29. April 1993 N 845 Postulat Zisyadis verschwenderischen Lebensstil voraussetzen. Für viele Kreise im Norden scheint es aber opportuner zu sein, den Menschen im Süden als disponible Grosse zu betrachten. Je nach den ökonomischen und politischen Bedürfnissen sollte diese Grosse manipuliert werden können. Dies ist nicht neu: In Ame- rika wurden Sklaven aus Afrika als Arbeitskräfte importiert, nachdem die autochthone Bevölkerung nahezu ausgerottet war. In vielen lateinamerikanischen und asiatischen Ländern ist aber der Boden in den Händen weniger Grossbauern konzen- triert, die unzählige Kleinbauern vertreiben. Das ist der Grund, weshalb diese Leute, auf engem Raum zusammengedrängt, die lokalen Umweltressourcen zerstören. Im Jahre 1960 kon- trollierten - nach einer Erhebung der FAO - 2,5 Prozent der Landbesitzer 75 Prozent des gesamten Ackerlandes der Erde. Dieses Verhältnis hat sich in letzter Zeit eher noch ver- schlechtert. Stellt man zwischen dem wenigen, was ich ausgeführt habe, den Zusammenhang her, dann wird deutlich, dass nicht das schnelle Bevölkerungswachstum in den Ländern des Südens, sondern der aufwendige Lebensstil der Menschen im Norden hauptverantwortlich für die Zerstörung der Welt ist In der Schweiz dürften nach ökologischen Gesichtspunkten 3 Millio- nen Menschen leben, wenn es nach diesem einfachen Denk- modell ginge. Mosambik hat nur ein Zehntel unserer Bevölkerungsdichte und hat lokale Umweltprobleme, aber es hat lokale Probleme, weil die Menschen arm sind; arm, arm, arm. Armut ist also einer der entscheidendsten Faktoren, die die Fa- milien in der Dritten Welt viele Kinder haben lässt. Die hohe Kindersterblichkeit und das niedrige Familieneinkommen ma- chen die Mitarbeit der Kinder, damit eine Familie überleben kann, notwendig. Logischerweise wäre also die geeignete Strategie für die Ver- besserung der lokalen Umweltsituation der Drittweltländer die Bekämpfung der Armut, und die wirksamste Bekämpfung der Armut ist Investition in Bildung und in lokale Projekte, vor allem in kleine, dezentrale Projekte. Das ist der einzige Punkt, in dem ich mit den Schweizer Demokraten einig bin. Aber die Schweizer Demokraten haben zum Beispiel Margrith von Feiten (als sie während der Diskussion zum Rahmenkredit der Entwicklungszusammenarbeit im letzten Jahr darauf hin- gewiesen hat, dass ein wichtiger Faktor die Unterstützung und Bildung der Frauen und die Unterstützung von Frauenprojek- ten wäre) den Vorwurf gemacht, das sei Sexismus. Inzwischen hat aber selbst die Weltbank entdeckt, dass bei den Frauen anzusetzen ist. Ich hatte die Gelegenheit, bei einem Nachtes- sen den Verfasser des letztjährigen Entwicklungsberichtes, «Entwicklung und Umwelt» zu treffen. Er hat an diesem Treffen erklärt, die Weltbank habe herausgefunden, dass in den Ent- wicklungsländern «ein Jahr mehr Bildung» im Schnitt «ein hal- bes Kind weniger pro Frau» ergibt. Das ist auch eine Art von Entwicklungspolitik. Ich habe nichts dagegen, dass die Welt- bank das entdeckt. Ich warte auf die Umsetzung dieser Politik. Ich möchte Ihnen beliebt machen, diese Motion ganz katego- risch abzulehnen. Ich finde im übrigen auch, dass die Stel- lungnahme des Bundesrates ein wenig zu männerorientiert ist und hier auch noch der Korrektur bedürfte. Bundesrat Cotti: Unabhängig von der Orientierung der Ant- wort des Bundesrates stelle ich fest, dass diese ausführlich ist, dass sie vor sechs Monaten präsentiert worden ist und dass keine neuen Fakten hinzugekommen sind. Wir bitten Sie, die Motion abzulehnen. Abstimmung - Vote Für Ueberweisung der Motion Dagegen 7 Stimmen 70 Stimmen #ST# 92.3567 Postulat Zisyadis Aufhebung der Ehrengarde Suppression de la garde d'honneur Wortlaut des Postulates vom 18. Dezember 1992 Der Bundesrat wird ersucht zu veranlassen, dass die militäri- sche Ehrengarde, die jeweils anlässlich von Einladungen und Empfängen für Staatschefs und Minister auftritt, abgeschafft wird. Unser Land muss, entsprechend seiner Neutralitätstradition, auf der internationalen Bühne ein Bild des Friedens vermitteln. Durch diesen symbolischen Akt würde das Bild einer humani- stischen und pazifistischen Schweiz bestärkt. Texfe du postulat du 18 décembre 1992 Le Conseil fédéral est invité à supprimer la garde d'honneur militaire lors des invitations et des réceptions des chefs d'Etat ou de ministres. Notre pays doit promouvoir sur la scène internationale une image de paix, conforme à sa tradition de neutralité. Par cet acte symbolique, il renforcerait l'image d'une Suisse huma- niste et pacifiste. Mitunterzeichner-Cosignataires: Spielmann (1 ) Schriftliche Begründung - Développement par écrit L'auteur renonce au développement et demande une réponse écrite. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 20. Januar 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 20 janvier 1993 Selon le Règlement protocolaire de la Confédération ap- prouvé par le Conseil fédéral le 2 mai 1990, la cérémonie des honneurs militaires est prescrite de façon contraignante. Un changement de ce règlement par un arrêté du Conseil fé- déral n'est pas prévu, étant donné qu'il correspond à la prati- que universelle de donner une certaine solennité aux occa- sions spéciales comme les visites d'Etat, en honorant l'accueil et le départ de l'hôte par la cérémonie des honneurs militaires. Se distancer de ce procédé ne serait pas ressenti comme si- gne de paix, mais comme impolitesse. Outre que son exis- tence est parfaitement conforme à notre politique de neutra- lité, notre armée n'a jamais eu qu'une mission de défense pure et cela n'a, jusqu'ici, nullement empêché notre pays de pro- mouvoir simultanément la paix dans le monde. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral propose de rejeter le postulat M. Zisyadis: J'ai de la peine à croire que c'est une réponse à mon postulat du 18 décembre 1992, que vous m'avez don- née. Je suis plus enclin à penser que c'est un peu de la désin- volture. En quelques lignes, vous prouvez au fond que vous êtes incapable d'une quelconque réflexion ou même d'imagi- nation dans une pratique qui est évidemment tellement habi- tuelle pour tous les Etats qu'elle vous apparaît aussi évidente que l'air qu'on respire. Vous parlez de pratique universelle, de solennité et même d'impolitesse, si on ne fait pas de garde d'honneur! Où diable avez-vous été chercher tout cela? suis-je tenté de vous dire. Monsieur le Conseiller fédéral, un mot: l'innovation, l'audace, cela existe. J'estime que mon pays a le droit que ces deux substantifs le qualifie et il est parfaitement possible de faire acte de solennité tout en donnant un caractère symbolique dif- férent des autres pays pour prouver que nous sommes atta- chés à la paixInterpellation Misteli 846 N 29 avril 1993 M. Cotti, conseiller fédéral: La réponse du Conseil fédéral du mois de janvier n'exigerait pas en soi d'observation supplé- mentaire. Je pourrais dire moi-même que la proposition de M. Zisyadis est plutôt dépourvue de créativité. Et de toute ma- nière, Monsieur Zisyadis, si vous aviez été, que sais-je, il y a dix ans, quelque part sur la Place Rouge, pour demander la sup- pression des grands honneurs militaires qui étaient d'une très grande envergure (du point de vue esthétique), vous seriez plus crédible aujourd'hui. Abstimmung - Vote Für Ueberweisung des Postulates Minderheit Dagegen offensichtliche Mehrheit #ST# 92.3587 Interpellation Misteli Konflikt im Sudan Conflit au Soudan Wortlaut der Interpellation vom 18. Dezember 1992 Im Schatten der Ereignisse in Ex-Jugoslawien und in Somalia weiten sich im Sudan unter der islamischen Regierung die Re- pressionen gegen die nichtislamische Bevölkerung zu einem weiteren Genozid aus. In Kämpfen, in den durch den Bürger- krieg verursachten Hungersnöten, auf der Flucht vor dem Krieg, durch Vertreibung der Flüchtlinge aus den Lagern um Khartum in die Wüste und in den von der Regierung geschür- ten Stammesfehden haben in neuneinhalb Jahren eineinhalb Millionen Menschen ihr Leben verloren. Ohne internationalen Druck besteht kaum mehr Hoffnung auf eine Beilegung des Konfliktes. Ist der Bundesrat bereit: 1. gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft alles in seinem Ermessen Mögliche zu tun, um im Sudan eine sofor- tige Einstellung der Kriegshandlungen unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Organisation der afrikanischen Einheit (OAU) zu erreichen und den Einsatz von internationa- len Beobachterinnen und Beobachtern zur Ueberwachung des Waffenstillstandes zu unterstützen; 2. sich im Internationalen Währungsfonds (IWF) und in der Weltbank für die Sistierung jeglicher Zahlungen an die suda- nesische Regierung bis zu einem Waffenstillstand und der vol- len Respektierung der Menschenrechte im ganzen Sudan ein- zusetzen; 3. jegliche Schuldenstreichung aus dem 700-Jahr-Feier-Kre- dit der Schweiz an den Sudan abzulehnen, bis die nichtislami- schen Minderheiten unter einem international ausgehandel- ten und von ihnen anerkannten Statut leben können; 4. vollumfänglich über die in den letzten zehn Jahren geleiste- ten und beabsichtigten Entwicklungs- und Nahrungsmittel- hilfen, Bankenkredite, Mischkredite, Exportrisikogarantien (ERG), Zahlungsbilanzhilfen, Umschuldungen und Schulden- streichungen der Schweiz oder mit Beteiligung der Schweiz an die Regierung oder an private Unternehmen des Sudans zu informieren? Texfe de l'interpellation du 18 décembre 1992 Loin des événements de l'ex-Yougoslavie et de la Somalie, un autre génocide se développe au Soudan du fait de la répres- sion qu'exercé le gouvernement islamique de ce pays contre les populations d'autres religions. En neuf ans et demi, un mil- lion et demi de personnes ont perdu la vie du fait des combats, des famines causées par la guerre civile, de l'exode généré par la guerre, de l'expulsion vers le désert des réfugiés abrités dans les camps de la périphérie de Khartoum et des luttes tri- bales attisées par le gouvernement Sans pressions internationales, il ne reste guère d'espoir de résoudre ce conflit. Le Conseil fédéral est-il disposé à: 1. faire tout son possible, avec la communauté internationale, pour obtenir un arrêt immédiat des opérations guerrières au Soudan par l'entremise des Nations Unies et de l'Organisation de l'unité africaine (OUA), et susciter l'engagement d'observa- teurs internationaux chargés de la surveillance du cessez-le- feu; 2. intervenir auprès du Fonds monétaire international (FMI) et de la Banque mondiale en vue d'une suspension de tous les paiements au gouvernement soudanais jusqu'au cessez-le- feu et jusqu'à ce que les droits de l'homme soient intégrale- ment respectés dans l'ensemble du territoire soudanais; 3. renoncer à toute remise de dette au Soudan au titre du cré- dit alloué dans le cadre des festivités du 700e anniversaire de la Confédération, jusqu'à ce que les minorités non islamiques disposent d'un statut négocié sur le plan international et re- connu par elles; 4. fournir des informations complètes sur les actions menées et envisagées par la Suisse ou avec une participation suisse durant les dix dernières années, en faveur du gouvernement du Soudan ou d'entreprises privées de ce pays, dans les do- maines de l'aide au développement, de l'aide alimentaire, des crédits bancaires, des crédits mixtes, de la garantie des ris- ques à l'exportation (GRE), de l'aide à la balance des paie- ments, du rééchelonnement et de la remise de dettes? Mitunterzeichner - Cosignataires: Bär, Baumann, Bäumlin, Bonny, Bühlmann, Carobbio, Daepp, Darbellay, Diener, Dor- mann, Engler, Fasel, von Feiten, Gardiol, Giger, Goll, Gon- seth, Gross Andreas, Grossenbacher, Guinand, Haering Bin- der, Hafner Rudolf, Heberlein, Hollenstein, Jäggi Paul, Jean- prêtre, Leuenberger Ernst, Maeder, Meier Hans, Meyer Theo, Nabholz, Rebeaud, Rechsteiner, Robert, Ruffy, Scheidegger, Schmid Peter, Sieber, Stamm Judith, Steiger, Thür, Tschopp, Wanner, Weder Hansjürg, Wiederkehr, Ziegler Jean, Zölch, Zwahlen (48) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 27. Januar 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 27 janvier 1993 Der Bundesrat ist besorgt über die Lage im Sudan. Die Situa- tion im flächenmässig grössten Land Afrikas wird deshalb ge- nau verfolgt. Im Gegensatz zu einer Reihe von Ländern auf dem afrikanischen Kontinent scheint im Sudan weder eine friedliche Lösung des Bürgerkrieges in Sicht, noch gibt es An- zeichen, dass sich die Menschenrechtssituation in diesem Lande verbessert hätte. Dieser Situation ist die internationale Staatengemeinschaft mit einer gewissen Ohnmacht gegen- übergestellt Für die Schweiz und andere Geberländer steht nach wie vor die humanitäre Hilfe an die betroffene Bevölke- rung im Vordergrund. Erfreulicherweise gibt es doch Anzeichen, dass ein gewisser Druck von aussen erfolgreich sein kann. Die Mitte Dezember 1992 verabschiedete Resolution der Uno-Generalversamm- lung betreffend die Menschenrechtslage im Sudan, verbun- den möglicherweise mit verstärktem politischem Druck der in- ternationalen Gemeinschaft auf den Sudan, haben die Regie- rung in Khartum offenbar dazu gebracht, in Nairobi der Uno gegenüber bedeutende Konzessionen zu machen. Neue Kor- ridore auf dem Land, den Nilarmen und in der Luft sind zugun- sten von Hilfstransporten von Khartum und vom Süden aus bewilligt worden. Die USA haben vergangenen Dezember un- missverständlich durch ihren für Afrika zuständigen Vertreter im Staatsdepartement, Herman Cohen, der Regierung in Khartum zu verstehen gegeben, dass die krassen Verletzun- gen der Menschenrechte aufzuhören hätten und eine ge- rechte Lösung mit den Rebellen im Süden zu suchen sei, und damit, den Bürgerkrieg zu beenden.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Zisyadis Aufhebung der Ehrengarde Postulat Zisyadis Suppression de la garde d'honneur In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1993 Année Anno Band II Volume Volume Session Aprilsession Session Session d'avril Sessione Sessione di aprile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3567 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 29.04.1993 - 08:00 Date Data Seite 845-846 Page Pagina Ref. No 20 022 682 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.