B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6302/2012 U r t e i l v o m 11 . D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Daniel Willisegger, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber; Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______, Algerien, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 26. November 2012 / N (…). E-6302/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat am 26. September 2012 legal und im Besitze eines gültigen Visums für Italien. Am 6. Okt o- ber 2012 reiste sie in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 23. Oktober 2012 wurde sie im Empfangs- und Verfahrenszent- rum Kreuzlingen zur Person (BzP) befragt. Dabei machte sie geltend, sie sei B._______ und habe während ihres Studiums in verschiedenen euro- päischen Ländern studiert. Unter anderem habe sie sich für ihre Master- arbeit in den Jahren 2011/2012 in Italien aufgehalten. Anlässlich der B e- fragung wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zur Zustä n- digkeit Italiens für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfah- rens gewährt. B. Das BFM trat mit Verfügung vom 2 6. November 2012 – eröffnet am 3. Dezember 2012 – auf das Asylgesuch nicht ein und wies die B e- schwerdeführerin aus der Schweiz nach Italien weg. Gleichzeitig forder te es sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerd e- frist zu verlassen, und verpflichtete den zuständigen Kanton mit dem Voll- zug der Wegweisung. Sodann händigte es der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeich nis aus und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung komme keine au f- schiebende Wirkung zu. C. Die Beschwerdeführerin reichte am 3. Dezember 2012 (Poststempel: 5. Dezember 2012) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 26. November 2012 ein und beantragt sinn- gemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie E-6302/2012 Seite 3 auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst d Ziff. 1 des Bundesgericht s- gesetzes vom 17. Juni 2005 [ BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asylgeset- zes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, unrichtige oder unvollständige Festste l- lung des rechtserheblichen Sachverhalts und Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111 Abs. 1 und Abs. 2 AsylG). 3. 3.1 Nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG tri tt das BFM auf ein Asylgesuch in der Regel nicht ein, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah- rens staatsvertraglich zuständig ist. 3.2 Gemäss Art. 9 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 34 3/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drit t- staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zustä n- dig ist (Dublin -II-VO) ist, w enn der Asylbewerber ein gültiges Visum b e- sitzt, der Mitgliedstaat, der das Visum erteilt hat, für die Prüfung des Asyl- antrags zuständig, es sei denn, dass das Visum in Vertretung oder mit schriftlicher Zustimmung eines anderen Mitgliedstaats erteilt wurde. 4. 4.1 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung fest, die B e- schwerdeführerin habe gemäss ihren eigenen Angaben von der italien i- schen Vertretung in Algier ein von Oktober 2011 bis Oktober 2012 gült i- ges Visum erhalten. Im September 2012 sei sie letzt mals von Algerien nach Italien gereist. Die italienischen Behörden hätten das Ersuchen des BFM um Übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 9 Abs. 2 E-6302/2012 Seite 4 Dublin-II-VO gutgeheissen. Die Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens liege somit bei Italien. 4.2 In der Rechtsmittelgabe macht die Beschwerdeführerin geltend, ihr Studienaufenthalt in Italien sei am 30. Juni 2012 zu Ende gewesen. Nach ihrer Rückkehr nach Algerien habe sie den Heimatstaat am 26. Septe m- ber 2012 in Richtung S chweiz verlassen. Sie sei dabei nicht mehr in It a- lien eingereist. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass Art. 9 Abs. 2 Dublin-II-VO nicht an den vorgängigen Aufenthalt, sondern an den Akt der Visumserteilung a n- knüpft. Aufgrund dieser Anknüpfung liegt die Z uständigkeit vorliegend bei Italien, das auch dem Übernahmegesuch der Schweiz am 26. November 2012 zugestimmt hat. Weitergehend richten sich die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe gegen die Aufenthaltsbedingungen in Italien. Daraus sowie aus den ei n- gereichten Unterlagen vermag die Beschwerdeführerin indes nicht s zu ihren Gunsten abzuleiten. Italien ist Signatarstaat der der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101), des Abkommens vom 28. Juli 1 951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und des Übereinko m- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder ernie drigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), und es bestehen keine konkreten Hinweise dafür, dass sich Italien im konkreten Fall nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen hält. Unter dem Dublin -System besteht sodann die Vermutung, dass alle Mi t- gliedstaaten bez iehungsweise staatsvertraglich assoziierten Staaten die Rechte der EMRK garantieren und die Zuständigkeitsordnung selbst ein EMRK-konformes Ergebnis liefert. Zwar steht das italienische Fürsorg e- system für Asylsuchende in gewissen Punkten in der Kritik (vgl. namen t- lich Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] und The Law Stu- dents’ Legal Aid Office, Juss-Buss [Norwegen], Oslo und Bern, vom Mai 2011; vgl. auch UNHCR, Recommendations on Important Aspects of R e- fugee Protection in Italy, Juli 2012, Ziffer 5: "Reception conditions for asy- lum-seekers"). Indes werden nach der Kenntnis des Bundesverwaltungs- gerichts Dublin-Rückkehrende sowie verletzliche Personen bezüglich U n- terbringung von den italienischen Behörden bevorzugt behandelt. Zudem nehmen sich auch private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsu- chenden und Flüchtlingen an . Es liegen somit keine Anhaltspunkte vor, dass Italien seine staatsvertraglichen Verpflichtungen missachten und die E-6302/2012 Seite 5 Beschwerdeführerin unter Missachtung des flüchtlingsrechtlichen Non - refoulement-Gebotes oder von Art. 3 EMRK in den Heimatstaat zurück- schaffen würde. 4.3 Die Vorinstanz ist somit zutreffend von der Zuständigkeit Italiens aus- gegangen und in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten. 5. 5.1 Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Da d ie Beschwerdeführerin weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über ei- nen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt (BVGE 2009/50 E. 9), ist die Anordnung der Wegweisung nicht zu beanstanden. 5.2 Im Rahmen des Dublin -Verfahrens im Sinne von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG, bei dem es sich um ein Überstellungsverfahren in den für die Prü- fung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt, besteht systembedingt kein Raum für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1-4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG , SR 142.20). Eine entspre - chende Prüfung hat, soweit not wendig, vielmehr bereits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattzufinden (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.3 und 10.2). Die Vorinstanz hat in diesem Sinne den Vollzug der Wegwei - sung nach Italien zu Recht als zu lässig, zumutbar und möglich bezeic h- net. 6. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bu n- desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. – (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-6302/2012 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel Willisegger Barbara Balmelli Versand: