B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6545/2015 U r t e i l v o m 1 0 . D e z e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima; Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Ariane Burkhardt, Berner Rechtsbera- tungsstelle für Menschen in Not, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren); Verfügung des SEM vom 1. Oktober 2015 / N (…). E-6545/2015 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin am 22. Juli 2015 im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) Chiasso um Asyl nachsuchte, dass ein am 23. Juli 2015 vom SEM durchgeführter Abgleich der Daktylo- skopierung mit der Eurodac-Datenbank keinen Treffer ergab, dass die Beschwerdeführerin am 27. Juli 2015 im EVZ zu ihrer Person , summarisch zu ihr en Gesuchsgründen und zu gesundheitlichen Beein- trächtigungen befragt wurde und dabei im Wesentlichen geltend machte, sie sei aus dem Militärdienst desertiert und habe ihre Heimat im Oktober 2014 verlassen, dass sie in der Folge via Libyen im Juli 2015 illegal nach Italien gelangt, dort in Seenot von den italienischen Behörden gerettet und in ein Camp gebracht worden sei, welches sie jedoch alsbald wieder verlassen habe, in der Absicht zu ihrem Bruder B._______ in die Schweiz zu kommen, dass sie in Italien zwar registriert, aber nicht daktyloskopiert worden sei und dort auch kein Asylgesuch gestellt habe, dass sie im Rahmen dieser Befragung zur Person (BzP) das rechtliche Ge- hör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid aufgrund der mutmassli- chen Verfahrenszuständigkeit I taliens gemäss der Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied- staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (ABl. L180/31 vom 29.6.2013; nachfolgend Dublin-III- VO) sowie zur Überstellung in jenen Staat erhielt, dass sie dabei erklärte, keine spezifischen Gründe gegen die Verfahrens- zuständigkeit Italiens und eine Rückkehr dorthin einwenden zu können, sie jedoch stets die Absicht einer Asylgesuchstellung im Zielland Schweiz ge- habt habe, dass sie sich im Übrigen als gesund bezeichnete, aber im Rahmen des ihr ebenfalls am 27. Juli 2015 im EVZ gewährten rechtlichen Gehörs zur Kan- tonszuteilung erklärte, ihr in der Schweiz befindlicher Bruder sei gesund- heitlich angeschlagen und auf ihre Hilfe und Pflege angewiesen, E-6545/2015 Seite 3 dass das SEM am 29. Juli 2015 unter Anrufung von Art. 13 Abs. 1 Dublin- III-VO (Aufnahmepflicht jenes Dublin-Mitgliedstaates, dessen Grenzen die Antrag stellende Person gemäss Beweisen oder Indizien von einem Dritt- staat kommend illegal überschritten hat ) die italienischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführerin ersuchte und das Gesuch innert der nach Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO anwendbaren zweimonatigen Frist unbe- antwortet blieb, dass das SEM mit Verfügung vom 1. Oktober 2015 – eröffnet am 6. Okto- ber 2015 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz nach Italien anordnete und sie aufforderte, die Schweiz spä- testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent- scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerde- führerin verfügte, dass das SEM zur Begründung ausführte, gestützt auf die einschlägigen staatsvertraglichen Bestimmungen (u nter anderem: Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestim- mung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Sc hweiz gestellten Asylantrags [Dublin -Assoziierungsabkom- men, DAA, SR 0.142.392.68]; Dub lin-III-VO; Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durchfüh- rungsbestimmungen zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates [DVO Dublin]) sei Italien für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig, zu- mal die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben dort illegal in das Ho- heitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist sei und die italienischen Behör- den innert der festgelegten Frist zum Übernahmeersuchen des SEM keine Stellung bezogen hätten, dass die im Rahmen des rechtlichen Gehörs erhobenen Einwände der Be- schwerdeführerin die Zuständigkeit Italiens und die erfüllten Voraussetzun- gen des Wegweisungsvollzuges dorthin nicht umzustossen vermöchten, dass die Bestimmung des zuständigen Dublin-Staates nicht in der Dispo- sition der Beschwerdeführerin stehe, sie nach ihrer Rückkehr nach Italien ein Asylgesuch stellen könne, diese s Land Signatarstaat der FK und der E-6545/2015 Seite 4 EMRK sei, sich an seine völkerrechtlichen Verpf lichtungen halte und die Aktenlage und die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Um- stände auch keinen Selbsteintritt der Schweiz aus humanitären Gründen rechtfertigten, dass sie auch aus ihrer Beziehung zu ihrem in der Schweiz befindlichen Bruder n ichts und insbesondere keine Verfahrenszuständigkeit der Schweiz zu ihren Gunsten ableiten könne, weil dieser weder Familienan- gehöriger im Sinne der Dublin -III-VO sei noch ein besonderes Abhängig- keitsverhältnis zwischen ihm und der Beschwerdeführerin bestehe, dass die Wegweisung die Regelfolge des Nichteintretensentscheides dar- stelle und der Vollzug der Wegweisung durchführbar sei, dass die Überstellung nach Italien – vorbehältlich einer allfälligen Unterbre- chung oder Verlängerung – bis spätestens am 30. März 2016 zu erfolgen habe, dass gemäss Art. 107a AsylG einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung keine aufschiebende Wirkung zukomme, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe v om 13. und Ergänzung vom 14. Oktober 2015 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben hat und darin dessen Aufhebung, die Anweisung an das SEM zur Zuständigkeitserklärung für das nationale Verfahren sowie in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Erteilung aufschiebender Wirkung, die Anordnung vollzugshemmender vorsorglicher Massnahmen und die Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses beantragt, dass sie in der Begründung auf die ernsthafte gesundheitliche, insbeson- dere (…) Angeschlagenheit ihres in der Schweiz befindlichen Bruders und dessen damit zusammenhängende Hilflosigkeit, Unterstützungs- und Pfle- gebedürftigkeit und mithin Abhängigkeit von ihr hinweist und hierzu ver- schiedene Beweismittel vorlegt (zwei […] Berichte, ein Schreiben eines Be- treuers der Asylunterkunft sowie ein Schreiben des Bruders selber betref- fend dessen Wunsch eines Zusammenlebens mit der Bes chwerdeführe- rin), dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 14. Oktober 2015 den Vollzug der Überstellung nach Italien gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen vorsorglich aussetzte, E-6545/2015 Seite 5 dass es ferner mit Zwischenverfügung vom 16. Oktober 2015 die Gesuche um Gewährung aufschiebender Wirkung und unentgeltlicher Rechtspflege (inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ) guthiess und die Vorinstanz zur Vernehmlassung bis zum 26. Oktober 2015 einlud, dass das SEM in seiner Vernehmlassung vom 23. Oktober 2015 und nach Beizug der Asylverfahrensakten des Bruders B._______ an seinen Erwä- gungen gemäss a ngefochtener Verfügung festhält und die Erfüllung der Vor-aussetzungen zur Anwendung von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO (abhän- gige Personen) aufgrund des blossen Asylbewerberstatus des Bruder s, des angesichts der jeweiligen BzP zweifelhaften Verwandtschaftsverhält- nisses der beiden angeblichen Geschwister, ihres kaum nachvollziehbaren Abhängigkeitsverhältnisses sowie des aufgrund der vorgelegten Berichte zu verneinenden Pflege- und Betreuungsbedürfnisses des angeblichen Bruders gerade und einzig durch die Beschwerdeführerin verneint , wes- halb auch die Voraussetzungen für einen Selbsteintritt nicht gegeben seien, dass die nunmehr rechtsvertretene Beschwerdeführerin mit (innert Frist beziehungsweise Fristerstreckung eingegangener) Replik vom 5. und Er- gänzung vom 30. November 2015 und nach antragsgemässer Einsicht in die BzP des Bruders die in Anbetracht der beiden BzP sich klar widerspre- chenden Angaben zu den jeweiligen Familiena ngehörigen und insbeson- dere zu den Geschwistern mit ihrer eigenen anspannungsbedingten Ver- gesslichkeit anlässlich der BzP sowie mit dem beim Bruder bestehenden Gesundheitszustand erklärt, dass sie die grundsätzliche Bereitschaft zur Durchführung eines DNA-Tes- tes erklärt, als Hindernis jedoch ihre Mittellosigkeit anführt, dass der Asylbewerberstatus des Bruders praxisgemäss ausreiche und das SEM das aus den vorgelegten Berichten sich ergebende hohe Aus- mass der gesundheitlichen Beeinträchtigung, Hilfsbedürftigkeit und Abhän- gigkeit des Bruders von der Beschwerdeführerin verkenne, und zieht in Erwägung, E-6545/2015 Seite 6 dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb der Be- schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird, dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO), E-6545/2015 Seite 7 dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, und dabei von der Situ- ation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen ist, in dem der Asylsuchende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dub- lin-III-VO; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verord- nung, Wien 2014, K4 zu Art. 7), dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III stattfindet (vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2.1 m.w.H.), dass nach Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO unter anderem für den Fall, dass ein sich rechtmässig in einem Mitgliedstaat aufhaltendes Geschwister eines Antragstellers auf die Unterstützung des Letzteren angewiesen ist, die bei- den in der Regel nicht zu trennen sind, sofern die familiäre Bindung bereits im Heimatland bestanden hat, der Antragsteller unterstützungsfähig ist und das Geschwister seinen Wunsch schriftlich kundgetan hat, dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig- keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführ ung des Asylverfahrens zu- ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grund- rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, EU-Grund- rechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden kann, dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgli edstaat einen Antrag ge- stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin -III-VO aufzuneh- men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO), dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell- ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in E-6545/2015 Seite 8 dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass entwede r der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen Schutz gestellt worden ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaats durchführt, oder der zuständige Mitgliedstaat vor der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen an deren Mitgliedstaat ersuchen kann, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum Zweck der Zusammenführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei die betroffenen Personen dem schriftlich zustim men müssen (Art. 17 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel), dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Berufung auf ihr Verwandtschafts- verhältnis zu ihrem in der Schweiz im Asylverfahren befindlichen, gesund- heitlich angeschlagenen und angeblich auf ihre Hilfe, Unterstützung und Betreuung angewiesenen Bruders B._______ sinngemäss die vorrangige Verfahrenszuständigkeit der Schweiz gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Dublin-III- VO aufgrund eines bestehenden Abhängigkeitsverhältnisses geltend macht, dass ein solches Abhängigkeitsverhältnis von B._______ zur Beschwerde- führerin jedoch nicht nur in Anbetracht der nicht schlüssig erkennbaren fa- miliären Bindung bereits im Heimatland und angesichts der Unterstüt- zungsfähigkeit einer bereits seit längerer Zeit vorhanden engen Bezugs- person (Cousin) zu B._______ in der Schwei z, sondern insbesondere in Berücksichtigung der unten näher zu erörternden Unglaubhaftigkeit eines Geschwisterverhältnisses zwischen der Beschwerdeführ erin und B._______ überhaupt zu verneinen ist, dass die Beschwerdeführerin sodann weder die auf Art. 13 Abs. 1 Dublin- III-VO basierende grundsätzliche Zuständigkeit Italiens zur Durchführung ihres Asylverfahrens bestreitet, noch Einwendungen gegen die vorinstanz- liche Erkenntnis vorlegt, wonach Italien sich grundsätzlich an seine völker- rechtlichen Verpflichtungen halte, dass es auch keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asyl- verfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Italien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch- lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU– Grundrechtecharta mit sich bringen, E-6545/2015 Seite 9 dass ebenso davon auszugehen ist, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi- schen Parlaments und des Rates 2013/ 32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna- tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben, dass sich die Beschwerdeführerin zudem selber als gesund bezeichnet, dass deshalb insoweit die angefochtene Verfügung in keiner Weise zu be- anstanden ist und kein Anlass zur Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) besteht, gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin -III-VO ein anderer Staat zu- ständig wäre, dass sich die Beschwerdeführerin zur Begründung des Selbsteintritts der Schweiz einzig auf ihr Verwandtschaftsverhältnis zu ihrem in der Schweiz im Asylverfahren befindlichen, gesundheitlich angeschlagenen und angeb- lich auf ihre Hilfe, Unterstützung, Betreuung angewiesenen Bruder beruft und d as dadurch bestehende Abhängigkeitsverhältnis auf Beschwerde- stufe mit verschiedenen Beweismitteln zu unterlegen versucht, dass das SEM diese Umstände jedoch in seiner Verfügung und in der Ver- nehmlassung – unbesehen der Frage nach der Qualität des Aufenthalts- statusses des Bruders in der Schweiz – nicht nur umfassend, sondern auch zutreffend abschlägig gewürdigt hat, dass auf diese Erwägungen verwiesen werden kann und die Gegenargu- mente der Beschwerdeführerin offensichtlich nicht verfangen, dass insbesondere die Ausführungen in der Replikergänzung vom 30. No- vember 2015 betreffend das vom SEM in Zweifel gezogene V erwandt- schaftsverhältnis der Beschwerdeführerin zum angeblichen Bruder B._______ offensichtlich keine Durchschlagskraft besitzen, dass die Identität der beiden je einer umfassenden Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG unterstehenden und dennoch gänzlich papierlosen Personen E-6545/2015 Seite 10 bis dato in keiner Weise erstellt ist und es sich bei den divergierenden An- gaben gemäss jeweiliger BzP zu ihren Angehörigen nicht bloss um gering- fügige und entschuldbare Abweichungen handelt, sondern um krasse Wi- dersprüche bei der Namensnennung der Mutter und bei der quantitativen, namens- und altersmässigen Angabe der Geschwister, wobei insbeson- dere B._______ die Beschwerdeführerin nicht als seine Schwester er- wähnt hat, dass diese eklatanten Unstimmigkeiten mit Sicherheit nicht durch die rep- likweise angeführten Gründe erklärbar sind, sondern beim gegenwärtigen Aktenstand von einem nicht bestehenden Geschwisterverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem angeblichen Bruder B._______ auszu- gehen ist, dass zwar ein DNA-Test potenziell geeignet sein kann, Klärung hinsichtlich des Verwandtschaftsverhältnisses herbeizuführen, das Bundesverwal- tungsgericht sich jedoch im Rahmen des vorliegenden Dublinverfahrens und in Anbetracht der erwähnten massiven Widersprüche in keiner Weise veranlasst sieht, eine solche Beweismassnahme anstelle der seit langer Zeit mitwirkungsverpflichteten Asylgesuchstellenden von Amtes wegen an- zuordnen, zumal eine solche Massnahme übrigens auch nicht durch die vorliegende Vollmacht des angeblichen Bruders an die Rechtsvertreterin (einzig betreffend Akteneinsicht) abgedeckt wäre, dass es der Beschwerdeführerin und ihrem angeblichen Bruder selbstre- dend jederzeit unbenommen ist, ihr behauptungsgemässes Geschwister- verhältnis bei der jeweils verfahrenszuständigen Behörde strikt zu bewei- sen und daraus die ihnen gutscheinenden Rechtsfolgen aus einem solchen Sachverhaltselement in der geeigneten Form abzuleiten, dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält, dass es nach dem Gesagten keinen Grund für eine Anwendung der Ermes- sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und in Stützung der bereits vor- instanzlich gewonnen Erkenntnis festzuhalten bleibt, dass die Dublin -III-E-6545/2015 Seite 11 VO der Beschwerdeführerin kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfen- den Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist und – weil die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufent- halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht- eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10), dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen ist, dass der Beschwerdeführerin angesichts der bereits mit Zwischenverfü- gung vom 16. Oktober 2015 g ewährten unentgeltlichen Prozessführung keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) E-6545/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: