B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-6524/2010 U r t e i l v o m 7 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Urech (Vorsitz), Richter Stefan Mesmer, Richterin Maria Amgwerd, Gerichtsschreiberin Bianca Spescha. Parteien X._______, Deutschland, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Lotti Sigg Bonazzi, Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur, Beschwerdeführer, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2, Vorinstanz. Gegenstand Invalidenversicherung, Abweisung des Leistungsbegehrens, Verfügung vom 20. Juli 2010. B-6524/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1949 geborene, aus Deutschland stammende und in seiner Heimat wohnhafte X._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) war Grenzgä n- ger und arbeitete von 1971 bis 2008 als selbständiger Druck er in der Schweiz. Dementsprechend entrichtete er die Beiträge an die schweizer i- sche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) [vgl. IV act. 5). B. Anfangs April 2007 zog sich d er Beschwerdeführer auf der Aussenseite des rechten Oberschenkels einen Zeckenbiss zu. Ausserdem hat te er ei- nen weiteren Biss an der Schulter rund ein halbes Jahr zuvor in Erinne- rung. Durch diese Vorfälle kam es zu einer behandlungsbedürftigen Bo r- relien-Arthritis, für welche die A._______-Versicherung als obligatorischer Unfallversicherer (nachfolgend: Unfallversicherung) Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung ausrichtete. Mit Verfügung vom 11. Juni 2010 stellte die Unfallversicherung die Heilkosten - und Taggeldleis- tungen ein, da die geklagten Beschwerden nicht mehr überwiegend wahrscheinlich kausal zu den Zeckenbissen aus den Jahren 2006 und 2007 seien und somit kein Anspruch mehr auf weitere Leistungen g e- mäss UVG bestehe. C. Mit Formular vom 22. September 2009 meldete sich der Beschwerdefü h- rer bei der IV-Stelle Thurgau (nachfolgend: IV-Stelle TG) zum Leistung s- bezug an und führte aus, aufgrund einer Lyme -Borreliose arbeitsunfähig zu sein (vgl. IV act. 1). Die IV -Stelle TG holte in der Folge die Akten der Unfallversicherung ein und prüfte das Leistungsbegehren. D. Mit den Vorbescheiden vom 22. Februar 2010 teilte die IV -Stelle TG dem Beschwerdeführer zum einen mit, dass keine Kostengutsprache für eine Umschulung gesprochen werde, da er in einer seinem Leiden adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfä hig sei und somit die Voraussetzungen nicht erfülle (vgl. IV act. 29) und zum anderen stellte die IV -Stelle TG auch die Abweisung des IV -Rentengesuches mangels rentenbegründender Inval i- dität in Aussicht (vgl. IV act. 30). Der Beschwerdeführer nahm zu beide n Vorbescheiden mit Eingabe vom 19. März 2010 Stellung (vgl. IV act. 32). Nach Einholen weiterer Unterl a-B-6524/2010 Seite 3 gen der Unfallversicherung, insbesondere eines zu Handen der Unfal l- versicherung erstellten Aktengutachten s von Prof. Dr. med. B._______, Facharzt Allgemeine Innere Medizin und Infektiologie, bestätigte die IV- Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: Vorinstanz) mit Verfügun- gen vom 20. Juli 2010 die Vorbescheide vom 22. Februar 2010 (vgl. IV act. 39 f.). E. Gegen diese Verfügungen vom 20. Juli 2010 erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. September 2010 Beschwerde an das Bundesve r- waltungsgericht. Er beantragt, die Verfügungen vom 20. Juli 2010 aufz u- heben und ihm berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente zuz u- sprechen. Eventualiter sei die Sa che an die Vorinstanz zurückzuweisen und es seien weitere medizinische und berufliche Abklärungen durchz u- führen. F. In ihrer Vernehmlassung vom 26. Oktober 2010 verwies die Vorinstanz auf die Stellungnahme der IV-Stelle TG vom 21. Oktober 2010 und bea n- tragt die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefoc h- tenen Verfügungen. G. Mit Replik vom 8. Februar 2011 führte der Beschwerdeführer aus, dass die umfangreichen medizinischen Berichte und Befunde lediglich sehr summarisch und oberflächlich durch den regionalen ärztlichen Dienst ge- prüft worden seien. Auf das Aktengutachten von Dr. med. B._______ vom 29. März 2010 könne nicht abgestellt werden, da es den von der Rech t- sprechung festgehaltenen Anforderungen nicht entspreche. Dr. med. C._______ habe festgestellt, dass beim Beschwerdeführer ein typisches Beschwerdebild eines chronischen Verlaufs der Lyme -Arthritis vorliege, die Behandlung der Borrelien -Arthritis nicht abgeschlossen sei und die Arbeitsunfähigkeit weiterhin 50 % betrage. H. In ihrer Duplik vom 7. März 2011 verwies die Vorinstanz auf die Stellun g- nahme der IV-Stelle TG vom 28. Februar 2011 und hielt vollumfänglich an ihren Anträgen fest. I. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterl a-B-6524/2010 Seite 4 gen – wird soweit erforderlich und rechtserheblich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Zu diesen gehört auch die Vorinstanz , die mit Verfügungen über Rentengesuche von Grenzgängerinnen und Grenzgängern befindet (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. Art. 69 Abs. 1 IVG sowie Art. 40 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invali- denversicherung [IVV, SR 831.201]). 1.2 Der Beschwerdeführer war Grenzgänger. Wie in der Zuständigkeit s- regelung des Art. 40 Abs. 2 IVV hierfür vorgesehen, hat die IV -Stelle TG, in deren Tätigkeitsgebiet der Versicherte in seiner Eigenschaft als Gren z- gänger eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, in korrekter Weise die Anmel- dung für Leistungen der IV entgegengenommen und geprüft, während die Vorinstanz die angefochtenen Verfügungen vom 20. Juli 2010 erlassen hat. 1.3 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Indes findet das Verwaltungsverfahrensgesetz aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung (Art. 1a – 26bis und 28 – 70) anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrüc k- lich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. 1.4 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens sind sowohl die Verfügung vom 20. Juli 2010 betreffend Invalidenrente als auch die Ve r- fügung vom 20. Juli 2010 betreffend Umschulung. Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 60 ATSG). Als Adressat der ang e-B-6524/2010 Seite 5 fochtenen Verfügungen ist der Beschwerdeführer besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder Aufhebung (Art. 59 ATSG). Damit ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Be- schwerde, nachdem auch der geforderte Kostenvorschuss f ristgerecht geleistet wurde, einzutreten. 1.5 Gemäss Art. 19 Abs. 3 VGG sind die Richter und Richterinnen des Bundesverwaltungsgerichts zur Aushilfe in anderen Abteilungen verpflich- tet. Die Abteilung II des Bundesverwaltungsgerichts hat das vorliegende Beschwerdeverfahren im Zuge einer – auf einer abteilungsübergreife n- den, freiwilligen Zusammenarbeit basierende n – Entlastungsmassnahme der Abteilung III übernommen. Die bisherige Verfahrensnummer C- 6524/2010 lautet deshalb fortan B-6524/2010. 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit, wenn nicht eine kantonale B e- hörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat (Art. 49 VwVG). 2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der B e- gehren der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die B e- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gu t- heissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer B e- gründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. HÄBERLI, in: Waldmann/Weissenberger, Praxiskommentar VwVG, Art. 62 N 40). 2.3 Im Sozialversicherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, s o- fern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei s- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mö g- lichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlich s- te würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). 3. Vorab ist zu prüfen, welche Rechtsnormen im vorliegenden Verfahren zur Anwendung gelangen. B-6524/2010 Seite 6 3.1 Der Beschwerdeführer besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und wohnt in Deutschland, so dass vorliegend das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerische n Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft and e- rerseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, nachfolgend: FZA, SR 0.142.112.681) anwendbar ist (Art. 80 a IVG). Das Freizügi g- keitsabkommen setzt die verschiedenen bis dahin gel tenden bilateralen Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und den einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union insoweit aus, als darin derselbe Sachbereich geregelt wird (Art. 20 FZA). Gemäss Art. 8 Bst. a FZA werden die Systeme der so zialen Sicherheit koordiniert, um insb e- sondere die Gleichbehandlung aller Mitglieder der Vertragsstaaten zu gewährleisten. Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 (EWG, SR 0.831. 109.268.1) haben die Personen, die im Gebiet eines Mitgliedstaates wohnen, für die diese Verordnung gilt, die gleichen Rechte und Pflichten aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mi t- gliedstaates wie die Staatsangehörigen dieses Staates selbst, soweit be - sondere Bestimmungen dieser Verordnung nichts anderes vorsehen. Da- bei ist im Rahmen des FZA und der Verordnung auch die Schweiz als „Mitgliedstaat“ zu betrachten (Art. 1 Abs. 2 von Anhang II des FZA). Dem- nach richten sich die Bestimmung der Invalidität, die Berechnung des I n- validitätsgrades und der Re ntenhöhe auch nach dem Inkrafttreten des FZA nach schweizerischem Recht (BGE 130 V 253 E. 2.4), insbesondere dem IVG, der IVV, dem ATSG sowie der entsprechenden Verordnung vom 11. September 2002 (ATSV, SR 830.11). Noch keine Anwendung finden vorliegend auc h die am 1. April 2012 in Kraft gesetzten Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Pa r- laments und Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit sowie (EG) Nr. 977/2009 des Europäischen Parl a- ments und Rates vom 16. Se ptember 2009 zur Festlegung der Modalit ä- ten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die der Systeme der sozialen Sicherheit. 3.2 Nach den allgemeinen intertemporalen Regeln sind in verfahren s- rechtlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend, welche im Zeit- punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2). In materiellrechtlicher Hinsicht sind diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts Ge l- tung haben (BGE 130 V 329 E. 2.3). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist B-6524/2010 Seite 7 für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab die- sem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata temporis; vgl. BGE 130 V 445). Damit finden im vorliegenden Verfahren grunds ätzlich jene schweizerischen Rechtsvorschriften Anwendung, die bei Erlass der angefochtenen Verfügungen vom 20. Juli 2010 in Kraft standen (Besti m- mungen der 5. IV-Revision [AS 2007 5129]). Noch keine Anwendung fi n- det vorliegend das am 1. Januar 2012 in Kra ft getretene erste Massna h- menpaket der 6. IV-Revision (AS 2011 5659). 3.3 Bezüglich der vorliegend auf Grund von Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG zu berücksichtigenden ATSG -Normen zur Ar - beitsunfähigkeit (Art. 6), Erwerbsunfähigkeit (Art. 7), I nvalidität (Art. 8) und zur Bestimmung des Invaliditätsgrades (Art. 16) hat das Schweize - rische Bundesgericht (vormals Eidgenössisches Versicherungsgericht [EVG]) erkannt, dass es sich bei den in Art. 3 -13 ATSG enthaltenen L e- galdefinitionen in aller Regel um eine formellgesetzliche Fassung der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu den entsprechenden Begriffen vor In-Kraft-Treten des ATSG handelt und sich inhaltlich damit keine Änd e- rung ergibt, weshalb die hierzu entwickelte Rechtsprechung übernommen und weitergeführt werden kann (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.1, 3.2 und 3.3). 4. Nachfolgend sind die zur Beurteilung der Streitsache massgebenden g e- setzlichen Grundlagen und die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze darzulegen. 4.1 Anspruch auf eine Rente der schw eizerischen Invalidenversicherung hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG) und bei Eintritt der Invalidität während der vom Gesetz vorgesehenen Dauer Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleistet hat. Diese beträgt nach den Bestimmungen der 5. IV -Revision drei Jahre (Art. 36 Abs. 1 IVG). Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen während mehr als drei Jahren Beiträge an die schweizerische Alters -, Hinterlassenen- und die Invalidenversicherung geleistet, so dass die Min- destbeitragsdauer für den Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente erfüllt ist (vgl. IV act. 5). 4.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invali- dität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kö r-B-6524/2010 Seite 8 perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingl iederung verbleibende ganze oder tei l- weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenb e- reich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 4.3 Hinsichtlich der Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG jene Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenb e- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahme n wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a) und die z u- sätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durc h- schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 4 0 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c). 4.4 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsa n- spruchs. Im vorliegenden Fall erfolgte die Anmeldung des Beschwerd e- führers für IV-Leistungen im September 2009. Eine Rentenleistung kön n- te demnach frühstmöglichst am 1. März 2010 entstehen, sofern in diesem Zeitpunkt zum einen während eines Jahres ohne wesentlichen Unte r- bruch eine Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 4 0 % vo r- gelegen hätte und im Anschluss daran eine Erwerbsunfähigkeit von mi n- destens 40 % gegeben wäre. 4.5 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % Anspruch auf eine ganze Rente, bei einem Invalidität s- grad von mindestens 60 % Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertel s- rente. Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50 % entsprechen, werden jedoch nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, was laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine besondere Anspruchsvoraus-B-6524/2010 Seite 9 setzung darstellt (BGE 121 V 264 E. 6 c). Eine Ausnahme von diesem Prinzip gilt seit dem 1. Juni 2002 für Schweizer Bürger und Staatsang e- hörige der EU, denen bereits ab einem Invaliditätsgrad von 40 % eine Rente ausgerichtet wird, wenn sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben – was vorliegend der Fall ist (Art. 29 Abs. 4 IVG). 4.6 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades bei erwerbstätigen Vers i- cherten wird das Erwerbseinkommen, das sie nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei au s- geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 1 6 ATSG; allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, BGE 104 V 135 E. 2a und b; ZAK 1990 S. 518 E. 2). 4.7 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztli che und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen h a- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und b e- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Pe rson arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4, BGE 115 V 133 E. 2; AHI-Praxis 2002 S. 62 E. 4b/cc). Eine zumutbare Arbeitsmöglichkeit hat sich der Versicherte anrechnen zu lassen (leidensangepasste Verwei- sungstätigkeit; ZAK 1986 S. 204 f.). 4.8 Die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht haben die mediz i- nischen Unterlagen nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B e- weisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies b e- deutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide r- sprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These a b- stellt. B-6524/2010 Seite 10 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter- suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei- lung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussf olgerungen des Experten begründet sind. Ausschlagg e- bend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern des sen Inhalt (BGE 125 V 351 E. 3a). Auch die Stellungnahmen des RAD müssen den allgemeinen bewei s- rechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügen. Die RAD- Ärzte müssen sodann über die im Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen, spielt doch die fachliche Qualifikation des Experten für die richterliche Würdigung einer Expertise eine erhebl i- che Rolle. Bezüglich der medizinischen Stichhaltigkeit eines Gutachtens müssen sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkenntnisse des Exper- ten verlassen können. Nimmt der RAD selber keine Untersuchung vor, hat er zunächst zu überprüfen, ob die medizinischen Akten ein vollständ i- ges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben (vgl. zu den Anforderungen an einen Ak tenbericht Urteil BGer 8C_653/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 5.2, Urteil BGer I 1094/06 vom 14. November 2007 E. 3.1.1) bzw. ob ein von ihm angefordertes Gutachten den Anforde- rungen der Rechtsprechung entspricht und die im konkreten Fall erforder- lichen Untersuchungen vorgenommen und dokumentiert wurden. 5. Streitig ist im vorliegenden Fall, ob der Beschwerdeführer bis zum 20. Juli 2010 (Erlass der Verfügungen) in einem erheblichen Mass invalid gewo r- den ist, so dass er entweder Anspruch auf eine Invalidenrente o der eine Umschulung hätte. Nachfolgend gilt es daher zu prüfen, ob die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig sowie richtig erhoben hat. 6. Die medizinische Aktenlage präsentierte sich im Zeitpunkt des Verf ü- gungserlasses am 20. Juli 2010 wie folgt: 6.1 Dr. med. D._______, Facharzt Rheumatologie und Rehabilitation, be- richtete am 6. Juli 2 007, dass der Beschwerdeführer vor zehn Wochen aus völliger Gesundheit heraus plötzlich Schmerzen und Pseudoparese B-6524/2010 Seite 11 am linken Arm bekommen habe und nur bis 90 Gra d habe abduzieren können. Die gleiche Pseudoparese habe einige Tage später rechts stat t- gefunden. Aufgrund einer geplatzten Arterie im Mittelschädelbasisbereich sei der Beschwerdeführer im Kantonsspital E._______ notfallmässig ope- riert worden. Einige Tage s päter habe der Beschwerdeführer ein dickes rechtes Knie gehabt, im linken Knie OSG mit Schmerzen, aber nur leicht dick. Nach einer Kniepunktion sei en die Diagnosen Arthritis und positive Borreliose gestellt worden. Die festgestellte Polyarthritis mit hohen Entzündungsparametern passe eher zu einem akuten Schub einer Psoriasisarthritis als zu einer Borreli o- sen-Polyarthritis. Dazu passe auch der sicher psoriatische Nagelbefall mit Splitternägeln bei fehlenden Tüpfeln. Allerdings irritiere das momentan gute Ansprechen auf die Rocephininjektionen. Klinisch bestehe Verdacht auf einen Wirbelsäulenbefall im Sinne einer Spondylarthritis und auch auf ein möglicherweise sekundäres CTS rechts bei Synovitis am Handgelenk. Radiologisch bestünden an der Wirbelsäule trotz klinischer Einsteifung erstaunlicherweise keine sicheren entzündlichen Veränderungen ; an den Händen auch nicht, aber doch bemerkenswerte Osteopenie periartikulär an den MCP-Gelenken. Das ganze imponiere ihm eher als massiven P o- lyarthritisschub bei Psoriasis oder allenfalls sogar im Rahmen einer P o- lymyalgia/Polyarthritis als Borrelien-Arthritis, die zwar auch mal polyarthri- tisch auftreten könne, aber eher doch nicht der art (vgl. IV act. 23 S. 8 7 ff.). 6.2 Dr. med. F._______, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 13. Juli 2007 von einem schmerzhaften Schultergelenk links in allen Ebenen. Es bestehe keine sichtbare Rötung oder Schwellung. Die aktive Beweglichkeit sei eingeschränkt. Dr. med. F._______ stellte die vorläufige Diagnose einer Borrelien-Polyarthritis (vgl. IV act. 23 S. 97). In ihrem Bericht vom 13. August 2007 führte Dr. med. F._______ aus, dass der Beschwerdeführer vom 18. bis 26. Juni 2007 100 % und vom 26. Juni 2007 bis 17. Juli 2007 50 % arbeitsunfähig gewesen sei. Ab dem 18. Juli 2007 sei er vollständig arbeitsfähig (vgl. IV act. 23 S. 92). 6.3 Dr. med. G._______, Fachärztin Neurologie, stellte in ihrem Bericht vom 24. Juli 2007 folgende Diagnosen: – Atypisches CTS (überwiegend axonale Veränderungen) B-6524/2010 Seite 12 – Elektroneurographisch leichte polyneuropathische Veränderung (überwiegend axonal, überwiegend in den sensiblen Fasern) – Rezidivierende Gelenkschwellung und Gelenkschmerzen seit April 2007. Status nach Zeckenbiss im April 2007 mit laborchemisch Ve r- dacht auf Borreliose (weitere Gelenkschwellung auch unter R o- cephintherapie, insgesamt aber eher etwas untypisch) – Psoriasis – Hautpilz im Bereich beider Hände. Die Befunde würden am ehesten für ein subakutes entzündliches G e- schehen mit Gelenkbefall und leichter, überwiegend axonaler sensibler Polyneuropathie sprechen. Eine solche Konstellation könne sowohl bei der Borreliose, als auch bei anderen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises mit direkter, aber auch sekundärer Beteili gung des per i- pheren Nervensystems auftreten. Es empfehle sich zur weiteren Diagnos- tik bei erneuter Gelenkschwellung nochmals eine Untersuchung des Punktates auf Borrelien (PCR) und ein Ausschluss anderer Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis zu machen (vgl. IV act. 23 S. 84 ff.). 6.4 Dr. med. H._______, Facharzt Orthopädische Chirurgie, Kantonssp i- tal N._______, beschrieb in seinem Bericht vom 11. Januar 2008 eine ak- tivierte Gonarthritis rechtes Kniegelenk sowie einen Verdacht auf Psori a- sis Polyarthritis (vgl. IV act. 23 S. 81 f.). 6.5 Im Gutachten vom 13. Januar 2008 stellte Dr. med. C._______, Facharzt Innere Medizin, beim Beschwerdeführer folgende Diagnosen: – Polyarthritis bei Lyme-Borreliose – DD: Psoriasis-Arthritis unwahrscheinlich – Psoriasis vulgaris der Haut. Die speziellen Untersuchungen bezüglich Borrelia burgdorferi hätten bei erhöhten IgG- und IgM-Antikörpertitern im Western Blot ein Resultat e r- geben, das mit einem lange anhaltenden Immunkontakt (Spätantikörper) vereinbar sei. Auf Grund der vorliegenden Resultate sei das Vorliegen ei- ner Lyme-Borreliose mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben. Beim Beschwerdeführer bestehe seit ca. 1970 eine Psoriasis vulgaris mit Befall der Haut. Differentialdiagnostisch sei daher eine Psoriasisarthr o- pathie in Erwägung zu ziehen. Da die kutane Psoriasis aber schon seit bald 40 Jahren bestehe ohne jegliche Gelenks - oder Sehnenbeschwer-B-6524/2010 Seite 13 den sei es unwahrscheinlich, dass diese sich jetzt bemerkbar mache. Z u- dem würde das Befallsmuster nicht dazu passen. Die vorhanden en g e- sundheitlichen Beeinträchtigungen seien auf den Zeckenbiss als alleinige Ursache zurückzuführen (vgl. IV act. 23 S. 128 ff.). 6.6 Die beratende Ärztin der A._______-Versicherung Dr. med. I._______, Fachärztin Innere Medizin, kam nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer geäusserten Beschwerden sowie die objektiven Befunde "möglich unfallkausal " zum Ereignis Z e- ckenbiss Anfang April 2007 seien. Dafür spreche der angegebene Z e- ckenbiss im April 2007, eine positive Serologie und die Gelenkbeschwer- den. Dagegen spreche das fehlende Erythema migrans, das in 80 % bei Borrelieninfekten auftrete, ein fehlendes Gelenkpun ktat mit Testung auf Borrelien sowie das Gelenksbefallmuster, das eher einer Psoriasisarthr o- pathie entspreche als einer Lym e-Arthritis. Die Serologie besage nur e i- nen Kontakt mit Borrelien, jedoch sei diese nicht beweisend für eine E r- krankung. Von der Psoriasis-Arthritis könnten sehr viele Gelenke betroffen sein. Bei Krankheitsbeginn sei die Gelenkbeteiligung allerdings oft oligoartikulär, d.h. es seien bis maximal vier Gelenke betroffen. Am häufigsten befalle die Psoriasis -Arthritis die kleinen Gelenke an den Händen und Füssen sowie die Knie - und Sprunggelenke, weiterhin die Ellenbogengelenke. Generell seien Gelenke im Bereich der unteren Körperhälfte häufiger und im Verlauf oft auch eher betroffen. Typisch für die Psoriasis-Arthritis sei eine Beteiligung der Finger - und der Zehenendgelenke. Ebenfalls charakteristisch sei der sogenannte Strah l- befall, bei dem alle Gelenke ein es Fingers oder eines Zehs getroffen se i- en. Der Strahlbefall sei eine andere Manifestation als die Daktylitis, die nicht nur die Gelenke erfasse, sondern mit einer Entzündung aller Stru k- turen einschliesslich der Weichteile, der Sehnen, Sehnenscheiden und selbst des Knochens und der Knochenhaut (Periost) einhergehe. Das Befallmuster beim Beschwerdeführer entspreche einer Psoriasis - arthropathie. Gelenkbeteiligung der Fingergelenke sei bei Psoriasis - arthropathie typisch, im Gegensatz zu einer Lyme-Arthritis (vgl. IV act. 23 S. 117 ff.). B-6524/2010 Seite 14 6.7 In seiner Stellungnahme vom 19. März 2008 widersprach Dr. med. C._______ den Argumentationen der Vertrauensärztin der Unfallversiche- rung Dr. med. I._______ (vgl. IV act. 23 S. 160 ff.). 6.8 In seinem Bericht vom 9. April 2008 hielt Dr. med. D._______ insbe- sondere fest, dass das klinische Bild samt Verlauf nicht typisch sei für e i- ne Psoriasis-Arthritis (vgl. IV act. 23 S. 75). 6.9 Dr. med. J._______, Facharzt Infektiologie und Allgemeine Innere Medizin, Universitätsspital O._______, diagnostizierte in seinem Akte n- gutachten vom 23. Oktober 2008 beim Beschwerdeführer folgende Dia g- nosen: – Polyarthritis im Rahmen einer Lyme -Borreliose überwiegend wah r- scheinlich – Status nach Zeckenstich April 2007 – Intravenöse Therapie mit Ceftriaxon (Rocephin) 2g pro Tag i.v. 20.06.2007 – Atypisches Karpaltunnelsyndrom rechte Hand – Psoriasis seit 1970 – Status nach posteriorer Epistaxis rechts aus der Arteria sphenobasila- ris, Status nach Verödung beidseits 6/2007. Er stellte sich auf den Standpunkt, dass mit überwiegender Wahrschei n- lichkeit ein Kausalzusammenhang zwischen dem Zeckenbiss im April 2007 und den Beschwerden des Beschwerdeführers bestehe. Da er den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht habe, sei ihm nicht bekannt, wie es ihm aktuell gehe. Aufgrund der vorliegenden Dok u- mente scheine es dem Beschwerdeführer nach der Ceftriaxon -Therapie bezüglich der Gelenke deutlich besser gegangen zu sein, was sehr gut zu einer Lyme-Arthritis passe. Offenbar persistiert en gewisse Beschwerden, was ebenfalls typisch sei für eine Lyme -Arthritis. Es dauere in der Regel viele Monate, oftmals 6 bis 12 Monate bis die Beschwerden nach einer antibiotischen Therapie vollständig abgeklungen seien. Aufgrund der D o- kumentation sei der Beschwerdeführer auch wieder zunehmend arbeit s- fähig. Der Beschwerdeführer leide langjährig an einer Psoriasis, über deren Verlauf er nichts sagen könne. Die Polyarthritis habe aufgrund der Akte n- lage nichts mit der Psoriasis zu tun. Die mit überwiegender Wahrschein-B-6524/2010 Seite 15 lichkeit vorliegende Lymearthritis werde voraussichtlich 6 bis 12 Monate nach der intravenösen antibiotischen Therapie abgeheilt sein. Leider kön- ne es allerdings in wenigen Prozent en der Fälle zu persistierenden B e- schwerden oder zu einem Rezidiv einer Lyme-Arthritis kommen. Aufgrund der ihm vorliegenden Akten und da er den Beschwerdeführer selber nicht gesehen habe, könne er sich zum aktuellen Verlauf nicht äussern. Er sei jedoch optimistisch, dass das Beschwerdebild beim Beschwerdeführer abklingen werde (vgl. IV act. 23 S. 98 ff.). 6.10 Dr. med. D._______ führte in seinem Bericht vom 17. Februar 2009 aus, seit etwa Mitte 2008 bestünden weniger Schübe mit Gelenksentzü n- dungen unter der Basistherapie mit Methotrexat. Hin und wieder habe der Beschwerdeführer leichte Schmerzen an den Handgelenken, welche sich auf Kälteapplikationen und Antiphlogistica bessern würden. Dr. med. D._______ diagnostizierte eine persistierende Oligoarthritis bei Status nach Borrelien Infektion, Psoriasis vulgaris, Status nach pos teriorer Epistagsis, Status nach Verödung bds. 6/07, Akutes lumbales Schmer z- syndrom bislang unbekannter Ursache. Als selbständiger Drucker best e- he eine reduzierte Arbeitsfähigkeit für die schweren handbelastenden T ä- tigkeiten. Diese Arbeiten machen etwa 50 % der aktuellen Tätigkeiten aus. Aktuell sei der Beschwerdeführer wegen den lumbalen Schmerzen weitgehend arbeitsunfähig. In einer leichten Bürotätigkeit wäre eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben. Insgesamt habe sich die Oligoarthritis beruhigt und es ist damit zu rechnen, dass sie mittelfristig keine wesentlichen Ei n- schränkungen der Arbeitsfähigkeit darstelle (vgl. IV act. 9) 6.11 Dr. med. K._______, Facharzt Innere Medizin, führte am 21. April 2009 aus, dass aufgrund eines Herpes Zoster wegen Borreliose von 20. März bis 9. April 2009 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Die Prognose sei günstig und der Beschwerdeführer sei wieder weites t- gehend beschwerdefrei (vgl. IV act. 23 S. 74). 6.12 In seinem Bericht vom 24. August 2009 teilte Dr. med. C._______ mit, dass noch Arthralgien und Periarthalgien verschiedener Gelenke, zur Zeit vor allem an der linken Schulter und im rechten Handgelenk, bestü n- den. Klinisch fänden sich keine Gelenkschwellungen mehr, im rechten Handgelenk finde sich aber eine schmerzhaft eingeschränkte Flexion und über der linken Schulter eine diffuse, leichte Druckdolenz. Der Heilungsprozess sei noch nicht abgeschlossen. Die Heilung benötige im Durchschnitt zwei Jahre, vor allem dann eher länger, wenn die Dia g-B-6524/2010 Seite 16 nose wie hier viel zu spät gest ellt und die Behandlung viel zu spät er folgt sei. Der Beschwerdeführer benötige weiterhin bei Schmerzschüben Volta- ren. Es werde im Verlauf noch eine namhafte Verbesserung erwartet, zumal serologisch keine Titerzunahme vorliege. Es bestehe keine A r- beitsunfähigkeit (vgl. IV act. 23 S. 66). In seinem Schreiben vom 4. September 2009 räumte Dr. med. C._______ ein, dass ihm im Bericht vom 24. August 2009 ein Fehler unterlaufen sei und die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers 50 % und nicht wie ir r- tümlich 0 % angegeben betrage (vgl. IV act. 23 S. 63). 6.13 Dr. med. D._______ berichtete am 28. August 2009, dass die Borre- liose zwei Mal mit Antibiotika korrekt behandelt worden sei und von dieser Seite her als austherapiert gelte. Im Moment bestünden wieder vermehrt Arthritiden am Handgelenk und an der rechten Schulter. Aus rheumatol o- gischer Sicht habe die Arbeitsfähigkeit als selbständiger Drucker wegen den Arthritiden für schwere Arbeiten 50 % betragen. Interkurrent sei die Arbeitsfähigkeit durch andere Leiden höher gradig eingeschränkt worden, was er nicht beurteilen könne. Momentan liege die Arbeitsfähigkeit bei 50 % als selbständiger Drucker (vgl. IV act. 12 S. 1). 6.14 Der RAD-Arzt Dr. med. L._______, Facharzt Allgemeine Innere M e- dizin, führte in seinem Bericht vom 20. Oktober 2009 aus, dass auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. D._______ abgestellt werden könne (vgl. IV act. 38 S. 7). Am 3. Februar 2010 führte Dr. med. L._______ aus, dass der Beschwer- deführer seine geltend gemachten Beschwerden wie taube Hand - und Sehbehinderung mit Attesten belegen müsse. Wenn es sich um neue Ge- sundheitsschädigungen handle, habe er diesbezüglich sicher Ärzte kon- sultiert (vgl. IV act. 38 S. 10). 6.15 Dr. med. B._______, Facharzt Infektiologie und Allgemeine Innere Medizin, berichtete in seinem Aktengutachten vom 29. März 2010, dass das klinische Ereignis mit wechselnden Gelenkschmerzen an Armen und Beinen im Juni 2007 als typischer Befund einer Borrelien -Infektion ange- sehen werden könne, auch wenn ein Kausalzusammenhang na türlich nie mit Sicherheit bewiesen werden könne. Er schliesse sich Dr. med. C._______ und Dr. med. J._______ an, wonach die Diagnose einer Bo r- relien-Arthritis als wahrscheinlichste Ursache für das Geschehen im Sommer 2007 anzusehen sei. Mit beiden Gutacht ern stimme er vollstä n-B-6524/2010 Seite 17 dig überein, dass die Lyme - resp. die Borrelien -Arthritis typisc herweise über die Zeit abklinge n und die Beschwerden verschwinden würden. Ins- besondere nach behandelter Borrelien-Infektion würden die Beschwerden in der Regel nach Wochen bis Monaten verschwinden, wobei in Einzelfäl- len die Beschwerden lange andauern könnten. Die grosse Mehrzahl der Patienten, welche adäquat behandelt würden, hätten nach einem Jahr keine Restbeschwerden mehr. Entgegen der Auffassung von Dr. med. C._______ sei im vorliegenden Fall die Diagnose nicht viel zu spät g e- stellt worden. Die Diagnose sei 2 ½ Monate nach dem Zeckenstich ser o- logisch gestellt und unmittelbar danach sei eine antibiotische Therapie mit Rocephin eingeleitet worden. Auch wenn die Therapie d amals noch mit Wochenendpausen durchgeführt worden sei, dürfe hier nicht von einer verzögerten Diagnostik oder mangelhaften Therapie gesprochen werden. Die Therapie habe denn auch gut angesprochen. Ob die zweite R o- cephin-Therapie eine Verbesserung gebracht habe, könne er aus den Ak- ten nicht schliessen. Eine Borrelien -Arthritis, wie sei im vorliegenden Fall im Juni 2007 diagnostiziert und innert einem Jahr zweimal behandelt worden sei, müsste in aller Regel in den folgenden Monaten abklingen. Im Jahr 2009 s ei ein Herpes Z oster aufgetreten, was im Zusammenhang mit der vorangehenden Methotrexat -Therapie zu sehen sei . Nach Abset- zen der Therapie mit Methotrexat sei der Patient unter Voltaren nach se i- nen Angaben gut kontrolliert gewesen. In seltenen Fällen könne selbst nach antibiotischer Therapie eine Borr e- lien-Arthritis über mehrere Jahre chronisch verlaufen. Ein solcher speziel- ler Verlauf komme vorwiegend bei Borreliose -Fällen vor, welche eine starke Dominanz des Oberflächenproteins OspA haben. Im vorliegenden Fall sei die immunologische Reaktion auf OspA immer abwesend gew e- sen, so dass er davon ausgehe, dass beim Beschwerdeführer eine so l- che spezielle Form einer chronischen Borrelien -Arthritis sehr unwah r- scheinlich sei. Allerdings sei es nicht auszuschliessen, dass andere gene- tische Prädispositionen, die nicht bekannt seien, in selteneren Fällen auch solche Befunde auslösen könnten. Insgesamt bestätigen aber alle Experten, dass die Häufigkeit von wiederkehrenden Gelenksattacken bei Borrelien-Arthritis über die Zeit zurück gehen und die Krankheit letzten d- lich ausheilen würde. Im vorliegenden Fall bestünden einige Ungereimtheiten, welche für eine abschliessende Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines Zusamme n- hangs zwischen Zeckenstich und Symptomatik wesentlich sein dürften. B-6524/2010 Seite 18 Bereits in einem Röntgenbild vom April 2007 werde von feinen Verka l- kungen berichtet. Diese hätt en mit Sicherheit nichts mit dem Zeckenstich vom April 2007 zu tun. In einem weiteren Bericht von Dr. med. D._______ werde eine beginnende Schwalbe nform im PIP -II beidseits berichtet. Ein Befall der kleinen Handgelenke sei aber untypisch für die Borreliose und würde besser zur immer differentialdiagnostisch diskutierten Psoriasis - Arthritis oder zu einer anderen Form einer Arthritis passen. Der B e- schwerdeführer habe zudem ein dokumentiertes Karpaltunnelsyndrom der rechten Hand. Die Gefühlsstörungen an zwei mittleren Fingern der rechten Hand würden sehr gut zum Psoriasis Befund passen. Dies stehe nicht im Zusammenhang mit der Borreliose. Bei der Untersu chung durch Dr. med. C._______ im Dezember 2007 seien die Rheumafaktoren leicht erhöht gewesen. Dies passe nicht unbedingt zu einer früheren Borrelien - Arthritis. Der Befund sei im Gutachten nicht diskutiert worden. In den Unterlagen würden sich die Angabe n einer diffusen Hepatopathie im Sinne einer Steatose finden. Es finde sich jedoch kein serologischer Ausschluss einer Hepatitis C -Infektion. Eine Hepatitis C könnte sehr gut die Steato se (Leberfettung) und typischer weise Polyarthritiden verurs a- chen. Die Beschwerden des Beschwerdeführer s liessen sich sehr gut durch eine Hepatitis C erklären. Der eher progrediente Verlauf oder mi n- destens die Persistenz der Beschwerden nach korrekt durchgeführter Borreliose-Therapie würde sehr gut zum Vorliegen einer chronis chen He- patitis C passen. Ebenso die leicht erhöhten Rheumafaktoren und das Befallsmuster der geschilderten Gelenksbeschwerden. Das neu geäusserte Beschwerdebild mit Schmerzen im Bereich der Wi r- belsäule passe schlecht zur Diagnose einer Borrelien -Arthritis. Die eher zunehmende Intensitität der Gelenkbeschwerden, welche dann zuletzt sogar zur Behandlung durch Methotrexat geführt habe, sei völlig atypisch für eine korrekt antibiotisch behandelte Borrelien-Arthritis. Zusammenfassend komme er zum Schluss, dass die Diagnose einer Bor- relien-Arthritis im Juni 2007 sehr wahrscheinlich gewesen sei, aber der Verlauf der Erkrankung im Anschluss an eine Therapie sehr ungewöhnlich gewesen sei. Insgesamt wird mit den fortschreitenden Beschwerden eine andere Ursache für d ie Beschwerden immer wahrschein licher, so dass heute eine Borreliose als Ursache für die persistierenden Beschwerden als äusserst unwahrscheinlich gelten dürfe. B-6524/2010 Seite 19 Die Behandlung der Borrelien -Arthritis erscheine ihm in der aktuellen S i- tuation abgeschlossen. Eine Fortsetzung von weiteren Laborunters u- chungen sei diesbezüglich weder zweckmässig noch wirtschaftlich. Sin n- voll erachte er allerdings eine differentialdiagnostische Untersuchung, insbesondere den Ausschluss einer chronischen Hepatitis C. Zu der Arbei tsfähigkeit könne er nicht Stellung nehmen, da er den B e- schwerdeführer nicht persönlich untersucht habe (vgl. IV act. 34 S. 7 ff.). 7. 7.1 Die Vorinstanz geht gestützt auf den RAD -Bericht vom 20. Oktober 2009 davon aus, dass si ch zwar aus dem Aktengutachten von Dr. med. J._______ vom 23. Oktober 2008 und den Arztberichten von Dr. med. D._______ ergebe, dass der Beschwerdeführer vom 1. April 2007 bis zum 16. Februar 2009 in sämtlichen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei. Spätestens per 17. Februar 200 9 habe sich jedoch der G e- sundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit gemäss Dr. med. D._______ verbessert und es ist von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit in einer ada p- tierten leichten Tätigkeit auszugehen. Auch aus dem zu Handen der U n- fallversicherung erstellten Aktengutachten von Dr. med. B._______ vom 29. März 2010 würden sich keine für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit relevanten neuen Faktoren ergeben. 7.2 Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass die IV-Stelle keine fundierten Abklärungen zur Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers unternommen habe. Auch im Aktengutachten von Dr. med. B._______ wird zur Arbeitsfähigkeit nicht Stellung genommen. Die Arztberichte, die sich zur Arbeitsunfähigkeit äusserten, seien bereits rel a- tiv alt. Dr. med. D._______ führe in seinem Bericht vom 28. August 2009 aus, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus rheumatolog i- scher Sicht wegen den Arthriden 50 % betrage. Interkurrent sei die A r- beitsfähigkeit durch andere Leiden höhergradig ei ngeschränkt, was er nicht beurteilen könne. Es sei unter diesen Umständen nicht nachvol l- ziehbar, weshalb die Vorinstanz von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit habe ausgehen können. Insbesondere lasse die Vorinstanz die anderen Leiden, welche nebst der Polyarthritis bestü n- den, wie das Karpaltunnelsyndrom in der rechten Hand, die lumbalen Schmerzen sowie die Psoriasis , ausser Acht. Die Vorinstanz sei dadurch ihrer Pflicht zur Abklärung des Sachverhaltes nicht nachgekommen. B-6524/2010 Seite 20 8. 8.1 Die Vorinstanz hat sich zur Entscheidfindung ausschliesslich auf die medizinischen Akten des Unfallversicherers gestützt. Aus diesen mediz i- nischen Akten geht klar hervor, dass die Abklärungen, ob die gesundhei t- lichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers noc h überwiegend wahrscheinlich kausal zu den Zeckenbissen aus den Jahren 2006 und 2007 sind, im Vordergrund stehen. Dies erweist sich im konkret vorli e- genden Zusammenhang als problematisch. Zum Einen fand mit denjen i- gen geklagten Beschwerden, denen der natür liche Kausalzusamme n- hang zum erlittenen Unfall abgesprochen wurde, keine vertiefte medizin i- sche Auseinandersetzung statt. Zum Anderen wurde die Frage der z u- mutbaren Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Unfallversich e- rungsverfahren nicht ausreichend zentral behandelt und auch die Auswir- kungen der nicht unfallkausalen Beschwerden konnten in jenem Verfa h- ren offen bleiben. 8.2 Lediglich Dr. med. F._______, Dr. med. D._______, Dr. med. K._______ und Dr. med. C._______ äusserten sich zu den Auswirkungen des von ihnen diagnostizierten Gesundheitszustandes auf die Arbeitsf ä- higkeit des Beschwerdeführers. Dr. med. F._______ attestierte dem Beschwerdeführer am 13. August 2007 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit von 18. bis 26. Juni 2007, eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit von 26. Juni 2007 bis 17. Juli 2007 und ab dem 18. Juli 2007 eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Dr. med. K._______ attestierte dem Beschwerdeführer am 21. April 2009 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit von 20. März bis 9. April 2009. Dr. med. D._______ beurteilte am 17. Februar 2009 die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in seiner angestammten Tätigkeit als selbständ i- ger Drucker um 50 % eingeschränkt. Für eine leichte Bürotätigkeit hing e- gen schätzte er ihn als vollständig arbeitsfähig ein. Er rechnete damit, dass mittelfristig keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehen werde. Am 28. August 2009 ergänzte er seine Beurteilung d a- hingehend, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch ande- re Leiden höhergradig eingeschränkt werde, was er nicht beurteilen kö n- ne. Dr. med. C._______ erachtete den Beschwerdeführer sowohl in seinem Bericht vom 24. August 2009 (Korrektur mit Schreiben vom 4. September B-6524/2010 Seite 21 2009; vgl. IV act. 23 S. 63) als auch in seinem im Rahmen des B e- schwerdeverfahrens eingereichten neuen Berichts als 50 % arbeitsunf ä- hig. 8.3 Die Berichte von Dr. med. F._______ und Dr. med. K._______ sind sehr kurz gehaltene Einschätzungen und halten lediglich diverse Befunde oder Diagnosen fest. Sie schliessen ohne jede Begründung – und damit nicht nachvollziehbar – auf die Arbeits - bzw. Arbeitsunfähigkeit des B e- schwerdeführers. Dr. med. D._______ hat die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in s- besondere in Bezug auf die von ihm diagnostizierten Arthritiden festg e- setzt. Dies hat er explizit festgehalten, indem er ausführte, dass er andere Leiden, durch welche die Arbeitsfähigkeit ebenfalls eingeschränkt sei, nicht beurteilen könne. Sowohl seine medizinische Beurteilung als auch seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist daher nicht u mfassend, weshalb von einer beschränkten Aussagekraft seiner Aussagen auszugehen ist. Dr. med. C._______ hat eine Arbeitsunfähigke it des Beschwerdeführers von 50 % festgehalten. Seine Berichte beschränken sich insbesondere auf die Unfallkausalität der Zec kenbisse. In Bezug auf die Arbeitsfähi g- keitsbeurteilung hat Dr. med. C._______ weder ein Belastungs- bzw. Zu- mutbarkeitsprofil erstellt und liess auch unbegründet, wie er auf eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit kommt. Zudem macht er keinen Unterschied zw i- schen der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und einer allfä l- ligen Restarbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit. 8.4 Um den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu belegen und zu beurteilen, inwiefern damit ei- ne Einschränkung der Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit einhergeht, müss- te eine umfassende medizinische Beurteilung vorliegen. Die dargelegten medizinischen Berichte, die sich primär auf die Perspektive der Unfallve r- sicherung beschränken, sind dazu nicht geeignet. Einerseits enthalten sie keine umfassende medizinische Beurteilung und genügen andererseits auch keineswegs, um die Arbeitsfähigkeit bzw. –unfähigkeit mit überwi e- gender Wahrscheinlichkeit zuverlässig zu erheben. 8.5 Da die Aktenlage hinsichtl ich des genauen Umfangs der Arbeitsunf ä- higkeit bzw. –fähigkeit in der angestammten als auch in einer angepas s- ten Tätigkeit kein genaues Bild ergibt, wäre die Vorinstanz verpflichtet gewesen, weitere Abklärungen vorzunehmen, sei es die Durchführung ei-B-6524/2010 Seite 22 ner persönlichen Untersuchung resp. Begutachtung in den nötigen Fac h- disziplinen oder das Einholen weiterer medizinischer Berichte. Indem die Vorinstanz weitere Abklärungen unterlassen und statt dessen das IV - Leistungsgesuch abgewiesen hat, hat sie den medizinisc hen Sachverhalt nicht vollständig ermittelt und somit ihre Abklärungspflicht im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG verletzt. 9. Die angefochtenen Verfügungen vom 20. Juli 2010, welche auf einer l ü- ckenhaften medizinischen Aktenlage beruhen, sind daher in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Vorliegend ist von der Anordnung eines Gerichtsgutachtens abzusehen, da im vorinstanzlichen Verfahren trotz der medizinischen Aktenlage die Einholung weiterer medizinischer Berichte bzw. die Durchführung einer Untersuchung resp. Begutachtung unterlassen wurde und somit wichtige medizinische Fragen ungeklärt geblieben sind (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Da dem Verfahren im jetzigen Standpunkt die Entscheidungs- reife mangelt, ist die Sache folglich zur Feststellung des r echtserhebli- chen Sachverhaltes und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vori n- stanz zurückzuweisen (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Dabei hat die Vorinstanz in einem ersten Schritt aus medizinischer Sicht und ohne Einengung auf die Perspektive de r Unfallversicherung mittels der erforderlichen fachärztlichen Begutachtungen abzuklären, ob und b e- jahendenfalls in welcher Hinsicht und welchem Umfang der Beschwerd e- führer aus gesundheitlichen Gründen in seiner Leistungsfähigkeit eing e- schränkt ist. Ferner wird sie allfällige berufli che Massnahmen und schliesslich ein allfälliger Rentenanspruch sorgfältig zu prüfen haben. 10. 10.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG auferlegt das Bundesverwaltungsg e- richt die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Vorlie- gend sind dem obsiegenden Besc hwerdeführer daher keine Kosten au f- zuerlegen, so dass der geleistete Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 400.– dem Beschwerdeführer auf ein von ihm anzugebendes Konto zurückzuerstatten ist. Der Vorinstanz werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 10.2 Der obsiegende Beschwerdeführer hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten B-6524/2010 Seite 23 und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Vori n- stanz. Da er keine Kostennote eingereicht hat, ist die ihm zuzuspreche n- de Parteientschädigung nach Ermessen und aufgrund der Akten auf Fr. 2'200.− (inklusive Auslagen) festzusetzen (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Nicht zu entschädigen ist d ie Mehrwertsteuer (Art. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 8 Abs. 1 und Art. 18 Abs. 1 des Mehrwertsteuergesetzes vom 12. Juni 2009; MWSTG SR 641.20). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtenen Verfügungen vom 20. Juli 2010 werden aufgehoben . Die Sache wird an die Vorinstanz zurückgewiesen, damit diese im Sinne der Erwägungen neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der bereits geleistete Ve r- fahrenskostenvorschuss von Fr. 400. – wird dem Beschwer deführer nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Die Vorinstanz wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 2'200.– auszurichten. B-6524/2010 Seite 24 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde; Beilage: Rückerstattungs- formular) – die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Gerichtsurkunde) – das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV (Gerichtsurkunde) – die A._______ Versicherungen, […] – die M._______ Pensionskasse, […] Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Urech Bianca Spescha Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die U n- terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 10. Juni 2013