Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. August 2021 (720 21 57 / 207) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Beurteilung des versicherungsinternen medizinischen Dienstes ist überzeugend, weshalb von weiteren Sachverhaltsabklärungen abzusehen ist Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Johannes Mosimann, Advokat, Advokatur Gysin + Roth, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1964 geborene A.____ arbeitete bei der Wäsch erei B.____ und war in dieser Eigen- schaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (S uva) obligatorisch gegen die Fol- gen von Unfällen versichert, als sie am 3. Dezember 1997 einen Verkehrsunfall erlitt. Dabei zog sie sich Verletzungen im Bereich des linken Knies und des rechten Handgelenks zu. Vom 15. Dezember 2008 bis 30. November 2009 war A.____ s odann bei der C.____AG als Reini- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungskraft tätig und wiederum bei der Suva unfallversich ert. Am 6. August 2009 erlitt sie beim Bremsen mit einem Tretroller Fuss- und Handverletzunge n. Die Suva erbrachte die gesetzli- chen Leistungen für die Folgen dieser Unfälle. A.2 Am 16. Februar 2011 meldete sich A.____ unter Hin weis auf Unfallfolgen bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an . Nach Abklärung der medizini- schen, erwerblichen und haushälterischen Verhältnisse wies die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 21. Ju ni 2012 ab. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.3 Am 11. März 2015 reichte A.____ bei der IV-Stelle ein weiteres Leistungsgesuch ein. Nach Abklärung der Verhältnisse, Durchführung beruflic her Massnahmen und Einholung der Unfallakten ermittelte diese nunmehr in Anwendung de r allgemeinen Bemessungsmethode des Einkommensvergleichs einen Invaliditätsgrad von 16 %, worauf sie einen Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom 6. Januar 2021 erneut abwies. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durc h Advokat Johannes Mosimann, am 10. Februar 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Be schwerde sei die Verfügung vom 6. Januar 2021 aufzuheben und es seien ihr eine volle Invalidenrente, eventualiter die gesetzli- chen Leistungen, zuzusprechen. Subeventualiter sei die V erfügung vom 6. Januar 2021 aufzu- heben und durch das Gericht ein umfassendes polydisziplinä res Obergutachten einzuholen. Subsubeventualiter sei die Beschwerdegegnerin anzuwei sen, ein umfassendes polydisziplinä- res Obergutachten einzuholen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean- tragte sie u.a. die Bewilligung der unentgeltlichen R echtspflege mit Advokat Johannes Mosi- mann als Rechtsvertreter. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der angefoch- tene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlag en beruhe und die Bemessung der Invalidität fehlerhaft sei. C. Mit Verfügung vom 12. Februar 2021 wurde der Beschw erdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- kat Johannes Mosimann als Rechtsvertreter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 26. März 2021 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. D.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap- parats, vom 23. Februar 2021 bei. E. Mit Instruktionsverfügung vom 12. April 2021 wurde d em Beschwerdeführer eine Kopie der Vernehmlassung der IV-Stelle vom 26. März 2021 (in kl. RAD-Bericht vom 23. Februar 2021) zur Kenntnisnahme zugestellt und die Angelegenhe it der Dreierkammer zur Beurteilung überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 10. Februar 2021 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführe rin. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfüg ung vom 6. Januar 2021 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten od er verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchsch nittlich mindestens 40 % ar- beitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Al lgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindes- tens 40 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelrente und bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art . 28 Abs. 2 IVG). Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unte rvarianten des Schätzungs- oder Pro- zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausser ordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist das Gericht im Beschwerdefall auf Unterlagen angewiesen, die ärzt- liche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfü gung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu b eurteilen und dazu Stellung zu neh- men, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeite n die versicherte Person arbeitsun- fähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte ein e wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Perso n noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheiden d, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachperson en. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein V ersicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen au ch nur geringe Zweifel an der Zu- verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen är ztlichen Feststellungen, so sind Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Ur- teil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid von Bedeutung sind. 6.2 Am 20. Dezember 2015 diagnostizierte der behandel nde Arzt Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Arthrosen in beiden Handg elenken, eine Instabilität der Sehnen im ersten Strecksehnenfach links, einen Status nach zweimalige r Spaltung, nach Operation einer lunotriqualen Bandläsion rechts im Juli 2014, nach eine r Innenmeniskusteilresektion links und einer Teilmeniskektomie sowie ein Syndrom der Lendenwi rbelsäule (LWS). Er behandle die Versicherte sei Anfang Juni 2013. Aufgrund der chronisc hen Schmerzen in beiden Handgelen- ken sei der Versicherten der Beruf als Krankenpflegeri n seit dem 14. August 2015 nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Verweistätigkeit ohne Be lastung der Handgelenke bestünde aber eine vollständige Arbeitsfähigkeit. 6.3 Am 15. März 2016 wurde die Versicherte in der Kli nik F.____ im Rahmen eines ambu- lanten IV Assessments untersucht. Im Bericht vom 27. Mai 2016 wurden eine beginnende me- diale Gonarthrose im linken Knie, Arthrosen in beiden Handgelenken, ein chronisches rezidivie- rendes LWS-Syndrom, ein Status nach Karpaltunnelsyndr om und nach komplexem regionalem Schmerzsyndrom diagnostiziert. Die Versicherte gebe aktuell im Wesentlichen Schmerzen im linken Kniegelenk und im Bereich des rechten Handgelen ks sowie im Übergangsbereich der Hals- und Brustwirbelsäule (HSW, BWS) an. Zudem bestün den Schmerzen im mittleren BWS- Bereich rechtsbetont sowie im unteren LWS-Bereich mit Übergang zwischen LWS und Kreuz- bein sowie im Bereich der Steissbeinspitze. Die geklag te Beschwerdesymptomatik erscheine unter Berücksichtigung der Unfallereignisse und der dur chgeführten Operationen im Wesentli- chen plausibel und nachvollziehbar. Es seien aber nicht sämtliche geklagten und demonstrier- ten Einschränkungen vollumfänglich erklärbar. Hinweise auf andere (psychische) Erkrankungen bestünden nicht. Die funktionellen Tests hätten gezeigt , dass der Versicherten die bisherigen beruflichen Tätigkeiten als Pflegerin und Mitarbeiterin im Reinigungsdienst nicht mehr zumutbar seien. Leicht- bis mittelschwer belastende Arbeiten sei en ihr aber zu 100 % möglich, wobei wechselbelastende Tätigkeiten unter Vermeidung von Zwan gshaltungen sowie bei Gewährung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zusätzlicher Pausen von 2 x 15 Minuten zu empfehlen seien. Voraussetzung für die Etablierung eines 100 % Pensums wäre aber die Verbesserung der al lgemeinen physischen Kondition, vor allem der Stabilisierungsfähigkeit von Kniegelenk und Rumpf, welche mittels individuell konzi- pierten Physiotherapien, kombiniert mit einem fachlich angeleiteten Trainingsprogramm inner- halb von sechs Monaten erreicht werden sollte. Die ber ufliche Reintegration könne parallel zum empfohlenen Physiotherapie- und Trainingsprogramm in ci rca drei Monaten mit einem 50 % Pensum gestartet und monatlich um 10 % - 15 % gesteigert werden. 6.4 Am 7. August 2016 bestätigte Dr. E.____ seine Ei nschätzung, wonach der Versicherten angepasste Verweistätigkeiten ohne Belastung der Handgelenke voll zumutbar seien. 6.5 Am 25. Oktober 2016 würdigte Dr. D.____ die vorh andenen medizinischen Unterlagen. Er bestätigte, dass massgebliche und dauerhafte Funktionse inschränkungen der oberen und unteren Extremitäten sowie des Achsenorgans lumbal vor liegen würden und die zuletzt ausge- übten Tätigkeiten als Pflegerin und im Reinigungsdienst nicht mehr möglich seien. In einer an- gepassten Tätigkeit sei jedoch abweichend zur Beurteilu ng im Bericht der Klinik F.____ vom 27. Mai 2016 bereits ab dem Entlassungszeitpunkt eine un limitierte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zumutbar. Konkrete Funktionseinschränkungen, die auch in angepassten Tätigkeiten eine Minderung der Arbeitsfähigkeit begründen würden, seien bereits im Bericht der Klinik F.____ nicht mehr dokumentiert. Die muskuläre Stabilisierung von Rumpf und Kniegelenk stünde einer unlimitierten Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht entgegen, denn die Befunde am Achsenorgan und Kniegelenk würden keine Funktionseinschränkungen aufwei- sen, die eine schwerpunktmässig sitzende berufliche Tätigkei t massgeblich limitieren würden. Die geltend gemachte massgebliche Verschlechterung sei nicht belegt. 6.6 Am 5. Juni 2018 wurde gestützt auf die Diagnose ei ner chronischen Epicondylitis humeri ulnaris rechts ein operativer Eingriff (in situ Dekompression des Nervus ulnaris und Denervation Epicondylus humeri ulnaris) vorgenommen (Operationsberic ht vom 5. Juni 2018). Im Sprech- stundenbericht des Spitals G.____ vom 26. Juni 2018 w urde festgehalten, dass die Versicherte aufgrund des operativen Eingriffs ab dem 5. Juni 2018 für insgesamt vier Wochen krankge- schrieben sei. 6.7 Am 5. März 2019 erfolgte im linken Knie eine dia gnostisch-therapeutische Kniearthro- skopie mit sparsamen Hoffa-Débridement/Resektion des Nar benegels (Operationsbericht vom 13. März 2019). Am 17. April 2019 wurde im Spital G. ____ eine Sprechstunde durchgeführt, in deren Nachgang die behandelnden Ärzte im Bericht vom 2 3. April 2019 festhielten, dass die Arthroskopie eine gewisse Beschwerdeverbesserung gebracht zu haben scheine und vorerst keine weiteren Verlaufskontrollen geplant seien. 6.8 Am 21. Mai 2019 nahm Dr. D.____ erneut Stellung , wobei er festhielt, dass vom Zeit- punkt der arthroskopischen Intervention am linken Knie bis zum Untersuchungszeitpunkt der ambulanten Verlaufskontrolle am 17. April 2019 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Hernach seien der Versicherten angepasste Verweistätigkeiten wieder vollumfänglich zumutbar. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.9 Am 3. Oktober 2019 wurde der Versicherten eine med iale Hemiprothese implantiert. Im Bericht des Spitals G.____ vom 14. Januar 2020 wurde im linken Knie ein neuropathischer Schmerz im Bereich der Narbe diagnostiziert. Die Versich erte berichte über Taubheit und Be- rührungsempfindlichkeit über der Narbe und lateral d avon. Im Bereich der Narbe spüre sie ein Stechen durch Nahtmaterial und es bestünde eine Berühr ungsempfindlichkeit im lateralen Be- reich. Weiter wurde festgehalten, dass die Versicherte ei ne Neuraltherapie vorerst abgelehnt habe und sich bei Bedarf wieder melden würde. 6.10 Am 23. April 2020 hielt Dr. D.____ fest, dass ab dem Operationszeitpunkt am 3. Okto- ber 2019 bis zum 14. Januar 2020 behandlungsbedingt e ine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Hernach habe die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wieder 100 % betragen. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht indiziert. 6.11 Am 17. September 2020 führte Dr. med. H.____, FMH Physikalische Medizin und Reha- bilitation, Spital G.____, aus, dass sie keine Beurtei lung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen ha- be und ihr die derzeitige berufliche Tätigkeit der Versicherten nicht bekannt sei. Aufgrund der klinischen Symptomatik und der radiologischen Befunde seie n der Versicherten medizinisch- theoretisch körperlich leichte, wechselbelastende Tätigke iten möglich. Nicht zumutbar seien Arbeiten über Kopf, gebückte und rotierende Tätigkeite n/Zwangshaltungen und das Heben von Lasten über 10 kg. Falls die Versicherte bisher nicht ge arbeitet habe, könne ein Arbeitspensum von anfänglich 50 % nach und nach erhöht werden. 6.12 Im Bericht der Praxis I.____ vom 28. September 20 20 wurde darauf hingewiesen, dass am 30. Oktober 2020 eine (weitere) diagnostische Arthr oskopie geplant sei. Eine Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei hernach möglich. 6.13 Am 4. Dezember 2020 hielt Dr. D.____ fest, dass sich aus handchirurgischem Fachge- biet kein Handlungsbedarf ergeben habe und die geplante Arthroskopie am Knie an der bisheri- gen RAD-Beurteilung nichts ändere. Es handle sich nicht um einen komplexen Eingriff. Eine angepasste, schwerpunktmässig sitzende Tätigkeit sei auch mit einer Restschmerzsymptomatik möglich. Auch Dr. H.____ habe eine angepasste Tätigkeit für möglich erachtet. Ihre prozentuale Einschätzung betreffend das zumutbare Pensum habe sie je doch eher arbiträr formuliert. Be- handlungsbedingt könne ab dem Zeitpunkt des Eingriffs vom 30. Oktober 2020 für die Dauer von circa sechs bis acht Wochen eine initial volle Arbeitsun fähigkeit mit schrittweiser Mobilisati- on eingeräumt werden. 7.1 Die IV-Stelle ging in ihrer Verfügung vom 6. Jan uar 2021 gestützt auf die Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 25. Oktober 2016, 21. M ai 2019, 23. April 2020 und 4. Dezember 2020 davon aus, dass die Versicherte in eine r angepassten Verweistätigkeit – abgesehen von vorübergehenden behandlungsbedingten A bsenzen – zu 100 % arbeitsfähig sei. Wie in Erwägung 4.2 hiervor ausgeführt, prüft da s Gericht frei, ob die verfügbaren Unterla- gen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechta nspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfas- send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Ke nntnis der Vorakten abgegeben worden Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ei nleuchtet und seine Schlussfolge- rungen begründet sind. Liegen – wie hier – Berichte u nd Stellungnahmen von Ärzten verschie- dener Fachrichtungen vor, die eine schlüssige Gesamtbeurt eilung zulassen, bedarf es nicht zwingend eines umfassenden medizinischen (inter- oder pol ydisziplinären) Gutachtens (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2009, 8 C_964/2008, E. 3.1). Rechtspre- chungsgemäss sind aber an versicherungsinterne Beurteilunge n strenge Anforderungen zu stellen und bereits bei geringen Zweifeln an deren Z uverlässigkeit und Schlüssigkeit ergänzen- de Abklärungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2; vgl. E. 4.3 hiervor). Solche Zweifel an der B eurteilung von Dr. D.____ liegen indessen nicht vor. Vielmehr zeigte er in Würdigung der vorhande nen medizinischen Berichte und unter Berücksichtigung sämtlicher unfall- und krankheitsbedingt en Beschwerden der Versicherten nachvollziehbar auf, dass zwar massgebliche und dauerhafte Funktionseinschränkungen der oberen und unteren Extremitäten sowie des Achsenorgans lumbal vorliegen und ihr deshalb die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Pflegerin und im Reinigungsdienst nicht mehr möglich sind. Angepasste Verweistätigkeiten sind ihr aber auch ohne vor gelagertes fachlich angeleitetes Trainingstherapieprogramm uneingeschränkt zumutbar. Insg esamt ist die Beurteilung von Dr. D.____ sowohl in der Darlegung der medizinischen Zu sammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend, weshalb die IV-Stelle bei der Beurtei- lung der medizinischen Sachlage darauf abstellen durfte. 7.2 Die von der Beschwerdeführerin geäusserte Kritik an der Beurteilung des RAD-Arztes Dr. D.____ ist nicht geeignet, deren ausschlaggebende n Beweiswert in Frage zu stellen. Wenn sie geltend macht, dass die bei den Akten liegenden Be richte der behandelnden Ärzte teilweise veraltet resp. mangelhaft seien, ist ihr entgegenzuhalt en, dass Dr. D.____ bei seiner Beurtei- lung sämtliche bei den Akten liegenden Berichte berücksi chtigte und sich insbesondere auf- grund der Erkenntnisse aus dem umfassenden IV Assessment vom 15. März 2016 (Bericht der Klinik F.____ vom 27. Mai 2016) und der nachfolgende n Berichte der behandelnden Ärzte ein hinreichendes Bild zum Gesundheitszustand, der daraus re sultierenden Leistungsfähigkeit und den Verlauf machen konnte. Er beurteilte die Beschwerd en der Versicherten auch nicht isoliert, sondern im Gesamtkontext. Deshalb überzeugt auch seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, wonach der Versicherten trotz der Hand-, Rücken-, Ellbog en und Kniebeschwerden eine ange- passte Verweistätigkeit zu 100 % zumutbar ist. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Beurtei- lung von Dr. D.____ nicht lege artis erfolgt oder er d ie Wechselwirkung der verschiedenen Be- einträchtigungen nicht beachtet hätte, sind weder er sichtlich noch von der Beschwerdeführerin substantiiert dargetan. Die Beurteilungen der behande lnden Ärzte und Therapiekräfte, auf wel- che die Beschwerdeführerin verweist, vermögen keine Zweif el an den Ausführungen von Dr. D.____ zu erwecken, benennen sie doch keine relevante n Aspekte, die bei der Beurteilung durch Dr. D.____ unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Soweit die Beschwerdeführerin bemängelt, es seien weder psychiatrische noch neurologisch e Untersuchungen durchgeführt worden, ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund der vorlieg enden Unterlagen weder Anhalts- punkte für einen invalidisierenden psychischen- noch für e inen relevanten neurologischen Ge- sundheitsschaden dokumentiert sind. Lägen solche Störun gen vor, wären sie, wenn erheblich, von den behandelnden Ärzten erkannt und vertieft abge klärt worden. Jedenfalls hat die Be- schwerdeführerin auch in diesem Verfahren keine Berich te beigebracht, die die Notwendigkeit Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiterer Abklärungen nahelegen würden. Eine anderslau tende (fach)ärztliche Zumutbarkeits- beurteilung ergibt sich aus den Akten nicht. Die Einschät zung von Dr. H.____ im Bericht vom 17. September 2020, wonach ein Arbeitspensum von anfä nglich 50 % nach und nach erhöht werden könnte, überzeugt schon deshalb nicht, da die p rozentuale Quantifizierung der Arbeits- fähigkeit ohne nähere Begründung und ohne nähere Ken ntnisse der Berufssituation der Versi- cherten erfolgte. Verlässliche Hinweise für eine zwischenze itliche relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands bzw. der Arbeitsfähigkeit liegen ebenfalls nicht vor. Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was die Beurteilung des RAD-Ar ztes Dr. D.____ in Zweifel ziehen könnte. Bei dieser Sachlage durfte die IV-Stelle – ohn e mit ihrem Vorgehen in Willkür zu verfal- len – in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) und ohne den Untersuchungsgrundsatz zu verletzen auf weitere Abklärungen verzichten. Eine allfäl- lige Verschlechterung des Gesundheitszustands nach Erlass der angefochtenen Verfügung wäre im Rahmen einer Neuanmeldung zu beurteilen. 8. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstande n, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestützt auf die Beurteilung von Dr. D.____ davon ausgegangen ist, dass die Versicherte in angepass- ten Verweistätigkeiten – abgesehen von vorübergehende n behandlungsbedingten Absenzen – vollständig arbeitsfähig ist und dadurch ein rentenausschl iessendes Erwerbseinkommen erzie- len könnte. Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Bemessung der Vergleichsein- kommen anhand der Tabellenlöhne hat die Beschwerdefü hrerin zu Recht nicht bestritten, wes- halb von weiteren Erörterungen dazu abgesehen und statt dessen auf die entsprechenden Aus- führungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 6. Janu ar 2021 verwiesen werden kann. Selbst ein maximaler Abzug vom Tabellenlohn von 25 % ändert a m Ergebnis nichts, da dennoch ein Invaliditätsgrad von unter 40 % resultieren würde. Di e angefochtene Verfügung vom 6. Januar 2021, mit welcher ein Rentenanspruch der Beschwerdef ührerin verneint wurde, ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die dagegen gerichtete Beschwerde deshalb abzuweisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend unter liegt die Beschwerdeführerin, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 12. Februar 2021 die unentgeltliche P rozessführung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen werden. 9.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 12. Febru ar 2021 auch die unentgeltliche Ver- beiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter der B eschwerdeführerin hat in seiner Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Honorarnote vom 26. April 2021 für das vorliegende Ve rfahren einen Zeitaufwand von 8 Stunden 45 Minuten geltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen angemessen ist. Nicht zu b eanstanden sind die geltend ge- machten Auslagen in der Höhe von Fr. 18.60. Dem Rechtsv ertreter ist demnach ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'904.80 (8,75 Stunden à Fr. 200.- - [vgl. § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003] und A uslagen von Fr. 18.60 inkl. 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'904.80 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht