B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2735/2012/wif U r t e i l v o m 9 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Markus König, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren 28. Dezember 1990, Sri Lanka, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. April 2012 / N (…). D-2735/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ist tamilischer Ethnie und stammt aus X._______, Jaffna-Distrikt, Sri Lanka. Er reiste am 2 5. Oktober 2011 in die Schweiz ein und reichte am 26. Oktober 2011 im Empfangs- und Verfahrenszent- rum Basel (EVZ) ein Asylgesuch ein. Am 8. November 2011 wurde er zu seiner Person sowie su mmarisch zu seinen Asylgründen befragt . Eine umfassende Anhörung zu den Asylgründen fand am 20. Februar 2012 statt. B. In den Anhörungen machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ge l- tend, dass er in Jaff na das College besucht und einer Studentenvereini- gung angehört habe , welche auch Protestveranstaltungen durchgeführt habe. Im (Datum) habe er ein Training bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) absolviert , das von einem gewissen B._______ geleitet worden sei. Im (Datum) sei er verhaftet worden. Nach zwei Wochen sei er unter der Auflage, sich täglich zu melden, freigelassen worden. Im Jahr (Datum) sei er erneut, vermutlich von Anhängern der Eelam People's Democratic Party (EPDP) entführt, nach der Bezahlung eines Lösegeldes aber wieder freigelassen worden. Im (Datum) sei er, da er in der Studen- tenvereinigung aktiv gewesen sei und für B._______ eine Unterkunft o r- ganisiert habe, von der sri-lankischen Armee festgenommen worden, wo- bei ihm im (Datum) desselben Jahres die Flucht aus dem Camp gelungen sei. Anschliessend sei er via Indien und Dubai in die Schweiz gereist. Die Armee habe nach seiner Flucht mehrmals seine Familie aufge sucht, wo- bei auch Familienangehörige verhaftet und geschlagen worden seien. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer seine Identitätskarte, eine Kopie des Führerscheins und ein Heft seiner Schule zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 12. April 2012 (Eröffnung am 18. April 2012) lehnte das BFM das Asylgesuch des Be schwerdeführers ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug. D. Zur Begründung führte das BFM aus, dass die Ausführungen des B e- schwerdeführers zu seiner Flucht aus der Haft im (Datum) widersprüch- lich seien und die zweite Verhaftung somit nicht glaubhaft sei. Die kurze Haft im (Datum) sei demgegenüber nicht kausal für die Ausreise gew e-D-2735/2012 Seite 3 sen. Der Beschwerdeführer weise auch im Übrigen kein Profil auf, wel- ches eine Verfolgung zum heutigen Zeitpunkt als wahrscheinlich erschei- nen liesse. Die Entführung im (Datum) sei mangels Intensität sowie auf- grund des Entführungsmotivs (Lösegelderpressung) nicht asylrele vant. Überdies würden auch die diesbezüglichen Ausführungen einen bedeu t- samen Widerspruch auf weisen. Im Wegweisungspunkt hielt das B FM fest, dass weder die allgemeine Lage in Sri Lanka noch individuelle Grün- de gegen den Vollzug der Wegweisung sprächen. E. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 18. Mai 2012 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantra g- te er die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 12. April 2012 und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei eine vorläufige Aufnahme anzuor d- nen. In prozessualer Hinsicht wurde um aufschiebende Wirkung ersucht sowie die unentgeltliche Prozessführung beantragt. F. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die scheinbaren Widersprüche in seinen Aussagen auf Fehler in der Ü bersetzung und Interpretation zu- rückzuführen seien. Die Wegweisung sei überdies unzulässig, da man ihn in Sri Lanka erneut verhaften würde und somit sein Leben bedroht wäre. G. Mit Zwischenverfügung vom 24. Mai 2012 wurde das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung unter dem Vorbehalt der Einre i- chung einer Fürsorgebestätigung gutgeheissen. Am 7. Juni 2012 (Poststempel) reichte der Beschwerdeführer eine Fü r- sorgebestätigung ein. H. Mit Verfügung vom 14. Juni 2012 wurde die Vorinstanz zur Vernehmla s- sung eingeladen. I. Mit Vernehmlassung vom 19. Juni 2012 hielt das BFM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. J. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. Juni 2012 zur Kenntnisnahme zugestellt. D-2735/2012 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorl iegen eines Aus- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingereicht. Der B e- schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehung s- weise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerd e legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhal ts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Ra sse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden D-2735/2012 Seite 5 (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in we sentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM ist in der angefochtenen Verfügung zum Schluss gelangt, die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Flucht aus der Haft im (Datum) seien widersprüchlich ausgefallen. So habe er in der Erstbe- fragung (Befragung zur Person [BzP]) an zwei Stellen ausgeführt, dass er von zu Hause ins Camp von X._______ gebracht worden sei. Zwei bis drei Wochen später sei er dann in ein Camp in W._______ verlegt wor- den. In der zweiten Anhörung sei demgegenüber vorgebracht worden, dass er von Beginn an ins Camp in W._______ gebracht worden sei. Die genauen Umstände der Flucht seien in der BzP dahingehend beschri e- ben worden, dass er an diesem Tag unter einem Baum verhört wor den sei. Ein muslimischer Soldat, der ihn bewacht habe, habe ihm dann g e- sagt, dass er fliehen soll e, da am Vortag an derselben Stelle ein jung er Mann getötet worden sei. In der zweiten Anhörung sei dann jedoch ange- geben worden, dass eine mus limische Person in höherer Position ihn im Camp immer wieder befragt habe und ihm dann eines Tages gesagt h a- be, er (der Beschwerdeführer) solle fliehen, weil man ihn sonst wie seinen Freund B._______, der ihn (den Beschwerdeführer) verraten habe, e r- schiessen würde. Auch der Verhaftungsgrund sei unterschiedlich angegeben worden. In der BzP habe de r Beschwerdeführer erklärt, man habe ihm eine Unterstü t- zung der LTTE vorgeworfen, indem er für sie Fotos gemacht und an Pr o- testkundgebungen gegen die Armee teilgenommen habe. In der zweiten Anhörung habe er dann ausgeführt, dass die Aktivitäten in der Studenten- vereinigung den wichtigsten Grund für die Verhaftung gelief ert hätten. Da er B._______ Unterschlupf gewährt habe , sei die Armee davon ausg e-D-2735/2012 Seite 6 gangen, dass er die LTTE unterstütze . In der BzP sei B._______ jedoch mit keinem Wort erwähnt worden. Schliesslich sei auch die vorgebrachte Verhaftung durch Anhänger der EPDP nicht asylrelevant. Zum einen habe der Grund der Entführung in der Lösegelderpressung gelegen, so dass kein relevantes Verfolgung s- motiv vorliegen würde. Zum andern sei der Beschwerdeführer auch b e- reits nach kurzer Zeit wieder freigelassen worden, so dass k eine genü- gende Verfolgungsintensität vorliegen würde. Schliesslich seien auch die Schilderungen im Zusammenhang mit der Entführung nicht frei von W i- dersprüchen. So habe der Beschwerdeführer angegeben, dass er sich zum Zeitpunkt der Entführung auf dem Nachh auseweg nach dem Abho- len des beantragten Passes befunden habe. Als Ausstellungsort des Pas- ses habe der Beschwerdeführer in der BzP die Bezirksverwaltung in Q._______, in der Zweitanhörung jedoch den Dorfvorsteher genannt. 4.2 Der Beschwerdeführer bringt in der Rechtsmitteleingabe vor, dass er nach seiner zweiten Verhaftung zunächst ins Camp von X._______ ge- bracht worden sei und erst später in dasjenige in W._______. Der d ies- bezügliche angebliche Widerspruch sei auf eine falsche Übersetzung und Interpretation seiner Aussage zurückzuführen. Bezüglich des muslimischen Soldaten sei zutreffend, dass dieser ihm g e- sagt habe, dass an derselben Stelle ein Mann getötet worden sei und er (der Beschwerdeführer) fliehen soll e, da er sonst w ie B._______ er- schossen werde. Richtig sei auch, dass er von diesem Armeeangehör i- gen mehrmals verhört worden sei. Diese Aussagen seien nicht wide r- sprüchlich, sondern würden sich gegenseitig ergänzen. Die angeblich wi- dersprüchlichen Aussagen, dass er einmal von einem "Soldaten" und einmal von einer "Person höherer Position" gesprochen habe, sei en eine reine Übersetzungsfeinheit. Die angegebenen Verhaftungsgründe seien nicht unterschiedlich, so n- dern dieselben. Er sei verhaftet worden, weil er bei der Studentenvereini- gung aktiv gewesen sei, die mit den LTTE in Verbindung gestanden habe. Bei jener habe er Fotos gemacht und an Protestkundgebungen teilg e- nommen. Bei den LTTE habe er ein Training absolviert und dem Anführer der lokalen Gruppe (B._______) Unterschlupf gewährt. Die Aktivitäten bei der Studentenvereinigung und diejenigen bei de n LTTE k önnten nicht strikte getrennt werden, sondern seien miteinander verbunden. D-2735/2012 Seite 7 Auch die Angaben zu B._______ seien glaubhaft. So habe er bereits in der BzP vo n der Studentenvereinigung und dem Training der LTTE e r- zählt. B._______ sei der Anführer der lokalen LTTE-Gruppe gewesen, die mit dem Studentenverein in Verbindung gestanden habe . Die Aussage, dass man den Beschwerdeführer genauso wie B._______ erschiessen würde, sei nicht in der Verbindung zu B._______ an sich, sondern in s ei- nen Aktivitäten für die LTTE begründet gewesen. 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Einschätzung der Vorinstanz, da die für die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG geltenden Kri- terien (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre- kurskommission [EMARK] 1996 Nr. 27 E. 3c/aa S. 263 und 1996 Nr. 28 E. 3a S. 270) nicht als erfüllt zu erachten sind. Eine wahrheitsgemässe Schilderung ist demnach gekennzeichnet durch Korrekth eit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhalts, Substant i- iertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit etc.), die für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaftigkeit setzt dabei ein Überwiegen der positiven Elemente voraus. Es genügt daher nicht, wenn der Inhalt des Vorbringens zwar möglich ist, die Gesamtbeur- teilung aber wesentlich und überwiegend gegen die vorgebrachte Sac h- verhaltsdarstellung spricht (vgl. EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a S. 270). 4.4 Die Auffassung der Vorinstanz, dass die Ausführungen des Beschwer- deführers in zentralen Punkten widersprüchlich ausgefallen seien, ist z u- treffend. Die von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprüche werden auch nicht durch die Vorbringen in der Beschwerdeschrift entkräftet. So lässt sich die Diskrepanz in den Angaben, in welches Camp der Beschwerd e- führer nach der zweiten Verha ftung verbracht worden sei, nicht überzeu- gend mit einem Übersetzungs - und Interpretationsfehler erklären. Beide Anhörungsprotokolle wurden rückübersetzt und sind vom Beschwer de- führer unterzeichnet, der angegeben hatte, die mitwirkenden Dolmetscher "gut" zu verstehen (vgl. act. A3/10 S. 2 und 8 ; act. A9/20 F1) . Auch dem Wortlaut des Protokolls der zweiten Anhörung lassen sich keine Anhalt s- punkte für ein Versehen oder einen Übersetzungsfehler entnehmen , zu- mal der Beschwerdeführer explizit gefragt wurde, ob er nach der Festnah- me direkt ins Camp W._______ verbracht worden sei (act. A9/20 F92) und selbst auf den Widerspruch angesprochen (die angeblich falsche Aussage) zu Protokoll gab, dass er direkt ins Camp W._______ gebracht worden sei (a.a.O. F108). D-2735/2012 Seite 8 Wie auch bereits das BFM festgestellt hat, ist es kaum verständlich, wi e- so der Beschwerdeführer in der BzP die für seine Verhaftung zentrale Person B._______, bei de r es sich gemäss Beschwerdeschrift um den Anführer der lokalen LTTE-Gruppe gehandelt haben soll, mit keinem Wort erwähnte. Auch die Angaben zum Ausstellungsort des Passes sind – wie bereits vom BFM zutreffend ausgeführt wurde – widersprüchlich. Obschon es sich dabei nicht um einen zentralen Punkt in den Asylvorbringen des B e- schwerdeführers handelt, spricht auch dieser Punkt gegen die Glaubha f- tigkeit der Ausführungen, wenn auch nur in geringe rem Ausmass, als die oben genannten Widersprüche in zentralen Punkten des Asylbegehrens. Gegen die Glaubhaftigkeit spricht auch der Umstand, dass die Behörden dem Beschwerdeführer – trotz seiner angeblichen Flucht im (Datum) und der nachträglichen intensiven Suche durch das Militär – am (Datum) [rec- te: (Datum)] einen Führerschein ausgestellt haben (act. A9/20 F17). 4.5 Aus diesen Erwägungen folgt, dass die zweite V erhaftung nicht rechtsgenüglich glaubhaft gemacht werden konnte. 4.6 Eine Glaubhaftigkeitsprüfung der ersten Verhaftung hat nicht zu erfo l- gen, da dieses Vorkommnis ohnehin nicht geeignet wäre, die Flüchtlings- eigenschaft des Beschwerdeführers zu begründen. Die Feststellung des BFM, dass die Kausalität (vgl. dazu EMARK 2000 Nr. 17 E. 11a S. 157 f.) dieser zwei wöchigen Haft im Jahre 2008 , verbunden mit einer rund sechswöchigen Meldepflicht, und der Ausreise im August 2010 zu vernei- nen sei, ist zutreffend. 4.7 Schliesslich gilt es noch zu prüfen, ob der Beschwerdeführer einer Ri- sikogruppe im Sinne des Grundsatzentscheides BVGE 2011/24 angehört. Am 19. Mai 2009 verkündete die Regierung Sri Lankas offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE, und Präside nt Rajapakse erklärte den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet. Das Führungskader der LTTE ist der Medienberichterstat tung zufolge komplett ausgelöscht wor - den. Trotz dieser Ver änderungen gibt es Personenkreise, die auch nach der Beendigung des m ilitärischen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Pers o- nen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso An- hänger des Ex-Generals Sarath Fonseka, Journalisten und andere in der D-2735/2012 Seite 9 Medienbranche tätige Perso nen, international und lokal tätige Vertreter von NGOs, die sich für die Menschenrechte einsetzen oder Verstösse kri- tisieren, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Per- sonen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen, abgewie sene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE -Kader oder Perso - nen, die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen (siehe die aus führli- che Darstellung der Personengruppen im erwähnten Urteil BVGE 2011/24 E. 8). Der Besc hwerdeführer machte geltend, dass er einer Studentenverein i- gung, die Verbindungen zu den LTTE unterhalten habe , angehört habe und seine Aufgabe darin bestanden habe, Demonstrationen zu koordinie- ren (act. A9/20 F53), wobei es sich bei diesen Demonstrationen nicht um eigentliche LTTE -Propaganda gehandelt habe, sondern für Studente n- rechte und die Rechte von Tamilen demonstriert worden sei (a.a.O. F44). Er selbst sei nie Mitglied der LTTE gewesen (a.a.O. F45), habe aber an einem Selbstverteidigungstraining der LTTE teilnehmen müs sen ( a.a.O. F45 f.). Diese Vorbringen sind nicht geeignet, ein asylrelevantes Risikoprofil zu begründen. Die sri-lankischen Behörden richten den Fokus auf ehemalige Führungskräfte der LTTE oder auf Personen, welche in namhafter Weise für diese Organisation tätig waren und aus diesem Grund eine G efahr für den Staat darstellen. Der Beschwerdeführer war aber weder Mitglied der LTTE, noch war er für diese tätig. Wie bereits weiter oben ausgeführt, er- achtet das Gericht die Behauptung des Beschwerdeführers, dass er B._______ und somit einer Führungspersönlichkeit der LTTE, Unte r- schlupf gewährt habe, für nicht glaub haft. Gegen ein Risikoprofil spricht auch der Um stand, dass der Beschwerdeführer bereits kurze Zeit nach der ersten Verhaftung freigelassen wurde. Dies lässt darauf schliessen , dass die sri-lankische Armee ihn nicht ernsthaft verdächtigt hat, mit den LTTE oder einer anderen militanten Organ isation zu kooperieren. Schliesslich wurde ihm durch die sri -lankischen Behörden noch im (Da- tum) ein provisorischer, im (Datum) dann eine definitiver Führerschein problemlos ausgestellt (act. A9/20 F16 bis F19). Der Beschwerdeführer gehört somit keiner gefährdeten Risikogruppe an. 4.8 Das BFM hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. D-2735/2012 Seite 10 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordn et den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Ab s. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7. 7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 7.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge nossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un menschliche D-2735/2012 Seite 11 oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Pra- xis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Men- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar - auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr - dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann de r in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfah ren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh- rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahr scheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgese tzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist dem B e- schwerdeführer nicht gelungen. Er gehört keiner in Bezug auf die Flüch t- lingseigenschaft relevanten Risikogruppe an, weshalb nicht davon auszu- gehen ist, ihm drohe im Rahmen der routine mässigen Überprüfung bei der Rückkehr diesbezüglich eine unmenschliche Behandlung. Die allg e- meine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8. 8.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insbeson- dere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführe nde Person bei e i-D-2735/2012 Seite 12 ner Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausge - setzt wäre. 8.2 In der angefochtenen Verfügung vom 12. April 2012 hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges fest, eine solche sei für das Vanni-Gebiet aufgrund der dortigen Lage nach wie vor zu verneinen. D er Beschwerdeführer stamme jedoch aus X._______ (Jaffna-Distrikt). Dort würden auch seine Eltern und Schwestern leben . Der Beschwerdeführer habe eine gute Schuldbildung und sei noch jung . Es sprächen demnach weder die vor Ort herrschende Sicherheitslage noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs. 8.3 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, dass sein L e- ben und seine Freiheit bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet wä- ren, da man ihn erneut verhaften würde. 8.4 Im erwähnten Urteil BVGE 2011/24 hielt das Gericht betreffend den Wegweisungsvollzug fest, dass dieser in das gesamte Gebiet der Ostpro- vinz grundsätzlich zumutbar sei ( BVGE 2011/24 E. 13.1). Auch der Weg - weisungsvollzug in die Nordprovinz – mit Ausnahme des Vanni-Gebiets – sei grundsätzlich zumutbar, wobei sich eine zurückhal tende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien sowie eine Be rücksichtigung des zeitlichen Elementes aufdräng ten (a.a.O. E. 13.2.1). Wei terhin als unz u- mutbar müsse der Wegweisungsvollzug, übereinstimmend mit dem BFM, für das Vanni -Gebiet gelten, welches zu Beginn des Jahres 2008 noch von den LTTE kontrolliert worden sei und in welchem sich in der Folge bis zum endgültigen Sieg über die LTTE d ie Kriegshand lungen abgespielt hätten (a.a.O. E. 13.2.2). Für Personen, die aus dem übri gen Staatsge- biet von Sri Lanka (d.h. die Provinzen North Central, North Western, Cen- tral, Western [namentlich der Grossraum Colombo], Southern, Sabaruga - muwa und die Uva-Provinz) stammten und dorthin zurückkehrten, sei der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar (a.a.O. E.13.3). 8.5 Der Beschwerdeführer stammt aus X._______ (Jaffna-Distrikt). Dort halten sich gemäss eigenen Angaben seine Eltern und Schwestern auf (act. A3/10 3.01). Der Beschwerdeführer war zwar noch nie erwerbstätig, verfügt aber über eine gute Schulbildung (O -Level Abschluss und 1,5 Jahre A-Level-Niveau, jedoch ohne Abschluss; vgl. a.a.O. 1.17.04). Er ist überdies jung und gesun d. Aus den Verfahrensakten und namentlich der Beschwerdeschrift gehen keine konkreten Anzeichen hervor, wonach sich die Lebensumstände de s Beschwerdeführers seit dem Zeit punkt der im D-2735/2012 Seite 13 erstinstanzlichen Verfahren gemachten Angaben massgeb lich verändert haben sollten. Es werden auch keine massgeblichen medizinischen Le i- den geltend gemacht. Er verfügt somit in seiner Heimatstaat über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz und eine gute Schulbildung , was ihm eine soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederung er möglichen sollte. 8.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi gen Reise- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM den Wegweisungs - vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert hat. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Be- tracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die B eschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 12. Das Bundesverwaltungsgericht hat das Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit In- struktionsverfügung vom 24. Mai 2012 gutgeheissen, so dass im vorli e- genden Verfahren keine Kosten zu erheben sind. (Dispositiv nächste Seite) D-2735/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: