B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4424/2017 U r t e i l v o m 2 9 . A u g u s t 2 0 1 7 Besetzung Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, Richter David Wenger, Gerichtsschreiberin Natassia Gili Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch Dr. Reza Shahrdar, Rechtsberatung & Treuhand GmbH, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des SEM vom 4. August 2017 / N (…). E-4424/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 17. Juli 2017 im Transitbereich des Flughafens Zürich um Asyl nach. Gleichentags suchten auch die Mutter und der minderjährige Bruder des Beschwerdeführers im Transitbereich des Flughafens um Asyl nach (N […]). B. Die Vorinstanz verweigerte ihm mit Verfügung vom 17. Juli 2017 vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihm für die Dauer von maximal 60 Tagen den Transitbereich des Flughafens Zürich als Aufenthaltsort zu. C. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 21. Juli 2017 und der An- hörung zu den Asylgründen vom 2. August 2017 machte der Beschwerde- führer im Wesentlichen geltend, er sei iranischer Staatsangehöriger mit letztem Wohnsitz in B._______. Er habe dort mi t seinen Eltern und dem jüngeren Bruder zusammengelebt. Sein anderer Bruder C._______ habe vor zweieinhalb Jahren von einem Freund namens D._______ ein Stellen- angebot in der Stiftung „ (...)“, welche Grundstücke und Immobilien ver- walte, erhalten und angenommen. Besagter Freund des Bruders sei Ge- schäftsführer dieser Stiftung. Der Arbeitsplatz des Bruders habe sich auf der Insel E._______ befunden. Die Stiftung unterstehe einem gewissen F._______, welcher der Revolutionsgarde angehöre und direkt dem Revo- lutionsführer Khamenei unterstehe. Zudem habe auch der Bruder von D._______ eine Rolle in der Stiftung. Er sei Mitarbeiter des Geheimdiens- tes respektive der Chef des Geheimdienstes in der Ortschaft G._______. Der Beschwerdeführer machte im Weiteren geltend, vor etwa drei Jahren mit seinem Freund H._______ nach Afghanistan gereist zu sein, wo sie zwei Wochen verbracht hätten. Sein Freund habe einen Dokumentarfilm gedreht. Für ihn selbst sei es eine gute Erfahrung und eine Möglichkeit gewesen, Land und Leute kennen zu lernen. Auf dieser Reise seien sie in der Ortschaft I._______ Angehörigen der Taliban begegnet, hätten sich mit ihnen ausgetauscht und auch Fotos gemacht. D._______ habe sich nach der Reise sehr für diese lbe interessiert und ihn ein Jahr später während eines Festes zu Afghanistan befragt. Im Sinne eines Geschäfts habe er dem Beschwerdeführer bei dieser Gelegenheit vorgeschlagen, nach Af- ghanistan zurückzukehren, um amerikanische Militärgeräte, welche aus abgeschossenen amerikanischen Maschinen stammen würden, und Droh- nen in den Iran zu überführen. Der Beschwerdeführer habe abgelehnt, da E-4424/2017 Seite 3 ihm dieses Geschäft zu risikobehaftet erschienen sei. E s sei vor der Aus- reise aber Druck diesbezüglich auf ihn ausgeübt worden. Der Beschwerdeführer machte im Weiteren geltend, im Juli / August 2016 sei sein Bruder C._______ zur Familie g ekommen und habe berichtet, dass es in den Geschäften der Stiftung zu illegalen Machenschaften ge- kommen sei. Sein Bruder C._______ habe mit diesen Unregelmässigkei- ten jedoch nichts zu tun. Die Geschäftsleitung habe dem Bruder C._______ anlässlich einer Sitzung vorgeschlagen, dass er die Schuld für diese Machenschaften auf sich nehmen und ein Jahr in Haft verbringen solle. Als Gegenleistung habe man der Familie eine finanzielle Unterstüt- zung zugesagt. Der von der Familie kontaktierte heimatliche Anwalt ha be dem Bruder zur unverzüglichen Ausreise geraten ; dieser habe daraufhin den Iran auf dem Landweg verlassen und halte sich nach einem Zwischen- aufenthalt in der Türkei aktuell in der Schweiz als Asylgesuchsteller auf. Nach der Ausreise des Bruders habe sich D._______ regelmässig nach dem Verbleib des Bruders erkundigt. Die Familie sei mehrfach aufgefordert worden, dafür zu sorgen, dass der Bruder C._______ wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehre. Eines Tages seien Mitarbeiter des Geheimdiens- tes zur elterlichen Wohnung gekommen und hätten diese durchsucht. Der Beschwerdeführer sei während dieser Durchsuchung festgenommen und an einen unbekannten Ort verbracht worden, wo man ihn drei Tage lang festgehalten und zum Verbleib des Bruders C._______ befragt habe; dabei sei er körperlich misshandelt worden. Die Entlassung sei erfolgt, nachdem er beteuert habe, den Aufenthaltsort des Bruders nicht zu kennen. Die Mut- ter, welche ein eigenes Schneidergeschäft in B._______ geführt habe, in dem der Beschwerdeführer in den vergangenen Jahren ebenfalls tätig ge- wesen sei, habe seit der Flucht des Bruders immer weniger Aufträge erhal- ten, da D._______ und dessen Leute potentielle Auftraggeber einge- schüchtert hätten. Aufgrund dieser Situation habe die Familie beschlossen umzuziehen. Der Umzug sei im Oktober / November 2016 erfolgt. Am Tag des Umzugs seien Mitglieder des Geheimdienstes zum neuen Wohnort ge- kommen und hätten ihn festgenommen. Er sei in der Folge während 15 Tagen inhaftiert und zum Verbleib seines Bruders, zu politischen Zusam- menhängen, zu seiner möglichen Homosexualität und seinen Verbindun- gen nach Afghanistan befragt worden. Während der Haft habe man i hn schwer misshandelt. Schliesslich sei er in ein Spital verbracht worden, wo man ihn behandelt h abe. Nach einem dreitägigen Spitalaufenthalt sei er nach Hause entlassen worden. Er habe seither aus Angst vor weiteren Be- helligungen bei einem Freund gelebt. E-4424/2017 Seite 4 Der Beschwerdeführer führte sodann aus, dass sein jüngerer Bruder K._______ in der Schule einem Vergewaltigungsversuch durch einen Mul- lah lediglich durch Zufall entkommen sei. Seine Mutter habe nach diesem Vorfall bei einem entsprechenden Gericht eine Anzeige einreichen wollen beziehungsweise eingereicht. Es sei nichts unternommen worden; besag- ter Mullah arbeite weiterhin an der Schule. Aus Angst vor weiteren Behelli- gungen seien er, die Mutter und der j üngere Bruder aus dem I ran ausge- reist. Die Ausreise sei vom Grossvater finanziert worden. Zum Beweis seiner Identität und der Vorbringen reichte der Beschwerde- führer die Identitätskarte „Shenasnahme“, de n Führerschein, den Armee- ausweis sowie die Kopie eines Gerichtsurteils ein, welches am 1.5 .1396 (23. Juli 2017) vom Revolution sgericht B._______ gegen den Beschwer- deführer ausgefällt worden sein soll . Sodann wurden Fotos eingereicht, welche den Bruder C._______, D._______ und den Freund H._______ zeigen sollen. Schliesslich reichte der Beschwerdeführer verschiedene den Bruder C._______ betreffende Beweismittel ein, unter anderem auch des- sen Identitätskarte „Shenasnahme“. D. Mit Entscheid vom 4. August 2017 – eröffnet am 5. August 2017 – stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, lehnte sein Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus dem Tran- sitbereich des Flughafens Zürich sowie den Vollzug der Wegweisung an und verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Ak- tenverzeichnis. Eine gleichlautende abweisende Verfügung erging eben- falls am 4. August 2017 in Bezug auf die Mutter und den min derjährigen Bruder. E. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen bevollmächtigten Rechtsvertreter – am 8. August 2017 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Asylgewährung. Eventualiter bean- tragte er die Gewährung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hin- sicht wurde um Erlass der Bezahlung eines Kostenvorschusses und der Verfahrenskosten ersucht. Eine Beschwerde wurde auch in Bezug auf die Mutter und den minderjährigen Bruder eingereicht. E-4424/2017 Seite 5 F. Mit Verfügung vom 11. August 2017 stellte die zuständige Instruktionsrich- terin fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens im Transitbereich des Flughafens Zürich abwarten k önne. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses wurde verzichtet. Die dem Rechtsvertreter zugestellte Verfügung wurde dem Bundesverwaltungsgericht am 23. August 2017 mit dem Ve r- merk „nicht abgeholt“ retourniert. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Das vorliegende Beschwerdeverfahren wird mit dem ebenfalls hängi- gen Beschwerdeverfahren der Mutter und des minderjährigen Bruders des Beschwerdeführers (Geschäftsnummer E -4423/2017) koordiniert ent- schieden. E-4424/2017 Seite 6 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve rfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung ihres Entscheids führte die Vorinstanz im Wesentli- chen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderun- gen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Dies gelte in Bezug auf seine Ausführungen zur angeblichen Reise nach Afgha- nistan, welche nicht substanziiert ausgefallen seien. So habe der Be- schwerdeführer beispielsweise nicht angeben können, zu welchem Thema sein Freund H._______ einen Dokumentarfilm gedreht habe und er wisse auch nicht, ob der Film schliesslich fertig gestellt worden sei. Sofern der Beschwerdeführer vorbringe, D._______ habe sich sehr für diese Reise interessiert und ihm seinerseits vorgeschlagen, von Afghanistan amerika- nische Militärgeräte in den Iran zubringen, sei dieses Vorbingen ebenfalls E-4424/2017 Seite 7 unglaubhaft, da es nicht realistisch erscheine, dass der iranische Sicher- heitsapparat in Afghanistan amerikanische Waffen und andere militärische Geräte sammelt, um diese zu reproduzieren. Im Weiteren sei nicht plausi- bel, dass die iranischen Behörden eine ihnen nicht näher bekannte zivile Person, welche als Blumenverkäufer und Schneider gearbeitet habe, nach Afghanistan entsende, um von dort aus militärische Ausrüstung in den Iran zu bringen. Der Beschwerdeführer habe – auf diese Unplausibilität ange- sprochen – keine logischen Erklärungen liefern können. Die Vorbringen, soweit sie die Probleme in Bezug auf den Bruder C._______ betreffen würden, seien ebenfalls unglaubhaft. Der Beschwer- deführer sei nicht in der Lage gewesen, Details rund um die Anstellung des Bruders und die Aktivitäten der Stiftung zu nennen. Dies betreffe auch die Gegebenheiten des angeblich b eruflichen Aufstiegs seines Bruders vom Glacé-Verkäufer zum Mitarbeiter dieser Stiftung und die Beziehung des Bruders zum Geschäftsführer D._______. Der Beschwerdeführer habe so- dann nicht ausführen können, wer konkret sich an den M achenschaften der Stiftung gestört habe und warum der Bruder die Verantwortung dafür hätte übernehmen sollen . Es erscheine deshalb bereits fraglich, ob der Bruder bei der erwähnten Stiftung überhaupt gearbeitet habe und von D._______ unter Druck gesetzt worden sei. Auch die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Inhaftierungen seien letztlich nicht glaubhaft. Der freie Bericht des Beschwerdeführers zu seiner ersten Inhaftierung sei zwar lang ausgefallen. Jedoch sei die Beantwortung der anschliessenden Fragen zur Haftanstalt und dem Gefängnisalltag ste- reotyp und substanzlos erfolgt. Die Aussagen des Beschwerdeführers zur zweiten Inhaftierung seien ebenfalls als unglaubhaft zu beurteilen. Gemäss eigenem Vorbringen sei der Beschwerdeführer nach seiner ersten Inhaftie- rung freigelassen worden, weil er den Behörden gegenüber habe glaubhaft machen können, dass er zum Verbleib des Bruders nichts wisse. Aus wel- chem Grund er ein zweites Mal festgenommen worden sein soll, habe er hingegen nicht genau schildern können und die Vermutung geäussert, dass dies mit dem Umzug der Familie im Zusammenhang stehen könne. Der Grund der Festnahme sei aber weitgehend ungeklärt geblieben. Die Angaben zur zweiten Haft seien sodann stereotyp und unspezifisch aus- gefallen. Die Beschreibung der Polizisten habe sich beispielsweise auf „Gute“ und „Schlechte“ beschränkt . Die gestellten Fragen hätten sich um fremde Regierungen und Homosexualität gedreht, ohne dass es dem Be- schwerdeführer gelungen wäre, glaubhaft zu erklären, in welchem Zusam- menhang diese Fragen gestellt worden seien. Auch der Alltagsablauf und E-4424/2017 Seite 8 die Beschreibung der Täter, welche ihn während der Haft misshandelt ha- ben sollen, sei en standardisiert und nicht überzeugend. Schliesslich er- staune es, dass die Behörden – nachdem der Beschwerdeführer wegen Herzbeschwerden aus der Haft entlassen worden sei – nichts mehr von sich hätten hören lassen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer auch weiterhin verfolgt worden wäre , wenn die Behör- den tatsächlich am Beschwerdeführer interessiert gewesen seien. Was die geltend gemachte versuchte Vergewaltig ung seines jüngeren Bruders K._______ durch einen Mullah anbelange, würden keine Hinweise dafür vorliegen, dass diese im Zusammenhang mit der geltend gemachten staat- lichen Verfolgung stehe. Festzuhalten sei zudem, dass der Beschwerde- führer die iranische Grenze im Jahr 2017 drei Mal legal passiert habe, was nicht möglich gewesen wäre, wenn der Beschwerdeführer tatsächlich im Fokus gestanden hätte. Aufgrund der als unglaubhaft zu beurteilenden Aussagen , könne auf eine eingehende Würdigung des eingereichten iranischen Urteils verzichtet werden, zumal es sich lediglich um eine Kopie handle und mithin eine Überprüfung der Authentizität nicht möglich sei. Festzustellen sei aber, dass der Beschwerdeführer gemäss Übersetzung des Urteils wegen Tätig- keit gegen die nationale Sicherheit und Werbung gegen die Islamische Re- publik zu einer dreijährigen Haftstrafe und 70 Peitschenhieben verurteilt worden sei. Jedoch habe er auch auf Nachfrage hin keinen direkten Zu- sammenhang zwischen seinem Vorbringen und dem eingereichten Urteil herstellen können. Insbesondere habe er nicht erklären können, wieso die geltend gemachten Verfolgungsmassnahmen, welche ohne offizielles Strafverfahren durchgeführt worden seien, schliesslich trotzdem zu einer Gerichtsverhandlung geführt hätten. Die Vorinstanz h ielt abschliessend fest, dass aufgrund der Unglaubhaf- tigkeit der Aussagen eine Prüfung der Asylrelevanz des Vorbringens unter- bleiben könne. In Folge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Wegwei- sung aus dem Transitbereich des Flughafens Zürich anzuordnen. Deren Vollzug sei überdies als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. Zwar habe der Beschwerdeführer vorgebracht, an Herzbeschwerden zu leiden. Jedoch habe er dies nicht näher konkretisieren können, auch nicht in Be- zug auf allenfalls benötigte Medikamente. Der Beschwerdeführer habe so- dann langjährige Berufserfahrung als Blumenverkäufer und Schneider und verfüge im Heimatstaat über ein soziales Beziehungsnetz. Es seien keine Gründe ersichtlich, welche gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zuges sprechen würden. E-4424/2017 Seite 9 5.2 In der Beschwerde wurde dem entgegen gehalten, der Bruder C._______ des Beschwerdeführers halte sich seit (…) 2017 (recte: 2016) als Asylgesuchsteller in der Schweiz auf. Gerade wegen dessen „Verfol- gung“ sei auch der Beschwerdeführer verfolgt und verurteilt worden. Das im Iran gegen den Beschwerdeführer ergangene Gerichtsurteil sei unter- wegs und werde in sieben bis acht Tagen beim Bundesverwaltungsgericht eintreffen. Der im schweizerischen Asylverfahren befindliche Bruder C._______ halte unzählige Dokumente in seinem Besitz, welche gegen mächtige Personen im Iran verwendet werden könnten. Bei der Organisa- tion, für welche der Bruder gearbeitet habe, handle es sich um eine Unter- organisation von „Beyte Rahbari“ (Büro des Revolut ionsführers Kha- menei). Die Verfolgung von Familienmitgliedern sei im Iran aktuelle Praxis. Die Vorinstanz hätte zuerst die ursprüngliche Verfolgung des Bruders C._______ auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüfen müssen. Die Aus- sagen des Beschwerdeführers s eien – entgegen der Ansicht der Vo- rinstanz – durchaus nachvollziehbar. Dass die iranische Waffenindustrie russische und amerikanische Waffen kopiere, sei eine Realität. Vorliegend sei es der islamischen Republik offensichtlich um Schikane von Familien- angehörigen gegangen, um den Bruder C._______ „zur Aufgabe zu zwin- gen“. Eine Logik oder gar ein System sei im Iran nicht auszumachen. Es sei in diesem Zusammenhang auf die Inhaftierung eines Bruders des Prä- sidenten zu verweisen . Der Vater des Beschwerdeführers sei von den Massnahmen im Heimatstaat nicht tangiert, was gerade auf eine Präzisie- rung der geheimdienstlichen Arbeit hindeute und nicht auf deren Abwesen- heit. In einem derartigen Fall sollte die Überprüfung des eingereichten ira- nischen Gerichtsurteils abgewartet und dieses auf seine Echtheit hin über- prüft werden. 6. 6.1 Nach der Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgewiesen hat. Diesbezüglich kann zunächst auf die zutreffenden Erwägungen der ange- fochtenen Verfügung verwiesen werden, denen sich das Gericht vollum- fänglich anschliesst und denen der Beschwerdeführer auch im Beschwer- deverfahren keine substanziierten Einwendungen entgegenhält. 6.2 In Bezug auf die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ist insbesondere Fol- gendes festzuhalten: E-4424/2017 Seite 10 Der Beschwerdeführer stellt die ihn direkt betreffenden Behelligungen zu einem Grossteil in einen unmittelbaren Zusammenhang mit den Fluchtum- ständen seines Bruders C._______. Hierzu führt er aus, nachdem der Bru- der im (…) 2016 aus dem Heimatstaat geflüchtet sei, würden er und seine Mutter sowie der jüngere Bruder bedroht, mit dem Ziel, des Bruders C._______ und verschiedener Dokumente, welche der Bruder als Beweis seiner Unschuld in seinem Besitz halte, habhaft zu werden. Voranzustellen ist zunächst, dass im vorliegenden Verfahren offen bleiben kann, wie die geltend gemachten Umstände in Bezug auf den Bruder C._______ unter asylrechtlichen Gesichtspunkten überhaupt einzuordnen sind. Entscheidend für die Beurteilung des vorliegenden Falles ist nämlich, ob der Beschwerdeführer eigene relevante Fluchtgründe geltend machen kann. Diese könne n durchaus auch in einer Reflexverfolgung bestehen. Eine Reflexverfolgung ist dann zu bejahen, wenn Angehörige von verfolg- ten Personen Repressalien ausgesetzt sind, sei es um Informationen über die verfolgte Person zu erhalten, um die Familie als Ganze für die Aktivitä- ten des Verfolgten zu bestrafen, oder um die verfolgte Person zum Aufge- ben ihrer Aktivitäten zu zwingen (vgl. BVGE 2010 /57 E. 4.1.3).Vorliegend ist eine solche aber nicht glaubhaft gemacht. 6.3 Der Beschwerdeführer konnte bereits nicht plausibel darlegen, warum die besagten Personen der Geschäftsführung überhaupt ein Interesse da- ran gehabt haben soll en, ihn und seine Mutter anstelle des Bruders C._______ in dem von ihm beschriebenen Ausmass in eine Art „Sippen- haft“ zu nehmen. Ziel der Geschäftsleitung gegenüber dem Bruder C._______ soll gerade die Vertuschung von Machenschaften der Stiftung gewesen sein. Die geschilderten Han dlungen, namentlich, dass der Be- schwerdeführer inhaftiert und potentielle Auftraggeber für das Schneider- geschäft der Mutter öffentlich unter Druck gesetzt worden sein sollen, scheinen daher nicht plausibel. Der Beschwerdeführer schildert sodann ei- nerseits ein eher illegales, kriminelles Vorgehen des Geschäftsführers D._______ und dessen Bruder. Andererseits schildert er Massnahmen, welche den Eindruck staatlicher Repressionsmassnahmen wecken sollen, so beispielsweise die Inhaftierung in einem offensichtlich staatlichen Ge- fängnis und das gegen ihn ergangene Urteil. 6.4 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, man habe die Familie be- helligt, um des Bruders habhaft zu werden oder seinen Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen, scheint dieses Vorbringen für sich g esehen noch E-4424/2017 Seite 11 plausibel. Die gesamten geschilderten Übergriffe, namentlich die lange In- haftierung von 15 Tagen und die gezielte Zerstörung geschäftlicher Bezie- hungen der Mutter zu Auftragskunden lassen sich aber nicht mehr logisch mit der Suche nach dem Bruder C._______ in Verbindung bringen. Sie wir- ken vielmehr stark überzogen. Die vom Beschwerdeführer geltend ge- machten beiden Inhaftierungen während dreier und 15 Tage wurden so- dann zutreffend von der Vorinstanz als unglaubhaft erachtet. In der Tat fie- len die Schilderungen dieser Inhaftierungen i m freien Vortrag des Be- schwerdeführers sehr lang aus. Jedoch hat die Vorinstanz zu Recht fest- gehalten, dass die Beantwortung der anschliessend konkretisierten Fragen zur eigentlichen Haft, der Haftanstalt und zum Gefängnisalltag lediglich ste- reotyp erfolgte. Der Beschwerdeführer verstrickte sich sodann in Bezug auf die zweite Inhaftierung, welche während 15 Tagen erfolgt sein soll, hinsicht- lich der Gründe für diese in Widersprüche. Einerseits führte er aus, auch diese Inhaftierung habe im Zusammenhang mit seinem Bruder C._______ gestanden und dazu gedient, dessen Aufenthaltsort in Erfahrung zu brin- gen (act. A13/25 F02 S. 12). Demgegenüber erklärte er später, man habe ihm Homosexualität unterstellt und die Inhaftierung habe dazu gedient, auf ihn Druck auszuüben, damit er die ihm von D._______ angetragenen Ge- schäfte in Afghanistan abwickle (act. 23/32 F10 S. 7 f., F104 S. 32, F150 f. S. 23 f.) . In einem späteren Zeitpunkt der Befragung äusserte der Be- schwerdeführer sodann die Vermutung, dass die Inhaftierung im Zusam- menhang mit dem Umzug der Familie gestanden haben könnte (act. A23/32 F140 S. 22). Der Beschwerdeführer machte sodann geltend, wäh- rend der Haft sehr starken körperlichen Misshandlungen ausgesetzt gewe- sen zu sein, welche schliesslich auch zu einem Herzstillstand geführt hät- ten. Er sei deshalb von den Behörden in ein auf Herzkrankheiten speziali- siertes Spital gebracht worden. Zum Krankenhaus, in welchem er sich zwei Wochen aufgehalten haben will, konnte er hingegen keine konkreten An- gaben machen. Ebenso war er nicht in der Lage, im Zusammenhang mit diesem Aufenthalt Beweismittel einreichen. 6.5 Was das Vorbringen des Beschwerdeführers anbelangt, D._______ habe ihm im Sinne eines Geschäfts vorgeschlagen, nach Afghanistan zu reisen, um von dort amerikanische Militärgeräte in den Iran zu bringen, hat die Vorinstanz diese Aussagen ebenfalls zutreffend als unplausibel einge- schätzt. Diesbezüglich wird auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwie- sen. Ergänzend ist jedoch festzustellen, dass der Beschwerdeführer vage in der zeitlichen Einordnung blieb. Nach seinen Aussagen sollen erste An- werbeversuche bereits vor mehr als z wei Jahren erfolgt sein . Der Be- schwerdeführer will D._______ seither immer wieder mit einem Entscheid E-4424/2017 Seite 12 vertröstet haben. Letztlich habe er aber das Angebot erst nach den Vor- kommnissen mit seinem Bruder C._______ definitiv ausgeschlagen (act. A13/11 S. 11). In der einlässlichen Anhörung erklärte er demgegenüber, dass er bereits vorher telefonisch D._______ mitgeteilt habe, er wolle bei dem Geschäft nicht mitwirken (act. A23/32 F7 S. 23). Es scheint unplausi- bel, dass D._______ einerseits versucht, des Bruders C._______ habhaft zu werden, andererseits aber zugleich mit dem Beschwerdeführer ein Ge- schäft dieser Grössenordnung ab wickeln möchte. Die Schilderungen des Beschwerdeführers, wie D._______ versucht habe, ihn für den Einsatz in Afghanistan zu gewinnen , stehen sodann in einem Widerspruch zu den Vorbringen in Bezug auf die Inhaftierung , während welcher er von eben diesen Personen des Geheimdienstes der Spionage für Afghanistan be- schuldigt worden sein soll (act. A23/32 F8 S. 7). Insgesamt sind die Erklä- rungen des Beschwerdeführers seinen eigenen Kontakt mit D._______ be- treffend widersprüchlich und unglaubhaft. 6.6 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach sein jüngerer Bruder K._______ durch einen in der Schule tätigen Mullah Opfer eines Vergewal- tigungsversuches geworden sein soll (act. A23/32 F10 S. 8), ist sodann nach Einschätzung des Gerichts auch bei unterstellter Glaubhaftigkeit nicht asylrelevant. Es kann kein plausibler Zusammenhang zu den geschilderten Umständen rund um den Bruder C._______ hergestellt werden. Es ist zu- dem nicht davon auszugehen, dass entsprechende Handlungen durch den Mullah aus einem in Art. 3 AsylG genannten Motive erfolgt sind. Der Be- schwerdeführer und seine Familie sind darauf zu verweisen, entspre- chende staatliche Stellen zur Durchsetzung einer Strafanzeige anzugehen. Der Beschwerdeführer blieb denn auch vage in seinen Ausführungen, was er und seine Familie in diesem Fall bisher unternommen ha ben (act. A23/32 F10 S. 8 f.). 6.7 Schliesslich ist dem in Kopie eingereichten Gerichtsurteil vom 27. Juli 2017, mit welchem der Beschwerdeführer wegen Tätigkeit gegen die nati- onale Sicherheit und Werbung gegen die Islamische Republik zu einer drei- jährigen Haftstrafe und 70 Peitschenhieben verurteilt worden sei soll, jegli- cher Beweiswert abzusprechen. Zutreffend hat die Vorinstanz hierzu fest- gestellt, dass sich das Urteil mit dem Vorbringen des Beschwerdeführers zu seinen Fluchtgründen nicht in Zusammenhang bringen lässt. Auch der Beschwerdeführer selbst konnte nicht erklären, aus welchen Gründen er in Abwesenheit verurteilt worden sein soll. Zudem schilderte der Beschwer- deführer im Verfahren ein in jeder Hinsicht unkonventionelles Vorgehen mächtiger Personen mit Verbin dungen zum Sicherheitsapparat, welches E-4424/2017 Seite 13 zu keinem Zeitpunkt öffentlich gemacht worden sein soll (act. A23/32 F188 f. S. 28). Vor diesem Hintergrund scheint es überhaupt nicht plausi- bel, dass der Beschwerdeführer nunmehr in ein offiziell von einem ordentli- chen Gericht gegen ihn eingeleitetes Verfahren involviert worden sein soll. 6.8 Ergänzend ist in diesem Zusammenhang auch festzustellen, dass der Beschwerdeführer, seine Mutter und der jüngere Bruder entsprechend der Abklärungen der Kantonspolizei Zürich, den Heimatstaat Mitte Juli 2017 über den Flughafen Teheran legal und mit ihren eigenen authentischen Do- kumenten verlassen haben. Ein laufendes Verfahren zu diesem Zeitpunkt scheint bereits aufgrund dieser Tatsache der legalen Ausreise, welche der Beschwerdeführer und seine Mutter vor den Schweizer Behörden anfäng- lich zu verheimlichen versuchten (act. A13/25 S. 7 ff.), sehr unwahrschein- lich. Es kann daher im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung auch da- von abgesehen werden, das „Original“ des Urteils abzuwart en oder eine entsprechende Frist zur Nachreichung anzusetzen, zumal es dem Gericht bekannt ist, dass entsprechende Dokumente käuflich erworben werden können. 6.9 Es ist sodann darauf hinzuweisen, dass der Familienvater sich nach wie vor im Heimatstaat aufhält und sowohl nach den Aussagen des Be- schwerdeführers als auch den Ausführungen in der Beschwerdeschrift keine Behelligungen erfahren hat beziehungsweise erfährt. Auch wenn das familiäre Verhältnis des Vaters zum übrigen Rest der Familie als schlecht beschrieben wird, so wurde die familiäre Beziehung offensichtlich gelebt und war der Vater auch an den Fluchtvorb ereitungen für den Sohn C._______ beteiligt. Es ist daher vor dem Hintergrund der Ausführungen des Beschwerdeführers nicht nachvollziehbar, warum der Vater, als Ober- haupt der Familie, keine Behelligungen erfahren haben soll. 6.10 Die Ausführungen im Beschwerdeverfahren sind nicht geeignet, zu ei- ner anderen Einschätzung zu führen. Soweit vorgebracht wird, dass es für die Beurteilung der Fluchtgründe des Bes chwerdeführers wesentlich sei, wie das Verfahren seines in der Schweiz lebenden Bruders unter dem As- pekt der Asylrelevanz beurteilt werde, kann dem nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer versuchte zwar, mit seinem Vorbringen seine Asyl- gründe in einen Z usammenhang mit denen des Bruders im Sinne einer Reflexverfolgung zu setzen. Dem Beschwerdeführer ist es aus den vorge- nannten Gründen , nämlich aufgrund seiner unglaubhaften Vorbringen , aber gerade nicht gelungen, eine entsprechende Reflexverfolgung in Be- zug auf den Bruder geltend zu machen. E-4424/2017 Seite 14 7. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegwe isung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Werden Wegweisungsvollzugshindernisse geltend gemacht, gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solc hes Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. E-4424/2017 Seite 15 9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in seinen Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN - Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge- fahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall ei- ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kam- mer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechts- situation im Iran lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.3.2 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass weder die im Iran herrschende politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat sprechen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen gut ausgebildeten und jungen Mann, der eigenen Angaben ge- mäss über ein familiäres Beziehungsnetz im Heimatstaat verfügt. Zwar machte im Rahmen der Anhörung geltend, er sei im Zusammenhang mit E-4424/2017 Seite 16 Misshandlungen wegen Herzbeschwerden in einem Spital behandelt wor- den. Die Vorbringen wurden jedoch als unglaubhaft erachtet und der Be- schwerdeführer machte auch weder im vorinstanzlich en Verfahren noch auf Beschwerdeebene gesundheitliche Gründe geltend, welche gegen eine Rückkehr in den Heimatstaat sprechen könnten. Mithin sind keine Gründe ersichtlich, dass er bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat in eine existenzielle Notlage geraten würde. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angef ochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Zwischen- verfügung vom 11. August 2017 das Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-4424/2017 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Natassia Gili