Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Januar 2020 (720 19 105 / 24) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen / Rückweisung zur polydisziplinären Abklärung. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Daniela Buser Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Deborah Büttel, Rechtsanwältin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1969 geborene A.____ meldete sich erstmals im A pril 1996 unter Hinweis auf ein Schleudertrauma und daraus resultierende starke Kopfschme rzen und Gedächtnislücken zum Bezug einer Invalidenrente an. Zur Abklärung des medi zinischen Sachverhalts holte die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) ein polydisziplinäre s Gutachten beim Zentrum für Medizini- sche Begutachtung (ZMB) vom 22. Februar 2001 ein. Gestützt auf dieses Gutachten sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 3. Oktober 2001 ab dem 1. August 1996 eine hal- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht be Invalidenrente zu. Im Dezember 2009 wurde durch die IV-Stelle die Revision der Invaliden- rente eingeleitet. In deren Verlauf holte die IV-Stelle beim Ärztlichen Begutachtungsinstitut (ABI) ein polydisziplinäres Gutachten vom 19. August 2010 ein. Gestützt auf dessen Ergebnisse hob die IV-Stelle die bisherige Rente der Versicherten mit Verfügung vom 22. Februar 2011 auf, weil keine rentenbegründende Einschränkung der Arbeitsfähig keit mehr vorlag. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. B. Die Versicherte reichte im Dezember 2014 eine Neuan meldung zum Leistungsbezug ein. Mangels Glaubhaftmachung von veränderten Tatsach en wurde auf das Gesuch nicht ein- getreten. C. Im Juli 2018 erfolgte schliesslich eine weitere Neuan meldung für den Bezug einer Inva- lidenrente unter Hinweis auf eine Kieferhöhlenentzünd ung und chronische, nervlich bedingte Schmerzen in der linken Gesichtshälfte. Nach Einholung der medizinischen Unterlagen unter- breitete die IV-Stelle diese Dr. med. B.____, FMH O rthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RA D), zur Stellungnahme. Dr. B.____ konnte aufgrund der medizinischen Akten keinen Gesundhei tsschaden mit einem potentiell in- validisierenden Anspruch nachvollziehen, mit welchem ein e massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Versicherten begründet werd en könnte. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren wies die IV-Stelle das Leistungsbeg ehren mit Verfügung vom 25. Februar 2019 ab. D. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwälti n Deborah Büttel, am 28. März 2019 Beschwerde am Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, die angefo chtene Verfügung vom 25. Februar 2019 sei aufzuheben und ihr sei eine mindestens halbe I nvalidenrente zuzusprechen. Eventua- liter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ein medizinisches Gutachten gerichtlich anzuordnen. Subeventualiter sei die angefochtene Ver fügung aufzuheben, die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflich ten, ein medizinisches Gutach- ten einzuholen. Zur Begründung führte sie im Wesentlich en an, dass die Beschwerdegegnerin ihre Untersuchungspflicht verletzt habe, indem nicht säm tliche aktuellen medizinischen Akten eingeholt und keine polydisziplinäre Abklärung durchgefü hrt worden seien. Mit der Beschwer- deschrift reichte die Versicherte weitere Arztberichte ein. E. Das Kantonsgericht bewilligte der Beschwerdeführerin mit verfahrensleitender Verfü- gung vom 1. April 2019 die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung. F. Mit Vernehmlassung vom 12. Juli 2019 schloss die IV- Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Ihren Antrag begründete sie im Wesentlichen da mit, dass der medizinische Sach- verhalt hinreichend abgeklärt und die Kritik an den med izinischen Einschätzungen der IV-Stelle unbegründet sei. Die Ausübung einer Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht vollumfänglich zumutbar. Der Vernehmlassung wurden die Berichte von Dr. B.____, RAD, vom 20. Mai 2019 sowie vom 28. Juni 2019 beigelegt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Replik vom 16. Oktober 2019 hielt die Beschwerdef ührerin an ihren Rechtsbegeh- ren fest und reichte weitere Arztberichte ein. Unabhä ngig von einer Diagnose und der Ursache der Beschwerden sei massgebend, ob und in welchem Ausmass eine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit vorliege. Die Versicherte sei aufgrund ih res vielschichtigen Beschwerdebildes nach wie vor in invalidisierendem Ausmass in ihrer Arbei tsfähigkeit eingeschränkt. Demzufolge sei zwecks Beurteilung der verbleibenden Leistungsfähigkei t ein medizinisches Gutachten ein- zuholen. H. Mit Duplik vom 13. November 2019 hielt die IV-Ste lle an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Zur Begründung verwies sie vollum fänglich auf die angefochtene Verfü- gung vom 25. Februar 2019 sowie die Vernehmlassung vo m 12. Juli 2019. Der Duplik wurde der Bericht von Dr. B.____, RAD, vom 6. November 2019 angefügt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde der Versicherten vom 28. März 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung d es Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität abgestuft. Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wen n sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.1 Gemäss Art. 17 ATSG sind laufende IV-Renten für d ie Zukunft zu erhöhen, herabzu- setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung eine r anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte der versicherten Pe rson eröffnete rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einko mmensvergleichs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). 3.2 Bei der am 3. Juli 2018 eingegangenen Anmeldung zum Leistungsbezug (act. 109) handelt es sich zwar nicht um eine Rentenrevision nach A rt. 17 ATSG, sondern um eine Neu- anmeldung, nachdem die IV-Stelle den Rentenanspruch d er Versicherten mit Verfügung vom 22. Februar 2011 rechtskräftig aufgehoben hatte (act. 85). Gleichwohl zielt auch die Neuanmel- dung auf eine erneute Prüfung des Leistungsanspruchs auf grund veränderter Verhältnisse ab (Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversich erung [IVV] vom 17. Januar 1961 in Verbindung mit Art. 87 Abs. 3 IVV; zur Prüfung der E intretensfrage vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a; BGE 109 V 114 E. 2b, BGE 109 V 264 f. E. 3; für die materiellen Voraussetzungen: BGE 130 V 64). Die Gemeinsamkeiten sowohl bei einer Rentenrevision als auch bei einer Neu- anmeldung legen es deshalb nahe, die entscheidende Fr age nach einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades nach denselben Grundsät zen zu prüfen (BGE 133 V 108 E. 5.2). Die versicherte Person muss sich somit das Ergebnis der letztmaligen materiellen Überprüfung des Rentenanspruchs auch im Rahmen eines ern euten Leistungsgesuchs entge- genhalten lassen. 3.3 Eine einlässliche materielle Prüfung des Rentenansp ruchs mit einer vertieften Abklä- rung des medizinischen Sachverhalts erfolgte letztmals im Rahmen der im Dezember 2009 ein- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht geleiteten Revision der Invalidenrente (act. 61), in de ren Verlauf die IV-Stelle ein polydisziplinä- res Gutachten beim ABI vom 19. August 2010 eingeholt h atte (act. 70). Gestützt auf dessen Ergebnisse eröffnete die IV-Stelle der Versicherten mi t Verfügung vom 22. Februar 2011, dass die bisherige Rente aufgehoben werde, weil keine ren tenbegründende Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit mehr gegeben sei. Zeitliche Vergleichsbasi s für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 2 5. Februar 2019 eine erhebliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetrete n ist, die in Analogie zu Art. 17 ATSG eine Leistungszusprache rechtfertigen würde, bildet demnach die Situation, wie sie im Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle vom 22. Februar 2011 (act. 85) bestanden hatte. 4.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismi ttel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hin sichtlich des Beweiswertes eines Arzt- berichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die st reitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Sit uation einleuchtet und ob die Schluss- folgerungen der Expertin oder des Experten begründe t sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozialversiche- rungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge setz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanford erungen nicht. Das Gericht hat viel- mehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es vo n allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). Ein An- spruch auf Leistungen besteht nur, wenn die Voraussetz ungen dafür mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit erfüllt sind. 6.1 Im Zentrum der medizinischen Aktenlage steht der B ericht von Dr. B.____, RAD, vom 14. November 2018 (act. 128). Danach sei im Bereich der Oto-Rhino-Laryngologie (ORL) keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Darüber hinaus gehende gesundheitliche Einschränkungen seien nicht dokumentiert. Der von der Hausärztin Dr. med. C.____, FMH All- gemeine Innere Medizin, erhobenen Diagnose einer chro nischen obstruktiven Lungenerkran- kung (COPD) fehlten objektive medizinische Befunde, wel che eine kardiopulmonale Dekom- pensation belegen würden, die allenfalls Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben könnten. Diesbezüglich sei der Versicherten jedoch ein Nikotinst opp zumutbar. Letztlich lasse sich nach wie vor kein potentiell invalidisierender Gesundheitsscha den nachvollziehen, der eine massge- bliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Versicherten begründen könnte. 6.2 Der strittigen Angelegenheit liegen sodann weite re ärztliche Unterlagen zu Grunde. Im Folgenden sollen jedoch lediglich diejenigen Berichte wiedergegeben werden, welche sich für den Entscheid als zentral erweisen. 6.2.1 Im Bericht vom 19. Dezember 2016 (act. 115, S. 3) erhob Prof. Dr. D.____, FMH Oto- Rhino-Laryngologie, die Diagnose einer dentogenen Si nusitis maxillaris links. Es bestehe ein Status nach einer Wurzelbehandlung am Zahn 25, wobei dessen Metallstift bis in den Recessus alveolaris links rage. Auch bestünden geringe apikale Pa rodontopathien um den Zahn 23 und 25, welche durch eine Brücke verbunden seien. In Anbetr acht des rezidivierenden Beschwer- debildes sei die Indikation zur Kieferhöhlenrevision mit transantralem Zugang, Infundibulotomie beidseits und gegebenenfalls Septumplastik gegeben. De r Eingriff sei für den 23. Januar 2017 geplant. 6.2.2 Dr. med. E.____, imponierte gemäss seinen Ausfü hrungen im Bericht vom 10. Januar 2018 (act. 115, S. 5) eine rezividierende Krustenbildun g am Infindubulumrand des Sinus maxil- laris mit Schmerzen am Austrittspunkt des Nervus infraobritalis links. Trotz multiplen endoskopi- schen Nasenreinigungen persistiere die Krustenbildung. D ie Patientin berichte ausserdem über Druckschmerzen seit der Operation vom Januar 2017, wobei die Intensität variiere. Die Schmerzen seien teilweise invalidisierend und die Ein nahme von Irfen würde nur temporär hel- fen. Weder in der Computertomographie (CT) noch aufgrund einer kieferchirurgischen Neubeur- teilung hätten relevante Pathologien festgestellt werd en können. Auch eine zahnärztliche Auf- nahme der Oberkieferbezahnung habe keine wegweisenden Befunde gezeigt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.3 Gemäss den Ausführungen im Bericht vom 23. Januar 2018 (act. 115, S. 8) erhob Dr. med. F.____, FMH Oto-Rhino-Laryngologie, einen V erdacht auf einen persistierenden den- togenen Fokus bei weichteildichtem Fremdkörper im Obe rkiefer links, Knochensequester am posterioren Rand des linken Infundibulums sowie differ entialdiagnostisch neurogene Schmer- zen ausgehend vom Nervus infraorbitalis links. Die Patientin klage seit der Operation im Januar 2017 über persistierende Schmerzen im Bereich der Wan ge bzw. des Oberkiefers links mit Ausstrahlung nach infraorbital. Zusätzlich zeige sich ein e intermittierende Expektoration einer teils eitrigen Kruste aus der linken Nasenhaupthöhle, wobei trotz intensiver Nasenpflege sowie antibiotischer Therapie keine Besserung erfolgt sei. 6.2.4 Dr. F.____ hielt in seinem Bericht vom 1. Juni 2 018 (act. 115, S. 12) nach erfolgter digitaler Volumentomographie (DVT) fest, dass sich aktue ll kein eindeutiger dentogener Fokus nachweisen lasse. Eine kieferchirurgische Reevaluation mi t gegebenenfalls Zahnsanierung sei jedoch bei anhaltenden Schmerzen zu evaluieren. Diffe rentialdiagnostisch seien die post- operativ persistierenden Beschwerden als neuralgiforme S chmerzen bei einem Status nach erfolgter Caldwell-Luc-Operation zu interpretieren. 6.2.5 Gemäss den Ausführungen im Bericht von Dr. F.___ _ vom 15. August 2018 (Be- schwerdebeilage Nr. 4) seien die persistierenden Schmerze n am ehesten neuropathischen Ur- sprungs. Empfohlen wurde daher eine neurologische Beurt eilung und gegebenenfalls ein er- neuter medikamentöser Therapieversuch mit Lyrica. 6.2.6 Die Hausärztin Dr. C.____ erhob in ihrem Bericht vom 20. August 2018 (act. 123) eine chronische Sinusitis mit konstanten Gesichtsschmerzen nach Ve rletzung eines Nervs. Bei akuten Schmerzen müsse Sekret abgesaugt werden, weshalb häufige Absenzen die Folge sei- en. Weiter bestehe eine fortgeschrittene chronisch obstru ktive Lungenerkrankung (COPD) mit Lungenemphysem. 6.2.7 Im Bericht vom 6. November 2018 (act. 126) an die IV-Stelle stellte Dr. F.____ fest, dass aus ORL-Sicht keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Die Patientin sei jedoch zwei- bis dreimal im Monat bei ihm in Behandlung. Es zeige sich eine rezi vidierende Expektoration einer eitrigen Kruste aus der linken Nasenhaupthöhle. Zur Behandlung wurde eine Revision der Nasenne- benhöhle links angestrebt. 6.2.8 Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin und Pneumologie, erhob im Bericht vom 9. Januar 2019 (Beschwerdebeilage Nr. 8) die Diagnose einer schweren chronischen Rau- cherbronchitis mit Pseudomonasnachweis im Sputum, fortge setzten Tabakabusus mit zwei bis drei Päckchen pro Tag, normale statische und dynamische Lun genvolumina, einen als grenz- wertig eingeschränkten Gasaustausch sowie ein beginnende s Lungenemphysem der Oberlap- pen und entzündlich verdickte Bronchialwände. Es lasse sich keine relevante COPD nachwei- sen. Ebenso sei ein Asthma bronchiale unwahrscheinlich . Bei der Versicherten habe sich ein chronisch produktiver Husten mit gefärbtem Auswurf und e ine leichte Anstrengungsdyspnoe im Grad II gezeigt. Auch bestehe kein Hinweis auf eine bede utsame koronare Herzkrankheit. Als wichtigste Massnahme empfahl Dr. G.____ einen Nikotinstopp. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.9 Dr. med. H.____, FMH Neurologie, diagnostiziert e gemäss den Ausführungen im Be- richt vom 8. März 2019 (Beschwerdebeilage Nr. 3) bei de r Versicherten multiple Meningeome. Weiter imponierten ein Gesichtsschmerz links, welcher differ entialdiagnostisch einer Trigemi- nusneuropathie entsprechen könnte, eine chronische Sin usitis maxillaris links mit Pseudomo- nas-Nachweis bei einem Zustand nach Infundibulotomie u nd Status nach Cladwell-Luc- Operation mit Wurzelspitzenresektion im Januar 2017 sowi e ein Status nach supraturminaler Tiefenhöhlenfenstererweiterung links und Nebenhöhlen spülung im Februar 2019. Die Patientin leide unter starken stechenden Gesichtsschmerzen links. Es b estünden messerstichartige Schmerzen direkt ober- und unterhalb des linken Auges sowie im Bereich der linken Wange. Die Schmerzen würden bis zehnmal monatlich auftreten u nd dann jeweils über Stunden bis hin zu Tagen andauern. Die Schmerzintensität liege bei acht bis zehn in der Visuellen Analogskala (VAS). Zusätzlich trete hinter dem linken Auge ein et was andersartiger ziehender Schmerz auf. Ein Behandlungsversuch mit Lyrica habe jedoch keine Besse rung gebracht. Dr. H.____ erhob, der von der Patientin geschilderte Schmerz, insbesondere im Bereich der subra- und infraorbi- talen Nervenaustrittspunkte, sei am ehesten auf eine N europathie des Nervus trigeminus links zurückzuführen. In der Magnetresonanztherapie (MRI) vom 8 . März 2019 hätten sich ausser- dem vier Meningeome gezeigt, wobei das Grösste möglicherw eise Ursache der hinter dem Au- ge wahrgenommenen Schmerzen sei und eventuell auch zu einer mechanischen Reizung des Nervus trigeminus führen könne. Dies würde insbesondere mit dem elektrophysiologischen Be- fund vom 7. März 2019 korrespondieren, nachdem bei der Stimulation des Nervus trigeminus links im Vergleich zur Gegenseite eine erhöhte Amplitud e festgestellt worden sei. Sie empfahl eine neurochirurgische Mitbehandlung. 6.2.10 Im Bericht vom 29. April 2019 (Beilage zur Vern ehmlassung) erhob Prof. Dr. med. I.____, FMH Neurochirurgie, die bereits bekannten Dia gnosen von inzidentellen Meningeomen der Ala minor des Os sphenoidale links mit Ausdehnung zum Orbitadach und rechts frontal im Bereich des Operculums, einen linksseitigen Gesichtsschmerz, d ifferentialdiagnostisch einer idiopathischen Trigeminus-Neuropathie entsprechend, eine chronische Sinusitis maxillaris links mit Pseudomonas-Nachweis sowie eine schwere Raucherbronchitis. Die Versicherte habe über starke und stechende Gesichtsschmerzen links, betont ober- und unterhalb des linken Auges auftretend, geklagt, wobei diese partiell zur linken W ange und zur Stirn ausstrahlen würden. Dabei seien Episoden von bis zu zehnmal pro Monat geschild ert worden, welche über Stunden bis hin zu Tagen anhalten würden. Bei den Meningeome n handle es sich um Zufallsbefunde. Das grössere im Bereich des Orbitadaches und der Ala mino r des Os sphenoidale müsse auf- grund seiner Ausdehnung und des Alters der Patientin op erativ entfernt werden. Eine klare As- soziation zwischen den Meningeomen und der trigeminalen , diffusen Schmerzsymptomatik linksseitig mit einer Reizung des Nervus supraorbitalis se i nicht wahrscheinlich. Trotzdem sei eine strukturelle Ursache der klinisch präsenten Neuropathie präoperativ zu eruieren. 6.2.11 Prof. Dr. med. J.____, FMH Neurochirurgie, dia gnostizierte in seinem Bericht vom 3. September 2019 (Beilage Nr. 1 zur Replik) einen at ypischen Gesichtsschmerz, differentialdi- agnostisch einer idiopathischen Trigeminusneuropathie e ntsprechend, und inzidentelle Menin- geome bihemisphärisch. Als Nebendiagnosen erhob er ein e chronische Sinusitis maxillaris Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht links, eine Pseudomonasbesiedlung pulmonal und nasal sow ie eine schwere chronische Bron- chitis mit Lungenemphysem. Die Patientin habe sich mit a usgeprägten Schmerzen im Bereich der linken Gesichtshälfte präsentiert. Bildmorphologisch hätten sich jedoch keine Hinweise auf eine Trigeminus-Pathologie gezeigt. Aufgrund des grossen Leidensdruckes der Versicherten sei dennoch eine probatorische Glycerol Infiltration des Tri geminus diskutiert worden. Ebenso wur- de die operative Resektion des grössten Meningeoms im Be reich des Os sphenoidale links be- sprochen. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts auf den Bericht von Dr. B.____, RAD, vom 14. Nov ember 2018. Dessen Ausführungen zufolge, lasse sich kein invalidisierender Gesundheitsschaden feststellen, welcher eine mass- gebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Versicherten begründen könnte. Wie bereits ausgeführt (oben, Erwägung 4.2), ist versiche rungsinternen ärztlichen Aktenbeurteilun- gen die Beweiskraft abzuerkennen und es sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen, wenn auch nur geringe Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen. Dr. B.____ han- delt in seiner beratenden Tätigkeit für die Beschwerde gegnerin als versicherungsinterner Arzt, womit geringe Zweifel ausreichen, um seinem Bericht di e Beweiskraft abzusprechen. Vorlie- gend vermögen die Ausführungen der Beschwerdeführerin solche Zweifel zu begründen, wie sich aus den nachfolgenden Ausführungen ergibt. 7.2.1 Für die Bestimmung eines allfälligen Rentenan spruchs ist grundsätzlich unabhängig von der Diagnose und unbesehen der Ursache massgebend, ob und in welchem Ausmass eine Gesundheitsschädigung die Arbeitsfähigkeit einschränkt (Urt eil des Bundesgerichts vom 19. September 2019, 8C_82/2019, E. 5.3). Seit der K ieferhöhlenrevision im Januar 2017 klagte die Beschwerdeführerin über persistierende Schmerzen im Bereich der Wange bzw. des Ober- kiefers mit Ausstrahlung zur Augenpartie sowie über ein e intermittierende Expektoration einer teils eitrigen Kruste aus der linken Nasenhaupthöhle ( Bericht von Dr. F.____ vom 23. Januar 2018). Der Schmerz sei teilweise invalidisierend und Schmerzmittel würden nur temporär helfen (Bericht von Dr. E.____ vom 10. Januar 2018). Die Schm erzintensität liege bei acht bis zehn in der VAS, wobei der Schmerz bis zehnmal monatlich auftrete und dann jeweils über Stunden bis hin zu Tagen andauern würde (Bericht von Dr. H.____ vom 8. März 2019). Betreffend den Ge- sichtsschmerz fällt auf, dass dieser von den Ärzten nie in F rage gestellt wurde. Die verschiede- nen ärztlichen Beurteilungen erfolgten jedoch primär behandlungs- bzw. ursachenorientiert. So schloss Dr. F.____ im Bericht vom 15. August 2018 auf einen neuropathischen Ursprung und ordnete eine neurologische Beurteilung und einen The rapieversuch mit Lyrica an. Die Neurolo- gin Dr. H.____ stellte daraufhin im Bericht vom 8. März 2019 fest, dass diese Behandlung keine Besserung gezeigt habe. Ihrer Ansicht nach sei der von d er Versicherten geschilderte Schmerz am ehesten auf eine Neuropathie des Nervus trigeminus links zurückzuführen. Möglicherweise könnte auch das grösste Meningeom Ursache für den hinter dem Auge wahrgenommenen Schmerz sein und zu einer mechanischen Reizung des Nervus tr igeminus führen. Dies würde darüber hinaus mit dem elektrophysiologischen Befund korr espondieren, gemäss welchem bei der Stimulation des Nervus trigeminus links im Vergleic h zur Gegenseite eine erhöhte Amplitu- de festgestellt werden konnte. Nach dem Bericht vom 29. April 2019 von Dr. I.____ sei jedoch eine klare Verbindung zwischen den Meningeomen und der Schmerzsymptomatik linksseitig Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiederum nicht wahrscheinlich. Dr. J.____ imponierte i m Bericht vom 3. September 2019 dar- über hinaus keine Trigeminus-Pathologie. Aufgrund de s grossen Leidensdruckes der Be- schwerdeführerin diskutierte er dennoch Behandlungsmögl ichkeiten mittels Infiltration des Tri- geminus. Zusammenfassend zeigt sich eine Schmerzsymptomatik , deren Ursache noch nicht eindeutig eruiert, und deren Behandlung bislang ohne Erfolg blieb. Inwiefern die vorliegende Symptomatik eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu be gründen vermag, kann den medizi- nischen Unterlagen nicht entnommen werden. 7.2.2 Weiter wurde bei der Versicherten im Bericht vo m 20. August 2018 durch Dr. C.____ die Diagnose einer fortgeschrittenen COPD mit Lungene mphysem erhoben. Dr. G.____ konnte gemäss seinen Ausführungen im Bericht vom 9. Januar 2019 dagegen keine relevante COPD nachweisen. Er diagnostizierte jedoch eine schwere chronisc he Raucherbronchitis mit Pseu- domonasnachweis im Sputum bei fortgesetztem Nikotinabu sus, einen grenzwertig einge- schränkten Gasaustausch sowie ein beginnendes Lungenemphyse m und entzündlich verdickte Bronchialwände. Ein Asthma bronchiale sei unwahrschein lich. Bei der Versicherten habe sich zudem eine leichte Anstrengungsdyspnoe im Grad II gezeigt . Die vorstehenden Ausführungen belegen einerseits wesentliche diagnostische Unklarheite n, andererseits kann aufgrund der Aktenlage nicht schlüssig nachvollzogen werden, inwiefern diese Befunde die Versicherte in ihrer Leistungsfähigkeit konkret einschränken. 7.2.3 Abschliessend ist somit festzuhalten, dass eine fun dierte Diskussion der aus den Ge- sundheitsbeeinträchtigungen resultierenden Einschränku ng in der Arbeitsfähigkeit weitestge- hend fehlt. Lediglich im Bereich der ORL stellte Dr. F.____ im Bericht vom 6. November 2018 fest, dass keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Den übrigen Akten sind keine Aussagen zur Leis- tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu entnehmen. I n diesem Zusammenhang fällt zudem auf, dass Dr. B.____, RAD, im Bericht vom 28. Juni 201 9 im Rahmen der Vernehmlassung da- von ausgeht, die vorliegenden Beschwerden mit unklarer Ursache könnten keine versiche- rungsmedizinisch fundierte Arbeitsunfähigkeit begründen . Eine eingehende Begründung, wes- halb diese Beschwerden ohne Einfluss auf die Arbeitsfäh igkeit bleiben, ist den Ausführungen von Dr. B.____ dagegen nicht zu entnehmen. Zu wiederh olen bleibt, dass die aus der Gesund- heitsbeeinträchtigung resultierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für die Beurteilung eines allfälligen Rentenanspruchs massgebend ist und nicht der en Ursache. Damit erweist sich der Gesundheitszustand der Versicherten als nicht ausreichend abgeklärt. 7.3 Die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Versich erten erfolgte anhand von Sprechstundenberichten der einzelnen Fachärzte, wobei d iverse Arztberichte erst im Rahmen des Beschwerdeverfahrens durch die Parteien eingereicht wurden. Eine interdisziplinäre Ge- samtbeurteilung ist bislang nicht erfolgt. Zwar existieren keine festen Kriterien zur allgemeingül- tigen Abgrenzung der Anwendungsfelder der verschiedene n Kategorien von Expertisen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat eine umfass ende Erstbegutachtung jedoch regel- mässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert zu erfolgen. Dies ist selbst dann der Fall, wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss als auf eine oder zwei m edizinische Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblemati k aber noch nicht vollends gesichert ist. Von einer polydisziplinären Begutachtung kann nur in begründeten Fällen abgewichen und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine mono- oder bidisziplinäre Begutachtung durchgeführ t werden, sofern die medizinische Si- tuation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebie te beschlägt (Urteil des Bundesge- richts vom 3. Juli 2013, 9C_207/2012, E. 3.2). Vorliege nd gründen die Beschwerden der Versi- cherten im Bereich der ORL, der Neurologie wie auch d er Pneumologie. Wie sich den vorste- henden Ausführungen entnehmen lässt, präsentiert sich ein nicht hinreichend abgeklärtes Be- schwerdebild, wobei insbesondere die Auswirkungen der Ge sundheitsbeeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in den einzelne n Disziplinen wie auch interdisziplinär nicht ausreichend diskutiert wurden. In Anbetracht der betro ffenen Fachdisziplinen wie auch der me- dizinischen Aktenlage erweist sich eine polydisziplinäre Begutachtung damit als angezeigt. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt vorliegend nicht rechtsgenügend abgeklärt wurde und demzufolge meh r als nur geringe Zweifel an der RAD-Beurteilung von Dr. B.____ vom 14. November 2018 bestehen. Ob eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Vergleich zu den im polydiszipli nären Gutachten des ABI vom 19. August 2010 erhobenen Befunden vorliegt, kann de shalb nicht abschliessend beurteilt wer- den. Die Angelegenheit ist demzufolge zur Anordnung eines polydisziplinären Gutachtens in den Disziplinen Oto-Rhino-Laryngologie (ORL), Neurolog ie und Pneumologie an die IV-Stelle zurückzuweisen. Diese wird anschliessend neu zu verfügen hab en. In diesem Sinne ist die Be- schwerde gutzuheissen. 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 9.2 Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliege nden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten auch den unterliegenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV- Stelle unterliegende Partei. Die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt. 9.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden nach d er Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Nicht vergüte t werden dabei die Kosten für nicht notwendige und unverhältnismässig hohe Aufwände ( BGE 131 II 200 E. 7.2). Die Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honora rnote vom 10. Dezember 2019 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 2 1 Stunden geltend gemacht sowie Auslagen von Fr. 91.70 ausgewiesen. Während die Auslag en nicht zu beanstanden sind, muss der geltend gemachte Zeitaufwand als zu hoch bezeichn et werden. Der vorliegende Prozess Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gab weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu überdurchschnittlich aufwändigen Er- örterungen Anlass. Zudem ging es inhaltlich ausschliesslich um die Frage, ob der medizinische Sachverhalt durch die IV-Stelle genügend abgeklärt wo rden war. Vor diesem Hintergrund er- weist sich insbesondere der für die Redaktion der Beschw erde ausgewiesene Zeitaufwand von insgesamt 13 Stunden im Vergleich zu anderen Verfahre n als übermässig. Diese Position der Honorarrechnung ist daher zu kürzen, wobei es sich recht fertigt, den für die Redaktion der Be- schwerde entschädigungsberechtigten Zeitaufwand auf 7 S tunden festzusetzen. Hinzu kommt der übrige ausgewiesene Aufwand von total 8 Stunden . Das Honorar der Rechtsvertreterin der Versicherten ist somit auf der Basis eines insgesamt als an gemessen erachteten Zeitaufwands von 15 Stunden festzusetzen. Demnach ergibt sich bei ei nem geltend gemachten Stundenan- satz von Fr. 200.-- eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 3'329.75 (15 Stun- den à Fr. 200.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 91 .70 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin. 10. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzuma chenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiell- rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird ( BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vor- liegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich um einen derartigen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 A bs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesg ericht. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 25. Febr uar 2019 auf- gehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'329.75 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.