<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">444</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>91 Anschlussgebühren</b></span> <span class="ft2"><b>Wasser</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Für die Beurteilung, ob eine genügende wassermässige Erschliessung vor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>liegt, ist auf die Richtlinien "Grundlagen für Planung, Erstellung, Betrieb</b></span><br/> <span class="ft2"><b>und Unterhalt von Wasserversorgungen und Hydrantenanlagen" des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfachs abzustellen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Kausalabga-</span><br/> <span class="ft3">ben und Enteignungen, vom 27. Februar 2013 in Sachen L.A. AG gegen Ein-</span><br/> <span class="ft3">wohnergemeinde S. (4-BE.2010.7). Der Entscheid wurde in einem hier nicht</span><br/> <span class="ft3">relevanten Punkt beim Verwaltungsgericht angefochten.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die Erhebung von Wasseranschlussgebühren setzt unter ande-</span><br/> <span class="ft1">rem voraus, dass die kommunale Wasserversorgung der der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">de obliegenden Erschliessungspflicht genügt. Vorfrageweise war zu</span><br/> <span class="ft1">untersuchen, ob sie vorliegend erfüllt wird.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Abteilung Kausalabgaben und Enteignungen</span> <span class="page_no">445</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">9.3.</span><br/> <span class="ft1">9.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Bauten und Anlagen dürfen nur auf baureifen Grundstücken er-</span><br/> <span class="ft1">stellt werden. Baureif ist ein Grundstück unter anderem, wenn es</span><br/> <span class="ft1">eine zweckmässige Zufahrt aufweist und die nötigen Anlagen für</span><br/> <span class="ft1">Trinkwasser, Löschwasser- sowie Energieversorgung und für eine</span><br/> <span class="ft1">vorschriftsgemässe Abwasserbeseitigung vorhanden sind und es so-</span><br/> <span class="ft1">mit erschlossen ist (§ 32 Abs. 1 BauG). Gemäss § 33 Abs. 1 BauG</span><br/> <span class="ft1">sind die Gemeinden verpflichtet, die Bauzonen zeitgerecht zu er-</span><br/> <span class="ft1">schliessen.</span><br/> <span class="ft1">9.3.2.</span><br/> <span class="ft1">(...) In Kleinstädten und in Dörfern ist im Normalfall der zur</span><br/> <span class="ft1">Brandbekämpfung erforderliche Wasserbedarf für die Dimensionie-</span><br/> <span class="ft1">rung des Leitungssystems entscheidend (Richtlinien "Grundlagen für</span><br/> <span class="ft1">Planung, Erstellung, Betrieb und Unterhalt von Wasserversorgungen</span><br/> <span class="ft1">und Hydrantenanlagen" des Schweizerischen Vereins des Gas- und</span><br/> <span class="ft1">Wasserfachs, Ausgabe November 2000 [kurz: Wasser-Richtlinien],</span><br/> <span class="ft1">S. 20). Auch in S. existiert ein einheitliches Leitungssystem, welches</span><br/> <span class="ft1">der Versorgung mit Brauchwasser sowie dem Wasserbedarf zur</span><br/> <span class="ft1">Brandbekämpfung dient.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">9.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Das BauG enthält keine konkreten Angaben über die Anforde-</span><br/> <span class="ft1">rungen an die Erschliessungspflicht der Gemeinden. Auf Anfrage</span><br/> <span class="ft1">teilte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), Abteilung</span><br/> <span class="ft1">für Umwelt, Sektion Boden und Wasser, mit, dass der Kanton Aargau</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf § 53 KV die Vorkehren der Gemeinden zur Sicherstel-</span><br/> <span class="ft1">lung der Wasserversorgung koordiniere. Es sei den Gemeinden je-</span><br/> <span class="ft1">doch weitgehend freigestellt, wie sie diese Aufgabe lösen. Im Weite-</span><br/> <span class="ft1">ren sei festzuhalten, dass in Bezug auf die Wasserversorgung kein</span><br/> <span class="ft1">konkretes kantonales Gesetz existiere, welches für die Frage nach</span><br/> <span class="ft1">den Anforderungen an eine wassermässig genügende Erschliessung</span><br/> <span class="ft1">beizuziehen wäre (Schreiben des BVU, Abteilung für Umwelt, Sek-</span><br/> <span class="ft1">tion Boden und Wasser, vom 19. November 2012).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">446</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Auch der beim BVU, Abteilung Raumentwicklung, zur Frage</span><br/> <span class="ft1">des wassermässigen Erschliessungsgrades einer Parzelle aus raum-</span><br/> <span class="ft1">planerischer Sicht eingeholte Amtsbericht gibt keinen konkreten Auf-</span><br/> <span class="ft1">schluss darüber. Das BVU, Abteilung Raumentwicklung, führt in sei-</span><br/> <span class="ft1">nem Bericht aus, dass die Strassen durch Strassenlinien gesichert</span><br/> <span class="ft1">würden. Leitungen hingegen würden nur so weit durch eigene Lei-</span><br/> <span class="ft1">tungslinien gesichert, als die Leitungstrassen nicht innerhalb öffentli-</span><br/> <span class="ft1">cher Strassen geführt werden können. Die weiteren Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft1">anforderungen im Sinne von § 32 BauG wie Trinkwasser, Löschwas-</span><br/> <span class="ft1">ser, Abwasser und Energieversorgung seien in der Praxis nicht Ge-</span><br/> <span class="ft1">genstand einer (Sonder-) Nutzungsplanung, da deren Sicherung und</span><br/> <span class="ft1">Erstellung normalerweise anderweitig in Reglementen kommunaler</span><br/> <span class="ft1">oder regionaler Werke oder im Generellen Entwässerungsplan aus-</span><br/> <span class="ft1">reichend geregelt sei. Bei der Beurteilung, ob ein Gebiet als erschlos-</span><br/> <span class="ft1">sen im Sinne von Art. 19 und 22 RPG sowie § 33 BauG gelte, stelle</span><br/> <span class="ft1">sich in Sondernutzungsplänen daher in erster Linie die Frage, ob die</span><br/> <span class="ft1">Strassenerschliessung sichergestellt sei. Die Notwendigkeit und</span><br/> <span class="ft1">Zweckmässigkeit weitergehender Planinhalte, so dass mit der</span><br/> <span class="ft1">Erstellung der Strassen auch alle anderen Erschliessungselemente er-</span><br/> <span class="ft1">stellt werden können, sei grundsätzlich Sache der Gemeinde.</span><br/> <span class="ft1">9.4.</span><br/> <span class="ft1">9.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Mit der Vorschrift einer "genügenden" Erschliessung räumt das</span><br/> <span class="ft1">Gesetz der Baubewilligungsbehörde einen gewissen Entscheidungs-</span><br/> <span class="ft1">spielraum ein. Das bedeutet aber nicht, dass sie beliebige Anforde-</span><br/> <span class="ft1">rungen stellen dürfte. Die Bewilligungsbehörde bleibt an Gesetz und</span><br/> <span class="ft1">Recht gebunden. Bei der Beurteilung der Frage, ob eine genügende</span><br/> <span class="ft1">strassenmässige Erschliessung vorliegt, sind praxisgemäss die Nor-</span><br/> <span class="ft1">men der VSS beizuziehen (AGVE 1981 S. 251; AGVE 1999 S. 201;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 2001 S. 454; Erich Zimmerlin, Kommentar zum [alten] Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesetz des Kantons Aargau, Aarau 1985, N 3 zu § 36 aBauG). Da das</span><br/> <span class="ft1">BauG auch in Bezug auf die wassermässige Erschliessung einer Par-</span><br/> <span class="ft1">zelle keine konkreten Angaben enthält, stellt sich die Frage, nach</span><br/> <span class="ft1">welchen Kriterien dies zu beurteilen ist. Genau wie bei der Frage</span><br/> <span class="ft1">nach einer genügenden strassenmässigen Erschliessung, sollen auch</span><br/> <span class="ft1">die Anforderungen an die wassermässige Erschliessung nicht belie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Abteilung Kausalabgaben und Enteignungen</span> <span class="page_no">447</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">big festgelegt werden. Dies ist jedoch nur dann zu gewährleisten,</span><br/> <span class="ft1">wenn - wie die VSS-Normen für die strassenmässige Erschliessung -</span><br/> <span class="ft1">eine Grundlage gegeben ist, auf die bei der Beurteilung der erschlies-</span><br/> <span class="ft1">sungsmässigen Situation abgestellt werden kann. Aus diesem Grund</span><br/> <span class="ft1">drängt es sich auf, bei der Beurteilung, ob eine genügende wasser-</span><br/> <span class="ft1">mässige Erschliessung vorliegt, auf die bereits erwähnten</span><br/> <span class="ft1">(Erw. 9.3.2.) Wasser-Richtlinien zurückzugreifen und sich an diesen</span><br/> <span class="ft1">zu orientieren.</span><br/> <span class="ft1">9.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 19 Abs. 4 Wasserreglement der Gemeinde S. sind zu-</span><br/> <span class="ft1">sätzliche Löscheinrichtungen für grössere Bauten, Betriebe und An-</span><br/> <span class="ft1">lagen, soweit von der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV)</span><br/> <span class="ft1">vorgeschrieben, auf Kosten des Eigentümers zu erstellen und zu un-</span><br/> <span class="ft1">terhalten. Es ist daher zu prüfen, ob diese kommunale Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">den Wasser-Richtlinien entspricht.</span><br/> <span class="ft1">Die Lagerhallen stehen in der Industriezone. Gemäss unwider-</span><br/> <span class="ft1">sprochenen Angaben der Beschwerdegegnerin werde in der Indu-</span><br/> <span class="ft1">striezone eine Wasserzufuhr von 3600 Liter/Minute gewährleistet.</span><br/> <span class="ft1">Dies entspreche der vom Gesetz geforderten Leistung, weshalb ein</span><br/> <span class="ft1">zonenkonformer Löschschutz existiere.</span><br/> <span class="ft1">9.4.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Anforderungen an den von den Gemeinden bereitzustellen-</span><br/> <span class="ft1">den Löschschutz sind im FwG sowie in der FwV geregelt. Gestützt</span><br/> <span class="ft1">darauf sind die Gemeinden verpflichtet, die ihren Verhältnissen ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechende Organisation der Feuerwehr und die nötigen Lösch- oder</span><br/> <span class="ft1">Rettungseinrichtungen auf ihre Kosten zu schaffen (§ 4 Abs. 1 FwG).</span><br/> <span class="ft1">Als Löscheinrichtungen gelten unter anderem Hydrantenanlagen mit</span><br/> <span class="ft1">genügend grosser Wasserreserve und ausreichendem Druck (§ 17</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 FwG). Im Weiteren hält § 11 Abs. 3 FwV fest, dass die Grösse</span><br/> <span class="ft1">der Löschreserve durch die AGV festgelegt wird. Sie richtet sich</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich nach Gebäudezahl, vorherrschender Bauweise und be-</span><br/> <span class="ft1">sonderen Risiken, muss jedoch mindestens 100 m</span><span class="ft5"><sup>3</sup></span> <span class="ft1">betragen. Ausrei-</span><br/> <span class="ft1">chend ist ein dynamischer Druck am Hydranten von 3,5 bar bei der</span><br/> <span class="ft1">massgebenden Löschwasserbezugsmenge. Für die Löschwasserbe-</span><br/> <span class="ft1">zugsmenge und die Löschwasserbezugsdauer wird auf die Richtlinie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">"Leitfaden für die Versorgung mit Löschwasser", Ausgabe 2003, des</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Feuerwehrverbandes (Leitfaden SFV) verwiesen.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss dem Leitfaden SFV sind bei Industrie- und Grossbetrie-</span><br/> <span class="ft1">ben (Sachwert bis 5 Mio.) eine Wassermenge von 3600 Liter/Minute</span><br/> <span class="ft1">und eine Löschreserve von 600 m</span><span class="ft5"><sup>3</sup></span> <span class="ft1">erforderlich (Leitfaden SFV,</span><br/> <span class="ft1">S. 11). Dieselben Vorgaben enthalten auch die Wasser-Richtlinien.</span><br/> <span class="ft1">Diese sehen nämlich bei Industriezonen ohne Sonderrisiken ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">eine erforderliche Wassermenge von 3600 Liter/Minute und eine</span><br/> <span class="ft1">Löschreserve von mindestens 600</span> <span class="ft1">m</span><span class="ft5"><sup>3</sup></span> <span class="ft1">vor (Wasser-Richtlinien,</span><br/> <span class="ft1">S. 21).</span><br/> <span class="ft1">Die von der Beschwerdegegnerin bereitgestellte Wasserzufuhr</span><br/> <span class="ft1">von 3600 Liter/Minute entspricht somit der nach dem Leitfaden SFV</span><br/> <span class="ft1">geforderten Menge. Sie erfüllt damit auch die Vorgaben der Wasser-</span><br/> <span class="ft1">Richtlinien. Gestützt auf diese Ausführungen muss davon ausgegan-</span><br/> <span class="ft1">gen werden, dass die Beschwerdegegnerin ihrer Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht genügend nachgekommen ist und die Industriezone wasser-</span><br/> <span class="ft1">mässig ausreichend erschlossen ist. Dabei gilt es zu beachten, dass in</span><br/> <span class="ft1">der Regel stets nur für den Normfall geplant werden kann. Die Kos-</span><br/> <span class="ft1">ten für einen zusätzlichen Wasserbedarf, der über das in der ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechenden Zone übliche Mass hinausgeht, kann die grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">erschliessungspflichtige Gemeinde dem Eigentümer auferlegen. Be-</span><br/> <span class="ft1">sonders in Industriezonen dürfte das Risiko, dass Projekte mit einem</span><br/> <span class="ft1">über der Norm liegenden Wasserbedarf realisiert werden sollen, er-</span><br/> <span class="ft1">höht sein. Gerade auch deshalb kann es dem Gemeinwesen finanziell</span><br/> <span class="ft1">nicht zugemutet werden, für jeden möglichen Einzelfall, der vom</span><br/> <span class="ft1">Bedarf her über dem Normalfall liegt, genügend Ressourcen bereit-</span><br/> <span class="ft1">zustellen.</span><br/></div> </div> </body> </html>