<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 461</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">461</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Schulrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>100 Elternbeiträge</b></span> <span class="ft2"><b>für</b></span> <span class="ft2"><b>Tagessonderschulen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Im Aussenverhältnis Eltern - Gemeinde sind beide Elternteile verpflich-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tet, die Elternbeiträge für die leiblichen Kinder zu bezahlen und zwar</b></span><br/> <span class="ft2"><b>unabhängig davon, wie im Innenverhältnis Vater - Mutter - Kinder der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Unterhalt geregelt ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 27. April 2011 i.S. A.X. gegen</span><br/> <span class="ft3">den Entscheid des Departements Bildung, Kultur und Sport (RRB Nr. 2011-</span><br/> <span class="ft3">000578).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1.</span><br/> <span class="ft5">1.1</span><br/> <span class="ft5">Gemäss § 27 Abs. 1 des Gesetzes über die Einrichtungen für</span><br/> <span class="ft5">Menschen mit besonderen Betreuungsbedürfnissen (Betreuungsge-</span><br/> <span class="ft5">setz) vom 2. Mai 2006 leisten die Eltern den Tagessonderschulen für</span><br/> <span class="ft5">den Aufenthalt ihrer Kinder über Mittag eine vom Regierungsrat auf</span><br/> <span class="ft5">maximal Fr. 15.- pro Kind und Mittag festgesetzte Pauschale; der</span><br/> <span class="ft5">Regierungsrat hat diesen Elternbeitrag auf Fr. 10.- pro Mittag festge-</span><br/> <span class="ft5">setzt (§ 54 Abs. 1 der Verordnung über die Einrichtungen für Men-</span><br/> <span class="ft5">schen mit besonderen Betreuungsbedürfnissen [Betreuungsverord-</span><br/> <span class="ft5">nung] vom 8. November 2006). Bei Streitigkeiten über Bestand,</span><br/> <span class="ft5">Höhe und Bevorschussung von Elternbeiträgen sowie bei Zahlungs-</span><br/> <span class="ft5">verzug erlässt das BKS auf Gesuch hin eine Verfügung (§ 31 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">Betreuungsgesetz).</span><br/> <span class="ft5">1.2</span><br/> <span class="ft5">Vorliegend ist nicht bestritten, dass A.X. der leibliche Vater und</span><br/> <span class="ft5">damit Elternteil von B. und C.X. ist. Der Beschwerdeführer macht</span><br/> <span class="ft5">aber geltend, dass die Mutter Y. die elterliche Sorge und Obhut über</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">462</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">die gemeinsamen Kinder innehabe und er bereits monatliche Unter-</span><br/> <span class="ft5">haltsbeiträge an den Unterhalt seiner Kinder bezahle. Auf Grund</span><br/> <span class="ft5">dessen bestehe für ihn keine weitere Leistungspflicht betreffend Un-</span><br/> <span class="ft5">terhalt seiner Kinder mehr. Die weiteren Unterhaltskosten müsse die</span><br/> <span class="ft5">Kindsmutter übernehmen. Die bundesrechtliche Unterhaltsregelung</span><br/> <span class="ft5">gemäss Art. 276 Abs. 2 ZGB sei vorrangig und der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führer könne nicht mit einem kantonalem Gesetz und dem unbe-</span><br/> <span class="ft5">stimmten Begriff "Eltern" nochmals in die Pflicht genommen wer-</span><br/> <span class="ft5">den.</span><br/> <span class="ft5">1.3</span><br/> <span class="ft5">Das Betreuungsgesetz auferlegt die Elternbeiträge den Eltern</span><br/> <span class="ft5">(§ 27 Abs. 1 Betreuungsgesetz), wobei der Begriff Eltern - entgegen</span><br/> <span class="ft5">der Meinung des Beschwerdeführers - weder unklar noch unbe-</span><br/> <span class="ft5">stimmt ist, sondern eindeutig auf ein bestehendes zivilrechtliches</span><br/> <span class="ft5">Eltern-Kindverhältnis hinweist. Eltern sind damit die leiblichen El-</span><br/> <span class="ft5">tern (Art. 252 ZGB), solange keine Adoption stattgefunden hat</span><br/> <span class="ft5">(Art. 267 Abs. 2 ZGB). Eine Scheidung ändert dabei nichts an der</span><br/> <span class="ft5">Elternschaft der nicht obhuts- bzw. sorgeberechtigten Person. Das</span><br/> <span class="ft5">Kindsverhältnis bleibt bestehen. Im Übrigen auferlegt das Betreu-</span><br/> <span class="ft5">ungsgesetz die Leistungspflicht beiden Eltern gemeinsam, was auf-</span><br/> <span class="ft5">grund der Verwendung des Plurals ebenfalls unmissverständlich aus</span><br/> <span class="ft5">dem Gesetzestext hervorgeht. Der Beschwerdeführer ist als leiblicher</span><br/> <span class="ft5">Vater von B. und C.X. deshalb gemäss § 27 Abs. 1 Betreuungsgesetz</span><br/> <span class="ft5">verpflichtet, Elternbeiträge an die Gemeinde zu bezahlen.</span><br/> <span class="ft5">Daran ändern auch die Einwendungen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft5">zum Vorrang des Bundesrechts und zur gerichtlich festgelegten Un-</span><br/> <span class="ft5">terhaltspflicht nichts. Die bundesrechtlichen Regelungen und damit</span><br/> <span class="ft5">der zivilrechtliche Kinderunterhalt betreffen nämlich ausschliesslich</span><br/> <span class="ft5">die Innenverhältnisse zwischen Eltern und Kindern. Die Elternbei-</span><br/> <span class="ft5">träge werden demgegenüber einem Dritten, namentlich der Gemein-</span><br/> <span class="ft5">de, geschuldet. Die kantonale Regelung im Betreuungsgesetz hat</span><br/> <span class="ft5">lediglich das Aussenverhältnis zum Gegenstand. Als Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft5">hörde steht es dem BKS damit gar nicht zu, in die Innenverhältnisse</span><br/> <span class="ft5">zwischen Vater und Kindern oder Vater und Mutter einzugreifen, um</span><br/> <span class="ft5">z.B. die Kindsmutter zu verpflichten, die vom Beschwerdeführer be-</span><br/> <span class="ft5">zahlten Unterhaltsbeiträge für die Bezahlung der Rechnungen der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">463</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Gemeinde zu gebrauchen. Ebenfalls ist es nicht Aufgabe einer Ver-</span><br/> <span class="ft5">waltungsbehörde, die zivilrechtliche Unterhaltsverpflichtung des Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführers zu überprüfen und diese entsprechend seiner finan-</span><br/> <span class="ft5">ziellen Leistungsfähigkeit und dem Bedarf seiner Kinder allenfalls</span><br/> <span class="ft5">neu festzusetzen oder anzupassen. Die Klärung dieser - die Innen-</span><br/> <span class="ft5">verhältnisse betreffenden - Fragen obliegt ausschliesslich den Zivil-</span><br/> <span class="ft5">gerichten (Art. 133 Abs. 1, Art. 279 bzw. Art. 286 Abs. 2 und 3 ZGB</span><br/> <span class="ft5">jeweils i.V.m. Art. 54 Abs. 2 des Schlusstitels zum ZGB).</span><br/> <span class="ft5">Das BKS verfügte vorliegend lediglich im von der zivilrecht-</span><br/> <span class="ft5">lichen Unterhaltspflicht nicht betroffenen Aussenverhältnis zwischen</span><br/> <span class="ft5">Gemeinde und Eltern und auferlegte mit seiner Verfügung beiden</span><br/> <span class="ft5">Elternteilen die nicht beglichenen Elternbeiträge gemeinsam. Die</span><br/> <span class="ft5">Verfügung des BKS ist damit insoweit nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft5">1.4</span><br/> <span class="ft5">Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers widerspricht</span><br/> <span class="ft5">auch Art. 143 OR nicht der Anordnung einer solidarischen Haftbar-</span><br/> <span class="ft5">keit. Art. 143 Abs. 2 OR sieht - unabhängig von der Relevanz dieser</span><br/> <span class="ft5">Bestimmung im öffentlichen Recht - die Solidarität in den vom Ge-</span><br/> <span class="ft5">setz bestimmten Fällen ausdrücklich vor. § 27 Abs. 2 Betreuungsge-</span><br/> <span class="ft5">setz enthält mit der Leistungspflicht der beiden Elternteile auch den</span><br/> <span class="ft5">Grundsatz der solidarischen Haftbarkeit. Die solidarische Haftbarkeit</span><br/> <span class="ft5">ist nämlich lediglich notwendige Konsequenz der Tatsache, dass das</span><br/> <span class="ft5">Betreuungsgesetz (§ 27 Abs. 2 Betreuungsgesetz) mehr als eine Per-</span><br/> <span class="ft5">son verpflichtet, die vollständigen Elternbeiträge zu leisten. Die An-</span><br/> <span class="ft5">ordnung der Solidarität ist damit nicht zu beanstanden und erweist</span><br/> <span class="ft5">sich als recht- und zweckmässig.</span><br/> <span class="ft5">1.5</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">1.6</span><br/> <span class="ft5">Zusammenfassend erweisen sich die Rügen der Beschwerde als</span><br/> <span class="ft5">unbegründet. Die Abweisung der Beschwerde bedeutet allerdings -</span><br/> <span class="ft5">wie bereits gesagt - nicht, dass der Beschwerdeführer im vorliegen-</span><br/> <span class="ft5">den Verfahren verpflichtet würde, einen erhöhten Unterhalt an seine</span><br/> <span class="ft5">Kinder zahlen zu müssen, als ihm zivilrechtlich auferlegt ist. Der</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführer wird lediglich solidarisch mitverpflichtet, eine of-</span><br/> <span class="ft5">fene öffentlich-rechtliche Forderung der Gemeinde zu begleichen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">464</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Der Gemeinde steht es überdies auch zu, zuerst die Forderungen aus-</span><br/> <span class="ft5">schliesslich bei der Kindsmutter einzutreiben, zumal die Verfügung</span><br/> <span class="ft5">des BKS ihr gegenüber bereits in Rechtskraft erwuchs und sie bereits</span><br/> <span class="ft5">betrieben wurde. Weiter steht es dem Beschwerdeführer offen, die</span><br/> <span class="ft5">sich im Innenverhältnis zwischen Vater und Mutter stellenden Fragen</span><br/> <span class="ft5">in einem zivilrechtlichen Verfahren klären zu lassen.</span><br/></div> </div> </body> </html>