<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2007.00157</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=207493&amp;W10_KEY=13013554&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2007.00157</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 27.03.2008</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 07.10.2009 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Ãbriges Verwaltungsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Tierversuche</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Tierversuch (Untersuchung von Hirnstrukturen [Neokortex]. - Bei zwölf Rhesusaffen werden in drei unterschiedlichen Versuchsanordnungen unter Narkose entweder Hirngewebeteile entnommen oder Elektroden zur Messung der Aktivität von Hirnzellen eingesetzt oder Spurensubstanzen injiziert, damit nach einem Zeitabstand weitere Untersuchungen unter Narkose vorgenommen werden können.) Rechtliche Grundlagen in der Tierschutzgesetzgebung des Bundes (E. 2.1, 6.1) und in der Bundesverfassung (E. 2.2). Die inzwischen revidierten Bestimmungen des Tierschutzgesetzes sind noch nicht in Kraft (E. 2.3). Die Bewilligung eines Tierversuchs hat den Charakter einer Polizeibewilligung. Die Bewilligung ist zu erteilen, wenn die Voraussetzungen dazu erfüllt sind (E. 3.1). Ein grundsätzlicher Anspruch auf eine Bewilligung ergibt sich auch aus der Forschungsfreiheit (E. 3.2). Die Beweislast für die Erfüllung der Voraussetzungen liegt bei den Gesuchsstellern (E. 3.3). Bewilligungsverfahren (E. 4.1). Kognitionsfragen und konkretes Prüfprogramm (E. 4.2-3). Die vom Veterinäramt eingeholten drei Gutachten kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen, was nicht auf Unzulänglichkeiten der Gutachten, sondern auf den unterschiedlichen beruflichen Hintergrund der Gutachter zurückzuführen ist (E. 5.1). Der Bericht "Forschung an Primaten" von zwei beratenden Eidgenössischen Kommissionen aus den Bereichen Tierversuche und Gentechnologie ist als allgemeine Stellungnahme zu berücksichtigen, ohne dass ihm das Gewicht eines Amtsberichts oder Gutachtens zukommt (E. 5.2.1-2). Einwände wie mangelhafte fachliche Zusammensetzung der Kommissionen oder ungenügende wissenschaftliche Qualität des Berichts treffen nicht zu (E. 5.2.3-4). Weitere zu den Akten gegebene Berichte sind entweder Parteigutachten oder wissenschaftliche Publikationen, wobei bei letzteren keine Hinweise auf mangelnde wissenschaftliche Seriosität bestehen (E. 5.3). Die methodische Notwendigkeit des Tierversuchs zum Erreichen des konkreten Zweckes (sog. instrumentale Unerlässlichkeit, E. 6.2) ist gegeben, weil das Versuchsziel diesen Tierversuch erfordert (E. 6.3). Die Unentbehrlichkeit des Versuchszwecks (sog. finale Unerlässlichkeit, E. 6.2) ist aufgrund der fachspezifischen Beurteilung des Forschungsziels zu beurteilen (E. 6.4). Die Vorinstanz hat zu Recht eine umfassende Beurteilung vorgenommen und dabei auch die Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse prüfen dürfen (E. 6.5). Der Versuch dient primär der Grundlagenforschung und bildet Teil eines langfristigen Projekts mit offenem Zeithorizont. Angesichts dessen ist die Einschätzung der Vorinstanz haltbar, wonach ein späterer Nutzen "äusserst unsicher" sei (E. 7). Für die Beurteilung der Schweregrade ist auf diejenige Versuchsgruppe abzustellen, welche die grösste Belastung erfährt (E. 8.3; d.h. Gruppe, bei der die Tiere zweimal narkotisiert werden). Die sich aus der zweifachen Narkotisierung und den Untersuchungen ergebenden Belastungen für die Tiere erreichen nach der zutreffenden Qualifizierung durch die Vorinstanz den Schweregrad 2 (= mittlere Belastung) (E. 8). Die Güterabwägung durch die Vorinstanz beruht auf einer korrekten Sachverhaltsermittlung und Beweiswürdigung (E. 9.1-4). Die besondere Stellung der Primaten innerhalb der Hierarchie der Tierarten darf berücksichtigt werden (E. 9.5). Der Grundsatz der Würde der Kreatur ist zwar im Bereich des Tierschutzrechts beachtlich, er spielt aber bei der Güterabwägung nicht eine entscheidrelevante Rolle (E. 9.6). Zusammenfassung (E. 9.7): Die Vorinstanz hat sich zu Recht gegen den Tierversuch ausgesprochen. Der dadurch bewirkte Eingriff in die Forschungsfreiheit ist gerechtfertigt (E. 9.8). Abweisung der Beschwerde. Kosten- und Entschädigungsfolgen (E. 11).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AFFEN">AFFEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FORSCHUNGSFREIHEIT">FORSCHUNGSFREIHEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GUTACHTEN">GUTACHTEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KOGNITION">KOGNITION</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: POLIZEIBEWILLIGUNG/-ERLAUBNIS">POLIZEIBEWILLIGUNG/-ERLAUBNIS</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Besonderes Verwaltungsrecht (ohne...) ST: TIERSCHUTZ">TIERSCHUTZ</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TIERVERSUCH">TIERVERSUCH</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT">VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WISSENSCHAFTSFREIHEIT">WISSENSCHAFTSFREIHEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WÃRDE DER KREATUR">WÃRDE DER KREATUR</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 20 BV</span><br/><span class="gerade">Art. 80 BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 120 Abs. II BV</span><br/><span class="gerade">Art. 12 TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 13 Abs. I TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 14 TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 16 TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 58a TSchV</span><br/><span class="ungerade">Art. 61 TSchV</span><br/><span class="gerade">§ 20 Abs. I VRG</span><br/><span class="ungerade">§ 50 VRG</span><br/><span class="gerade">§ 51 VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>3. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="77" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=8736" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">VB.2007.00157</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Entscheid</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 3. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">27. MÃ¤rz 2008</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident JÃ¼rg Bosshart<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Bea Ro­tach Tomschin, Ersatzrichter Martin Bertschi, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>GerichtssekretÃ¤r Felix Helg.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1.<b> </b><a id="Anonym_TITEL_1_2">A,</a><b> <a id="Anonym_NAME_ZUSATZ_1_5"><br/> <br/> </a></b></span></p> <p class="MsoNormal"><span>2.<b> </b><a id="Anonym_TITEL_2_10">B,</a> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoBodyText">beide vertreten durch <a id="Anonym_TITEL_3_18">RA C,</a> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer</span></b><span>, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1.<b> </b><a id="Anonym_Ruolo_BESG_1_4_26">Tierversuchskommission des Kantons ZÃ¼rich,</a><b> </b></span></p> <p class="MsoNormal"><b><span> </span></b><span>c/o I,</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2.<b> </b>D, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>3.<b> </b>E,</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>4.<b> </b>F,</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>5.<b> </b>G, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>6.<b> </b>H, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Zustelladresse fÃ¼r Beschwerdegegner 2. â 6.: G</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegnerschaft</span></b><span>, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="Zwischentitel"><a id="RU_AUTOTEXT_DRITT_N">und</a></p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><a id="Anonym_Ruolo_MITB_1_10_60"><span>VeterinÃ¤ramt des Kantons ZÃ¼rich,</span></a><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Mitbeteiligter</span></b><span>, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend Tierversuche,</span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Am 1. Februar 2006 stellten A (als Institutsleiter) und B (als Versuchsleiter) ein Gesuch um Bewilligung eines Tier­versuchs mit dem Titel "Physiological, anatomical and neuro­chemical investigations of the circuits of neocortex in rodents, cats and primates" bzw. dem Kurztitel "Circuits of Neo­cortex". Mit dem Projekt soll die These Ã¼berprÃ¼ft werden, dass die Schalt­kreise in der Hirnrinde aller SÃ¤ugetiere nach denselben Regeln aufgebaut sind. Es soll geklÃ¤rt werden, ob die strukturell und funktionell unterschiedlichen Areale des Neokortex bei Ratten, Katzen und Rhesusaffen in der Grundstruktur gleiche grundle­gende neuronale Organisationseinheiten aufweisen. Das langfristige Ziel ist demnach eine ein­heitliche Theorie des Neokortex. Zu diesem Zweck sollen in drei verschiedenen Verfahren vergleichende Untersuchungen im Neokortex bei insgesamt 300 Ratten, 100 Katzen und â gemÃ¤ss Gesuch â 36 Rhesusaffen vorgenommen werden. Die im ersten Verfahren einge­setzten Tiere sollen narkotisiert werden, um ihnen in einer rund dreistÃ¼ndigen Operation Hirngewebe fÃ¼r In-vitro-Untersuchungen zu entnehmen, worauf sie, noch narkotisiert, ge­tÃ¶tet werden sollen. Im zweiten Verfahren sollen die hierfÃ¼r ver­wendeten Tiere fÃ¼r 24â72 Stunden narkotisiert werden. Hierauf soll ihre SchÃ¤deldecke geÃ¶ffnet und es sollen Elekt­roden zur Messung der AktivitÃ¤ten der Nervenzellen eingefÃ¼hrt werden. Die noch narkoti­sierten Tiere sollen hierauf ebenfalls getÃ¶tet werden. Im dritten Verfahren sollen die Tiere fÃ¼r bis zu 12 Stunden narkotisiert werden, um ihnen operativ Spurensubstanzen zum Kenntlichmachen von Nervenverbindungen in verschiedene Regio­nen des Neokortex zu injizieren. Nachdem die Tiere das Bewusstsein wieder erlangt haben, sollen sie nach 1â14 Tagen erneut anÃ¤sthetisiert werden, worauf entweder Messungen wie im zweiten Verfah­ren vorgenommen werden sollen oder Hirngewebe wie im ersten Ver­fahren entnommen werden soll. Hierauf sollen die Tiere ebenfalls getÃ¶tet werden.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Das VeterinÃ¤ramt legte das Gesuch der kantonalen Tierversuchskommission zur PrÃ¼­fung vor. Nach Einholen ergÃ¤nzender AuskÃ¼nfte und dreier Gutachten beschloss diese in ihrer Sitzung vom 19. September 2006 mit fÃ¼nf zu vier Stimmen bei zwei Enthaltungen, die Ablehnung des Gesuchs zu beantragen.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Mit VerfÃ¼gung vom 16. Oktober 2006 erteilte das VeterinÃ¤ramt die Bewilligung (Nr. 164/2006) fÃ¼r den Tierversuch â gemÃ¤ss ergÃ¤nztem und verbessertem Antrag, einge­gangen am 27. Juni 2006 â unter Auflagen. Namentlich bewilligte es nur die Verwendung von 12 Primaten; die Freigabe der restlichen 24 Primaten sei "mit einem Zwischenbericht beim VeterinÃ¤ramt zu beantragen und dessen RÃ¼ckmeldung abzuwarten". Am gleichen Tag begrÃ¼ndete das Amt diesen Entscheid in einer Stellungnahme gegenÃ¼ber der Tierversuchs­kommission.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Am 15. November 2006 erhoben die Tierversuchskommission sowie fÃ¼nf ihrer Mitglieder bei der Gesundheitsdirektion Rekurs gegen die Tierversuchsbewilligung Nr. 164/2006 und verlangten deren teilweise Aufhebung, soweit sie die Verwendung von Primaten gestattete. Soweit sich die Bewilligung auf die Verwendung von Ratten und Katzen bezog, wurde sie nicht angefochten. Mit VerfÃ¼gung vom 26. Februar 2007 hiess die Gesundheitsdirektion den Rekurs gut und hob die Tierversuchsbewilligung Nr. 164/2006 vom 16. Oktober 2006 insoweit auf, als sie sich auf Primaten bezog. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Hiergegen erhoben A und B am 29. MÃ¤rz 2007 Beschwerde an das Verwaltungsgericht. Materiell beantragten sie, es sei die VerfÃ¼gung der Gesundheitsdirektion vom 26. Februar 2007 aufzuheben und die VerfÃ¼gung des VeterinÃ¤ramts vom 16. Oktober 2006 zu bestÃ¤ti­gen, unter Kosten- und EntschÃ¤di­gungsfolgen zu Lasten des Kantons ZÃ¼rich.</p> <p class="Urteilstext">In der Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2007 beantragten die Tierversuchskommission und ihre fÃ¼nf einzeln am Verfahren beteiligten Mitglieder sinngemÃ¤ss, die Beschwerde sei abzuweisen, und es seien den BeschwerdefÃ¼hrern â unter solidarischer Haftung fÃ¼reinan­der â die Gerichtskosten sowie eine angemessene EntschÃ¤digung zugunsten der Beschwer­degegnerschaft aufzuerlegen. Das VeterinÃ¤ramt als Mitbeteiligter des Verfahrens bean­tragte in seiner Stellungnahme Gutheissung der Beschwerde und BestÃ¤tigung seiner VerfÃ¼­gung vom 16. Oktober 2006. Die Gesundheitsdirektion stellte in ihrer Vernehmlassung den Antrag auf Abweisung der Beschwerde. In Replik und Duplik hielten die Parteien und das VeterinÃ¤ramt an ihren AntrÃ¤gen fest. Auf ihre Vorbringen ist, soweit erforderlich, in den nachfolgenden ErwÃ¤gungen einzugehen.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde nach § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19b Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG; LS 175.2) zustÃ¤ndig. Da auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Die Beschwerdegegnerin 2, die sowohl die Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2007 wie auch die Duplik vom 15. November 2007 als eines der "Mitglieder der Tierversuchskom­mission" unterzeichnet hat, wird im Staatskalender des Kantons ZÃ¼rich 2007/2008, ZÃ¼rich 2007, nicht mehr als AngehÃ¶rige dieser Kommission aufgefÃ¼hrt (vgl. S. 200). Da ein all­fÃ¤lliges Ausscheiden der Beschwerdegegnerin 2 aus der Tierversuchskommission im vor­liegenden Verfahren keine praktischen Konsequenzen hÃ¤tte, kann eine AbklÃ¤rung zur Frage der Parteieigenschaft der Beschwerdegegnerin 2 jedoch unterbleiben.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b><span>Streitig ist vorliegend die Bewilligung fÃ¼r einen Tierversuch im Sinn von Art. 12 des eidgenÃ¶ssischen Tierschutzgesetzes vom 9. MÃ¤rz 1978 (TSchG; SR 455). Diese Tierversu­che bedÃ¼rfen einer Bewilligung, wenn sie dem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zu­fÃ¼gen, es in schwere Angst versetzen oder sein Allgemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chti­gen kÃ¶nnen (Art. 13a Abs. 2 in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 TSchG). Die Versuche sind auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken (Art. 13 Abs. 1 TSchG). Sie haben einem in Art. 14 TSchG umschriebenen Zweck zu dienen, wie etwa der wissenschaftlichen For­schung (lit. a). Im Rahmen eines Tierversuchs dÃ¼rfen einem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den nur zugefÃ¼gt werden, soweit dies fÃ¼r den verfolgten Zweck unvermeidlich ist (Art. 16 Abs. 1 TSchG). Die Bewilligungsvoraussetzungen werden in Art. 61 der eidge­nÃ¶ssischen Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981 (TSchV; SR 455.1) nÃ¤her umschrie­ben. Namentlich darf ein Versuch nicht bewilligt werden, wenn er, gemessen am erwarte­ten Kenntnisgewinn oder Ergebnis, dem Tier unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den bereitet (Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Die Bundesgesetzgebung im Bereich des Tierschutzes stÃ¼tzt sich vorab auf Art. 80 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV; SR 101); Art. 80 Abs. 2 lit. b BV erwÃ¤hnt ausdrÃ¼cklich die Tierversuche und die Eingriffe am lebenden Tier als Regelungsgegen­stand. GrundsÃ¤tzlich zu beachten ist â entgegen der Ansicht der BeschwerdefÃ¼hrer â so­dann auch die in der Bundesverfassung nur im Zusammenhang mit der Gentechnologie im Ausserhumanbereich erwÃ¤hnte "WÃ¼rde der Kreatur" (Art. 120 Abs. 2 BV; vgl. zur Ge­schichte der Aufnahme des Begriffs in die Bundesverfassung: Peter Krepper, Zur WÃ¼rde der Kreatur in Gentechnik und Recht, Basel/Frankfurt a.M. 1998, S. 347 ff.). Die "WÃ¼rde der Kreatur" weist auf eine so grundsÃ¤tzliche Konzeption eines bestimmten, wertorientier­ten VerhÃ¤ltnisses von Mensch und Tier hin, dass sie nicht einzelnen Regelungsbereichen be­achtet werden kann, in anderen aber nicht (Peter Saladin/Rainer J. Schweizer, in: Kom­mentar zur Bundesverfassung vom 29. Mai 1874, 1995, Art. 24<sup>novies</sup> Rz. 119). Nach ein­helliger Lehrmeinung lÃ¤sst sich deshalb aus der ErwÃ¤hnung im heutigen Art. 120 Abs. 2 BV ableiten, dass die Verfassung die WÃ¼rde der Kreatur als allgemeinen Verfassungs­grundsatz anerkennt. Der Grundsatz ist folglich auch im Bereich des Tierschutzes anwend­bar. Sein Gehalt ist allerdings noch wenig definiert (zum Ganzen Giovanni Biaggini, BV-Kommentar, ZÃ¼rich 2007, Art. 80 N. 6, Art. 120 N. 6; Corinne Schaerer, Die WÃ¼rde der Kreatur, in: Bernhard SchmithÃ¼sen/JÃ¶rg Zachariae [Hrsg.], Aspekte der Gentechnologie im Ausserhumanbereich, ZÃ¼rich etc. 2002, S. 121 ff., 123 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Botschaft vom 9. Dezember 2002 zur Revision des Tierschutzgesetzes, BBl 2003, 657 ff., 663; Botschaft vom 1. MÃ¤rz 2000 zu einer Ãnderung des Bundesgesetzes Ã¼ber den Um­weltschutz ["Gen-Lex-Vorlage"], BBl 2000, 2391 ff., 2421). Neben der WÃ¼rde der Kreatur ist auf Verfassungsebene namentlich die in der Wissenschaftsfreiheit nach Art. 20 BV ent­haltene Forschungsfreiheit zu berÃ¼cksichtigen (vgl. dazu JÃ¶rg Paul MÃ¼ller, Grundrechte in der Schweiz, 3. A., Bern 1999, S. 319 ff., bzw. Markus Schefer, ErgÃ¤nzungsband, Bern 2005, S. 208 f.). Ob und inwieweit vorliegend bei der Auslegung der Tierschutzgesetzge­bung auf Verfassungs­grundsÃ¤tze und ‑rechte zurÃ¼ckzugreifen ist, wird im jeweiligen Zu­sammenhang zu prÃ¼fen sein.</p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.3 </span></b><span>Am 16. Dezember 2005 hat die Bundesversammlung ein neues Tierschutzgesetz be­schlossen (nTSchG; BBl 2006, 327 ff.). Die Referendumsfrist ist unbenutzt abgelaufen, das Gesetz wird aber voraussichtlich erst im Sommer 2008 in Kraft treten (von einer hier nicht interessierenden Bestimmung abgesehen, die bereits seit dem 2. Mai 2006 in Kraft steht [AS 2006, 1423]). Nur teilweise in Kraft gesetzt wurden bisher die Ãnderungen des bestehenden Tierschutzgesetzes gemÃ¤ss Anhang Ziff. 3 des Gentechnikgesetzes vom 21. MÃ¤rz 2003 (GTG; SR 814.91). Auch insoweit gilt, dass mit einer Inkraftsetzung der restlichen Bestimmungen â sollten sie nicht ohnehin mit dem Inkrafttreten des neuen Tier­schutzgesetzes obsolet werden â nicht vor Sommer 2008 zu rechnen ist und dass die bereits in Kraft stehenden Ãnderungen im vorliegenden Zusammenhang nicht von Belang sind (vgl. AS 2003, 4803, 4816, 4818 ff.; 2006, 1425). Anwendbar ist somit das bisherige Recht, und intertemporalrechtliche Fragen stellen sich nicht. </span>Das VerhÃ¤ltnis zwischen dem alten und dem neuen Recht braucht unter diesen UmstÃ¤nden nicht nÃ¤her abgeklÃ¤rt zu wer­den (vgl. dazu namentlich den Wortlaut von Art. 1 und Art. 17 nTSchG gegenÃ¼ber jenem von Art. 1 Abs. 1 und Art. 13 Abs. 1 TSchG sowie die neue Definition der WÃ¼rde des Tiers in Art. 3 lit. a nTSchG; Botschaft zur Revision des Tierschutzgesetzes, BBl 2003, 659, 665, 674). <span>Dies schliesst jedoch nicht aus, die Materialien zum bereits beschlossenen neuen Recht zur Auslegung des noch geltenden Rechts heranzuziehen.</span><span> </span></p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die Parteien werfen die Frage auf, ob es sich bei der vorliegend notwendigen Bewilli­gung um eine Polizeierlaubnis oder um eine Ausnahmebewilligung handle. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.1 </b>Mit einer Polizeierlaubnis wird auf Gesuch hin eine grundsÃ¤tzlich gestattete, aber aus polizeilichen GrÃ¼nden unter Bewilligungspflicht stehende TÃ¤tigkeit im konkreten Fall zu­gelassen; mit der Ausnahmebewilligung wird die Abweichung von einer im Normalfall geltenden Regelung in einem konkreten Sonderfall gestattet (vgl. etwa Ulrich HÃ¤fe­lin/Georg MÃ¼ller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. A., ZÃ¼rich etc. 2006, Rz. 2523 ff., 2536 ff.). Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass es sich bei der Bewilli­gung fÃ¼r Tierversuche um eine Polizeibewilligung handle. Die Lehre Ã¤ussert sich nicht einheitlich (vgl. Tanja Katharina Gehrig, Struktur und Instrumente des Tier­schutzrechts, ZÃ¼rich 1999, S. 227 ff., bes. Fn. 855; Antoine F. Goetschel, Kommentar zum EidgenÃ¶ssi­schen Tier­schutz­gesetz, Bern/Stuttgart 1986, Art. 13 N. 4 S. 109 f. [Goetschel, Kommen­tar]; Birgitta Rebsamen-Albisser, Der Vollzug des Tierschutzrechts durch Bund und Kan­tone, Bern etc. 1994, S. 181 ff.; vgl. auch die Botschaft vom 30. Januar 1989 Ã¼ber die Volksinitiative "zur drastischen und schrittweisen EinschrÃ¤nkung der Tierversuche [Weg vom Tierversuch!]", BBl 1989 I 1003 ff., 1021). Die der Kontroverse zugrunde lie­gende Frage lautet, ob Tierversuche auch dann, wenn sie einem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gen, grundsÃ¤tzlich als erlaubt gelten sollen, oder ob sie in diesem Fall als grundsÃ¤tzlich verboten gelten sollen und nur ausnahmsweise zu gestatten sind, sofern die Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den unerlÃ¤sslich bzw. unvermeidlich sind (vgl. Art. 13 Abs. 1, Art. 16 Abs. 1, Art. 27 Abs. 1 lit. e und Abs. 2, Art. 29 Ziff. 1 lit. c TSchG). Im letzteren Fall wÃ¤re eine "unechte" bzw. "grosse" Ausnahme anzunehmen, wovon gespro­chen wird, wenn bereits der Gesetzgeber fÃ¼r bestimmte FÃ¤lle eine von der Regelordnung abweichende Sonderordnung schafft (Pierre Tschannen/Ulrich Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. A., Bern 2005, § 44 Rz. 34).</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.2 </b>Den Charakter der HÃ¤rtefallregelung aus BilligkeitsgrÃ¼nden, welcher der Aus­nah­mebewilligung zugeschrieben wird, weist die Tierversuchsbewilligung nicht auf. Die StraftatbestÃ¤nde des Tierschutzgesetzes erfassen Tierversuche nicht grundsÃ¤tzlich, sondern nur dann, wenn bei deren DurchfÃ¼hrung einem Tier vermeidbare Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zugefÃ¼gt werden bzw. wenn sie vorschriftswidrig erfolgen (Art. 27 Abs. 1 lit. e, Art. 29 Ziff. 1 lit. c TSchG). Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerschaft spricht sodann auch die ZulÃ¤ssigkeit gesetzlich nicht ausdrÃ¼cklich vorgesehener Nebenbe­stim­mungen nicht fÃ¼r die Qualifikation als Ausnahmebewilligung, weil Nebenbestim­mungen keiner ausdrÃ¼cklichen gesetzlichen Grundlage bedÃ¼rfen, sondern bereits dann zulÃ¤ssig sein kÃ¶nnen, wenn sie dem vom Gesetz verfolgten Zweck oder einem mit der Hauptanordnung verfolgten Ã¶ffentlichen Interesse entsprechen (HÃ¤felin/MÃ¼ller/Uhlmann, Rz. 918; VGr, 7. Februar 2006, VB.2005.00279, E. 6.2 mit weiteren Hinweisen, www.vgrzh.ch). Die Tierversuchsbewilligung entspricht ihrer Natur nach den Polizeibe­willigungen, wobei zu Recht darauf hingewiesen wird, dass die Bezeichnung unpassend ist, weil das Motiv fÃ¼r die ZulassungsprÃ¼fung nicht ein polizeiliches Interesse ist (Gehrig, S. 228).</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.3 </b>Allerdings stellt sich im vorliegenden Fall letztlich nicht die Frage nach der Eintei­lung der Bewilligung in eine der beiden Kategorien; vielmehr ist zu prÃ¼fen, ob die Voraus­setzungen der Bewilligung aufgrund der gesetzlichen, verfassungskonform ausgelegten Regelung gegeben sind und ob diese gegebenenfalls deswegen erteilt werden muss oder ob sie dennoch verweigert werden kÃ¶nnte. Dabei ist zwar davon auszugehen, dass der Bewil­ligungsbehÃ¶rde bei der vorgeschriebenen GÃ¼terabwÃ¤gung ein grosser Beurteilungsspiel­raum verbleibt, was sich aus den von Gesetz und Verordnung verwendeten unbestimmten Rechtsbegriffen ergibt (vgl. namentlich Art. 13 Abs. 1 TSchG und Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV). Die BewilligungsbehÃ¶rde ist jedoch nicht frei, selbst bei Vorliegen der Voraus­setzungen auf die Bewilligungserteilung zu verzichten. Dies gilt ungeachtet des Wortlauts von Art. 61 Abs. 1 und 2 TSchV, laut denen eine Bewilligung bei Vorliegen der Voraus­setzungen erteilt werden "darf" bzw. Bewilligungen erteilt werden "dÃ¼rfen" (wÃ¤hrend Art. 14 TSchG die Formulierung "Bewilligungen werden ... erteilt" verwendet). Es ergibt sich daraus, dass die BewilligungsbehÃ¶rde laut Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV nach dem Grundsatz der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit zu entscheiden hat. Beim Be­griff der "VerhÃ¤ltnismÃ¤s­sigkeit" handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, welcher der entscheidenden BehÃ¶rde einen erheblichen Beurteilungsspielraum gewÃ¤hrt, der Rechtskontrolle aber grundsÃ¤tzlich zugÃ¤nglich ist (vgl. Beatrice Weber-DÃ¼rler, Zur neusten Entwicklung des VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsprinzips, in: MÃ©langes en l'honneur de Pierre Moor, Bern 2005, S. 593 ff., 607; BGE 114 Ib 1 E. 1b; vgl. auch BGr, 7. April 2006, 2A.468/2005, E. 3.2, www.bger.ch). Die Bestimmung rÃ¤umt der entscheidenden BehÃ¶rde somit kein Ent­schlies­sungsermessen ein (vgl. dazu etwa HÃ¤felin/MÃ¼ller/Uhlmann, Rz. 431 f.); diese hat also beim Vorliegen der Voraussetzungen nicht die Wahl, ob sie die Bewilligung erteilen will oder nicht. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Tierversuche zur Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse liegen sodann im Schutz­bereich der Forschungsfreiheit (vgl. etwa Verena Schwander, Grundrecht der Wis­senschaftsfreiheit im Spannungsfeld rechtlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen, Bern etc. 2002, S. 220 f.). Ein grundsÃ¤tzlicher Anspruch auf eine Bewilligung ergibt sich deshalb auch aus Art. 20 in Verbindung mit Art. 36 BV.</p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.3 </span></b>Die objektive Beweislast dafÃ¼r, dass die Voraussetzungen der Bewilligung erfÃ¼llt sind, liegt bei den BeschwerdefÃ¼hrern, da sie gegebenenfalls aus dieser Tatsache Rechte ableiten wollen (Art. 8 des Zivilg<span>esetzbuchs [ZGB] als Ausdruck eines allgemeinen Rechtsgrund­satzes; vgl. auch Tomas Poledna, Staatliche Bewilligungen und Konzessionen, Bern 1994, N. 195).</span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b><span>Die Bewilligungen fÃ¼r Tierversuche werden von einer kantonalen BehÃ¶rde erteilt (Art. 18 Abs. 1 TSchG, Art. 62 TSchV). Im Kanton ZÃ¼rich ist das VeterinÃ¤ramt die Bewil­ligungsbehÃ¶rde (§ 2 Abs. 1 des Kantonalen Tierschutzgesetzes vom 2. Juni 1991 [KTSchG; LS 554.1] in Verbindung mit § 66 Abs. 1 lit. b und Anhang 3 Ziff. 5.1 der Ver­ordnung Ã¼ber die Organisation des Regierungsrates und der kantonalen Verwaltung vom 18. Juli 2007 [LS 172.11]). Die Gesuche sind zuerst der kantonalen Tierversuchskommis­sion zu Ã¼berweisen, die der BewilligungsbehÃ¶rde Antrag stellt. Das Bundesrecht definiert die Kommission als eine von der BewilligungsbehÃ¶rde unabhÃ¤ngige Fachkommission, in welcher die Tierschutzvereine vertreten sein mÃ¼ssen; das kantonale Recht prÃ¤zisiert, dass der Kommission Fachleute fÃ¼r Versuchstierkunde, fÃ¼r Tierversuche sowie fÃ¼r Fragen der Ethik und des Tierschutzes anzugehÃ¶ren haben (Art. 18 Abs. 2 und 3 TSchG, Art. 62 Abs. 3 Satz 1 TSchV; § 12 Abs. 1 in Verbindung mit § 4 KTSchG). Aus den Materialien und den Vorschriften Ã¼ber die Zusammensetzung der Kommission ergibt sich, dass diese zur umfassenden Beurteilung der Gesuche befugt ist (vgl. Volksinitiative "zur drastischen und schrittweisen EinschrÃ¤nkung der Tierversuche [Weg vom Tierversuch!]", Bericht der Kommission des Nationalrates vom 16. Januar 1990 Ã¼ber einen Gegenentwurf auf Geset­zesstufe [Ãnderung des Tierschutzgesetzes], BBl 1990 III 1257 ff., 1269). Die kantonale Tierversuchskommission oder mindestens drei gemeinsam handelnde Mitglieder sind zum Rekurs und zur Beschwerde an das Verwaltungsgericht ermÃ¤chtigt (§ 12 Abs. 2 und 3 KTSchG).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Nach § 20 VRG kÃ¶nnen mit dem Rekurs alle MÃ¤ngel des Verfahrens und der an­ge­fochtenen Anordnung geltend gemacht werden. Die Vorinstanz war demnach zur Er­mes­senskontrolle befugt und auch verpflichtet. Zwar darf auch eine RechtsmittelbehÃ¶rde, die Ã¼ber volle Kognition verfÃ¼gt, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspielraum ihrer Vorinstanz respektieren. Bei der Beurteilung technischer oder wirtschaftlicher Spezialfra­gen, in denen die Vorinstanz Ã¼ber ein besonderes Fachwissen verfÃ¼gt, darf sich die Re­kursinstanz ZurÃ¼ckhaltung auferlegen, indem sie sich versagt, "ohne Not" von der Auffas­sung der Vorinstanz abzuweichen, sofern sie nicht selber vergleichbare Fachkenntnisse besitzt (BGE 130 II 449 E. 4.1 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. auch Yvo Hangartner, Be­hÃ¶rdenrechtliche KognitionsbeschrÃ¤nkungen in der Verwaltungsrechtspflege, in: MÃ©langes en l'honneur de Pierre Moor, Bern 2005, S. 319 ff., bes. 332 ff.). Als sachkundig sind vor­liegend das VeterinÃ¤ramt wie auch die Tierversuchskommission anzusehen, soweit Fragen des Tierschutzes und der Tierhaltung betroffen sind; in Bezug auf ethische Fragen hat vorab die Tierversuchskommission als sachkundig zu gelten. Der Bundesgesetzgeber sah bei der Erarbeitung der heutigen Fassung von Art. 18 TSchG den Sachverstand sogar vor allem bei der Tierversuchskommission konzentriert: "Mit der vorgeschlagenen LÃ¶sung wird im Kanton eine klare Aufgabenteilung realisiert zwischen Tierversuchskommission, welche mit ihrem umfassenden wissenschaftlichen Sachverstand die Gesuche beurteilt, und EntscheidungsbehÃ¶rde, welche die administrativen Arbeiten erledigt sowie den formellen Entscheid begrÃ¼ndet und formuliert. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich eine BewilligungsbehÃ¶rde nicht ohne weiteres Ã¼ber den Antrag der Kommission hinwegsetzen wird" (Bericht der Kommission des Nationalrates vom 16. Januar 1990, BBl 1990 III 1269). Jedenfalls hier, wo sich die Ansichten der BewilligungsbehÃ¶rde und der Tierversuchskommission widersprechen, kommt somit eine ZurÃ¼ckhaltung der Rekursbe­hÃ¶rde bei der ÃberprÃ¼fung des erstinstanzlichen Entscheids nicht in Frage â ungeachtet dessen, dass der Antrag der Tierversuchskommission mit knapper Mehrheit zustande ge­kommen ist. Die in der Lehre angesprochenen mÃ¶glichen GrÃ¼nde fÃ¼r eine allfÃ¤llige â von der Praxis aber wohl nicht anerkannte â Pflicht der RekursbehÃ¶rde zur ZurÃ¼ckhaltung ge­genÃ¼ber dem Entscheid der erstinstanzlichen BehÃ¶rde lÃ¤gen hier im Ãbrigen ohnehin nicht vor (vgl. Hangartner, S. 331).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.1 </b>Mit der Beschwerde ans Verwaltungsgericht kÃ¶nnen schliesslich Rechtsverletzungen â einschliesslich rechtsverletzende Ermessensfehler â sowie eine fÃ¼r den Entscheid erheb­liche, unrichtige oder ungenÃ¼gende Sachverhaltsfeststellung gerÃ¼gt werden (§ 50 f. VRG). Eine Ermessenskontrolle steht dem Gericht â unter Vorbehalt hier nicht spielender Aus­nahmen (§ 50 Abs. 3 VRG) â nicht zu. Wo das Verwaltungsgericht wie hier als zweite Rechtsmittelinstanz entscheidet, hat es auch zu prÃ¼fen, ob die RekursbehÃ¶rde allfÃ¤llige bereits im Rekursverfahren massgebliche KognitionsbeschrÃ¤nkungen eingehalten hat (dazu Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 20 N. 18 ff.). Wie ausgefÃ¼hrt (vgl. vorn E. 4.2), hatte die Gesundheitsdirektion als RekursbehÃ¶rde vorliegend keine derartigen Kognitions­beschrÃ¤nkungen zu beachten. FÃ¼r das Verwaltungsgericht als zweite, auf Rechtskontrolle beschrÃ¤nkte Beschwerdeinstanz ist grundsÃ¤tzlich die Betrachtungsweise der Rekursinstanz, soweit sie im Rahmen von deren Ermessen liegt, massgebend; sind die abweichenden Er­gebnisse der Entscheide zweier Vorinstanzen auf unterschiedliche ErmessensbetÃ¤tigung zurÃ¼ckzufÃ¼hren, so schÃ¼tzt das Gericht den Entscheid der oberen Instanz, soweit diesem keine Rechtsverletzungen zugrunde liegen (VGr, 31. Mai 2007, VB.2007.00024, E. 2, www.vgrzh.ch). Mit dem Ausschluss der Ermessenskontrolle verbunden ist grundsÃ¤tzlich auch die Respektierung des Beurteilungsspielraums, der den VerwaltungsbehÃ¶rden bei der Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe zusteht (VGr, 31. Mai 2007, VB.2007.00024, E. 2, www.vgrzh.ch; vgl. KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 50 N. 72 ff. mit weiteren Hinweisen). </p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.2 </b>Die Verweigerung der Bewilligung fÃ¼r einen Tierversuch zur Gewinnung wis­sen­schaftlicher Erkenntnisse stellt allerdings einen Grundrechtseingriff dar, da Tierversu­che unter diesen UmstÃ¤nden im Schutzbereich der Forschungsfreiheit liegen (vorn E. 3.2). Demnach ist im vorliegenden Fall die VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit im Sinn von Art. 36 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 20 BV grundsÃ¤tzlich frei zu prÃ¼fen (Art. 111 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 95 lit. a des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). Zwar auferlegt sich das Bundesgericht selber im Rahmen der Verfassungsgerichtsbarkeit unter bestimmten UmstÃ¤nden ZurÃ¼ckhaltung. Dies gilt namentlich, "wenn es um die Beur­teilung lokaler Gegebenheiten, welche die kommunalen und kantonalen BehÃ¶rden besser kennen und Ã¼ber­blicken als das Bundesgericht, und um ausgesprochene Ermessensfragen geht" (BGer, 13. April 2007, 1P.708/2006, E. 5.1, www.bger.ch; BGE 115 Ia 370 E. 3; Weber-DÃ¼rler, S. 607; eher kritisch: Markus Schott, Basler Kommentar, 2008, Art. 95 BGG N. 36; vgl. etwa auch BGE 119 Ib 254 E. 2b betreffend die Anwendung von Bundes­verwaltungsrecht). In der Literatur wird die Praxis auf nachvollziehbare Weise so interpre­tiert, dass die beiden Voraussetzungen der Ã¶rtlichen (bzw. persÃ¶nlichen oder technischen) VerhÃ¤ltnisse einerseits und der ausgesprochenen Ermessensfragen anderseits zusammen­fallen (Matthias Leuthold, Die PrÃ¼fungsdichte des Bundesgerichts im Verfahren der staats­rechtlichen Beschwerde wegen Verletzung verfassungsmÃ¤ssiger Rechte, Bern 1992, S. 156 ff., bes. 178; anders Walter KÃ¤lin, Das Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde, 2. A., Bern 1994, S. 202 ff.). Im vorliegenden Fall sind sie nicht gegeben. Auch liegt kein Mangel an JustiziabilitÃ¤t vor, der in der Lehre als Grund fÃ¼r eine reduzierte PrÃ¼fungsdichte anerkannt wird (KÃ¤lin, S. 204; Leuthold, S. 209 f. mit weiteren Hinweisen).</p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.3 </b>Gerade mit Bezug auf die PrÃ¼fungsdichte sind vorliegend die GÃ¼terabwÃ¤gung im Sinn von Art. 13 Abs. 1 TSchG und Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV einerseits und die verfas­sungsgerichtliche VerhÃ¤ltnismÃ¤ssig­keits­prÃ¼fung anderseits zu unterscheiden (vgl. Chris­toph Andreas Zenger, Das "unerlÃ¤ssliche Mass" an Tierversuchen, Beihefte zur ZSR, Heft 8, Basel 1989, S. 120, 141 f.). Das Verwaltungsgericht hat in einem ersten Schritt die Ab­wÃ¤gung gemÃ¤ss Art. 13 Abs. 1 TSchG bzw. Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV mit der notwendi­gen ZurÃ¼ckhaltung gegenÃ¼ber dem Entscheid der Vorinstanz zu beurteilen, hierauf jedoch in einem zweiten Schritt die Zweck-Mittel-Relation in Bezug auf den Grundrechtseingriff frei â wenn auch in den Schranken von Art. 190 BV â zu prÃ¼fen. Eine freie PrÃ¼fung erfolgt also nicht in Bezug auf die gesetzliche GÃ¼terabwÃ¤gung; namentlich hat das Verwaltungs­gericht nicht selber diese gesetzliche AbwÃ¤gung noch einmal von Grund auf vorzunehmen, wie wenn es als erste Instanz urteilen wÃ¼rde. Das Verwaltungsgericht ist folglich nicht gehalten, in freier RechtsschÃ¶pfung MassstÃ¤be fÃ¼r die vorzunehmende GÃ¼terabwÃ¤gung zu entwickeln und den vorinstanzlichen Entscheid hierauf am Ergebnis von deren Anwendung zu messen (vgl. konkret hinten E. 9.4.2). In diesem Sinn ist im Folgenden zunÃ¤chst der vo­rinstanzliche Entscheid auf seine GesetzmÃ¤ssigkeit hin zu Ã¼berprÃ¼fen. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer beanstanden, dass die Vorinstanz die zum strittigen Versuch eingeholten Gutachten unrichtig gewÃ¼rdigt habe. Das VeterinÃ¤ramt hatte im Auftrag der Tierversuchskommission drei Gutachten eingeholt, wobei die Experten zu folgenden Fra­gen Stellung nehmen sollten: Erstens zur Notwendigkeit der Verwendung von Primaten fÃ¼r das Erreichen des Versuchsziels bzw. zu allfÃ¤lligen Alternativen; zweitens zur Aussage­kraft des Versuchs bzw. zur Eignung der vorgesehenen Methodik im Hinblick auf das Er­reichen des Versuchsziels; drittens zur Vertretbarkeit der Belastung fÃ¼r die Tiere im Ver­hÃ¤ltnis zum Versuchsziel sowie zur MÃ¶glichkeit einer klinischen Anwendbarkeit der Re­sultate.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.1 </b><span>Von Gutachten, die durch die zustÃ¤ndige BehÃ¶rde eingeholt wurden, soll beim Ent­scheid nicht ohne triftige GrÃ¼nde abgewichen werden. Besteht kein Anlass, an der Unab­hÃ¤ngigkeit und Sachkunde der beauftragten Fachpersonen zu zweifeln, so ist namentlich von den tatsÃ¤chlichen Feststellungen des Gutachtens nur dann abzuweichen, wenn dieses nicht klar begrÃ¼ndet ist oder wenn es IrrtÃ¼mer, LÃ¼cken oder WidersprÃ¼che aufweist (vgl. VGr, 4. Mai 2005, VB.2005.00009, E. 2.1 und 2.4; 23. Januar 2003, VB.2002.00351, E. 4b [beide unter www.vgrzh.ch]). Eine Abweichung lÃ¤sst sich etwa auch damit begrÃ¼nden, dass ein Obergutachten oder </span>gegensÃ¤tzliche MeinungsÃ¤usserungen anderer Fachpersonen Ã¼berzeugend genug erscheinen, um die SchlÃ¼ssigkeit des Gutachtens in Frage zu stellen (vgl. BGr, 21. MÃ¤rz 2007, K 144/06, E. 3.2.2, www.bger.ch; BGE 125 V 351 E. 3b/aa). Da die Gutachten in den erwÃ¤hnten Schranken materiell zu wÃ¼rdigen sind, ginge es nicht an, einfach auf das StimmenverhÃ¤ltnis unter den Gutachtern abzustellen und der Mehrheit zu folgen.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.2 </b>Im Folgenden sind die drei Gutachten auf ihre SchlÃ¼ssigkeit hin zu Ã¼berprÃ¼fen.</p> <p class="Urteilstext">J vom Institut fÃ¼r Medizin am Institut fÃ¼r Neurowissenschaften und Biophysik des For­schungszentrums in R bezeichnet den geplanten Versuch als "aus­serordentlich umfangrei­ches, komplexes und ambitioniertes Programm" und als "gewiss lÃ¶bliches Unternehmen", dessen Ziel allerdings realistischerweise kaum in drei Jahren er­reicht werden kÃ¶nne, son­dern erst in einem lÃ¤ngeren Zeitraum und aufgrund einer Reihe von FolgeantrÃ¤gen. Die Anzahl der beantragten Versuchstiere beurteilt J insge­samt als realistisch, die Methoden â unter Hinweis auf das internationale Renommee der BeschwerdefÃ¼hrer â als dem mo­dernsten Stand der neurobiologischen Forschung auf der Ebene komplexer Systeme ent­sprechend. Ãber das VerhÃ¤ltnis zwischen der Belastung der Tiere und dem Versuchsziel Ã¤ussert sich J nicht explizit, doch spricht er von ei­ner Minimierung der Belastung einer­seits, die er der MÃ¶glichkeit der Erfassung allgemein­gÃ¼ltiger Prinzipien der neuronalen Organisation des Neokortex anderseits gegenÃ¼berstellt. Die Resultate kÃ¶nnten schliesslich nicht ohne Auswirkungen auf klinische Fragestellungen sein, obwohl sie sicher in erster Linie von grundlagenwissenschaftlicher Bedeutung und nicht primÃ¤r anwendungsorientiert seien.</p> <p class="Urteilstext">K von der Neurologischen Klinik in S bejaht ebenfalls die Notwendigkeit der Verwendung von Nagern, Katzen und Primaten. Die Me­thodik des Versuchs sei adÃ¤quat. Die Belastung fÃ¼r die Tiere sei aus klinischer Sicht ver­tretbar: Einerseits wÃ¼rde das Leid der Tiere soweit als mÃ¶glich minimiert, anderseits stÃ¼nde dem Verlust an Tierleben der Gewinn an grundle­gendem neurophysiologischem Wissen gegenÃ¼ber. Die Versuchsergebnisse kÃ¶nnten auch "relevante BeitrÃ¤ge zum Lernen und zum Kompensieren sekundÃ¤rer HirnschÃ¤den liefern".</p> <p class="Urteilstext">Der VeterinÃ¤rmediziner und Philosoph L vom Institut fÃ¼r Tierschutz und Tierverhalten des Fachbereichs VeterinÃ¤rmedizin der UniversitÃ¤t M in T fÃ¼hrt aus, zwar hÃ¤tten die An­tragsteller einen Untersuchungsgegenstand definiert, der nach gegen­wÃ¤rtigem Kenntnis­stand die Verwendung von Primaten notwendig mache, doch erscheine die Forderung nicht abwegig, aus ethischen GrÃ¼nden wenigstens so lange auf den Einsatz von Primaten zu ver­zichten, bis die Hypothese des einheitlichen Grundmusters der Schalt­kreise an weniger umstrittenen Versuchstieren verifiziert oder falsifiziert sei. Die Verfah­ren erschienen plau­sibel, und es gebe keinen Anlass, die Eignung der vorgesehenen Me­thodik im Hinblick auf das Erreichen des Versuchsziels zu bezweifeln. Die ethische Ver­tretbarkeit der Belastung mÃ¼sse anhand der Belastungseinstufung, der ethischen Besonder­heit der Grundlagenfor­schung sowie der Funktionsweise des menschlichen Ungerechtig­keitsempfindens beurteilt werden, da der Aspekt einer klinischen Anwendung nachrangig sei. Da die Belastung der Tiere beim dritten Versuchsverfahren dem Schweregrad 3 zuzu­ordnen sei, liege das dritte Versuchsverfahren hinsichtlich aller Tierarten ausserhalb des fÃ¼r ein Projekt der Grundla­genforschung ethisch Vertretbaren.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.3 </b>Die drei Gutachten sind alle grundsÃ¤tzlich schlÃ¼ssig und in sich widerspruchsfrei. Dass sie zu voneinander abweichenden Ergebnissen gelangen, geht nicht auf allfÃ¤llige MÃ¤ngel zurÃ¼ck, sondern auf die unterschiedlichen Standpunkte der Experten. Inwieweit die Sichtweise der einzelnen Fachrichtungen in der Rechtsordnung zum Ausdruck kommt, ist aber ohnehin von den rechtsanwendenden BehÃ¶rden zu klÃ¤ren: Soweit die rechtliche Ebene der vorzunehmenden GÃ¼terabwÃ¤gung angesprochen wird, wÃ¤re eine Bindung an die Gut­achten von vornherein nicht statthaft, weil es sich hierbei um die von den BehÃ¶rden zu entscheidende Rechtsfrage handelt (BGE 130 I 337 E. 5.4.1). Auf die WÃ¼rdigung der Gut­achten durch die Vorinstanz ist im jeweiligen Zusammenhang zurÃ¼ckzukommen.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Die Vorinstanz hat sich auf die Empfehlungen im Bericht "Forschung an Primaten â eine ethische Bewertung" der EidgenÃ¶ssischen Kommission fÃ¼r Tierversuche (EKTV) und der EidgenÃ¶ssischen Ethikkommission fÃ¼r die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH), Bern 2006, gestÃ¼tzt. Die BeschwerdefÃ¼hrer bemÃ¤ngeln diesen Bericht und den Stellenwert, den ihm die Vorinstanz im vorliegenden Verfahren eingerÃ¤umt hat, unter ver­schiedenen Gesichtspunkten.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.1 </b>Die beiden Kommissionen haben ihre gesetzliche Grundlage in Art. 19 TSchG bzw. Art. 23 GTG. Nach Art. 64 Abs. 1 TSchV besteht die EKTV aus mindestens einer Person, welche die Kantone vertritt, sowie aus Fachleuten fÃ¼r Tierversuche, Versuchstierhaltung und Tierschutzfragen. Laut Art. 23 Abs. 1 GTG setzt sich die EKAH aus verwaltungsex­ternen Fachleuten der Ethik sowie weiteren Personen aus anderen Fachrichtungen, welche Ã¼ber wissenschaftliche oder praktische Kenntnisse der Ethik verfÃ¼gen, zusammen. In der Kommission mÃ¼ssen unterschiedliche ethische AnsÃ¤tze vertreten sein. Zu den Aufgaben der Kommissionen gehÃ¶rt unter anderem, in einem jeweils gesetzlich umschriebenen Sachbereich die BehÃ¶rden von Bund und Kantonen zu beraten. Die EKTV berÃ¤t das Bun­desamt fÃ¼r VeterinÃ¤rwesen (BVET) und steht den kantonalen BehÃ¶rden in Grundsatzfragen und umstrittenen FÃ¤llen zur VerfÃ¼gung (Art. 19 TSchG; vgl. auch Art. 64 Abs. 3 TSchV). Die Beratungsfunktionen der EKAH â die hier nicht direkt interessieren â sind in Art. 23 Abs. 3 GTG umschrieben; sodann verfolgt und beurteilt die EKAH aus ethischer Sicht die Entwicklungen und Anwendungen der Biotechnologie und nimmt zu den damit verbunde­nen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen aus ethischer Sicht Stellung; schliesslich fÃ¼hrt sie einen Dialog mit der Ãffentlichkeit Ã¼ber ethische Fragen der Biotech­nologie (Art. 23 Abs. 2 und 5 GTG). "Biotechnologie" bedeutet nach der Definition der Organisation fÃ¼r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Anwen­dung von Wissenschaft und Technologie auf lebende Organismen oder deren Teile, Pro­dukte oder Modelle zur VerÃ¤nderung lebender oder nicht lebender Materialien fÃ¼r die Her­stellung von Wissen, GÃ¼tern oder Dienstleistungen (www.oecd.org: "Biotechnology": "Statistical Definition of Biotechnology"). Art. 23 Abs. 4 GTG sieht die Zusammenarbeit der EKAH mit andern Kommissionen vor, die sich mit Fragen der Biotechnologie befas­sen. Umgekehrt ist Art. 19 Abs. 2 TSchG in der Fassung des Gentechnikgesetzes, der die EKTV zur Zusammenarbeit mit der EKAH anhÃ¤lt, noch nicht in Kraft gesetzt worden (vgl. AS 2003, 4803, 4820; 2006, 1425). Dies erscheint im vorliegenden Zusammenhang jedoch nicht von Bedeutung.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.2 </b>Der fragliche Bericht der EKTV und der EKAH (Forschung an Primaten â eine ethi­sche Bewertung, Bern 2006) ist als allgemeine Stellungnahme der beiden vom Bundesrecht eingesetzten Kommissionen in ihrem gesetzlichen ZustÃ¤ndigkeitsbereich vorliegend zu berÃ¼cksichtigen. Er enthÃ¤lt allerdings keine spezifischen Empfehlungen zum konkreten Fall, weshalb ihm nicht das Gewicht eines Amtsberichts oder Gutachtens zukommt.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer erwÃ¤hnen, dass zwei Mitglieder der kantonalen Tierversuchs­kommission, die im vorliegenden Verfahren der Beschwerdegegnerschaft angehÃ¶ren, sich auch als Mitglieder der EKTV bzw. der EKAH und sogar der vorbereitenden Arbeits­gruppe wesentlich an der Abfassung des Berichts beteiligten. Mitglied der EKTV ist aller­dings auch die ZÃ¼rcher KantonstierÃ¤rztin, welche die erstinstanzliche VerfÃ¼gung im vor­liegenden Fall unterzeichnet hat (vgl. EKTV/EKAH, S. 22). Mit dem Hinweis auf die per­sonellen Verflechtungen wollen die BeschwerdefÃ¼hrer aber nicht eine unzulÃ¤ssige Vorbe­fassung der betreffenden Mitglieder der kantonalen Tierversuchskommission im laufenden Verfahren gemÃ¤ss Art. 29 Abs. 1 BV und § 5a VRG rÃ¼gen, sondern den wissenschaftlichen Gehalt des Berichts der EKTV und der EKAH in Frage stellen. Er ist deshalb im Zusam­menhang mit den weiteren diesbezÃ¼glichen VorwÃ¼rfen der BeschwerdefÃ¼hrer zu betrach­ten. Ihnen zufolge genÃ¼gt der Bericht aus den folgenden weiteren GrÃ¼nden wissenschaftli­chen AnsprÃ¼chen nicht: Erstens seien in den beiden eidgenÃ¶ssischen Kommissionen weder Primatologen noch neurologische oder psychiatrische Fachkompetenz vertreten gewesen; zweitens sei kein Augenschein vorgenommen worden; drittens stelle der Bericht nur einen einzigen Tierversuch dar und gebe diesen unrichtig wieder, sodass er auf naturwissen­schaftlich unzutreffenden Grundlagen aufbaue; und viertens belege er seine Behauptungen nicht. Die letztere Kritik wird auch vom PrÃ¤sidenten des Nationalen Forschungsrates und vom Direktor der GeschÃ¤ftsstelle des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) in der Fach­presse vorgebracht (Dieter Imboden/Daniel HÃ¶chli, Forschung an Primaten: Wo bleibt die Debatte?, SAMW-Bulletin 2/07, S. 1 ff., 2 f.).</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.4 </b>Es spricht nicht ohne weiteres gegen die wissenschaftliche SeriositÃ¤t des Berichts, dass auf eine umfassende Quellendokumentation verzichtet wurde, um â so die Beschwer­degegnerschaft â eine breitere Ãffentlichkeit ansprechen zu kÃ¶nnen. So werden denn im Bericht verschiedene kontroverse Positionen benannt, es werden Meinungsunterschiede innerhalb der Kommissionen offen gelegt, und aufgrund der Argumentationsweise wird erkennbar, dass sich der Bericht mit der einschlÃ¤gigen Forschung und Literatur auseinan­dersetzt. Den Akten ist zu entnehmen, dass die Arbeitsgruppe der Kommission Hearings mit Experten veranstaltete, unter anderem mit dem Leiter des beschriebenen Tierversuchs mit Marmosetten; in den Kommissionen war â den gesetzlichen Vorschriften Ã¼ber ihre Zusammensetzung entsprechend â Fachwissen namentlich aus den Bereichen VeterinÃ¤r­medizin, Medizin, Biologie, Philosophie und Ethik vertreten. Es gibt keine Anzeichen da­fÃ¼r, dass die ethischen Bewertungen auf unkorrekten naturwissenschaftlichen Grundlagen aufbauen wÃ¼rden; insbesondere entspricht die von den BeschwerdefÃ¼hrern beanstandete Stelle dem Protokoll des Hearings mit dem Leiter des Tierversuchs, das von diesem inso­weit anscheinend nicht bemÃ¤ngelt wurde. Schliesslich stellen die Doppelmandate die Qua­litÃ¤t des Berichts nicht in Frage. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dieser Bericht aufgrund der gesetzlichen Aufgaben der verfassenden Kommissionen jedenfalls zu berÃ¼ck­sichtigen ist. Auf den Vorwurf, die Vorinstanz habe sich nicht kritisch genug mit dem Be­richt auseinandergesetzt (vgl. auch Imboden/HÃ¶chli, S. 3), ist zurÃ¼ckzukommen (hinten E. 9.3).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>Bei den Ã¼brigen zu den Akten gegebenen Berichten und Stellungnahmen handelt es sich entweder um Beweismittel, zum Beispiel Parteigutachten, die nach den entsprechen­den Regeln zu wÃ¼rdigen sind, oder um wissenschaftliche Publikationen, die nach dem in Art. 1 Abs. 3 ZGB festgehaltenen allgemeinen Rechtsgrundsatz als Hilfsmittel bei der Ent­scheidfindung zu berÃ¼cksichtigen sind. BehÃ¶rden und Gerichte werden dabei Darstellun­gen des Forschungsstands anderer Disziplinen nicht in Frage stellen, sofern keine Anzei­chen â etwa abweichende wissenschaftliche Ansichten oder Hinweise auf Interessenkolli­sionen â darauf hindeuten, dass er nicht korrekt wiedergegeben wurde. Diese GrundsÃ¤tze gelten namentlich auch fÃ¼r den Umgang mit dem von einer Arbeitsgruppe unter David Weatherall im Auftrag von vier britischen Institutionen erarbeiteten Bericht "The use of non-human primates in research" (Dezember 2006, www.nhpstudy.com; im Folgenden: Weatherall u.a.). In dessen Vorrede versichern die vier Auftraggeber (The Aca­demy of Medical Sciences, Medical Research Council, The Royal Society, Wellcome Trust), dass der Bericht unabhÃ¤ngig erarbeitet worden sei, ohne dass sie Einfluss auf den Inhalt, die Schlussfolgerungen oder die Empfehlungen genommen hÃ¤tten. Die Autoren­schaft bestÃ¤tigt dies (Weatherall u.a., S. 5). GemÃ¤ss den AnhÃ¤ngen wurden zahlreiche Or­ganisationen und Personen konsultiert und wurde der Bericht schliesslich von einer unab­hÃ¤ngigen Gruppe von Wissenschaftlern beurteilt (Weatherall u.a., S. 144 ff.). Auf die von der Beschwerde­gegnerschaft dennoch geÃ¤usserten Zweifel an der Ausgewogenheit des Berichts ist hier nicht vertieft einzugehen, da vorweggenommen werden kann, dass dem Bericht keine aus­schlaggebenden Argumente zu umstrittenen Fragen des vorliegenden Falls zu entnehmen sind. Seine Ergebnisse lauten, soweit sie hier von Interesse sind, im Wesentlichen wie folgt: Zumindest in der nÃ¤chsten Zukunft sind Versuche an nicht-huma­nen Primaten un­vermeidbar; es sollte aber starkes Gewicht auf die Entwicklung von Alter­nativen gelegt werden; jeder Einzelfall ist sorgfÃ¤ltig zu prÃ¼fen (Weatherall u.a., S. 6, 8 f.). Obwohl der Bericht zweifellos auf umfassenderen Grundlagen beruht als jener von EKTV und EKAH, ist somit auch nicht einsichtig, weshalb er dessen wissenschaftliche SeriositÃ¤t oder Schlussfolgerungen in Frage stellen sollte.</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b>Nach Art. 13 Abs. 1 TSchG sind Tierversuche, die dem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gen, es in schwere Angst versetzen oder sein Allgemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chtigen kÃ¶nnen, auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken. Art. 14 TSchG nennt die zulÃ¤ssigen Versuchszwecke. Nach Art. 13 Abs. 2 TSchG bestimmt der Bundesrat die Kriterien zur Beurteilung des unerlÃ¤sslichen Masses; er kann bestimmte Versuchszwecke als unzulÃ¤ssig erklÃ¤ren. Art. 61 TSchV regelt die Bewilligungsvoraussetzungen nÃ¤her: Abs. 1 und der hier nicht interessierende Abs. 2 umschreiben die positiven Voraussetzun­gen, wÃ¤hrend Abs. 3 negative Voraussetzungen aufzÃ¤hlt, bei deren Vorliegen eine Bewilli­gung nicht erteilt werden darf. Dies ist namentlich der Fall, wenn der Tierversuch "<span>in kei­nem Zusammenhang mit der Erhaltung oder dem Schutz des Lebens und der Gesundheit von Mensch und Tier steht, er keine neuen Kenntnisse Ã¼ber grundlegende LebensvorgÃ¤nge erwarten lÃ¤sst und auch nicht dem Schutz der natÃ¼rlichen Umwelt oder der Verminderung von Leiden dient" (lit. b) oder wenn "er, gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn oder Ergebnis, dem Tier unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den bereitet" (lit. d).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>6.2 </b>Die Lehre unterscheidet zwischen "finaler" und "instrumentaler" UnerlÃ¤sslichkeit des Tierversuchs. Mit "finaler UnerlÃ¤sslichkeit" wird die Unentbehrlichkeit des Versuchs­zwecks bezeichnet, mit "instrumentaler UnerlÃ¤sslichkeit" die methodische Notwendigkeit des Tierversuchs zum Erreichen des konkreten Zwecks (Zenger, S. 113 ff.; vgl. weiter etwa Rebsamen-Albisser, S. 208 f.; Peter E. Wirth, Gesetzgebung und Vollzug im Berei­che der Tierversuche, Bern/Stuttgart 1991, S. 35 ff.). Dass ein Tierversuch nur bewilligt werden darf, wenn die instrumentale UnerlÃ¤sslichkeit gegeben ist, steht von vornherein ausser Zweifel (Art. 13, Art. 16 Abs. 1 TSchG; Art. 61 Abs. 1 lit. bâe, Abs. 3 lit. a und c TSchV). Gesetz und Verordnung stellen hingegen nicht ohne weiteres klar, inwieweit sie die ÃberprÃ¼fung auch des Versuchszwecks fordern. Art. 14 TSchG und Art. 61 Abs. 3 lit. b TSchV formulieren die zulÃ¤ssigen Versuchszwecke sehr allgemein. Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV enthÃ¤lt hingegen das Gebot einer ÃberprÃ¼fung des Versuchszwecks im Ein­zelfall, indem er eine GÃ¼terabwÃ¤gung zwischen dem "erwarteten Kenntnisgewinn oder Ergebnis" des Versuchs und den Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den der betroffenen Tiere vorschreibt. Die AbwÃ¤gung umfasst damit nicht nur die PrÃ¼fung der Frage, ob der Ver­suchszweck in Art. 14 TSchG genannt wird und ob im Ãbrigen der Tierversuch lege artis durchgefÃ¼hrt wurde. Dies ergibt sich nicht nur aus dem Wortlaut von Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV, sondern auch aufgrund der systematischen und verfassungskonformen Auslegung: Dem Zweck des Gesetzes â das dem Schutz und dem Wohlbefinden des Tiers dient (Art. 1 Abs. 1 TSchG) â wÃ¼rde widersprochen, wenn Tierversuche fÃ¼r Zwecke vorgenommen werden dÃ¼rften, welche die Belastung des Tiers nicht zu rechtfertigen vermÃ¶chten (im Er­gebnis gl.M. EKTV/EKAH, S. 14 f., sowie die Lehre: vgl. Rebsamen-Albisser, S. 208 f., 218; Wirth, S. 35 ff.; Zenger, S. 114 f.)<i>.</i></p> <p class="Erwgung2"><b>6.3 </b>Die instrumentale UnerlÃ¤sslichkeit des Tierversuchs ist vorliegend zu bejahen. GemÃ¤ss den nachvollziehbaren Aussagen der Gutachten ist auch die Verwendung von Primaten nÃ¶tig, um die allfÃ¤llige gemeinsame Struktur des Neokortex der verschiedenen Spezies erforschen zu kÃ¶nnen. Die im Gesuch angegebene (in der Bewilligung des VeterinÃ¤ramts spÃ¤ter reduzierte) Anzahl zu verwendender Rhesusaffen entspricht laut J realisti­scher Planung, wÃ¤hrend die beiden anderen Gutachter sich hierzu nicht Ã¤ussern. Es ist grund­sÃ¤tzlich davon auszugehen, dass der Versuchszweck nicht unter aus­schliesslicher Verwen­dung niedriger stehender Tierarten (Art. 16 Abs. 3 TSchG und Art. 61 Abs. 1 lit. d TSchV) und auch nicht mit weniger Primaten (Art. 61 Abs. 1 lit. e TSchV) oder gar ohne Tierver­suche (Art. 61 Abs. 3 lit. a TSchV) erreicht werden kann. Wenn die Beschwerdegegner­schaft geltend macht, Alternativen zum Tierversuch lÃ¤gen nicht erst dann vor, wenn sie "dasselbe Forschungsergebnis" ermÃ¶glichten, sondern bereits dann, wenn sie das "allge­meine Ziel" des Versuchs erreichbar machten, spre­chen sie die finale und nicht die instru­mentale UnerlÃ¤sslichkeit des Tierversuchs an. Im­merhin ist an dieser Stelle darauf hinzu­weisen, dass die Berechtigung der Ansicht Ls, die dem Versuch zugrunde liegende Hypo­these sei zunÃ¤chst nur an den ande­ren Versuchstieren und nicht an den Primaten zu prÃ¼fen, nÃ¤her abzuklÃ¤ren wÃ¤re. </p> <p class="Erwgung2"><b>6.4 </b>Die Beurteilung der finalen UnerlÃ¤sslichkeit â also die Bewertung des Ziels â eines Tierversuchs hÃ¤ngt davon ab, nach welchen MassstÃ¤ben diese PrÃ¼fung zu geschehen hat und welche Gesichtspunkte dabei zu berÃ¼cksichtigen sind. Aufgrund des UngenÃ¼gens einer rein fachspezifischen Beurteilung fordern EKTV und EKAH, in Bezug auf Primatenversu­che eine interdisziplinÃ¤re Begutachtung gesetzlich vorzusehen (EKTV/EKAH, S. 19 f.). Derzeit fehlen allerdings sowohl gesetzliche als auch anderweitige anerkannte MassstÃ¤be einer interdisziplinÃ¤ren Beurteilung (vgl. einerseits Gehrig, S. 125 f.; Rebsamen-Albisser, S. 208 ff.; Zenger, S. 115 ff.; anderseits Antoine F. Goetschel, in: Hans-Georg Kluge [Hrsg.], Tierschutzgesetz, Kommentar, Stuttgart 2002, § 7 Rn. 51). Der Nutzen eines For­schungsprojekts, das unter Art. 14 TSchG fÃ¤llt, muss somit vorrangig anhand der fachspe­zifischen Beurteilung des Forschungsziels und der Wissenschaftlichkeit der Methode be­wertet werden. Inwieweit die Rechtsanwendung weitere Kriterien verwenden darf, braucht hier nicht umfassend, sondern nur fÃ¼r die im konkreten Fall von der Vorinstanz herangezo­genen Gesichtspunkte geklÃ¤rt zu werden.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.5 </b>Vor der PrÃ¼fung der Frage, ob die Vorinstanz die zu beurteilenden RechtsgÃ¼ter korrekt gewichtet und die GÃ¼terabwÃ¤gung zutreffend vorgenommen hat, ist auf den Vorwurf der BeschwerdefÃ¼hrer einzugehen, die Vorinstanz habe den Nutzen des Forschungsprojekts anhand eines sachfremden Gesichtspunktes Ã¼berprÃ¼ft, indem sie die MÃ¶glichkeit der klini­schen Anwendbarkeit der Versuchsergebnisse mitberÃ¼cksichtigte. Zu prÃ¼fen ist, ob die Frage der klinischen Anwendbarkeit vorliegend ein sachgerechtes Kriterium darstellt.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.5.1 </b>Die Vorinstanz hat den Nutzen des Forschungsprojekts einerseits anhand des er­war­teten Kenntnisgewinns bestimmt und anderseits berÃ¼cksichtigt, ob die "entsprechenden Forschungsergebnisse ... mit hinreichender Wahrscheinlichkeit geeignet" seien, "spÃ¤ter in angewandter Form und allenfalls in Kombination mit anderen Erkenntnissen dem Leben oder der Gesundheit von Mensch und Tier zu dienen". Bei der PrÃ¼fung des konkreten Ge­suchs nahm sie an, eine spÃ¤tere klinische Anwendbarkeit kÃ¶nne "nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit angenommen werden" (E. 5d) bzw. sie sei, ebenso wie die lÃ¤nger­fristigen Ziele der Versuchsreihe, "Ã¤usserst unsicher" (E. 7c). Die Beschwerde­fÃ¼hrer bestreiten, dass die Wahrscheinlichkeit einer spÃ¤teren klinischen Anwendung bei der Be­stimmung des Nutzens mitberÃ¼cksichtigt werden darf. Ihr Vorwurf lautet, dass die Unter­scheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung Ã¼berholt sei. Letztlich machen sie geltend, dass der Nutzen wissenschaftlicher For­schung im Sinn von Art. 14 lit. a TSchG bzw. Art. 61 Abs. 1 lit. a TSchV ausschliesslich anhand einer fachspe­zifischen Beurteilung der QualitÃ¤t des fraglichen Projekts zu bestim­men sei. Offen bleibt, ob sie das Kriterium der konkreten Anwendbarkeit eines allfÃ¤lligen Erkenntnisgewinns generell oder bloss in Bezug auf die Grundlagenforschung fÃ¼r untaug­lich halten. Im letzte­ren Fall wÃ¼rden allerdings auch sie â auf einer anderen Ebene â doch wieder eine Unter­scheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung vertreten.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.5.2 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer stÃ¼tzen sich darauf, dass in der Literatur teils die Abgrenzung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung Ã¼berhaupt als Ã¼berholt be­zeichnet wird. Die Grenzen seien fliessend, weil das Studium des normalen Funktionierens des Organismus nicht nur zum VerstÃ¤ndnis der Evolution beitrage, sondern auch ein wich­tiger Schritt zur Behebung von StÃ¶rungen sein kÃ¶nne. Verschiedene Beispiele medizini­schen Fortschrittes verdankten sich unerwarteten Ergebnissen sogenannter Grundlagenfor­schung. Wesentlich sei daher nur, ob ein Forschungsprogramm eine wichtige medizinische oder biologische Frage aufgreife und ob es in einer Weise aufgebaut sei, dass deren LÃ¶­sung eine realistische MÃ¶glichkeit darstelle (Weatherall u.a., S. 6, 37 f., 82).</p> <p class="Erwgung3"><b>6.5.3 </b>Es trifft zu, dass konkrete Anwendbarkeit kein Definitionselement wissenschaftlicher Forschung ist. Die Forschungsfreiheit im Sinn von Art. 20 BV umfasst die "nach wissen­schaftlicher Methode ausgefÃ¼hrte, erfolgreiche oder nicht erfolgreiche Suche nach Er­kenntnissen und deren redliche Bekanntgabe ..." (MÃ¼ller, S. 319; vgl. auch BGE 127 I 145 E. 4b S. 152). Ein besonderer Zweck des angestrebten Erkenntnisgewinns darf nicht vor­ausgesetzt werden. Art. 14 lit. a TSchG sowie namentlich Art. 61 Abs. 3 lit. b und d TSchV sprechen aus, dass der Erkenntnisgewinn Ã¼ber grundlegende LebensvorgÃ¤nge als solcher, unabhÃ¤ngig von seiner konkreten Anwendbarkeit, den Nutzen eines Versuchs ausmachen kann. Dies hat im Ãbrigen auch die Vorinstanz klar festgehalten.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>6.5.4 </span></b>Die schweizerische Gesetzgebung kennt â in hier allerdings nicht interessierendem Zusammenhang â die GegenÃ¼berstellung von Grundlagenforschung und angewandter For­schung (vgl. Art. 2 lit. d des Forschungsgesetzes vom 7. Oktober 1983 [SR 420.1]). Zu beachten ist auch, dass die Rechtsordnung im Bereich der PrÃ¼fung von Stoffen nach Art. 14 lit. b TSchG Tierversuche voraussetzt oder zumindest mit ihnen rechnet (vgl. Art. 4 der Arzneimittel-Zulassungsverordnung vom 9. November 2001 [SR 812.212.22]; Art. 4 Abs. 1 der Verordnung vom 17. Oktober 2001 Ã¼ber klinische Versuche mit Heilmitteln [SR 812.214.2] in Verbindung mit: International Conference on Harmonisation of Techni­cal Requirements for Registration of Pharmaceuticals for Human Use, Guideline for Good Clinical Practice E6, 1. Mai 1996, Ziff. 7.3.5 [www.ich.org/LOB/media/MEDIA482.pdf]). Dies gilt dagegen nicht fÃ¼r die Grundlagenforschung. In diesem Sinn kennt die Rechtsord­nung im Bereich des Tierschutzes eine Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>6.5.5 </span></b> Aus der AufzÃ¤hlung zulÃ¤ssiger Versuchszwecke in Art. 14 TSchG kann nicht ab­geleitet werden, dass der Nutzen eines Projekts nicht mehr weiter untersucht werden dÃ¼rfe, wenn dieses sich unter einen der dort genannten Versuchszwecke subsumieren lÃ¤sst. Ebenso lÃ¤sst zwar Art. 61 Abs. 3 lit. b TSchV die Bewilligung eines Tierversuchs zu, wenn dieser entweder (erstens) im Zusammenhang mit der Erhaltung oder dem Schutz des Le­bens und der Gesundheit von Mensch und Tier steht oder (zweitens) neue Kenntnisse Ã¼ber grundlegende LebensvorgÃ¤nge erwarten lÃ¤sst oder (drittens) dem Schutz der natÃ¼rlichen Umwelt oder (viertens) der Verminderung von Leiden dient. Daraus lÃ¤sst sich aber eben­falls nur schliessen, dass ein Forschungsprojekt bereits dann als nÃ¼tzlich bezeichnet wer­den kann, wenn es eines dieser Kriterien erfÃ¼llt. Es bedeutet nicht, dass nicht mehr beach­tet werden dÃ¼rfte, ob ein Projekt mehrere dieser Kriterien erfÃ¼llt, und dass der Nutzen eines solchen Projekts nicht hÃ¶her bewertet werden dÃ¼rfte. Im Gegenteil: Die GÃ¼terabwÃ¤gung nach Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV setzt gerade eine konkrete, umfassende, nicht schemati­sche Bestimmung des Forschungsnutzens voraus. So unterscheiden auch die <span>Schweizeri­sche Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) und die Akademie der Na­turwissenschaften Schweiz (SCNAT), Ethische GrundsÃ¤tze und Richtlinien fÃ¼r Tierversu­che, 3. A., 2005, Ziff. 3.4 [www.samw.ch: "Ethik": "Richtlinien"], zwischen "Tierversu­che[n], die dem Leben und der Gesundheit von Mensch und Tier oder dem Schutz der Umwelt in einsehbarer Weise dienen; dazu gehÃ¶ren Versuche mit prophylaktischen, dia­gnostischen und therapeutischen Zielsetzungen in der Medizin und VeterinÃ¤rmedizin", und "Tierversuche[n], welche â auch ohne unmittelbar erkennbaren Nutzen fÃ¼r Leben und Ge­sundheit â dem Streben nach neuer Erkenntnis dienen, wenn sie mit grosser Wahrschein­lichkeit einen bedeutenden Gewinn an Kenntnis Ã¼ber Bau, Funktion und Verhalten von Lebewesen erwarten lassen". Demnach werden hohe Anforderungen an die Wahrschein­lichkeit und Bedeutung des Erkenntnisgewinns eines Projekts der Grundlagenforschung gestellt, damit dieses einen Tierversuch zu rechtfertigen vermag, wÃ¤hrend bei angewandter Forschung im medizinischen Bereich ein "einsehbarer" Zusammenhang zwischen dem Tierversuch und dem Schutz der Gesundheit genÃ¼gt. Dass Forschungsuntersuchungen an Tieren "allen Regeln der Wissenschaftlichkeit genÃ¼gen" mÃ¼ssen, wird als unabhÃ¤ngige weitere Voraussetzung postuliert: "Insbesondere mÃ¼ssen die angestrebten Ergebnisse ein­deutig Ã¼ber das Bekannte hinausweisen; die zu prÃ¼fende Annahme muss sinnvoll, das ge­wÃ¤hlte Verfahren erfolgversprechend und dem jeweiligen Stand der Forschung angepasst sein" (SAMW/SCNAT, Ziff. 3.3; vgl. auch Ziff. 2.3, 3.1). </span></p> <p class="Urteilstext">Die Vorinstanz musste sich also bei der ÃberprÃ¼fung des Nutzens des Forschungsprojekts nicht auf die Frage beschrÃ¤nken, ob eine nach wissenschaftlicher Methode vorgenommene Grundlagenforschung vorliege. Auch ist nicht zu beanstanden, dass sie in ihre ErwÃ¤gungen die Wahrscheinlichkeit einer konkreten Anwendbarkeit im Dienst der Gesundheit von Mensch und Tier einbezog: Bei der Gesundheit handelt es sich um ein wichtiges individu­elles und Ã¶ffentliches Gut, zu dessen Schutz der Staat verpflichtet ist (vgl. Art. 41 Abs. 1 lit. b BV in Verbindung mit Art. 19 sowie Art. 113 der Verfassung des Kantons ZÃ¼rich vom 27. Februar 2005 [LS 101]). Die Vorinstanz war demnach befugt, neben dem allge­meinen Beitrag der Grundlagenforschung zur Verbesserung der Gesundheit des Menschen (und von Tieren) die zu erwartenden Auswirkungen des konkret zur PrÃ¼fung anstehenden Versuchs auf die menschliche Gesundheit in der GÃ¼terabwÃ¤gung zu berÃ¼cksichtigen und den Nutzen des Forschungsprojekts auch nach diesem Gesichtspunkt zu bestimmen (vgl. auch Zenger, S. 118 f.; zum deutschen Recht: Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 55 und 61). Allerdings ginge es nicht an, den Wert der Versuchsergebnisse fÃ¼r die Grundlagenfor­schung durch den Hinweis auf die Ungewissheit einer konkreten Anwendbarkeit zu relati­vieren, dies umso weniger, als letztlich die konkrete Verwendbarkeit jeglicher Forschung zunÃ¤chst ungewiss ist (vgl. auch EKTV/EKAH, S. 17). </p> <p class="Erwgung3"><b>6.5.6 </b>Die Vorinstanz hat den Nutzen des Versuchs somit aufgrund korrekter Kriterien ge­prÃ¼ft. Ob ihre ErwÃ¤gungen zur konkreten Anwendbarkeit der Versuchsergebnisse auch inhaltlich zutreffen, ist gesondert zu prÃ¼fen (hinten E. 7).</p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrer werfen der Vorinstanz sinngemÃ¤ss vor, die Gutachten unzutreffend gewÃ¼rdigt und den langfristigen Nutzen des Forschungsprojekts unterschÃ¤tzt zu haben.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.1 </b>Laut Art. 61a Abs. 2 Satz 2 TSchV ist die Tierversuchsbewilligung auf drei Jahre zu befristen. Es trifft zwar zu, dass dadurch Forschungsvorhaben, die auf lÃ¤ngere Frist ange­legt sind, nicht ausgeschlossen werden sollen. Hingegen kann â entgegen der Ansicht der BeschwerdefÃ¼hrer â hieraus nicht geschlossen werden, dass der Nutzen eines lÃ¤ngerfristi­gen Forschungsprojekts nicht mehr umfassend beurteilt werden dÃ¼rfe, sondern dass sich die PrÃ¼fung darauf beschrÃ¤nken mÃ¼sse, ob am Ende der dreijÃ¤hrigen Bewilligungsperiode Ergebnisse vorliegen, die in anderen Projekten weiter verwertet werden kÃ¶nnen. Die Be­schwerdefÃ¼hrer geben selber an, dass die BeschrÃ¤nkung der Bewilligungsdauer auf drei Jahre dazu diene, die Forschung periodisch auf ihre Ãbereinstimmung mit den lÃ¤ngerfristi­gen Zielen zu prÃ¼fen. Es ist nicht einsichtig, wie dies zu bewerkstelligen wÃ¤re, wenn die Erreichbarkeit dieser Ziele und der Ã¼bergeordnete Zeitplan nicht in die Ãberlegungen ein­bezogen werden dÃ¼rften. Zudem gilt es umgekehrt auch, den Sinn und die Realisierungs­chancen der langfristigen Ziele anhand der bisher erreichten Ergebnisse zu Ã¼berprÃ¼fen. Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Erreichbarkeit der Ã¼bergeordneten Ziele mitberÃ¼cksich­tigt.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.2 </b>Inhaltlich lÃ¤sst sich den Gutachten entnehmen, dass die BeschwerdefÃ¼hrer ein ambitio­niertes Ziel anstreben, nÃ¤mlich â in den Worten von J â "eine erste umfassende Theorie des Neokortex". Zwei Gutachter (J und K) sprechen einem solchen Versuchsresultat grundle­gende Bedeutung zu. L Ã¤ussert sich in dieser Hinsicht nicht, doch sind seinem Gutachten keine Gegenargumente zu ent­nehmen. Obwohl K keine Zweifel daran anmeldet, dass die­ses Forschungsziel mit dem vorliegenden Versuch erreicht werden kÃ¶nnte, ist in diesem Punkt ohne weiteres der Ansicht von J zu folgen, dass das Versuchsziel realistischerweise erst in ei­nem lÃ¤ngeren Zeitraum und mit weiteren Versuchen erreicht werden kÃ¶nne. Dies wird nÃ¤mlich von den BeschwerdefÃ¼hrern in ihrer ErgÃ¤nzung vom 26. Juni 2006 zum Ge­such selber eingerÃ¤umt: "We are trying to understand the structure and function of the neo­cortex and develop a comprehensive theory of its operation. This is a hard problem and it will not be solved in 3 years. Hence the present application should be seen in the context of a very long term project." Zweck und Umfang des Projekts gingen klarerweise Ã¼ber den Rahmen eines Nationalfonds-Forschungsprojekts hinaus. Die Experten sind sich auch ei­nig, dass der Versuch in erster Linie der Grundlagenforschung dient, wenn auch laut J und K die Ergebnisse der Versuchsreihe fÃ¼r die klinische An­wendung bedeutend wÃ¤ren. K weist allerdings auf eine "partiell schon frÃ¼he ... Anwendung im Bereich der Neuroprothetik" hin, zu der das Projekt der BeschwerdefÃ¼hrer zusammen mit andern For­schungsvorhaben des NCCR (National Center of Competence in Research/Nationalen For­schungsschwerpunkts) Neuro beitragen kÃ¶nne. Die UnterstÃ¼tzung durch den SNF im Rah­men des NCCR Neuro spricht ebenfalls fÃ¼r eine positive EinschÃ¤tzung des Versuchs.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.3 </b>Wenn die Vorinstanz zum Schluss kommt, die direkt zu erwartenden Erkenntnisse im Bereich der Grundlagenforschung seien "von einiger Bedeutung", wÃ¤hrend das Erreichen der langfristigen Versuchsziele und allfÃ¤llige spÃ¤tere AnwendungsmÃ¶glichkeiten von ver­schiedenen, ausserhalb des vorliegenden Verfahrens liegenden Faktoren abhingen, wÃ¼rdigt sie die Ergebnisse der Gutachten â entgegen den VorwÃ¼rfen der BeschwerdefÃ¼hrer â kor­rekt. Es handelt sich um eine nachvollziehbare Folgerung aus der Aussage der Beschwer­defÃ¼hrer und von J, der fragliche Versuch sei Teil eines sehr langfristigen Projekts, und der Prognose von J, es wÃ¼rde wohl eine Reihe von FolgeantrÃ¤gen notwendig.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.4 </b>Laut der zusammenfassenden Formulierung der Vorinstanz sind Erkenntnisse, die Ã¼ber das konkrete Versuchsziel hinausgehen, und die MÃ¶glichkeit einer spÃ¤teren Anwendbarkeit "Ã¤usserst unsicher". </p> <p class="Erwgung3"><b>7.4.1 </b>Angesichts der Schlussfolgerungen der Gutachten sind diese Aussagen jedenfalls missverstÃ¤ndlich. Zwar Ã¼berzeichnet die Beschwerdeschrift ihrerseits die Sachlage, wenn sie suggeriert, dass das Projekt und allfÃ¤llige Folgeprojekte gewissermassen zwangslÃ¤ufig zu "hochwertigen und bedeutenden Ergebnissen" fÃ¼hren mÃ¼ssten. Doch sagt J klar aus, es sei realistisch, dass das Versuchsziel in einem lÃ¤ngeren Zeit­raum erreicht werde. Die Ein­schÃ¤tzung von K ist wohl noch optimistischer, doch wird ihre Aussagekraft dadurch relati­viert, dass dieser Gutachter zwi­schen dem Ziel des konkreten Versuchs und jenem des gesamten Forschungsprojekts nicht klar unterscheidet. Skeptischer als die beiden andern Gutachter ist wohl wiederum L, der aber keine Erfolgsprognose stellt, sondern nur darauf hinweist, dass derzeit noch "(fast) vÃ¶llige... Unkenntnis Ã¼ber Organisation und Arbeits­weise des Neocortex" be­stehe, womit im Ãbrigen die BeschwerdefÃ¼hrer ja gerade ihr For­schungsvorhaben begrÃ¼nden. GemÃ¤ss der BegrÃ¼ndung des Versuchs und gemÃ¤ss den Gut­achten â deren Aussagen in diesem Zusammenhang nicht unvereinbar sind â ist davon aus­zugehen, dass die Forschungsvorhaben der BeschwerdefÃ¼hrer jedenfalls lÃ¤ngerfristig mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einer Theorie des Funktionierens des Neokortex fÃ¼hren kÃ¶nnten, die auch fÃ¼r die KlÃ¤rung klinischer Fragestellungen fruchtbar gemacht werden kÃ¶nnte. Dies gilt Ã¼brigens wohl auch, wenn sich die Forschungshypothese der Beschwer­defÃ¼hrer nicht bestÃ¤tigen sollte. </p> <p class="Erwgung3"><b>7.4.2 </b>Die Ergebnisse kÃ¶nnen jedoch insofern "Ã¤usserst unsicher" genannt werden, als der Zeithorizont anscheinend vÃ¶llig offen ist. Gerade dies ist aber rechtlich durchaus relevant. Wenn die Rechtsgrundlagen auch keine zeitliche BeschrÃ¤nkung der Versuchsreihen ken­nen, so kÃ¶nnen ihnen doch Hinweise auf die Bewertung langfristiger Projekte entnommen werden. Die Dreijahresfrist von Art. 61a Abs. 2 Satz 2 TSchV ist auf die Bewilligungspra­xis des SNF abgestimmt (BVET, ErlÃ¤uterungen vom 14. Mai 1997 zur Ãnderung der Tier­schutzverordnung vom 27. Mai 1981, S. 11 [www.bvet.admin.ch: "Themen": "Tierschutz": "FrÃ¼here Revisionen der Tierschutzgesetzgebung"]). Die BeitrÃ¤ge des SNF an Forschungs­projekte werden fÃ¼r hÃ¶chstens drei Jahre gewÃ¤hrt; die Laufzeit kann um weitere drei auf hÃ¶chstens sechs Jahre verlÃ¤ngert werden (Art. 3 Abs. 3â5 des Beitragsreglements des Schweizerischen Nationalfonds vom 14. Dezember 2007 [SNF-Beitragsreglement]). Ein Nationaler Forschungsschwerpunkt hat eine Laufdauer von maximal 12 Jahren (Art. 8b Abs. 3 der Forschungsverordnung vom 10. Juni 1985 [SR 420.11]). Das langfristige Pro­jekt der BeschwerdefÃ¼hrer dauert seit 1996 an, seit 2005 als Teil des NCCR Neuro. Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Zeithorizonte zeigen auf, dass die Wahrscheinlichkeit von Forschungsergebnissen und von deren An­wendbarkeit auch daran gemessen werden darf, in welchem Zeitrahmen mit diesen zu rechnen ist. Die Formulierung der Vorinstanz, dass Ã¼ber das konkrete Versuchsziel hinaus­gehende Erkenntnisse und die MÃ¶glichkeit einer spÃ¤teren Anwendbarkeit "Ã¤usserst unsi­cher" seien, ist unter Einbezug der zeitlichen Di­mension haltbar, obwohl den Gutachten zu entnehmen ist, dass das Erreichen der langfris­tigen Versuchsziele grundsÃ¤tzlich realistisch ist. Zu Recht weist die Vorinstanz nÃ¤mlich darauf hin, dass eine langfristige Prognose so­wohl wegen der Notwendigkeit von Folge­projekten als auch wegen der mÃ¶glichen Ergeb­nisse anderer Forschungsrichtungen sehr unsicher ist.</p> <p class="Erwgung3"><b>7.4.3 </b>Die Vorinstanz leitet ebenso wie die Beschwerdegegnerschaft aus der Langfristigkeit der Versuchsanlage ab, dass es dem Versuch bzw. der Versuchsreihe an der geschlossenen Fragestellung und der fest umrissenen Zielsetzung im Sinn von Art. 61a Abs. 2 Satz 1 TSchV mangle. Nach Wortlaut und Systematik formuliert diese Bestimmung allerdings nicht eine Voraussetzung der Bewilligungserteilung. Sie umschreibt vielmehr den Gel­tungsbereich der Bewilligung und ist demnach als formelle Anforderung an die Bewilli­gung zu interpretieren. Dies Ã¤ndert jedoch nichts daran, dass die aus dem langen Zeithori­zont sich ergebenden Unsicherheiten berÃ¼cksichtigt werden kÃ¶nnen.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.5 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer verweisen auf die gegenseitige AbhÃ¤ngigkeit der Projekte inner­halb des NCCR Neuro; namentlich mÃ¼ssten Hypothesen, die sich aus Resultaten der klini­schen Forschung ergÃ¤ben, im Tiermodell Ã¼berprÃ¼ft werden. Diese Aufga­benstellung mag innerhalb des NCCR Neuro vorkommen (vgl. dessen Schreiben vom 26. MÃ¤rz 2007). In Bezug auf den konkreten Versuch verweisen die Beschwerde­fÃ¼hrer im ergÃ¤nzten Bewilli­gungsgesuch zwar auf eine Ausdehnung ihres Forschungsge­genstands, der sich aus der Zusammenarbeit innerhalb des NCCR Neuro ergeben hat. Wenn auch Resultate der klini­schen Forschung inner­halb des NCCR Neuro die Fragestellungen der BeschwerdefÃ¼hrer beeinflussen mÃ¶gen, so ergibt sich jedoch aus den Gutachten klar, dass der vorliegend ge­plante Tierversuch grund­sÃ¤tzlich nicht der ÃberprÃ¼fung solcher Resultate dient. Dass weitere Projekte des NCCR Neuro von der Erteilung der vorliegend streitigen Bewilligung abhingen, wird nicht sub­stanziiert geltend gemacht.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.6 </b>Keine weiteren Anhaltspunkte zur Beurteilung des konkreten Versuchs vermÃ¶gen im Ãbrigen sÃ¤mtliche Eingaben und Publikationen beizusteuern, welche die Bedeutung der Forschung an Primaten fÃ¼r die Neurowissenschaften und die Neurologie im Allgemeinen hervorheben oder bestreiten. Darunter fallen auch die UnterstÃ¼tzungsschreiben, welche die BeschwerdefÃ¼hrer beibringen: So bezieht sich namentlich das Schreiben vom 26. MÃ¤rz 2007 offensichtlich auf das Ã¼bergeordnete Forschungsprojekt im Allgemei­nen. Das Schreiben des Prof. Y der UniversitÃ¤t N sowie von Prof. Z der Hochschule O vom 27. MÃ¤rz 2007 enthÃ¤lt letztlich nur eine Wiedergabe des Parteistandpunkts. Das Schreiben der Society for Neuroscience vom 27. MÃ¤rz 2007 sowie jenes von Q an der UniversitÃ¤t P in U vom 30. August 2007 heben den wissenschaftlichen Wert des Forschungsprojekts und vor allem der Neurowis­senschaften im Allgemeinen hervor, ohne die weiteren massgeblichen Fragen zu berÃ¼hren. Dabei ist unbestritten, dass gerade bei Versu­chen mit Primaten eine besonders sorgfÃ¤ltige PrÃ¼fung jedes einzelnen Vorhabens ange­bracht ist (vgl. Weatherall u.a., S. 6). </p> <p class="Erwgung1"><b>8. </b> </p> <p class="Urteilstext">Gegen den Nutzen des Forschungsprojekts sind die den Tieren zuzufÃ¼genden Belastungen abzuwÃ¤gen.</p> <p class="Erwgung2"><b>8.1 </b>Zur Beurteilung der Belastungen hat das BVET eine Informationsschrift publiziert (BVET, Einteilung von Tierversuchen nach Schweregraden vor Versuchsbeginn [Belas­tungskategorien], Allgemeine LeitsÃ¤tze und Beispiele zur analogen Klassierung weiterer Versuche, Information Tierschutz 1.04, Bern 1994, www.bvet.admin.ch: "Themen": "Tier­schutz": "Tierversuche": "Richtlinien und Informationen"). Diese Informations­schrift wird ausdrÃ¼cklich nicht als Richtlinie bezeichnet, sondern als Hilfe im Sinn eines Nachschlage­werks (BVET, S. 2). Die Einteilung in Schweregrade ging ursprÃ¼nglich auf die Klassie­rung der American Society for Neuroscience zurÃ¼ck (BVET, S. 2). Der Katalog wird auch im Ausland angewendet (vgl. Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 54).</p> <p class="Erwgung2"><b>8.2 </b>Die LeitsÃ¤tze des BVET sind hier anwendbar. Abgesehen von der allgemeinen Be­schreibung der Schweregrade (lit. B, S. 5) sind im vorliegenden Fall die Modelle mit Pro­beentnahmen und operativen Eingriffen zu beachten (lit. C Ziff. 3 S. 9 ff.). In der allge­meinen Beschreibung der Schweregrade wird Schweregrad 1 wie folgt definiert: "Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken, die eine <i>leichte, kurzfristige Belastung </i>(Schmerzen oder SchÃ¤den) bewirken", wie etwa "Injizieren eines Arzneimittels unter An­wendung von Zwangsmassnahmen; Kastration von mÃ¤nnlichen Tieren in Narkose". Schweregrad 2 (mittlere Belastung) betrifft "Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Ver­suchszwecken, die eine <i>mittelgradige, kurzfristige</i> oder eine <i>leichte, mittel- bis langfristige Belastung</i> (Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den, schwere Angst oder erhebliche BeeintrÃ¤chti­gungen des Allgemeinbefindens) bewirken"; als "Beispiele aus der tierÃ¤rztlichen Praxis" werden genannt: "Operatives Behandeln eines Knochenbruchs an einem Bein; Kastration von weiblichen Tieren." Schweregrad 3 (schwere Belastung) umfasst "Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken, die eine <i>schwere bis sehr schwere</i> oder eine <i>mittelgradige, mittel- bis langfristige Belastung</i> (schwere Schmerzen, andauerndes Leiden oder schwere SchÃ¤den, schwere und andauernde Angst oder erhebliche und andauernde BeeintrÃ¤chtigung des Allgemeinbefindens) bewirken"; in der tierÃ¤rztlichen Praxis sollen diesem Schweregrad etwa "[t]Ã¶dlich verlaufende Infektions- und Krebskrankheiten, ohne vorzeitige Euthanasie" entsprechen. </p> <p class="Erwgung2"><b>8.3 </b> GemÃ¤ss BVET (S. 4) wird bei der prospektiven Bestimmung des Schweregrads auf jene Versuchsgruppe abgestellt, welche die grÃ¶sste Belastung erfÃ¤hrt. Dies sind im vorlie­genden Fall die im dritten Versuchsverfahren verwendeten Tiere.</p> <p class="Erwgung2"><b>8.4 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>8.4.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer subsumierten in den Gesuchsunterlagen die maximale Belas­tung fÃ¼r die Versuchstiere unter den Schweregrad 1. Dies entspricht auch der von ihnen beigebrachten EinschÃ¤tzung des Deutschen Primatenzentrums vom 26. MÃ¤rz 2007. Beide Vorinstanzen sind dagegen von Schweregrad 2 ausgegangen. Die Be­schwerdegegnerschaft geht davon aus, dass mindestens Schweregrad 2, allenfalls sogar Schweregrad 3 vorliegt, wÃ¤hrend L als der einzige Gutachter, der eine Einstufung der Belastung vornimmt, Schwe­regrad 3 annimmt.</p> <p class="Erwgung3"><b>8.4.2 </b>Das sachkundige VeterinÃ¤ramt hat seiner Beurteilung die Beispiele zu operativen Eingriffen in der Informationsschrift des BVET (lit. C Ziff. 3 S. 9 f.) zugrunde gelegt. Un­ter den Schweregrad 2 fallen demnach "<i>[c]hirurgische und andere Eingriffe</i> an Tieren un­ter AllgemeinanÃ¤sthesie mit mittelgradigen postoperativen Schmerzen, Leiden oder StÃ¶­rungen des Allgemeinbefindens". Die hier vorgesehenen Operationen, bei denen ein Kno­chenstÃ¼ck des SchÃ¤dels entfernt, eine Substanz ins Gehirn injiziert und der SchÃ¤del wieder verschlossen wÃ¼rde, seien mit der Implantation von Elektroden ins Gehirn vergleichbar, die als Beispiele fÃ¼r operative Eingriffe des Schweregrads 2 ausdrÃ¼cklich genannt wÃ¼rden. Die Einteilung entspreche der gÃ¤ngigen Praxis. Die Vorinstanz folgt dieser EinschÃ¤tzung, die umso plausibler ist, wenn man das Beispiel eines operativen Eingriffs von Schweregrad 1 mit einbezieht. Als solcher gilt nÃ¤mlich der Eingriff "am Tier unter AllgemeinanÃ¤sthesie, wenn das Tier am Ende des Versuchs noch in Narkose getÃ¶tet wird" (BVET, S. 9), wÃ¤h­rend bei der hier vorgesehenen Versuchsanordnung die Tiere nach der Operation das Be­wusstsein wiedererlangen und 1â14 Tage weiterleben. </p> <p class="Erwgung3"><b>8.4.3 </b>Wie das VeterinÃ¤ramt zutreffend bemerkt, setzt sich das Deutsche Primatenzentrum nicht mit den Beispielen des BVET betreffend "Modelle mit Probeentnahmen und operati­ven Eingriffen" (lit. C Ziff. 3 S. 9 f.) auseinander. Seine Stellungnahme ist daher nicht ge­eignet, die von den Vorinstanzen vorgenommene Einteilung in Frage zu stellen. Umge­kehrt sprechen auch die GrÃ¼nde, die L und die â ebenfalls sachkundige â Be­schwerdegeg­nerschaft fÃ¼r eine Einstufung in Schweregrad 3 anfÃ¼hren, nicht gegen die Be­urteilung durch die Vorinstanz: ZunÃ¤chst legt das VeterinÃ¤ramt Ã¼berzeugend dar, dass die postope­rativen Schmerzen â entgegen der Ansicht von L â wegen des Einsatzes von Schmerzmit­teln und weiterer adÃ¤quater Massnahmen nicht als lang andauernd gelten kÃ¶nnen. Sodann sind die entsprechenden AusfÃ¼hrungen der Beschwerdegegnerschaft und des Gutachters teilweise zu unbestimmt, wie die Behauptung einer Mehrbelastung fÃ¼r Jungtiere, und teil­weise im vorliegenden Zusammenhang gar nicht zu berÃ¼cksichtigen, was fÃ¼r die Gefange­nenhaltung, die TÃ¶tung und angebliche WÃ¼rde­verletzungen zutrifft: Eine allfÃ¤llige Belas­tung durch die Gefangenschaft ist nicht zur Be­lastung durch den Tierversuch zu addieren, weil Art. 15 Abs. 3 TSchG das eigenstÃ¤ndige Gebot aufstellt, dass die Tiere entsprechend dem neuesten Stand der Kenntnisse zu halten sind. Insbesondere schreibt Art. 58a TSchV vor, dass die Tierhaltungsvorschriften grund­sÃ¤tzlich auch fÃ¼r Versuchstiere gelten. Nach vorherrschender Ansicht ist sodann die TÃ¶­tung der Tiere nicht relevant, sofern sie schmerzfrei erfolgt, weil jedenfalls das noch gel­tende Gesetz das Wohlergeben der Tiere, grundsÃ¤tzlich aber nicht ihr Leben schÃ¼tzt (Goet­schel, Kommentar, Art. 1 N. 3 S. 16, Art. 2 N. 10; Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 54 S. 293; vgl. auch BVET, lit. C Ziff. 3 S. 9; Bot­schaft zur Revision des Tierschutzgesetzes, BBl 2003, 674, mit Blick namentlich auf die Schlachtung). Entgegen der Ansicht der Be­schwerdegegnerschaft sind schliesslich mÃ¶gli­che Belastungen weiterer Tiere in allfÃ¤lligen Fortsetzungsversuchen bei der PrÃ¼fung des vorliegenden Gesuchs nicht zu berÃ¼cksichtigen, da nur Ã¼ber den beantragten Versuch zu entscheiden ist und auch die Unsicherheiten, die sich aus der langfristigen Ausrichtung der Versuchsreihe ergeben, nicht mehrfach zu Las­ten der BeschwerdefÃ¼hrer gewichtet werden dÃ¼rfen. Zur Frage der WÃ¼rde vgl. hinten E. 9.6.</p> <p class="Erwgung1"><b>9. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>9.1 </b>Damit ist auf die zentrale GÃ¼terabwÃ¤gung einzugehen. Nach Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV ist zu beantworten, ob der Versuch, "<span>gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn oder Ergebnis", den Tieren "unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den bereitet". Diese Bestimmung ist anhand von Art. 13 Abs. 1 TSchG auszulegen</span><span>, wonach "Tierversu­che, die dem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gen, es in schwere Angst verset­zen oder sein Allgemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chtigen kÃ¶nnen, ... auf das unerlÃ¤ssli­che Mass zu beschrÃ¤nken" sind. DemgemÃ¤ss ist Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV Ã¼ber seinen Wortlaut hinaus so auszulegen, dass sich die UnverhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit eines Versuchs auch aus der schweren Angst oder der erheblichen BeeintrÃ¤chtigung des Allgemeinbefindens eines Tiers ergeben kann. Andernfalls wÃ¼rde die von Art. 13 Abs. 1 TschG vorgeschrie­bene BeschrÃ¤nkung von Versuchen, die das Tier in schwere Angst versetzen oder sein All­gemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chtigen kÃ¶nnen, auf das unerlÃ¤ssliche Mass nicht grei­fen. Es bestehen auch keine Anhaltspunkte, dass diese beiden Kriterien in Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV bewusst ausgespart wurden, wie auch die â in den Materialien und der Lehre kaum thematisierten â unterschiedlichen AufzÃ¤hlungen in Art. 2 Abs. 3, Art. 13 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 TSchG auf die Entstehungsgeschichte der heutigen Fassung des Gesetzes und nicht auf eine bewusste Differenzierung zurÃ¼ckzugehen scheinen (vgl. auch </span><span>Bericht der Kommission des Nationalrates vom 16. Januar 1990, BBl 1990 III 1266; </span><span>Rebsamen-Albisser, S. 218). Diese Fragen sind im vorliegenden Zusammenhang allerdings nicht ent­scheidend.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Art. 13 Abs. 1 TSchG und Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV lassen einen weiten Beurteilungs­spielraum offen. </span>Die Lehre kritisiert denn auch die mangelnde Konkretisierung der Anfor­derungen an Tierversuche teils heftig (Gehrig, S. 125 f.; Rebsamen-Albisser, S. 206 ff., bes. 218 f.; Wirth, S. 224 f.; Zenger, S. 129 ff., 183 ff.).</p> <p class="Erwgung2"><b>9.2 </b>Vorweg ist festzustellen, ob die Vorinstanz den Sachverhalt korrekt ermittelt und ob sie die Beweis- und Hilfsmittel korrekt gewÃ¼rdigt hat.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.2.1 </b>Wie erwÃ¤hnt, ist die Formulierung der Vorinstanz, wonach Ã¼ber das unmittelbare Versuchsziel hinausgehende Erkenntnisse und eine spÃ¤tere Anwendbarkeit "Ã¤usserst unsi­cher" seien, nur insofern mit den Ergebnissen der Gutachten vereinbar, als der Zeithori­zont, innerhalb dessen diese Erkenntnisse zu erwarten sind, vÃ¶llig offen bleibt. Die Vorin­stanz durfte jedoch die sich hieraus ergebenden Ungewissheiten in die GÃ¼terabwÃ¤gung einbeziehen. Der Vorwurf der BeschwerdefÃ¼hrer, die Vorinstanz habe den Nutzen der For­schung zu eng nur anhand der klinischen Anwendbarkeit beurteilt, trifft nicht zu.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.2.2 </b>Zu berÃ¼cksichtigen ist auch, dass nur ein Gutachter â K â unzweideutig ein Ãberwie­gen des Erkenntnisgewinns Ã¼ber die Belastung fÃ¼r die Tiere bejaht. Diese Aussage wird zudem dadurch relativiert, dass K nicht klar zwischen dem unmittelbaren Versuchszweck und den langfristigen Forschungszielen unterscheidet. J gibt dagegen keine Antwort auf die Frage nach dem VerhÃ¤ltnis zwischen der Belastung der Tiere und dem Versuchsziel. Dabei muss offen bleiben, ob es sich um eine bewusste LÃ¼cke im Gutachten handelt; dies er­scheint immerhin denkbar, weil der Gutachter betont, dass die Erkenntnisgewinne nur langfristig realistisch erschienen. Sodann ist auch die verneinende Antwort Ls zu berÃ¼ck­sichtigen, jedoch mit den Vorbehalten, dass sie von der An­nahme eines zu hohen Schwe­regrads ausgeht und dass die zugrunde liegenden ethischen Argumente nicht unbesehen fÃ¼r die AbwÃ¤gung nach rechtlichen Gesichtspunkten Ã¼ber­nommen werden kÃ¶nnen.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.2.3 </b>Allerdings entfalten die Gutachten in Bezug auf die Frage nach der VerhÃ¤lt­nismÃ¤ssigkeit des Tierversuchs ohnehin keine bindende Wirkung, da diese eine Rechts­frage darstellt. Unbestrittenermassen sagt sodann die UnterstÃ¼tzung eines Projekts durch den SNF nichts aus zu dieser GÃ¼terabwÃ¤gung, da der SNF nur die wissenschaftliche Qua­litÃ¤t der Forschungsprojekte beurteilt und die notwendigen Bewilligungen durch die zu­stÃ¤ndigen BehÃ¶rden vorbehalten bleiben (vgl. Art. 17 SNF-Beitragsreglement; SNF, Das Bewilligungsverfahren fÃ¼r Forschungsversuche im SNF bezÃ¼glich Tierversuchen [verein­fachte Darstellung]; SNF, Empfehlungen von EKAH und EKTV zu Primatenversuchen, Stellungnahme des SNF zu den Empfehlungen an forschungsfinanzierende Stellen, 4. Oktober 2006 [www.snf.ch: "Aktuell": "Dossiers": "Tierversuche"]).</p> <p class="Erwgung3"><b>9.2.4 </b>Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Vorinstanz die Gutachten, die Beweismittel sowie die Fachkenntnisse des VeterinÃ¤ramts und der Tierschutzkommission grundsÃ¤tzlich korrekt gewÃ¼rdigt hat und dass ihr auch nicht vorgeworfen werden kann, sie habe massgebliche Literatur zu Unrecht nicht berÃ¼cksichtigt (vorn E. 5.3).</p> <p class="Erwgung2"><b>9.3 </b>An dieser Stelle ist jedoch auf den Vorwurf der BeschwerdefÃ¼hrer einzugehen, die Vor­instanz habe die Folgerungen des Berichts "Forschung an Primaten â eine ethische Bewertung" von EKTV und EKAH (Bern 2006) zu unkritisch Ã¼bernommen und dadurch unzulÃ¤ssigerweise ihre Kognition eingeschrÃ¤nkt.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.3.1 </b>Die Vorinstanz fÃ¼hrt zunÃ¤chst aus, die Empfehlungen des Berichts seien "zu berÃ¼ck­sichtigen". Hierauf stellt sie ihre bereits vorher begrÃ¼ndeten Bewertungen des Nutzens der erwarteten Erkenntnisse und der Belastung der Versuchstiere einander gegen­Ã¼ber und schliesst sodann, dass "[a]ngesichts dieser UmstÃ¤nde sowie unter BerÃ¼cksichti­gung der Empfehlungen der [EKTV und der EKAH] fÃ¼r den vorliegenden Versuch das Interesse der Versuchstiere an Belastungsfreiheit hÃ¶her zu gewichten [ist] als das mensch­liche Interesse am Versuchsergebnis", weshalb der Tierversuch nicht zu bewilligen sei.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.3.2 </b>Zwar ist diese BegrÃ¼ndung des Ergebnisses der GÃ¼terabwÃ¤gung knapp. Es kann ihr aber nicht entnommen werden, die Vorinstanz habe die Ergebnisse des Berichts von EKTV und EKAH unbesehen Ã¼bernommen: Zum einen verwendet die Vorinstanz den Begriff des "BerÃ¼cksichtigens". Nach gÃ¤ngiger juristischer Terminologie heisst dies, dass sie sich ge­rade nicht an die Ergebnisse des Berichts gebunden gefÃ¼hlt hat, sondern dass sie ihn in ihre Ãberlegungen miteinbezogen hat; Ã¤hnliche Bedeutungsgehalte wie "berÃ¼cksichtigen" hÃ¤t­ten im vorliegenden Zusammenhang etwa "mitbedenken", "in ErwÃ¤gung ziehen", "beach­ten", "wÃ¼rdigen". Zum andern ist erfahrungsgemÃ¤ss das eigentliche Entscheidungsmoment sehr schwer zu erfassen, gerade in einem Fall wie dem vorliegenden, wo qualitativ ver­schiedene GÃ¼ter wie der wissenschaftliche Nutzen und die Belastung der Versuchstiere gegeneinander abzuwÃ¤gen sind, deren Bestimmung erst noch mit weitreichenden Unsi­cherheiten behaftet ist. Die Knappheit der fraglichen ErwÃ¤gung der Vorinstanz liegt hierin begrÃ¼ndet und kann nicht als Anzeichen einer unzulÃ¤ssigen Bindung an den Bericht von EKTV und EKAH betrachtet werden.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.4 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>9.4.1 </b>Die Vorinstanz hat folgende Gesichtspunkte in die GÃ¼terabwÃ¤gung einbezogen: Den Nutzen des Versuchs hat sie einerseits anhand von dessen Eignung beurteilt, Kenntnisse in der Grundlagenforschung zu erlangen; anderseits hat sie die Chancen einer klinischen An­wendbarkeit der Ergebnisse mitberÃ¼cksichtigt. Diese Kriterien sind adÃ¤quat (vorn E. 6 f.). Im Rahmen der eigentlichen GÃ¼terabwÃ¤gung ist die Vorinstanz sinngemÃ¤ss von einer Son­derstellung der nicht-humanen Primaten ausgegangen; die Berechtigung dieses â stark ge­wichteten â Kriteriums ist im Folgenden ebenso zu prÃ¼fen wie die Frage, ob die Vorinstanz weitere Aspekte zu Unrecht berÃ¼cksichtigt oder Ã¼bergangen hat.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.4.2 </b>Wie bereits ausgefÃ¼hrt wurde (E. 4.3.3), ist es dagegen nicht Sache des Verwal­tungsge­richts, selber in freier RechtsschÃ¶pfung Kriterien der GÃ¼terabwÃ¤gung aufzustellen. Es wÃ¤ren alternativ oder ergÃ¤nzend zum Vorgehen der Vorinstanz andere bzw. weitere Methoden denkbar, zum Beispiel das Aufstellen von Fragen- oder Kriterienkatalogen zur Festlegung einer Skala des Forschungsnutzens, wie es fÃ¼r das deutsche Recht vorgeschla­gen wird (vgl. Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 55). Im Folgenden ist nicht nach solchen al­ternativen oder ergÃ¤nzenden Vorgehensweisen zu suchen; vielmehr ist zu prÃ¼fen, ob die von der Vorinstanz verwendeten Kriterien und deren Gewichtung rechtmÃ¤ssig sind. Darin ist die PrÃ¼fung eingeschlossen, ob gesetzlich vorgeschriebene Kriterien Ã¼bersehen wurden oder ob umgekehrt gesetzlich ausgeschlossene Kriterien berÃ¼cksichtigt wurden.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.5 </b>Somit ist danach zu fragen, ob die Vorinstanz die Empfehlungen von EKTV und EKAH aufnehmen und daraus folgern durfte, dass "[a]us ethischen GrÃ¼nden ... Bewilli­gungsbehÃ¶rden Versuche mit Primaten ... im Rahmen ihres aktuellen Beurteilungsspiel­raums nur mit grÃ¶sster ZurÃ¼ckhaltung" gestatten sollten.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.5.1 </b>Die AbwÃ¤gung zweier qualitativ unterschiedlicher GÃ¼ter (des Nutzens der Forschung fÃ¼r den Menschen einerseits, der Belastung fÃ¼r die betroffenen Tiere anderseits) verlangt nach einem Massstab, den der Gesetzgeber nicht bereitstellt. Die Vorinstanz verlÃ¤sst unter diesen UmstÃ¤nden den Rahmen ihres Beurteilungsspielraums nicht, wenn sie mit EKTV und EKAH darauf verweist, dass Primaten aufgrund ihrer NÃ¤he zum Menschen und ihrer kognitiven FÃ¤higkeiten eine Sonderstellung zukomme, und damit die Hierarchie der Tier­arten in ihrer AbwÃ¤gung mit gewichtet. Immerhin verlangt das Tierschutzgesetz bei einer anderen Fragestellung, die aber in nahem Zusammenhang mit der hier vorzunehmenden AbwÃ¤gung steht, die BerÃ¼cksichtigung der Hierarchie der Tierarten: Art. 16 Abs. 3 TSchG schreibt vor, dass Versuche an hÃ¶heren Tieren, beispielsweise an SÃ¤ugetieren, nur ausge­fÃ¼hrt werden dÃ¼rfen, wenn der Zweck nicht mit niedriger stehenden Tierarten erreicht wer­den kann. Dieser Grundsatz wird in Art. 61 Abs. 1 lit. d TSchV als Bewilligungsvorausset­zung umschrieben. Entgegen der Ansicht der BeschwerdefÃ¼hrer ist die Hierarchie auch innerhalb der Klasse der SÃ¤ugetiere zu beachten. (Die Begriffe der "Hierarchie" und der "Tierart" werden hier hilfsweise ungeachtet allfÃ¤lliger biologischer Unstimmigkeiten ver­wendet.)</p> <p class="Urteilstext">Zwar scheint sich diese Betrachtungsweise nicht einfach mit der Leidens- oder Empfin­dungsfÃ¤higkeit begrÃ¼nden zu lassen (die jedenfalls nicht vÃ¶llig kongruent mit den kogniti­ven FÃ¤higkeiten ist); sie stellt vielmehr â implizit oder explizit â auch auf die kognitiven FÃ¤higkeiten und auf die nahe Verwandtschaft mit dem Menschen ab. Das Kriterium der Hierarchie der Tierarten ist insofern ethisch begrÃ¼ndet â worauf auch die Vorinstanz hin­weist â und weist QuerbezÃ¼ge zum Verfassungsgrundsatz der WÃ¼rde der Kreatur auf (wo­bei in der Lehre Zweifel am Unterscheidungsmerkmal der Entwicklungsstufe ebenfalls mit der WÃ¼rde der Kreatur begrÃ¼ndet werden, vgl. Ina Praetorius/Peter Saladin, Die WÃ¼rde der Kreatur [Art. 24<sup>novies</sup> Abs. 3 BV], Bern 1996, S. 119). Diese ZusammenhÃ¤nge sprechen jedoch gewiss nicht gegen die Anwendung des Kriteriums, ungeachtet dessen, dass die Rechtsanwendung beim direkten RÃ¼ckgriff auf Verfassungsprinzipien darauf achten muss, die gesetzlichen Konkretisierungen und AbwÃ¤gungsvorschriften nicht unzulÃ¤ssigerweise zu Ã¼berspielen. </p> <p class="Urteilstext">Zusammenfassend: Eine analoge Anwendung des in Art. 16 Abs. 3 TSchG enthaltenen Kriteriums der Hierarchie der Tierarten erscheint Ã¼berzeugend. AnzufÃ¼gen ist, dass der spezifischen LeidensfÃ¤higkeit einzelner Tierarten gegebenenfalls zusÃ¤tzlich bei der Belas­tungseinstufung Rechnung zu tragen ist.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.5.2 </b>Ein Indiz dafÃ¼r, dass die Verwendung dieses Kriteriums den Intentionen des Gesetz­gebers nicht widerspricht, stellt im Ãbrigen der Bericht der nationalrÃ¤tlichen Kommission fÃ¼r Wissenschaft, Bildung und Kultur vom 16. Februar 2007 zur Parlamentarischen Initia­tive Maya Graf "Verbot von mittel- und schwerbelastenden Tierversuchen an Primaten" (GeschÃ¤fts-Nr. 06/464, www.parlament.ch) dar. Dort wird ausdrÃ¼cklich erwÃ¤hnt, die "fÃ¼r die ethische Begutachtung von Tierversuchen zustÃ¤ndigen Kommissionen kÃ¶nn[t]en ... be­reits heute darauf hinwirken, belastende Versuche mit Primaten einzuschrÃ¤nken, wie zwei aktuelle Beispiele von Rekursen im Kanton ZÃ¼rich zeigen". Kein Widerspruch zum Ge­sagten liegt darin, dass der Nationalrat am 20. Dezember 2007 beschlossen hat, der ge­nannten Parlamentarischen Initiative keine Folge zu geben. Die Initiative verlangte nÃ¤m­lich, Tierversuche der Schweregrade 1â3 an grossen Menschenaffen sowie Tierversuche der Schweregrade 2 und 3 an Primaten Ã¼berhaupt zu verbieten.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.6 </b>Laut der Beschwerdegegnerschaft ist die WÃ¼rde der Kreatur bei der GÃ¼terabwÃ¤gung â oder bereits bei der Bestimmung des Schweregrads der Belastung â mitzuberÃ¼cksichti­gen.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.6.1 </b> Der Grundsatz der WÃ¼rde der Kreatur ist grundsÃ¤tzlich auch im Bereich des Tier­schutzes beachtlich (vgl. vorn E. 2.2) und kann als BegrÃ¼ndung dafÃ¼r angesehen werden, das Wohlergehen der Tiere als Rechtsgut in die GÃ¼terabwÃ¤gung einzubeziehen. Die Be­grÃ¼ndungen fÃ¼r die Vornahme der GÃ¼terabwÃ¤gung und die darin abzuwÃ¤genden Rechts­gÃ¼ter sind jedoch zu unterscheiden. Es ginge auch nicht an, in einer vom Gesetzgeber be­wusst offen belassenen GÃ¼terabwÃ¤gung ein einziges von mehreren involvierten Verfas­sungsprinzipien und ‑rechten systematisch zu privilegieren. Nicht zu folgen ist daher der in der Literatur geÃ¤usserten Ansicht, das Verfassungsprinzip der WÃ¼rde der Kreatur, das den Tierschutz verstÃ¤rke, sei "ein zusÃ¤tzliches erhebliches Gewicht in der Waagschale dieses Interesses und [mÃ¼sse] somit die AbwÃ¤gung der Interessen beeinflussen" (Praeto­rius/Saladin, S. 119 mit weiterem Hinweis). Dies gilt bei der Anwendung des noch gelten­den Rechts umso mehr, als der Gesetzgeber sogar im neuen Tierschutzgesetz, in dem die WÃ¼rde der Kreatur explizit berÃ¼cksichtigt wird, an der Offenheit der AbwÃ¤gung nichts geÃ¤ndert hat (Art. 19 Abs. 4 nTSchG). Es ist daher davon auszugehen, dass die WÃ¼rde der Kreatur in der GÃ¼terabwÃ¤gung nur insofern eine Rolle spielen kann, als eine WÃ¼rdeverlet­zung sich als Belastung des Tiers Ã¤ussert, namentlich als Leiden oder BeeintrÃ¤chtigung des Allgemeinbefindens (dazu vorn E. 9.1). </p> <p class="Erwgung3"><b>9.6.2 </b>Die Frage braucht hier allerdings nicht abschliessend behandelt zu werden: Zum ei­nen ist die WÃ¼rde der Kreatur vorliegend nicht entscheidrelevant. Zum andern kann der Vorinstanz nicht der Vorwurf gemacht werden, sie hÃ¤tte sich unzulÃ¤ssigerweise auf diesen Grundsatz abgestÃ¼tzt: Sie fÃ¼hrt aus, dass das geltende Recht â im Gegensatz zum neuen Tierschutzgesetz â eine BerÃ¼cksichtigung der WÃ¼rde der Kreatur im Bereich des Tier­schutzes bzw. bei der Bewilligung von Tierversuchen nicht vorschreibe, dass jedoch "die vorzunehmende GÃ¼terabwÃ¤gung bei Tierversuchen auch der BerÃ¼cksich­tigung der WÃ¼rde des Tieres dient und dieser bei der Auslegung der Gesetzesbestimmung Rechnung zu tra­gen ist" (E. 4b/cc). Diese Aussagen finden sich im Abschnitt zu den Rechtsgrundlagen, und die Vorinstanz kommt in ihrem Entscheid bei der Bewertung der Belastung und bei der GÃ¼terabwÃ¤gung nicht mehr auf die WÃ¼rde des Tiers zurÃ¼ck. Es be­stehen somit keine Anhaltspunkte, dass sie diesen Grundsatz in unzulÃ¤ssiger Weise Ã¼ber­bewertet hÃ¤tte.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.7 </b>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid ihren Beurteilungsspielraum nicht Ã¼berschritten hat. Korrekt ist die WÃ¼rdigung des For­schungsnutzens, wonach der konkrete Versuch zwar Erkenntnisse von einiger Bedeutung fÃ¼r die Grundlagenforschung zeitigen dÃ¼rfte, das Erreichen der langfristigen Versuchsziele und allfÃ¤llige spÃ¤tere AnwendungsmÃ¶glichkeiten jedoch unsicher sind. Zutreffend ist die Einstufung der Belastung der Tiere unter Schweregrad 2. Schliesslich durfte die Vorinstanz auch das Kriterium der Hierarchie der Tierarten in Analogie zu Art. 16 Abs. 3 TSchG he­ranziehen und eine restriktive Bewilligungspraxis im Fall von Tierversuchen an Primaten darauf abstÃ¼tzen. Im Ãbrigen hat die Vorinstanz weder sachfremde Kriterien in die GÃ¼ter­abwÃ¤gung einbezogen noch gesetzlich vorgesehene Kriterien Ã¼bersehen.</p> <p class="Erwgung2">Am Ergebnis Ã¤ndert nichts, dass mit der vorgenommenen AbwÃ¤gung zugleich Ã¼ber die ZulÃ¤ssigkeit der EinschrÃ¤nkung der Forschungsfreiheit nach Art. 20 in Verbindung mit Art. 36 BV entschieden wurde. Ob der Eingriff in das Grundrecht verhÃ¤ltnismÃ¤ssig ist, ist grundsÃ¤tzlich frei zu prÃ¼fen, da keine GrÃ¼nde fÃ¼r eine ZurÃ¼ckhaltung gegeben sind (vgl. vorn E. 4.3.2; JÃ¶rg Paul MÃ¼ller, in: Kommentar zur Bundesverfassung vom 29. Mai 1874, 1987, Einleitung zu den Grundrechten [MÃ¼ller, Einleitung], Rz. 161 f.). Die Lehre geht allerdings von einer Abstufung der PrÃ¼fungsdichte in Relation zur Schwere der Grund­rechtsbeeintrÃ¤chtigung aus (MÃ¼ller, Einleitung, Rz. 157; Markus Schefer, Die Beein­trÃ¤ch­tigung von Grundrechten, Bern 2006, S. 87 ff.). Soweit sie sich mit der Frage befasst, nimmt die Doktrin an, dass der heutige Art. 13 Abs. 1 TSchG die PrÃ¼fung der VerhÃ¤ltnis­mÃ¤ssigkeit einer Bewilligungsverweigerung unter grundrechtlichen Gesichtspunkten zu­lÃ¤sst, namentlich bei BerÃ¼cksichtigung von beruflichen Dispositionen der Forschenden, wozu insbesondere auch die Freiheit der Wahl des Forschungsgegenstandes gehÃ¶rt (vgl. Zenger, S. 141 f.). Ob dies zutrifft, kann offen bleiben.</p> <p class="Urteilstext">Die Verweigerung einer Bewilligung fÃ¼r einen bestimmten Tierversuch ist nÃ¤mlich nicht als schwerer Eingriff in die Forschungsfreiheit zu betrachten, da mÃ¶glicherweise bereits Ãnderungen des Versuchszwecks oder der Versuchsanordnung mit nur geringfÃ¼gigen Auswirkungen fÃ¼r die Forschung genÃ¼gen kÃ¶nnen, um eine Bewilligung zu erlangen. Der ebenfalls auf Verfassungsebene verankerte Schutz von Tieren vor unnÃ¶tigen Belastungen ist hoch zu gewichten. Er vermag auch im konkreten Fall den Eingriff in die Forschungs­freiheit im Ergebnis zu rechtfertigen. Dies gilt auch dann, wenn die beruflichen Dispositio­nen der BeschwerdefÃ¼hrer zu berÃ¼cksichtigen sind. Immerhin verfÃ¼gen diese im Rahmen ihres langfristigen Projekts Ã¼ber einen gewissen Spielraum bei der Formulierung ihrer wis­senschaftlichen Fragestellungen, die sie etwa im Zusammenhang mit ihrer Aufnahme in den NCCR Neuro entsprechend abgeÃ¤ndert haben.</p> <p class="Erwgung1"><b>10. </b> </p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrer verweisen zwar verschiedentlich darauf, dass das fragliche For­schungsprojekt Teil einer langen Versuchsreihe sei. Zu Recht rÃ¼gen sie aber nicht, dass die frÃ¼heren Bewilligungen eine Vertrauensgrundlage geschaffen hÃ¤tten oder dass die Aufhe­bung der Bewilligung durch die RekursbehÃ¶rde an den fÃ¼r PraxisÃ¤nderungen geltenden Voraussetzungen zu messen sei. Ebenso wenig machen sie substanziiert geltend, das Vete­rinÃ¤ramt habe â namentlich mit der Einstufung des Versuchs in Schweregrad 2 â seine Praxis im Vergleich zur PrÃ¼fung der vorangehenden Bewilligungen verschÃ¤rft.</p> <p class="Erwgung1"><b>11. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>11.1 </b>AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten den unterliegenden BeschwerdefÃ¼hrern je zur HÃ¤lfte aufzuerlegen, unter solidarischer Haftung beider fÃ¼r den Gesamtbetrag (§ 70 in Verbin­dung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG; § 14 VRG). Unter BerÃ¼cksichtigung des Zeitaufwands des Gerichts sind die Gerichtskosten auf Fr. 10'000.- festzusetzen (§§ 2 und 4 f. der GebÃ¼h­renverordnung des Verwaltungsgerichts vom 26. Juni 1997 [LS 175.252]).</p> <p class="Erwgung2"><b>11.2 </b>Die Beschwerdegegnerschaft beantragt eine angemessene ParteientschÃ¤digung nach § 17 Abs. 2 und 3 VRG. Bei der Beschwerdegegnerin 1, der Tierversuchskommission, handelt es sich um eine vom Kanton ZÃ¼rich eingesetzte Kommission ohne RechtspersÃ¶n­lichkeit. Da das Gemeinwesen in der Regel keinen Anspruch auf eine ParteientschÃ¤digung hat, ist der Beschwerdegegnerin 1 eine solche zu verweigern (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 17 N. 19 f.). Den Beschwerdegegnerinnen und Beschwerdegegnern 2â6 ist durch ihre Beteili­gung am Verfahren als Einzelmitglieder der Tierversuchskommission kein zusÃ¤tzlicher Aufwand entstanden. Sie werden im Ãbrigen nach ihren eigenen Angaben vom Kanton ZÃ¼rich fÃ¼r ihre TÃ¤tigkeit angemessen entschÃ¤digt. Ihnen ist deshalb eine Par­teientschÃ¤di­gung ebenfalls zu versagen. Auch unter diesem Gesichtspunkt kann somit of­fen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin 2 Ã¼berhaupt noch als Partei am Verfahren beteiligt ist.</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 10'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:</span></p> <p class="Einzug2"><span>Fr. 210.--</span><span> Zustellungskosten,</span></p> <p class="Einzug2"><span>Fr. 10'210.--</span><span> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden den BeschwerdefÃ¼hrern je zur HÃ¤lfte auferlegt, unter soli­darischer Haftung beider fÃ¼r den Gesamtbetrag.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. ParteientschÃ¤digungen werden nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen diesen Entscheid kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist in­nert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>