Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. November 2020 (720 20 61 / 293) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts. Die IV-Stelle hat diesen vollständig abge- klärt. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Johannes Mosimann, Advokat, Advokatur Gysin + Roth, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1978 geborene A.____, gelernter Sanitärmont eur, war zuletzt vom 4. März 2015 bis 30. April 2015 bei der B.____AG in X.____ als Hauswart tätig. Am 2. April 2015 kam es zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem dama ligen Vorgesetzten. Dabei zog er sich eine mehrfragmentäre distale Claviculafraktur zu, we lche operativ versorgt wurde. In der Folge entwickelten sich psychische Beschwerden. Die Schweiz erische Unfallversicherungsan- stalt (Suva) erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Tagge ld/Heilbehandlung). Mit Verfügung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 5. Januar 2017 ging sie davon aus, dass die psychogene n Beschwerden nicht in einem adäquatkausalen Zusammenhang mit dem erlittenen Unfal lereignis stünden und dem Versi- cherten angepasste Verweistätigkeiten zumutbar seien, wo rauf sie die Heilungskosten und Taggeldleistungen per 28. Februar 2017 einstellte. Für die verbliebene Beeinträchtigung an der linken Schulter sprach sie ihm aufgrund einer Integrität seinbusse von 10 % eine Integritätsent- schädigung zu. Mit Verfügung vom 27. Juli 2017 zog die Suva ihre Verfügung vom 5. Januar 2017 zurück, verneinte einen Anspruch des Versicherten a uf eine Invalidenrente und sprach ihm eine Integritätsentschädigung bei einer Integritä tseinbusse von 10 % zu. Die hiergegen er- hobene Einsprache wies sie ab (Einspracheentscheid vom 15. August 2017). Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.2 Am 22. September 2015 meldete sich A.____ unter H inweis auf Unfallfolgen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezu g an. Nach Abklärung der er- werblichen und medizinischen Verhältnisse, namentlich nac h Einholung der Unfallakten und eines bidisziplinären Gutachtens bei Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie un d Psychotherapie, vom 18. Februar 2019, sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahre ns sprach die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) A.____ mit Verfügung vom 2. J anuar 2020 für die Zeit vom 1. April 2016 bis 31. Januar 2017 gestützt auf einen Invaliditätsgrad vom 100 % eine befristete ganze Rente zu. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Johann es Mosimann, am 5. Februar 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 2. Januar 2020 teilweise aufzuheben und ihm auch für den Zeitraum ab dem 27. Oktober 2016 bzw. ab dem 1. Februar 2017 eine volle Invalidenrente auszurichten. Eventual iter sei vom Gericht ein psychiatrisches Obergutachten in Auftrag zu geben und ihm hernach Frist zur Stellungnahme anzusetzen. Sub- eventualiter sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ein neues psychiatrisches Gutachten einzuholen und nach Gewährung des rechtlichen Gehörs ei ne neue Verfügung zu erlassen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es seien die Akten der IV-Stelle beizuziehen, das Gutachten von Dr. D.____ aus d em Recht zu weisen, ihm das recht- liche Gehör zu allfälligen Vernehmlassungen der Beschwe rdegegnerin zu gewähren und die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Johannes Mosimann als Rechtsvertreter zu bewilligen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzu- reichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 18. Februar 2020 wurde dem Besc hwerdeführer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- kat Johannes Mosimann als Rechtsvertreter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 20. März 2020 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. Februar 2020 bei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 22. Mai 2020 / Duplik vom 24. Juni 2020) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. F. Am 14. Juli 2020 zog das Kantonsgericht bei der Su va die Akten des Versicherten bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 5. Februar 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführer s. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfüg ung vom 2. Januar 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten od er verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchsch nittlich mindestens 40 % ar- beitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Al lgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindes- tens 40 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelrente und bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art . 28 Abs. 2 IVG). Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sin ne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychi- sche Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi- tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung d er Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhän- gig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem wei tgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zum utbar ist, eine Arbeitsleistung zu er- bringen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfah ren nach BGE 141 V 281 zu un- terziehen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztliche n Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbei tsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richtlinien ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinwei- sen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hi nblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtungsauf- trag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten u nd Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu st ellen und zum Anlass weiterer Abklä- rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärzt innen zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in de nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benenn en, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Am 24. Juni 2015 diagnostizierten die behandelnde n Ärzte der Klinik F.____ eine mittel- gradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) bei traumatisi erendem Ereignis. Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen bestünden nicht. Der formelle Gedankengang sei kohärent. Zwänge, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen seien nicht vorhanden. Der Versicherte imponie- re deprimiert, ängstlich und klagsam. Die Schwingungsfä higkeit sei erhalten. Er beschreibe ei- nen reduzierten Antrieb und berichte von Ein- und Durch schlafstörungen. Diagnostisch seien die Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) erfüllt. 6.3 Auf Anfrage der Suva berichtete der behandelnde Arzt Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, am 14. Februar 2016 ü ber die aktuellen Probleme des Versicherten und den Verlauf der Therapie. Er nannte eine Anpassungsstörung mit Depression, Angst und Dysphorie (ICD-10 F43.23) nach traumatisieren dem Ereignis mit Claviculafraktur links am 2. April 2015 und eine posttraumatische Verbitterungsstörung. 6.4 In ihren Berichten vom 23. Mai 2016 und 26. Sept ember 2016 diagnostizierte die be- handelnde Fachpsychologin lic. phil. H.____ eine Anpassu ngsstörung (ICD-10 F43.2) und eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1). 6.5 Am 7. Februar 2017 führten Dr. med. I.____, FMH Kinder- und Jugendpsychiatrie, und lic. phil. H.____ als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1) und eine mittelgradige depressive Episode mit somatische m Syndrom (ICD-10 F32.1 [recte wohl: ICD-10 F32.11]) auf. 6.6 Anlässlich des Strafverfahrens gegen den Unfallver ursacher liess die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt den Versicherten beim Institut für Rechtsmed izin der Universität X.____ begutach- ten. Am 20. Februar 2017 hielten die Gutachter fest, dass sich dieser zu keinem Zeitpunkt in unmittelbarer Lebensgefahr befunden habe. Weiter wi esen sie darauf hin, dass eine PTBS at- testiert worden sei und er deswegen psychotherapeutisch und pharmakologisch behandelt wer- de. Zudem sei beim Versicherten eine mittelgradige de pressive Episode bejaht worden. Diese könne aber nicht mit genügender Sicherheit auf das E reignis vom 2. April 2015 zurückgeführt werden. Die geklagten Kopfschmerzen seien nach Auffassung des Neurologen auf Verspan- nungen zurückzuführen. 6.7 Am 15. September 2017 diagnostizierte die behande lnde Ärztin Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit- telgradige Episode (ICD-10 F33.1) und ein PTBS (ICD -10 F43.1). Der Versicherte wirke ange- spannt, misstrauisch und angetrieben. Der Gedankengang se i beschleunigt und assoziativ in- haltlich aber auf den Unfall und dessen Folgen auf seinen Alltag sowie seine Zukunft eingeengt. Es bestünde eine ausgeprägte Affektlabilität mit raschen Schwankungen zwischen depressiv- dysphorischer Grundstimmung, Angst, Ärger und Wut. In sei nen Zukunftsvisionen wechsle er häufig zwischen Resignation und Hoffnung und in seiner Selbsteinschätzung zwischen ausge- prägten Insuffizienzgefühlen und übersteigertem Selbstwert. Er bejahe Ein- und Durchschlafstö- rungen, Vermeidung und Rückzug, Albträume, Erinnern an den Unfall und Ängste, die Kontrolle über seinen Ärger und seine Wut zu verlieren. Die psychisc he Verfassung des Versicherten sei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stark schwankend. Es läge eine verminderte psychische Belastb arkeit, Stresstoleranz und Fle- xibilität vor. Der Versicherte leide unter den unklaren Zukunftsperspektiven, seiner Abhängigkeit vom Sozialamt, den versicherungsrechtlichen Auseinandersetzun gen und dem Warten auf den Ausgang des eingeleiteten Strafverfahrens. Er sei isoli ert und habe neben der Familie und ei- nem Kollegen kaum regelmässige soziale Kontakte. Es sei anzunehmen, dass er mit geeigneter Unterstützung eine (Teil)Arbeitsfähigkeit wiedererlange. Der Versicherte bedürfe dringend einer geregelten Tagesstruktur mit langsamem Wiederaufbau sei ner Leistung, seinen Fähigkeiten und seines Selbstvertrauens. 6.8 Die IV-Stelle veranlasste bei den Dres. C.____ und D.____ ein bidisziplinäres Gutach- ten, welches am 18. Februar 2019 erstattet wurde. Dari n wurden mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit residuelle Schulterbeschwerden links bei Status nach lateraler instabiler Clavicu- lafraktur nach Trauma vom 2. April 2015 (ICD-10 S42.0 ) diagnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden passiv-aggressive Persönli chkeitszüge (ICD-10 Z73.1), eine Dysthymie (ICD-10 F34.1) und bilaterale Spreizfüsse (ICD -10 M21.6). Anlässlich der aktuellen rheumatologischen Untersuchung fände sich im Bereich de r linken Schulter ein Endzustand. Zudem persistiere eine Läsion des Plexus brachialis links in Form von konstantem Kribbeln und Hypästhesie. Weitere relevante Veränderungen oder Läsio nen hätten sich am Bewegungsap- parat nicht feststellen lassen. Aus den residuellen postt raumatischen Veränderungen resultiere eine verminderte Belastbarkeit der linken Schulter beim Heben, Tragen oder Stossen von Las- ten über 10 kg sowie eine verminderte Beweglichkeit und endphasige Schmerzen bei Abduktion über 130° der linken Schulter. Die vom Versicherten gelt end gemachten massiven Einschrän- kungen in Bezug auf eine künftige berufliche Wiederein gliederung würden sich anhand der ob- jektiven Befunde an der linken Schulter nicht objektivi eren lassen. In psychiatrischer Hinsicht wurde festgehalten, dass die Stimmung herabgesetzt gewes en sei und der Versicherte einen verbitterten und unzufriedenen Eindruck hinterlassen hab e. Er habe sich wiederholt beklagt, missverstanden worden zu sein. Er sei mürrisch, klage über sei n Unglück, über die Freundin, die ihn verlassen habe, und über aggressive und herrschs üchtige Autoritätspersonen. Während der Untersuchung habe der Versicherte nie Zeichen von Konzentrationsschwäche gezeigt und sei gut auf die gestellten Fragen eingegangen. Die M erkfähigkeit und die Gedächtnisleistung seien intakt und seine Ausführungen anschaulich. Das Den ken des Versicherten sei nicht ein- geengt. Er habe einen klaren und guten Bezug zur Rea lität und zu seiner Person. Zwangsge- danken oder -handlungen seien nicht vorhanden. Er beri chte nicht über Ängste und erwähne keine Phobien. Zudem bestünden keine Hinweise auf Verä nderungen der Stimmung und des Antriebs im Verlauf des Tages. Der Versicherte habe si ch schon immer unverstanden und aus- genützt gefühlt und schon früher Mühe gehabt, sich in die Berufswelt zu integrieren. Die tätliche Auseinandersetzung am 2. April 2015 habe zu einer Akze ntuierung der vorbestehenden Per- sönlichkeitsmerkmale geführt. Er neige dazu, seine Umge bung für seine Schwierigkeiten ver- antwortlich zu machen und fühle sich schnell missverstanden . Er sei mürrisch, streitsüchtig, habe Mühe, die Autorität von Vorgesetzten zu akzeptieren. Der Versicherte sei aber trotz seiner Eigentümlichkeiten in der Lage gewesen, während Jahren einer beruflichen Tätigkeit nachzu- gehen, weshalb keine Persönlichkeitsstörung diagnostizie rt werden könne. Passiv-aggressive Persönlichkeitszüge seien aber zu bejahen. Diese hätten j edoch keinen Krankheitswert. Der Versicherte mache die tätliche Auseinandersetzung für se ine Schwierigkeiten verantwortlich, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht verharre in einer passiven Position und sei nicht mehr b ereit, sich beruflich zu integrieren. Dies lasse sich aber nicht durch eine psychiatrische Störung er klären. Der Versicherte leide gele- gentlich unter leichten depressiven Verstimmungen, sodass d ie Diagnose einer Dysthymie ge- stellt werden könne. Eine depressive Störung liege abe r nicht vor. Der Versicherte zeige einen ungeregelten Schlaf-Wach-Rhythmus. Tagsüber lese er viel, sehe sich Natur- und Dokumentar- sendungen an, spiele mit Kollegen via Internet am Comp uter, versorge seinen Haushalt selbst- ständig, sei mit seinem E-Bike unterwegs und treffe sich regelmässig mit Familienangehörigen. Er leide nicht unter Antriebsstörungen, ausgeprägten de pressiven Verstimmungen, Suizidge- danken, einer erhöhten Ermüdbarkeit oder Konzentration sstörungen. Die passiv-aggressiven Persönlichkeitsanteile würden deutlich im Vordergrund stehen. Die Diagnose einer PTBS könne nicht gestellt werden. Er sei zwar von einem damaligen Vorgesetzten massiv angegangen wor- den, dabei aber weder einer aussergewöhnlichen Bedroh ung ausgesetzt gewesen noch Opfer von Folterung oder Terrorismus geworden. Weiter leide der Versicherte weder unter Flashbacks noch unter Nachhallerinnerungen. Er sei wütend, wenn er sich an den Vorfall erinnere und sehe darin seine bereits vorbestandenen Lebensansichten bestät igt, wonach Ausländer im Vorteil seien, er nichts zu sagen habe und nicht respektiert wer de. Diese Einstellung sei im Rahmen der passiv-aggressiven Persönlichkeitsakzentuierung einzuord nen. Er sei verbittert und habe sich auch deshalb von seinen sozialen Kontakten zurückgezogen, weil er Sozialhilfeempfänger sei und seine damaligen Freude keine Zeit mehr für ihn hätten. Entgegen den Angaben der be- handelnden Ärztin Dr. J.____ sei keine ausgeprägte Affektlabilität festzustellen. Der Versicherte sei nicht angespannt, misstrauisch oder angetrieben und e s würden sich keine Hinweise für präpsychotische Symptome finden. Dass er sich nicht mehr int egrieren wolle, sei nicht durch eine psychische Störung zu erklären. In der zuletzt ausgeü bten Tätigkeit als Sanitärmonteur und Hauswart bestünde seit der tätlichen Auseinandersetzu ng vom 2. April 2015 aus somati- schen Gründen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Körperlich leichte und mittelschwere Tätig- keiten unterhalb der Horizontalen, ohne Notwendigkeit , Lasten über 10 kg zu heben, zu tragen oder zu stossen und ohne Arbeiten über Kopf seien dem V ersicherten aber zumutbar. Für den Zeitraum vom 2. April 2015 bis 26. Oktober 2016 habe aufgrund des instabilen Verlaufs der linken Schulter für jegliche Tätigkeiten eine vollständig e Arbeitsunfähigkeit bestanden. Hernach sei aber in angepassten Verweistätigkeiten von einer vo llständigen Arbeitsfähigkeit auszuge- hen. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. 6.9 Am 9. September 2019 nahm Dr. J.____ Stellung zum Gutachten von Dr. D.____. Sie bemängelte, die von ihm erhobenen Befunde seien unvo llständig und stünden im Widerspruch zu früheren Untersuchungen und teilweise auch zu den Au sführungen im Gutachten selbst. Entgegen der Auffassung des Gutachters sei der Versicherte in seinem Gedankengang deutlich auf die ihm durch den Unfall widerfahrenen Beeinträchtigungen und seine als ausweglos erlebte Zukunft eingeengt. Wenn er allein sei, grüble er viel und könne sein Gedankenkreisen kaum abstellen. Im Kontakt sei er angespannt, zeige einen beschleunigten Gedankengang, lasse sich im Redefluss kaum unterbrechen, könne wenig auf sein G egenüber eingehen und sei schwer zugänglich. Ein guter Bezug zur Realität sei zu verneinen. Es bestünden zahlreiche Ängste und eine ausgesprochene Affektlabilität. Aus der Exploration würden sich glaubwürdige Hinweise für Konzentrationsstörungen ergeben. Die Beurteilung des G utachters, wonach der Versicherte schon vor dem Unfall vom 2. April 2015 passiv-aggressive Pe rsönlichkeitszüge aufgewiesen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe, sei nicht belegt. Die Bereitschaft des Versicher ten, sich beruflich zu integrieren, sei zu Beginn der Therapie noch vorhanden gewesen. Sie habe aber in den letzten eineinhalb Jahren deutlich abgenommen. Dies stünde wohl im Zusammenhang mit seiner sozialen Isolation, den Enttäuschungen und der negativen Selbstwahrnehmung. Der Unfall habe sein Leben deutlich verändert. In seiner Wahrnehmung erreiche er psychische St abilität vor allem durch Rückzug. Die Einhaltung der Konsultationen bei der behandelnden Psychologin lic. phil. H.____ mit Tram- fahrt und Reizüberflutung würden ihn derart stark fo rdern, dass er am folgenden Tag wegen Erschöpfung und Müdigkeit völlig unbrauchbar sei. Früher hätte er Freunde gehabt. Diese wür- den ihn aber wegen seiner Reizbarkeit nicht mehr ausha lten. Eine leicht- bis mittelgradige re- zidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.0/F33.1) sei zu bejahen, denn der Versicherte habe einen deutlich beeinträchtigten Antrieb, sei sozia l zurückgezogen, leide unter pessimisti- schen Zukunftsperspektiven sowie einer Beeinträchtigung des Denkens und der Affekte. Zudem könne er auf positive Ereignisse nur noch in eingeschränkt er Weise emotional reagieren. Er leide unter Schmerzen und Schlafstörungen. Die im Guta chten erhobenen psychopathologi- schen Symptome würden eine Momentaufnahme darstellen, aber den langjährigen Krankheits- verlauf nicht berücksichtigen. Zudem sei eine PTBS zu bej ahen, wenngleich die intrusiven Symptome wie Albträume und Flashbacks unter der Medika tion deutlich abgenommen hätten. Es bestünden Anzeichen für Über- und Untererregung, em otionalen Rückzug, Grübeln, Schlaf- störungen und Beziehungsprobleme. Der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig. 7.1 Wie oben (vgl. E. 4.4 hiervor) dargelegt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 18. Februar 2019 erfüllt sowohl in formeller Hinsicht als auch inhaltlich die bundes- gerichtlichen Anforderungen an eine beweiskräftige med izinische Entscheidungsgrundlage. Die Gutachter hatten Kenntnis von sämtlichen medizinischen Vo rakten, sie setzten sich in ange- messener Weise mit den geäusserten Beschwerden auseinander und begründeten die Schluss- folgerungen in nachvollziehbarer Weise. In inhaltliche r Hinsicht vermag sodann zu überzeugen, dass der Beschwerdeführer infolge der tätlichen Ausein andersetzung am 2. April 2015 für den Zeitraum vom 2. April 2015 bis 26. Oktober 2016 aufgr und der Schulterbeschwerden für jegli- che Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig war, hernac h aber in angepassten Tätigkeiten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr aufwies. Auch di e psychiatrische Beurteilung ist nach- vollziehbar. Es wird deutlich, dass die im Vordergrund stehende passiv-aggressive Persönlich- keitsakzentuierung und die leicht ausgeprägte affektive S törung keinen Krankheitswert haben und die Leistungsfähigkeit des Versicherten nicht beeint rächtigen. Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte, dass die klinische Untersuchung mit Anamne seerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung als wichtigste Grundlage gutachtlicher Feststellungen und Schluss- folgerungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Augu st 2016, 9C_410/2016, E. 2.2.1 mit Hinweis, in: SVR 2016 IV Nr. 53 S. 178) nicht lege ar tis erfolgt wäre. Die entsprechenden, vor- stehend (vgl. E. 6.8) wiedergegebenen Darlegungen de r Gutachter vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.1 Was in der Beschwerde dagegen vorgebracht wird, verfängt nicht. Wenn der Beschwer- deführer zunächst eine Befangenheit des psychiatrischen G utachters zu erkennen glaubt, kann ihm nicht gefolgt werden. Befangenheit ist rechtsprechun gsgemäss anzunehmen, wenn Um- stände vorliegen, die in objektiver Weise und nicht bl oss aufgrund des subjektiven Empfindens der Partei geeignet sind, Misstrauen in die Unparteili chkeit und Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person zu erwecken (vgl. Urteil des Bund esgerichts vom 22. Dezember 2009, 9C_893/2009, E. 1.1; BGE 132 V 109 E. 7.1 mit Hinweis). Der Anschein der Befangen- heit oder die Gefahr der Voreingenommenheit ist etwa zu bejahen, wenn das Gutachten nicht objektiv und sachlich gehalten ist (vgl. BGE 132 V 110 E . 7.2.2 mit weiteren Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts vom 22. August 2013, 8C_227/2013 und vom 20. Juni 2013, 8C_978/2012, E. 5.3.2). Aus dem Gutachten ergeben sich keine Anhalt spunkte dafür, dass sich Dr. D.____ nicht von objektiven Kriterien hat leiten lassen, das Un fallereignis bagatellisiert, die erhobenen Befunde fehlerhaft interpretiert, Aussagen des Beschwer deführers uminterpretiert oder die Be- urteilung nicht lege artis durchgeführt hätte. Zudem bestehen keine konkreten Hinweise darauf, dass er voreingenommen gewesen wäre, gegenüber dem Versi cherten Antipathie gehegt oder ihm die notwendige professionelle Distanz gefehlt hätte . Die diesbezüglichen wenig substanti- ierten Rügen des Beschwerdeführers gehen fehl. Hinsichtl ich der behaupteten wirtschaftlichen Abhängigkeit von Dr. D.____ von der IV-Stelle ist auf BGE 137 V 210 zu verweisen. Darin be- stätigte das Bundesgericht, dass der regelmässige Beizug einer Gutachterin oder eines Gutach- ters (oder einer Begutachtungsinstitution) durch den Ve rsicherungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Ho- norarvolumen für sich allein genommen nicht zum Ausstand führen können. 7.2.2 Auch die weitere Kritik am Gutachten ist nicht s tichhaltig. Wenn der Beschwerdeführer geltend macht, die Aussage, wonach er keiner geregelt en Arbeit mehr nachgehen möchte, un- zutreffend sei, ist ihm entgegenzuhalten, dass auch Dr. J. ____ im Bericht vom 9. September 2019 darauf hinweist, dass seine Bereitschaft, sich berufl ich zu integrieren, deutlich abgenom- men habe. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers trifft auch nicht zu, dass Dr. D.____ das Gewaltereignis, seine Ängste resp. seine Aktivitäten im Alltag unzutreffend ge- würdigt resp. nicht erkannt hätte. Vielmehr differenzi ert der Gutachter zwischen den subjektiv empfundenen Beschwerden und den geltend gemachten Ein schränkungen im Alltag des Be- schwerdeführers einerseits und den objektiv feststellbaren Befunden andererseits. Er erkannte, dass die fehlende Tagesstruktur, die soziale Zurückgezogen heit und das eher tiefe Aktivitätsni- veau nicht krankheitsbedingt und invalidenversicherungsre chtlich deshalb nicht relevant sind. Daran vermag die abweichende eigene Einschätzung des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Auch wenn die Prüfung der Indikatoren eher knapp au sgefallen ist, setzte sich der Gutachter dennoch hinreichend mit der Biographie, dem berufliche n Werdegang, der sozialen und der Familienanamnese sowie den Alltagsaktivitäten des Beschwe rdeführers auseinander. Das Gut- achten enthält alle erforderlichen Angaben für die Pr üfung der Frage, ob sich ein invalidisieren- der Gesundheitszustand anhand der Standardindikatoren ve rifizieren lässt. Insgesamt steht die gutachterliche Einschätzung mit den objektiven Umständen in Einklang und gibt ein schlüssiges Bild zum Gesundheitszustand und der daraus resultiere nden Leistungsfähigkeit des Beschwer- deführers. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.3 Soweit er sich auf die abweichende Beurteilung der behandelnden Ärzte, insbesondere auf diejenige von Dr. J.____ beruft, ist zunächst in E rinnerung zu rufen, dass es die unter- schiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisc h tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachme dizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administrat iv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen , wenn die behandelnden Arztper- sonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzunge n gelangen. Weiter ist zu beach- ten, dass eine Exploration von der Natur der Sache h er nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spielra um für verschiedene medizinische Inter- pretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern die Gutachter – wie hier – lege artis vorgegangen sind. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil diese wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 8C_835/2018, E. 3 m it Hinweis). Der Beschwerdeführer legt nicht substanziiert dar und es ist auch nicht ersicht lich, dass aus dem Bericht der behan- delnden Ärztin Dr. J.____ vom 9. September 2019 Gesicht spunkte hervorgingen, die vom psy- chiatrischen Gutachter nicht berücksichtigt worden wären. Soweit Dr. J.____ annimmt, dass die Beurteilung im Gutachten auf einer Momentaufnahme beruhe, verkennt sie, dass sich die Beur- teilung des Gutachters nicht nur auf die persönliche Untersuchung stützt. Dem psychiatrischen Gutachter standen darüber hinaus diverse, bisher zum Gesu ndheitszustand des Versicherten erstellte medizinische Akten zur Verfügung, die es ihm dur chaus ermöglichten, eine nicht auf eine Momentaufnahme beschränkte Beurteilung abzugeben. 7.2.4 Die Tatsache, dass Dr. D.____ die erhobenen Befu nde diagnostisch anders einordnete als die behandelnden Ärzte und die Therapeutin (vgl. B erichte der Klinik F.____ vom 24. Juni 2015, von lic. phil. H.____ vom 23. Mai 2016 und vom 26 . September 2016 sowie von Dr. J.____ vom 15. September 2017 und vom 9. September 2019), die eine rezidivierende de- pressive Störung, leichte bis mittelgradige Episode, und auch eine PTBS diagnostizierten, schmälert den Beweiswert des Gutachtens nicht. Dies umso we niger, als sich Dr. D.____ mit den abweichenden Diagnosen der behandelnden Psychiater in auseinandersetzte. Er legte plausibel dar, weshalb seiner Auffassung nach die Krit erien für eine depressive Störung und eine PTBS nicht erfüllt seien und ordnete die erhobe nen Befunde diagnostisch als passiv- aggressive Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) und Dysthymie (ICD-10 F34.1) ein. Dies tat er unter Verweis auf die klinisch-diagnostischen Leitlinien d er ICD-10. Die medizinischen Unterla- gen und die Angaben des Beschwerdeführers waren offenbar hinreichend präzise und kohärent genug, um ein zuverlässiges Bild über seinen psychischen Gesu ndheitszustand machen zu können. Eine offensichtlich unrichtige Sachverhaltsfestst ellung bezüglich der diagnostischen Zuordnung liegt damit nicht vor. Soweit der Versicherte die Schlüssigkeit des Gutachtens mit dem Argument anzweifelt, die Dauer des Explorationsgespr ächs sei zu kurz gewesen, ist ihm entgegen zu halten, dass es nach konstanter bundesge richtlicher Rechtsprechung nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt; massgebend ist in erste r Linie, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. Urteil des Bu ndesgerichts vom 14. März 2019, 8C_356/2018, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Dies ist vorliegend entgegen den Ausführungen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beschwerdeführers zu bejahen. Ihm kann auch nicht gefo lgt werden, wenn er dem Sach- verständigen vorwirft, er gehe von einer veralteten Def inition der PTBS aus. Vielmehr stützte sich der Gutachter auf die damals massgebenden klinisch-dia gnostischen Leitlinien der ICD-10 ab. Soweit er geltend macht, Dr. D.____ habe den Be stand einer PTBS zu Unrecht verneint, ist ihm entgegenzuhalten, dass diese Diagnose weder von den behandelnden Fachärzten der Kli- nik F.____ (vgl. E. 6.2 hiervor) noch von Dr. G.____ (vg l. E. 6.3 hiervor) noch in den (frühen) Berichten der behandelnden Therapeutin lic. phil. H.____ vom 23. Mai 2016 und 26. September 2016 (vgl. E. 6.4 hiervor) gestellt wurde, was gegen die gegenteilige Beurteilung von Dr. J.____ spricht. Die in den Berichten des K.____, Klinik für Ort hopädie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, vom 22. März, 19. Mai, 11. August, 20 . September und 26. Oktober 2016 (act. 19.3, 22.8, 28.13, 28.6 und 33.18) diagnostizier te PTBS ist weder fachärztlich festgestellt noch begründet, weshalb sich daraus nichts zu Gunsten d es Beschwerdeführers ableiten lässt. Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was geeignet w äre, den Beweiswert des Gutach- tens der Dres. C.____ und D.____ vom 18. Februar 201 9 in Zweifel zu ziehen, weshalb in anti- zipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf die beantragte zusätzliche Abklärung verzichtet werden kann. 8. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstande n, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfäh igkeit des Beschwerdeführers gestützt auf das Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 18. Februar 2019 davon ausgegangen ist, dass der Beschwerdeführer vom 2. April 2015 bis 26. Oktober 2016 arbeitsunfähig war und ihm danach angepasste Tätigkeiten zu 100 % zumutbar sin d. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendu ng von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleichseinkomme n vorzunehmen wäre und die Be- rechnung auch vom Versicherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Ausei- nandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Einkommensvergleich. Es ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seit dem 27. Oktober 2016 ein ren- tenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Di e angefochtene Verfügung vom 2. Januar 2020 ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde deshalb abzuweisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend unte rliegt der Beschwerdeführer, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Ver- fügung vom 18. Februar 2020 die unentgeltliche Prozessf ührung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen werden. 9.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 18. Februar 2020 auch die unentgeltliche Ver- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht beiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in sei- ner Honorarnote vom 28. August 2020 für das vorliegen de Verfahren einen Zeitaufwand von 19 Stunden (Rechtsvertreter) sowie von 0,25 Stunden ( Volontärin) geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich – auch unter Berücksichtigung des dopp elten Schriftenwechsels – im Quervergleich zu ähnlich gelagerten Fällen als zu hoch . In Anbetracht des Umstands, dass der Rechtsvertreter bereits im Einwandverfahren mit der An gelegenheit befasst war, ist bei der Ausarbeitung der Beschwerdeschrift und dem Aktenstudium eine Reduktion angezeigt. Für das vorliegende Verfahren erscheint unter Beachtung aller Umstände ein Aufwand von 14 Stunden (Rechtsvertreter) und 0,25 Stunden (Volontärin) als angemessen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarif- ordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. Nove mber 2003 beträgt das Honorar bei un- entgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.--. Für den Aufwand der Volontärin werden antragsgemäss Fr. 100.-- pro Stunde veranschlagt. Nicht zu beanstanden sind die ausgewiesenen Auslagen im Betrag von Fr. 89.20. Dem Rechtsvertreter ist demnach ein Honorar von Fr. 3'138.60 ([14 Stun- den x Fr. 200.-- + 0,25 Stunden x Fr. 100.--] + Ausla gen von Fr. 89.20 inkl. 7,7 % Mehrwert- steuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'138.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid hat A.____ am 26. Februar 2021 Beschwerde erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils des Bundesgerichts: 8C_187/2021). http://www.bl.ch/kantonsgericht