Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Dezember 2012 (720 12 203 / 329) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Invalidenrente / Schadenminderungspflicht im Zusammenhang mit einer selbständigen Erwerbstätigkeit Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Michael Guex, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Urs Pfander, Advokat, Bernoullistrasse 20, Postfach 112, 4003 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1967 geborene A.____ ist seit 2007 als alleinig er Gesellschafter und Geschäftsfüh- rer der Garage B.____ GmbH (selbständig) erwerbstätig. Der Betrieb erbringt Reparaturen und Servicearbeiten an Personenwagen sowie - in einem geri ngen Umfang - den An- und Verkauf von Fahrzeugen. Am 24. Februar 2010 meldete sich A.____ unter Hinweis auf ein Neurinom auf Höhe der LWK2-3 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem sie die gesundheitlichen, die erwerblichen und die betrieblichen Verhältnisse abge- klärt hatte, ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Versicherten einen Invaliditätsgrad Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 19 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte die IV-Stel le - nach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens - mit Verfügung vom 29. Mai 2012 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Urs Pfander, am 20. Juni 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung vollständig aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestim mungen auszurichten; unter o/e- Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. C. In ihrer Vernehmlassung vom 1. Oktober 2012 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 20. Juni 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleibt f olglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beo- bachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszu standes und zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten ein rheumatologisches G utachten bei Dr. med. C.____, Rheumatologie FMH, Innere Medizin FMH, manuelle Medi zin SAMM, ein, welches am 2. Sep- tember 2011 erstattet wurde. Darin diagnostizierte der Gutachter als Leiden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit/bei (1) Status nach Opera- tion eines Neurinom WHO Grad I auf Höhe LWK2 (Hemila minektomie LWK2 links, Tumorent- fernung unter Ultraschall, lichtmikroskopische Unterstützung und elektrophysiologisches Moni- toring) am 24.09.2008 und (2) chronisch-neurogene Schm erzen, umfassend Wurzel L4 bis S1 links mit/bei deutlicher Atrophie des Ober- und Untersch enkels links sowie fehlenden Reflexen (PSR,ASR) links. In seiner Beurteilung der Arbeitsfähig keit führte der Gutachter aus, auf Grund der beschriebenen Rückenproblematik könne der Explorand nicht über 10 kg heben, stossen oder ziehen und er sei nicht in der Lage, dauernd in Z wangshaltungen wie dauernd vornüber gebeugt oder repetitiv nur bückend zu arbeiten. Zudem könne er nicht ständig nur sitzend arbei- ten, nach einer Stunde Sitzen müsse ihm eine Pause mögl ich sein. Ebenfalls nicht mehr zu- mutbar seien ihm Tätigkeiten, die dauernd nur stehend oder gehend zu verrichten seien, oder bei denen er ständig auf Leitern oder Gerüste steigen müsse. Zusammenfassend sei festzuhal- ten, dass der Versicherte keine mittelschweren bis schweren Arbeiten ausüben könne, für sol- che Tätigkeiten sei er arbeitsunfähig. Die Ausübung ei ner leichten körperlichen Tätigkeit, wel- che die vorstehend umschriebenen Einschränkungen berücksicht ige, sei ihm hingegen voll- schichtig, d.h. ganztags zumutbar. 4.2 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits- fähigkeit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebn isse, zu denen Dr. C.____ in seinem Gutachten vom 2. September 2012 gelangt ist. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Be- schwerdeführer zwar mittelschwere bis schwere Tätigkeiten n icht mehr verrichten könne, dass er jedoch in einer körperlich leichten, leidensadaptie rten Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig sei. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beansta nden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfa hrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und b ei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indi- zien liegen hier keine vor. Das Gutachten von Dr. C.__ __ vom 2. September 2011 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenn tnis der Vorakten abgegeben wor- den, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhand enen abweichenden ärztlichen Ein- schätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerung en überzeugend. Insbesondere nimmt es auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfä higkeit des Versicherten vor. Der aus- schlaggebende Beweiswert des Gutachtens von Dr. C.____ wi rd denn auch vom Versicherten in seiner Beschwerde - zu Recht - nicht in Frage gestellt. 5.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Insoweit die fraglichen Erwerbseinkom men ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall be kannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen Annäherungswerte miteinand er zu vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für nicht erwerbstätige Versicherte (Art. 28a Abs. 2 IVG) ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invalidit ätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in de r konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Der grundsätzliche Unterschied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur spezifischen Methode (gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG) besteht darin, dass die Invalidität nicht un- mittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solche m bemessen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbed ingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkungen besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsve rmögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise, eine Erwer bseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsver- gleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verl etzt, wonach bei dieser Kategorie von Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten die Invalidität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (ausseror- dentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 30 f. E. 1 mit Hinweisen). 5.2.1 Nach der Rechtsprechung gilt im Gebiet der Inva lidenversicherung ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmö glich zu mildern; deshalb besteht kein Rentenanspruch, wenn die Person selbst ohne Eingliede rungsmassnahmen zumutbarerweise in der Lage wäre, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkomm en zu erzielen. Die Selbstein- gliederung als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderu ngspflicht ist eine Last, welche die versicherte Person auf sich zu nehmen hat, soll ihr Leistungsanspruch - auf gesetzliche Einglie- derungsmassnahmen oder Rente - gewahrt bleiben. Von de r versicherten Person dürfen dabei nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigu ng der gesamten objektiven und sub- jektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (AHI-Praxis 2001 S. 282, E. 5a/aa; BGE 113 V 28 E. 4a). 5.2.2 Auf Grund der geschilderten Schadenminderungspf licht darf deshalb von selbständigen Erwerbstätigen erwartet werden, dass sie sich im Betrieb soweit möglich so organisieren, dass sie Arbeiten verrichten können, die ihnen gesundheitsh alber noch zumutbar sind. Ist dies über- haupt nicht möglich oder erscheint die bisherige Tätig keit aus gesundheitlichen Gründen als ungeeignet, so steht die Aufnahme einer unselbstständi gen (Haupt-)Erwerbstätigkeit zur Dis- kussion. Nach der Rechtsprechung kann eine solche als zumut bar erscheinen, wenn hievon eine bessere erwerbliche Verwertung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufli- che Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (A lter, Aktivitätsdauer, Ausbil- dung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Leben sumstände) als zumutbar erscheint (Urteil K. des damaligen EVG vom 7. Juni 2006, I 38/06, E. 3.2 mit Hinweisen). Die Anforderungen an die Pflicht zur Selbsteingliederung als Ausdruck der al lgemeinen Schadenminderungspflicht dürfen dabei zulässigerweise dort höher sein, wo eine ve rstärkte Inanspruchnahme der Invali- denversicherung in Frage steht. In die erforderliche Int eressenabwägung sind deshalb auch die in Frage stehenden Rentenleistungen einzubeziehen (Urteil R. des Bundesgerichts vom 21. Juli 2009, 9C_111/2009, E. 2.2.2 mit Hinweisen). 5.2.3 Im Lichte der geschilderten Grundsätze hat das dam alige EVG überdies mehrfach fest- gehalten, dass eine versicherte Person unter Umständen i nvalidenversicherungsrechtlich so behandelt wird, wie wenn sie ihre Tätigkeit als Selbs tständigerwerbende aufgibt, d.h. sich im Rahmen der Invaliditätsbemessung jene Einkünfte anrechnen lassen muss, welche sie bei Auf- nahme einer leidensangepassten unselbstständigen Erwerbs tätigkeit zumutbarerweise verdie- nen könnte (AHI-Praxis 2001 S 283, E. 5a/bb mit Hinweisen). 5.3 Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, dass der Inva liditätsgrad in seinem Fall nach dem ausserordentlichen Bemessungsverfahren, d.h. durch e inen erwerblich gewichteten Betä- tigungsvergleich zu ermitteln sei. 5.3.1 Wie eingangs erwähnt, ist der Beschwerdeführer seit 2007 alleiniger Inhaber einer Auto- garage. Er ist dort als Geschäftsführer selbständig erw erbstätig, wobei er gesundheitsbedingt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht unbestrittenermassen nicht mehr alle in seinem Garagenbetrieb anfallenden Arbeiten ausführen kann. Die IV-Stelle gab deshalb zur genaueren Abklärun g der betrieblichen Verhältnisse einen “Abklärungsbericht Selbständigerwerbende“ in Auftrag, welcher am 17. November 2010 erstat- tet wurde. Gestützt auf die vor Ort durchgeführte Ab klärung ermittelte die Abklärungsperson im Rahmen eines erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs ein Invalideneinkommen des Ver- sicherten von Fr. 28'218.-- sowie eine Erwerbseinbusse von 55,92 %. Gleichzeitig relativierte sie dieses Ergebnis aber in verschiedener Hinsicht, so et wa mit den Hinweisen, dass der Betä- tigungsvergleich „auf sehr vagen Angaben“ des Versichert en beruhe und dass dieser seine Restarbeitsfähigkeit nicht ausschöpfe. So würden beispie lsweise verschiedene administrative Arbeiten, die der Versicherte uneingeschränkt verrichte könnte, durch eine angestellte Mitarbei- terin erledigt. Die Abklärungsperson gelangte deshalb selber zur Auffassung, dass nicht auf die Ergebnisse des Betätigungsvergleichs abgestellt werden könn e. In ihren weiteren Ausführun- gen hielt die Abklärungsperson sodann fest, es sei auch nich t möglich gewesen, anhand der tatsächlichen Verhältnisse ein massgebendes Valideneinko mmen zu berechnen, da einzig ein Geschäftsabschluss des Jahres 2007 vorgelegen habe. Vor 2007 habe der Versicherte die Ga- rage mit einem Geschäftspartner betrieben. Ebenso sei m an nicht in der Lage gewesen, ge- stützt auf die effektiven Verhältnisse ein aussagekräftiges Invalideneinkommen zu ermitteln. So gebe es im Geschäftsabschluss für das Jahr 2009 in diversen Aufwendungen zu viele nicht auf die gesundheitliche Situation des Versicherten zurückzufüh rende Schwankungen, welche von diesem nicht hätten begründet werden können. 5.3.2 In Anbetracht all dieser ergänzenden Bemerkungen der Abklärungsperson zum “Abklä- rungsbericht Selbständigerwerbende“ vom 17. November 2010 kann auf dessen Ergebnisse klarerweise nicht abgestellt werden - und es ist unter d en von ihr geschilderten Umständen auch nicht angezeigt, allenfalls einen neuen Betätigungsvergleich vornehmen zu lassen. Die IV- Stelle hat deshalb in der angefochtenen Verfügung zu Recht festgehalten, dass der Invaliditäts- grad vorliegend nicht, wie dies vom Versicherten verlan gt wird, nach dem ausserordentlichen Bemessungsverfahren zu ermitteln ist; die Invaliditätsbe messung hat vielmehr nach der allge- meinen Methode des Einkommensvergleichs zu erfolgen. 5.4.1 Gestützt auf die Ausführungen der Abklärungsperson im Bericht vom 17. November 2010 (vgl. E. 5.3.1 hiervor) muss mit der IV-Stelle dav on ausgegangen werden, dass der Be- schwerdeführer mit der Ausübung seiner angestammten selb ständigen Tätigkeit als Geschäfts- führer im eigenen Garagenbetrieb die ihm verbliebene Arbeitsfähigkeit nicht ausschöpft. Wie sich aus der Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. C.____ im rheumatologischen Gutachten vom 2. September 2011 ergibt, erweist sich die (Weiter-) A usübung der bisherigen Tätigkeit zudem auch aus medizinisch-theoretischer Sicht alles andere als ideal. Entsprechend kann der Be- schwerdeführer denn auch im angestammten Beruf lediglich noch ein eher bescheidenes Inva- lideneinkommen - im Abklärungsbericht ist dieses mit Fr . 28'218.-- beziffert worden - erzielen. Hält man sich dies vor Augen und berücksichtigt man gleichzeitig, dass der Versicherte laut den massgebenden medizinischen Akten (vgl. E. 4 hiervor) in ei ner körperlich leichten, dem Leiden adaptierten Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig wäre, hat sich die IV-Stelle berechtigterweise die Frage gestellt, ob der Versicherte nicht in der Lage w äre, durch die Aufnahme einer leidensan- gepassten unselbständigen Erwerbstätigkeit ein deutlich höheres Invalideneinkommen zu erzie- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht len. Sie hat zu diesem Zweck einen Einkommensvergleich durchgeführt und die Frage gestützt auf dessen Ergebnisse zu Recht bejaht. Darauf wird nachf olgend (vgl. E. 6 hiernach) zurückzu- kommen sein. Zu betonen bleibt in diesem Zusammenhan g noch einmal, dass vom Versicher- ten nicht erwartet wird, dass er tatsächlich einen Beru fswechsel vornimmt, auf Grund der ihm obliegenden Schadenminderungspflicht muss er sich unter den geschilderten Umständen aber im Rahmen des Einkommensvergleichs als Invalideneinkommen jene Einkünfte anrechnen las- sen, die er in einer leidensadaptierten Tätigkeit zum utbarerweise erzielen könnte (vgl. E. 5.2.2 und 5.2.3 hiervor). 5.4.2 Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenh ang geltend macht, die IV-Stelle habe von ihm bis zum Erlass der angefochtenen Verfügun g „nie verlangt, dass er die selbstän- dige Erwerbstätigkeit resp. seinen Garagenbetrieb aufgeben soll“, weshalb es in dieser Hinsicht an der Gewährung des rechtlichen Gehörs fehle, kann ihm nicht beigepflichtet werden. Er über- sieht, dass ihm die IV-Stelle bereits im Vorbescheid vom 19. Oktober 2011 den Lohn aus einer unselbständigen Tätigkeit als Invalideneinkommen angere chnet hat. Der Beschwerdeführer hätte demnach schon damals erkennen können, dass die IV-Stelle ihn - in Berücksichtigung der ihm obliegenden Schadenminderungspflicht - invalidenversicherungsrechtlich so behandelt, wie wenn er seine Tätigkeit als Selbstständigerwerbender aufgeben würde. Somit wäre es ihm aber möglich gewesen, im Rahmen seiner Einwände zum Vorbesch eid (auch) zu diesen Aspekten Stellung zu nehmen. 6.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entscheid end, was die versicherte Per- son nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsäch- lich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, wes- halb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheits- schadens erzielt hat, auszugehen ist (Urteil I. des EVG vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Da vorliegend gem äss den überzeugenden Ausführungen im “Abklärungsbericht Selbständigerwerbende“ vom 17. November 2010 nicht auf einen aussa- gekräftigen, in der bisherigen Tätigkeit als Geschäftsführer im eigenen Garagenbetrieb erzielten Verdienst abgestellt werden kann (vgl. E. 5.3 hiervor), hat die IV-Stelle das Valideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Laut Tabelle TA1 der LSE 2010 belief sich der Durchschnittslohn der im Sektor “Handel; Instandhaltung und Reparatur von Motor fahrzeugen“ im Anforderungsniveau 3 beschäftigten Männer im Jahre 2010 auf Fr. 5'432.-- p ro Monat (LSE 2010, Privater Sektor, Ta- belle TA1, Männer, Sektor 45-47). Dabei ist zu beachten , dass dieser Tabellenlohn auf einer einheitlichen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden beruht und auf die im Jahr 2010 in dieser Branche durchschnittlich geleistete Wochenarbeitszeit von 41,9 Stunden (vgl. Die Volkswirt- schaft 4/2012 S. 94 Tabelle B 9.2, Sektor G) umzurechnen ist. Daraus resultiert, wie die IV- Stelle in der angefochtenen Verfügung errechnet hat, als Valideneinkommen ein Monatslohn von Fr. 5'690.-- bzw. ein Jahresgehalt von Fr. 68'280. --. Dieses Ergebnis ist nicht zu beanstan- den, es wird denn auch vom Beschwerdeführer zu Recht nicht in Frage gestellt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Da der Versicherte keine zumutbare, leidensangepasst e Tätigkeit ausübt, hat die IV- Stelle auch das Invalideneinkommen richtigerweise unter Beizug der LSE-Tabellenlöhne ermit- telt. Laut Tabelle TA1 der LSE 2010 belief sich der Z entralwert für die mit einfachen und repeti- tiven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer im privaten Sektor im Jahre 2010 auf Fr. 4'901.-- (LSE 2010, Privater Sektor, Tabelle TA1, Männer, Total Ziff. 01-96). Dabei ist wiederum zu beachten, dass dieser Tabellenlohn auf eine r einheitlichen Arbeitszeit von 40 Wo- chenstunden beruht und für das Jahr 2010 auf die durchsc hnittliche Wochenarbeitszeit von 41,6 Stunden (vgl. Die Volkswirtschaft 4/2012 S. 94 Tab elle B 9.2) umzurechnen ist. Daraus ergibt sich ein Monatslohn von Fr. 5'097.-- bzw. ein Jah resgehalt von Fr. 61'164.--. Da der Ver- sicherte laut den massgebenden medizinischen Unterlagen (vg l. E. 4 hiervor) in einer solchen Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig ist, resultiert fü r den Beschwerdeführer grundsätzlich ein In- valideneinkommen in genannter Höhe. 6.3 Von diesem anhand der Tabellenlöhne der LSE erho benen Invalideneinkommen sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen de s konkreten Einzelfalles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dien stjahre, Nationalität/Aufenthaltskate- gorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemä ssem Ermessen gesamthaft zu schät- zen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesam t höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Vorliegend hat die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung einen Abzug vom Tabellenlohn von 10 % vorgenommen. Dies ist in Würdigu ng aller persönlichen und beruflichen Umstände des Versicherten nicht zu beanstanden. Die Höhe des vorgenommenen Abzuges wird denn auch vom Beschwerdeführer - zu Recht - nicht in Frage gestellt. 6.4 Aus einer Reduktion des Tabellenlohns um 10 % result iert ein massgebendes Invali- deneinkommen des Beschwerdeführers von Fr. 55'048.-- (F r. 61’164.-- x 90 %). Setzt man im Einkommensvergleich diesen Betrag dem Valideneinkommen von Fr. 68’280.-- (vgl. E. 6.1 hier- vor) gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 13’232.--, was einen Invalidi- tätsgrad von 19,4 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspr axis: BGE 130 V 121 ff.) von 19 % er- gibt. Da dieser unter dem für einen Rentenanspruch m indestens erforderlichen IV-Grad von 40 % liegt, hat die IV-Stelle einen Rentenanspruch de s Versicherten zu Recht abgelehnt. Die gegen die betreffende Verfügung vom 29. Mai 2012 er hobene Beschwerde erweist sich als un- begründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht