<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">143</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>31 Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung; Verschweigen wesent-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>licher Tatsachen; Verhältnismässigkeit; öffentliches Interesse</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Je gewichtiger sich das Verschweigen wesentlicher Tatsachen auf einen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>korrekten Entscheid der Bewilligungsbehörden auswirken kann und je</b></span><br/> <span class="ft3"><b>grösser das Verschulden des Betroffenen zu qualifizieren ist, umso höher</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ist das öffentliche Interesse an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbe-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>willigung zu veranschlagen.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">144</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 25. Oktober</span><br/> <span class="ft4">2013 in Sachen A. gegen das Amt für Migration und Integration</span><br/> <span class="ft4">(WBE.2012.1059).</span><br/> <br/> <span class="ft1"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft2">4.2.</span><br/> <span class="ft2">4.2.1.</span><br/> <span class="ft2">Liegt ein Widerrufsgrund vor, weil ein Betroffener im Bewilli-</span><br/> <span class="ft2">gungsverfahren falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsa-</span><br/> <span class="ft2">chen verschwiegen hat (Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG), bestimmt sich das</span><br/> <span class="ft2">Mass des öffentlichen Interesses an der Nichtverlängerung der Auf-</span><br/> <span class="ft2">enthaltsbewilligung vorab daran, wie gross das Interesse der Be-</span><br/> <span class="ft2">hörden zu veranschlagen ist, im Bewilligungsverfahren über korrekte</span><br/> <span class="ft2">Angaben zu verfügen bzw. in Kenntnis der verschwiegenen Tatsa-</span><br/> <span class="ft2">chen entscheiden zu können. Zudem ist das Verschulden des Be-</span><br/> <span class="ft2">troffenen zu gewichten und der seit der Falschangabe bzw. seit dem</span><br/> <span class="ft2">Verschweigen vergangene Zeitraum und das Verhalten der auslän-</span><br/> <span class="ft2">dischen Person während dieser Periode zu berücksichtigen (vgl.</span><br/> <span class="ft2">BGE 135 II 377, Erw. 4.3). Je gewichtiger sich die Falschangabe</span><br/> <span class="ft2">oder das Verschweigen auf einen korrekten Entscheid der Bewilli-</span><br/> <span class="ft2">gungsbehörden auswirken kann und je grösser das Verschulden des</span><br/> <span class="ft2">Betroffenen zu qualifizieren ist, umso höher ist das öffentliche Inte-</span><br/> <span class="ft2">resse an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu veran-</span><br/> <span class="ft2">schlagen.</span><br/> <span class="ft2">In Bezug auf das öffentliche Interesse ist festzuhalten, dass der</span><br/> <span class="ft2">Erwerb einer Aufenthaltsbewilligung durch Verschweigen wesentli-</span><br/> <span class="ft2">cher Tatsachen verwerflich ist. Es besteht seitens der Migrations-</span><br/> <span class="ft2">behörden ein erhebliches Interesse, in Kenntnis aller wesentlichen</span><br/> <span class="ft2">Umstände über die Bewilligung eines Betroffenen entscheiden zu</span><br/> <span class="ft2">können, damit nur diejenigen Personen von einer besonderen gesetz-</span><br/> <span class="ft2">lichen Privilegierung profitieren können, welche die entsprechenden</span><br/> <span class="ft2">Voraussetzungen auch tatsächlich erfüllen. Insofern ist auch von</span><br/> <span class="ft2">einem grossen öffentlichen Interesse auszugehen, eine Bewilligung,</span><br/> <span class="ft2">die mittels Verschweigens wesentlicher Tatsachen erhältlich gemacht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">145</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft2">wurde, nicht zu verlängern bzw. zu widerrufen. Bei der Beurteilung</span><br/> <span class="ft2">des öffentlichen Interesses ist zudem die Art der Täuschungshandlun-</span><br/> <span class="ft2">gen zu berücksichtigen. Je gravierender und verwerflicher diese wa-</span><br/> <span class="ft2">ren, desto eher ist die Nichtverlängerung bzw. der Widerruf ange-</span><br/> <span class="ft2">messen bzw. umso höher müssen die privaten Interessen an einem</span><br/> <span class="ft2">weiteren Verbleib in der Schweiz sein, um die Nichtverlängerung</span><br/> <span class="ft2">bzw. einen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung als unverhältnismäs-</span><br/> <span class="ft2">sig erscheinen zu lassen (vgl. RGAE vom 2.</span> <span class="ft2">Februar 2012</span><br/> <span class="ft2">[1-BE.2010.48], Erw. II/4.2).</span><br/> <span class="ft2">4.2.2.</span><br/> <span class="ft2">Bereits aufgrund des Umstandes, dass es der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft2">über Jahre hinweg konsequent unterlassen hat, die Behörden über die</span><br/> <span class="ft2">Existenz seines ausserehelichen Sohnes aufzuklären und damit er-</span><br/> <span class="ft2">reichte, dass diese seine Aufenthaltsbewilligung in Unkenntnis des</span><br/> <span class="ft2">vollständigen Sachverhalts erteilten bzw. verlängerten, ist von einem</span><br/> <span class="ft2">grossen öffentlichen Interesse an der Nichtverlängerung seiner Auf-</span><br/> <span class="ft2">enthaltsbewilligung und seiner Wegweisung aus der Schweiz aus-</span><br/> <span class="ft2">zugehen. Hätten die Behörden Kenntnis aller Umstände gehabt, wäre</span><br/> <span class="ft2">die Aufenthaltsberechtigung des Beschwerdeführers wohl ernsthaft</span><br/> <span class="ft2">in Frage gestellt worden. Hinzu kommt, dass aufgrund des Ablaufs -</span><br/> <span class="ft2">Zeugung eines Kindes im Ausland, Heirat einer Schweizerin, Schei-</span><br/> <span class="ft2">dung nach vermeintlicher Sicherung eines Aufenthaltsrechts, Aner-</span><br/> <span class="ft2">kennung des Kindes und Heirat der Kindsmutter - von einem plan-</span><br/> <span class="ft2">mässigen Vorgehen und vom Führen einer Parallelbeziehung im</span><br/> <span class="ft2">Ausland auszugehen ist. Insgesamt besteht deshalb ein sehr grosses</span><br/> <span class="ft2">öffentliches Interesse an der Nichtverlängerung seiner Aufenthaltsbe-</span><br/> <span class="ft2">willigung und seiner Wegweisung aus der Schweiz.</span><br/></div> </div> </body> </html>