<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 120 S.490</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">490</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>120 Bewilligung eines Modellflugplatzes in der Landwirtschaftszone, angren-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zend an Wald.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der Modellflugplatz ist ausserhalb der Bauzonen negativ standort-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gebunden (Erw. 3b).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Beurteilung der entgegenstehenden Interessen (Landwirtschaft,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Landschaftsschutz, Forstwirtschaft, Jagd, Naturschutz, insbesondere</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Schutz des Lebensraumes wildlebender Tiere; Erw. 3c - 3e).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">491</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Entscheid des Regierungsrates vom 21. Mai 2003 in Sachen Modellflugver-</span><br/> <span class="ft5">ein E.-S. gegen Baudepartement und Gemeinderat S.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Beschreibung des Modellflugvereins und des Baugesuches</span><br/> <span class="ft1">Bei der Modellfluggruppe E.-S., welche im Verlaufe des Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens ihren Namen in Modellflugverein E.-S. geändert hat, handelt</span><br/> <span class="ft1">es sich um einen Verein mit Sitz am Wohnort des jeweiligen Präsi-</span><br/> <span class="ft1">denten. Derzeit ist T. L., R., Präsident. Der Verein hat rund 70 Mit-</span><br/> <span class="ft1">glieder, welche vorwiegend im Raum E.-S. wohnen. Seit Aufnahme</span><br/> <span class="ft1">des Modellflugbetriebes im Raum südlich von F., Gemeinde S., sind</span><br/> <span class="ft1">auch Personen aus S. und Umgebung Vereinsmitglieder geworden.</span><br/> <span class="ft1">Von den rund 70 Vereinsmitgliedern sind etwa ein Drittel aktiv. Viele</span><br/> <span class="ft1">davon widmen sich aber dem Segelflug, welcher in F. mangels</span><br/> <span class="ft1">Hanglage nur möglich ist, wenn ein Motorflugzeug die Segelflug-</span><br/> <span class="ft1">zeuge in die Höhe zieht. Auf dem Modellflugplatz F. halten sich des-</span><br/> <span class="ft1">halb durchschnittlich etwa vier bis acht Modellflugzeugbetreiber</span><br/> <span class="ft1">gleichzeitig auf, allenfalls in Begleitung von einzelnen Familienan-</span><br/> <span class="ft1">gehörigen. Das relativ abgelegene Fluggelände erreichen sie mit dem</span><br/> <span class="ft1">Auto. Da ausser den verwendeten Flugzeugmodellen und Fernsteue-</span><br/> <span class="ft1">rungen auch Werkzeuge für die Vorbereitung und allfällige Reparatur</span><br/> <span class="ft1">der Modelle mitgeführt werden, ist pro aktives Vereinsmitglied mit</span><br/> <span class="ft1">einem Auto, total also mit vier bis acht Fahrzeugen zu rechnen. Nach</span><br/> <span class="ft1">dem geltenden, vom Modellflugverein selbst aufgestellten "Flug-</span><br/> <span class="ft1">platzreglement F." vom Sommer 1999 dürfen Modelle mit Verbren-</span><br/> <span class="ft1">nungsmotor werktags von 09.00 bis 12.00 Uhr und von 13.00 bis</span><br/> <span class="ft1">20.00 Uhr sowie sonntags von 14.00 bis 19.00 Uhr fliegen. Für laut-</span><br/> <span class="ft1">lose Modellflugzeugkategorien (inkl. Elektroflug) gelten keine zeit-</span><br/> <span class="ft1">lichen Einschränkungen, vorbehalten sind allerdings Feiertage, an</span><br/> <span class="ft1">welchen gar nicht geflogen wird.</span><br/> <span class="ft1">Für den im Herbst 1999 aufgenommenen Modellflugbetrieb</span><br/> <span class="ft1">mussten die Betreiber keinerlei Terrainveränderungen oder ander-</span><br/> <span class="ft1">weitigen baulichen Massnahmen treffen. Als Start- und Landebahn</span><br/> <span class="ft1">dient ein in der Landwirtschaftszone gelegener Grünstreifen von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">492</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rund 15 m x 90 m, auf welchem das Gras kürzer geschnitten wird.</span><br/> <span class="ft1">Der Grünstreifen verläuft etwa in Nord-Südrichtung und hält unter</span><br/> <span class="ft1">Berücksichtigung des Waldsaumes einen Abstand von 10-15 m zum</span><br/> <span class="ft1">östlich angrenzenden E.-Wald ein. Da die Flugzeugmodelle mittels</span><br/> <span class="ft1">Fernsteuerung auf Sicht geflogen werden und die Fernsteuerung eine</span><br/> <span class="ft1">beschränkte Reichweite hat, ergibt sich ein an den E.-Wald ange-</span><br/> <span class="ft1">lehnter halbkreisförmiger Flugraum mit einem Radius von rund</span><br/> <span class="ft1">300 m. Der Wald selbst wird nicht überflogen. Aufgrund des verfüg-</span><br/> <span class="ft1">baren Flugraumes und der Fernsteuerfrequenzen können gleichzeitig</span><br/> <span class="ft1">maximal 4 Modelle fliegen. Die Autos werden an der Südwestecke</span><br/> <span class="ft1">des E.-Waldes auf der waldabgewandten Seite des dem Wald entlang</span><br/> <span class="ft1">führenden Feldweges ins Wiesland gestellt. Für die Benutzung des</span><br/> <span class="ft1">Feldweges zum Flugplatzareal, der Start- und Landebahn sowie der</span><br/> <span class="ft1">Parkierfläche hat der Modellflugverein mit den Grundeigentümern</span><br/> <span class="ft1">Verträge abgeschlossen. Die Gesamtkosten für die Platzmiete belau-</span><br/> <span class="ft1">fen sich auf rund Fr. 1'600.- pro Jahr (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft1">2. Legitimation der Beschwerdegegner</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">3. Voraussetzungen für die Erteilung einer Baubewilligung</span><br/> <span class="ft1">a) Im Allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 22 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Raumpla-</span><br/> <span class="ft1">nung (Raumplanungsgesetz, RPG) vom 22. Juni 1979 ist Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zung einer Baubewilligung, dass die Bauten und Anlagen dem</span><br/> <span class="ft1">Zweck der Nutzungszone entsprechen (lit. a) und das Land erschlos-</span><br/> <span class="ft1">sen ist (lit. b). Eine technisch ausreichende Erschliessung des Mo-</span><br/> <span class="ft1">dellfluggeländes ist über einen mit leichten Motorfahrzeugen befahr-</span><br/> <span class="ft1">baren, teilweise geteerten Feldweg gegeben und das Benützungsrecht</span><br/> <span class="ft1">ist mit privatrechtlichem Vertrag sichergestellt (vgl. ...). Zwar wird</span><br/> <span class="ft1">für die Bejahung der Baureife eines Grundstückes gestützt auf § 32</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 des Gesetzes über Raumplanung, Umweltschutz und Bauwe-</span><br/> <span class="ft1">sen (Baugesetz, BauG) vom 19. Januar 1993 in der Regel eine dau-</span><br/> <span class="ft1">erhafte Erschliessung verlangt, weshalb eine über fremden Grund</span><br/> <span class="ft1">verlaufende Erschliessung grundsätzlich mittels im Grundbuch ein-</span><br/> <span class="ft1">getragener Dienstbarkeit sichergestellt sein muss. Vorliegend wird</span><br/> <span class="ft1">aber gar nichts gebaut und der Flugbetrieb könnte auch weitergeführt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">493</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">werden, wenn die Modellflugbetreiber ihre Motorfahrzeuge - wie</span><br/> <span class="ft1">vom Beschwerdeführer als Variante angeboten - auf öffentlichem</span><br/> <span class="ft1">Grund im Raum F. parkieren und die Modellflugzeuge mangels</span><br/> <span class="ft1">Fahrwegrecht mühsam zu Fuss auf das Modellfluggelände transpor-</span><br/> <span class="ft1">tieren (vgl. Art. 699 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom</span><br/> <span class="ft1">10. Dezember 1907, ZGB). Insofern genügt die Erschliessung des</span><br/> <span class="ft1">Modellfluggeländes dem Zweck der Anlage. Ob die Zufahrt über ei-</span><br/> <span class="ft1">nen Feldweg bzw. eine Waldstrasse aus Umweltschutz-, forstlichen-</span><br/> <span class="ft1">oder anderen Gründen beschränkt oder ganz ausgeschlossen werden</span><br/> <span class="ft1">soll, ist in den nachstehenden Erwägungen zu den entgegenstehenden</span><br/> <span class="ft1">Interessen bzw. zu den Bedingungen und Auflagen einer allfälligen</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung näher zu prüfen. Immerhin ist an dieser Stelle bereits</span><br/> <span class="ft1">festzuhalten, dass anlässlich der Augenscheinsverhandlung auch die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegner die Auffassung vertraten, die Zufahrt und das</span><br/> <span class="ft1">Abstellen der Fahrzeuge sei nicht das eigentliche Problem; wenn der</span><br/> <span class="ft1">Modellflugbetrieb als solcher bewilligt werde, sei auch eine ange-</span><br/> <span class="ft1">messene Zufahrt zu gestatten (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft1">Dass der Modellflugplatz nicht im Sinne von Art. 22 Abs. 2 lit.</span><br/> <span class="ft1">a RPG dem Zweck der Landwirtschaftszone entspricht, ist offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich und von allen Verfahrensbeteiligten anerkannt. Die Koordi-</span><br/> <span class="ft1">nationsstelle Baugesuche bejahte jedoch in ihrer Abweisungsverfü-</span><br/> <span class="ft1">gung vom 13. April 2000 (S. 3, act. 87) im Sinne der kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Praxis die sogenannt negative Standortgebundenheit der Anlage im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von Art. 24 lit. a RPG.</span><br/> <span class="ft1">b) Negative Standortgebundenheit</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 24 RPG können abweichend von Art. 22 Abs. 2 lit. a</span><br/> <span class="ft1">RPG Bewilligungen erteilt werden, wenn der Zweck der Bauten und</span><br/> <span class="ft1">Anlagen einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert (lit. a)</span><br/> <span class="ft1">und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (lit. b).</span><br/> <span class="ft1">Standortgebunden im Sinne von Art. 24 lit. a RPG sind Bauten</span><br/> <span class="ft1">oder Anlagen dann, wenn sie aus technischen oder betriebswirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Gründen oder wegen der Bodenbeschaffenheit auf einen</span><br/> <span class="ft1">Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen sind (positive Stand-</span><br/> <span class="ft1">ortgebundenheit) oder wenn eine Nutzung aus besonderen Gründen</span><br/> <span class="ft1">in Bauzonen ausgeschlossen ist (negative Standortgebundenheit).</span><br/> <span class="ft1">Dabei beurteilen sich die Voraussetzungen nach objektiven Massstä-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">494</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ben. Auf subjektive Vorstellungen und Wünsche kann es ebenso we-</span><br/> <span class="ft1">nig ankommen wie auf die persönliche Zweckmässigkeit und Be-</span><br/> <span class="ft1">quemlichkeit (BGE 123 II 261, 121 II 68 ff. und 310 f., 119 Ib 442,</span><br/> <span class="ft1">118 Ib 17 und 340; AGVE 1996 S. 346 f., 1993 S. 363 f.; RRB Nr.</span><br/> <span class="ft1">...).</span><br/> <span class="ft1">Der Modellflugbetrieb ist erfahrungsgemäss - namentlich beim</span><br/> <span class="ft1">Einsatz von Verbrennungsmotoren - mit einer erheblichen Lärmbe-</span><br/> <span class="ft1">lastung verbunden, welche in unmittelbarer Nähe zum Siedlungsge-</span><br/> <span class="ft1">biet unerwünscht ist. In Industrie- und Gewerbezonen sind zwar hö-</span><br/> <span class="ft1">here Lärmbelastungen zulässig, indessen fehlt es hier in der Regel an</span><br/> <span class="ft1">den für den Modellflug erforderlichen grossen unüberbauten Flä-</span><br/> <span class="ft1">chen. Es kommt hinzu, dass vom Modellflugbetrieb Gefahren ausge-</span><br/> <span class="ft1">hen, wenn Flugzeugmodelle durch technische Defekte oder Fehlbe-</span><br/> <span class="ft1">dienungen ausser Kontrolle geraten und abstürzen. Diese Gefahren</span><br/> <span class="ft1">sind in Bauzonen prinzipiell nicht tragbar, weshalb dem Modellflug-</span><br/> <span class="ft1">betrieb ausserhalb der Bauzonen praxisgemäss die negative Stand-</span><br/> <span class="ft1">ortgebundenheit zugestanden wird. Ob sich für das Vorhaben besser</span><br/> <span class="ft1">geeignete Alternativstandorte ausserhalb der Bauzonen anbieten als</span><br/> <span class="ft1">der derzeitige Standort, ist grundsätzlich im Rahmen der Interessen-</span><br/> <span class="ft1">abwägung nach Art. 24 lit. b RPG zu berücksichtigen (ZBl 2000 414</span><br/> <span class="ft1">ff., insbes. 419; vgl. auch BGE 118 Ib 17 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">c) Entgegenstehende Interessen</span><br/> <span class="ft1">aa) Beurteilung durch die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">In ihrer das Baugesuch abweisenden neunseitigen Verfügung</span><br/> <span class="ft1">vom 13. April 2000 nahm die Koordinationsstelle Baugesuche ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf diverse verwaltungsinterne Stellungnahmen der interes-</span><br/> <span class="ft1">sierten kantonalen Fachstellen eine ausführliche Interessenabwägung</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 24 lit. b RPG vor, welche sich wie folgt zusammenfas-</span><br/> <span class="ft1">sen lässt: Aus landwirtschaftlicher Sicht werden keine entgegenste-</span><br/> <span class="ft1">henden Interessen geltend gemacht. Forstliche Interessen sind durch</span><br/> <span class="ft1">das Flugfeld bzw. den Flugbetrieb ebenfalls nicht betroffen. Bei dem</span><br/> <span class="ft1">im Baugesuchsplan vom 26. Januar 2000 vorgesehenen Parkieren</span><br/> <span class="ft1">auf einer bestehenden Kiesfläche am Waldrand wird der praxisge-</span><br/> <span class="ft1">mäss verlangte Waldabstand von 2 m zur Waldgrenze nicht einge-</span><br/> <span class="ft1">halten. Das vom Modellflugplatz betroffene Gebiet ist im kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Richtplan zwar als "Landschaft von kantonaler Bedeutung" qualifi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">495</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ziert, weshalb in diesem Raum eine Landschaftsschutzzone geplant</span><br/> <span class="ft1">ist. Derzeit sind aber keine Inventarobjekte, Schutzzonen oder</span><br/> <span class="ft1">Schutzobjekte betroffen und es ist nicht erkennbar, inwiefern der</span><br/> <span class="ft1">keine Bauten erfordernde Modellflugbetrieb die Landschaft optisch</span><br/> <span class="ft1">beeinträchtigen könnte. Sofern die künftige kommunale Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">ordnung störende Nutzungen ausschliessen will, würde sich allenfalls</span><br/> <span class="ft1">der Erlass einer Planungszone durch den Gemeinderat aufdrängen.</span><br/> <span class="ft1">Das beim E.-Wald gelegene Gebiet "Allmend" ist allerdings ein</span><br/> <span class="ft1">heute noch relativ ungestörterer Lebensraum mit vereinzelten Feld-</span><br/> <span class="ft1">gehölzen und Wäldchen. In diesem Raum brüteten 1986 noch zwei</span><br/> <span class="ft1">Kiebitzpaare. Bis heute nachgewiesen sind Wachteln und Feldler-</span><br/> <span class="ft1">chen als geschützte und regional stark gefährdete Vogelarten. Auch</span><br/> <span class="ft1">der gefährdete Feldhase ist hier noch heimisch. Die Verlärmung</span><br/> <span class="ft1">("giftiges" Flugmotorengeräusch, Autolärm usw.) und die Zunahme</span><br/> <span class="ft1">der ungewohnten, nicht kalkulierbaren Störungen auf dem Boden</span><br/> <span class="ft1">und in der Luft (Fahrzeugverkehr, Menschen im Freien, Flugzeug-</span><br/> <span class="ft1">bewegungen usw.) stehen dem Erhalt und einer möglichen Aufwer-</span><br/> <span class="ft1">tung der Landschaft und des Lebensraumes seltener, stark gefährde-</span><br/> <span class="ft1">ter Tierarten entgegen. Punktuell und gebietsweise sollte das Wild,</span><br/> <span class="ft1">insbesondere das Schalenwild (u.a. Rehwild), mehr Ruhe und Si-</span><br/> <span class="ft1">cherheit verspüren können. Extreme durch den Menschen verur-</span><br/> <span class="ft1">sachte Beunruhigungen ihres Lebensraumes können beim Wild zu</span><br/> <span class="ft1">temporärem Futtermangel bzw. zu Unregelmässigkeiten in der Fut-</span><br/> <span class="ft1">teraufnahme führen. Die Folgen einer auf diese Weise entstandenen</span><br/> <span class="ft1">Unterernährung werden dadurch verschärft, dass vor allem der Ener-</span><br/> <span class="ft1">giestoffwechsel der Wildtiere durch die Beunruhigung bis auf das</span><br/> <span class="ft1">Dreifache des Normalwertes ansteigt. Alle bekannten wildbiologi-</span><br/> <span class="ft1">schen Fakten sprechen damit gegen den Betrieb einer Modellflugan-</span><br/> <span class="ft1">lage in Waldesnähe im betroffenen Gebiet. Die Summe der entge-</span><br/> <span class="ft1">genstehenden Interessen wird als derart gewichtig erachtet, dass</span><br/> <span class="ft1">diese die privaten Interessen am vorgesehenen Standort klar über-</span><br/> <span class="ft1">wiegen. Damit ist die Voraussetzung für die Erteilung der erforder-</span><br/> <span class="ft1">lichen Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 lit. b RPG nicht erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">bb) Einholung eines wildbiologischen Gutachtens</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">496</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">In Ihrer Offerte vom 7. Oktober 2002 für ein wildtierökologi-</span><br/> <span class="ft1">sches Gutachten hat Dr. H. M. zu insgesamt sieben durch das Gut-</span><br/> <span class="ft1">achten zu beantwortenden Fragen die Beantwortungsmöglichkeit</span><br/> <span class="ft1">aufgezeigt. Die entsprechenden Angaben relativieren die Aussage-</span><br/> <span class="ft1">kraft des offerierten Gutachtens für die rechtliche Beurteilung des</span><br/> <span class="ft1">Modellflugbetriebes durch den Regierungsrat in erheblichem Masse:</span><br/> <span class="ft1">So wird z.B. zur Frage "Welchen Einfluss hat der Flugplatz auf das</span><br/> <span class="ft1">hier lebende Wild?" die Beantwortungsmöglichkeit wie folgt aufge-</span><br/> <span class="ft1">zeigt: "Fachlich kompetente Einschätzung anhand genereller wissen-</span><br/> <span class="ft1">schaftlicher Erkenntnisse möglich mit Prognosen, aber keine gesi-</span><br/> <span class="ft1">cherten Fakten im streng naturwissenschaftlichen Sinn". Zur Frage</span><br/> <span class="ft1">"Besteht eine Kausalität zwischen Flugbetrieb und Bestandesrück-</span><br/> <span class="ft1">gang?" gibt die Expertin die Beantwortungsmöglichkeit u.a. wie</span><br/> <span class="ft1">folgt an: "Eine endgültige Kausalitätsklärung im streng naturwissen-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Sinn wäre nur durch umfangreiche wissenschaftliche</span><br/> <span class="ft1">Experimente möglich". Diese notwendigen Experimente wären auch</span><br/> <span class="ft1">in der Vollvariante des Gutachtens nicht enthalten. Entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Relativierungen der Beantwortungsmöglichkeit finden sich auch bei</span><br/> <span class="ft1">den übrigen interessierenden Fragen, z.B. "generelle Aussagen mög-</span><br/> <span class="ft1">lich" oder "bis vor kurzem war keine wissenschaftliche Klärung des</span><br/> <span class="ft1">konkreten Einflusses der Modellflugzeuge verfügbar".</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist daher davon auszugehen, dass die in der</span><br/> <span class="ft1">ablehnenden Verfügung der Koordinationsstelle Baugesuche vom</span><br/> <span class="ft1">13.</span> <span class="ft1">April 2000 vorgenommenen Einschätzungen der kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Fachstellen, dass der Modellflugbetrieb dem Lebensraum wildleben-</span><br/> <span class="ft1">der Tiere abträglich sein könnte, allenfalls als grundsätzlich berech-</span><br/> <span class="ft1">tigte Befürchtungen bestätigt werden könnten. Der rechtsgenügliche</span><br/> <span class="ft1">Nachweis, dass die wild lebenden Tiere tatsächlich beeinträchtigt</span><br/> <span class="ft1">werden und gegebenenfalls in welchen Mass, liesse sich jedoch nicht</span><br/> <span class="ft1">erbringen. Nachdem die vorgeschlagene Gutachterin selbst ausführt,</span><br/> <span class="ft1">dass gewisse Fragen nur "in einer relativ allgemeinen Form ... bzw.</span><br/> <span class="ft1">in Form einer Prognose, die - wie alle Prognosen - mit einer Restun-</span><br/> <span class="ft1">sicherheit behaftet sein wird" beantwortet werden können, macht der</span><br/> <span class="ft1">Anwalt des Beschwerdeführers zu Recht geltend, das Gutachten</span><br/> <span class="ft1">könne keine wesentlichen neuen Tatsachen liefern und seine Einho-</span><br/> <span class="ft1">lung sei angesichts der von den Parteien angebotenen Beweismittel</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">497</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">unverhältnismässig. Weitergehende Erkenntnisse, ob der Modell-</span><br/> <span class="ft1">flugbetrieb für den geltend gemachten Bestandesrückgang beim Wild</span><br/> <span class="ft1">kausal ist, wären kaum zu erwarten und die Frage der Verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässigkeit der Kosten bliebe problematisch. Die von den kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Fachstellen und den Verfahrensbeteiligten beigebrachten Beweis-</span><br/> <span class="ft1">mittel und Erkenntnisse bilden - wie die nachfolgenden Erwägungen</span><br/> <span class="ft1">zeigen werden - eine genügende Entscheidgrundlage. Auf die Ein-</span><br/> <span class="ft1">holung eines wildbiologischen Gutachtens ist daher zu verzichten.</span><br/> <span class="ft1">cc) Entgegenstehende Interessen im Einzelnen</span><br/> <span class="ft1">aaa) Landwirtschaftliche Interessen</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Gesamthaft ist demnach davon auszugehen, dass die Interessen</span><br/> <span class="ft1">der Landwirtschaft dem Modellflugbetrieb nicht entgegen stehen.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Landschaftsschutz</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Der Landschaftsschutz steht dem Modellflugbetrieb somit der-</span><br/> <span class="ft1">zeit nicht entgegen.</span><br/> <span class="ft1">ccc) Forstwirtschaft</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Interessen der Forstwirtschaft stehen dem Modellflugplatz also</span><br/> <span class="ft1">nicht entgegen.</span><br/> <span class="ft1">ddd) Interessen der Jägerschaft (exklusive Interessen des Wil-</span><br/> <span class="ft1">des)</span><br/> <span class="ft1">Dass die Modellflugzeuge den eigentlichen Jagdbetrieb, z.B.</span><br/> <span class="ft1">die Treibjagd oder die Möglichkeit zum Ansitzen einzelner Jäger be-</span><br/> <span class="ft1">einträchtigen, kann ausgeschlossen werden. (...)</span><br/> <span class="ft1">eee) Naturschutz, insbesondere Schutz des Lebensraumes</span><br/> <span class="ft1">wildlebender Tiere</span><br/> <span class="ft1">aaaa) Vögel</span><br/> <span class="ft1">Die Koordinationsstelle Baugesuche hat geltend gemacht, das</span><br/> <span class="ft1">südwestlich vom E.-Wald gelegene Gebiet "Allmend" stelle einen</span><br/> <span class="ft1">heute noch relativ ungestörten Lebensraum mit vereinzelten Feldge-</span><br/> <span class="ft1">hölzen und Wäldchen dar, der für gefährdete Tiere zu erhalten und</span><br/> <span class="ft1">nach Möglichkeit aufzuwerten sei. In diesem Gebiet hätten bis 1986</span><br/> <span class="ft1">noch zwei Kiebitzpaare gebrütet und bis heute nachgewiesen seien</span><br/> <span class="ft1">Wachtel und Feldlerche als ebenfalls geschützte und regional stark</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">498</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gefährdete Vogelarten. Die Verlärmung ("giftiges" Flugmotorenge-</span><br/> <span class="ft1">räusch, Autolärm usw.) und die Zunahme der ungewohnten, nicht</span><br/> <span class="ft1">kalkulierbaren Störungen auf dem Boden und in der Luft (Fahrzeug-</span><br/> <span class="ft1">verkehr, Menschen im Freien, Flugzeugbewegungen usw.) seien mit</span><br/> <span class="ft1">den Zielen des Naturschutzes nicht vereinbar.</span><br/> <span class="ft1">Die Mitglieder der Modellfluggruppe halten dem entgegen, die</span><br/> <span class="ft1">verursachten Störungen seien in Relation zu setzen zu den von Spa-</span><br/> <span class="ft1">zierenden (mit und ohne Hund), Joggern, Orientierungsläufern, Bi-</span><br/> <span class="ft1">kern und anderen Erholung Suchenden verursachten Beeinträchti-</span><br/> <span class="ft1">gungen des Wildes. Dieser Einwand mag an anderen Standorten be-</span><br/> <span class="ft1">rechtigt sein. Hinsichtlich des Standortes F. ist allerdings festzustel-</span><br/> <span class="ft1">len, dass es sich um eine relativ abgelegene Gegend handelt, welche</span><br/> <span class="ft1">nicht im Naherholungsgebiet einer grösseren Gemeinde liegt. Auch</span><br/> <span class="ft1">wenn unmittelbar bei der Landebahn eine Hütte mit Feuerstelle vor-</span><br/> <span class="ft1">handen ist, welche wohl die in der näheren Umgebung wohnhafte</span><br/> <span class="ft1">Bevölkerung als Grillplatz nutzt, dürften hier doch vergleichsweise</span><br/> <span class="ft1">wenige Personen ihre Freizeit verbringen, was mit dem Vorteil ver-</span><br/> <span class="ft1">bunden ist, dass wenige Menschen durch den Modellflugbetrieb ge-</span><br/> <span class="ft1">stört werden. Andererseits hat der Modellflugplatz aber zur Folge,</span><br/> <span class="ft1">dass vermehrt Menschen in ein Gebiet vordringen, wo die Tiere bis-</span><br/> <span class="ft1">her noch relativ wenigen Störungen ausgesetzt waren. Wenn man al-</span><br/> <span class="ft1">lerdings die negative Standortgebundenheit der Modellfliegerei we-</span><br/> <span class="ft1">gen des Störungspotentials für Menschen bejaht, darf man diese nicht</span><br/> <span class="ft1">in der Nähe von menschlichen Siedlungen, d.h. in ausgeprägten Nah-</span><br/> <span class="ft1">erholungsgebieten realisieren wollen. Die Suche nach alternativen</span><br/> <span class="ft1">Standorten (vgl. Erw. 3d hienach) hat denn auch gezeigt, dass dem</span><br/> <span class="ft1">Modellflugbetrieb dann am wenigsten Opposition erwächst, d.h. die</span><br/> <span class="ft1">Realisierungschancen dann am grössten sind, wenn dafür ein mög-</span><br/> <span class="ft1">lichst abgelegener Ort gewählt wird, der zwangsweise in einem von</span><br/> <span class="ft1">Menschen noch wenig genutzten Gebiet liegen muss. Insofern kann</span><br/> <span class="ft1">ein abgelegener Standort nicht grundsätzlich unter dem Titel entge-</span><br/> <span class="ft1">genstehende Interessen abgelehnt werden, weil er prinzipiell vor dem</span><br/> <span class="ft1">Eindringen von Menschen zu schützen ist. Es ist zusätzlich nachzu-</span><br/> <span class="ft1">weisen, dass das Eindringen von Menschen für die Natur, z.B. die</span><br/> <span class="ft1">Vögel, tatsächlich erheblich nachteilig ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">499</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Dass die Vögel vom Modellflugbetrieb beeinträchtigt würden,</span><br/> <span class="ft1">begründen die Vorinstanz und die Jägerschaft einerseits mit dem</span><br/> <span class="ft1">"giftigen", d.h. relativ hochfrequenten Motorengeräusch, welches</span><br/> <span class="ft1">beim Flug von Loopings mit wechselnder Motordrehzahl an- und ab-</span><br/> <span class="ft1">schwillt. Andererseits wird geltend gemacht, Modellflugzeuge erin-</span><br/> <span class="ft1">nerten an die Silhouette von Raubvögeln und eine von oben nahende</span><br/> <span class="ft1">Gefahr wirke für am Boden brütende Vögel (wie auch für Hasen) be-</span><br/> <span class="ft1">sonders bedrohlich. Schliesslich störe allein schon die Anwesenheit</span><br/> <span class="ft1">von Menschen.</span><br/> <span class="ft1">Wie die Vorführung verschiedener Flugzeugmodelle anlässlich</span><br/> <span class="ft1">der Augenscheinsverhandlung gezeigt hat, verfügen aktuelle Modelle</span><br/> <span class="ft1">über wirksame Schalldämpfvorrichtungen, deren Nutzung im Flug-</span><br/> <span class="ft1">platzreglement zwingend vorgeschrieben ist. Das von den Flug-</span><br/> <span class="ft1">zeugmodellen erzeugte Motoren- bzw. Propellergeräusch vermochte</span><br/> <span class="ft1">den Fortgang der Verhandlung bzw. das Gespräch nicht zu beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigen. Während der Flugvorführung kreisten am Himmel ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedene Vögel, darunter Raubvögel, und von der Silhouette mit</span><br/> <span class="ft1">den Modellflugzeugen vergleichbar zogen Passagierflugzeuge am</span><br/> <span class="ft1">Himmel vorbei. Singvögel auf nahen Bäumen stellten ihren Gesang</span><br/> <span class="ft1">nicht ein. Dem wurde entgegengehalten, nicht alle Vogelarten seien</span><br/> <span class="ft1">gleich lärmtolerant bzw. menschenverträglich. Der Modellflugverein</span><br/> <span class="ft1">hat diesbezüglich in einem Schreiben an den Gemeinderat S. vom</span><br/> <span class="ft1">30. Mai 2002 im Zusammenhang mit seinem Gesuch für den alter-</span><br/> <span class="ft1">nativen Standort "F.h." in S. ausgeführt, ein Beispiel, das die Vogel-</span><br/> <span class="ft1">warte Sempach registriert habe, zeige, dass Kiebitze kein Problem</span><br/> <span class="ft1">mit Modellflugplätzen hätten. In der Rasenmäherkiste des Modell-</span><br/> <span class="ft1">flugplatzes W. habe ein Kiebitzpaar unmittelbar neben der Modell-</span><br/> <span class="ft1">flugpiste genistet. Ein brütendes Feldlerchenpaar sei ferner von Mo-</span><br/> <span class="ft1">dellflugkollegen im Rasen des Modellflugplatzes K. festgestellt wor-</span><br/> <span class="ft1">den. Dieser Darstellung mochte anlässlich der Augenscheinsver-</span><br/> <span class="ft1">handlung niemand widersprechen. Im Nachgang zur Verhandlung</span><br/> <span class="ft1">reichte der Modellflugverein zusammen mit einer Fotodokumenta-</span><br/> <span class="ft1">tion über die Anwesenheit von Hasen und Rehwild während des</span><br/> <span class="ft1">Flugbetriebes auch eine von zehn namentlich aufgeführten Personen</span><br/> <span class="ft1">mit Unterschrift bezeugte Bestätigung vom 12. September 2002 über</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">500</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die Beobachtung von Feldlerchen, Kiebitzen und Raubvögeln beim</span><br/> <span class="ft1">Modellflugplatz W. nach (vgl. Bestätigung ...).</span><br/> <span class="ft1">Hinsichtlich der Frage, ob der Modellflugbetrieb für den Rück-</span><br/> <span class="ft1">gang von Vögeln, Hasen und Rehen verantwortlich gemacht werden</span><br/> <span class="ft1">könne, enthält die von Dr. sc. nat. B. J., Leiter der Pro Natura S., am</span><br/> <span class="ft1">10. April 2000 zuhanden des Gemeinderates S. abgegebene Stel-</span><br/> <span class="ft1">lungnahme interessante Argumente. Diese Beurteilung ging nach</span><br/> <span class="ft1">dem ablehnenden Entscheid der Koordinationsstelle Baugesuche</span><br/> <span class="ft1">beim Baudepartement ein. Die Sektionen der Pro Natura und ihre re-</span><br/> <span class="ft1">gionalen Leiter setzen sich erfahrungsgemäss nicht für der Natur ab-</span><br/> <span class="ft1">trägliche Projekte ein. Die Ausführungen von Dr. sc. nat. B. J. wer-</span><br/> <span class="ft1">den daher als Beurteilung einer fachkompetenten Person auszugs-</span><br/> <span class="ft1">weise wie folgt wiedergegeben:</span><br/> <span class="ft1">"<i>Gefährdung bzw. Abwertung von Lebensräumen</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Es ist unbestritten, dass gewisse sensible Tierarten ein Gelände</i></span><br/> <span class="ft6"><i>meiden, wenn sich dort häufig Personen aufhalten, besonders, wenn</i></span><br/> <span class="ft6"><i>diese noch Aktivitäten entfalten. Um den Grad der Gefährdung bzw.</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Abwertung durch einen Modellflugplatz-Betrieb seriös abschätzen zu</i></span><br/> <span class="ft6"><i>können, ist einerseits eine Beurteilung des heutigen Zustandes und</i></span><br/> <span class="ft6"><i>andererseits eine Bewertung des Entwicklungspotentials des betref-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>fenden Gebietes notwendig.</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Heutiger Zustand</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Das Gebiet zwischen E.-Wald und B.-Holz - ein ehemaliges</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Flachmoor - ist wohl ruhig und abgeschieden; das Acker- und</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Wiesland jedoch ist von der Ökologie her gesehen, wie sehr viele</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Flächen im schweizerischen Mittelland, wegen der intensiven land-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>wirtschaftlichen Nutzung und der damit verbundenen Behandlungen</i></span><br/> <span class="ft6"><i>mit Bioziden (besonders Herbizide und Fungizide) heute ziemlich</i></span><br/> <span class="ft6"><i>monoton und wenig artenreich. Es sind keine spezifischen Schutzge-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>biete in der näheren Umgebung des vorgesehenen Modellflugplatzes</i></span><br/> <span class="ft6"><i>vorhanden, auch nicht im angrenzenden Wald. Es kann nicht ernst-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>haft behauptet werden, durch einen Modellflugbetrieb würden dort</i></span><br/> <span class="ft6"><i>bestimmte Arten bedroht bzw. in ihrem Bestand gefährdet. Dies trifft</i></span><br/> <span class="ft6"><i>insbesondere auch für den Kiebitz zu, welcher mit Sicherheit nicht im</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Walde brütet und auf unabsehbare Zeit in diesem Gebiet nicht wieder</i></span><br/> <span class="ft6"><i>heimisch werden kann. Das Standwild dagegen würde, wie an-</i></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">501</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>dernorts wiederholt beobachtet, recht schnell merken, zu welchen</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Tageszeiten das Gelände belegt ist und wann nicht. Die scheuen</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Rehe sogar lernen erfahrungsgemäss sehr wohl, von wo Gefahr aus-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>gehen könnte und von wo nicht. Eine feste Immissionsquelle ist für</i></span><br/> <span class="ft6"><i>sie berechenbarer als mobile Störquellen wie z.B. Jogger, Spazier-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>gänger und Orientierungsläufer, die überall auftauchen können.</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Entwicklungspotential</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Solange sich die Bewirtschaftung der Felder nicht wesentlich in</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Richtung ökologisch verträglicher Produktionsweisen verändert,</i></span><br/> <span class="ft6"><i>wird die Lebensraumqualität des Wieslandes kaum besser werden</i></span><br/> <span class="ft6"><i>und die Artenvielfalt somit nicht wieder ansteigen. Die IP, die soge-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>nannte integrierte Produktion, bringt wegen des erlaubten Einsatzes</i></span><br/> <span class="ft6"><i>von Breitband-Herbiziden keine substanzielle Verbesserung. Einzig</i></span><br/> <span class="ft6"><i>auf den vorgeschriebenen 7% extensiv zu nutzenden Flächen sind</i></span><br/> <span class="ft6"><i>deutliche Aufwertungen zu erwarten und zum Teil feststellbar. Es</i></span><br/> <span class="ft6"><i>macht jedoch den Anschein, dass die relativ kleine Rate von 7% na-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>turnaher Flächen in den nächsten Jahren stark anwachsen wird. Mit</i></span><br/> <span class="ft6"><i>einer Neubesiedlung durch früher hier vorhandene sensible Tierarten</i></span><br/> <span class="ft6"><i>ist auf absehbare Zeit nicht zu rechnen, primär wegen des zu kleinen</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Flächenanteils geeigneter naturnaher Lebensräume. Daher ist der</i></span><br/> <span class="ft6"><i>Betrieb eines Modellflugplatzes an diesem Standort auch längerfri-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>stig nicht als problematisch zu betrachten</i>."</span><br/> <span class="ft1">Diese Argumentation vermag zu überzeugen, insbesondere</span><br/> <span class="ft1">wenn man sich die nähere Umgebung des Modellflugplatzes vor Au-</span><br/> <span class="ft1">gen führt (vgl. auch den von den Gemüsebauern I. zu den Akten ge-</span><br/> <span class="ft1">gebenen Plan ihres Anbaugebietes ...). Das angrenzende Gebiet ist</span><br/> <span class="ft1">entgegen den Ausführungen der Koordinationsstelle Baugesuche ge-</span><br/> <span class="ft1">rade nicht vom Menschen unberührtes Naturgebiet. Vielmehr wird</span><br/> <span class="ft1">hier intensiv Landwirtschaft und insbesondere Gemüsebau betrieben.</span><br/> <span class="ft1">Das hat offensichtlich nicht nur den erwähnten Biozideinsatz zur</span><br/> <span class="ft1">Folge. Sehr häufig sind auch Traktoren und Fahrzeuge zum Abtrans-</span><br/> <span class="ft1">port des Gemüses unterwegs und auf den Feldern herrscht eine em-</span><br/> <span class="ft1">sige Tätigkeit von im Gemüsebau tätigen Personen. Das Geräusch</span><br/> <span class="ft1">der Flugzeuge und Autos der Modellflugfreunde vermischt sich mit</span><br/> <span class="ft1">dem Motorengeräusch der Fahrzeuge der Gemüsebauern und die</span><br/> <span class="ft1">Mitglieder des Modellflugvereins erhöhen zwar die Zahl der anwe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">502</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">senden Menschen; es kann aber nicht gesagt werden, sie hielten sich</span><br/> <span class="ft1">in einem von Menschen bisher wenig berührten Gebiet auf. Die vom</span><br/> <span class="ft1">Modellflugverein verursachte Störung fällt - unter Zugrundelegung</span><br/> <span class="ft1">einer nachfolgend (Erw. 4c) noch zu bestimmenden zeitlichen Flug-</span><br/> <span class="ft1">betriebsbeschränkung - unter den gegebenen Umständen nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">entscheidend ins Gewicht und vermag den Lebensraum menschen-</span><br/> <span class="ft1">scheuer schützenswerter Vögel nicht zusätzlich relevant zu beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigen.</span><br/> <span class="ft1">bbbb) Hasen</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Wie bei den Vögeln stellt sich nun aber die Frage, ob der Mo-</span><br/> <span class="ft1">dellflugbetrieb tatsächlich für den Rückgang bei den Hasenbeständen</span><br/> <span class="ft1">verantwortlich gemacht werden kann oder ob andere Faktoren, z.B.</span><br/> <span class="ft1">die intensive landwirtschaftliche Nutzung, dafür verantwortlich zu</span><br/> <span class="ft1">machen sind. Der Rückgang der Hasenbestände ist im ganzen Kan-</span><br/> <span class="ft1">tonsgebiet feststellbar. Wäre der seit 1999 bestehende Modellflugbe-</span><br/> <span class="ft1">trieb dem Bestand abträglich, müsste der Hasenbestand - zumindest</span><br/> <span class="ft1">in der näheren Umgebung des E.-Waldes - verglichen mit dem übri-</span><br/> <span class="ft1">gen Kantonsgebiet überdurchschnittlich zurückgegangen sein. Dies</span><br/> <span class="ft1">wird von der Jagdgesellschaft S. zwar behauptet, deckt sich aber</span><br/> <span class="ft1">nicht mit den Beobachtungen der kantonalen Jagdverwaltung und des</span><br/> <span class="ft1">Modellflugvereins. Nachdem der Hasenbestand im Revier S. of-</span><br/> <span class="ft1">fenbar ausserordentlich gut geblieben ist, kann der Modellflugbetrieb</span><br/> <span class="ft1">keine schwere Belastung für das Revier darstellen. Das mag einer-</span><br/> <span class="ft1">seits damit zusammenhängen, dass das von den Modellflugzeugen</span><br/> <span class="ft1">überflogene und von der Lärmbelastung betroffene Gebiet gemessen</span><br/> <span class="ft1">am ganzen Revier vergleichsweise sehr klein ist (vgl. Plan des Jagd-</span><br/> <span class="ft1">reviers S. in den Beilagen zu den Eingaben der Jagdgesellschaft S.).</span><br/> <span class="ft1">Die Hasenpopulation im Einzugsgebiet des E.-Waldes kann während</span><br/> <span class="ft1">des Modellflugbetriebes in den Raum nördlich, östlich oder südlich</span><br/> <span class="ft1">des E.-Waldes ausweichen. Es kommt hinzu, dass der Flugbetrieb für</span><br/> <span class="ft1">die Hasen zwar einen Stress zur Folge haben kann. Entgegen der Be-</span><br/> <span class="ft1">fürchtung der Jäger lassen sich die Hasen aber - wie oben ge-</span><br/> <span class="ft1">zeigt - offenbar nicht in die Flucht schlagen mit der Folge, dass sie</span><br/> <span class="ft1">nie mehr in dieses Gebiet zurückkehren.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">503</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">cccc) Rehwild</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Scheues Wild dürfte das Gebiet westlich des E.-Waldes wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend der Anwesenheit der Mitglieder des Modellflugvereins meiden,</span><br/> <span class="ft1">und zwar mit und ohne Betrieb von Flugzeugmodellen allein schon</span><br/> <span class="ft1">wegen der Anwesenheit von Menschen. Die regelmässige Anwesen-</span><br/> <span class="ft1">heit von Menschen in diesem Gebiet aufgrund der intensiven land-</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftlichen Tätigkeit hat aber offenbar zu einer gewissen Ge-</span><br/> <span class="ft1">wöhnung von Hasen und Rehwild an Menschen geführt. Das Wild</span><br/> <span class="ft1">hält zwar respektvoll eine Mindestdistanz zu den Menschen ein, lässt</span><br/> <span class="ft1">sich durch deren Anwesenheit aber auch tagsüber nicht daran hin-</span><br/> <span class="ft1">dern, das offene Feld zu betreten, um dort ungestört zu äsen. Die</span><br/> <span class="ft1">vom Modellflugverein eingereichte Fotodokumentation zeigt, dass</span><br/> <span class="ft1">selbst während des Flugbetriebes Hasen und Rehe von Propellerflug-</span><br/> <span class="ft1">zeugen und Helikoptern unbeirrt in geringer Distanz zur Nahrungs-</span><br/> <span class="ft1">aufnahme auf das offene Feld hinaustreten. Die nachvollziehbar un-</span><br/> <span class="ft1">mittelbar beim E.-Wald entstandenen und teilweise gleichzeitig An-</span><br/> <span class="ft1">gehörige des Modellflugvereins bzw. ihre Modelle festhaltenden</span><br/> <span class="ft1">Fotos zeigen teilweise fünf bis sechs Rehe gleichzeitig (vgl. Fotos zu</span><br/> <span class="ft1">den Standorten A, B und K). (...)</span><br/> <span class="ft1">Im Rahmen der pflichtgemässen Würdigung des Ergebnisses</span><br/> <span class="ft1">der getätigten Abklärungen (vgl. § 20 Abs. 1 VRPG) erscheint es an-</span><br/> <span class="ft1">gezeigt, die im Zusammenhang mit anderen Verfahren gemachten</span><br/> <span class="ft1">Erfahrungen zu berücksichtigen. Zu diesen Erfahrungen gehört, dass</span><br/> <span class="ft1">selbst auf dem Areal von Passagierflughäfen, wo ungleich höhere</span><br/> <span class="ft1">Lärmimmissionen auftreten, nebst Vögeln und Hasen regelmässig</span><br/> <span class="ft1">auch Rehe zu beobachten sind. Das mag damit zusammenhängen,</span><br/> <span class="ft1">dass die Tiere im eingezäunten Gebiet entlang den Pisten von Men-</span><br/> <span class="ft1">schen wenig gestört werden. Andererseits wird damit aber eine gros-</span><br/> <span class="ft1">se Anpassungs- bzw. Gewöhnungsfähigkeit dokumentiert. Dass sich</span><br/> <span class="ft1">bei einer gewissen Regelmässigkeit der Störungen das intelligente</span><br/> <span class="ft1">Rehwild an diese anzupassen vermag, wird von der Sektion Jagd und</span><br/> <span class="ft1">Fischerei bestätigt und deckt sich mit den bei anderen bewilligten</span><br/> <span class="ft1">Anlagen gewonnenen Erfahrungen. So sind z.B. beim vom Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat am 25. August 1993 der Modellfluggruppe U. in E. bewil-</span><br/> <span class="ft1">ligten und vom Beschwerdeführer vergleichsweise angesprochenen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">504</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Modellflugplatz (RRB Nr. ...) im Nachhinein keine Probleme des</span><br/> <span class="ft1">Wildes mit der neuen Situation bekannt geworden (vgl. undatierte</span><br/> <span class="ft1">Stellungnahme der Jagd- und Fischereiverwaltung vom November</span><br/> <span class="ft1">2000, ...). Vergleichbar dürften auch die Verhältnisse bei einem</span><br/> <span class="ft1">1990/1993 mit Zustimmung des Baudepartementes an einem Wald-</span><br/> <span class="ft1">rand bei Lenzburg erstellten beleuchteten Trainingsplatz für Schäfer-</span><br/> <span class="ft1">hunde sein. Auf diesem in der Nähe von Autobahn und Autobahnzu-</span><br/> <span class="ft1">bringer gelegenen Platz werden teilweise unter Zuhilfenahme von</span><br/> <span class="ft1">Flutlicht auch nach Einbrechen der Dunkelheit Hunde ausgebildet.</span><br/> <span class="ft1">Halten sich die Hunde und ihre Halter am Waldrand auf, was für die</span><br/> <span class="ft1">Rehe bereits aufgrund der Witterung, aber auch aufgrund des Gebells</span><br/> <span class="ft1">leicht feststellbar sein dürfte, meidet das Wild den Platz. Das intelli-</span><br/> <span class="ft1">gente und anpassungsfähige Rehwild hat sich aber nicht dauerhaft</span><br/> <span class="ft1">vertreiben lassen, sondern nutzt die ungestörte Zeit, um an dieser</span><br/> <span class="ft1">Stelle weiterhin und selbst tagsüber beobachtbar zu äsen. Ob das</span><br/> <span class="ft1">Rehwild übermässig beeinträchtigt wird, ist somit eine Frage der</span><br/> <span class="ft1">Dauer und der Häufigkeit des Flugbetriebes. Eine relevante Beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigung lässt sich offenbar durch die zeitliche Regelung des</span><br/> <span class="ft1">Flugbetriebes vermeiden (vgl. hierzu die nachfolgende Erwägung</span><br/> <span class="ft1">4c).</span><br/> <span class="ft1">d) Alternative Standorte für einen Modellflugplatz</span><br/> <span class="ft1">Bei der Bejahung der negativen Standortgebundenheit einer</span><br/> <span class="ft1">Baute oder Anlage ist regelmässig zu prüfen, ob alternative Standorte</span><br/> <span class="ft1">möglich wären, wo der Baute oder Anlage weniger Interessen entge-</span><br/> <span class="ft1">gen stehen.</span><br/> <span class="ft1">Der Modellflugverein prüfte nach eigenen Angaben über 30</span><br/> <span class="ft1">Standorte, bevor die Wahl auf den Raum F. fiel. Aufgrund der fun-</span><br/> <span class="ft1">damentalen Opposition der Jagdgesellschaft S. war das Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">verfahren vor dem Regierungsrat während 1 ½ Jahren sistiert, weil</span><br/> <span class="ft1">der Modellflugverein noch einmal nach alternativen Standorten su-</span><br/> <span class="ft1">chen wollte. Trotz Mitwirkung des Gemeinderates S. und intensiver</span><br/> <span class="ft1">Prüfung zweier konkreter Alternativstandorte sind diese Bemü-</span><br/> <span class="ft1">hungen jedoch gescheitert. In ihrer ablehnenden Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft1">14. Januar 2002 zum alternativen Standort "F.h.", gegen den 31</span><br/> <span class="ft1">Einsprachen eingingen, hielt die Koordinationsstelle Baugesuche</span><br/> <span class="ft1">fest, es sei "schwierig, in S. einen geeigneten Standort für den Mo-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">505</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dellflugplatz zu finden". Bei den weniger abgelegenen Standorten</span><br/> <span class="ft1">gab es zusätzliche Opposition der Anwohnerschaft, die grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">liche Ablehnung der Jägerschaft war auch dort vorhanden. Wenn sich</span><br/> <span class="ft1">aber in der Gemeinde S., die zu den flächenmässig grössten Gemein-</span><br/> <span class="ft1">den des Kantons gehört und in einem relativ schwach besiedelten</span><br/> <span class="ft1">Gebiet liegt, kein Standort für einen neuen Modellflugplatz finden</span><br/> <span class="ft1">lässt, stellt sich ernsthaft die Frage, wo denn ein solcher im Kantons-</span><br/> <span class="ft1">gebiet überhaupt noch realisierbar sein soll. Es wird jedenfalls nicht</span><br/> <span class="ft1">mit Fug behauptet werden können, besser geeignete Standorte liessen</span><br/> <span class="ft1">sich bei redlicher Bemühung finden.</span><br/> <span class="ft1">e) Abwägung der auf dem Spiel stehenden Interessen</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten (Erw. 3c und 3d) gibt es keine Interessen,</span><br/> <span class="ft1">welche dem Modellflugbetrieb im Raum F. absolut entgegen stehen</span><br/> <span class="ft1">und keine alternativen Standorte, mit geringeren entgegenstehenden</span><br/> <span class="ft1">Interessen. Auch wenn sich mit verhältnismässigem Aufwand der</span><br/> <span class="ft1">Nachweis nicht erbringen lässt, dass sich der Modellflugbetrieb auf</span><br/> <span class="ft1">den Lebensraum wild lebender Tiere erheblich nachteilig auswirkt,</span><br/> <span class="ft1">nimmt der Regierungsrat die diesbezüglich geäusserten Bedenken</span><br/> <span class="ft1">ernst. Die Umweltverträglichkeit der Modellfliegerei ist primär eine</span><br/> <span class="ft1">Frage des Masses. Der Ausgleich zwischen den Interessen an der</span><br/> <span class="ft1">Ausübung dieses Hobbys und den Interessen der Natur, namentlich</span><br/> <span class="ft1">den Interessen des Wildes an möglichst geringer anthropogener Stö-</span><br/> <span class="ft1">rung lässt sich im Sinne des Vorsorgeprinzips gemäss Art. 11 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">des Bundesgesetzes über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz</span><br/> <span class="ft1">[USG]) vom 7. Oktober 1983 am sinnvollsten durch adäquate Bedin-</span><br/> <span class="ft1">gungen und Auflagen für den Betrieb finden, d.h. durch vorsorgliche</span><br/> <span class="ft1">Emissionsbegrenzungen, soweit dies technisch, betrieblich und wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlich tragbar ist. Es gilt derartige Vorgaben für den Flugbetrieb</span><br/> <span class="ft1">zu machen, dass das Hobby noch angemessen ausgeübt werden kann,</span><br/> <span class="ft1">ohne dass die Umwelt eine unangemessene Beeinträchtigung erlei-</span><br/> <span class="ft1">det.</span><br/> <span class="ft1">4. Bedingungen und Auflagen der Baubewilligung</span><br/> <span class="ft1">a) Zufahrt und Parkierung</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">b) Flugzeugmodelle</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">506</span></div> <div class="page" id="S17"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) Flugplatzbetriebszeiten</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Im Zusammenhang mit dem seinerzeitigen Gesuch der Modell-</span><br/> <span class="ft1">fluggruppe U. für den Modellflugplatz E. ist in Zusammenarbeit zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen Modellfluggruppe und Gemeinderat eine Flugzeitbeschrän-</span><br/> <span class="ft1">kung entstanden, welche der Regierungsrat in der Folge als angemes-</span><br/> <span class="ft1">senen Ausgleich der auf dem Spiel stehenden Interessen eingestuft</span><br/> <span class="ft1">und bestätigt hat. Für den Flugbetrieb mit Motorflugzeugen bewilligt</span><br/> <span class="ft1">wurden drei Nachmittage pro Woche. Diese Flugzeitbeschränkung</span><br/> <span class="ft1">diskutierten die Beteiligten anlässlich der Augenscheinsverhandlung</span><br/> <span class="ft1">vom 6. September 2002 einlässlich und schliesslich einigten sie sich</span><br/> <span class="ft1">auf Mittwoch-, Samstag-, und Sonntag-Nachmittag jeweils von 13.00</span><br/> <span class="ft1">bis 19.00 Uhr. Berücksichtigt man, dass nur bei einigermassen</span><br/> <span class="ft1">trockenem und windstillem Wetter geflogen werden kann, dürfte sich</span><br/> <span class="ft1">der Flugbetrieb damit auf durchschnittlich etwa zwei Halbtage pro</span><br/> <span class="ft1">Woche beschränken. Ausnahmen für Segelflugmodelle sind nicht</span><br/> <span class="ft1">angezeigt, da diese in F. nur unter Zuhilfenahme von Motorflugzeu-</span><br/> <span class="ft1">gen in die Höhe gezogen werden können. Die Einschränkung von</span><br/> <span class="ft1">heute 13 auf neu 3 Halbtage ist für den Modellflugverein zwar ein-</span><br/> <span class="ft1">schneidend, lässt aber erfahrungsgemäss noch einen minimalen</span><br/> <span class="ft1">Flugbetrieb zu, der den Fortbestand des Vereins sichert. Es liegt im</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Interesse, dass das Modellflughobby in eine gewisse</span><br/> <span class="ft1">Kontrolle und Ordnung sicherstellenden Vereinen ausgeübt und auf</span><br/> <span class="ft1">bestimmte Plätze konzentriert wird. Die unbefriedigende Alternative</span><br/> <span class="ft1">bestünde darin, dass die Vereinsmitglieder sich diffus über das Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindegebiet von S. verteilen und je einzeln ihre Modelle bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsfrei fliegen lassen würden, um sich anschliessend am F.-Wald</span><br/> <span class="ft1">gesellig zu treffen. Die Konzentration auf drei Flughalbtage pro Wo-</span><br/> <span class="ft1">che schliesst zwar eine Störung des Wildes nicht gänzlich aus, lässt</span><br/> <span class="ft1">diesem aber genügend vom Modellflug ungestörte Zeit für die Nah-</span><br/> <span class="ft1">rungsaufnahme, womit die von der Sektion Jagd und Fischerei be-</span><br/> <span class="ft1">fürchtete Mangelernährung des Wildes vermieden werden sollte. Die</span><br/> <span class="ft1">geforderte gänzliche Einstellung des Flugbetriebes während der</span><br/> <span class="ft1">Setzzeit des Rehwildes von anfangs Mai bis Mitte Juli ist dagegen</span><br/> <span class="ft1">als unverhältnismässig abzulehnen. Einerseits würde eine für den</span><br/> <span class="ft1">Flugbetrieb besonders geeignete Jahreszeit gänzlich blockiert. Ande-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">507</span></div> <div class="page" id="S18"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rerseits ist zu berücksichtigen, dass das überflogene Gebiet nur rund</span><br/> <span class="ft1">400 m² umfasst, nach den Aussagen der Jagdgesellschaft S. nur null</span><br/> <span class="ft1">bis zwei Rehgeissen betrifft und rund um den E.-Wald genügend</span><br/> <span class="ft1">Ausweichmöglichkeiten bzw. Setzplätze für maximal zwei Rehgei-</span><br/> <span class="ft1">ssen bestehen.</span><br/> <span class="ft1">5. Kommunale Gebühren für die Behandlung des Baugesuchs</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">6. Zusammenfassung des Entscheidergebnisses und ...</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten ist die Beschwerdeangelegenheit an den</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat S. zurückzuweisen zur Erteilung der Baubewilligung</span><br/> <span class="ft1">unter den erwähnten kantonalen (Flugzeitbeschränkung, Schall-</span><br/> <span class="ft1">dämpfung) und den notwendigen und gebotenen kommunalen Auf-</span><br/> <span class="ft1">lagen (ev. Widerrufsvorbehalt i.S.v. Erw. 3c/cc/bbb). (...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>