<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 61 S.253</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">253</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>61 Materielle</b></span> <span class="ft2"><b>Hilfe.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Wer eine zu teure Wohnung mietet, obwohl er weiss oder wissen muss,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dass er umgehend materielle Hilfe wird beanspruchen müssen, hat</b></span><br/> <span class="ft2"><b>von Anfang an keinen Anspruch auf Übernahme der gesamten Wohn-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kosten.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 14. Mai 2004 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen F.W. gegen Entscheid des Bezirksamtes Z.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Bei der Berechnung der Wohnkosten für die Sozialhilfe</span><br/> <span class="ft1">können hilfesuchende Personen keine höheren Ansprüche stellen als</span><br/> <span class="ft1">Familien oder Personen, die sich in knappen finanziellen Verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">sen selber durchbringen und entsprechende Einschränkungen hin-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">254</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nehmen müssen (vgl. VGE II/23 vom 31. März 2004</span><br/> <span class="ft1">[BE.2003.00359] in Sachen E.G., S. 12; SKOS-Richtlinien, Ziff. A.4</span><br/> <span class="ft1">"Angemessenheit der Hilfe"). Die Beschwerdeführerin geht von</span><br/> <span class="ft1">einem falschen Massstab aus, wenn sie auf die "mittleren Bedürf-</span><br/> <span class="ft1">nisse unserer Gesellschaft" Bezug nimmt.</span><br/> <span class="ft1">Dass die Beschwerdeführerin mit ihrem 15-jährigen Sohn eine</span><br/> <span class="ft1">3-Zimmer-Wohnung beanspruchen kann, wird vom Gemeinderat gar</span><br/> <span class="ft1">nicht bestritten. Vielmehr geht es um die angemessenen Mietkosten</span><br/> <span class="ft1">für eine Wohnung dieser Grösse. Der Gemeinderat hat dargelegt,</span><br/> <span class="ft1">dass in A. dauernd ein gewisser Leerwohnungsbestand vorhanden ist,</span><br/> <span class="ft1">und verfügbare 3- und 4-Zimmer-Wohnungen mit Mietzinsen, inkl.</span><br/> <span class="ft1">Nebenkosten, zwischen Fr. 800.-- und Fr. 1'000.-- aufgelistet. Diese</span><br/> <span class="ft1">Ausführungen sind glaubhaft und wurden denn auch gar nicht in</span><br/> <span class="ft1">Zweifel gezogen. Damit steht fest, dass zumutbare, billigere Woh-</span><br/> <span class="ft1">nungen als die von der Beschwerdeführerin gemietete vorhanden</span><br/> <span class="ft1">sind.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Weigert sich eine unterstützte Person, in eine effektiv ver-</span><br/> <span class="ft1">fügbare und zumutbare günstigere Wohnung umzuziehen, dann kön-</span><br/> <span class="ft1">nen die anrechenbaren Wohnkosten auf jenen Betrag reduziert wer-</span><br/> <span class="ft1">den, der durch die günstigere Wohnung entstanden wäre (SKOS-</span><br/> <span class="ft1">Richtlinien, Ziff. B.3). Diese Formulierung bezieht sich auf die Si-</span><br/> <span class="ft1">tuation, in der jemand in einer Mietwohnung lebt und neu materielle</span><br/> <span class="ft1">Hilfe beantragen muss. Sind die effektiven Wohnkosten höher, als es</span><br/> <span class="ft1">angemessen wäre, ist also die unterstützte Person zunächst mittels</span><br/> <span class="ft1">Weisung dazu anzuhalten, eine zumutbare günstigere Wohnung zu</span><br/> <span class="ft1">beziehen, andernfalls die Wohnkosten nur noch im angemessenen</span><br/> <span class="ft1">Betrag übernommen werden (§ 13 Abs. 2 SPG). Bis eine zumutbare</span><br/> <span class="ft1">günstigere Lösung zur Verfügung steht - unter Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft1">üblicher Kündigungsfristen -, sind die überhöhten Wohnkosten durch</span><br/> <span class="ft1">die Sozialhilfe zu übernehmen (SKOS-Richtlinien, Ziff. B.3). Nur</span><br/> <span class="ft1">bei rechtsmissbräuchlichem Verhalten der unterstützten Person</span><br/> <span class="ft1">(vgl. dazu § 15 Abs. 3 SPV) bzw. Verstössen gegen Treu und Glau-</span><br/> <span class="ft1">ben kann die Kürzung bereits früher erfolgen (erwähnter VGE vom</span><br/> <span class="ft1">31. März 2004, S. 13 f.).</span><br/> <span class="ft1">Streitpunkt ist, ob der Gemeinderat das beschriebene Verfahren</span><br/> <span class="ft1">mit Weisung zum Umzug hätte durchführen müssen oder ob er zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">255</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Recht von allem Anfang an nur Fr. 900.-- Mietkosten anrechnete,</span><br/> <span class="ft1">weil die Beschwerdeführerin gegen Treu und Glauben handelte, als</span><br/> <span class="ft1">sie bei ihrer Rückkehr nach A. auf den 1. Juni 2003 eine Wohnung</span><br/> <span class="ft1">für Fr. 1'360.--/Monat, inkl. Nebenkosten, mietete.</span><br/> <span class="ft1">bb) Es steht fest, dass die Beschwerdeführerin schon im Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 2002 in A. ein Gesuch um materielle Hilfe einreichte und dass</span><br/> <span class="ft1">damals die Höhe der akzeptablen Mietkosten diskutiert wurde und zu</span><br/> <span class="ft1">Streit führte... Der Beschwerdeführerin war somit bei ihrer Rückkehr</span><br/> <span class="ft1">nach A. bekannt, dass die Sozialhilfe die Mietkosten nur bis zu ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Höchstbetrag übernehmen würde.</span><br/> <span class="ft1">cc) Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe infolge der</span><br/> <span class="ft1">zeitlichen Dringlichkeit keine andere Wohnung gefunden. Sie be-</span><br/> <span class="ft1">hauptet aber selber nicht, sie habe sich damals um Unterstützung an</span><br/> <span class="ft1">die Sozialen Dienste gewandt, sondern bestreitet dies sogar aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich. Wer sich gar nicht auf adäquate Weise umsieht, kann sich</span><br/> <span class="ft1">nicht darauf berufen, keine günstigere Wohnung gefunden zu haben.</span><br/> <span class="ft1">dd) Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe bei der</span><br/> <span class="ft1">Rückkehr nach A. damit gerechnet, eine Arbeitsstelle zu finden und</span><br/> <span class="ft1">demzufolge keine materielle Hilfe zu benötigen. Deshalb habe sie</span><br/> <span class="ft1">sich nicht veranlasst gesehen, eine billigere Wohnung zu suchen.</span><br/> <span class="ft1">Leider habe sie aber damals keine Stelle gefunden. Für diese Version</span><br/> <span class="ft1">mag der Umstand sprechen, dass die Beschwerdeführerin nicht schon</span><br/> <span class="ft1">im Juni, sondern erst am 28. August 2003 das Gesuch um materielle</span><br/> <span class="ft1">Hilfe stellte. Indessen ist sie seit längerer Zeit arbeitslos (schon beim</span><br/> <span class="ft1">ersten Gesuch vom Oktober 2002 bezog sie Taggelder der Arbeitslo-</span><br/> <span class="ft1">senversicherung) und brachte im vorinstanzlichen Verfahren selber</span><br/> <span class="ft1">vor, sie habe sich zu einer Weiterbildung entschlossen, weil es sehr</span><br/> <span class="ft1">schwierig sei, ohne Zusatzausbildung eine Anstellung im Verkauf zu</span><br/> <span class="ft1">finden. Unter diesen Umständen konnte sie nicht im Ernst darauf</span><br/> <span class="ft1">vertrauen, keine materielle Hilfe zu benötigen, sondern musste viel-</span><br/> <span class="ft1">mehr damit rechnen, umgehend wieder von Sozialhilfe abhängig zu</span><br/> <span class="ft1">sein.</span><br/> <span class="ft1">ee) Zusammenfassend steht fest, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">per 1. Juni 2003 eine Wohnung zu Fr. 1'360.-- Mietzins mietete, ob-</span><br/> <span class="ft1">wohl sie damit rechnen musste, umgehend wieder Sozialhilfe bean-</span><br/> <span class="ft1">spruchen zu müssen, obwohl ihr bekannt war, dass bei der Berech-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">256</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nung der materiellen Hilfe ein tieferer Ansatz für Mietkosten zur</span><br/> <span class="ft1">Anwendung kommt, und obwohl es objektiv möglich gewesen wäre,</span><br/> <span class="ft1">eine günstigere Wohnung im Bereich dieses Ansatzes zu finden. Ein</span><br/> <span class="ft1">solch unkorrektes, gegen Treu und Glauben verstossendes Vorgehen</span><br/> <span class="ft1">verdient keinen Schutz.</span><br/> <span class="ft1">Es trifft zu, dass damit der Rechtsschutz gegenüber dem Vorge-</span><br/> <span class="ft1">hen mit Weisung zum Umzug (vorne Erw. b/aa) verschlechtert wird,</span><br/> <span class="ft1">indem es der Beschwerdeführerin nicht möglich ist, gegen diese</span><br/> <span class="ft1">Weisung Rechtsmittel zu ergreifen mit der Begründung, sie sei un-</span><br/> <span class="ft1">verhältnismässig, und von der Dauer der Rechtsmittelverfahren zu</span><br/> <span class="ft1">profitieren, indem die Sozialhilfe für so lange noch die ganze - zu</span><br/> <span class="ft1">hohe - Miete übernehmen muss (die Beschwerdeführung und-be-</span><br/> <span class="ft1">gründung, schon im vorinstanzlichen Verfahren, lässt darauf schlies-</span><br/> <span class="ft1">sen, dass es um genau diese Wirkung geht). Doch ist diese Folge dem</span><br/> <span class="ft1">Verhalten der Beschwerdeführerin angemessen.</span><br/> <span class="ft1">c) Wer vorgeht wie die Beschwerdeführerin, muss in Kauf</span><br/> <span class="ft1">nehmen, die Differenz zwischen dem effektiven Mietzins und den</span><br/> <span class="ft1">bekannten tieferen Mietkosten, die bei der Bedarfsberechnung zur</span><br/> <span class="ft1">Anwendung gelangen, selber tragen und sich deshalb bei anderen</span><br/> <span class="ft1">Posten der materiellen Hilfe umso mehr einschränken zu müssen.</span><br/> <span class="ft1">Einer hilfsbedürftigen Person, die im Rahmen ihrer Eigenverant-</span><br/> <span class="ft1">wortung (vgl. § 1 Abs. 2 SPG) wirklich so leben will, soll es nicht</span><br/> <span class="ft1">verwehrt bleiben. Es ist deshalb von Bedeutung, welche Limiten ihr</span><br/> <span class="ft1">bekannt gegeben wurden, und geht nicht an, bei sofortiger Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung des Mietkostenansatzes (d.h. ohne vorheriges Weisungsverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren) einen tieferen als den bekannt gegebenen Ansatz zur Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung zu bringen. Eine derartige, gleichsam zusätzliche Sanktion lässt</span><br/> <span class="ft1">sich auch mit dem unkorrekten Verhalten der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">nicht begründen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>