Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Juli 2021 (725 20 95 / 178) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Rente A. Die 1975 geborene A.____ war über die Arbeitslosen versicherung bei der Schweizeri- schen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 13. De- zember 2015 erlitt sie bei einem Badeunfall eine Lend enwirbelkörper-1-Berstungsfraktur. In der Folge wurden mehrere operative Eingriffe durchgeführt und es entwickelte sich ein komplizierter Verlauf mit Infekt und psychischen Beschwerden. Die Suva a nerkannte ihre Leistungspflicht und entrichtete Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld). Nachdem Dr. med. B.____, Fachärz- tin für Chirurgie, anlässlich einer kreisärztlichen Unters uchung vom 20. März 2018 festgestellt hatte, dass der Endzustand erreicht sei und der Versiche rten angepasste berufliche Tätigkeiten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Umfang von 50 % möglich seien, sprach die Suva der Versicherten für die verbleibenden Unfallfolgen eine ab 1. Oktober 2018 laufende UVG-I nvalidenrente aufgrund einer Erwerbsun- fähigkeit von 50 % und eine Integritätsentschädigung fü r einen Integritätsschaden von 50 % zu (Verfügung vom 16. November 2018). Die hiergegen erh obene Einsprache wies sie ab, soweit sie darauf eintrat (Einspracheentscheid vom 14. Februar 2020). B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 27. Februar 2020 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge richt). Sie beantragte, in Gutheis- sung der Beschwerde sei der Einspracheentscheid vom 14. F ebruar 2020 aufzuheben und ihr eine Invalidenrente aufgrund einer maximalen Arbeitsf ähigkeit von 30 % zuzusprechen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der ang efochtene Entscheid auf unzu- reichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Am 5. Mai 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine n Bericht des behandelnden Arztes Dr. med. C.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap- parates, Abteilung Spinale Chirurgie, Universitätsspit al X.____, vom 27. Februar 2020 zu den Akten. D. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeant wort vom 15. Mai 2020 auf Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen zwei versicherungsme- dizinische Stellungnahmen von Dr. med. D.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 23. April 202 0 und von PD Dr. med. E.____, FMH Neurologie, vom 1. Mai 2020 bei. E. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 1 8. Juni 2020 / Duplik vom 20. Juli 2020) hielten die Parteien an ihren Anträge n fest, wobei die Beschwerdeführerin darauf hinwies, dass im parallel laufenden invalidenversicherung srechtlichen Verfahren Dr. med. F.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilit ation sowie Rheumatologie, mit ei- nem Gutachten beauftragt worden sei und dieses so rasch wie möglich nachgereicht werde. F. Am 21. Juli 2020 zog das Kantonsgericht bei der IV-S telle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die Akten der Versicherten bei. G. Mit Verfügung vom 20. August 2020 wurde das vorlieg ende Verfahren im Einverständnis mit den Parteien bis zum Vorliegen der von der IV-Ste lle veranlassten medizinischen Expertise sistiert. H. Nachdem die IV-Stelle am 28. Oktober 2020 weitere Unterlagen eingereicht hatte, wurde die Sistierung des vorliegenden Verfahrens aufgehoben und den Parteien Gelegenheit zur Stel- lungnahme eingeräumt (Verfügung vom 3. November 2020) , wovon die Beschwerdegegnerin am 24. November 2020 und die Beschwerdeführerin am 1 9. Dezember 2020 Gebrauch mach- ten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Am 26. Januar 2021 wurde die Angelegenheit der D reierkammer zur Beurteilung über- wiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht erhobene, beim ört lich und sachlich zuständigen Gericht eingereichte Beschwerde vom 27. Februar 2020 kann eingetreten werden. 2. Streitig ist der Leistungsanspruch der Beschwerdeführ erin. Massgebend ist der Sach- verhalt, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen Einsp racheentscheids vom 14. Februar 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). Die gewährte Integritätsentschä- digung ist mangels Anfechtung in (Teil-)Rechtskraft erwac hsen und deshalb nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. 3. Auf den 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestim mungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 in Kraft getreten. Laut Abs. 1 der Übergangs- bestimmungen zur Änderung des UVG vom 25. September 2015 werden jedoch Versicherungs- leistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen zugetra- gen haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Ze itpunkt ausgebrochen sind, nach bis- herigem Recht gewährt. So verhält es sich auch im vorlieg enden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 4.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeits- unfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilwei ser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge sundheitszustands der versicher- ten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali- denversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 4.2 Der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheitssch aden nur insoweit, als dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (vgl. BGE 129 V 177, E. 3). Dabei spielt die Adäqua nz als rechtliche Eingrenzung der sich aus Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate mit der natürlichen Kausalität deckt (vgl. BGE 134 V 109, E. 2). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbe sondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hin- weisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ ATSG] vom 6. Oktober 2000) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf di e andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014 E. 5.3). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärztinnen und Ärzten darf und soll das Gericht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hi nblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtungsauf- trag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten u nd Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu st ellen und zum Anlass weiterer Abklä- rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärzt innen zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in de nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benenn en, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. 7.2 Am 13. November 2017 diagnostizierte Dr. C.____ ei nen langsam progredienten Korrek- turverlust thorakolumbal mit zunehmender Kyphosierung, eine Lendenwirbelkörper-1- Berstungsfraktur nach Sturz aus 10 Metern Höhe ins Wasse r am 13. Dezember 2015, eine La- minektomie und Stabilisation Medtronic Legacy mit zweifa cher Revision und konsekutivem Low grade-lnfekt, eine Osteosynthese-Materialentfernung (O SME), ein Débridement und eine Re- Stabilisation Th12-L2 mit USS II sowie Spongiosaanlag erung vom dorsalen Beckenkamm links am 26. Januar 2016 und OSME am 4. Mai 2017. Die Beschwerden seien diskret progredient, im Vergleich zur Voruntersuchung, jedoch im Grossen und Ga nzen unverändert. Als Juristin be- stünde momentan noch eine vollständige Arbeitsunfähigkei t. Ab Anfang Februar 2018 sollte eine 50%ige Tätigkeit in einer vorwiegend sitzenden Arbeitshaltung zumutbar sein. 7.3 Die Suva veranlasste eine psychiatrische Untersuchung du rch den Suva- Versicherungsmediziner Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie un d Psychotherapie. Am 30. November 2017 diagnostizierte er ein Abhängigkeit ssyndrom von Benzodiazepinen und Hypnotika (ICD-10 F13), eine Anpassungsstörung mit länge rer depressiver Entwicklung und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ängsten (ICD-10 F43.22) sowie akzentuierte Persönlichkeit szüge (ICD-10 Z73) mit vorwiegend narzisstischen Anteilen. Der Versuch, die Medikamente (Benzodiazepin, Hypnotika) zu reduzie- ren resp. auszuschleichen, sei bisher nicht gelungen. Die Diagnose der Anpassungsstörung beziehe sich auf den erschwerten Umgang der Versicherten mit der Zukunftsgestaltung (Zu- kunftsängste, soziale Unsicherheit, existentielle Angst) u nd der Angst vor einem operativen Eingriff. Dabei bestünden Anteile, die auf den Tod i hres Sohns im Jahr 2012 bezogen seien. Die Beziehungsgestaltung sowie die Eigenreflexion der Versicherten würden das Bild einer vermehrten Kontrollbedürftigkeit in Sozialbeziehungen ergeben. Sie berichte über ihre Leis- tungsbereitschaft, die soziale Zuwendung im Elternhaus b ei Leistungserbringung sowie über ihren auf ihren Körper bezogenen Selbstwert. Diese K ombination lasse sich einer narzissti- schen Thematik zuordnen. Die vorbestehenden Persönlichkeitszü ge seien definitionsgemäss nicht an ein Ereignis geknüpft. Soweit aus den Akten b ekannt, habe auch nach der Totgeburt des Sohns ein Gebrauch von Benzodiazepinen und Hypnotik a bestanden. Nach dem aktuellen Ereignis sei der Gebrauch im Heilverlauf eskaliert. Die Suchterkrankung habe sich verselbst- ständigt, sei dem Ereignis nicht natürlich kausal zuzuschre iben und könne durch eine ange- messene Entzugsbehandlung beseitigt werden. Durch das Un fallereignis sei die Versicherte aus der Bahn geworfen und in ihrer Lebensgestaltung eingeschränkt worden. Die unter der Di- agnose einer Anpassungsstörung gefasste Gesundheitsbeeinträchtigung sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit teilkausal zum Ereignis. 7.4 Am 20. März 2018 fand eine kreisärztliche Untersuchun g statt. Am 23. März 2018 diag- nostizierte Dr. B.____ eine Verletzung der Wirbelsäule am 13. Dezember 2015 mit Lendenwir- belkörper-1-Berstungsfraktur, inkompletter Paraplegie su b S2 AIS D, einen Verdacht auf eine neurogene Blasen- und Darmfunktionsstörung mit hochgra digem Verdacht auf eine neurogene Sensorikstörung, eine variable Blasenspeicher- und Bla senentleerungsstörung und eine fremd- körperassoziierte Infekte Osteosynthese. Am 13. Dezember 201 5 sei eine Laminektome Th12 bis L3 sowie eine Osteosynthese Th12/L2 und am 2. Januar 2016 eine Schraubenkorrektur Th12/L2 rechts bei Fehllage durchgeführt worden. Im Verlauf sei eine weitere operative Korrek- tur notwendig geworden. Am 26. Januar 2016 seien im Universitätsspital X.____ eine OSME und eine Restabilisation der Th12/L2 mit Spongiosaent nahme aus dem dorsalen Beckenkamm links vorgenommen worden. Am 4. Mai 2017 sei eine weit ere OSME mit Korrekturverlust im Bereich des thoracolumbalen Übergangs und im März 2018 eine Narbenkorrektur sowie eine Abtragung störender Dornfortsätze durchgeführt worden. Der Zustand sei zufriedenstellend. Aktuell würden Dauer-, Bewegungs- und belastungsabhäng ige Schmerzen sowie eine Bewe- gungseinschränkung bestehen. Zusätzlich persistiere eine i nkomplette Paraplegie sub LWK 1 mit Blasen- und Darmfunktionsstörung. Von weiteren Beha ndlungen könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung des unfallbedingten Gesundheitszustands erwar- tet werden. Der Versicherten seien leichte berufliche Tätigkeiten mit der Möglichkeit zum Positi- onswechsel (Sitzen/Gehen/Stehen) im Umfang von 50 % m öglich. Sie benötige ausreichend lange Pausen. Nicht zumutbar seien Tätigkeiten in Vorbe ugehaltung oder mit Gewichtsbelas- tungen in der Vorhalte sowie repetitive und dauerha fte Schlag- und Vibrationsbelastungen. Die Fähigkeit, auf Leitern und Gerüsten zu arbeiten, sei ebenfalls nicht gegeben. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5 Am 7. November 2018 hielt Dr. G.____ fest, dass die Abhängigkeitserkrankung im Rahmen von stationären Aufenthalten in der Klinik H.__ __ erfolgreich behandelt worden sei. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge mit vorwiegend nar zisstischen Anteilen sei vorbeste- hend. Die Anpassungsstörung sei im Heilverlauf degressiv u nd begründe keine andauernde relevante Arbeitsunfähigkeit. Durch den psychischen Gesun dheitsschaden sei keine Arbeitsun- fähigkeit von relevantem Ausmass ausgewiesen. 7.6 Am 23. Mai 2019 wurde ein Röntgenbild der Halsw irbelsäule angefertigt. Im Bericht vom 24. Mai 2019 hielt Prof. Dr. I.____, FMH Radiologie , fest, die Aufnahme ergäbe eine diskrete s- förmige Thorakolumbal-Skoliose mit Zustand nach Entfernung der Wirbelbögen Th12-L2. In der Seitenaufnahme falle ein alter Frakturwirbel auf, de r auf einen Drittel seiner ursprünglichen Hö- he zusammengesintert sei. Der Befund habe sich seit 2017 nicht verändert. Die Situation könne als stabil bezeichnet werden. Die Aufnahme zeige zudem eine Hyperlordose lumbosakral und eine erhebliche Kyphosierung thorakolumbal. Die Aufna hme im Liegen ergebe eine Reduktion der Kyphosierung. 7.7 Am 3. Dezember 2018 bestätigte der behandelnde A rzt Dr. med. J.____, dass die Versi- cherte körperliche und psychische Beschwerden habe und sich zwei- bis dreimal pro Woche einer komplementärmedizinischen Behandlung unterziehe. Zudem erfolge eine medikamentöse Behandlung und die Narben würden operativ versorgt. Die Versicherte leide an psychischen Problemen (Angst, Depression) und Schlafstörungen. Die Beurteilung der Invalidität von 50 % erscheine zu niedrig. Es sei zu befürchten, dass sich der Ge sundheitszustand der Versicherten mit dem Alter verschlechtere. 7.8 Am 4. Dezember 2018 hielt der behandelnde Psychiat er Dr. K.____im Wesentlichen fest, dass er die Versicherte seit dem 12. Juni 2018 beha ndle. Es bestünden eine Angst- und depressive Störung mit schwankendem Verlauf, ein sehr i nstabiler Schlaf und eine Abhängig- keit von Hypnotika. Die Versicherte habe einen Suizidve rsuch unternommen und sei vom 17. bis 19. September 2018 stationär behandelt worden . Die chronischen Schmerzen und der emotionale Stress würden das psychische Leiden beeinflussen. 7.9 Am 29. Mai 2019 diagnostizierte Dr. C.____ Schmerze n lumbal rechts paravertebral nach OSME USS2 Th12-L2. Es bestünde eine deutliche Hyp erkyphose des thorakolumbalen Übergangs mit konsekutiver kompensatorischer Hyperlordose der Lendenwirbelsäule (LWS) und deutlicher Endsyphosierung der Brustwirbelsäule (BWS ). Insgesamt sei die Versicherte jedoch noch in einer korrekten sagittalen Balance. Di e teils erheblichen Beschwerden schon nach kürzerem Stehen seien durch die Kompensationsmechanismen und die muskuläre Dysba- lance gut erklärt. Für die bisherige Tätigkeit sei au s wirbelsäulenchirurgischer Sicht ein Arbeits- versuch von 30 % möglich, wobei die Versicherte die Posi tion wechseln und sich gelegentlich hinlegen sollte. Gegebenenfalls sei im Verlauf eine Steigerung möglich. Grundsätzlich wäre eine Korrektur der Kyphose denkbar. Eine Verbesserung d er Arbeitsfähigkeit sei dadurch je- doch nicht unbedingt zu erwarten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.10 Am 26. Juli 2019 nahm die Kreisärztin Dr. B.____ Stellung, wobei sie festhielt, dass sich aus den zwischenzeitlich eingereichten medizinischen Unter lagen keine neuen Aspekte erge- ben würden und die Beurteilung vom 20. März 2018 weiterhin Gültigkeit habe. 7.11 Am 23. Mai 2019 wurde in der L.____, eine Stan dortbestimmung durchgeführt. Im Be- richt vom 29. Juli 2019 wurde festgehalten, dass sich ei ne insgesamt stabile paraplegische und allgemeinrehabilitative Situation zeige. Das Hauptpr oblem seien anhaltende thorakolumbale Schmerzen und Muskelverspannungen, welche belastungsabhängi g bei längerem Stehen oder Sitzen zunehmen würden. Diesbezüglich sei die Versiche rte unter der aktuellen Medikation zu- friedenstellend eingestellt. Ein Eigenübungsprogramm und Physiotherapie seien zu empfehlen. Bezüglich der Obstipationsneigung sei die Versicherte m edikamentös befriedigend versorgt. In Bezug auf die Blasenfunktionsstörung sei bei Verschlechter ung eine urologische Kontrolle an- gemeldet worden. Die aktuellen EKG- und Lungenfunkt ionskontrollen würden stabile Befunde zeigen. Die Kyphose sei insgesamt stabil und die Verhä ltnisse weitgehend konstant, was auf eine gewisse Dynamik schliessen lasse. 7.12 Die Versicherte war vom 8. Juli 2019 bis 14. August 2019 in der Klinik M.____ hospitali- siert. Im Austrittsbericht vom 14. August 2019 wurden eine Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika (ICD-10 F13.2), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär tig leichte Episode (ICD-10 F33.0), und andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren F amilienkreis, Tod von Familienange- hörigen (ICD-10 Z63) diagnostiziert. Auslöser für die d epressive Episode der Versicherten sei der Tod ihres Vaters vor zwei Monaten gewesen. Dies habe bei ihr grosse Ängste vor dem Al- leinsein ausgelöst. Sie sei sehr müde und erschöpft, leide unter starken Schlafstörungen und an innerer Unruhe. Sie fühle sich niedergeschlagen, ängstli ch und rasch ermüdbar. Die Reduktion der Temestadosen sei schrittweise erfolgt und problemlo s gelungen. Die Versicherte sei mit einer zufriedenstellenden emotional-psychischen Stabilit ät aus der Klinik ausgetreten. Die bei Eintritt vorhandene, leichtgradig ausgeprägte depressive Symptomatik sei vollständig remittiert. 7.13 Am 27. Februar 2020 berichtete Dr. C.____, dass nach Angaben der Versicherten die Beschwerden im thorakolumbalen Übergang tendenziell e her zugenommen hätten. Bei einer Sitzdauer von mehr als 2 Stunden trete eine massive Verkra mpfung der Muskulatur des Rü- ckens auf und Stehen an Ort könne sie gar nicht. Die P atientin könne circa 30 Minuten in der Ebene am Stück gehen. Insgesamt seien diese Beschwerden je doch abhängig von der Tages- form. Ferner habe sie bemerkt, dass sie beim Sitzen im A uto nach schon wenigen Minuten nach rechts überhänge. Ebenso wenig könne sie mittelschw ere Gegenstände tragen, weshalb sie bei grösseren Einkäufen und im Haushalt auf Hilfe a ngewiesen sei. Dr. C.____ führte aus, dass die Ursache für die persistierenden Beschwerden über wiegend wahrscheinlich die Hyper- kyphose des thorakolumbalen Übergangs sei, welche durch die Fraktur selbst und durch den Korrekturverlust im Verlauf bedingt sei. Um eine glob al ausgeglichene sagittale Balance zu er- reichen, müsse die Versicherte kompensatorisch eine Hyperlordose der LWS sowie eine entky- phosierende Haltung der BWS einnehmen, was sich in der Bildgebung objektivieren lasse. Hierzu passe schlüssig die Tatsache, dass Stehen an Ort ra sch Schmerzen verursache, da die Kompensationsmechanismen zu einer muskulären Überlastung führen würden. Daraus resultie- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht re aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht, dass eine weiter e Steigerung der Arbeitsfähigkeit über die bereits attestierten 30 % hinaus auf absehbare Zeit nicht zu erwarten sei. 7.14 Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens holte die Beschwerdegegnerin eine versiche- rungsinterne orthopädisch-chirurgische Beurteilung ein. Am 23. April 2020 führte Dr. D.____ aus, dass das im Bericht der Kreisärztin Dr. B.____ vom 23. März 2018 attestierte Zumutbar- keitsprofil, wonach die Versicherte angepasste Tätigkeit en im Wechselrhytmus zwischen Ste- hen, Sitzen und Gehen im Umfang von 50 %, unterbroche n von ausreichend langen Pausen, ausüben könne. Im Verlauf habe sich keine wesentliche Veränderung eingestellt. Aktuell sei es der Versicherten – wie sich aus dem Bericht von Dr. C.___ _ vom 27. Februar 2020 ergebe – möglich, bis zu 2 Stunden zu sitzen. Zudem könne sie bis zu 30 Minuten in der Ebene gehen. In der Schweiz benötige die Versicherte eine tägliche Ana lgesie. Gewichtsbelastungen seien of- fensichtlich nur minimal möglich. Vornübergebeugte Hal tungen und Seitwärtsbewegungen des Körpers seien schmerzhaft. Im warmen Klima von Martiniqu e sei eine Analgesie nicht erforder- lich und sie könne dreimal pro Woche ein Fitnesstraini ng durchführen. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass die Versicherte in der Lage sei , als Juristin täglich 2 x 2 bis 2,5 Stunden im Wechsel zwischen Sitzen und Gehen eine voll e Leistung zu erbringen. Dazwischen seien ausreichend lange Erholungsphasen von 2 bis 3 Stunde n zu ermöglichen. Bei diesem Wechselrhythmus sei bei angepasster Analgetikatherapie ke ine Beeinträchtigung der Leis- tungsfähigkeit zu erwarten. Insgesamt sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. 7.15 Am 1. Mai 2020 erfolgte eine neurologische Beur teilung, wobei PD Dr. E.____ festhielt, dass überwiegend wahrscheinlich kein objektivierbares neurologisches Defizit mehr vorliege. Eine neurogene Blasenentleerungsstörung sei bei fehlendem Restharn und fehlender Detrusor- Sphinkter Dyssynergie sowie einer regelrechten sakralen Senso motorik zu keinem Zeitpunkt ausgewiesen gewesen. Die Diagnose einer Paraplegie s ub S2 ASIA D sei somit eine histori- sche Diagnose ohne ausgewiesenes objektivierbares neurolo gisches Defizit und ohne klinisch und/oder bilddiagnostisch ausgewiesene Myelonschädigung im Conusbereich oder lumbosakra- ler Wurzelschädigung im Caudabereich. Aus neurologischer Sicht bestünde rein unfallbedingt keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. 7.16 Die IV-Stelle beauftragte Dr. F.____ und Dr. m ed. N.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, mit einem bisdisziplinären Gutachten, welches am 30. Juni/31. Juli 2020 erstattet wur- de. In rheumatologischer Hinsicht wurde mit Auswirkung au f die Arbeitsfähigkeit ein chroni- sches thorakolumbvertebrales Schmerzsyndrom bei sekundärer Hyperkyphose am thorakolum- balen Übergang diagnostiziert. Unter Berücksichtigung der bestehenden und plausiblen Rest- beschwerden am Bewegungsapparat könne die kreisärztliche B eurteilung vom 21. [recte: 23.] März 2018 bestätigt werden. Demnach sei die Versicherte in der bisherigen Tätigkeit als Juristin sowie in anderen leichten und wechselbelastenden Tätigkeiten vorwiegend gehend und sitzend, weniger stehend, ohne rückenbelastenden Arbeitsabläufe n mit längerdauernden oder wieder- holten vornübergeneigten Haltungen oder repetitiven Bück- oder Torsionsbewegungen zu 50 % arbeitsfähig. In psychiatrischer Hinsicht wurde eine rezi divierende depressive Störung mit chro- nischem Verlauf und gegenwärtig leichtgradiger Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.0) und eine psychische und Verhaltensstörung durch Be zodiazepine (Abhängigkeitssyn- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht drom mit andauerndem Substanzgebrauch; ICD-10 F13.25) festgestellt. Die Versicherte befinde sich in psychiatrischer/psychotherapeutischer Behandlung. Es sei von einem ausgewiesenen Leidensdruck auszugehen. Eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen liege aber nicht vor. Das Fähigkeitsniveau sei gemessen am Ratingbogen Mini-ICF-APP leicht- bis mittelgradig ein geschränkt. Beeinträchtigt seien nament- lich die Durchhalte- und die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Juristin betrage die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit dem Unfallereignis am 13. Deze mber 2015 gemittelt 40 %. Sie habe einen vermehrten Pausenbedarf. In einer angepassten Verweistät igkeit ohne grössere kognitive Be- anspruchung betrage die Arbeitsfähigkeit 80 %. Aus ge samtmedizinischer Sicht müsse von ei- ner 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgeg angen werden. Ein additiver Effekt der Einschränkungen aus rheumatologischer und rheumatologischer Sicht liesse sich nicht begrün- den. 8.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 14. Februar 2020 bei der Beurteilung der Leistungsf ähigkeit der Versicherten auf die Kreisarzt- berichte vom 23. März 2018 und 26. Juli 2019 sowie au f die Berichte des Suva- Versicherungspsychiaters Dr. G.____ vom 30. November 2017 und 7. November 2018. Sie ging demgemäss davon aus, dass der Versicherten in somatischer Hi nsicht leichte berufliche Tätig- keiten mit der Möglichkeit zum Positionswechsel und ausre ichend langen Pausen im Umfang von 50 % zumutbar seien und die teilkausalen psychischen Besc hwerden keine relevante, die somatische Beeinträchtigung übersteige Arbeitsunfähigkei t begründen würden. Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn sich der angefochtene Entscheid ausschliesslich auf ve rsicherungsinterne medizinische Unterlagen stützt. Bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen sind ergänzende Abklärungen vorzu nehmen. Vorliegend ergibt sich indes nichts, was Zweifel an der Stichhaltigkeit der An gaben der Dres. B.____ und G.____ we- cken würde. Die von der Beschwerdegegnerin übernommenen Ergebnisse der kreisärztlichen resp. versicherungsmedizinischen Beurteilungen beruhen auf einer persönlichen Untersuchung der Versicherten und auf einem sorgfältigen Studium d er vorhandenen medizinischen Akten. Ihre Beurteilungen erweisen sich sowohl in der Darle gung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend, weshalb voll- umfänglich darauf abgestellt werden kann. Demnach ist m it der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass der Versicherten trotz der dokumentiert en Dauer-, Bewegungs- und belas- tungsabhängigen Schmerzen sowie Bewegungseinschränkung angepasste Tätigkeiten zu 50 % zumutbar sind. 8.2.1 Daran vermag die Kritik der Beschwerdeführerin an den medizinischen Entscheidgrund- lagen nichts zu ändern. Wenn sie zunächst geltend macht, die Beschwerdegegnerin habe nicht berücksichtigt, dass neue Untersuchungen und Röntgenbilde r eine deutliche Verschlechterung des Gesamtzustands seit der kreisärztlichen Untersuchung vom 20. März 2018 zeigen würden, kann ihr nicht beigepflichtet werden. Zwar ist aufgrun d der vorliegenden fachärztlichen Berichte der behandelnden Ärzte und der glaubhaften Schilderun gen der Beschwerdeführerin belegt, dass ihre Arbeitsfähigkeit infolge des Unfallereignisses erheblich eingeschränkt ist und sie sich Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht in verschiedenen medizinischen Disziplinen Behandlungen, Th erapien und Kontrollen unterzie- hen muss. Gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten ergeben sich aber im hier rele- vanten Zeitraum bis zum Erlass des angefochtenen Einsprache entscheids vom 14. Februar 2020 keine gesicherten Anhaltspunkte für eine rentenr elevante Verschlechterung des Gesund- heitszustands mit Zunahme der Arbeitsunfähigkeit. Vielm ehr wird in den aktuellen fachärztli- chen Beurteilungen (vgl. Berichte der Dres. D.____, E._ ___ sowie F.____ und N.____ vom 21. April 2020, 1. Mai 2020 und 30. Juni/31. Juli 2 020) im Vergleich zu den kreisärztlichen und versicherungsmedizinischen Beurteilungen vom 23. März 2018, 30. November 2017, 7. November 2018 und 26. Juli 2019 eine im Wesentlich g leich gebliebene Leistungsfähigkeit beschrieben. Diese Berichte lassen Rückschlüsse auf den Gesun dheitszustand im Zeitpunkt des Einspracheentscheids zu und sind daher im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen (vgl. BGE 121 V 362 E. 1b). 8.2.2 Soweit sich die Beschwerdeführerin auf die abwe ichende Beurteilung von Dr. C.____ in den Berichten vom 29. Mai 2019 und 27. Februar 2020 b eruft, wonach die Arbeitsfähigkeit ma- ximal 30 % betrage, ist zunächst in Erinnerung zu rufen, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Pe rson einerseits und Begutachtungsauf- trag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten an derseits praxisgemäss nicht zulässt, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen un d zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen oder Thera piekräfte zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2018, 8C_29/2018, E. 3.2.2). Weiter ist zu beachten, dass eine fachärztliche Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Expertinnen und Experten praktisch immer einen Spielraum für verschiedene medizinische Interpretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern sie – wie hier – lege artis vorgegangen sind. Vo rbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil behandelnde Ärzte wichtige – und nicht rein sub- jektiver Interpretation entspringende – Aspekte benenn en, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 23. Mai 2018, 8C_874/2017, E. 5.2.2). Vorliegend bringt Dr. C.____ keine Gesichtspunkte vor, die im Rahmen der kreisärztlichen Beurteilungen von Dr. B.____ nicht b erücksichtigt worden wären, auf eine unzutreffende Feststellung der Kreisärztin schliessen lassen würden oder Zweifel an ihrer Beur- teilung zu begründen vermöchten. Geringe Zweifel erge ben sich auch nicht aus den Berichten der Dres. D.____, E.____, F.____ und N.____ vom 21. April 2020, 1. Mai 2020, 30. Juni und 31. Juli 2020. Vielmehr stehen die Beurteilungen der Kreisärztin Dr. B.____ vom 23. März 2018 und 26. Juli 2019 im Einklang mit derjenigen des Gutachters Dr. F.____ vom 30. Juni 2020, der – nach persönlicher Untersuchung der Versicherten – eben falls eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestierte. Zusätzlich einschränkende psychische Unfallfolg en sind nicht ausgewiesen. Weiter ergeben sich aus den Berichten der behandelnden Ärzte Dr es. J.____ und K.____ vom 3. und 4. Dezember 2018 oder aus den Berichten der Klinik L.__ __ vom 23. Mai 2019 und der Klinik M.____ vom 14. August 2019 keine relevanten neuen Er kenntnisse. Insgesamt liegt nichts vor, was auch nur geringe Zweifel an den Beurteilungen de r Versicherungsmedizinerin resp. des Versicherungsmediziners Dres. B.____ und G.____ vom 30. N ovember 2017, 23. März 2018, 7. November 2018 und 26. Juli 2019 erwecken könnte. B ei dieser Sach- und Rechtslage kann in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf wei- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tere Abklärungen verzichtet werden. Eine allfällige Ver schlechterung des Gesundheitszustands nach Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids wäre im Rahmen einer Revision zu beur- teilen. 9. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegne- rin bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe- rin gestützt auf die Beurteilungen der Dres. B.____ un d G.____ vom 30. November 2017, 23. März 2018, 7. November 2018 und 26. Juli 2019 davon ausgegangen ist, dass dieser die bisherige Tätigkeit als Juristin sowie andere angepasste T ätigkeiten zu 50 % zumutbar sind. Eine zwischenzeitliche Verschlechterung des Gesundheitszustand s mit Zunahme der Arbeits- unfähigkeit ist im hier relevanten Zeitraum bis 14. Fe bruar 2020 nicht ausgewiesen. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahm en der Rechtsanwendung von Am- tes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleichseinkommen vorzuneh- men wäre und die Berechnung auch von der Versicherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem durch die Beschwerdegegnerin angestellten Einkommensvergleich. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 14. Februar 2020, mit wel- chem der Versicherten ab 1. Oktober 2018 eine UVG-Invalidenrente aufgrund einer Erwerbsun- fähigkeit von 50 % zugesprochen wurde, ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 10. Art. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 , hier massgebenden Fassung hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht