B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4233/2014 U r t e i l v o m 1 5 . D e z e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), Syrien, alle vertreten durch (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Visum aus humanitären Gründen (Asyl); Verfügung des BFM vom 26. Juni 2014 / (…) + 2 weitere. D-4233/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügungen vom 11. März 2014 wies die schweizerische Vertretung in E._______ (nachfolgend: Vertretung) unter Verwendung des im Anhang VI der Verordnung (EG) Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft (Visakodex) vorgesehenen Formulars den Antrag de r Beschwerdeführenden (Geschwister und Schwager sowie Neffe der in der Schweiz wohnhaften Gastgeber in) vom 24. Februar 2014 um Erteilung eines Schengen -Visums mit der Begründung ab, dass die Absicht, vor Ablauf des Visums aus dem Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten auszureisen, nicht festgestellt werden konnte (Ziffer 9). B. Mit Eingabe vom 3. April 2014 liessen die Beschwerdeführenden gegen diesen Entscheid durch ihren damaligen Rechtsvertreter Einsprache beim BFM erheben. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Beschwerde- führenden seien aufgrund der Kriegswirren aus Syrien in die Türkei geflohen. Im Formularentscheid sei die Ziffer 9 angekreuzt worden, wobei die negative Rückkehrprognose nicht grundsätzlich beanstandet werde. Die Beschwerdeführenden verfügten aber in der Türkei weder über eine faktische noch tatsächliche Aufenthaltsbewilligung, weshalb ihnen der Zugang zu Arbeitsmarkt, Gesundheitsversorgung und anderen sozialen Rechten nicht offen stehe. Als ethnische Kurden seien sie zudem ständigen Behelligungen und Diskriminierungen seitens der Polizei aber auch anderer Kurden ausgesetzt. Der Eingabe waren die ablehnenden Entscheide des schweizerischen Generalkonsulat über die Visa -Anträge der Gesuchstelle nden, eine Voll- macht sowie e in weiteres Einladungssc hreiben des nunmehr mandatier - ten Rechtsvertreters, dessen Niederlassungsbewilligung sowie Dokumen- te zu dessen finanzieller Situation beigelegt. C. Mit Verfügung vom 26. Juni 2014 – eröffnet am 27. Juni 2014 – wies das BFM die Einsprache der Beschwerdeführenden ab. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, angesichts der sozio-ökonomischen Verhältnisse im Heimatstaat müssten die Gesuch - D-4233/2014 Seite 3 stellenden über aussergew öhnliche familiäre Bindungen und Verpflich - tungen verfügen, damit eine fristgerechte und anstandslose Rückkehr als wahrscheinlich einzustufen wäre. Dass die Gesuchstelle nden trotz der in Syrien herrschenden Krise nach Ablauf des Besuchervisums in ihr Herkunftsland zurückkehren würden, sei nicht hinreichend dargelegt. Daher seien die Einreisevoraussetzungen für ein einheitliches Schengen - Visum nicht erfüllt. Des Weiteren würden keine besonderen namentlich humanitären Gründe vorliegen, die eine Einreise in di e Schweiz trotzdem als zwingend notwendig erscheinen l assen würden . Ein Visum aus humanitären Gründen könne nur dann ausgestellt werden, wenn die betreffende Person im Heimat - oder Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet sei und sich in einer besonderen Notsituation befinde, welche ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich mache. Die Gesuchstellenden befänden sich nunmehr in einem Drittstaat. Es würden keine Elemente vorliegen, die auf eine besondere individuell e und konkrete Gefährdung oder eine beso ndere Notlage schliessen liesse , weshalb die Einreise in die Schweiz nicht zwingend notwendig erscheine (Art. 2 Abs. 4 VEV). Schliesslich komme auch die Weisung vom 4. September 2013 betreffend erleichterte Erteilun g von Besucher -Visa für syrische Staatsangehörige (COO.2180.101.7.266789/322.213/Syrien/2010/03648; nachfolgend: Wei- sung Syrien ) nicht zur Anwendung, weil die Visumsanträge nach deren Aufhebung am 29. November 2013 eingereicht worden seien. D. Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 25. Juli 2014 erhoben die Be - schwerdeführenden dagegen Beschwerde beim Bundesverwaltungs - gericht und beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihnen sei die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. In verfahrensrecht- licher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Informationen über den Zweck und die Bedingungen des beabsichtigten Aufenthalts in der Schweiz seien glaubhaft dargelegt worden, zumal die Beschwer - deführenden von der Vertretung auch nicht aufgefordert worden seien, weitere Unterlagen einzureichen. Die Situation in der Türkei sei sehr schwierig, würden syrische Flüchtlinge doch regelmässig ausgenutzt und misshandelt. Die Lage in den Flüchtlingslager sei schlecht, weshalb viele D-4233/2014 Seite 4 in die Grossstädte ziehen würden, wo sie jedoch nur Elend und Armut vorfänden. Schliesslich seien die syrischen Flüchtlinge in der Türkei nicht mehr erwünscht. Mithilfe der subsidiären Garantie des Schweizerischen Roten Kreuzes sei klar, dass sämtliche Kosten übernommen würden, wobei die Beschwerdeführenden auch, sobald sich die Lage verbessert habe, in ihren Heimatstaat zurückkehren würden. E. Am 30. Juli 2014 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. F. Mit Verfügung vom 8. August 2014 wurde n die Beschwerdeführenden aufgefordert, innert Frist eine Vollmacht zu den Akten zu reichen. G. Mit Ein gabe vom 18. August 2014 reichten die Beschwerdeführenden innert Frist eine Vollmacht zu den Akten. H. Mit Verfügung vom 19. August 2014 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzi chtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Vorinstanz wurde Gelegenheit eingeräumt, innert Frist eine Vernehmlassung zu den Akten zu reichen. I. In seiner Vernehmlassung vom 25. August 2014 hielt das BFM vollumfänglich an seiner Verfügung fest und führte im Wesentlichen aus, die Gäste würden sich zweifelsohne in einer schwierigen Lage befinden. Jedoch seien sie nicht konkret und unmittelbar an Leib und Leben gefährdet, weshalb die Erteilung eines humanitären Visums ausser Betracht falle. Schliessli ch seien die Gesuche nach der Aufhebung der Weisung Syrien vom 4. September 2013 eingereicht worde n, weshalb diese Sonderregelung nicht zur Anwendung gelange. J. Mit Verfügung vom 1. September 2014 wurde den Beschwerdeführenden Gelegenheit eingeräumt, innert Frist eine Replik einzureichen. K. Am 16. September 2014 replizierten die Beschwerdeführenden und führten D-4233/2014 Seite 5 im Wesentlichen aus, es sei sehr schwierig gewesen, mit der Vertretung Kontakt aufzunehmen, da immer wieder Fehler aufgetaucht seien. Der erste Kontakt habe aber vor der Aufhebung der Weisung Syrien stattgefunden, es sei einfach nicht möglich gewesen, einen Termin vor der Aufhebung zu erhalten. Schliesslich hätten die Beschwerde - führenden für ihre Reise in die Türkei all ihr Hab und Gut verkauft, wobei nun die Situation in der Türkei extrem schwierig sei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen unter anderem Verfügungen des BFM , mit denen die Erteilung eines Schengen-Visums verweigert wurde. In dieser Materie entscheidet das Bundesverwaltungs - gericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 1.2 Sofern das VGG nichts anderes bestimmt, rich tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführenden sind gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Beschwerde berechtigt. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletz ung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangeme ssenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). 3. 3.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise, noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch D-4233/2014 Seite 6 – grundsätzlich nicht verpflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. BVGE 2009/27 E. 3 S. 342 m.w.H.). Die im AuG und seinen Ausführungsbestimmungen enthaltenen Regel - ungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen -Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 2–5 AuG). 3.2 Angehörige von Drittstaaten dür fen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Gemäss Art. 4 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumer - teilung (VEV, SR 142.204) unterstehen Staatsangehörige gewisser Länder zudem der Visumspflicht (vgl. Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staats - angehörige von dieser Visumpflicht befreit sind). 3.3 Im Weiteren müssen Drittstaats angehörige für den Erhalt eines ein- heitlichen Schengen-Visums im Sinne von Art. 2 Abs. 3 Visakodex den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen. Namentlich haben sie zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf der Gültigkeits-dauer des beantragten Visums wieder verlassen beziehungsweise Gewähr für ihre fristgerechte Wiederausreise bieten. Ferner dürfen Dritt - staatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieb en sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen ( vgl. zum Ganzen: Art. 5 Abs. 1 und Abs. 2 AuG; Art. 2 Abs. 1 VEV und Art. 5 Abs. 1 Schengener Grenzkodex [SGK; Verordnung {EG} Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen, ABl. L 105 vom 13. April 2006, zuletzt geändert durch Verordnung {EU} Nr. 610/2013, ABl. L 182 vom 29. Juni 2 013], vgl. auch BVGE 2009/27 E. 5 und 6). D-4233/2014 Seite 7 3.4 Die Beschwerdeführenden unterliegen als syrische Staatsangehörige der Visumspflicht gemäss Art. 4 VEV bzw. der Verordnung (EG) Nr. 539/2001. Im Beschwerdeverfahren wird nicht bestritten, dass die vom BFM in seiner Verfügung vom 26. Juni 2014 dargelegten Voraussetzungen für die Erteilung eines einheitlichen Schengen-Visums nicht gegeben sind. Namentlich werden keine stichhaltigen Argumente dargelegt, welche die Einschätzungen des BFM in einem anderen Licht erscheinen liesse n, wonach in Anbetracht der aktuellen Situation in ihrem Heimatstaat und der spezifischen Umstände des Einzelfalls begründete Zweifel an der Wiederausreise der Gesuchstellenden aus dem Schengenraum vor Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums bestehen (vgl. Art. 32 Abs. 1 Bst. b Visakodex; zum Beweismass des begründeten Zweifels siehe BVGE 2014/1 E.4.4). 4. 4.1 Sind die Voraussetzungen für die Ausstellung eines einheitlichen Schengen-Visums nicht erfüllt, kann ein Visum mit räumlich beschrä nkter Gültigkeit erteilt werden, wenn der Mitgliedstaat es aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforderlich erhält (Art. 2 Abs.4 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex). Ein solches Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (vgl. Art. 25 Abs. 2 Visakodex). Unter denselben Voraussetzungen kann eine r drittstaats - angehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden (vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 4.2 Eine Visumserteilung aus humanitären Gründen ist auf nationaler Ebene in Art. 2 Abs. 4 i.V.m. Art. 12 Abs. 4 VEV normiert. Entsprechend der genannten Bestimmung können das Eidgenössische Depart ement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und das BFM im Rahmen ihrer Zuständigkeiten im Einzelfall eine Einreise für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen aus humanitären Gründen oder zur Wahrung nationaler Interessen oder internationaler Verpflichtungen bewilligen. Nach der Aufhebung der Möglichkeit, bei einer Schweizer Auslands - vertretung ein Asylgesuch einzureichen (im Rahmen der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 [AS 2012 5359] zum 29. September 2012), hat die Vorschrift m assgeblich an Bedeutung gewonnen. Der Bundesrat hat in diesem Zusammenhang in seiner Botschaft vom 26. Mai 2010 zur Änderung des Asylgesetzes unter Hinweis auf die Wahrung der humanitären Tradition der Schweiz ausdrücklich festgehalten, dass auch in Zukunft offensichtlich unmittelbar, ernsthaft und D-4233/2014 Seite 8 konkret gefährdete Personen den Schutz der Schweiz erhalten sollen; dies unter explizitem Verweis auf die bestehende Möglichkeit, um ein Visum "aus humanitären Gründen" zu ersuchen (vgl. BBl 2010 4455, insbes. 4468, 4472, 4490). Zudem könne angesichts der einfacheren Verfahrensabläufe bei Visagesuchen der administrative Aufwand gesenkt werden, dies werde insbesondere dadurch erreicht, dass keine asylrechtlichen Befragungen mehr stattfinden würden (BBl 2010 4490). 4.3 Der Begriff "humanitäre Gründe" ist weder in den Normen des SGK, des Visakodex noch in der VEV näher bestimmt. In der genannten Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes umschreibt der Bundesrat jedoch in genügend konkretisierender Weise, dass die Einreise i n die Schweiz durch eine Visumserteilung aus humanitären Gründen bewilligt werden könne, wenn im Einzelfall offensichtlich davon ausgegangen werden müsse, dass die betroffene Person im Heimat- oder Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet sei. Die betroffene Person müsse sich in einer besonderen Notsituation befinden, welche ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich mache und es rechtfertige, ihr, im Gegensatz zu anderen Personen, ein Einreisevisum zu erteilen. Dies könne etwa bei akuten kriegerischen Ereignissen oder bei einer aufgrund der konkreten Situation individuellen Gefährdung gegeben sein. Das Visumgesuch sei unter Berücksichtigung der aktuellen Gefährdung, der persönlichen Umstände der betroffenen Person und der Lage im Heimat- oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen (vgl. BBl. a.a.O, S. 4468, 4472 und insbesondere 4490). Diese Ausführungen finden auch ihren Niederschlag in den entsprechenden Weisung des BFM Nr. 322.126 "Visumsantrag aus humanitären Gründ en" vom 25. Februar 2014 (nachfolgend: Weisung humanitäres Visum). Gemäss der Weisung humanitäres Visum ist, sofern sich die Person bereits in einem Drittstaat befinde, in der Regel davon auszugehen, dass keine Gefährdung mehr bestehe. 4.4 In der Beschwerdeschrift vom 25. Juli 2014 sowie der Replikeingabe vom 16. September 2014 wird im Wesentlichen vor gebracht, die Beschwerdeführenden hielten sich nunmehr in der Türkei auf, wo die Situation äusserst schwierig sei. In der Türkei würden sie über keine offizielle Aufenthaltsbewilligung verfügen, welche ihnen den Zugang zu Arbeitsmarkt, Gesundheitsversorgung und anderen sozialen Institutionen ermöglichen würde. D-4233/2014 Seite 9 4.5 Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei ist gemäss jüngeren Zeitungsberichten auf mittlerweile gut 1.5 Millionen Personen angestiegen (Süddeutsche.de, Die Türkei vollbringt eine Grosstat – helft ihr!, gefunden auf: <http://www.sueddeutsche.de/politik/syrische-fluechtlinge-die-tuerkei- vollbringt-eine-grosstat-helft-ihr-1.2146092> zu -letzt besucht am 5. Dezember 2014; siehe auch UNHCR, Turkey - UNHCR Operational Update, 14 -20 November 2014 , 20 November 2014, gefunden auf: <http://www.refworld.org/docid/5472d9954.html> [zuletzt besucht am 5. Dezember 2014] ). Währenddem die türkische Regierung äusserst erfolgreich Flüchtlingslager aufgebaut hat, welche sowohl hinsichtlich Qualität als auch Zugang zu Dienstleistungen vorbildlich ausgestattet wurden, lebt die überwiegende Mehrheit der syrischen Flüchtlinge – knapp 80 % – ausserhalb der Lager. Der Zugang zu Arbeit, Ausbildung und Gesundheitsversorgung gestaltet sich für diese Flüchtlinge sehr viel schwieriger (vgl. Brookings-Bern Project on Internal Displacement, Syrian Refugees and Turkey's Challenges: Going Beyond Hospitality , 12 . Mai 2014, S. 15, gefunden auf: < http://www.refworld.org/ docid/53beb5aa4.html> [zuletzt besucht am 5. Dezember 2014]). Ein Ende des Konfliktes in Syrien ist zurzeit nicht absehbar, weshalb eine freiwillige Rückkehr der Mehrheit der Flüchtlinge in ihren Heimatstaat unwahrscheinlich ist. Um die arg beanspruchten Infrastrukturen der Nachbarstaaten Syriens etwas zu entlasten, hat UNHCR im September 2013 einen ersten Aufruf zur Aufnahme von 30'000 syrischen Flüchtlingen bis Ende Jahr lanciert. Europäische Staaten haben einen erheblichen Teil dieser Plätze zur Verfügung gestellt, darunter auch die Schweiz mit 500 (ohne erleichterte Besucher -Visa für syrische Staatsangehörige) (vgl. UNHCR, In Search of Solidarity , Resettlement and Other Forms of Admission of Syrian Refugees, 28. Oktober 2014, gefunden auf : <http://www.unhcr.org/52b2febafc5.pdf> [zuletzt besucht am 5. Dezember 2014]). 4.6 Das Gericht stellt die schwierigen Lebensumstände der Beschwerde - führenden in der Türkei nicht in Abrede. Dennoch schliesst sich das Gericht den Ausführungen des BFM an, wonach im vorliegenden Verfahren keine Gründe ersichtlich sind, die darauf hindeuteten, sie seien unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet respektive würden sich in einer besonderen Notlage befinden, welche ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich erscheinen liesse. Insbesondere ist auch keine drohende Verletzung des non -refoulement Gebotes ersichtlich. Den Beschwerdeführenden ist es nicht gelungen darzulegen, dass ihnen D-4233/2014 Seite 10 gestützt Art. 2 Abs. 4 i.V.m. Art. 12 Abs. 4 VEV Visa aus humanitären Gründen zu erteilen und die Einreise zu bewilligen wären. 5. 5.1 Mit der nicht näher belegten Aussage, die Beschwerdeführenden hätten versucht einen Termin auf der Vertretung zu erhalten, jedoch sei die Kontaktherstellung leider früh er nicht möglich gewesen, wird implizit gerügt, die Weisung Syrien wäre in ihrem Fall eben doch anwendbar gewesen. 5.2 Am 29. November 2013 hob das BFM die Weisung Syrien durch eine neue Weisung (2013 -11-29/135 Syrien II, im Folgenden: Weisung Aufhebung) mit sofortiger Wirkung auf und verfügte, dass alle nach dem 29. November 2013 eingereichten Visaanträge wieder nach den ordentlichen Einreisebestimmungen der VEV und den dazu erlassenen Weisungen des BFM zu behandeln seien. Gemäss der Weisung Auf - hebung seien nach dem 29. November 2013 eingereichte Visagesuche per sofort wieder nach den ordentlichen Einreisebestimmungen zu behandeln; Gesuche von Personen, die sich vor dem 29. November 2013 angemeldet oder die vor diesem Datum ein Visumsgesuch eingereicht hätten , seien weiterhin nach den Kriterien der Weisung vom 4. September 2013 und der Erläuterungen vom 4. November 2013 zu bearbeiten. 5.3 Die nicht näher belegten und erstmals in der Replikeingabe vom 16. September 2014 vorgebrachten Ausführungen, wonach der Erst - kontakt mit der Vertretung noch während der Sonderregelung unter der Weisung Syrien vom 4. September 2013 stattgefunden habe, jedoch kein Termin habe vereinbart werden, vermögen nichts an den oben gemach-ten Feststellungen zu ändern. Einerseits unterliessen es die Beschwerde - führenden gänzlich , dies betreffend irgendwelche Beweismittel oder Dokumente, welche eine vertiefte A useinandersetzung hinsichtlich zeitlicher Anwendbarkeit der Weisung Syrien würde angezeigt erscheinen lassen, einzureichen. Andererseit s datieren die Visumsantragsformulare vom 24. Februar 2014, was doch knapp drei Monate nach Aufhebung der Weisung Syrien ist , weshalb vorliegend auf weitere diesbezügliche Ausführungen verzichtet werden kann. Das BFM ging demnach zurecht davon aus, dass di e Kontaktaufnahme erst nach der Aufhebung der Weisung Syrien erfolgte und diese im vorliegenden Verfahren nicht zur Anwendung gelangt. D-4233/2014 Seite 11 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor d em Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art 65 Abs. 1 VwVG wurde jedoch mit Verfügung vom 19. August 2014 gutgeheissen, weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind. (Dispositiv nächste Seite) D-4233/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und das BFM. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: