B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2315/2011 U r t e i l v o m 2 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Pietro Angeli-Busi, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…) alias B._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Barbara Frei-Koller, Freiplatzaktion Basel, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. März 2011 / N (…). D-2315/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer am 10. April 2008 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nachsuchte. Dazu wurde er am 24. April 2008 im EVZ C._______ befragt (Kurzbefragung) und am 6. Mai 2008 am gleichen Ort angehört (Anhörung). B. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs geltend, er sei tamilischer Ethnie und stamme aus D._______ (Distrikt E._______). Sein Bruder F._______ sei bei den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gewesen und im Jahre 1992 als Märt y- rer gefallen. Er selbst habe im Jahre 1994 bei den LTTE eine Ausbildung absolviert. Da er jedoch körperliche Probleme gehabt habe, hätten ihn die LTTE wieder gehen lassen. Bis Mitte 2006 habe er für die LTTE Geld g e- sammelt, Fahrzeuge vermittelt und deren Mitglieder chauffiert. Ausse r- dem habe er an den Festanlässen am Märtyrer-Tag teilgenommen. Im Jahre 2006 seien zwei seiner Freund e erschossen worden. Im Juli des gleichen Jahres sei eine Bombe auf ein Armeec amp in der Nähe seines Hauses geworfen worden. Die Armee habe ihn und seinen jüngeren Bru- der beschuldigt, die Bombe geworfen zu haben, wes halb sie ihn ins Ar- meecamp mitgenommen habe. Nachdem Mitglieder seiner Familie ins Camp gekommen seien, habe man ihn wieder freigelassen. Am 23. Okto- ber 2007 sei sein Freund, mit dem er Geld für die LTTE gesammelt habe, erschossen worden. Im Januar beziehungsw eise Februar 2008 sei ihm von der Armee anlässlich eines Round -up seine Identitätskarte abg e- nommen worden und man ha be von ihm verlangt, diese Karte beim A r- meecamp wieder abzuholen. Als er sich am nächsten Tag dort eingefu n- den habe, sei ihm vorgeworfen wor den, die LTTE zu unterstützen , und man habe ihn zur Spitzeltätigkeit aufgefordert. Zudem sei von ihm ve r- langt worden, jeden Tag vorbei zu komm en, um die Unterschrift zu lei s- ten. Nachdem er fünfzehn Tage respektive einen Monat die Unterschrift geleistet habe, sei ihm gesagt worden , er müsse nicht mehr vorbeiko m- men und unterschreiben. Am 20. März 2008 seien vier unbekannte Pe r- sonen während seiner Abwesenheit bei ihm zu Hause vorbei gekommen und hätten nach ihm gefragt. In den folgenden beiden Tagen hät ten ihn die Unbekannten erneut zu Hause gesucht. Er gehe davon aus, dass die- se zur EPDP[Eelam People's Democratic Party]-Bewegung gehörten. Da er befürchtet habe, von Mitgliedern der EPDP erschossen zu werden, da D-2315/2011 Seite 3 er die LTTE unterstützt habe, sei er am 3. April 2008 nach G._______ ge- reist, von wo er unter Verwendung eines gef älschten Passes am 8. April 2008 via H._______ nach I._______ geflogen sei. Von dort sei er m it ei- nem Auto in die Schweiz gelangt . Bezüglich der weiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. Im Verfahren vor der Vorinstanz reichte der Beschwerdeführer unter an- derem die folgenden Dokumente ein: Eine sri -lankische Identitätskarte, eine englischsprachige Wohnsitzbestätigung vom 9. Juli 2008, ein eng- lischsprachiges "Affidavit" vom 9. Juli 2008, zwei Farbfotos, ein en fremd- sprachigen Zeitungsbericht (inklusive deutsche Übersetzung) sowie zwei fremdsprachige Todesanzeigen (inklusive deutsche Übersetzungen). C. Mit Verfügung vom 18. März 2011 – eröffnet am 21. März 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die We g- weisung aus der Schweiz und deren Vollzug. Als Begründung führte die Vorinstanz hauptsächlich a us, der Beschwe r- deführer habe vorgebracht, man habe ihn und andere Männer im Januar beziehungsweise Februar 2008 kontrolliert und ihm die Identitätskarte abgenommen. Diese habe er in der Folge im Armeec amp holen und d a- nach täglich eine Unterschrift le isen müssen. Diesbezüglich habe er in der Kurzbefragung zu Beginn seiner Gesuchsbegründung aus geführt, er habe im Januar 2008 fünfzehn Tage lang im Camp Unterschrift leis ten müssen, nachdem er von Soldaten festgenommen worden sei. Später habe er ausgesagt, er sei am 15. Januar 2008 festgenommen und wieder freigelassen worden. Bis am 15. Februar 2008 habe er Unterschrift lei s- ten müssen. In der Anhörung wiederum habe er geltend gemacht, er sei im Februar 2008 festgenommen worden und habe bis 15. März 2008 tä g- lich Unterschrift leisten müssen. Angesichts dieser widersprüchlichen Aussagen seien an der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens Zweifel anz u- bringen. Darüber hinaus habe er nicht zu erklären vermocht, wozu er eine Unterschrift habe leisten und aus welchem Grund e r nach dem 15. März 2008 nicht mehr habe zum Camp gehen müssen. Eine Person, die aber tatsächlich einer Meldepflicht unterworfen werde, sei deren Bedeutung bekannt. Der Be schwerdeführer habe weiter vorgebracht , er sei am 20. März 2008 und die Tage danach v on Unbekannten zu Hause gesucht worden. Während er in der Kurzbefragung in diesem Zusammen hang zu Protokoll gegeben habe, drei oder vier Personen seien zu ihm nach Ha u-D-2315/2011 Seite 4 se gekommen und hätten nach ihm gefragt sowie gesagt, sie wollten ein Auto kaufen, habe er in der Anhörung ausgeführt, die unbekannten Leute hätten nicht gesagt, was sie von ihm wollten. Auf die sen Widerspruch an- gesprochen, habe der Beschwerdeführer keine klärende Aussage zu m a- chen vermocht. Die Zweifel an diesem Vorbringen würden durch eine un- logische Aussage des Beschwerdeführers erhärtet. So habe er einerseits zu Protokoll gegeben, er habe seit dem ersten Besuch der unbekannten Leute nicht mehr zu Hause geschlafen, andererseits habe er aber erklärt, er habe nach der ersten Suche der Leute nicht gedacht, dass es etwas Wichtiges sei. Hätte der Beschwerdeführer dem Besuch der Unbekan n- ten keine Bedeutung beigemessen, hätte er sicherlich weiterhin zu Hause übernachtet. Demnach könnten die geltend gemachten Bedrohungen, die zu seiner Ausreise gef ührt haben sollen, nicht geglaubt werden. Die se Vorbringen des Beschwerdeführers hielten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge mäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. Der Beschwerdeführer habe weiter aus geführt, ein Bruder sei 1992 als LTTE-Märtyrer gestorben. Er selber habe die LTTE bis 2006 unterstützt, indem er Personen gefahren und Geld gesammelt habe. Ausserdem se i- en Freunde von ihm, die mit ihm für die LTTE gearbeitet hätten, umg e- kommen, weswegen auch er gefährdet sei. Wie oben dargelegt, könne die angeblich 2008 erfolgte Bedrohung nicht geglaubt werden. Wäre der Beschwerdeführer den Sicherheitsbehörden als LTTE -Aktivist bekannt gewesen und hätten diese deswegen ein Interesse gehabt, ihn zu verfo l- gen, hätten sie dies getan. Diese Einschätzung werde durch folgendes Vorbringen gestützt: Al s im Juli 2006 auf ein Armeec amp eine Bombe geworfen worden sei, hätten Soldaten ihn und seinen Bruder zu Hause aufgesucht und ins Camp mitgenommen. Auf Bitten seiner Fa milie hätten sie ihn wieder freigelassen. Die Freilassung wäre nicht erfolgt, wenn die Armee ein Interesse gehabt hätte, den Beschwerdeführer wegen seiner Unterstützung der LTTE zu belangen. An dieser Einschätzung vermöc h- ten auch die Hinweise auf den Tod b eziehungsweise die Ermordung von Freunden, die der Beschwerdeführer mit Todesanzeigen, Zeitungsberic h- ten und Fotos belege, nichts zu ändern. Die Fotos zeigten je eine Gruppe von Personen, darunter den Beschwerdeführer und einen der verstorb e- nen Freunde bez iehungsweise einen zweiten mittlerweile Verstorbenen. Aus den Zeitungsberichten und den Todesanzeigen werde kein Zusa m- menhang mit dem Beschwerdeführer oder einer direkten Gefährdung e r- sichtlich, weshalb die Dokumente nicht geeignet seien, seine geltend ge- machte Bedrohung zu belegen. Es seien somit keine Hinweise auf eine D-2315/2011 Seite 5 mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft dro hende Verfolgung des Beschwerdeführers vorhanden. Diese Vorbringen des Be- schwerdeführers hielten somit den Anforderungen an die Flüchtlingse i- genschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. D. Mit Beschwerde vom 20. April 2011 (Poststempel) an das Bundesverwal- tungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin in materieller Hinsicht beantragen, es sei der Entscheid des BFM vom 18. März 2011 vollumfänglich aufzuheben und ihm hierzulande Asyl zu g e- währen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon ihm die vo r- läufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der u nentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D e- zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem sei fest- zustellen, dass die Beschwerde aufschieben de Wirkung habe. Überdies sei ihm zu allfälligen Stellungnahmen des BFM ein Replikrecht zu gewäh- ren. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Mit der Rechtsmittelschrift wurde ein mit einer fremdsprachigen Erklärung versehener Ausdruck eines im Internet veröf fentlichten Fotos (inklusive deutsche Übersetzung) sowie eine Fürsorgebestätigung vom 24. März 2011 eingereicht. E. Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 10. Mai 2011 wurde dem B e- schwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. Gleichzeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG im Endentscheid befunden und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet werde. F. Mit Schreiben vom 29. Juni 2011 (Poststempel: 6. Juli 2011) liess der Be- schwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin mehrere Ausdrucke von im Internet veröffentlichten Fotos, einen Ausdruck eines fremdsprachigen In-D-2315/2011 Seite 6 ternetartikels von Tamilwin.com vom 19. November 2008 (inklusive deutschsprachige Übersetzung) sowie ein en deutschsprachigen Zei- tungsartikel vom 6. November 2008 zu den Akten reichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz - würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist s o- mit – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung – einzutreten. 1.4. Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschieb ende Wi r- kung zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG), und das BFM hat in der angefochtenen Verfügung einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung nicht entzogen (vgl. Art. 55 Abs. 2 VwVG). Demzufolge ist auf das Begehren , es sei festzustellen, dass die Beschwer de aufschiebende Wirkung habe, mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. D-2315/2011 Seite 7 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtete das Bundesverwaltung s- gericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 4.2. Nach Lehre und Rechtsprech ung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beach t- licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so- fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu werden drohen. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zei t verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrschein- lichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinre i- chende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Die erlit tene Verfol- gung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Her- kunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Zudem muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.1. ff. S. 193 f. und dort zitierte Urteile). D-2315/2011 Seite 8 4.3. Grundsätzlich sind Vorbring en dann glaubhaft gemacht, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tats a- chen od er der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insb e- sondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vor bringen au s- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwi r- kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Rich- tigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. D a- bei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.; zu den Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen: vgl. statt vieler BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4.4. Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer den Wortlaut sämtlicher Protokolle mit seiner Unterschrift bestätigt hat und sich de s- halb seine Aussagen entgegenhalten lassen muss, zumal er die überse t- zenden Personen bei beiden Befragungen gut respektive deutlich ve r- standen haben will (Akten BFM A 1/11 S. 9, A 8/16 S. 2). Die Behauptung in der Rechtsmittelschrift, wonach sich im Verlaufe der Kurzbefragung mehrfach gezeigt habe, dass Missverständnisse aufgrund der Überse t- zung aufgekommen seien, findet in den Akten keine Stütze. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in dieser Befragung teilweise widersprüchlich beziehungsweise unklar äusserte (vgl. nachste- hend E. 4.5.1 f.). Der Einwand, es sei zu Missverständnissen gekommen, ist daher lediglich als Schutzbehauptung des Beschwerdeführers zu we r- ten, um die in der angefochtenen Verfügung aufgeführten, widersprüchl i- chen Aussagen zu rechtfertigen. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asyls u- chenden Person im Empfangszentrum zu den Asylgründe n ange sichts des summa rischen Charakters der Befragung f ür die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zukommt (vgl. EMARK 2005 Nr. 7 E. 6.2.1 S. 66 und die dort zitierte, weiterhin gültige Praxis). Widersprüche dürfen nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussa- gen im Empfangszentrum in wesentlichen Punkten der Asylbe gründung D-2315/2011 Seite 9 von den späteren Aussagen in der Anhörung beim Kanton oder beim BFM diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder B e- fürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits bei der Befragung im Empfangszentrum zumindest ansat z- weise erwähnt werden. 4.5. 4.5.1. Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seines Asylgesuchs einerseits geltend, Anfang 2008 sei ihm von der Armee anlässlich eines Round-up seine Identitätskarte abgenommen worden und man habe von ihm verlangt, diese Karte beim Armeecamp wieder abzuholen. Als er sich am nächsten Tag dort eingefunden habe, sei ihm vorgeworfen worden, die LTTE zu unterstützen, und man habe ihn zur Sp itzeltätigkeit aufgefor- dert. Zudem sei von ihm verlangt worden, jeden Tag vorbei zu kom men, um die Unterschrift zu leisten. Nachdem er dies fünfzehn Tage respektive einen Monat gemacht habe, sei ihm gesagt worden, er müsse nicht mehr vorbeikommen und unterschreiben. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist festzuhalten, dass die dies- bezüglichen Asylvorbringen des Beschwerdeführers in wesentlichen Punkten widersprüchlich sind. So führte er anlässlich der Kurzbefragung zuerst aus, er habe im Januar 2008 während fünfzehn Tagen in einem Camp Unterschrift leisten müssen, nachdem er von Soldanten festg e- nommen worden sei (A 1/11 S. 5), wohingegen er kurz darauf zu Protokoll gab, am 15. Januar 2008 sei seine Identitätskarte mitgenommen worden und er habe bis zum 15. Februar 2008 Unterschrift leisten müssen (A 1/11 S. 6). In der Anhörung machte er demgegenüber geltend, seine Ident i- tätskarte sei ihm am 15. Februar 2008 anlässlich eines Round -up abge- nommen worden und er habe in der Folge täglich bis zum 15. März 20 08 im Camp Unterschrift leisten müssen (A 8/16 S. 12). Als dem Beschwer- deführer anlässlich der Anhörung diese widersprüchlichen Aussagen vo r- gehalten wurden, war er nicht in der Lage, die Widersprüche aufzulösen (A 8/16 F107). Zudem ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nicht zu erklären vermochte, wozu er im Armeecamp habe die Unterschrift leis- ten müssen und aus welchem Grund er dies plötzlich nicht mehr habe tun müssen (A 8/16 S. 12 f.), was nicht nachvollziehbar ist, zumal eine Pe r- son, die tatsächl ich einer Meldepflicht unterworfen ist, deren Bedeutung kennt. An dieser Einschätzung vermögen auch die diesbezüglichen Vo r- bringen in der Rechtsmittelschrift nichts zu ändern. D-2315/2011 Seite 10 Nach dem Gesagten kann dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass ihm Anf ang 2008 von der Armee anlässlich eines Round -up seine Identitätskarte abgenommen wurde und er in der Folge wochenlang in ei- nem Armeecamp die Unterschrift leisten musste. 4.5.2. Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seines Asylgesuchs andererseits geltend, er sei am 20. März 2008 sowie an den beiden da r- auf folgenden Tagen von Mitgliedern der EPDP zu Hause gesucht wor- den, weswegen er befürchtet ha be, von der EPDP erschossen zu we r- den. Deswegen habe er sich zur Ausreise aus Sri Lanka entschlossen. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer auch hinsichtlich dieser Asylvorbringen erheblich w i- dersprochen hat. So machte er anlässlich der Kurzbefragung geltend, am 20. März 2008 seien drei oder vier Personen zu ihm nac h Hause gekom- men und hätten nach ihm gefragt sowie gesagt, sie wollten ein Fahrzeug kaufen (A 1/11 S. 6). Demgegenüber führte er bei der Anhörung diesbe- züglich aus, sie hätten nicht gesagt, was sie von ihm wollten (A 8/16 S. 10). Auf Vorhalt hin war er nicht in der Lage, den Widerspruch aufzulösen (A 8/16 S. 10). Zudem führte der Beschwer deführer anlässlich der Anhö- rung zuerst aus, seine Mutter habe ihm die vier unbekannten Personen nicht beschrieben (A 8/16 F87), während er kurz darauf zu Proto koll gab, sie habe ihm gesagt, die Personen hätten ein bisschen anders ausges e- hen, es seien grobe Leute gewesen (A 8/16 F89 f.). Überdies sagte der Beschwerdeführer in der Kurzbefragung aus, am 21. März 2008 seien die unbekannten Personen an seinem Haus vorbei gegan gen (A 1/11 S. 6), wohingegen er diesbezüglich bei der Anhörung zu Protokoll gab, sie sei- en mit ihren Motorrädern langsam an seinem Haus vorbeigefahren (A 8/16 F91 ff.). Im Weiteren ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit diesem Verfolgungsvorbringen unlogische Aussagen machte. So gab er anlässlich der Anhörung einerseits zu Protokoll, er h a- be seit dem ersten Besuch der unbekannten Personen am 20. März 2008 nie mehr zu Hause geschlafen (A 8/16 S. 9), während er kurz darauf e r- klärte, er habe nach der ersten Suche der unbekannten Leute nicht g e- dacht, dass es etwas Wichtiges sei (A 8/16 F91). Hätte der Beschwerde- führer dem ersten Besuch der unbekannten Personen am 20. März 2008 tatsächlich keine Bedeutung beigemessen, hätte er sicherlich weiterhin zu Hause übernachtet. Nach dem Gesagten ist es auch nicht glaubhaft, dass der Beschwerd e- führer im März 2008 von Mitgliedern der EPDP zu Hause gesucht wurde. D-2315/2011 Seite 11 4.5.3. Da – wie soeben ausgeführt – dem Beschwerdeführer die von ihm geltend gemachte Verfolg ung durch die sri -lankische Armee respektive die EPDP im Jahre 2008 nicht geglaubt werden kann, ist auch seine Be- hauptung, wonach er in Sri Lanka gefährdet sei, da er die LTTE bis Mitte 2006 unterstützt habe, indem er Leute chauffiert und Geld gesammelt ha- be, unglaubhaft. Wäre der Beschwerdeführer den sri -lankischen Sicher- heitsbehörden tatsächlich als LTTE-Aktivist bekannt gewesen und hätten diese deswegen ein Interesse an seiner Person gehabt, wären sie mit Si- cherheit anders vorgegangen und hätten ein Verf ahren gegen ihn eröff- net. Der Um stand, dass dies nicht geschehen ist , lässt die geltend g e- machte Gefährdung als unwahrscheinlich erscheinen. Gegen die behaup- tete Verfolgung des Beschwerdeführers durch die sri-lankische Armee beziehungsweise die EPDP spricht zudem, dass er gemäss eigenen Aus- sagen im Juli 2006 auf Ersuchen seiner Familie aus dem Armeecamp entlassen worden ist, als man ihn dort wegen des Verdachts, eine Bombe auf ein Armeecamp geworfen zu haben, fest gehalten hat. Es ist nicht da- von auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits nach so kurzer Zeit von der sri-lankischen Armee freigelassen worden wäre, hätte sie ihn ta t- sächlich ernsthaft verdächtigt, die LTTE in irgendeiner Form zu unterstü t- zen, da dies dem üblichen Vorgehen de r sri-lankischen Behörden wider- sprechen würde. Das Vorbringen in der Beschwerde, wonach es möglich sei, dass die Armee erst später von den LTTE -Aktivitäten des Beschwer- deführers erfahren habe, wes halb es nicht auszu schliessen sei, dass er zum Zeitpunkt seiner Flucht ge fährdet gewesen sei, überzeugt nicht, da dafür keine rlei Belege beigebracht werden. Auch die Aussage des B e- schwerdeführers, wonach in den Jah ren 2006 und 2007 mehrere seiner Freunde, die mit ihm die LTTE unterstützt hätten, erschossen worden sei- en, vermag seine Gefährdung nicht als wahrscheinlich erscheinen zu la s- sen, zumal aus diesen Ereignissen nicht geschlossen werden kann, dass auch er in Sri Lanka verfolgt wird . Aus den Fotos, dem Zeitungsbericht sowie den Todesanzeigen, die er zum Beleg dieses Vorbringens eing e- reicht hat, geht nämlich nicht hervor, dass er mit den Todesfällen in Z u- sammenhang steht. Schliesslich ist auch seine Aussage, wonach sein Bruder F._______ im Jahre 1992 als LTTE -Märtyrer gestorben sei, nicht geeignet, seine behauptete Gefährdung in Sri Lanka glaubhaft zu m a- chen, zumal der Märtyrertod seines Bruders nicht automatisch b edeutet, dass auch er in Sri Lanka verfolgt wird. Aus den genannten Gründen ergibt sich, dass die Behauptung des Be- schwerdeführers, wonach er in Sr i Lanka von der sri-lankischen Armee respektive der EPDP verfolgt werde, da er die LTTE bis Mitte 2006 unte r-D-2315/2011 Seite 12 stützt habe, als nicht überwiegend wahrscheinlich und somit als nicht glaubhaft im Sinne v on Art. 7 AsylG zu erachten ist . Vielmehr ist davon auszugehen, dass es si ch bei der behaupteten Verfolgungssituation um ein Konstrukt des Beschwerdeführers handelt. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass das schweizerische Asylrecht nicht dem Ausgleich erlittenen Unrechts dient. Insofern vermögen die Festnahme im Juli 2006 durch die sri -lankische Armee und die darauf folgende Festha l- tung im Armeecamp, von denen der Beschwerdeführer betroffen gewesen sein will, heute eine Asylgewährung nicht zu begründen. 5. 5.1. In der Rechtsmittelschrift sowie im Schreiben vom 29. Ju ni 2011 wird weiter geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe in der Schweiz an Demonstrationen teilgenommen, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auch aus diesem Grund gefährdet sei. Zum Beweis dieser exilpoli- tischen Tätigkeiten reichte er unter anderem mehrere Ausdrucke von im Internet veröffentlichten Fotos ein. 5.2. Flüchtlingen wird kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausre i- se aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Artikel 3 wurden (Art. 54 AsylG). Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation erst geschaf- fen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjekti ve Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingse i- genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden (BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Massgeblich ist, ob vorliegend die sri -lankischen Behörden das Verhalten des Beschwerdeführers als staatsfeindlich einstufen und dieser desw e- gen bei der Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die A nforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG). 5.3. Gemäss eigenen Aussagen hat der Beschwerdeführer im Zeitraum vom November 2008 bis Mai 2009 in der Schweiz an mehreren Demonst- rationen gegen die sri -lankische Regierung teilgenommen, wobei jedoch D-2315/2011 Seite 13 nur die Teilnahme an einer Demonstration im November 2008 mit Fotos belegt wird. 5.4. Das Überprüfungsverfahren ist für alle Personen, die nach Sri Lanka zurückkehren, das gleiche Prozedere. Nach einer Überprüfung der Staatsangehörigkeit werden die Ankömmlinge am Flughafen durch die Criminal Investigations Division (CID) und den State Intel ligence Service (SIS) befragt, um Informationen über den Menschenhandel zu erlangen. Im Falle eines Vorliegens eines solchen kriminellen Hintergrundes einer Person wird Kontakt mit der zuständigen Polizeidienststelle aufgeno m- men. Abgewiesene Asylsuchende m it einer LTTE-Vergangenheit werden von der Polizei wie auch vom Terrorist Investigation Departement (TID) festgehalten und befragt (vgl. zum Ganzen die Antwortmeldung der I m- migration and Refugee Board of Canada vom August 2011 [http://www.irb-cisr.gc.ca:8080/RIR_RDI/RIR_RDI.aspx?id=453562&l=e]; RAINER MATTEN, Sri Lanka: Aktuelle Situation, Update, Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], 1. Dezember 2010, S. 23). Aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers ist davon auszug e- hen, dass er lediglich im Zeitraum von November 2008 bis Mai 2009 an Demonstrationen gegen die sri -lankische Regierung teilgenommen hat, was den Schluss zulässt, er habe sich in der Schweiz damals wie zahlrei- che andere Personen auch an Demonstrationen bete iligt, in denen die in der Endphase des sri -lankischen Bürgerkriegs sowohl seitens der sri - lankischen Armee als auch der LTTE an der Zivilbevölkerung begangenen massiven Menschenrechtsverletzungen angeprangert worden sind. Dabei handelte es sich freilich u m Massendemonstrationen, so dass allein de s- halb ausgeschlossen werden kann, dass dem Beschwerdeführer aus e i- ner Teilnahme an Demonstrationen im Falle einer Rückkehr nach Sri Lan- ka irgendwelches Ungemach drohen könnte. Da zudem nicht davon au s- zugehen ist, d ass er von den sri -lankischen Sicherheitsbehörden au f- grund der von ihm geltend gemachten Unterstützung der LTTE bis Mitte 2006 irgendwelche Nachteile zu befü rchten hat (vgl. vorstehend E. 4.5), kein ausstehender Haftbefehl oder Vorstrafen gegen ihn bekannt sind und er keine Verbindungen zu Medien oder NGO's hat (vgl. dazu RAINER MATTEN, Sri Lanka: Situation für aus dem Norden oder Osten stammende TamilInnen in Colombo und für RückkehrerInnen nach Sri Lanka, The- menpapier, Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], 22. September 2011, S. 14 ff.), kann davon ausgegangen werden, dass er bei der Einre i- se nach Sri Lanka nur in der üblichen Form befragt wird, zumal keine An- haltspunkte dafür bestehen, dass er sich hier in der Schweiz im nahen D-2315/2011 Seite 14 Umfeld der LTTE bewegt. Es liegen dem Bundesverwaltungsgericht keine Informationen vor, dass dieser übliche Ablauf nicht rechtsstaatlichen Kon- ventionen entspricht. Fo lglich vermag vorliegend die mehrjährige Lan- desabwesenheit des Beschwerdeführers und die Einreichung des Asy l- gesuchs in der Schweiz keine Flüchtlingseigenschaft zu begründen (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 9.4). Dies gilt selbst dann, wenn es zutreffen sollte, dass er Sri Lanka illegal verlassen hat (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3145/2011 vom 13. April 2012 E. 5.2). 6. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile erlitten hat oder solche bei der Au s- reise zu befürchten hatte oder i m Falle der Rückkehr nach Sri Lanka be- fürchten müsste. Die Rüge in der Rechtsmittelschrift, wonach der Sac h- verhalt ungenügend festgestellt worden sei, erweist sich als unbegründet. Es besteht deshalb kein Anlass, die Sache zur Neubeurteilung an die Vor- instanz zurückzuweisen. Nach dem Gesagten erübrigt es sich, auf die Ausführungen und Einwände in der Beschwerde sowie die eingereichten Beweismittel im Einzelnen weiter e inzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 7. 7.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 8. 8.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom D-2315/2011 Seite 15 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmac hung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens gla ubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. 8.2.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun - gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Au s- reise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizeri- schen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No- vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder e r- niedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2. Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtl ich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde - führers nach Sri Lanka ist demnach unter de m Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. D-2315/2011 Seite 16 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung so wohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3. 8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerk rieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinn en und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 8.3.2. Das Bundesverwaltungsgericht nahm im zur Publikation vorges e- henen Urteil BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 eine umfassende Analyse der Situation in Sri Lanka vor. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich weitgehend stabilisiert und no r- malisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar zu erachten ist (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist indes gebietsweise sehr unter- schiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit u n- ter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz unter Auss chluss des sogenannten "Vanni - Gebietes") keine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem ist die dortige pol i-D-2315/2011 Seite 17 tische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im hum a- nitären und wi rtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zu- rückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio -ökonomische und med i- zinische Aspekte, Kindeswohl etc.) ist dabei auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgega n- gen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens- und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeit- punkt der Ausreise geherrscht hat und dem Wegweisungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umständ e aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden L e- bens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutba r- keit des Wegweisungsvollzuges hin zu ü berprüfen. In diesem Zusa m- menhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Bezi e- hungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Exi s- tenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. a.a.O. E. 13.2.1). 8.3.3. Der junge und – gemäss den Akten – gesunde Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt E._______, wo er bis zu seiner Ausreise aus Sri Lanka wohnte (A 1/11 S. 1). Dort leben nach wie vor seine Mutter, seine Schwester, sein jüngerer Bruder sowie weitere nahe Verwandte (A 1/11 S. 3, A 8/16 S. 4). Es lieg en keine aktuelleren Erkenntnisse vor, die zur A n- nahme führen könnten, dass die Familienangehörigen des Beschwerd e- führers sich heute nicht mehr im Distrikt E._______ aufhalten würden. In Erwägung zu ziehen ist ausserdem, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Aussagen ü ber eine gute Schulbildung sowie Berufserfah rung als (…) und (…)verfügt. D-2315/2011 Seite 18 Es erweist sich somit, dass der Beschwerdeführer die vom Bundesve r- waltungsgericht in der Lagebeurteilung vom 27. Oktober 2011 bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka formulierten Kriterien erfüllt. Er wird nach der Rückkehr in sein Heimatland sowohl auf die Unterstützung seiner im Distrikt E._______ lebenden Familie zählen können und bei seinen Angehörigen eine Unterkunftsmöglichkeit vorfi n- den, als auch in Zu kunft in der Lage s ein, sich dank seiner guten Schul- bildung und beruflichen Kenntnisse wieder wirtschaftlich zu integrieren. Insbesondere genügen blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigke i- ten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroff en ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG dar- zustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). In casu liegen keine Anhalt s- punkte vor, die darauf schliessen liessen, der Beschwerdefü hrer sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt, weshalb der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu bezeichnen ist. 8.4. Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung man- gels ak tenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG ist. 8.5. Der Vollzug der Wegweisung steht somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und ist zu bestätigen. Nach dem Gesa g- ten fällt eine Anordnung der vorläufige n Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 10. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten dem mit seinen Begehren unterlegenen Beschwerdeführer zu überbinden (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser hat aber im Rahmen der Beschwerdebegehren ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt. G e- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einre i- chung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Dem Beschwerdeführer kann nicht D-2315/2011 Seite 19 vorgehalten werden, seiner Beschwerde habe es im Zeitpunkt der Bea n- tragung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Blick auf die Erfolgsaussich- ten an der nötigen Ernsthaftigkeit gefehlt (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Zudem wird seine prozessuale Bedürftigkeit durch die eingereichte Fürsorgebestätigung vom 24. März 2011 hinreichend belegt. Da mit sind beide kumulativ erforderlichen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb gutzuheissen, und der Beschwerdeführer ist von der Pflicht zur Kostentragung zu befreien. Infolged essen sind ihm trotz seines Unterli e- gens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-2315/2011 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgel tlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: