Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. Mai 2018 (720 17 307 / 130) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1971 geborene A.____ arbeitete seit 1. März 2009 als Automechaniker und stell- vertretender Werkstattchef bei der Garage B.____ AG und war im Rahmen dieser Tätigkeit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Un- fällen und Berufskrankheiten versichert. Mit einer “Schadenmeldung UVG“ vom 27. April 2011 meldete die Arbeitgeberin der Suva, dass der Versic herte anfangs März 2011 allergisch auf eine Substanz innerhalb des Werkstattbetriebes reag iert und eine ekzematöse, hämatogen streuende Kontaktdermatitis entwickelt habe. Gestüt zt auf ihre medizinischen Abklärungen und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Prüfung der Situation im Betrieb vor Ort anerkann te die Suva die beim Versicherten ärztli- cherseits erhobenen Diagnosen einer rezidivierenden Urtikaria und eines Asthma bronchiale als Berufskrankheiten. Sie erliess deswegen am 20. Januar 201 2 eine Verfügung, mit welcher sie den Versicherten rückwirkend auf den 1. Januar 2012 als ni cht geeignet für die Tätigkeit als Automechaniker erklärte. Nachdem es in der Folge zu eine r Remission des Asthma bronchiale gekommen und die Urtikaria auch unabhängig von der Tä tigkeit oder dem Aufenthaltsort des Versicherten aufgetreten war, hob die Suva diese Nicht eignungsverfügung am 20. Januar 2015 wieder auf. Bereits am 17. November 2011 (Eingang) hatte sich A.__ __ unter Hinweis auf diese Berufs- krankheiten auch bei der Eidgenössischen Invalidenversicheru ng (IV) zum Bezug von Leistun- gen angemeldet. In der Folge sprach ihm die IV-Stelle Basel-Landschaft verschiedene berufli- che Massnahmen der IV zu (u.a. Umschulungen, berufliche A bklärungen, Arbeitstrainings, Praktika). Nach deren Abschluss übergab die Abteilung Beru fsberatung der IV-Stelle das Dos- sier anfangs April 2016 der Sachbearbeitung Rente, wel che weitere Abklärungen - insbesonde- re zum aktuellen Gesundheitszustand des Versicherten - vor nahm. Gestützt auf deren Ergeb- nisse lehnte die IV-Stelle - nach durchgeführtem Vorbesc heidverfahren - mit Verfügung vom 17. August 2017 einen Rentenanspruch von A.____ mit de r Begründung ab, dass eine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit zu keinem Zeitpunkt medizi nisch nachgewiesen und auch in keiner Weise plausibel gewesen sei. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Daniel Altermatt, am 18. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die ange fochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm auf den frühestmöglichen Zeitpunkt eine ganze R ente zuzusprechen; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er sodann, es sei ihm eine Frist zur Einreichung einer ergänzenden Beschwerdebegründung zu gewähren. Nachdem das Kantonsgericht dem Rechtsvertreter des Versiche rten aufgrund der von ihm ge- schilderten besonderen Umstände (kurzfristige Mandatieru ng, umfangreiche Aktenlage) eine entsprechende Nachfrist gewährt hatte, reichte dieser am 10. Oktober 2017 die in Aussicht ge- stellte ergänzende Beschwerdebegründung nach. C. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2017 beantr agte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt der Beschwerdeführer in seiner Rep- lik vom 26. März 2018 an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesentli- chen bisherigen Vorbringen fest. Die IV-Stelle wiederu m beantragte in ihrer Duplik vom 4. April 2018 nach wie vor die Abweisung der Beschwerde, wobei sie ihren Ausführungen eine Beurtei- lung von Dr. med. C.____, Facharzt für Arbeitsmedizin , Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) bei- der Basel, vom 3. April 2018 beilegte. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden Be schwerde zog das Kantonsgericht bei der Suva das die Berufskrankheit des Versicherten betreffende Dossier bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 18. September 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die IV-Stelle zog zur Abklärung des medizinischen Sac hverhalts als erstes bei der Suva das die Berufskrankheit des Versicherten betreffende Dossier bei. Diesem ist zu entneh- men, dass die Arbeitgeberin des Versicherten mit einer “ Schadenmeldung UVG“ vom 27. April 2011 der Suva gemeldet hatte, dass dieser anfangs März 2011 allergisch auf eine Substanz innerhalb des Werkstattbetriebs reagiert und eine ekzemat öse, hämatogen streuende Kontakt- dermatitis entwickelt habe. Gestützt auf ihre medizinische n Abklärungen und die Prüfung der Situation im Betrieb vor Ort anerkannte die Suva die b eim Versicherten ärztlicherseits erhobe- nen Diagnosen einer rezidivierenden Urtikaria und eines Asthma bronchiale als Berufskrankhei- ten. Sie erliess deswegen am 20. Januar 2012 eine Verfü gung, mit welcher sie den Versicher- ten rückwirkend auf den 1. Januar 2012 als nicht geeigne t für die Tätigkeit als Automechaniker erklärte. Rund drei Jahre später, am 8. Januar 2015, be richtete die Arbeitsärztin Dr. med. D.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, Bereich Arbei tsmedizin der Suva, im Rahmen einer beruflichen Abklärung in der Institution E.____ sei fe stgestellt worden, dass die vom Versicher- ten geschilderten Beschwerden mit Urtikaria und Schwellu ngen unabhängig von der Tätigkeit oder vom Aufenthaltsort aufgetreten seien. So habe sich diese Urtikaria im Bürobereich und in der Werkstatt gezeigt. Aufgrund dieser Feststellungen ha be man einen Arbeitsversuch im ehe- maligen Beruf des Versicherten als Automechaniker unterstü tzt. Für diese Tätigkeit habe man 2011 eine Nichteignungsverfügung erlassen, da zu diesem Zeitpunkt die Beschwerden streng arbeitsabhängig aufgetreten seien und man von einer erheblichen gesundheitlichen Gefährdung bei Weiterausübung dieser Tätigkeit habe ausgehen müss en. Aufgrund des zwischenzeitlichen Verlaufs mit dem orts- und materialunabhängigen Auftr eten der Urtikaria habe man den Wunsch des Versicherten, wieder in seinem angestammten Ber uf zu arbeiten, unterstützt. Der Arbeitsversuch sei bei der ehemaligen Arbeitgeberin, der Garage B.____ AG, durchgeführt worden. Während dieses Arbeitsversuchs habe der Versicher te im Kundendienst gearbeitet, er habe aber auch einige Arbeiten in der Garage, zum Beispiel in den Bereichen des kleinen Fahr- zeug-Services und der Reifenmontage, erledigen können. Er habe den Ventolinspray nie ein- setzen müssen. Wenn Hautsymptome aufgetreten seien, habe der Versicherte unabhängig von ihrer Ausprägung am Arbeitsplatz bleiben können. Da somit im Rahmen dieses Arbeitsversuchs im angestammten Beruf als Automechaniker die Häufigkeit und die Ausprägung der Hautsymp- tome nicht anders gewesen seien als im bisherigen Alltag seit Ende 2011, könne die Nichteig- nungsverfügung rückgängig gemacht werden. Gestützt auf d iese fachärztliche Beurteilung hob die Suva die betreffende Nichteignungsverfügung am 20. Januar 2015 wieder auf. 4.2 Am 28. Januar 2016 berichtete der behandelnde De rmatologe Dr. med. F.____, Der- matologie und Venerologie FMH, dass bei chronisch sponta nter Urtikaria die urtikarielle Kom- ponente unter Behandlung mit Xolair® 300 mg alle vier Wochen nahezu vollständig verschwun- den sei. Arbeitsunfähigkeiten beständen lediglich be i den Schüben sowie jeweils unmittelbar nach der Injektion von Xolair® (grippale Symptomatik). Insgesamt betrachtet sei die Erkrankung somit in Remission (zumindest die dermatologische Kompon ente). Es sei davon auszugehen, dass mit der weiteren Therapie die Arbeitsunfähigkeiten noch mehr abnehmen würden und eine kontinuierliche Arbeit aufgenommen werden könne. Aller dings würden kurzzeitige Arbeitsunfä- higkeiten nach wie vor vorkommen. In einem weiteren Ber icht vom 18. Mai 2016 hielt Dr. F.____ zusammenfassend fest, dass sich der Gesundheit szustand des Patienten trotz Re- zidiven zwar langsam, aber merklich stabilisiere. Es sei davon auszugehen, dass parallel dazu Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch der Umfang der Arbeitsfähigkeit ansteigen werde, wobei das genaue Ausmass zurzeit nicht eingeschätzt werden könne. Neue Erkenntnisse würden wohl während der ausschleichen- den Phase der Behandlung mit Xolair® gewonnen werden. 4.3 In der Folge legte die IV-Stelle die medizinischen Akten ihrem RAD-Arzt Dr. C.____ zur Beurteilung vor. In seinem Bericht vom 23. Mai 2016 wi es dieser darauf hin, dass beim Versi- cherten im Jahr 2015 eine Behandlung mit Xolair® bego nnen worden sei, die laut dem Derma- tologen Dr. F.____ erfolgreich verlaufe. Die Hauterscheinungen seien remittiert und hätten auch nicht mehr provoziert werden können. Allerdings würden nach der Verabreichung von Xolair® jeweils grippale Symptome als Nebenwirkungen auftreten. Dr. F.____ schreibe den Versicher- ten deswegen - und auch wegen geklagter Arthralgien u nd Myalgien - regelmässig tageweise krank. Diese Symptome würden den Versicherten aber nicht i n einem invalidisierenden Aus- mass einschränken. Aufgrund der genannten Nebenwirkungen könne keine Arbeitsunfähigkeit anerkannt werden. Die vom Arbeitgeber beschriebenen Le istungsschwankungen seien - jeden- falls im beschriebenen Ausmass - medizinisch nicht erklärbar. Medizinisch-theoretisch bestehe eine volle Einsatzfähigkeit bei voller Leistungsfähigkeit. Der Gesundheitszustand sei stabil. Wei- tere medizinische Abklärungen seien nicht erforderlich. 4.4 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens holte die IV-S telle einen (weiteren) Verlaufsbe- richt bei Dr. F.____ ein, welcher am 1. November 2016 erstattet wurde. Darin hielt der behan- delnde Dermatologe als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronisch spon- tane Urtikaria mit Status nach zellreicher Urtikaria, mit wechselhafter Systembeteiligung und mit arbeitsabhängiger Triggerung fest. Bei der letzten U ntersuchung anfangs Oktober 2016 habe sich ein guter, nahezu unauffälliger Hautbefund gezeigt. Anamnestisch sei jedoch die chronisch spontane Urtikaria gegen Ende des vierwöchigen Behandlun gsintervalls mit Xolair® 300mg wieder aufgeflackert. Grundsätzlich sei vorgesehen, die Behandlungsintervalle mit Xolair® 300mg langsam auszudehnen und das Medikament in diesem S inne auszuschleichen. Auf- grund der aktuell nicht ganz stabilen Situation sei de m Patienten geraten worden, noch ein- bis zweimal beim bisherigen vierwöchigen Intervall zu bleibe n und erst im Anschluss daran zu ver- suchen, die Intervalle zu verlängern bzw. das Medikament au szuschleichen. In einem nachfol- genden Bericht vom 22. Mai 2017 wiederholte Dr. F.____ die im Bericht vom 1. November 2016 erhobenen Diagnosen. Der Verlauf der chronischen Urtikaria sei unter der Therapie mit Xolair® 300mg alle vier bis sechs Wochen sehr zufriedenstellend. Al lerdings leide der Versicherte auch an „ungeklärten Arthralgien und Fatigue-Symptomen“. D iese Zusatzsymptomatik führe zu einer vorläufigen Arbeitsunfähigkeit „von etwa 50 %“. Überd ies komme es zu kurzfristigen Arbeitsun- fähigkeiten bei Aktivität der Grundkrankheit oder im Rahmen von Nebenwirkungsreaktionen von Xolair®. 4.5 Am 19. Juni 2017 verfasste Dr. C.____ eine absch liessende Stellungnahme zum medi- zinischen Sachverhalt. Darin wies er darauf hin, dass die zeitweise aufgetretene Urtikaria „me- dikamentös im Griff“ sei. Soweit Dr. F.____ den Versiche rten wegen geklagter subjektiver Be- schwerden wie „ungeklärten Arthralgien und Fatigue-Symp tomen“ krankschreibe, könne ihm nicht gefolgt werden. So habe bereits der Rheumatologe Dr. med. G.____, Rheumatologie FMH und Allgemeine Innere Medizin FMH, trotz ausführlicher rheumatologischer Untersuchungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Ursachen für diese Beschwerden gefunden. Auch die weiteren, umfangreichen rheumato- logischen, dermatologischen und pneumologischen Untersuchungen und Labortests hätten kei- nen Nachweis für die vom behandelnden Dermatologen beh auptete wechselhafte Systembetei- ligung oder eine von ihm angenommene "Grundkrankheit" erbracht. Sodann beziehe sich Dr. F.____ in seiner Einschätzung, wonach der Versicher te derzeit zu 50 % arbeitsunfähig sei, auf die Berufsabklärung Ende Oktober 2014, bei welcher man, so Dr. F.____, ebenfalls von einer 50 %-igen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkei t ausgegangen sei. Entgegen dieser Dar- stellung des behandelnden Arztes sei damals jedoch zuerst e ine 75 %-ige (richtig: 25 %-ige) und später überhaupt keine Einschränkung mehr im angesta mmten Beruf angenommen wor- den. Die Krankschreibung durch Dr. F.____ sei somit nicht nur nachweislich zu keinem Zeit- punkt medizinisch begründbar gewesen, dieser beharre zud em auch in seinem aktuellsten Schreiben vom 22. Mai 2017 immer noch darauf, dass eine arbeitsabhängige Triggerung der damaligen Urtikaria bestanden habe, was jedoch schon l ange widerlegt sei. Aus diesem Grund habe die Suva auch die Nichteignungsverfügung wieder zu rückgezogen. Auch das bei der da- maligen Nichteignungsverfügung berücksichtigte Asthma bron chiale habe in der Folge nicht bestätigt werden können. Somit sei eine Einschränkung d er Arbeitsfähigkeit zu keinem Zeit- punkt medizinisch nachgewiesen und auch in keiner Weise plausibel. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des G esundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit des Versicherten im Wesentlichen auf die E rgebnisse, zu denen der RAD-Arzt Dr. C.____ in den vorstehend genannten Beurteilungen gelangt ist. Sie ging demzufolge davon aus, dass eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Versich erten medizinisch nicht nachgewiesen worden und auch nicht plausibel sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist im Ergebnis, d.h. soweit das Vorliegen einer für einen Rentenanspruch relevanten Arbeitsun- fähigkeit verneint wird, nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), darf ein medizinischer Sachverhalt gestützt auf einen RAD-Berich t beurteilt werden, solange keine - auch nur geringe - Zweifel an der Richtigkeit seiner S chlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Einschätzungen des RAD-Arztes Dr. C.____ zu zweifeln. Dieser geht einlässli ch auf die bei den Akten liegenden medizinischen Berichte ein und er nimmt gestützt auf di e umfangreiche medizinische Aktenlage eine schlüssige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszust andes des Versicherten vor. Insbe- sondere weist er zu Recht darauf hin, dass die Urtikaria dank der Behandlung mit Xolair® mitt- lerweile remittiert ist. Zutreffend ist auch seine Ein schätzung, dass die nach der Verabreichung von Xolair® jeweils aufgetretenen Nebenwirkungen den V ersicherten nicht in einem invalidisie- renden Ausmass in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt haben. Diesbezüglich ist auch zu be- achten, dass mit der Zeit die Behandlungsintervalle mit Xolair® im Hinblick auf eine „Ausschlei- chung“ des Medikaments ausgedehnt werden konnten, wodurch es auch weniger häufig bzw. in grösseren Abständen zu diesen kurzfristig auftretenden Nebenwirkungen gekommen ist. So- dann zeigt Dr. C.____ - insbesondere in seiner abschliess enden Stellungnahme vom 19. Juni 2017 (vgl. E. 4.5 hiervor) - auch nachvollziehbar auf, weshalb in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht auf die abweichende Einschätzun g von Dr. F.____, der dem Versicherten nach wie vor eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestie rt, abgestellt werden kann. Zum einen ist man beim Versicherten - entgegen der Hinweises von Dr. F.____ - während der beruflichen Abklärungen nie von einer 50 %-igen, sondern höchstens vo n einer 25 %-igen Einschränkung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Arbeitsfähigkeit ausgegangen, zum andern hat sich die von Dr. F.____ angenommene "Grundkrankheit", auf die er die Beeinträchtigung de r Leistungsfähigkeit des Versicherten (mit-) zurückführt, medizinisch bis anhin nicht nachweisen lassen. 5.2 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geeign et, das Ergebnis der vorinstanzli- chen Beweiswürdigung in Frage zu stellen. Er beanstandet im Wesentlichen, dass die IV-Stelle ihn bis heute nie medizinisch habe begutachten lassen. B is anhin seien lediglich Aktenbeurtei- lungen durch den RAD-Arzt Dr. C.____ erfolgt. Dessen Be richte könnten keinesfalls als Grund- lage für eine abschliessende Einschätzung seiner Arbeit sfähigkeit dienen. Mit diesen Vorbrin- gen kann der Beschwerdeführer nun allerdings im vorliege nden Fall nichts zu seinen Gunsten ableiten. Insbesondere verhält es sich keineswegs so, dass di e Abklärung des medizinischen Sachverhalts “lediglich“ durch den RAD-Arzt Dr. C.____ vorgenommen worden wäre. Es gilt vielmehr festzuhalten, dass seit dem ersten Auftreten de r Symptome im März 2011 umfangrei- che immunologische, pneumologische, rheumatologische und dermatologische Untersuchun- gen erfolgt sind. Der medizinische Sachverhalt ist mit an dern Worten - entgegen der Darstel- lung des Beschwerdeführers - durchaus gründlich abgeklär t worden. Die Berichte über die ver- schiedenen, teilweise vertieften fachärztlichen Untersuch ungen befinden sich bei den medizini- schen (IV- und Suva-) Akten des vorliegenden Falles. Dr. C.____ hat diese in seiner Beurtei- lung mitberücksichtigt und, wie oben festgehalten, schlüssi g gewürdigt. Dabei hat er zu Recht insbesondere auf den Umstand hingewiesen, dass es trotz d er zahlreichen, in verschiedensten Fachgebieten erfolgten Abklärungen nicht gelungen sei, eine “Grundkrankheit“ für die geklagten Beschwerden zu ermitteln. Die Untersuchungen hätten, wi e Dr. C.____ in seiner letzten Stel- lungnahme vom 3. April 2018 zutreffend ausführt, kein e Hinweise für eine entzündlich- rheumatische Systemerkrankung oder Stoffwechselpathologie ergeben, insbesondere nicht für eine Urticaria-Vasculitis, eine rheumatoide Arthritis, eine Kollagenose, ein Sjögren-Syndrom, eine infektassoziierte Arthritis, eine Spondyloarthriti s oder eine Hämochromatose. Das Thorax- Röntgenbild habe zudem gegen eine Sarkoidose gesprochen und das Integument habe keine Befunde im Sinne einer Mastozytose gezeigt. Eine Myositis sei ausgeschlossen worden und eine Schilddrüsendysfunktion liege ebenfalls nicht vor. I n Anbetracht der verschiedensten, be- reits erfolgten fachärztlichen Untersuchungen und dere n schlüssigen Würdigung durch Dr. C.____ drängen sich weitere medizinische Abklärunge n, wie sie der Beschwerdeführer ver- langt, nicht auf und es kann unter den geschilderten Umständen auch von der von ihm bean- tragten Anordnung einer polydisziplinären gerichtlichen Begutachtung abgesehen werden. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Bew eisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfas- sungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen a bzunehmen, die für die Ent- scheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Ger icht - wie hier - bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Un terlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die dami t verbundene antizipierte Beweiswür- digung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtspre chung zulässig (BGE 141 I 60 E. 3.3, 122 V 157 E. 1d). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die IV-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 17. August 2017 einen Rentenanspruc h des Versicherten zu Recht abge- lehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht