Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Januar 2014 (720 13 245 / 24) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhaltes Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves T hommen, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch N ikolaus Tamm, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1959 geborene A.____ war seit Mitte August 20 04 als Bodenleger bei der B.____ GmbH angestellt und in dieser Tätigkeit bei der Schwe izerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen un d Berufskrankheiten versichert. Am 24. September 2009 zog sich A.____ beim Abräumen einer Baustelle eine Verletzung am linken Kniegelenk zu. Nachdem die SUVA nach Eingang der Unfal lmeldung für die Heilungskosten aufgekommen war und Taggeldzahlungen entsprechend de r ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit geleistet hatte, sprach sie A.____ mit Verfügung vom 1 0. Januar 2013 für die verbleibenden Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unfallfolgen mit Wirkung ab 1. Januar 2013 eine Invali denrente basierend auf einer Erwerbsun- fähigkeit von 15 % sowie eine auf einer Integritätsei nbusse von 10 % basierende Integritätsent- schädigung zu. Daran hielt die SUVA auf Einsprache des V ersicherten hin mit Einspracheent- scheid vom 26. Juni 2013 fest. Gegen diesen Entscheid erh ob A.____ Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge richt). Die betreffende Beschwerde (Verfahren Nr. 725 13 236) gelangt ebenfalls anlässlich der heutigen Sitzung des Kantonsge- richts zur Beurteilung, wobei in dieser unfallversicherungsrechtlichen Angelegenheit ein separa- ter Entscheid ergehen wird. Am 28. Juli 2010 hatte sich A.____ unter Hinweis auf die Unfallfolgen auch bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an gemeldet. In der Folge klärte die IV-Stelle Basel-Landschaft die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse des Ver- sicherten ab, wobei sie ab 24. September 2010 (Ablauf des Wartejahres) einen Invaliditätsgrad von 100 % und ab 22. August 2012 einen solchen von 24 % ermittelte. Gestützt auf diese Er- gebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfü- gung vom 11. Juni 2013 für den Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis 30. November 2012 eine be- fristete ganze Rente zu. Gleichzeitig lehnte sie einen weiteren Rentenanspruch ab 1. Dezember 2012 ab. In Bezug auf den Rentenbeginn wies die IV-S telle den Versicherten darauf hin, dass das Wartejahr zwar per 24. September 2010 abgelaufen sei, der Rentenanspruch entstehe je- doch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Gelten dmachung des Leistungsan- spruchs. Da die Anmeldung im Juli 2010 erfolgt sei, könn ten die Leistungen somit erst ab 1. Januar 2011 ausgerichtet werden. Die IV-Stelle erö ffnete diese Verfügung zunächst dem Versicherten direkt und - auf entsprechende Beanstandung hin - am 4. Juli 2013 nochmals dem mandatierten Rechtsvertreter, Advokat Nikolaus Tamm. B. Gegen diese Verfügung vom 11. Juni 2013 liess A.___ _ durch seinen Rechtsvertreter am 28. August 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht erheben mit den Rechtsbegehren, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm ei ne unbefristete ganze IV-Rente zu- zusprechen, unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 25. September 2013 bea ntragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 28. August 2013 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherung sträger alleine nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5.1 Wie eingangs geschildert hatte der Versicherte am 2 4. September 2009 einen Berufsun- fall erlitten, bei welchem er sich eine Verletzung am l inken Kniegelenk zugezogen hatte. Nach- dem sich der Versicherte im Juli 2010 unter Hinweis auf diese Unfallfolgen zusätzlich auch bei der IV zum Leistungsbezug angemeldet hatte, zog die I V-Stelle im Rahmen der Abklärung des medizinischen Sachverhaltes die sich auf das Unfallereign is beziehenden Akten der SUVA bei. Diesen ist zu entnehmen, dass der Kreisarzt Dr. med. C.___ _, Allgemeinmedizin FMH, beim Versicherten am 28. Juni 2010 unklare Postmeniscektomie-Beschwerden links sowie ein unfall- fremdes Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen Verände rungen diagnostizierte. Die Be- schwerden seien ziemlich vordergründig, aber einigermassen konsistent. Klinisch handle es sich am ehesten um intraarticuläre Narben; ebenso sei auc h ein Weiterreissen des Innenme- niscus möglich. Es bestehe weiterer Abklärungsbedarf. Anl ässlich einer am 12. Oktober 2011 durchgeführten weiteren kreisärztlichen Untersuchung konsta tierte Dr. C.____ bei gleich lau- tenden Diagnosen konsistente Beschwerden. Belastbarkeit u nd Aktionsradius seien erheblich eingeschränkt. Hinzu kämen zunehmende Nachtschmerzen, Nachdem Dr. med. D.____, Oberarzt der Klinik für Ortho pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Spital E.____, dem Versicherte n am 23. Januar 2012 operativ eine mediale Schlittenprothese eingesetzt hatte, nahm der S UVA-Kreisarzt Dr. med. F.____, Ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, am 22. August 2012 die kreisärztliche Abschlussuntersuchung vor. In seinem Bericht n annte er als Diagnosen eine be- ginnende mediale meniscoprive Gonarthrose links nach dre i Arthroskopien, einen Status nach medialer Schlittenprothese Knie links (23.01.2012) sowi e ein latentes Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen Veränderungen. Anlässlich der Untersu chung habe sich beim Versicherten eine Muskelatrophie am linken Oberschenkel mit Dysästhesie vo m Knie ausgehend über den lateralen Rand des Unterschenkels in den Fuss einstrahle nd gezeigt. Dieser Muskel- oder Ner- venschaden sei mit grosser Wahrscheinlichkeit irreversibel . Er gehe nicht mehr davon aus, dass dieser Zustand durch konservative Therapien (Physiot herapie) oder durch eine Operation relevant bzw. erheblich klinisch und auch in Bezug auf die Leistungsfähigkeit verbessert werden könne. In seiner abschliessenden Beurteilung der Arbeit sfähigkeit hält Dr. F.____ sodann fest, zumutbar seien dem Versicherten in Berücksichtigung der ve rbleibenden Unfallfolgen im linken Knie ganztags vor allem sitzende Tätigkeiten mit kurzen s tehenden und gehenden Intervallen ebenerdig. Von Treppensteigen, Knien, Kauern, von mit telschweren und schweren beinbeton- ten Arbeiten sowie von Tätigkeiten in unebenem Gelände müsse hingegen abgesehen werden. 5.2 Am 13. September 2012 verfasste der behandelnde Arzt Dr. D.____ einen Verlaufsbe- richt, in welchem er als Diagnosen einen Status nach me dialer Schlittenprothese links, persis- tierende Knieschmerzen links sowie rezidivierende Lumbalgien festhielt. Der Patient klage nach wie vor über Schmerzen und ein Taubheitsgefühl im linke n Bein und es liege weiterhin eine atrophe Oberschenkelmuskulatur vor. In der Zwischenzeit h abe PD Dr. med. G.____, Leitender Arzt Neurologie, Spital E.____, eine neurologische Abkl ärung durchgeführt, welche jedoch ge- mäss dessen Bericht vom 23. August 2012 keine neuen Erkenn tnisse gebracht habe. Laut Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht PD Dr. G.____ sei die vorhandene Atrophie am ehesten a uf eine schmerzbedingte Inaktivitäts- atrophie zurückzuführen, was auch seines Erachtens zutreff end sei. Zur Frage der (Rest-) Ar- beitsfähigkeit des Versicherten führt Dr. D.____ sodann aus, dass er sich der kreisärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. F.____ „nur anschliessen “ könne. Im angestammten Beruf des Versicherten als Bodenleger bestehe, so Dr. D.____ weiter, mit Sicherheit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Zumutbar wären dem Patienten je doch ganztags vor allem sitzende Tätig- keiten mit kurzen stehenden und gehenden Intervallen eb enerdig. Treppensteigen, Knien und Kauern, mittelschwere und schwere beinbetonte Arbeiten sowie Tätigkeiten in unebenem Ge- lände könnten nicht durchgeführt werden. 5.3 Die IV-Stelle stützte sich in ihrer Rentenverfügung vom 11. Juni 2013 bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf die von ihr beigezogenen medizinischen Unterlagen der SUVA. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versiche rte seit dem Unfall vom 24. Sep- tember 2009 bis zur kreisärztlichen Untersuchung durch Dr . F.____ am 22. August 2012 zu 100 % arbeitsunfähig war. Für die Zeit danach stützte sie sich vollumfänglich auf die Zumutbar- keitsbeurteilung von Dr. F.____ vom 22. August 2012, wonach dem Versicherten in Berücksich- tigung der verbleibenden Unfallfolgen im linken Knie ganztags vor allem sitzende Tätigkeiten mit kurzen stehenden und gehenden Intervallen ebenerdig zumutbar seien. Von Treppenstei- gen, Knien, Kauern, von mittelschweren und schweren b einbetonten Arbeiten sowie von Tätig- keiten in unebenem Gelände müsse hingegen abgesehen we rden. Diese vorinstanzliche Wür- digung des medizinischen Sachverhaltes ist nicht zu beanstan den. Der Kreisarzt hat den Versi- cherten eingehend untersucht, er geht in seinem Bericht einlässlich auf dessen Beschwerden ein, er setzt sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander und er vermittelt so ein schlüssiges Bild über den Gesundheitszustan d des Beschwerdeführers. Schliesslich erweist sich auch seine Einschätzung der Arbe itsfähigkeit des Versicherten als überzeugend. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführe rs sind vorliegend keine Anhalts- punkte ersichtlich, die geeignet wären, auch nur geringe Zweifel an der Richtigkeit der kreisärzt- lichen Beurteilung zu erwecken. Es verhält sich vielmehr so , dass auch der behandelnde Arzt Dr. D.____ in seiner Stellungnahme vom 13. Septembe r 2012 festhält, er könne sich der kreis- ärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. F.____ „nur anschliessen“. Im angestammten Beruf des Versicherten als Bodenleger bestehe, so Dr. D.____ weiter, mit Sicherheit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Zumutbar wären ihm jedoch ganzta gs vor allem sitzende Tätigkeiten mit kurzen stehenden und gehenden Intervallen ebenerdig. T reppensteigen, Knien und Kauern, mittelschwere und schwere beinbetonte Arbeiten sowie Tätigkeiten in unebenem Gelände könn- ten nicht durchgeführt werden. 5.4 Der Vollständigkeit halber bleibt festzuhalten, da ss sich in den geschilderten medizini- schen Akten der SUVA auch Hinweise finden, wonach beim Versicherten zusätzlich auch unfall- fremde Gesundheitsbeeinträchtigungen vorliegen. So er wähnen die Kreisärzte Dres. C.____ und F.____ in ihren Berichten vom 28. Juni 2010 und 22. August 2012 jeweils ein latentes Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen Veränderungen. Da diese LWS-Problematik unbe- strittenermassen unfallfremd ist, hatten die beiden K reisärzte keine Veranlassung, sich weiter damit zu befassen; insbesondere mussten sie nicht auf den Aspekt eingehen, ob sich diese Problematik allenfalls (zusätzlich) auf die Arbeitsfähi gkeit des Versicherten auswirkt. Man kann Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich deshalb fragen, ob der medizinische Sachverhalt die sbezüglich ergänzender Abklärungen bedarf. Von solchen kann jedoch abgesehen werden. Wie aus den Berichten des behandelnden Arztes Dr. D.____ ersichtlich ist, hatte dieser Kenntnis von der LWS-Problematik seines Patien- ten. Nachdem er in seinem Bericht vom 13. September 20 12 erklärt hat, er könne sich der kreisärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. F.____ „nur anschliessen“, ist aber davon auszugehen, dass Dr. D.____ der Ansicht ist, der Versichert e werde durch die LWS- Problematik in der Ausübung einer leidensadaptierten Verweistätigkeit nicht zusätzlich beein- trächtigt. Dieser Auffassung schliesst sich denn auch Dr. me d. H.____, Facharzt für Allgemein- medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel , in seiner Beurteilung vom 5. Oktober 2012 ausdrücklich an. Im Übrigen kann in diesem Zusammenh ang auch darauf hingewiesen werden, dass der Versicherte selber in seinen in verschied enen Arztberichten wiedergegebe- nen Schilderungen der Beschwerdesymptomatik allfällige Rü ckenprobleme nicht oder nur am Rande erwähnt und er diesen somit im Vergleich zu den Unfallfolgen keine oder lediglich eine erheblich untergeordnete Bedeutung beimisst. 5.5 Was der Versicherte in seiner Beschwerde vorbringt, ist nicht geeignet, den auschlag- gebenden Beweiswert der Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. F.____ vom 22. August 2012, wel- cher sich auch der behandelnde Arzt Dr. D.____ am 13. September 2013 ausdrücklich und vollumfänglich angeschlossen hat, in Frage zu stellen. Nich t gefolgt werden kann dem Be- schwerdeführer insbesondere, wenn er beanstandet, dass die Atrophie seines linken Beines bei der Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit zu wenig berü cksichtigt worden sei. Es trifft zwar zu, dass der von PD Dr. G.____ verfasste Bericht über die n eurologische Abklärung vom 23. Au- gust 2012 jünger ist als der am 22. August 2012 verfasste Abschlussbericht von Dr. F.____, sodass jener dem Kreisarzt bei seiner Beurteilung noch n icht vorgelegen hat. Wie die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung zutreffend ausführt, können di esem nachträglichen Bericht von PD Dr. G.____ aber keine (neuen) Gesundheitsbeeinträ chtigungen entnommen werden, die Dr. F.____ im Rahmen seiner Zumutbarkeitsbeurteilung nicht mitberücksichtigt hätte. Diese Feststellung wird im Übrigen auch durch den behandelnd en Arzt Dr. D.____ bestätigt, der in seiner Stellungnahme vom 13. September 2012 seinerseits festhält, dass die durch PD Dr. G.____ am 23. August 2012 durchgeführte neurol ogische Abklärung keine neuen Er- kenntnisse gebracht habe. 5.6 Somit kann im Sinne eines Zwischenergebnisses festgeh alten werden, dass die IV- Stelle bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten für den Zeitraum zwischen dem Unfallereignis und der kreisärztlichen Abschlussuntersuchun g, d.h. für die Periode vom 24. September 2009 bis 22. August 2012 zu Recht von ein er vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen ist. Für die Zeit danach hat sie ebenso zut reffend auf die Zumutbarkeitsbeurtei- lung von Dr. F.____ vom 22. August 2012, welcher sich auc h der behandelnde Arzt Dr. D.____ am 13. September 2012 ausdrücklich und vollumfänglich angeschlossen hat, abgestellt. Dem- nach ist davon auszugehen, dass der Versicherte seit 22. A ugust 2012 (wieder) in der Lage ist, ganztags vor allem sitzende Tätigkeiten mit kurzen stehend en und gehenden Intervallen eben- erdig zu verrichten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Da der Beschwerdeführer nach dem vorstehend Gesagten im Zeitraum zwischen dem Unfall vom 24. September 2009 und der kreisärztlichen Untersuchung durch Dr. F.____ am 22. Aug ust 2012 in sämtlichen beruflichen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig war, kann ohne weitere Erörterungen festgehalten wer- den, dass der Invaliditätsgrad im genannten Zeitraum 1 00 % betrug. Für die Zeit danach, in welcher der Versicherte gemäss den massgebenden medizinisch en Unterlagen (wieder) in der Lage war, ganztags vor allem sitzende Tätigkeiten mit kur zen stehenden und gehenden Inter- vallen ebenerdig zu verrichten, hat die IV-Stelle in i hrer Verfügung vom 11. Juni 2013 den zur Ermittlung des Invaliditätsgrades erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zum utbarem Invalideneinkommen einen IV-Grad von 24 % ermittelt. Die konkrete Berechnung er weist sich als rechtens, weshalb dies- bezüglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-S telle in der Verfügung vom 11. Juni 2013 verwiesen werden kann. Diesen ist insbesondere auch zu entnehmen, dass die IV-Stelle auf dem Invalideneinkommen, welches sie gestützt auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ( vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa) ermittelt hat, „für einen Minderverdienst und die invalidi- tätsbedingte Beeinträchtigung“ einen Abzug von 25 % vorgenommen hat. Unter diesen Um- ständen kann die einzige, im Zusammenhang mit dem Einko mmensvergleich erhobene Rüge des Beschwerdeführers, die IV-Stelle habe ihm im Rahme n des Einkommensvergleichs keinen Leidensabzug zugestanden, ja sie habe dessen Voraussetzung en nicht einmal geprüft, nicht nachvollzogen werden, sodass darauf nicht weiter einzugehen ist. 7. Zu prüfen bleibt, wie sich die festgestellten IV-Gr ade von 100 % (für den Zeitraum vom 24. September 2010 [Ablauf des Wartejahres] bis 22. A ugust 2012) bzw. von 24 % (ab 22. Au- gust 2012) auf den Beginn und die Dauer des Rentenans pruchs des Beschwerdeführers aus- wirken. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenan spruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Vorliegend hat der Versicherte diesen im Juli 2010 geltend gemacht. Dies bedeutet, d ass ihm - wie die IV-Stelle in der ange- fochtenen Verfügung vom 11. Juni 2013 zutreffend entschi eden hat - die ganze Rente nicht nach Ablauf des Wartejahres, d.h. per 1. September 2010, sondern erst ab 1. Januar 2011 aus- gerichtet werden kann. Nach Art. 88a Abs. 1 IVV der Ve rordnung über die Invalidenversiche- rung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, für die Herabsetzun g oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen we rden kann, dass sie voraussicht- lich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne we- sentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Nach dem Gesagten liegt beim Versicherten ab 22. August 2012 lediglich noch ein IV-Grad von 24 % vor. In Berücksichtigung der genannten Bestimmung besteht der Anspruch auf die ganze Rente noch während dreier Monate seit der im August 20 12 eingetretenen Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, also noch bis Ende November 2012. Für den Zeitraum danach besteht in An- betracht des ermittelten Invaliditätsgrades von 24 % kein Rentenanspruch mehr. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die I V-Stelle dem Versicherten in der angefochten Verfügung vom 11. Juni 2013 zu Recht für die Periode vom 1. Januar 2011 bis 30. November 2012 eine befristete ganze Rente zugesproch en und gleichzeitig mit Wirkung ab 1. Dezember 2012 einen (weiteren) Rentenanspruch abg elehnt hat. Die vom Versicherten ge- gen die genannte Verfügung erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht