<h2>SubmittedText<h2><p>Laut Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist die Schweiz im internationalen Vergleich gut platziert, wenn es um die unternehmerische Aktivität der Frauen geht. Im Jahr 2014 wurden in der Schweiz 50 Prozent der unternehmerischen Aktivitäten im Frühstadium von Frauen gestartet. Damit weist unser Land von allen innovationsbasierten Volkswirtschaften die höchste Quote auf. 2003 hatte dieser Anteil nur 30 Prozent betragen. Aber ist die Situation wirklich so rosig? In Wirklichkeit besteht, über diese positiven Daten hinaus, im Bereich der unternehmerischen Aktivitäten weiterhin ein Gender-Gap. Die unternehmerischen Aktivitäten im Frühstadium münden nämlich nicht zwingend in der Gründung eines Unternehmens. Bei den Gründungen erfolgreicher Start-ups sind die Frauen untervertreten. Der Anteil der Frauen liegt bei den 50 erfolgreichsten Start-ups bei nur 9 Prozent.</p><p>Erfolgreiche Start-ups sind gut für die Schweizer Wirtschaft. Um zu solchen zu kommen, ist es auch nötig, die unternehmerischen Aktivitäten von Frauen zu fördern und zu würdigen. Darum frage ich den Bundesrat:</p><p>1. Wie beurteilt er diese Situation? Wie viele von Frauen gegründete Start-ups und Unternehmen erhalten Hilfestellungen und Unterstützung der Kommission für Technologie und Innovation (KTI)?</p><p>2. Ist er der Ansicht, die gegenwärtigen Rahmenbedingungen seien spezifisch für das Unternehmertum von Frauen besonders günstig?</p><p>3. Wie will er konkret die Gründung von Start-ups durch Frauen fördern?</p><p>4. Ist er nicht auch der Ansicht, dass es nottut, die Entstehung von Unternehmen zu fördern, an deren Gründung Frauen beteiligt sind und an deren Spitze Frauen stehen? Dies könnte erreicht werden, indem beispielsweise der Zugang zur Finanzierung und zu Krediten für Unternehmerinnen verbessert wird und Innovationen unterstützt werden.</p><p>5. Ist er nicht auch der Ansicht, dass in der KTI und unter den Experten und Senatoren, die die Projekte beurteilen, mehr Frauen vertreten sein sollten? Wenn ja, angesichts der Tatsache, dass der Bundesrat die Mitglieder wählen kann, wie und wann wird er mehr Frauen in diese Gremien wählen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Daten des Bundesamtes für Statistik bestätigen das gute Abschneiden im Global Entrepreneurship Monitor. Gemäss Statistik der Unternehmensdemografie lag 2014 der Anteil der Firmengründungen, bei denen mindestens eine Frau beteiligt war, bei 45 Prozent. Damit nimmt die Schweiz international einen Spitzenplatz ein.</p><p>Wissenschaftliche Studien und die Erfahrungen der Expertinnen und Experten der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) zeigen jedoch, dass die Frauen bei der Gründung von wissenschaftsbasierten "Start ups" untervertreten sind. Bei den Fördertätigkeiten der KTI belief sich der Anteil Frauen im Leitungsteam der Start-ups, die 2016 das KTI-Label erhielten, auf 9 Prozent, was einer Zunahme um 3 Prozentpunkte im Vergleich zu 2015 entspricht. Was den Frauenanteil bei den 2016 von der KTI genehmigten Gesuchen für Projekte der Forschung und Entwicklung anbelangt, lag dieser bei durchschnittlich 8 Prozent.</p><p>2. In seinem Bericht in Erfüllung des Postulates Derder 13.4237, "Rasch wachsende Jungunternehmen in der Schweiz", hat der Bundesrat festgestellt, dass die Schweiz zu den Ländern mit den besten Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten im Allgemeinen zählt. Massnahmen im Rahmen der Fachkräfte-Initiative können das Unternehmertum von Frauen ebenfalls begünstigen, indem sie die Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt vereinfachen. Wie der Bundesrat im Bericht in Beantwortung des Postulates der Finanzkommission des Nationalrates 14.3005, "Volkswirtschaftliche und fiskalpolitische Folgen von konkreten Modellen der Individualbesteuerung", ausführte, hätte auch die Einführung der Individualbesteuerung positive Arbeitsmarkt- und Wachstumseffekte, weil sie im Vergleich zu anderen Besteuerungsmodellen für die in Bezug auf ihre Arbeitsangebotsentscheidungen besonders elastisch reagierenden verheirateten Frauen eine besonders niedrige (Grenz-)Steuerbelastung offeriert und damit Anreize zum Verbleib im Arbeitsmarkt schafft.</p><p>3. Im Bereich der Beratung, Ausbildung und Infrastruktur für Start-ups bestehen vonseiten der Kantone zahlreiche Angebote, teilweise unterstützt durch die neue Regionalpolitik des Bundes.</p><p>Die KTI sieht in ihrem Mehrjahresprogramm Massnahmen vor, um frauenspezifische Hemmnisse in diesem Bereich abzubauen. Dazu gehören unter anderem allgemeine Sensibilisierungsmassnahmen (wie mehr Erfolgsgeschichten mit weiblichen Gründerinnen) sowie die Entwicklung von massgeschneiderten Pitching-Kursen. Zudem sollen frauenrelevante Themen in den bestehenden Programmen verstärkt abgedeckt werden, und ein schlankes "Peer-Mentoring-Programm" soll erfolgreiche und etablierte Unternehmerinnen mit Jungunternehmerinnen in Kontakt bringen.</p><p>4. Im Bericht in Erfüllung des Postulates Derder 13.4237 hat der Bundesrat festgestellt, dass der Zugang zur Finanzierung nicht kritisch ist. Der Schweizer Risikokapitalmarkt ist offen und wird zu einem grossen Teil durch Mittel aus dem Ausland versorgt. Auch der Kreditmarkt funktioniert, was durch eine aktuelle, im Auftrag des Seco durchgeführte Befragung zur Finanzierung der KMU bestätigt wurde. Um gezielt die Frauen zu unterstützen, möchte die KTI ein Programm lancieren, das Unternehmerinnen mit potenziellen Investoren zusammenbringt und ihnen gleichzeitig ein geeignetes Coaching bietet, um die Finanzierungschancen für ihre Start-ups zu maximieren.</p><p>Zudem existiert mit dem gewerbeorientierten Bürgschaftswesen auf Bundesebene ein Angebot für Unternehmen, welches die Aufnahme von Krediten erleichtert. Neben den drei regionalen Bürgschaftsorganisationen verbürgt die gesamtschweizerisch tätige Bürgschaftsgenossenschaft Safra ausschliesslich an Frauen vergebene Kredite von bis zu 500 000 Franken. Zusätzlich stehen Unternehmensgründerinnen und Unternehmensgründern mit der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit oder dem Technologiefonds weitere Angebote auf Bundesebene sowie zahlreiche kantonale Finanzierungsprogramme zur Verfügung.</p><p>5. Eine ausgeglichene Aufteilung zwischen den Geschlechtern ist für jede Organisation von Vorteil. Die Zusammensetzung der KTI-Geschäftsleitung ist mit einem Frauenanteil von 64 Prozent insofern sehr günstig. Was die anderen Funktionen innerhalb der KTI anbelangt, d. h. Beraterinnen bzw. Berater, Expertinnen bzw. Experten und Coaches, wäre eine Erhöhung der Frauenquote durchaus wünschenswert. Folglich ist es auch sehr positiv, dass im bereits gewählten Verwaltungsrat der neuen Organisation Innosuisse 50 Prozent Frauen vertreten sind (wenn man den Verwaltungsratspräsidenten nicht berücksichtigt).</p>  Antwort des Bundesrates.