B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2490/2012 U r t e i l v o m 1 4 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiberin Tu-Binh Truong. Parteien A.______, geboren am (…), Benin, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin- Verfahren); Verfügung des BFM vom 19. April 2012 / N (…). E-2490/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat am 16. Januar 2012 per Flugzeug R ichtung Paris verliess, wo er am 17. Januar 2012 ankam und gleichentags nach Genf weiterflog, dass er am 19. Januar 2012 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B.______ ein Asylgesuch einreichte, wo er am 26. Januar 2012 summ a- risch zur Person befragt (BzP ) wurde, wobei er insbesondere angab, er sei mithilfe eines vom französischen Konsulat in Benin ausgestellten Vi- sums in die Schweiz eingereist (Vgl. A3/13 S. 4 f.), dass ihm anlässlich der BzP gleichzeitig das rechtliche Gehör zu einer all- fälligen Wegweisung nach Frankreich gewährt wurde, und er dazu vo r- brachte, er habe weder in Frankreich noch in der Schweiz Bekannte (vgl. A3/13 S. 9), dass das BFM de n Beschwerdeführer mit Verfügung vom 27. Januar 2012 dem Kanton C.______ zuwies, dass auf Anfrage des BFM v om 13. Februar 2012 die französischen B e- hörden mit Schreiben vom 20. Februar 2012 bestätigte n, dass dem B e- schwerdeführer a m 19. Dezember 2011 in Cotonou (Benin) ein Visum, welches vom 22. Dezember 2011 bis am 27. Januar 2012 gültig sei, aus- gestellt worden sei, dass das BFM am 2 2. Februar 2012 gestützt auf diese Bestätigung und die Angaben des Beschwerdeführers ein Übernahmeersuchen an die z u- ständigen französischen Behörden richtete, welche diesem Ersuchen mit Schreiben vom 18. April 2012 ausdrücklich zustimmten, dass das BFM mit Verfügung vom 19. April 2012 – am 2. Mai 2012 eröff- net – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass der Beschwerdeführer ein handschriftliches, auf Französisch ver- fasstes und auf den 2. Mai 2012 datiertes Schreiben bei der Vorinstanz einreichte (Eingang BFM: 7. Mai 2012) und beantragte, ihm sei der Inhalt der (Deutschsprachigen) Verfügung des BFM vom 21. Februar 2012 auf Französisch zu eröffnen, da er die vorinstanzliche Verfügung – mit Aus-E-2490/2012 Seite 3 nahme der Nachricht, dass Frankreich sein Asylgesuch entgegennehmen ("recevoir") werde – nicht verstanden habe, dass das BFM diese Eingabe am 7. Mai 2012 an das Bundesverwa l- tungsgericht weiterleitete, dass die vorinstanzlichen Akten am 8. Mai 2012 beim Bundesverwa l- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgerich t auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, v or welchem die beschwerdeführende Pa r- tei Schutz sucht (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31-33 des Verwaltungsg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass die Beschwerdefrist betreffend festzuhalten ist, dass sie als gewahrt gilt, falls die Partei rechtzeitig an eine unzuständige Behörde gelangt (vgl. Art. 21 Abs. 2 VwVG), dass – was Inhalt und Form der Beschwerdeschrift angeht – das Schrei- ben vom 2. Mai 2012 Rechts begehren und Begründung im Sinne des Art. 52 VwVG enthält, weshalb dieses als Beschwerde entgegen geno m- men wird, auch wenn lediglich die Eröffnung in einer dem Beschwerd e- führer nicht geläufigen Sprache – d.h. ein verfahrensrechtlicher Mangel – gerügt wird, E-2490/2012 Seite 4 dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverh alts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt , um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ve r- zichtet wurde, dass zur Frage der Verfahrenssprache festzuhalten ist, dass diese vor dem Bundesamt in der Regel die Amtssprache ist, in der die kantonale Anhörung stattfand oder die am Wohnort der Asylsuchenden Amtsspr a- che ist (vgl. Art. 16 Abs. 2 AsylG), dass gemäss Aktenlage keine Anhörung im Sinne von Art. 29 AsylG statt- fand, der Wohnort des Beschwerdeführers indessen ein deutschsprachi- ger Kanton (Kanton C.______) ist, dass deshalb die Verfügung des BFM vom 27. Januar 2012 zu Recht in deutscher Sprache erging (vgl. die nach wie vor zutreffende Rechtspr e- chung der Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] in Entscheidun- gen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 29), und der Beschwer- deführer somit zu Unrecht eine mangelhafte Eröffnung rügte, dass ferner gestützt auf Art. 33a Abs. 2 Satz 1 VwVG i.V.m. Art. 73 VGG das Beschwerdeverfahren in deutscher Sprache geführt wird, zumal kein Anlass erkennbar ist, davon abzuweichen, dass die Prüfung im Rechtmittelverfahren primär die in den Parteieng a- ben vorgetragenen Rügen zum Gegenstand hat (vgl. FABIA BOCHSLER / FRANK SEETHALER, Art. 52 VwVG – Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich 2009, Rz. 69 , mit weiteren Hi n- weisen), E-2490/2012 Seite 5 dass der Beschwerdeführer im Bewusstsein, dass Frankreich für die B e- handlung seines Asylgesuches zuständig ist, diesen Umstand in seinem Schreiben vom 2. Mai 2012 nicht explizit rügte, dass angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Laienbeschwerde handelt, bei der in sprachlicher und formeller Hinsicht keine allzu stre n- gen Anforderungen gestellt werden dürfen, aus prozessökonomi schen Gründen angenommen wird, er begehre mit der formellen Rüge auch e i- ne materielle Überprüfung des Entscheides, dass indessen, da der Beschwerdeführer im Wissen um die Zuständigkeit Frankreichs für die Prüfung seines Asylgesuchs ("votre courrier […] faisait état de la France à recevoir ma demande d'asile") etwaige Hinderni s- gründe bereits mit dieser Eingabe hätte vorbringen können, dass deshalb auf die Ansetzung einer Frist für eine Beschwerdeergä n- zung verzichtet wird, dass bei Beschwerden gegen Nichtei ntretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen (Art. 32-35a AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerd e- instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das A sylgesuch nicht eingetreten ist (EMARK 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfü h- rung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsv ertraglich zuständig ist (vgl. Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass das BFM zur Begründung des Nichteintretensentscheids festhielt, Frankreich sei in Anwendung des "Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des z u- ständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags " (Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.6), des "Übereinkommens vom 17. Dezember 2004 zw i- schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und En t- wicklung des Schengen-Besitzstandes und über die Kriterien und Verfa h- ren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags " (SR E-2490/2012 Seite 6 0.362.32), der "Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehör i- gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist " (nachfol- gend Dublin -II-VO) für die Durchführung des Asylverfahrens de s Be- schwerdeführers zuständig und die französischen Asylbehörden hätten das auf Art. 9 Abs. 2 Dublin -II-VO gestützte Übernahmeersuchen des BFM mit Schreiben vom 18. April 2012 ausdrücklich akzeptiert, dass der Beschwerdeführer diese Zuständigkeit auf Beschwerdeebene nicht bestritt, dass nach dem Gesagten vorliegend Frankreich für die Prüfung des Asyl- antrages zuständig ist (vgl. Art. 9 Abs. 2 i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a Dub- lin-II-VO) und die gesetzliche Grundlage für einen Nichteintretensen t- scheid nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG erfüllt ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), und vorliegend ke i- ne Ausnahme von diesem Grundsatz ersichtlich ist (vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2), weshalb diese zu Recht angeordnet wurde, dass die Frage d er Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des We g- weisungsvollzuges in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentsche i- des ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), weshalb allfällige Vollzu gshindernis- se bereits im Rahmen der eventuellen Anwendung der sogenannten Sou- veräntitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO) in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV1, SR 142.311) geprüft werden, dass die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 7. Dezember 2011 dazu e r- wog, der Wegweisungsvollzug nach Frankerich sei zulässig, zumutbar und möglich, dass der Aktenlage offensichtlich keine Hinweise zu entnehmen sind, die auf allfällige Wegweisungsvollzugs hindernisse hindeuten würden (vgl. Aussagen im Rahmen des rechtlichen Gehörs, A3/13 S. 9), dass die Voraussetzungen für ein Nichteintreten auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG offensichtlich gegeben sind und das BFM demnach zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdefüh-E-2490/2012 Seite 7 rerin nicht eingetreten ist und die Wegweisung nach Frankreich sowie de- ren Vollzug angeordnet hat, dass die angefochtene Verfügung damit kein Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt nicht unrichtig o der unvollständig festg e- stellt ha t oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die B e- schwerde abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600. – (Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) de m Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-2490/2012 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu-Binh Truong Versand: