Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 11. April 2012 (810 11 316) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Edgar Schürmann , Gerichtsschreiberin i.V. Marion Wüthrich Parteien A.____ und B.____ mit Kindern , Beschwerdeführer, vertreten durch Michelle Wahl, Advokatin gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligunge n und Wegweisung (RRB Nr. 1169 vom 23. August 2011) A. Der 1966 geborene kosovarische Staatsangehörige A._ ___ erhielt am 9. Dezember 1994 die Aufenthaltsbewilligung, nachdem er in den Ja hren zuvor regelmässig in der Schweiz als Saisonnier im Gartenbaugewerbe gearbeitet hatte. Am 21. Februar 1995 wurde seiner Ehe- frau B.____, geboren 1975, im Rahmen des Familiennach zugs ebenfalls die Aufenthaltsbewilli- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung erteilt. 1995 kam die erste Tochter C.____ auf d ie Welt. Im Jahr 1997 wurde die zweite Tochter D.____ und 1998 Sohn E.____ geboren. Am 15. März 1999 wurde die Familie durch die Fremdenp olizei Basel-Landschaft (heute: Amt für Migration Basel-Landschaft [AfM]) wegen der seit Jan uar 1998 bezogenen Sozialhilfegelder erstmals schriftlich verwarnt. Die bezogenen Unterstützungsleistungen beliefen sich zum dama- ligen Zeitpunkt auf Fr. 12'276.--. In der Folge arbe itete A.____ ab dem 16. April 1999 als Hilfs- schlosser bei der F.____ AG. Aufgrund eines Bandscheibenvorfalls im Juni 2001 musste er sich einer Rückenoperation unterziehen. Vom behandelnden Arzt wurde ihm eine 100%-ige Arbeits- unfähigkeit attestiert. Im April 2003 wurde das vierte Kind der Ehegatten, Tochter G.____, gebo- ren. Ein vom AfM am 10. Dezember 2003 angeforderter Führungsbericht ergab, dass die Fami- lie seit November 2001 von der Sozialhilfebehörde H._ ___ Leistungen in der Höhe von Fr. 64'550.-- bezogen hatte. In dieser Zeit reichte A.____ bei der Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft ein IV-Gesuch ein. Aufgrund des hängi gen IV-Verfahrens wurden die Aufent- haltsbewilligungen der Familie, trotz Anstiegs der Sozialhilfeleistungen auf Fr. 150'000.-- (Stand Dezember 2004), verlängert. Mit Verfügung vom 11. Nov ember 2005 ermittelte die Sozialversi- cherungsanstalt Basel-Landschaft schliesslich einen Invalidi tätsgrad von 34% und lehnte das Begehren um Ausrichtung einer IV-Rente ab. In der abl ehnenden Verfügung wurde ferner fest- gehalten, dass A.____ aus medizinischer Sicht die Ausübung einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit im Umfang von 80% zumutbar sei. Auf telefonische Anfrage des AfM teilte die Sozialhilf ebehörde H.____ am 14. Dezember 2005 mit, dass A.____ gegen den Entscheid der Sozialversicherun gsanstalt Basel-Landschaft Ein- sprache erhoben habe. Überdies wurde schriftlich mitgetei lt, dass die Familie bis Dezember 2005 mit rund Fr. 188'300.-- unterstützt worden sei. Daraufhin wies das AfM A.____ mit Schrei- ben vom 24. Januar 2006 darauf hin, dass bei allfällig er rechtskräftiger Ablehnung des IV- Gesuchs aufgrund der Höhe der bezogenen Sozialhilfeleistungen eine Prüfung der Nichtverlän- gerung der Aufenthaltsbewilligungen erfolge. Anfangs 2007 stellte sich heraus, dass A.____ − entgegen der früheren Auskunft der Sozialhilfebehörde H.____ − gegen die Verfügung der So- zialversicherungsanstalt Basel-Landschaft vom 11. November 20 05 keine Einsprache erhoben hatte. Die bezogenen Sozialhilfeleistungen beliefen sich mittlerweile auf über Fr. 258'500.--. Mit Schreiben vom 26. Februar 2007 gewährte das AfM d er Familie das rechtliche Gehör zur allfälligen Nichtverlängerung ihrer Aufenthaltsbewill igungen. Mit Schreiben vom 2. Mai 2007 nahm die Familie, vertreten durch I.____, I.____-Ber atungen, Stellung. Unter Ansetzung einer Nachfrist gab das AfM den Betroffenen mit Schreiben vom 31. Mai 2007 Gelegenheit, zu diver- sen noch unbeantwortet gebliebenen Fragen ergänzende Angaben zu machen und forderte die Familie auf, diverse Unterlagen einzureichen. Zusätzlich wurde den drei älteren Kindern aus- drücklich die Gelegenheit gewährt, persönlich zu einer a llfälligen Wegweisung Stellung zu neh- men. Mit Schreiben vom 7. September 2007 nahm die Familie, weiterhin vertreten durch I.____, Stellung. Angesichts der zwischenzeitlich weiter angestiegenen Sozial hilfeunterstützung verwarnte das AfM A.____ und B.____ mit Schreiben vom 28. November 2007 erneut und räumte ihnen mit Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rücksicht auf den Gesundheitszustand von A.____ und aufgru nd des Umstands, dass sich die Gemeinde H.____ für die Verlängerung der Aufenthalt sbewilligungen der Familie ausgespro- chen hatte, eine letzte sechsmonatige Frist ein. Sollte die Familie danach weiterhin in erhebli- chem Masse von der öffentlichen Hand abhängig sein, sei ge gebenenfalls mit der Wegweisung aus der Schweiz zu rechnen. Am 29. November 2007 stellt e Erik Wassmer, Advokat, und neu mit der Interessenwahrung der Familie betraut, ein R evisionsbegehren bei der IV-Stelle Basel- Landschaft. Dies aufgrund einer bei A.____ im Septemb er 2007 diagnostizierten Polyneuro- pathie sowie einer mittelschweren bis schweren Depression. Auf entsprechende Anfrage des AfM vom 25. Februar 2008 bestätigten die Externen Psychiatri- schen Dienste Liestal, dass A.____ sich nach wie vor in Behan dlung befinde, ihm jedoch die Ausübung einer leichten Teilzeitarbeit möglich sei. E in erneuter Führungsbericht zeigte, dass der Sozialhilfebezug der Familie Ende Juni 2008 bereit s auf rund Fr. 357'000.-- angestiegen war. Mit Schreiben vom 27. Juni 2008 teilte der Rechts vertreter der Familie mit, dass B.____ in der Zwischenzeit zwei Arbeitseinsätze gehabt habe und einen Alphabetisierungskurs besuche. In der Folge wurden seitens des AfM diverse Abklärungen betreffend die Integration der vier Kinder sowie deren schulischen Leistungen vorgenommen. Mit Schreiben vom 25. August 2008 gewährte das AfM der Familie erneut das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Nichtverlängerung ihrer Aufentha ltsbewilligungen. Mit Eingabe vom 26. Sep- tember 2008 nahm die Familie, neu vertreten durch Advo katin Michelle Wahl, Stellung zu einer allfälligen Wegweisung und beantragte die Sistierung des Verfahrens, bis ein rechtskräftiger Revisionsentscheid der Eidgenössischen Invalidenversicherung vo rliege. Mit Schreiben vom 3. September 2009 entsprach das AfM diesem Begehren und sistierte das Verfahren. Mit Verfügung vom 16. Februar 2010 entschied die Sozia lversicherungsanstalt Basel Land- schaft, dass der Invaliditätsgrad von A.____ bei 20% lie ge und deshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Da sich die bezogenen Sozialhil feleistungen zwischenzeitlich auf rund Fr. 461'300.-- beliefen, gab das AfM A.____ und B._ ___ sowie ihren vier minderjährigen Kin- dern mit Schreiben vom 13. August 2010 nochmals Gelege nheit, sich zu einer allfälligen Nicht- verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen und der da mit verbundenen Wegweisung aus der Schweiz zu äussern. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs nahm d ie Familie, weiterhin vertreten durch Advokatin Wahl, am 7. Oktober 2010 Stellung. Am 11. Januar 2011 verfügte das AfM die Nichtverläng erung der Aufenthaltsbewilligungen und die Wegweisung der Ehegatten und deren Kinder aus der Schweiz. Die Ausreise sollte dabei bis spätestens 11. April 2011 erfolgen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Sozialhilfeabhängigkeit der Familie mit Fr. 46 1'295.15 (Stand 21. Juni 2010) nicht nur ein erhebliches Mass erreicht, sondern auch − nach einer ersten Bezugsperiode von Januar 1998 bis April 1999 − seit Oktober 2001 ununterbrochen angedauert habe. Den Betroffenen könne zudem keine gute Prognose gestellt werden, sich von der Sozialhilfe zu lösen, hätten sie doch in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass sie n icht gewillt seien, sich auf dem Arbeits- markt langfristig zu integrieren. Es liege daher einde utig ein Widerrufsgrund vor. Ein schwer- wiegender persönlicher Härtefall sei nicht gegeben. In Anbetracht der erheblichen Sozialhilfe- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht abhängigkeit, der schlechten Prognose und dem mangelnd en Willen, von dieser wegzukom- men, sei das AfM nicht bereit, die Aufenthaltsbewilligu ngen der Familie im Rahmen seines Er- messens zu verlängern. Schliesslich erweise sich die Wegweisung der Familie aus der Schweiz − trotz ihrer langen Aufenthaltsdauer − als verhältnism ässig. B. Gegen diese Verfügung erhoben A.____ und B.____ gemeinsam mit ihren minderjähri- gen Kindern, weiterhin vertreten durch Advokatin Wahl , am 14. Januar 2011 Beschwerde beim Regierungsrat. Darin beantragten sie die Aufhebung de r Verfügung des AfM vom 11. Januar 2011 sowie die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen. Eventualiter sei für die Familie beim Bundesamt für Migration die Zustimmung zur Erteilung einer Härtefallbewilligung einzuholen. Dies unter o/e-Kostenfolge, wobei den Beschwerdeführend en die unentgeltliche Beschwerde- führung und Verbeiständung zu bewilligen sei. In der am 21. März 2011 fristgemäss nachge- reichten Beschwerdebegründung wurde im Wesentlichen vorg ebracht, dass der Entscheid un- verhältnismässig sei und die verfassungsrechtlichen Garantien zum Schutze der Kinder verlet- ze. Sozialhilfeabhängigkeit alleine dürfe nicht dazu fü hren, den Widerruf der Niederlassungs- bewilligung ausländischer Staatsangehöriger zu begründen , welche sich seit mehr als 15 Jah- ren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten. Eine Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligungen und die Wegweisung in den Ko sovo stellten eine übermässige Härte dar. Der Familie sei es als kosovarische Roma in persönlicher, wirtschaftlicher und sozialer Hin- sicht unzumutbar, in den Heimatstaat zurückzukehren, weshal b der Entscheid unverhältnis- mässig sei. In seiner Vernehmlassung vom 18. Mai 2011 beantragte da s AfM die Abweisung der Be- schwerde. Die Familie sei wirtschaftlich schlecht integrier t, weshalb aufgrund des jahrelangen und betragsmässig hohen Sozialhilfebezugs ein erhebliches I nteresse an deren Wegweisung aus der Schweiz bestehe. Mit Schreiben vom 8. Juli 2011 informierte die Rechts vertreterin der Familie, dass es A.____ gelungen sei, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen. Er sei halbtags als Reinigungsmitarbeiter bei der J.____AG beschäftigt, wobei das Arbeitspensum schrittweise auf 100% erhöht werde. Mit Regierungsratsbeschluss Nr. 1169 vom 23. August 2011 wies der Regierungsrat die Be- schwerde ab. Er begründete seinen Entscheid im Wesentlichen mit der selbstverschuldeten und erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit der letzten 10 Jah re, dem in der Vergangenheit gezeigten mangelnden Arbeitswillen der Ehegatten und der Tatsach e, dass weder A.____ noch B.____ gesuchte Arbeitskräfte seien. Die lange Verweildauer de r Familie begründe zwar ein gewichti- ges Interesse an einem weiteren Verbleib in der Schwei z, es sei indessen nicht davon auszu- gehen, dass sich die finanzielle Lage der Familie zukünf tig grundlegend und anhaltend ändern werde, zumal die Kinder noch eine gewisse Zeit auf die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern angewiesen seien. An dieser Einschätzung und der ungünstigen Zukunftsprognose könne auch die Tatsache nichts ändern, dass B.____ in der Vergangen heit verschiedene kurze Arbeitsein- sätze hatte und A.____ seit Juni 2011 einer Teilzeittä tigkeit nachgehe. Vor dem Hintergrund des jahrelangen Untätigbleibens sei dies nicht zu beachten. Insgesamt könne unter dem Aspekt der jahrelangen Sozialhilfeabhängigkeit nicht von ein er guten Integration gesprochen werden, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht weshalb die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewillig ungen und die Wegweisung insgesamt angemessen und auch verhältnismässig sei. Des Weiteren ver neinte der Regierungsrat das Vorliegen eines Härtefalles. C. Am 5. September 2011 reichten A.____ und B.____, nach wie vor vertreten durch Advo- katin Wahl, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abt eilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), Beschwerde gegen den Entscheid des Regierungsrates ein. Sie bean- tragen die Aufhebung der Verfügung vom 11. Januar 2011 und des Regierungsratsbeschlusses vom 23. August 2011 sowie die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligungen und diejenige ihrer vier minderjährigen Kinder. Eventualiter sei beim Bu ndesamt für Migration die Zustimmung zur Erteilung einer Härtefallbewilligung einzuholen. Für die Dauer des Verfahrens sei ihnen zudem die Anwesenheitsberechtigung in der Schweiz zu verlänge rn. Dies alles unter o/e-Kostenfolge. Weiter stellten die Beschwerdeführenden ein Gesuch um u nentgeltliche Rechtspflege, welche ihnen mit Verfügung vom 8. September 2011 bewilligt wurde. In der ergänzenden Beschwerdebegründung vom 9. Novembe r 2011 wird im Wesentlichen ausgeführt, dass die Nichtverlängerung der Aufenthalt sbewilligungen und die Wegweisung der Beschwerdeführenden und ihrer Kinder eine übermässige Härte bedeute. Den Beschwerdefüh- renden sei es als kosovarische Roma in persönlicher, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht nicht zumutbar, in den Heimatstaat zurückzukehren. Aufgrund d es Vorliegens eines schwerwiegen- den persönlichen Härtefalles sei die Einholung einer H ärtefallbewilligung aus humanitären Gründen gerechtfertigt. Der Entscheid des Regierungsrate s sei unverhältnismässig und ver- stosse nicht zuletzt auch gegen die verfassungsrechtlichen G arantien zum Schutze der Kinder gemäss Art. 11 Abs. 1 BV. Die Vorinstanz habe es versäumt , eine Interessenabwägung in Be- zug auf die Situation der Kinder vorzunehmen. Schliessli ch sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführenden eine unbefristete Stelle bei der J.____ AG als Raumpfleger gefunden hätten und dass auch die älteste Tochter sich mit ihrem P raktikumslohn am Unterhalt der Fami- lie beteilige. Die Familie sei somit in der Lage, sel bst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen, weshalb die Sozialhilfeunterstützung per Ende November 2 011 beendet werde. Ein Wegwei- sungsgrund aufgrund der Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit sei somit nicht gegeben. Mit Verfügung vom 30. November 2011 beschliesst die Regio nale Sozialhilfebehörde K.____ die Beendigung der Sozialhilfeunterstützung der Beschw erdeführenden per Ende November 2011 aufgrund Existenzsicherung durch Selbstfinanzierung. Die bezogene Unterstützung vom 1. Oktober 2011 bis zum 30. November 2011 betrage tot al Fr. 494'447.80. Die Beschwerdefüh- renden seien verpflichtet, diesen Betrag bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen zurück zu erstatten. Der Regierungsrat lässt sich am 5. Dezember 2011 vernehm en und beantragt die Abweisung der Beschwerde sowie die Ansetzung einer neuen Ausreisefrist. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 13. Dezember 2011 wird der Schriftenwechsel ge- schlossen und der Fall dem Kantonsgericht zur Beurteilung überwiesen. Die Beweisanträge der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführenden auf Beizug der IV-Akten, amtliche Erkundigungen bei der J.____ AG sowie Befragungen diverser Auskunftspersonen werden abg ewiesen. Die Beschwerdeführen- den werden angewiesen, persönlich zur Verhandlung zu erscheinen. Mit Eingabe vom 23. März 2012 informierte Advokatin Wa hl, dass die Beschwerdeführenden sich aufgrund der letzten Mietzinserhöhung nach einer gü nstigeren Wohnung umgesehen hät- ten, um das Familienbudget zu entlasten. Da in der Gem einde H.____ kein günstiger Wohn- raum gefunden werden konnte, sei die Familie nach L.____ gezogen. Mit Schreiben vom 2. April 2012 informierte Advokatin Wahl, dass die Beschwerdeführenden eine weitere Anstellung gefunden hätten. Im Rahmen e ines Arbeitseinsatzes von 2.5 Stunden pro Woche seien sie bei der M.____ AG tätig. D. An der heutigen Parteiverhandlung halten die Par teien an ihren Anträgen fest. Auf deren Ausführungen wird − soweit erforderlich − in den Erwä gungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand gemäss § 44 VPO noch ein spezialg esetzlicher Ausschlusstatbe- stand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgericht s zur Beurteilung der vorliegenden An- gelegenheit gegeben. Die Beschwerdeführenden sind Adr essaten des angefochtenen Be- schwerdeentscheids und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Die übri- gen formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, weshalb auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt , den angefochtenen Entscheid hinsicht- lich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die- ser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festge stellt hat. Die Überprüfung der Ange- messenheit ist dem Kantonsgericht dagegen verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die gegenüber den Beschwerdeführenden verfügte Nichtverlängerung der Auf enthaltsbewilligungen und die damit verbundene Wegweisung zu Recht erfolgt sind. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der S chweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländeri nnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzl ichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Ein Rechtsanspruch auf die Erteilung e iner Aufenthaltsbewilligung besteht somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völk errechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189; Marc Spescha, in: Spescha/Thür/ Zünd/Bolzli, Kommentar Migrations- recht, 2. Auflage, Zürich 2009, Rz. 1 ff. zu Art. 3 AuG ; Peter Uebersax, in: Ueber- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, Eine umfassen de Darstellung der Rechtsstellung von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). Festzuhalten ist, dass zwischen der Schweiz und der Republik Kosovo keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, die den Beschwerdeführenden ein en Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würde. Anderweitige völkerrechtliche oder gesetzliche Bestimmungen, wel- che den Beschwerdeführenden einen Rechtsanspruch auf Ve rlängerung der Aufenthaltsbewilli- gungen einräumen würden, sind keine gegeben. 4.2 Betreffend die Regelung des Aufenthalts wird in A rt. 33 AuG zur Aufenthaltsbewilligung ausgeführt, dass sie für einen bestimmten Aufenthaltszwe ck erteilt werde und mit weiteren Be- dingungen verbunden werden könne (Art. 33 Abs. 2 AuG) . Sie ist gemäss Art. 33 Abs. 3 AuG befristet und kann verlängert werden, wenn keine Wider rufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Die gesetzlichen Regelungen enthalten somit grundsätzli ch keinen Anspruch auf Verlängerung einer Bewilligung. Das Vorliegen eines Widerrufsgrund es hat jedoch nicht zwingend zur Folge, dass keine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden kann. Vielmehr gewährt die "Kann- Bestimmung" der kantonalen Behörde im Rahmen eines Er messensentscheids die Möglichkeit, auch in Fällen in denen kein Anspruch auf Anwesenheit besteht eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. zu verlängern (vgl. Silvia Hunziker in: C aroni/Gächtert/Thurnherr [Hrsg], Bundes- gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Be rn 2010, Rz. 7 zu Art. 62 AuG mit Hinweisen; Andreas Zünd/ Ladina Arquint Hill in: Uebe rsax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Aus- länderrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 8.44 f.). Di eses Ermessen darf jedoch nicht nach Be- lieben ausgeübt werden, sondern ist nach den allgemein en Grundsätzen pflichtgemäss, na- mentlich unter Beachtung des Willkürverbots und des Grund satzes der Verhältnismässigkeit, wahrzunehmen. Erforderlich ist eine sachliche Abwägung sämtlicher Umstände des Einzelfalls, wobei insbesondere die Anwesenheitsdauer in der Schweiz, das bisherige Verhalten und die persönlichen Verhältnisse und Beziehungen der Betroffene n zu berücksichtigen sind (vgl. And- reas Zünd/Ladina Arquint Hill, a.a.O., Rz. 8.44). In der Praxis hat sich zudem der Grundsatz herausgebildet, dass die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung, auf die kein Anspruch besteht, immer dann möglich ist, wenn auch ein Widerruf oder eine Ausweisung verfügt werden könnte (vgl. Rahel Martin-Küttel, Aufenthaltsbewillig ung nach altem und neuem Recht, in: Achermann/Caroni/Epiney/Kälin/Nguyen/Uebersax, Jahrbuch f ür Migrationsrecht 2006/2007, S. 11 mit Hinweisen). 4.3 Gemäss Art. 33 Abs. 3 i.V.m. Art. 62 lit. e AuG ka nn das Vorliegen einer Sozialhilfeab- hängigkeit einer Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung entgegenstehen (vgl. Silvia Hunziker, a.a.O., Rz. 5 zu Art. 62 AuG mit Hinweisen). Der Tatbe stand der Sozialhilfeabhängigkeit ist da- bei nicht bei jedem Sozialhilfebezug erfüllt (vgl. Mar c Spescha, a.a.O, Rz. 10 zu Art. 62 lit. e Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht AuG). Die Botschaft geht von einer "erheblichen" Unter stützung durch die Sozialhilfe aus (vgl. die bundesrätliche Botschaft vom 8. März 2002 zum AuG, in Bundesblatt [BBl] 2002, insbeson- dere 3809 f.). Die damalige nationalrätliche Kommissio nssprecherin Doris Leuthard betonte namens von Kommissionsmehrheit und Bundesrat, dass der "d auerhafte Sozialhilfebezug beim Aufenthalt eine Rolle spielen könne". Unter die Bestimmung sollten aber nicht Fälle unverschul- deter Notlage oder Arbeitslosigkeit fallen bzw. müsse hie r selbstverständlich das Verhältnis- mässigkeitsprinzip greifen. Demgegenüber sei bei mutwilli ger Verweigerung eines Stellenan- tritts die Frage der Aufenthaltsverlängerung zu prüfen (vgl. Votum Doris Leuthard, Amtliches Bulletin des Nationalrats 2004, 1090). Art. 62 lit. e AuG setzt somit entgegen seinem Wortlaut stillschweigend die Dauerhaftigkeit und Erheblichkeit de r Sozialhilfeabhängigkeit zur Erfüllung des Tatbestandes voraus. 4.3.1 Das Bundesgericht hat das Erfordernis der Erheblich keit insofern konkretisiert, als es Fürsorgeleistungen in der Höhe von Fr. 80'000.-- als e rheblich erachtet hat (vgl. noch zum frü- heren Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAG], BGE 119 Ib 6 E. 3a). Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführenden vom 1. Oktober 2001 bis zum 30. November 2011 von der Gemeinde H.____ mit insgesamt Fr. 494'447.80 unterstützt worden sind. Angesichts der den Betrag von Fr. 80'000.-- über steigenden Summe erweist sich das Ausmass der Unterstützung zweifellos als erheblich im Sinn e des Art. 62 lit. e AuG. Nicht zu überzeugen vermag hierzu das Vorbringen der Beschwerdefü hrenden, dass die erhaltene Un- terstützungsleistung durch die Grösse der Familie zu relativieren sei. Das Bundesgericht hat bei der Beurteilung der Erheblichkeit der Unterstützungsleistungen immer eine auf die ganze Fami- lie bezogene Gesamtbeurteilung vorgenommen und den fra glichen Betrag nicht auf die betrof- fenen Einzelpersonen aufgeteilt (vgl. BGE 119 Ib 6 f . E. 3c; Urteil des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2011, 2C_345/2011, E. 2.2 mit Hinweis). 4.3.2 Ob die Sozialhilfeabhängigkeit als dauernd bzw. fortgesetzt qualifiziert werden kann, ergibt sich nicht alleine daraus, dass sie in der Vergang enheit schon einige Zeit angedauert hat oder im Zeitpunkt des Beschwerdeentscheids Unterstützungsleist ungen bezogen werden, weil sonst eine Heimschaffung mit dem vorübergehenden Verzich t auf Fürsorgeleistungen immer verhindert werden könnte. Nach geltender Praxis ist vielm ehr von den aktuellen Verhältnissen auszugehen und die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen (vgl. BGE 122 II 8 E. 3c mit Hinweis). Ein Widerruf und da mit auch eine Nichtverlängerung soll in Betracht kommen, wenn eine Person hohe finanzielle Unte rstützungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass sie in Zuku nft für ihren Lebensunterhalt sorgen wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Dezember 20 11, 2C_522/2011, E. 3.3.5 mit weite- ren Hinweisen). Dabei geht es beim Widerruf bzw. der Nichtverlängerung wegen Bedürftigkeit in erster Linie darum, eine zusätzliche und damit künftige Belastung der öffentlichen Hand zu vermeiden. Es muss daher auf eine Zukunftsprognose abge stellt werden, wobei erforderlich ist, dass aufgrund sämtlicher Umstände eine andauernde Unterst ützungsbedürftigkeit zu befürch- ten ist; blosse Bedenken genügen nicht (vgl. Silvia Hunzik er, a.a.O., Rz. 49 zu Art. 62 AuG mit Hinweisen). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Beschwerdeführenden haben vom 1. Oktober 2001 bis zum 30. November 2011 Sozialhilfe- leistungen bezogen, mithin hat die Abhängigkeit über zehn Jahre hinweg bestanden. Zur Zeit besteht allerdings keine Sozialhilfeabhängigkeit mehr. Die Beschwerdeführenden sind seit Mai 2011 bzw. Juni 2011 in einer unbefristeten Teilzeitanst ellung als Raumpfleger tätig. Zudem ab- solviert die älteste Tochter bis im Sommer 2012 ein ein jähriges Praktikum als Pflegeassistentin. Gemäss den eingereichten Lohnbestätigungen der Monate Januar 2012 und Februar 2012 be- trägt das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen der Familie − unter Berücksichtigung des Praktikumslohns der Tochter in Höhe von durchschnittli ch Fr. 1'709.50 − Fr. 6'719.10. Da- mit übersteigt das monatliche Einkommen der Familie die vormals ausgerichteten monatlichen Unterstützungsleistungen der Sozialhilfebehörde von Fr. 6'017.70. Für die Qualifikation einer dauernden Sozialhilfeabhängigkeit ist es indessen praxisge mäss nicht so sehr von Bedeutung, ob gegenwärtig eine Abhängigkeit besteht. Entscheiden d ist vielmehr, ob diese rückblickend einige Zeit andauerte, und ob die Befürchtung berech tigt ist, dass auch für die weitere Zukunft Unterstützung geleistet werden muss. Folglich ist es grun dsätzlich von untergeordneter Rele- vanz, ob der finanzielle Bedarf der Familie im Moment das vorhandene Einkommen übersteigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2009, 2C _795/2008, E. 4.3). Was die wahr- scheinliche finanzielle Entwicklung betrifft, gibt der Be schwerdegegner in seinem Plädoyer zu bedenken, dass die Beschwerdeführenden bei der Berechnu ng ihres Einkommens auch den Praktikumslohn der Tochter einbezogen hätten, dieser Loh n sich jedoch mit dem allfälligen Be- ginn einer Lehre nochmals erheblich verringern werde. Somit sei mit einer erneuten Sozialhilfe- abhängigkeit zu rechnen. Diese Bedenken sind berechtigt. Zwar sind gemäss bundesgerichtli- cher Rechtsprechung die Einkommensmöglichkeiten aller Familienmitglieder mit zu berücksich- tigen (vgl. BGE 119 Ib 6 f. E. 3c sowie Urteil des Bund esgerichts vom 25. Juni 2010, 2C_130/2010, E. 3.2 mit Hinweisen), jedoch handelt e s sich beim Verdienst der Tochter kei- neswegs um ein gesichertes Einkommen und auch die Einkomm enssituation der Beschwerde- führenden ist grösseren Schwankungen unterworfen; so be steht zwischen Januar 2012 und Februar 2012 eine Einkommensdifferenz von rund Fr. 75 0.--. Auch der Umstand, dass keine der vom AfM ausgesprochenen Verwarnungen Wirkung zeig te und es den Beschwerdeführen- den erst nach Erhalt des angefochtenen Entscheids gelan g, sich von ihrer Sozialhilfeabhängig- keit zu lösen, vermag in Bezug auf die Nachhaltigkeit der finanziellen Eigenständigkeit nicht zu überzeugen. Dies umso weniger, als die 10-jährige Führ sorgeabhängigkeit einer nur halbjähri- gen Phase der Erwerbstätigkeit gegenübersteht. Es ist de shalb zu vermuten, dass die Be- schwerdeführenden nach einer allfälligen Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligungen ihre Tä- tigkeit erneut einstellen. Die Beschwerdeführenden ge stehen anlässlich der heutigen Parteiver- handlung denn auch ein, dass allein der Druck, ihre Aufe nthaltsbewilligungen zu verlieren, sie dazu veranlasst habe, eine Arbeit aufzunehmen. Nach dem Gesagten bestehen somit nicht nur Bedenken, sondern aufgrund der dargelegten Umstände vie lmehr berechtigte Zweifel an der Dauerhaftigkeit der Verhaltensänderung der Beschwerdeführenden. Das Vorliegen eines Wider- rufgrundes im Sinne einer fortgesetzten und erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG ist somit nach wie vor zu bejahen. 5. Das Kantonsgericht hat im Rahmen seiner Kognition ge mäss § 45 VPO, welche sich grundsätzlich auf Rechtsverletzungen sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalts beschränkt, zu überprüfen, ob die Vorinstanz ihr Ermessen pflichtgemäss und im Sinne von Art. 96 AuG ausgeübt hat. Dabei stellen qua lifizierte Ermessensfehler, d.h. das Überschreiten, das Unterschreiten oder der Missbrauch de s Ermessens, Rechtsverletzungen dar. Die Überprüfung der Angemessenheit bleibt dem K antongericht verwehrt. In diesem Zu- sammenhang ist zu beachten, dass die Überprüfbarkeit von E rmessensentscheiden eine nach- vollziehbare Begründung unter sorgfältiger Güterabwägu ng und Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Einzelfalls bedingt, die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung im Rah- men der Ermessensausübung jedoch nicht in gleich umfassende r Weise wie die Verhältnis- mässigkeit der Wegweisung zu prüfen ist, da kein Anspruch darauf besteht. Im angefochtenen Entscheid vom 23. August 2011 hat der Regierungsrat, welchem volle Kogni- tion im Bereich der Ermessensprüfung zukommt, die in Art . 96 Abs. 1 AuG genannten Kriterien ausführlich geprüft, unter Berücksichtigung sämtlicher Um stände des Einzelfalles beurteilt und seinen Entscheid nachvollziehbar begründet. Der Beschwerdegegner hat sich somit − entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführenden − mit den in Frage stehenden Interessen, insbeson- dere in Bezug auf die Situation der von der Wegweisun g mitbetroffenen Kinder der Beschwer- deführenden, auseinandergesetzt und sein Ermessen pflichtgemäss ausgeübt. 6. Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Nichtverlängerun g er Aufenthaltsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung verhältnismässig sind. Diese Frage ist im Rahmen einer Inte- ressenabwägung für alle Familienmitglieder, insbesondere auch für die Kinder der Beschwerde- führenden, zu beurteilen. Bei der Überprüfung der Verhältnismässigkeit handelt es sich um eine Rechtsfrage, welche nicht der Überprüfungsbeschränkung unterliegt. Der Grundsatz der Ver- hältnismässigkeit fordert, dass die Verwaltungsmassnahme zu r Verwirklichung des im öffentli- chen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig i st. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die den Privaten auferlegt werden (vgl. Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, Rz. 581 ff. mit weiteren Hinweisen). 6.1 Im vorliegenden Fall ist die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligungen und die Wegweisung der Beschwerdeführenden und deren Kinder offensichtlich geeignet, die mit dem AuG verfolgten fremdenpolizeilichen Interessen zu verwir klichen. So sollen Ausländer, welche dauerhaft und in erheblichem Mass auf Sozialhilfe angew iesen sind, die Schweiz unter be- stimmten Umständen wieder verlassen. Auch die Erforderl ichkeit der Massnahme kann zum Zeitpunkt der behördlichen Verfügung zweifellos bejah t werden, jedoch erscheint die Notwen- digkeit der Wegweisung schon für denjenigen des angefocht enen Regierungsratsbeschlusses und erst recht für den heutigen Zeitpunkt als fraglich. Dies kann jedoch dahingestellt bleiben, da der Umstand, dass zur Zeit keine Sozialhilfeabhängigkeit besteht, zumindest im Rahmen der Interessenabwägung mit zu berücksichtigen ist. 6.2 Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung sind die öffentlichen Interessen den Inte- ressen der Beschwerdeführenden gegenüberzustellen. Als öffentliches Interesse gilt insbeson- dere das wirtschaftliche Interesse und damit die Vermeid ung einer zukünftigen Belastung der öffentlichen Hand (vgl. Silvia Hunziker, a.a.O., Rz. 5 1 zu Art. 62 AuG). Die Beschwerdeführen- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht den haben während 10 Jahren Sozialhilfeleistungen im Umfang von Fr. 494'447.80 bezogen, womit zweifellos ein öffentliches Interesse besteht, die Wohlfahrt vor weiterer Beanspruchung zu schützen. 6.3.1 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Int eressen der Beschwerdeführenden ge- genüber zu stellen. Dabei ist bei einer Nichtverlängeru ng der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 33 Abs. 3 i.V.m Art. 62 lit. e AuG zu berücksichti gen, ob die Sozialhilfeabhängigkeit ver- schuldet oder unverschuldet eingetreten ist, da unter di ese Bestimmung nicht Fälle unverschul- deter Notlage oder Arbeitslosigkeit fallen sollten (vgl . Silvia Hunziker, a.a.O., Rz. 51 zu Art. 62 AuG mit Hinweisen). Folglich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden überhaupt fähig waren zu arbeiten und den Lebensunterhalt der Familie zu beso rgen. Im Jahr 2001 musste der Be- schwerdeführer sich einer Bandscheibenoperation unterzieh en, was zu einer 100%-igen Ar- beitsunfähigkeit von einigen Monaten führte. Obwohl d ie in Rechtskraft erwachsenen IV- Entscheide der Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft in der Folge feststellten, dass dem Beschwerdeführenden aus medizinischer Sicht die Ausübung einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit im Umfang von 80% bzw. 100% zumutbar sei, hat der Beschwerdeführer in den letz- ten zehn Jahren nicht zum Lebensunterhalt der Familie b eigetragen. Auch die Arbeitseinsätze der Beschwerdeführerin waren in der Vergangenheit ste ts nur kurz und erfolgten im Rahmen eines Teilzeitpensums. Dabei ist auch das Argument der B eschwerdeführerin, dass die noch schulpflichtigen Kinder ihrer Betreuung bedürften unbe helflich, hätte doch der nicht arbeitende Beschwerdeführer sich in Abwesenheit seiner Frau um die Kinder kümmern können. Der Be- schwerdeführerin wäre somit in den letzten Jahren ein erhöhtes Arbeitspensum zuzumuten ge- wesen und angesichts der zahlreichen Verwarnungen durch da s AfM wären intensive Arbeits- bemühungen seitens beider Beschwerdeführenden zur Entla stung der öffentlichen Hand ange- zeigt gewesen. Es ist deshalb dem Beschwerdegegner zuzusti mmen, welcher von einer selbst- verschuldeten Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdeführenden ausgegangen ist. 6.3.2 Im Zusammenhang mit der persönlichen Situation der Beschwerdeführenden sind ferner Kriterien wie Dauer der Anwesenheit, persönliche Bezi ehungen zur Schweiz, berufliche Qualifi- kation, persönliches Verhalten sowie Integrationsgra d heranzuziehen (vgl. Andreas Zünd/Ladina Arquint Hill, a.a.O., Rz. 8.44 mit Hinwe is). Vorliegend ist insbesondere die lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz zu berücksichtigen. Das Bund esgericht hat sich zur Frage der Anwesenheitsdauer im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprü fung dahingehend geäussert, dass bei einer über zehnjährigen Anwesenheit in der Schweiz gewichtige Interessen gegen eine Ausweisung oder Heimschaffung wegen Bedürftigkeit in die Abwägung mit einzubeziehen seien (vgl. BGE 119 Ib 8 E. 4c). Die Beschwerdeführenden halten sich seit Erteilung der Aufenthaltsbewilligungen mithin seit rund 17 Jahren in der Schweiz auf. Ihre vier Kinder sin d alle in der Schweiz geboren, die drei Jüngeren gehen noch zur Schule, die älteste Tochter a bsolviert ein Praktikum. Hinsichtlich der Anwesenheit in der Schweiz ist anzumerken, dass im vorlieg enden Fall die Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführenden durch das von ihnen angestrebte I V- bzw. Revisionsverfahren und der dadurch von den Behörden gewährten Sistierung de s Bewilligungsverfahrens zusätzlich verlängert worden ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht In Bezug auf die Integration der Beschwerdeführenden i st weiter festzuhalten, dass diese trotz langer Aufenthaltsdauer wirtschaftlich schlecht integr iert sind. Einzig aufgrund des Umstands, dass die beiden Beschwerdeführenden zur Zeit einer Teilzeittätigkeit bei einem Reinigungsinsti- tut nachgehen, kann angesichts der Tatsache, dass die Beschw erdeführenden in den letzten zehn Jahren nicht selbst für ihren Unterhalt sorgten, n icht von einer guten beruflichen Integrati- on gesprochen werden. Dies um so weniger, als beide Besch werdeführenden nie einen Beruf erlernt haben und die Beschwerdeführerin aufgrund ihr er ungenügenden Lese- und Schreib- kenntnisse sowie ihrer bescheidenen sprachlichen Kenntniss e zusätzliche Schwierigkeiten ha- ben wird, sich zukünftig auf dem schweizerischen Arbeitsma rkt zu etablieren. Was die soziale Integration anbelangt, ist in Bezug auf familiäre, f reundschaftliche oder nachbarschaftliche Be- ziehungen der Beschwerdeführenden aus den Akten nichts K onkretes bekannt und auch an- lässlich der Parteiverhandlung wurde diesbezüglich nichts vorgebracht. 6.3.3 Sind von einer Nichtverlängerung der Aufenthaltsb ewilligung und der damit verbunde- nen Wegweisung aus der Schweiz Kinder betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprü- fung das Kindeswohl einen Gesichtspunkt von gewichtiger Be deutung. Vorwegzunehmen ist dabei, dass sich aus dem von den Beschwerdeführenden anger ufenen Art. 11 Abs. 1 BV nichts ergibt, was gegen die Zulässigkeit der Wegweisung der Beschwerdeführenden sprechen würde. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lassen sich aus di eser Norm sowie aus Art. 3 Abs. 1 der Konvention über die Rechte des Kindes (KRK) vom 20. November 1989 keine An- sprüche auf eine ausländerrechtliche Bewilligung ableit en (vgl. BGE 126 II 388 ff. E. 5; Urteil des Bundesgerichts vom 10. Oktober 2011, 2C_787/2011, E. 2.2 mit Hinweisen). Dessen un- geachtet ist gemäss Art. 3 Abs. 1 KRK bei allen Massnahmen , die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwal- tungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen getroffen werde n, das Wohl des Kindes ein Ge- sichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist. Unter dem Aspekt der Zumutbarkeit sind da- bei sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, d ie im Hinblick auf eine Wegweisung aus der Schweiz wesentlich erscheinen. Da Kinder nicht ohn e guten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten, ist in Bezug auf das Kindeswohl insbesonde- re die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hin- dernisse einer Reintegration im Heimatland als gewichtiger Faktor zu werten. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Fr age der Zumutbarkeit einer Wegweisung haben, indem eine starke Integration in der Schweiz mi thin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erschei- nen lässt (vgl. dazu auch das die Wegweisung im Asylverfahre n betreffende Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts vom 1. September 2011, E-4409/2007, E. 8.7.2 mit weiteren Hinweisen). Die vier vom Wegweisungsentscheid betroffenen minderjä hrigen Kinder der Beschwerdefüh- renden haben ihr ganzes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht, was ihre Persönlichkeit zweifellos nachhaltig geprägt haben dürfte. In diverse n, den Akten beiliegenden Bestätigungs- schreiben der Schulleitung und von Lehrpersonen werden die Kinder durchwegs als höfliche, pflichtbewusste und sehr gut integrierte Schüler beschrieb en. Zudem würden die Kinder an schulischen Anlässen wie Schwimmunterricht und Weihnacht saufführungen ausnahmslos teil- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht nehmen. Die älteste Tochter hat die Schule erfolgreich abgeschlossen und absolviert ein Prak- tikum, um sich später zur Pflegefachfrau ausbilden zu lassen . Den Schreiben kann weiter ent- nommen werden, dass die Integration der vier Kinder we it fortgeschritten ist. Hinweise, wonach ihre Eltern eine derartige Entwicklung zu verhindern v ersucht hätten, sind nicht aktenkundig. Der Besuch der Schule über einen Zeitraum von mehreren Jahren, die dadurch entstandenen sozialen und freundschaftlichen Beziehungen sowie das Erle rnen der schweizerdeutschen und deutschen Sprache dürfte bei den vier Kindern eine weitreichende Anpassung an die schweize- rische Lebensweise bewirkt haben, so dass die abrupte Tren nung vom gewohnten Umfeld eine grosse Belastung für ihre individuelle Entwicklung wäre. Auch angesichts der kulturellen Unter- schiede zwischen der Schweiz und der Republik Kosovo sowie aufgrund des Umstands, dass die Kinder der Beschwerdeführenden kein albanisch sprechen, wäre ihre Reintegration fraglich. Die mit einer allfälligen Wegweisung verbundene Entwurzelung aus dem sozialen Umfeld in der Schweiz und die sich abzeichnende Problematik einer Rein tegration in die ihnen weitgehend fremde Kultur und Umgebung wären dabei mit dem Schut zanliegen des Kindeswohls nicht ver- einbar (vgl. dazu auch das die Wegweisung im Asylverfahr en betreffende Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts vom 1. September 2011, E-4409/2007, E. 8.7.2 mit weiteren Hinweisen). 7. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der privaten Int eressen der Beschwerdeführenden am Verbleib in der Schweiz gegenüber den öffentliche Interessen an einer Wegweisung gelangt das Kantonsgericht zum Schluss, dass die Nichtverlängerung d er Aufenthaltsbewilligungen und die damit verbundene Wegweisung mit Blick auf die Situa tion der minderjährigen Kinder zum heutigen Zeitpunkt als nicht zumutbar und damit als nich t verhältnismässig zu erachten ist. Dementsprechend sind die Voraussetzungen für eine Nicht verlängerung der Aufenthaltsbewilli- gungen nicht gegeben. Aufgrund der verbleibenden Zwe ifel an der Dauerhaftigkeit der zukünfti- gen finanziellen Eigenständigkeit der Beschwerdeführenden ist zur Sicherstellung der finanziel- len Unabhängigkeit und zur Vermeidung einer erneute n Belastung der öffentlichen Hand die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen mit der Be dingung (vgl. Art. 33 Abs. 2 AuG) zu ver- binden, dass keine Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdeführenden besteht. Die Beschwerde ist gestützt darauf teilweise gutzuheissen und die Ziffe rn 1 und 2 des Regierungsratsbeschlus- ses Nr. 1169 vom 23. August 2011 sind aufzuheben. 8. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu entscheiden. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsge- richt kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die G erichtsgebühren sowie die Beweis- kosten und werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in der Regel d er unterliegenden Partei auferlegt, wobei dem Regierungsrat keine Verfahrenskosten auferle gt werden. Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Ausgang des Verfahrens ent- sprechend ist den teilweise obsiegenden Beschwerdeführend en eine Parteientschädigung zu Lasten des Regierungsrates zuzusprechen. 8.2 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden hat i n ihrer Honorarnote vom 11. Januar 2012 für ihre Bemühungen einen Zeitaufwan d von 13.25 Stunden geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich in Anbetracht der sich stelle nden Sachverhalts- und Rechtsfragen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht als angemessen. Zusätzlich berücksichtigt das Gericht 2.75 Stunden für die heutige Parteiver- handlung. Den Beschwerdeführenden ist somit eine Partei entschädigung in der Höhe von Fr. 4'553.80 (inkl. Auslagen in der Höhe von Fr. 216.5 0 und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten des Regierungsrates zuzusprechen. Die Kostenverteilung des vorinstanzlichen Verfahrens wird bes- tätigt. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und die Ziffern 1 und 2 des Regierungsratsbeschlusses Nr. 1169 vom 23. August 2011 werden aufgehoben. 2. Das Amt für Migration Basel-Landschaft wird angewi esen, die Aufent- haltsbewilligungen der Beschwerdeführenden zu verlänge rn und mit der Bedingung zu verbinden, dass keine Sozialhilfeabhän gigkeit der Beschwerdeführenden besteht. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der Regierungsrat hat den Beschwerdeführenden eine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 4'553.80 (inkl. Auslagen u nd 8 % Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.