Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Februar 2019 (720 18 260 / 46) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte; Einkommensvergleich; Parallelisierung der Einkommen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Tschopp , Advokat , Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1972 geborene A.____ war zuletzt bis zum 31. Juli 2012 als Chauffeur für die Lo- gistikfirma B.____ AG in Pratteln tätig. Am 5. Sept ember 2012 meldete er sich unter Hinweis auf zwei instabile Wirbel, zwei defekte Bandscheibe n, Depressionen und eine linksseitige He- mialgie zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle klärte in der Folge die gesundhei tlichen und beruflichen Verhältnisse des Ver- sicherten ab. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfah ren sprach die IV-Stelle A.____ mit Ver- fügung vom 2. Juli 2018 für den Zeitraum vom 1. Mär z 2013 bis zum 30. September 2014 eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht befristete ganze Invalidenrente basierend auf einem IV -Grad von 100 % zu. Für die Zeit ab 1. Juni 2014 ermittelte die IV-Stelle einen IV-Grad von 9 %, weshalb ein Anspruch auf eine IV- Rente über den 30. September 2014 hinaus abgelehnt wurde. B. Mit Schreiben vom 20. August 2018 erhob A.____, vert reten durch Advokat Daniel Tschopp, Beschwerde am Kantonsgericht, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsge- richt). Darin beantragte er, die angefochtene Verfügu ng sei teilweise aufzuheben und ihm ab März 2013 eine unbefristete ganze IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die IV-Stelle anzu- weisen weitere Abklärungen vorzunehmen und danach über die Ansprüche ab Juni 2014 neu zu verfügen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 27. September 2018 bea ntragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 19. Oktober 2018 wurde das Gesuch um Bewilligung der unentgelt- lichen Rechtspflege mangels Bedürftigkeit abgewiesen. E. Die Parteien hielten mit Replik vom 14. Dezember 20 18 bzw. mit Duplik vom 10. Janu- ar 2019 an ihren Anträgen und Argumenten fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle in der angefochtenen Verfü- gung vom 2. Juli 2018 gestützt auf den Sachverhalt, wie er sich damals präsentiert hat, einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers über den 30. Septe mber 2018 hinaus zu Recht abge- lehnt hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2 , 130 V 390 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachz ugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – so- gar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165, 127 V 294 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad des Versicherten nach der allgemei- nen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Be schwerdeführer – zu Recht – nicht bestritten wird. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der E rfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic he Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussa gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therape utisch tätigen (Fach-)Arztes einer- seits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander- seits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu a nderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut achtung unerkannt oder ungewür- digt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerde führers liegen im Wesent- lichen folgende Berichte und Gutachten vor: 5.1 Am 20. August 2012 ergeht ein interdisziplinäres Gutachten mit den Disziplinen Rheu- matologie und Neuropsychiatrie der C.____. Gesamtmedizi nisch wird mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom diagnostiziert mit ausgeprägten dege- nerativen Veränderungen L5/S1 mit instabiler degenerativer Antelisthesis von L5 sowie mit ero- siver Osteochondrose L4/5 mit breitbasiger Diskusprotrusion; ferner eine mittelschwere bis schwere depressive Episode, differenzialdiagnostisch eine ge mischte affektive Episode mit de- pressiven und phobischen bzw. anderen affektiven Symptomen, differenzialdiagnostisch eine Anpassungsstörung mit depressiven Symptomen und Beeinträch tigung anderer Emotionen, differenzialdiagnostisch eine depressive Störung bei somatischer Schlafapnoe-Erkrankung. Oh- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine Adi positas bei Status nach Sleeve- gastrectomy im Juli 2011, eine grenzwertige arterielle H ypertonie, anamnestisch ein Schlafap- noesyndrom sowie psychosoziale Belastungsfaktoren. Aktuell sei der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in seiner bisherigen Tätigkeit nicht meh r arbeitsfähig. Als Verweistätigkeit würde höchstens eine körperlich leichte Arbeit in wech selnder Stellung mit Gewichtslimiten von 10 kg für das Heben und Tragen von Lasten in Frage. Eine solche Tätigkeit wäre mit einem Pensum von 50 % (halbtags) zumutbar. In Anbetracht der p sychosozialen Belastungsmomente scheine jedoch eine solche Verweistätigkeit derzeit kaum realisierbar. Das Ausmass der psy- chischen Störung sei so, dass der Beschwerdeführer darauf basierend zurzeit zweifellos nicht in der Lage sei zu arbeiten. Vorerst und bis zur Stabilisierung des Zustandes müsse aus psychiat- rischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Gemäss Bericht des D.____-Spitals, Wirbelsäulenchirurg ie, vom 19. November 2012 wurde der Beschwerdeführer am 12. November 2012 einer Rückenoperation unterzogen. Es wurden eine ventrodorsale Fusion L4/S1 sowie eine Deko mpression L4/S1 vorgenommen. Der peri- und postoperative Verlauf sei problemlos gewesen. Die Ischialgien seien postoperativ deutlich regredient und es seien keine neuen sensomotor ischen Defizite aufgetreten. Der Be- schwerdeführer sei beschwerdearm mit reizlosen und trocken en Wundverhältnissen nach Hau- se entlassen worden. 5.3 Vom 6. Januar bis 5. April 2014 wurde im Rahmen vo n beruflichen Massnahmen ein Belastbarkeitstraining im E.____-Spital und im Anschluss daran vom 6. April bis 5. Juli 2014 ein Aufbautraining – ebenfalls im E.____-Spital durchgefü hrt. Im Schlussbericht des E.____-Spitals vom 2. Dezember 2014 hält der Berufsberater der IV-St elle fest, dass der Beschwerdeführer trotz längerer Gewöhnungszeit bei leichten Arbeiten das Pensum nicht über 40 % habe steigern können. Während der Arbeit habe der Beschwerdeführer n ur sitzen können. Er habe dabei kaum beide Armseiten gemeinsam bei der Arbeit einsetzen können. Er habe grosse Probleme mit dem Drehen seines Oberkörpers gehabt. Er sei dahe r stark auf die Art der Arbeit, auf die Haltung dazu und auf die Belastungsdauer fokussiert und angewiesen gewesen. Er habe das Ziel von vier Stunden an vier Tagen nach sechs Monaten ni cht erreichen können. Am Ende der Massnahme habe er bei einem bereinigten Pensum von 18 bis 22 % gelegen. Der Beschwerde- führer könne nach eigenen Angaben nicht mehr leisten. Zuletzt habe er knapp 3,4 Stunden mit Pause arbeiten können, danach habe er so starke Schme rzen gehabt, dass er sich habe hinle- gen müssen. 5.4 Am 4. bzw. 8. Januar 2016 wurde ein von der IV-S telle eingeholtes bidisziplinäres Gut- achten von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychother apie, und Dr. med. G.____, FMH Neurologie, erstattet. 5.4.1 Im neurologischen Teilgutachten vom 8. Januar 20 16 diagnostiziert Dr. G.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein mässig ausgepräg tes lumbovertebrales Syndrom mit mässiger, schmerzhafter Funktionseinschränkung ohne radikulär er Reiz- oder Ausfallsympto- matik bei Status nach Spondylolisthesis L5/S1 sowie nach ventrodorsaler Fusion L4/S1 am 12. November 2012. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit se ien im Wesentlichen eine Adipositas Grad III bei Status nach laparoskopischer Sleeve-Gastrekt omie am 5. Juli 2011, Medikamen- tenübergebrauchskopfschmerzen, eine episodische Migräne o hne Aura und eine Meralgia pa- raesthetica links. Objektiv habe sich eine leichte Streckhalt ung im Bereich der LWS und eine reizlose Operationsnarbe finden lassen. Die Funktion de r LWS sei leicht bis mässig einge- schränkt. Eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik h abe sich nicht finden lassen. Dem Beschwerdeführer seien körperlich schwere oder mittelschw ere Tätigkeiten nicht mehr zumut- bar. Das Gewichtslimit sei – allerdings nicht repetitiv – auf 10 kg festzusetzen. Nicht mehr zu- mutbar seien dem Beschwerdeführer längere Zwangshaltungen, insbesondere in Bezug auf die Lendenwirbelsäule, und Arbeiten im Bücken, Kauern, Kni en oder unter Zug- und Stossbelas- tung des Oberkörpers. Die Arbeit sollte vorwiegend sitze nd und unter Wechselbelastung erfol- gen. Notwendig seien ferner vermehrte Pausen zur Entsp annung sowie eine längere Mittags- pause, was zu einer verringerten Effizienz von ca. 20 bis hö chstens 30 % führe. Eine genauere Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einschätzung sei nicht möglich. In einer Tätigkeit mit dem erwähnten Profil sei der Beschwerde- führer aus neurologischer Sicht somit bezogen auf ein Ga nztagespensum zu 70 % arbeitsfähig, dies seit Juni 2014. 5.4.2 Im psychiatrischen Teilgutachten vom 4. Januar 2016 diagnostiziert Dr. F.____ mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivieren de depressive Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig leichtgradiger Episode, fern er eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Anteilen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien akzen- tuierte schizoide/paranoide Persönlichkeitszüge und schädli cher Gebrauch von Alkohol. Es be- stehe ein Schmerzsyndrom mit andauernden Schmerzen im B ereich des Kopfes, der lumbalen Wirbelsäule und im Bereich der ganzen linken Körperh älfte, wobei letztere nicht objektivierbar seien. Seit der Operation sei es zu einer Verbesserung der Schmerzsituation gekommen, inso- fern als der chronische Schmerz von nicht mehr sehr ausgepr ägter Intensität sei. Es seien Be- lastungen vorhanden, welche als Ursache der Schmerzen e rklärbar seien, so die Leukämiedi- agnose des Sohnes und die Kündigung des Arbeitsplatzes. Diese Belastungen seien aber nach erfolgreicher Therapie des Sohnes heute nicht mehr vo rhanden. Insgesamt sei von einer Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Anteilen a uszugehen. Die Angaben des Be- schwerdeführers über seine Schmerzen seien jedoch inkonsi stent. Starke Schmerzmittel mit Morphin nehme der Beschwerdeführer nur 2-3 Mal monatl ich. Ferner könne der Beschwerde- führer die Alltagsarbeiten problemlos erledigen, so d ass der Schweregrad des somatoformen Anteils an der chronischen Schmerzstörung als vorwiegend leichtgradig und lediglich intermittie- rend und vorübergehend als höchstens mittelgradig zu beu rteilen sei. Die bestehende Sympto- matik erfülle die notwendigen Kriterien für die Diagnosestellung einer depressiven Episode. Das anlässlich der Exploration festgestellte Verhalten des Beschwerdeführers und die gegenwärtige Kadenz der Therapie sowie die Dosierung der antidepressi ven Medikation würden auf eine leichtgradig ausgeprägte depressive Episode schliessen lassen. Ferner seien beim Beschwer- deführer akzentuierte schizoide und paranoide Züge erken nbar, die Kriterien für eine Persön- lichkeitsstörung seien aber nicht erfüllt. Die nachweisbar en Ressourcen seien nicht als sehr ausgiebig zu bezeichnen. Der Beschwerdeführer sei aber vielseitig interessiert, er informiere sich über das Weltgeschehen und sei auch Hobbies nachgegang en. Die psychosozialen Funk- tionsfähigkeiten seien weitgehend intakt in der Beziehu ng zur Ehefrau und zur im gleichen Haushalt wohnenden Mutter. Die komplexen Ich-Funktione n seien nur leichtgradig beeinträch- tigt. Aus rein psychiatrischer Sicht sei das Fähigkeitsniveau gemessen am Ratingbogen mini- ICF-APP insgesamt als leichtgradig beeinträchtigt zu be urteilen. So seien die Durchhaltefähig- keit, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontaktfäh igkeit, die Gruppenfähigkeit, die Flexibilität und die Umstellungsfähigkeit als leichtgradig eingeschr änkt zu beurteilen. Die übrigen Items des Ratingbogens seien nicht relevant beeinträchtigt. Der Beschwerdeführer könne sich insge- samt mit einem weitgehend situationsadäquaten Verhalt en präsentieren, die Copingstrategien seien ausreichend gut. Auf diese Ressourcen, Copingstrategien und verbleibenden Fähigkeiten und Funktionen könne sich der Beschwerdeführer bei der Ausübung einer Tätigkeit abstützen. Bezüglich Konsistenz sei festzuhalten, dass insgesamt von e iner unübersehbaren Verdeutli- chungs- und Dramatisierungstendenz, möglicherweise gar von einer gewissen bewusstseins- nahen Aggravationstendenz auszugehen sei. Aus rein psychi atrischer Sicht sei die Arbeitsfä- higkeit sowohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Chauffeur als auch in einer alternativen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeit in einem Umfang von 30 % eingeschränkt, dabe i berücksichtigt sei eine gewisse gleichzeitig bestehende Verminderung der Leistungsfähi gkeit. Der schädliche Gebrauch von Alkohol und die akzentuierten Persönlichkeitszüge hätten kei nen Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit. Diese Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe sei Februar 2012. 5.4.3 In der Konsensbesprechung kommen die Gutachter zum Schluss, dass die neurologi- sche Zumutbarkeitsbeurteilung aus gesamtmedizinischer Sicht massgeblich sei. 6. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung bei der Beurteilung des ak- tuellen medizinischen Sachverhalts und der Arbeitsfähigkeit auf die Ergebnisse des bidisziplinä- ren Gutachtens vom 4./8. Januar 2016. Sie ging demzufo lge davon aus, dass dem Beschwer- deführer ab 1. Juni 2014 keine körperlich schweren oder mittelschweren Tätigkeiten mehr zu- mutbar seien. Das Gewichtslimit sei – allerdings nicht r epetitiv – auf 10 kg festzusetzen. Nicht mehr zumutbar seien dem Beschwerdeführer längere Zwang shaltungen, insbesondere in Be- zug auf die Lendenwirbelsäule, und Arbeiten im Bücken , Kauern, Knien oder unter Zug- und Stossbelastung des Oberkörpers. Die Arbeit sollte vorwiegend sitzend und unter Wechselbelas- tung erfolgen. Notwendig seien ferner vermehrte Pause n zur Entspannung sowie eine längere Mittagspause, was zu einer verringerten Effizienz von ca. 2 0 bis höchstens 30 % führe. In einer Tätigkeit mit dem erwähnten Profil sei der Beschwerde führer aus neurologischer Sicht somit bezogen auf ein Ganztagespensum zu 70 % arbeitsfähig, dies seit Juni 2014. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beansta nden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfa hrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und b ei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indi- zien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. G.____ und F.____ vom 4. bzw. 8. Januar 2016 weist weder formale noch inha ltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es be- ruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt d ie geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zu- sammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situa tion ein und es ist in den Schluss- folgerungen überzeugend. 7. Die zahlreichen Vorbringen des Versicherten vermöge n an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Er vertritt in seiner Beschwerde insbesondere die Auffassung, dass dem Gutachten der Dres. G.____ und F.____ vom 4./8. Januar 2016 keine au sschlaggebende Beweiskraft beige- messen werden könne. 7.1 Gegen das neurologische Teilgutachten wird vorab eingewendet, dass Dr. G.____ zur Schmerzsituation keine Stellung beziehe, so dass das Gutach ten insofern mangelhaft sei und eine entsprechende Beurteilung durch einen Rheumatologen vorzunehmen sei. Dazu ist festzu- stellen, dass Dr. G.____ zur Schmerzsituation sehr wohl Ste llung bezieht, indem er festhält, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die Schmerzen im geklagten Ausmass somatisch nicht erklä rbar seien, da radiologisch eine stabile Situation ohne radikuläre Reiz- oder Ausf allsymptome vorliege, so dass eine chro- nische Schmerzstörung mit psychischer Beteiligung vorliege. Die Beurteilung dieser Schmerz- störung fällt in das Fachgebiet der Psychiatrie. Entsprechend hat auch Dr. F.____ dazu Stellung genommen. Der Einwand des Beschwerdeführers ist somit nich t stichhaltig. Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, Dr. G.____ nehme kei ne Stellung zur hochdosierten Schmerzmedikation und deren Auswirkung auf die Arbeitsfä higkeit. Dazu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gegenüber Dr. G.____ angegeben hat, er nehme seit zwei Monaten kei- ne morphinhaltigen Schmerzmittel mehr (vgl. S. 5 des ne urologischen Teilgutachtens). Dem psychiatrischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass der Besc hwerdeführer morphinhaltige Schmerzmittel höchstens noch zwei- bis dreimal pro Monat einnehme. Die Schlussfolgerung, dass bei diesem Konsum nicht von einer hochdosierten Sc hmerzmedikation und einem mögli- chen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden kann, ist demzufolge nicht zu bean- standen. Der Beschwerdeführer wendet ferner ein, dass D r. G.____ keine Stellung zur Zumut- barkeitsbeurteilung des C.____-Gutachtens nehme. Dazu ist festzustellen, dass Dr. G.____ das Gutachten des C.____ im seinem neurologischen Gutachten erwähnt und auch inhaltlich zu- sammenfasst, so dass davon auszugehen ist, dass er es zur Ken ntnis genommen hat. Es trifft jedoch tatsächlich zu, dass er das Gutachten unter den ab weichenden Einschätzungen nicht abhandelt. Dies ist aber insofern nachvollziehbar, als d as Gutachten noch vor der Rückenope- ration erstellt wurde und die Operation nachweislich e ine Besserung der Rückenstabilität und auch der Schmerzsituation bewirkt hat. Entsprechend hat D r. G.____ nur zu abweichenden Einschätzungen, die nach der Operation vorgenommen wurd en, Stellung genommen. Dass nach der Operation eine um 20 % höhere Arbeitsfähig keit resultiert, erscheint aufgrund der ver- besserten Situation nachvollziehbar. 7.2 Gegen das psychiatrische Teilgutachten bringt der Be schwerdeführer vor, dass Dr. F.____ der schwankenden Natur der Depression keine Rechnung trage und übersehe, dass der Beschwerdeführer immer wieder schwere depressive Phasen durchlebe. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der leichte Schweregrad der Depression durch den Gutachter sehr detailliert und überzeugend begründet wurde. Es gibt keine objekt iven Hinweise für eine nachfolgende Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes, wie etw a eine Erhöhung der Thera- piekadenz oder der antidepressiven Medikation oder eine mögliche stationäre Behandlung. Die Einschätzung von Dr. F.____ kann daher nach wie vor Ge ltung beanspruchen. Da eine zwi- schenzeitlich eingetretene Verschlechterung nicht plausibel ist, ist auch der Einwand, das Gut- achten sei veraltet, nicht stichhaltig. Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, das Gutachten von Dr. F.____ sei in sich selber widersprüchlich, wenn es fehlende Freud- und Interesselosigkeit feststelle, gleichzeitig aber die Symptome der Traurigke it und Lustlosigkeit festhalte, ebenso wenn er keine andauernde verminderte Energie feststell e, gleichzeitig aber das Symptom der andauernden Müdigkeit beschreibe. Da Freudlosigkeit und Energielosigkeit Kardinalkriterien der Depression darstellen und Dr. F.____ eine leichtgradige depressive Episode bejaht hat, ist er implizit vom Vorliegen einer Freud- und Energielosigke it ausgegangen, womit er einen mögli- chen Widerspruch zu Gunsten des Beschwerdeführers gewichtet hat. Auch aus dem weiteren Einwand, der Beschwerdeführer ka schiere seinen tatsächlichen Ge- mütszustand durch Aufrechterhalten einer Fassade, was D r. F.____ übersehen habe, kann der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. D r. F.____ hat sich bei seiner Diagnose einer leichtgradigen Depression nicht nur auf das Auft reten des Beschwerdeführers im Explora- tionsgespräch gestützt, sondern auch auf die Struktur bzw . die Ressourcen im Alltag, die Ka- denz der Therapie und die Dosis der Antidepressiva. Das b eschriebene Auftreten des Be- schwerdeführers anlässlich der Exploration weist jedoch wen iger auf eine Beschönigung der Krankheit, sondern im Gegenteil vielmehr auf eine Ve rdeutlichungs- und Aggravationstendenz hin. Der in diesem Zusammenhang erhobene Einwand de s Beschwerdeführer, dass weder das C.____ noch der behandelnde Psychiater, Dr. med. H.___ _, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, eine Aggravationstendenz festgestellt hätten, ist insofern unbehelflich, als Dr. F.____ sei- ne Einschätzung ausführlich anhand von mehreren Beispie len nachvollziehbar begründet. Aus- serdem hat auch Dr. G.____ eine gewisse Verdeutlichungst endenz beschrieben. Der Be- schwerdeführer wendet ausserdem ein, die retrospektive Einschätzung von Dr. F.____, wonach bereits im Zeitpunkt des C.____-Gutachtens bloss eine leic htgradige Depression vorgelegen habe, sei falsch und durch die objektiven Testergebnisse i m C.____-Gutachten widerlegt. Dr. F.____ hat jedoch überzeugend begründet, weshalb d er vom C.____ in der Anamnese er- hobene Psychostatus Hinweise auf eine lediglich leichte Depression gibt. Doch selbst wenn die damalige Depression schwerergradig gewesen wäre, hätte dies auf die aktuell massgebliche Zumutbarkeitsbeurteilung und die angefochtene Verfügu ng keinen Einfluss. Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, das Gutachten von Dr. F.____ sei auch insofern widersprüchlich, als er über den Alkoholkonsum des Beschwerdeführers keine frem danamnestischen Angaben einge- holt habe und trotzdem eine Reduktion des Alkoholkonsum s empfehle. Dazu ist festzuhalten, dass der Gutachter das Alkoholproblem des Beschwerdeführers zu Recht als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit qualifiziert hat, was auch nie ernsthaft bestritten wurde. Was den weiteren Einwand des Beschwerdeführers anbelangt, Dr. F.____ habe die paranoiden Verarbeitungsweisen des Beschwerdeführers komplett über sehen, ist Folgendes festzuhalten: Der Gutachter hat sehr wohl akzentuierte schizoide und p aranoide Persönlichkeitszüge diag- nostiziert, er hat aber auch begründet, dass diese par anoiden Züge die Kriterien einer Persön- lichkeitsstörung nicht erfüllen, so dass diese ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleiben. Zu guter Letzt bringt der Beschwerdeführer vor, dass sä mtliche anderen psychiatrischen Unter- lagen, insbesondere auch die Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. H.____, sowie die Ergebnisse der beruflichen Massnahme eine fehlende Rest arbeitsfähigkeit in der freien Wirt- schaft attestieren würden, so dass Dr. F.____ mit seiner Zumutbarkeitsbeurteilung alleine da- stehe. Diesem Einwand ist entgegenzuhalten, dass die and eren psychiatrischen Beurteilungen – wie bereits ausgeführt – zu Unrecht von einer schwe rergradigen Depression ausgehen. Somit ist die abweichende Zumutbarkeitsbeurteilung nachvollzie hbar. Was die Ergebnisse des Ar- beitstrainings angeht, so sind diese gerade beim Vorli egen von Aggravationstendenzen ohne Beweiswert. 7.3 Insgesamt vermögen demzufolge die Einwendungen des Beschwerdeführers den Be- weiswert des bidisziplinären Gutachtens von Dr. G.____ un d Dr. F.____ nicht zu beeinträchti- gen, so dass die IV-Stelle zu Recht darauf abgestellt h at und von einer 70%igen Arbeitsfähig- keit in einer Verweistätigkeit ab 1. Juni 2014 ausgegangen ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 In Bezug auf den von der IV-Stelle vorgenommenen Einkommensvergleich bringt der Beschwerdeführer zunächst vor, dass bei der Berechnung des Invalideneinkommens ein lei- densbedingter Abzug von 15 % vorzunehmen sei. Der Beschwerdeführer begründet dies damit, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % aus rein somatischen Gründen erfolgt sei. Zusätzlich seien aber die psychischen Einschränkungen/Auswirkungen zu berücksichtigen. Vorweg ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zu R echt keine Einwände gegen die grundsätzliche Berechnung des Invalideneinkommens vorbring t. Es ist folglich gestützt auf die Lohnstrukturerhebung [LSE] 2014, TA1, Privater Sektor, Kompetenzniveau 2, Männer, nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung und die betrie bsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden von einem Invalideneinkommen von Fr. 4 6‘657.-- auszugehen. Was nun den geltend gemachten leidensbedingten Abzug von 15 % anbelangt, ist mit der Beschwerdegegne- rin festzuhalten, dass mit der Reduktion des Arbeitspens ums auf 70 % einem erhöhten Pau- senbedarf bereits Rechnung getragen wurde (vgl. oben E . 6). Zudem wird in der Konsensbe- sprechung der Gutachter Dr. G.____ und Dr. F.____ festg ehalten, dass aus gesamtmedizini- scher Sicht die neurologische Zumutbarkeitsbeurteilung m assgeblich sei, womit auch psychiat- rische Einschränkungen darin berücksichtigt sind. Gründe für einen zusätzlichen leidensbeding- ten Abzug sind keine ersichtlich. Es ist somit von einem I nvalideneinkommen in der Höhe von Fr. 46‘657.-- auszugehen. 8.2 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss di e bisherige Tätigkeit ohne Ge- sundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1). Ausnahmen von diesem Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V 58 E. 3.1; vgl. auch BGE 135 V 297 E. 5.1). Vorliegend a rbeitete der Beschwerdeführer bis Ende Juli 2012 bei der B.____ AG. Er legt in keiner Weise dar, dass er – nachdem er bereits seit Mai 2006 bei der B.____ AG tätig war – diese Arbeitsstelle verlassen wollte bzw. eine andere An- stellung gesucht hat oder sogar in Aussicht hatte. Es ist demzufolge davon auszugehen, dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit diese Tätigkeit bei der genannten Arbeitgeberin wei- terhin ausüben würde, wenn er keine gesundheitlichen Einschränkungen erlitten hätte. Das Va- lideneinkommen ist deshalb auf der Basis des Lohnes zu er mitteln, den der Beschwerdeführer bei der B.____ AG erzielte. In Bezug auf das Valideneinkommen macht der Beschwerde führer jedoch geltend, er habe bei seinem letzten Arbeitgeber aus invaliditätsfremden G ründen und nicht freiwillig ein deutlich un- terdurchschnittliches Einkommen erzielt. Als Lastwagenfahr er könne er ohne Weiteres jährlich Fr. 73‘127.-- (gemäss Lohnstrukturerhebung [LSE] 2014, TA1, Privater Sektor, Kompetenzni- veau 2, Männer) verdienen, weshalb von diesem Betrag al s Valideneinkommen auszugehen sei. Diesbezüglich ist gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung Folgendes festzuhal- ten: Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntni sse, beschränkte Anstellungsmög- lichkeiten wegen Saisonnierstatus) ein deutlich unterdur chschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stü cken mit einem bescheideneren Ein- kommensniveau begnügen wollte (BGE 125 V 146 E. 5c/bb mit Hinweisen). Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesich tspunkte zurückzuführenden Lohn- einbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beid en Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4.4). Diese Par allelisierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des Valideneinkommens d urch eine entsprechende Herauf- setzung des effektiv erzielten Einkommens oder durch Abs tellen auf die statistischen Werte oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 297 E. 5.1 mit Hinweisen, 134 V 325 E. 4.1). Vorliegend ist fraglich, ob der Beschwerdeführer tatsä chlich unfreiwillig ein unterdurchschnittli- ches Einkommen erzielt hat, legt er doch in keiner Weise d ar, dass er sich um eine besser ent- schädigte Stelle als Chauffeur bemüht hat, was ihm durc haus zuzumuten gewesen wäre. Wird zugunsten des Beschwerdeführers davon ausgegangen, dass er d ieses unterdurchschnittliche Einkommen dennoch unfreiwillig erzielt hat, so ist zu pr üfen, von welchem statistischen Ein- kommen gemäss LSE zur Festlegung des Valideneinkommens bzw. einer allfälligen Paralleli- sierung auszugehen ist. Der Beschwerdeführer geht gestützt auf die LSE 2014, TA1, Sektor Verkehr und Lagerei, Kompetenzniveau 2, Männer, von ei nem Valideneinkommen von Fr. 73‘127.-- aus. Da der Beschwerdeführer jedoch kein e Ausbildung als Lastwagenchauffeur besitzt, ist fraglich, ob tatsächlich vom Kompetenzniveau 2 auszugehen ist. Wie sich nachfol- gend zeigen wird, kann diese Frage offen gelassen werden. 8.3 Eine Berechnung des IV-Grades zeigt, dass selbst wenn zu Gunsten des Beschwerde- führers ein Lohn im Kompetenzniveau 2, also der gelte nd gemachte Betrag von Fr. 73‘127.--, herangezogen wird, kein rentenbegründender IV-Grad r esultiert. Die Gegenüberstellung des Invalideneinkommens von Fr. 46‘656.-- und des Validen einkommens von Fr. 73‘127.-- ergibt lediglich einen IV-Grad von 36 %. 9. Die IV-Stelle hat folglich zu Recht einen über den 30. September 2014 hinausgehen- den Anspruch auf eine Invalidenrente abgelehnt. Die vorliegende Beschwerde ist demnach ab- zuweisen. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Bei diesem Verfahrensausgang ist dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht