Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: RA190002-O/U Mitwirkend: Oberrichterin Dr. L. Hunziker Schnider, Vorsitzende, Oberrichterin Dr. D. Scherrer und Oberrichter Dr. M. Kriech sowie Gerichtsschreiber lic. iur. F. Rieke Urteil vom 6. März 2019 in Sachen A._____, Beschwerdeführerin gegen Kanton Zürich, Beschwerdegegner vertreten durch Arbeitsgericht Zürich betreffend arbeitsrechtliche Forderung (Ausschluss Gerichtsberichterstat- tung) Beschwerde gegen einen Beschluss des Arbeitsgerichtes Zürich, 3. Abtei- lung, vom 15. November 2018 (AN180042-L) - 2 - Erwägungen: 1. a) Im vorinstanzlichen Hauptverfahren ist die Beklagte eine Tochter- gesellschaft einer schweizerischen Grossbank und die Klägerin eine ehemalige Arbeitnehmerin derselben; die Beschwerdeführerin ist eine akkreditierte Gericht s- berichterstatterin. Im vorinstanzlichen Verfahren fand am 15. November 2018 die Hauptverhandlung mit anschliessender Vergleichsverhandlung statt . Die Be- schwerdeführerin war an der Hauptverhandlung anwesend, wurde aber von der Teilnahme an der anschliessenden Vergleichsverhandlung ausgeschlossen. Am 29. November 2018 verlangte die Beschwerdeführerin eine anfechtbare Verf ü- gung zu ihrem A usschluss aus der Hauptverhandlung und zu verweigerten Infor- mationen bezüglich allfälliger Beendigung oder weiterer Schritte des Verfahrens (Urk. 2 S. 2). Mit Beschluss vom 15. November 2018 schloss die Vorinstanz die Beschwerdeführerin von der Teilnahme an der Vergleichsverhandlung in ihrem Verfahren aus; Kosten wurden keine erhoben (Urk. 2 S. 4). b) Hiergegen hat die Beschwerdeführerin am 13. Januar 2019 fristgerecht (Urk. 114/3) Beschwerde erhoben und stellt die Beschwerdeanträge (Urk. 1 S. 1): "1. Es sei festzustellen, dass der Ausschluss der Beschwerdeführerin aus der Hauptverhandlung vom 15. November 2018 (AN180042) rechtswi d- rig war (Erwägung 1. des Beschlusses des Arbeitsgerichts Zürich vom 15. November 2018). 2. Es sei anzuordnen, dass die Besc hwerdeführerin darüber informiert wird, ob das Verfahren AN180042 beendet worden ist und in welcher Form." c) Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. Da sich die Beschwer- de sogleich als unbegründet erweist, kann auf weitere Prozesshandlungen ver- zichtet werden (vgl. Art. 322 Abs. 1 ZPO). 2. Die Beschwerde ein er als Gerichtsberichterstatterin vom Ausschluss betroffenen Drittperson ist zulässig (Blickenstorfer, DIKE -Komm-ZPO, vor Art. 308-334 N 60). Das von der Beschwerdeführerin geltend gemachte schut z- würdige Interesse – vergleichbare Situationen (Ausschluss von einer Vergleichs- verhandlung) könnten sich jederzeit wiederholen (Urk. 1 S. 2) – ist zu bejahen. - 3 - 3. Mit der Beschwerde können unrichtige Rechtsanwendung und offen- sichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Dabei bedeutet Geltendmachung, dass in der Beschwerdeschrift konkret und im Einzelnen dargelegt werden muss, was genau am angefochtenen Entscheid unrichtig sein soll; was nicht in dieser Weise beanst andet wird, braucht – von offensichtlichen Mängeln abgesehen – von der Beschwerdeinstanz nicht überprüft zu werden. Soweit eine Beanstandung vorgetragen wird, wendet die Beschwerdeinstanz das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 ZPO); sie ist weder an die Argumente der Parteien noch an die Begründung des vorinstanzlichen Entscheids gebunden. 4. a) Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, für Zivilprozesse werde der in Art. 30 Abs. 3 BV statuierte Grundsatz der Öffentlichkeit von Verhandlun- gen in Art. 54 ZPO wiederholt und präzisiert. Zu den Verhandlungen im Sinne von Art. 30 Abs. 3 BV und Art. 54 ZPO würden nebst den mündlichen Vorträgen der Parteien die Einvernahme von Zeugen oder die Befragung von Gutachtern gehö- ren. Die Beschwerdeführerin sei während den Partei vorträgen anwesend gew e- sen. Mit den Parteivorträgen sei der formelle Teil abgeschlossen gewesen; an- schliessend hätten – wie vorgeladen – Vergleichsgespräche stattgefunden. Wenn auch nur eine Partei mit der Anwesenheit von Dritten bei den Vergleichsgespr ä- chen nicht einverstanden sei, müssten diese davon ausgeschlossen werden. Der Grund für einen solchen Ausschluss liege im Zweck der Vergleichsverhandlung, welche einzig dazu diene, eine gütliche Einigung zwischen den Parteien anz u- streben. Ein entsprechender Ausschluss finde sich auch in § 16 Abs. 1 Ziff. 1 der Akteneinsichtsverordnung. Die bei einer Vergleichsverhandlung vom Gericht ab- gegebene Einschätzung der Sach- und Rechtslage sei stets unpräjudiziell, unver- bindlich und unverwertbar. Die Anwesenheit der Öf fentlichkeit würde dem Sinn und Zweck einer Vergleichsverhandlung (und einer vorläufigen Einschätzung des Falles) widersprechen. Zusammenfassend werde der Grundsatz der Öffentlichkeit gemäss Art. 30 Abs. 3 BV und Art. 54 ZPO nicht verletzt, indem die Beschwerde- führerin von der Teilnahme an der Vergleichsverhandlung ausgeschlossen werde (Urk. 2 S. 2-4). - 4 - b) Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde zusammengefasst geltend, sie sei zu Unrecht von der Hauptverhandlung ausgeschlossen worden. Im Gesetz gebe es bei einer Hauptverhandlung keine Zweiteilung in einen öffent- lichen und einen nichtöffentlichen Teil. Bei Vergleichsgesprächen werde die vom Gericht geäusserte Einschätzung aufgrund der Gespräche oftmals wieder rev i- diert; der von der Vorinstanz behauptete "informelle" Teil sei damit Teil der öffent- lichen Hauptverhandlung. Anders als im Schlichtungsverfahren fehle es bei g e- richtlichen Vergleichsbemühungen für den Ausschluss der Öffentlichkeit an einer gesetzlichen Grundlage. Gemäss Art. 54 Abs. 3 ZPO sei der Ausschluss nur w e- gen eines öffentlichen Interesses oder wegen schutzwürdigen Interessen einer beteiligten Person möglich; keiner dieser Gründe werde von der Vorinstanz gel- tend gemacht und liege auch nicht vor. Das Thema der vorinstanzlichen Haupt- verhandlung sei eine Lohndiskriminierungsfrage gestützt auf das Gleichstellungs- gesetz gewesen und damit eine Frage, die in der Öffentlichkeit aktuell und kontr o- vers diskutiert werde; eine Interessenabwägung hätte damit zugunsten der G e- richtsöffentlichkeit erfolgen müssen. Der Öffentlichkeitsgrundsatz liege nicht in der Dispositionsbefugnis der Parteien. Vorliegend sei zu einer öffentlichen Hauptver- handlung vorgeladen worden und es gebe kein schutzwürdiges Interesse der Prozessparteien, dass die Öffentlichkeit ni chts von den Vergleichsbemühungen des Gerichts erfahre (Urk. 1 S. 2-4). c) Dass Verhandlungen der Gerichte grundsätzlich öffentlich (im Sinne von: publikums - bzw. medienöffentlich) sind (Art. 30 Abs. 3 BV, Art. 54 Abs. 1 ZPO), ist im Beschwerdeverfahren ni cht umstritten. Die Vorinstanz hält dafür, dass Vergleichsverhandlungen nicht öffentlich seien, die Beschwerdeführer in ist der gegenteiligen Auffassung. Unter öffentlichen Verhandlungen im Sinne von Art. 54 ZPO sind alle Verhandlungen zu verstehen, welche Grundlage für den ge- richtlichen Sachentscheid bilden. Darunter fallen nebst der Hauptverhandlung und gewissen Verhandlungen des Beweisverfahrens (Zeugeneinvernahme, Augen- schein, mündliche Gutachtenerstattung und Parteibefragung bzw. Beweisauss a- ge; vgl. Art . 169 ff., Art. 181 f., Art. 187 und Art. 191 ff. ZPO) auch die Instrukt i- onsverhandlung, soweit sie nicht bloss dem Versuch einer Einigung dient. Über - 5 - alle diese Verhandlungen ist Protokoll zu führen (Art. 235 ZPO; vgl. Art. 176, Art. 182, Art. 187 Abs. 2 und Art. 193 ZPO) und sie sind öffentlich. Dagegen ist die Vergleichsverhandlung eine im Gesetz nicht ausdrücklich so benannte Unterform der Instruktionsverhandlung (vgl. Art. 226 Abs. 2 ZPO: "Die Instruktionsverhandlung dient [...] dem Versuch einer Einigung [...]"). In einer sol- chen legt regelmässig das Gericht seine (vorläufige) Einschätzung der Sach- und Rechtslage dar und werden anschliessend Vergleichsgespräche geführt. Das d a- bei Gesagte ist für alle Seiten unpräjudizierlich und darf für die Entscheidfindung des Gerichts nicht verwendet werden. Entsprechend ist hierüber auch kein Prot o- koll zu führen (BK ZPO-Kilias, Art. 226 N 8; Leuenberger, in: Sutter-Somm/Hasen- böhler/Leuenberger, ZPO-Komm., Art. 226 N 15; BSK ZPO -Willisegger, Art. 226 N 13) und sind Vergleichsverhandlungen nicht publikums - und medienöffentlich (BK ZPO-Hurni, Art. 54 N 10; Sutter- Somm/Seiler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/ Leuenberger, ZPO-Komm., Art. 54 N 11; CR CPC- Haldy, Art. 54 CPC N 12). Die- se Nicht-Öffentlichkeit gilt generell, ohne dass das Vorliegen der Ausnahmegrün- de (von der Publikumsöffentlichkeit) geprüft und/oder eine Interessenabwägung vorgenommen werden müsste. d) Damit bestand kein Anspruch der Beschwerdeführerin als Gerichts - berichterstatterin auf Teilnahme an der – wie dargelegt: nicht öffentlichen – Ver- gleichsverhandlung. Die Vorinstanz hat das Recht korrekt angewendet und die Beschwerde ist, insoweit sie dagegen gerichtet war, abzuweisen. 5. a) Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde sodann gel- tend, die Vorins tanz sei auf ihr Ersuchen, sie über den Verlauf des Prozesses bzw. über dessen allfällige Beendigung zu informieren, mit keinem Wort einge- gangen. Urteile seien aber auch dann öffentlich, wenn es die Verhandlung nicht gewesen sei. Es sei deshalb anzuordnen, dass sie (die Beschwerdeführerin) dar- über informiert werde, ob und in welcher Form das vorinstanzliche Verfahren be- endet worden sei (Urk. 1 S. 5). b) Die Beschwerdeführerin hatte in ihrer Eingabe an die Vorinstanz vom 29. November 2018 eine anfechtbare Verfügung (auch) zu angeblich verweiger- ten Informationen bezüglich allfälliger Beendigung oder weiterer Schritte des Ver-- 6 - fahrens verlangt (Vi -Urk. 110). Hierzu hat sich die Vorinstanz im angefochtenen Beschluss nicht geäussert und nichts entschieden (was eventuell darauf zurüc k- zuführen sein könnte, dass im Zeitpunkt des angefochtenen Beschlusses auch für die Vorinstanz noch nicht klar war, wie das Verfahren weiterzuführen war) . Da hierzu noch kein Entscheid vorliegt, der angefochten werden könnte, könnte die Beschwerdeführerin höchstens Rechtsverzögerung geltend machen (Art. 321 Abs. 4 ZPO). Dies tut sie jedoch nicht. Insoweit ist daher auf ihre Beschwerde ge- gen den Beschluss vom 15. November 2018 nicht einzutreten. c) Nachdem das vorinstanzliche Verfahren nunmehr abgeschlossen ist, wird die Vorinstanz zeitnah darüber zu entscheiden haben, ob und in welcher Form der Beschwerdeführerin vom Endentscheid Kenntnis zu geben ist. Hierfür sind die Akten sogleich an die Vorinstanz zurückzusenden. 6. a) Das eine Streiti gkeit nach Gleichstellungsgesetz beschlagende Beschwerdeverfahren ist kostenfrei (Art. 114 lit. a ZPO). b) Für das Beschwerdeverfahren sind keine Parteientschädigungen zuz u- sprechen, der Beschwerdeführerin zufolge ihres Unterliegens, den übrigen Betei- ligten mangels relevanter Umtriebe (Art. 106 Abs. 1, Art. 95 Abs. 3 ZPO). Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wird. 2. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos. 3. Für das Beschwerdeverfahren werden keine Parteientschädigungen zuge- sprochen. 4. Schriftliche Mitteilung an die Beschwerdeführerin, an die Parteien des vor - instanzlichen Verfahrens und an die Vorinstanz , an letztere unter Beilage des Doppels von Urk. 1, je gegen Empfangsschein. Die vorinstanzlichen Akten gehen sogleich an die Vorinstanz zurück. - 7 - 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 BGG. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG. Zürich, 6. März 2019 Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Die Vorsitzende: Dr. L. Hunziker Schnider Der Gerichtsschreiber: lic. iur. F. Rieke versandt am: sf