<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 64" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 64</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">393</span> </div> <div class="page" id="S393"> <div role="main"> <span class="text"><b>IV. Jagdrecht </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>64 </b> <b>Verpachtung von Jagdrevieren </b></span><br/> <span class="text"><b>Bewerbungsverfahren: Prognose der künftigen Jagdausübung an-</b></span><br/> <span class="text">hand qualitativer Kriterien; Gleichwertigkeit mehrerer Bewer-</span><br/> <span class="text">bungen (§ 4 Abs. 3 AJSG; Erw. 1 und 2) </span><br/> <span class="text"><b>Streitwert bei der Verpachtung von Jagdrevieren: Pachtwert</b></span><br/> <span class="text">(Erw. 3.2) </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 1. Mai 2019 i.S. Jagdge-</span><br/> <span class="text">sellschaft L. gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und</span><br/> <span class="text">Umwelt vom 26. September 2018 (RRB Nr. 2019-000418).</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">1.</span><br/> <span class="text">Die Jagdreviere werden durch den Kanton öffentlich ausge-</span><br/> <span class="text">schrieben und für die Dauer von acht Jahren an Jagdgesellschaften</span><br/> <span class="text">verpachtet. Der Entscheid, an welche Jagdgesellschaft das Revier</span><br/> <span class="text">verpachtet wird, bedarf der Zustimmung der betroffenen Gemeinden</span><br/> <span class="text">(§ 4 Abs. 1 und 2 AJSG). Gemäss § 4 Abs. 3 AJSG wird das Jagdre-</span><br/> <span class="text">vier in der Regel an die bisherige Jagdgesellschaft verpachtet. Be-</span><br/> <span class="text">werben sich zwei oder mehr Jagdgesellschaften für ein Jagdrevier,</span><br/> <span class="text">wird diejenige Jagdgesellschaft bevorzugt, welche die Erfüllung der</span><br/> <span class="text">jagdlichen Aufgaben, namentlich aufgrund der bisherigen Jagdaus-</span><br/> <span class="text">übung, ihrer Verbundenheit mit dem Revier sowie ihrer Altersstruk-</span><br/> <span class="text">tur, besser gewährleistet.</span><br/> <span class="text">Der Gesetzgeber entschied sich damit dafür, die Reviere öffent-</span><br/> <span class="text">lich auszuschreiben und allen geeigneten Jagdgesellschaften eine Be-</span><br/> <span class="text">werbung zu ermöglichen, wobei der am besten geeigneten Gesell-</span><br/> <span class="text">schaft der Zuschlag zu erteilen ist. Der Gesetzgeber nannte als zu be-</span><br/> <span class="text">rücksichtigende Beurteilungskriterien die bisherige Jagdausübung,</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">394</span> </div> <div class="page" id="S394"> <div role="main"> <span class="text">die Verbundenheit mit dem Revier und die Altersstruktur, wobei die</span><br/> <span class="text">im Gesetz genannten Kriterien keine abschliessende Aufzählung dar-</span><br/> <span class="text">stellen. Dies machte der Gesetzgeber mit der Verwendung des Wortes</span><br/> <span class="text">namentlich deutlich. Das BVU erkannte deshalb im Rahmen seiner</span><br/> <span class="text">bisherigen Praxis zur Revierverpachtung, dass auch die Sicherstel-</span><br/> <span class="text">lung einer guten revierübergreifenden Zusammenarbeit ein geeigne-</span><br/> <span class="text">tes Kriterium der Wahl darstellt (vgl. dazu: AGVE 2011 S. 205,</span><br/> <span class="text">Erw. 3.3). Dabei ist nicht nur die Zusammenarbeit mit benachbarten</span><br/> <span class="text">Jagdvereinen, sondern auch mit anderen Anspruchsgruppen der Jagd</span><br/> <span class="text">von wesentlicher Bedeutung.</span><br/> <span class="text">Die Verpachtung der Aargauer Jagdreviere erfolgt demnach</span><br/> <span class="text">nach qualitativen Kriterien. Den Zuschlag erhält diejenige Jagdge-</span><br/> <span class="text">sellschaft, welche voraussichtlich am besten Gewähr für die Erfül-</span><br/> <span class="text">lung der jagdlichen Aufgaben bietet. Bei der Beurteilung der ver-</span><br/> <span class="text">schiedenen Bewerbungen kommt der für Jagdfragen zuständigen</span><br/> <span class="text">Fachstelle und den involvierten Gemeinden ein erheblicher Beurtei-</span><br/> <span class="text">lungsspielraum zu. In diesen Spielraum greift die Beschwerdeinstanz</span><br/> <span class="text">praxisgemäss nur mit Zurückhaltung ein, zumal die Beurteilung,</span><br/> <span class="text">welche Jagdgesellschaft die Erfüllung der jagdlichen Aufgaben in</span><br/> <span class="text">Zukunft besser gewährleistet, vorgängig kaum je mit absoluter Ge-</span><br/> <span class="text">wissheit beantwortet werden kann (vgl. RRB Nr. 2013-001591 vom</span><br/> <span class="text">18. Dezember 2013). Bei gleich guter Qualifikation ist der bisherigen</span><br/> <span class="text">Jagdgesellschaft der Vorzug zu geben.</span><br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">2.1</span><br/> <span class="text">Die Beschwerdeführerin bestreitet zum einen, dass das BVU</span><br/> <span class="text">das Kriterium der Erfüllung der jagdlichen Aufgaben zutreffend ge-</span><br/> <span class="text">prüft habe; folglich habe es auch nicht die richtigen Schlüsse daraus</span><br/> <span class="text">gezogen. So sei das BVU insbesondere nicht auf jagdrechtliche Ver-</span><br/> <span class="text">fehlungen eingegangen, die verschiedenen Mitgliedern des Be-</span><br/> <span class="text">schwerdegegners zur Last gelegt worden seien. In der Beschwerde</span><br/> <span class="text">verweist sie auf Vorkommnisse aus den Jahren 1997, 2011 und 2012</span><br/> <span class="text">sowie auf das Zerwürfnis zwischen ihrem Präsidenten und dem Be-</span><br/> <span class="text">schwerdegegner hin. Zum anderen seien auch die Kriterien der Ver-</span><br/> <span class="text">bundenheit mit dem Revier und der Altersstruktur der Jagdgesell-</span><br/> <span class="text">schaft nicht richtig berücksichtigt worden.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">395</span> </div> <div class="page" id="S395"> <div role="main"> <span class="text">2.2</span><br/> <span class="text">Im angefochtenen Entscheid beurteilte das BVU die beiden sich</span><br/> <span class="text">bewerbenden Jagdgesellschaften als gleichwertig und gab deshalb</span><br/> <span class="text">dem Beschwerdegegner als bisheriger Jagdgesellschaft den Vorzug.</span><br/> <span class="text">Für den Regierungsrat vermögen die Ausführungen der Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führerin an dieser Gleichwertigkeit der beiden sich bewerbenden</span><br/> <span class="text">Jagdgesellschaften nichts zu ändern. Insbesondere ist der Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführerin keine eindeutig bessere Prognose als dem Beschwerde-</span><br/> <span class="text">gegner zu geben. Dies trifft ohne weiteres hinsichtlich der Verbun-</span><br/> <span class="text">denheit mit dem Revier und der Altersstruktur der Mitglieder der</span><br/> <span class="text">Jagdgesellschaften zu (vgl. ...): Sowohl für die 6 Mitglieder des Be-</span><br/> <span class="text">schwerdegegners als auch für die 5 Mitglieder der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="text">rin ist das Jagdrevier in L. in räumlicher Hinsicht ausreichend gut</span><br/> <span class="text">bekannt und von ihren Wohnorten aus innert hinreichender Zeit er-</span><br/> <span class="text">reichbar. Auch hinsichtlich der Altersstruktur ihrer aktuellen Mitglie-</span><br/> <span class="text">der erweisen sich die beiden Jagdgesellschaften ohne weiteres</span><br/> <span class="text">gleichwertig. Beide werden während der ganzen Dauer der neuen</span><br/> <span class="text">Jagdperiode über mindestens drei Mitglieder verfügen, die das Pen-</span><br/> <span class="text">sionsalter noch nicht erreicht haben werden. Mehr als drei Mitglieder</span><br/> <span class="text">sind für das über 500 ha grosse Revier nicht erforderlich (vgl. §§ 2</span><br/> <span class="text">und 4 AJSV). Das Erreichen des Pensionsalters ist im Übrigen kein</span><br/> <span class="text">Hindernisgrund für die Erfüllung von jagdlichen Aufgaben. Das</span><br/> <span class="text">Jagdgesetz des Kantons Aargau kennt keine Altersbegrenzung</span><br/> <span class="text">(vgl. § 8 AJSG). Das Erreichen des Pensionsalters von einzelnen</span><br/> <span class="text">Mitgliedern einer Jagdgesellschaft kann wegen der grösseren</span><br/> <span class="text">Erfahrung und der grösseren zeitlichen Flexibilität dieser Mitglieder</span><br/> <span class="text">ohne weiteres auch als Vorteil angesehen werden, der den Vorteil von</span><br/> <span class="text">jüngeren Mitgliedern bei der physischen Kraft leicht aufwiegt.</span><br/> <span class="text">Was schliesslich die Prognose hinsichtlich der künftigen Erfül-</span><br/> <span class="text">lung der jagdlichen Aufgaben anbelangt, ist vorab festzuhalten, dass</span><br/> <span class="text">die vom BVU angenommene Gleichwertigkeit der beiden Jagdge-</span><br/> <span class="text">sellschaften im Hinblick auf die Beschwerdeführerin sehr grosszügig</span><br/> <span class="text">erscheint. Zu ihr bestehen im Gegensatz zum Beschwerdegegner</span><br/> <span class="text">keinerlei Erfahrungswerte (vgl. ...). Sie ist neu gegründet und ihre</span><br/> <span class="text">zwar erfahrenen, aber aus verschiedenen Revieren stammenden Mit-</span><br/> <span class="text">glieder mussten noch nie in der neuen Organisationsstruktur jagdlich</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">396</span> </div> <div class="page" id="S396"> <div role="main"> <span class="text">zusammenarbeiten. Ob diese erforderliche Zusammenarbeit erfolg-</span><br/> <span class="text">reich sein wird, ist derzeit noch offen. Demgegenüber hat es beim</span><br/> <span class="text">Beschwerdegegner während der letzten Jahre keinen Anlass zu Bean-</span><br/> <span class="text">standungen gegeben, was auf eine funktionierende innere Zusam-</span><br/> <span class="text">menarbeit hindeutet (vgl. ...). Daran vermögen auch die von der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin geschilderten, strafrechtlich geahndeten Vorfälle</span><br/> <span class="text">nichts zu ändern. Vorab festzustellen ist, dass sie damals zu keinem</span><br/> <span class="text">Ausschluss von der Jagd gemäss § 9 AJSG führten. Sie liegen zudem</span><br/> <span class="text">viele Jahre zurück und haben deshalb hinsichtlich der heute zu tref-</span><br/> <span class="text">fenden Prognose keine Aussagekraft in dem Sinne, dass die sach-</span><br/> <span class="text">gerechte Erfüllung der jagdlichen Aufgaben durch den Beschwer-</span><br/> <span class="text">degegner deswegen künftig erheblich unwahrscheinlicher würde.</span><br/> <span class="text">Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin werden diese einzel-</span><br/> <span class="text">nen Mitgliedern des Beschwerdegegners zurechenbaren Vorfälle</span><br/> <span class="text">auch nicht ausgeblendet oder gar vergessen, sondern nur hinsichtlich</span><br/> <span class="text">ihrer prognostischen Aussagekraft relativiert. Wiederholte vorsätz-</span><br/> <span class="text">liche Widerhandlungen gegen das Jagdrecht werden gemäss § 9</span><br/> <span class="text">Abs. 2 lit. c AJSG deshalb auch künftig zwingend zum Ausschluss</span><br/> <span class="text">von der Jagd führen.</span><br/> <span class="text">2.3</span><br/> <span class="text">Angesichts des Gesagten ist für den Regierungsrat die vom</span><br/> <span class="text">BVU getroffene Beurteilung der Gleichwertigkeit der beiden Bewer-</span><br/> <span class="text">bungen im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="text">wäre ebenso wahrscheinlich in der Lage wie der Beschwerdegegner,</span><br/> <span class="text">die sich einer Jagdgesellschaft stellenden jagdlichen Aufgaben gut zu</span><br/> <span class="text">erfüllen. Dies reicht angesichts der gesetzlichen Bevorzugung der</span><br/> <span class="text">bisherigen Jagdgesellschaft bei gleicher Qualifikation allerdings</span><br/> <span class="text">nicht, um eine Verpachtung an die Beschwerdeführerin zu begrün-</span><br/> <span class="text">den. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.</span><br/> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">3.1</span><br/> <span class="text">Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="text">als unterliegend zu bezeichnen und hat daher die Kosten des Verfah-</span><br/> <span class="text">rens vor dem Regierungsrat, inklusive die Kosten für den Zwi-</span><br/> <span class="text">schenentscheid vom 18. Dezember 2018 betreffend das Gesuch um</span><br/> <span class="text">Erteilung der aufschiebenden Wirkung, zu tragen (§ 31 Abs. 2</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">397</span> </div> <div class="page" id="S397"> <div role="main"> <span class="text">VRPG). Ebenso ist ihr auch keine Parteientschädigung auszurichten,</span><br/> <span class="text">dagegen hat sie die Parteikosten des anwaltlich vertretenen Be-</span><br/> <span class="text">schwerdegegners zu ersetzen (§ 32 Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="text">3.2</span><br/> <span class="text">Das Anwaltshonorar richtet sich nach dem Dekret über die Ent-</span><br/> <span class="text">schädigung der Anwälte (Anwaltstarif) vom 10. November 1987</span><br/> <span class="text">(AnwT). Praxisgemäss handelt es sich bei einer Pachtvergabe um ei-</span><br/> <span class="text">ne vermögensrechtliche Streitigkeit, wobei als Streitwert der Pacht-</span><br/> <span class="text">preis beziehungsweise der Pachtwert des umstrittenen Jagdreviers</span><br/> <span class="text">für die zur Diskussion stehende Pachtdauer von 8 Jahren einzusetzen</span><br/> <span class="text">ist (vgl. RRB Nr. 2011-001007 vom 29. Juni 2011, Erw. 6.2). Der</span><br/> <span class="text">Pachtwert des Jagdreviers X beträgt Fr. 6'601.- pro Jahr und somit</span><br/> <span class="text">Fr. 52'808.- für die gesamte Pachtdauer. Der Streitwert beträgt damit</span><br/> <span class="text">Fr. 52'808.-.</span><br/> <span class="text">Für Streitwerte über Fr. 50'000.- bis Fr. 100'000.- geht der</span><br/> <span class="text">Rahmen für die Entschädigung von Fr. 3'000.- bis Fr. 10'000.- (§ 8a</span><br/> <span class="text">Abs. 1 lit. a Ziff. 3 AnwT). Die Entschädigung wird als Gesamtbe-</span><br/> <span class="text">trag festgesetzt. Auslagen und Mehrwertsteuer sind darin enthalten</span><br/> <span class="text">(§ 8c Abs. 1 AnwT). Entsprechend der Bedeutung des Falls liegt die</span><br/> <span class="text">tarifgemässe Entschädigung für den genannten Streitwert in der</span><br/> <span class="text">Regel innerhalb eines Bands von Fr. 3'100.- bis 6'200.-. Der</span><br/> <span class="text">massgebende Aufwand wird im vorliegenden Verfahren wegen des</span><br/> <span class="text">zweifachen Schriftenwechsels und des erforderlichen Zwischen-</span><br/> <span class="text">entscheids als mittel beurteilt, die Schwierigkeit als niedrig. Damit</span><br/> <span class="text">erscheint eine Entschädigung im Betrag von Fr. 3'900.- angebracht.</span><br/> </div> </div> </body> </html>