Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 16. März 2016 (810 15 134) ___________________________________________________________________ Strassen und Verkehr Sicherungsentzug des Führerausweises / Rückweisung zur Neubeurteilung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Jgnaz Jermann, Edgar Schürmann, Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ , vertreten durch Dominique Erhart , Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Sicherungsentzug des Führerausweises (RRB Nr. 710 vom 05. Mai 2015) A. Am 2. Juni 2014 wurde A.____ im Rahmen einer Ver kehrskontrolle von der Polizei Basel-Stadt angehalten. Nachdem sie nicht in der La ge war, einen Atem-Alkoholtest durchzu- führen, wurde im Universitätsspital Basel eine Blut - und Urinentnahme vorgenommen. Gemäss dem Protokoll der ärztlichen Untersuchung vom 2. Ju ni 2014 stellte die untersuchende Ärztin bei A.____ eine teils leicht verwaschene Sprache, N ervosität und leichte Schwankungen beim Strichgang fest, wobei unklar sei, ob das leicht au ffällige Verhalten auf Alkoholeinwirkung oder Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nervosität zurückzuführen sei. Im rechtsmedizinischen Gutacht en des Instituts für Rechtsmedi- zin der Universität Basel (IRM) vom 16. Juni 2014 wurde festgehalten, aus forensisch- toxikologischer sowie medizinischer Sicht lägen keine Anh altspunkte vor, dass A.____ zum Zeitpunkt des Ereignisses durch Alkohol, Arzneistoffe oder Betäubungsmittel in ihrer Fahrfähig- keit beeinträchtigt gewesen sei. Da aber sowohl bei den Beobachtungen der Polizei als auch bei der ärztlichen Untersuchung Auffälligkeiten festgestellt worden seien, könne aus forensisch- medizinischer Sicht eine verkehrsmedizinische Abklärung der Fahreignung in Erwägung gezo- gen werden. B. Mit Verfügung der Polizei Basel-Landschaft, Abteil ung Administrativmassnahmen (Po- lizei), vom 9. Juli 2014 wurde A.____ der Führerauswei s vorsorglich entzogen. Es wurde ver- fügt, dass die Fahreignung aus Gründen der Verkehrssicher heit wegen einer allfälligen medizi- nischen Nichteignung abzuklären sei. Zur Begründung wu rde auf den Vorfall vom 2. Juni 2014 in Basel sowie das Gutachten des IRM vom 16. Juni 2014 verwiesen und der Ver- dacht der medizinischen Nichteignung angeführt. Die Ver fügung vom 9. Juli 2014 erwuchs un- angefochten in Rechtskraft. C. In der Folge unterzog sich A.____ einer verkehrsmedizi nischen Untersuchung durch das IRM. Im verkehrsmedizinischen Gutachten des IRM vom 22. August 2014 wird festgehal- ten, zum jetzigen Zeitpunkt könne nicht ausgeschlossen wer den, dass A.____ einen verkehrs- medizinisch relevanten Alkoholmissbrauch betreibe. Ihre Fahreignung könne insofern aktuell noch nicht befürwortet werden. Zur Begründung wird unter anderem auf den ermittelten EtG- Wert von 97 pg/mg verwiesen, welcher für einen starken Konsum von Alkohol im Monat vor der Untersuchung spreche. D. Mit Schreiben vom 25. August 2014 teilte die Polize i A.____ mit, gestützt auf das Gut- achten vom 22. August 2014 sei die Anordnung eines Sich erungsentzugs vorgesehen und ge- währte ihr diesbezüglich das rechtliche Gehör. E. Am 1. September 2014 verfügte die Staatsanwaltscha ft des Kantons Basel-Stadt die Einstellung des Strafverfahrens gegen A.____ wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand. F. Am 3. September 2014 reichte A.____, vertreten du rch Dominik Erhart, Advokat in Oberwil, eine Stellungnahme zum vorgesehenen Sicherungse ntzug ein mit dem Rechtsbegeh- ren, es sei vom beabsichtigten Sicherungsentzug abzusehen. Mit Eingabe vom 28. November 2014 reichte sie überdies ein Gutachten von Prof. Dr. med. B.____, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsspital Basel, vom 26. Nove mber 2014 ein, wonach ein Führeraus- weisentzug durch die medizinischen Befunde weder berechtigt noch nachvollziehbar sei. G. Am 1. Dezember 2014 beauftragte die Polizei das I RM mit der Erstellung eines Ergän- zungsberichts zum verkehrsmedizinischen Gutachten vom 22. Au gust 2014 unter Berücksichti- gung des Gutachtens von Prof. Dr. med. B.____ vom 26. November 2014. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. In seiner verkehrsmedizinischen Stellungnahme vom 6. Jan uar 2015 hält das IRM fest, das Gutachten von Prof. Dr. med. B.____ reiche nicht aus, um die im Rahmen der verkehrsme- dizinischen Begutachtung vom 22. August 2014 aufgetrete nen Zweifel an der Fahreignung von A.____ auszuräumen. I. Mit Verfügung vom 4. Februar 2015 entzog die Polize i A.____ den Führerausweis auf unbestimmte Zeit. Die Wiedererteilung wurde vom Nachweis einer sechsmonatigen Alkoholabs- tinenz sowie einer positiven verkehrsmedizinischen Neubegutach tung abhängig gemacht. Zur Begründung wurde auf das verkehrsmedizinische Gutachten d es IRM vom 22. August 2014 sowie die verkehrsmedizinische Stellung nahme des IRM vom 6. Januar 2015 verwiesen und die mangelnde Fahreignung der Beschwerde führerin infolge einer Alkoholprob- lematik angeführt. J. Die von A.____, vertreten durch Dominik Erhart, Ad vokat, mit Eingabe vom 13. Februar 2015 gegen die Verfügung der Polizei erhobene Beschwe rde wurde mit Entscheid des Regie- rungsrats des Kantons Basel-Landschaft vom 5. Mai 2015 abgewiesen. K. Mit Eingabe vom 15. Mai 2015 erhob A.____, nach wi e vor vertreten durch Dominik Erhart, Advokat, gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 5. Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsre cht. Sie stellt das Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Entscheid vollumfänglich aufzuheben und es sei ihr der Führerausweis umgehend und ohne jede Auflage wieder zu erteilen. Eventualiter sei die Angelegenheit unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids zur Neubeurteilu ng an die Vorinstanz bzw. die Erst- instanz zurückzuweisen. L. Mit Vernehmlassung vom 21. August 2015 beantragt der Beschwerdegegner, es sei die Beschwerde abzuweisen. Eventualiter sei zur Frage, ob die in casu entnommene Haarprobe (kopfnahes Segment mit einer Länge von 1 cm ohne Färbu ng) einen verlässlichen EtG-Wert zu liefern vermochte, ein Obergutachten einzuholen und es sei nach Vorliegen des Obergutach- tens über die Beschwerde zu entscheiden. M. Mit Präsidialverfügung vom 6. Oktober 2015 wurde de r Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Die Beschwerdeführerin ist vom angefochtenen Entscheid berührt und hat ein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Strittig ist, ob der von der Polizei angeordnete un d von der Vorinstanz bestätigte Siche- rungsentzug des Führerausweises der Beschwerdeführerin zu Recht erfolgte. 3.1 Die Beschwerdeführerin macht zusammengefasst gelte nd, in den Gutachten des IRM vom 22. August 2014 sowie 6. Januar 2015 werde jeweils l ediglich festgehalten, dass ein ver- kehrsmedizinisch relevanter Alkoholmissbrauch "nicht ausgesc hlossen" werden könne. Der geltend gemachte Alkoholmissbrauch sei damit gerade nicht rechtsgenüglich, d.h. mit dem Be- weismass des Vollbeweises bzw. allenfalls der überwiegende n Wahrscheinlichkeit, erstellt. An der Richtigkeit des Ergebnisses der Haaranalyse, auf welch e in den Gutachten abgestellt wer- de, bestünden zudem nicht zu überwindende Zweifel. Ge mäss dem Ergänzungsgutachten des IRM vom 6. Januar 2015 werde jeweils empfohlen, ledigl ich kopfnahe Haarsegmente mit einer Länge von 3-5 cm zu untersuchen. Das IRM halte fest, dass Untersuchungen von kurzen kopf- nahen Segmenten eine erhöhte Konzentration des Alkohol abbauproduktes Ethylglucuronid er- geben könnten und dass im vorliegenden Fall lediglich die ungefärbten kopfnahen Haare hätten untersucht werden können. Es räume damit selbst ein, d ass die Haaranalyse unter Nichteinhal- tung der notwendigen Voraussetzungen durchgeführt wor den sei. Vor diesem Hintergrund sei zumindest wahrscheinlich, dass der EtG-Wert von 97 pg/mg aufgrund des zu kurzen untersuch- ten Haarsegments falsch und zu hoch sei. Im Weiteren ha be die Vorinstanz in ihrem Entscheid einseitig auf die Haaranalyse abgestellt, ohne die üb rigen Untersuchungsergebnisse, welche gegen einen Alkoholmissbrauch sprechen würden, zu würdige n. Entgegen der Argumentation der Vorinstanz sei die Beschwerdeführerin ihrer Mitwirkungspflicht sodann vollumfänglich nach- gekommen. Hätten die Vorinstanzen die Meinung vertret en, dass der Sachverhalt nicht hinrei- chend abgeklärt sei und deshalb weitere Mitwirkungshan dlungen erforderlich seien, so hätten sie die nötigen Beweiserhebungen verfügen müssen, was sie jedoch nicht getan hätten. Die entgegenstehende Meinung der Vorinstanzen führe zu eine r unzulässigen Umkehr der Beweis- last. 3.2 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid , dass die Haarprobe der Be- schwerdeführerin einen Gehalt an EtG von 97 pg/mg auf gewiesen habe, was auf einen regel- mässigen und übermässigen Alkoholkonsum hinweise. Im Weite ren sei auch die körperliche Untersuchung nicht durchwegs unauffällig verlaufen und die abgenommene Blutprobe habe leicht ausserhalb der Norm liegende Werte für MCV und Gamma-GT ergeben. Soweit die Be- schwerdeführerin geltend mache, das getestete Haarsegmen t von 1 cm sei nicht genügend aussagekräftig, um einen übermässigen, längerfristigen A lkoholkonsum zu beweisen, liege sie damit nur halbwegs richtig. Zwar würden in der Regel Haarsegmente von mindestens 3-6 cm Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht verwendet. Das IRM habe jedoch in seinem Gutachten vom 2 2. August 2014 erklärt, dass auf- grund der Haarbehandlung der Beschwerdeführerin gezwungenermassen nur ein relativ kurzes Haarstück von 1 cm Länge habe untersucht werden können. Zu dem sei zu beachten, dass das IRM in den Gutachten vom 22. August 2014 sowie 6. Janu ar 2015 jeweils beliebt gemacht ha- be, eine erneute Haarprobe mit unbehandelten Kopfha aren durchzuführen, damit eine genaue- re, über eine längere Zeit aussagekräftige Analyse vorgen ommen werden könne. Die Be- schwerdeführerin sei auf diese Empfehlung nicht eingeg angen, sondern habe mit Schreiben vom 30. Januar 2015 eine erneute Begutachtung sogar ausdrücklich abgelehnt. Im Weiteren sei entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht i mmer das Beweismass des Vollbewei- ses erforderlich, um eine allfällig fehlende Fahreignung zu beweisen. Es liege schlussendlich im Ermessen der Behörde, Beweiserhebungen nur soweit durchz uführen, als diese erforderlich seien. Im Rahmen der direkten Methode der Haaranalyse würden sich teils durchaus heikle Umfeldabklärungen und umfangreiche Erforschungen der Konsumgewohnheiten in der Regel erübrigen, um zu einem sicheren Befund zu gelangen. Aus serdem sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin eine Mitwirkungspflicht treffe, den rechtserheblichen Sachverhalt zu er- gründen. Insofern könne sie nicht beanstanden, die gen ommene Haarprobe sei aufgrund der Kürze des Haarsegments nicht aussagekräftig genug, sei dies doch allein in Umständen be- gründet gewesen, welche im Nachhinein unter ihrer Mit wirkung leicht hätten behoben werden können. Überdies reiche nach Aussage des IRM bereits ein Haarsegment von nur 1 cm Länge aus, um wenigstens für den Zeitraum von einem Monat verlässliche Werte zu erhalten. Was die Ausführungen im Privatgutachten von Prof. Dr. med. B.____ anbelange, so würden diese in den zentralen Punkten durch das Ergänzungsgutachten des IRM mit sachlichen Argumenten wider- legt. 4.1 Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die ge- setzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Fü hrerausweis unter anderem dann auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer Sucht le idet, welche die Fahreignung aus- schliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG), wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimit- telabhängigkeit. Trunksucht wird bejaht, wenn der Bet reffende regelmässig so viel Alkohol kon- sumiert, dass seine Fahrfähigkeit vermindert wird und er diese Neigung zum übermässigen Al- koholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Er muss mithin in einem Masse abhängig sein, dass er mehr al s jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem Zustand ans Steuer eines Fah rzeugs zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Nach der Rechtsprechun g darf auf fehlende Fahreignung ge- schlossen werden, wenn der Betroffene nicht mehr in de r Lage ist, Alkohol- bzw. Drogenkon- sum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wen n die nahe liegende Gefahr be- steht, dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten St rassenverkehr teilnimmt. Der Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich nicht mit dem me dizinischen Begriff der Alkoholab- hängigkeit. Der Sicherungsentzug ist grundsätzlich auch b ei suchtgefährdeten Personen mög- lich, bei denen aber jedenfalls ein die Verkehrssicherhei t beeinträchtigender regelmässiger Al- kohol- oder Drogenmissbrauch vorliegt (vgl. BGE 129 II 8 2 E. 4.1; Urteile des Bundesgerichts 6A.31/2003 vom 4. August 2003 E. 5.1; 6A.65/2002 vom 27. November 2002 E. 5.1). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Ein Sicherungsentzug bedeutet einen schwerwiegende n Eingriff in den Persönlich- keitsbereich der betroffenen Person und hat daher auf e iner sorgfältigen Abklärung aller we- sentlichen Gesichtspunkte zu beruhen (vgl. BGE 133 II 384 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 1C_220/2011 vom 24. August 2011 E. 2). Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nach- forschungen, namentlich die Frage, wieweit medizinische G utachten eingeholt werden sollen, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalles und lieg t im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde. Wie jedes Beweismittel unterliegen au ch Gutachten der freien richterlichen Beweiswürdigung. In Sachfragen weicht der Richter ab er nur aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab. Die Beweiswürdigung und d ie Beantwortung der sich stellenden Rechtsfragen ist Aufgabe des Richters. Dieser hat zu pr üfen, ob sich auf Grund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthaf te Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm d ie Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat er nötigenfalls er gänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben, namentlich durch Einholung eines Er gänzungs- oder Obergutachtens. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzich t auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann gegen das Verbot willkürlicher Be weiswürdigung (Art. 9 BV) verstos- sen (vgl. BGE 133 II 384 E. 4.2.3 mit Hinweisen). 4.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ermöglichen biochemische Analysere- sultate von Blut- und Haarproben objektive Rückschlüsse zum Alkoholkonsum eines Probanden während einer bestimmten Zeit. Ein deutlich überhöhter Wert kann dabei ein Indiz darstellen für einen verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch mit Suchtgefä hrdung. Hingegen erlauben auch signifikant erhöhte biochemische Werte in der Regel noch keinen zweifelsfreien Schluss auf eine den Sicherungsentzug rechtfertigende fehlende Fahreignung im Sinne von Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG. Dies gilt jedenfalls für Analysen von Blut - und Urinproben, insbesondere betreffend CDT (vgl. BGE 129 II 82 E. 6.2.1). Diese Praxis ist grun dsätzlich auch für Haarproben betref- fend das Trinkalkohol-Stoffwechselprodukt EtG anwendbar . Zwar können deutlich überhöhte EtG-Werte ein wichtiges Indiz für mangelnde Fahrtüchti gkeit darstellen. Sie vermögen jedoch eine ausreichende verkehrsmedizinische Abklärung als Vorauss etzung für den Sicherungsent- zug nicht vollständig zu ersetzen (vgl. Urteil des Bundesge richts 1C_150/2010 vom 25. Novem- ber 2010 E. 5.1 mit Hinweisen). 4.4.1 Die Vorinstanzen stellten zur Begründung des an geordneten Sicherungsentzugs auf das Gutachten des IRM vom 22. August 2014 sowie dessen ver kehrsmedizinische Stellung- nahme vom 6. Januar 2015 ab. Im Gutachten vom 22. Au gust 2014 wird ausgeführt, bei der Beschwerdeführerin sei aufgrund der festgestellten Erh öhung von MCV und Gamma-GT eine Haaranalyse auf das Alkoholabbauprodukt EtG durchgeführ t worden. Diese habe einen EtG- Wert von 97 pg/mg ergeben, was für einen starken Konsu m von Alkohol im Monat vor der Un- tersuchung spreche. Das hohe Resultat widerspreche ganz klar den Angaben der Beschwerde- führerin, alle zwei Monate ein Glas Alkohol zu konsumier en. Eine Aussage über das längerfris- tige Alkoholkonsumverhalten sei aufgrund der haarkosmeti schen Behandlung der Kopfhaare der Beschwerdeführerin aktuell nicht möglich, da die Re sultate durch die entsprechende Be- handlung verfälscht werden könnten. Zusammenfassend könn e zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin einen verkehrsmedizinisch relevanten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Alkoholmissbrauch betreibe. Einerseits hätten sich im Rahm en der aktuellen Abklärung Hinwei- se auf einen chronischen Alkoholüberkonsum ergeben, an derseits könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Auffälligkeiten bezüglich der Fahrfähig keit im Juni 2014 im Zusammenhang mit dieser Alkoholproblematik gestanden hätten. Aus verkehrsmedizinischer Sicht sei somit das Risiko, in nicht fahrfähigem Zustand einen Personenwage n zu führen, bei der Beschwerdefüh- rerin aktuell im Vergleich zu anderen Personen als de utlich erhöht anzusehen. Insofern könne aktuell die Fahreignung der Beschwerdeführerin noch nicht befürwortet werden. An dieser Beur- teilung wurde in der verkehrsmedizinischen Stellungnahm e vom 6. Januar 2015 festgehalten. Darin wird unter anderem ausgeführt, dass das Gutach ten von Prof. Dr. med. B.____ vom 26. November 2014 nicht ausreiche, um die im Rahmen der verkehrsmedizinischen Begutach- tung aufgetretenen Zweifel an der Fahreignung der Beschwerdeführerin auszuräumen. 4.4.2 Für die Anordnung des Sicherungsentzugs gestützt au f Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG muss eine Sucht im verkehrsrechtlichen Sinne (E. 4.1 vorstehend) nachgewiesen sein. Ein begründe- ter Verdacht rechtfertigt lediglich die vorsorgliche Abe rkennung des Führerausweises während der Dauer der Fahreignungsuntersuchung (vgl. B ERNHARD RÜTSCHE /NADJA D'A MICO , in: Niggli/ Probst/Waldmann [Hrsg.], Basler Kommentar zum Strassenver kehrsgesetz, Basel 2014, N 48 zu Art. 16d; BGE 124 II 559 E. 2b). Bei Zweifeln an der Fahreignung hat die zuständige Behör- de die Umstände so weit zu ermitteln, bis sie in der La ge ist, darüber einen zuverlässigen Ent- scheid zu treffen (vgl. BGE 130 II 25 E. 3.3; BLKGE 2011 Nr. 64. E. 5.4). 4.4.3 Das IRM geht in seinem Gutachten vom 22. August 2014 nicht explizit auf die Frage nach der verkehrsmedizinischen Diagnose ein, welche ihm d urch die Polizei im Rahmen des Gutachtensauftrags vom 9. Juli 2014 unterbreitet wurde . Zu beantworten war in diesem Zu- sammenhang, ob bei der Beschwerdeführerin eine Abhäng igkeit, ein schädlicher Gebrauch oder ein verkehrsrelevanter Substanzkonsum vorliege. Im G utachten vom 22. August 2014 hält das IRM diesbezüglich fest, dass ein verkehrsmedizinisch relevant er Alkoholmissbrauch im Fall der Beschwerdeführerin "nicht ausgeschlossen" werden könne. In seiner Stellungnahme vom 6. Januar 2015 spricht das IRM vom "Verdacht" einer Missbr auchsproblematik und äussert "Zweifel an der Fahreignung" der Beschwerdeführerin. Gestützt darauf ist festzustellen, dass das IRM lediglich – aber immerhin – von einem begründe ten Verdacht auf einen verkehrsrele- vanten Alkoholmissbrauch bzw. von Zweifeln an der Fahreig nung der Beschwerdeführerin aus- geht. Der Nachweis einer Sucht im verkehrsrechtlichen Sinn e, wie er für die Anordnung eines Sicherungsentzugs vorausgesetzt ist, wird damit nicht erbra cht. Soweit der Beschwerdegegner in seiner Vernehmlassung unter Verweis auf die Gutachten des IRM festhält, dass bei der Be- schwerdeführerin eine Alkoholproblematik evident sei, ka nn ihm daher nicht gefolgt werden. Ebenfalls kann aus dem Entscheid der Verwaltungsrekurskomm ission St. Gallen vom 12. Mai 2011 (IV-2011/20), auf welchen der Beschwerdegegner i m angefochtenen Entscheid verweist (E. 5g), für das vorliegende Verfahren nichts abgelei tet werden. Im Gutachten, welches jenem Entscheid zugrunde lag, wurde festgehalten, dass eine A lkoholabhängigkeit im medizinischen Sinne "nicht ausgeschlossen" werden könne, während ei ne verkehrsrelevante Alkoholmiss- brauchsproblematik bejaht wurde. Dem fraglichen Entsche id lag somit eine andere Konstellati- on zugrunde als dem vorliegenden Fall. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.4 Die vom IRM durchgeführten Untersuchungen – name ntlich die Haaranalyse – lassen im Übrigen auch keinen hinreichenden Schluss auf einen v erkehrsrelevanten Alkoholmiss- brauch der Beschwerdeführerin zu. Wie der Beschwerdege gner im angefochtenen Entscheid einräumt, konnte im Rahmen der Haaranalyse auf das Alkoh olabbauprodukt EtG aufgrund der Färbung der Haare der Beschwerdeführerin lediglich ei n kopfnahes Haarsegment von 1 cm Länge untersucht werden. Aus der Stellungnahme des IRM vom 6. Januar 2015 geht hervor, dass dies nicht dem in internationalen und nationalen R ichtlinien empfohlenen Vorgehen ent- spricht, wonach jeweils kopfnahe Haarsegmente mit einer Länge von 3-5 cm zu untersuchen seien. Das IRM führt zudem aus, dass Untersuchungen von kurzen kopfnahen Segmenten eine erhöhte Konzentration des Alkoholabbauproduktes Ethylgl ucuronid ergeben könnten. Auch in der Lehre wird unter Verweis auf internationale Standards festgehalten, dass bei der Interpreta- tion von Haarsegmenten mit einer Länge von unter 3 cm äusserste Vorsicht geboten sei (vgl. KATHRIN FREI , Die Aussagekraft von Ethylglucuronid in der verkehrsmed izinischen Fahreig- nungsbegutachtung, in: Strassenverkehr 2/2012 S. 29). Vor diesem Hintergrund kann nicht vor- behaltlos auf den ermittelten EtG-Wert von 97 mg/pg abgestellt werden und dieser vermag je- denfalls keine hinreichende Grundlage für die Anordnun g eines Sicherungsentzugs zu bilden. Dem entspricht, dass das IRM in seinen Gutachten wie bereits ausgeführt (E. 4.4.3 vorstehend) lediglich von einem Verdacht eines verkehrsmedizinisch relev anten Alkoholmissbrauchs der Beschwerdeführerin ausgeht. 4.4.5 Nach dem Gesagten lassen die Gutachten des IRM kein e abschliessende Beurteilung der Fahreignung der Beschwerdeführerin zu. Der Sachver halt erweist sich damit als nicht ge- nügend erstellt. Die Polizei wäre im vorliegenden Fal l verpflichtet gewesen, ein ergänzendes Gutachten einzuholen bzw. die entsprechenden Abklärunge n anzuordnen. Soweit die Be- schwerdeführerin davon abgesehen hat, sich aus eigenem Anlass einer weiteren Begutachtung zu unterziehen, stellt dies entgegen der Argumentation des Beschwerdegegners keine Verlet- zung der Mitwirkungspflicht dar, welche negative Schlüsse a uf die Fahreignung zulassen wür- de. 4.5 Von der Einholung eines Gutachtens durch das Kant onsgericht ist, auch zur Wahrung des Instanzenzugs, abzusehen und der entsprechende Beweisa ntrag des Beschwerdegegners wird abgewiesen. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Angelegenheit demnach zur weiteren Abklärung an die Polizei zurückzuweisen. Nicht zu e ntsprechen ist dem Rechtsbegeh- ren der Beschwerdeführerin, es sei ihr der Führerausweis umgehend und ohne jede Auflage wieder zu erteilen. Mit der Rückweisung an die erstverf ügende Behörde wird das Verfahren in das Stadium zurückversetzt, in welchem es sich vor Erlass des a ngefochtenen Entscheids be- fand. Demzufolge bleibt der Führerausweis bis zum Absch luss der ergänzenden Abklärungen vorsorglich entzogen. 5.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt. Den Vorinstanzen wer- den keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO ). Der Beschwerdeführerin sind ent- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprechend dem Ausgang des Verfahrens reduzierte Verfahre nskosten in der Höhe von Fr. 500.-- aufzuerlegen. 5.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kantonsgericht kom mt bei der Bemessung der Par- teientschädigung ein weiter Ermessensspielraum zu (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_857/2012 vom 4. Dezember 2012 E. 2.2 mit Hinweisen ). Vorliegend ist festzustellen, dass die 65 Seiten umfassende Beschwerdebegründung über weite Strecken (unbestrittene) Ausfüh- rungen zum Sachverhalt und zu allgemeinen Rechtsfrage n ebenso wie zahlreiche Wiederho- lungen enthält. Der entsprechende Aufwand erweist sich a ls unnötig und ist im Rahmen der Bemessung der Parteientschädigung nicht zu berücksichtigen. Im Weiteren gilt zu beachten, dass sich im kantonsgerichtlichen Verfahren im Wesentlichen dieselben Rechtsfragen stellten wie im Verfahren vor dem Regierungsrat. Der in der H onorarnote vom 5. November 2015 gel- tend gemachte Aufwand von 57.5 Stunden erweist sich un ter diesen Umständen als deutlich überhöht. Insgesamt erscheint für das vorliegende Verf ahren eine reduzierte Parteientschädi- gung in der Höhe von pauschal Fr. 4'000.-- (inkl. Auslag en und 8% MWST) als angemessen. Bezüglich der Kosten des vorangegangenen Verfahrens ist die Angelegenheit zum neuen Ent- scheid an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regie- rungsrats vom 5. Mai 2015 aufgehoben und die Angelege nheit wird zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Polize i Basel- Landschaft, Administrativmassnahmen, zurückgewiesen. 2. Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfa hrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat des Kantons Basel- Landschaft zurückgewiesen. 3. Der Beschwerdeführerin wird ein Verfahrenskostenant eil in der Höhe von Fr. 500.-- auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvor schuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- verrechnet. Der zuviel gezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'30 0.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Der Beschwerdeführerin wird eine reduzierte Parte ientschädigung in der Höhe von Fr. 4'000.-- (inkl. 8% MWST) zulasten des Reg ierungsrats des Kantons Basel-Landschaft zugesprochen. Präsidentin Gerichtsschreiber