Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 18. Januar 2017 (810 16 158) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Berechnung der Dauer des ehelichen Zusammenlebens bei zwei Ehen / Eheliche Gewalt Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Beat Walther , Gerichtsschreiberin i.V. Claudia Caderas Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung (RRB Nr. 766 vom 24. Mai 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. B.____ reiste am 5. Oktober 2001 als Flüchtling in die Schweiz ein, wo ihm am 28. Januar 2004 Asyl gewährt wurde. Am 5. Juni 2004 re iste die 1961 geborene türkische Staatsangehörige A.____ mit ihren drei gemeinsamen K indern zu ihrem Ehemann in die Schweiz ein. B. Mit Entscheid vom 29. Juli 2004 stellte das Bundesamt für Flüchtlinge fest, dass A.____ und ihre drei Kinder die Flüchtlingseigenschaft selbst nicht erfüllen, sie aber gemäss Art. 51 des Asylgesetzes (AsylG) vom 26. Juni 1998 ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt werden ("Familienasyl"). C. Am 28. Oktober 2004 verzichtete A.____ auf den Flü chtlingsstatus, um gemeinsam mit den drei Kindern in die Türkei zurückzureisen. Dabei gewährte ihr die Schweiz finanzielle Rück- kehrhilfe. D. Nachdem der Sohn von A.____, C.____, am 8. Dezembe r 2004 bereits wieder in die Schweiz eingereist war, reiste A.____ mit ihrer jüngste n Tochter D.____, geboren 1997, am 29. Januar 2005 ebenfalls erneut in die Schweiz ein. A m 26. Februar 2005 verliessen sie das Land abermals und reisten in die Türkei zurück, da es zw ischen den Ehegatten zu handgreifli- chen Auseinandersetzungen gekommen war. E. Mit Verfügung vom 7. Oktober 2005 verweigerte das Amt für Migration Basel- Landschaft (AfM) dem Sohn von A.____, C.____, die na chgesuchte Einreisebewilligung zum Verbleib bei seinem Vater in der Schweiz. F. Im Rahmen eines erneuten Familiennachzugsgesuchs durc h B.____ für seine Ehefrau A.____, den Sohn C.____ und die Tochter D.____ erhi elten A.____ und ihre Tochter D.____ eine Einreisebewilligung. Die Einreisebewilligung fü r den Sohn C.____ wurde verweigert. Da- raufhin reiste A.____ mit ihrer Tochter am 29. August 2007 ein drittes Mal in die Schweiz ein, wobei A.____ eine Aufenthaltsbewilligung erhielt und die Tochter D.____ in die inzwischen er- teilte Niederlassungsbewilligung ihres Vaters einbezogen wurde. G. Am 18. Oktober 2007 kam es zwischen den Ehegatten ern eut zu einer Auseinander- setzung, woraufhin A.____ Anzeige gegen ihren Ehemann wegen häuslicher Gewalt erstattete. Das Strafverfahren wurde in der Folge eingestellt. Nach der Trennung von B.____ zog A.____ am 11. März 2009 mit ihrer Tochter aus der Familienwo hnung aus. Am 4. März 2010 liessen sich die Ehegatten A.____ und B.____ scheiden. H. Am 1. Juli 2009 verfügte das AfM die Wegweisung von A.____ aus der Schweiz sowie die Aufhebung der Niederlassungsbewilligung von D.___ _, weil die eheliche Haushaltsgemein- schaft zwischen den Ehegatten lediglich etwa anderthalb J ahre gedauert hatte und eine dauer- hafte und erhebliche Sozialhilfeabhängigkeit von A.____ vorlag. I. Diese Wegweisungsverfügung wurde auf Beschwerde hin mit rechtskräftigem Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassun gs- und Verwaltungsrecht Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht (KGE VV), vom 18. August 2010 (Verfahren 810 09 475) bestätigt, wobei die Ausreisefrist auf den 31. Dezember 2010 festgesetzt wurde. J. Am 8. November 2010 reichten A.____ und B.____ be im Zivilstandsamt Kreis E.____ ein Gesuch um Vorbereitung der Eheschliessung ein. Im Ra hmen dieses Gesuchsverfahrens erklärte B.____ mehrfach, dass er seine geschiedene Frau A.____ nicht heiraten wolle, aber von ihr stark unter Druck gesetzt werde. A.____ führte g egenüber dem Zivilstandsamt Kreis E.____ aus, dass sie nicht vorhabe, in die Türkei zu geh en, sondern dass sie in der Schweiz bleiben wolle. Aufgrund dieser Umstände trat das Zivil standsamt Kreis E.____ in Anwendung von Art. 97a des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 ("Umge- hung des Ausländerrechts") auf das Ehevorbereitungsgesuch nicht ein. K. In der Folge reiste A.____ gemeinsam mit ihrer To chter D.____ per Zug unkontrolliert aus der Schweiz aus und begab sich nach Holland. Von dor t wurden sie am 14. Juli 2011 im Rahmen des Dublin-Abkommens in die Schweiz ausgeschafft, wo sie am 18. Juli 2011 Asyl beantragten. Dieses Gesuch wurde am 25. Mai 2012 vom Bundesamt für Migration (BFM) ab- gelehnt, unter anderem mit der Begründung, dass die geltend gemachte Bedrohung im Heimat- land bereits im Urteil des Kantonsgerichts vom 18. Augu st 2010 im ausländerrechtlichen Be- schwerdeverfahren als unsubstanziiert qualifiziert worden sei. Demgemäss wies das BFM A.____ und ihre Tochter D.____ aus der Schweiz weg und verfügte, dass sie die Schweiz – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – bis zum 20. Juli 2012 zu verlassen hätten. L. Am 10. Juli 2012 heiratete A.____ in E.____ erneu t ihren damaligen Ex-Ehemann und Vater von D.____, B.____, weshalb A.____ und ihrer To chter die Flüchtlingseigenschaft wie- dererwägungsweise zuerkannt wurde. Am 19. September 20 12 wurde ihnen schliesslich durch das AfM eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann bzw. Vater erteilt. M. Mit Schreiben vom 26. August 2014 an das BFM (heute : Staatssekretariat für Migration [SEM]) verzichtete A.____ freiwillig auf den ihr in de r Schweiz gewährten Asylstatus, damit sie besuchsweise in die Türkei zurückreisen konnte. N. Am 6. März 2015 zeigte A.____ ihren Ehemann erneut wegen häuslicher Gewalt an. Am 1. Mai 2015 trennten sich die Ehegatten abermals fr eiwillig, wobei der Ehemann einen Wohnortwechsel nach F.____ vornahm. O. Mit Schreiben vom 11. August 2015 gewährte das AfM sowohl A.____ als auch deren Ehemann das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung von A.____ und ihrer Wegweisung aus der Schweiz. Mit Sch reiben vom 29. Mai 2015 respekti- ve vom 25. August 2015 nahmen B.____ sowie A.____ dazu Stellung. P. Am 3. November 2015 verfügte das AfM die Nichtverl ängerung der Aufenthaltsbewilli- gung von A.____ sowie deren Wegweisung aus der Schweiz, wobei die Ausreise bis spätestens am 3. Dezember 2015 zu erfolgen habe. Begründet wurd e der Entscheid im Wesentlichen da- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit, dass das Bestehen einer dreijährigen Ehegemeinschaft nicht erfüllt sei, zumal die ehelich gelebte Gemeinschaft nur für die Anwesenheitsdauer in der Schweiz gelte und mehrere kürzere Ehegemeinschaften nicht zusammengezählt werden könnten. Zudem bestehe der Verdacht einer Scheinehe, eine erfolgreiche Integration von A .____ liege ebenfalls nicht vor und die Be- rufung auf häusliche Gewalt sei rechtsmissbräuchlich. Schli esslich erweise sich eine Wegwei- sung als angemessen und verhältnismässig. Q. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat in Basel, mit Eingabe vom 5. November 2015 Beschwerde beim Regierungsrat. R. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 766 vom 24. Ma i 2016 wies der Regierungsrat die Beschwerde ab. S. Mit Eingabe vom 6. Juni 2016 erhob A.____, weiter hin vertreten durch Dr. Nicolas Rou- let, Beschwerde gegen den RRB vom 24. Mai 2016 beim Ka ntonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die vollumfäng- liche Aufhebung des RRB vom 24. Mai 2016. Dementspreche nd sei der Beschwerdeführerin weiterhin der Aufenthalt im Kanton Basel-Landschaft zu bewilligen, eventualiter sei die Angele- genheit zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägunge n an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin zudem die unen tgeltliche Prozessführung und Verbei- ständung mit dem Unterzeichnenden als Advokaten zu bewilligen. T. Nachdem für A.____ ein Rückreisevisum ausgestellt wur de, das ihr ermöglichte, in die Türkei zu reisen und anschliessend wieder in die Schweiz einzureisen, reiste A.____ vom 21. Juli 2016 bis zum 15. August 2016 für die Hochzeit ihrer Tochter in die Türkei. U. Am 5. September 2016 liess sich der Regierungsrat zu r Beschwerde vernehmen und beantragte die Abweisung derselben. V. Mit Verfügung vom 20. September 2016 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Mit Anzeige vom 16. November 2016 wurde die Urteilsberatung auf den 18. Januar 2017 angesetzt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da die Be schwerdeführerin Adressatin des angefochtenen Entscheides ist, ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung hat und die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsge richtlichen Beschwerde ist die Kog- nition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den ange- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen rechtsfehle rhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unri chtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Kan tonsgericht verwehrt (vgl. § 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Nichtver längerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin und deren Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1 Die Beschwerdeführerin anerkennt in ihrer Beschwer de, dass sie keinen unmittelbaren Anspruch mehr gemäss Art. 43 des Bundesgesetzes über die A usländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 auf Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung hat. Sie macht jedoch geltend, einen Anspruch gemäss Art. 50 AuG und a ufgrund von Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Eur opäische Menschenrechtskonven- tion, EMRK) vom 4. November 1950 sowie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bun- desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 zu haben. 4.2 Nach Auflösung der Ehegemeinschaft besteht der Anspr uch des nachgezogenen Ehe- gatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthal tsbewilligung nach Art. 50 Abs. 1 AuG wei- ter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre besta nden hat und eine erfolgreiche In- tegration vorliegt (lit. a; BGE 138 II 229) oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b) . Sind diese Voraussetzungen erfüllt, be- steht ein grundsätzlicher Rechtsanspruch auf eine Aufentha ltsbewilligung und der Entscheid darüber steht nicht im Ermessen der Behörden (Urteil d es Bundesgerichts 2C_711/2009 vom 30. April 2010 E. 2.2). Es gilt somit nachfolgend zu p rüfen, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aus Art. 50 Abs. 1 lit. a oder b AuG ab- leiten kann. 4.3 Die Beschwerdeführerin beruft sich im Wesentlichen darauf, dass sie und ihr Ehemann als Ehepaar während annähernd viereinhalb Jahren in de r Schweiz zusammengelebt hätten, weshalb das Erfordernis der dreijährigen Ehegemeinschaf t i.S.v. Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG erfüllt sei. Sie macht geltend, dass in einem Fall wie dem vorli egenden, in welchem zwischen densel- ben Ehegatten zweimal eine Ehe eingegangen worden sei , die Dauer der Ehegemeinschaft gleich zu berechnen sei, wie für den Fall, dass sich die Ehegatten zunächst über einen längeren Zeitraum getrennt hätten und anschliessend wieder zusammengekommen wären. 4.4 Der Regierungsrat bringt demgegenüber vor, dass sich die Beschwerdeführerin nicht auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG berufen könne, da die erforderliche dreijährige Ehegemeinschaft nicht erfüllt sei. Auch wenn ein ununterbrochenes Zus ammenwohnen im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG nicht vorausgesetzt werde, könne in Anb etracht der Eheschliessung zwischen den Ehegatten und des danach folgenden über zweijähri gen Getrenntlebens bis zur erneuten Eheschliessung die im Rahmen der ersten Ehe in der Schwe iz gelebte Beziehungsperiode bei der Berechnung der Dreijahresfrist keine Berücksichtigun g finden. Eine Scheidung bedeute zweifelsohne, dass der Ehewille definitiv erloschen sei. Aus diesem Grund seien die beiden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ehen nicht gleich zu behandeln wie eine Ehe mit vorüber gehender Trennung und folglich seien sie nicht zu addieren. Die in die Berechnung einfliessende Beziehungsphase habe lediglich vom 10. Juli 2012 (zweite Eheschliessung) bis zum 1. Mai 2015 (Trennungszeitpunkt), somit also lediglich zwei Jahre und zehn Monate gedauert. 4.5 Eine – i.S.v. Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG relevante – Ehegemeinschaft liegt vor, solange die eheliche Beziehung tatsächlich gelebt wird und ein gegenseitiger Ehewille besteht (Urteil des Bundesgerichts 2C_287/2011 vom 5. April 2011 E. 2. 1.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_288/2011 vom 7. April 2011 E. 2.2.1). Dabei ist im Wesentlichen auf die Dauer der nach aussen wahrnehmbaren ehelichen Wohngemeinschaft abzustel len (BGE 137 II 345 E. 3.1.2). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind die einzelne n Phasen des Zusammenwohnens – unabhängig vom Vorhandensein wichtiger Gründe für zw ischenzeitlich getrennte Wohnorte – nur dann zusammenzurechnen, wenn die Ehegemeinschaft üb er die gesamte Dauer Bestand hatte (BGE 140 II 345 E. 4.5, in: Die Praxis [Pra] 2 015, S. 593 f.; Urteil des Bundesgerichts 2C_231/2011 vom 21. Juli 2011 E. 4.6; Urteil des Bun desgerichts 2C_602/2013 vom 10. Juni 2014 E. 2.2). Das Bundesgericht geht in seiner Rechtsp rechung davon aus, dass für die Be- rechnung der Ehedauer lediglich auf die gemeinsam verbrachte Zeit in der Schweiz abzustellen und jene im Ausland nicht zu berücksichtigen ist. Massgeblicher Zeitpunkt für die retrospektive Berechnung der Dauer der ehelichen Gemeinschaft ist in der Regel die Aufgabe der Haushalts- gemeinschaft; demgegenüber ist nicht relevant, wie lang e die Ehe nach Beendigung des Zu- sammenlebens formell noch bestanden hat (BGE 136 II 113 E. 3.3). 4.6.1 Unlängst hatte sich das Bundesgericht mit der Frag e auseinanderzusetzen, ob für die Berechnung der Dreijahresdauer mehrere kürzere Fristen der gelebten Ehegemeinschaft zu- sammengerechnet werden können (BGE 140 II 289 E. 3.1). Dabei erwog es, dass die Aufent- haltsberechtigung einer ausländischen Person ende und d iese die Schweiz zu verlassen habe, wenn die Bewilligung nicht erteilt werde. Heirate sie in der Folge erneut einen Niedergelasse- nen, lebe nicht der Anspruch nach Art. 50 AuG wieder auf, sondern es entstehe ein neuer An- spruch gestützt auf Art. 43 AuG und die Dreijahresfrist b eginne erneut zu laufen. Folglich könn- ten für diese Dreijahresfrist mehrere kürzere Ehegeme inschaften nicht zusammengerechnet werden (BGE 140 II 289 E. 3.6.3 und 3.7). Diesen Fest stellungen des Bundesgerichts lag zwar der Sachverhalt zugrunde, dass seitens der ausländischen, um Aufenthalt ersuchenden Person zwei Ehen mit verschiedenen Ehegatten geschlossen worden w aren, bei welchen eine Zusam- menrechnung der jeweiligen Ehedauer die Dreijahresf rist erfüllt hätte. Jedoch lässt sich dem zitierten Urteil nicht entnehmen, weshalb diese Ausleg ung nicht auch für Fälle wie dem Vorlie- genden gelten sollte, bei welchen eine Ehe zweimal zw ischen denselben Ehegatten geschlos- sen worden ist. 4.6.2 Die Rechtsprechung lässt es zu, dass, vorbehältlich eines möglichen Rechtsmiss- brauchs, mehrere kurze und/oder während längerer Zeit unterbrochene Perioden des Zusam- menwohnens in der Schweiz zusammengezählt werden könn en, um die Bedingung der Min- destdauer einer Ehegemeinschaft (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG) zu erfüllen, vorausgesetzt, dass die Ehegatten eine tatsächlich gelebte eheliche Beziehung und einen entsprechenden Ehewillen aufweisen (BGE 140 II 345 E. 4.5.2, in: Pra 2015, S. 593 m.w.H.). Die einzelnen Phasen des Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zusammenwohnens sind somit – unabhängig vom Vorhandensei n wichtiger Gründe für zwi- schenzeitlich getrennte Wohnorte – nur dann zusammenzur echnen, wenn die Ehegemeinschaft über die gesamte Dauer Bestand hatte. Folglich ist im vorliegenden Fall eine Zusammenrech- nung der Dauer der beiden in der Schweiz gelebten Beziehungsperioden der Beschwerdeführe- rin mit ihrem Noch-Ehemann B.____ im Rahmen zweier ver schiedener Ehen unzulässig, da die zeitlich dazwischen erfolgte Scheidung vom 4. März 2010 übe r ein Getrenntleben hinausgeht und nicht nur als befristete Auszeit zur Bewältigung ei ner vorübergehenden Ehekrise mit Aus- sicht auf eine Wiederaufnahme der Hausgemeinschaft zu wer ten ist. Vielmehr erfolgte die Scheidung der Ehegatten mit der Absicht der definitiven Trennung, ohne Willen zur Fortführung des Ehelebens. Hätte der Ehewille und damit die Ehege meinschaft weiterhin Bestand gehabt, wäre seitens der Ehegatten keine Scheidung eingereicht worden. Damit ist die im Rahmen der ersten Ehe in der Schweiz gelebte Beziehungsperiode der Ehegatten bei der Berechnung der Ehedauer nicht zu berücksichtigen. Ein Anspruch auf Bewi lligungsverlängerung unter dem Titel von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG besteht demnach infolge zu geringer Dauer der Ehegemeinschaft nicht. 5.1 Die Aufenthaltsbewilligung kann ferner verlängert werden, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erf orderlich machen (vgl. Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Wichtige persönliche Gründe im Rahmen von Art. 5 0 Abs. 1 lit. b AuG können gegeben sein, wenn ein Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 Au G sowie Art. 77 Abs. 2 der Verord- nung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [ VZAE] vom 24. Oktober 2007). In Be- tracht fallen weiter der Tod des in der Schweiz lebenden Ehepartners oder gemeinsame Kinder, zu welchen eine enge Beziehung besteht und die sich in der Schweiz gut integriert haben (vgl. MARC SPESCHA , in: Kommentar Migrationsrecht, 4. Auflage, Zürich 20 15, N 7 zu Art. 50 AuG; Botschaft vom 8. März 2002 zum AuG, BBl 2002 S. 37 54). Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG be- zweckt, schwerwiegende Härtefälle zu vermeiden und lässt B ehörden einen gewissen Ermes- sensspielraum in humanitärer Hinsicht (vgl. BGE 136 II 4 E. 5.3, in: Pra 2010, S. 360; Urteil des Bundesgerichts 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 2.1) . Zu berücksichtigen sind stets auch die Umstände, die zur Auflösung der ehelichen Gemeinscha ft geführt haben. In diesem Zu- sammenhang sind auch die in Art. 31 VZAE betreffend sch werwiegender persönlicher Härtefäl- le aufgezählten Kriterien zu berücksichtigen: Die Integ ration, die Respektierung der Rechtsord- nung, die Familienverhältnisse, die finanziellen Verh ältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung, die Dauer d er Anwesenheit in der Schweiz, der Gesundheitszustand sowie die Möglichkeiten für eine Wiede reingliederung im Herkunftsstaat. Für die Anwendung der Härtefallregelung ist erforder lich, dass sich die betreffende ausländi- sche Person in einer persönlichen Notlage befindet. Das b edeutet, dass ihre Lebens- und Da- seinsbedingungen gemessen am durchschnittlichen Schicksal v on ausländischen Personen in gesteigertem Masse in Frage gestellt sein müssen, bzw. d ie Verweigerung von der Ausnahme der zahlenmässigen Begrenzung für die betroffene Pers on schwere Nachteile zur Folge hätte (vgl. BGE 119 Ib 42 E. 4; BGE 123 II 126 E. 2 und 3; BGE 128 II 202 E. 2). Bei der Beurteilung des Härtefalles sind alle Gesichtspunkte und Besonderhei ten des Einzelfalles zu berücksichti- gen (BGE 124 II 112 E. 2 mit Hinweisen). Sind die Vo raussetzungen von Art. 50 Abs. 1 lit. a oder lit. b AuG erfüllt, besteht ein grundsätzlicher R echtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilli- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung und der Entscheid darüber steht nicht im Ermessen d er Behörden (Urteil des Bundesge- richts 2C_711/2009 vom 30. April 2010 E. 2.2). Sind demnach die Voraussetzungen von Art. 50 AuG im Einzelfall nicht erfüllt, führt dies zum Anspr uchsverlust und der Entscheid über die Ver- längerung der Bewilligung steht alsdann im behördlich en Ermessen (A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer recht, Basel 2009, N 8.52). Bei der Beurteilung des Härtefalls sind alle Gesichtspunkte und Besonderheiten des Einzelfalles zu berücksichtigen (BGE 124 II 112 E. 2 mit Hinweisen). 5.2 Es stellt sich nun die Frage, ob die Beschwerdeführe rin – wie von ihr behauptet – Op- fer ehelicher Gewalt i.S.v. Art. 50 Abs. 2 AuG geworde n ist. Nach bundesgerichtlicher Recht- sprechung ist im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b in Ver bindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG jede Form ehelicher bzw. häuslicher Gewalt, sei sie körperlich er oder psychischer Natur, ernst zu nehmen. Häusliche Gewalt bedeutet systematische Misshandlun g mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale Beschimpfung im Ver- lauf eines eskalierenden Streits. Die physische oder psychi sche Zwangsausübung und deren Auswirkungen müssen vielmehr von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität sein (BGE 138 II 229 E. 3.2.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_155/2011 vom 7. Juli 2011 E. 4.3; vgl. etwa auch den Bericht des Bundesrates vom 13. Mai 2009 über Gewal t in Paarbeziehungen, BBl 2009 S. 4087 ff., 4111 f.; vgl. zudem MARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr, Stämpflis Hand- kommentar zum AuG, Bern 2010, N 32 zu Art. 50). Auch w enn in Bezug auf die Thematik der häuslichen Gewalt inzwischen zu Recht eine Politik der Nu lltoleranz gefordert wird, muss hin- sichtlich der Bestimmung von Art. 50 Abs. 2 AuG eine ge wisse Erheblichkeit der Gewalteinwir- kung vorliegen, damit sich eine betroffene Person auf d ie vorgenannte Bestimmung berufen kann (vgl. T HOMAS GEISER /M ARC BUSSLINGER , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, a.a.O., N 14.54). Gemäss Bundesgericht muss die eheliche Gewalt die im Familiennachzug eingereiste Person so stark zu belasten drohen, dass ihr die Fortfü hrung der ehelichen Gemeinschaft nicht länger zugemutet werden kann (vgl. BGE 136 II 4 E. 5.3 , in Pra 5/2010, S. 361). Die eheliche Gewalt muss für den Rechtsanspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung derart inten- siv sein, dass die physische oder psychische Integrität des Opfers im Fall der Aufrechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft schwer beeinträchtigt würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_460/2009 vom 4. November 2009 E. 5.3). In solchen F ällen soll die Abhängigkeit des Op- fers häuslicher Gewalt bzw. psychischer Oppression vom Täter d urch die Bewilligungsfrage nicht verstärkt und die gewaltbetroffene nachgezogene P erson nicht vor das Dilemma gestellt werden, in der Zwangssituation verbleiben oder den Ver lust des Aufenthaltsrechts hinnehmen zu müssen (BGE 138 II 229 E. 3.2.2). Die ausländische Per son trifft bei den Feststellungen des entsprechenden Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht (vgl. hierzu BGE 138 II 229 E. 3.2.3; BGE 126 II 335 E. 2b/cc; BGE 124 II 361 E. 2b). Sie muss die eheliche Gewalt bzw. häusliche Oppression in geeigneter Weise glaubhaft mache n (Arztberichte oder psychiatrische Gutachten, Polizeirapporte, Berichte/Einschätzungen von Fachstellen [Frauenhäuser, Opferhilfe usw.], glaubwürdige Zeugenaussagen von weiteren Angeh örigen oder Nachbarn etc.; vgl. auch Weisungen AuG des SEM vom 25. Oktober 2013 Ziff. 6.15. 3; SPESCHA , a.a.O., N 10 zu Art. 50 AuG und Art. 77 Abs. 6 VZAE). Wird häusliche Gewalt in Form psychischer Oppression be- hauptet, muss die Systematik der Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht entstehende subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar konkretisiert und beweismässig un- terlegt werden (BGE 138 II 229 E. 3.2.3). 5.3 Die eheliche Gewalt zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann wurde bereits im Rahmen des ersten Wegweisungsverfahrens im Urt eil des Kantonsgerichts vom 18. August 2010 (KGE VV vom 18. August 2010 [810 09 4 75] E. 5.5.3) ausführlich thematisiert. Damals wurde festgehalten, dass die Auseinandersetzungen nicht ausschliesslich vom Ehe- mann ausgingen, sondern dass die eheliche Gewalt im Rahmen einer gewissen Gegenseitigkeit erfolgt war und im Übrigen die Gewalteinwirkung auch nicht die geforderte Schwere aufgewie- sen hatte. Die Beschwerdeführerin konnte sich damals bezüg lich der Frage des weiteren Auf- enthalts in der Schweiz nicht auf den wichtigen persönl ichen Grund der ehelichen Gewalt stüt- zen. Ebenfalls ergeben sich aus einem früheren Polizeiber icht Hinweise auf ein gewalttätiges Verhalten der Beschwerdeführerin gegenüber einer Nach barin. Die Beschwerdeführerin hatte im Rahmen eines Streits mit einer Nachbarin eine tätl iche Auseinandersetzung. In deren Ver- lauf beschuldigten sich beide Beteiligten der Tätlichkei ten und die Beschwerdeführerin bezich- tigte die Nachbarin, sie sei von dieser gewürgt worde n, sodass ihr schwarz vor Augen gewor- den sei (vgl. Polizeibericht vom 27. Mai 2010). 5.4 Der Regierungsrat ging im vorinstanzlichen Entscheid in Bezug auf die nun geltend gemachte häusliche Gewalt nicht von einer Intensität aus, welche ausreichend wäre, um daraus einen wichtigen persönlichen Grund für einen Anspruch a uf Verlängerung der Aufenthaltsbewil- ligung der Beschwerdeführerin ableiten zu können. Er brachte vor, dass der einzelne Vorfall während der zweiten Ehe der Beschwerdeführerin mit ih rem Ehemann im März 2015 vielmehr als einmaliger, eskalierender Streit zu betrachten un d nicht als häusliche Gewalt i.S.v. Art. 50 Abs. 2 AuG zu werten sei. 5.5 Unbestritten ist, dass sich im März 2015 zwischen den Eh egatten erneut ein Vorfall häuslicher Gewalt ereignet hat. Diesbezüglich bringt die Beschwerdeführerin vor, die Übergriffe ihres Ehemanns hätten mit der Zeit an Intensität zugeno mmen, da dieser sie zuletzt auch ge- würgt habe, sodass sie gemäss den Erkenntnissen des Instituts f ür Rechtsmedizin einer poten- tiellen Lebensgefahr ausgesetzt gewesen sei. Zudem gab die Beschwerdeführerin an, ihr sei aufgrund des Würgens schwarz vor Augen geworden. Zwar er gibt sich aus dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel, dass sich beidseits an der Halshaut sowie an der Halsrückseite Hauteinblutungen zeigten, aufgrund de ren Verteilung als Ursache am ehe- sten das angegebene Würgen in Betracht komme. Stauungsb lutungen, die nach einem kreis- laufwirksamen, komprimierenden Angriff gegen den Hals z ur Beobachtung kommen können, waren bei der Beschwerdeführerin aber nicht nachweisbar . Bei der forensisch-medizinischen Untersuchung waren vielmehr keine Hinweise auf eine ne urologische oder anderweitige vital- bedrohliche Schädigung ersichtlich. An den typischen St ellen im Kopfbereich konnten zudem keine Punktblutungen gesehen werden, womit eine akute Lebensgefahr nicht belegt werden konnte (Rechtsmedizinisches Gutachten des Instituts für Rechtsm edizin der Universität Basel vom 13. Mai 2015). Auch bei diesem Vorfall beschuldig en sich die Ehegatten gegenseitig der häuslichen Gewalt. Es gelingt der Beschwerdeführerin auch hier nicht, die Systematik der Miss- handlung und die daraus entstehende subjektive Belastun g objektiv nachvollziehbar zu konkre- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht tisieren und beweismässig zu unterlegen. Vor diesem Hint ergrund kann die von der Beschwer- deführerin geltend gemachte eheliche Gewalt nicht als h inreichend glaubhaft gemacht gelten und ein Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist zu verneinen. 6.1 Demnach bleibt zu prüfen, ob die soziale Wiederein gliederung der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Türkei i.S.v. Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG stark gefährdet wäre. Dabei ist massgebend, ob die persön liche, berufliche und familiäre Ein- gliederung der betroffenen ausländischen Person bei ei ner Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre und – aus welchen Gründen auch immer – vorgezogen würde. Wie be reits ausgeführt, setzt ein persönli- cher, nachehelicher Härtefall aufgrund der gesamten Umst ände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (vgl. BGE 139 II 393 E. 6). Hat der Aufenthalt der ausländischen Person nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich de r Anspruch auf einen weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute Integrati on im Herkunftsland keine besonderen Probleme bereitet (BGE 138 II 229 E. 3.1). 6.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihre Wie dereingliederung im Herkunfts- staat im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG in Verbi ndung mit Art. 50 Abs. 2 AuG stark gefähr- det sei, da sie mittlerweile sehr enge Beziehungen zur Schweiz aufweise und sie hier enge so- ziale Kontakte geknüpft habe. Insbesondere die bestehend e Ausbildungssituation ihrer Tochter bedeute für die Beschwerdeführerin eine Verunmöglichung der sozialen Wiedereingliederung in der Türkei. Eine solche sei, wenn überhaupt, nur zusammen mit ihrer Tochter denkbar. Diese verfüge jedoch über eine Aufenthaltsbewilligung und i hr komme Flüchtlingsstatus zu, weshalb sie nicht in die Türkei zurückkehren könne. Die Heimat i hrer Tochter sei nunmehr die Schweiz und sie mache hier ihre Ausbildung. 6.3 Die Vorinstanz hat die geltend gemachte starke Gefä hrdung der sozialen Wiederein- gliederung der Beschwerdeführerin in der Türkei zu Rech t verneint. Die Beschwerdeführerin wurde am 6. Dezember 1961 in der Türkei geboren und lebte dort bis zu ihrem 43. Altersjahr. Am 5. Juni 2004 kam sie zum Verbleib bei ihrem Ehemann und Vater ihrer drei gemeinsamen Kinder erstmals in die Schweiz. Somit verbrachte sie den w eitaus grössten Teil ihres Lebens in der Türkei, wo sie nicht nur in ihren Kindheits- und Ju gendjahren, sondern auch während über zwei Jahrzenten ihres Erwachsenenlebens gelebt hat, wom it ihre soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland ohne grössere Schwierigkeiten gelingen sollte (vgl. BGE 136 II 4 E. 5.3, in: Pra 2010, S. 360; Urteil des Bundesgerichts 2C_216/200 9 vom 20. August 2009 E. 2.1). Auch leben ihre zwei anderen erwachsenen Kinder sowie ihre M utter und fünf Geschwister in der Türkei, was ihr die gesellschaftliche Wiedereingliederun g in ihrem Heimatland deutlich erleich- tern dürfte. Gestützt auf die Akten ist zudem nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin eine besonders enge Beziehung zur Schweiz hat. Hinsichtlich d er beruflichen Integration der Be- schwerdeführerin ist festzuhalten, dass sich diese bisher nu r sehr geringfügig manifestierte. Obwohl die Beschwerdeführerin im ersten Wegweisungsverfahren am 4. September 2009 unter Bezugnahme auf ihre erfolgreiche Stellensuche noch au sgeführt hatte, ihr diesbezüglicher Er- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht folg zeige, dass gute Chancen bestünden, von der Sozialhi lfe loszukommen, zeigt die Tatsa- che, dass die Beschwerdeführerin vom 1. April 2009 bis zu m 31. Dezember 2010 sowie vom 28. August 2012 bis zum 31. Oktober 2015 insgesamt ber eits wieder Sozialhilfegelder in der Höhe von Fr. 105'497.-- bezogen hat, dass eine berufliche Integration weiterhin nicht vorhanden ist. Daran vermag auch der im jetzigen Beschwerdeverfahren eingereichte Arbeitsvertrag nichts zu ändern. Nachvollziehbare Gründe für eine Sozialhilfeabhängigkeit legt die Beschwerdeführe- rin in ihrer Beschwerdebegründung nicht dar, und es ist nicht ersichtlich, in welcher Form sich in dieser Zeit ihr Wille zur Teilnahme am Wirtschaftslebe n manifestiert haben soll. Wie der Regie- rungsrat zu Recht darauf hinweist, hat das Kantonsgerich t die Sozialhilfeabhängigkeit der Be- schwerdeführerin im erstgenannten Zeitraum bereits als se lbstverschuldet qualifiziert und dem- zufolge das Vorliegen des Widerrufsgrundes gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG angenommen (KGE VV vom 18. August 2010 [810 09 475], E. 6.1-6.3) . Die Sprachkenntnisse der Beschwer- deführerin sind angesichts ihres gut neunjährigen Aufen thaltes in der Schweiz zudem sehr be- scheiden, weshalb sie im Alltag auf die Unterstützung ihrer Tochter D.____ angewiesen ist. Die soziale und berufliche Integration der Beschwerdeführe rin in der Schweiz ist nicht dermassen fortgeschritten, dass ihre Reintegration in der Türkei scheitern würde. Unter Berücksichtigung des Integrationsgrades der Beschwerdeführerin, der best ehenden Beziehungen zum Heimat- land aufgrund der dort befindlichen Familie erweist si ch die soziale Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Türkei i.S.v. Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG nicht als gefährdet, weshalb ein An spruch der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG nicht gegeben ist. Sin d die Voraussetzungen von Art. 50 AuG im Einzelfall nicht erfüllt, führt dies folglich zum Anspr uchsverlust und der Entscheid über die Ver- längerung der Bewilligung steht alsdann im behördliche n Ermessen (Z ÜND /ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 8.5 2). Die Vorinstanzen haben dabei die öffentlichen Interessen an einer Nichtverlängerung de r Aufenthaltsbewilligung den dadurch be- einträchtigten privaten Interessen der Beschwerdeführe rin gegenüberzustellen sowie auch den Grad der Integration im Rahmen einer umfassenden Inte ressenabwägung zu prüfen. Im ange- fochtenen Entscheid des Regierungsrats wurden die massgebli chen Kriterien unter Berücksich- tigung sämtlicher Umstände des Einzelfalles geprüft, u nd der Entscheid wurde nachvollziehbar begründet. Eine rechtsfehlerhafte Ermessensbetätigung ist in diesem Zusammenhang nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Es ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass es der Regierungsrat abgelehnt hat, der Beschwerdeführerin die Aufenthaltsbewilligung ermessensweise zu verlängern. 7. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung i st zudem weder unter dem Aspekt der Verhältnismässigkeit (vgl. Art. 96 AuG) noch aufgru nd von Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV zu beanstanden. Als zulässiges öffentliches Interesse fällt dab ei grundsätzlich das Durchsetzen der Einwanderungspolitik in Betracht. Die Schweiz verfolg t gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums in Fragen der Aufenthaltsberech tigung eine restriktive Politik. Eine solche rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes V erhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, auf die Schaffung gü nstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz bereits ansässigen Ausl änder und die Verbesserung der Ar- beitsmarktstruktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung (BGE 137 I 247 E. 4.2.1; BGE 135 I 153 E. 2.2.1). Die Beschwerdefüh rerin ist im Alter von 43 Jahren erstmals Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht in die Schweiz eingereist und lebt zwischenzeitlich seit gut neun Jahren hier. Damit hat sie den Grossteil ihres Lebens in der Türkei verbracht, und die verhältnismässig kurze Aufenthaltsdauer in der Schweiz kann nicht massgeblich zu ihren Gunsten ins Gewicht fallen. Dazu kommt, dass zwei ihrer Kinder, ihre Mutter sowie ihre Geschwister im Heimatland leben. Sie hat sich zudem auch während des Aufenthalts in der Schweiz zu Besuchszwecken mehrfach zurück in die Tür- kei begeben. In Bezug auf die familiären Beziehungen macht die Beschwerdeführerin geltend, sie lebe zusammen mit ihrer mittlerweile 20-jährigen Tochter D.____, welche über eine Nieder- lassungsbewilligung und somit ein gefestigtes Anwesenhei tsrecht in der Schweiz verfüge, in einem Haushalt und habe zu ihr ein sehr nahes Verhältnis, welches unter den Schutz von Art. 8 EMRK falle. Sie beruft sich insbesondere auf den emotionalen Unterstützungsbedarf ihrer Toch- ter, welche seit August 2015 an der Allgemeinen Gewe rbeschule G.____ den Lehrgang "Link zum Beruf" besuche. Des Weiteren führt die Beschwerdefüh rerin sinngemäss aus, dass bei ihrer Abwesenheit die Ausbildung ihrer Tochter ernsth aft gefährdet wäre, da ihr diesfalls der hierfür erforderliche emotionale Halt und die mental e Unterstützung fehlen würden, was sich wiederum negativ auf ihre Leistungsfähigkeit auswirken würde. Dies sei auch seitens der All- gemeinen Gewerbeschule G.____ bestätigt worden (vgl. Schreiben der Gewerbeschule G.____ vom 26. November 2015). Unbestrittenermassen pflegt die Beschwerdeführerin zur in der Schweiz lebenden Tochter ein sehr enges Verhältnis. Den noch genügt die von der Beschwer- deführerin geschilderte Konstellation nicht, um einen Anspruch gestützt auf Art. 8 EMRK zu begründen. Soweit sich die Beschwerdeführerin im Übrige n auf den Lehrgang der Tochter be- ruft, ist festzuhalten, dass es sich dabei um einen einjä hrigen Lehrgang gehandelt hat, den die Tochter im August 2015 begonnen hatte und den sie somi t bereits im August 2016 abgeschlos- sen haben dürfte. Es sind somit keine Gründe ersichtlich, dass die Tochter zwingend von der Beschwerdeführerin betreut werden müsste. Zwar ist die Beziehung der Tochter zur Beschwer- deführerin intensiv, wie das bei gut funktionierenden Beziehungen zwischen Elternteilen und ihren erwachsenen Kindern regelmässig der Fall ist, wesh alb eine Wegweisung der Beschwer- deführerin die Tochter – wie auch die Beschwerdeführer in selbst – zweifellos hart treffen würde und für beide sehr einschneidend wäre. Zusätzlich ist aber in Betracht zu ziehen, dass sich die Beschwerdeführerin in der Zeit, in welcher sie in der Schweiz lebt, infolge ihrer Sozialhilfeab- hängigkeit nicht klaglos verhalten und sich nicht mit geb otenem Aufwand um eine Integration bemüht hat. Hinsichtlich der Zumutbarkeit einer Rückkehr i n die Türkei ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin keine überdurchschnittlichen S chwierigkeiten zu gewärtigen ha- ben wird. Sie ist mit den heimatlichen Verhältnissen b estens vertraut und verfügt dort nach wie vor über persönliche Kontakte, weshalb es ihr zumutbar ist, in ihr Heimatland zurückzukehren und sich dort wieder einzugliedern. In Anbetracht aller Umstände überwiegt das öffentliche Inte- resse das private Interesse sowohl der Beschwerdeführerin als auch deren Tochter, selbst wenn die familiäre Beziehung deshalb nur noch unter erschwerten Bedingungen – besuchswei- se oder über die modernen Kommunikationsmittel – geleb t werden kann. Der angefochtene Entscheid erweist sich daher auch als verhältnismässig. 8. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung de r Beschwerdeführerin und ihre Wegweisung aus der Schweiz erfolgten nach dem Gesagten zu Recht, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Ob die Berufung der Beschwerdeführerin auf häuslich e Gewalt aufgrund der durch die erneute Eheschliessung bewussten Inkaufnahme ehelicher Aus einandersetzungen darüber hinaus rechtsmissbräuchlich war, wie von der Vorinstanz ge ltend gemacht wurde, und ob hin- reichende Indizien für das Vorliegen einer Scheinehe vo rhanden sind, wie vom AfM in der Wegweisungsverfügung geltend gemacht wurde, kann bei di esem Ausgang des Verfahrens offen gelassen werden. 10.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (Verwaltungsproze ssordnung, VPO) vom 16. De- zember 1993 ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kosten pflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 A bs. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der unter legenen Beschwerdeführerin aufzuerle- gen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessfü hrung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 10.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die ausserordentlichen Kosten sind demnach wettzuschlagen. Zufolge Be- willigung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar von Fr. 1'602.30 (inkl. Auslagen und 8 % M WSt) aus der Gerichtskasse ausgerich- tet. 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in d er Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Beschwerdeführerin hat die Schweiz spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des Urteils zu verlassen. 3. Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche Re chtspflege bewilligt. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der u nentgeltlichen Pro- zessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 5. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Be willigung der unent- geltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter der B eschwerdefüh- rerin ein Honorar von Fr. 1'602.30 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 28. April 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_394/2017) erhoben.