<h2>SubmittedText<h2><p>Die neuen Fachhochschulen sollen zwar andersartig, in ihrer Stellung als Hochschulen aber den kantonalen Universitäten und den Eidgenössischen Technischen Hochschulen gleichwertig sein, um partnerschaftlich-gleichberechtigt in ein schweizerisches Gesamthochschulsystem eingeordnet zu werden.</p><p>Der Aufbau der Fachhochschulen stösst nun aber auf nicht ganz unerwartete Widerstände. Die universitären Hochschulen betrachten die neue Konkurrenz offenbar mit wachsendem Argwohn und sperren sich gegen die angestrebte Gleichwertigkeit der zukünftigen Partner. Gegen die geplanten Strukturen und Bezeichnungen wird ebenso Widerstand geleistet wie gegen kulante Übertrittsverfahren und die - auch vom Ausland erwartete - angemessene Anerkennung von Studienleistungen und Fachhochschulabschlüssen. Aufgrund dieser restriktiven Haltung erwachsen der Schweiz nun zunehmend Probleme bei der absolut unerlässlichen internationalen Anerkennung des neuen Fachhochschulsystems.</p><p>Vor diesem Hintergrund frage ich den Bundesrat mit einiger Besorgnis:</p><p>1. Welche Massnahmen hat er getroffen, um die neuen Fachhochschulen als zwar andersartig, aber eben gleichwertig neben den kantonalen Universitäten und den beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen zu etablieren? Wo liegen die Hauptwiderstände, und wie gedenkt er sie zu überwinden?</p><p>2. Ist er bereit, die von der Fachhochschulkommission vorgeschlagene Gliederung und Namengebung, die auf diese Gleichwertigkeit abzielt, gegen vorhandene Widerstände konsequent durchzusetzen?</p><p>3. Ist er bereit, noch entschiedener auf einer grosszügigen Anerkennung von Studienleistungen an Fachhochschulen bzw. von Fachhochschulabschlüssen durch die kantonalen Universitäten und die Eidgenössischen Technischen Hochschulen zu bestehen?</p><p>4. Ist er bereit, dem in den meisten europäischen Ländern verbreiteten System der Studienstruktur und Titelgebung zum Durchbruch zu verhelfen, also im Grundsatz der gängigen Formel "Bachelor of Science plus zwei Jahre gleich Master of Science"?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat bekräftigt seine Haltung, wonach die Fachhochschulen als gleichwertige, aber andersartige Hochschulen in ein schweizerisches Gesamthochschulsystem zu integrieren sind.</p><p>Zu den in der Interpellation aufgeworfenen Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>1. Die Errichtung von Fachhochschulen zwingt die heutigen Schulen zu einer echten Reform sowie zu einem Konzentrationsprozess. Damit sollen die Kräfte und Mittel gebündelt eingesetzt werden. Im nun folgenden Verfahren zur Anerkennung der Diplome erfolgt zudem eine strenge Qualitätskontrolle durch die Eidgenössische Fachhochschulkommission, die zu diesem Zweck mit wissenschaftlichen Fachexperten, auch aus dem Ausland, verstärkt wird. Nur so werden die Fachhochschulen in einem Gesamthochschulsystem auf nationaler und internationaler Ebene konkurrenzfähig sein.</p><p>Die Hauptgründe für den Widerstand der universitären Hochschulen gegenüber den Fachhochschulen lassen sich folgendermassen zusammenfassen:</p><p>- In verschiedenen Studienbereichen sind die universitären Hochschulen überfüllt. Sie sind deshalb nicht an einer Zunahme der Zahl der Studierenden interessiert, weshalb sie sich gegen eine verbindliche Regelung mit kulanten Bedingungen für ausgezeichnete Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen aussprechen. Dadurch werden Personen, die ihr Diplom an einer Fachhochschule erworben haben, bei der Zulassung an ausländischen Hochschulen benachteiligt. Für die akademische Anerkennung unserer Diplome im Ausland ist gerade eine vernünftige Regelung der Zulassung zu den Schweizer universitären Hochschulen massgebend.</p><p>Der Bundesrat will - gemeinsam mit den Kantonen - rasch zu einer grosszügigen Regelung der Zulassung von Fachhochschuldiplomierten an universitären Hochschulen kommen.</p><p>- An universitären Hochschulen bestehen - meistens latent - Befürchtungen, dass die beschränkt vorhandenen Forschungsmittel des Bundes mit den Fachhochschulen geteilt werden müssen.</p><p>Mit der Neuordnung der Zuständigkeiten für die Forschungsförderung beim Bund wird gewährleistet, dass die Forschungsmittel gezielt eingesetzt werden können.</p><p>- Als Folge der knappen Forschungsmittel bieten universitäre Hochschulen in verschiedenen Fachbereichen vermehrt Dienstleistungen zugunsten Dritter an, um zu zusätzlichen Forschungsmitteln zu gelangen. Dabei entsteht zwangsläufig eine Konkurrenzsituation, die der Qualität der Dienstleistungen förderlich ist. Gleichzeitig zeichnen sich durch die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen aber auch Synergiegewinne ab.</p><p>Der Bundesrat sieht deshalb in dieser Frage keinen Handlungsbedarf.</p><p>2. Die von der Fachhochschulkommission vorgeschlagene Gliederung und Namengebung, die auf diese Gleichwertigkeit abzielt, stiess bei der Konsultation der hochschul- und forschungspolitischen Organe des Bundes und der Kantone sowie bei den für die universitären Hochschulen zuständigen Stellen des Bundes auf so heftige Kritik, dass sie nicht durchsetzbar ist, zumal die rechtlichen Grundlagen für eine solche Regelung nicht ausreichen.</p><p>3. Der Bundesrat ist bereit, in Zusammenarbeit mit den Kantonen auf eine grosszügige Anerkennung von Studienleistungen an Fachhochschulen bzw. von Fachhochschulabschlüssen durch die kantonalen Universitäten und die ETH hinzuwirken.</p><p>4. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die englische Bezeichnung von Hochschulabschlüssen im Ausland zunehmend an Bedeutung gewinnt. Er wird deshalb die in der Interpellation aufgeworfene Frage im Hinblick auf die Erteilung der ersten Fachhochschuldiplome unter Berücksichtigung der europäischen Integrationspolitik (gegenseitige Anerkennung der Diplome) sorgfältig prüfen.</p>  Antwort des Bundesrates.