B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-837/2012 U r t e i l v o m 1 3 . S e p t e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______ B._______, geboren [...], Kosovo, vertreten durch lic. iur. Thomas Schütz, Rechtsanwalt, [...], Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Januar 2012 D-837/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin ist kosovarische Staatsbürgerin und A ngehörige der Volksgruppe der Ashkali albanischer Sprache und muslimischer Rel i- gionszugehörigkeit. Gemäss ihren Angaben stammt sie aus dem Dorf C._______ (albanisch; serbische Bezeichnung: D._______) in der G e- meinde E._______ (F._______) und lebte vor dem Kosovokrieg während vierzig Jahren in Mitrovicë (Kosovska Mitrovica). Wegen des Krieges sei sie im Jahr 1999 nach Bosnien gegangen, wo sie sich bis 2009 aufgehal- ten habe. Danach sei sie in den Kosovo, nach G._______ (H._______) in der Gemeinde I._______ (J._______), zurückgekehrt. Gemäss ihren An- gaben verliess sie den Kosovo – bei ungenauer Datumsangabe – im April 2011 erneut und reiste in der Folge illegal in die Schweiz ein , wo sie sich zu ihrer Tochter K._______ B._______ (Schweizer Staatsangehörige) be- gab. Mit Schreiben vom 26. April 2011 wandte sich die genannte Tochter an das Bundesamt für Migration (BFM) und ersuchte namens der B e- schwerdeführerin um Asyl in der Schweiz. Am 30. Mai 2011 wurde die Beschwerdeführerin durch das BFM summarisch und am 30. Juni 2011 eingehend zu den Gründen ih res Asylgesuchs angehört. Am 15. August 2011 wurde sie für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanto n Zürich zu- gewiesen. B. Anlässlich der durchgeführten Befragungen gab die Beschwerdeführerin im Wesentlichen zu Protokoll, sie sei im April 2011 aus dem Kosovo aus- gereist, weil sie dort ausser entfernten Verwandten niemanden mehr h a- be. Vor dem Kosovokrieg ha be sie bei ihrem Schwager L._______ B._______ und dessen Familie in Mitrovicë gelebt. Danach sei sie jedoch von jenem vertrieben worden. Ihre Kinder hätten ihr nach dem Krieg in G._______ ein Stück Land gekauft, um dort ein Haus zu bauen. Es sei jedoch bis jetzt nichts geschehen. Nach ihrer Rückkehr aus Bosnien – wo sie mit ihrer Tochter M._______ und deren Ehemann gewesen sei – habe sie in G._______ bei einem Verwandten ihres verstorbenen Ehe gatten namens N._______ O._______ gewohnt. Jedoch habe sie auch dort nicht dauernd bleiben können. Sie leide an verschiedenen Gebrechen, sei auf Hilfe angewiesen und wolle deshalb bei ihren Kindern in der Schweiz l e- ben. C. Mit Schreiben vom 5. Juli 2011 ersuchte das BFM die schwei zerische D-837/2012 Seite 3 Botschaft im Kosovo um Abklärung verschiedener Fragen zu Herkunft, familiärem Hintergrund, ehemaligen Wohnverhältnissen und wirtschaftl i- cher Lage der Beschwerdeführerin in deren Heimatstaat. D. Mit Schreiben vom 2. August 2011 übermittelte die schweizerische Bot - schaft im Kosov o dem BFM die Ergebnisse der entsprechenden Abklä- rungen. Daraus geht im Wesentlichen hervor, dass das Dorf G._______ eine grosse Ausdehnung habe und es sich ohne genauere Adressang a- ben als schwierig erwiesen habe, Informationen zu erlangen. Es seien mehrere Einwohner des Dorfs, darunter auch Angehörigen der Ethnie der Ashkali, befragt worden, aber weder die Beschwerdeführerin noch die Familie des N._______ O._______ seien den Befragten namentlich b e- kannt gewesen. Weiter sei das Dorf C._______ aufgesucht worden. Die- ses sei von den Bewohnern vollkommen aufgegeben worden. Jedoch sei in einem anderen D orf in der Gemeinde E._______ namens P ._______ (Q._______) jemand angetroffen worden, der sich daran habe erinnern können, dass die Beschwerdeführerin vor langer Zeit in C._______ gelebt habe. Jene Person habe mitzuteilen gewusst, dass die Beschwerdeführe- rin in der Gegend keine Familienangehörige mehr habe. Die gesamte Familie befinde sich im Ausland, die Kinder der Beschwerdeführerin all e- samt in der Schweiz. Die genannte Person habe zwar gewusst, dass der verstorbene Ehemann der Beschwerdeführerin in G._______ Familien- angehörige gehabt habe; N._______ O._______ sei ihr aber ebenfalls nicht namentlich bekannt gewesen. Es habe sich somit als unmöglich e r- wiesen, in G._______ die geringste Spur der Beschwerdeführerin oder der Person namens N._______ O._______ zu finden. Es sei daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführer in niemals in G._______ gelebt habe. Hingegen würden die Angaben, wonach die Beschwerdeführerin in Mitrovicë gelebt habe, als korrekt erscheinen, auch wenn mangels g e- nauer Adressangaben eine Überprüfung nicht möglich gewesen sei. Fe r- ner sei die Beschwerdef ührerin in C._______ geboren und habe dort je- denfalls bis zu ihrer Eheschliessung eine Zeitlang gelebt . Heute habe sie dort keine Verwandten mehr. E. Am 12. September 2011 führte das BFM eine ergänzende Anhörung der Beschwerdeführerin durch. Im Rahmen diese r Befragung erteilte das BFM der Beschwerdeführerin in Bezug auf die genannten Abklärungse r- gebnisse das rechtliche Gehör. Dabei blieb die Beschwerdeführerin im Wesentlichen bei ihrer Darstellung, sie habe sich vor ihrer Ausreise in die D-837/2012 Seite 4 Schweiz bei N._______ O._______ aufgehalten. Diesbezüglich führte sie – mit Unterstützung ihrer Tochter K._______ B._______ – aus, G._______ existiere auch unter der Ortsbezeichnung R._______, und machte Angaben, wie das Wohnhaus von N._______ O._______ zu fin- den sei. Zudem äusserte sie sich ergänzend zu ihrem ehemaligen Au f- enthaltsort in Mitrovicë. Im Rahmen der Anhörung gab die Beschwerd e- führerin zwei Bestätigungsschreiben zu den Akten. F. Mit E -Mail vom 20. September 2011 ersuchte das BFM die schweizer i- sche Botschaft im Kosovo gestützt auf die Ergebnisse der Anhörung vom 12. September 2011 um erneute Abklärung der Herkunft, des familiären Hintergrunds und der sonstigen persönlichen Verhältnisse der Beschwer- deführerin im Kosovo. G. Mit Eingabe an das BFM vom 23. September 2011 liess die Beschwerde- führerin eine Telefax-Kopie der Identitätskarte von N._______ O._______ einreichen. H. Mit Schreiben vom 28. September 2011 übermittelte die schweizerische Botschaft im Kosovo dem BFM die Ergebnisse der erneuten Abklärungen. Daraus ergibt sich im Wesentlichen, dass der Schwager der Beschwerde- führerin, L._______ B._______, mit seiner Familie nach wie vor in Mitr o- vicë wohne. Ein Sohn des Genannten habe bestätigt, dass die B e- schwerdeführerin vor dem Krieg bei seiner Fami lie gelebt habe. Auch nach ihrer Rückkehr aus Bosnien und Herzegowina habe sie wieder wäh- rend sechs bis sieben Monaten bei ihnen gewohnt. Die erneuten Abkl ä- rungen hätten ausserdem ergeben, dass in der Gemeinde I._______ – wenn auch weder in G._______ noch in R._______, sondern im Dorf S._______ – die Person namens N._______ O._______ wohne. Dieser habe bestätigt, dass die Beschwerdeführerin während zwe ier Jahre, zwi- schen 2009 und 201 1, bei ihm und seiner Familie gelebt habe. Er habe dafür von der Familie de r Beschwerdeführerin allerdings niemals irgen d- eine Entschädigung erhalten. Er habe die Beschwerdeführerin, mit deren verstorbenem Ehemann er entfernt verwandt sei, nicht mehr länger b e- herbergen können und sie deshalb zur Abreise aufgefordert. Auch gegen Entschädigung werde er sie nicht mehr bei sich aufnehmen. Aus der Bo t- schaftsantwort geht ausserdem hervor, dass die Beschwerdeführerin in R._______ über eine Landparzelle verfüge, die indessen nicht bebaut sei. D-837/2012 Seite 5 Die Beschwerdeführerin sei im Jahr 2009 mit ihr er Tochter M._______ aus Bosnien und Herzegowina in den Kosovo zurückgekehrt. M._______ sei verheiratet und lebe heute in T._______. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Kosovo angesichts ihres Alters Anspruch auf Sozialhilfe hätte. Auch könne angenommen werden, dass sie gegen Entschädigung wieder bei ihrem Schwager L._______ B._______ in Mitrovicë leben könnte. I. Mit Zwischenverfügung vom 21. November 2011 gewährte das BFM der Beschwerdeführerin zu den Ergebnissen der erneuten Botschaftsabkl ä- rungen das rechtliche Gehör. J. Mit Verfügung vom 19. Januar 2012 lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Auf die Begründung der Verfügung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. K. Diese Verfügung focht die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihres Rechts- vertreters vom 14. Februar 2012 beim Bundesverwaltungsgericht an. D a- bei beantragte sie, die Ziff. 3-5 der Verfügung des BFM seien aufzuheben und es sei ihre vorläufige Aufnahme anzuordnen. Eventualiter sei die S a- che zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pr o- zessualer Hinsicht beantrag te die Beschwerdeführerin, es s eien ih r die unentgeltliche Prozessfü hrung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwal - tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie die unentgeltliche Rechtsv erbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG zu gewähren. Auf die Begründun g der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. L. Mit Zwischenverfügung der zuständigen Instruktionsrichterin vom 23. Fe- bruar 2012 wurde festgestellt, dass sich die Beschwerdeeingabe au s- schliesslich gegen die von der Vorinstanz verfügte Wegweisung bezi e- hungsweise deren Vollzug richte. Somit se i die Verfügung des BFM vom 19. Januar 2012 in Rechtskraft erwachsen, soweit die Frage des Asyls und der Flüchtlingseigenschaft betreffend. Weiter wurde festgestellt, s o- weit mit der Beschwerde beantragt werde, die Ziff. 3 der angefochtenen Verfügung (und insofern die Wegweisung als solche) sei aufzuheben, sei D-837/2012 Seite 6 festzuhalten, dass die Wegweisung nur aufgehoben werden könne, wenn ein Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung besteh e (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri schen Asylrekurskom mission [EMARK] 2001 Nr. 21). Mangels entsprechender Begründung in der Beschwerd e- schrift sei das Rechtsbegehren daher als sinngemäss auf den Vollzug s- punkt beschränkt zu erachten. Gegenstan d des Beschwerdeverfahrens bilde damit in materieller Hinsicht lediglich die Frage, ob die Wegweisung zu vollziehen oder an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzu- ordnen sei. Des Weiteren wurde das Gesuch um Gewährung der unen t- geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG vorbehäl t- lich des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung bis zum 9. März 2012 gutgeheissen. Für den Fall, dass keine Fürsorgebestätigung eingereicht würde, wurde die Beschwerdeführerin unter Androhung des Nichteintr e- tens auf die Beschwerde zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.– innert gleicher Frist aufgefordert. Schliesslich wurde das G e- such um unentgeltliche Verbeiständung im Sin ne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abgelehnt. M. Mit Einzahlung vom 27. Februar 2012 w urde der verlangte Kostenvo r- schuss geleistet. N. Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 1. März 2012 wurde eine Fürso r- gebestätigung eingereicht. Weiter liess die Beschwerdeführerin durch i h- ren Rechtsvertreter mitteilen, die Leistung des Kostenvorschusses sei irr- tümlicherweise erfolgt, und es wurde darum ersucht, der geleistete Betrag von Fr. 600. – sei ihr – auf das Konto des Rechtsvertreters – umgehend wieder zurückzuerstatten. O. Mit Zwischenverfügung des zuständigen Instruktionsrichters vom 6. März 2012 wurde festgestellt, angesichts der erfolgten Zahlung stelle sich u n- geachtet der eingereichten Fürsorgebestätigung die Frage, ob die pr o- zessuale Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG tatsächlich gegeben sei oder Anlass bestehe, au f die vo r- behältliche Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zurückzukommen. Gestützt darauf wurde festgehalten, dass über die genannte Frage im Endentscheid befunden werde. Zugleich wurde der Antrag abgewiesen, der mit Zahlung vom 27. Februar 2012 überwiesene Betrag sei umgehend zurückzuerstatten. D-837/2012 Seite 7 P. Mit Eingabe vom 9. März 2012 wiederholte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter den Antrag, der mit Zahlung vom 27. Februar 2012 überwiesene Betrag sei sofort zurückzu erstatten, und reichte in diesem Zusammenhang eine Verfügung des Amts für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt U._______ in Bezug auf den Schwiegersohn der B e- schwerdeführerin ein. Des Weiteren führte der Rechtsvertreter aus, das vorliegende Schreiben sei als Aufsichtsbeschwerde gegen die Amtsfü h- rung des zuständigen Instruktionsrichters aufzufassen und entsprechend weiterzuleiten, sollte an der Zwischenverfügung vom 6. März 2012 fes t- gehalten werden. Q. Mit Vernehmlassung vom 9. März 2012 hielt das BFM vollum fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. R. Mit Schreiben vom 15. März 2012 teilte der zuständige Instruktionsrichter dem Rechtsvertreter mit, die Zwischenverfügung vom 6. März 2012 habe keinerlei Präjudiz in Bezug auf die Frage geschaffen, ob die prozessuale Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG tatsächlich gegeben sei. Vielmehr werde es am Spruchgremium liegen, diese Frage im Endentscheid abschliessend zu beurteilen, und es sei somit noch kein definitiver Entscheid über eine allfällige Kostenpflicht der Beschwerdeführerin getroffen worden. Daher bestehe weder Veranla s- sung, auf die Zwischenverfügung vom 6. März 2012 zurückzukommen, noch die Eingabe vom 9. März 2012 als Aufsichtsbeschwerde aufzufas- sen und entsprechend weiterzuleiten. Des Weiteren wurde der B e- schwerdeführerin von der Vernehmlassung des BFM Kenntnis gegeben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden gegen Verf ü- gungen, die gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) durch das BFM erlassen worden sind, entscheidet das Bundes-D-837/2012 Seite 8 verwaltungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 -33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 de s Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet - zung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellu ng des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt we r- den (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Die Beschwerdeführerin ist legitimiert; auf ihre frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 2.2 Wie mit Zwischenverfügung vom 23. Februar 2012 festgestellt wurde, beschränkt sich das Beschwerdeverfahren angesichts der gestellten A n- träge in materieller Hinsicht auf die Frage, ob die Wegweisung zu vollzi e- hen oder an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. 3. 3.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufig e Aufnahme von Aus - länderinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 3.2 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind alternativer Natur: Sobald ei ne von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwe- senheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 ff.). 3.3 Weil sich vorlieg end der Vollzug der Wegweisung aus den nachfo l- gend aufgezeigten Gründen als unzumutbar erweist, ist auf eine Erört e- rung der beiden anderen Kriterien zu verzichten. D-837/2012 Seite 9 4. 4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Auf nahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 4.2 Im vorliegenden Fall sind unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs insbesondere die folgenden Faktoren zu b e- rücksichtigen, wie sie sich aus den Angaben der Beschwerdeführerin selbst sowie aus den Abklärungen der schweizerischen Botschaft im K o- sovo ergeben: Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine sie b- zigjährige Frau von der ethnischen Mi nderheit der Ashkali albanischer Sprache. Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1976 lebte sie bis zum Jahr 1999 bei der Familie ihres Schwagers L._______ B._______ in Mitrovicë. Während des Kosovokriegs begab sie sich mit ihrer Tochter M._______ nach Bosni en, wo sie sich bis 2009 aufhielt. Anschliessend kehrte sie in den Kosovo zurück, wo sie in der Folge, bis zu ihrer Ausreise in die Schweiz, während einiger Monate wiederum bei L._______ B._______ und während etwa zweier Jahre bei einem entfernten Ve r- wandten ihres verstorbenen Ehemannes namens N._______ O._______ in der Gemeinde I._______ wohnte. Aus den Abklärungen der Botschaft geht hervor, dass die Familie von L._______ B._______ in Mitrovicë in prekären Verhältnissen lebt. Das Anwesen umfasst gemäss den Auskünf- ten der Botschaft vier Gebäude, die mehr oder weniger bewohnbar seien. L._______ B._______ habe fünf verheiratete Söhne, die mit ihren Famil i- en allesamt auf dem Anwesen leben würden; insgesamt handle es sich um vierzig Personen. Sämtliche Mitglieder der Grossfamilie seien arbeits- los. In Bezug auf N._______ O._______ geht aus den Abklärungen der Botschaft hervor, dass dieser es ablehne, die Beschwer deführerin selbst gegen Entschädigung wieder bei sich aufzunehmen. Der Genannte habe mit ihr fast keine verwandtschaftliche Verbindung. Aus verschiedenen durch die Botschaft erlangten Zeugenaussagen resultiert ausserdem, dass die Tochter M._______ heute wieder im Kosovo lebe und mit ihrem Ehemann in T._______ ein Haus bewohne. Die Beschwerdeführerin b e- sitze zwar in der Gemeinde I._______ ein Stück Land; dieses sei jedoch nicht bebaut. D-837/2012 Seite 10 4.3 Das BFM stützte seine Beurteilung, der Vollzug der Wegweisung in den Kosovo sei zumutbar, im Wesentlichen auf die Einschätzung, die B e- schwerdeführerin verfüge im Kosovo über ein verwandtschaftliches B e- ziehungsnetz, das ihr auch Wohnraum zur Verfügung stellen könne. Au s- serdem habe sie in ihrem Heimatstaat Anspruch auf Sozialhilfe in der Hö- he von mindestens 40 Euro monatlich. Dazu ist festzustellen, dass zwar die Einschätzung zutrifft, die Beschwerdeführerin habe im Kosovo familiä- re Beziehungen. Entgegen der Vorinstanz sind dabei allerdings lediglich ihre Tochter M._______ und L._______ B._______, der Bruder ihres ve r- storbenen Ehegatten, zu nennen, nicht aber die P erson namens N._______ O._______, zu der auch nach Einschätzung der schweizer i- schen Botschaft lediglich ein sehr entferntes , nicht genauer zu bezeic h- nendes verwandtschaftliches Verhältnis besteht. In diesem Zusamme n- hang ist auch f estzuhalten, dass das BFM die schweizerische Botschaft im Kosovo zwar zweimal mit Abklärungen in Bezug auf N._______ O._______ beauftragte, jedoch keinerlei Erkundigungen über die L e- bensumstände der Tochter M._______ anstellen liess. Zu bemängeln ist des Weiteren, dass das BFM – obwohl sich die Botschaftsabklärungen hierzu äusser ten – in der angefochtenen Verfügung auch nicht auf die Frage der konkreten Wohnsituation einging, welche die Beschwerdefü h- rerin bei ihrem Schwager oder allenfalls bei ihrer Tochter M._______ an- treffen würde. In Bezug auf Letztere wurde mit der Beschwerdeschrift gel- tend gemacht, im Haus der Tochter M._______ in T._______ (Gemeinde E._______), das lediglich zwei Zimmer aufweise, würden sechs Personen wohnen. Im Rahmen der Vernehmlassung hat sich das Bundesamt zu diesem Aspekt nicht weiter geäussert. 4.4 Gestützt auf die vorliegenden Erkenntnisse ist entgegen der Ansicht des BFM nicht davon auszugehen, dass die Wohnsituation der B e- schwerdeführerin im Kosovo gesichert ist. Vielmehr ist anzunehmen, dass sowohl die Tochter M._______ als auch L._______ B._______ mit ihren jeweiligen Familien in prekären Wohnverhältnissen leben. Dabei ist auch dem Alter der Beschwerdeführerin sowie dem Umstand Rechnung zu tra- gen, dass sie aus gesundheitlichen Gründen offenbar von der Unterstü t- zung ihrer Angehörigen abhängig ist. So ist einer im Protokoll der Erstbe- fragung (S. 7) enthaltenen Anmerkung der befragenden Person zu en t- nehmen, die Beschwerdeführerin sei gebrechlich, verwirrt und verängstigt gewesen; viele Fragen – so zu Verwandten, Geburts- und anderen Daten – hätten nur mit Hilfe der anwesenden Tochter K._______ B._______ be- antwortet werden können. Es ist festzustellen, dass auch aus dem Proto- koll der ergänzenden Anhörung vom 12. September 2011 hervorgeht, D-837/2012 Seite 11 dass die Beschwerdeführerin unter Orientierungsschwierigkeiten leidet. So vermochte sie teilweise auch auf einfachste Fragen bezüglich ihrer Lebensumstände und sonstigen persönlichen Verhältnisse im Kosovo und in Bosnien und Herzegow ina nur mit Unterstützung ihrer Tochter Auskunft zu geben. Dabei gab sie an, sie brauche Begleitung, da sie nicht alleine aufstehen und gehen könne; selbst zum Duschen benötige sie Hil- fe. Angesichts der erwähnten Anmerkungen im Protokoll der Erstbefr a- gung sind diese Angaben als glaubhaft zu qualifizieren, und es ist von e i- ner weitgehenden Unterstützungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin wegen ihres Alters und ihrer Gebrechlichkeit auszugehen. 4.5 Namentlich unter Berücksichtigung der nicht gesichert erschein enden Wohnsituation im Kosovo und der alters - und gesundheitsbedingten U n- terstützungsbedürftigkeit ergibt sich somit der Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin in ihren Heimatstaat als unz u- mutbar zu erachten ist. 5. Nach den angeste llten Erwägungen ist die – auf die Frage des Wegwe i- sungsvollzugs beschränkte – Beschwerde gutzuheissen. Nachdem vo r- liegend auch keine Gründe für die Anwendung von Art. 83 Abs. 7 AuG ak- tenkundig sind, sind die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung aufzuheben, und das BFM ist anzuweisen, den Aufenthalt der Beschwerdeführerin nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vo r- läufige Aufnahme zu regeln (Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind kein e Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). Der mit Zahlung vom 27. Feb- ruar 2012 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.– ist der Beschwerd e- führerin zurückzuerstatten. 6.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann die Beschwe r- deinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendi- gen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die Grund - sätze der Bemessung der Parteientschädigung auss erdem Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver - waltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens der Rechtsvertretung ist keine Kostennote eingereicht worden. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 D-837/2012 Seite 12 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand des Schriftenwech - sels zuverlässig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) wird die Parteien t- schädigung aufgrund der Akten daher auf Fr. 1'200. – (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Dieser Betrag ist der Beschwerdeführerin durch das BFM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-837/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 19. Januar 2012 werden aufgehoben, und das Bundesamt wird angewiesen, die vo r- läufige Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz anzuordnen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erh oben. Der geleistete Kostenvor - schuss von Fr. 600.– wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädigung von Fr. 1'200.– zugesprochen, die ihr durch das BFM zu entrichten ist. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand: