<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">409</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Abteilung Steuern</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>79</b></span> <span class="ft2"><b>Weiterbildungskosten (§ 35 Abs. 1 lit. e StG)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Mangels eines "ausgeübten Berufs" liegt keine Weiterbildung vor, wenn</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zwischen Erstausbildung und (Vollzeit-)Fachhochschulstudium kein Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rufseinstieg vollzogen wurde. Im Verhältnis zu Einkommen aus Vermö-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>genserträgen handelt es sich nicht um Gewinnungskosten. Das Prinzip</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist deshalb</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht verletzt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft3">vom 24. Januar 2013 in Sachen S.F. (3-RV.2012.120).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">4.3.</span><br/> <span class="ft5">Zwar ist es richtig, dass gemäss gängiger Praxis im Kanton Aar-</span><br/> <span class="ft5">gau Fachhochschulstudiengänge als Weiterbildungen im steuerrecht-</span><br/> <span class="ft5">lichen Sinn anerkannt werden können. Der Abzug der Kosten des</span><br/> <span class="ft5">Fachhochschulstudiums scheitert vorliegend jedoch primär daran,</span><br/> <span class="ft5">dass gar kein "ausgeübter" Beruf gegeben war, an den sich eine</span><br/> <span class="ft5">Weiterbildung anschloss. Das zeigt sich gerade auch daran, dass der</span><br/> <span class="ft5">Rekurrent weder im Jahr 2010 noch in den Vorjahren nach Abschluss</span><br/> <span class="ft5">der Ausbildung ein Erwerbseinkommen erzielte, sondern das Ein-</span><br/> <span class="ft5">kommen des Rekurrenten im Jahr 2010 ausschliesslich aus Vermö-</span><br/> <span class="ft5">genserträgen stammte. Der Rekurrent war nach eigenen Angaben</span><br/> <span class="ft5">nach dem Abschluss der Berufslehren im Jahr 2009 nie berufstätig.</span><br/> <span class="ft5">Auch im vorliegend relevanten Steuerjahr 2010 übte er keinen Beruf</span><br/> <span class="ft5">aus. Vielmehr schloss er an die vorangegangenen Lehrausbildungen</span><br/> <span class="ft5">(...) (nach einem Zwischenjahr mit Sprachaufenthalt im Ausland) so-</span><br/> <span class="ft5">gleich eine weitere Fortbildung (...) an, ohne einen eigentlichen Be-</span><br/> <span class="ft5">rufseinstieg in den erlernten Berufen vorzunehmen. Die entstandenen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">410</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Kosten können deshalb keine Berufs-, bzw. Weiterbildungskosten</span><br/> <span class="ft5">darstellen. Eine Einordnung unter die Berufsaufstiegskosten, welche</span><br/> <span class="ft5">nach der Aargauer Praxis zum Abzug zugelassen werden, gelingt</span><br/> <span class="ft5">deshalb ebenfalls nicht.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">4.4.4.</span><br/> <span class="ft5">Das Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leis-</span><br/> <span class="ft5">tungsfähigkeit stellt eine Unterkategorie des Gleichbehandlungs-</span><br/> <span class="ft5">grundsatzes dar. Demnach müssen "die Steuerpflichtigen nach Mass-</span><br/> <span class="ft5">gabe der ihnen zustehenden Mittel gleichmässig belastet werden; die</span><br/> <span class="ft5">Steuerbelastung muss sich nach den dem Steuerpflichtigen zur Verfü-</span><br/> <span class="ft5">gung stehenden Wirtschaftsgütern und den persönlichen Verhältnis-</span><br/> <span class="ft5">sen richten" (BGE 122 I 101, E. 2.b.aa., mit Hinweisen). Das Bun-</span><br/> <span class="ft5">desgericht betont im gleichen Entscheid jedoch auch, dass das Prin-</span><br/> <span class="ft5">zip wegen der beschränkten Vergleichbarkeit keine absolut gleiche</span><br/> <span class="ft5">Besteuerung bei gesamthaft gleicher wirtschaftlicher Leistungsfähig-</span><br/> <span class="ft5">keit verlangt. (Im zu beurteilenden Fall hielt es zudem fest, es sei mit</span><br/> <span class="ft5">dem Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungs-</span><br/> <span class="ft5">fähigkeit vereinbar, wenn gewisse Vermögenszugänge von der Steuer</span><br/> <span class="ft5">befreit sind und andere nicht [E. 4.b.]).</span><br/> <span class="ft5">4.4.5.</span><br/> <span class="ft5">Bei den Abzügen für Weiterbildungskosten geht es nicht, wie</span><br/> <span class="ft5">der Rekurrent vermutet, um eine vorgezogene Belohnung für eine</span><br/> <span class="ft5">höhere Besteuerung nach Abschluss einer Weiterbildung. Bei den</span><br/> <span class="ft5">Abzügen gemäss § 35-39 StG sollen Kosten abgezogen werden kön-</span><br/> <span class="ft5">nen, welche für die Erzielung des Einkommens aufgewendet wurden</span><br/> <span class="ft5">(Gewinnungskosten). Deshalb wird auch ein enger Zusammenhang</span><br/> <span class="ft5">zwischen den Kosten und der Einkommensart verlangt. Beim Er-</span><br/> <span class="ft5">werbseinkommen sind dem Gesetz entsprechend Berufskosten ab-</span><br/> <span class="ft5">ziehbar, wie Fahrkosten, Kosten der auswärtigen Verpflegung oder</span><br/> <span class="ft5">Wieterbildungskosten (§ 35 Abs. 1 StG). Auf Vermögenserträgen</span><br/> <span class="ft5">hingegen sind Abzüge für Kosten der Vermögensverwaltung vorgese-</span><br/> <span class="ft5">hen (§ 39 Abs. 1 StG). So erklärt sich, weshalb die steuerpflichtige</span><br/> <span class="ft5">Person, welche berufsbegleitend eine Fortbildung macht, die Kosten</span><br/> <span class="ft5">dafür als Weiterbildungskosten abziehen kann, sofern der erforder-</span><br/> <span class="ft5">liche Zusammenhang zum Beruf besteht. Beim Rekurrenten hinge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">gen, der im Jahr 2010 ein Vollzeitstudium absolvierte, fehlt jeglicher</span><br/> <span class="ft5">Zusammenhang der für das Studium aufgewendeten Kosten mit den</span><br/> <span class="ft5">erzielten Vermögenserträgen, so dass die Fortbildungskosten im Ver-</span><br/> <span class="ft5">hältnis zu seinem Einkommen nicht als Gewinnungskosten erschei-</span><br/> <span class="ft5">nen.</span><br/> <span class="ft5">4.4.6.</span><br/> <span class="ft5">Die Steuerkommission X stützt sich im Einspracheentscheid auf</span><br/> <span class="ft5">das Gesetz und die dazu entwickelte Rechtsprechung. Dass für die</span><br/> <span class="ft5">unterschiedlichen Einkommensarten von Gesetzes wegen unter-</span><br/> <span class="ft5">schiedliche Abzugsmöglichkeiten bestehen, basiert auf sachlichen</span><br/> <span class="ft5">Gründen. Die entsprechend differenzierte Handhabung der rechtlich</span><br/> <span class="ft5">zu unterscheidenden Sachverhalte verletzt den Gleichbehandlungs-</span><br/> <span class="ft5">grundsatz damit gerade nicht. Wenn also Personen, welche zahlen-</span><br/> <span class="ft5">mässig über dasselbe Einkommen verfügen, am Ende verschieden</span><br/> <span class="ft5">hohe Steuern zu bezahlen haben, je nachdem, ob ihr Einkommen aus</span><br/> <span class="ft5">Erwerbstätigkeit oder aus Vermögenserträgen stammt, ist mit dem</span><br/> <span class="ft5">Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähig-</span><br/> <span class="ft5">keit absolut vereinbar.</span><br/></div> </div> </body> </html>