#ST# Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Nationalrat-Conseil national 1991 Frühjahrssession -17. Tagung der 43. Amtsdauer Session de printemps - 17e session de la 43e législature #ST# Erste Sitzung - Première séance Montag, 4. März 1991, Nachmittag Lundi 4 mars 1991, après-midi 14.30 h Vorsitz - Présidence: Herr Bremi Präsident: Mit Erleichterung haben wir von der Einstellung der Feindseligkeiten in Kuwait und Irak Kenntnis genommen. Kuwait ist befreit, und seine Souveränität ist wiederhergestellt. Unser Dank richtet sich in erster Linie an die alliierten Streit- kräfte, welche für die Achtung des internationalen Rechtes und die Durchsetzung der Resolutionen des Uno-Sicherheits- rates gekämpft haben. Jetzt gilt unser Bestreben der Lösung der hängigen Probleme. Am vordringlichsten ist sicher die Lö- sung des israelisch-arabischen Konfliktes und besonders der Palästinafrage. Dringlich ist aber auch der Wiederaufbau des libanesischen Staates, und nicht vergessen wollen wir die Pro- bleme der Kurden. Vielleicht könnte eine der KSZE vergleich- bare Institution dazu beitragen, die Sicherheit in dieser Region zu erhöhen. Eine Verteilung der Einkünfte aus der Erdölförde- rung könnte der ganzen Region zu Wohlstand verhelfen. Unser Land wird grosse Anstrengungen unternehmen, um den Opfern des Konfliktes zu helfen, und es wird dabei beson- ders die Anstrengungen des IKRK unterstützen. Die Schweiz ist bereit, ihre Guten Dienste allen Parteien zu gewähren, die es wünschen. Aus dem Golfkrieg müssen wir aber auch Lehren ziehen, was den Export von Waffen und militärischer Technologie in Kon- fliktregionen betrifft. In Zukunftsoll kein Tyrann mehr sein Land in den Abgrund eines Krieges mitreissen und seinem Volk da- mit unermessliches Leid zufügen können. Im Vergleich zum Golfkonflikt scheinen unsere Probleme ge- ringfügig zu sein. Ich möchte es dennoch nicht unterlassen, meine Freude darüber auszudrücken, welches Vertrauen das Stimmvolk mit der Annahme der Initiative zum Stimm- und Wahlrechtsalter ab 18 Jahren unserer Jugend gegenüber ge- rade in diesem Jahr bewiesen hat. In beiden Volksabstimmun- gen - dem Stimmrecht für 18jährige und der Initiative zur För- derung des öffentlichen Verkehrs-wurden die Empfehlungen der Bundesversammlung befolgt. Nachrufe - Eloges funèbres Präsident: Am 24. Januar dieses Jahres ist Herr alt National- ratspräsident André Guinand in seinem 90. Altersjahr verstor- ben. Herr Guinand war Rechtsanwalt. Er leitete ein angesehe- nes Advokaturbüro und war Vorsitzender der Anwaltskammer und Präsident des Kassationshofes. Er war auch Ehrenpräsi- dent von Radio Genève und Präsident der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft. Ausserdem übte er die Funk- tion des Generalsekretärs der Schweizerischen Motorfahrer- vereinigung aus. In der Armee bekleidete er den Rang eines Oberstleutnants. Das Vertrauen seiner Mitbürger führte ihn in den Grossen Rat, wo er der freisinnigen Fraktion angehörte und den er im Jahre 1943/44 päsidierte. Er war zudem Mitglied des Stadtrates von Carouge. 1943 wurde Herr Guinand in den Nationalrat ge- wählt, dem er während fünf Legislaturperioden angehörte. In dieser Zeit war er u. a. Präsident der Petitionskommission so- wie Präsident der Kommission zur Beratung der Statuten der Eidgenössischen Versicherungskasse und des Strassenver- kehrsgesetzes. Seine Voten im Parlament zeugen von einem grossen Interesse für Fragen der sozialen Sicherheit und der Stellung des Bundespersonals, in denen er sehr fortschrittli- che Ansichten vertrat. André Guinand präsidierte den Nationalrat 1962/63. Bei sei- nem Abschied am 4. Oktober 1963 erklärte er: «Das Gleichge- wicht unserer Nation besteht aus der Weisheit ihrer Bürger, aus dem Respekt vor der Meinung des anderen und aus der positiven Zusammenarbeit der Gewalten.» Diese Aussage hat nichts von ihrer Wahrheit verloren. Herr Guinand hat sich sehr für die Arbeit der Interparlamentari- schen Union interessiert und wurde Ehrenmitglied dieser Ver- einigung. Als mitfühlender Mensch kümmerte sich André Gui- nand aktiv um das Los der französischen Kriegsgefangenen. In Anerkennung seiner Leistung wurde er mit der Medaille der Légion d'honneur ausgezeichnet. Der Verstorbene war ein Humanist und hat seiner Stadt, dem Kanton und unserem Land viel gegeben. Ich versichere seine Ehefrau und seine Familie im Namen des Nationalrates unseres aufrichtigen Beileids. Am 22. Februar dieses Jahres ist unser Kollege Richard Reich in seinem 64. Altersjahr an einem Herzversagen gestorben. Wir haben eine Persönlichkeit mit ungewöhnlich breitem Wis- sen verloren. Am 4. September 1927 in Oberuzwil geboren, blieb er in sei- nem Wesen dem heimatlichen Toggenburg verbunden. Seit der Mittelschule in St. Gallen und philosophischen Studien in Zürich und Tübingen hat er sich stets für die Probleme unseres Landes und unserer Zeit interessiert. In den Jahren 1959 bis 1971, während seiner Tätigkeit als Inlandredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung», kamen seine publizistischen und ab 1972 in seiner Aufgabe als Direktor der Gesellschaft zur Förderung' der schweizerischen Wirtschaft seine wirtschaftspolitischen Talente zum Tragen. Seit seinem Rücktritt aus dieser Organi- sation Ende 1990 hat er mit der ihm eigenen Schaffenskraft eine eigene Beraterfirma aufgebaut.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Titelblatt Frontispice Frontispizio In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1991 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 00 Séance Seduta Geschäftsnummer --- Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 04.03.1991 Date Data Seite 197-197 Page Pagina Ref. No 20 019 635 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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