<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 50 S.187</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">187</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>50</b></span> <span class="ft1"><b>Besitzstandsgarantie (§ 68 lit. b BauG).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Der Ersatz eines Flachdachs durch ein Satteldach stellt grundsätzlich</b></span><br/> <span class="ft1"><b>eine angemessene Erweiterung bzw. einen angemessenen Umbau dar</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 2/d/bb).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Keine wesentliche Verstärkung der Rechtswidrigkeit, auch wenn das</b></span><br/> <span class="ft1"><b>neue Dachgeschoss auf ein heute rechtswidriges drittes Vollgeschoss</b></span><br/> <span class="ft1"><b>aufgebaut wird (Erw. 2/d/cc).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 6. Dezember 2002 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen R. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. Die Beschwerdegegner wollen auf ihr bestehendes Zweifa-</span><br/> <span class="ft4">milienhaus mit Flachdach ein Satteldach aufsetzen. Das neue Dach-</span><br/> <span class="ft4">geschoss, dessen Bruttogeschossfläche (BGF) mit 55.1915 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft4">ange-</span><br/> <span class="ft4">geben wird, enthält nebst dem Estrich eine Galerie, ein Schlafzim-</span><br/> <span class="ft4">mer, ein Bad und eine Terrasse. Auf der West- und auf der Ostseite</span><br/> <span class="ft4">ist je eine Dachlukarne vorgesehen. Die Firsthöhe beträgt 10.25 m.</span><br/> <span class="ft4">2. (...)</span><br/> <span class="ft4">d) aa) Die Erweiterung, der Umbau oder die Zweckänderung</span><br/> <span class="ft4">besitzstandsgeschützter Bauten innerhalb der Bauzonen ist nur zuläs-</span><br/> <span class="ft4">sig, wenn dadurch ihre Rechtswidrigkeit nicht wesentlich verstärkt</span><br/> <span class="ft4">wird (§ 68 lit. b BauG; siehe AGVE 1999, S. 217 ff.). (...).</span><br/> <span class="ft4">bb) Das Verwaltungsgericht hat unter dem früheren Recht den</span><br/> <span class="ft4">Ersatz eines Flachdachs durch ein Satteldach grundsätzlich als zeit-</span><br/> <span class="ft4">gemässe Erneuerung im Sinne von § 224 Abs. 2 Satz 1 aBauG be-</span><br/> <span class="ft4">handelt. Im Hinblick darauf, dass die Nachbarschaft durch ein Sat-</span><br/> <span class="ft4">teldach regelmässig mehr beeinträchtigt werde als durch ein Flach-</span><br/> <span class="ft4">dach (Schattenwurf und Lichtentzug, Einschränkung der freien Sicht</span><br/> <span class="ft4">usw.), wurde allerdings verlangt, dass Dachaufbauten auf das von der</span><br/> <span class="ft4">Funktion her Erforderliche zu beschränken seien, wozu auch gehöre,</span><br/> <span class="ft4">dass nicht zusätzlicher Wohnraum entstehe; Leitlinie müsse sein,</span><br/> <span class="ft4">dass dem betreffenden Bauherrn ermöglicht werde, das Sanierungs-</span><br/> <span class="ft4">ziel zu erreichen, aber nicht mehr. Eine eher restriktive Praxis sei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">188</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">auch darum gerechtfertigt, weil ein Flachdach als solches ebenfalls</span><br/> <span class="ft4">einwandfrei saniert werden könne, wenn auch in der Regel mit etwas</span><br/> <span class="ft4">grösserem finanziellem Aufwand (siehe zum Ganzen: AGVE 1991,</span><br/> <span class="ft4">S. 353 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft4">Heute ist die rechtliche Ausgangslage eine andere. Angemes-</span><br/> <span class="ft4">sene Erweiterungen und Umbauten sind nunmehr zugelassen. Mit</span><br/> <span class="ft4">dem Begriff der "Angemessenheit" bringt der Gesetzgeber dabei zum</span><br/> <span class="ft4">Ausdruck, dass zwischen der vorhandenen Kubatur und der</span><br/> <span class="ft4">optischen Erscheinungsweise der betreffenden Baute und dem Er-</span><br/> <span class="ft4">weiterungsvorhaben ein ausgewogenes Verhältnis bestehen soll.</span><br/> <span class="ft4">Wird wie im vorliegenden Falle auf ein Flachdach ein Satteldach</span><br/> <span class="ft4">aufgesetzt, darf diese Voraussetzung im Regelfall als erfüllt gelten.</span><br/> <span class="ft4">Satteldächer verändern zwar das Aussehen eines Gebäudes, aber</span><br/> <span class="ft4">nicht derart nachhaltig, dass die Identität des Bauwerks nachher eine</span><br/> <span class="ft4">andere ist. Erst recht ist dies zu verneinen, wenn sämtliche Randbe-</span><br/> <span class="ft4">dingungen, welche den Kubus eines Gebäudes bestimmen, einge-</span><br/> <span class="ft4">halten sind (hier insbesondere auch die Firsthöhe, welche gemäss § 4</span><br/> <span class="ft4">BNO in der Zone E2 maximal 10.30 m betragen darf). Dazu kommt,</span><br/> <span class="ft4">dass das Satteldach die wohl üblichste Dachform ist und deshalb ein</span><br/> <span class="ft4">Bauvorhaben wie das hier in Frage stehende auch innerhalb eines</span><br/> <span class="ft4">Wohnquartiers in optischer Hinsicht kaum zusätzliche Unruhe</span><br/> <span class="ft4">schafft. Das finanzielle Moment ist dagegen heute kaum mehr ein</span><br/> <span class="ft4">Motiv dafür, ein Flachdach durch ein Satteldach zu ersetzen. Das</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsgericht gelangt also im Ergebnis zu den gleichen Er-</span><br/> <span class="ft4">kenntnissen wie die Vorinstanzen.</span><br/> <span class="ft4">cc) Die heute vorhandene Rechtswidrigkeit des Gebäudes</span><br/> <span class="ft4">Nr. 336 besteht darin, dass es drei statt der gemäss § 4 BNO in der</span><br/> <span class="ft4">Zone E2 maximal zulässigen zwei Vollgeschosse aufweist. Diese</span><br/> <span class="ft4">Rechtswidrigkeit wird nicht verstärkt, denn die Randbedingungen</span><br/> <span class="ft4">von § 16 ABauV (in der Fassung vom 12. Juli 2000) für ein (gemäss</span><br/> <span class="ft4">§ 14 Abs. 1 ABauV nicht als Vollgeschoss geltendes) Dachgeschoss</span><br/> <span class="ft4">sind allesamt erfüllt; es handelt sich um ein zulässiges Schrägdach</span><br/> <span class="ft4">(Dachneigung nicht über 45°, Kniestockhöhe nicht über 1.20 m</span><br/> <span class="ft4">[siehe § 16 Abs. 1</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft4">ABauV in der Fassung vom 12. Juli 2000]),</span><br/> <span class="ft4">dessen Flächen zwar durch Lukarnen durchbrochen werden, aber nur</span><br/> <span class="ft4">auf einem Geschoss und auf nicht mehr als einem Drittel der Fassa-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">189</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">denlänge. Daran ändert nichts, "dass das Dachgeschoss auf ein</span><br/> <span class="ft4">rechtswidriges drittes Vollgeschoss aufgebaut wird"; entscheidend</span><br/> <span class="ft4">kann einzig sein, dass das Gebäude Nr. 336 sowohl vor als auch nach</span><br/> <span class="ft4">der Erweiterung bzw. dem Umbau dreigeschossig ist (siehe</span><br/> <span class="ft4">AGVE</span> <span class="ft4">1999, S.</span> <span class="ft4">220 f., bezüglich des analogen Falls einer</span><br/> <span class="ft4">Geschosserweiterung in der Horizontalen). Andere bestehende</span><br/> <span class="ft4">Rechtswidrigkeiten, die verstärkt werden könnten, sind nicht</span><br/> <span class="ft4">ersichtlich.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>