<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 81 S.348</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">348</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>81</b></span> <span class="ft3"><b>Beschwerde nach § 53 VRPG.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- "Rechtsverweigerung" im Sinne von § 53 VRPG meint ausschliesslich</b></span><br/> <span class="ft3"><b>das Nichthandeln der Behörde (Bestätigung der Rechtsprechung).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 16. November 2000 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen B.J. gegen Entscheid des Regierungsrats.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. (Keine Sachzuständigkeit des Verwaltungsgerichts, so dass</span><br/> <span class="ft1">nur die Beschwerdegründe gemäss § 53 VRPG in Betracht fallen.)</span><br/> <span class="ft1">2. b) aa) Bei der Schaffung des VRPG war von allem Anfang an</span><br/> <span class="ft1">vorgesehen: "Wegen Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung</span><br/> <span class="ft1">können sämtliche letztinstanzlichen Verwaltungsentscheide an das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht weitergezogen werden, auch wenn dessen Zu-</span><br/> <span class="ft1">ständigkeit in der Sache selbst nicht gegeben ist." (Zwischenbericht</span><br/> <span class="ft1">der Justizdirektion vom 15. Februar 1965, S. 17). Darunter wurde</span><br/> <span class="ft1">von den Beteiligten, auch von allen Sachverständigen, - und zwar</span><br/> <span class="ft1">völlig selbstverständlich! - durchwegs nur das Nichthandeln/Nicht-</span><br/> <span class="ft1">entscheiden (oder das nicht rechtzeitige Handeln) der Behörde ver-</span><br/> <span class="ft1">standen; dies zeigt sich in den Hinweisen, dass hier gar kein weiter-</span><br/> <span class="ft1">ziehbarer Entscheid vorliege und dass es sich eigentlich nur um</span><br/> <span class="ft1">Feststellungsbefunde (des Verwaltungsgerichts) handeln könne (vgl.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">349</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Entwurf Welti vom 26. Juli 1965 für die Vernehmlassung des Ober-</span><br/> <span class="ft1">gerichts, S. 15; Protokolle der Arbeitsgruppe für Verwaltungsreform</span><br/> <span class="ft1">vom 16. Juli 1965, S. 5 f. [Voten Eichenberger, Roos, Fischli], und</span><br/> <span class="ft1">vom 31. August 1965, S. 11 [Votum Gesetzesredaktor Brunschwi-</span><br/> <span class="ft1">ler]). Diese Auffassung wurde nie in Frage gestellt.</span><br/> <span class="ft1">Der Vorentwurf der Justizdirektion vom Juni 1966, wo die heu-</span><br/> <span class="ft1">tige Fassung des § 53 VRPG (damals § 37) vorgeschlagen wurde,</span><br/> <span class="ft1">enthält keine Erläuterungen. Dass anstelle von letztinstanzlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungs<i>entscheiden</i> nun die Beschwerde "gegen letztinstanzliche</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungs<i>behörden</i>" vorgesehen wurde, geht offenbar auf die Hin-</span><br/> <span class="ft1">weise zurück, dass bei Rechtsverweigerung und -verzögerung eben</span><br/> <span class="ft1">gar kein Entscheid vorliege. Warum neu auch die Verletzung der Vor-</span><br/> <span class="ft1">schriften über die Zuständigkeit, den Ausstand, das rechtliche Gehör</span><br/> <span class="ft1">und die Akteneinsicht als Beschwerdegründe genannt wurden (und</span><br/> <span class="ft1">warum diese, obwohl hier in aller Regel anfechtbare Entscheide vor-</span><br/> <span class="ft1">liegen, der gleichen Regelung wie die Rechtsverweigerung und</span><br/> <span class="ft1">-verzögerung unterworfen wurden), ist aus den Materialien nicht er-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich. Selbst nach dieser Änderung wurde in der Expertenkom-</span><br/> <span class="ft1">mission davon gesprochen, dass bei dieser Bestimmung eine Exe-</span><br/> <span class="ft1">kution des richterlichen Erkenntnisses nicht möglich sei (Protokoll</span><br/> <span class="ft1">vom 13.-15. September 1966, S. 19 f.), was nur auf die Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">weigerung im Sinne des Nichthandelns zutrifft. In gleicher Weise</span><br/> <span class="ft1">wurde offenbar in den Beratungen der grossrätlichen Kommission</span><br/> <span class="ft1">überlegt, als diese den Abs. 2 von § 54 VRPG neu schuf (vgl. Proto-</span><br/> <span class="ft1">koll vom 1. Juli 1968, S. 8 f.) und dabei die "jederzeitige" Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">demöglichkeit vorsah, obwohl diese nur bei der Rechtsverweigerung</span><br/> <span class="ft1">- im Sinne des Nichthandelns - und -verzögerung sachgerecht ist.</span><br/> <span class="ft1">bb) Gestützt auf den in den Gesetzesmaterialien klar zum Aus-</span><br/> <span class="ft1">druck kommenden Willen des Gesetzgebers hat das Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gericht den in § 53 VRPG verwendeten Begriff der Rechtsverweige-</span><br/> <span class="ft1">rung in ständiger Rechtsprechung auf die formelle Rechtsverweige-</span><br/> <span class="ft1">rung beschränkt und die Ausdehnung auf die sog. "materielle Rechts-</span><br/> <span class="ft1">verweigerung" im Sinne von Willkür abgelehnt (AGVE 1971,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">350</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">S. 340 f., 349; 1979, S. 272; 1981, S. 284; 1989, S. 315; Merker,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 53 N 7); eine "kleine Staatsrechtliche Beschwerde" habe der</span><br/> <span class="ft1">Gesetzgeber nicht gewollt (AGVE 1971, S. 349).</span><br/> <span class="ft1">Dass das Verwaltungsgericht unter den Begriff der Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">weigerung nicht einmal alle Teilbereiche der formellen Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">weigerung, wie sie in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ge-</span><br/> <span class="ft1">staltet wurden, subsumiert, sondern darunter nur das Nichthandeln</span><br/> <span class="ft1">versteht (VGE II/37 vom 6. März 1995 in Sachen S.D.M., S. 7 ff.,</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf einen Beschluss des Gesamtverwaltungsgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">28. Februar 1995; vgl. dazu Merker, a.a.O., § 53 N 33), wird kriti-</span><br/> <span class="ft1">siert (Merker, a.a.O., § 53 N 34). Diese Kritik überzeugt nicht. Wenn</span><br/> <span class="ft1">der Gesetzgeber unter "Rechtsverweigerung" die formelle Rechts-</span><br/> <span class="ft1">verweigerung, wie sie sich damals nach der bundesgerichtlichen Pra-</span><br/> <span class="ft1">xis gestaltete, insgesamt verstanden hätte, wäre es überflüssig und</span><br/> <span class="ft1">widersprüchlich gewesen, zusätzlich die Verletzung der Vorschriften</span><br/> <span class="ft1">über die Zuständigkeit, den Ausstand, das rechtliche Gehör und die</span><br/> <span class="ft1">Akteneinsicht aufzuführen, wurden doch diese schon damals in der</span><br/> <span class="ft1">bundesgerichtlichen Rechtsprechung allesamt dem Bereich der</span><br/> <span class="ft1">formellen Rechtsverweigerung zugerechnet (vgl. die BGE-General-</span><br/> <span class="ft1">register zu Bd. 81-90 und 91-100). Entsprechend wurde in der Bot-</span><br/> <span class="ft1">schaft des Regierungsrats zum VRPG vom 3. Mai 1967, auf die sich</span><br/> <span class="ft1">Merker zu Unrecht beruft, ausgeführt (S. 42): "Mit dieser General-</span><br/> <span class="ft1">klausel wird für sämtliche Fälle der Rechtsverweigerung, Rechts-</span><br/> <span class="ft1">verzögerung <i>oder anderer</i> Verletzungen wesentlicher Verfahrensvor-</span><br/> <span class="ft1">schriften ..." (Hervorhebung beigefügt).</span><br/> <span class="ft1">An dieser Rechtsprechung ist festzuhalten. Der Wille des Ge-</span><br/> <span class="ft1">setzgebers, wie weit er dem Verwaltungsgericht dort Kompetenzen</span><br/> <span class="ft1">zuerkennen wollte, wo er ihm keine sachliche Zuständigkeit zuwies,</span><br/> <span class="ft1">erscheint klar. Es wäre Sache des Gesetzgebers, nicht des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichts, diese Kompetenzen auszudehnen. Dies gilt umso</span><br/> <span class="ft1">mehr, als es dafür keiner Änderung auf Gesetzesstufe bedarf, sondern</span><br/> <span class="ft1">die entsprechende Rechtsetzung ausdrücklich erleichtert wurde und</span><br/> <span class="ft1">mittels Dekret erfolgen kann (§ 51 Abs. 2 VRPG).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">351</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">habe in verschiedener Beziehung willkürlich entschieden. Hierauf</span><br/> <span class="ft1">darf nicht eingetreten werden, da - wie dargelegt - die gemäss § 53</span><br/> <span class="ft1">VRPG zulässigen Beschwerdegründe die materielle Rechtsverweige-</span><br/> <span class="ft1">rung (= Willkür) nicht umfassen. Weiter beanstandet der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer ..., und behauptet damit sinngemäss überspitzten Formalis-</span><br/> <span class="ft1">mus. Nun ist überspitzter Formalismus zwar ein Teilbereich der for-</span><br/> <span class="ft1">mellen Rechtsverweigerung in der bundesgerichtlichen Rechtspre-</span><br/> <span class="ft1">chung; doch wird dieser Teilbereich durch § 53 VRPG nicht erfasst</span><br/> <span class="ft1">(vorne Erw. 2/b/bb).</span><br/> <span class="ft1">3. Da der Beschwerdeführer keine der in § 53 VRPG aufge-</span><br/> <span class="ft1">führten Beschwerdegründe vorbringt, ist auf die Beschwerde man-</span><br/> <span class="ft1">gels Zuständigkeit nicht einzutreten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>