Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Januar 2013 (720 12 244 / 16) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Erfüllung des Wartejahrs nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG verneint; Bedeutung der Einschät- zung von Berufsfachpersonen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Markus Mat tle, Kantonsrichte- rin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Patronato INCA, Rechts- dienst, Emilio Crignola, Postfach 287, 4005 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ arbeitete zuletzt als Ko ch in der Pizzeria B.____. Per Ende Februar 2009 löste die Arbeitgeberin das Arbeitsverhält nis auf. Mit Gesuch vom 22. Januar 2009 meldete sich der Versicherte bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zur Früherfassung an. In seinem Gesuch gab er an, an einer Krankheit (akute Depression und Dia- betes mellitus) zu leiden. Seit dem 24. November 2008 b estehe eine 100 %-ige Arbeitsunfähig- keit. Das Früherfassungsgespräch vom 30. Januar 2009 ergab , dass eine IV-Anmeldung zur Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeit nicht indiziert sei. Mit Gesuch vom 15. Juni 2009 m eldete sich der Versicherte erneut für Leistungen der IV an und beantragte die berufliche I ntegration sowie eine Rente. Nach Durch- führung eines Arbeitstrainings dauernd vom 14. Dezembe r 2009 bis 13. September 2010 und vom 17. Februar 2011 bis 23. September 2011 wurde die Arbeitsvermittlung geschlossen (Ab- schlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 13. Oktober 2 011 und Mitteilung vom 24. Ok- tober 2011). Mit Vorbescheid vom 22. März 2012 lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) das Leistungsbegehren ab. In seiner Stellungna hme vom 10. April 2012 hielt A.____ fest, dass er vom 21. November 2008 bis 7. April 2010 ar beitsunfähig gewesen sei. Darüber hinaus sei er auch in weiteren Zeiträumen zwischen 50 % und 100 % arbeitsunfähig gewesen. Mit Verfügung vom 27. Juni 2012 wies die IV-Stelle da s Leistungsbegehren ab, da der Versi- cherte lediglich vom 24. November 2010 bis 16. Februar 2011 und vom 8. Oktober 2011 bis 16. Oktober 2011 voll arbeitsunfähig gewesen sei. Das geset zliche Wartejahr für die Zusprechung einer IV-Rente sei nicht erfüllt. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Emilio Crignola, Rechtsdienst des Patronate INCA, mit Eingabe vom 17. August 2012 B eschwerde beim Kantonsgericht, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, in Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung sei ihm eine halbe Invalidenrente ab November 2009 auszurichten und es seien ihm berufliche Massnahmen zuzusprechen; alles unter o/e-Kostenfolge. In der Begrün- dung machte der Beschwerdeführer zusammenfassend geltend, dass sein Gesundheitszustand trotz zunehmender Komplikationen im Zusammenhang mit dem Diabetes mellitus seit Dezem- ber 2009 nicht mehr Gegenstand einer einlässlichen ärztl ichen Begutachtung gewesen sei. Deshalb sei die Annahme des ärztlichen Dienstes der Beschwer degegnerin, wonach weder in der angestammten Tätigkeit als Koch noch in jeder ande ren Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege, nicht genügend begründet und deshalb nicht nachvollziehbar. Ange- sichts der reduzierten Arbeitsfähigkeit seien ihm ausserd em die beruflichen Massnahmen wie- der anzubieten. C. Mit Verfügung vom 30. August 2012 bewilligte die instruierende Präsidentin dem Be- schwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren d ie unentgeltliche Prozessführung. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. D. In ihrer Vernehmlassung vom 1. November 2012 beantr agte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Beschwerdeführers vom 17. Augu st 2012 ist demnach grundsätz- lich einzutreten. 1.2 Zu klären ist jedoch, ob auf die Beschwerde einget reten werden kann, soweit der Be- schwerdeführer damit eine Überprüfung allfälliger Unt erstützungsleistungen der Beschwerde- gegnerin bei der Wiedereingliederung in die Berufswe lt geltend macht. Im verwaltungsgerichtli- chen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhäl tnisse zu überprüfen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindli ch in Form einer Verfügung Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den be schwerdeweise weiterziehbaren An- fechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügun g ergangen ist (BGE 125 V 414 E. 1a mit Hinweisen). In der Verfügung vom 27. Juni 20 12 beurteilte die Beschwerdegegnerin einzig den Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Durchfü hrung von weiteren beruflichen Mass- nahmen wurde in dieser Verfügung nicht geprüft. Aus d iesem Grund kann auf das Rechtsbe- gehren des Beschwerdeführers, soweit er damit die Überp rüfung von Massnahmen beruflicher Art geltend macht, im vorliegenden Verfahren nicht eingetreten werden. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 2.2 Der Anspruch auf eine IV-Rente setzt voraus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (sog. Wartejahr, Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) . Diese Wartezeit gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigu ng der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (Urteil des Bundesgerichts vom 24. November 2010, 9C_757/2010, E. 4.1). Dabei ist nur die Arbeitsunfähigkeit von Bedeutung, das heisst die als Folge des Gesundheitsschadens bedingte E inbusse an funktionellem Leis- tungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereic h (Urteil vom 5. Dezember 2011, 8C_652/2011, E. 2). Die finanziellen Auswirkungen einer solchen Einbusse sind für deren Beur- teilung während der Wartezeit grundsätzlich unerheblich (BGE 130 V 97 E. 3.2, 118 V 16 E. 6d, 105 V 156 E. 2a; ZAK 1986 S. 476 E. 3, 1984 S. 230 E. 1, 1980 S. 283 E. 2a). Ebenfalls uner- heblich ist, auf welche gesundheitlich bedingten Ursachen die Arbeitsunfähigkeit zurückzufüh- ren ist (Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherun gen BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2012, Rz. 2009). Der Zeit- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht punkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem i m Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 17. Mai 2011, 8C_41/2011, E. 2.2) n achgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizin ische Annahmen und spekulative Über- legungen ersetzt werden. Vielmehr bedarf es dazu regelm ässig zusätzlich einer (überzeugen- den) medizinischen Einschätzung, die ordentlicherweise ech tzeitlicher Natur ist (SVR 2010 IV Nr. 17, 8C_195/2009, E. 5). 2.3 Gemäss Art. 29 ter der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 liegt ein wesentlicher Unter bruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfol- genden Tagen voll arbeitsfähig ist. 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes ist es in diesem Zusammenhang, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in wel- chem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausge übte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach i hren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrich tet werden können (vgl. U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in : Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialver sicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hin- weisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie um fassend und pflichtgemäss zu würdi- gen. Dies bedeutet, dass alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen sind und danach zu entscheiden ist, ob die verfügb aren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insb esondere darf bei einander wider- sprechenden medizinischen Berichten der Prozess nicht erle digt werden, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abgestellt wird. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Bel ange umfassend ist, auf allseitigen Unter- suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksicht igt, in Kenntnis der Vorakten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebe nd für den Beweiswert ist grund- sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerde führers und seiner Arbeits- fähigkeit liegen die folgenden medizinischen Berichte vor: 4.2 Dr. med. C.____, Facharzt FMH für Allgemeinmedizi n und Hausarzt des Beschwerde- führers, hält in seinem Schreiben vom 25. Mai 2009 fest , dass sein Patient seit dem 24. No- vember 2008 arbeitsunfähig sei. Der Patient habe bishe r vor allem als Koch gearbeitet. Diesen Beruf halte der Diabetesspezialist aber für wenig sinnvoll, weshalb der Patient für ein Gespräch im Hinblick auf eine Berufsberatung oder Umschulung aufgeboten werden sollte. 4.3 Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin und FMH Horm on-, Stoffwechselkrankheiten und Diabetologie, hält mit undatiertem Arztbericht a ls Diagnosen einen Diabetes mellitus Typ II seit 2007 und eine Insulintherapie seit 2008 fest. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert er eine Hypertonie und eine Adipositas. Aus diabetologischer Sicht sei der aktuel- le Gesundheitszustand gut. Der Patient beklage sich zur Z eit nicht über Beschwerden, die im Zusammenhang mit dem Diabetes stehen würden. Die Arbei tsunfähigkeit könne nicht mit dem Diabetes begründet werden. Aus diabetologischer Sicht b estünden keine wesentlichen Ein- schränkungen in der bisherigen Tätigkeit als Koch. Die übr igen medizinischen Probleme be- handle der Hausarzt. Aus diesem Grund könne er zur Arb eitsunfähigkeit keine umfassende Stellungnahme abgeben. 4.4 Dr. med. E.____, Psychiatrie/Psychotherapie FMH und behandelnder Psychiater des Beschwerdeführers, stellt in seinem Bericht vom 5. Juli 20 09 fest, dass keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden. Seit Dezember 2008 seien ihm folgen- de Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigke it bekannt: Nicht näher bezeichnete phobische Störung, nicht näher bezeichnete Angststörung , nicht näher bezeichnete Reaktion auf schwere Belastung, alles leicht und im Abklingen. We iter könne er ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit den Status nach leichter depressiver Episode, einen Diabetes mellitus und ein metabolisches Syndrom diagnostizieren. Aktuell seien d ie Symptome bland. Anfänglich ha- be der Patient gehetzt und gestresst gewirkt. Er habe a ber keine groben Psychopathologien dokumentieren können. Im Januar 2009 habe im Hamilto ntest eine Schlafstörung festgestellt werden können. Es habe eine diskret besorgte Grundhaltu ng und eine Reizbarkeit bestanden. Er habe anfänglich demotiviert gewirkt. Die Arbeitsunf ähigkeit liege bei allerhöchstens 20 % aufgrund des hohen Blutzuckers, des Übergewichts und des S tresses mit Angst. Von Beren- tung könne keine Rede sein. 4.5 Mit ärztlichem Bericht vom 11. Juli 2009 diagnostizi ert Dr. C.____ einen Diabetes melli- tus Typ II, eine Hypertonie, Adipositas und eine erste mittelgradige depressive Episode. Seit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem 17. November 2008 habe der Patient an Brechreiz, anfallsweisem Schwitzen, Herzklopfen und Angstzuständen gelitten. Derzeit vorrangige Besch werden seien Panikattacken beim Ver- lassen der Wohnung, meist gedrückte Stimmung und einschiessende Kopfschmerzen. Seit dem 21. November 2008 sei der Patient erwerbsunfähig. Es se i eine leichte Verbesserung der De- pression eingetreten. Gesundheitsschäden seien die Psyche und der Diabetes mellitus. Der Patient könne leichte Arbeit – ohne Wechsel- und ohne Nachtschicht – noch regelmässig ver- richten. Seinen Beruf als Koch könne er nicht vollschichtig ausüben. Höchstens zulässig sei ein Pensum von 50 %. Eine angepasste Arbeit, z.B. am Bildschirm, könne zu 100 % ausgeübt wer- den. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bestehe eine 50 %-ige Invalidität. Die festgestellten Einsatzbeschränkungen bestünden seit dem 24. November 2008. 4.6 Dr. med. F.____, Psychiatrie/Psychotherapie FMH, hä lt in seinem psychiatrischen Gut- achten zuhanden der Versicherungsgesellschaft Z.____ AG vom 15. Dezember 2009 fest, dass die psychische Problematik eine vorübergehende Episode g ewesen sei. Der Explorand selbst schreibe sie den Nebenwirkungen eines Medikamentes zu, das ihm zur Behandlung des Diabe- tes verschrieben worden sei. Anlässlich der Untersuchung vom 11. Dezember 2009 habe sich ein unauffälliger psychischer Gesundheitszustand finden l assen. Dr. F.____ diagnostiziert eine depressive Reaktion (ICD-10 F 43.21) abgeklungen und den Verdacht auf eine phobische Stö- rung (ICD-10 F 40.9). Die milde Symptomatik einer depressiven Reaktion, welche rückbildungs- fähig sei, könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigke it in relevantem Ausmass verursachen. Beim Versicherten habe vorübergehend ein psychisches Leid ensbild vorgelegen, welches aber kaum je Krankheitswert besessen habe. Die Arbeitsfähigke it sei aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt. Es gäbe keine medizinischen Befunde, welch e die Arbeitsaufnahme verhindern würden. Auch berufliche Massnahmen könnten aus psychiatrisch er Sicht nicht begründet wer- den. 4.7 Mit ärztlichen Zeugnis vom 21. Juni 2011 bestätigt Dr . med. G.____, Oberarzt Chirur- gie des Spitals Y.____, eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit bis auf Weiteres. 4.8 Dr. med. H.____ und Dr. med. I.____, Klinik für Innere Medizin des Spitals X.____, halten in ihrem Bericht vom 26. Oktober 2011 fest, dass der Beschwerdeführer vom 10. Oktober 2011 bis 17. Oktober 2011 hospitalisiert gewesen sei. S ie diagnostizieren eine Sepsis bei Pneumokokken-Pneumonie bds., Diabetes mellitus Typ II un d Status nach Magenreduktion bei Adipositas im November 2010. Der Patient habe in gutem Allgemeinzustand nach Hause ent- lassen werden können. Der Diabetes mellitus sei gut eingestellt. 4.9 Dr. E.____ hält in seinem Schreiben vom 4. Januar 2 012 fest, dass er den Versicher- ten zuletzt am 21. September 2010 gesehen habe. 4.10 Dr. med. J.____, Oberarzt der Chirurgischen Klinik des Spitals Y.____, diagnostiziert in seinem Bericht vom 2. Februar 2012 eine Präadipositas (B MI 25.5 kg/m 2) mit Status nach lapa- roskopischer Sleeve-Gastrektomie am 24. November 2010 bei initialer Adipositas Grad III nach WHO mit einem BMI von 40.6 kg/m 2, sowie einen Diabetes mellitus Typ II, aktuell unter ora len Antidiabetika. Beim Patienten finde sich 14 Monate na ch der laparoskopischen Sleeve- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gastrektomie mit anfänglichen Schwierigkeiten und rezi divierender Emesis und Nausea weiter- hin ein äusserst erfreulicher Verlauf. Die interkurrent e Pneumonie, die im Oktober 2011 im Spi- tal X.____ behandelt worden sei, habe der Patient mi ttlerweile gut überstanden und er fühle sich wieder fit. Seine Arbeit als Küchenchef zu 50 % könne er auch gut bewältigen. Die abendli- che Müdigkeit scheine langsam regredient zu sein. Die Arbeitsfähigkeit als Koch betrage 50 %. 4.11 In seinem Bericht an die IV vom 22. Februar 2012 hält Dr. C.____ als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen Diabetes me llitus, gegenwärtig gut eingestellt, den Status nach massiver Adipositas, den Status nach Sleeve-Gastrectomy am 24. November 2010 sowie eine instabile Leistungsfähigkeit seit der Magen operation und rezidivierende depressive Episoden seit November 2008 fest. Es bestünden eine star k schwankende allgemeine Leis- tungsfähigkeit, oftmals Würgereiz und eine allgemeine Schwäche und Müdigkeit. Im November sei erneut eine depressive Episode aufgetreten, was sich d urchaus wiederholen könne mit ver- stärkter Einschränkung der allgemeinen Leistungsfähigkeit. Es bestehe eine allgemeine Leis- tungsschwäche in zeitlicher wie in prozentualer Hinsicht. Die bisherige Tätigkeit als Koch sei noch halbtags zumutbar. Dabei bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit von sehr wech- selndem Ausmass: zeitweise bestünden gar keine Einschränku ngen, zeitweise bestünden star- ke Beeinträchtigungen durch Schwäche. Zudem stellte Dr. C.____ der Beschwerdegegnerin eine Aufstellung aller von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeitenzeiten seit November 2008 zu. 4.12 Dr. med. K.____, Facharzt für Arbeitsmedizin, Re gionaler Ärztlicher Dienst beider Ba- sel (RAD), hält in seiner Stellungnahme vom 7. März 201 2 fest, dass keine Diagnosen mit Aus- wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehen würden. In der angestammten Tätigkeit würde sich vom 24. November 2010 bis 16. Februar 2011 aufgrund de r Sleeve-Gastrectomy und vom 8. Oktober 2011 bis 16. Oktober 2011 aufgrund der Sepsis b ei Pneumokokken bds. eine 100 %- ige Arbeitsunfähigkeit begründen lassen. Er könne di e Krankschreibungspraxis von Dr. C.____ medizinisch nicht nachvollziehen. Sie sei auch im letzten Arztbericht vom 22. Februar 2012 nicht ausreichend begründet worden. Das Übergewicht, de r Diabetes mellitus Typ II und die rezidivierenden leichten depressiven Episoden seien keine Diagnosen, die eine bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit begründen könnten. Allgemeine Schwäche und Müdigkeit würde ebenfalls nicht ausreichen, um eine derart hohe Arbeitsunfä- higkeit von 50 % – 100 % bescheinigen zu können. In seiner Stellungnahme vom 24. April 2012 hält Dr. K.____ an seiner Auffassung fest, dass keine we iteren medizinisch begründeten oder nachvollziehbaren Arbeitsunfähigkeitszeiten ausgewiesen seien als die bereits in der Stellung- nahme vom 7. März 2012 erwähnten. 5.1 Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 27. Juni 2012 ge- stützt auf die Beurteilung von Dr. K.____ davon aus, dass der Beschwerdeführer das gesetzlich vorgeschriebene Wartejahr für die Zusprechung einer IV-Rente nicht erfüllt habe. 5.2 Die Auffassung von Dr. K.____, dass das Übergewicht, der Diabetes mellitus Typ II und die rezidivierenden leichten depressiven Episoden kei ne Diagnosen darstellen würden, die eine bleibende oder längere Zeit dauernde ganze ode r teilweise Erwerbsunfähigkeit begründen könnten, erscheint unter Berücksichtigung der gleichlaute nden Einschätzungen von Dr. D.____ Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und von Dr. E.____ als überzeugend. Die beiden behan delnden Spezialisten attestieren auf- grund der Diabeteserkrankung und des psychischen Gesundhe itszustands ebenfalls keine Ein- schränkungen in der Arbeitsfähigkeit als Koch. Ebenfall s nachvollziehbar ist die Einschätzung von Dr. K.____, dass die von Dr. C.____ attestierte all gemeine Schwäche und Müdigkeit nicht als Grund dafür ausreiche, eine über einen längeren Ze itraum dauernde Arbeitsunfähigkeit von 50 % – 100 % zu rechtfertigen. Auch in Bezug auf die von Dr. C.____ seit der Magenverkleine- rungsoperation vom 24. November 2010 festgestellte ins tabile Leistungsfähigkeit legt Dr. K.____ in schlüssiger Weise dar, dass sich diese Operation – nach einer angemessenen Reha- bilitationsphase – nicht invalidisierend ausgewirkt, sonde rn zu einer Verbesserung des gesund- heitlichen Zustands des Beschwerdeführers geführt habe. D iese Verbesserung des Gesund- heitszustands wird auch durch Dr. J.____ bestätigt. Es best eht keine psychotherapeutische Behandlung mehr, der Diabetes mellitus ist gut eingeste llt, die Zuckerwerte sind besser gewor- den und der Beschwerdeführer hat über 40 kg abgenomme n. Insoweit Dr. J.____ in seinem Bericht vom 2. Februar 2012 eine Arbeitsunfähigkeit al s Koch von 50 % festhält, kann darauf nicht abgestellt werden. Dr. J.____ begründet nicht, w eshalb der Beschwerdeführer als Koch nur zu 50 % arbeitsfähig sein soll, obwohl sich sein Ge sundheitszustand verbessert hat. Die Beurteilung der Beschwerdegegnerin, zur Berechnung de s Wartejahres auf die Einschätzung von Dr. K.____ abzustellen, ist daher nicht zu beanstande n. Weitere medizinische Abklärungen erübrigen sich. 5.3 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass die fortschreitende Ver- schlechterung seines Gesundheitszustands durch den Abschlussber icht des Bürgerspitals W.____ vom 11. Juli 2012 verdeutlicht werde. In der T at spricht die bundesgerichtliche Praxis den Ergebnissen leistungsorientierter beruflicher Abklä rungen eine gewisse Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit zu. Wenn eine medizinische Einschätzung der Leis- tungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrep anz zu einer Leistung steht, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv realisiert worden ist und gemäss Einschätzung der Berufsfach- leute objektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Z weifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen. Das Einholen einer klärenden medizinischen St ellungnahme ist diesfalls unabding- bar (Urteile des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2012, 9C_ 737/2011, E. 3.3 und vom 4. Juli 2008, 9C_833/2007, E. 3.3.2). Eine solche Konstellat ion ist im vorliegenden Fall jedoch nicht gegeben. Die betreuende Psychologin und Berufsberater in des Bürgerspitals W.____ hält in ihrer abschliessenden Stellungnahme vom 11. Juli 2012 fest, dass der Beschwerdeführer über eine grosse Berufserfahrung und ein umfangreiches Fach wissen, speziell auch in der italieni- schen Küche, verfüge. Er sei mit Leib und Seele Koch un d bevorzuge es, Frischprodukte à-la- carte zuzubereiten. Es sei ihm aber nicht möglich gewesen , sich auf andere gastronomische Systeme und Konzepte einzulassen und damit seine Vermittelbarkeit zu erhöhen. Seine Motiva- tion sei schnell geschwunden. Er habe sich geweigert, bestimmte Aufträge zu erfüllen und habe sich in die Krankheit geflüchtet. Die Einschätzung der Berufsfachperson, die den Beschwerde- führer während seines Arbeitstrainings begleitet hat, l egt zwar dar, dass der Beschwerdeführer insbesondere zwischen Mai 2010 und November 2010 bzw. zwisch en Februar 2011 und Juni 2011 immer wieder krankheitsbedingte Ausfälle zu ver zeichnen hatte. Aus der Abschlussbeur- teilung geht aber auch deutlich hervor, dass sich der Be schwerdeführer nicht kooperativ ver- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hielt, wenn die Arbeit nicht seinen Vorstellungen entsprach. Diesfalls erschien er nicht zur Arbeit und meldete sich teilweise verspätet ab. Da dem Bericht Hinweise dafür entnommen werden können, dass gewisse Absenzen auch auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen sind, kön- nen keine erheblichen Diskrepanzen zwischen der medizinischen Beurteilung von Dr. K.____ und der Beurteilung der Berufsfachpersonen ausgemacht werden. Der Abschlussbericht des Bürgerspitals W.____ bietet daher keinen Anlass, an der Zuverlässigkeit der Einschätzung von Dr. K.____ zu zweifeln und weitergehende Abklärungen zu r Arbeitsfähigkeit in die Wege zu leiten. 6. Gestützt auf die Beurteilung von Dr. K.____ ist somi t mit der Beschwerdegegnerin da- von auszugehen, dass lediglich vom 24. November 2010 bis zum 16. Februar 2011 (Magenope- ration und Rehabilitation) und vom 8. Oktober 2011 bis 17. Oktober 2011 (stationärer Aufenthalt im Spital X.____ aufgrund der Pneumonie) eine 100 % -ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Die Beschwerdegegnerin konnte somit ohne Verletzung von Bundesrecht zum Schluss kom- men, es sei nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, dass in der Zeitspanne von November 2008 bis Zeitpunkt des Verfügungserlasses durchgehend eine relevante Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20% besta nden hatte. Von weiteren Abklärun- gen sind keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten. Damit hat die Beschwerdegegnerin zu Recht festgestellt, dass keine während eines Jahres ohne wese ntlichen Unterbruch andauernde durchschnittliche 40 %-ige Arbeitsunfähigkeit bestand un d damit das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG nicht erfüllt ist. Die Beschwerde des Beschwer deführers vom 17. August 2012 er- weist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Nac h § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in a ngemessenem Ausmass auferlegt. Vor- liegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei , weshalb die Verfahrenskosten, die pra- xisgemäss auf Fr. 600.-- festgesetzt werden, ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 30. August 2012 die u nentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht