A bteilung III C -78/2007 {T 0/2} U rteil vom 4. Septem ber 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichter Vuille; R ichter Vaudan; G erichtsschreiber Birgelen. O ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisebew illigung für M ._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie 1983 geborene philippinische Staatsangehörige M ._______ (nachfol- gend: G esuchstellerin) beantragte am 20. O ktober 2006 bei der Schw eize- rischen Vertretung in M anila ein Visum für einen dreim onatigen Besuchs- aufenthalt bei ihrem im Kanton Zürich w ohnhaften Schw ager O ._______ (nachfolgend: G astgeber bzw . Beschw erdeführer) und ihrer Schw ester J._______. N ach form loser Verw eigerung leitete die Schw eizerische Ver- tretung das G esuch an das Bundesam t für M igration (BFM , nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form ellen Entscheid w eiter. B. N achdem das M igrationsam t des Kantons Zürich beim G astgeber w eitere Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch um Bew illi- gung der Einreise m it Verfügung vom 20. D ezem ber 2006 ab. Zur Begrün- dung w urde ausgeführt, die G esuchstellerin stam m e aus einer R egion, aus w elcher der Zuw anderungsdruck als Folge der dort herrschenden w irt- schaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse bekannterw eise nach w ie vor stark anhalte. Viele ihrer Landsleute w ürden versuchen, ihren Aufent- halt in der Schw eiz durch Ausschöpfung säm tlicher rechtlicher M ittel zu verlängern und sich so in U m gehung der bundesrätlichen Begrenzungs- m assnahm en eine verm eintlich bessere Zukunft aufzubauen. D arüber hi- naus w ürden der G esuchstellerin in ihrem U rsprungsland w eder zw ingen- de berufliche oder gesellschaftliche Verpflichtungen noch fam iliäre Verant- w ortlichkeiten obliegen, w elche gegebenenfalls G ew ähr für eine fristge- rechte R ückkehr bieten könnten. Schliesslich w ürden auch keinerlei G rün- de vorliegen, w elche eine Einreise trotzdem zw ingend notw endig m achen w ürden. C . In einer an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) ge- richteten Beschw erde vom 2. Januar 2007, w elche an das neu zuständige Bundesverw altungsgericht w eitergeleitet w urde, ersucht der G astgeber sinngem äss um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Ertei- lung eines Einreisevisum s für drei M onate. Zur Begründung rügt er sinnge- m äss, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die anstandslose W ie- derausreise nach einem Besuchsaufenthalt w äre nicht gesichert. Er habe bereits in einer G arantieerklärung zugesichert, dass die G esuchstellerin nach drei M onaten w ieder ausreise, und tue dies hierm it erneut. Seine Ehefrau habe soeben ein drittes Kind geboren und sie w ären sehr froh, w enn ihnen die G esuchstellerin etw as zur H and gehen könnte. Zudem sei für die G esuchstellerin m om entan der passende Zeitpunkt für einen Be- such in der Schw eiz, da sie gerade keiner Arbeit nachgehe. Ihren vier an- deren G eschw istern auf den Philippinen sei dies aufgrund von beruflichen und fam iliären Verpflichtungen nicht m öglich. D er Beschw erdeschrift w ar ein ärztliches Attest für die Ehefrau des Be- schw erdeführers vom 30. D ezem ber 2006 beigelegt. D . In ihrer Vernehm lassung vom 6. M ärz 2007 spricht sich die Vorinstanz für eine Abw eisung der Beschw erde aus. D ie G esuchstellerin stam m e aus ei- ner R egion m it starkem Zuw anderungsdruck. Zur Erteilung eines Visum s 3 m üssten deshalb fam iliäre, berufliche oder gesellschaftliche Verpflichtun- gen im H eim atland von gew isser Intensität vorausgesetzt w erden. Von sol- chen sei vorliegend nicht auszugehen, sei doch die G esuchstellerin jung, ledig, kinderlos und gem äss eigenen Angaben ohne feste Anstellung. W ei- ter sei vorliegend bei der gem äss Beschw erdeschrift prim är beabsichtigten M ithilfe der G esuchstellerin im H aushalt und bei der Kinderbetreuung von einer bew illigungspflichtigen Erw erbstätigkeit auszugehen, w elche von ei- nem Besuchervisum nicht gedeckt w äre. E. D er Beschw erdeführer verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer R eplik. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und 33 lit. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit dieses G esetz nichts anderes bestim m t. D as U rteil des Bundesverw altungsgerichts ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.3 D er Beschw erdeführer ist gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG und Art. 48 Vw VG zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Be- schw erde ist einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211], PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei-4 nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Vi- sum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin bedarf aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass eines Visum s. D ie Vorinstanz verw eigerte die Er- teilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 Auf den Philippinen sind fraglos breite Bevölkerungsschichten von ver- gleichsw eise kargen w irtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen be- troffen. N ach Angaben der Asiatischen Entw icklungsbank hatten im Jahr 2003 44.1% der Bevölkerung w eniger als U SD 2 pro Tag zur Verfügung und 11.1% w aren von absoluter Arm ut (w eniger als U SD 1 pro Tag) betrof- fen. Angesichts des starken Bevölkerungsw achstum s stellt die Arbeitslo- sigkeit ein zunehm endes Problem dar. Zw ar ist die Arbeitslosenrate 2005 offiziell von 11.8% auf 7.4% zurückgegangen, doch dürfte dieser R ück- gang auf eine neue D efinition des Begriffs zurückzuführen und die tatsäch- liche Arbeitslosenrate unverändert geblieben sein. Zu den offiziellen Ar- beitslosen kom m en rund 21% U nterbeschäftigte hinzu (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand: Februar 2007). Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die zeitw eise oder auf D auer ins Ausland em igrie- ren w ollen, um dort unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz aufbauen zu können. So verlassen rund 1 M io. M enschen jährlich die Philippinen, um im Ausland Arbeit zu suchen (vgl. Ausw ärtiges Am t, a.a.O .). D ieser Trend zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Bekannten bereits ein so- ziales Beziehungsnetz im Ausland besteht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim m ungen. 4. 4.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller im H eim atstaat 5 beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine an- standslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstel- lern, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entspre- chender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschrifts- gem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufent- halt) hoch eingeschätzt w erden. 4.2 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um die 23-jährige, ledige und kin- derlose Schw ester der Ehefrau des G astgebers, w elche an der gleichen W ohnadresse w ie ihre Eltern w ohnt. W eitergehendes ist in Bezug auf die persönlichen und fam iliären Verhältnisse nicht bekannt. Aus den U m stän- den kann jedenfalls nicht geschlossen w erden, die G esuchstellerin habe gegenüber Fam ilienangehörigen an ihrem Aufenthaltsort irgendw elche Verpflichtungen oder Verantw ortlichkeiten, die besondere G ew ähr für eine R ückkehr abgeben könnten. 4.3 D ie G esuchstellerin hat gem äss den von ihr eingereichten U nterlagen im Jahre 2000 die H igh School abgeschlossen. Auf ihrem Visum antragsfor- m ular sow ie dem zusätzlichen Fragekatalog der Schw eizerischen Vertre- tung hat sie angegeben, sie gehe keiner Erw erbstätigkeit nach und w erde von ihren Eltern finanziell unterstützt. D er Beschw erdeführer seinerseits führte gegenüber dem M igrationsam t des Kantons Zürich aus, die G esuch- stellerin helfe im elterlichen Kleinbetrieb m it, um anschliessend anlässlich des Beschw erdeverfahrens geltend zu m achen, sie gehe m om entan keiner Arbeit nach. O b die G esuchstellerin tatsächlich einer Erw erbstätigkeit nachgeht, erscheint aufgrund dieser w idersprüchlichen Aussagen höchst fraglich. Jedenfalls kann nicht davon ausgegangen w erden, sie befinde sich heute in beruflich stabilen Verhältnissen und habe eine gesicherte w irtschaftliche Existenz. 4.4 Vor dem aufgezeigten H intergrund durfte die Vorinstanz daher zu R echt davon ausgehen, die fristgerechte W iederausreise sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 lit. c VEA). Zw ar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebew illigung - auf w elche w ie be- reits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht - abzulehnen. 5. D er Beschw erdeführer w ill in seiner Person G ew ähr für eine anstandslose und fristgerechte W iederausreise der G esuchstellerin aus der Schw eiz bie- ten. D ie Integrität des Beschw erdeführers in seiner Eigenschaft als G ast- geber w ird in keiner W eise in Zw eifel gezogen. Indessen geht es bei der Abw ägung des R isikos einer nicht fristgerechten W iederausreise nicht so sehr um das Verhalten des G astgebers, sondern vielm ehr um dasjenige des G astes. N ur dieser ist in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine frist- gerechte und anstandslose W iederausreise zu bieten. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken G arantie leisten, nicht aber - m angels rechtlicher D urchsetzbarkeit - für ein bestim m tes Verhalten des G astes. 6. Inw iew eit die erst auf Beschw erdeebene geäusserte Absicht, der Schw es-6 ter in der Schw eiz nach deren N iederkunft im H aushalt und bei der Kinder- betreuung zu helfen, Zw eifel am ursprünglich deklarierten Aufenthalts- zw eck (Besuch) schüren beziehungsw eise vom beantragten Visum nicht gedeckt sein könnte (Frage der bew illigungspflichtigen Erw erbstätigkeit) kann offenbleiben, nachdem der H inderungsgrund in Form m angelnder G ew ähr für die fristgerechte W iederausreise zu bestätigen ist. 7. Aus vorstehenden Erw ägungen folgt som it, dass die angefochtene Verfü- gung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw er- de ist daher abzuw eisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R e- glem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt. Sie sind durch den am 1. Februar 2007 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Akten 2 259 131 zurück) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er L. Birgelen Versand am :