<h2>SubmittedText<h2><p>Vor kurzem hat der Ausstellungsmacher und Kulturmanager Christoph Vitali über den diesjährigen Gastauftritt der Schweiz an der Frankfurter Buchmesse informiert und bekanntgegeben, wer von den Veranstaltern offiziell eingeladen wird.</p><p>Dabei fällt auf, dass unter den 136 Namen nicht nur Verfasser literarischer Arbeiten zu finden sind, sondern auch Autoren von Texten, welche eher dem Genre "Sachbuch" zuzuordnen sind.</p><p>Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass der Name Jean Ziegler nicht aufgeführt wird. Es ist zwar zuzugeben, dass verschiedene seiner zwanzig Bücher sehr umstritten sind - einerseits, weil sie "heisse Themen" aufgreifen, und andererseits, weil in ihnen einzelne Aussagen vorkommen, die wissenschaftlich nicht immer erhärtet sind.</p><p>Wie immer man aber zu den Werken von Jean Ziegler stehen mag, bei einer repräsentativen Präsentation der schweizerischen Buchproduktion dürfen sie wegen ihrer grossen nationalen und internationalen Wirkung auf keinen Fall übergangen werden. Viele von ihnen haben wichtige Themen des politischen Diskurses entweder frühzeitig aufgenommen oder stark beeinflusst. So hat z. B. das Buch "Eine Schweiz über jeden Verdacht erhaben" (1976) die Fluchtgeldproblematik aus Ländern der Dritten Welt artikuliert, und der Titel "Die Schweiz wäscht weisser" (1990) hat bei der Einführung der Strafrechtsartikel über die Geldwäscherei eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Weitere Beispiele wären leicht zu finden.</p><p>Vor dem Hintergrund dieser Feststellungen bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Aufgrund welcher Überlegungen figuriert Jean Ziegler nicht auf der Liste der für die Frankfurter Buchmesse offiziell eingeladenen Autoren?</p><p>2. Ist er bereit, Jean Ziegler nachträglich noch in die Liste aufnehmen zu lassen?</p><p>3. Wie begründet er den allfälligen Verzicht auf eine Ergänzung der Liste durch den Autor Jean Ziegler?</p><p>4. Gibt es weitere Lücken auf der Liste, die noch korrigiert werden sollten? Welche?</p><p>5. Welche kulturpolitischen Kriterien haben zur Entstehung der heute vorliegenden Liste geführt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Verantwortung für die Durchführung des Auftritts der Schweiz als Gastland an der Frankfurter Buchmesse 1998 wurde einem unter der Federführung des Bundesamtes für Kultur (BAK) gegründeten Trägerverein übertragen. Im Trägerverein "Die Schweiz - Gast der Frankfurter Buchmesse 1998" sind Verlegerverbände, Verbände der Schriftstellerinnen und Schriftsteller, das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten, Pro Helvetia und das BAK vertreten. Als Projektleiter hat der Trägerverein Christoph Vitali, Direktor des Hauses der Kunst in München, berufen. In Absprache mit dem Trägerverein hat Herr Vitali die Verantwortung für die Auswahl der eingeladenen Schriftstellerinnen und Schriftsteller übernommen. Die anlässlich der Pressekonferenz vom 9. Juni 1998 in Frankfurt a. M. publizierte Liste war ausdrücklich als provisorisch deklariert und umfasste 136 Namen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie einigen Literaturvermittlern. Die Literaturvermittler, u. a. Kritiker und Kritikerinnen sowie Übersetzer und Übersetzerinnen, waren angefragt, während der Buchmesse als Moderatoren und Moderatorinnen tätig zu sein und die Auftritte unserer Literaten vermittelnd zu unterstützen.</p><p>Sachbuchautoren waren nicht angefragt worden, weil der Trägerverein schon vor langem beschlossen hatte, die Literaturen der Schweiz ins Zentrum des Gastauftrittes an der Buchmesse zu rücken.</p><p>1. Jean Ziegler gilt als Sachbuchautor. Wie eingangs dargelegt, sollen in erster Linie die Schweizer Literaturen den Auftritt prägen. Hingegen plant Herr Vitali eine Diskussionsveranstaltung zur jüngsten Schweizer Vergangenheit im Rahmen der Buchmesse, und dazu hat er Herrn Ziegler in der Zwischenzeit angefragt.</p><p>2./3. Die Kompetenz betreffend die Auswahl der Autoren und Autorinnen wurde dem Trägerverein respektive der Projektleitung zugewiesen. In diesem Sinne erachtet sich der Bundesrat auch nachträglich nicht als zuständig, die Auswahl zu beeinflussen.</p><p>4. Nach der Bekanntgabe der eingeladenen Autoren und Autorinnen wurde u. a. in der Presse auf einzelne, aus ihrer jeweiligen Sicht fälschlicherweise übergangene Namen hingewiesen. Um Berücksichtigung der Mundartliteratur im Rahmen der geplanten Lesungen bemühen sich deren Vertreterinnen und Vertreter. Die Projektleitung steht mit ihnen in Verhandlung und überprüft die erfolgten Anregungen.</p><p>5. Für Christoph Vitali und die ihn beratenden Expertinnen und Experten war das prioritäre Kriterium die schriftstellerische Qualität. Als fast ebenso wichtig betrachteten es der Trägerverein und die Projektleitung, dass die Minderheitssprachen unseres Landes überproportional vertreten sein müssen: deshalb sind insbesondere Tessiner wie rätoromanische Schriftsteller und Schriftstellerinnen sehr gut vertreten. Zudem sind hochkarätige ausländische Schriftsteller und Schriftstellerinnen und Dichter und Dichterinnen eingeladen worden, die in der Schweiz leben und in anderen als unseren vier Landessprachen schreiben.</p><p>Die Liste der Eingeladenen muss überdies im Zusammenhang des gesamten Gastauftrittes der Schweiz gesehen werden, der aus wesentlich mehr besteht als nur aus Lesungen: Frankfurt ist der grösste internationale Umschlagplatz für Bücher in der Welt. Damit ein Gastland seine Chance und die damit verbundene Medienpräsenz optimal nutzen kann, muss es seinen Auftritt mit einem breitgefächerten kulturellen Angebot qualitativ hochstehender Veranstaltungen unterstreichen und abrunden. Nur so kann die Schweiz das grosse vorhandene Potential unserer vielen und aktiven Verlage, die Jahr um Jahr in Frankfurt präsent sind, nutzen und ihnen zu einem eindrücklichen Gesamtauftritt verhelfen. Man darf die Bedeutung der zur Diskussion stehenden Liste nicht überschätzen und muss sie in diesem weiteren Kontext sehen.</p>  Antwort des Bundesrates.