Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschluss des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 22. Januar 2018 (470 17 232) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Nichtanhandnahme (Strafbare Handlungen gegen den Geheim- oder Privatbe- reich. / Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte) Aufheben von Sistierungsverfügungen Nichtanhandnahme / Wiederaufnahme einer Strafuntersuchung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Markus Mattle (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber i.V. Joël Naef Parteien A._____ und B._____, vertreten durch Advokatin Wicky Tzikas, Advokatur Landi Ruckstuhl Sami, Oberwilerstrasse 3, Postfach, 4123 Allschwil, Beschwerdeführer gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Haupt- abteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin Gegenstand Nichtanhandnahme des Verfahrens Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft über „Nichtanhandnahme und Weiteres“ vom 2. November 2017 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A._____ (fortan: Beschwerdeführer 1) und B._____ (fortan: Beschwerdeführerin 2) verlangten mit Eingabe vom 30. Juni 2017 bei der Staatsanwalts chaft Basel-Landschaft (fortan: Staatsanwaltschaft) die Aufhebung der beiden Sistierungsverfügungen der Staatsanwaltschaft vom 20. Mai 2016 betreffend die Verfahren 1._____ und 2._____ und die Wiederaufnahme der Strafuntersuchung in diesen Verfahren. Zur B egründung führten sie zusammengefasst aus, am 23. Mai 2017 habe eine Drohne mit einer Kamera zwischen 9.30 Uhr und 9.40 Uhr ihr Grun d- stück überflogen und dabei den Platz über dem Whirlpool, die Terrasse und die Fenster abg e- sucht. Die Drohne sei von einem z irka 1,75 Meter grossen und schlanken Mann gesteuert wo r- den, welcher Mitte bis Ende zwanzig Jahre alt gewesen sei und dunkelblonde bis hellbraune, kurze Haare getragen habe. Während sich der Beschwerdeführer 1 am 26. Juni (wohl: 26. Juni 2017) um 10.30 Uhr mit seinem Gärtner unterhalten habe, sei ein Mann mit einer Helmkamera auf einem Fahrrad gekommen und habe von der rechten Seite der Einfahrt ihrer Liegenschaft aus mit einer Minikamera ihr Grundstück gefilmt. Als er ihn gefragt habe, was er hier wolle, s ei er, ohne zu antworten, mit seinem Fahrrad davon gefahren. Dieser etwa 1,80 Meter grosse und schlanke sowie zirka Mitte 50 -jährige Radfahrer mit grau melierten Haaren habe eine grosse Ähnlichkeit mit C._____ von der Firma D._____ aus E._____ aufgewiesen. B. Am 25. September 2017 teilte die Staatsanwaltschaft den Beschwerdeführern unter Bezugnahme auf ihre Eingabe vom 30. Juni 2017 mit, die Angelegenheit betreffend die Fil m- aufnahmen durch den Radfahrer stelle einen neuen Vorfall dar. Diese Sache werde un ter der Verfahrensnummer 3._____ bearbeitet. Gleichzeitig bat die Staatsanwaltschaft die Beschwe r- deführer um Mitteilung bis zum 31. Oktober 2017, weshalb sie davon ausgehen würden, dass der verdächtigte Radfahrer mit seiner Helmkamera gefilmt habe. C. Die Beschwerdeführer führten in der Eingabe vom 23. Oktober 2017 an die Staatsa n- waltschaft aus, sie wüssten nicht, ob die Kamera des Radfahrers am 25. September 2017 wir k- lich gefilmt habe. Sie würden dies jedoch annehmen. Zudem verlangten die Beschwerdeführer , die Strafanzeigen mit den Verfahrensnummern 3._____, 2._____, 4._____ und 5._____ weite r- zubearbeiten bzw. die Strafverfahren wieder zu eröffnen. D. Mit Verfügung vom 2. November 2017 über „Nichtannahme und Weiteres“ betreffend das Verfahren 3._____ entschied die Staatsanwaltschaft Folgendes: „1. Das Verfahren wird in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand geno m- men. 2. Die Sistierung des Verfahrens 2._____ wird nicht aufgehoben. 3. Die Sistierung des Verfahrens 4._____ wird nicht aufgehoben. 4. Das Verfahren 5._____ wird nicht wieder aufgenommen. 5. Die Kosten gehen zu Lasten des Staates.“ Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführer am 15. November 2017 B e- schwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Strafrech t. Darin beantragen sie, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben; die Staatsanwaltschaft sei anz u- weisen, unverzüglich eine Strafuntersuchung zu eröffnen resp. die Strafuntersuchungen in den Verfahren 2._____, 4._____ und 5._____ wiederaufz unehmen und den Sachverhalt mit geei g- neten Mitteln rechtsgenüglich abzuklären; unter o/e -Kostenfolge zulasten der Staatsanwal t- schaft. F. Die Staatsanwaltschaft begehrte mit ihrer Stellungnahme vom 28. November 2017, die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen, soweit überhaupt darauf einzutreten sei. G. Die Beschwerdeführer hielten in ihrer Replik vom 1. Dezember 2017 an ihren Anträgen fest. Erwägungen I. VORBEMERKUNG Im Beschwerdeverfahren stellen sich bezüglich der Nichtanhandnahme des Verfahrens 3._____ einerseits und hinsichtlich der Nichtaufhebung der Sistierung in den Verfahren 2._____ und 4._____ sowie der Nichtwiederaufnahme des Verfahrens 5._____ andererseits jeweils unte r- schiedliche Fragen, weshalb diese Angelegenheiten im Folgenden separat beurteilt werden. II. STRAFVERFAHREN 3._____ 1. Eine Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft kann innert 10 Tagen schriftlich und begründet mittels Beschwerde bei der Dreierkammer des Kantongerichts ang e- fochten werden (Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO, Art. 396 Abs. 1 StPO und § 15 Abs. 2 EG StPO). Verlangt das Gesetz – wie vorliegend – die Begründung des Rechtsmittels, so hat gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO die Person oder die Behörde, welche das Rechtsmittel ergreift, genau anzugeben, welche Punkte des Entscheides sie anficht (lit. a), welche Gründe einen anderen Entscheid nahe legen (lit. b) und welche Beweismittel sie anruft (lit. c). Insb e- sondere hat sie schlüssig darzulegen, dass und weshalb ein Beschwerdegrund gegeben ist. Die beschwerdeführende Partei hat deshalb in der Begründung mittels eindeutiger Verweisungen auf die vorinstanzlichen Erwägungen darzulegen, in welchen Punkten der angefochtene En t- scheid nach ihrer Ansicht fehlerhaft ist ( GUIDON, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 396 N 9c; CALAME, Commentaire Romand CPP, 2011, Art. 385 N 21; BGer. 6B_280/2017 vom 9. Juni 2017 E. 2.2.2 ). Nach Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich g e- schütztes Interesse an der Aufhebu ng oder Änderung eines Entscheides hat, ein Rechtsmittel Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergreifen. Soweit sich die Beschwerde gegen die Nichtanhandnahme des Verfahrens 3._____ (Dispositiv-Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung) richtet, geben die Eintretensvoraussetzungen keinen Anlass zu Bemerkungen. In dieser Hinsicht kann demnach ohne Weiteres auf die B e- schwerde eingetreten werden. 2. Streitgegenständlich und nachfolgend zu entscheiden ist, ob die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren 3._____ zu Recht nicht an Hand genommen hat. 3.1 Mit Verfügung über „Nichtanhandnahme und Weiteres“ vom 2. November 2017 nahm die Staatsanwaltschaft das Verfahren 3._____ in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand. Zur Begründung führte sie unter anderem aus, mit Schreiben vom 30. Juni 2 017 hätten die Beschwerdeführer ihr zur Kenntnis gebracht, dass am 26. Juni 2017 ein Radfahrer mit einer Helmkamera ihre Garageneinfahrt gefilmt habe. Sie hätten daher um Wiederaufnahme des Verfahrens 6._____ (recte: 2._____) gegen C._____ (recte der Staat sanwaltschaft: unbe- kannte Täterschaft) ersucht. Auf Rückfrage der Staatsanwaltschaft hätten die Beschwerdefü h- rer mit Schreiben vom 23. Oktober 2017 präzisiert, sie würden zwar nicht wissen, ob der Ra d- fahrer gefilmt habe; dies würden sie aber sehr stark annehmen. Im Weiteren führt die Staatsanwaltschaft Folgendes aus: Der Verletzung des Geheim - und Pri- vatbereichs durch Aufnahmegeräte mache sich gemäss Art. 179 quater StGB strafbar, wer eine Tatsache aus dem Geheimbereich eines andern oder eine nicht jederman n ohne Weiteres z u- gänglich Tatsache aus dem Privatbereich eines andern ohne dessen Einwilligung mit einem Aufnahmegerät beobachte oder auf einen Bildträger aufnehme. Gemäss Praxis und herrsche n- der Lehre würden dadurch alle Tatsachen aus der höchstpersönlic hen Sphäre erfasst, die man dem Einblick anderer legitimer Weise zu entziehen pflege, wie innerfamiliäre Konflikte, sexuelle Verhaltensweisen, aber etwa auch körperliche Leiden usw. (vgl. BGE 118 IV 41, S. 46). Es sei nicht erkennbar, welche derartigen Tat sachen aus dem Privatbereich der Beschwerdeführer durch das angezeigte Verhalten der unbekannten Täterschaft aufgenommen worden sein so l- len. Wie aus der Anzeige hervorgehe, sei angeblich der Vorplatz der Liegenschaft beobachtet worden. Es sei aber eine rei ne Mutmassung der Beschwerdeführer, dass dabei Videoaufzeic h- nungen gemacht worden seien. Es handle sich dabei aber – selbst wenn Aufnahmen gemacht worden wären – nicht um Vorgänge aus dem Privatbereich. Der Tatbestand von Art. 179 quater StGB sei folglich eindeutig nicht erfüllt, weshalb das Verfahre n 3._____ in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand zu nehmen sei. 3.2 Die Beschwerdeführer bringen demgegenüber in ihrer Beschwerde vom 15. November 2017 vor, gemäss Art. 31 0 Abs. 1 StPO habe eine Nichtanhandnahmeverfügung zu ergehen, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen Stra f- tatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nich t erfüllt seien (lit. a); Verfah- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht renshindernisse bestehen würden (lit. b); oder aus den in Art. 8 StPO genannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu verzichten sei (lit. c). Der Grundsatz in dubio pro dur iore schreibe vor, dass eine Nichtanhandnahme durch die Staatsanwaltschaft nur ausgesprochen we rden dürfe, wenn klar erscheine, dass der Sachverhalt nicht strafbar sei oder nicht bestraft werden könne. Seien die Nichtanhandnahmegründe nicht mit absoluter Sicherheit gegeben, müsse ein Verfa h- ren eröffnet werden. Entsprechend komme eine Nichtanhandnahm e nur in Frage, wenn keine Untersuchungshandlungen vorgenommen werden müssten. Es müsse sich folglich allein auf- grund der Akten um sachverhaltsmässig und rechtlich klare Fälle handeln. Der Nichtanhan d- nahmegrund der eindeutigen Nichterfüllung der fraglichen Straftatbestände oder der Prozess - voraussetzungen gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO liege nur dann vor, wenn mit Sic herheit feststehe, dass der zu beurteilende Sachverhalt unter keinen Straftatbestand falle oder gar nicht verfolgbar sei. Bei blossen Zwei feln, ob ein Straftatbestand erfüllt sei oder ob der Nachweis strafbaren Verhaltens gelingen werde, dürfe keine Nichtanhandnahme erfolgen. Indem die Staatsanwaltschaft die Vorbringen der Beschwerdeführer lediglich als „Mutmassu n- gen“ bezeichne und zudem ei ne Verletzung des Privatbereichs verneine, verletze sie ihre Pflicht, dem begründeten Verdacht der Bespitzelung der Beschwerdeführer durch den verdäch- tigten Radfahrer nachzugehen. Es sei überdies schlichtweg falsch, wenn die Staatsanwaltschaft annehme, Auf nahmen des Vorplatzes ihres Hauses würden nicht in den Schutzbereich von Art. 179quater StGB fallen. Bei ihrem Vorplatz handle es sich um einen Teil ihres Privatbereiches. Die Staatsanwaltschaft schliesse voreilig darauf, die Filmaufnahme des Radfahrers würden den Tatbestand von Art. 179 quater StGB nicht erfüllen, ohne nur eine einzige Ermittlungshandlung vorgenommen zu haben, geschweige denn, den Radfahrer zu befragen und den Beschwerde- führern die Möglichkeit zum Stellen von Ergänzungsfragen gegeben zu haben. Dieses Vorge- hen verletze ihr Recht auf eine ordentliche Strafuntersuchung klar. Angesichts all dessen sei die Dispositiv-Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung aufzuheben, die Staatsanwaltschaft anzuwe i- sen, die Untersuchung im Verfahren 3._____ wieder aufzunehmen und die notwendigen Unter- suchungen vorzunehmen. 4. Gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO eröffnet die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung, wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus i h- ren eigenen Fe ststellungen ein hinreichender Tatverdacht ergibt. Sie verzichtet auf die Eröf f- nung, wenn sie sofort eine Nichtanhandnahmeverfügung oder einen Strafbefehl erlässt (Art. 309 Abs. 4 StPO). Gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nich t- anhandnahme, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind (lit. a), Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b) oder aus den in Art. 8 StPO genannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu verzichten ist (lit. c). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Frage, ob ein Strafverfahren über eine Nichtanhandnahme erledigt werden kann, beurteilt sich nach dem aus dem Legalitätsprinzip abgeleiteten Grundsatz "in dubio pro duriore" (Art. 5 Abs. 1 BV sowie Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 319 Abs. 1 und Art. 324 Abs. 1 StPO; BGE 138 IV 86 E. 4.2). Danach darf eine Nichtanhandnahme durch die Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nur in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fällen ergehen. Im Zweifel s- fall, wenn die Gründe der Nichtanhandnahme nicht mit absoluter Sicherheit gegeben sind, muss das Verfahren eröffnet werden (vgl. BGE 137 IV 285 E. 2.3; BGer. 6B_1407/2016 vom 21. Sep- tember 2017 E. 3.2). 5.1 Gemäss Art. 179 quater Abs. 1 StGB macht sich wegen Verletzung des Geheim - oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte strafbar, wer eine Tatsache aus dem Geheimbereich eines andern oder ei ne nicht jedermann ohne W eiteres zugängliche Tatsache aus dem Priva t- bereich eines andern oh ne dessen Einwilligung mit einem Aufnahmegerät beobachtet oder auf einen Bildträger aufnimmt. 5.2 Der Geheimbereich bildet den Kern der Privatsphäre und umfasst diejenigen Leben s- vorgänge, welche eine Person der Wahrnehmung und dem Willen aller Mitmenschen entziehen oder nur mit ganz bestimmten Menschen teilen will. Dazu zählen etwa innerfamiliäre Konflikte, die Entblössung des Körpers oder des Intimbereichs und körperliche Leiden (INS/WYDER, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 179 quater N 9; DONATSCH, Strafrecht III, 10. Aufl. 2013, S. 411). 5.3 Neben dem Geheimbereich fällt auch der Privatbereich im engeren Sinne unter den Schutzbereich von Art. 179 quater StGB. Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung gehört zur Privatsphäre i.e.S. eines anderen der gemäss dem Tatbestand des Hausfriedensbruchs in Art. 186 StGB geschützte private Bereich, also ein Haus, eine Wohnung, ein abgeschlossener Raum eines Hauses oder ein unmittelbar zu einem Hause gehörender umfriedeter Platz, Hof oder Garten. Wer darin unrechtmässig eindringt oder trotz der Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, verweilt, macht sich des Hausfriedensbruchs schuldig. Dringt der Täter ph y- sisch in den durch Art. 186 StGB geschützten privaten Bereich ein, um darin eine Tatsache mit einem Aufnahmegerät zu beobachten oder auf einen Bildträger aufzunehmen, so erfüllt er auch den Tatbestand der Verletzung des Geheim - oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte nach Art. 179quater StGB. Strafbar gemäss Art. 179quater StGB ist nach dessen Sinn und Zweck, wie er sich u.a. auch aus den Materialien ergibt, das Beobachten oder die Aufnahme einer im Hau s- friedensbereich stattfindenden Tatsache mit einem Aufnahmegerät aber auch dann, wenn dazu die örtliche Grenze des Hausfriedensbereichs durch den T äter nicht physisch überschritten werden muss. Gleich zu behandeln ist der Täter, der, um eine im Hausfriedensbereich stattfi n- dende und damit in die Privatsphäre i.e.S. fallende Tatsache aufzunehmen, lediglich ein rech t- lich-moralisches Hindernis überwinden muss. Mit dem "rechtlich-moralischen Hindernis" ist eine gedachte, also physisch nicht in Erscheinung tretende Grenze gemeint, die nach den hierzulan- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht de allgemein anerkannten Sitten und Gebräuchen ohne die Zustimmung der Betroffenen nicht überschritten wir d; es kann daher auch von einer für jeden anständig Gesinnten gegebenen psychologischen Barriere gesprochen werden. Die rechtlich -moralische oder psychologische Grenze stimmt nicht ohne Weiteres mit der physischen Grenze der Privatsphäre i.e.S. im Haus- friedensbereich überein. Durch Art. 179 quater StGB ist auch der unmittelbar an ein Wohnhaus angrenzende Bereich geschützt, und zwar unabhängig davon, ob dieser im Sinne von Art. 186 StGB umfriedet ist oder nicht und ob er bei Vorliegen einer Umfriedung ohne Mü he oder erst nach Überwindung des physischen Hindernisses einsehbar ist. Zum Privatbereich i.e.S. gehört nicht nur, was sich im Haus selbst, sondern auch, was sich in dessen unmittelbarer Umgebung abspielt, die von den Hausbewohnern bzw. von Drittpersonen ohne Weiteres als faktisch noch zum Haus gehörende Fläche in Anspruch genommen bzw. anerkannt wird. Zu dieser Umg e- bung gehört insbesondere auch der Bereich unmittelbar vor der Haustüre eines Wohnhauses. Der Hausbewohner, der vor die Haustüre tritt, um beis pielsweise einen dort abgestellten G e- genstand oder die Post aus einem vielfach dort angebrachten Briefkasten ins Haus zu holen, begibt sich dadurch nicht in den privatöffentlichen Bereich, sondern verbleibt in der Privatsphäre i.e.S., die durch Art. 179quater StGB jedenfalls geschützt ist. Dasselbe gilt für den Hausbewohner, der vor seine Haustüre tritt, um jemanden zu begrüssen bzw. zu empfangen (BGE 118 IV 41 E. 4e). Im Privatbereich i.e.S sind grundsätzlich alle das Eigenleben einer Person betreffenden Tatsachen vor der Beobachtung und der Aufnahme mit einem Aufnahmegerät geschützt. Es ist nicht erforderlich, dass es sich beim beobachteten oder abgebildeten Verhalten um ein solches mit einem besonderen persönlichen Gehalt, wie unordentliche Bekleidung, Ba detenue, Liebes- szene, Gesichtszüge der Trauer und dergleichen handelt (BGE 118 IV 41 E. 4f). 6. Die von der Staatsanwaltschaft vertretene Auffassung, wonach ein allfälliges Filmen des angezeigten Radfahrer mit der Helmkamera nicht unter den Tatbestand von Art. 179quater StGB zu subsumieren sei, lässt sich nicht in Einklang mit der dargelegten höchs trichterlichen Rechtsprechung bringen. Zum geschützten Privatbereich i.e.S. gemäss Art. 179quater Abs. 1 StGB zählt gemäss der Praxis des Bundesgerichts nämli ch auch der nicht umfriedete und u n- mittelbar an ein Wohnhaus angrenzende Bereich. Damit gehört auch der G aragenvorplatz der Beschwerdeführer zum geschützten Privatbereich im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB. Da- mit kann entgegen der Auffassung der Staat sanwaltschaft nicht geschlossen werden, ein allfä l- liges Aufzeichnen des Beschwerdeführers 1 auf dem Garagenvorplatz des Grundstückes der Beschwerdeführer sei in jedem Fall straflos. Aus diesem Grund kann die Nichtanhandnahme der Untersuchung nicht damit be gründet werden, ein strafbares Verhalten sei ausgeschlossen, weil der Garagenvorplatz nicht zur von Art. 179quater Abs. 1 StGB geschützten Privatsphäre zählt. Aufgrund der heutigen Aktenlage lässt sich keineswegs ausschliessen, dass der Beschwerd e- führer 1 am 26. Juni 2017 von einem Radfahrer auf dem Garagenvorplatz des Grundstückes der Beschwerdeführer mit einer Minikamera aufgezeichnet worden ist. Im Streitfall hat die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Staatsanwaltschaft zur Abklärung des Sachverhalts lediglich die Beschwerdeführer mit S chrei- ben vom 25. September 2017 gefragt, weshalb sie davon ausgehen würden, dass der verdäc h- tigte Radfahrer sie gefilmt habe. Damit hat sie den angezeigten Sachverhalt nicht ausreichend untersucht. Die Staatsanwaltschaft hat weder den Beschwerdeführer 1 no ch weitere Personen befragt, die sachdienliche Angaben zum angezeigten Vorfall machen könnten. Gegebenenfalls hätte sie neben dem Beschwerdeführer 1 den beim angezeigten Geschehen anwesenden Gärtner der Beschwerdeführer oder den von den Beschwerdeführern v erdächtigten C._____ einvernehmen können. Nach alledem folgt, dass hier kein sachverhaltsmässig und rechtlich klarer Fall vorliegt, welcher eine Nichtanhandnahme erlaubt. Vielmehr erscheint es als durchaus möglich, dass d er Beschwerdeführer 1 auf gemäss Art. 179quater Abs. 1 StGB strafbare Art und Weise von einer Drittperson gefilmt worden ist. Es besteht mithin ein hinreichender Anfangsver- dacht, welcher die Eröffnung einer Strafuntersuchung und die Vornahme entsprechender Abklä- rungen verlangt. Die Staatsan waltschaft hat demzufolge zu Unrecht eine Strafuntersuchung nicht an Hand genommen. D ie Dispositiv-Ziffer 1 der Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft über „Nichtanhandnahme und Weiteres“ vom 2. November 2017 ist somit auf zuhe- ben und die Sa che zur Durchführung einer Untersuchung an die Staatsanwaltschaft zurück zu- weisen. In dieser Untersuchung ist der beanzeigte Sachverhalt tatsächlich und rechtlich so a b- zuklären, dass die Staatsanwaltschaft das Vorverfahren abschliessen kann (vgl. Art. 308 Abs. 1 StPO). III. STRAFVERFAHREN 2._____, 4._____ und 5._____ 1. Eine die Aufhebung einer Sistierung verweigernde Verfügung der Staatsanwaltschaft sowie eine die Wiederaufnahme eines nicht an Hand genommenen Verfahrens verweigernde Verfügung der Staatsanwaltschaft kann innert 10 Tagen bei der Dreierkammer des Kantonsg e- richts, Abteilung Strafrecht, schriftlich und begründet angefochten werden (Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO, Art. 396 Abs. 1 StPO und § 15 Abs. 2 EG StPO; BGer. 1B_657/2012 vom 8. März 2013; SCHMID, Praxiskommentar StPO, 3. Aufl. 201 8, Art. 315 N 5 und Art. 323 N 14 ; LANDSHUT/ BOSSHARD, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 315 N 5 und Art. 323 N 30; RIEDO, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 315 N 9 und Art. 323 N 24). Verlangt das Gesetz – wie vorliegend – die Begründung des Rechtsmittels, so hat gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO die Person oder die Behörde, welche das Rechtsmittel ergreift, genau anzugeben, welche Punkte des Entscheides sie anficht (lit. a), welche Gründe ei nen anderen Entscheid nahe legen (lit. b) und welche Beweismittel sie anruft (lit. c). Insb esondere hat sie schlüssig darzulegen, dass und weshalb ein Beschwerdegrund gegeben ist. Die beschwerdeführende Partei hat deshalb in der Begründung mittels eindeuti ger Ver weisungen auf die vorinstanzlichen Erwägungen darzul e- gen, in welchen Punkten der ang efochtene Entscheid nach ihrer Ansicht fehlerhaft ist ( GUIDON, a.a.O., Art. 396 N 9c; CALAME, a.a.O., Art. 385 N 21 ; BGer. 6B_280/2017 vom 9. Juni 2017 E. 2.2.2). Nach Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides h at, ein Rechtsmittel ergreifen . Soweit sich Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beschwerdeführer mit ihrer Beschwerde vom 15. November 2017 gegen die am 2. November 2017 verfügte Nichtaufhebung der Sistierungen in den Verfahren 2._____ und 4._____ (Dispositiv-Ziffern 2 und 3 der angefochtenen Verfügung) sowie die am 2. November 2017 verfügte Nichtwiederaufnahme des Verfahrens 5._____ (Dispositiv -Ziffer 4 der angefoch- tenen Verfügung) wenden, haben sie rechtzeitig Beschwerde erhoben. Da die Beschwerde im Übrigen formgerecht erfolgt ist, kann ohne Weiteres auf diese eingetreten werden. 2.1 Die Beschwerdeführer tragen in der Beschwerde vom 15. November 2017 zunächst vor, die Staatsanwaltschaft habe ihre Begründungspflicht verletzt, indem sie es in der angefoch- tenen Verfügung unterlassen habe, aufzuzeigen, weshalb in den Verfahren 2._____ und 4._____ die Sistierung nicht aufgehoben sowie das Verfahren 5._____ nicht wiederaufgenom- men werde. Der von der Staatsanwaltschaft gemachte pauschale Verweis auf die Begründung zur Nichtanhandnahme des Verfahrens 3._____ genüge der Begründungspflicht nicht. 2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf recht liches Gehör. Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs folgt die Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu be- gründen (BGE 127 I 54 E. 2b; 126 I 97 E. 2b; 124 I 49 E. 3a, 241 E. 2). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich der Entscheid mit allen Parteistandpunkten ei n- lässlich ausei nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (BGE 133 II 439 E. 3.3; 130 II 530 E. 4.3; 129 I 232 E. 3.2; 126 I 97 E. 2b). 2.3 Im streitgegenständlichen Fall verlangten die Beschwerdeführer in ihrer Eingabe vom 23. Oktober 2017 an die Staatsanwaltschaft, dass die Strafanzeigen 2._____, 4._____ und 5._____ weiter untersucht bzw. wieder eröffnet würden, denn sie hätten einige Fragen an die- se(n) Unbekannten. Die Staatsanwaltschaft erwog in der Folge in der Verfügung über „Nichtan- handnahme und Weiteres“ vom 2. November 2017, aus den gleichen Gründen betreffend die Nichtanhandnahme des Verfahrens 3._____ und weil in den fraglichen Verfa hren keine neuen Erkenntnisse vorliegen würden, seien die Voraussetzungen für eine Aufhebung der Sistieru n- gen in den Verfahren 2._____ und 4._____ sowie die Wiederaufnahme des Verfahrens 5._____ nicht gegeben. Die Begründung der Staatsanwaltschaft ist zwar knapp ausgefallen. Weil die Beschwerdeführer in der Eingabe vom 23. Oktober 2017 allerdings selber keinen konkreten Grund für die Aufhebung der Sistierungen in den Verfahren 2._____ und 4._____ sowie die Wiederaufnahme des Verfahrens 5._____ aufgeführt haben, kann der Staatsanwaltschaft nicht vorgeworfen werden, sie habe sich mit den konkreten Parteistandpunkten der Beschwerdefü h- rer nicht auseinandergesetzt. Die Beschwerdeführer sind zudem in der Lage gewesen, die ge- nannte Verfügung bezüglich der hier in F rage stehenden Punkte sachgerecht anzufechten. Im Lichte all dessen erweist sich d ie Rüge der unzureichenden Begründung der angefochtenen Verfügung als unbegründet. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Im Weiteren ist strittig und zu entscheiden , ob die Sistierung der Verfahren 2._____ und 4._____ aufzuheben sowie das Verfahren 5._____ wiederaufzunehmen ist. 4.1.1 Im Verfahren 2._____ sistierte die Staatsanwaltschaft mit Sistierungsverfügung vom 20. Mai 2016 die Strafuntersuchung in Anwendung von Art. 314 Abs. 1 lit. a StPO und bestimm- te, dass die Sistierung unbefristet bzw. bis spätestens zum Eintritt der Verjährung erfolgt. Zur Begründung machte sie geltend, gemäss Anzeige vom 17. September 2014 habe eine unb e- kannte Täterschaft am 11. September 2014 um zirka 11 Uhr die Liegenschaft d er Beschwerde- führer am F._____weg 1 in G._____ unerlaubterweise betreten und eine Fotoaufnahme von der Beschwerdeführerin 2, welche sich mit H._____ in der Garage aufgehalten habe, gemacht. Es würden keine Hinweise auf eine Täterschaft vorliegen. Der in de r Anzeige als Verdächtiger g e- nannte C._____ habe die Beschwerdeführer zwar in den Jahren 2011/2012 observiert. Ab dem Jahr 2012 habe es jedoch keine solchen Observationen mehr gegeben, die im Auftrag der I._____-Versicherung stattgefunden hätten. Weitere Ermittlungsansätze würden nicht vorliegen. Die Beweise, deren Verlust zu befürchten sei, seien jedoch erhoben worden. 4.1.2 Im Verfahren 4._____ sistierte die Staatsanwaltschaft mit Sistierungsverfügung vom 20. Mai 2016 die Strafuntersuchung in Anwendung von Art. 314 Abs. 1 lit. a StPO und bestimm- te, dass die Sistierung unbefristet bzw. bis spätestens zum Eintritt der Verjährung erfolgt. Als Begründung führt sie an, gemäss Strafanzeige vom 17. September 2015 führten die Beschwe r- deführer aus, eine unbekannte Täterschaft habe sie am 13. September 2015 während einer Oldtimerveranstaltung in J._____ gefilmt, fotografiert und zudem ein von ihnen mit Bekannten geführtes vertrauliches Gespräch aufgenommen. Es würden keine Hinweise auf eine Täte r- schaft vorliegen. Der in der Anzeige als Verdächtiger genannte C._____ habe die Beschwerd e- führer zwar in den Jahren 2011/2012 observiert. Ab dem Jahr 2012 habe es jedoch keine so l- chen Observationen mehr gegeben, die im Auftrag der I._____-Versicherung stattgefunden hät- ten. Weitere Ermittlungsansätze würden nicht vorliegen. Die Beweise, deren Verlust zu befürch- ten sei, seien jedoch erhoben worden. 4.1.3 Im Verfahren 5._____ bestimmte die Staatsanwaltschaft mit der Nichtanhandnahm e- verfügung vom 20. Mai 2016, dass das Verfahren in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand genommen wird. Sie erwog hauptsächlich, mit Schreiben vom 26. August 2014 hätten die Beschwerdeführer Strafanzeige gegen mehrere unbekannte Täterschaften wegen „Bespitzelung und Stalking, unzulässigem Fotografieren, Filmen und weiteren unten geschilder- ten Sachverhalten“ gestellt. Im Wesentlichen hätten sie ausgeführt, dass sie und ihre beiden Kinder zwischen dem 1. November 2013 und dem 24. August 2014 mehrfach von verschied e- nen unbekannten Personen auf dem Vorplatz ihres Wohndomizils sowie an anderen, öffentlich zugänglichen Orten in Basel, G._____ und K._____ beobachtet und fotografiert bzw. gefilmt worden seien. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Als möglicher Straftatbestand falle die Verletzung des Geheim - oder Privatbereichs durch Auf- nahmegeräte gemäss Art. 179quater StGB in Betracht. Für allfällige Vorfälle am 5. März 2014 und am 10. Mai 2014 fehle es bereits am Erfordernis eines gültigen Strafantrags. Hier sei nicht e r- kennbar, welche Tatsachen aus dem Privatbereich im Sinne vo n Art. 179 quater StGB der B e- schwerdeführer durch das angezeigte Verhalten der unbekannten Täterschaft aufgenommen worden seien. Gemäss der Anzeige sei angeblich der Vorplatz der Liegenschaft der Beschwe r- deführer beobachtet worden und sollen Aufnahmen der B eschwerdeführer bei öffentlichen Ver- anstaltungen gemacht worden sein. Dabei handle es sich nicht um Vorgänge aus dem Privatbe- reich im Sinne von Art. 179 quater StGB. Der Tatbestand von Art. 179 quater StGB sei damit offe n- sichtlich nicht erfüllt. In Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO sei somit kein Strafverfahren an Hand zu nehmen. 4.2 Mit Verfügung über „Nichtanhandnahme und Weiteres“ vom 2. November 2017 nahm die Staatsanwaltschaft das Verfahren 3._____ in Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand, hob die Sistierung der Verfahren 2._____ sowie 4._____ nicht auf und nahm das Verfahren 5._____ nicht wieder auf. 4.3 Die Beschwerdeführer wenden dagegen in ihrer Beschwerde vom 15. November 2017 unter anderem zusammenfassend ein, sie hätten mehrfach den Verdacht geäussert, C._____ könnte etwas mit den „Bespitzelungen“ zu tun haben. Die Staatsanwaltschaft habe zwar C._____ befragt, jedoch habe sie ihn nicht in einer ordentlichen Einvernahme befragt. Vielmehr habe sie mit ihm bloss ein Gespräch geführt. Danach habe sie die Strafuntersuchung gegen C._____ eingestellt. C._____ habe selber ausgesagt, er habe die Beschwerdeführer in den Jah- ren 2011 und 2012 im Auftrag der I._____-Versicherung überwacht. Am Beispiel des Strafve r- fahrens 6._____ (recte : 2._____) möchten die Beschwerdeführer zeigen, dass verschiedene Indizien für eine tatsächliche Überwachung sprechen würden. Es bestehe ein Zusammenhang zwischen den stetigen Überwachungen (Drohnenflüge über dem Garten, Auftauchen von Pe r- sonen vor dem Gru ndstück) und der C._____ gehörenden Firma D._____. C._____ würde sie zusammen mit der Belegschaft seiner Detektivschule auch weiterhin observieren. Dies tue er, weil er eine grosse Geldsumme erhalte, wenn er unberechtigterweise Leistungen vom Staat beziehende Personen aufdecke. C._____ sei laut Columbus Finder als Hochzeitsfotograf unter www.l_____.ch registriert. Dort sei auch M._____ aufgeführt. Dieser wohne seit dem Jahr 2007 in der N._____ in G._____ und sei sowohl privat als auch geschäftlich mit C._____ verbandelt. Es bestehe der Verdacht, dass die Drohnen vom Grundstück von M._____ gekommen seien. Sie hätten in ihren vielseitigen Anzeigen der letzten Jahre jeweils klar aufgezeigt, dass sie den Verdacht hegen würden, von Drittpersonen bespitzelt zu werden. Sie hätten der Staatsanwal t- schaft Personen genannt, welche diese Annahmen bekräftigen könnten. Leider sei bislang ke i- ne dieser Personen befragt worden. Sie hätten unter anderem angegeben, dass sie im Se p- tember/Oktober 2011 von Unbekannten abgehört worden seien. Ein Unbekannter habe sich mit einer zirka 10 Meter langen Stange mit einem Mikrophon direkt vor ihr Grundstück gelegt. Sie würden über eine grosse Anzahl an Indizien verfügen, welche aufzeigen könnten, dass e ine Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bespitzelung auch heute noch stattfinde. Sie könnten zudem verschiedene Personen nennen, die ausdrücklich bereit wären, auszusagen. O._____ habe ihnen mehrfach berichtet, dass am 16. August 2011 und früher ständig ein schwarzer Golf (BS 7_____ ) mit einem Mann mit Perü- cke vor seinem Haus gestanden und ein sehr langes Objektiv auf ihre Einfahrt gerichtet habe. Derselbe Golf sei auch bei P._____ immer wieder aufgetaucht und die Kamera der Person im Fahrzeug sei ebenfalls auf ihr Haus gerichtet gewesen. Her r Q._____, ein Nachbar von P._____, habe den Beschwerdeführern mitgeteilt, er werde die Polizei rufen, um diese Person wegzuschicken. In Anbetracht der gesamten Umstände seien die Voraussetzungen von Art. 310 Abs. 1 StPO auf keinen Fall gegeben. Es scheine offenkundig nicht als klar, dass der a n- zeigte Sachverhalt nicht strafbar sei oder nicht bestraft werden könne. Aufgrund dessen seien die Dispositiv-Ziffern 2, 3 und 4 der angefochtenen Verfügung aufzuheben, die Staatsanwal t- schaft anzuweisen, die Untersuch ungen in den Verfahren 2._____, 4._____ sowie 5._____ wieder aufzunehmen und die notwendigen Untersuchungshandlungen vorzunehmen. 5. Nachstehend ist zunächst zu entscheiden, ob die Sistierung der Verfahren 2._____ und 4._____ aufzuheben ist. 5.1 Gemäss Art. 314 Abs. 1 StPO kann die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung sisti e- ren, namentlich wenn die Täterschaft oder ihr Aufenthalt unbekannt ist oder andere vor - übergehende Verfahrenshindernisse bestehen (lit. a); der Ausgang des Strafverfahrens von einem anderen Verfahren abhängt und es angebracht erscheint, dessen Ausgang abzuwarten (lit. b); ein Vergleichsverfahren hängig ist und es angebracht erscheint, dessen Ausgang abz u- warten (lit. c); ein Sachentscheid von der weiteren Entwicklung der Tatfolgen abhän gt (lit. d). Gemäss Art. 315 Abs. 1 StPO nimmt die Staatsanwaltschaft von Amtes wegen eine sistierte Untersuchung wieder an die Hand, wenn der Grund der Sistierung weggefallen ist. 5.2 Wie bereits vor dem Erlass der beiden Sistierungsverfügungen vom 20. M ai 2016 in den Verfahren 2._____ und 4._____ verdächtigen die Beschwerdeführer in ihrer Beschwerde vom 15. November 2017 C._____, er würde sie systematisch bespitzeln. Gegen die Annahme einer solchen systematischen Überwachung durch C._____ sprechen die Ermittlungsergebnis- se der Staatsanwaltschaft. So wurden die Beschwerdeführer durch die Polizei am 6. April 2016 einvernommen und C._____ zum von den Beschwerdeführern geäusserten Ver dacht am 29. Februar 2016 befragt. Dieser versicherte, die Beschwerdeführe r seit dem Jahre 2012 nicht mehr observiert zu haben. Diese Aussagen werden durch e ntsprechende Abklä rungen bei ehemaligen Auftraggebern von C._____ bestätigt. Angesichts all dieser bereits vor dem Erlass der beiden Sistierungsverfügungen vom 20. Mai 2016 in den Verfahren 2._____ und 4._____ erfolgten Abklärungen und dem Umsta nd, dass zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei konkrete Hi n- weise für eine Täterschaft von C._____ in den streitgegenständlichen Verfahren vorliegen, kann nicht davon ausgegangen werden, der Grund für die besagten Sistierungen, nämlich die U n- kenntnis der Täterschaft , sei weggefallen. Folglich sind keine Gründe gegeben, welche es Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtfertigen würden, die sistierten Verfahren 2._____ und 4._____ wieder aufzunehmen bzw. die in diesen Verfahren ergangenen Sistierungsverfügungen aufzuheben. Die Beschwerde er- weist sich somit in diesen Punkten als unbegründet und ist deshalb insofern abzuweisen. 6.1 Im Folgenden bleibt darüber zu befinden, ob das Verfahren 5._____ wiederaufzune h- men ist. 6.1.1 Gemäss Art. 323 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Wiederaufnahme e i- nes durch Einstellungsverfügung rechtskräftig beendeten Verfahrens, wenn ihr neue Beweismit- tel oder Tatsachen bekannt werden, die für eine strafrechtliche Verantwortlichkeit de r beschul- digten Person sprechen (lit. a) und sich nicht aus den früheren Akten ergeben (lit. b). Diese bei- den Voraussetzungen müssen kumulativ erfü llt sein (BGE 141 IV 194 E. 2.3). Art. 323 Abs. 1 StPO ist aufgrund des Verweises in Art. 310 Abs. 2 StPO auc h auf die Wiederaufnahme eines durch Nichtanhandnahme erledigten Strafverfahrens anwendbar (BGer. 6B_1135/2016, 6B_877/2017 vom 24 November 2017 E. 3.1). 6.1.2 Beweismittel oder Tatsachen sind neu, wenn sie zum Zeitpunkt der Nichtanhandnahme unbekannt waren. Entscheidend ist dabei, ob entsprechende Hinweise in den Akten vorhanden waren oder nicht. Waren der Privatklägerschaft bereits zum Zeitpunkt der Nichtanhandnahme die Beweise bekannt, auf die sie sich dann bei der Wiederaufnahme beruft, kann sich diese spätere Geltendmachung als rechtsmissbräuchlich erweisen (LANDSHUT/ BOSSHARD, a.a.O, Art. 323 N 25 ). Im Übrigen entsprechen die Wiederaufnahmegründe weitgehend jenen, die nach Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO eine Revision begründen. Die Voraussetzungen für die Wieder- aufnahme eines Verfahrens in Anwendung von Art. 323 Abs. 1 StPO sind jedoch geringer als jene für die Revision eines rechtskräftigen Urteils gemäss Art. 410 ff. StPO (BGE 141 IV 194 E. 2.3.; BGer. 6B_1135/2016, 6B_877/2017 vom 24 November 2017 E. 3.1). 6.2 Die Beschwerdeführer machen in ihrer Beschwerde vom 15. November 2017 geltend, C._____ würde sie weiterhin observieren bzw. lasse sie observieren, weil er bei der Aufdeckung von unrechtmässigen Bezügen von Leistungen des Staats eine Entschädigung erhalte. Damit rufen sie keine neue Tatsache an. Anlässlich der Einvernahme vom 6. Ap ril 2016 wurde di e Beschwerdeführerin 2 gefragt, ob jemand ein Interesse habe, sie erneut zu observieren. D a- raufhin nannte die Beschwerdeführerin 2 als solche Person C._____, weil er „den Versicheru n- gen Ergebnisse liefert“ (act. 165). Damit kann der von den Beschwerdeführern in der B e- schwerde erhobene Vorwurf der erneuten Observierung durch C._____ nicht mehr als neu ge l- ten. Denn dieser war der Staatsanwaltschaft aufgrund der Befragung vom 6. April 2016 bereits vor dem Erlass der angefochtenen Nichtannahmeverfügung vom 20. Mai 2016 bereits bekannt. Eine Wiederaufnahme des betreffenden Verfahrens ist demnach insoweit aufgrund von Art. 323 Abs. 1 StPO ausgeschlossen. Mithin kann offen bleiben, ob die von den Beschwerdeführern im Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeverfahren erneut geltend gemachte Observation durch C._____ rechtsmissbräuch- lich ist. Überdies führen d ie Beschwerdeführer in ihrer Beschwerde vom 15. November 2017 aus, im September/Oktober 2011 seien sie von Unbekannten mit einem an einer zirka 10 Meter langen Stange befestigten Mikrophon auf ihrem Grundstück abgehört worden. Am 16. August 2011 und früher sei in der Nähe ihres Hauses ständig ein schwarzer VW Golf parkiert worden. In besa g- tem Fahrzeug sei ein Mann mit Perücke gesessen und habe ein sehr langes Objektiv auf die Einfahrt des Grundstücks der Beschwerdeführer gerichtet. Streitgegenständlich sind vorliegend einzig die im Ver fahren 5._____ angezeigten Verstösse gegen Art. 179 quater StGB im Zeitraum vom 1. November 2013 und dem 24. August 2014. Damit vermögen die Beschwerdeführer mit den von ihnen genannten Vorfällen, welche sich vor diesem Zeitbereich ereignet haben sollen, die am 20. Mai 2016 verfügte Nichtanhandnahme des Verfahrens 5._____ von vorneherein nicht in Frage zu stellen. Insgesamt legen die Beschwerdeführer in ihrer Beschwerde vom 15. November 2017 weder konkret dar noch ist ersichtlich, dass hinsichtlich der im Verfahren 5._____ angezeigten Verlet- zungen ihrer Privatsphäre im Zeitraum vom 1. November 2013 und dem 24. August 2014 neue Tatsachen im Sinne von Art. 323 Abs. 1 StPO vorliegen. Demzufolge erweist sich der Antrag der Beschwerdeführer auf Wiederaufnahme de s Verfahren 5._____ als unbegründet und ist deshalb abzuweisen. IV. KOSTEN UND ENTSCHÄDIGUNG 1.1 Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres O b- siegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmitt el zurückzieht (Art. 428 Abs. 1 StPO). Hebt die Rechtsmittelinstanz einen Entscheid auf und weist sie die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück, so trägt der Bund oder der Kanton d ie Kosten des Rechtsmittelverfa h- rens und, nach Ermessen der Rechtsmi ttelinstanz, jene der Vorinstanz (Art. 418 Abs. 4 StPO). Gemäss Art. 418 Abs. 2 StPO kann die Strafbehörde für gemeinsam verursachte Kosten eine solidarische Haftung der kostenpflichtigen Personen anordnen. 1.2.1 Angesichts der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit- und Arbeitsaufwandes ist die Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren auf Fr. 1'000.– festzusetzen (§ 13 Abs. 1 i.V.m. § 3 Abs. 1 GebT). Zudem sind noch Auslagen von pauschal Fr. 100.– zu erheben (§ 3 Abs. 6 GebT). 1.2.2 Die Beschwerde der Beschwerdeführer ist, soweit sie sich gegen die Nichtanhan d- nahme im Verfahren 3._____ richtet, gutzuheissen und die angefochtene Verfügung in Dispos i- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht tiv-Ziffer 1 aufzuheben und die Sache zur Durchführung einer Untersuchung an die Staatsa n- waltschaft zurückzuweisen. Damit rechtfertigt es sich, die Hälfte der Kosten des Beschwerd e- verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 und 4 StPO). Im Übrigen ist die Be- schwerde abzuweisen , weshalb die Hälfte der Kosten des Beschwerdeverfahrens den B e- schwerdeführern unter solidarischer Haftbarkeit aufzuerlegen ist. 2.1 Bei Aufhebung einer Verfügung und Rückweisung im Beschwerdeverfahren durch die Rechtsmittelbehörde haben die Parteien in analoger Anwendung von Art. 436 Abs. 3 StPO An- spruch auf eine angemessene Entschädigung für ihre Aufwendungen im Rechtsmittelverfahren (vgl. BGer. 6B_111/2017 vom 17. Ok tober 2017 E. 2.2; 6B_1389/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 2.5.2 ; GRIESSER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 436 N 4; WEHRENBERG/ FRANK, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 436 N 14; SCHMID, a.a.O., Art. 436 N 4). 2.2 In Anbetracht, dass die Dispositiv-Ziffer 1 der Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft über „Nichta nhandnahme und Weiteres“ vom 2. November 2017 aufzuheben und die Sache zur Durchführung einer Untersuchung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweise n ist sowie die Beschwerde im Übrigen ohne Erfolg bleibt, ist den Beschwerdeführern eine reduzierte Parteientschädigung aus der Staatskasse auszurichten. Weil die Rechtsvertreterin der B e- schwerdeführer vorliegend dem Ge richt keine Honorarnote eingereicht h at, ist de ren Honorar von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen (§ 18 Abs. 1 und 2 TO) . In Anbetracht des er- forderlichen Aufwands in der betreffenden Sache erscheint eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 648.– (inkl. Auslagen und Fr. 48.– MWST) als angemessen. Den Beschwerdeführern ist somit für das Beschwerdeverfahren eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 648 .– (inkl. Auslagen und Fr. 48.– MWST) aus der Staatkasse auszurichten. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. In teilweiser Gutheis sung der Beschwerde wird die Dispositiv -Ziffer 1 der Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft über „Nich t- anhandnahme und Weiteres“ vom 2. November 2017 aufgehoben und die Sache zur Durchführung einer Untersuchung an die Staatsanwal t- schaft zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von total Fr. 1‘100. – (beste- hend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 1‘000. – und Auslagen von pauschal Fr. 100. –) werden den Beschwerdeführern unter solidars i- cher Haftbarkeit zur Hälfte auferlegt und zur Hälfte auf die Staatska s- se genommen. Den Beschwerdeführern wird für das Beschwerdeverfahren eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 648. – (inkl. Auslagen und Fr. 48.– MWST) aus der Staatkasse ausgerichtet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber i.V. Joël Naef