<h2>SubmittedText<h2><p>In der Schweizer Botschaft in Washington fand Ende Januar 2002 eine Buchvernissage statt. Das Buch "Six Billion and Counting. Population and Food Security in the 21. Century" wurde gemeinsam mit der Syngenta Stiftung für Nachhaltigkeit präsentiert (einer der Autoren ist Präsident der Stiftung für Nachhaltigkeit). Offenbar wurde der Anlass in der Botschaft vor allem dazu genutzt, den Beitrag gentechnisch veränderter Pflanzen für die Sicherung der globalen Lebensmittelversorgung in den Vordergrund zu stellen und gentechkritische europäische Länder inklusive der Schweiz zu desavouieren.</p><p>Dazu ergeben sich folgende Fragen:</p><p>1. Wurde diese Veranstaltung inklusive Lunch von der Novartis oder/und anderen Unternehmen gesponsert? Wenn ja, ist dies üblich, und nach welchen Kriterien erfolgen solche Anlässe?</p><p>2. Erarchtet es das EDA tatsächlich als Auftrag des Schweizer Botschafters in Washington, sich zu einer landwirtschaftlichen Produktionsmethode zu äussern, ohne dabei über die notwendige Sachkenntnis zu verfügen?</p><p>3. Schadet es nicht der Glaubwürdigkeit unserer Botschafter und Botschafterinnen im Ausland, wenn sie sich dazu hergeben, den noch unbewiesenen Beitrag gentechnisch veränderter Pflanzen zur Ernährung der Weltbevölkerung zu verbreiten?</p><p>4. Ist es umgekehrt möglich, dass auch die Vertreter von anderen landwirtschaftlichen Methoden, z. B. die Biobauern oder die Vertreter von Hilfswerken, in der Schweizer Botschaft in Washington die Möglichkeit erhalten, ihre Meinungen und Lösungsvorschläge zur Frage der Ernährung der Weltbevölkerung kund zu tun?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In der Schweizer Botschaft in Washington fand am 22. Januar 2002 eine Veranstaltung zur Lancierung eines vom International Food Policy Research Institute herausgegebenen Buches mit dem Titel "Six Billion and Counting. Population and Food Security in the 21. Century" statt. Als Autoren zeichnen Klaus M. Leisinger, Karin M. Schmitt und Rajul Pandya-Lorch. Die Schweiz unterstützt das International Food Policy Research Institute, dem Frau Rajul Pandya-Lorch zugehört. Dieses Institut und dessen Exponentinnen und Exponenten befürworten keinesfalls eine unreflektierte Haltung zur Anwendung der Biotechnologie in der Landwirtschaft. Biotechnologie umfasst weit mehr als die Erzeugung von genetisch veränderten Organismen und Pflanzen. Das Potenzial der Biotechnologie gilt es sorgsam zur Bewältigung der Probleme von Entwicklungsländern auch im Bereich der Landwirtschaft zu nutzen. Die Veranstaltung war entsprechend auch nicht auf eine Propagierung der Gentechnologie im Pflanzenbereich ausgerichtet.</p><p>Zu den Fragen:</p><p>1. Es handelte sich um eine Veranstaltung der Botschaft ohne Sponsoring durch Private.</p><p>2. Der gastgebende Botschafter äusserte sich im Verlauf der Veranstaltung nicht zu landwirtschaftlichen Produktionsmethoden. In den Referaten war Gentechnologie kein Thema. Diese wurde an der Veranstaltung von einer Vertreterin einer Nicht-Regierungs-Organisation in Form einer Frage an die Panelisten thematisiert und von diesen in differenzierender Form beantwortet.</p><p>3. An der Veranstaltung wurden keineswegs nur Fragen zur Biotechnologie im Pflanzenbereich behandelt. Vielmehr befasste sie sich mit Herausforderungen, mit denen wir uns alle konfrontiert sehen: Armut, Bevölkerungswachstum, Nahrungsmittel- und Trinkwasserknappheit sowie der wachsenden Kluft zwischen Nord und Süd, Arm und Reich. Entsprechend wurde seitens des Botschafters das Thema mit der notwendigen Sensibilität angegangen.</p><p>4. Die Schweizer Botschaft in Washington würde sich freuen, als Plattform für eine Veranstaltung zu dienen, wie sie von der Fragestellerin beschrieben wurde.</p>  Antwort des Bundesrates.