<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 449</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">449</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Jagdrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>98 Jagdausschluss</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tierquälerei von einer gewis-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sen Schwere ist mit der Ausübung der Jagd unvereinbar und stellt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einen Jagdausschlussgrund dar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 2. März 2011</span><br/> <span class="ft3">in Sachen X. (BVURA.11.127).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1.</span><br/> <span class="ft5">Die Jagdreviere werden durch den Kanton für die Dauer von</span><br/> <span class="ft5">acht Jahren an Jagdgesellschaften verpachtet (§ 4 Abs. 1 des Jagdge-</span><br/> <span class="ft5">setzes des Kantons Aargau, ASJG), wobei als Jagdgesellschaft ein</span><br/> <span class="ft5">Zusammenschluss von Jagdberechtigten in der Rechtsform eines Ve-</span><br/> <span class="ft5">reins gilt (§ 5 AJSG). Die Mitglieder einer Jagdgesellschaft müssen</span><br/> <span class="ft5">für die Dauer der Pachtperiode im Besitz des aargauischen Jagdpas-</span><br/> <span class="ft5">ses sein (§ 5 Abs. 2 AJSG). Gemäss § 8 AJSG ist im Kanton jagdbe-</span><br/> <span class="ft5">rechtigt, wer einen vom Kanton Aargau anerkannten Jagdpass be-</span><br/> <span class="ft5">sitzt. Berechtigt zum Bezug eines Jagdpasses ist nur, wer nicht von</span><br/> <span class="ft5">der Jagd ausgeschlossen ist (§ 8 Abs. 3 AJSG). Von der Jagd im Kan-</span><br/> <span class="ft5">ton wird ausgeschlossen, wer wegen wiederholter vorsätzlicher Wi-</span><br/> <span class="ft5">derhandlungen gegen das Jagdrecht oder anderweitiger Straftaten,</span><br/> <span class="ft5">die mit der Jagdausübung unvereinbar sind, bestraft worden ist (§ 9</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 lit. c AJSG). Nachfolgend ist zu prüfen, ob dem Gesuchsteller</span><br/> <span class="ft5">gestützt auf § 9 Abs. 2 lit. c AJSG die Ausstellung des Jagdpasses zu</span><br/> <span class="ft5">verweigern ist.</span><br/> <span class="ft5">2.</span><br/> <span class="ft5">Mit Bestellformular für (Jahres)-Jagdpass vom 7. Januar 2011</span><br/> <span class="ft5">ersuchte X. (nachfolgend: Gesuchsteller) um Ausstellung eines Jagd-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">450</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">passes für die Dauer der Pachtperiode vom 1. Januar 2011 bis</span><br/> <span class="ft5">31. Dezember 2018 für Jagdaufseher und Vereinsmitglieder. Auffor-</span><br/> <span class="ft5">derungsgemäss legte der Gesuchsteller seinem Gesuch einen Auszug</span><br/> <span class="ft5">aus dem schweizerischen Strafregister vom 11. November 2010 bei,</span><br/> <span class="ft5">welcher folgenden Eintrag aufweist:</span><br/> <span class="ft3">15.3.2010 Gerichtspräsidium Zofingen</span><br/> <span class="ft3">Eröffnet: 15.3.2010</span><br/> <span class="ft3">Rechtskraft: 14.4.2010</span><br/> <span class="ft3">Vergehen gegen das Tierschutzgesetz</span><br/> <span class="ft3">Geldstrafe 20 Tagessätze zu 70 CHF</span><br/> <span class="ft3">bedingt vollziehbar, Probezeit 2 Jahre</span><br/> <span class="ft3">Busse 700 CHF</span><br/> <span class="ft3">* Urteil erscheint nicht mehr am: 14.3.2012</span><br/> <span class="ft5">Dem Strafregistereintrag liegt folgender Sachverhalt zugrunde:</span><br/> <span class="ft5">Am 29. Dezember 2007 ging beim kantonalen Veterinärdienst</span><br/> <span class="ft5">die Meldung über die Haltung der drei Hunde des Gesuchstellers ein,</span><br/> <span class="ft5">nachdem einer der Rüden am 27. Dezember 2007 durch eine Passan-</span><br/> <span class="ft5">tin aufgegriffen und in ein Tierheim gebracht worden war. Dabei</span><br/> <span class="ft5">wurde festgestellt, dass der Rüde massiv abgemagert war. Die nach-</span><br/> <span class="ft5">folgenden Ermittlungen und Untersuchungen ergaben, dass der Ge-</span><br/> <span class="ft5">suchsteller während der Jagd im November und Dezember 2007 sei-</span><br/> <span class="ft5">ne beiden Rüden in qualitativer Hinsicht ungenügend ernährt hatte</span><br/> <span class="ft5">(namentlich zu wenig Rohproteine und zu wenig Rohfett). Die Hun-</span><br/> <span class="ft5">de waren während der 2 Monate jeweils an 2 Tagen pro Woche im</span><br/> <span class="ft5">Jagdeinsatz gewesen. Die ungenügende Ernährung führte zu einer</span><br/> <span class="ft5">Unterernährung, was tierärztlich festgestellt wurde. So wiesen A.</span><br/> <span class="ft5">und B., beides Jagdhundemischlinge der Rassen Berner Nieder-</span><br/> <span class="ft5">laufhund/Beagle, ein Gewicht von 11 kg bzw. 10 kg auf. Gleichzeitig</span><br/> <span class="ft5">wurde bei A. ein Wurmbefall diagnostiziert.</span><br/> <span class="ft5">Mit Strafbefehl vom 20. Oktober 2009 verurteilte das Bezirks-</span><br/> <span class="ft5">amt den Gesuchsteller wegen fahrlässiger Tierquälerei zu einer Busse</span><br/> <span class="ft5">von Fr. 700.- und einer Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen, welche bei</span><br/> <span class="ft5">Nichtbezahlung der Busse vollzogen wird.</span><br/> <span class="ft5">Mit Verfügung vom 4. Januar 2010 erhob die Staatsanwaltschaft</span><br/> <span class="ft5">gegen den Strafbefehl des Bezirksamts Einsprache mit dem Antrag,</span><br/> <span class="ft5">der Gesuchsteller sei wegen mehrfacher vorsätzlicher Tierquälerei zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">451</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">verurteilen und er sei mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen</span><br/> <span class="ft5">Fr. 70.-, bedingt, sowie einer Busse von Fr. 700.- zu bestrafen. ...</span><br/> <span class="ft5">Mit Urteil des Gerichtspräsidiums vom 15. März 2010 wurde</span><br/> <span class="ft5">der Gesuchsteller der vorsätzlichen Tierquälerei gemäss Art. 2 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">und 2 aTSchG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 aTSchG und Art. 27</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 lit. a aTSchG für schuldig befunden und das Strafmass wurde</span><br/> <span class="ft5">erhöht.</span><br/> <span class="ft5">3. a)</span><br/> <span class="ft5">Der Gesuchsteller geht davon aus, dass für den Ausschluss von</span><br/> <span class="ft5">der Jagd eine wiederholte Straftat vorliegen muss und dass die Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheidbehörde einen Ermessenspielraum habe.</span><br/> <span class="ft5">§ 9 Abs. 2 AJSG legt fest, dass von der Jagd im Kanton Aargau</span><br/> <span class="ft5">ausgeschlossen wird, wer wegen wiederholter vorsätzlicher Wider-</span><br/> <span class="ft5">handlungen gegen das Jagdrecht oder wegen anderweitiger Strafta-</span><br/> <span class="ft5">ten, die mit der Jagdausübung unvereinbar sind, bestraft worden ist</span><br/> <span class="ft5">(§ 9 Abs. 2 AJSG). Dies im Gegensatz zu Abs. 1, welcher festlegt,</span><br/> <span class="ft5">dass von der Jagd ausgeschlossen werden kann, wer wegen Wider-</span><br/> <span class="ft5">handlung gegen das Jagdrecht bestraft worden ist.</span><br/> <span class="ft5">Den Materialien zu § 9 ist Folgendes zu entnehmen (vgl. Bot-</span><br/> <span class="ft5">schaft des Regierungsrats an den Grossen Rat vom 21. Mai 2008,</span><br/> <span class="ft5">S. 24 f.):</span><br/> <span class="ft3">Die bisherige Liste der Ausschlussgründe von der Jagd wird gestrafft</span><br/> <span class="ft3">und den heutigen Verhältnissen angepasst. Primäre Ausschlussgründe sind</span><br/> <span class="ft3">jagdrechtlicher Natur. Anderweitige Straftaten (Abs. 2 lit. c) sind nur inso-</span><br/> <span class="ft3">fern relevant, als sie mit der Jagdausübung unvereinbar sind. Zu denken ist</span><br/> <span class="ft3">dabei etwa an strafbare Handlungen gegen Leib und Leben (Mord, Körper-</span><br/> <span class="ft3">verletzung) oder gegen die Freiheit (Drohung, Nötigung). Auch Straftaten</span><br/> <span class="ft3">im Zusammenhang mit dem Tierschutz- oder Umweltrecht können in Frage</span><br/> <span class="ft3">kommen.</span><br/> <span class="ft3">Da bei diesen Straftatbeständen bereits eine einmalige Verurteilung</span><br/> <span class="ft3">ausreicht - bei den Widerhandlungen gegen Bestimmungen des Jagdrechts</span><br/> <span class="ft3">ist eine mehrmalige wissentliche und willentliche Tatbegehung für den</span><br/> <span class="ft3">Ausschluss notwendig -, muss die Straftat eine gewisse Schwere aufweisen.</span><br/> <span class="ft3">So muss die weitere Ausübung der Jagd durch die verurteilte Person von der</span><br/> <span class="ft3">Behörde als risikoreich beurteilt werden und die Tat an sich eine gewisse</span><br/> <span class="ft3">Schwere und kriminelle Energie erkennen lassen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">452</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">...</span><br/> <span class="ft5">b) aa)</span><br/> <span class="ft5">Wie vorstehend erwähnt, können Straftaten im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft5">mit der Tierschutzgesetzgebung zum Ausschluss von der Jagd füh-</span><br/> <span class="ft5">ren, allerdings muss die Straftat eine gewisse Schwere aufweisen und</span><br/> <span class="ft5">die Risikoeinschätzung hinsichtlich der Jagdausübung des Gesuch-</span><br/> <span class="ft5">stellers muss negativ sein. Vorliegend erkannte das Gerichtspräsi-</span><br/> <span class="ft5">dium in zweiter Instanz auf Antrag der Staatsanwaltschaft auf vor-</span><br/> <span class="ft5">sätzliche Tierquälerei, nachdem der Gesuchsteller in erster Instanz</span><br/> <span class="ft5">nur wegen fahrlässiger Tierquälerei verurteilt worden war. Das Ge-</span><br/> <span class="ft5">richt folgte somit den Ausführungen des Staatsanwalts, wonach der</span><br/> <span class="ft5">Gesuchsteller den schlechten Zustand seiner Hunde, welche für die</span><br/> <span class="ft5">Jagd zu wenig ernährt waren und trotzdem weiterhin eingesetzt wur-</span><br/> <span class="ft5">den, zumindest in Kauf nahm. Die vorsätzliche Tatbegehung weist</span><br/> <span class="ft5">auf die geforderte Schwere der Straftat hin, ebenso die Erhöhung der</span><br/> <span class="ft5">Strafe auf 20 Tagessätze Fr. 70.-. In Übereinstimmung mit der</span><br/> <span class="ft5">Staatsanwaltschaft und dem Gerichtspräsidium muss die Vernach-</span><br/> <span class="ft5">lässigung und Überanstrengung der Jagdhunde über einen längeren</span><br/> <span class="ft5">Zeitraum hinweg als schwerwiegend beurteilt werden.</span><br/> <span class="ft5">Erschwerend fällt ins Gewicht, dass die Tathandlung im Zu-</span><br/> <span class="ft5">sammenhang mit der Jagd stattfand. Die Jagd soll grundsätzlich im-</span><br/> <span class="ft5">mer nach weidmännischen Grundsätzen ausgeübt werden (vgl. §§ 1</span><br/> <span class="ft5">und 2 AJSG). Der Schutz der Wildtiere erfordert, dass auf der Jagd -</span><br/> <span class="ft5">wie etwa bei der Nachsuche - nur Jagdhunde eingesetzt werden, die</span><br/> <span class="ft5">sich in gesundheitlich gutem, leistungsfähigem Zustand befinden.</span><br/> <span class="ft5">Keinesfalls darf die Jagd zu Lasten des Wohlergehens der eingesetz-</span><br/> <span class="ft5">ten Jagdhunde ausgeübt werden. Der Umstand, dass der Gesuchstel-</span><br/> <span class="ft5">ler über längere Zeit die Hunde trotz ihres offenkundig schlechten</span><br/> <span class="ft5">Gesundheitszustands zweimal pro Woche bei der Jagd einsetzte, wi-</span><br/> <span class="ft5">derspricht diesen Grundsätzen fundamental und wiegt schwer. Umso</span><br/> <span class="ft5">mehr, als der Gesuchsteller im Zeitpunkt der Tat (2007) als Jagd-</span><br/> <span class="ft5">aufseher amtete und damit nach dem in diesem Zeitpunkt geltenden</span><br/> <span class="ft5">Gesetz über Wildschutz, Vogelschutz und Jagd vom 25. Februar 1969</span><br/> <span class="ft5">(aJagdgesetz) als Organ der Jagdpolizei verantwortlich zeichnete</span><br/> <span class="ft5">(§ 53 aJagdgesetz). An einen Jagdaufseher dürfen in jedem Fall hö-</span><br/> <span class="ft5">here Anforderungen bezüglich Einhaltung der Tierschutzvorschriften</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">453</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">im Zusammenhang mit der Jagd gestellt werden als an einen Pächter.</span><br/> <span class="ft5">Der Gesuchsteller hätte die - selbst für Dritte offenkundige - Über-</span><br/> <span class="ft5">forderung seiner Hunde bemerken und die entsprechenden Massnah-</span><br/> <span class="ft5">men zum Schutz seiner Hunde ergreifen müssen (vgl. nachstehende</span><br/> <span class="ft5">Erwägungen). Das hat er jedoch nicht getan, was erschwerend ins</span><br/> <span class="ft5">Gewicht fällt.</span><br/> <span class="ft5">In diesem Zusammenhang ist zwar anerkennend festzustellen,</span><br/> <span class="ft5">dass es sich lediglich um eine einmalige Tat handelt und dass der</span><br/> <span class="ft5">tierärztliche Bericht vom 2. Februar 2011 den Hunden des Gesuch-</span><br/> <span class="ft5">stellers einen guten Nährzustand und das Fehlen von Anzeichen von</span><br/> <span class="ft5">Verhaltensdefiziten attestiert. Diese Umstände ändern jedoch nichts</span><br/> <span class="ft5">an der Beurteilung der begangenen Straftat an sich, sie sind allenfalls</span><br/> <span class="ft5">bei der Prognose der Jagdausübung des Gesuchstellers zu berück-</span><br/> <span class="ft5">sichtigen.</span><br/> <span class="ft5">bb)</span><br/> <span class="ft5">Hinsichtlich der Risikoprognose der Jagdausübung gilt es zu</span><br/> <span class="ft5">bedenken, dass die Jagdgesellschaften bzw. die einzelnen Jäger an-</span><br/> <span class="ft5">stelle des Staates ein kantonales Regal ausüben und eine ent-</span><br/> <span class="ft5">sprechende Verantwortung wahrzunehmen haben (§ 55 der Kantons-</span><br/> <span class="ft5">verfassung). Da die Verurteilung erst vor relativ kurzer Zeit erfolgte</span><br/> <span class="ft5">und der Gesuchsteller trotz des offenkundig schlechten Zustands der</span><br/> <span class="ft5">Hunde seine Interessen an der Jagdausübung der Gesundheit der</span><br/> <span class="ft5">Hunde voranstellte, ist keine Gewähr für eine geordnete, effiziente</span><br/> <span class="ft5">und dem Schutz der Wildtiere bestmöglich Rechnung tragende Jagd-</span><br/> <span class="ft5">ausübung durch den Gesuchsteller geboten. Denn die Mitarbeit der</span><br/> <span class="ft5">Jagdhunde zweimal pro Woche war für die Jagdausübung des Ge-</span><br/> <span class="ft5">suchstellers bzw. der Jagdgesellschaft nicht zwingend notwendig.</span><br/> <span class="ft5">Der Gesuchsteller hätte Massnahmen zum Schutz der offenkundig</span><br/> <span class="ft5">überforderten Hunde treffen können, ohne dabei auf sein Hobby ver-</span><br/> <span class="ft5">zichten zu müssen. So hätte er etwa ohne weiteres die Hunde scho-</span><br/> <span class="ft5">nen und hin und wieder zu Hause lassen und jeweils einen Hund zur</span><br/> <span class="ft5">Nachsuche holen können. Das hat er jedoch nicht getan. Der Ge-</span><br/> <span class="ft5">suchsteller lässt keine Einsicht in die Unrechtmässigkeit oder in die</span><br/> <span class="ft5">jagdliche Relevanz der Tat erkennen, was nicht für eine gute Prog-</span><br/> <span class="ft5">nose seiner Jagdausübung spricht. Es fehlt offenkundig das Bewusst-</span><br/> <span class="ft5">sein, dass eine weidmännische Jagdausübung auch beinhaltet, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">454</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">die zur Jagd beigezogenen Hunde nicht überfordert werden. Das</span><br/> <span class="ft5">manifestiert sich insbesondere darin, dass der Gesuchsteller ein Ar-</span><br/> <span class="ft5">beitszeugnis der Jagdgesellschaft vom 27. Januar 2011 zu seinen</span><br/> <span class="ft5">Gunsten ins Recht legt, welches keinen Hinweis auf ein Bedauern</span><br/> <span class="ft5">oder auf ein Verständnis der Unrechtmässigkeit der damaligen Vor-</span><br/> <span class="ft5">kommnisse hinsichtlich jagdlicher Belange enthält. Vielmehr ist die</span><br/> <span class="ft5">Jagdgesellschaft der Meinung, dass ihr Jagdaufseher mit der Verur-</span><br/> <span class="ft5">teilung genug gestraft worden sei, was offensichtlich auch die An-</span><br/> <span class="ft5">sicht des Gesuchstellers ist. Indes steht in diesem Verfahren nicht die</span><br/> <span class="ft5">Bestrafung des Gesuchstellers zur Diskussion, sondern es ist zu ent-</span><br/> <span class="ft5">scheiden, ob dem Gesuchsteller die Jagdberechtigung erteilt werden</span><br/> <span class="ft5">kann. Und dies hängt nicht zuletzt von der Risikoprognose bezüglich</span><br/> <span class="ft5">der Jagdausübung des Gesuchstellers ab.</span><br/> <span class="ft5">Zugunsten des Gesuchstellers lassen sich - wie vorstehend er-</span><br/> <span class="ft5">wähnt - die Einmaligkeit der Tathandlung und der tierärztliche Be-</span><br/> <span class="ft5">richt vom 2. Februar 2011 über den Zustand seiner Hunde ins Feld</span><br/> <span class="ft5">führen. Allerdings wiegen diese Argumente gegenüber den vorste-</span><br/> <span class="ft5">hend aufgeführten nicht schwer, zumal die Verurteilung auch noch</span><br/> <span class="ft5">nicht lange her ist und sich der Gesuchsteller in dieser kurzen Zeit</span><br/> <span class="ft5">noch nicht bewähren konnte. Nach dem Gesagten kann die Risiko-</span><br/> <span class="ft5">prognose nicht als positiv beurteilt werden.</span><br/> <span class="ft5">...</span><br/> <span class="ft5">f)</span><br/> <span class="ft5">Nach dem Gesagten steht fest, dass es sich bei der vom Gesuch-</span><br/> <span class="ft5">steller begangenen vorsätzlichen Tierquälerei um eine Straftat han-</span><br/> <span class="ft5">delt, die mit der Jagd unvereinbar ist. Dementsprechend ist der Ge-</span><br/> <span class="ft5">suchsteller zwingend von der Jagd auszuschliessen. ...</span><br/> <span class="ft5">4.</span><br/> <span class="ft5">Das zuständige Departement verfügt den Ausschluss von der</span><br/> <span class="ft5">Jagd für die Dauer von mindestens einem Jahr bis höchstens zehn</span><br/> <span class="ft5">Jahren und entzieht den Jagdpass (§ 9 Abs. 3 AJSG). Mit Schreiben</span><br/> <span class="ft5">vom 11. Januar 2011 stellte das BVU den Ausschluss von der Jagd</span><br/> <span class="ft5">bis 31. Dezember 2012 in Aussicht. Der Gesuchsteller erhebt keine</span><br/> <span class="ft5">Einwendungen gegen die Dauer des Jagdausschlusses.</span><br/> <span class="ft5">Das Gerichtspräsidium sprach die Geldstrafe bedingt aus mit</span><br/> <span class="ft5">einer Probezeit von 2 Jahren, welche am 14. März 2012 abläuft</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Jagdrecht</span> <span class="page_no">455</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">(vgl. den Strafregisterauszug). Die Mindestdauer des Ausschlusses</span><br/> <span class="ft5">von der Jagd richtet sich nach diesem Termin, bis zu diesem Zeit-</span><br/> <span class="ft5">punkt kann die Jagdberechtigung keinesfalls erteilt werden. Zudem</span><br/> <span class="ft5">sind bei der Bemessung der Dauer des Jagdausschlusses in erster Li-</span><br/> <span class="ft5">nie die Tat und deren Umstände zu berücksichtigen. Dass die Tat vor-</span><br/> <span class="ft5">sätzlich und nicht fahrlässig begangen wurde und überdies noch im</span><br/> <span class="ft5">Zusammenhang mit der Jagd steht, verlangt zwingend eine Verlänge-</span><br/> <span class="ft5">rung der Ausschlussdauer. Sodann ist dem Umstand Rechnung zu</span><br/> <span class="ft5">tragen, dass die Verurteilung erst vor kurzer Zeit erfolgte und sich</span><br/> <span class="ft5">eine entsprechende Bewährungsdauer aufdrängt. Schwer wiegt vor</span><br/> <span class="ft5">allem auch, dass die eingereichten Akten keine Einsicht des Gesuch-</span><br/> <span class="ft5">stellers bezüglich Unrechtmässigkeit oder jagdlicher Relevanz der</span><br/> <span class="ft5">Tat erkennen lassen.</span><br/> <span class="ft5">Gemessen an den vorstehenden Kriterien sind die Argumente,</span><br/> <span class="ft5">die gegen eine Verlängerung der Jagdausschlussdauer sprechen, wie</span><br/> <span class="ft5">etwa die Einmaligkeit der Tat oder der tierärztliche Bericht vom</span><br/> <span class="ft5">2. Februar 2011, eher von untergeordneter Bedeutung (vgl. auch die</span><br/> <span class="ft5">Erwägungen unter 3b). Sie vermögen die vorstehend aufgeführten,</span><br/> <span class="ft5">schwerwiegenden Kriterien nicht zu überwiegen. Sodann ist zu be-</span><br/> <span class="ft5">rücksichtigen, dass der Gesuchsteller für die Dauer des Jagdaus-</span><br/> <span class="ft5">schlusses nicht vollständig von seinem Hobby ausgeschlossen ist,</span><br/> <span class="ft5">sondern dass er bspw. nach wie vor als Treiberchef an den Jagden</span><br/> <span class="ft5">teilnehmen kann.</span><br/> <span class="ft5">Unter Berücksichtigung aller Umstände erscheint daher der</span><br/> <span class="ft5">Ausschluss von der Jagd bis 31. Dezember 2012 angemessen. Der</span><br/> <span class="ft5">Gesuchsteller wird per 1. Januar 2013 unter Vorbehalt eines dannzu-</span><br/> <span class="ft5">mal einwandfreien Strafregisterauszugs ein Gesuch um Ausstellung</span><br/> <span class="ft5">eines Jagdpasses für den Rest der Pachtperiode 2011-2018 stellen</span><br/> <span class="ft5">können.</span><br/> <span class="ft5">(Hinweis: Der Entscheid ist beim Regierungsrat angefochten</span><br/> <span class="ft5">worden und noch nicht rechtskräftig.)</span><br/></div> </div> </body> </html>