<h2>SubmittedText<h2><p>Seit dem 31. März 2021 gelten in der EU neue Regeln für den Export von Covid-19-Impfstoffen. In diesem Zusammenhang wurde 17 Staaten der privilegierten Zugang zu den Impfstoffen entzogen, unter anderem auch der Schweiz.</p><p>Die Schweiz hat sich entschieden, ihre Impfkampagne mit derjenigen der EU zu verknüpfen - ganz offensichtlich ein Entscheid zum Nachteil der Schweiz. Die WHO hat denn auch kritisiert, dass die Immunisierung in Europa und auch in der Schweiz zu langsam voranschreitet. </p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>- Ist der Bundesrat der Ansicht, dass der Entscheid der Schweiz, ihre Impfkampagne mit derjenigen der EU zu verknüpfen vor dem Hintergrund des Entscheids der EU vom 31. März, der Stellungnahme der WHO und der geringen Zahl der geimpften Personen in der Schweiz angemessen war? </p><p>- Gedenkt der Bundesrat, nach dem Entscheid vom 31. März Vergeltungsmassnahmen gegenüber der EU zu ergreifen? Beabsichtigt er, die Ausrichtung des Kohäsionsbeitrags an die EU zu blockieren? </p><p>- Wie beurteilt der Bundesrat die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich dank des Brexit heute eines der Länder ist, deren Impfkampagne am weitesten fortgeschritten ist?</p><p>- Stimmt es, dass der Bundesrat darauf verzichtet hat, 60 Millionen Franken in eine Produktionslinie in der Schweiz für den Impfstoff von Moderna zu investieren, einer Investition, mit der sich die Schweiz 100 Millionen Dosen des Impfstoffs hätte sichern können?</p><p>- Welche Kontakte gab es zwischen dem Bundesrat und den Managern der Pharmaindustrie mit dem Ziel, für die Schweiz eine ausreichende Menge an Impfstoffen sicherzustellen? Ist sich der Bundesrat bewusst, dass der Erfolg der Impfkampagne in Israel zu einem grossen Teil den guten Kontakten zu verdanken ist, die Premierminister Netanyahu mit dem CEO von Pfizer unterhält? Oder hat der Bundesrat kein Interesse an solchen Kontakten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Schweiz führt ihre Impfkampagne unabhängig von anderen Ländern und der EU durch. In einigen Kantonen startete die Impfkampagne bereits Ende Dezember 2020 und landesweit ab dem 4. Januar 2021. Sie hat sich seit Anfang April deutlich beschleunigt. In den meisten Kantonen ist die Anmeldung zur Impfung seit Mitte Mai 2021 für die gesamte Bevölkerung geöffnet. Für die ersten beiden auf dem Schweizer Markt zugelassenen Impfstoffe (Pfizer/BioNTech und Moderna) hat die Schweiz bilaterale Verträge direkt mit den Herstellern abgeschlossen. Einzig für den Kauf der Impfstoffe von AstraZeneca und Curevac arbeitet die Schweiz mit ihren europäischen Partnern zusammen. Allerdings sind diese Impfstoffe derzeit in der Schweiz nicht zugelassen.</p><p>2. Der offene und hindernisfreie Handel für Impfwirkstoffe und -präparate ist wegen den stark verflochtenen Produktionsketten von grosser Wichtigkeit. Allfällige Massnahmen wie eine Ausfuhrbewilligungspflicht von Schweizer Seite sind nicht geplant. Mit dem zweiten Schweizer Beitrag an ausgewählte EU-Mitgliedstaaten besteht aus Sicht des Bundesrates kein Zusammenhang. Mit dem Ziel einer Stabilisierung der bilateralen Zusammenarbeit Schweiz-EU nach dem Nichtzustandekommen des InstA am 26. Mai 2021 beschloss er bereits, sich für eine rasche Deblockierung des Beitrags durch das Parlament einzusetzen.</p><p>3. Die Geschwindigkeit der britischen Impfkampagne ist auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen. Ein pauschaler Zusammenhang mit dem Brexit ist aus Sicht des Bundesrats nicht gegeben.</p><p>4. Von Lonza gab es eine vom 14. April 2020 datierte briefliche Information, dass Moderna in Zusammenarbeit mit Lonza einen Teil seines Covid-19 Impfstoffs in der Schweiz produzieren will. Darin wurde sehr generell und unverbindlich die Möglichkeit einer Investition angesprochen. Es war nie die Rede davon, dass der Bund eine eigene Produktionslinie betreiben soll. Moderna hält alle Rechte an ihrem Covid-19-Impfstoff. Auch gegenüber der Öffentlichkeit hat das Unternehmen mitgeteilt, dass es nie am Verkauf von Produktionsstrassen interessiert gewesen sei und es auch weiterhin nicht wäre. Die Lonza selbst konnte der Schweiz weder einen eigenen Impfstoff verkaufen noch für die Schweiz einen Impfstoff entwickeln oder für die Schweiz einen entwickelten Impfstoff vollständig produzieren. Im Mai 2021 hat der Bund einen zusätzlichen Vertrag mit Moderna über die Beschaffung von 7 Millionen Impfdosen in den ersten Monaten 2022 abgeschlossen. Ausserdem sieht der Vertrag die Möglichkeit für den Bezug von zusätzlich 7 Millionen Dosen im Verlauf des Jahres 2022 vor. Des Weiteren wird Moderna die Produktionskapazität von Impfstoffen in Visp durch Lonza weiter ausbauen. So sollen bis anfangs 2022 drei weitere Produktionslinien in Betrieb sein.</p><p>5. Der Bund hat eine diversifizierte Beschaffungsstrategie umgesetzt. Dazu wurden seit Beginn der Pandemie unterschiedliche Impfstoffe evaluiert und Kontakte mit verschiedenen Impfstoffherstellern etabliert und aufrechterhalten. Die Beschaffungsverträge für die im Rahmen der aktuell laufende Impfkampagne zentralen Impfstoffe von Moderna und Pfizer/BioNTech basieren auf bilateralen Verhandlungen mit den Unternehmen. In Bezug auf Israel gilt es zu beachten, dass eine Vereinbarung der Regierung mit Pfizer vorsieht, dass im Gegenzug für die Lieferung von ausreichend Impfstoff die Impfdaten an Pfizer übermittelt werden. In der Schweiz stehen u.a. die Persönlichkeits- und Datenschutzrechte der betroffenen Personen einer zwingenden Teilnahme der Gesamtbevölkerung an einer solchen Post Marketing Study entgegen.</p>  Antwort des Bundesrates.