Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. November 2014 (715 14 204 / 274) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung, selbstverschuldete Arbeitslosigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber i.V. Thomas Hunkeler Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Unia Arbeitslosenkasse , Poststrasse 5 , 4410 Liestal , Beschwerd e- gegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1984 geborene A.____ war vom 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2013 als Pfle- geassistent beim Alterszentrum B.____ tätig. Das Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin am 18. Oktober 2013 per 31. Dezember 2013 schriftli ch gekündigt. Am 20. Januar 2014 melde- te sich A.____ zur Arbeitsvermittlung beim Regional en Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) und am 27. Januar 2014 zum Bezug von Taggeldern der Arb eitslosenversicherung (ALV) ab 20. Januar 2014 bei der Unia Arbeitslosenkasse (Uni a) an. Mit Verfügung vom 17. März 2014 stellte die Unia A.____ wegen selbstverschuldeter A rbeitslosigkeit ab 1. Januar 2014 für die Dauer von 26 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein . Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Unia mit Einspracheentscheid vom 17. Juni 2014 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte am 7. Ju li 2014 Beschwerde beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicher ungsrecht (Kantonsgericht). Er bean- tragte, der angefochtene Einspracheentscheid vom 17. Juni 2014 sei aufzuheben. C. Die Beschwerdegegnerin schloss mit Vernehmlassung vom 16. Juli 2014 unter Hinweis auf ihre Ausführungen in der Verfügung und im angefochtenen Einspracheentscheid auf Abwei- sung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend erfüllt der Beschwerdeführer seine Kontrollpflich t im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kanton sgericht als Versicherungsgericht Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwer- de ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vor liegend, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbe itslosigkeit für die Dauer von 26 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat . Bei einem Taggeld von Fr. 130.85 be- läuft sich der Streitwert auf Fr. 3‘402.10, weshalb di e Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (S chadenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versiche- rung für Schäden, die die versicherte Person hätte verm eiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , in: K OLLER /M ÜLLER /R HINOW /Z IMMERLI , Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, Basel 2007, Rz. 822 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor , wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertra glicher Pflichten, der Arbeitgeberin An- lass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (vgl . Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Sinne von A rt. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen G ründen nach Art. 337 beziehungs- weise Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenre chts (OR) vom 30. März 1911 vo- raus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht zwingend ein e eigentliche Verletzung arbeits- vertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, d ass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausserhalb des Betrieb s berechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [E VG, seit 1. Januar 2007: Bun- desgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Erforderlich ist demnach lediglich ein von der Verwaltung beziehungsweise dem Gericht nachgewiesenes vermeidbares Fehlverhalten de r versicherten Person (vgl. JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 108). Dabei müssen nicht zwingend Beanstandungen in beruflicher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweise, dass charakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Arbeit- nehmer für den Betrieb als untragbar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (vgl. BGE 112 V 244 f. E. 1). Von selbstverschuldeter Arbeitsl osigkeit im Sinne der Arbeitslosenver- sicherung ist folglich dann auszugehen, wenn und soweit d er Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem n ach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (vgl. ARV 1998 Nr. 9 S. 44 E. 2b mit Hin- weisen; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bern und Stuttgart 1987, Band I, Rz. 8 zu Art. 30). 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft trat, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienst- ausfall in Folge einer vorübergehenden Arbeitseinstel lung ohne Unterbrechung des Beschäfti- gungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt we rden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheides im Einzelfall dienen zu können (vgl. BGE 122 V 54 ff.); er ist da- her direkt anwendbar. Wegen des Primats des Völkerrecht s geht Art. 20 lit. b des Übereinkom- mens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. D emzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Person, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsver- hältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art . 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (vgl. Urtei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht le des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b und vom 8. August 2002, C 14/01, E. 1.2). Somit darf im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgen (CHOPARD , a.a.O., S. 76 f.; implizit auch BGE 124 V 236 E. 3b, welche Rechtsprechung gemäss BGE vom 17. Oktober 2000, C 5 3/00, auch im Bereich von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV anwendbar ist). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mit wirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 20 03, S. 446 f., 489 f.; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bun- desgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosen- versicherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 2013, S. 1 61). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderun gen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anw endung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last g elegte Verhalten in beweismäs- siger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellun g ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. O ktober 2002, C 392/00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1). 3.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässi g auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt werden (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1a). Das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten muss klar feststehen und von dieser vorsätzlich ausgeübt worden sein. Ein derartiges Verhalten muss demnach als solches auch bewiesen werden und nicht bloss mit dem ansonsten im Bereich des Sozialversicheru ngsrechts erforderlichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 2006, C 11/06, E. 3). Bei Differenzen zwischen der Arb eitgeberin und dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne Weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalt en des Arbeitnehmers geschlossen wer- den, wenn die Arbeitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für die sie keine Beweise anführen kann (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 2001, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 4. Zu prüfen ist zunächst, ob der Beschwerdeführer zur Kü ndigung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigke it im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV, mithin die Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung, zu tragen hat. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folgt dar: 4.1 Der Beschwerdeführer wurde am 10. Oktober 2013 von der Arbeitgeberin schriftlich verwarnt. Diesem Schreiben kann entnommen werden, das s der Beschwerdeführer am 30. September 2013 gefragt habe, ob er in seine Woh nung gehen könne, um seinen Schlüssel zu holen, welchen er vergessen habe. Diese Bitte sei ihm genehmigt worden, mit der Abma- chung, seine Abwesenheit auf maximal 1.5 Stunden zu be schränken. Die Abwesenheit habe schliesslich zwei Stunden betragen, wodurch der geplante Ablauf auf der Station gestört wor- den sei und andere Mitarbeiter auf ihre Pausen hätten verzichten müssen. Weiter sei der Be- schwerdeführer am 1. Oktober 2013 45 Minuten zu spät zu r Arbeit erschienen. Dies habe dazu geführt, dass die anfallende Arbeit auf die anwesenden Mitarbeiterinnen habe verteilt werden müssen. Am 4. Oktober 2013 sei der Beschwerdeführer zudem , eigenmächtig und ohne Ab- sprache mit seinem direkten Vorgesetzten oder einer Arbei tskollegin, während der Arbeitszeit zur Post gegangen, um private Angelegenheiten zu erledi gen. Schliesslich wurde der Be- schwerdeführer darauf hingewiesen, dass von ihm erwartet werde, dass er sich an Abmachun- gen und Regeln halte, seinen Dienst im Alterszentrum B .____ pünktlich aufnehme, Pausenzei- ten einhalte und private Angelegenheiten in die Frei zeit lege. Bei einem erneuten Verstoss ge- gen diese Regeln müsse er mit der Kündigung des Arbeit sverhältnisses rechnen. Das Schrei- ben wurde vom Beschwerdeführer unterzeichnet. Am 18. O ktober 2013 kündigte die Arbeitge- berin das Arbeitsverhältnis per 31. Dezember 2013. Dem Brief der Arbeitgeberin vom 29. Okto- ber 2013 kann als Kündigungsgrund entnommen werden, dass der Beschwerdeführer trotz mehrmaliger Gespräche zum Thema Fehlzeiten, dokumentierter Gespräche sowie einer schrift- lichen Verwarnung vom 10. Oktober 2013, am 13. Oktober 2013 unentschuldigt der Arbeit fern- geblieben und telefonisch nicht erreichbar gewesen sei. 4.2 In der Stellungnahme zum Kündigungsgrund vom 25 . Februar 2014 äussert der Be- schwerdeführer gegenüber der Unia, dass er stets bemüht g ewesen sei, die Vorgaben der Ar- beitgeberin zu erfüllen. Der Vorwurf, er habe sich na ch der schriftlichen Verwarnung nicht an Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Vereinbarungen gehalten, erachte er als unqualif izierte und unzutreffende Behauptung sei- tens der Geschäftsleitung. Das Alterszentrum B.____ würde mit einem sehr knapp bemessenen Mitarbeiterstand arbeiten. Beim Dienst vom 13. Oktober 2013 habe es sich um einen kurzfristi- gen, mündlich eingeplanten Arbeitseinsatz gehandelt. Di esen ausserplanmässigen Einsatz ha- be er vergessen, was er heute sehr bedaure. Die erwähnt en Verwarnungen der Geschäftsfüh- rung seien Bestandteil des Arbeitsalltags im Alterszentrum B.____ gewesen. 4.3 Die in der Verwarnung vom 10. Oktober 2013 aufge führten Kritikpunkte betreffend die Einhaltung von Abmachungen und Regeln, Pünktlichkeit un d Einhaltung von Pausen sind hin- reichend klar und verständlich verfasst und werden auch vo m Beschwerdeführer selbst bestä- tigt. Die schriftliche Verwarnung wurde sowohl von der Arbeitgeberin als auch vom Beschwer- deführer unterschrieben. Insgesamt besteht kein Grund an den Aussagen der Arbeitgeberin zu zweifeln. Insbesondere ist auch kein Interesse derselben zu erkennen, den Versicherten in ei- nem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Im Kündigun gsschreiben der Arbeitgeberin vom 29. Oktober 2013 wird als Kündigungsgrund aufgeführt, dass der Beschwerdeführer trotz der Verwarnung am 13. Oktober 2013 unentschuldigt von der Arbeit ferngeblieben und auch nicht erreichbar gewesen sei. Dieses Vorhalten wurde vom Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Weise konkret bestritten. Er führte dazu e inzig aus, dass es sich um einen kurzfris- tig eingeplanten Arbeitseinsatz gehandelt habe und er diesen vergessen habe. In Anbetracht der klaren und unbestrittenen Kritikpunkte hat der Beschw erdeführer mit seinem Verhalten der Arbeitgeberin Anlass zur Kündigung gegeben, weshalb se ine Arbeitslosigkeit als selbstver- schuldet im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu bezeichnen ist. 5. In einem nächsten Schritt zu prüfen ist, ob dem Besc hwerdeführer (eventu- al)vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt werden kann. 5.1 Eventualvorsatz ist anzunehmen, wenn die betroffene Person vorhersehen kann oder vorhersehen muss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt und sie eine solche in Kauf nimmt (vgl. Urteil des EVG vom 11. Januar 2001, C 282/00, E. 2b, Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2010, 8C_804/2009, E. 3 .2.2). Somit darf im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG bei blosser Fahrlässigkeit kein e Einstellung in der Anspruchsberechti- gung erfolgen (vgl. C HOPARD , a.a.O., S. 76 f.; implizit auch BGE 124 V 236 E. 3b ). Diese Rechtsprechung ist gemäss Urteil vom 17. Oktober 2000, C 53/00, auch im Bereich von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV anwendbar. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2 (unter Hinweis auf G UIDO JENNY , Basler Kommentar Strafrecht I, NIGGLI /W IPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basel 2007, S. 295) die Frage beantwortet, wann ein Verhalten (eventual)vorsätzlich und wann ein solches (bewusst)fahrlässig ist. Es führte aus, dass Eventu- alvorsatz und bewusste Fahrlässigkeit auf der Wissensseite über einstimmen würden; beide Male sei der handelnden Person die Möglichkeit und das R isiko der Tatbestandsverwirklichung bewusst. Die entscheidende Differenz liege auf der Will ensseite. Auch wer jene Möglichkeit erkenne, könne sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegse tzen, d.h. darauf vertrauen bzw. mit der Einstellung handeln, dass schon nichts passieren werd e. Das sei der Fall der bewussten Fahrlässigkeit. Demgegenüber erfordere der Eventualvorsa tz, dass die handelnde Person sich für die Tatbestandsverwirklichung entscheide, sie in Kauf nehme und ernstlich in Rechnung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stelle. Eventualvorsatz liegt also vor, wenn die handel nde Person den Eintritt des tatbestandli- chen Erfolgs zwar nicht mit Gewissheit voraussieht, aber doch ernsthaft für möglich hält und ihn für den Fall des Eintritts in Kauf nimmt. (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2008, 8C_504/2007, E. 5.3.2 mit Hinweis). 5.2 Aufgrund der glaubhaften Schilderungen der Arbei tgeberin steht fest, dass es beim Beschwerdeführer seit dem 30. September 2013 mehrmal s zu Fehlzeiten kam. Neben der Fehlzeit wurde dem Beschwerdeführer auch die Missachtung vo n Regeln und Abmachungen sowie mangelnde Pünktlichkeit vorgeworfen. Diese Tatsach en führten zur schriftlichen Verwar- nung, welche mit einer Kündigungsandrohung als Ausdru ck der Ernsthaftigkeit der Äusserung ergänzt wurde. Diese ganzen Kritikpunkte wurden vom Beschwerdeführer – wie bereits erwähnt – nicht bestritten. Trotz dieser Verwarnung blieb der B eschwerdeführer am 13. Oktober 2013 – und damit nur drei Tage nach der schriftlichen Verwarn ung – unentschuldigt der Arbeit fern. Mit dieser Absenz verletzte der Beschwerdeführer gerade jen e arbeitsvertraglichen Pflichten, für deren Missachtung er nur drei Tage zuvor ausdrücklich verwarnt worden war. Er legte daher ein Verhalten an den Tag, bei dem eine vernünftig handel nde Person damit rechnen musste, dass es die Fortdauer des Arbeitsverhältnisses gefährden könnte. Die Tatsache, dass es sich bei diesem Arbeitseinsatz wie vom Beschwerdeführer vorgebracht , um einen kurzfristigen und mündlich mitgeteilten Einsatz gehandelt habe, vermag daran nichts zu ändern. Unter diesen Umständen ist die Auflösung des Arbeitsverhältnisses nachvol lziehbar und es steht fest, dass der Beschwerdeführer mit seinem Verhalten das Risiko, a rbeitslos zu werden, zumindest even- tualvorsätzlich in Kauf genommen hat. 5.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein pflichtwidr iges Verhalten in beweismässi- ger Hinsicht klar ausgewiesen und ein Verschulden an der A rbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG und Art. 44 Abs. 1 AVIV demnach zu bejahen ist. Unter diesen Umständen hat die Unia die Anspruchsberechtigung zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit vorübergehend eingestellt. 6.1 Zu prüfen bleibt die Dauer der Einstellung von 26 Tagen. Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des V erschuldens und beträgt je Ein- stellungsgrund höchstens 60 Tage (Art. 30 Abs. 3 AVIG ). Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsberechtigung abgestuft; sie d auert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31-60 Tag e bei schwerem (lit. c) Verschulden. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abtei lung des Kantonsgerichts bzw. bei Präsidialentscheiden deren präsidierende Person die ange fochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen. Sie greift jedoch bei d er Beurteilung der von der Kasse ange- ordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhal tung in deren Ermessensspielraum ein. 6.2 Die Unia stellte den Beschwerdeführer in der Verfü gung vom 17. März 2014 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 26 T agen in der Anspruchsberechtigung ein und ging damit von einem mittelschweren Verschulden aus. Im Einspracheentscheid vom 17. Juni 2014 hielt sie an der Anzahl Einstelltage fest. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Das Verschulden des Beschwerdeführers ist unter Berücksich tigung aller objektiven und subjektiven Gegebenheiten zu würdigen. Aufgrund d er in den Erwägungen 4 und 5 ge- machten Ausführungen steht fest, dass der Versicherte durch sein Verhalten die Mitverantwor- tung für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses trägt. Zu Gunsten des Beschwerdeführers ist zu berücksichtigen, dass er die ihm übertragenen Arbeiten o ffensichtlich während mehr als acht Jahren zufriedenstellend erfüllt hat. In Anbetracht, d ass der Beschwerdeführer durch sein Ver- halten eine Arbeitslosigkeit zumindest eventualvorsätzlich i n Kauf genommen hatte, ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung im mittelschweren Bereich von 26 Tagen jedoch nicht zu beanstanden. Die Unia hat ihr Ermessen in Würdigung aller Umstände somit pflichtgemäss ausgeübt. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 17. Juni 2014 ist unter diesen Umstän- den zu bestätigen und die dagegen gerichtete Beschwerde abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vor- liegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausse rordentlichen Kosten sind dem Pro- zessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.