Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Mai 2021 (715 20 307 / 119) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ablehnung der Anspruchsberechtigung mangels Wohnsitzes in der Schweiz. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin i.V. Jeannine Gass Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1967 geborene A.____ arbeitete vom 1. Novembe r 2017 bis am 31. März 2020 für die B.____ AG. Nach Erhalt der Kündigung seitens der A rbeitgeberin per 29. Februar 2020 meldete er sich am 17. März 2020 zur Arbeitsvermittlung an und stellte am 20. März 2020 An- trag auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 18. März 2020 . Mit Verfügung vom 15. April 2020 lehnte die Öffentliche Arbeitslosenkasse (Arbeitslosenkasse ) den Anspruch auf Arbeitslosen- taggelder ab, mit der Begründung, dass A.____ im Zeit punkt der Arbeitslosigkeit keinen Wohn- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sitz in der Schweiz gehabt habe. Die dagegen erhobene E insprache wies das KIGA mit Ent- scheid vom 9. Juli 2020 ab. B. Dagegen erhob A.____ mit Eingabe vom 13. August 20 20 Beschwerde beim Kantons- gericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er beantragte sinngemäss unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 9. Juli 2020 die Ausrichtung von A rbeitslosentaggeldern. Als Be- gründung führte er an, dass sich sein Lebensmittelpunkt i n der Schweiz befinde und daher der Wohnsitz in der Schweiz zu bejahen sei. C. Die Arbeitslosenkasse beantragte in ihrer Vernehmlassu ng vom 10. November 2020 – unter o/e-Kostenfolge – die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde vom 13. August 2020 sowie die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 9. Juli 2020. D. In einem zweiten und dritten Schriftenwechsel (Re plik vom 26. November 2020, Duplik vom 25. Januar 2021, Triplik vom 22. Februar 2021 und Quadruplik vom 16. März 2021) hielten die Parteien im Wesentlichen an den jeweils im ersten S chriftenwechsel gestellten Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentsch eide aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungs gericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. a der Verord- nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigk eit des kantonalen Versicherungsge- richts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Kassen, welche die Arbeitslosenentschädigung betreffen, nach dem Ort, wo die versicherte Person die Kontroll- pflicht erfüllt. Vorliegend hat der Beschwerdeführer d ie Kontrollpflicht im Kanton Basel- Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 13. August 2020 ist deshalb einzutreten. 2. Streitig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung im Zeitraum vom 1. April 2020 bis zum 4. Mai 2020. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist auf folgende V erfahrensgrundsätze hinzuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltun gsgerichtsbeschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versi cherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Festste llung des rechtserheblichen Sachver- halts zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Verweis auf 12 5 V 195 E. 2). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8 . Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen ni cht uneingeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Obwohl der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig ausschliesst, obliegt die objektive Beweislast für anspruchsbegründende Tatsachen bei der die Leistun g ansprechenden Person (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. November 2002, C 365/01, E. 4.1; BGE 121 V 208 E. 6a). Mit ande- ren Worten tragen die Parteien im Sozialversicherungsp rozess die Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten j ener Partei ausfällt, die aus dem un- bewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wil l (vgl. Urteil des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht EVG] vom 7. November 2002, C 365/01, E. 4.1; BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüg ende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als b ewiesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (R ENÉ WIEDERKEHR /K ASPAR PLÜSS , Praxis des öffentlichen Ver- fahrensrechts, Eine systematische Analyse der Rechtsprechun g, Bern 2020, Rz. 1313 mit wei- teren Hinweisen). Im Sozialversicherungsrecht hat das Geri cht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei sgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines besti mmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jene r Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 138 V 218 E. 6 mit Verweis auf BGE 126 V 360 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2). 4.1 Am 1. Juni 2002 ist das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemein schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkomm en; FZA) in Kraft getreten. Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage des Art. 8 FZA ausg earbeiteten und Bestandteil des Ab- kommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II ("Koordinierung der Systeme der sozialen Sicher- heit") des FZA in Verbindung mit Abschnitt A dieses An hangs wenden die Vertragsparteien un- tereinander insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der S ysteme der sozialen Sicherheit und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlam ents und des Rates vom 16. Septem- ber 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durch führung der Verordnung Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicher heit an. Der am 1. Juni 2002 in Kraft Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht getretene Art. 121 AVIG verweist in Abs. 1 auf das FZ A und die erwähnten Koordinierungsver- ordnungen. 4.2 Die Verordnung Nr. 883/2004 gilt unter anderem für Rechtsvorschriften über Zweige der sozialen Sicherheit, die Leistungen bei Arbeitslosi gkeit betreffen (Art. 3 Abs. 1 lit. h). Sie enthält in Kapitel 6 des Titels III besondere Vorschrif ten für diese Leistungsart, insbesondere gemeinsame Bestimmungen (Zusammenrechnung der Versicherungs- oder Beschäftigungszei- ten, Berechnung der Leistungen), Vorschriften über Arb eitslose, die sich zur Beschäftigungssu- che ins Ausland begeben, und Bestimmungen in Bezug auf Arbeitslose, die während ihrer letz- ten Beschäftigung in einem anderen Mitgliedstaat als dem zuständigen Staat wohnten. 4.3 Die Kollisionsnormen der Verordnung Nr. 883/2004 legen fest, welche nationale Rechtsordnung anzuwenden ist. Unter Vorbehalt der ge meinschaftsrechtlichen Vorgaben ist es danach Sache des innerstaatlichen Rechts zu bestimmen, un ter welchen Voraussetzungen Leistungen gewährt werden (BGE 133 V 137 E. 1.2). 4.4 Grundsätzlich gilt, dass die Verordnungsbestimmungen g emeinschaftsrechtlich auszu- legen sind (BGE 132 V 61 E. 1.3). Hierfür ist die einschlägige Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften EuGH (Art. 16 Abs. 2 FZ A) massgebend und von den Ge- richten der einzelnen Mitglied- und Abkommensstaaten z u berücksichtigen (Urteil des Bundes- gerichts vom 25. Januar 2007, C 124/06, E. 7.1). 5.1 Nach Art. 13 Abs. 1 lit. a der Verordnung Nr. 88 3/2004 unterliegt eine Person, die im Gebiet eines Mitgliedstaates abhängig beschäftigt ist, grundsätzlich den Rechtsvorschriften die- ses Staates. Nach dem Grundsatz der lex loci laboris ist der Staat des letzten Arbeitsortes für die Zahlung von Leistungen bei Arbeitslosigkeit zuständig, d.h. der Arbeitnehmer unterliegt dem System der sozialen Sicherheit des Mitgliedstaates, in de m er erwerbstätig war (Art. 11 Abs. 3 lit. a und 61 Abs. 2 der Verordnung Nr. 883/2004). Eine Sonderregelung ist in Art. 65 der Ver- ordnung Nr. 883/2004 für "Arbeitslose, die in einem a nderen als dem zuständigen Mitgliedstaat gewohnt haben" vorgesehen (BGE 142 V 592 E. 4.2) Nach diesem System erhält eine Person, die vollarbeitslos ist, die Leistungen des Wohnstaates, als ob sie während ihrer letzten Beschäf- tigung den Rechtsvorschriften dieses Staates unterlegen hätte. Für die Auszahlung der Arbeits- losentaggelder für Personen, die in einem Staat wohn en und in einem anderen Staat arbeiten, ist somit der Wohnstaat zuständig. Der Betreffende kann sich jedoch ergänzend der Arbeits- verwaltung des Mitgliedstaats zur Verfügung stellen, in dem er seine letzte Tätigkeit ausgeübt hat (Art. 65 Abs. 2 und Abs. 5 lit. a der Verordnung Nr. 883/2004). Diese Option (und keine Verpflichtung), die die Zahlung von Geldleistungen a usschliesst, ermöglicht es dem Grenzgän- ger, zusätzliche Vermittlungshilfe zu erhalten (BGE 142 V 593 E. 4.3; Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 11. April 2013, C-443/11 Jeltes e.a., Abs. 31 und 32). 5.2 Der Begriff "Grenzgänger" bezeichnet jede Person, die in einem Mitgliedstaat beschäf- tigt oder selbständig erwerbstätig ist und in einem a nderen Mitgliedstaat wohnt, in den sie im Prinzip jeden Tag oder mindestens einmal pro Woche zur ückkehrt (Art. 1 lit. f der Verordnung Nr. 883/2004). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Soweit der Wohnsitz als Anknüpfungspunkt für die Be stimmung der anzuwendenden Rechtsvorschriften vorgesehen ist, kann der Wohnsitz nicht gleichzeitig in mehreren Staaten zugelassen werden (Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 16. Mai 2013, C- 589/10 Wencel Rz. 48). Wenn die Rechtslage einer Person mit den Rechtsvorschriften mehre- rer Staaten verknüpft sein kann, hat der Gerichtshof d er Europäischen Union betont, dass sich der Begriff des Mitgliedstaats, in dem eine Person wo hnt, auf den Staat bezieht, in dem diese Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat und in dem sich auch der Mittelpunkt ihrer Interessen befindet (Urteil C-589/10, Rz. 49). Laut Gerichtshof wurde die Liste der Kriterien, die bei der Bestimmung des gewöhnlichen Aufenthaltsortes einer Person zu berücksichtigen sind, in Art. 11 Abs. 1 der Verordnung Nr. 987/2009 kodifiziert (vgl. BGE 142 V 595 E. 6.1). Dazu gehö- ren insbesondere die Dauer und Kontinuität der Anwesenheit im Hoheitsgebiet der betreffenden Staaten, die Wohnsituation, insbesondere deren dauerhafter Charakter sowie die familiäre Situ- ation oder die familiären Bindungen (Urteil des Ger ichtshofs der Europäischen Union vom 11. September 2014, C-394/13 Ministerstvo práce a soci álních vecí Rz. 34), und spiegelt das Erfordernis der Bestimmung eines einzigen Wohnorts wider (Urteil C-589/10 Rz. 50). Der Begriff des Wohnsitzes stellt einen eigenständigen und spezifische n Begriff des europäischen Ge- meinschaftsrechts dar (Urteil C-394/13, Rz. 26). 6. Den Akten kann zunächst entnommen werden, dass der Be schwerdeführer seit No- vember 2017 bei der Firma B.____ AG angestellt war un d für den Kanton Basel-Landschaft im Einsatz stand. Es ist somit unbestritten, dass der Beschwer deführer seine Versicherungs- und Beschäftigungszeiten in der Schweiz zurückgelegt hat. Letzter Beschäftigungsstaat ist demnach die Schweiz. 7.1 Zu prüfen bleibt, ob der Staat, in welchem der Beschwerdeführer unmittelbar vor Eintritt der Arbeitslosigkeit Versicherungs- und Beschäftigungszeite n zurückgelegt hat – im vorliegen- den Fall die Schweiz–, dem Wohnsitz entspricht oder ob der Beschwerdeführer als echter Grenzgänger einzustufen ist. 7.2.1 Gemäss Art. 1 lit. j der Verordnung Nr. 883/20 04 wird der "Wohnort" als der Ort des gewöhnlichen Aufenthalts definiert. Massgebend für das Vorliegen des Wohnorts sind die Dau- er und Kontinuität des Wohnens bis zur Aufnahme der Beschäftigung, die Dauer und die Moda- lität der Abwesenheit, die Art der im anderen Mitgliedstaat ausgeübten Beschäftigung sowie die Absicht des Arbeitnehmers, wie sie sich aus den gesamten U mständen ergibt, an den Ort vor Aufnahme der Beschäftigung zurückzukehren (BGE 133 V 137 E. 7.2). 7.2.2 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG ist für einen Ansp ruch auf Arbeitslosenentschädigung vorausgesetzt, dass die versicherte Person in der Schweiz wohnt. Das "Wohnen" in der Schweiz ist nicht im Sinne des zivilrechtlichen Wohnsitzes zu verstehen, und setzt auch nicht einen ununterbrochenen tatsächlichen Aufenthalt in de r Schweiz voraus. Es genügt der ge- wöhnliche Aufenthalt bzw. der Schwerpunkt der Lebensbezi ehungen in der Schweiz. Dessen Fortdauern in der Schweiz setzt aber unter anderem vora us, dass trotz Unterbrüchen des tat- sächlichen Aufenthalts weiterhin eine enge Verbindung m it der hiesigen Arbeitswelt besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 24. September 2020, 8C _380/2020, E. 2.2, mit Hinweis auf Ur- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht teil vom 7. Dezember 2007, 8C_270/2007, E. 2.2; BGE 133 V 137 E. 4.1; 125 V 465 E. 2a; 115 V 448 E. 1b). Der Schwerpunkt der Lebensbeziehun gen befindet sich in der Regel an dem Ort, wo die familiären sowie sozialen Interessen der betreffenden Person lokalisiert sind, wo sie schläft, ihre Freizeit verbringt, ihre persönlichen Effekten aufbewahrt und sie üblicherweise über einen Telefonanschluss sowie eine Postadresse verfügt (Ur teil des Bundesgerichts vom 9. Au- gust 2018, 9C_600/2017, E. 2.2; Botschaft zum IPRG, BB l 1983 I 263 Ziff. 215.2 S. 316 f.; vgl. BGE 97 II 3 E. 2; 119 II 65 E. 2b/bb mit Hinweisen). In zeitlicher Hinsicht ist die Anspruchs- voraussetzung des Wohnens nicht nur bei Eintritt des Ve rsicherungsfalles zu erfüllen, das heisst am Stichtag für die Festlegung der Rahmenfrist, so ndern während des gesamten Zeit- raumes, für den Leistungen geltend gemacht werden. Dies ergibt sich aus dem Verbot des Leis- tungsexports und dem Prinzip der Verfügbarkeit (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversiche- rung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR] , Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 2319 Rz. 180 in Verbindung mit S. 2322 Rz. 192 mi t Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts vom 24. September 2020, 8C_380/2020, E. 2.2) 7.2.3 Die Begriffe des Wohnorts bzw. des gewöhnlichen A ufenthalts im Sinne der genannten Bestimmungen des EU-Koordinations- bzw. des schweizerischen Rechts decken sich weitge- hend (Urteil des EVG vom 8. November 2006, C 227/05, E. 4.1 und 7.2). 7.3 Fraglich ist im vorliegenden Fall, ob der Beschwerde führer im entsprechenden Zeit- raum seinen Erstwohnsitz in der Schweiz hatte oder ob d er Erstwohnsitz in Deutschland lag und er in dieser Zeit täglich oder mindestens einmal w öchentlich nach Deutschland zurückkehr- te, so dass er als echter Grenzgänger zu qualifizieren wäre. 7.4.1 Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht von einem Erstwohnsitz in Deutschland ausgegangen sei. So sei im ursprünglich ohne Adresse ausgestellten Arbeitsvertrag mittlerweile die Schweizer Adresse ergänzt worden. Das Fehlen der Schweizer Adresse sei zudem weder vom Kanton als Arbei tgeber noch von den für Arbeit- nehmer wichtigen Organisationen als Mangel empfunden w orden. Auch habe er dem RAV pri- mär seine Kontaktdaten in der Schweiz angegeben. Erst als der Lockdown seine Einreise in die Schweiz verunmöglicht habe, habe er die deutschen Kontaktdaten angegeben. Des Weiteren bringt er vor, die Annahme, dass er den Sch werpunkt seiner Lebensbeziehungen in Deutschland habe, sei weder fundiert noch bewiesen. Er habe seinen gemeldeten Wohnsitz seit Dezember 2017 in X.____ und habe sich seit dem Au sstellen seiner Aufenthaltsbewilligung zur Arbeit stets in der Schweiz ununterbrochen aufgehalt en. Aufgrund seiner Arbeit und dem Unterhalt einer regulären Wohnung in X.____ sei ein deutig nachgewiesen, dass er seinen Le- bensmittelpunkt unter der Woche in der Schweiz gehabt habe und auch weiterhin habe, auch sei damit die Absicht des Verbleibens nachgewiesen. Wie der Beschwerdeführer seine Freizeit an den Wochenenden und in seinen Ferien gestalte, sei völlig unerheblich für die Bestimmung des Wohnsitzes bzw. des gewöhnlichen Aufenthalts. Die Annahme, dass die gemietete Einliegerwohnung in X .____ im Vergleich zum Eigenheim in Deutschland nicht genügend Platz bieten würde, um mit Frau und Tochter in der Schweiz zu Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wohnen, sei reine Spekulation. Zudem bliebe es dem Be schwerdeführer überlassen, welche Wohnmöglichkeit er als geeignet erachte. Dass seine Frau in Deutschland wohne, sei zudem kein Grund um einen Wohnsitz in Deutschland anzunehmen, da sie aufgrund familiärer Ver- pflichtungen (Notwendigkeit täglicher Pflege und Unte rstützung ihrer Mutter und Grossmutter) nicht die Möglichkeit habe, dauerhaft in der Schweiz zu wohnen. Dennoch würde sie sich so oft als möglich beim Beschwerdeführer in X.____ aufhalten. Dass er sich während der Dauer seiner Arbeitslosigkeit in D eutschland befand, erklärt der Be- schwerdeführer damit, dass aufgrund der Einreisebeschränku ngen infolge der Covid-19 Pan- demie eine Einreise für Ausländer ohne zwingenden Grun d nicht möglich gewesen sei. So sei in den Medien die Information verbreitet worden, da ss man nur mit gültiger Bescheinigung sei- nes Arbeitgebers in die Schweiz einreisen dürfe. Eine gültige Einreisebescheinigung habe er aber aufgrund des fehlenden Arbeitsverhältnisses nicht vorweisen können, somit sei die Einrei- se in die Schweiz im entsprechenden Zeitraum unmöglich gewesen. Dies sei auch durch eine Kontrolle durch Schweizer Grenzbeamte am Bahnhof Y.____ am 5. Mai 2020 bestätigt worden, da er nicht nur seine gültige Aufenthaltsbewilligung , sondern auch seinen neuen Arbeitsvertrag habe vorzeigen müssen. Aus diesem Grund sei ihm auch a ngeboten worden, die RAV- Unterlagen direkt an die deutsche Adresse zu senden. Die Aufenthaltsdauer in der Schweiz sei zudem keinesfalls absehbar. Auch verfolge er das Ziel, bis zu seiner Pensionierung in der Schweiz zu arbeiten. Seinen AHV-Daten könne entnommen werden, dass er bereits in früheren Jahren in der Schw eiz gearbeitet habe. Auch habe er an zahlreichen internationalen Projekten mitgearbeitet und arbeite seit 2017 ununterbrochen in der Schweiz. Sein Einsatz für den Kanton sei bis Ende 2022 geplant, auch anschliessend plane er weiter für Schweizer Unternehmen zu arbeiten. Somit s ei eindeutig nachgewiesen, dass er de- finitiv in der Schweiz weiterarbeiten würde. Die Bewerbungsbemühungen bei Schweizer Unternehmen und das fortdauernde Mietverhältnis auch während der Arbeitslosigkeit würden die fortdauer nde enge Verbindung zur Schweizer Arbeitswelt unterstreichen. Zudem sei mit der Neuanstel lung ab dem 5. Mai 2020 der Beweis erbracht, dass eine enge Verbindung zur Schweizer Arbeit swelt bestehe. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer in Deutschland ebenfalls nach Arbei t gesucht habe, liesse die enge Ver- bindung zur schweizerischen Arbeitswelt nicht dahinfalle n und könnte daher auch nicht dazu führen, dass der gewöhnliche Aufenthalt in der Schweiz ve rneint würde. Schliesslich habe er sich mehrheitlich in der Schweiz beworben. Die Stellen , auf die er sich in Deutschland bewor- ben habe, seien zudem teilweise auch von X.____ aus beq uem mit den öffentlichen Verkehrs- mitteln erreichbar. 7.4.2 Die Beschwerdegegnerin hält dem entgegen, seine Arbeitgeberin habe explizit bestä- tigt, dass der Beschwerdeführer regulär in Deutschland angemeldet sei und er seinen Lebens- mittelpunkt bei seiner Ehefrau und seiner Tochter in Z.____ (DE) habe. Ohne Wohnsitzmeldung hätten sie ihn schliesslich nicht anstellen können. Zudem habe er auf dem RAV- Anmeldeformular seine deutsche Handynummer sowie seine deutsche E-Mail-Adresse ange- geben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Es sei zudem zu betonen, dass der Wohnsitzbegriff nach Ar t. 8 Abs. 1 lit. c AVIG die beiden Elemente des Aufenthaltes an einem Ort und die Absicht , diesen Aufenthalt während einer ge- wissen Zeit aufrechtzuhalten, umfasse. Die Absicht des d auernden Verbleibens bestehe, wenn nach den gesamten Umständen anzunehmen sei, dass die b etreffende Person den Ort, wo sie verweilt, zum Schwerpunkt ihrer Lebensbeziehungen macht . Es spiele daher keine Rolle, dass der Beschwerdeführer seit Dezember 2017 in X.____ gem eldet sei, schliesslich könne man mehrere Zweitwohnsitze haben. Der Beschwerdeführer verke nne insgesamt, dass die Woh- nung in der Schweiz allein keinen Wohnsitz in der Schwei z begründen könne. Vielmehr sei da- rauf abzustellen, ob der Beschwerdeführer gewillt sei, in der Schweiz dauernd zu verbleiben bzw. in der Schweiz den Schwerpunkt seiner Lebensbeziehun gen zu haben. Vorliegend würde der Beschwerdeführer eine Einliegerwohnung bewohnen. Bei diesen beengten Wohnverhältnis- sen sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den Wohnsitz fernab vom Eigen- heim und seiner Familie in der Schweiz habe. Der Besc hwerdeführer halte sich zwar unter der Woche in X.____ auf, an den arbeitsfreien Tagen wür de er allerdings zu seiner Familie nach Deutschland fahren. Dass die Ehefrau den Beschwerdeführ er in X.____ besuche, sei anhand der Tatsache, dass sie die tägliche Betreuung ihrer Angehörigen wahrnehme, unwahrscheinlich und im Übrigen nicht belegt. In Anbetracht, dass es sic h beim Beschwerdeführer um einen ver- heirateten Familienvater mit Eigenheim in Deutschland handle, der an arbeitsfreien Tagen je- weils nach Deutschland zurückkehre, sei offensichtlich zu er kennen, dass sich der Mittelpunkt seiner Lebensbeziehungen in Deutschland befinde und er daher als Grenzgänger zu qualifizie- ren sei. Der Auffassung des Beschwerdeführers, dass er während der Arbeitslosigkeit nicht in die Schweiz habe zurückkehren können, könne zudem nicht gefo lgt werden. Mit seiner gültigen Aufenthaltsbewilligung B sei es ihm möglich gewesen, wäh rend der Covid-19 bedingten Einrei- sebeschränkungen auch ohne gültigen Arbeitsvertrag in di e Schweiz einzureisen. Ausserdem hätte der Beschwerdeführer bei Bekanntgabe der kommen den Einreisebeschränkung noch gleichentags in die Schweiz zurückkehren können. Zudem s ei zu beachten, dass der Be- schwerdeführer bis zum 31. März 2020 über einen gültigen Arbeitsvertrag verfügt habe und ihm die Möglichkeit der Einreise in die Schweiz auch gemäss s einem eigenen Verständnis der Ein- reisebeschränkungen hätte bewusst sein müssen. Es sei dahe r davon auszugehen, dass er sich bewusst für den Aufenthalt in seinem Eigenheim in Deutschland entschieden habe, was wiederum ein Indiz für den Lebensmittelpunkt in Deutschland darstelle. Des Weiteren sei der Beschwerdeführer nach wie vor in befristeten Projekten tätig. Wie dieser selbst ausführe, müsse er für seine Arbeit nicht vor Ort anwesend sein. Auch die Dauer der Pro- jekte sei jeweils absehbar. Seine Tätigkeit erlaube es ihm somit, den Schwerpunkt seiner Le- bensbeziehungen weiterhin in Deutschland zu haben. Daran ändere auch der Einwand nichts, dass er bis zu seiner Pensionierung in der Schweiz arbeit en möchte. Zudem habe sich der Be- schwerdeführer, trotz angeblicher Absicht, in der Schweiz zu verbleiben, in Deutschland auf Arbeitssuche begeben, was gegen den Wohnsitz in der Schweiz spreche. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4.3 Den Argumenten der Beschwerdegegnerin hält der Beschwerdeführer mit Replik vom 26. November 2020 entgegen, dass seine Ehefrau und se ine Tochter über die Jahre 2017 bis 2020 für mehrere Wochen mit ihm gemeinsam in X.____ gewohnt hätten. Es würde demnach nicht zutreffen, dass sich der Lebensmittelpunkt in Deutsch land befinde. Dies könnten seine Vermieter bestätigen. Daher könne nicht auf die Ausfüh rungen seiner Arbeitgeberin abgestellt werden. Seine deutschen Kontaktdaten habe er zudem nich t von Beginn an angegeben, son- dern erst, als für ihn festgestanden sei, dass er für lä ngere Zeit nicht in die Schweiz zurückkeh- ren könnte. Auch würde die Argumentation, dass bis am 31. März 202 0 neben der Aufenthaltsbewilligung B ein gültiger Arbeitsvertrag vorgelegen habe, ins Leere führen. So sei lediglich der Zeitraum vom 1. April 2020 bis 4. Mai 2020 relevant. Alles was vorh er passiert sei, sei für die Beurteilung sei- nes Anspruchs auf Taggelder unerheblich. Die Ansicht de r Beschwerdegegnerin, dass die Auf- enthaltsbewilligung B für die Einreise genügt hätte, sei unrichtig. Fakt sei, dass die Medien klar kommuniziert hätten, dass ohne Arbeitsvertrag eine Einre ise in die Schweiz nicht möglich sei. Diesbezüglich werde erneut auf darauf hingewiesen, der Beschwerdeführer bei der Einreise am 5. Mai 2020 am Bahnhof SBB seinen Arbeitsvertrag habe vorweisen müssen. Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, dass er, e ntgegen dem Verständnis der Be- schwerdegegnerin, nicht von Deutschland aus an seinen Pr ojekten arbeiten könne. Dies sei lediglich im Monat März 2020 ermöglicht worden. Ansonst en sei er stets vor Ort in Y.____ im Einsatz gewesen. Auch würde ihn sein aktuelles Projekt na chweislich bis Ende 2021 in der Schweiz beschäftigen. Seine Einsätze seien auf kontinuie rlicher Basis, dies zeige sich im Übri- gen darin, dass sein Arbeitgeber seine Teilnahme in Au sschreibungen für weitere Projektoffer- ten ab 2022 bereits hinterlegt habe. Die Bewerbungen in Deutschland und Österreich seien lediglich erfolgt, um seiner Schadensminderungspflicht nachzukommen, dies würde allerdings nichts an seinem nachhaltigen Ziel, dauerhaft in der Schweiz zu arbeiten, ändern. 7.4.4 Die Beschwerdegegnerin hält dem mit Duplik vom 2 5. Januar 2021 entgegen, dass eine schriftliche Bestätigung der mehrfachen Aufenthalte der Ehefrau und der Tochter in X.____ von den Vermietern nicht vorläge. Auch könnten solche B esuche nicht darüber hinwegtäu- schen, dass sich der Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers in Deutschland befinde. Nicht umsonst habe der Beschwerdeführer sonst jede Möglichkeit g enutzt, um bei seiner Familie in Deutschland zu sein. Generell habe es die Wohnsituation des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht zugelassen, die Ehefrau sowie die Tochter übe r mehrere Wochen zu beherber- gen. Dass der Beschwerdeführer seine deutschen Kontaktdaten nur aufgrund des unmöglichen Auf- enthalts in der Schweiz angegeben habe, wird von der Be schwerdegegnerin bestritten. Der Be- schwerdeführer habe direkt bei der Anmeldung unaufgefo rdert lediglich seine deutsche Tele- fonnummer angegeben. Zudem seien ihm die RAV-Unterl agen an seine Adresse in Deutsch- land zugestellt worden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers sei d er Zeitraum vor dem 1. April 2020 sehr wohl relevant, da er seinen Anspruch auf Arbeitslosen entschädigung bereits ab dem 18. März 2020 geltend gemacht habe. Daher sei ihm au ch das Formular „Angaben der versi- cherten Person“ für den Monat März 2020 überhaupt erst (an die Adresse in Deutschland) zu- gestellt worden. Im Übrigen hält die Beschwerdegegner in daran fest, dass der Beschwerdefüh- rer auch ohne gültigen Arbeitsvertrag mit seiner Aufe nthaltsbewilligung uneingeschränkt in die Schweiz hätte einreisen können. Die Beschwerdegegnerin bringt im Weiteren vor, dass die Projekttätigkeiten des Beschwerde- führers es ermöglichen würden, den Lebensmittelpunkt in Deutschland zu haben, da er nicht vor Ort anwesend sein müsse. Aus den zahlreichen befrist eten Projekten des Beschwerdefüh- rers sei ersichtlich, dass der Aufenthalt in der Schweiz nicht nur von kurzer Dauer, sondern auch absehbar sei. Auch aus seinen Arbeitsbemühungen in Deutschland und Österreich könne der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten, da er gesetzlich zur Arbeitssuche verpflichtet sei. Nicht zuletzt aufgrund seiner Angabe von zwei Wohnsitzen gegenüber dem RAV und aufgrund der Lebensumstände des Beschwerdeführers sowie seiner re gelmässigen Reisen nach Deutschland zu seiner Familie und den dortigen Aufenthalten über mehrere Wochen hinweg sei der Erstwohnsitz des Beschwerdeführers in Deutschland zu lokalisieren. Dass der Beschwerde- führer sich zur Wohnsituation in Deutschland vollkommen a usschweigen würde, unterstütze diese These. 7.4.5 Mit Triplik vom 22. Februar 2021 beharrt der Be schwerdeführer auf dem Standpunkt, dass die Wohnung hinreichend gross sei und genügend Plat z und Infrastruktur biete, um mit seiner Ehefrau und seiner Tochter dort angenehm wohn en und leben zu können. Die Wohnsi- tuation sei demnach sehr gut geeignet, um über längere Zeit dort zu wohnen. Zudem könne die Tochter aufgrund der momentanen Online-Veranstaltunge n von dort aus problemlos studieren. Seine Meldebescheinigung für X.____ würde zudem einen Wohnsitz in der Schweiz unmissver- ständlich ausweisen. Weiter führt er aus, dass er bei seiner ersten Vorstellu ng im RAV nur seine Schweizer Kontakt- daten angegeben habe. Dies sei im eingereichten E-Mail vom 16. März 2020 ersichtlich. In der Vergangenheit sei der Beschwerdeführer seit No vember 2017 bis auf einen sehr kurzen Zeitraum, in dem Homeoffice angeordnet worden sei, i mmer vor Ort seiner Arbeit nachgegan- gen. Dies könne mittels zwei Arbeitsbestätigungen (Passier scheinen) für den Zeitraum 11. No- vember 2020 bis Ende Dezember 2021 nachgewiesen werden. 7.4.6 Die Beschwerdegegnerin hebt in ihrer Quadrupli k vom 16. März 2021 hervor, dass die Tochter und die Ehefrau des Beschwerdeführers in Deutsc hland wohnen würden. Schliesslich müsse die Ehefrau täglich ihre Eltern pflegen. Zudem s ei es höchst unwahrscheinlich, dass die Tochter sämtliche Lernmaterialien in die Wohnung nach X.____ zügeln würde, um von dort aus mit dem Studium fortzufahren. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dazu hält die Beschwerdegegnerin fest, dass die „Arbeitsbe stätigung vor Ort“ einen nicht ent- scheidrelevanten Zeitraum umfasse. Es sei daher nicht er stellt, dass der Beschwerdeführer vor dem 11. November 2020 dazu verpflichtet gewesen sei, s eine Arbeitsleistungen vor Ort zu er- bringen. Die E-Mail vom 16. März 2020 vermöge ebenfalls nicht zu überzeugen, da die Schweizer Kon- taktdaten darin nicht aufgeführt seien. Aus der E-Mail gehe zudem hervor, dass er die fehlen- den Dokumente, welche sich in der Schweiz befänden, b ei Bedarf auch holen könnte. Daraus liesse sich schliessen, dass der Beschwerdeführer – entgegen seinen Ausführungen – durch- aus in der Lage gewesen sei, in die Schweiz zurückzukehren. 7.5 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass die Besc hwerdegegnerin zu Unrecht von einem Wohnsitz in Deutschland ausgegangen sei, kann ihm nicht gefolgt werden. Dass der Beschwerdeführer bei der RAV-Anmeldung primär lediglich seine Schweizer Kontakt- daten angegeben hat, kann anhand der vorliegenden Akt en nicht bestätigt werden. So findet sich auf der Anmeldebestätigung zur Arbeitsvermittlung vo m 17. März 2020 als auch auf dem Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 20. März 2020 zwar die Schweizer Adresse des Beschwerdeführers, aber auch seine deutsche Telefonnumm er. Die deutsche Telefonnummer dient als Indiz für einen Wohnsitz in Deutschland (vgl. h iervor E. 7.2.2 ). Auch liegt eine Bestäti- gung der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers vor, wonach sich der Wohnsitz des Beschwer- deführers in Deutschland befindet. Die Argumentation des Beschwerdeführers, dass es irrelevant sei, wie er seine Freizeit, die Zeit an den Wochenenden und in den Ferien gestalte, verfän gt nicht. Der Schwerpunkt der Lebens- beziehungen befindet sich in der Regel an dem Ort, wo die familiären sowie sozialen Interessen der betreffenden Person lokalisiert sind, wo sie ihre F reizeit verbringt, ihre persönlichen Effek- ten aufbewahrt und sie üblicherweise über einen Telefo nanschluss sowie eine Postadresse verfügt (vgl. hiervor E. 7.2.2). Auch wenn der Beschwerdeführer sich unter der Woche in X.____ aufhält, um seiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, ist e s dennoch relevant, wo er seine Freizeit verbringt, um den Schwerpunkt seiner Lebensbeziehungen zu ermitteln. Diesbezüglich ist fest- zuhalten, dass aus den Akten zwar nicht hervorgeht, ob un d wie oft der Beschwerdeführer in seiner Freizeit nach Deutschland zu seiner Familie rei st, die Ausführungen der Beschwerde- gegnerin, dass dies jeweils regelmässig an den Wochenen den, arbeitsfreien Tagen und in den Ferien erfolge, von ihm allerdings auch nicht bestritt en werden. Daher kann diesbezüglich auch auf die Einholung weiterer Informationen verzichtet w erden. Davon abgesehen werden keine Lebensbeziehungen zur Schweiz ausserhalb der beruflichen Tätigkeit behauptet. Die Argumen- tation des Beschwerdeführers beschränkt sich auf den Schw erpunkt seiner beruflichen Bezie- hungen in der Schweiz und kann daher nicht zur Ermit tlung des Schwerpunkts der Lebensbe- ziehungen herangezogen werden. Bezüglich seines gewöhnli chen Aufenthalts führt er selbst aus, dass er „unter der Woche“ seinen Lebensmittelpunkt i n der Schweiz habe. Die mit der Replik vom 22. Februar 2021 eingereichten Arbeitgeberbestätigungen vermögen dies allerdings nicht zu bekräftigen. Wäre tatsächlich von einem ununter brochenen Aufenthalt in der Schweiz Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht auszugehen, so hätte sich auch das Einholen der Arbei tsbestätigung bzw. des Passierscheins für den Zeitraum vom 11. November 2020 bis Ende 2021 – welche zudem für den entscheidre- levanten Zeitraum im vorliegenden Fall irrelevant sind – erübrigt. Ob die Wohnung in X.____ grundsätzlich gross genug wäre , um mit seiner Ehefrau sowie der Tochter dort komfortabel zusammenzuleben, kann vorliege nd offen bleiben, da diesbezüglich aufgrund der familiären Verpflichtungen der Ehefrau und des Studiums der Tochter sowie auf- grund der Aktenlage diesbezüglich keine Absicht erkennbar ist. Soweit der Beschwerdeführer noch vorbringt, die Pflege der Familienangehörigen durch die Ehefrau stelle kein Problem dar, da sie per Auto in wenigen Stunden am jeweiligen Ort sein könnte und gerne autofahre, ist dem entgegenzuhalten, dass bei guter Verkehrslage rund 4 Stu nden und 15 Minuten benötigt wür- den, um von X.____ nach Z.____ (DE) zu fahren. Da die Pflege der Familienangehörigen ge- mäss Angaben des Beschwerdeführers täglich erfolgt, ist hö chst fragwürdig, wie dies mit Wohnsitz in der Schweiz überhaupt möglich wäre. Angesich ts einer täglichen Fahrzeit von 8,5 Stunden erscheint die Behauptung des Beschwerdeführers unglaubhaft. Sofern der Beschwerdeführer ausführt, dass er während der Dauer seiner Arbeitslosigkeit auf- grund der Einreisebeschränkungen infolge der Covid-19 P andemie nicht in die Schweiz habe einreisen können, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt we rden. Zunächst ist festzuhalten, dass der Bundesrat am 16. März 2020 bekannt gab, dass zwar die Ein reisebeschränkungen, welche zu- nächst für Italien galten, auf Deutschland, Österreich und Frankreich ausgeweitet würden, je- doch die Einreise aus diesen Nachbarstaaten ab dem Fol getag für Schweizer Bürgerinnen und Bürger, Personen mit einem Aufenthaltstitel in der S chweiz und Personen, die aus beruflichen Gründen in die Schweiz reisen müssen, nach wie vor erla ubt sei. Gemäss Ziffer 1.3 der Wei- sung zur Umsetzung der Verordnung 3 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus (Covid-19-Verordnung 3) sowie zum Vorgehen bezüglich E inreise/Ausreise in/aus der Schweiz waren Inhaber und Inhaberinnen eines schweizerischen Auf enthaltstitels, einschliesslich der Legitimationskarten des EDA, einer Grenzgängerbewillig ung oder einer Zusicherung der Auf- enthaltsbewilligung weiterhin zur Einreise berechtigt. Der Beschwerdeführer verfügt über eine Aufenthaltsbewilligung B, welche als schweizerischer Aufe nthaltstitel zu qualifizieren ist. Dem- nach war er im entscheidrelevanten Zeitraum stets zur E inreise in die Schweiz legitimiert. Auch die widersprüchlichen Angaben bezüglich der Personenkontr olle am Bahnhof Y.____ bzw. am Bahnhof SBB (vgl. E. 7.4.1 und E. 7.4.3) vermögen die Ausführungen des Beschwerdeführers nicht zu stützen. Dazu kommt, dass der Beschwerdeführer noch bis Ende März 2020 über ei- nen gültigen Arbeitsvertrag verfügte. Demnach hätte er auch nach seinen eigenen Angaben bis Ende März 2020 wieder in die Schweiz reisen können, u m den April 2020 in der Schweiz zu verbringen. Dass er diese Zeit stattdessen in Deutschland verbracht hat und sich auch die RAV- Unterlagen nach Deutschland schicken liess, spricht für ein freiwilliges Fernbleiben und somit für einen Lebensmittelpunkt in Deutschland. Dem Einwand, dass seine Aufenthaltsdauer in der Schweiz keinesfalls absehbar sei, kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer ve rfügt über eine Aufenthaltsbewilligung B, welche am 3. Dezember 2022 abläuft. Ohne Verlänger ung derselben ist sein Aufenthalt in der Schweiz bis zu diesem Datum befristet. Ebenso verfügt der Beschwerdeführer lediglich über Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen bis Dezember 2021 befristeten Einsatzvertrag. Ob für die Folgezeit ein weiterer Einsatz- vertrag in der Schweiz abgeschlossen wird, ist noch nicht bekannt. Es sind demnach keine An- haltspunkte für einen unbefristeten Aufenthalt in der Schweiz ersichtlich. Auch der Einwand des Beschwerdeführers, dass er bis zu seiner Pensionierung i n der Schweiz arbeiten möchte, ver- mag daran nichts zu ändern. Aus der Argumentation, dass der Beschwerdeführer sich primär in der Schweiz beworben hat, kann er ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Der Be- schwerdegegnerin ist zu folgen, wenn sie ausführt, dass sich der Beschwerdeführer ebenfalls in Deutschland und Österreich beworben hatte, was gegen den Wohnsitz in der Schweiz spricht. 8. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es in Anbetracht d er Argumente der Be- schwerdegegnerin und den Aussagen des Beschwerdeführers überwiegend wahrscheinlich erscheint, dass sich der Wohnsitz bzw. der Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers in Deutschland befindet und allfällige Beziehungen zur Sch weiz einzig aufgrund des Arbeitsver- hältnisses bestehen. Somit hat die Beschwerdegegnerin de n Wohnsitz des Beschwerdeführers in der Schweiz und damit auch den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu Recht verneint. 9. Soweit letztlich vorgebracht wird, dass es fragwürdig sei, dass er in der Schweiz Ar- beitslosenversicherungsbeiträge zahlen müsse, obwohl er ge mäss den Ausführungen der Be- schwerdegegnerin keinen Wohnsitz in der Schweiz habe, ist der Beschwerdeführer auf die Re- gelung der Beitragspflicht in der Schweiz hinzuweisen. Beitragspflichtig sind gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG Arbeitnehmer (gemäss Art. 10 ATSG), die nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) versichert und für Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit beitragspfli chtig sind. Gemäss Art. 1a Abs. 1 lit. b AHVG sind natürliche Personen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben, obligato- risch versichert. Gemäss Art. 3 Abs. 1 AHVG sind die Versicherten beitragspflichtig, solange sie eine Erwerbstätigkeit ausüben. Dementsprechend ist die Beitragspflicht im Gegensatz zur An- spruchsberechtigung nicht an den Wohnsitz gebunden. 10. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Überg angsbestimmungen zur Änderung vom 21. Juni 2019) hat der Prozess vor dem kantonalen G ericht für die Parteien in der Regel kostenlos zu sein. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht