B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-6660/2011 U r t e i l v o m 2 9 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Michael Beusch, Richter Markus Metz, Gerichtsschreiber Marc Winiger. Parteien A._______ AG, Beschwerdeführerin, gegen Zollkreisdirektion Schaffhausen, Bahnhofstrasse 62, 8201 Schaffhausen, handelnd durch die Oberzolldirektion (OZD), Hauptabteilung Recht und Abgaben, Monbijoustrasse 40, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Zollverfahren; Beweis. A-6660/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die A._______ AG (nachfolgend: Zollpflichtige, Beschwerdeführerin) de- klarierte am 19. Juli 2011 bei der Zollstelle (…) im EDV-Verfahren unter der Tarifnummer 1901.2096 eine für die X._______ AG bestimmte Sen- dung "Jufka, Teigblätter aus Mehl, Fett enthaltend" des Herstellers Y ._______ mit einer Rohmasse von 18'432 kg zu einem Präferenzzollan- satz von Fr. 60.90 je 100 kg brutto. Das Ergebnis der vom Zollcomputer durchgeführten Selektion lautete auf "frei ohne". Die Zollstelle nahm daraufhin die Abfertigung antragsgemäss vor. Mit definitiver Veranlagungsverfügung (…) vom 20. Juli 2011 erh ob sie einen Zollbetrag von Fr. 11'225.10 sowie eine Mehr wertsteuer von Fr. 937.10. B. Mit einem als "Gesuch um Rückerstattung Zoll […]" betitelten Schreiben vom 19. September 2011 gelangte die Zollpflichtige an die Zollstelle (…). Sie machte geltend, der Fettgehalt der eingeführten Ware habe laut Da- tenblatt des Herstellers lediglich 1,15 % betragen. Gemäss den Schwe i- zerischen Erläuter ungen zum Zolltarif werde unter der Tarifnummer 1901.2098 ein Fettgehalt bis maximal 2 % toleriert. Bei der Sendung ha- be es sich demnach nicht – wie von ihr fälschlicherweise deklariert – um Teigblätter der Tarifnummer 1901.2096, sondern um solche der Tarif- nummer 1901.2098 gehandelt. Sie beantrage daher die nachträgliche Veranlagung nach Tarifnummer 1901.2098 und ersuche um Rückerstat- tung der Zolldifferenz. Die Eingabe wurde in der Folge zuständigkeitshalber der Zollkreisdirekti- on Schaffhausen überwiesen. Am 24. Oktober 2011 legte die Zollpflichtige als Beweismittel ein Analysezertifikat ("Laboratory Testing Re port") (…) vom 7. Oktober 2011 ins Recht, worin für ein als "Pasteurized Daugh a 500g" bezeichnetes Produkt ein Fettgehalt von 1,16 % vermerkt ist. C. Mit Beschwerdeentscheid vom 9. November 2011 wies die Zollkreisdirek- tion das als Beschwerde behandelte "Gesuch" vom 19. September 2011 ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Zollpflichtige ha- be nicht nachweisen können, dass die eingeführte n Teigblätter zum Zeit- punkt der Zolla bfertigung einen Fettgehalt von höchstens 2 % aufgewie- sen hätten. A-6660/2011 Seite 3 D. Gegen diesen Entscheid erhob die Z ollpflichtige mit Eingabe vom 9 . bzw. 15. Dezember 2011 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung des angefoch tenen Beschwerd e- entscheids bzw. die nachträgliche Veranlagung der Sendung vom 19. Juli 2011 nach Tarifnummer 1901.2098 unter Rückerstattung der Zolldifferenz. Als zusätzliche Beweismittel werden eine Bestätigung des Warenabsen- ders Y ._______ ("Statement") vom 8. Dezember 2011, ein "Prüfbericht" (…) der Swiss Quality Testing Services (SQTS) , ebenfalls vom 8. Dezember 2011, sowie ein Teigmuster vorgelegt, das aus der strittigen Lieferung stammen soll. E. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Februar 2012 beantragt die Oberzolld i- rektion (OZD) die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Auf die Eingaben der Parteien wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Bei nicht ersti nstanzlichen Entscheiden (bzw. Beschwerdeentschei- den) der Zollkreisdirektionen handelt es sich grundsätzlich um Verfügu n- gen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren ( VwVG, SR 172.021), welche gemäss Art. 31 in Verbindung mit Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden können (vgl. Art. 116 Abs. 1bis e contrario in Verbindung mit Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0]; ausführlich zur Frage der funktionellen Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5069/2010 vom 28. April 2011 E. 1.2). Im Verfahren vor dieser Instanz wird die Zollverwaltun g durch die OZD vertreten (Art. 116 Abs. 2 ZG). Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt – nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG, Art. 2 Abs. 4 VwVG ; REMO ARPAGAUS, Zollrecht, in: Koller/Mül - ler/Tanquerel/Zimmerli [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, 2. Aufl., Band XII, Basel 2007, N 447). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen. Sie ist durch den angefocht e-A-6660/2011 Seite 4 nen Beschwerdeentscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de ssen Aufhebung (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übr i- gen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Auf das Verfahren der Zollveranlagung findet das Vw VG keine A n- wendung (Art. 3 Bst. e VwVG). Nach ständiger Rechtsprechung unterliegt das Veranlagungsverfahren – vorbehältlich der Verfahrensgarantien der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) und der allgemein en Grundsätze des Verwaltung s- rechts – grundsätzlich nur den vom Selbstanmeldungsprinzip getragenen besonderen Vorschr iften des Zollrechts (vgl. Art. 21 ff. ZG). Damit wird das gesamte Verfahren von der Gestellung der Waren bei der Zollstelle bis zum Erlass der Veranlagungsverfügung (Art. 38 ZG bzw. Art. 85 ZG) bzw. bis zur Freigabe der gestellten und angemeldeten Waren vom VwVG nicht erfasst (vgl. zum Ganzen: [statt vieler] Urteil des Bundesver- waltungsgerichts A-2890/2011 vom 29. Dezember 2011 E. 1.3.1, mit wei- teren Hinweisen; ARPAGAUS, a.a.O., N 447). Dies bedeutet u.a., dass das VwVG bei Berichtigung oder Rückzug der Zollanmeldung nach Art. 34 ZG nicht anwendbar ist (vgl. PATRICK RAEDERSDORF, in: Kocher/Clavadet - scher [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Zollgesetz, Bern 2009 [Zollkommentar], N 20 zu Art. 34). Namentlich bleiben hinsichtlich der Frist in Art. 34 Abs. 3 ZG die Bestimmungen des VwVG über den Friste n- stillstand (Art. 22a VwVG) sowie über die Fristerstreckung und die Fris t- wiederherstellung (Art. 22 und Art. 24 VwVG) unberücksichtigt ([statt vie- ler] Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2890/2011 vom 29. Dezem- ber 2011 E. 1.3.1 und A-3213/2009 vom 7. Juli 2010 E. 1.3.1). Im Zollge- setz selbst finden sich diesbezüglich keine Regelungen. 1.3 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufolge ve r- pflichtet, auf den unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten festgestellten Sachverhalt jenen Rechtssatz anzuwenden , den es als den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesve rwaltungsgericht, Basel 2008, N 1.54, mit Verweis auf BGE 119 V 349 E. 1a) . Aus de r Rechtsanwendung von Amtes wegen folgt, dass das Bundesverwaltungsgericht als Beschwerdeinstanz nicht an die rechtliche Begründung der Begehren geb unden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann eine Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen (allenfalls auch nur teilweise) gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer von der Vorinstanz a b-A-6660/2011 Seite 5 weichenden Begründung bestätigen (sog. Motivsubstitution; vgl. BVGE 2007/41 E. 2; Urteil des Bundesverwaltun gsgerichts A -3232/2011 vom 23. April 2012 E. 1.5, mit Hinweisen). 1.4 Im Rechtsmittelverfahren kommt – wenn auch in sehr abgeschwäch - ter Form ( MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N 1.55) – das Rügeprin- zip mit Begründungserfordernis in dem Sinn zum Tragen, dass die B e- schwerdeführerin die ihre Rügen stützenden Tatsachen darzulegen und allfällige Beweismittel einzureichen hat (Art. 52 Abs. 1 VwVG; CHRISTOPH AUER, in: Christoph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Kom- mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [V wVG], Zü- rich/St. Gallen 2008 [Kommentar VwVG], N 9 und 12 zu Art. 12). Hinge- gen ist es grundsätzlich nicht Sache der Rechtsmittelbehörden, den für den Entscheid erheblichen Sachverhalt von Grund auf zu ermitteln und über die tatsächlichen Vorbringen der Parteien h inaus den Sachverhalt vollkommen neu zu erforschen ( BVGE 2007/27 E. 3.3; Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts A-5044/2011 vom 29. März 2012 E. 1.3.1, mit weiteren Hinweisen; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N 1.52). 2. 2.1 Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden, sind zollpflichtig und müssen nach d em ZG sowie nach dem Zolltarif ge- setz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) veranlagt werden (Grun d- satz der allgemeine n Zollpflicht, vgl. Art. 7 ZG). Die Grundlage der Zol l- veranlagung ist die Zollanmeldung (Art. 18 Abs. 1 ZG). Diese nimmt im schweizerischen Zollwesen eine zentrale Stellung ein ( BARBARA SCHMID, in: Zollkommentar, a.a.O., N 1 zu Art. 18). Art. 28 Abs. 1 Bst. a ZG hält fest, dass Zollanmeldungen auch elektronisch vorgenommen werden können. 2.2 Gemäss Art. 21 Abs. 1 ZG hat derjenige, der Waren ins Zollgebiet verbringt, verbringen lässt oder sie danach übernimmt, die Waren unve r- züglich und unverändert der nächstgelegenen Zollstelle zuzuführen oder zuführen zu lassen. Dieser Artikel legt somit den Kreis der sogenannt zu- führungspflichtigen Personen fest (präzisierend dazu: Art. 75 der Zollver- ordnung vom 1. November 2006 [ZV, SR 631.01]). Anmeldepflichtig sind neben den zuführungspflichtigen Perso nen auch Personen, die m it der Zollanmeldung beauftragt sind (Art. 26 Bst. a und b ZG). Bei L etzteren handelt es sich primär um Speditionen oder Zolldeklaranten, die g e- werbsmässig Zollanmeldungen ausstellen ( [statt vieler] Urteile des Bun- desverwaltungsgerichts A-1626/2010 vom 28. Januar 2011 E. 2.1, A-6660/2011 Seite 6 A-3213/2009 vom 7. Juli 2010 E. 2.1; BARBARA HENZEN, in: Zollkommen- tar, a.a.O., N 2 zu Art. 26). 2.3 Die anmeldepflichtige Person muss die der Zollstelle zugeführten, ge- stellten und summarisch angemeldeten Waren innerhalb der von der Zoll- verwaltung bestimmten Frist zur Veranlagung anmelden und die Beglei t- dokumente einreichen (Art. 25 Abs. 1 ZG). In Übereinstimmung mit dem das Zollverfahren beherrschen den Prinzip der Selbstanmeldung (E. 1.2) obliegt ihr die volle Verantwortung für die eingereichte Anmeldung und die vollständige und richtige Deklaration der Ware (Botschaft vom 15. De- zember 2003 über ein neues Zollgesetz, Bundesblatt [BBl] 2004 612 ; [statt vieler] Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2890/2011 vom 29. Dezember 2011 E. 2.3, A-6930/2010 vom 1. September 2011 E. 2.6; SCHMID, a.a.O., N 3 f. zu Art. 18). An die anmeldepflichtige Person we r- den damit hinsichtlich ihrer Sorgfaltspflichten hohe Anforderungen g e- stellt. Die zuständige Zollstelle überprüft die vom Anmeldepflicht igen vor- zunehmende Deklaration lediglich summarisch auf ihre formelle Richti g- keit und Vollständigkeit sowie auf das Vor liegen der Begleitpapiere (Art. 32 Abs. 1 ZG; Urteile des Bundesverwaltu ngsgerichts A-2890/2011 vom 29. Dezember 2011 E. 2.3 und A-1528/2008 vom 25. Mai 2010 E. 2.2; vgl. auch HENZEN, a.a.O., N 3 zu Art. 25). Führt die summarische Prüfung zu keinen Beanstandungen oder sind diese zwischenzeitlich b e- seitigt worden, wird die Zollan meldung von der Zollstelle angenommen. Hat die Zollstelle einen vorhandenen Mangel in der Zollanmeldung nicht festgestellt, so kann die anmeldepflichtige Person daraus keine Rechte ableiten (Art. 32 Abs. 3 ZG). 2.4 Mit der Annahme durch die Zollstelle wird die Zollanmeldung für die anmeldepflichtige Person verbindlich (Art. 33 Abs. 1 ZG) und grundsät z- lich unabänderlich . Dieser Grundsatz der Unabänderlichkeit der ang e- nommenen Zollanmeldung stellt einen Eckpfeiler des schweizerischen Zollrechts dar ( RAEDERSDORF, a.a.O., N 2 zu Art. 33 und N 1 zu Art. 34). Nach Art. 33 Abs. 2 ZG legt die Zollverwaltung Form und Zeitpu nkt der Annahme fest. Laut Art. 16 der Zollverordnung der Eidgenössischen Zol l- verwaltung (EZV) vom 4. April 2007 (ZV-EZV, SR 631.013) gilt die elektro- nische Zollanmeldung als angenommen, wenn sie die summaris che Prü- fung des EDV -Systems der EZV erfolgreich durchlaufen hat. Das EDV- System fügt der elektronischen Zollanmeldung Annahmedatum und A n- nahmezeit hinzu. Die angenommene Zollanmeldung ist für die anmeld e- pflichtige Person auch bei allfälligen Widersprüchen oder Zweideutigkei- ten zur Ware oder zu den Begleitdokumenten verbindlich. Damit stellt die A-6660/2011 Seite 7 elektronische Anmeldung höhere Anforderungen an die Sorgfaltspflicht der Zollbeteiligten ( RAEDERSDORF, a.a.O., N 6 zu Art. 33). Nach der A n- nahme der elektronischen Zollanmeldung führt das EDV-System der EZV eine Selektion auf der Grundlage einer Risikoanalyse durch (Art. 17 Abs. 1 ZV-EZV). Lautet das Selektionsergebnis auf "frei ohne", so gelten die Waren als frei gegeben (Art. 17 Abs. 4 ZV-EZV). Mit der Freigabe der gestellten Waren durch die Zollstelle endet der Gewahrsam der Zollve r- waltung (Art. 78 ZV). Dementsprechend dürfen die War en abtransportiert werden (Art. 40 Abs. 2 ZG ; vgl. zum Ganzen: Urtei l des Bundesverwa l- tungsgerichts A-1626/2010 vom 28. Januar 2011 E. 2.2). 3. 3.1 Eine starre Anwendung des Prinzips der Verbindlichkeit und Unabä n- derlichkeit einer angenommenen Zollanmeldung kann in gewissen Fällen zu unerwünschten und unverhältnismässigen Ergebnissen führen. Wä h- rend unter altem Recht (aZG) eine nachträgli che Berichtigung der Zol l- anmeldung gesetzlich nicht vorgesehen war und nur beschränkt sowie unter besonderen Umständen als zuläs sig anerkannt wurde, sieht Art. 34 ZG nun explizit und abschliessend vor, dass die anmeldepflichtige Person eine angenommene Zol lanmeldung unter bestimmten Voraussetzungen berichtigen oder zurückziehen kann ( vgl. RAEDERSDORF, a.a.O., N 1 zu Art. 34 und N 1 zu Art. 39; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3213/2009 vom 7. Juli 2010 E. 4.2.1). Die Bestimmung unterscheidet verschiedene Zeitpunkte, in denen ein Berichtigungsantrag gestellt we r- den kann: Abs. 1 und 2 beziehen sich auf Sachverhalte vor dem Erstellen der Veranlagungsverfügung, Abs. 3 und 4 gelangen zur Anwendung, wenn bereits eine Veranlagungsverfü gung ausgestellt worden ist. Im letztgenannten Fall kann die anmeldepflichtige Person innerhalb einer (Verwirkungs-)Frist von 30 Tagen ab dem Zeitpunkt, in dem die Waren den Gewahrsam der Zollverwaltung verlassen haben, der Zollstelle ein Gesuch um Änderun g der Veranlagung einreichen; gleichzeitig muss sie eine berichtigte Zollanm eldung einreichen (Art. 34 Abs. 3 ZG; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3213/2009 vom 7. Juli 2010 E. 4.2.3). Die Zollstelle gibt dem Gesuch statt, wenn die anmeldepflichtige Person nachweist, dass die Waren entweder irrtümlich zu dem in der Zollanme l- dung genannten Zollverfahren angemeldet worden sind (Art. 34 Abs. 4 Bst. a ZG) oder die Voraussetzungen für die beantragte neue Veranl a- gung schon erfüllt waren, als die Zollanmeldu ng angenommen wurde, und die Waren seither ni cht verändert worden sind (Art. 34 Abs. 4 Bst. b ZG). Die Voraussetzungen für eine neue Veranlagung nach Art. 34 Abs. 4 Bst. b ZG gelten insbesondere dann als gegeben, wenn zum Zeitpunkt A-6660/2011 Seite 8 der ursprünglichen Zolla nmeldung die materiellen und die formellen Vo r- aussetzungen für die Gewährung einer Zollermässigung, einer Zollbefre i- ung oder einer Rüc kerstattung erfüllt waren (Art. 89 Bst. a ZV; vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A -3213/2009 vom 7. Juli 2010 E. 2.5, mit Hinweisen). Nach RAEDERSDORF bezweckt die Bestimmung von Art. 34 ZG, dass a n- genommene Zoll anmeldungen – sofern die entsprechenden Vorausse t- zungen erfüllt sind – auf unkomplizierte Weise und ohne zusätzli che for- melle Anforderungen wie im Beschwerdeverfahren nach VwVG berichtigt werden können (RAEDERSDORF, a.a.O., N 5 zu Art. 34). Der Autor will Be- richtigungsanträge demnach auch noch für Waren zulassen, die den Zoll- gewahrsam seit mehr als 30 Tagen verlassen haben. Solche Anträge sei- en jedoch als Beschwerden gegen die Veranlagungsverfügung entgegen- zunehmen (vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2890/2011 vom 29. Dezember 2011 E. 2.4 sowie A-5069/2010 vom 28. April 2011 E. 2.4; RAEDERSDORF, a.a.O., N 4 zu Art. 34). Dies ist im Grundsatz zu bestätigen, d.h. insoweit, als dass Bestreitungen von Zollveranlagungen nach Ablauf der genannten Frist von 30 Tagen gegebenenfalls als ordent- liche Beschwerden zu behandeln sind, für die gemäss Art. 116 Abs. 3 ZG eine Frist von 60 Tagen ab dem Ausstellen der Veranlagungsverfügung gilt. Eine Prä zisierung hat indessen dahingehend zu erfolgen, als dass nach Ablauf der 30-tägigen Frist nicht mehr zum Thema des ordentlichen Beschwerdeverfahrens gemäss Art. 116 ZG gemacht werden darf, was bereits Gegenstand der Zollanmeldeberichtigung gemäss Art. 34 ZG hät- te bilden können. Entsprechendes ergibt sich insbesondere aus der im Zollverfahren besonders wichtigen Maxime der Verbindlichkeit und grundsätzlichen Unabänderlichkeit der angenommenen Zo llanmeldung (E. 2.4). Aus Sicht des Gesetzgebers steht dahinter die Überlegung, dass in einem "Massenverfahren" wie der Zollabfertigung eine rechtsgleiche Behandlung sowie zeitgerechte Verfahrensabläufe gewährleistet werden müssen. Eine Berichtigung der Zo llanmeldung soll daher nur unter b e- stimmten Voraussetzungen und ausschliesslich innert der 30-tägigen Frist möglich sein. Nichts anderes ergibt sich aus dem Prinzip der Selbsta n- meldung, wonach der Anmeldepflichtige die volle Verantwortung für die richtige Deklaration seiner grenzüberschreitenden Warensendung trägt (E. 1.2 und 2.3). Zudem käme der Frist von 30 Tagen kaum mehr eine ei- genständige Bedeutung zu, wenn es dem Anmeldepflichtigen noch im or- dentlichen Beschwerdeverfahren innert der (längeren) Frist von 60 Tagen unbenommen wäre, die gleichen Anträge zu stellen und dieselben Ziele zu erreichen wie nach der Regelung in Art. 34 ZG. Dies kann klar nicht A-6660/2011 Seite 9 die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein, der mit Art. 34 ZG vielmehr eine abschliessende Regelung für die Berichtigung der Zollanmeldung treffen wollte. Folglich hat ein Anmeldepflichtiger sein Recht auf Bericht i- gung der Zollanmeldung und Änderung der Veranlagung nach Art. 34 Abs. 3 und 4 ZG verwirkt, wenn er das entsprechende Gesuch erst nach Ablauf der 30-tägigen Frist stellt (so im Ergebnis: Urteil des Bundesve r- waltungsgerichts A-3213/2009 vom 7. Juli 2010 E. 4.2). 3.2 Im vorliegenden Fall meldete die Beschwerdeführerin am 19. Juli 2011 unter der Tarifnummer 1901.2096 eine Lieferung „Jufka, Teigblätt er aus Mehl, Fett enthaltend“ elektr onisch zur Veranlagung an (vgl. A). Am gleichen Tag durchlief die Anmeldung erfolgreich die summarische Pr ü- fung des EDV-Systems der Zollverwaltung, wodurch sie verbindlich wurde (E. 2.4). Das Ergebnis der Risikoanalyse d es Zollcomputers lautete auf "frei ohne". Dementsprechend galten die Waren als freigegeben und der Gewahrsam der Zollverwaltung endete am 19. Juli 2011 (E. 2.4). Dieser Sachverhalt und die entsprechende rechtliche Würdigung sind nicht stri t- tig. Indessen machte die Beschwerdeführerin mit "Gesuch" vom 19. Septem- ber 2011 geltend, bei der Anmeldung unter der Tarifnummer 1901.2096 sei ihr ein Irrtum unterlaufen. Richtigerweise habe die fragliche Sendung Teigblätter mit e inem Fettgehalt von höchstens 2 % im Sinn e von Tari f- nummer 1901.2098 enthalten. Die Ware hätte daher zum niedri geren Zollansatz von Fr. 37.25 je 100 kg brutto eingeführt werden können. Auf dieselbe Begründung stützt sich die vorliegende Beschwerde mit den (sinngemässen) Anträgen, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben, die fragliche Ware sei nachträglich unter der Tarifnummer 1901.2098 zu veranlagen und die Zolldifferenz sei zurückzuerstatten. 3.2.1 Die Anträge der Beschwerdeführerin zielen auf eine Änderung de r Veranlagungsverfügung vom 20. Juli 2011 auf der Grundlage einer nac h- träglichen Berichtigung ihrer von der Zollstelle am 19. Juli 2011 antrags- gemäss angenommenen Zollanmeldung. Dieser Tatbestand ist grundsätz- lich abschliessend in Art. 34 Abs. 3 und 4 ZG geregelt (E. 3.1). Dabei ist unbeachtlich, dass sich die Beschwerdeführerin nicht ausdrücklich auf diese Regelung beruft (E. 1.3). Die Abs. 1 und 2 der erwähnten Besti m- mung gelangen vorliegend deshalb nicht zur Anwendung, weil die Waren zum Zeitpunkt der E inreichung des "Gesuchs" am 19. September 2011 sowohl den Gewahrsam der Zollverwaltung verlassen haben als auch be- reits eine Veranlagungsverfügung ausgestellt worden ist (E. 2.4 und 3.1). A-6660/2011 Seite 10 3.2.2 Weil die Beschwerdeführerin in ihrem "Gesuch" einen Tatbestand von Art. 34 ZG zum Prozessthem a machte, hätte die Vorinstanz die 30-tägige Frist berücksichtigen müssen (E. 3.1). Diesbezüglich ist festz u- stellen, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Eingabe vom 19. Septem- ber 2011 erstmals eine Änderung der Veranlagung und eine entspr e- chende Zollrü ckerstattung beantragt hat (vgl. B). Ein früherer Antrag ist den Akten nicht zu entnehmen und wird auch nicht behauptet. Die fragl i- che Lieferung wurde jedoc h bereits am 19. Juli 2011 aus dem Gewah r- sam der Zollstelle entlassen. Damit begann, weil namentlich die Bestim- mung des VwVG über den Fristenstillstand nicht zur Anwendung gelangt (E. 1.2), bereits am Folgetag die 30 -tägige Frist für die Berichtigung der Zollanmeldung und die Änderung der Veranlagun g zu lau fen (E. 2.4 und 3.1). Folglich war die Frist zum Zeitpunkt der E inreichung des "Gesuchs" am 19. September 2011 bereits verstrichen. Nichts anderes ergäbe sich vorliegend im Übrigen, wenn der Fristenstillstand nach VwVG zu berück- sichtigen wäre. Die Zollverwaltung hätte somit infolge Fristsäumni s auf den (sinngemässen) Antrag auf Ber ichtigung der Zollanmeldung vom 19. September 2011 nicht eintreten dürfen (E. 3.1). Bereits aus diesem Grund ist die vorliegende Beschwerde abzuweisen. Dabei ist unbeach t- lich, dass die Zollkreisdirektion in ihrem Besc hwerdeentscheid vom 9. November 2011 die 30 -tägige Frist unerwähnt liess. Wie ausge führt (E. 1.3), kann das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde auch mit einer von der Vorinstanz abweichenden Begründung abweisen. Wie die nachfolgenden Erwägungen aufzei gen, wäre die vorliegende B e- schwerde auch abzuweisen, wenn die Vorinstanz auf das Berichtigung s- gesuch hätte eintreten müssen. Da in erster Linie nicht die Beschwerd e- führerin zu verantworten hat, dass die Vorinstanz das Berichtigungsg e- such in materieller Hi nsicht behandelte, will ihr auch das Bundesverwa l- tungsgericht diesbezüglich die Antwort nicht schuldig bleiben. 4. 4.1 Für die Tarifeinreihung massgebend ist die Art, Menge und Bescha f- fenheit der Ware zum Zeitpunkt, in dem sie unter Zollkontrolle steht. Die Tarifnummern unter 1901.20 gehören zu Abschnitt IV, Kapitel 19 des G e- neraltarifs (einsehbar unter www.ezv.admin.ch bzw. www.tares.ch) und umfassen "Mischungen und Teige zum Zubereiten von Back- oder Kondi- toreiwaren der Nr. 1905". Für die Abgrenzung zwi schen den beiden U n- ternummern 1901.2096 und 1901.2098 ist g emäss den Schweizerischen Erläuterungen zu Kapitel 19 des Zolltarifs (D.6, Allgemeines) einzig der Fettgehalt massgebend: A-6660/2011 Seite 11 "Der Gehalt an Milchfett oder anderem Fett wird, soweit er für die Tarifein- reihung massgebend ist, nach den Methoden des Schweiz. Lebensmitte l- buches bestimmt. Ein Gehalt von höchstens 1 % fällt für die Tarifeinre i- hung ausser acht (ausgenommen Milchfettgehalt Nr. 1901.9036/9037). Bei Waren der Nrn. 1901.2098 und 9094 wird ein Fett gehalt von höch s- tens 2 % toleriert." Somit hat die Zollanmeldung resp. -veranlagung bei einem Fettgehalt von mehr als 2 % unter der Tarifnummer 1901.2096 (= "Fett enthaltend") zu erfolgen, bei einem Fettgehalt von 2 % oder weniger hingegen unter der Tarifnummer 1901.2098 (= "andere"). 4.2 4.2.1 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung bildet sich das Bundesverwaltungsgericht unvoreingenommen, gewissenhaft und sor g- fältig seine Meinung darüber, ob der zu erstellende Sachverhalt als wahr zu gelten hat (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N 3.140). Es ist dabei nicht an bestimmte förmliche Beweisregeln gebunden, die genau vo r- schreiben, wie ein gültiger Beweis zu Stande kommt und welchen B e- weiswert die einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander haben (BGE 130 II 482 E. 3.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-845/2011 vom 7. Februar 2012 E. 1.3.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N 3.140). Das Prinzip der freien Beweiswürdigung findet grundsätzlich im gesamten öffentlichen Verfahrensrecht Anwendung, so auch im Zollver- fahren (vgl. allerdings den Vorbehalt in Art. 3 Bst. e VwVG betreffend das Verfahren der Zollveranlagung), namentlich im verwaltungsinternen Be- schwerdeverfahren ( Urteil d es Bundesverwaltungsgerichts A-2822/2007 vom 27. November 2009 E. 1.4, mit Hinweis; Entscheid der Zollrekur s- kommission [ZRK] vom 5. Februar 2003, veröffentlicht in : Verwaltungs- praxis der Bundesbehörden [VPB] 67.76 E. 2c). Für das Beschwerdever- fahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig d a- von, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen hat. Namentlich Experti- sen, die von einer Partei eingeholt und in das Verfahren als Beweismittel eingebracht werden (sog. Partei- oder Privatgutachten), darf der Beweis- wert nicht schon deshalb abgesprochen werden, weil sie von einer Partei stammen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_39 8/2011 vom 5. April 2011 E. 3.2, mit Hinweisen). Der Beweiswert eines Parteigutachtens ist jedoch verglichen mit einem behör dlich angeordneten Gutachten regelmässig herabgesetzt (vgl. zu den Gründen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-8465/2010 vom 10. Juni 2011 E. 6.2.3; AUER, in: Kommentar VwVG , a.a.O., N 59 und 63 zu Art. 12). A-6660/2011 Seite 12 4.2.2 Gelangt das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung nicht zum Ergebnis, dass sich ein rechtserheblicher Sachumstand verwirklicht (oder nicht verwirklicht) hat, kommen die Beweislastregeln zur An wen- dung. Gemäss der allgemeinen Beweislastregel hat, wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet (Art. 8 des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210]). Bei Beweislosigkeit ist folglich zu Ungunsten desjenigen zu entscheiden, der die Beweislast trägt (BGE 121 II 257 E. 4c.aa, Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2005, veröffentlicht in: Archiv für schweizerisches Abgab e- recht [ASA] 75 S. 495 ff. E. 5.4; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N 3.149 ff.). Abgesehen von Besonderheiten, welche die Natur des im Zollrecht geltenden Selbstanmeldungsprinzips (E. 1.2 und 2.3 ) mit sich bringt, gilt auch in diesem Rechtsgebiet – wie allgemein im Abgaberecht – der Grundsatz, wonach die Behörde die Beweislast für Tatsachen trägt, welche die Abgabepflicht begründen oder die Abgabeforderung erhöhen; demgegenüber ist die abgabepflichtige bzw. abgabebegünstigte Person für die abgabeaufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet ([statt vieler] Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-845/2011 vom 7. Februar 2012 E. 1.3.2, mit Hinweisen). 4.2.3 Beim Entscheid darüber, ob eine rechtserhebliche Tatsache als e r- wiesen zu gelten hat oder nicht, ist die Frage des Beweismasses (bzw. Beweisgrades) zu berücksichtigen. Als Regelbeweismass gilt der volle (strikte) Beweis. Dieser ist erbracht, wenn das Gericht am Vorliegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls verbleibende Zweifel als leicht erscheinen (BGE 13 0 III 321 E. 3.2; Urteil des Bundesverwal tungsgerichts A -845/2011 vom 7. Februar 2012 E. 1.3.2). Verlangt wird ein so hoher Grad der Wahrscheinlichkeit, dass vernünftigerweise mit der Möglichkeit des Gegenteils nicht mehr zu rec h- nen ist (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, N 289; zum Ganzen auch: DANIEL SCHÄR, Das Beweismass im Steuerrecht, in: Steuer Revue [STR] 1996 S. 5 ff., mit Hinweisen). Demgegenüber stellt das Bewei s- mass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine Bew eiserleichterung dar und genügt nicht für den Vol lbeweis (BGE 130 III 321 E. 3.2, 128 III 271 E. 2b/aa; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A -629/2010 vom 29. April 2011 E. 3.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N 3.140 f.). Hinsichtlich des Zollveranlagungsverfahrens ist an Beweismittel, die im Rahmen einer Beschwerde eingereicht werden, ein strenges Beweismass A-6660/2011 Seite 13 anzulegen, steht doch, nachdem die Zollanmeldung verbindlich geworden ist, die Ware nicht mehr unter Zollgewahrsam (E. 2.4). Die eingereichten Beweismittel müssen die behauptete Tatsache mit hinreichender Siche r- heit belegen. Eine nur überwiegende Wahrs cheinlichkeit genügt nicht (BGE 109 Ib 190 E. 1d; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-5595/2007 vom 8. Dezember 2009 E. 2.6, A-4617/2007 vom 14. Januar 2009 E. 2.6; Entscheid der ZRK vom 15. November 2005, veröffentlicht in: VPB 70.55 E. 3b). Weiter ist zu berücksichtigen, dass Dokumenten, die zeitlich erst nach dem zu beweisenden Ereignis ausgestellt worden sind, nach konstanter Rechts prechung regelmässig nur ein stark eing e- schränkter Beweiswert zukommt (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2690/2011 vom 24. Januar 2012 E. 3.4.1, A-2998/2009 vom 11. No- vember 2010 E. 3.3.2.5, A -1727/2006 vom 12. Oktober 2 010 E. 6.1, A-5595/2007 vom 8. Dezember 2009 E. 2.6, jeweils mit weiteren Hinwe i- sen auf die Rechtsprechung). Aufgrund des höheren Missbrauchspotenti- als wird deren Beweistauglichkeit im Vergleich zu Beweismitteln datierend aus der Zeit vor den Einfuhren in der Regel weniger hoch sein (ausführ- lich hierzu: Entscheid der ZRK vom 15. November 2005, veröffentlicht in: VPB 70.55 E. 3b, 3c.cc und dd, 3d.bb). 4.3 4.3.1 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass es sich bei den eing e- führten Teigblättern um "Mischungen und Teige zum Zubereiten von Back- und Konditoreiwaren der Nr. 1905" handelt. Ebenso blieb unbestrit- ten, dass die fragliche Sendung bei e inem Fettgehalt von höchstens 2 % der Tarifnummer 1901.2098 bzw. bei einem Fettgehalt von über 2 % der Tarifnummer 1901.2096 zuzuordnen wäre (E . 4.1). Eine eigentliche Tarif- streitigkeit ( die beispielsweise Gegenstand des ordentlichen Beschwe r- deverfahrens hätte bilden können) liegt daher nicht vor. Vielmehr b e- schränkt sich die Streitsache auf die Beweisfrage, ob die Ware bei der Einfuhr einen Fettgehalt von höchstens 2 % aufgewiesen hat und daher – wie von der Beschwerdeführerin beantragt – nachträglich unter der Tarif- nummer 1901.2098 zu veranlagen wäre. 4.3.2 Aufgrund des im Zollverfahren herrschenden Selbstanmeldungs- prinzips lag die volle Verantwor tung für eine ordnungsgemässe – d.h. vollständige und richtige – Deklaration der eingeführten Ware bei der Be- schwerdeführerin als Anmeldepflichtige (E. 1.2 und 2.3 ). Nachdem die Zollstelle die Zollanmeldung antragsgemäss angenommen hatte, ist sie für die Beschwerdeführerin grundsätzlich verbindlich geworden (E. 2.4). Um eine nachträgliche Korrektur zu erreichen, obliegt bei dieser Sachlage A-6660/2011 Seite 14 der Beschwerdeführerin der Beweis (E. 4.2.2), dass – wie sie behauptet – die Beschaffenheit der Ware zum Zeitpunkt, in dem diese unter Zollko n- trolle stand, von den Angaben in ihrer Zollanmeldung abwich. Konkret muss sie nachweisen, dass sie am 19. Juli 2011 Teigblätter mit einem Fettgehalt v on höchstens 2 % eingeführt hat. Gelingt ihr dieser Beweis nicht, ist von der Richtigkeit der Zollanmeldung auszugehen (E. 4.2.2). Dabei verweist die Beschwerdeführerin auf eine Reihe von bei den Akten liegenden Dokumenten, deren Beweiswert nachfolgend sowohl im Ein- zelnen als auch in der Gesamtheit zu prüfen ist. 4.3.2.1 Im Datenblatt vom 16. September 2011, ausgestellt vom Waren- absender Y ._______, ist für ein als "Jufka 500g – filo pastry" bezeichne- tes Produkt ein Fettgehalt von 1,15 Gramm vermerkt. Die Vorinstanz hält dafür, dass aufgrund des Ausstellungsdatums und der Produktbezeic h- nung nicht eindeutig fest stehe, dass sich das Datenblatt auf die fragliche Sendung beziehe. Zudem sei nicht ersichtlich, worauf sich der angeg e- bene Fettgehalt überhaupt abstütze. Diesen Erwägungen ist zuzustimmen. Vorweg ist nicht ohn e Weiteres klar, ob mit dem im Datenblatt angegebenen Fettgehalt von "1,15g" über- haupt 1,15 Gewichtsprozent (also 1,15g/100g) gemeint sind. Vor allem aber stellt sich die Angabe als blosse Behauptung dar. So ist nicht e r- sichtlich, auf welche wissenschaftliche Analyse sie sich abstützt bzw. ob eine chemische Untersuchung oder Vergleichbares überhaupt durchge- führt worden ist. Weiter ist ungewiss, ob es sich beim genannten Produkt "Jufka 500g – filo pastry" überhaupt um die Ware handelt, die am 19. Juli 2011 von der Beschwerdeführerin importiert worden ist. Ein entsprechen- der Zusammenhang ist jedenfalls allein aufgrund des Datenblatts nicht erstellt. Es finden sich dort keinerlei Verweise oder sonstige Hinweise auf eine Verbindung mit der strittigen Lieferung. Hinzu kommt, dass das Do- kument am 16. September 2011 und mithin erst nach der fraglichen Liefe- rung vom 1 9. Juli 2011 ausgestellt worden ist . In Übereinstimmung mit den Ausführungen im vorinstanzlichen Beschwerdeent scheid liegt damit die Vermutung näher, dass das Produkt gerade nicht aus der fraglichen Sendung stammt. In allgemeiner Hinsicht ist ausserdem in Erwägung zu ziehen, dass Dokumenten, die zeitlich erst nach dem zu beweisenden Ereignis ausgestellt worden sind, nur ein stark eingeschränkter Bewei s- wert zukommen kann (E. 4.2.3). A-6660/2011 Seite 15 Das Datenblatt ist folglich weder geeignet, einen Fettgehalt von höchs- tens 2 % für das in der Übersch rift erwähnte Produkt "Jufka 500g – filo pastry" zu belegen, noch überhaupt den Nachweis zu erbringen, dass es sich bei diesem Produkt um eine Ware handelt, die der strittigen Lief e- rung zuzuordnen ist. 4.3.2.2 Im Analysezertifikat ("Laboratory Testing Report") vom 7. Oktober 2011 (…) ist für das Produkt "Pasteurized Daugh a 500g" ein Fettgehalt von 1,16 % vermerkt. Auch diesbezüglich ist vorweg auf die dargelegte Rechtsprechung hinz u- weisen, wonach nachträglich erstellten Dokumenten bzw. den darin en t- haltenen Angaben, hier namentlich im Vergleich zu den ( implizit anders- lautenden) Angaben in der Zollanmeldung der Beschwerdeführerin, ein stark eingeschränkter Beweiswert zukommt (E. 4.2.3). Insbesondere aber bezieht sich die Analyse auf ein als "Pasteurized Daugh a 500g" bezeich- netes Produkt mit Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD; "expiry date") bis 4. März 2013. Gemäss "Statement" des Herstellers Y ._______ vom 8. Dezember 2011 (nachfolgend: Bestätigung) wurden für die strittige Sendung jedoch Teigblätter mit MH D bis 23. November 2011 verladen . Übereinstimmend macht die Beschwerdeführerin selber geltend, sie habe am 19. Juli 2 011 Teigblätter mit MHD bis 23. November 2011 in die Schweiz eingeführt. Demgemäss handelt es sich beim untersuchten Pro- dukt mit hoher Wahr scheinlichkeit nicht um Teigblätter aus der strittigen Lieferung. Der "Laboratory Testing Report" erweist sich daher als bewei- suntauglich. 4.3.2.3 Die Hauptargumentationslinie der Beschwerdeführerin stützt sich indessen nicht auf einzelne isolierte Beweismittel, sondern beruht auf fol- gendem Zusammenhang: Der "Prüfbericht" (…) der Swiss Quality Testing Services (SQTS) vom 8. Dezember 2011 weise für die untersuchte Probe "Jufka, Menge 500g, Identifikation 23.11.11 I" einen Fett gehalt von 1,2 % aus, wobei es sich bei der Angabe unter dem Titel "Identifikation" um das MHD der Probe handle. Weiter belege die Bestätigung des Warenabsen- ders, dass am 23. Juni 2011 für das Unternehmen X._______ AG "Fillo Pastry" mit besagtem MHD verladen worden sei. Somit sei – hauptsäch- lich aufgru nd der übereinstimmenden MHD -Angaben – nachgewiesen, dass das geprüfte Muster aus der strittigen Lieferung stam me. Folgerich- tig ergebe sich, dass am 19. Juli 2011 Teigblätter mit einem Fettge halt von 1,2 % eingeführt worden seien. A-6660/2011 Seite 16 Bei dem von der Beschwerdeführerin eingereichten Prüfbericht handelt es sich gewissermassen um ein Partei - bzw. Privat gutachten, dessen Beweiswert im Einzelfall und in freier Beweiswürdigung zu prüfen ist (E. 4.2.1). Die Vorinstanz hat keine Einwände vorgebracht, die Zweifel an der Wissenschaftlichkeit und Zuverlässigkeit der Arbeit der SQTS au f- kommen liessen. Ebensowenig sind nach Ansicht des Gerichts Anhalts- punkte ersichtlich, die den Beweiswert der Analyse in Frage stellen wür- den. Das Gericht gelangt daher zur Überzeugung, dass der Bericht den vollen Beweis dafür erbringt, dass die untersuchte Ware "Jufka, Menge 500g, Identifikation 23.11.11 I" einen Fettgehalt von 1,2 % aufweist. Somit stellt sich einzig noch die Frage, ob sich die geprüfte Ware mit hin- reichender Sicherheit der strittigen Sendung zuordnen lässt. Dieser Nachweis gelingt der Beschwerdeführerin nicht . Zwar trifft zu, dass der Warenabsender in seinem Schreiben vom 8. Dezember 2011 bestätigt , "that [Y ._______] had load ed on day 23.06.2011 as stated on Invoice number […] for the company [X._______ AG] Switzerland 30.720,00 pieces of Fillo Pastry with validity date best before 23.11.2011". Allerdings ist festzustellen, dass – selbst wenn davon ausgegangen wird, dass es sich bei der Angabe unter dem Titel "Identifikation" tatsächlich um das MHD der Probe handelt, was indessen aus dem Prüfbericht nicht ohne Weiteres hervorgeht – diese Bestätigung das einzige Dokument ist, das die Beschwerdeführe rin dem Gericht zum Beleg des Zusammenhangs zwischen der strittigen Lieferung und dem geprüften Muster eingereicht hat. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, findet sich weder in der "Pr o- faktura" (…) des Herstellers vom 16. Juni 2011 an die X._______ AG noch in der definitiven Rechnung ("Invoice") (…) vom 23. Juni 2011, noch auf dem Ursprungszeu gnis Form. A (…) vom 24. Juni 2011 ein Hinweis auf das MHD oder gar die Beschaffenheit und Zusammensetzung der ge- lieferten Ware. Zudem fällt auch hier besonders ins Gewicht, dass die Bestätigung des Herstellers erst nach der strittigen Lieferung angefertigt worden ist. Wie bereits mehrfach betont, kommt solchen Dokumenten nur ein stark eingeschränkter Beweiswert zu (E. 4.2.3). Dieser (eingeschränkte) Beweiswert der Bestätigung ist namentlich dem Grundsatz der Verbindlichkeit der angenommenen Zollanmeldung sowie dem Prinzip der Selbstanmeldung und den daraus fliessenden erhöhten Sorgfaltspflichten des Anmeldepflichtigen im Zollverfahren gegenüberzu- stellen (vgl. daz u E. 1.2, 2.3 und 2.4) . Das Bundesverwaltungsgericht kommt in Würdigung aller Umstände zum Schluss, dass das Selbsta n- meldeprinzip (mit den entsprechenden zollrechtlichen Konsequenzen) A-6660/2011 Seite 17 vorliegend höher zu gewichten ist. Damit ist die Beweiskette der B e- schwerdeführerin durchbrochen. Abgesehen davon stünde ohnehin nicht fest, dass mit der Bestätigung des Verladens ("loaded") von "Fillo Pastry" mit MHD bis 23. November 2011 am 23. Juni 2011 überhaupt – selbst un- ter Beizug der übrigen Akten – ausreichend belegt ist, dass es sich bei diesem Verlad auch tatsächlich um die Ware handelt, die von der B e- schwerdeführerin am 19. Juli 2011 zur Einfuhr angemeldet worden ist. 4.3.3 Zusammenfassend reichen die vorhandenen Unterlagen nach Auf- fassung des Bundesverwaltungsgerichts nicht aus, um mit hinreichender Sicherheit zu belegen , dass die Beschwerdeführerin am 19. Juli 2011 entgegen ihren grundsätzlich verbindlichen Angaben in der Zollanmel- dung Teigblätter der Tarifnummer 1901.2098 importiert hat. Der B e- schwerdeführerin misslingt der e rforderliche Vollbeweis (E. 4.2.3). Weil sie die Folgen der Beweislosigkeit selbst zu tragen hat (E. 4.2.2), bleiben ihre Zollanmeldung vom 19. Juli 2011 sowie die Veranlagungsverfügung der Zollstelle vom 20. Juli 2011 verbindlich. 5. Den vorstehenden Erwägungen zufolge ist die Beschwerde – so oder an- ders – vollumfänglich abzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat als unte r- liegende Partei die Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 1'000.-- zu tra- gen (Art. 63 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 4 des Reglements v om 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie werden mit dem von ihr in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 6. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet ü ber Tarifstreit igkeiten im Sinne von Art. 83 Bst. l des Bundesgerichtsgese tzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) letztinstanzlich. Weil der vorliegende Entscheid keine solche Tarifstreitigkeit betrifft, sondern vielmehr ausschliesslich den Stel- lenwert bzw. die rechtliche Tragweite von Art. 34 ZG (E. 3.1 und 3.2) so- wie eine Beweisfrage behandelt (E. 4.3), steht dagegen gemäss den ein- schlägigen Bestimmungen die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG) ans Bundesgericht offen. A-6660/2011 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvo r- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Riedo Marc Winiger Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: