26. September 1988 N 1189 Energiepolitik. Persönliche Vorstösse 4. ATOMGESETZGEBUNG LEGISLATION SUR L'ATOME #ST# 87.342 Motion der Energiekommission Kernanlagen. Rahmenbewilligungen Motion de la commission de l'énergie Installations nucléaires. Autorisations générales Wortlaut der Motion vom 9. Februar 1987 Der Bundesrat wird ersucht, eine Bestimmung in den Bun- desbeschluss zum Atomgesetz aufzunehmen, wonach die Erteilung von Rahmenbewilligungen für Kernanlagen dem fakultativen Referendum unterstellt wird. ' Texte de la motion du 9 février 1987 Le Conseil fédéral est chargé d'insérer une disposition dans l'arrêté fédéral concernant la loi sur l'énergie atomique selon laquelle l'octroi d'autorisations générales pour la construction d'installations nucléaires est sujette au référen- dum facultatif. Schriftliche Begründung - Développement par écrit Heutige Lage Die Rahmenbewilliguhg für Kernanlagen wird heute auf- grund des Bundesbeschlusses vom 6. Oktober 1978 zum Atomgesetz vom Parlament erteilt. Sie soll mit dem Entwurf des Kernenergiegesetzes vom 1. Oktober 1985 neu geregelt werden. Das Vernehmlassungsverfahren ist abgeschlossen. Das neue Kernenergiegesetz wird in nächster Zeit dem Par- lament zur Beratung zugeleitet. Was will die Motion? Mit der vorliegenden Motion verlangt die Energiekommis- sion, die Rahmenbewilligung von Kernanlagen dem fakul- tativen Referendum zu unterstellen. Auf diesem Weg soll es möglich sein, dass das Schweizervolk an der Urne entschei- det, ob ein Kernkraftwerk oder eine Kernanlage (z. B. Wie- deraufbereitungsanlage, Atommüllager usw.) gebaut wird oder nicht. Voraussetzung ist immer, dass 50 000 Schweize- rinnen und Schweizer es verlangen. Gründe für dieses Verfahren Es lässt sich nicht abstreiten, dass selbst beim Stand der heutigen Technik und unter Beachtung sämtlicher Sicher- heitsvorkehren für den Betrieb von Atomkraftwerken ein Restrisiko bleibt. Damit will nicht bestritten werden, dass die Eintreffenswahrscheinlichkeit eines Kernkraftwerkunfalls in unserem Land durch Ergreifung immer grösserer Sicher- heitsmassnahmen als äusserst gering einzustufen ist. Ganz wegzudenken ist sie aber nicht. Aus diesem Grunde soll die Verantwortung nicht ausschliesslich vom Parlament getra- gen werden. Dem Souverän muss die Möglichkeit gegeben werden, hier mitzubestimmen. Diese Forderung ist um so eher angebracht, weil durch die Auswirkungen des Strah- lenabfalls von Tschernobyl weite Teile der Bevölkerung ver- unsichert wurden und den Ausstieg aus der Kernenergie verlangen. Wir wissen um den Einwand, der darlegt, das Parlament sei sicher eher in der Lage, über die Frage der Rahmenbewilli- gung eines Atomkraftwerks zu beschliessen als das Volk. Das mag auf den ersten Blick so scheinen, trifft aber kaum zu, denn aus der Geschichte unserer Demokratie geht nicht hervor, dass der bisher geäusserte Volkswille mit grösseren Fehlentscheidungen belastet werden könnte. Angesichts des Misstrauens, das heute in Sachen Kernenergie unter der Bevölkerung herrscht, sieht ein definitiver Parlamentsent- scheid eher wie ein Machtspruch, zum mindestens aber wie eine Zwängerei aus. Der zweite Grund, der für eine Unterstellung der Rahmenbe- willigung unter das Referendum spricht, ist die Frage der staatspolitischen Zumutbarkeit. Kann oder soll das Parla- ment einer Region den Bau und Betrieb einer Atomanlage aufzwingen, wenn die betreffende Bevölkerung dagegen ist? Die Mehrheit der Kommission konnte diese Frage nicht endgültig bejahen, sonst hätte auch die Rahmenbewilligung für das Kernkraftwerk Kaiseraugst nachträglich dem Refe- rendum unterstellt werden müssen. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom September 1988 Rapport écrit du Conseil fédéral de septembre 1988 Wir verweisen auf Teil II, Ziffer 4.2. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln. #ST# 87.353 Motion (Villiger)-Steinegger Atomgesetzgebung. Revision Centrales nucléaires. Révision de la législation Wortlaut des Postulates vom 18. März 1987 Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament eine Vorlage zur Revision des Bundesgesetzes über die friedliche Ver- wendung der Atomenergie und den Strahlenschutz und des Bundesbeschlusses zum Atomgesetz zu unterbreiten mit dem Zweck, - unter Abkehr von der heutigen polizeilichen Regelung das fakultative Referendum bei der Erstellung neuer Kernkraft- werke zu ermöglichen; - geplante Kern kraf tan lagen ohne nukleare Baubewilligung in die Neuregelung einzubeziehen; - die Entschädigungsfragefürgeplante Kernkraftanlagen zu regeln, für die aufgrund rechtskräftiger Bewilligungen des Bundes in guten Treuen Ausgaben getätigt worden sind und welche wegen späterer Entscheide aufgrund der revidierten Atomgesetzgebung nicht realisiert werden können. Texte du postulat du 18 mars 1987 Le Conseil fédéral est chargé de soumettre à l'Assemblée un projet de révision de la loi sur l'utilisation pacifique de l'énergie nucléaire et la radioprotection ainsi que de l'arrêté afférent, tendant aux buts suivants: - instituer la possibilité du référendum facultatif lors de la construction de nouvelles centrales nucléaires, - soumettre au référendum facultatif les centrales prévues mais pour lesquelles l'autorisation de construire n'a pas encore été donnée, - régler les modalités d'indemnisation lorsque des dépenses ont été engagées de bonne foi, en vertu d'autori- sations de la Confédération, pour la construction de cen- trales auxquelles il a fallu renoncer par suite de décisions ultérieures se fondant sur la nouvelle législation. Mitunterzeichner-Cosignataires: Schmidhalter, Steinegger (2) Schriftliche Begründung - Développement par écrit 1. In der Schweiz stehen gegenwärtig fünf Kernkraftwerke im Betrieb. Sie wurden aufgrund von Polizeibewilligungen geschaffen, wie sie das geltende Recht vorsieht Der Bun- desgesetzgeber beschränkt sich auf eine polizeiliche Rege-Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion der Energiekommission Kernanlagen. Rahmenbewilligungen Motion de la commission de l'énergie Installations nucléaires. Autorisations générales In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1988 Année Anno Band III Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 87.342 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 26.09.1988 - 14:30 Date Data Seite 1189-1189 Page Pagina Ref. No 20 016 673 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.