Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Juni 2019 (720 19 114 / 162) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin i.V. Evelyne Frey Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1964 geborene A.____ absolvierte im B.____ zun ächst eine Elektrotechnik-Lehre und danach eine Coiffeur-Ausbildung. In der Schweiz w ar er als Gartenbau-Mitarbeiter tätig. Zuletzt war er vom 1. Juli 2012 bis zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 31. Mai 2017 als Gärtner bei der C.____ in D.____ angestellt. Am 23. Oktober 2017 (Eingang) meldete er sich aufgrund von Rückenbeschwerden bei der IV-Stelle Basel-L andschaft (IV-Stelle) zum Leis- tungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. März 2019 einen Rentenanspruch unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 0 % ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 1. April 2019 Beschwerd e beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht). Darin beantragte er, es sei die Verfügung vom 5. März 2019 aufzuheben und es sei i hm eine ganze Invalidenrente zuzu- sprechen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Pro- zessführung. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass er keiner Arbeit mehr nachgehen könne und eine neue Begutachtung zu erfolg en habe, denn das vorliegende Gut- achten sei alt und die Abklärung einer somatoformen Schmerzstörung sei erforderlich. C. In ihrer Vernehmlassung vom 16. April 2019 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 7. Mai 2019 bewilligte das Kant onsgericht die unentgeltliche Pro- zessführung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochten en Verfügung vom 5. März 2019 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hi nweis). Die Arztberichte, welche nach diesem Datum erstellt wurden, werden deshalb nicht berücksichtigt. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Dabei ist nicht darauf abzustellen, ob eine versich erte Person unter den konkreten Ar- beitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern e inzig darauf, ob sie die ihr verbliebe- ne Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem An- gebot an Arbeitskräften entsprechen würden (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4; Urteil des EVG vom 16. Juni 2004, I 824/02, E. 2.2.1 zu Art. 28 Abs. 2 a- IVG). Gemäss der oben (vgl. E. 3.2 hiervor) zitierten Be stimmung von Art. 16 ATSG ist bei der Bestimmung des Invaliditätsgrades deshalb von einer aus geglichenen Arbeitsmarktlage auszu- gehen. Der Begriff umfasst einerseits ein gewisses Gleich gewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen; andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen o ffen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Vora ussetzungen wie auch hinsichtlich des kör- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht perlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähig keit zu verwerten (BGE 110 V 276 E. 4b; Zeitschrift für die Ausgleichskassen [ZAK] 1991 S. 318 E. 3b). Dabei kann von einer Arbeitsge- legenheit im Sinne von Art. 16 ATSG dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegen kommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprec henden Stelle deshalb zum Vornhe- rein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil des EVG vom 1 0. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person sowie um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf- gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszus tand zu beurteilen und dazu Stel- lung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Ausk ünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der P erson noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht teren Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehend er Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigu ng volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welch e sich für den Entscheid als zentral erweisen. 6.1 In seinem Bericht vom 27. Juni 2017 erwähnt Dr. E. ____, FMH Orthopädische Chirurgie, als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit per sistierende Lumbalgien, eine vollstän- dig regrediente Ischialgie bei einem Status nach einer Diskektomie L5/S1 links am 25. Januar 2017 und eine Re-Diskektomie L5/S1 bei Rezidivhernie am 5. April 2017. Mittlerweile zeige sich ein hinkfreies und flüssiges Gangbild, es bestehe eine ausgeprägte Druckdolenz über der Len- denwirbelsäule (LWS) und der Patient sei kaum in der L age, sich nach vorne zu beugen. Der Lasègue sei beidseits negativ. Weitere medizinische Massnahmen seien nicht mehr notwendig. Schwere Arbeitstätigkeiten seien dem Versicherten nicht mehr möglich. Allerdings seien leichte- re körperliche Tätigkeiten in wechselnden Positionen im Stehen oder Sitzen zumutbar. Ab sofort bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidens angepassten Tätigkeit im Sinne eines Ar- beitsversuches in geschütztem Rahmen. Der Patient sei d agegen eher skeptisch, ob er mit sei- nem Rücken je wieder arbeiten könne. Dr. E.____ fügt hierzu an, dass die objektiven Befunde trotz zweimaliger Operation günstig genug seien, um e ine Reintegration ins Arbeitsleben als zumutbar erscheinen zu lassen. 6.2 Am 30. Oktober 2017 verfasst der behandelnde Arzt Dr . F.____, FMH Allgemeine Medi- zin, einen Bericht, worin er dieselbe Diagnose mit Ausw irkung auf die Arbeitsfähigkeit wie Dr. E.____ beschreibt. Keine Auswirkung auf die Arbeit sfähigkeit habe die Diagnose der mode- raten Coxarthrose beidseits, welche aktuell klinisch irre levant sei. In seiner angestammten Tä- tigkeit sei der Patient ab dem 17. Dezember 2016 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig, weil eine schwere Arbeit dauerhaft nicht mehr möglich sei. Zu einer leidensangepassten Tätigkeit könne er keine Aussagen machen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Dr. G.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine In nere Medizin, diagnostiziert in ihrem Bericht vom 25. Januar 2018 chronische Lumbalgien bei einem Status nach Diskektomie L5/S1 links am 25. Januar 2017 und Re-Diskektomie L5/S1 bei Rezidivhernie am 5. April 2017, aktuell bei Verdacht auf anhaltende radikuläre Reizung L5 links am 16. Oktober 2017 sowie differenti- aldiagnostisch eine Segmentinstabilität im Operations gebiet/Narbengewebe. Sie beschreibt sodann einen Lasègue links 70° positiv mit positivem Befund. In seiner angestammten Tätigkeit sei der Patient aktuell und bis auf weiteres zu 100 % ar beitsunfähig. Nicht mehr möglich seien schweres, repetitives Heben von über 5 kg, ständiges Gehen und Stehen sowie Bücken. 6.4 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens beauftragte die IV-Stelle Dr. H.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, mit einem Gutachte n. Darin hält dieser am 5. Dezember 2018 die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar beitsfähigkeit fest: Chronisches Lum- bovertebralsyndrom mit/bei einem Status nach Diskushernie n-Operation mit mikrochirurgischer Fenestration, Nukleotomie, Sequestrektomie L5/S1 (bei a kutem lumboradikulärem Schmerz- und minimalem motorischem Ausfallsyndrom S1 links) am 25. Januar 2017, einem Status nach mikrochirurgischer Rezidiv-Diskushernien-Operation L5/S1 links bei Rezidiv-Diskushernie L5/S1 links am 5. April 2017 sowie altersentsprechenden degene rativen Veränderungen mit Chondro- sen L3/4 und L5/S1. Als Diagnose ohne Auswirkung auf di e Arbeitsfähigkeit erwähnt er eine radiomorphologisch beginnende Coxarthrose beidseits, oh ne entsprechende Klinik. Den Lasègue testete Dr. H.____ bis 70°. Der Grund hierfür seien die massiv verkürzten Harmstrings. Die klinische Untersuchung zeige ein lumbovertebrales Syndro m mit Schmerzen bei der Bewe- gung, aber keine Hinweise auf radikuläre Reizsymptome. Sodann gäbe es weder klinisch noch radiologisch Hinweise für eine Instabilität. Der Expl orand schildere sich dysfunktional. Sein Ta- gesablauf mache aber klar, dass er nicht völlig inaktiv sei und vielen normalen Alltagsaktivitäten nachgehe. Diese Aktivitäten entsprächen Tätigkeiten au f einem körperlich leichten Niveau. Zu- dem bestünden klinisch keine Schonungszeichen der Muskulatu r, so dass von einem regel- mässigen Einsatz der Muskulatur ohne relevante Behinderung auszugehen sei. Zwischen den subjektiven Angaben des Exploranden und den objektiv erhe bbaren Befunden seien gewisse Diskrepanzen festzustellen. Insbesondere sei die subjektiv maximal erlebte Arbeitsfähigkeit von 50 % aufgrund der objektiven Befunde nicht nachvollziehb ar und nicht begründbar. Der Explo- rand zeige Zeichen eines chronischen Schmerzpatienten mit Painface. Zudem seien sämtliche Waddell-Zeichen positiv gewesen. Dr. H.____ kommt zum Sch luss, dass der Explorand in den angestammten Tätigkeiten als Elektrotechniker, als Coiffe ur und als Gartenbau-Mitarbeiter zu 100 % arbeitsunfähig sei. Dagegen sei er in einer leidensangepassten Tätigkeit ab August 2017 zu 100 % arbeitsfähig. Leidensangepasst bedeute hier ei ne leichte Tätigkeit, bei welcher der Explorand nicht dauernd sitzen und nicht dauernd stehen , nicht in Zwangsstellungen wie z.B. der Vorhalte arbeiten, nicht dauernd repetitiv sich vorn überbeugen oder bücken sowie nicht dauernd überkopf arbeiten müsse. Zusammengefasst handle es sich um eine Tätigkeit, welche rückenschonend sei. 6.5. Dr. I.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Trau matologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), legt in seinem Bericht vom 12. Dezember 2018 dar, dass das rheumatologische Gutachten von Dr. H.____ vom 5. Dezember 2018 den bundesgerichtlichen Anforderungen an eine medizinische Beweisgrundlage entspreche. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Die IV-Stelle stützte sich in ihrer Verfügung vom 5. März 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwer deführers vollumfänglich auf das rheumatologische Gutachten von Dr. H.____ vom 5. Dezemb er 2018. Sie ging demzufolge da- von aus, dass er in seinen angestammten Tätigkeiten zu 10 0 % arbeitsunfähig und in einer lei- densangepassten Tätigkeit seit August 2017 zu 100 % arbe itsfähig sei. Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund einge hender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässig keit der Expertise sprechen. Das Gutachten von Dr. H.____ erfüllt die bundesgerichtli chen Anforderungen an eine taugliche me- dizinische Beweisgrundlage (vgl. E. 4.2 hiervor). So wur de es in Kenntnis der Vorakten abge- geben und berücksichtigt die geklagten Beschwerden. Die von Dr. H.____ gestellten Diagnosen entsprechen den vorliegenden ärztlichen Berichten und soweit Diskrepanzen bestehen, be- gründet er diese nachvollziehbar. Zudem leuchtet das G utachten in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge ein und ist in den Schlussfolgerun gen überzeugend. Basierend auf die erwähnten Befunde und Diagnosen beschreibt Dr. H .____ das Zumutbarkeitsprofil des Be- schwerdeführers, welches zusammengefasst rückenschonend sei n müsse. Mit Blick auf die Beschwerden des Beschwerdeführers ist dieses Zumutbarkei tsprofil nicht zu beanstanden. Da- gegen sprechen auch keine der vorliegenden ärztlichen B erichte, insbesondere auch nicht der Bericht vom behandelnden Arzt Dr. F.____. Ferner überzeugt die Einschätzung von Dr. H.____, dass dem Beschwerdeführer eine höhere Arbeitsfähigkeit zuzumuten sei, als dieser sich selber zutraut. Hierzu begründet er nachvollziehbar, dass die unterschiedlichen Beurteilungen auf das subjektive Schmerzempfinden des Beschwerdeführers zurückzuführ en seien. Das zeigt sich durch die allesamt positiv ausgefallenen Waddell-Zeichen als auch durch die beim Beschwerde- führer vorhandenen Ressourcen. Dieser beschrieb im Rahme n der Untersuchung durch Dr. H.____ seine Alltagsaktivitäten so, wie sie auch in einer beruflichen Tätigkeit ausgeübt wer- den können. Mit Blick sowohl auf das Zumutbarkeitsprofil a ls auch auf die vorhandenen Res- sourcen erscheint auch die Beurteilung der 100%igen Ar beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit als schlüssig. Diese deckt sich zudem bereits mit de r Beurteilung von Dr. E.____, wo- nach die objektiven Befunde günstig genug seien, um e ine Reintegration ins Arbeitsleben als zumutbar erscheinen zu lassen. Insgesamt ergibt das Guta chten ein umfassendes und schlüs- siges Bild über die gesundheitliche Verfassung des Besch werdeführers und lässt damit eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu, weshalb die Beschwerdegegnerin bei der Be- urteilung der medizinischen Sachlage darauf grundsätzlich abstellen durfte. 8. Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen keine Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens zu wecken. Dieser bringt zunächst vor, es sei zu prüfen, ob eine somatoforme Schmerzstörung vorliege. Es trifft zwar zu, dass Dr. H.__ __ keine entsprechende Abklärung vorgenommen hat und er sich nicht dazu äussert. Von den b ehandelnden Ärzten wurde eine solche Schmerzstörung jedoch ebenfalls nicht geprüft und in den gesamten vorliegenden ärztli- chen Unterlagen lassen sich keine Hinweise auf eine som atoforme Schmerzstörung finden. Dasselbe gilt auch für den Bericht von Dr. G.____, auf deren Einschätzungen sich der Be- schwerdeführer beruft. Sie stellt darin entsprechend i hren fachärztlichen Kenntnissen keine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychiatrischen Diagnosen, sondern begründet ihre Diagnose mit somatischen Beschwerden (Verdacht auf radikuläre Reizung L5 links, differential diagnostisch eine Segmentinstabilität). Insgesamt liegt nichts vor, was auf eine psychiatrische D iagnose schliessen lassen würde. Da- her erübrigen sich weitere Abklärungen hierzu. Im Zusamm enhang mit den Beurteilungen von Dr. G.____ macht der Beschwerdeführer zudem geltend, dass auch Dr. G.____ nicht verstehe, wie er mit seinen Schmerzen arbeiten solle. Diesbezüg lich ist zu erwähnen, dass sich die Ärzte einig sind, dass die bisherigen Tätigkeiten nicht mehr zu mutbar seien. Hinzu kommt, dass sich Dr. G.____ in ihrem Bericht nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit äussert. Die von Dr. G.____ erwähnten somatischen Beschwerden ( Verdacht auf radikuläre Reizung L5 links, differentialdiagnostisch eine Segmentinstabilität ) konnte Dr. H.____ trotz einlässlicher Exploration nicht feststellen, weshalb ihre Diagnosen keine Zweifel an den Befunden von Dr. H.____ erwecken. Ferner begründet der Beschwerdef ührer seine 100%ige Arbeitsunfähig- keit damit, dass er nach zwei Rückenoperationen unabhäng ig von einer entzündlichen Proble- matik keine Arbeitsstelle mehr finden werde. Diesbezüglich ist jedoch darauf hinzuweisen, dass bei der Invaliditätsbemessung nicht auf die konkrete Ve rmittelbarkeit, sondern auf den ausge- glichenen Arbeitsmarkt abgestellt wird (vgl. E. 3.3 hier vor). Wie in Erwägung 7 bereits ausge- führt, ist das von Dr. H.____ erstellte Zumutbarkeitspr ofil nicht zu beanstanden. Dieses ist nicht derart eingeschränkt, dass der allgemeine Arbeitsmarkt pra ktisch keine entsprechenden Tätig- keiten kennt und das Finden einer solchen Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen er- scheint. Demzufolge stehen dem Beschwerdeführer auf dem hypothetischen ausgeglichen Ar- beitsmarkt im erwähnten Sinne genügend zumutbare Besch äftigungsmöglichkeiten offen. Wei- tere Gründe, welche gegen eine 100%ige Arbeitsfähigk eit des Beschwerdeführers sprechen würden, bringt er nicht vor und sind aus den Unterlag en auch nicht ersichtlich. Schliesslich ist das Gutachten von Dr. H.____ entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers nicht veraltet. Die Untersuchung fand anfangs Dezember 2018 rund dre i Monate vor dem Erlass der ange- fochtenen Verfügung statt. Hinweise, welche auf eine w esentliche Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes des Beschwerdeführers in diesen drei Mon aten schliessen lassen würden, liegen nicht vor. Eine solche wird denn auch vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht. 9. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ergibt si ch, dass keine Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens vorliegen. Deshalb kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf we itere Abklärungen verzichtet werden. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwe rdeführers ist daher entsprechend dem Gutachten von Dr. H.____ vom 5. Dezember 2018 von der 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit seit August 2017. 10. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, da ss im Rahmen der Rechtsan- wendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Beurteilung der Vergleichseinkom- men vorzunehmen wäre und die Berechnung auch vom Ver sicherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Ein- kommensvergleich. Es ist mit der IV-Stelle davon auszugehe n, dass der Beschwerdeführer ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Die angefochtene Verfügung vom 5. März 2019, mit welcher ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente verneint wurde, ist nicht zu beanstanden und die dagegen gerichtete Beschwerde deshalb abzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver- weigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicheru ngsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängi g vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich- tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich au f Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Ver- fahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführ er ist mit Verfügung vom 7. Mai 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wor den. Aus diesem Grund werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. E ine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. 11.2 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. http://www.bl.ch/kantonsgericht