B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4164/2022 U r t e i l v o m 3 0 . S e p t e m b e r 2 0 2 2 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), Kamerun, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 12. September 2022 / N (...). D-4164/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) um Asyl nach. Er gab bei der Aufnahme seiner Personalien an, er sei am B._______ geboren. Er reichte keine Identitätsdokumente ein. A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Euro- dac) vom 14. Juni 2022 ergab , dass der Beschwerdeführer erstmals am 10. Juli 2021 und ein weiteres Mal am 2. August 2021 in Italien daktylosko- piert worden war und er am 2. August 2021 in Italien und am 31. März 2022 in C._______ um Asyl ersucht hatte. A.c Am 30. Juni 2022 führte das SEM eine Erstbefragung (Erstbefragung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA ]) durch . Der Be- schwerdeführer bestätigte, er sei am B._______ geboren. Gleichzeitig er- hielt er das rechtliche Gehör zum medizinischen Sachverhalt. A.d Am (...) wurde ein rechtsmedizinisches Gutachten (körperliche, radio- logische und zahnärztliche Untersuchung/Beurteilung) zur Altersbestim- mung erstellt. A.e Mit Eingabe vom 21. Juli und 26. Juli 2022 nahm der Beschwerdefüh- rer im Rahmen des ihm zu dieser Altersbestimmung gewährten rechtlichen Gehörs und zu den Zweifeln des SEM an der vorgebrachten Identität, wie auch zur beabsichtigen Anpassung seiner Daten im Zentralen Migrati- onsinformationssystem (ZEMIS) und zu einer möglichen Zuständigkeit Ita- liens oder C._______ für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungs- verfahrens Stellung. A.f Am 28. Juli 2022 ersuchte das SEM die Behörden von C._______ um Übernahme des Beschwerdeführers nach Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verord- nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö- rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter- nationalen Schutz (Dublin-III-VO). A.g Am (...) erhob der Beschwerdeführer eine Rechtsverzögerungsbe- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, es sei festzu- stellen, dass betreffend Änderung der Personendaten im ZEMIS eine D-4164/2022 Seite 3 Rechtsverweigerung vorliege und d as SEM sei anzu weisen, eine be- schwerdefähige Verfügung betreffend Änderung seiner Personendaten im ZEMIS zu erlassen. A.h Die Behörden von C._______ lehnten das Übernahmeersuchen des SEM vom 28. Juli 2022 mit Hinweis auf die Zuständigkeit Italiens am (...) ab. A.i Am 3. August 2022 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin- III-VO. Die italienischen Behörden nahmen innerhalb der festgelegten Frist zum Übernahmeersuchen keine Stellung. A.j Das SEM nahm mehrere Arztberichte und Laborbefunde betreffend den Beschwerdeführer (Nennung Leiden) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 12. September 2022 – eröffnet am 13. September 2022 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Weg- weisung aus der Schweiz nach Italien an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Zudem stellte es fest, sein Geburtsdatum im ZEMIS laute auf den (...) und einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. C. Mit Eingabe vom 14. September 2022 teilte die damalige Rechtsvertretung dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit. D. Am 19. Septembe r 2022 focht der Beschwerdeführer die Verfügung des SEM vom 12. September 2022 mit Beschwerde beim Bundesverwaltungs- gericht an. Er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren. Es sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In formeller Hin- sicht beantragte er, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen. D-4164/2022 Seite 4 E. Mit superprovisorischer Massnahme vom 20. September 2022 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus. F. Mit Abschreibungsentscheid D -3314/2022 vom 2 7. September 2022 schrieb das Bundesverwaltungsgericht die Rechtsverzögerungsbe- schwerde als Folge der vom SEM am 12. September 2022 erlassenen Ver- fügung ab. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdefüh- rer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – unter Vorbehalt von E. 2.2 – einzutreten. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstan z zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingsei- genschaft und der Gewährung von Asyl bilden nicht Gegenstand des Ver- fahrens, weshalb auf die entsprechenden Anträge nicht einzutreten ist. 2.3 Die von der Vorinstanz verfügte Anpassung des Geburtsdatums im ZEMIS (Dispositivziffer 6) wird nicht angefochten, weshalb – auch unter D-4164/2022 Seite 5 Berücksichtigung der diesbezüglich noch laufenden (30 -tägigen) Be- schwerdefrist – davon auszugehen ist, die vorliegende Beschwerde richte sich ausschliesslich gegen den verfügten Nichteintretensentscheid. 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch- führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung , zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin -III-VO zur Anwen- dung. Tritt das SEM auf das Asylgesuch nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Falle einer unbegleiteten minderjährigen Pers on ohne familiäre Anknüpfungs- punkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 2 Dublin- III-VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf internationa- len Schutz gestellt hat. Unbegleitete Minderjährige sind vom Wiederauf- nahmeverfahren ausgenommen (vgl. Filzwieser/Sprung, Dublin -III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8). 4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu- ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei- sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand- lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin- gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als D-4164/2022 Seite 6 zuständig bestimmt werden, wird der d ie Zuständigkeit prüfende Mitglied- staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 4.4 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin -III-VO). Dieses soge- nannte Selbsteintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen ind ividuelle völkerrechtliche Überstellungshinder- nisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 5. 5.1 Die Vorinstanz hielt zur Begründung der angefochtenen Verfügung fest, der Beschwerdeführer habe bei der Einreichung seines Gesuches ange- geben, am B._______ geboren und damit noch minderjährig zu sein. Er habe keine Identitätsdokumente zu den Akten gereicht und somit seine Minderjährigkeit nicht beweisen können. Es erstaune, dass er sein Ge- burtsdatum von seinem (Nennung Verwandter) her kenne, nic ht aber (auch) aus der offenbar bei seinem (Nennung Verwandter) befindlichen Geburtsurkunde. Laut Auskunft der Behörden von C._______ sei er in C._______ als volljährige Person erfasst worden und es sei davon auszu- gehen, dass die entsprechende Registrierung gemäss seinen eigenen An- gaben geschehen sei. Angesichts der differenzierten Geburtstagsangabe in C._______ sei seine Aussage in der EB UMA, er habe sein Geburtsda- tum von seinem (Nennung Verwandter) vor dessen Tod im Jahr (...) erfah- ren, unglaubhaft, da e r andernfalls dasselbe Geburtsdatum auch in C._______ angegeben hätte. Zudem hätten die italienischen Behörden zwei Wiederaufnahmeersuchen stillschweigend zugestimmt, was die Ver- mutung erlaube, er sei auch in Italien als Erwachsener erfasst w orden. Diese Vermutung werde durch seine widersprüchlichen und ausweichen- den Aussagen in der EB UMA bekräftigt. Er sei in C._______ und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Italien als erwachsene Person registriert wor- den. Ergänzend sei auf sein äusseres Erscheinungsbild als Indiz für seine Volljährigkeit hinzuweisen, welches auch der (Nennung Person) aufgefal- len sei. Anzumerken sei, dass seine Rechtsvertretung seine Umquartie- rung in den Erwachsenentrakt des BAZ nicht beanstandet habe. Zudem D-4164/2022 Seite 7 fehlten seinen weiteren, teilweise detaillierten Ausführungen zu den Aus- reisegründen jegliche Angaben, die eine zeitliche Einordnung derselben erlauben würde. Das rechtsmedizinische Gutachten enthalte – da keine Schlüsselbeinanalyse habe durchgeführt werden können – keine Aussage für oder gegen die Volljährigkeit (mit Verweis auf BVGE 2018 V I/3). Der Beschwerdeführer vermöge daher trotz einiger korrekter Angaben seine Minderjährigkeit nicht glaubhaft zu begründen, weshalb er als volljährige Person zu behandeln sei. Die Datenbank Eurodac weise nach, dass er am 2. August 2021 in Italien ein Asylgesuch eingereicht habe. Die italienischen Behörden hätten zum Übernahmeersuchen innerhalb der Frist keine Stel- lung genommen, weshalb die Zuständigkeit zur Durchführung des weiteren Verfahrens in Anwendung von Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO auf Italien über- gegangen sei. Es gebe keine wesentlichen Gründe zur Annahme, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien Schwachstellen aufweisen würden, die eine Gefahr eine r unmenschlichen oder entwürdi- genden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich br ächten. Es lägen zudem keine konkreten Anhalts- punkte vor, dass sich die italienischen Behörden nicht an ihre völkerrecht- lichen Verpflichtungen halten würden. Es sei – auch unter Berücksichti- gung der vorgebrachten, nicht als gravierend zu beurteilenden gesundheit- lichen Probleme – nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstellung nach Italien gravierenden Menschenrecht sverlet- zungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO und Art. 3 EMRK ausge- setzt werde, in eine existenzielle Notlage geraten oder ohne Prüfung sei- nes Asylgesuchs und unter Verletzung des Non -Refoulement-Gebots in seinen Heimat- oder Herkunftsstaat überstellt würde. Er habe keine kon- kreten Beweise für die Annahme dargetan, Italien würde ihm dauerhaft die ihm zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten oder eine adäquate medizinische Behandlung verweigern. Ferner lägen auch keine Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vor, die die Schweiz verpflich- ten würde, das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu prüfen. In Würdi- gung der Akten und der vom Beschwerdeführer geäusserten Umstände lä- gen keine Gründe vor, die die Schweiz veranlassen müssten, die Souverä- nitätsklausel im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (SR 142.311) i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzuwenden. 5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Beschwerdeschrift, er sei minderjährig, wofür auch das Altersgutachten spreche, das im Zeitpunkt der Untersuchung ein Mindestalter von (...) Jahren festgestellt habe. Seine D-4164/2022 Seite 8 inkonsistenten Aussagen könnten durchaus auch als Hinweis angesehen werden, dass es sich dabei um Angaben eines Kindes mit wenig Verständ- nis für juristische und gesellschaftliche Konseq uenzen handle, mithin um eine Minderjährigkeit und ungenügende intellektuelle Entwicklung. Bei der Bestimmung des Alters sollten zudem nicht nur Erscheinungsbild und Ver- halten berücksichtigt werden, sondern auch die Aussagen über die schwie- rigen Bedingungen seiner Kindheit. Er sei eine vulnerable Person, die Hilfe benötige. Bei einem Fehlurteil würden übergeordnete Kinderschutzrechte verletzt. Es sei ihm die Chance einzuräumen, in der Schweiz ein würdiges Leben zu führen, zumal es in Italien keine entsprech enden Garantien für eine Aufnahme als Minderjähriger gebe. Es sei der Grundsatz "in dubio pro reo" zu berücksichtigen. 6. 6.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer minderjährig und mithin die Schweiz für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsver- fahrens zuständig ist. Im Asylverfahren ist die Minderjährigkeit – der allge- meinen asylrechtlichen Beweisregel folgend – von der beschwerdeführen- den Person zumindest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und 4.2.3). 6.2 6.2.1 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keinerlei Iden- titätsdokumente ins Recht gelegt hat, die irgendwelche Anhaltspunkte oder einen Beweis für die von ihm behauptete Minderjährigkeit liefern könnten. 6.2.2 Sodann hat das SEM hinsichtlich der Angaben des Beschwerdefüh- rers in einlässlicher und überzeugender Weise dargelegt, dass es dem Be- schwerdeführer angesichts seiner ausweichenden, unstimmigen und teils widersprüchlichen Schilderungen nicht gelingt, die angeführte Minderjäh- rigkeit glaubhaft zu machen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann diesbezüglich vorweg auf die zu bestätigenden Erörterungen im angefoch- tenen Entscheid verwiesen werden (vgl. SEM act. 1174959-48/20 [nachfol- gend: act. 48], S. 5-7), denen der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmit- teleingabe nichts Substanzielles entgegenzuhalten vermag. So überzeugt sein Einwand, seine inkonsistenten Aussagen könnten als Hinweis au f seine Minderjährigkeit und seine ungenügenden intellektuellen Fähigkeiten angesehen werden, nicht. Da lediglich Aussagen über die eigene Person sowie selber Erlebtes wiederzugeben sind und ein Wissen oder Verständ- nis für juristische und gesellschaftliche Konsequenzen und Zusammen-D-4164/2022 Seite 9 hänge gerade nicht notwendig ist, dürfen konkrete und substanziierte An- gaben erwartet werden, zumal es sich beim Beschwerdeführer nicht um einen Analphabeten handelt, nachdem er von einem mit der Familie be- freundeten Lehrer (Nennung Dauer) unterrichtet worden ist (vgl. SEM act. 1174959-14/11 [nachfolgend: act. 14], S. 5, Ziff. 1.17.04). Auch der Hinweis auf seine schwierige Kindheit vermag nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen. Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, d ass der Be- schwerdeführer bereits in jungen Jahren mit schwierigen Lebensbedingun- gen konfrontiert gewesen sein dürfte. Dennoch ist festzuhalten, dass diese Umstände keine plausible Erklärung für seine unstimmigen und vagen Aus- sagen zu bieten vermögen. So lag der geltend gemachte (Nennung Vorfall) im Zeitpunkt seiner Ausreise bereits (Nennung Dauer) zurück und er lebte danach zusammen mit seinen Geschwistern zunächst unter der Obhut sei- ner (Nennung Verwandte) und anschliessend bis zur Ausreise alleine bei (Nennung Verwandter) in D._______ (vgl. act. 14, Ziffn. 2.02 und 7.01). Auch wenn er von der (Nennung Verwandte) des Öfteren schikaniert wor- den sein und er seinen Angaben zufolge in Kamerun ein kompliziertes Le- ben, so auch hinsichtlich der Nahrungsbeschaffung , gehaben haben soll (vgl. act. 14, Ziff. 1.17.05), war es ihm offensichtlich dennoch möglich, nach dem (Nennung Ereignis) bis zur Ausreise bei Verwandten zu wohnen und ein Auskommen zu finden. Nachdem auch keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, dass der Be schwerdeführer anlässlich der EB UMA unsicher oder verwirrt gewesen wäre, vermögen die angeführten Ängste und Traumata als Folge der geltend gemachten schwierigen Kindheit die vom SEM zu Recht erkannten ausweichenden, unstimmigen und teils widersprüchlichen Aussagen nicht nachvollziehbar aufzulösen. Zudem enthalten die Ausfüh- rungen des Beschwerdeführers über weite Teile kaum Realkennzeichen, sondern stellen sich effektiv als eine blosse Aneinanderreihung von Vor- kommnissen seit seiner Kindheit dar, ohne dass er diese auch nur ansatz- weise zeitlich zu situieren vermochte. Zudem verunmöglichen auch die Schilderungen zu den Umständen des Fluchtweges und der Ausreise jeg- liche zeitliche Einordnung derselben (vgl. act. 14, Ziff. 5.02), weshalb sie einer konsistenten und nachvollziehbaren Begründung seines Alters eben- falls nicht dienlich sind. 6.2.3 Auch aus dem am (...) erstellten Altersgutachten (vgl. SEM act. 1174959-18/7 [nachfolgend: act. 18]), kann der Beschwerdeführer für die behauptete Minderjährigkeit nichts zu sei nen Gunsten ableiten : Gemäss BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- respektive Skelettal-D-4164/2022 Seite 10 tersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch die Hand- knochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person geeignet. Wenn das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt, lässt sich keine Aussage zur Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per- son machen (vgl. ebd. E. 4.2.1 f.). Gemäss dem Gutachten vom (...) konn- ten (Nennung Grund) beim Beschwerdeführer die Wachstumsfugen der (Nennung Körperteil) für die Altersdiagnose nicht herangezogen werden. Somit entfiel die Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse, womit sich der vorliegenden medizinischen Altersabklärung – wie vom SEM zutreffend ausgeführt – insgesamt keine relevante Aussage zur Minder- beziehungs- weise Volljährigkeit des Beschwerdeführers entnehmen lässt. Auch wenn das rechtsmedizinische Gutachten zusammenfassend ein zu berücksichti- gendes Mindestalter des Beschwerdeführers von (...) J ahren und ein durchschnittliches Alter von (...) bis (...) Jahren angibt, vermag es ange- sichts der fehlenden Schlüsselbein - respektive Skelettanalyse keine ver- lässliche Aussage darüber zu machen, ob eine Voll- oder eine Minderjäh- rigkeit wahrscheinlicher ist (vgl. ebd. E. 4.2.2). 6.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist im Sinne einer Gesamt- würdigung festzustellen, dass die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft gemacht zu erachten ist. 6.4 Das SEM hat in seiner Verfügung das Geburtsdatum des Beschwerde- führers somit mit überzeugender Begründung auf den (...) festgesetzt. Es gelangte demnach mit einem ordnungsgemässen Wiederaufnahmeersu- chen an die italienischen Behörden. 7. 7.1 Die Vorinstanz ersuchte am 3. August 2022 die italienischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. Nachdem die italienischen Behörden sich innert der geltenden Frist nicht zum Wiederaufnahmege- such des SEM geäussert haben, steht die Zuständigkeit Italiens gemäss Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO grundsätzlich fest. 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da- von aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwachstel- len – keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin- III-VO aufweist (vgl. Referenzurteil des BVGer E -962/2019 vom 17. De- zember 2019 E. 6.3 und in letzter Zeit etwa di e Urteile des BVGer D-4164/2022 Seite 11 D-3818/2021 vom 3. September 2021 S. 4 oder F-3769/2021 vom 2. Sep- tember 2021 E. 5.2). Für eine Änderung dieser Rechtsprechung besteht keine Veranlassung. 7.3 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Schweiz das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO (konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) ausüben muss respektive soll. 7.3.1 Der Beschwerdeführer vermag kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzuneh- men und einen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Re- geln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Die italie- nischen Behörden haben der Aufnahme des Beschwerdeführers implizit zugestimmt. Ausserdem hat er weder dargetan noch bringt er vor, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU -Grund- rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 Folterkonvention (SR 0.105) führen könnten. Die allgemeinen Aufnahmebedingungen für (gestützt auf die Dublin-III-VO zurückkehrende) Asylsuchende in Italien führen nach bisheriger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts denn auch nicht zur Ausübung des Selbstein- trittsrechts in der Schweiz (vgl. etwa Urteil des BVGer F -1479/2021 vom 13. April 2021 2021 E. 7.2). 7.3.2 Zur gesundheitlichen Situation führte der Beschwerdeführer im vor- instanzlichen Verfahren aus, dass er (Nennung Leiden) (vgl. act. 14, Ziff. 8.02). Den medizinischen Unterlagen zufolge wurde er wegen (Nennung Leiden) am (...) behandelt und gegen (Nennung Leiden) geimpft. Die im Rahmen der medizinischen Erstkonsultation angeführten Beschwerden (Aufzählung körperliche Beschwerden) machte er im weiteren Verlauf des Verfahrens gegenüber dem Pflegepersonal nicht mehr geltend (vgl. auch act. 48, S. 9 f.) . Die dargelegten medizinischen Probleme stehen einer Überstellung nach Italien offenkundig nicht entgegen. Solches wird auf Be- schwerdeebene zu Recht auch nicht geltend gemacht. D-4164/2022 Seite 12 7.4 Nach dem Gesagten lag für das SEM kein Grund für die zwingende Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Dublin -III-VO oder von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vor, wobei es das ihm zustehende Ermessen ge- setzeskonform ausübte (vgl. BVGE 2015/9 E. 8). 7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Grund für einen Selbst- eintritt der Schweiz gemäss Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO vorliegt. Der Beschwerdeführer vermag mit seiner Be- gründung (Wunsch in der Schweiz zu bleiben, um sich auszubilden und ein würdiges Leben zu führen [vgl. Beschwerdeschrift S. 3]) das gewünschte Verfahrensziel – die Behandlung seines Asylgesuchs in der Schweiz – ins- gesamt nicht zu erreichen. Die Dublin-III-Verordnung räumt den Schutzsu- chenden denn auch kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selbst auszuwählen. Italien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin -III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer aufzunehmen. 8. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Unter diesen Um- ständen sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen von Überstellungshinder- nissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 10. Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses gegenstandslos geworden. Der am 20. September 2022 ver- fügte Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil ebenfalls dahin. D-4164/2022 Seite 13 11. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Beigabe eines amtlichen Rechtsbeistands sind abzuweisen, da die Be- gehren gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu be- zeichnen waren. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4164/2022 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Beigabe eines amtlichen Rechtsbeistands werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber Versand: