Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. Januar 2012 (720 11 270) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Alkoholabusus Besetzung Präsidentin Eva Meuli Ziegler, Kantonsrichter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1970 geborene A.____ arbeitet seit dem 16. A pril 2007 in geschütztem Rahmen zu 50% als Küchenhilfe bei der Stiftung B.____ in X.___ _. Am 8. Juli 2008 meldete er sich unter Hinweis auf Depressionen, Angstzustände, Psoriasis (Schuppe nflechte), Migräne, Epilepsie, Augenverätzungen sowie Verbrennungen an den Händen be i der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) den medizinischen und erwerblichen Sachverhalt abgeklärt hatte, wies sie einen An- spruch von A.____ auf eine Rente mit Verfügung vom 4. März 2010 ab. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abt eilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 3. November 2010 (Ver f.-Nr. 720 10 92) in dem Sinne gut, als Seite 2 es die Verfügung vom 4. März 2010 aufhob und die Sache zur ergänzenden Abklärung an die IV-Stelle zurückwies. A.2 In Nachachtung des Urteils des Kantonsgerichts vom 3. November 2010 liess die IV-Stelle den Versicherten bei der Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) polydisziplinär begutach- ten. Gestützt auf das entsprechende Gutachten vom 23. M ai 2011 wies sie das Rentenbegeh- ren mit Verfügung vom 12. Juli 2011 erneut ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 4. August 2011 Beschwerd e beim Kantonsgericht. In seiner verbesserten Beschwerdeeingabe vom 1. September 2011 be antragte er, vertreten durch C.____, Soziale Beratungsdienste der Gemeinde Y.____, in Aufhebung der Verfügung vom 12. Juli 2011 sei ihm eine Rente zuzusprechen. In verfahr ensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. Die Beschwerde begründete er im Wesent- lichen damit, dass seine psychische und körperliche Verfassun g eine Tätigkeit im primären Ar- beitsmarkt nicht zulasse. C. Mit Verfügung vom 7. September 2011 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Pro- zessführung bewilligt. D. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 21. September 2011 auf Abweisung der Beschwerde. 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Ste llen direkt vor dem Versi- cherungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Besch werdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 12. Juli 2011 entwi- ckelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemä ss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfäh igkeit. Die Invalidität wird durch eine Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychische n Gesundheit verursacht, wobei sie Seite 3 im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode r Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwal- tung und im Streitfall das Gericht - auf Unterlagen a ngewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist e s, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungn ahmen eine wichtige Grundlage für die Be- urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und d anach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung de s streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme Seite 4 als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenö ssischen Versicherungsgerichts (EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung en) mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversiche- rung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltu ngsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4.4 Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentena bhängigkeit) begründet für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielm ehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfa ll bewirkt hat, in deren Folge ein körperli- cher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit be einträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körper lichen, geistigen oder psychischen Ge- sundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 268 E. 3c mit Hinweis). Da- bei ist das ganze, für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Ge- samtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer a llfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist (zum Gan- zen: Urteil des Bundesgericht vom 8. August 2006, I 169 /06, E. 2.2 mit Hinweisen). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtli- che Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass dem A lkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkra nkheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilur sache der Alkoholsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2002, I 192/02, E. 1. 2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz untergeordnete Teilursache handelt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 1994, I 130/93). Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wir d verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99 V 28 f. E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 10. März 2006, I 940/05, E. 2.2). Wenn der erforderliche Kausa lzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die sucht bedingten Beeinträchtigungen ge- samthaft zu berücksichtigen. Um diese Frage beantworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Ent- stehung der Alkoholsucht auf der einen und der allfäl ligen psychiatrischen Komorbidität auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Z usammenhang zwischen den beiden As- pekten angewiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskü nfte zur Bestimmung der Invalidi- tät: BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E. 3c mit Hinweis). Seite 5 5. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind di e folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Am 25. September 2008 diagnostizierte der Hausarzt Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Aethylabusus, alkoholinduzierte epileptische Anfälle und eine mögliche Psychose. Aufgrund mehrmaliger Grand-Mal-Anfälle und Stürze im aethylisiertem Zustand und den damit verbundenen Arbeitsausfällen scheine der Ver- sicherte im freien Erwerb nicht arbeitsfähig zu sein. Im Rahmen des laufenden Integrationspro- gramms sei dem Versicherten ein Pensum von 50% zumutbar. Wegen der zum Teil ausgepräg- ten plantaren Psoriasis seien aber Tätigkeiten mit starker Beanspruchung der Handflächen nur eingeschränkt möglich. 5.2 Mit Bericht vom 1. Januar 2009 stellte Dr. med. E .____, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie,F.____, fest, dass differentialdiagnostisch eine Al koholhalluzinose (ICD-10 F10.5) und eine nicht näher bezeichnete schizophreniforme Störung (ICD-10 F20.8) bestünden. 5.3 Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte am 19. Mai 2009 einen Alkoholmissbrauch mit fraglicher Alkoholhalluzinos e oder fraglich deliranten Symptomen (ICD-10 F10.5), differentialdiagnostisch eine nicht n äher bezeichnete schizophreniforme Stö- rung (ICD-10 F20.8), einen Status nach multiplem Sub stanzengebrauch (ICD-10 F19.20) und eine spezifische Phobie in der Höhe (ICD-10 F40.2). Es sei anzunehmen, dass ein langjähriger, teilweise massiver Alkoholabusus vorliege und dass die gekla gten akustischen und möglichen optischen Halluzinationen im Rahmen einer Alkoholhallu zinose aufgetreten seien. Die be- schriebenen Symptome seien nicht typisch für eine schizophr enieartige Störung. Es sei anzu- nehmen, dass der Alkoholkonsum und der teilweise Drogen konsum im Rahmen einer primären Suchterkrankung stattgefunden hätten, denn es finde sic h keine psychischen Störungen, die eine sekundäre Entwicklung begründen könnten. Ob die a ngegebenen Halluzinationen im Rahmen einer schizophrenieartigen Störung zu interpreti eren seien oder allenfalls einer Al- koholhalluzinose entsprechen würden, könne erst nach einer Alkoholkarenz festgestellt werden. Aufgrund des persistierenden Alkoholismus sei eine Einschr änkung der Arbeitsunfähigkeit mit etwa 40% zu veranschlagen. Ohne den Alkoholkonsum sei de m Versicherten eine einfach strukturierte Tätigkeit ganztags zumutbar, wobei eine Lei stungseinbusse von höchstens 20% anzunehmen sei. 5.4 In Nachachtung des Urteils des Kantonsgerichts vom 3 . November 2010 liess die IV-Stelle den Versicherten bei der ABI polydisziplinär begutachten. Am 23. Mai 2011 diagnostizierte das ABI-Expertenteam mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei t eine Störung durch Alkohol mit psy- chotischer, vorwiegend halluzinatorischer Störung (ICD-1 0 F10.25, F10.52). Ohne Auswirkung bestünden eine Psoriasis vulgaris partim inversa (ICD-10 L 40.8), zwei Atherome pectoral (gut- artige Tumore im Unterhautgewebe; ICD-10 L98.8), ei ne Adipositas (ICD-10 E66.0), eine Le- berwerterhöhung unklarer Ätiologie (ICD-10 R74.9), e ine Makrozytose unklarer Ätiologie (ICD- 10 D75.8), ein Nikotinabusus (ICD-10 F17.1) ein Zustan d nach Commotio cerebri im Jahr 2010 (ICD-10 S06.0) und Höhenangst (ICD-10 F40.2). Bei der psychiatrischen Untersuchung würden sich Hinweise für einen chronischen Alkoholismus finden. De r regelmässige Alkoholkonsum könne zu Verstimmungen und zu Halluzinationen führen. Differenzialdiagnostisch sei eine Alko- holhalluzinose in Betracht zu ziehen. Bei einer solchen komme es nach langandauerndem, Seite 6 schweren Alkoholkonsum, oft nach einer Periode von Trink exzessen, bei klarem Bewusstsein zu akustischen Halluzinationen, meist als Stimmenhören, gelegentlich aber auch als Geräusche wie Zischen oder Brummen. Typischerweise würden die Bet roffenen kritisiert, beschimpft oder bedroht. Die Alkoholhalluzinose sei eine Störung mit K rankheitswert als Folge der Sucht. Sie klinge bei Abstinenz meist innerhalb von Tagen bis Wochen ab. Hinweise für eine vorbestehen- de psychische Störung als Ursache der Sucht bestünden nicht. Dem Versicherten fehle die Ein- sicht in die Alkoholproblematik und die Motivation zur Ab stinenz. Aus psychiatrischer Sicht be- stehe alkoholbedingt aufgrund einer allgemein verminde rten Belastbarkeit mit nächtlichen Schlafstörungen und erhöhter Ermüdbarkeit am Tag und leichten Kon-zentrationsstörungen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30%. Ein qu alifizierter Alkoholentzug sei dem Ver- sicherten jederzeit zumutbar. Danach wäre aus psychiatrisch er Sicht eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Bei der neurologischen Untersuchung würden sich Hinweise auf leichte hirnorganische kognitive Einschränkungen finden. Auffallend seien mnestische Lücken und die begrenzten Rechtschreib- und Rechenkenntnisse sowie die Indifferenz. Zudem ergäben sich Hinweise auf eine Polyneuropathie mit bereits trop hischen Verän-derungen. Zerebelläre Zeichen seien aber nicht zu finden. Aus neurologischer Si cht seien Arbeiten mit Absturzgefahr, an laufenden Maschinen oder mit besonderen Anforderun gen an das Gleichgewichtsorgan so- wie die Konzentration nicht mehr zumutbar. Aus neurol ogischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit gesamthaft um 20% eingeschränkt. Die attestierten psychi atrischen und neurologischen Ar- beitsunfähigkeiten würden sich nicht addieren. Aus der matologischer Sicht habe die derzeit schwach bis mässig ausgeprägte Schuppenflechte keine Auswirku ng auf die Arbeitsfähigkeit. Tätigkeiten mit hautirritierenden Substanzen sowie st ark schweisstreibende Tätigkeiten seien aber zu vermeiden. Die therapeutischen Massnahmen seien noch nicht ausgeschöpft. Aus ge- samtmedizinischer Sicht sei die angestammte Tätigkeit al s Laborant nicht mehr zumutbar. Für die Arbeit als Küchenhilfe bestehe aber eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70% und bei anhaltendem Alkoholentzug von 80% bis 100%. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung bei der Beurteilung des Gesund- heitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherte n vollumfänglich auf das polydisziplinä- re Gutachten der ABI vom 23. Mai 2011. Sie ging demg emäss davon aus, dass dem Versicher- ten angepasste Tätigkeiten im Umfang von 80% zumutba r sind. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor) ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund ein gehender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigke it der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das ABI-Gutachten beruht au f einer eingehenden Untersuchung des Versicherten und es berücksichtigt auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte. Zudem geht es einlässlich auf die Beschwerden des Versicherten ein und vermittelt ein hinreichendes Bild über dessen Gesundheitszustand. E s wird deutlich, dass der Beschwer- deführer zwar einen chronischen Alkoholismus und in der Folge eine krankhafte Alkoholhalluzi- nose aufweist. Der Suchterkrankung liegt aber - gemäss der massgebenden Beurteilung im ABI-Gutachten - keine krankhafte Gesundheitsstörung zugrunde, welche zumindest eine erheb- liche Teilursache der Alkoholsucht darstellt. Zudem ist nicht anzunehmen, dass der Alkoholabu- sus einen die Erwerbsfähigkeit dauerhaft beeinträchtige nden körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheitsschaden bewirkt hat. Demnach vermag der Alkoholismus keine Invalidität Seite 7 im Sinne des Gesetzes zu begründen. Ferner erweist sich, dass die Schuppenflechte keine bleibende oder längere Zeit dauernde ganze bzw. teil weise Arbeitsfähigkeit zu bewirken ver- mag. Die begutachtenden Ärzte kamen in Würdigung der a namnestischen Angaben, der Unter- suchungsbefunde, der Dokumente sowie der früher attestie rten Arbeitsunfähigkeiten zum über- zeugenden Schluss, dass dem Versicherten nach zumutbarem anhaltendem Alkoholentzug und unter Berücksichtigung der neurologischen Einschränkungen eine angepasste Tätigkeit im Um- fang von 80% bis 100% zumutbar ist. Insgesamt erweist si ch das Gutachten sowohl in der Dar- legung der medizinischen Zusammenhänge als auch die dar aus gezogenen Schlussfolgerun- gen als überzeugend. Es ist daher nicht zu beanstanden, d ass die IV-Stelle darauf abgestellt hat. 6.2 Daran vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführe rs nichts zu ändern. Soweit er gel- tend macht, die psychisch bedingte Einschränkung der Arbe itsfähigkeit sei höher zu veran- schlagen, ist ihm entgegenzuhalten, dass diese Rüge nicht hinreichend substantiiert ist. Insbe- sondere liegen keine medizinischen Berichte bei den Akten, die die zuverlässige Beurteilung im Gutachten der ABI in Zweifel zu ziehen vermöchten. Weil die abschliessende Beurteilung der Leistungsfähigkeit in der Hauptsache dem Arzt oder der Ärztin obliegt (vgl. E. 4.1 hiervor), lässt auch der Bericht der Geschäftsführerin der Stiftung B .____ vom 8. September 2011 keinen an- deren Schluss zu. Dies gilt umso mehr, als sich daraus keine wichtigen Aspekte ergeben, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Soweit der Be- schwerdeführer die wirtschaftliche Verwertbarkeit seines Leistungsvermögens auf dem in Frage kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt anzweifelt, ist ihm entgegenzuhalten, dass ihm ge- mäss dem massgebenden Gutachten der ABI angepasste Tätig keiten im Umfang von 80% bis 100% möglich sind. Demnach stehen dem 42-jährigen Ver sicherten trotz seiner gesundheitli- chen Beeinträchtigungen nach wie vor verschiedene Tätigkei ten offen, so dass nicht von reali- tätsfremden und in diesem Sinne unmöglichen oder unzum utbaren Einsatzmöglichkeiten aus- zugehen ist. 7. Gestützt auf die massgebende Beurteilung im Gutachte n der ABI ist davon auszugehen, dass dem Versicherten angepasste Tätigkeiten im Umfang v on 80% zumutbar sind (vgl. E. 6.1 hiervor). Der von der Vorinstanz vorgenommene - im Übr igen unbestrittene - Einkommensver- gleich erweist sich als rechtens. Es ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Die angefoch- tene Verfügung vom 12. Juli 2011, mit welcher das Rentenbegehren des Versicherten abgewie- sen wurde, ist nicht zu beanstanden und die dagegen ge richtete Beschwerde deshalb abzuwei- sen. 8. Das Beschwerdeverfahren vor kantonalem Versicherungsgerich t bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen i st kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 bis IVG). Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Entsprechend dem Ausgang d ieses Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten zu tragen. Weil i hm mit Verfügung vom 7. September 2011 die unentgeltliche Prozessführung gemäss §22 Abs. 1 VPO gewährt wurde, werden die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aus der Ger ichtskasse entrichtet. Die ausseror- dentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 8 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht