B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1981/2019 U r t e i l v o m 1 7 . M a i 2 0 1 9 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Yanick Felley; Gerichtsschreiberin Eliane Kohlbrenner. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch MLaw Sonja Comte, Caritas Schweiz, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. März 2019 / N (…). E-1981/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 5. Oktober 2015 um Asyl in der Schweiz. Anlässlich der Befragung zur Person vom 12. Oktober 2015 führte er im Wesentlichen aus, er sei nicht zur Schule gegangen, weil seine Familie arm gewesen sei. Er habe bis zum 15. Altersjahr mit seiner Familie in B._______ gelebt. Nachher sei er nach C._______ umgezogen. Dort habe er als Lastenträger, dann als Maurer und später als Chauffeur gear- beitet. Im August 2014 habe er geheiratet. In der Stadt sei die Al-Shabaab im Hintergrund präsent gewesen. Sie habe Journalisten, Intellektuelle und andere Personen attackiert. Mehrere Personen seien aus unerklärbaren Gründen versch wunden. Er habe sich nicht sicher gefühlt. Er habe im Quartier eine Organisation gegründet, deren Ziel es gewesen sei, die Ju- gendlichen davon abzuhalten, sich der Al-Shabaab anzuschliessen. Des- wegen habe er von Mitglieder der Al-Shabaab mehrere telefonische Todes- drohungen erhalten. Eines Tages nach der Arbeit seien mehrere Schüsse abgegeben worden. Er sei durch die Splitter einer getroffenen Scheibe am Kopf verletzt worden. Daraufhin habe er sich zur Ausreise entschlossen. Er habe seine Ehefrau informiert und sei drei Tage später, im Juli 2015, aus- gereist. An der Anhörung vom 26. Mai 2017 führte der Beschwerdeführer ergän- zend aus, er sei Angehöriger des D._______, welcher zur Clanfamilie E._______ gehöre. Sein Clan stehe seit dem Jahr 2014 im Konflikt mit dem F._______-Clan. Im Verlaufe dieses Konflikts seien fünf Angehörige der Clans getötet worden. Der Konflikt habe die Sippe seines Cousins zweiten Grades betroffen; er sei nicht involviert gewesen. Der letzte Mörder sei sein Cousin gewesen. Es sei immer noch eine Rechnung offen, weshalb er um sein Leben fürchte. Er habe mit einem Minibus Personen transportiert. Nachdem er ein Jahr verheiratet gewesen sei, hätten ihn eines Tages 20 kräftige, gleichaltrige, junge Männer für einen Transport angeheuert. Zu dieser Zeit habe im Gebiet G._______ ein heftiges Gefecht mit der Al- Shabaab stattgefunden. Unterwegs hätten die Männer einen telefonischen Geldtransfer bekommen. Er habe sie deswegen verdächtigt, Mitglieder der Al-Shabaab zu sein. Er habe eine Reifenpanne und zu wenig Benzin ge- habt. Er habe den Assistenzchauffeur angewiesen, die Mängel zu behe- ben. Währenddessen habe er den Polizeichef in B._______ angerufen und ihm seinen Verdacht mitgeteilt. Die Polizei habe die 20 Männer verhaftet. Es habe sich herausgestellt, dass sie tatsächlich der Al-Shabaab angehör- ten. Einen Tag später sei er nach C._______ zurückgekehrt. Die Al -E-1981/2019 Seite 3 Shabaab habe erfahren, dass er die Männer verraten habe, woraufhin er drei Monate lang Drohanrufe erhalten habe . Nach dem Vorfall mit den Schüssen sei er ausgereist. B. Mit Verfügung vom 26. März 2019 (eröffnet am 27. März 2019) stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 26. April 2019 erhob der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt , die angefochtene Ver- fügung sei aufzuheben. Die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers sei festzustellen. Dem Beschwerdeführer sei Asyl zu gewähren. Eventua- liter sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und dem Beschwerdeführer sei als Folge davon von Amtes wegen die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. Subeventualiter sei das Verfahren zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Beschwerdefüh- rer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm sei die Unter- zeichnete als unentgeltliche Rechtsbeiständin beizuordnen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie- gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe- stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge- setzesbezeichnung verwendet. 2. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet E-1981/2019 Seite 4 des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Ver- fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. 3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Ausländerrecht richtet sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AslyG). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Die Vorinstanz habe sich ungenügend mit seinen Asylvorbringen auseinan- dergesetzt. Dabei handelt es sich um eine formelle Rüge, welche vorab zu beurteilen ist, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vor - instanzlichen Verfügung zu bewirken. 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirk ungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei- nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 4.3 Die Vorinstanz nahm alle Vorbringen des Beschwerdeführers im Sach- verhalt auf. In der Begründung ging sie nicht im Detail auf die einzelnen Vorbringen ein, sondern wies auf die eklatanten Widersprüche seiner An- gaben an der Befragung und Anhörung hin und schloss daraus auf die Un- glaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Die Begründung fiel damit zwar knapp, E-1981/2019 Seite 5 aber genügend aus. Insbesondere war der Beschwerdeführer in der Lage, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Es liegt demnach keine Verlet- zung des rechtlichen Gehörs vor. Das Rechtsbegehren, die Sache aus for- mellen Gründen aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen, ist abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozial en Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, de s Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings- eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung damit, d ie Angaben des Be- schwerdeführers zu seinen Fluchtgründen seien höchst widersprüchlich gewesen. An der Befragung habe er gesagt, er sei wegen eine s von ihm gegründeten Vereins, der Jugendliche v on einem Beitritt zur Al-Shabaab habe abhalten wollen, von Mitgliedern der Al-Shabaab verfolgt worden. An der Anhörung habe er gesagt, Clanstreitigkeiten und Probleme mit der Al- Shabaab infolge Denunziation von 20 Mitgliedern seien der Grund für seine Ausreise gewesen. Es bestehe der Eindruck, bei seinen Vorbringen handle es sich um eine konstruierte Geschichte. Die Vorbringen seien des- halb offensichtlich unglaubhaft. 6.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe die letzten, fluchtbegründen- den Erlebnisse in Somalia geschildert. Er habe widerspruchslos angege- ben, dass er von de r Al-Shabaab verfolgt worden sei und wegen des An-E-1981/2019 Seite 6 griffs mit der Schusswaffe geflüchtet sei. Urheberin des Angriffs sei vermut- lich die Al-Shabaab gewesen. Die Clanschwierigkeiten habe er an der Be- fragung nicht erwähnt, weil die Furcht vor der Al-Shabaab intensiver gewe- sen sei und die Befragung nur summarischen Charakter gehabt habe. Das Nichterwähnen des Erlebnisses mit den 20 Mitgliedern der Al-Shabaab an der Befragung sei kein Widerspruch, da er bereits erklärt habe, von der Al- Shabaab verfolgt zu werden. Er habe seine Frau nach dem Verlassen des gemeinsamen Haushaltes, aber vor dem Verlassen Somalias übe r seine Ausreisepläne informiert. Dies sei zudem nebensächlich . Er habe seine Lebensumstände (Zugang der Nomaden zur Wasserquelle, finanzielle Si- tuation der Familie), die Fluchtgründe und die Umstände von deren Entste- hung nachvollziehbar geschildert und ein Gesamtbild betreffend den Clan- krieg und die Al-Shabaab zu vermitteln versucht. Trotz der teilweise nicht erwähnten Fluchtgründe sei es ihm aufgrund der Nennung des eigentli- chen Fluchtgrundes (Vorfall mit den Schüssen) und seiner detailreichen Ausführungen gelungen, die Fluchtgründe glaubhaft zu machen. Er habe begründete Furcht davor, bei einer Rückkehr durch die Al-Shabaab getötet zu werden. Der somalische Staat sei nicht schutzfähig. Ein Vollzug der Wegweisung sei nicht zumutbar, da seine Familie ihm keine Unterstützung bei der Wiedereingliederung bieten könne. 6.3 Es ist dem Beschwerdeführer zuzugestehen, dass er gewisse Lebens- umstände, beispielsweise den Zugang der Nomaden zu Wasserquellen im Gebiet B._______, die finanzielle S ituation seiner Familie und das Beile- gen von Clanstreitigkeiten, detailhaft schilderte . Dabei handelt es sich in- des um allgemeine Schilderungen ohne konkreten Zusammenhang zu sei- nen Asylgesuchsgründen. Folglich lassen sich daraus keine Aussagen über die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen machen. Vielmehr hat die Vo- rinstanz zu Recht festgestellt, dass seine Angaben zu den Fluchtgrün den äusserst widersprüchlich aus gefallen sind. An der Befragung nannte der Beschwerdeführer als Grund für seine Ausreise, er habe eine Organisation gegründet mit dem Ziel, Jugendliche aus seinem Quartier davon abzuhal- ten, sich der Al-Shabaab anzuschliessen. Deswegen sei er von Mitgliedern der Al-Shabaab telefonisch bedroht worden. Zudem sei einmal auf ihn ge- schossen worden. Nach diesem Vorfall sei er ausgereist. An der Anhörung gab er zwei andere Gründe für seine Ausreise an. Er meinte, die Sippe seines Cousins zweiten Grades sei in eine Clanstreitigkeit verwickelt, in deren Verlauf es bereits fünf Tote gegeben habe. Er habe Angst, dass er auch zum Ziel werden könnte. Als weiteren Fluchtgrund gab er an, er habe eine Gruppe von 20 jungen Männern mit seinem Minibus transportiert. Als sie unterwegs einen telefonischen Geldtransfer bekommen hätten, habe er E-1981/2019 Seite 7 sie verdächtigt, der Al-Shabaab anzugehören. Die herbeigerufene Polizei habe die Männer verhaftet und sein Verdacht habe sich bestätigt. Deshalb sei er ins Visier der Al-Shabaab geraten. Nach den Telefondrohungen und dem Vorfall mit den Schüssen sei er ausgereist. Den an der Befragung angeführten Fluchtgrund, die Aufklärung Jugendlicher über die Al - Shabaab, nannte er erst auf mehrmaliges Nachfragen hin. Der Erklärung des Beschwerdeführers, er habe die Clanstreitigkeiten und die Denunzia- tion der 20 Mitglieder der Al-Shabaab an der Befragung nicht erwähnt, weil die Befragung summarischer Natur gewesen sei und er sich habe kurz fas- sen müssen, kann nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer wurde wäh- rend der Befragung mehrmals nach weiteren Gründen für sein Asylgesuch und Problemen mit Dritte n gefragt. Dass er diese Vorfälle dennoch nicht erwähnt hat, ist trotz der Kürze der Befragung nicht nachvollziehbar, zumal es sich dabei um einschneidende Erlebnisse gehandelt haben dürfte. Seine Erklärung, der Vorfall mit den Schüssen sei der eigentliche Ausrei- segrund gewesen und diesen Vorfall sowie die Verfolgung durch die Al - Shabaab habe er widerspruchsfrei geschildert, vermag ebenso wenig zu überzeugen. Für die Annahme der Glaubhaftigkeit der Asylgründe ist es zentral, dass der Beschwerdeführer den Grund für die Verfolgung durch die Al-Shabaab widerspruchsfrei nennen kann. Dies war ihm indes nicht mög- lich. Hinzu kommen kleinere Ungereimtheiten. An der Befragung gab er an, er sei nach dem Vorfall mit den Schüssen nach Hause zur Ehefrau gegan- gen und habe sie über seine Ausreisepläne informiert, woraufhin sie unter Schock gestanden und geweint habe. An der Anhörung meinte er hingege- ben, er habe die Ehefrau erst nach seiner Flucht informiert. Bezüglich des Vorfalls mit der Denunziation der 20 Mitglieder der Al-Shabaab ist nicht nachvollziehbar, wie er als Chauffeur eines Minibusses während der Fahrt mitbekommen haben soll , dass einer der 20 Insassen per Telefon eine Geldüberweisung erhalten hat. Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen. 7. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis E-1981/2019 Seite 8 nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht- liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weite rreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen- stehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigen- schaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht- linge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 A bs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Somalia dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. 8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis davon aus, dass der Vollzug von Wegweisungen in den zentralen und südlichen Teil von Soma- lia grundsätzlich unzumutbar ist, ein solcher jedoch unter Umständen in die nördlichen Landesteile (Somaliland und Puntland) erfolgen kann (vgl. Urteil des BVGer E -6141/2018 vom 3. November 2018 E. 8.3.1 m.w.H.; die Rechtsprechung in BVGE 2014/27 lässt sich jedoch nur bedingt auf die vorliegende Sachverhaltskonstellation übertragen, zumal es sich vorlie- gend nicht um die Zumutbarkeit einer innerstaa tlichen Fluchtalternative handelt, sondern um die Zumutbarkeit einer Rückkehr in die ursprüngliche Herkunftsregion). Der Beschwerdeführer ist ein gesunder junger Mann. Er stammt aus B._______ und ist im Jahr 2002 nach C._______ umgezogen. Beide Orte liegen im Puntland. Er gehört dem Clan E._______ an, welcher die klare E-1981/2019 Seite 9 Mehrheit im Puntland s tellt. Seit seinem Umzug nach C._______ hat er gearbeitet; zuerst als Lastenträger, dann als Maurer und später als Chauf- feur. Er hat mit der Arbeit genug verdient, um seinen Lebensunterhalt und den seiner Frau zu bestreiten sowie seine Familie in B._______ finanziell zu unterstützen. In seinem Heimatland verfügt er mit seiner Ehefrau, sei- nen Eltern, seinen Geschwistern und weiteren Verwandten über ein gros- ses soziales Beziehungsnetz. Auch wenn der Beschwerdeführer in seinem Heimatland keine einfachen Bedingungen vorfinden wird, kann dennoch angenommen werden, dass ihm aufgrund der vorhandenen Strukturen , seines Alters und seiner Arbeitserfahrungen sowie mit den ihm zumutbaren Bemühungen die soziale und wirtschaftliche Integration gelingen wird. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zumutbar. 8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung seines Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun- desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sow ie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und Beiord nung eines Rechts- beistandes ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzu- weisen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG und aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG). 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1981/2019 Seite 10 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: David R. Wenger Eliane Kohlbrenner