Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. August 2019 (720 19 28 / 200) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts. Auf das beweiskräftige verwaltungsexterne Gutachten kann abgestellt werden. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Caroline Franz Wald- ner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1974 geborene A.____ war ohne Schul- und Ber ufsausbildung bis zu seinem 16. Lebensjahr als Hilfskraft bei seinem Vater in der L andwirtschaft tätig. In den Jahren 1991 bis 2002 lebte er in X.____ und war Mitglied der Pes hmerga-Streitkräfte. Hernach hielt er sich bis 2007 in der Y.____ auf, wo er als Küchenhilfe in einem Restaurant arbeitete. Am 3. Sep- tember 2007 reiste er in die Schweiz ein und wurde vorü bergehend als Flüchtling aufgenom- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht men. Sein Asylgesuch wurde vom Bundesamt für Migration aber am 20. März 2009 abgewie- sen. Die Wegweisung wurde nicht vollzogen, sondern zugu nsten einer vorläufigen Massnahme aufgeschoben. In der Schweiz ging A.____ keiner Erwerbs tätigkeit nach; kurze Arbeitseinsätze erfolgten jedoch im Rahmen eines Integrationsprogramms. Am 27. Dezember 2016 meldete er sich unter Hinweis auf eine Posttraumatische Belastungsstö rung (PTBS), Ängste, Depressio- nen, ein Diabetes, Bluthochdruck und ein schwaches Sehvermö gen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem d ie IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen Verhältnisse abgeklär t und dabei bei Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten eingeholt hatte, verneinte sie nach Durchfüh- rung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 6. De zember 2018 einen Rentenanspruch (Invaliditätsgrad: 20 %). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner, Be- hindertenforum, am 22. Januar 2019 Beschwerde beim Ka ntonsgericht Basel-Landschaft, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beant ragte, in Gutheissung der Be- schwerde sei die Verfügung vom 6. Dezember 2018 aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab 1. Mai 2017 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualit er sei der Invaliditätsgrad nach Einho- lung eines psychiatrischen, traumaspezifischen Obergutachte ns neu zu ermitteln; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und eine angemessene Frist zur Einreichung eines ergänzenden Berichts der behandelnden Ärzte der Klinik F.____, Dr. med. C.___ _ und Dr. med. D.____, beide Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Zur Begründung führ te er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 25. Januar 2019 wurde dem Beschw erdeführer die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung m it Advokatin Dr. Caroline Franz Wald- ner als Rechtsvertreterin bewilligt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. D. Am 7. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer de n Bericht der Dres. C.____ und D.____ vom 16. Januar 2019 ein. E. Die IV-Stelle holte in der Folge bei Dr. B.____ eine ergänzende Stellungnahme ein (Bericht vom 1. März 2019) und schloss in ihrer Vernehml assung vom 22. März 2019 auf Ab- weisung der Beschwerde. F. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielt der Bes chwerdeführer in seiner Replik vom 2. Mai 2019 am Antrag auf Zusprechung einer ganzen Rente fest. Zudem präzisierte er, dass das psychiatrische, traumaspezifische Obergutachten durch das Gericht einzuholen sei. Weiter seien den Dres. C.____ und D.____ gestützt auf Art. 78 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 die Koste n für ihre Berichte vom 24. Januar 2018, 16. Januar 2019 und 26. April 2019 zu vergüten und ihnen die Möglichkeit zur Einrei- chung entsprechender Honorarnoten einzuräumen. Die IV -Stelle hielt in ihrer Duplik vom 29. Mai 2019, unter Hinweis auf einen Bericht des Regi onalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 7. Mai 2019, an ihrem Abweisungsantrag fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 22. Januar 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Streitgegenstand bildet der Anspruch des Beschwerdef ührers auf eine Invalidenrente. Dabei stellt sich zunächst die Frage, ob die versicherungsmässigen Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1 und 2 sowie Art. 36 Abs. 1 IVG erf üllt sind. Letztere Bestimmung hält fest, dass Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente Versich erte haben, die bei Eintritt der Invali- dität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben. Die Invalidität gilt als eingetre- ten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach A rt. 8 Abs. 1 ATSG und Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 28 ff. IVG entsteht, das heisst f rühestens, wenn die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchsch nittlich mindestens 40 % ar- beitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen und nach Ablauf d ieses Jahres zu mindestens 40 % blei- bend oder für längere Zeit erwerbsunfähig (Art. 7 und 8 ATSG) ist (BGE 137 V 417 E. 2.2.1). 2.2 Die IV-Stelle prüfte die versicherungsrechtlichen V oraussetzungen für die Entstehung des Rentenanspruchs nicht abschliessend. Wie es sich damit verhält, kann vorliegend aber letztlich offen bleiben, da der Beschwerdeführer ohneh in keinen rentenbegründenden Invalidi- tätsgrad von mindestens 40 % aufweist, wie sich aus den nachfolgenden Ausführungen ergibt. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwal- tung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellung nahmen eine wichtige Grundlage für die Be- urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hr sg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwalt ungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach- )Arztes einerseits und von Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Exp erten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/ 00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administra- tiv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen un d zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautende n Einschätzungen gelangen. Vorbe- halten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behan- delnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver är ztlicher Interpretation entspringende – As- pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des EVG vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4. Der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess ist vom Unte rsuchungsgrundsatz be- herrscht (Art. 61 lit. c ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a, vgl. auch BGE 130 I 180 E. 3.2). Der Untersuchungs- grundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur inso- fern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu U ngunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableite n wollte. Diese Beweisregel greift al- lerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund- satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entspre chen (BGE 117 V 261 E. 3b). Die Beweislast, dass der leistungsspezifische Invaliditätsfall erst nach ein- bzw. dreijähriger Bei- tragszahlung eingetreten ist oder noch eintreten wird, liegt beim Versicherten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. August 2014, 8C_167/2014, E. 5 mit Hinweis). 5.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welch e sich für den Entscheid als zentral erweisen. 5.2 Im Bericht vom 17. Januar 2018 hielten die behande lnden Ärzte der Klinik F.____ fest, dass sich der Versicherte seit dem 27. März 2012 bei ihne n in ambulanter Behandlung befinde. Vom 8. bis 20. August 2012 und vom 17. Januar 2017 bis 3. Februar 2017 seien stationäre Be- handlungen durchgeführt worden. Sie diagnostizierten eine chronische PTBS (ICD-10 F43.1; Erstdiagnose 2012), eine andauernde Persönlichkeitsstöru ng nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0), differentialdiagnostisch eine kombinierte Persö nlichkeitsstörung mit histrionischen, nar- zisstischen und emotional instabilen Anteilen (ICD-10 F61 .0) und eine mindestens seit dem Jahr 2012 bestehende rezidivierende depressive Störung, ge genwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1). Der Beginn der auffälligen Verhalte nsmuster sei u.a. aufgrund der bislang le- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht diglich unvollständig erhebbaren Eigenanamnese und bezüglich Kindheit und Jugend fehlenden Fremdanamnese schwer zu eruieren. Eine sichere Beurtei lung der Arbeitsfähigkeit sei erst mit der Aufnahme der Therapie im März 2012 möglich. Der Versicherte sei aber nach seiner Einrei- se in die Schweiz in der Lage gewesen, an Integration smassnahmen teilzunehmen und Hilfsar- beiten in einem Restaurant auszuüben. 5.3 Die IV-Stelle beauftragte Dr. B.____ mit einem Gutachten, welches am 19. April 2018 erstattet wurde. Er diagnostizierte mit Auswirkung auf d ie Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0/33.1), und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, hist rionischen und emotional instabilen Anteilen (ICD-10 F61.0). Die Diagnose einer PTBS kön ne nicht gestellt werden, denn Hinweise auf eine ausgeprägte Extrembelastung würden nicht vorli egen und Erinnerungen an erlittene Folterungen würden dafür nicht genügen. Der Versicherte könne mithilfe von Medikamenten gut schlafen und das gelegentliche Stimmenhören habe keine p sychopathologische Bedeutung. Er werde nicht von Flashbacks überrascht und berichte auch nicht konkret von Albträumen über die erlittenen Folterungen. Weiter sei der Versichert e nach den Folterungen in der Lage gewe- sen, als Soldat zu dienen, in Y.____ während Jahren Abf all zu sammeln, eine Familie zu grün- den und in die Schweiz zu flüchten. Alle diese Aktivit äten würden eine schwere PTBS aus- schliessen. Der Versicherte sei einfach strukturiert, selbstb ezogen, neige dazu, seine Be- schwerden dramatisch zu schildern und habe Mühe, seine E motionen und Impulse zu kontrol- lieren. Schon früher, als er in Y.____ in einem Resta urant gearbeitet habe, sei er reizbar und aggressiv gewesen. Diagnostisch handle es sich um eine komb inierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, histrionischen und emotional instabilen Anteilen. Diese Einschränkungen hätten schon vor der Einreise in die Schweiz bestanden und seien nicht die Folge einer PTBS. Der Versicherte drücke sich nach Angaben des Dolmetschers au ch in seiner Muttersprache sehr einfach aus. Er sei nicht gebildet, wenig flexibel u nd mit dem Leben in einer hochzivilisier- ten Gesellschaft überfordert. So sei er der Ansicht, n ichts vom Haushalt zu verstehen und sei- ner Frau deshalb nicht behilflich sein zu können. Auch darin zeige sich seine mangelnde Bereit- schaft, auf veränderte Lebensbedingungen einzugehen un d sich an neue Situationen anzupas- sen. Der Explorand sei aber fähig, seit der Einreise i n die Schweiz einer intellektuell wenig an- spruchsvollen Tätigkeit ohne hohen Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit und die psy- chische Belastbarkeit nachzugehen. Die Einschränkung der Le istungsfähigkeit betrage 20 %. Unter adäquater Therapie sollte sich die depressive Störung verbessern. 5.4 Am 24. Juli 2018 nahmen die behandelnden Ärzte Dr es. C.____ und D.____ zum Gut- achten von Dr. B.____ vom 19. April 2018 Stellung. Sie hielten fest, dass seine Diagnostik und die daraus gezogenen Schlüsse in einem deutlichen Widersp ruch zu ihrer Beurteilung stünden. Ausserdem sei seine Einschätzung in sich widersprüchlich und fachlich teilweise nicht nachvoll- ziehbar. Entgegen der Auffassung von Dr. B.____ sei hä ufig festzustellen, dass Personen mit einer im Krieg erworbenene PTBS im Zivilleben nicht m ehr zurechtkommen würden und oft nur noch in der Lage seien, eine Kriegstätigkeit o.ä. auszuüben. Die Tatsache, dass der Versicherte eine Familie gegründet, Abfall gesammelt und in die Schweiz geflüchtet sei, spreche nicht ge- gen die Diagnose einer PTBS. Die vom Beschwerdeführe r geschilderten und im Gutachten wiedergegebenen Gewalterfahrungen würden die Vorauss etzungen eines Traumas im Sinne Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der ICD-10 Codierung zweifellos erfüllen. Eine ausgep rägte Extrembelastung sei für die Diag- nose gemäss ICD-10 nicht gefordert. Relevant sei eine aussergewöhnliche psychische Belas- tung, was vorliegend zweifellos vorliege. Ausserdem sei ei ne PTBS nicht statisch. Betroffene könnten teilweise über Jahre einigermassen kompensiert sei n, bevor die Erkrankung in einer massiv einschränkenden Weise auftrete. Ausserdem sei aus der Fachliteratur bekannt, dass Betroffene zumeist aus Scham oder um Erinnerungen un d Flashbacks zu vermeiden, nur lü- ckenhafte Angaben zur Geschichte machen würden. Auch aus diesem Grund sei erforderlich, dass für die Diagnostik anamnestische Angaben, Befunde und Beurteilungen der behandelnden Ärzte herangezogen würden. Insgesamt stelle das Gutachten von Dr. B.____ keine verlässliche Entscheidgrundlage dar. Eine erneute Begutachtung durch eine unabhängige Gutachterperson, idealerweise mit Fachkenntnissen im Bereich der PTBS sei deshalb erforderlich. 5.5 Am 14. September 2018 hielt der RAD-Arzt Dr. med . E.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, dass die Art der Schilderungen des Beschwerdeführers für eine mani- feste PTBS untypisch sei. Zudem habe er keine vegetativen Symptome gezeigt und es fehle ein typisches Vermeidungsverhalten bei den Schilderungen, was den Bestand dieser Diagnose unwahrscheinlich mache. Der Versicherte sei im Jahr 2007 in die Schweiz eingereist, habe aber die psychische Behandlung erst im Jahr 2012 aufgenommen. Eine derart lange Zeitspanne zwi- schen dem Trauma und dem Aufsuchen einer Behandlung sei untypisch für eine manifeste PTBS; die ICD-10 Kriterien würden eine Spanne von ma ximal sechs Monaten, in Ausnahmefäl- len mehr, beschreiben. Zudem würden die vom Versicherte n geschilderten akustischen Halluzi- nationen und Pseudohalluzinationen im Zeitverlauf als völlig stabil und unveränderlich darge- stellt, was für eine PTBS untypisch sei. Beim Versicherten seien durchaus eine belastende Anamnese und ein Leidensdruck feststellbar. Der Gesundh eitsschaden könne indes mit den Diagnosen der rezidivierenden leichten bis mittelgradig en depressiven Störung und der kombi- nierten narzisstischen, histrionischen und emotional inst abilen Persönlichkeitsstörung hinrei- chend erklärt werden. Zudem würden zahlreiche invalidi tätsfremde Faktoren (Analphabet, sprachliche Defizite, einfache Struktur, soziale Problem e) vorliegen, die den Leidensdruck er- höhen, aber nicht einem IV-relevanten Gesundheitsschaden entsprechen würden. 5.6 Am 16. Januar 2019 stellten die Dres. C.____ und D .____ fest, dass die Dres. B.____ und E.____ auf die ausgeprägte Diskrepanz des gezeigten bzw. wahrgenommenen Zustands- bilds in der Gutachtenssituation gegenüber der langjäh rigen Behandlung nicht eingegangen seien, obwohl dies für die Diagnosestellung bzw. den Au sschluss einer Diagnose von erhebli- cher Bedeutung sei. Weiter stellten sie fest, dass der Be ginn einer PTBS oftmals nicht den von Dr. E.____ genannten zeitlichen Beschränkungen unterl iege. Die Spanne von sechs Monaten (in Ausnahmefällen mehr) beziehe sich lediglich auf die ICD-10 Kriterien. Demgegenüber wür- den die diagnostischen Kriterien der DSM IV und DSM V keine zeitlichen Beschränkungen zwi- schen dem Trauma und dem Ausbruch der PTBS vorsehen. Nac h der medizinischen Fachlite- ratur sei es durchaus möglich, dass die Symptome erst nach sechs Monaten oder sogar Jahr- zehnte später auftreten. Dr. E.____ beschreibe nicht, we shalb der Explorand nicht zu den Aus- nahmefällen zu zählen sei. Aufgrund der bestehenden f achärztlichen Diskrepanzen sei ein Obergutachten angezeigt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Am 1. März 2019 nahm Dr. B.____ Stellung. Er hie lt fest, dass der Versicherte nach den geschilderten Misshandlungen während zehn Jahren für die Peshmerga gekämpft habe. Dies sei für Personen, die an einer PTBS leiden, unt ypisch, da Situationen, die an erlittene Fol- terungen erinnern, vermieden würden. Auch während d em Aufenthalt in Y.____ habe er anam- nestisch nicht unter Angstzuständen oder Erinnerungen an die erlittenen Folterungen gelitten. Er habe einzig über Gereiztheit und Integrationsschwierigkeiten berichtet. Diese stünden aber in keinem Zusammenhang mit einer PTBS. Gemäss ICD-10 wür den die Symptome einer PTBS nur in seltenen Ausnahmefällen länger als sechs Monate nach dem Trauma auftreten. Auch die Art der Schilderungen ohne sichtliche emotionale Regungen spreche klar gegen eine PTBS. So sei nicht typisch, dass Personen, die an einer PTBS leide n, die Misshandlungen detailliert und ausführlich schildern. Sie hätten vielmehr grosse Mühe d arüber zu reden und würden nur bruchstückhaft berichten, da sie in der Regel beim Schildern der erlittenen Traumatisierungen in heftigste Erregungen geraten, sich kaum mehr fassen kön nten und von ihren Emotionen und Erinnerungen überschwemmt würden. Dies sei ein Kardina lsymptom einer PTBS, was beim Exploranden auch gemäss den Ausführungen der behandelnd en Ärzte nicht vorhanden sei. Das Stimmenhören des Versicherten sei kein Symptom eine r solchen Störung. Weiter sei der Explorand durch die Depression in seinen Alltagsaktivitäte n nicht wesentlich beeinträchtigt. Der soziale Rückzug und die einfache Struktur seien nicht in er ster Linie Ausdruck einer psychi- schen Störung, sondern auf invaliditätsfremde Faktoren zurückzuführen. Insgesamt seien we- sentliche Grundvoraussetzungen für die Diagnose einer PTBS nicht vorhanden. 5.8 In einer weiteren Stellungnahme vom 26. April 20 19 führten die Dres. C.____ und D.____ aus, Dr. B.____ sei darin beizupflichten, dass die vergleichsweise geringe Erregung des Exploranden und die hohe Bereitwilligkeit, von den er littenen Misshandlungen zu berichten, nicht ganz passend zu einer ansonsten voll ausgeprägten Symp tomatik einer PTBS sei. Nicht nachvollziehbar seien aber die von Dr. B.____ gezogene n Schlüsse. Nach einer neuerlichen eingehenden Untersuchung habe der Beschwerdeführer da von berichtet, in der Zeit als Peshmerga-Kämpfer genötigt worden zu sein, drei jung e Männer zu töten. Dabei habe er eine heftige emotionale Reaktion gezeigt, was die Abgabe vo n Medikamenten notwendig gemacht habe. In der folgenden Sitzung habe er unkonzentriert, müde und geistesabwesend gewirkt und berichtet, dass es ihm deutlich schlechter gehe, die Bild er wieder vermehrt da seien und er viel habe weinen müssen. An einer weiteren Sitzung habe e r nur wenig Augenkontakt aufgenom- men, sei in sich gekehrt gewesen und habe berichtet, tr otz Medikamenten kaum zu schlafen und von Erinnerungen sowie Schuldgefühlen geplagt zu werden. Mit den neuen Erkenntnissen dürften die Zweifel an einer PTBS ausgeräumt sein. Nach den Angaben der Ehefrau habe sich der Gesundheitszustand des Versicherten weiter verschlechtert . Die Prognose sei ungünstig. Entgegen der Auffassung von Dr. B.____ habe sich das fü r die Entwicklung einer PTBS signifi- kante Ereignis erst während seines Engagements bei der Peshmerga ereignet. Nach der Litera- tur würden bis 25 % aller PTBS Fälle verzögert, d.h. später als sechs Monate oder sogar erst Jahrzehnte nach dem Trauma auftreten. Weiter sei zu bea chten, dass eine schwere Traumati- sierung eine gravierende Veränderung der Wahrnehmungsv erarbeitung auslöse und nicht nur zur Abspaltung von Gefühlen, sondern sogar zur Abspal tung von Teilen der Persönlichkeit füh- ren könne. Patienten würden oft unter nachhallenden, intrusiven Pseudohalluzinationen leiden und die Belastungsstörung könne mit diversen anderen Erkr ankungen komorbid auftreten. Vor- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegend sei davon auszugehen, dass die Depression sekundä r und in Komorbidität zur PTBS aufgetreten sei. Daher wäre mit einer Behandlung der Depression wenig gewonnen, wenn das zugrundeliegende Störungsbild nicht entsprechend berücksichtigt werde. Niederschwellige Akti- vitäten (spazieren, sich im Schrebergarten aufhalten, fe rnsehen) seien zwar möglich, die Ar- beitsfähigkeit sei aber vollständig eingeschränkt. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen V erfügung vom 6. Dezember 2018 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbei tsfähigkeit des Versicherten vollum- fänglich auf die Ergebnisse im Gutachten von Dr. B.____ vom 19. April 2018. Sie ging demzu- folge davon aus, dass dem Beschwerdeführer seit der Ein reise in die Schweiz angepasste Ver- weistätigkeiten zu 80 % zumutbar seien. Diese vorinstan zliche Beweiswürdigung ist trotz der Kritik des Beschwerdeführers am Gutachten (vgl. dazu die nachstehende Erwägung) im Ergeb- nis nicht zu beanstanden. Wie in Erwägung 3.3 hiervor au sgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung d es streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demna ch entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen U ntersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein- leuchtet und seine Schlussfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine gewichtigen Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebn isse im Gutachten von Dr. B.____ vom 19. April 2018 und in der ergänzenden Stellungna hme vom 1. März 2019 in Frage zu stel- len oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhal ten, dass das Gutachten die recht- sprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage erfüllt. So weist es weder formale noch inhaltliche Mängel auf, i st – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.3 hiervor) – umfassend und beruht auf einer persönlichen Untersuchung. Die ent- sprechenden, vorstehend (vgl. E. 5.3 und 5.7 hiervor) wi edergegebenen Darlegungen im Gut- achten vom 19. April 2018 vermögen zu überzeugen, sodass darauf abgestellt werden kann. 6.2 Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind nicht geeig net, das vorstehende Beweis- ergebnis in Frage zu stellen. Wenn er sich auf die ab weichende Beurteilung der behandelnden Ärzte Dres. C.____ und D.____ beruft, ist zunächst in Er innerung zu rufen, dass es die unter- schiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisc h tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachme dizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administrativ- o der Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, w enn die behandelnden Arztperso- nen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Weiter ist zu beachten, dass eine Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie er- öffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spielraum für verschiedene medizinische Interpre- tationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern de r Gutachter – wie hier – lege artis vor- gegangen ist. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sic h eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil diese wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ung ewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2018, 8C_874/2017, E. 5.2.2 ). Vorliegend bringen die behandeln- den Ärzte Dres. C.____ und D.____ keine Gesichtspunkte vor, die im Rahmen des psychiatri- schen Gutachtens nicht berücksichtigt worden wären. Soweit sie sich auf den Standpunkt stel- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht len, der Gutachter habe die Auswirkungen der Traumatisi erungen vor und während des Kriegs- einsatzes nicht zutreffend erfasst, leuchtet diese Kriti k zwar teilweise ein. So ist namentlich nicht ersichtlich, weshalb die Flucht des Beschwerdeführers in die Schweiz gegen die Diagnose einer PTBS sprechen soll. Entscheidend fällt aber in s Gewicht, dass sich der Gutachter auf- grund der ihm zur Verfügung gestandenen medizinischen Akten der behandelnden Ärzte und nach einer persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführ ers insgesamt ein hinreichendes Bild über dessen Gesundheitszustand machen konnte. Dabei legte er aufgrund seiner eigenen Beobachtungen (geringe Erregung des Exploranden, hohe Bereitwilligkeit, von den erlittenen Misshandlungen zu berichten) und unter Berücksichtigung d er langen Zeitspanne zwischen dem Trauma und dem Auftreten der Symptome dar, weshal b der Beschwerdeführer gemäss ICD-10 keine PTBS aufweist. Demgegenüber werfen die S childerungen der behandelnden Ärz- te Dres. C.____ und D.____ im Bericht vom 26. April 20 19, wonach der Beschwerdeführer in einer neuerlichen Exploration während dem laufenden B eschwerdeverfahren zum ersten Mal über weitere bedrückende Erfahrungen im Zusammenhang mit der Tötung von drei jungen Männern berichtet und dabei heftige emotionale Erreg ung gezeigt habe, Fragen auf und ver- mögen aufgrund des bisherigen Verhaltens des Beschwerd eführers und der seit Jahren durch- geführten Therapie die Beurteilung von Dr. B.____ ni cht in Zweifel zu ziehen. Aufgrund der Wi- dersprüche in der Dokumentation der Leidensgeschichte des Beschwerdeführers und der Tat- sache, dass die behandelnden Ärzte dennoch darauf abstell en und insbesondere auch daraus ihre Diagnose und ihre Einschätzung der Arbeitsfähigke it herleiten, kann auf deren Beurteilung nicht abgestellt werden. Bei dieser Sachlage und der Tatsache, dass es dem Gutachter möglich war, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machb aren vorzunehmen, kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mi t zahlreichen Hinweisen) auf zusätzli- che Abklärungen verzichtet werden. 7. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstan den, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfäh igkeit des Beschwerdeführers gestützt auf das Gutachten von Dr. B.____ vom 19. April 2018 da von ausgegangen ist, dass dem Be- schwerdeführer angepasste Tätigkeiten zu 80 % zumutbar si nd. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendu ng von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleichseinkomme n vorzunehmen wäre und die Be- rechnung auch vom Versicherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Ausei- nandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Einkommensvergleich. Es ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ei n rentenausschliessendes Erwerbs- einkommen erzielen könnte. Nachdem der Rentenanspruch d es Beschwerdeführers mangels rentenbegründender Invalidität zu verneinen ist, kann o ffen bleiben, ob die versicherungsmäs- sigen Voraussetzungen (vgl. E. 2.1 hiervor) erfüllt sind. Die angefochtene Verfügung vom 6. Dezember 2018, mit welcher ein Rentenanspruch des B eschwerdeführers abgewiesen wur- de, ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ve rfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 25. Januar 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde, gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Partei entschädigung ausgerichtet. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 25. Ja nuar 2019 die unentgeltliche Ver- beiständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt wurde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Ho- norarnote vom 3. Juli 2019 für das vorliegende Verfah ren einen Zeitaufwand von 14 Stunden und 55 Minuten geltend gemacht. Dieser Aufwand ist i n Anbetracht der sich stellenden Sach- verhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertrete rin des Beschwerdeführers ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘983.35 (14,91 Stunden à Fr. 200.--) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘983.35 aus der Gerichtskasse bezahlt. http://www.bl.ch/kantonsgericht