Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2012 ( 720 12 93) ____________________________________________________________________ Invalidenversichrung IV-Rente (Revision) Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Micha el Guex, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Marion Wüthrich Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Yves Waldmann, Advokat gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1965 geborene A.____ arbeitete zuletzt von Juni 2000 bis Juni 2003 als Küchen- mitarbeiterin im B.____-Spital. Am 4. Juni 2003 mel dete sie sich unter Hinweis auf Rheuma, Depressionen, Herzklopfen, Rücken- und Knieschmerzen bei d er Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Leistungsbezug an und ersuchte um Ar beitsvermittlung. Nach Durchfüh- rung der gesundheitlichen und erwerblichen Abklärungen , ermittelte die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) bei der Versicherten in Anwendu ng der allgemeinen Methode des Ein- kommensvergleichs einen Invaliditätsgrad von 55%. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ mit Verfügung vom 16. März 2005 rückwirkend ab 1. Juni 2003 eine halbe Rente zu. Die dagegen von A.____ erhobene Einsprache wies die IV-Stelle am 30. August 2006 ab. Die in der Folge von A.____ gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde wurde vom Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrech t (Kantonsgericht), mit Urteil vom 14. März 2007 abgewiesen. Ein im September 2007 von der IV-Stelle von Amtes weg en eingeleitetes Revisionsverfahren wurde mit Mitteilung vom 7. Januar 2008 unverändert abgeschlossen. Zudem wurde A.____ mit Verfügung vom 16. Mai 2008 rückwirkend ab September 200 6 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades zugesprochen. Am 4. Juni 2009 reichte A.____ ihrerseits ein Gesuch um Rentenrevision ein. Nachdem die IV- Stelle die erforderlichen Abklärungen durchgeführt hat te, ermittelte sie bei der Versicherten in Anwendung der allgemeinen Methode des Einkommensvergle ichs einen rentenausschliessen- den Invaliditätsgrad von nunmehr noch 31%, worauf sie di e laufende halbe Rente nach Durch- führung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 6. F ebruar 2012 auf Ende des der Zu- stellung folgenden Monats aufhob. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dr. Yves Waldmann, am 12. März 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie be antragte die Aufhebung der Verfü- gung vom 6. Februar 2012 und die Zurückweisung der Sach e an die Beschwerdegegnerin für weitere medizinische Abklärungen sowie zur Prüfung und Durchführung beruflicher Eingliede- rungsmassnahmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantra gte sie zudem die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung durch Advokat Dr. Waldmann; unter o/e- Kostenfolge. C. Das Kantonsgericht wies mit Verfügung vom 19. März 201 2 den Antrag der Beschwer- deführerin auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessfü hrung ab. Es bewilligte der Beschwer- deführerin jedoch unter Anrechnung eines Selbstbehal tes von Fr. 1'100.-- die unentgeltliche Verbeiständung durch Advokat Dr. Waldmann. D. Die IV-Stelle liess sich am 25. Mai 2012 vernehmen un d beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 l it. b des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fr ist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 12. März 2012 ist einzutreten. 2. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Kran kheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1). Danach ist der Invalidität sgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wi rd das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen d urch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkom mensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 104 V 136). 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Invalidenren ten für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditä tsgrad in einer für den Anspruch er- heblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt j ede wesentliche Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditä tsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesund- heitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan- des erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mi t Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bund esgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.1 mit Hinweis). 4.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4, 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend wurde der Versicherten mit Verfügung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 16. März 2005 rückwirkend ab 1. Juni 2003 eine halbe Invalidenrente zugesprochen, wel- che − nach Einholen eines weiteren medizinischen Gutacht ens − mit Einspracheentscheid vom 30. August 2006 von der IV-Stelle bestätigt wurde. Im September 2007 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein weiteres Rentenrevisionsverfahren ein, wo bei sie sich in der Folge darauf beschränkte, bei der behandelnden Ärztin einen aktuelle n Arztbericht einzuholen. Nach dessen Vorliegen teilte die IV-Stelle der Versicherten mit S chreiben vom 7. Januar 2008 mit, dass sie keine rentenbeeinflussende Änderung des Invaliditätsgra des festgestellt habe. Nachdem die Versicherte im Juni 2009 ihrerseits eine erneute Überp rüfung ihres Rentenanspruchs beantragt hatte, hob die IV-Stelle die laufende halbe Invalide nrente der Versicherten mit vorliegend ange- fochtener Verfügung vom 6. Februar 2012 auf. Im Licht e der vorstehend erwähnten bundesge- richtlichen Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Ver- hältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerichteten Ren- te rechtfertigt, demnach durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt des Einsprache- entscheids vom 30. August 2006 bestanden hat, mit demje nigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 6. Februar 2012. 5. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesun dheitszustand und − damit einher- gehend − der Grad der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde führerin tatsächlich, wie von der IV- Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 6. Februar 2012 geltend gemacht, seit der mit Ein- spracheentscheid vom 30. August 2006 bestätigten halben Rentenzusprechung in einer an- spruchserheblichen Weise verbessert hat und ob die IV-Stelle die halbe Rente der Beschwerde- führerin zu Recht per Ende März 2012 aufgehoben hat. M assgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 6. Februar 2012 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 6.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde − die Verwaltung und im Streitfall das Gericht − auf Unter lagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 6.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle anderen Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen un d danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung d es streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (die ausführlichen Zusammen- stellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spreche n (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weite- ren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 Bundesgericht , sozialrechtliche Abteilung] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärz- ten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rech nung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (U LRICH MEYER -BLASER , Bundesgesetz über die Invali- denversicherung [IVG], 2. Auflage, Zürich 2010, S. 353; BGE 125 V 353, 122 V 162 E. 1c, 120 V 367 E. 3b). Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfas- senden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die pote ntiellen Stärken der Berichte behan- delnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allei n, dass eine Einschätzung vom be- handelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich ein- zustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und u mfassende Betreuung durch behan- delnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unter- schiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisc h tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmed izinischen Experten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 5 06/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu neh- men, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Sozialver- sicherungsrecht Rechtsprechung [SVR] 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 mit Hinweisen). Vorbehal- ten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige − und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende − Aspekte be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 mit Hinweisen). 6.4 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körper- liche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Ar t. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Die Annahme eines psychischen Ges undheitsschadens, so auch einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, setzt zunächst ein e fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannt en Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Wie jede ander e psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, wel- che die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behind ern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versichert e Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verf ügt. In diesen Fällen geht man von der ausnahmsweisen Unüberwindbarkeit der somatoform en Schmerzstörung aus. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komo rbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weiter e Faktoren, so: (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chron ifizierter Krankheitsverlauf mit unver- änderter oder progredienter Symptomatik ohne länger d auernde Rückbildung; (2) ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; (3) ein verfestigte r, therapeutisch nicht mehr beein- flussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Kon- fliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht i n die Krankheit"); (4) das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedli- chem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung de r versicherten Person (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien zutreffen u nd je ausgeprägter sich die entsprechen- den Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zu- mutbare Willensanstrengung zu verneinen (U LRICH MEYER -BLASER , Der Rechtsbegriff der Ar- beitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialver sicherung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003 , S. 77; BGE 131 V 50 f.; vgl. zum Ganzen auch A NDREAS BRUNNER /N OAH BIRKHÄUSER , Somatoforme Schmerzstörung − Gedan- ken zur Rechtsprechung und deren Folgen für die Praxis, in sbesondere mit Blick auf die Ren- tenrevision, in: BJM 2007, S. 169 ff.). Diese Grundsätze gelten auch für die zum gleichen Symptomenkomplex gehörenden Somatisierungsstörungen (Urte il des Bundesgerichts vom 7. Januar 2009, 8C_348/2008, E. 3.1). 6.5 Die ärztlichen Stellungnahmen zum psychischen Gesundh eitszustand und zu dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotent ial bilden unabdingbare Grundlage für die Beurteilung der Rechtsfrage, ob und gegeben enfalls inwieweit einer versicherten Person unter Aufbringung allen guten Willens die Überwindun g ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft zumutbar ist. Im Rahm en der freien Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung − und im Streitfall das Gericht − weder über die (den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden) medizinischen Tatsachenfestst ellungen hinwegsetzen noch sich Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen zur Restarbeitsfähigkeit unbesehen ih- rer konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Letzte- res gilt namentlich dann, wenn die begutachtende Fach person allein aufgrund der Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung eine Ein schränkung der Arbeitsfähigkeit at- testiert. Die rechtsanwendenden Behörden haben diesfal ls mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte − insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren − mit berücksichtigt, welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind, und ob die von den Ärz- ten anerkannte Teilarbeitsunfähigkeit auch im Lichte der für eine Unüberwindlichkeit der Schmerzsymptomatik massgebenden rechtlichen Kriterien standhält (BGE 130 V 352 E. 2.2.4 in fine). 7. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind nach folgende Berichte zu berücksichti- gen: 7.1.1 Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom 16. März 2005 stützte sich die IV-Stelle zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten auf das Gutachten des C.____-Spitals, Bereich Innere Me dizin. Im Bericht vom 5. Mai 2004 wurde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mi ttelgradige depressive Episode mit soma- tischem Syndrom bei chronischem Lumbovertebralsyndrom un d chronischen Cephalgien, eine morbide Adipositas (BMI 43,4 kg/m 2) und eine Überlastungsdyspnoe, eine leichte Gonarthro se links und ein chronischer Eisenmangel unklarer Ätiologi e bei Verdacht auf Malcompliance bei Eisentherapie diagnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine substitu- ierte Hypothyreose, rezidivierende Synkopen seit Juni 2002 (Orthostase und Hyperventilation psychogener Ursache) und intermittierende Tachykardien (E rstdiagnose: 2002). Der Beurtei- lung ist zu entnehmen, dass die Beeinträchtigungen vor allem aufgrund der mittelgradigen De- pression, der morbiden Adipositas, Bewegungsmangel und Dekonditionierung bestehen wür- den. Die Beschwerdeführerin sei in ihrem angestammten Beruf und in einer sitzenden Verweis- tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. Im psychiatrischen Untergutachten vom 5. Dezember 2003 wurde eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) diagn ostiziert. Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Versicherte zu 50% arbeitsunfähig. Die dep ressive Symptomatik mit verminderter emotionaler Belastbarkeit könne zu einer Minderung des Arbeitstempos, zu erhöhtem Pausen- bedarf und zu einer erhöhten Fehlerrate führen. 7.1.2 Im Rahmen des Einspracheverfahrens gab die IV-S telle aufgrund der vorgebrachten Verschlechterung des Gesundheitszustandes eine Begutachtung beim D.____-Spital, in Auf- trag. In ihrem Einspracheentscheid vom 30. August 2006 stellte die IV-Stelle auf das Gutachten des D.____-Spitals vom 10. Januar 2006 und das psychiatri sche Untergutachten vom 21. September 2005 ab. Mit Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit leide die Versicherte an einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndro m bei chronischem Lumbover- tebralsyndrom und chronischem Cervikovertebralsyndrom, ein er morbiden Adipositas (BMI 44 kg/m 2), einer leichten bis mittelschweren Gonarthrose beidseits und einem chronischen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eisenmangel unklarer Ätiologie. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit würden eine substitu- ierte Hypothyreose, rezidivierende Synkopen seit Juni 2002 (Orthostase und Hyperventilation psychogener Ursache) und intermittierende Tachykardien (E rstdiagnose: 2002) sowie ein leich- ter Vitamin B12-Mangel bestehen. Für leichte bis mitt elschwere Tätigkeiten sowie im ange- stammten Beruf bestehe zurzeit eine 50%-ige Arbeitsfäh igkeit wobei die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in erster Linie in der depressiven Störung mit somatischem Syndrom liege. Auf- grund der somatischen Diagnosen (Adipositas, Gonarthrose und Eisenmangelanämie) sollte nach adäquater Behandlung der depressiven Störung eine vollständige Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten und in der angesta mmten Tätigkeit erreicht werden kön- nen, allenfalls mit einer leicht eingeschränkten Leistung sfähigkeit von 20% aufgrund des ver- mehrten Pausenbedarfs. Im psychiatrischen Untergutachten des D.____-Spitals vom 21. September 2005 wurde als Di- agnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mi ttelgradige depressive Episode mit so- matischem Syndrom (ICD-10 F32.11) genannt. Aus rein psych iatrischer Sicht sei die Arbeitsfä- higkeit wegen der vorliegenden Diagnosen gemindert und betrage 50%. 7.1.3 Nach stationärer Behandlung in der E.____-Kli nik vom 8. Dezember 2006 bis 23. Dezember 2006 nennt der Austrittsbericht vom 7. Fe bruar 2007 als Austrittsdiagnose eine rezidivierende depressive Störung mit aktuell mittelgrad iger Episode (ICD-10 F33.1), eine So- matisierungsstörung (ICD-10 F45.0), anamnestisch histrio nische Persönlichkeitszüge (ICD- 10 Z73.1), eine normochrome normozytäre Anämie, eine primäre Hypothyreose, ein Diabetes mellitus Typ II und eine Adipositas permagna. 7.1.4 Nach einer neuerlichen stationären Behandlung in der E.____-Klinik vom 21. Mai 2007 bis 23. Juni 2007 wurde im Austrittsbericht vom 27. Juli 2 007 als Austrittsdiagnose eine rezidi- vierende depressive Störung mit aktuell mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.1), eine Somatisie- rungsstörung (ICD-10 F45.0) bei histrionischen Persönlich keitszügen (ICD-10 Z73.1), psycho- soziale Belastungsfaktoren (ICD-10 Z63.4), eine primär e Hypothyreose sowie ein metaboli- sches Syndrom genannt. 7.2 Im Zusammenhang mit dem aktuellen, von der Beschwer deführerin aufgrund einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Juni 2009 beantragten Rentenrevisionsverfah- ren sind folgende Berichte zu beachten: 7.2.1 Nach stationärer Behandlung in der E.____-Klini k, vom 3. April 2009 bis 15. Mai 2009 wurde im Austrittsbericht vom 8. Juli 2009 als Austrittsd iagnose eine Anpassungsstörung bei Problemen im familiären Kontext mit depressiver Reakti on (ICD-10 F43.2), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine Akzent uierung der Persönlichkeit mit histri- onischen Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1), eine Adip ositas permagna, eine arterielle Hy- pertonie, eine substituierte Hypothyreose, ein Diabete s mellitus Typ II, eine gastroösophagiale Refluxkrankheit, ein Zustand nach chronischer Eisenmangel anämie seit 2001, ein Status nach vaginaler Hysterektomie im Januar 2008 wegen Hypermenor rhoe, ein Zustand nach rezidivie- renden gastrointestinalen Blutungen aus präpylorischen Er osionen sowie ein kombinierter Vi- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tamin B12- und Folsäuremangel (Erstdiagnose: Juni 2006) und Dermatitis (wiederholt superinfi- ziert) aufgeführt. 7.2.2 Nach erneuter stationärer Behandlung in der E._ ___-Klinik vom 10. Juni 2009 bis 17. Juni 2009 wurden im Austrittsbericht vom 1. Juli 200 9 eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine Akzentuierung der Persönlichkeit m it histrionischen Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1), psychosoziale Belastungen, eine Adiposita s permagna, ein Diabetes mellitus Typ II, eine arterielle Hypertonie, eine substituiert e Hypothyreose, eine gastroösophagiale Refluxkrankheit, ein Zustand nach chronischer Eisenmangel anämie seit 2001, ein Status nach vaginaler Hysterektomie im Januar 2008 wegen Hypermenor rhoe, ein Zustand nach rezidivie- renden gastrointestinalen Blutungen aus präpylorischen Er osionen sowie ein kombinierter Vi- tamin B12- und Folsäuremangel (Erstdiagnose: Juni 2006 ) und Dermatitis (wiederholt infiziert) diagnostiziert. 7.2.3 Der behandelnde Psychiater Dr. med. F.____, Fach arzt FMH für Psychiatrie und Psy- chotherapie, führte in seinem Bericht vom 28. Oktober 2 010 zuhanden der IV-Stelle aus, dass eine Multimorbidität bestehe. Psychiatrisch dominiere ei ne somatoforme Schmerzstörung (ICD- 10 F45.4) und eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischen Schmerzen und psy- chosozialer Belastungssituation (ICD-10 F62.8). Auf die kognitive-verhaltenstherapeutische Behandlung zeige sich bisher keine Response. Die Progn ose sei aufgrund der Chronifizierung der Symptomatik, der Multimorbidität und der fehlenden Zukunftsperspektive ungünstig. 7.2.4 Da in den beiden Austrittsberichten der E.____-K linik keine depressive Störung (ICD- 10 F3) mehr genannt worden war, beauftragte die IV-Stelle zunächst den Vertrauensarzt (SGV) Dr. med. G.____, Facharzt FMH für Gynäkologie und Geb urtshilfe und mit Fähigkeitsausweis Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM), mit einer psychiatrischen Begutach- tung der Beschwerdeführerin. Dieser diagnostizierte in seinem Gutachten vom 29. Januar 2011 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychi- schen Gründen (Aggravation [ICD-10 F68.0], Verdacht a uf Simulation [ICD-10 Z76.5]), eine psychosoziale Belastungsstörung (ICD-10 Z59) und ein Opiata bhängigkeitssyndrom bei ständi- gem Gebrauch von MST (ICD-10 F11.251) mit körperlichen Symptomen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine Akzentuierung der Persönlichkeit mit histrionischen Persön- lichkeitszügen, eine primäre Hypothyreose (substituiert), ein Diabetes mellitus Typ II, eine Adi- positas permagna, eine arterielle Hypertonie, eine gastroösophagiale Refluxkrankheit, eine Sta- tus nach chronischer Eisenmangelanämie, ein Status nach vaginaler Hysterektomie nach Hy- permenorroe, Status nach rezidivierenden gastrointestin alen Blutungen aus präpylorischen Erosionen, ein kombinierter Vitamin B12- und Folsäure mangel (Erstdiagnose: Juni 2006) sowie eine wiederholt superinfizierte Dermatitis. Die Versiche rte sei für leichte bis mittlere Tätigkeiten seit der Entlassung aus der E.____-Klinik am 17. Juni 200 9 zu 100% arbeitsfähig. Berücksichti- ge man die Adipositas und die sonstigen Nebenbefunde, brauche die Versicherte vermehrt Pausen, sodass von einer tatsächlichen Belastungsfähigkeit im Umfang von 100% ausgegan- gen werden müsse, welche aufgrund von Pausen um 20% ver mindert sei. Die Opiatabhängig- keit verursache keine Arbeitsunfähigkeit. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.5 Mit Bericht vom 1. Februar 2011 hielt der Regio nale Ärztliche Dienst (RAD) fest, dass eine abschliessende Beurteilung nicht möglich sei, da verschiedene körperliche Erkrankungen − da fachfremd − bei der Beurteilung der Arbeitsfähigke it durch Dr. G.____ nicht berücksichtigt werden könnten. Die IV-Stelle beauftragte in der Fol ge das H.____-Institut mit einer polydis- ziplinären Begutachtung. Im Gutachten vom 9. Juni 2011 diagnostizierten Dr. med. I.____, Facharzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, und Dr. med. J.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit eine bilateral linksbe- tonte Femoropatellarthrose und eine bilateral leicht beginnende mediale Gonarthrose bei muskulärer Dysbalance mit Abschwächung der kniestabilisiere nden Muskelgruppen sowie eine morbide Adipositas (BMI 48 kg/m2) mit ausgeprägter allg emeiner muskulärer Dekonditionie- rung. Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigke it bestünden eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), ein metabolisches Syn drom (morbide Adipositas, insu- linpflichtiger Diabetes mellitus Typ II, arterielle Hype rtonie und gemischte Dyslipidämie), eine primäre Hypothyreose (Differentialdiagnose: polyglandul äres Autoimmunsyndrom; Status nach Hashimoto-Thyreoiditis), deutlich erhöhte Leberparamete r (Differentialdiagnose: im Rahmen einer Steatohepatitis, medikamentös bedingt, bei metab olischem Syndrom) sowie ein Gastroö- sophagialer Reflux bei schwerer Motilitätsstörung. Objekti vierbare sonstige pathoanatomische Veränderungen hätten weder im Bereich des Achsenskeletts noch an den peripheren Gelenken an den oberen sowie unteren Extremitäten festgestellt werden können. Für die von der Versi- cherten beklagten chronischen multilokulären Beschwerden a m Bewegungsapparat bestehe kein fassbares klinisches Korrelat. Die psychiatrische Evaluation ergebe eine anhaltende soma- toforme Schmerzstörung. Die psychosozialen und emotionalen Belastungen seien deutlich aus- geprägt und würden sich durch den dadurch hervorgerufen en unangenehmen Affekt im Sinne der Abwehr auch in den Schmerzen ausdrücken. Ausser eine r anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne jedoch keine weitere psychiatrische D iagnose gestellt werden. Die sub- jektive Krankheits- und Behinderungsüberzeugung der Versicherten sei deutlich ausgeprägt mit dementsprechend aus psychiatrischer Sicht ungünstiger Pro gnose. Bei fehlender psychiatri- scher Komorbidität könne es der Versicherten trotz der ge klagten Beschwerden aus psychiatri- scher Sicht jedoch zugemutet werden einer körperlichen, den Beschwerden angepassten beruf- lichen Tätigkeit ganztags ohne Leistungseinschränkung nac hzugehen. Aus polydisziplinärer Sich seien aufgrund der massiven Adipositas und der konsekut iv muskulären und kardiovasku- lären Dekonditionierung sowie aufgrund der pathoanat omischen Veränderungen an beiden Kniegelenken die zuletzt ausgeübte sowie jegliche weitere mittelschwere bis schwer belastende berufliche Tätigkeiten nicht möglich. Für eine körperlich leichte, wechselbelastende, unter adap- tierten Arbeitsplatzbedingungen auszuübende berufliche Tätigkeit bestehe eine 75%-ige, ganz- tätig verwertbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Dur ch adäquate, zumutbare medizinische Massnahmen sei die Arbeitsfähigkeit in einigen Monaten anzuheben. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Beruf liche Massnahmen seien bei der ein- drücklichen subjektiven Krankheitsüberzeugung nicht indizie rt. Die dargelegte als zumutbar erachtete Arbeits- und Leistungsfähigkeit gelte ab Dat um des H.____-Gutachtens, seit 9. Juni 2011. Aus psychiatrischer Sicht könne retrospektiv davon ausg egangen werden, dass eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit für eine körperliche, den B eschwerden angepasste berufliche Tätig- keit seit Entlassung aus der E.____-Klinik Mitte Mai 200 9 anzunehmen sei. Aus somatischer Sicht habe in der Vergangenheit nie eine höhere Arbeitsunfähigkeit als heute bestanden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung bei der Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versichert en vollumfänglich auf die Ergebnis- se, zu denen die Gutachter des H.____-Instituts am 9. Juni 2011 gelangt waren. Wie oben aus- geführt (E. 6.3 hiervor) ist den im Rahmen des Verwalt ungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl ässigkeit der Expertise sprechen. Sol- che Indizien liegen keine vor. Das Gutachten beruht auf einer eingehenden Untersuchung der Versicherten und es berücksichtigt auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte. Zudem geht es einlässlich auf die Beschwerden d er Versicherten ein und vermittelt ein hinreichendes Bild über deren Gesundheitszustand. Es wird deutlich, dass sich dieser im Vergleich zur Begutachtung im Jahr 2006 erheblich verbesser t hat. So war die anlässlich der Begutachtung durch das D.____-Spital im Januar 2006 dia gnostizierte mittelgradige depressive Episode und die in den Austrittsberichten der E.____-K linik im Jahr 2007 diagnostizierte rezidi- vierende depressive Störung nicht mehr auszumachen. In B ezug auf die damals im Vorder- grund stehende psychische Situation wurde im Zeitpunkt d er aktuellen Untersuchung des H.____-Instituts aus psychiatrischer Sicht nunmehr noch ein e anhaltende somatoforme Schmerzstörung festgestellt. Gemäss den H.____-Gutachtern manifestiere sich der nachgelas- sene Leidensdruck auch in der Tatsache, dass im Rahmen d er durchgeführten Laborabklärun- gen festgestellt werden konnte, dass das verordnete Antid epressivum einerseits sehr niedrig dosiert worden sei und andererseits im Medikamentenspie gel gar nicht habe nachgewiesen werden können, was gegen das Vorliegen einer relevant en komorbiden depressiven Störung spreche. Die begutachtenden Ärzte kamen in Würdigung d er anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde sowie der ihnen überlassenen Unterl agen zum überzeugenden Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin seit Juni 2011 fü r eine körperlich leichte, wechselbe- lastende, unter adaptierten Arbeitsplatzbedingungen a uszuübende berufliche Tätigkeit eine 75%-ige, ganztätig verwertbare Arbeits- und Leistungsf ähigkeit bestehe. Insgesamt erweisen sich sowohl die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch die daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend. Es ist daher nicht z u beanstanden, dass die IV-Stelle darauf abgestellt hat. 8.2 Was die Beschwerdeführerin vorbringt ist nicht geei gnet, die auschlaggebende Be- weiskraft des H.____-Gutachtens vom 9. Juni 2011 in Frage zu stellen. 8.2.1 Als unzutreffend erweist sich insbesondere der Einw and der Beschwerdeführerin, die Austrittsberichte der E.____-Klinik vom 1. und 8. Juli 2009 seien Ausgangspunkt aller späteren ärztlichen Beurteilungen und das H.____-Gutachten sei durch die Austrittsberichte der E.____- Klinik beeinflusst, indem der Wegfall der Diagnose ei ner depressiven Störung in den Austritts- berichten vom Juli 2009 ohne Begründung als nachvollziehb ar bezeichnet werde. Die H.____- Gutachter vermitteln in ihrem ausführlichen und sorgfä ltig abgefassten Gutachten, welches auf einer persönlichen Untersuchung der Versicherten und a uf einer einlässlichen Würdigung der gesamten medizinischen Aktenlage beruhen, ein umfassendes Bild ü ber den Gesundheitszu- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht stand der Beschwerdeführerin. Die H.____-Gutachter verwe isen denn auch einzig für die Be- antwortung der Frage, ab wann ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht retrospektiv Gültigkeit habe, auf den Austritt au s der E.____-Klinik im Mai 2009 und legen schlüssig und überzeugend dar, dass im Zeitpunkt der H.____ -Begutachtung keine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht mehr bestanden habe. 8.2.2 Auch die Vermutung der Beschwerdeführerin, dass die Diagnose einer Depression in den beiden Austrittsberichten der E.____-Klinik vom Juli 2009 vergessen worden sei, vermag nicht zu überzeugen. Es ist nicht anzunehmen, dass die E .____-Klinik − nach jeweils stationä- rem Aufenthalt der Beschwerdeführerin − in zwei Austri ttsberichten kurz hintereinander vergass, die Diagnose einer depressiven Störung zu stellen. So korreliert der Wegfall der Diagnose auch mit dem im Austrittsbericht vom 1. Juli 2009 beschriebene n Behandlungsverlauf, wonach die Beschwerdeführerin im Kontakt mit den Mitpatienten al s aufgestellt und fröhlich erlebt werde und schnell Anschluss an die Mitpatienten gefunden habe. Zudem hätte die E.____-Klinik bei Vorliegen einer depressiven Störung gegenüber der Besch werdeführerin kaum eingewendet, dass eine psychiatrische Klinik nicht in erster Linie dafür da sei, um sich auszuruhen. Auch der RAD hält am 15. November 2011 fest, dass bei Klinikein tritt vereinzelte und leichtgradig einzu- schätzende depressive Symptome aktenkundig gewesen seien, d ie sich jedoch im Laufe des Klinikaufenthalts und der fachärztlichen Behandlung zur ückgebildet hätten, womit es an der Dauerhaftigkeit der leicht depressiven Symptomatik fehl e. Gegen die Vermutung einer unvoll- ständigen Diagnose spricht ausserdem, dass auch der behan delnde Psychiater Dr. F.____ in seinem Schreiben an die IV-Stelle vom 28. Oktober 201 0 keine depressive Störung diagnosti- zierte. 8.2.3 Die Beschwerdeführerin beanstandet sodann, dass i m H.____-Gutachten eine Be- gründung für die Besserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin fehle. Der Ausschluss der depressiven Störung beruhe nur auf einer d ifferenzierteren Begutachtung und nicht auf einer tatsächlichen Besserung des Gesundheitszusta ndes. Da keine Angaben zum Verlauf der gesundheitlichen Entwicklung gemacht würden , könne aus dem H.____-Gutachten nicht geschlossen werden, dass sich der Gesundheitszustand ver bessert habe. Diesem Ein- wand kann nicht gefolgt werden. Für die Überprüfung der Frage, ob eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, gilt es, den Zust and im Zeitpunkt des Einsprache- entscheids im Jahr 2006 mit dem aktuellen Zustand zu ver gleichen. Dieser Vergleich lässt sich anhand der gutachterlichen Ausführungen (E. 7.2.5 hie rvor) ohne Weiteres vornehmen und er führt vorliegend zum Ergebnis, dass sich der Gesundheitszu stand und − damit einhergehend − die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in anspruc hserheblicher Weise verbessert haben. So sei gemäss dem Gutachten des D.____-Spitals vom Janua r 2006 und dem psychiatrischen Untergutachten vom September 2005 das Denken zum damal igen Zeitpunkt teilweise einge- engt und nicht immer geordnet, die Vitalgefühle im Affekt deutlich vermindert, die Beschwerde- führerin hoffnungslos, antriebsarm sowie deutlich antriebsgehemmt gewesen. Die Beschwerde- führerin sei während der Begutachtung einige Male in Tränen ausgebrochen und es hätten eine Affektlabilität sowie eine Hoffnungslosigkeit bezüglich einer Verbesserung der Symptomatik bestanden. Demgegenüber beschreiben die H.____-Gutacht er im Juni 2011 eine ausgegliche- ne Stimmung, die Mimik und Gestik der Beschwerdeführeri n seien normal ausgeprägt, die af- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht fektive Modulation nur etwas eingeschränkt und die Vigi lanz nicht gestört gewesen. Das Den- ken sei formal geordnet und deutliche Hinweise auf ein e verminderte Affektsteuerung oder Im- pulskontrollstörungen würden nicht bestehen. Auch die Be ziehungsfähigkeit sei erhalten und der emotionale Rückzug nicht deutlich ausgeprägt. Detail lierte Aussagen über den genauen zwischenzeitlichen Verlauf des Leidens sind im Hinblick auf d ie Vornahme dieses Vergleichs nicht erforderlich; solche wären einzig dann unverzichtbar , wenn die Absicht bestünde, die lau- fende Rente der Versicherten nicht ex nunc sondern auf e inen früheren Zeitpunkt hin aufzuhe- ben oder herabzusetzen. Dies steht vorliegend aber in ke iner Weise zur Diskussion, geht es in der angefochtenen Verfügung doch um eine Rentenaufhebung mit Wirkung ex nunc et pro futu- ro. Hält man sich dies vor Augen, so kann offen bleibe n, ob und weshalb die wesentliche Bes- serung des Gesundheitszustandes allenfalls bereits in einem früheren Zeitpunkt eingetreten ist. 8.2.4 Die Beschwerdeführerin rügt ferner, dass die Ein schätzung der Arbeitsfähigkeit durch die H.____-Gutachter auch aus rheumatologischer Sicht ni cht überzeugen würde. So sei ge- mäss Abklärungsbericht Hilflosigkeit IV vom 3. November 2011 erstellt, dass die Beschwerde- führerin schon bei einfachen alltäglichen Verrichtungen fremde Hilfe benötige. Diese Auffas- sung ist jedoch kaum vereinbar mit den Beobachtungen und Einschätzungen des H.____- Gutachters Dr. I.____, welcher fein- sowie grobmanuell e Tätigkeiten mit beiden Händen aus rheumatologischer Sicht als zumutbar und das Heben, St ossen, Ziehen und Tragen von Lasten regelmässig bis 5 kg und selten bis 10 kg als möglich erachtet. Die subjektive Einschätzung der Beschwerdeführerin, wonach sie in der Haushaltsführung i n eigener Zeiteinteilung kaum mehr verwertbare Leistungen erbringen könne, sei weder aus psyc hiatrischer noch aus somatischer Sicht nachvollziehbar. Nachdem auch schon die E.____-Klinik am 11. Dezember 2009 bestätig- te, dass die Beschwerdeführerin während ihres stationären Aufenthalts in der E.____-Klinik we- der beim Essen noch bei der Körperpflege oder der For tbewegung auf Hilfe von Drittpersonen angewiesen gewesen sei, vermag der Verweis auf den Ab klärungsbericht an der Schlüssigkeit des H.____-Gutachtens nichts zu ändern. 8.2.5 Zu keiner anderen Beurteilung der Angelegenhei t führt auch der Austrittsbericht des K.____-Spitals vom 7. April 2011 und der Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. F.____ vom 28. Oktober 2010. Wie die IV-Stelle in ihrer Vern ehmlassung richtig ausgeführt hat, findet sich im Bericht des K.____-Spitals keine psychiatrische fach ärztliche Einschätzung. Wenn die behandelnden Ärzte als Differentialdiagnose eine depre ssive Entwicklung diagnostizieren, ver- mag dies die überzeugenden Schlussfolgerungen der H. ____-Ärzte nicht in Zweifel zu ziehen. Auch Dr. F.____ ging − ohne zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin Stellung zu nehmen − davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin eine somato forme Schmerzstörung dominiere. Nachdem im Zeitpunkt der H.____-Begutachtung keines d er zusätzlich geforderten Kriterien, wie Komorbidität, sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, etc. (E. 6.4 hiervor), in erfor- derlichem Ausmass erfüllt ist, ist der Bescherwerdeführer in − trotz ihrer subjektiv erlebten Schmerzen − die Aufnahme einer Arbeit im Umfang von 7 5% zuzumuten. Wenn der behan- delnde Psychiater zugleich davon ausgeht, dass eine anda uernde Persönlichkeitsveränderung bei chronischen Schmerzen und psychosozialer Belastungssitu ation bestehe, vermag dies die begründeten Schlussfolgerungen der H.____-Gutachter n icht in Frage zu stellen. Die H.____- Gutachter legen vielmehr nachvollziehbar dar, dass ähnlich wie bei einer Diagnose einer an- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht dauernden Persönlichkeitsstörung nach psychischer Krankhe it eine schwere Schmerzstörung vorliegen müsse, für die es eine fassbare Ursache gebe (w ie beispielsweise Tumorschmerzen) welche bei fast jedem zu einer tiefen Verzweiflung führ en würden. Eine solche Schmerzstörung liegt bei der Beschwerdeführerin nicht vor. 8.2.6 Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, d ie Aufhebung der Rente sei auch deshalb nicht gerechtfertigt, weil vorgängig keine Ei ngliederungsmassnahmen durchgeführt worden seien. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung setzt eine rentenbestimmende Invaliditätsbemessung auch im Revisionsfall (Art. 17 ATSG) voraus, dass angezeigte Eingliede- rungsmassnahmen durchgeführt worden sind (Urteil des Bun desgerichts vom 10. September 2010, 9C_163/2009). Dementsprechend muss der Eingliederungsbedarf im Falle einer Revision in gleicher Weise wie im Rahmen einer erstmaligen Inva liditätsbemessung abgeklärt werden. Wie das Bundesgericht in einem neueren Urteil erkannt h at, ist diese Praxis jedoch auf Sach- verhalte zu beschränken, in denen die Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente mehr als 15 Jahre bezogen hat (Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011). Da die 1965 geborene Beschwerdefüh- rerin weder das 55. Altersjahr zurückgelegt noch mehr als 15 Jahre eine Rente bezogen hat, ist es ihr zumutbar, die medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Wege der Selbsteingliederung zu verwerten. Mit Blick auf die vorliegenden Umstände ist nicht ersicht- lich, weshalb bei der Beschwerdeführerin eine Ausnahme von der bundesgerichtlichen Recht- sprechung bestehe und ihr nur eine Tätigkeit in einem g eschützten Rahmen zumutbar sein soll, weshalb auch diese Rüge ins Leere zielt. 8.3 Im vorliegenden Fall lassen die vorhandenen medizin ischen Unterlagen eine zuverläs- sige Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu, weshalb auf die von ihr beantragte zusätzliche medizinische Abklärung verzic htet werden kann. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträg e zu stellen, und − als Korrelat − die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungs- mässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzun ehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverl ässiges Bild des relevanten Sach- verhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklär t ist, kann auf ein beantragtes Be- weismittel verzichtet werden. Eine solche antizipierte Be weiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 126 V 13 0 E. 2a mit zahlreichen Hinwei- sen). 9.1 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass seit dem massgebli chen Einspracheentscheid im August 2006 tatsächlich eine Verbesserung in den gesundhei tlichen Verhältnissen und mithin auch eine Änderung in der Arbeitsfähigkeit der Versi cherten eingetreten ist, weshalb die Vor- aussetzungen für eine Rentenrevision (Art. 17 Abs. 1 ATSG) erfüllt sind. Der Beschwerdeführe- rin verbleibt dem massgebenden und schlüssigen H.____-Guta chten zufolge für eine körperlich leichte, wechselbelastende, unter adaptierten Arbeitsplatzbedingungen auszuübende berufliche Tätigkeit eine 75%-ige, ganztätig verwertbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Wie bereits weiter oben ausgeführt (E. 3 hiervor ), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstä- tigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Die IV- Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 6. Fe bruar 2012 den erforderlichen Einkom- mensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Ge genüberstellung von Validen- und zumutbarem Invalideneinkommen einen Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich von 31% ermittelt. Die konkrete Berechnung, die von der Versicherten in de r vorliegenden Beschwerde nicht be- anstandet worden ist, erweist sich als rechtens. Es kann die sbezüglich vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der an gefochtenen Verfügung verwiesen wer- den. 9.3 Zum Einwand der Beschwerdeführerin, es sei ein zus ätzlicher Leidensabzug zu be- rücksichtigen, ist festzuhalten, dass unter Beachtung des Umstandes, dass den Behinderungen der Beschwerdeführerin bereits durch die Annahme eines u m 25% reduzierten Arbeitspensums Rechnung getragen wurde, ein leidensbedingter Abzug nur noch in geringem Masse erfolgen kann (Urteil des EVG vom 9. Dezember 2002, U 200/01, E. 4.2.3). Der von der IV-Stelle zusätz- lich vorgenommene Abzug vom Tabellenlohn von 10% erweist sich als angemessen. 10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle di e der Beschwerdeführerin bis- her ausgerichtete halbe Invalidenrente zu Recht aufgehoben hat. Die gegen die Verfügung vom 6. Februar 2012 gerichtete Beschwerde erweist sich dem nach als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 11. Gemäss den Änderungen des IVG vom 1. Juli 2006 ist d as Beschwerdeverfahren vor kantonalem Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 und 1bis IVG, je in der seit 1. Juli 2006 gelten- den Fassung). Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahre nskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Entspre chend dem Ausgang dieses Ver- fahrens hat die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu tragen. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 600.-- werden mit dem von der Beschwerde führerin geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Proze ssausgang entsprechend wettzu- schlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin nach Abzug von deren Selbstbehalt i m Umfang von Fr. 1'100.-- ein Hono- rar in der Höhe von Fr. 1'706.90 (13.6 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 151.-- und 8% Mehrwertsteuer abzüglich Fr. 1'100.-- Selbstbehalt) ausgerichtet. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin nach Abzug von d eren Selbstbehalt im Umfang von Fr. 1'100.-- ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'706.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) ausgerichtet. Präsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 30. November 2012 Beschwerde beim Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung, (Verfahren-Nr. 9C_989/2012 ) erhoben. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht