Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. Oktober 2014 (810 12 360) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Beat Walther , Gerichtsschreiber i.V. Sebastian Rieger Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Alain Joset , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung (RRB Nr. 1987 vom 4. Dezember 2012) A. A.____, geboren 1972 und jamaikanischer Staatsan gehöriger, reiste im Juli 2001 als Tourist von Deutschland in die Schweiz ein. Er wurd e am 28. März 2002 und erneut am 25. März 2003 nach rechtswidrigem Aufenthalt in der Schweiz nach Deutschland ausgeschafft. Nachdem das Bundesamt für Ausländerfragen (heute: B undesamt für Migration, BFM) die Ein- reisesperre aufgehoben hatte, reiste er am 2. Mai 2 003 mit gültiger Einreiseerlaubnis in die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweiz ein zur Vorbereitung der Eheschliessung mit der Schweizer Bürgerin B.____. Nach der am 23. Mai 2003 erfolgten Trauung erhielt er vom Migrationsamt des Kantons C.____ eine Auf- enthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau im Kanton C.____. B. Im Oktober 2006 gaben die Eheleute ihre eheliche G emeinschaft auf. In der Folge wies das Migrationsamt des Kantons C.____ A.____s Gesuch um Verlängerung der Aufent- haltsbewilligung mit Verfügung vom 8. August 2007 ab, wogegen dieser beim Regierungsrat des Kantons C.____ rekurrierte. Die Ehe wurde am 5. F ebruar 2009 auf gemeinsames Begeh- ren der Ehegatten geschieden. C. Noch während des hängigen Rekursverfahrens heiratete A.____ am 25. September 2009 die Schweizer Bürgerin D.____. Per 1. November 2 009 zog er zu seiner neuen Ehefrau nach E.____ und erhielt am 14. Dezember 2009 vom Amt für Migration des Kantons Basel- Landschaft (AfM) eine Aufenthaltsbewilligung, worauf das im Kanton C.____ hängige Rekurs- verfahren am 21. Dezember 2009 zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben wurde. Der Ehe sind bis heute zwei Söhne (F.____, geb. 2011 und G.____, geb. 2012) entsprungen. D. A.____ ist während seines Aufenthalts in der Schwei z gemäss Strafregister u.a. zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 27 M onaten, davon zwölf Monate unbedingt vollziehbar, bei einer Probezeit von vier Jahren, wege n mehrfacher Gefährdung des Lebens und mehrfacher einfacher Körperverletzung mit einem ge fährlichen Gegenstand verurteilt wor- den (Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 13./14. September 2011). E. Mit Verfügung vom 30. Juli 2012 verweigerte das Af M die Verlängerung der Aufent- haltsbewilligung von A.____ und wies ihn umgehend, sp ätestens auf den Zeitpunkt seiner (be- dingten) Entlassung aus dem Strafvollzug, aus der Schweiz weg. Als Begründung wurden im Wesentlichen die gegen ihn rechtskräftig ausgesprochene mehrjährige Freiheitsstrafe vom 13./14. September 2011 sowie sein schwerwiegender Versto ss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung vorgebracht. F. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Helena Hess, Advokatin, am 10. August 2012 Beschwerde beim Regierungsrat des Kanto ns Basel-Landschaft (Regierungs- rat). Mit Beschluss Nr. 1987 vom 4. Dezember 2012 wies der Regierungsrat die Beschwerde gegen die Verfügung des AfM vom 10. August 2012 ab. G. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2012 hat A.____, ne u vertreten durch Alain Joset, Advokat, gegen den Regierungsratsbeschluss vom 4. Dezembe r 2012 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrech t (Kantonsgericht), eingereicht. Er beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben u nd das AfM sei anzuweisen, dem Be- schwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. H. In seiner Vernehmlassung vom 12. März 2013 beantragt der Regierungsrat, die Be- schwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit präsidialer Verfügung vom 27. März 2013 wurde d er Fall der Kammer zur Beur- teilung überwiesen. Am 5. Juni 2013 fand die Parteive rhandlung in Anwesenheit der Beteiligten statt. Im Anschluss an die Hauptverhandlung gab das Kantonsgericht mit Beschluss vom 5. Juni 2013 eine psychiatrische Begutachtung des Beschwerdeführer s betreffend Rückfallgefahr in Auftrag. Zu diesem Zweck wurde das Verfahren ausgestellt. J. Mit Verfügung vom 26. Juni 2013 wurde Prof. Dr. me d. H.____, forensischer Psychi- ater, als Gutachter ernannt. Am 20. August 2013 wurden ihm die Gutachterfragen unterbreitet. K. Am 25. Juli 2014 ist das in Auftrag gegebene Gutach ten beim Kantonsgericht ein- gegangen. Mit Schreiben vom 30. Juli 2014 wurde das Gu tachten den Parteien zur Kenntnis- nahme übersendet. Zugleich erhielten die Parteien Frist zur Stellungnahme. L. Mit Schreiben vom 20. August 2014 hält der Regieru ngsrat vollumfänglich an den gestellten Rechtsbegehren fest. Mit Schreiben vom 12. September 2014 verzichtete der Be- schwerdeführer vorerst auf eine schriftliche Stellungnahme. Mit Schreiben vom 3. Oktober 2014 liess er sich bezüglich Gutachten vernehmen und beantragte gleichzeitig die erneute Durchfüh- rung einer Parteiverhandlung. Eventualiter sei festzul egen, dass sich die beurteilende Kammer gleich zusammensetzt wie anlässlich der bereits durchgeführten Parteiverhandlung vom 5. Juni 2013. M. Mit Verfügung vom 7. Oktober 2014 wies das Kantons gericht sowohl das Gesuch bezüglich der Durchführung einer erneuten Parteiverhan dlung wie auch das Eventualbegehren bezüglich der Zusammensetzung der Kammer ab. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da der Be schwerdeführer Adressat des ange- fochtenen Entscheides ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung hat, die üb- rigen formellen Voraussetzungen erfüllt und sowohl di e örtliche wie auch die sachliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsge richtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a un d b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Des Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob d ie Nichtverlängerung der Aufenthalts- bewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolg- ten. 3.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländeri nnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständ ige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG im Rahmen der gesetzlic hen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbs- tätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung eine r Aufenthaltsbewilligung hat die ausländi- sche Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völker-rechtliche Verpflich- tungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; P ETER UEBERSAX in: Peter Uebersax/Beat Ru- din/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 3.2 Zunächst ist festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und Jamaika keine staatsvertrag- liche Vereinbarung besteht, welche dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würde. 3.3 Das nationale Recht sieht in Art. 42 Abs. 1 AuG vor, dass ausländische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern einen Bewilligungsanspru ch haben, wenn sie mit diesen zu- sammenwohnen. Die Ehegatten leben unbestritten mit ih ren beiden Söhnen zusammen, wes- halb von einem grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf Bewilli- gungsverlängerung auszugehen ist. 3.4 Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie dem inhaltli ch gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 BV geschützten Recht auf Achtung des Privat- und Familienle bens können ausländische Staatsan- gehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufen thalt oder Verbleib in einem andern Staat ableiten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme zur Trennung von Familienmitglie- dern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Ausländerrecht, insbesondere unter dem A spekt des Privat- und Familienle- bens, EuGRZ 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Diese Garantien können somit dann ver- letzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Fami lienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Fami lienleben vereitelt wird. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK müssen die sich hierzulande aufhaltenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwese nheits-recht verfügen. Dies ist insbe- sondere der Fall, wenn sie das Schweizer Bürgerrecht o der eine Niederlassungsbewilligung besitzen oder über eine Aufenthaltsbewilligung verfüg en, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zudem müssen diese Personen zur K ernfamilie gehören und es muss eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung zu ihne n bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Ein staatlicher Eingriff in das Recht auf Ach- tung des Familienlebens liegt indessen regelmässig nicht vor, wenn den Angehörigen zugemu- tet werden kann, ihre Beziehung im Ausland zu leben. Sowohl die Ehefrau als auch die minder- jährigen Söhne des Beschwerdeführers verfügen über das Sc hweizer Bürgerrecht. Zwischen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Beschwerdeführer und seiner Familie besteht eine enge und intakte Beziehung. Es ist den Familienangehörigen nicht ohne weiteres zumutbar, dem Beschwerdeführer ins Ausland zu folgen. Daher ist davon auszugehen, dass eine Wegweisun g zur Trennung der Familie führen würde, weshalb von einem Eingriff in den Schutzbereic h von Art. 8 Ziff. 1 EMRK auszugehen ist. 4. Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf Aufe nthalt nach Art. 42 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Familienleben nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK absolut. 4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. b AuG entfällt der Ansp ruch nach Art. 42 Abs. 1 AuG, wenn Widerrufsgründe nach Art. 63 AuG vorliegen. Widerrufs gründe liegen unter anderem dann vor, wenn die ausländische Person zu einer längerfristigen Fr eiheitsstrafe verurteilt wurde (Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 lit. b AuG) oder we nn die ausländische Person in schwerwiegen- der Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnu ng verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). 4.2 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Bezirksger ichts Zürich vom 13./14. Septem- ber 2011 wegen mehrfacher Gefährdung des Lebens sowie wegen mehrfacher qualifizierter Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monat en und damit zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Widerrufsgrund nach Ar t. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 lit. b AuG ist damit erfüllt, was auch vom Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten wird. Demzufol- ge muss nicht mehr geprüft werden, ob das Verhalten des Beschwerdeführers zugleich als schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten ist, zumal dieser Widerruf sgrund in der vorliegenden Konstellation nur subsidiär zur Anwendung kommt (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.2). Der gesetzliche Anwesen- heitsanspruch ist damit grundsätzlich erloschen. 4.3 Die Verurteilung zu einer längerfristigen Freihe itsstrafe rechtfertigt dem Grundsatz nach gleichzeitig einen Eingriff in den grundrechtlich be gründeten Anwesenheitsanspruch, denn der angefochtene Entscheid stützt sich auf eine gesetzliche Gru ndlage und er bezweckt die Auf- rechterhaltung der öffentlichen Ordnung sowie die Ver hinderung weiterer strafbarer Handlun- gen. Dieser verfolgt damit öffentliche Interessen, die in Art. 8 Ziff. 2 EMRK ausdrücklich erwähnt sind (ZÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 6). 5. Das Vorliegen von Erlöschensgründen nach Art. 51 Au G und von Rechtfertigungs- gründen nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK führt nicht automat isch zum Erlöschen der eingeräumten Rechtsansprüche auf Erteilung und Verlängerung ausländerrechtlicher Bewilligungen. Viel-mehr rechtfertigt sich die Nichterteilung resp. Nichtverlänger ung und die damit verbundene Wegwei- sung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) nach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Massnahme im Einzelfall gestützt auf eine umfassende Güterabwägu ng verhältnismässig erscheint. Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und di e öffentlichen und privaten Interes- sen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Martina Caroni/Thomas Gäch- ter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 51 Rz. 3; A NDREAS ZÜND /LADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht [Hrsg.], a.a.O., Rz. 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Erteilung der Bewilligung u nd der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als not- wendig erweist. Analoge Voraussetzungen ergeben sich aus Art. 36 BV im Hinblick auf einen Eingriff in Art. 13 BV und aus Art. 8 Ziff. 2 EMRK i m Hinblick auf einen Eingriff in Art. 8 EMRK (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Gleich wie Art. 96 Abs. 1 AuG verlangt auch die EMRK in diesem Zusammenhang eine Abwägung der privat en Interessen an der Verlängerung der Bewilligung und den öffentlichen Interessen an de ren Nichtverlängerung. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) stützt sich bei der Beurteilung der Zulässigkeit aufent- haltsbeendender Massnahmen im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK auf die gleichen Aspekte wie die bundesgerichtliche Praxis (Z ÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 13; BGE 139 I 31 E. 2.3.3). Dar- aus folgt, dass eine Massnahme, die sich im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG als verhältnismässig erweist, grundsätzlich auch der Prüfung nach Art. 8 EM RK standhält (vgl. Urteil des BGer 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 4). 5.1 Im Rahmen der Interessenabwägung sind nach der bun desgerichtlichen Praxis nament- lich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroff enen, der seit der Tat vergange- ne Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diese m, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Betro ffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen. Ähnliche Vorgaben ergeben sich auch aus der Praxis des Euro- päischen Gerichtshofs für Menschenrechte (Z ÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 12 f.; BGE 135 II 377 E. 4.3). Demgemäss sind die Natur und die Schwere der begangenen Delikte sowie die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das seitherige Verhalt en der betreffenden Person zu be- rücksichtigen. Von Bedeutung sind auch die Dauer des Aufen thaltes der ausländischen Person im Gastgeberstaat und die Intensität ihrer sozialen, kulturellen und familiären Bindungen sowohl im Gastgeberstaat als auch im Heimatland. Ebenso ist die familiäre Situation des Betroffenen zu beachten, namentlich die Dauer seiner Ehe, die Staa tsangehörigkeit sämtlicher beteiligter Personen sowie übrige Umstände, welche Rückschlüsse auf di e effektive Natur der Paarbezie- hung erlauben. Massgebend ist weiter, ob die Ehegattin bzw. der Ehegatte der betreffenden ausländischen Person bei Aufnahme der familiären Beziehung von deren deliktischen Handlun- gen gewusst hatte. Ferner spielt auch eine Rolle, wel che Probleme die Ehefrau resp. der Ehe- mann bei einer gemeinsamen Ausreise ins Heimatland des P artners zu gegenwärtigen hätte. Zu prüfen ist sodann, ob aus der Beziehung Kinder hervo rgegangen sind und in welchem Alter sich diese gegebenenfalls befinden. Insbesondere sind auch die Interessen und das Wohl der Kinder des Betroffenen von Bedeutung, wobei namentli ch deren mutmasslichen Schwierigkei- ten bei der Rückkehr in ihr Heimatland Rechnung zu trag en ist (vgl. Urteil des EGMR Kissiwa Koffi gegen die Schweiz [38005/07] vom 15. November 2 012 § 63; Urteil des EGMR Boultif ge- gen die Schweiz [54273/00] vom 2. August 2001 § 48). 5.2 Bei Ausländern, welche sich wie der Beschwerdeführe r nicht auf das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäi- schen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA) beru- fen können, darf im Rahmen der Interessenabwägung ab gesehen von der aktuellen Gefähr- dung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, die von der betroffenen Einzelperson ausgeht, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht namentlich auch generalpräventiven Gesichtspunkten Rechnun g getragen werden (BGE 130 II 176 E. 4.2-4.4; Urteil des BGer 2C_963/2012 vom 1. Ap ril 2013 E. 5.1.3). In diesem Zusam- menhang ist auch auf die Bestimmungen von Art. 121 Ab s. 3-6 BV hinzuweisen. Gemäss die- sen Bestimmungen verlieren Ausländerinnen und Ausländer unabhängig von ihrem ausländer- rechtlichen Status ihr Aufenthaltsrecht sowie alle Rech tsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz, wenn sie unter anderem wegen "eines anderen G ewaltdelikts" rechtskräftig verurteilt worden sind (Art. 121 Abs. 3 lit. a BV). Zwar sind die se Bestimmungen gemäss der bundesge- richtlichen Rechtsprechung nicht direkt anwendbar, das Bu ndesgericht hat aber festgehalten, der vom Verfassungsgeber zum Ausdruck gebrachten Wertung sei insoweit Rechnung zu tra- gen, als dies zu keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht bzw. zu keinen Konflikten mit dem Beurteilungsspielraum führe, den der EGMR den ein zelnen Konventionsstaaten bei der Umsetzung ihrer Migrations- und Ausländerpolitik zugesteh e. In diesem Rahmen kann die er- forderliche Interessenabwägung jedoch nicht schematisierend auf einzelne im Verfassungsrecht mehr oder weniger klar umschriebene Anlasstaten reduziert werden, ohne dass der Strafhöhe und den weiteren zur Rechtfertigung des mit der Aufent haltsbeendigung verbundenen Eingriffs in das Privat- und Familienleben erforderlichen Aspekten Rechnung getragen wird (BGE 139 I 16 E. 5.3; BGE 139 I 31 E. 2.3.2). 6. Somit bleibt nachfolgend anhand der dargelegten R echtslage zu prüfen, wie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Einzelfalles die öffentlichen Inte- ressen an einer Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewill igung und einer Wegweisung des Be- schwerdeführers im Gegensatz zu den privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib bei seiner Familie in der Schweiz zu gewichten sind. 6.1 Der Beschwerdeführer ist während seines Aufenthalt es in der Schweiz mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten. So erfolgte eine Verurteilung zu einer bedingten Gefäng- nisstrafe von 30 Tagen, bei einer Probezeit von zwei Jahr en, wegen Vergehen gegen das Bun- desgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Auslän der (Strafmandat der Bezirksanwalt- schaft Zürich vom 27. März 2002). Daraufhin folgte eine r Verurteilung per Strafmandat der Be- zirksanwaltschaft Uster zu einer Busse von Fr. 600.-- wege n Entwendung eines Motorfahrzeu- ges zum Gebrauch und Fahrens ohne Führerschein (9. Dez ember 2004). Am 15. März 2005 wurde der Beschwerdeführer zu einer bedingten Gefängni sstrafe von 30 Tagen, bei einer Pro- bezeit von drei Jahren, wegen Gewalt und Drohung gege n Behörden und Beamte verurteilt (Strafmandat der Staatsanwaltschaft Zürich Limmat). Es folgte eine Verurteilung zu einer unbe- dingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 60.-- weg en einfacher Körperverletzung, Dro- hung und Tätlichkeiten im Zusammenhang mit häuslicher G ewalt (Strafmandat der Staatsan- waltschaft See / Oberland vom 26. August 2008). Danach erfolgte die für die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung ursächliche Verurteilung zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheits- strafe von 27 Monaten, davon zwölf Monate unbedingt vol lziehbar, bei einer Probezeit von vier Jahren, wegen mehrfacher Gefährdung des Lebens und mehrfacher einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand. Das Bezirksgericht Züri ch hat im betreffenden Urteil vom 13./14. September 2011 sachverhaltlich festgehalten, zwei Personen hätten die Fensterscheibe seines parkierten Autos eingeschlagen, woraufhin der Besc hwerdeführer mit einem Kollegen die beiden Personen verfolgt und mit einem scharfen Ge genstand erheblich verletzt habe. Das Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezirksgericht führt dazu aus, er habe das geschützte Rechtsg ut der physischen Integrität der Opfer erheblich beeinträchtigt. Zwar möge der Beschwerd eführer durch das Vorverhalten der Opfer (Einschlagen der Autoscheibe) erschrocken und aufge wühlt gewesen sein, dennoch sei das Verhalten des Beschwerdeführers von pönaler Relevanz un d nicht zu bagatellisieren. Das Verschulden wiege schwer und das Vorgehen des Beschwerdefü hrers sei verwerflich und zeu- ge von einer erheblichen Gewaltbereitschaft und Abgeb rühtheit. Auch in ausländerrechtlicher Hinsicht wiegt sein Verschulden schwer. Er ist mehrfach wegen Delikten gegen Leib und Leben verurteilt worden. Im Hinblick auf dieses nicht zu entschu ldigende strafrechtliche Verhalten und die weiteren Vorstrafen besteht grundsätzlich ein gewich tiges öffentliches Sicherheitsinteresse der Schweiz an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbe willigung und an einer Wegweisung des Beschwerdeführers. 6.2 Dem sind die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Der Beschwerdeführer hält sich seit nunmehr über zehn Jahren (legal) in der Schweiz auf. In dieser Zeit hat er sich hier nach anfänglichen Schwierigkeiten eine stabile Existenz aufgebaut und sich insgesamt ausserordentlic h gut integriert. Er lebt seit mehr als fünf Jahren mit seiner Ehefrau in einer intakten e helichen Beziehung, aus der zwei Kinder hervorgegangen sind. Er kommt für den Lebensunterhalt der Familie auf. Weiter erweist er sich auch im erweiterten Familienverband als wichtige und geschätzte Stütze, die als liebevoller Ehemann und Vater das Familienleben tatsächlich lebt u nd positiv prägt (vgl. Schreiben der Schwiegereltern vom 20. Juli 2012). Auch als Nachbar w ird der Beschwerdeführer gemäss ei- nem bei den Akten liegenden Schreiben sehr geschätzt. Mit seinem fröhlichen Wesen und sei- ner Hilfsbereitschaft erweise er sich als Freund und al s wertvolles Mitglied der nachbarlichen Gemeinschaft (vgl. Schreiben der Familie I.____ vom 22. Juni 2012). Der Beschwerdeführer beherrscht des Weiteren die deutsche Sprache und Mundar t gut, wovon sich das Gericht an- lässlich der (ohne Dolmetscher durchgeführten) Parteiver handlung überzeugen konnte. Ge- mäss den Angaben beider Eheleute sowie der Schwiegerelt ern wird innerhalb der Familie hauptsächlich deutsch gesprochen. Auch in wirtschaftliche r Hinsicht hat sich der Beschwerde- führer vorbildlich integriert. Seit seiner Einreise war er stets erwerbstätig und ist für seinen Le- bensunterhalt selbst aufgekommen. Er war nie arbeitslos, auf Sozialhilfe angewiesen oder ver- schuldet. Er hat sich zudem vom einfachen Handlanger zum spezialisierten Bohrmeister für Erdsondenbohrungen hochgearbeitet und erweist sich heute als wichtige und geschätzte Fach- kraft, wie sein Arbeitgeber in den eingereichten Zwisch enzeugnissen vom 30. Mai 2013 und vom 2. Oktober 2014 bestätigt. Dieser stellte ihn denn a uch nach der Entlassung aus der Un- tersuchungshaft umgehend wieder ein. Er attestiert i hm eine ruhige und höfliche Art, die von Mitarbeitern wie Kunden geschätzt werde. Der Beschwerdef ührer ist somit bestens in den Ar- beitsmarkt integriert. Zu seinem Heimatland bestehen hingegen nur noch schwache Verbindun- gen. Ein grosser Teil seiner Familie ist in die Vereini gten Staaten ausgewandert. In Jamaika leben noch sein Vater und zwei Schwestern, zu diesen beste ht aber lediglich sporadischer tele- fonischer Kontakt. Seit seiner Einreise in die Schweiz hat der Beschwerdeführer seinen Hei- matstaat nachgewiesenermassen nur einmal - für drei Woc hen im Rahmen der Hochzeitsreise im Jahre 2010 - besucht. Es erscheint aufgrund dieser Um stände durchaus nachvollziehbar, dass ihm sein Herkunftsland inzwischen fremd geworden ist. Bei einer Rückkehr wäre somit mit grossen Integrationsschwierigkeiten zu rechnen. Dem Beschwe rdeführer ist angesichts dieser Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesamtumstände ein aussergewöhnlich grosses Interesse am Verbleib in der Schweiz zuzuge- stehen. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers hätte auch graviere nde Auswirkungen auf seine Ehefrau und Kinder. Die Ehefrau hat als Schweizer Bü rgerin grundsätzlich ein Interesse daran und einen Anspruch, ihr Leben in der Schweiz zu führen . Eine allfällige Integration der Ehefrau in Jamaika wäre offenkundig mit grossen Schwierigkeiten ver bunden, eine Ausreise mit dem Beschwerdeführer erscheint daher nicht zumutbar. Zudem haben die Ehegatten vor Begehung der verfahrensauslösenden Straftat geheiratet. Die Eh efrau musste zu diesem Zeitpunkt also nicht mit einer Wegweisung des Beschwerdeführers rechnen. Die Söhne des Beschwerdefüh- rers sind Schweizer Bürger und haben ebenfalls ein augen fälliges Interesse daran, in der Schweiz zu leben, nicht zuletzt um von den hiesigen Ausb ildungsmöglichkeiten und den allge- meinen Lebensbedingungen zu profitieren. Müssten die Ki nder mit dem Beschwerdeführer die Schweiz heute verlassen, wäre bei einer späteren Rückkehr ve rmehrt mit Integrationsschwie- rigkeiten zu rechnen (vgl. BGE 135 I 143 E. 4.3). Es ist nach dem Gesagten damit zu rechnen, dass die Wegweisung des Beschwerdeführers zu einer Trennu ng der Familie führen würde. Aufgrund der Distanz zwischen der Schweiz und Jamaika wär e die Beziehung nur unter er- schwerten Bedingungen und wohl nur mittels elektronischen Kommunikationsmitteln aufrecht zu erhalten. Die beiden Kinder müssten somit weitgehend ohne ihren Vater aufwachsen. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers hätte somit schwerwiegen de Nachteile für seine gesamte Familie und insbesondere seine Kinder zur Folge. Damit hat auch die Familie des Beschwerde- führers ein gewichtiges Interesse an dessen Verbleib in der Schweiz. 6.3 Neben den oben genannten und zu berücksichtigenden Umständen sind auch das Verhalten des Beschwerdeführers seit der Tat sowie die Gefahr künftiger Delinquenz zu beach- ten. Eine positive Legalprognose ist wie die abzuwägend en Interessen ebenfalls im Rahmen der Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen (Urteil des BG er 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 3.3.1 mit weiteren Hinweisen). Die verfahrensauslö sende Straftat wurde am 12. Dezember 2009 begangen, seither hat sich der Beschwerdeführer wo hl verhalten und ist nicht mehr nega- tiv in Erscheinung getreten. Sein Verhalten im Strafvol lzug gab zu keinen aktenkundigen Bean- standungen Anlass. Der Beschwerdeführer hat ausserdem fr eiwillig an einer Gewalttherapie teilgenommen. Diesbezüglich wurden ihm vom Therapeut g ute Fortschritte attestiert (vgl. Gut- achten vom 22. Juli 2014, S. 14). Seit der Entlassung a us dem Strafvollzug setzt er die psycho- therapeutische Behandlung aus eigener Initiative auf privater Basis fort (vgl. Bestätigungs- schreiben von J.____, Fachpsychologe für Psychotherapie VBS/SPV, vom 11. Juni 2014). Auch hat der Beschwerdeführer die vollständige Abzahlung der ihm im Strafverfahren auferlegten Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen sowie der weite ren Kosten belegt und damit eine lückenlose Aufarbeitung der aus der Verurteilung resulti erenden finanziellen Folgen dargelegt. Zudem hat der Beschwerdeführer anlässlich der Parteiver handlung vom 5. Juni 2013 seine Reue glaubhaft zum Ausdruck gebracht. Das Verhalten des B eschwerdeführers seit der Tat erscheint daher als positiv. 6.4 Bezüglich der Legalprognose führte das Bezirksgerich t Zürich im Urteil vom 13./14. September 2011 aus, einerseits bestünden mit B lick auf das bisherige Verhalten Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht denken, dem Beschwerdeführer eine günstige Prognose zu st ellen, andererseits befände er sich nun in einem stabilen familiären Umfeld, er habe sich seit der Tat wohl verhalten und sei beruflich integriert, weshalb ihm im Sinne einer le tzten Chance der teilbedingte Strafvollzug zu gewähren sei. Das Gutachten vom 22. Juli 2014 hält zunächst fest, es bestehe beim Beschwer- deführer keine Persönlichkeitsstörung und auch keine and ere psychiatrische Störung. Zudem geht aus dem selbigen hervor, der Beschwerdeführer habe freiwillig und auf Empfehlung des Vollzugszentrums K.____ über die Anlaufstelle für häusli che Gewalt in L.____ an der Gruppen- therapie teilgenommen. Der Gewaltpädagoge habe auf Frage des Gutachters keine psychi- schen Störungen diagnostizieren können und sehe kein spe zifisches Risikoverhalten. Gemäss der Auskunft des Gewaltpädagogen habe der Beschwerdeführer gelernt, sich nicht mehr provo- zieren zu lassen, sondern deeskalierend zu agieren. Der Gutachter kommt in der Gesamtwürdi- gung zum Schluss, der Beschwerdeführer scheine in seiner P ersönlichkeit gefestigt zu sein, insbesondere hinsichtlich Impulsivität und der Schwelle, si ch provozieren zu lassen. Im straf- rechtlichen Sinne könne von einer erfolgreichen Bewährung im sozialen Alltag gesprochen wer- den. Der Gutachter führt bezüglich Rückfallrisiko aus, im Vergleich zu einer entsprechenden einschlägig vorbestraften Täterpopulation erscheine die einschlägige Rückfallwahrscheinlichkeit beim Beschwerdeführer, d.h. die Wahrscheinlichkeit der Begehung erneuter strafbarer Hand- lungen gegen Leib und Leben von Drittpersonen, als u nterdurchschnittlich bis eher gering. An- haltspunkte für eine substantiell erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Begehen anderer strafbarer Handlungen, wie Eigentumsdelikte oder Handlungen gege n die sexuelle Integrität, hätten die Untersuchungen keine ergeben. Im Vergleich zu nicht vorbe straften gleichaltrigen, in der Schweiz wohnhaften Männern müsse hingegen das einschlägig e Rückfallrisiko als leichtgradig erhöht dargestellt werden (vgl. Gutachten vom 22. Juli 2014, S. 21 f.). 6.5 Diese Kombination aus oben benannten externen prot ektiven Momenten, die insbe- sondere durch das soziale und familiäre Umfeld des Beschw erdeführers geprägt sind und be- reits im Strafurteil erwähnt wurden, sowie aus intern en gutachterlich bestätigten Verbesse- rungen des Verhaltens und der Frustrationstoleranz ersche int die Erwartung zuzulassen, dass der Beschwerdeführer in einer vergleichbaren Situation wie bei der Tatbegehung am 12. De- zember 2009 nicht mehr mit einer Kurzschlusshandlung reagi eren würde. Die positive Entwick- lung sowie die prognostische Einschätzung komplementieren das Bild einer geläuterten und gut integrierten Person. Damit wird dem Sicherheitsbedür fnis der Schweiz, künftige Straftaten zu verhindern und die Bevölkerung vor solchen zu schützen, ge nügend Rechnung getragen. Die aussergewöhnlich gewichtigen privaten Interessen des Besch werdeführers an einem weiteren Aufenthalt überwiegen deshalb im vorliegenden Einzelf all gesamthaft gesehen das öffentliche Interesse an einer Wegweisung, zumal der Beschwerdefüh rer nie ausländerrechtlich verwarnt worden ist. Vor diesem Hintergrund sind die Nichtverlän gerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung des Beschwerdeführers als unverhältnismässig z u qualifizieren und stellen eine Verletzung von Art. 96 AuG bzw. Art. 8 Ziff. 2 EMRK dar. 7. Zusammenfassend erweisen sich die Nichtverlängerung und die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz im Hinblick auf dessen b emerkenswerten Wandel als un- verhältnismässig. Der Beschwerdeführer hat sich seit der St raftat vom 12. Dezember 2009 - damit seit nunmehr fast fünf Jahren - wohl verhalten . Er ist sowohl wirtschaftlich wie auch so- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht zial gut integriert und lebt das Familienleben mit se iner Ehefrau und seinen beiden Kindern tat- sächlich. Der Ehefrau des Beschwerdeführers ist es entgegen der Auffassung des Regierungs- rates nicht zumutbar, ihrem Ehemann nach Jamaika zu folg en. Eine Wegweisung des Be- schwerdeführers führt damit zwingend zur Trennung der Familie. Diese Trennung lässt sich im vorliegenden Fall nicht mit den Sicherheitsinteressen der Schweiz begründen, da diesen mit dem vorbildlichen Verhalten des Beschwerdeführers seit d er letzten Delinquenz und der positi- ven Legalprognose genügend Rechnung getragen wird. Gl eichzeitig ist zu unterstreichen, dass an dieser Einschätzung wohl nicht festgehalten werden könnte, wenn der Beschwerdeführer in absehbarer Zeit erneut in relevanter Weise straffälli g werden und damit das durch das Gericht in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchen sollte. Die Be schwerde ist nach dem Gesagten gutzu- heissen und das AfM anzuweisen, die Aufenthaltsbewillig ung des Beschwerdeführers zu ver- längern. 8. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kanton sgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss, nicht jedoch der Vorinstanz, auf- erlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge stützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine ang emessene Parteientschädigung zu Las- ten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Beschwerdeführer macht in seiner Honorarnote vom 23. Oktober 2014 einen Zeitaufwand von 20.42 Stun den des Rechtsvertreters à Fr. 250.-- sowie von 10.08 Stunden des Volontärs à Fr. 200.-- g eltend. Dazu beantragt er den Ersatz von Auslagen für 209 Kopien à Fr. 2.-- sowie für Porti un d Telefonate in der Höhe von Fr. 118.--. Sowohl der geltend gemachte Stundenansatz für die vom Volontär geleisteten Stunden wie auch die Auslagen erscheinen überhöht. Im vorliegenden Verfahren rechtfertigt sich ein Stun- denaufwand von 20 Stunden zu einem Stundenansatz von F r. 250.-- für den anwaltlichen Zeit- aufwand und zehn Stunden zu einem reduzierten Stunden ansatz von Fr. 100.-- für den Auf- wand des Volontärs. Für die Massenkopien sind lediglich F r. 0.50 pro Kopie einzusetzen, wes- halb ein ebenfalls gekürzter Auslagenersatz von Fr. 222. 50 (zzgl. MWST) und von Fr. 30.-- Ak- teneinsichtsgebühr (mehrwertsteuerfrei) zugesprochen wird. Demzufolge hat der Regierungsrat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Parteien tschädigung in der Höhe von Fr. 6‘750.30 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft Nr. 1987 vom 9. Dezember 201 2 aufge- hoben. 2. Das Amt für Migration Basel-Landschaft wird angewi esen, die Aufent- haltsbewilligung des Beschwerdeführers zu verlängern. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben und der g eleistete Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 2‘100.-- wird dem Beschwerd eführer zu- rückerstattet. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer eine reduzierte Parteientschädigung in der Höh e von Fr. 6‘750.30 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiber i.V.