<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 146 S.635</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">635</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>Bundessteuern</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Gesetz über die Steuern auf Einkommen, Vermögen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Grundstückgewinnen, Erbschaften und Schenkungen vom</b></span><br/> <span class="ft2"><b>13. Dezember 1983 (StG).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>146 Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit (§ 22 Abs. 1 lit. b StG).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Eine Ueberführung ins Privatvermögen ist bei Vermietung und Verpach-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tung nur mit Zurückhaltung anzunehmen, wenn die Steuerpflichtigen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eine Liegenschaft buchhalterisch konsequent als Geschäftsvermögen be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>handeln.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">22. April 1999 in Sachen T., RV.97.50250/K 6014</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) Die Abgrenzung zwischen Privat- und Geschäftsvermögen</span><br/> <span class="ft6">erfolgt nach objektiven Kriterien. Entscheidend ist, ob ein Vermö-</span><br/> <span class="ft6">genswert technisch-wirtschaftlich einem Geschäftsbetrieb zugerech-</span><br/> <span class="ft6">net werden muss (BGE 120 Ia 354). Es kommt dabei auf die Gesamt-</span><br/> <span class="ft6">heit der tatsächlichen Verhältnisse an, wobei sich die objektive Be-</span><br/> <span class="ft6">ziehung des Wirtschaftsgutes zum Geschäft in erster Linie in der</span><br/> <span class="ft6">tatsächlichen Nutzung zu Erwerbszwecken, oft auch im Erwerbs-</span><br/> <span class="ft6">motiv zeigt (VGE vom 23. Dezember 1996 in Sachen O., mit</span><br/> <span class="ft6">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft6">b) Mit Revers vom 24. Oktober 1987 haben die Rekurrenten</span><br/> <span class="ft6">erklärt, dass die ganze Parzelle Nr. Y vollumfänglich, ohne jeglichen</span><br/> <span class="ft6">Privatanteil zu ihrem Geschäftsvermögen gehöre und dass eine</span><br/> <span class="ft6">Veräusserung bzw. eine Ueberführung ins Privatvermögen mit der</span><br/> <span class="ft6">Einkommenssteuer erfasst werde. Die Rekurrenten vertreten die</span><br/> <span class="ft6">Auffassung, dass das Grundstück nach wie vor Geschäftsvermögen</span><br/> <span class="ft6">darstellt, während nach Ansicht der Steuerbehörden eine teilweise</span><br/> <span class="ft6">Ueberführung ins Privatvermögen vorgenommen wurde.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonales Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">636</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">4. a) Vorab ist festzuhalten, dass der Revers einer Neubeur-</span><br/> <span class="ft6">teilung nicht im Wege steht. Er hält lediglich den Zustand fest, wie er</span><br/> <span class="ft6">bei Unterzeichnung bestanden hat. Nachträglich eingetretene</span><br/> <span class="ft6">Aenderungen zu berücksichtigen, würde nicht gegen Treu und</span><br/> <span class="ft6">Glauben verstossen, hält doch die Erklärung vom 24. Oktober 1987</span><br/> <span class="ft6">ausdrücklich fest, dass eine Ueberführung ins Privatvermögen mit</span><br/> <span class="ft6">der Einkommenssteuer erfasst werde. Im Wesentlichen dreht sich</span><br/> <span class="ft6">denn auch das vorliegende Verfahren darum, ob seit der</span><br/> <span class="ft6">Unterzeichnung des Revers eine Privatentnahme stattgefunden hat.</span><br/> <span class="ft6">b) Nach ständiger Rechtsprechung verlieren Vermögenswerte,</span><br/> <span class="ft6">die zum Geschäftsvermögen gehören, diesen Charakter nur, wenn ein</span><br/> <span class="ft6">Tatbestand gesetzt wird, der die Privatentnahme nach aussen deutlich</span><br/> <span class="ft6">erkennbar macht. Eine stille oder heimliche Privatentnahme gibt es</span><br/> <span class="ft6">nicht. Erforderlich ist jedenfalls die Aufgabe der geschäftlichen</span><br/> <span class="ft6">Nutzung. Zudem müssen buchführende Steuerpflichtige Privatent-</span><br/> <span class="ft6">nahmen buchhalterisch erkennbar zum Ausdruck bringen, während</span><br/> <span class="ft6">bei Nichtbuchführenden die Ueberführung vom Geschäfts- ins</span><br/> <span class="ft6">Privatvermögen eine eindeutige Willensäusserung des Steuerpflichti-</span><br/> <span class="ft6">gen voraussetzt. Auch ohne ausdrückliche Erklärung genügt es, dass</span><br/> <span class="ft6">der Steuerpflichtige einen Tatbestand setzt, der für die Steuerbehörde</span><br/> <span class="ft6">eindeutig den Schluss auf eine Privatentnahme zulässt, und zwar</span><br/> <span class="ft6">auch hinsichtlich des massgebenden Zeitpunktes (vgl. VGE vom</span><br/> <span class="ft6">4. März 1999 in Sachen Erben des B., mit Hinweisen auf die Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung).</span><br/> <span class="ft6">c) Es steht fest, dass die Rekurrenten die zur Diskussion</span><br/> <span class="ft6">stehenden Liegenschaften buchhalterisch immer noch als Geschäfts-</span><br/> <span class="ft6">vermögen behandeln. Die buchmässige Behandlung eines Vermö-</span><br/> <span class="ft6">genswertes bildet nach der Rechtsprechung ein Indiz, dem nament-</span><br/> <span class="ft6">lich auch vom BGr (vgl. ASA 63 S. 37 ff.) und vom Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft6">richt ein erhebliches Gewicht zugemessen wird. Die buchhalterische</span><br/> <span class="ft6">Behandlung durch den Steuerpflichtigen ist demnach als verbindlich</span><br/> <span class="ft6">zu betrachten, wenn sie mit den objektiven Gegebenheiten vereinbar</span><br/> <span class="ft6">ist (VGE vom 9. September 1997 in Sachen M.). Dies trifft nach</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">637</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Auffassung der Steuerbehörden nicht mehr zu, seitdem auf der</span><br/> <span class="ft6">Parzelle Nr. Y ein Neubau errichtet wurde, welcher vermietet ist.</span><br/> <span class="ft6">Nach Ansicht der Rekurrenten ist die Fremdnutzung jedoch nicht von</span><br/> <span class="ft6">Dauer, sodass die Liegenschaft nach wie vor zum Geschäftsvermö-</span><br/> <span class="ft6">gen zu zählen sei.</span><br/> <span class="ft6">d) Die Vermietung oder Verpachtung eines Vermögenswertes</span><br/> <span class="ft6">stellt nur dann eine Privatentnahme dar, wenn sie auf Dauer ausge-</span><br/> <span class="ft6">richtet und eine Rückkehr zur Selbstbewirtschaftung praktisch ausge-</span><br/> <span class="ft6">schlossen ist. Diese Grundsätze sind vor allem im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft6">mit landwirtschaftlichem Geschäftsvermögen entwickelt worden</span><br/> <span class="ft6">(vgl. z.B. RGE vom 3. Juli 1996 in Sachen H.). Die Praxis ist aber</span><br/> <span class="ft6">auch hier tendenziell eher zurückhaltend bei der Annahme einer</span><br/> <span class="ft6">Ueberführung auf Grund einer Verpachtung, weil es dem Grundsatz</span><br/> <span class="ft6">der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besser</span><br/> <span class="ft6">entspricht, wenn nicht ein Ueberführungsgewinn, sondern ein tat-</span><br/> <span class="ft6">sächlich erzielter Liquidationsgewinn besteuert wird (VGE vom</span><br/> <span class="ft6">1. Februar 1994 in Sachen M.). So erscheint auch im vorliegenden</span><br/> <span class="ft6">Fall die Vermietung des neu erstellten Wohn- und Geschäftshauses</span><br/> <span class="ft6">(wie im übrigen auch die Verpachtung des Restaurant X.) nicht als</span><br/> <span class="ft6">Sachverhalt, der zwingend den Schluss auf eine Ueberführung ins</span><br/> <span class="ft6">Privatvermögen aufdrängt. Dazu kommt die Schwierigkeit, den</span><br/> <span class="ft6">Umfang einer allfälligen Privatentnahme zu definieren, wie auch aus</span><br/> <span class="ft6">der etwas unbestimmten Formulierung des Feststellungsentscheides</span><br/> <span class="ft6">hervorgeht, nach welchem "ein angemessener Anteil" der Parzelle</span><br/> <span class="ft6">Nr. Y als Privatvermögen zu qualifizieren sei. Somit bestehen nach</span><br/> <span class="ft6">Ansicht des StRG keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür, dass</span><br/> <span class="ft6">entgegen dem in der Buchhaltung zum Ausdruck gebrachten Willen</span><br/> <span class="ft6">der Rekurrenten eine (teilweise) Ueberführung der Parzelle Nr. Y ins</span><br/> <span class="ft6">Privatvermögen anzunehmen wäre. Nachdem die Rekurrenten mit ih-</span><br/> <span class="ft6">rer Stellungnahme im vorliegenden Verfahren zudem deutlich bestä-</span><br/> <span class="ft6">tigen, dass sie die ganze Parzelle Nr. Y als Bestandteil ihres Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäftsvermögens betrachten, würden sie beim bevorstehenden</span><br/> <span class="ft6">Wechsel zur Präponderanzmethode gegen Treu und Glauben han-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonales Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">638</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">deln, wenn sie geltend machen sollten, die Parzelle Nr. Y gehöre we-</span><br/> <span class="ft6">gen ihrer überwiegenden Fremdnutzung zum Privatvermögen. Der</span><br/> <span class="ft6">Rekurs ist deshalb gutzuheissen. Antragsgemäss ist festzustellen,</span><br/> <span class="ft6">dass die gesamte Parzelle Nr. Y zum Geschäftsvermögen der</span><br/> <span class="ft6">Rekurrenten gehört.</span><br/></div> </div> </body> </html>