B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-7102/2013 U r t e i l v o m 1 6 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz), Richterin Kathrin Dietrich, Richter André Moser, Gerichtsschreiberin Susanne Raas. Parteien X._______, …, vertreten durch Dorrit Freund, Rechtsanwältin, …, Beschwerdeführerin, gegen Engadin Airport AG, Plazza Aviatica 2, 7503 Samedan, Vorinstanz. Gegenstand Staatshaftung (Schadenersatz, Regress der Versicherung). A-7102/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 19. Dezember 2010 kurz nach 15:00 Uhr (Zeitangaben beziehen sich auf die Ortszeit) stürzte ein Flugzeug Raytheon 390, eingetragen als D-IAYL (nachfolgend: Raytheon), beim Anflug auf den Flughafen Sam e- dan ab. Die beiden Insassen, der Pilot B._______ und der Copilot C._______, beides deutsche Staatsbürger, kamen dabei ums Leben. Die Ereignisse bis zum Absturz stellten sich wie folgt dar: A.a Die Raytheon war in Zagreb zu einem gewerbsmässigen Flug nach Instrumentenflugregeln (instrument flight rules, IFR) unter einem ATC - Flugplan Y (Flugpläne, die an die Flugverkehrsleitung [air traffic control, ATC] gerichtet sind und den ersten Teil des Fluges nach Instrumente n- flugregeln und den Abschluss des Fluges, inklusive Landung, nach Sich t- flugregeln vor sehen) nach Samedan gestartet. Um 14:53:09 Uhr wurde der IFR-Flugplan annulliert und der Flug nach Sichtflugregeln (visual flight rules, VFR) fortgesetzt. Um 14:57:12 Uhr teilte die Besatzung dem Flu g- verkehrsleiter von Zurich sector south mit, dass sie nun die Frequenz (zu Samedan information) wechseln würde. A.b Als sich die Besatzung einer Piaggio 180 um 14:58:40 Uhr beim flight information service officer (FISO) von Samedan information nach dem Wetter erkundigte («the condition for inbound still ok?»), antwo rtete die Besatzung der Raytheon um 14:58:46 Uhr, noch bevor der FISO antwo r- ten konnte, die Bedingungen seien im Moment gut («for the moment good condition»). Auf Frage teilte der FISO der Besatzung der Raytheon um 14:59:27 Uhr mit, die Sichtweite betrage drei oder vier Kilometer. Betre f- fend Wolkenuntergrenze gebe es bei zweitausend Fuss einige Wolken und bei fünf - bis sechstausend Fuss sei es bedeckt («visibility three or four kilometres cloud base few at two thousand feet and overcast at five thousand or six thousand feet.»). Die Raytheon befand sich über Mad u- lain, als der FISO um 14:59:46 Uhr mitteilte, dass sie auf eigene Veran t- wortung/nach eigenem Ermessen landen könne («land at own discre - tion»), was von der Besatzung mit «own discretion» bestätigt wur de. Un- mittelbar darauf erhöhte die Besatzung die Sinkrate auf über 2200 Fuss pro Minute (feet per minute, ft/min) und behielt diese bis auf die zuletzt aufgezeichnete Funkhöhe (radio altitude, RA) von knapp 250 ft, welche sie über der Pistenschwelle 21 erreichte, bei. A.c In der Folge leitete die Besatzung einen Steigflug auf eine RA von rund 600 ft ein, drehte etwas nach links und flog dann parallel zur Piste n-A-7102/2013 Seite 3 achse. Das Fahrwerk war ausgefahren und die Landeklappen standen mit grosser Wahrscheinlichkeit auf 20 Grad. Am Ende der Piste 21 leitete die Besatzung eine Rechtskurve auf die Gegengerade ein, wobei die Ma- schine bis zu 55 Grad Querlage erreichte. Die Geschwindigkeit wurde dabei von 110 auf 130 Knoten erhöht. Die Funkfrequenz blieb während rund 20 Sekunden blockiert. A.d Der FISO informierte die Besatzung danach, dass sie jederzeit auf Piste 21 landen könne. Auf der Höhe der Pistenschwelle 21 drehte die Besatzung in den Queranflug auf die Piste 21 ein. Die Querlage in dieser Kurve betrug bis zu 62 Grad, ohne dass die Geschwindigkeit merklich er- höht wurde. In der Folge geriet das Flugzeug in Rückenlage und stürzte beinahe senkrecht ab. Unfallzeitpunkt war 15:02 Uhr. B. Die X._______, als gesetzliche Unfallversicherung der Arbeitgeberin des Copiloten (Y ._______), bezahlte einerseits an die Arbeitgeberin gewisse von dieser übernommene Kosten (Rücktransport des Leichnams, Re t- tungskosten), andererseits richtet sie dem Sohn des Copiloten, D._______, eine Halbwaisenrente aus. C. Am 7. Mai 2013 reichte die X._______ bei der Engadin Airport AG , der Betreiberin des Flughafens (nachfolgend auch nur als Betreiberin oder Vorinstanz bezeichnet), ein Schadenersatzbegehren ein . Sie macht e ausdrücklich einen Regressanspruch geltend und legt e dar, aufgrund welcher Bestimmungen der Schadenersatzanspruch aus dem Bundesg e- setz vom 14. März 1958 über die Verantwortlichkeit des Bundes sowie seiner Behördenmitglieder und Beamten (VG, SR 170.32) aufgrund der Zahlungen auf sie übergegangen sei. D. Die Vorinstanz wies das Schadenersatzbegehren mit Verfügung vom 25. November 2013 ab. Dabei verneinte sie im Wesentlichen den Kausal- zusammenhang zwischen der Nichtweitergabe von Wetterinformationen durch den Fluginformationsdienst und dem Unfall sowie die fehlende Re- präsentativität der zur Verfügung gestellten Wetterinformationen für den Anflug von Zernez her ebenso wie die Pflicht zur Einführung des Anflugs nach Instrumentenflugregeln. Die Frage, ob das Begehren nach Ablauf der Verwirkungsfrist von Art. 20 Abs. 1 VG eingereicht worden sei, liess A-7102/2013 Seite 4 sie offen, ebenso die Frage, ob die geltend gemachten Ansprüche durch Subrogation auf die Beschwerdeführerin über gegangen seien. E. Gegen diese Verfügung erhebt die X._______ (nachfolgend: Beschwer- deführerin) am 16. Dezember 2013 Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht. Sie beantragt , die Verfügung der Vorinstanz vom 25. No- vember 2013 aufzuheben und die Vorinstanz zu verpflichten, ihr aus Re- gress für den Versorgerschaden de s Sohnes des Co piloten den Betrag von € 15'236.97.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit mittlerem Verfall für den aufgelaufenen Schaden und den Betrag von € 127'772.92 für den zukünf- tigen Schaden zu bezahlen. Sie verlangt weiter – als Auslagen, die sie der Y ._______ erstattete – die Zusprechung des Betrags von € 1'213.74 für Rettungskosten, € 3'720.-- als Sterbegeld und € 4'577.37 für Überfüh- rungskosten, insgesamt € 9'511.11, zuzüglich Zins zu 5 % seit Einre i- chung des Schadenersatzbegehrens, also seit 7. Mai 2013. F. Mit Vernehmlassung vom 7. Februar 2014 beantragt die Vorinstanz, das Verfahren auf die Frage der Haftung zu beschränken [d.h. auf die grun d- sätzliche Frage der Haftbarkeit] und die Beschwerde unter ausgangsg e- mässer Regelung der Kosten - und Entschädigungsfol gen abzuweisen. Sollte die Haftbarkeit grundsätzlich bejaht werden, sei das Verfahren zur Beurteilung des Quantitativen an sie zurückzuweisen. G. Im Rahmen der Instruktion hat das Bundesverwaltungsgericht die Akten des Verfahrens der Schweizerischen Unfallun tersuchungsstelle SUST beigezogen (act. 11-13). H. Mit Verfügung vom 14. bzw. 26. August 2014 wurde den Parteien Einsicht in diese Akten gewährt, wobei einige Dokumente, die höchstpersönliche und im vorliegenden Verfahren nicht relevante und somit nicht verwende- te Daten beinhalteten, davon ausgeschlossen waren. I. Die Beschwerdeführerin nahm zu diesen Akten am 25. August 2014, die Vorinstanz am 12. September 2014 Stellung. Die Stellungnahmen wurden der jeweiligen Gegenpartei mi t Verfügung vom 16. September 2014 zu-A-7102/2013 Seite 5 gestellt, worauf die Beschwerdeführerin am 24. September 2014 und die Vorinstanz am 30. September 2014 erneut Stellung nahmen. Auf die Begründungen in den Eingaben der Parteien wird – soweit sie entscheidwesentlich sind – im Rahmen der nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bu n- desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundes- gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern sie von Behörden e rlassen wurden, die g e- mäss Art. 33 VGG als Vorinstanzen gelten, und überdies keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. 1.1 Mit der vorliegenden Beschwerde wird eine Verfügung der Vorinstanz, die gestützt auf Art. 19 Abs. 1 Bst. a und Abs. 3 VG über ein gegen sie gerichtetes Begehren um Schadenersatz entschieden hat, angefochten. Art. 19 Abs. 1 Bst. a VG bestimmt, dass für den Schaden, den ein Organ oder ein Angestellter einer mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes betrauten und ausserhalb der Bundesverwaltung stehenden Organisation in Ausübung der mit diesen Aufgaben verbundenen Tätigkeit Dritten w i- derrechtlich zufügt, primär die Organisatio n nach den Art. 3 -6 VG haftet (vgl. zum Anwendungsbereich von Art. 19 VG allgemein BGE 106 Ib 273 E. 2a sowie das Urteil des Bundesgerichts 2A.675/2005 vom 12. Juli 2006 E. 4 und 5). Über streitige Ansprüche Dritter gegen die Organisation erlässt sie eine Verfügung (Art. 19 Abs. 3 VG). Gemäss Art. 36a Abs. 1 des Luftfahrtgesetzes vom 21. Dezember 1948 (Luftfahrtgesetz, LFG, SR 748.0) nimmt ein Flughafenhalter mit dem B e- trieb eines dem öffentlichen Verkehr dienenden Flughafens eine öffentl i- che Aufgabe des Bu ndes wahr (vgl. Art. 87 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, S R 101]; BGE 129 II 331 E. 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_715 /2008 vom 15. April 2009 E. 3.3; BVGE 2010/4 E. 1.1, 2008/41 E. 6.4 ; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 1.2 ; vgl. auch TOBIAS JAAG/JULIA HÄNNI, Luftverkehrsrecht Teil I: Infrastruktur der A-7102/2013 Seite 6 Luftfahrt, in: Müller [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. IV, Verkehrsrecht, Basel 2008, S. 354 Rz. 29). Die Vorinstanz betreibt den Flughafen Samedan gewerbsmässig. Hierfür hat ihr das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) gestützt auf Art. 36a Abs. 1 LFG eine B e- triebskonzession erteilt. Unerheblich ist, dass s ie als Aktiengesellschaft nach Art. 620 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR, SR 220) konstituiert und damit privatrechtlich organisiert ist. Art. 19 VG findet bei einer entsprechenden Übertragung öffentlicher Aufgaben auch auf jurist i- sche Personen des Privatrechts Anwendung ( Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 1.2; vgl. TOBIAS JAAG, Staats- und Beamtenhaftung, in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. I, Organisationsrech t, Teil 3, 2. Aufl., Basel 2006, Rz. 219; GERHARD SCHMID/NAOKI D. TAKEI, Haftung von externen Trägern öffentlicher Aufgaben, in: Schaffha u- ser/Bertschinger/Poledna [Hrsg.], Haftung im Umfeld des wirtschaftenden Staates, St. Gallen 2003, S. 108; BALZ GROSS, Die Haftpflicht des Sta a- tes, Zürich 1996, S. 100). Unbestritten ist die Vorinstanz eine Organisat i- on im Sinne von Art. 19 VG, die der Haftung nach dem Verantwortlic h- keitsgesetz untersteht. Die Vorinstanz zählt zu den in Art. 33 Bst. h VGG genannten Organisatio- nen ausserhalb der Bundesverwaltung, die in Erfüllung ihnen übertrag e- ner öffentlich-rechtlicher Aufgaben des Bundes verfügen (BVGE 2008/41 E. 6.5; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 1.2, A-7171/2008 vom 12. Mai 2009 E. 2 und A-5237/2008 vom 15. Juli 2009 E. 1.4.1). 1.2 Eine Ausnahme, was das Sachgebiet angeht, ist gemäss Art. 32 VGG nicht gegeben. 1.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorli e- genden Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 19 Abs . 3 VG i.V.m. Art. 2 Abs. 3 der Verordnung vom 30. Dezember 1958 zum Verantwortlichkeits- gesetz [SR 170.321]). Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 1.4 Die Beschwer deführerin ist durch die angefochtene Verfügung b e- schwert und damit zur vorliegenden Beschwerde berechtigt (vgl. Art. 48 A-7102/2013 Seite 7 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50 und Art. 52 VwVG) ist daher einzutreten. 1.5 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit unei n- geschränkter Kognition. Gerügt werden kann die Verletzung von Bunde s- recht, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens (Art. 49 Bst. a VwVG), die unrichtige beziehungsweise unvolls tändige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) sowie die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheides (Art. 49 Bst. c VwVG). 2. Eingangs sind die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten ei n- zelnen Schadensposten mit den Z iel zu analysieren, allfällige Fragen nach dem anwendbaren Recht beantworten zu können, verlangt doch vorliegend eine deutsche obligatorische Unfallversicherung eine Leistung von einem Schweizer Haftpflichtigen, die ihren Grund im Tod eines deu t- schen Staat sangehörigen bei einem Unf all in der Schweiz hat (E. 2 .1). Anschliessend sind die kollisionsrechtlichen Bestimmungen zu er läutern (E. 2. 2) und es wird geprüft, ob der Beschwerdeführerin nach dem so anwendbaren Recht ein Rückgriffsrecht zusteht und wie dieses ausge - staltet ist (E. 2.3). Danach sind die Haftungsgrundlagen nach dem a n- wendbaren Staatshaftungsrecht darzustellen (E. 2.4 und E. 3 ff.). 2.1 Die Analyse der Rechtsbegehren ergibt Folgendes: 2.1.1 Gemäss Rechtsbegehren Ziff. 1 werden «aus Regress für den Ve r- sorgerschaden von D._______» ein Betrag von € 15'236.97 zuzüg lich Zins zu 5 % seit dem mittleren Verfall sowie ein Betrag von € 127'772.92 für zukünftigen Schaden verlangt. Beim ersten Betrag handelt es sich um die von der Beschwerdeführerin an D._______, den Sohn von C._______ sel., bezahlte Waisenrente. Diese Zahlung wurde erbracht. Es ist unbestritten, dass die Beschwerd e- führerin obligatorische Unfallversicherin der Arbeitgeberin von C._______ sel. war. Grundlage für die Zahlung einer Halbwaisenrente s ind die §§ 63 Abs. 1 Ziff. 3 und 67 Abs. 1 Ziff. 1 des (deutschen) Sozialgesetzbuches VII (SGB VII). Bei den Zahlungen handelt es somit um Leistungen aus e i- ner – deutschen – Sozialversicherung, welche die Beschwerdeführerin di- rekt dem Sohn des Versicherten erbracht hat. A-7102/2013 Seite 8 Beim Betrag von € 127'772.92 soll es sich um einen Mittelwert der künft i- gen Rentenzahlungen handeln, da noch nicht feststehe, wie lange die Ausbildung von D._______ dauere. Damit charakterisiert sich dieser B e- trag als die mutmassliche Summe noch nicht erbrachter, zukünftiger Leis- tungen aus einer – deutschen – Sozialversicherung. 2.1.2 Gemäss Rechtsbegehren Ziff. 2 werden aus Regress betreffend Y ._______ € 1'213.74 Rettungskosten (Rettungswagen und Rettungsheli- kopter), € 3'720.-- Sterbegeld und € 4'577.37 Überführungskosten, zuzüg- lich 5 % Zins seit Einreichung des Schadenersatzbegehrens verlangt. Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin und den Akten ergibt sich, dass nicht die vollen Kosten, welche die Y ._______ in diesen Bereichen übernommen hat, geltend gemacht werden – die effektiven Bestattungs- und Bergungskosten betrugen gemäss den Akten € 7'948.38 bzw. € 9'782.37 –, sondern lediglich die von der Beschwerdeführerin effektiv erbrachten Leistungen. Recht sgrundlage für die Auszahlung der Re t- tungskosten ist § 27 Ziff. 1 SGB VII, jene für das Sterbegeld und die Übernahme der Überführungskosten sind die §§ 63 Abs. 1 Ziff. 1 und 64 Abs. 1, 2 und 3 SGB VII. Auch bei diesen Leistungen handelt es sich um Leistungen aus einer – deutschen – Sozialversicherung. 2.1.3 Die Beschwerdeführerin macht somit gegenüber der Vorinstanz den Rückgriff einer deutschen Sozialversicherung auf eine – falls die Voraus- setzungen gegeben sind – nach schweizerischem Recht Haftpflic htige geltend, und zwar für einen Unfall, den ein deutscher Staatsangehöriger in der Schweiz er litt. Begünstigte der Versicherungsleistungen sind ein deutscher Staatsangehöriger sowie ein Unternehmen mit Sitz in Deutsch- land. Festzuhalten ist, dass die von der Beschwerdeführerin erbrachten Leistungen – wie soeben ausgeführt (E. 2.1.1 f.) – gemäss dem in diesen Rechtsverhältnissen anwendbaren deutschen Recht ausgerichtet wurden. Dass hier deutsches Recht anwendbar war, wurde von keiner Partei bestritten und es bestehen daran auch keine Zweifel, da die Beteiligten an diesem Rechtsverhältnis (Sozialversicherung, Sohn des Copiloten, Y ._______) ausschliesslich einen Bezug zu Deutschland aufweisen und einzig der Unfall sich in der Schweiz ereignete. 2.2 2.2.1 Da es sich bei der Frage des Rückgriffs um einen Sachverhalt mi t internationalem Bezug handelt, ist zunächst zu prüfen , welche Recht s- ordnung auf die Frage anwendbar ist, ob der Beschwerdeführerin übe r- haupt ein Regressrecht zusteht, womit sie legitimiert wäre, den Anspruch A-7102/2013 Seite 9 geltend zu machen . Es geht also um die Frage, ob in den Dreiecksve r- hältnissen Vorinstanz als (potenzielle) Schädigerin, Sohn des Co piloten einerseits bzw. Y ._______ andererseits als Geschädigte und Beschwe r- deführerin als Versicherung L etztere aufgrund ihrer Ersatzleistung in die Position der beiden Geschädigten nachgerückt ist und/oder ob sie aus ei- genem Recht einen Anspruch auf Ersatz der von ihr gegenüber den G e- schädigten erbrachten Leistungen hat. 2.2.1.1 Das VG äussert sich zu dieser Frage weder in Bezug auf das a n- wendbare Recht noch stellt es selbst Regel n für den Rückgriff einer Ve r- sicherung auf den (potenziellen) Schädiger auf . Auch im Bereich des al l- gemeinen öffentlichen Rechts findet sich keine Antwort auf diese Frage n. Das allenfalls für die Beantwortung der Frage nach dem anwendbaren Recht analog anzuwendende Bundesgesetz über das Internationale Pr i- vatrecht vom 18. Dezember 1987 (IPRG, SR 291) behält in Art. 1 Abs. 2 völkerrechtliche Verträge ausdrücklich vor. Damit kommt dessen Art. 144 Abs. 3, welcher sich mit der Frage befasst, ob einer Einrichtung, die ö f- fentliche Aufgaben wahrnimmt, ein Rückgriffsrecht zusteht, bezüglich der Frage, ob ein Anspruch auf die Beschwerdeführerin übergegangen ist, schon aus diesem Grund nicht zum Tragen, denn die Schweiz hat inte r- nationale Verträge ratifiziert, die sich mit dieser Frage befassen. 2.2.1.2 Nach dem Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweize- rischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemei n- schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang II betreffend die Koo r- dinierung der Systeme der sozialen Sicherheit , kommt die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 (VO 1408/71; AS 2004 121) zur Anwendung. Dies gilt vorliegend auch in zeitlicher Hinsicht, ist sie doch am 1. Juni 2002 in Kraft getreten und am 1. April 2012 ausser Kraft gesetzt worden und hat sich der Unfall in dieser Zeitspanne, am 19. Dezember 2010, ereignet. Entgegen der Ansicht der Beschwerdefü h- rerin sind somit für den Rückgriff nicht die Bes timmungen des Abko m- mens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bu n- desrepublik Deutschland über Soziale Sicherheit vom 25. Februar 1964 (SR 0.831.109.136.1 in der Fassung durch das Erste Zusatzabkommen vom 9. September 1975 [SR 0.831.109.136 .121] und das Zweite Zusat z- abkommen vom 2. März 1989 [SR 0.831.109.136.122] ) massgebend (Art. 6 Bst. a VO 1408/71). A-7102/2013 Seite 10 2.2.1.3 Nach Art. 93 Abs. 1 Bst. a VO 1408/71 gilt, wenn nach den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaates Leistungen für den Schaden gewährt werden, der sich aus einem im Gebiet eines anderen Mitglie d- staats eingetretenen Ereignis ses ergibt, für etwaige Ansprüche des ve r- pflichteten Trägers gegen einen zum Schadenersatz verpflichteten Dritten die folgende Regelung: Sind die Ansprüche, die der Leistungsempfänger gegen den Dritten hat, nach den für den verpflichteten Träger geltenden Rechtsvorschriften auf diesen Träger übergegangen, so erkennt jeder Mitgliedstaat diesen Übergang an. Nach Bst. b ist auch ein Anspruch von allen Mitgliedstaaten anzuerkennen, wenn der verpflichtete Träger gegen den Dritten einen unmittelbaren Anspruch hat (vgl. BASILE CARDINAUX, Das Personenfreizügigkeitsabkommen und die schweizerische berufliche Vorsorge, Zürich/Basel/Genf 2008, Rz. 1546) . Die verpflichtete Träger in ist im vorliegenden Fall die Beschwerdeführerin, also eine deutsche Soz i- alversicherung. Demzufolge ist die Frage, ob der Beschwerdeführerin ein Regressrecht zusteht, nach deutschem Recht zu beurteilen. 2.3 Was das deutsche Recht anbelangt, gilt Folgendes: 2.3.1 Die Beschwerdeführerin hat dargelegt, dass nach § 116 Abs. 1 des (deutschen) Sozialgesetzbuches X (SGB X) « ein auf anderen gesetzl i- chen Vorschriften beruhender Anspruch auf Ersatz eines Schadens » auf sie übergeht, « soweit [sie] au f Grund des Schadensereignisses Sozia l- leistungen zu erbringen hat, die der Behebung eines Schadens der gle i- chen Art dienen und sich auf den selben Zeitraum wie der vom Schädiger zu leistende Schadenersatz beziehen.» Die Vorinstanz macht in der Rep- lik geltend, sie habe den Regressanspruch nach § 116 SGB X nicht aner- kannt, sondern die Frage offengelassen. 2.3.2 Ein solcher Regressanspruch ist jedoch grundsätzlich zu bejahen, da er Ansprüche aus dem gesamten Haftpflichtrecht umfasst ( DIETER KRAUSKOPF/HORST MARBURGER, Die Ersatzansprüche nach § 116 SGB X, 7. Aufl., St. Augustin 2013, S. 73 ; vgl. auch TILMAN BREITKREUZ, in: Di e- ring/Timme/Waschull [Hrsg.], Sozialgesetzbuch X, Sozialverwaltungsve r- fahren und Sozialdatenschutz, 3. Aufl., Baden -Baden 2011, § 116 N. 4; HELMUT DANKELMANN, § 7 Zusammenarbeit der Leistungsträger, in: Fic h- te/Plagemann/Waschull [Hrsg.], Sozialverwaltungsverfahrensrecht, Ba- den-Baden 2008, Rz. 162), insbesondere auch Ansprüche aus der Amt s- haftung ( RAIMUND WALTERMANN, in: Ralf Kreikebohm/Wolfga ng Spell - brink/Raimund Waltermann, Kurzkommentar zum Sozialrecht, 2. Aufl., München 2011, Rz. 16 zu § 116 SGB X) und auch solche gegen auslä n-A-7102/2013 Seite 11 dische Schädiger ( HERMANN PLAGEMANN, in: Bernd Baron von Maydell/ Franz Ruland/Ulrich Becker [ Hrsg.], Sozialrechtshandbuch SRH, 5. Aufl ., Baden-Baden 2012, Rz. 21 zu § 166 SGB X) . Beim Rückgriff nach § 116 SGB X tritt der Sozialversicherungsträger an die Stelle des Versicherten (KRAUSKOPF/MARBURGER, a.a.O., S. 25 und 37). 2.3.3 Selbstredend kann die Sozialversicherung nur an die Stelle eines Geschädigten treten, wenn Letzterer tatsächlich einen Anspruch gegen den Schädiger hat (vgl. DANKELMANN, a.a.O., § 7 Rz. 160), denn sonst besteht keine Forderung, die übergehen kann . Da diese Frage (ob de r Geschädigten ein Ersatzanspruch gegen die Vorinstanz zustehen würde) aber vorliegend erst zu klären sein wird, ist für die Frage, ob der Be- schwerdeführerin überhaupt ein Regressrecht zustehen würde , nur zu prüfen, ob ihr ein solches zustü nde, wenn der Anspruch, den sie geltend machen will, bestünde (gleich wie auch die Legitimation des Geschädi g- ten zunächst unabhängig vom Ausgang des Verfahrens zu prüfen ist). Ei- ne weitere Voraussetzung ist, dass der Schaden, den die Versicherung deckt und jener, den der Schädiger verursacht hat, in sachlicher und zeit- licher Hinsicht kongruent sind ( DIRK BIERESBORN, in: Bieresborn et al. [Hrsg.], SGB X, Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz, 8. Aufl., München 2014, Rz. 5 und 16 zu § 116 SGB X; BREITKREUZ, a.a.O., Rz. 8 und 11 zu § 116 SGB X; PLAGEMANN, a.a.O., Rz. 7 zu § 116 SGB X). Unter den anderen gesetzlichen Vorschriften, auf denen der An- spruch auf Ersatz gemäss § 116 Abs. 1 beruhen muss (E. 2.3.1), sind An- sprüche ausserhalb des SGB gemeint ( BREITKREUZ, a.a.O., Rz. 4 zu § 116 SBG X). Das bedeutet, dass es sich beim den Schadenersatza n- spruch begründenden Ereignis um ein es handelt, welches auf eine g e- setzliche Vorschrift ausserhalb des SGB gegründet ist ( DANKELMANN, a.a.O., § 7 Rz. 162; WOLFGANG GITTER/JOCHEM SCHMITT, Sozialrecht, 5. Aufl., München 2001, § 22 Rz. 20). 2.3.4 Der Anspruch geht grundsätzlich im Zeitpunkt des Schadenserei g- nisses von Gesetzes wegen auf die Sozialversicherung über ( BIERES- BORN, a.a.O., Rz. 2 zu § 116 SGB X; BREITKREUZ, a.a.O., Rz. 12 zu § 116 SGB X; DANKELMANN, a.a.O., § 7 Rz. 161 und 164). Der Zweck der Vor- schrift von § 116 Abs. 1 SBG X ist einerseits, Doppelleistungen an den Geschädigten (nämlich einmal durch die Versicherung und ein weiteres Mal durch den Schädiger) zu verhindern , andererseits soll auf diese Wei- se der Schädiger sich nicht darauf berufen können , dem Geschädigten sei gar kein Schaden entstanden, weil dieser Schaden durch die Vers i- cherung gedeckt worden sei ( PLAGEMANN, a.a.O., Rz. 5 zu § 116 SGB X; A-7102/2013 Seite 12 GITTER/SCHMITT, a.a.O., § 22 Rz. 19; vgl. auch BREITKREUZ, a.a.O., Rz. 1 zu § 116 SGB X; BIERESBORN, a.a.O., Rz. 1a zu § 116 SGB X). 2.3.5 Da die Beschwerdeführerin gehalten war, den Schaden zu decken (E. 2.1.1 f.), der Schadenersatz aus dem diesen begründenden Ereignis sich nicht auf das SBG stützt und die erstatteten Schadensposten mit j e- nen, die gegen die Vorinstanz geltend gemacht werden, kongruent sind, sind allfällige Forderungen der Geschädigten gegen die Vorinstanz im Umfang der von der Beschwerdeführerin geleisteten Zahlung en nach deutschem Recht auf diese übergegangen, was von der Schweiz anzuer- kennen ist (E. 2.2.1.3). 2.3.6 2.3.6.1 Die Frage, ob ein Rückgriff möglich ist, ist von der Frage zu unter- scheiden, wie dieser Rückgriff ausgestaltet ist. Da – wie nachfolgend ge- zeigt wird – sowohl nach deutschem als auch nach schweizerischem Recht die Sozialversicherung durch Subrogation in die Stellung des u r- sprünglichen Schuldners eintritt, kann hier offengelassen werden, ob sich die Frage, wie der Regress ausgestaltet ist, nach deutschem o der schweizerischem Recht richtet (bzw. ob diese Frage in Art. 93 Abs. 1 VO 1408/71 abschliessend geregelt wird [vgl. E. 2.2.1.3] oder ob aufgrund des Fehlens einer völkerrechtlichen Vereinbarung Art. 144 Abs. 2 IPRG zur Anwendung gelangt). 2.3.6.2 Gemäss deutschem Recht tritt die Sozialversicherung vollständig an die Stelle des Geschädigten. Sie kann den Anspruch gegen den Schädiger genau so geltend machen, wie es dem Schädiger möglich g e- wesen wäre. Der Anspruch ist auf dem Rechtsweg geltend zu machen, den auch de r Geschädigte hätte beschreiten müssen (BREITKREUZ, a.a.O., Rz. 2 zu § 116 SGB X; vgl. GITTER/SCHMITT, a.a.O., § 22 Rz. 22). 2.3.6.3 Gemäss schweizerischem Recht gilt Folgendes: Der Versich e- rungsträger tritt nach Art. 72 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) im Zeitpunkt des Ereignisses bis auf die Höhe der gesetzlichen Leistungen in die Ansprüche der versicherten Person und ihrer Hinterla s- senen gegenüber einem Dritten Haftpflichtigen ein (UELI KIESER, ATSG- Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Rz. 172 f. zu Art. 72 ATSG; DERS./HARDY LANDOLT, Unfall – Haftung – Versicherung, Zürich 2011, N. 705; WALTER FELLMANN/ANDREA KOTTMANN, Schweizerisches Haf t- pflichtrecht Allgemeiner Teil, Bern 2012, Rz. 1756). Mit der Subrogation A-7102/2013 Seite 13 entsteht kein neuer, selbständiger Anspruch des Sozialversicherers. Er übernimmt durch Legalzession den Haftpflichtanspruch des Geschädi g- ten mit allen damit verbundenen Vor - und Nachteilen (Urteil des Oberg e- richts des Kantons Zürich HG 110264 vom 12. September 2013 E. 2.1; INGEBORG SCHWENZER, Obligationenrecht Allgemeiner Teil, 6. Aufl., Bern 2012, Rz. 15.14 ; siehe dazu aber auch E. 3.3.1). Die gesetzliche R e- gressordnung von Art. 51 Abs. 2 OR gilt für die regressierende Sozial ver- sicherung nicht; diese kann auch auf einen Kausalhaftpflichtigen greifen (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juni 2010, SG 2010 Nr. 1626, E. 2.2. 1; CLAIRE HUGUENIN, Obligationenrecht, Allgeme i- ner und Besonderer Teil, Zürich 2012 Rz. 2018; KIESER, a.a.O. Rz. 17 zu Art. 72 ATSG; FRÉDÉRIC KRAUSKOPF, Der Regressprozess, in: Walter Fellmann/Stephan Weber [Hrsg.], Haftpflichtprozess 2013 Heuristics and Biases, Persönlichkeitsschutz, Regressprozess, Substanzierung, Parte i- befragung und Gutac hten, Zürich 2013 , S. 73; SCHWENZER, a.a.O. , Rz. 88.33). 2.4 Im Gegensatz zur Frage, ob der Beschwerdeführerin ein Regres s- recht zusteht, richtet sich die Frage, ob Anspruch auf Schadenersatz b e- steht – mangels Vorliegen völkerrechtlicher Bestimmungen – gemäss Art. 133 Abs. 2 IPRG nach dem Recht des Staates, in welchem die une r- laubte Handlung begangen worden ist (sog. Forderungsstatut). Gleiches wäre auch nach dem deutschen Kollisionsrecht der Fall ( PLAGEMANN, a.a.O., Rz . 22 zu § 116 SGB X ; vgl. auch KRAUSKOPF/MARBURGER, a.a.O., S. 34, DANKELMANN, a.a.O., Rz. 168). Im vorliegenden Fall von besonderer Bedeutung sind Fragen im Zusammenhang mit Verjährung und Verwirkung der Forderung (dazu E. 3.2 und 3.3). Demzufolge sind nachfolgend die Haftungsgrundlagen nach dem schwei- zerischen Staatshaftungsrecht darzustellen. 3. 3.1 Eine Organisation im Sinn von Art. 19 VG haftet für den einem Dritten zugefügten Schaden nach den Art. 3-6 VG (Art. 19 Abs. 1 Bst. a VG; vgl. oben E. 1.1). Eine Schadenersatzpflicht der Organisa tion besteht de m- nach ohne Rücksicht auf ein Verschulden seiner Organe und Angestellten (vgl. Art. 3 Abs. 1 VG), wenn kumulativ folgende Tatbestandsmerkmale er- füllt sind: A-7102/2013 Seite 14 – Verhalten (Tun oder Unterlassen) eines Organs oder Angestellten der Organisation in Au sübung der mit den übertragenen öffentlich - rechtlichen Aufgaben verbundenen Tätigkeit; – Widerrechtlichkeit des Verhaltens; – adäquater Kausalzusammenhang zwischen diesem Verhalten und dem Schaden; – (quantifizierter) Schaden (vgl. zum Ganzen: statt vieler BVGE 2010/4 E. 3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A -353/2014 vom 24. Juli 2014 E. 2.1, A-6735/2011 vom 30. April 2013 E. 5.1 und A-3924/2012 vom 18. Februar 2013 E. 4.1 je mit zahlreichen Hinweisen ; JAAG, a.a.O., Rz. 203 i.V.m. Rz . 51 ff., 65 ff., 96 ff. und 143 ff.; SCHMID/TAKEI, a.a.O., S. 111 f.; HEINZ REY, Ausservertragliches Haft- pflichtrecht, 4. Aufl., Zürich 2008, Rz. 117). Die Haftungsvoraussetzungen Schaden, Widerrechtlichkeit und adäqu a- ter Kausalzusammenhang stimmen in ihr er Bedeutung mit den entspr e- chenden Begriffen im privaten Haftpflichtrecht überein (vgl. BGE 123 II 577 E. 4d/bb; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A -7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 2.1 und A -1269/2008 vom 13. November 2009 E. 2.1; JAAG, a.a.O., Rz. 33, 51 und 97; JOST GROSS, Schweizerisches Staat s- haftungsrecht, 2. Aufl., Bern 2001, S. 169, 212 und 238 f.; NADINE MAY- HALL, Aufsicht und Staatshaftung, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 225 ff. und 267 ff; REY, a.a.O., Rz. 117). 3.2 Die Haftung des Bundes erlischt, wenn der Geschädigte sein Bege h- ren auf Schadenersatz oder Genugtuung nicht innert eines Jahres seit Kenntnis des Schadens einreicht, auf alle Fälle nach zehn Jahren seit dem Tag der schädigenden Handlung des Beamten (Art. 20 Abs. 1 VG). Während also die relati ve Frist von einem Jahr an die Kenntnis des Schadens anknüpft, läuft die absolute Frist von zehn Jahren ab dem Tag der schädigenden Handlung und somit unabhängig vom Zeitpunkt des Schadenseintritts (BGE 136 II 187 E. 7; siehe aber auch: Urteil des Eur o- päischen Gerichtshofs für Menschenrechte Howald Moor und andere g e- gen die Schweiz vom 11. März 2014, 52067/10 und 41072/11, § 70 ff.). 3.2.1 Sowohl die relative als auch die absolute Frist sind Verwirkungsfris- ten. Sie können somit – im Gegensatz zu einer Verjährung sfrist – grund- sätzlich weder gehemmt oder unterbrochen noch erstreckt werden (BGE 136 II 187 E. 6, 133 V 14 E. 6, 126 II 145 E. 2a [L etzterer mit umfangrei- chen Literaturhinweisen] und ausführlich BGE 86 I 60 E. 5 ; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-353/2014 vom 24. Juli 2014 E. 2.2.2, A-7102/2013 Seite 15 A-6121/2011 vom 11. Dezember 2012 E. 3.1, A -5588/2007 vom 10. August 2012 E. 2.3 f. und A-7063/2007 vom 28. Mai 2008 E. 4.1.1; MAYHALL, a.a.O., S. 294; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, Zürich/St. Gallen, 6. Aufl., 2010, Rz. 795). Gewahrt wird die Frist in einem Verfahren nach Art. 19 VG durch die rechtzeitige Eingabe des Begehrens beim leitenden Organ der Organis a- tion (JAAG, a.a.O., Rz. 239; für Verfahren, die beim EFD einzuleiten sind vgl. Art. 1 Abs. 1 der Verordnung zum Ve rantwortlichkeitsgesetz vom 30. Dezember 1958 (SR 170.321) und Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts A-1017/3023 vom 29. August 2013 E. 2.2.1 und A-5389/2011 vom 7. Januar 2013 E. 3.2). 3.2.2 Art. 20 Abs. 1 VG ist en tsprechend der ähnlich lautenden Besti m- mung von Art. 60 Abs. 1 OR auszulegen ( MAYHALL, a.a.O., S. 294; CANDRIAN, a.a.O., S. 153 f.). Praxisgemäss beginnt dort die relative Frist mit der tatsächlichen Kenntnis des Verletzten vom Schaden und von der Person d es Haftpflichtigen zu laufen; blosses «Kennen -müssen» reicht nicht (vgl. aber E. 3.2.4). Dem Geschädigten müssen alle tatsächlichen Umstände bekannt sein, die geeignet sind, eine Klage zu veranlassen und zu begründen (BGE 133 V 14 E. 6; Urteil des Bundesge richts 2C.1/1999 vom 12. September 2000 E. 3a; Urteile des Bundesverwa l- tungsgerichts A-353/2014 vom 24. Juli 2014 E. 2.2.3, A-3924/2012 vom 18. Februar 2013 E. 4.2.1, A-5588/2007 vom 10. August 2012 E. 2.5 f., A-2526/2011 vom 7. August 2012 E. 5.1 und A-5798/2009 vom 16. Juni 2011 E. 4.1). Was die Kenntnis von der Person des Ersatzpflichtigen anbelangt, ist zu berücksichtigen, dass im Staatshaftungsrecht die externe Haftung des Beamten ausgeschlossen ist – für den Schaden mithin ausschliesslich der Bund bzw. die mit Aufgaben des Bundes betraute, ausserhalb der o r- dentlichen Bundesverwaltung stehende Organisation haftet (vgl. Art. 3 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 VG) –, weshalb nicht erforderlich ist, dass der sch a- denverursachende Beamte oder Angestellte identifiziert werden kann (vgl. statt vieler : Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A -2526/2011 vom 7. August 2012 E. 5.1 und A -5798/2009 vom 16. Juni 2011 E. 4.1; KURT MEIER, Orientierungshilfen im Dschungel der Staatshaftung, plädoyer, Magazin für Recht und Politik 2008, Heft 4, S. 40 ff., S. 41). Kenntnis vom Schaden hat demnach, wer die schädlichen Auswirkungen der unerlaubten Handlung bzw. der Unterlassung so weit kennt, dass er A-7102/2013 Seite 16 in der Lage ist, für alle Schadensposten auf dem Prozessweg Ersatz zu verlangen (BGE 133 V 14 E. 6; Urteile des Bundesgerichts 2C_149/2013 vom 15. April 2013 E. 3.2 und 2C_640/2011 vom 1. Februar 2012 E. 2.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A -1017/2013 vom 29. August 2013 E. 2.2.2, A-2526/2011 vom 7. August 2012 E. 5.1, A-5798/2009 vom 16. Juni 2011 E. 4.1 und A-7063/2007 vom 28. Mai 2008 E. 4.1.2.1). Mit Bezug auf die Kenntnis über die Höhe des Schadens gilt, dass die Frist zu laufen beginnt, wenn der Geschädigte die wichtigen Elemente seines Schadens kennt, die ihm erlauben, dessen Grössenordnung zu besti m- men und sein Staatshaftungsbegehren in den wesentlichen Zügen zu b e- gründen, ohne aber bereits wissen zu müssen, wie hoch dieser ziffer n- mässig ist (grundlegend: BGE 108 Ib 97 E. 1b und 1c; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 2C_1 49/2013 vo m 15. April 2013 3.5; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-353/2014 vom 24. Juli 2014 E. 2.2.4, A-1017/2013 vom 29. August 2013 E. 2.2.3, A-5389/2011 vom 7. Januar 2013 E. 3.2 und A -5588/2007 vom 10. August 2012 E. 2.6; ROBERT K. DÄPPEN, in: B asler Kommentar, Obligationenrecht I, 5. Aufl., Basel 2011, Rz. 7 zu Art. 60 OR mit Hinweisen; THOMAS MEIER, Verjährung und Ve r- wirkung öffentlich-rechtlicher Forderungen, Zürich 2013, S. 151 f.; KARL OFTINGER/EMIL W. STARK, Schweizerisches Haftpflichtrecht , Band II/1, 4. Aufl., Zürich 1987, § 16, Rz. 351). 3.2.3 Generell ohne Bedeutung ist die Kenntnis der einschlägigen Rechtsnormen. Weil es sich bei der Frage, ob eine Schädigung wide r- rechtlich erfolgt ist, um eine Rechtsfrage handelt, kann der Beginn des Fristenlaufs nicht davon abhängen, ob Gewissheit über die Widerrech t- lichkeit besteht. Vielmehr muss es genügen, wenn alle der für die Beurtei- lung der Widerrechtlichkeit erforderlichen Sachverhaltselemente bekannt sind (vgl. im Ergebnis BGE 82 II 43 E. 1b; Urteile des Bundesverwa l- tungsgerichts A -3924/2012 vom 18. Februar 2013 E. 4.2.3 und A-5389/2011 vom 7. Januar 2013 E. 3.2). Gleiches gilt für die Adäquanz. 3.2.4 In Rechtsprechung und Lehre haben sich zwei Ausnahmen herau s- gebildet, bei deren Bejahung vom Grundsatz, das s «Kennen-müssen» nicht genügt, abgewichen werden kann (vgl. zum Nachfolgenden : RO- LAND BREHM, Berner Kommentar, Obligationenrecht: Die Entstehung durch unerlaubte Handlungen, Art. 41 – 61 OR, 4. Aufl., Bern 2006 , Rz. 60-60b zu Art. 60 OR, mit weiteren Nachweisen), nämlich wenn der Geschädigte (1) die wesentlichen Elemente des Schadens kennt, es aber in der Folge unterlässt, nähere Abklärungen vorzunehmen, die für die E r- hebung einer Klage notwendig sind, oder (2) sich wider Treu und Glauben A-7102/2013 Seite 17 (Art. 2 ZGB) gleichgültig oder sogar total desinteressiert gegenüber dem Schaden verhält (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5588/2007 vom 10. August 2012 E. 2.9). 3.3 Es stellt sich jedoch die Frage, ob die in E. 3.2 dargestellte Regelung der Verwirkung der Forderung gemäss Art. 20 Abs. 1 VG auch dann a n- wendbar ist, wenn die Ansprüche auf dem Regressweg durch eine Sozi- alversicherung geltend gemacht werden. Zur Beantwortung dieser Frage ist auf das schweizerische Sozialversicherungsrecht als Forderungsstatut einzugehen (E. 2.4). Im Folgenden wird zuerst das Regressrecht in der schweizerischen Sozialversicherung dargestellt (E. 3.3.1), insbesondere auf die Verjährungsbestimmung von Art. 72 Abs. 3 ATSG eingegangen (E. 3.3.2 f.), dann der Frage nachgegangen, ob Art. 72 Abs. 3 ATSG auf die Verwirkungsfrist von Art. 20 Abs. 1 VG anzuwenden ist und was dies bedeutet (E. 3.3.4). 3.3.1 Nach Art. 72 Abs. 3 ATSG bleiben auf die übergegangenen Ansprü- che die ihrer Natur entsprechenden Verjährungsfristen anwendbar. Für den Regressanspruch des Versicherungsträgers beginnen jedoch die r e- lativen Fristen erst mit dessen Kenntnis seiner Leistungen und der Pe r- son des Ersatzpflichtigen zu laufen. Die Sozialversicherung wird de m- nach gegenüber dem ursprünglich Anspruchsberechtigten bevorzugt. Massgebend ist somit einerseits in der Regel der Zeitpunkt der leistung s- festsetzenden Verfügung und andererseits jener, in der der Versich e- rungsträger weiss, dass er auf einen Haftpflichtigen Regress nehmen kann ( MARC M. HÜRZELER, Extrasystemische Koordination, Regress der Sozialversicherer auf Haftpflichtige, in: Steiger-Sackmann/Mosimann [Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis XI, Recht der sozialen Siche r- heit, Rz. 36.53 ff.; KIESER, a.a.O., Rz. 19 zu Art. 72). Diese Bestimmung durchbricht das Subrogationsprinzip, d.h. den Grundsatz, dass die Haf t- pflichtansprüche des Geschädigten, der gleichzeitig Ansprüche aus Soz i- alversicherung hat, mit dem Eintritt des schädigenden Ereignisses – tel- quel – auf den Sozialversicherer übergehen ( KRAUSKOPF, a.a.O., S. 90). Die Regelung rechtfertigt sich, weil der Umfang des Regresses sich nach den erbrachten Leistungen richtet und weil gewisse Sozialversicheru n- gen, insbesondere die Invalidenversicherung, ihre Leistungen nicht unmit- telbar nach dem s chädigenden Ereignis erbringen ( GHISLAINE FRÉSARD- FELLEY, Le recours de l'assuranc e-accidents sociale contre le tiers responsable ou son assureur, Zürich/ Basel/Genf 2007, Rz. 1830). Auch wenn die Ansprüche grundsätzlich im Zeitpunkt des schädigenden Erei g- nisses auf die Sozialversicherung übergehen, steht der Umfang der A-7102/2013 Seite 18 Subrogation nämlich allenfalls bis zum Zeitpunkt der Leistung in der Schwebe (HÜRZELER, a.a.O., Rz. 36.9). 3.3.2 Was Art. 72 Abs. 3 ATSG bezüglich der Dauer der Verjährungsfrist des Regressanspruchs festhält, muss auch gelten, wenn es sich bei der Frist um eine Verwirkungsfrist handelt ; für die übergegangenen Anspr ü- che gelten dieselben Verwirkungsfristen . Es stellt sich jedoch weiter die Frage, ob die Sonderb estimmung über den Beginn der Verjährungs frist auch für den Beginn einer Verwirkungsfrist – wie jener von Art. 20 Abs. 1 VG – gilt. Im Hinblick auf diese Frage ist Art. 72 Abs. 3 ATSG auszulegen. Im Resultat läuft eine solche « Verschiebung» des Beginns des Friste n- laufs auf eine Hemmung des Laufs der Verwirkungsfrist hinaus, was dem Grundsatz, dass Verwirkungsfristen keiner Hemmung unterl iegen, wider- spricht (MEIER, a.a.O., S. 208). Ausnahmen können sich jedoch aus dem Gesetz ergeben (MEIER, a.a.O., S. 208). Es stellt sich somit die Frage, ob Art. 7 2 Abs. 3 ATSG eine solche Ausnahme darstellt, was durch Ausl e- gung der Bestimmung zu ermitteln ist. Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung (sog. grammatikalische Auslegung). Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach der wahren Tra g- weite der Bestimmung gesucht werden unter Hinzuziehung aller Ausl e- gungselemente (sog. « Methodenpluralismus»; vgl. BGE 136 II 149 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 1C_156/2011 vom 15. Juli 2011 E. 3.5.1; statt vieler: BVGE 2014/3 E. 2.4.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 217). Zu berücksichtigen sind namentlich die Entstehungsgeschichte der Norm (sog. historische Auslegung), der Zusammenhang, in dem sie mit anderen Gesetzesbestimmungen steht (sog. systematisc he Ausl e- gung) sowie ihr Sinn und Zweck (sog. teleologische Auslegung). Dabei können – zumindest, sofern es sich um zu konkretisierende Generalkla u- seln handelt – die unterschiedlichen rechtspolitischen Ziele von Sozia l- versicherungs- und Haftpflichtrecht ber ücksichtigt werden (BGE 123 III 110 E. 3a). Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar en t- scheidend, dienen aber im Rahmen der historischen Auslegung als Hilfsmittel, den Sinn der Norm zu erkennen. Namentlich bei neueren Te x- ten kommt den Materiali en eine besondere Stellung zu, weil noch keine veränderten Umstände oder ein gewandeltes Rechtsverständnis best e- hen, die eine andere Lösung nahelegen würden (BGE 136 II 149 E. 3, 128 I 288 E. 2.4; BVGE 2014/8 E. 3.3). A-7102/2013 Seite 19 Da der Wortlaut von Art. 72 Abs. 3 ATSG bezüglich der zu klärenden Fra- ge unklar ist – die Bestimmung erwähnt nur Verjährungs-, nicht aber Ver- wirkungsfristen –, wird bei der Auslegung im Folgenden zuerst auf die Materialien eingegangen (E. 3.3.2.1), dann im Rahmen einer systemat i- schen Auslegung die Rechtslage bei der Subrogation einer privaten Ver- sicherung nach Art. 72 Abs. 1 des Versicherungsvertragsgesetzes vom 2. April 1908 (VVG, RS 221.229.1; E. 3.3.2.2) und der Fristbeginn der Verwirkung des Regressanspruchs nach Art. 51 Abs. 2 OR dargestellt (E. 3.3.2.3). S chliesslich werden auch teleologische Elemente beigez o- gen (E. 3.3.2.4). 3.3.2.1 Den Materialen lässt sich wenig entnehmen. Einzig die Kommis- sion des Nationalrates für soziale Sicherheit und Gesundheit äussert sich in ihrem Bericht vom 26. März 1999 (BBl 1999 V 4523, 4653 f.) wie folgt: «Auszugehen ist vom Grundsatz, dass der Sozialversicherungsträger, der in einem Versicherungsfall Leistungen zu erbringen hat, auf einen haftpflicht i- gen Dritten Rückgriff nehmen kann. Dabei soll generell das Subrogati- onsprinzip gelten. Die Rechte sollen im Zeitpunkt des Ereignisses und nicht erst im Z eitpunkt der Zahlung übergehen. […] Absatz 3 des bundesrätlichen Antrags befasst sich mit den Verjährungsfristen. Diese beginnen gemäss Bundesrat erst dann, wenn der Sozialversicherungsträger Kenntnis von se i- ner Leistungspflicht und der Person des Ersatzpflichtigen, auf den Rückgriff genommen werden kann, hat. Es wird aber im bundesrätlichen Antrag nicht dargelegt, ob es sich dabei um die absolute oder die relative Verjährungsfrist handelt. Die Kommission empfiehlt, beide Verjährungsfristen in den Abs atz 3 aufzunehmen und zum Ausdruck zu bringen, dass mit dem Übergang der Ansprüche auch die diesen Ansprüchen entsprechenden Verjährungsfristen voll übergehen. Die absoluten Verjährungsfristen schützen die Haftpflichtigen vor weit zurückliegenden Forderungen. Die relativen Verjährungsfristen mü s- sen wesentlich kürzer sein. Sie sollen aber erst dann zu laufen beginnen, wenn der Versicherungsträger weiss, dass er zu leisten hat, und wenn er den Ersatzpflichtigen kennt. In diesem Sinne präzisiert die Kommissi on das A n- liegen des Bundesrats.» Ob eine Unterscheidung zwischen – relativen – Verjährungs- und Verwir- kungsfristen zu machen ist, geht aus diesen Ausführungen nicht hervo r. Allerdings würden sich die hier wiedergegebenen Argumente auf Verwi r- kungsfristen übertragen lassen. 3.3.2.2 Was ähnliche Regelungen in anderen Rechtsgebieten anbelangt, geht nach Art. 72 Abs. 1 VVG der Ersatzanspruch, der dem Anspruchsbe- rechtigten gegenüber dem Dritten aus unerlaubter Handlung zusteht, i n- soweit als der (private) Versicherer eine Entschädigung geleistet hat, – durch Legalzession – auf diesen über. An der Verjährung der Forderung A-7102/2013 Seite 20 ändert sich mit der Subrogation durch die Versicherung als neue Gläubi- gerin nichts, d.h. es geht die begonne ne Verjährung auf die Versicherung über; dieser bleibt nur die restliche Dauer der Verjährungsfrist, um die Forderung gegen den Haftpflichtigen geltend zu machen ( WALTER FELL- MANN/ANDREA KOTTMANN, Schweizerisches Haft pflichtrecht Band I, Bern 2012, Rz 2959 und 3010, FRÉDÉRIC KRAUSKOPF/ALEXANDER MÜLLER, Die Verjährung von Regressrechten im Haftpflicht - und Privatversicherungs- recht, HAVE – Haftpflicht und Versicherung 2006 S. 325 f.; KRAUSKOPF, a.a.O., S. 105; REY, a.a.O., Rz. 1715). Das Gleiche müsste auch für eine begonnene Verwirkungsfrist gelten, denn auch diese kann nur soweit mit der Haftpflichtforderung übergehen, als sie noch nicht verstrichen ist. Auch hier hätte wohl die (private) Versicherung, die in die F orderung subrogiert, lediglich die Restdauer der Verwirkungsfrist zur Verfügung, um die Forderung gel tend zu ma chen (vgl. aber die nachfolgenden Ausfü h- rungen zum Anspruch der Versicherung aufgrund von Art. 51 Abs. 2 OR). 3.3.2.3 Neben der durch die Subrogation ge mäss Art. 72 VVG überg e- gangenen Forderung hat die leistende (private) Versicherung jedoch eine selbständige Regressforderung aufgrund des Regressrechts, wie es sich aus der gesetzlichen Regressordnung von Art. 51 Abs. 2 OR ergibt (KRAUSKOPF, a.a.O., S. 94 ). Dieser Anspruch unterliegt einer anderen Verjährung als der Subrogationsanspruch (Urteil des Bundesgerichts 4A_133/2014 vom 8. Juli 2014 E. 4.2). Die Regressforderung verjährt nach der bundesgerichtli chen Rechtspre- chung ein Jahr seit dem Tag, an dem der Geschädigte den Schadene r- satz tatsächlich erhalten hat und dem Leistenden der andere Haftpflich ti- ge bekannt geworden ist (« relative Verjährungsfrist»), in jedem Fall j e- doch 10 Jahre nach Eintritt der Schädigung oder bei andauernder Sch ä- digung nachde m diese ein Ende gefunden hat (« absolute Verjährung»; BGE 133 III 6 [= Pra 2007 Nr. 104] E. 5.3.3 und 5.3.5; Urteil des Bundes- gerichts 4A_656/2011 vom 12. März 2012 E. 3.2 f. ; HUGUENIN, a.a.O. , Rz. 2314; KRAUSKOPF, a.a.O., S. 102 ). Diese Regelung trägt primär der Überlegung Rechnung, dass die Regressforderung erst mit der Zahlung an den Geschädigten entsteht, dass eine Forderung nicht zu verjähren beginnen kann, bevor sie entstanden ist und dass die Versicherung i m- mer erst zu einem späteren Zeitpunkt zahlt, als de r Schaden entstanden ist (BGE 133 III 6 E. 5.2.1 S. 12 und 127 III 257 E. 6c; KRAUSKOPF, a.a.O., S. 95). A-7102/2013 Seite 21 Zur Frage , ob die eben erwähnte einjährige Frist auch zur Anwendung kommt, wenn die Geltendmachung der Haftpflichtforderung mittels einer Verwirkungs- und nicht mittels einer Verjährungsfrist begrenz t ist, ob a l- lenfalls – obwohl die Forderung gegen den Haftpflichtigen mangels Wa h- rung einer Verwirkungsfrist, wie derjenigen von Art. 20 Abs. 1 VG – unter- gegangen ist, der Regressanspruch dennoch geltend gema cht werden kann, weil entsprechend einer Verjährungsfrist auch eine Verwirkungsfrist lediglich ab Entstehung der Regressforderung bzw. Kenntnis des anderen Haftpflichtigen laufen würde, gibt es weder Literatur noch Entscheide. Die Analyse des erwähnten En tscheids BGE 133 III 6 liefert jedoch wer t- volle Hinweise und würde wohl dazu führen, die bundesgerichtliche Rechtsprechung für die Verjährungsfrist nicht auch auf eine Verwirkungs- frist anzuwenden: Entscheidend ist, dass das Bundesgericht bei seiner Argumentation primär darauf abstellt, dass eine verjährte Forderung als Naturalobligation weiter besteht (BGE 133 III 6 E. 5.3.4 S. 26). Es betont, dass diese weiter erfüllt werden könne (aber nicht müsse), dass ein sie sicherndes Faustpfand weiter geltend gemach t werden und mit ihr ve r- rechnet werden könne, dass ihre Bezahlung keine Bezahlung einer Nichtschuld sei. Demzufolge befreie die Leistung eines Solidarschuldners auch denjenigen andern Solidarschuldner, der nicht mehr zur Erfüllung hätte gezwungen werden können, weil seine Forderung verjährt war. Das Bundesgericht betont, dass damit auch die Passiven des anderen Sol i- darschuldners vermindert würden. Bei der Verwirkung stellt sich die Rechtslage grundlegend anders dar, worauf auch das Bundesgericht in der eb en zitierten Erwägung hinweist ( «contrairement à la péremption [Verwirkung, perenzione]»): Durch die Verwirkung geht die Forderung u n- ter; es bleibt keine Naturalobligation bestehen . Die Forderung verliert nicht bloss ihre Durchsetzbarkeit, sondern geht gan z unter (GAUCH/ SCHLUEP/EMMENEGGER, Obligationenrecht Allgemein er Teil, Band II, 9. Aufl., Zürich 2008 Rz. 3386 und 3575; MEIER, a.a.O., S. 8). Es kann al- so auch keine Forderung mehr erfüllt, es kann nicht mehr mit ihr verrec h- net werden etc. Es lässt sich somit nicht argumentieren, die Leistung der Versicherung befreie den anderen Solidarschuldner – den Schuldner der «verwirkten Forderung» – von einem Passivum, denn ein solches gibt es nicht mehr. All diese Gründe, mit denen d as Bundesgericht im zitierten Entscheid das Ansetzen einer – neuen – Frist ab Entstehung der R e- gressforderung rechtfertigt, sind bei der Verwirkung nicht gegeben. Aus der Rechtsfolge, dass die Forderung bei Eintreten der Verwirkung untergeht, ergibt sich, dass es gar nicht mehr mehrer e Haftpflichtige gibt A-7102/2013 Seite 22 und sich die Frage des Rückgriffs unter mehreren Haftpflichtigen gar nicht mehr stellt (vgl. BGE 130 III 362 [= Pra 2005 Nr. 7] E. 5.2). Demzufolge würde es sich wohl rechtfertigen, im Rahmen von Art. 51 Abs. 2 OR die Regressforderun g nur dann zuzulassen, wenn die Haf t- pflichtforderung nicht bereits verwirkt ist. 3.3.2.4 Das Bundesgericht hat sich mit dem gesetzlichen Ziel der Verwir- kungsfrist von Art. 20 Abs. 1 VG ausführlich in BGE 86 I 60 auseinande r- gesetzt und dort festgehalten, dass sich die Verwirkungsfrist, welche nur mit Einreichen des Schadenersatzbegehrens, nicht aber mit einer an de- ren Handlung wie einer Betreibung gewahrt werden könne, mit den Int e- ressen der Verwaltung rechtfertigen lasse (BGE 86 I 60 E. 5 S. 66 unten). Mit der kurzen Verwirkungsfrist von Art. 20 Abs. 1 VG soll ein Geschädig- ter gezwungen werden, seine Ansprüche gegenüber dem Staat umge- hend geltend zu machen, damit für diesen feststeht, ob er belangt wird oder nicht. Geschützt werden die öffentlichen Interessen an Rechtssi- cherheit, Rechtsfrieden und an der Herstellung von Budgetsicherheit (MEIER, a.a.O., S. 155). 3.3.2.5 Nun ist aufgrund der dargestellten Auslegungselemente zu en t- scheiden, ob der Zeitpunkt des Verjährungsbeginns nach Art. 72 Abs. 3 ATSG auch für die Verwirkungsfrist nach Art. 20 Abs. 1 VG gilt. Die Anwendung von Art. 72 Abs. 3 ATSG auch auf Verwirkungsfristen würde dem in den Materialien genannten Grundsatz entsprechen, dass die leistende Sozialversicherung auf den haftpflichtigen Dritten Rückgriff nehmen kann. Anders als beim Regress gestützt auf Art. 51 Abs. 2 OR geht die Ford e- rung gegenüber den Haftpflichtigen jedoch nicht erst beim Erbringen der Versicherungsleistung auf den Sozialversicherungsträger über, sondern bereits im Zeitpunkt des versicherten E reignisses (E. 2.3.6.3; vgl. auch E. 3.3.1 sowie für das deutsche Recht E. 2.3.4). Dies bedeutet zwar, dass die Regressforderung im Zeitpunkt des Übergangs auf jeden Fall noch nicht verwirkt ist. Für die Sozialversicherung ist dies jedoch von geringer Bedeutung. Die Verwirkung könnte nämlich eingetreten sein, bis die Ver- sicherung überhaupt vom Versicherungsfall und von ihrer Leistungspflicht erfährt, und noch viel eher, bis sie ihre Leistung erbracht hat. Zudem wird – wie bei Art. 51 OR – der Regressumfang und damit ein wesentl i- ches Element für die Geltendmachung erst mit der Leistung sverfügung A-7102/2013 Seite 23 bestimmt; die Sozialversicherung könnte somit vor diesem Zeitpunkt ihr Begehren gar nicht beziffern. Dies spricht dafür, Art. 72 Abs. 3 ATSG auch auf eine Verwirkungsfrist anzuwenden. Gegen dess en Anwendung spricht die gle iche Argumentation wie bei Art. 51 Abs. 2 OR (E. 3.3.2 .3), nämlich dass die Forderung gegen den Haftpflichtgen bei einer Verwirkungsfr ist mit deren Ablaufen definitiv un- tergegangen ist, entsprechend dem bereits erwähnten Ziel, dass der Staat sich innert kurzer Frist darüber im Klaren sein soll, ob gegen ihn nach einem schädigenden Ereignis ein Anspruch erhoben wird oder nicht. Dieses Argument verliert aber etwas an Bedeutung, da beim Rückgriff e i- nes Sozialversicherungsträgers als Gläubiger und als Schuldner «staatli- che» Rechtspersönlichkeiten (zumindest solche mit staatlichen Aufgaben) beteiligt sind, zwischen de nen es den Schaden « zu verteilen » gilt, u nd nicht Private und der Staat. Zudem geht es vorliegend «nur» um die rela- tive Verwirkungsfrist, deren Beginn für den (potentiellen) Schädiger – so- fern er nicht von sich aus informiert – oft ungewiss ist. Während es bei Art. 51 Abs. 2 OR darum geht, mit der Kaskadenhaftung eine Versicherung, die die Schadenstragung vertraglich übernommen hat, den Schaden vor einem einzig aufgrund einer Gesetzesvorschrift Hafte n- den tragen zu lassen, ist das Ziel von Art. 72 ATSG gerade umgekehrt: Nicht die Sozialversicherung soll schlussendlich den Schaden tragen, sondern der Haftpflichtige. In der Interessenabwägung überwiegen nach Meinung des Bundesve r- waltungsgerichts diejenigen der Sozialversicherung, der der Rückgriff e r- leichtert werden soll, so dass das Bundesverwaltungsgericht im Folge n- den davon ausgeht, dass Art. 72 Abs. 3 ATSG auch für Verwirkungsfristen und insbesondere auch für jene nach Art. 20 Abs. 1 VG gilt, umso mehr, als die Verwirkung gemäss Art. 20 Abs. 1 VG – sofern der Staat Schul d- ner ist – praxisgemäss nur berücksichtigt wird, wenn das Gemeinwesen einen entsprechenden Einwand erhebt (Urteil des Bundesverwaltungsg e- richts A-5798/2009 vom 16. Juni 2011 E. 4.4), was diese Frist wieder in die Nähe einer Verjährungsfrist rückt. Demzufolge muss ein Sozialvers i- cherungsträger seinen Anspruch gegen den Staat bzw. eine Organisation nach Art. 19 VG innert eines Jahres nach seiner Leistung und vom Zei t- punkt an, in dem er den Ersatzpflichtigen kennt, geltend machen. 3.3.3 Was diese «Kenntnis des Ersatzpflichtigen» anbelangt, muss vo r- weg geklärt werden, welche Elemente diese Kenntnis umfassen muss. Im A-7102/2013 Seite 24 Gegensatz zu Art. 60 Abs. 1 OR erwähnt Art. 72 Abs. 3 ATSG diesbezüg- lich nämlich neben der eigenen Leistung des Sozialversicherers nur die Person des Ersatzpflichtigen, nicht aber den Schaden selber. Da aber der Versicherer nur in der Höhe seiner Leistungen in die Ansprü che eintritt (Art. 72 Abs. 1 ATSG), hat seine Kenntnis darüber zu genügen. Die Höhe des dem Geschädigten tatsächlich entstandenen Schadens ist für ihn hier nicht relevant. Die Frage stellt sich, ob mit der Formulieru ng «Kenntnis […] der Person des Ersatzpflichtigen» nicht nur dessen Stellung als mög- licher Ersatzpflichtiger, sondern auch die übrigen Element e von dessen Verantwortlichkeit erfasst werden, wie sie in E. 3.1 umschrieben sind. Art. 72 Abs. 3 ATSG muss auch in dieser Beziehung ausgelegt werden (zu den Elementen der Auslegung vgl. E. 3.3.2). 3.3.3.1 Vorwegzunehmen ist, dass die Kenntnis der Widerrechtlichkeit nicht relevant ist, handelt es sich doch hierbei um eine Rechtsfrage ; das Gleiche gilt für die Adäquanz, auch bei dieser handelt es sich um eine Rechtsfrage (E. 3.2.3). 3.3.3.2 Der Wortlaut der Bestimmung lässt die zwei genannten Möglich- keiten offen (E. 3.3.3). Entweder genügt es, wenn die Identität der ersatz- pflichtigen Person bekannt ist, oder es muss zusätzlich bekan nt sein, dass diese Person aufgrund der tatsächlichen Umstände auch wirklich ersatzpflichtig ist, womit der Regressgläubiger auch Kenntnis von den üb- rigen Elementen der Verantwortlichkeit haben muss. Damit sind die weite- ren Auslegungselemente (E. 3.3.2) beizuziehen. 3.3.3.3 Was das historische Element anbelangt, spricht der Bericht der Kommission des Nationalrates für soziale Sicherheit und Gesundheit vom 26. März 1999 (BBl 1999 V 653 f.) nicht bloss von der Kenntnis der «Per- son des Ersatzpflichtigen », sondern von der Kenntnis der Person des «Ersatzpflichtigen, auf den Rückgriff genommen werden kann ». Voraus- setzung dafür, dass auf diese Person Rückgriff genommen werden kann, ist, dass eben auch die einzelnen El emente, die zur Leistungspflicht fü h- ren, bekannt sind. Zum gleichen Resulta t führt auch das teleologische Auslegungselement: Art. 72 Abs. 3 ATSG will den Rückgriff einer Sozia l- versicherung erleichtern und nicht erschweren. Das systematische El e- ment spricht ebenfalls dafür, dass auch die tatsächlichen Grundlagen der weiteren Haftungsvoraussetzungen bekannt sein müssen, da die R e- gressforderung ihren Grund i n der Haftpflichtforderung hat, und für diese relevant ist, dass alle Elemente der Haftpflicht bekannt sind. Dazu gehört insbesondere die Kenntnis der natürlichen Kausalität ( BREHM, a.a.O., A-7102/2013 Seite 25 Rz. 61a zu Art. 60 OR) sowie der Elemente, die der Rechtswidrigkeit zu Grunde liegen (E. 3.2.2 f.). 3.3.3.4 Dies bedeutet, dass die Verwirkungsfrist des Regressanspruchs nach Art. 20 Abs. 1 VG beginnt, wenn die Sozialversicherung leistungs- pflichtig ist, und wenn sie zusätzlich weiss, dass aufgrund des VG eine Haftpflicht für den Bund oder eine mit Aufgaben des Bundes betraute O r- ganisation besteht und sie zudem auch die der Rechtswidrigkeit und der natürlichen Kausalität zu Grunde liegenden Sachverhaltselemente kennt. 3.3.4 Demzufolge ist als Nächstes zu klären, ob im vorliegenden Fall di e- se Frist von Art. 20 Abs. 1 VG eingehalten wurde. 3.3.4.1 Die Beschwerdeführerin hat ihr Schadenersatzbegehren am 7. Mai 2013 eingereicht. Der Bescheid – die leistungsfestsetzende Verfü- gung (E. 3.3.1) – betreffend die Kosten von Rettungswagen und Re t- tungshelikopter wurde am 9. September 2011 erlassen, derjenige über Sterbegeld und Überführungskosten am 21. Oktober 2011. Was die Wa i- senrente anbelangt, ist als Bescheiddatum auf der Gesamtkostenaufste l- lung vom 24.10.2012 (Beschwerdebeilagen act. 3/22) der 23. August 2011 aufgeführt. Ein Schaden wird als Gesamtheit mit einer einzigen Verwirkungsfrist und nicht als eine Summe von Einzelposten mi t je unter- schiedlichen Verwirkungsfristen betrachtet (Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts A-5798/2009 vom 16. Juni 2011 E. 4.3 mit Hinweisen, be s- tätigt vom Bundesgericht mit Urteil 2C_640/2011 vom 1. Februar 2012). Dies muss auch für die Geltendmachung von Regressansprüchen gelten; die auf ein schädigendes Ereignis zurückzuführenden Versicherungslei s- tungen müssen als ein Leistungskomplex mit einheitlichem Fristbeginn gelten. Massgebend für das Element der Leistungspflicht ist somit spätes- tens das letzte Datum, der 21. Oktober 2011. Seit diesem Datum war der Beschwerdeführerin nicht nur bekannt, dass ein Schaden entstanden war, sondern auch dessen Höhe. Da dieses Datum mehr als ein Jahr vor Ei n- reichen des Schadenersatzbegehrens am 7. Mai 2013 liegt, ist di e Frist von Art. 20 Abs. 1 VG i.V.m. Art. 72 Abs. 3 ATSG nur dann gewahrt, wenn die Beschwerdeführerin erst im Jahr vor diesem Datum Kenntnis der wei- teren Elemente hatte, insbesondere von der Vorinstanz als möglicherwei- se nach VG Haftende und von den Eleme nten, die der Rechtswidrigkeit und dem natürlichen Kausalzusammenhang zu Grunde liegen. 3.3.4.2 Damit ist entscheidend festzustellen, wann die Beschwerdeführ e- rin erfahren hat, dass die Vorinstanz allenfalls aufgrund des VG haftet, A-7102/2013 Seite 26 und wann sie Kenntnis von der nac h ihrer Auffassung falschen Übermit t- lung von Wetterinformationen durch den FISO der Vorinstanz erhalten hat, worin sie unter anderem die Ursache des Flugzeugabsturzes sieht (vgl. E. 6.1). Was die letzteren Informationen anbelangt, sind diese insbe- sondere d em Schlussb ericht der SUST (Schlussbericht Nr. 2140 der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle SUST über den Unfall des Flugzeuges Raytheon 390, D-IAYL, vom 19. Dezember 2010 in Bever/GR [nachfolgend: Schlussbericht]) zu entnehmen. Bereits am 15. April 2011 hatte sich die Beschwerdeführerin bei der SUST nach der Absturzursache erkundigt (Akten SUST 3/119). Akteneinsicht wurde ihr auf Ende Septem- ber 2011 in Aussicht gestellt (Akten SUST 3/121); dass sie diese wahrge- nommen hat, kann den Akten der SUST nich t entnommen werden. Eine weitere Anfrage seitens der Beschwerdeführerin erfolgte am 31. Oktober 2011 (Akten SUST 3/125). Aus dem Mailaustausch innerhalb der SUST (Akten SUST 3.138 und 3.139) ergibt sich, dass die SUST der Beschwer- deführerin den Entwurf zum Schlussbericht nicht zugestellt hat, sondern erst den Schlussbericht selbst. Hingegen ging der Entwurf am 25. Januar 2012 an die Y ._______, wobei die Zustellung via die deutsche Bunde s- stelle für Flugunfalluntersuchungen erfolgte. Dass die Y ._______ den Entwurf erhalten hat, ergibt sich aus ihrer ebenfalls in den Akten der SUST enthaltenen Reaktion. Ob die se als Versicherungsnehmerin der Beschwerdeführerin den Entwurf an diese weitergeleitet hat, ist den Akten nicht zu entnehmen. Zweifel daran bestehen insofern, als der Entwurf des Schlussberichts den interessierten Kreisen mit einem ausdrücklichen Hinweis auf Vertraulichkeit («dürfen Dritten nicht bekannt gegeben we r- den») zugestellt wurde. Hingegen hat die SUST der Beschwerdeführer in am 19. Juni 2012 ein Exemplar des genehmigten Schlussberichtes zug e- stellt. 3.3.5 Über den Zeitpunkt des Fristbeginns sind sich die Parteien nicht e i- nig: 3.3.5.1 Die Vorinstanz bezieht sich auf eine Zwischenverfügung des Bun- desverwaltungsgerichts vom 24. März 2011 im Verfahren A-7918/2010, wo eine Sistierung bis zum Vorliegen des definitiven Berichts abgelehnt wurde. Dies wurde in jener Verfügung damit begründet, die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU (heute: SUST) habe selber ausdrücklich auf den begrenzten Wert ihrer Dokumente für das Bundesverwaltungsge- richt hingewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht schloss, der definitive Untersuchungsbericht der BFU werde für das damalige Verfahren nicht von entscheidender Bedeutung sein. A-7102/2013 Seite 27 3.3.5.2 Dagegen bezieht sich die Beschwerdeführerin auf die Rechtspre- chung des Bundesgerichts. Dieses hielt im Urteil 2A.149/1992 (und weite- re) vom 3. Juni 1999 ohne weitere Begründung fest, obwohl die Flugu n- falluntersuchung nicht die Aufgabe habe, Grun dlagen für die zivil - und strafrechtliche Beurteilung zu schaffen, könne von einer sicheren Kenn t- nis der tatsächlichen Umstände erst gesprochen werden, wenn der Schlussbericht der Eidgenössischen Flugunfall -Untersuchungskommis- sion (heute: SUST) vorliege ( E. 3d). Die Frist gemäss Art. 20 Abs. 1 VG beginne demnach ab dem Vorliegen des Schlussberichts zu laufen. 3.3.5.3 Das Bundesverwaltungsgericht betonte in seiner Zwischenverf ü- gung vom 24. März 2011 (dazu E. 3.3.5.1) ausdrücklich den Kontext des damaligen Verfahrens und sprach im Übrigen davon, dass «im Moment» keine zureichenden Gründe für die beantragte Sistierung vorlägen und demnach eine Sistierung «zurzeit» mit dem Beschleunigungsgebot nicht vereinbar wäre. Damit hielt es sich die Möglichkeit offen, das Verfahr en zu einem späteren Zeitpunkt – bis zum Vorliegen des definitiven B e- richts – zu sistieren . Umgekehrt begründet das Bundesgericht (dazu E. 3.3.5.2) seine Auffassung nicht weiter. Im vorliegenden Verfahren wird nun – wie sich im Folgenden zeigen wird – bezüglich der Sachverhaltselemente stark auf den Schlussbericht der SUST abgestellt. Die entscheidenden (Sachverhalts -)Elemente, ins- besondere jene, die für die Beantwortung der Frage, ob ein rechtlich rele- vanter Kausalzusammenhang gegeben ist, von Bedeutung sind, waren erst nach Erscheinen des Schlussberichts bekannt. Der definitive Schlussbericht erfuhr gegenüber dem Entwurf einige Änderungen, so auch in Bezug auf die Frage der Wetterverhältnisse, die für die Argumen- tation der Beschwerdeführerin zentral sind. Damit ist für den vorliegenden Fall festzuhalten, dass erst mit Vorliegen (und Zustellung) des definitiven Schlussberichts der SUST an die Beschwerdeführerin für diese alle rele- vanten Elemente feststanden, damit sie ein Schadenersatzbegehren ein- reichen konnte. Erst ab diesem Datum lief damit für die Beschwerdefü h- rerin die Verwirkungsfrist. 3.3.5.4 Selbst wenn davon ausgegangen würde, bereits mit Vorliegen des Entwurfs des Schlussberichts seien alle Sachverhaltselemente bekannt gewesen, wäre unter H inzuziehung von Art. 72 Abs. 3 ATSG darauf hi n- zuweisen, dass der Entwurf der Beschwerdeführerin nicht bekannt war und für sie damit – in Durchbrechung de s Subrogationsprinzips (E. 3.3.1) – die Frist erst mit Zustellung des endgültigen Schlussberichts A-7102/2013 Seite 28 an sie zu laufen begann, zumal sie sich um eine entsprechende Akte n- einsicht bemühte und ihr damit jedenfalls keine Untätigkeit vorgeworfen werden könnte. 3.3.6 Demzufolge wurde die Frist von Art. 20 Abs. 1 VG (allenfalls i.V.m. Art. 72 Abs. 3 ATSG) gewahrt und es sind die materiellen Voraussetzu n- gen einer Haftung der Vorinstanz nach dem VG zu prüfen (E. 3.1). 4. Umstritten ist insbesondere, ob zwischen dem behaupteten Fehlverhalten des FISO bzw. der Vorinstanz und dem Unfall ei n Kausalzusammenhang besteht. Nachfolgend werden deshalb die Regeln zum adäquaten (E. 4.1) und zum hypothetischen (E. 4.2) Kausalzusammenhang in Erinnerung gerufen und es wird auf das Beweismass (E. 4.3) und den Gefahrensatz (E. 4.4) sowie auf die Unterbrechung des Kausalzusammenhangs (E. 4.5) eingegangen. Im Anschluss daran werden die Bedingungen dargestellt, die die Pflichten von Flugplatzhaltern (E. 5.1) und Piloten (E. 5.2) regeln. 4.1 Ein rechtlich relevanter – adäquater – Kausalzusammenhang z wi- schen einem schädigenden Verhalten und dem eingetretenen Schaden besteht nicht bereits dann, wenn das in Frage stehende Verhalten – im Sinn der natürlichen Kausalität – eine notwendige Bedingung (eine condi- tio sine qua non) für den Eintritt des Schadens ist. Vielmehr ist zusätzlich erforderlich, dass das betreffende, natürlich kausale Verhalten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet war, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass der Ein- tritt dieses Erfolgs als durch die fragliche Tatsac he allgemein begünstigt erscheint. Die Adäquanz beurteilt sich aufgrund einer objektiv - retrospektiven Betrachtung (zum Ganzen: BGE 129 II 312 E. 3.3 und 123 III 110 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts 2C_936/2012 vom 14. Januar 2013 E. 2.3, 6P .98/2006, 6S.20 6/2006, 6P .107/2006 und 6S.205/2006 vom 20. Oktober 2006 E. 2.4 f. und 4C.343/2003 vom 13. Oktober 2004 6.1; BVGE 2010/4 E. 4.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 3.3.2; JAAG, a.a.O., Rz. 143; JOST GROSS, a.a.O., S. 194 f.; REY, a.a.O., Rz. 525 ff.). 4.2 Bei Unterlassungen kann nicht im gleichen Sinn von Kausalität g e- sprochen werden wie bei Handlungen, da es bei Unterlassungen nur um eine Kausalität der nicht erfolgten Handlung gehen kann, die hypothetisch zum eingetretenen Er folg in Beziehung gesetzt wird. Es handelt sich mit anderen Worten um einen hypothetischen Kausalzusammenhang, der nur A-7102/2013 Seite 29 dann gegeben ist, wenn die erwartete Handlung nicht hinzugedacht we r- den kann, ohne dass der Erfolg höchstwahrscheinlich e ntfiele (BGE 132 III 305 E. 3.5 und 115 II 440 E. 4c und 5b; JAAG, a.a.O., Rz. 144; JOST GROSS, a.a.O., S. 197; REY, a.a.O., Rz. 595 f.). Das Werturteil, welches sonst bei der Beurteilung der Adäquanz zu fällen ist und auf der allgemei- nen Lebenserfahrung basiert, fliesst bei der Feststellung des hypothet i- schen Kausalzusammenhangs in die Gesamtbetrachtung des Unterla s- sens ein (vgl. BGE 132 III 715 E. 2.3 und 115 II 440 E. 5a; Urteile des Bundesgerichts 4A_48/2010 vom 9. Juli 2010 E. 7.2 und 2C_834/2009 vom 19. Oktober 2010 E. 2.3; BVGE 2010/4 E. 4.2.2; Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts A-1269/2008 vom 13. November 2009 E. 3.3.2; REY, a.a.O., Rz. 599). Eine Unterlassung ist allerdings nur dann als Ursache eines Schadens zu betrachten, wenn eine entsprechende Pflicht zum Ha ndeln besteht. Die Prüfung des hypothetischen Kausalzusammenhangs vollzieht sich damit in zwei Schritten. Zunächst ist abzuklären, ob sich aus einer bestimmten Verhaltensnorm eine Pflicht zum schadensverhindernden Handeln ergibt; eine solche lässt sich nicht nur aufgrund der Verletzung von Normen des geschriebenen Rechts, sondern auch mit Hilfe des Gefahrensatzes fes t- stellen (vgl. BGE 132 II 305 E. 4.1; unten E. 4.4). Eine auf diese Weise ermittelte pflichtgemässe – im konkreten Einzelfall aber unterlassene – Handlung ist im Weiteren auf ihre Beziehung zum eingetretenen Erfolg zu untersuchen: Hätte die Handlung, die bei Beachtung der Verhaltensnorm vorzunehmen gewesen wäre, den Erfolg höchstwahrscheinlich verhindert, wird daraus der Schluss gezogen, die Unterlassung sei hypothetisch kau- sal für den Schaden (zum Ganzen: Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts A -7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 3.3.2 und A -1269/2008 vom 13. November 2009 E. 4.3; REY, a.a.O., Rz. 593 und 602; JOST GROSS, a.a.O., S. 197; KIESER/LANDOLT, a.a.O., Rz. 493, 539 ff.). 4.3 Nach ständiger Rechtsprechung gilt für den Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs das Beweismass der überwiegenden Wahr - scheinlichkeit. Dies bedeutet, dass nicht ein strikter und absoluter Beweis erforderlich ist. Vielme hr hat sich das Gericht mit derjenigen Gewissheit zufrieden zu geben, die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der Lebenserfahrung verlangt werden kann (vgl. dazu, je mit Hinweisen, BGE 132 III 715 E. 3.2, 128 III 271 E. 2b/aa, 121 III 358 E. 5 und 107 II 269 E. 1b; Urteile des Bundesgerichts 8C_747/2013 vom 18. März 2014 E. 3.2 f. und 4A_633/2011 vom 23. Februar 2012 E. 2; Urteile des Bu n- desverwaltungsgerichts A-5588/2007 vom 10. August 2012 E. 9.4.2 und A-7102/2013 Seite 30 A-2526/2011 vom 7. August 2012 E. 8.1; BREHM, a. a.O., Rz. 117 zu Art. 41 OR). Der Beweis gilt als erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart wichtige Grü n- de sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten nicht massgeblich in Betracht fallen. Bei der Frage, ob nicht nur ein natürlicher, sondern auch ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist, handelt es sich hing e- gen um eine Rechtsfrage. 4.4 4.4.1 Der Gefahrensatz besagt, dass derjenige, der einen gefährlichen Zustand schafft oder unterhält, der einen anderen schädigen könnte, die zur Vermeidung eines Schadens erforderlichen Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen hat. Der Gefahrensatz ist bei der Verletzung von absoluten Rechtsgütern – im Gegensatz zu reinen Vermögensschäden (BGE 124 III 297 E. 5b und 119 II 127 E. 3 mit Hinweisen) – geeignet, bei Fehlen einer spezifischen Schutznorm die Widerrechtlichkeit zu begründen. Er dient einerseits der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen einer Unterlassung und dem eingetretenen Schaden, andererseits ist ihm zu entnehmen, dass eine Vernachlässigung der gebotenen Schutzmas s- nahmen eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht resp. Sorgfalt s- pflicht darstellt (BGE 126 III 113 E. 2a/aa; Urteile des Bundesgerichts 4A_104/2012 vom 3. August 2012 E. 2.1, 4A_520/2007 vom 31. März 2008 E. 2.1, 4C.119/2000 vom 2. Oktober 2000 E. 2b und 4C.280/1999 vom 28. Januar 2000 E. 1a, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 4.3.2.3; vgl. auch HEIN- RICH HONSELL/BERNHARD ISENRING/MARTIN A. KESSLER, Schweizerisches Haftpflichtrecht, 5. Aufl., Zürich 2013, § 4 N. 35; REY, a.a.O., Rz. 753). Im vorliegenden Zusammenhang interessiert einzig seine Funktion im Ra h- men des hypothetischen Kausalzusammenhangs. 4.4.2 Inwiefern solche Verkehrssicherungspflichten bestehen und wie weit sie im Einzelnen reichen, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, wobei als Massstab insbesondere gesetzliche Sicherheitsvorschriften für den Betrieb einer spezifischen Anlage heranzuziehen sind (Urteil des Bundesgerichts 4A_22/2008 vom 10. April 2008 E. 15.1). Das Bundesge- richt hat sich detailliert zu den Voraussetzungen und den Grenzen der Verletzung des Gefahrensatzes resp. von Verkehrssicherungspflichten geäussert (z.B. BGE 130 III 193 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 4A_235/2007 vom 1. Oktober 2007 E. 5.2 auch zum Folgenden). Die Verkehrssicherungspflicht verlangt, dass der Benutzer einer Anlage vor nicht ohne weiteres erkennbaren Gefahren, die sich als eigentliche Fallen A-7102/2013 Seite 31 erweisen und die auch bei vorsichtigem Verhalten nicht verm ieden wer- den können, geschützt werden muss. Grundsätzlich wird davon ausg e- gangen, dass eine Sache oder Anlage gemäss ihrer Bestimmung benutzt wird. Nicht jede Gefahrenquelle stellt auch einen Mangel dar, dem durch den Verantwortlichen im Rahmen seiner Verk ehrssicherungspflichten Rechnung getragen werden müsste (BGE 123 III 306 E. 3b/aa; Urteil des Bundesgerichts 4A_612/2010 vom 14. Februar 2011 E. 2.3). Die Grenze der Verkehrssicherungspflicht bildet die Zumutbarkeit, wobei Schut z- massnahmen nur im Rahmen des nach der Verkehrsübung Erforderlichen und Möglichen verlangt werden können. Eine weitere Schranke der Ve r- kehrssicherungspflicht liegt gemäss Bundesgericht in der Selbstveran t- wortung des Einzelnen. Der Verantwortliche ist nicht dazu verpflichtet, alle erdenklichen Sicherheitsvorkehren zu treffen, um eine drohende G e- fahr schadlos abzuwenden. Erwartet wird, was besondere Vorschriften explizit verlangen oder was sich aufgrund allgemein gebotener Vorsicht s- regeln und nach Lage der Verhältnisse als erforderlich e, zweckmässige und zumutbare Sicherheitsmassnahme erweist. Dabei hängt der Umfang der Schutzpflicht auch von den Kenntnissen bzw. der Schutzbedürftigkeit der beteiligten Personen ab. Je grösser die Schutzbedürftigkeit und je grösser das Risiko einer eintr etenden Gefahr, desto umfangreicher sind auch die zu treffenden Vorsichtsmassnahmen auszugestalten. Von der geschädigten Person kann jedoch immer auch verlangt werden, dass sie die den Umständen und ihren Kenntnissen entsprechende und im Durc h- schnitt übliche Sorgfalt anwendet und sich der seiner Tätigkeit inhärenten Gefahren bewusst ist (BGE 123 III 306 E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 4A_612/2010 vom 14. Februar 2011 E. 2.3 und 5.3 und 4A_235/2007 vom 1. Oktober 2007 E. 5.2; Urteil des Bundesverwaltungsge richts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 4.3.2.4 f.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜL- LER, a.a.O., § 62 Rz. 40 f.). 4.5 Im Rahmen der Kausalitätsprüfung ist auch zu untersuchen, ob ein Unterbrechungsgrund vorliegt (kritisch zum Ausdruck «Unterbrechung» der Adäquanz BREHM, a.a.O., Rz. 136 zu Art. 41 OR mit Nachweisen). Zu den Unterbrechungsgründen gehören höhe re Gewalt, schweres Drittve r- schulden oder schweres Selbstverschulden (vgl. Urteile des Bundesg e- richts 2C_843 vom 19. Oktober 2010 E. 2.3, 6P .98/2006, 6S.206/2006, 6P .107/2006 und 6S.205/2006 vom 20. Oktober 2006 E. 2.4.2 und 5C.63/2004 vom 9. Juni 2004 E. 3.1.1; Urteile des Bundesverwaltungsge- richts A -5588/2007 vom 10. August 2012 E. 9.3, A -1432/2011, A-1449/2011 und A-1470/2011 vom 1. September 2011 E. 7.3 mit Nac h- weisen). Letzteres liegt vor, wenn das Selbstverschulden so schwerwi e-A-7102/2013 Seite 32 gend ist, dass die andere Handlung völlig in den Hintergrund tritt ( vgl. BGE 130 III 182 E. 5.4 mit Hinweisen; JOST GROSS, a.a.O., S. 349). Leichtes Selbstverschulden ist bei der Bemessung des Schadenersatzes als Reduktionsgrund zu berücksichtigen (vgl. Art. 4 VG; vgl. Art. 43 Abs. 1 OR; JOST GROSS, a.a.O., S. 349; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., S. 580 § 62 Rz. 17). 5. 5.1 Für den Betrieb eines Flugplatzes, der dem öffentlichen Verkehr dient, ist eine Betriebskonzession erforderlich, welche vom UVEK erteilt wird (Art. 36a Abs. 1 LFG). Mit dieser Konzessionierung wird das Recht verlie- hen, einen Flughafen gewerbsmässig zu betreiben und insbesondere Gebühren zu erheben. Der Konzessionär hat die Pfl icht, den Flughafen für alle Luftfahrzeuge im nationalen und internationalen Verkehr zur Ve r- fügung zu stellen – dies unter Vorbehalt der im Betriebsreglement festge- legten Einschränkungen. Zudem hat er einen ordnungsgemässen, sich e- ren Betrieb zu gewährleist en und für die dafür erforderliche Infrastruktur zu sorgen (Art. 36a Abs. 2 LFG). 5.1.1 Der F lugplatzhalter (nachfolgend E. 5.1.2) ist verpflichtet, das s o- eben genannte Betriebsreglement zu erlassen (Art. 36c Abs. 1 LFG), wel- ches dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) zur Genehmigung zu unter- breiten ist (Art. 36c Abs. 3 LFG). In diesem Reglement sind die im Sac h- plan Infrastruktur der Luftfahrt, in der Konzession oder in der Betriebsb e- willigung sowie in der Plangenehmigung vorgegebenen Rahmenbedi n- gungen konkret auszugestalten (Art. 36c Abs. 2 LFG; JAAG/HÄNNI, a.a.O., S. 364 ff. Rz. 65 ff.). 5.1.2 Flugplätze müssen so ausgestaltet, organisiert und geführt sein, dass der Betrieb geordnet ist und die Sicherheit für Personen und Sachen bei der Bereitstellung von Luftfahrzeu gen, beim Ein - und Aussteigen, beim Beladen und Entladen, beim Rollen mit Flugzeugen oder Bode n- fahrzeugen, bei Starts und Landungen sowie bei An - und Abflügen stets gewährleistet ist (Art. 3 Abs. 1 der Verordnung vom 23. November 1994 über die Infrastruktur der Luftfahrt [VIL, SR 748.131.1]). Zur Erfüllung die- ser Aufgabe ernennt der Flughafenhalter einen Flugplatzleiter, dem die Verantwortung insbesondere für die Sicherheit auf dem Flughafen und für die Organisation des Flughafens obliegt (vgl. Art. 29c ff. VIL und die Flug- platzleiterverordnung vom 13. Februar 2008 [SR 748.131.121.8]). Das An- und Abflugverfahren sowie der Schutz der Flughafenbenutzer vor Un- fällen und Gefahren der Technik und des Betriebs sind insbesondere A-7102/2013 Seite 33 durch Benutzungsvorschriften im Bet riebsreglement (vgl. Art. 23 Bst. c und d VIL) sicherzustellen (zum Ganzen: BVGE 2010/4 E. 4.3; JAAG/HÄNNI, a.a.O., S. 351 Rz. 19 und S. 372 Rz. 89). 5.1.3 Für Flugplätze, Luftfahrthindernisse, das Vermessen des Geländes und den Bau von Flugsicherungsanlagen sin d die Normen und Empfe h- lungen der Internationalen Zivilluftfahrt -Organisation (ICAO) in den A n- hängen 3, 4, 10, 11, 14 und 15 zum Übereinkommen vom 7. Dezember 1944 über die Internationale Zivilluftfahrt (SR 0.748.0; IZÜ) sowie die d a- zugehörigen technischen Vorschriften unmittelbar anwendbar (Art. 3 Abs. 1bis VIL). 5.1.4 Gemäss Ziff 1.1 des Anhangs 14 zum IZÜ (nachfolgend: Anhang 14; http://www.bazl.admin.ch  Dokumentation  Anhänge zur Konvention der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO)  ICAO Annex 14, Aerodromes, Volume I - Aerodrome Design and Operations [letztmals be- sucht am 6. Oktober 2014]) ist das Safety management system (SMS) «A systematic approach to managing safety including the necessary o r- ganizational structure accountabilities, policies and procedures». Flughä- fen sollen nur zertifiziert werden, wenn ein Manual, in dem unter anderem ein SMS festgehalten wird, eingereicht wird (Ziff. 1.4.4 Anhang 14). Als Minimalkriterien werden festgelegt (Ziff. 1.5.3 Anhang 14): «a) identifie s safety hazards; b) ensures the implementation of remedial action nece s- sary to maintain agreed safety performance; c) provides for continuous monitoring and regular assessment of the safety performance; and d) aims at a continuous improvement of the overa ll performance of the safety management system.» Anhang 7 zu Anhang 14 (im gleichen Dokument wie Anhang 14 entha l- ten) befasst sich eingehender mit dem SMS. Das Rahmenprogramm setzt sich aus vier Komponenten mit insgesamt zwölf Elementen zusa m- men. Die Umset zung dieses Rahmenprogramms soll dabei der Grösse der Organisation und der Komplexität der angebotenen Leistungen en t- sprechen. Allerdings finden sich hier vor allem allgemein gehaltene Em p- fehlungen. 5.1.5 Art. 29e VIL hält fest, dass der – vom Flughafenhalter ernannte und vom BAZL zugelassene (Art. 29c VIL) – Flugplatzleiter oder die Flugplatz- leiterin die technische und die betriebliche Organisation des Flugplatzes regelt (Abs. 1), den Betrieb freigibt oder einschränkt und die entspr e- chende Bekanntmachung veranla sst (Abs. 2) und dafür sorgt, dass die A-7102/2013 Seite 34 Luftfahrtinformationen über den Flugplatz korrekt sind, und gegebene n- falls die erforderlichen Publikationen veranlasst (Abs. 3). Art. 29g Abs. 1 VIL bestimmt zudem, dass alle Personen auf dem Flugplatz die Anwe i- sungen des Flugplatzleiters oder der Flugplatzleiterin zu befolgen haben. 5.1.6 Andere Regelungen, die nicht durch die Flughafenhalter zu treffen (und durch das BAZL zu genehmigen) sind (neben dem Betriebsregl e- ment haben Flughafenhalter beispielsweise die Sicherheits zonenpläne festzulegen), werden durch das BAZL erlassen, so z.B. ergänzende We i- sungen und Richtlinien zur Gewährleistung eines hohen Sicherheitssta n- dards sowie Hindernisbegrenzungskataster ( JAAG/HÄNNI, a.a.O., S. 366 Rz. 73). 5.2 5.2.1 Der Luftraum der Klasse G gehört zum nicht überwachten Luftraum (Art. 1 VVR, Stichwort «kontrollierter Luftraum» e contrario). Art. 38 Abs. 1 VVR bestimmt, dass in einem Luftraum der Klasse G bei Tag Flüge nach VFR so durchzuführen sind, dass folgende Mindestwerte für Flugsicht und Abstand von den Wolken eingehalten werden können (vgl. auch RO- LAND MÜLLER, Recht der Luftfahrt, 8. Aufl. 2007, Kapitel 4-7, S. 1): – Ausserhalb von Wolken muss mit ständiger Sicht auf den Boden oder das Wasser geflogen werden können. – Die Flugsicht muss grundsätzlich 5 km betragen, darf aber bis 1,5 km betragen, sofern die Fluggeschwindigkeit jederzeit eine Umkehrkurve innert Sichtweite gestattet und andere Luftfahrzeuge oder Hindernisse rechtzeitig erkannt werden können. Diese Regeln richten sich an den Kommand anten eines Luftfahrzeuges (Art. 5 Abs. 1 VVR). Sie sind bei Flügen nach VFR in der Luftraumkla s- se G in jedem Fall einzuhalten (Art. 39 Abs. 3 VVR). 5.2.2 Vor Antritt eines Fluges ist dieser vom Kommandanten entspr e- chend vorzubereiten. Dazu hat sich der Kommanda nt mit allen dafür massgebenden und verfügbaren Unterlagen vertraut zu mache n (Art. 8 Abs. 1 VVR). Insbesondere hat er bei VFR -Flügen über die Umgebung eines Flugplatzes hinaus oder bei IFR -Flügen die neusten verfügbaren Wetterinformationen sorgfältig zu p rüfen sowie einen Ausweichplan und eine genügende Treibstoffreserve vorzusehen für den Fall, dass der Flug nicht wie erwartet beendigt werden kann (Art. 8 Abs. 2 VVR). Auch in der Fluginformationszone, in der ein Flugplatzinformationsdienst geboten A-7102/2013 Seite 35 wird, bleibt der Luftfahrzeugführer allein für den sicheren Verlauf des Fl u- ges und die Übermittlung der Flugabsichten verantwortlich ( MÜLLER, a.a.O., Kapitel 4 -2 S. 6). Die letzte Kurve vor der Landung ist nach links auszuführen, sofern nicht im Luftfahrthandbuch (Aeronautical Information Publication, AIP) eine andere Volte publiziert ist oder über Funk bzw. B o- densignale eine andere Weisung erfolgt ( MÜLLER, a.a.O., Kapitel 4 -3, S. 7). 5.2.3 Weiter ist unter anderem zu beachten, dass die Piloten, um sich im dreidimensionalen Raum zurechtfinden zu können, ihre Flughöhe kennen müssen. Diese wird mit einem Höhenmesser (Altimeter) gemessen. Die Anzeige ist (abgesehen vom Spezialfall eines Radarhöhenmessers) a b- hängig von der richtigen Einstellung des aktuellen Luftdrucks ( MÜLLER, a.a.O., Kapitel 4-1, S. 1). 6. Im vorliegenden Fall ist strittig, ob (fehlende) Sicherheitsmassnahmen auf dem Flughafen Samedan und insbesondere die vom Flughafenpersonal an die Piloten der Raytheon übermittelten Wetterinformationen einen Ei n- fluss auf den Absturz des Flugzeuges hatten und wenn ja, ob dieser eine rechtlich relevante Ursache für den Absturz war. 6.1 Die Beschwerdeführerin wirft der Betreiberin ein Mitverschulden am Unfall vor. Sie hält fest, der Unfallbericht der SUST sehe die primä re Ur- sache zwar im Verhalten der Besatzung, halte aber auch klar fest, dass das Ergebnis der Untersuchung weitere Sicherheitsmängel bei der Betreiberin gezeigt habe, die entweder zum Unfall beigetragen oder de s- sen Entstehung zumindest begünstigt hätten. Si e zitiert hierzu aus dem Unfallbericht die folgenden, der Betreiberin zum Teil schon länger b e- kannte Punkte: – Die auf dem Flughafen Samedan ermittelten Sichtweiten und Wo l- kenuntergrenzen waren für einen Anflug von Zernez her nicht repr ä- sentativ, weil sie nicht den tatsächlichen Verhältnissen im Anflugsektor entsprachen. – Die von einer anfliegenden Besatzung gemeldeten Werte bezüglich Sicht und Wolkenuntergrenze wurden vom Fluginformationsdienst nicht konsequent weitergegeben. – Die vom ATIS [ automatic terminal information system] angegebenen Werte stimmten nicht in jedem Fall mit denjenigen im entsprechenden A-7102/2013 Seite 36 METAR [meteorological aerodrome report; Flughafenwettermeldung] überein und wurden nicht systematisch aufdatiert. – Das ATIS wurde nur einmal pro Stunde neu a uf Band gesprochen, obwohl die METAR-Meldungen halbstündlich erfolgten. – Ein SPECI [aerodrome special meteorological report] wurde weder über das ATIS verbreitet noch über den Funk übermittelt. – Die Mitarbeiter des Fluginformationsdienstes konnten auf der METAR- Eingabemaske des Flughafens keine Angaben zur Entwicklungsvo r- hersage machen. – Da in Samedan die Eingabe nur mit NOSIG [no significant change ; keine wesentlichen Änderungen in den nächsten zwei Stunden zu e r- warten] abgeschlossen werden konnte, wurden die Besatzungen möglicherweise falsch informiert. Das Mitverschulden der Betreiberin wiege umso schwerer, als das S i- cherheitsdefizit des Flughafens aufgrund diverser Unfälle und schwerer Vorfälle, bei denen allen das Wetter eine Rolle gespielt habe, bereits s eit Jahren bekannt gewesen sei. Sicherheitsempfehlungen, die das BFU dem BAZL zugestellt habe, sei nicht vollumfänglich nachgelebt worden. Es müsse bezweifelt werden, dass die Besatzung ihr riskantes Landem a- növer in Angriff genommen hätte, wenn die Betreiberin sie in Kenntnis der ihr bekannten schlechten Wetterbedingungen gesetzt hätte. Demzufolge sei das Verschulden der FISO der Betreiberin und die Tatsache, dass die Betreiberin ihren Flughafen trotz früherer Vorfälle und der bekannten S i- cherheitsempfehlungen nicht mit Instrumentenflugbedingungen ausgerüs- tet habe, kausal für das Verschulden der Besatzung und somit massge b- lich für das gesamte Unfallgeschehen. Kurz nach dem Unfall sei eine Einweisungspflicht für Piloten eingeführt und seien die Sichtminima für den Anflug angehoben worden. Es liege ein Organisationsverschulden der Betreiberin vor. Die Beschwerdeführerin beruft sich ausdrücklich auf den Gefahrensatz und die Verkehrssicherungspflicht, auf die die Vori n- stanz in ihrer Verfügung nicht eingegangen sei. In ihrer Stellungnahme vom 25. August 2014 bezieht sich die Beschwe r- deführerin auf einige Aktenstücke aus dem Verfahren der SUST und hält sinngemäss fest, es sei unverständlich, dass die Betreiberin Wetterinfo r- mationen nicht weiterge leitet hätte. Zudem sei vier Tage vor dem Unfall - ereignis das Pilotenbriefing mit dem BAZL im Hinblick auf dessen mö g- lichst rasche Publikation und Einführung bereinigt worden. Am 23. Dezember 2010 habe das BAZL zudem mit sofortiger Wirkung und A-7102/2013 Seite 37 unter Entzug der aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde die Einfü h- rung höherer Sichtminima und eines Pilotenbriefings verfügt. 6.2 Die Vorinstanz macht geltend, der Flughafen befinde sich im nicht kontrollierten Luftraum der Klasse G, in dem die Sichtflugregeln gelten würden. Dies bedeute insbesondere, dass Luftfahrzeuge auf eigene Ve r- antwortung fliegen und landen müssten. Der Flughafen sei nicht befugt, dem Piloten irgendwelche Anweisungen zu erteilen. Die im Rahmen des Flughafeninformationsdienstes (Aerodrome Flight Inf ormation Service, AFIS) eingesetzten FISO könnten den Piloten nur Informationen zur Ve r- fügung stellen, insbesondere zum Flugverkehr und zu den Wind - und Wetterbedingungen. Sie seien aber – anders als Flugverkehrsleiter – nicht befugt, den Besatzungen Weisungen zu erteilen (Art. 1 VVR). Für die Einhaltung der Sichtminima sei der Kommandant verantwortlich (Art. 5 VVR). Er habe dafür zu sorgen, dass die gesetzlich vorgeschri e- benen Sichtminima eingehalten würden und die Sicherheit anderer nicht gefährdet werde. Der Flughafen könne den Kommandanten diese Ve r- antwortung nicht abnehmen. Es gebe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Sichtminima im Unfallzeitpunkt auf dem Flughafen unterschritten wor- den seien. Auf Anfrage der Besatzung habe der zuständige FISO die Sicht mit drei bis vier Kilometern angegeben, was deutlich über den ge l- tenden Sichtminima gelegen habe. Zu den Sicht- und Wetterverhältnissen im Anflug habe sich der FISO nicht äussern können. Weder gebe es technische Einrichtungen, die ihm eine solche Beur teilung erlaubten, noch gebe es eine Verpflichtung, im nicht kontrollierten Luftraum entspr e- chende technische Geräte zu installieren. Im Flugunfalluntersuchungsb e- richt werde die Sicht am Unfallort La Punt mit zwei bis drei Kilometern angegeben, was oberhalb der Sichtminima liege. Auch habe kein Anlass für zusätzliche oder andere Informationen des FISO an die Besatzung bestanden. Es habe auch keine Pflicht gegeben, die Meldung des Piloten eines anderen Flugzeugs bezüglich der Sichtverhältnisse weiterzuleiten . Der Anflug des Unfallflugzeugs sei 25 Minuten später erfolgt. In dieser Zeit könnten sich im Gebirge die Wetterverhältnisse wesentlich ändern. Zudem bestünden immer offene Fragen bezüglich der Verlässlichkeit von Angaben von Piloten, die naturgemäss Momentaufnahmen und eine nicht überprüfbare Einschätzung eines Dritten widergäben. Zudem habe die Besatzung des Unfallflugzeuges der Besatzung eines anderen Flugze u- ges unaufgefordert gemeldet, dass die Anflugbedingungen gut seien. A-7102/2013 Seite 38 Das Verhalten des Flughafenpe rsonals und von ihr (der Vorinstanz) sei für den Unfall nicht kausal gewesen. Die Besatzung des Flugzeuges habe am besten beurteilen können, wie die Sicht - und Wetterverhältnisse beim Anflug waren. Die Besatzung habe gestützt auf die eigene Wahrnehmung beurteilen können und müssen, ob die Sicht die Fortsetzung des Anflugs und die Landung erlaubte . Gemäss Art. 5 VVR habe der Entscheid da r- über in ihrer eigenen Verantwortung gelegen. Dass die Piloten die Piste zu hoch angeflogen hätten, habe ebenfalls in ihrer alleinigen Verantwor- tung gelegen. Es komme hinzu, dass der anschliessende Fehlanflug nicht direkt zum Unfall geführt habe. Ursache des Unfalls sei vielmehr gew e- sen, dass die Piloten danach ein ungeeignetes Fehlanflugverfahren durchgeführt hätte n, das auch auf eine ungenügende Flugvorbereitung schliessen lasse. Das Verhalten könne nur als grobfahrlässig bezeichnet werden. Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem behaupt e- ten Verhalten des Flughafens bzw. der Flughafenangestellten und dem Unfall wäre ohnehin nicht gegeben. Soweit ersichtlich finde sich keine Vorschrift, die die Betreiberin verletzt haben könnte, weshalb eine Haftung durch Unterlassung nicht in Frage komme. Es sei nicht Sache de r Flugplätze, von den Verkehrsregeln des Bundes und der ICAO a bweichende Verkehrsregeln aufzustellen. Dazu seien die Flughäfen gar nicht befugt Aus dem Untersuchungsbericht, in dem das BFU dem BAZL Vorschläge unterbreitet habe, könne von vor n- herein für die Betreiberin keine Handlungspflicht abgeleitet werden, sei sie doch weder Adressatin des Berichts noch befugt, die dem BAZL u n- terbreiteten Vorschläge in Eigenregie umzusetzen. Die früheren Unfälle seien teils auf schwerwiegende Pilotenfehler zurück- zuführen. Die Unfälle seien somit nicht Folge von Sicherheitsmängeln gewesen und könnten keine Grundlage dafür bieten, auf dem Flughafen Samedan im Gesetz und in den ICAO Annexen nicht vorgesehene Mas s- nahmen zu treffen. Demzufolge könne darin, dass sie (die Vorinstanz) die von der Beschwerdeführerin genannten Sicherheitsmassnahmen nicht ergriffen habe, kein schuldhaftes und widerrechtliches Unterlassen ges e- hen werden. Daher könne offenbleiben, ob solche Massnahmen den U n- fall verhindert hätten. 7. Die Parteien sind sich einig, dass der Sachverhalt, wie er im Schlussb e- richt dargestellt ist, korrekt ist. Der oben wiedergegebene Sachverhalt (Bst. A) wurde daher dem Schlussbericht (insb. der Kurzdarstellung sowie A-7102/2013 Seite 39 Ziff. 1.1.4) entnommen. Auch nachfolgend wird auf diesen verwi esen. Vorwegzunehmen ist, dass der Schlussbericht dem Zweck dient, weitere Unfälle zu verhindern. Ausdrücklich nicht Zweck dieses Berichtes ist es, ein Verschulden festzustellen oder Haftungsfragen zu klären (S. 3 Schlussbericht; vgl. Art. 24 Abs. 2 Satz 2 LFG). Auf Feststellungen über den Sachverhalt und Schlussfolgerungen in technischer Hinsicht kann im Folgenden aber abgestellt werden. 7.1 Was die Frage nach dem Vorliegen eines rechtlich relevanten Kausal- zusammenhangs als Voraussetzung der Haftbarkeit der Vo rinstanz nach Art. 19 VG (E. 3.1) anbelangt, ist zu unterscheiden, ob der Unfall (bei dem unter anderem der bei der Beschwerdeführerin versicherte Copilot ums Leben kam) auf eine aktive Handlung oder eine Unterlassung z u- rückzuführen ist. Diese Unterscheidu ng ist bedeutsam, weil sie Auswi r- kungen auf die Anforderungen an einen rechtlich relevanten Kausalz u- sammenhang hat, ist doch bei der Prüfung der hypothetischen Kausalität von Unterlassungen – anders als bei aktiven Handlungen – vorausge- setzt, dass eine Pflicht zum Handeln besteht (E. 4.3.2). 7.2 In der Übermittlung von – allenfalls – zu optimistischen Wetterkonditi- onen im Anflugsektor lässt sich eine aktive Handlung sehen, die als Ursa- che für den Unfall in Betracht kommt. Die Übermittlung solcher Informat i- onen kann die Piloten dazu verleiten, die Bedingungen nicht selbst genau zu prüfen. Nachfolgend gilt es zu beurteilen, ob zwischen dieser Übermitt- lung von – allenfalls – zu optimistischen Wetterbedingungen und dem Ab- sturz der Maschine ein natürlicher ( E. 7.2.1) und ein adäquater (E. 7.2.2) Kausalzusammenhang besteht. Die Frage, ob die vom FISO übermitte l- ten Wetterbedingungen wirklich besser waren als die effektiven, wird b e- wusst offen gelassen und kann auch offen gelassen werden, wie im Fo l- genden zu zeigen sein wird (E. 7 .2.3). Allerdings darf von einer Flugh a- fenbetreiberin erwartet werden, dass sie dafür sorgt, dass Wettermeldu n- gen korrekt und aktuell sind. 7.2.1 Fraglich ist bereits, ob ein natürlicher Kausalzusammenhang zw i- schen einer allenfalls zu optimistischen Ei nschätzung und Übermittlung der Wetterlage durch den FISO und dem Absturz besteht. Für die A n- nahme, dass die – allenfalls – zu optimistischen Wettermeldungen eine Fehlbeurteilung der Landemöglichkeiten durch die Piloten verursacht hä t- te, die so gravierend war, dass sie zum Absturz führte, müssen entspr e- chend dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach o b- jektiven Gesichtspunkten derart wichtige Gründe sprechen, dass alle a n-A-7102/2013 Seite 40 deren denkbaren Möglichkeiten nicht massgebend in Betracht fallen (E. 4.3.3). Solche anderen Möglichkeiten sind im vorliegenden Fall, dass sich die Piloten der Unrichtigkeit der Meldung aus eigener Wahrnehmung des Wetters bewusst waren und sich dennoch entschlossen, die Landung zu versuchen, sodass die Meldung effektiv gar nich t zum Unfall beitrug. Denkbar ist weiter, dass die Besatzung der Raytheon aufgrund eigener Beobachtungen davon ausging, dass die Bedingungen für eine Landung zumindest ausreichend waren; nur rund drei Minuten vor dem Absturz hatte sie nämlich dem Piloten eines anderen Flugzeugs auf dessen (an den FISO gerichtete) Frage hin unaufgefordert geantwortet, es herrschten im Moment gute Bedingungen (Sachverhalt Bst. A.b). Weiter ist möglich, dass die Piloten nicht wussten, dass der circling approach auf dem Flu g- hafen Samedan nicht vorgesehen ist und dieses Unwissen zum Absturz führte. Es kann auch sein, dass sie – was die Vorinstanz insbesondere in ihrer Stellungnahme vom 12. September 2014 vorbringt – unter Druck ih- rer Auftraggeber standen und deswegen möglichst u nabhängig von den Wetterbedingungen landen wollten. Eine weitere Möglichkeit ist, dass sie sich der gefährlichen Lage nach der ersten Rechtskurve zwar bewusst, jedoch unfähig waren, darauf zu reagieren. Dass sie nämlich in dieser Phase möglicherweise überf ordert waren, könnte daraus geschlossen werden, dass sie die Sprechtaste des Funkgeräts während mehr als 20 Sekunden gedrückt hielten, ohne etwas zu sagen. Von welchen Übe r- legungen sich die Piloten tatsächlich leiten liessen, lässt sich auch de s- halb nicht erstellen, weil der Voice Recorder, der die Gespräche im Cock- pit aufgenommen hätte, nicht auffindbar (und möglicherweise gar nicht vorhanden) war (Schlussbericht Ziff. 1.11.2). Dass für die vo n der Be- schwerdeführerin favorisierte Ursache – nämlich die (all enfalls) falschen Wetterinformationen – nach objektiven Gesichtspunkten derart wichtige Gründe sprechen, dass alle anderen aufgezählten Möglichkeiten nicht massgeblich in Betracht fallen, hält das Bundesverwaltungsgericht nicht für gegeben. Daran ändern auch die in den Akten der SUST vorhandenen Dokumente nichts, auf die sich die Beschwerdeführerin in ihrer Stellun g- nahme vom 25. August 2014 bezieht. Zwar ist ihr darin Recht zu geben, dass hier wiederum zum Ausdruck kommt, dass schlechte Sichtverhäl t- nisse herrschten, wie es sich damit genau verhielt, ergi bt sich aber auch daraus nicht. Ob ein natürliche r Kausalzusammenhang gegeben ist, kann aber – wie erwähnt – mit Blick auf das Ergebnis offenbleiben (E. 7.2.3). A-7102/2013 Seite 41 7.2.2 Die weitere (Rechts)frage, ob ein solcher natür licher Kausalzusam- menhang – sofern er bejaht wird – auch adäquat wäre, kann ebenfalls nicht zweifelsfrei bejaht werden. Nachvollziehbar ist zwar, dass eine zu optimistische Meldung über die Wetter - bzw. Sichtverhältnisse auf dem Flughafen die Flugzeugbesat zung dazu verleiten kann, den Flughafen anzufliegen. Ob es aber immer noch dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung entspricht, dass die Landung – selbst wenn der Pilot beim Anflug die schlechten Bedingungen direkt se l- ber wahrnimmt – trotzdem versucht oder gar erzwungen wird, weil zuvor bessere Wettermeldungen mitgeteilt wurden, ist mehr als fraglich, dies insbesondere auch, weil sich der Flughafen Samedan im unkontrollierten Luftraum der Klasse G befindet und nur nach VFR angeflo gen werden kann (Schlussbericht 1.10.1; vgl. E. 5.2.1). Nach diesen sind die Piloten und insbesondere der Kommandant für sämtliche Entscheidungen selbst verantwortlich. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allg e- meinen Lebenserfahrung entscheiden Pi loten durchzustarten, wenn sie feststellen, dass die Sichtverhältnisse für eine Landung ungenügend sind. Anhaltspunkt für die mangelnde Adäquanz ist auch der Umstand, dass am Tag des Unfalls gemäss dem Schlussbericht neun von 13 angemelde- ten Flugzeugen den Anflug entweder frühzeitig abbrachen oder erst gar nicht versuchten, den Flughafen Samedan anzufliegen (Schlussbericht Ziff. 1.1.2.3). Wie viele der Flugzeuge die Landung frühzeitig abbrachen, ist dem Schlussbericht nicht zu entnehmen, doch dass dies über haupt vorkam, zeigt, dass es möglich war, die Landung abzubrechen, und dies andere Piloten am Unfalltag auch taten. Ob ein adäquater Kausalzusa m- menhang zu bejahen ist, kann aber wiederum mit Blick auf das Ergebnis offenbleiben (E. 7.2.3). 7.2.3 Wird angenommen, der adäquate Kausalzusammenhang sei grundsätzlich gegeben, stellt sich die Frage, ob er durch grobes Selbs t- verschulden (E. 4.3.5) der Piloten unterbrochen wurde. 7.2.3.1 Hinzuweisen ist hier zunächst auf die Verantwortung des Ko m- mandanten, dem letztlich die Entscheidung, ob eine Landung erfolgen soll oder nicht, obliegt. Dieser Verantwortung kann er sich auch nicht durch Hinweis auf angeblich unzutreffende Wettermeldungen bzw. Me l- dungen über Sichtverhältnisse entziehen. Sollten die Sichtverhältnisse zum Unfal lzeitpunkt tatsächlich so schlecht gewesen sein – und ve r- schiedene Zeugenaussagen und Wettermeldungen deuten tatsächlich auf schlechte Sichtverhältnisse hin, wobei hier offenbleiben kann, wie schlecht sie tatsächlich waren – so hätte dies dem Kommandanten spä-A-7102/2013 Seite 42 testens beim Landeanflug bewusst werden müssen und er hätte einen weiteren Landeversuch unterlassen, durchstarten und zum Ausweichflug- hafen weiterfliegen müssen (dass dies möglich gewesen wäre, wurde b e- reits erwähnt; E. 7.2.2). Die Einhaltung der Sichtm inima bleibt in der Ve r- antwortung des Kommandanten. Dazu gehört auch die Einschätzung, ob eine Umkehrkurve innert Sichtweite möglich ist und ob Hindernissen au s- gewichen werden kann (E. 5.2.1). Die Berechnungen im Schlussbericht zeigen denn auch, dass der W eiterflug zum Ausweichflughafen, insb e- sondere was den Treibstoff betrifft, möglich gewesen wäre (Schlussb e- richt Ziff. 1.1.2.1, 1.1.3, 1.6.1 und 2.2.2.2). Dass eine Rechtskurve gefl o- gen und die Landung erneut versucht wurde, stellt ein grobes Selbstve r- schulden dar. Zudem ist, was die Flugplanung betrifft (E. 5.2.2), auf die Flugwettervo r- hersage für die allgemeine Luftfahrt (general aviation forecast, GAFOR) hinzuweisen. Im am Unfalltag von 13:00 bis 19:00 Uhr gültigen GAFOR wurde zu den Flugrouten 92 ( Ragaz-Samedan) und 93 (Samedan - Lugano) festgehalten, dass der Sichtflug unmöglich sei. Der Unfallort liegt an diesen GAFOR-Routen (Schlussbericht Ziff. 1.7.6.2). Da die Raytheon um 14:01 Uhr in Zagreb startete (Schlussbericht Ziff. 1.1.4), kann davon ausgegangen werden, dass dieses den Piloten bekannt sein musste. Dass die Piloten trotz dieser Meldung eine Landung im Sichtflug versuc h- ten, stellt ein grobes Selbstverschulden dar. Nicht gemildert wird dieses im Übrigen durch den «menschlichen» Faktor. Von einem Piloten wird verlangt, dass er dem etwaigen Zeitdruck von A r- beit- oder Auftraggebern oder einer Stresssituation durch einen mis s- glückten Landeversuch standhalten kann. Er muss also trotz eines etwa i- gen äusseren Drucks in der Lage sein, die Landung abzub rechen, wenn die Bedingungen für eine solche seiner Meinung nach nicht erfüllt sind (siehe auch E. 7.3.1.4). Sollte eine solche Stresssituation vorgelegen und sich die Piloten darin falsch entschieden haben, wäre auch dies als weite- res Selbstverschulden zu werten. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht der Auffassung, dass der Kausalzusammenhang zwischen der Übermittlung von – allenfalls – zu optimistischen Wettermeldungen und dem Absturz des Flugzeugs – so- fern dieser Zusammenhang überhaupt besteht ( E. 7.2.1 f.) – dadurch un- terbrochen wurde, dass der Kommandant seine ihm von Gesetzes wegen zukommende Eigenverantwortung nicht wahrgenommen hat, was ein grobes Selbstverschulden darstellt. A-7102/2013 Seite 43 7.2.3.2 Nur der Vollständigkeit halber ist auf weitere Unstimmigkeiten hin- zuweisen, die für eine unzureichende Flugplanung sprechen, welche ein weiteres Selbstverschulden der Piloten darstellt. So wurde gemäss dem Untersuchungsbericht (Ziff. 1.16.5.3) bei den Instrumenten der Raytheon der Luftdruck nicht korrekt eingestellt, was dazu führte, dass das Altimeter eine nicht korrekte Flughöhe angab (vgl. E. 5.2.3). Unklar ist auch, we s- halb eine Rechtskurve geflogen wurde, obwohl einerseits das wohl ang e- strebte Verfahren auf dem Flughafen Samedan nicht vorgesehen ist (Schlussbericht Ziff. 2.2.2.2) und andererseits die letzte Kurve vor der Landung in der Regel eine Linkskurve ist ( E. 5.2.2). Zwar liesse sich das damit erklären, dass der Copilot die Landung durchführen wollte – der so Sicht auf die Landebahn gehabt hätte (Schlussbericht Ziff. 2.2.2.1) –, doch ändert dies nichts daran, dass eine Rechtskurve nicht vorschrift s- gemäss war. An Bord der Maschine befanden sich zudem nicht die Checklisten des Herstellers für Start und Landung, sondern geänderte Checklisten (Schlussbericht Ziff. 1.17.1.4). 7.2.4 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass, selbst wenn zw i- schen der (allenfalls) zu günstigen Wetterdurchsage des FISO und dem Absturz der Maschine ein natürlicher und sogar ein adäquater Kausalz u- sammenhang zu bejahen wäre, dieser durch grobes Selb stverschulden der Piloten unterbrochen worden wäre. 7.3 Damit ist auf eine weitere von der Beschwerdeführerin geltend g e- machte Ursache des Absturzes einzugehen, nämlich die Nichteinführung von (weiteren) Sicherheitsmassnahmen seitens der Flughafenbetreiberin. Hierbei wird eine Unterlassung geltend gemacht . Entsprechend dem in E. 4.2 Ausgeführten ist bei der Prüfung, ob ein hypothetischer Kausalz u- sammenhang gegeben ist, zuerst abzuklären, ob eine Rechtspflicht der Vorinstanz bestanden hätte, die von der Beschwerdeführerin beanstande- ten unterlassenen Sicherheitsmassnahmen zu ergreifen (E. 7.3.1). Sollte sich ergeben, dass eine solche Pflicht bestanden hat, ist zu prüfen, ob dieser Pflicht entsprechendes Handeln den Absturz der Raytheon verhi n- dert hätte (E. 7.3.2). 7.3.1 Damit ist zu prüfen, ob für die Flughafenbetreiberin eine Recht s- pflicht bestanden hätte, einerseits höhere Sichtminima und andererseits weitere Sicherheitssysteme einzuführen . Dabei ist zunächst auf die b e- sonderen (Gesetzes- und Verordnungs -)Bestimmungen einzugehen (E. 7.3.1.1) und anschliessend auf den ebenfalls angerufenen , bereits A-7102/2013 Seite 44 erwähnten Gefahrensatz bzw. die Verkehrssicherungspflichten (E. 7.3.1.2 ff.). 7.3.1.1 Zur Beurteilung der ersten Frage ist auf Art. 36a Abs. 2 LFG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 und Art. 29e und Art. 29g VIL einzugehen. Diese Bestimmungen sind allgemein gehalten, weshalb sie in einem B e- triebsreglement zu konkretisieren sind (E. 5.1 und 5.1.1). Aus diesen Be- stimmungen selbst lässt sich für den konkreten Fall keine Handlung s- pflicht ableiten. Die Sichtminima für die Luftraumklasse G sind in der VVR klar festgehalten (E. 5.2.1). Dass und unter welchen Voraussetzungen ei- ne Pflicht der Betreiberin bestehen soll, diese nach eigenem Ermessen anzuheben, ist nicht ersichtlich. Auch im internationalen Rec ht, insbeson- dere in Anhang 14 zum IZÜ (E. 5.1.4) lassen sich keine entsprechenden Pflichten finden. Die geltenden Sichtminima waren zudem – soweit sich das rekonstruieren lässt (Schlussbericht Ziff. 1.7) – zum Unglückszei t- punkt nicht unterschritten. Zu wiederholen ist zudem, dass die Einhaltung von Sichtminima in erster Linie in der Verantwortung des Kommandanten liegt (E. 5.2.1 und 7.2.3.1). Nicht geltend gemacht wird, dass sich aus dem Betriebsreglement eine Handlungspflicht ergeben könnte und eine sol che lässt sich diesem auch nicht entnehmen. Demnach ergibt sich aus den besonderen rechtlichen Bestimmungen keine Handlungspflicht der Vorinstanz. 7.3.1.2 Weiter ruft die Beschwerdeführerin den Gefahrensatz und die Verkehrssicherungspflicht als Grundlage einer Pflicht zum Handeln an. 7.3.1.3 Die Rechtsprechung hat sich mit der Verkehrssicherungspflicht, die sich auch im Rahmen der ausservertraglichen Haftpflicht aus dem Gefahrensatz ergibt, insbesondere im Zusammenhang mit Unfällen auf Skipisten befasst. Sie hat dabei fest gestellt, dass Pistenbenützer zum ei- nen vor nicht ohne weiteres erkennbaren, sich als eigentliche Fallen e r- weisenden Gefahren geschützt werden müssen (BGE 130 III 193 E. 2.3, 121 III 358 E. 4a). Zum andern ist dafür zu sorgen, dass Pistenbenützer vor Gefahren bewahrt werden, die selbst bei vorsichtigem Fahrverhalten nicht vermieden werden können (BGE 130 III 193 E. 2.3, 121 III 358 E. 4a). Die Grenze der Verkehrssicherungspflicht bildet die Zumutbarkeit. Schutzmassnahmen können nur im Rahmen des nach der Ve rkehrs- übung Erforderlichen und Möglichen verlangt werden, wenn auch ein Mindestmass an Schutz immer gewährleistet sein muss (BGE 130 III 193 A-7102/2013 Seite 45 E. 2.3, 121 III 358 E. 4a). Eine weitere Schranke der Verkehrssich e- rungspflicht liegt in der Selbstverantwortung de s einzelnen Pistenbenü t- zers. Gefahren, die dem Schneesport inhärent sind, soll derjenige tragen, der sich zur Ausübung des Schneesports entschliesst (BGE 130 III 193 E. 2.3, 111 IV 15 E. 2). Auch das Fehlverhalten eines Pistenbenützers, der in Verkennung s eines Könnens und der vorgegebenen Pisten - und Wetterverhältnisse oder in Missachtung von Signalisationen fährt, stürzt und dabei verunfallt, ist der Selbstverantwortung zuzurechnen (BGE 130 III 193 E. 2.3, 117 IV 415 E. 5a). Wie weit die Verkehrssicherung spflicht im Einzelnen reicht, hängt von den Gegebenheiten des Einzelfalles ab (BGE 130 III 193 E. 2.3). Die Kriterien, dass vor nicht ohne weiteres erkennbaren, sich als eigentl i- che Fallen erweisenden Gefahren und vor Gefahren geschützt werden muss, welche selbst bei vorsichtiger Benutzung nicht vermieden werden können (E. 4.3.4.2), können auch für die Verkehrssicherungspflicht auf Flugplätzen übernommen werden. Besondere Bedeutung erhält aber in diesem Zusammenhang die Eigenverantwortlichkeit des Piloten ( E. 5.2.1 f.) und dessen Fachkunde: Der Umfang der Schutzpflicht hängt – wie er- wähnt (E. 4.3.4.2) – nämlich auch von den Kenntnissen bzw. der Schut z- bedürftigkeit der beteiligten Personen ab. Je grösser die Schutzbedürfti g- keit und je grösser das Risiko einer eintretenden Gefahr, desto umfan g- reicher sind auch die zu treffenden Vorsichtsmassnahmen auszugesta l- ten. Von der geschädigten Person kann jedoch immer auch verlangt we r- den, dass sie die den Umständen und ihren Kenntnissen entsprechende und im Durchschnitt übliche Sorgfalt anwendet und sich der ihrer Tätigkeit inhärenten Gefahren bewusst ist. 7.3.1.4 Durch schlechtes Wetter hervorgerufene schlechte Sichtverhäl t- nisse, wie sie im Unfallzeitpunkt geherrscht haben, können nicht als Fa l- len gelten; damit, dass es nicht n ur gute Wetter - und Sichtverhältnisse gibt und sich diese auch ändern, muss gerechnet werden. Sich ändernde Wetter- und Sichtverhältnisse sind dem Fliegen überhaupt und insbeso n- dere dem Fliegen im Gebirge immanent. Zudem mussten die schwierigen Wetterverhältnisse den Piloten der Raytheon aus de m GAFOR (E. 7.2.3.1) sowie spätestens nach dem ersten Landeversuch aus eigener Wahrnehmung bekannt gewesen sein. Weiter kann davon ausgegangen werden, dass sich der Absturz bei vorsichtigem Verhalten der Piloten nicht ereignet hätte: Wie bereits erwähnt (E. 7.2.2), haben neun von 13 angemeldeten Flugzeugen den Anflug entweder frühzeitig abgebrochen oder erst gar nicht versucht, den Flughafen Samedan anzufliegen. De m-A-7102/2013 Seite 46 zufolge liegt keine Gefahr vor, die sich selbst bei vo rsichtiger Benützung manifestiert hätte. Die Vorinstanz durfte weiter auf die Eigenverantwo r- tung der Piloten zählen. Insoweit geltend gemacht wird, die Betreiberin habe durch die Mitteilung einer – allenfalls – zu optimistischen Wetterlage eine Gefahrenlag e g e- schaffen, ist, wie bereits mehrmals, darauf zu verweisen, dass die Ve r- antwortlichkeit für den Entscheid zu landen oder durchzustarten und e i- nen Ausweichflughafen anzufliegen, allein bei den Piloten lag. Ein Durc h- start in Pistenrichtung wäre mit diesem Flugzeugtyp möglich gewesen (Schlussbericht Ziff. 2.2.2.2) und auch Treibstoff war – wie erwähnt (E. 7.2.3.1) – genügend vorhanden (vgl. Schlussbericht Ziff. 1.1.2.1, 1.1.3 und 1.6.1). Als allgemein erfahrene Piloten, die zusätzlich beide bereits früher in Samedan gelandet waren (Schlussbericht Ziff. 1.5.1.1.1, 1.5.1.2.1 und 3.1.2), mussten sie auch darum gewusst haben, dass der Flughafen Samedan wegen seiner Lage als schwierig anzufliegen gilt. Dies musste ihnen auch aufgrund der Flugplanung bewusst sein. In Anlehnung an die erwähnte Rechtsprechung zu den Skipisten (E. 7.3.1.3) ist auch ein allfälliges Fehlverhalten der Piloten, aufgrund dessen sie in Verkennung ihres Könnens die zweite Rechtskurve angi n- gen, der Selbstverantwortung zuzurechnen. 7.3.2 Mangels einer Rechtspflicht, die bestehenden Sichtminima zu erh ö- hen bzw. weitere Sicherheitsmassnahmen einzuführen, entfällt der zweite Schritt der Prüfung, ob ein hypothetischer Kausalzusammenhang geg e- ben ist. Es muss nicht mehr geprüft wird, ob höhere Sichtminima bz w. weitere Sicherheitsmassnahmen den Unfall verhindert hätten (E. 4.2). Das schlechte Wetter erweist sich demnach – trotz einer wohl zu optimis- tischen Einschätzung durch den FISO – nicht als Umstand, welcher die Piloten mit einer abwegigen, fallenartigen G efahr überraschte und die Vorinstanz dazu verpflichtet hätte, besondere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Der hypothetische Kausalzusammenhang zwischen der unterla s- senen Anhebung der Sichtminima bzw. Weiterleitung von Wetterinforma- tionen und dem Absturz der Raytheon bzw. de s daraus resultierenden Schadens ist nicht gegeben. 7.3.3 Auch die übrigen in diesem Zusammenhang von der Beschwerde- führerin vorgebrachten Argumente sind unbehelflich: A-7102/2013 Seite 47 7.3.3.1 Am Gesagten ändert nichts, dass der FISO den Hinweis auf schlechte Sichtverhältnisse, die er rund 25 Minuten vor der versuchten Landung der Raytheon von einer anderen Maschine erhalten hatte, nicht an die Besatzung der Raytheon weiterleitete. Einerseits ist der Vorinstanz Recht zu geben, wenn sie darauf hinweist, in den Bergen könnten sich die Wetterverhältnisse rasch verändern, andererseits hatte die Besatzung der Ray theon kurz vor dem ersten Landeversuch einer anderen Flu g- zeugbesatzung gute Bedingungen g emeldet (Sachverhalt Bst. A.b), wel- che somit aktueller waren als die nicht weitergeleiteten. 7.3.3.2 Dasselbe gilt für den Umstand, dass es der FISO unterlassen hat- te, der Besatzung der Raytheon beim ersten Funkkontakt die Wetterme l- dungen zu übermitteln (Schlussbe richt Ziff. 1.17.3.3, auch Ziff. 2.2.3.2). Auch diese Wettermeldungen sind durch spätere und die eigenen Wah r- nehmungen der Besatzung überholt worden. 7.3.3.3 Auch dafür, dass zusätzliche Anforderungen für Piloten, die in Samedan landen wollten, gestellt w urden, finden sich keine Anhaltspunk- te. Mittels geeigneter Regeln wird zwar versucht, Situationen von Druck oder Stress bei den Piloten entgegenzuwirken (was wohl mit ein Grund dafür war, dass das BAZL kurz nach dem Unfall, nämlich am 23. Dezember 2010, die Sichtm inima erhöhte, Schlussbericht Ziff. 4.2.1), doch begründet der Wunsch nach einer Entlastung der Piloten – z.B. von Druck seitens der Auftraggeber – noch keine Handlungspflicht der Flu g- hafenbetreiberin. 7.3.3.4 Dass kurz nach dem Unfall die Sichtminima angehoben un d in Pi- lotenbriefing obligatorisch eingeführt wurden, ändert nichts daran, dass die Betreiberin zuvor nicht zur Einführung solcher Massnahmen verpflic h- tet war. 7.3.3.5 Anzumerken ist, dass die weiteren, vo n der Beschwerdeführerin genannten Unfälle auf dem Flughafen Samedan bei schlechten meteor o- logischen Bedingungen geschahen, weshalb durchaus nachvollziehbar ist, dass sie der Auffassung ist, die Betreiberin habe vermehrte Vorke h- rungen treffen müssen. Den auf dem Internet veröffen tlichten Untersu- chungsberichten ist jedoch auch zu entnehmen, dass bei den Unfällen teils gravierende Pilotenfehler hauptursächlich waren. 7.4 Allfällige Strafverfahren in derselben Sache, hier das von den Parte i- en erwähnte Verfahren vor dem Bundesstrafgericht bzw. dem Verfahren A-7102/2013 Seite 48 bei der Staatsanwaltschaft Graubünden , sind im vorliegenden Verfahren nicht präjudizierend. Der Haftung des Staates liegen andere Vorausse t- zungen zugrunde als einer strafrechtlichen Verantwortung. Allerdings kann hier festgehalten werde n, dass das Bundesstrafgericht im B e- schluss vom 13. Dezember 2011 (BB.2011.83), mit dem es eine B e- schwerde gegen die Einstellungsverfügung der Bundesanwaltschaft gu t- hiess, erwog, die kantonale Staatsanwaltschaft bzw. die Bundesanwal t- schaft könne nach Art. 323 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessor d- nung vom 5. Oktober 2007 (StPO, SR 312.0) die Wiederaufnahme des Verfahrens verfügen, sofern der Schlussbericht oder – falls dieser gefun- den werde – die Auswertung des Voice Recorders Erkenntnisse hervo r- brächten, welche auf ein strafbares Verhalten schliesse liessen. Mit Ei n- gabe vom 19. Dezember 2013 hat der Vater des Co piloten bei der Staatsanwaltschaft Graubünden die Wiederaufnahme des Strafverfa h- rens verlangt. Dieses ist noch pendent. 7.5 Nach dem Gesagten fehlt es im vorliegenden Fall an einer Grundvo r- aussetzung für die Verantwortlichkeit der Vorinstanz (E. 3.1), nämlich an einem adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der Handlung des FISO und dem Absturz der Raytheon bzw. an einem hypothetischen Kau- salzusammenhang zwischen der behaupteten Unterlassung der Flugh a- fenbetreiberin und dem Absturz der Raytheon (und damit de m für die Schadenersatzforderung wesentlichen Schaden), weshalb die Beschwe r- de abzuweisen ist. 7.6 Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten de r Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 6'000.-- festzuset- zen (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleist ete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung derselben zu verwenden. 7.7 Der Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VGKE). Der Vorinstanz ist trotz Obsiegens gemäss Art. 7 Abs. 3 VGKE keine Parteientsch ädigung zuzu- sprechen (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl., Basel 2013, Rz. 4.48, 4.66). A-7102/2013 Seite 49 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 6'000.-- werden der Beschwerd e- führerin auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Salome Zimmermann Susanne Raas Rechtsmittelbelehrung: Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet der Staat s- haftung können beim Bundesgericht angefochten werden, wenn der Streitwert mindestens Fr. 30'000.– beträgt oder wenn sich eine Recht s- frage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (Art. 85 Abs. 1 Bst. a und Abs. 2 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Steht die Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegen- heiten offen, kann sie innert 30 Tagen nach Eröffnung dieses Entscheides beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, erhoben werden , sofern die Voraussetzungen nach Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG erfüllt sind . Die Rechtsschrift ist in einer Amtsspra che abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG). Versand: