B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2846/2018 U r t e i l v o m 11 . O k t o b e r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 20. April 2018 / N (...). D-2846/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein eritreischer Staatsangehöriger mit letztem Wohnsitz in B._______ (Sub Zoba C._______, Zoba Debub), verliess sein Heimatland eigenen Angaben gemäss im (…) und gelangte nach mehrmo- natigen Aufenthalten in Äthiopi en, dem Sudan und Lib yen am 15. Juni 2015 von Italien kommend in die Schweiz, wo er gleichentags im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ um Asyl nachsuchte. Am 22. Juni 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Am 13. Oktober 2016 wurde er vom SEM ausführlich zu den Asylgründen angehört. Dabei brachte er im Wesentlichen vor, er habe im (…) in der achten Klasse die Schule abgebrochen, um seiner Familie in der eigenen Landwirtschaft zu helfen. Damals sei er 16 Jahre alt gewesen. Er habe fortan in der fami- lieneigenen Landwirtschaft mitgearbeitet und die Tiere der Familie gehütet. Aus Angst, bei einer Razzia verhaftet zu werden, habe er sich meistens im Wald versteckt. Eines Nachts im (…), als er mit den Tieren im Wald gewe- sen sei, seien Soldaten zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn ge- sucht, vermutlich um ihn mitzunehmen wegen seines Schulabbruches. Die Soldaten hätten dann von Zuhause den Vater mitgenommen. Am nächsten Morgen habe er von seiner Schwester von den Ereignissen erfahren. Aus Angst, von den Soldaten gefunden und in den Militärdienst eingezogen zu werden, sei er nach ein paar Tagen, in denen er sich weiter an verschiede- nen Stellen im Wald versteckt gehalten habe, zusammen mit einem Freund illegal nach Äthiopien geflohen, wo er später erfahren habe, dass sein Va- ter nach eineinhalb Monaten Haft im Gefängnis freigelassen worden sei. Zum Beleg seiner Identität reichte er Kopien der Identitätskarten seiner El- tern sowie einer „Residence Card“ des Vaters zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 20. April 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerde- führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositivziffer 1), lehnte das Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2), verfügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) und ordnete den Vollzug der Wegweisung an (Dispositivziffern 4 und 5). C. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Mai D-2846/2018 Seite 3 2018 beim Bundesverwaltungsgericht insofern an, als er die Aufhebung der Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragte. In prozessualer Hinsicht ersuchte er unter Beilage einer Fürsorgebestätigung um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht, um Gewährung der unentgeltliche n Prozessfüh- rung und um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. D. Am 23. Mai 2018 bestätigt das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. E. Mit Verfügung vom 26. Juni 2018 hiess der damals zuständige Instrukti- onsrichter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung sowie Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer d ie rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei. F. Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Beschwerdever- fahren am 28. September 2018 zur Behandlung auf Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger übertragen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden; der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-2846/2018 Seite 4 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Das Urteil ist deshalb nur summaris ch zu begründen und auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde verzichtet (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Dass dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde (vgl. Bst. E), die Beschwerde also im Beschwerdezeitpunkt als nicht aussichtslos zu qualifizieren war, steht einer Behandlung der Beschwerde im Verfahren nach Art. 111 Bst. e AsylG in bestimmten Konstellationen nicht entgegen. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn sich die Beschwerde aufgrund neuer Erkenntnisse oder einer geän derten Rechtsauffassung während des Beschwerdeverfahrens als offensichtlich unbegründet er- weist (vgl. Urteil des BVGer E -8098/2015 vom 26. April 2016, E. 2.2.2). Zwar decken sich die Begriffe der Aussichtslosigkeit (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und der offensichtlichen Unbegründetheit (Art. 111 Bst. e AsylG) materiell weitgehend. Für die Prüfung der offensichtlichen Unbegründetheit (Art. 111 Bst. e AsylG) ist indessen der Urteilszeitpunkt massgebend, während für die Beurteilung der Aussichtslosigkeit der Beschwerde begehren (Art. 65 Abs. 1 VwVG) auf den Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung abzustellen ist (BGE 133 III 614 E. 5). 4. Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den von der Vorinstanz angeordneten Vollzug der Wegweisung. Die Dispositivziffern 1 –3 der an- gefochtenen Verfügung des SEM sind mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen und bilden nicht Gegenstand des Verfahrens. 5. 5.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, dass es die Vorbringen des Beschwerdeführers ( die geschilderte Suche der Soldaten nach ihm und die geschilderte illegale Ausreise aus Eritrea) als unglaubhaft erachtet. Die in Eritrea bestehenden Defizite im Bereich der Menschenrechte wür- den nicht aus reichen, um dem Wegweisungsvollzug entgegenzustehen. D-2846/2018 Seite 5 Hinsichtlich einer Verletzung von Art. 4 EMRK sei festzustellen, dass ge- mäss Rechtsprechung ein tatsächliches und unmittelbares Risiko im Ein- zelfall glaubhaft gemacht werden müsse, um eine noch nicht erfolgte, zu- künftig drohende Verletzung dieser Bestimmung zu bejahen, welches hier nicht gegeben sei. Auch eine Verletzung von Art. 3 EMRK liege nicht vor, da ein erforderliches „real risk“ gemäss Rechtsprechung nur dann bestehe, wenn der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer mit Art. 3 EMRK unvereinbaren Behandlung oder Strafe ausgesetzt würde. Den Akten seien keine solchen konkreten Hin- weise zu entnehmen. Der Wegweisungsvollzug sei auch zumutbar, unter anderem weil der Beschwerdeführer in Eritrea über ein familiäres Bezie- hungsnetz verfüge, das ihm bei der Wiedereingliederung behilflich sein könne. 5.2 Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde im Wesentlichen aus, der Wegweisungsvollzug sei angesichts der ihm in Eritrea drohenden Einziehung in den Nationaldienst unzulässig. Er macht insbes ondere gel- tend, der vom SEM angeordnete Vollzug verletze seine durch Art. 3 und 4 Abs. 2 EMRK geschützten Menschenrechte. 6. Die Befürchtung des Beschwerdeführers, bei der Rückkehr in den Natio- naldienst eingezogen zu werden, erscheint aufgrund dessen Alter im heu- tigen Zeitpunkt nicht unplausibel (vgl. zur eritreischen Musterungspraxis auch das Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 13.2–13.4). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge- setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der glei che Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8. D-2846/2018 Seite 6 8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeine r Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 8.1.1 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da rechtskräftig festgestellt ist, dass der Beschwerdeführer keine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachgewiesen oder gl aubhaft gemacht hat (vgl. E. 4), kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorlie- genden Verfahren keine Anwendung finden. 8.1.2 Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei anstehen- der Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesverwal- tungsgericht in einem jüngst ergangenen G rundsatzurteil geklärt worden (vgl. Urteil des BVGer E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 [BVGE -Publikation vorgesehen], E. 6.1). Das Gericht hat die Zulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangs- arbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots der Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK) geprüft. 8.1.3 Nach einer umfassenden Analyse der verfügbaren Quellen gelangte das Bundesverwaltungsgericht im genannten Urteil i n tatsächlicher Hin- sicht zum Ergebnis, dass die Bemessung der Dienstdauer und die Gewäh- rung von Urlauben im eritreischen Nationaldienst für die Einzelperson kaum vorhersehbar seien. Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich nicht genau beziffern, auszug ehen sei jedoch davon, dass sie zwischen fünf und zehn Jahre betrage und in Einzelfällen darüber hinausgehen könne. Die Lebensbedingungen gestalteten sich sowohl in der Grundaus- bildung als auch im militärischen und im zivilen Nationaldienst schwierig; im zivilen Nationaldienst insbesondere deshalb, weil Verpflegung und Un- terkunft nicht immer zur Verfügung gestellt würden und der Nationaldienst- sold – trotz einzelner Verbesserungen in jüngster Zeit – kaum ausreiche, um den Lebensunterhalt zu decken. Darüber h inausgehend stellte das D-2846/2018 Seite 7 Bundesverwaltungsgericht fest, dass es im eritreischen Nationaldienst – insbesondere in der Grundausbildung und im militärischen National- dienst – zu Misshandlungen und sexuellen Übergriffen komme (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer E-5022/2017, a.a.O., E. 6.1.5.2). 8.1.4 In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht aus, Art. 4 Abs. 2 EMRK stehe dem Wegweisungsvollzug nur dann entgegen, wenn das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung des Zwangsarbeits- verbots anzunehmen wäre. Der im eritreischen Nationaldienst effektiv zu befürchtende Nachteil, auf unabsehbare Zeit eine niedrig entlöhnte Arbeit für den Staat ausführen zu müssen, sei zwar als unverhältnismässige Last zu qualifizieren. Der Nachteil beraube jedoch Art. 4 Abs. 2 EMRK nicht sei- nes essenziellen Gehalts; insofern sei keine flagrante Verletzung anzuneh- men. Nicht erstellt sei zudem, dass die kolportierten Misshandlungen und sexuellen Übergriffe derart systematisch stattfänden, dass jede National- dienstleistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Auch insofern sei eine Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK durch den Wegweisungsvollzugs zu verneinen (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer E-5022/2017, a .a.O., E. 6.1.5.2). 8.1.5 Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) müsste der Beschwerdeführer mit Blick auf Art. 3 EMRK das ernst- hafte Risiko ("real risk") nachweisen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Im Grundsatzurteil E-5022/2017 führte das Bundes- verwaltungsgericht diesbezüglich aus, dass keine hinreichenden Belege dafür existieren, dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im Natio- naldienst derart flächendeckend stattfänden, dass jede Dienstleistende und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher kein ernsthaftes Risiko ei- ner Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritrei- schen Nationaldienst (a.a.O., E. 6.1.6). 8.1.6 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs ergeben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwer- deschrift. Der Wegweisungsvollzug ist folglich als zulässig zu betrachten. D-2846/2018 Seite 8 8.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Auslä nderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.2.1 Im bereits erwähnten Koordinationsurteil E -5022/2017 vom 10. Juli 2018 befasste sich das Bundesverwaltungsgericht auch mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bei vorauss ichtlicher Einziehung der wegzuweisenden Person in den eritreischen Nationaldienst bei einer Rückkehr in ihr Heimatland. Es kam zum Schluss, dass die drohende Ein- ziehung in den Nationaldienst nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs führt. Dienstleistende würden nicht allein aufgrund der allgemei- nen Verhältnisse im Nationaldienst in eine existenzielle Notlage geraten. Auch bestehe kein Grund zur Annahme, sie seien überwiegend wahr- scheinlich dem ernsthaften Risiko ausgesetzt, Misshandlungen oder sexu- elle Übergriffe zu erleiden (vgl. a.a.O. E. 6.2.3-6.2.5). 8.2.2 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea sodann nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situatio n allgemeiner Gewalt bezie- hungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollz ugs ausgegangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssitua- tion, der Zugang zu Wasser und zur Bil dung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz- bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 8.2.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen, gesunden Mann (vgl. act. A4, S. 6). Besondere individuelle Umstände, aufgrund derer bei einer Rückkehr nach Eritrea – wo die Eltern und zahlreiche Geschwister D-2846/2018 Seite 9 (vgl. act. A16, S. 4, 5) leben – von einer existenziellen Bedrohung ausge- gangen werden müsste, sind den Akten nicht zu entnehmen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, der fast acht Jahre lang die Schule besucht (vgl. act. A16, S. 7, 8) und zu Hause in der Landwirt- schaft gearbeitet hat (vgl. act. A16, S. 8), nach seiner Rückkehr wieder zu Hause wird leben und – abgesehen von einer allfälligen Militärdienstleis- tung – in der Landwirtschaft wird mitarbeiten können. Die Familie lebt als Selbstversorger von der Landwirtschaft und besitzt Tiere (vgl. act. A16, S. 6, 7, 8). Da er noch in regelmässigem Kontakt zu seinen Eltern im Heimat- dorf steht ( vgl. act. A16, S. 5 ) und seine Eltern und sein e Cousins aus E._______ zudem seine Ausreise bezahlt haben (vgl. act. A15, S. 15), wird der Beschwerdeführer auch bei seiner Rückkehr familiäre Unter stützung sowie finanzielle Hilfe im Bedarfsfall erfahren. 8.2.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG. 8.3 Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea ist zurzeit genere ll nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerde- führer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). Ebenso wenig besteht nach den vorstehenden Ausführungen Anlass, die Sac he an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende (Eventual-)Antrag ist abzuweisen. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. D-2846/2018 Seite 10 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Be- schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung wurde jedoch mit Instruktionsverfügung vom 26. Juni 2018 gutge- heissen, den Akten sind keine Hinweise auf eine Veränderung der finanzi- ellen Verhältnisse zu entnehmen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erheben. 10.2 Nachdem dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbei- ständung gewährt und lic. iur. Kathrin Stutz als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt wurde, ist jener ein amtliches Honorar auszurichten. 10.3 Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb der Vertretungsaufwand von Amtes wegen und gestützt auf die Akten festzule- gen ist (Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Unter Berücksichtigung der in Betracht zu ziehenden Bemes- sungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist das Honorar der amtlichen Rechtsbei- ständin zulasten des Gerichts auf insgesamt Fr. 500.– (inkl. sämtlicher Auslagen) zu bestimmen.. (Dispositiv nächste Seite) D-2846/2018 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird durch das Bundesverwaltungsgericht ein Honorar in der Höhe von Fr. 500.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Jeannine Scherrer-Bänziger Mareile Lettau Versand: