B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1935/2021 U r t e i l v o m 7 . D e z e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger; Gerichtsschreiberin Linda Mombelli-Härter. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Israel, Centre d'accueil de Montfaucon AJAM, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. März 2021 / N (…). E-1935/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden reichten am 5. März 2020 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. In der Folge wurden sie dem Bundesasylzentrum C._______ zugewiesen. Am 11. März 2020 wurden sie zu ihren Persona- lien befragt und am 3. beziehungsweise 7. Juli 2020 folgten die Anhörun- gen zu den Asylgründen durch das SEM. Am 15. Juli 2020 wurden die Be- schwerdeführenden dem erweiterten Verfahren zugewiesen. B. B.a Die Beschwerdeführerin machte zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, sie sei ethnische Jüdin. Sie und ihr Mann, der Be- schwerdeführer, stammten aus der Ukraine und seien israelische Staats- angehörige. Sie hätten einen gemeinsamen (…) (Jahrgang […]). Sie habe nach ihrem Studium bis ins Jahr (…) eine Stelle in Polen wahrgenommen. Im (…) 2008 seien sie im Rahmen eines Repatriierungsprogramms nach Israel gereist und hätten sich dort in der Stadt D._______ niedergelassen. Sie habe eine Arbeit im (…) erhalten. Im Jahr 2015 sei ihr aufgefallen, dass in der Finanzabteilung des Zentrums Geld verschwunden sei. Sie habe da- rauf aufmerksam gemacht, woraufhin man ihr geraten habe, sich nicht in sie nicht betreffende Angelegenheiten einzumischen. Später habe sie sich an Herrn E._______ (A.), den ehemaligen (…) und seit (…) Bürgermeister von D._______, gewandt. Da Untersuchungen ausgeblieben seien, habe sie die Finanzabteilung des Ministeriums auf die Missstände hingewiesen. (…) seien bei ihnen zuhause Fensterscheiben eingeschlagen worden, wo- bei sie und ihr Mann einen Zusammenhang zur erhobenen Beschwerde vermutet hätten. In der Folge habe sie im (…) 2015 unerwartet ein Kündi- gungsschreiben erhalten, wobei man sie, davon sei sie überzeugt, unter einem Vorwand entlassen habe. Auch ihrem Mann sei k urz darauf, eben- falls mit fraglicher Begründung, gekündigt worden. Da sie keine neue Ar- beitsstelle in D._______ gefunden habe, seien sie in eine andere Stadt ge- zogen. Ab (…), insbesondere jedoch zwischen (…) während einer Wahl- kampagne des obgenannten Bürge rmeisters, habe sie begonnen, online über die Korruptionsfälle zu berichten. Anhänger von A. hätten sie in den sozialen Medien beschimpft und beleidigt. Zudem sei sie i m (…) von A.s Rechtsanwalt unter Druck gesetzt worden, ihre Enthüllungen zurückzuneh- men, sich für die Verleumdungen zu entschuldigen und Schadenersatz zu leisten. Sie habe sich geweigert, diesen Forderungen nachzukommen. Ende (…) habe sie erfahren, dass eine Zivilk lage gegen sei eingereicht worden sei, wobei man ihr unter anderem vorgeworfen habe, mit einem E-1935/2021 Seite 3 ehemaligen Mitarbeiter des (…), der in einem Buch über die Korruption im (…) berichtet habe, zu sympathisieren. Das Justizministerium habe ihr ins- gesamt (…) Anwälte beigeordnet, die das Mandat jeweils niedergelegt hät- ten, und ihre letzte Anwältin habe ihr sogar vorgeworfen, sie würde lügen. Daraufhin hätten sie Israel am (…) 2020 legal verlassen und seien glei- chentags in die Schweiz gereist. Ende (…) 2020 habe ihr das Justizminis- terium mitgeteilt, dass sie ihr keine rechtliche Hilfe mehr zu r Seite stellen würden. Später habe sie erfahren, dass die Klage im (…) gutgeheissen und sie zur Leistung einer Geldzahlung verurteilt worden sei. Ihre Schuld sei in keiner Weise bewiesen worden, da sie vor Gericht keine Verteidigung ge- habt habe. Sie habe Angst vor den korrupten Beamten und würde sich auch vor physischer Gewalt seitens der heimatlichen Behörden fürchten. Sie sei in die Schweiz gereist, da die Meinungsfreiheit und Demokratie hier gewährleistet würden. Ihr nach wie vor in Israel lebe nder (…) habe nie Probleme mit den israelischen Behörden gehabt. B.b Der Beschwerdeführer gab im Wesentlichen denselben Sachverhalt an. Ferner erklärte er, im Jahr 2015 sei er von seiner Arbeitsstelle entlassen worden, vermutlich wegen des Vorgehens seiner Frau, der Beschwerde- führerin. Er habe eine Abfindung erhalten. Am neuen Wohnort habe er wie- der eine Stelle gefunden und bis zur Ausreise aus Israel gearbeitet. B.c Zum Nachweis ihrer Vorbringen gaben die Beschwerdeführenden ins- besondere Ausschnitte aus israelischen Zeitungen und Dokumente bezüg- lich der Arbeitstätigkeit / des Arbeitgebers der Beschwerdeführerin, das an die Beschwerdeführerin gerichtete Kündigungsschreiben, das erwähnte Gerichtsurteil und die Anklageschrift sie betreffend , Korrespondenz mit dem Gericht sowie hinsichtlich der beigeordneten Rechtsvertreter , ein Screenshot einer Facebook -Seite, diverse Schreiben unter anderem des Anwalts des obgenannten Bürgermeisters , Fotoausdrucke des Bürger- meisters sowie in sozialen Medien ausgesprochene Beleidigungen und Drohungen gegen die Beschwerdeführerin ein (alles fremdsprachig, in Ko- pie). Ferner reichten sie ihre Reisepässe, Kopien ihrer Identitätspapiere sowie ihrer Geburtsurkunden zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 26. März 2021 – eröffnet am 30. März 2021 – verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie dem Schengen-Raum und ordnete den Vollzug an. Gleichzeitig hän- digte sie ihnen die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. E-1935/2021 Seite 4 D. Mit Eingabe vom 26. April 2021 reichten die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragten, der ange- fochtene Asylentscheid sei vollumfänglich aufzuheben, ihr Asylgesuch sei gutzuheissen und ihre Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen; eventua- liter seien die Dispositiv-Ziffern 3, 4 und 5 des angefochtenen Entscheids aufzuheben, sie vorläufig in der Schweiz aufzunehmen, allenfalls sei die angefochtene Verfügung im Wegweisungsvollzugspunkt abzuändern, so dass ihre derzeitige Rückschaffung nach Israel ausgeschlossen werde. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung respektive um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses. Der Beschwerde wurden nebst den bereits bei der Vorinstanz eingereich- ten Beweismitteln Ausdrucke aus einem Buch von F._______ mit einem Kaufbeleg dieses Buchs , Screenshots des Facebook-Profils der Be- schwerdeführerin sowie ein USB-Stick mit mehreren Videos beigelegt. E. Mit Zwischenverfügung des Bu ndesverwaltungsgerichts vom 29. April 2021 wurden die Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren der Beschwerde- führenden festgestellt sowie die Gesuche um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung beziehungsweise um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses abgewiesen. Ferner wurden die Beschwerdefüh- renden aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten. Der Kostenvorschuss ging fristgerecht beim Gericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben E-1935/2021 Seite 5 ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten R ichterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von be- stimmter Intensität erlitte n hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf- gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen, und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 und 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.). Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne dieser Bestimmung liegt E-1935/2021 Seite 6 vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk- lichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorru- fen würden. Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausrei- chenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 6, 2008/4 E. 5.2). 5. 5.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die geltend gemachten Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten den Anforderun- gen an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand (Art. 3 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführerin habe angegeben, gegen sie sei missbräuch- lich ein Gerichtsverfahren eingeleitet worden, da sie versucht habe, Kor- ruptionsfälle aufzudecken. A. sei ein Behördenträger, der seine Amtsgewalt missbrauche. Es stelle sich daher die Frage, o b der israelische Staat den Missbrauch von Amtsgewalt billige und somit für die Übergriffe gegen die Beschwerdeführerin verantwortlich wäre, oder ob der Staat seiner Schutz- pflicht nachgekommen beziehungsweise in der Lage sei, der Beschwerde- führerin künftig Schutz zu gewähren. Der israelische Staat sei grundsätz- lich als schutzwillig und –fähig zu bezeichnen. Der Beschwerdeführerin sei es nicht gelungen, gegenteilige Hinweise zu liefern. Zwar habe sie gesagt, dass sie ab dem Jahr (…) politisch verfolgt worden sei. Sie habe aber nach ihrem Umzug weitere (…) Jahre unbehelligt weiterleben können. Objektiv betrachtet könnten keine Anhaltspunkte eruiert werden, die auf eine flücht- lingsrechtlich relevante Verfolgung ihrer Person schliessen liessen. Zum Vorbringen, der israelische Staat könne ihr keinen Schutz zukommen las- sen, da die Demokratie und freie Meinungsäusserung nicht gewährleistet seien, sei festzuhalten, dass es keinem Staat gelinge, absolute Sicherheit für seine Bürger zu garantieren. Erforderlich sei vielmehr, dass eine funkti- onierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung stehe. Die In- anspruchnahme des innerstaatlichen Schutzsystems müsse dem Betroffe- nen ferner zugänglich und zumutbar sein . Dies sei im Fall der Beschwer- deführerin als gegeben zu erachten. Der Umstand, dass die Polizei auf ihr Schutzersuchen reagiert habe, als bei ihr Fensterscheiben eingeschlagen worden seien, bestätige diese Einschätzung. Ferner habe sie sich an E-1935/2021 Seite 7 Rechtsschutzorganisationen gewandt, aber keinen Schutz von diesen er- halten. Zwar sei verständlich, dass sie aufgrund der Ereignisse in subjekti- ver Hinsicht befürchtet habe, ihr könne etwas zustossen. Da sie sich aber nicht schutzsuchend an die heimatlichen Behörden gewandt habe, könne diesen auch nicht vorgeworfen werden, sie seien nicht willens oder nicht in der Lage, den geltend gemachten Sachverhalt zu klären. Mangels gegen- teiliger Hinweise sei vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat auszugehen. Es stehe der Beschwerdeführerin frei, bei Problemen mit Beamten oder Drittpersonen allfällige Verfehlungen zur An- zeige zu bringen, ihre Rechte einzufordern und um staatlichen Schutz zu ersuchen. Es bestünden somit keine Hinweise darauf, dass es ihr nicht möglich sei, sich in Zukunft in Israel aufzuhalten oder sich bei Problemen an die Polizei zu wenden. Die eingereichten Beweismittel könnten an die- ser Einschätzung nichts ändern, zumal diese ihre Vorbringen, nicht aber ein fehlendes Justiz- und Polizeiwesen belegten. 5.3 Die Beschwerdeführenden brachten hiergegen vor, das SEM habe eine objektiv vorhandene Gefahr im Heimatland aufgrund ihrer politischen An- schauung zu Unrecht verneint. Sie hätten ein Recht auf Meinungsfreiheit. In Israel gebe es einen Missbrauch im Staatsapparat und Rechtsverletzun- gen. Das Land lebe ohne funktionsfähige Regierung und die derzeitige po- litische Situation sei kritisch. So sei der Staat nicht fähig, seinen Bürgern einen effektiven Schutz zu gewähren. Sie, die Beschwerdeführerin, sei Op- fer dieser Situation geworden. Im Jahr 2015 sei s ie entlassen worden, si- cher auf Anweisung von A., der das (…) (ihr damaliger Arbeitgeber) (…) Jahre lang geleitet habe. Seither sei sie von A. verfolgt respektive Opfer einer gezielten politischen Verfolgung seitens der Behörden geworden. Nach der Entlassung habe sie in D._______ keine Arbeitsstelle mehr fin- den können. Sie hätten umziehen müssen und seien am neuen Wohnort aufgrund des Klimas und wegen des Stresses erkrankt. Da sie in den so- zialen Medien Informationen über Beamte und den Bürgermeister von D._______ veröffentlich habe, habe sie beleidigende Mails sowie Drohan- rufe erhalten und sei eingeschüchtert worden. Zwar sei die Polizei gekom- men, nachdem bei ihnen ein Fenster eingeschlagen worden sei. Unter- nommen worden sei aber nichts weiter. Ihr Zuhause sei nicht mehr sicher gewesen, womit der Bürgermeister bestimmt etwas zu tun gehabt habe. Weiter sei s ie unter anderem aufgefordert worden, ihr Aktivitäten in den sozialen Medien einzustellen. Damit habe man ihr Recht auf Meinungs- äusserung einschränken wollen. Ferner sei gegen sie eine Zivilklage fabri- ziert worden. Das Justizministerium habe ihr einen Anwalt zur Seite ge-E-1935/2021 Seite 8 stellt. Innerhalb eines halben Jahres habe sie aber (…) den Anwalt ge- wechselt, da sich keiner ernsthaft der Sache habe annehmen wollen. Spä- ter habe sie ein Schreiben des Justizministeriums erhalten, dass man sie nicht weiter unterstützen werde. Sodann sei in ihrer Abwesenheit ein poli- tisch motiviertes Urteil gegen sie ergangen, wonach der besagte Beamte moralischen Schaden erlitten habe. Das Gericht habe die Seite des ein- flussreichen Politikers eingenommen, ohne dass eine unparteiische Straf- untersuchung durchgeführt worden sei. Obwohl sie belastende Unterlagen namentlich an die Staatsanwaltschaft abgegeben habe, seien die Korrup- tionsvorwürfe bis heute nicht untersucht worden. Die korrupten Beamten würden über Macht und Beziehungen verfügen. Der staatliche Schutz habe in ihrem Fall versagt. Solange keine Untersuchungen stattfänden, könnten sie nicht in das Land zurück, da ihr Leben dort in Gefahr sei. Sie habe Angst um ihr Leben sowie Angst , Opfer eines fabrizierten Strafverfahrens oder von Gewalt zu werden, wie es manchen Zeugen in anderen ihr bekannten Fällen ergangen sei. Auch fürchte sie, weiterhin politisch verfolgt zu wer- den. Daher erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft. 6. 6.1 Bereits mit Zwischenverfügung vom 29. April 2021 wurde seitens des Gerichts dargelegt, die Beschwerdeführenden würden nicht aufzeigen, in- wiefern die geltend gemachten erlittenen Nachteile zu einer asylrelevanten Gefährdung geführt hätten. F erner dürfe dem Zivilklageverfahren gegen die Beschwerdeführerin oder den eingereichten Beweismitteln keine Asyl- relevanz zu entnehmen sein. Entgegen den Darlegungen in der Beschwer- deschrift, ist an dieser Einschätzung festzuhalten. Den Vorbringen der Be- schwerdeführenden sind weder eine gezielte Verfolgung, die ihre Ausreise bewirkt hätte, noch erlittene oder drohende ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu entnehmen. Die Beschwerdeführenden bringen die gel- tend gemachten Kündigungen mit der Aufdeckung finanzieller Missstände am Arbeitsplatz der Beschwerdeführerin in Verbindung. Dabei handelt es sich um eine Vermutung (SEM-Akte A1063372-27 F46 [nachfolgend: Akte A27]). Sodann hätten sie nach ihrem Umzug, wenn auch mit Anfangs- schwierigkeiten, trotz des geltend gemachten Einflusses von A. beide wie- der eine Anstellung finden können (SEM-Akte A1063372-30 F55, 59–65 [nachfolgend A30]). Weiter habe sie , die Beschwerdeführerin, seit (…) 2015 in den sozialen Medien Berichte über Korruptionsfälle sowie über A. publiziert. (…) sei sie von dessen Anwalt unter anderem dazu aufgefordert worden, die Publikationen zu löschen, ansonsten man gerichtlich dagegen vorgehen werde. Dieser Aufforderung sei sie nicht nachgekommen. Wäh- rend des darauffolgenden Gerichtsverfahrens im Jahr (…) seien ihr (…) E-1935/2021 Seite 9 Anwälte beigeordnet worden, die ihr Mandat jeweils nach einer Weile nie- dergelegt hätten. Auch wenn sie die Anwälte nicht weiter hätten vertreten wollen, da sie offenbar keine Aussicht auf Erfolg gesehen hätten, oder das Justizministerium der Beschwerdeführerin nach ihrer Ausreise aus Israel mitgeteilt habe, man werde sie nicht weiter unterstützen (SEM-Akte A27 F42), kann nicht gesagt werden, sie hätte während des Prozesses keine staatliche und anwaltliche Unterstützung erhalten und sei daran gehindert worden, ihre Position einzubringen. Dass die Beschwerdeführerin über län- gere Zeit frei hat Berichte publizieren können (SEM-Akte A30 F5), sich der Betroffene mit einer Zivilklage dagegen zur Wehr gesetzt hat und der Be- schwerdeführerin für das Verfahren (…) eine amtliche Rechtsvertretung zur Seite gestellt worden ist, deutet – entgegen der Ansicht der Beschwer- deführenden – auf vorhandene Meinungsäusserungsfreiheit und ein funk- tionierendes Justizsystem hin. Ferner hat es sich um einen Z ivilprozess gehandelt und die Beschwerdeführerin macht nicht geltend , dessen Aus- gang – sie müsse eine Geldzahlung leisten – habe zu einem ernsthaften Nachteil gemäss Art. 3 AsylG für sie geführt. Dass der Kläger A. das Ge- richtsverfahren und -urteil beeinflusst habe oder hinter den Drohungen ge- gen sie – namentlich seien (…) Steine in ein Fenster ihrer Wohnung ge- worfen worden (SEM-Akte A30 F83 f.) – gestanden habe, wurde ebenfalls nicht substantiiert dargelegt. Gegen die erhaltenen Beleidigungen und Dro- hungen in den sozialen Medien hätte die Beschwerdeführerin, hätte sie tat- sächlich eine massgebliche Verfolgungsabsicht dahinter befürchtet, be- hördliche Unterstützung einholen können. Sodann sei ihr Anliegen vom (…) untersucht worden, allerdings mit einem anderen Ergebnis als von der Beschwerdeführerin erwartet (SEM-Akte A27 F48). Es kann somit – entge- gen der Darlegung der Beschwerdeführerin – nicht gesagt werden, seitens der israelischen Behörden sei ihr jeglicher Schutz verwehrt worden (SEM- Akte A30 F55). Zwar weisen die Beschwerdeführenden auf Korruption in gewissen behördlichen Kreisen Israels hin. Insgesamt ist aber festzustel- len, dass den angegebenen Repressalien die erforderliche Intensität fehlt, um als ernsth afte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG eingestuft zu wer- den. Ferner ist es den Beschwerdeführenden – wie von der Vorinstanz auf- geführt – nicht gelungen, konkrete Anhaltspunkte aufzuführen, welche in ihrem Fall gegen eine effektive Schutzgewährung durch d en israelischen Staat sprechen, der als grundsätzlich schutzfähig und -willig zu bezeichnen ist (vgl. u.a. Urteil des BVGer E -2530/2020 vom 16. Juni 2020 E. 6.3 m.w.H.). Sodann wurde nicht substantiiert aufgezeigt, inwiefern den Be- schwerdeführenden bei einer Rückkehr eine ernsthafte Gefahr für ihr Le- ben, wie von der Beschwerdeführerin befürchtet (SEM-Akte A30 F55), dro-E-1935/2021 Seite 10 hen könnte. Solches ist auch nicht ersichtlich. Im Übrigen ist nicht zu erbli- cken, weshalb A. sie bei einer Rückkehr nach Israel erneut und im ganzen Land benachteiligen sollte (SEM-Akte A30 F70), nachdem das oberwähnte Gerichtsverfahren zu seinen Gunsten ausgegangen zu sein scheint . An dieser Einschätzung vermögen die einreichten fremdsprachigen Beweis- mittel, wie von der Vor instanz zu Recht festgestellt, nichts zu ändern. Schliesslich sind die allgemeinen Hinweise auf die Korruption in der Regie- rung Israels, auf Strafverfahren anderer Personen oder fehlende Untersu- chungen durch die israelischen Strafverfolgungsbehörden mangels per- sönlichen Bezugs respektive asylrelevanter Auswirkung en auf die Be- schwerdeführenden nicht geeignet, eine persönliche Gefahr für ebendiese darzustellen. 6.2 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den Beschwe rdeführen- den nicht gelungen ist, eine bestehende oder drohende, asylrechtlich rele- vante Gefährdung nachzuweisen. Entsprechend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden zu Recht verneint und ihre Asylgesuche folgerichtig abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs- vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen- schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). E-1935/2021 Seite 11 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 8.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass die Beschwer- deführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, weshalb der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden kann. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgese tzt wären. Auch die allge- meine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungs- vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 Die Vorinstanz hat diesbezüglich zutreffend festgehalten, dass weder die aktuelle politische Situation in Israel noch individuelle Gründe den Weg- weisungsvollzug dorthin als unzumutbar erscheinen lassen würden. Trotz E-1935/2021 Seite 12 der immer wiederkehrenden Spannungen mit den palästinensischen Ge- bieten herrscht in Israel keine Situation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar wäre (vgl. Urteil E-2530/2020 E. 8.4.2 m.w.H.). Insbesondere verfügen die Beschwerdeführenden über eine gute Ausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Berei- chen. Zudem leben ihr (…) und weitere Familienangehörige in Israel (SEM- Akten A27 F30, 32; A30 F6–8). Gesundheitliche Gründe, die gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen könnten, sind nicht aktenkundig. Entspre- chend ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden bei ei- ner Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten könnten. 8.3.2 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen und auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 14. Mai 2021 in gleicher Höhe geleistete Kosten- vorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. E-1935/2021 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Ver- fahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Linda Mombelli-Härter Versand: