Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. November 2016 (720 16 252 / 294) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Der Sachverhalt wurde von der IV-Stelle nicht rechtsgenüglich abgeklärt, weshalb die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Erik Wassmer , Advokat , Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1971 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Augu st 1991 bis 29. Februar 2016 als Wagenführer bei den B.____ tätig. Am 25. November 2011 meldete sich A.____ mit Hinweis auf starke Schmerzen in Genick und Schulterbereich mit Ausstrahlung in den linken Arm und Taub- heitsgefühl in den Fingern der linken Hand erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversiche- rung zum Bezug von Leistungen an. Nachdem sie die e rwerblichen und die gesundheitlichen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhältnisse abgeklärt hatte, sprach die IV-Stelle Bas el-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 11. Februar 2013 mangels Erreichung eines über 40%i gen IV-Grades einen Rentenan- spruch ab. In der Zwischenzeit nahm A.____ seine angestammte Tätigkeit wieder auf. Am 30. Juni 2014 reichte A.____ erneut eine Anmeldun g bei der IV ein. Er machte geltend, er leide an Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Arme u nd den Kopfbereich bis zu den Augen, Lendenwirbelschmerzen mit Ausstrahlung in beide Beine bis zu den Zehen sowie an einer psychischen Erkrankung. Nach erneuter Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie Durchführung des Vorbescheidverfahren s sprach die IV-Stelle A.____ eine befristete ganze Rente ab 1. Dezember 2014 bis zum 31. Oktober 2015 zu. Ansprüche über dieses Datum hinaus lehnte die IV-Stelle gestützt auf einen IV-Grad von 17 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Erik Wassmer, am 18. August 2016 (Eingang) Beschwerde beim Kantonsgericht, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angef ochtene Verfügung aufzuheben und ihm mit Wirkung ab 1. Dezember 2014 auch über den 31. Okt ober 2015 hinaus eine unbefristete ganze Invalidenrente auszurichten; unter o/-Kostenfolge . Verfahrensmässig beantragte er, es sei ein unabhängiges polydisziplinäres Gutachten anzuordnen und sodann über den Leistungs- anspruch des Beschwerdeführers zu entscheiden. Dazu führte er aus, dass dieser Antrag nur für den Fall gestellt werde, dass nach Auffassung des Gerichts die beiden Gutachten von Dr. F.____ und Dr. E.____ wider Erwarten nicht als Grun dlage für die Zusprache einer ganzen Rente ausreichen sollten. C. In ihrer Vernehmlassung vom 21. September 2016 bean tragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Janua r 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be einträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch ein e psychische Gesundheitsbeeinträchti- gung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also n icht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr , ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumu tbar oder - als alternative Vorausset- zung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.2.1 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Le iturteil BGE 141 281 ff. seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Leid en (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) revidiert hat. Eine Einschränkung der Leistung sfähigkeit kann danach weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Ge- sundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Ren tenanspruch - in Nachachtung der ver- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht fassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 de r Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Recht sgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) - anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem namentlich aus medizini- scher, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutun g nicht weiter fest. Anstelle des bis- herigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rah- men wird im Regelfall anhand von auf den funktionelle n Schweregrad bezogenen Standardindi- katoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen erg ebnisoffen und symmetrisch beur- teilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfakto ren wie den vorhandenen Ressour- cen Rechnung getragen wird (Urteil A. des Bundesgericht s vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 3.2.2 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei den genannten Gesundheitsschäden beachtlichen Standartindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indi- katoren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behand lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffen- den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsent wicklung und der Persönlichkeits- struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Im drit- ten Indikatoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen ver haltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität sniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederun gsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 296 ff. E. 4). 3.2.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und damit ve rgleichbare Leiden können somit eine Invalidität nur begründen, wenn die funktionelle n Auswirkungen der medizinisch festge- stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfal l anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegende r Wahrscheinlichkeit in einem an- spruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind. Fehlt es daran , hat die Folgen der Beweislo- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 308 E. 6). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. In der vorliegenden Angele genheit ist strittig, ob die vorhandene me- dizinische Aktenlage für die Beurteilung des Gesundheitszu standes des Beschwerdeführers ausreichend ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls au ch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). 5.3.1 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehend er Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.3.2 Zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit d er Berichte und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen wird der Grundsatz betont, w onach ein Anstellungsverhältnis die- ser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befan- genheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diese n Berichten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten exter- ner Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berück- sichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtig keit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5.3.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Ar beitsfähigkeit des Beschwerde- führers liegen im Wesentlichen folgende ärztlichen Unterlagen vor: 6.1 Mit Bericht vom 3. Februar 2014 stellte Dr. med. C.____, FMH Neurologie, folgende Diagnosen - Zerivko-zephales und -brachiales Schmerzsyndrom links mit/bei: • Status nach HWS-Distorsionstrauma (Heckkolision) am 27.09.2013 • Status nach HWS-Beschleunigungsverletzung (mit Tram g egen Auto) am 25.05.2011 • Degenerativen HWS-Veränderungen (CT 11/13) • Schmerzfehlverarbeitung; psychosoziale Belastungssituation - Intermittierendes lumbales Schmerzsyndrom mit pseudoradikulärer Irritation recht mit/bei: • Status nach Unfall vom 27.09.2013 • Degenerativen LWS-Veränderungen (MRI 11/13) Dr. C.____ führte in seiner Beurteilung unter ander em aus, abgestützt auf die objektivierbaren klinischen Befunde liege deskriptiv ein zerviko-zephales und -brachiales Schmerzsyndrom links vor. Ein muskuläres Zerivkalsyndrom mit Dysbalance im Schulter gürtelbereich links sei nicht mehr nachweisbar. Es bestehe eine Diskrepanz zwischen den angegebenen Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeit zu den fehlenden objektivierbaren Befunden. Unter Berücksichtigung der bildgebenden Abklärungen wür den sich gewisse Erklärungsmög- lichkeiten für Beschwerden ergeben. Auch der Verlauf mi t anhaltender 100%iger Arbeitsunfä- higkeit über 4 Monate sei – wie schon nach dem ersten Un fall – zumindest auffallend, wobei nichts zur physikalischen Schwere des stattgehabten Unfalls ausgesagt werden könne. Es wür- den aber jegliche Anhaltspunkte für eine Aggravation oder gar Simulation fehlen. Es könne be- gründbar davon ausgegangen werden, dass eine relevante S chmerzfehlverarbeitung vorliege. Aus neurologischer Sicht bestehe unfallbedingt keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. 6.2 Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Arztbericht vom 14. April 2014 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeit sfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatisc hem Syndrom (ICD 10 F33.11) bei neurotischer Störung, DD: Neurasthenie (ICD 10 F48.0 ) vor dem Hintergrund einer schwer traumatisierenden Kindheit; Schafapnoe-Syndrom, operativ behandelt (ICD-10 G47.31) an. Oh- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden verschiede ne psychosozial belastende Umstän- de seit der Kindheit und aktuelle Belastungen festgehal ten. Im Verlauf der Behandlung habe eine zunehmende psychische Stabilisierung und ein schrittw eiser Rückgewinn des Selbstver- trauens erreicht werden können. Aktuell nehme er an ei nem Aufbautraining teil und fahre eine 50%-Schicht zusammen mit einem Fahrlehrer. Es habe im b isherigen Beobachtungszeitraum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, in den näch sten 2-4 Wochen könne damit gerech- net werden, dass eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werde. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Mit Schreiben vom 17. November 2015 erstatteten D res. med. E.____, FMH Psychiat- rie und Psychotherapie, und F.____, FMH Rheumatologie , das von der IV-Stelle in Auftrag ge- gebene bidisziplinäre Gutachten. Dr. F.____ stellte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit aus rheumatologischer Sicht ein chro- nisches linksseitiges cervicospondylogenes und cervicocephales Schme rzsyndrom (ICD-10 M53.5/53.9) fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit hielt er unter anderem ein chroni- sches lumbovertebrales bis lumbospondylogenes Schmerzsyndrom r echts, Adipositas sowie allgemeine muskuläre Dekonditionierung, AC-Gelenksübe rlastung bds. DD: Beginnende AC- Gelenksarthrose, Hepatopathie und eine arterielle Hypertonie und Hyperlipidämie anamnestisch fest. In seiner Beurteilung führte Dr. F.____ aus, es bestehe eine Diskrepanz zwischen den an- gegebenen Beschwerden, den Beobachtungen sowie auch de r objektivierbaren Befunde mit Hinweisen auf eine Schmerzausweitungstendenz ohne jedoch vorliegender Aggravation. Die aus rheumatologischer Sicht zu beschreibenden vorwiegend t endomyotischen Veränderungen vor allem im Nacken-/Schulter- und im Hinterkopfansatz bereich, welche schmerzbedingt zu einer doch deutlichen Einschränkung der Halswirbelsäulen funktion führen würden wie auch die Befunde im Lendenwirbelsäulen-Bereich insgesamt ohne Hinweise auf eine cervico- oder lum- boradikuläre Reizsymptomatik oder für das Vorliegen von sensomotorischen Ausfällen, seien insgesamt nicht geeignet, um eine höhergradige Funktion seinschränkung, insbesondere in ei- ner leichten bis mittelschweren belastenden körperlichen T ätigkeit, auszuweisen. Vor allem müssten zusätzliche nicht medizinische und insbesondere nich t spezifisch den Bewegungsap- parat betreffende Begleitfaktoren, vor allem psychosozialer Herkunft, in die Gesamtbetrachtung miteinbezogen werden. Diese würden die Schmerzproblem atik unterhalten und hätten zwi- schenzeitlich zu einer Chronifizierungsproblematik gefüh rt. Hierbei seien insbesondere die Be- lastungen an der Arbeitsstelle mit Vorgesetzten-Probl emen sowie auch die durch die schwere Erkrankung der Ehefrau hervorgerufene Belastung zu nennen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. F.____ aus, jegliche leichte bis mittelschwe re wirbelsäulenbelastende Tätigkeit, ohne repetitive Einnahme von Zwangshaltungen sowie ohne repetitive Überkopftätigkeit bestehe eine volle uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Betreffend ang estammter Tätigkeit als Tramwagenfüh- rer müsse diese insbesondere wegen vorliegendem Schmer zvermeidungsverhalten als nicht mehr verantwortbar betrachtet werden, auch wenn die T ätigkeit dem Exploranden in einem Teilzeitpensum von ca. 50 % aus rein rheumatologischer Sicht weiterhin zugemutet werden könnte. Dr. E.____ diagnostizierte aus psychiatrischer Sicht eine re zidivierende depressive Störung, aktuell remittiert (ICD-10 F33.4) und eine akzentuiert e Persönlichkeit mit emotional instabilen und anankastischen Zügen (ICD-10 Z73.1) und differenti aldiagnostisch eine Persönlichkeitsstö- rung (ICD-10 F61). Er führte aus, der Beschwerdeführe r sei durchaus in der Lage seinen Alltag zu gestalten, er könne Termine wahrnehmen, sich ein Urt eil bilden. Im zwischenmenschlichen Bereich sei er grundsätzlich nicht relevant beeinträcht igt, auch nicht in der Gruppenfähigkeit, wenn er sich nicht provoziert fühle. Er sei auch in der La ge Verantwortung zu tragen. Er habe allerdings Mühe mit Ungerechtigkeiten, er reagiere dann mit emotional instabilen Zuständen. Er sei allgemein als noch vermindert belastbar einzustufen. Der Explorand sei nachvollziehbar in der Tätigkeit als Wagenführer eines Trams beeinträcht igt. Nicht nachvollzogen werden könne Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht allerdings, dass er für jede Tätigkeit eingeschränkt sei solle. Der Explorand selbst fühle sich in der Lage zumindest zu 50 % eine Tätigkeit zu verrichten. Er schliesse auch nicht aus, dass er in der Lage sei, eine höhere Leistung zu erbringen. Dr. E.____ führte zur Arbeitsfähigkeit aus, zum jetzigen Zeitpunkt sei die Ausübung der Tätigkeit a ls Wagenführer nicht möglich und er müsse diesbezüglich als voll arbeitsunfähig eingestuft wer den. Grundsätzlich sollte es dem Ex- ploranden allerdings möglich sein eine Tätigkeit auszuüben, in der keine Gefährdung für andere Menschen bestehe. Es sei anzunehmen, dass er ab Oktober 2 014 zu mindestens 50 % in der Lage sei, eine adaptierte Tätigkeit zu verrichten. Im Anschluss an die Konsensbeurteilung wurde zusammenfassen d ausgeführt, aus psychiatri- scher Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als W agenführer. Aus rheumatologischer Sicht sei dem Exploranden die angestammte Tätigkeit n ur noch zu 50 % zumutbar, dies ab ca. Oktober 2014. Bezüglich einer leidensadaptierten Tätigkeit, aus psychiatrischer Sicht zusätzlich ohne Gefährdung für andere Menschen, bestehe ab Oktober 2014 eine 50%ige Restarbeitsfä- higkeit, während aus rheumatologischer Sicht auch in der Vergangenheit von einer vollen Ar- beitsfähigkeit ausgegangen werden könne. Davon ausgen ommen sei der Zeitpunkt der erlitte- nen Unfälle und der in der Folge notwendigen Rehabi litationszeit. Entsprechend wäre der Ex- plorand ab Oktober 2014 für eine leidensadaptierte Tätigkeit als arbeitsfähig zu bezeichnen und entsprechend vermittelbar. 6.4 Mit Stellungnahme vom 29. Februar 2016 legte der RAD-Arzt Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, dar, dass er von der Beurte ilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. E.____ abweiche. Im Gutachten würden psychiatrisch ledi glich eine remittierte depressive Epi- sode sowie eine akzentuierte Persönlichkeit als Z-Diagnose (und somit ohne Krankheitswert) angeführt. Zwar werde im Gutachten auf ein „psychiatrisc hes Grundleiden“ beziehungsweise auf eine „psychiatrische Grundkrankheit“ hingewiesen. Es st elle sich aber nicht nachvollziehbar dar, welches Krankheitsbild hiermit gemeint sei. Aus den Ausführungen des Gutachtens gehe daher aus Sicht des RAD auch nicht hervor, welches psychi atrische Störungsbild die Arbeitsfä- higkeit des Versicherten einschränke. Der im Gutachten d argelegten rheumatologischen Ein- schätzung, dass beim Beschwerdeführer eine uneingeschränkt e Arbeitsfähigkeit bestehe, kön- ne er sich anschliessen. 6.5 Dr. D.____ hielt in seinem Verlaufsbericht vom 7 . April 2016 als zusätzlich Diagnose eine gemischte Persönlichkeitsstörung mit anankastischen, emotional-instabilen und impulsiven Anteilen sowie dependenten Anteilen (ICD-10 F61.0) fest. In seiner Beurteilung führte Dr. D.____ die folgenden Erlebnis-, Bewertungs- und Verh altensmuster auf: Eine übertriebene Ordnungsliebe und anhaltende Ausdauer für dieses Thema , sowie ein Perfektionismus mit ei- nem übersteigerten Interesse für Details. Meist verliere er dann den Überblick und auch den Blick für das Wesentliche. Der Beschwerdeführer sei ab 13. Februar bis auf weiteres zu 50 % arbeitsfähig. 6.6 Dr. G.____ führte mit Stellungnahme vom 18. Ap ril 2016 zum Bericht von Dr. D.____ aus, dieser habe in seinen früheren Berichten die Diag nose einer Persönlichkeitsstörung nicht gestellt. Der Wechsel der Diagnose werde von Dr. D.___ _ nicht begründet. Dr. E.____ habe lediglich als Differentialdiagnose eine „Persönlichkeit sstörung (ICD-10 F61)“ angeführt. Diese Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diagnose sei also vom Gutachter eben nicht gestellt, sond ern nur differentialdiagnostisch in Betracht gezogen worden. Aus RAD-Sicht sei weiterhin d avon auszugehen, dass bei diesem Versicherten weder durch den aktuellen Arztbericht von Dr. D.____ noch durch das vorliegende bidisziplinäre Gutachten der Nachweis eines Gesundheitsscha dens, welcher einen Rentenan- spruch begründen könnte, erbracht worden sei. 6.7 Mit Bericht vom 25. April 2016 nahm der RAD-Arzt D r. med. H.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Stellung. Er führte aus, Dr. F.____ habe die Inkonsistenzen zwischen subjektiven Beschwerden zu den letztlich objektivier- baren Befunden konkret angesprochen, denn auch die objektiven Befunde, wie z.B. die radiolo- gischen Verlaufskontrollen würden insbesondere cervikal kei ne massgeblichen Veränderungen belegen, die eine altersentsprechend mögliche Variatio nsbreite überschreiten würden. Letztlich ergebe sich insbesondere bei kritischer gutachterlicher W ürdigung vor dem Hintergrund tendo- myotischer Verspannungen und vor allem angesichts der Verd eutlichungstendenzen und der ausdrücklichen Selbstlimitierung des Versicherten daraus keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Vom rheumatologischen Gutachten von Dr. F.____ solle entsprechend ab- gewichen werden: Es bestehe kein massgeblicher und dauer hafter Gesundheitsschaden mit Limitierung auf die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit. 6.8 Gestützt auf eine testpsychologische Abklärung berichtet en lic. phil I.____, Fachpsy- chologin für Psychotherapie, und J.____, Ärztliche Psychoth erapeutin, Klinik Schützen, mit Schreiben vom 5. August 2016. Als Hauptdiagnosen hielten sie eine rezidivierende depressive Störung sowie eine Persönlichkeitsstörung vs. akzentuierte Persönlichkeitsstörung mit emotio- nal instabilen und anankastischen Zügen fest. 6.9 Dr. G.____ führte in seinem Schreiben vom 1. Septe mber 2016 aus, in diagnostischer Sicht sei weiterhin auf das Gutachten von Dr. E.____ vom 17. November 2017 abzustellen. Dr. D.____ habe nun mit Bericht vom 7. April 2016 erstmal s die Diagnose „Gemischte Persönlich- keitsstörung mit anankastischen, emotional-instabilen und impulsiven Anteilen sowie dependen- ten Anteilen (ICD-10 F61.0)“ gestellt. Zum Bericht de r Klinik Schützen sei festzuhalten, dass keine Diagnose nach ICD-10 gestellt worden sei und auch kein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an dem Bericht mitgewirkt habe. Zusammenf assend hielt Dr. G.____ fest, die Biografie des Versicherten spreche aus psychiatrischer Sicht kl ar gegen das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung. Allenfalls könnten bei ihm (wie a uch im Gutachten von Dr. E.____ fest- gehalten) akzentuierte Persönlichkeitszüge diskutiert werden. Die Berichte könnten die Diagno- se einer Persönlichkeitsstörung jedenfalls in keiner Wei se belegen. Es würden aus RAD-Sicht auch keine Informationen vorliegen, die eine neue Ein schätzung der Arbeitsfähigkeit durch den RAD rechtfertigen würden. 6.10 Gemäss dem Bericht von Dr. H.____ vom 2. September 2016 seien keine neuen medi- zinischen Befunde oder Eckdaten präsentiert worden. Zum Gutachten von Dr. F.____ habe er bereits am 25. April 2016 Stellung genommen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Die Beschwerdegegnerin ist im vorliegenden Verfahre n in zweierlei Hinsicht vom Gut- achten, welches sie selbst in Auftrag gegeben hat, ges tützt auf die eingeholten RAD-Berichte abgewichen. Einerseits macht die IV-Stelle geltend, dass die psychiatrische Einschätzung durch Dr. E.____ mit einer 50%igen Einschränkung der Arbeit sfähigkeit auch in einer Verweistätigkeit nicht nachvollzogen werden könne. Andererseits wird auc h vom rheumatologischen Gutachten abgewichen, indem auch in der bisherigen Tätigkeit ei ne vollumfängliche Arbeitsfähigkeit ange- nommen wird, während der Gutachter Dr. F.____ für d ie angestammte Tätigkeit keine Arbeits- fähigkeit attestiert hat. Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde vor, die I V-Stelle hätte unter diesen Umstän- den eine ergänzende Stellungnahme bei Dr. E.____ od er ein neues psychiatrisches Gutachten einholen müssen. Die IV-Stelle könne demnach nicht auf eine RAD-Beurteilung abstellen. Diese Beurteilung sei kein rechtsgenüglicher Untersuchungsbe richt im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV bzw. genüge diese den bundesgerichtlichen Anforderungen an den Beweiswert eines medizini- schen Gutachtens nicht. Dieses Vorgehen der IV-Stelle e rweise sich unter diesen Umständen als Rechtsverweigerung. Die IV-Stelle macht diesbezüglich geltend, dass von ei ner medizinischen Einschätzung der Ar- beitsunfähigkeit rechtsprechungsgemäss abgewichen werden könne, ohne dass das Gutachten seinen Beweiswert verliere. 7.1 Die IV-Stelle hat vorliegend auf die RAD-Stellun gnahmen der Dres. G.____ und H.____ abgestellt. Dr. G.____ hat in seiner Stellungnahme vom 29. Februar 2016 die gutachter- liche psychiatrische Einschätzung von Dr. E.____ hinterfragt. Dieser hat – wie von der IV-Stelle vorgebracht – im Gutachten als Diagnosen lediglich eine rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert (ICD-10 F33.4), sowie eine akzentu ierte Persönlichkeit (ICD-10 Z73.1) diag- nostiziert. Allerdings hat die IV-Stelle selbst ausgefüh rt, Dr. E.____ gehe von einem psychiatri- schen Grundleiden aus. Im Gutachten hält Dr. E.____ ei ne gestörte Affektivität fest und er- wähnt, differenzialdiagnostisch auch eine Persönlichkeit sstörung, die lange einigermassen kompensiert worden sei, doch im Rahmen der Probleme der letzten Jahre schliesslich dekom- pensierte. Weiter geht Dr. E.____ von einer psychischen Ü berlagerung und von einer vermin- derten Belastbarkeit des Beschwerdeführers aus. In der Ko nsensbeurteilung wird zusätzlich festgehalten, dass psychosoziale Belastungsfaktoren, welche die psychische Grundproblematik wie auch das Schmerzerleben ungünstig beeinflussen, bestehe n würden. Entsprechend hat er in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit eine doch erhebli che Einschränkung von 50 % auch für eine Verweistätigkeit festgehalten. Gestützt auf die Ausführu ngen von Dr. E.____ ist das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung beim Beschwerdeführer nicht auszuschliessen, was wiederum gegen die Auffassung von Dr. G.____ und der IV-Stelle sprechen würde. 7.2 Ergänzend kann festgehalten werden, dass auf den im Beschwerdeverfahren einge- reichten Bericht der Klinik Schützen vom 5. August 2016 – wie die Vorinstanz zu Recht ausführt – nicht abgestellt werden kann. Dieser Bericht enthält keine Diagnose und wurde auch nicht von einem psychiatrischen Facharzt erstellt. Zum Gutachten von Dr. E.____ ist festzuhalten, dass die darin angeführte Persönlichkeitsstörung lediglich al s Differentialdiagnose erwähnt wurde. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dies reicht nicht aus, um eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen, insbesondere da mit der gegensätzlichen Meinung des RAD-Arztes Dr. G.____ ein wei teres Indiz gegen die Zuverläs- sigkeit der Expertise vorliegt (vgl. oben E. 5.3.1). Der behandelnde Arzt Dr. D.____ führt zwar in seinem Bericht vom 7. April 2016 als Hauptdiagnose eine gemischte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) sowie eine rezidivierende depressive Stör ung gegenwärtig remittierte Episode mit somatischem Syndrom unter kombinierter Behandlung (ICD-10 F33.11) auf. In früheren Be- richten hat Dr. D.____ jedoch keine Persönlichkeitsstöru ng festgehalten. Zudem ist bezüglich den Ausführungen von Dr. D.____ anzufügen, dass Einschät zungen von behandelnden Ärzten mit Zurückhaltung zu würdigen sind (vgl. oben E. 5.3.3). Auf die Einschätzung des behandeln- den Psychiaters Dr. D.____ ist demzufolge nicht abzustelle n. Immerhin reichen aber die Aus- führungen von Dr. D.____ zusammen mit dem Gutachten vo n Dr. E.____ Zweifel an der Rich- tigkeit der Schlussfolgerungen der RAD-Berichte hervorz urufen (vgl. oben E. 5.3.2), weshalb auch auf die diese nicht abgestellt werden kann. 7.3 Insgesamt ergibt sich, dass weder auf die RAD-Berichte , die im Übrigen ohne persönli- che Untersuchung erstellt wurden, noch auf das Gutachten bzw. die Beurteilung von Dr. D.____ vom 7. April 2016 abgestellt werden kann. Angesichts der Diskrepanz zwischen dem Gutachten und dem Bericht von Dr. D.____ einerseits, welche von e iner 50%igen Einschränkung für eine Verweistätigkeit ausgehen, und den RAD-Stellungnahme n andererseits, welche eine 100%ige Arbeitsfähigkeit postulieren, bleiben gegenüber bei den ärztlichen Auffassungen Zweifel und Unklarheiten bestehen. Unter diesen Umständen hätte die IV-Stelle, um von der gutachterlichen Einschätzung abweichen zu können, zumindest einen Ergänzu ngsbericht vom psychiatrischen Gutachter Dr. E.____ einholen oder aber eine neue psych iatrische Begutachtung anordnen müssen. Mit ihrem Vorgehen verletzt die IV-Stelle den Untersuch ungsgrundsatz, da sie den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt hat. Die Angelegenheit i st demzufolge an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Die IV-Stelle wird ein psychiatrisches Gutacht en in Auftrag zu geben haben, um anschliessend neu über das Leistungsgesuch des Beschwerde führers zu befinden. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorli egend hätte deshalb die IV-Stelle als Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben wer- den. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 17. Oktober 2016 für da s vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 9,13 Stunden geltend gemacht, was sich umfangm ässig in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erw eist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschni ttliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen . Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 91.90. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 2‘564.35 (9,13 Stunden à Fr. 250.- + Auslagen von Fr. 91.90 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen g utgeheissen, die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vo m 13. Juli 2016 aufgehoben und die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklä- rungen sowie zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V-Stelle Ba- sel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘564.35 (inklusive Auslag en und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht