Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. September 2018 (715 18 134 / 249) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Überprüfung der Rechtmässigkeit einer Ablehnung der Anspruchsberechtigung gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 29 Abs. 3 AVIV; Beratungspflicht gemäss Art. 27 Abs. 2 ATSG hinsichtlich der Kontrollpflichten bzw. der Fristwahrungen bei Vor- verschieben einer Rahmenfrist für den Leistungsbezug Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Roman Felix, Advokat, Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1966 geborene A.____ war seit 1. Mai 2008 al s International Portfolio Business Lea- der bei der B.____ AG angestellt. Dieses Arbeitsver hältnis wurde am 14. September 2016 per 30. Juni 2017 aufgelöst. Am 9. Juni 2017 meldete si ch A.____ beim Regionalen Arbeitsvermitt- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lungszentrum X.____ (RAV) an und erhob am 12. Juni 20 17 Anspruch auf Arbeitslosenent- schädigung ab 3. Juli 2017. Infolge Verlängerung der Kündigungsfrist wegen Krankheit legte die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland mit Mutationsmeld ung vom 4. Juli 2017 den Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug auf den 1. August 2017 fest. Mit E-Mail vom 5. Oktober 2017 ersuchte der Beschwerdeführer durch seinen damalige n Rechtsvertreter, den Beginn der Leistungsrahmenfrist auf den Juli 2017 zurückzusetzen. Glei chzeitig beantragte er die Abrech- nung der Arbeitslosentaggelder für den Monat Juli 2017 . Mit Schreiben vom 13. Oktober 2017 teilte die Arbeitslosenkasse dem Versicherten mit, dass d er Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug antragsgemäss auf den 3. Juli 2017 vorversch oben werde. Am 16. Oktober 2017 verlangte sie für die Berechnung des Leistungsanspr uchs das Formular "Angaben der versicherten Person" für den Monat Juli 2017. Dieses Form ular stellte der Versicherte am 11. November 2017 (Eingang: 14. November 2017) der A rbeitslosenkasse zu. Mit Verfügung vom 30. November 2017 wies die Arbeitslosenkasse die Anspruchsberechtigung des Versicher- ten für den Monat Juli 2017 infolge Aktenunvollständi gkeit ab. Zur Begründung führte sie an, dass der Versicherte das Formular "Angaben der versicherte n Person" für den Monat Juli 2017 nicht innert dreier Monate nach dem Ende der Kontrol lperiode eingereicht habe. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 13. März 2018 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Ro man Felix, am 26. April 2018 Be- schwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsre cht. Er beantragte, es sei die Arbeitslosenkasse in Aufhebung des angefochtenen Entscheids zur Ausrichtung der gesetzli- chen Leistungen zu verpflichten; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte er aus, dass die Arbeitslosenkasse ihm von Gesetzes wegen eine angemessene Fri st für die Einreichung der fehlenden Unterlangen hätte setzen müssen. Der Hinweis auf dem Formular "Angaben der ver- sicherten Person" auf die in Art. 20 Abs. 3 des Bundesg esetzes über die obligatorische Arbeits- losenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 gesetzlich veranker- te Verwirkungsfolge genüge gemäss Rechtsprechung nicht. Demzufolge sei mit der Einreichung des fehlenden Formulars am 9. November 2017 die drei monatige Frist im Sinne von Art. 20 Abs. 3 AVIG als eingehalten zu betrachten. Dazu komme, dass die Arbeitslosenkasse ihre Mit- teilungen nicht an den anwaltlich vertretenen Versicher ten gerichtet habe, weshalb sie Art. 37 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 verletzt habe. Nachdem die Aufford erung zur Einreichung des Formulars dem Vertreter des Versicherten erst mit Zustellung der a ngefochtenen Verfügung bekannt ge- worden sei, sei die in Art. 20 Abs. 3 AVIG verankerte Frist von 3 Monaten wiederherzustellen. C. Mit Vernehmlassung vom 17. Juli 2017 beantragte die Arbeitslosenkasse die Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 AVIG i.V.m. Art. 57 ATSG ist ein G ericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozia lversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Ar t. 128 Abs. 1 der Verordnung über die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenz entschädigung (AVIV) vom 31. Au- gust 1983 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV d as Versicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfü gungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicher ungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Der Beschwerdeführer erfüllt die Kontrollpflic ht im Kanton Basel-Landschaft. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und f ristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung So- zialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten b is zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall geht es um die Frage, ob die Ar- beitslosenkasse den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung für den Monat Juli 2017 zu Recht abgelehnt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 455.30 brut to und 21 möglichen kontrollierten Tagen im Monat Juli 2017 ist die Streitwerthöhe im Betrag von Fr. 10'000.-- nicht erreicht, weshalb der Fall durch Präsidialentscheid zu beurteilen ist. 2.1 Nach Art. 10 Abs. 3 AVIG tritt die Arbeitslosigkei t in formeller Hinsicht ein, wenn sich die versicherte Person beim Arbeitsamt ihres Wohnortes zur Arbeitsvermittlung angemeldet hat. Die betreffende Person hat ihren Entschädigungsanspruch nach Art. 20 Abs. 1 AVIG bei einer frei wählbaren Arbeitslosenkasse geltend zu machen. Die Modalitäten, welche bei der Gel- tendmachung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung zu b eachten sind, sind in Art. 29 AVIV umschrieben. Nach dessen Absatz 1 haben die Versiche rten ihren Anspruch für die erste Kontrollperiode während der Rahmenfrist sowie bei je der erneuten Arbeitslosigkeit, die nach einem Unterbruch von wenigstens sechs Monaten eintritt , geltend zu machen, indem sie der Arbeitslosenkasse diverse Unterlagen einreichen. Zu diesen Unterlagen gehören der vollständig ausgefüllte Entschädigungsantrag (lit. a), das Doppel des amtlichen Anmeldeformulars (lit. b), die Arbeitsbescheinigungen für die letzten zwei Jahre ( lit. c), der Ausdruck des Datensatzes "Kontrolldaten" oder das Formular "Angaben der versicherten Person" (lit. d) sowie alle weiteren Unterlagen, welche die Arbeitslosenkasse zur Beurteilung des Anspruchs verlangt (lit. e). Zur Geltendmachung ihres Anspruchs für die weiteren Kontrol lperioden hat die versicherte Person der Arbeitslosenkasse das Formular "Angaben der versichert en Person" (lit. a), die Arbeitsbe- scheinigungen für die Zwischenverdienste (lit. b) und d ie weiteren Unterlagen, welche die Ar- beitslosenkasse zur Beurteilung des Anspruchs verlangt (li t. d) vorzulegen. Nötigenfalls setzt die Arbeitslosenkasse den Versicherten eine angemessene Frist für die Vervollständigung der Unterlagen und macht sie auf die Folgen der Unterlas sung aufmerksam (vgl. Art. 29 Abs. 3 AVIV). 2.2 Gemäss Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG erlischt der Anspr uch auf Arbeitslosenentschädi- gung, wenn er nicht innert dreier Monate nach dem En de der Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht wird. Als Kontrollperiode gilt dabei gemäss Art. 27a AVIV der jeweilige Kalendermonat, für den die arbeitslose Person Taggeld er beansprucht. Bei der Frist von drei Monaten handelt es sich um eine Verwirkungsfrist, die prinzipiell weder einer Erstreckung noch Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Unterbrechung zugänglich ist und deren Nichtwahru ng ohne weiteres das Erlöschen des Anspruches zur Folge hat (vgl. G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversiche- rungsgesetz [AVIG], Bd. I., Bern 1988, Art. 20 AVIG N 25; BGE 117 V 245, 114 V 123, 113 V 66; ARV 1993/94 Nr. 33 S. 234). Wegen dieser Verwir kungsfolge charakterisiert sich die in Art. 20 AVIG geregelte Geltendmachung als formelle Anspruchsvoraussetzung. Die Verwirkungsfrist kann unter gewissen Voraussetzungen wiederhergestellt werden; insbesondere dann, wenn ein entschuldbarer Grund für die Verspätung der Meldung geltend gemacht werden kann (BGE 117 V 244 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts vom 27. Oktober 2000, C 256/00, E.1). 2.3 Zweck der in Art. 20 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 29 Abs. 2 AVIV statuierten Dreimonatsfrist für die Geltendmachung des Taggeldansp ruchs ist es, der Arbeitslosenkasse die rechtzeitige Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen un d Bemessungsgrundlagen zu er- möglichen sowie allfällige Missbräuche zu verhindern (BGE 124 V 80 E. 4b/bb, 113 V 68 E. 1b; vgl. auch T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Koller/Müller/Rhinow/Zim merli [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sich erheit, Basel 2016, S. 2366 f., Rz. 333). Nach der Rechtsprechung beginnt die Frist zur G eltendmachung des Anspruchs un- geachtet eines in der Sache hängigen Gerichtsverfahrens nach dem (faktischen) Ende der je- weiligen Kontrollperiode zu laufen, auf welche sich der Anspruch bezieht (ARV 2000 Nr. 6 S. 30 E. 1c; vgl. auch BGE 124 V 75, ferner BGE 124 V 215 ff.). 2.4 Nach der Rechtsprechung tritt die Verwirkungsfolge in derartigen Konstellationen auch dann ein, wenn der Anspruch zwar innert der Anmeldef rist geltend gemacht wird, die versicher- te Person aber innerhalb dieses Zeitraums oder einer ihr allenfalls – hier gestützt auf Art. 29 Abs. 3 AVIV – gesetzten Nachfrist nicht alle für die An spruchsbeurteilung erforderlichen Unter- lagen einreicht. Dies gilt jedoch nur, wenn die Arbei tslosenkasse die Antrag stellende Person ausdrücklich und unmissverständlich auf die Verwirkungsfolge bei verspäteter Einreichung der für die Beurteilung des Leistungsanspruchs wesentlichen U nterlagen hingewiesen hat (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2012, 8C_935/2011, E . 2 mit Hinweisen). Dieser Grund- satz ist Ausfluss des verfassungsrechtlichen Verhältnismässigkeit sprinzips. Da es sich beim Untergang der Anspruchsberechtigung infolge verspätete r Geltendmachung des Taggeldent- schädigungsanspruchs um eine derart einschneidende Rechts folge handelt, setzt deren Eintritt die Einhaltung strenger Verfahrensvorschriften voraus (Ur teil des Bundesgerichts vom 31. August 2004, C 7/03). 2.5 Nach Art. 27 Abs. 2 ATSG hat jede Person Anspruch auf unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten. Dafür zuständig sind die Ve rsicherungsträger, denen gegenüber die Rechte geltend zu machen oder die Pflichten zu erfül len sind. Die zu beratende Person ist über die massgebenden Umstände rechtlicher oder tatsächlicher Art zu informieren, damit sie ihre Rechte und Pflichten zutreffend wahrnehmen kann (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zü- rich/Basel/Genf 2015, Art. 27 Rz. 28). Die Beratung e rfolgt grundsätzlich auf Begehren der be- treffenden Person. Auch ohne Antrag hat der Versicheru ngsträger jedoch die betreffende Per- son zu beraten, wenn er einen entsprechenden Bedarf f eststellt (KIESER , a.a.O. Rz 41). Wird die Beratungspflicht nicht oder nur ungenügend wahrgenommen, kommt dies einer falsch erteil- ten Auskunft des Versicherungsträgers gleich und kann in Nachachtung des Vertrauensprinzips Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Wiederherstellung einer Verwirkungsfrist führen, w enn die versicherte Person aufgrund der falschen Auskunft nicht tätig wurde (KIESER , a.a.O., Rz. 37 mit Hinweis auf BGE 112 V 124 und 121 V 34 f; ARV 2000 Nr. 6 S. 31 E. 2a; vgl. zum Ganze n auch Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2005, C 192/04, E. 4 und 5). 3.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob die Arbeitslosen- kasse den Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentsc hädigung für den Monat Juli 2017 zu Recht infolge Aktenunvollständigkeit ablehnte. D abei ist unter den Parteien unbestrit- ten, dass der Beschwerdeführer das Formular "Angaben de r versicherten Person" für den Mo- nat Juli 2017 erst am 11. November 2017 (Eingang: 14. November 2017) der Arbeitslosenkasse und somit nach Ablauf innert der dreimonatigen Frist n ach Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG zustellte. Damit ist der Entschädigungsanspruch zufolge verspäteter Geltendmachung grundsätzlich ver- wirkt. Zu prüfen ist, ob die versäumte Frist wiederhergestellt werden kann. 3.2 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Versicherte sich a m 12. Juni 2017 zur Arbeits- vermittlung und zum Bezug von Arbeitslosengeldern per 1./3. Juli 2017 anmeldete (vgl. Dok. 39 – 42). Da die Arbeitslosenkasse davon ausging, dass sich di e Kündigungsfrist per 30. Juni 2017 infolge Krankheit um einen Monat bis zum 31. Juli 2017 verlängerte, eröffnete sie die Rahmen- frist für den Leistungsbezug am 1. August 2017 (Dok. Nr . 308). Das Erstgespräch beim zustän- digen Mitarbeiter des RAV fand am 4. Juli 2017 statt. Dabei wurde festgestellt, dass einerseits die Arbeitsbemühungen vor Eintritt der Arbeitslosigkeit für die Monate Mai und Juni 2017 fehlten und andererseits der Versicherte infolge Arbeitsunfähigkeit ab 26. Juni 2017 vom Nachweis von Arbeitsbemühungen befreit sei. Es wurde vereinbart, dass der Versicherte die fehlenden Ar- beitsbemühungen für die zwei Monate noch einreichen we rde (vgl. RAV-Akten: Erstgespräch vom 4. Juli 2017). Die Taggeldauszahlung für den August 2017 in Höhe von Fr. 8'025.65 netto erfolgte am 5. September 2017 (Dok. Nr. 332). Mit S chreiben vom 13. September 2017 liess der Versicherte durch seinen damaligen Rechtsvertreter mitteilen, dass die ehemalige Arbeit- geberin trotz Krankschreibung des Versicherten voraussicht lich keine Lohnzahlungen über den 30. Juni 2017 hinaus leisten werde. Er ersuchte deshal b, den Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug gemäss den Angaben im Antrag auf Arbeitslo senentschädigung auf den 1. Juli 2017 festzusetzen (Dok. Nr. 335 - 336). Als feststand, dass die ehemalige Arbeitgeberin ab dem 30. Juni 2017 tatsächlich keinen Lohn an den Ver sicherten zahlen wird, stellte der damali- ge Rechtsvertreter mit E-Mail vom 5. Oktober 2017 erneut ein Gesuch um rückwirkende Korrek- tur des Beginns der Rahmenfrist auf den 1. Juli 2017 (Dok. Nr. 346). Diesem Anliegen kam die Arbeitslosenkasse am 13. Oktober 2017 nach, indem sie dem V ersicherten mitteilte, dass die Rahmenfrist für den Leistungsbezug neu vom 3. Juli 2017 bis 2. Juli 2018 dauere (Dok. Nr. 349 - 350). Am 16. Oktober 2017 forderte sie den Versicherten auf, das Formular "Angaben der ver- sicherten Person" für den Juli 2017 für die Berechnung d er Anspruchsberechtigung einzu- reichen. Sie wies dabei auf die Art. 20 Abs. 3 AVIG un d 29 Abs. 2 AVIV hin, wonach der An- spruch auf Arbeitslosentaggelder erlöscht, wenn die ver sicherte Person nicht innert dreier Mo- nate nach dem Ende der Kontrollperiode alle notwend igen Formulare einreicht (Dok. Nr. 352). Das verlangte Formular stellte der Versicherte der Arbe itslosenkasse am 11. November 2017 (Eingang: 14. November 2017) zu (Dok. Nr. 396 – 397). Da das Formular nicht innert drei Mo- naten nach Ende der Kontrollperiode, d.h. am 31. Okto ber 2017, eingereicht wurde, lehnte die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitslosenkasse die Anspruchsberechtigung des Versicherten für den Monat Juli 2017 mit Verfügung vom 30. November 2017 ab. 3.3 In Würdigung der Aktenlage ist festzustellen, dass d er Versicherte erstmals mit Schrei- ben vom 16. Oktober 2017 aufgefordert wurde, das Formu lar "Angaben der versicherten Per- son" für den Monat Juli 2017 einzureichen. Die von der A rbeitslosenkasse angeführte E-Mail vom 1. September 2017 betraf den Kontrollmonat Augus t 2017, so dass daraus nichts zu Un- gunsten des Versicherten abgeleitet werden kann. Da zu Beginn die Rahmenfrist für den Leis- tungsbezug und somit auch die erste Kontrollperiode im Sinne von Art. 27a AVIV auf den 1. August 2017 festgesetzt wurde, war damals die Einrei chung des Formulars "Angaben der versicherten Person" für den Monat Juli 2017 gemäss Art. 29 AVIV nicht erforderlich. Die Sach- lage änderte sich, als die Arbeitslosenkasse mit Schreiben vom 5. Oktober 2017 dem Gesuch des Versicherten nachkam, die Rahmenfrist für den Leist ungsbezug auf Anfang Juli 2017 vor- zuverschieben. Durch die Änderung der Rahmenfrist wurde der Monat Juli 2017 zur ersten Kon- trollperiode, was dazu führte, dass für die Geltendmachung des Anspruchs auf Arbeitslosenent- schädigung die Einreichung des Formulars "Angaben der ve rsicherten Person" für den Monat Juli 2017 notwendig wurde (vgl. Art. 27 lit. d AVIV). Da dieses der Arbeitslosenkasse nicht vor- lag, wurde der Versicherte am 16. Oktober 2017 korrekter weise zu dessen Einreichung aufge- fordert. In diesem Schreiben legte sie jedoch weder d as fragliche Formular bei noch wies sie den Versicherten explizit darauf hin, dass die Frist per 31. Oktober 2017 ablaufe. Sie be- schränkte sich darauf, den Wortlaut der Bestimmungen von Art. 20 Abs. 3 AVIG und 29 Abs. 2 AVIV wiederzugeben. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügt die Aufführung die- ser Gesetzesbestimmungen allein nicht den Anforderungen an einen "ausdrücklichen und un- missverständlichen" Hinweis (Urteil des Bundesgerichts vom 2 5. Februar 2012, 8C_935/2011, E. 4.2). In Anbetracht der Tatsache, dass das Formula r "Angaben der versicherten Person" – gemäss den Angaben der Arbeitslosenkasse – den versicherte n Personen vom RAV oder dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) regelmässig vor oder in der betroffenen Kontrollperiode zugestellt wird und ihnen für dessen Einreichung von Gesetzes wegen eine Frist von 3 Monaten gewährt wird, der Versicherte aber erst rund 2 Wochen vor Ablauf der dreimonatigen Verwir- kungsfrist für den Monat Juli 2017 Kenntnis von der Vo rverschiebung der Rahmenfrist erhielt, durfte er das Schreiben vom 16. Oktober 2017 dahinge hend deuten, dass die Einreichung des Formulars nicht an eine bestimmte Frist gebunden sei; zumal die Arbeitslosenkasse das Formu- lar mit der Begründung einforderte, sie benötige es l ediglich für die Berechnung der Taggelder für den Monat Juli 2017. Unter den gegebenen Umständ en hätte die Arbeitslosenkasse somit dem Versicherten zur Einreichung des Formulars eine ang emessene Frist ansetzen müssen, die im Übrigen auch über die Verwirkungsfrist hinausgeh en kann (vgl. dazu auch AVIG-Praxis ALE, C195). Dies umso mehr, als er in dieser kurzen Zei t auch noch das fragliche Formular hätte beschaffen müssen. Daran ändert auch das Vorbringe n der Arbeitslosenkasse nichts, wonach dem Versicherten die Folgen der verspäteten Gelte ndmachung des Leistungsan- spruchs im Sinne von Art. 20 AVIG im Zusammenhang mit d en anderen abgerechneten Kon- trollperioden bekannt gewesen seien. Denn die Ausgangslage für eine fristgerechte Einreichung der für die Anspruchsberechtigung notwendigen Unterlag en für den Monat Juli 2017 unter- scheidet sich massgeblich von den anderen Kontrollperioden, standen dem Versicherten doch – wie bereits oben dargelegt – für die Erfüllung seiner Kontrollpflichten keine drei Monate mehr zu Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung. Mit Blick auf das Verhältnismässigkeitsprinzip so wie Sinn und Zweck von Art. 20 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 29 Abs. 3 AVIV wär e die Arbeitslosenkasse gehalten gewe- sen, den Versicherten ausdrücklich darauf aufmerksam zu mach en, dass die Frist am 31. Oktober 2017 abläuft. Folglich ist das verspätete Ein reichen des Formulars "Angaben der versicherten Person" für den Monat Juli 2017 entschuldbar, weshalb die dreimonatige Frist ge- mäss Art. 20 Abs. 3 AVIG nicht verwirkt ist. 3.4 Ein solches Vorgehen rechtfertigt sich umso mehr auch mit Blick auf Art. 27 Abs. 2 ATSG, wonach der Versicherungsträger die versicherte Per son darauf aufmerksam zu machen hat, dass ihr Verhalten eine der Voraussetzungen des Leistungsanspruchs gefährden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2005, C 192/ 04, E. 4 und 5). Gerade bei vorlie- gender Konstellation, in welcher durch das Vorverschiebe n der Rahmenfrist für den Leistungs- bezug die 3-monatige Frist zur Einreichung der Unter lagen für den Juli 2017 gemäss Art. 29 AVIV auf effektiv rund 2 Wochen schrumpfte, hat die Arb eitslosenkasse sicherzustellen, dass der Versicherte über seine Rechte und Pflichten gehörig informiert wird. Dies gilt vor allem dann, wenn die versicherte Person – wie vorliegend – i hren Pflichten stets gewissenhaft und fristgerecht nachkam. Sie hätte demnach auch im Rahmen ihrer gesetzlichen Beratungspflicht den Versicherten ausdrücklich auf den Ablauf der Frist zu r Einreichung des Formulars "Anga- ben der versicherten Person" für den Monat Juli 2017 am 31. Oktober 2017 hinweisen müssen. 3.5 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass für die nicht frist gerechte Einreichung des Formu- lars "Angaben der versicherten Person" für den Monat Jul i 2017 entschuldbare Gründe vorlie- gen. Zudem hat die Arbeitslosenkasse für die ungenügende Wahrnehmung der Beratungspflicht einzustehen, weshalb dem Versicherten kein Rechtsnachteil erwachsen darf. Daraus folgt, dass sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung für den Mon at Juli 2017 trotz Säumnisses nicht verwirkt ist, weshalb in Gutheissung der Beschwerde der angefochtene Entscheid vom 13. März 2018 aufzuheben ist. Da das erforderliche Formular am 14. November 2017 bei der Arbeitslo- senkasse einging, erweist sich eine neue Fristansetzung als unnötig. Die Arbeitslosenkasse wird deshalb die übrigen Anspruchsvoraussetzungen für die Kontrollperiode Juli 2017 zu prüfen haben. Die Sache ist daher an die Verwaltung zurückzuwei sen, damit sie nach Prüfung der üb- rigen Voraussetzungen über den Leistungsanspruch für den Monat Juli 2017 erneut befindet. 3.6 Aufgrund dieses Ergebnisses erübrigt sich eine Prüfu ng, ob im vorliegenden Fall Art. 37 Abs. 3 ATSG infolge Zustellung des Schreibens vom 1 6. Oktober 2017 an den Versicherten und nicht an seinen Anwalt, verletzt ist. Es wird dah er auf weitere Ausführungen dazu verzich- tet. 4.1 Abschliessend ist über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Vorliegend obsiegt der Versicherte mit seiner Beschwerde, weshalb ihm eine Parteientschädigung zuzusprechen ist. Der in der Honorarnote vom 2. August Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2018 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Z eitaufwand von 6,25 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und R echtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausge wiesenen Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 30.60. Dem Versicherten ist demnach eine Pa rteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'715.75 (6,25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen vo n Fr. 30.60 zuzüglich 7,7 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der Arbeitslosenkasse zuzusprechen. 5.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 5.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 5.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4 ; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen, der ange- fochtene Einspracheentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basel- land vom 13. März 2018 aufgehoben und die Angelegenheit zur Prüfung, Berechnung und Auszahlung der Arbeitslosenentschädigun g für den Monat Juli 2017 an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat de m Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'715.75 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht