Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 18. April 2018 (810 17 214 / 810 17 222) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Aufhebung von Kindesschutzmassnahmen / Erfordernis der vorgängigen Anhörung der Kindseltern und der betroffenen Kinder Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Daniel Ivanov, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Pierre Comment , Advokat B.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Angela Gantner, Advoka- tin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz D.____ , Beigeladener Betreff Aufhebung von Kindesschutzmassnahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 28. Juli 2017) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. E.____ (geb. 2002), F.____ (geb. 2005) und G.___ _ (geb. 2011) sind die Kinder von D.____ und B.____. Mit Urteil des Zivilkreisgerichts Base l-Landschaft Ost vom 18. Dezember 2014 wurde den Kindseltern das Getrenntleben bewill igt und die Kinder wurden für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Kindsmutter gest ellt. Der Kindsvater wurde berechtigt und verpflichtet, die Kinder alle zwei Wochen von Fre itag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 19.00 Uhr, zu sich zu Besuch zu nehmen und drei Wochen Ferien pro Ja hr mit den Kindern zu verbringen. Weiter wurde eine Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB errichtet. B. Mit Entscheiden der Kindes- und Erwachsenenschutzbehör de C.____ (KESB) vom 10. Februar 2015 wurde A.____ als Beistand für die Ki nder E.____, F.____ und G.____ er- nannt. Der Beistand wurde mit den Aufgaben betraut, die Kindseltern in der Umsetzung des Besuchs- und Ferienrechts zu begleiten und zu beraten, b ei Konflikten bezüglich der Ausübung des Besuchs- und Ferienrechts zu vermitteln sowie nötigenfalls bei Uneinigkeit über die Modali- täten des Besuchs- und Ferienrechts selbständige Entscheidu ngen zum Wohl der Kinder zu treffen. C. Mit Urteil des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 3. November 2016 wurde die Ehe der Kindseltern geschieden. D. Mit Entscheid der KESB vom 14. März 2017 wurden die Kindseltern aufgefordert, sich in eine Mediation für die Kinderbelange zu begeben. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass bezüglich der Kinderbelange zwischen den Kindseltern na ch wie vor Unstimmigkeiten bestün- den und die Eltern Bereitschaft für eine eigenverantwortliche Lösung zeigten. E. Mit Entscheid vom 28. Juli 2017 hob die KESB die fü r E.____, F.____ und G.____ er- richtete Besuchsrechtsbeistandschaft mit A.____ als Beistand auf. F. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vom 21. August 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Er stellt das Begehren, der Entscheid der KESB sei aufzuheben und die Angelegenheit sei neu zu beurteilen. G. Am 28. August 2017 erhob B.____ gegen den Entscheid der KESB vom 28. Juli 2017 ihrerseits Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie stellt da s Begehren, es sei der Entscheid vom 28. Juli 2017 vollumfänglich aufzuheben. Im Weiteren stellt sie das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung für die Fr. 1'000.-- übersteigenden Parteikosten. In verfah- rensrechtlicher Hinsicht beantragte sie, es sei der bisheri ge Erziehungsbeistand, A.____, zufol- ge aufschiebender Wirkung der Beschwerde unverzüglich zur Wiederaufnahme des Mandats anzuhalten. H. Mit Entscheid vom 7. September 2017 hiess die KESB e ine am 30. Januar 2017 erho- bene Beschwerde des Kindsvaters gegen den Beistand gut ( Ziff. 1). Der Beistand wurde unter Verweis auf die Bestimmungen über die Verantwortlichkeit aus seinem Amt als Beistand entlas- sen (Ziff. 2). Als Beiständin wurde neu H.____ ernannt (Ziff. 6). Einer allfälligen Beschwerde gegen diesen Entscheid wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziff. 7). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 14. September 2017 wurden die Beschwerde- verfahren 810 17 214 (Beschwerdeführer) und 810 17 222 (Beschwerdeführerin) vereinigt (Ziff. 1) und es wurde hinsichtlich des Verfahrensantrag s der Beschwerdeführerin festgestellt, dass der Beschwerde aufschiebende Wirkung zukomme (Ziff. 2). Zum Entscheid der KESB vom 7. September 2017 wurde ausgeführt, dass dieser den g leichen Streitgegenstand wie das be- reits beim Kantonsgericht hängige Beschwerdeverfahren be treffe und als Antrag der KESB im vorliegenden Beschwerdeverfahren entgegengenommen und behandelt werde. J. Mit Eingabe vom 4. Oktober 2017 zeigte Pierre Commen t, Advokat, die Vertretung des Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren an. Unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 14. September 2017, mit welcher der Entscheid der KE SB vom 7. September 2017 als Antrag der KESB im bereits hängigen Beschwerdeverfahren entg egengenommen worden sei, würden die Rechtsbegehren des Beschwerdeführers wie folgt präzi siert und ergänzt: 1. Es sei festzu- stellen, dass der Beistand A.____ im Rahmen der Ausübung seines Amtes für E.____, F.____ und G.____ keine Pflichtverletzung und insbesondere kei nen Amtsmissbrauch begangen habe. 2. In Gutheissung der Beschwerde des Beschwerdeführers u nd in Abweisung des vom Kan- tonsgericht als Antrag entgegengenommenen Entscheids de r KESB vom 7. September 2017 sei die Besuchsrechtsbeistandschaft für E.____, F.____ u nd G.____ mit A.____ als Besuchs- rechtsbeistand aufrecht zu erhalten. K. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Oktober 2017 beantra gt die Vorinstanz, die Anträge der Beschwerdeführer seien abzuweisen. Eventualiter sei zu prüfen, ob in vorliegender Sache die Massnahme einer Besuchsrechtsbeistandschaft wieder au fgenommen werden solle und ob diese notwendig, erforderlich und verhältnismässig sei, u m die Ausübung des Besuchs- und Ferienrechts des Kindsvaters in konfliktlose Bahnen zu lenken und die Kommunikationsfähigkeit der Eltern untereinander zu verbessern. L. Am 22. Oktober 2017 reichte der zum Verfahren Beige ladene Kindsvater seine Ver- nehmlassung ein mit dem sinngemässen Begehren auf Abweisung der Beschwerden. M. Am 30. Oktober 2017 und 18. Dezember 2017 reichte n die Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer jeweils eine Replik ein. N. Die Vorinstanz reichte am 5. Januar 2018 eine Duplik ein. O. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 8. Februar 201 8 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Im Weiteren wurde verfüg t, dass über das Gesuch der Beschwer- deführerin um unentgeltliche Prozessführung und Verb eiständung zusammen mit der Hauptsa- che entschieden werde. P. Mit Eingabe vom 9. Februar 2018 reichte die Beschwe rdeführerin die vom Kantonsge- richt einverlangten weiteren Unterlagen im Zusammenhan g mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Ent- scheide der Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Zu- ständiges Gericht im Sinne dieser Bestimmung ist nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Ein- führung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 das Kantonsgericht, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Das Verfahren ri chtet sich vorab nach Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). 1.2 Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich ge- schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des a ngefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als Mutter der Ki nder, deren Beistandschaft mit dem ange- fochtenen Entscheid aufgehoben wurde, ohne weiteres z ur Beschwerde legitimiert. Soweit der Beschwerdeführer als Beistand die Aufhebung des angefoch tenen Entscheids und die Rück- weisung an die KESB zur Neubeurteilung beantragt, ist er ebenfalls zur Beschwerde legitimiert (Art. 450 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB). 1.3 Der Beschwerdeführer stellt im Rahmen seiner Eingab e vom 4. Oktober 2017 neue bzw. ergänzte Rechtsbegehren. Er beantragt namentlich, e s sei festzustellen, dass er im Rah- men der Ausübung seines Amts als Beistand keine Pflichtver letzung und keinen Amtsmiss- brauch begangen habe (Ziff. 1) und die Beistandschaft mit ihm als Beistand aufrecht zu erhalten sei (Ziff. 2). Auf diese Rechtsbegehren ist nicht einzutreten: Die mit Entscheid der KESB vom 7. September 2017 verfügte Entlassung des Beschwerdefü hrers als Beistand, auf welche sich der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 4. Oktober 2017 bezieht, erging in Verletzung des Devolutiveffekts und erweist sich damit als nichtig (vgl. BG E 130 V 138 E. 4.2 mit Hinweisen). Soweit die fragliche Anordnung entsprechend der Verfüg ung vom 14. Oktober 2017 als Stel- lungnahme bzw. Antrag im vorliegenden Verfahren entge gengenommen wird, ist darauf nicht weiter einzugehen, da die Angelegenheit – wie nachfo lgend aufzuzeigen sein wird – ohnehin in Gutheissung der Beschwerden an die KESB zur Neubeurteilung zurückzuweisen ist. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerden somit volle Kognition zu. 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die KESB zu Recht die Beistandschaft über die Kinder E.____, F.____ und G.____ aufhob. 3.1 Die KESB erwog im angefochtenen Entscheid, gemäss dem Schlussbericht der Media- torin vom 3. Juli 2017 habe eine gütliche Mediationsvere inbarung zwischen den Kindseltern erarbeitet werden können. Die Kindseltern seien gewi llt, auf eine funktionierende Kommunikati- onsfähigkeit hinzuarbeiten, um die Kinderbelange for tan selbständig und ohne Mehrbelastung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht für die gemeinsamen Kinder regeln zu können. Entspre chend hätten sie Regeln festgehalten, wie sie dies künftig angehen wollten. Konkret würden si ch die Kindseltern zu regelmässigen Quartalssitzungen treffen, um die anstehenden Besuchs- und Feiertage sowie die Ferienpla- nung jeweils frühzeitig miteinander zu besprechen und ihre Anliegen klären zu können. Mittels Vereinbarung hätten die Eltern entsprechende Rahmenbe dingungen und den Ablauf der Sit- zungen festgehalten. Weiter sei der Ablauf der bestehen den Besuchsregelung besprochen und verfeinert worden. Zu guter Letzt sei ausdrücklich vereinbart worden, dass sowohl die Wünsche der Kinder als auch jene der Kindseltern zu berücksicht igen seien. Beide Eltern hätten sich da- für ausgesprochen, inskünftig die erforderliche Verantwo rtung für eine funktionierende Zusam- menarbeit wahrnehmen zu wollen. Aufgrund der erarbe iteten Mediationsvereinbarung seien die Eltern in der Lage, künftig die Umsetzung des Besuchs- und Ferienrechts selbständig zu regeln. Eine Besuchsrechtsbeistandschaft erscheine vorliegend nicht mehr notwendig und erforderlich, weshalb diese aufzuheben sei. 3.2 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend , dass die Kinder E.____ und F.____ sowie der Beistand vor dem Entscheid der KESB zu Unrecht nicht angehört worden seien. Ausserdem sei die Mediation, auf welcher der an gefochtene Entscheid beruhe, als ge- scheitert anzusehen, zumal die Beschwerdeführerin die Ve reinbarung bis heute nicht unter- schrieben habe. Die Beschwerdeführerin bringt zusammenge fasst vor, dass die KESB ihre Pflicht zur hinreichenden Sachverhaltsabklärung verletzt und in der Folge den Sachverhalt will- kürlich festgestellt habe. Entgegen dem angefochtenen Entscheid hätten sich die Eltern anläss- lich der Mediation nicht gütlich geeinigt. Namentlich liege keine von beiden Parteien unterzeich- nete Mediationsvereinbarung vor. Im Weiteren rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Sie sieht eine solche darin begründet , dass die KESB weder den Beistand, die Kindseltern persönlich noch die Kinder zum geplant en Entscheid angehört habe. Der ange- fochtene Entscheid sei somit vollumfänglich aufzuheben. 3.3.1 Vorab ist auf die Rüge der Verletzung des rechtl ichen Gehörs einzugehen. 3.3.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, wel cher in die Rechtsstellung des Einzel- nen eingreift (vgl. G EROLD STEINMANN , in: Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, Zürich/St. Gallen 2014, N 42 zu Art. 29). Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sa che zu äussern, erhebliche Be- weise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mi t erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent weder mitzuwirken oder sich zumin- dest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkung srecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Gel- tung bringen kann (vgl. BGE 135 I 279 E. 2.3; 135 II 286 E. 5.1; 132 V 368 E. 3.1; jeweils mit Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.3 Die KESB führt in ihrer Vernehmlassung aus, sie h abe den Kindseltern vorgängig schriftlich ihre Absicht zur Aufhebung der Beistandschaft mitgeteilt und sei ohne gegenteilige Rückmeldung davon ausgegangen, dass die Aufhebung dem W unsch der Kindseltern entspre- che. Aus diesem Grund sei auf eine persönliche Anhörung der Kindseltern und der Kinder ver- zichtet worden. Die Information, dass sie die in der Med iation erarbeitete Vereinbarung nicht unterschreiben werde, habe die Beschwerdeführerin der KESB erst mit E-Mail vom 4. August 2017, also erst nach dem Entscheid vom 28. Juli 2017, mitgeteilt. 3.3.4 Gemäss den Akten wandte sich die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 4. Juli 2017 im Zusammenhang mit der Mediation an die KESB. Sie führte unter anderem aus, dass die Media- tion sehr harzig verlaufen sei und der Versuch der Med iatorin, den Kindsvater zu einem Entge- genkommen zu bewegen, erfolglos gewesen sei. Nach der zw eiten Sitzung habe sie sich bei der Mediatorin gemeldet und ihre Bedenken kundgetan, wobei sie nie eine Antwort erhalten habe. Unter Bezugnahme auf das E-Mail vom 4. Juli 2017 teilte die KESB der Beschwerdefüh- rerin mit E-Mail vom 28. Juli 2017 mit, aus dem Schlussb ericht der Mediatorin gehe hervor, dass zwischen den Kindseltern eine gütliche Mediationsvere inbarung habe erarbeitet werden können. Aufgrund dieses Umstandes sehe man die Beibehaltung der Beistandschaft nicht mehr als angezeigt, notwendig und erforderlich an und werde diese somit aufheben. Den formellen Entscheid werde die Beschwerdeführerin zu gegebener Ze it erhalten. Mit E-Mail an die KESB vom 4. August 2017 teilte die Beschwerdeführerin unte r anderem mit, dass sie die Vereinba- rung der Mediatorin nicht unterschreiben werde. Mit Schreiben vom 8. August 2017 übermittelte die KESB der Beschwerdeführerin den vom 28. Juli 2017 datierenden Entscheid über die Auf- hebung der Beistandschaft. 3.3.5 Soweit die KESB in ihrer Vernehmlassung ausführ t, sie sei ohne gegenteilige Rück- meldung der Kindseltern (auf das E-Mail vom 28. Juli 20 17) davon ausgegangen, dass die Auf- hebung der Beistandschaft dem Wunsch der Kindseltern ent spreche, kann dies den Anforde- rungen an die Gewährung des rechtlichen Gehörs von vornh erein nicht genügen. Das fragliche E-Mail stellt im Wesentlichen eine Information der KES B über den von ihr bereits getroffenen Entscheid dar ("Wir werden die Besuchsrechtsbeistandscha ft…somit aufheben"). Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die Beschwerdeführerin auf das E-Mail vom 28. Juli 2017 rechtzeitig hätte reagieren können, zumal der angefochtene Entsche id vom gleichen Tag datiert. Im Übri- gen ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit E- Mail vom 4. August 2017 mitteilte, dass sie die Mediationsvereinbarung nicht unterzeichnen we rde, ohne dass dieser Umstand jedoch von der KESB berücksichtigt worden wäre. Die KES B hat es nach dem Gesagten unter- lassen, der Beschwerdeführerin Gelegenheit einzuräumen , sich vor Erlass des angefochtenen Entscheids zur Sache zu äussern. Sie hat dadurch den Ans pruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. Keine Gehörsverletzung liegt im Fall des Beschwerdeführers vor, welcher vom angefochtenen Entscheid nicht in (eigenen) schutzwürdigen Interessen betroffen ist und welchem daher auch nicht vorgängig das rechtliche Gehör zu gewähren war. 3.4.1 Die Beschwerdeführer rügen weiter, dass die KESB zu Unrecht von einer Anhörung der Kinder abgesehen habe. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4.2 Das Kind wird durch die Kindesschutzbehörde oder durch eine beauftragte Drittperson in geeigneter Weise persönlich angehört, soweit nicht sein Alter oder andere wichtige Gründe dagegen sprechen (Art. 314a Abs. 1 ZGB). Die Anhörung des Kindes ist zum einen Ausfluss seiner Persönlichkeit und dient zum anderen der Sachverha ltsfeststellung. Während bei älteren Kindern der persönlichkeitsrechtliche Aspekt im Vordergr und steht und das Kind ein eigenes Mitwirkungsrecht hat, ist die Anhörung bei kleineren Ki ndern im Sinne eines Beweismittels zu verlangen (vgl. BGE 131 III 553 E. 1.1). Das Bundesgericht geht im Sinne einer Richtlinie davon aus, dass eine Kindesanhörung ab dem vollendeten sechsten Altersjahr möglich ist, wobei es nicht ausgeschlossen ist, je nach den konkreten Umständen auch ein etwas jüngeres Kind an- zuhören, etwa wenn bei Geschwistern das jüngere kurz vor d em genannten Schwellenalter steht (vgl. BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Auf die Anhöru ng kann nur verzichtet werden, wenn sie aufgrund des Alters nicht möglich ist, oder wenn andere wichtige Gründe dagegen sprechen (vgl. CHRISTOPH HÄFELI , in: Kren Kostkiewicz/Wolf/Amstutz/Fank-hauser [Hrsg.], ZGB Kommen- tar, 3. Auflage, 2016, N 3 zu Art. 314a). 3.4.3 Im vorliegenden Fall waren die betroffenen Kin der im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids sechs, zwölf und fünfzehn Jahre alt und hatten damit das für die Anhörung relevante Schwellenalter erreicht. Die KESB macht wie bereits a usgeführt (E. 3.3.3 hiervor) geltend, sie habe den Kindseltern schriftlich ihre Absicht zur Aufhebun g der Beistandschaft mitgeteilt und sei ohne gegenteilige Rückmeldung davon ausgegangen, da ss die Aufhebung ebenfalls dem Wunsch der Eltern entspreche. Aus diesem Grund sei auf eine persönliche Anhörung der Eltern und der Kinder verzichtet worden. Die von der KESB angeführte Begründung stellt offensichtlich keinen wichtigen Grund im Sinne von Art. 314a Abs. 1 ZG B dar, welcher einen Verzicht auf die Anhörung der Kinder rechtfertigen könnte. Gestützt da rauf ist festzustellen, dass die KESB zu Unrecht von einer Anhörung der Kinder abgesehen hat un d damit ihre Pflicht zur Kindesanhö- rung gemäss Art. 314a Abs. 1 ZGB verletzt hat. 3.5.1 Im Weiteren machen die Beschwerdeführer geltend, die KESB sei in ihrem Entscheid von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen. 3.5.2 Dazu ist festzustellen, dass die KESB zur Begründung ihres Entscheids einzig auf den Schlussbericht der Mediatorin vom 3. Juli 2017 abstellt e, wonach die Kindseltern eine gütliche Mediationsvereinbarung erarbeitet hätten. Die Beschwer deführerin bestreitet indes, dass zwi- schen den Kindseltern eine Mediationsvereinbarung zustand e gekommen ist. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf den Entwurf der Mediationsvere inbarung, welcher von ihr nicht unterzeichnet worden sei. Die KESB entgegnet in ihrer Vernehmlassung im Wesentlichen, dass sie sich bei ihrem Entscheid auf den Schlussbericht der Me diatorin verlassen habe, ohne je- doch aufzuzeigen, dass im Rahmen der Mediation tatsäch lich eine Vereinbarung zwischen den Kindseltern getroffen wurde. Demnach ist festzustellen, dass die KESB hinsichtlich des Zustan- dekommens einer Mediationsvereinbarung zwischen den Kindseltern, auf welches sie im ange- fochtenen Entscheid als einziges Element der Begründung abstellte, den Sachverhalt unrichtig feststellte und die entsprechende Rüge der Beschwerdefü hrer (Art. 450a Abs. 1 Ziff. 2 ZGB) erweist sich als begründet. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.6 Nach dem Gesagten ist der angefochtene Entscheid in Gutheissung der Beschwerden aufzuheben und die Angelegenheit ist zur Gewährung des rechtlichen Gehörs der Beschwerde- führerin, Anhörung der Kinder und neuem Entscheid an die KESB zurückzuweisen. 4.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Der Vorinstanz können im vorliegenden Fall keine Verfahre nskosten auferlegt werden (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). 4.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Ausgangsgemäss ist der B eschwerdeführerin eine Partei- entschädigung zulasten der Vorinstanz zuzusprechen, wobei sich das in der Honorarnote vom 7. Januar 2018 ausgewiesene Honorar in der Höhe von F r. 1'912.90 (inkl. Auslagen und 8% MWST) für das Verfahren vor Kantonsgericht als angemessen erweist. Dem teilweise obsie- genden Beschwerdeführer ist ebenfalls ein Honorar zulasten der Vorinstanz zuzusprechen. Von einer Reduktion des in der Honorarnote vom 18. Dezembe r 2017 geltend gemachten Aufwands ist abzusehen, zumal der im Zusammenhang mit dem Entsch eid der KESB vom 7. September 2017 stehende Aufwand des Beschwerdeführers von der Vori nstanz verursacht wurde. Hin- sichtlich der Auslagen für Kopien ist der Ansatz für Massen kopien von Fr. 0.50 pro Seite an- wendbar (§ 15 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwält innen und Anwälte [TO] vom 17. Novem- ber 2003). Das Honorar ist im Fall des Beschwerdeführers demnach auf Fr. 3'543.70 (inkl. Aus- lagen und 8% MWST) festzusetzen. 4.3 Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege erweist sich bei diesem Ausgang als gegenstandslos. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde des Beschwerdeführers wird gutgeh eissen, soweit da- rauf eingetreten wird. 2. Die Beschwerde der Beschwerdeführerin wird gutgehei ssen. 3. Der Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehör de C.____ vom 28. Juli 2017 wird aufgehoben und die Angelegenheit wird an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ zurückgewiesen zur Neubeur- teilung im Sinne der Erwägungen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird dem Beschwerde- führer zurückerstattet. 5. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ hat dem Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'543.70 (inkl. Auslagen und 8% MWST) auszurichten. 6. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ hat der Beschwer- deführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 1'912.90 (inkl. Auslagen und 8% MWST) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiber