B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1410/2010 U r t e i l v o m 1 2 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Tarig Hassan, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Februar 2010 / N (…). E-1410/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heima t- staat Syrien am 26. März 2009 und gelangte nach Aufenthalten von unge- fähr einer Woche in B._______ und ungefähr eineinhalb bis zwei Mon a- ten in C._______ über ihm unbekannte Transitländer unter Umgehung der Grenzkontrolle am 14. Mai 2009 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 20. Mai 2009 fand im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) D._______ die summarische Befragung zur Person statt und am 28. Januar 2010 erfolgte die Bundesanhörung zu den Asy l- gründen. Anlässlich der Kurzbefragung sowie der Anhörung machte der Beschwer- deführer im Wesentlichen geltend, er sei syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und stamme aus E._______. Am 12. März 2004 sei es in Kamishli anlässlich eines Fussballspiels zu Ausschreitungen zwischen Arabern und Kurden gekommen. Weil dabei einige Kurden getötet wo r- den seien, sei es am folgenden Tag zu einer Protestdemonstration in F._______ gekommen, woran auch er teilgenommen und zusammen mit anderen Demonstranten Bilder und die syrische Flagge verbrannt sowie Slogans gerufen habe. Nachdem die Behörden eingegriffen hätten, seien viele Demonstranten verletzt worden, darunter auch sein Cousin, weshalb er ihn zu seinem Grossvater gebracht habe. Auf Anweisung seines Grossvaters sei er nicht mehr an die Dem onstration zurückgekehrt. Am 7. Juni 2004 habe er seinen Militärdienst angetreten und sei am 1. Juli 2006 aus dem Dienst entlassen worden. Danach habe er in einem (…) gearbeitet, bis er am 11. Januar 2007 von Angehörigen der syrischen S i- cherheitsbehörden festgenommen worden sei. In Haft sei er mehrmals zu dem Aufstand in Kamishli befragt und dabei teilweise beschimpft und g e- schlagen worden. Nach knapp 40 Tagen sei er zum Justizpalast in D a- maskus gebracht worden, wo er wegen des Aufstands in Kamishli ang e- klagt worden sei. Am folgenden Tag sei er unter der Vorlage, dass er bei Erhalt einer Vorladung erneut vor Gericht erscheine, freigelassen worden. Daraufhin habe er sich bei (…) in Damaskus versteckt und sei nicht mehr zu seinen Eltern zurückgekehrt. Am 3. Mai 2007 habe er von seinem V a- ter erfahren, dass er eine Gerichtsvorladung erhalten habe. Aus Angst habe er der Vorladung keine Folge geleistet, sondern habe sich weiterhin in Damaskus versteckt gehalten. Vor diesem Hintergrund habe er sein Heimatland am 26. März 2009 verlassen. E-1410/2010 Seite 3 Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer se i- ne syrische Identitätskarte, die Gerichtsvorladung in Kopie , eine Kopie des Militärausweises sowie eine Kopie seines Diploms zu den Akten. Für weitere Ausführungen kann auf die Protokolle bei den Ak ten verwie- sen werden. B. Mit Schreiben vom 9. Juni 2009 ersuchte das BFM die Schweizerische Botschaft in Damaskus um nähere Abklärungen zur syrischen Staatsa n- gehörigkeit des Beschwerdeführers und zu den Fragen, ob er im Besitze eines syrischen Passes sei, ob er Syrien auf legalem Weg verlassen h a- be und ob er von den syrischen Behörden gesucht werde. In ihrem An t- wortschreiben vom 13. September 2009 stellte die Vertretung fest, der Beschwerdeführer sei am 12. Mai 2008 nac h G._______ ausgereist und von den dorti gen Behörden am 21. Mai 2008 nach Damaskus zurückg e- schafft worden. Zudem unterstehe der Beschwerdeführer einem Ausrei- severbot in Syrien. C. Anlässlich der Bundesanhörung wurde dem Beschwerdeführer Gelege n- heit gegeben, zu den Abklärungsergebnissen der Schwei zerischen Bot- schaft Stellung zu nehmen. Dabei bestätigte er das Botschaftsergebnis, wonach er im Jahre 2008 legal nach G._______ ausgereist sei und von den dortigen Behörden kurz danach nach Damaskus zurückgeschafft worden sei. Darüber hinaus machte er gel tend, dass er unmittelbar nach seiner Rückkehr kurz von den syrischen Behörden festgehalten, gegen Bezahlung jedoch wieder freigelassen worden sei. Danach habe er sich bei (…) aufgehalten. Als er eines Tages erfahren habe, dass er von den syrischen Sicherheitsbehörden wegen der Vorfälle in Kamishli von 2004 weiterhin gesucht werde, habe er aus Angst, verhaftet zu werden, sein Heimatland erneut verlassen. Für weitere Einzelheiten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. D. Mit Verfügung vom 8. Februar 2010 – gleichentags eröffnet – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. E-1410/2010 Seite 4 E. Mit Eingabe vom 8. März 2010 – Datum Poststempel – an das Bunde s- verwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsve r- treter Beschwerde gegen diesen Entscheid erheben und dabei beantra- gen, die vorinstanzliche Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die U n- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Erlass eines Ko s- tenvorschusses ersuchen. Nebst einer Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung liess er mit seiner Eingabe eine Bestätigung seiner Mitgliedschaft bei der Kurdischen Demokratischen Partei der Einheit in Syrien (Yekîtî) sowie verschiedene Internetausdrucke (teils in arabischer Sprache), Ausdrucke von Kundgebungen und Sitzungen der Yekîtî beilegen. F. Mit Zwischenverfügung vom 11. März 2010 teilte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfahren in der Schweiz abwarten, verzichtete vorderhand antragsgemäss auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses, forderte ihn auf, den Umfang se ines Rechtsbegehrens um unentgeltliche Rechtspflege zu präzisieren und setzte ihm Frist, die fremdsprachigen Beweismittel in eine Amtssprache übersetzen zu lassen. G. Mit Eingabe vom 24. März 2010 teilte der Beschwerdeführer mit, sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege beschränke sich lediglich auf die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021). Gleichzeit ersuchte er um Fristerstre- ckung zur Einreichung der Übersetzungen der fremdsprachigen Bewei s- mittel. H. Nach gewährter Frist erstreckung, liess der Beschwerdeführer am 31. März 2010 die übersetzten Schriftstücke ins Recht legen. I. Mit Zwischenverfügung vom 7. April 2010 teilte die Instruktio nsrichterin dem Beschwerdeführer mit, dass aufgrund der Aussichtslosigkeit seiner E-1410/2010 Seite 5 Begehren die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses abgewiesen w ürden und auferlegte ihm einen Ko s- tenvorschuss von Fr. 600. -, den er fristge mäss am 16. April 2010 zu Gunsten der Gerichtskasse einzahlte. J. Mit Eingabe n vom 5. April 2011 , vom 16 . Mai 2011 und vom 3. August 2011 liess der Beschwerdeführer weitere Beweismittel ( Internetausdru- cke, ein von ihm verfasster Artikel, Fotos von Demonstrationen sowie Flugblätter der Yekîtî Partei) zu den Akten reichen, um seine exilpolit i- schen Aktivitäten in der Schweiz zu belegen. K. Im Rahmen eines Schriftenwechsels zog das BFM mit Verfügung vom 6. September 2011 die angefochtene Verfügung vom 8. Februar 2010 teilweise in Wiedererwägung und nahm den Beschwerdeführer infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in seinen Heimatstaat Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) als Flüchtling vorläufig auf. L. Mit Zwischenverfügung vom 21. Septem ber 2011 bot die Instruktionsrich- terin dem Beschwerdeführer Gelegenheit mitzuteilen, ob er an der B e- schwerde festhalten oder diese allenfalls zurückziehen wolle, soweit die Beschwerde nicht gegenstandslos geworden sei. M. Mit Schreiben vom 6. Oktober 2011 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mitteilen, dass er an seiner Beschwerde im Asy l- punkt festhalte. E-1410/2010 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsger icht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Mit Verfügung vom 6. September 2011 zog das BFM seine Verfügung vom 8. Februar 2010 teilweise in Wiedererwägung, sprach dem B e- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft zu und nahm ihn wegen Unzu- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs vor läufig auf. Da der Beschwerd e- führer zufolge subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling vorläufig au f- genommen wurde, beschränkt sich das vorliegende Beschwerdeverfa h- ren nur noch auf die Frage seiner Anerkennung als Flüchtling aufgrund E-1410/2010 Seite 7 der geltend gemachten Vorfluchtgründe, die Frage der Asylgewährung und auf die Wegweisung. 3. 3.1. Die Schweiz gewährt Flüchtlingen grundsätzlich Asyl (Art. 2 Abs. 1 AsylG). Gemäss Art. 3 AsylG wird eine ausländische Person als Flücht - ling anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat ode r im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An - schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteil en ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei - heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck be - wirken (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Grundsätzlich sind die Vorbringen eines Gesuchstellers dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfe n, in wesentlichen Punkten nicht wide r- sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Ta t- sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insb e- sondere dann nicht der Fall ist, wenn er seine Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen au s- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangel ndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftm a- chung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein redu- ziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchs tellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des G e- suchstellers sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen. 4. 4.1. Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, da sei- ne Vorbringen den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glau b- haftigkeit) gemäss Art. 7 AsylG nicht standhielten. Aufgrund der Abklärun- gen durch die Schweizer Botschaft in Damaskus stehe fest, dass der B e- schwerdeführer einen syrischen Reise pass besessen habe, d amit am E-1410/2010 Seite 8 12. Mai 2008 legal nach G._______ gereist sei und am 21. Mai 2008 von den dortigen Behörden nach Damaskus zurückgeführt worden sei (vgl. Akten BFM A17/6), was er anlässlich der Anhörung dementsprechend bestätigt habe (vgl. A25/ 13 S. 9). Damit sei der angeblichen Verfolgung seit dem Jahr 2007 wegen des Aufstands in Kamishli im Jahr 2004 die Grundlage entzogen. Wäre er tatsächlich seit dem Jahr 2007 behördlich gesucht worden, hätte er sich nicht gewagt, sein Heimatland mit seinem Reisepass legal zu verlassen, zumal ihm das Risiko, anlässlich der Au s- reise festgenommen zu werden, zu gross gewesen wäre. Ausserdem würden sich seine Angaben auch als in sich unglaubhaft e r- weisen, denn wäre der Beschwerdeführer von den Behörden tatsächlich aufgrund der Unruhen im Jahr 2004 gesucht worden, wäre nicht nac h- vollziehbar, weshalb er noch unbehelligt seinen Militärdienst hätte antre- ten und absolvieren können, im August 2006 einen Pass erhalten hätte und danach noch mehrere Monate normal hätte leben und arbeiten kön- nen (vgl. A25/13 S. 7 f.). Gesicherten Erkenntnissen gemäss seien nach den Unruhen zwar eine Vielzahl von Demonstranten festgenommen, die meisten jedoch nach kurzer Zeit ohne Anklage wieder freigelassen wo r- den. Ferner sei im Jahre 2005 eine Amnestie für die einfachen Teilnehmer der Demonstrationen ergangen und nur sehr wenige Personen, die eine tragende Rolle in der Organisation oder während der Demonstrationen bekleidet hätten, hätten deswegen noch ernsthafte Nachteile zu befürc h- ten. Vor diesem Hintergrund und aus den Aussagen des Beschwerdefü h- rers würden sich indes keine Hinweise ergeben, dass er sich anlässlich der Demonstrationen in irgendeiner Weise hervorgetan, geschweige denn zu den Anführern oder Organisatoren der Demonstration en gehört habe. Damit erweise sich seine Aussage, wonach er noch im Januar 2007 w e- gen der Unruhen in Kamishli festgenommen und kurz nach seiner Fre i- lassung deswegen von den Behörden wieder gesucht worden sei, als u n- glaubhaft. Des Weiteren sei festzustellen, dass die Schilderungen des Beschwerd e- führers, wonach er nach seiner Rückkehr aus G._______ in Syrien kurz festgehalten, gegen Bezahlung bereits am Folgetag wieder freigelassen und später wegen der Ereignisse in Kamishli von den Sicherheitsbehö r- den erneut aufgefordert worden sei, sich zu melden (vgl. A25/13 S. 9 f.) als unglaubhaft zu werten seien. Dass ausser einem Ausreiseverbot au f- grund des illegalen Aufenthalts in G._______ gegen den Beschwerdefüh- rer in Syrien nichts vorliege, werde denn auch durch di e Abklärungen der Schweizer Botschaft bestätigt. E-1410/2010 Seite 9 Mit diesen tatsachenwidrigen und somit unglaubhaften Aussagen sowie aufgrund der Botschaftsabklärungen gelinge es dem Beschwerdeführer somit nicht, eine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. An dieser Einschätzung würden auch die ins Recht gelegten Beweismittel nichts ändern, gehe aus der Gerichtsvorladung be- zeichnenderweise nicht hervor, weshalb er vor Gericht hätte erscheinen sollen. Diesbezüglich sei festzustellen, dass d ie Vorladung aus dem Jahr 2007 datiere, weshalb sie aufgrund der Ausführungen zum heutigen Zeit- punkt keine Verfolgung zu begründen vermöge. Auch seien die übrigen Beweismittel (Identitätskarte, Militärausweis, Diplom) nicht geeignet, um zu einem anderen Sc hluss zu gelangen, enthielten diese ebenfalls keine Hinweise, die auf eine asylrelevante Verfolgung hindeuten würden. 5. 5.1. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall die gel- tend gemachten Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers zu Recht als unglaubhaft beziehungsweise nicht asylrelevant beurteilt und demzufolge das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen hat. 5.2. Übereinstimmend mit dem BFM geht auch das Bundesverwaltung s- gericht davon aus, dass die vom Bes chwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsgründe als insgesamt unglaubhaft zu werten sind und er fol g- lich im Zeitpunkt des Verlassens seines Heimatlandes nicht in asylrel e- vanter Weise verfolgt worden ist. Aufgrund der Akten erweisen sich die Erwägungen des BFM zu den Fluchtgründen und –umständen sowie zu der Chronologie der Ereignisse, die ihn zur Flucht bewegt hätten, insge- samt als zutreffend, und es kann vollumfänglich darauf verwiesen we r- den. Entgegen seinem Erklärungsversuch in der Beschwerde , dass we- gen der in Syrien herrschenden Willkür und der fehlenden Gesetzesmä s- sigkeiten nicht ausgeschlossen werde n könne, der Beschwerdeführer werde wegen der Vorfälle in Kamishli von 2004 immer noch verfolgt, geht aus der Botschaft santwort klar hervor, dass gegen den Beschwerdefü h- rer, abgesehen von einem Ausreiseverbot aufgrund des illegalen Aufen t- halts in G._______, nichts vorliegt (vgl. A17/6 S. 1). Angesichts der unter- schriftlich bestätigten Aussage anlässlich der Anhörung , wonach er am 12. Mai 2008 Syrien legal verlassen habe, um nach G._______ auszurei- sen (vgl. A25/13 S. 9) und vor dem Hintergrund der Botschaftsabklärung bestehen somit keine Anhaltspunkte für eine asylrechtlich relevante G e- fährdung des Beschwerdeführers. Durch seine Aussage, wonach er nach seiner Rücküberstellung durch G._______ von den syrischen Behörden kurz festgehalten, gegen Bezahlung jedoch bereits am nächsten Tag wie-E-1410/2010 Seite 10 der freigelassen worden sei (vgl. A25/13 S. 9), werden die unglaubhaften Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers zusätz lich zementiert, zumal diese Darlegung mit der behaupteten Anklageerhebung logisch nicht ve r- einbar ist. Eine begründete Furcht vor aktueller Verfolgung vermag er damit nicht glaubhaft darzulegen. Eine Vorverfolgung ist nach dem G e- sagten und unter Verweis a uf die Erwägungen der Vorinstanz und die Zwischenverfügung vom 7. April 2010 nicht glaubhaft dargetan. Ob er aufgrund seiner angeblich illegalen Ausreise aus Syrien subjektive Nac h- fluchtgründe geschaffen hat, kann vorliegend offen gelassen werden, z u- mal ih n das BFM mit Verfügung 6. September 2011 wiedererwägung s- weise wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs als Flüchtling vor- läufig aufgenommen hat. 5.3. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an das Glaubhaftmachen be- ziehungsweise die Asylrelevanz für den Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sy- rien nicht zu genügen vermögen. An dieser Einschätzung vermögen die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe sowie die eingereic h- ten Dokumente nichts zu ändern. Das BFM hat das Asylgesuch des B e- schwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Au f- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG, Art. 32 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in Bezug auf die Frage der Anerkennung als Flüchtling aufgrund der geltend gemachten Vorfluchtgründe, die Frage der Asylgewährung und der We g- weisung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist dah er – soweit nicht gegenstandslos geworden – abzu- weisen. E-1410/2010 Seite 11 8. 8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer praxisgemäss um zwei Drittel reduzierte Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 200. - aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2, 3 und 5 des Reglements über die Kosten und Entschä- digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.310.2]). Diese werden mit dem am 16. April 2010 gelei s- teten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.- verrechnet. Dem B e- schwerdeführer ist somit der Restbetrag in der Höhe von Fr. 400. - zu- rückzuerstatten. 8.2. Dem Beschwerdeführer ist infolge der teilweisen Gegenstandslosi g- keit zu Lasten des BFM eine Parteientschädgung für die ihm erwachs e- nen notwendigen Vertretungskosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 sowie Art. 15 VGKE), welche entsprechend dem Grad des Durchdringens (zu zwei Dritteln) um einen Drittel zu reduzieren ist. Da der Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht hat, ist eine Par- teientschädigung auf Grund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anwendung von Art. 10 VGKE und unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren (vgl. Art. 8 f. VGKE) ist das BFM anzuweisen, dem Beschwerdeführer e ine Parteientschädigung von Fr. 1'500.-(inkl. Auslagen und MWSt) zuzusprechen (vgl. Art. 7 Abs. 2 und Art. 15 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) E-1410/2010 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird – soweit nicht gegenstandslos geworden – abge- wiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 200.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600. - verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 400.- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1' 500.- auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand: