<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 6 S.41</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">41</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>6</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 81 Abs. 1 SchKG. Definitive Rechtsöffnung für Unterhaltsbeiträge.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Einrede der Tilgung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gegen die Erteilung der definitiven Rechtsöffnung für Unterhaltsbeiträge</b></span><br/> <span class="ft2"><b>muss die Einrede der Tilgung auch dann zugelassen werden, wenn sie sich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auf einen Zeitpunkt vor Erlass des Unterhaltsurteils bezieht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 2. Mai 2005 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen S. H.-A. gegen H.P. H.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Grundsätzlich darf Tilgung, welche vor Erlass des zu voll-</span><br/> <span class="ft1">streckenden Urteils eingetreten ist, im Rechtsöffnungsverfahren nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr beachtet werden, da sonst der Rechtsöffnungsrichter den zu</span><br/> <span class="ft1">vollstreckenden Entscheid materiell überprüfen müsste, was ihm ver-</span><br/> <span class="ft1">wehrt ist (Staehelin, Kommentar zum Bundesgesetz über Schuld-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">42</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">betreibung und Konkurs, Basel/Genf/München 1998, N 2 und 5 zu</span><br/> <span class="ft1">Art. 81; Stücheli, Die Rechtsöffnung, Zürich 2000, S. 232). Anders</span><br/> <span class="ft1">muss es sich indessen verhalten, wenn der Schuldner im definitiven</span><br/> <span class="ft1">Rechtsöffnungstitel, wie hier, verpflichtet wird, der Gläubigerin</span><br/> <span class="ft1">rückwirkend ab einem bestimmten Zeitpunkt monatliche Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">beiträge in bestimmter Höhe zu leisten. Denn damit wird der</span><br/> <span class="ft1">Gläubigerin nicht eine bestimmte, in der Vergangenheit begründete,</span><br/> <span class="ft1">im Urteilszeitpunkt feststehende und im Urteilsdispositiv genau be-</span><br/> <span class="ft1">zifferte Forderung zugesprochen, welche ihr zum Urteilszeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">rechtlich und tatsächlich geschuldet ist, sondern der Schuldner dem</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz nach rechtlich verpflichtet, ihr ab und bis zu einem be-</span><br/> <span class="ft1">stimmten Zeitpunkt für die Vergangenheit und die Zukunft monat-</span><br/> <span class="ft1">liche Unterhaltsbeiträge in bestimmter Höhe zu bezahlen, ohne dass</span><br/> <span class="ft1">damit darüber entschieden ist, dass diese auch tatsächlich ganz oder</span><br/> <span class="ft1">teilweise noch geschuldet und deshalb ganz oder teilweise noch zu</span><br/> <span class="ft1">bezahlen sind. Im Unterhaltsprozess wird nicht primär darüber</span><br/> <span class="ft1">gestritten, wie viel bereits bezahlt, sondern wie viel (und wie lange)</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich zu bezahlen ist. Dem Schuldner würde daher wenig</span><br/> <span class="ft1">helfen, wenn er bereits im Unterhaltsprozess geltend machte, er</span><br/> <span class="ft1">bezahle die Unterhaltsbeiträge bereits ganz oder teilweise, da darüber</span><br/> <span class="ft1">im Unterhaltsprozess nicht entschieden wird. Infolgedessen kann der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsöffnungsrichter im Rechtsöffnungsverfahren die Einrede der</span><br/> <span class="ft1">Tilgung des Unterhaltsschuldners zulassen, auch wenn sie sich auf</span><br/> <span class="ft1">einen Zeitpunkt vor Erlass des Unterhaltsurteils bezieht, ohne dass er</span><br/> <span class="ft1">damit den Unterhaltsentscheid materiell überprüfen müsste. Dem</span><br/> <span class="ft1">rechtsöffnungsbeklagten Unterhaltsschuldner muss daher der Nach-</span><br/> <span class="ft1">weis offen stehen, dass er die geschuldeten Unterhaltsbeiträge teil-</span><br/> <span class="ft1">weise oder vollständig erbracht hat, auch wenn sich dieser Sach-</span><br/> <span class="ft1">verhalt bereits ganz oder teilweise vor Erlass des Urteils abgespielt</span><br/> <span class="ft1">hat. In der Praxis wird deshalb zuweilen eine Klausel in den Un-</span><br/> <span class="ft1">terhaltsentscheid aufgenommen, welche die Anrechnung bisher be-</span><br/> <span class="ft1">zahlter Unterhaltsbeiträge für zulässig erklärt. Dieser Erklärung</span><br/> <span class="ft1">kommt aber bloss deklaratorische Bedeutung zu.</span><br/></div> </div> </body> </html>