Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Mai 2017 (720 16 302 / 121) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Statusfrage. Unter Berücksichtigung der gesamten persönlichen, beruflichen und sozia- len Verhältnisse ist davon auszugehen, dass die Versicherte ohne gesundheitliche Be- einträchtigung infolge Änderung ihrer Lebensumstände und bedingt durch neu gewon- nene Ressourcen einem vollzeitlichen Erwerbspensum nachgegangen wäre. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Stephan Pau- kner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Peter Bürkli , Advokat , St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1968 geborene A.____ ist Mutter von vier Kin dern. Im November 2001 meldete sie sich erstmals wegen eines Diabetes mellitus Typ 1 u nd Angstzuständen bei der eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitli- chen und erwerblichen Verhältnisse, namentlich nach Einholung eines psychiatrischen Gutach- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tens von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, und eines Haushaltabklä- rungsberichts vom 5. Mai 2003, lehnte die IV-Stelle B asel-Landschaft (IV-Stelle) das Leistungs- begehren der Versicherten mit Verfügung 18. August 2003 ab. B. Am 4. Oktober 2012 ersuchte die Versicherte wegen d es Diabetes mellitus und rheuma- tischer Erkrankungen erneut um Leistungen der IV. Nachde m die IV-Stelle zunächst nicht auf ihr Leistungsbegehren eingetreten war, leitete sie in der Folge diverse Abklärungen zu den ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnissen der Versich erten ein. Nach Einholung insbeson- dere eines polydisziplinären Gutachtens des C.____ vom 5. Februar 2015 und eines Haus- haltabklärungsberichts vom 21. Mai 2015 wies die IV-Stel le den Rentenanspruch der Versi- cherten mit Verfügung vom 20. Juli auf der Basis eines Invaliditätsgrads von 0% mit der Be- gründung ab, dass die Versicherte in ihrem Aufgabenbere ich als Hausfrau nicht eingeschränkt sei. C. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokat Peter Bürkli, am 14. Septem- ber 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel -Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine IV-Rente basierend auf einem IV-Grad von mindestens 60% ab 1. April 2013 zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenheit zur er gänzenden Feststellung des Sachver- halts an die IV-Stelle zurückzuweisen, alles unter o/e-Ko stenfolge. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen vorbringen, dass sie ohne gesundheitliche Be schwerden heute aus finanziellen und persönlichen Gründen einer Vollzeitbeschäftigung na chgehen würde. In Anwendung der somit anwendbaren Methode des Einkommensvergleichs result iere auf der Basis des C.____- Gutachtens und nach Vornahme eines leidensbedingten Abzugs beim Invalideneinkommen von 20% ein IV-Grad von 60% und damit ein Anspruch auf eine Dreiviertelrente der IV. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 24. Novem ber 2016 auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie zusammenfassend v or, dass die Argumentation der Beschwerdeführerin, im Gesundheitsfall in einem Voll zeitpensum zu arbeiten, wenig glaubhaft sei. Der IV-Grad sei daher zu Recht anhand der spezifi schen Methode ermittelt und auf der Ba- sis einer fehlenden Einschränkung im Haushalt mit 0% bemessen worden. E. Mit Replik von 19. Dezember 2016 bzw. Duplik vom 11. J anuar 2017 hielten die Parteien im Wesentlichen an ihren bereits dargelegten Rechtsstandpunkten fest. Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist soweit n otwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 20. Juli 2016 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar beitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 hat die versicherte Person Anspr uch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad b estimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgab enbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der IV-Grad entsprechend der Behin- derung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Method e der Invaliditätsbemessung). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt d er Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 3.5 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern einzig in welchem Pensu m sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 20. Juli 2016) entwickelt haben, wobei für di e hypothetische Annahme einer im Gesund- heitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts sodann in der Regel auf die Aussagen der ersten Stunde ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, di e bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher Nat ur Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 1a). Bei der Bestimmung der im konkre ten Fall anwendbaren Invaliditätsbe- messungsmethode und damit der Beantwortung der entscheid enden Statusfrage handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothe tische Willensentscheidungen der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt namentli ch für die Frage, in welchem Aus- mass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstä tig wäre. Diese inneren Tatsachen sind indes einer direkten Beweisführung nicht zugängli ch und müssen deshalb in aller Regel Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus äusseren Indizien erschlossen werden (Urteile des Bun desgerichts 9C_287/2013 vom 8. November 2013 E. 3.5 und 8C_511/2013 vom 30. Dezember 2013, je mit Hinweisen). 3.6 Zu ergänzen bleibt, dass für den Beweiswert eines B erichtes über die Abklärung im Haushalt einer versicherten Person – analog zur Rechtspre chung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – ebenfalls verschiedene Faktoren zu berücksichtigen sind. Wesentlich ist, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Ver hältnissen sowie den aus den medizini- schen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei allenfalls divergierende Meinungen im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich mu ss plausibel, begründet und ange- messen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Tri fft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 1 29 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom 6. April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 f. E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht ent- haltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung i m Haushalt massgebend, sondern gel- ten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerb- lichen Tätigkeit von Versicherten im Gesundheitsfall b etrifft (Urteil des Bundesgerichts I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2). Letztlich ist in diesem Zusa mmenhang zu berücksichtigen, dass auch in Bezug auf die Haushaltabklärungsberichte nicht o hne Grund von den Angaben der ver- sicherten Person abgewichen werden darf (BGE 121 V 45 E. 2a mit Hinweisen). 4.1 Strittig und zu prüfen ist vorab die für die Wahl der Methode der Invaliditätsbemessung ausschlaggebende Statusfrage. Die IV-Stelle erachtet die Versicherte im Gesundheitsfall als zu 100% im Haushalt tätig. Obschon die Versicherte im Frag ebogen zur Ermittlung der Erwerbstä- tigkeit angegeben habe, ohne gesundheitliche Einschränku ngen einem Vollzeitpensum nach- zugehen, überzeuge ihre Argumentation nicht. Es sei zu be rücksichtigen, dass sie sich in den letzten Jahren nie um eine Arbeitsstelle bemüht habe, obwohl sie höchstens zu 50% in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei, und die d rei jüngsten Kinder fremdplatziert worden seien. Ihre im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels eing ereichten Arbeitsbemühungen seien zu relativieren, weil sie erst nach Erlass des Vorbescheids vom 21. Mai 2015 ergangen seien. Ausserdem habe die Versicherte seit ihrer Einreise in die Schweiz noch nie ein Erwerbspensum von 100% absolviert und sei seit 1995, also noch vor der Geburt ihres jüngsten Kindes, keiner Arbeit nachgegangen. Die Beschwerdeführerin vertritt demgegenüber den Standpunkt, dass sie im Gesundheitsfall vollständig erwerbstätig wäre. 4.2.1 Die Versicherte ist im Oktober 1990 in die Schwei z eingereist. Ihre erste Ehe dauerte von 1991 bis 1993. Diese war ausgesprochen schwierig und von Gewalt geprägt (IV-Dok 10, S. 3). Bedingt durch den chronischen Ehekonflikt musste sich die Versicherte bereits im Sep- tember 1992 wegen akuter Fremd- und Selbstgefährdung in stationäre psychiatrische Behand- lung begeben (IV-Dok 10, S. 4 f.). Nach der Scheidung von ihrem ersten Gatten im Jahre 1993 erlitt die Versicherte im Folgejahr eine Interruptio . 1995 folgte ein Suizidversuch. Sie musste in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Folge wiederholt in die Kriseninterventionsstation der Klinik D.____ aufgenommen werden (IV-Dok 10, S. 4 f.). Ende Dezember 1996 gebar sie ihr en ersten Sohn (IV-Dok 16, S. 8). Auch ihre zweite 1998 geschlossene Ehe gestaltete sich ausserord entlich schwierig und war erneut von massiver Gewalt des Ehemanns geprägt (IV-Dok 10, S. 9 ). 1998, 2002 und 2003 kamen drei weitere Kinder aus dieser Ehe zur Welt. Im Januar 2007 erfolgte die Scheidung der zweiten Ehe (IV-Dok 16, S. 9). In beruflicher Hinsicht kann den Akten entnommen werden, dass die Versicherte bis zur Geburt ihres ersten Sohnes jeweils für kurze Zeit gearbeitet hat. So war sie im Jahre 1992 nebst der Arbeit bei E.____ in F.____ während zweier Monate zusätzlich noch für die G.____ AG in H.____ tätig. Anschliessend war si e arbeitslos und im Jahre 1993 sowie 1994 jeweils für einige Monate offenbar im Zwischenver dienst tätig (IV-Dok 30, S. 3 f.). Ein von der Arbeitslosenversicherung anfangs 1995 in die Wege ge leiteter Arbeitsversuch scheiterte aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls bereits nach kurz er Zeit. Von Februar bis Mai 1996 bezog die Versicherte Taggelder der IV (IV-Dok 30, S . 4). Seither war die Versicherte nicht mehr berufstätig (IV-Dok 10, S. 9; IV-Dok 16, S. 2 un d 5). Ihr ältester Sohn wohnt mit ihr aktuell noch im gemeinsamen Haushalt. Der zweitälteste Sohn verliess den elterlichen Haushalt wegen Streitereien. Die beiden jüngsten Kinder wurden beid e fremdplatziert, die jüngste Tochter Mitte November 2014 (IV-Dok 75, S. 11 und 14). 4.2.2 Aus der Haushaltabklärung vom 13. April 2015 geh t hervor, dass die Beschwerdeführe- rin bei guter Gesundheit aus finanziellen und persönlic hen Gründen einem vollzeitlichen Er- werbspensum nachgehen würde. Bisher habe sie ohne Erfol g um den Erhalt der elterlichen Obhut insbesondere der jüngsten Tochter gekämpft und se i mit der aktuellen Situation völlig überfordert (IV-Dok 82, S. 3). Die Gründe für die Er ziehungsprobleme hingen nicht direkt mit ihrer Erkrankung zusammen. Der Kindsvater würde sich nicht um die Erziehung der Kinder kümmern und pflege praktisch keinen Kontakt mit ihnen. D ie Problematik mit der Kindesschutz- behörde sei als IV-fremder Faktor zu betrachten. Die e ntsprechenden Differenzen seien aus persönlichen Gründen entstanden und könnten somit nicht als Einschränkung angerechnet werden. Den Bemerkungen der Abklärungsperson kann entn ommen werden, dass es der Ver- sicherten aus finanziellen und persönlichen Gründen zuzumu ten sei, heute ein 100%-Pensum auszuüben (IV-Dok 82, S. 8). Dem von der Versicherten unterzeichneten Fragebogen zur Er- mittlung der Erwerbsfähigkeit ist ebenso zu entnehmen , dass sie angegeben habe, ohne ge- sundheitliche Einschränkungen heute aus finanziellen und persönlichen Gründen vollzeitlich tätig zu sein, weil sie gerne einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde (IV-Dok 81, S. 2 f.). 4.3.1 Der in der angefochtenen Verfügung zur Statusf rage aufgeworfenen Überlegung, dass die Versicherte seit ihrer Einreise in die Schweiz nie e inem Pensum von 100% nachgegangen sei, ist beizupflichten. Nichts desto trotz greift die von der IV-Stelle vorliegend vertretene Auf- fassung zu kurz, weil die rechtsprechungsgemäss vorzunehmende Abwägung der persönlichen und sozialen Umstände angesichts der aufgezeigten Versiche rtenbiographie schlicht unberück- sichtigt geblieben ist. Wenn die IV-Stelle darauf abste llt, dass die Versicherte seit ihrer Einreise in die Schweiz noch nie ein Erwerbspensum von 100% absol viert habe und seit 1995 keiner Arbeit mehr nachgegangen sei, klammert sie in Unterschreitung ihres Ermessens aus, dass das Ausüben einer solchen (Teil-)Erwerbstätigkeit angesich ts der gesundheitlichen und familiären Verhältnisse der Versicherten bereits lange vor der Gebu rt ihres ersten Sohnes nicht zumutbar Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen wäre. Nachdem sie sich bedingt durch den durch G ewalt geprägten Ehekonflikt zwi- schen 1992 und 1995 wiederholt in psychiatrische Behandlu ng begeben musste, steht ausser Frage, dass die Versicherte aus invaliditätsfremden Grü nden nicht in der Lage war, auch nur annähernd einer beruflichen Beschäftigung nachzugehen. Trotz dieser Schwierigkeiten hat sie immer wieder Versuche unternommen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren (IV-Dok 30, S. 4). Die identische Beurteilung auch von Dr. B.____ gilt in Anbetracht der dokumentierten Gewalter- eignisse nicht nur für die Dauer der zweiten, sondern bereits für die Zeit ihrer ersten Ehe (IV- Dok 10, S. 4 und 10). Da die Versicherte im Jahr 1994 – mithin nach der Scheidung ihrer ersten Ehe – eine Interruptio und im Februar 1995 noch vor ihrer zweiten Ehe einen Suizidversuch erlitten hat, war es ihr aber auch in der Folge nich t zuzumuten, einer Erwerbstätigkeit nachzu- gehen. Nachdem sie im März 1996 erstmals schwanger gewor den war und ab Dezember 1996 im Abstand von jeweils lediglich 15 bzw. 21 Monaten ihre ersten drei Kinder geboren hatte (IV- Dok 16, S. 8), erweist sich schliesslich eine Erwerbstätigkei t auch für die Zeit danach schlicht als unrealistisch. Alleine die Tatsache, in derart kurze n Abständen jeweils erneut Mutter gewor- den zu sein, schloss eine Teilerwerbstätigkeit bereits da zumal grundsätzlich aus. Es kann in dieser Hinsicht auf die schlüssig erhobenen Verhältnisse vor Ort anlässlich der 2003 erfolgten Haushalts-Abklärung verwiesen werden (IV-Dok 14, S. 2). 4.3.2 An dieser Situation änderte sich auch in der Fol ge nichts, nachdem im August 2003 das vierte Kind der Versicherten geboren wurde (IV-Dok 16, S. 8), und der zweit- und drittälteste Sohn fremdplatziert worden waren. Die Zeit nach der Scheidung ihrer zweiten Ehe im Jahre 2007 war sodann geprägt von massiven Erziehungsprobleme n und Auseinandersetzungen mit der Kindesschutzbehörde (IV-Dok 75, S. 14). Da sich der K indsvater offenbar weder um die Erziehung der Kinder gekümmert noch angemessen Kontakt mit ihnen gepflegt hat (IV Dok 82, S. 3), kann als erwiesen gelten, dass die Versicherte des halb weiterhin über keine Kapazitäten verfügt hätte, einer erwerblichen Tätigkeit nachzugehe n. Es ist in diesem Zusammenhang ge- radezu nachvollziehbar, dass die Versicherte in ihrer erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug vom 4. Oktober 2012 deshalb angegeben hat, vorerst bis auf weiteres als Hausfrau tätig zu sein (IV-Dok 16, S. 4). Abweichend zu der von der IV-Stell e vertretenen Auffassung ist im Weiteren zu berücksichtigen, dass die Versicherte nach der Fremdpla tzierung zweier Kinder mit ihrem noch nicht volljährigen, ältesten Sohn und mit der 2 003 geborenen jüngsten Tochter im ge- meinsamen Haushalt gelebt hat und mangels Unterstützun g des Kindsvaters weiterhin auf sich alleine gestellt war. Am Umstand, dass es der Versicherten daher weiterhin nicht zumutbar war, einer Arbeit nachzugehen, änderte schliesslich auch nich ts, dass im Spätherbst 2014 ihre jüngste Tochter von den Behörden fremdplatziert worde n ist (IV-Dok 75, S. 31; ebenso IV-Dok 75, S. 11). Es kann an dieser Stelle auf den in den medizinischen Akten dokumentierten Verlauf verwiesen werden, wonach die Versicherte infolge des drohenden, wiederholten Obhutsentzugs dazumal noch immer sehr unter Druck gestanden ist. Hinzu trat ein Wohnungszumzug, weshalb aufgrund der in dieser Zeit andauernden, sehr schwier igen psychosozialen Situation bereits die Wahrnehmung allfälliger Termine praktisch unmöglich wa r (IV-Dok 75, S. 32; ebenso IV-Dok 57, S. 2). Unter Berücksichtigung dieser persönlichen un d sozialen Verhältnisse ist zusammen- fassend davon auszugehen, dass es der Versicherten bis zu Be ginn des Jahres 2015 schlicht unmöglich gewesen wäre, einer ausserhäuslichen Erwerbstät igkeit nachzugehen. Damit ist zu- gleich gesagt, dass ihre bis zu diesem Zeitpunkt ausgeübte Haushaltstätigkeit nicht dagegen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht spricht, als Valide hypothetisch einer künftigen Erwerbs fähigkeit nachzugehen. Nachdem die Versicherte erst seit Beginn des Jahres 2015 weitgehend vo n ihren Betreuungspflichten entlas- tet war, ist ihre anlässlich der Haushaltsabklärung vom 17 . März 2015 geäusserte Absicht, im Gesundheitsfall nunmehr einem Vollzeitpensum nachzugeh en, unter diesen Umständen viel- mehr nachvollziehbar (IV-Dok 81 S. 3; IV-Dok 82). 4.4 Es ist daran zu erinnern, dass rechtsprechungsgemäss grundsätzlich den von der versi- cherten Person im Rahmen der Haushaltabklärung gemachte n „Aussagen der ersten Stunde“ zu folgen ist (vgl. oben, Erwägung 3.5). Da auch die Abklärungsperson der IV-Stelle anhand der vor Ort detailliert und nachvollziehbar erhobenen Verh ältnisse festgehalten hat, dass es der Versicherten aus finanziellen und persönlichen Gründen zu zumuten wäre, einer Arbeit nachzu- gehen (IV-Dok 82 S. 3), steht der Annahme einer vollen Erwerbsfähigkeit als Valide ab diesem Zeitpunkt an sich nichts entgegen. Dies gilt umso mehr , als angesichts der in den Akten ausge- wiesenen Sozialhilfeabhängigkeit ein nachweisbarer Druck für die Versicherte bestanden hat, den eigenen Lebensunterhalt mittlerweile mit eigenen Kräften zu erwirtschaften (IV-Dok 75, S. 12). Allerdings ist nicht alleine entscheidend, ob die Ausübung einer Erwerbstätigkeit im Lich- te der bestehenden finanziellen Verhältnisse notwendig erscheint, sondern inwieweit sie unter Berücksichtigung der gesamten persönlichen, beruflichen u nd sozialen Verhältnisse als über- wiegend wahrscheinlich zu betrachten ist (Urteil des Bun desgerichts vom 9C_426/2014 vom 18. August 2014, E. 3.3). Soweit die Beschwerdeführeri n in diesem Zusammenhang diverse Arbeitsbemühungen geltend macht, sind diese weitgehend unbelegt. Aktenkundig ist die Teil- nahme der Versicherten an einem beruflichen Wiederein gliederungsprozess zwischen Januar und Mai 2016, wobei der anschliessende Arbeitsversuch aus gesundheitlichen Gründen nach zwei Tagen wieder abgebrochen werden musste (Beilage 3 zur Eingabe der Beschwerdeführe- rin vom 19. Dezember 2016). Der Umstand des Abbruchs dies es Arbeitsversuchs alleine kann jedoch nicht ausschlaggebend sein, da stets danach zu fr agen ist, inwieweit die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen erwerbstätig wäre. 4.5 Dokumentiert sind im Weiteren eine Absage der D._ ___ AG vom 24. September 2016 und eine Absage von E.____ vom 28. Juli 2016 (a.a.O, Beilagen 4 und 5). Zwischen dem Zeit- punkt, in dem die Versicherte von ihren Betreuungspflic hten weitgehend befreit war (Januar 2015), und den Bewerbungsabsagen liegt allerdings ein Zeitraum von über eineinhalb Jahren. Unbesehen dessen, ob die von der Versicherten getätigten Arbeitsbemühungen letztlich auch von versicherungsrechtlichen Überlegungen geprägt gewesen sind, stellt sich mithin die Frage, ob mangels sofortiger Arbeitsbemühungen unmittelbar n ach Januar 2015 davon auszugehen ist, dass die Versicherte in Tat und Wahrheit einem Voll zeitpensum als Valide nachgehen wür- de. Diese Frage ist zu bejahen. Einerseits kann aufgrund der aufgezeigten Familienverhältnisse und der langen Arbeitsabstinenz nicht erwartet werden, dass die Versicherte – als valide Per- son – unmittelbar nach der Fremdplatzierung ihrer jün gsten Tochter alle ihre Ressourcen in die Suche nach einer Arbeitsstelle investiert. Um sich nach e iner über 20-jährigen Arbeitsabstinenz im Alter von mittlerweile 48 Jahren beruflich zu orie ntieren, ist ihr vielmehr eine gewisse Über- gangszeit zuzugestehen. Dies gilt umso mehr, als die Besc hwerdeführerin Mitte März 2015 in juristische Verfahren im Zusammenhang mit der Fremdpla tzierung ihrer jüngsten Tochter invol- viert war (IV-Dok 81, S. 3; ebenso IV-Dok 57, S. 2) un d sich dazumal noch immer nachvollzieh- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht bar für die Wiedererlangung ihrer Obhut engagiert h at. Es kann an dieser Stelle auf die Fest- stellung der Abklärungsperson vor Ort verwiesen werden, w onach der Kampf um die Obhut über ihre Kinder im Zeitpunkt der Haushaltsabklärung n och nicht geklärt war (IV-Dok 81, S. 3). Anderseits hat die Versicherte in der Zeit von Januar bis Mai 2015 – mithin unmittelbar nach der weitgehenden Entlastung ihrer Betreuungsaufgaben – mo tiviert und interessiert an ihrem beruf- lichen Wiedereingliederungsprozess teilgenommen (Beilage 3 zur Eingabe der Beschwerdefüh- rerin vom 19. Dezember 2016). Letztlich ist zu berücksichtig en, dass die Versicherte gemäss Einschätzung ihres behandelnden Psychiaters in diesem Zeit raum im Umfang von 70 bis 80% als arbeitsunfähig eingeschätzt worden war (IV-Dok 57, S . 3). Mit Blick auf die hypothetische Frage, in welchem Umfang sie ohne gesundheitliche Beei nträchtigung ausserhäuslich erwerbs- tätig wäre, ist ihr unter diesen Umständen zuzugestehen , dass im Wissen um eine in diesem Umfang ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von ihr ke ine umfangreichen Arbeitsbemühungen erwartet werden können. Im Ergebnis ist deshalb davon auszugehen, dass sich die Versicherte infolge der Änderung ihrer Lebensumstände und beding t durch die neu gewonnenen Ressour- cen im Gesundheitsfall noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit beruflich neu orientiert hätte und dabei einem vollzeitlichen Erwerbspensum nachgegangen wäre. 5.1 Die durch die gesundheitlichen Beschwerden der Ve rsicherten verursachte Behinde- rung wurde von der Beschwerdegegnerin gestützt auf da s Gutachten des C.____ vom 5. Feb- ruar 2015 erhoben (IV-Dok 75). In diesem Gutachten diagnostizierte die Ärzteschaft des C.____ bei der Versicherten mit Einfluss auf die Arbeitsfähig keit ein entzündliches, bis anhin therapie- resistentes polymyalgisches bis polyarthralgisches Schmerzsyndrom u nklarer Ätiologie, ein chronisches zervikales bis zervikozephales sowie lumbospondylog enes Schmerzsyndrom so- wie klinisch einen Verdacht auf ein bilateral linksbeton tes Karpaltunnelsyndrom. Ohne Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine chronische Sch merzstörung mit somatischen und psy- chischen Faktoren, narzisstische und emotional instabile Per sönlichkeitszüge, ein Status nach Panikstörung, ein Diabetes mellitus Typ 1, eine Adipo sitas, ein anamnestisch substituierter Vi- tamin D-Mangel sowie anamnestisch multiple Medikamenten unverträglichkeiten zu erheben. Der Gesamtbeurteilung des Gutachtens zufolge sei die E xplorandin aus polydisziplinärer Sicht für eine körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit zu 50% arbeits- und leistungsfähig. Diese Arbeitsfähigkeit gel te auch für die erlernte Tätigkeit im Bü- robereich. Die Arbeitsfähigkeit sei seit Beginn der r heumatologischen Behandlung im Septem- ber 2011 eingeschränkt gewesen. Anfangs sei von der beh andelnden Rheumatologin eine 30%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, was nach vollziehbar sei. Eine Verschlechterung der gesundheitlichen Verhältnisse mit einer 50%-igen A rbeitsunfähigkeit ab Juni 2014 könne ebenfalls bestätigt werden. 5.2 In Bezug auf die der Beschwerdeführerin verbleiben de Restarbeitsfähigkeit gehen bei- de Parteien mit den Schlussfolgerungen der Gerichtsguta chter einig (vgl. Beschwerdebegrün- dung vom 14. September 2016, Ziffer 33 und Vernehml assung der Beschwerdegegnerin vom 11. Januar 2017, S. 1). Dieser übereinstimmenden Ansi cht ist beizupflichten. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externe r Spezialärztinnen und -ärzte, wel- che aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Ak- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen , solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hin- weisen). Solche Indizien liegen hier keine vor. Die Guta chter des C.____ haben die Beschwer- deführerin eingehend untersucht. In ihrem ausführlich en Gutachten gehen sie einlässlich auf alle ihre Beschwerden ein, setzen sich mit den bei den Ak ten liegenden, übrigen medizinischen Unterlagen auseinander und vermitteln so ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Versicherten. Schliesslich erweist sich die von ihnen v orgenommene Einschätzung der noch zumutbaren Verweistätigkeit als überzeugend, welche sich insbesondere auch mit den abweichenden Einschätzungen des Hausarztes und des behand elnden Psychiaters der Versi- cherten auseinandersetzt. Bei dieser Sachlage erübrigt sich eine detaillierte Auseinanderset- zung mit den gesundheitlichen Verhältnissen. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringen lässt, dass sie bereits vor Juni 2014 zu mehr als 30% in ihrer R estarbeitsfähigkeit eingeschränkt ge- wesen sei, ist ihr allerdings entgegen zu halten, dass di ese Auffassung lediglich eine These darstellt. Eine überwiegend wahrscheinliche Aussage für die Zeit bis Mai 2014 ist retrospektiv gerade nicht möglich, da diesbezüglich keine fachärztl ich-rheumatologischen Berichte vorlie- gen. Es kann an dieser Stelle ebenfalls auf die Schlussfo lgerungen im C.____-Gutachten vom 5. Februar 2015 verwiesen werden (IV-Dok 75, S. 21, a d Ziffer 4.2.6). Weil ein allfälliger Ren- tenanspruch erst entsteht, nachdem die Versicherte währ end eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens im Umfang von 40% arbeitsunfähig gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), ist damit zugleich gesagt, dass der mutmassliche Rentenbeginn auf Juni 2015 festzusetzen ist (Ablauf des Wartejahres ab Juni 2014). 6. In einem letzten Schritt ist zu ermitteln, wie sich diese leidensbedingte Einschränkung in erwerblicher Hinsicht auswirkt. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.2 hievor), ist der Invali- ditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund ei nes Einkommensvergleichs zu bestim- men. 6.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Zeitpunkt des Renten- beginns tatsächlich verdienen würde, wenn sie nicht inva lid geworden wäre (Urteil des Bundes- gerichts vom 16. Dezember 2012, 8C_600/2012, E. 4.1.1 ). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel von der Tätigkeit, welche die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens ausgeübt hat, auszugehen ist (Urteil des Bundes- gerichts vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1). Na chdem die Versicherte mit Blick auf den mutmasslichen Rentenbeginn per Juni 2015 während ru nd 20 Jahren keiner Erwerbstätig- keit mehr nachgegangen ist, ist ihr hypothetisches Valide neinkommen anhand der lohnstatisti- schen Angaben der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu bestimmen. Mangels Be- rufserfahrung und angesichts ihrer bescheidenen Erwerbs biographie ist hierfür auf den Total- wert der LSE 2014, Frauen Kompetenzniveau 1 (LSE 201 4, TA 1, monatlich Fr. 4‘300.— ) ab- zustellen. Nicht anders ist hinsichtlich ihres hypothetische n Invalideneinkommens zu verfahren, da die Versicherte nach Eintritt ihres Gesundheitsschadens bisher noch keine zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat (BGE 124 V 321). Di e beiden Vergleichseinkommen wären in einem nächsten Schritt sodann auf die durchschnittlich e Wochenarbeitszeit umzurechnen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und letztlich an die im Zeitpunkt des mutmasslichen Rent enbeginns per Juni 2015 eingetretene Nominallohnentwicklung anzupassen. Da ihnen jedoch diese lbe lohnstatistische Datenbasis zu Grunde zu legen ist, kann auf ein derart differenzierte s Vorgehen vorliegend verzichtet werden. In Anlehnung an den Prozentvergleich (BGE 114 V 313, E. 3a) resultiert ab Juni 2015 auf der Basis einer invaliditätsbedingten Arbeitsunfähigkeit von 50% (vgl. oben, Erwägung 5.2) ein An- spruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung. 6.2 Daran ändert auch nichts, dass über die ärztliche Bezeichnung der massgebenden Zumutbarkeitsbeurteilung hinaus zusätzlichen Einschränkungen mit einem leidensbedingten Abzug bis maximal 25% Rechnung getragen werden kann (BGE 126 V 75). Entgegen der in der Beschwerdebegründung vertretenen Auffassung sind nebst ei nem Abzug für die künftig nur noch teilzeitlich zumutbare Erwerbsfähigkeit keine Grü nde ersichtlich, welche den in der Be- schwerdebegründung verlangten Abzug von 20% rechtfertig en würden. Die Versicherte leidet weder an multiplen Beschwerden mit Auswirkung auf ihre Arbeitsfähigkeit, noch vermag der Verzicht auf unregelmässige Arbeitszeiten oder Schichteinsä tze einen derart hohen Abzug zu begründen. Eine weitergehende Anrechnung der gesundh eitlichen Leiden der Beschwerdefüh- rerin mittels eines leidensbedingten Abzugs über 15% hinaus käme deshalb einer unzulässigen Berücksichtigung derselben Einschränkung gleich. Insbesond ere führt auch der Verlust der Möglichkeit zur Verrichtung von Schwerarbeit nicht zu einem zusätzlichen Abzug (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2009, 9C_492/2008, E. 3.3). Weitere Kriterien, die eine Erhöhung des Abzuges vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind ebenfalls nicht ersichtlich. So neh- men sowohl die Bedeutung des Alters als auch diejenige der Dienstjahre der Versicherten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, weshalb diese Faktoren bei einfachen und repetitiven, dem Kompetenzniveau 1 (vormals Anforderungsprofil 4) der LS E entsprechenden Tätigkeiten in der Regel keinen Anlass zu einem (weiteren) Abzug vom Tabell enlohn geben (vgl. BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Damit resultiert selbst bei einem Abzug von 1 5% ein Renten begründender IV-Grad von maximal 57,5% und somit ein Anspruch auf eine halbe IV-Rente. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis teilweise gutzuheissen, und es ist der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab Juni 2015 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. 7.1 Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Ar t. 69 Abs. 1bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicher ungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1’000.— festgelegt. Bei Fä llen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Ge richt die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin un terlegene Partei, weshalb sie grund- sätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinstanz b zw. den kantonalen Behörden ge- mäss Verwaltungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine Ve rfahrenskosten auferlegt wer- den. Aufgrund dieser Bestimmung ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten und Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.— d er Beschwerdeführerin zurückzu- erstatten. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin hat in seiner Honorarnote vom 2. Februar 201 7 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 15 Stunden geltend gemacht, was sich u mfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des doppe lt geführten Schriftenwechsels als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozia lversicherungsprozessen praxis- gemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelang enden Stundenansatz von Fr. 250.— zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind die geltend ge machten Auslagen im Umfang von insgesamt Fr. 127.—. Es ergibt sich demnach eine Parteient schädigung zu Lasten der Be- schwerdegegnerin in der Höhe von insgesamt Fr. 4‘187.15 (15 Stunden à Fr. 250.-- und Ausla- gen in der Höhe von Fr. 127.— zuzüglich 8 % Mehrwertste uer). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft vom 20. Juli 2016 aufgehoben, u nd es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 1. Juni 2015 Anspruch auf eine halbe IV-Rente besitzt. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.— wird der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in Höhe von Fr. 4’187.15 (inkl. Auslag en und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.