<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">84</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>18</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 13 BVG; Art. 23, 24 und 28 APK-Reglement; Art. 8 Abs. 1 und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 91 BV</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die vorzeitige Pensionierung mit 61 Jahren ist auch nach dem Wechsel</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der APK vom Leistungs- zum Beitragsprimat möglich. Verfassungsmässi-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ge Rechte, Normen des Berufsvorsorgerechts oder von Statuten und Ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sicherungsbedingungen wurden beim Primatwechsel in Bezug auf die Re-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gelung der vorzeitigen Pensionierung nicht verletzt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 18. August</span><br/> <span class="ft3">2009 in Sachen R.W. gegen Aargauische Pensionskasse (VKL.2008.41).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">Die Möglichkeit der vorzeitigen Pensionierung ohne Leistungs-</span><br/> <span class="ft1">kürzung für Lehrer im Alter 61 wurde mit dem LPVK-Reglement</span><br/> <span class="ft1">1999 geschaffen. Bei der Überführung der Lehrerpensionskasse</span><br/> <span class="ft1">(LPVK) in die Aargauische Pensionskasse (APK) per 1. Januar 2004</span><br/> <span class="ft1">wurde diese Möglichkeit des privilegierten Rentenvorbezugs durch</span><br/> <span class="ft1">die Aufnahme einer entsprechenden Übergangsbestimmung in das</span><br/> <span class="ft1">APK-Reglement weitergeführt (§ 56 APK-Reglement 1995). Per</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 2008 erfolgte sodann bei der APK der Primatwechsel, d.h.</span><br/> <span class="ft1">vom bisher geltenden Leistungsprimat ging die Kasse zum Beitrags-</span><br/> <span class="ft1">primat über. Dies erforderte eine umfassende Reglementsänderung.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">85</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Dabei wurde das ordentliche Rentenalter für alle männlichen Ange-</span><br/> <span class="ft1">stellten des Kantons auf 65 Jahre festgelegt. Eine vorzeitige Pen-</span><br/> <span class="ft1">sionierung bzw. ein Vorbezug von Altersleistungen ist ab Alter 58</span><br/> <span class="ft1">zwar möglich, jedoch ist dies verbunden mit einer Kürzung der Ren-</span><br/> <span class="ft1">tenleistungen. § 56 des alten APK-Reglements wurde ersatzlos ge-</span><br/> <span class="ft1">strichen, d.h. die privilegierte Vorbezugsregelung ab Alter 61 wurde</span><br/> <span class="ft1">aufgehoben. (...) Strittig und zu prüfen ist, ob beim Primatwechsel</span><br/> <span class="ft1">per 1. Januar 2008 die Möglichkeit des privilegierten Rentenvor-</span><br/> <span class="ft1">bezugs im Alter von 61 Jahren (nach 40 Dienstjahren) zu Unrecht</span><br/> <span class="ft1">bzw. in Verletzung des geltenden Gesetzes- und Verfassungsrechts</span><br/> <span class="ft1">gestrichen wurde.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Die grundsätzliche Zulässigkeit eines Wechsels vom Leistungs-</span><br/> <span class="ft1">zum Beitragsprimat wird anerkannt (Hans-Ulrich Stauffer, Berufliche</span><br/> <span class="ft1">Vorsorge, Zürich 2005, S. 510 N 1350). Kommt es zu einer Regle-</span><br/> <span class="ft1">mentsänderung, die zu einer Leistungsherabsenkung führt, ist abzu-</span><br/> <span class="ft1">klären, inwieweit schützenswerte Interessen bestehen. Eine Grenze</span><br/> <span class="ft1">wird dort gesehen, wo in Vermögensrechte eingegriffen wird; ein</span><br/> <span class="ft1">Eingriff in bereits laufende Renten ist bei einem Primatwechsel</span><br/> <span class="ft1">mithin nicht ohne weiteres zulässig. Zu beachten sind generell die</span><br/> <span class="ft1">Kriterien der Gleichbehandlung und des Willkürverbots. So ist eine</span><br/> <span class="ft1">Änderung oder gar Aufhebung eines Leistungsversprechens aus</span><br/> <span class="ft1">sachlichen Gründen zulässig. Ebenso ist die Erhöhung der Beitrags-</span><br/> <span class="ft1">jahre bis zum Erreichen des Rentenalters bzw. die Erhöhung des or-</span><br/> <span class="ft1">dentlichen Rentenalters oder eine betragsmässige Kürzung einer an-</span><br/> <span class="ft1">wartschaftlichen Leistung zulässig, allerdings ist der Grundsatz zu</span><br/> <span class="ft1">beachten, dass das bereits angesparte Kapital nicht zweckentfremdet</span><br/> <span class="ft1">werden darf (Stauffer, a.a.O., S. 511 N 1352 f.; Ueli Kieser, Besitz-</span><br/> <span class="ft1">stand, Anwartschaft und wohlerworbene Rechte in der beruflichen</span><br/> <span class="ft1">Vorsorge, SZS 1999 S. 312).</span><br/> <span class="ft1">Per 1. Januar 2008 ging die APK vom Leistungs- zum Beitrags-</span><br/> <span class="ft1">primat über. Bereits laufende Renten wurden von der Änderung</span><br/> <span class="ft1">ausgenommen (vgl. § 51 Abs. 1 APK-Reglement 2008). Die Ände-</span><br/> <span class="ft1">rungen im Leistungsbereich wurden für alle übrigen Versicherten</span><br/> <span class="ft1">gleichermassen umgesetzt. Bereits angespartes Kapital wurde voll-</span><br/> <span class="ft1">umfänglich als persönliches Sparkapital übernommen. Insoweit ist</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">86</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Primatwechsel per 1. Januar 2008 unter Beachtung des Gleich-</span><br/> <span class="ft1">heitsgebotes umgesetzt worden. Auch eine Verletzung des Will-</span><br/> <span class="ft1">kürverbotes ist nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Kläger moniert des Weiteren, beim Primatwechsel seien</span><br/> <span class="ft1">wohlerworbene Rechte, wie etwa das Recht der langjährigen Versi-</span><br/> <span class="ft1">cherten, sich nach 40 Dienstjahren mit privilegierten Altersleistungen</span><br/> <span class="ft1">pensionieren zu lassen, verletzt worden.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Im LPVK-Reglement 1999 wurde bezüglich des privilegierten</span><br/> <span class="ft1">Altersrentenvorbezugs kein wohlerworbenes Recht geschaffen; we-</span><br/> <span class="ft1">der wurden generell noch bezüglich einer bestimmten Norm</span><br/> <span class="ft1">zukünftige Gesetzesänderungen ausgeschlossen, noch anderweitige</span><br/> <span class="ft1">Garantien statuiert. Dabei ist zu beachten, dass Statuten öffentlich-</span><br/> <span class="ft1">rechtlicher Vorsorgeeinrichtungen (was die LPVK war; vgl. § 1 Abs.</span><br/> <span class="ft1">3 LPVK-Reglement 1999) auch dann geändert werden dürfen, wenn</span><br/> <span class="ft1">sie keinen ausdrücklichen Abänderungsvorbehalt aufweisen, welcher</span><br/> <span class="ft1">für privatrechtliche Vorsorgestiftungen gefordert wird (BGE 134 I 36</span><br/> <span class="ft1">Erw. 7.2). Auch individuelle Zusicherungen gegenüber dem Kläger</span><br/> <span class="ft1">wurden ausweislich der Akten nicht abgegeben. Dass die Regelung</span><br/> <span class="ft1">der Frühpensionierung langjähriger Angestellter in die Übergangsbe-</span><br/> <span class="ft1">stimmungen des APK-Reglements (§ 56 APK-Reglement 1995)</span><br/> <span class="ft1">übernommen wurde, kann ebenso nicht als Garantie im Sinne eines</span><br/> <span class="ft1">wohlerworbenen Rechts qualifiziert werden. Zudem ist zu beachten,</span><br/> <span class="ft1">dass die Möglichkeit der vorzeitigen Pensionierung ohne Leistungs-</span><br/> <span class="ft1">einbusse erst 1999 geschaffen wurde (vgl. Erw. 2.3. vorstehend);</span><br/> <span class="ft1">dieser besondere Leistungsanspruch besteht somit nicht schon seit</span><br/> <span class="ft1">Jahrzehnten, und kann daher auch nicht bereits durch Zeitablauf den</span><br/> <span class="ft1">Status eines wohlerworbenen Rechts erworben haben. Auch aus dem</span><br/> <span class="ft1">Umstand, dass es sich bei der LPVK um eine Leistungsprimatkasse</span><br/> <span class="ft1">handelte, kann nicht auf eine individuelle Zusicherung einer be-</span><br/> <span class="ft1">stimmten Leistungshöhe ohne Änderungsvorbehalt geschlossen wer-</span><br/> <span class="ft1">den (Geiser, a.a.O., S. 624). Die Möglichkeit der vorzeitigen Pensio-</span><br/> <span class="ft1">nierung mit 61 Jahren / nach 40 Dienstjahren ohne Leistungseinbusse</span><br/> <span class="ft1">bei der Altersrente kann somit nicht als wohlerworbenes Recht quali-</span><br/> <span class="ft1">fiziert werden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">87</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.4.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Kläger macht weiter geltend, das Rechtsgleichheitsgebot</span><br/> <span class="ft1">sei verletzt, da Lehrerkollegen, welche bis 31. Dezember 2007 61</span><br/> <span class="ft1">Jahre alt geworden seien, noch von der privilegierten Rentenregelung</span><br/> <span class="ft1">hätten profitieren können, während nur ein oder zwei Jahre ältere</span><br/> <span class="ft1">Versicherte - so wie er - seit 1. Januar 2008 davon ausgeschlossen</span><br/> <span class="ft1">seien.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Ein Lehrer mit Jahrgang 1946 ist im Sinne der vorgenannten</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung (Art. 8 Abs. 1 BV) nicht sachlich gleich zu stellen wie</span><br/> <span class="ft1">der Kläger mit Jahrgang 1949. Da bei einem Leistungsfall immer</span><br/> <span class="ft1">dasjenige Recht anzuwenden ist, welches bei Eintritt des Leistungs-</span><br/> <span class="ft1">grundes Geltung hatte, ist auf Versicherte mit Jahrgang 1947 bezüg-</span><br/> <span class="ft1">lich der Frühpensionierung im Alter 61 noch auf die 2007 gültig</span><br/> <span class="ft1">gewesenen Normen, d.h. die Regelung vor Übergang der APK zum</span><br/> <span class="ft1">Beitragsprimat abzustellen. Für alle nachfolgenden Jahrgänge kann</span><br/> <span class="ft1">das nicht mehr gelten. Art. 8 BV wird dadurch nicht verletzt, da es</span><br/> <span class="ft1">sich eben gerade nicht um gleiche Gegebenheiten handelt. Zudem</span><br/> <span class="ft1">wurden nicht einzelne Versicherte von einem Leistungsanspruch aus-</span><br/> <span class="ft1">geschlossen, sondern eine generelle Grenze gezogen zwischen der</span><br/> <span class="ft1">Gruppe von Versicherten mit den Jahrgängen 1946 und älter und</span><br/> <span class="ft1">1947 und jünger. Solche Abgrenzungen sind zulässig, soweit inner-</span><br/> <span class="ft1">halb der einzelnen Gruppen alle Versicherten gleich behandelt wer-</span><br/> <span class="ft1">den.</span><br/> <span class="ft1">Ebenfalls nicht tangiert wird die Eigentumsgarantie (Art. 26</span><br/> <span class="ft1">BV), handelt es sich beim Rentenanspruch des Klägers doch ledig-</span><br/> <span class="ft1">lich um eine Anwartschaft, welche durch den Primatwechsel bzw. die</span><br/> <span class="ft1">Statutenänderung 2008 in ihrer Grundlage (Sparkapital) nicht redu-</span><br/> <span class="ft1">ziert wird.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.4.4.</span><br/> <span class="ft1">Ebenfalls keine verfassungsmässigen Rechte wurden verletzt,</span><br/> <span class="ft1">indem bei der am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Reglementsrevi-</span><br/> <span class="ft1">sion keine Übergangsbestimmung zur Frage des Altersrentenvorbe-</span><br/> <span class="ft1">zugs aufgenommen wurde. Angemessene Übergangsfristen können</span><br/> <span class="ft1">unter Umständen für neue belastende Regelungen aus dem Grundsatz</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">88</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">von Treu und Glauben geboten sein (BGE 130 I 60 Erw. 8.1). Über-</span><br/> <span class="ft1">gangsfristen haben jedoch nicht den Zweck, die Betroffenen mög-</span><br/> <span class="ft1">lichst lange von der günstigeren bisherigen Regelung profitieren zu</span><br/> <span class="ft1">lassen, sondern einzig, ihnen eine angemessene Frist einzuräumen,</span><br/> <span class="ft1">sich an die neue Regelung anzupassen. Eine mit Treu und Glauben</span><br/> <span class="ft1">begründete Übergangsfrist soll den Betroffenen ermöglichen, ihre</span><br/> <span class="ft1">Lebenshaltung an ein allfällig reduziertes Einkommen anzupassen</span><br/> <span class="ft1">(BGE 134 I 40 Erw. 7.6.1). Im konkreten Fall ist zu beachten, dass</span><br/> <span class="ft1">der Kläger bei der Pensionierung im Alter 61 keine Leistungsein-</span><br/> <span class="ft1">busse gegenüber der Regelung vor dem Primatwechsel hinnehmen</span><br/> <span class="ft1">muss. Im Gegenteil fällt die Rentenhöhe im Beitragsprimat - auf-</span><br/> <span class="ft1">grund der Zusatzgutschrift des Kantons - noch höher aus als im Leis-</span><br/> <span class="ft1">tungsprimat. Gleiches gilt für die Pensionierung im Alter von 63 Jah-</span><br/> <span class="ft1">ren. Der Unterschied liegt allein darin, dass im Leistungsprimat zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen 61 und 63, d.h. bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenal-</span><br/> <span class="ft1">ters, keine weitere Erhöhung der Altersrente mehr erreicht werden</span><br/> <span class="ft1">konnte, während im Beitragsprimat weiteres Sparguthaben und wei-</span><br/> <span class="ft1">tere Zinsen geäufnet werden können und sich auch durch die Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung eines höheren Umwandlungssatzes eine höhere Altersrente ab</span><br/> <span class="ft1">63 bzw. ab 65 Jahren ergibt. Dies ist jedoch kein Nachteil der Versi-</span><br/> <span class="ft1">cherten, welcher durch entsprechende Übergangsfristen aufgefangen</span><br/> <span class="ft1">werden könnte und müsste.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.5.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass weder generell</span><br/> <span class="ft1">bezüglich des Primatwechsels der APK per 1. Januar 2008 noch in-</span><br/> <span class="ft1">dividuell betreffend die Möglichkeit des Klägers, nach 40 Dienstjah-</span><br/> <span class="ft1">ren im Alter von 61 Jahren vorzeitig in Pension zu gehen, eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">letzung verfassungsmässiger Rechte, von Normen des Berufsvorsor-</span><br/> <span class="ft1">gerechts oder von Statuten und Versicherungsbedingungen vorliegt.</span><br/> <span class="ft1">Dem Kläger bleibt es unbenommen, sich per 1. März 2010 pensio-</span><br/> <span class="ft1">nieren zu lassen, doch kann er dabei keine Alterleistungen verlangen,</span><br/> <span class="ft1">wie er sie bei Weiterführung der Erwerbstätigkeit bis zum Erreichen</span><br/> <span class="ft1">des ordentlichen Rentenalters beanspruchen könnte. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>