<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 108 S.430</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">430</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>108</b></span> <span class="ft2"><b>Untersuchungsgrundsatz; Mitwirkungspflicht; Massnahme; Kostenaufla-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ge.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die Untersuchungsmaxime wird relativiert durch die Mitwirkungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>pflicht der Parteien, wenn eine Partei das Verfahren durch eigenes</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">431</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>Begehren eingeleitet hat oder darin eigene Rechte geltend macht (Erw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>2/b/aa).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die Mitwirkungspflicht gilt vorab für solche Tatsachen, welche eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Partei besser kennt als die Behörden und welche diese ohne ihre Mit-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wirkung gar nicht oder nicht ohne unvernünftigen Aufwand erheben</b></span><br/> <span class="ft2"><b>können (Erw. 2/b/aa).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die Massnahmeempfindlichkeit ist bereits im Beschwerdeverfahren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hinreichend zu begründen und zu belegen (Erw. 2/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Kostenauflage bei Saumseligkeit (Erw. 2/c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 3. Juli 2002 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">F.R. gegen den Entscheid des Departements des Innern.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. b) aa) Für die Feststellung des Sachverhalts gilt im Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsverfahren grundsätzlich die Untersuchungsmaxime. Diese wird</span><br/> <span class="ft1">jedoch relativiert durch die Mitwirkungspflicht der Parteien, welche</span><br/> <span class="ft1">namentlich insoweit greift, als eine Partei das Verfahren durch eige-</span><br/> <span class="ft1">nes Begehren eingeleitet hat oder darin eigene Rechte geltend macht.</span><br/> <span class="ft1">Die Mitwirkungspflicht gilt vorab gerade für solche Tatsachen, wel-</span><br/> <span class="ft1">che eine Partei besser kennt als die Behörden und welche diese ohne</span><br/> <span class="ft1">ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht ohne unvernünftigen Aufwand</span><br/> <span class="ft1">erheben können (BGE 128 II 142 f. mit Hinweisen). Gemäss § 21</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 VRPG sind die Beteiligten verpflichtet, an der Feststellung</span><br/> <span class="ft1">des Sachverhalts mitzuwirken, soweit dies besondere Vorschriften</span><br/> <span class="ft1">vorsehen, oder soweit sie ein Verfahren durch ihre Begehren einlei-</span><br/> <span class="ft1">ten oder darin selbständige Anträge stellen (vgl. dazu AGVE 1986,</span><br/> <span class="ft1">S. 328 ff.).</span><br/> <span class="ft1">bb) Der Beschwerdeführer hat gegen den vom Strassenver-</span><br/> <span class="ft1">kehrsamt verfügten Führerausweisentzug ein Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">angestrengt und eine blosse Verwarnung (oder eventualiter eine Re-</span><br/> <span class="ft1">duktion der Entzugsdauer) verlangt. Seinen Eventualantrag hat er</span><br/> <span class="ft1">u.a. mit der beruflichen Angewiesenheit des Beschwerdeführers auf</span><br/> <span class="ft1">den Führerausweis begründet. Der Anwalt des Beschwerdeführers</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">432</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hat es jedoch versäumt, dessen Angewiesensein auf den Führeraus-</span><br/> <span class="ft1">weis hinreichend zu begründen und zu belegen. Auf Grund der An-</span><br/> <span class="ft1">gaben des Beschwerdeführers durfte das Departement des Innern</span><br/> <span class="ft1">davon ausgehen, der Beschwerdeführer arbeite als "Aussendienst-</span><br/> <span class="ft1">mitarbeiter"; es bestand kein Grund zur Vermutung, der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer sei als Berufschauffeur tätig. Der Anwalt des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers hätte dies geltend machen müssen. Es ist somit auf das prozes-</span><br/> <span class="ft1">suale Verhalten des Anwalts des Beschwerdeführers zurückzuführen,</span><br/> <span class="ft1">dass nicht bereits die Vorinstanz zum Schluss gekommen war, beim</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer liege eine hochgradige Massnahmeempfindlich-</span><br/> <span class="ft1">keit vor und deswegen die Entzugsdauer reduzierte.</span><br/> <span class="ft1">c) Gemäss § 33 Abs. 2 Satz 3 VRPG können die Kosten ganz</span><br/> <span class="ft1">oder teilweise dem Obsiegenden auferlegt werden, wenn er durch</span><br/> <span class="ft1">Saumseligkeit in der Vorinstanz das Beschwerdeverfahren verursacht</span><br/> <span class="ft1">hat. Saumseligkeit in der Vorinstanz kann u.a. darin bestehen, dass</span><br/> <span class="ft1">bestimmte tatsächliche Behauptungen und Beweismittel erst im</span><br/> <span class="ft1">verwaltungsgerichtlichen</span> <span class="ft1">Verfahren</span> <span class="ft1">(neu)</span> <span class="ft1">vorgebracht</span> <span class="ft1">werden</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1972, S. 328 f.; 1976, S. 307 f.).</span><br/> <span class="ft1">Ein solcher Fall liegt hier vor. Der Beschwerdeführer hat es ver-</span><br/> <span class="ft1">säumt, bereits vor dem Departement des Innern geltend zu machen</span><br/> <span class="ft1">und entsprechend zu belegen, dass er als Berufschauffeur arbeitet.</span><br/> <span class="ft1">Diese Saumseligkeit hat für den Beschwerdeführer Kostenfolgen. Er</span><br/> <span class="ft1">hat die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu tragen und hat für</span><br/> <span class="ft1">jenes Verfahren keinen Anspruch auf Parteikostenersatz.</span><br/></div> </div> </body> </html>