B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-343/2014 law/auj U r t e i l v o m 3 0 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Walter Lang (Vorsitz), mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am (…), Nigeria, vertreten durch Laura Rossi, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 6. Januar 2014 / N (…). D-343/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben seinen Heima t- staat im September 2009 ve rliess und am 8 . Dezember 2013 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass das BFM mit Verfügung vom 6. Januar 2014 – eröffnet am 14. Januar 2014 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgeset- zes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ei n- trat, die Wegweisung nach Ungarn verfügte, den Beschwerdeführer unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verla s- sen, und den Kanton Z._______ mit dem Vollzug der Wegweisungsverfü- gung beauftragte, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be- schwerdeführer verfügte, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21 . Januar 2014 durch se i- ne Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid erheben und dabei beantragen liess, die Verfügung des BFM vom 6. Januar 2014 sei aufzuheben und die Sache sei zur Neubeur- teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei diese anzuwei- sen, sich für das vorliegende Asylgesuch für zuständig zu erachten und das Gesuch zu prüfen, dass der Beschwerdeführer in prozessualer Hinsicht beantragen liess, ihm sei di e unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, insbesondere sei ihm die unterzeichnende Anwältin als amtliche Anwältin beizuordnen, und von der Erhebung eines Kostenvorschusses sei abzusehen, dass er ferner beantragen liess, die aufschiebende Wirkung der Be- schwerde sei wiederherzustellen, dass die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden im Rahmen vorsorglicher Massnahmen unverzüglich anzuweisen seien, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzus e- hen, D-343/2014 Seite 3 dass die vorinst anzlichen Akten am 24 . Januar 2014 beim Bun - desverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverf ah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 des Verwaltungsgerichtsges etzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung b esonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder u n- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Un- angemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufg e- zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, D-343/2014 Seite 4 dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass auf das vorliegende Gesuch das Dublin -Assoziierungsabkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mit- gliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin - Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) zur Anwendung g e- langt, dass das BFM die Zuständigkeitsfrage gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Pr ü- fung eines Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Dublin-II-VO), geprüft hat, dass vor liegend noch nach der Dublin -II-VO zu entscheiden ist, da s o- wohl der Asylantrag als auch das Ersuchen um Übernahme vor dem 1. Januar 2014 gestellt worden sind (vgl. Art. 49 der Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsange - hörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist [Dublin-III-VO]), dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung die Mitgliedstaaten jeden Asylantrag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-II-Verordnung als zuständiger Staat bestimmt wird, dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat g e- stellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung), dass dabei – im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) – die Kriterien der in Kapitel III der Dublin -II-Verordnung ge- nannten Rangfolge anzuwenden sind (vgl. Art. 5-14 Dublin-II-Verordnung) und von der Situation im Zeitpunkt auszugehen ist, in dem die asyls u-D-343/2014 Seite 5 chende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-Verordnung), dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) demgegenüber keine – neuerliche – Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-II-Verordnung stattfindet, sondern ein solches insbesondere auf den materiellen Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 16 Bst. c, d und e Dublin-II-Verordnung gründet (vgl. C HRISTIAN FILZWIESER, A NDREA SPRUNG, Dublin -II-Verordnung: Das Europäische Asylzuständigkeitssy s- tem, 3. Auflage, Wien-Graz 2012, Art. 16 K5 S. 129), dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschw erdeführers mit der EURODAC-Datenbank ergab, dass dieser am 11. Januar 2010 in Gri e- chenland, am 5. August 2013 in Ungarn und am 21. November 2013 in Österreich um Asyl ersucht hat (vgl. BFM-act. A4/1, A11/5), dass der Beschwerdeführer an d er summarischen Befragung vom 17. Dezember 2013 zu Protokoll gab, er habe in Griechenland eine "Pink Card" erhalten, welche er alle sechs Monate habe erneuern lassen, dass sein Asylgesuch in Ungarn abgelehnt worden sei und er dagegen eine Beschwerde eingereicht und seither nichts mehr gehört habe, dass gemäss dem Eintrag in der EURODAC -Datenbank zwar die erste Asylantragsstellung gemäss Art. 4 Abs. 1 Dublin -II-Verordnung in Gri e- chenland erfolgt ist, dass das BFM jedoch am 20. Dezember 2013 die ungarischen Behörden gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin -II-Verordnung um Übernahme des Beschw erdeführers ersuchte (vgl. act. A11/5), und diese das Über- nahmeersuchen am 3 . Januar 2014 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-Verordnung guthiessen (vgl. act. A17/1), dass mit der Zustimmung Ungarns zur Wiederaufahme des Beschwerde- führers auch die zweite Voraussetzung für einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 34 A bs. 2 Bst. d AsylG erfüllt ist (vgl. Art. 29a Abs. 2 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) und das Bundesamt daher zu Recht Ungarn als für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet hat, D-343/2014 Seite 6 dass der Beschwerdeführer weder im Rahmen des vorinstanzlich en Ver- fahrens noch in seiner Beschwerde die Zuständigkeit Ungarns explizit bestreitet, dass er anlässlich der Gehörsgewährung am 17. Dezember 2013 ledi g- lich vorbrachte, in Ungarn gebe es keine Arbeit, und ein Freund, der in der Schweiz in der Landwirtschaft arbeite, wolle ihm helfen, hier ebenfalls Arbeit zu finden (vgl. act. A6/12 S. 8 f.), dass er damit die Zuständigkeit Ungarns für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens nicht zu widerlegen vermag, dass in der Beschwerde (vgl. Ziff. B II 1) vorgebracht wird, der Vater des Beschwerdeführers sei in Nigeria einem politischen Mord zum Opfer g e- fallen und die politischen Feinde des Vaters hätten auch den Sohn b e- droht, so dass dieser sein Heimatdorf habe verlassen müssen, dass er sich zum Verlas sen des Landes gezwungen gesehen habe, als die Bedrohungen auch an andern Orten in Nigeria nicht aufgehört hätten, dass in der Beschwerde zur Begründung des Kassationsantrags gerügt wird, das BFM habe es unterlassen, den Beschwerdeführer zu seinen Gesuchsgründen anzuhören und die Gefahr einer allfälligen Verletzung des Non -Refoulement-Gebotes bei einer Überstellung nach Ungarn a b- zuklären, dies in Missachtung der aktuellen Rechtsprechung des Bu n- desverwaltungsgerichts (Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013), g e- mäss welcher in jedem Einzelfall zu prüfen sei, ob einer asylsuchenden Person aufgrund der Mängel des ungarischen Asylverfahrens und der dortigen Aufnahmebedingungen die Gefahr einer Grundrechtsver letzung drohe, dass zur Begründung des Eventualantrages auf Selbsteintritt in der Rechtsmitteleingabe vorgebracht wird, die gegen den negativen Asylen t- scheid der ungarischen Behörden vom 7. Oktober 2013 erhobene B e- schwerde sei bis zur Ausreise des Beschwe rdeführers unbeurteilt geblie- ben, weshalb davon auszugehen sei, dass dessen Asylgesuch nach d er Überstellung nach Ungarn als Folgeantrag behandelt würde und er nur noch neue Asylgründe geltend machen könnte, obwohl seine ursprünglich geltend gemachten Asyl gründe von der Rechtsmittelinstanz in Ungarn noch nicht beurteilt worden seien, so dass die ursprünglichen Fluchtgrün- de in Ungarn nicht geprüft würden, D-343/2014 Seite 7 dass sein Folgeantrag keine aufschiebende Wirkung haben und dem B e- schwerdeführer somit die sofortige Rückführung nach Nigeria drohen werde, ohne dass seine Asylgründe je von einem Dublin -Vertragsstaat geprüft worden wären, und dies dem Ziel der Dublin -Verordnung wider- spreche, wonach jeder Asylantrag, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im Hohe itsgebiet eines Mitgliedstaates stelle, durch die Mi t- gliedstaaten (inkl. Rechtsmittelverfahren) geprüft werde, dass gemäss Regierungsbeschluss vom 25. Juni 2013 seit dem 1. Juli 2013 alle Asylsuchenden in Ungarn in Haftzentren untergebracht würden, und offene Asylzentren in geschlossene umgewandelt worden seien, dass die im ungarischen Asylgesetz seit dem 1. Juli 2013 vorgesehenen Haftgründe bzw. Kriterien für die Inhaftierung von Asylsuchenden viel zu vage formuliert seien, gegen die Haftanordnung kein Rechtsmittel existi e- re, die in Intervallen von 60 Tagen überprüften Haftanordnungen in den vergangenen Jahren in 99% der Fälle bestätigt worden seien und unklar sei, in welchen Fällen die Asylsuchenden der Haft gegen Bezahlung einer Kaution von 500 bis 5000 Euro entgehen könnten, dass dem Beschwerdeführer in Ungarn zudem eine monate- bis jahrelan- ge Haft unter menschenunwürdigen Bedingungen und damit eine Verle t- zung der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Me n- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) drohe, dass ferner das Recht des Beschwerdeführers auf eine wirksame B e- schwerde durch das ungarische Asylrecht verletzt würde, dass diese Einwände jedoch, wie nachfolgend dargelegt, einen Selbstein- tritt der Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung offensichtlich nicht zu rechtfertigen vermögen, dass in Abweichung der erwähnten Zuständigkeitskriterien respektive Zu- ständigkeitsbestimmungen nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen kann, auch wenn nach den in der Verordnung vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht), wobei diese Bestimmung nicht direkt anwen d- bar ist, sondern nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 S. 635 f.), D-343/2014 Seite 8 dass Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sodann vorsieht, dass das BFM auch aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin -II-Verordnung ein anderer Staat zuständig ist, wobei diese Bestimmung den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 4.1 S. 114 f., BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.), dass hingegen bei drohendem Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie insbesondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über d ie Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), die EMRK, den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) oder das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere gra u- same, unmenschliche oder erni edrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintritt s- rechts besteht (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2 S. 636 f., FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K8 K11 S. 74), dass die Dublin -Verordnung von der Prämisse au sgeht, dass alle am Gemeinsamen Europäischen Asylsystem beteiligten Mitgliedstaaten ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen, und diese Vermutung grundsätzlich gilt, solange nicht erhärtet ist, dass der Zielstaat der Übe r- stellung seine Mindestver pflichtungen aus dem Gemeinschaftsrecht sy s- tematisch nicht respektiert, dass asylsuchende Personen diese Vermutung nur umstossen können, wenn sie ernsthafte Hinweise für die Annahme darzulegen vermögen, dass die zuständigen Behörden in ihrem Fall die staa tsvertraglichen Ver- pflichtungen nicht respektieren und ihnen den notwendigen Schutz nicht gewähren sollten (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f. S. 637 ff.; Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte [EGMR], M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Appl. No. 30696/09], Urteil vom 21. Januar 2011, § 84-85 und 250; Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493/10), dass Ungarn als Signatarstaat der FK, der EMRK und der FoK und als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung zuständiger Staat gehalten ist, die Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindes t- normen für Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung und Abe r- kennung de r Flüchtlingseigenschaft (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von D-343/2014 Seite 9 Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaa- ten (sog. Aufnahmerichtlinie) anzuwenden und umzusetzen, dass Ungarn auf die u.a. vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) am ungarischen Asylsystem geübte Kritik reagiert und sowohl auf gesetzlicher Ebene als auch in der Praxis die Be- hebung von Mängeln angekündigt bzw. mit deren Umsetzung begonnen hat, wobei insbesondere der Verzicht auf eine quasi-systematische Inhaf- tierung von Asylsuchenden und auf die Einstufung von Serbien als sich e- rem Drittstaat sowie die materielle Prüfung der Asylgesuche von allen Personen, welche im Rahme n des Dublin -Abkommens nach Ungarn überstellt werden (Dublin -Rückkehrer), hervorzuheben sind (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 5- 8), dass der EGMR in einem Urteil vom 6. Juni 2013 aufgrund dieser Ve r- besserungen zum Schluss gelangte, asylsuchende Personen seien bei einer Überstellung nach Ungarn gestützt auf das Dublin -Abkommen nicht einer realen und individuellen Gefahr einer Art. 3 EMRK widerspreche n- den Behandlung ausgesetzt (vgl. EGMR, Mohammed gegen Österreich [Appl. No. 2283/12], Urteil von 6. Juni 2013, § 106), dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner bisherigen Praxis davon ausging, Ungarn komme kraft seiner Mitgliedschaft im Dublin -System grundsätzlich seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach (vgl. etwa die Urteile D-4044/2013 vom 23. Juli 2013, D -4197/2013 vom 25. Juli 2013, E-4194/2013 vom 13. August 2013 und D -4809/2013 vom 3. September 2013), dass jüngste Entwicklungen in Ungarn Anlass zu erneuter Kritik gegeben haben, dass zum einen die Asylg esuchszahlen in Ungarn im ersten Halbjahr 2013 auf über 10'000 angestiegen sind, was offenbar zu einer spürbaren Verschlechterung der Aufnahmebedingungen geführt hat (vgl. Urteil E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 8.3), dass zum anderen am 1. Juli 2013 Änderungen des ungarischen Asylge- setzes in Kraft getreten sind, welche eine neue rechtliche Grundlage für die Inhaftierung von Asylsuchenden schaffen, D-343/2014 Seite 10 dass diese Gesetzesänderungen aus der Sicht der ungarischen Regi e- rung die Umsetzung der Neufassung der Ric htlinie 2013/33/EU des E u- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen, ins nationale Recht darstellen (vgl. Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 8.2), dass das UNHCR demgegenüber kritisiert, Ungarn habe die Neufassung der Aufnahmerichtlinie, insbesondere die Berücksichtigung der speziellen Schutzbedürfnisse von verletzlichen Personen (Art. 11 und Art. 22 Ne u- fassung Aufnahmerichtline), unvollständig übernommen (vgl. UN HCR, Comments and recommendations on the draft modification of certain mig- ration-related legislative acts for the purpose of legal harmonisation, 12. April 2013, S. 12, 23, < http://www.unhcr-centraleurope.org > > where- we-work > hungary, abgerufen am 27. Januar 2014), dass das Bundesverwaltungsgericht in einer Analyse der Situation von Asylsuchenden in Ungarn und des dortigen Asylverfahrens unter Einb e- zug der aktuellsten Entwicklungen im Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 zum Schluss gelangt ist, dass die Überstellung von Asylsuchenden nach Ungarn im Rahmen des Dublin -Regelwerks nicht generell die G e- fahr einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder einer Verletzung des Prinzips des Non -Refoulement mit sich bringt und dahe r nicht generell unzulässig ist (vgl. E. 9), dass jedoch die Vermutung, dieser Staat beachte die den betroffenen asylsuchenden Personen im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem zustehenden Grundrechte in angemessener Weise (vgl. E. 4.1-4.3), nicht uneingeschränkt aufrechterhalten werden kann (analog zu Überstellu n- gen nach Malta, vgl. BVGE 2012/27), und daher die Asylbehörden auf der Grundlage der jeweils aktuellsten, zugänglichen Informationen im Einze l- fall zu prüfen haben, ob die betroffene Person im Falle einer Überstellung nach Ungarn Gefahr laufen würde, wegen der dortigen Mängel des Asy l- verfahrens und/oder der Aufnahmebedingungen eine Verletzung ihrer Grundrechte zu erleiden, und diese Person selbst nicht die volle Bewei s- last zu tragen hat, sondern ledig lich, aber immerhin, ihre persönlichen Gründe geltend zu machen hat, die gegen die Zulässigkeit der Überste l- lung nach Ungarn sprechen könnten (vgl. Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 9.2), D-343/2014 Seite 11 dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Aussagen an der sum mari- schen Befragung in Ungarn einen negativen Asylentscheid erhalten hat, gegen den er rekurriert habe, dass in der Beschwerde vorgebracht wird, die Beschwerde gegen die Ab- lehnung des Asylgesuchs durch die ungarischen Behörden am 7. Oktober 2013 sei bis zur Ausreise des Beschwerdeführers unbeantwortet gebli e- ben, dass dem Antwortschreiben der ungarischen Behörden vom 3. Januar 2014 auf das Übernahmeersuchen des BFM zu entnehmen ist, dass das am 31. Juli 2013 in Ungarn eingereichte Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers am 7. Oktober 2013 abgewiesen worden ist (vgl. act. A17/1), dass aufgrund der Tatsache, dass die ungarischen Behörden das Übe r- nahmeersuchen des BFM gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin -II- Verordnung guthiessen (und nicht wie vom BFM beantragt , gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-Verordnung), davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer entweder kein Rechtsmittel gegen die Abweisung des Asylgesuchs in Ungarn ergriffen hat oder aber das Rechtsmittel ab- gewiesen wurde, und dass das ung arische Asylverfahren abgeschlossen ist, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung vom 17 . Dezember 2013 nicht geltend machte, er habe in Ungarn keinen effektiven Zugang zum Asylverfahren gehabt, das Verfahren in Ungarn sei nicht fair gew e- sen oder er habe dort seine Asylgründe nicht darlegen können, und auch keinerlei Befürchtungen im Hinblick auf die Nichtbeachtung des Grun d- satzes des Non-Refoulement durch Ungarn formulierte, dass sich der Beschwerdeführer im Asylverfahren in der Schweiz alsdann weder zum Inhalt des ungarischen Asylverfahrens bzw. zu den Gründen für die Abweisung seines dortigen Asylgesuchs geäussert noch die unga- rischen Entscheide dem BFM vorgelegt hat, dass der Beschwerdeführer mithin nicht ansatzweise aufzuzeigen ve r- mag, inwiefern sich Ungarn in Bezug auf seine Person nicht an die vo r- genannten völkerrechtlichen Verpflichtungen gehalten habe (vgl. BVGE 2013/10 E. 5.2 S. 110 ff.) oder im Falle der Überstellung nicht halten we r- de, D-343/2014 Seite 12 dass der Beschwerdeführer schliesslich auch nicht vorbringt, die Leben s- bedingungen in Ungarn seien so schlecht, dass die Überstellung in di e- ses Land eine EMRK-Verletzung darstellen würde, dass zudem keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich sind, die darauf hindeuteten, dass der Beschwerdeführ er im Falle einer Rückkehr nach Ungarn aus individuellen Gründen in eine existenzielle Notlage geraten würde, dass er (soweit aktenkundig) gesund ist und ferner keine Hinweise auf Traumatisierungen oder andere schwere Beeinträchtigungen psychischer oder physischer Art vorliegen, welche eine besondere Verletzlichkeit b e- gründen würden, dass im Gegenteil der Umstand, dass der Beschwerdeführer sich seit mehr als vier Jahren im Dublin -Raum aufhält und in dieser Zeit in insge- samt vier europäischen Staaten Asyl gesuche eingereicht hat, den Schluss zulässt, dass er sich durchaus zu helfen weiss, und von ihm e r- wartet werden kann, dass er sich gegebenenfalls auch in Ungarn für se i- ne Rechte einsetzen wird, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung nur ein Mitgl iedstaat ei- nen Asylantrag eines Drittstaatsangehörigen prüft, und der für die Prüfung zuständige Staat die Prüfung des Antrages auch abzuschliessen hat (vgl. BVGE 2013/10 E. 5.2.1 S. 110), dass vom Beschwerdeführer ohne Weiteres ein kooperatives Verhalten beim Abschluss des ungarischen Verfahrens erwartet werden darf, dass sich somit keine Anhaltspunkte für die Anordnung einer EMRK - widrigen Haft nach der Überstellung des Beschwerdeführers nach Ungarn ergeben, dass sich aus der Dublin -II-Verordnung kein R echt des Beschwerdefü h- rers ableiten lässt, den für die Durchführung seines Asylverfahrens z u- ständigen Mitgliedstaat auszuwählen, der ihm seiner Ansicht nach die besten Aufnahmebedingungen bietet (vgl. BVGE 2010/47 E. 8.3 S. 644), dass es dem Beschwerdefüh rer demnach nicht gelungen ist, darzutun, dass er im Falle einer Überstellung nach Ungarn Gefahr laufen würde, wegen der dortigen Mängel des Asyl - bzw. Wegweisungsverfahrens D-343/2014 Seite 13 und/oder der Lebensbedingungen eine Verletzung seiner Grundrechte zu erleiden, dass demzufolge weder völkerrechtliche noch humanitäre Gründe vorli e- gen, die einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II- Verordnung nahelegen würden, dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das Asylg esuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und, da dieser nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlas- sungsbewilligung ist, ebenfalls zu Recht in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Ungarn angeordnet hat (Art. 32 B st. a AsylV 1), dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nicht mehr zu pr ü- fen sind, da das Fehlen von Wegweisungs vollzugshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10 S. 645), dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bunde srecht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellen oder unangemessen sein sollte (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass die Beschwerde daher abzuweisen ist, dass die Gesuche um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde bzw. um Anweisung der Vollzugsbehörden, bis zum Ent- scheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlu n- gen abzusehen, angesichts des direkten Entscheids in der Hauptsache gegenstandslos geworden sind, dass das Gesuch um Ge währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG zufolge Aussichtslosigkeit der B e- schwerde abzuweisen ist und die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1-3 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR173.320.2]) dem Beschwerde- führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-343/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand: