Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 23. August 2022 (470 22 77) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Dominique Steiner (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiberin Joëlle Breitenstein Parteien A.____ AG , Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Hauptabteilung Besondere Delikte, Rheinstrasse 27, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin B.____ , Beschuldigter Gegenstand Verfahrenseinstellung Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 31. Mai 2022 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 15. Februar 2021 erstattete die A.____ AG Anzeige gegen B.____ wegen versuch- ten Betrugs und konstituierte sich als Privatklägerin. Nach erfolgter Strafuntersuchung stellte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Besondere Delikte (nachstehend: Staats- anwaltschaft), das Strafverfahren mit Verfügung vom 31. Mai 2022 in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a und b StPO ein und auferlegte die Verfahrenskosten dem Staat. Auf die Begründung dieser Verfügung sowie die nachfol genden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. B. Gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vo m 31. Mai 2022 erhob die A.____ AG mit Eingabe vom 9. Juni 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachstehend: Kantonsgericht). Dabei begehrte sie, es sei das Strafverfah- ren (Verfahrens-Nr. BM1 2.____, Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft) gegen den Beschuldig- ten wegen versuchten Betrugs nach Art. 146 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB fortzuführen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. C. Die Staatsanwaltschaft liess sich mit Stellungnahme vom 2 4. Juni 2022 zur Beschwer- de vernehmen und beantragte, es sei diese unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. D. Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 13. Juni 2022 wurde die Beschwerdeführerin zur Erbringung einer Sicherheitsleistung in der Höhe von CHF 500.00 verpflichtet. Diese wurde fristgerecht per 22. Juni 2022 erbracht. Mit weiterer Verfügung vom 6. Juli 2022 wurde festge- stellt, dass der Beschuldigte innert Frist keine fakultative Stellungnahme eingereicht hat. Erwägungen I. Formelles 1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, A bteilung Strafrecht, als Rechtsmittelinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. N ach Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist gegen die Einstellung sverfügung der Staatsanwaltschaft die Be- schwerde zulässig. Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können mit Beschwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbra uch des Ermessens, Rechts- verweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a); die unvoll ständige oder unrichtige Feststellung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (li t. c). In Anwendung von Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gege n schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzu- reichen. Die Legitimation der Beschwerdeführerin zur Er greifung des Rechtsmittels schliesslich wird in Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Danach kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. Im vorliegenden Fall hat sich d ie Beschwerdeführerin als Privatklägerin und damit im Sinne von Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO in Verbindung mit Art. 118 Abs. 1 und Abs. 2 StPO als Partei konstituiert und ist ausserdem durch den angefochtenen Entscheid unmittelbar in ihren Rechten betroffen, womit ihre Beschwerdelegitimation in Bezug auf die Einstellungsver- fügung der Staatsanwaltschaft vom 31. Mai 2022 zu bejahen ist. 2. Nachdem im Übrigen die angefochtene Verfügung ein t augliches Anfechtungsobjekt darstellt, die Beschwerdeführerin zudem eine zulässige R üge erhebt, die Rechtsmittelfrist ge- wahrt hat sowie der Begründungspflicht wie auch der P flicht zur fristgemässen Erbringung der Sicherheitsleistung nachgekommen ist, ist im Folgenden oh ne Weiteres auf das vorliegende Rechtsmittel einzutreten. II. Materielles 1.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung ihrer a ngefochtenen Einstellungsverfü- gung vom 31. Mai 2022 aus, der Beschuldigte habe im Zusa mmenhang mit dem am 20. Sep- tember 2020 verursachten Wasserschaden in dessen Wohnung an der C.____strasse in D.____ (recte: E.____) gegenüber der Beschwerdeführerin am 25. Oktober 2020 seine überlau- fene Badewanne als Ursache angegeben. Die Ermittlunge n hätten jedoch als eigentliche Ursa- che das Überlaufen einer Tonne ergeben, die zum Bewäss erungssystem der in der Wohnung installierten Hanfanlage gehört habe. Während der St rafuntersuchung habe nicht bewiesen werden können, dass der Beschuldigte illegales THC-Hanf angebaut habe. Da die Beschwerde- führerin den Schaden abzüglich eines Abzugs wegen Grobf ahrlässigkeit unabhängig davon, ob er aus einer überlaufenen Badewanne oder aus einer Be wässerungsanlage einer legalen Hanf- indooranlage stamme, übernommen hätte, wäre es zu keine m Vermögensschaden der ge- täuschten Privatklägerin gekommen, weshalb das Verfah ren gegen den Beschuldigten gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. a und b StPO einzustellen sei. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 In ihrer Stellungnahme vom 24. Juni 2022 führt die Staatsanwaltschaft ergänzend aus, sie habe sich bei der Begründung der Verfahrenseinstellung unter anderem auf den Bericht des Schadensinspektors der Beschwerdeführerin vom 23. September 2021 gestützt. 1.3 Demgegenüber legt die Beschwerdeführerin in ihrer Be schwerde vom 9. Juni 2022 im Wesentlichen dar, der Rechtsauffassung der Staatsanwaltsch aft in ihrer Einstellungsverfügung vom 31. Mai 2022 könne nicht gefolgt werden. Sie sei vom Beschuldigten arglistig über den rechtserheblichen Sachverhalt getäuscht worden, damit di eser unrechtmässig eine Versiche- rungsleistung erhalte. Sie sei bei Abschluss des Versicherungsvertrages aufgrund der Angaben des Beschuldigten von einem Privathaushalt mit zwei Erwa chsenen und zwei minderjährigen Kindern ausgegangen. Gestützt auf diese Angaben sei so dann die Risikoselektion erfolgt. Das Überlaufen einer Badewanne stelle eine reelle Gefahr im Rahmen einer Privathaftpflichtversi- cherung dar. Hingegen müsse eine Versicherungsgesellschaf t nicht damit rechnen, dass in ei- ner wie vom Beschuldigten deklarierten Wohneinheit zugl eich eine Hanfanlage betrieben wer- de. Zudem versichere sie aus internen Gründen Hanfanlag en nicht. Durch den Betrieb einer Hanfindooranlage steige einerseits das Risiko eines Brande s aufgrund der Wärmelampen und der häufig unzureichenden Stromverkabelungen, andererseits das Risiko bzw. die Gefahr eines Wasserschadens durch die Bewässerung der Setzlinge markant an. Hätte der Beschuldigte seine Versicherungsdeckung auch nach der Teilumnutzung der privaten Wohnung als Hanfpro- duktionsstandort weiterhin gewährleistet haben wollen, wäre er zur Meldung verpflichtet gewe- sen. Nur diese Anzeige des Versicherungsnehmers hätte es d er Beschwerdeführerin ermög- licht, die neu entstandenen Gefahren abzuschätzen und in ihrer Risikoselektion sowie Tarifie- rung zu berücksichtigen. Nach der Inbetriebnahme der Ha nfindooranlage und der damit ver- bundenen Gefahrserhöhung habe keine Versicherungsdeckung mehr für die daraus verursach- ten Schäden bestanden. Es sei somit entgegen den Behauptungen der Staatsanwaltschaft nicht so, dass die Beschwerdeführerin den entstandenen Schade n unabhängig vom Sachverhalt be- zahlt hätte. Vielmehr hätte sie diesen nur übernommen , wenn die Badewanne überlaufen wäre. Hinzu komme, dass sie den entstandenen Schaden ebenfalls nicht bezahlen würde, wenn beim Abschluss der Kombi-Haushaltversicherung nicht die Absicht bestanden habe, die Wohnung gemäss Deklaration (private Nutzung mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern) zu bewohnen, sondern bereits damals der Plan bestanden habe, eine Hanfindooranlage zu betreiben. Dies- falls würde eine Vertragsauflösung ex tunc erfolgen, w omit jede Versicherungsleistung entfiele. Sowohl in der Sachverhaltsvariante ʺGefahrserhöhung mit Zutun des Versicherungsnehmers" Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht als auch in derjenigen "absichtliche Täuschung" sei die Be schwerdeführerin vom Beschuldigten arglistig darüber getäuscht worden, was in der Wohnung an der C.____strasse in E.____ vor sich gegangen sei, um unrechtmässig eine Versicherungsleistun g zu erhalten und dadurch ei- nen Vermögensschaden zum Nachteil der Privatklägerin zu er wirken. Die Staatsanwaltschaft sei folglich anzuweisen, das Strafverfahren wegen versuchten Betrugs fortzuführen. Zu prüfen ist im Folgenden, ob die Staatsanwaltschaf t das fragliche Strafverfahren wegen ver- suchten Betrugs zu Recht eingestellt hat. 2.1 Nach Art. 319 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die vollständige oder teilwei- se Einstellung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhär tet ist, der eine Anklage rechtfertigt (lit. a), wenn kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b), wenn Rechtfertigungsgründe einen Straftat- bestand unanwendbar machen (lit. c), wenn Prozessvorausset zungen definitiv nicht erfüllt wer- den können oder Prozesshindernisse aufgetreten sind (lit. d), oder wenn nach gesetzlicher Vor- schrift auf Strafverfolgung oder Bestrafung verzichtet werden kann (lit. e). Dabei handelt es sich nicht um eine abschliessende Aufzählung von Einstellungsg ründen. Erscheint ein Gerichtsver- fahren aus anderen Gründen als aussichtslos, ist dieses einzustellen. Der Entscheid über die Einstellung eines Verfahrens richtet sich nach dem Grun dsatz "in dubio pro duriore" (Art. 5 Abs. 1 BV und Art. 2 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 319 Abs. 1 und Art. 324 Abs. 1 StPO; BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; 138 IV 86 E. 4.2). Nach lit. a von Art. 319 Abs. 1 StPO ist ein Strafverf ahren einzustellen, wenn im Vorverfahren der ursprünglich vorhandene Anfangsverdacht nicht in e inem Mass, das eine Anklage rechtfer- tigt, erhärtet werden konnte. Allerdings hat sich die Staatsanwaltschaft bei der Frage, ob ein solcher Tatverdacht besteht, in Zurückhaltung zu üben. Wid ersprechen sich Beweise, so ist es gemäss der Botschaft des Bundesrates vom 21. Dezember 2 005, S. 1273, nicht Sache der Staatsanwaltschaft, eine Beweiswürdigung vorzunehmen. Im Zweifelsfalle ist die Angelegenheit in Beachtung des Grundsatzes "in dubio pro duriore" a n das zuständige Sachgericht zu über- weisen. Bei der Frage der Überweisung an das urteilende Gericht spielt der Grundsatz "in dubio pro reo" nicht. Es ist vielmehr Sache des Gerichts, da rüber zu befinden, ob sich jemand im strafrechtlichen Sinne schuldig gemacht hat oder nicht. Die Staatsanwaltschaft hat nur dann einzustellen, wenn eine Hauptverhandlung als eigentlich e Ressourcenverschwendung bzw. aufgrund des absehbaren Freispruchs als Zumutung für d en Beschuldigten erscheinen müsste. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Von einer Überweisung ist mithin dann abzusehen, wenn nach der gesamten Aktenlage ein Freispruch zu erwarten ist (ROLF GRÄDEL /M ATTHIAS HEINIGER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 319 N 8). Nach S CHMID /J OSITSCH ist erforderlich, dass bei erfolgter Anklage nicht mit einem verurteilenden Erkenntnis des Gerichts gerechnet w erden könnte, also mit Sicherheit oder grosser Wahrscheinlichkeit mit einem Freispruch zu r echnen wäre. Da die Staatsanwalt- schaft als Untersuchungs- und Anklagebehörde nicht dazu berufen ist, über Recht oder Unrecht zu richten, darf sie jedoch nicht allzu rasch und gestützt auf eigene Bedenken (die irrtümlich sein können) zu einer Einstellung schreiten. In Zweifelsf ällen in sachverhalts- und beweismäs- siger Hinsicht sowie vor allem in rechtlichen Belangen i st stets Anklage zu erheben (N IKLAUS SCHMID /D ANIEL JOSITSCH , Praxiskommentar StPO, 3. Aufl. 2018, Art. 319 N 5; D IESELBEN , Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, Rz. 1251 mit Hinweisen). Die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines Schuldspruchs bzw. der Prozessaussichten ist dem pflichtgemässen Ermessen der Staatsanwaltschaft anheimgestel lt. In Zweifelsfällen tatsächli- cher oder rechtlicher Natur darf das Verfahren nicht eingestellt werden, da in diesen Fällen das Urteil dem Gericht überlassen bleiben soll. Keine Eins tellung, sondern die Erhebung einer An- klage ist grundsätzlich immer dann angezeigt, wenn der Ausgang des Verfahrens ausschliess- lich von der Beweiswürdigung abhängt (N ATHAN LANDSHUT /T HOMAS BOSSHARD , Zürcher Kom- mentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 319 N 16 ff. mit Hinweisen). Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO kommt dann zur Anwendung, wenn das inkriminierte Verhalten, selbst wenn es nachgewiesen wäre, nicht den objektiven u nd subjektiven Tatbestand einer Strafnorm erfüllt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn eine Anzeige einen nur zivilrechtlich relevanten Sachverhalt betrifft. Vielfach sind die rech tlichen Voraussetzungen der Strafbarkeit weniger offensichtlich nicht gegeben, sodass gerade dieser Einstellungsgrund in der Praxis be- sonders viele Abgrenzungsprobleme schafft, da die Grenze zwischen strafbarem und straflo- sem Verhalten oft durch schwer fassbare Gesetzesbegriffe wie die Arglist beim Betrugstatbe- stand oder die Fahrlässigkeit bestimmt wird. Ob eine täu schende Handlung arglistig ist, bietet regelmässig Diskussionsstoff, wie die umfangreiche höchstri chterliche Judikatur dazu eindrück- lich belegt. In solchen Fällen ist bei der Annahme der fehlenden Tatbestandsmässigkeit beson- dere Zurückhaltung zu üben und in Befolgung des Grundsat zes ʺin dubio pro duriore ʺ grund- sätzlich zu überweisen. In den wenigsten Fällen steht hi er ein Freispruch mit Sicherheit oder doch grösster Wahrscheinlichkeit von vornherein fest. LANDSHUT weist darauf hin, dass eine Einstellung nur dann erfolgen kann, wenn ein Tatbestan dselement (z.B. beim Betrug die Arglist Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder beim Fahrlässigkeitsdelikt die Sorgfaltspflichtverletzung) ganz offensichtlich nicht gegeben ist (G RÄDEL /H EINIGER , a.a.O., Art. 319 N 9). Ein anderer Teil der Doktrin erachtet eine Verfahren seinstellung sogar nur dann als zulässig, wenn keine vernünftigen Zweifel daran bestehen, dass da s Sachgericht entweder von der Un- schuld des Beschuldigten überzeugt sein oder zumindest de rartige Zweifel an dessen Schuld haben wird, dass eine Verurteilung geradezu ausgeschloss en erscheint (NIKLAUS OBERHOLZER , Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, N 1839). 2.2 Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den Be schuldigten bezüglich versuch- ten Betrugs gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a und b StPO eingestellt und sich dabei im Wesentli- chen auf die Angaben im Bericht betreffend die Begehu ng der Schadenstelle in E.____ am 23. September 2021 gestützt (act. 393). Die Beschwerd eführerin begehrt in ihrer Beschwerde die Fortführung des Verfahrens. 2.3 Aus dem Bericht betreffend die Begehung der Schadens telle in E.____ am 23. September 2021 (act. 393) geht hervor, dass das Was ser in eine Regentonne geleitet und von dort anschliessend via Bewässerungsanlage in zwei Räume v erteilt worden ist. In den bei- den Räumen sind Hanfpflanzen gezüchtet worden. Ob es sich dabei um CBD- oder THC-Hanf gehandelt hat, konnte vom Verfasser des Berichts nicht festg estellt werden. Dies müsse abge- klärt werden, um schliesslich auch die Versicherungsdeckung bet reffend den Wasserschaden genauer zu prüfen. Der Schreibende ist zum Schluss gekom men, sofern es sich um CBD- Hanfpflanzen im legalen Bereich handle, werde die Besch werdeführerin den Schaden unter Abzug eines Gefahrenabzugs übernehmen müssen. Wenn es si ch jedoch um illegale Hanf- pflanzen mit hohem THC-Gehalt handle, sei der Schaden anlässlich der Begehung eines Ver- brechens oder einer vorsätzlichen Straftat entstanden. Er verweist auf Art. 4.3 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB), welcher besagt, dass kei n Versicherungsschutz besteht für die Haftpflicht der Versicherten für Schäden, welche sie anlässlich der vorsätzlichen Begehung von Verbrechen, Vergehen oder Tätlichkeiten persönlich v erursachen. Der Verfasser des Be- richts hat weiter festgehalten, die Haftung obliege in diesen Fällen einzig und allein dem Versi- cherungsnehmer, welcher die Bewässerungsanlage installie rt und vergessen habe den Was- serhahn zuzudrehen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführerin könne ni cht auf die Angaben im Bericht betreffend die Begehung der Schadenstelle in E.____ am 23. September 2021 abgestellt wer- den. Die Richtigkeit der darin gemachten Ausführungen wird von der Beschwerdeführerin be- stritten. Es ist somit zu prüfen, ob der betreffende Bericht Grundlage für die Einstellverfügung der Staatsanwaltschaft vom 31. Mai 2022 bilden kann. Dem sich in den Akten befindlichen Bericht (act. 393) ist nicht zu entnehmen, wann dieser er- stellt worden ist und wer ihn verfasst hat. Sodann trä gt das Dokument keine Unterschrift und keinen Briefkopf, welche eine Zuordnung zum Verfasser e rmöglichen würden. Aus den Verfah- rensakten, insbesondere dem Bericht des spezialisierten Er mittlungsdienstes der Polizei Basel- Landschaft vom 9. September 2021 (act. 237), erhellt, dass es sich bei diesem Bericht betref- fend die Begehung der Schadenstelle in E.____ am 23. September 2021 offenbar um einen Feststellungsbericht des Schadensinspektors der Beschwerdeführ erin handelt. Der Bericht steht – neben den vorgängig genannten formellen Mänge ln – allerdings im Widerspruch zum zwischen der Beschwerdeführerin und dem Beschuldigten abg eschlossenen Versicherungsver- trag bzw. den Allgemeinen Vertragsbedingungen als Besta ndteil desselben und muss damit als inhaltlich unklar bezeichnet werden, weshalb dieser vo n vornherein nicht als (alleinige) Grund- lage für eine Einstellverfügung dienen kann. Soweit si ch also die Staatsanwaltschaft bei der Begründung der Verfahrenseinstellung auf den genannte n Bericht abstützt, ist ihr entgegenzu- halten, dass dieses Dokument aufgrund der geschilderten Mängel nicht als Basis hierfür dienen kann. Die Einstellungsverfügung ist somit unter diesem Gesichtspunkt zu Unrecht erfolgt. 2.4 Es steht sodann die Frage im Raum, ob der Beschuldigte durch sein Verhalten allenfalls den Tatbestand eines versuchten Betrugs erfül lt hat. Der Beschuldigte hat mit der Be- schwerdeführerin am 26. November 2018 eine Kombi-Haush altsversicherung abgeschlossen. Versichert sind unter anderem Schäden an Sachen durch Ausfliessen von Wasser und anderen Flüssigkeiten aus Leitungsanlagen sowie den daran angeschlossenen Einrichtungen und Appa- raten. Der Beschuldigte hat gegenüber der Beschwerdef ührerin und der Polizei stets angege- ben, der Wasserschaden in der Liegenschaft in E.____ sei aufgrund einer überlaufenen Bade- wanne entstanden. Die Untersuchungen des spezialisierten Ermittlungsdienstes der Polizei ha- ben jedoch ergeben, dass nicht das Überlaufen der Bade wanne, sondern das Überlaufen einer vom Beschuldigten angebrachten, zum Bewässerungssystem der in der Wohnung installierten Hanfindooranlage gehörenden Tonne Grund für den Wass erschaden gewesen ist (act. 233, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 235, 237 und 239). Entsprechend hat der Beschuldigte in der Schadensmeldung vom 25. Oktober 2020 (act. 249, 251) gegenüber der Beschwe rdeführerin falsche Angaben ge- macht, indem er wahrheitswidrig behauptet hat, der Wasserschaden sei durch eine überlaufene Badewanne entstanden. Ob diesbezüglich bereits ein Vermögensschaden bei der Beschwerde- führerin eingetreten ist oder nicht, ist aufgrund des U mstands, dass ein versuchter Betrug im Raum steht, per se irrelevant. Der Beschuldigte hat so mit gegenüber der Beschwerdeführerin einen Sachverhalt angegeben, der offensichtlich nicht korrekt ist. Der von ihm geschilderte Sachverhalt wäre durch die Kombi-Haushaltversicherung gedeckt gewesen, der sich jedoch offenbar zugetragene nicht. Durch sein Verhalten kö nnte der Beschuldigte damit den Tatbe- stand des versuchten Betrugs durchaus erfüllt haben. Ob d ies zutrifft, das heisst ob auch die übrigen Tatbestandsmerkmale vorliegen, ist durch die S taatsanwaltschaft zu untersuchen und allenfalls durch das zuständige Sachgericht zu beurteile n. Auch vor diesem Hintergrund ist das Verfahren gegen den Beschuldigten zu Unrecht eingestellt worden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Bericht betreffend die Begehung der Schadenstel- le in E.____ am 23. September 2021 keine taugliche G rundlage für eine Verfahrenseinstellung zu bilden vermag und zudem substanzielle Hinweise für ei n möglicherweise strafbares Verhal- ten des Beschuldigten vorhanden sind, womit es sich in Beac htung des Grundsatzes "in dubio pro duriore" verbietet, das Verfahren gestützt auf Ar t. 319 Abs. 1 lit. a und lit. b StPO einzustel- len. 2.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Einstellu ngsverfügung der Staatsan- waltschaft vom 31. Mai 2022 in Gutheissung der Beschwerde vom 9. Juni 2022 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin im Sinne von Art. 397 Abs. 3 S tPO anzuweisen, das Strafverfahren fortzusetzen, indem sie entweder weitere, ihr zweckdienl ich erscheinende Untersuchungshand- lungen tätigt oder Anklage beim zuständigen Sachgericht erhebt beziehungsweise einen ent- sprechenden Strafbefehl erlässt. III. Kosten (...) Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Besondere Delikte, vom 31. Mai 2022 w ird aufge- hoben und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft z urückge- wiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1’050.00 (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1’000 .00 sowie Auslagen von CHF 50.00) gehen zu Lasten des Staates. Die von der Beschwerdeführerin erbrachte Sicherheitslei stung in der Höhe von CHF 500.00 wird dieser vollumfänglich zurückerstattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Joëlle Breitenstein Dieser Entscheid ist rechtskräftig.