B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-485/2013 U r t e i l v o m 1 8 . F e b r u a r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi; Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Guinea, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. Januar 2013 / N (…). E-485/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge am 3. Dezember 1994 auf die Welt gekommen (A4 S. 2) und bei einem Onkel und bei Nachbarn in B._______ aufgewachsen sei (A4 S. 5); seit Ende 20 09 ha- be er in einem Lebensmittelladen in Conakry als Verkäufer gearbeitet und im Haus des Ladenbesitzers ein Zimmer gemietet (A4 S. 5), dass seine Mutter bei den Ereignissen vom 28. September 2009 im Sta- dion Conakry ums Leben gekommen sei (A4 S. 5), dass er seit dem Jahr 2009 oder 2010 eine Identitätskarte besessen habe (beantragt durch den Sohn des Ladenbesitzers ), die er indes später in Conakry verloren (A4 S. 6), bzw. die er im Zeitpunkt der Ausreise bei sich zu Hause gelassen habe (A20 S. 2), dass er keine Dokumente herbeischaffen könne, da er ohne solche ge- reist sei (A4 S. 7), dass er zwar eine ehemalige Nachbarin angerufen habe, diese aber nicht gebeten habe, ihm bei der Beschaff ung von Papieren zu helfen (A20 S. 3), dass er im (…) 2011 mit dem S chiff von Conakry nach Italien gereist sei und dort einen Monat an einem ihm unbekannten Ort verbracht habe; am 9. Oktober 2011 sei er mit dem Zug in die Schweiz eingereist und suchte um Asyl nach (A4 S. 7; A20 S. 4 f.), dass er anlässlich der Befragung z ur Person vom 27. Oktober 2011 a n- gab, seine Lebensumstände seien sehr schwierig, da er in Guinea Pro b- leme habe: Einerseits habe er ein 17 -jähriges Mädchen geschwängert (A4 S. 9); anderseits habe er im (…) 2011 an einer Demonstration mitge- macht, die damit g eendet habe, dass eine Moschee angezündet worden sei und Personen in diesem Feuer gestorben seien , worauf er Conakry mit dem Schiff verlassen habe (A4 S. 8 f.), dass er an der Anhörung vom 19. Juni 2012 demgegenüber angab, dass er zusammen mit anderen Pers onen, die ihre Eltern am 28. September 2009 verloren hätten, an einer Demonstration teilgenommen habe, an welcher Autos von Soldaten in Brand gesteckt worden seien, worauf sich alle Teilnehmer getrennt hätten und in verschiedene Richtun gen gerannt seien (A20 S. 5 f.), E-485/2013 Seite 3 dass er auf Nach frage hin aussagte, sie hätten keine Moschee angezü n- det, sondern hätten sich hinter dieser versteckt (A20 S. 5), dass er direkt nach diesem Zusammenstoss mit den Soldaten an den Ha- fen gefahren sei (A20 S. 3 und 6) und sich eine Überfahrt beschafft habe; er habe insgesamt € 8'000.- bei sich gehabt und sich damit unter and e- rem sein Ticket bezahlt (A20 S. 6), dass das BFM am 27. Oktober 2011 einem Arzt einen Auftrag zur Durc h- führung einer Handknochenanalyse erteilte (A7), die ergab, dass der B e- schwerdeführer 19 Jahre oder mehr sein dürfte (A8), dass dem Beschwerdeführer hierzu am 5. Dezember 2011 das rechtli- ches Gehör gewährt wurde, bei dem er darauf bestand, am 3. Dezember 1994 geboren zu sein, das habe ihm seine Mutter gesagt (A9), dass das BFM ihn ferner darauf hinwies, dass es ihn als volljährig erachte und deswegen auch keine Vertrauensperson aufbieten werde (A9), dass das BFM mit Verfügung vom 23. Januar 2013 – eröffnet am 24. Januar 2013 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgeset- zes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ei n- trat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass das BFM seine Verfügung im We sentlichen damit begründete, der Beschwerdeführer habe keine Reise - oder Identitätspapiere abgegeben und es lägen keine entschuldbaren Gründe i.S.v. Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG vor, da der Beschwerdeführer trotz der telefonischen Kontakte mit Personen in Guinea, die er unterhalten habe, es unterlassen habe, sich vorhandene Papiere (z.B. Identitätskarte oder Dokumente aus der Sch u- le) zu beschaffen ; im Übrigen seien die Anga ben in Bezug auf den Re i- seweg als stereotyp und realitätsfremd zu bezeichnen, dass die Vorbringen ferner nicht asylrelevant und wide rsprüchlich seien und daher Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht erfüllen würden; somit sei auf das Asylgesuch nicht einzutreten, dass ferner der Vollzug einer Wegweisung zulässig, zumutbar und mö g- lich sei, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. Januar 2013 (Post- stempel: 29. Januar 2013) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-E-485/2013 Seite 4 tungsgericht Beschwerde erhob und dabei unter andere m informierte, dass er keine Beweismittel beschaffen könne ; wenn die schweizerischen Behörden ihm nicht glauben würden, dann sei dies so, dass die vorinstanzlichen Akten am 31. Januar 2013 beim Bundesverwal- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eine s Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen (Art. 32 – 35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerd e- instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5), dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintr e- tensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen mat e-E-485/2013 Seite 5 riellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die S a- che zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1), dass indessen im Falle des Nichteintretens auf ein Asylgesuch gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG über das Nichtbestehen der Flücht- lingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.5), dass dementsprechend in einem diesbezüglichen Beschwerdeverfahren ungeachtet der vorzunehmenden Überprüfung eines formellen Nic htein- tretensentscheides auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1), dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mat e- riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend au fgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 28. Januar 2013 den Argumenten des BFM nichts Konkretes entgegen hält, dass das Bundesverwaltungsgericht aufgrund der Akten die Einschätzung des BFM teilt, weshalb auf deren Verfügung verwiesen werden kann, o h- ne diese im Einzelnen zu wiederhol en (vgl. Art. 109 Abs. BGG i.V.m. Art. 6 AsylG) dass insbesondere die erwähnten Widersprüche in der Darstellung der Vorbringen des Beschwerdeführers zur Beurteilung führen, dass keine asylrelevanten Nachteile glaubhaft dargetan werden konnten, E-485/2013 Seite 6 dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Ni chteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewill i- gung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen b e- steht (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über d ie vorläufige Aufnahme von Ausländern regelt, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist und andernfalls wenigs- tens glaubhaft zu machen, dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtl i- che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Dri ttstaat entg e- genstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwu n- gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass der Vollzug der Wegw eisung vorliegend in Beachtung dieser mass- geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non - Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet und ke i-E-485/2013 Seite 7 ne Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgeno s- senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinko m- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) er- sichtlich sind, die dem Beschwerdeführer im Heimat- oder Herkunftsland droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situatio- nen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notl a- ge konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage im Heimat- bzw. Herkunftsstaat des - als volljährig erachteten - Beschwerdeführers noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass der Vollzug der Wegweisung dem Beschwerdeführer in den Heimat- staat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der B e- schaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den recht s- erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt ode r unan- gemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.- (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art . 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-485/2013 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe Versand: