A bteilung III C -603/2006 {T 0/2} U rteil vom 27. Juni 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler (Vorsitz); R ichter Vaudan; R ichter Vuille; G erichtsschreiber Segessenm ann. A ._______, Beschw erdeführer, vertreten durch R echtsanw ältin lic. iur. H SG Isabella Zürcher Kucera, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend A usdehnung der kantonalen W egw eisung. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer, geboren am 3. N ovem ber 1969, ist ghanaischer Staatsangehöriger und heiratete am 29. N ovem ber 2001 eine in der Schw eiz niedergelassene Landsfrau. Am 24. Juni 2002 reiste er im R ah- m en des Fam iliennachzugs in die Schw eiz ein und erhielt eine kantonale Aufenthaltsbew illigung. B. Am 16. Septem ber 2005 verw eigerte das M igrationsam t des Kantons Zü- rich die Verlängerung der Aufenthaltsbew illigung, da die Eheleute nicht m ehr zusam m en w ohnten. Zur Aufgabe der Erw erbstätigkeit und zum Verlassen des zürcherischen Kantonsgebiets w urde ihm eine Frist bis zum 31. O ktober 2005 angesetzt. C . M it Verfügung vom 2. N ovem ber 2005 dehnte die Vorinstanz die W egw ei- sung auf kantonalen Antrag hin auf die ganze Schw eiz sow ie das Fürsten- tum Liechtenstein aus und entzog einer allfälligen Beschw erde die auf- schiebende W irkung. D ie Ausreisefrist w urde auf den 30. N ovem ber 2005 festgesetzt. D . G egen diese Verfügung erhob der Beschw erdeführer am 17. N ovem ber 2005 beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) Be- schw erde. D arin beantragt er die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü- gung. Er habe das Zusam m enleben m it seiner G attin am 13. N ovem ber 2005 w ieder aufgenom m en und daher w ieder Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbew illigung. Aus diesem G rund habe er - ebenfalls am 17. N o- vem ber 2005 - beim Kanton ein neues Aufenthaltsgesuch eingereicht. E. In der Vernehm lassung vom 12. D ezem ber 2005 beantragt die Vorinstanz die Abw eisung der Beschw erde. D as Ausdehnungsverfahren könne nicht die Frage der R echtm ässigkeit der kantonalen W egw eisung zum G egen- stand haben. D ie Einreichung eines neuen Aufenthaltsgesuchs ändere nichts an der angefochtenen Verfügung, da der Kanton Zürich bislang kei- ne neue Bew illigung erteilt habe. F. D er Beschw erdeführer liess die Frist zur Einreichung einer R eplik unge- nutzt verstreichen. G . G em äss schriftlicher M itteilung des Bevölkerungsam ts der Stadt Zürich vom 30. M ai 2006 w urde der eheliche H aushalt w ieder aufgelöst und zog der Beschw erdeführer zu seiner neuen Lebenspartnerin. H . M it Strafbefehl der Staatsanw altschaft Zürich-Sihl vom 18. Februar 2007 w urde der Beschw erdeführer w egen illegalen Verw eilens in der Schw eiz - unter Berücksichtigung eines früheren Strafbefehls vom 5. D ezem ber 2006 w egen des gleichen D elikts - zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von drei M onaten verurteilt. 3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VG G genannten Ausnahm en Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), w elche von einer in Art. 33 VG G aufgeführten Behörde erlassen w urden. D arunter fallen die Verfügungen des BFM betreffend Ausdehnung der kan- tonalen W egw eisung (Art. 12 Abs. 3 und 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der am 1. Januar 2007 bei den Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erdediensten der D epartem en- te hängigen R echtsm ittel und w endet das neue Verfahrensrecht an (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Vw VG , sow eit das G esetz nichts an- deres bestim m t. 1.3 Als Verfügungsadressat ist der Beschw erdeführer zur Anfechtung der vor- instanzlichen Verfügung legitim iert (Art. 48 Abs. 1 Vw VG ). Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist deshalb einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 G em äss Art. 12 Abs. 3 AN AG kann die eidgenössische Behörde die Pflicht zur Ausreise aus einem Kanton auf das ganze G ebiet der Schw eiz aus- dehnen. Art. 17 Abs. 2 der Vollziehungsverordnung vom 1. M ärz 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer (AN AV; SR 142.201) präzisiert diese Bestim m ung, indem die Ausdehnung der W egw eisung zur R egel erklärt w ird, von der nur abzuw eichen ist, w enn der Ausländerin oder dem Ausländer aus besonderen G ründen G elegenheit gegeben w erden soll, in einem anderen Kanton um Bew illigung nachzusu- chen. D ie Ausdehnung ist som it nur noch der konsequente Vollzug eines rechtskräftigen kantonalen Entscheides und w ird daher nur in seltenen Ausnahm efällen unterbleiben (vgl. U rteil des Bundesverw altungsgerichtes C -598/2006 vom 16. April 2007 E. 3 und 4, ferner Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 62.52 E. 9 m it H inw eisen). 2.2 Zum Verständnis der R egelung ist vorw eg auf Art. 1a AN AG hinzuw eisen. D anach ist eine ausländische Person dann zur Anw esenheit in der Schw eiz berechtigt, w enn sie über eine Aufenthalts- oder N iederlassungs- bew illigung verfügt oder nach dem G esetz keiner solchen bedarf (zum Letzteren vgl. Art. 2 AN AG und Art. 1 AN AV). Besitzt sie keine Bew illigung und kann sie sich auch nicht auf ein gesetzliches Bleiberecht berufen, so ist ihr Aufenthalt illegal und sie ist von G esetzes w egen verpflichtet, die 4 Schw eiz zu verlassen (vgl. Art. 18 i.V.m . Art. 12 AN AG , ferner den Tatbe- stand des illegalen Aufenthaltes im Sinne von Art. 23 Abs. 1 AN AG , sow ie: N IC O LAS W ISA R D , Les renvois et leur exécution en droit des étrangers et en droit d’asile, Basel/Frankfurt am M ain 1997, S. 102). D ie durch den zustän- digen Kanton verfügte W egw eisung ist vor diesem H intergrund kein Ein- griff in ein irgendw ie geartetes Anw esenheitsrecht, sondern eine exekuto- rische M assnahm e zur Beseitigung eines rechtsw idrigen Zustandes (vgl. AN D R EA S ZÜ N D , Beendigung der Anw esenheit, Entfernung und Fernhaltung, in: U ebersax/M ünch/G eiser/Arnold [H rsg.], Ausländerrecht. Ausländerin- nen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Strafrecht, Steuer- recht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, R z. 6.53 m it H inw eisen) und zugleich dessen logische und nicht in Frage zu stellende Konsequenz (Art. 12 Abs. 3 Satz 2 AN AG verleiht der Behörde kein Entschliessungserm essen; vgl. dazu W ISA R D , a.a.O ., S. 130). D ie W egw eisung kann in dieser Konstellation nam entlich nicht dadurch in Frage gestellt w erden, dass die Ausreisepflicht them atisiert w ird, beispiels- w eise indem geltend gem acht w ird, es bestehe ein überw iegendes privates Interesse am w eiteren Verbleib in der Schw eiz. D erartige Vorbringen sind im kantonalen Bew illigungsverfahren oder - nach Verw eigerung einer Bew illigung - in dem dafür vorgesehene R echtsm ittelverfahren geltend zu m achen; vorbehalten bleiben Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 14a AN AG . 2.3 D as G esagte gilt grundsätzlich auch für die ebenfalls exekutorisch w irken- de Ausdehnungsverfügung. W urde die ausländische Person im Anschluss an einen negativen kantonalen Bew illigungsentscheid aus dem Kanton w eggew iesen und hat sie als Folge davon kein R echt auf Aufenthalt in der Schw eiz (Art. 1a AN AG ), kann sie die Ausreiseverpflichtung selbst nicht zum Them a des Verfahrens m achen; vorbehalten bleiben auch hier Voll- zugshindernisse im Sinne von Art. 14a AN AG . Es ist der Ausländerin oder dem Ausländer nam entlich verw ehrt, Interessen einzubringen, die auf den w eiteren Verbleib in der Schw eiz gerichtet sind, denn die Ausreisever- pflichtung ist die gesetzliche Folge des fehlenden Aufenthaltsrechts. Ein Aufenthaltsrecht, das notw endig w äre, um die Ausreisepflicht zu beseiti- gen, w ird durch den Verzicht auf eine Ausdehnungsverfügung nicht verm it- telt. D ies ist schon deshalb nicht m öglich, w eil die sachliche Zuständigkeit zur Legalisierung des Aufenthaltes nach der geltenden bundesstaatlichen Kom petenzausscheidung nicht beim Bund, sondern bei den Kantonen liegt. D er Bund hat w ohl die M öglichkeit, im Einzelfall eine frem denpolizeili- che R egelung durch den Kanton zu verhindern, um gekehrt besitzt er aber keine Kom petenz, einen Kanton zur frem denpolizeilichen R egelung eines Ausländers anzuhalten oder diesen auch nur zu dulden (vgl. Art. 18 AN AG ; vorbehalten bleibt das Asylrecht, das hier nicht von Bedeutung ist, sow ie die vorläufige Aufnahm e, zu Letzterer w eiter hinten). 2.4 Vor dem H intergrund der geschilderten Kom petenzordnung ist auch die R egelung des Art. 17 Abs. 2 AN AV zu verstehen, w onach auf die Ausdeh- nung verzichtet w erden kann, w enn der ausländischen Person aus beson- deren G ründen G elegenheit gegeben w erden soll, in einem anderen Kan-5 ton um eine Bew illigung nachzusuchen. D a auf der einen Seite der Ver- zicht auf die Ausdehnung an der Illegalität des Aufenthalts nichts ändert, und es auf der anderen Seite nicht angeht, einen rechtsw idrigen Zustand in Kauf zu nehm en, w ird Art. 17 Abs. 2 AN AV praxisgem äss in dem Sinne ausgelegt, dass von einer Ausdehnung Abstand genom m en w ird, w enn in einem D rittkanton ein Bew illigungsverfahren hängig ist und der D rittkanton dem Ausländer den Aufenthalt w ährend des Verfahrens gestattet. Eine analoge R egelung gegenüber dem w egw eisenden Kanton ist nicht notw en- dig. D enn da die Ausdehnung gegenüber der kantonalen W egw eisung ak- zessorisch ist, sie m ithin in ihrem Bestand und ihrer W irksam keit vom Be- stand und der W irksam keit der kantonalen W egw eisung abhängt, kann der w egw eisende Kanton auf seinen Entscheid zurückkom m en und der Aus- dehnung die G rundlage entziehen, ohne dass es hierzu einer Anordnung der Bundesbehörden bedürfte. 3. D er Beschw erdeführer ist von einer rechtskräftigen kantonalen W egw ei- sung betroffen. Zudem bestehen keine Anhaltspunkte, dass das M igrati- onsam t des Kantons Zürich bereit w äre, dem Beschw erdeführer erneut ei- ne Aufenthaltsbew illigung zu erteilen, zum al er - entgegen der Ausführun- gen in der Beschw erde - im heutigen Zeitpunkt nicht m ehr m it seiner Ehe- gattin zusam m enlebt. Es ist auch nicht ersichtlich, dass seitens eines D ritt- kantons die Bereitschaft bestehen w ürde, den Aufenthalt des Beschw erde- führers zu regeln. Es ist som it kein Spielraum vorhanden, vom G rundsatz der Ausdehnung der kantonalen W egw eisung auf das ganze G ebiet der Schw eiz abzuw eichen. D ie Ausdehnung der kantonalen W egw eisung ist dam it rechtens. 4. U nabhängig von der Bestätigung der Ausdehnungsverfügung bleibt zu prü- fen, ob H inderungsgründe für den Vollzug der W egw eisung anzunehm en sind. W enn der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar ist, verfügt das BFM die vorläufige Aufnahm e. D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn die ausländische Person w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz - insbe- sondere jene der der Konvention vom 4. N ovem ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (EM R K, SR 0.101) sow ie des Ab- kom m ens vom 28. Juli 1951 über die R echtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) - einer W eiterreise in den H eim at-, H erkunfts- oder D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für die Ausländerin oder den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (vgl. Art. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). In diesem Zusam m enhang gilt es darauf hinzuw eisen, dass die vorläufige Aufnahm e als Ersatzm assnahm e für den Vollzug der W egw eisung ausge- staltet ist. Sie tritt neben die W egw eisung, deren Bestand sie nicht antas- tet, sondern vielm ehr voraussetzt (vgl. VPB 62.52 E. 12.1 m it H inw eisen). 5. Aus den Akten ergeben sich keine H inw eise, dass dem Vollzug der W eg-6 w eisung des Beschw erdeführers in sein H eim atland Vollzugshindernisse entgegenstehen w ürden. So lassen insbesondere w eder seine persönliche Situation noch die allgem eine Lage in G hana auf das Vorliegen solcher H indernisse schliessen. D er Beschw erdeführer ist - sow eit aus den Akten ersichtlich - gesund. Zudem hat er die ersten 32 Jahre seines Lebens in G hana verbracht und lebt erst seit Ende 2001 in der Schw eiz. U nter diesen U m ständen darf davon ausgegangen w erden, dass er in seinem H eim at- land nach w ie vor über ein soziales N etz verfügt, m it dessen H ilfe er in der Lage sein sollte, sich bei einer R ückkehr in sein H eim atland eine neue w irtschaftliche Existenz aufbauen zu können. 6. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt; sie ist auch angem essen (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist daher abzuw eisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D iese sind auf Fr. 600.- fest- zusetzen (Art. 2 f. des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]) und m it dem am 30. N ovem ber 2005 geleisteten Kostenvor- schuss in gleicher H öhe zu verrechnen. D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt. D iese w erden m it dem am 30. N ovem ber 2005 geleisteten Kostenvor- schuss in gleicher H öhe verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (eingeschrieben) - der Vorinstanz (Akten R ef-N r. 1 926 379 Tsm retour) D ie vorsitzende R ichterin: D er G erichtsschreiber: R uth Beutler Thom as Segessenm ann Versand am :