BRKE II Nr. 37/1994 vom 8. März 1994 in BEZ 1994 Nr. 29 3.a) Eine Verletzung von Abstandsvorschriften machen die Rekurrenten nur im Zusammenhang mit ihrem Antrag geltend, wonach den Bestimmungen in Absatz 1 der Dienstbarkeit SP E. 118 Nachachtung zu verschaffen sei . b) Das strittige Servitut datiert v om 4. April 1914 und hatte - wie aus Ziff. 1 des entsprechenden Vertragstextes hervorgeht - unter anderem den Zweck, im mas s- geblichen Quartier die geschlossene Überbauung zu verhindern und m inimale Grenz- und Gebä udeabstände festzulegen. Berechtigt und ver pflichtet wurden die jeweiligen Eigentümer von insgesamt 40 Parzellen. Solche Quartier -Servitute en t- sprachen angesichts des zur damaligen Zeit oftmals nur ungen ügenden öffentlichen Baurechtsschutzes einem ve rbreiteten Bedürfnis, kleinräumig bauliche Missst ände zu verhindern oder eine gewisse bauliche Einhei tlichkeit zu sichern. Das vorliege n- de Servitut weist insofern enge Ve rbindungen zu öffentlichrechtlich geregelten Sachbereichen auf, als im entsprechenden Vertragstext der Gemeinderat berechtigt wird, Bau projekten, welche das Strassenbild oder die landschaftliche Umgebung verunstalten könnten, die Genehmigung zu verwe igern; sodann sieht der Vertrag Rechtsmittel an den Bezirks - und Regi erungsrat vor; schliesslich wird die Abänd e- rung des Vertrages von der Zu stimmung des Gemeinder ates E. abhängig gemacht. Ebenso steht fest, dass spätestens mit der Revision des Baugesetzes für Ortscha f- ten mit städtischen Verhältnissen (BauG vom 23. April 1893) im Jahre 1959, n a- mentlich mit der Einfügung von § 68d, private Bauvo rschriften - wie sie hier im Strei- te stehen - auch Gegenstand einer öffentlichrechtlichen Normierung g eworden wa- ren. c) Es erübrigt sich jedoch zu prüfen, ob das strittige Servitut - wie die private Rekursgegnerin ausführt - bereits aufgrund der genannten Vertragsbestimmungen öffentlichrechtliche Relevanz aufwies. Es ist auch nicht zu prüfen, ob sich der öffen t- lichrechtliche Charakter eines Quartier -Servituts erst aufgrund einer Anmerkung gemäss § 68d des Baugese tzes ergeben hätte. Ebenso ist unerheblich, o b nebst dem ursprünglichen, rein privatrechtlich wirksamen Eintrag des fraglichen Servituts im Grundbuch jemals e ine Anmerkung in diesem Sinne erfolgt und später gegeb e- nenfalls wieder gelöscht worden ist. Mit der Einführung des Planungs - und Baugesetzes vo m 7. September 1975 wurde das öffentliche Baurecht im Kanton Zürich mit dem Ziel einer umfassenden Rechtsvereinheitlichung von Grund auf neu geregelt. Dies zeigt sich denn auch deutlich in den §§ 342 ff. dieses Gesetzes. So wurden nicht nur das Baugesetz, sondern mit einer Gen eralklausel sämtliche dem neuen Gesetz widersprechenden Vorschriften aufgehoben (§§ 347 und 348 PBG). Insbesondere wurden aber auch - 2 - die G emeinden verpflichtet, ihr ö ffentliches Baurecht dem neuen über geordneten kantonalen Baurecht anzupassen (§ 342 f. PBG), wobei die Gültigkeit der bisherigen kommunalen Bauvorschriften übe rgangsrechtlich limitiert wurde (§ 351 PBG). Für bisherige kommunale Regelungen b edeutete dies, dass sie ihre öffentlichrechtliche Verbindlichkeit einbüssten, soweit s ie nicht ausdrücklich in die dem neuen Recht angepassten Bau - und Zonenordnungen überno mmen wurden. Zwar sah das Pl a- nungs- und Baugesetz von Anfang an gerade im Bereich der hier strittigen Grenz - und Gebäudeabstände eine erhebliche Autonomie der Gemeinden vor (vgl. etwa § 49 Abs. 2 aPBG und § 59 PBG). Im Lichte von § 351 PBG kann diese Autonomie j e- doch keineswegs bedeuten, dass die Gemeinden in diesem Bereich von ihrer Pflicht befreit worden wären, das vorbestehende kommunale Baurecht an das übergeor d- nete kantonale Recht anzupassen, und dass etwa Abstandsregelu ngen, wie sie vo r- bestehende Quartierordnungen vorsahen, für ihre W eitergeltung nicht eine au s- drückliche Übernahme in die neue Bau- und Zonenordnung vorausgesetzt hätten. d) Für die hier strittige Regel ung ergibt sich damit, dass ihr keine öffentlich - rechtliche Verbindlichkeit mehr zukommen kann. Insbesondere wurde das vom Se r- vitut erfasste Gebiet mit der Bau - und Zonenordnung der Gemeinde E. vom 18. N o- vember 1985 vollumfänglich den Nutzungszonen des neu en Rechts, namentlich der Zone W 2/35 zugeteilt, ohne dass die alte Ordnung ausgespart worden wäre. Hinzu kommt, dass die ursprüngliche Rechtfertigung für eine allfällige öffentlichrechtliche Wirkung schon vor E rlass dieser dem neuen Recht entsprechenden Ba u- und Z o- nenordnung dahi ngefallen war, sind doch die baurechtlichen Normierungen seit 1914 zunehmend dichter und u mfassender gewo rden. Insbesondere wurde bereits am 7. Juli 1961 in der Gemeinde E. eine umfassende und detaillierte Bau - und Zo- nenordnung erlassen, welche die im stritt igen Servitut geregelte Materie vollumfän g- lich abdeckte. Die damalige Ordnung teilte das vom Servitut erfasste Gebiet der Z o- ne für Ein- und Zweifamilienhäuser zu, ohne dass etwa die hier strittige Quartieror d- nung oder andere Sonderregelungen ausgespart worden wären. Dies hat zur Folge, dass die strittige Abstandsregelung höchstens noch im Ra h- men des Privatrechts W irkung entfalten könnte, öffentlichrechtlich aber unb eachtlich ist. Soweit die Rekurrenten beantragen, dass dem fraglich en Servitut öffentlichrecht- lich Nachachtung zu verschaffen sei, ist der Rekurs deshalb abzuweisen.