Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. September 2013 (725 13 77 / 214) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Einstellung der Leistungen wegen Wegfalls des natürlichen Kausalzusammenhangs / Würdigung fachärztlicher Gutachten / Abstellen auf medizinische Erfahrungstatsachen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advo- katin, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SWICA Versicherungen AG , Römerstrasse 37, Postfach , 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1971 geborene A.____ ist seit 1. August 2006 a ls Tagesmutter beim Verein B.____ angestellt und durch den Arbeitgeber bei der SWICA V ersicherungen AG obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 8. August 2009 erlitt A.____ in einem Hallenbad einen Unfall. Bei einem Sprung ins W asser schlug sie auf den vorderen Teil eines im Wasser liegenden Hartgummirings auf, wodurch der Ring hoch klappte und mit voller Wucht gegen ihre Stirn schlug, was wiederum zur Folge hatte, dass der Kopf schnell nach hin- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten gedrückt wurde. Nach dem Ereignis klagte A.____ über starke Schmerzen und über unmit- telbar aufgetretene Gefühlsstörungen in beiden Armen. Sie begab sich deshalb umgehend ins Spital C.____, wo ein CT der Halswirbelsäule angefer tigt wurde. Darauf waren keine Blutungen oder ossäre Läsionen sichtbar, es wurde aber die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls am 5. Halswirbelkörper linksseitig nach Hyperextensionstrauma d iagnostiziert. Nach Eingang der Unfallmeldung erbrachte die SWICA Versicherungen AG d ie gesetzlichen Leistungen für die Folgen dieses Unfalls. Da im Verlauf der Heilbehandlung die Beschwerden der Versicherten persistierten, holte die SWICA Versicherungen AG zur weiteren Abklärung des medizi nischen Sachverhaltes bei Dr. med. D.____, Neurochirurgie FMH, und bei Dr. me d. E.____, Neurologie FMH, gutachterli- che Beurteilungen ein. Schliesslich erliess die SWICA Ver sicherungen AG am 6. November 2012 eine Verfügung, mit der sie ihre Leistungen rückwirkend per 8. August 2010 einstellte. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, es sei davo n auszugehen, dass der Unfall vom 8. August 2009 lediglich einen degenerativen Vorzustand an der Halswirbelsäule verschlimmert habe. Der Status quo ante bzw. der Staus quo sine sei spätestens ein Jahr nach dem Unfaller- eignis wieder erreicht gewesen, so dass auf diesen Zei tpunkt hin auch die natürliche Kausalität weggefallen sei. Die von der Versicherten gegen diese V erfügung erhobene Einsprache wies die SWICA Versicherungen AG mit Einspracheentscheid vom 15. Februar 2013 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 20. März 2013 Beschwerde beim Kantonsgerich t, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, der angef ochtene Entscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr die ges etzlichen Leistungen zu erbringen. Eventualiter sei der rechtserhebliche medizinische Sachver halt durch die Anordnung eines Obergutachtens durch das Gericht abzuklären; unter o/e-Ko stenfolge. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, vorliegend handle es ich nich t um einen “Regelfall“, bei dem eine traumatische Verschlimmerung eines stummen Vorzustandes spä testens nach einem Jahr ab- geschlossen gewesen sei. Vielmehr würden sowohl Dr. D. ____ als auch Dr. E.____ überein- stimmend davon ausgehen, dass das Unfallereignis zu einer richtunggebenden Veränderung geführt habe und dass ohne den Unfall heute keine ähn liche Symptomatik bestehen würde. Durch den Unfall sei es zu einer Instabilität der vorgesc hädigten Segmente C5/6 bzw. C6/7 ge- kommen, was bildgebend nachweisbar sei. Der Status quo ante bzw. der Staus quo sine sei bis heute nicht eingetreten. Gemäss Einschätzung von Dr. D._ ___ sei ein solcher erst ein bis zwei Monate nach einer operativen Sanierung zu erreichen. L aut Dr. E.____ lasse sich der Status quo sine überhaupt nie mehr erreichen. Insgesamt könn e die SWICA damit den Wegfall der natürlichen Kausalität bzw. den Eintritt des Status quo ante bzw. des Status quo sine nicht nachweisen, so dass sie weiterhin die gesetzlichen Leistungen erbringen müsse. C. Mit Eingabe vom 11. April 2013 beantragte die SWI CA Versicherungen AG, das Be- schwerdeverfahren sei zwecks Einholung eines Obergutachtens zu sistieren. Nachdem sich die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 15. Ma i 2013 mit einer Verfahrenssistierung nicht einverstanden erklärt hatte, lehnte das Kantonsge richt mit Verfügung vom 23. Mai 2013 das Sistierungsgesuch der Beschwerdegegnerin ab. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. In ihrer Beschwerdeantwort vom 2. Juli 2013 beant ragte die SWICA Versicherungen AG die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in F.____, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 20. März 2013 ist demnach einzutreten. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdefüh- rerin über den 8. August 2010 hinaus Anspruch auf Leist ungen aus der obligatorischen Unfall- versicherung hat. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid ist. Der Rente nanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Be sserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und a llfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem R entenbeginn fallen die Heilbe- handlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung d er körperlichen, geistigen oder psychi- schen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Ans pruch auf eine angemessene Integri- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente f estgesetzt oder, falls kein Rentenan- spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und ei n adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2). Ursachen im Sinne de s natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eing etretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur glei chen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahu ng des natürlichen Kausalzusam- menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allein ige oder unmittelbare Ursache gesund- heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende E reignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität de r versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werde n kann, ohne dass auch die eingetre- tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen ei- nem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen S törung ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechts anwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr ob liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, li egt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (So zialversicherungsrecht – Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Bewe is des Wegfalls des Kausalzusammen- hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Bewei s zu verlangen, dass kein Gesund- heitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nu n bei voller Gesundheit sei. Ent- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu- tung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil P . des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 4.3 Zusätzlich zu diesen allgemeinen Grundsätzen, die im Zusammenhang mit der Feststel- lung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Me dizin zu beachten sind, gilt es bei der Beurteilung der Unfallkausalität von Diskushernien d er medizinischen Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandschei- benveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besondern Vo- raussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere sowie ge- eignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuf ühren, und die Symptome der Dis- kushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzügl ich und mit sofortiger Arbeitsunfä- higkeit aufgetreten sind (Urteil K. des Bundesgerichts vom 12. Juli 2012, 8C_151/2012, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Ist die Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch de n Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leis tungen für das unmittelbar im Zu- sammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erb ringen. Nach derzeitigem medi- zinischem Wissensstand kann das Erreichen des Status quo sin e bei posttraumatischen Lum- balgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfäl- lige richtunggebende Verschlimmerung röntgenologisch au sgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben muss; eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschl ossen zu betrachten (Urteil B. des Bundesgerichts vom 27. Juni 2012, 8C_681/2011, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). 5. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der Be urteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.1 Die Beschwerdegegnerin gab im Hinblick auf die Beur teilung der strittigen Frage, ob die persistierenden Beschwerden der Versicherten in einem nat ürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 8. August 2009 stehen, zwei fachärztliche Gutachten in Auftrag. 6.2.1 In seinem neurochirurgischen Gutachten vom 30. Mär z 2010 hält Dr. D.____ bei der Versicherten als Diagnosen eine Verletzung nach Sprung ins Wasser, einen Status nach Hype- rextensionstrauma mit Instabilität der HWS sowie eine D iskusprotrusion C5/6 mit wechselnden neurologischen Begleiterscheinungen fest. Bildgebend sei en degenerative Veränderungen im mittleren Bereich der HWS sowie eine Diskusprotrusion au f der Höhe C5/6 nachgewiesen. Es sei anzunehmen, dass die Hyperextension des Kopfes beim Spru ng ins Wasser zu einer Ver- minderung der Stabilität des vorgeschädigten Segmentes C5/6 geführt habe. Aufgrund der ra- diologischen Befunde liege der Verdacht nahe, dass eine Instabilität auf der Höhe C5/6 bei vor- bestandener Diskushernie vorliege. Dadurch komme es wahrsche inlich bei gewissen Bewe- gungen zu akuter Irritation von Mark und Wurzeln, welc he die von der Versicherten geklagten Beschwerden verursachen würden. Diese Diagnose sei aber noch nicht vollständig gesichert. Falls sie sich aber bewahrheiten würde, wäre eine opera tive Stabilisation des betreffenden Segments kaum zu umgehen. Im Falle einer operativen Stabilisierung wäre der Status quo sine zwei Monate nach einem erfolgreichen Eingriff erreicht . Was die Frage der Kausalität angehe, so sei der Unfall vordergründige Mitursache der festgestel lten gesundheitlichen Störung. Über- wiegend wahrscheinlich habe der Unfall die vorbestande ne asymptomatische Gesundheitsstö- rung in einen schmerzhaften Zustand versetzt. Ohne den Unf all wäre die neuroradiologisch nachgewiesene Diskushernie C5/6 heute wahrscheinlich no ch symptomlos. Es sei möglich, dass sie sich ohne den Unfall zu einem späteren Zeitpunk t klinisch manifestiert hätte, mit gros- ser Wahrscheinlichkeit aber kaum in derselben Art und W eise, wie sich die heutige Symptoma- tologie bemerkbar mache. 6.2.2 Im neurologischen Gutachten vom 16. Dezember 2011 diagnostiziert Dr. E.____ ein zumindest mässig ausgeprägtes Cervicalsyndrom, eine leichte A taxie der rechten Hand mit Beeinträchtigung der Graphomotorik sowie leichter Stand- und Gangataxie, einen Tinnitus links, cervicocephale Beschwerden mit cervicogen getriggerten Kop fschmerzen und eine Cervicobra- chialgie rechts. Die aktuelle Bildgebung zeige die beka nnten Diskushernien, die Hernie C5/6 habe sich nun rechts lateral bis ins Neuroforamen aus gedehnt, die Etage C6/7 imponiere leicht grössenprogredient, Auf beiden Niveaus sei der zentrale Spinalkanal mittelgradig eingeengt. Es fänden sich keine Anhaltspunkte für eine Aggravation o der Simulation. Die Versicherte berichte sachlich und ohne zu übertreiben. Die Untersuchungsbefun de seien konsistent. Zusammenfas- send sei bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen mit Diskushernien auf den Etagen C5/C6 und C6/C7 davon auszugehen, dass der Unfall mit forcierter Reklination des Kopfes zu einer Gefügelockerung und Instabilität auf der Höhe C5 /6 geführt habe mit einer Myelopathie direkt nach dem Unfall, welche glücklicherweise abgeklung en sei. Bei auch heute noch anzu- nehmender leichter Instabilität sei es seit dem Unfall nach ausgeprägter Reklination zweimalig Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu einer Reizung des Myeloms und der Nervenwurzeln gekomme n. Es sei davon auszugehen, dass das Unfallereignis zu einer richtunggebenden Verände rung des Vorzustandes geführt ha- be. Es sei als unwahrscheinlich anzusehen, dass ohne den Unf all heute eine ähnliche Sympto- matologie bestehen würde. Ein Status quo sine sei nicht mehr zu erreichen. Es sei eine operati- ve Dekompression und Stabilisierung insbesondere zur Verh inderung weiterer schwerwiegen- der Ausfälle auf beiden Etagen zu empfehlen. Inwiefe rn dieser Eingriff zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führe, könne erst sechs Monate nach der Operation beurteilt werden. Aktu- ell sei der Explorandin die gegenwärtige Tätigkeit al s Tagesmutter nicht mehr möglich, sofern sie Kleinkinder bis drei Jahre mit der Notwendigkeit, di ese hochzuheben, mitbetreuen müsse. Zur Betreuung von Kindern ab drei Jahren sei sie als Tag esmutter aber zu 100 % arbeitsfähig. Ihren ursprünglichen Beruf als zahnmedizinische Assistenti n könne sie wegen der erforderli- chen Kopfzwangshaltungen nicht mehr ausüben. Eine Bürotätigkeit mit möglichst wechselbelas- tender Tätigkeit und höchstens 40 % Computeranteil sei ihr vollschichtig zumutbar. 7.1 Während die Beschwerdegegnerin unter Berufung au f die weiter oben (vgl. E. 4.3 hier- vor) geschilderten medizinischen Erfahrungstatsachen, die l aut bundesgerichtlicher Rechtspre- chung bei der Beurteilung der Unfallkausalität von Disku shernien zu beachten sind, davon aus- geht, dass die natürliche Kausalität der persistierenden Beschwerden inzwischen weggefallen und der Status quo ante bzw. der Status quo sine einget reten sei, vertritt die Beschwerdeführe- rin gestützt auf die Ergebnisse der beiden Gutachten d er Dres. D.____ und E.____ die Auffas- sung, dass hier eben kein solcher “Regelfall“ vorliege. Es müsse vielmehr davon ausgegangen werden, dass in ihrem Fall der Status quo ante bzw. d er Status quo sine bis heute noch nicht erreicht sei. 7.2 Wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht, bestätigen die Dres. D.____ und E.____ in ihren jeweiligen fachärztlichen Gutachten, dass der Unfall der Versicherten eine rich- tunggebende Veränderung eines Vorzustandes bewirkt habe. Laut Dr. D.____ habe das Unfall- ereignis zu einer Verminderung der Stabilität des vorgeschädigten Segmentes C5/6 geführt. Für diese Annahme würden auch die funktionellen Röntgenbi lder vom 16. März 2010 sprechen. Im Weiteren gehen beide Gutachter davon aus, dass der St atus quo ante oder der Staus quo sine ohne operative Intervention nicht mehr erreichbar sei, u nd sie bezeichnen es beide als unwahr- scheinlich, dass ohne den Unfall heute eine ähnliche Sympt omatologie bestehen würde. Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen der anhaltenden Sym ptomatik und dem Unfall wird demnach im Ergebnis von beiden Gutachtern klar bejaht. 7.3 Im angefochtenen Einspracheentscheid hat die Beschwer degegnerin die geschilderten, von den Gutachtern erhobenen Befunde (insbesondere di e Instabilität im Segment C5/6) und deren schlüssige Feststellungen zur Unfallkausalität weit gehend ausser Acht gelassen. Statt- dessen hat sie sich bei der strittigen Leistungseinstellung praktisch ausschliesslich auf die me- dizinische Erfahrungstatsache berufen, wonach eine trauma tische Verschlimmerung eines kli- nisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbels äule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgesc hlossen zu betrachten sei. Indem sie sich im Rahmen der Beweiswürdigung auf diese medizini sche Erfahrungstatsache be- schränkt und gleichzeitig die medizinischen Besonderheiten des vorliegenden (Einzel-) Falles Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausser Acht gelassen hat, hat die Beschwerdegegnerin a ber, wie die Versicherte zu Recht be- anstandet, eine unvollständige und im Ergebnis (rechts- ) fehlerhafte Würdigung des massge- benden medizinischen Sachverhaltes vorgenommen. Dazu kommt, dass es ohnehin fraglich ist, ob der von der Beschwerdegegnerin angerufene medizinisc he Erfahrungssatz überhaupt auf den vorliegenden Fall angewendet werden könnte, lie gt hier doch eine atypische Konstellation vor, die sich von einem “üblichen Diskushernienfall“ massg eblich unterscheidet. Die aktuelle Symptomatik besteht nämlich nicht in einer radikulären Reizsymptomatik, sondern in einer weit- gehend asymptomatischen Instabilität, die bei falschen Be wegungen Schmerzen und neurolo- gische Ausfälle provozieren kann. Auf die aufgeworfene F rage muss nun allerdings nicht weiter eingegangen werden, ist doch aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen so oder so mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, dass der natürliche Kausalzusammen- hang zwischen der bei der Versicherten nach wie vor vorha ndenen Symptomatik und dem Un- fallereignis vom 8. August 2009 - entgegen dem Dafürh alten der Beschwerdegegnerin - weiter- hin gegeben ist. 8. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass auf die vo rinstanzliche Würdigung des medizinischen Sachverhaltes nicht abgestellt werden kann. Gestützt auf die im Wesentlichen übereinstimmenden Ergebnisse, zu denen die Gutachter D res. D.____ und E.____ gelangt sind, ist vielmehr festzuhalten, dass der natürliche Kau salzusammenhang zwischen der bei der Versicherten nach wie vor vorhandenen Symptomatik und de m Unfallereignis vom 8. August 2009 weiterhin zu bejahen ist. In Gutheissung der Besc hwerde ist demnach der angefochtene Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 15. Februa r 2013 aufzuheben; gleichzeitig ist diese zu verpflichten, der Beschwerdeführerin über den 8. August 2010 hinaus die gesetzli- chen Leistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 8. August 2009 zu erbringen. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens ents prechend ist der Beschwerdeführe- rin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschw erdegegnerin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honorarnote vom 16. Juli 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 11,25 Stu nden sowie Auslagen von Fr. 67.-- gel- tend gemacht. Die detaillierte Abrechnung beinhalte t nun allerdings auch Bemühungen von 15 Minuten und Auslagen von Fr. 10.50, die im Zusamme nhang mit zwei Schreiben der Rechtsvertreterin an die Rechtsschutzversicherung der Beschwe rdeführerin angefallen sind. Für diese Bemühungen und Auslagen hat nicht die unter liegende Beschwerdegegnerin - im Rahmen der von ihr zu leistenden Parteientschädigung - a ufzukommen. Dies bedeutet, dass vorlegend lediglich ein Aufwand von 11 Stunden, der sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist, sowie Auslagen von Fr. 56.50 entschädigt werden können. Die Bemühungen si nd zu dem in Sozialversicherungs- prozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwen dung gelangenden Stundenan- satz von 250 Franken zu entschädigen. Demnach ist der Beschw erdeführerin eine Parteient- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigung in der Höhe von Fr. 3’031.-- (11 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 56.50 + 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid der SWICA Versicherungen AG vom 15. Februar 2013 auf- gehoben und diese verpflichtet, der Beschwerdeführeri n über den 8. August 2010 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die SWICA Versicherungen AG hat der Beschwerdeführe rin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'031.-- (inkl. A uslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegneri n am 22. November 2013 Be- schwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urt eils: Verfahren-Nr. 8C_843/2013 erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht