Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. August 2017 (810 16 324) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / Berechnung der Dauer des ehelichen Zusammenlebens sowie nachehelicher Härtefall Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Gerichtsschreiber i.V. Florian Jenal Beteiligte A. ____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Roger Wirz , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Weg weisung aus der Schweiz (RRB Nr. 1473 vom 25. Oktober 2016) A. Am 15. Dezember 2003 reiste der türkische Staats angehörige A.____, geb. 1982, erstmals in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Das Bundesamt für Migration (BfM, heu- te: Staatssekretariat für Migration [SEM]), lehnte das Asylgesuch am 31. Januar 2005 ab. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltu ngsgericht ab (Urteil des Bundesver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht waltungsgerichts D-4389/2006 vom 7. November 2008). Da raufhin reichte A.____ am 10. De- zember 2008 beim Amt für Migration des Kantons Basel -Landschaft (AfM) ein Gesuch zur Här- tefallprüfung ein. Am 24. Februar 2009 beantragte d as AfM beim BfM die Erteilung einer Auf- enthaltsbewilligung für A.____. Das BfM verweigerte m it Verfügungen vom 13. Mai 2009 bzw. vom 2. September 2009 seine Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus hu- manitären Gründen bzw. wegen Vorliegens eines schwerwieg enden persönlichen Härtefalls. Eine von A.____ dagegen erhobene Beschwerde wies das B undesverwaltungsgericht mit Urteil C-3887/2009 vom 30. Mai 2012 ab. In der Folge verlie ss A.____ die Schweiz am 3. Juli 2012 und reiste zurück in die Türkei. B. Am 11. Juli 2012 heiratete A.____ in der Türkei d ie Schweizerin B.____, geb. 1982. In der Folge reiste A.____ am 11. Dezember 2012 wieder in die Schweiz ein, woraufhin ihm eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau erteilt wurde. C. Am 31. Oktober 2014 zog A.____ aus der gemeinsamen ehelichen Wohnung aus und lebte fortan in einer eigenen Wohnung in C.____. Da s AfM gewährte ihm daraufhin mit Schrei- ben vom 11. September 2015 das rechtliche Gehör zu eine m allfälligen Widerruf der Aufent- haltsbewilligung. D. Mit Verfügung vom 22. Oktober 2015 widerrief das Af M die Aufenthaltsbewilligung von A.____. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Roger W irz, Advokat in Liestal, am 6. Novem- ber 2015 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). E. In seiner Beschwerdebegründung vom 7. Dezember 2015 machte A.____ geltend, dass er wieder mit seiner Ehefrau zusammenlebe. Daraufh in sistierte der Regierungsrat am 17. Februar 2016 – auf Antrag des AfM – das Verfahr en. F. Am 18. Juli 2016 wurde die Ehe von A.____ und B. ____ in der Türkei geschieden. G. Am 22. August 2016 beantragte das AfM, die Beschwerd e sei vollumfänglich abzu- weisen. H. Mit Regierungsratsbeschluss Nr. 1473 vom 25. Oktober 2 016 wies der Regierungsrat die Beschwerde von A.____ ab. I. Gegen den Entscheid des Regierungsrats erhob A.____, weiterhin vertreten durch Ro- ger Wirz, Advokat, am 7. November 2016 Beschwerde an da s Kantonsgericht. In seiner Be- schwerde beantragt er, der Entscheid des Regierungsrats s ei vollumfänglich aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern, unter o/e-Kostenfolge. J. Am 7. Februar 2017 schloss der Regierungsrat auf Abwei sung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. K. Mit präsidialer Verfügung vom 10. April 2017 wurde der Fall der Kammer zur Beur- teilung überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheids berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebun g. Auch die weiteren formellen Vo- raussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde gelte nd, nach Auflösung der Ehe einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 50 des Bundesgeset- zes über die Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergese tz, AuG) vom 16. Dezember 2005 zu haben. 3.1 Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinsch aft besteht der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufent haltsbewilligung nach Art. 50 Abs. 1 AuG weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration vorliegt (lit. a; BGE 138 II 229 E. 2) o der wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Sind diese Voraussetzungen erfüllt, besteht grundsätzlich ein Rechtsanspruch auf ei ne Aufenthaltsbewilligung und der Ent- scheid darüber steht nicht im Ermessen der Behörden (Ur teil des Bundesgerichts 2C_711/2009 vom 30. April 2010 E. 2.2). Es gilt somit nachfolgend zu prüfen, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aus Art. 50 Abs. 1 lit. a oder b AuG ab- leiten kann. 3.2 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, dass d ie Dauer der ersten Phase des Zusammenlebens zwischen ihm und seiner Ehefrau vom 11. D ezember 2012 bis zum 31. Oktober 2014 einer Dauer von 22 Monaten und 20 Ta gen entspreche, und nicht 21 Mona- ten und 20 Tagen, wie der Beschwerdegegner im angefo chtenen Entscheid ausführe. Dem ist ohne weiteres zuzustimmen, zumal der Beschwerdegegner d ies in seiner Vernehmlassung auch anerkennt. Weiter macht der Beschwerdeführer gelt end, das dreizehnmonatige Getrennt- leben vom 31. Oktober 2014 bis am 1. Dezember 2015 se i ebenfalls der Ehedauer anzurech- nen, da es der Rettung der Ehe gedient habe, was als w ichtiger Grund im Sinne von Art. 49 AuG zu werten sei. Schliesslich sei die Dauer der zweiten P hase des Zusammenlebens vom Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Dezember 2015 bis zum Juli 2017 ebenfalls der Dauer der Ehegemeinschaft anzurechnen. Entsprechend habe die Ehegemeinschaft während dieser Zeit fortbestanden. Daraus resultiere eine Dauer der Ehegemeinschaft von insgesamt knapp 43 M onaten, womit das Erfordernis der dreijährigen Ehegemeinschaft i.S.v. Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG erfüllt sei. 3.3 Der Beschwerdegegner bringt demgegenüber vor, de r Beschwerdeführer könne sich nicht auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG berufen, da die e rforderliche dreijährige Ehegemeinschaft nicht erfüllt sei. Auch wenn ein ununterbrochenes Zus ammenwohnen im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG nicht vorausgesetzt werde, könnten di e dreizehn Monate des Getrenntlebens zwischen den Jahren 2014 und 2015 bei der Berechnung de r Dreijahresfrist keine Berücksichti- gung finden, da nicht davon auszugehen sei, dass in diese r Zeit tatsächlich eine Ehegemein- schaft bestanden habe bzw. ein wichtiger Grund für das Ge trenntleben im Sinne von Art. 49 AuG gegeben gewesen sei. 3.4 Eine – im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG rel evante – Ehegemeinschaft liegt vor, solange die eheliche Beziehung tatsächlich gelebt wird u nd ein gegenseitiger Ehewille besteht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_287/2011 vom 5. April 2011 E. 2.1.1 und 2C_288/2011 vom 7. April 2011 E. 2.2.1). Dabei ist im Wesentlichen auf die Dauer der nach aussen wahr- nehmbaren ehelichen Wohngemeinschaft abzustellen (BGE 1 37 II 345 E. 3.1.2). Gemäss Art. 49 AuG wird vom Erfordernis des Zusammenwohnens im Sinne von Art. 43 Abs. 1 AuG ausnahmsweise abgesehen, wenn wichtige Gründe für das ge trennte Wohnen vorliegen und die Ehegemeinschaft auch währenddessen weiter besteht ( Urteile des Bundesgerichts 2C_638/2014 vom 10. November 2014 E. 2.1 und 2C_48/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.2). Ausnahmen sind namentlich "aus wichtigen und nachvollzieh baren beruflichen oder familiären Gründen" möglich (Botschaft vom 8. März 2002 zum AuG, Bundesblatt [BBl] 2002 3795; vgl. auch Art. 76 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erw erbstätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007). Damit die Gründe wichtig und nachvollziehbar im erwähnten Sinn sind, müs- sen sie ein gewisses Gewicht aufweisen und objektivierbar se in, was von der sich darauf beru- fenden ausländischen Person darzulegen ist (vgl. Art. 90 AuG; Urteile des Bundesgerichts 2C_48/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.2 und 2C_428/2013 vom 8. September 2013 E. 4.2). Eine Ehekrise kann dabei vorübergehend und kurzfristig einen wichtigen Grund für getrennte Wohnsitze bilden, wenn begründete Aussicht auf eine Wie dervereinigung besteht (Urteil des Bundesgerichts 2C_930/2014 vom 17. Oktober 2014, E. 3.2 ). Bei einer Trennung von über drei Monaten wegen einer Ehekrise kommt Art. 49 AuG grundsä tzlich aber nicht mehr zur Anwen- dung (vgl. THOMAS HUGI YAR , Von Trennungen, Härtefällen und Delikten – Auslände rrechtliches rund um die Ehe- und Familiengemeinschaft, in: Acherm ann et al. [Hrsg.], Jahrbuch für Migrati- onsrecht 2012/2013, Bern 2013, S. 55). Dies gilt selbst dann, wenn die Ehegatten etwa an den Wochenenden freundschaftliche Kontakte pflegen oder die Ehe zumindest teilweise im Sinne eines Living-apart-together leben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_930/2014 vom 17. Oktober 2014, E. 3.2). 3.5 Am 31. Juli 2015 bestätigte die Ehefrau gegenübe r dem AfM, dass sie von ihrem Ehe- mann getrennt lebe und nicht wisse, was die Zukunft bri ngen werde. Am 5. November 2015 teilte sie dem AfM mit, dass sie und ihr Ehemann die Eh egemeinschaft wieder aufnehmen und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Weiterführung der Ehe nochmals versuchen wollten. Damit ist unbestritten, dass die Ehe- gatten dreizehn Monate getrennt gelebt haben, was bei Ehekrisen ein schwerwiegendes Indiz darstellt, dass kein wichtiger Grund im Sinne von Art. 49 AuG vorliegt. Dass während dieser langen Trennungszeit effektiv noch eine Ehegemeinschaft im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG vorgelegen hätte, wird vom Beschwerdeführer nicht subst antiiert dargelegt und ist aufgrund der Akten nicht ersichtlich. In Anbetracht dessen können die dreizehn Monate des Getrenntlebens nicht an die Dauer der Ehegemeinschaft angerechnet we rden. Ob die Dauer der ersten Phase der Ehegemeinschaft mit der Dauer der zweiten Phase zusa mmengerechnet werden könnte, kann sodann offenbleiben, da die Dauer von insgesamt d rei Jahren unabhängig davon nicht erreicht wird. Ein Aufenthaltsanspruch gestützt auf Ar t. 50 Abs. 1 lit. a AuG fällt somit ausser Betracht. 4.1 Die Aufenthaltsbewilligung kann ferner verlängert werden, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erf orderlich machen (vgl. Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Wichtige persönliche Gründe im Rahmen von Art. 5 0 Abs. 1 lit. b AuG können gegeben sein, wenn ein Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 A uG sowie Art. 77 Abs. 2 VZAE). In Be- tracht fallen weiter der Tod des in der Schweiz lebenden Ehepartners oder gemeinsame Kinder, zu welchen eine enge Beziehung besteht und die sich in der Schweiz gut integriert haben (vgl. MARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.], Komment ar Migrations- recht, 4. Aufl., Zürich 2015, N 7 zu Art. 50 AuG; Botsch aft vom 8. März 2002 zum AuG, BBl 2002 S. 3754). Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG bezweckt, schwerwiegende Härtefälle zu vermeiden und lässt Behörden einen gewissen Ermessensspielraum in hu manitärer Hinsicht (vgl. BGE 136 II 4 E. 5.3, in: Die Praxis [Pra] 5/2010 , S. 360; Urteil des Bundesgerichts 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 2.1). Zu berücksichti gen sind stets auch die Umstände, die zur Auflösung der ehelichen Gemeinschaft geführt h aben. In diesem Zusammenhang sind auch die in Art. 31 VZAE aufgezählten Kriterien zu berücksichtigen: Die Integration, die Respek- tierung der Rechtsordnung, die Familienverhältnisse, di e finanziellen Verhältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb v on Bildung, die Dauer der Anwesen- heit in der Schweiz, der Gesundheitszustand sowie die M öglichkeiten für eine Wiedereingliede- rung im Herkunftsstaat. Für die Anwendung der Härtefal lregelung ist erforderlich, dass sich die betreffende ausländische Person in einer persönlichen N otlage befindet. Das bedeutet, dass ihre Lebens- und Daseinsbedingungen gemessen am durch schnittlichen Schicksal von auslän- dischen Personen in gesteigertem Masse in Frage gestellt sein müssen bzw. die Verweigerung von der Ausnahme der zahlenmässigen Begrenzung für di e betroffene Person schwere Nach- teile zur Folge hätte (vgl. BGE 119 Ib 42 ff. E. 4; BGE 123 II 126 ff. E. 2 und 3; BGE 128 II 202 ff. E. 2). Bei einem schwerwiegenden persönlichen Härtefall im fraglichen Sinne ist massgebend, ob die persönliche, berufliche und familiäre Eingliederung der betroffenen aus- ländischen Person bei einer Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre un d – aus welchen Gründen auch immer – vorgezogen würde. Hat der Aufenthalt der ausländischen Person nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich der Anspruch auf einen wei- teren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute Int egration im Herkunftsland keine besonde- ren Probleme bereitet (BGE 138 II 229 E. 3.1). Bei der Beurteilung des Härtefalles sind alle Ge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtspunkte und Besonderheiten des Einzelfalles zu berücksic htigen (BGE 124 II 112 E. 2 mit Hinweisen). Sind die Voraussetzungen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt, besteht ein grund- sätzlicher Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung und der Entscheid darüber steht nicht im Ermessen der Behörden (Urteil des Bundesgerich ts 2C_711/2009 vom 30. April 2010 E. 2.2). Sind demnach die Voraussetzungen von Art. 50 AuG im Einzelfall nicht erfüllt, führt dies zum Anspruchsverlust und der Entscheid über die Verlänge rung der Bewilligung steht alsdann im behördlichen Ermessen (A NDREAS Z ÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 8.52). 4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die soziale Wied ereingliederung bei einer Rück- kehr in die Türkei wäre stark gefährdet, weil er als ale vitischer Kurde starker Verfolgung ausge- setzt sei. Zudem habe er sich während seines fünfmonatige n Aufenthalts in der Türkei vor sei- ner zweiten Einreise in die Schweiz im Jahre 2012 einzi g um die Beschaffung der notwendigen Dokumente für seine bevorstehende Heirat gekümmert. Er habe in dieser Zeit bei seinem be- tagten Vater gelebt und die Wohnung einzig für diese Bemühungen verlassen. Eine Wiederein- gliederung in der Türkei habe in dieser Zeit nicht sta ttgefunden. Entsprechend sei ein Härtefall i.S.v. Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG gegeben. 4.3 Der Beschwerdeführer wurde 1982 in der Türkei geb oren und lebte dort bis zu seinem 21. Altersjahr. Am 15. Dezember 2003 reiste er als Asylsu chender erstmals in die Schweiz ein. Da sein Asylgesuch abgelehnt wurde, reiste er schliesslich am 3. Juli 2012 wieder aus der Schweiz aus und verbrachte fünf Monate in der Türkei. Sch liesslich reiste er am 11. Dezember 2012 zum Verbleib bei der Ehefrau wieder in die Schweiz ein. Somit verbrachte er den grössten Teil seines Lebens in der Türkei, womit seine soziale W iedereingliederung im Herkunftsland ohne weiteres möglich ist. Auch leben zwei Schwestern sowie sein Vater in der Türkei, was ihm die gesellschaftliche Wiedereingliederung in seinem He imatland erleichtern dürfte. Hinsichtlich der beruflichen Integration des Beschwerdeführers ist zwa r festzuhalten, dass er sich gut inte- griert hat. So hat er sich vom Küchenburschen zum Koch ho chgearbeitet und wurde gemäss Arbeitszeugnissen von seinem Arbeitgeber sehr geschätzt. E benso sind seine guten Sprach- kenntnisse positiv zu werten. Diese positiven Faktoren ent sprechen allerdings dem, was von einem Ausländer erwartet werden darf. Die soziale und berufliche Integration des Beschwerde- führers in der Schweiz ist nicht dermassen fortgeschritten , dass seine Reintegration in der Tür- kei scheitern würde. Was seine Vorbringen anbelangt, er müsse aufgrund seiner Ethnie und seiner Vergangenheit in der Türkei Verfolgung fürchten , so wurden diese Aspekte schon einge- hend im Asylverfahren beurteilt und insbesondere auch e in asylrechtlicher Härtefall verneint (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-4389/2006 vom 7. November 2008; C-3887/2009 vom 30. Mai 2012). Im Übrigen ist dem Beschwerdegegner zuzustimmen, dass aus dem offen- bar unbehelligten Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Türkei im Jahr 2012 darauf ge- schlossen werden kann, die im Asylverfahren behauptete po lizeiliche Verfolgung bestehe nicht. Daher ist nicht ersichtlich, inwiefern er gegenüber La ndsleuten in der gleichen Lage besonders und speziell unter der Rückkehr zu leiden hätte. Wie be reits ausgeführt, muss der Härtefall ge- mäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG den Beschwerdeführer per sönlich und ungleich härter treffen als andere Landsleute in der gleichen Situation. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, inwiefern dies in seinem Fall gegeben sein sollte, sondern beschränkt sich auf allgemeine Ausführungen dazu, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass sich die Lage in der Türkei seit dem Putschversuch im Jah r 2016 zugespitzt habe. Insbe- sondere unter Berücksichtigung des Integrationsgrades des Be schwerdeführers und der beste- henden Beziehungen zum Heimatland aufgrund der dort b efindlichen Familie erweist sich die soziale Wiedereingliederung des Beschwerdeführers bei ei ner Rückkehr in die Türkei i.S.v. Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG nicht als gefährdet, weshalb ein An- spruch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG nicht gegeben ist. 5. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich auch unter dem Aspekt der Verhältnismässigkeit (vgl. Art. 96 AuG) als rechtmässig . Als zulässiges öffentliches Interes- se fällt grundsätzlich das Durchsetzen der Einwanderungsp olitik in Betracht. Die Schweiz ver- folgt gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA -Raums in Fragen der Aufenthalts- berechtigung eine restriktive Politik. Eine solche recht fertigt sich im Hinblick auf ein ausgewo- genes Verhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer W ohnbevölkerung, auf die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Einglie derung der in der Schweiz bereits an- sässigen Ausländer und die Verbesserung der Arbeitsmarktstru ktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung (BGE 137 I 247 E. 4.1.2; B GE 135 I 153 E. 2.2.1). Der Be- schwerdeführer ist im Alter von 21 Jahren erstmals in die Schweiz eingereist und lebte zunächst als Asylsuchender für die Dauer von achteinhalb Jahren hie r. Nach dem negativen Asylent- scheid kehrte der Beschwerdeführer in seine Heimat, die Türkei, zurück und hielt sich dort für fünf Monate auf, bis er schliesslich aufgrund der Heirat mit einer Schweizerin am 11. Dezember 2012 wieder in die Schweiz zurückkehrte. Seither hält e r sich mittlerweile viereinhalb Jahre in der Schweiz auf. Dazu kommt, dass der Vater sowie zwei Sch western des Beschwerdeführers in seinem Heimatland leben. Was für den Beschwerdeführ er spricht, ist sein mit Ausnahme ei- nes SVG-Delikts klagloses Verhalten. Ausserdem hat er sich i n beruflicher Hinsicht gut inte- griert, indem er sich in einem Restaurantbetrieb vom K üchenburschen zum Koch hochgearbei- tet hat. Deshalb ist er auch den hiesigen Sozialwerken ni cht zur Last gefallen. Auch ist seine sprachliche Integration als positiv zu werten. Anzumerken ist aber, dass von einem Ausländer eine Integration, wie sie dem Beschwerdeführer gelung en ist, erwartet werden darf. Hinsichtlich der Zumutbarkeit ist zu erwähnen, dass der Beschwerdefüh rer kinderlos und bei guter Gesund- heit ist. Weiterhin ist er mit den heimatlichen Verhäl tnissen vertraut und verfügt dort nach wie vor über persönliche Kontakte. Es ist somit davon auszugehe n, dass der Beschwerdeführer bei der Wiedereingliederung in seiner Heimat keine über durchschnittlichen Schwierigkeiten zu ge- wärtigen haben wird, weshalb es ihm zumutbar ist, in s ein Heimatland zurückzukehren. Dabei dürfte ihm auch die hier erworbene berufliche Erfahr ung nützlich sein. In Anbetracht aller Um- stände ist daher festzuhalten, dass das öffentliche Intere sse der Schweiz an der Durchsetzung einer restriktiven Einwanderungspolitik das private Inte resse des Beschwerdeführers am Ver- bleib in der Schweiz überwiegt. Der angefochtene Entsch eid erweist sich daher auch als ver- hältnismässig. 6. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung d es Beschwerdeführers und seine Wegweisung aus der Schweiz erfolgten nach dem Gesagten zu Recht, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahren s zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht koste npflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Ab s. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.-- d em unterlegenen Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in d er Höhe von Fr. 1'400.-- zu ver- rechnen. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilwei se obsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Parteikosten sind demnach wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kosten vorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.