<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">333</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>60</b></span> <span class="ft4"><b>Kapitalauszahlung aus Säule 3a (§ 31 Abs. 1 StG; § 45 Abs. 1 lit. b StG)</b></span><br/> <span class="ft6">-</span> <span class="ft4"><b>Trotz fehlendem Erwerbseinkommen in die Säule 3a einbezahlte Bei-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>träge bleiben bei der Auszahlung steuerfrei.</b></span><br/> <span class="ft8">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft8">vom 22. Oktober 2015 in Sachen C. + F.C. (3-RV.2015.92).</span><br/> <span class="ft9"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent leistete im Jahr 2012 CHF 6'682.00 und im Jahr</span><br/> <span class="ft1">2013 CHF 1'686.00 an die Vorsorgestiftung 3. Säule der X.-Bank.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich seiner Pensionierung im November 2013 wurden</span><br/> <span class="ft1">dem Rekurrenten total CHF 485'809.00 (freie Vorsorge:</span><br/> <span class="ft1">CHF 58'062.00; kollektive Vorsorge: CHF 427'747.00) ausbezahlt.</span><br/> <span class="ft1">Darauf wurde mit Verfügung vom 24. November 2014 eine geson-</span><br/> <span class="ft1">derte Jahressteuer erhoben.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrenten beantragen, es seien die in die Säule 3a bezahl-</span><br/> <span class="ft1">ten CHF 6'682.00 und CHF 1'686.00 bei der Berechnung der</span><br/> <span class="ft1">steuerbaren Kapitalauszahlung in Abzug zu bringen, weil diese Bei-</span><br/> <span class="ft1">träge bei der ordentlichen Einkommenssteuer mangels eines</span><br/> <span class="ft1">Erwerbseinkommens des Rekurrenten nicht abgezogen werden</span><br/> <span class="ft1">konnten.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">334</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Nach Auffassung des Kantonalen Steueramtes muss auch in je-</span><br/> <span class="ft1">nen Fällen, in welchen ein zu hoher Beitrag einbezahlt wurde, wel-</span><br/> <span class="ft1">cher infolge Fälligkeit der Altersleistung nicht mehr zurückgefordert</span><br/> <span class="ft1">werden kann, die volle Besteuerung der Kapitalleistung erfolgen, so-</span><br/> <span class="ft1">fern, wie das im Kanton Aargau der Fall ist, im Steuergesetz eine Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung fehlt, wonach nicht abziehbare Beiträge bei der Besteuerung</span><br/> <span class="ft1">der Kapitalleistung in Abzug gebracht werden können.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Steuerbar sind alle Einkünfte aus der Alters-, Hinterlassenen-</span><br/> <span class="ft1">und Invalidenversicherung, aus Einrichtungen der beruflichen Vor-</span><br/> <span class="ft1">sorge und aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge,</span><br/> <span class="ft1">mit Einschluss der Kapitalabfindungen und Rückzahlungen von</span><br/> <span class="ft1">Einlagen, Prämien und Beiträgen (§ 31 Abs. 1 StG). Kapitalzahlun-</span><br/> <span class="ft1">gen aus gebundener Vorsorge Säule 3a unterliegen der getrennt vom</span><br/> <span class="ft1">übrigen Einkommen berechneten Jahressteuer zu 40 % des Tarifs</span><br/> <span class="ft1">(§ 45 Abs. 1 lit. b StG).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hat in seinem Urteil</span><br/> <span class="ft1">vom 2. Februar 2007 (VGE 22481/22482 = BVR 2007 S. 303 ff. =</span><br/> <span class="ft1">die neue Steuerpraxis 2007 S. 65 ff.) betreffend Besteuerung von Ka-</span><br/> <span class="ft1">pitalleistungen aus einer anerkannten Vorsorgeeinrichtung der Säule</span><br/> <span class="ft1">3a, soweit sie auf überschiessenden Beiträgen beruhen, das Folgende</span><br/> <span class="ft1">ausgeführt:</span><br/> <span class="ft8">"2</span><br/> <span class="ft8">2.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, stellt die Säule 3a ge-</span><br/> <span class="ft8">mäss Art. 82 Abs. 1 BVG eine steuerlich privilegierte, gebundene Vorsorge-</span><br/> <span class="ft8">form dar. Die steuerlich absetzbaren jährlichen Beiträge sind limitiert (vgl.</span><br/> <span class="ft8">Art. 82 Abs. 2 BVG und Art. 7 der Verordnung vom 13. November 1985</span><br/> <span class="ft8">über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vor-</span><br/> <span class="ft8">sorgeformen [BVV 3; SR 831.461.3]). Beiträge, welche das gesetzliche</span><br/> <span class="ft8">Maximum übersteigen, sind gestützt auf eine entsprechende Bescheinigung</span><br/> <span class="ft8">der Steuerbehörden bei der Vorsorgeeinrichtung zurückzufordern (vgl.</span><br/> <span class="ft8">Maute/Steiner/Rufener, Steuern und Versicherungen, 2. Aufl. 1999, S. 204;</span><br/> <span class="ft8">Peter Locher, Kommentar zum DBG, 2001, Art. 33 N. 63). Die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft8">hat daraus geschlossen, dass Kapitalleistungen einer anerkannten Vorsor-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">335</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">geeinrichtung aus der Säule 3a nicht unter die steuerrechtlichen Be-</span><br/> <span class="ft8">stimmungen über die Selbstvorsorge fallen, soweit sie auf überschiessenden</span><br/> <span class="ft8">Beiträgen beruhen, weil Beitragsleistungen, welche das gesetzliche Ma-</span><br/> <span class="ft8">ximum übersteigen, kein Vorsorgesparen im Sinn des BVG darstellen wür-</span><br/> <span class="ft8">den. Die Leistungen aus gebundener Selbstvorsorge der Säule 3a bestünden</span><br/> <span class="ft8">daher (lediglich) aus jenem Kapital, welches durch die maximal zulässigen</span><br/> <span class="ft8">Beiträge und die darauf erzielten Erträge und Überschüsse gebildet wurde,</span><br/> <span class="ft8">während auf die darüber hinausgehenden Kapitalleistungen die die berufli-</span><br/> <span class="ft8">che Vorsorge betreffenden Bestimmungen der Steuergesetzgebungen des</span><br/> <span class="ft8">Bundes und des Kantons nicht anwendbar seien. Beiträge an die Säule 3a,</span><br/> <span class="ft8">welche über die gesetzlich zulässigen Maxima einbezahlt worden sind,</span><br/> <span class="ft8">könnten letztlich nur als freiwillige Investition in ein nach dem Modell der</span><br/> <span class="ft8">Säule 3a funktionierendes Anlageinstrument und damit als freies Sparen ge-</span><br/> <span class="ft8">wertet werden. Aus solchem Sparen stammendes Einkommen unterliege</span><br/> <span class="ft8">aber der ordentlichen Besteuerung, nicht jener gemäss Art. 22 Abs. 1 DBG</span><br/> <span class="ft8">bzw. Art. 26 Abs. 1 und 2 des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 (StG; BSG</span><br/> <span class="ft8">661.11), soweit es nicht (steuerfreie) Rückzahlungen darstelle.</span><br/> <span class="ft8">2.2. [Einwände der Steuerverwaltung]</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1. Unbestritten ist vorliegend, dass die Steuerpflichtigen in den Jah-</span><br/> <span class="ft8">ren 1996 bis 2002 Beiträge in der Höhe von insgesamt CHF 202'463.40</span><br/> <span class="ft8">einbezahlt haben, wobei sich ein Anteil von CHF 161'970.40 als überhöht</span><br/> <span class="ft8">erweist. Ebenfalls unbestritten ist, dass jene Beiträge, welche die gesetzli-</span><br/> <span class="ft8">chen Maxima überstiegen, von der Steuerverwaltung jeweils nicht zum Ab-</span><br/> <span class="ft8">zug zugelassen wurden; diese machte die Steuerpflichtigen vielmehr jeweils</span><br/> <span class="ft8">darauf aufmerksam, dass die zu viel bezahlten Beiträge bei der Vorsorgeein-</span><br/> <span class="ft8">richtung zurückzufordern seien. Die Steuerpflichtigen haben dies jedoch un-</span><br/> <span class="ft8">terlassen, wobei sie sich auf den Standpunkt stellen, eine Rückforderung sei</span><br/> <span class="ft8">gar nicht möglich gewesen.</span><br/> <span class="ft8">3.2. Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass die Steuerpflichtigen</span><br/> <span class="ft8">bei der Einzahlung überhöhter Beiträge gleichsam systematisch vorgegan-</span><br/> <span class="ft8">gen seien und daher eine steuerliche Behandlung derselben in Analogie zu</span><br/> <span class="ft8">Beiträgen an die Säule 3b (freie Selbstvorsorge; vgl. Art. 24 Bst. b DBG</span><br/> <span class="ft8">bzw. Art. 29 Bst. b StG) nicht in Frage kommen könne. Vielmehr seien die</span><br/> <span class="ft8">überschiessenden Beiträge als 'freies' Sparen zu werten. Demzufolge hat die</span><br/> <span class="ft8">Vorinstanz den darauf entfallenden Anteil der Kapitalleistung zum einen als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">336</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Rückzahlung von Sparkapitalien und damit als (steuerlich unbeachtliche)</span><br/> <span class="ft8">Vermögensumschichtung, zum andern - soweit die Erträge und Überschüs-</span><br/> <span class="ft8">se betreffend - als steuerbaren Vermögensertrag und damit als Bestandteil</span><br/> <span class="ft8">des ordentlichen steuerbaren Einkommens behandelt. Die Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft8">nerschaft hält zwar in ihrer Beschwerdeantwort dafür, die überschiessenden</span><br/> <span class="ft8">Beiträge seien der freien Selbstvorsorge (Säule 3b) zuzuordnen; sie hat aber</span><br/> <span class="ft8">nicht Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben und daher gegen das</span><br/> <span class="ft8">Vorgehen der Vorinstanz offensichtlich keine grundsätzlichen Bedenken.</span><br/> <span class="ft8">3.3</span><br/> <span class="ft8">3.3.1 Die Vorinstanz hat einlässlich und zutreffend begründet, warum</span><br/> <span class="ft8">die jeweils die zulässigen Maxima übersteigenden Beiträge an die Säule 3a</span><br/> <span class="ft8">steuerrechtlich nicht als solche, sondern als Spareinlagen zu betrachten sind;</span><br/> <span class="ft8">insoweit kann auf den angefochtenen Entscheid verwiesen werden. Da die</span><br/> <span class="ft8">Police der Beschwerdegegnerschaft ausdrücklich als solche der gebundenen</span><br/> <span class="ft8">Selbstvorsorge bzw. als Säule 3a bezeichnet wird, besteht zum vornherein</span><br/> <span class="ft8">keine Möglichkeit, diese in eine Form der ungebundenen Vorsorge (Säule</span><br/> <span class="ft8">3b) umzudeuten. Der Abschluss eines entsprechenden Vertrags hätte den</span><br/> <span class="ft8">Steuerpflichtigen offen gestanden; warum sie es vorgezogen haben, über-</span><br/> <span class="ft8">höhte Beiträge an die Säule 3a zu leisten anstatt zusätzlich eine andere Form</span><br/> <span class="ft8">der Vorsorge zu wählen, welche mit entsprechenden steuerlichen Privilegien</span><br/> <span class="ft8">verbunden gewesen wäre (vgl. Art. 24 Bst. b DBG bzw. Art. 29 Bst. b StG),</span><br/> <span class="ft8">ist unerheblich.</span><br/> <span class="ft8">3.3.2 Dennoch verbietet sich die Besteuerung der gesamten Kapital-</span><br/> <span class="ft8">leistung, wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, weil weder im Bun-</span><br/> <span class="ft8">des- noch im kantonalen Recht eine gesetzliche Grundlage für die zweifa-</span><br/> <span class="ft8">che Besteuerung der in Frage stehenden Vermögenswerte besteht. Ob und</span><br/> <span class="ft8">wie lange ein Rückerstattungsanspruch gegenüber der Vorsorgeeinrichtung</span><br/> <span class="ft8">bestanden hat und ob dieser jeweils ein Jahr nach Einzahlung untergegan-</span><br/> <span class="ft8">gen ist, wie die Steuerverwaltung annimmt, ist dabei insoweit nicht mehr</span><br/> <span class="ft8">von Belang, nachdem die Rückerstattung ausgeblieben und die Kapitalleis-</span><br/> <span class="ft8">tung im Jahr 2003 erbracht worden ist. Entscheidend ist vielmehr, dass die</span><br/> <span class="ft8">entsprechenden Beiträge, soweit die gesetzlichen Maxima übersteigend,</span><br/> <span class="ft8">steuerlich jeweils nicht als Beiträge an die gebundene Selbstvorsorge be-</span><br/> <span class="ft8">trachtet worden sind und demzufolge nicht zum Abzug zugelassen werden</span><br/> <span class="ft8">konnten. Würde die gesamte Kapitalleistung besteuert, käme es zu einer un-</span><br/> <span class="ft8">zulässigen Doppelbelastung der Steuerpflichtigen, indem bereits früher ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">337</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">steuerte, nicht abzugsfähige Beträge ein weiteres Mal - wenn auch zu einem</span><br/> <span class="ft8">reduzierten Tarif - steuerlich erfasst würden. Dies käme hinsichtlich des</span><br/> <span class="ft8">Kapitals auf den zu hohen, nicht als Vorsorgebeiträge anerkannten und dem-</span><br/> <span class="ft8">zufolge nicht absetzbaren Beiträgen einer unzulässigen, weil gesetzlich</span><br/> <span class="ft8">nicht vorgesehenen Pönalisierung des Verhaltens der Steuerpflichtigen (Ein-</span><br/> <span class="ft8">zahlung überhöhter Beiträge) gleich, wie die Vorinstanz zutreffend ausge-</span><br/> <span class="ft8">führt hat. Dies würde überdies zu einer ungerechtfertigten Ungleichbehand-</span><br/> <span class="ft8">lung gegenüber Steuerpflichtigen führen, welche im gleichen Umfang</span><br/> <span class="ft8">Sparkapitalien angelegt haben und sich diese zurückzahlen lassen. Hinsicht-</span><br/> <span class="ft8">lich der Erträge und Überschüsse, welche stets das Schicksal der ihr zu-</span><br/> <span class="ft8">grunde liegenden Versicherungsleistung teilen (vgl. BGE 130 I 205 E. 7.6.6</span><br/> <span class="ft8">mit Hinweisen), wäre dieses Vorgehen darüber hinaus mit einer</span><br/> <span class="ft8">ungerechtfertigten Privilegierung der Beschwerdegegnerschaft verbunden,</span><br/> <span class="ft8">würde dies doch - trotz Verletzung der Vorschriften über die Höchstbeiträge</span><br/> <span class="ft8">- von einer Besteuerung zum reduzierten Tarif gemäss Art. 38 Abs. 2 DBG</span><br/> <span class="ft8">bzw. Art. 44 StG profitieren.</span><br/> <span class="ft8">3.3.3 Wie die Vorinstanz mit Recht festgestellt hat, erweist sich die ge-</span><br/> <span class="ft8">setzliche Ordnung des DBG und des StG auch nicht als lückenhaft, erlaubt</span><br/> <span class="ft8">doch die von der Vorinstanz getroffene Regelung eine lückenlose Besteue-</span><br/> <span class="ft8">rung des Einkommens und - soweit die Kantons- und Gemeindesteuern be-</span><br/> <span class="ft8">treffend - zusätzlich des Vermögens der Steuerpflichtigen. Ob es der Steuer-</span><br/> <span class="ft8">verwaltung tatsächlich, wie sie geltend macht, unmöglich gewesen ist, das</span><br/> <span class="ft8">Vermögen der Steuerpflichtigen vollständig zu erfassen - die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft8">geht davon aus, dass die überhöhten Beiträge dem Vermögen der</span><br/> <span class="ft8">Steuerpflichtigen jeweils aufgerechnet wurden -, oder ob sich - was aus den</span><br/> <span class="ft8">Akten nicht eindeutig hervorgeht - das jeweils steuerbare Vermögen nicht</span><br/> <span class="ft8">auch aus den der Steuerverwaltung jeweils vorliegenden Kontoauszügen der</span><br/> <span class="ft8">Vorsorgeeinrichtung ergeben hätte und damit eine ordnungsgemässe und</span><br/> <span class="ft8">vollständige Vermögensbesteuerung möglich gewesen wäre, ist vorliegend</span><br/> <span class="ft8">zwar nicht zu entscheiden. Indes steht fest, dass im ersten Fall der</span><br/> <span class="ft8">Steuerverwaltung hinsichtlich nicht besteuerten Vermögens grundsätzlich</span><br/> <span class="ft8">der Weg der Nachbesteuerung offen steht (vgl. Art. 206 Abs. 1 StG) und im</span><br/> <span class="ft8">zweiten Fall das Gesetz die Verwirkung des Nachbesteuerungsanspruchs</span><br/> <span class="ft8">vorsieht (vgl. Art. 151 Abs. 2 DBG), die nicht durch eine nachträgliche Be-</span><br/> <span class="ft8">steuerung durch steuerliches Erfassen der gesamten Kapitalleistung unter-</span><br/> <span class="ft8">laufen werden darf.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">[....]"</span><br/> <span class="ft1">Diese zutreffenden Ausführungen betreffend überhöhte Beiträge</span><br/> <span class="ft1">an die Säule 3a lassen sich ohne Weiteres auf den vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">übertragen, wo der Rekurrent trotz fehlendem Erwerbseinkommen in</span><br/> <span class="ft1">den Jahren 2012 und 2013 Beiträge von CHF 6'682.00 bzw.</span><br/> <span class="ft1">CHF 1'686.00 an die Säule 3a leistete, denn auch diese sind, wie die</span><br/> <span class="ft1">überhöhten Beiträge im erwähnten Fall, bei der ordentlichen Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommensbesteuerung nicht abziehbar. Die in den Jahren 2012 und</span><br/> <span class="ft1">2013 vom Rekurrenten geleisteten Beiträge hätten gar nicht in den</span><br/> <span class="ft1">Säule 3a-Kreislauf gelangen dürfen und bleiben daher bei der</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlung steuerfrei.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Im Unterschied zum Steuergesetz des Kantons Aargau enthält</span><br/> <span class="ft1">das bernische Steuergesetz vom 21. Mai 2000 einen Artikel, wonach</span><br/> <span class="ft1">Kapitalleistungen aus Einrichtungen der beruflichen Vorsorge und</span><br/> <span class="ft1">anerkannten Vorsorgeformen in dem Umfang steuerfrei sind, in dem</span><br/> <span class="ft1">Beiträge im Sinne von Artikel 38 Absatz 1 Buchstabe d und e steuer-</span><br/> <span class="ft1">lich nie haben abgezogen werden können (Art. 26 Abs. 4 StG/BE).</span><br/> <span class="ft1">Diese Bestimmung kommt jedoch nur auf Vorsorgebeiträge zur An-</span><br/> <span class="ft1">wendung, welche das gesetzlich zulässige Maximum nicht über-</span><br/> <span class="ft1">schreiten. Gestützt darauf wird im Kanton Bern (im Gegensatz zum</span><br/> <span class="ft1">Kanton Aargau) eine Kapitalleistung aus Vorsorge auch um die in</span><br/> <span class="ft1">den Jahren 1999 und 2000 im zulässigen Rahmen geleisteten Bei-</span><br/> <span class="ft1">träge herabgesetzt, obwohl diese, da aufgrund des Wechsels von der</span><br/> <span class="ft1">zweijährigen Vergangenheits- zur einjährigen Gegenwartsbemessung</span><br/> <span class="ft1">in eine Bemessungslücke fallend, bei der ordentlichen Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommensbesteuerung nicht zum Abzug gebracht werden konnten</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Ziff. 4.2 des zitierten Entscheides). Diese unterschiedliche ge-</span><br/> <span class="ft1">setzliche Regelung bzw. Rechtsprechung ist jedoch für die Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung des vorliegenden Falles unerheblich, da aufgrund der fehlenden</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit des Rekurrenten aus vorsorgerechtlicher Sicht unzu-</span><br/> <span class="ft1">lässige Beiträge zur Diskussion stehen.</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Eine Besteuerung der ganzen Kapitalleistung wäre im vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Fall aber auch deshalb stossend, weil der Rekurrent die in</span><br/> <span class="ft1">den Jahren 2012 und 2013 in die Säule 3a geleisteten Beiträge vor</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Auszahlung der Kapitalleistung gar nicht zurückfordern konnte,</span><br/> <span class="ft1">da ihm das Gemeindesteueramt X. trotz seiner gemäss den eigenen</span><br/> <span class="ft1">(seitens der Steuerbehörden unbestritten gebliebenen) Angaben</span><br/> <span class="ft1">rechtzeitigen Interventionen das dafür benötigte Schreiben betreffend</span><br/> <span class="ft1">zuviel bezahlte Beiträge erst nach der Kapitalauszahlung aushän-</span><br/> <span class="ft1">digte. Eine Rückerstattung des im Jahr 2012 mangels Erwerbs-</span><br/> <span class="ft1">einkommens unzulässigerweise auf das Vorsorgekonto einbezahlten</span><br/> <span class="ft1">Beitrages von CHF 6'682.00 war daher nicht mehr möglich. Dasselbe</span><br/> <span class="ft1">gilt auch für den im Jahr 2013 geleisteten Beitrag von CHF 1'686.00.</span><br/> <span class="ft1">3.5.</span><br/> <span class="ft1">In Gutheissung des Rekurses ist daher die steuerbare Kapital-</span><br/> <span class="ft1">zahlung von CHF 485'809.00 um CHF 8'368.00 auf CHF 477'441.00</span><br/> <span class="ft1">zu reduzieren.</span><br/></div> </div> </body> </html>