A bteilung IV D -1319/2007 {T 0/2} U rteil vom 29. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Schürch, Brodard und W espi G erichtsschreiberin Zürcher Z._______, geboren _______, Serbien (Kosovo) _______ vertreten durch lic. phil. I Annelise G erber, _______ Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 18. Januar 2007 i.S. A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein H eim atland am 15. N ovem ber 2006 und gelangte zw ei Tage später über Bosnien und unbekannte Länder in die Schw eiz, w o er gleichentags ein Asylgesuch einreichte. Am 21. D ezem ber 2006 w urde er im Em pfangszentrum _______ befragt und am 10. Januar 2007 vom Bundesam t für M igration (BFM ) gestützt auf Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) direkt angehört. M it Verfügung vom 15. Januar 2007 w urde er für die D auer des Asylverfahrens dem Kanton _______ zugew iesen. Im W esentlichen m achte der Beschw erdeführer geltend, er sei ethnischer Albaner und stam m e aus dem D orf _______ bei _______. Als einziger Sohn habe er die Eltern und seine Schw ester unterstützen m üssen. Sein Vater, seit 20 Jahren invalid, könne keiner Arbeit nachgehen und er selber habe die Arbeitsstelle vor einem Jahr verloren. Zudem leide er an gesundheitlichen Beschw erden und sei in die Schw eiz gekom m en, um jene kurieren zu lassen. M it den Behörden seines H eim atlandes habe er keine Problem e. D er Beschw erdeführer gab eine Identitätskarte der U nited N ations Interim Adm inistration M ission in Kosovo (U N M IK) ab. B. M it Verfügung vom 18. Januar 2007 – eröffnet am gleichen Tag – stellte das BFM fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnete deren Vollzug an. Es begründete seinen ablehnenden Entscheid dam it, dass die Vorbringen insgesam t den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht genügten, w eil die geltend gem achten Schw ierigkeiten im Zusam m enhang m it der Arbeitssuche und der Pflege seiner Eltern keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes darstellten. D en W egw eisungsvollzug erachtete die Vorinstanz als zulässig, zum utbar und m öglich. Insbesondere verm öchten die vorgebrachten gesundheitlichen Beschw erden – diffuse Schm erzen in der R ücken- und N ierengegend – nicht gegen die Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges zu sprechen. C . M it Eingabe an das Bundesverw altungsgericht vom 19. Februar 2007 beantragte der Beschw erdeführer, es sei vom Vollzug der W egw eisung abzusehen, die U nzulässigkeit und U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges festzustellen und die unentgeltliche R echtspflege zu gew ähren. Auf die Begründung w ird im R ahm en der Erw ägungen näher eingegangen. D . M it Zw ischenverfügung des Bundesverw altungsgerichts vom 28. Februar 2007 w urde dem Beschw erdeführer m itgeteilt, er könne den Ausgang des Beschw erdeverfahrens in der Schw eiz abw arten. Zudem w urde das G esuch um 3 unentgeltliche R echtspflege auf einen späteren Zeitpunkt verw iesen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. D er Beschw erdeführer w urde aufgefordert, innert Frist eine Fürsorgebestätigung und einen Arztbericht einzureichen, verbunden m it der Androhung, nach Ablauf der Frist w erde aufgrund der Aktenlage entschieden. E. D ie Fürsorgebestätigung ging fristgerecht ein. D er verlangte Arztbericht w urde nicht eingereicht. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 1.3 Ü ber offensichtlich unbegründete Beschw erden w ird in einem vereinfachten Verfahren entschieden. W ie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, w eshalb auf einen Schriftenw echsel verzichtet w erden kann und der Beschw erdeentscheid nur sum m arisch zu begründen ist (Art. 111 Abs. 1 und 3 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. In der R echtsm itteleingabe w ird nicht angefochten, dass die Flüchtlingseigenschaft verneint und dem zufolge das Asyl nicht gew ährt w orden ist. Auch die W egw eisung als solche ist dam it grundsätzlich nicht m ehr zu überprüfen. D ie Ziffern 1 bis 3 des D ispositivs der vorinstanzlichen Verfügung sind som it rechtskräftig. D ie Beschw erde richtet sich ausschliesslich gegen den Vollzug der W egw eisung, m ithin gegen die Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der angefochtenen Verfügung. Es ist deshalb zu prüfen, ob die Vorinstanz den W egw eisungsvollzug zu R echt 4 angeordnet hat. 4. 4.1 Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 4.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Ausländers in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 4.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 4.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D ezem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. N ovem ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 4.5 D ie Vorinstanz w ies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der G rundsatz der N ichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. M ario G attiker, D as Asyl- und W egw eisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). D a es dem Beschw erdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G efährdung nachzuw eisen oder glaubhaft zu m achen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen N on-refoulem ent im vorliegenden Verfahren keine Anw endung finden. Eine R ückkehr des Beschw erdeführers in seinen H eim atstaat ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtm ässig. 4.6 Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen des Beschw erdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in seinen H eim atstaat dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. G em äss Praxis des Europäischen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti- Folterausschusses m üsste der Beschw erdeführer eine konkrete G efahr ("real risk") nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihm im Fall einer R ückschiebung Folter oder unm enschliche Behandlung drohen w ürde (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K ] 2001 N r. 16 S. 122, der auch für das Bundesverw altungsgericht gilt). D ie allgem eine 5 M enschenrechtssituation in seinem H eim atstaat lässt den W egw eisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerw eise nicht als unzulässig erscheinen. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung sow ohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim m ungen zulässig. 4.7 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behandlung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 4.8 Angesichts der heutigen Lage im Kosovo m uss gem äss konstanter Praxis in dieser Provinz nicht m ehr von einer Situation allgem einer G ew alt oder kriegerischen respektive bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen w erden. Trotz der bekannterm assen schw ierigen Lebensbedingungen im Kosovo ist nicht davon auszugehen, dass eine R ückkehr dorthin für den Beschw erdeführer aus diesem G rund grundsätzlich unzum utbar w äre, nachdem die internationale Staatengem einschaft die Sicherheit im Kosovo gew ährleistet und den W iederaufbau der zahlreichen zerstörten H äuser unterstützt. Eine Situation, w elche den Beschw erdeführer als de-facto-Flüchtling qualifizieren w ürde, lässt sich som it aufgrund der heutigen Situation im Kosovo nicht in genereller Form bejahen. 4.9 Es bleibt dem nach zu prüfen, ob individuelle G ründe vorliegen, die eine R ückkehr des Beschw erdeführers in sein H eim atland als unzum utbar erscheinen lassen. Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass der Beschw erdeführer bei einer R ückkehr in sein H eim atland m it einer schw ierigen Lage konfrontiert w erden könnte. Indessen leben seine Eltern und die jüngere Schw ester nach w ie vor im Kosovo, w om it er im Fall einer R ückkehr dorthin über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt. Zudem ist davon auszugehen, dass sein Vater als Invalider eine R ente bezieht, die zum Fam ilieneinkom m en beiträgt. Auch w enn der Einstieg ins Berufsleben infolge der schlechten w irtschaftlichen Situation im H eim atland des Beschw erdeführers nicht einfach sein dürfte, ist es dem jungen Beschw erdeführer zuzum uten, sich um eine Arbeit zu bem ühen, um für sich selber eine Existenzgrundlage zu schaffen und seine Angehörigen unterstützen zu können. Seine bisherigen Berufserfahrungen als M onteur dürften ihm dabei von N utzen sein. W as die vorgebrachten gesundheitlichen Problem e betrifft, so sind diese nicht dokum entiert w orden, obw ohl dem Beschw erdeführer m it Zw ischenverfügung vom 28. Februar 2007 eine Frist zur Einreichung eines Arztberichtes gew ährt w urde. D iese liess er indessen ungenutzt verstreichen, w eshalb keine hinreichenden Anhaltspunkte über das Bestehen von gravierenden Schm erzen im R ücken und in der N ierengegend bestehen. Aufgrund der Aktenlage ist som it insgesam t trotz der schw ierigen Verhältnisse im H eim atland des Beschw erdeführers nicht davon auszugehen, dass er in eine existenzbedrohende Situation geraten w ürde. 4.10 N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung som it auch als zum utbar zu 6 bezeichnen. 4.11 Schliesslich obliegt es dem Beschw erdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung seines H eim atstaates die für eine R ückkehr notw endigen R eisedokum ente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG ), w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch als m öglich zu bezeichnen ist. 4.12 D ie Vorinstanz hat den W egw eisungsvollzug zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich erachtet. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). 5. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esagten abzuw eisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege abzuw eisen. D ie Kosten des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 Vw VG ) und auf insgesam t Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 bis 3 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege i.S. von Art. 65 Abs. 1 Vw VG w ird abgew iesen. 3. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 600.--, w erden dem Beschw erdeführer auferlegt. D ieser Betrag ist innert 30 Tagen zu G unsten der G erichtskasse zu überw eisen. 4. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben; Beilage: Einzahlungsschein) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (R ef.-N r. N _______, in Kopie) - _______ (in Kopie) D er Instruktionsrichter: D ie G erichtsschreiberin: H ans Schürch Eva Zürcher Versand am :