B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-82/2011 U r t e i l v o m 3 1 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Kamerun, vertreten durch Donato Del Duca, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Dezember 2010 / N (…). D-82/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer gelangte am 31. Juli 2000 nach Zürich -Kloten, wo er unter den Personalien B._______, geboren (…), Bürger der Demokr a- tischen Republik Kongo, um Asyl nachsuchte. Mit Verfügung vom 11. August 2000 lehnte das damals zuständige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug an. Mit Urteil vom 5. Oktober 2000 wies die damalige Schweizerische Asylrekurskommiss i- on (ARK) die vom Beschwerdeführer erhobene Beschwerde ab. Die zuständige kantonale Behörde teilte dem BFM mit Schreiben vom 22. März 2006 mit, der Beschwerdeführer sei seit 31. Oktober 2002 ver- schwunden. B. Am 11. September 2008 reichte der Beschwerdeführer im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein zweites Asylgesuch unter de m im Rubrum genannten Namen und der aufgeführten Staatsangehörigkeit ein. In der Folge wurde er am 20. Oktober 2008 im EVZ zu seinen Perso- nalien sowie – summarisch – zu seinen Asylgründen befragt, am 27. Mai 2009 erfolgte die Anhörung durch das BFM. Zur Begründung seines Asylgesuchs gab der Beschwerdeführer im W e- sentlichen zu Protokoll, er sei im Jahr 2003 o der 2004 von den Zürcher Behörden na ch Nigeria ausgeschafft worden, wo er in Haft genommen worden sei. Nach etwa einem Jahr sei er nach Kamerun ausgeliefert worden, wo er ebenfalls inhaftiert worden sei. Seine Probleme hätten j e- doch bereits 1990 begonnen, als er Mitglied der Oppositionspartei SDF (Social Democratic Front) geworden sei. Im Jahre 1994 sei er zum SCNC-Movement (Southern Cameroon National Council) gegangen. Er sei in der Folge imme r wieder festgenommen und daraufhin wieder frei- gelassen worden. Als er im Jahr 2000 wieder einmal festgenommen und dank des Einflusses seines Vaters, welcher Mitglied der Regierungspartei gewesen sei, freigelassen worden sei, habe sein Vater ihm gesagt, er könne ihm künftig nicht mehr helfen, solange er nicht aus dem S CNC austrete. Di es habe er jedoch nicht gewollt. Nach seiner Rückkehr aus der Schweiz beziehungsweise aus Nigeria sei er erneut festgenommen worden und man habe ihm vorgeworfen, er habe in Nigeria ein militär i- sches Training absolviert. Während des Gefängni saufenthaltes sei er mehrmals gefoltert und geschlagen worden. Nach Bezahlung eines Gel d-D-82/2011 Seite 3 betrages habe sein Anwalt schliesslich im Mai 2008 arrangieren können, dass er anlässlich eines Termins vor Gericht das Gerichtsgebäude habe verlassen können. C. Mit Verfügung vom 6. Dezember 2010 – eröffnet am 8. Dezember 2010 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung führte das Bundesamt zusammengefasst aus, die zug e- standenermassen unzutreffenden Angaben des Beschwerdeführers im ersten Asylverfahren weckten grundsätzliche Zweifel an seiner Glau b- würdigkeit. Zudem sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2000 mit seinem eigenen Pass aus seinem Heimatland ausgereist sei, was dagegen spreche, dass er damal s behördlich gesucht worden sei. Zudem habe er bei einer ukrainischen Vertretung einen Visumsantrag gestellt und dabei als Geburtsjahr (…) angegeben. D ies widerspreche den Angaben im zweiten Asylgesuch, wonach er (…) geboren sei, was ebenfalls Zweifel an der Begründetheit des Asylgesuchs wecke. Aufgrund verschiedener Widersprüche in den Angaben des Beschwerdeführers ha- be er nicht glaubhaft machen können, dass er bei der Einreichung des ersten Asylgesuches in der Schweiz in asylrelevanter Weise verfolgt g e- wesen sei. Aus diesem Grund sei auch erheblich zu bezweifeln, dass er aus den von ihm genannten Gründen nach seiner Rückkehr in den He i- matstaat erneut ta ngiert worden sei. Zudem habe er auch zu den Folt e- rungen widersprüchlich ausgesagt. Beim vom Beschwerdeführer eing e- reichten Anwaltsschreiben falle sodann auf, dass es vom 27. April 2008 und damit vor der angeblichen Flucht des Beschwerdeführers aus dem Gefängnis datiere. Überdies sei allgemein bekannt, dass in Kamerun so l- che Dokumente ohne weiteres unrechtmässig erworben werden könnten. Eine Gesamtwürdigung der Ungereimtheiten führe zum Schluss, dass sich der Beschwerdeführer auf eine konstruierte Asylbegrü ndung abstüt- ze. Seine Vorbringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Den Wegweisungsvollzug erachtete die Vorinstanz als zulässig, trotz der beim Beschwerdeführer festgestellt en HIV-Infektion als zumutbar sowie als möglich. D-82/2011 Seite 4 D. Mit Beschwerde vom 7. Januar 2011 (Poststempel: 6. Januar 2011) an das Bundesverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vori n- stanz zurückzuweisen, subeventualiter sei festzustel len, dass die We g- weisung des Beschwerdeführers unzulässig sei und es sei ihm in der Folge die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Bewilligung der unentgeltl i- chen Rechtspflege sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses. Als Beilagen zur Beschwerdeschrift reichte der Beschwerdeführer unter anderem einen Haftbefehl (in Kopie) und einen Zeitungsartikel (samt Ve r- sandunterlagen) zu den Akten. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolge n- den Erwägungen eingegangen. E. Am 7. Januar 2011 ging beim Bundesverwaltungsgericht die Unterstü t- zungsbedürftigkeitserklärung der zuständigen kantonalen Behörde f ür den Beschwerdeführer ein. F. Mit Zwischenverfügung vom 26. Januar 2011 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Erlass des Kostenvorschusses wurden abgewiesen und der Beschwerdeführer aufgefordert, bis zum 10. Februar 2011 einen Kostenvorschuss zu leisten. G. Der Kostenvorschuss wurde am 9. Februar 2011 bezahlt. H. Mit Eingabe vom 9. Februar 2011 äusserte sich der Beschwerdeführer zu seinen Personalien sowie zum eingereichten Zeitungsartikel. D-82/2011 Seite 5 I. Am 22. August 2011 liess der Rechtsvertreter dem Bundesverwaltungsge- richt einen ärztlichen Bericht über den Beschwerdeführer zukommen. J. Mit Eingaben vom 12. Januar 2012 und vom 16. Mai 2012 reichte der Be- schwerdeführer weitere Beweismittel zu den Akten. K. Mit Verfügung vom 10. August 2012 wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. Das BFM beantragte m it seiner Ste l- lungnahme vom 24. August 2012 die Abweisung der Beschwerde. L. Der Instruktionsrichter stellte dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 29. August 2012 eine Kopie der vorinstanzlichen Vernehmlassung zu und räumte ihm Frist zur Einreichung einer Replik ein. Mit Eingabe vom 12. September 2012 machte d er Beschwerdeführer von seinem Äuss e- rungsrecht Gebrauch und reichte gleichzeitig das Original des bereits in Kopie zu den Akten gegebenen Haftbefehls ein. M. Anzumerken bleibt der Vollständigkeit halber, dass als Geburtsjahr des Beschwerdeführers – entsprechend der Mitteilung des BFM an den B e- schwerdeführer vom 22. September 2010 (vgl. Akten BFM B 26/3) – im Rubrum neu das Jahr (…) aufgeführt wird. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endg ültig, ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende D-82/2011 Seite 6 Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Besc hwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4. 4.1 Auf Beschwerdeebene lässt der Beschwerdeführer den vorinsta nzli- chen Erwägungen zunächst entgegenhalten, er sei zwar im Jahr 2000 mit dem eigenen Ausweis ausgereist, allerdings über die grüne Grenze in den Tschad. Der Umstand, dass er mit seinem Ausweis geflohen sei, st e- he daher nicht im Widerspruch zu seinen Ausfü hrungen. Er habe übe r- dies bereits dargelegt, dass er sein Geburtsjahr im Visumsgesuch de s- halb abgeändert habe, weil man ihm gesagt habe, zur Visumserteilung D-82/2011 Seite 7 müsse man mindestens 30 Jahre alt sein. Gleichzeitig habe er auch das Geburtsjahr im Pass abgeänder t, so dass keine Divergenz bestanden habe. Die Vorinstanz ziehe den unzulässigen Schluss, der Beschwerd e- führer habe nun falsche Angaben zu seiner Identität gemacht. Zu den angeblich widersprüchlichen Angaben betreffend der Dauer der Inhaftierungen sowie de s Verstecktseins sei zu beachten, dass die in Frage stehenden Tatsachen bereits mehr als zehn Jahre zurücklägen und es sich lediglich um geringfügige Abweichungen handle. Da er mehrmals für unterschiedliche Zeit inhaftiert worden sei, sei es äusserst schwi erig, sich an die effektive Zeit zu erinnern. Weiter unterlasse es die Vorinstanz, sich mit den Vorbringen des Beschwerdeführers ernsthaft auseinande r- zusetzen, zumal ein Arztbericht über die noch sichtbaren Wunden best e- he und der Befrager selber die Wunden gesehen habe. Der Beschwerde- führer habe sodann auch anlässlich der zweiten Anhörung geltend g e- macht, dass er sexuell missbraucht worden und in der Folge an HIV e r- krankt sei. Er sei in der Haft mehrmals zum Analverkehr gezwungen wo r- den. Der Befrager sei je doch gar nicht näher auf diese Äusserungen ei n- gegangen. Auch bei den Abweichungen hinsichtlich der Anzahl der Verbrennungen handle es sich nur um geringfügige Abweichungen. E r- fahrungsgemäss könnten sich traumatisierte Personen zufolge Verdrä n- gung nur sehr ungenau erinnern. Die Aussagen seien jedenfalls nicht w i- dersprüchlich, da er fünf Mal auf (…) und mehr als zehn Mal an (…) und den (…) verbrannt worden sei. Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, die Vorinstanz habe es unte r- lassen, eine Gesamtbeurteilung seiner Vorbringen vorzunehmen. Insb e- sondere sei der Umstand, dass er gefoltert und sexuell genötigt worden sei, ausser Acht gelassen worden. Die Vorinstanz hätte sich vertieft mit den Aussagen des Beschwerdeführers auseinandersetzen und ihn be i- spielsweise über die sexuellen Übergriffe in der Haft genauer befragen müssen. Indem sie dies unterlassen habe, habe sie den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt. Zudem sei die Anh ö- rung ohne Hilfswerkvertretung durchgeführt worden. Da vorliege nd Folter und sexuelle Nötigung im Raume stehen würden, sei eine Anhörung in Anwesenheit einer Hilfswerkvertretung unabdingbar. Überdies habe sich das BFM zu den Folterungen, dem sexuellen Missbrauch und der darauf folgenden HIV-Erkrankung nicht oder nur r udimentär geäussert. Es sei auch nicht beachtet worden, dass er nach seiner Ausschaffung nach N i- geria verhaftet worden sei. Ebenso wenig sei sein Anwalt, bei dem es sich um einen renommierten SCNC -Rechtsanwalt handle, kontaktiert D-82/2011 Seite 8 worden. Über diesen Anwalt habe der Beschwerdeführer auch den Haf t- befehl sowie den Zeitungsartikel vom 30. September 2008 erhältlich m a- chen können. Daraus gehe hervor, dass er nach wie vor polizeilich g e- sucht werde, und es sei damit zu rechnen, dass er bei einer Rückkehr verhaftet würde. Entgegen der vorinstanzlichen Auffassung sei nicht d a- von auszugehen, dass der Anwalt als bekannte Persönlichkeit jemals Do- kumente fälschen würde. Auch der Zeitungsbericht bestätige seine Anga- ben. Aufgrund des Gesagten erscheine die angefochtene Verfügung nicht hinreichend begründet. 4.2 In seinem Schreiben vom 9. Februar 2010 führt der Beschwerdefü h- rer unter anderem aus, die Authentizität des eingereichten Zeitungsart i- kels las se sich beim Herausgeber der Zeitung überprüfen, die entspr e- chenden Angaben befänden sich auf dem eingereichten Dokument. Dass es sich um einen regulären Artikel handle, liesse sich überdies auch über die Schweizerische Botschaft in Kamerun ermitteln. 4.3 Das Bundesamt seinerseits legte in seiner Vernehmlassung vom 24. August 2012 dar, dem eingereichten Haftbefehl könne weder gen ü- gende Beweiskraft noch ausreichend er Beweiswert zugesprochen we r- den. Zum einen handle es sich lediglich um eine Kopie, zum anderen auch angesichts der dem Beschwerdeführer darin vorgeworfenen Ve r- stösse gegen Art. 318 und 218 des Strafgesetzbuches, nämlich "usurp a- tion d'uniform e et décoration" und "vol/abus de confiance/escroquerie". Nicht gefolgt werden könne sodann der Auffassung des Beschwerdefü h- rers, es bestehe ein zeitlicher Konnex zwischen der (angeblichen) Tötung des Bruders des Beschwerdeführers sowie d er Flucht des Beschwerd e- führers, da der Beschwerdeführer bekanntlich behaupte, im Herbst 2008 und damit dreieinhalb Jahre vor der angeblichen Tötung des Bruders ausgereist zu sein. Ausserdem wirke überaus konstruiert, dass die Polizei noch dreieinhalb Jahre nach der Flucht des Beschwerdeführers ins Au s- land intensiv nach ihm gesucht haben sollte. Als aktenwidrig erweise sich ferner die Behauptung in der Beschwerdeschrift, dass der Beschwerd e- führer ausgereist sei , ohne von den heimatlichen Behörden kontrolliert worden zu sein. Schliesslich sei der Ansicht, der Beschwerdeführer hätte genauer zu den sexuellen Übergriffen befragt werden sollen, nicht gefolgt werden. Ebenso wenig könne die Behauptung unterstützt werde n, der Beschwerdeführer habe nachweislich Folter erlitten. 4.4 In der Replik vom 12. September 2012 weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass nun das Original des Haftbefehls eingereicht werde n D-82/2011 Seite 9 könne. Weshalb der Beschwerdeführer dieses nicht schon früher zu den Akten gegeben habe, lasse sich nicht mehr rekonstruieren. Die ihm im Haftbefehl zur Last gelegten Tatbestände seien nur exemplarisch, die Be- hörden würden irgendeinen Tatbestand aus dem Strafgesetzbuch au f- nehmen, der nicht den t atsächlich vorgeworfenen Tatbeständen entspre- chen müsse. Der Haftbefehl sei nach wie vor in Kraft. Die Umstände, die zum Tod des Bruders des Beschwerdeführers geführt hätten, seien sehr verdächtig, genauso wie das Verhalten der Ermittlungsbehörden in di e- sem Zusammenhang. Wie der Beschwerdeführer bereits mitgeteilt habe, sei sein Bruder ständig und immer intensiver durch die Polizei nach dem Verbleib des Beschwerdeführers gefragt worden. Da der Bruder weder In- formationen zum Verbleib des Beschwerdeführers habe liefern noch die geforderte Geldleistung habe erbringen können, deute der Tod des Br u- ders auf einen Konnex zum Beschwerdeführer hin. Nicht aktenwidrig sei sodann die Behauptung, der Beschwerdeführer sei ausgereist, ohne von den heimatlichen Behörden kontrolliert worden zu sein . Das erste Mal habe er die Grenze zu Fuss passiert, das zweite Mal habe er einen g e- fälschten Pass benutzt. Schliesslich macht der Beschwerdeführer ge l- tend, der behandelnde Arzt habe in seinem Arztbericht vom 3. November 2010 auf einen Arztbericht des EVZ C._______ aus dem Jahr 2008 hi n- gewiesen, wonach der Beschwerdeführer deutliche Verletzungen an (…), (…) und (…) aufgewiesen haben solle. Dieser Arztbericht sei nicht in den Asylakten. Aufgrund des Arztberichtes vom 3. November 2010 lägen klare medizinische Indizien vor, dass der Beschwerdeführer Folter erlitten ha- be. Es wäre Aufgabe des Bundesamtes gewesen, die geltend gemachten Übergriffe genau abzuklären. Zudem hätte sich das BFM auch zur HIV - Infektion sowie einer möglichen Behandlung im Heimatland äusser n müssen. 5. 5.1 Was die Rüge des Beschwerdeführers betrifft, die Anhörung durch das Bundesamt habe ohne Beisein einer Hilfswerkvertretung stattgefu n- den, so ist auf Art. 30 Abs. 3 AsylG zu verweisen. Nach dieser Besti m- mung entfaltet die Anhörung volle Rechtswirkung, auch wenn die Vertr e- tung der Hilfswerke dem rechtzeitig mitgeteilten Anhörungstermin keine Folge geleistet hat. Aus den Akten ergibt sich, dass das BFM die Vorl a- dung vom 14. Mai 2009 zur Anhörung auf den 27. Mai 2009 der Schwei- zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) sowie der Loge (mit Fotokopie des Ei n- vernahmeprotokolls zur Aushändigung an die Hilfswerkvertretung) zustell- te (vgl. B 18/2 S. 2). Bei dieser Sachlage besteht kein Anlass zur Anna h- me, eine Hilfswerkvertretung sei nicht rechtzeitig zur Te ilnahme an der D-82/2011 Seite 10 Anhörung eingeladen worden. Der Beschwerdeführer macht selber nicht geltend, dass die Anhörung formell nicht korrekt verlaufen wäre, und so l- ches geht aus dem Protokoll auch nicht hervor. Von einer erneuten Anhö- rung des B eschwerdeführers im B eisein einer Hilfswerkvertretung kann somit abgesehen werden. 5.2 Vorab ist sodann auf den Vorwurf der Verletzung des Anspruches auf rechtliches Gehör einzugehen. 5.2.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bunde s- verfassung der Schweizerischen Eid genossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die ver- fügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfäl- tig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich en tsprechend in der Begründung des Entscheids niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Abfassung der Begründung soll es dem Betroffenen möglich machen, den Entscheid gegebenenfalls sachge- recht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (BGE 129 I 232 E. 3.2 S. 236 f.). Dabei muss sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen B e- hauptung und jedem rechtlichen E inwand auseinander setzen, sondern darf sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b). Die Begründungsdichte richtet sich nach dem Verfügungsg e- genstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroff e- nen, wobei die bundesgerichtliche Rechtsprechung bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt (BGE 112 Ia 110; vgl. auch BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f., mit weiteren Hinweisen). Demgegenüber ist d er Beschwerdeführer gesetzlich verpflichtet, an der Feststellung des Sac h- verhalts mitzuwirken und anzugeben, weshalb er um Asyl nachsucht (Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG). 5.2.2 Im Rahmen der Anhörung wurde der Beschwerdeführer aufgefo r- dert, die ihm im Gefängnis zuge fügten Misshandlungen, zu welchen er sich anlässlich der Befragung vom 20. Oktober 2008 in Anwesenheit e i- ner Frau nicht äussern wollte (vgl. B 1/11 S. 7), zu schildern (vgl. B 19/18 S. 10). Dabei führte er aus, sie hätten die Geschlechtsteile angebunden und mit heissem Gummi darauf gebrannt. Es gebe diese Foltermethode, wo man einen an den Füssen aufhänge. Wenn man an den Füssen au f- gehängt worden sei, habe man Plastik angezündet und sich den G e-D-82/2011 Seite 11 schlechtsteilen genähert und das Plastik sei hin untergetropft, w enn es gebrannt habe. Man habe dieses brennende Plastik auf die (…) und auf die (…) getan (vgl. B 19/18 a.a.O.). Anschliessend findet sich im Anh ö- rungsprotokoll folgende Protokollnotiz: "(GS und Befrager gehen auf die Toilette, um die Spuren am (…) zu zeig en – Befrager und GS kehren nach drei Minuten zurück. Befrager sieht Verbrennungsspuren am (…) und dunklen Fleck auf der (…) des GS. Penis des GS ist be schnitten)". Angesichts dieser Feststellungen ist dem Beschwerdeführer darin zuz u- stimmen, dass sich die Vorinstanz zu den festgestellten Spuren hätte äussern müssen, zumal diese den Schilderungen des Beschwerdeführers – selbst wenn diese aus anderen Gründen allenfalls nicht zu überzeugen vermögen – nicht offensichtlich widersprechen. Indem sich das Bunde s- amt in der angefochtenen Verfügung zu diesen Spuren überhaupt nicht äusserte, verletzte es den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtl i- ches Gehör. Zu einem anderen Schluss gelangt das Gericht hingegen in Bezug auf den behaupteten sexuellen Missbrauch und di e allenfalls daraus hervo r- gehende HIV-Infektion. Es liegt auf der Hand, dass die festgestellte Infe k- tion keinesfalls zwingend auf sexuell en Missbrauch schliessen lässt, da auch eine andere Ansteckungsmöglichkeit denkbar ist. Bei dieser Sac h- lage musste sich die Vorinstanz – im Zusammenhang mit den Verfo l- gungsvorbringen – nicht zwingend ausdrücklich mit der HIV -Infektion und dem behaupteten sexuellen Missbrauch auseinandersetzen. Diesbezüg- lich ist eine Verletzung des Anspruches auf rechtliches Gehör zu verne i- nen. Bei der Prüfung des Wegweisungsvollzuges hat sich das BFM s o- dann in erforderlichem Umfang zur gesundheitlichen Beeinträchtigung des Beschwerdeführers geäussert. 5.2.3 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs führt grundsätzlich – das heisst ungeachtet der mat eriellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin ergangenen Entscheides. Die Heilung einer Gehörsverletzung aus prozessökonomischen Gründen auf Beschwerdeebene ist jedoch möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, die beschwerdeführende Partei dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streit i- gen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt, sowie die festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Entscheidreife durch d ie Be- schwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f., mit weiteren Hinweisen). D-82/2011 Seite 12 Im Rahmen der auf Beschwerdeebene eingeleiteten Vernehmlassung wurde die Vorinstanz mit Verfügung vom 10. August 2012 auf den Ei n- wand der Verletzung des Anspruches auf rechtliches Gehör hingewiesen und erhielt damit Gelegenheit, ihr Versäumnis nachzuholen. Davon mach- te das Bundesamt – wenn auch sehr knapp – in seiner Vernehmlassung vom 24. August 2012 Gebrauch. Dem Beschwerdeführer wurde in der Folge die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt. Infolgedessen ist ihm aus dem Mangel in der angefochtenen Verfügung kein Rechtsnac h- teil erwachsen. Eine Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz kä- me einem prozessrechtlichen Leerlauf gleich, insbesondere auch de s- halb, weil die Beschwerdeinstanz über eine umfassende Kognition ve r- fügt; daraus erhellt, dass die vorgängig festgestellte Verletzung des recht- lichen Gehörs auf Beschwerdeebe ne geheilt worden ist. Der Verfahren s- mangel wird indessen im Entschädigungspunkt zu berücksichtigen sein (Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen ARK [EMARK] 2003 Nr. 5, vgl. nachstehend E. 11). 6. 6.1 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigensch aft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vo r- bringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (Art. 7 Abs.3 AsylG), wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nac h- schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwir- kung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum stri k- ten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdefü h- rers. Eine Behauptung gilt bereit s als glaubhaft gemacht, wenn das G e- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaf t- machung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbri n- gen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentl i- che und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhalt s- darstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhalt sdarstellung spre-D-82/2011 Seite 13 chen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. die von der ARK begründete Rechtsprechung in EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f., mit weiteren Hinweisen, welche vom Bu n- desverwaltungsgericht weitergeführt wird). 6.2 6.2.1 Zunächst ist der Vorinstanz im Hinblick auf die persönliche Glau b- würdigkeit des Beschwerdeführers darin beizupflichten, dass diese au f- grund seiner ersten Asylgesuchseinreichung unter falschen Personalien und konstruierten Asylvorbringen in keinem guten Licht erschein t. Dabei fällt insbesondere auf, dass der Beschwerdeführer im ersten Asylverfah- ren auch noch auf Beschwerdeebene auf seiner angeblichen kongoles i- schen Staatsangehörigkeit beharrte. Die vom Beschwerdeführer genann- ten Gründe für seine Falschangaben wurden vom BFM zu Recht als nicht überzeugend eingestuft, weshalb auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden kann. Zudem machte der Beschwerdeführer nie ge l- tend, er habe eigentlich nach Grossbritannien, wo die Probleme bekannt gewesen seien, reisen wollen, was sich angesichts der Englischkenntni s- se des Beschwerdeführers umso mehr angeboten hätte. Wenn er übe r- dies in der Beschwerdeschrift vorbringen lässt, er habe nicht nur im V i- sumsantrag ein unzutreffendes Geburtsjahr angegeben , sondern auch noch in seinem Pass das Geburtsjahr abgeändert (vgl. S. 5), so erscheint dies – ganz abgesehen vom strafrechtlichen Aspekt – gelinde gesagt be- denklich. Unter Berücksichtigung dieser Umstände muss die Glaubwü r- digkeit des Beschwerdeführers als erheblich beeinträchtigt erachtet we r- den. 6.2.2 Was die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers anbelangt, kommt das Bundesverwaltungsgericht im Ergebnis zum gle i- chen Schluss wie die Vorinstanz. Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf eine Ver- folgung vor seiner ersten Ausreise aus dem Heimatstaat ergeben sich für das BFM daraus, dass Abklärungen ergeben hätten, er sei im Sommer 2000 mit dem eigenen Reisepass ausgereist. Dies lasse sich nicht damit vereinbaren, dass er damals von den Behörden gesucht worden sein soll. Der diesbezüglich auf Beschwerdeebene erhobene Einwand, er sei un- kontrolliert in den Tschad ausgereist, überzeugt indessen nicht. Zum e i- nen findet diese Erklärung keine Stütze in den Aussagen des Beschwe r- deführers, da er anlässlich der Befragung im EVZ lediglich erwähnte, er sei über Libyen ausgereist (vgl. B 1/11 S. 9). Zudem erschiene eine Aus-D-82/2011 Seite 14 reise über den Tschad – nachdem sich der Beschwerdeführer in Douala aufgehalten haben will (vgl. B 1/11 S. 7) – für eine an geblich gesuchte Person auch nicht sinnvoll , hätte er doch in diesem Fall eine erhebliche Strecke durch Kamerun zurücklegen müsse n und dabei eine Festnahme riskiert. Somit vermag der Beschwerdeführer die vorinstanzliche Schlus s- folgerung nicht umzustossen, auch wenn sich aus der Formulierung der Vorinstanz nicht ganz klar ergibt, ob und gestützt auf welche Abklärungen sie von einer legalen Ausreise des Beschwerdeführers unter Vorweisung des Passes ausging. In Bezug auf die vom BFM aufgeführten Widersprüche ist dem B e- schwerdeführer zwar darin zuzustimmen, dass bei mehrmaligen Fes t- nahmen die genaue Angabe von exakten Daten nach mehreren Jahren nicht erwartet werden kann. Hingegen darf davon ausgegangen werden, dass ein Asylsuchender, wenn er denn Angaben über die Dauer der Fest- nahmen macht, diese Angaben widerspruchsfrei bestätigen kann. Da s- selbe gilt bezüglich der Dauer des Sichversteckthaltens nach der Flucht aus dem Gefängnis. Insofern erweist sich die Kritik des Beschwerdefü h- rers als unbegründet. Hinzu kommt, dass den Aussagen des Beschwe r- deführers kaum etwas zu seinen Aktivitäten, welche zu den Verhaftungen geführt haben sollen, entnommen werden kann. Zwar gab er an, er sei Repräsentant der SCNC in seinem Dorf gewesen (vgl. B 19/18 S. 5). Darüber hinaus sind den Protokollen höchstens vage Angaben zu den konkreten Tätigkeiten des Beschwerdeführers zu entnehmen. Jedenfalls entsteht nicht der Eindruck, es handle sich beim Beschwerdeführer um einen engagierten Aktivisten. Dies zeigt sich etwa in seiner Antwort a uf die Frage, welches Mittel der SCNC in den 90 -er Jahren benutzt habe. Darauf antwortete der Beschwerdeführer lediglich, es sei eine friedvolle Methode gewesen, durch die Vereinten Nationen, gewaltlos (vgl. B 19/18 S. 6). Insgesamt kommt das Bundesverwalt ungsgericht mit dem Bundesamt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen konnte, er sei vor der Einreichung des ersten Asylgesuches in der Schweiz in asylrelevanter Weise verfolgt gewesen. 6.2.3 In Bezug auf den Zeitraum nach der behaupteten Rückschaffung des Beschwerdeführers ist das Folgende festzuhalten: Auf Beschwerde- ebene macht der Beschwerdeführer geltend, es gebe ein en Arztbericht über die noch sichtbaren (als Folgen der Folterungen entstandenen [A n- merkung des Gerichts] ) Wunden. Allerdings reichte er weder einen en t-D-82/2011 Seite 15 sprechenden Arztbericht ein, noch ist ein solcher in den vorinstanzlichen Akten vorhanden. Zwar ist aus den Akten des BFM ersichtlich, dass es während des Aufenthaltes des Beschwerdeführers im EVZ mehrmals zu Arztbesuchen kam, doch standen diese – soweit ersichtlich (vgl. B 6/5) – im Zusammenhang mit seiner HIV -Infektion. Anhaltspunkt für ärztlich festgestellte Folterspuren ergeben sich jedenfalls keine. Überdies wird in einem Dokument vom 24. Oktober 2008 festgehalten, dass dem B e- schwerdeführer alle medizinischen Unterlagen ausgehändigt worden se i- en (vgl. B 11/1). Es hätte demzufolge dem Beschwerdeführer oblegen, entsprechende Unterlagen einzureichen. Zu den im Anhörungsprotokoll vom 27. Mai 2009 festgehaltenen Spuren (Verbrennungsspuren am (…) und dunkler Fleck auf der (…) des B e- schwerdeführers [vgl. B 19/18 S. 10]) gilt es festzuhalten, dass diese zwar den Schilderungen des Beschwerdeführers nicht ent gegenstehen, sie aber die behauptete Folter auch nicht zu belegen vermögen. Zum Ei- nen sind ohne weiteres auch andere Ursachen für die genannten Spuren denkbar, zum Anderen macht der Beschwerdeführer selber geltend, er sei nach Nigeria zurückgeschafft und dort umgehend in Haft genommen wor- den. Mithin könnte es sich auch um Spuren aus der dortigen Haft ha n- deln, womit sie sich jedoch als für das vorliegende Verfahren irrelevant erwiesen. Schliesslich vermögen auch die konkreten Schilderungen des Beschwe r- deführers nicht den Eindruck zu erwecken, er berichte in Bezug auf die Folterungen von selbst Erlebtem. Vielmehr entsteht bei der Durchsicht der entsprechenden Protokollstellen der Eindruck, die Schilderungen des Beschwerdeführers basierten auf Hörensagen. Dies gilt sowohl für die behaupteten Vergewaltigungen, wie auch die Verbrennungen. So gab er zu den Vergewaltigungen einzig an, er wisse nicht, was für Leute es g e- wesen seien. Die Wärter hätten ihn einfach zu einem Raum gebracht, wo zwei, drei Leute gewesen sei en. Es sei einfach im Gefängnis gewesen, und habe lange gedauert (vgl. B 19/18 S. 10 F76). Weitere Angaben fin- den sich in den Aussa gen des Beschwerdeführers nicht, auch nicht auf die gleich anschliessende Aufforderung des Befragers, detailliert zu b e- schreiben, was passiert sei. Damit sind die Schilderungen als äusserst vage zu bezeichnen, welche nicht zu überzeugen vermögen. Die Anga- ben des Beschwerdeführers zu den Folterungen fielen zwar etwas u m- fangreicher aus, aber auch sie sind überwiegend allgemein geh alten. So führte er aus, "man" habe dies oder jenes getan, ohne dass eine persö n- liche Beteiligung des Beschwerdeführers spürbar wird. Es sind keine An-D-82/2011 Seite 16 gaben über die folternden Personen zu finden, ebenso wenig über die Empfindungen des Beschwerdeführers. Dies gilt auch für die Vorbringen des Beschwerdeführers zur Foltermethode der "Schaukel" (vgl. B 19/18 S. 12 f.). Bereits vorstehend wurde dargetan, dass die anlässlich der A n- hörung festgestellten Verletzungen nicht zwingend auf Folterungen im Heimatstaat hindeuten. Dasselbe gilt für die im Arztzeugnis vom 3. November 2010 festgehaltenen Spuren (Narben im (…), Verfärbungen an den (…) [vgl. B 29/8 S. 2]). Soweit der Beschwerdeführer schliesslich einwenden lässt, dass traumatisierte Personen sich nur ungenau erinnern könnten, so ist dem entgegenzuhalten, dass den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen eines Traumas entnommen werden können. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel vermögen die Zweifel an dessen Vorbringen nicht zu entkräften. In Bezug auf das Be s- tätigungsschreiben vom 27. April 2008 ist der Vorinstanz darin zuzusti m- men, dass wenig Sinn ergibt, wenn darin ausgeführt wird, der Beschwe r- deführer sei im Fall e einer Rückkehr nach Kamerun gefährdet, und dies in einem Zeitpunkt, in dem er sic h eigenen Angaben zufolge noch in Haft befand. Wenn das BFM überdies festhielt, es sei allgemein bekannt, dass im Heimatstaat des Beschwerdeführers solche Dokumente ohne weiteres unrechtmässig erworben werden könnten, brachte sie damit nicht zum Ausdruck, der als Verfasser aufgeführte Anwalt stelle falsche Bestät i- gungsschreiben aus. Anzunehmen ist vielmehr, dass bestehende Dok u- mente verfälscht oder auch Totalfälschungen hergestellt werden. Der Einwand des Beschwerdeführer s, der bekannte Rechtsanwalt würde niemals zu Unrecht solche Bestätigungsschreiben ausstellen, verfängt deshalb nicht. Das Schreiben vermag aber auch inhaltlich nicht zu übe r- zeugen, indem einerseits festgehalten wird, der Beschwerdeführer sei "in late 2000" aus der Haft entkommen und in die Schweiz gereist, nachdem er bereits am 31. Juli 2000 sein erstes Asylgesuch eingereicht hat te. Kei- ne Stütze in den Akten findet weiter die Angabe, der Beschwerdeführer sei seit 1995 ein Menschenrechtsaktivist und im November 1997 regis t- riertes Mitglied des SCNC geworden. Nach der eigenen Darstellung wu r- de er im Übrigen von den schweizerischen Behörden nach Nigeria au s- geschafft, während im Bestätigungsschreiben ausgeführt wird, er sei E n- de 2003 von der Schweiz nach Kamerun zurückgeführt worden. Für das Bestätigungsschreiben vom 28. Dezember 2011, ausgestellt vom "Secre- tary General, SCNC", gilt ähnliches. Dabei fällt insbesondere auf, dass die Nummer der im Bestätigungsschreiben aufgeführten Mitgliederkarte des Beschwerdeführers nicht mit derjenigen auf der – in Kopie – einge- reichten Karte übereinstimmt. Im Übrigen l assen sich dem Schreiben D-82/2011 Seite 17 auch keine Hinweise darauf entnehmen, weshalb gerade der Beschwe r- deführer einer besonderen Gefahr ausgesetzt sein sollte. Hinsichtlich des im Original eingereichten Haftbefe hls ist festzuhalten, dass nach Kenn t- nissen des Bundesverwaltungsgerichts gesuchten Personen in Kamerun weder eine Kopie des Haftbefehls noch das Originaldokument ausgehä n- digt wird (vgl. MICHAEL KIRSCHNER im Auftrag der SFH, Kamerun: Übe r- prüfung der Echtheit eines Haftbefehls, Bern, 25. September 2008, S. 2). Bereits aus diesem Grund bestehen erhebliche Zweifel an der Authentiz i- tät des vom Beschwerdeführer eingereichten Originaldokuments. Nicht zu überzeugen vermag sodann der Einwand des Beschwerdefüh rers, es sei nicht unüblich, dass irgendwelche Gesetzesbestimmungen im Haftbefehl aufgeführt seien. Schliesslich ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass die Darstellung des Beschwerdeführers, wonach sein Bruder mehrere Jahre nach der Ausreise des Beschw erdeführers noch ernsthaft bedroht und schliesslich getötet worden sein soll, konstruiert wirkt , zumal jegliche Anhaltspunkte dafür, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen hochrangigen Oppositionellen handelte, fehlen . Sodann besteht keinerlei Beleg dafür, dass es sich bei der auf den eingereichten Fotos abgebild e- ten Person tatsächlich um einen Bruder des Beschwerdeführers handelt. Was den eingereichten Zeitungsartikel anbelangt, kann abschliessend auf die Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 26. Januar 2011 ve r- wiesen werden. 6.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die vom Beschwerdefü h- rer geltend gemachte, politisch motivierte Verfolgung in Kamerun insg e- samt als unglaubhaft zu erachten. Dies gilt insbesondere für das Vorbrin- gen, der Beschwerdeführer werde von den heimatlichen Behörden wegen seiner Zugehörigkeit zum SCNC gesucht und hätte deswegen bei einer Rückkehr nach Kamerun mit einer Verhaftung zu rechnen. Unter Berüc k- sichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Beschwerdeführer keine Grün de nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Das BFM hat das Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt und die Flüchtlingseigenschaft verneint. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). D-82/2011 Seite 18 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So da rf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und G rundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. D-82/2011 Seite 19 8.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlich en Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in nach Kamerun ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.2 Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat in seinem Urteil vom 2. Mai 1997 i.S. D. gegen Grossbritannien festgestellt, dass die Ausweisung einer in der terminalen Phase an AIDS erkrankten Person unter ganz aussergewöhnlichen Umständen eine Verletzung von Art. 3 EMRK darstellen könne. Hingegen hat der EGMR schon mehrfach festgehalten, dass die Wegweisung von HIV -infizierten Personen, die noch nicht an AIDS erkrankt sind, Art. 3 EMRK nicht verletzt (vgl. En t- scheid vom 27. Mai 2008 i.S. N. c. Royaume-Uni). Dem Bericht des Kantonsspitals D._______ vom 3. November 2010 (vgl. B 29/8 S. 2) zufolge leidet der Beschwerdeführer nebst einer Hauterkra n- kung am (…) an einer HIV -Infektion CDC Stad. A2. Seit dem 25. September 2008 liege ein positives Testergebnis vor. Unter der eta b- lierten HIV -Therapie zeige sich eine kontinuierliche Verbesserung der Immunitätslage, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei aufgrund der behandelten HIV-Infektion nicht eingeschränkt. Die begonnene Th e- rapie sei voraussichtlich bis ans Lebensende weiterzuführen. Aus dem vom 16. August 2011 datierenden ärztlichen Schreiben (vgl. Beschwerde- akten act. 7) ergeben sich keine neuen Erkenntnisse. Nach de r Klassifikation des amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDC) wird eine HIV -Infektion in verschiedene Stadien unterteilt. Im Stadium A leidet der Betroffene unter keinerlei Beschwerden, während im Stadium B Erkrankungen auftreten, wel che auf eine Störung des Immunsystems hinweisen, und das Stadium C die eigentliche E r- krankung an AIDS bedeutet. Die Stadien A -C werden nach dem jeweil i- gen CD4 -Wert (Anzahl "Helferzellen" pro Mikroliter Blut) jeweils in die Stufen 1 (mehr als 500 "Helferzellen" pro Mikroliter Blut), 2 (zwischen 200 und 499 "Helferzellen" pro Mikroliter Blut) und 3 (weniger als 200 "Helfe r- zellen" pro Mikroliter Blut unterteilt (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.1.4 sowie EMARK 2004 Nr. 6 E. 8.a, EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d bb). D-82/2011 Seite 20 Nachdem sich d ie HIV-Infektion des Beschwerdeführers im Stadium A2, somit nicht in der terminalen Phase befindet, und die im ärztlichen Bericht weiter erwähnte Follikuitis klarerweise nicht lebensbedrohend ist, kann der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nicht als unmensch- lich beziehungsweise als gegen Art. 3 EMRK verstossend erachtet we r- den. 8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anha ltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus schaffung nach Kamerun dort mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtss ituation i n Kamerun lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulä s- sig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung s o- wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu- lässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 In Kamerun herrschen weder Krieg noch Bürgerkrieg oder eine S i- tuation allgemeiner Gewalt, die für den Beschwerdeführer bei der Rüc k- kehr eine konkrete Gefährdung darstellen würde. 8.3.2 Es bleibt demnach zu prüfen, ob individuelle Gründe – insbesonde- re gesundheitliche Beschwerden – vorliegen, die eine Rückkehr des B e- schwerdeführers unzumutbar erscheinen lassen könnten. Betreffend die medizinische Notlage kann nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden, wenn eine notwendige D-82/2011 Seite 21 medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung e r- achtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz ab- solut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn i m Heimat - oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist der Vollzug der Wegweisung eines HIV -positiven Asylgesuchstellers grundsätzlich zumutbar, solange die HIV -Infektion das Stadium C noch nicht erreicht hat, das heisst AIDS noch nicht ausgebrochen ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.4). Nebst dem Stadium der HIV -Infektion sind jedoch bei der Beurte i- lung der Frage der Zumutbarkeit stets auch die konkrete Situation im Heimat- oder Herkunftsland des Betroffenen, insbesondere die medizin i- sche Versorgung, die Sicherheitslage und das persönliche Umfeld (Ve r- wandtschaft, beru fliche Qualifikation, finanzielle Verhältnisse) massge b- lich zu berücksichtigen. Somit können je nach den konkreten Umständen bereits das Erreichen des Stadiums B3 oder gar B2 den Wegweisung s- vollzug als unzumutbar erscheinen lassen, während umgekehrt das Au f- treten von AIDS definierenden Krankheiten, mithin das Stadium C, den Wegweisungsvollzug noch nicht zwingend als unzumutbar erscheinen lässt. Der Beschwerdeführer unterzieht sich seit dem 16. Januar 2009 einer an- tiretroviralen Therapie, welche – nebst regelmässigen Verlaufskontrollen – die täglich Einnahme von Tabletten (bis 8.5.2010 Kaletra/Truvada und seit 8.5.2010 Truvada/Stocrin) beinhaltet. Unter der etablierten HIV - Therapie hat sich eine kontinuierliche Verbesserung der Immunitätslage gezeigt. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht nicht. Die Feststellung des BFM, die zur Behandlung der HIV -Infektion des Be- schwerdeführers notwendigen Medikamente seien auch in Kamerun e r- hältlich, überdies habe die Bekämpfung von AIDS im nationalen Gesun d- heitswesen Priorität erlangt, wobei insbesondere der Kostenumfang der Medikamente massiv habe gesenkt werden können, entspricht auch den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgericht s. Die dazumal zuständige Asylrekurskommission äusserte sich im bereits erwähnten Ur teil EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d.bb eingehend zu den Möglichkeiten der Behandlung D-82/2011 Seite 22 HIV-infizierter Menschen in Kamerun. Die Behandlungsmöglichkeiten konnten seither – auch dank des Einsatzes ausländischer Organisationen – stark erhöht und einem viel grösseren Te il der Behandlungsbedürftigen zugänglich gemacht werden. In den grösseren Städten Kameruns ohne Weiteres erhältlich sind sowohl das dem Beschwerdeführer verschrieb e- ne Medikament "Stocrin" als auch Präparate, welch e in ihrer Zusammen- setzung und in ihrer Wirkung dem derzeit eingenommenen Kombinat i- onspräparat "Truvada" entsprechen. Hinzuweisen ist sodann darauf, dass auch ein Spital im Herkunftsort des Beschwerdeführers, das General Hospital in Shisog/Kumba, ein Therapiezentrum für HIV -Patienten führt (vgl. dazu www.shisonghospital.org). Damit ist davon auszugehen, die in der Schweiz begonnene antiretrovirale Therapie könne auch in Kamerun fortgesetzt werden. Nach dem Gesagten erscheint die Rückkehr des B e- schwerdeführers nach Kamerun unter medizinischen Gesichtspunkten als zumutbar. Schliesslich bestehen auch keine anderen Hinweise, dass der Beschwe r- deführer bei seiner Rückkehr nach Kamerun in eine konkrete, seine Exi s- tenz bedrohende Situation geraten könnte. Gemäss eigenen Aussagen hat er 14 Jahre die Schule besucht und er verfügt über Französisch - wie auch Englischkenntnisse in Wort und Schrift. Weiter führte er selber aus – wie vom BFM zu Recht angeführt –, seine Familie gehöre in Kamerun zu der oberen Schicht. Sodann ist davon auszugehen, dass der Beschwe r- deführer in Kamerun über ein soziales Netz verfügt, welches ihm bei der Reintegration behilflich sein wird. Angesichts der gesamten Umstände erweist sich der Vollzug der Weg- weisung auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 - 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufig en Aufnahme a usser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). D-82/2011 Seite 23 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 V wVG), auf insge- samt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 9. Februar 2011 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. 11. Dem Beschwerdeführer ist trotz des Umstandes, dass er im vorliegenden Beschwerdeverfahren letztlich mit seinen Rechtsbegehren nicht durchg e- drungen ist, eine Parteientschädigung für die ihm aus der Beschwerd e- führung erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen. E ine Parte i- entschädigung ist jedoch nur für diejenigen Aufwendungen zu gewähren, die auf die Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz z u- rückzuführen sind (vgl. dazu vorstehend E. 5.2.2 und 5. 2.3). Demen t- sprechend und in Berücksichtigung der in Betracht zu ziehenden Bemes- sungsfaktoren (Art. 8 f. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) ist die Parteientschädigung auf insgesamt Fr. 300.-- (inkl. Auslagen und Meh rwertsteuer) festzusetzen. Dieser Betrag ist dem B e- schwerdeführer durch das BFM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-82/2011 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss ve r- rechnet. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung von Fr. 300.-- auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand: