Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 9. Januar 2014 (715 13 78) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ablehnung in der Anspruchsberechtigung infolge Abmeldung von der Arbeitsvermitt- lung; keine Rückwirkung infolge fehlender und widersprüchlicher Aktenlage Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgnaz Jer mann, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A. , Beschwerdeführerin , vertreten durch Simon Berger , Advokat , Haus Thurgauerhof, Postfach 552, 4410 Liestal gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Basel land , Bahnhofstrasse 32 , 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Die 1986 geborene A.____ bezog während der Rahme nfrist für den Leistungsbezug vom 31. Juli 2008 bis 30. Juli 2010 Arbeitslosenentschädi gung. Am 16. November 2010 melde- te sie sich erneut zur Arbeitsvermittlung an und stellte am 17. November 2010 Antrag auf Ar- beitslosenentschädigung ab 1. Dezember 2010. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Verfügung vom 24. Januar 2011 verneinte die Ö ffentliche Arbeitslosenkasse Basel- land (Kasse) den Anspruch der Versicherten, da die Bean spruchung von Arbeitslosenentschä- digung auf eine rechtsmissbräuchliche Umgehung des Ausschlu sses von arbeitgeberähnlichen Personen vom Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung hinau slaufe. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Kasse mit Entscheid vom 23. Juni 2011 a b. Die hiergegen erhobene Be- schwerde hiess das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaf t, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 12. April 2 012 gut und wies die Angelegenheit zur Prüfung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen an die Kass e zurück. In der Folge richtete die Kasse der Versicherten rückwirkend für die Monate Januar bis März 2011 entsprechende Ar- beitslosenentschädigung aus. C. Mit Verfügung vom 29. August 2012 lehnte die Kass e die Anspruchsberechtigung der Versicherten erneut infolge Abmeldung von der Arbeitslo senvermittlung und Nichteinreichung der Angaben der versicherten Person ab. Eine dagegen e rhobene Einsprache wies sie mit Ent- scheid vom 19. Februar 2013 ab. Dabei hielt sie fest, dass aus den Akten klar hervorgehe, dass sich die Versicherte am 18. Juli 2011 infolge Wegzugs rückwi rkend per Ende März 2011 von der Arbeitsvermittlung abgemeldet habe. Die gegentei lige Auffassung werde insofern widerlegt, als sie sich infolge des ausführlich dokumentierten Wohnsi tzwechsels und nicht etwa wegen des dazumal vor Kantonsgericht hängigen, ersten Ablehnun gsverfahrens von der Arbeitsver- mittlung abgemeldet habe. Die Versicherte hätte sich na ch ihrer Abmeldung sofort erneut zur Arbeitsvermittlung anmelden können. Sie habe es jedoch vorgezogen, sich erst wieder am 27. April 2012 anzumelden. Hinzu trete, dass die Versi cherte seit dem 1. Mai 2011 keine For- mulare „Angaben der versicherten Person“ eingereicht ha be und damit die jeweiligen, monatli- chen Ansprüche auf Arbeitslosenentschädigung habe verwirken lassen. D. Mit Eingabe vom 22. März 2013 erhob die Versicherte , vertreten durch Simon Berger, Advokat, am Kantonsgericht Beschwerde gegen den Einsprach eentscheid der Kasse vom 19. Februar 2013 und beantragte dessen Aufhebung sowie die Bejahung der Anspruchsberech- tigung auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. April 2011 bis 27. April 2012. Zur Begründung wur- de im Wesentlichen geltend gemacht, dass sich die Versicherte nicht von der Arbeitsvermittlung habe abmelden wollen. Das Verhalten der Kasse widers preche dem Grundsatz von Treu und Glauben, da sie die Beschwerdeführerin weder über die Tragweite der erfolgten Abmeldung informiert noch deren Rechtsvertreter über diese Tatsache ins Bild gesetzt habe. Der Vorwurf, keinen Nachweis betreffend die erbrachten Arbeitsbemühungen erbracht zu haben, sei die Fol- ge der fälschlicherweise erfolgten Abmeldung und könne d aher nicht als Pflichtverletzung ge- wertet werden. E. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 12. Juni 201 3 auf Abweisung der Be- schwerde. Mit Eingabe vom 6. Januar 2014 liess die Beschwe rdeführerin Nachweise ihrer per- sönlichen Arbeitsbemühungen für die Monate April und J uni 2011 sowie Angaben weiterer Fir- men, bei welchen sie sich beworben habe, einreichen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obli gatorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit Art. 56 des am 1. Januar 2003 in Kraft getretenen Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung Beschwerde erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 der Vero rdnung über die obligatorische Arbeitslo- senversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 und Art. 119 Abs. 1 AVIV die Rekursinstanz am Ort, wo die Beschwerde führende Person die Kontrollpflicht erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurtei lt das Kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einsprach eentscheide der Arbeitslosen- kasse. Der Wohnsitz der Beschwerdeführerin befindet sich in B.____, weshalb das Kantonsge- richt örtlich und sachlich zuständig ist. Auf die im Übr igen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 1.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Abklärung des Sachverhalts hat das Gericht gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchun gsgrundsatz von Amtes wegen vorzunehmen. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richt ige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Für das gesamte Ve rwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe- schwerdeverfahren gilt ferner der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versi- cherungsträger und Sozialversicherungsgericht die Beweise frei und somit ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäs s zu würdigen (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungs- recht des Bundes, Basel 1996, S. 176 N 914 und S. 220 N 1138). Für das Beschwerdeverfah- ren hat dies zur Folge, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel - unabhängig da- von, von wem sie stammen - objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg- baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Wei- ter dürfen die Verwaltung als verfügende Instanz beziehu ngsweise im Beschwerdefall das Ge- richt eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, we nn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht ist der Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wah rscheinlichkeit zu fällen. Die blos- se Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den B eweisanforderungen nicht. Viel- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehr ist jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die vo n allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste zu würdigen ist (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b). 2.1 Zwischen den Parteien ist in erster Linie umstritte n, ob und allenfalls per wann sich die Versicherte rechtsverbindlich von der Arbeitsvermittlung und mithin vom Bezug von Arbeitslo- senentschädigung abgemeldet hat. Kernargumentation de r Kasse ist in diesem Zusammen- hang, dass sich die Beschwerdeführerin am 18. Juli 2011 r ückwirkend per 30. März 2011 ab- und sich erst wieder am 24. April 2012 zur Arbeitsvermittlung angemeldet habe. 2.2 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat, wer kumu lativ alle Voraussetzungen von Art. 8 AVIG erfüllt. Diese Bestimmung sieht vor, dass die versicherte Person Anspruch auf Leis- tungen nur dann hat, wenn sie unter anderem die Kont rollvorschriften (Art. 8 Abs. 1 lit. g AVIG) erfüllt. Zweck der Kontrolle ist es, die versicherten Per sonen dazu anzuhalten, sich den offiziel- len Vermittlungseinrichtungen zur Verfügung zu stelle n, damit diese die materiellen Anspruchs- voraussetzungen der Arbeitslosigkeit und die Vermittlungsfähigkeit prüfen können (vgl. THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltu ngsrecht, Soziale Sicherheit, Ulrich Meyer [Hrsg.], 2. Aufl., Rz. 317). D ie Kontrollvorschriften umfassen die An- meldung beim Arbeitsamt sowie die Beratungs- und Kont rollgespräche. Gemäss Art. 19 Abs. 1 AVIV (in der vorliegend anwendbaren Fassung gültig ab 1. Januar 2011) muss sich die versi- cherte Person deshalb bei der Gemeinde ihres Wohnsitzes oder bei der nach kantonalen Vor- schriften zuständigen Amtsstelle persönlich melden. Gemäss § 5 des kantonalen Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung (ALVG) vom 25. März 1999 nehmen die Gemeinden die per- sönlichen Anmeldungen der Stellensuchenden zur Arbeit svermittlung sowie zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung entgegen. Die versicherte Person hat sich deshalb am ersten Tag, für den sie Versicherungsleistungen beanspruchen will, persönlich bei der Gemein- de ihres Wohnortes zu melden. Anschliessend muss sie sich ent sprechend den Anordnungen des Kantons zu Beratungs- und Kontrollgesprächen bei de r zuständigen Amtsstelle melden (vgl. Art. 21 Abs. 1 AVIV in der vorliegend anwendbar en Fassung gültig ab 1. Januar 2011). Meldet sich die versicherte Person von der Arbeitsvermittl ung ab, so entfällt die in Art. 8 Abs. 1 lit. g AVIG genannte Anspruchsvoraussetzung bis zu einer al lfälligen Wiederanmeldung. Eine solche Wiederanmeldung setzt sachlogisch eine vorgängige A bmeldung voraus (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Juli 2013, 8C_1035 /2012, E. 9.1). 3.1 Der strittigen Angelegenheit liegen diverse Unter lagen zu Grunde, auf welche in der Fol- ge näher einzugehen ist. 3.2.1 Dem Protokoll des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) vom 9. Mai 2011 ist zu entnehmen, dass die Stellensuchende, wohnhaft ursprüngl ich in C.____, nun an der D____- Strasse in E.____ wohne und ihre Wohnung untervermiet et habe. Sie könne sich keine eigene Wohnung mehr leisten. Als offizielle Wohnadresse gelte jedoch weiterhin die in der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung angegebene Adresse. Die Stellensuch ende wolle nicht dauerhaft nach E.____ zügeln (vgl. Vernehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 827). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.2 Im Zentrum der strittigen Angelegenheit steht sodann das Abmeldeformular des RAV vom 18. Juli 2011 (Akt N° 829). Dieses Formular ist von d er Beschwerdeführerin anerkannter- massen unterschrieben worden. Unter der Rubrik „Datum letzter Kontrolltag“ enthält das Formu- lar den maschinellen Eintrag „Datum der Wegzugsbeschei nigung“ sowie das entsprechend handschriftlich eingetragene Datum vom 31. März 2011. E benfalls maschinell ist als Grund der Abmeldung die Rubrik „RAV Wechsel“, handschriftlich hin gegen die Rubrik „Abmeldung“ sowie als Grund, weshalb die Versicherte keine Stelle gefunde n habe, die Rubrik „Anderer Grund“ angekreuzt. 3.2.3 Weiter findet sich in Akt N° 826 das Protokoll de s Beratungsgesprächs ebenfalls vom 18. Juli 2011. Daraus ergibt sich, dass die Beschwerdefüh rerin nunmehr bei ihren Eltern in B.____ wohne. Das genaue Datum der Abmeldung bei ihr er bisherigen Wohnsitzgemeinde in C.____ wisse sie nicht mehr genau; auch habe sie sich no ch nicht offiziell in B.____ angemel- det. Weiter ist diesem Aktenstück zu entnehmen, dass eine Mutation und die daraus resultie- rende Abmeldung infolge Kantonswechsels vorgenommen wo rden sei. In Bezug auf das weite- re Procedere kann dem entsprechenden Formular entnomm en werden, dass die Versicherte das Wegzugsdatum bis 19. Juli 2011 elektronisch mitzutei len habe und anschliessend die Mu- tation und Abmeldung entsprechend weitergeleitet wer de. Alle Inserate, Bewerbungsbriefe und Absagebriefe seien weiterhin aufzuheben und das weite re Vorgehen mit dem neuen Berater zu besprechen. 3.2.4 Schliesslich figuriert in den Akten das Mutations blatt vom 18. Juli 2011 (Akt N° 825). Daraus geht hervor, dass sich die Adresse der Versicherten geändert habe. Diese befinde sich nunmehr am F.____-Weg in B.____. Diesem Mutationsbla tt ist im Weiteren eine handschriftli- che Notiz zu entnehmen, wonach die Stellensuchende der Ge meinde Muttenz eine andere Ad- resse an der D.___-Strasse in E.____ genannt habe. Ebenfalls ist dem Mutationsblatt die hand- schriftliche Notiz „Nur zur Info!“ und „falls mal gebraucht…“ zu entnehmen. 3.3 Die zitierten Akten sind aus Sicht des Gerichts mit erh eblichen Unklarheiten behaftet. Wenn die Kasse im angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. Februar 2013 argumentiert, dass die Abmeldung von der Arbeitsvermittlung wegen de s von der Beschwerdeführerin doku- mentierten Wohnsitzwechsels erfolgt sei, kann ihr jedenfa lls nicht gefolgt werden. Eine solche Annahme lässt sich aufgrund der echtzeitlichen Unterlagen vom 18. Juli 2011 nicht nachvollzie- hen. Die Kasse beruft sich in ihrem Einspracheentscheid diesbezüglich auf das Beratungsge- spräch vom 9. Mai 2011. Jenes Protokoll enthält zwar den Vermerk, dass die Versicherte ange- geben habe, dass sie an der D.____-Strasse in E.____ wo hne. Es enthält indessen den Ver- merk, dass die Versicherte nicht dauerhaft nach E.____ ziehen wolle, und als offizielle Wohnad- resse deshalb weiterhin die in der Anmeldung zur Arbe itsvermittlung angegebene Adresse – mithin ihr bisheriger Wohnsitz in C.____ – Gültigkeit besitze. Entgegen der von der Kasse ver- tretenen Auffassung kann aufgrund des Beratungsprotoko lls vom 9. Mai 2011 somit gerade nicht davon ausgegangen werden, dass die Versicherte bere its vor dem 18. Juli 2011 einen neuen Wohnsitz im Stadtkanton E.____ begründet hätte. Relevant für die Frage der strittigen Abmeldung sind somit jene übrigen Aktenstücke, welche vo m 18. Juli 2011 datieren. Aus die- sen geht hingegen ebenfalls kein Kantonswechsel hervor. A us dem Beratungsprotokoll vom Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 18. Juli 2011 ergibt sich vielmehr das Gegenteil, nämli ch dass die Versicherte nunmehr bei ih- ren Eltern in B.____ wohne. Zugleich ist demselben Protokoll aber zu entnehmen, dass die dar- aus resultierende Abmeldung infolge Kantonswechsels vorg enommen worden sei (vgl. Ver- nehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 826). Dies ist ein unauflösbarer Widerspruch. Zumal im zugehörigen Mutationsblatt vom 18. Juli 2011 als neue Wo hnadresse ebenfalls eine Adresse in B.____ und damit weiterhin ein Wohnsitz im Kanton Bas el-Landschaft genannt wird, kann der Kasse jedenfalls nicht gefolgt werden, dass die Abmeldun g von der Arbeitsvermittlung durch einen Kantonswechsel bedingt gewesen sei (vgl. Akt N° 82 5). Gegen eine solche Auffassung spricht denn auch der Umstand, dass auf dem entsprechenden Abmeldeformular vom 18. Juli 2011 zwar die beiden Rubriken „Abmeldung“ sowie „RAV-W echsel“, nicht aber ein „Kantons- wechsel“ als Grund für die Abmeldung angekreuzt worden sind (vgl. Akt N° 829). Eine Abmel- dung von der Arbeitsvermittlung infolge Kantonswechsels ist daher zu verneinen. Nichts ande- res legt letztlich auch die eigene Aktennotiz des KIGA vo m 31. Juli 2012 nahe, der zufolge die näheren Umstände der Abmeldung vom zuständigen RAV zunächst noch abzuklären seien und erst anschliessend zu entscheiden sei, ob die Abmeldung ü berhaupt gültig sei (vgl. Vernehm- lassungsakten der Kasse, Akt N° 209). 4.1 Mit Blick auf das unterschriftliche Einverständnis de r Versicherten auf der Abmeldung vom 18. Juli 2011 bleibt bei dieser Sachlage jedoch of fen, ob und allenfalls per wann sich die Versicherte aus anderen Gründen von der Arbeitsvermittlu ng abgemeldet hat (vgl. Vernehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 829). Soweit die Beschwerdeführerin zunächst einwendet, dass eine gleichzeitige Abmeldung von der Ar beitsvermittlung Ende März 2011 ei- nerseits und die Durchführung des Beschwerdeverfahrens im vorangehenden Verfahren 715 11 288 andererseits keinen Sinn mache, und demnach nach Treu und Glauben davon auszugehen sei, dass sie sich nicht von der Arbeitsvermittlung habe a bmelden wollen, kann ihr nicht gefolgt werden. Der massgebende Einspracheentscheid im damalig en Verfahren 715 11 288 datiert vom 23. Juni 2011. Die dagegen gerichtete Beschwerde w urde hingegen erst am 24. August 2011 erhoben. Der seit der Unterzeichnung der Abmeldu ng von der Arbeitsvermittlung per 18. Juli 2011 bis zur Beschwerdeerhebung liegende Zeitr aum von rund zwei Monaten erweist sich mithin als zu lang, als gestützt alleine auf die zeitliche Konnexität von einer allenfalls irrtüm- lichen Abmeldung ausgegangen werden könnte. 4.2 Konsultiert man indes die Akten des vorangehenden V orverfahrens 715 11 288, so ergibt sich aus den Aussagen der Beschwerdeführerin anlä sslich der kantonsgerichtlichen Par- teiverhandlung vom 12. April 2012, dass sich die Versicher te im August / September 2011 von der Arbeitsvermittlung abgemeldet habe, nachdem sie wi eder zu ihren Eltern gezogen sei. Ak- tuell sei sie auf Arbeitssuche, habe sich jedoch nicht bei der Arbeitslosenkasse angemeldet, sondern kümmere sich nunmehr selbst um eine neue Anstellung. Dem Plädoyer des Rechtsver- treters der Versicherten anlässlich der damaligen Partei verhandlung ist sodann zu entnehmen, dass sich die Versicherte offenbar bereits von der Arbeit svermittlung abgemeldet habe oder ihren Verpflichtungen als arbeitslose Person aus anderw eitigen Gründen allenfalls nicht mehr nachgekommen sei (vgl. Auszug aus dem Protokoll der Par teiverhandlung vom 12. April 2012, Verfahren 715 11 288). Die Aussagen der Versicherten anlässlich ihrer Befragung vor dem Kantonsgericht decken sich jedenfalls mit der rund neun Monate zuvor erfolgten, unterschriftlich Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestätigten Abmeldung von der Arbeitsvermittlung vom 18 . Juli 2011. Es ist in diesem Zusam- menhang davon auszugehen, dass ihre damaligen Aussagen vor Kantonsgericht unbefangen erfolgt und insbesondere nicht von allfälligen Überle gungen versicherungsrechtlicher Natur im Zusammenhang mit der nunmehr vorliegend strittigen Fr age der Abmeldung von der Arbeits- vermittlung geprägt gewesen sind. Es ist ihnen daher voll er Beweiswert zuzumessen. Daraus aber resultiert, dass sich die Versicherte nicht rückwirkend bereits per Ende März 2011, son- dern per Wirkung der Unterzeichnung des Abmeldeformula rs vom 18. Juli 2011 aus freien Stü- cken von der Arbeitsvermittlung abgemeldet hat. 4.3 Daran vermag nichts zu ändern, dass die Versicherte lediglich den ungefähren Zeitraum ihrer Abmeldung mit August bzw. September 2011 bezeich net hat. Es ist daran zu erinnern, dass die Versicherte dem Protokoll des Beratungsgesprächs vom 18. Juli 2011 zufolge dazumal bereits bei ihren Eltern in B.____ gewohnt hat (vgl. Vernehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 826). Wenn sie anlässlich der rund neun Monate später protokollierten Parteibefragung angegeben hat, dass sie sich von der Arbeitsvermittlung abgemeldet habe, nachdem sie wieder zu ihren Eltern gezogen sei, ist diesbezüglich jedenfalls kein Widerspruch in ihren Aussagen zu erkennen. Gegen die Annahme einer bereits per Ende Mä rz 2011 rückwirkenden Abmeldung spricht auch der Vermerk im Protokoll des Beratungsgesprä chs vom 18. Juli 2011 (vgl. Ver- nehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 826). Daraus geht hervor, dass die Abmeldung erst nach erfolgter Mitteilung des genauen Wegzugsdatums durch di e Versicherte in die Wege geleitet werde. Wenn das RAV die Abmeldung von der Arbeitsvermi ttlung demnach von der bis zum 19. Juli 2011 erwarteten Bestätigung der Versicherten selbst abhängig gemacht hat, erweist sich die von der Kasse vertretene Auffassung einer rückwi rkenden Abmeldung jedoch so oder anders als unzutreffend. Gegen eine rückwirkende Abmeldu ng von der Arbeitsvermittlung be- reits per Ende März 2011 spricht ausserdem der Umstand, d ass die Versicherte erst ab Mai 2011 keine monatlichen Formulare betreffend die „Ang aben der versicherten Person“ mehr ein- gereicht hat (vgl. Vernehmlassung der Kasse vom 12. Juni 2013). Bis und mit April 2011 hat die Versicherte die entsprechenden Angaben jedoch getätigt; insbesondere hat sie noch am 10. Mai 2011 das entsprechende Formular für den Monat April 2011 eingereicht (vgl. Vernehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 293). Entsprechend wurde die Versicherte mit Verfügung des RAV vom 14. Juni 2011 mit einer Einstel lung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von sieben Tagen wegen fehlender Arbeitsbem ühungen für den Monat Mai 2011 sanktioniert (vgl. Vernehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 288). Wurde die Versicherte aber vom RAV noch für die Kontrollperiode Mai 2011 in der Anspruchsberechtigung eingestellt, er- weist es sich als widersprüchlich, eine in den Akten im Übri gen nicht substantiierte Abmeldung von der Arbeitsvermittlung bereits per Ende März 2011 an zunehmen. Dies gilt umso mehr, als der von der Kasse rückwirkend geltend gemachte Abmeldezeitpunkt vom 31. März 2011 formu- lartechnisch mit dem Datum der Wegzugsbescheinigung im Zusammenhang steht (vgl. Abmel- dung von der Arbeitsvermittlung vom 18. Juli 2011, Ve rnehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 829; ebenso Erwägung 3.2.2 hievor). Da nach Lage der Akten hingegen weder ein Kan- tonswechsel noch ein bereits per Ende März 2011 erfolg ter Wohnsitzwechsel innerhalb des Kantons von C.____ nach B.____ dargetan ist (vgl. Verneh mlassungakten der Kasse Akten N° 825 bis 827), kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Versicherte bereits per Ende März 2011 von der Arbeitsvermittlung abgemeld et habe. Nach überwiegender Wahr- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheinlichkeit ist vielmehr darauf zu schliessen, dass sich die Versicherte erst mit Wirkung der Unterzeichnung des fraglichen Formulars am 18. Juli 2011 von der Arbeitsvermittlung abgemel- det hat. Damit aber hat sie auch erst ab diesem Zeitpu nkt auf den Bezug von Arbeitslosent- schädigung verzichtet. 4.4 Gemäss Art. 20 Abs. 3 AVIG erlischt der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn er nicht innert dreier Monate nach dem Ende der jeweiligen Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht wird. Diese Frist gilt rech tsprechungsgemäss als Verwirkungs- frist, nach deren Ablauf ein allfälliger Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung untergeht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2012, 8C _935/2011, E. 2). Zur Geltendma- chung ihres Anspruchs hat die versicherte Person gemäss Art . 29 Abs. 2 lit. a AVIV ab der zweiten Kontrollperiode einer neuen Rahmenfrist sowie nach jeder erneuten Arbeitslosigkeit, die nach einem Unterbruch von wenigstens sechs Monaten eintritt, unter anderem das Formular „Angaben der versicherten Person“ der Kasse vorzulegen. N ach Lage der Akten hat die Versi- cherte am 10. Mai 2011 die entsprechenden Angaben le tztmals für April 2011 eingereicht (vgl. Vernehmlassungsakten der Kasse, Akt N° 293). Die V erwirkungsfrist für Ansprüche auf Arbeitslosenentschädigung ab Mai 2011 endete damit End e Juli 2011. Es ergibt sich demnach, dass der Anspruch der Versicherten auf Arbeitslosenentschä digung für die Zeit bis zur Abmel- dung von der Arbeitsvermittlung per 18. Juli 2011 noch nicht verwirkt war. 4.5 Zusammenfassend resultiert, dass die Beschwerdeführer in unter Berücksichtigung der vom RAV am 14. Juni 2011 bereits verfügten sieben Einstelltage Anspruch auf Arbeitslosenent- schädigung bis und mit 17. Juli 2011 besitzt. Die Beschwe rde ist in diesem Punkt teilweise gut- zuheissen und die Angelegenheit ist zur Bemessung und a nschliessenden Ausrichtung der der Versicherten zustehenden Arbeitslosenentschädigung vom 1. April 2011 bis 17. Juli 2011 an die Kasse zurückzuweisen. 5. Es verbleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 l it. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Gemäss A rt. 61 lit. g ATSG hat die obsiegen- de Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Ver- fahrens entsprechend hat die Beschwerdeführerin dem G rundsatz nach mit ihrem Rechtsbe- gehren obsiegt. Es ist ihr deshalb eine Parteientschädigu ng zu Lasten der Kasse zuzuspre- chen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 11. Novem- ber 2013 für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine n Zeitaufwand von 10,5 Stunden und Auslagen von insgesamt Fr. 83.— ausgewiesen, was angesi chts der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Der a usgewiesene Zeitaufwand ist zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zu r Anwendung gelangenden Stun- denansatz von Fr. 250.— zu entschädigen. Der Beschwerdeführe rin ist demnach ein Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘924.65 (10,5 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 83.— und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerde gegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werden der Einspracheent- scheid des KIGA Baselland vom 19. Februar 2013 und desse n Verfü- gung vom 29. August 2012 aufgehoben und es wird festge stellt, dass die Anspruchsberechtigung mit Wirkung ab 18. Juli 2011 infolge Ab- meldung von der Arbeitsvermittlung abzulehnen ist. 2. Die Angelegenheit wird zur Bemessung und anschlie ssenden Ausrich- tung der der Versicherten zustehenden Arbeitslosenentsch ädigung vom 1. April 2011 bis 17. Juli 2011 an die Öffentliche Arbeitslosenkas- se Baselland zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das KIGA Baselland hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschä- digung in Höhe von Fr. 2‘924.65 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwert- steuer) zu bezahlen.