<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: SB.2023.00033</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=223347&amp;W10_KEY=13045541&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>SB.2023.00033</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 05.07.2023</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 08.04.2025 gutgeheissen und den Entscheid des Verwaltungsgerichts aufgehoben.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Steuerrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Steuerhoheit (ab 01.01.2015)</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Steuerlicher Sitz einer international tätigen Aktiengesellschaft. [Die beschwerdeführende Aktiengesellschaft hat ihren formellen Sitz im Kanton X, wo sie lediglich über ein Briefkastendomizil verfügt. Das Tagesgeschäft der AG findet hauptsächlich im Ausland statt. Der einzige Verwaltungsrat und Mehrheitsaktionär B, welcher als Geschäftsführer tätig ist, lebt im Kanton Zürich.] Juristische Personen sind aufgrund persönlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sich ihr Sitz oder ihre tatsächliche Verwaltung im Kanton befindet (§ 55 StG). Bei einem sogenannten Briefkastendomizil wird der Ort der tatsächlichen Verwaltung als Steuerdomizil erachtet (E. 2.1). Liegt der Ort der tatsächlichen Verwaltung im Ausland und steht dem bloss formellen schweizerischen Sitz kein Ort der wirklichen Leitung in einem anderen Kanton gegenüber, ist der formelle statutarische Sitz in der Schweiz steuerlich massgebend. Umgekehrt genügt es für die Anknüpfung an den Ort der tatsächlichen Verwaltung in einem anderen Kanton als dem Sitzkanton, wenn in diesem anderen Kanton ein wesentlicher Teil der wirklichen Leitung besorgt wird, auch wenn gewisse Entscheidungen im Ausland getroffen werden (E. 2.3). Für die Bestimmung des Orts der tatsächlichen Verwaltung ist die Führung der laufenden Geschäfte zur Erreichung des Gesellschaftszwecks entscheidend (Day-to-Day-Management). Die Führung des Tagesgeschäfts, welche den Leitungsteil des Unternehmens betrifft, ist abzugrenzen vom eigentlichen Tagesgeschäft (E. 4.1). Vorliegend erfolgt die Geschäftsführung einzig durch den zur Geschäftsführung autorisierten und im Kanton Zürich wohnhaften Verwaltungsrat B. Dieser ist mehrheitlich im Ausland tätig und führt die Geschäfte vom jeweiligen Standort aus. Im Land Z verfügt die Beschwerdeführerin über ein Labor in Y, welches den Schwerpunkt der Tätigkeiten des Unternehmens bildet. Das Tagesgeschäft der AG findet somit hauptsächlich im Ausland, insbesondere im Land Z, statt. Ob und wie viele Angestellte dort beschäftigt sind, kann offengelassen werden, da diese nicht für die tatsächliche Leitung zuständig sind. Fraglich ist, wo das Day-to-day-Management durch B stattfindet: Aus der Auflistung seiner Auslandaufenthalte ergeben sich keine Hinweise auf einen Aufenthalt in Y (Land Z). Vor Ort bei den Kunden im Ausland war er einerseits in seiner Funktion als Angestellter für die Beschwerdeführerin tätig, andererseits dürfte er dort aber auch massgebende Entscheide als Geschäftsführer getroffen haben. Den Aufenthalten im Ausland stehen seine Aufenthalte an seinem Wohnort im Kanton Zürich gegenüber: Es kann ohne Weiteres die Annahme getroffen werden, dass B während dieser restlichen Zeit die Geschäfte der Beschwerdeführerin von seinem Wohnort leitete. Damit lässt sich ein geografischer Schwerpunkt der Geschäftsführung nicht ausmachen. Dreht sich die Geschäftsführung einer Gesellschaft um die Tätigkeit des alleinigen Geschäftsführers und kann â wie hier â kein geografischer Schwerpunkt ausgemacht werden, kann am Wohnsitz des Geschäftsführers der Ort der tatsächlichen Verwaltung am Wohnsitz angenommen werden (E. 4.2). Abweisung. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AKTIENGESELLSCHAFT">AKTIENGESELLSCHAFT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BRIEFKASTENDOMIZIL">BRIEFKASTENDOMIZIL</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INTERNATIONALER SACHVERHALT">INTERNATIONALER SACHVERHALT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: JURISTISCHE PERSON">JURISTISCHE PERSON</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ORT DER TATSÃCHLICHEN VERWALTUNG">ORT DER TATSÃCHLICHEN VERWALTUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SITZ">SITZ</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: STEUERHOHEIT">STEUERHOHEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TAGESGESCHÃFT">TAGESGESCHÃFT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WOHNSITZ">WOHNSITZ</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WOHNSITZ DES AKTIONÃRS">WOHNSITZ DES AKTIONÃRS</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">§ 55 StG</span><br/><span class="gerade">Art. 20 StHG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=62601" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">SB.2023.00033</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">5. Juli 2023</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Elisabeth Trachsel, Verwaltungsrichterin Viviane Sobotich, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Jsabelle Mayer.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A AG, vertreten durch RA C, N AG, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Kanton ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Steuerhoheit (1.1.2015â31.12.2019),</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Urteilstext">Die A AG wurde am 2. MÃ¤rz 2005 im Kanton ZÃ¼rich gegrÃ¼ndet und hat ihren Sitz seit dem 31. Oktober 2014 an der D-Strasse 01 in E (Kanton X). Die Gesellschaft bezweckt die Zertifizierung von ... einschliesslich Engineering und fachtechnische Beratung und Betreuung sowie Verkauf, Vermietung und Vermittlung von .... In Y (Land Z) verfÃ¼gt die A AG Ã¼ber eine im Handelsregister des Amtsgerichts F (Land Z) eingetragene Zweigniederlassung, welcher ein PrÃ¼flabor angegliedert ist. Heute einziger Verwaltungsrat und Inhaber von 95 von 100 Aktien ist B, mindestens bis 2020 wohnhaft im Kanton ZÃ¼rich. Als weiterer Verwaltungsrat amtete seit der GrÃ¼ndung der A AG Rechtsanwalt G, wohnhaft im Kanton ZÃ¼rich. Dieser schied per 19. Januar 2021 aus dem Verwaltungsrat aus. Ein weiterer, im Kanton ZÃ¼rich wohnhafter Verwaltungsrat (H) schied bereits 2014 aus dem Amt aus.</p> <p class="Urteilstext">Mit Auflage vom 3. Juli 2020 teilte das kantonale Steueramt ZÃ¼rich der A AG mit, es prÃ¼fe eine potenzielle Steuerpflicht der A AG im Kanton ZÃ¼rich, und forderte diese auf, den Mietvertrag der GeschÃ¤ftsrÃ¤umlichkeiten in E sowie die Jahresrechnung der Gesellschaft fÃ¼r die GeschÃ¤ftsjahre 2015â2019 einzureichen. Ferner forderte es eine Beschreibung der GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung durch B sowie Angaben zur Infrastruktur in E, zur Erledigung der alltÃ¤glichen BÃ¼roadministration, zum Empfang und zur Akquise von Kunden sowie zu allfÃ¤lligen ArbeitsverhÃ¤ltnissen in E. Hierauf reichte die A AG u.<span> </span>a. den mit der Firma I, D-Strasse 01, E, geschlossenen Mietvertrag ein, gemÃ¤ss welchem fÃ¼r den BÃ¼roraum zur MitbenÃ¼tzung in E (Kanton X) ein jÃ¤hrlicher Mietzins von Fr. 1'200.- geschuldet sei. Ebenso reichte sie einen Nutzungs- und Dienstleistungsvertrag, abgeschlossen mit der J GmbH mit Sitz an der D-Strasse 01 in E (Kanton X), ein. Mit Vorentscheid vom 11. Dezember 2020 beanspruchte das kantonale Steueramt ZÃ¼rich die Steuerhoheit des Kantons ZÃ¼rich und der Gemeinde K (1.1.2015â31.12.2015), der Gemeinde L (1.1.2016â31.12.2016) und der Stadt M (ab 1.1.2017). Dabei versagte es dem statutarischen Sitz die Anerkennung als Hauptsteuerdomizil, da die tatsÃ¤chliche Verwaltung der Gesellschaft vom jeweiligen Wohnsitz von B wahrgenommen worden sei. Die hiergegen erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt am 29. November 2021 ab.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Hiergegen rekurrierte die A AG an das Steuerrekursgericht. Mit Entscheid vom 31. Januar 2023 wies dieses den Rekurs ab. Eine Minderheit des Gerichts gab eine abweichende Meinung zu Protokoll und beantragte, der Rekurs sei teilweise gutzuheissen, der Vorentscheid des kantonalen Steueramts aufzuheben und die Sache im Sinn der ErwÃ¤gungen zum Neuentscheid an das kantonale Steueramt zurÃ¼ckzuweisen.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 6. April 2023 beantragte die A AG (nachfolgend: die BeschwerdefÃ¼hrerin) dem Verwaltungsgericht, der vorinstanzliche Entscheid sei unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen aufzuheben und es sei festzustellen, dass ihr Hauptsteuerdomizil nicht im Kanton ZÃ¼rich, sondern am statutarischen Sitz im Kanton X liege. Eventualiter sei die Rechtssache zur besseren Untersuchung und zum Neuentscheid unter BerÃ¼cksichtigung der internationalen GeschÃ¤ftstÃ¤tigkeit an das kantonale Steueramt zurÃ¼ckzuweisen.</p> <p class="Urteilstext">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 11. April 2023 forderte die AbteilungsprÃ¤sidentin i.<span> </span>V. die N AG auf, innert einer Nachfrist von 10 Tagen eine im Original unterzeichnete VollmachtserklÃ¤rung der BeschwerdefÃ¼hrerin einzureichen, ansonsten das VertretungsverhÃ¤ltnis als nicht bestehend erachtet wÃ¼rde und auf die Beschwerde nicht eingetreten wÃ¼rde. In der Folge ging die Originalvollmacht fristgerecht beim Verwaltungsgericht ein.</p> <p class="Urteilstext">WÃ¤hrend das Steuerrekursgericht auf Vernehmlassung verzichtete, schloss das kantonale Steueramt auf Abweisung der Beschwerde.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Mit der Steuerbeschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen laut § 153 Abs. 3 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) alle Rechtsverletzungen, einschliesslich Ãberschreitung oder Missbrauchs des Ermessens, und die unrichtige oder unvollstÃ¤ndige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>2. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b>Juristische Personen sind aufgrund persÃ¶nlicher ZugehÃ¶rigkeit steuerpflichtig, wenn sich ihr Sitz oder ihre tatsÃ¤chliche Verwaltung im Kanton befindet <span>(§ 55 StG sowie </span>Art. 20<span> des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 Ã¼ber die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [Steuerharmonisierungsgesetz, StHG]). </span></p> <p class="Urteilstext">Als Sitz einer Aktiengesellschaft gilt der Ort, den die Statuten als solchen bezeichnen (vgl. Art. 56 des Zivilgesetzbuchs [ZGB] und Art. 626 Ziff. 1 Obligationenrecht [OR]). Dem statutarischen Sitz wird jedoch die Anerkennung als Hauptsteuerdomizil versagt, wenn dieser bloss eine formelle Bedeutung hat, wenn er gleichsam kÃ¼nstlich geschaffen wurde und ihm in einem anderen Kanton ein Ort gegenÃ¼bersteht, wo die normalerweise am Sitz erfolgende GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung und Verwaltung besorgt wird. In solchen FÃ¤llen (bei einem sogenannten Briefkastendomizil) wird der Ort der effektiven Leitung bzw. tatsÃ¤chlichen Verwaltung als Steuerdomizil betrachtet (BGr, 7. Februar 2019, 2C_539/2017, E. 3.1; BGr, 7. September 2018, 2C_848/2017, E. 3.2; BGr, 4. Dezember 2014, 2C_431/2014, E. 2.1; BGr, 22. Dezember 2009, 2C_259/2009, E. 2.1; BGr, 22. Februar 2008, 2P.6/2007, E. 2.2 = StE 2009 A 24.22 Nr. 6; Martin Zweifel/Silvia Hunziker in: Martin Zweifel/Michael Beusch/Daniel de Vries Reilingh [Hrsg.], Interkantonales Steuerrecht, 2. A., Basel 2021, § 8 N. 2 ff.; Stefan Oesterhelt/Susanne Schreiber in: Martin Zweifel/Michael Beusch [Hrsg.], Bundesgesetz Ã¼ber die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG], 4. A., Basel 2022, Art. 20 N. 13, N. 31; Peter Locher, EinfÃ¼hrung in das interkantonale Steuerrecht, 4. A., Bern 2015, S. 46 ff.). </p> <p class="Urteilstext">Im Entscheid vom 1. Februar 2019 (2C_627/2017, E. 2.3) setzte sich das Bundesgericht ausfÃ¼hrlich mit der Frage nach dem Hauptsteuerdomizil im interkantonalen VerhÃ¤ltnis auseinander und gelangte zum Schluss, die juristische Person sei nach <i>innerkantonalem</i> Steuerrecht nach Art. 20 Abs. 1 StHG stets an ihrem Sitz unbeschrÃ¤nkt steuerpflichtig, wÃ¤hrend das Hauptsteuerdomizil im <i>interkantonalen </i>VerhÃ¤ltnis immer und ausschliesslich am Ort der tatsÃ¤chlichen Verwaltung liege (bestÃ¤tigt in BGr, 1. Oktober 2019, 2C_592/2018, E. 5.2).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Der Ort der tatsÃ¤chlichen Verwaltung befindet sich nach der Rechtsprechung dort, wo die Gesellschaft ihren wirtschaftlichen und tatsÃ¤chlichen Mittelpunkt hat und die FÃ¤den der GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung zusammenlaufen. Massgebend ist somit die FÃ¼hrung der laufenden GeschÃ¤fte im Rahmen des Gesellschaftszwecks; bei mehreren Orten ist der Schwerpunkt der GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung massgebend (BGr, 7. Februar 2019, 2C_539/2017, E. 3.1, auch zum Folgenden; BGr, 1. Februar 2019, 2C_627/2017, E. 2.2). Dabei ist es kaum denkbar, dass die tatsÃ¤chliche Verwaltung im AuftragsverhÃ¤ltnis von Dritten ausgeÃ¼bt wird (BGr, 16. Mai 2013, 2C_1086/2012, E. 2.2). Zur GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung gehÃ¶ren insbesondere die leitenden Handlungen (vgl. Felix Richner et al., Kommentar zum ZÃ¼rcher Steuergesetz, 4. A., ZÃ¼rich 2021, § 55 N. 14). Abzugrenzen ist die GeschÃ¤ftsleitung von der bloss administrativen Verwaltung einerseits und der TÃ¤tigkeit der obersten Gesellschaftsorgane andererseits, soweit sie sich auf die AusÃ¼bung der Kontrolle Ã¼ber die eigentliche GeschÃ¤ftsleitung und gewisse Grundsatzentscheide beschrÃ¤nkt. PraxisgemÃ¤ss ist ein Indiz fÃ¼r das Hauptsteuerdomizil der Ort, an welchem die Post effektiv bearbeitet wird und die Gesellschaft telefonisch erreichbar ist, wogegen der Ort, an welchem zwar die Postadresse und Telefonverbindung registriert sind, die Post und eingehende Telefonate jedoch regelmÃ¤ssig weitergeleitet werden, auf ein Briefkastendomizil hindeutet. Nicht entscheidend ist grundsÃ¤tzlich der Ort der Verwaltungsratssitzungen, der Generalversammlungen oder der Wohnsitz der AktionÃ¤re (BGr, 7. Februar 2019, 2C_539/2017, E. 3.1; BGr, 16. Mai 2013, 2C_1086/2012, E. 2.2). Indessen kann der Wohnsitz des TrÃ¤gers der wirklichen Leitung einer Gesellschaft durchaus eine Rolle spielen, wenn sich die GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung bei einer Person konzentriert, die ihre TÃ¤tigkeiten an verschiedenen Orten wahrnimmt, ohne dass die Gesellschaft Ã¼ber feste Einrichtungen und eigenes Personal verfÃ¼gt (BGr, 6. Oktober 2021, 2C_24/2021, E. 4.2; BGr, 7. September 2018, 2C_848/2017, E. 3.2; Zweifel/Hunziker, Interkantonales Steuerrecht, § 8 N. 14). Selbst ein bestimmter Ã¶rtlicher Schwerpunkt der GeschÃ¤ftsfÃ¼hrungshandlungen vermag in einem solchen Fall keinen Ort der wirklichen Leitung zu begrÃ¼nden. Der Wohnsitz der die Gesellschaftsleitung innehabenden Person sollte allerdings nur dann massgebend sein, wenn sich kein anderer Arbeitsort nachweisen lÃ¤sst, an welchem regelmÃ¤ssig die notwendigen Arbeiten vorgenommen werden (Peter MÃ¤usli, Die AnsÃ¤ssigkeit von Gesellschaften im internationalen Steuerrecht, Bern/Stuttgart/Wien 1993, S. 64 mit Hinweisen).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Liegt der Ort der wirklichen Verwaltung im Ausland und steht dem bloss formellen schweizerischen Sitz kein Ort der wirklichen Leitung in einem anderen Kanton gegenÃ¼ber, ist der formelle statutarische Sitz in der Schweiz steuerlich massgeblich (VGr, 4. Dezember 2019, SB.2019.00034, E. 3.3; Peter BrÃ¼lisauer in: Raoul Stocker/Stefan Oesterhelt [Hrsg.], Internationales Steuerrecht der Schweiz, Bern 2023 [Internationales Steuerrecht Schweiz], § 13 N. 36; Martin Zweifel/Silvia Hunziker in: Martin Zweifel/Michael Beusch/RenÃ© Matteotti [Hrsg.], Internationales Steuerrecht, Basel 2015, Art. 4 N. 71 mit weiteren Hinweisen; MÃ¤usli, S. 51 und S. 63; Roland Heilinger/Wolfgang Maute, Der Begriff der tatsÃ¤chlichen Verwaltung im interkantonalen und internationalen VerhÃ¤ltnis bei den direkten Steuern, Teil 1, StR 63/2008 S. 742 ff., S. 747; Felix Richner et al., Handkommentar zum DBG, 3. A., ZÃ¼rich 2016, Art. 50 DBG N. 7). Umgekehrt genÃ¼gt es fÃ¼r die AnknÃ¼pfung an den Ort der tatsÃ¤chlichen Verwaltung in einem anderen Kanton als dem Sitzkanton, wenn in diesem anderen Kanton ein wesentlicher Teil der wirklichen Leitung besorgt wird, auch wenn gewisse Entscheidungen im Ausland getroffen werden (vgl. MÃ¤usli, S. 51; BGr, 5. September 1985, StE 1986 A 24.22 Nr. 2, E. 3b).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b><span>Auch wenn im Steuerrecht an sich das Beweismass der vollen Ãberzeugung ("Regelbeweismass") herrscht, bedarf es keiner absoluten Gewissheit. Es genÃ¼gt, dass die VeranlagungsbehÃ¶rde nach erfolgter BeweiswÃ¼rdigung und aufgrund objektiver Gesichtspunkte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen eines rechtserheblichen Sachumstands Ã¼berzeugt ist (BGr, 12. Mai 2020, 2C_926/2019, E. 2.3). Gelangt die BehÃ¶rde zu keiner derart gewichtigen Ãberzeugung, kommen die Beweislastregeln von Art. 8 ZGB zur Anwendung. Im Steuerrecht gilt demnach, dass die VeranlagungsbehÃ¶rde die Beweislast fÃ¼r die steuerbegrÃ¼ndenden und -erhÃ¶henden Tatsachen trÃ¤gt, wÃ¤hrend die steuerpflichtige Person fÃ¼r die steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet ist (Normentheorie; BGE 144 II 427 E. 8.3.1; BGr, 10. MÃ¤rz 2021, 2C_596/2020, E. 2.3.1). </span>Dabei gilt der statutarische Sitz in der Regel aufgrund des Handelsregistereintrags als bewiesen und kann somit in erster Linie der Sitzkanton die Steuerhoheit beanspruchen. Denn im Einklang mit dem Zivilrecht ist zu vermuten, dass die Statuten jenen Ort als Sitz bezeichnen, von welchem aus die juristische Person tatsÃ¤chlich geleitet wird. Macht ein anderer Kanton geltend, es handle sich dabei um ein Briefkastendomizil, hat er die entsprechenden UmstÃ¤nde darzutun und zu beweisen. Erscheint in der Folge der von der BehÃ¶rde angenommene Sitz im anderen Kanton aufgrund bestimmter Anhaltspunkte als sehr wahrscheinlich, so genÃ¼gt dies regelmÃ¤ssig als Hauptbeweis und obliegt es der juristischen Person, den Gegenbeweis zu erbringen (zum Ganzen BGr, 6. Oktober 2021, 2C_24/2021, E. 4.3; Zweifel/Hunziker, Interkantonales Steuerrecht, § 8 N. 20 f. mit weiteren Hinweisen). </p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Das Steuerrekursgericht gelangte zur Auffassung, in E (Kanton X) liege lediglich ein Briefkastendomizil vor. So stÃ¼nde der BeschwerdefÃ¼hrerin dort kein abgetrennter oder abschliessbarer Raum zur alleinigen BenÃ¼tzung zur VerfÃ¼gung. Im 1. Obergeschoss habe sie gemÃ¤ss dem eingereichten Mietvertrag lediglich das Recht, einen BÃ¼roraum mitzubenÃ¼tzen. Schliesslich habe es sich bei der jÃ¤hrlich vereinbarten GebÃ¼hr von Fr. 1'200.- nicht um eine Miete, sondern um eine DomizilgebÃ¼hr gehandelt. Eine allfÃ¤llige effektive Nutzung der BÃ¼rorÃ¤ume habe die BeschwerdefÃ¼hrerin nÃ¤mlich stundenweise separat entschÃ¤digen mÃ¼ssen. Zudem sei sie gehalten gewesen, die RÃ¤ume je nach Bedarf im Voraus zu reservieren. Unbestritten sei, dass sie im Kanton X kein Personal beschÃ¤ftigt habe. Buchhaltung und allfÃ¤llige BÃ¼roarbeiten seien im AuftragsverhÃ¤ltnis von Dritten erledigt worden. Die umfassende ReisetÃ¤tigkeit von B in aller Welt habe aufgrund des provisorischen Charakters meist nur wenige Tage gedauert und Aufenthalte in Hotels oder bei Kunden betroffen, welche von vornherein keinen Mittelpunkt der tatsÃ¤chlichen Verwaltung im Sinn von § 55 StG bilden kÃ¶nnten. Ferner sei unbestritten geblieben, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin neben B und dessen Ehefrau kein weiteres Personal beschÃ¤ftigt habe. Unbestritten sei auch, dass B nach seinen zahlreichen Reisen wieder an seinen jeweiligen Wohnsitz im Kanton ZÃ¼rich zurÃ¼ckgekehrt sei. Dass sich der Ort der tatsÃ¤chlichen Verwaltung der BeschwerdefÃ¼hrerin am Wohnort von B befunden habe, erscheine als sehr wahrscheinlich. Stehe ein Briefkastendomizil dem Wohnort des einzigen bzw. des beherrschenden GeschÃ¤ftsfÃ¼hrers entgegen, so sei es als wahrscheinlich anzusehen, dass sich die massgeblichen Handlungen im Rahmen der GeschÃ¤ftsleitung an letzterem Ort abspielen wÃ¼rden. Dass es sich anders verhalte, habe die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht substanziiert nachgewiesen: UnerklÃ¤rt sei etwa geblieben, inwiefern die fÃ¼nf angeblich in E vorhandenen ArbeitsplÃ¤tze Ã¼berhaupt tatsÃ¤chlich benÃ¼tzt worden seien. Von wem das BÃ¼ro stÃ¤ndig besetzt gewesen sein soll, werde nicht ausgefÃ¼hrt. Ebenso wenig nachgewiesen sei, wann die behaupteten Sitzungen am statutarischen Sitz in E stattgefunden hÃ¤tten. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe es schliesslich versÃ¤umt, genau aufzuzÃ¤hlen, wo der in den Jahresrechnungen bezifferte, Ã¼ber die Jahre gestiegene Mietaufwand angefallen sei. Sie habe nicht einmal weitere, aufgrund der namhaften verbuchten MietaufwÃ¤nde zweifellos vorhandene VertrÃ¤ge eingereicht. Dies sei als Hinweis darauf zu erachten, dass der Aufwand eben gerade nicht E betroffen habe. Auch habe sich die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht zur konkreten Zusammensetzung des Personalaufwands in den streitbetroffenen Steuerperioden geÃ¤ussert. Entsprechende Beweismittel (ArbeitsvertrÃ¤ge, Stellenbeschreibungen, Arbeitsrapporte) seien nicht ins Recht gelegt worden, obwohl die BeschwerdefÃ¼hrerin mit VerfÃ¼gung (<i>recte:</i> Auflage) vom 3. Juli 2020 unmissverstÃ¤ndlich aufgefordert worden sei, solche einzureichen. Die stÃ¤ndig wechselnden Aufenthalte bei verschiedenen Kunden in aller Welt bei typisch "mobilen" TÃ¤tigkeiten des beherrschenden AlleinaktionÃ¤rs und GeschÃ¤ftsfÃ¼hrers wÃ¼rden die Anforderungen an einen GeschÃ¤ftssitz gerade nicht erfÃ¼llen, weil es an von aussen erkennbaren, langfristig zur VerfÃ¼gung stehenden RÃ¤umlichkeiten fehle. Insgesamt sei die BeschwerdefÃ¼hrerin ihren Mitwirkungspflichten nur Ã¤usserst selektiv nachgekommen, was sich zu ihren Ungunsten auswirke. Nach dem Gesagten sprÃ¤chen jedenfalls keine GrÃ¼nde dafÃ¼r, nicht den jeweiligen Wohnsitz von B und seiner Mitarbeiterin bzw. Ehefrau im Kanton ZÃ¼rich als Mittelpunkt der tatsÃ¤chlichen Verwaltung der BeschwerdefÃ¼hrerin anzunehmen. Abschliessend Ã¤ussert sich das Steuerrekursgericht zur Zweigniederlassung in Y (Land Z): DiesbezÃ¼glich sei es der BeschwerdefÃ¼hrerin verwehrt, sich auf einen auslÃ¤ndischen Ort der tatsÃ¤chlichen Leitung zu berufen, habe sie sich doch bewusst aufgrund ihrer Sitzwahl in der Schweiz der schweizerischen Steuerhoheit unterworfen. Ferner hÃ¤tten die zahlreichen Reisen in den fraglichen fÃ¼nf Jahren B nach eigener Aussage schliesslich kein einziges Mal an den besagten Ort gefÃ¼hrt, sodass er dort auch nicht regelmÃ¤ssig Entscheidungen treffen oder Personal hÃ¤tte fÃ¼hren kÃ¶nnen. Unbestrittenermassen wÃ¼rden in Y (Land Z) nur das operative GeschÃ¤ft der BeschwerdefÃ¼hrerin betreffende TÃ¤tigkeiten (Laborarbeiten) ausgefÃ¼hrt. Ob und in welchem Umfang dort Ã¼berhaupt technisches Personal beschÃ¤ftigt werde, bleibe im Dunkeln. Insgesamt sei der Steuerhoheitsentscheid des kantonalen Steueramts zu bestÃ¤tigen.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Eine Minderheit des Gerichts gab indes eine abweichende Meinung zu Protokoll und beantragte, der Rekurs sei teilweise gutzuheissen und die Sache an das kantonale Steueramt zurÃ¼ckzuweisen. Zwar ging auch die Minderheitsmeinung davon aus, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin im Kanton X lediglich Ã¼ber ein Briefkastendomizil verfÃ¼ge und die tatsÃ¤chliche Leitung der Gesellschaft nicht von dort aus abgewickelt werde. Die Minderheit vertrat jedoch die Ansicht, die Mehrheit trage dem internationalen Element des Sachverhalts zu wenig Rechnung, seien doch diverse Hinweise dafÃ¼r vorhanden, dass sich die tatsÃ¤chliche Leitung der Gesellschaft zu einem nicht unerheblichen Teil im Ausland abspiele. Dies insbesondere in Y, wo die BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¼ber eine Niederlassung verfÃ¼ge, die gegebenenfalls als schwerpunktmÃ¤ssiger AnknÃ¼pfungspunkt infrage kÃ¤me. Ebenso schweige sich der Entscheid dazu aus, wie die BeschwerdefÃ¼hrerin im Rahmen ihres Gesellschaftszwecks die beinahe vollstÃ¤ndige geografische Trennung der strategischen GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung vom operativen KerngeschÃ¤ft bewerkstelligen solle. Insgesamt sei der Sachverhalt ungenÃ¼gend abgeklÃ¤rt worden, da sich die UntersuchungstÃ¤tigkeit des kantonalen Steueramts nur auf die GeschÃ¤ftstÃ¤tigkeit der Gesellschaft in E beschrÃ¤nkt, die AuslandtÃ¤tigkeit und die TÃ¤tigkeit der BeschwerdefÃ¼hrerin in M jedoch keiner nÃ¤heren ÃberprÃ¼fung unterzogen habe. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bestreitet zwar, dass am statutarischen Sitz keine GeschÃ¤ftsaktivitÃ¤t stattgefunden habe, hÃ¤tten ihr doch dort RÃ¤umlichkeiten zur VerfÃ¼gung gestanden und sei sie dort telefonisch erreichbar gewesen. Mit der ausfÃ¼hrlichen BegrÃ¼ndung des Steuerrekursgerichts, wonach der BeschwerdefÃ¼hrerin in E keine RÃ¤ume zur alleinigen Nutzung zur VerfÃ¼gung standen, eine blosse DomizilgebÃ¼hr von Fr. 1'200.- geschuldet war und in E kein Personal beschÃ¤ftigt wurde, setzt sich die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht bzw. nicht substanziiert auseinander. Der Schluss der Vorinstanz, es liege ein Briefkastendomizil vor, ist daher ohne Weiteres zu bestÃ¤tigen.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.4 </b>Weiter stellt die BeschwerdefÃ¼hrerin in Abrede, dass am Wohnsitz von B irgendwelche geschÃ¤ftlichen AktivitÃ¤ten stattgefunden hÃ¤tten. Dies sei weder bewiesen noch habe dies die BeschwerdefÃ¼hrerin zu beweisen. Ãberdies sei die starke internationale Komponente des Falls von den Vorinstanzen in rechtsverletzender Weise ignoriert worden. Selbst wenn am statutarischen Sitz nicht bloss wenige AktivitÃ¤ten entfaltet wÃ¼rden, sondern gar keine, sei § 55 StG rechtsverletzend ausgelegt worden: Diese Bestimmung besage nicht, dass der vorliegende Sachverhalt wie ein reiner Binnensachverhalt zu erledigen sei, mit der Vermutung, dass die tatsÃ¤chliche Verwaltung "auffangweise" am Wohnsitz von B sei. Der rechtserhebliche Sachverhalt habe einen internationalen Einschlag, weil es in Y AnknÃ¼pfungspunkte fÃ¼r eine erhebliche geschÃ¤ftliche AktivitÃ¤t gebe. Denn es sei unbestritten, dass zahlreiche UmsÃ¤tze mit Kunden in Y und vor Ort erwirtschaftet worden seien, dies qua BetriebsstÃ¤tte mit Labor und Personal in Y. Wenn sich eine GeschÃ¤ftstÃ¤tigkeit an verschiedenen Orten abspiele, mÃ¼sse das Schwergewicht der AktivitÃ¤ten ermittelt werden. Dieses Schwergewicht liege weder tatsÃ¤chlich noch qua beweislastumkehrender Vermutung am Wohnsitz von B. </p> <p class="Urteilstext">Zur Definition des Begriffs der "tatsÃ¤chlichen Verwaltung" fÃ¼hrt die BeschwerdefÃ¼hrerin aus, dieser sei vom AlltagsgeschÃ¤ft, dem Day-to-day-Business, geprÃ¤gt. Konkret beinhalte dies die Betreuung der Kunden vor Ort bzw. die Akquisition vor Ort durch B. Es gehe nicht um irgendwelche fundamentale Entscheide; die strategische Ebene sei fÃ¼r die "tatsÃ¤chliche Verwaltung" unbedeutend. Ausschlaggebend sei, mit welchen Kunden wo Umsatz generiert werde und wo die dafÃ¼r notwendigen Handlungen vorgenommen wÃ¼rden. Dies sei hier schwergewichtig im Ausland. Ferner komme es auf den Verwaltungsrat bei der Bestimmung des Orts der tatsÃ¤chlichen Verwaltung nicht an: Entscheidend sei einzig die GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung. Zahlreiche PrÃ¤judizien zum Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Land Z wÃ¼rden belegen, dass der Wohnsitz des Verwaltungsrats kein taugliches Kriterium zur Bestimmung der tatsÃ¤chlichen GeschÃ¤ftsleitung sei. Dies habe zur Folge, dass im vorliegenden Fall an den statutarischen Sitz in der Schweiz anzuknÃ¼pfen sei. </p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>FÃ¼r die Bestimmung des Orts der tatsÃ¤chlichen Verwaltung ist die FÃ¼hrung der laufenden GeschÃ¤fte zur Erreichung des Gesellschaftszwecks entscheidend, d.<span> </span>h. die operative Ebene (vgl. BGr, 6. Oktober<span> 2021, 2C_24/2021, E. 4.2; FrÃ©dÃ©ric de le Court, Administration et direction effectives, StR [RF] 71/2016 S. 404 ff., S. 419 f.; BrÃ¼lisauer, Internationales Steuerrecht Schweiz, § 13 N. 23). </span>Entscheidend ist das Day-to-day-Management. Die FÃ¼hrung des TagesgeschÃ¤fts, welches den Leitungsteil des Unternehmens betrifft, ist aber abzugrenzen vom eigentlichen TagesgeschÃ¤ft (z.<span> </span>B. Produktion) (De le Court, S. 419 f.). </p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Im Schreiben vom 26. August 2020 an das kantonale Steueramt wird die TÃ¤tigkeit der A AG im Rahmen des Gesellschaftszwecks wie folgt umrissen: Die HaupttÃ¤tigkeit der Firma, bestehend aus QualitÃ¤tszertifizierung von ..., Engineering und fachtechnischer Beratung und Betreuung sowie Verkauf, Vermietung und Vermittlung von ..., werde durch selbstÃ¤ndige Fachleute ausgeÃ¼bt, die lÃ¤nderabhÃ¤ngig mandatiert wÃ¼rden. B sei als GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer tÃ¤tig und zu 90 % seiner Arbeitszeit im Ausland tÃ¤tig und fÃ¼hre die GeschÃ¤fte der A AG vom jeweiligen Standort aus. ErgÃ¤nzend wird auf den eigenen Firmenbeschrieb der A AG verwiesen: Diesem kann entnommen werden, dass das PrÃ¼flabor in Y den Schwerpunkt der TÃ¤tigkeiten des Unternehmens bilde. Namentlich wird ausgefÃ¼hrt: </p> <p class="Erwgung2">"Der Standort Y ist insbesondere durch das eigene PrÃ¼f- und Entwicklungslabor zum Hauptwirkungsort der A AG avanciert. Das BÃ¼ro in O Ã¼bernimmt vor allem die GremientÃ¤tigkeiten, FachvortrÃ¤ge und technische Beratung der A AG. Hier ist der Sitz von Frau Dr. P, die von hier aus Kunden im In- und Ausland betreut und Projekte vorbereitet und konzeptioniert. Ausgehend vom GrÃ¼ndungssitz in der Schweiz betreut B vornehmlich Kunden im Ausland. Hier sitzt die Buchhaltung der A AG."</p> <p class="Erwgung2">Aus den AusfÃ¼hrungen der BeschwerdefÃ¼hrerin wird klar, dass das TagesgeschÃ¤ft im Ausland, insbesondere in Y, stattfindet. Ob und wie viele Angestellte dort beschÃ¤ftigt sind, kann offengelassen werden, da diese nicht fÃ¼r die tatsÃ¤chliche Leitung des Unternehmens zustÃ¤ndig sind. Es ist daher auch nicht erforderlich abzuklÃ¤ren, welcher Personalaufwand dort anfÃ¤llt. Denn die GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung erfolgt unbestrittenermassen einzig durch den zur GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung autorisierten Verwaltungsrat B (vgl. dazu Richner et al., § 55 N. 17). Fraglich ist, wo das Day-to-day-Management durch letzteren stattfindet. Im Rekurs vom 6. Januar 2022 wurde ausgefÃ¼hrt, bereits aufgrund der Tatsache, dass in Y (Land Z) ein PrÃ¼fungs- und Entwicklungslabor betrieben werde, sei ersichtlich, dass wichtige Entscheide der GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung auch an diesem Standort getroffen wÃ¼rden. Aus der Auflistung "B, Auslandaufenthalte 2014â2020" ergeben sich jedoch keine Hinweise auf einen Aufenthalt in Y (Land Z), wie schon das Steuerrekursgericht feststellte. Hierzu Ã¤ussert sich die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht. GrundsÃ¤tzlich unbestritten ist jedoch, dass mit der TÃ¤tigkeit von B eine hohe ReisetÃ¤tigkeit im Ausland einhergeht. Im Jahr 2015 unternahm er â ohne Einreichung entsprechender Belege (z.<span> </span>B. Flugtickets, HotelÃ¼bernachtungen) hierfÃ¼r â 48 Auslandreisen, im Jahr 2016 58 Auslandreisen, im Jahr 2017 63 Auslandreisen, im Jahr 2018 26 Auslandreisen und im Jahr 2019 44 Auslandreisen. Vor Ort bei den Kunden im Ausland war er einerseits in seiner Funktion als Angestellter fÃ¼r die BeschwerdefÃ¼hrerin tÃ¤tig, andererseits dÃ¼rfte er dort aber auch massgebende Entscheide als GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer getroffen haben (zur Abgrenzung ArbeitsverhÃ¤ltnis/GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung, vgl. VGr, 4. Dezember 2019, SB.2019.00034, E. 3.3). Den Aufenthalten im Ausland stehen die Aufenthalte an seinem Wohnort im Kanton ZÃ¼rich gegenÃ¼ber: Es kann ohne Weiteres die Annahme getroffen werden, dass B wÃ¤hrend dieser restlichen Zeit die GeschÃ¤fte der BeschwerdefÃ¼hrerin von seinem Wohnort leitete. Damit lÃ¤sst sich ein geografischer Schwerpunkt der GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung nicht ausmachen. Dreht sich die GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung einer Gesellschaft um die TÃ¤tigkeit des alleinigen GeschÃ¤ftsfÃ¼hrers und kann â wie hier â kein geografischer Schwerpunkt ausgemacht werden, kann am Wohnsitz des GeschÃ¤ftsfÃ¼hrers der Ort der tatsÃ¤chlichen Verwaltung am Wohnsitz angenommen werden (vgl. VGr, 16. MÃ¤rz 2016, SB.2015.00144 und SB.2015.00145, E. 3.3 und E. 4.4 [bestÃ¤tigt mit BGr, 11. November 2016, 2C_483/2016 und 2C_484/2016, insbesondere E. 6.3]; Stefan Oesterhelt/Susanne Schreiber in: Martin Zweifel/Michael Beusch [Hrsg.], Bundesgesetz Ã¼ber die direkte Bundessteuer [DBG], 4. A., Basel 2022 [Kommentar DBG], Art. 50 DBG N. 21). Da sich die zentrale GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung bei B konzentriert, ist der Schluss der Vorinstanz, jener habe die Geschicke der Gesellschaft von seinem jeweiligen Wohnort im Kanton ZÃ¼rich geleitet, zu bestÃ¤tigen.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>WÃ¤hrend das kantonale Steueramt im Einspracheentscheid die Steuerhoheit fÃ¼r die Steuerperioden vom 1.1.2015â31.12.2016 und danach ab 1. Januar 2017 beanspruchte, grenzte das Steuerrekursgericht den vom Streit betroffenen Zeitraum auf die Steuerperioden vom 1.1.2015â31.12.2019 ein. Dies mit der BegrÃ¼ndung, die Steuerperiode 2020 sei zum Zeitpunkt der Untersuchung noch gar nicht zu Ende gewesen, weshalb die Beurteilung der Steuerperioden ab 2020 vorbehalten bleibe und fÃ¼r diese unabhÃ¤ngig vom Ausgang des Rekursverfahrens vom kantonalen Steueramt ein neuer Vorentscheid getroffen oder von der BeschwerdefÃ¼hrerin verlangt werden kÃ¶nne. Folglich sei das Rubrum entsprechend anzupassen. </p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Dieses Vorgehen steht im Einklang mit der neuesten bundesgerichtlichen Rechtsprechung: Denn Gegenstand des Steuerhoheitsverfahrens ist die Feststellung der subjektiven Steuerpflicht fÃ¼r eine oder allenfalls mehrere, aber auf jeden Fall bestimmte Steuerperioden. FÃ¼r zukÃ¼nftige Steuerperioden kann der Steuerdomizilentscheid keine Rechtskraft entfalten. Im Rubrum ist daher genau anzugeben, auf welche Steuerperioden sich der Steuerdomizilentscheid bezieht (BGr, 22. Juni 2023, 9C_133/2023, E. 4, insbesondere E. 4.3 mit Hinweisen).</p> <p class="Urteilstext">Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. FÃ¼r die eventualiter beantragte RÃ¼ckweisung der Rechtssache an das kantonale Steueramt besteht bei dieser Sachlage kein Raum.</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext">Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten der BeschwerdefÃ¼hrerin aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 in Verbindung mit § 153 Abs. 4 StG) und steht dieser keine ParteientschÃ¤digung zu (§ 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG] in Verbindung mit § 152 und § 153 Abs. 4 StG).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 3'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 210.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 3'710.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden der BeschwerdefÃ¼hrerin auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) das Steuerrekursgericht;</span></p> <p class="Einzug2"><span> c) das Sekretariat der GeschÃ¤ftsleitung des kantonalen Steueramts;<br/> d) die SteuerÃ¤mter der Stadt M und der Gemeinden K und L;</span></p> <p class="Einzug2"><span> e) die EidgenÃ¶ssische Steuerverwaltung (ESTV). </span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>