<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 150 S.659</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">659</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>150</b></span> <span class="ft1"><b>Stockwerkeigentum.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Die Baupolizeibehörde darf die Erteilung einer Baubewilligung nicht</b></span><br/> <span class="ft1"><b>von der Zustimmung der Stockwerkeigentümerversammlung abhän-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gig machen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Baudepartements vom 10. Mai 2002 in Sachen L. und Mitbet.</span><br/> <span class="ft3">gegen Gemeinderat R.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3. a) Der Gemeinderat hat die Baubewilligung für die Trenn-</span><br/> <span class="ft5">wand vorab gestützt auf Art. 3 Abs. 2 des Stockwerkeigentümer-</span><br/> <span class="ft5">reglements (StWER) verweigert. Dieser bestimmt, dass jeder Stock-</span><br/> <span class="ft5">werkeigentümer seine Stockwerkeinheit im Innern baulich umge-</span><br/> <span class="ft5">stalten darf. Mit den Bauarbeiten darf aber erst begonnen werden,</span><br/> <span class="ft5">wenn die Pläne von der Stockwerkeigentümer-Versammlung geneh-</span><br/> <span class="ft5">migt worden sind. Der Gemeinderat macht die Erteilung der Baube-</span><br/> <span class="ft5">willigung von dieser privatrechtlichen Voraussetzung abhängig.</span><br/> <span class="ft5">b) Die Baubewilligungsbehörden haben grundsätzlich keine</span><br/> <span class="ft5">privatrechtlichen Fragen zu beurteilen, sondern sind nur zur Anwen-</span><br/> <span class="ft5">dung der Vorschriften über Raumplanung, Umweltschutz und Bau-</span><br/> <span class="ft5">wesen sowie weiterer öffentlichrechtlicher Vorschriften berufen</span><br/> <span class="ft5">(AGVE 1992, S. 305). Sie haben im Rahmen eines Baubewilli-</span><br/> <span class="ft5">gungsverfahrens in der Regel einzig zu prüfen, ob einem Bauvorha-</span><br/> <span class="ft5">ben öffentlichrechtliche, insbesondere baupolizeiliche und raumpla-</span><br/> <span class="ft5">nerische Hindernisse entgegenstehen. Dieser Grundsatz wird dort</span><br/> <span class="ft5">durchbrochen, wo die öffentlichrechtliche Ordnung unmittelbar an</span><br/> <span class="ft5">das Privatrecht anknüpft; hier muss die Baubewilligungsbehörde</span><br/> <span class="ft5">privatrechtliche Fragen beantworten. Es muss sich dabei aus dem</span><br/> <span class="ft5">öffentlichen Recht selber ergeben, dass eine privatrechtliche Vorfrage</span><br/> <span class="ft5">durch die Baubewilligungsbehörde zugunsten des Baugesuchstellers</span><br/> <span class="ft5">entschieden sein muss, bevor die Baubewilligung erteilt werden darf.</span><br/> <span class="ft5">Dies ist etwa der Fall, wo die Erschliessung einer Bauparzelle im</span><br/> <span class="ft5">Sinne von § 32 Abs. 1 lit. b BauG privatrechtlich abgesichert ist,</span><br/> <span class="ft5">beispielsweise mit einem Fahrwegrecht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">660</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">c) Um eine solche materielle Voraussetzung für die Erteilung</span><br/> <span class="ft5">der Baubewilligung handelt es sich beim Zustimmungs- bzw. Ge-</span><br/> <span class="ft5">nehmigungsvorbehalt von Art. 3 Abs. 2 StWER nicht. Er berührt die</span><br/> <span class="ft5">Beurteilung, ob das Bauvorhaben mit den öffentlichrechtlichen Vor-</span><br/> <span class="ft5">schriften in Einklang steht, in keiner Weise. Es verhält sich diesbe-</span><br/> <span class="ft5">züglich ähnlich wie mit einer Bauverbotsdienstbarkeit, welche die</span><br/> <span class="ft5">Baubewilligungsbehörde nicht zu beachten hat. Die Stockwerkei-</span><br/> <span class="ft5">gentümer müssen diese Vorschrift gegebenenfalls mit zivilrechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Mitteln durchsetzen. Der Gemeinderat hat möglicherweise</span><br/> <span class="ft5">seine Doppelrolle - einerseits Baubewilligungsbehörde, andererseits</span><br/> <span class="ft5">Vertreter der Einwohnergemeinde als Baurechtsgeberin - etwas ver-</span><br/> <span class="ft5">mischt. In diesem Verfahren hat er klar die Funktion der Baubewilli-</span><br/> <span class="ft5">gungsbehörde. Er kann sich auch nicht unter Berufung auf Art. 3</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 StWER weigern, überhaupt tätig zu werden und das Bauge-</span><br/> <span class="ft5">such an die Hand zu nehmen, nachdem es um ein bereits ausgeführ-</span><br/> <span class="ft5">tes Bauvorhaben geht. Tatsächlich hat er denn auch das Baubewilli-</span><br/> <span class="ft5">gungsverfahren durchgeführt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>