Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. Dezember 2014 (715 13 339/315; 715 14 20/316) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Bemessung des versicherten Verdienstes bei gesundheitsbedingter Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A.1 Die 1950 geborene A.____ war bei der B____AG al s Speditionsassistentin angestellt. Am 28. Oktober 2011 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 2012. Da A.____ während der Kündigungsfrist arbeitsunfähig w urde, verlängerte sich dieses bis 30. April 2012. A.2 Am 4. Januar 2012 meldete sich A.____ zur Arbei tsvermittlung an und erhob am 16. Januar 2012 bei der Öffentlichen Arbeitslosenka sse Baselland (Arbeitslosenkasse) An- spruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Februar 2012. In der Folge eröffnete die Arbeitslo- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht senkasse eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug und bezi fferte den versicherten Verdienst mit Fr. 6‘148.--. A.3 Am 23. Juli 2012 meldete sich A.____ bei der IV-S telle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen un d erwerblichen Verhältnisse ermit- telte die IV-Stelle einen IV-Grad von 29%. Gestützt a uf dieses Ergebnis wies sie nach Durch- führung des Vorbescheidverfahrens einen Anspruch der V ersicherten auf eine Rente mit Verfü- gung vom 27. März 2013 ab. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.4 In der Folge legte die Arbeitslosenkasse den Taggel dabrechnungen ab April 2013 einen reduzierten versicherten Verdienst von nurmehr Fr. 4‘365 .-- zu Grunde, was von A.____ am 29. Mai 2013 beanstandet wurde. A.5 Mit Verfügung Nr. 1041/2013 vom 11. Juni 2013 stel lt die Arbeitslosenkasse fest, dass die Taggeldabrechnung für den Monat April 2013 korre kt sei. Sie begründete den Entscheid damit, dass der versicherte Verdienst bei einer verbleibe nden Erwerbsfähigkeit von 71% Fr. 4‘365.-- (Fr. 6‘148.-- x 71% : 100%) betrage. Da ran hielt sie auch auf Einsprache hin mit Entscheid vom 17. Oktober 2013 fest. A.6 Am 12. Juni 2013 ersuchte A.____ die IV-Stelle u nter Vorlage eines Bericht von Prof. Dr. med. C.____, FMH Chirurgie und Plastische, R ekonstruktive und Ästhetische Chirur- gie, vom 6. Juni 2013 um Wiedererwägung der Verfügung vom 27. März 2013. Am 14. Juni 2013 trat IV-Stelle A.____ auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein. A.7 Mit Verfügung Nr. 1580/2013 vom 11. September 20 13 stellt die Arbeitslosenkasse fest, dass auch die auf dem reduzierten versicherten Verdienst von Fr. 4‘365.-- basierende Tag- geldabrechnung für den Monat Mai 2013 korrekt sei und wies die hiergegen erhobene Einspra- che mit Entscheid vom 27. November 2013 ab. B. Gegen die Einspracheentscheide vom 17. Oktober 201 3 und 27. November 2013 erhob A.____ am 20. November 2013 und 20. Januar 2014 Beschw erde beim Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei sie deren Aufhebung und sinngemäss die Bemessung der Taggelder aufgrund eines versicherten Verdienstes von Fr. 6‘148.-- zuzüg- lich Verzugszins zu 5% beantragte. Zur Begründung bracht e sie im Wesentlichen vor, dass sie einen rentenausschliessenden IV-Grad aufweise und seit 1 . Mai 2013 wiederum zu 100% ar- beitsfähig sei. Das Kantonsgericht eröffnete in der Fol ge unter den Nummern 715 13 339 (Be- schwerde vom 20. November 2013 gegen den Einspracheentsch eid vom 17. Oktober 2013) und 715 14 20 (Beschwerde vom 20. Januar 2014 gegen d en Einspracheentscheid vom 27. November 2013) zwei Beschwerdeverfahren. C. In ihren Vernehmlassungen vom 5. Februar 2014 und 9. April 2014 schloss die Be- schwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Am 12. Februar 2014 zog das Kantonsgericht bei der IV-Stelle die Akten der Versicher- ten bei. E. Mit Eingabe vom 21. Februar 2014 reichte die Beschwe rdeführerin das Gutachten von Dr. med. D.____, FMH Neurologie, vom 22. Oktober 2012 ein. Hierzu nahm die Beschwerde- gegnerin am 9. April 2014 Stellung. F. Anlässlich des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 2 8. Juli 2014; Duplik vom 29. September 2014) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 kann der Bundesrat die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts i n Abweichung von Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Ok- tober 2000 regeln. Gemäss Art. 128 der Verordnung übe r die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. Au gust 1983 richtet sich die Beurtei- lung der Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerich ts nach Art. 119 AVIV. Örtlich zu- ständig ist gemäss Art. 128 in Verbindung mit Art. 119 Abs. 1 lit. a AVIV das Gericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person ihre Kontrollpfli cht erfüllt. Während des Leistungsbe- zugs hat die Beschwerdeführerin ihre Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. k des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht, als einzi- ge gerichtliche Instanz des Kantons Basel-Landschaft zur Behandlung von Beschwerden gegen Verfügungen gemäss Art. 100 AVIG zuständig. Auf die be im örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereichten Beschwerden ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Verfahren sind die Taggeldabrechnungen der Ar- beitslosenkasse für die Monate April 2013 und Mai 2013 zu beurteilen. Streitig ist, ob die Kasse in diesen Abrechnungen den versicherten Verdienst, welche r der Taggeldbemessung zu Grun- de liegt, jeweils zu Recht entsprechend der invaliditä tsbedingten Erwerbsunfähigkeit der Be- schwerdeführerin um 29% (von Fr. 6‘148.-- auf Fr. 4‘36 5.--) gekürzt hat. In Bezug auf die Höhe des Streitwertes folgt aus dieser Fragestellung, dass diese r in casu unter Fr. 10'000.-- liegt, weshalb der Entscheid über die Beschwerden der Versichert en in die Kompetenz der präsidie- renden Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts fällt. 1.3 Da den beiden Beschwerden vom 20. November 2013 u nd 20. Januar 2014 dieselben Parteien gegenüberstehen, zudem derselbe Sachverhalt zu Grunde liegt und sich im Wesentli- chen die gleichen Rechtsfragen stellen, rechtfertigt e s sich, die beiden Verfahren Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nr. 715 13 339 und Nr. 715 14 20 zusammen zu legen (BG E 128 V 126 E. 1 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 194 E. 1). 1.4 Der den Sozialversicherungsprozess beherrschende Untersuc hungsgrundsatz (Art. 61 lit. c ATSG i.V.m. Art. 1 ELG) schliesst die Beweislast i m Sinne einer Beweisführungslast be- griffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen S achverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 107 V 163 E. 3a mit Hinweisen). Zudem ist im vor liegenden Verfahren der im Sozialversi- cherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrsc heinlichkeit massgebend. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu f olgen, die sie von allen möglichen Ge- schehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 125 V 195 E. 2 mit Hinweisen). 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführeri n für die Monate April 2013 und Mai 2013 Anspruch auf ungekürzte Arbeitslosentaggelder nach Massgabe eines versicherten Ver- dienstes von Fr. 6‘148.-- hat. 3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. f AVIG in Verbindung m it Art. 15 Abs. 1 AVIG hat die versi- cherte Person Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wen n sie (unter anderem) vermitt- lungsfähig ist, d.h. wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzu- nehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. E ine behinderte Person gilt als vermittlungsfähig, wenn ihr bei ausgeglichener Arbeit smarktlage, unter Berücksichtigung ihrer Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare Arbei t vermittelt werde könnte (Art. 15 Abs. 2 AVIG). 3.2 Die Arbeitslosenentschädigung wird als Taggeld aus gerichtet (Art. 21 Satz 1 AVIG). Dessen Höhe richtet sich grundsätzlich nach dem versicherten Verdienst der arbeitslosen Per- son (Art. 22 AVIG). Als versicherter Verdienst gilt nach Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während ei nes Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise e rzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, sowe it sie nicht Entschädigung für arbeits- bedingte Inkonvenienzen darstellen. 3.3 Art. 40b der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die In- solvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 sieht eine Anpassung des versicherten Verdienstes in Ausnahmefällen vor. Im Regelfall wird de r versicherte Verdienst, wie oben aus- geführt, auf der Basis des im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebenden Lohnes bemessen, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder me hreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde (Art. 23 Abs. 1 AVIG, vgl. E. 3.2 hiervor). Der Bundesrat hat in Art. 37 AVIV den Bemessungszeitraum für den versicherten Verdienst festgelegt. Danach be- misst sich der versicherte Verdienst nach dem Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmo- nate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug (Art. 37 Abs. 1 AVIV). In aller Regel entspricht der auf diese Weise definierte Lohn der aktu ellen Leistungsfähigkeit der arbeitslosen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Person. Allfällige gesundheitsbedingte Leistungseinbu ssen können sich naturgemäss nur im Lohn niederschlagen, wenn sie nicht unmittelbar vor ode r sogar erst während der Arbeitslosig- keit entstanden sind. Tritt mit anderen Worten eine g esundheitsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unmittelbar vor oder während der Arbeitslosigkeit ein, so entspricht die aktuel- le Leistungsfähigkeit nicht mehr derjenigen vor der Arbeitslosigkeit, welche die Lohnbasis bilde- te. Weil der Lohn vor Eintritt der Arbeitslosigkeit abe r Bemessungsgrundlage für den versicher- ten Verdienst darstellt, muss in diesen Fällen eine Anp assung nach Art. 40b AVIV erfolgen. Ei- ne Korrektur gemäss Art. 40b AVIV ist daher durchzuführen, wenn der versicherte Verdienst auf einem Lohn basiert, den die versicherte Person im Zeitp unkt der Arbeitslosigkeit auf Grund ei- ner zwischenzeitlich eingetretenen Invalidität nicht meh r erzielen könnte. Unmittelbarkeit im Sinne von Art. 40b AVIV liegt also dann vor, wenn sich d ie gesundheitsbedingte Beeinträchti- gung der Erwerbsfähigkeit (noch) nicht im Lohn niederg eschlagen hat, welcher gemäss Art. 23 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 37 AVIV Bemessungsg rundlage für den versicherten Ver- dienst bildet (BGE 133 V 534 E. 4.1.2). 3.4 Das Bundesgericht kommt in BGE 132 V 357 zum Schluss, d ass sich der versicherte Verdienst im Sinne von Art. 40b AVIV nicht nach dem h ypothetischen Invalideneinkommen be- rechne, sondern nach dem vor der gesundheitsbedingten Beeinträchtigung der Erwerbsfähig- keit tatsächlich erzielten Einkommen, multipliziert mit d em Faktor, der sich aus der Differenz zwischen 100% und dem Invaliditätsgrad ergibt. Diese Anpassung des versicherten Verdienstes an die verbleibende Erwerbsfähigkeit hat unabhängig davon zu erfolgen, ob ein anderer Versi- cherungsträger Leistungen für die Teilinvalidität erbr ingt. Teilinvaliden, nicht rentenberechtigten Versicherten entsteht bei dieser Bemessung des versicherten Verdienstes zwar ein ungedeck- ter Ausfall. Indessen ist zu berücksichtigen, dass einen sol chen Ausfall auch erleidet, wer - bei nicht rentenbegründender Invalidität - einem Erwerb nachgeht und einen Invalidenlohn erzielt (BGE 133 V 524 E. 5.3; Urteil C 256/06 vom 29. Mai 2007, E. 5). 3.5 In Präzisierung der Bestimmung von Art. 40b AVIV h ält die AVIG-Praxis Arbeitslo- senentschädigung (AVIG-Praxis ALE) des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) fest, dass die Korrektur des versicherten Verdienstes im Zeitpunkt des Entscheides der IV erfolgt, unabhängig davon, ob die festgestellte Invalidität rentenbegründ end ist oder nicht. Nicht von Belang ist, ob die betroffene Person gegen den Entscheid der IV ein Rechtsmittel erhebt. Die Korrektur des versicherten Verdienstes ist sofort nach Erlass der IV-Ver fügung vorzunehmen (AVIG-Praxis ALE B256d und B256e). 3.6 Es kann aber Konstellationen geben, in welchen da s Abstellen auf den im IV-Verfahren ermittelten Invaliditätsgrad problematisch ist und zu un gerechten Ergebnissen führt. Zu denken ist hier zunächst an Fälle, bei denen sich die Sachlage seit Festlegung des IV-Grades verändert hat. Hier ist im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Verfahren vorfrageweise zu prüfen, ob sich die Erwerbsfähigkeit der versicherten Person seit der re ntenablehnenden Verfügung der IV- Stelle verbessert oder verschlechtert hat (BGE 133 V 524 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts vom 29. Mai 2007, C 256/06, E. 6.1). Aber auch ein von vo rnherein materiell unrichtig festgelegter IV-Grad kann für die Bemessung der arbeitslosenversicheru ngsrechtlichen Leistungen nicht massgeblich sein. Zu beachten ist, dass Versicherte im IV-Verfahren die Bestimmung des Inva- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht liditätsgrades nur anfechten können, wenn sie für die I nvalidenleistung relevant ist. Wird wie vorliegend eine Verbesserung des Gesundheitszustandes gel tend gemacht, besteht bei einem IV-Grad von weniger als 40% im IV-Verfahren kein Rechtsschutzinteresse, einen geringeren IV- Grad resp. eine fehlende Invalidität geltend zu machen . Zu berücksichtigen ist weiter, dass der in der Verfügung der IV-Stelle vom 27. März 2013 ermittelte IV-Grad aufgrund des Sachverhalts festgestellt wurde, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Ve rfügungserlasses am 27. März 2013 entwickelt hat. Die angepassten Taggeldabrechnungen de r Monate April 2013 und Mai 2013 betreffen demgegenüber die Zeit nach der IV-Verfügu ng. In einer solchen Konstellation ist im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Verfahren vorfrageweise zu prüfen, ob ein von vornherein materiell unrichtig festgelegter IV-Grad vorliegt (na chstehend E. 4.1.1 ff.) resp. ob sich die Er- werbsfähigkeit der Versicherten seit der rentenableh nenden Verfügung der IV-Stelle verändert hat (nachstehend E. 4.2.1 f.). 4.1.1 Die IV-Stelle stützte sich in der Verfügung vom 2 7. März 2013 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versiche rten auf das Gutachten von Dr. D.____ vom 22. Oktober 2012. Sie ging demnach dav on aus, dass der Versicherten die angestammte Tätigkeit und andere Tätigkeiten – unter B erücksichtigung einer Einschränkung des Rendements von 20% – zu 100% zumutbar sind. 4.1.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und i nsbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 11 5 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Das Gericht hat die medizinischen Unterl agen nach dem für den Sozialversiche- rungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an fö rmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi alversicherungsgericht alle Be- weismittel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu pr üfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be urteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist so mit grundsätzlich weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einger eichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.1.3 Die Beurteilung von Dr. D.____ ist sowohl in d er Darlegung der medizinischen Zu- sammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage darauf abgestellt hat. Auch der von der IV-Stelle durchgeführte Einkommensvergleich ist nicht zu beanstanden und zu Recht unbestritten. De mnach ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 27. März 2013 einen IV-Grad von 29% aufwies. Ein von vornherein materiell unrichtig f estgelegter IV-Grad (vgl. E. 3.6 hiervor) liegt unstreitig nicht vor. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.1 Zu prüfen ist weiter, ob sich die Erwerbsfähig keit der Versicherten seit der rentenab- lehnenden Verfügung der IV-Stelle vom 27. März 2013 ve rändert hat. Hierzu liegt ein Bericht des behandelnden Arztes Prof. C.____ vom 6. Juni 2013 vor. Demnach hat sich der Befund seit der letzten Konsultation am 18. März 2013 weiterhin massiv gebessert. Weiter führte Prof. C.____ aus, dass sich die Sensibilität im April/Mai 2013 vollständig erholt habe, die Paräs- thesien verschwunden seien und der lokale Schmerzpunkt nich t mehr auslösbar sei. Er hielt fest, dass die Versicherte ab Mai 2013 wiederum zu 100% arbeitsfähig sei. 4.2.2 Wie oben (vgl. E. 4.1.2 hiervor) dargelegt, obl iegt es allein den Ärztinnen und Ärzten, den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit von ve rsicherten Personen zu beurteilen. Mit der schlüssigen und deshalb überzeugenden Beurteilung vom Prof. C.____ vom 6. Juni 2013 ist die ab Mai 2013 eingetretene Verbesserung des Gesund heitszustandes hinreichend nachge- wiesen. Soweit die Beschwerdegegnerin die Zuverlässigkeit der Beurteilung von Prof. C.____ in Frage stellt, kann ihr nicht gefolgt werden, zumal kei ne anderslautenden medizinischen Unter- lagen vorliegen, welche die Beurteilung von Prof. C.____ in Frage stellen würden. Auch vermag die Tatsache, dass die Verbesserung des Gesundheitszustande s ab Mai 2013 anfangs Juni 2013 bescheinigt wurde, den Beweiswert seines Berichts ni cht zu schmälern. Folglich ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab Mai 2013 keine Einschränkung der Erwerbsfä- higkeit mehr aufweist. 4.3.1 Da nach dem Gesagten weder ein von vornherein m ateriell unrichtig festgelegter IV- Grad festzustellen ist noch Unterlagen vorliegen, die bereits ab April 2013 auf eine Verände- rung des Gesundheitszustandes schliessen lassen würden, ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin nach Erlass der IV-Verfügung vom 27. März 2013 eine Anpassung des versicherten Verdienstes vorgenommen hat. In Anlehnung an das Vorgehen der Vorinstanz, wonach die Anpassung des versicherten Verdienstes auf die n ächste Kontrollperiode vorge- nommen wird, bedeutet dies, dass die Beschwerdeführerin ab April 2013 Anspruch auf ein Taggeld gestützt auf einen versicherten Verdienst von F r. 4‘365.-- (Fr. 6‘148.-- x 71 %: 100%) hat. Folglich ist die Beschwerde vom 20. November 201 3 gegen den Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2013 als unbegründet abzuweisen. 4.3.2 Zu beachten ist aber, dass sich die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit der rentenablehnenden Verfügung der IV-Stelle vom 27. M ärz 2013 verbessert hat. Da die Be- schwerdeführerin nach den vorliegenden medizinischen Unterlagen ab Mai 2013 keine gesund- heitsbedingte Leistungseinbussen mehr aufweist, würde die Nichtbeachtung dieser Tatsache resp. die Bemessung des Taggeldes nach Massgabe eines gemäss Art. 40b AVIV reduzierten versicherten Verdienstes zu einem stossenden Ergebnis führen . Folglich ist in Gutheissung der Beschwerde vom 20. Januar 2014 der Einspracheentscheid vom 27. November 2013 aufzuhe- ben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, der Beschwe rdeführerin ab dem 1. Mai 2013 ungekürzte Arbeitslosentaggelder aufgrund eines versichert en Verdienstes von Fr. 6‘148.-- auszurichten. 5. Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG werden Sozialversicherunge n für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspru chs verzugszinspflichtig. In casu ent- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht steht der Anspruch auf ungekürzte Arbeitslosentaggelder nach Massgabe eines versicherten Verdienstes von Fr. 6‘148.-- ab Mai 2013. Somit sind bi s zum heutigen Tag noch keine 24 Mo- nate vergangen und die Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Verzugszinsen. 6. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshal b für die vorliegenden Verfahren kei- ne Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten wer den bei der nicht anwaltlich vertrete- nen Beschwerdeführerin wettgeschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Verfahren Nr. 715 13 339 und Nr. 715 14 20 werden zusammenge- legt. 2. Die Beschwerde vom 20. November 2013 gegen den Ein spracheent- scheid vom 17. Oktober 2013 wird abgewiesen. 3. Die Beschwerde vom 20. Januar 2014 wird in dem Sinn e gutgeheissen, als der Einspracheentscheid vom 27. November 2013 aufgeho ben und die Beschwerdegegnerin angewiesen wird, der Beschwerde führerin für den Monat Mai 2013 ungekürzte Arbeitslosentaggelder na ch Massgabe eines versicherten Verdienstes von Fr. 6‘148.-- auszurichten. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht