<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 19 S.75</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">75</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>19 Steuerbare</b></span> <span class="ft3"><b>Nebeneinkünfte.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Nebeneinkünfte des Arbeitnehmers stellen auch dann steuerbares</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Einkommen dar, wenn sie nicht von der Arbeitgeberfirma, sondern</b></span><br/> <span class="ft3"><b>von deren Alleinaktionär stammen, aber in einem unmittelbaren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis stehen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 29. März 2007 in Sa-</span><br/> <span class="ft6">chen Kantonales Steueramt gegen Steuerrekursgericht und P.H.</span><br/> <span class="ft6">(WBE.2006.172). Zur Publikation vorgesehen in StE 2008.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">Der Steuerpflichtige konnte von S., dem Alleinaktionär seiner</span><br/> <span class="ft8">Arbeitgeberfirma X. AG, Aktien (der X. AG) zu einem Vorzugspreis</span><br/> <span class="ft8">erwerben.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">1./1.1. Steuerbar ist das gesamte Einkommen jeder Art, insbe-</span><br/> <span class="ft8">sondere "das Arbeitsentgelt mit sämtlichen Lohnzulagen und die Ne-</span><br/> <span class="ft8">benbezüge jeder Art wie Entschädigungen für Sonderleistungen,</span><br/> <span class="ft8">Dienstaltersgeschenke des Arbeitgebers, Provisionen, Gratifikatio-</span><br/> <span class="ft8">nen, Tantiemen, Trinkgelder und ähnliche Zuwendungen" (§ 22</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 lit. a aStG).</span><br/> <span class="ft8">1.2. Nebenleistungen unterliegen beim Empfänger auch dann</span><br/> <span class="ft8">der Einkommensbesteuerung, wenn sie nicht auf Grund einer ver-</span><br/> <span class="ft8">traglichen Verpflichtung, sondern freiwillig erfolgten (AGVE 2000,</span><br/> <span class="ft8">S. 134). Entscheidend für die manchmal schwierige Unterscheidung</span><br/> <span class="ft8">ist, ob sich beim Leistenden ein vom Arbeitsverhältnis unabhängiger</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">76</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Schenkungswille manifestiert, seine Leistung also nicht (sei es auch</span><br/> <span class="ft8">freiwillig und ohne rechtliche Verpflichtung) eine Leistung des un-</span><br/> <span class="ft8">selbstständig Erwerbenden abgelten soll und in diesem Sinne wirk-</span><br/> <span class="ft8">lich "unentgeltlich" ist (vgl. dazu auch StE 1989, B 21.3 Nr. 2,</span><br/> <span class="ft8">Erw. 2/a [Verwaltungsgericht Zürich]).</span><br/> <span class="ft8">Bei den steuerbaren Nebeneinkünften handelt es sich - mit Aus-</span><br/> <span class="ft8">nahme der im Gesetz ausdrücklich erwähnten Trinkgelder - in aller</span><br/> <span class="ft8">Regel um solche, die vom Arbeitgeber ausgerichtet werden</span><br/> <span class="ft8">(AGVE</span> <span class="ft8">2000, S. 133 f.; VGE II/118 vom 25. August 1995</span><br/> <span class="ft8">[BE.94.00318], S. 9). Dies stellt aber keine unabdingbare Vorausset-</span><br/> <span class="ft8">zung dar; ausnahmsweise fallen auch Leistungen Dritter darunter, so-</span><br/> <span class="ft8">fern sie einem unselbstständig Erwerbenden im (unmittelbaren wirt-</span><br/> <span class="ft8">schaftlichen) Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit, also</span><br/> <span class="ft8">auf Grund des Arbeitsverhältnisses, erbracht werden (Peter Locher,</span><br/> <span class="ft8">Kommentar zum DBG, Teil I, Therwil/Basel, 2001, Art. 17 N 20 ff.</span><br/> <span class="ft8">mit zahlreichen Hinweisen; Martin Plüss, in: Kommentar zum Aar-</span><br/> <span class="ft8">gauer Steuergesetz, 2. Aufl., Muri/Bern 2004, § 26 N 27).</span><br/> <span class="ft8">1.3. Dagegen vermögen die systematischen Einwände der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdegegner nicht aufzukommen. Auszugehen ist von der Rege-</span><br/> <span class="ft8">lung des Steuergesetzes, wonach das gesamte Einkommen jeder Art</span><br/> <span class="ft8">zu versteuern ist. Ob es sich um eigentlichen Lohn, um vereinbarte</span><br/> <span class="ft8">oder um freiwillige Nebenleistungen des Arbeitgebers oder um Leis-</span><br/> <span class="ft8">tungen Dritter handelt: ein genügend enger Konnex zur Arbeitstätig-</span><br/> <span class="ft8">keit reicht für sich alleine aus, damit steuerpflichtiges Einkommen zu</span><br/> <span class="ft8">bejahen ist. Die Motive beim leistenden Dritten spielen ausschliess-</span><br/> <span class="ft8">lich insoweit eine Rolle, als daraus auf den (bestehenden oder eben</span><br/> <span class="ft8">auch fehlenden) Konnex zur Arbeitstätigkeit geschlossen werden</span><br/> <span class="ft8">kann. Angesichts der vielen denkbaren Konstellationen liegt es auf</span><br/> <span class="ft8">der Hand, dass nicht jede durch Dritte erfolgende (reine oder ge-</span><br/> <span class="ft8">mischte) Schenkung von Aktien an einen Arbeitnehmer der AG zu</span><br/> <span class="ft8">identischen Steuerfolgen führt. Es ist im weiteren nicht systematisch</span><br/> <span class="ft8">zwingend, dass der Besteuerung als Einkommen beim Empfänger die</span><br/> <span class="ft8">steuerliche Abzugsfähigkeit beim Leistenden gegenüber steht, was</span><br/> <span class="ft8">sich schon aus der ausdrücklichen Nennung der Trinkgelder in § 22</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 lit. a aStG ergibt. Die Rückgriffe auf die Steuerfreiheit von</span><br/> <span class="ft8">privaten Kapitalgewinnen (§ 23 lit. i aStG) schlagen nicht durch, da</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">77</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">es vorliegend ausschliesslich um die Frage geht, ob der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">gegner durch den Erwerb des Aktienpakets zum Vorzugspreis steuer-</span><br/> <span class="ft8">bares Einkommen erzielte, nicht darum, was er danach mit den Ak-</span><br/> <span class="ft8">tien machte und ob er sie mit Gewinn oder mit Verlust veräussern</span><br/> <span class="ft8">konnte.</span><br/> <span class="ft8">2. Im vorliegenden Fall war der Beschwerdegegner seit 1990</span><br/> <span class="ft8">Geschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrats der X. AG.</span><br/> <span class="ft8">Mitte 2000, als er vom Alleinaktionär S. das Aktienpaket erhielt,</span><br/> <span class="ft8">"war - unausgesprochen - klar, dass in ein paar Jahren eine Nachfol-</span><br/> <span class="ft8">geregelung realisiert werden musste"; dies schloss die Möglichkeit</span><br/> <span class="ft8">eines Verkaufs der Gesellschaft zumindest mit ein; tatsächlich stand</span><br/> <span class="ft8">ein solcher im Vordergrund. Der Alleinaktionär konnte damit den</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdegegner, der massgeblich zum Geschäftserfolg beigetra-</span><br/> <span class="ft8">gen hatte, in dieser wichtigen Phase weiterhin an das Geschäft bin-</span><br/> <span class="ft8">den, was für den Geschäftsgang im Hinblick auf Verkaufsverhand-</span><br/> <span class="ft8">lungen wichtig war; zudem mochte die Geste dazu dienen, sich die</span><br/> <span class="ft8">Loyalität des Beschwerdegegners zu sichern, für den sonst ein hoher</span><br/> <span class="ft8">Verkaufspreis für die Aktien viel weniger wichtig gewesen wäre als</span><br/> <span class="ft8">die Möglichkeit, in seiner gut bezahlten Stellung bei der X. AG zu</span><br/> <span class="ft8">bleiben, und auch die zukünftige Tätigkeit des Beschwerdegegners</span><br/> <span class="ft8">(positiv) zu beeinflussen. Obwohl somit auch persönliche Interessen</span><br/> <span class="ft8">des Alleinaktionärs erkennbar sind, ist der Bezug zur Firma doch</span><br/> <span class="ft8">sehr eng, zumal die erwähnten Interessen des Alleinaktionärs die er-</span><br/> <span class="ft8">folgreiche Weiterarbeit des Beschwerdegegners in der Firma zum In-</span><br/> <span class="ft8">halt hatten und ausserdem eine besondere Anerkennung für die bis-</span><br/> <span class="ft8">her geleisteten Dienste in dieser Situation ebenfalls nahe lag (nach</span><br/> <span class="ft8">den Aussagen des Beschwerdegegners war seine Beteiligung an der</span><br/> <span class="ft8">Firma schon seit längerer Zeit vorgesehen; ob dafür der übliche Weg</span><br/> <span class="ft8">einer Mitarbeiterbeteiligung durch die X. AG selber für S. steuerlich</span><br/> <span class="ft8">günstiger gekommen wäre, wie die Beschwerdegegner geltend ma-</span><br/> <span class="ft8">chen, kann keine Rolle spielen). Auch wenn der Fall für die Abgren-</span><br/> <span class="ft8">zung zwischen Einkommens- und Schenkungssteuer nicht ganz ein-</span><br/> <span class="ft8">deutig liegen mag, ist für das Verwaltungsgericht der Konnex zur</span><br/> <span class="ft8">Tätigkeit (auch der künftigen) des Beschwerdegegners für seine Ar-</span><br/> <span class="ft8">beitgeberfirma X. AG eng genug, um den Verkauf von Aktien zum</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">78</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Vorzugspreis als steuerbare Nebenleistung im Sinne von § 22 Abs. 1</span><br/> <span class="ft8">lit. a aStG zu behandeln.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>