A bteilung III C -1509/2007 {T 0/2} U rteil vom 3. O ktober 2007 R ichter M ichael Peterli (Vorsitz), R ichterin Franziska Schneider, R ichterin Elena Avenati-C arpani, G erichtsschreiber W ilhelm -U lrich Schodde P._______, Italien, Beschw erdeführerin, gegen Schw eizerische A usgleichskasse SA K , avenue Ed- m ond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 G enf 2, Vorinstanz Freiw illige Versicherung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l B esetzung P arteien G egenstandC -1509/2007 Sachverhalt: A . D ie im Jahr 1947 geborene, verheiratete Schw eizerbürgerin P._______ ist seit 1978 im Ausland niedergelassen. Sie w urde am 17. April 1997 rückw irkend auf den 1. Juni 1978 in die freiw illige Al- ters-, H interlassenen- und Invalidenversicherung (nachfolgend: freiw il- lige Versicherung) aufgenom m en (act. 1-4). Von 1996 bis 2005 w ur- den ihre Beiträge aufgrund der vorgelegten E rklärungen über Einkom - m en und Verm ögen festgesetzt (act. 9-21). M it Schreiben vom 30. Ja- nuar 2006 teilte die Versicherte dem Schw eizerischen G eneralkonsu- lat m it, dass sie am 30. April 2005 ihre berufliche Tätigkeit aufgege- ben habe; ihrem B rief legte sie die Kopie ihrer italienischen Steuerer- klärung für die Veranlagung 2004 bei. Am 22. Juni 2006 gab sie in ih- rer Erklärung über Einkom m en und Verm ögen zw ecks Festsetzung der Beiträge für die Beitragsperiode 2006/2007 an, dass sie am 1. Ja- nuar 2006 über ein Verm ögen von EU R 24'000.-- verfüge und im Jah- re 2004 Einkom m en von EU R 17'035.-- und im Jahre 2005 solche von EU R 9'850.-- erzielt habe. G leichzeitig gab sie eine neue Adresse an: C ._______ (act. 22). Im Auftrag der Schw eizerischen Ausgleichskasse (nachfolgend: SAK) forderte das Schw eizerische G eneralkonsulat in M ailand die Versicherte m it Brief vom 4. Juli 2006, w elcher an ihre ehem alige Adresse (A._______) gerichtet w ar, auf, innert einer Frist von 30 Tagen N achw eise über ihre Verm ögenslage und diejenige ih- res Ehem annes einzureichen (Kontoauszüge, Aufstellungen über W ertpapiere und Anlagen, R enten, Angaben über die Aufgabe ihrer beruflichen Tätigkeit, etc.). D ie Versicherte reichte m it Schreiben vom 9. August 2006 verschiedene D okum ente über ihre Einkom m ens- und Verm ögenslage ein, darunter auch Steuerbescheide der italienischen Behörden; hierbei gab sie erneut ihre aktuelle Adresse an. M it Bei- tragsverfügung vom 4. D ezem ber 2006, w elche ebenfalls an die ehe- m alige Adresse der Versicherten geschickt w urde, setzte das Schw ei- zerische G eneralkonsulat in M ailand im Auftrag der SAK die Beiträge der Versicherten für die Jahre 2006 und 2007 m ittels am tlicher Veran- lagung auf Fr. 2'937.35 (Ehefrau) und Fr. 1'584.75 (Ehem ann nur für das Jahr 2006) pro Jahr fest. H ierbei ging die SAK von einem bei- tragspflichtigen Einkom m en von Fr. 29'100.-- (Ehefrau) und Fr. 47'100.-- (Ehem ann) aus (30% Erhöhung gegenüber der letzten Beitragsverfügung; act. 22). S eite 2C -1509/2007 B . M it Schreiben vom 5. Februar 2007 erhob die Versicherte Einsprache gegen die Beitragsverfügung vom 4. D ezem ber 2006 und beantragte sinngem äss, die Beiträge nicht zu erhöhen, da sich ihre R ente im Jahre 2006 gegenüber derjenigen von 2005 nicht erhöht habe. M it Einspracheverfügung vom 8. Februar 2007 trat das Schw eizerische G eneralkonsulat in M ailand im Auftrag der SAK auf die Einsprache w egen Ü berschreiten der 30-tägigen Einsprachefrist nicht ein. C . M it Schreiben vom 20. Februar 2007 erhob P._______ (nachfolgend: Beschw erdeführerin) beim Bundesverw altungsgericht Beschw erde gegen die Einspracheverfügung der Vorinstanz vom 8. Februar 2007 und beantragte sinngem äss die Aufhebung der Einspracheverfügung m it der Begründung, dass sie der Vorinstanz m itgeteilt habe, im M ai 2006 an ihren neuen W ohnort (C ._______) um gezogen zu sein, w as auch das Schreiben des G eneralkonsulates vom 4. Juli 2006 bew eise. D as G eneralkonsulat habe trotzdem die Korrespondenz an die ehe- m alige Adresse gesandt, so dass diese erst m it einer Verspätung von 2 M onaten an sie gelangt sei. W eiter gab die Beschw erdeführerin an, am 30. April 2005 in den R uhestand getreten zu sein. Sie habe die von der Vorinstanz eingeforderten U nterlagen vorgelegt. Sie lebe von der italienischen Pension des Ehem annes in der H öhe von EU R 1'900.-- m onatlich und ihrer eigenen von EU R 280.-- m onatlich (seit dem 1. Septem ber 2006). Aus diesem G rund m üsse es zu einer Verringerung der Beiträge kom m en. Abschliessend gab sie an, dass die am tliche Taxation auf der Basis der Einkom m en 2004 zu hoch sei; sie und ihr Ehem ann seien m it ihrer Einkom m enserklärung in Verzug gekom m en, w ürden aber m öglichst bald die Zahlen für das Jahr 2005 vorlegen können. D . In ihrer Vernehm lassung vom 2. M ai 2007 beantragte die SAK die Ab- w eisung der Beschw erde. Sie räum te allerdings ein, dass die Adress- änderung der Beschw erdeführerin anlässlich der R ücksendung der Einkom m ens- und Verm ögensdaten am 22. Juni 2006 (vgl. act. 22) bekannt gegeben w orden sei und folglich ab diesem D atum keine Briefe m ehr an die alte Anschrift hätten gesandt w erden sollen. S eite 3C -1509/2007 E. In ihrer R eplik vom 18. M ai 2007 hielt die Beschw erdeführerin ihre Anträge aufrecht. Sie brachte vor, dass sie am 9. August 2006 auf die Aufforderung der Vorinstanz vom 4. Juli 2006 unter Beilage der ge- w ünschten U nterlagen geantw ortet habe und bei dieser G elegenheit auf die Adressänderung aufm erksam gem acht habe. N ach diesem D atum habe sie an ihrer gültigen Adresse nichts m ehr erhalten. Erst anlässlich ihres Besuches in A._______ im Februar 2007 habe sie die am tliche Beitragsverfügung vom 4. D ezem ber 2006 im Briefkasten ih- rer alten W ohnung gefunden. W eiter gab die Beschw erdeführerin an, dass sie, so w ie das G eneralkonsulat auch, Briefe nicht per Einschrei- ben versandt habe, so dass sie keinen N achw eis für den Versand ih- res Briefes vom 9. August 2006 habe. F. M it D uplik vom 6. Juni 2007 hielt die SAK an ihrem Abw eisungsantrag fest m it der Begründung, dass keine grundlegend neuen Argum ente vorgebracht w orden seien. G . Abschliessend hielt die Beschw erdeführerin ihre Anträge aufrecht und gab in ihrer Triplik vom 4. August 2007 an, dass sie und ihr Ehem ann aufgrund einer nicht beachteten Adressänderung (Fehler des Konsu- lats) falsch eingeschätzt w orden seien. H . M it Verfügung vom 10. M ai 2007 w urde der Beschw erdeführerin und ihrem Ehem ann die Zusam m ensetzung des Spruchkörpers bekannt gegeben; Ausstandsbegehren w urden nicht gestellt. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. G em äss A rt. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) in Verbindung m it A rt. 85bis Abs. 1 des Bundesge- setzes über die Alters- und H interlassenenversicherung vom 20. D e- zem ber 1946 (AH VG , SR 831.10) beurteilt das Bundesverw altungsge- richt Beschw erden von Personen im Ausland gegen Verfügungen der Schw eizerischen Ausgleichskasse. Es liegt keine Ausnahm e im Sinne von A rt. 32 VG G vor. S eite 4C -1509/2007 1.1 Aufgrund von A rt. 3 Bst. dbis des Bundesgesetzes vom 20. D ezem - ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) findet das Vw VG keine Anw endung in Sozialversicherungssachen, sow eit das Bundesgesetz vom 6. O ktober 2000 über den Allgem einen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG , SR 830.1) anw endbar ist. G em äss A rt. 1 Abs. 1 AH VG sind die Bestim m ungen des ATSG auf die im ers- ten Teil geregelte Alters- und H interlassenenversicherung anw endbar, sow eit das AH VG nicht ausdrücklich eine Abw eichung vom ATSG vor- sieht. 1.2 D ie Beschw erdeführerin ist durch den angefochtenen Einsprache- entscheid berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung, so dass sie im Sinne von A rt. 59 ATSG be- schw erdelegitim iert ist. 1.3 D a die Beschw erde im Ü brigen frist- und form gerecht (A rt. 60 ATSG und A rt. 52 Vw VG ) eingereicht w urde, ist auf die Beschw erde einzutreten. 2. Es ist vorliegend zu klären, ob die Einsprache gegen die Verfügung der SAK vom 4. D ezem ber 2006 fristgerecht erfolgt ist. 2.1 G egen Verfügungen kann gem äss A rt. 52 Abs. 1 des Bundesge- setzes über den Allgem einen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. O ktober 2000 (ATSG ; SR 830.1) innerhalb von 30 Tagen bei der ver- fügenden Stelle Einsprache erhoben w erden. Berechnet sich eine Frist nach Tagen oder M onaten und bedarf sie der M itteilung an die Par- teien, so beginnt sie am Tag nach ihrer M itteilung zu laufen (A rt. 38 Abs. 1 ATSG ). 2.2 Ein Fristversäum nis, an das sich für den Versicherten nachteilige R echtsw irkungen knüpfen, setzt zunächst G ew issheit darüber voraus, w ann die Frist zu laufen begonnen hat. D iese G ew issheit ist von der Verw altung zu schaffen. Ihr obliegt der Zustellungsbew eis (vgl. IM BO D EN / R H IN O W , Schw eizerische Verw altungsrechtsprechung, Band I, 6. Aufla- ge, Basel 1986, N r. 91 B I. S. 560 m it H inw eisen; SVR 1998, IV N r. 23 Erw. 4b). 2.3 Vorliegend lässt sich der Zustellungszeitpunkt der Verfügung vom 4. D ezem ber 2006 nicht m ehr exakt bestim m en. Ein entsprechendes N achforschungsbegehren kann nicht durchgeführt w erden, da die Ver- S eite 5C -1509/2007 fügung nicht eingeschrieben versandt w urde. G em äss den Ausführun- gen der Beschw erdeführerin konnte sie die Beitragsverfügung erst im Februar 2007 in Em pfang nehm en, als sie erstm als seit M onaten w ie- der in ihre alte W ohnung in A._______ zurückging. D ass sie ihre neue Adresse der SAK bereits m it R ücksendung ihrer Einkom m ens- und Verm ögensdaten am 22. Juni 2006 (vgl. act. 22) bekannt gegeben hat, w ird von der Vorinstanz bestätigt. Ebenso räum t die Vorinstanz ein, die Beitragsverfügungen vom 4. D ezem ber 2006 an die nicht m ehr gültige Adresse der Beschw erdeführerin versandt zu haben. D as Bundesver- w altungsgericht erachtet daher die Sachverhaltsdarstellung der Be- schw erdeführerin als plausibel (BG E 103 V 65 Erw . 2a). Es ist folglich davon auszugehen, dass die am 7. Februar 2007 erhobene Einspra- che innerhalb der dreissigtägigen Frist ab Eröffnung der Verfügung ge- m äss A rt. 52 Abs. 1 ATSG erfolgte. 2.4 D ie Beschw erde ist daher gutzuheissen und die Sache an die Vor- instanz zur m ateriellen Beurteilung der Einsprache vom 5. Februar 2007 zurückzuw eisen. 3. D as Verfahren ist für die Parteien kostenlos (A rt. 85bis Abs. 2 AH VG ). D ie Beschw erdeführerin hat keinen Anspruch auf Parteientschädigung (A rt. 64 Abs. 1 Vw VG e contrario). S eite 6C -1509/2007 D as B undesverw altungsgericht erkennt: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie Sache w ird an die Vorinstanz zur m ateriellen Beurteilung der Einsprache vom 5. Februar 2007 zurückgew iesen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Es w ird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (Einschreiben, m it R ückschein) - der Vorinstanz - dem Bundesam t für Sozialversicherungen D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: M ichael Peterli W ilhelm -U lrich Schodde R echtsm ittelbelehrung G egen diesen Entscheid kann innerhalb von 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, S ozialversicherungsrechtliche Abteilungen, S chw ei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschw erde in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten geführt w erden (A rt. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [B G G , SR 173.110]). D ie R echtsschrift hat die Begehren, deren Begründung m it Angabe der Bew eism ittel und die U nterschrift zu enthalten. D er angefochtene E ntscheid und die Bew eism it- tel sind, sow eit sie der Beschw erdeführer in H änden hat, beizulegen (vgl. A rt. 42 B G G ). Versand: S eite 7