<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2023-06-12-9C_119-2023.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>9C_119/2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 12. Juni 2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>III. öffentlich-rechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Stadelmann, als Einzelrichter, </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Nünlist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">IV-Stelle Luzern, Landenbergstrasse 35, 6005 Luzern, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">handelnd durch B.________ </div> <div class="para">vertreten durch Procap Schweiz, </div> <div class="para">Beschwerdegegner. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Invalidenversicherung, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom 13. Dezember 2022 (5V 22 207). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Nach Einsicht</b> </div> <div class="para">in die Verfügung der IV-Stelle vom 28. April 2022, mit welcher dem Versicherten ab 1. Januar 2012 eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades zugesprochen wurde, </div> <div class="para">in das Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom 13. Dezember 2022, mit welchem eine Beschwerde des Versicherten gutgeheissen und ihm ab 1. Januar 2012 eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit mittleren Grades zugesprochen wurde, </div> <div class="para">in die hiegegen erhobene Beschwerde der IV-Stelle vom 3. Februar 2023, mit welcher diese beantragt, das Urteil vom 13. Dezember 2022 sei insofern abzuändern, als dass der Versicherte (erst) ab dem 1. Dezember 2012 Anspruch auf eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit mittleren Grades habe, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>in Erwägung,</b> </div> <div class="para">dass der in <span class="artref">Art. 9 BV</span> verankerte Grundsatz von Treu und Glauben ein Verbot widersprüchlichen Verhaltens (Verbot des "venire contra factum proprium") statuiert (vgl. Urteil 2C_112/2014 vom 15. September 2014 E. 6.2.2 mit Hinweis auf <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=43&amp;from_date=10.06.2023&amp;to_date=29.06.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-II-627%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page627">BGE 131 II 627</a> E. 6.1), </div> <div class="para">dass die beschwerdeführende IV-Stelle erstmals vor Bundesgericht geltend macht, der in ihrer Verfügung vom 28. April 2022 festgehaltene Anspruchsbeginn (1. Januar 2012) widerspreche dem Urteil des Bundesgerichts 9C_40/2020 vom 26. Juni 2020, mit welchem der Anspruchsbeginn bereits verbindlich auf den 1. Dezember 2012 festgesetzt worden sei, </div> <div class="para">dass die Beschwerdeführerin weiter ausführt, indem die Vorinstanz das fehlerhafte Datum des Anspruchsbeginns aus der Verfügung vom 28. April 2022 übernommen habe, habe sie Recht verletzt, </div> <div class="para">dass sich die Beschwerdeführerin somit im letztinstanzlichen Verfahren erstmals und einzig darauf beruft, ihre eigene Verfügung sei unrechtmässig gewesen, </div> <div class="para">dass ein solches Verhalten im Sinne eines "venire contra factum proprium" als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren ist und keinen Rechtsschutz verdient (vgl. Urteil 8C_122/2008 vom 10. März 2008 E. 3), </div> <div class="para">dass aus diesen Gründen ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Urteils im Sinne von <span class="artref">Art. 89 Abs. 1 lit. c BGG</span> zu verneinen ist, </div> <div class="para">dass zudem bei Zulassung einer solchen Vorgehensweise die verfügende Verwaltungsbehörde die Verfahrensregel des <span class="artref">Art. 61 lit. d ATSG</span>, wonach zwar das Versicherungsgericht an die Begehren der Parteien nicht gebunden ist und eine Verfügung oder einen Einspracheentscheid auch zu Ungunsten der Beschwerde führenden Person ändern kann, dieser jedoch vorher Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zum Rückzug der Beschwerde zu geben ist, zu deren Nachteil aushebeln könnte, </div> <div class="para">dass es daher gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung unzulässig ist, wenn die IV-Stelle erstmals vor Bundesgericht weniger beantragt, als sie verfügt oder im kantonalen Verfahren anbegehrt hat (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=43&amp;from_date=10.06.2023&amp;to_date=29.06.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-V-339%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page339">BGE 138 V 339</a> E. 2.3.3), </div> <div class="para">dass deshalb im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. a und c sowie Abs. 2 BGG auf die Beschwerde nicht einzutreten ist, </div> <div class="para">dass mit diesem Urteil das Gesuch um aufschiebende Wirkung gegenstandslos wird, </div> <div class="para">dass ausgangsgemäss die Beschwerdeführerin kostenpflichtig ist (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>), </div> <div class="para"> erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien, dem Kantonsgericht Luzern und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 12. Juni 2023 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der III. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Einzelrichter: Stadelmann </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: Nünlist </div> </div></body></html>