IV 200 2024 772 FUE/FRN/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 7. Mai 2025 Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Jakob, Verwaltungsrichterin Frey Gerichtsschreiberin Franzen A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 18. Oktober 2024 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -2- Sachverhalt: A. Die 1974 geborene A.________ (Leistungsansprecherin bzw. Beschwerde- führerin) ist … Staatsangehörige und verfügt über einen … (Akten der Eid- genössischen Invalidenversicherung [IV; act. II] 1 S. 1 ff., 3). Am 1. Mai 2014 zog sie von … in die Schweiz und war von 2014 bis 2016 Hausfrau und arbeitete ab dem 1. Januar 2017 als Selbständigerwerbende im Be- reich … (act. II 17 S. 2, 60). Im Monat August 2020 war sie bei der C.________ mit einem 60 %-Pensum angestellt (act. II 26 S. 1 f.). Am 27. Mai 2021 meldete sich die Leistungsansprecherin bei der IV zum Leistungsbezug an (act. II 1). Die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerde- gegnerin) tätigte erwerbliche und medizinische Erhebungen und holte beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine Stellungnahme (act. II 18) ein. Mit Vorbescheid vom 9. September 2021 (act. II 19) stellte sie die Abweisung des Begehrens um IV-Leistungen mangels eines invalidisierenden Ge- sundheitsschadens in Aussicht. Hiergegen erhob die Leistungsanspreche- rin Einwand (act. II 20, 22), woraufhin die IVB nach Rücksprache mit dem RAD (act. II 24) weitere medizinische und erwerbliche Abklärungen durch- führte. Mit Mitteilung vom 3. März 2023 (act. II 49) verneinte sie einen An- spruch auf berufliche Massnahmen. Auf Empfehlung des RAD (act. II 72) holte sie bei Dr. med. D.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho- therapie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, ein Gutachten vom 12. August 2024 (act. II 109.1) ein. Mit Vorbescheid vom 21. August 2024 (act. II 111) stellte die IVB die Abweisung des Rentenbe- gehrens in Aussicht mit der Begründung, die versicherungsmässigen Vor- aussetzungen für die Ausrichtung einer IV-Rente seien nicht erfüllt. Nach erhobenem Einwand (act. II 122, 127) verfügte die IVB am 18. Oktober 2024 (act. II 128) dem Vorbescheid entsprechend. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -3- B. Hiergegen erhob die Leistungsansprecherin, wie im Vorbescheidverfahren vertreten durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 19. November 2024 Beschwerde mit den folgenden Anträgen: 1. Die Verfügung vom 18. Oktober 2024 sei aufzuheben. 2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin ab wann rechtens und bis auf Weiteres mindestens eine halbe Invali- denrente auszurichten. 3. Ev. zu Ziff. 2: Die Angelegenheit sei zur Vornahme weiterer Abklärun- gen, namentlich zur Bemessung des Invaliditätsgrades, und neuer Ver- fügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen Gleichzeitig stellte die Leistungsansprecherin ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege, unter Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtli- cher Anwalt. Mit Beschwerdeantwort vom 16. Dezember 2024 schloss die Beschwerde- gegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 17. Januar 2025 reichte die Beschwerdeführerin im Zu- sammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege die Tren- nungsvereinbarung des Regionalgerichts Bern-Mittelland samt Genehmi- gung vom 10. Januar 2025 (Akten der Beschwerdeführerin [act. I] 10 f.) ein. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -4- (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 18. Oktober 2024 (act. II 128). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente und in diesem Zusammenhang die Erfüllung der versicherungsmässigen Voraussetzungen. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG (Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 147 V 156 E. 7.2.1 S. 159, 146 V 364 E. 7.1 S. 371). Die angefochtene Verfügung datiert vom 18. Oktober 2024 (act. II 128), womit sie nach dem Inkrafttreten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -5- der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Indessen liegen der frühest- mögliche Zeitpunkt der potentiellen Entstehung des Rentenanspruchs (mit Blick auf die Anmeldung vom 27. Mai 2021 [act. II 1] und die halbjährige Karenzfrist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG) vor dem 1. Januar 2022. Damit ge- langt das bis 31. Dezember 2021 geltende Recht (fortan aArt.) zur Anwen- dung (vgl. Rz. 9101 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversi- cherungen [BSV] über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR; zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 150 V 1 E. 6.4.2 S. 6, 148 V 385 E. 5.2 S. 391, 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228]). 2.2Versichert nach Massgabe des IVG sind unter anderem natürliche Personen mit Wohnsitz in der Schweiz und natürliche Personen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (Art. 1b IVG i.V.m. Art. 1a Abs. 1 lit. a und b des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). 2.3Nach den allgemeinen versicherungsmässigen Voraussetzungen (Art. 4 ff. IVG) sind ausländische Staatsangehörige, vorbehältlich Art. 9 Abs. 3 IVG (betreffend die besonderen Voraussetzungen des Anspruchs auf berufliche Massnahmen) nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Bei- träge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 IVG). 2.4Der Anspruch auf eine ordentliche Rente setzt unter anderem voraus, dass die versicherte Person bei Eintritt der Invalidität während min- destens drei Jahren Beiträge geleistet hat (Art. 36 Abs. 1 IVG). 2.5Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -6- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.6Nach Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderli- che Art und Schwere erreicht hat. Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem die Voraussetzungen nach Art. 28 Abs. 1 IVG erfüllt sind (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 9C_510/2020 vom 2. November 2020 E. 2.2). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her- stellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres oh- ne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsun- fähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). 2.7Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV Nr. 54 S. 180, 9C_540/2020 E. 2.3).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -7- 3. 3.1Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin die versicherungsmässi- gen Voraussetzungen (vgl. E. 2.3 ff. hiervor) erfüllt. Den medizinischen Akten lässt sich hierzu im Wesentlichen das Folgende entnehmen: 3.1.1Die Beschwerdeführerin wurde vom 13. Juni bis 12. Juli 2000 in der Fachklink für Psychiatrie und Psychotherapie der E.________ stationär behandelt. Die Ärztinnen diagnostizierten im Bericht vom 15. August 2000 (act. II 110 S. 4 ff.) eine Exazerbation einer schizophrenen Psychose (ICD- 10: F20.0). Die Beschwerdeführerin sei von Angehörigen in die Klinik ge- bracht worden (S. 4). Zum Befund im Aufnahmezeitpunkt legten die Ärztin- nen dar, die Beschwerdeführerin sei wach, fast mutistisch, teile sich kaum mit, starre die Untersucherin an, wirke rat- und hilflos. Sie sei ausgespro- chen ambivalent und ambitendent, antworte auf die meisten Fragen nicht. Fremdanamnestisch bestünden Ängste, Schlafstörungen, Beziehungs- und Verfolgungserleben. Sie hätten die Beschwerdeführerin medikamentös mit Olanzapin und Lorazepam behandelt. Schon nach wenigen Tagen sei es zu einer deutlichen Entaktualisierung der produktiven Symptomatik und einer affektiven und stimmungsmässig besseren Regulierung gekommen (S. 5). Am 12. Juli 2000 hätten sie die Beschwerdeführerin in die ambulante Weiterbehandlung entlassen können (S. 6). Vom 2. bis am 12. Dezember 2004 wurde die Beschwerdeführerin in der- selben Fachklink erneut teilstationär behandelt. Die Ärzte diagnostizierten im Bericht vom 30. März 2005 (act. II 45 S. 20 f.) eine paranoide Psychose (ICD-10: F20.0). Anamnestisch fühle sich die Beschwerdeführerin zuneh- mend labiler, ängstlicher und hilfloser, habe vermehrt Angst, nach draussen zu gehen. Sie sei auch zunehmend arbeitsunfähig, habe ihre Arbeit zuletzt oft nur zwei Stunden täglich absolvieren können (S. 20). Zum Verlauf führ- ten die Ärzte aus, nach der Erhöhung der verbleibenden Quetiapin-Dosis und regelmässiger Lorazepamansetzung sei es zu einer partiellen Stabili- sierung gekommen. Die Beschwerdeführerin habe über eine Frequenzmin- derung der psychosenahen Wahrnehmungsveränderungen berichtet. Zu- dem sei es zu einer diskreten Stimmungsverbesserung bei weiter gegebe- ner verminderter Belastbarkeit und vermehrter Irritabilität gekommen (S. 21). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -8- 3.1.2Die Beschwerdeführerin war vom 11. Oktober bis 15. November 2011 in stationärer und vom 15. November bis 21. Dezember 2011 in teil- stationärer Behandlung im F.________ GmbH Fachkrankenhaus für Psych- iatrie, Psychotherapie und Neurologie. Die Ärzte diagnostizierten im Bericht vom 28. Februar 2012 (act. II 110 S. 1 ff.) eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0) und eine Obstipation (ICD-10: K59.0). Die Beschwerdefüh- rerin sei aufgrund einer psychischen Destabilisierung mit zunehmenden Ängsten, Anspannung und Schlafstörungen überwiesen worden. Seit dem frühen Erwachsenenalter sei eine schizophrene Psychose bekannt, die zuletzt unter einer Medikation mit Quetiapin über einige Jahre stabil verlau- fen sei. Unter hoher familiärer sowie beruflicher Belastung und einer Teil- nahme an einer "atemtherapeutischen Ausbildung" mit Selbsterfahrungs- charakter sei es in den letzten Tagen zu einer Überforderungssituation und veränderten Wahrnehmungen in Form von erhöhter Ängstlichkeit und Unsi- cherheit gekommen (S. 1). Fremdanamnestisch wurde ausgeführt, die Be- schwerdeführerin sei wesensverändert, spreche anders, vergleiche sich mit religiösen Figuren und habe einer Freundin berichtet "Todesangst" zu ha- ben. Auf der geschützten Station sei eine Dosissteigerung der Medikation mit Quetiapin sowie eine vorübergehende Medikation mit Lorazepam er- folgt. Hierunter sei es zu einer Verbesserung der Psychopathologie mit Reduktion der Ängstlichkeit, der formalgedanklichen Zerfahrenheit sowie klarer Distanzierung von Suizidalität gekommen (S. 2). Auf der offenen Sta- tion habe die Beschwerdeführerin zunehmend an den multimodalen Thera- pieangeboten teilnehmen können. Gemeinsam mit dem Ehemann und der Schwester seien mehrere ausführliche Beratungsgespräche hinsichtlich der Diagnose sowie der Notwendigkeit einer dauernden antipsychotischen Me- dikation geführt worden (S. 3). 3.1.3Der behandelnde dipl. Arzt G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Bericht vom 28. Juli 2021 (act. II 14) anamnestisch eine paranoide Schizophrenie multiple Episoden, gegenwär- tig vollremittiert (ICD-10: F20.05), Erstdiagnose (ED) 1995. Im zweiten Stu- dienjahr 1995 habe die Beschwerdeführerin einen ersten akut psychoti- schen Zustand erlitten und sei drei Monate hospitalisiert und mit Truxal behandelt worden (S. 3 Ziff. 2.1). Sie arbeite als …. Im Jahr 2020 habe sich gezeigt, dass eine quantitative Arbeitsbelastung über vier Stunden pro Tag Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -9- sowie eine qualitative mit Stress punkto Leistungserwartungen und körper- licher Belastung zu Unruhe mit Ängsten, Schlafstörungen und Verstärkung des familiären Stresses führe. Für eine 50%ige Erwerbstätigkeit bestehe eine gute Prognose (S. 4 Ziff. 2.5 ff.). Aufgrund ihrer Erkrankung mit ent- sprechender Vulnerabilität habe die um 50 % reduzierte Arbeitsfähigkeit schon in früheren Jahren bestanden (S. 6 Ziff. 4). 3.1.4Die Hausärztin Dr. med. H.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, legte im "Ausführlicher ärztlicher Bericht" vom 27. Juni 2022 (act. II 45) dar, im Jahr 2011 sei es zu einem Psychoseschub mit ei- ner Hospitalisation von mehreren Wochen und mehrmonatiger kompletter Arbeitsunfähigkeit gekommen. Seither sei die Beschwerdeführerin selbständig mit ca. 40%iger Arbeitsfähigkeit und einem angepassten Ar- beitsplatz für genügend Abschirmung. Eine hochprozentige Arbeit sei we- gen drohender Überlastung, die Krankheitsschübe ausgelöst hätte, nie möglich gewesen (S. 4). Rückblickend sei klar, dass immer eine Teilinvali- dität bestanden habe und es sei auch bei optimistischer Einschätzung höchstens ein gleichbleibender weiterer Verlauf zu erwarten, nicht aber eine Verbesserung der psychischen Erkrankung (S. 11). 3.1.5Im Verlaufsbericht vom 27. April 2023 (act. II 56) führte der Psychia- ter dipl. Arzt G.________ aus, der Gesundheitszustand sei stationär. Es habe sich eine Änderung in der Diagnose ergeben. Zu diagnostizieren sei eine paranoide Schizophrenie, unvollständige Remission mit belastungs- abhängiger Ermüdbarkeit und Konzentrationsbeeinträchtigung (ICD-10: F20.04, S. 2 Ziff. 1 ff.). Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit vielen Jahren (S. 3 Ziff. 10). Im Verlaufsbericht vom 6. Februar 2024 (act. II 86) berichtete der Psychia- ter dipl. Arzt G.________, der Gesundheitszustand sei stationär. Es habe sich eine Änderung in der Diagnose ergeben. Zu diagnostizieren sei eine negative Affektivität bei Persönlichkeitsstörung (ICD-11: 6D11.0), eine so- matische Belastungsstörung, mittlerer Schweregrad mit überwiegend Er- schöpfung und Schmerzen bei Insomnie (ICD-10: F45.1) sowie anamnes- tisch eine paranoide Schizophrenie, differentialdiagnostisch (DD) vorüber- gehende psychotische Störungen unter akuten Belastungen (ICD-10: F23.11). Unterschiedliche Stressoren führten bei der Beschwerdeführerin Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -10- zu Schlafstörungen mit nachfolgender Konzentrationsschwäche, Reizbar- keit, Ermüdbarkeit, Ängsten, depressiver Stimmung und Kopfschmerzen (S. 2 Ziff. 1 ff.). Wie seit vielen Jahren zeige die Beschwerdeführerin auch aktuell keine Fähigkeit, eine verwertbare Arbeitsleistung von über 50 % zu erbringen. Versuche wie kürzlich, quantitativ darüber hinaus zu arbeiten, führten zu Erschöpfungszuständen mit gänzlicher Arbeitsunfähigkeit. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 50 % seit Jahren (S. 3 Ziff. 9 ff.). 3.1.6Dr. med. D.________ diagnostizierte im psychiatrischen Gutachten vom 12. August 2024 (act. II 109.1) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0), ED 1995, DD rezidivierende Depression mit psychotischen Symptomen, DD Persönlichkeitsstörung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege ein Raynaud-Syndrom vor (S. 27 ff. Ziff. 6). Auch wenn nicht alle Arztberichte frei von Widersprüchen und Mängeln seien, sei die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie mit phasenhaftem Verlauf gesichert. Bis zum Jahr 2011 würden Positivsym- ptome beschrieben. Ab dieser Zeit zeigten sich nun zunehmend Nega- tivsymptome mit schlechterem Ansprechen auf Neuroleptika, sowie eine erhöhte Vulnerabilität mit verstärkter Anfälligkeit unter psychosozialen Kri- sen mit erheblichen psychischen Symptomen zu reagieren. In diesem Sin- ne benötige die Beschwerdeführerin ausreichend Erholungszeit, um 50 % arbeitsfähig zu bleiben (S. 36 Ziff. 7.1). Die Arbeitsfähigkeit in der bisheri- gen Tätigkeit betrage zurzeit höchstens vier Stunden pro Tag, was einem Pensum von 50 % entspreche (S. 39 Ziff. 8). Auf die Frage hin, seit wann im Falle eines anhaltenden Gesundheitsschadens aufgrund der Aktenlage eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % oder mehr vorgelegen habe, legte die Gutachterin dar, eine solche könne seit 2014 nachvollzogen wer- den (S. 41 Ziff. 9). 3.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wider sprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -11- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.3 3.3.1Gestützt auf die Akten ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 1995 im Alter von 22 Jahren während des Studiums für … in … einen ersten psychotischen Schub erlitt und deshalb drei Monate lang stationär u.a. psychopharmakologisch behandelt wurde (act. II 14 S. 3 Ziff. 2.1, 109.1 S. 10 Ziff. 3.2.2, 110 S. 4). Im Rahmen ihres Studiums erhielt sie ein Stipendium und reiste 1999 nach …, wo sie vom 13. Juni bis 12. Juli 2000 wegen einer Exazerbation der schizophrenen Psychose in stationärer Be- handlung war und anschliessend ambulant psychiatrisch und psychophar- makologisch weiterbehandelt wurde (act. II 110 S. 4, 6). Vom 2. bis 20. De- zember 2004 war sie in teilstationärer tagesklinischer Behandlung (act. II 45 S. 20, 109.1 S. 10). Im Mai 2005 heiratete sie und wurde im Oktober 2005 Mutter eines Sohnes (act. II 2 S. 1 f.). Vom 11. Oktober bis 15. No- vember 2011 war sie erneut in stationärer und vom 15. November bis 21. Dezember 2011 wiederum in teilstationärer Behandlung (act. II 110 S. 1 f.). Nach dem Umzug in die Schweiz am 1. Mai 2014 wurde die Be- schwerdeführerin zunächst durch Dr. med. I.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Praktische Ärztin, und ab September 2018 durch den Psychiater dipl. Arzt G.________ psychiatrisch und psy- chopharmakologisch weiterbehandelt (act. II 14, 109.1 S. 11 Ziff. 3.2.2). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -12- 3.3.2Gemäss der nachvollziehbaren und überzeugenden Beurteilung der Gutachterin Dr. med. J.________ besteht eine – aufgrund der paranoiden Schizophrenie resultierende – Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % seit 2014 (act. II 109.1 S. 41 Ziff. 9). Die Gutachterin geht somit davon aus, dass die Beschwerdeführerin bereits bei ihrer Einreise in die Schweiz im Mai 2014 zu mindestens 20 % arbeitsunfähig war. Was die Prozentangabe (mindestens 20 %) anbelangt, war diese offenkundig der Fragestellung geschuldet und bedeutet gerade nicht, dass eine mindestens 40%ige Ar- beits- bzw. Erwerbsunfähigkeit widerlegt wäre (Beschwerde S. 6 Ziff. 2e). Die Gutachterin hat ferner schlüssig dargelegt, dass vor 2011 von den Be- handlern Positivsymptome beschrieben wurden und sich ab 2011 zuneh- mend Negativsymptome mit schlechterem Ansprechen auf Neuroleptika zeigten. Überdies liegt eine erhöhte Vulnerabilität vor mit verstärkter Anfäl- ligkeit unter psychosozialen Krisen mit erheblichen psychischen Sympto- men zu reagieren. Deshalb benötigt die Beschwerdeführerin ausreichend Erholungszeit, um ein 50 %-Pensum leisten zu können (act. II 109.1 S. 36 Ziff. 7.1). Die gutachterliche Beurteilung, wonach die Beschwerdeführerin bereits seit ihrer Einreise in die Schweiz in erheblichem Ausmass arbeits- unfähig ist, deckt sich zudem mit jener der behandelnden Ärzte. Die Hausärztin Dr. med. H.________ ging im "Ausführlicher Ärztlicher Bericht" vom 27. Juni 2022 von einer ca. 40%igen Arbeitsfähigkeit (bzw. einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit) seit dem Psychoseschub im Jahr 2011 aus (act. II 45 S. 4), mithin bereits vor der Einreise in die Schweiz. Diese zeitli- che Angabe, wonach 2011 der Beginn der durchgehenden hohen Arbeits- unfähigkeit darstellte, fügt sich stimmig in die gutachterliche Beurteilung ein, dass sich seit 2011 zunehmend Negativsymptome zeigten mit schlech- terem Ansprechen auf Neuroleptika sowie eine erhöhte Vulnerabilität und dem Bedarf an ausreichend Erholungszeit. Des Weiteren gab der behan- delnde Psychiater dipl. Arzt G.________ in den Berichten vom 28. Juli 2021, vom 27. April 2023 und vom 6. Februar 2024 an, die Arbeitsunfähig- keit betrage 50 % seit (vielen) Jahren (act. II 14 S. 6 Ziff. 4, 56 S. 3 Ziff. 10, 86 S. 3 Ziff. 11). Entgegen der Darstellung in der Beschwerde (S. 5 Ziff. 2b) sind den medizinischen Akten damit sehr wohl konkrete Anhaltspunkte auf eine durchschnittlich mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit seit Einreise in die Schweiz und ohne wesentlichen Unterbruch zu entnehmen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -13- Nach dem Dargelegten gingen die behandelnden Ärzte retrospektiv somit davon aus, die Beschwerdeführerin sei seit 2011 in anspruchsrelevanter Weise beeinträchtigt gewesen, was sich ohne Weiteres mit der Beurteilung der Gutachterin vereinbaren lässt und auch mit der Erwerbsbiografie der Beschwerdeführerin deckt (vgl. E. 3.4 hiernach), weshalb darauf abzustel- len ist. Weil die Beschwerdeführerin demnach überwiegend wahrscheinlich bereits bei ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 2014 einen entsprechen- den, anspruchsrelevanten Gesundheitsschaden aufwies, sind die versiche- rungsmässigen Voraussetzungen für eine ordentliche Rente nicht erfüllt. Demzufolge ist die angefochtene Verfügung vom 18. Oktober 2024 (act. II 128) nicht zu beanstanden. Doch selbst wenn die medizinischen Unterlagen diesen Schluss entgegen dem soeben Dargelegten nicht zu- liessen, änderte sich am Ergebnis nichts (vgl. E. 3.4 hiernach). 3.4In erwerblicher Hinsicht ist festzustellen, dass die Beschwerdeführe- rin seit ihrer Einreise in die Schweiz (1. Mai 2014) bis Ende 2016 als Haus- frau tätig war bzw. keiner Erwerbstätigkeit nachging (act. II 17 S. 2, 60). Ab 1. Januar 2017 war die Beschwerdeführerin – abgesehen von der einmona- tigen Anstellung zu 60 % bei der C.________ im August 2020 (act. II 26 S. 1 f.) – durchgehend als Selbständigerwerbende tätig. Gemäss dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) erzielte sie in den Jahren 2017 bis 2019 weniger als Fr. 10'000.-- pro Jahr (act. II 60, 63.1-7). Die Erzielung dieser geringen Einkommen steht der Annahme eines hohen Pensums entgegen bzw. lässt sich gut vereinbaren mit dem Bericht der Dr. med. H.________ vom 27. Juni 2022, wonach die Beschwerdeführerin seit dem Psychose- schub von 2011 mit einem Pensum von ca. 40 % in einem angepassten Arbeitsplatz mit genügend Abschirmung selbständig erwerbstätig sei (act. II 45 S. 4; vgl. auch die Einschätzung von dipl. Arzt G.________ vom 6. Fe- bruar 2024, wonach seit vielen Jahren keine über 50 % hinausgehende, verwertbare Arbeitsleistung bestehe [act. II 86 S. 3 Ziff. 9]). Ab 2021 arbei- tete sie zudem in geringem Umfang (ca. 6 Stunden pro Woche) als … in einer … bzw. in einem … (act. II 67 ff., 109.1 S. 17 Ziff. 3.2.6). Mithin hat die Beschwerdeführerin seit ihrer Einreise in die Schweiz nie eine länger- dauernde hochpensige Arbeitstätigkeit innegehabt. Die bloss einmonatige Anstellung bei der C.________ im August 2020 (act. II 26 S. 1 f.) – das Arbeitsverhältnis wurde auf Wunsch der Beschwerdeführerin während der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -14- Probezeit aufgelöst (act. II 26 S. 1 ff., 109.1 S. 18 Ziff. 3.2.6) – ist mit Blick auf die medizinische Aktenlage, namentlich die Einschätzung des behan- delnden Psychiaters dipl. Arzt G.________ vom 28. Juli 2021, lediglich als Arbeitsversuch zu werten (act. II 14 S. 4 Ziff. 2.7). Somit ist nicht erstellt, dass die Beschwerdeführerin längerdauernd zu 60 % oder mehr arbeits- fähig war. Andererseits liegen auch keine (durchgehenden) Arbeitsunfähig- keitszeugnisse in den Akten, was jedoch dadurch zu erklären ist, dass die Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitraum vorwiegend als Selbständigerwerbende tätig war. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass weitere diesbezügliche Abklärungen zusätzliche entscheidrelevante Erkenntnisse erwarten lassen. Somit läge – selbst wenn gestützt auf die medizinischen Akten nicht bereits von einer bei Einreise in die Schweiz bestehenden Invalidität ausgegangen würde (E. 3.3.2 hiervor) – Beweislo- sigkeit hinsichtlich des Eintritts des leistungsspezifischen Invaliditätsfalles vor. Die Beweislast, dass der leistungsspezifische Invaliditätsfall erst nach dreijähriger Beitragszahlung eingetreten ist, liegt bei der Beschwerdeführe- rin (Urteil des BGer 8C_167/2014 vom 8. August 2014 E. 5). Sie hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen, was auch aus diesem Grund zur Verneinung der versicherungsmässigen Voraussetzungen führt. Zusammengefasst hat die Beschwerdegegnerin die Erfüllung der versiche- rungsmässigen Voraussetzungen so oder anders zu Recht verneint. 4. Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 18. Oktober 2024 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzu- weisen. 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -15- hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule- gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden ent- sprechend dem Ausgang des Verfahrens – vorbehältlich der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. E. 5.3 hiernach) – der Beschwerde- führerin zur Bezahlung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). 5.2Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par- teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). 5.3Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. 5.3.1Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts- begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun- gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti- gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61, 9C_432/2010 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 21, 8C_22/2010 E. 6.1). 5.3.2Da die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin mit Blick auf die doku- mentierten finanziellen Verhältnisse (act. I 3 ff., 11) ausgewiesen ist, das Verfahren nicht zum vornherein als aussichtslos erschien und die anwaltli- che Verbeiständung geboten ist, sind die Voraussetzungen für die Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege erfüllt. Das entsprechende Ge- such der Beschwerdeführerin ist somit gutzuheissen und es ist ihr Rechts- anwalt B.________ als amtlicher Anwalt beizuordnen. 5.4Festzusetzen bleibt das amtliche Honorar von Rechtsanwalt B.________. Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestell- ten Anwältinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streit- sache und die Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwertsteuer (MWST) werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -16- Aufwendungen für die Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechts- pflege sind nach den gleichen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. Art. 1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung der amtlichen Anwältinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stundenansatz Fr. 200.--. Mit Kostennote vom 17. Januar 2025 macht Rechtsanwalt B.________ ein Honorar von Fr. 2'992.50 (11.0833 à Fr. 270.--) zuzüglich Auslagen von Fr. 74.20 und MWST von Fr. 248.40 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Demnach wird der tarifmässige Parteikostenersatz auf Fr. 3'315.10 festge- setzt. Davon ist Rechtsanwalt B.________ ein amtliches Honorar von Fr. 2'216.70 (11.0833 à Fr. 200.--) zuzüglich Auslagen von Fr. 74.20 und MWST von Fr. 185.60, total eine Entschädigung von Fr. 2'476.50 auszu- richten. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführerin gegenüber dem Kanton Bern entsprechend den Voraussetzungen von Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt wird gutgeheissen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht von Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Mai 2025, IV 200 2024 772 -17- 5. Der tarifmässige Parteikostenersatz des amtlichen Anwalts wird in die- sem Verfahren auf Fr. 3'315.10 (inkl. Auslagen und MWST) festge- setzt. Davon wird Rechtsanwalt B.________ nach Eintritt der Rechts- kraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 2'476.50 festge- setzte Entschädigung (inkl. Auslagen und MWST) vergütet. Vorbehal- ten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO. 6. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.