<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 60 S.251</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">251</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Sozialhilfe</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>60</b></span> <span class="ft3"><b>Weisung oder Auflage zur Hinterlegung von Autoschildern; Subsidiarität</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und Eigenverantwortung bei einer selbständigen Nebenerwerbstätigkeit.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Der Grundsatz der Subsidiarität verlangt, dass einem Sozialhilfeemp-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fänger die Möglichkeit zur Einschränkung der Abhängigkeit von der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>materiellen Hilfe nicht genommen wird.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Solange ein Sozialhilfeempfänger für die Ausübung einer selbständi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gen Nebenerwerbstätigkeit auf ein Fahrzeug angewiesen ist und aus</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dem Gewinn einen Beitrag zu seinem Grundbedarf leisten kann, ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eine Auflage zur Hinterlegung der Autoschilder unverhältnismässig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 26. August 2004 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">J.H. gegen den Entscheid des Bezirksamts Baden.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. a) Die Gemeinde A hat im Beschluss vom 9. Februar 2004</span><br/> <span class="ft6">dem Beschwerdeführer die Auflage erteilt, bis Ende Februar 2004</span><br/> <span class="ft6">seine Autoschilder beim Strassenverkehrsamt zu deponieren. Der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer hat diese Auflage beim Bezirksamt angefochten.</span><br/> <span class="ft6">(....)</span><br/> <span class="ft6">b) (...)</span><br/> <span class="ft6">c) Sinn und Zweck der Sozialhilfe ist die Förderung der wirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlichen und persönlichen Selbständigkeit des Sozialhilfeemp-</span><br/> <span class="ft6">fängers unter Einhaltung des Grundsatzes der Subsidiarität. Auflagen</span><br/> <span class="ft6">und Weisungen können zur Förderung der richtigen Verwendung der</span><br/> <span class="ft6">materiellen Hilfe von der Gemeinde unter Berücksichtigung des</span><br/> <span class="ft6">Verhältnismässigkeitsprinzips auferlegt werden.</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer übt mit der Herstellung und dem Ver-</span><br/> <span class="ft6">trieb von Hundenahrung eine selbständige Nebenerwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft6">aus. Der Gemeinde und der Vorinstanz ist insoweit zuzustimmen, als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">mit der Sozialhilfe keine Hobbies oder aussichtslose selbständige Er-</span><br/> <span class="ft6">werbstätigkeiten finanziert werden dürfen. Ein solcher Fall liegt in-</span><br/> <span class="ft6">dessen nach den Unterlagen nicht vor. Die Gemeinde hat einerseits</span><br/> <span class="ft6">die Anrechnung eigener Einnahmen angeordnet; anderseits ergibt</span><br/> <span class="ft6">sich aus den Umsatztabellen und Auslagenübersichten des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers, dass er in der Zeit vor dem Bezug der materiellen</span><br/> <span class="ft6">Hilfe aus der Nebenerwerbstätigkeit einen durchschnittlichen Beitrag</span><br/> <span class="ft6">von Fr. 300.-- an seine monatlichen Lebenshaltungskosten</span><br/> <span class="ft6">erwirtschaften konnte. Hinzu kommt, dass die Nebenerwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft6">die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht beein-</span><br/> <span class="ft6">trächtigt, kann er doch die Produktion und die Auslieferung der</span><br/> <span class="ft6">Hundenahrung ohne weiteres zusätzlich zu den Stellenbemühungen</span><br/> <span class="ft6">bewältigen. Dem Grundsatz der Subsidiarität (vgl. § 5 Abs. 1 SPG)</span><br/> <span class="ft6">entspricht es, dass solange der Beschwerdeführer mit seiner Ne-</span><br/> <span class="ft6">benerwerbstätigkeit die Abhängigkeit von der materiellen Hilfe be-</span><br/> <span class="ft6">schränken oder gar aufheben kann, ihm diese Möglichkeit nicht ge-</span><br/> <span class="ft6">nommen wird. Für die Ausübung der Nebenerwerbstätigkeit ist der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer auf das Fahrzeug angewiesen, kann er doch den</span><br/> <span class="ft6">Transport der Futterbehälter und die Auslieferung ohne dieses nicht</span><br/> <span class="ft6">bewältigen.</span><br/> <span class="ft6">Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit fordert, dass eine Auf-</span><br/> <span class="ft6">lage oder Weisung zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse</span><br/> <span class="ft6">liegenden Ziels geeignet, notwendig und der angestrebte Zweck in</span><br/> <span class="ft6">einem vernünftigen Verhältnis zu den Beschränkungen steht, die dem</span><br/> <span class="ft6">Privaten auferlegt werden (Art. 5 BV; BGE 126 I 112 ). Die Auflage</span><br/> <span class="ft6">bzw. Weisung zur Abgabe der Autoschilder entlastet zwar sein</span><br/> <span class="ft6">Budget, gleichzeitig wird ihm aber die Möglichkeit genommen,</span><br/> <span class="ft6">durch eine Nebenerwerbstätigkeit einen eigenen Beitrag an seinen</span><br/> <span class="ft6">Lebensunterhalt zu leisten. Die richtige Verwendung der öffentlichen</span><br/> <span class="ft6">materiellen Hilfe ist direkt oder indirekt erst gefährdet, wenn sie zur</span><br/> <span class="ft6">Bestreitung der Betriebs- und Leasingkosten des Fahrzeugs einge-</span><br/> <span class="ft6">setzt wird. Solange der Beschwerdeführer mit der Nebenerwerbstä-</span><br/> <span class="ft6">tigkeit nicht nur die Betriebskosten erwirtschaftet, sondern die öf-</span><br/> <span class="ft6">fentliche Hand entlasten kann, besteht keine Notwendigkeit, ihm das</span><br/> <span class="ft6">Fahrzeug abzusprechen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">253</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Gemeinde und die Vorinstanz lassen sich von der fehlenden</span><br/> <span class="ft6">Existenzsicherung durch die Nebenerwerbstätigkeit oder die Aus-</span><br/> <span class="ft6">sichtslosigkeit leiten. Dieser Beurteilung kann insoweit zugestimmt</span><br/> <span class="ft6">werden, als die Nebenerwerbstätigkeit auch nach der Darstellung des</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführers in absehbarer Zukunft keine gesicherte und</span><br/> <span class="ft6">nachhaltige Existenzgrundlage bilden kann. Diese Beschäftigung</span><br/> <span class="ft6">entbindet daher den Beschwerdeführer nicht, sich intensiv um eine</span><br/> <span class="ft6">neue Arbeitsstelle zu bemühen. Er beanstandet denn auch die</span><br/> <span class="ft6">entsprechende Weisung des Gemeinderates zu Recht nicht. Die</span><br/> <span class="ft6">Nebenerwerbstätigkeit entspricht dagegen den Prinzipien der</span><br/> <span class="ft6">Eigenverantwortung und Selbsthilfe (§ 1 Abs. 1 SPG) und dient,</span><br/> <span class="ft6">solange der Beschwerdeführer damit einen Beitrag zu seinem Le-</span><br/> <span class="ft6">bensunterhalt leistet, auch öffentlichen Interessen. Selbst dann, wenn</span><br/> <span class="ft6">das Unternehmen den "Turn-Around" hin zur vollständigen neuen</span><br/> <span class="ft6">Existenzgrundlage des Beschwerdeführers nicht erreicht, wird die</span><br/> <span class="ft6">Öffentlichkeit entlastet.</span><br/> <span class="ft6">d) In Anbetracht obgenannter Umstände ist die Auflage in Ziffer</span><br/> <span class="ft6">7 des Beschlusses des Gemeinderates A vom 9. Februar 2004</span><br/> <span class="ft6">teilweise aufzuheben und anzupassen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>