B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5913/2022 U r t e i l v o m 9 . J a n u a r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Grégory Sauder, Gerichtsschreiberin Janine Sert. Parteien A._______, geboren am (…), Burundi, vertreten durch MLaw Dimitri Witzig, Rechtsschutz für Asylsuchende, Bundesasylzentrum (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 15. Dezember 2022 / N (…). E-5913/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 17. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl nach. Sie wurde daraufhin dem Bundesasylzentrum (BAZ) B._______ zugewiesen. B. Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der europäi- schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit-Eurodac) ergab, dass sie am (…) Oktober 2022 bereits in Kroatien um Asyl ersucht hatte. C. Am 26. Oktober 2022 mandatierte die Beschwerdeführerin die ihr zugewie- sene Rechtsvertretung. D. Am 29. November 2022 erfolgte das persönliche Gespräch der Beschwer- deführerin gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi- schen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kri- terien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der f ür die Prü- fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Im Rahmen des ihr gewährten rechtlichen Gehörs zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) sowie zur Möglichkeit der Rückfüh- rung nach Kroatien machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen gel- tend, sie habe dort kein Asylgesuch eingereicht. Sie sei am (…) in Kroatien eingereist und am (…) wieder ausgereist. Nur weil einer aus ihrer Gruppe sehr krank geworden sei, hätten sie die kroatischen Polizisten aufgenom- men und nicht zurückgeschickt. Man habe ihr Telefon und Gepäck abge- nommen und sie in ein Auto gebracht, wo die Klimaanlage auf kalt einge- schaltet worden sei. Um etwa 13 Uhr sei sie zu einer Art Garage gebracht worden, wo es Wasserpfützen am Boden gehabt habe und es sehr kalt gewesen sei. Als sie gerufen worden sei, sei sie aus Angst zuerst zurück- gewichen. Als sie gesagt habe, dass sie nicht unterschreiben wolle, habe man sie geohrfeigt und nach vorne geschoben. Eine andere Person aus Burundi habe an ihrer Stelle unterschrieben. Man habe sie auch gezwun- gen, die Fingerabdrücke abzugeben, und ihr nichts erklärt. Die Polizisten E-5913/2022 Seite 3 hätten Handschuhe und Masken getragen. Durch die sehr schlechte Be- handlung habe sie sich daran erinnert, wie ihr Vater durch S chläge in Bu- rundi gestorben sei, weshalb sie grosse Angst vor Schlägen gehabt habe. Sie sei völlig durchnässt gewesen. Zwar habe sie nicht alles verstanden, aber es habe gereicht, um zu wissen, dass sie als «black» beschimpft wor- den sei. Bis am Folgetag habe sie nichts zu essen erhalten , obwohl sie sehr hungrig gewesen sei, als sie aufgegriffen worden seien. Gegen vier Uhr morgens sei sie an einen anderen Ort gebracht worden, wo sie von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) um etwa acht Uhr mor- gens Essen erhalten habe. Dort sei sie bis am nächsten Morgen geblieben. Auch dort habe man ihr Sachen – in deren Sprache – zum Unterschreiben gegeben. Als ihr das Telefon zurückgegeben worden sei, habe dieses nicht mehr funktioniert. Sie wisse nicht, ob dieser Ort ein Asylcamp gewesen sei, aber es habe keinen Grund gegeben, Asyl zu beantrage n, da sie so schlecht behandelt worden sei. Mit anderen Personen habe sie nicht ge- sprochen, weshalb sie auch nicht wisse, ob diese Asylsuchende gewesen seien. Nachdem sie weitergereist sei, sei sie an der kroatisch -sloweni- schen Grenze nochmals aufgegriffen worden, wobei zwei Mal – vermutlich in die Luft – geschossen worden sei. Sie habe dann aber doch nach Slo- wenien weiterlaufen können und würde auf keinen Fall nach Kroatien zu- rückkehren wollen. Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts brachte sie vor, es gehe ihr psychisch nicht gut. Sie sei durch das in Kroatien erlebte traumatisiert. In der Nacht habe sie Albträume, schreie, finde keinen Schlaf, sei unruhig und jeweils schweissgebadet. Zudem habe sie eine Infektion im Intimbereich. Die Beschwerdeführerin reichte keine Beweismittel oder medizinische Un- terlagen zu den Akten. E. Am 30. November 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführerin gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin- III-VO. F. Die kroatischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen des SEM am 14. Dezember 2022 zu. E-5913/2022 Seite 4 G. Am 15. Dezember 2022 erkundigte sich das SEM beim zuständigen Ge- sundheitsdienst telefonisch nach dem Gesundheitszustand der Beschwer- deführerin. Gemäss dessen Auskunft lägen bei der Beschwerdeführerin bis anhin keine ärztlichen Berichte vor. Auch seien keine Arzttermine pendent. Sie habe sich e inzig wegen Juckreiz, brennenden Wasserlösens und Seh- schwierigkeiten bei der zuständigen Gesundheitsbetreuung gemeldet. Für die Behandlung des Juckreizes und der Schwierigkeiten beim Wasserlösen sei ihr eine Salbe verschrieben worden. Aufgrund der leichten Kurzsichtig- keit sei betreffend die vorgebrachte Sehschwierigkeit keine weitere Abklä- rung notwendig. H. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2022 – eröffnet am 16. Dezember 2022 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein und forderte sie auf, die Schweiz spätestens am T ag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver- lassen. Gleichzeitig wurde der Kanton B._______ mit dem Vollzug der Wegweisung (recte: der Überstellung) beauftragt. Zudem verfügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis und hielt schliesslich fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme von Gesetzes wegen keine aufschiebende Wirkung zu. I. Mit Eingabe vom 21. Dezember 2022 erhob die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und beantragte in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf ihr Asylge- such einzutreten. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Festst ellung des Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Sache zur Einholung individueller Zusicherungen von den kroatischen Be- hörden bezüglich adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbrin- gung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be- schwerde, um unverzügliche Anweisung der Vorinstanz und der Vollzugs- behörden, bis zum Entscheid von jeglichen Vollzugshandlungen abzuse- hen, und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, insbesondere um den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E-5913/2022 Seite 5 J. Am 22. Dezember 2022 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus. K. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 27. Dezember 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdefüh- rerin ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, so- weit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin bzw. eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, weshalb auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet und der vorliegende Entscheid nur summarisch be- gründet wird (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen E-5913/2022 Seite 6 (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorin stanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 4.3 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung prüft. 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Anspruchs auf recht- liches Gehör, der Begründungspflicht und der Pflicht zur vollständigen Ab- klärung des rechtserheblichen Sachverhalts. 5.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, der medizinische Sachverhalt sei nicht hinreichend abgeklärt. Insbesondere ihre psychische Verfassung sei labil. Ihre psychischen Probleme seien bis anhin – wegen Unterkunfts- wechsel und langen Wartezeiten für einen Termin bei m G esundheits- dienst – gar nicht untersucht worden. Die Vorinstanz sei indes verpflichtet, die unbestreitbar klaren Hinweise auf eine psychische Vulnerabilität und Traumatisierung aufgrund des Dublin -Gesprächs abzuklären, und könne sich nicht auf ausbleibende Arzttermine berufen. Anlässlich des Dublin -Gesprächs gab die Beschwerdeführerin bezüglich des medizinischen Sachverhalts an, sie sei durch das in Kroatien erlebte traumatisiert, habe Albträume, schreie, finde keinen Schlaf, sei unruhig und jeweils schweissgebadet. Es gehe ihr daher psychisch nicht gut. Zudem habe sie eine Infektion im Intimbereich. Die Abklärungen des SEM beim Gesundheitsdienst ergaben, dass sie sich wegen Juckreiz, brennenden Wasserlösens und Sehschwierigkeiten bei der zuständigen Gesundheits- betreuung gemeldet habe. Ärztliche Berichte wurden im vorinstanzlichen Verfahren indes nicht eingereicht. Aufgrund dieser Angaben beziehungs- weise der fehlenden Hinweise auf gravierendere gesundheitliche Probleme durfte das S EM in antizipierter Beweiswürdigung davon ausgehen, dass auch in allfälligen ärztlichen Untersuchungen keine schwerwiegenden Di- agnosen gestellt würden, die einer Überstellung nach Kroatien entgegen- stehen könnten. Damit bestand keine Veranlassung, weitergehende Abklä- rungen zu tätigen beziehungsweise fachärztliche Untersuchungen betref- fend die Beschwerdeführerin abzuwarten. Das SEM ging zutreffend von einem erstellten medizinischen Sachverhalt aus. E-5913/2022 Seite 7 5.3 Auch zum aktuellen Zeitpunkt geht das Gericht von einem erst ellten Sachverhalt aus. In ihrer Beschwerde macht die Beschwerdeführerin keine neuen gesundheitlichen Probleme geltend. Das Nichtvorhandensein ärztli- cher Berichte begründet sie damit, dass die Kapazitäten der Gesundheits- dienste zurzeit ausgereizt seien. Insgesamt sind indes auch zum gegebe- nen Zeitpunkt keine Hinweise auf mögliche ernsthafte psychische Be- schwerden der Beschwerdeführerin ersichtlich. Es ist in antizipierter Wür- digung der gesamten Aspekte auch nicht zu erwarten, dass bei weiterfüh- render Abklärung des medizinischen Sachverhalts medizinische Befunde erhoben würden, welche in entscheidwesentlicher Hinsicht die nachste- hende Einschätzung umzustossen vermöchten, weshalb für das Gericht keine Veranlassung besteht, weitere Abklärungen zu treffen oder eine all- fällige medizinische Untersuchung abzuwarten. 5.4 Ferner macht die Beschwerdeführerin geltend, das SEM habe ihre Vul- nerabilität als sehr junge, allein reisende Frau mit psychischen Beschwer- den weder erkannt noch in der angefochtenen Verfügung berücksich tigt, womit es der behördlichen Untersuchungs- und Begründungspflicht unzu- reichend nachgekommen sei. Es hätte sich insbesonder e vertieft mit der Frage nach einer geeigneten Unterbringung sowie dem Zugang zu benö- tigter medizinischer Versorgung auseinandersetzen müssen. Nach Prüfung der Akten erweisen sich weder die Rügen der Verletzung der Begründungspflicht (vgl. BVGE 2016/9 E. 5.1) noch der unrichtigen Sach- verhaltsfeststellung (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3) als begründet. Die gehörs- rechtlichen Begründungsanforderungen verpflichten das SEM nicht dazu, jedes einzelne Sachvorbringen gesondert zu prüfen; es genügt vielmehr, dass das SEM die rechtswesentlichen Entscheidungsgründe nachvollzieh- bar darlegt, so dass die betroffene Partei in die Lage versetzt wird, die Ver- fügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.6; BGE 136 I 184 E. 2.2.1 und 134 I 83 E. 4.1). Diesen Anfor- derungen ist mit der angefochtenen Verfügung zweifellos Genüge getan. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die wesentlichen Über- legungen genannt, von denen sie sich hat leiten lassen. Die angefochtene Verfügung enthält eine angemessene und hinreichende Darstellung des massgeblichen Sachverhalts, die es erlaubt, die Erwägungen der Vorinstanz nachzuvollziehen, namentlich weshalb die Vorbringen der Be- schwerdeführerin einen Selbsteintritt der Schweiz nicht rechtfertigen wür- den. Wie die vorliegende Beschwerde zeigt, war eine sachgerechte An- fechtung der vorinstanzlichen Verfügung möglich. Ob die Vorinstanz zu- recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist und E-5913/2022 Seite 8 der Umstand, dass sie aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdi- gung der Vorbringen – auch in Bezug auf allfällige humanitäre Gründe für einen Selbsteintritt – gelangt, als von der Beschwerdeführerin verlangt, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung, sondern ist nachfolgend – im Rahmen der materiellen Würdigung der Arg umente der Parteien – zu prüfen. 5.5 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet. Der Eventualan- trag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung ist abzuweisen. 6. 6.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 6.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, s obald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des in den Art. 23–25 Dublin-III-VO geregelten sogenannten Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt. Die Zuständigkeit be- ziehungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGHs [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C -583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän- digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An- nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An- tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist E-5913/2022 Seite 9 zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu- ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän- dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 7. 7.1 Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts- titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständ igen Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). Diese Bestimmung findet auch – wie vorliegend – im Falle der Weiterreise eines Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei noch nicht abgeschlossenem Zuständigkeitsverfahren Anwendung (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, 2014, K. 19 zu Art. 20). 7.2 Gestützt auf den Eintrag in der Fingerabdruck-Datenbank Eurodac er- suchte d as SEM die kroatischen Behörden am 30. November 2022 um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin. Die kroatischen Behörden stimmten dem Gesuch innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgeleg- ten Frist zu. Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens ist damit gegeben und wird auf Beschwerdeebene als solche auch nicht bestritten. 8. Die Beschwerdeführerin macht in der Rechtsmittelschrift mit Hinweis auf Berichte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH), Amnesty Internatio- nal und weiteren Organisationen im Wesentlichen geltend, die Push-Backs und angewendete Gewalt an den kroatischen Aussengrenzen seien hin- länglich bekannt. Die Vorinstanz verkenne, dass die angeprangerten Ver- fehlungen nicht nur die Handhabe (wohl Behördenpraxis) in den Grenzre- gionen betreffen würden, sondern das gesamte Asylverfahren in Kroatien. Es sei fraglich, ob der Beschwerdeführerin im Hinblick auf ihre Erlebnisse in Kroatien dort tatsächlich ein faires Asylverfahren gewährt werde und ob Verstösse gegen Art. 3 EMRK und Art. 4 der EU -Grundrechtecharta aus- zuschliessen seien. Sie sei als sehr junge, allein reisende Frau mit ver- schiedenen gesundheitlichen Problemen als vulnerable Person zu qualifi- zieren. Das für vulnerable Personen vorgesehene spezielle Zentrum Ku- tina werde aktuell renoviert und sei nicht in Betrieb. Alle Asylbewerbende E-5913/2022 Seite 10 seien in das Aufnahmezentrum für internationale Schutzsuchende in Zag- reb verlegt worden. Selbst wenn das Zentrum in Kutina im Zeitpunkt der Überstellung wieder geöffnet wäre, seien den Ausführungen der Vorinstanz keine Hinweise darauf zu ent nehmen, inwiefern sichergestellt wäre, dass sie in diesem Zentrum untergebracht würde. Daran, dass in Kroatien aktu- ell ganz offensichtlich ein akuter Mangel an Unterbringungsplätzen für vul- nerable Personen herrsche, vermöge auch der Hinweis der Vorinstanz auf die Möglichkeit, sich an die kroatischen Behörden zu wenden beziehungs- weise nötigenfalls den Rechtsweg zu beschreiten, nichts zu ändern. Eine der Vulnerabilität der Beschwerdeführerin gerecht werdende Unterbrin- gung und Versorgung entsprechend den Verp flichtungen der Aufnahme- richtlinie sei – Stand heute – nicht gegeben. Auch zeige der Umstand, dass nichtstaatliche Organisationen ein spezielles Zentrum aufgebaut hätten und Asylsuchende auf Unterstützung nichtstaatlicher Organisationen an- gewiesen seien, dass die Versorgung durch den Staat nicht sichergestellt sei. Die Garantien aus der Verfahrensrichtlinie seien während dem Verfah- ren in Kroatien nicht eingehalten worden, zumal die Beschwerdeführerin nicht in einer ihr verständlichen Sprache über das Vorgehen informiert wor- den und gezwungen gewesen sei, ihr unverständliche Papiere zu unter- zeichnen, respektive bei der Registrierung eine andere Person aus Burundi für sie unterzeichnet habe. Im Übrigen seien die Unterbringungskapazitä- ten für besonders vulnerable Personen sehr gering, insbesondere auch an- gesichts der ukrainischen Flüchtlinge in Kroatien. Sollten sich die klaren Hinweise auf eine schwerwiegende Traumatisierung nach Erstellung des medizinischen Sachverhalts bestätigen, sei die Be- schwerdeführerin auf psychotherapeutische Unterstützung angewiesen. Es könne hinsichtlich erheblicher Mängel und Einschränkungen im Zugang zum Gesundheitssystem nicht davon ausgegangen werden, dass sie in Kroatien Zugang zu der notwendigen medizinischen Behandlung hab en werde, weshalb mit einer massiven, unwiderruflichen Verschlechterung ih- res (psychischen) Gesundheitszustands zu rechnen sei. Im Falle einer Überstellung nach Kroatien würde sie wegen der dort vorhandenen Mängel im Asylverfahren und der Aufnahmebedingung en eine Verletzung ihrer Grundrechte im Sinne von Art. 3 EMRK erleiden. Ein Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO sei deshalb zwingend not- wendig. 9. 9.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche E-5913/2022 Seite 11 oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner- kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus der Richt- linie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/3 2/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie aus der Aufnahmerichtlinie ergeben. Die Vorinstanz hat im Sinne der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zutr effend dargelegt, dass aktuell, auch unter Würdigung der in der Beschwerde erwähnten kritischen Berichte be- züglich dem kroatischen Asylverfahren im Bereich der Wiederaufnahme- verfahren keine Gründe für die Annahme vorliegen, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in Kroatien würden syste- mische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin - III-VO aufweisen (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des BVGer D-1418/2022 vom 4. April 2022 E. 5.2, m.w.H.). 9.2 Auch unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geschil- derten Erlebnisse ist nicht davon auszugehen, Kroatien verstosse syste- matisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen. Die geltend gemachte schlechte Behandlung, welche die Beschwerdeführerin nach dem Gre nz- übertritt in Kroatien erlebt habe, rechtfertigt es nicht, davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer einer un- menschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta wird. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sie bei einer Überstellung nach Kroatien in eine existen- zielle Notlage geraten könnte. Die geltend gemachten Erlebnisse scheinen im Zusammenhang stehen mit ihrer illegalen Einreise nach Kroatien von Serbien aus. Diesbezüglich sieht sich Kroatien schon seit geraumer Zeit mit teils schweren Vorwürfen konfrontiert. Diese Vorwürfe beziehen sich jedoch primär auf das Verhalten des Landes an seiner Aussengrenze zu Bosnien und Herzegowina und zu Serbien. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch im Landesinnern Mitglieder der Polizei - beziehungsweise Si- cherheitskräfte nicht immer ein einwandfreies Verhalten an den Tag legen. Damit ist aber nichts zur vorliegend interessierenden Situation der Rück- kehr nach Kroatien nach Durchlaufen eines Dublin-Verfahrens gesagt (vgl. Urteil des BVGer D-419/2022 vom 13. April 2022 E. 4.3). Bei einer Rück- überstellung nach Kroatien würde die Beschwerdeführerin auf legalem Weg in die Hauptstadt Zagreb überstellt. Die Vorinstanz hat in Beachtung E-5913/2022 Seite 12 des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E ‑3078/2019 vom 12. Juli 2019 eine Einzelfallprüfung vorgenommen und ist unter Verweis auf Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien zu Recht zum Schluss gekommen, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Ver- fahrens nach Kroatien zurückgeführt werden, nicht von der problemati- schen Push-back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteil des BVGer F-1653/2022 vom 21. April 2022 E. 6.3 m.w.H.). Unter diesen Umständen ist die Anwen- dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 9.3 9.3.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbst- eintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be- handeln, wenn dafür gemäss Dublin -III-VO ein anderer Staat zus tändig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 9.3.2 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie sei gesundheitlich an- geschlagen und besonders vulnerabel, was einer Überstellung nach Kroa- tien entgegenstehe, ist festzuhalten, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroff ene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach ei- ner Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinwei- sen auf die damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- rechte [EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener me- dizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Lei- den oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urtei l des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). E-5913/2022 Seite 13 9.3.3 Eine solche Situation ist vorliegend offenkundig nicht gegeben. Die Beschwerdeführerin leidet – gemäss eigenen Angaben – an psychischen Problemen (Traumatisi erung), Schlafproblemen (Albträume, Ein - und Durchschlafstörungen), einer Infektion im Intimbereich, Juckreiz, brennen- dem Wasserlösen und Sehschwierigkeiten. Ärztliche Berichte, die ihre me- dizinischen Vorbringen belegen würden, liegen keine vor. Diese gesund- heitlichen Beeinträchtigungen scheinen indes nicht von derartiger Schwere, dass sie die Feststellung der Unzulässigkeit im Sinne der restrik- tiven Rechtsprechung zu rechtfertigen vermöchten. Auch unter Berücksich- tigung des Hinweises in der Rechtsmittelein gabe auf allfällige Schwierig- keiten beim Zugang zu medizinischer Versorgung in Kroatien ist nicht da- von auszugehen, dass dieser Staat seinen Verpflichtungen im Rahmen der Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht in genereller Weise nicht nachkom- men könnte b eziehungsweise nicht nachkommen wollte. Die geltend ge- machten Gesundheitsrisiken beziehungsweise Beschwerden könnten als- dann höchstens die Reisefähigkeit tangieren, welche im Zeitpunkt der tat- sächlichen Überstellung konkret abzuklären ist. Weiter wird den gesund- heitlichen Beschwerden der Beschwerdeführenden bei den Überstellungs- modalitäten Rechnung getragen werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin führt somit für den Fall einer Überstellung nach Kroatien nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK. 9.3.4 Es sind im Weiteren – entgegen der Behauptung der Beschwerde- führerin – keine Hinweise ersichtlich, welche im konkreten Fall ihrer Über- stellung als sehr junge, allein reisende Frau nach Kroatien entgegenstehen würden. In dieser Hinsicht sind keine Sachverhaltsumstände ersichtlich ge- macht, welche die vorinstanzlichen Feststellungen und Schlüsse betref- fend das Vorhandensein von genügenden Au fenthaltsstrukturen massge- blich erschüttern könnten. Den Aussagen der Beschwerdeführerin sind keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass Kroatien ihr den Zugang zu genügenden Aufenthaltsstrukturen verwehrt hätte, zumal sie sich nur sehr kurz an einem Ort auf gehalten habe, von dem sie nicht wisse, ob es sich um ein Asylcamp gehandelt habe, bevor sie Kroatien wieder verlassen habe (vgl. Dublin -Gespräch, S. 2). Angesichts ihrer sehr kurzen Aufent- haltsdauer in den kroatischen Aufenthaltsstrukturen kann nicht darauf ge- schlossen werden, dass ihre Vulnerabilität verkannt und ihr ihr zustehende Leistungen verweigert worden wären. Auch wenn das Zentrum Ku tina – wie geltend gemacht – aufgrund von Renovationsarbeiten vorübergehend geschlossen wäre, ist Kroatien gehalten, für vulnerable Personen entspre-E-5913/2022 Seite 14 chende Ausweichmöglichkeiten bereitzustellen. Es darf im Falle der Be- schwerdeführerin davon ausgegangen werden, dass auch sie Zu gang zu diesen Strukturen findet. Die Beschwerdeführerin ist jedoch gehalten, sich anlässlich ihrer Rückkehr auch an die in Kroatien zuständigen Behörden zu wenden, um ihre Rechte wahrzunehmen. Dies ist ihr durchaus zuzumu- ten. Selbst wenn sie vorübergehend in Erstaufnahmeeinrichtungen unter- gebracht würde, könnte sie in dieser Zeit die ihr notwendigen Dienstleis- tungen, insbesondere medizinische und psychologische Betreuung, in An- spruch nehmen. 9.3.5 Aufgrund des derzeitigen Erkenntnisstandes ist es nicht angezeigt, das SEM dazu zu verpflichten, bei den kroatischen Behörden Garantien dafür einzuholen, dass diese sich an die von ihnen eingegangenen völker- rechtlichen Verpflichtungen inklusive die adäquate und nahtlose medizini- sche Versorgung sowie eine nahtlose Unterbringung in den Strukturen für vulnerable Personen halten. Der entsprechende Subeventualantrag ist ab- zuweisen. 9.3.6 Nach dem Gesagten ist die Überstellung nach Kroatien unter Beach- tung der massgeblichen völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig zu erkennen, womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin in Anwendung der Ermessensklausel gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO ersichtlich sind. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 9.4 9.4.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung der Kann -Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Gericht be- schränkt seine Beurteilung deshalb im Wesentli chen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt und vollständig erhoben, allen we- sentlichen Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspiel- raum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 9.4.2 Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu be- anstanden (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/9). Das SEM hat die gesundheit- liche Situation der Beschwerdeführerin berücksichtigt und kam zum Schluss, dass diese kein Überstellungshindernis darstelle. Es hatte sich in E-5913/2022 Seite 15 ihrer Begründung nicht über weitere schwierige Umstände – wie beispiels- weise ihr junges Alter oder, dass sie alleine unterwegs ist – zu äussern, zumal diese klar keine Hinweise für einen möglichen humanitären Selbst- eintritt beinhalten. Das SEM hat die Verfügung auch nicht bloss mit pau- schalen Textbausteinen abgehandelt. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das SEM den spezifischen Umständen des Einzelfalles nicht Rechnung getra- gen haben sollte. Dass die Beschwerdeführerin in ihrer Einschätzung be- züglich Selbsteintritt zu einer anderen Beurteilung gelangt, ist nicht genü- gend, um von einer Ermessensunterschreitung und entsprechend einer Rechtsverletzung auszugehen. 10. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten und hat deren Überstellung nach Kroatien angeordnet. 11. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 22. De- zember 2022 angeordnete Vollzugsstopp dahin. 12. 12.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses gegenstandslos geworden. 12.2 Die Begehren erweisen sich als aussichtsl os, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ungeachtet einer allfälli- gen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 12.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-5913/2022 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Janine Sert Versand: