B. Gerichtsentscheide 3551 68 vom Pflichtigen zu erbringende angemessene Entschädigung nicht entsprechend verzinst werden soll. Nach dem Bundesgerichtsentscheid 132 III 145 E. 4 kann der Richter gegen den Willen des berechtigten Ehegatten nicht a nordnen, dass eine angem essene Entschädigung i.S.v. Art. 124 ZGB, die der verpflichtete Ehegatte mit s einem freien Vermögen zu begle ichen hat, in gebundener Form entrichtet wird. Hier hat di e Appellantin einem solchen Vor gehen anlässlich der Appellationsverhandlung jedoch ausdrücklich zugestimmt. Eine ent sprechende Anweisung kann somit ohne weiteres erlassen werden. Zusammenfassend ist der Appellant demnach zu verpflichten, g e- stützt auf Art. 124 Abs. 1 ZGB einen Betrag von Fr. 40'000.00 auf die Vorsorgeeinrichtung der Appellantin (Personalvorsorgekasse der A AG) zu überweisen. Der Betrag von Fr. 40'000.00 ist ab Recht skraft dieses Urteils zum BVG -Mindestzinssatz nach Art. 12 BVV 2 (zur Zeit 2 %) zu verzinsen und es ist zugunsten der Appellantin auf dem Grundstück Nr. Z., Grundbuch R., eine Grundpfandverschreibung im Betrage von F r. 40'000.00 im 2. Rang, Pfandvorgang Fr. 380'000.00, zu errichten. OGer, 23.08.2010 3551 Anfechtung Vaterschaft. Anfechtung nach Ablauf der Klagefrist (Art. 260c Abs. 3 ZGB) und Rechtzeitigkeit der Klage. Ein wichtiger Grund für eine Anfechtung nach Ablauf der Klagefrist liegt vor, wenn vor Ablauf der Frist kein Anlass bestanden hat, an der Ehelichkeit des Kindes zu zweifeln. Die Einreichung der Klage innerhalb von drei W o- chen ist ausreichend. Sachverhalt: Am 12. Juli 1984 wurde X. als Sohn der Y in M geboren. Der d a- malige Ehemann von Y wurde vorerst als Vater im Register eingetr a- gen, nach erfolgreicher Anfechtung der Ehelichkeitsvermutung aber wieder gelöscht. Z . hat am 8. November 1985 vor dem Zivilstand s- amt S. die Vaterschaft von X. anerkannt. B. Gerichtsentscheide 3551 69 Im Januar 1988 hat Z. die Anerkennung der Vaterschaft beim d a- maligen Bezirksgericht G. angefochten. Die Klage wurde im März 1988 abgewiesen. Im Dezember 2008 klärte das Institut für Rechtsmedizin (IRM) des Kantonsspitals St. Gallen die Vaterschaft von Z . für X. ab. Es kam in seinem Bericht vom 18. Dezember 2008 zum Schluss, die Vate rschaft sei genetisch nicht möglich und deshalb mit Sicherheit ausgeschlo s- sen. Aus den Erwägungen: 2.1 Nach Art. 260c Abs. 1 ZGB ist die A nfechtungsklage binnen Jahresfrist einzureichen, seitdem der Kläger von der Anerkennung und von der Tatsache Kenntnis erhalten hat, dass der Anerkennende nicht der Vater ist, in jedem Fall aber vor Ablauf von fünf Jahren seit der Anerkennung. Nach Ablauf d ieser Frist wird eine Anfechtung z u- gelassen, wenn die Verspätung mit wichtigen Gründen entschuldigt wird (Art. 260c Abs. 3 ZGB). Hervorzuheben ist, dass es sich um Ve r- wirkungs- und nicht um Verjährungsfristen handelt ( Urteil BGer 5C.130/2003, E. 1.2.). Sol che Fristen sind von Amtes wegen zu b e- achten (Cyril Hegnauer, Berner Kommentar, 4. A., Bern 1984, N 37 zu Art. 256c ZGB). Die 5-Jahresfrist seit der Anerkennung ist im November 1990 ab- gelaufen. Es ist deshalb zu prüfen, ob wichtige Gründe i.S.v. Art. 260c Abs. 3 ZGB vorliegen. Dies ist nach Recht und Billigkeit zu beurteilen (Cyril Hegnauer, a.a.O., N 30 ff. zu Art. 260c ZGB). Grun dsätzlich ist ein strenger Massstab anzuwenden; es besteht jedoch eine Liberal i- sierungstendenz, weil der biologische Vater immer mehr an Bede u- tung gewinnt ( Urteil BGer 5C.113/2005, E. 4.1.). Unterschieden we r- den objektive Hinder nisse (Krankheit, Abwesen heit,…) und auch su b- jektive Hindernisse (fehlende intellektuelle Fähigkeiten, Hoffnung auf Weiterführung der Ehe mit der Mutter,…). Nach Hegnauer (Cyril Hegnauer, a.a.O., N 31 zu Art. 260c i.V.m. N 57 zu Art. 256c ZGB) bildet allein das Fehlen zu reichender Veranlassung zu Zweifeln ke i- nen wichtigen Grund. Der Sinn der 5 -Jahresfrist liege gerade darin, in solchen Fällen die nac hträgliche Anfechtung im Interesse des Kin des auszuschliessen. Demgegenüber findet sich in einem Urteil des Ka n- tonsgerichts St. Gallen vom 8. April 2007 (in FamPra 2009, S. 489) der folgende Satz. „Eine verspätete Klage wird grundsätzlich zugela s- sen, wenn der Kläge r zuvor an der Vaterschaft bloss vage zweifelte, B. Gerichtsentscheide 3551 70 aber keine bestimmten Anhaltspunkte für diesen Verdacht hatte. Dann wird ihm nicht zugemutet, auf Geratewohl zu klagen“. Auch das Bu n- desgericht ist der Meinung von Hegnauer ausdrücklich nicht gefolgt und anerkennt einen wichtigen Grund, wenn vor Ablauf der Frist kein Anlass bestanden hat, an der Ehelichkeit des Kindes zu zweifeln ( Ur- teil BGer 5C.113/2005, E. 4.1 f. und Urteil BGer 5C.130/2003, E. 1.2.). Als Grund für die Nichteinhaltung der Frist haben die K läger – eheliche Kinder von Z – lediglich ihre Unkenntnis von der Nichtvate r- schaft angegeben. Würde man Hegnauer folgen, so könnte die Frist nicht wieder hergestellt werden. Dies wäre gleichbedeutend mit der Abweisung der Klage. Folgt man jedoch dem Bundes gericht, gelangt man zum gegenteiligen Resultat. Das Gericht erachtet die Begrü n- dung des Bundesgerichts in seinem Entscheid 5C.113/2005 in E . 4.1 als überzeugend und folgt deshalb der Mei nung des Bundesg erichts. Bis zur Mitteilung des Berichts des IRM St. Gallen h atten die Kläger keine Zweifel an der Vaterschaft des Beklagten 2. Waren die Kläger aber gehalten, sich über die tats ächlichen Verhältnisse G ewissheit zu verschaffen, so dass das Unterlas sen von Abklä rungen als unen t- schuldbar erscheint (Frage gemäs s Urteil BGer 5C.113/2005, E. 4.2.)? Nach den vorlieg enden Unterlagen hatten die Klä ger vor dem Dezember 2008 keine Veranlassung zu Abklärungen. Auch X. erhebt in dieser Richtung keine Vorwürfe an die Adresse der Kläger. Es ist zudem eine Interessenabwägu ng vorzunehmen ( Urteil BGer 5C.130/2003, E. 2 3. Absatz). X. ist erwachsen und befindet sich auch nicht in einer Ausbildung. Zudem steht fest, dass er keinen Ko ntakt zu Z. hatte und hat. Es geht ihm allein um mate rielle Interessen. Gleiche Interessen sind auf Seiten der Kläger erkennbar. Es kann somi t nicht gesagt werden, die Inte ressen von X. seien viel stärker als die Int e- ressen der Kläger. Mithin ist der wichtige Grund zu bejahen und die Anfechtung sklage zuzulassen. 2.2 Die Klage muss nach dem Wegfall de s Hinderungsgrundes (hier: der Erlangung von Kenntnissen über die Nichtvaterschaft) mit al- ler nach den Umständen möglichen Beschleunigung erhoben we rden (Urteil BGer 5C.113/2005, E. 5 am Ende, mit Verweis auf BGE 129 II 412 E. 3.). In casu haben die Kl äger frühestens nach der Zustel lung des Berichts des IRM am 19. Dezember 2008 von der Nichtvate r- schaft Kenntnis erlangt. Sie haben behauptet, die Informat ion sei Mitte Februar 2009 durch Z . an sie erfolgt. Aufgrund des besonderen I n-B. Gerichtsentscheide 3552 71 halts der Mitteilung erscheint es als glaubwürdig, dass Z. – nach einer eigenen Bedenkzeit – alle drei Kläger miteinander info rmieren wollte. Wegen des auswärtigen Wohnsitzes der Klägerin 1 musste ein Termin an einem Wochenende vereinbart werden. Es erscheint realistisch, dass das Ge spräch zwischen den Klägern und Z. erst im Febr u- ar 2009 stattge funden hat. Die Klage da tiert vom 25. Februar 2009 und erfolgt somit längstens drei Wochen später. Damit erweist sich die Klage als rechtzeitig (vgl. auch BGE 85 II 311). KGer, 11.01.2010 3552 Nachbarrecht. Überragende Pflanzen. Imm issionen resp. unmittelba- re Eingriffe (Art. 641, 684 und 687 ZGB). Aus den Erwägungen: 2.1 Gemäss Art. 684 Abs. 1 ZGB muss sich jeder Eigentümer e i- nes Grundstückes bei der Ausübung seines Eigentums aller übermä s- sigen Einwirkungen auf das Eigentum des Nachbarn enthalten. Als Einwirkungen oder Immissionen nach Art. 684 ZGB definieren Lehre und Rechtsprechung alles, was sich als eine nach dem g ewöhnlichen Lauf der Dinge unwillkürliche oder indirekte Folge eines mit der B e- nutzung oder Bewi rtschaftung eines anderen Grund stückes adäquat kausal zusammenhängenden menschlichen Verhaltens auf dem b e- troffenen Grundstück auswirkt ( Lukas Roos , Pflanzen im Nachba r- recht, Diss., Zürich 2002, S. 244). Für die Annahme eines mensc hli- chen Verhaltens reicht es dabei aus, dass der Grundstückseigentümer nichts gegen die von seinem Grundstück ausgehenden pflanzlichen Einwirkungen unternimmt ( Lukas Roos , a.a.O., S. 18 oben). Pflanzl i- che Immissionen i.S.v. Art. 684 ZGB sind unter anderem Nadeln, Tannenzapfen sowie tropfendes Harz ( Lukas Roos, a.a.O., S. 27 un- ten). Die Kantonalen Gerichte sind bei der Annahme einer Übermä s- sigkeit von Immissionen zurückhaltend. Einwirkungen durch Laub, Nadeln oder Tannenzapfen haben als ortsüblich zu gelten und hab en als natürlicher Vorgang hingenommen zu werden, sofern sie die Grundstücksbenutzung nur geringfügig beeinträchtigen. Ein davon abweichendes subjektives Empfinden des Nachbarn spielt keine Rolle