<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2020-09-17-6B_865-2020.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>6B_865/2020</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 17. September 2020</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Strafrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Denys, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Muschietti, </div> <div class="para">Bundesrichterin van de Graaf, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Matt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, </div> <div class="para">Leitender Oberstaatsanwalt, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Genugtuung und Entschädigung nach Einstellung des Strafverfahrens, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug, I. Beschwerdeabteilung, vom 15. Juli 2020 (BS 2019 83). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Am 31. Mai 2019 wurde die Geschwindigkeit des Fahrzeugs mit dem Kontrollschild SZ xxxxxx in Baar von einem halbstationären Überwachungssystem mit 66 km/h statt der erlaubten 60 km/h gemessen. Der in der Folge beanzeigte A.________, einziges Verwaltungsratsmitglied der Halterin des Fahrzeugs, wendete ein, das Messgerät sei nicht gewartet worden. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 19. August 2019 wurde A.________ wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln mit Fr. 40.-- gebüsst. Auf seine Einsprache hin eröffnete die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung, welche sie am 22. November 2019 mit der Begründung einstellte, dass der Beschuldigte aufgrund der schlechten Bildqualität der Radaraufnahme nicht als verantwortlicher Lenker identifiziert werden könne. </div> <div class="para">Mit Eingabe an das Obergericht des Kantons Zug beantragte A.________ sinngemäss, ihm seien für das Untersuchungsverfahren Fr. 1'500.-- als Genugtuung, Reisespesen, Aufwandentschädigung und Rechtsauskunft zuzusprechen. Das Obergericht wies die Beschwerde am 15. Juli 2020 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">A.________ erhebt Beschwerde in Strafsachen. Er beantragt, die Sache sei an das Obergericht zurückzuweisen und diesem sei Gelegenheit zu geben, ihm die verlangte Entschädigung zuzusprechen. Auf das Ersuchen von A.________ hin sieht das Bundesgericht einstweilen von einem Kostenvorschuss ab. A.________ ersucht um unentgeltliche Rechtspflege. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.1.</b> Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss <span class="artref"><artref id="CH/312.0/429/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/429/1/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/429/1/a" type="start"></artref>Art. 429 Abs. 1 lit. a-c StPO</span><artref id="CH/312.0/429/1/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/429/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/c" type="end"></artref> Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte; Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind; Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug. </div> <div class="para">Ein Anspruch auf Genugtuung im Sinne von <span class="artref">Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO</span> wird regelmässig gewährt, wenn sich die beschuldigte Person in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft befand. Eine Anhaltung gefolgt von einer Festnahme, die sich auf eine Gesamtdauer von mehr als drei Stunden erstreckt, stellt einen Eingriff in die Freiheit dar, der zu einer Entschädigung Anlass geben kann. Nicht zu berücksichtigen ist die Dauer einer allfälligen formellen Befragung im Verlaufe dieser Stunden. Nebst der Haft können auch eine mit starkem Medienecho durchgeführte Untersuchung, eine sehr lange Verfahrensdauer oder eine erhebliche Präsentation in den Medien eine schwere Verletzung der persönlichen Verhältnisse im Sinne von <span class="artref">Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO</span> darstellen (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=38&amp;from_date=17.09.2020&amp;to_date=06.10.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-339%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page339">BGE 143 IV 339</a> E. 3.1 f.; Urteil 6B_491/2020 vom 13. Juli 2020 E. 2.3, zur Publ. vorgesehen; je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.2.</b> Die Beschwerde ist zu begründen, wobei anhand der Erwägungen des angefochtenen Entscheids in gedrängter Form darzulegen ist, inwiefern dieser Recht verletzt (Art. 42 Abs. 1 und 42 Abs. 2 Satz 1 BGG). Hinsichtlich der Verletzung von Grundrechten einschliesslich des Sachverhalts wegen Willkür bestehen qualifizierte Rügeanforderungen (<span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>). Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (<span class="artref">Art. 106 Abs. 1 BGG</span>), doch prüft es unter Berücksichtigung der Begründungspflicht (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/42/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/42/1" type="start"></artref>Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/42/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref>) nur die geltend gemachten Rügen, sofern die rechtlichen Mängel nicht geradezu offensichtlich sind (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=38&amp;from_date=17.09.2020&amp;to_date=06.10.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-234%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page234">BGE 141 V 234</a> E. 1; <a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=38&amp;from_date=17.09.2020&amp;to_date=06.10.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-I-65%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page65">134 I 65</a> E. 1.3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Die Beschwerde genügt den bundesrechtlichen Begründungsanforderungen auch eingedenk einer bei Laienbeschwerden üblichen wohlwollenden Betrachtungsweise offensichtlich nicht. Der Beschwerdeführer war und ist anwaltlich nicht vertreten. Die behauptete umfangreiche Abklärung durch den Firmenanwalt sowie die entsprechenden Kosten oder einen über das dem einzelnen für eigene Besorgungen zumutbare Mass hinausgehenden Aufwand (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=38&amp;from_date=17.09.2020&amp;to_date=06.10.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-518%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page518">BGE 125 II 518</a> E. 5b) belegt er nicht. Er legt auch nicht dar, dass ihm aus der notwendigen Beteiligung am Strafverfahren, mithin seiner einmaligen, rund 30-minütigen Befragung, ein wirtschaftlicher Schaden entstanden oder, dass er in seinen persönlichen Verhältnissen besonders schwer betroffen worden wäre, was eine Genugtuung rechtfertigen könnte. Ebensowenig begründet der Beschwerdeführer, dass und weshalb eine automatische Verkehrsüberwachung einen schweren Eingriff in das Recht der informationellen Selbstbestimmung resp. die Persönlichkeit darstellen soll. Wenn er vorbringt, die Messgeräte im Kanton Zug würden nicht gewartet, so geht dies angesichts der Verfahrenseinstellung an der Sache vorbei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde erweist sich als unbegründet, soweit darauf eingetreten werden kann. Sie ist im Verfahren nach <span class="artref">Art. 109 Abs. 2 lit. a BGG</span> zu erledigen. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer die Gerichtskosten zu tragen, zumal sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege aussichtslos ist. Den finanziellen Verhältnissen des Beschwerdeführers ist bei der Kostenfestsetzung Rechnung zu tragen (Art. 64 Abs. 1, Art. 65 Abs. 1 und 2, <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer trägt die Gerichtskosten von Fr. 1'200.--. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zug, I. Beschwerdeabteilung, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 17. September 2020 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Denys </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Matt </div> </div></body></html></html>