<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 132 S.565</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">565</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>132 Landumlegung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Befindet sich eine Bauparzelle in einem Landumlegungsperimeter, so</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ist für eine Überbauung - nebst einer Baubewilligung - die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zustimmung des durchführenden Organs der Landumlegung nötig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(§ 75 Abs. 1 BauG).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Baudepartements vom 18. Mai 2000 in Sachen X.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. b) Die Bauparzelle liegt im Perimeter des Landumlegungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahrens ,,Kernzone", das der Gemeinderat W. mit Beschluss vom</span><br/> <span class="ft1">3. Februar 1998 eingeleitet hat. Nach Einleitung des Landumle-</span><br/> <span class="ft1">gungsverfahrens bedürfen tatsächliche Änderungen an den einbezo-</span><br/> <span class="ft1">genen Grundstücken der Zustimmung des durchführenden Organs</span><br/> <span class="ft1">(§ 75 Abs. 1 BauG). Die Errichtung einer Baute und damit auch die</span><br/> <span class="ft1">Erteilung der Baubewilligung gelten als tatsächliche Änderung (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Erich Zimmerlin, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft1">vom 2. Februar 1971, § 179 N 1). Die angefochtene Verfügung ent-</span><br/> <span class="ft1">hält nicht nur eine Baubewilligung, sondern gleichzeitig auch die</span><br/> <span class="ft1">Zustimmung des Gemeinderats W. gemäss § 75 Abs. 1 BauG zum</span><br/> <span class="ft1">Bauprojekt, auch wenn die Zustimmung im Dispositiv nicht aus-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">566</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">drücklich erteilt wird, sondern nur implizit, wie sich aus den gemein-</span><br/> <span class="ft1">derätlichen Erwägungen (...) ergibt. Der Gemeinderat hat seine Zu-</span><br/> <span class="ft1">stimmung jedoch nicht als Baupolizeibehörde erteilt, sondern als</span><br/> <span class="ft1">durchführendes Organ im Landumlegungsverfahren (...).</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin macht (...) eine Verletzung von § 75</span><br/> <span class="ft1">BauG geltend. Es fragt sich, ob die Zustimmungsverfügung gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 75 BauG im Verfahren korrekt erfolgt ist, ob dagegen ein Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittel ergriffen werden kann und welche Instanz das Rechtsmittel zu</span><br/> <span class="ft1">beurteilen hat. § 78 BauG, der den Rechtsschutz im Landumlegungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren mittels Einsprachemöglichkeiten regelt und festlegt, dass</span><br/> <span class="ft1">die Einspracheentscheide mit Beschwerde an die Schätzungskom-</span><br/> <span class="ft1">mission nach Baugesetz weitergezogen werden können, äussert sich</span><br/> <span class="ft1">dazu nicht. Soweit ersichtlich, hat das Baudepartement diese Fragen</span><br/> <span class="ft1">erst einmal (allerdings unter dem alten Baugesetz), die Schätzungs-</span><br/> <span class="ft1">kommission bisher noch nie, entscheiden müssen. Das Baudeparte-</span><br/> <span class="ft1">ment hielt sich im Entscheid Nr. 314 vom 27. November 1978 i.S. F.</span><br/> <span class="ft1">I. (publiziert in Mitteilungen des Baudepartements [MBD] Nr. 9,</span><br/> <span class="ft1">S. 81) für zuständig, das Veränderungsverbot zu überprüfen, weil es</span><br/> <span class="ft1">sich um ein vom Gemeinderat abgewiesenes Baugesuch handle, ohne</span><br/> <span class="ft1">jedoch die Fragen näher zu prüfen. Vorliegend führte die Rechtsab-</span><br/> <span class="ft1">teilung mit dem Präsidenten der Schätzungskommission einen Mei-</span><br/> <span class="ft1">nungsaustausch durch. Der Präsident der Schätzungskommission</span><br/> <span class="ft1">kam unpräjudiziell zum Schluss, dass die Schätzungskommission</span><br/> <span class="ft1">zuständig sei. Nach einer vertieften rechtlichen Prüfung gelangt das</span><br/> <span class="ft1">Baudepartement in Übereinstimmung mit dieser Meinung zur Auf-</span><br/> <span class="ft1">fassung, dass das Baudepartement jedenfalls unter dem neuen Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesetz nicht zuständig ist, eine Zustimmung gemäss § 75 BauG zu</span><br/> <span class="ft1">überprüfen. Auch wenn das Baugesetz das Verfahren der Zustim-</span><br/> <span class="ft1">mung nicht ausdrücklich regelt, so versteht sich von selbst, dass das</span><br/> <span class="ft1">durchführende Organ verpflichtet ist, den anderen Beteiligten die</span><br/> <span class="ft1">Zustimmung in geeigneter Weise mitzuteilen (öffentliche Auflage</span><br/> <span class="ft1">oder individuelle Zustellung [vgl. § 78 Abs. 1 BauG]), denn diese</span><br/> <span class="ft1">müssen aufgrund des Veränderungsverbots grundsätzlich nicht mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">567</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einer Veränderung rechnen. Der Betroffene muss dagegen Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde erheben können (§ 38 VRPG in Verbindung mit § 4 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BauG; vgl. AGVE 1996, S. 455). Da alle aufgezählten wesentlichen</span><br/> <span class="ft1">Entscheidungen im Landumlegungsverfahren mit Beschwerde an die</span><br/> <span class="ft1">Schätzungskommission weitergezogen werden können (§ 78 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BauG) und die Zustimmung gemäss § 75 BauG faktisch ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">grosse Auswirkungen auf die Landumlegung haben kann, ist es na-</span><br/> <span class="ft1">heliegend, dass die Schätzungskommission auch Beschwerdeinstanz</span><br/> <span class="ft1">gegen die Zustimmung ist, und nicht das Baudepartement. (...) Ob</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeverfahren ein Einspracheverfahren vorangeht oder</span><br/> <span class="ft1">nicht, d.h. ob die Aufzählung in § 78 Abs. 1 lit. a BauG abschliessend</span><br/> <span class="ft1">ist, (...) hat die Schätzungskommission zu entscheiden.</span><br/> <span class="ft1">Nach Auffassung des Baudepartements hätte der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">korrekterweise den Entscheid über die Zustimmung gemäss § 75</span><br/> <span class="ft1">BauG mit einer separaten Verfügung oder jedenfalls in einer eigenen</span><br/> <span class="ft1">Ziffer im Dispositiv der Baubewilligung eröffnen und ihn mit einer</span><br/> <span class="ft1">separaten Rechtsmittelbelehrung mit der Schätzungskommission als</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeinstanz versehen müssen. Möglicherweise wäre die Zu-</span><br/> <span class="ft1">stimmung gemäss § 75 BauG aufzulegen bzw. allen Grundeigentü-</span><br/> <span class="ft1">mern im Umlegungsperimeter zu eröffnen gewesen, bevor der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat über die Baubewilligung befand (vgl. Amtsbericht des</span><br/> <span class="ft1">Obergerichts des Kantons Schaffhausen 1997, S. 117; BGE 114 Ib</span><br/> <span class="ft1">230). Dass dies nicht so geschehen ist, ändert jedoch an der Frage der</span><br/> <span class="ft1">Zuständigkeit der Beschwerdeinstanz nichts. (...)</span><br/> <span class="ft1">c) Die Beschwerdeführerin macht zu Antrag B keinerlei bau-</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Einwände geltend, sondern nur Einwände aus § 75 BauG.</span><br/> <span class="ft1">Somit ist Antrag B der Beschwerde der Schätzungskommission zu-</span><br/> <span class="ft1">ständigkeitshalber zur weiteren Behandlung zu überweisen. (...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>