Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Mai 2015 (720 14 290 / 118) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Eine Drogensucht gilt nach der Rechtsprechung für sich genommen nicht als invalidisie- rend. Vorliegend ist ein der Suchterkrankung zugrunde liegender psychischere Gesund- heitsschaden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Caroline Franz Wal d- ner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.4517.5160.25) A. Der 1969 geborene A.____ arbeitete zuletzt ab de m 1. April 2011 als Sachbearbeiter beim Amt B.____ des Kantons C.____. Am 13. Mai 2012 meldete er sich unter Hinweis auf eine Depression, ein Burnout und Kokainsucht bei der Eid genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab. Nach Durchführung des Vorbescheidver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht fahrens lehnte sie mit Verfügung vom 25. August 2014 ei nen Anspruch von A.____ auf IV- Leistungen, namentlich auf eine Rente, ab. Zur Begründung führte sie aus, die vorgenommenen Abklärungen hätten ergäben, dass die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten vor allem durch sein Abhängigkeitsverhalten begründet sei und deshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor- liege. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner, am 25. September 2014 Beschwerde beim Kanton sgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei ihm i n Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung ab 1. Dezember 2012 eine ganze Rente auszuricht en; eventualiter seien das Mass der Arbeitsunfähigkeit und der Invaliditätsgrad nach Einh olung eines psychiatrischen Obergutach- tens neu zu ermitteln. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wi rd beantragt, dass der Klinik D.____ die Kosten für die Erstellung des ärztlichen Berichts vom 10. September 2014 zu vergüten sei- en und ihnen hierzu Gelegenheit zur Einreichung einer Honorarnote einzuräumen sei; ferner sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Alles unter o/e- Kostenfolge. Begründungsweise liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen anführen, dass mit den behandelnden Fachärzten von einer sogenannten sekundären Suchterkrankung auf der Basis einer Persönlichkeitsstörung sowie einer depressiven Erkrankung auszugehen sei. C. Mit Verfügung vom 29. September 2014 wurde dem B eschwerdeführer für das vorlie- gende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Franz Waldner als Rechtsvertreterin bewilligt . Auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses wurde verzichtet. D. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 8. Dezember 2014 auf Abweisung der Beschwerde. Dem Beschwerdeführer könne kei ne invalidisierende Arbeitsunfä- higkeit attestiert werden, da sich die Arbeitsfähigkeit durch eine Suchtmittelabstinenz wieder- herstellen lasse. E. Mit Replik vom 3. Februar 2015 hielt der Beschwerde führer an seinen Anträgen und sei- ner Begründung fest und reichte dem Gericht eine Stellungnahme der behandelnden Ärzte vom 8. Januar 2015 ein. F. Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 6. März 2015 an ihren Ausführungen ebenfalls fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 25. September 2014 ist demna ch einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Inva- lidenversicherung hat. 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invali- denversicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit od er Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigu ng der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behan dlung und Eingliederung verblei- bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke iten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar ( BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.3.1 Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie a uch Alkoholismus und Medikamen- tenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie ein e Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Ge- sundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Fo lge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 268 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogen sucht, die ihrerseits auf einen Gesund- heitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind . Die zitierte Praxis setzt vielmehr Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur a nspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbstständiger Gesundheitsschädigu ngen darstellen. Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störungen von Kra nkheitswert (vgl. BGE 127 V 299 E. 5a) : Wo die Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in diese r aufgehen, ist kein invalidisierender psy- chischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn d avon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (ang enommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten psychosozialen Problematik wesentlich ve rbessern (und die damit verbun- dene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich entspreche nd verringern) würde (Urteile des Bundesgerichts vom 19. August 2013, 9C_856/2012, E . 2.2.1 und vom 11. März 2015, 8C_580/2014, E. 2.2.1). 3.3.2 Angesichts der insoweit finalen Natur der Invali denversicherung (vgl. BGE 120 V 102 f E. 4c; ULRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bund esgerichts zum Sozialversicherungs- recht, 3. Aufl., Zürich 2014, Rz. 51 zu Art. 4) ist ni cht entscheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellati- onen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrelevant, so weit sie als solche allein leistungsmin- dernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem en- gen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Tei l eines Gesundheitsschadens bildet (BGE 99 V 30 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatr ische Befund selber zu Ar- beitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn dane- ben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher d ie Betäubungsmittelabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere p sychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheits- schadens beeinflussen (Urteile des Bundesgerichts vom 19. August 2013, 9C_856/2012, E. 2.2.2 mit Hinweisen und vom 11. März 2015, 8C_580/2014, E. 2.2.1). 3.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gült ig gewesenen Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung) hat die versicherte Per- son Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindeste ns 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgr ades bildet damit die Frage, in wel- chem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundhe itlichen Beeinträchtigungen ar- beitsunfähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stü tzt sich der angefochtene Entscheid hin- gegen ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweis- würdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zwei- feln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztliche n Feststellungen ergänzende Abklä- rungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27 . Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 4.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natu r von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdef ührers sind im Wesentli- chen die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Mit Bericht vom 13. April 2012 an den zuständigen Krankentaggeldversicherer diag- nostizierten Dr. med. E.____, Oberarzt, und Dr. med. F .____, Assistenzärztin, des Dienstes G.____, eine Kokainabhängigkeit bei episodischem Konsum (ICD-10 F14.26) bei Status nach schwergradiger Kokainabhängigkeit mit ständigem Substanzkon sum (ICD-10 F14.25), eine ak- tuell leichte depressive Störung (ICD-10 F33.1) sowie akz entuierte Persönlichkeitszüge des unreifen Typs (ICD-10 F73.1), differenzialdiagnostisch e ine unreife Persönlichkeitsstörung. Der Patient sei mindestens seit Behandlungsbeginn am 28. Dezember 2011 vollständig arbeitsun- fähig; die Störung bestehe jedoch schon länger. 5.2 Im Auftrag der Polizei H.____ erstattete Dr. med . I.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, am 17. Juli 2012 ein psychiatrisches Gutachten z ur Fahreignung des Beschwerdefüh- rers. Darin diagnostizierte er eine Kokainabhängigkeit ( ICD-10 F14.24) sowie eine schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1). Eigenanamnestisch habe der Explorand angegeben, dass er sich in einer Lebenskrise befinde. Auslöser sei ein e neue Arbeitsstelle ab April 2011 gewesen. Kokain habe er als „Selbstmedikation“ konsumi ert. Vor zwanzig und vor zehn Jahren habe er an Angstzuständen gelitten. Er habe damals je weils eine Gesprächstherapie gemacht. Im Alter zwischen 16 und 20 Jahren habe er regelmässig, zw ei- bis dreimal pro Woche, THC konsumiert, dann aufgehört. Von etwa 24- bis 28jährig habe er erneut Cannabis geraucht. Seit elf Jahren konsumiere er kein THC mehr. Der Konsum sei nach Ansicht des Exploranden viel- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht leicht Auslöser für die Panikattacken gewesen. Kokain hab e er erstmals mit etwa 20 Jahren probiert; der nächste Konsum habe 28-jährig stattgefu nden. Er habe im Ausgang konsumiert, dort gehöre es schon fast dazu. Das Kokain habe ihm seine Schüchternheit und Ängste ge- nommen. Er habe auch mehr trinken können. Im November o der Dezember 2011 sei der Kon- sum uferlos geworden. Er habe mehrere Tage ohne zu schl afen verbracht. Es habe sich eine Art Sucht entwickelt. Der letzte Rückfall sei vor drei W ochen gewesen und habe drei Tage ge- dauert. Sein Trinkverhalten sei stabil. Er trinke etw a zweimal pro Monat Alkohol; im Ausgang ein paar Bier, mit Kokain mehr. Auf Nachfrage habe der Explorand angegeben, es könnten schon so acht Bier pro Nacht sein. Problemtrinken habe er nie praktiziert, er sei nie suchtge- fährdet gewesen. Dr. I.____ kam zum Schluss, dass eine Fa hreignung aus medizinischer Sicht nicht befürwortet werden könne, solange der Explorand nicht erfolgreich eine Entwöhnungsbe- handlung absolviere. 5.3 Der Beschwerdeführer war im Laufe des Jahres 2013 mehrfach in der Klinik J.____ hospitalisiert. Im Austrittsbericht der ersten Hospitalisation vom 21. Februar 2013 bis 24. Febru- ar 2013 stellten die behandelnden Ärzte folgende Schl ussdiagnosen: psychische und Verhal- tensstörungen durch Kokain (akute Intoxikation, ICD-10 F 14.0), psychische und Verhaltensstö- rungen durch Alkohol (akute Intoxikation, ICD-10 F10.0 ) sowie psychische und Verhaltensstö- rungen durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom, ICD-10 F10. 2). Gemäss Austrittsbericht vom 18. März 2013 betreffend die zweite Hospitalisation vom 9. März 2013 bis 10. März 2013 seien beim Patienten eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10 .2) und eine Kokainabhängigkeit (ICD-10 F14.2) zu diagnostizieren. Vom 10. April 2013 bis 11. April 2013 war der Beschwerdeführer er- neut hospitalisiert. Als Schlussdiagnosen wurden am 23. Mai 2013 psychische und Verhaltens- störungen durch Kokain (Abhängigkeitssyndrom, ICD-10 F14 .2) und psychische und Verhal- tensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Kon sum anderer psychotroper Substan- zen (akute Intoxikation, ICD-10 F19.0) festgestellt. Im Anschluss an die vierte Hospitalisation vom 30. April 2013 bis 1. Mai 2013 diagnostizierten di e behandelnden Ärzte mit Bericht vom 3. Mai 2013 psychische und Verhaltensstörungen durch mult iplen Substanzgebrauch und Kon- sum anderer psychotroper Substanzen (Kokain, Amphetamin , Alkohol): psychotische Störung, ICD-10 F19.5). 5.4 Im Arztbericht an die IV-Stelle vom 25. April 2013 diagnostizierte der behandelnde Psychologe K.____, Ambulatorium J.____, eine Kokainabhä ngigkeit (ICD-10 F14.24), ein schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1), eine ni cht näher bezeichnete Persönlich- keitsstörung (ICD-10 F60.9) sowie eine rezidivierende dep ressive Störung, gegenwärtig schwe- re Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F.33.2). 5.5 Mit Bericht vom 18. November 2013 führe Dr. med. L .____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, aus, dass sich der Beschwerdeführer zur Durch führung einer psychoanalytischen Behandlung bei ihm gemeldet habe. Er habe ihm – wie bereits der behandelnde Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie – g eraten, zunächst einen stationären Kokain-/Heroinentzug zu machen, da eine psychoanalytische Therapie während Drogenkonsum keine Wirksamkeit entfalten könne. Dr. L.____ habe den Eindruck bekommen, dass der Patient seit langem an einer Depression leide, die er mit Kokain selbst zu behandeln versuche. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 Der Beschwerdeführer war vom 13. Dezember 2013 bis 18. Dezember 2013 in der Klinik D.____ hospitalisiert. In der ärztlichen Kurzinf ormation zum Austritt vom 27. Dezember 2013 hielten die behandelnden Ärzte als Diagnosen Stör ungen durch Kokain (Abhängigkeits- syndrom mit gegenwärtigem Substanzgebrauch, ICD-10 F14. 24), Störungen durch Opioide (Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig substituiert, ICD-10 F11.22), Störungen durch Tabak (Ab- hängigkeitssyndrom mit ständigem Substanzgebrauch, ICD-1 0 F17.25), einen Verdacht auf kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F61) sowie eine Läsion des Septum nasale fest. Die bei Eintritt bestehende depressive S ymptomatik habe sich im Verlauf der Hos- pitalisation unter Abstinenz von Kokain und ausreichende r Opioidsubstitution regredient ge- zeigt. 5.7 Die Beschwerdegegnerin gab zur Abklärung des medizin ischen Sachverhalts bei Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten in Auf- trag, welches am 27. Januar 2014 erstattet wurde. Dari n diagnostizierte Dr. N.____ eine psy- chische und Verhaltensstörung durch Kokain, ständiger Sub stanzgebrauch mit affektivem Syn- drom (ICD-10 F14.25 und F14.7); eine psychische und Ve rhaltensstörung durch Opioide, ge- genwärtig mit Methadonsubstitution (ICD-10 F11.22); ein Status nach psychischer und Verhal- tensstörung durch Cannabinoide (ICD-10 F12) sowie ein e psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20). Zur bisherigen persönlichen, beruflichen und gesundhei tlichen Entwicklung hielt Dr. N.____ fest, dass der Explorand mit etwa 16 Jahren angefangen h abe, Drogen zu konsumieren, mit zum Teil exzessiven Cannabiskonsum. Er habe auch mit LSD e xperimentiert. Etwa ab 2009 habe ein zunehmender Kokainkonsum eingesetzt, oft in Ko mbination mit übermässigem Alko- holkonsum. Das Suchtverhalten habe sich im Jahr 2011 nochm als akzentuiert. Nach einer kur- zen abstinenten Phase in der zweiten Jahreshälfte 2012 sei es Anfang 2013 zu einem deutli- chen Rückfall gekommen. Nachdem ein Heroinkonsum (Sniff en) eingesetzt habe, werde der Explorand gegenwärtig mit 160mg Methadon substituiert. Beim Exploranden liege übers Ganze gesehen eine Poly toxikomanie vor, wobei ein eindeutiger Schwerpunkt im Kokainkonsum zu setzen sei. Trotz Substit ution mit einer hohen Dosis Metha- don finde ein Beikonsum von Kokain und Benzodiazepinen statt. Der Explorand sei noch nicht bei einer eigenen (Sucht-)Wirklichkeit angelangt, sonder n verkenne und verdränge seinen Zu- stand. Daher lehne er auch eine notwendige längerdaue rnde Entwöhnungsbehandlung in einer stationären spezialisierten Einrichtung ab. Er brüste sich vielmehr damit, das Kokain jederzeit und ohne körperliche Entzugssymptome absetzen zu können. Jedo ch zeige der Explorand die typischen Symptome einer psychischen Abhängigkeit. Er sei auf die leistungssteigernde Wir- kung des Kokains angewiesen, verfalle ohne das Mittel i n einen energie- und lustlosen, depri- mierten Zustand. Er verliere zunehmend seine höheren In teressen, werde unruhig, schlafge- stört und appetitlos. Auch die Ängste würden zunehmen. In der Untersuchung hätten unter Be- rücksichtigung der Anamnese keine Anhaltspunkte für eine Persönlichkeitsstörung gefunden werden können. Es sei unklar, auf welche Befunde sich d ie entsprechende Diagnose von Psy- chologe K.____ beziehe, welcher Art die Persönlichkeitsstör ung sei und welchen Einfluss sie Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht haben solle. Ebenso wenig habe ein Nachweis für eine schwere depressive Störung festgestellt werden können. Der Explorand zeige zwar ein für die Ko kainsucht typisches amotivationales Syndrom. Dieses entspreche aber nicht einer unabhängige n depressiven Erkrankung, sondern sei Folge des Kokainkonsums und trete insbesondere in Abst inenzphasen auf. So werde der Zustand auch während den Monaten im zweiten Halbjahr 2012 beschrieben, als der Explorand auf Kokain verzichtete. Es bestehe folglich eine primäre Suchterkrankung. Die Suchtentwick- lung habe zu einem Zeitpunkt eingesetzt, als noch ke ine Hinweise für anderweitige Störungen bestanden. Derzeit könnten auch keine organischen oder n eurologischen Folgeschäden oder Konzentrationsstörungen beobachtet werden. Es liege a uch keine suchtbedingte Wesensver- änderung oder psychischer Hospitalismus vor. Einzig das beschr iebene amotivationale Syn- drom sei festzustellen, welches sich nach einer längeren E ntwöhnungsbehandlung von selbst bessern würde. Es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor. 5.8 Mit Schreiben vom 8. Mai 2014 nahm Dr. N.____ zu dem zwischenzeitlich eingereich- ten Bericht von Dr. L.____ vom 18. November 2013 und dem Hospitalisationsbericht der Klinik D.____ vom 27. Dezember 2013 Stellung und führte aus , dass beide Berichte aus der Zeit vor der Begutachtung stammten. Die dargestellte medizinisch e Entwicklung sei folglich in seinem Gutachten vom 27. Januar 2014 implizit berücksichtigt word en. Durch die Berichte seien keine neuen Aspekte hinzugekommen. 5.9 In ihrem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 20. Juni 2014 diagnostizierten die behandelnden Ärzte und die behandelnde Psychologin der Klinik D.____ beim Beschwerdefüh- rer eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstisch en und depressiven, negativisti- schen, paranoiden und dissozialen Anteilen (ICD-10 F.61. 0); eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD-10F.33.1 ); eine Störung durch Kokain, Abhängig- keitssyndrom mit gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10 F 14.24); Störungen durch Opioi- de, Abhängigkeitssyndrom, substituiert durch Methadon (I CD-10 F11.24); eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) sowie eine Läsion des Septum nasale. Der Erstkonsum von Kokain habe mit ca. 18 Jahren stattgefunden; es folgte ein unregelmässiger Konsum als Partydroge. Seit etwa drei Jahren habe es eine Steigerung des Konsums gegeben. Bei einer fünfmonatigen Abstinenz- phase von August 2012 bis Januar 2013 sei es zu einer Zunahme der Depressivität gekommen. Mit 16 Jahren habe der Patient das erste Mal Alkohol un d THC konsumiert. Bei Angststörun- gen, Panikattacken sowie Schlafproblemen nehme der Pa tient Benzodiazepine. Der Erstkon- sum von Heroin habe im Sommer 2013 stattgefunden im Si nne einer „zusätzlichen Behandlung der Depression“. Mit 18 Jahren habe der Patient eine a ngstspezifische Behandlung beim Psy- chiater absolviert. Er sei erneut im Alter von 32 Jahre n und im Alter von 42 Jahren wegen de- pressiven Problemen und Panikstörungen respektive ausschliesslich wegen einem depressiven Zustandsbild in Behandlung gewesen. Zum aktuellen Zeitp unkt sei aufgrund des depressiven Zustandsbildes von einer vorübergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ein Zusammenhang mit der bestehenden Abhängigkeitserkrankung, wie sie Dr. N.____ postulierte, sei aus ihrer Sicht denkbar. Des Weiteren bestünden mögl icherweise Einschränkungen der vol- len Arbeitsfähigkeit im Rahmen der festgestellten Persönlichkeitsstörung. In diesem Kontext sei möglicherweise auch die bestehende Kokainabhängigkeit zu sehen. Die Ärzte und die Psycho- login der Klinik D.____ gehen von einem primären depr essiv-narzisstischen Bild als zugrundlie- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gende Problematik aus, welcher der Patient mit dem Ko kainkonsum entgegenzuwirken ver- suchte. Aus der Anamnese könne diese Hypothese theoretisch hergeleitet, aber nicht schlüssig bewiesen werden. Der späte Beginn der Substanzstörung spreche aber für die Entwicklung einer sekundären Suchterkrankung. Beim aktuellen Konsum geschehen von einem Gramm pro Woche sei daraus keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gegeben. 5.10 Dr. O.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, des R egionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte in seiner Stellungnahme vom 3. Juli 2014 aus, dass das Argument, die depressive Erkrankung sei der Sucht vorang egangen und habe diese ausgelöst, nicht nachvollziehbar sei. Die Sucht habe gemäss Akten und Anamnese im Jahre 1987 begon- nen, somit viele Jahre vor dem erstmaligen Auftreten d er depressiven Störung. Die Anamnese zeige, dass die depressive Störung durch die Sucht induziert sei, da diese sich unter kontrollier- ten Entzugsbedingungen verbessere. Die berufliche Anamnese zeige überdies, dass der Versi- cherte in den Zeiten ohne Substanzkonsum frei von Depre ssion und Angst sowie voll arbeits- und leistungsfähig gewesen sei. Das zeitliche Zusammenfa llen der Panikstörung respektive depressiven Erkrankung mit dem Substanzkonsum genüge nicht, um die Abhängigkeit als se- kundäre Folgeerkrankung anzusehen. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei nicht nachvollziehbar. Es liege keine zeitlich überdauernde Ve rhaltensstörung vor, vielmehr normali- siere sich das Verhalten des Versicherten bei Abstinenz. Die bisweilen schwankende Behand- lungseinsicht sei ein typisches Merkmal von Suchterkrankung en. Die Diagnose einer Persön- lichkeitsstörung werde mehrheitlich auch von den behande lnden Ärzten nicht gestellt. Mit den diagnostizierten suchtinduzierten Verhaltensstörungen l ägen ausserdem klare Ausschlusskrite- rien für eine solche Diagnose vor. Trotz des beginnenden Konsums mit 18 Jahren sei der Ver- sicherte in der Lage gewesen, eine kaufmännische Lehre a bzuschliessen und über viele Jahre hinweg ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. 5.11 Im Rahmen der vorliegenden Beschwerde reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme der Ärzte der Klinik D.____ vom 10. Sep tember 2014 ein. Darin führten diese aus, dass entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht bereits ab 1987, als der Be- schwerdeführer 18 Jahre alt war, von einer Kokainabhä ngigkeit ausgegangen werden könne. Vielmehr habe sich der damals unregelmässige Gebrauch als Partydroge nicht auf den Alltag ausgewirkt. Zudem könne durch diesen Substanzkonsum auch nicht von einer längerfristigen Schädigung der Gesundheit ausgegangen werden. Von ein er Kokainabhängigkeit könne erst mit dem erneuten Konsumbeginn vor etwa drei Jahren g esprochen werden. Der Kokainkonsum nahm alltagseinschränkende Ausmasse an und zog somatische Gesundheitsschäden (Läsion des Septum nasale) nach sich. Die Behandlungen von Pani kstörungen und depressiven Stim- mungsproblematiken hätten damit lange vor der Entwickl ung der Kokainabhängigkeit stattge- funden. Seit Anfang 2014 sei der Beschwerdeführer mi t Ausnahme eines einmaligen Konsu- mereignisses abstinent. Bereits im Bericht vom 20. Juni 2 014 sei erwähnt worden, dass es wahrscheinlich sei, dass der Beschwerdeführer aufgrund nar zisstisch-kränkender Konflikte in jungen Jahren eine depressive Störung entwickelt habe, welche er zunächst mit psychiatrischer und antidepressiver Unterstützung zu kurieren versucht ha be. Dementsprechend wäre es auch ableitbar, dass der im weiteren Verlauf im Sinne eine s Selbstmedikationsversuches durch die Einnahme von Kokain eine Verbesserung des psychischen Zusta ndsbildes angestrebt und sich Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht konsekutiv daraus eine Kokainabhängigkeit entwickelt habe. Obwohl die diagnostischen Krite- rien für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung nicht vol lständig erfüllt seien, imponierten seit Behandlungsbeginn im Januar 2014 pathologisch-narzisstische Verhaltensweisen. 5.12 In seiner Stellungnahme vom 28. November 2014 fü hrte Dr. O.____ aus, dass die An- nahme, der Beschwerdeführer sei erst seit 2011 kokainabh ängig, nicht überzeuge. Die Anam- nese zeige vielmehr, dass der Beschwerdeführer – wie dies für den Substanzkonsum nicht un- üblich sei – die Dosis und Einnahmehäufigkeit über die Ja hre kontinuierlich gesteigert habe und dass anschliessend die psychischen und sozialen Folgen zugenom men hätten. Dr. I.____ und Dr. N.____ gingen übereinstimmend davon aus, dass kein e zugrundeliegende psychiatrische Erkrankung vorliege. Die zeitnahen fachpsychiatrischen Akt en würden die Abfolge von Sub- stanzkonsum und induzierter psychischer Störung belegen. D ies werde im Gutachten von Dr. N.____ vom 27. Januar 2014 nachvollziehbar dargelegt. Aufgrund der Akten sei hinreichend belegt, dass es sich bei den Angstsymptomen im Alter von 18 Jahren um psychische Neben- wirkungen des Substanz-, namentlich des Cannabiskonsums, ge handelt habe. Aus den Anga- ben im Gutachten von Dr. I.____ vom 17. Juli 2012 könnte n mehrere suchtbegünstigende, aber invaliditätsfremde Umgebungsfaktoren erkannt werden. Diese Umgebungsfaktoren und nicht eine depressive Erkrankung und anschliessende Selbstmedika tion seien eigenanamnestisch als Ursachen für eine Suchtentwicklung genannt worden. 5.13 Die Ärzte der Klinik D.____ nahmen mit Schreiben vom 8. Januar 2015 zu den Ausfüh- rungen von Dr. O.____ Stellung und bestritten diese. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefoch tenen Verfügung vom 25. August 2014 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und de r Arbeitsfähigkeit des Beschwerde- führers vollumfänglich auf die Einschätzungen von Dr. N. ____ und Dr. I.____ sowie die Stel- lungnahmen von Dr. O.____. Demnach ging sie davon aus, dass beim Beschwerdeführer keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. 6.2 Wie in Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen un d -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung grundsätzlich volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Vorliegend sind keine G ründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des Gutachtens von Dr. N.____ in F rage zu stellen oder davon abzu- weichen. Das Gutachten weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die gekla gten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegun g der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, setzt sich mit den bei den Akten liegen- den (abweichenden) fachärztlichen Einschätzungen ausein ander und ist in den Schlussfolge- rungen überzeugend. Das Gutachten entspricht damit den bundesgerichtlichen Vorgaben, wes- halb darauf grundsätzlich abgestellt werden kann. Dies g ilt umso mehr, wenn ergänzend – wie Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dies die Beschwerdegegnerin getan hat – auf das Gutacht en von Dr. I.____ und die Stellung- nahmen des RAD-Arztes Dr. O.____ abgestellt wird. 6.3 Daran vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführer s nichts zu ändern. Soweit er geltend macht, dass bereits der Auslöser des Erstkonsums im A lter von 18 Jahren in einer Angststörung und damit in einer psychischen Erkrankung zu sehen ist, ist ihm mit Dr. O.____ entgegen zu halten, dass aus dem zeitlichen Zusammenfallen von Erstkonsum und Angstsymp- tomatik keine Aussagen über einen allfälligen Kausalzu sammenhang gezogen werden können. Im Rahmen der Exploration bei Dr. I.____ erachtete d er Beschwerdeführer selbst umgekehrt eher den THC-Konsum als möglicher Auslöser für die An gstzustände. Von einer Selbstmedika- tion ist in diesem Zusammenhang keine Rede. Der Beschwe rdeführer bringt weiter vor, dass sein Drogenkonsum sich – entgegen der Darstellung von Dr. O.____ – nicht kontinuierlich über die Jahre gesteigert habe. Vielmehr habe er die Droge n zunächst eingesetzt zur Bekämpfung der Angst- und Panikstörung und dann – nach einigen Jah ren Abstinenz – als Reaktion auf die zunehmenden sozialen und beruflichen Schwierigkeiten ab 2011, welche wiederum auf die Per- sönlichkeitsstörung zurückzuführen waren. In den Akten fin den sich keine vollständig wider- spruchsfreien Angaben zu den abstinenten Phasen des Besc hwerdeführers. Aus dem Gutach- ten von Dr. I.____ ist lediglich eine Phase im Alter zwi schen 20 und 24 Jahren erkennbar, in denen der Beschwerdeführer keine Drogen einnahm. Die Beschwerdegegnerin führt in ihrer Duplik zwei Phasen von 1997 bis 2000 (28- bis 31-jähri g) und von 2002 bis 2004 (33- bis 35- jährig) an, in denen der Beschwerdeführer vollständig drogenabstinent gewesen sei. Festge- stellt werden kann indessen, dass es sich um wenige und ve rhältnismässig kurze Phasen han- delte. Ferner hat der Beschwerdeführer gegenüber Dr. N.____ angegeben, bereits ab 2009 – und nicht erst seit 2011 – zunehmend Kokain konsumier t zu haben. Jedenfalls zeigte der Be- schwerdeführer bereits deutlich vor 2011 ein erkennbares Suchtverhalten. Selbst wenn mit dem Beschwerdeführer davon ausgegangen werden könnte, dass eine Drogenabhängigkeit erst im Jahr 2011 eingetreten sei, sind den echtzeitlichen und zeitnahen medizinischen Unterlagen kei- ne genügenden Anhaltspunkte für einen dem Suchtgeschehe n zugrunde liegenden eigenstän- digen Gesundheitsschaden zu entnehmen. Die im Bericht des Dienstes G.____ vom 13. April 2012 genannten akzentuierten Persönlichkeitszüge und di e leichte depressive Störung wer- den – ebenso wie die Verdachtsdiagnose einer unreifen Persönlichkeitsstörung – diagnostisch nicht begründet und es findet namentlich keine Abgrenzu ng zum Suchtgeschehen statt. Aus- serdem genügen diese Diagnosen nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung in der Regel nicht, um für sich eine Arbeitsunfähigkeit zu begründe n (vgl. E. 3.3.2 hiervor). Auch der behan- delnde Psychologe K.____ und Dr. L.____ begründen in d en zitierten Berichten ihre Diagnosen einer Persönlichkeitsstörung und einer depressiven Störun g nicht und grenzen diese nicht von der im Vordergrund stehenden Abhängigkeitsproblematik ab. Der Gutachter Dr. N.____ und der RAD-Arzt Dr. O.____ führen indessen nachvollziehbar und schlüssig aus, dass die funktionellen und affektiven Einschränkungen des Beschwerdeführers als F olge seines Substanzkonsums anzusehen sind. Selbst die Ärzte der Klinik D.____ führe n in ihrem Bericht vom 20. Juni 2014 aus, dass der von Dr. N.____ postulierte Zusammenhang zwisch en Drogenkonsum und de- pressivem Zustandsbild denkbar sei. Dass der Abhängigkeit serkrankung eine eigenständige psychiatrische Krankheit zugrunde liege, wird in diesem Be richt als „nicht schlüssig beweisbare Hypothese“ bezeichnet. Entgegen der Auffassung des Beschw erdeführers spricht auch seine Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht berufliche Anamnese nicht für das Vorliegen einer Persö nlichkeitsstörung. Zwar hat Dr. N.____ die Unregelmässigkeiten im beruflichen Werdegang des B eschwerdeführers übersehen. Diese Unregelmässigkeiten sind indessen nicht derart ausgeprägt , dass daraus Schlussfolgerungen über den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführ ers gezogen werden können. Echtzeitliche medizinische Unterlagen, welche einen Zusammenhang zwischen den beruflichen Problemen und einer gesundheitlichen Einschränkung oder auch zwischen den beruflichen Problemen und dem Suchtmittelkonsum belegen, liegen n icht vor. Die nachträglichen Einschät- zungen der behandelnden Ärzte der Klinik D.____ genüge n damit nicht, um das Gutachten von Dr. N.____ in Frage zu stellen (vgl. E. 4.4 hiervor). Bei diesem Ergebnis erübrigt sich eine wei- tere Abklärung des medizinischen Sachverhalts. 6.4 Zusammenfassend kann nach dem Ausgeführten festgeha lten werden, dass aufgrund der medizinischen Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verneint werden muss, dass der Beschwerdeführer an einem der Suchterkrankung zugrundeli egenden psychischen Gesund- heitsschaden mit Krankheitswert leidet. Vielmehr erheb t der Gutachter Dr. N.____ ausschliess- lich Befunde, die in der Drogenabhängigkeit des Beschwe rdeführers ihre Erklärung finden und gleichsam in dieser aufgehen. Aufgrund der vorliegende n Akten bestehen ferner Anhaltspunkte dafür, dass sich die Symptomatik des Beschwerdeführers bei einer Drogenabstinenz positiv verändern oder gar wegfallen würde. Folglich ist ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen (vgl. E. 3.3.1 hiervor). Die reinen Suchtfo lgen sind nicht als invalidisierend anzuse- hen. Dass die Suchterkrankung darüber hinaus zu einem in validisierenden Gesundheitsscha- den geführt hat, wird nicht geltend gemacht und ist au s den Akten auch nicht ersichtlich. Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 600 .– festgesetzt werden, ihm zu auf- erlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 29. September 2014 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Au s diesem Grund gehen die Verfahrens- kosten zu Lasten der Gerichtskasse. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind entsprechend dem A usgang des Verfahrens wett- zuschlagen. 7.2.1 Die Kosten eines von einer versicherten Person veranl assten Gutachtens sind vom Versicherungsträger dann zu übernehmen, wenn sich der me dizinische Sachverhalt erst auf- grund des neu beigebrachten Untersuchungsergebnisses schlü ssig feststellen lässt und dem Versicherungsträger insoweit eine Verletzung der ihm im Rahmen des Untersuchungsgrundsat- zes obliegenden Pflicht zur rechtsgenüglichen Sachverhalt sabklärung vorzuwerfen ist (Art. 45 Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; Urteil des Bundesgericht s vom 22. März 2010, 8C_821/2009, E. 5.1 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall, so dass dem Antrag des Beschwerde- führers, die Kosten für die Berichte der behandelnden Ärzte der Klinik D.____ vom 10. September 2014 und vom 8. Januar 2015 seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, nicht stattzugeben ist (vgl. auch: Urteil des Bundesgeri chts vom 1. Mai 2013, 9C_820/2012, E. 2.4). 7.2.2 Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 29. September 2014 auch die unent- geltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin b ewilligt worden ist, ist diese trotz Wett- schlagung der ausserordentlichen Kosten für ihre Bemühung en aus der Gerichtskasse zu ent- schädigen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat – trotz entsprechender Aufforde- rung durch das Gericht am 22. Dezember 2014 – mit ihr en Eingaben vom 29. Dezember 2014 und 3. Februar 2015 keine Honorarnote eingereicht. Da s Gericht hat die Parteientschädigung folglich von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen (§ 18 A bs. 2 in Verbindung mit § 18 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 17. November 2003). In Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen erachtet das Gericht eine Parteient- schädigung in der Höhe von pauschal Fr. 2‘400.– (inklusive Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) als angemessen und es ist der Rechtsvertreterin der Beschwe rdeführerin ein entsprechendes Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein pauschales Hono rar in der Höhe von Fr. 2‘400.– (inkl. Auslagen und 8 % Mehr wertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht