Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Januar 2015 (720 13 100 / 01) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Persönlichkeitsstörung und ADHS bewirken eine erhebliche Einschränkung der Arbeits- fähigkeit. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien. A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Roman Felix , Advokat , Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1980 geborene A.____ war nach der abgebroche nen Ausbildung zur Elektromon- teurin vorwiegend im Telefonverkauf tätig, zuletzt vom 1. Juni 2009 bis 31. Oktober 2010 bei der B____AG. Am 30. März 2012 meldete sie sich unte r Hinweis auf Probleme mit der berufli- chen und sozialen Integration sowie ein Aufmerksamk eits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherun g (IV) zum Bezug von Leistungen an. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachdem die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen, erwerbli- chen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse abgeklärt hatte , ermittelte sie bei der Versicherten in Anwendung der spezifischen und der gemischten Bemessun gsmethode einen IV-Grad von 0%. Gestützt auf dieses Ergebnis und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wies sie einen Anspruch von A.____ auf eine Rente mit Verfügung vom 15. März 2013 ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 11. April 2013 Beschwer de beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht). Sie beantragte die Überprü- fung ihres Rentenanspruchs. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilli gung der unentgeltlichen Prozessführung. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die a ngefochtene Verfügung auf unzu- reichenden medizinischen Akten beruhen würde. C. Am 12. April 2013 (Eingang) reichte der behandeln de Arzt Dr. med. C.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, dem Kantonsgericht einen B ericht vom 11. Mai 2013 (recte: 11. April 2013) ein. D. Mit Verfügung vom 26. April 2013 wurde der Beschwer deführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung bewillig t und auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses verzichtet. E. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Mai 2013 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. F. In ihrer Replik vom 19. Juli 2013 beantragte die B eschwerdeführerin, nunmehr vertre- ten durch Advokat Roman Felix, in Aufhebung der Verfüg ung vom 15. März 2013 sei die Be- schwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Lei stungen auszurichten. Es sei ein Ge- richtsgutachten einzuholen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung mit Advokat Felix als unentgeltlichen Rechtsvertreter. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen ausführen, dass bei der Bemessung des IV-Grads von einem Erwerbsanteil von 80% und einem H aushaltsanteil von 20% auszuge- hen sei. Weiter würden die abweichenden medizinischen A kten eine Gerichtsbegutachtung er- fordern. Die IV-Stelle hielt in ihrer Duplik vom 29. Juli 2013 an ihrem Abweisungsantrag fest. G. Anlässlich der Urteilsberatung vom 24. Oktober 2013 g elangte das Kantonsgericht zum Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Angel egenheit gestützt auf die vorhande- nen medizinischen Akten nicht möglich sei. Es beschloss daher, die Angelegenheit auszustellen und forderte die Parteien auf, dem Gericht einen gem einsamen Gerichtsgutachter zwecks ge- richtlicher Begutachtung vorzuschlagen und zu dem vom Geri cht vorgelegten Fragenkatalog Stellung zu nehmen. Nachdem sich die Parteien auf PD D r. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, als Gerichtsgutachter geeinigt und zum Fragenkatalog Stellung genommen hatten, erging am 31. Dezember 2013 die Auftragserte ilung durch das Kantonsgericht. Das Gutachten wurde am 18. März 2014 erstattet. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Eingaben vom 20. Mai 2014 und 21. Mai 2014 na hmen die Parteien zum Gutachten sowie zu den Auswirkungen der medizinischen Beurteilung a uf den Leistungsanspruch Stel- lung, wobei sie an ihren Anträgen festhielten. Zu de m von der IV-Stelle beigelegten Bericht von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) bei- der Basel, vom 11. April 2014 nahm die Beschwerdeführerin am 17. Juni 2014 Stellung. Zudem beantragte sie, es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflich ten, die Kosten für den Bericht von Dr. C.____ vom 11. April 2013 von Fr. 2‘900.-- zu bezahlen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zustän- dig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobe ne Beschwerde vom 11. April 2013 ist ein- zutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Be schwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 15. März 2013 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Zu den psych ischen Gesundheitsschäden gehören somit neben den eigentlichen Geisteskrankheiten auch seelisch e Abwegigkeiten mit Krank- heitswert. Nicht als Auswirkungen einer krankhaften seelisc hen Verfassung und damit invali- denversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Beein trächtigungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden vermöchte, wobei das Mass d es Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt werden muss (BGE 131 V 50 f. E. 1.2, 130 V 353 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). 3.5 Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht als solche n icht zu einer Invalidität im Sin- ne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalid enversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in der en Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschade ns ist, dem Krankheitswert zu- kommt (BGE 99 V 28; AHI 2002 S. 28, I 454/99). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.2.2 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ei nem Aufgabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigke it nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in wel- chem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenb ereich zu betätigen (Betätigungs- vergleich; bzw. Art. 28a Abs. 2 IVG). 4.2.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen u nd der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte M ethode der Invaliditätsbemes- sung). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Renten- anspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbe- messung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstäti ge zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4.3.1 In der angefochtenen Verfügung hat die IV-Stel le den IV-Grad nach der spezifischen und nach der gemischten Methode bemessen. Sie hielt fe st, die Versicherte habe angegeben, keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, sondern sich vollumfän glich der Betreuung ihres Sohnes und dem Haushalt widmen zu wollen. Die Bemessung des IV -Grades erfolge daher nach der spezifischen Bemessungsmethode. Da anlässlich der Abklärung vo m 13. Dezember 2012 im Haushalt keine Einschränkung habe festgestellt werden können, betrage der IV-Grad 0%. Wei- ter hielt sie – unter Hinweis auf entsprechende Angaben der Versicherten im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit vom 14. Januar 2014 – auch fest, die Versicherte habe angege- ben, bei guter Gesundheit einer Erwerbstätigkeit von 80% nachzugehen. Diese Angaben seien aufgrund der Aussage, sie wolle sich voll und ganz ihrem Sohn und dem Haushalt widmen, zwar nicht nachvollziehbar. Da sie aus medizinischer Sicht auch im Erwerbsbereich nicht ein- geschränkt sei, betrage der IV-Grad aber selbst in Anwe ndung der gemischten Methode 0%. Am 20. Mai 2014 hielt die IV-Stelle im Zusammenhang mit der Bemessung der Invalidität weiter fest, bei den Anteilen 80% (Erwerb) und 20% (Haushalt ) handle es sich nicht um Aussagen der Beschwerdeführerin selbst. Die Angaben würden vielmeh r auf Überlegungen des Abklärungs- dienstes beruhen. Dieser sei der Ansicht gewesen, dass e ine Erwerbstätigkeit in diesem Um- fang erforderlich sei, damit die Beschwerdeführerin f inanziell über die Runden komme. Auf- grund der konkreten Umstände der Beschwerdeführerin, won ach sie sich nach den Ausführun- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen im Gutachten von Dr. F.____ nicht um ihre finanzie lle Situation, sondern um ihren Sohn kümmern wolle, sei der IV-Grad nach der spezifischen Met hode zu bemessen. Da diesbezüg- lich fachärztlich keine Einschränkungen festgestellt worden seien, betrage der IV-Grad 0%. 4.3.2 Der Auffassung der Vorinstanz kann nicht beigepf lichtet werden. Nach dem Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit am 14. Januar 201 3 gab die Versicherte an, dass sie bei guter Gesundheit in einem Pensum von 80% einer Erwerbstätigkeit nachgehen und 20% für die Hausarbeiten aufwenden würde. So würde sie finanziell einigermassen über die Runden kom- men. In der Zeit, in der sie arbeiten würde, müsste ih r Sohn in einer Kindertagesstätte fremdbe- treut werden. Diese Aussagen der Beschwerdeführerin zum Status wurden auf einer separaten, von ihr unterzeichneten Erklärung wiedergegeben. Damit ist sichergestellt, dass der Gesprächs- inhalt von der Abklärungsperson richtig in den Bericht ü bernommen wurde. Die Aussagen der Beschwerdeführerin sind glaubwürdig und deshalb massgeb end. Verlässlich Hinweise dafür, dass diese Angaben nicht dem Willen der Beschwerdeführeri n, sondern auf den Überlegungen des Abklärungsdienstes beruhen, sind – entgegen der Ansi cht der IV-Stelle – nicht ersichtlich. Jedenfalls lässt sich aus den Aussagen der Beschwerdeführer in, sie habe nach der Geburt ih- res Sohnes das Arbeitspensum reduzieren und sich primär um ihn kümmern wollen, nicht ablei- ten, dass sie im Gesundheitsfall ihre Erwerbstätigkeit au fgegeben und sich ausschliesslich im Haushaltsbereich betätigt hätte. Die unterschriftlich b estätigte Erklärung mit den Anteilen 80% (Erwerb) und 20% (Haushalt) ist eindeutig und nachvollzi ehbar, weshalb darauf abzustellen ist. Ob die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden wegen der Erkrankung ihres Sohnes im März 2013 ihr Arbeitspensum reduziert hätte, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens (vgl. E. 2 hiervor) und deshalb in einem allfälligen Revisionsverfahren zu prüfen. 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlich en Beeinträchtigungen arbeitsfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit einer versicher ten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Geri cht – auf Unterlagen angewiesen, die vor- ab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind . Deren Aufgabe ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähi g ist (vgl. BGE 132 V 99 f. mit weiteren Hinweisen). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stell ungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (vgl. ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Sch lauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Inva- lidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de s medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbar keit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Eine abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f . E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weite- ren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.5 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsberei ch bedarf es im Regelfall einer Ab- klärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abklärungsberichts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von Ar ztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsab klärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, we lche Kenntnis der örtlichen und räumli- chen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Behinderungen hat, die sich aus den me- dizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berück- sichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteilig ten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Be- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht richtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angem essen detailliert bezüglich der ein- zelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; U rteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sof ern der Bericht eine zuverlässige Ent- scheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstel lt, in das Ermessen der Abklä- rungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinsch ätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompe tente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zustän dige Gericht (Urteil des Bundes- gerichts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen; BGE 128 V 93 f. E. 4). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind im Wesentlichen die folgenden medizi- nischen Unterlagen zu berücksichtigen: 7.1 Die IV-Stelle beauftragte Dr. F.____ mit einer Begutachtung der Beschwerdeführerin. Am 20. November 2012 stellte er keine Diagnose mit Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Verdacht auf ADHS (ICD- 10 F90.0), dissoziale Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) , Alkoholabhängigkeit, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F10.24), Kokainabhängigkeit, g egenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F14.24) und ein schädlicher Gebrauch von Benzo diazepinen (ICD-10 F13.1). Die Ex- plorandin sei zurzeit sicherlich gefordert durch ihre Au fgaben als Mutter und durch ihre finanzi- elle Situation. Zudem sei sie durch ihren gewalttätige n und kriminellen Ex-Mann, der sie auch geschlagen habe, belastet gewesen. Diese mannigfachen psychosozialen Erschwernisse wür- den aber weder eine psychiatrische Diagnose noch eine Arb eitsunfähigkeit begründen. Vorlie- gend handle es sich um eine primäre Alkohol- und Droge nabhängigkeit und das ADHS schrän- ke die Arbeitsfähigkeit auch nicht ein. Die Explorandin sei in der Lage gewesen, die Schule ab- zuschliessen und eine Lehre aufzunehmen. Zudem habe sie wä hrend Jahren als Telefonver- käuferin gearbeitet. Die Schwierigkeiten während der beruflichen Ausbildung und der berufli- chen Tätigkeit seien nicht auf das ADHS zurückzuführen, son dern vielmehr auf den fortgesetz- ten und zum Teil recht hohen Kokainkonsum. Die Explorandin zeige wenig Interesse, sich in die Gesellschaft einzufügen und sehe den Sinn einer gerege lten beruflichen Tätigkeit nicht ein. Diese dissozialen Persönlichkeitszüge würden in psychiatrischer Hinsicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Auch der Alkohol- und Drogenkonsum habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Es würden sich keine Hinweise finde n für das Vorhandensein einer schwe- ren psychischen Störung, die zum Drogenkonsum geführt hä tte. Weiter würden keine Hinweise Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf irreversible geistige oder psychische Schäden nach lan gjähriger Alkohol- und Drogenab- hängigkeit vorliegen. 7.2 Am 15. April 2013 führte der behandelnde Arzt Dr . C.____ zum Gutachten von Dr. F.____ vom 20. November 2012 und zum Abklärungsbericht Haushalt vom 21. Januar 2013 aus, dass bei der Versicherten eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende instabile Persönlich- keitsstörung und eine sekundäre Suchtmittelabhängigkeit bestünden. Nach den Kriterien der ICD-10 F10 lasse sich kein schädlicher Gebrauch von Droge n/Alkohol nachweisen. Die Krite- rien für ein Abhängigkeitssyndrom seien nicht erfüllt. A m ehesten sei von einem Missbrauch psychotroper Substanzen (ICD-10 Z86.4) auszugehen. Weite r habe das ADHS die schulische und berufliche Laufbahn der Beschwerdeführerin beeint rächtigt und es sei für sie schwierig ge- wesen, in der monotonen Arbeitswelt zu bestehen. Es sei wiederholt zu depressiven Krisen und regelmässig zur Kündigung der Arbeitsverhältnisse gekomm en. Aufgrund der Persönlichkeits- struktur und der vermutlich eher unterdurchschnittlichen Intelligenz habe sie nicht genügend Copingstrategien entwickeln können. Dass die Versicherte k einer Arbeit nachgehen will, habe durchaus relevante Bezüge zum ADHS und sei somit krankheit sbedingt. Die Versicherte sei psychisch destabilisiert. Um den Haushalt könne sie sich zwar einigermassen kümmern, nicht aber auch noch ausreichend um das Wohl ihres Sohnes. Es se i davon auszugehen, dass bei der Versicherten seit der Schwangerschaft keine anhalten de Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Insgesamt würden im Gutachten von Dr. F.____ wesentliche Informationen fehlen und ein völlig falsches Bild über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten vermittelt. 8. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfü gung vom 15. März 2013 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vollumfängli ch auf die Gutachten von Dr. F.____ vom 20. November 2012. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht ein geschränkt sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund ein gehender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen. Anläss- lich der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten Urt eilsberatung vom 24. Oktober 2013 gelang- te das Kantonsgericht zur Auffassung, dass dem Gutachten von Dr. F.____ keine ausschlagge- bende Beweiskraft zukomme, da im Vergleich zu der Beurt eilung des behandelnden Arztes Dr. C.____ unüberbrückbare Diskrepanzen bestünden. Auch w enn Letztere keine vollständige bzw. zureichende Begründung enthalte, liesse sie dennoch erhebliche Zweifel an der Beurtei- lung von Dr. F.____ aufkommen. Da die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berich- te auch keine verlässliche Entscheidgrundlage bilden, seien die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräftig. Das K antonsgericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur weiteren Abklärung des mass gebenden medizinischen Sachver- halts ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu ge ben, mit dessen Erstellung PD Dr. D.____ beauftragt wurde. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Am 18. März 2014 diagnostizierte PD Dr. D.____ mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom imp ulsiven Typ (ICD-10 F60.30) und ein ADHS (ICD-10 F90). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfäh igkeit bestünden ein Status nach schädlichem Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1), ein schädlicher Gebrauch von Kokain (ICD- 10 F14.1) und ein Benzodiazepin-Abhängigkeitssyndrom, se hr häufiger Substanzgebrauch (ICD-10 F13.25). Die Beschwerdeführerin habe sehr früh eine emotionale Deprivation erlebt, die zu einem insuffizienten Selbstwert geführt habe. Da rin seien die frühen Wurzeln einer er- heblichen narzisstischen Störung erkennbar. Merkmale diese r Persönlichkeitsstörung seien eine Tendenz zur Polarisierung mit wechselnder Idealisie rung und Entwertung im Sinne eines Schwarz-Weiss-Denkens. Entsprechend sei die Beschwerdeführ erin schnell reizbar und impul- siv mit erheblichen Stimmungsschwankungen und einer brüchi gen Frustrationstoleranz. Das ADHS habe schon früh vorgelegen und erkläre das schwierige Verhalten während der Schule und im Berufsleben. In der Literatur sei eine hohe Ko morbidität zwischen dem ADHS und insta- bilen Persönlichkeitsstörungen einerseits, andererseits ab er auch zwischen ADHS und Sub- stanzenkonsum bzw. Abhängigkeiten dokumentiert. Da sowohl die Persönlichkeitsstörung als auch das ADHS sich in jungem Alter manifestiert hätten, sei schwer zu unterscheiden, welche Anteile des schwierigen und diskontinuierlichen Verhal tens auf die Persönlichkeitsstörung und welche auf das ADHS zurückzuführen seien. Es komme zu ein er andauernden gegenseitigen Interferenz dieser beiden Diagnoseentitäten, wie dies bei der Explorandin unter Würdigung ihrer auffälligen Berufsanamnese mit Sicherheit auch geschehe n sei. Der Suchmittelkonsum sei kei- ne primäre Störung, sondern ein sekundäres Phänomen. Hinweise für eine Wesensverände- rung oder für klare kognitive oder intellektuelle Defizite seien nicht feststellbar. Die Beschwerde- führerin habe immer wieder auf Drogen zurückgreifen u nd Ablenkung suchen müssen, um die Monotonie im Arbeitsprozess auszuhalten. Es sei deshalb im mer wieder zu Verwarnungen und Kündigungen gekommen. Die Beschwerdeführerin sei in Be zug auf die innerpsychischen Res- sourcen stets am Limit gewesen. Mit der Geburt ihres Sohn es habe die Belastung zugenom- men und die Ressourcen hätten nicht mehr ausgereicht, um neben der Betreuung des Kindes auch noch einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen zu k önnen. Durch die Erkrankung des Sohnes an Leukämie im März 2013 habe sich die Situation weiter zugespitzt. Die Würdigung der ICF-Kriterien (ICF: International Classification of Functioning, Disability and Health) mache deutlich, dass die Beschwerdeführerin in der Funktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigt sei. Sie wäre einzig in einem ruhigen Arbeitsumfeld mit sehr se ltenen zwischenmenschlichen Interaktio- nen, d.h. in kleinen wohlwollenden Teams, stundenweise arbeitsfähig. Es bestünde eine quali- tative Funktionseinbusse von 80%. Der bisherige Substan zkonsum allein habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Der blande objektive Psychosta tus könne über die schwere psychische Grundstörung nicht hinwegtäuschen. Gerade bei Persönlic hkeitsstörungen sei es keineswegs selten, dass praktisch blande Untersuchungsbefunde vorliege n würden. Insgesamt bestünde in der angestammten Tätigkeit wie auch in jeder Verweistätigkeit – wahrscheinlich seit dem letzten Arbeitstag der Beschwerdeführerin am 31. Oktober 2010 – eine Arbeitsfähigkeit von 20%. Es handle sich um eine rein theoretische Restarbeitsfähigk eit. Die Explorandin brauche deutlich mehr innerpsychisches Gleichgewicht, um wieder belastbar er zu werden. Erst dann könnten berufliche Massnahmen diskutiert werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.1 In ihrer Stellungnahme zum Gerichtsgutachten und zu den Auswirkungen der medizini- schen Beurteilung auf den Leistungsanspruch vom 20. Mai 2 014 hielt die IV-Stelle unter Ver- weis auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. E.____ vom 11. April 2014 fest, die Beurteilung von PD Dr. D.____ würde insofern nicht überzeugen, al s sich eine Arbeitsunfähigkeit von 80% für jegliche Tätigkeiten nicht mit einem entsprechend en pathologischen Befund begründen las- se. Für eine ideal angepasste Verweistätigkeit sei die enorm hohe Arbeitsunfähigkeit nicht plau- sibel. Weiter hielt der RAD-Arzt Dr. E.____ fest, im Gutachten sei die Frage nicht beantwortet, weshalb das ADHS medikamentös nicht habe behandelt werden können. Ausserdem handle es sich bei der Erkrankung des Sohnes der Beschwerdeführerin um einen IV-fremden Faktor. 10.2 Die Beschwerdeführerin beantragte in ihrer Eing abe vom 21. Mai 2014, es sei ihr ab 1. August 2012 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Begrün dung führte sie aus, die Beurtei- lung von PD Dr. D.____ mache deutlich, dass sie nicht in der Lage sei, die rein theoretische Arbeitsfähigkeit von 20% zu verwerten. Weiter sei in B ezug auf die Bemessung der Invalidität nicht einzusehen, weshalb nicht auf ihre Angaben im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstä- tigkeit vom 14. Januar 2013 abgestellt werden soll. Für den Fall, dass die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bejaht würde, werde beantragt, d ass eine erneute Abklärung zur Invalidität im Haushalt durchgeführt werde. Ausserdem betrage das massgebende Valideneinkommen mindestens Fr. 52‘951.--. 11.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzu ng der medizinischen Experten oder Expertinnen ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachken ntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfü- gung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medi zinisch zu erfassen. Vorliegend sind keinerlei Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, d ie Ergebnisse des Gerichtsgutachtens von PD Dr. D.____ vom 18. März 2014 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsi cht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesger icht verlangt wird (vgl. E. 5.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf a llseitigen Untersuchungen, es berücksich- tigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vo rakten abgegeben worden und es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizi- nischen Situation ein. Sodann weist das Gutachten keinerlei Widersprüche auf und es setzt sich auch mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) f achärztlichen Einschätzungen ausei- nander. Es wird deutlich, dass Substanzmittelmissbrauch als sekundäres Leiden zu qualifizie- ren ist und für sich allein keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat. Indessen besteht aufgrund der Persönlichkeitsstörung und des ADHS eine erhebliche E inschränkung der Funktionsfähig- keit. Auch die fachärztliche Einschätzung der Arbeitsfäh igkeit ist nachvollziehbar begründet. Demnach ist die Beschwerdeführerin theoretisch einzig in einem ruhigen Arbeitsumfeld mit sehr seltenen zwischenmenschlichen Interaktionen stundenweise und in einem Umfang von 20% arbeitsfähig. Insgesamt ist die Beurteilung im Gutach ten von PD Dr. D.____ sowohl in der Dar- legung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schluss- folgerungen überzeugend und lässt eine zuverlässige Beu rteilung der Arbeitsfähigkeit der Ver- sicherten zu. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.2 Daran vermögen die Vorbringen der IV-Stelle nich ts zu ändern. Soweit sie einwendet, dass mit Blick auf den weitgehend normalen psychopatholog ischen Befund die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nicht plausibel sei, ist darauf hi nzuweisen, dass es nach der nachvollziehba- ren Beurteilung des Gerichtsgutachters gerade bei Persön lichkeitsstörungen keineswegs selten ist, dass praktisch blande Untersuchungsbefunde vorliegen. Demnach ist dem überzeugenden Gerichtsgutachten zufolge davon auszugehen, dass die Ver sicherte auch bei weitgehend nor- malem psychopathologischem Befund eine schwere psychische St örung mit erheblicher Aus- wirkung auf die Leistungsfähigkeit aufweist. Wenn der RAD-Arzt Dr. E.____ rügt, PD Dr. D.____ habe die Frage nicht beantwortet, weshalb medikamentö se Behandlungsversuche des ADHS nicht gewirkt hätten, ist ihm entgegenzuhalten, dass di e Behandlung mit den Medikamenten Concerta® und Focalin XR® wegen erheblicher Nebenwir kungen abgebrochen werden musste (vgl. S. 25 des Gutachtens). Wenn er schliesslich einwendet , dass es sich bei der Erkrankung des Sohnes um einen invaliditätsfremden Faktor handle und überdies das Kriterium der Dauer- haftigkeit nicht gegeben sei, ist festzustellen, dass dem Gutachten von PD Dr. D.____ lediglich zu entnehmen ist, dass sich die Situation der fehlenden R essourcen durch die Erkrankung des Sohnes weiter zugespitzt habe. Die Arbeitsunfähigkeit ist aber nach der nachvollziehbaren Be- gründung im Gerichtsgutachten nicht auf die Erkrankun g des Sohnes, sondern auf die Persön- lichkeitsstörung sowie das ADHS und die dadurch bedingte Verknappung der innerpsychischen Ressourcen zurückzuführen. Insgesamt benennt der RAD-Arzt Dr. E.____ in seiner Stellung- nahme vom 11. April 2014 keine Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Demnach vermögen seine Vo rbringen die ausschlaggebende Beweiskraft des Gerichtsgutachtens nicht in Zweifel zu ziehen. 11.3.1 Zu prüfen ist weiter, ob die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem aus- geglichenen Arbeitsmarkt wirtschaftlich verwerten kann. Dab ei darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsge- legenheit im Sinne von Art. 16 ATSG gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemein e Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkomm en eines durchschnittlichen Arbeit- gebers möglich wäre und das Finden einer entsprechende n Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil des EVG vom 10. M ärz 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinwei- sen). Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichene n Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her e inen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlang ten beruflichen und intellektuellen Vo- raussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4 mit Hin- weisen). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzel fall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwe rten oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; AHI 1998 S. 291 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der dem Versicherten auf einem ausgeglichenen Arbeitsma rkt offen stehenden Möglichkeiten zur Verwertung seiner Resterwerbsfähigkeit dürfen von ihm Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subje ktiven Gegebenheiten des Einzelfal- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht les nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). 11.3.2 Nach der Beurteilung im massgebenden Gerichtsguta chten besteht für die bisherige, aber auch für Verweistätigkeiten, zwar eine Arbeitsfäh igkeit von 20%. Zu beachten ist aber, dass es sich dabei um eine rein theoretische Arbeitsfähigk eit handelt und gemäss dem Zumut- barkeitsprofil nur Tätigkeiten in einem ruhigen Arbeit sumfeld mit sehr seltenen zwischen- menschlichen Interaktionen in Frage kommen. Im Telefon verkauf gibt es zwar allenfalls die Möglichkeit, stundenweise von zu Hause aus zu arbeiten. A llerdings ist diese Tätigkeit sehr stark mit zwischenmenschlichen Interaktionen verbunden und d eshalb für die Beschwerdefüh- rerin ungeeignet. Von Bedeutung ist die Beurteilung des Gerichtsgutachters, dass derzeit noch keine beruflichen Massnahmen angezeigt sind. Die Versicher te brauche ein deutlich besseres innerpsychisches Gleichgewicht, um wieder belastbarer zu we rden. Erst dann könnten berufli- che Massnahmen diskutiert werden. Aus dieser ärztlichen Ei nschätzung ist zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der bestehenden gesun dheitlichen Einschränkungen derzeit keine Möglichkeit hat, auf dem ausgeglichenen Arbeitsma rkt ihre Restarbeitsfähigkeit zu ver- werten. 12. Demnach kann derzeit weder ein Validen-, noch ein Invalideneinkommen angerechnet werden, da diese auf statistischen Werten beruhen, die e ben gerade nicht geschützte Arbeits- plätze betreffen. Der Einkommensvergleich ist unter diese n Umständen nicht durchführbar. Bei einem Erwerbsanteil von 80% (vgl. E. 4.3.2 hiervor) r esultiert ein gewichteter IV-Grad von 80% (80% x 100%), was Anspruch auf eine ganze Rente gibt (vg l. E. 4.1 hiervor). Daher kann auf eine erneute Abklärung zur Invalidität im Haushaltbere ich verzichtet und festgestellt werden, dass die Beschwerdeführerin frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendma- chung des Leistungsanspruchs (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) und somit mit Wirkung ab 1. September 2012 bei einem IV-Grad von (mindestens) 80% Anspruch au f eine ganze IV-Rente hat. Die Be- schwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 13. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 13.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegeg- nerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. In diesem Zusam- menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten aufer- legt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliege nden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 13.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, we nn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nach träglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. In BGE 139 V 496 hat d as Bundesgericht präzisierend Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Ver- waltung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusam- menhang bestehen zwischen dem Untersuchungsmangel seitens d er Verwaltung und der Not- wendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio- nen der Fall: Wenn ein manifester Widerspruch zwischen d en verschiedenen, aktenmässig be- legten ärztlichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Ve rwaltung diesen durch objektiv be- gründete Argumente entkräftet habe; wenn die Verwalt ung zur Klärung der medizinischen Si- tuation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abge- stellt habe, welche die Anforderungen an eine medizini sche Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwaltung dage gen den Untersuchungsgrundsatz res- pektiert und ihre Auffassung auf objektive konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei di e Überbindung der Kosten des erstin- stanzlichen Gerichtsgutachtens an sie nicht gerechtfertigt, aus welchen Gründen dies auch im- mer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutach- tens; zum Ganzen: BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hinweisen). 13.2.2 Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der U rteilsberatung vom 24. Oktober 2013 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf d ie damals vorhandene Aktenlage nicht möglich sei. Hintergrund hierfür bildeten die un terschiedlichen Beurteilungen von Dr. F.____ vom 20. November 2012 und des behandelnden Arztes Dr. C.____ vom 11. April 2013. Da der Bericht von Dr. C.____ erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 15. März 2013 erfolgte, ist nicht zu beanstanden, dass d ie IV-Stelle das Gutachten von Dr. F.____ vom 20. November 2012 als rechtsgenügliche Beweisgrundlage für ihren Entscheid ansehen hat. Unter diesen Umständen ist der Vorinstanz kein Untersuchungsmangel anzulas- ten, weshalb die Kosten für die gerichtliche Begutacht ung in der Höhe von Fr. 4‘500.-- zu Las- ten der Gerichtskasse gehen. 13.3.1 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende B eschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Angesichts der Tatsache, dass zur Du rchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage gekommen wäre, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfa hrensfairness entfallen ist, rechtfertigt es sich, der Beschwerdeführerin auch dann eine volle Parte ientschädigung zu Lasten der IV- Stelle zuzusprechen, wenn sie mit ihren Anträgen nicht vollständig durchgedrungen ist. Dem- nach ist der Beschwerde führenden Versicherten eine Pa rteientschädigung zu Lasten der IV- Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdefüh rerin hat in seinen Honorarnoten vom 22. August 2013 und 25. Juli 2014 für das vorliege nde Beschwerdeverfahren einen Zeit- aufwand von 12,55 Stunden und Auslagen von insgesamt Fr . 152.-- ausgewiesen, was ange- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des Aktenumfangs angemes- sen ist. Damit ist der Beschwerdeführerin für das vorlie gende Beschwerdeverfahren eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘552.65 (12,55 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 152.-- zuzüglich 8% MwSt.) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 13.3.2 Die Beschwerdeführerin beantragte überdies, es sei die Beschwerdegegnerin zu ver- pflichten, die Kosten des Berichts von Dr. C.____ vom 11. April 2013 über Fr. 2‘900.-- zu be- zahlen. Nach der Rechtsprechung sind unter dem Titel Par teientschädigung auch die Kosten privat eingeholter Gutachten zu vergüten, soweit die Parteiexpertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (BGE 115 V 63 E. 5c; Urteil B. des Bund esgerichts vom 24. April 2007, I 1008/06, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Gr undsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1 ATSG festgehalten (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 45 Rz. 12). Die vorliegen d gewonnene Erkenntnis, dass für eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit ergänzende medizinische Abklärungen erforder- lich waren, stützt sich wesentlich auf die Darlegungen im Bericht von Dr. C.____ vom 11. April 2013. Daraus folgt aber, dass der Arztbericht von Dr. C .____ vom 11. April 2013 massgeblich zur Entscheidfindung im vorliegenden Beschwerdeverfahre n beigetragen hat. Die Kosten des Berichts gehören deshalb für die Beschwerdeführerin zu den notwendigen Expertenkosten im Sinne der oben dargestellten Rechtsprechung. In betra glicher Hinsicht gibt die Rechnung von Dr. C.____ vom 16. April 2014 zu keinerlei Bemerkungen Anlass, weshalb die betreffenden Kosten in der Höhe von Fr. 2‘900.-- von der IV-Stelle – unter dem Titel der der Beschwerdefüh- rerin zustehenden Parteientschädigung – zu übernehmen sind. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 15. März 2013 aufgeho ben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin mit Wirku ng ab 1. September 2012 Anspruch auf eine ganze Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 4‘500.--gehen zu Lasten der Gerichtskasse. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘552.65 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) sowie die Kosten für den Bericht von Dr . med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 11. April 2013 von Fr. 2‘900.-- zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht