<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 65" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 65</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Polizeirecht</span> <span class="page_no">461</span> </div> <div class="page" id="S461"> <span class="text"><b>I. Polizeirecht </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>65 </b> <b>Polizeiliche Wegweisung </b></span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Maximale Dauer der Wegweisung bei einer Behinderung der polizei-</b></span><br/> <span class="text">lichen Tätigkeit (Erw. 3.2) und dem begründeten Verdacht einer Ge-</span><br/> <span class="text">walteskalation (Erw. 3.3) </span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Voraussetzungen für die Anordnung einer präventiven Wegweisung</b></span><br/> <span class="text">(Erw. 4) </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats in Sachen Y.Z. gegen den Entscheid</span><br/> <span class="text">des Departements Volkswirtschaft und Inneres (Kantonspolizei) vom 23. Mai</span><br/> <span class="text">2018 (RRB Nr. 2018-000559).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">Gemäss § 34 Abs. 1 PolG kann die Polizei Personen vorüberge-</span><br/> <span class="text">hend von einem Ort wegweisen oder fernhalten, wenn diese die</span><br/> <span class="text">öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gefährden oder stören</span><br/> <span class="text">(lit. a), den Einsatz von Polizeikräften, Feuerwehren oder Rettungs-</span><br/> <span class="text">diensten behindern (lit. b) oder andere Personen ernsthaft gefährden</span><br/> <span class="text">(lit. c). Keine Voraussetzung für die Wegweisung und Fernhaltung ist</span><br/> <span class="text">das Vorliegen einer strafbaren Handlung.</span><br/> <span class="text">Mit dieser Bestimmung wird bezweckt, Personen von Örtlich-</span><br/> <span class="text">keiten vorübergehend fernzuhalten, wenn diese eine ernsthafte und</span><br/> <span class="text">unmittelbare konkrete Gefährdung oder Störung anderer Personen,</span><br/> <span class="text">von Sicherheitskräften oder der öffentlichen Sicherheit und Ordnung</span><br/> <span class="text">darstellen (Botschaft des Regierungsrats des Kantons Aargau an den</span><br/> <span class="text">Grossen Rat vom 5. März 2004 zum Gesetz über die Gewährleistung</span><br/> <span class="text">der öffentlichen Sicherheit, S. 41). Zweck einer Wegweisung oder</span><br/> <span class="text">Fernhaltung ist der Schutz von Polizeigütern; eine solche kann über</span><br/> <span class="text">den Wortlaut von § 31 Abs. 1 PolG hinaus auch präventiv motiviert</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">462</span> </div> <div class="page" id="S462"> <div role="main"> <span class="text">sein, um eine konkrete und erhebliche Gefahr abzuwehren (RRB Nr.</span><br/> <span class="text">2016-001084 vom 21. September 2016, Erw. 2). Die Polizei ist daher</span><br/> <span class="text">nicht gehalten zu warten, bis eine gefährliche Situation eskaliert. An-</span><br/> <span class="text">ders ausgedrückt kann sie auch bereits vor einer Eskalation eingrei-</span><br/> <span class="text">fen, wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass die öffentliche</span><br/> <span class="text">Ruhe und Ordnung gestört werden könnte. Ein präventives Eingrei-</span><br/> <span class="text">fen bedingt jedoch einen begründeten Verdacht einer Eskalation.</span><br/> <span class="text">Nicht zulässig ist demgegenüber ein Eingreifen ohne hinreichenden</span><br/> <span class="text">Verdacht (BGE 132 I 49, Erw. 6.3; MARKUS H.F. MOHLER, Grund-</span><br/> <span class="text">züge des Polizeirechts der Schweiz, Basel 2012, N. 554, 558). Bloss</span><br/> <span class="text">abstrakte Gefährdungen reichen daher nicht aus (AGVE 2009,</span><br/> <span class="text">S. 497; ANDREAS BAUMANN, Aargauisches Polizeigesetz, Praxis-</span><br/> <span class="text">kommentar, Aarau 2006, N. 388).</span><br/> <span class="text">Nach § 3 VRPG müssen alle Entscheide das öffentliche Interes-</span><br/> <span class="text">se wahren, den Verhältnissen angemessen sein und die Rechtsgleich-</span><br/> <span class="text">heit beachten. Das Verhältnismässigkeitsprinzip umfasst drei Teilge-</span><br/> <span class="text">halte: Eine Massnahme erweist sich als verhältnismässig, wenn sie</span><br/> <span class="text">geeignet ist, das im öffentlichen Interesse angestrebte Ziel zu errei-</span><br/> <span class="text">chen; die Massnahme muss zudem im Hinblick auf das im öffentli-</span><br/> <span class="text">chen Interesse angestrebte Ziel erforderlich sein. Sie hat zu unterblei-</span><br/> <span class="text">ben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den</span><br/> <span class="text">angestrebten Erfolg ausreichen würde. Die Erforderlichkeit muss in</span><br/> <span class="text">sachlicher, räumlicher und zeitlicher Hinsicht gegeben sein. Zudem</span><br/> <span class="text">ist eine Massnahme nur gerechtfertigt, wenn sie ein vernünftiges Ver-</span><br/> <span class="text">hältnis zwischen dem angestrebten Ziel und dem Eingriff wahrt, den</span><br/> <span class="text">sie für den betroffenen Privaten bewirkt (ULRICH HÄFELIN, GEORG</span><br/> <span class="text">MÜLLER, FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auf-</span><br/> <span class="text">lage, Zürich/St. Gallen 2016, N. 521 ff. mit weiteren Hinweisen).</span><br/> <span class="text">Wegweisungen und Fernhaltungen sind stets befristet. Eine Wegwei-</span><br/> <span class="text">sung wegen übermässigem Alkoholkonsum kann als präventive</span><br/> <span class="text">Massnahme erfolgen, wenn die konkrete Gefahr einer Eskalation be-</span><br/> <span class="text">steht. Eine Wegweisung deswegen ist höchstens für Stunden oder</span><br/> <span class="text">wenige Tage verhältnismässig (Beschwerdeentscheid des Departe-</span><br/> <span class="text">ments Volkswirtschaft und Inneres in AGVE 2009, S. 496 ff.).</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Polizeirecht</span> <span class="page_no">463</span> </div> <div class="page" id="S463"> <div role="main"> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">3.1</span><br/> <span class="text">Die Kantonspolizei Aargau wies den Beschwerdeführer am</span><br/> <span class="text">17. November 2017 für die Dauer eines Monats vom gesamten Stadt-</span><br/> <span class="text">gebiet von Aarau weg, wobei sie als Ausnahme dem Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="text">rer sinngemäss erlaubte, die Berufsschule Aarau zu besuchen. Den</span><br/> <span class="text">Sachverhalt und die Begründung der Wegweisung stellte sie in der</span><br/> <span class="text">angefochtenen Verfügung wie folgt dar:</span><br/> <span class="text"><i> I. Sachverhalt </i></span><br/> <span class="text"><i>Versuchte, sich einer polizeilichen Kontrolle zu entziehen. Ver-</i></span><br/> <span class="text"><i>hielt sich während der Kontrolle renitent und aggressiv. (...) </i></span><br/> <span class="text"><i>II. Begründung </i></span><br/> <span class="text"><i>Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Verhin-</i></span><br/> <span class="text"><i>derung von Straftaten. </i></span><br/> <span class="text">3.2</span><br/> <span class="text">Aus der angefochtenen Verfügung geht nicht klar hervor, ob</span><br/> <span class="text">sich die Wegweisung auf § 34 Abs. 1 lit. a oder lit. b PolG stützt. Die</span><br/> <span class="text">Sachverhaltsdarstellung lässt vermuten, dass die Kantonspolizei</span><br/> <span class="text">Aargau sich durch das dargestellte renitente und aggressive Verhalten</span><br/> <span class="text">des Beschwerdeführers in ihrer Arbeit (Personenkontrolle am Bahn-</span><br/> <span class="text">hof Aarau) behindert gefühlt hat und sie ihn aus diesem Grund in An-</span><br/> <span class="text">wendung von § 34 Abs. 1 lit. b PolG weggewiesen hat. Dazu gilt fol-</span><br/> <span class="text">gendes: Die Kantonspolizei ist ohne weiteres berechtigt, eine Person</span><br/> <span class="text">von einem Ort kurzfristig wegzuweisen, wenn sie einen Einsatz der</span><br/> <span class="text">Polizeikräfte stört oder behindert. Im vorliegenden Sachzusammen-</span><br/> <span class="text">hang legt die Polizei nachvollziehbar dar, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="text">und sein Begleiter die Polizeikontrolle durch ihr unkooperatives Ver-</span><br/> <span class="text">halten behindert haben. Das unkooperative Verhalten des Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführers und seines Begleiters dürfte auch Folge des (im Sach-</span><br/> <span class="text">verhalt der Verfügung nicht erwähnten) übermässigen Alkohol-</span><br/> <span class="text">konsums gewesen sein.</span><br/> <span class="text">Nimmt man die Behinderung der Arbeit der Kantonspolizei</span><br/> <span class="text">Aargau durch das renitente und aggressive Verhalten des Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführers als Grund für die polizeiliche Wegweisung gemäss § 34</span><br/> <span class="text">Abs. 1 lit. b PolG an, so hätte es im Sinne des Verhältnismässigkeits-</span><br/> <span class="text">prinzips zur Erreichung des Ziels der Massnahme genügt, den Be-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">464</span> </div> <div class="page" id="S464"> <div role="main"> <span class="text">schwerdeführer für die Dauer eines Abends vom Bahnhofareal oder</span><br/> <span class="text">allenfalls vom Stadtgebiet Aarau wegzuweisen und ihm nahe zu le-</span><br/> <span class="text">gen, sich nach Hause zu begeben.</span><br/> <span class="text">3.3</span><br/> <span class="text">In der Begründung des angefochtenen Entscheids weist die</span><br/> <span class="text">Kantonspolizei Aargau darauf hin, dass mit der Massnahme die</span><br/> <span class="text">öffentliche Ruhe und Ordnung aufrechterhalten sowie Straftraten</span><br/> <span class="text">verhindert werden sollen. Diese Begründung kann darauf hindeuten,</span><br/> <span class="text">dass die Kantonspolizei Aargau die angefochtene Wegweisung auf</span><br/> <span class="text">den in § 34 Abs. 1 lit. a PolG genannten Tatbestand der erheblichen</span><br/> <span class="text">Gefährdung oder Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung</span><br/> <span class="text">stützen will.</span><br/> <span class="text">Die Kantonspolizei Aargau unterlässt es aber im angefochtenen</span><br/> <span class="text">Entscheid zu begründen, inwiefern die im Sachverhalt dargelegte</span><br/> <span class="text">Handlung (versuchte Vereitelung einer polizeilichen Kontrolle, reni-</span><br/> <span class="text">tentes und unkooperatives Verhalten) im Zusammenhang mit der Be-</span><br/> <span class="text">gehung von Straftaten steht. Die Kantonspolizei macht auch nicht</span><br/> <span class="text">geltend, dass die öffentliche Ruhe und Ordnung am 17. November</span><br/> <span class="text">2017 konkret gefährdet worden wäre. Die Mitarbeitenden der Kan-</span><br/> <span class="text">tonspolizei Aargau sind denn auch gut ausgebildet und ohne weiteres</span><br/> <span class="text">in der Lage, auch mit wenig kooperationsbereiten Personen umzuge-</span><br/> <span class="text">hen. Nicht zu verkennen ist allerdings, dass ein übermässiger Alko-</span><br/> <span class="text">holkonsum die Hemmschwelle senken kann. Alkoholkonsum kann</span><br/> <span class="text">daher auch ein präventives polizeiliches Einschreiten gebieten, wenn</span><br/> <span class="text">der begründete Verdacht einer Gewalteskalation besteht. Ein solcher</span><br/> <span class="text">Verdacht manifestierte sich vorliegend im Rahmen der Polizeikont-</span><br/> <span class="text">rolle und des vom Beschwerdeführer gezeigten renitenten Verhaltens.</span><br/> <span class="text">Für die Erreichung des Ziels eines präventiven polizeilichen Ein-</span><br/> <span class="text">schreitens zur Verhinderung einer Eskalation hätte sich eine Wegwei-</span><br/> <span class="text">sung und Fernhaltung des Beschwerdeführers vom Stadtgebiet von</span><br/> <span class="text">Aarau für die Dauer von einem Tag oder von zwei Tagen gestützt auf</span><br/> <span class="text">§ 34 Abs. 1 lit. a PolG ohne weiteres als recht- und verhältnismässig</span><br/> <span class="text">erwiesen.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Polizeirecht</span> <span class="page_no">465</span> </div> <div class="page" id="S465"> <div role="main"> <span class="text">4.</span><br/> <span class="text">Der Regierungsrat hat grosses Verständnis dafür, dass öffentli-</span><br/> <span class="text">che Räume an zentraler Lage mit hoher Personenfrequenz von der</span><br/> <span class="text">zuständigen Polizei vor Störungen der öffentlichen Sicherheit und</span><br/> <span class="text">Ordnung zu schützen sind.</span><br/> <span class="text">Das Bundesgericht anerkennt, dass insbesondere die von den</span><br/> <span class="text">Drogen- und Alkoholszenen ausgehenden Erscheinungen geeignet</span><br/> <span class="text">sind, die öffentliche Ordnung und Sicherheit hochfrequentierter Orte</span><br/> <span class="text">(wie z.B. eine Bahnhofshalle) erheblich zu gefährden oder zu stören</span><br/> <span class="text">(vgl. zum ganzen auch: MOHLER, a.a.O., N. 553 ff.). Das störende</span><br/> <span class="text">bzw. gefährdende Verhalten wird darin erblickt, dass im Zusammen-</span><br/> <span class="text">hang mit Alkoholszenen regelmässig Passanten angepöbelt und aktiv</span><br/> <span class="text">behindert werden, in aggressiver Form gebettelt wird, in verschiede-</span><br/> <span class="text">nen Formen laut und störend herumgeschrien und Lärm verursacht</span><br/> <span class="text">wird und unter solchen Umständen immer wieder unkontrolliert Ab-</span><br/> <span class="text">fall und Unrat abgelagert wird. (...) (Solche Erscheinungen) wirken</span><br/> <span class="text">sich direkt auf das den öffentlichen Raum benützende Publikum aus</span><br/> <span class="text">und beeinträchtigen die Passanten in einer Weise, die offensichtlich</span><br/> <span class="text">Anstoss erregt. Über die unmittelbare Störung durch Abfall und Un-</span><br/> <span class="text">rat sowie den grossen Lärm hinaus können entsprechende Begeben-</span><br/> <span class="text">heiten Verunsicherung oder Angstgefühle hervorrufen und die</span><br/> <span class="text">Passanten zu einem Ausweichen, einem Umweg oder gar zur Benüt-</span><br/> <span class="text">zung eines anderen Bahnhofzugangs veranlassen. All dies wirkt sich</span><br/> <span class="text">unmittelbar auf die öffentliche Ordnung und Sicherheit aus und stört</span><br/> <span class="text">und gefährdet die Polizeigüter. Darüber hinaus zeigt die Erfahrung,</span><br/> <span class="text">dass es unter solchen Umständen sehr oft zu eigentlichen aktiven Be-</span><br/> <span class="text">hinderungen von Passanten und aggressivem Betteln kommt. Bei</span><br/> <span class="text">dieser Sachlage kann ein öffentliches Interesse am Schutz der</span><br/> <span class="text">Polizeigüter nicht verneint werden. Das öffentliche Interesse kann es</span><br/> <span class="text">gebieten, das den öffentlichen Raum benützende Publikum und die</span><br/> <span class="text">Passanten vor derartigen Erscheinungen zu bewahren. Es rechtfertigt</span><br/> <span class="text">sich daher im Grundsatz, entsprechende Vorkehren zu treffen und</span><br/> <span class="text">Gruppen, von denen die Gefährdungen und Störungen ausgehen,</span><br/> <span class="text">wegzuweisen und fernzuhalten (BGE 132 I 49, Erw. 7.1).</span><br/> <span class="text">Bezugnehmend auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit der</span><br/> <span class="text">Wegweisungen hält das Bundesgericht fest, dass der Grundrechtsein-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">466</span> </div> <div class="page" id="S466"> <div role="main"> <span class="text">griff nicht als schwerwiegend eingestuft werden (kann). (...) die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer (werden) durch die Wegweisungs- und Fernhalte-</span><br/> <span class="text">verfügungen in ihrer individuellen Bewegungsfreiheit nicht berührt.</span><br/> <span class="text">Sie können ungeachtet der streitigen Massnahmen den Bereich des</span><br/> <span class="text">Bahnhofs und den umschriebenen Perimeter zu beliebigen Zwecken</span><br/> <span class="text">benützen. Sie werden auch nicht daran gehindert, sich im be-</span><br/> <span class="text">zeichneten Areal zu treffen und zu versammeln und meinungs-</span><br/> <span class="text">bildende, -austauschende und -äussernde Kontakte zu pflegen, wie</span><br/> <span class="text">das möglicherweise auch andere Gruppen tun. Der Eingriff in die</span><br/> <span class="text">Versammlungsfreiheit und die persönliche Freiheit beschränkt sich</span><br/> <span class="text">vielmehr auf das mit erheblichem Alkoholkonsum gekoppelte Zu-</span><br/> <span class="text">sammenfinden und Zusammensein und die nachteiligen Begleiter-</span><br/> <span class="text">scheinungen. Solches Zusammenfinden in einer Gruppe im Bahn-</span><br/> <span class="text">hofareal stellt indes, auch unter Berücksichtigung der Menschen-</span><br/> <span class="text">würde, kein für die Versammlungsfreiheit und die persönliche Frei-</span><br/> <span class="text">heit grundlegendes Element dar. Der Grundrechtseingriff ist insoweit</span><br/> <span class="text">von geringer Tragweite (BGE 132 I 49, Erw. 7.2).</span><br/> <span class="text">Im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hält der</span><br/> <span class="text">Regierungsrat daher dafür, dass eine erhebliche Gefährdung der</span><br/> <span class="text">öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne von § 34 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="text">PolG auch dann vorliegt, wenn der begründete Verdacht besteht, dass</span><br/> <span class="text">Personen, die der gleichen Ansammlung zuzurechnen sind, die öf-</span><br/> <span class="text">fentliche Sicherheit und Ordnung gefährden oder stören.</span><br/> <span class="text">Der Bahnhof Aarau gilt als Ort, von welchem Personengruppen</span><br/> <span class="text">auch präventiv weggewiesen werden können, sofern ein Verhaltens-</span><br/> <span class="text">muster der betroffenen Personen einen Verdacht auf eine erhebliche</span><br/> <span class="text">Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung begründet. Eine</span><br/> <span class="text">örtliche (zum Beispiel Bahnhofsareal von Aarau) und auf ein Verhal-</span><br/> <span class="text">tensmuster (Gruppierungen mit Alkoholkonsum) beschränkte Mass-</span><br/> <span class="text">nahme schränkt die individuelle Bewegungsfreiheit der betroffenen</span><br/> <span class="text">Personen nicht unzulässig ein (BGE 132 I 49, Erw. 5.2, 7.1 f.) und ist</span><br/> <span class="text">daher als recht- und verhältnismässig zu bezeichnen. Da kein beson-</span><br/> <span class="text">ders grosser Grundrechtseingriff davon ausgeht, kann eine solche</span><br/> <span class="text">Wegweisung auch für eine deutlich längere Dauer ausgesprochen</span><br/> <span class="text">werden. Das Bundesgericht erachtet eine Wegweisungsdauer von</span><br/> <span class="text">drei Monaten noch als verhältnismässig (BGE 132 I 49, Erw. 7.2).</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Polizeirecht</span> <span class="page_no">467</span> </div> <div class="page" id="S467"> <div role="main"> <span class="text">Mit anderen Worten ausgedrückt hält der Regierungsrat dafür,</span><br/> <span class="text">dass die Kantonspolizei Aargau in Situationen der hier vorliegenden</span><br/> <span class="text">Art mit weniger eingreifenden, rechtmässigen Massnahmen die Si-</span><br/> <span class="text">cherheit und das Sicherheitsgefühl betroffener Personen am Bahnhof</span><br/> <span class="text">Aarau massgeblich verbessern kann. Solche Massnahmen können</span><br/> <span class="text">und sollen von der Kantonspolizei Aargau zum präventiven Schutz</span><br/> <span class="text">der öffentlichen Sicherheit und Ordnung konsequent umgesetzt wer-</span><br/> <span class="text">den.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text">6.</span><br/> <span class="text">Zusammenfassend wäre im vorliegenden Fall aufgrund der</span><br/> <span class="text">gegebenen Umstände eine Wegweisung des Beschwerdeführers aus</span><br/> <span class="text">dem Stadtgebiet von Aarau für die Dauer von zwei Tagen gestützt</span><br/> <span class="text">auf § 34 Abs. 1 lit. a und lit. b PolG recht- und verhältnismässig</span><br/> <span class="text">gewesen. Die zeitlich darüber hinausgehende Wegweisung für die</span><br/> <span class="text">Dauer eines Monats hält im vorliegenden Fall einer rechtlichen</span><br/> <span class="text">Überprüfung nicht stand.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>