<h2>SubmittedText<h2><p>Das Bundesamt für Energie (BFE) unterstützt seit 1994 den Grossversuch mit Leichtelektromobilen (LEM) in Mendrisio mit 11 Millionen Franken. Nach einem Drittel der Versuchszeit liegt ein Zwischenbericht vor. Die Erwartungen wurden bei weitem nicht erfüllt:</p><p>Lediglich 82 Versuchsfahrzeuge, wovon weniger als ein Drittel Personenwagen mit drei und mehr Sitzplätzen und einer geringen durchschnittlichen Tagesleistung von sechs Kilometern waren in Betrieb.</p><p>Eine Zwischenabrechnung sucht man vergeblich im Zwischenbericht.</p><p>Meine Fragen:</p><p>1. Warum wird dieser sogenannte Grossversuch lediglich von privaten Ingenieurbüros betrieben, warum ist z. B. die renommierte ETH Zürich mit ihren profunden Kenntnissen im Motorenbau und einer mehrjährigen Testerfahrung mit Elektro-und Hybridfahrzeugen nicht in diesem eidgenössisch subventionierten Versuch einbezogen worden?</p><p>2. Überwacht das BFE, ob die 11 Millionen Franken des Bundes zweckmässig verwendet werden?</p><p>3. Was unternimmt das BFE, um aus diesem Grossversuch aussagekräftige Fakten zu erhalten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Grossversuch mit LEM in Mendrisio begann im Juni 1995 und dauert bis Mitte 2001. Verfolgt werden drei Hauptziele:</p><p>- den sinnvollen Einsatz der LEM evaluieren und demonstrieren;</p><p>- Fördermassnahmen und deren Akzeptanz einzeln und in Kombination testen;</p><p>- LEM als Element eines umweltfreundlichen und zukunftsorientierten Mobilitätskonzeptes demonstrieren.</p><p>Neben der Versuchsgemeinde Mendrisio starteten in den Jahren 1995-1997 die sechs Partnergemeinden Wil/SG, Riehen/BS, Muttenz/BL, Ittigen/BE, Wohlen/BE und Sion/VS ergänzende kleinere Versuche. Insgesamt sind per Ende 1997 in Mendrisio und den sechs Partnergemeinden über 220 LEM in Verkehr. Alle diese Fahrzeuge sind serientaugliche Versionen und werden über den normalen Fahrzeugmarkt abgesetzt. Es wurde bereits zu Beginn des Versuches mit einem in den Anfangsjahren eher schleppenden und später ansteigenden Verkauf gerechnet. Per Ende Juni 1997 betrug der Bestand in Mendrisio 82 LEM; er lag damit leicht unter dem bei gleichmässigem Zuwachs zu erwartenden Wert (heutiger Stand: 105 Fahrzeuge). Die damals insgesamt 140 Fahrzeuge in den Partnergemeinden liegen im oberen Bereich der Erwartungen.</p><p>Bis im Jahre 2001 sollen insgesamt 400 bis 600 Fahrzeuge am Versuch teilnehmen, davon die Mehrzahl in Mendrisio. Zugelassen sind übrigens auch andere energieeffiziente und zukunftsorientierte Antriebs- und Fahrzeugkonzepte (Hybridfahrzeuge, Brennstoffzellen-Antriebe, "3-Liter-Fahrzeuge" usw.). 1997 boten erst sechs grosse Automobilhersteller Elektromobile an (und mit Ausnahme der Erdgasfahrzeuge überhaupt keine anderen alternativen Fahrzeugkonzepte). Wegen diesem geringen Angebot der Automobilhersteller wurden in Mendrisio in der Anfangsphase des Versuches (1995/96) vorwiegend kleine LEM gekauft. Dies erklärt auch die kleinen Tagesfahrleistungen, die im Schnitt etwa 20 Kilometer pro Tag betragen. Das heutige Fahrzeugangebot ist bereits wesentlich breiter und widerspiegelt auch den Fortschritt bezüglich Fahrzeugtechnik und Qualität.</p><p>Der Grossversuch mit LEM in Mendrisio erfüllt unsere Erwartungen. Er hat eine starke internationale Ausstrahlung und wird im Ausland bereits nachgeahmt. Die grösste Schwierigkeit für den Durchbruch der Elektrofahrzeuge liegt darin, dass noch immer keine kostengünstigen Serienfahrzeuge verfügbar sind. Dies ist auch der Grund, dass Bund, Standortkanton und -gemeinde sowie Importeure die Fahrzeuge für den Versuch subventionieren. Das Budget des Bundes beträgt für diesen Versuch insgesamt etwa 11 Millionen Franken. Bis heute sind hiervon rund 50 Prozent aufgewendet worden. Diese Aufwendungen sind auch im Lichte der bedeutenden Automobil-Zulieferindustrie der Schweiz (Jahresumsatz 4 Milliarden Franken) zu sehen. Der Versuch liefert ein einzigartiges Testfeld zur Erprobung innovativer neuer Fahrzeuge und Komponenten und hat bereits zu mehreren neuen Arbeitsplätzen geführt.</p><p>Zu den konkreten Fragen nehmen wir wie folgt Stellung:</p><p>1. Die Versuche erproben käufliche Fahrzeuge und testen das Zusammenspiel von Mensch, Kaufverhalten und Mobilität; eine technische Weiterentwicklung von LEM steht dabei nicht im Vordergrund. Deshalb ist das Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik der ETH Zürich nicht in den Versuch involviert. Die Versuche werden durch die Standortgemeinden selbst betrieben. In Mendrisio ist die Vereinigung Assovel mit dieser Aufgabe betraut, welche durch die Gemeinde, den Kanton Tessin, den Tourismusverband des Mendrisiottos und private Sponsoren finanziert wird. Nach Abklärungen - auch mit der ETH Zürich - zeigte sich, dass für die technischen Aspekte der Begleitforschung die Fachhochschule Biel über die beste Infrastruktur und die grösste Erfahrung verfügt. Sie betreibt auch die nötigen Fahrzeugprüfstände. Zudem fliesst damit das erarbeitete Know-how direkt in die Schulung der schweizerischen Automobilingenieure (die Fachhochschule Biel ist die einzige diesbezügliche Ausbildungsstätte in der Schweiz). Für die energiewirtschaftlichen, die sicherheitstechnischen und die ökologischen Aspekte der Begleitforschung werden andere Hochschulinstitute (ETH Zürich, Universität Bern, IFEU Institut Heidelberg) beigezogen.</p><p>2. Der Fortschritt und der zweckmässige Mitteleinsatz in Mendrisio und in den Partnergemeinden wird einerseits durch regelmässige persönliche Kontrollen und andererseits durch die Begleitung durch eine Fachkommission überwacht.</p><p>3. Der "Grossversuch mit LEM in Mendrisio" wird laufend durch eine Begleituntersuchung analysiert. Aufgrund einer öffentlichen Ausschreibung wurde eine Arbeitsgemeinschaft zweier Privatfirmen mit dieser Aufgabe betraut. Folgende öffentliche Stellen sind ebenfalls in diese Arbeiten integriert:</p><p>- Automobilabteilung der Fachhochschule Biel: Energieverbrauchsmessungen (inklusive Untersuchung und Optimierung der Batterielebensdauer), Betriebskostenanalysen;</p><p>- Fachhochschule Sion: Entwicklung induktiver Ladesysteme;</p><p>- EAWAG: Fallstudie über Mendrisio im Rahmen eines EU-Projektes;</p><p>- ETHZ/BWI: Nischenmarktstudie mit Einbezug von Mendrisio im Rahmen eines EU-Projektes;</p><p>- Universität Bern: Forschungsaspekte in den Partnergemeinden;</p><p>- IFEU Institut Heidelberg: Vergleichende Ökobilanz von LEM und herkömmlichen Fahrzeugen mit besonderer Berücksichtigung der Stromproduktion in verschiedenen Ländern;</p><p>- Im Rahmen des Projektes "Electric Vehicle" der Internationalen Energieagentur werden die schweizerischen Aktivitäten mit ausländischen Vorhaben koordiniert und die Ergebnisse ausgewertet.</p><p>Das Ziel ist, am Ende des Grossversuches (im Jahr 2001) über zuverlässige Aussagen zu verfügen über:</p><p>- die optimierte Kombination von Fördermassnahmen zur Einführung neuer Technologien für den Individualverkehr,</p><p>- ökonomische und gesellschaftliche Aspekte einer breiten Anwendung von LEM; und</p><p>- energietechnische und ökologische Vorteile neuer zukunftsfähiger Fahrzeuge.</p><p>Die Resultate dürften nebst wertvollen Beiträgen für eine nachhaltige Entwicklung im Verkehrsbereich auch zu einer Reihe industrieller Innovationen in unserem Land führen.</p>  Antwort des Bundesrates.