B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5400/2009/mel U r t e i l v o m 2 9 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiberin Constance Leisinger. Parteien A._______, geboren (…), Gambia, vertreten durch Simea Merz, Amt für Jugend und Berufsberatung, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Juli 2009 / N (…). D-5400/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 1. Juli 2008 und gelangte per Bo ot nach Italien (Sizilien), wo er sich für drei Monate auf hielt. Am 2 4. November 2008 reiste er in die Schweiz ein und ersuchte am 25. November 2008 um Asyl nach. Am 2. Dezember 2008 wurde er im Empfangs - und Verfahrenszentrum Val- lorbe summarisch zu seinen Asylgründen befragt und für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Zürich zugewiesen. Die zuständige kantonale Behörde ordnete dem damals nach eigenen Angaben minderjährigen und unbegleiteten Beschwerdeführer in Anwen- dung von Art. 17 Abs. 3 Bst. c des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) i.V.m. Art. 7 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) für die Dauer des Asylverfahrens vorgängig der Anhörung zu den Asylgründen eine Ve r- trauensperson bei. Am 27. Mai 2009 wurde der Beschwerdeführer im Bei- sein dieser Vertrauensperson vom BFM direkt angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen ge l- tend, gambischer Staatsangehöriger zu sein und bis zu seiner Ausreise in B._______ (Grossraum Bad dibu) gelebt zu haben. Seinen Heimatstaat habe er verlassen, da er dort nach dem Tod seiner Eltern kein familiäres oder anderes tragfähiges soziales Beziehungsnetz mehr gehabt habe . Seine Mutter sei an einer Krankheit gestorben, als er zehn Jahre alt g e- wesen sei. Sein Vater, mit dem er allein gelebt und Landwirtschaft betri e- ben habe, sei bei einem Verkehrsunfall ums Lebe n gekommen, als er fünfzehn Jahre alt gewesen sei. Ab diesem Zeitpunkt sei er auf sich allein gestellt gewesen, da er zu seiner einzigen im Heimatstaat lebenden Ve r- wandten, seiner Tante väterlicherseits, keinen Kontakt habe . Auch v on seinen Nachbarn sei ih m nach dem Tod seines Vaters keine Hilfe zuteil geworden; sie hätten ihn vielmehr seines gesamten Besitzes bestohlen. Aus diesem Grund habe er sich etwa zwei Wochen nach dem Tod seines Vaters in die nächstgrössere Stadt C._______ begeben. Dort habe er auf der Strasse die Bekanntschaft mit einem Mann namens D._______ ge- macht, welcher ihn aus Mitleid mit zu sich nach Hause genommen und während einer Woche beherbergt habe. Ein Freund dieses Mannes, der beruflich zwischen Gambia und Guinea-Bissau reise, habe ih n dazu er- mutigt, auszureisen und ihn mit nach Guinea-Bissau genommen, wo er ihn im H afen zu einem Fischerboot gebracht habe, mit welchem der Be-D-5400/2009 Seite 3 schwerdeführer schliesslich nach Italien übergesetzt und von dort in die Schweiz gelangt sei. Ob besagter Mann für diese Reise etwas habe zah- len müssen, wisse er nicht. Der Beschwerdeführer gab weder Identitätspapiere noch andere B e- weismittel zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 29. Juli 2009 – eröffnet am 30. Juli 2009 – stellte das BFM fest, dass d ie Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderu n- gen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügen würden, lehnte das Asyl- gesuch ab, verfügte die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Eingabe vom 27. August 2009 (Poststempel) erhob der Beschwerd e- führer durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde "betreffend vorläufiger Aufnahme / Aufenthalt" und beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweis en, das Asylgesuch des Beschwerdeführers materiell zu behandeln und der Beschwerdeführer sei in der Schweiz vorläufig aufzunehmen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Staatskasse. In formeller Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Akteneinsicht ersucht. D. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. Septem- ber 2009 wurde fest gestellt, die Beschwerde richte sich ausschliesslich gegen den Vollzug der Wegweisung. D er Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um A k- teneinsicht wurde – soweit nicht gegenstandslos geworden – abgewie- sen, das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde gutgeheissen und die Beschwerde der Vorinstanz zur Vernehmlassung überwiesen (Art. 57 Abs. 1 VwVG). E. In der Vernehmlassung vom 22. September 2009, welche dem Beschwer- deführer am 6. Oktober 2009 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt die Vor-D-5400/2009 Seite 4 instanz an ihren Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. F. Mit Urteil des Bezirksgericht s E._______ Zürich vom 12. Oktober 2010 wurde der Beschwerdeführer wegen Widerhandlung gegen das Auslä n- dergesetz im Sinne von Art. 119 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) zur einer unbedingten Freiheitsstrafe von 90 Tagen verurteilt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ents cheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schut z sucht (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Der inzwischen volljährig gewordene Beschwerdeführer war im Zei t- punkt der Einreichung des Asylgesuchs und der Beschwerde unmündig. Es ist deshalb vorab dessen P rozessfähigkeit als Sachurteilsvorausse t- zung von Amtes wegen zu prüfen. D-5400/2009 Seite 5 2.1.1 Als verfahrensrechtliches Korrelat der Handlungsfähigkeit ist die Prozessfähigkeit nach den einschlägigen zivilrechtlichen Vorschriften zu beurteilen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 3 E. 2b S. 19). Sie setzt de m- nach Urteilsfähigkeit, Mündigkeit und das Fehlen einer Entmündigung voraus (Art. 13 und 17 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210] sowie Art. 35 i.V.m. Art. 20 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 18. Dezember 1987 über das Internati o- nale Privatrecht [IPRG, SR 291]). Urteilsfähig ist jeder, dem es nicht w e- gen seines Kindesalters oder infolge anderer Umstände an der Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln (Art. 16 ZGB). Urteilsfähige Unmün- dige können sich zwar grundsätzlich nur mit der Zustimmung ihrer g e- setzlichen Vertreter durch ihre Handlungen verpflichten (Art. 19 Abs. 1 ZGB); ohne diese Zustimmung vermögen sie nur Rechte auszuüben, wel- che ihnen um ihrer Persönlichkeit willen zustehen (Art. 19 Abs. 2 ZGB). Nach Lehre und Praxis gelten sowohl die Einreichung eines Asylgesuchs als auch die Ergreifung damit im Zusammenhang stehender Rechtsmittel als solche "höchstpersönliche" Rechte (vgl. EMARK 1996 Nr. 4 E. 2d S. 28, mit Hinweisen). 2.1.2 Den Akten sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, die zu Zweifeln an der Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers in Bezug auf das Einre i- chen des Asylgesuches, das Vortragen seines Asylvorbrings oder auf die Erhebung der Beschwerde Anlass geben würden. Die Befragungsprot o- kolle vermitteln den Eindruck, dass der Beschwerdeführer sich über den Gehalt der an ihn gerichteten Fragen im Klaren war, sachbezogen gean t- wortet hat und sich bei der Darlegung der Asylgründe sowie seiner pe r- sönlichen Verhältnisse jederzeit von vernünftigen Überlegungen hat leiten lassen. Es ist somit von der Urteilsfähigkeit und damit von der Prozessf ä- higkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung auszugehen. 2.2 Die Beschwerde ist überdies frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die B e- schwerde ist daher einzutreten. D-5400/2009 Seite 6 3. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft , die Ablehnung des Asylgesu- ches und die Wegweisung als solche werden in der Beschwerde vom 27. August 2009 nicht angefochten. Die Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 29. Juli 2009 sind daher – wie bereits mit Verfü- gung vom 8. September 2009 festgestellt wurde – in Rechtskraft erwach- sen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet somit einzig die Fr a- ge, ob das BFM den Vollz ug der Weg weisung zu Recht angeordnet hat , bzw., ob entsprechend den Rechtsbegehren infolge Unzulässigkeit, U n- zumutbarkeit oder Unmöglichkeit an Stelle des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme anzuordnen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG). 4. 4.1 In der angefochtenen Verfügung hielt die Vorinstanz betreffend den Vollzug der Wegweisung fest, der Beschwerdeführer habe die Flüchtlings- eigenschaft nicht glaubhaft geltend machen können, weshalb auch der Grundsatz der Nichtrückschiebu ng gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht zur Anwendung gelange. Ferner seien den Akten keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr im Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behan d- lung drohe. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich auch hinsichtlich des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Ki n- des ( KRK, SR 0.107) als zulässig. Weder die im Heimatstaat des B e- schwerdeführers herrschende Situation noch andere Gründe würden g e- gen die Zumutbarkeit der Rückführung nach Gambia sprechen. Der B e- schwerdeführer sei nach seinen nicht belegten Angaben siebzehn Ja hre alt und damit minderjährig. Da er allein eine so weite und beschwerliche Reise von Gambia in die Schweiz unternommen habe, sei jedoch davon auszugehen, dass er über ein hohes Mass an Selbständigkeit verfüge. Die Angaben des Beschwerdeführers zu seinen familiären Verhältnissen seien überdies nicht glaubhaft, da sie widersprüchlich, realitätsfremd und zu wenig begründet seien. Verwiesen wurde diesbezüglich auf die Erwä- gungen betreffend die Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigen schaft. In diesen erwog das B FM im Wesentlichen, der Beschwerdeführer habe kaum etwas über seine Eltern und deren Todesumstände berichten kö n- nen. So habe er anlässlich der Befragungen ausgeführt, lediglich gehört zu haben, dass seine Mutter eine Krankheit gehabt habe und sein Vater bei einem Unfall verstorben sei. Es sei sodann angesichts der soziokult u-D-5400/2009 Seite 7 rellen Gegebenheiten in Gambia, wo Grossfamilien vorherrschen würden, nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer ausser zu einer Tante, zu der er nach eigenen Angaben keinen Kontak t habe, über keine Ve r- wandten im Heimatstaat verfügen solle. Der Beschwerdeführer habe überdies von einem Besuch der Tante nach dem Tod des Vaters berichtet und in diesem Zusammenhang ausgeführt, die Tante habe "uns" besucht. Auf Nachfrage habe der Beschwe rdeführer erklärt, er habe das Wort "uns" gebraucht, da nach dem Tod des Vaters zweitweise noch dessen Freunde im Haus gewohnt hätten ; diese Erklärung sei jedoch nicht pla u- sibel. Zudem habe der Beschwerdeführer im Weiteren erklärt, eine and e- re Familie hätte in der einen Hälfte des Hauses gewohnt, "wir" hä tten mit den Eltern in der anderen Hälfte des Hauses gewohnt. Diese spontanen Aussagen des Beschwerdeführers würden den Eindruck erwecken, dass er mit mehreren anderen Personen, naheliegender Weise mit Gesc hwis- tern und mit seinen Eltern zusammengewohnt habe, bevor er sein He i- matland verlassen habe. Überdies würden sich die Aussagen des B e- schwerdeführers zu den Umständen seiner Ausreise als realitätsfremd er- weisen. Es sei unglaubhaft, dass der Beschwerdeführ er in der Stadt, in welche er sich nach dem Tod seines Vaters begeben haben wolle, auf der Strasse einem fremden Mann begegnet sei, welcher ihn – nachdem er von den Problemen des Beschwerdeführers erfahren habe – ohne jegli- che Gegenleistung mit zu sich nac h Hause genommen , während einer Woche beherbergt und schliesslich einem Freund anvertraut habe, der den Beschwerdeführer – ebenfalls kostenlos – nach Guinea-Bissau mit- genommen habe. Dies sei insbesondere nicht nachvollziehbar, als der Beschwerdeführer angebe, in seinem Heimatort keinerlei Hilfe erhalten zu haben, ja von seiner Nachbarschaft gar um sein Erbe gebracht worden zu sein. Auch die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner Reise in die Schweiz würden völlig der allgemeinen Erfahrung widersprechen , insbe- sondere sofern der Beschwerdeführer angebe, kostenlos und mit Hilfe ihm unbekannter wohltätiger Männer ohne jegliche Grenz - und Passkon- trollen von Gambia in die Schweiz gereist zu sein. Nach Erkenntnissen des BFM müssten illegale Auswanderer aus Afri ka für ihren Transport nach Europa in der Regel mehrere tausend Dollar pro Person bezahlen. Insgesamt entstünde vorliegend der Eindruck, dass der Beschwerdefü h- rer versuche, mit seinen Angaben über ein fehlendes Beziehungsnetz die Zumutbarkeit der Wegweisung bewusst zu vereiteln. Es sei dem BFM da- her nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Situation des Beschwerdeführers zur Zumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung zu äussern; die Untersuchungspflicht finde ih- re Grenzen in der Mitwirkungs -, Wahrheits- und Substanziierungspflicht D-5400/2009 Seite 8 des Beschwerdeführers. Es sei daher davon auszugehen, dass der B e- schwerdeführer in seiner Herkunftsregion über ein entsprechendes fam i- liäres und soziales Beziehungsnetz verfüge und ihm eine Rückkehr dort- hin zumutbar sei. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich ausserdem als technisch möglich und praktisch durchführbar. 4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend ge- macht, der Beschwerdeführer sei minderjährig und ohne ein stabiles Be- ziehungsnetz in seinem Heimatstaat auf sich allein gestellt; entsprechend sei das Kindeswohl im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des We g- weisungsvollzuges als vorrangiger Gesichtspunkt zu berücksichtigen. In Anbetracht der momentanen Situation allgemeiner Verunsicherung und Gewalt unter der aktuellen Präsidentschaft und aufgrund der fehlenden Abklärung bezüglich des sozialen Netzes des Beschwerdeführers im Hei - matland wäre der noch minderjährige Beschwerdeführer bei einer Rüc k- kehr in seinen Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausgesetzt, we s- halb sich der Wegweisungsvollzug generell als unzumutbar erweise. 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 5.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls w e- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: UEBER- SAX/RUDIN/HUGI YAR/GEISER [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 5.3 Vorweg ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer mittlerweile vol l- jährig ist. Bei dieser Sachlage k ann eine Prüfung, ob sich der Vollzug der Wegweisung unter Berücksichtigung der Bestimmungen der K inder- rechtskonvention als zulässig und zumutbar erweist und Ausführungen zu den diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz unterbleiben (vgl. EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e.aa S. 98 f.). D-5400/2009 Seite 9 5.4 5.4.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtl i- che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entg e- genstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Le ben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschl i- cher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.4.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend fes t- gehalten, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwer- deführer – wie rechtskräftig festgestellt wurde – nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuwe isen bzw. glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrech t- lichen Non-Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung fin- den. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Gambia erweist sich demnach unter diesem Aspekt als rechtmässig. 5.4.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerd e- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung nach Gambia dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). D-5400/2009 Seite 10 5.4.4 Da a uch die allgemeine Menschenrechtssituation in Gambia den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig e r- scheinen lässt, erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 5.5 5.5.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 5.5.2 Angesichts der heutigen Lage in Gambia kann nicht von einer Situa- tion allgemeiner Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkriegsähnl i- chen Verhältnissen gesprochen werden, welche für den Beschwerdefü h- rer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung darstellen würde. Aus den Akten und den Angaben des Beschwerdeführers ergeben sich s o- dann auch keine hinreichend konkreten und glaubhaften Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, dass der inzwischen volljährige , alleinste- hende und soweit aus den Akten ersichtlich gesunde Beschwerdeführer im Falle der Rückkehr in seinen Heimatstaat aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzb e- drohende Situation geraten würde. Gemäss eigenen Angaben hat der Be- schwerdeführer im Heimatstaat zwar keine Schule besucht, er hat aber bereits vor seiner Ausreise erste berufliche Erfahrungen als Landarbeiter gesammelt (Akt. A4 S. 2, A15 S. 6). Überdies hat er nach Ausführungen der Rechtsvertreterin seit seiner Einreise in die Schweiz die Schule F._______ besucht (Akt. 1 S. 5), was ihm ebenfalls bei einer Rückkehr in den Heimatstaat zu Gute kommen dürfte. Es ist daher davon auszug e- hen, dass er im Heimatstaat ein Einkommen erwirtschaften kann und in keine existenzbedrohende Lage gerät. Auch ist davo n auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich im Heimatstaat, insbesondere in seinem He i- matort, sozial wieder integrieren kann, hat er dort doch 15 Jahre lang bis zu seiner Ausreise gelebt. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, im Heimatstaat weder über ein familiäres noch ein anderweitiges soziales Beziehungsnetz zu verfügen, ist die Vorinstanz zutreffend von der U n- glaubhaftigkeit dieser in wesentlichen Aspekten unsubstanziierten und widersprüchlichen Aussagen ausgegangen. So war der Beschwerdefü h- rer nicht in der Lage, nähere Ausführungen zur Krankheit, an welcher sei- ne Mutter gestorben sein soll und zu den Umständen des Unfalls, in des- sen Folge sein Vater das Leben verloren haben soll, zu machen (Akt. A15 S. 4, F34; S. 9, F90 ff.). Zutreffend verweist die Vorinstanz sodann darauf, D-5400/2009 Seite 11 dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit einem Besuch seiner Tante väterlicherseits, der nach dem Tod des Vaters stattgefunden haben soll, jeweils ausführte, diese habe "uns" besucht (Akt. A15 S. 3, F9 ff.). Auf entsprech enden Vorhalt erklärte der Beschwerdeführer, er habe Freunde seines Vaters gemeint, die nach dessen Tod zeitweise im Haus gelebt hätten (Akt. A15 S. 3 F13 ff.). Dieses Argument vermag nicht zu überzeugen, zumal der Beschwerdeführer die Namen der Freunde seines Vaters lediglich in Bezug auf wenige Personen zu nennen wusste. Nicht einzuleuchten vermag, warum der Beschwerdeführer zu seiner Tante v ä- terlicherseits keinen Kontakt soll herstellen k önnen, obwohl diese ihm doch nach dem Tod des Vaters sogar einen Besuch abgestattet haben soll. Da der Beschwerdeführer ausführt, er habe bereits zwei Wochen nach dem Tod des Vaters den Heimatort verlassen, m üsste der Besuch der Tante demnach unmittelbar vor der Ausreise des Beschwerdeführers stattgefunden haben (Akt. A15 S. 3 F9). Offensichtlich konnte die Tante sodann vom Tod des Bruders informiert werden. Es ist daher nicht glau b- haft, dass dem Beschwerdeführer eine Kontaktaufnahme mit seiner Tante nicht möglich ist. Zutreffen erachtete die Vorinstanz sodann die Aussagen des Beschwerdeführers im Hinblick auf die Umstände seiner Ausreise , namentlich, dass diese ihm von unbekannten Männern ohne jegliche G e- genleistung ermöglicht worden sein soll, als realitätsfremd und unglau b- haft. Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Erkenntnisse der Vorinstanz, wonach illegale Auswanderer aus Afrika für ihre Reise nach Europa in der Regel mehrere tausend Dollar pro Person zu bezahlen haben. Insgesamt konnte der Beschwerdeführer mithin nicht glaubhaft machen, dass er im Heimatstaat, insbes ondere in seinem Heimatort , über kein tragfä higes Beziehungsnetz verfügt , welches ihn bei der Reintegration im Heima t- staat unterstützen kann. 5.5.3 Da der Beschwerdeführer überdies inzwischen volljährig ist, ist – wie bereits festgestellt wurde – nicht mehr zu prüfen ist, ob sich unter dem Aspekt des Kindeswohls Gründe ergeben, die gegen seine Rückkehr in das Heimatland sprechen würden (vgl. EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e.aa S. 98 f.). Die Rüge in der Beschwerde, wonach die Vorinstanz im Heimat- staat des Beschwerdeführe rs weitere Abklärungen zu einem tragfähigen Beziehungsnetz unterlassen habe und damit die Untersuchungspflicht verletzt habe (Akt. 1 S. 4), greift daher von vornherein nicht mehr und auch auf die anderen im Zusammenhang mit der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers stehenden Beschwerdevorbringen ist nicht weiter einzugehen. Ohnehin ist aber festzustellen, dass die behördliche Unte r- suchungspflicht nach Treu und Glauben ihre Grenzen in der Mitwirkung s-D-5400/2009 Seite 12 pflicht der beschwerdeführenden Person (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG), findet. Auch eine unbe- gleitete minderjährige Person hat – unter einzelfallgerechter Berücksichti- gung des jeweiligen Alters – bereits die Pflicht, an der Feststellung des erheblichen Sachverha lts mitzuwirken. Bei pflichtwidrige m Unterlassen hat sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen; dies selbst in Bezug auf die unter dem Aspekt des Kindeswohls gegebenenfalls zu berücksicht i- genden Tatsachen. Die Vorinstanz durfte daher vorliegend auf weitere Ab- klärungen verzichten (vgl. E 5.5.2). 5.5.4 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den He i- matstaat ist daher auch als zumutbar zu beurteilen. 5.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich nötigenfalls bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not - wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.7 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt da- her ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, das s die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist demnach abzuweisen. 7. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wären die Ko sten dem B e- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das G e- such des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 8. September 2009 gutgeheissen wurde, sind jedoc h keine Verfahren s- kosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-5400/2009 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Constance Leisinger Versand: