B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4007/2010 law/joc U r t e i l v o m 2 0 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Mai 2010 / N (…). D-4007/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Tadschike und Sunnite, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge Ende September 2009 und reiste am 13. Oktober 2009 in die Schweiz ein, wo er am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuch- te. Dort wurde er am 28. Oktober 2009 zu seiner Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Verlassen seines Heimatlandes befragt. Dabei gab er im Wesentlichen zu Protokoll, er sei in Kabul geboren und habe dort bis 1998 gelebt. Danach habe er sich fünf Jahre in Islamabad, Pakistan, aufgehalten, wo er vier Jahre die "B._______" für Afghanen be- sucht habe. Von 2003 bis zu seiner Ausreise im September 2009 habe er erneut in Kabul gelebt und dort die sechste bis zwölfte Klas se im "C._______" absolviert. Der stellvertretende Direktor dieser Schule, D._______, habe schlechten Schülern gegen Geld gute Noten erteilt. Von diesen Bestechungsgeldern habe er seinen Mitschülern im August 2009 erzählt. Zirka einen Monat vor seiner Ausreise aus Afghanistan sei er deswegen von zwei Soldaten in der Schule mit Elektrostöcken geschla- gen worden. Sie hätten seine Zeugnisse zerrissen respektive diese kon- fisziert und ihn als Regierungsgegner erachtet. Auch einige "Panschiri"- Mitschüler, die im Besitz von Messer gewesen seien, seien wütend auf ihn gewesen. Aus Furcht vor diesen sei er nicht mehr zur Schule gega n- gen. Ende September 2009 habe er Afghanistan auf illegalem Weg ver- lassen und sei in die Schweiz geflüchtet. B. Mit Entscheid des BFM vom 5. November 2009 wurde der Beschwerd e- führer für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton E._______ zugewie- sen. C. Am 1. Dezember 2009 hörte das BFM den Beschwerdeführer einlässli ch zu den Asylgründen an. Im Rahmen dieser Befragung führte er ergänzend an, die Schule in Kabul sei eher ein Wahllokal gewesen, als ein Ort des Unterrichts. Die "Panschiris" respektive zwei seiner Mitschüler hätten am 6. August 2009 erklärt, wer dem Präsidentschaftskandidaten Dr. Abdullah seine Stimme abgebe, dem werde der Schulabschluss ermöglicht. Darüber habe er sich D-4007/2010 Seite 3 bei der Schulleitung beschwert. Daraufhin sei er von zwei Polizeibeamten mitgenommen, für vier Stunden festgehalten und geschlagen worden . Regierungs- und Geheimdienstbeamte hätten nach ihm gesucht. D. Mit Eingabe vom 16. November 2009 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den Zuweisungsentscheid des BFM vom 5. November 2009. E. Am 24. Dezember 2009 gingen beim BFM verschiedene Kurszertifikate, eine Arbeitsbestätigung, eine Zeichnung, eine Broschüre von UNICEF und eine Taskara (afghanische Identitätskarte) im Original beim BFM ein. Diese Dokumente wurden dem Bundesverwaltungsgericht am 28. De- zember 2009 weitergeleitet. F. Mit Verfügung vom 13. Januar 2010 trat das BFM in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 13. Oktober 2009 nicht ein, verfügte die Wegweisun g aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. G. Eine dagegen erhobene Beschwerde vom 21. Januar 2010 hiess das Bundesverwaltungsgericht – infolge unvollständiger Ermittlung des rechtsrelevanten Sachverhalts – mit Urteil D -415/2010 vom 8. Februar 2010 gut und wies die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zurück. H. Mit Urteil D -7126/2009 vom 8. Februar 2010 wies das Bundesverwa l- tungsgericht die Beschwerde vom 16. November 2009 gegen den Zuwei- sungsentscheid des BFM vom 5. November 2009 ab. I. Nach erfolgter Neubeurteilung stellte das BFM mit Verfügung vom 3. Mai 2010 fest, der Beschwerdeführer erfülle d ie Flüchtlingseigenschaft nicht , und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. J. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom D-4007/2010 Seite 4 3. Juni 2010 beim Bundesverwaltungsgericht Be schwerde. Darin bea n- tragte er, der Entscheid des BFM vom 3. Mai 2010 sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei er wegen Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Vollzu ges der Wegweisung vorläufig auf zunehmen; subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz z u- rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltli- che Rechtspflege zu gewähren. Der Beschwerde lagen – nebst der angefochtenen Verfügung – eine Ko- pie eines Schreibens der Staatsanwaltschaft der Afghanischen Islam i- schen Republik (inkl. deutscher Übersetzung), zwei Internetartikel der "NZZ" (Neue Zürcher Zeitung) vom 3. Juni 2010 sowie ein Internetauszug aus der Zeitschrift "Asylmagazin" vom 10. Februar 2010 bei. K. Mit Verfügung vom 14. Juni 2010 hiess der Instruktionsrichter des Bun- desverwaltungsgerichts das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter der Voraussetzung des Nachweises der Bedürftigkeit und unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage des B e- schwerdeführers gut. L. Am 30. Juni 2010 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine Fürsorge- bestätigung ein. M. Mit Verfügung vom 6. Juli 2010 wurde das BFM zur Einreichung einer Vernehmlassung zur Beschwerde vom 3. Juni 2010 eingeladen. N. Das BFM beantragte in seiner Stellungnahme vom 8. Juli 2010 die A b- weisung der Beschwerde. O. Am 5. August 2010 replizierte der Beschwerdeführer und reichte zugleich die Kopie eines an ihn gerichteten Briefes seines Bruders ein. Dessen Original übermittelte er dem Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 19. August 2010. D-4007/2010 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilu ng der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochten e Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali - tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). D-4007/2010 Seite 6 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefä lschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderung en erschöpfen, in wesent- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbe h- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wider - sprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ein wände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesam t- würdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f., EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 3.4 3.4.1 Gemessen an diesen Kriterien lässt sich übereinstimmend mit dem BFM feststellen, dass sich die Vorbringen des Beschwerdeführers, w o- nach er in Afghanistan wegen des Aufdecken eines Schmiergeldskandals an seiner Schule als Regierungsgegner erachtet und deshalb von der Po- lizei geschlagen und kurzzeitig festgenommen, anschliessend jedoch er- neut behördlich gesucht worden sei, als nicht glaubhaft erweisen. 3.4.2 Wie vom BFM zutreffend erwogen, erwähnte der Beschwerdeführer an der Kurzbefragung vom 28. Oktober 2009 kein "Festnahmeschreiben" der Staatsanwaltschaft. Erst im Rahmen der einlässlichen Anhörung vom 1. Dezember 2009 erklärte er erstmals, man habe ihn festneh men wollen und dem BFM werde ein "Festnahmeschreiben" zugesandt (vgl. act. D-4007/2010 Seite 7 A26/12 S. 3 und 7 f.). Angesichts der Tragweite einer behördlich ang e- ordneten Festnahme erscheint nicht nachvollziehbar, weshalb er ein solch zentrales Element nicht bereits früher vor brachte. Die Argumentati- on in der Beschwerde, er habe von diesem Schreiben erst während eines Telefonats mit seinem Vater erfahren und deshalb an der Kurzbefragung noch g ar nichts davon gewusst, überzeugt nicht. Diese steht in klarem Widerspruch zu seinem Vorbringen im Rahmen der einlässlichen Anhö- rung, wonach er im Zeitpunkt, bevor er das Land verlassen habe, von dem Schreiben erfahren habe (vgl. act. A 26/12 S. 7 f.). Im Weiteren fällt auf, dass er einmal erklärte, über erwähntes Schreiben durch eine n Ver- wandten in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Andererseits gab er an, sein Vater habe ihn darüber informiert (vgl. act. A 26/12 S. 3 und S. 7 f.). In der Beschwerde behauptet er neu , sein Vater habe das Schreiben erhal ten und dieses zunächst einem Verwandten gegeben. Eine Darstellung, die ebenso wie s ein weiterer Erklärungsversuch, es habe sich bei seiner Aussage gegenüber dem BFM, dass sein Vater das Schreiben vor seiner Ausreise erhalten habe, um ein Missverständnis gehandelt, im Gesam t- kontext als Schutzbehauptung zu erachten ist. Dem BFM ist auch darin zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörungen keine konkreten inhaltlichen Angaben zum Schreiben machen konnte. Auch auf Nachfrage hin antwortete er lediglich ausweichend, sein Vater habe das Schreiben von der Staatsanwalt schaft erhalten. Er habe ihm nichts weiter darüber erzählt, sondern ihm lediglich mitgeteilt, es betreffe das Ereignis in der Schule und die Staatsanwaltschaft würde sich damit beschäftigen (vgl. act. A26/12 S. 7 und 8). Das beigelegte Schreiben der Staatsanwaltschaft enthält jedoch keinerlei Angaben über eine beabsich- tigte Festnahme. Auch eine allfällige Suche nach dem Beschwerdeführer wird darin nicht erwähnt. Festgehalten wird einzig eine polizeiliche Befra- gung einer Person namens F._______. Ausserdem wird von einem g e- richtlichen Freispruch vom Vorwurf, sich mit den Taliban verbündet zu ha- ben, gesprochen. Von einer Schmiergeldaffäre oder einem Stimmenfang zu Gunsten von "Dr. Abdullah" ist keine Rede. Im Schreiben wird zudem festgehalten, im Monat "Djawza" 1388, d.h. im Mai/Juni 2009, sei die P o- lizei über F._______ informiert worden. Dies lässt sich in zeitlicher Hi n- sicht jedoch nicht mit der mehrfachen Aussage des Beschwerdeführers vereinbaren, wonach im August 2009 der stellvertretende Direktor Sold a- ten in die Schule berufen habe respektive nachdem er sich bei der Schul- leitung im August 2009 beschwert habe, seien zwei Polizeibeamte in die Schule gekommen (vgl. act. A 26/12, S. 4 ff.). Das undatierte Schreiben enthält darüber hinaus weder den Vornamen des Beschwerdeführers, noch dessen Geburtsdatum oder seine damalige genaue Adresse, womit D-4007/2010 Seite 8 auch nicht erstellt ist, dass dieses tatsächlich seine Person betrifft. Unge- achtet des Umstandes, dass dieses Schreiben bloss in Kopie vorliegt und damit – wie vom BFM ebenfalls zu Recht festgehalten – leicht manipu- lierbar ist, bildet dieses somit weder einen Beleg für einen – wie in der Beschwerde im Weiteren moniert wird – fälschlich erhobenen Verdacht der Verbundenheit des Beschwerdeführers mit den Taliban noch aber da- für, dass er in Af ghanistan behördlich gesucht wur de. Das am 5. August 2010 vom Beschwerdeführer eingereichte Schreiben seines Bruders ä n- dert nichts an diese r Beurteilung. Darin wird neu behauptet, die Familie habe nur auf vielen Umwegen eine Kopie des Schreibens der Staatsa n- waltschaft erhältlich machen können. Dies lässt sich allerdings nicht mit der ursprünglichen Argumentation des Beschwerdeführers vereinbaren, wonach der Vater das Schreiben erhalten und zunächst einem Verwand- ten weitergegeben habe. 3.4.3 Die Feststellung des BFM, die Schilderungen des Beschwerdefü h- rers zu dem von ihm behaupteten Verhör auf dem Polizeiposten vom 6. August 2009 würden sich als substanzlos erweisen, ist zu bestätigen. Angesichts der geltend gemachten vierstündigen Festhaltung auf dem Posten sind seine Ausführungen, er sei zuerst geschlagen, dann gefragt worden, weshalb er sich gegen die Regierung einsetze und er sei müde geworden von diesen Unstimmigkeiten in Afghanistan und habe alles mal offen aussprechen wollen , das sei alles (vgl. act. A26/12 S. 5 f.), als de- tailarm zu bezeichnen. Die Entgegnung in der Beschwerde, es sei schwierig, sich an den ganzen Ablauf zu erinnern, liefert keine überze u- gende Begründung für diese Substanzlo sigkeit. Ohnehin bleibt unklar, weshalb der Beschwerdeführer als Re gierungsgegner erachtet worden sein sollte. Bei dem von ihm genannten "Dr. Abdullah" handelte es sich um den ehemaligen Aussenminister Abdullah Abdullah. Dieser war im Jahre 2009 Mitstreiter um das Amt des Präsidenten, welches Hamid Ka r- zai, innehatte. Nachdem am 20. August 2009 ein erster Wahlgang stat t- gefunden hatte und sich Abdullah nic ht für eine Stichwahl in einem zwe i- ten Wahlgang zur Verfügung stellte, wurde Karzai am 19. November 2009 im Amt bestätigt. Inwiefern die Offenlegung von Geldzahlungen in einer Schule zwecks allfälligen Stimmenkaufs für den politischen Mitstreiter von Karzai von der damaligen Regierung als regimefeindlicher Akt des B e- schwerdeführers zu bezeichnen gewesen wäre, leuchtet daher nicht ein. 3.4.4 Wäre der Beschwerdeführer tatsächlich als Regierungsgegner oder als Verbündeter der Taliban erachtet und deshalb festgenommen worden, so würde – wie vom BFM zutreffend festgehalten – nicht einleuchten, D-4007/2010 Seite 9 weshalb er seinen Erklärungen zufolge nach dem erfolgten polizeilichen Verhör zunächst freigelassen, später jedoch aus demselben Grund durch die Geheimpolizei und Regierungsbeamte gesucht worden wäre (vgl. act. A26/12 S. 7). Seinen Einwand in der Beschwerde, den Grund für die Ent- lassung kenne er nicht, wahrscheinlich hätten sie sehen wollen, wo er wohne, vermag nicht zu überzeugen. Es versteht sich von selbst, d ass eine Wohnadresse einer Person auch auf anderem Weg erhältlich ge- macht werden kann und für Angehörige eines Geheimdiens tes das Auf- spüren einer Person an deren Wohnsitz kein Problem darstellt. Es ist da- her – übereinstimmend mit der Auffassung des BFM – realitätsfremd, dass sich d er Beschwerdeführer seinen Angaben zufolge nach der Fre i- lassung vom 6. August 2009 nach Hause begeben haben soll, wo er sich trotz der angeblichen Suche nach ihm bis zu seiner Ausreise weiterhin aufgehalten respektive versteckte habe (vgl. act. A26/12 S. 7). Die Erklä- rung in der Beschwerde, er habe sich entgegen der Ansicht des BFM nur drei Tage l ang zu Hause aufgehalten respektive versteckt, sei dann für zehn bis fünfzehn Tage nach Jalalabad gereist, von dort nach Pakistan gegangen und danach nach Afghanistan zurückgekehrt, vermag ebenfalls nicht zu begründen, weshalb er sich trotz der angeblichen Suche nach ihm zunächst zu Hause auf gehalten haben soll. Ausserdem nannte der Beschwerdeführer bis anhin weder einen Aufenthalt in Jalalabad noch ei- ne danach kurzfristig erfolgte Rückkehr nach Afghanistan. Eine solche er- schiene angesichts der von ihm darge legten Suche nach seiner Person nicht plausibel, entspräche ein solches Vorgehen nicht demjenigen einer tatsächlich gesuchten Person. 3.4.5 Die vom Beschwerdeführer vorgetragene Geschichte erweist sich in weiteren Teilen als ungereimt. So behauptet e er im Rahmen der Su m- marbefragung, der stellvertretende Direktor habe gegen Schmiergelder leistungsschwachen Schülern gute Noten erteilt und di es habe er mitbe- kommen und seinen Mitschülern erzählt (vgl. act. A1/11 S. 6). Im Rahmen der einlässlichen Anhörung sp rach er hingegen nicht mehr von Geldza h- lungen, sondern nannte als Leistung für den Erhalt guter Noten einzig die Stimmabgabe an den Kandidaten "Dr. Abdullah". Zudem brachte er vor, er habe dies von einem Lehrer respektive von zwei Mitschülern erfahren (vgl. act. A26/12 S. 3 ff.). Die vom BFM gestellten Fragen, weshalb er die Geschichte mit Dr. Abdullah an der Summarbefragung nicht erwähnt habe und was die von ihm ursprünglich erwähnten Geldzahlungen mit der Stimmabgabe zu tun hätten, vermochte er nicht schlüssig zu beantwo r- ten. Seine Antworten, wer "Dr. Abdullah" unterstützt habe, sei selber u n- terstützt worden respektive Schüler hätten ihm erzählt, wenn er für "Dr. D-4007/2010 Seite 10 Abdullah" stimmen würde, würde er gute Noten bekom men (vgl. act. A26/12 S. 4), sind als unsubstanziiert und ausweichend zu erachten . Im Weiteren behauptete er an der Kurzbefragung, Soldaten seien um neun Uhr morgens in die Schule gekommen und hätten ihn mit Elektrostöcken geschlagen, danach sei er nicht mehr zur Schule gegangen (vgl. act. A1/11 S. 6). Im Gegensatz dazu gab er während der einlässlichen Anhö- rung zu Protokoll, Polizeibeamte seien um 10.30 Uhr in die Schule g e- kommen, hätten ihn festgenommen und auf dem Polizeiposten mit Elek t- rostöcken geschlagen (vgl. act. A26/12 S. 3 und 5 f.). 3.4.6 Von schlüssigen und konkreten Schilderungen, wie in der B e- schwerde behauptet, kann keineswegs gesprochen werden. Auf die beim BFM eingereichten Dokumente (Arbeitsbestätigungen, Kurszertifikate, ei- ne Zeichnung, eine Broschüre; vgl. Bst. E) braucht an dieser Stelle nic ht eingegangen zu werden, da diese – wie vom Beschwerdeführer auf Rechtsmittelebene selber eingeräumt – nicht zum Beweis der Glaubha f- tigkeit seiner Asylvorbringen geeignet sind. Ebenso verhält es sich mit den eingereichten Zeitungsartikel (vgl. Bst. J). Diese weisen keinen per- sönlichen Bezug zum Beschwerdeführer auf, sondern enthalten allgemei- ne Ausführungen zu Afghanistan. 3.5 Dem Beschwerdeführer gelingt es somit nicht, die Flüchtlingseigen - schaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das BFM hat daher sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 4. 4.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach vom BFM zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 Asyl; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinwe i- sen, EMARK 2001 Nr. 21). 4.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom D-4007/2010 Seite 11 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 4.4 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshind ernissen gilt gemäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht - lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 4.5 4.5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 4.5.2 Die Vorinstanz wies in ihre r angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde - führers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. D-4007/2010 Seite 12 4.5.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussag en des Beschwer - deführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe od er Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen G e- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Febr u- ar 2008, Beschwerde Nr. 37 201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinwe i- sen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig e r- scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 4.6 4.6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 4.6.2 In Bezug auf die allgemeine Lage in Afghanistan kann auf die vom Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2011/7 vorgenommene Einschätzung verwiesen werden. Das Ger icht stellt darin zusammenfassend fest, dass in weiten Teilen von Afghanistan – ausser allenfalls in Grossstädten – ei- ne derart schlechte Sicherheitslage und derart schwierige humanitäre Bedingungen bestünden, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei die Situation in der Hauptstadt Kabul zu unterscheiden. Angesichts des Umstandes, dass sich dort die Sicherheitslage im Verla u- fe des vergangenen Jahres nicht weiter ve rschlechtert habe und die h u- manitäre Situation im Vergleich zu den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter Umständen als zumutbar qualifiziert werden. Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rüc k-D-4007/2010 Seite 13 kehrer um einen jungen, gesunden Mann handle. Angesichts der bisher aufgezeigten konstanten Verschlechterung der Lage über die vergang e- nen Jahre hinweg und der auch in Kabul schwierigen Situation ver stehe es sich aber von selbst, dass die bereits in EMARK 2003 Nr. 10 formulier- ten strengen Bedingungen in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft und erfüllt sein müssten, um einen Wegweisungsvollzug nach Kabul als zumutbar zu qualifizieren. Unabdingbar sei in erster Linie ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rüc k- kehres als tragfähig erweise. Ohne Unterstützung durch Familie oder B e- kannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unwe i- gerlich in eine existenzielle beziehungsweise lebensbedrohende Situation führen (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.2 – 9.9 S. 89 ff.). 4.6.3 Der Beschwerdeführer stammt aus der Stadt Kabul (vgl. act. A1/11 S. 1), wohin – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – eine Rückkehr aufgrund der dort allgemein herrschenden Lage nicht als gene- rell unzumutbar zu erachten ist. Es bleibt daher zu prü fen, ob individuelle Gründe einem Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers nach Kabul entgegenstehen. 4.6.4 Der junge und – mangels gegenteiliger Anhaltspunkte in den Akten offenbar gesunde Beschwerdeführer ist – wie erwähnt – in der Stadt K a- bul geboren. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Pakistan hat er se i- nen Angaben zufolge in Kabul die sechste bis zwölf te Klasse besucht. In Kabul leben zwei verheiratete S chwestern. Ein verheirateter Bruder lebt zusammen mit seinen Eltern ebenfalls in Kabul (vgl. act. A1/11 S. 1 ff.). Der Beschwerdeführer erklärte im Rahmen der summarischen Befragung vom 28. Oktober 2009, in Kabul nicht richtig gearbeitet zu haben, da er als Zeichner von Bildern diese nicht e igentlich habe verkaufen können. Auch verneint er, je eine andere Tätigkeit ausgeführt zu haben (vgl. act. A1/11 S. 3). Im Gegensatz dazu gab er am 1. Dezember 2009 während der einlässlichen Anhörung zu Protokoll, er sei in einer Minenräumung s- firma tätig gewesen (vgl. act. A26/12 S. 2). Am 24. Dezember 2009 reich- te er beim BFM eine Bestätigung über eine Tätigkeit in Kabul als Manager im G._______ im Zeitraum vom 27. Mai 2006 bis am 6. Juli 2008 sowie ein durch die H._______ ausgestelltes Zertifikat betreffend ein Lehrers e- minar vom 29. Juli 2006 bis am 29. September 2006 in "potential teacher training" und diverse Bestätigungen betreffend den Besuch und den A b- schluss von verschiedenen Computerkursen sowie eines Englischkurses, absolviert in Kabul in den Jahren 2006 und 2009, zu den Akten. Diese Tä- tigkeiten und Ausbildungen erwähnte er weder im Rahmen der Erstbefra-D-4007/2010 Seite 14 gung noch der einlässlichen Befragung. Der Besuch eines Lehrersemi- nars im Jahre 2006 und eine Funktion von 2006 bis 2008 als Manager er- scheint aufgrund seines damals jugendlichen Alters sowie seinen u r- sprünglichen Vorbringen, in jenem Zeitraum die Schule respektive das Gymnasium besucht zu ha ben, zweifelhaft. Die Bestätigungen sind zu- dem teilweise undatiert, nennen den Beschwerdeführer teils weder bei vollem Vor- und Nachnamen, noch enthalten sie weitergehende Angaben zu seiner Person. Ungeachtet der Frage, ob es sich damit bei diesen Do- kumenten – wie vom BFM angedeutet und in der Beschwerde bestritten – um Fälschungen handelt oder nicht, deutet damit einiges darauf hin, dass diese nachträglich aus Gefälligkeit ausgestellt wurden. Auf eine eing e- hende Abklärung über die beruflichen Erfahrungen und Weiterbildungen des Beschwerdeführers kann indes verzichtet werden. Denn selbst wenn er, wie von ihm in der Beschwerde moniert, bei einer Rückkehr nach A f- ghanistan nicht wieder als Manager arbeiten oder den in der Beschwerde nunmehr neu behaupteten Beruf als Lehrer für Kunst und Zeichnen nicht wieder aufnehmen könnte, ist festzustellen, dass er zumindest über eine höhere Schulbildung verfügt. Die Argumentation in der Beschwerde ohne Schulabschluss zu sein und keine Schulzeugnisse zu besitzen, überzeugt im Übrigen nicht. Wie unter E. 3.4 aufgezeigt, sind seine Angaben zur Bestechungssituation an dem von ihm besuchten Gymnasium als nicht glaubhaft zu qualifizieren. Den Aussagen, er habe deshalb nicht mehr zur Schule gehen können und seine Zeugnisse seien zerrissen respektive konfisziert worden, ist damit die Grundlage entzogen. Nebst seiner Mu t- tersprache Dari besitzt er Sprachkenntnisse in Urdu und Englisch (vgl. act. A1/11 S. 3). Aufgrund seiner Schulbildung und seiner Sprachkenn t- nisse besitzt er somit die Voraussetzungen, um einer (anderen) Erwerbs- tätigkeit nachzugehen. Vor seiner Ausreise lebte er zusammen mit einem verheirateten Bruder bei seinen El tern in Kabul. Bei einer Rück kehr ist davon auszugehen, dass er sich erneut bei seinen Eltern aufhalten kann. Auch kann eine f inanzielle Unterstützung durch seine Familie angeno m- men werden, zumal sein Vater auch in der Lage, ihn vor seiner Ausreise finanziell zu unterstützen (vgl. act. A 1/11 S. 3). Dieser arbeitet den Au s- sagen des Beschwerdeführers zufolge in einer Fensterfabrik und verfügt über ein monatliches Einkommen von 5000 Af ghani (vgl. act. A26/12 S. 3), was 95 US -Dollar und im landesspezifischen Kontext einem gar überdurchschnittlichen Einkommen entspricht. Dem Beschwerdeführer ist es daher möglich, sich mit Hilfe seiner Familie beruflich und sozial in se i- ner Heimat wieder zu integrieren. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass für ihn die Möglichkeit besteht, individuelle Rückkehrhilfe zu bea n- tragen ( Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 73 ff. der Asylverordnung 2 vom D-4007/2010 Seite 15 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers nach Kabul ist damit auch in individueller Hinsicht nicht als unzumutbar zu erachten. 4.7 Der Vollzug der Wegweisung ist auch nicht als unmöglich zu bezeic h- nen (Art. 83 Abs. 2 AuG). Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwe n- digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.). 5. Zusammenfassend ergibt si ch, dass das BFM den Vollzug der We g- weisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher nicht in Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vol l- ständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Bezüglich des ohnehin nicht weiter begründeten diesbezüglichen Subeventuala n- trags ist ergänzend festzuhalten, dass aufgrund der Aktenlage kein Grund besteht, die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem B e- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG ). Ihm wurde alle r- dings mit Verfügung vom 14. Juni 2010 die unentgeltliche Rechtspfle ge gewährt. Aufgrund der Aktenlage respektive des Umstandes, dass er in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, ist nach wie vor von des- sen prozessualen Bedürftigkeit auszugehen. Auf die Auferlegung von Ver- fahrenskosten ist daher zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-4007/2010 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: