B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2222/2020 bri/fes U r t e i l v o m 12 . A p r i l 2 0 2 1 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Advokaturbüro, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung vom 25. März 2020 / N (…). D-2222/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsbürger tamilischer Ethnie, aus B._______ (Distrikt C._______) mit letztem Wohnort in D._______ (Distrikt E._______), verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am 20. März 2016 auf dem Luftweg nach Dubai. Via den Iran, Türkei, Ungarn und ihm unbekannte Länder reiste er am 7. Juli 2016 in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. B. Am 19. Juli 2016 erhob das SEM im Empfang s- und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ die Personalien des Beschwerdeführers und befragte ihn zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gründen für die Ausreise (Befra- gung zur Person [BzP]). Am 24. August 2018 wurde er einlässlich zu den Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches führte er aus, im Jahre 2009 sei er auf der Flucht wegen des Kriegs von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangsrekrutiert worden. Zwei Tage habe er sich bei den LTTE auf- gehalten, am dritten Tag sei er geflohen. Das sei vermutlich in G._______ gewesen, was er aber nicht mit Sicherheit wisse. Nach seiner Flucht sei er mit seinem Bruder und dessen Familie in ein von der sri-lankischen Armee kontrolliertes Gebiet gezogen. Später sei dann seine Mutter zu i hnen ge- stossen. Schliesslich habe sich die ganze Familie in ein Flüchtlingslager nach H._______ begeben. Kurz beziehungsweise für ca. sechs oder sechseinhalb Monate habe er sich im (…) aufgehalten, zusammen mit sei- ner Schwester I._______, welche, vermutlich auch im Jahre 2009, von den LTTE zwangsrekrutiert worden sei und sich, im Gegensatz zu ihm, lange – vielleicht einige Monate – bei den LTTE aufgehalten habe. Sie habe daher ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen müssen. Nach Beendigung des Krieges habe er dann die Schule beendet und begonnen, in einem (…) in H._______ zu arbeiten. Als er im März 2016 seine Mutter in J._______ besucht habe, sei er von derjenigen Person, welche ihn damals zwangsrekrutiert habe, gesehen worden. Diese Person sei heute beim C riminal Investigation Department (CID). Er habe diese Person gekannt. Sie habe nämlich von 1990 bis 2008 im selben Dorf wie er gewohnt. Er kenne jedoch nur den Decknamen K._______. Seinen richtigen Namen wisse er nicht. K._______ müsse ihn wiedererkannt haben, sei doch nach diesem Zusammentreffen bei der Ver-D-2222/2020 Seite 3 mieterin seines Zimmers in H._______ nach ihm gefragt und seine Tele- fonnummer verlangt worden, welche sie aber nicht bekanntgegeben habe. Sie hätte ihn zu einer Befragung schicken sollen. Als ihn die Vermieterin informiert habe, sei er nicht mehr nach Hause gegangen und habe sich versteckt. Am 15. März 2016 sei K._______ mit zwei anderen Personen nach H._______ nach Hause gekommen und habe ihn gesuch t. Am 17. März 2016 habe K._______ CID-Beamte zum Haus seiner Mutter ge- schickt und am 20. März 2016 habe man ihn bei seiner Frau in D._______ gesucht. Beide Male seien die Häuser nach ihm durchsucht worden. Er vermutete, dass K._______ dem CID mitgeteilt h abe, dass er von de n LTTE zwangsrekrutiert worden sei. Aus Angst, Behelligungen seitens des CID ausgesetzt zu sein, habe er beschlossen auszureisen. Am 20. März 2016 sei er mit seinem eigenen Reisepass von L._______ nach Dubai ge- flogen. Nach seiner Ausreise sei er am 8 . April 2016 nochmals bei seiner Mutter und eine Woche später bei seiner Frau gesucht worden. Am 20. Juni 2016 und im Mai 2017 sei er wieder bei seiner Mutter und einmal auch bei der Nachbarsfamilie der Mutter gesucht worden. Als im Januar 2018 seine Mutter wegen einer Wohnsitzbestätigung beim Dorfvorsteher gewesen sei, habe dieser ihr gesagt, dass nach ihm (dem Beschwerdeführer) gefragt werde. Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte und eine beglaubigte Kopie seines Geburtsscheins sowie des Ehescheines (inklusive Überset- zung) ein. Zudem reichte er ein Schreiben «handing over taking over cer- tificate for IDPS» vom 20. Dezember 2009, eine temporäre Identitätskarte ausgestellt im Juni 2009, einen Arbeitsausweis der (…) und seinen Führer- schein zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 25. März 2020 – eröffnet am 27. März 2020 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte dessen Asylgesuch vom 7. Juli 2016 ab. Gleichzeitig ver- fügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. D. D.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 27. April 2020 erhob der Be- schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Darin wird beantragt, die angefochtene Verfügung sei wegen der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventuell wegen der D-2222/2020 Seite 4 Verletzung der Begründungspflicht, eventuell zur Feststellung des vollstän- digen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts aufzuh eben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventuell sei die Verfügung betreffend die Dispositivziffern 4 und 5 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. D.b In verfahrensrechtlicher Hinsicht wir beantragt, es sei der Spruchkör- per bekanntzugeben und zu bestätigen, dass dieser zufällig ausgewählt worden sei. Andernfalls seien die objektiven Kriterien für die Auswahl des Spruchkörpers bekanntzugeben. D.c Mit der Beschwerde wurden eine CD-ROM mit einem 90-seitigen vom Rechtsvertreter verfassten Länderbericht zu Sri Lanka vom 23. Januar 2020, dem Update vom 26. Februar 2020 und einem Zusatzbericht mit Stand vom 10. April 2020 inklusive der Beilagen zu diesen Berichten, drei Berichte zur Situation in Sri Lanka, Beweismittel zur LTTE-Mitgliedschaft und Rehabilitationshaft seiner Schwester, eine IDP-Bestätigung, ein Bestä- tigungsschreiben seiner Schwester, Unterlagen zum Tod des Schwagers, ein teilweise geschwärztes Lagebild des SEM vom 16. August 2016 und eine interne Mitteilung des SEM vom 6. November 2018 zur aktuellen Si- tuation und zum weiteren Vorgehen im Fall N (…) eingereicht. E. Mit Verfügung vom 6. Mai 2020 stellte die Instruktionsrichterin des Bundes- verwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten, und gab ihm – unter Vor- behalt allfälliger Wechsel bei Abwesenheiten – die Zusammensetzung des Spruchkörpers bekannt. Gleichzeitig forderte sie den Beschwerdeführer auf, bis zum 22. Mai 2020 einen Kostenvorschuss von Fr. 1’500.– zuguns- ten der Gerichtskasse einzuzahlen. F. Mit Eingabe vom 22. Mai 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um die Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht der Kosten- vorschusserhebung. Er reichte eine Fürsorgebestätigung vom 12. Mai 2020 ein. D-2222/2020 Seite 5 G. Mit Verfügung vom 27. Mai 2020 hiess die Instruktionsrichterin die Gesu- che um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Erlass des Kostenvorschusses gut und stellte fest, es werde in wiedererwägungs- weiser Änderung der Zwischenverfügung vom 6. Mai 2020 kein Kostenvor- schuss erhoben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, vorbehältlich nachfolgen- der Einschränkungen, einzutreten. 2. Auf den Antrag auf Bestätigung der Zufälligkeit der Bildung des Spruchkör- pers ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.2). Die Zusammensetzung des Spruchkörpers wurde in der Ver- fügung vom 6. Mai 2020 bekannt gegeben. Dieser wurde mit H ilfe eines EDV-basierten Zuteilungssystems generiert; Eingriffe in das Spruchkörper- generierungssystem wurden nicht vorgenommen. Die aktuell mitwirkende D-2222/2020 Seite 6 Zweitrichterin ist ordentlich, abstrakt, vordefinierte Stellvertreterin bei Feri- enabwesenheit. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben (Ver- letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör , Verletzung der Begrün- dungspflicht, unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserhebli- chen Sachverhalts). 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, d ass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk- ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück- lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un- richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird od er Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 5.3 5.3.1 In der Beschwerde wird gerügt, mit dem Erlass der Verfügung durch eine andere Person als diejenige, welche die Anhörung durchgeführt habe, D-2222/2020 Seite 7 sei das rechtliche Gehör verletzt worden und dadurch habe die Vorinstanz das Gutachten von Prof. Dr. Walter Kälin missachtet. Zudem müsse seitens des Gerichts die beim SEM zur Anhörung intern angelegten Akten beige- zogen werden, aus welchen sich ergeben müsste, was die für die Anhörung verantwortliche Person für einen persönlichen Eindruck zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers gehabt habe. 5.3.2 Bei dem vom Beschwerdeführer zitierten Rechtsgutachten handelt es sich lediglich um eine Empfehlung von Prof. Dr. Walter Kälin an das SEM, aus welcher der Beschwerdeführer keine Ansprüche für sich ableiten kann. Dasselbe gilt für die Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014. Über- dies ist nicht ersichtlich, inwiefern ihm aus der Behandlung seines Falles durch verschiedene Personen ein Nachteil entstanden sein soll. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör erg ibt sich keine Verpflichtung für das SEM, wonach die Verfügung durch die befragende Person verfasst werden müsste. Die entsprechende Rüge erweist sich somit als unbegründet. Zu- dem sind den Akten – entgegen der Behauptung in der Beschwerde – keine Einschätzungen der für die Anhörung verantwortlichen Person zu entneh- men, weshalb eine solche auch nicht herausgegeben werden kann und auf den entsprechenden Antrag nicht einzutreten ist (vgl. Urteil des BVGer E-2298/2020 vom 7. August 2020 E. 7.7.). 5.4 Eine Verletzung der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs – welche es aufgrund der Ausgestaltung der Begründung dem Be- troffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmitte- linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2) – liegt ebenfalls nicht vor. Das SEM hat nachvollziehbar und hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich vorliegend leiten liess und sich auch mit sämtlichen zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinanderge- setzt. Dabei musste sich das SEM nicht ausdrücklich zu jeder tatbeständ- lichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand äussern, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. In der Be- schwerde wird gerügt, das SEM habe eine Erklärung des Beschwerdefüh- rers mit dem Satz «Diese Erklärung überzeuge nicht» abgekanzelt , was keine Begründung sei. Dies trifft so nicht zu. Zwar verwendete das SEM in der angefochtenen Verfügung diesen Satz, er wurde jedoch in eine Be- gründung eingebettet . Das SEM legte dar, dass der Beschwerdeführer 18 Jahre mit K._______ im selben Dorf gewohnt hatte, weshalb seine Er- klärung «alle Personen im Dorf hätten ihn nur K._______ genannt» nicht D-2222/2020 Seite 8 überzeuge. Weiter wird in der Beschwerde unter dem Titel der Verletzung der Begründungspflicht vorgebracht, das SEM habe die enge Verwandt- schaft des Beschwerdeführers zu seiner Schwester, einem LTTE-Mitglied, und eine daraus resultierende Reflexverfolgung nicht ernsthaft im Zusam- menhang mit einer allfälligen Rückkehr geprüft. Der Beschwerdeführer gab zwar an, dass eine seiner Schwestern auch zwangsrekrutiert worden sei, was das SEM aber aufgrund seiner dürftigen Aussagen als unglaubhaft er- achtete. Es stellte zudem fest, dass seine Schwester, welche länger als er bei den LTTE gewesen sei, unbehelligt in Sri Lanka lebe. Vor diesem Hin- tergrund bestand für das SEM kein Anlass, im Zusammenhang mit der Prü- fung der Asylgründe des Beschwerdeführers auf eine Reflexverfolgung ein- zugehen. Der Umstand, dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die Auffassung und Schlussfolgerungen des SEM nicht teilt – so auch bei der Verwendung der zitierten Quellen zum Nachweis der Befürchtungen bestimmter Personenkreise, im Nachgang zur Präsidentschaftswa hl er- höhter Repression und Überwachung ausgesetzt zu werden – ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine materielle Frage. Sodann zeigt die umfangreiche Beschwerde deutlich, dass eine sachgerechte An- fechtung ohne weiteres möglich war. Soweit darin vorgebracht wird, der Beschwerdeführer habe im Rahmen seines Asylgesuchs weder die Mög- lichkeit gehabt, einen persönlichen Bezug zur neuen Präsidentschaft in Sri Lanka darzulegen noch auf politische Entwicklungen hinzuweisen, wes- halb ihm zwischen der Anhörung vom 24. August 2018 und dem Erlass des Asylentscheids am 25. März 2020 nochmals das rechtliche Gehör hätte gewährt werden müssen, trifft es zwar zu, dass nach Durchführung der An- hörung bis zum Entscheid viel Zeit vergangen ist. Es wäre jedoch im Rah- men seiner Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) Sache des Beschwerdefüh- rers gewesen, das SEM über allfällige neue Entwicklungen bezüglich sei- ner Asylvorbringen zu inform ieren. Dem ist der Beschwerdeführer nicht nachgekommen, weshalb für die Vorinstanz keine Veranlassung bestand, ihm vor Erlass ihrer Verfügung das rechtliche Gehör zu gewähren. Die ent- sprechende Rüge erweist sich somit als unbegründet. 5.5 5.5.1 In der Beschwerde wird schliesslich im Zusammenhang mit den indi- viduellen Asylgründen des Beschwerdeführers (seine LTTE-Zugehörigkeit und die seiner Schwester, sein Wohnsitz im Vanni von 1990 bis 2008) so- wie im Zusammenhang mit der Einschätzung der länderspezifischen Lage in Sri Lanka (aktuelle Lage unter Berücksichtigung der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten, Verschlechterung der Sicherheits- und Men-D-2222/2020 Seite 9 schenrechtslage, erhöhte Gefährdung für Risikogruppen, «Hochrisikofak- tor» einer Rückkehr aus der Schweiz) und der Quellenverwendung durch die Vorinstanz eine unvollständige und unrichtige Feststellung des Sach- verhalts und eine Verletzung der Begründungspflicht gerügt. 5.5.2 Die Vorinstanz hat diese Aspekte hinreichend abgeklärt und ihnen Rechnung getragen. Das SEM setzte sich sowohl mit dem diesbezüglichen persönlichen Hintergrund als auch mit der aktuellen Lage in Sri Lanka aus- einander und berücksichtigte die Präsidentenwahlen vom November 2019 mit deren Folgewirkungen. Das SEM führte im Sachverhalt die verschiede- nen Wohnorte des Beschwerdeführers auf und erwähnte dabei, dass der Beschwerdeführer von 1990 bis 2008 im Vanni gelebt habe. Aus der Ver- fügung geht auch hervor, dass der Beschwerdeführer angegeben habe, er und seine Schwester seien von den LTTE zwangsrekrutiert worden , die Vorinstanz erachtete dies jedoch als unglaubhaft. Der mehrjährige Aufent- halt des Beschwerdeführers im Vanni bis 2008 hatte nach Beendigung des Krieges entgegen der Behauptung in der Beschwerde keinen Generalver- dacht bei den sri -lankischen Behörden ausgelöst, da er bis im Jahr 2016 keine Probleme mit ihnen gehabt hatte. Das SEM musste deshalb hierzu keine weiteren Abklärungen tätigen. Allein der Umstand, dass das SEM in seiner Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt als der Rechts- vertreter des Beschwerdeführers, und es aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vorbringen (inklusive Risikoanalyse) gelangt als derselbe, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung. Es besteht kein Grund, eine erneute Anhörung zu veranlassen; der Beweisan- trag auf erneute Anhörung ist abzuweisen. Der Beweisantrag, das SEM habe die Quellen, auf welche es sich stütze, offenzulegen, ist ebenfalls ab- zuweisen. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung öffentlich zugäng- liche Quellen aufgeführt. 5.6 Hinsichtlich des Vorbringens, das Bundesverwaltungsgericht habe die Fehlerhaftigkeit des Lagebilds des SEM vom 16. August 2016 festzustel- len, da dieses Lagebild in zentralen Teilen als manipuliert anzusehen sei, indem es sich in wesentlichen Teilen auf ni cht existierende oder nicht of- fengelegte Quellen stütze, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuhe- ben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, kann dieser Ar- gumentation und den damit verbundenen Anträgen offensichtlich nicht ge- folgt werden. Im genannten Zusammenhang wurde bereits in mehreren vom nämlichen Rechtsvertreter geführten Verfahren (vgl. etwa Urteil des BVGer D -6394/2017 vom 27. November 2017 E. 4.1) festgestellt, dass diese länderspezifische Lageanalyse des SEM öffentlich zugänglich is t. D-2222/2020 Seite 10 Darin werden neben nicht namentlich genannten Gesprächspartnern und anderen nicht offengelegten Referenzen überwiegend sonstige öffentlich zugängliche Quellen zitiert. Damit ist trotz der teilweise nicht im Einzelnen offengelegten Referenzen dem Anspruc h des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ausreichend Genüge getan. Die Frage, inwiefern sich ein Bericht auf verlässliche und überzeugende Quellen abstützt, ist wiede- rum keine formelle Frage, sondern gegebenenfalls im Rahmen der materi- ellen Würdigung der Argumente der Parteien durch das Gericht zu berück- sichtigen. 5.7 Die formellen Rügen erweisen sich demzufolge als unbegründet, wes- halb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus formel- len Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren und Beweisanträge sind abzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent- scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D -5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 7. 7.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers seien einerseits nicht glaubhaft und würden andererseits der Asylrelevanz entbehren. Im Einzelnen führte das SEM aus, die Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner Zwangsrekrutierung sowie zu derjenigen seiner Schwester seien dürftig ausgefallen. Auch auf mehrmaliges Nachfragen hin sei er nicht in D-2222/2020 Seite 11 der Lage gewesen, die Umstände der Mitnahme seiner Schwester detail- liert zu beschreiben (vgl. Akte A17/14 S. 4 f.). Aufgefordert seine eigene Zwangsrekrutierung im Detail zu schildern, erschöpfe sich seine Antwort in zwei Sätzen (vgl. Akte A17/14 S. 5). Gleich verhalte es sich mit seinen Aus- sagen zur Flucht, welche er lediglich in zwei Sätzen schildere (vgl. A kte A17/14 S. 6). Seine Aussagen würden nicht den Eindruck vermitteln, als hätte er das Geschilderte tatsächlich selber erlebt. Seine Aussagen liessen den Detailreichtum vermissen, der bei einer Person erwartet werden dürfe, die das Geltendgemachte selber durchlebt habe. Dies gelte umso mehr, als besagtes Ereignis nicht eine Nebensächlichkeit beschlage, sondern von ihm als für seine Asylvorbringen zentrales Ereignis bezeichnet werde. Weiter könne nicht von einer Zwangsrekrutierung gesprochen werden, da er sich lediglich zwei Tage bei den LTTE aufgehalten habe und am dritten Tag bereits geflohen sei. Während dieser beiden Tage habe er weder eine Ausbildung oder eine Waffe erhalten noch sei er militärisch eingekleidet worden. Er habe nicht genau sagen können, wo er sich aufgehalten habe, von wo ihm die Flucht gelungen sei. Auf den Umstand hingewiesen, dass nicht davon gesprochen werden könne, er sei tatsächlich Mitglied der LTTE gewesen, habe er erklärt, K._______ glaube vielleicht, da ss er Kämpfer gewesen sei und ein Training absolviert gehabt habe. K._______, welcher gemäss seinen Aussagen Personen wie ihn für die LTTE rekrutiert habe, habe sicherlich erfahren, dass es nur drei Tage nach seiner Zuführung zu den LTTE zu einer Massenflucht gekommen sei, folglich den LTTE zahlrei- che Neu-Mitglieder gefehlt hätten und die s sicherlich innerhalb der LTTE ein grosses Thema gewesen sei. Sein Erklärungsversuch vermöge daher umso weniger zu überzeugen. Weiter überzeuge nicht, dass er nur den Decknamen von K._______ kenne, da er von 1990 bis 2008 mit ihm im gleichen Dorf gelebt habe. Seine Erklärung, er habe immer nur seinen Decknamen benutzt und im Dorf hätten ihn alle Personen nur K._______ genannt, überzeuge nicht. Nicht nachvollziehbar sei, dass er bis März 2016 unbehelligt in seiner Heimat habe leben können, sich dann die Situation derart verschlechtert habe, dass er zur Ausreise gezwungen gewesen sei. K._______ habe 18 Jahre zusammen mit ihm im selben Dorf gelebt. Falls K._______ ihn tatsächlich denunziert hätte, hätte er dies bereits getan, als er sich dem CID angeschlossen habe, und nicht erst Jahre später. Auf- grund des Umstandes, dass er seine Familie beziehungsweise seine Fa- milie ihn regelmässig besucht habe, wäre es für K._______ ein Leichtes gewesen, des Beschwerdeführers bereits früher habhaft zu werden. Auf diesen Vorhalt hingewiesen, habe er angemerkt, vielleicht sei K._______ lange in Haft gewesen und erst kürzlich entlassen worden, weshalb er ihn nicht früher habe denunzieren können (vgl. Akte A17/14 S. 10). Bei dieser D-2222/2020 Seite 12 Antwort lasse er jedoch ausser Acht, dass K._______, sollte er tatsächlich inhaftiert gewesen sein, ja gerade während seiner Haft A ussagen getätigt haben dürfte, welche zu Verhaftungen geführt hätten, um si ch selber zu entlasten. Auch die angebliche Suche nach ihm müsse bezweifelt werden. So vermöge in keiner Art und Weise zu überzeugen, dass er zwar bei sei- ner Familie, bei seiner Frau, an seinem Wohnort in H._______ gesucht worden sei, jedoch nie an seiner Arbeitsstelle – seit dem Jahre 2010 habe er bis zu seiner Ausreise bei derselben (…) gearbeitet. Wäre tatsächlich intensiv behördlich nach ihm gesucht worden, hätten die Behörden ihn si- cherlich als Erstes an seinem Arbeitsort aufgesucht. Sein die sbezüglicher Erklärungsversuch, er habe als (…) gearbeitet, weshalb er immer draussen bei Kunden gewesen sei, vermöge nicht zu überzeugen. Bei all seinen Vor- bringen handle es sich lediglich um Vermutungen, die sich auf unglaub- hafte Aussagen seinerseits abstützen wür den. Objektive Fakten lägen keine vor, welche eine begründete Furcht belegen würden, dass er auf- grund seiner geltend gemachten LTTE -Vergangenheit von den sri -lanki- schen Behörden gesucht werde. Vielmehr habe er problemlos mit seinem eigenen Reisepass ausrei sen können. Gemäss seinen Aussagen lebe seine Familie unbehelligt in seiner Heimat, gar seine Schwester, welche bei den LTTE gewesen sei, lebe unbehelligt in Sri Lanka. Lediglich aus dem Umstand, dass nach ihm gefragt worden sei, eine behördliche Verfolgung abzuleiten, überzeuge jedenfalls nicht. Zusammenfassend bedeute dies, dass seine Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden. Dass er vor seiner Ausreise einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt gewesen sei, habe er nicht glaubhaft machen können. Er sei weder LTTE- Mitglied gewesen noch habe er sich am Kampf beziehungsweise an An- schlägen für die LTTE beteiligt. Vielmehr sei er bis im März 2016 in Sri Lanka wohnhaft gewesen. Folglich hätten die Sicherheitsbehörden bei ihm reichlich Zeit gehabt, ein eingehendes Screening vorzunehmen. Allfällige im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten kein Verfol- gungsinteresse ausgelöst. Er habe zudem angegeben, mit seinem eigenen Pass ausgereist zu sein. Es sei aufgrund der Aktenlage somit nicht ersicht- lich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werde. Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit d em Sieg von Gotabaya Rajapaksa vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. Vo- raussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsi- dentschaftswahlen sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person zu eben diesem Ereignis respektive de ssen Folgen. Weder habe er die D-2222/2020 Seite 13 Präsidentschaftswahl respektive deren Folgen als Gefährdungselement vorgebracht, noch seien den Akten Hinweise auf eine Verschärfung seiner persönlichen Situation aufgrund dieses Ereignisses zu entnehmen. Die An- forderungen an die Annahme einer begründeten Verfolgungsfurcht seien damit nicht gegeben. Seine Vorbringen würden somit weder den Anforderungen an die Glaub- haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch den Anforderungen an die Flüchtlings- eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. An dieser Einschätzung ver- möchten auch die zu den Akten gereichten Beweismittel – deren Authenti- zität nicht bestritten werde – nichts zu ändern. 7.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, dass die Schilderun- gen des Beschwerdeführers bei einem persönlichen Kontakt mit ihm einen sehr glaubhaften Eindruck erwecken würden, zumal er diese extrem detail- liert, gefühlvoll und lebhaft wiedergebe. Ob sich ein Sachverhalt tatsächlich ereignet habe, hänge nicht von der phantasievollen Ausschmückung der Schilderung ab. Der Beschwerdeführer habe inzwischen Beweismittel be- schaffen können. Es handle sich um die Rehabilitationsurkunde seiner Schwester, woraus sich ergebe, dass sie bei den LTTE gewesen sei, sowie die Identitätskarte der bestätigten Rehabilitation und eine Bestätigung des Rehabilitationsgefängnisses. Dadurch werde klar, dass er einer Reflexver- folgung unterliege und seine Aussagen anlässlich der Anhörung der Wahr- heit entspräc hen. Er habe zudem eine amtliche Bestätigung auftreiben können, welche beweise, dass auch er aufgrund seiner LTTE-Vergangen- heit in ein solches Lager verbracht worden sei. Seine Schwester M._______ habe in Sri Lanka für eine NGO gearbeitet. Sie habe ebenfalls aufgrund von Behelligungen durch das CID das Land verlassen müssen , sei mit ihrem Mann nach Kanada geflüchtet und habe dort Asyl erhalten. Er reiche hierzu ein Bestätigungsschreiben der Schwester ein. Diese Do- kumente würden beweisen, dass ein grosser Te il seiner Familie in Sri Lanka einem enormen Verfolgungsrisiko ausgesetzt sei und dass seine Aussagen stimmen würden. Schliesslich habe das SEM die unbestrittenen Risikofaktoren (familiäre LTTE-Verbindungen) nicht vor den aktuell verfügbaren Länderhintergrund- informationen zu Sri Lanka gewürdigt. Er sei selber LTTE-Mitglied gewesen und weise familiäre Verbindungen zu den LTTE auf. Sein e Schwester sei ebenfalls LTTE-Mitglied gewesen. Damit sei ein Hochrisikofaktor erfüllt. Im Zusammenhang mit seiner LTTE-Vergangenheit werde er gesucht und seine Familie behelligt. Es sei davon auszugehen, dass er auf der Stop - D-2222/2020 Seite 14 oder Watch-List eingetragen worden sei. Damit sei ein weiterer Risikofaktor erfüllt. Er halte sich bereits seit Jahren in der Schweiz – einem Hort des tamilischen Separatismus – auf. Zudem verfüge er über keine gültigen Ein- reisepapiere. Die ersten beiden genannten Risikofaktoren seien als stark einzustufen, während die zwei anderen eher genereller Natur seien, aber auch für sich alleine genommen eventuell zu einer asylrelevanten Verfol- gung in Sri Lanka führen könnten. In ihrer Kumulation ergebe sich jeden- falls, dass die Risikofaktoren der Herkunft aus dem Vanni-Gebiet nach gel- tender Rechtsprechung zwingend zu einer Bejahung der Flüchtlingseigen- schaft führen müssten. Besonders hervorgehoben werden müsse vor al- lem, dass vor dem Hintergrund der fundamental neuen Ausgangslage die einzelnen Risikofaktoren verstärkt Geltung hätten, da sich mit dem Wieder- einzug von Mahinda Rajapaksas in das zweithöchste Exekutivamt das Ver- folgungsrisiko massiv verstärkt habe. Der Beschwerdeführer erfülle somit klar die Flüchtlingseigenschaft und es müsse ihm Asyl gewährt werden. 8. 8.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asyl gesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. Im Wesentlichen kann auf die Erwägungen in der an- gefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Ausführungen in der Be- schwerde und die mit der Beschwerde eingereichten Beweismittel sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. Entgegen der Ausführungen in der Beschwerde sind die Schilderungen des Beschwerdeführers während der gesamten Anhörung alles andere als de- tailliert, lebhaft oder gefühlvoll. Es trifft zwar zu, dass eine ausgeschmückte Schilderung nicht stärker für die Glaubhaftigkeit spricht, als eine einfache, aber mit Realkennzeichen versehene Erzählung. Vorliegender Schilderung des Beschwerdeführers – insbesondere zu seiner Zwangsrekrutierung durch die LTTE und der Flucht nach drei T agen – fehlen jedoch jegliche Realkennzeichen. Auch das Aufeinandertreffen mit K._______ im Jahre 2016 vor einem Laden beziehungsweise in der Nähe eines Ladens in J._______ schildert der Beschwerdeführer unsubstantiiert und emotionslos (vgl. Akte A17/14 F68, F82) , obwohl sie beide zuvor im selben Dorf N._______ gelebt hätten und K._______ ihn am 10. März 2009 in G._______ angeblich zwangsrekrutiert habe . Das SEM hat desh alb zu Recht festgestellt, die Aussagen des Beschwerdeführers würden nicht den Eindruck vermitteln, er habe das Geschilderte selber erlebt. Seine Zwangs- rekrutierung sowie die geltend gemachte Suche im Jahre 2016 durch das D-2222/2020 Seite 15 CID sind deshalb als unglaubhaft zu erachten. Zudem reichte der Be- schwerdeführer keine Dokumente ein, welche seine Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden belegen würden. Hinsichtlich der Zwangsrekrutierung seiner Schwester gab der Beschwer- deführer zwar auch nur oberflächliche Angaben an, was allerdings damit zusammenhängen dürfte, dass er sich zu diesem Zeitpunkt nicht bei seiner Familie befand, sondern sich vo r den LTTE versteckt aufgehalten hatte (vgl. Akte A17/14 F28, F40 f., F47). Insofern ist nachvollziehbar, dass er keine substantiierten Angaben zur Zwangsrekrutierung seiner Schwester machen konnte. Die eingereichten Dokumente zur Rehabilitierung seiner Schwester I._______ legen jedoch die Vermutung nahe, dass sie von den sri-lankischen Behörden überprüft und demnach aufgrund der Entlassung aus der Rehabilitation als keine Gefahr mehr für die sr i-lankische Regie- rung erachtet worden ist. In diesem Zusammenhang ist davon auszuge- hen, dass sie auch zu ihren Familienangehörigen befragt worden ist. Hätte ein Verdacht bestanden, dass auch ihr Bruder beziehungsweise der Be- schwerdeführer bei der LTTE gewesen wäre, so hätten die sri -lankischen Behörden den Beschwerdeführer bereits vor 2016 aufgesucht und befragt. Inwiefern der Beschwerdeführer wegen I._______ einer Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen sein sollte, ist nicht nachvollziehbar. I._______ hielt sich nach der Rehabilitation weiterhin in Sri Lanka auf, weshalb kein Anlass für die sri-lankischen Behörden bestand, den Beschwerdeführer wegen ihr unter Druck zu setzen, was er im Übrigen auch zu keinem Zeitpunkt im erstinstanzlichen Verfahren vorgebracht hatte. Die weiteren Beweismittel belegen zwar den Aufenthalt des Beschwerde- führers im (…) bis im Dezember 2009, seine Tätigkeit bei einem (…) und die Flüchtlingseigenschaft seiner Schwester M._______ in Kanada, welche das SEM jedoch nicht bezweifelt. Der Beschwerdeführer gab sodann an- lässlich der Anhörung an, seine Schwester M._______ sei bereits 2013 oder 2014 nach Kanada ausgereist (vgl. Akte A17/14 F16). Der Beschwer- deführer hielt sich danach noch zwei beziehungsweise drei Jahre in Sri Lanka auf, ohne dass er wegen ihr Probleme mit den sri-lankischen Behör- den gehabt hätte. Eine Reflexverfolgung, die auf den Asylgründen seiner Schwester M._______ beruhen würde, ist deshalb ebenfalls auszuschlies- sen. Zur eingereichten Todesurkunde seines Schwagers sc hrieb die Schwester M._______, der Mann ihrer Schwester I._______, ein ehemali- ges LTTE-Mitglied, sei verstorben. Inwiefern der Tod des Schwagers je- doch eine Gefährdung für den Beschwerdeführer darstellen soll, ist nicht D-2222/2020 Seite 16 ersichtlich, zumal dessen Frau bezie hungsweise die Schwester des Be- schwerdeführers sich in Sri Lanka aufhält und der Beschwerdeführer seine Asylvorbringen in keiner Weise mit der LTTE-Zugehörigkeit seines Schwa- gers in Verbindung gebracht hatte. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass aufgrund der unsub- stantiierten und nicht nachvollziehbaren Angaben nicht glaubhaft ist, dass der Beschwerdeführer von den sri-lankischen Behörden in asylrechtlich re- levanter Weise verfolgt worden ist. Die eingereichten Beweismittel vermö- gen an dieser Feststellung nichts zu ändern. 8.2 8.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht ge- nerell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausge- setzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurtei- lung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint- lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE , Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam- menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.1 - 8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Es ist im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinn von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri -lankischen Behörden zuge- schrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wie- deraufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). D-2222/2020 Seite 17 8.2.2 Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, ist es unglaub- haft, dass der Beschwerdeführer von den LTTE zwangsrekrutiert und des- wegen in Sri Lanka vor seiner Ausreise im Jahre 2016 erstmals von den sri-lankischen Behörden verfolgt worden ist . Der Beschwerdeführer machte sodann geltend, seine Schwester I._______ sei im letzten Jahr des Bürgerkrieges von de n LTTE zwangsrekrutiert worden, ihr Mann sei Mit- glied der LTTE gewesen und eine weitere Schwester sei in Kanada als Flüchtling anerkannt worden, weil sie und ihr Mann von 2006 bis 2014 für das (…) gearbeitet hätten , und reichte Dokumente dazu ein . Der Be- schwerdeführer lebte zu diesem Zeitpunkt sowie darüber hinaus allerdings noch in Sri Lanka – bis im März 2016 – ohne deswegen Probleme gehabt zu haben. Auch I._______ sowie die Eltern, ein Bruder und zwei weitere Schwestern und andere Verwandte leben weiterhin in Sri Lanka (vgl. Akten A7/12 Ziff. 3.01, A17/14 F11-15). Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass die ehemalige LTTE-Zugehörigkeit der Schwester oder ihres Mannes oder die Arbeit für das (…) seiner in Kanada lebenden Schwester für den Beschwerdeführer eine Gefahr bei einer Rückkehr begründen könnte. Er macht nicht geltend, er sei in der Schweiz politisch aktiv. Zudem ist er im Besitz seiner Identitätskarte. Es besteht deshalb kein Anlass zur Annahme, er würde im Falle der Rückkehr die Aufmerksamkeit der heimatlichen Be- hörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Mass auf sich ziehen. Allein die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, seine mehrjährige Landesabwe- senheit sowie die Asylgesuchstellung in einem Land mit einer grossen ta- milischen Diaspora reichen nicht aus, um im Falle einer Rückkehr von Ver- folgungsmassnahmen auszugehen (vgl. Referenzurteil des BVGer E - 1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2). Weiter sind Angehörige der tamili- schen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernst- zunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl. a.a.O. E. 8.3). Die Ausführungen, dass der Beschwerdeführer als Mitglied einer bestimmten sozialen Gruppe respektive als Angehöriger der Risikogruppe von Personen, die aus der Schweiz – einem Zentrum der tamilischen Diaspora – nach längerer Zeit zurückkehrten, verfolgt würde, gehen daher fehl. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran an- knüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stel- len (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E -1156/2020 vom 20. März 2020 E. 6.2). Es besteht zudem kein persönlicher Bezug des Beschwerde- führers zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive de-D-2222/2020 Seite 18 ren Folgen. Auch aus den im Beschwerdeverfahren eingereichten zahlrei- chen Dokumenten zur allgemeinen Lage und politischen Situation in Sri Lanka vermag der Beschwerdeführer keine auf seine Person bezoge ne konkrete Gefährdung darzulegen. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine Gefährdung entstanden ist aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen nicht vor. Es sind auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im aktu- ellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri -lankischen Be- hörden geraten ist, weshalb er keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen vermag. 8.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers abgelehnt hat. 9. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder ü ber eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], D-2222/2020 Seite 19 Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter- reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumut- bar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situatio- nen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu ge- währen. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG). 10.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender Begründung erkannt, dass der in Art. 5 As ylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin- dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs- vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Ent- wicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht ge- nerell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Ein- zelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11, Ziff. 37; neueren Datums bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten erge- ben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit per- sönlich gefährdet wäre (vgl. E. 8.2). Der Vollzug der Wegweisung ist zuläs- sig. 10.4 10.4.1 Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allge- meiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz Sri Lankas ist zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien D-2222/2020 Seite 20 (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie- hungsnetzes sowi e Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E -1866/2015 E. 13.2). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Entwick- lungen in Sri Lanka festzuhalten. 10.4.2 Der Beschwerdeführer lebte vor seiner Ausreise mit seiner Ehefrau in D._______ bei E._______ und wohnte während der Arbeitszeit in H._______ in einem Zimmer (beide in der Nordprovinz). Ein Vollzug in die Nordprovinz ist im Lichte der Rechtsprechung zumutbar. In vorliegendem Fall sprechen sodann keine individuellen Gründe gegen einen Wegwei- sungsvollzug. Der Beschwerdeführer hat das A-Level (13 Schuljahre) ab- geschlossen und danach in einem (…) als (…) gearbeitet (vgl. Akten A7/12 Ziff. 1.17.04 f., A17/14 F18 ff.). Seine Familie ist gemäss seinen Angaben reich (vgl. A17/14 F9). Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass er existenzielle Schwierigkeiten haben wird. In Sri Lanka verfügt der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau, seinen Eltern, vier Geschwistern, und anderen Verwandten über ein Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation (vgl. Akten A7/12 Ziff. 3.01, A17/14 F11-15). Nach dem Ge- sagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar. 10.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt ric htig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Beschwerde und die übrigen eingereichten Beweismittel – die sich ganz überwiegend auf die generelle Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen individuellen Bezug zum Beschwerdeführer zu haben – näher einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. D-2222/2020 Seite 21 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Zwischen- verfügung vom 27. Mai 2020 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-2222/2020 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Sarah Ferreyra Versand: