B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-340/2014 U r t e i l v o m 1 3 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, Eritrea, vertreten durch lic. iur. Donato Del Duca, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Januar 2014 / N (…). E-340/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin am 25. November 2013 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass am 12. Dezember 2013 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) (…) die Befragung zur Person (BzP) stattfand, an welcher sie gel- tend machte, sie habe bis am 11. April 2009 in Eritrea gelebt und sei dann in den Sudan gereist, dass sie am 13. Okt ober 2013 nach Italien gelangt sei, wo man ihre Fi n- gerabdrücke genommen habe, dass sie aus ihrer früheren Ehe zwei Kinder habe, die bei der Mutter l e- ben würden, dass sie in der Schweiz einen als Flüchtling anerkannten Freund (N […]) habe, mit dem sie zur Schule gegangen sei und während ihres Aufenthal- tes im Sudan in Kontakt gewesen sei, dass das BFM der Beschwerdeführerin anlässlich der Befragung vom 12. Dezember 2013 das rechtliche Gehör zu einem möglichen Nichtei n- tretensentscheid gemäss alt Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) sowie zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien gewährt wurde, wobei sie geltend machte, sie habe in Italien kein Asylgesuch einreichen wollen und möchte auf keinen Fall dorthin zu- rückkehren, da die Menschenrechte nicht ernst genommen würden, dass sie zwar bei ihrer Ankunft in Italien wegen eines Unfalls medizini- sche Behandlung erhalten habe, jedoch bei ihrem Freund in der Schweiz leben wolle, dass das BFM am 28. November 2013 di e italienische Behörde gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestim - mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat ge- stellt hat (Dublin II-VO) darum ersuchte, die Beschwerdeführerin wiede r aufzunehmen, dass die italienischen Behörden innerhalb der festgelegten Frist zum Rückübernahmegesuch keine Stellung nahmen, E-340/2014 Seite 3 dass das BFM mit Verfügung vom 6. Januar 2014 – eröffnet am 14. Januar 2014 – in Anwendung von alt Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete und die Beschwerdeführerin aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschw erde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerdeführerin verfügte, dass es zur Begründung im Wesentlichen ausführte, Italien sei gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für d ie Prü- fung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asyla n- trags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.68) für die Durchführung des vorliegenden Asyl und Wegweisungsverfahrens z u- ständig, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 21. Januar 2014 gegen diesen Entscheid durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungs- gericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die vorinstanzliche Ver- fügung sei aufzuheben und das BFM anzuweisen, sein Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylgesuch für z u- ständig zu erachten, dass sie in formeller Hinsicht im Sinne vorsorglicher Massnahmen die Er- teilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und Anweisung der Vollzugsbehörden, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über d en Suspensiveffekt der eingereic h- ten Beschwerde entschieden habe, beantragte, dass sie zudem um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG sowie um Verzicht von d er Erhebung eines Koste n- vorschusses ersuchte, dass die Beschwerdeführerin ihre Eingabe im Wesentlichen damit b e- gründete, sie habe während ihres Aufenthaltes im Sudan in engem Ko n-E-340/2014 Seite 4 takt mit ihrem Partner gestanden und diesen erst im November 2013 per- sönlich treffen können, dass sie von ihrem Partner ein Kind erwarte, und dieser daran sei, dieses vorgeburtlich anzuerkennen, was vom zuständigen Zivilstandesamt be - stätigt werden könne, dass sie ein Laborblatt (positiver Schwangerschaftstest) als Beweismittel einreichte, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 23. Januar 2014 die kantonalen Vollzugsbehörden anwies, den Wegweisungsvollzug per s o- fort auszusetzen, bis nach Eingang der vorinstanzlichen Akten über die allfällige Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nach Art. 107a AsylG befunden werde, dass die vorinstanzlichen Akten am 24. Januar 2014 beim Bundesverwal- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass am 24. Januar 2014 (Eingang: 27. Januar 2014) eine Voll macht des Rechtsvertreters eingereicht wurde, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V. m. Art. 31‒33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä n-E-340/2014 Seite 5 derung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass mit der Änderung des Asylgesetzes vom 14. Dezember 2013, we l- che – unter Vorbehalt gewisser Bestimmungen (vgl. Verordnung über ei- ne Teilinkraftsetzung der Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylg e- setzes, AS 2013 5357) – am 1. Februar 2014 in Kraft getreten ist, die Nichteintretenstatbestände von alt Art. 32-35a AsylG aufgehoben wurden, und neu Art. 31a AsylG die Nichteintretenskonstellationen regelt, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen, die Beurteilungskompetenz der Be schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt is t, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylg e- such nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 mit weiteren Hinwe i- sen), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchfüh rung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b bzw. alt Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretens - entscheid als unrec htmässig erachtet – einer selb ständigen materiellen E-340/2014 Seite 6 Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2011/30 E. 3, 2011/9 E. 5), dass die Dublin II-VO durch die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Euro- päischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zustän- dig ist (Dublin III-VO), abgelöst worden ist, welche ab dem 1. Januar 2014 in allen Staaten der Europäischen Union anwendbar ist, dass im Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen der Schweiz und der Europäischen Union betreffend die Übern ahme der Dublin III -VO (Weiterentwicklung des Dublin/Eurodac -Besitzstands) der Bundesrat der Europäischen Union mitteilte, dass die Schweiz den Inhalt dieses Rechtsakts akzeptiere und in ihre innerstaatliche Rechtsordnung umse t- zen werde, dass mit Bundesra tsbeschluss vom 18. Dezember 2013 festgehalten wurde, die Dublin III-VO werde – unter Hinweis auf Ausnahmen – ab dem 1. Januar 2014 vorläufig angewendet, dass die übergangsrechtliche Bestimmung von Art. 49 Dublin III-VO fest- hält, die Verordnung sei nicht anwendbar, wenn sowohl der Antrag auf in- ternationalen Schutz als auch das Gesuch um Aufnahme oder Wiede r- aufnahme vor dem 1. Januar 2014 gestellt wurden, dass die Beschwerdeführerin am 25. November 2013 ein Asylgesuch stellte und das Ersuchen des Bundesamtes an die italienischen Behörden um Rückübernahme der Beschwerdeführerin am 13. Oktober 2013 erfolg- te, weshalb vorliegend die Dublin II -VO anwendbar und der für die Pr ü- fung ihres Asylgesuchs zuständige Staat nach den dortigen Kriterien zu ermitteln ist (vgl. Art. 49 Dublin III-VO), dass Art. 31a Abs. 1 Bst. b beziehungsweise alt Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG im Weiteren voraussetzt, dass der staats vertraglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person (mindestens implizit) zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1), E-340/2014 Seite 7 dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Satz 2 Dublin II-VO jeder Asylantrag von e i- nem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kap i- tels III als zuständiger Staat bestimmt wird, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin II-VO die Mitgliedstaaten jeden Asylan- trag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im H o- heitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einz i- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird, dass bei einem Aufnahmeverfahrens (take charge) die Kriterien in der in Kapitel III der Dublin II -VO genannten Rangfolge anzuwenden sind (vgl. Art. 5-14 Dublin II -VO) und von der Situation zum Zeitpunkt, in dem der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, aus- zugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin II-VO), dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (take back) demg e- genüber keine – neuerliche – Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dub- lin II-VO stattfindet, sondern ein solches insbesondere auf den materiellen Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 16 Abs. 1 Bst. c-e Dublin II -VO gründet (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II - Verordnung: Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien und Graz 2012, Art. 16 K5 S. 129), dass in Abweichung von diesen Zuständigkeitsbestimmungen nach Art. 3 Abs. 2 Dublin II -VO die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen kann, auch wenn nach den Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht), wobei diese Bestimmung nicht direkt anwendbar ist, sondern nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5), dass Art. 29a Abs. 3 AsylV1 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV1, SR 142.311) vorsieht, dass das BFM aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin II -VO ein anderer Sta at zuständig ist, wobei diese Bestimmung den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 4.1 m.w.H.), dass hingegen bei drohendem Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie insbesondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) , die menschenrechtlichen Garantien der E-340/2014 Seite 8 Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), der Internationale Pakt über bü r- gerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) oder das Übe r- einkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintritt s- rechts besteht (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2; FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K8 K11 S. 74), dass ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der "Eurodac"-Datenbank ergab, dass diese am 18. Oktober 2013 in Italien ein Asylgesuch eingereicht hatte, dass das BFM die italienischen Behörden am 28. November 2013 um Übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin II-VO ersuchte, dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in Art. 20 Abs. 1 Bst. b Dublin II-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet lie s- sen, womit sie die Zuständigkeit von Italien implizit anerkannten (Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin II-VO), dass die Beschwerdeführerin nicht bestreitet , in Italien ein Asylgesuch eingereicht zu haben, und auch die Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates unbestritten blieb, dass nach dem Gesagten vorliegend Italien für die Prüfung des Asyla n- trags zuständig ist, dass weiter zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin auch dorthin ausre i- sen kann oder ob Überstellungshindernisse bestehen, dass die Beschwerdeführerin geltend macht, sie sei zwar in Italien medizinisch behandelt worden, würde im Falle einer Rückkehr nach Italien jedoch unter schwierigen Bedingungen leben müssen und kein normales, menschenwürdiges Leben führen können, dass diese Einwände indes nicht geeignet sind, an der Zuständigkeit It a- liens zur Durchführung des Asylverfahrens etwas zu ändern respektive einen – wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht – Anspruch auf Selbsteintritt nach Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin II-VO durch die Schweiz zu begründen, E-340/2014 Seite 9 dass man bei einer Überst ellung in den zuständigen Mitgliedstaat unter anderem von der Prämisse ausgeht, dass dieser kraft seiner Mitglie d- schaft den Verpflichtungen aus 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylb e- werbern in M itgliedstaaten (sog. Aufnahmerichtlinie), darunter auch dem Non-Refoulement-Gebot, nachkommt (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2 S. 638), dass die blosse Verletzung erwähnter Richtlinie durch den zuständigen Mitgliedstaat kein selbständiges Recht einer beschwerde führenden Person auf Anrufung der Ausübung des Selbsteintrittsrechts begrü n- det, sondern es hierzu grundsätzlich des Nachweises eines "real risk" im Sinne der EMRK bedarf ( vgl. dahingehend CHRISTIAN FILZWIE- SER/ANDREA SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K11 S. 75), dass, sofern dieser Nachweis nicht gelingt und somit nicht von einem Überstellungshindernis in den zuständigen Mitgliedstaat auszugehen ist, der betroffenen Person die Möglichkeit offensteht, sich im zuständigen Mitgliedstaat mittelbar auf die Aufnahmerichtlin ie zu berufen respektive die entsprechenden innerstaatlichen Rechtsmittel zu ergreifen, dass, falls es demgegenüber einer notorischen Tatsache entspricht, dass der zur Prüfung des Asylverfahrens zuständige Mitgliedstaat systematisch gravierende Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 EMRK be- geht, eine beschwerdeführende Person nicht die volle Beweislast trägt (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte [ EGMR] vom 21. Januar 2011 im Fall M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Beschwerde-Nr. 30696/09]), dass Italien – wie die Schweiz – unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und der FoK ist und als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin II-VO zuständi- ger Staat gehalten ist, die Aufnahmerichtlinie von Asylbewerbern in Mi t- gliedstaaten anzuwenden respektive umzusetzen, dass nach dem Gesagten nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Beschwerdeführerin bei einer Rücküberstellung nach Italien der Z u- gang zu einem fairen Asylverfahren verwehrt würde, und sie damit u n- menschlicher Behandlung ausgesetzt oder durch die italienischen Behö r- den ohne Prüfung ihrer Asylgründe und unter Missachtung des Non - Refoulement-Gebotes oder von Art. 3 EMRK in den Heimat - oder He r- kunftsstaat zurückgeschafft würde, E-340/2014 Seite 10 dass auch nicht geschlossen werden kann, Italien würde in genereller Weise seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen r e- spektive – wie dahingehend in der Beschwerde geltend gemacht – in völ- kerrechtswidriger Weise gegen die Aufnahmerichtlinie verstossen, dass diese Ansicht durch den EGMR bestätigt wird, indem dieser in se i- ner neusten Rechtsprechung festhält, dass in Italien kein systematischer Mangel an Unterstützung und Einrichtungen für Asylsuchende bestehe, obwohl die allgemeine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. EGMR: Entscheidung Mohammed Hussein und andere vs. Niede r- lande und Italien [Beschwerde Nr. 27725/10] vom 2. April 2013, § 78), dass alle vom Gerichtshof zitierten Berichte detailliert eine Struktur von Einrichtungen und Versorgung aufzeigten und in letzter Zeit zudem g e- wisse Verbesserungen festzustellen seien (§ 78), dass der United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) zwar bemängle , die Betreuung dieser Personen sei oft mangelhaft (§ 43), und der Menschenrechtskommissar des Europarates zudem Probleme bei der schnellen Identifikation von besonders verletzlichen Personen sehe (§ 44), dass der italienische Staat demgegenüber in seiner Stellung nahme aus- geführt habe, wenn der überstellende Staat eine Person als besonders verletzlich bezeichne, würden die notwendigen medizinischen Vorkehrun- gen getroffen, und betont habe, dass besonders verletzlichen Personen spezielle Aufmerksamkeit geschenkt werde (§ 45), dass spezifisch bezüglich Dublin-Rückkehrenden der Gerichtshof auf B e- richte verwies, die feststellen, dass für sie temporäre Aufnahmezentren geschaffen worden seien, wobei in den Aufnahmezentren 500 Plätze für besonders verletzliche Personen res erviert seien und diese dort auch länger – nämlich bis zu elf Monaten – bleiben könnten (§ 49, 43, 46, 45) und für besonders verletzliche Dublin -Rückkehrende in den temporären Aufnahmezentren für Dublin -Rückkehrende 60 Plätze reserviert seien (§ 49), dass ferner festgehalten wurde, den Berichten sei zudem zu entnehmen, das Asylverfahren von Dublin -Rückkehrenden werde im selben Stadium E-340/2014 Seite 11 wieder aufgenommen, in dem es sich befunden habe, als sie Italien ve r- lassen hätten, dass der Gerichtshof im zu beurteilend en Fall deswegen zum Schluss kam, dass die asylsuchende Person – eine alleinstehende Frau mit zwei kleinen Kindern – bei einer Rückkehr nach Italien nicht einer ernsthaften und unmittelbar drohenden Gefahr ausgesetzt wäre, in materieller, phys i- scher oder p sychischer Hinsicht in eine Notlage zu geraten, die in den Schutzbereich von Art. 3 EMRK fallen würde ("a sufficiently real and i m- minent risk of hardship severe enough to fall within the scope of Article 3"; § 78), dass diese Feststellungen faktischer Natur Auswirkungen auf die Beurtei- lung des vorliegenden Verfahrens haben und für den vorliegenden Fall insbesondere die Feststellung wichtig ist, dass Rückkehrende, die noch nicht in einer entsprechenden Einrichtung aufgenommen worden seien, in einem Aufnahmezentrum untergebracht werden können, dass es der Beschwerdeführerin überdies offensteht, allfällige Probleme bei der Unterbringung oder beim Zugang zum Asylverfahren bei den z u- ständigen italienischen Justizbehörden zu rügen, dies entweder unter Beiziehung eines italienischen Rechtsanwalts oder mittels Hilfe unabhä n- giger, vorhandener Hilfsorganisationen in Italien, dass die Beschwerdeführerin bezüglich der Frage der Betreuung von Asylsuchenden nicht beweisen oder mittels eines konkreten Anhaltspunk- tes glaubhaft machen kann, dass die Lebensbedingungen in Italien so schlecht sind, dass ihre Überstellung in dieses Land die EMRK verletzen würde, dass schliesslich bezüglich der sich in einem frühen Stadium der Schwangerschaft befindenden Beschwerdeführerin festzustellen ist, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur dann gegen Art. 3 EMRK verstossen kann, wenn die b e- troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Kran k- heitsstadium und bereits in Todesnähe befindet (vgl. Urteil des EGMR vom 27. Mai 2008, N. gegen Vereinigtes Königreich [Beschwer- de Nr. 26565/05]), dass dies für die Situation der Beschwerdeführerin nicht zutrifft, und es sich mithin nicht um eine gesundheitliche Beeinträchtigung handelt, we l- che im Hinblick auf eine Überstellung nach Italien von Bedeutung sein E-340/2014 Seite 12 könnte, zumal lediglich ein positiver Schwangerschaftstest vom 20. Januar 2014 vorliegt, dass dem Dublin -System im Übrigen die Annahme immanent ist, der betreffende Mitgliedstaat könne die nötigen medizinischen Versorgung s- leistungen erbringen, ist doch jeder Staat an die Aufnahmerichtlinie, we l- che medizinische Versorgung garantiert, gebu nden, weshalb grundsät z- lich nicht im Einzelfall zu prüfen ist, ob in Italien eine bestimmte Krankheit angemessen behandelt werden kann oder nicht, oder ob die fachlich kompetente Betreuung oder Begleitung oder die Zusage einer solchen für die Rückführung dorthin vorhanden ist, dass folglich kein völkerrechtliches Überstellungshindernis der Beschwer- deführerin nach Italien aufgrund ihrer Schwangerschaft angenommen wird und davon auszugehen ist, sie werde – falls nötig – in Italien ad ä- quate medizinische Betreuung finden, dass unter diesen Umständen demnach auch keine konkreten Anhalt s- punkte dafür ersichtlich sind, die darauf hindeuten, die Beschwerdeführ e- rin würde im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notl a- ge geraten, dass die Beschwerdefü hrerin schliesslich geltend macht, sie sei von i h- rem Freund, den sie in der Schweiz wieder getroffen habe, schwanger, weshalb sie sich auf Art. 8 EMRK resp. Art. 13 BV – Schutz des Familien- lebens – berufe, wobei auch Art. 3 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes ( KRK; SR 0.107) zu be- rücksichtigen sei, dass somit zu prüfen ist, ob allenfalls das Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin II-VO i.V.m. Art. 8 EMRK beziehungsweise Art. 15 Dublin II- VO ausgeübt werden sollte, dass gemäss Art. 2 Bst. i Dublin II-VO unter den Begriff "Familienangehö- rige" lediglich Ehegatten, nicht verheiratete Partner, die eine dauerhafte Beziehung führen, und minderjährige Kinder fallen, dass indessen Art. 8 EMRK unter dem Aspekt von Art. 3 Abs. 2 Dublin II- VO berücksichtigt werden kann, soweit eine tatsächlich gelebte Bezi e- hung besteht, wobei diesbezüglich als wesentliche Faktoren das gemei n- same Wohnen respektive der gemeinsame Haushalt, die finanzielle Ve r- flochtenheit, die Länge und Stab ilität der Beziehung sowie das Interesse E-340/2014 Seite 13 und die Bindung der Partner aneinander zu berücksichtigen sind (vgl. CHRISTOPH GRABENWARTER, Europäische Menschenrechtskonventi on, 4. Aufl., München/Basel/Wien 2009, S. 204; MARK E. VILLIGER, Handbuch der Europäisch en Menschenrechtskonven tion, 2. Aufl., Zürich 1999, S. 365; LUZIUS WILDHABER in: Internationaler Kommentar zur Europä i- schen Menschenrechtskonvention, Hrsg.: Wolfram Karl, 12. Lfg., Köln/Berlin/München 2009, Art. 8 EMRK, S. 137; EGMR, K. und T. gegen Finnland [Grosse Kammer], Urteil vom 12. Juli 2001, Beschwerde Nr. 25702/94, § 150), dass bis anhin keine gültig geschlossene Ehe oder eine eingetr agene Partnerschaft zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Partner vor- liegt, dass aufgrund der Angaben der Besch werdeführerin anlässlich ihrer B e- fragung vom 12. Dezember 2013, wonach sie von 2000 bis 2005 ein Li e- bespaar gewesen seien und ihren Freund seit 2005 zwar nicht mehr g e- sehen habe, mit ihm jedoch seit 2009 per Telefon und Internet in Kontakt gewesen sei und schliesslich im November 2013 wieder mit ihm zusa m- mengekommen sei, nicht auf eine lange und stabile Beziehung im Sinne der Rechtsprechung geschlossen werden kann, dass der Umstand, wonach die Beschwerdeführerin nach ihrer letzten Begegnung geheiratet habe und aus dieser Beziehung zwei Kinder habe (vgl. Akte A7 S. 5, A10 S. 1 f.), und auch ihr Freund in der Zwischenzeit geheiratet habe, unabhängig von der in der Zwischenzeit angeblich er- folgten Ehescheidungen ohnehin gegen eine langjährige Beziehung spricht, dass den Angaben der Beschwerdeführerin zudem entnommen werden kann, dass sie nicht am Wohnsitz ihres Freundes wohnt und diesen ledig- lich am Wochenende besuche (vgl. Akte A10 S. 2), dass somit weder von einer Partnerschaft im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin II-VO noch von einer tatsächlich gelebten Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK ausgegangen werden kann, dass aus denselben Grü nden auch Art. 15 Abs. 2 Dublin II-VO keine An- wendung findet, dass ungeachtet dessen mit Bezug auf das Recht auf Eheschliessu ng re- spektive eingetragene Partnerschaft ergänzend festzuhalten ist, dass E-340/2014 Seite 14 grundsätzlich ein Ehevorber eitungsverfahren in der Schweiz, sollten die Beschwerdeführerin und ihr Freund dies beabsichtigen, auch dann mö g- lich ist, wenn die Brautleute nicht in der Schweiz wohnhaft sind (vgl. Art. 62 ff. und Art. 75a ff. der Zivilstandsverordnung vom 28. April 2004 [ZStV, SR 211.112.2]), dass es den Partnern obliegt, sich bei den zuständigen kantonalen B e- hörden nach den notwendigen Schritten für die Erteilung einer allfälligen künftigen Einreisebewilligung der Beschwerdeführerin aus familiären Gründen zu erkundigen, sollten die erforderlichen Voraussetzungen dannzumal erfüllt sein, dass bezüglich der Einwände, wonach Art. 3 KRK zu berücksichtigen sei, zu bemerken ist , dass das Kind der Beschwerdeführer in noch nicht ge- boren ist, weshalb sich diese schon deshalb nicht auf diese Bestimmung berufen kann, dass unter diesen Umständen keinerlei Hindernisse bestehen, insbeson- dere auch keine humanitären Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, welche eine Überstellung der Beschwerdeführerin als unzulässig oder unzumutbar erscheinen lassen, dass es demnach keinen Grund für die Anwendung der Souveränitäts- klausel (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin II-VO) gibt, dass das BFM demnach zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist und, da sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung ist, ebenfalls zu Recht in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien an- geordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nicht mehr zu prü- fen sind, da das Fehlen von Wegweisungsvollzugshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31 a Abs. 1 Bst. b beziehungsweise alt Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist (BVGE 2010/45 E. 10), dass das BFM somit den Vollzug der Wegweisung nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat, E-340/2014 Seite 15 dass die Beschwerde nach dem Gesagten abzuweisen und die Verf ü- gung des BFM zu bestätigen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist, dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG abzuwe i- sen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorliegenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die kumulativen Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-340/2014 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand: