B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2434/2012 U r t e i l v o m 2 9 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (...), Sri Lanka, vertreten durch (…), Gesuchsteller, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern. Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Februar 2012 (Asyl und Wegweisung) / D-(…) (N […]). D-2434/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Gesuchsteller – ein sri -lankischer Staatsangehöriger t amilischer Ethnie aus B._______ – suchte am 13. Oktober 2008 in der Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, am 17. August bezi e- hungsweise 17. September 2008 hätten unbekannte Anhänger der Tamil Makkal Viduthalai Pulikal (TMVP) versucht, ihn mit einem Kleinbus zu entführen, wobei er jedoch habe davon rennen können . Als er auf sein Mobiltelefon, das ihm die Entführe r abgenommen hätten respektive wel- ches er bei der Flucht verloren habe, angerufen habe, hätten ihm die Ent- führer vorgeworfen, er würde die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unterstützen, und ihm gedroht, ihn nicht in Ruhe zu lassen . Er habe am folgenden Tag bei der Polizeiwache von B._______ Anzeige erstattet und den Vorfall auch beim IKRK und dem UNHCR gemeldet. Da er in den fol- genden fünf Nächten von Unbekannten zu Hause gesucht worden sei, habe er sich zur Ausreise entschlossen. Am 20. Februar 2008 sei er z u- dem von der sri -lankischen Armee zu einer Befra gung vorgeladen wo r- den. Man habe ihm zu Unrecht vorgeworfen , die LTTE zu unterstüt zen, und ihn aufgefordert, für den militärischen Geheimdienst zu arbeiten; er sei dieser Aufforderung nachgekommen und sei – wie bereits in den Jah- ren 2003 bis 2007 – bis zum 20. April 2008 für den Geheimdienst tätig gewesen. Am 8. Oktober 2008 sei er unter Verwendung eines gefälschten Passes von C._______ via D._______ nach E._______ geflogen, von wo aus er in die Schweiz gelangt sei. Der Gesuchsteller reichte – neben Ausweisschriften, einem Arbeitsvertrag und dem Kündigungsschreiben einer Arbeitsstelle sowie der Todesurkun- de seines Bruders – eine Polizeianzeige vom 4. Oktober 2008 (in Kopie, mit englischer Übersetzung), zwei Empfehlungsschreiben des F._______ vom 21. Oktober 2004 und 19. Dezember 2008 (in Ko pie), zwei Empfeh- lungsschreiben der G._______ vom 22. Oktober 2004 und 17. Dezember 2008 (in Kopie), ein Empfehlungs schreiben eines Anwalts vom 10. April 2009 (in Kopie), ei ne Arbeitsbestätigung der H._______ vom 20. Februar 2008 (in Kopie, mit englischer Überset zung) und eine Arbeitsb estätigung der I._______ vom 22. April 2008 (mit englischer Übersetzung) ein. B. Mit Verfügung vom 8. Dezember 2011 stellte das BFM fest, dass der G e- suchsteller die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylg e-D-2434/2012 Seite 3 such ab und ordnete d ie Wegweisung des Gesuchstell ers aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen an, die Vorbringen des Gesuchstellers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. Die Vorbr ingen seien widersprüchlic h und unsubstanziiert und würden den Eindruck erwecken, dass es sich um eine konstruierte G e- schichte handle, die der Gesuchsteller nicht tatsächlich erlebt habe. So sei der Gesuchsteller beispielsweise nicht in der Lage gewesen, eine ei- nigermassen ausführliche Beschre ibung der Konfrontation mit den Ent- führern zu liefern. Zudem habe er sich hinsic htlich des Datums de r ver- suchten Entführung, des Umstands, wie ihm das Mobiltelefon abhanden gekommen sei, und allfälliger Schläge der Entführer widersprüchlich g e- äussert. Die erst im Rahmen der Anhörung nachgeschobene Befragung durch die Ar mee und das Engagement für den Geheimdienst seien un- glaubhaft, habe er diese Elemente doch bei der Erstbefragung mit keinem Wort erwähnt. Zudem habe ein Fingerabdruckvergleich ergeben, dass der Gesuchsteller den (…) Behörden un ter der angegebenen Identität be- kannt sei. Er habe dies auf Vorhalt zwar dementiert, aber da bei Finge r- abdruckvergleichen Verwechslungen ausgeschlossen werden könnten, könne davon ausgegangen werden, dass er diesbezüglich unwahre An- gaben gemacht habe. D ie eingereichten Beweismittel vermöchten an der Einschätzung, dass es dem Gesuchsteller nicht gelungen sei, die geltend gemachte Verfolgung überzeugend darzulegen, nichts zu ändern. Der Personalausweis, der Arbeitsvertrag, das Kündigungs schreiben und die Todesurkunde des Bruders stünden nicht in Zusammenhang mit den Asylvorbringen. Bei der Polizeianzeige und den Arbeitsbestätigungen der H._______ und der I._______ handle es sich lediglich um Kopien und für die von angeblich staatlichen Stellen verfassten Schreiben seien zudem keine amtlichen Formulare verwendet wor den, weshalb die Echtheit di e- ser Dokumente zu bezweifeln und deren Beweiskraft nicht rechtsg e- nüglich sei. Die Empfehlungsschreiben karitativer Organisationen und e i- nes Anwalts seien angesichts der dargelegten Unglaubhafti gkeit der Vor- bringen als Gefälligkeitsschreiben zu werten. Die Inhalte würden zudem zum Teil nicht mit den Darlegungen des Gesuchstellers übereinstimmen, womit – wie ausgeführt – von einem konstruierten Sachverhalt auszug e- hen sei. Der Gesuchsteller erfülle deshalb die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen und die Wegweisung anz u- ordnen sei. Der Vollzug der Wegweisung des aus B._______ stammen-D-2434/2012 Seite 4 den und dort über ein Beziehungsnetz verfügenden Gesuchstellers sei zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe vom 11. Januar 2012 erhob der Gesuchsteller beim Bunde s- verwaltungsgericht Beschwerde, worin um Aufhebung der vorinstanzl i- chen Verfügung und um Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Gewährung der Asyls, eventualiter um Verzic ht auf den Wegwe i- sungsvollzug und um Anordnung der vorläufigen Aufnahme ersucht wu r- de. Zur Begründung brachte der Gesuchsteller im Wesentlichen vor, er habe die Befragung durch die Armee und die Tätigkeit für den Geheimdienst nicht ausführlicher dargetan, da diese nicht direkter Anlass für die Flucht, sondern Hintergrund und Erklärung für den Verschlep pungsversuch g e- wesen seien . Dass er unterschiedliche Daten hinsichtlich des Entfü h- rungsversuchs genannt habe, sei durch seine damalige Nervosität und Müdigkeit zu erklären. Zwar treffe es zu, dass er nicht chronologisch e r- zählt habe, weshalb der innere Zusammenhang und die Logik seiner Schilderungen nicht auf den ersten Blick erkennbar seien. Insgesamt er- gebe sich aber doch ein glaubwürd iges Bild. Als (Beruf) sei er sowohl im von den LTTE als auch in dem von der Regierung kontrollierten Gebiet tä- tig gewesen, was ihn zur Zielscheibe für Druckversuche von allen Seiten gemacht habe. Die Regierung und die mit der Regierung ko operierende TMVP hätten ihm einen gewissen Schutz zugesichert, wenn er für sie Geheimdiensttätigkeiten ausführen würde. Als dann aber im August 2008 Personen mit Ausweisen der TMVP versucht hätten, ihn zu entführen, und die Polizei nur bereit gewesen sei, eine Anzeige gegen eine unb e- kannte Täterschaft aufzunehmen, habe ihm dies gezeigt, dass er von der Regierung nicht länger beschützt würde. Die eingereichten Unterla gen könnten nicht als Gefälligkeitsschreiben abgetan werden. Er bestreite zu- dem weiterhin, bei der (…) Botschaft in Delhi gewesen zu sein. Den (…) Behörden seien offenbar sein Name und eine Passnummer bekannt. Den Akten lasse sich aber nicht entnehmen, dass sie über seine Fingerabdrü- cke im Rahmen eines Visumsantrags verfügten. Zur Stützung seiner Vorbring en reichte der Gesuchsteller – neben schweizerischen Arbeitszeugnissen und Kursbestätigungen – Schreiben des J._______ vom 22. Oktober 2004 (in Ko pie), des F._______ vom 21. Oktober 2004 (in Kopie) , des IKRK vom 24. November 2010 (in K o- pie), des K._______ vom 18. Dezember 2011, eines Anwalts vom D-2434/2012 Seite 5 19. Dezember 2011 und eines Parlamentsmitglieds vom 28. Dezember 2011 ein. D. Mit Urteil vom 20. Februar 2012 (Verfahren D -[…]) wies das Bundesve r- waltungsgericht die Beschwerde ab. Zur Begründung wurde im Wesentlich en angeführt, die Vorbringen des Gesuchstellers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Die Aussagen seien in wesentlichen Punkten unsubstanziiert, realitätsfremd und widersprüchlich. So habe der Ge- suchsteller unterschiedliche Angaben zum Entführungsdatum, der Anzahl Entführer und zum Umstand des Ver lusts seines Mobiltelefons gemacht. Ausserdem habe er erst angegeben, von den Entführern zu Boden g e- stossen und geschlagen worden zu sein, was er bei der Anhörung indes nicht mehr erwähnt habe, obwohl es sich dabei um ein einprägsames Vorkommnis handle. Zudem erschei ne es realitätsfremd, dass der G e- suchsteller den Entführern ohne grössere Schwier igkeiten entkom men sei, zumal diese bewaffnet und zu fünft oder sechst gewesen sein sollen. Die erst im Rahmen der Anhörung vorgebrachte Befragung durch die Ar- mee und die Tätigkeit für den Geheimdienst seien nachgeschoben und damit unglaubhaft; es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Gesuchstel- ler diese Umstände bei der Erstbefragung mit keinem Wort erwähnt, son- dern ausdrücklich bestätigt habe, es lägen keine anderen Asylgründe vor, wenn diese Umstände doch Anlass für den Entführungsversuch gewesen sein sollten. Schliesslich habe der Gesuchsteller mit der Aussage , noch nie ein Visum beantragt zu haben, erwiesenermassen falsche Angaben gemacht, ergebe sich doch aus den Akten, dass er bei der (…) Botschaft in Delhi um ein Visum ersucht habe. Aufgrund des Gesagten sei davon auszugehen, dass es sich bei den Verfolgungsvorbringen um ei n Sach- verhaltskonstrukt handle, weshalb nicht geglaubt werden könne, dass der Gesuchsteller bei einer Rückkehr nach Sri Lanka verfolgt würde. An die- ser Einschätzung vermöchten auch die eingereichte n Beweismittel nichts zu ändern. Die Polizeianzeige vom 4. Oktober 2008 und die Bestätigung der H._______ vom 20. Februar 2008 lägen lediglich in Kopie vor, we s- halb ihr Beweiswert ohnehin nur als gering einzuschätzen sei. Das Bestä- tigungsschreiben der I._______ vom 22. April 2008 sei auf grund seiner Beschaffenheit und des unbestimmten Inhalts nicht geeignet, die Vorbrin- gen des Gesuchstellers zu stützen. Die zahlreichen Empfehlungsschrei- ben wiesen lediglich Gefälligkeitscharakter auf, so dass ihnen kein B e- weiswert zukomme. Der Gesuchsteller erfülle damit die Flüchtlingseige n-D-2434/2012 Seite 6 schaft nicht. Die Ablehnung des Asylgesuchs und die Anordnung der Wegweisung seien zu Recht erfolgt . Der Wegweisungsvollzug sei zuläs- sig, zumutbar und möglich. E. Am 23. Februar 2012 setzte das BFM dem Gesuchs teller eine Ausreise- frist bis zum 21. März 2012. Mit Eingaben vom 21. März 2012 und 17. April 2012 ersuchte der Gesuchsteller beim BFM um Verlängerung der Ausreisefrist. Das BFM lehnte die Gesuche mit Verfügungen vom 22. März 2012 beziehungsweise 27. April 2012 ab. F. Mit Eingabe vom 3. Mai 2012 reichte der Gesuchsteller beim Bundesve r- waltungsgericht ein Gesuch um Revision des Be schwerdeurteils vom 20. Februar 2012 ein und ersuchte um Anerkennung der Flüchtlingse i- genschaft sowie um Gewährung des Asyls, event ualiter um Feststellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, s u- beventualiter um Rückweisung der Sache an das BFM zur Sachverhalt s- ergänzung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er zudem um Ge- währung der aufschiebenden Wirkung sowie um Verzicht auf die Erh e- bung eines Kostenvor schusses und sinngemäss um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]). Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend , er habe durch sei- nen sri -lankischen Rechtsanwalt neue Beweismittel beschaf fen lassen und reiche folgende Dokumente ein: - Anfrage an sri-lankischen Anwalt, Antwortschreiben, Zustellkuvert; - Original der Polizeianzeige, 4.10.2008; - Polizeilicher Ermittlungsbericht an den Magistrate Court, 20.8.2008; - Zwei Folgeberichte der Polizei an das Gericht, 11.5.2009; - Bestätigung Human Rights Commission (HRC) bzgl. Berichtsdeponierung, 18.8.2008; - Bestätigungsschreiben IKRK an die Mutter des Gesuchstellers, 22.3.2012; - Schreiben an die (…) Botschaft, 2.5.2012 (inkl. Postempfangsquittung); - Befristete Zuweisung an Notunterkunft, 23.4.2012. Seinem Revisionsgesuch lege er das Origi nal der Polizeia nzeige vom 4. Oktober 2008 , dessen Fehlen im Beschwerdeurteil vom 20. Februar 2012 bemängelt worden sei, und den polizeilichen Ermittlungsbericht an den Magistrate Court vom 20. August 2008 sowie dessen Folgeberichte vom 11. Mai 2009 zugrunde. Diese Beweismittel seien ihm erst kürzlich D-2434/2012 Seite 7 zugegangen beziehungsweise er habe diese erst nach der Urteilsfällung vom 20. Februar 2012 als Beweismittel erkannt. Das Original der Polizei- anzeige belege die versuchte Festnahme durch eine staatlich geduldete und geförderte Organisation, die zu Folter, illegalem Freiheitsentzug oder gar zur Tötung hätte führen können. Das Strafverfahren sei bisher nicht eingestellt worden. Der Magistrate Court habe am 9. April 2012 begla u- bigt, dass ihm am 20. August 2008 der Polizeirapport vom 18. August 2008 überwiesen worden sei. Aufgrund dieser neuen Beweismittel sei die Feststellung im Beschwerdeurteil vom 20. Februar 2012, wonach das Asylgesuch offensichtlich unbegründet sei, nicht aufrechtzuerhalten. Sei- ne Vorbringen seien entgegen der Einschät zung im Beschwerdeurteil nicht unglaubhaft; er habe vielmehr im Rahmen der Befragungen detail- reich Auskunft gegeben. D ie aufgezeigten Widersprüche und Ungereimt- heiten seien nicht erheblich . Sollten dennoch weiterhin Zweifel an der Flüchtlingseigenschaft bestehen, so seien weitere Abklärungen – bspw. in Form einer erneuten Befra gung – vorzunehmen. Zur Klärung des Sac h- verhalts hinsichtlich seines angeblichen Visumsantrags habe er am 2. Mai 2012 die (…) Vertretung in L._______ kontaktiert; eine Antwort stehe noch aus . Er habe sich auch bemüht, von der HRC seinen dort am 18. August 2008 deponierten Bericht erhältlich zu ma chen. Es sei ihm mitgeteilt worden, dass der Bericht nicht ediert werde, das HRC aber auf telefonische Anfrage einer schweizerischen Amtsstel le berei t sei, über dessen Inhalt Auskunft zu erteilen. Diese Zusage des HRC zu einer Am t- sauskunft werde wie das Schreiben des IKRK vom 22. März 2012 – Bes- tätigung, dass seine Mu tter von bewaffneten Gruppen angegangen wo r- den sei – im Rahmen eines Wiedererw ägungsverfahrens zu würdigen sein. Er werde sich umgehend mit einem entsprechenden Wiedererwä- gungsgesuch an das BFM wenden. G. Mit Fax-Eingaben vom 20. (Schreiben datiert vom 19.) , 21. und 22. Mai 2012 reichte der Gesuchstel ler Kopien weiterer Dokumente nach: Das Antwortschreiben der (…) Botschaft in L._______ vom 18. Mai 2012 be- züglich seiner Anfrage vom 2. Mai 2012, seine Folgeschreiben vom 19. und 20. /21. Mai 2012 und das diesbezügliche Antwortschreiben der be- sagten Botschaft vom 21. Mai 2012 sowie eine Verlustmeldung hinsicht- lich seines Passes aus dem Jahr 2001. Zwar zeige die (…) Botschaft nur geringe Bereitschaft, die Umstände des fraglichen Visumsantrags in Delhi zu klären , aber die Verlustme ldung bezüglich seines Passes aus dem Jahr 2001 , deren Nichterwähnung im Asylverfahren ihm mangels ent-D-2434/2012 Seite 8 sprechender Rechtskenntnisse nicht vorgeworfen werden könne, bekräf- tige die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Gesuchen um Revision seiner Urteile zuständig (Art. 45 des Verwaltungsgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242 f.). Dabei entscheidet es in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 2 VGG), sofern das Revisionsgesuch nicht in die Zuständigkeit des Einzelrichters beziehungsweise der Einzelrichterin fällt (Art. 23 VGG, Art. 111 AsylG). 1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bu n- desverwaltungsgerichts die Art. 121 - 128 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) sinngemäss. Bezüglich Inhalt und Form des Revisionsgesuchs kommt Art. 67 Abs. 3 VwVG zur Anwendung (Art. 47 VGG). 1.3 Der Gesuchsteller versucht mit der Nachreichung von Beweismitteln die bereits im vorangegangenen Beschwerdeverfahren vorgebrachte Ver- folgung im Heimatstaat zu beweisen und macht damit die ursprüngliche Fehlerhaftigkeit des Beschwerdeentscheids vom 20. Februar 2012 ge l- tend. Die Eingabe vom 3. Mai 2012 ist daher als Revisionsgesuch zu b e- handeln. 1.4 Der Gesuchsteller hat ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Beschwerdeurteils und ist daher zur Einreichung des Revisionsgesuchs legitimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG in analogiam). 2. 2.1 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Una b- änderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeen t- scheids angefochten, damit in der Sache neu entschieden werden kann. Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus den in Art. 121 - 123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Ar t. 45 VGG). 2.2 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte Anforderungen gestellt. Aus dem Revisionsbegehren muss der angeruf e-D-2434/2012 Seite 9 ne Revisionsgrund ersichtl ich sein. Es muss dargelegt werden, welcher gesetzliche Revisionsgrund angerufen und welche Änderung des früh e- ren Entscheids beantragt wird. Für die Zulässigkeit eines Revisionsb e- gehrens ist nicht erforderlich, dass die Revisionsgründe wirklich best e- hen, s ondern es genügt, wenn der Gesuchsteller deren Bestehen b e- hauptet und hinreichend begründet. Die in Art. 121 - 123 BGG enthaltene Aufzählung der Rev isionsgründe ist abschliessend (Verletzung von Au s- standspflichten; Nichtbeurteilung von Anträgen; versehentl iche Nichtb e- rücksichtigung von in den Akten liegenden erheblichen Tatsachen; Verlet- zung der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Me n- schenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101] nach Vorliegen eines Entscheids des Europäischen Gerichtshofs fü r Menschenrechte; nac h- trägliches Erfahren von erheblichen Tatsachen oder Auffinden von en t- scheidenden Beweismitteln, unter Ausschluss von Tatsachen oder B e- weismitteln, die erst nach dem Entscheid entstanden sind). 2.3 Der Gesuchsteller ruft mit der N achreichung von Beweismitteln den Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG an. Die Eingabe vom 3. Mai 2012 erweist sich damit als hinreichend begründet. Auf das Revisi- onsgesuch ist deshalb einzutreten (Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG und Art. 52 VwVG). 3. 3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG zieht das Bundesverwaltungsg e- richt seinen Entscheid auf Begehren einer Partei in Revision, wenn die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder en t- scheidende Beweismittel auffindet, die sie im frühere n Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen oder Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind. Hingegen kann die Revision nicht aus einem Grund verlangt werden, der bereits im ordentlichen B e- schwerdeverfahren hätte geltend gemacht werden können (Art. 46 VGG). Tatsachen, auf die sich die gesuchstellende Partei beruft, müssen sich somit bereits vor Abschluss des Beschwerdeverfahrens verwirklicht h a- ben. Zudem muss die gesuchstellende Partei dartun, dass sie diese wä h- rend de s vorangegangenen Verfahrens nicht gekannt hat und deshalb nicht beibringen konnte, da der Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG nicht dazu dient, bisherige Unterlassungen in der Beweisführung wieder gutzumachen. Ausgeschlossen sind damit auch Umstände, die die gesuchstellende Partei bei pflichtgemässer Sorgfalt hätte kennen können (vgl. ELISABETH ESCHER, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, N. 8 zu Art. 123 BGG ). Auch bezüglich nachträglich aufg e-D-2434/2012 Seite 10 fundener Beweismittel darf die ges uchstellende Partei nicht in der Lage gewesen sein, diese bereits im früheren Verfahren beizubrin gen. Revisi- onsweise eingereichte Beweismittel sind dann beachtlich, wenn sie en t- weder die neu erfahrenen erheblichen Tatsachen belegen oder geeignet sind, Tatsachen zu belegen, die zwar im früheren Verfahren bekannt g e- wesen, aber zum Nachteil der gesuchstellenden Partei unbewiesen geblieben sind. Das Beweismittel muss zudem für die Tatbestandsermit t- lung von Belang sein. Es genügt nicht, wenn es zu einer neuen Wü rdi- gung der bereits bekannten Tatsachen führen soll (vgl. ANDRÉ MO- SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bu n- desverwaltungsgericht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band X, Basel 2008, Rz. 5.48, S. 250). 3.2 Der Gesuchsteller legt seinem Revisionsgesuch vom 3. Mai 2012 das Original der Polizeianzeige vom 4. Oktober 2008 sowie den polizeilichen Ermittlungsbericht an den Magistrate Court vom 20. August 2008 und die diesbezüglichen zwei Nachfolgeberichte vom 11. Mai 2009 zugrunde und macht geltend, die se Dokumente vermöchten die im vorangegangenen Beschwerdeverfahren geltend ge machte Verfolgung im Heimatstaat zu belegen. 3.2.1 Vorab ist festzustellen, dass es nicht ersichtlich ist, weshalb der Ge- suchsteller nicht in der Lage gewesen sein sollte, die vom 4. Oktober und 20. August 2008 sowie vom 11. Mai 2009 und damit vor Erlass des B e- schwerdeurteils datierenden Beweismittel, auf die er sich vorliegend be- ruft, bereits im vorangegangenen ordentlichen Beschwerdeverfahren ein- zureichen beziehungsweise früher geltend zu machen. Seine diesbezüg- lichen Ausführungen, wonach ihn niemand früher zur Beschaffung aufge- fordert habe, und er die Wichtigkeit der Dokumente aufgrund mangelnder Rechtskenntnisse nicht habe erkennen können, vermögen nicht zu übe r- zeugen, war er doch im vorangegangenen Beschwerdeverfahren anwal t- schaftlich vertre ten. Es ist damit g rundsätzlich von verspäteten Vorbri n- gen im Sinne von Art. 46 VGG auszugehen. Dies trifft ebenso auf die mit Fax-Eingabe vom 22. Mai 2012 n achgereichte Pass-Verlustmeldung aus dem Jahr 2001 zu. 3.2.2 Im Übrigen erweisen sich die neuen Beweismittel als nicht erhe b- lich. Im Beschwerdeurteil vom 20. Februar 2012 wurde die vom G e- suchsteller geltend gemachte Ver folgung durch Anhänger der TMVP als unglaubhaft qualifiziert. Es wurde festgestellt, dass angesichts der den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genü-D-2434/2012 Seite 11 genden Schilderungen des Gesuchstellers davon auszugehen sei, dass es sich bei d en Verfolgungsvorbringen um ein Sachverhaltskonstrukt handle. Die nun neu eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Ei n- schätzung nichts zu ändern. Die Polizeianzeige vom 4. Oktober 2008 lag bereits im Beschwerdeverfahren in Kopie vor und der Gesuchsteller ver- kennt, dass nicht nur das Fehlen des Originals dieses Dokuments dazu führte, dass seine Vorbringen als unglaubhaft qualifiziert wurden; die Schlussfolgerung, dass es sich um ein Sachverhaltskonstrukt handle, ba- sierte vielmehr auf einer Gesamtwürdigung der in wesentlichen Punkten widersprüchlichen, unsubstanziiert en, realitätsfremden, nachgeschobe- nen und tatsachenwidrig en Schilderungen des Gesuchstellers (vgl. E. 5.1.-5.2. des Beschwerdeurteils vom 20. Februar 2012). Das – nicht auf einem amtlichen Formular verfasste und damit kaum auf seine Echt- heit hin überprüfbare – Original der Polizeianzei ge vom 4. Oktober 2008 und der polizeiliche Ermittlungsbericht an den Magistrate Court vom 20. August 2008 vermögen nichts daran zu ändern, dass sich der G e- suchsteller zum fraglichen Entführungsversuch und dessen Hintergrund – seiner angeblichen Tätigkeit für den Geheimdienst – unglaubhaft geäus- sert hat. Selbst wenn der Gesuchsteller am 18. August 2008 eine Anzeige erstattet haben sollte, ist damit nicht erstellt, dass sich der Vorfall tatsäch- lich wie von ihm behauptet zugetragen hat. Aus dem polizeilichen Ermitt- lungsbericht an den Magistrate Court vom 20. August 2008 und den zwei Folgeberichten vom 11. Mai 2009 vermag der Gesuchsteller nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, beziehen sich diese Dokumente doch nicht auf eine Anzeige des Gesuchstel lers, sondern auf eine Anzeige von M._______ wegen Raubes zweier Mobiltelefone ; der Gesuchsteller wird darin nur als Zeuge genannt. Die Hängigkeit eines vom Gesuchsteller ini- tiierten Strafverfahrens lässt sich daraus nicht ableiten. Eine Verfolgung des Gesuchstellers bei einer Rückkehr nach Sri Lan ka vermögen diese Dokumente damit ebenso wenig zu belegen wie die – lediglich in Fax - Kopie – nachgereichte Pass-Verlustmeldung aus dem Jahr 2001 . Die neuen Beweismittel sind da her als nicht beweistauglich und somit als nicht erheblich im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG zu erachten. 3.2.3 Was die übrigen Einwände in der Revisionseingabe und deren E r- gänzungen – insbesondere hinsichtlich der Beurteilung der Glaubhafti g- keit der Vorbringen des Gesuchstellers – betrifft, so laufen diese auf eine allgemeine, appellatorische Kritik am begründeten Beschwerdeurteil vom 20. Februar 2012 respektive auf eine Beanstandung der rechtlichen Wü r- digung des Sachverhalts in diesem Urteil hinaus. Der Gesuchsteller ruft zwar mit Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG einen Revisionsgrund an, beabsic h-D-2434/2012 Seite 12 tigt jedoch mit seiner Eingabe vielmehr eine andere Würdigung des Sachverhalts. Dafür besteht jedoch im Rahmen eines Re visionsverfah- rens kein Raum. Eine erneute rechtliche Würdigung aktenkundiger Tatsa- chen beschlägt eine Rechtsfrage und nicht den Sachverhalt und stellt damit keinen Revisionsgrund dar (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen As ylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 29 E. 5). 3.3 Die Frage, ob der Gesuchst eller mit den Vorbringen in d er Eingabe vom 3. Mai 2012, den Ergänzungen in den Fax -Eingaben vom 20., 21. und 22. Mai 2012 und den nach dem Beschwerdeurteil vom 20. Februar 2012 entsta ndenen neuen Beweismitteln Wiedererwägungsgründe zu begründen vermag, wird durch das BFM zu prüfen sein. Eine diesbezüg- liche Überweisung an das BFM zwecks Prüfung unter wiedererwägung s- rechtlichen Aspekten ist angesichts der ausdrücklichen Ankündigung des Gesuchstellers in der Eingabe vom 3. Mai 2012, selbst umgehend ein Wiedererwägungsgesuch beim BFM einzureichen, indes obsolet. 4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein revisionsrechtlich releva n- ter Sachverhalt dargetan ist. Das Gesuch um Revision des U rteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Februar 2012 (Verfahren D -[…]) ist demzufolge abzuweisen. 5. 5.1 Mit vorliegendem Urteil ohne vorgängige Instruktion erweisen sich die Gesuche um Erlass vorsorglicher Massnahmen und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstandslos. 5.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist das Revisionsgesuch als aussichtslos zu qualifizieren. Das sinngemässe Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher – ungeachtet der allfälligen Bedürftigkeit des Gesuchstellers – ab- zuweisen. 5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten von Fr. 1200.– dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 68 Abs. 2 VwVG; Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor de m Bundesverwaltungsgeric ht [VGKE, SR 173.320.2]). D-2434/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1200.– werden dem Gesuchsteller aufe r- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand: