<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 105 S.394</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>105 Familiennachzug.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen für die Prüfung eines neuen Gesuches um Bewilligung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Familiennachzugs für den wegen Drogendelikten verurteilten Ehe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mann mehr als zwei Jahre nach rechtskräftig abgewiesenem Familien-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nachzugsgesuch (Erw. II/3 und 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 17. Oktober</span><br/> <span class="ft3">2003 in Sachen C.M. gegen einen Entscheid des Migrationsamts</span><br/> <span class="ft3">(BE.2003.00005).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. a) Dem Beschwerdeführer wurde nach mehreren Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthalten als Saisonnier am 31. Dezember 1988 eine Jahresaufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung erteilt. Seine Ehefrau und die gemeinsamen Kinder</span><br/> <span class="ft1">reisten im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein. Seit</span><br/> <span class="ft1">dem 2. Dezember 1998 sind die Ehefrau sowie die beiden älteren</span><br/> <span class="ft1">Kinder im Besitze einer Niederlassungsbewilligung.</span><br/> <span class="ft1">b) Der Beschwerdeführer wurde Ende Mai 1994 in Deutschland</span><br/> <span class="ft1">wegen Betäubungsmitteldelikten verhaftet und verbrachte darauf</span><br/> <span class="ft1">über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Mit Urteil des Landge-</span><br/> <span class="ft1">richts Waldshut-Tiengen vom 24. Februar 1995 wurde er zu einer</span><br/> <span class="ft1">Freiheitsstrafe von 5 Jahren verurteilt. Das Bundesamt für Auslän-</span><br/> <span class="ft1">derfragen (BFA, heute Bundesamt für Zuwanderung, Integration und</span><br/> <span class="ft1">Auswanderung [IMES]) erliess am 24. Januar 1997 betreffend den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer eine Einreisesperre auf unbestimmte Dauer.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem die Fremdenpolizei bereits im Januar 1998 auf ein</span><br/> <span class="ft1">Familiennachzugsgesuch der Ehefrau des Beschwerdeführers infolge</span><br/> <span class="ft1">der gegen diesen verhängten Einreisesperre nicht eingetreten war,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">395</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lehnte sie ein weiteres Gesuch um Familiennachzug vom 15. Januar</span><br/> <span class="ft1">1999 mit Verfügung vom 18. März 1999 ab. Die dagegen erhobene</span><br/> <span class="ft1">Einsprache blieb ebenso erfolglos wie die gegen den Einspracheent-</span><br/> <span class="ft1">scheid eingereichte Beschwerde, die das Rekursgericht im Auslän-</span><br/> <span class="ft1">derrecht mit Urteil vom 31. März 2000 abwies (BE.1999.00058).</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgericht wies die dagegen erhobene Verwaltungsgerichts-</span><br/> <span class="ft1">beschwerde mit Urteil vom 9.</span> <span class="ft1">Juni 2000 ebenfalls ab</span><br/> <span class="ft1">(BGE 2A.213/2000).</span><br/> <span class="ft1">c) Der Beschwerdeführer lebte nach der Entlassung aus dem</span><br/> <span class="ft1">Strafvollzug im Kosovo. Aufgrund der kriegerischen Auseinander-</span><br/> <span class="ft1">setzungen reiste er im Dezember 1999 illegal in die Schweiz ein und</span><br/> <span class="ft1">stellte am 6. Dezember 1999 in Basel ein Asylgesuch. Das Bundes-</span><br/> <span class="ft1">amt für Flüchtlinge (BFF) lehnte das Asylgesuch mit Entscheid vom</span><br/> <span class="ft1">25. Januar 2000 ab.</span><br/> <span class="ft1">d) Der Ehefrau des Beschwerdeführers wurde mit Schreiben der</span><br/> <span class="ft1">Fremdenpolizei, Sektion Aufenthalt, vom 28. Juni 2002 mitgeteilt,</span><br/> <span class="ft1">dass auf das erneut eingereichte Familiennachzugsgesuch betreffend</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer nicht eingetreten werde, da ihm aufgrund sei-</span><br/> <span class="ft1">ner Verurteilung durch das Landgericht Waldshut-Tiengen vom</span><br/> <span class="ft1">24. Februar 1995 eine Einreisesperre auf unbestimmte Dauer aufer-</span><br/> <span class="ft1">legt wurde. Im Weiteren sei - da er gegen die öffentliche Ordnung</span><br/> <span class="ft1">verstossen habe - sein Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ANAG erlo-</span><br/> <span class="ft1">schen.</span><br/> <span class="ft1">e) Die schweizerische Asylrekurskommission (ARK) wies mit</span><br/> <span class="ft1">Urteil vom 2. September 2002 die gegen den Entscheid des BFF er-</span><br/> <span class="ft1">hobene Beschwerde ab. Mit Schreiben des BFF vom 6. September</span><br/> <span class="ft1">2002 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, die Schweiz bis zum</span><br/> <span class="ft1">8. Oktober 2002 zu verlassen. Dieser Anordnung leistete er keine</span><br/> <span class="ft1">Folge.</span><br/> <span class="ft1">f) Mit Schreiben vom 7. Oktober 2002 beantragte der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer, es sei ihm wiedererwägungsweise eine Jahresauf-</span><br/> <span class="ft1">enthaltsbewilligung zu erteilen sowie der Aufenthalt in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">i. S. einer vorsorglichen Massnahme bis zum Gesuchsentscheid zu</span><br/> <span class="ft1">bewilligen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">396</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">g) Das Migrationsamt trat mit Schreiben vom 15. Oktober 2002</span><br/> <span class="ft1">auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">verlangte mit Schreiben vom 22. und 28. Oktober 2002 eine einspra-</span><br/> <span class="ft1">chefähige Verfügung, welche das Migrationsamt am 5. November</span><br/> <span class="ft1">2002 erliess.</span><br/> <span class="ft1">h) Am 7. November 2002 wurde der Beschwerdeführer nach</span><br/> <span class="ft1">Belgrad ausgeschafft.</span><br/> <span class="ft1">B. Mit Eingabe vom 28. November 2002 erhob der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer gegen die Verfügung des Migrationsamtes Einsprache. Am</span><br/> <span class="ft1">7. Januar 2003 wies der Rechtsdienst des Migrationsamtes (Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz) die Einsprache ab.</span><br/> <span class="ft1">C. Am 23. Januar 2003 reichte der Beschwerdeführer gegen den</span><br/> <span class="ft1">Einspracheentscheid der Vorinstanz Beschwerde ein.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 2. Wird ein Gesuch eingereicht, welches gleich lautet wie ein</span><br/> <span class="ft1">früheres, bereits rechtskräftig entschiedenes Gesuch, stellt sich zu-</span><br/> <span class="ft1">nächst die Frage, ob neue, entscheidwesentliche Umstände vorliegen</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2001. S. 487 f.).</span><br/> <span class="ft1">a) Liegen entscheidwesentliche Umstände vor, die sich erst</span><br/> <span class="ft1">nach Erlass der nun in Rechtskraft erwachsenen Verfügung oder des</span><br/> <span class="ft1">rechtskräftigen Entscheides ergaben (echte Noven), ist durch die</span><br/> <span class="ft1">erste Instanz zu prüfen, ob ein Anspruch auf Wiedererwägung besteht</span><br/> <span class="ft1">(§ 25 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG] vom</span><br/> <span class="ft1">9. Juli 1968) und das neue Gesuch damit materiell zu behandeln ist.</span><br/> <span class="ft1">b) Liegen erhebliche, d.h. entscheidwesentliche Tatsachen oder</span><br/> <span class="ft1">Beweismittel vor, die zur Zeit des Erlasses der Verfügung oder des</span><br/> <span class="ft1">Entscheides wohl bestanden, der verfügenden oder entscheidenden</span><br/> <span class="ft1">Behörde aber nicht bekannt waren (unechte Noven), hat die letzte In-</span><br/> <span class="ft1">stanz die Wiederaufnahme des Verfahrens zu prüfen (§</span> <span class="ft1">27</span><br/> <span class="ft1">lit. a VRPG).</span><br/> <span class="ft1">c) Bei der Beurteilung des neuen Gesuches hat die zuständige</span><br/> <span class="ft1">Behörde zunächst lediglich zu prüfen, ob die geltend gemachten Um-</span><br/> <span class="ft1">stände effektiv neu sind, d.h. ob unechte oder echte Noven vorliegen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">397</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Waren die Umstände im ersten Verfahren bekannt, so ist auf das neue</span><br/> <span class="ft1">Gesuch bzw. auf das Wiederaufnahmebegehren nicht einzutreten, da</span><br/> <span class="ft1">der Sachverhalt bereits beurteilt worden ist und der Betroffene kein</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutzinteresse besitzt, einen bereits rechtskräftig beurteilten</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt nochmals überprüfen zu lassen.</span><br/> <span class="ft1">Sind die geltend gemachten Umstände effektiv als neu zu be-</span><br/> <span class="ft1">zeichnen, ist zu prüfen, ob diese grundsätzlich entscheidwesentlich</span><br/> <span class="ft1">sind. Mit anderen Worten ist die Frage zu stellen, ob die Berücksich-</span><br/> <span class="ft1">tigung der neuen Umstände grundsätzlich zu einer Bewilligung des</span><br/> <span class="ft1">Gesuches führen kann. Ist auch diese Frage zu bejahen, ist das neue</span><br/> <span class="ft1">Gesuch bei Vorliegen von echten Noven im Rahmen einer Wieder-</span><br/> <span class="ft1">erwägung durch die erste Instanz materiell zu behandeln oder das</span><br/> <span class="ft1">Verfahren bei Vorliegen von unechten Noven durch die letzte Instanz</span><br/> <span class="ft1">wieder aufzunehmen.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Der Beschwerdeführer verlangt mit seinem Wiedererwä-</span><br/> <span class="ft1">gungsgesuch die Gutheissung des Familiennachzugs und die Ertei-</span><br/> <span class="ft1">lung einer Jahresaufenthaltsbewilligung. Gestützt auf die vorstehen-</span><br/> <span class="ft1">den Erwägungen ist zunächst zu prüfen, ob entscheidwesentliche</span><br/> <span class="ft1">echte bzw. unechte Noven vorliegen.</span><br/> <span class="ft1">b) Ein rechtskräftig erledigtes Verfahren ist bei Vorliegen eines</span><br/> <span class="ft1">Wiederaufnahmegrundes auf Begehren eines Beteiligten durch die</span><br/> <span class="ft1">letzte Instanz wieder aufzunehmen (§ 27 VRPG). Nachdem das Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgericht bereits ein Urteil gefällt hat, ist es dem Rekursge-</span><br/> <span class="ft1">richt - auch wenn unechte Noven vorliegen würden - verwehrt, das</span><br/> <span class="ft1">Verfahren wieder aufzunehmen, da es nicht letztinstanzlich ent-</span><br/> <span class="ft1">schieden hat. Es kann deshalb offen bleiben, ob unechte Noven vor-</span><br/> <span class="ft1">liegen und ob diese allenfalls entscheidwesentlich wären.</span><br/> <span class="ft1">c) Der Beschwerdeführer verweist in seiner Beschwerde auf</span><br/> <span class="ft1">BGE 113 Ia 152 und führt aus, das Vorliegen eines qualifizierten</span><br/> <span class="ft1">Wiedererwägungsgrundes gewähre einen Anspruch auf materielle</span><br/> <span class="ft1">Behandlung. Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, die seit</span><br/> <span class="ft1">seiner Verhaftung vor über 9 Jahren und dem Entscheid des Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gerichts verstrichene lange Zeit könne gemäss herrschender Lehre</span><br/> <span class="ft1">und Praxis als Wiedererwägungsgrund geltend gemacht werden.</span><br/> <span class="ft1">Im zitierten Bundesgerichtsentscheid wird - wie der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer sinngemäss geltend macht - unter anderem ausgeführt, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">398</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die Behörde gemäss den von Lehre und Rechtsprechung aus Art. 4</span><br/> <span class="ft1">der alten Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft</span><br/> <span class="ft1">(aBV) vom 29. Mai 1874 abgeleiteten Grundsätzen verpflichtet ist,</span><br/> <span class="ft1">auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn wie gesehen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. vorstehend E. 2) entscheidwesentliche echte Noven vorliegen.</span><br/> <span class="ft1">Anders ausgedrückt besteht ein Rechtsanspruch auf Wiedererwägung</span><br/> <span class="ft1">nur dann, wenn neue, nach dem Erlass der ersten Verfügung oder des</span><br/> <span class="ft1">ersten Entscheides entstandene Umstände vorliegen, so dass von</span><br/> <span class="ft1">einem völlig neuen Gesuch auszugehen ist. Andernfalls steht es im</span><br/> <span class="ft1">Ermessen der zuständigen Behörde, ob sie ihren ersten Entscheid in</span><br/> <span class="ft1">Wiedererwägung ziehen will oder nicht (vgl. hierzu auch</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1994, S. 460).</span><br/> <span class="ft1">d) Die Vorinstanz führte in ihrem Entscheid einerseits aus, der</span><br/> <span class="ft1">Zeitablauf als solcher stelle keinen Wiedererwägungsgrund dar, um</span><br/> <span class="ft1">gleich darauf anzufügen, es möge in Einzelfällen angezeigt erschei-</span><br/> <span class="ft1">nen, nach einer gewissen Zeit ein Wiedererwägungsgesuch an die</span><br/> <span class="ft1">Hand zu nehmen.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Fraglich ist, ob und wenn ja unter welchen Umständen</span><br/> <span class="ft1">aufgrund des Zeitablaufs von einem entscheidwesentlichen echten</span><br/> <span class="ft1">Novum auszugehen ist, welches zu einem Rechtsanspruch auf Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung eines Wiedererwägungsgesuches führt.</span><br/> <span class="ft1">b) Soweit ersichtlich wurde diese Frage bislang weder durch die</span><br/> <span class="ft1">Doktrin noch durch die Rechtsprechung beantwortet. Dass sich die</span><br/> <span class="ft1">Situation eines Betroffenen nach einer gewissen Zeit verändern kann,</span><br/> <span class="ft1">liegt auf der Hand. Die Veränderung der Situation ist jedoch nicht</span><br/> <span class="ft1">primär darin zu erblicken, dass Zeit verstrichen ist, sondern darin,</span><br/> <span class="ft1">dass das Gesamtbild eines Betroffenen aufgrund des Zeitablaufes in</span><br/> <span class="ft1">einem anderen Licht erscheint. Insofern ist der Vorinstanz beizu-</span><br/> <span class="ft1">pflichten, wenn sie ausführt, der Zeitablauf als solcher stelle keinen</span><br/> <span class="ft1">Wiedererwägungsgrund dar, es sei jedoch angezeigt, im Einzelfall</span><br/> <span class="ft1">nach einer gewissen Zeit ein Wiedererwägungsgesuch an die Hand</span><br/> <span class="ft1">zu nehmen. In diesem Sinne ist auch davon auszugehen, dass unter</span><br/> <span class="ft1">bestimmten Voraussetzungen nach einer gewissen Zeit ein Rechtsan-</span><br/> <span class="ft1">spruch auf materielle Beurteilung eines Wiedererwägungsgesuches</span><br/> <span class="ft1">entstehen kann.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">399</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) Die Vorinstanz verneinte einen Rechtsanspruch auf Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung des Wiedererwägungsgesuches aufgrund der bislang verstriche-</span><br/> <span class="ft1">nen Zeit. Damit ist zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen nach</span><br/> <span class="ft1">einer gewissen Zeit von einem Rechtsanspruch auf Beurteilung eines</span><br/> <span class="ft1">Wiedererwägungsgesuches auszugehen ist, und ob die Vorinstanz mit</span><br/> <span class="ft1">ihrem Entscheid eine Ermessensüberschreitung und damit eine zu</span><br/> <span class="ft1">korrigierende Rechtsverletzung begangen hat.</span><br/> <span class="ft1">d) Wie bereits ausgeführt, liegt die Veränderung der Situation</span><br/> <span class="ft1">nicht darin, dass Zeit verstrichen ist, sondern darin, dass das Ge-</span><br/> <span class="ft1">samtbild eines Betroffenen nach einer gewissen Zeit in einem ande-</span><br/> <span class="ft1">ren Licht erscheint. Davon ist in Fällen wie dem Vorliegenden, bei</span><br/> <span class="ft1">früherer Verurteilung des Betroffenen dann auszugehen, wenn sich</span><br/> <span class="ft1">der Betroffene während dieser Zeit wohl verhalten hat. Ein Rechts-</span><br/> <span class="ft1">anspruch auf Wiedererwägung besteht deshalb erst und nur dann,</span><br/> <span class="ft1">wenn einerseits eine gewisse Zeit verstrichen ist und sich der Betrof-</span><br/> <span class="ft1">fene andererseits während dieser Zeit wohl verhalten hat. Sind beide</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen erfüllt, liegt ein entscheidwesentliches echtes No-</span><br/> <span class="ft1">vum vor.</span><br/> <span class="ft1">e) Nachfolgend ist zu klären, ob die Annahme des Migrations-</span><br/> <span class="ft1">amtes, es sei noch nicht genügend Zeit verstrichen, korrekt ist. Dabei</span><br/> <span class="ft1">sind auch die Kriterien zur Festlegung der Zeitdauer zu bestimmen.</span><br/> <span class="ft1">aa) Der Beschwerdeführer geht davon aus, beim Beginn der</span><br/> <span class="ft1">Zeitdauer sei auf den Tatzeitpunkt abzustellen.</span><br/> <span class="ft1">Eine ähnliche Situation für die Beurteilung des Wohlverhaltens</span><br/> <span class="ft1">liegt dann vor, wenn bei einer Nichtverlängerung einer Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung oder bei einer Ausweisung das Wohlverhalten eines Be-</span><br/> <span class="ft1">troffenen im Rahmen der Interessenabwägung zu berücksichtigen ist.</span><br/> <span class="ft1">Dabei ist nur diejenige Zeit beachtlich, die der Betroffene in Freiheit</span><br/> <span class="ft1">verbracht hat. Entsprechend ist in Fällen wie dem Vorliegenden für</span><br/> <span class="ft1">den Beginn der erforderlichen Dauer des Wohlverhaltens nicht auf</span><br/> <span class="ft1">die Tatzeit, sondern auf den Zeitpunkt der Entlassung aus dem Straf-</span><br/> <span class="ft1">vollzug abzustellen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde am 26. Mai 1994 in Bad Säckin-</span><br/> <span class="ft1">gen (Deutschland) verhaftet und mit Urteil des Landgerichts</span><br/> <span class="ft1">Waldshut-Tiengen vom 24. Februar 1995 wegen unerlaubten Handel-</span><br/> <span class="ft1">treibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">400</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mit Anstiftung zur Einfuhr von Betäubungsmitteln zu einer Freiheits-</span><br/> <span class="ft1">strafe von fünf Jahren verurteilt. Wie lange der Beschwerdeführer in</span><br/> <span class="ft1">Deutschland in Haft war, kann den Akten nicht entnommen werden;</span><br/> <span class="ft1">der genaue Zeitpunkt der Haftentlassung ist nicht bekannt. Aus den</span><br/> <span class="ft1">Akten geht lediglich hervor, dass sich der Beschwerdeführer am</span><br/> <span class="ft1">24. Januar 1997 noch in der Justizvollzugsanstalt in Freiburg auf-</span><br/> <span class="ft1">hielt. Er wurde demzufolge frühestens per Ende Januar 1997 aus dem</span><br/> <span class="ft1">Strafvollzug entlassen.</span><br/> <span class="ft1">bb) Hinsichtlich der Dauer, während der sich ein Betroffener</span><br/> <span class="ft1">wohl verhalten haben muss, ist darauf abzustellen, wie gross das öf-</span><br/> <span class="ft1">fentliche Interesse an einer weiteren Fernhaltung zu veranschlagen</span><br/> <span class="ft1">ist. Gleich wie bei der Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung oder einer Ausweisung bemisst sich dieses an der Schwere des</span><br/> <span class="ft1">begangenen Delikts sowie am Verschulden des Betroffenen. Je</span><br/> <span class="ft1">schwerer ein Delikt wiegt und je grösser das Verschulden des Betrof-</span><br/> <span class="ft1">fenen ist, um so länger dauert die Zeitspanne des Wohlverhaltens bis</span><br/> <span class="ft1">ein Anspruch auf Prüfung eines neuen Gesuches bzw. eines Wieder-</span><br/> <span class="ft1">erwägungsgesuches besteht. Bei schweren Straftaten, insbesondere</span><br/> <span class="ft1">bei Gewalt-, Sexual- und schweren Betäubungsmitteldelikten, ist</span><br/> <span class="ft1">dementsprechend von einer sehr langen Dauer auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde wegen unerlaubten Handeltrei-</span><br/> <span class="ft1">bens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit</span><br/> <span class="ft1">mit Anstiftung zur Einfuhr von Betäubungsmitteln zu einer Freiheits-</span><br/> <span class="ft1">strafe von fünf Jahren verurteilt. Das Rekursgericht hielt in seinem</span><br/> <span class="ft1">Urteil vom 31. März 2000 fest, der Beschwerdeführer habe mit</span><br/> <span class="ft1">1.87 kg Heroin mit einem Wirkstoffgehalt von 1.1779 kg Heroin-</span><br/> <span class="ft1">Hydrochlorid gehandelt, weshalb der objektive Tatbestand des</span><br/> <span class="ft1">schweren Falles i.S. von Art. 19 Ziff. 2 lit. a des Bundesgesetzes über</span><br/> <span class="ft1">die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (BetmG) vom</span><br/> <span class="ft1">3. Oktober 1951 erfüllt sei. Die Freiheitsstrafe von fünf Jahren würde</span><br/> <span class="ft1">zudem einem in der Schweiz ausgesprochenen Strafurteil in etwa</span><br/> <span class="ft1">entsprechen.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen ist aufgrund der Art des Deliktes und</span><br/> <span class="ft1">der Höhe der ausgesprochenen Freiheitsstrafe, welche auf ein grosses</span><br/> <span class="ft1">Verschulden des Beschwerdeführers hinweist, von einer sehr langen</span><br/> <span class="ft1">Zeitspanne des Wohlverhaltens auszugehen, bis ein entscheidwe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">401</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sentliches Novum vorliegt, gestützt auf welches dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer ein Anspruch auf Prüfung seines Gesuches erwächst.</span><br/> <span class="ft1">Im Hinblick auf die Zeitdauer ist zudem Folgendes beachtlich:</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer verübte das Delikt in Deutschland am 26. Mai</span><br/> <span class="ft1">1994. Er wurde anschliessend in Deutschland in Haft genommen und</span><br/> <span class="ft1">am 24. Februar 1995 verurteilt. Nachdem er sich somit mehr als</span><br/> <span class="ft1">sechs Monate im Ausland aufhielt, wurde seine Aufenthaltsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung nicht verlängert; sie ist mit dem Ablauf der Bewilligungsfrist</span><br/> <span class="ft1">am 30. Juni 1994 gestützt auf Art. 9 Abs. 1 lit. a und c ANAG erlo-</span><br/> <span class="ft1">schen. Hätte der Beschwerdeführer die entsprechenden Delikte in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz begangen und wäre er in der Folge in der Schweiz gericht-</span><br/> <span class="ft1">lich verurteilt worden, wäre seine Aufenthaltbewilligung entweder</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf Art. 9 Abs. 1 lit. a ANAG nicht verlängert worden oder</span><br/> <span class="ft1">er wäre gestützt auf Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG ausgewiesen worden.</span><br/> <span class="ft1">Die Dauer der Ausweisung wäre im Hinblick auf die verübten De-</span><br/> <span class="ft1">likte und die Höhe des Strafmasses wohl unbefristet ausgesprochen</span><br/> <span class="ft1">worden (Art. 11 Abs. 1 ANAG).</span><br/> <span class="ft1">f) Zum erforderlichen Wohlverhalten ist Folgendes festzuhalten:</span><br/> <span class="ft1">Das Festlegen des Zeitpunkts, von welchem an ein Betroffener einen</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf erneute Beurteilung seines Gesuches hat, steht - wie</span><br/> <span class="ft1">bereits ausgeführt - unter dem Vorbehalt des Wohlverhaltens. Verhält</span><br/> <span class="ft1">sich ein Betroffener in dieser Zeit nicht wie es von ihm erwartet wer-</span><br/> <span class="ft1">den kann, verschiebt sich der genannte Zeitpunkt. Je schwerer die</span><br/> <span class="ft1">Verfehlungen sind, umso später hat der Betroffene Anspruch auf Be-</span><br/> <span class="ft1">urteilung seines Wiedererwägungsgesuches.</span><br/> <span class="ft1">Beim Beschwerdeführer verhält es sich diesbezüglich wie folgt:</span><br/> <span class="ft1">Am 24. Januar 1997 wurde gegen ihn eine Einreisesperre auf unbe-</span><br/> <span class="ft1">stimmte Dauer erlassen. Trotzdem reiste der Beschwerdeführer im</span><br/> <span class="ft1">Dezember 1999 illegal in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch,</span><br/> <span class="ft1">welches letztinstanzlich durch die ARK am 2. September 2002 ab-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen wurde. Der Beschwerdeführer wurde - nachdem er die ihm</span><br/> <span class="ft1">bis zum 8. Oktober 2002 eingeräumte Ausreisefrist missachtet hatte -</span><br/> <span class="ft1">am 7. November 2002 polizeilich angehalten und nach Belgrad aus-</span><br/> <span class="ft1">geschafft. Dem Anhaltungsbericht ist zu entnehmen, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer anlässlich seiner Anhaltung nicht kooperierte. Er</span><br/> <span class="ft1">teilte zudem mit, er werde in zehn Tagen wieder in der Schweiz sein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">402</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und drohte ferner damit, den Rapportierenden zu erschiessen. Ein</span><br/> <span class="ft1">Wohlverhalten liegt damit nicht vor. Im Gegenteil. Insbesondere der</span><br/> <span class="ft1">Verstoss gegen die fremdenpolizeilichen Vorschriften im Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit der Verweigerung der freiwilligen Ausreise und die</span><br/> <span class="ft1">ausgesprochene Drohung sind als schwere Verfehlungen zu qualifi-</span><br/> <span class="ft1">zieren. Unter diesen Umständen verlängert sich die bereits lange</span><br/> <span class="ft1">Zeitspanne nochmals erheblich.</span><br/> <span class="ft1">g) Zusammenfassend ist im vorliegenden Fall von einer sehr</span><br/> <span class="ft1">langen Dauer auszugehen, bis ein neues Gesuch um Erteilung der</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung geprüft werden muss. Dass die geforderte</span><br/> <span class="ft1">lange Dauer seit der Entlassung aus dem Strafvollzug im heutigen</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt noch nicht verstrichen ist, liegt auf der Hand, zumal sich</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer in der fraglichen Zeit nicht wohlverhalten,</span><br/> <span class="ft1">sondern schwere Verfehlungen begangen hat. Das Migrationsamt</span><br/> <span class="ft1">geht zur Recht davon aus, es bestehe im heutigen Zeitpunkt (noch)</span><br/> <span class="ft1">kein Anspruch auf Neubeurteilung des Gesuches des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>