Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Juli 2021 (725 20 447 / 179) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Freiwillige Unfallversicherung; Ein Abstellen auf den im Rahmen der ursprünglichen Ver- einbarung festgelegten versicherten Verdienst erwei st sich vorliegend als stossend, weshalb eine Anpassung analog zu Art. 24 Abs. 2 UVV zu erfolgen hat. Für die Festset- zung der Höhe des dem Rentenanspruch zugrunde zu legenden versicherten Verdienstes ist die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch A na Dettwiler, Advokatin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A.a Der 1964 geborene A.____ ist seit 1997 Inhaber d er B.____ GmbH. In dieser Eigen- schaft war er als Selbstständigerwerbender mit einem ve rsicherten Jahresverdienst von Fr. 48'600.-- bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) freiwillig gegen die Fol- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen von Unfällen versichert, als er am 26. April 2000 beim Werkzeugausladen aus einem Lie- ferwagen ausrutschte und sich das rechte Knie verdrehte. Die erstbehandelnden Ärzte diagnos- tizierten eine laterale Meniskushinterhorn-Rissbildung r echts nach Distorsion. Nach durchge- führter Arthroskopie und arthroskopisch lateraler Teilm eniskektomie wurde ab Oktober 2000 eine volle Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die angestammte Tätigkeit attestiert. Per 1. Januar 2004 wechselte A.____ als Unselbstständigerwerbender in die obligatorische Versicherung. A.b Im Jahr 2018 wurde der Suva ein Rückfall gemeldet. Der Unfallversicherer erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen, übernahm die Hei lungskosten und richtete Taggelder aus. Mit Verfügung vom 27. Mai 2019 sprach die Suva d em Versicherten für die verbleibenden Restfolgen des erlittenen Unfalls eine Integritätsentschä digung gestützt auf eine Integritätsein- busse von 25% zu, welche unangefochten in Rechtskraft er wuchs. In einer weiteren Verfügung vom 2. März 2020 sprach sie dem Versicherten eine UVG-Inv alidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrads von 50% bei einem versicherten Jahresver dienst von Fr. 48'600.-- zu. Eine hiergegen gerichtete Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 22. Oktober 2020 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicher te, vertreten durch Ana Dettwi- ler, Advokatin, mit Eingabe vom 20. November 2020 Besch werde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin bean- tragte er, in Abänderung des Einspracheentscheids vom 22. Oktober 2020 sei ihm mit Wirkung ab 1. April 2020 eine Invalidenrente ausgehend von ei nem versicherten Verdienst von Fr. 148'200.-- zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. Z ur Begründung führte er im Wesentlichen an, vorliegend gelange die Sonderregel zur Anwendung , wonach der Verdienst massgebend sei, welcher im Jahr vor dem Rentenbeginn, mithin im Jahr 2019, erzielt worden sei, weil zwi- schen dem Rentenbeginn und dem Unfall mehr als fünf Ja hre liegen würden. Dieser Verdienst habe Fr. 291'106.-- betragen und den für das Jahr 20 19 gültigen Höchstverdienst demnach bei weitem überstiegen, weshalb der am Tag vor Rentenbegi nn geltende Höchstbetrag von Fr. 148'200.-- für die Berechnung der Rente massgebend sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2020 schloss d ie Suva auf Abweisung der Beschwerde. Auf die Vorbringen der Parteien ist − soweit notwend ig − in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Beschwerdegegnerin sprach dem Versicherten in i hrer Verfügung vom 2. März 2020 bzw. ihrem Einspracheentscheid vom 22. Oktober 20 20 nach Abklärung der medizini- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen und erwerblichen Verhältnisse eine Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrads von 50% bei einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 48' 600.-- zu. Mit der vorliegenden Be- schwerde beantragt der Beschwerdeführer, dem Rentenanspruch sei ein versicherter Verdienst von Fr. 148'200.-- zugrunde zu legen. Der ermittelte Invaliditätsgrad von 50% sowie die Zuspre- chung der Rentenleistungen mit Wirkung ab 1. April 202 0 werden seitens des Beschwerdefüh- rers ausdrücklich nicht beanstandet und sind daher nicht s treitig. Auch aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, die gegen die Rechtmässigkeit der be schwerdegegnerischen Schlussfol- gerungen sprechen würden. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist somit einzig die Höhe des den Rentenleistungen zugrunde zu legenden versicherten Verdienstes bzw. dessen Berech- nungsgrundlage. 3.1 In der Schweiz wohnhafte Selbstständigerwerbende u nd ihre nicht obligatorisch versi- cherten mitarbeitenden Familienglieder können sich gemä ss Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 fre iwillig versichern. Nach Art. 5 Abs. 1 UVG gelten die Bestimmungen über die obligatorische V ersicherung sinngemäss für die freiwil- lige Versicherung. Der Bundesrat erlässt ergänzende Vorsch riften über die freiwillige Versiche- rung. Er ordnet namentlich den Beitritt, den Rücktrit t und den Ausschluss sowie die Prämien- bemessung (Art. 5 Abs. 2 UVG). 3.2 In der freiwilligen Versicherung wird das Versicheru ngsverhältnis gemäss Art. 136 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 durch schriftlichen Ver- trag begründet. Nach Art. 138 UVV werden die Prämie n und Geldleistungen im Rahmen von Art 22 Abs. 1 UVG nach dem versicherten Verdienst bemessen , der bei Vertragsabschluss ver- einbart wird und jeweils auf Beginn eines Kalenderjah res angepasst werden kann. Dieser Ver- dienst durfte in der bis 31. Dezember 2015 in Kraft g estandenen Fassung bei Selbstständiger- werbenden nicht weniger als die Hälfte und bei Familiengliedern nicht weniger als ein Drittel des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes betragen. Seit dem 1. Januar 2016 darf dieser Verdienst bei Selbstständigerwerbenden nicht weniger als 45% und bei Familiengliedern nicht weniger als 30% des Höchstbetrags des versicherten Verdienstes betragen. 3.3 In der obligatorischen Versicherung gilt als versicher ter Verdienst für die Bemessung der Taggelder der letzte vor dem Unfall bezogene Loh n, für die Bemessung der Renten der innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bezogene Lohn (A rt. 15 Abs. 2 UVG). In Anwendung von Art. 15 Abs. 3 UVG setzt der Bundesrat einen Höchstbe trag des versicherten Verdienstes fest (vgl. auch Art. 18 ATSG) und erlässt Bestimmungen über den versicherten Verdienst in Sonderfällen. Seit dem 1. Januar 2016 beträgt der H öchstbetrag des versicherten Verdienstes gemäss Art. 22 Abs. 1 UVV Fr. 148’200.-- im Jahr. 3.4 Gemäss Abs. 3 des Art. 15 UVG erlässt der Bundesrat B estimmungen über den versi- cherten Verdienst in Sonderfällen. Gestützt darauf hat der Bundesrat in Art. 24 UVV unter dem Titel "massgebender Lohn für Renten in Sonderfällen" ergänzende Vorschriften erlassen. Ab- satz 2 dieser Bestimmung lautet: "Beginnt die Rente me hr als fünf Jahre nach dem Unfall oder dem Ausbruch der Berufskrankheit, so ist der Lohn massgebend, den der Versicherte ohne den Unfall oder die Berufskrankheit im Jahre vor dem Rente nbeginn bezogen hätte, sofern er höher Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist als der letzte vor dem Unfall oder dem Ausbruch der Berufskrankheit erzielte Lohn". Nach der Rechtsprechung ist Art. 24 Abs. 2 UVV auch bei Rückf ällen (oder Spätfolgen) anwendbar, die mehr als fünf Jahre nach dem Unfall eingetreten sind (BGE 140 V 41 E. 6.1.2 mit Hinweis). 4. In ihrem Einspracheentscheid vom 22. Oktober 2020 leg te die Beschwerdegegnerin den auszurichtenden Rentenleistungen einen versicherten Verdienst von Fr. 48'600.-- zugrun- de. Dabei stützte sie sich auf die Vereinbarung über d ie freiwillige Versicherung vom 25. No- vember 1997, in deren Rahmen ein versicherter Verdienst von Fr. 48'600.-- festgelegt worden war. Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass ein versicherter Verdienst von Fr. 148'200.-- heranzuziehen sei. Sein Ha uptbegehren begründet er zunächst damit, dass in intertemporalrechtlicher Hinsicht der Ei ntritt der anspruchsbegründenden Er- werbsunfähigkeit entscheidend sei. Nachdem er per 1. Jan uar 2004 von der freiwilligen in die obligatorische Versicherung gewechselt habe, habe sich d er anspruchsbegründende Sachver- halt schwergewichtig während der Zeit der obligatorisch en Versicherung verwirklicht. Demnach komme die Sonderregel von Art. 24 Abs. 2 UVV zum Tragen , wonach in Fällen, in denen die Rente mehr als fünf Jahre nach dem Unfall beginnt, de r Lohn massgebend ist, den der Versi- cherte ohne den Unfall im Jahr vor dem Unfall bezogen h ätte. Unter Berücksichtigung eines mit unfallbedingter Beeinträchtigung erzielten Verdienste s in der Höhe von Fr. 145'553.-- sei von einem hypothetischen Verdienst im Gesundheitsfall von Fr. 291'106.-- auszugehen, der den am Tag vor Rentenbeginn geltende Höchstbetrag von Fr. 14 8'200.-- bei weitem übersteige. Dem- entsprechend sei dieser Höchstbetrag für die Berechnung der Rente massgebend. Selbst wenn man vorliegend indessen von der freiwilligen Versicheru ng ausgehe, müsse mit Blick auf BGE 140 V 41 der bei Rentenbeginn zu versichernde Mind estverdienst für Selbstständigerwer- bende massgebend sein. Dieser Rechtsprechung zufolge s ei unter den Voraussetzungen von Art. 24 Abs. 2 UVV der Höchstverdienst im Zeitpunkt des R entenbeginns massgebend. Dies müsse demnach auch für den Mindestverdienst gelten, zumal der Nachteil einer erheblichen Geldentwertung im Bereich der freiwilligen Versicherung derselbe wie im Bereich der obligatori- schen Versicherung sei. Alsdann habe er 17 Jahre lang vor Rentenbeginn Prämien auf den Höchstbetrag des versicherten Verdienstes entrichtet. Dessen ungeachtet hätte der versicherte Verdienst ab 1. Januar 2000, mithin noch vor dem Unfa ll, auf Fr. 53'400.-- (50% des damaligen Höchstverdienstes von Fr. 106'800.--) erhöht werden müssen. Allermindestens sei demnach der zwingend zu versichernde Mindestverdienst im Unfallzeitpu nkt der Nominallohnentwicklung 2000-2019 anzupassen, womit ein versicherter Verdienst i m Zeitpunkt des Rentenbeginns von Fr. 63'878.-- resultiere. 5.1 Soweit der Beschwerdeführer gestützt auf intertemp oralrechtliche Grundsätze zu- nächst geltend macht, dass sich der anspruchsbegründende Sachverhalt schwergewichtig ver- wirklicht habe, als er der obligatorischen Versicherung unterstand und Art. 24 Abs. 2 UVV daher unmittelbar zur Anwendung gelange, kann ihm nicht gef olgt werden. Nach gefestigter Recht- sprechung ist diejenige Versicherung leistungspflichtig, bei der zum Zeitpunkt des Unfalls eine Versicherung bestand, da ein Rückfall rechtsprechungsgemäss keinen neuen Unfall im Rechts- sinne darstellt. Er schliesst zwar Leistungspflichten an ei n früheres Unfallereignis an, ist aber nicht selber ein solches (vgl. BGE 135 V 333 E. 4.5, 11 8 V 293 E. 2c). Daran ist festzuhalten. Es sind vorliegend keine Gründe ersichtlich, die es rechtfertigen würden, von diesem Grundsatz Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht abzuweichen. Nachdem der Versicherte zum Zeitpunkt des U nfalls unstreitig der freiwilligen Versicherung unterstand, ist für die Beurteilung der strittigen Frage im Zusammenhang mit dem Rückfall − ungeachtet des per 1. Januar 2004 erfolgt en Übertritts in die obligatorische Versiche- rung − grundsätzlich von der Leistungspflicht der frei willigen Versicherung und der Massge- blichkeit der im damaligen Zeitpunkt geschlossenen Vereinbarung auszugehen. 5.2 Wie bereits dargelegt (vgl. E. 3.2 hiervor), werde n im Bereich der freiwilligen Versiche- rung gemäss Art. 138 UVV die Prämien und Geldleistunge n grundsätzlich im Rahmen von Art. 22 Abs. 1 nach dem versicherten Verdienst bemessen, der bei Vertragsabschluss verein- bart wird. Dies im Gegensatz zur obligatorischen Unfallversicherung, wo im Regelfall auf den vor dem Unfall bezogenen Lohn abzustellen ist (Art. 15 Abs. 2 UVG). Damit wird dem Äquiva- lenzprinzip Rechnung getragen, indem bei den finanziel l wichtigsten Versicherungsleistungen, nämlich bei den Renten, von den Faktoren ausgegangen wird, die Basis für die Prämienord- nung bilden ( ALFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 326). Rechtsprechungsgemäss sind die besonderen Regeln von Art. 24 UVV im Be- reich der freiwilligen Versicherung nicht anwendbar. Gr und dafür ist, dass bei der freiwilligen Versicherung − anders als bei der obligatorischen Versiche rung − der versicherte Verdienst von der versicherten Person festgelegt wird (BSK-Unfallversi cherungsgesetz-VOLKER PRIBNOW , Art. 5 N 34). 6.1 Eingehender zu untersuchen ist nachfolgend indessen das Vorbringen des Beschwer- deführers in Bezug auf eine mögliche analoge Anwendung des Art. 24 Abs. 2 UVV. Hierzu gilt es zunächst insbesondere die Bestimmung von Art. 24 Abs. 2 UVV näher zu beleuchten. 6.2.1 Art. 24 Abs. 2 UVV hat in erster Linie den Sond erfall vor Augen, wo sich der Renten- beginn zufolge langdauernder Heilbehandlung und ent sprechendem Taggeldbezug beträchtlich verzögert (vgl. Art. 15 Abs. 3 lit. a UVG; Urteil des Bu ndesgerichts vom 21. Januar 2021, 8C_378/2020, E. 3.4.1 mit Hinweisen). Mit der Sonderregel nach Abs. 2 von Art. 24 UVV sollen allfällige Nachteile als Folge der Verzögerung in der Rentenfestsetzung ausgeglichen werden (vgl. BSK-Unfallversicherungsgesetz-DORIS VOLLENWEIDER /A NDREAS BRUNNER , Art. 15 N 95). Mit der Sonderregel in Art. 24 Abs. 2 UVV soll vermied en werden, dass ein Versicherter mit langdauernder Heilbehandlung und einem um mehr als f ünf Jahre nach dem Unfall entstehen- den Rentenanspruch auf dem vor dem Unfall erzielten Lo hn haften bleibt. Andernfalls resultier- ten vor allem in Zeiten überdurchschnittlich starken Loh nanstiegs stossende Ergebnisse. Ange- strebt wird also die Anpassung an die normale Lohnentwicklung im angestammten Tätigkeitsbe- reich. Andere Änderungen in den erwerblichen Verhältn issen (Karriereschritt, Stellenwechsel etc.) bleiben unberücksichtigt (vgl. BGE 140 V 41 E. 6.4. 2.2, 127 V 165 E. 3b, 123 V 45 E. 3c, 118 V 298 E. 3b, vgl. ferner BSK-Unfallversicherungsgesetz-DORIS V OLLENWEIDER /A NDREAS BRUNNER , Art. 15 N 95). 6.2.2 Rechtsprechungsgemäss gelangt diese Bestimmung a uch bei Rückfällen (oder Spät- folgen) zur Anwendung, die mehr als fünf Jahre nach de m Unfall eingetreten sind (BGE 140 V 41 E. 6.1.2; Urteil des Bundesgerichts vom 23. M ärz 2020, 8C_766/2018, E. 5.1), sei es, dass der Rentenanspruch überhaupt erstmals neu entsteht, sei es, dass er dies nach Befristung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Rente − mithin nach rentenloser Zeit − wieder tu t (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Janu- ar 2021, 8C_378/2020, E. 3.4.1 mit zahlreichen Hinweisen). 6.2.3 Nach ebenfalls gefestigter Rechtsprechung greift Art. 24 Abs. 2 UVV nur bei der erst- maligen Rentenfestsetzung, nicht aber bei der revisionsweisen Neufestsetzung. Erstmalig meint dabei die Neuentstehung des Rentenanspruchs, die − wie soeben gezeigt − auch nach einer Rentenbefristung und anschliessender rentenloser Zeit in Betracht fallen kann. Davon zu unter- scheiden ist die revisionsweise Erhöhung des Rentenanspruchs; dabei handelt es sich nicht um einen neuen Anspruch, und zwar auch nicht im Umfang de r Erhöhung des Invaliditätsgrades (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 21. Januar 2021, 8C_378/2020, E. 3.4.2 mit zahl- reichen Hinweisen). Praxisgemäss wird diesfalls der Rente nbemessung der − nach bisheriger Rechtsprechung als solcher grundsätzlich nicht revidierbar e (vgl. BGE 139 V 28 E. 4.3.2, 127 V 165 E. 3a, 119 V 484 E. 4b, 118 V 293 E. 2b) − Jahresverdienst zugrunde gelegt, den die versicherte Person innerhalb eines Jahres vor dem Unfall erzielt hat (BGE 118 V 296 E. 2b). 6.2.4 Mit der Sonderregel in Art. 24 Abs. 2 UVV soll vermieden werden, dass ein Versicher- ter mit langdauernder Heilbehandlung und einem um m ehr als fünf Jahre nach dem Unfall ent- stehenden Rentenanspruch auf dem vor dem Unfall erziel ten Lohn haften bleibt. Andernfalls resultierten vor allem in Zeiten überdurchschnittlich sta rken Lohnanstiegs stossende Ergebnis- se. Angestrebt wird also die Anpassung an die normale Lohnentwicklung im angestammten Tätigkeitsbereich (BGE 140 V 41 E. 6.4.2.2, 127 V 165 E. 3b, 123 V 45 E. 3c, 118 V 298 E. 3b). Daraus folgt, dass im Rahmen von Art. 24 Abs. 2 UVV nic ht jeder Bezug zur Grundregel von Art. 15 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 4 U VV (Massgeblichkeit der Verhältnisse vor dem Unfall) entfällt. Bei der Festsetzung des versichert en Verdienstes ist vielmehr beim ange- stammten Arbeitsverhältnis anzuknüpfen und haben Arbeitsverhältnisse, die erst nach dem Un- fallereignis angetreten werden, unbeachtlich zu bleibe n (BGE 127 V 165 E. 3b). Auch Art. 24 Abs. 2 UVV ermöglicht demnach nicht, eine vom Versicherte n angestrebte berufliche Weiter- entwicklung und damit eine ohne Unfall mutmasslich real isierte Lohnerhöhung mit zu berück- sichtigen (BGE 127 V 165 E. 3b; RKUV 1999 Nr. U 327 S . 111 E. 3c). Art. 24 Abs. 2 UVV soll lediglich verhindern, dass der Versicherte zufolge Verzö gerung in der Rentenfestsetzung einen Nachteil erleidet, wenn die Löhne steigen. Die Bestim mung will den Versicherten jedoch nicht besser stellen gegenüber Versicherten, deren Rente nich t innert fünf Jahren nach dem Unfall festgesetzt wird, indem auch individuelle Lohnentwicklun gen berücksichtigt werden (BGE 127 V 165 E. 3b). 6.3 Die bisherige Rechtsprechung lässt sich dahin zusamme nfassen, dass im Rahmen von Art. 24 Abs. 2 UVV lediglich die allgemeine Lohnen twicklung, nicht aber andere den versi- cherten Verdienst beeinflussende Änderungen in den erw erblichen Verhältnissen zu berück- sichtigen sind (BGE 127 V 165 E. 3b). Aus dem Anwendung sbereich von Art. 24 Abs. 2 UVV allein lässt sich die vorliegende Frage indessen nicht bea ntworten. Die (restriktive) Auslegung von Art. 24 Abs. 2 UVV schliesst die Anwendbarkeit dieser B estimmung auf den Bereich der freiwilligen Versicherung jedenfalls nicht aus. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Als massgeblicher Grund für die Nichtanwendbarkeit vo n Art. 24 UVV auf den Bereich der freiwilligen Versicherung wird das Äquivalenzprinzip angeführt (vgl. auch E. 5.2 hiervor). 7.2 Hinsichtlich des − auch im vorliegenden Fall von der Beschwerdegegnerin angerufe- nen − Äquivalenzprinzips ist zunächst festzuhalten, dass d iesem lediglich die Bedeutung eines Grundsatzes für die Prämienfestsetzung in dem Sinne zukom mt, dass zwischen den Prämien und den Versicherungsleistungen ein Gleichgewicht bestehe n soll (BGE 127 V 165 E. 4a mit Hinweisen). Ein Grundsatz, wonach der versicherte Verdie nst im Einzelfall stets dem prämien- pflichtigen Verdienst zu entsprechen hat, lässt sich daraus nicht ableiten (BGE 127 V 165 E. 4a; vgl. ferner BGE 139 V 28 E. 4.3.1). Ferner gilt es zu berücksichtigten, dass das Äquivalenzprin- zip bei den vom Bundesrat gestützt auf Art. 15 Abs. 3 Sat z 3 UVG erlassenen Art. 24 UVV ("Massgebender Lohn für Renten in Sonderfällen") gera de durchbrochen wird. Es handelt sich mithin um Ausnahmeregeln, weil ein Abstellen auf die Grundregel in diesen Fällen stossend wäre. Eine restriktive Auslegung der Bestimmungen von A rt. 24 UVV findet in der Rechtspre- chung sodann keine Stütze und wird in der Literatur als überholt betrachtet (vgl. BGE 139 V 28 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Dessen ungeachtet besteht vor liegend, wie der Beschwerdeführer zu Recht einwendet, gerade bezüglich des hier zur Diskussion stehenden versicherten Verdienstes insofern keine Äquivalenz, als der Versicherte bereits pe r 1. Januar 2004 in die obligatorische Versicherung übergetreten und seit diesem Zeitpunkt Prä mien auf den Höchstbetrag des versi- cherten Verdienstes entrichtet hat. 7.3 Die Nichtanwendbarkeit des Art. 24 UVV wird im Ko ntext des Äquivalenzprinzips na- mentlich damit begründet, dass es Sinn und Zweck von Art. 24 UVV sei, bestimmte Fälle aus- zugleichen, in denen der tatsächlich erzielte Lohn im J ahr vor dem Unfall aus bestimmten Gründen (wie Kurzarbeit, Unfall oder Krankheit) vermi ndert ist. Dabei wird argumentiert, dass die freiwillig versicherte Person einen zu tiefen Lohn vereinbaren und hierauf Prämien bezahlen könnte, in der Annahme, der versicherte Verdienst werde bei Eintritt des Versicherungsfalls wegen vorübergehender Arbeitsunfähigkeit oder vorbesteh ender Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 24 UVV erhöht. Die Berücksichtigung von Einkom mensverminderungen erfolge in der freiwilligen Versicherung nicht mittels Art. 24 UVV, so ndern es obliege allein der versicherten Person zu entscheiden, ob und inwiefern sie einer eingeschränkten Arbeits- oder Erwerbsfähig- keit bzw. Einkommensverminderungen im Rahmen des vereinbarten v ersicherten Verdienstes Rechnung tragen will (BSK-Unfallversicherungsgesetz-V OLKER PRIBNOW , Art. 5 N 34). Dies vermag allenfalls die Nichtanwendbarkeit der − im vorli egenden Fall nicht interessierenden − Absätze 1 und 3 von Art. 24 UVV im Bereich der freiwi lligen Versicherung zu begründen. Mit dem Sinn und Zweck der Sonderregel nach Abs. 2 von Art . 24 UVV, wonach insbesondere all- fällige Nachteile als Folge der Verzögerung in der Rentenfestsetzung ausgeglichen und vermie- den werden sollen, lässt sich diese Auffassung indessen nich t in Einklang bringen. Diese Ar- gumentation greift mit anderen Worten nicht für die Konstellation, wie sie vorliegend zur Beurtei- lung steht. Anders als gegebenenfalls in den in Abs. 1 und 3 aufgeführten Beispielen, sprechen keine Anhaltspunkte dafür, dass eine freiwillig versicherte Person bei Vertragsschlus s damit rechnet, es werde bei einem allfälligen erst fünf oder mehr Jahre nach dem Unfall entstehenden Rentenanspruch auf den in diesem Zeitpunkt bestehenden höheren Verdienst abgestellt, zumal eine derart spät ausgesprochene Rente bzw. eine lang e Heilbehandlung dem Einflussbereich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der versicherten Person (weitgehend) entzogen ist. Ferner kann einer auf eine solche Verzöge- rung zurückzuführenden (erheblichen) Einkommensveränderun g im Rahmen der (ursprüngli- chen) Vereinbarung kaum hinreichend Rechnung getragen werden. Daran vermag auch nicht zu ändern, dass (vorübergehende) Einkommensschwankungen anlässlich des Abschl usses einer freiwilligen Versicherung oftmals nicht zuverlä ssig vorhersehbar sind (vgl. E. 7.5 hier- nach). Die Argumentation gegen eine Analogie von Ar t. 24 UVV im Bereich der freiwilligen Ver- sicherung stützt sich in der Literatur vorwiegend auf d as Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 24. November 2007, UV.2006.00254 , bzw. das hierauf ergangene Bundesgerichtsurteil vom 28. April 2008, 8C_50/2008. H ierbei gilt es zu berücksichtigen, dass das Bundesgericht eine analoge Anwendung von Art. 24 Abs. 2 UVV bisher nicht explizit abge- lehnt hat. Vielmehr hat es die Frage nach einer anal ogen Anwendbarkeit von Art. 24 Abs. 2 UVV im soeben zitierten Urteil ausdrücklich offeng elassen, weil zwischen dem Unfaller- eignis und dem (vor Bundesgericht nicht mehr streitigen) Rentenbeginn nicht mehr als fünf Jah- re gelegen haben und diese Bestimmung daher allein schon aus diesem Grund nicht zum Tra- gen gekommen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2008, 8C_50/2006, E. 3.5). 7.4 Es ist sodann in Erinnerung zu rufen, dass die freiw illige Versicherung im Sinne von Art. 5 UVG derjenigen der obligatorischen Versicherung grundsätzlich gleichwertig sein soll (VOLKER PRIBNOW , a.a.O., Art. 5 N 1 und E. 3.1 hiervor). Rechtsprechu ngsgemäss sind die Bestimmungen der obligatorischen Versicherung dann anzuwenden, wenn dies als sinnvoll er - scheint. Abweichungen sind dann zulässig, wenn sie sich mit dem unterschiedlichen Charakter der beiden Zweige begründen lassen (RKUV 2006 Nr. U 5 89 S. 404 E. 4.1, 2000 Nr. U 373 S. 172 E. 4a). Die analoge Anwendbarkeit von Art. 24 Abs. 2 UVV auf f reiwillig Versicherte auf- grund des Äquivalenzprinzips bzw. der vorstehend genann ten Gründe zu versagen, vermag dabei − wie gesehen − nicht zu überzeugen und eine u nterschiedliche Behandlung von obliga- torisch und freiwillig Versicherten unter den genannten Aspekten nicht zu rechtfertigen. Eine Unterscheidung zwischen obligatorisch und freiwillig Ver sicherten ist im Anwendungsbereich von Art. 24 Abs. 2 UVV aber auch aus weiteren Gründen n icht einleuchtend. Wie der Be- schwerdeführer ebenso zutreffend darlegt, ist der Nachteil einer erheblichen Geldentwertung im Bereich der freiwilligen Versicherung derselbe wie im Bereich der obligatorischen Versicherung. Dem lässt sich auch nicht entgegenhalten, dass der Natu r einer selbstständigen Erwerbstätig- keit inhärente (vorübergehende) Einkommensschwankungen zu m Voraus kaum vollständig er- fassbar sind (vgl. E. 7.3 hiervor und E. 7.5 hiernach). Sodann gilt es auch Folgendes zu berück- sichtigen: Wäre das Ereignis vom August 2018 als neuer Unfall und nicht als Rückfall qualifiziert worden, so würde vorliegend ohne Weiteres auf den ve rsicherten Verdienst zu diesem Zeit- punkt abgestellt. Wie bereits dargelegt (vgl. E. 3.4 un d 6.2.2 hiervor), gelangt Art. 24 Abs. 2 UVV rechtsprechungsgemäss auch bei Rückfällen (oder Spätfolgen) zur Anwendung, die mehr als fünf Jahre nach dem Unfall eingetreten sind. In Bezug auf den angestrebten Zweck von Art. 24 Abs. 2 UVV, wonach Verzögerungen in der Re ntenfestsetzung ausgeglichen und vor allem in Zeiten überdurchschnittlich starken Lohnanst iegs stossende Ergebnisse verhindert werden sollen, wird demnach keine Unterscheidung zwischen einem (erstmaligen) Unfall und einem Rückfall vorgenommen. In dem vom Beschwerdeführ er angerufenen BGE 140 V 41 ist das Bundesgericht in Bezug auf die Beurteilung der Frag e des anrechenbaren versicherten Verdienstes im Zusammenhang mit einem Rückfall zur Auf fassung gelangt, dass in Anwen- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dungsfällen der Sonderregelung in Art. 24 Abs. 2 UVV der versicherte Verdienst nach den in diesem Zeitpunkt geltenden Regeln zu bestimmen sei. Darunter falle auch der jeweilig geltende Höchstbetrag nach Art. 22 Abs. 1 UVG. Hierzu hat das Bundesgericht u.a. unter Hinweis auf Auffassungen in der Literatur erwogen und bekräftigt, dass das Festhalten am Wert zum Unfall- zeitpunkt in Zeiten rascher Geldentwertung vor allem in Fällen, in denen die Rente erst viele Jahre nach dem Unfall geschuldet wird, zu stossenden Er gebnissen führe, was der Verord- nungsgeber durch die Sonderregelungen gerade verhinde rn wolle. Sinn der Sonderregelung gemäss Art. 24 Abs. 2 UVV sei es, Versicherte, denen er st viele Jahre nach dem Unfall eine Rente zugesprochen werde, vor den Folgen der Geldent wertung zu schützen. Würde dem an- gefochtenen Entscheid (demzufolge der Höchstbetrag am Un falltag massgebend sei) gefolgt, käme es in verschiedener Hinsicht zu unbilligen Resultaten (E. 6.4.2.2). 7.5 Ferner gilt es auf die in RKUV 1994 Nr. U 183 S. 49 publizierte Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG) zu ver weisen, wonach bei einem langandauernden erheblichen Missverhältnis zwischen verein bartem versicherten Verdienst und effektiv erzielten Einkünfte eine Leistungskürzung in Betracht zu ziehen sei. Das EVG hat hierzu erwogen, dass sich die bei Vertragsabschluss getroff ene Vereinbarung grundsätzlich nach den effektiven Einkommensverhältnissen des Versicherungs nehmers zu richten habe. Im Rahmen der bei Selbstständigerwerbenden oftmals unumgä nglichen Schätzung der Einkünfte sei allfälligen vorübergehenden Einkommensschwankungen dadurch Rechnung zu tragen, dass ein zumindest innerhalb eines realistischen Bereichs liegender Betrag bestimmt wird. Um länger dauernde massive Unterschiede zwischen dem vereinbarten versi cherten Verdienst und den wirklichen Einkommensverhältnissen zu vermeiden, seien bei de Vertragspartner, sowohl der Versicherte selbst wie auch der Versicherer, gehalten, i hre Vereinbarung nötigenfalls den kon- kreten Umständen anzugleichen; eine solche Korrektur wer de denn in Art. 138 UVV mit der Möglichkeit einer Anpassung des vereinbarten Verdienstes j eweils auf Beginn eines Kalender- jahres auch ausdrücklich vorbehalten (RKUV 1994 Nr. U 183 S. 49 ff. E. 5). Für den Fall, dass eine solchermassen gebotene Anpassung unterbleibt und d araus eine anhaltende krasse Dis- krepanz zwischen versichertem Verdienst und tatsächlich erzielt em Einkommen resultiert, er- kannte das EVG, dass zwecks Vermeidung eines grundsätzlich ni cht zulässigen Versiche- rungsgewinns in Analogie zu aArt. 40 UVG (in Kraft bis 31. Dezember 2002) im Versicherungs- fall eine Leistungskürzung vorgenommen werden könne (RK UV 1994 Nr. U 183 S. 53 f. E. 6c). In einem späteren Urteil präzisierte das EVG, dass unabd ingbare Voraussetzung für eine so begründete Leistungskürzung sei, dass ein lang andauernde s erhebliches Missverhältnis zwi- schen vereinbartem versicherten Verdienst und effektiv er zielten Einkünften deutlich erkennbar zu Tage trete. Angesichts der bei Selbstständigerwerbenden häufig vorkommenden und anläss- lich des Abschlusses einer freiwilligen Versicherung oftma ls nicht zuverlässig vorhersehbaren und deshalb zum Voraus kaum erfassbaren Einkommensschwankungen gehe es nicht an, nach Eintritt eines Versicherungsfalles nach Möglichkeiten fü r eine Leistungskürzung zu suchen, um so allfälligen, unter Umständen auch nur geringfügige n, Abweichungen des als Vertragsgrund- lage angenommenen Betrages von dem in Wirklichkeit vorhan denen Verdienstpotenzial zu be- gegnen. Im Rahmen der freiwilligen Versicherung gelte in erster Linie der in Art. 138 UVV ver- ankerte Grundsatz, dass Prämien und Geldleistungen nach dem versicherten Verdienst bemes- sen werden, der bei Vertragsabschluss vereinbart wird. Davo n abzuweichen ist einzig unter der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Voraussetzung zulässig, dass der vereinbarte versicherte Verd ienst den realisierbaren Einkünf- ten des Versicherungsnehmers offensichtlich in keiner Weis e entspricht. Insofern kommt dem nur für Fälle langanhaltender krasser Missverhältnisse zwi schen vereinbartem versichertem Verdienst und tatsächlichen Einkommensverhältnissen in B etracht fallenden Korrektiv einer in Analogie zu Art. 40 UVG vorzunehmenden Leistungskürzung denn auch bloss Ausnahmecha- rakter zu (vgl. zum Ganzen Urteil des EVG vom 18. Mai 2001, U 107/99, E. 2c). 8.1 Angesichts dieser höchstrichterlichen Praxis ist nicht ei nsehbar, weshalb eine Anpas- sung des versicherten Verdienstes im Versicherungsfall nur zulasten der versicherten Person möglich sein soll. Vielmehr muss bei freiwillig Versiche rten eine entsprechende Anpassung in Analogie zu Art. 24 Abs. 2 UVV auch in Fällen möglich sein, in denen das Missverhältnis darin besteht, dass die effektiv erzielten Einkünfte ungleich höher ausfallen, als der vereinbarte versi- cherte Verdienst. Dies umso mehr, als gestützt auf die v orstehenden Erwägungen keine ge- wichtigen Gründe für eine diesbezügliche Unterscheidung zwischen obligatorisch und freiwillig Versicherten mit Bezug auf den Anwendungsfall von Art . 24 Abs. 2 UVV sprechen. Sodann hat sich das Bundesgericht in BGE 140 V 41 bereits insofern f ür eine Erweiterung des Anwen- dungsbereichs dieser Bestimmung ausgesprochen, als es festgestellt hat, dass im Rahmen der Festsetzung des versicherten Verdienstes auch der jeweils g eltende Höchstbetrag zu diesem Zeitpunkt massgebend sei (vgl. E. 7.4 hiervor). Ob einer entsprechenden Korrektur im Versiche- rungsfall in Analogie zu Art. 24 Abs. 2 UVV aufgrund des im Bereich der freiwilligen Versiche- rung geltenden Grundsatzes nach Art. 138 UVV bloss Aus nahmecharakter zukommen soll (vgl. E. 7.5 hiervor), braucht vorliegend nicht abschliessend diskutiert zu werden. Eine den Ausnah- mecharakter begründende krasse Diskrepanz zwischen dem versiche rten Verdienst und dem tatsächlich erzielten Einkommen im Zeitpunkt des Unfalls ist vorliegend unstreitig zu bejahen, zumal zwischen dem Unfall im Jahr 2000 und den (erstmalig ) zugesprochenen Rentenleistun- gen rund 20 Jahre liegen. Ein Abstellen auf den im Ra hmen der ursprünglichen Vereinbarung festgelegten versicherten Verdienst in der Höhe von Fr. 48'600.-- erweist sich daher als stos- send, weshalb eine Anpassung analog zu Art. 24 Abs. 2 UVV zu erfolgen hat. 8.2 Auch sonst sind keine Gründe ersichtlich, die vorlieg end eine Anpassung analog zu Art. 24 Abs. 2 UVV ausschliessen würden, zumal die Lohne ntwicklung sich auf den ange- stammten Tätigkeitsbereich bezieht (vgl. E. 6.2.1 ff. hi ervor). Was indessen die konkrete Höhe des den Rentenleistungen zugrunde zu legenden versicherte n Verdienstes anbelangt, so lässt sich diese anhand der vorliegenden Aktenlage nicht abschl iessend ermitteln. Der Beschwerde- führer macht zwar geltend, dass von einem hypothetische n Verdienst im Gesundheitsfall von Fr. 291'106.-- (Durchschnittseinkommen der Jahre 2013-2017 ohne unfallbedingte gesundheitli- che Beeinträchtigungen) auszugehen sei, der den am Tag vor Rentenbeginn geltende Höchst- betrag von Fr. 148'200.-- bei weitem übersteige, wesh alb dieser Höchstbetrag für die Berech- nung der Rente massgebend sei. Aufgrund der vorliegenden Unterlagen (Auszug aus dem Indi- viduellen Konto) lässt sich indessen nicht beurteilen, du rch welche Faktoren der ohne gesund- heitliche Beeinträchtigung im Jahr vor dem Rentenbeg inn geltend gemachte Lohn beeinflusst worden bzw. inwiefern dieser (ausschliesslich) mit einer E rwerbstätigkeit des Versicherten ver- bunden ist. Es kann demnach nicht ohne weitere Prüfung der massgebenden Verhältnisse auf die IK-Auszüge abgestellt werden. Diesbezüglich sind wei tere Abklärungen erforderlich. Für die Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Festsetzung der Höhe des dem Rentenanspruch zugrunde zu le genden versicherten Verdiens- tes ist die Angelegenheit daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 9. Nach dem Gesagten ist demnach festzuhalten, dass der angefochtene Einspracheent- scheid vom 22. Oktober 2020 aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Diese hat die erwer blichen Verhältnisse des Versi- cherten eingehender abklären zu lassen. Gestützt auf di e Ergebnisse dieser Abklärungen wird die Beschwerdegegnerin anschliessend über die Höhe des Rentenanspruchs des Versicherten unter Berücksichtigung der vorstehenden Erwägungen neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 10.1 Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu se in. Es sind deshalb für den vorliegen- den Prozess keine Verfahrenskosten zu erheben. 10.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde fü hrende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt un d ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schw ierigkeit des Prozesses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts ist unter Obsiegen im Streit um eine Leistung in der Sozialversicherung nicht nur das materielle Obsiegen in dem Sinne zu verstehen, dass die Be- schwerde führende Person die beantragte Leistung erhäl t. Vielmehr genügt für den bundes- rechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem Sinne, dass der Beschwerde führenden Person durch die Aufhebun g der angefochtenen Verfügung und der Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur wei teren Abklärung und neuen Beurtei- lung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leis tung gewahrt bleiben (ZAK 1987, S. 266 ff.). Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und d ie Sache zur Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, hat diese dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. In der Honorarno te vom 23. Dezember 2020 hat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers einen Aufwand vo n 9 Stunden und 35 Minuten gel- tend gemacht, was angesichts der sich stellenden Sachverhal ts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Nicht zu beanstanden sind ferner die in der Honorarnote ausgewiesenen Aus- lagen von Fr. 54.40. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer demnach eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'638.90 (9,58 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Spesen und Auslagen von 54.40 sowie 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 11. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bstständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als d er angefochte- ne Einspracheentscheid der Suva vom 22. Oktober 2020 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Suva zurückgewie- sen wird 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsch ädigung in der Höhe von Fr. 2‘638.90 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde am 20. Oktober 2021 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- ren-Nr. 8C_701/2021 ) erhoben.