Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: PA140019-O/U Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. E. Lichti Aschwanden, Vorsitzende, Ober- richterin lic. iur. M. Stammbach und Ersatzrichter lic. iur. H. Meister sowie Gerichtsschreiber lic. iur. M. Hinden. Urteil vom 4. Juni 2014 in Sachen A._____, Beschwerdeführerin, sowie Klinik Hard, Integrierte Psychiatrie Winterthur, Verfahrensbeteiligte, betreffend fürsorgerische Unterbringung Beschwerde gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirksgerichtes Bülach vom 15. Mai 2014 (FF140030) - 2 - Erwägungen: 1. Prozessgeschichte Am 8. Mai 2014 wies Dr.med. B._____ die Beschwerdeführerin in das Psychiat- riezentrum Hard ein und ordnete die fürsorgerische Unterbringung an (act. 4/1-3). Am 9. Mai 2014 erhob die Beschwerdeführerin Beschwerde gegen die fürsorgeri- sche Unterbringung (act. 1). Mit Verfügung vom 9. Mai 2014 ordnete die Vorinstanz die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens an, bestellte Dr.med. C._____ als Gutachter und setzte die Verhandlung auf den 15. Mai 2014 fest (act. 5). Dr.med. D._____ nahm als … Ärztin seitens der Klinik am 12. Mai 2014 Stel- lung zur Beschwerde (act. 9). Anlässlich der Verhandlung gab Dr.med. C._____ das Gutachten zu Protokoll und die Beschwerdeführerin wurde befragt (Protokoll Vorinstanz S. 7 ff.). Mit Urteil vom 15. Mai 2014 wies die Vorinstanz die Be- schwerde gegen die fürsorgerische Unterbringung ab (act. 12 = act. 18). Der Ent- scheid wurde der Beschwerdeführerin am 20. Mai 2014 zugestellt (act. 14). Mit Eingabe vom 20. Mai 2014 erhob die Beschwerdeführerin beim Bezirksgericht Bülach sinngemäss Beschwerde gegen das Urteil vom 15. Mai 2014 und brachte auf der mitgesendeten Entscheidkopie einige Anmerkungen, Unterstreichungen etc. an (act. 14 = act. 19/1 und act. 15 = act. 19/2). Die Vorinstanz leitete die Be- schwerde am 27. Mai 2014 dem Obergericht weiter (act. 16 = act. 21). Um der Beschwerdeführerin die umfassende Wahrung ihrer Interessen zu ermöglichen, wurde sie mit Schreiben vom 27. Mai 2014 darauf aufmerksam gemacht, dass sie bis zum Ablauf der Beschwerdefrist ihre Eingabe begründen könne (act. 20). Mit Eingabe vom 30. Mai 2014 (Datum Poststempel) reichte die Beschwerdeführerin fristgerecht eine Begründung ein. Sie führt darin zwar aus, dass sie eigentlich nicht in der Lage sei, eine angemessene Beschwerdebegründung zu verfassen. Ihren Standpunkt, dass sie sich nicht krank fühlt und ihrer Meinung nach zu Un- recht in ihrer Freiheit eingeschränkt wird, bringt sie indes klar zum Ausdruck, was genügt (act. 22). Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. Von der Einho- lung von Stellungnahmen bzw. Vernehmlassungen wurde abgesehen. Das Ver- fahren ist spruchreif. - 3 - 2. Begründung des vorinstanzlichen Entscheides Die Vorinstanz hielt fest, dass die Beschwerdeführerin erstmals im Jahr 2003 auf- grund einer manischen Episode in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert ge- wesen sei. Damals habe sich die Beschwerdeführerin aus Angst mit einer Waffe verschanzt. Bis zur aktuell zu beurteilenden Einweisung sei es zu weiteren fünf Hospitalisationen gekommen, jeweils immer aufgrund manischer Episoden. Seit dem Jahr 2010 sei die Beschwerdeführerin verwitwet und wohne allein in einem Reihenhaus in …. Anlass zur Einweisung vom 8. Mai 2014 habe ein Streit der Beschwerdeführerin mit einer Nachbarin gegeben. Diese habe behauptet, von der Beschwerdeführerin geschlagen worden zu sein, was die Beschwerdeführerin aber bestreite. Beim Eintritt in die Klinik sei eine bipolare affektive Störung mit ei- ner gegenwärtig manischen Episode ohne psychotische Symptome diagnostiziert worden. Die Beschwerdeführerin leide seit 12 Jahren an einer bipolaren affektiven Störung mit intermittierenden manischen Phasen. Sie zeige sich auch nach der aktuellen Einweisung in die psychiatrische Klinik krankheits- und therapieuneinsichtig. Nach anfänglicher Weigerung, Medikamente einzunehmen oder an den Therapien teil- zunehmen, habe die Beschwerdeführerin im weiteren Verlauf dazu motiviert wer- den können. Die Beschwerdeführerin habe sich an die Situation in der Klinik an- gepasst und zeige sich freundlich. Sie bagatellisiere jedoch weiterhin ihre Krank- heit und wirke fluktuierend dysphorisch. Die hintergründige psychopathologische Symptomatik, welche Anlass für die Einweisung gewesen sei, bestehe weiter. Sowohl nach Ansicht des Gutachters Dr.med. C._____ als auch der Ärztin der Klinik, Dr.med. D._____, sei eine Verbesserung nur durch eine weiterzuführende stationäre Betreuung mit medikamentöser Einstellung, Ergotherapie, Physiothe- rapie und Einzelgesprächen möglich. Das von den Ärzten beschriebene Zustandsbild sei auch an der Verhandlung ma- nifest geworden. Die Beschwerdeführerin sei unruhig, sprunghaft, angetrieben und schnell reizbar gewesen. Sie habe die Verhandlung mehrmals lautstark un- terbrochen und habe auf theatralisch wirkende Art eine Verhandlungspause ver- langt. Obwohl der Gutachter keine Wahnvorstellung festgestellt habe, habe sie - 4 - anlässlich der Verhandlung einen anderen Eindruck hinterlassen. So habe sie den Verdacht geäussert, ihre Nachbarin könnte es auf ihr Haus abgesehen habe. Be- gründet habe sie dies mit einer verworrenen Geschichte über ausgeliehene Luft- aufnahmen ihres Hauses. Es sei offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin Phantasien habe und die Realität verkenne. Aufgrund der Einschätzung des Gutachters könne der Beschwerdeführerin in der psychiatrischen Klinik geholfen werden. Es bestehe ein sinnvolles Behandlungs- konzept, welches im Wesentlichen darin bestehe, der Beschwerdeführerin kon- trolliert neuroleptische Medikamente abzugeben, ihr einen geschützten Rahmen zu bieten und mit ihr langsam ins Gespräch zu kommen. Nach Einschätzung der Ärzte sei nach einer Behandlungsdauer von zwei bis drei Wochen mit einem Ab- klingen des akuten manischen Schubes zu rechnen. Zurzeit sei für den Fall der Entlassung mit einer Fremdgefährdung und einer erheblichen Belastung für das soziale Umfeld auszugehen. Ob es tatsächlich zur der von einer Nachbarin ge- schilderten Tätlichkeit durch die Beschwerdeführerin gekommen sei, sei zwar nicht erwiesen. Dennoch würde von der Beschwerdeführerin, die sich in der Ver- gangenheit einmal aus Angst vor Einbrechern mit einer Waffe verschanzt habe, während ihres akuten manischen Zustandes eine gewisse Gefahr ausgehen. Durch die fürsorgerische Unterbringung und die damit einhergehende medika- mentöse Behandlung sei mit einer Stabilisierung in naher Zukunft zu rechnen. Aufgrund der fehlenden Krankheitseinsicht führe eine ambulante Massnahme nicht zum Ziel, weshalb die fürsorgerische Unterbringung verhältnismässig sei. Die Klinik Hard sei als psychiatrische Klinik für die Durchführung der Behandlung geeignet. 3. Argumente der Beschwerdeführerin Aufgrund der handschriftlichen Notizen der Beschwerdeführerin auf der Emp- fangsbescheinigung für den angefochtenen Entscheid (act. 19/1) sowie den Be- merkungen und Unterstreichungen in der Entscheidkopie (act. 19/2) ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die ärztliche Diagnose anzweifelt. Die … Ärztin Dr.med. D._____, die einen Bericht erstellt habe, habe sie nicht selber untersucht. Neben die Erwägungen der Vorinstanz zu einer manischen Episode - 5 - im Jahr 2003, während der sich die Beschwerdeführerin mit einer Waffe ver- schanzt habe, brachte sie die Bemerkung "Vergewaltigung" an. Was damit ge- meint ist, ist unklar. Möglicherweise will die Beschwerdeführerin damit zum Aus- druck bringen, dass sie sich damals tatsächlich bedroht gefühlt hatte. Die Ansicht der Vorinstanz, wonach die Beschwerdeführerin mit einer verworrenen Geschich- te den Verdacht geäussert habe, die Nachbarin könnte es auf ihr Haus abgese- hen habe, teilt die Beschwerdeführerin nicht, was sie mit der Bemerkung "sicher scho" zum Ausdruck bringt. Die Beschwerdeführerin stuft offenbar die fürsorgeri- sche Unterbringung als zumindest nicht verhältnismässig ein. Eine Belastung von Angehörigen und Dritten gehe von ihr, die selber sechs Enkelkinder habe, nicht aus. In der Eingabe vom 30. Mai 2014 führte die Beschwerdeführerin weiter sinnge- mäss aus, dass sie aufgrund einer Krankheit mit Fieber und aus Unkenntnis des Verfahrensablaufs eigentlich gar nicht in der Lage sei, eine adäquate Beschwer- debegründung zu verfassen. Sie sei seit zwei Wochen wegen einer Bagatelle in- terniert und ihrer Freiheit beraubt. Sie sei in der Klinik fremdbestimmt und ausge- liefert. Die Diagnose "manisch-depressiv" stimme nach ihrer Erfahrung nicht. Sie sei nicht krank, sei aber aufgrund der falschen Diagnose jahrelang gezwungen worden, Psychopharmaka zu schlucken. Dies habe unter anderem dazu geführt, dass sie heute eine Handschrift wie eine Parkisonpatientin habe. Sie sei jetzt 80 Jahre alt. Sie habe ein Leben lang hart gearbeitet und möchte nun die ihr noch verbleibende Zeit in Ruhe verbringen ohne dass die Polizei ihre Haustüre aufbre- che und sie "abserviere" (act. 22). 4. Würdigung Gemäss Art. 426 Abs. 1 ZGB darf eine Person, die an einer psychischen Störung oder an geistiger Behinderung leidet oder schwer verwahrlost ist, in einer geeig- neten Einrichtung untergebracht werden, wenn die nötige Behandlung nicht an- ders erfolgen kann. Die Belastung und der Schutz von Angehörigen und Dritten sind zu berücksichtigen (Art. 426 Abs. 2 ZGB). - 6 - Gemäss psychiatrischem Gutachten von Dr.med. C._____ leidet die Beschwerde- führerin an einer akuten manischen Episode einer bipolaren Affektpsychose. Eine psychische Störung im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB ist zu bejahen. Aufgrund der seit Jahren bestehenden Krankheit und des Umstandes, dass die Beschwer- deführerin sich in der Vergangenheit auch einmal während einer akuten Phase mit einer Waffe verschanzt hatte, ist von einer nicht unerheblichen Selbst- und Drittgefährdung auszugehen, auch wenn der Streit mit einer Nachbarin, der zur aktuellen Hospitalisation geführt hatte, offenbar nicht allzu gravierend war. Für den Entscheid über die fürsorgerische Unterbringung nicht relevant ist, ob es im Rahmen der Auseinandersetzung zusätzlich zu einer Tätlichkeit gekommen ist und ob es die Nachbarin tatsächlich auf das Haus der Beschwerdeführerin abge- sehen hat oder nicht. Denn es geht nicht darum, abschliessend festzustellen, ob anlässlich des Vorfalls vom 8. Mai 2014 tatsächlich eine Fremd- oder Selbstge- fährdung bestand, sondern ob eine solche im Falle einer neuen akuten mani- schen Episode zu erwarten ist. Aufgrund der Einschätzung des Gutachters ist für den Fall der sofortigen Entlassung mit einer Verschlechterung des Gesundheits- zustandes zu rechnen. Dr.med. C._____ geht davon aus, dass die Beschwerde- führerin die Medikamente nicht mehr einnehmen würde. Die allgemeine Lebenssi- tuation wäre so beeinträchtigt, dass ein einigermassen friedliches Zusammenle- ben mit den Nachbarn nicht mehr möglich wäre (Protokoll Vorinstanz S. 10). Auf- grund dieser Einschätzung und des Umstandes, dass sich die Beschwerdeführe- rin, wenn auch in einer Jahre zurück liegenden Episode, einmal in einem akuten Angstzustand mit einer Waffe verschanzt hatte, ist derzeit bei einer Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringung mit einer nicht unerheblichen Fremd- und Selbstgefährdung zu rechnen. Da die Beschwerdeführerin auch aktuell keine Krankheitseinsicht hat (act. 22), kann ihr mit einer ambulanten Massnahme nicht geholfen werden, zumal sie selbst die Behandlung durch einen Hausarzt ablehnt (Protokoll Vorinstanz S. 16). Nach Einschätzung des Gutachters besteht Aussicht darauf, dass sich die Situation durch eine stationäre Behandlung in der psychiatri- schen Klinik von wenigen Wochen erheblich verbessern lässt. Sie ist nötig, um die bestehende Selbst- und Fremdgefährdung einzudämmen. Ein milderes Mittel ist nicht vorhanden, weshalb die Massnahme auch verhältnismässig ist. Die Voraus-- 7 - setzungen für die fürsorgerische Unterbringung sind somit nach wie vor erfüllt. Die Beschwerde ist abzuweisen. 5. Gerichtskosten Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Entscheidgebühr ist auf CHF 500.00 festzusetzen (§ 5 Abs. 1 GebV OG). Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf CHF 500.00 festgesetzt und der Beschwerdeführerin auferlegt. 3. Schriftliche Mitteilung an die Beschwerdeführerin und an die verfahrensbe- teiligte Klinik, je gegen Empfangsschein, sowie an die Vorinstanz. Die erstinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmit- telfrist an die Vorinstanz zurück. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). - 8 - Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Der Gerichtsschreiber: lic.iur. M. Hinden versandt am: