Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Oktober 2020 (720 20 208 / 256) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 2102, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1974 geborene A.____ meldete sich am 27. Septe mber 2012 bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an unter Hinweis auf Schmerzen in der linken Seite (Knie, Wade und Hüfte), zunehmende Rückenschmerzen, eine Handfraktur im Jahr 2004, einen Herzfehler sowie eine psychische Erkrankung. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) klärte in der Folge die erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse ab. Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gab die IV-Stelle im Rahmen der Rentenprüfung ein bidisziplinäres Gutachten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Rheumatologie und Psychiatrie) in Auftrag, wobei aus somatischer Sicht eine 50%ige Arbeitsfä- higkeit in der angestammten und eine 90%ige Arbeitsfä higkeit in einer leidensangepassten Tä- tigkeit festgestellt wurde. Nach erfolgter Abklärung st ellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 4. März 2016 die Ablehnung eines Rentenanspruchs aufgrun d eines ermittelten Invaliditätsgra- des von 10 % in Aussicht. Nachdem A.____, vertreten durch die B.____ Rechtsschutzversiche- rung Einwand erhoben hatte, klärte die IV-Stelle wei ter ab und gab eine medizinische Verlaufs- untersuchung (Rheumatologie und Psychiatrie) in Auftrag , wobei auf Wunsch von A.____ die erneute bidisziplinäre Begutachtung durch zwei andere Gu tachter durchgeführt wurde. Im Rah- men der Begutachtung wurde wiederum eine 50%ige Arb eitsfähigkeit in der angestammten Tä- tigkeit und neuerdings eine 30%ige Leistungsminderung aufgrund der chronischen Schmerzprob- lematik in einer angepassten Tätigkeit festgestellt. Da diese Höhergewichtung der Arbeitsunfä- higkeit gemäss Gutachterin eine unterschiedliche Beurteil ung des gleichen medizinischen Zu- standes darstelle, stützte sich die IV-Stelle weiterhin a uf das Erstgutachten und ging von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigk eit und einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit aus. Mit Vorbescheid vom 4. November 2019 stellte die IV-Stelle erneut die Ablehnung des Rentenanspruchs bei einem IV-Grad von 10 % in Aussicht. Nachdem A.____, wiederum vertreten durch die B.____ Rechtsschutzversicherung, Einwand erhoben hatte, lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. April 2020 einen Rentenanspruch von A.____ gestützt auf einen IV-Grad von 10 % ab. B. Hiergegen erhob A.____, nunmehr vertreten durch A dvokatin Raffaella Biaggi, mit Schreiben vom 25. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verurteilen, ihm ab April 2013 die gesetzliche Inva- lidenrente auszurichten. Ausserdem sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege für das vorliegende Verfahren zu bewilligen. C. Mit Verfügung vom 27. Mai 2020 wurde das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen. D. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 1 9. Juni 2020, dass die Beschwerde abgewiesen werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen f orm- und fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and ern Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k önnte, in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in valid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausserordentlichen Me- thode (BGE 128 V 29). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die recht sanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlagen angew iesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zu- mutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufs- arbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persön- lichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaff- hauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.1 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärz- ten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rech nung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungs- auftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Ge- richtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wich- tige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpreta tion entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerd eführers liegen im Wesentli- chen die folgenden ärztlichen Unterlagen vor: 6.1 Im Juni 2015 ergeht das von der IV-Stelle in Auft rag gegebene bidisziplinäre rheumato- logisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie. 6.1.1 Dr. C.____ stellt in seinem psychiatrischen Teilgu tachten vom 5. Juni 2015 keine Diag- nosen mit Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wer- den eine depressive Störung leichtes bis subsyndromales Ausmass, eine Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren und akzentuierte (narzisstische/histrionische) Persönlich- keitszüge diagnostiziert. 6.1.2 Dr. D.____ hält im rheumatologischen Teilgutach ten vom 16. Juni 2015 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Koxarthrose links mehr als rechts sowie eine progrediente Arthrose des proximalen Tibiofibulargelenkes links fest. Beim Versich erten seien degenerative Gelenks- veränderungen bekannt. Entsprechend der klinischen Untersuchung würden nach wie vor lokali- sierte Schmerzen bei der Untersuchung des Hüftgelenks links und des Tibiofibulargelenks links bestehen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass ein organi scher Kern am Gesamtbeschwer- debild beteiligt sei. Daneben würden sich aber deutliche Zeichen einer so genannten Symptom- ausweitung mit einem Schmerzsyndrom an der ganzen linken Körperseite verbunden mit Ge- fühlsstörungen und einem ausgeprägten Hinken, ohne da ss Muskelhypotrophien auf der linken Seite dokumentiert werden könnten. Die Beschwerden im Rahmen der Symptomausweitung wür- den nicht in die rheumatologische Beurteilung der Arbe itsfähigkeit integriert, da es sich hierbei nicht um ein rheumatologisches Krankheitsbild handle. Dieser Beschwerdekomplex sei im Sinne einer psychosomatischen Problematik zu verstehen. Da der Beschwerdeführer in der zuletzt aus- geübten Tätigkeit auch habe Stehen und Gehen müssen, bestehe aus rheumatologischer Sicht bezogen auf den somatischen Kern der wahrgenommenen Beschwerden eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von insgesamt 50 %. Entsprechend der Aktenlage sei der Beginn der Arbeits- unfähigkeit mit dem 22. März 2012 anzugeben. Körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die vorwiegend sitzend ausgeübt werden könnten, seien dem Versicherten aus rheumatologi- scher Sicht mit einem höhergradigen Pensum zumutbar. Auf grund der chronischen lokalen Schmerzproblematik sei aber auch hier von einer teilweisen Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit auszugehen im Sinne eines etwas erhöhten Pausenbedarfs. In einer adaptierten Tätigkeit werde deshalb aus rheumatologischer Sicht seit dem 22. März 201 2 eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % bestätigt. 6.1.3 Die beiden Gutachter hätten in einem längeren Telefongespräch die jeweiligen fachspe- zifischen Beurteilungen diskutiert. Da aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits- fähigkeit attestiert werde, könne die rheumatologische Beurteilung als bidisziplinäre Gesamtbe- urteilung der Arbeitsfähigkeit uneingeschränkt übernommen werden. 6.2 Im Juni bzw. Juli 2019 ergeht das von der IV-Stell e bei Dr. med. E.____, FMH Rheuma- tologie und Innere Medizin, und Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in Auftrag gegebene psychiatrisch-rheumatologische Verlaufsgutachten 6.2.1 Im rheumatologischen Teilgutachten vom 29. Juni 2 019 diagnostiziert Dr. E.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: - ein Schmerzsyndrom der linken Körperhälfte mit/bei p rogredienter Arthrose des pro- ximalen Tibiofibulargelenkes und Chondropathie Grad II medialer Femurkondylus Knie links, - Verdacht auf Narbenirritation des Nervus peroneus links bei sonographisch ausge- dehnter Vernarbung des Nervus peroneus communis neben dem Fibulaköpfchen, - beginnende Coxarthrose links, - mässige muskuläre Dysbalance Schultergürtel links betont ( Trapezius) und im Be- reich des Quadratus lumborum links und des Trizeps surae links - intermittierende Schmerzen Handgelenk links bei Statu s nach Entfernung eines dor- salen Handgelenkganglions links am 14. Februar 1991 u nd gemäss Angeben des Versicherten rezidiv Was die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betreffe, nämlich Warenannahme und Wa- reneingangskontrolle mit manchmal Verteilen und Einsam meln von Briefpost und Paketen wie auch Mithilfe beim Versand bestehe eine insgesamt 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dr. E.____ hält fest, dass die Beurteilung mit der E inschätzung des früheren Gutachters Dr. D.____ übereinstimme. Was die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit betreffe, so könne der Beschwerdeführer leichte bis maximal intermittiere nd mittelschwere, mehrheitlich im Sitzen auszuübende Arbeiten verrichten, ohne Tätigkeiten, die dauerndes oder wiederholtes in die Ho- cke gehen, Knien, Arbeiten im Knien und Gehen auf une benem Grund, wie auch ohne wieder- holtes Steigen auf Treppen oder Leitern sowie ohne A rbeiten in der Höhe, ausüben. Aufgrund der chronischen Schmerzproblematik bestehe diesbezüglich eine Leistungsminderung von 30 % bezogen auf ein 100 %-Pensum. Die qualitativen Einschränkungen würden retrospektiv ab dem April 2012, die quantitativen Einschränkungen ab dem 31. Mai 2014 bestehen. Dr. E.____ hält fest, dass diese Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in an gepasster Tätigkeit in qualitativer Hinsicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beurteilung von Dr. D.____ entspreche. Die quantitative Einschränkung werde aufgrund der chronischen Schmerzproblematik von ihr höher als von Dr. D .____ gewichtet, hierbei handle es sich um eine unterschiedliche Beurteilung des gleichen medizinischen Zustandes. 6.2.2 Im psychiatrischen Teilgutachten vom 10. Juli 2019 st ellt Dr. F.____ keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führt er eine depressive Störung leichtes bis subsyndormales Ausmass, eine Schmerzstörung mit kör- perlichen und psychischen Faktoren und akzentuierte (narzisst ische/histrionische) Persönlich- keitszüge an. 6.2.3 Die Konsensbesprechung habe am 8. Juli 2019 f ernmündlich zwischen den beiden Gut- achtern stattgefunden. Im Vordergrund stehe die aus rhe umatologischer Sicht attestierte Ein- schränkung. 6.3 Auf Nachfrage des Regionalen Ärztlichen Dienstes ( RAD) nehmen Dr. F.____ und Dr. E.____ mit Schreiben vom 14. Oktober 2019 nochmal s Stellung. Sie halten dabei an ihrer bisherigen Einschätzung fest, insbesondere daran, dass a us psychiatrischer Sicht keine Beein- trächtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt. 6.4 Mit Aktennotiz vom 24. Oktober 2019 hält der RAD- Arzt Dr. med. I.____, Facharzt für Orthopädie und Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, im Wesentlichen fest, dass die quantitative Einschränkung aufgrund der chronischen S chmerzproblematik von Dr. E.____ höher gewichtet werde als von Dr. D.____. Gemäss explizite r Erklärung von Dr. E.____ handle es sich dabei um eine unterschiedliche Beurteilung des g leichen medizinischen Zustands. Der RAD-Arzt führt aus, dass die Höhergewichtung der Arbeitsunfähigkeit in der leidensangepassten Tätigkeit jedoch nicht durch nachvollziehbare und belastbare somatische Befunde begründet wer- den könne. Es sei bei dieser Situation nach wie vor au f die rheumatologische Beurteilung durch Dr. D.____ aus dem Jahre 2015 abzustellen. 6.5 Mit Schreiben vom 25. Oktober 2019 nimmt Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, RAD, aus psychiatrischer Sicht Stellung. Er hält insbesondere fest, dass beide psy- chiatrische Gutachten konsistent seien und dass beide Gutach ten keine Diagnosen mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen können. 6.6 In einer Aktennotiz vom 2. Juni 2020 von Dr. G.__ __ wird festgehalten, es erschliesse sich nicht, wie das vom Versicherten erwähnte Herzleiden in den bisherigen Einschätzungen eine relevante Rolle hätte einnehmen könne. Weder sei das Le istungsniveau vor Anmeldung leis- tungslimitierend in Erscheinung getreten, noch sei eine begrenzte Leistungsfähigkeit kardiologi- scherseits festgestellt worden. Dr. G.____ verweist dabei auf die kardiologische Untersuchung von PD Dr. med. H.____, FMH Kardiologie und Innere M edizin, vom 23. August 2018, wonach die klinische Untersuchung unauffällig gewesen sei und sich echokardiographisch keine Verän- derungen im Vergleich zur Voruntersuchung hätten finden lassen. Insbesondere habe weiterhin eine gute biventrikuläre Funktion und keine Zunahme d er Subaortenstenose vorgelegen. PD Dr. H.____ habe den Patienten bis 196 Watt belast en können und der Patient sei bis zum Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schluss asymptomatisch ohne Thoraxschmerzen und ohne Hinweise für eine Myokardischämie geblieben. Somit habe ein extrakardialer Thoraxschmerz und keine Progredienz der Subaorten- stenose bestanden. Dr. G.____ schloss daraus, dass eine kar diologische Begutachtung nicht angezeigt gewesen sei. Auch die Notwendigkeit der vom Beschwerdeführer geforderten neu- ropsychologischen Untersuchung erschliesse sich ihm nicht. Ein Versäumnis oder eine fehlende Disziplin bei der Begutachtung könne, auch retrospektiv, nicht erkannt werden. 7. Die IV-Stelle stützte sich zur Beurteilung der Ang elegenheit auf die Ergebnisse des bi- disziplinären Gutachtens von Dr. C.____ und Dr. D.____ vom Juni 2015 bzw. auf die Einschät- zung von Dr. F.____ in seinem psychiatrischen Gutachten vom 10. Juli 2019 und ging demzufolge von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % aus. Sie wich dabei von der Einschätzung der rheumatologischen Gutachterin Dr. E.____ in ihre m Gutachten vom 29. Juni 2019 ab. Dr. E.____ ist – anders als der Rheumatologe Dr. D.____ – von einer Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit von 30 % ausgegangen. Wie Dr. E.____ selbst aus- führt, sei die quantitative Einschränkung aufgrund der chronischen Schmerzproblematik von ihr höher gewichtet worden als von Dr. D.____. Es handle si ch dabei um eine unterschiedliche Be- urteilung des gleichen medizinischen Zustandes. 7.1 Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, dass ihm ein angeborenes Herzleiden Angst vor dem Tod bereite, weshalb man auch eine kardiolog ische Untersuchung hätte vornehmen müssen. Zu Recht verweist hier die IV-Stelle darauf, dass die kardiologische Untersuchung durch PD Dr. H.____ vom 23. August 2018 unauffällige Ergebnisse gezeigt habe, weshalb eine kardio- logische Untersuchung nicht angezeigt gewesen sei. Weit er macht der Beschwerdeführer gel- tend, dass eine neuropsychologische Testung hätte durchge führt werden müssen. Begründet wird diese Forderung allerdings nicht näher, sondern e s wird lediglich auf gewisse Konzentrati- onsschwierigkeiten hingewiesen. Auch diesbezüglich ist mi t der IV-Stelle davon auszugehen, dass keine Auffälligkeiten vorhanden waren, die eine neuropsychologische Abklärung erforderlich gemacht hätten. Auch darf davon ausgegangen werden, dass bei entsprechenden Auffälligkeiten die Gutachter auf eine diesbezügliche Abklärung hingewirkt hätten. 7.2 Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, dass das Gutachten von Dr. F.____ nicht beweiskräftig sei. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, dass Dr. F.____ eine rezidivierende depressive Störung mit dem Argument verneine, dass es beim Beschwerdeführer nie Phasen mit Remissionen gegeben habe. Die Diagnose einer rezidivier enden depressiven Störung verlange keine Remission der Symptomatik. Der Gutachter würdige auch die Antriebslosigkeit, die Müdig- keit, die Konzentrationsschwierigkeiten und das verminderte Selbstwertgefühl wie auch die feh- lende Perspektive und Zukunftsängste nicht genügend. Dabei handle es sich durchwegs um Ele- mente der Diagnose einer depressiven Störung. Alles in Allem sei das Gutachten von Dr. F.____ oberflächlich. Mit der IV-Stelle ist vorweg festzuhalt en, dass die Diskussion um die korrekte Di- agnosestellung nicht entscheidend ist, da letztendlich die funktionale Einschränkung für die Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit relevant ist. In der Beschwerde wird nicht näher begründet, wes- halb die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung keine Remission der Symptomatik zwischen den Episoden voraussetzt. Bereits die Einsicht in die Diagnosekriterien der ICD-10 F33 widerlegen diesen Einwand des Beschwerdeführers. Weite r ist klarzustellen, dass Dr. F.____ Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sehr wohl eine depressive Störung diagnostiziert, allerdings ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit. Im Gutachten legt Dr. F.____ rechtsgenüglich und nachvollziehbar dar, dass die diagnos- tizierte depressive Störung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hat, weil die Stö- rung lediglich geringfügig ist. In Bezug auf den psychiatrischen Befund liegt nicht nur das Gutachten von Dr. F.____, sondern auch dasjenige von Dr. C.____ vor. Auch dieser stellt ke ine psychiatrische Diagnose mit Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sind keine Gründe ersichtlich, welche ein Abweichen von den Schlussfo lgerungen der beiden psychiatri- schen Gutachter nahelegen würden. 7.3 Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, dass die IV- Stelle zu Unrecht auf die Einschät- zung von Dr. D.____ abstelle und deshalb fälschlicherweise von einer lediglich 10%igen Arbeits- unfähigkeit ausgehe, während Dr. E.____ in ihrem rheu matologischen Teilgutachten von einer 30%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen sei. Zudem werde den leidensbeding- ten Einschränkungen des Beschwerdeführers mit einem Leid ensabzug von 10 % nur ungenü- gend Rechnung getragen. Bei der Bemessung des IV-Grades gestützt auf eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % und einen leidensbedingten Abzug von 20 % ergebe sich bereits ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Ob die IV-Stelle zu Recht gestützt auf das Gutachten vo n Dr. D.____ von einer 10 %igen Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen ist oder ob sie auf die Einschätzung von Dr. E.____, wonach eine 30%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in ei- ner Verweistätigkeit bestehe, hätte abstellen müssen, kann – wie sich nachfolgend zeigen wird – offenbleiben. Festzuhalten bleibt dabei vorweg, dass di e IV-Stelle in der angefochtenen Verfü- gung – anders als in der Beschwerde festgehalten – kein en leidensbedingten Abzug vorgenom- men hat. Aufgrund der dem Einkommensvergleich zu Grunde gelegten und zu Recht nicht angefochtenen Zahlen ergibt sich, dass selbst unter Berücksichtigung einer 30%igen Einschränkung der Arbeits- fähigkeit und sogar mit einem leidensbedingten Abzug von 10 % ein IV-Grad von lediglich 37 % resultiert, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht. In Bezug auf den Leidensabzug bleibt festzuhalten, dass unter der Annahme einer 30% igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit – wie dies von Dr. E.____ postuliert wird – bereits ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug von 10 % als sehr grosszügig erscheint. Ein höherer Abzug steht jeden- falls nicht zur Diskussion. 7.4 Nach dem Ausgeführten ist festzuhalten, dass die IV -Stelle einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat, weshalb die vorliegende Beschwerde abzuweisen ist. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ei nheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerde führer unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Bei diesem Verfahrensausgang ist dem Be- schwerdeführer keine Parteientschädigung zuzusprechen. Wie bereits ausgeführt, wurde das Ge- such des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltl ichen Rechtspflege mit Verfügung vom 27. Mai 2020 abgewiesen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvor schuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht