Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. Juni 2013 (720 12 159) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine unbefristete Invalidenrente Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenwei- ler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch S ebastian Lorentz, Rechtsanwalt, Weinbergstrasse 29, 8006 Zürich gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1947 geborene A.____ arbeitete zuletzt als Ver sicherungsexperte und Kundenbe- rater bei der B.____. Am 1. April 2003 erlitt er ei nen Verkehrsunfall und zog sich dabei eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS), neuropsychologische Funktionsstörungen sowie einen chronischen Tinnitus zu. Vom 3. Juni 2003 bis 15. Juli 20 03 befand er sich zur stationären Be- handlung in der C.____. Eine Arbeitsfähigkeit von 30 % als Versicherungsberater ab 18. August 2003 liess sich nicht wie prognostiziert steigern, so dass d er Versicherte die Arbeitsstelle bei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der B.____ schliesslich etwa ein Jahr nach dem Unfaller eignis aufgeben musste. Es folgten verschiedene ambulante und zwei weitere Aufenthalte in der C.____ in den Jahren 2004 und 2005. Die B.____ als zuständige Unfallversicherung veranla sste diverse medizinische Abklä- rungen zur Unfallkausalität und holte in diesem Rahmen unter anderem ein Gutachten der D.____ vom 7. September 2006 und eine Expertise der E.____ vom 26. Februar 2010 ein. B. Bereits am 21. März 2004 bzw. 15. Juni 2004 meldete sich der Versicherte unter Hin- weis auf den Unfall vom 1. April 2003 und der daraus resultierenden Folgen bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Zur A bklärung der gesundheitlichen Verhältnisse zog die IV-Stelle die Akten des Unfallversich erers bei. In der Folge ermittelte die IV-Stelle vom 1. April 2004 bis 1. November 2006 und ab 1. März 2008 jeweils einen Invalidi- tätsgrad von 100 %. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügung vom 4. April 2012 für den Zeitraum vom 1. April 2004 bis 31. Oktober 2006 eine befristete und ab 1. März 2008 eine unbefristete ganze Rente zu. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Sebastian Lo- rentz, am 15. Mai 2012 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abt eilung Sozialversicherungsrecht. Darin beantragte er, es sei die angefochten Verfügung insofern aufzuheben, als dass der Ren- tenspruch im Zeitraum vom 1. November 2006 bis 29. Feb ruar 2008 verneint werde. Es sei ihm eine ganze Rente für den Zeitraum vom 1. November 2006 bis 29. Februar 2008 zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung machte er g eltend, dass sich aus den medizinischen Unterlagen - insbesondere aus dem Gutachten der E.__ __ vom 26. Februar 2010 - keine Ver- besserung des Gesundheitszustandes seit der Begutachtung durch die D.____ ergebe. Die Voraussetzungen einer Rentenrevision gemäss Art. 17 des Bun desgesetzes über den Allge- meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Okt ober 2000, welche hier analog anwendbar seien, seien somit nicht erfüllt. Zudem seien Revisionen bei Personen, die das 55. Altersjahr zurückgelegt hätten, gestützt auf die Schl ussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 der 6. IV-Revision, 1. Massnahmepaket, nicht zulässig. Ausserdem sei es un- zumutbar, für den Zeitraum von lediglich 8 Monaten die Rente einzustellen. Es sei auch unrich- tig, wenn erneut ein Wartejahr absolviert werden müsse. D. In ihrer Vernehmlassung vom 28. August 2012 ersuchte die IV-Stelle um Abweisung der Beschwerde. Es handle sich vorliegend nicht um eine Rentenrevision gemäss Art. 17 ATSG, sondern um einen Erstentscheid, mit welchem dem V ersicherten rückwirkend eine Ren- te zugesprochen worden sei. Da keine Rentenrevision vorli ege, seien Art. 17 ATSG und die Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 (6. IV-Revision, 1. Massnahmepaket) nicht anwendbar. Gestützt auf die medizinischen Unterlage n sei davon auszugehen, dass ab dem Zeitpunkt der Begutachtung der D.____ eine Arbei tsfähigkeit von 80 % bestanden habe. Erst zum Zeitpunkt der Untersuchung bei Dr. med. F.____ , FMH Ophthalmologie, am 7. März 2007 habe eine schwere Beeinträchtigung der Augenmot orik objektiv nachgewiesen werden können. Da es sich um einen neu eingetretenen Gesundheitsschaden handle, müsse ein neues Wartejahr angerechnet werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. In seiner Replik vom 13. November 2012 hielt der Ve rtreter des Versicherten an den gestellten Rechtsbegehren fest. Zudem machte er unter Verweis auf die Bundesrechtsspre- chung darauf aufmerksam, dass bei einer rückwirkenden Zusprechung einer abgestuften Rente und gleichzeitiger Zusprechung einer Rente die Revisions bestimmungen sinngemäss anwend- bar seien. Gestützt auf die Schlussbestimmungen wäre die IV-Stelle auch verpflichtet gewesen, dem Versicherten Eingliederungsmassnahmen zu gewähren. F. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Duplik vom 17. D ezember 2012, es sei dem Versicher- ten in teilweiser Gutheissung der Beschwerde bereits ab 1. Juni 2007 eine Viertelsrente und ab 1. September 2007 eine ganze Rente auszurichten. Fest stehe, dass seit dem Unfall vom 1. April 2003 bis zur Begutachtung der D.____ eine wese ntliche Verbesserung des Gesund- heitszustandes eingetreten sei, weshalb die Voraussetzungen gemäss Art. 17 ATSG erfüllt sei- en. Infolge der rückwirkenden vorübergehenden Aufhebun g der Rente sei es der IV-Stelle gar nicht möglich gewesen, Eingliederungsmassnahmen durchzufü hren, zumal sich das Verfahren zum Zeitpunkt der Rentenaufhebung im Abklärungsverfahre n befunden habe. Da damals eine zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 80 % sowohl in der angestammten als auch in einer alter- nativen Tätigkeit bestanden habe, könne trotz des Alte rs des Versicherten von 61 Jahren nicht von einer wirtschaftlich nicht mehr verwertbaren Arbeits fähigkeit ausgegangen werden. Hinge- gen sei dem Versicherten zuzustimmen, dass nur dann eine n eue Wartefrist ausgelöst werden könne, wenn er vor einer neuen Erkrankung an mindesten s 30 aufeinanderfolgenden Tagen zu 100 % arbeitsfähig gewesen wäre. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Da der Versicherte ab 7. Juni 2007 während eines Jahres ohne wesentlichen Un terbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sei, sei der Rentenanspruch grundsätzlich zu diesem Zeitpunkt entstanden. Gestützt auf Art. 28 Abs. 1 lit. b und c d es Bundesgesetzes über die Invalidenversi- cherung (IVG) vom 19. Juni 1959 sei dem Versicherten ab Juni 2007 eine Viertelsrente und unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 2 der Verordnun g über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ab 1. September 2007 eine ganze Rente zuzusprechen. G. Der Versicherte hielt in seiner Triplik vom 31. Jan uar 2013 und seiner Stellungnahme zu den Unfallakten vom 24. April 2013 an seinen Begehr en und Ausführungen fest. Die IV- Stelle verzichtete mit Eingabe vom 24. April 2013 auf eine Stellungnahme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 4. April 2012, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-L andschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügung en der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 15. Mai 2012 ist demnach einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Versicherte auch für die Zeit vom 1. November 2006 bis 29. Februar 2008 Anspruch auf eine ganze Invalide nrente hat, nachdem ihm die IV-Stelle mit der angefochtenen Verfügung vom 4. April 2012 fü r die Zeit vom 1. April 2004 bis 1. No- vember 2006 eine befristete ganze Rente und ab 1. Mär z 2008 eine unbefristete ganze Rente zusprach. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.3 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind Invalidenrenten von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuhe ben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentli- che Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die ge eignet ist, den Invaliditätsgrad und da- mit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist da bei in erster Linie an eine wesentli- che Änderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Ren- te aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen A uswirkungen des an sich gleich geblie- benen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BG E 133 V 545 E. 6.1, 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 2.4 Nach der Rechtsprechung sind diese Revisionsbestimmunge n bei der rückwirkenden Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Rente analog anwendbar, weil noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussend e Änderung eingetreten ist mit der Folge, dass dann gleichzeitig die Änderung mitberücksichtigt wird. Wird rückwirkend eine abge- stufte oder befristete Rente zugesprochen, sind einerseit s der Zeitpunkt des Rentenbeginns und anderseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist vo n Art. 88a IVV festzusetzende Zeit- punkt der Anspruchsänderung die massgebenden Vergleichsz eitpunkte (vgl. Urteile des Bun- desgerichts vom 24. Juli 2012, 8C_724/2011, E. 2.2 und vom 15. April 2013, 9C_635/2012). Vorliegend sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 4. April 2012 rückwirkend ab 1. April 2004 eine ganze Rente, ab 1. November 2 006 keine Rente und ab 1. März 2008 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiederum eine ganze Rente zu. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis 31. Oktober 2006 zugesprochenen ganzen Rente rechtfertigt, durch V ergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenzusprechung vom 1. April 2004 best and, mit demjenigen im Zeitpunkt der Rentenaufhebung vom 1. November 2006. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbe sondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.1 Vorliegend sprach die IV-Stelle dem Versicherten mi t Verfügung vom 4. April 2012 eine vom 1. April 2004 bis 31. Oktober 2006 befristete und ab 1. März 2008 eine unbefristete ganze Invalidenrente zu. In ihrer Duplik vom 17. Dezember 20 12 stellte sie sich auf den Standpunkt, dass dem Versicherten vom 1. April 2004 bis 31. Oktober 2006 weiterhin eine befristete ganze, ab 1. Juni 2007 neu eine Viertelsrente und ab 1. Sept ember 2007 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen sei. Es ist unbestritten, dass der Versicherte b is zur Untersuchung bei der D.____ im Jahr 2006 zu 100 % in seiner Arbeitsfähigke it eingeschränkt war. Desgleichen sind sich die Parteien einig, dass die im Jahr 2007 objektiv n achgewiesenen neuroophthalmologi- schen Störungen und die damit verbundenen neuropsycholog ischen Beeinträchtigungen zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten führ ten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die IV-Stelle zu Recht annahm, dass ab Zeitpunkt der Un tersuchung in der D.____ im Jahr 2006 eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustan des eintrat und deshalb die ab 1. April 2004 zugesprochene ganze Invalidenrente auf 31. Oktober 2006 befristete. 4.2 Die IV-Stelle ging bei der Beurteilung des medizi nischen Sachverhalts davon aus, dass die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten weitestgehend durch unfallbedingte Faktoren begründet Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. Sie stützte sich deshalb bei der Zusprechung der ganz en Rente für die Zeit vom 1. April 2004 bis 31. Oktober 2006 auf die Einschätzung des Unfal lversicherers. Dieser richtete bis 31. Oktober 2006 gestützt auf die damaligen medizinischen Berichte bis auf die anfänglichen Arbeitsversuche im Rahmen eines 30%- bis 50%igen Pensum s aufgrund einer 100%igen Ar- beitsunfähigkeit die gesetzlichen Taggelder aus (vgl. Ta ggeldabrechnung der B.____ vom 29. März 2012). Zur Arbeitsfähigkeit während dieses Zei traumes äusserten sich im Wesentli- chen die behandelnden Ärzte der C.____, wo sich der Ve rsicherte insgesamt drei Mal stationär aufhielt. Nach dem ersten Aufenthalt vom 3. Juni 200 3 bis 15. Juli 2003 wurde bis 17. August 2003 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Danach betrug die Arbeitsfähigkeit 30 %, wobei beabsichtigt wurde, diese in 10%-Schritten laufend z u erhöhen (vgl. Bericht der C.____ vom 22. Juli 2003). Infolge Zunahme der Schmerzsymptomatik w ar er vom 1. April 2004 bis 13. Mai 2004 erneut in der C.____ in Behandlung. Im Bericht vom 4. Juni 2004 wurde festgehalten, dass der Versicherte zuletzt 30 % gearbeitet habe. Es se i jedoch bei Anhäufung der Arbeitsbe- lastung zu verstärkten Schmerzen gekommen. Ein weiterer stationärer Aufenthalt in der C.____ fand vom 26. April 2005 bis 24. Mai 2005 stand. Im Bericht vom 27. Juni 2005 wurden als Diag- nosen ein Status nach Verkehrsunfall bei kraniozervikale m Beschleunigungstrauma mit HWS- Distorsion, rechtsbetontem zervikozephalem Symptomenkompl ex, neuropsychologischer Leis- tungsminderung und vegetativer Dysregulation, ein chroni scher Tinnitus, eine Periarthropathia humerus skapularis calcarea rechts und ein beginnendes Sch ulterimpingement rechts fest- gehalten. Der Versicherte berichte von Lichtscheu und an dauernden Kopfschmerzen vor allem im Stirnbereich oberhalb der Augen, welche von Schwin del begleitet seien. Beim Tragen einer getönten Brille liessen sich die Schmerzen etwas milde rn. Die behandelnden Ärzte wiesen auf eine reduzierte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfäh igkeit sowie Gedächtnisleistung und auf eine schwankende depressive Symptomatik hin. Sie attest ierten dem Versicherten auf wei- teres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 4.3 Als das vom Unfallversicherer in Auftrag gegebene Gu tachten der D.____ am 7. Sep- tember 2006 vorlag, vertrat die IV-Stelle die Auffassung, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten spätestens ab Untersuchungsdatum in der D.____ (29./30. und 31. Mai 2006) ver- bessert habe. Sie ging gemäss der Beurteilung der Expe rten der D.____ davon aus, dass es dem Versicherten zumutbar sei, seiner angestammten ode r einer anderen körperlich leichten Tätigkeit bei ganztägiger Präsenz mit einer 20%igen r eduzierten Leistungsfähigkeit nachzuge- hen. Erst ab 7. März 2007 sei mit dem Bericht von F.___ _ vom 24. April 2007 objektiv nachge- wiesen, dass der Versicherte aufgrund der neuroophthalm ologischen Beeinträchtigungen wie- der zu 100 % arbeitsunfähig sei. In ihrem Gutachten vo m 7. September 2006 hielten die Fach- ärzte der D.____ als Diagnosen mit Einfluss auf die Arb eitsfähigkeit ein chronisches zerviko- zephales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik mit T innitus, Schwindelbeschwerden und visuellen Störungen sowie leichten neuropsychologisch en Defiziten bei deutlichen degene- rativen Veränderungen der unteren HWS mit Osteochondrosen und Spondylarthrosen fest. Aus orthopädischer Sicht bestehe eine 80%ige Arbeitsfähig keit, da die angestammte Tätigkeit als Versicherungsberater eine körperlich leichte Tätigkeit d arstelle und bei welcher ein regelmässi- ger Positionswechsel möglich sei. Aufgrund der doch erhe blichen Veränderungen an der unte- ren HWS müsse er bei der Arbeit ein Entspannungsprogr amm durchführen können. Dadurch entstehe ein deutlich erhöhter Pausenbedarf, was bei einer ganztägigen Präsenz zu einer Leis- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungseinbusse von 20 % führe. Die gleiche Einschätzung de r Arbeitsfähigkeit ergebe sich für andere körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnder Position. Körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten seien aufgrund der degenerativen Veränderungen nicht mehr möglich. Aus neurologischer Sicht beständen keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, da sich die vom Versicherten angegebenen Symptome nicht durch patholog ische Befunden erklären liessen. In der neurologischen Beurteilung wurde ausgeführt, dass zw ar leichte neuropsychologische Defi- zite festzustellen seien, diese aber angesichts der erhebli chen somatischen und emotionalen Beschwerden deutlich in Hintergrund träten. Sie seien deshalb sekundär im Rahmen der chro- nischen Schmerzsymptomatik zu sehen. In Bezug auf die visuelle n Störungen habe der behan- delnde Augenarzt am 31. Januar 2005 einen vorbestehenden Astigmatismus beidseits und eine altersentsprechende Presbyopie bestätigen können. Die a ngegeben subjektiven Beschwerden wie Sehverminderung, Lichtscheu, leichte Blickparese nac h oben und das eingeschränkte Ge- sichtsfeld seien auf eine zentrale posttraumatische Stör ung zurückzuführen. Somit stellten nur der Astigmatismus und die Presbyopie einen objektiven Bef und dar. Obwohl der zeitliche Zu- sammenhang der visuellen Störungen zum Unfallereignis ni cht mit Sicherheit bejaht werden könne und auch keine Versuche zur Objektivierung der Beein trächtigungen unternommen wor- den seien, würden sie hier als posttraumatische Störungen beurteilt. Die Sensibilitätsstörungen am rechten Fuss seien bei symmetrischem Reflexbefund nicht einem einzelnen Nerv oder einer Nervenwurzel zuzuordnen. Die Untersuchung des Gleichgewic htssystems ergäben keine Hin- weise auf eine periphere oder zentrale vestibuläre Stör ung. Damit könnten keine objektivierba- ren Befunde erhoben werden, welche das komplexe Beschwer debild des Versicherten erklären könnten. 4.4 Mit Bericht vom 24. April 2007 teilte F.____ fest, dass er den Versicherten am 7. März 2007 neuroophthalmologisch untersucht habe. Im Verglei ch zur im Januar 2005 erfolgten Un- tersuchung sei eine deutliche und massive Verschlechterung eingetreten. Heute seien die Hori- zontalsakkaden eingeschränkt. Dies führe zu verlangsamten Fo lgebewegungen. Dazu träte ein neu nicht erschöpfbarer Endstellnystagmus bei Blick sowohl n ach rechts als auch nach links auf. Der optokinetische Reflex fehle vollständig. Die zen tralen posttraumatischen Bildverarbei- tungsstörungen höherer Ordnung und die Bewegungswahrne hmung seien damit verschlechtert worden. Es beständen weiterhin eine zentrale posttrauma tische Sehverminderung und eine gesteigerte Lichtscheu. Dieser Befund wurde anhand der am 4. Juli 2007 durchgeführten Elektronystagmographie bildgebend bestätigt (vg. Bericht von Prof. Dr. med. G.____, Neurolo- gische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Mannheim, vom 26. Juli 2007). 4.5 Um den unfallbedingten Anteil der Beschwerdenprob lematik zu untersuchen, beauf- tragte der Unfallversicherer die E.____ mit der Beguta chtung des Versicherten. Im Gutachten vom 26. Februar 2010 hielten die Gutachter als Diagno sen einen Status nach HWS- Distorsionstrauma bei vorbestehenden, mehrsegmentalen degenerativen Veränderungen der HWS, eine okulomotorische Instabilität mit Mischbild von O psoklonus, square wave jerks und sakkadischen Intrusionen bei Oszillopsien und Gangunsicherheit (unklarer Ätiologie), bei einer umfassenden, ätiologisch unspezifischen psychokognitiven Beei nträchtigung mit Elementen einer Affektstörung, bei massiven, zunehmend kognitiven D eterioration, bei einer vestibulären Unterfunktion links (unklarer Ätiologie), bei Verkehrsu nfall am 1. April 2003 und bei chronischer Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zervikokranialgie ohne radikuläre Symptomatik fest. Aufgru nd der neuroophthalmologischen und psychokognitiven Störungen sei der Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig. In der Beurtei- lung hielten die Experten fest, dass nach dem Unfaller eignis die HWS-Problematik im Vorder- grund gestanden habe. Es seien Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit dokumentiert worden. Aufgrund der deutlichen Verschlechterung der gesundheitl ichen Situation des Versicherten und der Therapieresistenz sei es zu stationären Aufenthalten in der C.____ gekommen. Gleichzeitig sei es zu einer Zunahme der kognitiven Störungen, zu ei nem Auftreten von psychischen Stö- rungen mit depressiven Symptomen und zur Diagnose einer Sehstörung gekommen, deren Ätiologie nie genau diskutiert worden sei. Rund 22 Mon ate nach dem Unfall sei eine zentrale, posttraumatische Sehverminderung, eine zentral beding te posttraumatisch gesteigerte Licht- scheu und eine leichte Blickparese nach oben, ein leicht konzentrisch eingeschränktes Ge- sichtsfeld, eine zentrale posttraumatische Bildverarbei tungsstörung bei vorbestehendem Astig- matismus beidseits und altersentsprechender Presbyopie d iagnostiziert worden. Dabei sei je- doch die postulierte posttraumatische Genese nicht genau er erläutert worden. Aufgrund der Ergebnisse der neurootologischen Untersuchungen am H._ ___ und der Progredienz der Stö- rungen sei die Frage gestellt worden, ob es sich bereit s damals um diverse Aspekte einer zent- ral-nervösen Beeinträchtigung gehandelt habe. Rund d rei Jahre nach dem Unfall habe sich die neuroophthalmologische Situation massiv verschlechtert. Es h abe eine umfassende Deteriora- tion der verschiedenen körperlichen, psychischen und kognit iven Funktionen stattgefunden, die zur einer 100%ige Arbeitsunfähigkeit geführt hätten. Anlässlich der Hospitalisation im I.____ sei dann eine organische Sakkadenstörung festgestellt worden. Diese okulomotorische Störung sei auch im Rahmen der aktuell durchgeführten otoneurolo gischen Untersuchung diagnostiziert worden. Dabei sei eine traumatische Genese auszuschliessen. Ob es sich bei dieser Störung um eine vorerst ätiologisch unklare globale Hirnbeeintr ächtigung handle, sei unklar. Tatsache sei jedoch, dass verschiedene neurodegenerative Erkrankung en mit langsam progredienten psychokognitiven Störungen einhergehen könnten. Die ersten Hinweise auf Visusstörungen ergäben sich aus dem Bericht der C.____ vom 21. April 20 04. Beim nächsten Rehaaufenthalt vom 26. April 2005 bis 24. Mai 2005 sei eine Zunahme der visuellen und psychokognitiven Problematik beschrieben worden, die offensichtlich massiv beeinträchtigend gewesen sei. Es könne jedoch im Nachhinein nicht beurteilt werden, wan n diese Problematik genau eingesetzt habe. 4.6 Da den Gutachtern der E.____ das Gutachten der D. ____ vom 7. September 2006 bei ihrer Beurteilung nicht vorlag, stellte die IV-Stell e dieses ihnen nachträglich zu. Gleichzeitig er- suchte sie die E.____ um Beantwortung ihrer Fragen vom 10. Juni 2010. Prof. Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, leitender Arzt der E._ ___, führte am 22. November 2010 aus, dass zwischen den Untersuchungen in der D.____ und der E.____ drei Jahre lägen. Da es sich bei der vorliegenden Augenmotorikproblematik um ein e progrediente systemische Erkran- kung handle, sei es schwierig, die beiden Untersuchungen direkt zu vergleichen. Es könne da- her nicht sicher beurteilt werden, ob bereits im Jahr 2 006 die ersten Symptome vorgelegen hät- ten. Bei den Untersuchungen in der E.____ seien die Beeinträchtigungen nun wesentlich aus- geprägter und könnten nun auf ein klares organisches Subst rat zurückgeführt werden. Heute bestehe deswegen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Ange sichts der Progredienz der gesund- heitlichen Störung sei jedoch im Nachhinein anzunehmen, dass die visuellen und die neuropsy- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht chologischen Störungen bereits zum Zeitpunkt der Begutac htung der D.____ das Leistungs- vermögen eingeschränkt hätten, welche in Unkenntnis der Ätiologie der Störung auf krankheits- fremde Faktoren zurückgeführt worden seien. Die Entwicklu ng dieser Arbeitsunfähigkeit in zeit- licher Hinsicht könne retrospektiv nicht beurteilt werden. 4.7 Dr. med. K.____, FMH Hämatologie und Allgemeine Innere Medizin, kam aufgrund der medizinischen Aktenlage mit Bericht vom 26. April 2011 zum Schluss, dass ab Zeitpunkt der Berichterstattung von F.____ vom 7. März 2007 davon auszugehen sei, dass es zu einer deutli- chen Verschlechterung der Augenmotorik mit einer 100%i gen Arbeitsunfähigkeit gekommen sei. Anlässlich der Begutachtung in der D.____ seien di e neuroophthalmologischen Befunde noch als unauffällig beurteilt worden. Im Gutachten d er E.____ werde retrospektiv keine Beur- teilung zum Verlauf der Sehstörung genommen. Da zwische n der Begutachtung durch die D.____ und dem Bericht von F.____ im März 2007 keine neurologischen oder augenärztlichen Untersuchungen stattgefunden hätten, sei die schwere B eeinträchtigung der Augenmotorik erst ab März 2007 nachgewiesen. Ab diesem Zeitpunkt könne ein e 100%ige Arbeitsunfähigkeit at- testiert werden. Davor sei der Beurteilung der D.____ zu folgen, wonach der Versicherte ab Untersuchungszeitpunkt zu 80 % arbeitsfähig gewesen sei. 5.1 In Würdigung der medizinischen Aktenlage ist festzuste llen, dass der Versicherte beim Unfallereignis vom 1. April 2003 bei vorbestehender de generativ veränderter HWS eine Distor- sion erlitt. Da der Versicherte hauptsächlich über Nacken- und Kopfschmerzen klagte, richtete sich die Behandlung vorwiegend auf die HWS-Beschwerden aus. Trotz verschiedener ambulan- ter und stationärer Therapien hielten die Nacken- und Kopfschmerzen an. Im weiteren Verlauf nahmen die Beschwerden kontinuierlich zu, wobei nicht mehr die Nackenschmerzen im Vorder- grund standen, sondern eine erhebliche Verschlechterung d er kognitiven Störungen mit Auftre- ten von psychischen Störungen mit depressiven Symptomen ein e zentrale Rolle spielte. Schliesslich konnte F.____ anlässlich der Verlaufskontroll e vom 7. März 2007 eine massive Störung der Augenmotorik objektivieren, welche nach Du rchführung einer Elektronystag- mographie bildgebend bestätigt wurde. Damit wurde di e organische Ursache der heute beste- henden komplexen neuroophthalmologischen Störung erst rund vier Jahre nach dem Unfaller- eignis erkannt. Im Zeitpunkt der Untersuchung der D.__ __ im Jahr 2006 musste die Beschwer- deproblematik an der HWS gegenüber derjenigen der Au genmotorik und der neuropsychologi- schen Beeinträchtigungen in Hintergrund getreten sein, konnte doch der Orthopäde der D.____ an der HWS kaum wesentliche Beeinträchtigungen vorfi nden. Er führte die Schmerzsymptoma- tik vor allem auf das unphysiologische Bewegungsmuster der oberen Extremitäten mit fehlender Aktivierung der Nackenmuskulatur zurück. Die dadurch entstan denen beträchtlichen muskulä- ren Verspannungen seien zwar schmerzhaft, seien aber fun ktioneller Natur. Hingegen wurden anlässlich der neurologischen und neuropsychologischen Unte rsuchung erhebliche Schwindel- beschwerden und visuelle Störungen festgestellt. Die vom Versicherten geklagten Beschwer- den wie Sehverminderung, Lichtscheu, leichte Blickparese nach oben und das eingeschränkte Gesichtsfeld beidseits konnten die Experten der D.____ n icht objektivieren. Sie gingen deshalb davon aus, dass diese visuellen Beeinträchtigungen krankheitsfremd seien. Diese Schlussfolge- rung erwies sich nachträglich nicht als richtig. Die durch die Gutachter der D.____ vorgenom- mene Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeit sfähigkeit fand somit - wie auch Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prof. J.____ in seinem Ergänzungsgutachten vom 22. Nove mber 2010 festhielt - unter falschen Prämissen statt. Da die Gutachter der D.____ damals dies e Störungen nicht auf ein organi- sches Substrat zurückführen konnten, qualifizierten sie di ese als krankheitsfremde Faktoren und berücksichtigten sie in der Folge auch nicht bei ihre r Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Aufgrund dieser Umstände kann auf die Beurteilung der Gutachter der D.____, wonach der Ver- sicherte zu 80 % arbeitsfähig sei, nicht abgestellt wer den. Es ist davon auszugehen, dass der Versicherte wesentlich mehr in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war, als dies die Gutachter der D.____ attestierten. 5.2 Aufgrund dieses Ergebnisses bleibt die Frage, ob zum Zeitpunkt der Untersuchung der D.____ eine zumindest teilweise Arbeitsfähigkeit besta nd und demzufolge eine erhebliche Ver- besserung des Gesundheitszustandes des Versicherten vorlag, nach wie vor offen. Die Gutach- ter der E.____ können keine genauen Aussagen über den zeitlichen Verlauf der neuroophthal- mologischen Störung und deren Auswirkungen auf die Arb eitsfähigkeit des Versicherten ma- chen. Sie legen aber dar, dass sich aufgrund der damals f estgestellten Einschränkungen in der Augenmotorik die visuellen und neuropsychologischen Störu ngen bereits damals einschrän- kend auf die Leistungsfähigkeit des Versicherten ausgewirkt haben müssten. Eine retrospektive Beurteilung des Umfangs können sie jedoch nicht vorne hmen. Wird anhand der vorhandenen medizinischen Akten der gesamte Krankheitsverlauf betrac htet, so ist festzustellen, dass sich die gesundheitliche Situation des Versicherten nie geb essert hat. Nach dem Unfallereignis vom 1. April 2003 begründete die HWS-Problematik zuerst ei ne 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die ersten Hinweise auf Visusstörungen ergaben sich bereits k napp 4 Monate nach dem Unfaller- eignis. Damals gab der Versicherte an, dass nach kurzem Lesen ein Flimmern auftrete (vgl. Bericht der C.____ vom 22. Juli 2003). Rund 9 Monate später hielten die behandelnden Ärzte der C.____ ein Verschwommensehen unter Belastung, eine prompte Reaktion auf Licht sowie ein ständiges Schwindelgefühl in Form von Schwanken fes t (vgl. Bericht der C.____ vom 4. Juni 2004). Diesen Beeinträchtigungen wurde aber keine grosse Beachtung geschenkt; der Schwerpunkt der Behandlung lag in der Schmerzreduktion und Mobilisation der Wirbelsäule. Offensichtlich nahmen die visuellen Störungen zu, so dass der Versicherte Anfang Januar 2005 F.____ aufsuchte. Er klagte damals über visuelle Problem e im Zusammenhang mit dem Wech- sel zwischen Ferne und Nähe, über eine verspätete Wahrneh mung von Seheindrücken bei schnellen Bilderwechseln und über starken Schwindel und Übelkeit bei nach oben gerichtetem Blick. Da sich diese Beeinträchtigungen in der neuroophth almologischen Untersuchung nicht objektivieren liessen, wurden auch nie deren Auswirkung en auf die Arbeitsfähigkeit geprüft. Aufgrund der neuen medizinischen Erkenntnisse müssten ihn schon damals die visuellen Stö- rungen und die damit zusammenhängenden neuropsychologi schen Störungen stärker beein- trächtigt haben, als dies damals erkannt wurde. Den Akten ist zu entnehmen, dass der Versi- cherte stets sehr bemüht war, sein Pensum von 30 % auf 100 % zu steigern. Dies gelang ihm jedoch nicht. PC-Arbeiten strengten ihn aufgrund der starken Blendempfindlichkeit massiv an. Zudem kam es zu Problemen, wenn er seinen Blick vom Bildschi rm abwandte und wieder dar- auf richten wollte. Mit der Zeit hielt er aufgrund d es eingeschränkten Konzentrationsvermögens Kundentermine nicht mehr ein (vgl. Bericht von dipl. psych. L.____, Praxis für Klinische Neuro- psychologie, vom 4. März 2004; Besuchsbericht der B.____ vo m 10. März 2005). Aufgrund der visuellen Störungen wagte er es schon bald nach dem Unf allereignis nicht mehr, Auto zu fah- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren. Schliesslich gab er den Führerschein im Jahr 2007 ab . In der Retrospektive wird klar, dass die ursprünglich versuchte Wiedereingliederung im angest ammten Tätigkeitsbereich als Versi- cherungsberater schon wegen der Augenproblematik missglückt sein könnte. Bei der dritten Hospitalisation in der C.____ im Frühjahr 2005 war es offensichtlich, dass die Symptome der okulomotorischen und neurokognitiven Störung (wie z.B. Ko pfschmerzen mit Schwindel, Kon- zentrationsschwäche, reduzierte Gedächtnisleistung) erheblich zugenommen hatten. Dabei war die Lichtscheu massiv beeinträchtigend, während die Sc hmerzsymptome im Nackenbereich mehr oder weniger unverändert blieben. Die behandel nden Ärzte attestierten dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Bericht der C._ ___ vom 27. Juni 2005). Aufgrund des beschriebenen Krankheitsverlaufes der nun nachgewiesenen organischen okulomotorischen Störung ist es schwer vorstellbar, dass sich diese gesundhei tlichen Beeinträchtigungen seit dem dritten Aufenthalt in der C.____ im Jahr 2005 bi s zum Zeitpunkt der Untersuchung der D.____ im Mai 2006 erheblich verbesserten. Im Gegentei l, aufgrund der Progredienz dieser Erkrankung ist vielmehr eine kontinuierliche Verschlecht erung der Symptomatik anzunehmen. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit kann daher ausgeschlossen werden. Dass sich diese Situ- ation ein halbes Jahr später nicht änderte, zeigt sich au ch im Gutachten von der Fachpsycholo- gin L.____ vom 12. Januar 2007. Die Gutachterin stel lte beim Versicherten erhebliche visuelle Wahrnehmungsstörungen fest. So war sein Gesichtsfeld un d die Raumexploration, die Objekt-, Gesichts- und Bewegungswahrnehmung deutlich eingeschränkt. Zudem bereiteten ihm das Auffinden von Gegenständen, das Lesen und die PC-Arbeit enorm Mühe. 5.3 Aufgrund dieser Ausführungen ist festzustellen, d ass seit der Rentenaufhebung per 31. Oktober 2006 entgegen der Ansicht der IV-Stelle un d des RAD-Arztes keine Besserung der gesundheitlichen Situation eingetreten ist. Es bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte, dass seit der Begutachtung durch die D.____ im Jahr 2006 bis zur Untersuchung von F.____ am 7. März 2007 eine teilweise Arbeitsfähigkeit bestan d. Insgesamt ist von einer andauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit bei sich veränderndem Beschwerdebild auszugehen. Demgemäss sind die Voraussetzungen im Sinne von Art. 17 ATSG nicht gegeben, die es erlauben würden, die dem Versicherten ab 1. April 2004 zugesprochene ga nze Invalidenrente auf Ende Oktober 2006 zu befristen. Folglich hat der Versicherte gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % mit Wirkung per 1. April 2004 Anspruch auf eine ganze un befristete Invalidenrente. Die Beschwer- de ist somit gutzuheissen. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorli egend hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 V PO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vori nstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Versicherte obsiegende P artei ist, ist ihm eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mach- te in seiner Honorarnote vom 8. Februar 2013 für da s vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 13,85 Stunden geltend. Dieser Aufwand ist in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversiche- rungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind soda nn die in der Honorarnote ausge- wiesenen Auslagen von Fr. 124.--. Damit ist dem Versicherten eine Parteientschädigung für das vorliegende Beschwerdeverfahren in der Höhe von Fr. 3'873.40 (13.85 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 124.-- zuzüglich 8 % MwSt.) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 4. April 2012 aufgeho ben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. April 2004 Anspruch auf eine unbefristete ganze Invalidenrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'873.40 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht