Bu nde s ve rw altungs ge r icht Tr i buna l adm inis tr a tif fé dé r al Tr i buna le amm inis tr at ivo fe de r ale Tr i buna l adm inis tr a ti v fe de r al Abteilung IV D-1330/2012 U r t e i l v o m 2 3 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi; Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann. Parteien A._______, geboren (…), Pakistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Februar 2012 / N _______. D-1330/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer – ein pakistani- scher Staatsangehöriger und ethnischer Punjabi aus B._______ (Provinz C._______) – seine Heimat am 28. April 2011 und reiste via D._______, E._______, F ._______ und G._______ am 6. August 2011 in die Schweiz ein, wo er gleichentags im Empfangs- und V erfahrenszentrum (EVZ) (…) um Asyl nachsuchte. B. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer an- lässlich der Befragung vom 11. August 2011 und der Anhörung vom 17. Januar 2012 im Wesentlichen geltend, er sei der Partei H._______ beigetreten. Im Januar 2010 sei ein Schulkollege – ebenfalls ein Mitglied der Partei – in den Jihad geschickt worden und nicht mehr zurückgekehrt. So habe er Angst bekommen, dass die Partei auch ihn in den Jihad schi- cken wolle, weshalb er die Partei verlassen habe. Einmal habe er mit Par- teimitgliedern auf der Strasse eine Auseinandersetzung gehabt, weil er sich kritisch gegenüber einem Mitglied der Partei geäussert habe. Später sei er zwei Ma l von Angehörigen der Partei auf der Strasse zusammen geschlagen worden. V or diesem Hintergrund habe er Ende April 2011 Pa- kistan verlassen. Der Beschwerdeführer reichte im vorinstanzlichen V erfahren eine Kopie seiner Identitätskarte zu den Akten. C. Mit V erfügung vom 2. Februar 2012 – eröffnet am 8. Februar 2012 – lehn- te das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den V ollzug an. Zur Begründung führte die V orinstanz aus, dass die V orbringen des Beschwerdefü hrers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgeset- zes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten, weshalb ih- re Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. Zudem erachtete das BFM den V ollzug der Wegweisung gestützt auf die allgemeine Lage in Pakistan und die individuellen Gegebenheiten betref- fend den Beschwerdeführer als zulässig, zumutbar und möglich. D. Mit handschriftlich ergänzter Formularbeschwerde vom 8. März 2012 ge-D-1330/2012 Seite 3 langte der Beschwerdeführer ans Bundesverwaltungsgericht und bea n- tragte in materieller Hinsicht, die angefochtene V erfügung sei aufzuh e- ben, es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu ge- währen, es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzuläs- sig, unzumutbar und unmöglich sei , und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungs- verfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um V erzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Eventualiter sei die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen. Weiter beantragte er im Sinne einer vorsorglichen Massnahme, jegliche Datenweitergabe an die Behörden seines Heimatstaates sei zu unterlassen, eventualiter sei er in einer separaten V erfügung über eine allenfalls bereits erfolgte Weitergabe von Daten in Kenntnis zu setzen. E. Mit Zwischenverfügung vom 15. März 2012 teilt e das Bundesverwa l- tungsgericht dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des V er- fahrens in der Schweiz abwarten könne. Zudem wies der Instruktionsrich- ter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin- ne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses ab und forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum 30. März 2012 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.- zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen, verbunden mit der Androhung, bei Au s- bleiben der Zahlung und unveränderter Sachlage werde – ungeachtet ei- nes allfälligen weiteren, einzig mit ungenügenden finanziellen Mitteln be- gründeten Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, Kostenvorschusserlass oder -reduktion, Ratenzahlung oder Fristverlänge- rung – auf die Beschwerde ohne Ansetzen einer Nachfrist nicht eingetre- ten. Überdies werde auf den (Eventual-)Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung nicht eingetreten, da das Bundesamt einer al l- fälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung nicht entzogen und eine Beschwerde gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG grundsätzlich aufschiebende Wirkung habe. Schliesslich sei betreffend den formellen Antrag des B e- schwerdeführers bezüglich Kontaktaufnahme beziehungsweise Date n- weitergabe an die Behörden des Heimatstaates festzuhalten, dass ange- sichts des Fehlens von solchen Kontaktaufnahmen in den dem Gericht zur V erfügung gestellten Akten kein Anlass für eine vorsorgliche Anwei- sung an das BFM bestehe. D-1330/2012 Seite 4 F. Der Beschwerdeführer ersuchte mit Schreiben vom 22. März 2012 (das entsprechende Schreiben wurde vom I._______, verfasst und vom B e- schwerdeführer mitunterzeichnet) betreffend die Leistung des Kostenvor- schusses um V erlängerung der gesetzten Zahlungsfrist und um Rate n- zahlung. G. Mit Schreiben vom 28. März 2012 (vorab per T elefax übermittelt) an das I._______, verwies das Bundesverwaltungsgericht auf die Ziffer 5 des Dispositivs der Instruktionsverfügung vom 15. März 2012, welche au s- drücklich festhalte, dass auch bei einem allfälligen, allein mit ungenügen- den finanziellen Mitteln begründeten Gesuch um Fristerstreckung oder Ratenzahlung keine Nachfrist gewährt und somit bei Ausbleiben der frist- gerechten Zahlung des V orschusses ungeachtet eines solchen Gesuches auf die Beschwerde nicht eingetreten würde. Im Schreiben vom 22. März 2012 würden keine Gründe angeführt, welche nicht bereits Gegenstand der Prüfung in der genannten Instruktionsverfügung bildeten. Daher kön- ne dem Gesuch nicht entsprochen werden und die am 30. März 2012 ab- laufende Frist zur Leistung des Kostenvorschusses bleibe somit unverän- dert bestehen. H. Am 29. März 2012 bezahlte der Beschwerdeführer den einverlangten Kostenvorschuss. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des V erwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen V erfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei V orliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-D-1330/2012 Seite 5 nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das V erfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am V erfahren vor der V orinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene V erfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Mit Beschwerde kann die V erletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Mass nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). D-1330/2012 Seite 6 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere V orbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den T atsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1. Das BFM führt zur Begründung seines Entscheides aus, dass die V orbringen des Beschwerdeführers insbesondere unsubstanziiert und wi- dersprüchlich seien. Seine Aussagen wiederholten sich in derselben Art und Weise, so dass der Eindruck entstehe, als habe er diese auswendig gelernt. Auf die Frage, weshalb er von Parteimitgliedern angegriffen wor- den sei und diese i hn hätten festnehmen wollen, habe er jeweils stere o- typ geantwortet, dass es eine Auseinandersetzung gegeben habe und sie ihn in den Jihad hätten schicken wollen (vgl. A12, S. 8 und S. 10). Über die Personen beziehungsweise deren Funktionen, mit welchen er im Rahmen der Partei verkehrt haben solle, habe er nichts Konkretes zu be- richten vermocht. Angesprochen auf die Personen seiner Partei habe er stets die gleiche Antwort gegeben, nämlich dass es sich um einfache Mit- glieder gehandelt habe, welche Kontakt zu führenden Personen innerhalb der Partei gehabt hätten (vgl. A12, S. 5 f.). Genaueres über seine Gegner sei aus den Aussagen des Beschwerdeführers nicht zu erfahren. Ebenso wenig habe er sagen können, wer die erwähnten Angreifer gewesen sei- en. Hierzu habe er lediglich angegeben, dass es sich um Parteimitglieder gehandelt habe (vgl. A12, S. 4). Der Beschwerdeführer habe darüber hin- aus regelmässig ausweichend auf die ihm gestellten Fragen geantwortet. Auf die Frage beispielsweise, um was für führende Personen es sich ge- handelt habe, für die er das Essen organisiert habe, habe er lediglich ge- antwortet, es seien führende Personen aus der Partei gewesen (vgl. A12, S. 7). Ebenfalls habe er nicht konkretisiert, wann und unter welchen Um- ständen er seine Parteimitgliedschaft aufgegeben habe, obwohl er zwei Mal danach gefragt worden sei. Bei seinen diesbezüglichen Antworten habe er jeweils von einem anderen Kontext gesprochen (vgl. A12, S. 7). Auch sei er eine präzise Antwort auf die Frage schuldig geblie ben, wer genau ihn in den Jihad habe schicken wollen. Wiederum habe er als Ant- wort lediglich einige führende Personen aus der Partei angegeben (vgl. A12, S. 8). Ausserdem habe er während der Anhörung bezüglich des Ji- had gesagt, dass sein Freund nach J._______ in den Jihad geschickt worden sei. Anlässlich der Befragung habe er jedoch K._______ als an-D-1330/2012 Seite 7 geblichen entsprechenden Einrückungsort erwähnt. Auf den Widerspruch angesprochen, habe er seine an der Befragung gemachte Aussage d e- mentiert (vgl. A12, S. 4 und S. 8 beziehung sweise A5, S. 5). Ferner falle auf, dass er auf präzise Fragen regelmässig geantwortet habe, sich nicht mehr daran erinnern zu können. So habe er sich beispielsweise nicht zu erinnern vermocht, in welchem Zeitraum er zum zweiten Mal angegriffen worden sei (vgl. A12, S. 5 und S. 9 f.), wie oft er an Parteianlässen Essen organisiert (vgl. A12, S. 7), oder in welchem Zeitraum er sich in K._______ aufgehalten habe (vgl. A12, S. 10). An der Anhörung habe er sich nicht erinnern können, wann genau er der Partei beigetreten sei (vgl. A12, S. 3), währenddem er anlässlich der Befragung zu Protokoll geg e- ben habe, vor vier Jahren beigetreten zu sein (vgl. A5, S. 5). Zudem habe er im V erlauf der Anhörung bezüglich seiner Parteitätigkeit angegeben, bei entsprechenden Anlässen das Essen organisiert, sonst jedoch keine weiteren Aktivitäten innerhalb der Partei getätigt zu haben. An der Befra- gung habe er hingegen zu Protokoll gegeben, im Rahmen seiner Mi t- gliedschaft am Religionsunterricht teilgenommen zu haben. Auf diesen Widerspruch angesprochen, habe er seine an der Befragung gemachten Aussagen dementiert (vgl. A12, S. 7 f. sowie A5, S. 5). Die Aussagen des Beschwerdeführers seien weitgehend oberflächlich, unpräzise und sche- menhaft gewesen. Greifbare und prägnante Schilderun gen darüber, wie sich die beiden erwähnten Angriffe abgespielt hätten, fehlten. Seine Ant- worten seien durchgehend kurz und knapp ausgefallen und seien immer wieder ausweichend gewesen. V on einem Asylsuchenden könne jedoch erwartet werden, dass V orkommnisse, welche ursächlich im Zusammen- hang mit den Fluchtgründen stünden sowie in nicht allzu grosser zeitl i- cher Distanz zurücklägen und folglich wesentliche Punkte der Asylb e- gründung darstellten, nicht nur bei jeder Anhörung spontan vorgebracht, sondern auch in sich schlüssig und substanziiert vorgetragen würden. Dies sei jedoch vorliegend nicht der Fall gewesen, weshalb seine V o r- bringen als unglaubhaft zu beurteilen seien. Im Übrigen sei in jedem V er- fahren – insbesondere im Asylverfahren – die Feststellung der I dentität ein wesentlicher Bestandteil der Sachverhaltsermittlung. Der Beschwe r- deführer habe lediglich eine Kopie einer Identitätskarte abgegeben. Damit habe er jedoch den schweizerischen Asylbehörden keine rechtsgenügl i- che Ausweisschrift übergeben, weshalb weder seine Identität noch die Reisemodalitäten feststünden. Dadurch ergäben sich auch unter diesem Blickwinkel erhebliche Zweifel an seinen Asylvorbringen. Aufgrund dieser vielen Ungereimtheiten und unsubstanziierten Aussagen bestünden erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner V orbringen, D-1330/2012 Seite 8 weshalb der Eindruck entstehe, dass es sich hier um eine konstruierte Geschichte handle, die er nicht tatsächlich erlebt habe. Dem Beschwe r- deführer sei es somit nicht gelungen, die geltend gemachte V erfolgung überzeugend und glaubhaft darzulegen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass ihre Asyl- relevanz nicht geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle er die Flüch t- lingseigenschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei. 5.2. In seiner Rechtsmitteleingabe vom 8. März 2012 bringt der B e- schwerdeführer vor, dass aufgrund einer Auseinandersetzung mit einer der (…) Parteien Pakistans, H._______, bei einer Rückreise eine lebens- bedrohliche Lage bestehe. Er sei dieser Partei beigetreten. Als dann aber ein Schulkollege – ebenfalls ein Mitglied der Partei – in den Jihad g e- schickt worden und nicht mehr zurückgekehrt sei, seien beim Beschwer- deführer Zweifel und Angst aufgetreten und er habe diese auch zum Aus- druck gebracht. In der Folge habe er psychische wie auch körperliche Gewalt durch andere Parteimitglieder erlitten. Eine Flucht aus Pakistan sei somit die einzige Möglichkeit gewesen, um der bedrohlichen Lage zu entfliegen. Laut der Aussage der Mutter des vermissten Schulkollegen sei dieser getötet worden. Dies erwecke beim Beschwerdeführer noch mehr Angst und er bange um sein Leben. Die momentane Situation erlaube es ihm jedoch zur Zeit nicht, dass er die nötigen Beweise beschaffen könne. Die Gefährdung seines Lebens und das seiner Familie seien zu gross und er befürchte, eine Wiedereinreise nach Pakistan mit seinem Leben bezahlen zu müssen. Er bitte somit zunächst um eine Aufschiebung des Beschlusses, um sich mehr Zeit verschaffen zu können, bis sich die Situ- ation entschärft habe und er die nötigen Beweise beibringen könne. 6. 6.1. Für das Bundesverwaltungsgericht besteht nach Überprüfung der Ak- ten keine V eranlassung, die Erwägungen des BFM zu beanstanden. Die V orinstanz hat in der angefochtenen V erfügung vom 2. Februar 2012 auf die diversen Ungereimtheiten und substanzlosen V orbringen des B e- schwerdeführers unter Angabe der jeweiligen Fundstellen im Befr a- gungsprotokoll (A5) oder im Anhörungsprotokoll (A12) verwiesen. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann daher vorab auf die zutreffenden und substanziierten Ausführungen des BFM in der angefochtenen V erfü- gung verwiesen werden. Die Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe vom 8. März 2012 sind nicht geeignet, eine Änderung der vorinstanzlichen D-1330/2012 Seite 9 V erfügung zu bewirken. Der Argumentation des BFM werden keine stich- haltigen Gründe entgegengesetzt. Eine Auseinandersetzung mit den dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Unglaubhaftigkeitselementen unte r- bleibt gänzlich und seine V orbringen in der Rechtsmitteleingabe verlaufen in allgemeinen Ausführungen und Wiederholungen, die mit keinerlei stichhaltigen Argumenten oder Beweismitteln gestützt werden. Sein sinn- gemäss gestelltes Rechtsbegehren um einen Aufschub des Entscheides der Asylbehörden, damit er entsprechende Beweismittel besorgen könne, ist abzuweisen. Der Beschwerdeführer hatte während des vorinstanzl i- chen V erfahrens und auch auf Beschwerdeebene genügend Zeit, um die zur Stützung seiner Asylvorbringen geeigneten Beweismittel zu besorgen. 6.2. Das Bundesverwaltungsgericht kommt somit nach einer Prüfung der Akten und der Rechtsmitteleingabe zum Schluss, dass die Ausführungen in der Beschwerde nicht geeignet sind, die Erwägungen der V orinstanz zu entkräften. Die V orbringen des Beschwerdeführers halten den Anford e- rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden muss. Demzufolge erfüllt er die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das BFM das Asylgesuch zu Recht ablehnte. 7. 7.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch a b oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 , BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 8. 8.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 üb er die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). D-1330/2012 Seite 10 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner V o r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu bew eisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Aus- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. Der V ollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche V erpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV , SR 101), Art. 3 des Üb erein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMR K, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen V erfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh- rers nach Pakistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-D-1330/2012 Seite 11 schaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung droh en würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation in Pakistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpun kt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der V ollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der V ollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter V orbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1. Der Beschwerdeführer argumentierte in seiner Rechtsmitteleingabe vom 8. März 2012 dahingehend, dass in Pakistan eine Situation allg e- meiner Gewalt herrsche. Durch eine Rückkehr würde sein Leben vielen Risiken ausgesetzt. Nach der Tötung des pakistanischen Premiermini s- ters sei die Sicherheit im Land nicht mehr gewährleistet. Aufgrund einer politischen Auseinandersetzung sei der Beschwerdeführer direkt, persön- lich und lebensbedrohlich betroffen. 8.4.2. In Pakistan herrscht zur Zeit weder Krieg, Bürgerkrieg, noch liegt eine Situation allgemeiner Gewalt vor, aufgrund derer die Zivilbevölk e- rung als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste, weshalb in ko n- stanter Praxis von der generellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zugs ausgegangen wird. 8.4.3. In den Akten befinden sich auch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Pakistan aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Es handelt sich beim B e- schwerdeführer um einen jungen Mann ohne aktenkundige gesundheitli- che Probleme. Er verfügt in seinem Geburts- und Herkunftsort B._______ D-1330/2012 Seite 12 über ein familiäres Beziehungsnetz (vgl. A5, S. 1 und S. 3). Zudem b e- suchte er während zwölf Jahren die Schule und arbeitete danach als T axi- fahrer (vgl. A5, S. 2). Mit diesen V oraussetzungen wird es ihm möglich und zumutbar sein, sich in Pakistan erneut um eine Arbeitsstelle zu b e- mühen, sich wirtschaftlich und sozial zu reintegrieren und wieder Fuss zu fassen. Nach dem Gesagten erweist sich der V ollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen V ertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der V ollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6. Zusammenfassend hat die V orinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene V erfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des V erfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 29. März 2012 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-1330/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die V erfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag wird mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi- ge kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Daniel Stadelmann V ersand: