Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. November 2017 (720 17 52 / 299) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung der medizinischen Akten Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1975 geborene A.____ arbeitet seit 1. Januar 2006 als “Allrounderin“ (Vertretung der Geschäftsführung, Bürotätigkeit, Materialtransp ort) bei der B.____ GmbH. Am 8. Januar 2015 meldete sich A.____ unter Hinweis auf einen im Juni 2014 erlittenen Bandscheibenvorfall bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Ab- klärung der gesundheitlichen und der erwerblichen V erhältnisse ermittelte die IV-Stelle Basel- Landschaft bei der Versicherten einen Invaliditätsg rad von 0 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte die IV-Stelle - nach durchgeführtem Vorbesch eidverfahren - mit Verfügung vom 17. Januar 2017 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 18. Februa r 2017 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht). Darin beantragte sie, es sei ihr ab 1. Juli 2015 eine halbe Rente zuzusprechen. Allenfalls seien die angefochtene Verfügung aufzuheben, eine interdisziplinäre Begutachtung im Auf trag der IV-Stelle durchzuführen und anschliessend ein neuer Entscheid zu erlassen; alles unter Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 28. April 2017 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 18. Februar 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.1 Die IV-Stelle zog im Rahmen der Abklärung des med izinischen Sachverhalts die Akten der C.____ Versicherungs-Gesellschaft AG, des Krankentagg eldversicherers der Beschwerde- führerin, bei. Diese hatte im Zusammenhang mit der Be urteilung ihrer Leistungspflicht bei Dr. med. D.____, Rheumatologie FMH, eine fachärztlich e Begutachtung der Versicherten in Auftrag gegeben. In seinem rheumatologischen Gutachten, welches er am 6. März 2015 erstat- tete, erhob Dr. D.____ folgende Diagnosen: (1) Lumb oradikuläres Reizsyndrom mit/bei (1.1) Diskushernie L5/S1 und Kompression der Wurzel S1 links (MRI 24.06.2014), (1.2) grosse Dis- kushernie paramedian links L5/S1 mit S1-Kompression links (MRI 22.01.2015), (1.3) langsame Regredienz der Schmerzsymptomatik unter konservativer Physi otherapie, (1.4) lebhafte Mus- keleigenreflexe und keine sensomotorische Defizite, (1 .5) Lasègue in sitzender und liegender Stellung negativ (links bei 90° leichtes Ziehen); (2) Mä ssige degenerative Veränderung L4 bis S1 beidseits; (3) Chronifizierungstendenz bei psychosozia ler Belastung; (4) Ängstlich depressi- ve Entwicklung bzw. Anpassungsstörung (Dr. E.____ 10.12.20 14); (5) Panikstörung, Neuro- dermatitis und Klaustrophobie; (6) Status nach Vestibul arisausfall rechts im Jahr 2006. Im Zu- sammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit d er Versicherten in der angestammten Tätigkeit wies Dr. D.____ einleitend darauf hin, dass in Bezug auf die beruflichen Aufgaben der Versicherten differenziert werden müsse. Diese sei nicht nur als Bürofachfrau tätig (Sachbear- beiterin), sondern sie müsse weitere Leistungen erbring en. So helfe sie beim Heben von Appa- raten und sie bringe Geräte zur Reparatur oder hole b estellte Geräte ab, da ihr Ehemann, in dessen Betrieb sie arbeite, stark überlastet und häufig ausserhalb von Basel tätig sei. Vor die- sem Hintergrund könne die Arbeitsfähigkeit der Exploran din wie folgt beurteilt werden: Die fest- gestellten bzw. diagnostizierten Beschwerden würden die Tätigkeit der Versicherten als reine Bürofachfrau (Sachbearbeiterin) nur geringfügig bee inträchtigen. Bei Arbeiten mit repetitivem Heben von schweren Lasten oder Arbeiten in gebückter Hal tung bestehe eine höhergradige Beeinträchtigung. Zurzeit sei die Versicherte im Rahmen von 40 % arbeitsfähig. Sein Vorschlag, die Tätigkeit sukzessive auf 50 % zu steigern, sei von de r Explorandin mit diversen Begründun- gen abgelehnt worden. Sie fühle sich nicht in der Lage , ihre Tätigkeit zu steigern, auch nicht versuchsweise. Er sei aber der Auffassung, dass die Versicher te ihr Arbeitspensum steigern könne und solle, dies vor allem um die Belastbarkeit zu p rüfen, was in der Regel durch eine neurologische und rheumatologische Untersuchung beurteil t werden könne. Aus seiner Sicht könne die seit Juni 2014 mit wechselndem Einsatz (zurzeit 6 0 %) bestehende Arbeitsunfähig- keit nicht länger vertreten werden. Sein Vorschlag lau te dahingehend, die Arbeitsfähigkeit für die Dauer von ca. zwei Wochen von 40 % auf 50 % zu ste igern, danach sei bei gutem Verlauf eine weitere Steigerung auf 70 % vorzunehmen, dies für die Dauer von ca. vier Wochen. Schliesslich sollte das ursprüngliche Arbeitspensum errei cht werden. Diese Einschätzung er- folge aus rein somatischer Sicht. Die Frage, inwiefern d ie psychosoziale Situation eine Rolle spiele und die Motivation negativ beeinflusse, lasse er o ffen. ln einer alternativen, wechselbe- lastenden Tätigkeit, bei der keine Gewichte von mehr als 5 bis 10 kg zu heben seien und bei welcher repetitives Bücken, Arbeiten in gebeugter Halt ung oder eine wiederholte Zwangshal- tung der Wirbelsäule vermieden würden, wäre die Versi cherte mindestens 80 % arbeitsfähig. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Darauf habe sich die Explorandin aber nicht eingelassen. Sie habe von einer alternativen Tätig- keit nichts wissen wollen. 4.2 Die IV-Stelle gelangte in der angefochtenen Verf ügung vom 17. Januar 2017 gestützt auf das beigezogene Gutachten von Dr. D.____ vom 6. Mär z 2015 zur Auffassung, dass der Versicherten die Ausübung einer leidensadaptierten leich ten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit in Wechselbelastung im Umfang von 100 % zumut bar sei. Diese Beweiswürdigung ist insofern nicht ganz korrekt, als Dr. D.____ die Explorand in in einer solchen Verweistätigkeit nicht zu 100 %, sondern lediglich im Umfang von „minde stens 80 %“ arbeitsfähig erachtete. Die IV-Stelle begründet in der angefochtenen Verfügung in keiner Weise, weshalb sie nicht von die- ser gutachterlichen Einschätzung, sondern von einer leicht höheren Arbeitsfähigkeit ausgegan- gen ist. Auf diese Differenz in der gutachterlichen und der vorinstanzlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist nun allerdings nicht weiter einzug ehen, wirkt sich diese doch im Ergebnis nicht auf den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin a us (vgl. dazu E. 5 hiernach). Es kann deshalb letztlich offen bleiben, ob bei der Versicherte n richtigerweise von einer Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit von 100 % oder aber von einer solchen von „min- destens 80 %“ auszugehen ist. 4.3 Abgesehen vom geschilderten, den Rentenanspruch let ztlich aber nicht beeinflussen- den Aspekt ist die vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht zu beanstanden. Das Gutachten von Dr. D.____ vermag zwar nicht restlos zu überzeugen, sowei t es sich zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der bisher ausgeübten Tätigkeit als “Allrounderin“ (Vertretung der Geschäftsfüh- rung, Bürotätigkeit, Entgegennahme und Transport von Geräten) äussert. Dies dürfte zum Teil darin liegen, dass diese Tätigkeit im Hinblick auf die kö rperliche Beanspruchung ganz verschie- dene Anforderungsprofile beinhaltet. So umfasst sie z um einen körperlich leichte Tätigkeiten wie Büroarbeiten, zum andern aber auch körperliche mit telschwere bis gelegentlich sogar schwere Arbeiten wie das Heben von Apparaten oder die Entgegennahme und den Transport von bestellten oder reparierten Geräten. Nicht gänzlich nachvollziehbar sind die Ausführungen des Gutachters im Weiteren, weil er zwar eine Einschätzun g der Arbeitsfähigkeit vornimmt, gleichzeitig aber auch zum Ausdruck bringt, dass vor eine r abschliessenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit „die B elastbarkeit zu prüfen“ sei. Dieser “Vorbe- halt“ des Gutachters relativiert die Schlüssigkeit der Ein schätzung der Arbeitsfähigkeit im bishe- rigen Beruf doch erheblich. Nichtsdestotrotz kommt dem Gutachten von Dr. D.____ vorliegend aber aus den nachfolgenden Überlegungen ausschlaggebender Beweiswert zu. 4.4 Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 2.2 hiervor) defini ert Art. 6 ATSG die Arbeitsunfä- higkeit zwar als die durch eine Beeinträchtigung der körp erlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbe- reich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer D auer ist jedoch gemäss Satz 2 dieser Bestimmung auch die zumutbare Tätigkeit in einem ander en Beruf oder Aufgabenbereich zu berücksichtigen. Im Hinblick auf die Beurteilung eines IV -Rentenanspruchs haben sich die Be- richt erstattenden Ärztinnen und Ärzte deshalb nicht nur zur Arbeitsfähigkeit der versicherten Person im bisherigen Beruf zu äussern, sie haben vielmehr auch zur Frage Stellung zu neh- men, ob und in welchem Umfang die versicherte Person in anderen, ihr zumutbaren Tätigkeiten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht (sog. Verweistätigkeiten) arbeitsunfähig ist. Vorliegen d hat Dr. D.____ in seinem Gutachten vom 6. März 2015 in ausreichendem Masse zu diesen Fragen S tellung genommen und er hat diese - was letztlich für die Verwertbarkeit des Gutachtens ausschlagegebend ist - auch schlüs- sig und nachvollziehbar beantwortet. Dabei ist er gestützt auf seine Untersuchungen und die medizinische Aktenlage zum Ergebnis gelangt, dass die Bes chwerdeführerin - in Berücksichti- gung ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen - in einer wechselbelastenden Tätigkeit, bei der keine Gewichte von mehr als 5 bis 10 kg zu heben seien und bei welcher repetitives Bücken, Arbeiten in gebeugter Haltung oder eine wiederholte Zwangshaltung der Wirbelsäule vermieden würden, im Umfang von mindestens 80 % arbeitsfähig sei . In Bezug auf diese Einschätzung ist das Gutachten von Dr. D.____ nicht zu beanstanden, beruh t diese Zumutbarkeitsbeurteilung doch auf allseitigen Untersuchungen und berücksichtigt d ie geklagten Beschwerden. Sie ist zudem in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, sie l euchtet in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinisch en Situation ein und sie ist in den Schlussfolgerungen, d.h. in der Annahme einer Arb eitsfähigkeit von „mindestens 80 %“ in einer den gesundheitlichen Beeinträchtigungen angepassten Verweistätigkeit, überzeugend. 4.5 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, vermag die gu tachterliche Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Verweistä tigkeit nicht in Frage zu stellen. Sie beruft sich im Wesentlichen auf die Einschätzungen von Prof. Dr. med. F.____, Neurochirurgie FMH, welcher der Versicherten ab Januar 2015 eine Arbeitsunf ähigkeit von 60 % und ab Juli 2015 (letztmals mit Zeugnis vom 10. Mai 2016) bis auf Weiteres eine solche von 70 % attestiert hatte. Daraus kann die Versicherte jedoch für den vorliegend zur Diskussion stehenden Rentenan- spruch nichts zu ihren Gunsten ableiten. Diese Arbeitsunfäh igkeitsbeurteilungen beziehen sich ganz offensichtlich auf die bisherige Tätigkeit der Versi cherten als “Allrounderin“. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit in einer zumutbaren Verweistätigkeit, die nach dem vorstehend Gesagten allein massgebend ist, äusserte sich Prof. Dr. F.____ jedoch nich t. Ebenfalls keinen Anlass zu einer anderen Beurteilung gibt schliesslich der von der Beschwe rdeführerin angerufene Bericht von Dr. med. E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 10. Dezember 2014. Darin diag- nostizierte dieser bei der Versicherten eine ängstlich-d epressive Entwicklung bzw. Anpas- sungsstörung. Er attestierte ihr aber aus psychiatrischer Si cht keine andauernde relevante Be- einträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Er hielt diesbezüglich einzig fest, dass es langfristig der Ge- sundheit der Patientin abträglich sei, neben der Betreuung des Haushaltes und der Familie wie- der ein 100 %-Pensum zu leisten. Es sei besser, langfrist ig mit einem 80 %-Pensum zu planen. In Anbetracht der von Dr. E.____ erhobenen, eher als leicht zu bezeichnenden psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, denen keine Auswirkung au f die Arbeitsfähigkeit zukommt, hatte die IV-Stelle im Rahmen des Abklärungsverfahrens auch keine Veranlassung, den Ge- sundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherte n zusätzlich auch aus psychiatrischer Sicht begutachten zu lassen. 4.6 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so besteht ke in Anlass, dem (Eventual-) Antrag der Beschwerdeführerin zu entsprechen und diese in terdisziplinär begutachten zu las- sen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Bewei sabnahme. Beweise sind im Rahmen die- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsache n abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelang t das Gericht bei pflichtgemässer Be- weiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unt erlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinr eichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit ver bundene antizipierte Beweiswürdi- gung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 60 E. 3.3, 122 V 157 E. 1d). 5.1 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 h iervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgr und eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen. Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 17. Januar 2017 den erforderli- chen Einkommensvergleich vorgenommen. Da die Versicherte seit Eintritt der Gesundheits- schädigung keine zumutbare leidensadaptierte Verweistäti gkeit ausübt, hat die IV-Stelle das Invalideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabellenl öhne der Schweizerischen Lohnstruk- turerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik festgesetzt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Auf diese Wei se hat sie ein zumutbares Invalidenein- kommen von Fr. 68‘923.-- errechnet. Anschliessend hat sie diesen Betrag dem Validenein- kommen von Fr. 68‘000.-- gegenüber gestellt und so eine n rentenausschliessenden Invalidi- tätsgrad von 0 % ermittelt. Die konkrete Berechnung, d ie von der Versicherten in der vorliegen- den Beschwerde nicht beanstandet worden ist, erweist sich als rechtens. Unter diesen Umstän- den kann hier von weiteren Erörterungen zum vorinstanzli chen Einkommensvergleich abgese- hen und stattdessen auf die entsprechenden Ausführung en der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 17. Januar 2017 verwiesen werden. 5.2 Ebenfalls zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsg rad gelangt man im Übrigen, wenn man entgegen der von der IV-Stelle vertretenen Auffassung nicht von einer vollständigen, sondern gestützt auf das Gutachten von Dr. D.____ ledi glich von einer 80 %-igen Arbeitsfähig- keit der Versicherten in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit ausgeht. In diesem Fall beläuft sich der Invaliditätsgrad bei einem unveränderten Valid eneinkommen von Fr. 68‘000.-- und ei- nem zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 55‘138.-- auf 19 %. 5.3 Sowohl der von der IV-Stelle in der angefochtene n Verfügung ermittelte Invaliditätsgrad von 0 % als auch der vorstehend errechnete Invaliditätsgr ad von 19 % liegen deutlich unter dem für einen Rentenanspruch mindestens erforderlichen Invaliditätsgrad von 40 %. Im Ergeb- nis hat die IV-Stelle somit einen Rentenanspruch der V ersicherten zu Recht abgelehnt. Die ge- gen die betreffende Verfügung vom 17. Januar 2017 er hobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlic h auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel de r unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht