<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">225</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>33</b></span> <span class="ft2"><b>Sozialhilfe; selbständig Erwerbende</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft2"><b>Selbständig Erwerbende können von der Sozialhilfe grundsätzlich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nur für eine befristete Zeit im Sinne einer Überbrückungshilfe bei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bestehender Erwerbstätigkeit ergänzend unterstützt werden.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft2"><b>Als Einkommen aus der selbständigen Erwerbstätigkeit ist der je-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>weils erzielte Gewinn massgebend, nicht die Bruttoeinnahmen.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft2"><b>Die Aufrechnung unklarer Ausgaben als Einkommen setzt eine Ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>letzung der Mitwirkungspflicht oder den Nachweis voraus, dass</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht geschäftsmässig begründeter Aufwand vorliegt.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft2"><b>Behandlung von Kontokorrentkrediten</b></span><br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 1. Juni 2015 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">Einwohnergemeinde A. gegen B., C. und Departement Gesundheit und Sozia-</span><br/> <span class="ft6">les (WBE.2015.85).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft10">3.2.</span><br/> <span class="ft10">Mit der Sozialhilfe dürfen keine selbständigen Erwerbstätigkei-</span><br/> <span class="ft10">ten mitfinanziert werden, die nicht geeignet sind, die Notlage einer</span><br/> <span class="ft10">gesuchstellenden Person in absehbarer Zeit zu mildern. Umgekehrt</span><br/> <span class="ft10">soll aber einem Sozialhilfeempfänger - nach dem Grundsatz der</span><br/> <span class="ft10">Subsidiarität (§ 5 Abs. 1 SPG) - nicht die Möglichkeit genommen</span><br/> <span class="ft10">werden, mit der Ausübung einer Nebenerwerbstätigkeit die Ab-</span><br/> <span class="ft10">hängigkeit von der materiellen Hilfe zu beschränken oder gar auf-</span><br/> <span class="ft10">zuheben (AGVE 2009, S. 277, Erw. 4.3.1).</span><br/> <span class="ft10">Selbständig Erwerbende können von der Sozialhilfe grundsätz-</span><br/> <span class="ft10">lich nur für eine befristete Zeit im Sinne einer Überbrückungshilfe</span><br/> <span class="ft10">bei bestehender selbständiger Erwerbstätigkeit ergänzend unterstützt</span><br/> <span class="ft10">werden. Betriebskosten werden in der Regel nicht zu Lasten der So-</span><br/> <span class="ft10">zialhilfe übernommen. Kleininvestitionen können zu Lasten der So-</span><br/> <span class="ft10">zialhilfe getätigt werden, wenn der Betrieb bereits den Lebensunter-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">226</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">halt abwirft, dadurch die Sozialhilfeabhängigkeit vermeidet und dies</span><br/> <span class="ft10">auch künftig der Fall ist (vgl. SKOS-Richtlinien, Kapitel H.7; G</span><span class="ft6">UIDO</span><br/> <span class="ft10">W</span><span class="ft6">IZENT</span><span class="ft10">, Die sozialhilferechtliche Bedürftigkeit, Zürich/St. Gallen</span><br/> <span class="ft10">2014, S. 364; AGVE 2004, S. 251 f.). Die SKOS-Richtlinien</span><br/> <span class="ft10">empfehlen, Unterstützung nur zu gewähren, wenn gleichzeitig eine</span><br/> <span class="ft10">Überprüfung der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit des Betriebes</span><br/> <span class="ft10">erfolgt (Kapitel H.7; C</span><span class="ft6">LAUDIA</span> <span class="ft10">H</span><span class="ft6">ÄNZI</span><span class="ft10">, Die Richtlinien der</span><br/> <span class="ft10">schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, Basel 2011, S. 202).</span><br/> <span class="ft10">3.3.</span><br/> <span class="ft10">Zum anrechenbaren Erwerbseinkommen gehören die Netto-Ein-</span><br/> <span class="ft10">künfte aus unselbständiger und selbständiger Erwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft10">(SKOS-Richtlinien, Kapitel E.I). Bei selbständiger Erwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft10">ist jeweils der erzielte Gewinn massgebend, nicht etwa die Bruttoein-</span><br/> <span class="ft10">nahmen, andernfalls müssten Geschäftsauslagen aufgerechnet wer-</span><br/> <span class="ft10">den (H</span><span class="ft6">ÄNZI</span><span class="ft10">, a.a.O., S. 389 mit Verweis auf VGE IV/8 vom 14. Feb-</span><br/> <span class="ft10">ruar 2005 [BE.2004.00259], S. 19). Bei der Berechnung der Netto-</span><br/> <span class="ft10">einkünfte sind insbesondere Sozialversicherungsbeiträge und der</span><br/> <span class="ft10">übrige Betriebsaufwand in Abzug zu bringen (Handbuch Sozialhilfe</span><br/> <span class="ft10">des Kantonalen Sozialamtes Zürich, 2012, 9.1.01, Erläuterung 1.1).</span><br/> <span class="ft10">Vermögensbestandteile der unterstützten Person, die (in ver-</span><br/> <span class="ft10">nünftigem Umfang) in ihr Geschäft investiert sind und welche zur</span><br/> <span class="ft10">Weiterführung der (mangels Rentabilität nicht ohnehin aufzugeben-</span><br/> <span class="ft10">den) selbständigen Erwerbstätigkeit erforderlich sind, gelten grund-</span><br/> <span class="ft10">sätzlich als nicht realisierbar im Sinne von § 11 Abs. 5 SPG (vgl.</span><br/> <span class="ft10">Handbuch Sozialhilfe des Kantonalen Sozialamtes Zürich, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft10">9.2.01, Erläuterung 5).</span><br/> <span class="ft10">3.4. (...)</span><br/> <span class="ft10">4.-6. (...)</span><br/> <span class="ft10">7.</span><br/> <span class="ft10">7.1.</span><br/> <span class="ft10">Den Beschwerdegegnern ist entsprechend dem Effektivitäts-</span><br/> <span class="ft10">grundsatz nur verfügbares Einkommen als eigene Mittel anzurech-</span><br/> <span class="ft10">nen. Für die Einkünfte aus der selbständigen Erwerbstätigkeit ist der</span><br/> <span class="ft10">monatliche Geschäftsgewinn ergänzt um die Privatbezüge massge-</span><br/> <span class="ft10">bend.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">227</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Bei den Akten ist eine Buchhaltung mit Zahlungsein- und -aus-</span><br/> <span class="ft10">gängen der Geschäftskonti, wobei zu den Buchungen Referenzen an-</span><br/> <span class="ft10">gegeben werden und ein monatlicher Gewinn/Verlust ausgewiesen</span><br/> <span class="ft10">wird. Eine Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung liegt nicht vor.</span><br/> <span class="ft10">Aufgrund der Kontoauszüge für September 2013 bis Dezember 2014</span><br/> <span class="ft10">lassen sich die Gutschriften und Belastungen überprüfen. Die von</span><br/> <span class="ft10">den Beschwerdegegnern eingereichten Unterlagen sind grundsätzlich</span><br/> <span class="ft10">vollständig und stimmen mit den Auszügen überein. Es ist daher</span><br/> <span class="ft10">grundsätzlich auf deren Angaben in den Unterlagen abzustellen. Bei</span><br/> <span class="ft10">Auffälligkeiten hat die Sozialbehörde zusätzlich Auskünfte einzuho-</span><br/> <span class="ft10">len. Zur Ermittlung des monatlichen Betriebsergebnisses darf einer-</span><br/> <span class="ft10">seits nicht bloss auf die Geschäftseinnahmen abgestellt werden und</span><br/> <span class="ft10">sind aufgrund der Massgeblichkeit der Kreditoren, unabhängig von</span><br/> <span class="ft10">allenfalls höheren Saldi am Ende des Monats, die Verbindlichkeiten</span><br/> <span class="ft10">bspw. für Lieferantenrechnungen zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft10">7.2.</span><br/> <span class="ft10">Erscheint bei Ausgaben der Bezug zur Geschäftstätigkeit frag-</span><br/> <span class="ft10">lich, hat die Sozialbehörde zusätzliche Auskünfte und Belege</span><br/> <span class="ft10">einzuholen und besteht für die Beschwerdegegner eine erhöhte</span><br/> <span class="ft10">Mitwirkungspflicht. Die Anrechnung unklarer Ausgaben als eigene</span><br/> <span class="ft10">Mittel setzt eine Verletzung der Mitwirkungspflicht oder den Nach-</span><br/> <span class="ft10">weis voraus, dass nicht geschäftsmässig begründeter Aufwand vor-</span><br/> <span class="ft10">liegt.</span><br/> <span class="ft10">7.3.</span><br/> <span class="ft10">Nachdem der Kontokorrentkredit im Einverständnis mit der</span><br/> <span class="ft10">Sozialbehörde weitergeführt wurde, können Erhöhungen des Konto-</span><br/> <span class="ft10">standes (d.h. Buchgewinne ohne Ausschüttung und verbunden mit</span><br/> <span class="ft10">dem Abbau des Kredits bzw. des Minussaldos) nicht als Einnahmen</span><br/> <span class="ft10">im Sozialhilfebudget angerechnet werden. Die Anrechnung von</span><br/> <span class="ft10">Bezügen als eigene Mittel setzt voraus, dass entsprechende Beträge</span><br/> <span class="ft10">für private Zwecke verwendet wurden. Bestehen Anhaltspunkte für</span><br/> <span class="ft10">Privatbezüge, hat die Sozialbehörde Anrechnungen zu begründen.</span><br/> <span class="ft10">Nicht angerechnet werden dürfen insbesondere Beträge, welche</span><br/> <span class="ft10">kurzfristig zur Einhaltung einer Kreditlimite oder zum Abbau eines</span><br/> <span class="ft10">Minussaldos einbezahlt und anschliessend wieder abgehoben wur-</span><br/> <span class="ft10">den. Diese wirken sich nicht auf das Geschäftsergebnis aus.</span><br/></div> </div> </body> </html>