<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 3] </div> <div class="para">2P.306/1999/sch </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i> II. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG</i> </div> <div class="para"> *********************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>20. Januar 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Wurzburger, Präsident der </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. öffentlichrechtlichen Abteilung, Hungerbühler,</i> </div> <div class="para">Bundesrichterin Yersin und Gerichtsschreiber Moser. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind</u>, Postfach, Basel, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Barbara </div> <div class="para">Strehle, Limmatquai 1, Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel</u>, </div> <div class="para">Vorstand der Interkantonalen Vereinigung für die Kontrolle </div> <div class="para"> <u>der Heilmittel</u>, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para"> <span class="artref"><artref id="CH/101/4" type="start"></artref>Art. 4 und 49 aBV</span><artref id="CH/101/49" type="end"></artref>, <span class="artref">Art. 2 ÜbBest. aBV</span>, <span class="artref"><artref id="CH/0.101/9" type="start"></artref><artref id="CH/0.101/6" type="start"></artref>Art. 6, 9 </span></div> <div class="para">und 13 EMRK<artref id="CH/0.101/9" type="end"></artref><artref id="CH/0.101/13" type="end"></artref> (Registrierung von Mifegyne, IKS-Nr. 55205), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>A.- </u> </div> <div class="para"> Am 14. Juli 1999 stellte die Interkantonale Kon- </div> <div class="para">trollstelle für Heilmittel (IKS) der Cosan GmbH, Volketswil, </div> <div class="para">eine Registrierungsurkunde für das Präparat Mifegyne, Tab- </div> <div class="para">letten, aus. Es handelt sich dabei um ein "Antigestagen", </div> <div class="para">ein Mittel zur medikamentösen Unterbrechung der Schwanger- </div> <div class="para">schaft. Der Verein "Schweizerische Hilfe für Mutter und </div> <div class="para">Kind", der gemäss Statuten u.a. den Zweck verfolgt, zu </div> <div class="para">verhindern, dass seine Mitglieder - gut ein Drittel ist </div> <div class="para">grösstenteils in gynäkologischen Abteilungen tätiges Medi- </div> <div class="para">zinalpersonal - bei einer Abtreibung mitwirken müssen, </div> <div class="para">führte gegen den Registrierungsentscheid beim Vorstand </div> <div class="para">der Interkantonalen Vereinigung für die Kontrolle der </div> <div class="para">Heilmittel (IKV) erfolglos Beschwerde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>B.- </u> </div> <div class="para"> Mit Eingabe vom 2. November 1999 hat der Verein </div> <div class="para">"Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind" beim Bundes- </div> <div class="para">gericht staatsrechtliche Beschwerde erhoben, mit der er </div> <div class="para">die Aufhebung des Entscheids des Vorstandes der IKV vom </div> <div class="para">22. Oktober 1999 und des Zulassungsentscheids der IKS vom </div> <div class="para">14. Juli 1999 sowie die Rückweisung der Sache im Sinne der </div> <div class="para">Erwägungen an die "Vorinstanzen" beantragt. Der Vorstand </div> <div class="para">der IKV sowie die IKS stellen den Antrag, auf die Beschwerde </div> <div class="para">nicht einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para">a) In der Interkantonalen Vereinbarung vom 3. Juni </div> <div class="para">1971 über die Kontrolle der Heilmittel (SR 812.101; im fol- </div> <div class="para">genden "Konkordat") kamen die Kantone überein, eine Inter- </div> <div class="para">kantonale Kontrollstelle, welche die Begutachtung der in </div> <div class="para">der Medizin verwendeten Heilmittel übernimmt, zu betreiben; </div> <div class="para">diese Prüfung tritt an Stelle der sonst in den Kantonen </div> <div class="para">durchzuführenden Untersuchungen. Die Kantone haben sich </div> <div class="para">ferner bereit erklärt, den Vertrieb solcher Heilmittel nur </div> <div class="para">zu gestatten, wenn sie von der Interkantonalen Kontroll- </div> <div class="para">stelle begutachtet und registriert worden sind (Art. 3 </div> <div class="para">Abs. 5 Konkordat). Dagegen haben sie sich nicht verpflich- </div> <div class="para">tet, alle Heilmittel, die von der Interkantonalen Kontroll- </div> <div class="para">stelle registriert worden sind, zum Vertrieb zuzulassen. </div> <div class="para">Die Interkantonale Kontrollstelle teilt den Kantonen ledig- </div> <div class="para">lich den Befund mit und "beantragt" die zu bewilligende </div> <div class="para">Verkaufsart oder die Abweisung des Heilmittels (Art. 13 </div> <div class="para">Abs. 2 Konkordat). Gegen Befunde der Interkantonalen Kon- </div> <div class="para">trollstelle im Rahmen ihrer Aufgaben gemäss Art. 13 Abs. 1, </div> <div class="para">2 und 5 des Konkordats ist der Rekurs an die Rekurskommis- </div> <div class="para">sion (Art. 16 Abs. 1 Konkordat), in den übrigen Fällen die </div> <div class="para">Beschwerde an den Vorstand der Interkantonalen Vereinigung </div> <div class="para">(Art. 10 lit. c Konkordat) zulässig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Da die Interkantonale Kontrollstelle den Kan- </div> <div class="para">tonen lediglich den Befund mitteilt und Antrag stellt, </div> <div class="para">werden in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung der Befund </div> <div class="para">der Interkantonalen Kontrollstelle sowie die Entscheide von </div> <div class="para">Rekurskommission oder Vorstand als blosse Meinungsäusserung </div> <div class="para">und Empfehlung an die Kantone qualifiziert, nicht aber als </div> <div class="para">mit staatsrechtlicher Beschwerde anfechtbare Verfügungen im </div> <div class="para">Sinne von <span class="artref">Art. 84 Abs. 1 OG</span> (Urteil vom 15. März 1945 i.S. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Engler, in ZBl 46/1945 S. 318; Urteil vom 11. September </div> <div class="para">1989, in ZBl 92/1991 S. 117 f.; unveröffentlichtes Urteil </div> <div class="para">vom 2. September 1999 i.S. Narco-Med AG). Sie haben Wir- </div> <div class="para">kungen innerhalb der Verwaltung, sind aber nicht Hoheits- </div> <div class="para">akte, durch die eine Person verbindlich und erzwingbar zu </div> <div class="para">einem Tun, Dulden oder Unterlassen verpflichtet oder ihre </div> <div class="para">Rechtsbeziehung zum Staat sonstwie autoritativ festgelegt </div> <div class="para">wird (zitierte Urteile, a.a.O.). Vielmehr gilt erst die </div> <div class="para">kantonale Vertriebsbewilligung oder deren Verweigerung als </div> <div class="para">anfechtbare Verfügung ( <u>Susanne Imbach</u>, Die Heilmittelkon- </div> <div class="para">trolle in der Schweiz aus staats- und verwaltungsrechtlicher </div> <div class="para">Sicht, Diss. Bern 1970, S. 104, 107). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Die Kantone haben sich im Konkordat verpflich- </div> <div class="para">tet, den Vertrieb von Heilmitteln der Bewilligungspflicht zu </div> <div class="para">unterstellen (Art. 3 Abs. 5 Satz 1 Konkordat), den Vertrieb </div> <div class="para">eines bestimmten Heilmittels nur zu gestatten, wenn dieses </div> <div class="para">von der Interkantonalen Kontrollstelle begutachtet und re- </div> <div class="para">gistriert wurde (Satz 2), sowie das Bewilligungsverfahren </div> <div class="para">so einfach wie möglich zu gestalten und lediglich eine Kanz- </div> <div class="para">leigebühr zu erheben (Satz 3). Dieser Verweis auf das kan- </div> <div class="para">tonale Bewilligungsverfahren bestätigt, dass nach der Kon- </div> <div class="para">zeption des Konkordats erst dem Entscheid der kantonalen </div> <div class="para">Behörde verbindliche Rechtswirkung zukommt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Die faktische Bedeutung der Gutachten und der </div> <div class="para">Registrierung durch die Interkantonale Kontrollstelle wird </div> <div class="para">damit nicht verkannt. Die Schwäche des Konkordats, dass den </div> <div class="para">Entscheiden der Interkantonalen Kontrollstelle rechtlich nur </div> <div class="para">empfehlender Charakter zukommt, hätte mit dem Heilmittelkon- </div> <div class="para">kordat 1988 behoben werden sollen. Dieses ist nicht mehr zu- </div> <div class="para">standegekommen, doch hat der Bundesrat am 1. März 1999 eine </div> <div class="para">Botschaft zu einem Bundesgesetz über Arzneimittel und Medi- </div> <div class="para">zinprodukte (Heilmittelgesetz, HMG; BBl 1999 3453 ff.) vor- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gelegt. Der Entwurf sieht die Schaffung eines Schweizeri- </div> <div class="para">schen Heilmittelinstituts vor, dessen Entscheide bei der </div> <div class="para">Rekurskommission für Heilmittel und mit Verwaltungsgerichts- </div> <div class="para">beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden können </div> <div class="para">(BBl 1999 3561). Eine solche Verfahrensordnung wird den </div> <div class="para">Rechtsschutzbedürfnissen besser gerecht. Derzeit bleibt es </div> <div class="para">aber dabei, dass die Begutachtung und Registrierung durch </div> <div class="para">die Interkantonale Kontrollstelle zwar faktisch von ent- </div> <div class="para">scheidendem Gewicht ist, rechtliche Verbindlichkeit aber </div> <div class="para">erst dem kantonalen Entscheid zukommt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> Auf die staatsrechtliche Beschwerde ist mangels </div> <div class="para">einer anfechtbarer Verfügung im Sinne von <span class="artref">Art. 84 Abs. 1 OG</span> </div> <div class="para">nicht einzutreten. Fehlt es bereits am tauglichen Anfech- </div> <div class="para">tungsobjekt, so erübrigt sich die Prüfung der Legitimation </div> <div class="para">des beschwerdeführenden Vereins sowie der materielle Begrün- </div> <div class="para">detheit seiner Rügen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Entsprechend diesem Verfahrensausgang sind die </div> <div class="para">bundesgerichtlichen Kosten dem Beschwerdeführer aufzuer- </div> <div class="para">legen (Art. 156 in Verbindung mit <span class="artref"><artref id="CH/173.110/153" type="start"></artref>Art. 153 und 153a OG</span><artref id="CH/173.110/153^a" type="end"></artref>). </div> <div class="para">Die Zusprechung einer Parteientschädigung entfällt (<span class="artref">Art. 159 </span></div> <div class="para">Abs. 2 OG analog). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Bundesgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para">Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht </div> <div class="para">eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem </div> <div class="para">Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para"> Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der </div> <div class="para">Interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel sowie dem </div> <div class="para">Vorstand der Interkantonalen Vereinigung für die Kontrolle </div> <div class="para">der Heilmittel schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 20. Januar 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>