Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Juli 2015 (720 15 118) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Auf ärztliche Gutachten ist nur begrenzt abstellbar, wenn die abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Fachkräfte der Eingliederungsmassnahmen erhebliche Zweifel an deren Zuverlässigkeit zu erwecken vermag Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Stephanie Wirz Parteien A. ____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1961 geborene A.____, gelernter Schlosser, a rbeitete zuletzt als Maler, Verputzer und Fassadenisolierer. Am 21. November 2011 meldete er sich bei der Eidgenössischen Invali- denversicherung (IV) unter Hinweis auf ein seit 2008 bestehendes chronisches Zervikalsyndrom zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle des Ka ntons Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abge klärt und zudem berufliche Massnahmen durchgeführt hatte, ermittelte sie beim Versicherte n einen Invaliditätsgrad von 31%. Gestützt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf dieses Ergebnis und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wies sie mit Verfügung vom 18. Februar 2015 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 19. März 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgeri cht). Er beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 18. Februar 2015 sei ihm eine halb e IV-Rente oder eventualiter eine Vier- telsrente zuzusprechen; alles unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung führte er im Wesentli- chen aus, dass die angefochtene Verfügung im Widerspruc h zum Abschlussbericht der Einglie- derungsmassnahmen stehe. Zudem sei der leidensbedingte Abzug von 10% nicht nachvoll- ziehbar, vielmehr erscheine ein solcher von 25% als angemes sen. In prozessualer Hinsicht er- suchte der Beschwerdeführer um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. C. Mit Verfügung vom 29. April 2015 wurde dem Beschwe rdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Mai 2015 hielt die IV-Stelle an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 11. Juli 2015 liess der Beschwerdefüh rer dem Kantonsgericht ver- schiedene Berichte von B.____, FMH Allgemeine Innere Me dizin, vom 30. Juni 2015, von C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 20. Mai 20 15 und vom 23. Juni 2015 sowie von D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 20. April 2015 zu den Akten reichen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 19. März 2015 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle zu Rec ht den Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf eine Invalidenrente abgelehnt hat. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 18. Februar 2015 entwickelt hat. Dieser Zeit- punkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefug- nis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Tatsachen, die sich erst späte r verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in enge m Sachzusammenhang stehen und Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Erlasses des Verwaltungsaktes zu beeinflussen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. August 2009, 9C_136/2009, E. 2.5). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER-BLAS ER, Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg .], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an för mliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit weiteren Hinweisen). Der Beweiswert von RAD-Beri chten nach Art. 49 Abs. 2 der Verord- nung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Janu ar 1961 ist mit jenem externer medizi- nischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern si e den praxisgemässen Anforderun- gen an ein ärztliches Gutachten genügen und die Arztp erson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 134 V 231 E. 5.1, 137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis versiche- rungsinterner ärztlicher Abklärungen kann jedoch nicht abgestellt werden, wenn auch nur gerin- ge Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit beste hen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; Urteile des Bundesgerichts vom 3.Oktober 2014, 8C_197/2014, E. 4.2 und vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2). 4.5 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körper- liche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundhe itsschadens und damit invali- denversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, wel- che die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Wi llens, die verbleibende Leistungsfähig- keit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI-Praxis 2001 S. 228 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.6 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialver sicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 5.1 Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind im Wesentlichen die folgenden medi- zinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.2 B._____ diagnostizierte am 3. Oktober 2013 eine G onalgie rechts mit Verdacht auf beginnende Arthrose sowie ein Zerviko-Brachialsyndrom lin ks bei grosser linksparamedianer Diskushernie mit rezessaler hoher und foraminaler linksseit iger Kompression (C6/C7), geringe Chondrosen, eine Streckhaltung der Halswirbelsäule (H WS) sowie einen Diabetes Mellitus und eine psychosoziale Belastungssituation. Zudem hat B.____ dem Beschwerdeführer ab dem 1. September 2013 eine 40% Arbeitsunfähigkeit attestiert. 5.3 Der Beschwerdeführer wurde am 7. November 2013 im Auftrag der IV-Stelle durch den regionalen ärztlichen Dienst (RAD) untersucht. Der RAD -Arzt E.____, Facharzt Orthopä- die/physikalische und rehabilitative Medizin, diagnostizie rte am 15. November mit Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit eine abgeklungene linksseitige Zervikobrachialgie mit ehemals dys- ästhetischen Ausfällen bei einer grossen linksparamediale n Diskushernie (C5/6) mit rezessal hoher und foraminaler linksseitiger Kompression (C7/C6). Aktuell verblieben muskuläre Dysba- lancen des Schulter-Nacken-Bereichs, eine endgradige Fun ktionseinschränkung der HWS und – aus röntgenologischer Sicht – eine Osteochondrose sowie eine moderat hypertrophe Spon- dylarthrose (C5/C6). Zudem bestünde eine unspezifische linksseitige Lumboischialgie ohne Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht radikulären Reiz und ohne neurologische Ausfälle mit be stehenden muskulären Dysbalancen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Beckens so wie endgradige Funktionsein- schränkungen und ein röntgenologisch unauffälliger Befun d. Nach Einschätzungen des RAD- Arztes E.____ seien dem Beschwerdeführer leichte körpe rliche Tätigkeiten, die vorzugsweise wechselrythmisch durchgeführt und keine längere Zwangshal tung seitens der HWS im Sinne von Überkopf-Arbeiten oder mit endgradiger Rotation zu mutbar. Gelegentlich könnten Lasten im leichten bis mittelschweren Bereich körpernah bewegt werden. Zudem sei dem Beschwerde- führer nach Einschätzung des RAD-Arztes E.____ eine Präsenz von 100% zumutbar. Aufgrund der muskulären Dysbalancen und der degenerativen Verän derungen im Bereich der HWS sei ein Rendement von 10% gerechtfertigt, zum gelegentli chen Positionswechsel und auch zum Einlegen kurzer Pausen. 5.4 In den Akten findet sich der Abschlussbericht der Eingl iederungsmassnahmen vom 11. September 2013. Diesem ist zu entnehmen, dass der Be schwerdeführer seit Februar 2012 berufliche Massnahmen in Form von verschiedenen Arbeitst rainings gemacht hat. Während diesen Massnahmen habe er sich immer sehr willig gezeigt, eine Stelle zu finden. Seine Motiva- tion sei gross und er überzeugt gewesen, mit genügend gutem Willen, Einsatz und Unterstüt- zung der IV-Arbeitsvermittlung eine passende Stelle zu finden. Rückschläge hätten ihn in sei- nem Bestreben jedoch zurückgeworfen und er habe oft da runter gelitten, dass niemand einen zuverlässigen Arbeitnehmer einstellen wolle. Am 14. Mär z 2013 habe der Beschwerdeführer jedoch ein Arbeitstraining bei der F.____ beginnen u nd seine Zuverlässigkeit erfolgreich unter Beweis stellen können. Der Beschwerdeführer habe per 1. September 2013 eine Festanstellung bei der F.____ als Kurierfahrer bei einem Arbeitspensum von 60% erhalten, weshalb die Bemü- hungen um Eingliederung erfolgreich abgeschlossen werden können. Er sei jedoch weiterhin zu 40% arbeitsunfähig und werde vom Sozialdienst unterstützt. 5.5 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwe rdeführer am 11. Juli 2015 verschiedene Berichte ein. C.____ diagnostizierte am 23. Juni 2015 eine bestehende Hyper- somnie bei Ein- und Durchschlafstörung, eine schwere Inso mnie mit entsprechend ungenügen- der Schlafeffizienz und Gesamtschlafdauer, ein Restless-Leg-Syndrom und ein leichter Periodic Limb Movemental Disorder (PLMS), ein grenzwertiges obstr uktives Schlafapnoesyndrom (AHI 5/h), eine depressive Entwicklung sowie chronische Rücken- u nd Knieschmerzen. B.____ nannte in seinem Kurzbericht vom 30. Juni 2015 dieselbe n Diagnosen wie C.____ und be- scheinigte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 60%. 6.1 Die IV-Stelle stütze sich in der angefochtenen Ver fügung vom 18. Februar 2015 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes und der Arb eitsfähigkeit im Wesentlichen auf das am 15. November 2013 durch den RAD-Arzt E.____ erstel lte Gutachten. Sie ging in der Folge davon aus, dass dem Versicherten eine leidensadaptierte Tätigkeit im Umfang von 100% mit einem Rendement von 10% zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3), kommt einem ärzt- lichen Bericht Beweiswert zu, wenn er für die streitige n Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn die B eschreibung der medizinischen Situa- tion und Zusammenhänge einleuchtet und die Schlussfo lgerungen begründet sind (BGE 134 V Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 231 E. 5.1). Der Arzt oder die Ärztin muss über die not wendigen fachlichen Qualifikationen ver- fügen (Urteil 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1 ). Diesen Anforderungen genügende RAD-Berichte nach Art. 49 Abs. 2 IVV können einen Bewei swert haben, der mit jenem von ex- ternen medizinischen Gutachten vergleichbar ist (BGE 137 V 210 E. 1.2.1; 135 V 254 E. 3.3.2). 6.2 Im vorliegenden Verfahren erfüllt der Bericht des RAD-Arztes E.____ vom 15. Novem- ber 2013 diese Vorgaben letztlich nicht. Zwar untersuch te er den Beschwerdeführer eingehend und ging einlässlich auf die beklagten Beschwerden ein. Zudem setzte er sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander un d vermittelte so aus orthopädischer Sicht ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. Die vom RAD-Arzt E.____ vorgenommene Einschätzung der Arbeitsf ähigkeit, wonach der Beschwerde- führer in einer seiner Beschwerden angepassten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei, mit einem Rendement von 10%, steht jedoch im Widerspruch zu den Au sführungen des Hausarztes B.____ und insbesondere zu den Feststellungen im Abschlu ssbericht der Eingliederungsmass- nahmen vom 11. September 2013. Gemäss diesen Berichten ist der Beschwerdeführer in einer seinen Beschwerden angepassten Tätigkeit zu 60% arbeitsf ähig. Zwar ist in Hinblick auf die Aussagen der behandelnden Ärzte insofern Vorsicht gebot en als diese aufgrund ihres Vertrau- ensverhältnisses zu den Patienten eher zu deren Gunsten aussagen. Aus diesem Grund kann vorliegend nicht ohne weiteres auf die Angaben von B.__ __ abgestellt werden. Ebenso ist be- treffend den Beweiswert des Abschlussberichts der Eingli ederungsmassnahmen festzustellen, dass die abschliessende Beurteilung der sich aus einem G esundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit in der Hauptsache dem Arzt oder der Ärztin, nicht den Fachleu- ten der Berufsberatung/beruflichen Eingliederung obliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juli 2008, 9C_833/2007, E. 3.2.2). Mit Blick auf die r echtsprechungsgemäss enge, sich gegen- seitig ergänzende Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung (vgl. BGE 107 V 17 E. 2b) ist jedoch einer konkret leistungsorient ierten beruflichen Abklärung nicht jegli- che Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen. 6.3 In casu wurde der Beschwerdeführer vom 22. November 2011 bis 11. September 2013 beruflich abgeklärt. Dabei absolvierte er verschiedene Arbeitstrainings, welche Aufschluss über seine Leistungsfähigkeit geben sollten. So war er vom 1 5. März 2012 bis 22. Juli 2012 beim Kiebitz im Transport- und Mahlzeitenservice tätig. Dor t absolvierte er zu Beginn ein 60% Pen- sum, welches im Verlauf auf 100% erhöht werden konnte. Während des Trainings habe er ei- nen sehr hohen Einsatzwillen gezeigt und sei sehr flexib el gewesen. Nach Abschluss dieses Einsatzes war er vom 2. August 2012 bis 5. Februar 2013 b ei der G.____ im Bereich Raum- /Arbeitsplatzmanagement & Logistikservices beschäftigt. Im A rbeitszeugnis vom 5. Februar 2013 wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer ein e inwandfreies Arbeitsverhalten an den Tag gelegt habe. Zu Beginn sei er mit einem Pensum vo n 100% beschäftigt gewesen, nach dem 17. September 2012 in einem solchen von 50%. Vom 1 4. April 2013 bis zum 31. August 2013 absolvierte der Beschwerdeführer sodann ein weite res Arbeitstraining bei der F.____. Bei dieser Arbeitgeberin wurde der Beschwerdeführer sodann – aufgrund seiner Zuverlässigkeit und den guten Arbeitsleistungen - ab 1. September 201 3 in einem 60% im Kurierdienst be- schäftigt (vgl. Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahmen vom 11. September 2013; vgl. oben E. 5.4.). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Damit steht aber die medizinische Einschätzung der Le istungsfähigkeit durch den RAD-Arzt E.____, der von einer 100%igen Arbeitsfähigk eit mit einem Rendement von 10% in einer adaptierten Tätigkeit ausgeht, in offensichtli cher und erheblicher Diskrepanz zur Leistung des Beschwerdeführers während seiner 1,5 Jahre dauernden beruflichen Abklärung. Der Be- schwerdeführer verhielt sich während der Arbeitstraining s jeweils einwandfrei und zeigte einen grossen Einsatz. Dennoch realisierte er nur eine Leistung im Umfang von 60%, was auch von den zuständigen Fachpersonen bestätigt und als objektiv realisierbar bezeichnet wurde. Diese Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit vermag daher ern sthafte Zweifel an den ärztlichen An- nahmen des RAD-Arztes E.____ zu begründen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. April 2013, 8C_59/2013, E- 3-3-1 mit Hinweis auf Urteil de s Bundesgerichts vom 16. Oktober 2012, 9C_737/2011, E. 3.3). Da - wie in Erwägung 4.4 festgehalten - bereits geringe Zweifel genügen, damit auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Ab klärungen nicht abgestellt werden kann, ist vorliegend das Einholen einer klärenden med izinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar. 6.5 Zusammenfassend steht fest, dass der rechtserhebliche Sa chverhalt im vorliegenden Verfahren durch die IV-Stelle ungenügend abgeklärt wu rde, weshalb die Auswirkungen der ge- sundheitlichen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht abschlies- send beurteilt werden können. Folglich ist der rechtserh ebliche Sachverhalt durch geeignete weitere medizinische Abklärungen zu vervollständigen. 7.1 Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kö nnen die Sozialversiche- rungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat viel mehr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräfti g ist. Eine Rückweisung an die IV- Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in de r notwendigen Erhebung einer bisher voll- ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledi glich eine Klarstellung, Präzisierung o- der Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.). 7.2 Da die Beschwerdegegnerin nicht alle notwendigen Abklärungen zur Beurteilung der Erwerbsfähigkeit vorgenommen hat (vgl. E. 6.5 hiervor) , und es nicht die Aufgabe der kantona- len Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte med izinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgege n. Diese wird angehalten, die Frage der Arbeitsfähigkeit in einer zumutbaren leidensangep assten Tätigkeit durch eine medizinische Expertise von einer bisher nicht involvierten Institution abklären zu lassen. Dabei wird sich diese konkret auch dazu äussern müssen, welche Verweistätigkeiten unter Berücksichtigung der Er- gebnisse der Eingliederungsmassen noch zumutbar sind und wie hoch die Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit ist. Weiter müssen auch die du rch die behandelnden Ärzte im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens gestellten Diagn osen der Hypersomnie bei Ein- und Durchschlafstörung, der schweren Insomnie mit entsprechend ungenügender Schlafeffizienz und Gesamtschlafdauer, des Restless-Leg-Syndroms und des l eichten Periodic Limb Mo- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vemental Disorder (PLMS), des grenzwertiges obstruktives Schlafapnoesyndrom (AHI 5/h), und der depressiven Entwicklung(vgl. E. 5.6) abgeklärt werden . Gerade in Hinblick darauf, dass der Beschwerdeführer als Kurier arbeitet und aufgrund der schwer gestörten Schlafarchitektur Ge- fahr läuft, tagsüber eine ungewollte Einschlafattacken zu erleiden, drängt sie eine sorgfältige Abklärung dieser Leiden und deren Einfluss auf die Arbe itsfähigkeit bzw. Fahrtüchtigkeit auf. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 18. Februar 2015 zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuwei sen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird diese über den Rentenanspruch des B eschwerdeführers neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikoste n ist grundsätzlich auf den Prozessaus- gang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung und neue r Beurteilung an die Verwaltung zu- rück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führe nde Partei als (Vollständig) obsie- gende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BG E 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2 je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der B eschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehreren materiell rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 18. Februar 2015 aufgehoben und die Angelegenheit zu r erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.