Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 22. August 2019 (720 19 77 / 202) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Neuanmeldung nach rechtskräftiger Zusprache einer b efristeten Invalidenrente; Gestützt auf das überzeugende Verwaltungsgutachten lässt sic h keine anspruchsrelevante Ver- änderung der gesundheitlichen Verhältnisse nachweisen. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Katja Wag- ner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Axel Delvoigt, Advo- kat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1977 geborene A.____ meldete sich erstmals mit Gesuch vom 24. Dezember 2010 unter Hinweis auf eine mittelschwere Depression, eine A DHS, Panikanfälle sowie ein Burnout bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leist ungsbezug an. Die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhält- nisse des Versicherten ab, wobei sie ab Juli 2011 einen In validitätsgrad von 51% und ab März Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2015 einen solchen von 31% ermittelte. Gestützt auf die se Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügung vom 17. Januar 2017 für den Zeitraum vom 1. Juli 2011 bis 30. Juni 2015 eine befristete halbe Rente der Invalidenversicherung zu . Diese Verfügung erwuchs unange- fochten in Rechtskraft. Mit Gesuch vom 13. April 2017 meldete sich A.____ unter Beilage eines Berichts des behan- delnden Psychiaters Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychiatrie, abermals bei der IV zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 6. Februar 2 019 wies die IV-Stelle nach durchge- führtem Vorbescheidverfahren das Leistungsbegehren von A.____ ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Dr. Axel Delvoigt, Advokat, mit Eingabe vom 7. März 2019 Beschwerde beim Kantonsgeric ht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, die Verfügung der IV- Stelle vom 6. Februar 2019 sei aufzuheben und die Be schwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer ab 1. April 2017 eine ganze Rente a uszurichten. Eventualiter sei die Angele- genheit zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuw eisen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass das Guta chten, auf welches sich die Verfü- gung der IV-Stelle stütze, aus verschiedenen Gründen nicht über den erforderlichen Beweiswert verfüge. C In Ihrer Vernehmlassung vom 14. Mai 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine I nvalidenrente. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern könn en (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindesten s 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindeste ns 40% invalid sind (lit. c). Bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruc h auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Ren te, bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 60% auf eine Dreiviertelrente und bei einem I nvaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich e rreichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gel ingt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung übe rsehen, dass es sich vorliegend nicht um eine erstmalige Anmeldung, sondern um eine N euanmeldung nach rechtskräftiger Zu- sprache einer befristeten Invalidenrente handelt. Im Fa lle eines Eintretens auf eine Neuanmel- dung ist nach Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung übe r die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 ATSG analog zu e iner Rentenrevision zu prüfen, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem Erlass der frühe ren rechtskräftigen Verfügung in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert haben (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 198 E. 4b). Vorliegend ist somit die Frage zu beantwo rten, ob sich in der Zeit zwischen der Rentenverfügung vom 17. Januar 2017 und der vorliegen d angefochtenen Verfügung vom 6. Februar 2019 eine erhebliche Sachverhaltsveränderung ergeben hat, und ob bejahendenfalls die festgestellte Veränderung genügt, um eine renten relevante Invalidität zu begründen (vgl. SVR 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist einge holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 Grundlage für die Zusprache einer befristeten In validenrente bildeten das psychiatri- sche Gutachten der Klinik C.____ vom 23. Juni 2011 sowi e vom 28. Juli 2015. Im Gutachten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 23. Juni 2011 diagnostizierten die beteiligten Fachärzte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ICD-10 F90.0). Gestützt darauf wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 40% veranschlagt. Die Einschränku ng der Arbeitsfähigkeit ergebe sich aufgrund der im Rahmen des depressiven Syndroms eingetre tenen Defizite. In erster Linie sei- en eine rasche Ermüdbarkeit und eine Verminderung der Konzentrationsfähigkeit zu nennen, wodurch auch ein vermindertes Arbeitstempo und eine erh öhte Fehlerquote zu erwarten seien. Die Tätigkeit solle vor allem wegen der Ängstlichkeit und der Unsicherheit des Versicherten keine zusätzlichen externen Stressfaktoren, wie starken Zeit - oder Termindruck beinhalten. Nachdem berufliche Eingliederungsmassnahmen gescheitert w aren, wurde bei denselben Fachpersonen eine Verlaufsbegutachtung veranlasst und da s Gutachten in der Folge am 28. Juli 2015 erstattet. Darin finden sich als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Angst und Depression gemischt (ICD-10 F41.2) sowie eine Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung (ICD-10 F90.0). Anlässlich der Exp loration seien vom Exploranden ins- besondere Einschlafstörungen spontan hervorgebracht w orden. Ferner seien plakativ Stim- mungsschwankungen genannt worden, ohne dass der Explora nd diese näher habe beschrei- ben können. Er habe auch Zustände beschrieben in denen e r sich blockiert fühle und die als Ausdruck eines Angstäquivalents zu interpretieren seien. Er habe berichtet, dass er volle Ge- schäfte und volle Strassenbahnen meiden würde, ohne da ss er wirklich habe Panikattacken schildern können oder man den Eindruck habe gewinnen k önnen, dies stelle für ihn ein aktuel- les Problem dar. Die geschilderte Unsicherheit und seine Ängste, sich Herausforderungen zu stellen, seien unter die Diagnose Angst und Depression ge mischt einzuordnen. Aufgrund der Schilderungen des Exploranden und durch die zweimali gen Testungen bezüglich ADHS, in de- nen die Kriterien für diese Diagnose klar erfüllt word en seien, sei ferner vom Vorliegen eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms auszugehen. Im Gegensatz zur d amaligen Begutachtung, in deren Rahmen noch eine mittelgradige depressive Episod e diagnostiziert worden sei, hätten anlässlich der aktuellen Exploration keine Kriterien für die Diagnose einer depressiven Episode ausgemacht werden können. Auch die damals beschriebenen Panikattacken seien nicht mehr geschildert worden. Die von ihm bereits 2011 geschilde rten Angstsymptome mit damals ange- deutetem Vermeidungsverhalten seien einer verhaltensth erapeutischen Therapie gut zugäng- lich. Insgesamt habe sich durch die erneute Exploration der Eindruck verstärkt, dass der Explo- rand aggraviere und seine Angaben wenigstens zum Teil n icht valide seien. Die bereits im Jahr 2011 auffallende Symptomverdeutlichung zeige sich auch jetzt. Der Explorand habe ein ausge- prägtes Krankheitskonzept mit einer grossen Selbstlimi tierung. Trotz jahrelanger Therapie scheine sich an seiner festen Krankheitsüberzeugung nichts g eändert zu haben. Trotz der pla- kativ vorgetragenen Beschwerden, wirke er nicht so, als ob er ernsthaft an seiner Situation et- was ändern möchte. In einer seinen körperlichen Beschwer den angepassten Tätigkeit sei der Explorand zu 80% arbeitsfähig. Aufgrund der Chronizität seiner Ängstlichkeit und seiner starken Krankheitsüberzeugung sollte ein angepasster Arbeitsplatz klar strukturiert sein, ohne grössere kognitive Anforderungen und in einem überschaubaren Tea m stattfinden, ohne äussere Stres- soren. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2. Gestützt auf die Ergebnisse der vorstehend zitierten Gutachten sprach die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 17. Januar 201 7 für den Zeitraum vom 1. Juli 2011 bis 30. Juni 2015 eine befristete halbe Rente der Invalidenversicherung zu. 6.3. Im Zusammenhang mit dem eingeleiteten Revisionsve rfahren holte die IV-Stelle ein Gutachten bei Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychot herapie, ein. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte dieser eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksam- keitsstörung des Erwachsenenalters (ICD-10 F90.0), eine A ngst- und depressive Störung ge- mischt sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73 .1). Die Beschwerden würden sich zum einen auf die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstöru ng zurückführen lassen. Der Ver- sicherte habe Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrech tzuerhalten, sei schnell abgelenkt und werde bei monotonen Tätigkeiten unruhig. Die de pressiven Beschwerden würden sich der- zeit in leichter Ausprägung finden lassen und den Schweregrad einer depressiven Episode nicht erreichen. Dies resultiere aus dem aktuellen psychopatholo gischen Befund, dem klinischen Eindruck und den Angaben des Versicherten. So lasse sich w eder ein Interesseverlust noch eine anhaltende von Umständen abhängige depressive Versti mmung nachweisen. Panikatta- cken seien vom Exploranden an keiner Stelle berichtet wo rden und auch eine generalisierte Angststörung lasse sich nicht diagnostizieren. Auch die auf eine soziale Phobie hindeutenden Beschwerden seien nicht konsistent, dies unter anderem a ufgrund von widersprüchlichen An- gaben des Exploranden. In die differenzialdiagnostische n Überlegungen miteinzubeziehen sei auch das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung. Es fän den sich in den vergangenen Jahren Hinweise, die auf das Vorliegen einer solchen Störung hindeuten würden, so sei diese Diagno- se durch den behandelnden Psychiater des Exploranden gest ellt worden. Die Merkmale seien aber nicht so ausgeprägt, dass sie die Diagnose einer Per sönlichkeitsstörung rechtfertigen wür- den. Insbesondere könne die Abweichung von der „Norm“ ni cht als über die Lebensspanne stabil beurteilt werden, vielmehr zeige sich eine stark si tuative Komponente, weshalb von der Akzentuierung von Persönlichkeitszügen auszugehen sei. In Be zug auf die Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als IT-Supporter könne der Ex- plorand ganztägig am Arbeitsplatz anwesend sein. Infol ge der langen Erwerbslosigkeit schrän- ke eine Dekonditionierung die tatsächliche Ausschöpfung der medizinisch begründeten Arbeits- fähigkeit ein. Die Leistungsfähigkeit sei um 30% vermin dert. Dies aufgrund erhöhter Ablenkbar- keit, reduziertem Durchhaltevermögen und geringerem Ar beitstempo. In einer angepassten Tä- tigkeit gut strukturiert, mit klaren Arbeitsanweisungen , überschaubaren Arbeitsaufträgen, gerin- gem Publikumsverkehr, mittlerer Anforderung an Flexibil ität und Umstellungsfähigkeit, Möglich- keit zu selbst gewählten Pausen und geringem Termindruck bestehe eine Einschränkung von 20% bezogen auf ein Vollzeitpensum. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts und der Frage, ob seit der Befristung des Rentenanspruchs mit Verfügung vom 17. Januar 2017 eine anspruchserhebliche Änderung in den gesundheitlichen Verhältnissen eingetreten ist, vollumfänglich auf das Gutachten von Dr. D.____. Anhan d dieser Grundlagen und eines Ver- gleichs zwischen der aktuellen Beurteilung und der Beurt eilung im Zeitpunkt der Rentenaufhe- bung hat sie erwogen, dass keine wesentliche Veränderun g ausgewiesen sei. Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass das besagte Gutachten in verschie- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dener Hinsicht nicht beweiskräftig sei und macht eine V erschlechterung des Gesundheitszu- standes geltend. 7.2 Wie in Erwägung 5.3 hiervor dargelegt, ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das G utachten ist insgesamt umfassend und die darin dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die vorgenommenen Schluss- folgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Der Gutachter hat den Versicherten per- sönlich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und geht einlässlich auf seine Anga- ben und Beschwerden ein. Er setzt sich zudem fundiert mit den bei den Akten liegenden medi- zinischen Berichten auseinander und begründet abweichen de Einschätzungen in überzeugen- der Weise. Der Gutachter diskutiert die Biographie, den beruflichen Werdegang, die soziale Anamnese und die Familienanamnese sowie die Alltags aktivitäten des Versicherten, nimmt Bezug auf die Ressourcen und Belastungen und gewichtet diese im Rahmen der Prüfung der funktionellen Leistungsfähigkeit anhand der ICF-APP-Kriterien. 7.3 Soweit der Beschwerdeführer die Beweiskraft des Gut achtens zunächst insofern in Frage stellt, als er dem Gutachter Befangenheit vorwirf t, kann ihm nicht beigepflichtet werden. Zwar können gewisse Äusserungen und das Verhalten von Ex perten während der Exploration durchaus objektiv den Anschein von Befangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Anmerkun- gen, welche die Glaubhaftigkeit der Angaben des Explo randen zum Gesundheitszustand und zur Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit von vornherein mehr oder weniger offen verneinen. Eine Befangenheit kann auch bei abschätzigen und beleidi genden Bemerkungen persönlicher Natur oder unter Umständen in der Art und Weise, wie die Untersuchung durchgeführt wird, vorliegen (Urteil des damaligen Eidgenössischen Bundesger ichts [EVG; heute: Bundesgericht] vom 26. November 2004, U44/04, E. 4.2). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist das Gutachten von Dr. D.____ jedoch objektiv und sachlich ge halten. Es gibt keine Hinweise auf Kommentare unsachlicher Art, die objektiv Zweifel an sei ner Unvoreingenommenheit wecken würden. Aufgrund der gutachterlichen Feststellungen, wonach der Versicherte erst auf Nachfra- ge hin berichtet habe, dass er Selbstverteidigungstechni ken ausübe, was mit den vom Versi- cherten geklagten aggressiven Impulsen nicht zu vereinbar en sei, kann noch nicht auf eine Voreingenommenheit geschlossen werden. Dies umso weniger, als Inkonsistenzen und wesent- liche Aggravationsneigungen bereits im Gutachten der K linik C.____ vom 28. Juli 2015 festge- stellt worden sind. So wurde bereits zum damaligen Zeit punkt darauf hingewiesen, dass der Versicherte wenig anstrengungsbereit wirke und ferner er hebliche Verdeutlichungstendenzen zu beobachten seien. Dabei habe er trotzig gewirkt und eine hohe Erwartungshaltung gezeigt. Wenn Dr. D.____ anlässlich der Begutachtung dieselben B eobachtungen gemacht hat, kann ihm das nicht als Befangenheit angelastet werden. 7.4 Auch die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführer s sind nicht geeignet, die aus- schlaggebende Beweiskraft des Gutachtens von Dr. D.____ in Frage zu stellen. Der Beschwer- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht deführer zweifelt die Beweistauglichkeit des Gutachtens da hingehend an, als Dr. B.____ in sei- nem Bericht vom 10. März 2018 in Abweichung zu den gut achterlichen Ausführungen weitere Diagnosen mit Krankheitswert stelle. So fänden sich darin eine mittelgradige, depressive Episo- de (ICD-10 F32.1), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0) mit paranoiden Zügen, eine soziale Phobie (F40.1) und eine nicht näher bezeichnet e dissoziative Störung (F44.9). Entge- gen den Darlegungen des Gutachters würden hierzu nament lich auch Fremdbeobachtungen vorliegen, welche dissoziative Zustände beschreiben würden . So seien im Abschlussbericht zum Aufbautraining in der Institution E.____ vom 28. N ovember 2017 als Trance-Zustände be- zeichnete „Black-Out“-Stimmungen dokumentiert. Gestützt a uf diese Berichte sei eine Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen und som it von einer weit höheren Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit auszugehen. 7.5.1 Ein Vergleich der aktuellen Erhebungen von Dr. D .____ mit den Ergebnissen des Gut- achtens vom 28. Juli 2015, welches Grundlage für die Befristung des Rentenanspruchs gebildet hatte, zeigt ein weitgehend unverändertes Beschwerdeb ild. Es sind keine neuen Leiden hinzu- gekommen und eine Zunahme von Ausmass und Schwere der Be schwerden ist aus objektiver Sicht zu verneinen. Auch die jeweils gestellten Diagno sen fallen identisch aus. Die Tatsache, dass Dr. D.____ neben den bereits bekannten Diagnosen neu auch von akzentuierten Persön- lichkeitszügen ausgeht, vermag an diesem Ergebnis letztli ch nichts zu ändern, stellt eine Z- Diagnose (ICD-10 Z73.1) doch keinen rechtserheblichen G esundheitsschaden dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Februar 2016, 9C_645/2015, E. 4.1 mit Hinweis ). Dessen ungeach- tet sind ohnehin nicht die Diagnosen an sich, sondern die Auswirkungen derselben auf die Leis- tungsfähigkeit massgebend. In dieser Hinsicht bleibt die Einschätzung der involvierten Fachper- sonen seit 2015 ebenfalls unverändert. Der Gutachter gelangt nach einer umfassenden Prüfung nachvollziehbar zum Ergebnis, dass hinsichtlich einer leid ensadaptierten Tätigkeit bezogen auf ein Vollpensum eine Leistungseinschränkung von 20% gege ben sei (vgl. E. 7.2 hiervor), wie dies auch schon im Jahr 2015 attestiert worden war. 7.5.2 Was zunächst die geltend gemachten, im Bericht de r Institution E.____ dokumentierten Auffälligkeiten angeht, so ist festzuhalten, dass eben so bereits im Gutachten der Klinik C.____ vom 28. Juli 2015 entsprechende Vorkommnisse festgehalt en worden sind. So hat der Versi- cherte beispielsweise geschildert, dass er einmal eine Stun de auf den Monitor gestarrt habe und von aussen auf diese Situation angesprochen worden sei (vgl. Gutachten vom 28. Juli 2015, S. 8). Zum einen vermögen ein oder zwei solcher Vorkommnisse aber noch keine disso- ziative Störung zu begründen. Zum anderen wurden die mangelnde Fokussierung und Konzent- ration − die unbestritten während den Arbeitsintegrat ionsmassnahmen zu verzeichnen war − sowohl damals als auch im Rahmen der aktuellen Begutachtung der ADHS zugeordnet und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen mit einer u m 20% verminderten Leistungsfähigkeit Rechnung getragen. Dieser Einwand erweist sich somit als unbegründet. Gleichermassen ver- hält es sich hinsichtlich des weiteren Vorbringens in Bezu g auf die von Dr. B.____ gestellte Di- agnose einer Persönlichkeitsstörung. Unter Hinweis auf di e Ausführungen des behandelnden Psychiaters hat Dr. D.____ nachvollziehbar dargelegt, w eshalb der Diagnose von histrionisch akzentuierten Persönlichkeitszügen der Vorrang gegeben wird. Dabei lässt er es gerade nicht bei einem einzigen Hinweis bewenden, wonach die Abwei chung von der Norm nicht als über Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Lebensspanne stabil beurteilt werden könne. Vielmehr zieht Dr. D.____ seine Schlussfolge- rungen gestützt auf eine ausführliche Diskussion der inn erpsychischen Struktur des Versicher- ten und einer eingehenden Würdigung der Berufsanamne se. Demgegenüber orientiert sich Dr. B.____ bei der Diagnosestellung und der Beurteil ung der Arbeitsfähigkeit vorwiegend an den subjektiv beklagten Beschwerden des Versicherten, was aus der Rolle eines behandelnden Psychiaters heraus durchaus nachvollziehbar erscheint. Eine massgebliche Veränderung des Gesundheitszustandes lässt sich seinen Berichten jedenfalls nicht entnehmen, wobei auch ins Gewicht fällt, dass der Versicherte erst seit dem 20. Fe bruar 2017 und damit in der Zeit nach der Befristung des Rentenanspruchs bei Dr. B.____ in B ehandlung steht. Eine ausführliche Würdigung der medizinischen Unterlagen zeigt, dass nicht nur die objektiven Befunde, sondern insbesondere auch diese subjektiven Schilderungen heute und damals vergleichbar sind. Dabei ziehen sich die Verdeutlichungstendenzen des Versicherten w ie ein roter Faden durch die gut- achterlichen Explorationen. Soweit der Beschwerdeführer zur Bekräftigung seines Standpunk- tes, wonach eine Verschlechterung der gesundheitlichen Verhältnisse eingetreten sei, schliess- lich auf die Ergebnisse aus seinem Arbeitsversuch abstellen will, kann ihm ebenso nicht gefolgt werden. Er verkennt, dass die Frage nach dem noch zumu tbaren Leistungsumfang rechtspre- chungsgemäss nach Massgabe der objektiv feststellbaren Ge sundheitsbeeinträchtigung in ers- ter Linie durch die Ärzte und nicht durch Eingliederung sfachleuchte auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantwo rten ist. Nach dem vorstehend Ausge- führten liegt hierzu ein nachvollziehbares und überzeug endes Gutachten vor, aufgrund dessen keine entsprechende Veränderung ausgewiesen ist. Unte r diesen Umständen können denn auch weitere Abklärungen in antizipierter Beweiswürdi gung unterbleiben (vgl. zur Zulässigkeit einer antizipierten Beweiswürdigung: BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8. Nach dem Gesagten ist gestützt auf das überzeugende Gutachten von Dr. D.____ da- von auszugehen, dass seit der Verfügung vom 17. Januar 20 17 keine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers eingetreten ist. Entgegen den Darlegungen der Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 6. Feb ruar 2019 erübrigt sich bei diesem Er- gebnis eine erneute Durchführung eines Einkommensverglei chs, nach dem Grundsatz der ma- teriellen Beweislast bleibt es vielmehr beim bisherige n Rechtszustand (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 16. Juni 2014, 9C_273/2014, E. 3.1.1 mit Hinweis) − mithin einem Invaliditätsgrad von 31%. Damit besteht kein Anspruch auf eine Invalide nrente, womit die gegen die Verfügung vom 6. Februar 2019 erhobene Beschwerde abzuweisen ist. 9. Laut Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewil- ligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kos- tenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensauf wand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens e inheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen und mit d em geleisteten Kostenvorschuss in Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Höhe von Fr. 800.-- zu verrechnen sind. Es wird kei ne Parteientschädigungen zugespro- chen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.