<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 8 S.40</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">40</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>8</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 257d OR.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Wirkungslosigkeit der Kündigung nach zu kurz bemessener Zahlungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>frist. Die dem sich mit der Zahlung fälliger Mietzinse in Rückstand be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>findenden Mieter vom Vermieter zu kurz bemessene Zahlungsfrist kann</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht in eine der gesetzlichen Bestimmung von Art. 257d Abs. 1 OR ent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprechende Frist umgedeutet werden und hat die Wirkungslosigkeit einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>trotzdem ausgesprochenen ausserordentlichen Kündigung gemäss Art.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>257d Abs. 2 OR zur Folge.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 27. Mai 2003 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen E. L. gegen H. S.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. a) Gemäss Art. 257d Abs. 1 OR kann der Vermieter bei Zah-</span><br/> <span class="ft1">lungsrückstand fälliger Mietzinse oder Nebenkosten dem Mieter eine</span><br/> <span class="ft1">Zahlungsfrist ansetzen und ihm androhen, dass bei unbenütztem Ab-</span><br/> <span class="ft1">lauf der Frist das Mietverhältnis gekündigt werde. Die Frist beträgt</span><br/> <span class="ft1">bei Wohn- und Geschäftsräumen mindestens dreissig Tage. Bezahlt</span><br/> <span class="ft1">der Mieter innert der gesetzten Frist nicht, so kann der Vermieter bei</span><br/> <span class="ft1">Wohn- und Geschäftsräumen mit einer Frist von mindestens dreissig</span><br/> <span class="ft1">Tagen auf Ende eines Monats kündigen (Art. 257d Abs. 2 OR).</span><br/> <span class="ft1">In Lehre und Rechtsprechung wird teilweise die Auffassung</span><br/> <span class="ft1">vertreten, eine zu kurz bemessene Zahlungsfrist bewirke nicht die</span><br/> <span class="ft1">Nichtigkeit der Androhung, sondern sei in eine erweiterte, den ge-</span><br/> <span class="ft1">setzlichen Bestimmungen entsprechende Frist umzudeuten (Higi,</span><br/> <span class="ft1">Zürcher Kommentar, N 39 zu Art. 257d OR; Zürcher Obergericht,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">41</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ZR 90 [1991] Nr. 54). Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet</span><br/> <span class="ft1">werden. Die Analogie, welche Higi (a.a.O.) zu Art. 266a Abs. 2 OR</span><br/> <span class="ft1">zieht, wonach bei Nichteinhaltung einer Kündigungsfrist oder eines</span><br/> <span class="ft1">Kündigungstermins die Kündigung für den nächstmöglichen Termin</span><br/> <span class="ft1">gilt, ist deshalb nicht schlüssig, weil die Kündigung ihre Wirkung un-</span><br/> <span class="ft1">abhängig von der Reaktion des Vertragspartners entfaltet, während es</span><br/> <span class="ft1">für die Rechtswirkungen der Zahlungsfrist von Art. 257d OR gerade</span><br/> <span class="ft1">auf das Verhalten des Mieters ankommt. Die Frist von 30 Tagen soll</span><br/> <span class="ft1">dem Mieter ermöglichen, den rückständigen Mietzins doch noch zu</span><br/> <span class="ft1">begleichen und so die Kündigung zu vermeiden. Ist die Frist zu kurz</span><br/> <span class="ft1">bemessen, so wird der grundsätzlich zahlungswillige Mieter seine</span><br/> <span class="ft1">Bemühungen zur Beschaffung der erforderlichen Mittel vorzeitig ab-</span><br/> <span class="ft1">brechen oder sie zum vornherein für unnütz erachten, obwohl die</span><br/> <span class="ft1">Anstrengungen bei korrekt angesetzter Frist hätten erfolgreich sein</span><br/> <span class="ft1">können. Deshalb wird nur eine korrekt angesetzte Zahlungsfrist dem</span><br/> <span class="ft1">Zweck der gesetzlichen Vorschrift gerecht (so auch Lachat/Stoll/</span><br/> <span class="ft1">Brunner, Mietrecht für die Praxis, 4. Aufl., Zürich 1999, S. 201;</span><br/> <span class="ft1">Guhl/Koller, Das Schweizerische Obligationenrecht, 9. Aufl., Zürich</span><br/> <span class="ft1">2000, § 44 N 146, S. 438; Urteil des Kantonsgerichts Waadt vom</span><br/> <span class="ft1">9. Mai 1989 in: SJZ 86 [1990] S. 182).</span><br/> <span class="ft1">Sind die Voraussetzungen von Art. 257d Abs. 1 OR nicht erfüllt,</span><br/> <span class="ft1">kann eine trotzdem ausgesprochene ausserordentliche Kündigung</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 257d Abs. 2 OR keine Wirkungen entfalten und auch</span><br/> <span class="ft1">nicht in eine ordentliche Kündigung mit entsprechend längerer Kün-</span><br/> <span class="ft1">digungsfrist umgedeutet werden (Lachat/Stoll/Brunner, a.a.O., S. 205</span><br/> <span class="ft1">und 471; Higi, a.a.O., N 57 zu Art. 257d und N 72 zu Art. 257f). Die</span><br/> <span class="ft1">Kündigung bleibt nur dann gültig, wenn ausser dem Kün-</span><br/> <span class="ft1">digungsgrund des Zahlungsverzugs noch andere Kündigungsgründe</span><br/> <span class="ft1">geltend gemacht oder der unbedingte Kündigungswille ungeachtet</span><br/> <span class="ft1">des Vorliegens eines Zahlungsverzugs aus der Kündigung explizit</span><br/> <span class="ft1">hervorgeht.</span><br/></div> </div> </body> </html>