B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4431/2016 U r t e i l v o m 6 . J u n i 2 0 1 8 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), angeblich Somalia, verbeiständet durch lic. iur. Linda Keller, Rechtsanwältin, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 15. Juni 2016 / N (…). E-4431/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ‒ ein (ethnischer) Somali mit angeblich letztem Wohnsitz im Dorf B._______, Region C._______, Somalia ‒ reiste am 8. Juni 2014 in die Schweiz ein und stellte am 10. Juni 2014 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ ein Asylgesuch. B. Eine vom SEM veranlasste, am 13. Juni 2014 vom Kantonsspital E._______ durchgeführte radiologische Untersuchung ergab für den Be- schwerdeführer ein Skelettalter von (…) Jahren. C. Am 26. Juni 2014 fand die Kurzbefragung zur Person im EVZ statt; am 4. Juli 2014 führte das SEM eine Nachbefragung durch und gewährte dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zum Ergebnis der Knochen- altersanalyse. Am 16. Juli 2014 wurde – im Beisein einer Vertrauensperson für unbegleitete minderjährige Asylsuchende – die Anhörung zu den Asyl- gründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) durchgeführt. D. D.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs anlässlich der Befragung zu Person vor, er habe sein Heimatland Somalia verlassen, weil die islamistische Al-Shabaab-Miliz ihn habe zwangsrekru- tieren wollen. Im Januar 2012 hätten fünf Angehörige der Al-Shabaab sein Elternhaus aufgesucht, um ihn mitzunehmen. Da sich sein Vater dagegen gewehrt habe, hätten diese Männer diesen umgebracht und seien dann wieder weggegangen. Zwei Tage später seien erneut sieben Personen der Al-Shabaab zum Haus seiner Familie gekommen. Da seine Mutter gese- hen habe, wie diese sich dem Haus genähert hätten und ihn gewarnt habe, habe er fliehen können ; er habe sich daraufhin während fünf Monaten in einem benachbarten D orf verste ckt. Danach sei er noc h einmal für fünf Tage nach Hause zurückgekehrt und anschliessend am 14. Mai 2012 ille- gal nach Äthiopien ausgereist. Nach mehrmonatigen Aufenthalten in Addis Abeba und Khartum (Sudan) sowie einem einjährigen Aufenthalt in Libyen sei er auf einem Boot nach Italien gelangt. Von dort sei er per Zug in die Schweiz weitergereist. Schliesslich gab der Beschwerdeführer an, e r ge- höre dem Minderheitenclan Gaboye an, welcher durch die anderen Clans unterdrückt und diskriminiert werde. E-4431/2016 Seite 3 D.b Anlässlich der Anhörung gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, am 1. Januar 2012 seien fünf bewaffnete Männer der Al-Shabaab zu ihm nach Hause gekommen, um ihn zu rekrutieren. Sein Vater habe sich seiner Rek- rutierung jedoch widersetzt, weshalb es zu einem Streit zwischen ihm und diesen Männern gekommen sei, die den Vater schliesslich umgebracht hät- ten. Er selber sei während dieses Streits geflüchtet und habe sich während fünf Monaten in einem kleinen Ort in der Nähe seines Heimatdorfes ver- steckt. Als er danach nach Hau se zurückgekehrt sei, habe seine Mutter ihm berichtet, die Leute der Al-Shabaab hätten ihn gesucht und andere Ju- gendliche mitgenommen. Sie habe ihm Geld gegeben und ihm gesagt, er solle weggehen. Während seines Besuchs bei seiner Mutter seien sieben Männer der Al-Shabaab zu ihrem Haus gekommen. Seine Mutter, welche diese habe herannahen sehen, habe ihn gewarnt, so dass er sich diesen habe entziehen können, indem er durch ein Loch in der Rückwand ihrer Hütte geschlüpft und weggerannt sei. Er sei zunächst nach F._______ ge- gangen, wo er sich darüber informiert habe, auf welchem Weg und mit wel- chen Verkehrsmitteln er ausreisen müsse. Dann sei er via G._______ und Puntland nach Somaliland gegangen, von wo aus er die Grenze nach Äthi- opien überquert habe. E. Mit Verfügung vom 15. Juni 2016 (eröffnet am 17. Juni 2016) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. F. Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 18. Juli 2016 an das Bundesver- waltungsgericht, erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Ver- fügung des SEM und beantragte, der Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm unter Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter sei seine vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit und Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. In verfahrensrechtli- cher Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung und Verbeiständung. Zum Beleg seiner Vorbringen reichte er den Ausdruck eines Internetberichts des „Immigration and Refugee Board of Canada“ vom 4. Dezember 2012 betreffend die Situation der Angehöri- gen des Gaboye-Clans zu den Akten. E-4431/2016 Seite 4 G. Mit Zwischenverfügung vom 27. Juli 2016 stellte der Instruktionsrichter fest, dass über die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän- dung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110a Abs. 1 AsylG zu ei- nem späteren Zeitpunkt befunden werde, und verzichtete vorderhand auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Er forderte den Beschwerdeführer auf, innert Frist seine Mittellosigkeit zu belegen und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. H. Mit Eingabe vom 9. August 2016 (Poststempel) reichte der Beschwerde- führer eine Fürsorgebestätigun g des Gesundheits - und Sozial - departements H._______ zu den Akten. I. In ihrer Vernehmlassung vom 10. August 2016 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde J. Der Instruktionsrichter hiess mit Instruktionsverfügung vom 18. August 2016 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung gut, ordnete dem Beschwerdeführer seine bisherige Rechtsvertreterin Rechtsanwältin Linda Keller, als Rechtsbeiständin bei und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner wurde dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung des SEM zur Kenntnis ge- bracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverw altungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. D as Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche E-4431/2016 Seite 5 Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Vorinstanz stellte sich in ihrer Verfügung auf den Standpunkt, in Anbetracht der Tatsache, dass der Beschwerdeführer bei seiner Ankunft im EVZ D._______ einen Zettel mit Angaben zu seiner Biographie auf sich getragen habe, sowie aufgrund seiner unsub stanziierten und pauschalen Auskünfte über seine angebliche Herkunftsregion C._______ seien seine Angaben über seine Herkun ft zu be zweifeln. Diese Zweifel würden dadurch erhärtet, dass er auch zu seinen Familienverhältnissen, nament- lich zu den Namen der Ehemänner seiner Tanten väterlicherseits sowie zu deren Aufenthaltsorten, keine klaren Angaben habe machen können. Auch betreffend die von ihm behauptete Clanzugehörigkeit seien Vorbehalte an- zubringen, da der Beschwerdeführer diese Angaben auf einem bei ihm ge- fundenen Zettel notiert gehabt habe und den ursprünglichen Herkunftsort des Clans der Gaboye nicht habe benennen können. Dadurch, dass er of- fensichtlich nicht in dem von ihm behaupteten geographischen Raum ge- lebt habe, sei auch den von ihm geltend ge machten Asylgründen jegliche Grundlage entzogen. D ieser Schluss werde durch seine substanzlosen und widersprüchlichen Aussagen zu wesentlichen Punkten seiner Asyl - vorbringen bestätigt. Auch auf Nachfrage hin sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, den angeblichen Rekrutierungsversuch und die Tötung seines Vaters detailliert zu schildern. Auch seine Beschreibung der Flucht aus der Hütte seiner Familie erscheine als eine kurze Handlungs -E-4431/2016 Seite 6 abfolge welche keine eigene Auseinandersetzung mit den Geschehnissen zeige. Zudem habe er widersp rüchliche Angaben zum zeitlichen Abstand zwischen dem Tod seines Vaters und dem zweiten Rekrutierungsversuch der Al-Shabaab gemacht. Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden demnach den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Aus den Akten würden sich weiter keine Anhaltspunkte dafür erg eben, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heim atstaat mit b eachtlicher W ahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe, weshalb der Vol lzug der Wegweisung zu- lässig sei. Eine Rückkehr in den gel tend gemachten Herkunftsort B._______ in der Region C._______ wäre aufgrund der dort herrschenden allgemeinen Lage zwar als unzumutbar zu erachten. Aufgrund der un- glaubhaften Aussagen des Beschwerdeführers sei es dem SEM aber nicht möglich, sich in voller Kennt nis seiner tatsächlichen persönlichen und fa- miliären Situation zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu äussern. Die Unter suchungspflicht der Behörde finde ihre Grenze an der M itwir- kungs- und Wahrheitspflicht des Gesuchstellers. Es sei nicht Aufgabe der Asylbehörden, bei fehlen de Hinweisen seitens des Gesuchstellers nach allfälligen Wegweisungshindernissen zu forschen, falls dieser die A sylbe- hörden zu täuschen versuche. E s bestünden Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer aus Somaliland stamme. Auf dem bei ihm gefundenen Notizzettel sei notiert, dass C._______ sich „unten“ befinde , und er sei nach seinen Angaben über Somaliland ausgereist, obwohl es aus der von ihm behaupteten Heimat region C._______ einen direkteren Weg nach Äthiopien gegeben hätte. Der Vollzug von Wegweisungen somalischer Asylsuchender in den Norden Somalias werde als zumutbar erachtet. Es seien keine objektiven Gründe erkennbar, weshalb ihm eine Reintegration in Somalia nicht möglich sein sollte. Er habe mit der von ihm absolvierten Reise eine bemerkenswerte Selbstständigkeit und bemerkenswertes Durchsetzungsvermögen bewiesen. Die bei ihm nach der Einreise diag- nostizierte Tuberkuloseerkrankung sei mittlerweile abgeheilt. Der Wegwei- sungsvollzug erweise sich demnach auch als zumutbar. 3.2 Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seiner Beschwerde vor, er habe die handgeschriebenen Notizen, welche er auf sich getragen habe, während seiner Gefangenschaft geschrieben, um Informationen über seine Herkunft und Clanzugehörigkeit schriftlich festzuhalten. Seine Angaben zum Schulweg seien angesichts der Tatsache, dass sein Her- kunftsort B._______ rund 70‘000 Einwohner habe, plausibel. Bezüglich der E-4431/2016 Seite 7 Schilderungen zur Region C._______ habe die Vo rinstanz nicht berück- sichtigt, dass er die Hauptstadt und die Distrikte derselben habe nennen können. Dass er keine detaillierteren Angaben machen könne, liege daran, dass er die Schule früh verlassen habe, das Schulniveau in Somalia nicht mit demjenigen der Schweiz vergleichbar sei und er sich weitgehend nur in B._______ aufgehalten habe. Bei der protokollierten Aussage, C._______ sei eine Stadt, müsse es sich um einen Übersetzungs - oder Verständigungsfehler handeln. Das SEM habe sein Ermessen überschrit- ten, in dem es in willkürlicher Weise nur diejenigen Aussagen berücksich- tigt habe, welche das angeblich widersprüchliche Aussageverhalten stüt- zen würden, hingegen detaillierte und nachvollziehbare Angaben nicht ge- würdigt habe. Im Weiteren sei nachvollziehbar, dass er kein enges Verhält- nis zu seinen Tanten väterlicherseits gehabt habe; er habe immerhin kohä- rente Angaben zu seinen Brüdern und Tanten mütterlicherseits gemacht. Betreffend seine Clanzughörigkeit habe er entgegen der Argumentation der Vorinstanz keine unrichtigen oder unklaren Angaben gemacht, sondern seine diesbezüglichen Ausführungen seien detailliert. Der Clan der Gaboye lebe gemäss vorliegenden Berichten nicht nur im Norden, sondern auch in Mogadischu, und dessen Herkunft sein nicht klar. Die Vorinstanz habe sich auch zu di esen Punkten auf einen unrichtigen Sachverhalt ab gestützt. Seine Ausführungen betreffend die Rekrutierung durch die Al -Shabaab seien nachvollziehbar. Demnach sei seine Flüchtlingseigen schaft ohne weiteres erstellt. Sollte ihm kein Asyl gewährt werden können, sei der Wegweisungsvollzug nach Somalia als unzumutbar zu qualifizieren. Würden alle seine Aussa- gen sorgfältig gewürdigt, sei klar, woher er stamm e und mit welchen Schwierigkeiten er im Falle ein er Rückkehr in seine Heima t konfrontiert wäre. Es treffe nicht zu, dass er seiner Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht nicht nachgekommen sei. Die Vorin stanz habe, indem sie gestützt auf diese falsche Begründung keine weiteren Abklärungen getroffen habe, will- kürlich gehandelt und ihre Verfügung auf einen unzureichend festgestellten Sachverhalt abgestützt. Der Wegweisungsvollzug sei unzumutbar, weil er dem unterdrückten Clan der Gaboye angehöre, sein Vater ermordet wor- den sei und er von den Al-Shabaab gesucht werde. Im Falle einer Rückkehr nach Somalia wäre er einer konkreten Gefährdung seines Lebens ausge- setzt. E-4431/2016 Seite 8 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaf t nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder di e nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für ge- wisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Ent- scheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhalts- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekti- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entschei- dungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskom- mission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). E-4431/2016 Seite 9 5.2 Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze der Glaubhaftigkeitsprüfung gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass der vom Besch werdeführer als Grund für seine Ausreise vorge- brachte Versuch von Angehörigen der Al -Shabaab, ihn zwangsweise zu rekrutieren, sowie die Tötung seines Vaters als unglaubhaft zu erachten sind. Seine diesbezüglichen Ausführungen sind auffallend substanzlos und detailarm und vermitteln nicht den Eindruck einer Schilderung realer Erleb- nisse. Darüber hinaus enthalten seine Aussagen erhebliche Widersprüche betreffend die zeitliche Abfolge der geschilderten Ereignisse : In der BzP gab er zu Protokoll, die Al-Shabaab seien zwei Tage nach dem ersten Be- such ein zweites Mal bei ihm zu Hause erschienen und er habe sich – nachdem er ihnen dank einer Warnung seiner Mutter habe entkommen können – fünf Monate lang in einem Nachbardorf versteckt (Protokoll BzP A12 S. 9); im Rahmen der Anhörung führte er hingegen aus, er habe sich bereits nach dem ersten Erscheinen der Al-Shabaab während fünf Mona- ten versteckt. Diese hätten nach seiner Rückkehr nach Hause seine Fami- lie erneut aufgesucht, jedoch habe er rechtzeitig vor ihnen fliehen können (Protokoll Anhörung A24 S. 12 f.). Die Ausführungen in der Beschwerde- eingabe sind in keiner Weise ge eignet, diese Ungereimtheiten auszuräu- men, verwies der Beschwerdeführer diesbezüglich doch lediglich darauf, seine Aussagen betreffend die Rekrutierung durch die Al -Shabaab seien „nachvollziehbar“ (Beschwerdeschrift S. 6), ohne im Einzelnen auf die ge- nannten Unglaubhaftigkeitselemente einzugehen. 5.3 Diese Einschätzung wird dadurch erhärtet, dass – wie die Vorinstanz zu Recht ausführt – Anlass zu erheblichen Zweifeln an der vom Beschwer- deführer behaupteten Herkunft aus der Region C._______ in Zentralsoma- lia besteht. Er hat keinerlei Identitätspapiere oder andere Beweismittel zum Beleg seiner Identität eingereicht. Der Umstand, dass er beim Einreichen des Asylgesuchs einen Zettel mit Notizen zu seiner Biografie sowie zu ge- ographischen Angaben betreffend die Region C._______ auf sich trug, ist ein erhebliches Indiz dafür, dass er sich auf einen konstruierten Sachver- halt abgestützt hat. Seine Erklärung, er habe diese Angaben aufgeschrie- ben, weil er befürchtet habe, sie zu vergessen (vgl. A24 S. 8), ist offensicht- lich unbehelflich: Es ist unrealistisch, dass er sich an für seine Bio grafie derart zentrale Angaben, würden sie der Wahrheit entsprechen, nicht mehr erinnern könnte. Im Übrigen sind seine Angaben zu seinem angeblichen Herkunftsort B._______ und die Region C._______ vage und widersprüch- lich. Namentlich gab er anlässlich der Nachbefragung vom 4. Juli 2014 zu Protokoll, er sei in „einem kleinen Dorf“ aufgewachsen (vgl. A18 S. 3) und bei der Anhörung sagte er aus, sein Herkunftsort B._______ sei “ein ganz E-4431/2016 Seite 10 kleiner Ort“ (vgl. A24 S. 4 F39). Hingegen ist in der Beschwerdeschrift von einer Stadt mit 70‘000 Einwohnern die Rede. Zwar vermochte er den Hauptort der Region C._______ und einige Städte zu nennen, jedoch sind seine Angaben zu den Nachbarprovinzen unvollständ ig und zum Teil un- richtig. Demnach kann die Schlussfolgerung der Vorinstanz, der Beschwer- deführer habe falsche Angaben zu seiner Herkunftsregion gemacht, offen- sichtlich nicht als willkürlich bezeichnet werden. 5.4 Die Glaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer behaupteten Zugehö- rigkeit zum Minderheiten-Clan der Gaboye kann offen gelassen werden . Selbst wenn die behauptete Clanzugehörigkeit zutreffen sollte, kann alleine hieraus keine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung abgeleitet werden. Die Diskriminierung des Gaboye-Clans in Somalia erreicht nicht ein Aus- mass, welches es rechtfertigen w ürde, von einer systematischen Verfol- gung aller Angehörigen dieser Volksgruppe im Sinne einer Kollektivverfol- gung auszugehen (vgl. Urteil BVGer D-5447/2016 vom 7. November 2017; zu den hohen Anforderungen an die Annahme einer solchen kollektiven Verfolgung vgl. etwa BVGE 2013/21 E. 9.1 unter Hinweis auf BVGE 2011/16 E. 5). 5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerde führer nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungs- gefahr nachzu weisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch demzufolge zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Ans pruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). E-4431/2016 Seite 11 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Die Zulässigkeit, Zum utbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungs- vollzugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungs- pflicht findet jedoch praxisgemäss ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG). Bei missbräuchlich verschwie- gener tatsächlicher Herkunft kann es nicht Sache der Behörden sein, nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunfts- ländern zu forschen. 7.3 In Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Ausführungen ist festzu- stellen, dass es den Asylbehörden nicht möglich ist, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Verhältnisse des Beschwer- deführers zur Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung zu äussern, da er gegenüber den Asylbehörden unglaubhafte Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen und zu seiner Herkunft beziehungs- weise Staatsangehörigkeit gemacht hat. Wie oben dargelegt, ist die vom Beschwerdeführer behauptete Herkunft aus der Region C._______, Zent- ralsomalia, unglaubhaft (vgl. E. 5.3). Demnach hat er durch seine Verheim- lichung respektive Verschleierung seiner wahren Herkunft seine Mitwir- kungspflicht verletzt. Nachdem die Muttersprache des Beschwerdeführers nicht nur in Somalia, sondern auch in den drei angrenzenden Ländern am Horn von Afrika gesprochen wird, steht bei dieser Aktenlage letztlich nicht einmal seine Nationalität mit Sicherheit fest. Der Beschwerdeführer hat die Folgen dieser Pflichtverletzung insoweit zu tragen, als seitens der Asylbe- hörden der Schluss zu ziehen ist, einer Rückkehr an den bisherigen Auf- enthaltsort stehe vermutungsweise nichts entgegen, da er keine konkreten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine solche Rückkehr spre- chen würden (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 und E. 6). Der Vollzug der Weg- weisung ist somit sowohl zulässig als auch zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). E-4431/2016 Seite 12 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischen- verfügung vom 18. August 2016 sein Gesuch um unentgeltliche Prozess- führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine An- haltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seither ent- scheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von Verfahr enskosten abzusehen. 10. Mit der Zwischenverfügung vom 18. August 2016 wurde auch das Gesuch des Beschwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a Abs. 1 VwVG) und seine Rechtsvertreterin als Rechtsbeiständin eingesetzt. Dieser ist ein amtliches Honorar für ihre notwendigen Aufwen- dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die Rechtsbeiständin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb das Honorar aufgrund der Akten festzusetzen ist (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2] ). Unter Berücksichtigung der massgeben- den Berechnungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 8 ff. VGKE) ist das amtliche Honorar auf Fr. 1‘100.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) fest- zusetzen und durch die Gerichtskasse zu vergüten (Dispositiv nächste Seite) E-4431/2016 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin wird auf Fr. 1‘100.– bestimmt und durch die Gerichtskasse vergütet 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: