Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Dezember 2013 (720 13 109) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bei quasi selbstständigen Erwerbstätigen einer eigenen GmbH ist das für die Invalidi- tätsbemessung massgebende Erwerbseinkommen einzig aufgrund ihrer Mitarbeit im Be- trieb zu bestimmen; mangels zuverlässiger Angaben in den Geschäftsabschlüssen An- wendung der ausserordentlichen Bemessungsmethode Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdefü hrer , vertreten durch Sara Krumm , Advokatin , Waldmann Faesch & Partner, Gerbergasse 1, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1951 geborene A.____ ist ausgebildeter Mechanike r. Seit 1997 hat er im Vollpen- sum eine eigene Reinigungsfirma, die B.____ GmbH, geführt. Nebst dem Erstellen der Einsatz- pläne ist er zusammen mit zwei Angestellten vollständig mit Reinigungsarbeiten beschäftigt gewesen, während sich seine Ehefrau um die übrigen Büro arbeiten gekümmert hat. Am 8. Ok- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tober 2007 fiel er während der Arbeit beim Reinigen eines Dachfensters aus rund sieben Me- tern vom Dach. Dabei erlitt er unter anderem Verletzungen am linken Handgelenk, eine Radius- fraktur rechts, eine Gesichtsschädelfraktur, diverse Zahnverletzungen sowie eine Hüftkontusion rechts. Im späteren Verlauf wurde ärztlicherseits ein Verd acht auf eine leichte traumatische Hirnverletzung mit persistierenden leichten kognitiven Defiziten geäussert. B. Am 15. August 2008 meldete sich der Versicherte zum L eistungsbezug bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die IV-Stelle B asel-Landschaft (IV-Stelle) hat in der Folge die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsan stalt (SUVA) beigezogen, Abklä- rungen in beruflich-erwerblicher Hinsicht vorgenommen sowie in medizinischer Hinsicht insbe- sondere ein neurologisches Gutachten vom 22. Oktober 2012 eingeholt. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens hat sie mit Verfügung vom 4. Mä rz 2013 einen Rentenanspruch unter Hinweis auf einen IV-Grad von 25% abgelehnt. D en IV-Grad hat sie dabei anhand eines Einkommensvergleichs in der faktisch selbstständigen Tätig keit des Versicherten für dessen Reinigungsfirma bemessen, wobei sie das Valideneinkomme n in der Höhe von Fr. 78‘908.— anhand der Buchhaltungsabschlüsse der Jahre 2002 bis 2 006 errechnet und das Invalidenein- kommen für das Jahr 2011 mit Blick auf eine Restarbeitsfä higkeit von 40% ausgehend vom Lohn und vom Betriebsgewinn im Umfang von Fr. 109‘523.— mit Fr. 58‘726.— beziffert hat. C. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertre ten durch Sara Krumm, Advokatin, am 4. März 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kan tons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte , es sei ihm rückwirkend ab 1. Feb- ruar 2009 eine Dreiviertelrente der IV zuzusprechen. Ev entualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme eines neuen Betätigungsvergleichs an die IV-S telle zurückzuweisen, unter o/e- Kostenfolge. D. Zusammen mit ihrer Vernehmlassung vom 8. Juli 2013 reichte die IVS-Stelle einen er- gänzenden Bericht ihres Abklärungsdienstes vom 26. April 2013 ein, wonach der unentgeltlich geleistete Mehraufwand der Ehefrau des Beschwerdeführ ers für die Jahre 2008 und 2009 auf- gerechnet, für die Jahre 2010 und 2011 hingegen keine Korrektur vorgenommen worden ist, weil das Einkommen im Vergleich zum hypothetischen Verdien st der Ehefrau nach Lohnstruk- turerhebung (LSE) in einer vergleichbaren Tätigkeit höher gewesen sei. Gestützt auf diese Ab- klärungen hielt die IV-Stelle an der Bemessungsmethode des Einkommensvergleichs fest und schloss auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 12. Juli 2013 reichte die IV-Stell e eine weitere Stellungnahme ihres Abklärungsdienstes vom 11. Juli 2013 ein. Dabei hielt sie fest, dass der Treuhänder des Versi- cherten mittlerweile die Rückfragen des Abklärungsdienst es beantwortet habe. Daraus gehe hervor, dass im Jahr 2011 eine Einkommensverschiebung vom Beschwerdeführer hin zu seiner Ehefrau stattgefunden habe, weshalb die Zahlen aus dem Jahre 2011 nicht für die Ermittlung der Erwerbseinbusse verwendet werden dürften. Mit Re plik vom 16. September 2013 liess sich der Beschwerdeführer dazu vernehmen und hielt dabei an seinen bereits beschwerdeweise geltend gemachten Rechtsbegehren fest. Die IV-Stelle hielt mit Duplik vom 23. September 2013 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht an ihrem Abweisungsantrag fest. Mit Eingabe vom 8. Okt ober 2013 reichte die Rechtsvertrete- rin des Beschwerdeführers ihre Honorarnote ein. Auf die Standpunkte der Parteien wird – soweit erfor derlich – in den nachfolgenden Erwägun- gen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der IV-Stelle Basel- Landschaft vom 12. Juni 2012, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist so- mit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be schwerde zuständig. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der ang efochtenen Verfügung vom 4. März 2013 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Inva lidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens z u 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist. Als Invalidität, welche Folge von Geburtsgebrechen, Krankhe it oder Unfall sein kann, gilt die vo- raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesond ere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3. Unter den Parteien zu Recht unbestritten geblieben ist die noch verbleibende Restarbeits- fähigkeit des Versicherten sowohl in seiner angestammten T ätigkeit als Gebäudereiniger als auch in einer alternativen Verweistätigkeit, wie sie im Gutachten von Dr. C.____, FMH Neurolo- gie, vom 22. Oktober 2012 (vgl. IV-Dok Nr. 61) festgel egt worden ist. Dieses Gutachten basiert auf sämtlichen relevanten Vorakten sowie auf umfangrei chen, eigenen anamnestischen Erhe- bungen und Untersuchungen im explorierten Fachgebiet. Es ist nachvollziehbar erläutert und nimmt umfassenden Bezug zu früheren Untersuchungen sowie den dort erhobenen Befunden. Wie bereits der Stellungnahme des RAD vom 23. November 2012 entnommen werden kann (vgl. IV-Dok Nr. 62), erfüllt es damit die rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien an eine aussagekräftige und schlüssige Expertise (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Der begutachtende Neurologe gibt eine nachvol lziehbare Einschätzung der dem Versi- cherten noch zumutbaren Arbeits- und Leistungsfähigkeit ab. Sowohl Dr. C.____ als auch der RAD bestätigen dem Beschwerdeführer aufgrund einer le ichten bis mittelschweren neuropsy- chologischen Funktionsstörung eine Arbeits- und Leistungsf ähigkeit von 40%. Daran ist festzu- halten. 4. Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht hinsichtlich der Bemessung des Invaliditäts- grads. Der Beschwerdeführer stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, beim Validenein- kommen sei die Geschäftsentwicklung seines Unternehmens unb erücksichtigt geblieben. Als Valideneinkommen sei mindestens das an die Teuerung a ngepasste Einkommen des Jahres 2006 in der Höhe von Fr. 94‘584.— respektive dessen Du rchschnitt in den Jahren 2006 und 2007 von Fr. 96‘155.— zu berücksichtigen. Auch beim Invali deneinkommen seien die tatsächli- chen Gegebenheiten ausser Acht geblieben. So sei nicht ersichtlich, weshalb das zu tiefe Ein- kommen der Ehefrau auf der Basis der LSE berechnet word en sei, habe sie doch unbestritte- nermassen die Geschäftsführung übernommen und daher mi ndestens gleich viel zu Gute, wie der Beschwerdeführer selbst noch vor dem Unfall bezogen habe. Entsprechend belaufe sich der Geschäftsverlust im Jahr 2009 auf Fr. 67‘425.— und d as Einkommen des Beschwerdefüh- rers auf lediglich noch Fr. 31‘621.—. In Gegenüberstell ung mit dem Valideneinkommen von Fr. 96‘155.— resultiere ein IV-Grad von 67%. Die Argu mentation der IV-Stelle, wonach ein nied- rigerer Lohn des Beschwerdeführers zu einem Anstieg des Be triebsgewinns führen müsse, ge- he fehl. Selbst bei einem Betätigungsvergleich resulti ere ein Anspruch auf eine halbe IV-Rente. Die IV-Stelle vertritt demgegenüber die Auffassung, d ass die zu Grunde gelegte Bemessung den massgebenden Richtlinien entspreche. Der teilweise u nentgeltliche Mehraufwand seitens der Ehefrau in den Jahren 2008 und 2009 sei aufgerech net und dem Geschäftsaufwand belas- tet worden. Da in den Jahren 2010 und 2011 ein höher er Nettolohn als berechnet ausbezahlt worden sei, sei für diese Phase keine Korrektur erfolgt . Im Jahr 2011 habe eine Einkommens- verschiebung vom Beschwerdeführer zu seiner Ehefrau stattgefunden. Zudem habe sich in die- sem Jahr die gesundheitliche Situation nicht verändert, weshalb die für das Jahr 2011 ausge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiesenen Geschäftszahlen nicht für die Ermittlung der E rwerbseinbusse herangezogen werden dürften. 4.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, wes- halb in der Regel vom letzten Lohn, den der Versichert e erzielt hat, auszugehen ist (ZAK 1990 S. 519 E. 3c). Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall be kannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. 4.2 Namentlich bei Selbständigerwerbenden kann sich eine zuverlässige Ermittlung der bei- den hypothetischen Vergleichseinkommen als schwierig od er unmöglich erweisen. Lässt sich das hypothetische Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermit teln oder schätzen, so ist in An- lehnung an die Methode für Nichterwerbstätige ein Bet ätigungsvergleich anzustellen (vgl. dazu Art. 5 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG; vgl. da zu UELI KIESER , a.a.O. N 13 ff. und N 20 zu Art. 8), und der Invaliditätsgrad ist nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der vermin- derten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerbliche n Situation zu bestimmen. Diesfalls ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbed ingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche A uswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsve rmögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbse inbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 137 E. 2c; AHI-Praxis 1998 S. 120 E. 1a; Kreisschreiben über Invalid ität und Hilflosigkeit in der Invaliden- versicherung [KSIH] Rz. 3112 ff.). Eine gesetzliche Regelung, welche Bemessungsmethode bei selbständig Erwerbenden anzuwenden ist, gibt es nicht. W elche Methode Anwendung findet, hängt somit in erster Linie davon ab, ob sich das hypothetische Erwerbseinkommen zuverlässig schätzen lässt (allgemeine Methode) oder nicht (ausserord entliche Methode). Anzufügen ist in diesem Zusammenhang, dass den Verwaltungsbehörden bezüg lich der Auswahl der Methode ein gewisser Ermessensspielraum zusteht, in den das Gericht nicht ohne Not eingreift. 4.3 Bei selbständig Erwerbenden, welche allein oder zu sammen mit Familienmitgliedern einen Betrieb bewirtschaften, ist das für die Invaliditä tsbemessung massgebende Erwerbsein- kommen einzig aufgrund ihrer eigenen Mitarbeit im Betrieb zu bestimmen. Abzustellen ist einzig auf jene Einkünfte, welche die versicherte Person selber d urch ihr eigenes Leistungsvermögen zumutbarerweise realisieren kann (Art. 25 Abs. 2 IVV). Die Gegenüberstellung der vor und nach Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eintritt eines invalidenversicherungsrechtlichen Versicheru ngsfalles in einem Gewerbebetrieb realisierten Geschäftsergebnisse nach Massgabe der Einkomm ensvergleichsmethode lässt daher zuverlässige Schlüsse auf die invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse nur dort zu, wo mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, dass die Betriebsergebnisse durch invaliditätsfremde Faktoren beeinflusst worden sin d. Die Bemessung des Invalidenein- kommens eines Selbständigerwerbenden nach Massgabe der er zielten Betriebsergebnisse kann daher nur zu einem rechtskonformen Einkommensverglei ch führen, wenn hierfür allfällige invaliditätsfremde Faktoren konsequent ausgesondert w erden können. Abweichend von der AHV-Beitragsbemessung sind demnach invaliditätsfremde Aufwendungen und Erträge bei der Ermittlung der Vergleichseinkommen aufzurechnen oder a uszuscheiden, soweit sie aus den vorgelegten Bilanzen ersichtlich sind oder anhand der B uchhaltungsunterlagen überhaupt nachgewiesen werden können. Tatsächlich sind aber für di e jeweiligen Geschäftsergebnisse eines Gewerbebetriebes häufig zahlreiche schwer überbl ickbare Komponenten wie etwa die Konjunkturlage, die Konkurrenzsituation, der kompensat orische Einsatz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder insbesondere von Familienange hörigen von massgeblicher Bedeutung. Eine verlässliche Ausscheidung der auf solche (invaliditätsfremde) Faktoren zurückzuführenden Einkommensanteile einerseits und der auf dem eigenen L eistungsvermögen der versicherten Person beruhenden Einkommensschöpfung andererseits ist in solchen Fällen in der Regel auf Grund der Buchhaltungsunterlagen nicht möglich, sodass die Invaliditätsbemessung nach der Methode des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zu erfolgen hat (Urteil des Bundesge- richts vom 17. April 2007, I 70/06, E.4.3). Die Vorau ssetzungen für die Anwendung des ausser- ordentlichen Bemessungsverfahrens mit erwerblich gewichtet em Betätigungsvergleich können dabei grundsätzlich auch bei faktischen Alleininhabern ei ner Gesellschaft, in welcher der Ehe- partner mithilft, gegeben sein (BGE 128 V 30 E. 1 m it Hinweisen; Urteil des Kantonsgerichts vom 17. Oktober 2008, 720 08 136, E. 5.4.3). 4.4 Nach der Rechtsprechung gilt im Gebiet der Invali denversicherung ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmö glich zu mildern; deshalb besteht kein Rentenanspruch, wenn die Person selbst ohne Eingliede rungsmassnahmen zumutbarerweise in der Lage wäre, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (AHI-Praxis 2001 S. 282, E. 5a/aa; BGE 113 V 28 E. 4a). Auf Grund di eser Schadenminderungspflicht darf des- halb insbesondere von selbständigen Erwerbstätigen er wartet werden, dass sie sich im Betrieb soweit möglich so organisieren, dass sie Arbeiten verricht en können, die ihnen gesundheitshal- ber noch zumutbar sind. Ist dies überhaupt nicht möglich oder erscheint die bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen als ungeeignet, so steht die Aufnahme einer unselbstständigen (Haupt-)Erwerbstätigkeit zur Diskussion. Nach der Rechtspre chung kann eine solche als zu- mutbar erscheinen, wenn hievon eine bessere erwerbliche Verwertung der Arbeitsfähigkeit er- wartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstän- de (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisher igen Tätigkeit, persönliche Lebensumstän- de) als zumutbar erscheint (Urteil K. des damaligen EVG vom 7. Juni 2006, I 38/06, E. 3.2 mit Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die Parteien gehen davon aus, dass der Beschwerdef ührer als Selbständigerwerben- der zu betrachten ist. Dieser Ansicht ist zuzustimmen. De r Versicherte ist zwar bei der GmbH angestellt, gemäss Handelsregisterauszug ist er jedoch Gese llschafter mit einem Hauptanteil von 95% der Stammeinlagen und einzelzeichnungsberechti gter Geschäftsführer bzw. Vorsit- zender der Geschäftsführung. Zuvor war er von 1983 bis Ende 1996 als Einzelfirma selbständig erwerbstätig. Strittig zwischen den Parteien ist dagegen in erster Linie, ob die Invalidität des Versicherten als Selbständigerwerbender nach der allgeme inen Methode des Einkommensver- gleichs oder aber nach der Methode des ausserordentliche n Bemessungsverfahrens zu erfol- gen hat. Im Rahmen der erwerblichen Abklärungen hatt e der Abklärungsdienst den IV-Grad in einem ersten Schritt noch nach dem ausserordentlichen Verf ahren bemessen (vgl. Abklärungs- bericht der IV-Stelle vom 24. September 2010, IV-Dok Nr. 31). Dabei war er zum Ergebnis ge- kommen, dass der Betätigungsvergleich die vom Versicherten und dessen Ehefrau geltend ge- machten Einschränkungen in kognitiver Hinsicht widerspiegl e und mit einem IV-Grad von 49,95% eine Differenz zur medizinischen Einschätzung re sultiere (vgl. a.a.O., S. 17). In ihrer Verfügung vom 4. März 2013 hat die IV-Stelle die Beme ssung des Invaliditätsgrads demgegen- über nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs vorgenommen. 5.2 Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Ehefrau des Ver sicherten den Betrieb bereits während des Spitalaufenthalts des Versicherten weiterführen musste, nachdem sie zuvor ledig- lich Büroarbeiten verrichtet hatte (vgl. Abklärungsberich t Selbständigerwerbende vom 24. Sep- tember 2010, IV-Dok Nr. 31, S. 2). Seither seien die organisatorischen Aufgaben mehrheitlich von ihr übernommen und insbesondere auch Kundenkontakte vo n ihr gepflegt worden. Sie füh- re abends die Schreib- und tagsüber Reinigungsarbeite n vor Ort aus. Die Unterhaltsreinigung laufe zwischenzeitlich vollumfänglich über die Ehefrau (vgl . a.a.O., S. 14). Das entsprechende Reinigungsmaterial werde nunmehr ausschliesslich durch die Ehefrau besorgt und verteilt (vgl. a.a.O., S. 15). Die Aufträge seien irgendwie be wältigt worden, wobei die Ehefrau hierfür temporär zusätzliches Personal engagiert habe. Anderersei ts geht aus dem entsprechenden Abklärungsbericht aber auch hervor, dass die Firma insbeso ndere im Bereich der Grossreini- gungen von Schulen und dergleichen nicht mehr mithalten konnte (vgl. a.a.O., S. 6). Mit Blick auf das Auftragsvolumen hätten grössere Projekte wegen fehlenden Möglichkeiten des Versi- cherten nicht mehr ausgeführt werden können. Die bestehenden Kunden habe man zu erhalten versucht. Ausserdem habe die Ehefrau neue Kunden, primä r in der Unterhaltsreinigung, akqui- riert. Es seien zwei Personen zu insgesamt 130-Stellenprozenten fest und weitere Teilzeitange- stellte auf Abruf eingestellt worden; konkrete Lohnanga ben hierüber seien allerdings nicht vor- handen. Auch der Vorarbeiter habe einzelne Aufgaben bereiche des Versicherten vor Ort über- nehmen und deshalb Überstunden leisten müssen (vgl. a.a .O., S. 6 f., S. 14 sowie Ziffer 4.1). Sporadisch hätten zusätzlich auch die Söhne im Betrieb mitgeholfen. Seit dem Unfall des Ver- sicherten seien zusätzlich sieben Teilzeitpersonen im Betr ieb tätig. Dabei sei allerdings festzu- stellen, dass der Lohn der Ehefrau mit ihrem Einsatz un d mit ihrer Funktion als Geschäftsführe- rin nicht übereinstimme. Deren Gehalt sei weder der ne uen Funktion noch ihrer Verantwortung angepasst worden. Seit 2006 habe eine Umsatzzunahme sta ttgefunden, da neue Kundenauf- träge aus dem Umfeld der Söhne akquiriert und eine ne ue Website durch den Sohn aufgebaut worden sei. Demgegenüber erhalte der Versicherte den A ussagen der Familie zufolge einen Soziallohn, da dessen Einkommen weder der neuen Situa tion noch seinen gesundheitlichen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einschränkungen angepasst worden sei. Konkrete Angaben ü ber die Höhe der Löhne des Ver- sicherten und dessen Ehefrau, wie sie der aktuellen Sit uation entsprechen würden, seien keine möglich. Auf der Basis der LSE des Jahres 2008 resultiere ein hypothetisches Jahres- Einkommen der Ehefrau von Fr. 60‘505.—. Betriebliche Anpassungen seien mit der Anstellung von zusätzlichen Personal und der Geschäftsübernahme dur ch die Ehefrau erfolgt (vgl. a.a.O., S. 10, 12, 17). 5.3 Wie der Beschwerdeführer zu Recht rügt, sind die Be triebsergebnisse im vorliegenden Fall durch verschiedene Faktoren beeinflusst worden, so d ass nicht mehr zuverlässig genug eruierbar ist, wie hoch die Einkünfte, welche der Versi cherte durch sein eigenes Leistungsver- mögen selbst zumutbarerweise noch realisieren könnte, ta tsächlich ausgefallen sind. Im Vor- dergrund steht die Tatsache, dass die Ehefrau des Beschw erdeführers nach dem Unfall ihren Einsatz im Betrieb von einer kleinen Nebenbeschäftigung mit teils nur untergeordnetem Anfor- derungsprofil zu einer Vollzeitbeschäftigung als Geschä ftsführerin hat ausbauen müssen. Der von ihr seither zu verantwortende Geschäftserfolg kann ind es nicht einfach dem Beschwerde- führer zugerechnet werden, nur weil es sich um ein Ehepa ar handelt, bei welchem es intern keine Rolle spielt, welcher von beiden Ehepartnern das F amilieneinkommen letztlich generiert. Insofern beruht das von der IV-Stelle ihrer Verfügung vom 4. März 2013 zu Grunde gelegte In- valideneinkommen bereits aus grundsätzlichen Überlegunge n auf Unwägbarkeiten, welche auch mittels nachträglicher Aufrechnung des von der Eh efrau unentgeltlich geleisteten Mehr- aufwands gegenüber den Buchhaltungsabschlüssen nicht zuver lässig abgegrenzt werden kön- nen. 5.3.1 Nicht zu überzeugen vermag in erster Linie, dass d as Anrechnen eines hypothetischen Lohns der Ehefrau gestützt auf der LSE-Basis eines theo retischen Jahreslohns von Fr. 65‘505.— erfolgt ist (vgl. Abklärungsbericht Selbständ ige vom 24. September 2010, IV-Dok Nr. 31, S. 9 und 12). Es ist zu berücksichtigten, dass ihr Ehemann als Valider gemäss den Be- rechnungen der IV-Stelle in den Jahren 2002 bis 2006 durchschnittlich einen deutlich höheren Jahresverdienst von Fr. 78‘826.— erzielt hatte (vgl. a.a .O., S. 31, S. 12). Geht man zusammen mit der IV-Stelle davon aus, dass eine Einkommensverschiebung vom Beschwerdeführer hin zu seiner Ehefrau stattgefunden hat (vgl. Eingabe der IV- Stelle vom 12. Juli 2013; ebenso Abklä- rungsbericht der IV-Stelle vom 11. Juli 2013, a.E.), so wäre konsequenterweise das zuvor dem Beschwerdeführer angerechnete Valideneinkommen nunmeh r als Einkommen der Ehefrau zu berücksichtigen gewesen. Zumal fragwürdig ist, ob angesic hts der umfassenden Geschäftsfüh- rung durch die Ehefrau seit dem Unfallereignis vom 8. Dezember 2007 nicht von einem höheren Anforderungsprofil als das vom Abklärungsdienst zugrunde gelegte Niveau 3 (vgl. a.a.O., S. 31 a.E.) und mithin von einem höheren Lohn der Ehefrau als Basis für die vorgenommene Anrech- nung auszugehen wäre (entsprechend der für den Eheman n vorgenommenen Gewichtung ge- mäss Anforderungsniveau 1+2; vgl. Abklärungsbericht Selbst ändige, Tabelle, IV-Dok Nr. 31, S. 16), vermag die Kombination von konkreten Geschäftszah len mit hypothetischen Annahmen betreffend den Lohn der Ehefrau mittels Abgleichs anh and der LSE aber auch aus weiteren Gründen nicht zu überzeugen. Einerseits basiert der Tab ellenlohn gemäss LSE auf einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden, dem gegenüber die Ehefrau des Versi- cherten überwiegend wahrscheinlich eine deutlich höhere Wochenarbeitszeit absolviert hat, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nachdem bereits ihr Ehemann noch vor Eintritt des Gesu ndheitsschadens 50-60 Stunden pro Woche gearbeitet hatte (vgl. Abklärungsbericht Selbständ ige vom 24. September 2010, IV-Dok Nr. 31, S. 4 a. A.). Andererseits ist daran zu erinner n, dass sowohl der Beschwerdeführer als auch dessen Ehefrau – mit gesundheitlich bedingt vert auschten Rollen – weiterhin in ihrer ei- genen Reinigungsfirma tätig sind. Insofern widerspri cht das Vorgehen der IV-Stelle dem gene- rellen Grundsatz, dass die Tabellenlöhne der LSE schwerg ewichtig nur dann heranzuziehen sind, wenn die betroffene Person nach Eintritt des Ge sundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat (vgl. vernehmlassungsweise zi- tiertes Urteil des BGer 9C_206/2008 vom 8. Mai 2008, E. 3.3). 5.3.2 Davon abgesehen gebietet die vorgeschriebene Pa rallelisierung der invalidenversiche- rungsrechtlich massgebenden hypothetischen Vergleichseinko mmen mit dem AHV-rechtlich beitragspflichtigen Einkommen, für den Einkommensvergle ich bei Selbständigerwerbenden die effektiv bezahlten persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge zum Betriebsgewinn hinzuzuzählen (vgl. Art. 9 Abs. 2 lit. d Satz 2 AHVG) und davon den Zinsertrag auf dem im Betrieb eingesetz- ten Eigenkapital abzuziehen (vgl. Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG; vgl. SVR 1999 IV Nr. 24 S. 73 E. 4b und c). Vorliegend ist weder ersichtlich noch nachvollziehb ar, ob und inwieweit die IV-Stelle bei der Abgrenzung der Geschäftsabschlüsse diese Vorschrift sowohl für den Beschwerdeführer als auch bei dem von der Anrechnung betroffenen Einkom mensanteil der Ehefrau beachtet hat. Eine den genannten Vorgaben entsprechende, von invali ditätsfremden Faktoren unbeeinflusste betriebliche Leistung lässt sich aufgrund der vorliegend en Unterlagen jedenfalls nicht ermitteln. Erschwerend tritt hinzu, dass die IV-Stelle für die Beme ssung des Invalideneinkommens einzig das Geschäftsjahr 2009 herangezogen hat, währenddessen si e für das Valideneinkommen auf den Durchschnitt der Geschäftsjahre 2002 bis 2006 abgest ellt hat. Wie der Abklärungsdienst grundsätzlich zu Recht darauf hingewiesen hat, sind zur Bestimmung des Valideneinkommens die Buchhaltungsabschlüsse mehrerer Jahre vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit heranzuziehen (vgl. Abklärungsbericht vom 28. September 2012, IV-Dok Nr . 60, S. 2). Gleiches hat zwecks aussagekräftigen Vergleichs mit Blick auf die zentrale Pa rallelisierung von Geschäftsergebnis- sen aber auch für die Bemessung des Invalideneinkommens zu g elten. Es überzeugt jedenfalls nicht, bei der Bemessung des Invalideneinkommens das Geschä ftsjahr 2008 ausser Acht zu lassen, welches nach Aussonderung diverser Positionen einen Negativverdienst des Be- schwerdeführers ausweist (vgl. Abklärungsbericht vom 28. Se ptember 2012, IV-Dok Nr. 60, tabellarische Übersicht auf S. 4). Dies gilt umso mehr, weil just das Geschäftsjahr 2008 eine durchwegs auf den erlittenen Unfall zurückzuführende V erschlechterung des Betriebsergebnis- ses ausgewiesen hatte (vgl. Betriebsanalyse der D.____ AG vom 2. Februar 2011, IV-Dok Nr. 38, S. 5). Für eine zuverlässige Bemessung des Invali deneinkommens wäre unter diesen Umständen auf die Geschäftsergebnisse ebenfalls mehrerer Jahre abzustellen gewesen. Eine auf das Jahr 2009 beschränkte Aufrechnung und Kompensa tion IV-fremder Faktoren reicht hierfür aber nicht aus (vgl. Vernehmlassung der IV-Stelle vom 8. Juli 2013, S. 3, Ziffer 2b). 5.3.3 Hinzu treten weitere Unwägbarkeiten. Dem massgeb enden Abklärungsbericht vom 24. September 2010 ist zu entnehmen, dass die Firma des Versicherten insbesondere im Be- reich der Grossreinigungen von Schulen und dergleichen ni cht mehr mithalten konnte. Mit Blick auf das Auftragsvolumen konnten wegen fehlender Möglich keiten des Versicherten keine grös- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht seren Projekte mehr ausgeführt werden (vgl. a.a.O., S. 6). Andererseits ist das Geschäftsseg- ment der Unterhaltsreinigung durch die Ehefrau offensi chtlich aber zugleich auch ausgebaut worden. Seit dem Unfall des Versicherten sind zusätzlich zwe i Personen mit insgesamt 130 Stellenprozenten sowie weitere Teilzeitangestellte auf Abruf neu im Betrieb tätig. Überdies hat der Vorarbeiter einzelne Aufgabenbereiche des Versiche rten vor Ort übernehmen und deshalb Überstunden leisten müssen (vgl. a.a.O., S. 6 f., S. 1 4 sowie Ziffer 4.1). Damit ist eine eigentli- che Strategieverlagerung im Geschäftsgang des Unternehmen s festzustellen, für welche nebst der Geschäftsführungsübernahme durch die Ehefrau – jed enfalls teilweise – zusätzliches Per- sonal eingestellt worden ist. Indessen lässt sich hierbei nicht eruieren, inwieweit dieser zusätzli- che Personalaufwand ausschliesslich dem kompensatorischen Anteil im Bereich der Unterhalts- reinigung zuzuordnen oder zusätzlichen Neu-Aufträgen im Unterhaltsbereich anzurechnen ist. Ebenso wenig kann aufgrund der Betriebsanalyse mit ge nügender Genauigkeit bestimmt wer- den, in welchem Umfang die tendenzielle Umsatzsteigerun g in den Jahren 2005 bis 2009 mit dem erlittenen Unfallereignis im Zusammenhang gestande n hat (vgl. Betriebsanalyse der D.____ AG vom 2. Februar 2011, IV-Dok Nr. 38, S. 5). Eine genaue Abgrenzung kompensatori- scher Massnahmen von mit einem prosperierenden Geschäftsgang im Zusammenhang stehen- den Aufwendungen wäre für eine präzise Bemessung inva liditätsbedingter Faktoren aber umso mehr von Bedeutung gewesen, weil die Personalkosten stet s den grössten Aufwandposten in den Geschäftsergebnissen dargestellt haben (vgl. a.a.O., Tabellen auf S. 8 f.). 5.4 Es erstaunt deshalb nicht, dass die IV-Stelle im Ve rlauf ihrer Abklärungen zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen gelangt ist: Während ihre Abklärungen gemäss Bericht vom 24. September 2010 noch einen IV-Grad von rund 50% ergeben hatten (vgl. a.a.O., IV-Dok Nr. 31, S. 17 a. E.), resultierte gemäss späteren Erhebungen ein IV-Grad von rund 26% (vgl. Abklä- rungsbericht vom 28. September 2012, IV-Dok Nr. 60, S. 2, vgl. ebenso Vorbescheid der IV- Stelle, IV-Dok Nr. 43) und schliesslich von 25% (vgl. Abklä rungsbericht vom 26. April 2013). Gerade diese unterschiedlichen Abklärungsergebnisse aber zeigen auf, wie sehr eine gestützt auf der allgemeine Methode des Einkommensvergleichs basierende Bemessung vorliegend von singulären Berechnungsfaktoren abhängig ist und damit letztlich mehr oder minder dem Zu- fallsprinzip unterliegt. Eine auch nur annähernd nachvo llziehbare Festlegung insbesondere des massgebenden Invalideneinkommens ist unter diesen Umständen schlicht ausgeschlossen. Ist dem für die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs notwendigen Vergleich von Vali- den- und Invalideneinkommen mithin die Grundlage entzogen, erweist es sich entgegen der von der IV-Stelle vertretenen Auffassung aber als sachgere cht, unter Berücksichtigung der unbe- strittenen Leistungsfähigkeit von 40% (vgl. Stellungnah me des RAD vom 23. November 2012, IV-Dok Nr. 62, S. 4) das ausserordentliche Bemessungsverfahren anzuwenden. 6.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass die IV-Stelle im R ahmen des Verwaltungsverfah- rens den Invaliditätsgrad des Versicherten in einem ersten Schritt nach dem ausserordentlichen Verfahren bemessen, und der Abklärungsdienst in der Folg e mit Bericht vom 24. September 2010 beim Betätigungsvergleich eine Einschränkung von ru nd 50,85% ermittelt hatte. Die an- schliessende erwerbliche Gewichtung dieser leidensbedin gten Einschränkung führte im Ergeb- nis zu einer Erwerbseinbusse des Beschwerdeführers von rund 49,95% (vgl. Erwägung 5.1 hie- vor). Nachdem der Invaliditätsgrad nach dem ausserorden tlichen Bemessungsverfahren zu er- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht mitteln ist, stellt sich die Frage, ob bei der vorlieg enden Beurteilung der Beschwerde auf diesen durch den Abklärungsdienst in Anwendung der genannten M ethode erhobenen Invaliditätsgrad abgestellt werden kann. 6.2 Um beim ausserordentlichen Bemessungsverfahren die e rforderliche erwerbliche Ge- wichtung der verschiedenen, bei einer selbständigen Erwerbstätigkeit anfallenden Betätigungen vornehmen zu können, ist deren wirtschaftlicher Wert im V erhältnis zueinander festzustellen und mit der Einschränkung im jeweiligen Tätigkeitsbereich in Beziehung zu setzen. Ausgangs- punkt bildet die Festlegung der zeitlichen Anteile der Betätigungsfelder an der Gesamttätigkeit (BGE 128 V 32 E. 3b; AHI 1998 S. 123 E. 3). Bei der Geschäftsführung, welche teilinvalide Selbständigerwerbende in der Regel weiterhin uneing eschränkt ausüben können, muss geprüft werden, welcher Wert ihr im Vergleich zu den übrigen, dem Versicherten nicht mehr oder nur noch reduziert zumutbaren Tätigkeiten zukommt. Dabei ist vom Grundsatz auszugehen, dass der Funktion als Geschäftsführer ein grösseres wirtschaftl iches Gewicht zukommt als der übri- gen branchenspezifischen Tätigkeit (BGE 128 V 33 E. 4b; AHV 1998 S. 123 f. E. 3). 6.3 Auf ein derart differenzierendes Vorgehen ist vor liegend jedoch zu verzichten. Der Blick in die medizinischen Akten zeigt auf, dass der Beschwe rdeführer sowohl bei den Reini- gungsarbeiten wegen seinem nicht belastungsfähigen, l inken Handgelenk als auch bei admi- nistrativen Tätigkeiten infolge der leichten bis mitte lschweren neuropsychologischen Funktions- störung beeinträchtigt ist. In der Gesamtschau ist desha lb das Zusammentreffend sowohl ma- nueller Einschränkungen – welche sich bei der Verrichtu ng der Reinigungsarbeiten einschrän- kend auswirken – als auch den kognitiven Einschränkungen – w elche ihn in den Bereichen der Geschäftsführung einschränken – zu berücksichtigen (vgl. n eurologisches Gutachten von Dr. C.____ vom 22. Oktober 2012, IV-Dok Nr. 61, S. 26). Damit aber entfällt in dieser speziellen Konstellation eine Gewichtung hinsichtlich einzelner Tät igkeitsfelder. Obwohl ihm in zeitlicher Hinsicht ein Pensum im Umfang von 70% zugemutet werden ka nn, ist der Beschwerdeführer aus unterschiedlichen Gründen sowohl in den prinzipiell höher bezahlten als auch in den übri- gen Tätigkeiten im Umfang von 40% in seiner Leistung e ingeschränkt. Wäre der Versicherte gesundheitlich nicht beeinträchtigt, so könnte er den Betriebsgewinn abzüglich Personalauf- wand für das unfallbedingt zusätzlich angestellte Person al alleine generieren. Gemäss Art. 25 Abs. 2 IVV sind dem Beschwerdeführer mit seiner 40%-igen Leistungsfähigkeit und seiner Ehe- frau mit ihrem Vollzeitpensum bei einem gesamthaften Einsatz von 140% jeweils aber nur der anteilsmässige Einsatz für den Betriebsgewinn zuzurechnen . Der behinderungsbedingte Er- werbsausfall des Versicherten entspricht unter diesen Umstä nden der ärztlich attestierten Leis- tungsminderung von 60%. Eine Rückweisung der Angelegen heit an die IV-Stelle zur Durchfüh- rung eines aktuellen Betätigungsvergleichs erübrigt sich be i dieser Sachlage. Besonders zu berücksichtigten ist, dass die Leistungseinschränkung in e rster Linie neurologisch- neuropsychologisch bedingt ist (vgl. Stellungnahme RAD vo m 23. November 2012, IV-Dok Nr. 62 S. 3 ad Ziffer 4.1). Damit ist ausgeschlossen, dass einem geschäftsführenden Tätigkeits- bereich ein grösseres wirtschaftliches Gewicht als der e igentlichen Kernaufgabe als Gebäude- reiniger zukommen kann. Da die Leistungseinschränkungen ausserdem jegliche leidensange- passte Tätigkeiten betreffen (vgl. Stellungnahme des R AD vom 23. November 2012, IV-Dok Nr. 62, S. 4), kann zugleich dahingestellt bleiben, ob der Beschwerdeführer in seiner ange- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht stammten Tätigkeit optimal eingegliedert ist. Unter dem Aspekt der Schadenminderungspflicht (vgl. Erwägung 4.4 hievor) ist der Vollständigkeit hal ber allerdings darauf hinzuweisen, dass berufliche Umstellungen aufgrund der kognitiven Einschr änkungen gerade als nicht sinnvoll erachtet werden (vgl. Abklärungsbericht Selbständige, I V-Dok 31 S. 17, ad Ziffer 7.2). In einer allfälligen Verweistätigkeit ist deshalb ebenso wenig e ine höhere Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Da der Versicherte bei der Verrichtung jeglicher Tätigk eiten im selben Umfang in seinem Leis- tungsvermögen eingeschränkt ist, fehlt es auch im Rahmen seiner angestammten Tätigkeit als Gebäudereiniger an unterschiedlich zu bewertenden Betät igungsbereichen. Seine gesundheitli- che Einschränkung wirkt sich vielmehr in allen in Frage ko mmenden Bereichen gleichermassen im Umfang von 60% aus. Es resultiert demnach ein Invaliditätsgrad von 60%. 6.4 Den zu Recht unbestritten gebliebenen medizinischen Akten zufolge ist der Versicherte seit seinem Unfall im Oktober 2007 massgebend in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Somit war das gesetzlich vorgesehene Wartejahr im Zeitpunkt d er Entstehung des Rentenanspruchs im Februar 2009 nach Ablauf von sechs Monaten seit Einga ng der IV-Anmeldung Mitte August 2008 abgelaufen (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). Auch seither war der Beschwerdeführer im Umfang von 60% in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit eing eschränkt. Nachdem beim Versicherten bereits für die Zeit zwischen Oktober 2009 und Septembe r 2010 eine 60%-ige Arbeitsunfähig- keit festgestellt worden war, vermag daran auch die vom 25. September 2010 bis 2. Oktober 2012 attestierte Arbeitsunfähigkeit von lediglich 50% nichts zu ändern (vgl. RAD-Stellungnahme vom 23. November 2012, IV-Dok Nr. 62, S. 4). Da die f rüheren ärztlichen Einschätzungen im Gegensatz zum Gutachten von Dr. C.____ vom 22. Oktobe r 2012 nicht auf einer Gesamtsicht beruhen, ist durchwegs von einer Einschränkung von 60% au szugehen. Demnach resultiert, dass die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 4. März 2013 aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Februa r 2009 Anspruch auf eine Dreiviertel- rente der IV hat. Die vorliegende Beschwerde ist bei diesem Ergebnis gutzuheissen. 7.1 Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Ar t. 69 Abs. 1bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicher ungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1’000.— festgelegt. Bei Fä llen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Ge richt die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin un terlegene Partei, weshalb sie grund- sätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden ge- mäss Verwaltungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine V erfahrenskosten auferlegt wer- den. Aufgrund dieser Bestimmung ist auf Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten, und der geleistete Kostenvorschuss ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 7.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer steht eine Partei entschädigung zu. Der einge- reichten Honorarnote vom 8. Oktober 2013 zufolge beläuf t sich der geltend gemachte Aufwand Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht für das vorliegende Beschwerdeverfahren auf 15,13 Stun den. Dieser Aufwand ist angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen einerseits und des infolge der ergänzenden Eingaben der IV-Stelle notwendigen, doppelten Schrif tenwechsels andererseits als angemes- sen zu qualifizieren und im Umfang von Fr. 250.— pro Stu nde zu entgelten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17 . November 2003). Ebenfalls nicht zu be- anstanden sind die geltend gemachten Auslagen im Umfang von Fr. 249.50 Es ergibt sich demnach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerd egegnerin in der Höhe von insge- samt Fr. 4‘354.55 (15,13 Stunden à Fr. 250.— zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 249.50 und 8 % Mehrwertsteuer). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Ba- sel-Landschaft vom 4. März 2013 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab 1. Februar 2009 Anspruch a uf eine Dreiviertelrente der Invalidenversicherung hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4‘354.55 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) auszurichten.