23. Juni 1995 1585 Motion SGK-NR (94.415) #ST# 95.3042 Motion Jen ni Peter Boykott der Volkszählung im Jahre 2000 Recensement en l'an 2000. Boycott Wortlaut der Motion vom 2. Februar 1995 Der Bundesrat wird beauftragt, eine Regelung zu treffen, wo- nach Personen, welche die Volkszählung boykottieren, straf- rechtlich in der ganzen Schweiz gleich behandelt werden. Texte de la motion du 2 février 1995 Le Conseil fédéral est chargé d'adopter une réglementation prévoyant un traitement pénal identique dans toute la Suisse pour les personnes qui boycottent le recensement. Mitunterzeichner - Cosignataires: Borer Roland, Dreher, Giezendanner, Hari, Kern, Miesch, Moser, Ruf, Scherrer Jürg, Steffen, Wyss William (11 ) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Volkszählung 1990 wurde von verschiedenen Personen und organisierten Gruppen boykottiert. Die nur zum Teil ein- geleiteten Strafverfahren wurden unterschiedlich, gemäss kantonalem Recht, durchgeführt. Dies hatte eine krasse Ver- letzung von Artikel 4 der Bundesverfassung zur Folge. Ge- stärkt durch die Tatsache, dass viele am Boykott beteiligte Personen gar nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, ha- ben sich die Verweigerer bereits dahingehend geäussert, dass sie im Jahr 2000 noch intensiver zum Boykott aufrufen werden. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 29. März 1995 Rapport écrit du Conseil fédéral du 29 mars 1995 Das Bundesgesetz über die eidgenössische Volkszählung in seiner revidierten Fassung vom 23. Juni 1988 sieht in Artikel 3c vor, dass die Strafverfolgung bei Missachtung der Auskunftspflicht bzw. bei Verletzung des Amtsgeheimnisses Sache der Kantone ist. Dem Motionär ist beizupflichten, dass 1990 bei Verletzungen der Auskunftspflicht die Strafverfahren sehr ungleich gestal- tet wurden. Einzelne Kantone haben sogar gänzlich auf Strafverfahren verzichtet. Diese Situation ist unbefriedigend. Der Bundesrat prüft daher gegenwärtig alternative Möglichkeiten zur Regelung der Strafverfolgung und wird gegebenenfalls eine Änderung des Bundesgesetzes über die eidgenössische Volkszählung vor- schlagen. Vorbehalten bleiben die verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten im Bereich des Strafrechts und der Strafver- folgung (Art. 64bis BV). Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln. Überwiesen als Postulat - Transmis comme postulat #ST# 95.3082 Motion SGK-NR (94.415) Verfassungsgrundlage für Massnahmen zugunsten von Familien Motion CSSS-CN (94.415) Base constitutionnelle pour des mesures en faveur de la famille Wortlaut der Motion vom 16. Februar 1995 Der Bundesrat wird beauftragt, Verfassungsgrundlagen für Massnahmen zugunsten von Familien zu schaffen, die si- cherstellen, dass dem Bund eine generelle Rechtsetzungs- kompetenz für den Schutz der Familie, insbesondere zur Wahrung der Rechte von Kindern und Jugendlichen, zusteht. Texte de la motion du 16 février 1995 Le Conseil fédéral est chargé de créer les bases constitution- nelles pour des mesures en faveur de la famille; ces mesures visent à garantir que la Confédération dispose d'une compé- tence générale en matière de protection de la famille, en par- ticulier pour la défense des droits des enfants et des jeunes. Schriftliche Begründung Was sich die reiche Schweiz für ihre Familien leistet, ist ein Armutszeugnis. Die Unterschiede bei der staatlichen Förde- rung von Familien in der Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind riesig. Die jüngste Vernehmlas- sung um die Einführung der längst fälligen Mutterschaftsver- sicherung haben gezeigt, dass Familien wohl rhetorisch auf Wohlwollen stossen; die Praxis spricht eine andere Sprache. Mit neuen Verfassungsgrundlagen ist darum eine Gesamt- schau für die Familie und ihre Bedürfnisse zu entwickeln. Die Bundesverfassung soll einerseits Ziele setzen, anderseits auch die Realität in unserem Land abbilden. Und der Trend spricht eindeutig für eine «Refamilisierung»; junge Men- schen wollen vermehrt in verbindlichen Gemeinschaften zu- sammenleben. Die erste Forderung kann mit Artikel 4 Absatz 2 der Bundes- verfassung (Gleichstellung von Mann und Frau) verglichen werden, wo es sich um eine bereits bestehende Rechtset- zungskompetenz des Bundes handelt. Eine solche Kompetenz ist angesichts der mangelhaften För- derung von Familienanliegen auch ausdrücklich für Familien vorzusehen. Wenn sich die Bundesverfassung mit den Grundlagen des Zusammenlebens in der Eidgenossenschaft befasst, so darf eine der wichtigsten Säulen des Zusammen- lebens - die der Familie - nicht fehlen. Die Bundesbehörden brauchen insbesondere die Kompe- tenz, Massnahmen zu ergreifen, welche sich aus: -der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK); - der Uno-Konvention über die Rechte des Kindes; - dem Bericht «Kindesmisshandlung in der Schweiz»; - den Berichten der Eidgenössischen Kommission für Ju- gendfragen; -der politischen Diskussion zum «Jahr der Familie» (z. B. Forderungen der Nationalen Kommission für das Internatio- nale Jahr der Familie 1994) ergeben. Milder Erteilung einer Rechtsetzungskompetenz an den Bund können stossende Ungleichheiten bei der Familienpolitik in den Kantonen beseitigt oder wenigstens gemildert werden. Mit der zweiten Forderung setzt die Bundesverfassung ein klares Signal für die berechtigten Anliegen der Familien; es wird eine Familienverträglichkeitsprüfung - ähnlich der Um- weltverträglichkeitsprüfung - im Grundsatz möglich. Développement par écrit La Suisse, pays riche s'il en est, traite ses familles en parents pauvres. Les différences entre le soutien apporté par l'Etat àSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion Jenni Peter Boykott der Volkszählung im Jahre 2000 Motion Jenni Peter Recensement en l'an 2000. Boycott In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1995 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 16 Séance Seduta Geschäftsnummer 95.3042 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 23.06.1995 - 08:00 Date Data Seite 1585-1585 Page Pagina Ref. No 20 025 796 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.