<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 93 S.331</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Beschwerden gegen Einspracheentscheide des</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Migrationsamts</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>93</b></span> <span class="ft3"><b>Familiennachzug; Recht auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8</b></span><br/> <span class="ft3"><b>EMRK</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Eingriff in das durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben i.c. bejaht.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Der Beschwerdeführer mit ägyptisch-schweizerischer Doppelbürger-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schaft, der seinen Sohn aus Ägypten nachziehen will, lebt zwar getrennt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>von seiner Schweizer Tochter, pflegt jedoch eine aussergewöhnlich enge</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Beziehung zu ihr. Unter diesen Umständen ist es ihm nicht zuzumuten,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sich zwischen seinen beiden Kindern entscheiden zu müssen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. II./4.3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 7. Sep-</span><br/> <span class="ft4">tember 2007 in Sachen S.E. betreffend Familiennachzug (1-BE.2007.20).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">II. 4.3. Nachfolgend ist zu klären, ob die Verweigerung des Fa-</span><br/> <span class="ft6">miliennachzugs effektiv zu einem Eingriff in das durch Art. 8 Ziff. 1</span><br/> <span class="ft6">EMRK geschützte Familienleben führt, was nicht der Fall wäre,</span><br/> <span class="ft6">wenn es den Betroffenen zumutbar ist, das Familienleben im Ausland</span><br/> <span class="ft6">zu führen.</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer reiste im Jahre 1997 in die Schweiz ein</span><br/> <span class="ft6">und lebt seitdem hier. Im März 1999 heiratete er eine Schweizer Bür-</span><br/> <span class="ft6">gerin und knapp ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter zur</span><br/> <span class="ft6">Welt. Er hält sich damit seit gut zehn Jahren rechtmässig in der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz auf und hat inzwischen sogar das Schweizer Bürgerrecht</span><br/> <span class="ft6">erworben. Seit dem 1. Juni 2006 lebt der Beschwerdeführer von sei-</span><br/> <span class="ft6">ner Ehefrau und seiner Tochter getrennt. Anlässlich der Verhandlung</span><br/> <span class="ft6">gaben die Ehepartner am 7. September 2007 zu Protokoll, dass sie</span><br/> <span class="ft6">eine Scheidungskonvention unterzeichnet haben und sich scheiden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">332</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">lassen wollen. Im Verlauf seines zehnjährigen Aufenthaltes hat der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer den Akten zufolge zu keinen Beanstandungen</span><br/> <span class="ft6">Anlass gegeben. Beruflich vermochte er hingegen nicht erfolgreich</span><br/> <span class="ft6">Fuss zu fassen. Er arbeitete bei diversen Arbeitgebern und zuletzt als</span><br/> <span class="ft6">Mitarbeiter von Burger King. Im Moment ist er arbeitslos und be-</span><br/> <span class="ft6">zieht noch für 9-10 Monate Arbeitslosengeld. Stellt man allein auf</span><br/> <span class="ft6">die Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz ab und be-</span><br/> <span class="ft6">rücksichtigt man die Doppelbürgerschaft des Beschwerdeführers, er-</span><br/> <span class="ft6">hellt klar, dass es ihm durchaus zumutbar wäre, die Familienzusam-</span><br/> <span class="ft6">menführung mit seinem Sohn in Ägypten zu vollziehen.</span><br/> <span class="ft6">Zu berücksichtigen ist allerdings, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">neben seinem siebzehnjährigen Sohn in Ägypten in der Schweiz eine</span><br/> <span class="ft6">siebenjährige Tochter hat. Anlässlich der Verhandlung vor Rekursge-</span><br/> <span class="ft6">richt legte er glaubhaft dar, er pflege trotz der Trennung von seiner</span><br/> <span class="ft6">Ehefrau eine intensive Beziehung zur gemeinsamen Tochter. Er sehe</span><br/> <span class="ft6">sie sowohl werktags als auch am Wochenende regelmässig und sie</span><br/> <span class="ft6">verbrächten dementsprechend viel Zeit miteinander. Die Wohnung</span><br/> <span class="ft6">bzw. das Haus der Eheleute befänden sich in derselben Gemeinde</span><br/> <span class="ft6">nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Auch im Falle eines</span><br/> <span class="ft6">möglichen Zuzugs seines Sohnes beabsichtige er nicht, die</span><br/> <span class="ft6">1-Zimmerwohnung zu verlassen, da sie für seine Tochter innert we-</span><br/> <span class="ft6">niger Minuten erreichbar sei. Überdies führte er aus, dass ihm seine</span><br/> <span class="ft6">Kinder alles bedeuten und er für sie auf vieles verzichten würde. Des</span><br/> <span class="ft6">Weiteren gab er zu Protokoll, er sei seinen Unterhaltsverpflichtungen</span><br/> <span class="ft6">zu jeder Zeit nachgekommen und gedenke dies auch weiterhin zu</span><br/> <span class="ft6">tun. Auch die Ehefrau des Beschwerdeführers bestätigte seine über-</span><br/> <span class="ft6">durchschnittlich intensive Beziehung zur Tochter und gab zu Proto-</span><br/> <span class="ft6">koll, sie könne sich durchaus vorstellen, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">bei einer plötzlichen Abwesenheit ihrerseits Betreuungs- und Erzie-</span><br/> <span class="ft6">hungsaufgaben übernehmen würde.</span><br/> <span class="ft6">Damit steht fest, dass der Beschwerdeführer sowohl in finan-</span><br/> <span class="ft6">zieller Hinsicht für seine Tochter aufkommt, als auch in affektiver</span><br/> <span class="ft6">Hinsicht eine intensive und gelebte Beziehung zwischen dem Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer und seiner Tochter besteht. Bei einer Ablehnung des</span><br/> <span class="ft6">Familiennachzugsgesuchs wäre der Beschwerdeführer gezwungen,</span><br/> <span class="ft6">sich zwischen seinen beiden Kindern zu entscheiden. Dem Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">333</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">schwerdeführer ist es aufgrund der aufgezeigten Konstellation nicht</span><br/> <span class="ft6">zumutbar, die Familienzusammenführung mit seinem Sohn in Ägyp-</span><br/> <span class="ft6">ten zu vollziehen, da er in diesem Falle die bisher gepflegte Bezie-</span><br/> <span class="ft6">hung zu seiner Tochter nicht fortsetzen könnte. Die Verweigerung</span><br/> <span class="ft6">des Familiennachzugs würde damit zweifellos zu einem Eingriff in</span><br/> <span class="ft6">das durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben führen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>