<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 19 S.82</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">82</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main">[...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>19</b></span> <span class="ft2"><b>Verdeckte Gewinnausschüttung; "Darlehensgewährung" im Kontokor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rentverhältnis.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Beweislast für das Missverhältnis zwischen den gegenseitigen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Leistungen trägt die Veranlagungsbehörde.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Beurteilung, ob eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt, er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>folgt bei einem Kontokorrentverhältnis auf den Zeitpunkt der Saldo-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ziehung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 7. April 2008 in Sachen T.</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2007.163). Zur Publikation vorgesehen in StE 2009.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">83</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 22 Abs. 1 aStG ist das gesamte Einkommen jeder Art</span><br/> <span class="ft1">steuerbar. Streitgegenstand im vorliegenden Fall bildet die Frage, ob</span><br/> <span class="ft1">die Steuerkommission S. dem Beschwerdeführer für die Steuerperi-</span><br/> <span class="ft1">ode 1999/2000 zu Recht Fr. .... als geldwerte Leistung im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">§ 22 Abs. 1 lit. e aStG aufrechnete.</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">1.2.1.</span><br/> <span class="ft1">(...). Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für den</span><br/> <span class="ft1">Nachweis einer verdeckten Gewinnausschüttung:</span><br/> <span class="ft1">- eine gesellschaftsrechtlich relevante Beziehung zwischen</span><br/> <span class="ft1">den Beteiligten;</span><br/> <span class="ft1">- eine Leistung, der keine angemessene Gegenleistung gegen-</span><br/> <span class="ft1">übersteht und</span><br/> <span class="ft1">- die Erkennbarkeit des Missverhältnisses zwischen Leistung</span><br/> <span class="ft1">und Gegenleistung (AGVE 1996, S. 134; VGE II/104 vom 9. De-</span><br/> <span class="ft1">zember 2004 [BE.2004.00064], S. 5).</span><br/> <span class="ft1">1.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Gewährt eine Gesellschaft einer nahestehenden Person ein Dar-</span><br/> <span class="ft1">lehen, so kann dies ein Anwendungsfall einer verdeckten Gewinn-</span><br/> <span class="ft1">ausschüttung sein. Zu untersuchen ist dabei, ob der Darlehensvertrag</span><br/> <span class="ft1">in gleicher Weise mit einem unbeteiligten Dritten abgeschlossen</span><br/> <span class="ft1">worden wäre. Kriterien, die gegen eine solche Annahme sprechen,</span><br/> <span class="ft1">sind: überhöhte Darlehenssumme im Verhältnis zu den eigenen Mit-</span><br/> <span class="ft1">teln des Darlehensnehmers; die Darlehenszinsen werden nicht be-</span><br/> <span class="ft1">zahlt bzw. zum Kapital geschlagen; die Gewährung des Darlehens</span><br/> <span class="ft1">steht mit dem statutarischen Zweck der darlehensgebenden Ge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaft in keinerlei Zusammenhang; fehlende Bonität des Schuld-</span><br/> <span class="ft1">ners; der Verzicht auf einen schriftlichen Darlehensvertrag, insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere das Fehlen von Sicherheiten und von Abmachungen über die</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlung des Darlehens; die tatsächlich unterbleibende Rück-</span><br/> <span class="ft1">zahlung; ein Klumpenrisiko bei der darlehensgebenden Gesellschaft</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. August 2007 [2C_72/2007],</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">84</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Erw. 2.1; Reto Heuberger, Die verdeckte Gewinnausschüttung aus</span><br/> <span class="ft1">Sicht des Aktienrechts und des Gewinnsteuerrechts, Bern 2001,</span><br/> <span class="ft1">S. 286 ff.). Ein Darlehen kann auch lediglich mit einem Teilbetrag</span><br/> <span class="ft1">eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen, was namentlich bei</span><br/> <span class="ft1">der nachträglichen Erhöhung eines ursprünglich geschäftsmässig</span><br/> <span class="ft1">begründeten Darlehens zutreffen kann (Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">vom 13. August 2004 [2P.128/2003], Erw. 3.3).</span><br/> <span class="ft1">1.3.</span><br/> <span class="ft1">Wenn streitig ist, ob einer Leistung der Gesellschaft überhaupt</span><br/> <span class="ft1">eine Gegenleistung des Anteilsinhabers gegenübersteht, trägt die Ge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaft bzw. der Anteilsinhaber die Beweislast für das Vorhanden-</span><br/> <span class="ft1">sein der Gegenleistung. Liegt bei Vorhandensein einer Gegenleistung</span><br/> <span class="ft1">der Verdacht auf eine verdeckte Gewinnausschüttung vor, hat grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich die Veranlagungsbehörde aufgrund ihrer Untersuchungen</span><br/> <span class="ft1">aufzuzeigen, dass zwischen den gegenseitigen Leistungen ein offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtliches Missverhältnis besteht (Heuberger, a.a.O., S. 186 ff.;</span><br/> <span class="ft1">Martin Zweifel, Die Sachverhaltsermittlung im Steuerveranlagungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren, Zürich 1989, S. 111 f.). Eine Simulation muss sich aus den</span><br/> <span class="ft1">Indizien klar ergeben (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Januar</span><br/> <span class="ft1">2003 [2A.79/2002], Erw. 2.2).</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Es ist unbestritten, dass zwischen der C. GmbH und dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer eine gesellschaftsrechtlich relevante Beziehung be-</span><br/> <span class="ft1">steht. Am Stammkapital von Fr. 30'000.-- sind der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">mit Fr. 29'000.-- und die Beschwerdeführerin mit Fr. 1'000.-- betei-</span><br/> <span class="ft1">ligt.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Um zu prüfen, ob das gewährte Darlehen einen Anwendungsfall</span><br/> <span class="ft1">einer verdeckten Gewinnausschüttung darstellt, sind vorab die Aus-</span><br/> <span class="ft1">gestaltung und die Höhe des massgeblichen Darlehens näher zu un-</span><br/> <span class="ft1">tersuchen.</span><br/> <span class="ft1">2.2.1</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz ging bei der Höhe des Darlehens, ohne eigene</span><br/> <span class="ft1">Berechnungen anzustellen, anlehnend an die Berechnung des Revi-</span><br/> <span class="ft1">sors des KStA von einer bilanziellen Korrektur von Fr. ... aus.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">85</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer nahm gegenüber der C.GmbH kein ei-</span><br/> <span class="ft1">gentliches Darlehen in bestimmter Höhe auf. Vielmehr wurden in der</span><br/> <span class="ft1">Buchhaltung der C. GmbH einerseits die Guthaben gegenüber dem</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer gemäss dessen Kontokorrentkonto als Debitoren</span><br/> <span class="ft1">und andererseits die Schulden aus den Leistungen der Einzelfirma</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers als Kreditoren verbucht.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1</span><br/> <span class="ft1">Grund für die Entstehung der Forderung der C. GmbH gegen-</span><br/> <span class="ft1">über dem Beschwerdeführer war die Zurverfügungstellung von Geld.</span><br/> <span class="ft1">Es steht auch fest, dass der Beschwerdeführer das Geld für die Rück-</span><br/> <span class="ft1">zahlung der Hypothek, also für private Zwecke, benötigte. Es ist so-</span><br/> <span class="ft1">mit zu prüfen, ob einer Drittperson dieses Geld unter den gleichen</span><br/> <span class="ft1">Bedingungen gewährt worden wäre oder ob eine verdeckte Gewinn-</span><br/> <span class="ft1">ausschüttung vorliegt.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall handelt es sich, wie bereits ausgeführt,</span><br/> <span class="ft1">nicht um ein klassisches Darlehensverhältnis, gestützt auf einen for-</span><br/> <span class="ft1">mellen Darlehensvertrag. Vielmehr ergibt sich die "Darlehens-"Ge-</span><br/> <span class="ft1">währung allein aus der buchhalterischen Behandlung. Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer bezog aus "seiner" C. GmbH Geld für private</span><br/> <span class="ft1">Zwecke. Weil seine Bezüge den Wert der durch seine Einzelfirma für</span><br/> <span class="ft1">die GmbH erbrachten Leistungen auf Dauer überstiegen, bestand re-</span><br/> <span class="ft1">gelmässig eine Nettoschuld gegenüber der GmbH. Es wurde keine</span><br/> <span class="ft1">Höchstlimite, keine Verzinsung, keine Sicherheitsleistung für den</span><br/> <span class="ft1">Kredit des Beschwerdeführers vereinbart. Die Gewährung von Dar-</span><br/> <span class="ft1">lehen entsprach denn auch nicht dem Gesellschaftszweck.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer bringen in erster Linie vor, dass zur</span><br/> <span class="ft1">Sicherstellung bei der Bank Schuldbriefe in der Höhe von Fr. ...</span><br/> <span class="ft1">übernommen worden seien. Diese Sicherstellung erfolgte jedoch erst</span><br/> <span class="ft1">im Frühling 2000, während entscheidend ist, ob die Schuld des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers im massgeblichen Zeitpunkt Ende 1998 gesichert</span><br/> <span class="ft1">war. Nachträgliche ungewisse Sicherheiten können dabei keine Rolle</span><br/> <span class="ft1">spielen. Spätere Entwicklungen können nur relevant sein, wenn sie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">86</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">im Zeitpunkt der Darlehensgewährung bereits bekannt oder zumin-</span><br/> <span class="ft1">dest absehbar waren (vgl. Heuberger, a.a.O., S. 285, mit Hinweis).</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer machen weiter geltend, dass das Darle-</span><br/> <span class="ft1">hen für das Jahr 1997 mit 3,5 % mit einem Betrag von Fr. ... und für</span><br/> <span class="ft1">das Jahr 1998 mit 3 % mit einem Betrag von Fr. ... verzinst worden</span><br/> <span class="ft1">sei. Anstatt dass Zinsen bezahlt wurden, wurden diese jedoch eben-</span><br/> <span class="ft1">falls zum Kapital geschlagen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer vermochte die Kreditsumme im Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftsjahr 1998 um rund Fr. ... zu reduzieren. Eine Verpflichtung</span><br/> <span class="ft1">zur Rückzahlung war allerdings nicht statuiert. Der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer verdankte die Rückzahlung letztendlich einem guten Geschäfts-</span><br/> <span class="ft1">jahr, das ihm ermöglichte, im Rahmen seiner Einzelfirma für die C.</span><br/> <span class="ft1">GmbH Leistungen zu erbringen; wären die Forderungen des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers gegenüber der C. GmbH gleich geblieben wie im</span><br/> <span class="ft1">Vorjahr, wäre es zu einem weiteren, massiven Anstieg des Kredits</span><br/> <span class="ft1">gekommen. Dass aber die Geschäfte weiterhin so gut laufen und den</span><br/> <span class="ft1">baldigen Ausgleich der Kontokorrentschuld ermöglichen würden,</span><br/> <span class="ft1">wie die Beschwerdeführer geltend machen, war damals nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">als eine spekulative Annahme.</span><br/> <span class="ft1">Ein solches Kontokorrentverhältnis, wie es der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer mit der C. GmbH führte, wäre unter den genannten Bedingungen</span><br/> <span class="ft1">einer Drittperson nicht eingeräumt worden. Zu Beginn war die ge-</span><br/> <span class="ft1">samte Kreditforderung ungedeckt. Die Kreditsumme machte über-</span><br/> <span class="ft1">dies einen nicht geringen Teil der Bilanzsumme aus. Es widerspricht</span><br/> <span class="ft1">jedoch den Interessen der Gesellschaft, wenn ein beträchtlicher Teil</span><br/> <span class="ft1">der Aktiven in Kontokorrentforderungen gegenüber einem Gesell-</span><br/> <span class="ft1">schafter umgewandelt werden (vgl. Arnold Rusch, Interzession im</span><br/> <span class="ft1">Interesse des Aktionärs, Zürich 2004, S. 178).</span><br/> <span class="ft1">2.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer wenden ein, es gebe "unzählige ähnlich</span><br/> <span class="ft1">gelagerte bzw. viel krassere Fälle", in denen keine verdeckte Ge-</span><br/> <span class="ft1">winnausschüttung angenommen worden sei. Obwohl rechtskundig</span><br/> <span class="ft1">vertreten, führen sie keinen einzigen vergleichbaren Fall an, sondern</span><br/> <span class="ft1">begnügen sich mit dem Antrag, beim KStA "entsprechende Aus-</span><br/> <span class="ft1">künfte einzuholen". Unter solchen Umständen ist das Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richt nicht zu einer umfassenden Abklärung der Steuerpraxis ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">87</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">pflichtet (VGE II/81 vom 19. November 2003 [BE.2003.00029],</span><br/> <span class="ft1">S. 15).</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Es ist im Nachfolgenden zu prüfen, in welcher Höhe eine ver-</span><br/> <span class="ft1">deckte Gewinnausschüttung angenommen werden muss. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer machen dabei geltend, die Steuerbehörde hätte von</span><br/> <span class="ft1">Anfang an eine Aufrechnung vornehmen müssen, wenn sie der Mei-</span><br/> <span class="ft1">nung gewesen wären, das Darlehen sei geschäftsmässig nicht be-</span><br/> <span class="ft1">gründet. Das Darlehen habe bereits per 31. Dezember 1996 in der</span><br/> <span class="ft1">Höhe von Fr. ... bestanden. Eine Aufrechnung sei damals jedoch</span><br/> <span class="ft1">nicht erfolgt.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Wird in einer Erhöhung des Schuldbetrages ein eigenständiges</span><br/> <span class="ft1">Darlehen erblickt, so erstreckt sich eine zu bejahende Simulation</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich bloss auf diesen Betrag. Ein früher begründetes und als</span><br/> <span class="ft1">Darlehen anerkanntes Rechtsverhältnis hat unter dem Aspekt der</span><br/> <span class="ft1">Ernsthaftigkeit des Rechtsgeschäfts Bestand (Louis F. Bochud, Dar-</span><br/> <span class="ft1">lehen an Aktionäre, Bern 1991, S. 319). Unechte Schuldverhältnisse,</span><br/> <span class="ft1">die in der Bemessungsperiode eingegangen wurden, lassen sich im</span><br/> <span class="ft1">Veranlagungsverfahren als verdeckte Gewinnausschüttung behan-</span><br/> <span class="ft1">deln. Hinsichtlich zuvor abgeschlossener Vereinbarungen ist von</span><br/> <span class="ft1">rechtskräftigen Veranlagungen auszugehen. Über die Simulation im</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der ursprünglichen Darlehensgewährung ist mithin eine</span><br/> <span class="ft1">erneute Beweiswürdigung grundsätzlich ausgeschlossen (Bochud,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 298 f.).</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall handelt es sich zwar nicht um ein klassi-</span><br/> <span class="ft1">sches Darlehensverhältnis, doch zumindest analog sind diese Grund-</span><br/> <span class="ft1">sätze auch hier zu beachten.</span><br/> <span class="ft1">2.4.3.</span><br/> <span class="ft1">Bereits im Abschluss des Geschäftsjahres 1996, mithin vor der</span><br/> <span class="ft1">Bemessungsperiode 1997/1998, war beim Konto "KK-Guthaben T."</span><br/> <span class="ft1">ein Betrag von Fr. ... verbucht. Bei der Veranlagung für die Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gungsperiode 1997/98 (mit Bemessungsperiode 1995/96) wurde der</span><br/> <span class="ft1">Betrag von Fr. ... nicht als verdeckte Gewinnausschüttung qualifi-</span><br/> <span class="ft1">ziert. Die dem Drittvergleich zugrunde zu legenden Verhältnisse la-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">88</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen damals nicht anders; die Rückzahlung der Kontokorrentschuld</span><br/> <span class="ft1">durch den Beschwerdeführer erschien damals höchstens noch weni-</span><br/> <span class="ft1">ger gesichert. Es kann also nicht argumentiert werden, erst aus der</span><br/> <span class="ft1">späteren Entwicklung habe sich auf die Uneinbringlichkeit oder min-</span><br/> <span class="ft1">destens massive Gefährdung der Rückzahlung schliessen lassen.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen kann im vorliegenden Verfahren nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">darauf zurückgekommen werden.</span><br/> <span class="ft1">2.4.4.</span><br/> <span class="ft1">Im Unterschied zu einem normalen Darlehen, bei dem ein fixer</span><br/> <span class="ft1">Betrag auf einen bestimmten Zeitpunkt ausbezahlt wird, ergeben sich</span><br/> <span class="ft1">bei einem Kontokorrentverhältnis stetig neue Forderungen. Die Par-</span><br/> <span class="ft1">teien stehen dabei in einem gegenseitigen Abrechnungsverhältnis.</span><br/> <span class="ft1">Alle von diesem Verhältnis erfassten Forderungen werden gestundet</span><br/> <span class="ft1">und können nicht separat geltend gemacht werden (Flavio Cometta,</span><br/> <span class="ft1">in: Handkommentar zum Schweizerischen Obligationenrecht, Zürich</span><br/> <span class="ft1">2002, Art. 117 N 1). Mittels Saldoziehung wird dann jeweils die aus-</span><br/> <span class="ft1">stehende Forderung bzw. Schuld anerkannt. Als Saldo wird der auf</span><br/> <span class="ft1">einen bestimmten Zeitpunkt berechnete Stand des Kontokorrents</span><br/> <span class="ft1">verstanden, der die derzeitige Forderung der einen und die respektive</span><br/> <span class="ft1">Schuld der anderen Partei beziffert (Eugen Bucher, Grundprobleme</span><br/> <span class="ft1">des Kontokorrentrechts, in: recht 1994, S. 170). Die gebuchten For-</span><br/> <span class="ft1">derungen und Gegenforderungen erlöschen durch Verrechnung, wo-</span><br/> <span class="ft1">bei bezüglich des Saldos eine neue Forderung entsteht (BGE 130 III</span><br/> <span class="ft1">697 = Pra 94/2005, S. 494).</span><br/> <span class="ft1">Die Beurteilung, ob eine verdeckte Gewinnausschüttung vor-</span><br/> <span class="ft1">liegt, erfolgt bei einem Kontokorrentverhältnis auf den Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft1">Saldoziehung. Erst in diesem Zeitpunkt entsteht ein bestimmter Be-</span><br/> <span class="ft1">trag. Zuvor besteht lediglich ein Abrechnungsverhältnis und die ver-</span><br/> <span class="ft1">bleibende Forderung der einen Partei ist nicht bestimmt. Die Unge-</span><br/> <span class="ft1">wissheit besteht umso mehr, wenn beim Kontokorrentverhältnis</span><br/> <span class="ft1">keine Kreditlimite festgelegt wurde. Vorliegend ist somit auf die Sal-</span><br/> <span class="ft1">doziehung am 31. Dezember 1998 abzustellen; dies entspricht der</span><br/> <span class="ft1">Auffassung des KStA. Zu diesem Zeitpunkt bestand eine Kontokor-</span><br/> <span class="ft1">rentforderung der C. GmbH von Fr. ... Spätere Entwicklungen kön-</span><br/> <span class="ft1">nen nur relevant sein, wenn sie im Zeitpunkt der Saldoziehung be-</span><br/> <span class="ft1">reits bekannt oder zumindest absehbar waren (siehe vorne</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">89</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Erw. 2.3.2). Wie bereits ausgeführt, liegt zwischen dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer und der C. GmbH keine schriftliche Vereinbarung vor. Insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere die Rückzahlung des Kredites wurde nicht geregelt. Der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer war darauf angewiesen, dass er mit seiner Einzel-</span><br/> <span class="ft1">firma möglichst viele Leistungen gegenüber der C. GmbH verrech-</span><br/> <span class="ft1">nen konnte, um den Kredit abzubauen. Ob und in welcher Höhe eine</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlung in der Zukunft möglich sein würde, war nicht absehbar.</span><br/> <span class="ft1">Insofern kann der Steuerbehörde auch nicht vorgeworfen werden, sie</span><br/> <span class="ft1">habe es unterlassen, dem Beschwerdeführer die Vorlage eines Rück-</span><br/> <span class="ft1">zahlungsplans zu ermöglichen, um so die Aufrechnung zu verhin-</span><br/> <span class="ft1">dern; die im massgeblichen Zeitpunkt bestehende Ungewissheit, ob</span><br/> <span class="ft1">sich ein solcher Plan dann auch realisieren lasse, hätte dadurch nicht</span><br/> <span class="ft1">behoben werden können.</span><br/> <span class="ft1">2.5.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ergibt sich, dass die Steuerkommission S. die</span><br/> <span class="ft1">Kontokorrentforderung der C. GmbH gegenüber dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer in Höhe von Fr. ... per 31. Dezember 1998 zu Recht als ver-</span><br/> <span class="ft1">deckte Gewinnausschüttung behandelte. Davon entfiel jedoch ein</span><br/> <span class="ft1">Betrag von Fr. ... auf die Zeit vor der Bemessungsperiode 1997/98.</span><br/> <span class="ft1">Als steuerbares Einkommen war damit der Differenzbetrag von</span><br/> <span class="ft1">Fr. ... aufzurechnen (vorne Erw. 2.4.2; 2.4.3).</span><br/> <span class="ft6"><i>(Hinweis: Das Bundesgericht hat mit Urteil vom 18. November</i></span><br/> <span class="ft6"><i>2008 eine Beschwerde gegen dieses Urteil abgewiesen, soweit darauf</i></span><br/> <span class="ft6"><i>einzutreten war [2C_446/2008]</i>)</span><br/></div> </div> </body> </html>