B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3734/2013/was U r t e i l v o m 2 0 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiberin Sara Steiner. Parteien A._______, geboren (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Mai 2013 / N (…). D-3734/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben gemäss ihren Heimat- staat am 28. September 2012 und reiste über Nepal, wo sie zirka sechs Monate geblieben sei, und weitere ihr unbekannte Länder am 2. April 2013 in d ie Schweiz, wo sie gleichentags ein Asylgesuch einreichte. Am 18. April 2013 wurde sie summarisch befragt und am 21. Mai 2013 ei n- lässlich angehört. Dabei gab sie an , sie sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie. Sie stamme aus dem Dorf B._______, Gemeinde C._______, Be- zirk D._______, Präfektur Shigatse und habe dort bis zur Ausreise mit ih- ren Eltern, ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern gelebt. Sie habe in der Landwirtschaft gearbeitet; die Schule habe sie nicht besucht. Auf die Fr a- ge nach Identitätspapieren gab sie an, einen Pass habe sie nie besessen und ihre Identitätskarte habe sie in C._______ gelassen. Es werde schwierig diese Papiere zu beschaffen, weil sie keinen Kontakt mehr h a- be. Zu ihren Asylgründen trug sie im Wesentlichen vor , s ie ha be am 26. September 2012 nachts mit einer Freundin in der Gemeinde bei e i- nem Verwaltungsgebäude Bilder vom Dalai Lama und Plakate aufgeklebt, auf denen gestanden habe "Lang lebe der Dalai Lama" , "Tibet soll frei werden" und dass der Dalai Lama nach Tibet z urückkehren solle . Ihre Freundin habe das geschrieben. Als die Behördenvertreter das am nächsten Tag gemerkt hätten, hätten sie mit der Suche begonnen. Sie habe vom Mann ihrer Freundin erfahren, dass sie die Person nach der Handschrift suchen würden. Deshalb seien sie am Abend geflohen. B. Im Auftrag des BFM wurde am 25. April 2013 mittels eines Telefon - Interviews eine Sprach - und Herkunftsanalyse mit der Beschwerdeführe- rin durchgeführt (sogenannte Lingua-Analyse). Der Sachverständige kam in seinem landeskundlich -kulturellen sowie linguistischen Herkunftsgu t- achten vom 6. Mai 2013 zum Schluss, die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin im behaupteten geographischen Raum gelebt haben könnte, sei klein. Sie habe ein allgemeines Wissen. Die Antworten träfen, wenn überhaupt, so selten genau zu. Sobald es um einzelne konkrete Dinge und Begriffe des tibetischen Alltags gehe, zeige sich, dass sie d a- mit nicht vertraut sei. Anlässlich der Anhörung vom 21. Mai 2013 gewähr- te das BFM der Beschwerdeführerin zum Abklärungsergebnis der Lingua-D-3734/2013 Seite 3 Analyse das rechtliche Ge hör. Die Beschwerdeführerin hielt dabei an ih- ren Aussagen fest, in Tibet aufgewachsen zu sein und bis zu ihrer Ausrei- se dort gelebt zu haben. C. Mit Verfügung vom 30. Mai 2013 – am gleichen Tag eröffnet – wies das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, ordnete die Wegwe i- sung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung unter Au s- schluss der Volksrepublik China an. D. Mit Eingabe vom 29. Juni 2013 erhob die Beschwerdeführerin gegen die- sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung, eventualiter die Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung sowie subeventu- aliter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme zufolge Unzulässigkeit (subjektive Nachflu chtgründe), Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs. I n formeller Hinsicht ersuchte sie um unentgeltli- che Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Verwaltungsverfahrens- gesetz (VwVG, SR 172.021) sowie um die Wiederherstellung der au f- schiebenden Wirkung der Beschwerde. E. Mit Verfügung vom 4. Juli 2013 stellte die Instruktionsrichterin fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, verschob das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt, forderte die Beschwerdeführerin auf, eine Be - stätigung ihrer Mittellosigkeit einzureichen, und v erzichtete auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses. F. Mit Eingabe vom 12. Juli 2013 wurde die eingeforderte Fürsorgebestät i- gung zu den Akten gereicht. G. In seiner Vernehmlassung vom 16. Juli 2013 hielt das BFM an seinen E r- wägungen fest. H. In ihrer Replik vom 29. Juli 2013 nahm die Beschwerdeführerin zur Ve r- nehmlassung des BFM Stellung. D-3734/2013 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 Verwaltungsgerichtsgesetz (VGG, SR 173.32) beu r- teilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurte i- lung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungs ersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundesge- richtsgesetz [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des recht serheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als D-3734/2013 Seite 5 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seiner abweisenden Verfügung führte das BFM im Wesentlichen aus, die seitens der Beschwerdeführerin geltend gemach- ten Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten. Die auf der Basis der lande s- kundlich-kulturellen Analyse erstellte Evaluation der Fachstelle Lingua komme zusammenfassend zum Schluss, dass die Hauptsozialisation der Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich nicht in der geltend gemachten Gemeinde C._______, sondern sehr wahrscheinlich ausserhalb der A u- tonomen Region Tibet stattgefunden habe. Die Beschwerdeführerin, so halte die Evaluation fest, mache lücken- und fehlerhafte Aussagen vor al- lem in den Bereichen Landeskunde und Alltag. So sei sie nicht in der L a- ge gewesen, die Landschaft ihrer Heimat zu benennen, was sie unzutre f- fend damit begründet habe, dass sie aus einem Dorf sei und daher nicht viel wisse. Zudem sei sie immer zu Hause gewesen und kenne sich d a- her in ihrem Herkunftsgebiet nicht gut aus. Die zum Teil guten Kenntnisse der Beschwerdeführerin im Themenbereich Landwirtschaft relativiere die Evaluation allerdings mit dem Hinweis, es handle sich hierbei um allg e- meine Aussagen beziehungsweise überwiegend um lernbares Wissen, da die Aussagen auch auf Regionen ausserhalb Tibets zu träfen. Hinsichtlich der Zubereitung von Speisen, verwende die Beschwerdeführerin statt e i- nes tibetischen Begriffs ein Wort, welches bei Exilti betern in Indien in Gebrauch sei. Eine Tibeterin, die wie sie behaupte, noch vor wenigen Monaten ausnahmslos in T ibet im von ihr genannten Sozialisationsraum gelebt haben wolle, hätte das kaum getan. Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs habe die Beschwerdeführerin mehrheitlich ihre bereits zuvor gemachten Aussagen wiederholt und abermals betont, dass sie sehr abgelegen gewohnt habe. Des Weiteren sei sie immer zu Hause D-3734/2013 Seite 6 gewesen. Sie habe die Feststellungen des Experten jedoch nicht in Frage zu stellen vermocht. Die Feststellung der Lingua-Evaluation entzögen den geltend gemachten Ausreise - und Asylgründen die Grundlage. Die die s- bezüglichen, anlässlich der Anhörung gemachten, der Logik und der al l- gemeinen Erfahrung zuwiderlaufenden, unsubstanziierten und wide r- sprüchlichen Aussagen untermauerten die Ergebnisse dieser Evaluation zusätzlich. Auch die Schilderung des Reiseweges falle höchst unsubstan- ziiert und unglaubhaft aus. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie habe Tibet illegal von E._______ aus verlassen. Allerdings habe sie nicht angeben können, durch welche Ortschaften sie dorthin gekommen sei. Auch habe sie den Aufenthalt in E._______ weder zeitlich fixieren noch schildern können, was sie dort erlebt und gesehen habe. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin anders als von ihr g e- schildert nach Europa gekommen sei. Vorliegend lägen au ch keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. Da nicht geglaubt werden könne, dass die Beschwerdeführerin zur Hauptsache im Tibet gelebt und sich bis zu ihrer Ausreise dort aufgehalten habe, könne auch nicht von einer illegalen Ausreise aus China ausgegangen werden. Die Ausführungen von BVGE 200 9/29 seien daher auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar. In mehreren analogen Fällen ha be das Bundesver- waltungsgericht das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen ve r- neint. 4.2 Die Beschwerdeführerin hielt dem entgegen, die Begründung des BFM basiere hauptsächlich auf Befunden, welche "als sehr wahrschei n- lich" formuliert würden und somit als nicht fundiert und nicht überzeugend gelten könnten. Ihre Aussagen seien stets widerspruchsfrei und glaubhaft gewesen. Zur Feststellung, dass sie trotz Aufforderung keine gültigen Pa- piere habe einreichen können, hielt sie fest, dass dies nicht möglich sei. Es sei für Tibeter allgemein schwierig Dokumente zu organisieren. Dies würden auch Berichte von unabhängigen Organisationen bel egen. Sie könne ihre Familie nicht kontaktieren, da sie in den Augen der chines i- schen Regierung ein Staatsfeind sei und ihre Familie somit zusätzlich in Gefahr käme und verdächtigt würde, Kontakte mit Separatisten zu pfl e- gen. Die Telefonverbindungen in Tib et würden abgehört. Die Lingua - Analyse bringe keine gesicherten Kenntnisse hervor und müsse als illeg i- time Feststellung betrachtet werden, welche nicht der Wahrheit entspr e- che. Im unangekündigten Telefoninterview mit einem Tibetisch spreche n- den Mann, welch er sich während dem Telefonat nicht vorgestellt habe, habe sie sich unter Druck gesetzt und zu verschiedenen Aussagen g e-D-3734/2013 Seite 7 drängt gefühlt. Bei dem Interview handle es sich zudem um einen Tibeter aus der Provinz Kham, welcher Kham -Dialekt spreche. Sie stamme a us der Provinz Ü-Tsang, wo ein anderer Dialekt gesprochen werde. Er kenne sich sicher nicht in ihrer Region und mit ihren Bräuchen aus, da er nie dort gelebt habe. Ihre Begründung, wonach sie die Landschaft in ihrer Heimat nicht habe benennen können, weil sie aus einem Dorf gewesen sei und daher nicht viel wisse, sei durchaus zutreffend. In Tibet gäbe es nicht dieselbe Infrastruktur wie in der Schweiz. Daher sei die Mobilität stark eingeschränkt. Zudem habe sie keine Schule besucht und zu Hause gearbeitet. Eine weitere Mutmassung sei, dass ihre Kenntnisse der Landwirtschaft auf lernbarem Wissen beruhen sollten und auch in and e- ren Regionen zutreffend seien. Es sei offensichtlich, dass auch in and e- ren Ländern Landwirtschaft betrieben werde und deshalb könne di eses Argument nicht valide sein. Das Argument, wonach sie bei der Zubere i- tung von Speisen ein Wort verwendet habe, welches nicht einem tibet i- schen Begriff entsprechen solle, könne sie nicht bestätigen. Zudem eri n- nere sie sich kaum an den Inhalt des Intervi ews aufgrund des immensen Drucks, unter welchem sie gestanden habe. Es gelte ausserdem zu b e- rücksichtigen, dass sie einige Zeit mit Sherpas in Nepal gelebt habe, w o- bei es durchaus möglich sei, dass sie dabei gewisse Begriffe unbewusst adaptiert habe. An der Anhörung habe sie ihre Aussagen widerspruchsfrei wiederholt. Dass sie die Feststellungen des Expert en nicht in Frage g e- stellt habe, sei darauf zurückzuführen, dass es sich unter Tibetern nicht gehöre, eine Autorität anzuzweifeln. Diese Gehorsamkeit sei a uch au f- grund der chinesischen Besetzung nicht verwunderlich. Bei der Darste l- lung des Fluchtweges könne nicht verlangt werden, jegliche Details zu kennen. Es seien der ausserordentliche Zustand und die emotionalen Be- lastungen zu berücksichtigen. Ausserdem s ei die Flucht nicht im Voraus geplant gewesen. Auf der Flucht habe sie unter ständiger Angst gelitten, verhaftet zu werden. Deshalb sei sie stets abseits grosser Ortschaften geblieben. Sie habe sich dem Schlepper anvertraut, der über die Reis e- details Bescheid gewusst habe und sich nicht damit beschäftigt. Im Wei- teren erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft gemäss Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 2 durch ihre illegale Ausreise aus dem Tibet aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe. 4.3 In seiner Vernehmlassung führte das BFM aus, die Beschwerdeführe- rin gebe nicht an, inwiefern und wo der Sachverhalt unrichtig und unvol l- ständig festgestellt worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht anerke n- ne die Lingua -Analysen als schriftliche Auskünfte von Drittpersonen und D-3734/2013 Seite 8 messe ihnen einen erhöhten Beweiswert zu, sofern bestimmte Anford e- rungen an fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität der Expe r- ten, wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbar keit der Analyse erfüllt seien. Die Einwände der Beschwerdeführerin zur Lingua - Evaluation seien falsch. Es werde diesbezüglich auf die Protokolle und das rechtliche Gehör in der Anhörung verwiesen. Dass sie sich eing e- schüchtert und unter Druck gefühlt habe , habe sie im rechtlichen Gehör wider Erwarten mit keinem Wort zur Sprache gebracht. Weiter seien die Aussagen der Beschwerdeführerin nicht widerspruchsfrei und glaubhaft gewesen. Hierzu könne auf die Protokolle verwiesen werden. Zum Re i- seweg könne von einer Tibeterin, die ihr ganzes Leben im Tibet verbracht haben wolle, trotz der geltend gemachten Emotionen erwartet werden, dass sie diesen detaillierter schildern könnte, als sie das in der Anhörung getan habe. Gleiches gelte für den Aufenthalt in Nepal, wo sie über länge- re Zeit geblieben sei. Zwar sei gemäss EMARK 2005 Nr. 1 auf eine ch i- nesische Staatsangehörigkeit zu schliessen, wenn im Einzelfall als erstellt zu erachten sei, ein Gesuchsteller sei tibetischer Ethnie. Indessen könne allein die Tatsache, da ss die Beschwerdeführerin tibetischer Ethnie sei und Tibetisch spreche natürlicherweise keinen hinreichenden Beweis für die chinesische Staatsbürgerschaft darstellen. Die geltend gemachte Staatsbürgerschaft sei nicht belegt, weil sie es bis heute ohne plau sible Erklärung unterlassen habe, den Asylbehörden Identitätsdokumente ei n- zureichen, obwohl sie mehrfach schriftlich und mündlich auf diese Pflicht aufmerksam gemacht worden sei. Es sei deshalb davon auszugehen, dass sie zwar ethnische Tibeterin, aber nich t chinesische Staatsbürgerin sei. Schliesslich sei aufgrund der widersprüchlichen, unsubstanziierten und damit nicht glaubhaften Ausführungen zur Reise in die Schweiz d a- von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin anders als in der geschi l- derten Weise in di e Schweiz gelangt sei. Auch die Behauptung, ihre F a- milie in Tibet zwecks Papierbeschaffung nicht kontaktieren zu können, sei irrelevant, da davon ausgegangen werden müsse, dass ihre Familie au s- serhalb Tibets ansässig sei. 4.4 In ihrer Replik hielt die Beschwer deführerin dem entgegen, sie habe in ihrer Beschwerde Abschnitt für Abschnitt den Sachverhalt erläutert und richtiggestellt. Das BFM hingegen weise alle Einwände zurück, ohne j e- doch spezifische Begründungen zu geben, stattdessen werde nur auf die Protokolle verwiesen. Wie schon in der Beschwerde erwähnt, sei die fachliche Qualifikation des Experten für diesen bestimmten Fall zu hinte r- fragen. Dass sie nie gesagt habe, sich eingeschüchtert und unter Druck gefühlt zu haben, rühre daher, dass es in China nicht üblich sei, Behö r-D-3734/2013 Seite 9 den zu widersprechen und sie zu hinterfragen. Die Auffassung des BFM, wonach ihre Aussagen widerspruchsvoll und unglaubwürdig seien, werde weder in der Verfügung noch in der Vernehmlassung mit einem Beispiel untermauert. Eine detaillierte Beschreibung des Reisewegs könne weiter nicht als Voraussetzung dafür gelten, dass sie ihr ganzes Leben in Tibet verbracht habe. Vielmehr bestätige ihr fundiertes Wissen über die Lan d- wirtschaft und somit über das alltägliche Leben, dass sie bis zu ihrer Flucht in Tibet gelebt habe. Genauere Auskünfte über den Reiseweg zu geben, sei im Westen selbstverständlich, da hier mit Reise n zum Beispiel Urlaub- oder Geschäftsreisen gemeint seien. Beide würden exakt g e- plant, träten häufig auf und seien folglich kaum mi t einer spontanen Flucht vergleichbar. Probleme mit der Schilderung des Fluchtwegs kön n- ten durchaus durch Emotionen begründet werden. Zudem sei sie vor ihrer Flucht noch nie gereist und habe blind dem Schlepper vertraut. Das BFM habe angemerkt, dass die Ta tsache, dass sie tibetischer Ethnie sei und Tibetisch spreche keinen hinreichenden Beweis für die chinesische Staatsbürgerschaft darstelle. Genauso wenig aber könne dies beweisen, dass sie eine andere Staatsangehörigkeit habe. Hierbei wolle sie noch einmal die Schwierigkeit betonen, Dok umente aus Tibet zu beschaffen. Weiter werde ohne jegliche Beweisgrundlage behauptet, dass ihre Fam i- lie ausserhalb des Tibets ansässig sei. Dies sei nicht wahr. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügen d substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüc h- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder u n- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrhe it nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt D-3734/2013 Seite 10 der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalt s- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist a uf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f.; BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 5.2 Zum Aussageverhalten der Beschwerdeführerin allgemein kann fes t- gehalten werden, dass sie oft allgemeine, sehr kur ze und zuweilen au s- weichende Antworten gab. So erstreckte sich ihre freie Erzählung zu den Asylgründen bei der Befragung gerade mal auf vier Zeilen (vgl. Akten des BFM A6 S. 8). An der Anhörung sagte die Beschwerdeführerin sogar z u- nächst nur zwei Sätze zu ihren Asylgründen: "Bei uns ist es sehr schwi e- rig zu leben. Die Chinesen machen uns grosse Probleme, deshalb bin ich dann weggegangen." (vgl. A17 F10). Auf Bitte der BFM -Mitarbeiterin, sie solle ihre Asylgründe ausführlich darlegen, wurde sie zwar etwas ausführ- licher, von einer detaillierten, erlebnisreichen Erzählung kann aber den- noch nicht gesprochen werden. Im Zusammenhang mit der geltend g e- machten Flugblattaktion zu Gunsten des Dalai Lama entstehen denn auch erhebliche Zweifel an deren Glaubhaftigkeit. So fällt zunächst auf, dass die Beschwerdeführerin immerzu angab, ihre Freundin hätte gehan- delt. Sich selber stellt sie immer als passive Person dar. Zudem habe sie nur an dieser einen Aktion teilgenommen. Es scheint nicht nachvollzie h- bar, wieso die Beschw erdeführerin, offenbar politisch gänzlich unintere s- siert und relativ ungebildet, sich auf einmal für eine einzelne politische Ak- tion derart in Gefahr bringen sollte. So vermag die Beschwerdeführerin denn auch den Abend, an dem sie die Bilder und Flugblätte r ans Verwal- tungsgebäude geklebt hätten , in keinster Weise lebhaft zu beschreiben, sodass der Eindruck entstehen würde, sie hätte die Aktion tatsächlich miterlebt (vgl. A17 F33ff.). In diesen Zusammenhang fällt auch auf, dass die Beschwerdeführerin angibt, es habe dreissig Minuten gedauert, um zehn Bilder und sechs bis acht Flugblätter aufzukleben (vgl. A17 F37ff.). Realistischerweise würde eine solche Aktion, bei der die Beschwerdefü h- rerin ja ein grosses Risiko einging, aber viel schneller über die Bühne g e- hen. Weiter gilt es darauf hinzuweisen, dass die Behörden zu dem Zei t- punkt, als die Beschwerdeführerin geflohen ist, noch keinerlei Hinweise auf die Täterschaft hatten und die Beschwerdeführerin auch nicht suc h- ten. Dass sie, wie von ihr angegeben, anhand der Handschrift hätte iden- tifiziert werden sollen, scheint wenig wahrscheinlich. Auch zum Entschei- dungsprozess, der zur Ausreise führte, und zur Organisation der Flucht D-3734/2013 Seite 11 machte die Beschwerdeführerin sehr kurze und allgemeine Aussagen : Auf die Frage, wie s ie die Flucht organisiert hätten , antwortete sie : "Am Morgen haben wir von den Unruhen beim Büro gehört. Am gleichen Abend sind wir weggegangen." Auf die Anschlussfrage, was zwischen den Unruhen und der Flucht geschehen sei , entgegnete sie : "Meine Freundin und ich haben hin und her geredet und haben dann entschi e- den, zu fliehen." (vgl. A17 F 53 f.). Das Gleiche gilt für ihre Ausführungen zur Flucht selber. Der Befrager muss te immer wieder neue Anschlussfra- gen stellen, weil die Beschwerdeführerin stets nur m it kurzen Sätzen ant- wortete (vgl. A17 F55 ff.) . Auf die Frage, wie sie die Ausreise so schnell habe organisieren können, wusste die Beschwerdeführerin keine Antwort (vgl. A17 F67). Dass eine Flucht, wie in der Beschwerde geltend g e- macht, nicht mit einer Fe rien- oder Dienstreise verglichen werden kann , ist selbsterklärend und den hiesigen Behörden auch bekannt. So muss man denn auch nicht jegliche Details wiedergeben können. Dennoch kann trotz der emotionalen Belastungen erwartet werden, dass gewisse Aussagen über den Fluchtweg gemacht werden kön nen, auch wenn der Schlepper sich um die Reisedetails gekümmert habe. Bei den sehr al l- gemeinen und kurzen Ausführungen der Beschwerdeführerin entsteht aber in keiner Weise der Eindruck, sie hätte diese Flucht tatsächl ich sel- ber erlebt. So sagte sie beispielsweise auf die Frage, wo sie sich in E._______ aufgehalten habe: "In der Nähe des Flus ses.", u nd auf die Rückfrage, was sie dort gesehen habe: " In der Ferne konnte ich kleine Dörfer sehen. Beim Fluss selber war nicht viel." Auf die Frage, wie es von da weiter gegangen sei , antwortete sie : "…Von E._______ aus bin ich etwa zwei Stunden mit dem Sherp a gelaufen. Dazwischen musste ich durch einen Wald und um einen Berg rumlaufen." (vgl. A17 F73 ff.). Auch über den Ort in Nepal, wo sie sechs Monate geblieben sei, weiss die B e- schwerdeführerin nicht mehr auszusagen, als dass der Ort ein bisschen am Rande e iner Stadt gewesen sei. Einen Namen oder eine Adresse wusste sie zunächst nicht zu nennen (vgl. A17 F79 ff.). Erst als sie mit der Unglaubhaftigkeit ihrer Aussagen konfrontiert wurde, gab sie an, sie habe in F._______ gewohnt (vgl. A17 F87 f.). 5.3 Diese Zweifel an den Asylvorbringen der Beschwerdeführerin werden durch das Resultat der Lingua-Analyse gestützt. Bei der vom BFM in Auf- trag gegebenen Sprach - und Herkunftsanalyse wurden sowohl die sprachlichen Fähigkeiten als auch landeskundlich -kulturelle Kenntnis se der Beschwerdeführerin geprüft. Bei einer solchen Lingua -Analyse han- delt es sich zwar nicht um ein Sachverständigengutachten im Sinne von Art. 12 Bst. e VwVG (vgl. hierzu Art. 57 - Art. 61 des Bundesgesetzes D-3734/2013 Seite 12 vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilpro zess [BZP , SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um eine schriftliche Auskunft einer Drit t- person im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. Das Bundesverwaltungsgericht misst einer Lingua -Analyse jedoch erhöhten Beweiswert zu, sofern b e- stimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten sowie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvol l- ziehbarkeit erfüllt sind, denen eine solche Prüfung zu entsprechen hat (vgl. zur Publikation vorgesehenes Urteil des BVGer E-2981/2012 vom 20. Mai 2014). Die vorliegend zu beurteilende Lingua -Analyse ist fundiert und mit einer überzeugenden sowie ausgewogenen Begründung versehen, die zu ke i- nen Beanstandungen Anlass gibt. Zudem bestehen an der fachlichen Qualifikation des Sachverständigen keine Zweifel, weshalb der vorliegen- den Sprach- und Herkunftsanalyse nach den erwähnten Kriterien erhö h- ter Beweiswert zugemessen und von ihrer inhaltlichen Richtigkeit und Vollständigkeit ausgegangen wird. Der Sachverständige kam in seinem landeskundlich-kulturellen sowie linguistischen Herkunftsgutachten vom 6. Mai 2013 zum Schluss, die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerd e- führerin im behaupteten geographischen Raum gelebt haben könnte, sei klein. Sie habe ein allgemeines Wissen. Die Antworten träfen, wenn überhaupt, so selten genau zu. Sobald es um einzelne konkrete Dinge und Begriffe des tibetischen Alltags gehe, zeige sich, dass sie damit nicht vertraut sei. Anlässlich der Anhörung vom 21. Mai 2013 hatte die B e- schwerdeführerin Gelegenheit, sich zu den Erkenntnissen Lingua- Analyse zu äussern, vermochte diese aber nicht überzeugend zu wide r- legen (vgl. A17 F92 ff.) . Auch i n der Beschwerdeeingabe werden keine stichhaltigen Entgegnungen vorgebracht. Dem Argument der Beschwer- deführerin, sie habe sich während des Interviews unter Druck gesetzt g e- fühlt, kann nicht gefolgt werden. Wie das BFM richtig festhält, hatte sie an der Anhörung Gelegenheit, sich zum Resultat der Lingua -Analyse zu äussern, sagte aber nichts von ein er Drucksituation. Ihre Erklärung, das liege daran, dass in China Behörden nicht angezweifelt würden, vermag nicht zu überzeugen, zumal sie nun auf Beschwerdeebene genau dies zu tun in der Lage ist. Auch die fachliche Qualifikation des Experten ist vo r- liegend nicht anzuzweifeln. Zwar stammt er aus einer anderen Provinz als die Beschwerdeführerin und spricht einen anderen Dialekt, hat aber auch Kenntnisse der Sprache im Shigatse-Gebiet. Während des Interviews ha- be er die Beschwerdeführerin von ihrer Sprache her gut verstanden und sich ihrer Sprechweise etwas angepasst. Sprachliche Missverständnisse habe es keine gegeben. Den in der Analyse festgehaltenen Kenntnissen D-3734/2013 Seite 13 des Experten ist durchaus zu entnehmen, dass er sich in der Region der Beschwerdeführerin und mit ihren Bräuchen auskennt. Ihre Begründung, wonach sie die Landschaft in ihrer Heimat nicht habe benennen können, weil sie aus einem Dorf gewesen sei, keine Schule besucht und zu Hause gearbeitet habe und daher nicht viel wisse, vermag nicht zu erklären, wieso sie die unmittelbare Umgebung ihres Wohnortes nicht beschreiben kann. Auch ist das Argument valide, ihre Kenntnisse der Landwirtschaft beruhten auf lernbarem Wissen, auch wenn auch in anderen Ländern Landwirtschaft betrieben wird. Das Argument, wona ch sie bei der Zub e- reitung von Speisen ein Wort verwendet habe, welches nicht einem tibeti- schen Begriff entsprechen solle, kann die Beschwerdeführerin nicht be s- tätigen. Offenbar kann sie sich aber ohnehin kaum an den Inhalt des I n- terviews erinnern. Aus der schriftlichen Analyse geht jedenfalls hervor, dass sie ein Wort benutzte, welches bei Exiltibetern in Indien in Gebrauch ist. Schliesslich vermag auch das Argument, sie habe einige Zeit mit Sherpas in Nepal gelebt und eventuell gewisse Begriffe adaptiert, nicht zu überzeugen. Gemäss ihren Aussagen hat sie nur sechs Monate in Nepal gelebt, nachdem sie zuvor 36 Jahre in Tibet gelebt haben will und jeden- falls nie in Indien, wo das entsprechende Wort gebräuchlich ist. Ergän- zend kann festgehalten werden, dass s ich auch aus den Antworten an der Befragung und der Anhörung Zweifel an der Herkunft der Beschwe r- deführerin ergaben, insbesondere auch durch die Tatsache, dass die B e- schwerdeführerin kein Chinesisch spricht (vgl. A17 F84 ff.). 5.4 Gestützt werden die Erkenntni sse des Lingua -Gutachtens durch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin keine Identitätsdokumente einrei- chen konnte. Dass die Beschwerdeführerin ihre Familie in Tibet nicht kon- taktieren könne, vermag angesichts der obigen Erwägungen nicht zu überzeugen. 5.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführe- rin zwar tibetischer Ethnie ist, ihre geltend gemachten Vorbringen hi n- sichtlich des Ortes ihrer hauptsächlichen Sozialisation, der illegalen Aus - reise aus Tibet und ihrer Asylvorbringen insgesamt der Glaubhaftigkeit entbehren. Folglich ist es ihr mangels glaubhafter Hinweise nicht gelu n- gen, für den Zeitpunkt ihrer Ausreise eine individuelle asylrechtlich rel e- vante Verfolgung, die sie in ihrer Heimat vor ihrer Ausreise erlitten habe oder in beg ründeter Weise zukünftig habe befürchten müssen, nachz u- weisen oder glaubhaft zu machen. D-3734/2013 Seite 14 6. 6.1 Hinsichtlich der Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin hielt das BFM fest, allein die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin tibetischer Ethnie sei und Tibetisch spreche, stelle keinen hinreichenden Beweis für ihre chinesische Staatsbürgerschaft dar. Die geltend gemachte Staat s- bürgerschaft sei nicht belegt, weil sie es bis heute ohne plausible Erkl ä- rung unterlassen habe, den Asylbehörden Identitätsdokumente einzurei- chen, obwohl sie mehrfach schriftlich und mündlich auf diese Pflicht au f- merksam gemacht worden sei. Es sei deshalb davon auszugehen, dass sie zwar ethnische Tibeterin, aber nicht chinesische Staatsbürgerin sei. 6.2 In EMARK 200 5 Nr. 1 wurde festgehalten , auf eine chinesische Staatsangehörigkeit sei zu schliessen, wenn im Einzelfall als erstellt ge l- te, dass eine asylsuchende Person tibetischer Ethnie sei. Dies sei selbst dann anzunehmen, wenn Hinweise dafür bestehen würden, dass die asylsuchende Person in den exil -tibetischen Gemeinden in Indien oder Nepal gelebt habe, da in der Regel nicht davon ausgegangen werden könne, Exil -Tibeterinnen und -Tibeter würden in diesen Ländern die Staatsangehörigkeit erwerben. Ohne triftige Anhalt spunkte könne eine andere als die chinesische Staatsangehörigkeit weder als erwiesen noch überhaupt als wahrscheinlich erachtet werden (EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.1 - 4.3). 6.3 Im Urteil E-2981/2012 des Bundesverwaltungsgerichts wurden die dem obenerwähnten EMARK-Entscheid zugrundeliegenden länderspezi- fischen Begebenheiten überprüft respektive aktualisiert und die erwähnte Rechtsprechung präzisiert. Nach ausführlichen Abhandlungen über die Situation der Exil -Tibeterinnen und -Tibeter in Nepal (E. 5.6) und Indien (E. 5.7) – insbesondere in Bezug auf den Erwerb der jeweiligen Staat s- angehörigkeit und die Möglichkeiten eines legalen Aufenthalts – wurde zusammenfassend festgestellt, dass für Angehörige der tibetischen Ethnie sowohl in Nepal als auch i n Indien die Mögl ichkeit bestehe, unter gewissen Bedingungen eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, bezi e- hungsweise dass es unter engen Voraussetzungen auch möglich sei, die entsprechende Staatsangehörigkeit zu erwerben, womit die chinesische Staatsangehörigkeit – durch den Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit – wegfalle. Daneben müsse aber davon ausgegangen werden, dass ein grosser Teil der in Nepal und Indien lebenden Exil -Tibeterinnen und - Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit erworben hätten und nach wie vor die chinesische Staatsangehörigkeit besässen. D-3734/2013 Seite 15 Für asylsuchende Personen tibetischer Ethnie, welche unglaubhafte A n- gaben über ihren angeblichen Sozialisierungsraum in China machen, b e- stehen gemäss E-2981/2012 grundsätzlich folgende mögliche Konstell a- tionen bezüglich der Staatsangehörigkeit : a. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit ohne Aufenthaltsbewill i- gung in Nepal oder Indien (blosse Duldung im betreffenden Drittstaat); b. Besitz der chinesischen Staatsangehörigkeit mit entsprechender Au f- enthaltsbewilligung im Drittstaat Nepal oder Indien; c. Besitz der Staatsangehörigkeit von Nepal oder von Indien (und damit einhergehendem Verlust der chinesischen Staatsangehörigkeit). Daraus ergebe sich folgendes Prüfschema: Besitzt die betreffende Person die chinesische Staatsangehörigkeit und verfügt sie gleichzeitig über eine Aufenthaltsberechtigung im Drittstaat Nepal oder Indien (Konstellation b) oder wird die Person im betreffenden Drittstaat zumindest gelduldet (Konstellation a), wäre eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31 a Abs. 1 Bst. c AsylG durch die Asylbehörden möglich, vorausgesetzt die asylsuchende Person legt den schweizerischen Behörden alle Fakten im Verfahren dar. Bei der Konstel- lation b) dürften im Regelfall die Voraussetz ungen der Drittstaatenreg e- lung gegeben sein. Hat der tibetische Asylsuchende die Staatsangehörigkeit von Nepal oder Indien erlangt (Konstellation c), hat die betreffende Person die chines i- sche Staatsangehörigkeit nicht respektive nicht mehr, zumal sie gem äss chinesischer Rechtsprechung durch den Erwerb einer anderweitigen Staatsbürgerschaft die chinesische Nationalität verliert. Diesfalls wäre die Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf Nepal beziehungsweise Indien zu prüfen. Vermutungsweise gilt, dass die asy lsuchende Person im Land i h- rer (neu erlangten) Staatsangehörigkeit keine asylrelevante Gefährdung zu befürchten hat, wenn sie keine entsprechenden Vorbringen glaubhaft vorträgt (E-2981/2012 E. 5.8). 6.4 Die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmöglicht ein tibet i- scher Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien i n- nehat, kann namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a D-3734/2013 Seite 16 Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Durch die Verheimlichung und Verschleie- rung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der Flüchtlingseige n- schaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (E-2981/2012 E. 5.9). 6.5 Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, wie sie im bis dahin Gültigkeit beanspruchenden Entscheid in EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.3 publiziert wurde, wurde in E-2981/2012 wie folgt präzisiert: bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheiml i- chen, ist vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen (E-2981/2012 E. 5.10). 6.6 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und damit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betr achtet werden und – wiederum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29), ist für alle Exil -Tibeterinnen und -Tibeter ein Voll zug nach China auszuschliessen (E-2981/2012 E. 5.11). 7. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin, welche unbestrittenermassen ti- betischer Ethnie ist, unglaubhafte Angaben zu ihrer Sozialisierung, zu ih- rer wahren Herkunft und zu ihren bisherigen Aufenthaltsorten vor der Ein- reise in die Schweiz gemacht. Aufgrund dieser unglaubhaften Angaben kann seitens der Asylbehörden nicht eruiert werden, welche der in E. 6.3 genannten Fallkonstellationen auf sie zutrifft. Dadurch hat sie die ihr ob- liegende Mitwirkungspflicht verletzt. Die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet – wie bereits festgehalten – ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Vorli e- gend verunmöglicht die Beschwerdeführerin durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehat, beziehungsweise die Prüfung, welche Staatsangehörigkeit sie besitzt. Durch dieses Verhalten verunmöglicht die Beschwerdeführerin eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG beziehu ngsweise eine Prüfung ihrer allfälli- gen Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf Nepal oder Indien. D-3734/2013 Seite 17 Die Beschwerdeführerin hat die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung ins o- fern zu tragen, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche ni chts gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufen t- haltsort, da die Beschwerdeführerin keine konkreten, glaubhaften Hinwei- se geliefert hat, die gegen eine entsprechende Rückkehr sprechen wü r- den. Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen tibetischer Ethn ie ist und dadurch auch die Möglichkeit nicht auszuschliessen ist, dass sie die chinesische Staatsangehörigkeit besitzt, ist vorliegend der Wegweisungs- vollzug nach China auszuschliessen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese stellte jedoch mit ihrer Beschwerde ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Gemäss dieser Bestimmung wird von der Erhebung von Verfahrenskosten abgesehen, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihre Vorbringen nicht au s- sichtslos erscheinen. Durch die eingereichte Fürsorgebestätigung vom 9. Juli 2 013 wird die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin belegt. Nach dem Gesagten sind ihre Begehren auch nicht als aussichtslos zu erac h- ten. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist demnach gutzuheissen. (Dispositiv nächste Seite) D-3734/2013 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Ein Wegweisungsvollzug nach China wird ausgeschlossen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner Versand: