B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-3241/2016 U r t e i l v o m 2 1 . S e p t e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Yannick Antoniazza-Hafner, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Jacqueline Moore. Parteien A._______, vertreten durch lic. iur. Séverine Haferl, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot. F-3241/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______, geb. 1980, von Serbien (nachfolgend: Beschwerdeführer), wurde am 12. November 2015 von der Staatsanwaltschaft II des Kanton Zürichs (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) einvernommen, nachdem er sich zuvor freiwillig gestellt hatte. In der Einvernahme gab der Beschwer- deführer zu Protokoll, an der Grenze zu Serbien habe er durch die Polizei erfahren, dass er international zur Verhaftung ausgeschrieben sei und es besser wäre, wieder zurückzugehen, was er auch getan habe. Gleichzeitig beantragte er den vorzeitigen Strafvollzug nach Art. 236 der Strafprozess- ordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0), welcher ihm bewilligt wurde. B. Gestützt auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 21. Dezember 2015 (kant. Akt. S. 90 -101) wurde der Beschwerdeführer mit Urteil vom 8. Februar 2016 des Bezirksgerichts Zürich (kant. Akt. S. 83 -89) wegen Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelg esetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 Bst. c BetmG (SR 812.121) i.V.m. Art. 19 Abs. 2 Bst. a BetmG und Art. 25 StGB (SR 311.0) sowie der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 305bis Ziff. 2 Bst. b StGB zu 30 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 89 Tage durch Polizeihaft sowie durch vor- zeitigen Strafantritt erstanden waren) sowie zu einer Geldstrafe von 90 Ta- gessätzen zu Fr. 30.- verurteilt. C. Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs betreffend einer allfälligen Entfernungs- und Fernhaltemassnahme am 20. April 2016 durch die Kan- tonspolizei Zürich (kant. Akt. S. 104/105) verfügte die Vorinstanz ein ab dem 10. Mai 2016 für sechs Jahre gültiges Einreiseverbot. Gleichzeitig wurde einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen und das Einreiseverbot im Schengener -Informationssystem (SIS II ) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Die Vorinstanz leitete aus dem Ur- teil des Bezirksgerichts Zürich vom 8. Februar 2016 einen schweren Verstoss und eine damit einhergehende Gefährdung der öffentlichen Si- cherheit und Ordnung ab. Der Erlass einer Fernhaltemassnahme sei daher im Sinne von Art. 67 AuG (SR 142.20) angezeigt. Private Interessen, die das öffentliche Interesse an künftigen kontrollierten Einreisen überwiegen könnten, ergäben sich weder aus den Akten noch seien solche im Rahmen des rechtlichen Gehörs geltend gemacht worden. F-3241/2016 Seite 3 D. Das Migrationsamt des Kantons Zürich verfügte daraufhin am 21. April 2016 (kant. Akt. S. 114-115) gestützt auf Art. 64 Abs. 1 Bst. a und b AuG die Wegweisung des Beschwerdeführers aus dem Schengen -Raum und ordnete deren sofortigen Vollzug an. E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 23. Mai 2016 gelangte der Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht und liess durch seine Rechtsvertreterin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie die Befristung des Einreiseverbots auf zwei Jahre beantragen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die Verurteilung durch das Bezirksgericht Zürich vom 8. Februar 2016 zweifellos ein Verstoss gegen die öffentliche Sicher- heit und Ordnung darstelle, und dass mit der durch das Migrationsamt des Kantons Zürich erlassenen Wegweisungsverfügung vom 21. April 2016 aus dem Schengen -Raum die Voraussetzungen für die Anordnung eines Einreiseverbots erfüllt seien. Die Verurteilung führe jedoch nicht dazu, dass vom Beschwerdeführer eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Si- cherheit und Ordnung ausgehe, die den Erlass eines Einreiseverbots von sechs Jahren rechtfertige. Der Beschwerdeführer habe sich freiwillig der Strafverfolgung gestellt und er habe ein vollumfängliches Geständnis ab- gelegt. Zudem habe er am Tag seiner Einvernahme um vorzeitigen Straf- antritt ersucht, was ihm auch bewilligt worden sei. Er weise keine weiteren Verurteilungen auf – weder in der Schweiz noch in Serbien – und er sei nie aktiv im Drogenhandel tätig gewesen. Er h abe damals als Buschauffeur gearbeitet und auf der Rückfahrt nach Serbien Couverts mit Bargeld, wel- ches Drogenerlös dargestellt habe, mitgenommen, und dann in Serbien an verschiedene Personen ausgehändigt. Deshalb sei die Verurteilung auch wegen Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge- setz erfolgt. Diese Umstände würden das Verschulden des Beschwerde- führers stark relativieren. F. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 22. Juli 2016 die Abweisung der Beschwerde. G. Auf den weiteren Akteninhalt wir, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. F-3241/2016 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot im Sinne von Art. 67 AuG zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das Bu ndesver- waltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung des Rech tsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist - und formgerecht einge- reichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Streit- sache endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün- dung der Begehren nic ht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 3. 3.1 Landesrechtliche Grundlage der angefo chtenen Verfügung vom 20. April 2016 ist Art. 67 AuG, der in den Absätzen 1 und 2 eine Reihe von Tatbeständen aufführt, die ein Einreiseverbot nach sich ziehen können. Ge- mäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG kann das SEM gegen ausländische Perso- nen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden, ein Einreiseverbot verfügen. Dieses wird – so Art. 67 Abs. 3 erster Satz AuG – für die Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt , kann aber für eine längere Dauer an- geordnet werden, wenn von der ausländischen Person eine schwerwie- gende Gefahr für die öffentliche Sicherh eit und Ordnung ausgeht (Art. 67 F-3241/2016 Seite 5 Abs. 3 zweiter Satz AuG; ferner BVGE 2014/20 E. 5). Schliesslich kann die verfügende Behörde ausnahmsweise aus humanitären oder anderen wich- tigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot endgültig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG). 3.2 Das in Art. 67 AuG geregelte Einreiseverbot ist keine Sanktion für ver- gangenes Fehlverhalten, sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Botschaft], BBl 2002 3709, S. 3813). Die öffentliche Si- cherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit aller polizeilicher Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). In diesem Sinne liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter an- derem dann vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Anord- nungen missachtet werden (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201]). Der Schluss auf eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung setzt dagegen voraus, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem Verstoss gegen die öffentliche Si- cherheit und Ordnung führen wird (Art. 80 Abs. 2 VZAE). Bestand ein sol- ches Verhalten in der Vergangenheit, so wir d die Gefahr entsprechender künftiger Störungen von Gesetzes wegen vermutet (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3760 sowie Urteil des BVGer F -4842/2016 vom 20. April 2017 E. 4.2 m.H.). 3.3 Die in Art. 67 Abs. 3 AuG statuierte Regelhöchstdauer eines Einreise- verbots beträgt fünf Jahre. Stellt die betroffene Person jedoch eine schwer- wiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar, kann diese Dauer wie erwähnt überschritten werden. Allerdings kam das Bundesver- waltungsgericht in BVGE 2014/20 zum Schluss, dass von der Vorinstanz verhängte Einreiseverbote zwingend zu befristen sind (E. 6.9). Weiter be- fasste sich das Bundesverwaltungsgericht in diesem Urteil mit der Frage nach der Höchstdauer solcher Einreiseverbote und entschied, dass diese grundsätzlich fünfzehn Jahre beträgt; nur im Wiederholungsfall kann die Dauer zwanzig Jahre betragen (E. 7). F-3241/2016 Seite 6 3.4 Wird gegen eine Person, welche nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Union oder der Europäischen Freihan- delsassoziation besitzt, eine Fer nhaltemassnahme verhängt, so wird sie nach Massgabe der Bedeutung des Falles im Schengener Informations- system (SIS II) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und Art. 24 der SIS -II-Verordnung sowie Art. 20-22 der Verordnung über den nationalen Teil des Schengener Informationssystems (N-SIS) und das SI- RENE-Büro (N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]). 3.5 Der Beschwerdeführer kann als Drittstaatsangehöriger grundsätzlich zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung im SIS ausgeschrieben werden. Die von ihm begangenen Delikte (Urteil vom 8. Februar 2016) erfüllen den von Art. 24 Ziff. 2 Bst. a SIS-II-VO verlangten Schweregrad, sodass grund- sätzlich von einem gemeinsamen öffentlichen Interesse der Schweiz und der übrigen Schengen -Staaten an einer Ausschreibung des Einreisever- bots auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer F -448/2015 vom 25. Juli 2016 E. 6.4). Soweit steht einer Ausschreibung im SIS nichts entgegen. Einzel- fallweise bestehen weitere Lockerungsmöglichkeiten (bezogen auf die Ein- reise in die Schweiz siehe bspw. die Möglichkeit der Suspension des Ein- reiseverbots gemäss Art. 67 Abs. 5 AuG; nachfolgend E. 6.4). 4. Der Beschwerdeführer hat sich gemäss Anklagesch rift der Staatsanwalt- schaft vom 21. Dezember 2015 Folgendes zu Schulden kommen lassen: Im Zeitraum zwischen März 2014 und November 2014 hat er Bargeldbe- träge in der Gesamthöhe von Fr. 478‘000. - im Rahmen seiner Carchauf - feurtätigkeit von der Schweiz nach Serbien transportiert oder transportie- ren lassen, im Wissen darum, dass es sich hierbei um Gelder handelte, die aus dem Erlös eines Heroinhandels stammten und für einen sich in Serbien aufhaltenden, unbekannten Auftraggeber bestimmt waren. Indem der Be- schwerdeführer diese Bargeldbeträge von der Schweiz nach Serbien transportierte, unterstützte er wissentlich und willentlich in wirtschaftlicher Hinsicht den Handel mit mehreren Kilogramm Heroin durch diese nicht be- kannten und aus Serbien fungierenden Auftraggeber bzw. Heroinlieferan- ten und verhinderte damit willentlich die Auffindung und Einziehung dieser Gelder. Das Bezirksgericht Zürich hat diese Tatbestände in seinem Urteil vom 8. Februar 2016 mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, unter Be- rücksichtigung der Vorstrafenlosigkeit, des Geständnisses, der Koopera- tion im Strafverfahren und der Strafen der übrigen Beteiligten, abgeurteilt. F-3241/2016 Seite 7 5. 5.1 Das angefochtene Einreiseverbot gilt für eine Dauer von sechs Jahren. In einem nächsten Schritt ist deshalb zu prüfen, ob die Voraussetzungen gemäss Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG (schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung) erfüllt sind, was die Verhängung einer mehr als fünfjährigen Fernhaltemassnahme zulässt. Dies wird von der Rechtsvertreterin hauptsächlich bestritten. 5.2 Die Annahme einer schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche Sicher- heit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG setzt mehr voraus als eine blosse Störung oder einfach e Gefährdung polizeilicher Schutzgüter. Verlangt wird vielmehr eine quali fizierte Gefährdungslage, worüber nach Massgabe aller Umstände des Einzelfalles zu befinden ist. Auf eine solche schwerwiegende Gefahr ist nicht ohne Weiteres zu schlies- sen. Sie kann sich aus der Hochwertigkeit des deliktisch bedrohten Rechts- guts (z.B. Leib und Leben, körperliche oder sexuelle Integrität und Gesund- heit) oder aus der Zugehörigkeit des drohenden Deliktes zur besonders schweren Kriminalität mit grenzüberschreitender Dimension ergeben. Zu den letzteren Kriminalbereichen zählen namentlich der Te rrorismus, der Menschen- und der Drogenhandel sowie die organisierte Kriminalität. Eine entsprechende qualifizierte Gefährdung kann sich überdies aus einer zu- nehmend schweren Delinquenz bei Wiederholungstätern mit ungünstiger Prognose ergeben. Die zu befür chtenden Delikte müssen einzeln oder in ihrer Gesamtheit das Poten tial haben, um eine aktuelle und schwerwie- gende Gefahr zu begründen (vgl. BGE 139 II 121 E. 6.3; BVGE 2013/4 E. 7.2.4). Hieraus ergibt sich die prinzipielle Zulässigkeit von Fernhalte- massnahmen, welche die in Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG genannte Höchstdauer von fünf Jahren überschreiten. 5.3 Eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch Drogende- linquenz sowie Geldwäschereihandlungen kann nach dem soeben Gesag- ten schon allein angesichts der besonderen Hochwertigkeit der involvierten Rechtsgüter als Grundlage für die Annahme der schwerwiegenden Gefahr im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG dienen (BGE 139 II 121 E. 6.3 in fine). Vorausgesetzt wird allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit der Re- alisierung hinreichend gross ist. Sie muss signifikant höher sein als dieje- nige, die der Annahme einer rechtlichen relevanten Gefahr im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG zugrunde liegt (vgl. Urteil des BVGer F-7607/2015 vom 25. Juli 2016 E. 6.3. m.H.). F-3241/2016 Seite 8 5.4 Der Beschwerdeführer ist – wie in E. 4 ausgeführt – mit dem Gesetz in Konflikt geraten und hat sich in einem sensiblen Bereich strafbar gemacht. Nebst Sexual- und Gewaltverbrechen zählen Verbrechen und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz und die damit im Zusammenhang ste- henden Handlungen zu diesen Verhaltensweisen, weshalb ein strengerer Massstab gerechtfertigt ist. Es besteht daher ein manifestes Interesse da- ran, den Betroffenen längerfristig aus der Schweiz fernzuhalten, nicht zu- letzt deshalb, weil das deliktische Verhalten des Beschwerdeführers wäh- rend eines Zeitraums von rund neun Monaten von einer erheblichen krimi- nellen Energie zeugt. Der Beschwerdeführer wusste oder nahm es zumin- dest billigend in Kauf, dass es sich bei den Bargel dbeträgen in einer Ge- samthöhe von Fr. 478‘000.- um den Erlös aus dem vorgängig auf dem Ge- biet der Stadt Zürich erfolgten Heroinverkauf handelte. Damit hat er auch wissen oder zumindest annehmen müssen, dass er durch die Hilfeleistung, Betäubungsmittel unbe fugt zu veräussern, die Gesundheit vieler Men- schen in Gefahr gebracht hat, weshalb dem Beschwerdeführer zu Recht ein erhebliches Verschulden attestiert worden ist. 5.5 Als Zwischenergebnis ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nicht nur den Fernhaltegru nd einer Verletzung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a erster Halbsatz AuG ge- setzt hat. Darüber hinaus liegt gegen ihn auch der qualifizierte Fernhal- tegrund einer schwerwiegenden Gefährdung für die öffentliche Sicher heit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 zweiter Satz AuG vor. Die Regel- maximaldauer eines Einreiseverbots von fünf Jahren kann von daher über- schritten werden. 6. 6.1 Den Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es zeitlich auszugestalten ist, legt Art. 67 Abs. 2 AuG in das pflichtgemässe Ermessen der Behörde. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwischen den berührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangspun kt der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96 AuG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal- tungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.). 6.2 Das Fehlverhalten des Beschwerdeführers wiegt objektiv gesehen schwer. Ausländische Straftäter, die durch Mitwirkung bei der Verbreitung F-3241/2016 Seite 9 harter Drogen die Gesundheit anderer gefährden oder beeinträchtigen, sind nach Möglichkeit von der Schweiz fernzuhalten. Damit soll der weite- ren Ausbreitung des verbotenen Handels mit Betäubungsmitteln entgegen gewirkt werden. Aufgrund der relativen Häufigkeit solcher Taten ist zum Schutz der Allgemeinheit durch eine kontinuierliche und strenge Verwal- tungspraxis zu verdeutlichen, dass Widerhandlungen gegen das Betäu- bungsmittelgesetz mit langjährigen Fernhaltemassnahmen geahndet wer- den. Der Schutz der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit ist dabei durch Abschreckung nicht nur des jeweiligen Straftäters, sondern auch anderer potentieller Rechtsbrecher weitest möglich zu gewährleisten (vgl. zur stren- gen Praxis des Bundesgerichts BGE 139 I 31 E. 2.3.2 m.H.). 6.3 Auch in subjektiver Hinsicht kann das Fehlverhalten des Beschwerde- führers entgegen der Ausführungen der Parteivertreterin weder im fragli- chen Bereich noch generell relativiert oder bagatellisiert werden. Als unzu- treffend erweist sich insbesondere die Behauptung, ihr Mandant sei nie ak- tiv im Drogenhandel tät ig gewesen. Hierbei verkennt sie, dass der Be- schwerdeführer durch seine Geldbotengänge sehr wohl am Drogenhandel teilgenommen und zur Vereitelung der Herkunft der Gelder einen wesent- lichen Beitrag geleistet hat. Das Strafgericht ging denn, wie an anderer Stelle erwähnt, von einem erheblichen Verschulden aus. Des Weiteren läuft noch die zweijährige Probezeit weshalb von Wohlverhalten oder güns- tiger Prognose nur insoweit die Rede sein kann, als dass der Beschwerde- führer noch unter dem Druck derselben steht und von einem Wandel des- halb nicht ausgegangen werden kann, weil die seit der Haftentlassung ver- strichene Zeit noch zu kurz ist . Nicht ausser Acht gelassen werden darf jedoch, dass sich die Vorstrafenlosigkeit, das Geständnis und die Koope- ration im Strafverfahren bei der Bemessung der Gefängnisstrafe straf mil- dernd ausgewirkt haben. 6.4 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Beschwer- deführers gegenüberzustellen. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, ge- gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen zu haben, sondern stellt sich auf den Standpunkt, dass von ihm keine schwerwiegende Gefahr ausgehe und ein Einreiseverbot von zwei Jahren gerechtfertigt erscheine. Zudem möchte er weiterhin als Buschauffeur arbeiten und sei deshalb da- rauf angewiesen, wieder in den Schengen-Raum einreisen zu können. 6.5 Das öffentliche Interesse an einer befristeten Fernhaltung des Be- schwerdeführers lässt sich mit dem von ihm geltend gemachten beruflichen Interesse (Einschränkung in der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit als F-3241/2016 Seite 10 Carchauffeur) nicht ernsthaft in Frage stellen. Dem Beschwerdeführer sind Einreisen in die Schweiz nicht per se untersagt, bleibt es ihm doch freige- stellt, aus wichtigen Gründen mittels Gesuch die zeitweilige Suspension der angeordneten Fernhaltemassnahme zu beantragen (Art. 67 Abs. 5 AuG). D iese wird jedoch praxisgemäss nur für eine kurze und klar be- grenzte Zeit gewährt (vgl. Urteil des BVGer F-7521/2015 vom 20. Dezem- ber 2016 E. 6.3 m.H.). Im Weiteren stünde sämtlichen Schengen-Mitglied- staaten die Möglichkeit offen, betroffenen Personen auf Gesuch hin die Einreise in das eigene Hoheitsgebiet zu gestatten bzw. ein Visum mit räum- lich beschränkter Gültigkeit auszustellen. Die mit dem Einreiseverbot ver- bundenen Einschränkungen sind somit zu relativieren und vom Beschwer- deführer in Kauf zu nehmen. 6.6 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass vom Beschwerde- führer – angesichts seines Vergehens in einem besonders sensitiven Be- reich als auch in Anlehnung an die ständige Rechtsprechung – nach wie vor eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht (vgl. Urteil des BVGer F-5094/2014 vom 15. Juli 2016 E. 7). Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden öffentlichen und priva- ten Interessen führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das auf sechs Jahre befristete Einreiseverbot, einhergehend mit einer Aus- schreibung im SIS, sowohl vom Grundsatz her als auch in Bez ug auf die Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt. Dies auch unter Berück- sichtigung der Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer selber der straf- rechtlichen Verfolgung gestellt und beim Verfahren kooperiert hat, weshalb das angesichts der abgeurteilten Straftaten in der Regel deutlich höh er ausfallende Einreiseverbot zu bestätigen ist. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist des- halb abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über Kosten und Entschädigu ngen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320]). F-3241/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind durch den am 27. Juni 2016 in gleicher Höhe geleisteten Kos- tenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] zurück) – das Migrationsamt des Kantons Zürich Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Teuscher Jacqueline Moore Versand: