Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Juni 2013 (725 13 59) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Anspruch auf Leistungen aus Unfall/unfallähnlicher Körperschädigung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Margit Cam- pell Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Basler Versicherung AG , Hauptsitz, Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. A.____ arbeitet seit dem 1. Oktober 2006 bei der B .____ und war aufgrund dieses An- stellungsverhältnisses durch die Arbeitgeberin bei der B asler Versicherungen AG (Basler) obli- gatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankh eiten versichert. Mit Schadensmel- dung vom 23. Oktober 2012 teilte die Arbeitgeberin der Basler mit, dass sich die Versicherte am 23. September 2012 einen Riss des linken Meniskus zugezogen habe. Am 16. November 2012 wurde die Versicherte in der C.____ am linken Knie op eriert, wobei eine Kniegelenks- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arthroskopie mit medialer Teilmeniskektomie, eine media le Shelf-Resektion sowie eine Hoffa- Trimmung vorgenommen wurden. Die Basler lehnte mit V erfügung vom 12. Dezember 2012 einen Anspruch von A.____ auf Leistungen aus der oblig atorischen Unfallversicherung mit der Begründung ab, dass es sich beim Ereignis vom 23. Septembe r 2012 nicht um einen Unfall im Rechtssinne gehandelt habe und dass die Voraussetzungen fü r die Anerkennung einer unfall- ähnlichen Körperschädigung nicht erfüllt seien. Daran hielt sie auf Einsprache der Versicherten und der D.____ hin mit Entscheid vom 31. Januar 2013 fest. B. Hiergegen richtet sich die von A.____ am 27. Februar 2013 beim Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), erhobene Beschwerde. Darin beantragt sie sinngemäss, es seien der Einspracheentscheid vom 31. Januar 2013 sowie die Verfügung vom 12. Dezember 2012 aufzuheben. Die Vorinstanz sei zu verpf lichten, das Ereignis vom 23. September 2012 als Unfall anzuerkennen und die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Dezember 2012 beant ragte die Basler, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bun desgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in E.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vo m 27. Februar 2013 ist demnach einzutreten. 2. Zu prüfen ist zunächst, ob das Ereignis vom 23. Septem ber 2012 als Unfall im Rechts- sinne zu qualifizieren ist. 2.1 Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi gende Einwirkung eines ungewöhnli- chen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die ei ne Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er - nach einem o bjektiven Massstab - nicht mehr im Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbere ich alltäglich und üblich ist (BGE 134 V 72 E. 4.1). 2.2 Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des un gewöhnlichen äusseren Fak- tors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grund- satz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat (BGE 130 V 117 E. 2. 1). Bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere beschränken, unterliegt der Nachweis eine s Unfalls indessen insofern strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache der Schädig ung unter besonders sinnfälligen Um- ständen gesetzt werden muss; denn ein Unfallereignis ma nifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrschein- lichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (BGE 99 V 136 E. 1). 2.3 Das Bundesgericht hat sich in BGE 134 V 72 einlässlich zum Begriffsmerkmal der Un- gewöhnlichkeit geäussert. Der äussere Faktor ist ungewöhn lich, wenn er - nach einem objekti- ven Massstab - nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich all- täglich und üblich ist. Der äussere Faktor ist zentrale s Begriffscharakteristikum eines jeden Un- fallereignisses; er ist Gegenstück zur - den Krankheitsbegr iff konstituierenden - inneren Ursa- che. Die Bezeichnung der massgebenden Genese wird aber erst durch die weiter erforderliche Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors ermöglicht. Die meisten Krankheiten beruhen auf einer Wechselwirkung von inneren und äusseren Faktoren; oft ist die letztlich pathogene innere Ursa- che ihrerseits ohne Umwelteinflüsse nicht denkbar. Das Beg riffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit wurde entwickelt, um die "tausendfältigen kleinen und kleinsten Insulte des täglichen Lebens, die als solche gänzlich unkontrollierbar sind und deshalb nur beim Hinzutreten von etwas Be- sonderem Berücksichtigung finden sollen", aus dem Unfallb egriff auszuscheiden. Das Merkmal des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum einmaligen Vorfall. Einwirkungen, die aus alltäglichen Vorgängen resultieren, taugen in alle r Regel nicht als Ursache einer Gesund- heitsschädigung. Liegt der Grund somit allein im Inne rn des Körpers, ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Auslösung des Gesundheitsschadens du rch einen äusseren Faktor nichts; Unfall setzt vielmehr begrifflich voraus, dass das exogene Element so ungewöhnlich ist, dass eine endogene Verursachung ausser Betracht fällt (BGE 134 V 72 E. 4.1). 2.4 Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkma l der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prü- fung der Ungewöhnlichkeit ist insoweit, dass der äussere F aktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Kö rper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit. H ingegen ist die Wirkung, das heisst die Natur des Gesundheitsschadens, mit Blick auf die Bede utung des Abgrenzungskriteriums im Einzelfall durchaus beachtlich. Ein gesteigertes Abgre nzungsbedürfnis besteht dort, wo der Gesundheitsschaden seiner Natur nach auch andere Ursachen als eine plötzliche schädigende Einwirkung haben kann, also keine gesicherte Zuordnung zum exogenen Faktor erlaubt. Dies gilt nach der Rechtsprechung insbesondere dann, wenn die Gesundheitsschädigung erfah- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheit, ins besondere von vorbestandenen dege- nerativen Veränderungen eines Körperteils, innerhalb e ines durchaus normalen Geschehens- ablaufs auftreten kann. In solchen Fällen muss die unm ittelbare Ursache der Schädigung unter besonders "sinnfälligen" Umständen gesetzt worden sein. Ist eine Verletzung wiederholten Mik- rotraumata des täglichen Lebens zuzuschreiben, welche zu e iner allmählichen Abnützung ge- führt haben, so ist sie (im Bereich der obligatorischen Unfallversicherung unter Vorbehalt von Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicheru ng (UVV) vom 20. Dezember 1982) als Krankheitsfolge zu betrachten. Somit wird eine Einw irkung ohne offensichtliche Schadensnei- gung erst durch das Hinzukommen eines zusätzlichen Ereignisses, eines schadensspezifischen Zusatzgeschehens, zum ungewöhnlichen äusseren Faktor (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 u. 4.3.2). 3. Zur Beurteilung der Frage, ob vorliegend ein Unfa ll angenommen werden kann, ist dem- nach zu prüfen, ob es um einen im betreffenden Lebensb ereich alltäglichen und üblichen Vor- gang geht, zu dem nichts Besonderes ("Programmwidrige s" oder "Sinnfälliges") hinzugetreten ist, oder ob ein solches Zusatzgeschehen - und mit diesem d as Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors im Sinne einer den normalen Bewegungsa blauf störenden Programmwidrig- keit - gegeben ist (vgl. BGE 134 V 72 E. 4.3.2.1). 3.1.1 Das Ereignis vom 23. September 2012 wurde in de r Unfallmeldung der Arbeitgeberin vom 23. Oktober 2012 dahingehend beschrieben, dass sich die Beschwerdeführerin bei einer Katzenausstellung auf den Boden gekniet habe, um ein es der Tiere aus dem Transportkäfig zu holen. Dabei habe ihr Knie blockiert; später habe es sich wieder entblockiert. Es sei im Laufe des Tages stark angeschwollen und habe starke Schmerzen verursacht. Am 4. November 2012 wiederholte die Beschwerdeführerin diese Sachverhaltsda rstellung. Ergänzend führte sie an, dass bei ihr im Jahr 2010 ein Plikasyndrom diagnostiziert worden sei. 3.1.2 Im Operationsbericht der C.____ vom 16. Novembe r 2012 wurde wiederum ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin am 23. September 2012 (aus d er Hocke) habe aufstehen wollen, wobei sie einen Knall und Schmerzen vor allem ventrom edial im linken Knie verspürt habe. Sie habe damals eine Blockade von ungefähr 10 Minuten erli tten. Danach sei sie bis gestern be- schwerdefrei gewesen. Gestern habe sie sich wieder niede rgekniet. Danach habe sie nicht mehr aufstehen können, weil das Knie blockiert gewesen sei . In dieser Position habe sie eine halbe Stunde verharren müssen, bevor sie sich wieder ha be erheben können. Seither habe sie permanent Schmerzen, die aber anders seien. Zudem habe die Beschwerdeführerin ein mögli- ches Instabilitätsgefühl erwähnt. 3.1.3 In ihrer Einsprache vom 1. Januar 2013 führte di e Beschwerdeführerin aus, dass es sich beim Ereignis vom 23. September 2012 um einen Unfall handle. Die plötzliche Einwirkung des Bodens durch das Hinknien (ob ein Knie mit 20 km/h auf d en Boden knalle oder der Boden [oder Stein o.ä.] mit 20 km/h gegen das Knie fliege, sei rein physikalisch derselbe dynamische Sachverhalt) habe den Defekt am Meniskus verursacht. Es könne auch von einem "Fehltritt des Knies" gesprochen werden. An dieser Argumentation hielt die Beschwerdeführerin auch in ihrer Beschwerde ans Kantonsgericht fest. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Unbestritten steht aufgrund der vorstehenden Ausfü hrungen fest, dass sich die Be- schwerdeführerin am 23. September 2012 niederkniete un d dabei ihr linkes Knie blockiert wur- de. Mit der Beschwerdegegnerin ist jedoch davon auszugeh en, dass dieses Ereignis die in E. 2 vorstehend zitierten gesetzlichen und von der Rechtsp rechung konkretisierten Vorausset- zungen für die Annahme eines Unfalls nicht erfüllt. So kann entgegen der Beschwerdeführerin das Einwirken des Bodens nicht im Sinne einer Plötzlichkei t verstanden werden. Definitionsge- mäss beinhaltet dieser Begriff etwas Unerwartetes und Un beabsichtigtes, was vorliegend nicht erkennbar ist. Vielmehr ist davon auszugehen, dass das linke Knie bei einer kontrollierten, all- täglichen Bewegung, welche weder durch ein gleichzeit iges Stemmen einer schweren Last noch durch eine unkontrollierte Bewegung gestört wurd e, blockierte. Damit kann das Ereignis vom 23. September 2012 nicht als Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG qualifiziert werden. 4. Strittig und zu prüfen ist weiter, ob eine Leistung spflicht der Beschwerdegegnerin auf Grund des Vorliegens einer unfallähnlichen Körperschädigung bejaht werden kann. 4.1 Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körpersch ädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die Versicherung einbezieh en. Von dieser Kompetenz hat er in Art. 9 Abs. 2 UVV Gebrauch gemacht. Als so genannte un fallähnliche Körperschädigungen gel- ten die in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgeführte n Körperverletzungen (unter anderem Menis- kusrisse, vgl. lit. c), sofern sie auf eine plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende äussere Ein- wirkung auf den menschlichen Körper zurückzuführen sind. B ei unfallähnlichen Körperschädi- gungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV müssen zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversi- cherers - wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat - mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit die übrigen Tatbestandsmerkmale des Unfalls erfüllt sein. Besondere Bedeutung kommt hierbei der Voraussetzung des äusseren Ereignisses zu, d.h. eines ausserha lb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 E. 2.2). Die schädigende äussere Einwirkung kann in einer körpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 E. 4.1 mit Hinweisen). Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädi- gender) Faktor im Sinne der Rechtsprechung, weshalb die ser nicht gegeben ist, wenn die ver- sicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten von Schmer zen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (BGE 129 V 466 E. 4.2.1). Nicht erfüllt ist da s Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors auch, wenn das erstmalige Auftreten der Schmerzen mit einer blossen Lebensverrich- tung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschre iben in der Lage ist. Vielmehr ist ge- mäss Rechtsprechung für die Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädi- gend einwirkenden Faktors stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Ge- fährdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteig erten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffe n kann. Der äussere Faktor mit erhebli- chem Schädigungspotenzial ist sodann auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende Lebens- verrichtung einer mehr als physiologisch normalen und psych ologisch beherrschten Beanspru- chung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, gleichk ommt. Deswegen fallen ein- schiessende Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV ausser Be- tracht, wenn sie allein bei der Vornahme einer alltäg lichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass hiezu ein davon unterscheidbares äusseres Moment hine inspielt. Wer also lediglich beim Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen ein- schiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Die physiologische Beanspruchung des Skelettes, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, dem ein zwar n icht ungewöhnliches, jedoch gegen- über dem normalen Gebrauch der Körperteile gesteiger tes Gefährdungspotenzial innewohnen muss (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren schädi- genden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die na ch unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, etwa das plötzli che Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch äu ssere Einflüsse unkontrollierbare Än- derung der Körperlage (BGE 129 V 466 E. 4.2.3). Erf orderlich für die Bejahung eines äusseren Faktors ist dabei demzufolge ein gesteigertes Schädigungsp otenzial, sei es zufolge einer all- gemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutr eten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden Faktors (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2008, 8C_186/2008 mit Hinweisen; BGE 129 V 466 E. 4.3; ZBJV 2003 S. 918 f.). Das Bundesgericht hat kürzlich in einem zur Pu blikation vorgesehenen Urteil vom 2. Mai 2013, 8C_101/2012, im Sinne eines Grenzfalles, eine unfallähnliche Körperschädigung bejaht bei einer Versicherten, welche aus Wut fest mit der Ferse auf den Boden stampfte und sich dabei eine Calcaneusfraktur zuzog. Dabei ist der Bo den als äusserer Faktor qualifiziert worden, wobei aber davon ausgegangen wurde, dass eine alltägliche Bewegung unter Umstän- den ausgeführt wurde, welche die Bewegung unkontrol lierbar machte, weil die versicherte Per- son durch die Wut eine heftige, nicht beherrschbare Bewegung ausführte (zuletzt zitiertes Urteil, E. 3.3.1 am Ende). 4.2 Fest steht, dass die bei der Beschwerdeführerin diagn ostizierte Innenmeniskus- Korbhenkelläsion eine Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV darstellt. Zu prüfen ist jedoch, ob die B eschwerdeführerin sich diese Körperschä- digung bei einem sinnfälligen, unfallähnliche Ereign is im vorstehend genannten Sinne zugezo- gen hat. 4.3 Wie bereits erwähnt, gab die Beschwerdeführerin w eder in der Schadensmeldung vom 23. September 2012 noch im Fragebogen der Beschwerdeg egnerin vom 4. November 2012 eine unkontrollierte Bewegung, einen Fehltritt, eine besondere Belastung oder Ähnliches an. Sie schilderte den Sachverhalt dahingehend, dass sie in die Knie gegangen sei, um eine Katze aus dem Transportkäfig zu holen (vgl. auch E. 3.1.1). Nich ts anderes ist dem Operationsbericht vom 16. November 2012 zu entnehmen, in welchem festgeh alten wurde, dass sie einen Knall und Schmerzen im Knie verspürt habe als sie (aus der Hocke stellung) habe aufstehen wollen. Das Auftreten von Schmerzen als solches ist - wie oben dargelegt - kein äusserer schädigender Faktor. Das Bücken bzw. in die Knie Gehen stellt eine all tägliche Lebensverrichtung wie Auf- stehen, Absitzen, Abliegen, Bewegung im Raum usw. dar, welche üblicherweise im Rahmen einer physiologisch normalen und psychologisch beherrschte n Beanspruchung des Körpers erfolgt und bei welcher grundsätzlich kein besonderes Sch ädigungspotenzial vorhanden ist. Es fehlt im konkreten Fall denn auch an einer gesteigerten Gefahrenlage wie auch am Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit des Bückens bzw. in die Kni e Gehen führenden Moments, wird Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht doch in keiner Weise ein brüsker oder hektischer oder so nst wie als ungewöhnlich zu verste- hender Sachverhalt oder Bewegungsablauf geschildert. Der vorliegend zu beurteilende Sach- verhalt ist daher auch nicht vergleichbar mit dem plöt zlichen Aufstehen aus der Hocke (BGE 116 V 145 E. 2c mit Hinweisen), mit dem Niederknien mit einem Gewicht in den Händen beglei- tet von einem Fehltritt (Urteil des Eidgenössischen Ver sicherungsgerichts [EVG] vom 27. September 2006, U 184/06, E. 3), mit dem Verschie ben eines schweren Wäschekorbes mit dem linken Fuss, Ausführung einer ruckartigen Bewegung u nd Verdrehung des rechten Knies (RKUV 2000 Nr. U 385 S. 267) oder mit dem brüsken Umd rehen beim Kochen Richtung Kühl- schrank (Urteil des EVG vom 21. Oktober 2002, U 5/02, E . 2), welche Tatbestände wohl kör- pereigene Bewegungen und alltägliche Lebensverrichtungen darstellen, bei welchen jedoch ein davon unterscheidbares zur Unkontrollierbarkeit der Verrichtung führendes äusseres Moment in Form der Plötzlichkeit, Brüskheit, Belastetheit o. Ä. h inzutrat. Vielmehr ist der durch die Be- schwerdeführerin geschilderte Sachverhalt vergleichbar mit einem plötzlichen Knacken im Knie beim Gehen, mit dem Einsteigen in die Badewanne und Anheben des Beines, mit dem Abdre- hen des Oberkörpers im Sitzen nach hinten und Anheben ei nes Armes, mit dem Aufstehen aus dem Bett sowie ähnlichen Vorgängen - ebenfalls körpere igene Bewegungen und alltägliche Lebensverrichtungen, welchen jedoch der äusseren Faktor fe hlt, da es an der erforderlichen gesteigerten Gefahrenlage oder am Hinzutreten eines zu r Unkontrollierbarkeit der Vornahme der in Frage stehenden Lebensverrichtung führenden Mome nts fehlt (vgl. zum Ganzen: BGE 129 V 466). Mangels Unkontrollierbarkeit des Beweg ungsablaufes ist der vorliegende Fall auch nicht mit dem bereits zitierten Urteil des Bundesg erichts vom 2. Mai 2013, 8C_101/2012, bei welchem der Boden als äusserer Faktor angenommen wurde, zu vergleichen. 4.4 Zusammenfassend ist unter Berücksichtigung aller Umständ e ein in den Bewegungsab- lauf hineinspielendes äusseres Moment und damit ein ausse rhalb des Körpers liegendes, ob- jektiv feststellbares, sinnfälliges, unfallähnliches Ereig nis nicht nachgewiesen, weshalb die Un- fallversicherung ihre Leistungspflicht für das Ereignis vom 23. September 2012 zu Recht abge- lehnt hat. Die Beschwerde ist abzuweisen. 5. Gestützt auf Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorlie gende Verfahren keine ordentlichen Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind we ttzuschlagen; die obsiegende Be- schwerdegegnerin ist zwar anwaltlich vertreten, Art. 61 lit. g ATSG schränkt den Anspruch auf eine Parteientschädigung jedoch ausdrücklich auf die Beschwerde führende Partei ein. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht