Abteilung IV D-4043/2006 {T 0/2} U r t e i l v o m 3 . M ä r z 2 0 1 0 Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Daniel Schmid, Gerichtsschreiber Martin Maeder. A._______, geboren (...), dessen B._______, geboren (...), und deren gemeinsame Kinder C._______, geboren (...), und D._______, geboren (...), Iran, alle vertreten durch Stefan Hery, Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende, (...), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Juli 2005 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-4043/2006 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer (Familienvater) wurde am 14. Oktober 2000 in E._______ bei der versuchten Einreise mit dem Zug nach F._______ ohne gültige Reisepapiere vom (...) aufgegriffen und gleichentags der Abteilung Grenz- und Fahndungspolizei der (...) Kantonspolizei übergeben. Nachdem er am 16. Oktober 2000 aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden war, fand sich der Beschwerdeführer noch am gleichen Tag in der Empfangsstelle (heute: Empfangs- und Verfahrenszentrum [EVZ]) in E._______ ein und suchte um Asyl nach. Ergänzend zu den rubrizierten Angaben führte er dabei zu seiner Person an, er stamme aus dem Dorf G._______ (Provinz H._______), sei ethnischer Perser, gehöre der islamischen Religion an und verständige sich in der in seiner Heimatregion verwendeten Sprache (...) sowie auf Farsi. A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdefüh- rer im Wesentlichen geltend, er habe wegen seines Bruders, der seit der Revolution von 1979 als Mudschaheddin gegen das Khomeini- Regime gekämpft habe und später in F._______ als Flüchtling an- erkannt worden sei, kein normales Leben führen können. Als sich sein Bruder noch im Iran aufgehalten habe, habe er sich ihm und seinen Kollegen als (...) zur Verfügung gestellt. Mit seinem Auto habe er sie in der Nacht an Orte geführt, an denen sie ihre Brandanschläge verübt hätten. Daneben habe er für sie Waffen transportiert. Zwischen 1978 und 1981 habe er auch Zeitschriften und Propagandamaterial der Mud schaheddin verteilt. In dieser Phase sei er von den Behörden nicht verdächtigt worden. Erst als sein Bruder sich im Jahre 1981 nach Te- heran begeben habe, hätten für ihn (den Beschwerdeführer) die Pro- bleme mit den Behörden angefangen. Immer wieder sei er vom Ko- mitee in I._______ (Hauptstadt der Nachbarprovinz J._______, Anm. des Ge richts) zum Verhör mitgenommen oder am Arbeitsplatz bezie- hungsweise zu Hause aufgesucht worden. Die Staatsbeamten seien am Aufenthaltsort und an anderen Informationen über seinen Bruder interessiert gewesen und hätten nicht selten mit Schlägen oder an die Schläfe gesetzter Pistole versucht, ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Weil seine Situation sich verschlimmert habe, habe er im Jahre 1983 seinen Militärdienst angetreten und diesen in der Folge wäh rend zweier Jahre an verschiedenen Fronten des ersten Golfkrie- ges geleistet. Dazwischen, im Jahre 1984 oder 1985, sei sein Bruder Seite 2D-4043/2006 zu Hause in G._______ vom Komitee verhaftet worden. Er selber sei eine Stunde später für einen Elternbesuch zu Hause eingetroffen und habe sich nach Erhalt der Nachricht an einen Treffpunkt der Mudschaheddin in der Nähe begeben, wo er vom anwesenden Komitee ebenfalls in Gewahrsam genommen wor den sei. Die Beamten hätten ihn heftig mit einem Stock auf den Kopf geschlagen und erst am nächsten Morgen zusammen mit seinem Bru der und mit der Auflage, im Verlauf des Vormittags wieder zu erscheinen, auf freien Fuss gesetzt. Daraufhin habe er sich sogleich wieder an die Front begeben, währenddem sein Bruder Zuflucht im Irak genommen habe. Im Jahre 1989 sei sein Bruder von seinem irakischen Exil aus via die Türkei, wo er ihn getroffen und mit Geld versorgt habe, nach F._______ geflohen. Er selber habe im gleichen Jahr in einer (...) in der Hafenstadt K._______ (Provinz J._______) als (...) und (...) zu arbeiten begonnen. Sein Bruder habe sich in F._______ von den Mudschaheddin abgewandt und dies in Büchern und Zeitungsartikeln klar zum Ausdruck gebracht. Trotz dieser Kehrtwende sei sein Bruder im Iran weiterhin gefährdet, weil er in seinen Artikeln auch gegen die islamische Republik offen Stellung bezogen habe. Die entsprechen- den, in F._______ herausgegebenen Zeitungen habe ihm sein Bruder zum Verteilen in den Iran geschickt. Leute aus seinem Quartier hätten diese Tätigkeit früh bemerkt und den Behörden Hinweise gegeben, so dass er ab dem Jahre 1994 vom Komitee unzählige Male - in der Regel zweimal pro Woche - zum Verhör auf den Posten in I._______ mitgenom men oder an seinem Arbeitsplatz gestört worden sei. Ob schon die Behörden von Anfang um seine Rolle als Verteiler von oppositionellen Zeitungen gewusst hätten, hätten sie ihn niemals bei dieser Tätigkeit zu ertappen vermocht. Einmal hätten sie ihm auch einen Pass und Geld angeboten, mit der Erklärung, er solle seinen Bruder in F._______ besuchen und zur Rückkehr in den Iran bewegen, wo man für ihn eine gute Anstellung bereit halte, zumal man wisse, dass er sich von den Mudschaheddin getrennt habe. Sein Bruder habe ihm jedoch am Telefon klar gemacht, dass eine Heimkehr ausser Frage stehe, weil er nicht naiv sei und keine Lust habe, am Strick zu enden. Sein Arbeitgeber habe schliesslich wegen der zahlreichen Absenzen die Geduld verloren und ihm im April 1999 gekündigt. Zum letzten Mal sei er Anfang Juni 2000 vom Komitee belästigt worden. Im Sep tember 2000 habe er sein Heimatland mit dem ursprünglichen Ziel verlassen, zu seinem Bruder nach F._______ zu reisen. Unterwegs sei Seite 3D-4043/2006 er jedoch zweimal vom (...) angehalten und in die Schweiz zurückgestellt worden. A.c Am 24. September 2002 zog der Beschwerdeführer im Rahmen der schriftlichen Beantragung der Rückkehrhilfe sein Asylgesuch zu- rück. A.d Am 31. Oktober 2002 kehrte der Beschwerdeführer in den Iran zu- rück. A.e Mit Beschluss vom 27. November 2002 schrieb das BFF das Asyl- gesuch vom 16. Oktober 2000 als gegenstandslos geworden ab. B. B.a Am 25. November 2003 suchte der Beschwerdeführer gemeinsam mit seiner Ehefrau (im Folgenden: Beschwerdeführerin) und den bei- den - im damaligen Zeitpunkt - minderjährigen Söhnen in der Emp- fangsstelle Chiasso um Asyl nach. Das BFF befragte ihn, die Be- schwerdeführerin und den ältesten Sohn C._______ am 9. beziehungsweise 11. Dezember 2003 zur Person und summarisch zum Reiseweg sowie zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Nach diesen Erhebungen wies das BFF die Beschwerdeführenden für die Dauer des Verfahrens dem Kanton L._______ zu, welcher am 21. beziehungsweise 22. Januar 2004 durch seine Migrationsbehörde den Beschwer deführer, die Beschwerdeführerin und den Sohn C._______ zu den Asylgründen anhörte. Am 15. Juni 2005 führte das BFM mit dem Beschwerdeführer und der Beschwerdeführerin eine ergänzende Anhörung durch. Dabei gaben diese zum Beleg ihrer Aussagen verschiedene Dokumente zum Dossier. Für Einzelheiten zu diesen Dokumenten wird auf den Beweismittelumschlag in den Akten verwiesen (act. B39). B.b Zur Begründung seines - zweiten - Asylgesuchs machte der Be- schwerdeführer geltend, einen Monat nach seiner Rückkehr in den Iran sei er von zivil gekleideten Beamten festgenommen und auf den Stützpunkt der Pasdaran (informelle Bezeichnung der iranischen Revo- lutionsgarde oder Sepah, Anm. des Gerichts) beziehungsweise in ein Ge bäude des Ettelaat („Vezarate Ettelaat Va Amniate Keshwar“ [VEVAK], Ministerium für Nachrichtenwesen und Sicherheit, Anm. des Ge richts) in I._______ verbracht worden, wo man ihn drei Monate gefangen gehalten und auch der Folter ausgesetzt habe. Während seines Aufenthalts in der Schweiz hätten die Pasdaran - insbesondere Seite 4D-4043/2006 ein in ihrem Dienst stehender Cousin - auf seine Frau Einfluss genommen, so dass diese ihm am Telefon versichert habe, es würde ihm bei einer Rückkehr bestimmt nichts passieren. Weil seine Frau und die Kinder ohne ihn nicht zurecht gekommen seien, habe er schliess- lich sein Asylgesuch zurückgezogen und sei nach Teheran zurückge- flogen. Bei der Wiedereinreise im Flughafen sei er fünf Stunden lang festge- halten worden, weil er ausser einem Dokument der iranischen Bot- schaft in der Schweiz keine Papiere auf sich getragen habe. Danach sei jemand gekommen und habe über mehrere Stunden hinweg mit ihm gesprochen. Schliesslich habe ihm die Person ein Papier in die Hand gedrückt und befohlen, sich damit auf einem Amt in der Provinz J._______ zu melden. Daraufhin sei sein Schwager erschienen und habe mittels Abgabe seines Ausweises für ihn gebürgt, so dass sie gemeinsam den Flughafen hätten verlassen können. Zuvor habe er wegen der seinerzeitigen illegalen Ausreise noch eine Busse bezahlen müssen. In der Folge habe er sich in keiner Weise mehr gegen das Regime engagiert. Als (...) und (...) habe er unbehelligt leben können, bis er nach ungefähr einem Monat - den Wochentag wisse er nicht mehr - von den Pasdaran festgenommen worden sei. Während der folgenden dreimo natigen Gefangenschaft in I._______ sei er immer wieder verhört und mit Schlägen auf den Kopf misshandelt worden. Die an ihn gerichteten Fragen hätten sich meistens um seine Verbindungen zu den Mudschaheddin gedreht. Es sei den Pasdaran einfach darum gegangen, möglichst viele Informatio- nen über die Mudschaheddin zu erhalten. Dank der Vermittlung seines Cou sins sowie der Kautionsstellung durch Hinterlegung der Eigen- tumspapiere an seinem Haus sei er freigelassen worden. Am nächsten Tag habe er sich nach M._______ (Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, Anm. des Gerichts) begeben und dort in den folgenden sechs Mo naten in der (...) eines Freundes gearbeitet. Während dieser Zeit hätten sich die Pasdaran niemals bei ihm zu Hause in G._______ gemeldet. Gleichwohl habe er Angst vor weiteren Behelligungen gehabt. Deshalb sei er im August 2003 mit seiner Familie in die Türkei ausgereist. Ende September 2003 hätten sie die Türkei verlassen und seien ohne Papiere - teils mit dem Lastwa gen, teils zu Fuss - durch ihnen nicht bekannte Orte bis in die Schweiz gereist. Hier sei er Mitglied der De- Seite 5D-4043/2006 mo kratischen Vereinigung für Flüchtlinge (DVF) geworden und nehme an Versammlungen dieser Organisation teil. Als Asylsuchende in der Schweiz würden sie von der DVF unterstützt und im Bedarfsfall mit Do- kumenten versorgt. Mit seiner Mitgliedschaft bei der DVF wolle er nichts anderes ausdrücken als seine Solidarität mit anderen „Flücht- lingen“. Bei einer Rückkehr laufe er im Übrigen nicht bloss Gefahr, von den iranischen Behörden belangt zu werden. Gleichzeitig drohten ihm auch Vergeltungsmassnahmen der Mudschaheddin, weil er zusammen mit seinem Bruder die Organisation verlassen habe. Sein Bruder, der in F._______ als Flüchtling anerkannt worden sei und die (...) Staats- bürgerschaft besitze, habe sich zudem in Büchern kritisch gegen die Mudschahed din geäussert. B.c Die Beschwerdeführerin berief sich zur Begründung ihres Asylge- suchs auf die Probleme ihres Ehemannes. Persönlich habe sie im Iran keine Probleme gehabt. Im Gegensatz zu ihrem Mann habe sie sich sozusagen jeglicher politischer Betätigung enthalten. Aus einer sehr religiösen Famile stammend, habe sie die Vorschriften konsequent ein- gehalten und sei deshalb in Ruhe gelassen worden. Sie habe lediglich im Jahre 1993 zweimal die aus F._______ zugestellten Zeitschriften mit regimefeindlichen Artikeln an einem Kiosk in jenem Ortsteil von I._______ abgegeben, in dem sich die Zentrale der Pasdaran befunden habe. Dies habe sie in Vertretung ihres damals festgenommenen Eheman nes beziehungsweise aus dem Grund getan, weil sie ihren Ehemann habe entlasten wollen, der damals noch zu Hause in G._______ gelebt habe und mit ausgedehnten Aktivitäten beschäftigt gewesen sei. Innerhalb von 15 Tagen sei sie deswegen angezeigt worden. Sie sei auf die Zentrale der Pasdaran in I._______ bestellt und dort „heftig gestossen“ worden. Schliesslich habe sie ein Geständnis abgelegt, gestützt auf welches sie angeklagt worden sei. Die Probleme ihres Mannes hätten daraus bestanden, dass die Pasda- ran ihn wegen seines in F._______ lebenden Bruders mehrere Male - gesamthaft ungefähr zehnmal - für die Dauer eines Tages wegge- bracht und gefoltert hätten. Während seines ersten Aufenthalts in der Schweiz hätten die Pasdaran sie immer wieder zu Hause aufgesucht und belästigt beziehungweise, sie habe ständig, das heisse einmal pro Woche, einen ganzen Tag auf der Zentrale der Pasdaran in I._______ verbringen müssen, wo man ihr die Augen verbunden, sie sehr schlecht behandelt und beschimpft und ihr nahe gelegt habe, ihren Seite 6D-4043/2006 Mann zur Rückkehr zu bewegen. Dem Versprechen der Beamten, dass man ihrem Mann nichts antun werde, habe sie Glauben geschenkt. Nach der Rückkehr ihres Mannes hätten sie ein ruhiges Leben geführt, ehe ihr Mann nach einem Monat festgenommen worden sei. Während der drei Monate, in denen ihr Mann in der Pasdaran-Zentrale in I._______ gefangen gehalten und sehr oft geschlagen worden sei, habe sie erfolglos auf einen bei den Pasdaran angestellten Verwandten einzuwirken versucht. Erst als sie ihr Haus als Sicherheit zur Verfügung gestellt hätten, sei ihr Mann freigelassen worden. Von einer Ausreise hätten sie damals noch abgesehen, weil sie gehofft hätten, dass sich die Dinge normalisieren würden. Am Tag nach der Freilassung habe sich ihr Mann nach M._______ begeben. Während der folgenden sechs oder sieben Monate, in denen ihr Mann dort in der (...) eines Freundes gearbeitet habe, sei bei ihnen zu Hause in G._______ nichts passiert. Schliesslich sei ihr Man zur Einsicht ge- kom men, dass die alten Probleme wieder auftreten würden. Deshalb sei sie zusammen mit den Kindern nach M._______ gereist, wo sie für ein paar Tage bei einem Freund untergekommen seien. Danach hätten sie alle zusammen das Land verlassen. B.d Der ältere Sohn, C._______, sagte in seinen beiden Befragungen aus, sie hätten wegen der Probleme seines Vaters ausreisen müssen. Ihm selber sei im Umgang mit den iranischen Behörden nichts Nachteiliges widerfahren. Seine Mutter sei jedoch während der Landesabwesenheit seines Vaters alle zwei oder drei Tage für die Dauer von zwei oder drei Stunden zur Befragung mitgenommen worden. Um ihn und seinen Bruder zu schonen, habe sie ihnen gegenüber verheimlicht, wohin sie jeweils gebracht worden sei. Damals bei der Ankunft auf dem Flughafen hätten die Beamten nicht viel zu seinem Vater gesagt. Drei Monate später sei sein Vater jedoch von einer Person respektive von einer Truppe der Pasdaran neben ihrem Haus festgenommen und abgeführt worden. Zu welcher Tageszeit sich dies zugetragen habe, wisse er nicht. Später hätten sie erfahren, dass sein Vater im Gefängnis sitze und gefoltert werde. Drei Monate nach der Festnahme sei sein Vater frei- gelassen worden. Wie viel Zeit sein Vater danach noch zu Hause ver- bracht habe, bevor er wieder fortgegangen sei und sich in M._______ niedergelassen habe, könne er - auch nicht annähernd - nicht sagen. Seite 7D-4043/2006 C. Mit Verfügung vom 13. Juli 2005 - eröffnet am 14. Juli 2005 - stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte deren Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Weg- weisung an. Als Grund für die Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigen- schaft führte das BFM an, die Vorbringen der Beschwerdeführenden vermöchten zum einen Teil der Vorbedingung der Glaubhaftigkeit nach Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht zu genügen und zum andern Teil die in Art. 3 AsylG enthaltenen Be- griffselemente nicht zu erfüllen. D. Die Beschwerdeführenden liessen die Verfügung vom 13. Juli 2005 mit Be schwerde vom 15. August 2005 durch ihren damaligen Rechtsver- treter bei der damals zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommis- sion (ARK) anfechten. Im Einzelnen stellten sie die Begehren, es sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben, die Flücht- lingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Im Even- tualpunkt beantragten sie die Feststellung der Unzulässigkeit, allen- falls der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Des Weiteren ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zusammen mit der Beschwerdeschrift reichten die Beschwerdeführen- den eine Bestätigung vom 4. August 2005 über ihre Abhängigkeit von der Sozialhilfe ein. E. Mit Zwischenverfügung vom 24. August 2005 bestätigte der Instruk- tionsrichter der ARK die Berechtigung der Beschwerdeführenden zur An we senheit in der Schweiz bis zum Abschluss des Verfahrens. Im Weiteren schätzte der Instruktionsrichter sämtliche Beschwerdebegeh- ren als aussichtslos ein und wies mit dieser Begründung das Gesuch um Gewäh rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal- tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ab. Gleichzeitig forderte er die Be schwerdeführenden - bei Abweisung des diesbezüglichen Erlassge- suchs und Androhung der Nichteintretensfolge - auf, bis zum 8. Sep- Seite 8D-4043/2006 tember 2005 einen Vorschuss von Fr. 600.-- zur Deckung der mut- mass lichen Verfahrenskosten zu leisten. F. Am 30. August 2005 wurde im Namen der Beschwerdeführenden ein Betrag von Fr. 600.-- auf das Konto der ARK überwiesen. G. G.a In seiner Vernehmlassung vom 27. März 2006 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. G.b Am 29. März 2006 wurde die Vernehmlassung des BFM den Be- schwerdeführenden vom Instruktionsrichter der ARK ohne Einräumung des Replikrechts zur Kenntnis gebracht. H. Am 1. Januar 2007 übernahm das Bundesverwaltungsgericht das Be- schwerdeverfahren von der ARK. I. Mit Folgeeingabe 19. März 2007 wurden durch den damaligen Rechts- vertreter diverse textliche und fotografische Unterlagen zum Beleg der exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerdeführers (Familienvater) im Zeitraum von August 2005 bis Dezember 2006 sowie eine schriftliche Auskunft der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 4. April 2006 über die Rückkehrgefährdung für AktivistIn- nen und Mitglieder exilpolitischer Organisationen und die Informations- gewinnung iranischer Behörden zum Dossier gegeben. Unter Hinweis auf diese Beweismittel wurde im Begleitschreiben gleichen Datums zu- sammenfassend ausgeführt, der Beschwerdeführer sei ein „ausseror- dentlich aktives“ Mitglied der DVF und bekleide seit der Generalver- sammlung vom September 2006 die Funktion des Logistikverantwortli- chen für den Kanton L._______, weswegen er im Falle einer Rückkehr besonders gefährdet sei. Im genannten Zeitraum habe er als Teilneh- mer von Kundgebungen der DVF Passanten für die Menschenrechtsla- ge im Iran und die Anliegen der DVF sensibilisiert. Die Kundgebungen, bei denen auch Flugblätter abgegeben und provokative Karikaturen von Präsident Ahmadinejad und den Mullahs gezeigt worden seien, würden zudem mit Fotografien dokumentiert, die danach auf der Do- main www.k-d-panahandegan.org , der Homepage der DVF, eingese- hen werden könnten. Seite 9D-4043/2006 J. Mit Eingabe vom 2. August 2007 wurden weitere Beweismittel zu den Akten gereicht, mit dem Kommentar, diese belegten Tatsachen und Ereignisse, die zusammen mit den bisher geltend gemachten geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu begrün- den. So habe sich der Beschwerdeführer zwischen Januar 2007 und Mai 2007 wiederum an mehreren von der DVF organisierten Aktionen beteiligt, die zum Teil Beachtung in den Medien gefunden hätten und auf der Domain www.k-d-panahandegan.org mit Bildern illustriert wor- den seien. K. Am 1. Februar 2008 wurden weitere Unterlagen zum Beweis der „fort- gesetzten“ exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerdeführers eingereicht. Zu den einzelnen Aktivitäten wurde erläutert, es handle sich um Teil- nahmen an grösstenteils von der DVF organisierten Anlässen in der Periode zwischen Juni 2007 bis Dezember 2007. L. Mit Eingabe vom 28. August 2008 (Poststempel) zeigten die Beschwer- deführenden mittels Vollmacht vom 23. Juli 2008 die Vertretung durch die rubrizierte Rechtsberatungsstelle an. Gleichzeitig reichten sie eine weitere Sammlung von deutsch- und fremdsprachigen Texten sowie fotografischem Material zu den Akten. Im Begleitschreiben wurde dazu erläutert, es handle sich um Belege über „diverse politische Exilaktivi- täten“ des Beschwerdeführers zwischen November 2007 und Juli 2008; insbesondere befinde sich darunter ein Schreiben des Präsiden- ten der DVF vom 21. Juli 2008, worin dieser bestätige, dass der Be- schwerdeführer im Zuge der im Frühjahr 2008 vorgenom me nen Neu - strukturierung der DVF zum „stellvertretenden Kantonsverantwortli- chen der Sektion L._______“ gewählt worden sei. M. Mit Eingabe vom 30. Oktober 2008 (Poststempel) ergänzten die Be- schwerdeführenden das Beweismaterial mit Unterlagen über die exil- politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers in den Monaten August und September 2008. Zusätzlich machten sie unter Hinweis auf eine Auflistung in der Zeitschrift „Kanoun“ vom Oktober 2008 geltend, der Be schwerdeführer sei zum Vertreter der DVF im Kanton L._______ er- nannt worden. Des Weiteren wiesen sie unter Berufung auf eine Stel- Seite 10D-4043/2006 lungnahme der Organisation Amnesty International vom 30. Juli 2008 auf die „besorgniserregende Situation“ der Kurden im Iran hin. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Als eine der Beschwerdeinstanzen im Verwaltungsverfahren des Bun des (vgl. Art. 47 Abs. 1 Bst. b VwVG ) beurteilt das Bundesverwal- tungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG , sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Unter die Vorinstanzen fallen die in Art. 33 VGG genannten Behörden, zu welchen auch das BFM (Art. 33 Bst. d VGG) zählt. Art. 32 VGG sieht für Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls keine Ausnahme vor, wo mit die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts als Beschwer- deinstanz im Asylverfahren gegeben ist (Art. 105 AsylG). Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) bestätigt diese Zuständigkeit und schliesst gleichzeitig die Weiterzugsmöglichkeit an das Bundesgericht aus. Als Folge der so definierten Zuständigkeit (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG) hat das Bundesverwaltungsgericht per 1. Januar 2007 die Beurteilung der seit dem 15. August 2005 bei der ARK hängig gewesenen Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 13. Juli 2005 übernommen (Bst. H hiervor). Diese Beurteilung geschieht nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 in fine VGG; Entscheide des Schweizerischen Bun- desverwaltungsgerichts [BVGE] 2007/11 E. 4.2 S. 119), wobei sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG nichts anderes be- stimmt (Art. 37 VGG). Auf die am 1. Januar 2007 bereits hängig gewe- senen Asylverfahren sind zudem die auf diesen Zeitpunkt beziehungs- weise am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Bestimmun gen der Asyl- gesetzänderung vom 16. Dezember 2005 anwendbar (Abs. 1 der Über- gangsbestimmungen zur Änderung vom 16. De zember 2005; AS 2006 4767 und 2007 5573). 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Ent- scheid jedoch ungeachtet der erhobenen Rügen grundsätzlich in vol- Seite 11D-4043/2006 lem Umfang überprüfen. Es stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG) und wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufolge verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt jene Rechtsnormen an- zuwenden, die es als zutreffend erachtet, und ihnen jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. BVGE 2007/41 E. 2 S. 529 f.). 2. 2.1 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor dem Bundes- amt teilgenommen, sind durch die am 13. Juli 2005 ergangene Verfü- gung des BFM besonders berührt und können sich auf ein schutzwür- diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung be- rufen. Damit sind sie zur Einreichung einer dagegen gerichteten Be- schwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 2.2 Die Eingabefrist sowie die Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG Art. 50 und Art. 52 VwVG). Der Verfahrenskostenvorschuss wurde in- nert richterlicher Frist in vollem Umfang geleistet. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 3. Die Schweiz gewährt Flüchtlingen unter Vorbehalt von Ausschluss- gründen auf Gesuch hin Asyl (vgl. Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen Personen, welche in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg- lichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Flucht- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.1 Die im Gesetz so definierte Flüchtlingseigenschaft erfüllt eine asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nach teile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründe- terweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Seite 12D-4043/2006 Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nicht- staatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f.; BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f.; BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingsei- genschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhande- nen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situa- tion im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prü- fung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich (vgl. in diesem Sinne BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376). Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asyl- entscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.; EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; W ALTER S TÖCKLI , Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Basel/Bern/ Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 3.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich - aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise - mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab- sehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich - auch aus heu- tiger Sicht - mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung ge- nügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten - und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden - Benachteiligung als wahrscheinlich und dementspre- chend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 3.3 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in we- sentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik Seite 13D-4043/2006 entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfah- rung widersprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Be- weismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen un- terdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vor- bringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, man- gelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung ver- weigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strik- ten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der Gesuchstellen- den. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise ab- zustellen (vgl. Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4. 4.1 In der angefochtenen Verfügung gelangte das BFM zur Einschät- zung, dass die Beschwerdeführenden mit einem wesentlichen Teil ihrer Aussagen zu den Gründen ihrer Asylgesuche den gelockerten Beweis- anforderungen des Glaubhaftma chens nicht zu genügen vermögen. In seinen Erwägungen begründete es diesen Standpunkt wie folgt: 4.1.1Wäh rend der Beschwerdeführer anlässlich der Empfangsstellen- befragung zu seinem ersten Asylgesuch angegeben habe, er habe kei- nen Pass besessen - zwar habe er einen beantragt, aber nicht bekom- men -, habe er in der kantonalen Anhörung zu seinem ersten Asylge- such erklärt, die Behörden seien zirka im Jahr 1373 (persische Zeit- rechnung für 21. März 1994 bis 20. März 1995, Anm. des Gerichts) zu ihm gekommen und hätten ihm seinen Pass weggenommen bezie- hungsweise, sein Pass sei ihm ungefähr 1367/68 weggenommen wor - den. Anlässlich der Empfangsstellenbefragung zu seinem zweiten Asylgesuch habe der Beschwerdeführer hingegen geltend gemacht, er habe einen Pass besessen, dieser sei ihm aber 1366/67 von den Be- hörden weggenommen worden, als er seinen Bruder in der Türkei be- sucht habe. Sein auf entsprechenden Vorhalt hin unternommener Er- klärungsversuch, wonach er damals das Protokoll unterschrieben ha- be, ohne es zu lesen, könne schon deshalb nicht gehört werden, weil ihm das fragliche Protokoll auf Farsi rückübersetzt worden sei, bevor Seite 14D-4043/2006 er es unterschrieben habe; er müsse sich deshalb darauf behaften las- sen. 4.1.2Auch bezüglich seiner angeblichen Aktivitäten für die Mud- schaheddin habe sich der Beschwerdeführer widersprochen, indem er in der kantonalen Anhörung zu seinem ersten Asylgesuch habe verlau- ten lassen, er habe sich von 1357 bis 1360 als (...) engagiert, in der kantonalen Anhörung zu seinem zweiten Asylgesuch hingegen ausge- sagt habe, er sei zusammen mit seinem Bruder in den Jahren 1978 bis 1985 für Waffen- und Menschentransporte zuständig gewesen, ja so- gar angegeben habe, er habe mehr als sieben Jahre lang Transporte für die Mudschaheddin ausgeführt, um wiederum zu erklären, er habe bloss in den Jahren 1357 bis 1362 mit seinem Bruder zusam men für die Mudschaheddin gearbeitet, weil dieser im Jahr 1364 in den Irak gegangen sei, um zu kämpfen. 4.1.3Die Beschwerdeführerin ihrerseits habe ebenfalls widersprüchli- che Angaben gemacht: So habe sie in der Empfangsstellenbefragung erklärt, ihr Mann habe Zeitschriften der Mudschaheddin erhalten und diese verteilt; weil er dabei einmal verhaftet worden sei, habe sie diese Aktivität weitergeführt und es zweimal getan, innerhalb von 15 Tagen sei sie aber überrascht und angezeigt worden, weshalb sie von den Pasdaran vorgeladen worden sei; man habe ihr vorgeworfen, Zeit- schriften verteilt zu haben, was sie bestätigt habe. In der kantonalen An hörung habe sie hingegen zunächst geltend gemacht, sie habe per- sönlich keine Probleme gehabt, um kurz darauf auszuführen, Leute von der Sepah seien gekommen und hätten sie mitgenommen. In der ergänzenden Bundesanhörung wiederum habe sie erklärt, sie habe eigentlich keine Aktivitäten gegen das Regime ausgeübt, sondern die Vorschriften beachtet, doch im Jahr 1371 habe ihr Mann ausgedehnte Aktivitäten betrieben, weshalb sie zweimal ausgeholfen und Zeitschrif- ten überbracht habe; sie selber habe keine Probleme mit dem Regime gehabt, solche habe sie nur wegen ihres Mannes bekommen. 4.1.4Auch zur angeblichen Festnahme ihres Ehemannes habe sich die Beschwerdeführerin widersprüchlich geäussert. So habe sie in der Emp fangsstelle geltend gemacht, die Behörden seien nach einem Mo- nat direkt nach Hause gekommen, um ihrem Mann festzunehmen; es seien zwei Personen gewesen und sie selber sei zugegen gewesen. In der kantonalen Anhörung habe sie jedoch angeführt, es sei niemand zuhause gewesen, sie selbst sei nicht anwesend, sondern draussen Seite 15D-4043/2006 gewesen, um einzukaufen, und ihr Mann sei neben dem Haus festge- nommen worden. Der auf Vorhalt hin unternommene Erklärungsver- such, man habe sie in (...) nicht ausreden lassen und sie habe gesagt, ihr Mann sei alleine festgenommen worden, könne nicht gehört werden, weil er durch das Protokollierte nicht gestützt werde und dem- nach nicht geeignet sei, die festgestellten Widersprüche auszuräumen. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin das Empfangsstellenpro- tokoll nach erfolgter Rückübersetzung unterschrieben habe. Demzufol- ge müsse sie sich darauf behaften lassen. 4.1.5Bezüglich der angeblichen Inhaftierung - dem zentralen Element der Vorbringen nach der angeblichen Rückkehr des Beschwerdefüh- rers in den Iran - habe sich dieser selber widersprochen. Während er beispielsweise in der Empfangsstellenbefragung zum zweiten Asylge- such angegeben habe, er sei bei sich zu Hause von vier im Jeep er- schienenen Pasdaran festgenommen worden, habe er in der ergän- zenden Bundesanhörung ausgesagt, er sei mit seinem Auto beim Taxi- unternehmen gestanden, das sich neben ihrem Haus befinde, und ha- be auf Fahrgäste gewartet, als die Behörden mit dem Auto gekommen seien und zwei zivil gekleidete Beamte ihn mit dem Patrouillewagen weg gebracht hätten. Wie viele Personen im Auto anwesend gewesen seien, habe er ebenfalls nicht angeben könne. Die dafür gelieferte Er- klärung, es sei ihm eine Augenbinde angelegt worden, verfange nicht, weil der Beschwerdeführer an anderer Stelle ausgesagt habe, es seien ihm erst kurz vor der Ankunft beim Ettelaat Augenbinden angelegt worden. 4.1.6Widersprochen habe sich der Beschwerdeführer sodann bezüg- lich der Grundstückpapiere seines Hauses. Hierzu habe er in der kan- tonalen Anhörung erklärt, diese seien von den Behörden bloss ge- stempelt worden und befänden sich bei seiner Schwester in N._______. In der ergänzenden Bundesanhörung habe er hingegen ausgesagt, die Urkunde seines Hauses sei bei den Behörden deponiert und gegen Quittung abgestempelt worden, sozusagen als Garantie für seine Rückkehr in den Iran. 4.1.7Zum Vorbringen, wonach es in der kantonalen Anhörung Ver- ständigungsprobleme zwischen der Beschwerdeführerin und dem Dol- metscher gegeben habe, sei festzustellen, dass dieses auf einer blos- sen Behauptung basiere und weder durch Aufzeichnungen im entspre- chenden Protokoll noch durch solche in demjenigen über die Anhö- Seite 16D-4043/2006 rung des Beschwerdeführers gestützt werde. Aus den beiden Anhö- rungsprotokollen gehe vielmehr explizit hervor, dass die Verständigung gut gewesen sei. Die Beschwerdeführerin und ihr Mann hätten die Pro- tokolle nach erfolgter Rückübersetzung zudem mit ihrer Unterschrift als aussagengetreu bestätigt. Auch die Bestätigungen der damals per- sönlich anwe senden Hilfswerksvertreterin wiesen keine diesbezügli- chen Beanstandungen auf. Aus der Notiz der lediglich in der ergänzen- den Bundesanhörung anwesenden Hilfswerksvertreterin, wonach sie die Probleme mit dem besagten Dolmetscher in L._______ aus eige- ner Erfahrung nur bestätigen könne, ergäben sich keine genügenden Hinweise auf tatsächliche Verständigungsprobleme beim Kanton. 4.1.8Der Beschwerdeführer mache geltend, dass die iranischen Be- hörden über seine regimefeindlichen Aktivitäten auf dem Laufenden gewesen seien. Diesbezüglich sei festzustellen, dass die iranischen Be hörden beim Verdacht auf ein schweres Delikt - der Beschwerde- führer wolle unter anderem mit den Mudschaheddin zusammengear- beitet haben - die Verdächtigen festnehmen und bis zur Klärung der Vorwürfe in Gewahrsam behalten würden. Entsprechendes sei den Ak- ten indessen nicht zu entnehmen. Der Erklärungsversuch, die Behör- den hätten über keine Beweise verfügt, entbehre angesichts der Sach- lage der Logik und könne nicht gehört werden, zumal der Beschwerde- führer seine angeblichen Aktivitäten über Jahre hinweg ausgeübt ha- ben wolle, ohne dass die Behörden in der Lage gewesen sein sollen, diese Aktivitäten frühzeitig zu unterbinden. 4.1.9Der Beschwerdeführer bringe vor, er habe im Oktober 2002 sein erstes Asylgesuch in der Schweiz zurückgezogen und sei in den Iran zurückgekehrt, weil seine Familie ohne ihn nicht zurechtgekommen sei. Ein solche Verhalten sei aber im Falle einer Person, die wie der Be schwerdeführer jahrelang unter den Übergriffen der iranischen Be- hörden gelitten haben wolle, äusserst schwer nachvollziehbar. Dies um so mehr, als der Beschwerdeführer seinen Rückkehrentschluss da- mit begründet habe, dass seiner Frau versprochen worden sei, ihm würde im Iran nichts passieren. Auf eine solche Zusicherung habe sich der Beschwerdeführer angesichts der ihm bekannten Verhältnisse im Iran nicht ernsthaft verlassen können. 4.1.10Die Angaben des Beschwerdeführers zu den Umständen sei- ner Freilassung aus der angeblichen Haft vermöchten ebenso wenig zu überzeugen. So habe er in der Empfangsstellenbefragung und kan- Seite 17D-4043/2006 tonalen Anhörung lediglich geltend gemacht, er sei gegen Hinterle- gung der Besitzurkunde eines Hauses freigekommen. Mit keinem Wort habe er erwähnt, die Beziehungen seines Cousins hätten eine Rolle gespielt. Im Unterschied dazu habe er in der ergänzenden Bundesan- hörung geltend gemacht, die Besitzurkunde seines Hauses sei zwar als Kaution hinterlegt worden, er sei aber wegen seines Cousins vä- terlicherseits, der bei der Sepah-e Pasdaran arbeite, aus der Haft ent- lassen worden. Dokumen te, die ihm oder seiner Familie im Zusam- men hang mit der Hinterlegung der Besitzurkunde des Hauses ausge- händigt worden seien, habe er keine vorgelegt. Abgesehen davon sei nicht anzunehmen, dass der Cousin ein derartiges Risiko auf sich ge- nommen hätte, wo er doch habe davon ausgehen müssen, dass der Be schwerdeführer nach der Freilassung erneut die Flucht aus dem Iran ergreifen würde. 4.1.11Trotz eingehender Befragung habe der Beschwerdeführer den behaupteten Sachverhalt nicht angemessen konkretisieren können. Beispielsweise seien die Ausführungen zu seinem angeblichen Ge- fängnisaufenthalt äusserst vage ausgefallen. Zudem sei er nicht im Stande gewesen, die angeblichen Inhaftierungen nach 1371 plausibel darzulegen, habe er sich doch dahin gehend geäussert, dass er von da an bis zu seiner ersten Ausreise "mehrere Male, viele Male, ja tau- sende Male" inhaftiert worden sei. Ebenso wenig habe er für die gel- tend gemachte Haft nach seiner Rückkehr in den Iran überzeugende Zeitangaben gemacht. Weder für den Tag seiner Verhaftung noch für denjenigen der Freilassung habe er ein Datum genannt, sondern je- weils nur erklärt einen Monat nach der Wiedereinreise verhaftet und drei Monate lang inhaftiert worden zu sein. Zudem habe er nicht ein- mal den Wo chentag seiner angeblichen Verhaftung bezeichnen kön- nen. Von einer Person, die wegen der vorgebrachten Ereignisse ihr Heimatland habe verlassen müssen, dürfe erwartet werden, dass sie sich insbesondere nicht bloss auf das Gefragte beschränke, sondern auch von sich aus Details schildere. Entsprechendes sei aber den Ausführungen des Beschwerdeführers anlässlich seiner Anhörungen nicht zu entnehmen. 4.1.12Die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, einen asylrelevanten Sachverhalt zu untermauern. Beim Entlassungsschrei- ben der "Iran Gaz" vom 16.5.1375 und beim Gerichtsurteil vom 13.9.1378 betreffend eine sechsmonatige Haftstrafe wegen Alkoholbe- sitzes handle es sich um leicht verfälschbare Kopien. Schon deswegen Seite 18D-4043/2006 könnten die den Parteiauskünften anhaftenden Unglaubhaftigkeits- merkmale mit diesen beiden Dokumenten, die ohnehin nicht in einem Zusam menhang mit einem asylrelevanten Sachverhalt beziehungswei- se mit der Ausreise des Beschwerdeführers aus dem Iran stünden, nicht entkräftet werden. Abgesehen davon datiere das Entlassungs- schreiben vom 16.5.1375; der Beschwerdeführer habe jedoch ausge- sagt, im 2. Monat 1378 entlassen worden zu sein. Zur eingereichten Bestätigung iranischer Staatsangehöriger vom 2. Juli 2001 schliesslich sei festzuhalten, dass im Verwaltungsverfahren zwar Auskünfte oder Zeug nis von Drittpersonen als zulässige Beweismittel vorgesehen sei- en, der Zeugenbeweis für das Asylverfahren aber aus grundsätzlichen Überlegungen wenig tauglich erscheine, weil die Gefahr einer vorgän- gigen Beeinflussung der betreffenden Auskunftsperson aufgrund der Be sonderheit des Verfahrens hoch sei. 4.2 In der Beschwerde wird gerügt, dass das BFM mit diesen Erwä- gungen zur Unglaubhaftigkeit der Gesuchsvorbringen, an denen es in der Vernehmlassung zur Beschwerde vollumfänglich festhielt, die Be- weisregel von Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG zu restriktiv angewandt habe. Ob dieser Einwand begründet ist, ist im Rahmen einer Gesamtwürdi- gung zu prüfen, in welcher das Gericht die für und die gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Elemente zueinander in Beziehung setzt und gebührend gewichtet (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). Weil im Verwaltungsbeschwerdeverfahren der Untersuchungsgrund- satz gilt und das Gericht nicht an die Sachverhaltsfeststellung der Vor- instanz gebunden ist (vgl. vorne E. 1.2), hat es vor der Abwägung der für und gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Elemente gegebenen- falls zu klären, welche Bestandteile ihres gesamten Sachvortrags die asylsuchende Person überhaupt selber (vgl. Art. 12 Bst. b VwVG) in eine kausale Verbindung mit ihrer seinerzeitigen Ausreise und dem Schutzersuchen in der Schweiz beziehungsweise mit ihrer persönli- chen Einschätzung bringt, (auch) unter den heute im Heimatstaat herr- schenden Verhältnissen der Gefahr von Verfolgung ausgesetzt zu sein. 4.3 Bei eingehender Prüfung der Akten und insbesondere einem Quervergleich der verschiedenen Befragungsprotokolle bestätigt sich der bereits im Instruktionsverfahren nach einer summarischen Prüfung gewon nene Eindruck, dass die hauptsächlichen Asylgründe der Be- schwerdeführenden nicht auf wahren Begebenheiten beruhen. Wie sich bei einer Nachprüfung der Aussagen in den Protokollen zeigt, hat das BFM in der angefochtenen Verfügung die einzelnen Unglaubhaftig- Seite 19D-4043/2006 keitsindizien sorgfältig herausgearbeitet und angemessen gewichtet. In ihren Eingaben im Beschwerdeverfahren gelingt es den Beschwerde- führenden nicht, die entsprechenden Entscheidgründe der Vorinstanz zu entkräften. Plausible und stichhaltige Erklärungen für die Wider- sprüchlichkeit, Zusammenhanglosigkeit und den generell dürftigen Ge- halt ihrer Aussagen bleiben sie schuldig. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen ist darum vorab auf die Erwägungen in der angefoch- tenen Verfügung zu verweisen, die vorne (E. 4.1) ausführlich wiederge- geben wurden. Die folgenden Ausführungen sind in diesem Sinne als Ergänzungen und Verdeutlichungen zu verstehen. 4.3.1Zu Recht legt das BFM einen Schwerpunkt seiner Argumenta- tion auf die nicht plausiblen Gründe, aus denen der Beschwerdeführer sein erstes Asylgesuch in der Schweiz zurückgezogen haben und frei- willig über den Flughafen von Teheran in sein Heimatland zurückge- kehrt sein will. Der Darstellung, wonach die Pasdaran die Beschwerde- führerin anlässlich von wöchentlichen Hausbesuchen beziehungswei- se Mitnahmen gedrängt hätten, ihren Mann unter Zusicherung von Straflosigkeit zu einer Rückkehr zu bewegen (vgl. act. B14/20 S. 9 ff.), haftet zwangsläufig der Mangel eines inneren Widerspruchs an. So ist bei einem dermas sen gezielten und beharrlichen Vorgehen der - für die Bekämpfung regierungsfeindlicher Gruppen zuständigen - Revolu- tionsgarde (Pasdaran) schwerlich eine andere Zielsetzung vorstellbar als jene, den Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr für sein Verhal- ten zur Rechenschaft zu ziehen. Die Angaben der Beschwerdeführerin zur Bedrängung durch die Pasdaran fielen denn auch auffallend einsilbig aus und waren von emotionaler Unsicherheit geprägt (vgl. act. B14/20 S. 10 unten: „Es war sehr unruhig.“). Zudem gab sie die entsprechenden Erklärungen immer erst auf Rückfrage hin ab (vgl. act. B14/20 S. 9 ff.). Soweit ihren Äusserungen entnommen werden kann, wurde die Beschwerdeführerin von den Sepah-Leuten mit verbunde- nen Augen den ganzen Tag über festgehalten, dabei „sehr schlecht“ behandelt, vom Vorsitzenden persönlich verhört, beschimpft und vor die Wahl gestellt, weiterhin mitgenommen zu werden oder aber ihren Mann zur Rückkehr aufzufordern. Es mutet unter diesen Umständen absurd an und ist selbst mit einer „ausgeprägten Leichtgläubigkeit“ (vgl. Beschwerde S. 9) nicht zu erklären, wenn die Beschwerdeführerin glauben machen will, sie habe gedacht, die Behörden würden ihren Mann nach der Rückkehr in Ruhe lassen (vgl. act. B14/20 S. 11). Als gleichermassen unglaubhaft ist es alsdann zu werten, dass der Be- schwerdeführer bei seinem im Herbst 2002 getroffenen Entschluss, Seite 20D-4043/2006 freiwillig in den Iran zurückzukehren (vgl. Prozessgeschichte Bst. A.c und A.d), gerade deshalb auf das Fehlen einer Verfolgungsgefahr ver- traute, weil seine Ehefrau ihm am Telefon von den behördlichen Mit- nahmen und Zusicherungen berichtet hatte (vgl. act. B3/8 S. 4). 4.3.2Auch unabhängig von den Motiven der Rückkehr des Beschwer- deführers am 31. Oktober 2002 erweist sich der behauptete Ereignis- verlauf in den folgenden neun Monaten (vgl. act. B45/17 S. 6) bis zur erneuten Ausreise als unglaubhaft. 4.3.2.1Zunächst ist nicht ersichtlich, aus welchem Grund die irani- schen Sicherheitsbehörden den Beschwerdeführer nur einen Monat nach dessen Wiedereinreise über den Flughafen von Teheran hätten inhaftieren sollen. Laut eigener Aussage wurde der Beschwerdeführer im Anschluss an die Grenzkontrolle auf dem Flughafen zunächst fünf Stunden festgehalten, anschliessend „mehrere Stunden“ über die Gründe des Auslandaufenthalts, über seinen Bruder und über die irani- schen Asylbewerber in der Schweiz befragt und danach freigelassen, ohne dass es Probleme gab (vgl. act. B45/17 S. 8). Insofern bleibt un- klar, warum die iranischen Behörden nicht schon unmittelbar nach der Einreise mit dem Beschwerdeführer in der Weise verfuhren, wie sie dies einen Monat später getan haben sollen. 4.3.2.2Der Beschwerdeführer selber bekundete denn auch sichtlich Mühe, eine Erklärung für die angebliche Festnahme und dreimonatige Haft zu finden (vgl. act. B 13/16 S. 7). Welchen staatlichen Organen die Personen zuzuordnen waren, mit denen er im Verlauf der Festnah- me und Inhaftierung konfrontiert worden sein will, geht aus seinen konfusen Aussagen nicht deutlich hervor (vgl. act. B 13/16 S. 9). Vor allem blieb er klar umrissene Aussagen schuldig, durch welche die je- weiligen Interaktionen und seine eigene Teilnahme am Geschehen wie insbesondere körperliche Befindlichkeiten, psychische Vorgänge sowie spontane Reaktionen auf die erlittene Gewalteinwirkung widerspiegelt worden wären (vgl. act. B 13/16 S. 10 f.). Die diesbezügliche Unfähig- keit gerade mit einer folterbedingten Traumatisierung zu erklären (vgl. Be schwerde S. 10 und 11), kommt einem Zirkelschluss gleich. Der Be- schwerdeführer zeigte abgesehen davon nicht das einen traumatisier- ten Menschen kennzeichnende Verhalten, als er am Tag nach seiner angeblichen Freilassung nach M._______ reiste, um dort in einer (...) eine Arbeitsstelle anzunehmen (vgl. act. B45/17 S. 9). Seite 21D-4043/2006 4.3.2.3Nichts an Plausibilität gewinnen die Aussagen des Beschwer- deführers durch den Zusatz, dass seine Haftentlassung lediglich provi- sorischer Natur gewesen und er im Gegenzug verpflichtet worden sei, sein Haus zu verpfänden und sich bei den Behörden zu melden. Ins- besondere was die Auferlegung einer Meldepflicht betrifft, zeigt sich bei einer Konsultation der Protokollstellen, dass der Beschwerdeführer die entsprechenden Begebenheiten bloss vorspiegelt. Die Modalitäten, nach denen er sich den Behörden hat zur Verfügung halten müssen, vermochte er in der Anhörung zu den Asylgründen nicht zu beschrei- ben. Nach diesbezüglicher Rückfrage legte er sich schliesslich auf die Version fest, dass die Behörden ihm mitgeteilt hätten, sie würden ihn nun „vorübergehend“ freilassen und sich „wieder melden“ beziehungs- weise ihn vorladen, was in der Folge jedoch niemals eingetreten sei (vgl. act. B13/16 S. 8). Auch die Aussagen seiner Ehefrau deuten im Übrigen nicht darauf hin, dass er während seines anschliessenden Aufenthalts in M._______ eine behördliche Meldepflicht missachtet beziehungsweise eine zugestellte Vorladung ignoriert hat. So gab die Be schwerdeführerin in der Empfangsstellenbefragung zu Protokoll, es sei in dieser Zeitspanne nichts passiert; sie hätten versucht, sich nicht zu zeigen (vgl. act. B2/8 S. 5). 4.3.2.4Mit dem unbestrittenen Ausbleiben jeglicher Kontakte oder Be- gegnungen mit den Pasdaran oder anderen Behördenvertretern in den verbleibenden fünf Monaten bis zur (erneuten) Ausreise ist zugleich erstellt, dass die Beschwerdeführenden sich selber gar nicht auf eine Ausnahmesituation berufen, in der sie sich im August 2003 aus Sicher- heitsgründen hätten ausser Landes bringen müssen. Die Beschwerde- führerin antwortete auf die Frage, warum sie nicht sofort nach der Frei- lassung ihres Mannes ausgereist seien, sie hätten gedacht, es würde wieder Hoffnung geben. Einschlägige Ereignisse oder überhaupt ein- leuchtende Gründe, infolge derer sich diese Hoffnungen anschliessend zerschlagen haben könnten, vermochte sie jedoch keine anzuführen (vgl. B14/20 S. 14). Der Beschwerdeführer erwähnte selber keine Kon- frontationen mit den iranischen Behörden oder andere Signale für eine bestehende Verhaftungsgefahr in der Phase seines Aufenthalts in M._______ (vgl. act. B45/17 S. 9 F 92: „Dann wurde ich eingesperrt. Danach wurde ich entlassen. Ich ging zu einem Freund nach M._______. Mein Freund besitzt einen (...) Betrieb. Ich arbeitete ein paar Monat bei ihm, danach sind wir ausgereist.“). Andererseits führte er an, weder er selbst noch Personen aus seinem Umfeld hätten sich in dieser Zeit in irgendeiner Weise gegen das Regime engagiert (vgl. Seite 22D-4043/2006 act. B45/17 S. 9 F 93 f.). Die Beschwerdeführerin berief sich in diesem Zusammenhang nichtsdestotrotz darauf, dass ihr Mannes zur Einsicht gelangt sei, er würde wieder die gleichen Probleme wie vorher bekom- men, falls er in M._______ bleiben würde (vgl. B14/20 S. 14). Es kann angesichts dessen hinlänglich ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführenden ihr Heimatland in der subjektiven Überzeugung verlassen haben, der aktuellen Gefahr von behördlichen Behelli- gungen ausgesetzt zu sein. 4.3.3Im Vergleich zu einer derartigen Fülle von starken Unglaubhaf- tigkeitsindizien fallen die für die Glaubhaftigkeit sprechenden Hinweise in den Akten weit schwächer ins Gewicht. Keine schlüssigen Hinweise auf einen Realitätshintergrund lassen sich insbesondere aus den ein- gereichten Beweismitteln herleiten. Diesbezüglich ist den Argumenten der Vorinstanz nichts hinzuzufügen (vgl. vorne E. 4.1.12). Sodann ist es entgegen der Ansicht in der Beschwerde (vgl. daselbst S. 7) nicht angebracht, die Aussagekraft der die Beschwerdeführerin betreffenden Protokolle der Empfangsstellenbefragung und kantonalen Anhörung zu relativieren. Der in der Beschwerde vertretene Standpunkt, wonach die Ge sprächsführung beziehungsweise die fachliche Eignung und das Verhalten der Dolmetscher die Beschwerdeführerin an einer stimmige- ren Darlegung ihrer Asylgründe gehindert hätten, findet in den Akten keine Stütze. Im Gegenteil steht in beiden Protokollen die ausdrück- liche Bestätigung der Beschwerdeführerin zu lesen, sich „gut“ mit dem Dolmetscher verständigen zu können (vgl. act. B 2/8 S. 6 und B14/20 S. 2). Dass diese Bestätigung ihrerseits auf einer unkorrekten Überset- zung oder Protokollierung beruht, wird von der Beschwerdeführerin nicht behauptet und drängt sich bei realistischer Betrachtung nicht auf. Ebenso wenig ist in Betracht zu ziehen, dass die Beschwerdeführerin in diesen Momenten - aus welchen Gründen auch immer - von einer Artikulierung tatsächlich bestehender Probleme in der Verständigung mit dem Dolmetscher bewusst absah. Beide Protokolle wurden ihr zu- dem nach Beendigung der Befragung rückübersetzt, worauf sie diese mit ihrer Unterschrift als wahrheitsgetreu und deckungsgleich mit ihren Aussagen bestätigte. Dass einzelne ihrer Aussagen sowohl vor der Protokollierung als auch bei der späteren Rückübersetzung vom Dol- metscher unkorrekt oder unvollständig übersetzt wurden, so dass sie den Mangel im Protokoll nicht bemerken konnte, ist hinlänglich auszu- schliessen. Ebenso wenig wahrscheinlich mutet es angesichts ihres Verzichts auf jegliche Korrekturen nach der Rückübersetzung an, dass ihre Angaben zwar richtig übersetzt, in der Folge jedoch vom Befrager Seite 23D-4043/2006 falsch protokolliert wurden. Somit erübrigt sich eine Erörterung der Frage, ob die behaupteten Mängel gegebenenfalls geeignet gewesen wären, das Ergebnis der Glaubhaftigkeitsprüfung zu beeinflussen. 4.4 Aus dem Erwogenen lässt sich im Sinne eines Zwischenfazits fest- halten, dass die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft machen kön- nen, sie hätten ihr Heimatland in einer Situation verlassen müssen, in der ihnen flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile vonseiten der irani- schen Behörden gedroht haben. Bei gesamthafter Betrachtung ihrer diesbezüglichen Aussagen in den Befragungen und der im Laufe des Verfahrens eingereichten Beweismittel lässt sich ein Übergewicht an Merkmalen, die auf einen Realitätshintergrund hindeuten, im Vergleich zu solchen, die für das Vorspiegeln einer Gefährdungssituation spre- chen, klarerweise nicht erkennen. Die Vorinstanz durfte dementspre- chend davon absehen, die betreffenden Gesuchsgründe im Einzelnen auf ihre asylrechtliche Relevanz hin zu überprüfen (vgl. Art. 7 Abs. 1 AsylG). 5. 5.1 Was die geltend gemachte Furcht vor einer Verfolgung durch die Mudscha heddin aufgrund des Engagements des Bruders des Be- schwerdeführers betrifft, braucht die Glaubhaftigkeit dieses Vorbrin- gens nicht näher geprüft zu werden. Selbst wenn nämlich im Sinne einer blossen Hypothese davon ausgegangen würde, dass die Be- schwerdeführenden in diesem Zusammenhang wahrheitsgetreue An- gaben gemacht haben, vermöch ten sie damit, wie sogleich darzulegen sein wird, die Kriterien der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu erfüllen. 5.2 Das BFM beruft sich in der angefochtenen Verfügung darauf, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten befürchteten Verfol- gungshandlungen der Mudschaheddin Übergriffe durch Dritte dar- stellten. Bei nichtstaatlichen Übergriffen liege eine asylrelevante Verfol- gung nur dann vor, wenn der Staat trotz seinerseits bestehender Ver- pflichtung und Befähigung den erforderlichen Schutz vorenthalte. Eine solche Konstellation könne indes ausgeschlossen werden, weil auf- grund des Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Angehörige der Mudschaheddin der Schutzwille des iranischen Staates grundsätzlich zu bejahen sei. 5.2.1Die mit diesen Erwägungen vom BFM abgehandelte Frage, ob hinsichtlich der von privaten Akteuren ausgeführten Handlungen die Seite 24D-4043/2006 Voraussetzungen einer mittelbaren staatlichen Verfolgung erfüllt seien, stellt sich aus heutiger Sicht nicht mehr. Mit dem Grundsatzentscheid der ARK vom 8. Juni 2006 (EMARK 2006 Nr. 18) wurde im schweizeri- schen Asylrecht anstelle der Zurechenbarkeitstheorie die sogenannte Schutztheorie anerkannt. Diese besagt, dass die Flüchtlingseigen- schaft von Asylsuchenden, welche im Herkunftsland - unter asylrecht- lich im Übrigen relevanten Umständen (siehe sogleich) - von nicht- staatlicher Verfolgung bedroht sind, zu verneinen ist, wenn in diesem Staat Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung erhältlich ist. Ein solcher kann sowohl durch den Heimatstaat als auch durch einen im Sinne der Rechtsprechung besonders qualifizierten Quasi-Staat gewährt werden (vgl. a.a.O. E. 10.2.3 S. 202 f.). Übertragen auf den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die Frage der mittelbaren Verfolgung durch den iranischen Staat in Form einer Förderung oder Billigung begangener oder drohender Übergriffe der Mudschaheddin obsolet geworden ist, weil nicht mehr untersucht werden muss, ob das private Verhalten allenfalls den staatlichen Strukturen zuzurechnen ist. Nach der Schutztheorie ist nämlich einzig massgebend, ob die betroffene Per- son vor einer drohenden privaten Verfolgung beim Staat Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). 5.2.2Dass sie jemals die Adressaten gezielter Drohungen der Mud- schaheddin waren, wurde von den Beschwerdeführenden in den diver- sen Befragungen nicht geltend gemacht. Auch andere Ereignisse, in denen allenfalls Indizien für die Gefahr erblickt werden könnten, Opfer von Übergriffen der Mudschaheddin zu werden, sind in ihren Aussagen nicht zu finden. Aufgrund dessen erscheint es ausgeschlossen, dass diesbezüglich eine graduell hohe und zeitlich eingrenzbare Eintritts- wahrscheinlichkeit nach dem von der Praxis entwickelten Verständnis der begründeten Furcht im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG vorliegen würde (vgl. vorstehend E. 3.2). Erst anlässlich der ergänzenden Anhö- rung vom 15. Juni 2005 machte der Beschwerdeführer eine Furcht vor Vergeltungshandlungen der Mudschaheddin überhaupt zum Thema. Seine diesbezüglichen Angaben bewegen sich freilich auf der Ebene blosser Spekulationen (vgl. act. B45/17 S. 3: ... „Sie werden uns zerstü- ckeln, falls sie uns aufspüren können.“ ...). Weil somit bereits ein ande- res unentbehrliches Elemente des Flüchtlingsbegriffs von Art. 3 AsylG nicht erfüllt ist, kann offen bleiben, ob die Beschwerdeführenden sich mit Bezug auf drohende Übergriffe durch die Mudschaheddin auf einen genügenden (zum erforderlichen Grad des Schutzes vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.) Schutz durch die heimatlichen Behörden verlassen Seite 25D-4043/2006 könnten. Gleichzeitig kann - wie eingangs (E. 5.1) erwähnt - dahin ge- stellt bleiben, ob ihnen überhaupt geglaubt werden kann, dass sie ein Ge fühl der Furcht empfinden, Übergriffe vonseiten der Mudschaheddin zu erleiden (subjektives Element der begründeten Furcht vor Verfol- gung, vgl. Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, Schwei- zerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 188). Im Übrigen kann die Tatsache allein, dass der Bruder des Be- schwerdeführers in F._______ als Flüchtling anerkannt wurde, selbst- redend nicht gleichgesetzt werden mit dem Bestehen einer Reflex- verfolgung aufseiten der Beschwerdeführenden (vgl. Beschwerde S. 13, Eingabe vom 1. Februar 2008 S. 2, Eingabe vom 28. August 2008). Die dahingehende Befürchtung erweist sich spätestens dann als unbegründet, wenn die Reaktion der iranischen Behörden bei der Wiedereinreise im Oktober 2002 des Beschwerdeführers (vgl. vorne E. 4.3.2.1) als Indikator herangezogen wird. 6. Im Ergebnis nicht anders präsentiert sich die Aktenlage, soweit zur Be gründung der Asylgesuche auf das exilpolitische Verhalten der Be- schwerdeführerin und ihres Ehemannes in der Schweiz hingewiesen und somit das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe geltend ge- macht wird. 6.1 Flüchtlingen wird kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Aus- reise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhal- tens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Artikel 3 wurden (Art. 54 AsylG). Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Das vom Ge setzgeber vorgesehene Konzept, wonach das Vorliegen von subjek- tiven Nachfluchtgründen die Gewährung von Asyl ausschliesst, verbie- tet auch ein Addieren solcher Gründe mit Fluchtgründen, welche vor der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat entstanden sind und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und zur Asylgewährung ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352; Seite 26D-4043/2006 EMARK 1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 ff., EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen). 6.2 Vorliegend wird zur Verdeutlichung der exilpolitischen Tätigkeiten in der Schweiz unter Vorlage zahlreicher, teils im Internet abrufbarer Text- und Bildberichte darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum von August 2005 bis September 2008 an verschiedenen Flugblatt- und Zeitschriftenverteilaktionen, Informationsständen, regi- me kritischen Strassenproduktionen und Protestkundgebungen sowie an Versammlungen und Diskussionsrunden der DVF in der Schweiz teilgenom men habe. Auf diese Weise habe er sich als „ausserordent- lich aktives“ Mitglied der DVF in Szene gesetzt. Im Oktober 2008 sei er zum Vertreter der DVF im Kanton L._______ bestimmt worden. Für die weiteren Einzelheiten wird auf die Akten und die Zusammen- fassung in der Prozessgeschichte (Bst. B.b, I., J., K., L., und M. vorste- hend) verwiesen. 6.2.1Mit Bezug auf den Iran ist in genereller Hinsicht festzuhalten, dass durch die Neufassung des iranischen Strafrechts vom 9. Juli 1996 die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen im Ausland unter Strafe gestellt ist (Art. 498-500). Zudem überwachen die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer Staatsangehöri- gen im Ausland. Hierbei ist davon auszugehen, dass sich die Ausland- geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, welche über die massentypischen und niedrig profilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrnehmen und/oder Akti- vitäten entwickeln, die sie aus der Masse der mit dem Regime Unzu- friedenen herausheben und als ernsthafte und potentiell gefährliche Regimegegner erscheinen lassen. Nach Erkenntnis des Bundesver- waltungsgerichts unterliegen Mitglieder von Exilorganisationen der im Iran verbotenen oppositionellen Parteien, Teilnehmer an Veranstaltun- gen dieser Organisationen, Mitwirkende an regimekritischen Demon - strationen, welche die dabei üblichen Plakate tragen und Parolen ru- fen, Teilnehmer von sonstigen regimekritischen Veranstaltungen sowie Personen, die Büchertische betreuen und Informations- und Propagan- dama terial wie etwa die Monatszeitschrift der DVF verteilen, keiner all- gemeinen Überwa chungsgefahr durch iranische Exilbehörden. Dass die iranischen Sicherheitsbehörden zwischen tatsächlich politisch en- gagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versu- Seite 27D-4043/2006 chen, zu unterscheiden vermögen, darf vorausgesetzt werden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3 S. 364 ff.). 6.2.2Im konkreten Fall geht das Gericht nach einer Auswertung des eingereichten Beweismaterials unter Mitberücksichtigung der übrigen Akten davon aus, dass insgesamt keine subjektiven Nachfluchtgründe bestehen, die bei einer Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Iran zu einer für die Flüchtlingseigenschaft relevanten Verfolgung füh- ren würden. Seiner Einschätzung legt es dabei die Erkenntnis zugrun- de, dass nicht primär das Hervortreten im Sinne einer optischen Er- kennbarkeit und Individualisierbarkeit, sondern eine derartige Expo- nierung in der Öffentlichkeit massgebend ist, welche aufgrund der Per- sönlichkeit des Asylsuchenden, der äusseren Form seines Auftritts und nicht zuletzt aufgrund des Inhaltes der in der Öffentlichkeit abge- gebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, dass der Asylsuchende zu einer Gefahr für den Bestand des Mullah-Regimes wird. Ein der- mas sen erhöhter Exponierungsgrad kann dem Beschwerdeführer nicht bescheinigt werden. Er selber nahm ein solches agitatorisches Poten- tial nicht für sich in Anspruch, als er in der Anhörung vom 15. Juni 2005 gefragt wurde, was er mit den vorgelegten Unterlagen der DVF zu erreichen bezwecke (vgl. act. B45/17 S. 2 f.). Die näheren Gründe, aus denen er sich anlässlich seines ersten Aufenthalts in der Schweiz zu solchen oder ähnlichen Aktivitäten nicht berufen fühlte, legt er nicht dar. Seiner Aussage zufolge ging er während seines neunmonatigen Aufenthalts in der Heimat nach der Rückkehr aus der Schweiz keiner politischen Tätigkeit nach (vgl. act. B45/17 S. 9 F 93). Dass er vor seiner ersten Ausreise aus dem Iran über mehrere Jahre hinweg Akti- vitäten für die Mudschaheddin ausgeführt hat, kann ihm aus den vor- stehend dargelegten Gründen nicht geglaubt werden. Der Beschwer- deführer hat somit im Iran nicht ein Verhalten an den Tag gelegt, das ihn als politischen Aktivisten und Regimegegner in den Fokus der Be- hörden hätte rücken lassen. Eine exilpolitische Tätigkeit in der Schweiz wurde seinerseits in den beiden ersten Befragungen des zweiten Ver- fahrens noch mit keinem Wort erwähnt. Erst in der ergänzenden An- hörung vom 15. Juni 2005 - mithin mehr als eineinhalb Jahre nach der erneuten Einreise in die Schweiz - wurde eine solche erstmals thema- tisiert. Angesichts dessen fehlt es an hinreichenden Anhaltspunkten dafür, dass die seither ausgeführten Aktivitäten ihre primäre Motivation in einem ernsthaften persönlichen Bedürfnis und einer gefestigten poli- tischen Gesinnung hatten. Schon wegen dieser fehlenden Ernsthaftig- keit scheinen sie nicht geeignet, die Aufmerksamkeit der iranischen Seite 28D-4043/2006 Nach richtendienste zu wecken. Daran ändert nichts, dass der Be- schwerdeführer offenbar innerhalb der DVF die Rolle eines Verantwort- lichen für den Kanton L._______ zugeteilt erhalten hat. Zum Gesamt- eindruck der fehlenden Ernsthaftigkeit trägt im Übrigen bei, dass die Be schwerdeführenden sich in der letzten Beweismitteleingabe vom 29. Oktober 2008 zusätzlich auf die Situation der Kurden im Iran be- rufen, obschon sie sich im bisherigen Verlauf des Verfahrens immer als Perser bezeichnet haben. Abgesehen davon geht das dokumentierte Auftreten des Beschwerde- führers bei den Aktionen, an denen er ab August 2005 hierzulande teil- genom men hat, nicht über das hinaus, was zahlreiche iranische Staatsangehörige im Rahmen exilpolitischer Aktionen ausführen, ohne dass von einer relevanten Gefährdung dieser Personen auszugehen wäre. Selbst wenn im Übrigen von einer gewissen Prominenz des Be- schwerdeführers im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit der DVF ausge- gangen würde, wäre nach Ansicht des Gerichts daraus allein noch nicht auf eine hinreichend hohe und in der Öffentlichkeit exponierte Ka derstelle innerhalb dieser Exilorganisation zu schliessen. Vor diesem Hintergrund lässt die im vorliegenden Verfahren dokumen- tierte Beteiligung des Beschwerdeführers an exilpolitischen Aktivitäten insgesamt nicht das Gefährdungspotenzial ersehen, welches dieser daraus zu ziehen versucht. 6.3 Es ist somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat befürchten müsste, dort wegen seines im Ausland ge- zeigten politischen Verhaltens ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu erleiden. Insbesondere fehlen im vorliegenden Fall jegliche aktenkundige Hinweise darauf, dass im Iran aufgrund der genannten politischen Aktivitäten im Exil gegen ihn ein Strafverfahren oder ande- re behördliche Massnahmen eingeleitet worden sind. In letzter Konse- quenz ist hierbei darauf hinzuweisen, dass es nicht Sache der schwei- zerischen Asylbehörden sein kann, jede auch nur ansatzweise mögli- che Gefährdungssituation im Heimatland einer asylsuchenden Person abzuklären. Hier findet der in Art. 12 VwVG verankerte Untersuchungs- grundsatz vernünftigerweise seine Schranken und die Beschwerdefüh- renden sind auf ihre in Art. 8 AsylG verankerte Mitwirkungspflicht zu verweisen. Angesichts dessen sowie der umfangreichen regimekriti- schen Aktivitäten von Iranerinnen und Iranern in ganz Westeuropa er- Seite 29D-4043/2006 scheint es insgesamt als unwahrscheinlich, dass die iranischen Behör- den von den Exilaktivitäten des Beschwerdeführers soweit Notiz ge- nom men haben, dass sie diese als konkrete und ernsthafte Bedrohung für das politische System empfinden würden. 6.4 Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdefüh- renden aufgrund ihrer (zweimaligen) Ausreise aus dem Iran und der Asylbeantragung in der Schweiz bei einer Rückkehr in ihre Heimat keine asylrechtlich relevanten Nachteile zu befürchten haben. Für den vorliegenden Fall ist festzustellen, dass die behauptete illegale Aus- reise nicht feststeht und diese mit Blick auf die überwiegend unglaub- haften Verfolgungsvorbringen zumindest zweifelhaft ist. Selbst wenn die Beschwerdeführenden jedoch tatsächlich illegal ausgereist und den iranischen Behörden ihre Asylgesuchstellung bekannt geworden sein sollte, ist nicht davon auszugehen, dass sie bei ihrer Rückkehr deswegen mit asylrechtlich relevanten Nachteilen zu rechnen hätten (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.4 S. 367). 7. Angesichts der aufgezeigten Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Einwendungen in der Beschwerde und in den verschiedenen Folgeein- gaben einzugehen, da diese nicht geeignet sind, einen anderen Ent- scheid in der Fragen der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls herbei- zuführen. Aus demselben Grund kann auf weitergehende Erörterun- gen zu den eingereichten Beweismitteln verzichtet werden. Der rechts- erhebliche Sachverhalt wurde ausreichend ermittelt, und es ist dem- nach absehbar, dass aus zusätzlichen Abklärungen keine neuen ent- scheidwesentlichen Erkenntnisse gewonnen werden könnten. Da mit ist nach Würdigung der gesamten Umstände als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden die Voraussetzungen der Flüchtlings- eigenschaft im Sinne der Definition von Art. 3 AsylG nicht erfüllen. Fol- gerichtig bleibt ihnen eine Gewährung des Asyls durch die schweizeri- schen Behörden versagt (Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Die Ableh- nung der entsprechenden Gesuche durch die Vorinstanz ist zu bestäti- gen. 8. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Seite 30D-4043/2006 8.1 Vorliegend hat der Kanton den Beschwerdeführenden keine Auf- enthaltsbewilligung erteilt (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Diese können sich auch nicht auf einen dahingehenden Anspruch berufen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). Die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz steht so- mit im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen. 8.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De - zember 2005 über Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in den Heimatstaat noch in einen Dritt- staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann. Er ist nicht zuläs- sig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterrei- se der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann für Auslän- derinnen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 2 - 4 AuG). Bei der Prüfung der drei genannten Kriterien ist auf die im Entscheid- zeitpunkt bestehenden Verhältnisse abzustellen (EMARK 1997 Nr. 27 E. 4 f. S. 211). 8.2.1Zum Kriterium der Zulässigkeit ist vorab festzuhalten, dass das in Art. 5 AsylG in Anlehnung an Art. 33 FK statuierte flüchtlingsrechtli- che Rückschiebungsverbot (vgl. auch Art. 25 Abs. 2 der Bundesverfas- sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) nur Flüchtlingen im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise Art. 1 A FK Schutz bietet. Vorliegend kommt daher die Anwendung die- ser Bestimmungen von vornherein nicht in Betracht, nachdem aus den zuvor dargelegten Gründen die Beschwerdeführenden die Flüchtlings- eigenschaft nicht erfüllen. 8.2.2Art. 83 Abs. 4 AuG stellt eine Kodifizierung der bisherigen Praxis zur konkreten Gefährdung nach Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, BS 1 121) dar (vgl. PETER BOLZLI in M ARC SPESCHA /HANSPETER Seite 31D-4043/2006 THÜR /ANDREAS Z ÜND /PETER B OLZLI, Kommentar Migrationsrecht, Zürich 2008, Nr. 15 zu Art. 83 AuG, mit Hinweisen). Dieser Praxis zufolge wird aus humanitären Gründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schweiz, auf den Vollzug der Wegweisung verzichtet, wenn die Rückkehr in den Heimatstaat für die betroffene Person eine konkrete Ge fährdung darstellt. Eine solche Gefährdung kann angesichts der im Heimatland herrschenden allgemeinen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgemeiner Gewalt kenn- zeichnet, oder aufgrund anderer Gefahrenmomente, wie beispielswei- se einer notwendigen, aber dort nicht durchführbaren medizinischen Be handlung, angenommen werden. 8.2.2.1Im Iran besteht keine Situation generalisierter Gewalt, die sich noch dazu über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder perma nent drohenden Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer die Beschwerdeführenden sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt sehen würden, besteht mithin nicht. 8.2.2.2Im Zusammenhang mit der persönlichen Situation der Be- schwerdeführenden fällt nicht zuletzt die lange Anwesenheitsdauer in der Schweiz ins Gewicht. Die Beschwerdeführenden halten sich seit ihrer Einreise im November 2003, mithin seit über sechs Jahren, in der Schweiz auf. Ihren Heimatstaat hatten sie bereits ein Vierteljahr vor der Ankunft in der Schweiz verlassen gehabt. Der Beschwerdeführer (Familienvater) hatte zudem bereits während zweier Jahre hierzulande gelebt (vgl. Prozessgeschichte Bst. A.). Das ältere Sohn, C._______, gelangte im Alter von (...) Jahren in die Schweiz und ist seit dem (...) volljährig; sein Bruder D._______ war im Zeitpunkt der Einreise (...) und wurde am (...) (...)-jährig. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Ge- sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kin- deswohls sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein Kind namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeu- Seite 32D-4043/2006 tung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähig- keit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (ins- besondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prog- nose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letz- terer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hin- blick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychologi- scher Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f., EMARK 2005 Nr. 6 E. 6 S. 55 ff.). Das vorliegend vom Wegweisungsvollzug betroffene minderjährige Kind D._______ hat einen Lebensabschnitt in der Schweiz verbracht, der seine Persönlichkeit nachhaltig geprägt haben dürfte. Aufgrund des Fehlens anderweitiger Hinweise ist davon auszugehen, dass die Assi- milierung von D._______ seit der Einreise im November 2003 stetig fortgeschritten ist und sich unterdessen eine Adaptation an tragende Vorstellungen der schweizerischen Kultur und Lebensweise vollzogen hat. Hinweise, wonach seine Eltern eine derartige Entwicklung zu ver- hindern versucht hätten, sind nicht aktenkundig. Gerade der Besuch der Schule über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg, die na- türliche Interaktion mit Klassenkameradinnen und -kameraden sowie das sukzessive Erlernen der deutschen Sprache dürfte bei D._______ eine weitreichende Anpassung an die schweizerische Lebensweise bewirkt haben, so dass die abrupte und künstliche Trennung vom ge- wohn ten Umfeld sich zwangsläufig als schwere Hypothek für seine individuelle Entwicklung auswirken würde. Auch angesichts der kultu- rellen Differenzen zwischen der Schweiz und dem Iran wäre seine Reintegration in Frage gestellt. Für D._______ dürfte der Umgang mit den im Iran verbreiteten kulturellen Gepflogenheiten klar in den Hinter- grund getreten sein. Es besteht bei dieser Sachlage für ihn die erhebli- che Gefahr, dass die mit einem Vollzug der Wegweisung verbundene Entwurzelung aus dem gewachsenen sozialen Umfeld in der Schweiz Seite 33D-4043/2006 einerseits und die sich gleichzeitig abzeichnende Problematik einer Re integration in die ihm weitgehend fremde respektive fremdgewor- dene Kultur und Umgebung anderseits zu starken Belastungen in sei- ner jugendlichen Entwicklung führen würden, die mit dem Schutzanlie- gen des Kindeswohls nicht vereinbar wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.4 S. 368 f., EMARK 2005 Nr. 6 E. 7.1 S. 58 f.). Auf den volljährigen Bruder von D._______, C._______, ist die KRK nicht anwendbar. Indessen ist zu berücksichtigen, dass C._______ einen erheblichen Teil seiner Adoleszenz in der Schweiz verbracht hat. Aufgrund des Fehlens anderweitiger Hinweise ist davon auszugehen, dass er hier vollumfänglich integriert ist. Gleichsam ist darauf zu schliessen, dass er in erheblichem Mass durch das hiesige kulturelle und soziale Umfeld geprägt worden ist und - nicht anders als sein jüngerer Bruder - die schweizerische Lebensweise weitgehend adaptiert hat. Zufolge seiner bald siebenjährigen Abwesen heit von seinem Heimatstaat müsste auch er im Falle einer erzwun genen Rückkehr dorthin mit beträchtlichen Reintegrationsschwierigkeiten rechnen. 8.2.2.3Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der genannten Aspekte und unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Einheit der Familie (vgl. Art. 44 Abs. 1 AsylG in fine; EMARK 1998 Nr. 31 E. 8c.ee S. 258, EMARK 1996 Nr. 18 E. 14e S. 189 f., EMARK 1995 Nr. 24 E. 11 S. 230 ff.) gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung gegenüber dem minderjährigen Kind D._______ und seinem volljährigen Bruder C._______ sowie seinen Eltern zum heutigen Zeitpunkt als nicht (mehr) zumutbar zu erachten ist. 8.2.2.4Aus den Akten ergeben sich ferner keine Hinweise auf ein un- botmässiges Verhalten der Beschwerdeführenden, welches eine nähe- re Prüfung unter dem Gesichtspunkt von Art. 83 Abs. 7 AuG bedingen würde. Die Voraussetzungen für eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG sind damit gegeben. 8.2.3Bei dieser Sachlage entfällt eine Prüfung der Frage, ob der Voll- zug der Wegweisung sich als unzulässig beziehungsweise als unmög- lich erweist. Die Vollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Un möglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eines von ihnen gege- ben ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrach- ten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz nach den Bestimmun- Seite 34D-4043/2006 gen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme stünde den Beschwerdeführenden wiederum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 31 ff. VGG) . In diesem Verfahren wäre dann der Wegweisungsvollzug vor dem Hintergrund sämtlicher Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen. 9. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit im Eventualpunkt beantragt wird, es sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und das BFM sei anzuweisen, für die Be schwerdeführenden die vorläufige Aufnahme anzuordnen; im Übri- gen ist sie abzuweisen. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der ange- fochtenen Verfügung vom 13. Juli 2005 sind demnach aufzuheben, und das BFM ist anzuweisen, den Aufenthalt der Beschwerdeführenden nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 10. 10.1 Im Hinblick auf die Kostenliquidation ist der Ausgang des Verfah- rens als teilweises Unterliegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG) zu werten, wobei das Bundesverwaltungsgericht nach seiner Praxis im Asylbeschwerdeverfahren bei Konstellationen wie der vorliegenden, da die beschwerdeführende Partei mit den Begehren um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls unterliegt und das Vorliegen eines Asylausschlussgrundes einen selbständigen Prüfungs- punkt bildete (vgl. vorne E. 6), den partiellen Misserfolg mit zwei Drit- teln veranschlagt. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind so- mit die um einen Drittel ermässigten Kosten in der Höhe von Fr. 400.-- den Beschwerdeführenden aufzuerlegen und mit dem am 30. August 2005 einbezahlten Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 600.-- zu ver- rechnen; der Restbetrag von Fr. 200.-- ist zurückzuerstatten. 10.2 Den Beschwerdeführenden ist - als teilweise obsiegender Partei - für die ihnen im Beschwerdeverfahren erwachsenen notwendigen Kos- ten eine Entschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Diese ist praxisgemäss Seite 35D-4043/2006 infolge des Unterliegens in den Punkten Asyl und Flüchtlingseigen- schaft um zwei Drittel zu kürzen (vgl. Art. 7 Abs. 2 VGKE). Die Be- schwerdeführenden haben ihre Rechtsbegehren unter Entschädi- gungsfolge zulasten der Vorinstanz gestellt, im bisherigen Verlauf des Verfahrens jedoch darauf verzichtet, detaillierte Kostennoten ihres vor- maligen und ihres jetzigen Rechtsvertreters vorzulegen (Art. 14 Abs. 1 VGKE). Auf die Einforderung solcher kann verzichtet werden, zumal sich der notwen dige Zeitaufwand mit hinreichender Genauigkeit ab- schätzen lässt (Art. 9 Abs. 1 Bst. a, Art. 10 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 2 VGKE). Die Entschädigung ist deshalb aufgrund der Akten festzuset- zen und auf insgesamt Fr. 800.-- zu bemessen (Art. 10 Abs. 2 VGKE). Neben den Kos ten der Vertretung machen die Beschwerdeführenden keine weiteren notwendigen Auslagen geltend (Art. 8 VGKE). Die ih- nen vom BFM ge schuldete Parteientschädigung ist alsdann auf einen Betrag von Fr. 800.-- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu beziffern. (Dispositiv nächste Seite) Seite 36D-4043/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit beantragt wird, es sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und das BFM sei anzuweisen, für die Beschwerdeführenden die vorläufige Auf- nahme anzuordnen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung vom 13. Juli 2005 werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, die Beschwerdefüh- renden vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. 3. Den Beschwerdeführenden werden Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- auferlegt und mit dem am 30. August 2005 einbezahlten Kos- tenvorschuss verrechnet; der Restbetrag von Fr. 200.-- ist zurückzu- erstatten. 4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteient- schädigung von Fr. 800.-- auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden (Einschreiben; Bei- lage: "Formular Zahladresse") - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (in Kopie) - das (...) des Kantons L._______ (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Martin Maeder Versand: Seite 37