Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. März 2014 (715 12 258) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Taggeld; Erfüllung der Mindestbeitragszeit von zwölf Monaten während der Rahmenfrist für die Beitragszeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Die ter Freiburghaus, Kantons- richter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Marion Wüthrich Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Roman Felix , Advokat gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A. Der 1952 geborene A.____ war seit dem 1. Juli 20 02 als Geschäftsführer (CEO) bei der B.____ AG tätig. Der Arbeitsvertrag sah eine Kü ndigungsfrist von sechs Monaten vor. Am 20. Mai 2009 wurde das Arbeitsverhältnis durch die B.____ AG „aufgrund Nichterreichens der Geschäftsziele“ per 30. November 2009 schriftlich g ekündigt und der Beschwerdeführer glei- chentags freigestellt. In der Folge war der Beschwe rdeführer vom 19. Juni 2009 bis zum 31. Dezember 2009 und vom 8. März 2010 bis zum 30. Juni 2011 krankheitsbedingt zu 100 % arbeitsunfähig. Am 1. Oktober 2010 wurde über die B.____ AG der Konkurs eröffnet. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 20. Juni 2011 meldete sich A.____ bei der Öffentli chen Arbeitslosenkasse Baselland (Ar- beitslosenkasse) zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 27. Juni 2011 Anspruch auf Arbeitslo- senentschädigung ab dem 20. Juni 2011. Nachdem sich A.___ _ am 4. Oktober 2011 mit der Leistungsabrechnung der Arbeitslosenkasse vom 2. August 2 011 und vom 6. September 2011 nicht einverstanden erklärte und um Erlass einer anfecht baren Verfügung ersuchte, bestätigte die Arbeitslosenkasse mit Verfügung vom 4. November 201 1, dass die Taggeldabrechnungen für die Monate Juni 2011 bis August 2011 korrekt erstellt worden seien. Eine von A.____ gegen die Verfügung vom 4. November 2011 erhobene Einsprache wurde von der Arbeitslosenkasse mit Einspracheentscheid vom 23. Juli 2012 abgewiesen. Di e Arbeitslosenkasse begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, dass A.____ während der Rahmenfrist für die Beitrags- zeit vom 20. Juni 2009 bis zum 19. Juni 2011 die Mindestb eitragszeit von zwölf Monaten nicht erfüllt habe. Das Arbeitsverhältnis sei durch die B.____ AG am 20. Mai 2009 unter Einhaltung der sechsmonatigen Kündigungsfrist per 30. November 200 9 gekündigt worden. Da A.____ vom 19. Juni 2009 bis zum 31. Dezember 2009 sowie vom 1. Januar 2010 bis zum 19. Juni 2011 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei, habe sich da s Arbeitsverhältnis aufgrund der krankheitsbedingten Sperrfrist lediglich bis zum 31. Mai 2010 verlängert. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Ro man Felix, am 30. August 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte er, es sei der Einspracheentscheid vom 23. Juli 2012 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwer deführer die gesetzlichen Leistun- gen zu erbringen; alles unter o/e-Kostenfolge. Er füh rte dabei im Wesentlichen aus, dass das Arbeitsverhältnis mit der B.____ AG zwar per 30. Novem ber 2009 gekündigt, jedoch in Abspra- che mit der Arbeitgeberin nachträglich bis Ende Dezember 2009 verlängert worden sei. Auf- grund seiner krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit ha be sich das Arbeitsverhältnis unter Be- rücksichtigung der Sperrfrist bis zum 30. Juni 2010 verläng ert, womit die Mindestbeitragszeit von zwölf Monaten erfüllt sei. C. Mit Vernehmlassung vom 19. November 2012 beantragt e die Arbeitslosenkasse die Abweisung der Beschwerde. D. Die Parteien hielten mit Replik vom 15. März 2013 u nd Duplik vom 8. Mai 2013 an ih- ren Anträgen fest. E. Auf Ersuchen des Kantongerichts um Konkretisierung und Bezifferung des Streitge- genstandes nahm A.____, weiterhin vertreten durch Advoka t Roman Felix, am 14. November 2013 Stellung. Hauptstreitpunkt der Beschwerdesache sei di e Frage, ob A.____ innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit eine Mindestbeitragsdauer von zwölf Monaten aufweise. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurde der Beschwerdeführer befragt und C.____, der ehemalige Verwaltungsratspräsident der B. ____ AG, als Auskunftsperson einver- nommen. In ihren Parteivorträgen hielten sowohl der R echtsvertreter des Beschwerdeführers wie auch die Beschwerdegegnerin an den gestellten Rechtsb egehren fest. Auf die einzelnen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausführungen der Parteien und der Auskunftsperson an d er Parteiverhandlung ist – soweit not- wendig – in den Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungs gericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. a der Verord- nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigk eit des kantonalen Versicherungsge- richts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Kassen, welche die Arbeitslosenentschädigung betreffen, nach dem Ort, wo die versicherte Person die Kontroll- pflicht erfüllt. Vorliegend erfüllt der Beschwerdeführ er die Kontrollpflicht im Kanton Basel- Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kanto nsgerichts Basel-Landschaft zu beja- hen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kant onsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gege n Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auc h sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fr ist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 30. August 2012 ist deshalb einzutreten. 2. Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob der Besc hwerdeführer innerhalb der Rahmen- frist für die Beitragszeit vom 20. Juni 2009 bis zum 19. Juni 2011 während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. 3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG hat die versichert e Person Anspruch auf Arbeitslo- senentschädigung, wenn die Beitragszeit erfüllt ist oder wenn sie von der Erfüllung der Bei- tragszeit befreit ist. Für den Leistungsbezug und fü r die Beitragszeit gelten, sofern das Gesetz nichts anderes vorsieht, zweijährige Rahmenfristen (Art. 9 Abs. 1 AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahme nfrist während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art . 13 Abs. 1 AVIG). Angerechnet werden dabei auch Zeiten, in denen der Versicherte zwar in ei nem Arbeitsverhältnis steht, aber wegen Krankheit (Art. 3 ATSG) oder Unfall (Art. 4 ATSG) ke inen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt (Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG). 3.2 Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt gemä ss Art. 9 Abs. 3 AVIG zwei Jahre vor der Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Letztere wiederu m beginnt an jenem Tag, an dem sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 A bs. 2 AVIG). Massgebend ist dabei der Zeitpunkt, in welchem sich die versicherte Person erstma ls zur Erfüllung der Kontrollpflicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei ihrer Wohnsitzgemeinde oder einer vom Kanton besti mmten zuständigen Amtsstelle zur Arbeitsvermittlung meldet (Art. 17 Abs. 2 AVIG). 3.3 Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind P ersonen, die innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit in Folge Krankheit, Unfall oder Mutterschaft nicht erfüllen konnten, sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten (Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG). 4. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als ve rfügende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen an nehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht se inen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich- keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sa chverhalts genügt den Beweisanfor- derungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverh altsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlich ste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, je mit Hinweisen). 5.1 Den Verfahrensakten ist zu entnehmen, dass der Beschwe rdeführer gemäss Dienst- vertrag vom 18. Dezember 2003 seit dem 1. Juli 2002 al s Geschäftsführer (CEO) bei der B.____ AG tätig war. Der Arbeitsvertrag sah eine Kündi gungsfrist von sechs Monaten vor. Bei einer Kündigung durch die Arbeitgeberin war zudem ei ne Abgangsentschädigung in der Höhe eines Jahressalärs, jedoch ohne Erfolgsbeteiligung, vere inbart worden. Für allfällige Vertrags- änderungen war festgehalten worden, dass diese nur in schriftlicher Form gültig seien. Am 20. Mai 2009 wurde das Arbeitsverhältnis durch die B.__ __ AG „aufgrund Nichterreichens der Geschäftsziele“ per 30. November 2009 schriftlich gekündi gt und der Beschwerdeführer glei- chentags freigestellt. In der Folge war der Beschwerdefü hrer vom 19. Juni 2009 bis zum 31. Dezember 2009 und vom 8. März 2010 bis zum 30. Juni 2011 krankheitsbedingt zu 100 % arbeitsunfähig. Am 1. Oktober 2010 wurde über die B.____ AG der Konkurs eröffnet. 5.2 Die Arbeitslosenkasse bringt vor, dass das Arbeitsverhäl tnis zwischen dem Beschwer- deführer und der B.____ AG am 20. Mai 2009 schriftlich per 30. November 2009 gekündigt worden und eine Verlängerung bis Ende Dezember 2009 n icht glaubhaft sei. Nachdem die Kündigung durch die Arbeitgeberin aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt und der Beschwerde- führer sofort nach der Kündigung freigestellt worden sei, würde eine solche Verlängerung kei- nen Sinn machen. Der Beschwerdeführer mache weder zu de n Umständen wie Ort, Zeit oder Beteiligte, noch zu den Gründen der Vertragsverlänger ung nähere Angaben. Gegen eine Ver- längerung des Arbeitsverhältnisses spreche ausserdem, da ss die Arbeitgeberin im Dezember 2009 eine Zahlung in der Höhe von Fr. 17‘200.-- mit der Bezeichnung „Abgangsentschädigung“ und ohne die in den Monaten davor mit dem Lohn ausbeza hlten Pauschalspesen erbracht ha- be. Unter Ziffer 18 des Antrags auf Arbeitslosenentschädigung vom 27. Juni 2011 habe der Be- schwerdeführer sodann explizit festgehalten, dass ihm die Arbeitgeberin per 30. November Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2009 gekündigt habe. Diesbezüglich sei davon auszugehen, dass eine allfällige Verlängerung des Arbeitsverhältnisses vom Beschwerdeführer mit Sicherhe it vermerkt worden wäre. Ferner habe der Beschwerdeführer unter Ziffer 31 des gleichen Formulars angegeben, dass er krank- heitsbedingt mehr als zwölf Monate nicht in einem Arbe itsverhältnis gestanden habe. Somit sei auch der Beschwerdeführer am 27. Juni 2011 davon ausge gangen, dass er seit mehr als zwölf Monaten – und damit im Juni 2010 – nicht mehr in eine m Arbeitsverhältnis mit der B.____ AG gestanden habe. Diese „Aussage der ersten Stunde“ sei be sonders zu gewichten. Soweit sich der Beschwerdeführer auf das Formular der D.____ (Vors orgeeinrichtung) betreffend die „An- meldung bei Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit“ vom 8. Ap ril 2010 berufe, sei festzuhalten, dass dieses lediglich „im Auftrag“ von einer im Handelsregiste r für die B.____ AG nicht als zeich- nungsberechtigt eingetragenen Person unterzeichnet worden und somit die Gültigkeit der Erklä- rung fraglich sei. Angesichts der fehlenden Information en über den Stand des Konkursverfah- rens sei schliesslich nicht erstellt, dass der Monat Juni 2010 als beitragspflichtige Beschäftigung anzurechnen sei. Zu ergänzen sei, dass dem IK-Auszug des Beschwerdeführers vom 22. Juli 2011 für das Jahr 2010 kein deklariertes Einkommen zu en tnehmen sei. Der Beschwerdeführer könne somit während der Rahmenfrist für die Beitragszei t vom 20. Juni 2009 bis zum 19. Juni 2011 nur 6.887 Monate einer beitragspflichtigen Besch äftigung nachweisen. Selbst bei einer Anrechnung der Monate Januar 2011 bis Mai 2011 (rect e: Januar 2010 bis Mai 2010), in wel- chen der Beschwerdeführer Krankentaggelder der Arbeit geberin bezogen habe, weise er nur 11.887 Monate Beitragszeit auf, womit die Mindestbeitr agszeit von zwölf Monaten nicht erfüllt sei. 5.3 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, d ass das Arbeitsverhältnis zwar zunächst per 30. November 2009 gekündigt worden sei, di e Parteien jedoch einvernehmlich und formlos eine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses bis zum 31. Dezember 2009 vereinbart hätten. Dies könnten auch die angerufenen Zeugen best ätigen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin sei der Grund für die vereinbarte Verlängerung völlig unerheblich. Die Parteien seien einfach der Ansicht gewesen, dass eine A uflösung des Arbeitsverhältnisses auf Ende Jahr mehr Sinn machen würde. Aufgrund der Verlä ngerung des Arbeitsverhältnisses sei dem Beschwerdeführer auch noch im Dezember 2009 ein Lo hn ausbezahlt worden. Die Be- zeichnung „Abgangsentschädigung“ sei auf der Lohnabrechnu ng vom Dezember 2009 irrtümli- cherweise verwendet worden. Die B.____ AG habe von d er E.___ auch im Juni 2010 Kranken- taggelder für den Beschwerdeführer erhalten. Diese habe die B.____ AG jedoch behalten, wes- halb eine entsprechende Forderung im Konkurs der Arbeit geberin eingegeben worden sei. So- weit sich die Beschwerdegegnerin auf die Ziffern 18 un d 31 der Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung vom 27. Juni 2011 beziehe, la sse sie unberücksichtigt, dass in Zif- fer 16 die Dauer des Arbeitsverhältnisses bis zum 30. Juni 2010 angegeben worden sei. Die Antwort des Beschwerdeführers in Ziffer 31 habe demgeg enüber keine selbständige Bedeu- tung. Bereits in der Arbeitgeberbescheinigung vom 27. Januar 2009 (recte: 2010) sei in Bezug auf die Dauer des Arbeitsverhältnisses der „30. November 2 009 / 31. Dezember 2009“ festge- halten worden. Ferner sei auf die Anmeldung bei Arb eits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zuhanden der D.____ vom 8. April 2010 verwiesen, in welcher be treffend die Auflösung des Arbeitsver- hältnisses ebenfalls der 30. Juni 2010 genannt werde. Das Formular sei im Übrigen rechtsgültig unterzeichnet und auch von der D.____ nie in Frage gest ellt worden. In Bezug auf das Kon- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kursverfahren hätte die Beschwerdegegnerin bereits dem H andelsregister entnehmen können, dass das Konkursverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Ob schliesslich für das Jahr 2010 ein auf dem IK-Auszug ersichtliches Einkommen deklariert word en sei, sei für die vorliegend zu prüfende Frage nicht relevant. Da das Arbeitsverhältni s zwischen dem Beschwerdeführer und der B.____ AG somit erst per 30. Juni 2010 geendet habe, liege eine beitragspflichtige Beschäf- tigung von mehr als zwölf Monaten vor. 6. Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt gru ndsätzlich die Erfüllung der Bei- tragszeit voraus. Da die Beitragszeit erst erfüllt ist, wenn innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist während mindestens zwölf Monaten eine beitr agspflichtige Beschäftigung ausge- übt wurde oder wenn der Versicherte zwar in einem Arbe itsverhältnis steht, aber wegen Krank- heit oder Unfall keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt (vgl. E. 3.1 hiervor), kommt der Frage nach dem Zeitpunkt der Auflösung des Arbeitsve rhältnisses vorliegend entscheiden- de Bedeutung zu. 6.1.1 Gemäss Art. 336c Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes b etreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligati onenrecht [OR]) vom 30. März 1911 darf der Arbeitgeber nach Ablauf der Probezeit das Ar beitsverhältnis nicht kündigen, während der Arbeitnehmer ohne eigenes Verschulden durch Krankhei t oder durch Unfall ganz oder teil- weise an der Arbeitsleistung verhindert ist, und zwar im ersten Dienstjahr während 30 Tagen, ab dem zweiten bis und mit fünften Dienstjahr während 90 Tagen und ab dem sechsten Dienst- jahr während 180 Tagen. Eine Kündigung, die während einer der in Art. 336c Abs. 1 OR festge- setzten Sperrfristen erklärt wird, ist nichtig. Ist dagegen die Kündigung vor Beginn einer solchen Frist erfolgt, aber die Kündigungsfrist bis dahin noc h nicht abgelaufen, so wird deren Ablauf unterbrochen und erst nach Beendigung der Sperrfrist f ortgesetzt (Art. 336c Abs. 2 OR). Die Kündigungsfrist und damit die sperrfristrelevante Perio de beginnt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung dabei nicht mit dem Zugang der Kündig ung, sondern ist ab dem Vertragsende (Kündigungstermin) durch Rückwärtsrechnung zu bestimmen (BGE 134 III 361 E. 3.3 mit weite- ren Hinweisen; U LLIN STREIFF /A DRIAN VON KAENEL /R OGER RUDOLPH , Arbeitsvertrag, Praxis- kommentar zu Art. 319 – 362 OR, 7. Auflage, Zürich/Ba sel/Genf 2012, S. 1071 mit Hinweisen). 6.1.2 Vorliegend ist unbestritten, dass zwischen dem Beschw erdeführer und der B.____ AG seit dem 1. Juli 2002 ein Arbeitsverhältnis bestand, we lches mit Schreiben vom 20. Mai 2009 durch die Arbeitgeberin gekündigt wurde. Da die Künd igung vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers am 19. Juni 2009 erfolgte und di e Kündigungsfrist – ungeachtet des- sen, ob von einer sechsmonatigen oder von einer siebenmo natigen Kündigungsfrist ausgegan- gen wird – bis zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit noch nicht abgelaufen war, wurde der Ablauf der Kündigungsfrist unterbrochen und erst nach Beendi gung der Sperrfrist fortgesetzt. Der Be- schwerdeführer stand im Zeitpunkt der Kündigung im sieb ten und ab dem 1. Juli 2009 im ach- ten Dienstjahr. Entsprechend beträgt die Sperrfrist, während derer die Kündigungsfrist unter- brochen wird 180 Tage. 6.2.1 Der Beschwerdeführer erklärt an der heutigen Par teiverhandlung, dass ihm anlässlich einer Generalversammlung ordentlich gekündigt und er n och am gleichen Tag freigestellt wor- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den sei. Danach habe F.____ als sein Nachfolger die G eschäftsleitung übernommen. In der Kündigung werde das Nichterreichen der Geschäftsziele al s Kündigungsgrund genannt, er sei jedoch aus persönlichen Gründen aus dem Unternehmen a usgeschieden. Er habe unter einem Burnout gelitten. Nach seiner Kündigung und Freistell ung habe er sich regelmässig mit seinem Nachfolger getroffen. Dieser habe immer wieder Frage n betreffend den operativen Ablauf ge- habt. Während einem dieser Treffen habe er F.____ mi tgeteilt, dass er das Arbeitsverhältnis gerne bis Ende Dezember 2009 verlängern würde. Über d ie Verlängerung der Kündigungsfrist habe er nur mit F.____ gesprochen, nicht mit dessen Bruder C.____. Das Gespräch habe unge- fähr im September 2009 stattgefunden. C.____ habe er während dieser Zeit nicht mehr gese- hen. F.____ habe gesagt, dass eine Verlängerung auch aus seiner Sicht Sinn machen würde, er dies aber noch besprechen müsse. Es sei wahrscheinlich, d ass F.____ die Verlängerung mit C.____ besprochen habe. Die Verlängerung sei jedoch ni cht schriftlich festgehalten worden; in der B.____ AG habe ein Wort immer als ein Wort gegol ten. Soweit er sich erinnern könne, sei für ihn ein wichtiger Beweggrund der klare Schnitt na ch Aussen gewesen. Durch die Verlänge- rung des Arbeitsverhältnisses habe er das Jahr abschliessen und sich ab Januar 2010 wieder bewerben können. Aus der Sicht von F.____ seien es möglicherweise die noch offenen operati- ven Fragen gewesen, welche für eine Verlängerung ges prochen haben. Der Beschwerdeführer führt weiter aus, dass er bereits ab dem 19. Juni 2009 arbeitsunfähig gewesen sei und von sei- nem Hausarzt Medikamente erhalten habe. Ihm sei indessen nicht bewusst gewesen, dass sich das Arbeitsverhältnis aufgrund seiner Krankheit verläng ern würde. Dies habe er erst Mitte Ja- nuar 2010 erfahren, als er verschiedene Unterlagen für das Arbeitsamt benötigt und deswegen mit dem Treuhänder der B.____ AG Kontakt aufgenommen habe. Dieser habe bemerkt, dass er gesundheitlich angeschlagen war und ihn rückwirkend bei d er Taggeldversicherung angemel- det. C.____ und F.____ hätten im Jahr 2009 nicht gew usst, dass er krankgeschrieben worden sei. Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) habe ihm schliesslich mitgeteilt, dass er aufgrund seiner Krankheit nicht vermittelbar sei. Se in Burnout habe sich dann verschlimmert und sein Hausarzt habe ihm eine Therapie verordnet. Sch liesslich habe er sich auch bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet. Erst als die Zahlungen der Kranken- taggeldversicherung eingestellt worden seien, habe er si ch erneut bei der Arbeitslosenkasse angemeldet. Bei der Anmeldung habe er jene Unterlag en eingereicht, die er gehabt habe. Die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses sei mit F.____ b esprochen worden, in der ursprüngli- chen schriftlichen Kündigung vom 20. Mai 2009 sei jedoch nach wie vor gestanden, dass die Kündigung per 30. November 2009 erfolgt sei. 6.2.2 Der ehemalige Verwaltungsratspräsident der B.___ _ AG, C.____, führt anlässlich der heutigen Befragung aus, dass er den Beschwerdeführer sei t 1998 kenne und bis zu dessen Ausscheiden aus dem Unternehmen mit ihm zusammengearbe itet habe. Er habe im Dezember 2003 auch den Dienstvertrag des Beschwerdeführers unter schrieben. Dem Beschwerdeführer sei im Rahmen einer Generalversammlung die Kündigung ü berreicht und F.____ als dessen Nachfolger eingesetzt worden. Es sei gut möglich, dass sich F.____ mit dem Beschwerdeführer nach dessen Freistellung noch getroffen habe. Wenn dem so gewesen sei, hätten diese Treffen jedoch nicht in den Betriebsräumen der B.____ AG stattgefunden, sondern in einem Café in der Nähe. Ein Treffen wäre im Grossraumbüro der B.____ AG nicht möglich gewesen. Er sei sich sicher, dass das Arbeitsverhältnis bis Ende 2009 verlängert worden sei. Die Änderung des Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kündigungstermins habe F.____ mit ihm besprochen. An d en Zeitpunkt oder die genauen Be- weggründe könne er sich jedoch nicht mehr erinnern. E s sei immer die die Philosophie des Un- ternehmens gewesen, Mitarbeiter – insbesondere langjä hrige wie der Beschwerdeführer – nicht im Stich zu lassen. Das Unternehmen habe sich gegen den Wu nsch des Beschwerdeführers nach einer Verlängerung des Arbeitsverhältnisses nicht g esperrt. Mit dem Beschwerdeführer habe er nach dessen Austritt aus dem Unternehmen nur no ch ein- bis zweimal Kontakt gehabt. Wann er von der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführer s gehört habe, wisse er nicht mehr. Er sei damals beruflich oft in G.____ und im H.____ gewesen. 6.3 Gemäss den Akten verfügt der Beschwerdeführer nach weislich über keine schriftliche Bestätigung, welche belegen würde, dass das Arbeitsverhä ltnis und damit die Kündigungsfrist um einen Monat verlängert und der 31. Dezember 2009 als neuer Kündigungstermin vereinbart worden ist. Wenn die Beschwerdegegnerin diesbezüglich j edoch geltend macht, dass der Dienstvertrag vom 18. Dezember 2003 für Vertragsänder ungen Schriftlichkeit vorsieht, ist ihr entgegen zu halten, dass das vertraglich vereinbarte Schr iftformerfordernis gemäss Art. 16 Abs. 1 OR jederzeit formfrei – namentlich auch stillschwe igend oder durch konkludentes Han- deln – abgeändert oder aufgehoben werden kann und si ch Dritte nicht auf die Nichteinhaltung der Form berufen können (vgl. I NGEBORG SCHWENZER in: Honsell/Vogt/Wiegand (Hrsg.), Bas- ler Kommentar, Obligationenrecht I, Art. 1 – 529 OR , 5. Auflage, Basel 2011, Art. 16 N 10 ff.). 6.4 In Bezug auf die Lohnabrechnung vom Dezember 2009 ist zu berücksichtigen, dass im Dienstvertrag vom 18. Dezember 2003 die Höhe der bei einer Kündigung durch die Arbeitgebe- rin zu leistende Abgangsentschädigung ausdrücklich festgeh alten wurde. Demgemäss steht dem Arbeitnehmer bei einer Kündigung durch die Arbe itgeberin eine Abgangsentschädigung in der Höhe eines ganzen Jahressalärs (ohne Erfolgsbeteilig ung) zu. Der Lohnabrechnung vom Dezember 2009 ist zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer basierend auf einem Bruttobe- trag von Fr. 17‘200.-- eine Nettozahlung in der Höhe von Fr. 14‘897.60 ausgerichtet wurde. Die- ser Betrag entspricht dem an den Beschwerdeführer zuvor a usgerichteten monatlichen Lohn und nicht der vertraglich vereinbarten Abgangsentschädi gung in der Höhe seines Jahressalärs. Einziger Unterschied zu den in den Vormonaten an den B eschwerdeführer geleisteten Lohn- zahlungen ist, dass dem Beschwerdeführer im Dezember 2009 die monatlichen Repräsentati- onsspesen in der Höhe von Fr. 800.-- nicht mehr ausb ezahlt wurden. Der Arbeitgeberbeschei- nigung zuhanden der Arbeitslosenversicherung vom 27. Januar 2010 kann sodann entnommen werden, dass die Lohnzahlungen an den Beschwerdeführer bis am 31. Dezember 2009 erfolgt sind. Weshalb die an den Beschwerdeführer ausgerichtete Zahlung auf der Lohnabrechnung vom Dezember 2009 als „Abgangsentschädigung“ bezeichnet wurde, ist auch nach der heuti- gen Befragung des ehemaligen Verwaltungsratspräsidente n der B.____ AG nicht mehr fest- stellbar. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident, C.____, führt heute aus, dass das Personal- wesen der B.____ AG ausgelagert gewesen sei, weshalb e r nicht wisse, warum auf der Lohn- abrechnung vom Dezember 2009 die Formulierung „Abgangsentschädigung“ verwendet worden sei. Da auf der Lohnabrechnung vom Dezember 2009 somit e inzig das Wort „Abgangsentschä- digung“ darauf hindeutet, dass es sich dabei nicht um eine reguläre Lohnzahlung handeln könn- te, ist – dem Vorbringen des Beschwerdeführers folgend – mit überwiegender Wahrscheinlich- keit davon auszugehen, dass es sich bei dem im Dezember 200 9 an den Beschwerdeführer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgerichteten Betrag um eine reguläre Lohnzahlung h andelt und die Bezeichnung „Abgangs- entschädigung“ irrtümlich verwendet wurde. Anzumerken i st, dass der Beschwerdeführer am 23. Januar 2012 im Konkursverfahren über die B.____ AG für die noch ausstehende Abgangs- entschädigung nachträglich eine Forderung in der Höhe von Fr. 206‘400.-- einreichte, nachdem die Arbeitgeberin gegen die zuvor vom Beschwerdeführer für diesen Betrag eingeleitete Betrei- bung keinen Rechtsvorschlag erhoben hatte. 6.5 Der Arbeitgeberbescheinigung zuhanden der Arbeit slosenversicherung vom 27. Januar 2010 ist zu entnehmen, dass das Arbeitsverhältnis durch di e Arbeitgeberin zwar am 20. Mai 2009 per 30. November 2009 aufgelöst wurde, das Beschä ftigungsverhältnis jedoch „vom 1. Juli 2002 bis zum 30. November 2009 / 31. Dezember 2009“ dauerte und insbesondere auch die Lohnzahlung bis zum 31. Dezember 2009 erfolgte. Di e von der Arbeitgeberin gemachten Angaben betreffend die Dauer des Arbeitsverhältnisses, lassen die Schwierigkeit erkennen, die zwischen dem Beschwerdeführer und der Arbeitgeberin erst später mündlich getroffene Verein- barung über die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses au f einem amtlichen Formular wahr- heitsgetreu und insbesondere für Dritte nachvollziehbar anzugeben. Die Erwähnung von zwei Kündigungsterminen ist indessen ein weiteres Indiz dafür , dass – wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht – nach der Kündigung vom 20. Mai 20 09 Gespräche betreffend die Dauer des Arbeitsverhältnisses stattgefunden haben und als Kündig ungstermin neu der 31. Dezember 2009 vereinbart worden ist. 6.6 Auch auf der Anmeldung bei Arbeits- bzw. Erwerbsun fähigkeit zuhanden der D.____ vom 8. April 2010 gab die Arbeitgeberin an, dass das A rbeitsverhältnis mit dem Beschwerde- führer erst per 30. Juni 2010 aufgelöst worden sei. Zw ar ist die Arbeitslosenkasse nicht an das von der Arbeitgeberin in dieser Anmeldung genannte D atum gebunden, im Rahmen der freien Beweiswürdigung ist vom Gericht jedoch zu berücksichtigen, dass die Arbeitgeberin des Be- schwerdeführers von einer Auflösung des Arbeitsverhältni sses per Ende Juni 2010 ausgegan- gen ist. 6.7 Schliesslich erscheinen insbesondere die heute im Z usammenhang mit dem Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 27. Juni 2011 gemachten Au sführungen des Beschwerdefüh- rers glaubhaft. Zwar gab der Beschwerdeführer in Ziff er 18 des Antrags an, dass das Arbeits- verhältnis durch die Arbeitgeberin auf den 30. Novembe r 2009 gekündigt worden sei und be- antwortete die Frage, ob er wegen Krankheit während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis gestanden habe mit ja. Diese Angaben werden jedoch dadurch rela- tiviert, dass der Beschwerdeführer bereits in Ziffer 16 des gleichen Formulars festhielt, dass das Arbeitsverhältnis vom 1. Juli 2002 bis zum 30. Juni 2010 gedauert habe. Wenn der Beschwer- deführer anlässlich der Befragung der heutigen Parteiv erhandlung erklärt, er habe in Ziffer 18 als Kündigungstermin den 30. November 2009 angegeben, weil dies in der Kündigung vom 20. Mai 2009 noch so vereinbart worden sei, erscheint dies glaubhaft. Objektiv betrachtet und auf das Kündigungsschreiben bezogen, war die Angabe des Beschwerdeführers zum Kündi- gungstermin denn auch richtig. Dem Beschwerdeführer wa r durch die Arbeitgeberin nachweis- lich schriftlich auf den 30. November 2009 gekündigt w orden. Der Beschwerdeführer hat es somit einzig versäumt, die erst nachträglich mündlich vere inbarte Verlängerung des Arbeitsver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht hältnisses auf dem Antrag auf Arbeitslosenentschädigung zu vermerken. Der Auffassung des Beschwerdeführers folgend ist deshalb festzuhalten, dass der Antwort in Ziffer 31 keine selb- ständige Bedeutung zukommt und stattdessen auf die Angab e des Beschwerdeführers in Zif- fer 16 abzustellen ist. Trotz des Versäumnisses des Beschwe rdeführers, die nachträgliche Ver- längerung in Ziffer 18 zu vermerken, ist somit insbesond ere aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers und der Auskunftsperson anlässlich der Parteiverhandlung mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das Arbeitsve rhältnis einvernehmlich verlän- gert wurde und unter Berücksichtigung der Sperrfrist – wie vom Beschwerdeführer im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung angegeben – bis zum 30. J uni 2010 dauerte. 7. Zusammenfassend ist mit dem Beweisgrad der überwiege nden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass das Arbeitsverhältnis zwischen dem Beschwerdef ührer und der Arbeitgeberin per 30. Juni 2010 aufgelöst wurde. So ist insbesondere die Aussagen des Beschwerdeführers, wo- nach die Kündigungsfrist einvernehmlich um einen Monat bis zum 31. Dezember 2009 verlän- gert wurde, um das langjährige Arbeitsverhältnis auf Ende Jahr auslaufen zu lassen, glaubhaft. Zudem hat nach der Kündigung und Freistellung des Besch werdeführers auch seitens der Ar- beitgeberin ein Bedürfnis bestanden, weiterhin Inform ationen über die operativen Geschäfte zu erhalten. Nachdem dem Beschwerdeführer am 20. Mai 2009 schriftlich gekündigt wurde und der Beschwerdeführer vom 19. Juni 2009 bis 31. Dezember 2009 sowie vom 8. März 2010 bis 30. Juni 2011 arbeitsunfähig war, wurde der Ablauf d er nunmehr um einen Monat verlängerten beziehungsweise sieben Monate dauernden Kündigungsfrist unterbrochen und erst nach Been- digung der Sperrfrist von 180 Tagen fortgesetzt. Wie hi ervor dargelegt, ist bei Eintritt einer Krankheit während der Kündigungsfrist die damit verbu ndene Verlängerung des Arbeitsverhält- nisses im Rahmen der beitragspflichtigen Beschäftigungsdauer zu berücksichtigen (vgl. E. 3.1). Dementsprechend endete das Arbeitsverhältnis am 30. Juni 2010 und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 20. Juni 2009 bis zum 19. Juni 2011 während insgesamt 12.367 Monaten – nämli ch vom 20. Juni 2009 bis zum 30. Juni 2010 – in einem Arbeitsverhältnis stand, welches gemäss Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG ei- ner beitragspflichtigen Beschäftigung gleichgestellt und an die Beitragszeit anzurechnen ist. Da der Beschwerdeführer die Mindestbeitragszeit von zwölf M onaten somit erfüllt, ist die Be- schwerde gutzuheissen und der Einspracheentscheid der Arbe itslosenkasse vom 23. Juli 2012 aufzuheben. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Versicherungsge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde füh- rende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entspre- chend ist dem obsiegenden Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zu Lasten der Arbeits- losenkasse zuzusprechen. 8.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seine r Honorarnote vom 13. Dezember 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 10.65 Stunden gel- tend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich umfangmässig i n Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Hinzuzure chnen ist einzig der in der Hono- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht rarnote noch nicht berücksichtigte Zeitaufwand im Zusamme nhang mit der Teilnahme an der heutigen Parteiverhandlung (2.5 Stunden). Die Bemühu ngen von nunmehr 13.15 Stunden sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangen- den Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind die in der Hono- rarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 64.50. Dem Beschw erdeführer ist deshalb eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘620.15 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu Las- ten der Arbeitslosenkasse zuzusprechen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einsprach eentscheid der Arbeitslosenkasse vom 23. Juli 2012 aufgehoben und festgestellt, dass der Beschwerdeführer während der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 20. Juni 2009 bis 19. Juni 2011 während zwölf Mon aten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Arbeitslosenkasse hat dem Rechtsvertreter des Besch werdefüh- rers eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘6 20.15 (inkl. Aus- lagen und 8 % Mehrwertsteuer) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiberin