Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Juli 2020 (720 20 137 / 150) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf orthopädische Massschuhe Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. Die 1966 geborene A.____ benötigt infolge ihrer Grunderkrankungen seit Jahren or- thopädische Spezial- resp. Serienschuhe. Am 7. Oktober 20 19 ersuchte sie die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) mit Rezept der behandelnden Ä rztin Dr. med. B.____, Fachärztin für Or- thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsa pparates, C.____AG, vom 10. Sep- tember 2019 und Kostenvoranschlag der Orthopädieschuht echnik D.____AG vom 16. Septem- ber 2019 um Kostenübernahme von Fr. 4'769.55 für die Anschaffung von orthopädischen Massschuhen und deren Fertigungskosten. Nach Rücksprache mi t Dr. med. E.____, Facharzt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht für Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie Orthop ädie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 14. Oktober 2019 und Durchführung des Vorb escheidverfahrens wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2. März 2020 a b. Begründend hielt sie fest, eine Versorgung mit orthopädischen Serienschuhen sei weiterhin ausreichend. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 26. März 202 0 Beschwerde beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflichten, die Kosten für die orthopädischen Massschuhe zu übernehmen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Durch- führung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegneri n zurückzuweisen. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass die Massschuhversorg ung fachärztlich angezeigt sei und sich die erforderlichen Anpassungen an einem Serien schuh nicht zufriedenstellend anbrin- gen lassen würden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Mai 2020 schloss die IV-Stelle unter Berufung auf die erneute Bewertung durch den RAD-Arzt Dr. E.____ vom 1 4. Mai 2020 auf Abweisung der Be- schwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invaliden versicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kan n gegen Verfügungen der IV- Stelle beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle i nnert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Zur Beurteilung der Beschwerde sachlich zuständ ig ist im Kanton Basel-Landschaft, gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht. Auf die beim zuständigen Gericht form- und fristgerecht ein gereichte Beschwerde vom 26. März 2020 kann demnach eingetreten werden. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Der Streitwert beträgt gemäss Kostenvoranschlag der D.____AG vom 16. September 2019 Fr. 4'769.55, weshalb die vorliegende Angelegenheit präsidial zu entschei- den ist. 2.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Ver sicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 lit. d IVG Anspruch auf die Abga be von Hilfsmitteln. Dieser Anspruch bezieht sich gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG auf jene Hilfsmitt el, deren sie für die Ausübung der Er- werbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbe reich, für die Schulung, die Ausbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedürfen. Unabhängig von einer allfälligen Erwerbstätigkeit hat die versicherte Person gemäss Art. 2 1 Abs. 2 IVG zudem Anspruch auf Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hilfsmittel, welcher sie infolge ihrer Invalidität fü r die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kost spieliger Geräte bedarf. In Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 hat der Bundesrat die ihm in Art. 21 Abs. 4 IVG übertragene Kompetenz zur R egelung der Voraussetzungen für die Abgabe von Hilfsmitteln dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) überlassen. Die- ses hat gestützt auf diese Subdelegation die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) vom 29. November 1976 mit der im Anhang aufgeführten Hilfsmittelliste erlassen. Gemäss deren Art. 2 besteht i m Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sin d (Abs. 1). Anspruch auf die mit (*) be- zeichneten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die A usbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2). 2.2 Ziffer 4 des Anhangs zur HVI regelt die Kategorie Schuhwerk und orthopädische Fuss- einlagen und führt folgende Hilfsmittel auf: 4.01: Orthopädische Massschuhe und orthopädische Serienschuhe einschliesslich Fertigungskosten, sofern eine V ersorgung gemäss den Ziffern 4.02-4.04 nicht möglich ist; 4.02: Orthopädische Ände rungen und Schuhzurichtungen an Kon- fektionsschuhen oder orthopädischen Spezialschuhen; 4.03: Orthopädische Spezialschuhe; 4.04: Invaliditätsbedingter Mehrverbrauch von Konfektio nsschuhen; 4.05*: Orthopädische Schuheinlagen, sofern sie eine notwendige Ergänzung e iner medizinischen Eingliederungs- massnahme darstellen. Die in diesen Ziffern statuierte Hilfsmittelversorgung unterliegt darüber hinaus stets den allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen gem äss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erforderlichkeit, Eingliederungswirksamkeit; vgl. BGE 122 V 212 E. 2c). Dabei besteht nur An- spruch auf Hilfsmittel in einfacher, zweckmässiger und wirt schaftlicher Ausführung (Art. 21 Abs. 3 IVG, Art. 2 Abs. 4 HVI, Urteil des Bundesgerichts vom 13. September 2011, 8C_34/2011, E. 3.2). 3.1 Ob es sich bei der vorliegend in Frage stehenden M assschuhversorgung um eine not- wendige Massnahme handelt, ist unter Würdigung der ins Recht gelegten medizinischen Unter- lagen zu entscheiden. 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5 .1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings ist hin- sichtlich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich de r angefochtene Entscheid aus- schliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die RAD-Berichte gehören – , sind an die Beweiswürdigung strenge Anford erungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkei t und Schlüssigkeit der ärztlichen Fest- stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 9C_627/2015, E. 2 mit weiteren Hinweisen). 3.4 Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie au ch der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). 4.1 Für die Beurteilung dieser Frage erweisen sich im W esentlichen die nachfolgenden medizinischen Unterlagen als massgebend: 4.2 Am 20. Juni 2017 diagnostizierte Dr. B.____ eine N icht-Insertionstendinopathie an der linken Achillessehne mit Druckproblematik in hohem Schu hwerk und als Nebendiagnosen ein dekompensierter Pes cavovarus rechts, eine spinale Muskelat rophie Typ Kugelberg Welander, eine psoriasisassozierte Spondylarthopathie mit peripher er und axialer Beteiligung, ein chroni- sches Lumbovertebralsyndrom und eine Adipositas. Die Versicherte habe seit circa zwei Jahren linksseitig Achillessehnenbeschwerden, nachdem eine Versorg ung mit hohem Schuhwerk auf- grund einer Instabilität des rechten oberen Sprunggel enks (OSG) und Fusses notwendig ge- worden sei. Eine Einlagenversorgung werde seit mehr als 20 Jahren vorgenommen. Diverse Schuhmodelle, inklusive Künzli Schuh, hätten keine Beschw erdebesserung gebracht. Es be- stünden eine deutliche Druckdolenz der linken Achillessehn e circa 2 cm oberhalb der Insertion, ausgeprägte Unterschenkelödeme beidseits sowie Psoriasis. Zu empfehlen sei zunächst ein konservatives Vorgehen im Sinne einer Druckentlastung du rch eine Achillotrain Bandage sowie eine physiotherapeutische Übungsbehandlung. Sollten sich die Beschwerden in drei Monaten nicht bessern, müsse an eine Stabilisierung des rechten Rü ckfusses gedacht werden, um eine Mobilisation im flachen Normalschuhwerk zu ermöglichen und damit die Druckproblematik der linken Achillessehne zu minimieren. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Am 19. September 2017 berichtete Dr. B.____, dass sich nach Einlagenversorgung und Schuhwechsel im Bereich der Achillessehne links keine signifikante Beschwerdeverbesse- rung eingestellt habe. Die Applikation von Flectropar inpflaster, welches neben der analgeti- schen und antiinflammatorischen Wirkung auch eine leichte Druckpolsterung gebe, bringe zwar eine deutliche kurzzeitige Besserung. Derzeit sei die Ver sicherte aber vor allem durch die In- stabilität im OSG bei dekompensiertem Pes cavovarus recht s gestört. Der Befund sei unverän- dert. Bezüglich der Achillessehnenbeschwerden würden wei terhin Flectoparinpflaster ver- schrieben. Zudem sei eine im Schuh angepasste OSG-Orthese zu empfehlen. 4.4 Am 26. August 2019 beschrieb Dr. B.____ im Vergle ich zur letzten Kontrolle einen na- hezu unveränderten Befund mit ausgeprägten Unterschenke l- und Fussödemen beidseits und eine unveränderte Druckdolenz der Achillessehne im distalen Verlauf circa 3-4 cm oberhalb der Insertion. Sie habe mit der Versicherten bei nicht opt imaler Schuhversorgung zunächst die kon- servative Therapie und die Neuanfertigung von orthopäd ischen Serienschuhen mit entspre- chendem Fussbett besprochen. Im Bereich der linken Achilless ehne könne eventuell die Fer- senkappe durch eine Weichbettung ersetzt werden. Rechtss eitig soll eine stabilisierende Ver- sorgung mit gegebenenfalls leichter lateraler Erhöhung vorgenommen werden. Sollte dies zu keiner Beschwerdeverbesserung führen, werde sich die Versicherte nochmals bei ihr melden. 4.5 Dr. B.____ bestätigte am 10. September 2019 die medizinische Notwendigkeit einer Massschuhversorgung. Aufgrund der Nebendiagnosen und der schmerzhaften Druckproblema- tik des Rückfusses sei eine Höhenversorgung mit (über-)knöchelhohem Schaft zur regelrechten Stabilisierung nötig. 4.6 Der RAD-Arzt Dr. E.____ führte am 14. Oktober 201 9 aus, Dr. B.____ habe am 26. August 2019 eine Neuanfertigung von orthopädischen Serienschuhen empfohlen, was nachvollziehbar sei. Weshalb nun – ohne eine Zwischenana mnese oder eine weitere klinische Untersuchung – orthopädische Massschuhe beantragt würden, sei nicht nachvollziehbar. Neue Befunde seien nicht ersichtlich. Die vorliegende Bildd okumentation und die Befunde würden nach wie vor die Versorgung mit orthopädischen Seriensc huhen erlauben. Orthopädische Massschuhe seien nicht erforderlich. 4.7 Am 6. November 2019 verwies Dr. B.____ auf ihre b isherigen Berichte und bekräftigte die Notwendigkeit orthopädischer Massschuhe. Die Druckproble matik im Bereich der Ferse durch die Psoriasisarthritis und das Lymphödem erfordere i m Fersenbereich mehr Volumen. Dies könne durch einen Serienschuh nicht erreicht werden. Zudem müsse zur regelrechten Mobilisation eine Einstellung der Sprunggelenke auf Ne utralposition gewährleistet sein, da in den Kniegelenken eine Recurvatumstellung bestünde. Wei ter müsse eine ausreichend grosse Standfläche und laterale Erhöhung aufgrund der Hohlf üssigkeit, der Genua vara und der Hüft- dysplasie ausgearbeitet werden. Eine mindestens knöchelhohe Versorgung sei erforderlich. 4.8 Am 14. Februar 2020 hielt Dr. E.____ fest, die im Bericht von Dr. B.____ vom 6. November 2019 erwähnte erforderliche Schuhzurichtung und Konfiguration (mehr Volumen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Fersenbereich, Einstellung der Sprunggelenke auf Ne utralposition, ausreichend grosse Standfläche und laterale Erhöhung, mindestens knöchel hohe Versorgung) könnten allesamt im Rahmen einer orthopädischen Serienschuhversorgung umge setzt werden. Der orthopädische Serienschuh werde als Halbfabrikat geliefert und vom Schu hmacher mit allen erforderlichen orthopädieschuhtechnischen Massnahmen ergänzt, wie dem Ei nbau einer orthopädischen Fussbettung und Schuhzurichtungen an Schaft und Boden. Er stelle eine rasche realisierbare Lösung dar, mit welcher die versicherte Person schnell mo bilisiert werden könne. Im Endzu- stand könnten solche Schuhe einem Massschuh gleichgesetzt werden. Die Versorgung mit or- thopädischen Serienschuhen sei vorliegend indiziert und entspreche auch der Einschätzung und Empfehlung von Dr. B.____ vom 26. August 2019. Au fgrund der Befunde und der Fotodo- kumentation sei eine Versorgung mit Massschuhen nicht erforderlich. 4.9 Am 14. Mai 2020 erachtete Dr. E.____ eine Umsetzun g der von Dr. B.____ genannten Erfordernisse im Rahmen eines orthopädischen Serienschuhs als möglich. Soweit beschwer- deweise geltend gemacht werde, die erforderlichen An passungen könnten an einem orthopädi- schen Serienschuh nicht angebracht werden, sei dies nur bedingt nachvollziehbar. Nach einer Präsentation von F.____, Eidg. dipl. Orthopädieschuhmacher, vom Juni 2017, Bildungszentrum IV, könnten mit orthopädischen Serienschuhen komplexe, sch wierige und problematische Fussveränderungen, welche deutliche Funktionsstörungen sow ie Deformationen aufweisen, versorgt werden. Aufgabe des orthopädischen Schuhmachers sei das Anpassen und Ändern im Schaftbereich, das Anpassen der Schuhweite, der Brands ohlen und der Hinterkappenverstär- kungen. Das Fussbett gelte als Basiselement und werde ind ividuell angefertigt. Bodenkorrektu- ren mit Stabilisierungen, Abrollungen, Stellungskorre kturen, Einstellen der Fersensprengung und Einbau von Funktionselementen seien ebenfalls Elem ente einer Versorgung mit orthopädi- schen Serienschuhen. Bei der Versicherten sollte eine adäq uate einfache und zweckmässige Versorgung mit orthopädischen Serienschuhen umsetzbar sein. 5.1 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin ortho pädisches Schuhwerk benötigt. Fraglich ist, ob die erforderliche Schuhzurichtung im Ra hmen einer orthopädischen Serien- schuhversorgung umgesetzt werden kann, wovon die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 2. März 2020 gestützt auf die Einschätzung des RAD-Ar ztes Dr. E.____ vom 14. Oktober 2019 ausgeht. Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Berichte von Dr. B.____ und Auskünfte der Orthopädietechnikerin G.____ (D.____AG) auf den Stand- punkt, dass sich die erforderlichen Anpassungen an einem S erienschuh nicht zufriedenstellend anbringen lassen würden. Wie in Erwägung 3.3 hiervor a usgeführt, sind an die Beweiswürdi- gung strenge Anforderungen zu stellen, wenn sich der an gefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen stützt. Interne Berichte des RAD haben eine andere Funktion als medizinische Gutachten (Art. 44 ATS G) oder Untersuchungsberichte des RAD im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV. Ihre Funktion b esteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entsche iden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu nam entlich auch gehört, bei wider- sprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen u nd zu beurteilen, ob auf die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber ein e zusätzliche Abklärung vorzunehmen sei (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2015, 9C_692/2014, E. 3.3). 5.2 Ob aus Sicht der technischen Machbarkeit eine Indikat ion für orthopädische Mass- schuhe besteht, kann aufgrund der gegebenen Aktenlage n icht abschliessend beurteilt werden. Während Dr. E.____ eine angepasste Serienschuhversorgun g als möglich erachtet, geht Dr. B.____ in ihrem Bericht vom 6. November 2019 davon aus, dass das erforderliche Volumen im Fersenbereich bei einem Serienschuh nicht erreicht we rden könne, weshalb ein orthopädi- scher Massschuh notwendig sei. Zwar trifft zu, dass Dr. B.____ in ihrem Bericht vom 26. August 2019 (zunächst) eine Neuanfertigung von orthopädischen Serienschuhen befürwortete und die Notwendigkeit einer Massschuhversorgung erst am 10. Septem ber 2019 bejahte. Auch wenn zudem der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc), we shalb nicht unbesehen darauf abge- stellt werden kann, lässt ihre Beurteilung vom 6. Novem ber 2019 dennoch Zweifel an der Ein- schätzung des RAD-Arztes Dr. E.____ aufkommen. Dies gilt umso mehr, als Dr. E.____ die Beschwerdeführerin nie persönlich untersuchte und sich bei der Beurteilung weitgehend auf das vorliegende Bildmaterial und die vorliegenden Berichte abstützte. Ein solches Vorgehen ist je- doch gerade im vorliegenden Fall nicht mit einer pers önlichen Untersuchung vergleichbar. Ob ein Schuh passt resp. angepasst werden kann, entscheidet sich nach allgemeiner Lebenserfah- rung in der Regel anhand kleinster Masseinheiten. Im vor liegenden Fall kann es nicht anders liegen: Ob bei der Beschwerdeführerin eine Massschuhverso rgung erforderlich ist, kann nur anhand einer direkten Untersuchung resp. Sichtung von de ren Füssen und unter Berücksichti- gung des handwerklich Machbaren verlässlich eruiert werden. Dies wurde vorliegend durch Dr. B.____ durchgeführt, weshalb ihrer Einschätzung mi t Blick auf den Beweiswert ein höheres Gewicht zukommt als der Aktenbeurteilung des RAD-Arztes Dr. E.____. Immerhin erachtete er die Argumente in der Beschwerde hinsichtlich der technische n Machbarkeit der Anpassungen im Rahmen eines orthopädischen Serienschuhs als „bedingt nachvollziehbar“, was aber weitere Zweifel an seiner Einschätzung erweckt. Soweit er sich auf eine vom Bildungszentrum IV durchgeführte Präsentation eines für die IV und AHV tä tigen Orthopädieschuhmachers beruft und davon ausgeht, dass mit orthopädischen Serienschuhen ( generell) komplexe, schwierige und problematische Fussveränderungen, die deutliche Fun ktionsstörungen sowie Deformatio- nen aufweisen, versorgt werden könnten, mag dies zwar g rundsätzlich zutreffen. Mangels hin- reichendem Bezug zur vorliegend zu beurteilenden Schuh herstellung resp. Schuhanpassung, welche der spezifischen Konstellation in der Fussregion d er Beschwerdeführerin in ausreichen- dem Masse Rechnung trägt, lassen sich daraus indes keine gesicherten Schlüsse ableiten. 5.3 Da Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin eingeholten und als massgeblich erachteten versicherungsin ternen Beurteilung von Dr. E.____ bestehen, kann nach dem oben Gesagten bei diesem Bewe isergebnis nicht darauf abgestellt werden. So wie sich die Aktenlage präsentiert kann kein e verlässliche Aussage zur entschei- denden Frage gemacht werden, ob die erforderlichen An passungen an einem orthopädischen Serienschuh angebracht werden können. Die Angelegenheit ist daher zur weiteren Abklärung bei einem unabhängigen Orthopädieschuhmacher und Neuverfügung an die Vorinstanz zurück- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuwiesen. Allenfalls ist der Fall der Paritätischen Vertr auenskommission Fuss und Schuh (vgl. Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung [KHMI] gültig ab 1. Januar 2013, Stand: 1. Januar 2020, Rz. 2020) zu unterbreiten. 5.4 Zusammenfassend ist die Beschwerde demnach in dem Si nne gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur erg änzenden Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 6. Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitw ert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 400.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Ange- legenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägu ngen und zum Erlass einer neuen Ver- fügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unte rliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). B eim vorliegenden Prozessausgang sind deshalb die Verfahrenskosten der IV-Stelle zu auferle gen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. Eine Parteientschädigung wird der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin nicht ausgerichtet. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 2. März 2020 aufgehoben und die Sache zur ergän- zenden Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-St elle zurück- gewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss i n der Höhe von Fr. 400.-- wird ihr zurückerstattet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht