A bteilung III C -2621/2007 {T 0/2} U rteil vom 3. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterinnen Avenati-C arpani und Beutler; G erichtsschreiber M äder. M ._______, Beschw erdeführerin, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für H ._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er 1986 geborene türkische Staatsangehörige H ._______ (nachfolgend: G esuchsteller) beantragte am 9. Januar 2007 bei der Schw eizer Botschaft in Ankara ein Visum für 30 Tage. Als Zw eck deklarierte er den Besuch ei- ner im Kanton Basel-Landschaft w ohnhaften C ousine (nachfolgend: G ast- geberin bzw . Beschw erdeführerin). D ie Schw eizerische Vertretung verw ei- gerte eine Erteilung des Visum s form los und leitete das G esuch an das BFM (nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form ellen Entscheid w eiter. B. N achdem des Am t für M igration des Kantons Basel-Landschaft bei der G astgeberin w eitere Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch um Bew illigung der Einreise m it Verfügung vom 20. M ärz 2007 ab. D ies m it der Begründung, es bestehe nicht genügend G ew ähr für eine an- standslose und fristgerechte W iederausreise des G esuchstellers. C . M it Eingabe vom 10. April 2007 beantragte die G astgeberin beim Bundes- verw altungsgericht, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und das Visum für einen einm onatigen Besuchsaufenthalt sei zu erteilen. Zur Be- gründung rügte sie sinngem äss, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die W iederausreise nach dem Besuchsaufenthalt w äre nicht gew ähr- leistet. D er G esuchsteller sei Student und w erde nach seiner R ückkehr sein Studium fortsetzen. D er Fam ilie gehe es finanziell sehr gut; sein Vater sei selbständiger Landw irt. D . In ihrer Vernehm lassung vom 25. M ai 2007 hält die Vorinstanz an der an- gefochtenen Verfügung fest und schliesst auf Abw eisung der Beschw erde. D em G esuchsteller fehle es an beruflichen und persönlichen Verpflichtun- gen im H eim atland, w elche G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise nach dem Besuchsaufenthalt bieten könnten. E. D ie Beschw erdeführerin verzichtete auf eine R eplik. F. Auf den w eiteren Akteninhalt und die Vorbringen der Parteien w ird, sow eit rechtserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illi- gung unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsge- richtsgesetz nichts anderes bestim m t. D as Bundesverw altungsgericht ent-3 scheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bun- desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 2. D ie Beschw erdeführerin ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 3. 3.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Janu- ar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211]; PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin Arnold (H rsg.), Auslän- derrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt am M ain 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel/G enf/M ünchen 2000, S. 24). 3.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (vgl. Art. 1 bis 5 VEA). D er G e- suchsteller kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen; er ist aufgrund seiner Staatsangehörigkeit visum spflichtig. 3.3 U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. G em äss Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA haben sie unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten. D ie Vorinstanz verw eigerte dem G esuchsteller die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, seine fristgerech- te W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.4 3.4.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.4.2 In der Türkei sind auch heute noch breite Bevölkerungsschichten von ver- gleichsw eise schw ierigen w irtschaftlichen und sozialen Lebensbedingun- gen betroffen. D ie Liberalisierungspolitik der letzten Jahrzehnte hat dem 4 Land zw ar ein rasches W irtschaftsw achstum , aber ebenso eine zuneh- m end ungleiche Einkom m ensverteilung beschert. So leiden insbes. die R e- gionen östlich und südöstlich von Ankara unter hoher Arbeitslosigkeit so- w ie unter der ungleichen Verteilung von Einkom m en, w elche in den östli- chen und südöstlichen Provinzen nur 50 % des landesw eiten D urchschnit- tes betragen. D er jahrelange innenpolitische Konflikt in den Kurdengebie- ten im Südosten und O sten der Türkei und die dam it einhergehenden Problem e haben zudem zu einer m assiven und anhaltenden Landflucht der Bevölkerung in die grösseren Städte der R egion sow ie in die w estlichen G ebiete des Landes geführt, w as den D ruck auf den Arbeitsm arkt zusätz- lich erhöht. So leben die am w enigsten bem ittelten Bevölkerungsschichten w eiterhin am unteren R ande des Existenzm inim um s (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand: M ai 2007). D ie Verhältnisse in der Türkei w iderspiegeln sich in einer anhaltend hohen Em igrationsrate. D ie M igrationstendenz ist erfahrungsgem äss bei jüngeren und ungebundenen Personen besonders ausgeprägt. D ie Bereitschaft, das Land auf der Su- che nach besseren Lebensbedingungen zu verlassen, w ird zudem dort noch begünstigt, w o bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland leben und entsprechend ein m inim ales soziales Beziehungsnetz vorhanden ist. Im Falle der Schw eiz führen diese Verhältnisse angesichts der strengen ausländerrechtlichen Zulassungsregelung nicht selten zu unerw ünschten U m gehungsm echanism en. So haben hier beispielsw eise im Jahre 2006 693 türkische Staatsangehörige um Asyl ersucht. Ende April 2006 befan- den sich insgesam t 2'564 Personen aus der Türkei im Asylverfahren (vgl. R EG U LA KIEN H O LZ, Türkei: Zur aktuellen Situation, Schw eizerische Flücht- lingshilfe, Bern M ai 2006). D ie Problem atik liegt dabei nicht so sehr in der Tatsache, dass überhaupt Asylgesuche gestellt w erden, als vielm ehr darin, dass diese G esuche regelm ässig nicht aus dem Ausland, sondern nach il- legaler oder sonst w ie erw irkter Einreise in der Schw eiz eingereicht w er- den. U m gehungsm echanism en sind aber auch insofern gang und gäbe, als nach erfolgter Einreise m it einem Besuchervisum trotz gegenteiliger Zusi- cherungen Verlängerungsgesuche gestellt w erden oder versucht w ird, den Aufenthalt auf eine ganz andere ausländerrechtliche G rundlage abzustüt- zen. D eshalb gilt es nach M öglichkeit zu verhindern, dass G esuchsteller - allenfalls entgegen ihrer ursprünglichen Absicht - nach erfolgter Einreise in die Schw eiz hier ein Asylgesuch stellen oder auf andere W eise die fristge- rechte W iederausreise zu um gehen suchen. 3.5 3.5.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solche allgem einen U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller bzw . einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünsti- gen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfah-5 rungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Ver- haltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch ein- geschätzt w erden. 3.5.2 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen ledigen, 21-jährigen M ann. Er stam m t aus Pazarcik und lebt in Kahram anm aras. Ü ber seine persönli- che und fam iliäre Situation ist nichts näheres bekannt. D ass persönliche Verantw ortlichkeiten oder fam iliäre Bande vorhanden w ären, w elche nach- haltig von einer allfälligen Em igration abhalten könnten, ergibt sich w eder aus den Akten, noch w ird solches von der Beschw erdeführerin geltend ge- m acht. 3.5.3 In gleicher W eise kann auch nicht auf w irtschaftliche Verhältnisse ge- schlossen w erden, die G ew ähr für eine R ückkehr ins H eim atland bieten w ürden. D iesbezüglich ist ebenfalls nichts offengelegt w orden. Fest steht, dass der G esuchsteller keiner Erw erbstätigkeit nachgeht und aus einer R egion m it w irtschaftlich schw ierigen Bedingungen stam m t. W ovon er lebt, ist nicht einsichtig. Im Visum santrag gab er sich als arbeitslos aus, von der Beschw erdeführerin w ird er als Student bezeichnet. Belegt w urde aller- dings auch dies nicht. D och selbst w enn zuträfe, dass er einem Studium nachgeht, liesse sich daraus nichts zugunsten des G esuchstellers ablei- ten. D enn es versteht sich von selbst, dass unter den geschilderten w irt- schaftlichen Verhältnissen eine begonnene Ausbildung nicht verlässlich davon abhalten kann, zu em igrieren. D aran verm ögen auch die (nicht w ei- ter belegten) H inw eise auf die selbständige Erw erbstätigkeit des Vaters als Landw irt und darauf, dass es der Fam ilie finanziell sehr gut gehe, nichts zu ändern. 3.5.4 D ie Vorinstanz durfte unter den gegebenen U m ständen zu R echt davon ausgehen, die fristgerechte W iederausreise des G esuchstellers sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). Zw ar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesicherten Feststellung ver- dichten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebew illigung - auf w elche w ie bereits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht - ab- zulehnen. 3.6 An der R isikoeinschätzung verm ögen die persönlichen Zusicherungen der Beschw erdeführerin nichts zu ändern. Bei der Abw ägung des R isikos einer nicht fristgerechten W iederausreise sind nicht so sehr die Einstellung oder Absichten des G astgebers von Bedeutung. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken G arantie leisten, m angels rechtlicher und fakti- scher D urchsetzbarkeit nicht aber für ein bestim m tes Verhalten des G as- tes. N ur Letzterer ist in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine fristgerech- te und anstandslose W iederausreise zu bieten, w obei eine schriftliche G a- rantie dafür nicht ausreicht. 3.7 Aus vorstehenden Erw ägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Vorinstanz hat m it der angefochtenen Verfügung kein Bundesrecht verletzt. D er rechtserheb- liche Sachverhalt w urde richtig und vollständig festgestellt und die Vorin- stanz hat das ihr zustehende Erm essen pflichtgem äss und zutreffend aus-6 geübt. D ie Beschw erde ist daher abzuw eisen. 4. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be- schw erdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv S. 7)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdefüh- rerin auferlegt. Sie sind durch den am 2. M ai 2007 in gleicher H öhe geleis- teten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben, Akten 2 271 174 retour) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er P. M äder Versand am :