Urteil vom 16. Juni 2017 Strafkammer Besetzung Bundesstrafrichter Martin Stupf, Einzelrichter Gerichtsschreiberin Anne Kathrin Herzog Parteien BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Manuela Graber, Staatsanwältin des Bundes, gegen A., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Olaf Kiener, Gegenstand Fahrlässige Widerhandlung gegen das Güterkontroll- gesetz B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: SK.2017.9 - 2 - Anträge der Bundesanwaltschaft: Gestützt auf Art. 337 StPO wird dem Gericht beantragt, der Beschuldigte A. sei gemäss Strafbefehl der Bundesanwaltschaft vom 3. November 2016 ( Verfahrensnummer: SV.16.0932) zu verurteilen und zu bestrafen. Dem Dispositiv des genannten Strafbefehls können folgende Anträge entnommen werden: 1. A. sei wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das Güterkontrollgesetz (Art. 14 Abs. 1 Bst. a und Abs. 3, 16 GKG; Art. 3 Abs. 1 GKV; Art. 6 Abs. 2 und 3 VStrR) schuldig zu sprechen. 2. A. sei mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à CHF 200.00, entspre chend CHF 2000.00, zu bestrafen. Der Vollzug sei aufzuschieben, unter Ansetzung ei- ner Probezeit von 2 Jahren. 3. A. sei zusätzlich mit einer Busse von CHF 200.00 zu bestrafen; bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 2 Tagen. 4. Die Kosten des Verfahrens von CHF 1’000.00 (CHF 920.00 Gebühren und 80.00 Auslagen) seien A. anteilsmässig, ausmachend CHF 500.00, aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 5. Nachdem der Strafbefehl rechtskräftig geworden sei, sei der Kanton Zürich für den Strafvollzug zuständig (Art. 74 StBOG). Anträge der Verteidigung: 1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 2. Die hiermit eingereichte Kostennote des erbetenen Verteidigers sei in vollem Um- fang zu genehmigen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse. - 3 - Prozessgeschichte A. Am 19. Februar 2016 importierte die (damals) in Z./SZ domizilierte B. AG 17 in- tegrierte Schaltungen aus den Vereinigten Staaten von Amerika in die Schweiz. A. war zum damaligen Zeitpunkt Verwaltungsratspräsident der Gesellschaft. Die für die B. AG tätige C. exportierte diese Güter am 24. Februar 2016 nach Litauen ohne vorgängig eine Ausfuhrbewilligung beim Staatssekretariat für Wirtschaft (nachfolgend: SECO) eingeholt zu haben. Am 21. Juni 2016 erstattete das SECO Anzeige bei der Bundesanwaltschaft gegen die Firma B. AG wegen Widerhand- lung gegen das Bundesgesetz über die Kontrolle zivil und militärisch verwendba- rer Güter, besonderer militärischer Güter sowie strategischer Güter vom 13. De- zember 1996 (Güterkontrollgesetz, GKG; SR 946.202). B. Am 3. November 2016 erliess die Bundesanwaltschaft gegen C. einen Strafbe- fehl wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das Güterkontroll gesetz gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über die Aus-, Ein- und Durchfuhr zivil und militärisch verwendbarer Güter sowie beson- derer militärischer Güter vom 25. Juni 1997 (Güterkontrollverordnung, GKV; SR 946.202.1 [Stand 1. Januar 2015 ; aufgehoben seit 1. Juli 2016]) und verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à CHF 30.00, bedingt erlassen auf eine Probezeit von 2 Jahren, und zu einer Busse von CHF 200.00 (BA pag. 03 - 00-7 f.). Der Strafbefehl ist in Rechtskraft erwachsen (BA pag. 03-00-8). C. Am 3. November 2016 verurteilte die Bundesanwaltschaft auch A. mit Strafbefehl wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das Güterkontrollges etz gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GKV sowie Art. 6 Abs. 2 und 3 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsstrafrecht vom 22. März 1974 (VStrR; SR 313.0) und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à CHF 200.00, bedingt erlassen auf eine Probezeit von 2 Jahren, und zu einer Busse von CHF 200.00 (BA pag. 03 -00-1 ff.). Dagegen erhob der Beschuldigte am 9. Dezember 2016 Einsprache (BA pag. 03-00-12). D. Hierauf befragte die Bundesanwaltschaft am 20. Februar 2017 A. als beschul- digte Person (BA pag. 13 -01-11 ff.). In der Folge hielt sie am Strafbefehl fest (Art. 355 Abs. 3 lit. a der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 [Strafprozessordnung, StPO; SR 312.0]) und überwies diesen am 20. März 2017 dem hiesigen Gericht als Anklageschrift zwecks Durchführung eines Haupt- verfahrens (Art. 356 Abs. 1 StPO) , unter Verzicht auf eine Teilnahme an d er Hauptverhandlung (TPF pag. 2-100-1 f.). - 4 - E. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte der Einzelrichter des Bundesstrafge- richts die erforderlichen Beweismittel zu den persönlichen Verhältnissen von A. (Auszug aus dem schweizeri schen Strafr egister [TPF pag. 2 -221-2], Betrei- bungsregisterauszug [TPF pag. 2 -261-3], Steuerunterlagen bzw. die Veranla- gungsverfügung 2014 und 2015 [TPF pag. 2 -261-5;…-19]) ein. Zudem erfolgte ein Aktenbeizug beim SECO (TPF pag. 2-291-1 ff.). F. Mit Schreiben vom 24. März 2017 wurden die Parteien eingeladen, Beweisan- träge zu stellen und zu begründen (TPF pag. 2-300-1). Die Bundesanwaltschaft stellte keine Beweisanträge. Jene vom Beschuldigten A. wurden mit Verfügung vom 3. Mai 2017 teilweise gutgeheissen (TPF pag. 2-280-1). Auf Ersuchen des Gerichts reichte A. Mandats- und Arbeitsverträge im Zusammenhang mit den Fir- men B. AG, D. Ltd., E. AG sowie F. ein (TPF pag, 2 -521-7 ff.). Der Antrag der Verteidigung um Einvernahme von C. als Zeugin wurde mit V erfügung vom 8. Juni 2017 abgewiesen (TPF pag. 2-280-3 f.). G. Am 16. Juni 2017 fand die Hauptverhandlung ohne Anwesenheit der Bundesan- waltschaft am Sitz des Bundesstrafgerichts statt (TPF pag. 2-920-1 ff.). Der Ein- zelrichter eröffnete gleichentags das Urteil in öffentlicher Sitzung und begründete es mündlich. Rechtsanwalt Olaf Kiener wurde das Urteilsdispositiv ausgehändigt; der nicht anwesenden Bundesanwaltschaft wurde es zugestellt. H. Mit Schreiben vom 21. Juni 2017 verlangte die Bundesanwaltschaft gestützt auf Art. 82 Abs. 2 lit. a StPO fristgerecht eine schriftliche Begründun g des Urteils (TPF pag. 2-510-2 f.). - 5 - Der Einzelrichter erwägt: 1. Prozessuales 1.1 Zuständigkeit Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet auf fahrlässige Widerhandlung gegen Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GKV und Art. 6 Abs. 2 und 3 VStrR. Gemäss Art. 18 Abs. 1 GKG unterstehen unter anderem die Verfolgung und Beurteilung der Widerhandlungen nach Art. 14 GKG der Bundesstraf gerichtsbarkeit. Die sachliche Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts ist somit gegeben (Art. 18 Abs. 1 GKG i.V.m. Art. 23 Abs. 2 StPO). 1.2 Anwendbares Recht Der Beschuldigte soll die ihm zur Last gelegte Tat am 24. Februar 2016 began- gen haben. Am 3. Juni 2016 trat die revidierte Güterkontrollverordnung in Kraft, welche die Verordnung vom 25. Juni 1997 ablöste. Der hier anwendbare Art. 3 Abs. 1 GKV ist hinsichtlich der Bewilligungspflicht für Güter des vorliegend inte- ressierenden Anhangs 2 (Liste der Güter mit doppeltem Verwendungszweck) in- haltlich gleich geblieben. Unter Berücksichtigung des strafrechtlichen Rückwir- kungsverbots gilt das zum Tatzeitpunkt in Kraft gewesene Recht (Ar t. 2 Abs. 1 StGB), es sei denn, das neue Recht ist für den Täter das mildere (Art. 2 Abs. 2 StGB). Letzteres trifft in concreto nicht zu. Es ist somit die GKV sowie der entsprechende Anhang 2 in der zum Tatzeitpunkt geltenden Fassung anzuwen- den. 1.3 Gültigkeit des Strafbefehls und der Einsprache Das Gericht entscheidet gemäss Art. 356 Abs. 2 StPO vorfrageweise über die Gültigkeit des Strafbefehls und der Einsprache. Der Strafbefehl vom 3. Novem- ber 2017 beinhaltet die in Art. 353 Abs. 1 StPO aufgelisteten Kriterien. Die gefor- derte Geldstrafe sowie Busse liegen innerhalb des zulässigen Sanktionsrahmens (Art. 352 Abs. 1 lit. a und b StPO). Der überwiesene Strafbefehl ist somit gültig und gilt nach Art. 356 Abs. 1 StPO als Anklageschrift. Der Strafbefehl wurde am 22. November 2016 versandt, jedoch zunächst fehlge- leitet. Am 25. November 2016 wurde er erneut verschickt und am 30. November 2016 zugestellt (BA pag. 03 -00-5). Die 10 -tägige Einsprachefrist endete damit - 6 - grundsätzlich am 10. Dezember 2016 bzw. am darauffolgenden Montag, den 12. Dezember 2016. Die am 9. Dezember 2016 erhobene Einsprache - einge- gangen am 12. Dezember 2016 - erfolgte somit form- und fristgerecht (Art. 354 Abs. 1 und 2 StPO). 1.4 Legalitätsprinzip Die Verteidigung rügte anlässlich ihres Plädoyers eine Verletzung des Legalitäts- prinzips. Sinngemäss führte sie aus, das SECO würde die Güter von Anhang 2 Teil 2 der GKV auflisten, wobei dafür gar keine gesetzliche Kompetenz bestehe. Diese Befugnis stehe n ur dem Gesetzgeber zu. Damit werde das Delegations- verbot verletzt. Bei schweren Grundrechtseingriffen müssten die Grundzüge im Gesetz geregelt sein, was in Bezug auf den vorliegend interessierenden Anhang 2 der GKV mit seinen 234 eng beschriebenen Seiten nicht mehr zutreffe. Nichts mache die mangelnde Beständigkeit so deutlich wie die Tatsache, dass der vor- liegend einschlägige „Anhang 2“ in der GKV nicht einmal enthalten sei (TPF pag. 2-925-3 ff.). Gemäss Art. 1 StGB darf eine Strafe oder Massnahme nur wegen einer Tat ver- hängt werden, „die das Gesetz ausdrücklich unter Strafe stellt“. Strafbares Ver- halten muss wegen seiner Grundrechtsrelevanz von Strafen grundsätzlich in ei- nem formellen Gesetz definiert sein ( POPP PETER/BERKEMEIER ANNE, in: Niggli/ Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 1 StGB N. 28). Ohne Delegationsnorm zulässig sind jedoch auch im Strafrecht blosse Ausfüh- rungsbestimmungen in Verordnungen, welche die Voraussetzungen einer be- stimmten Rechtsfolge detaillierter ausführen, als es der abstraktere Gesetzestext tut (vgl. POPP/BERKEMEIER, a.a.O., Art. 1 StGB N. 29; BGE 124 IV 286 E . 1 f. S. 292). Beim GKG handelt es sich um ein Gesetz im formellen Sinn. Im Ingress der GKV sowie Art. 22 Abs. 1 GKG ist zu entnehmen, dass der Bundesrat unter anderem gestützt auf das GKG die GKV erlassen hat. Dementsprechend handelt es sich beim GKG um ein Ermächtigungsgesetz (WEBER KARL in: Cottier/ Oesch [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XI, Allgemeines Aus- senwirtschafts- und Binnenmarktrecht, 2. Aufl., Basel 2007, § 3 N 15). Die GKV basiert somit auf einem Gesetz im formellen Sinn . Die GKV enthält seit dem 1. März 2002 fünf Anhänge und bestimmt in den Verordnungsanhängen mit hin- reichender Klarheit die Güter, welche den Ko ntrollmassnahmen unterstellt sind (WEBER, a.a.O., § 14 N. 79). Dass die Güterlisten in den Anhängen (zum Teil) detailliert ausgefallen und nicht nur für Gewerbetreibende sowie Gesellschafts- organe, sondern auch für juristisch Geschulte bisweilen nicht leich t verständlich sind, liegt in der Natur der Sache: Es können nicht sämtliche güterkontrollrecht-- 7 - lich relevanten Gegenstände des Wirtschaftslebens in einer Verordnung – ge- schweige denn in einem Gesetz im formellen Sinn - aufgeführt werden. Von Be- deutung ist, dass in den Art. 2 Abs. 2 und Art. 3 Abs. 1 und 2 GKV explizit auf die Anhänge verwiesen wird und am Schluss der Verordnung zu den Anhängen 1-3 zur GKV folgender Hinweis steht: „Der Text der Anhänge 1-3 wird nicht in der AS publiziert (AS 2017 2629). Er kann unter www.seco.admin.ch > Aussenwirtschaft & Wirtschaftliche Zusammenarbeit > Exportkontrollen und Sanktionen > Indust- rieprodukte und besondere militärische Güter > Rechtliche Grundlagen und Gü- terlisten eingesehen werden.“ Im Ergebnis handelt es sich bei Art. 14 Abs. 1 lit. a GKG um eine Strafnorm, welche durch Art. 3 Abs. 1 GKV i.V.m. Anhang 2 der GKV genügend konkretisiert wird. Eine Verletzung des Legalitätsprinzips ist nicht zu erkennen, weshalb der Einwand der Verteidigung unbegründet ist. 2. Anklagevorwurf Am 19. Februar 2016 importierte die B. AG 17 integrierte Schaltungen – bewilli- gungspflichtige Güter gemäss Exportkontrollnummer (EKN) 3A001a.5.a.3 – aus den USA in die Schweiz. C., Mitarbeiterin der B. AG, versandte diese Güter am 24. Februar 2016 an die Transportfirma G. in Vilnius (Litauen), ohne die für den Export notwendigen Ausfuhrbewilligungen beim SECO ein geholt zu haben. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten A. in diesem Zusammenhang vor, er habe es als damaliger Verwaltungsratspräsident der B. AG in Verletzung einer Rechtspflicht fahrlässig unterlassen, die Widerhandlung der Mitarbeiterin C. ge- gen das Güterkontrollgesetz durch entsprechende organisatorische Vorkehrun- gen (Schulungen, Instruktionen, Kontrollmechanismen, Prozessabläufe etc.) ab- zuwenden (TPF pag. 2-100-3 ff.). 3. Feststellungen zum äusseren Sachverhalt Der äussere Sachverhalt gilt aufgrund der nachfolgend aufgeführten Ereignisse sowie Beweismittel als erstellt. 3.1 Gemäss Handelsregisterauszug der B. AG wurde die Gesellschaft am 14. No- vember 2013, mit Sitz bei der D. Ltd. in Z./SZ, gegründet. Gesellschaftszweck ist der Handel mit mikroelektronischen Komponenten, Chips, elektronischen Bau- teilen, ähnlichen Geräten aller Art, Software, sowie von Einzelte ilen davon und dazugehöriger Ausrüstung aller Art, die Beratung in diesem Bereich und die - 8 - Durchführung von IT -Projekten. Als Gründungsmitglieder waren der Beschul- digte als Verwaltungsratspräsident mit Einzelunterschrift, und F., als Mitglied des Verwaltungsrates mit Kollektivunterschrift zu zweien, eingetragen. Am 22. April 2016 schied der Beschuldigte als Verwaltungsratspräsident aus und an seine r Stelle wurde C. als Verwaltungsratspräsidentin mit Einzelunterschrift eingetra- gen. Gleichentags wurde der Sitz der B. AG verlegt und war neu an folgender Adresse gemeldet: B. AG, c/o C., in Y. (TPF pag. 2-931-22 f.). 3.2 Bei der D. Ltd. handelt es sich um die damalige Arbeitgeberin des Beschuldigten. Es besteht ein Mandatsvertrag zwischen der D. Ltd. und F. vom 18. September 2013 betreffend Engagement for provision of corporate services for: B. AG. Ge- mäss Appendix B wurden unter anderen die folgenden Dienstleistungen verein- bart: Provision of directorship sowie Provision of nominee shareholder (TPF pag. 2-521-8 ff.). Aufgrund dieser Vereinbarung nahm der Beschuldigte die Funktion als Direktor und Verwaltungsratspräsident der B. AG wahr. 3.3 Am 26. Januar 2015 unterschrieb die B. AG mit der H. Co. Ltd., Hong Kong einen Vertrag mit dem Titel: Supply Contract No. 5. Auf Seiten der B. AG unterschrieb der Beschuldigte und ergänzte handschriftlich den Zusatz „Director“ (BA pag. 12- 01-21). Gemäss Aussagen des Beschuldigten sei dieser Vertrag die Grundlage für den Export der fraglichen Güter am 24. Februar 2016 gewesen (TPF pag. 2- 931-15). Mit Purchase Order KS000166 vom 9. Februar 2016 bestellte die H. Co. Ltd. bei der B. AG (unter anderem) 17 integrierte Schaltungen der Herstellerin TEXAS INSTRUMENTS mit dem Beschrieb „ADC12D1600RFIUT/NOPB integrated chip, new & origina l“ (BA pag. 12 -01-18). Für die Bestellung erstellte d ie B. AG am 24. Februar 2016 eine Invoice (Nr. LR240216-01) mit identischen Bestellanga- ben. Die Invoice der B. AG enthielt folgenden Hinweis: „Note: All business cor- respondence should be sent to: A., Zurich, Switzerland,” (BA pag. 12-01-19). Der Bestellung der 17 integrierten Schaltungen der Herstellerfirma TEXAS INSTRU- MENTS bei der I. Inc. durch die B. AG (Purchase Order No LR000713) ist sowohl der Bestell-Code (ADC12D1600RFIUT/NOPB), als auch der postalische Hinweis zu entnehmen („Note: All business correspondence should be sent to: A., Zurich, Switzerland.“) (BA pag. 12-01-9). Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte der Beschuldigte, dass es sich bei dieser Adresse um seinen tatsächlichen Arbeitsort gehandelt habe, faktisch aber keine Korrespondenz an dieser Adresse eingegan- gen sei (TPF pag. 2-931-16). Aus der Pro Forma Invoice vom 10. Februar 2016 – ausgestellt durch die I. Inc. – ist ersichtlich, dass die Sendung an A., B. AG, C., nach X., in die Schweiz - 9 - geliefert werden sollte (Shipping Information). Auf der Rechnung (Billing Informa- tion) steht: A., B. AG, X., Switzerland. Unter der Rubrik MPN und IPN ist der mit der Bestellung deckungsgleiche Code ADC12D1600RFIUT/NOPB aufgeführt. Unter der Rubrik Manufacturer und Description steht TEXAS INSTRUMENTS (BA pag. 12 -01-10). Im technischen Produktebeschrieb von TEXAS INSTRU- MENTS betreffend das Produkt ADC12D1600RF (Part Number) wird auf Seite 1 aufgelistet, dass es sich um eine Applikation für Military Communications handle (BA pag. 12-01-31). Auf der letzten Seite des Beschriebs steht folgender Hinweis: „Important Notice: Only those Tl (TEXAS INSTRUMENTS) components which Tl has specifically designated as military grade (…) are designed a nd intended for use in military/aerospace applications or environments. Buyer acknowledges and agrees that any military (…) use of Tl components which have not been so des- ignated is solely at the Buyer's risk, and that Buyer is solely responsible for com- pliance with all legal and regulatory requirements in connection with such use” (BA pag. 12-01-144). Die Pro Forma Invoice vom 10. Februar 2016 lag dem Be- schuldigten gemäss eigener Aussage vor. Den Produktebeschrieb ha be er je- doch im Zeitpunkt der Bestellung nicht konsultiert (TPF pag. 2-931-17). Die Sales Invoice vom 17. Februar 2016 – ausgestellt durch die I. Inc. – enthält dieselben Rechnungs- und Sendeinformationen wie die Pro Forma Invoice. Unter der Rubrik Quantity ECCN, Country of Origin steht die Zahl 17 sowie die Export- kontrollnummer (EKN) 3A001a.5.a.3 (BA pag. 12-01-11). Auch über dieses Do- kument verfügte der Beschuldigte (TPF pag. 2-931-17). C. führte am 24. Februar 2016, im Namen der B. AG, 17 integrierte Schaltungen mit der EKN 3A001a.5.a.3 au s der Schweiz nach Litauen aus, ohne die dafür notwendige Ausfuhrbewilligung des SECO eingeholt zu haben (BA pag. 03 -00- 8). Mit Schreiben vom 21. April 2016 erkundigte sich das SECO beim Beschuldigten nach der Sendung der 17 integrierten Schaltungen und sc hickte ihm einen Fra- gekatalog zu. Frage 1 lautete: Sind diese Güter von den Anhängen zur GKV er- fasst? Falls ja, unter welcher Exportkontrollnummer? Falls nein, warum nicht (wir erwarten von Ihnen an dieser Stelle eine technische Begründung)? (BA pag. 18- 01-9). Mit Schreiben vom 28. April 2016 antwortete der Beschuldigte auf das Schreiben des SECO und bat um Präzisierung der Frage 1 (BA pag. 18-01-17). Er unter- zeichnete das Antwortschreiben mit „Präsident des Verwaltungsrates“, wobei er bereits seit dem 22. April 2016 nicht mehr als Verwaltungsratspräsident der B. AG im Handelsregister eingetragen war. - 10 - Am 3. Mai 2016 präzisierte das SECO auf Wunsch des Beschuldigten Frage 1, worauf C. als (neue) Präsidentin des Verwaltungsrates am 17. Mai 2016 wie folgt antwortete: „ I. Inc hat uns bestätigt, dass das Gut (Position ADC12D1600RFIUT/NOPB) von der Exportkontrollnummer ( EKN) 3A001a.5.a.3. erfasst wird (…).“ (BA pag. 18-01-11;…-13). 3.4 Die involvierten Personen, C. und der Beschuldigte A., äusserten sich zur Sache im Wesentlichen wie folgt: Anlässlich ihrer Einvernahme vom 23. August 2016 bei der Bundeskriminalpolizei gab C. zu Protokoll, sie habe von Januar bis Mai 2016 zunächst temporär klei- nere Aufgaben für die B. AG übernommen und ab dem 1. Mai 2016 eine Festan- stellung erhalten. Ihre Aufgaben hätten aus der Administration und der Buchhal- tung bestanden, wobei ihr Auftraggeber F. gewesen sei. Seit April 2016 sei wohl sie die Geschäftsführerin bzw. Direktorin der Firma. C. betonte mehrmals, dass die Firma F. gehöre und er deren Gründer sei. Von ihm wisse sie, dass A. der frühere Geschäftsführer gewesen sei. Persönlich kenne sie A. nicht und stehe in keiner Beziehung zu ihm. Sie habe ihn weder gesehen noch getroffe n. Seinen Namen habe sie beim Notar bei der Änderung des Handelsregistereintrags ge- sehen. Zur Funktion von A. bei der B. AG könne sie nichts sagen. Wenn es um die Firma gehe, spreche sie immer mit F.. Den Sendungsauftrag nach Litauen habe sie von F. erhalten. Sie habe vorgängig nicht abgeklärt, ob es sich bei den Gütern um bewilligungspflichtige Ware gehandelt habe und sich auf die Aussa- gen von F. verlassen. Sie sei sich sicher, dass dieser alles gut kenne und er sie entsprechend instruiert hätte (BA pag. 12-02-3 ff.). Auch der Beschuldigte erklärte bei seiner Einvernahme durch die Bundeskrimi- nalpolizei am 23. August 2016 , dass die Firma B. AG zu 100% F. gehöre und dieser auch der wirtschaftlich Berechtigte sei. Er (A.) sei formell Mitglied des Ver- waltungsrates gewesen und habe sich um die Buchhaltung und die Steuern ge- kümmert. Der B. AG habe ein Verwaltungsrat mit einem Schweizer Aufenthalts- titel zur Verfügung gestellt werden müssen, damit man die AG in der Schweiz überhaupt habe gründen können. Er selber habe keinen direkten Kundenkontakt betreffend das Operative gehabt. Einzige Ausnahmen beträfen die Gebrüder J., welche am Zoll-Freilager in Zürich ein provisorisches Lager betreiben würden und Kontakte zu den Banken, da er unterschriftsberechtigt gewesen sei. Kun- denkontakte habe es lediglich wegen der Rechnungen und nicht wegen der Wa- ren gegeben. Angesprochen auf C. erklärte der Beschuldigte, er stehe zu keiner Beziehung mit ihr. Er habe sie nur einmal telefonisch kontaktiert, persönlich kenne er sie nicht (BA pag. 12 -01-2;…-4). Für den Export der 17 integrierten - 11 - Schaltungen aus der Schweiz in Richtung Litauen habe er keine Bewilligung ein- geholt. Aufgrund des Profils von F. und des Verwendungszwecks der Güter habe es keinen Grund oder Hinweis für die Notwendigkeit einer Bewilligung gegeben. Es seien vorgängig keine Abklärungen beim SECO getroffen worden, ob es sich um bewilligungspflichtige Ware gehandelt habe. Da die Waren schon mehrmals geliefert worden seien, habe kein Grund bestanden, dahingehend etwas zu un- ternehmen. Sein einziger Beitra g zur Warenbestellung habe in der Bezahlung der Rechnung bestanden. Er habe für die Korrespondenz mit dem SECO jeweils Rücksprache mit F. genommen, damit er die Fragen überhaupt habe beantwor- ten können. Er habe dazu auch die Unterlagen bei ihm einverlangt (BA pag. 12- 01-5;…-7). Anlässlich der Befragung bei der Bundesanwaltschaft am 20. Februar 2017 be- stätigte der Beschuldigte seine bisherigen Aussagen. Aufgrund der Dokumente, die er erhalten habe (gemeint: Pro Forma Invoice und Sales Invoice; siehe auch TPF pag. 2-931-19 f.) habe kein Anlass zur Vermutung bestanden, wonach diese Güter bewilligungspflichtig gewesen seien. Es sei nichts auf der Rechnung ge- standen, was auf eine Bewilligungspflicht hingedeutet hätte. F. sei für das Ope- rative zuständig gewesen. Dieser habe ihm die Rechnungen zum Bezahlen zu- gesandt. Über Personelles hätten sie nicht gesprochen. C. sei keine formelle An- gestellte, sondern nur eine Zustelladresse gewesen. Sie habe keinen Arbeitsver- trag gehabt. Er habe nicht gewusst, wer sie war . Er habe vermutet, sie sei eine Fachperson für die Logistik. Der erste Kontakt mit C. habe wegen Vorbereitung der Dokumente für den Verwaltungsrat stattgefunden. Von ihm (gemeint A.) habe C. sicher keine Weisungen erhalten (BA pag. 13-01-12;…-14). An der Hauptverhandlung vom 16. Juni 2017 bestätigte der Beschuldigte seine bisherigen Aussagen und anerkannte im Grundsatz den im Strafbefehl bzw. in der Anklageschrift umschriebenen äusseren Sachverhalt. Mit dem Import/Export der B. AG habe er nichts zu tun gehabt und er kenne sich auch nicht mit deren Tätigkeitsfeld, dem Handel mit Hard - und Software, aus. Er habe nicht Verwal- tungsratspräsident werden wollen, aber es sei bei der Gründung einer Briefkas- tenfirma wie der B. AG normal, dass jemand deren Präsident oder Direktor sei. Im Zeitpunkt der Übernahme des Verwaltungsratspräsidiums sei ihm jedoch be- wusst gewesen, was dies für gesellschaftsrechtliche Pflicht en nach sich ziehe . Er sei formell, aber nicht faktisch Verwaltungsratspräsident gewesen. Die Kom- munikation mit Behörden innerhalb der Schweiz habe er machen müssen. Er habe keine Aufgaben an F. delegiert und es habe seiner Ansicht nach auch keine Delegation gegeben. F. habe einfach von Anfang an klar geregelt, wer was ma- che. Ebenso habe es bei der B. AG auch kein Firmen- oder Organisationsregle- ment gegeben (TPF pag. 2-931-5;…-8;…-14). - 12 - Zur Bewilligungspflicht von Dual-Use-Güter erklärte der Beschuldigte, er wisse seit 2015, dass es solche geben würde. Er verfüge aber über keine Kenntnisse im Bereich des Güterkontrollrechts und er sei auch nicht mit dem Bewilligungs- verfahren des SE CO für Dual -Use-Güter vertraut. Auf die Korrespondenz mit dem SECO im Jahre 2015 angesprochen, gab der Beschuldigte zu Protokoll, er habe nach Rücksprache mit F. keine weiteren Abklärungen getroffen. Er sei da- von ausgegangen, dass die B. AG vom SECO nochmals kontaktiert worden wäre, falls es sich um Dual-Use-Güter gehandelt hätte. Auch habe ihm F. versi- chert, dass solche Güter künftig nicht mehr in die Schweiz geliefert werden wür- den (vgl. E 3.5). Er habe sich vollumfänglich auf die Aussagen von F. als Fach- spezialist verlassen, wonach Artikel mit doppeltem Verwendungszweck (Dual - Use-Güter) von der B. AG weder gekauft noch verkauft würden. Gleich verhalte es sich mit der Bewilligungspflicht, zu der er selber keinerlei Abklärungen getätigt habe. Auch habe er innerhalb der B. AG die für die Bestellungen, Importe und Exporte zuständigen Personen weder instruiert, noch überwacht. Er habe ver- mutet, dass die Frage der bewilligungspflichtigen Güter Sache von (Logistikfir- men wie) DHL, FedEx oder der Gebrüder J. sei. Für ihn sei klar gewesen, dass es sich nicht um spezifische bewilligungspflichtige Güter handle. Beim Telefonat mit C. sei es lediglich um das Verwaltungsratsmandat gegangen. Ob sich C. im Bereich des Güterkontrollrechts und mit Dual-Use-Gütern auskenne, wisse er nicht. Er habe ihr in Bezug auf das fragliche Geschäft keine Instruktionen erteilt. Weder die Tätigkeit, noch die Arbeitsergebnisse von C. habe er jemals kontrolliert oder überwacht. Überhaupt wisse er nicht, wie er das in diesem Geschäft hätte besser kontrollieren können. Es habe für ihn kein Anlass bestanden, die Angele- genheit tiefer zu prüfen (TPF pag. 2-931-9;...-21). 3.5 Die Frage der güterkontrollrechtlichen Bewilligungspflicht stellte sich für die B. AG bereits im Jahre 2015. In einem Schreiben vom 28. August 2015 wies das SECO die B. AG auf die Problematik der Exportkontrolle bzw. die Überprüfung der Einfuhr von strategi- schen Gütern hin. Das SECO informierte die Gesellschaft darüber, dass es sich bei der damals zu exportierenden Ware um international kontrollierte Dual-Use- Güter handle, deren Ausfuhr Bewilligungspflichten unterliegen würden. Die Aus- fuhr aus der Schweiz sowie die Durchfuhr (Transit und Zolllagerverkehr) via Schweiz unterlägen ebenfalls Bewilligungsverfahren. Entsprechend setzte das SECO der B. AG eine Frist, um das fragliche Geschäft näher zu erläutern. Zudem machte das SECO die B. AG auf die auf der Website des SECO abrufbaren rechtlichen Grundlagen und die Güterkontrolllisten der GKV aufmerksam . Die Schreiben waren an den Verwaltungsratspräsidenten, den Beschuldigten A., ge- richtet. Er antwortete für die B. AG und hielt u.a. Folgendes fest: „(…) Artikel mit - 13 - doppeltem Verwendungszweck (Dual-Use-Güter) werden von der B. AG weder gekauft noch verkauft (…)“. Den Brief unterschrieb er mit der Bezeichnung „Prä- sident des Verwaltungsrates“ (BA pag. 18-01-21 f.). Mit Schreiben vom 2. März 2016 wandte sich das SECO an den Beschuldigten aufgrund eines Import-Export-Geschäfts der B. AG vom 24. Juni 2015, welches güterkontrollrechtliche Fragen aufwarf (BA pag. 05 -00-26). Mit Schreiben vom 10. März 2016 antwortete der Beschuldigte (als Präsident des Verwaltungsrates) auf die Fragen des SECO, u.a. mit folgendem Wortlaut: „Aus unserer Sich haben die (…) Waren keinen doppelten Zweck und waren nur für zivilgesellschaftliche Zwecke verwendet (…).“ (BA pag. 05-00-28). 4. Fahrlässige Widerhandlung gegen das Güterkontrollgesetz (Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GKV inklusive Anhang 2, Teil 2) , begangen in Geschäftsbetrieben (Art. 6 Abs. 2 und 3 VStrR) 4.1 Nach Art. 14 Abs. 1 GKG sind verschiedene Formen vorsätzlicher Verletzungen von Pflichten im Bereich der Güterkontrolle unter Strafe gestellt. Gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a GKG wird mit Gefängnis oder mit Busse bis zu 1 Million Franken bestraft, wer vorsätzlich ohne entsprechende Bewilligung Waren herstellt, lagert, weitergibt, verwendet, ein-, aus-, durchführt oder vermittelt oder an eine Bewilli- gung geknüpfte Bedingungen und Auflagen nicht einhält. Der Tatbestand von Art. 14 Abs. 1 lit. a GKG schliesst ein e sich aus Art. 3 GKV i.V.m. Anhang 2 er- gebende Bewilligungspflicht mit ein. Den objektiven Tatbestand von Art. 14 Abs. 1 lit. a GKG erfüllt, wer die nach Art. 3 Abs. 1 GKV vorgeschriebene Aus- fuhrbewilligung des SECO nicht einholt und trotzdem von der Bewilligungspflicht erfasste Güter von schweizerischem Staatsgebiet ausführt. Wird die Tat fahrläs- sig begangen, so ist die Strafe gemäss Art. 14 Abs. 3 GKG Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Busse bis zu 100 000 Franken. 4.2 Werden Widerhandlungen gegen das Güterkontrollgesetz in Geschäftsbetrieben begangen, so gilt – gestützt auf Art. 16 GKG – Art. 6 VStrR. Danach finden die Strafbestimmungen vorab auf denjenigen Anwendung, der die Tat verübt hat (Art. 6 Abs. 1 VStrR). Art. 6 Abs. 2 VStrR statuiert, dass d er Geschäftsherr, der es vorsätzlich oder fahrlässig in Verletzung einer Rechtspflicht unterlässt, eine Widerhandlung des Untergebenen, Beauftragten oder Vertreters abzuwenden oder in ihren Wirkun- gen aufzuheben, den Strafbes timmungen untersteht, die für den entsprechend handelnden Täter gelten. Die Verwaltungsstraftat des Untergebenen (Anlasstat) - 14 - ist lediglich objektive Strafbarkeitsbedingung. Dies bedeutet, Vorsatz oder Fahr- lässigkeit müssen sich nicht auf die konkrete Anlasstat beziehen, sondern auf die Nichtverhinderung der Anlasstat ( EICKER ANDREAS/FRIEDRICH FRANK/ACHER- MANN JONAS, Verwaltungsstrafrecht und Verwaltungsstrafverfahrensrecht, Bern, 2012, S. 54 m.w.H.). Für die Strafbarkeit des Geschäftsherrn wird zudem nicht vorausgesetzt, dass er von der Widerhandlung Kenntnis hat oder nachträglich Kenntnis erhält (KURT HAURI, Verwaltungsstrafrecht, Bern, 1998, Art. 6, Ziff. 10). 4.2.1.1 Bei der strafrechtlichen Geschäftsherrenhaftung handelt es sich um ein echtes Sonderdelikt, wobei es einer Legaldefinition des Geschäftsherrn im VStrR man- gelt. Unter den Begriff des Geschäftsherrn sind diejenigen Organe sowie natürli- chen Personen zu subsumieren, die auf Grund ihrer Weisungs - und Kontrollbe- fugnisse in der Lage sind, dem strafbaren Verha lten einer weisungsunterworfe- nen Person Einhalt zu gebieten (vgl. EICKER/FRANK/ACHERMANN, a.a.O., S. 52; ACKERMANN JÜRG-BEAT, in Ackermann/Heine [Hrsg.]: Wirtschaftsstrafrecht der Schweiz, Hand- und Studienbuch, Bern, 2013, §4 N 86 ff.). Nach Art. 6 Abs. 2 VStrR besteht die Pflicht, Gesetzesverletzungen von Untergebenen, Beauftrag- ten oder Vertretern abzuwenden, nicht aber solche von gleich - oder übergeord- neten Personen. Der Arbeitnehmer, Auftragnehmer oder Vertreter muss zudem gemäss der betriebsinternen O rdnung oder auf Grund eines besonderen Auf- trags- oder Vertretungsverhältnisses dem Verantwortlichkeitsbereich des Ge- schäftsherrn unterstellt sein (BGE 113 IV 68, S. 75). 4.2.1.2 Die strafrechtliche Zurechnung des Geschäftsherrn durch Unterlassung setzt dessen Garantenstellung voraus. Art. 6 Abs. 2 VStrR beinhaltet demnach ein Un- terlassungsdelikt des Geschäftsherrn, parallel zum Tätigkeitsdelikt des Unterge- benen, Beauftragten oder Vertreters (HAURI, a.a.O., Art. 6, Ziff. 7). Gemeint sind insbesondere Fälle, bei denen eine Führungsperson Straftaten der ihr unterstell- ten Person(en) nicht unterbindet, weshalb eine solche Nichtverhinderung der Be- gehung von Straftaten als strafwürdig erachtet wird. Folglich handelt es sich um eine strafrechtliche Mithaftung des duldenden Vorgesetzten, wonach sich dieser für dieselbe Strafbestimmung strafbar macht wie die ihm weisungsunterworfene Person (vgl. EICKER/FRANK/ACHERMANN, a.a.O., S. 51 f.). Die Garantenpflicht des Geschäftsherrn wird dadurch begründet, als dass er in leitender Fu nktion dafür zu sorgen hat, Gefahrenquellen für öffentliche Rechtsgüter oder Rechtsgüter Dritter, welche vom Unternehmen ausgehen, zu unterbinden. Dafür muss er den Geschäftsbetrieb e ntsprechend sicher organisieren . De mzufolge ist der Ge- schäftsherr von Gesetzes wegen als Überwachungsgarant für die Kontrolle und die Minimierung der vom Unternehmen ausgehenden Gefahren verantwortlich. Nötigenfalls muss er ein entsprechendes Sicherheitskonzept erstellen und dessen Einhaltung überwachen (vgl. dazu BGE 122 IV 10 3 E. 5.2; ANDREAS - 15 - DONATSCH/BRIGITTE TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 9. Auflage, Zürich/Ba- sel/Genf, 2013, S. 368 f.). 4.2.1.3 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird die rechtliche Verpflichtung des Geschäftsherrn dadurch begründet, dass sich die Bestim mungen des Ver- waltungsrechts in der Regel an ihn richten und er folglich deren Anwendung si- cherzustellen, beziehungsweise deren Verletzung zu verhindern hat. Demzufolge hat der Geschäftsherr die rechtliche Pflicht, das fragliche Verhalten seiner Ange- stellten durch Überwachung, Weisungen und falls notwendig durch Eingreifen zu verhindern (BGE 142 IV 315 E. 2). Art. 6 Abs. 3 VStrR bezieht sich auf die Strafbarkeit von Organen. Steht eine juristische Person in der Verantwortung, so ist aufgrund dieser Bestimmu ng auf die dahinter stehende natürliche Person durchzugreifen, wobei Art. 6 Abs. 2 VStrR zur Anwendung gelangt (siehe E. 4.2.1 ff.). 4.2.2.1 Die Tat des Untergebenen ist allen natürlichen Organmitgliedern des Verwal- tungsrates zuzurechnen, die mindestens fahrlässig ihre Aufsichtspflicht verletzt haben (vgl. EICKER/FRANK/ACHERMANN, a.a.O., S. 59 f. m.w.H.). Dabei ist analog Art. 6 Abs. 2 VStrR nicht erforderlich, dass das betreffende Organ Kenntnis der inkriminierten Handlungen der juristischen Person bzw. von Untergebenen oder Vertretern hat, sondern lediglich, dass es trotz Aufsichtspflicht keine Massnah- men zur Einhaltung von (an die juristische Person etc. als Geschäftsherrn gerich- teten) strafbewehrten Verwaltungsbestimmungen bzw. zur Verhinderung von diesbezüglichen Gesetzesverstössen getroffen hat. 4.2.2.2 Für den Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft folgt die vorerwähnte Rechts- pflicht direkt aus dessen unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 2 OR. Die Mitglieder des Verwaltungsrats sowie Dritte, die mit der Geschäftsführung befasst sind, müssen nach Art. 717 Abs. 1 OR ihre Aufgaben mit aller Sorgfalt erfüllen. Für diese Sorgfalt gilt ein objektiver Mass- stab. Die Verwaltungsräte sind zu aller Sorgfalt verpflichtet und nicht nur zur Vor- sicht, die sie in eigenen Geschäften anzuwenden pflegen (Urteil des Bundesstraf- gerichts SK.2015.23 vom 24. September 2015, E. 4.3.4 m.V.a. BGE 122 III 195 E. 3a; BGE 113 II 52 E. 3a). Das Verhalten eines Verwaltungsratsmitglieds wird deshalb mit d emjenigen verglichen, das billigerweise von einer abstrakt vorge- stellten, ordnungsgemäss handelnden Person in einer vergleichbaren Situation erwartet werden kann (Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2015.23 vom 24. Sep- tember 2015,E. 4.3.4; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-4094/2012 vom 11. Juni 2013, E. 3.1.1). Damit ein Verwaltungsrat die Oberaufsicht gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 OR sorgfältig wahrnehmen kann, muss er die Geschäfts-- 16 - führung kritisch verfolgen. Dazu gehört, dass er sich über den laufe nden Ge- schäftsgang informiert, von der Geschäftsleitung Berichte verlangt, sie sorgfältig studiert, nötigenfalls ergänzende Auskünfte einzieht und Fehlentwicklungen oder Unregelmässigkeiten nachgeht ( BGE 122 III 195 E. 3a; BGE 113 II 52 E. 3a) . Demnach mus s jedes Mitglied des Verwaltungsrats Ratschläge selbstständig würdigen können und in der Lage sein, diese kritisch zu hinterfragen ( GRAF DAMIAN K., Gesellschaftsorgane zwischen Aktienrecht und Strafrecht, Zürich/St. Gallen 2017, Rz 682). Es kann sich nicht auf generelle Meinungen abstützen, um sich seiner Haftung zu entledigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_267/2008 vom 8. Dezember 2008 E. 5.6). Handelt es sich um eine Gesellschaft mit einfa- cher Organisationsstruktur sind praxisgemäss hohe Anforderungen an die allge- meine Sorgfaltspflicht und die Aufsichts - und Kontrollpflicht eines Verwaltungs- ratsmitglieds zu stelle n (GRAF, a.a.O., Rz 677 m.w.H. ). In jedem Fall muss ein Verwaltungsrat unabhängig von seiner konkreten Stellung fundierte Kenntnisse der Gesellschaft und deren Betriebsorganisation, des Geschäftszweigs sowie den grundlegenden rechtlichen Pflichten aufweisen. Auch einem nicht mit der ei- gentlichen Geschäftsführung betrauten Verwaltungsrat kommt (solange er seine formelle Organstellung beibehält) als Mitglied des Verwaltungsrats neben der all- gemeinen Sorgfaltspflicht nach Art. 717 Abs. 1 OR die unübertragbare und un- entziehbare Aufgabe der Oberaufsicht zu, namentlich im Hinblick auf die Befol- gung der Gesetze (Urteil des Bundesgerichts 2C_671/2014 vom 18. Dezember 2014, E. 3.2.1; Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2015.23 vom 24. September 2015, E. 4.3.5). 4.3 Subsumtion objektiver Tatbestand Die für die B. AG tätige C. führte am 24. Februar 2016 17 integrierte Schaltungen mit der EKN 3A 001a.5.a.3 aus der Schweiz nach Litauen aus , ohne die dafür notwendige Ausfuhrbewilligung des SECO eingeholt zu haben (BA pag. 03 -00- 8). Es ist unbestritten, dass es sich bei den ausgeführten Gütern um Dual -Use- Güter gemäss Anhang 2 der GKV handelte. C. wurde mit Strafbefehl der Bun- desanwaltschaft vom 3. November 2016 in Anwendung von Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GKV rechtskräftig verurteilt. Der objektive Tatbestand von Art. 14 Abs. 1 lit. a GKG ist erfüllt. 4.4 Verantwortlichkeit des Beschuldigten Entgegen der Auffassung des Beschuldigten beschränkte sich sein Aufgabenbe- reich innerhalb der B. AG nicht nur auf steuerliche und buchhalterische Aufga- ben: In Bezug auf den Versand der hier interessierenden 17 integrierten Schal- tungen ist erstellt, dass die damit zusammenhängende Geschäftskorrespondenz - 17 - mit TEXAS INSTRUMENTS und den involvierten Behörden, insbesondere mit dem SECO, an ihn als Vertreter und Verantwortlicher der B. AG adressiert waren. Er unterzeichnete den Grundlagenvertrag mit der H. Co. Ltd. sowie die weiteren Geschäftsunterlagen als Direktor bzw. Präsident des Verwaltungsrates der B. AG. Die Dokumente wurden ihm an seinen Arbeitsort nach Zürich zugestellt. Als Verwaltungsratspräsident mit Einzelunterschriftsberechtigung war er befugt sämtliche Geschäfte für die B. AG rechtsgültig zu unterzeichnen. In casu beant- wortete er insbesondere auch die Anfragen des SECO zu r Thematik der Dual- Use-Güter und zur Frage der güterkontrollrechtlichen Bewilligungspflicht – und zwar sogar noch nach seinem formellen Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat der B. AG (BA pag. 18 -01-21; 05-00-28). Was den Versand von Gütern anbe- langt, so stand er auch in Kontakt mit den Spediteuren Gebrüder J. und küm- merte sich bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit um die Auswahl lizenzierter und erfahrener Speditionsunternehmen (TPF pag. 2-925-7). Eine Delegation derarti- ger Aufgaben an F. oder an eine Drittperson fand gemäss Angaben des Beschul- digten nicht statt. Beweismässig ist erstellt, dass er um die güterkontrollrechtliche Problematik der Bewilligungspflicht von Dual -Use-Gütern wusste und es für ihn ein Leichtes gewesen wäre, sich vorliegend über die Produkte der amerikani- schen Firma TEXAS INSTRUMENTS in den öffentlich zugänglichen Quellen aus- reichend zu informieren. Dabei wäre er bereits auf Seite 1 des Produktebe- schriebs zu den hier interessierenden integrierenden Schaltungen auf den Pas- sus „Military Communications“ bzw. am Ende des Produktebeschriebs auf den Hinweis „for use in military“ gestossen (BA pag. 12-01-31 und 114; TPF pag. 2- 931-19 f.). Es gilt als erstellt, dass sich der Beschuldigte und C. weder kannten noch sich jemals persönlich getroffen hatten. Einziger Kontakt soll ein Telefonat im Frühjahr 2016 betreffend der Modalitäten zum Wechsel im Verwaltungsrat gewesen sein. Fakt ist, dass C. ab Februar 2016 für die B. AG tätig war (BA pag. 12-01-17), was bereits den Dokumenten für den Export der hier interessierenden Güter entnom- men werden kann. Dabei hätte der Beschuldigte erkennen müssen, dass es bei der B. AG noch mindestens eine weitere Angestellte gab. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als der Name von. C. auf den Rechnungen der I. Inc. gegenüber der B. AG mit Name und Adresse in X. aufgeführt war, hätte er sich zu ihrer Person und über ihren Aufgaben- und Zuständigkeitsbereich innerhalb der B. AG infor- mieren müssen. Mangels Information und entsprechend fehlender Instruktion und Überwachung durch den Beschuldigten versandte C. die Dual-Use-Güter ohne Ausfuhrbewilligung nach Litauen. Diese (fahrlässige) Widerhandlung gegen das Güterkontrollgesetz der Angestellten der B. AG hätte der Beschuldigte je-- 18 - doch mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit verhindern können. Infolgedes- sen ist ihm das strafrechtlich relevante Fehlverhalten von C. entsprechend zuzu- rechnen. Der Beschuldigte war Verwaltungsratspräsident mit Einzelzeichnungsberechti- gung und direkte Ansprechperson der B. AG in der Schweiz. Mit der Annahme des Verwaltungsratspräsidiums übernahm er eine besondere Verantwortung für die Tätigkeit dieser Gesellschaft. Insbesondere kam ihm die Aufgabe zu, die Ge- schäftstätigkeit der B. AG zu überwachen und sicherzustellen, dass das Unter- nehmen keine widerrechtliche Geschäftstätigkeit ausübt und namentlich die Bestimmungen des Güterkontrollrechts eingehalten werden. Seine diesbezügli- che Garantenstellung folgte direkt aus Art. 716a Abs. 1 Ziff. 1 und 5 OR (siehe E. 4.2.2.2). Da ihm die Problematik der Bewilligungspflicht von Dual-Use-Gütern nachweislich bereits seit August 2015 bekannt war, wäre es für ihn während der Dauer seines Verwaltungsratsmandats (November 2013 bis April 2016) ohne weiteres möglich gewesen, innerhalb des Unternehmens rechtzeitig entspre- chende organisatorische Massnahmen vorzukehren oder zumindest Rahmenbe- dingungen zu schaffen, welche die Einhaltung der güterkontrollrechtlichen Vor- schriften gewährleisten und widerrechtliches Verhalten verhindern. Dies setzt vo- raus, dass er das Unternehmen und dessen Geschäftstätigkeit kennt. Von einem Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft ist zu erwarten, dass er sich minimale Kenntnisse über den Tätigkeitsbereich der Gesellschaft aneignet und sich über den laufenden Geschäftsgang informiert . Bei einer schweizerischen Aktienge- sellschaft, die als Zweck das Vermitteln, Importieren und Exportieren von Hard- und Software angibt, gehören Kenntnisse und Abklärungen allfälliger güterkon- trollrechtlicher Bewilligungspflichten zu den betriebsspezifischen Aufgaben. Der Beschuldigte verschaffte sich weder einen klaren Überblick zur Geschäftstätig- keit, noch kümmerte er sich ernsthaft um Abklärungen zur Frage der Bewilli- gungspflicht der von der Gesellschaft exportierten Güter. Auch wenn die Geschäftstätigkeit der B. AG dem Beschuldigten zwar nicht als eigenes Handeln nach Art. 6 Abs. 1 VStrR strafrechtlich zug erechnet werden kann, so hat er doch die Handlungen von C. für die B. AG gestützt auf Art. 6 Abs. 2 und 3 VStrR aufgrund seiner Organstellung und einzelzeichnungsberech- tigter Verwaltungsratspräsident strafrechtlich zu verantworten. Seine Einwen- dung, er habe sich bei Fragen des Güterkontrollrechts auf die Aussagen des Mit- Verwaltungsrats F. verlassen dürfen, da dieser gemeinsam mit C. für das opera- tive Geschäft der B. AG zuständig gewesen sei , entlastet ihn nicht von seiner Verantwortung als Verwaltungsratspräsident. Der Beschuldigte verkennt, dass der gegen ihn erhobene Vorwurf im Fehlen bzw. Unterlassen einer gesetzeskon-- 19 - formen Verwaltungsratstätigkeit liegt, welche in der Wahrnehmung von der ge- setzlichen Aufsichts-, Handlungs-, Instruktions- und Überwachungspflichten liegt und gerade nicht in der Ausübung operativer Tätigkeiten. Bei pflichtgemässer Ausübung seiner Funktion hätte er die einem Verwaltungsratspräsidenten oblie- genden Weisungs- und Kontrollbefugnisse gegenüber C. wahrnehmen können und müssen. Dies hat er nachweislich nicht getan , weshalb es innerhalb der B. AG zum widerrechtlichen Export von bewilligungspflichtigen, 17 integrierten Schaltungen durch C. nach Litauen kam. Nach dem Gesagten ist die von C. am 24. Februar 2016 begangene (fahrlässige) Widerhandlung gegen das Güterkontrollgesetz in Anwendung von Art. 6 Abs. 2 und 3 VStrR dem Beschuldigten strafrechtlich zuzurechnen, womit er den objek- tiven Tatbestand von Art. 14 Abs. 1 lit. a GKG erfüllt hat. 4.5 Subsumtion subjektiver Tatbestand Fahrlässig handelt, wer die Folgen seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvor- sichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücks icht genommen hat (Art. 12 Abs. 3 Satz 1 StGB i.V.m. Art. 2 VStrR ). Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 Satz 2 StGB). Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vor- schriften; das Gleiche gilt für entsprechende allgemein anerkannte Verhaltensre- geln, auch wenn diese von einem privaten oder halböffentlichen Verband erlas- sen wurden und keine Rechtsnormen darstellen (BGE 130 IV 7 E. 3.3). 4.6 Der Beschuldigte handelte als Organ der B. AG. Aufgrund einer Lieferung im Jahre 2015 und entsprechender Korrespondenz mit dem SECO wusste er, dass sich bei der B. AG beim Im- und Export von Gütern auch Fragen der güterkon- trollrechtlichen Bewilligungspflicht stellen können. Insofern war er für diese Pro- blematik sensibilisiert, jedoch schienen ihm diese Fragen trotzdem nicht weiter prüfenswert. Die Anklage wirft dem Beschuldigten Pflichtwidrigkeit als Organ der B. AG betreffend C. vor. Wie der Beschuldigte selber zu Protokoll gab, seien ihm die Pflichten eines Verwaltungsrats einer schweizerischen Aktiengesellschaft be- kannt gewesen. Dazu gehört auch die Instruktion und Überwachung von Mitar- beitern und ausreichendes Wissen über die Geschäftstätigkeit. Vorliegend hat er sich als für die B. AG in der Verantwortung stehender Verwaltungsratspräsident gar nicht erst betreffend C. vergewissert, inwiefern sie bei der B. AG arbeitete, was sie dort tat und ob sie die ihr zugewiesenen Geschäfte auch richtig ausführte. - 20 - Überhaupt hat er sich für die eigentliche Geschäftstätigkeit der B. AG kaum inte- ressiert. In dieses Bild passt, dass sich der Beschuldigte vollumfänglich auf die Aussagen von F. verliess und von sich aus keine weiteren Abklärungen tätigte. Nach eigener Darstellung begnügte er sich mit der Vermutung, es handle sich vorliegend nicht um Dual -Use-Güter. Diese Aussage steht in einem gewissen Widerspruch zu seinen übrigen Erklärungen, er kenne sich auf dem Gebiet des Güterkontrollrechts nicht aus , wisse nicht, w as eine Exportkontrollnummer sei und habe bei der fraglichen Lieferung vom 24. Februar 2016 die EKN 3A001a.5.a.3 nicht überprüft (TPF pag. 2-931-17;…-20). Der Beschuldigte legte im Übrige n nicht dar, ob und inwiefern F. über ausreichende Kenntnisse de r schweizerischen Güterkontrollgesetzgebung verfügte. Er hinterfragte und über- prüfte dessen Angaben zur Bewilligungspflicht nicht. Infolgedessen kann der Be- schuldigte auch nicht geltend machen, sich auf einen Fachmann oder Spezialis- ten abgestützt zu haben. Aufgrund all dieser Nachlässigkeiten des Beschuldigten und seinem mangelnden Pflichtbewusstsein als Verwaltungsratspräsident kam es innerhalb der B. AG zur widerrechtlichen Ausfuhr von Dual-Use-Gütern, die er mühelos hätte verhindern können. Der Beschuldigte hat demzufolge fahrlässig im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG gehandelt. 4.7 Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten wegen fahrlässiger Widerhandlung ge- gen das Güterkontrollgesetz (Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GKV sowie Art. 16 GKG i.V.m. Art. 6 Abs. 2 und 3 VStrR ) schuldig zu sprechen. 5. Strafzumessung 5.1 Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Bewegg ründen und Zielen des Tä- ters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Dem (subjektiven) Tatverschulden kommt somit bei der Strafzumessung eine entscheidende Rolle zu (BGE 136 IV 55 E. 5.4). Ausge- hend von der objektiven Tatschwere hat der Richter dieses Verschulden zu be- werten. Er hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu ei- ner Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Der Gesetzgeber hat einzelne Kriterien aufgeführt, welche für die Verschuldenseinschätzung von - 21 - wesentlicher Bedeutung sind und das Tatverschulden vermindern bzw. erhöhen (BGE 136 IV 55 E. 5.5 und 5.6). Das Gesetz führt indes weder alle in Betracht zu ziehenden Elemente detailliert und abschliessend auf, noch regelt es deren exakte Auswirkungen bei der Bemessung der Strafe. Es liegt im Ermessen des Gerichts, in welchem Um fang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Dabei ist es nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; 134 IV 17 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_650/2007 vom 2. Mai 2008, E. 10.1). 5.2 Mit der am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Revision des Allgemeinen Teils des StGB (vgl. Botschaft vom 23. März 1999, BBl 1999 1979; AS 2006 3459) richten sich die Strafandrohungen in E. 2.1. neu nach der allgemeinen Transfor- mationsnorm von Art. 333 StGB bzw. nach dem in Art. 333 Abs. 2 –5 StGB vor- gesehenen Umrechnungsschlüssel (BBl 1999 2152 ff.; WEBER, a.a.O., § 10 N 34a). Gemäss der Transformationsregel in Art. 333 Abs. 2 lit. c StGB wird von der alten Strafandrohung „Gefängnis unter sechs Monaten“ jedoch nicht „Ge- fängnis bis zu sechs Monaten“ vorgesehen. Daher kann bei Normen, die Gefäng- nis bis zu sechs Monaten androhen Art. 333 Abs. 2 lit. c StGB nicht zur Anwen- dung gelangen und es ist Art. 333 Abs. 2 lit. b StGB heranzuziehen ( HANS WIPRÄCHTIGER, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, zu Art. 333 StGB N. 27). Demnach ist Gefängnis bis zu s echs Monaten oder Busse bis zu 100 000 Franken in Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG zu ersetzen mit „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe“ (Art. 333 Abs. 2 lit. b StGB). Die altrechtliche Busse ist nach neuem Recht wie eine Geldstrafe zu bemessen, womit die bisherige Höchstgrenze entfällt (Art. 333 Abs. 6 StGB). Vorab ist festzuhalten, dass in casu eine Geldstrafe auszufällen ist. 5.3 Hinsichtlich der objektiven Tatkomponente ist erwiesen, dass es der Beschul- digte als Verwaltungsratspräsident der B. AG unterlassen hat, betriebsinterne Massnahmen zu ergreifen, um die widerrechtliche Ausfuhr von Dual-Use-Gütern zu verhindern. Sein pflichtwidriges Untätigbleiben ist ihm vorliegend im besonde- ren Masse in Bezug auf die für die B. AG tätige C. vorzuwerfen. Mit der gehörigen Sorgfalt eines Verwaltungsratspräsidenten wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, sich über C. und deren Aufgaben zu informieren und diese entsprechend zu in- struieren bzw. zu überwachen, zumal er gemäss eigenen Angaben aufgrund der Rechnungen bereits ab ca. Februar 2016 oder sogar noch früher von deren Exis-- 22 - tenz wusste (TPF pag. 2-931-8). Es ist grundsätzlich schwer abzuschätzen, wel- che Gefahren von Dual -Use-Güter ausgehen, da sich ihre Gefährlichkeit erst dann manifestiert, wenn sie zur konventionellen Aufrüstung eines Staates oder einer Organisation beitragen, die durch ihr Verhalten die regionale oder globale Sicherheit gefährden. Vorliegend konnte nicht zweifelsfrei abgeklärt werden , in- wiefern die Güter letztlich verwendet wurden oder ob sie sich noch in einem Wa- renlager in Litauen befinden. Die Art und Weise der Tatausführung war leichtsin- nig und in gewisser Weise unbedarft. Die objektive Tatschwere erscheint daher als leicht. Im Rahmen der subjektiven Tatkomponente ist festzuhalten, dass dem Beschul- digten trotz seiner Ausbildung, Berufserfahrung und ausreichender Kenntnisse im Gesellschaftsrecht offenbar jegliches Verantwortungsbewusstsein zur Aus- übung seines Mandats als Direktor und Verwaltungsratspräsident einer schwei- zerischen Aktiengesellschaft, welche u.a. Dual -Use-Güter im- und exportierte, fehlte. Seine Erklärungen, er habe in Bezug auf die Frage der Bewilligungspflicht jeweils mit F. Rücksprache genommen und sich auf dessen Aussagen als Fach- mann und Spezialist vollumfänglich verlassen (TPF pag. 2-931-10 f.), entbinden ihn nicht von seinen Pflichten als Verwaltungsrat und manifestieren auch eine gewisse Gleichgültigkeit in Bezug auf die Geschäftstätigkeit der B. AG und zur Frage der Bewilligungspflicht von Dual -Use-Gütern überhaupt . In seiner Ent- scheidungsfreiheit war der Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt. Der Beschuldigte handelte fahrlässig. Mit einem minimalen Mass an Pflichtbewusst- sein wäre der Beschuldigte jederzeit in der Lage gewesen, die widerrechtliche Ausfuhr der Güter nach Litauen zu verhindern. Auch die subjektive Tatschwere wiegt leicht. Gesamthaft ist von einem leichten Tatverschulden des Beschuldigten auszuge- hen. Hinsichtlich der Täterkomponente ist Folgendes auszuführen: Der Beschuldigte wurde in Kasachstan geboren. Er ist verheiratet und hat keine Kinder. In Russland und in den USA schloss er den Bachelor in Ökonomie ab und absolvierte danach ein Masterstudium in “Banking and Finance“ an ZHW in Winterthur. Später schloss er die Ausbildung zum diplomierten Steuerexperten ab. Seit Abschluss des Masterstudiums war er hauptsächlich i n den Bereichen Treuhand, Administration und Steuerberatung tätig. Seine erste Anstellung im treuhänderischen Bereich war gemäss eigenen Angaben in den Jahren - 23 - 2011/2012 bei der E. AG. Heute arbeitet der Beschuldigte bei der Treuhandge- sellschaft K. in W. als Steuerberater von natürlichen und juristischen Personen (TPF pag. 2-931-2 f.). Gemäss Steuererklärung erzielte der Beschuldigte im Jahre 2014 ein Jahresein- kommen von rund Fr. 96‘706.-- brutto; seine Ehefrau L. brutto Fr. 4‘240.-- (TPF pag. 2-261-17). Laut Schlussrechnung des Steueramts der Stadt Zürich be- lief sich das steuerbare Einkommen des Ehepaars A. und L. im Jahre 2014 auf CHF 75‘800.-- und das steuerbare Vermögen auf Fr. 42‘000.-- (TPF pag. 2-261- 14). Im Jahre 2015 bezog der Beschuldigte ein Bruttoeinkommen von Fr. 125‘168.--; seine Ehefrau Fr. 4‘912.00 (TPF pag. 2-261-10). Das Steueramt der Stadt Zürich veranlagte für das Jahr 2015 ein steuerbares Einkommen von netto Fr. 96‘300.-- und ein Vermögen von Fr. 78‘000.-- (TPF pag. 2-261-5). An- lässlich der Hauptverhandlung erklärte der Beschuldigte, sein aktueller Lohn be- trage brutto Fr. 8‘500.--, ohne Bonus (TPF pag. 2-931-3). Im Jahre 2016 habe aufgrund einer Beratertätigkeit für ein russisches Unternehmen ein Zusatzein- kommen zwischen Fr. 10‘000.-- und Fr. 15‘000.-- erzielt. Aktuell verfüge er über fast kein Vermögen mehr. Ausnahme sei eine Beteiligung von 100% an einer zypriotischen Gesellschaft im Wert von EUR 10‘000.--. Den Mercedes habe er seiner Frau geschenkt (TPF pag. 2-931-3 f.). Es liegen weder Betreibungen noch Verlustscheine gegen den Beschuldigten vor. Er befindet sich indessen gemäss eigenen Angaben derzeit in einem Scheidungsprozess (TPF pag. 2-931-2), was bei der Bestimmung des Tagessatzes zu berücksichtigen ist. Was das V orleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten anbe- langt, so liegen keine Umstände vor, die zu seinen Gunsten oder zu seinen Las- ten zu berücksichtigen sind. Er ist im Strafregister nicht verzeichnet (TPF pag. 2- 221-2), wobei sich die Vorstrafenlosigkeit neutral auf die Strafzumessung aus- wirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Gleich verhält es sich mit dem straffreien Verhalten seit der Tat (Urteil des Bundesgerichts 6B_638/2012 vom 15. Juli 2013, E. 3.7). Zum Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren ist festzuhalten, dass der Be- schuldigte keine aufrichtige Reue oder Eins icht zeigt. Den Aussagen des Be- schuldigten liegt vielmehr die Auffassung zu Grunde, nichts Strafbares gemacht zu haben. Zumindest räumte er sinngemäss ein, wenn er um die Umstände ge- wusst hätte, hätte er wohl nicht so gehandelt oder würde genauer prüfen (TPF pag. 2-931-20). Das Bestreiten der Tat während des Verfahrens ist aber für die Strafzumessung ohne Bedeutung. Die Strafempfindlichkeit des Beschuldigten gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Verfahrensdauer ist nicht zu beanstan- den. Das Gesamtverschulden wiegt insgesamt leicht. - 24 - 5.4 In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen und in Würdigung aller Umstände erscheint eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen als angemessen. Aufgrund der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten im Zeitpunkt des Urteils beträgt der Tagessatz Fr. 250.-- (Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB). 5.5 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Die Ein- schränkungen von Art. 42 Abs. 2 StGB bei der Gewährung des bedingten Voll- zugs greifen vorliegend nicht. Ein Strafvollzug scheint im vorliegenden Fall nicht notwendig. Der bedingte Voll- zug kann dem Beschuldigten g ewährt werden. Die Probezeit ist auf zwei Jahre festzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 5.6 Nach Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte Strafe mit einer unbedingten Geld- strafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden (Verbindungs- strafe). Dem Verurteilten soll ein Denkzettel verpasst werden können, um ihm (und soweit nötig allen anderen) den Ernst der Lage vor Augen zu führen und zugleich zu demonstrieren, was bei Nichtbewährung droht (BGE 134 IV 60 E. 7.3.1; siehe FELIX BOMMER, Die Sanktionen im neuen AT StGB – ein Über- blick, in: Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches, Bern 2007, S. 35). Um dem akzessorischen Charakter der Verbindungsstrafe gerecht zu werden, erscheint es sachgerecht, ihre Obergrenze grundsätzlich auf einen Fünf- tel beziehungsweise 20% festzulegen. Abweichungen sind im Bereich tiefer Stra- fen denkbar, um sicherzustellen, dass der Verbindungsstrafe nicht eine lediglich symbolische Bedeutung zukommt (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4) In casu wird eine bedingte Strafe den Beschuldigten nicht sonderlich beeindru- cken, handelt es sich bei der ausgesprochenen St rafe um eine Geldstrafe im unteren Bereich. Der Beschuldigte ist daher mit einer Busse von Fr. 1‘000.-- zu bestrafen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen. Als Vollzugskanton ist der Kanton Schwyz zu bestimmen (Art. 74 Abs. 2 StBOG). - 25 - 6. Verfahrenskosten 6.1 Die Verfahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung des Aufwands und den Auslag en im konkreten Straffall (Art. 422 Abs. 1 StPO; Art. 1 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). Bund und Kantone regeln die Berechnung der Verfahrens- kosten und legen die Gebühren fest. Sie können für einfache Fälle Pauschal - gebühren festlegen, die auch die Auslagen abgelten (Art. 424 StPO). Die Gebühren sind für die Verfahrenshandlungen geschuldet, die im Vorverfah- ren von der Bundeskri minalpolizei und von der Bundesanwaltschaft sowie im erstinstanzlichen Hauptverfahren von der Strafkammer des Bundesstrafgerichts durchgeführt oder angeordnet worden sind (Art. 1 Abs. 2 BStKR). Die Höhe der Gebühr richtet sich nach Bedeutung und Schwierigk eit der Sache, der Vorge- hensweise der Parteien, ihrer finanziellen Situation und dem Kanzleiaufwand (Art. 5 BStKR); sie bemisst sich nach Art. 6 und Art. 7 BStKR. Die Auslagen umfassen die vom Bund vorausbezahlten Beträge, namentlich die Kosten für die amtliche Verteidigung, Übersetzungen, Gutachten, Mitwirkung an- derer Behörden, Porti, Telefonspesen und andere entsprechende Kosten (Art. 422 Abs. 2 StPO und Art. 1 Abs. 3 BStKR). 6.2 Die Bundesanwaltschaft macht für das Vorverfahren eine Gebühr von Fr. 920.-- und Auslagen von Fr. 80.-- geltend, wobei dem Beschuldigten insgesamt Fr. 500.-- aufzuerlegen seien. Die Gebühr liegt im gesetzlichen Rahmen (Art. 6 Abs. 3 lit. b, Abs. 4 lit. c und Abs. 5 BStKR) und erscheint angemessen; die Aus- lagen sind nicht zu beanstanden. Die Gebühr für das erstinstanzliche Hauptver- fahren ist aufgrund der Bedeutung und Schwierigkeit der Sache und des ange- fallenen Aufwands und der finanziellen Situati on des Beschuldigten auf Fr. 2'500.-- festzusetzen (Art. 5 i.V.m. Art. 7 lit. a BStKR). Die gesamten Verfah- renskosten belaufen sich demzufolge auf Fr. 3‘000.--. 6.3 Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, um von dieser Regel abzuweichen. 6.4 Nachdem einzig die Bundesanwaltschaft die schriftliche Begründung des Urteils verlangt hat (TPF pag. 2-510-2 f.), erlangt die in Dispositiv Ziff. 5 vorgesehene Reduktion für den Beschuldigten Gültigkeit. - 26 - 7. Entschädigung Eine Entschädigung an den Beschuldigten ist nur bei Freispruch, teilweisem Frei- spruch oder bei Einstellung des Verfahrens möglich (Art. 429 Abs. 1 lit. a – c StPO). Das ist vorliegend nicht der Fall, weshalb die beantragte Entschä- digung nicht zuzusprechen ist. - 27 - Der Einzelrichter erkennt: I. 1. A. wird schuldig gesprochen der fahrlässigen Widerhandlung gegen das Güterkon- trollgesetz gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 GKG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GKV sowie Art. 16 GKG i.V.m. Art. 6 Abs. 2 und 3 VStrR. 2. A. wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je Fr. 250.--, bedingt voll- ziehbar bei einer Probezeit von 2 Jahren. 3. A. wird bestraft mit einer Busse von Fr. 1‘000.--. Bei schuldhaften Nichtbezahlens tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen. 4. Der Kanton Schwyz wird als Vollzugskanton bestimmt (Art. 74 Abs. 2 StBOG). 5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Gebühren des Vorverfahrens von Fr. 500.-- der Bundesanwaltschaft und der Gerichtsgebühr von Fr. 2‘500.--, gesamt- haft ausmachend Fr. 3‘000.--, werden A. auferlegt. Wird seitens A. keine schriftliche Begründung des Urteils verlangt, so reduziert sich die Gerichtsgebühr um die Hälfte. 6. Es wird keine Entschädigung zugesprochen. II. Dieses Urteil wird in der Hauptverhandlung eröffnet und durch den Einzelrichter mündlich begründet. Rechtsanwalt Olaf Kiener wird das Urteilsdispositiv ausgehändigt . Der nicht anwesenden Bundesanwaltschaft wird das Dispositiv schriftlich zugestellt. Im Namen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts Der Einzelrichter Die Gerichtsschreiberin - 28 - Eine vollständige schriftliche Ausfertigung wird zugestellt an - Bundesanwaltschaft - Rechtsanwalt Olaf Kiener (Verteidiger von A.) Nach Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen an - Bundesanwaltschaft als Vollzugsbehörde (vollständig) Rechtsmittelbelehrung Beschwerde an das Bundesgericht Gegen verfahrensabschliessende Entscheide der Strafkammer des Bundesstrafgerichts kann beim Bundes- gericht, 1000 Lausanne 14, innert 30 Tagen nach der Zustellung der vollständigen Ausfertigung Beschwerde eingelegt werden (Art. 78, Art. 80 Abs. 1, Art. 90 und Art. 100 Abs. 1 BGG). Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a und b BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Versnd: 31. Oktober 2017