlich begründeten Anwesenheitsanspruch, denn de r angefochtene Entscheid stützt sich auf eine gesetzliche Grundlage und bezweckt die Aufr echterhaltung der öffentlichen Ord- nung sowie die Verhinderung weiterer strafbarer Hand lungen. Er verfolgt damit öffentliche Inte- ressen, die in Art. 8 Ziff. 2 EMRK ausdrücklich erwähnt sind. 6.1. Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG führt – wie bereits festgehal- ten – nicht zwingend zum Entzug der Niederlassungsbewill igung. Vielmehr rechtfertigt sich der Widerruf und die damit verbundene Wegweisung (vgl. Ar t. 64 Abs. 1 lit. c AuG) nach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Massnahme im Einzelfall gestützt auf eine umfassende Gü- terabwägung verhältnismässig erscheint. Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berück- sichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sor gfältig gegeneinander abzuwägen (MARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 51 Rz. 3; A NDREAS ZÜND /LADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/ Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 8.48). Verlangt ist inso- fern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen am Belassen der Bewil- ligung und der öffentlichen Interessen an deren Widerruf, wobei Letztere in dem Sinne überwie- gen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinwei- sen). Zur Beurteilung der Frage, ob dies der Fall ist, sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat ver gangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integrati on bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und seiner Familie drohend en Nachteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_1033/2 013 vom 4. Juli 2014 E. 4.3). Die Nie- derlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar nur mit besonderer Zurückhaltung widerrufen werden, doch ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn er hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat (vgl. z.B. da s Urteil des BGer 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.3 [Widerruf der Niederlassu ngsbewilligung eines hier geborenen, wiederholt straffällig gewordenen 43-jährigen Türken ]). Bei schweren Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz, insbesondere bei Gewalt- u nd Betäubungsmitteldelikten, besteht ein wesentliches öffentliches Interesse, zur Aufrechterhaltun g der Ordnung bzw. Verhütung von (weiteren) Straftaten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 137 II 233 nicht publizierte E. 3.1). Was das Fernhalte interesse anbetrifft, so muss gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei schweren Strafta ten – wozu auch gravierende Delikte gegen Leib und Leben gehören – selbst ein geringes Re strisiko weiterer Delinquenz nicht in Kauf genommen werden (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 13 0 II 176 E. 4.2 - 4.4 mit Hinweisen). In diesem Zusammenhang ist auch auf die Bestimmungen von A rt. 121 Abs. 3 - 6 BV hinzuwei- sen. Gemäss diesen Bestimmungen verlieren Ausländerinne n und Ausländer unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufent- halt in der Schweiz, wenn sie unter anderem wegen eines "Gewaltdelikts" rechtskräftig verurteilt worden sind (Art. 121 Abs. 3 lit. a BV). Zwar sind die se Verfassungsbestimmungen gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht direkt anwendb ar, das Bundesgericht hat aber fest- gehalten, der vom Verfassungsgeber zum Ausdruck gebrachte n Wertung sei insoweit Rech- nung zu tragen, als dies zu keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht bzw. zu keinen Kon- flikten mit dem Beurteilungsspielraum führe, den der E GMR den einzelnen Konventionsstaaten Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der Umsetzung ihrer Migrations- und Ausländerpolit ik zugestehe (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 139 I 16 E. 5.3). Gleich wie Art. 96 Abs. 1 AuG verlangt auch die EMRK in diesem Zu- sammenhang eine Abwägung der sich gegenüberstehenden pr ivaten Interessen an der Belas- sung der Niederlassungsbewilligung und den öffentliche n Interessen an deren Widerruf. Der EGMR stützt sich bei der Beurteilung der Zulässigkeit aufe nthaltsbeendender Massnahmen im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK auf die gleichen Aspekte wie die bundesgerichtliche Praxis (ZÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 13; BGE 139 I 31 E. 2.3.3). Daraus folgt, dass eine Massnahme, die sich im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG als verhältnismässig erweist, grundsätzlich auch vor Art. 8 EMRK standhält (vgl. Urteil des BGer 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 4). 6.2. Somit bleibt nachfolgend anhand der dargelegten Rechtslage zu prüfen, ob unter Be- rücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Fal les die öffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbewilligung die privaten In teressen des Beschwerdeführers an ei- nem Verbleib in der Schweiz überwiegen. 7.1. Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz geboren un d aufgewachsen und lebt somit seit über 32 Jahren in der Schweiz. Bis im Jahr 2001 hat er in B.____ gelebt, wo er auch seine gesamte Schulzeit verbracht hat. Anschliessend ist er mit seiner Familie nach C.____ gezogen, wo er jetzt noch mit seiner Familie lebt. Nach Absolvi erung der obligatorischen Schule war er in den durch die Familie geführten Restaurationsbetrieben engagiert. 2001 erlangte er das Eidge- nössische Wirtepatent und war seither an verschiedenen S tellen in verschiedenen Betrieben tätig. In der Zeit von 2004 bis 2010 arbeitete er zusä tzlich als Sicherheitsdienstmitarbeiter. Seit dem 3. März 2014 ist er gemäss Arbeitsvertrag vom 21. Februar 2014 und gemäss dem anläss- lich der Verhandlung eingereichten Zwischenzeugnis vom 1 4. August 2015 mit einem 100% Pensum als Büromitarbeiter bei der Firma G.____ GmbH in Basel angestellt. Der Beschwerde- führer spricht Schweizerdeutsch und bezeichnet in seinem mit der Stellungnahme vom 7. April 2014 an das AfM eingereichten Lebenslauf Deutsch als sein e 1. Muttersprache und Türkisch als seine 2. Muttersprache. Die Eltern, die Schwester, weitere 30 Familienmitglieder, seine langjährige Schweizer Freundin H.____ und sein Bekann tenkreis leben in der Schweiz. Die grosse Mehrheit der 30 Familienmitglieder besitzt das Schweizer Bürgerrecht. Der Beschwerde- führer war nie auf Arbeitslosengelder angewiesen und musste auch nicht auf andere Weise von der öffentlichen Hand unterstützt werden. Er verfügt gemäss Betreibungsregisterauszug für den Zeitraum vom 1. Januar 1992 bis 14. Mai 2014 abgesehen von einer Betreibung über Fr. 361.60 über einen ungetrübten betreibungsrechtlich en Leumund. Die Eltern des Beschwer- deführers erklären in ihrem Schreiben vom 21. Juli 201 4, vor Jahren in C.____ die Liegen- schaft, in welcher sich das Restaurant I.____ befinde, ge kauft und renoviert zu haben und das Restaurant selber zu führen. In dieser Liegenschaft würd en sie und ihr Sohn leben. Ihr Sohn könne nach ihrer Pensionierung bzw. schon früher, wenn da s Krebsleiden des Vaters des Be- schwerdeführers negativ verlaufen sollte, den Betrieb üb ernehmen. Im Schreiben vom 13. Juni 2014 an den Regierungsrat bittet die Gemeindeverwalt erin der Gemeinde J.____, K.____, auf den Wegweisungsentscheid zurückzukommen. In diesem Schreiben erklärt sie, die Familie des Beschwerdeführers seit mehr als 20 Jahren zu kennen und zu der ganzen Familie einen sehr engen Kontakt zu pflegen. Die Familie sei in der Schwei z “sehr integriert“. In der Türkei leben zwar vier weitere Familienmitglieder, gemäss den Angabe n des Beschwerdeführers besteht Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber zu diesen kein Kontakt. Der Beschwerdeführer war bisher nach eigenen Angaben fünf Mal in der Türkei, drei Mal um dort Ferien zu verbringen, einmal um die Augen zu lasern und einmal um die Leiche eines türkischen Kollegen in die Türkei z u überführen und sie beerdigen zu las- sen. Viele der vom Beschwerdeführer genannten Bekannten und Freunden in der Schweiz tra- gen einen Familiennamen, der auf einen türkischen Mig rationshintergrund schliessen lässt. Ei- ne Verbundenheit zu der Türkei und der türkischen Kult ur ist aufgrund der gesamten Umstände zweifelsohne gegeben. Wie er selber mitteilt, ist die Schweiz aber seine Heimat. Aufgrund der ganzen Umstände ist die Verbundenheit zur Schweiz um ein vielfaches stärker als jene zur Tür- kei. Aufgrund der lebenslangen Anwesenheitsdauer in der Schweiz, der familiären Situation, der Beziehungsverhältnisse, der Arbeits- und Ausbildungssituati on, der Integration (mit Ausnahme der begangenen Straftaten), der finanziellen Lage, d er Sprachkenntnisse und des persönlichen Umfeldes, sind die privaten Interessen des Beschwerdefüh rers, in der Schweiz bleiben zu kön- nen, äusserst hoch zu gewichten. 7.2.1. Das öffentliche Interesse am Widerruf der Niede rlassungsbewilligung und Wegweisung liegt in der Delinquenz des Beschwerdeführers. 7.2.2. Aus der vom Beschwerdegegner erstmals anlässlich der Parteiverhandlung eingereich- ten Urteilsliste ist ersichtlich, dass je ein Verfahren geg en den Beschwerdeführer wegen Dro- hung und Tätlichkeit und wegen Tätlichkeit und Körperv erletzung am 19. Januar 2001 bzw. am 27. April 1998 eingestellt wurde. Wegen unberechtigten Verwendens eines Motorfahrrades bzw. Verletzung sonstiger SVG-Bestimmungen wurde der Beschwerdeführer am 11. November 1998 zur Erbringung einer Arbeitsleistung von 4 halben Tagen verpflichtet. Wegen der Entwendung eines Fahrrades zum Gebrauch wurde er am 9. Oktober 200 0 zur Bezahlung einer bedingten Busse von Fr. 100.-- verurteilt. Am 4. März und am 24. März 1994 wurde er wegen Diebstahls zu jeweils einer Arbeitsleistung von 3 halben Tagen verpf lichtet. Die Verfahren im Zusammen- hang mit Drohung, Tätlichkeit und Körperverletzung wurden eingestellt. Bei den nicht eingestell- ten Verfahren handelt es sich um geringfügige Delikte, welche nicht der Kategorie Gewalt- oder Betäubungsmitteldelikte angehören, und für die der Be schwerdeführer gesamthaft zur Erbrin- gung einer Arbeitsleitung von 10 halben Tagen und ein er Busse von Fr. 100.-- verurteilt wurde. Überdies liegen diese alle über 14 Jahre zurück. Zudem h at der Beschwerdeführer diese als Minderjähriger begangen. Diese können somit im vorlieg enden Fall als unbeachtlich qualifiziert werden. Die Frage, ob diese Liste nicht verspätet einge reicht worden ist, kann folglich offen gelassen werden. 7.2.3. Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil vom 23. A pril 2003 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln sowie mehrfacher einfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer beding- ten Busse von Fr. 1‘000.-- verurteilt. Mit Urteil vom 23. November 2011 wurde er wegen Fahren in fahrunfähigem Zustand, mehrfacher Widerhandlung g egen das Betäubungsmittelgesetz so- wie mehrfacher Widerhandlung gegen das kantonale Gastg ewerbegesetz zu einer bedingt voll- ziehbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.-- und einer Busse von Fr. 800.-- verurteilt. Wie aus dem Journal der Polizei ersichtlich ist, kam es zu der Verurteilung wegen Fahren in fahrunfähigem Zustand und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgrund einer Verkehrskontrolle vom 13. März 2011, be i welcher beim Beschwerdeführer ein Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Drogenschnelltest durchgeführt wurde, der auf THC und K okain positiv verlief. Der Drägertest ergab einen Wert von 0.13 Promille. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 12. Oktober 2012 wurde der Beschwerdeführer der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung, der ein fachen Körperverletzung mit einer Waffe sowie des Angriffs schuldig erklärt und zu einer Fr eiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt, davon zwei Jahre mit bedingtem Strafvollzug , unter Auferlegung einer Probezeit von drei Jahren. Gemäss Strafgerichtsurteil vom 12. Oktober 2012 wog das Verschulden der Be- schuldigten 1 bis 4 (der Beschwerdeführer war der Beschul digte 4) ausserordentlich schwer. Fusstritte und Schläge mit einer Schlagrute gegen den K opf würden das Risiko verheerender Verletzungen mit Todes- oder lebenslangen Verletzungsf olgen bergen und müssten als beson- ders gravierend und verwerflich bezeichnet werden. Die Beschuldigten 1 bis 4 hätten planmäs- sig gehandelt, indem sie sich in Absicht, ihre Opfer zu ver prügeln, formiert hätten, ihre Opfer abgepasst, diese verfolgt und sie schliesslich mit unerbit tlicher Härte verdroschen hätten. Ihr Verschulden wiege umso schwerer, als sie ihren Opfern nic ht nur in Überzahl (vier Angreifer, zwei Angegriffene) gegenüber getreten seien, sondern m it den Beschuldigten 3 und 4 (und so- mit u.a. mit dem Beschwerdeführer) zwei kampftüchtige S ecurity-Leute sowie überdies eine gefährliche Schlagwaffe auf ihrer Seite gewusst hätten. Weiter ist im Strafurteil zu lesen, dass den Beschwerdefü hrer unter den vier Mittätern das ge- ringste Verschulden treffe. Indessen habe auch er sich in Kenntnis des gemeinsamen Vorha- bens in dieses einspannen lassen und sei bis zuletzt bei d er Gruppe der Mittäter geblieben, wenngleich sein Tatbeitrag in jeder Phase der Vergelt ungsaktion am bescheidensten ausgefal- len sei. Insbesondere hätte er während den eigentlich en Kampfhandlungen längst nicht in der Weise zugelangt wie es ihm “als Security-Mann“ ohne w eiteres möglich gewesen wäre. Auch er habe – ähnlich wie der Beschuldigte 3 – seine Rolle of fenbar primär darin gesehen, den Be- schuldigten 1 und 2 den Rücken freizuhalten und diese möglichst ungestört Vergeltung üben zu lassen. Dem Tat- und Täterverschulden des Beschwerdeführers entspreche eine Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren. Dass sein eigener Tatanteil sich verglei chsweise bescheiden “ausnahm“, sei zwar zu berücksichtigen, helfe dem Beschwerdeführer aber nur beschränkt, da er sich aufgrund der mittäterschaftlichen Tatbegehung grundsätzlich auch d ie Handlungen seiner Mitttäter als seine eigenen anrechnen lassen müsse. Die Beschuldigten 1 und 2 wurden jeweils zu einer Frei heitsstrafe von 3 Jahren, der Beschul- digte 3 zu einer von 2 ¾ Jahren und der Beschwerdeführ er zu einer von 2 ½ Jahren verurteilt. Bei allen vier Beschuldigten wurde der bedingte Strafv ollzug jeweils im Rahmen von 2 Jahren gewährt. 7.2.4. Eine Minderheit des Gerichts kommt zum Schluss, d ass das Verschulden im auslän- derrechtlichen Verfahren anders als im strafrechtlichen beurteilt werden kann und im vorliegen- den ausländerrechtlichen Verfahren das Verschulden des Be schwerdeführers als geringer als im strafrechtlichen Verfahren zu bewerten ist, da er sich aufgrund der mittäterschaftlichen Tat- begehung grundsätzlich auch die Handlungen seiner Mittä ter als seine eigenen anrechnen las- sen musste und sein Tatanteil sich im Vergleich zu demje nigen Tatanteil der anderen Beschul- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht digten vergleichsweise bescheiden gestaltete. Eine weitere Minderheit des Gerichts kommt zum Schluss, dass im Strafgerichtsurteil bei der Frage der S trafzumessung die Schwere der durch den Beschwerdeführer begangenen Tat und seines Verschuldens nicht genügend beurteilt wur- den. Dies könne dem Beschwerdeführer nicht zum Nachteil gereichen. Der Beschwerdeführer wurde zu einer teilbedingten Strafe verurteilt. Dies zeigt, dass das Straf- gericht dem Beschwerdeführer keine schlechte Prognose ges tellt hat, ansonsten (bei der Vor- strafe von 60 Tagessätzen) keine teilbedingte Strafe hät te ausgesprochen werden dürfen. Aus den Akten und auch anlässlich der heutigen Verhandlung hat der Beschwerdeführer – wie die Vorinstanzen festhalten – bedauerlicherweise zwar nie se in Bedauern ausgesprochen, den zwei Opfern Leid zugefügt zu haben, ausserdem wurde ih m vorgeworfen, die Tat bagatellisiert zu haben. Er hat jedoch glaubwürdig wiederholt, dass seine Lebensqualität und diejenige seiner Eltern und seiner Freundin durch die Straftat und de ren Folgen stark beeinträchtigt worden sei und er alles daran setze, nie mehr eine derartige Stra ftat zu begehen. Des Weiteren war der Beschwerdeführer vor der Verurteilung vom 12. Oktober 2012 nie wegen Gewaltdelikten verur- teilt worden. Zudem hat sich der Beschwerdeführer seit der Entlassung aus der Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft im Jahr 2012 nichts zu Schulden kommen lassen. 7.3. Die Mehrheit des Gerichts kommt zum Schluss, dass bei e iner Gesamtwürdigung die privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz höher zu gewichten sind, als die öffentlichen Interessen am Widerruf der N iederlassungsbewilligung und an der Wegweisung. Dabei haben vor allem die Tatsache, dass d er Beschwerdeführer sein ganzes Leben hier verbracht hat, seine Eltern, seine Schwester und die Mehrheit seiner Verwandten hier wohnen und abgesehen von der begangenen Straftat , – welche keinesfalls verharmlost werden darf, – als gut integriert zu gelten hat, den Ausschlag gegeben. In Anbetracht der ge- samten Umstände erweist sich der Widerruf der Niederlas sungsbewilligung somit nicht als ver- hältnismässig. 8. Gemäss Art. 96 Abs. 2 AuG können Ausländerinnen und Ausländer unter Androhung einer Massnahme verwarnt werden, wenn diese begründet, aber nach den Umständen nicht angemessen ist (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 2C_446/2014 vom 5. März 2015 E. 4). Die vom Beschwerdeführer begangene Straftat richtet sich geg en die Rechtsgüter “Leib und Le- ben“, ist nicht von unbeachtlicher Schwere und keinesfalls zu verharmlosen. Die Tatsache, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung als unverh ältnismässig qualifiziert wird, liegt im vorliegenden Fall darin, dass die privaten Interessen des Beschwerdeführers aufgrund seiner Eigenschaft als Ausländer der zweiten Generation, der An wesenheit seiner eingebürgerten Fa- milie und des grossen Teils seiner Verwandtschaft, seine r beruflichen und wirtschaftlichen In- tegration als besonders hoch gewichtet wurden. In Anbet racht der gesamten Umstände recht- fertigt es sich, anstelle des Widerrufs den Beschwerdefü hrer gestützt auf Art. 96 Abs. 2 AuG förmlich zu verwarnen, was hiermit erfolgt. Sollte der Beschwerdeführer danach erneut in rele- vanter Weise straffällig werden oder in relevanter We ise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährden oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährden und damit das durch das Gericht in ihn gesetzte Vertrauen Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht missbrauchen, muss er trotz seiner langen Anwesenheit mit dem Widerruf seiner Niederlas- sungsbewilligung rechnen. 9.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gest ützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Ver- bindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskoste n in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Da den kantonalen Behörden gemäss § 20 Abs. 3 und 4 VPO nur Verfahrens- kosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen, werden keine Ver- fahrenskosten erhoben. 9.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden. In ihrer Honorarnote vom 27. April 2015 macht die Rechtsvertreterin des Be- schwerdeführers für die Zeit vom 18. November 2014 bis 8. April 2015 einen Aufwand von 8 Stunden und 15 Minuten à Fr. 250.-- sowie Spesen in der Höhe von Fr. 113.-- geltend. In ihrer Honorarnote vom 19. August 2015 stellt sie für den Zeit raum vom 18. Mai 2015 bis 18. August 2015 einen Aufwand von 2 Stunden und 15 Minuten à Fr . 250.-- und Spesen in der Höhe von Fr. 4.-- in Rechnung. Beide Honorarnoten sind nicht zu beanstanden. Für die heutige Parteiver- handlung und die Vorbereitung derselben werden der Rechtsvertreterin 3.5 Stunden zugespro- chen. Der Regierungsrat hat demzufolge dem Beschwerdefüh rer eine Parteientschädigung von Fr. 3‘906.30 (14 Stunden à Fr. 250.-- inklusive Fr. 11 7.-- Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regieru ngsratsbeschluss Nr. 1698 vom 11. November 2014 aufgehoben. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägunge n ausländerrecht- lich verwarnt. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 3‘906.35 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin