B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4031/2024 U r t e i l v o m 2 6 . N o v e m b e r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter Manuel Borla; Gerichtsschreiberin Leslie Werne. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch (…), (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. Mai 2024 / N (…). D-4031/2024 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 17. Mai 2023 in der Schweiz um Asyl nach- suchte, dass er am 11. September 2023 zu seinen Gesuchsgründen angehört wurde, dass er geltend machte, er sei türkische r Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und habe vor seiner Ausreise in B._______ gelebt, wo er in der Baubranche und in der Textilindustrie tätig gewesen sei, dass er zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend machte, er setze sich seit seiner Jugend für die Halkların Demokratik Par- tisi (HDP) ein und sei im Jahr 2012 unter falschen Vorwänden rechtskräftig wegen Körperverletzung verurteilt worden, dass er sich nach seiner Haftentlassung im Jahr 2014 weiter für die Partei engagiert habe, weshalb nunmehr ein Festnahmebefehl gegen ihn erlas- sen worden sei, dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 27. Mai 2024 – frühestens tags da- rauf eröffnet – die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ver- neinte, sein Asylgesuch ablehnte und die Wegweisung aus der Schwe iz sowie den Vollzug anordnete, dass der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung mit Eingabe vom 26. Juni 2024 gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht erhob und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu ge- währen, dass er eventualiter vorläufig aufzunehmen sei, dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses ersuchte, dass der Instruktionsrichter das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Prozesskostenvorschusses mit Zwischenverfügung vom 28. Oktober 2024 abwies und den Beschwerdeführer zur Bezahlung eines solchen auf- forderte, dass der Beschwerdeführer dem innert Frist nachkam, D-4031/2024 Seite 3 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass der Beschwerdeführer als Verfügungsadressat zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – nach Leistung des Kostenvorschusses ei nzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich – wie nachfolgend aufgezeigt – um ein solches Rechtsmittel handelt, wes- halb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver- zichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1 AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Vorinstanz in ihrer Verfügung zu Recht zu der Erkenntnis gelangt, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft noch jenen an die Glaubhaftigkeit stand, dass dem in der Beschwerde, die sich weitestgehend auf Wiederholungen des bereits bekannten Sachverhalts sowie wortwörtliche Wiedergaben des D-4031/2024 Seite 4 Anhörungsprotokolls beschränkt, nichts Stichhaltiges entgegengehalten wird, dass festzustellen ist, das geltend gemachte Strafverfahren des Beschwer- deführers wegen Körperverletzung sei bereits vor rund zwölf Jahren rechts- kräftig abgeschlossen worden (vgl. A16/18 F48 und A20/5), womit es of- fensichtlich an einem zeitlichen Kausalzusammenhang zur Ausreise des Beschwerdeführers im Mai 2023 mangelt, dass auch die geltend gemachten Diskriminierungen des Beschwerde - führers in der Türkei, welchen er insbesondere während seines Militär- dienstes und bei Polizeikontrollen ausgesetzt gewesen sei (vgl. A16/18 F48 und F77 f.), mangels Intensität nicht über die Nachteile hinaus gehen, die weite Teile der kurdischen Bevölkerung treffen können, womit sie man- gels Gezieltheit nicht als im Sinne des Gesetzes ernsthaft zu qualifizieren sind, dass entgegen der wiederholt in der Beschwerdeschrift geäusserten Be- hauptung auch kaum davon auszu gehen ist, der Beschwerdeführer habe unter einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG gestanden, zumal dies abgesehen von einem pauschalen Verweis auf die durch Sicherheitsbehörden angeblich erlittenen Schikanen nicht weiter substantiiert wird, dass die behaupteten politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers in der Türkei unbelegt sind und die diesbezüglich zu den Akten gereichten unda- tierten Fotografien unbehelflich sind, da sie keinen Aufschluss darüber ge- ben, wann respektive wo sie aufgenommen wurden (vgl. BM3), dass begründete Zweifel an der tatsächlichen Existenz der nunmehr gel- tend gemachten Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer bestehen, nachdem er sich diesbezüglich lediglich substanzarm zu äussern ver- mochte und zum Inhalt der in diesem Zusammenhang zu den Akten ge- reichten Beweismittel kaum respektive lediglich ausweichend Auskunft ge- ben konnte (vgl. A16/18 F48 und F111 ff.), dass aufgrund des sich bei den Akten befindenden Antragsformulars, wel- ches vom Tag der Asylgesuchstellung in der Schweiz datiert (vgl. BM1), davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer sei vor seiner Ausreise nicht Mitglied der HDP gewesen, dass sein Erklärungsversuch, die türkische Polizei habe sich über sein Mo- biltelefon in e-Devlet eingeloggt und seine bereits seit Jahren bestehende D-4031/2024 Seite 5 Parteimitgliedschaft gelöscht (vgl. A16/18 F88 f.), eine unplausible Mut- massung darstellt und damit nicht zu überzeugen vermag, dass das in diesem Zusammenhang als Fotografie zu den Akten gereichte sieben Zeilen umfassende Referenzschreiben der HDP sowie jenes eines türkischen Anwalts (vgl. BM2 und BM8) daran nichts zu ändern vermag, zumal diese Schreiben als reine Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren sind und dementsprechend kaum Beweiswert aufweisen, dass diese maschinell erstellten Referenzschreiben aufgrund einer frap- pierenden Ähnlichkeit in Aufbau und Schrift denn auch Grund zur Annahme geben, es handle sich um Fälschungen, dass für das auf Beschwerdeebene eingereichte undatierte Schreiben ei- nes kurdischen Gesellschaftszentrums in der Schweiz (vgl. Beschwerde- beilage 5) gleiches gilt, dass auch die im vorinstanzlichen Verfahren lediglich in Kopie zu den Akten gereichten Beweismittel, welche behauptungsweise ein in der Türkei hän- giges Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer betreffen (vgl. BM7), mangels Fälschungssicherheit kaum Beweiswert aufweisen, z umal allge- mein bekannt ist, dass solche Dokumente in der Türkei leicht käuflich er- werbbar sind (vgl. statt vieler Urteile des BVGer D-5807/2024 vom 25. Sep- tember 2024, E -3879/2024 vom 10. Juli 2024, D -1438/2024 vom 3. Juli 2024), dass, sofern der Beschwerdeführer durch die pauschale Behauptung in der Rechtsmitteleingabe, er entstamme einer politisch aktiven Familie , eine Reflexverfolgung geltend macht, diese ebenfalls zu verneinen ist, zumal er diesbezüglich weder konkret erlittene Nachteile geltend macht noch dar- legt, inwiefern sich seine nicht näher bezeichneten Verwandten engagiert hätten, dass es dem Beschwerdeführer somit nicht gelingt, die Flüchtlingseigen- schaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, weshalb die Vorinstanz sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat, dass die Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist, da der Beschwer- deführer insbesondere weder über einen Aufenthaltstitel für die Schweiz noch über eine Anspru chsgrundlage auf Erteilung eines solchen verfüg t (Art. 44 [erster Satz] AsylG; BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.), D-4031/2024 Seite 6 dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim- mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollz ug der Weg- weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1–4 AIG [SR 142.20]), dass bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernis- sen gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis- standard wie bei der Flüchtlingseigenschaft gilt (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.), dass sich der Vollzug der Wegweisung in Beachtung der massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig erweist (Art. 83 Abs. 3 AIG), da nach vorstehen den Erwägungen keine Hinweise auf eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bestehen (Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 FK [SR 0.142.30]) und auch keine konkreten Anhaltspunkte für eine in der Heimat drohende menschenrechtswidrige Behandlung (im Sinne von Art. 3 EMRK) ersichtlich sind, dass der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar zu erkennen ist (Art. 83 Abs. 4 AIG), da weder die allgemeine Lage in der Heimat des Be- schwerdeführers noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, dass der Beschwerdeführer eine gute sowie vielseitige Berufserfahrung aufweist und im Heimatstaat über ein grosses familiäres Beziehungsnetz verfügt (vgl. A16/18 F2 f., F16, F18 und F25 ff.), weshalb davon auszuge- hen ist, er werde sich sowohl in beruflicher als auch sozialer Hinsicht schnell reintegrieren können, dass die auf Beschwerdeebene erstmals geltend gemachten psychischen Leiden des Beschwerdeführers mangels entsprechender ärztlicher Diag- nosen unbelegt sind und folglich dem Vollzug der Wegweisung ebenfalls nicht entgegenstehen, dass es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für seine Rückkehr allen- falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist, dass die Anordnung der vorläufigen Aufnahme somit ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1-4 AIG), D-4031/2024 Seite 7 dass die Beschwerde nach dem Gesagten abzuweisen und die Verfügung der Vorinstanz zu bestätigen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen sind (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), wobei sie durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt sind. (Dispositiv nächste Seite) D-4031/2024 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Leslie Werne Versand: