Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Dezember 2019 (720 17 269 / 321) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bestimmung des massgebenden medizinischen Sachverhalts aufgrund eines Gerichts- gutachtens. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Anouck Zehntner, Ad- vokatin, Indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1977 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Juni 2007 bis 31. Oktober 2011 bei der B.____AG in X.____ als Sachbearbeiterin angestellt. H ernach bezog sie Arbeitslosenentschä- digung. Am 27. November 2012 meldete sie sich unter Hi nweis auf psychische Beschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Lei stungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie nach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) A.____ mit Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Juli 2017 für die Zeit vom 1. Januar 2014 bis 30. Juni 2015 gestützt auf einen Invaliditätsgrad vom 100 % eine befristete ganze Rente zu. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin A nouck Zehntner, am 6. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung vom 6. Juli 2017 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr mit Wirkung ab 1. November 2013 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei d ie Verfügung vom 6. Juli 2017 aufzu- heben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegneri n zurückzuweisen, damit diese nach Vornahme weiterer Abklärungen erneut über den Renten anspruch entscheide; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokatin Anouck Zehntner als Rechtsvertr eterin. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf un zureichenden medizinischen Un- terlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 7. September 2017 wurde der Besc hwerdeführerin für das vorlie- gende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokatin Anouck Zehntner als Rechtsver- treterin bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 20. November 2017 schlo ss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 31. Januar 2018 / Duplik vom 15. März 2018) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 24. Mai 2018 gela ngte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich sei. In der Folge stel lte es das Verfahren aus und ordnete ein Gerichtsgutachten an. Am 27. Juli 2018 beauftrag te es die Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) mit einem psychiatrischen Gutachten. Auf die Empfehlung der asim wurde der Gutachtensauftrag am 28. November 2018 um die Disziplin Neuropsychologie erweitert. Das Gutachten wurde am 6. August 2019 erstattet; die ergän zende Stellungnahme erfolgte am 27. August 2019. Hierzu nahmen die Beschwerdeführerin am 17. September 2019 und die IV- Stelle, unter Hinweis auf die Stellungnahme von Dr. med. C.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 19 . September 2019, am 1. Oktober 2019 Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 6. September 2017 ist einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführ erin. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Ver fügung vom 6. Juli 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitli che Grenze der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2 , 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 4.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beweiswertes eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin od er des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 E. 4.4 und 4.5). So weicht das Ger icht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung d es medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsb arkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Eine abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weite- ren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht e rstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Be weiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auc h der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung 6. Juli 2017 bei der Beurtei- lung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das Gutachten von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 8. Juli 2015 sowi e dessen ergänzende Stellung- nahme vom 28. Dezember 2015. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführerin vom 22. November 2012 bis 31. März 2015 vollständig arbe itsunfähig war, ihr aber ab dem 1. April 2015 angepasste Verweistätigkeiten im Umfang von 100 % zumutbar seien. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen de s Verwaltungsverfahrens eingeholten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen. Anlässlich der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsberatung vom 24. Mai 2018 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass dem Gut achten von Dr. D.____ vom 8. Juli 2015 keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. Es hielt fest, dass seine Abklärungen unvollständig seien und er die Diagnosekriterien nicht nachvollziehbar dargelegt habe. Zudem habe er sich nicht hinreichend mit den abweichenden me dizinischen Berichten auseinanderge- setzt und eine allfällig zwischenzeitlich eingetretene V erschlechterung des Gesundheitszu- stands nicht abgeklärt. Ausserdem weise das Gutachten keine explizite Prüfung der Indikatoren aus, weshalb die Ressourcen der Beschwerdeführerin nich t beurteilt werden könnten. Insge- samt seien das Gutachten von Dr. D.____ vom 8. Juli 2015 und die ergänzende Stellungnahme vom 28. Dezember 2015 unvollständig, teilweise widersprü chlich bzw. unklar und zudem nicht aktuell. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall a uszustellen und zur weiteren Abklä- rung des medizinischen Sachverhalts bei der asim ein psychia trisch-neuropsychologisches Ge- richtsgutachten in Auftrag zu geben. 8.1 Das Gerichtsgutachten der asim wurde von Dr. med. E. ____, Oberärztin, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, am 6. August 2019 erstellt und von Prof. Dr. med. F.____, FMH Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, mit unterzeichnet. Die Ergebnisse des neuropsychologischen Fachgutachtens von Prof. Dr. rer. n at. et med. G.____ vom 7. Februar 2019 wurden in das psychiatrische Gerichtsgutachten integr iert. Diagnostiziert wurde mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Per sönlichkeitsstörung mit ängstlich vermei- denden und abhängigen Anteilen (ICD-10 F61.0). Der Schweregrad der Persönlichkeitsstörung sei als schwer zu beurteilen. Die Versicherte habe ein an dauerndes Gefühl von umfassender Angst und Besorgtheit, u.a. um ihre körperliche und di e Unversehrtheit naher Familienangehö- riger. Ihr Lebensstil sei eingeschränkt durch die ständig e Angst, eine Panikattake zu erleiden, wodurch auch ihre sozialen Kontakte erheblich eingeschrän kt seien. An ihren Arbeitsstellen habe sie sich regelmässig gemobbt, benachteiligt und ung erecht behandelt gefühlt. Zwischen- menschlichen Kontakt vermeide sie aus Angst vor Kritik, Missb illigung und Ablehnung. Im Übri- gen bestünde ein extremes Vermeidungsverhalten bezüglic h körperlicher Untersuchungen und Einlassen auf therapeutische Beziehungen. Gleichzeitig sei sie überzeugt, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein und ohne fremde Hilfe nicht bestehe n zu können. Diese Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen hätten sich bereits in ihrer Kind heit abgezeichnet. Nur durch die Unter- stützung eines Lehrers habe sie die erforderlichen schuli schen Leistungen erbringen und Selbstbewusstsein schöpfen können. Ihre Mutter habe sie stets verunsichert und eine Einbin- dung in gleichaltrige Gruppen sei nicht erfolgt. Aufgr und ihrer Schüchternheit und Unsicherheit habe sie eine Aussenseiterrolle eingenommen. Diese Grun dproblematik ziehe sich auch durch ihre berufliche Tätigkeit, welche geprägt sei durch e ine Vielzahl von Stellenwechseln. Es sei ihr nie gelungen, das Gelernte umzusetzen, da sie an ihren Fähigkeiten gezweifelt habe und so die Aufgaben nicht zufriedenstellend habe erfüllen können. Bei der Versicherten sei erkennbar, dass eine Veränderung der Kognition, d.h. der Wahrneh mung und Interpretation von Dingen und zwischenmenschlichen Beziehungen, sowie eine Veränderung in der Affektivität und in der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art des Umgangs mit anderen Menschen bestehe. Der Begin n sei deutlich in der Adoleszenz festzumachen und die Abweichungen seien so geprägt, d ass daraus ein erheblicher Leidens- druck resultiere. Es gelinge der Beschwerdeführerin nich t, sich aus ihren Verhaltensmustern zu befreien, so dass von einer Rigidität auszugehen sei. Di e jahrelange Tätigkeit der Beschwerde- führerin auf dem ersten Arbeitsmarkt stehe der Diagnos e einer Persönlichkeitsstörung nicht entgegen, da nicht von einer stabilen Leistungsfähig keit mit der Möglichkeit, gelernte Fähigkei- ten und Fertigkeiten kompetent umzusetzen, ausgegange n werden könne. Nicht bestätigt wer- den könne die Diagnose einer paranoiden Persönlichkeitsst örung, da vordergründig keine ent- sprechenden Merkmale erkennbar seien. Namentlich fehle es an einer starken Selbstbezogen- heit und Überheblichkeit, an einer häufigen Beschäftig ung mit Verschwörungen, an einem streitsüchtigen situationsunangemessenem Verhalten, an e inem Bestehen auf die eigenen Rechte, am Misstrauen gegenüber dem Partner und an ein er dauerhaften Neigung, Groll zu hegen. Schliesslich stütze auch das Ergebnis der neuropsych ologischen Untersuchung die ge- stellte Diagnose. Differentialdiagnostisch zu beurteilen seien die Diagnosen einer generalisier- ten Angststörung bzw. einer Agoraphobie mit Panikstörun g, einer sozialen Phobie sowie einer rezidivierenden depressiven Störung. Bei diesen Diagnosen gebe es bezüglich Symptomatik erhebliche Überschneidungen mit der Diagnose der Persönl ichkeitsstörung. Diese erscheine aber erheblich zutreffender, weshalb auf eine separate Codierung der erwähnten Differenzialdi- agnosen verzichtet worden sei. Nicht bestätigt werden kön ne die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit asthenischen, ängstlichen, passive aggressiven, unreifen und histri- onischen Anteilen. Insgesamt seien die Angaben der Versi cherten authentisch und nachvoll- ziehbar. Hinweise auf Aggravations- oder Simulationsten denzen bestünden nicht. Aus gut- achterlicher Sicht führe die schwer ausgeprägte Persönli chkeitssymptomatik zu einer mindes- tens mittelschwer bis schwer ausgeprägten Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Aktuell be- stünde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Langfristig sollte das Vermeidungsverhalten der Versicherten aber nicht unterstützt werden. Vielmehr soll ten alternative Umgangs- und Bewälti- gungsstrategien für die dysfunktionalen Verhaltensmuster erarbeitet werden. Im Hinblick auf die bisher nicht ausreichende Behandlung der Hauptdiagnos e sei längerfristig keine anhaltende vollständige Arbeitsunfähigkeit zu erwarten. Kurzfristig sei aber auch bei einer optimalen An- passung des Arbeitsplatzes keine Verbesserung der Arbeit sfähigkeit zu erzielen. Die Stellung einer Prognose sei nur zurückhaltend möglich, es müsse aber von einem langfristigen Thera- piebedarf ohne zeitnahe Verbesserung der Arbeitsfähig keit ausgegangen werden. Dennoch könne bei einem adäquaten Ansprechen und intensiver ther apeutischer Begleitung der Wieder- eingliederungsversuche langfristig mit einer Verbessrung der Arbeitsfähigkeit gerechnet wer- den. 8.2 Am 27. August 2019 führte Dr. E.____ ergänzend a us, dass aufgrund der schwergra- dig ausgeprägten Persönlichkeitsstörung bei der Beschwer deführerin trotz langjähriger Berufs- tätigkeit nie eine wirklich stabile Leistungsfähigkeit vorgelegen habe. Bis 2011 sei es ihr aber gelungen, die störungsbedingten Einschränkungen soweit z u kompensieren, dass sie immer wieder habe arbeiten können. Wirklich manifest geworden sei die Erkrankung im Herbst 2011, als sich infolge einer Dekompensation nach erneuten Sc hwierigkeiten bei jahrelangem Stress und dauerhafter Überforderung eine erhebliche und d auerhafte Verschlechterung der Situation eingestellt habe. Spätestens ab Herbst 2011 sei daher die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rerin in der bisherigen Tätigkeit und in angepassten V erweistätigkeiten vollständig einge- schränkt. 8.3 In ihrer Stellungnahme vom 17. September 2019 e rachtete die Beschwerdeführerin die Gerichtsexpertise als beweistaugliche Entscheidgrundlage u nd beantragte gestützt darauf mit Wirkung ab 1. November 2013 die Ausrichtung einer ganz en Rente. Demgegenüber stellte sich die IV-Stelle in ihrer Eingabe vom 1. Oktober 2019 un ter Hinweis auf die Stellungnahme des RAD vom 19. September 2019 auf den Standpunkt, es sei nicht einzusehen, weshalb anlässlich der gerichtlichen Oberbegutachtung keine weitergehende Abklärung stattgefunden habe, weder in Form eines persönlichkeitsbezogenen Diagnoseinstrume nts wie in einer SKID-II-Testung noch in der Form von zusätzlich erhobenen fremdanamnest ischen Angaben, nachdem das Kantonsgericht in seinem Beschluss vom 24. Mai 2018 bemä ngelt habe, es seien weitere Ab- klärungen notwendig, was auch hinsichtlich der ungenügenden fremdanamnestischen Angaben gelte. Die diagnostische Differenz zu den Fachärzten de r Klinik Y.____ bleibe weiterhin beste- hen. Sie sehe sich aufgrund der auch nach Vorliegen de s Gerichtsgutachtens fehlenden nach- vollziehbaren Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in eine r optimal angepassten Tätigkeit ausser- stande, abschliessend zu allfälligen Auswirkungen auf den Leistungsanspruch Stellung zu nehmen. Stelle das Kantonsgericht wider Erwarten auf das Ergebnis der Gerichtsgutachterin – welche sich die gleiche Kritik wie Dr. D.____ entgegen halten müsse – ab, bestünde sechs Mo- nate nach Anmeldung ein Anspruch auf eine ganze Rente. 8.4 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), weicht d as Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der m edizinischen Experten oder Exper- tinnen ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stel- len, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfa ssen. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des G erichtsgutachtens vom 6. August 2019 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein e medizinische Beurtei- lungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. Es weist wed er formale noch inhaltliche Mängel auf, ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) – für die streitigen Belange um- fassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksich tigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und leuchte t in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Sit uation ein. Sodann weist das Gut- achten keine Widersprüche von entscheidrelevanter Bedeutung auf und setzt sich auch mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärztlichen E inschätzungen auseinander. Insge- samt ist die Beurteilung im Gutachten überzeugend. Es wird deutlich, dass die Beschwerdefüh- rerin aufgrund einer schwer ausgeprägten Persönlichkeit ssymptomatik spätestens ab Herbst 2011 auch in angepassten Verweistätigkeiten vollständig arbeitsunfähig ist. 8.5 Die Kritik des RAD am Gerichtsgutachten ist nicht g eeignet, Zweifel an dessen Be- weiskraft zu wecken. Zunächst ist in Erinnerung zu rufen, dass eine Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Dem o der der medizinischen Sachverständi- gen eröffnet sich deshalb praktisch immer ein gewisser Sp ielraum, innerhalb welchem ver- schiedene Interpretationen möglich, zulässig und im Rahm en einer Exploration lege artis zu Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht respektieren sind. Genau darin kann der Grund für den Beizug eines Gerichtsgutachtens liegen, welches gewährleistet, dass das medizinische Ermessen mit o ptimaler Sachkenntnis und vor allem optimaler Unabhängigkeit ausgeübt wird. Darin liegt auch die innere Berechtigung dafür, dass den Gerichtsgutachten rechtsprechungsgemäss hohes Gewicht zukommt und das Gericht nicht ohne zwingende Gründe davon abweicht. Soweit der RAD einwendet, die Gerichtsgutach- terin widerspreche bereits in der Diagnosestellung den Einschätzungen diverser psychiatrischer Fachpersonen, ohne sich mit den abweichenden Diagnosen a useinanderzusetzen, ist ihm ent- gegenzuhalten, dass Dr. E.____ alle abweichenden Diagno sen der bisher behandelnden Ärzte als Differentialdiagnosen abhandelt und bei mehreren Diagnosen Überschneidungen mit der Symptomatik der Persönlichkeitsstörung einräumt. Sie begr ündet aber auch nachvollziehbar und schlüssig, weshalb die Diagnose der Persönlichkeitsstö rung erheblich zutreffender sei. Wenn er weiter rügt, die Gerichtsgutachterin habe sich n icht mit der Frage auseinandergesetzt, wie ein Arbeitsplatz beschaffen sein müsste, um den dysfu nktionalen Verhaltensweisen der Beschwerdeführerin angepasst zu sein, ist darauf hinzuwei sen, dass die Gerichtsgutachterin der Beschwerdeführerin aktuell und kurz bis mittelfristi g auch in einer angepassten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, weshal b die Definition eines Verweisprofils nicht erforderlich war. Immerhin wies die Gerichtsgutachterin aber darauf hin, dass es im Rahmen der Wiedereingliederung sinnvoll erscheine, wenn der Ar beitsplatz in einer eher ruhigen Umge- bung liege und ein kleines Team mit nur wenigen direkt en Ansprechpersonen umfasse. Auch der Einwand, wonach es die Gerichtsgutachterin unterlass en habe, eine fundierte psychologi- sche Persönlichkeitstestung vorzunehmen, ist nicht stichhalti g. Vielmehr ist es grundsätzlich den Gutachterpersonen überlassen, über Art und Umfang der aufgrund der konkreten Frage- stellung erforderlichen Untersuchungen zu befinden (Urteil des Bundesgerichts vom 2. Septem- ber 2015, 8C_76/2015, E. 7). Vorliegend hat die Ger ichtsgutachterin zu den abweichenden Di- agnosen überzeugend Stellung genommen und das Vorlie gen einer Persönlichkeitsstörung so- wie die Ressourcen der Beschwerdeführerin schlüssig begr ündet. Bei dieser Sachlage vermag die Tatsache, dass sie auf Testverfahren und fremdanamne stische Angaben verzichtet hat, die Zuverlässigkeit des Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu ste llen. Auch die Rüge, wonach die gutachterliche Zumutbarkeitsbeurteilung mit Blick auf d ie medizinische Literatur und die Tatsa- che, dass die Beschwerdeführerin über längere Zeit gea rbeitet habe, nicht nachvollziehbar sei, ist unbehelflich. Die Gerichtsgutachterin zeigt klar auf und legt nachvollziehbar dar, dass die Beschwerdeführerin nie eine wirklich stabile Leistungsf ähigkeit aufwies. Infolge einer Dekom- pensation nach erneuten Schwierigkeiten bei jahrelange m Stress und dauerhafter Überforde- rung stellte sich ab Herbst 2011 eine erhebliche und da uerhafte Verschlechterung der Situation ein. Daran ändert nichts, dass darüber nichts in den Arb eitszeugnissen steht. Dies hat wohl am ehesten damit zu tun, dass diese wenn nötig beschönigend abgefasst werden und auf die nega- tiven Punkte nicht hingewiesen wird, – mit Betonung d er positiven Seiten der geleisteten Arbeit –, um der arbeitsuchenden Person ihr Fortkommen nicht über Gebühr zu erschweren. Bei die- ser Sachlage und der Tatsache, dass es der Gerichtsgutacht erin möglich war, die Leistungsfä- higkeit der Beschwerdeführerin zuverlässig zu beantworten, kann in antizipierter Beweiswürdi- gung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) a uf zusätzliche Abklärungen verzichtet werden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.6 Anzumerken bleibt aber, dass nach Auffassung der Ger ichtsgutachterin bei einem adäquaten Ansprechen und intensiver therapeutischer Begle itung der Wiedereingliederungs- versuche langfristig mit einer Verbesserung der Arbeits fähigkeit der Beschwerdeführerin ge- rechnet werden könne, weshalb diese gehalten ist, an g eeigneten Therapie- und Eingliede- rungsmassnahmen teilzunehmen. 9. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.2 hiervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkomme nsvergleichs zu bestimmen. Unter Berücksichtigung, dass die Beschwerdeführerin spätestens ab Herbst 2011 in der bisherigen Tätigkeit und in angepassten Verweistätigkeiten vollstän dig arbeitsunfähig ist, Art. 29 Abs. 1 IVG und der Anmeldung zum Leistungsbezug am 27. Nove mber 2012 hat die Beschwerdefüh- rerin demnach ab 1. Mai 2013 Anspruch auf eine ganze R ente. Die Beschwerde ist in dem Sin- ne gutzuheissen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. In der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft getretene n Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten neuerdings auch den unterli egenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei. D ie ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt. 10.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, w enn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil n achträglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 f f. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. BG E 137 V 265 f. E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unter- suchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigke it, eine Gerichtsexpertise anzu- ordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio nen der Fall: Wenn ein manifester Wider- spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztl ichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründet e Argumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt ha be, welche die Anforderungen an eine Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwal- tung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive kon- vergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rec htsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Geri chtsgutachtens an sie nicht gerecht- fertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; zum Ganze n: BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hin- weisen). 10.2.2 Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der U rteilsberatung vom 24. Mai 2018 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Wie vorstehend in Erwägung 7 ausge führt, kam dem Gutachten von Dr. D.____ vom 8. Juli 2015 mit Blick auf die Anforde rungen an den Beweiswert ärztlicher Be- richte und Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskraft zu. Da auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte keine verlässliche Entscheidungsgrundlage bildeten, waren die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahr en nicht ausreichend beweiskräf- tig. Demnach wies das Verwaltungsverfahren Untersuchungsm ängel auf, die eine Gerichtsex- pertise notwendig machten. Die Kosten des Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss der einge- reichten Honorarnote vom 31. August 2019 auf Fr. 9'957 .60 belaufen, sind unter diesen Um- ständen der Vorinstanz aufzuerlegen. 10.3 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Rechtsvertreterin der B eschwerdeführerin hat in ihrer Honorar- note vom 9. Oktober 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 36 Stunden und 10 Minuten sowie Auslagen von Fr. 144.30 geltend g emacht. Selbst unter Berücksichti- gung, dass im vorliegenden Verfahren ein zweiter Schriftenwechsel und eine Gerichtsbegutach- tung durchgeführt wurden und der Tatsache, dass der p sychische Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin einen erhöhten Aufwand bei der Manda tsführung verursachte, erscheint der geltend gemachte Aufwand für den Mail- und Telefonve rkehr mit der Beschwerdeführerin na- mentlich nach Einreichung der Honorarnote am 9. April 2018 (Zeitraum vom 2. bis 18. Mai 2018), nach Einreichung der Stellungnahme zum Gutachterauftrag vom 29. Juni 2018 (Zeitraum vom 3. und 4. Juli 2018), nach Erhalt des Gutachterau ftrags vom 27. Juli 2018 (Zeitraum vom 3. bis 9. August 2018) und nach Erhalt der Einladung der asim zur Begutachtung vom 9. August 2018 (Zeitraum vom 16. August bis 19. November 2018) als zu hoch, weshalb eine angemes- sene Kürzung vorzunehmen ist. Unter Beachtung aller Umst ände erscheint für das vorliegende Verfahren ein Aufwand von 30 Stunden und 40 Minuten als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarif- ordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. Nove mber 2003). Nicht zu beanstanden sind die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 144.30. Der Beschwerdeführerin ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 8' 410.60 (30,66 Stunden x Fr. 250.-- plus Auslagen von Fr. 144.30 und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzuspre- chen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Mai 2013 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 9'957.60 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 8'410.60 (inklusive Auslagen und 7,7 % Mehrwert- steuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht