Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. Januar 2012 (725 11 349 / 06) ___________________________________________________________________ Unfallversicherung Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Maurizio Greppi Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen SUVA , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1971, arbeitete als Hilfsschlosser be i der Firma B.____ AG, in C.____ und war bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen v ersichert. Als er auf der Arbeit am 27. Mai 2009 eine Treppe hinuntersteigen wollte, stolper te er und schlug nach dem Fallen mit dem Rücken auf den Betonboden auf. Er erlitt eine Beckenrin gfraktur Typ IIb, mit Sacrum- Längsfraktur links, intraartikulärer wenig dislozierter Acetabulumquerfraktur und eine Fraktur des Processus transversus L5. A.____ war vom Unfalltag bis am 11. Juni 2009 auf der ortho- pädischen Klinik des Kantonsspitals Liestal hospitalisiert. Vom 12. Juni 2009 bis 27. Juni 2009 hielt sich A.____ zur Rehabilitation in der der Reha klinik Rheinfelden auf. Eine Operation war nicht notwendig. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Ab 5. Oktober 2009 arbeitete A.____ wieder zu 50%. In der Folge verspürte er mehr Schmerzen, worauf weitere medizinische Abklärungen getr offen wurden. Vom 20. Juli 2010 bis 17. August 2010 erfolgte ein weiterer Rehabilitation saufenthalt in der Rehaklinik Bellikon, wo neben den bisherigen Diagnosen eine Anpassungsstörung mi t längerer depressiver Reaktion nach Unfall mit protrahiertem Verlauf und missglückten Arbeitsversuchen festgehalten wurde. C. Am 1. September 2010 schätzte der Kreisarzt Dr. X.___ _ den Integritätsschaden auf 10%. Nach Vornahme erwerblicher Abklärungen gewährte die Suva A.____ mit Verfügung vom 21. Dezember 2010 für die verbliebene Beeinträchtig ung aus dem Unfall vom 27. Mai 2009 ab 1. Februar 2011 eine Invalidenrente von Fr. 1'155.75 auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 26%. Im Weiteren wurde ihm eine Integritätsentschädigung von Fr. 12'600.--, entsprechend einer Einbusse der Integrität von 10% und berechnet auf der Basis des zum Unfallzeitpunkt höchst versicherbaren Jahresverdienstes von Fr. 126'000.-- zugesprochen. D. Gegen diese Verfügung erhob A.____ eine Einsprache . Er machte geltend, er könne unter grösstmöglichem Einsatz sowie Willensanstrengung i n leidensadaptierten Berufen eine Arbeitsleistung von maximal 50% erbringen. Die Suva leh nte mit Entscheid vom 29. August 2011 die Einsprache ab. Zur Begründung machte sie gelte nd, dass die Suva-Rente nur die rei- nen Unfallfolgen entschädige. Neben diesen Beschwerden beeinträchtigten auch psychogen bedingte Störungen die Erwerbsfähigkeit von A.____, die jedoch nicht in einem adäquaten Kau- salzusammenhang mit dem Unfallereignis stünden. Gestützt auf den Austrittsbericht der Re- haklinik Bellikon könne A.____ die frühere Tätigkeit al s Hilfsschlosser und -schweisser nicht mehr ausüben. Eine mittelschwere Arbeit, wechselbelaste nd mit Stehen/Sitzen bis maximal 30 Minuten am Stück, sei ihm jedoch ganztags zumutbar. Die S uva rechnete ihm ein Validenein- kommen von Fr. 75'521.-- und gestützt auf die Lohnstru kturerhebung (LSE), durchschnittlicher Zentralwert für Männer im Anforderungsniveau 4 für e infache und repetitive Tätigkeiten nach Vornahme eines leidensbedingten Abzugs ein Invalideneinko mmen von Fr. 55'744.-- an, wo- durch ein Invaliditätsgrad von 26% resultierte. Zur Be rechnung der Integritätsentschädigung verwies die Suva auf die Richtwerte ihrer medizinischen A bteilung und hielt in äquivalenter Be- rücksichtigung von Tabelle 5, Integritätsschaden bei Wirb elsäulenaffektionen, einen Integritäts- schaden von 10% für angemessen. E. Gegen diesen Einspracheentscheid vom 29. August 2011 erhob A.____ mit Eingabe vom 5. Oktober 2011 Beschwerde an das Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte die Festsetzung einer S uva-Rente von 45%. Er sei mit dem Entscheid nicht einverstanden, weil er im Moment auch in angepasster Tätigkeit nur 50% arbei- ten könne und ihm aus seiner Sicht bei der beruflichen Wiedereingliederung ungenügend gehol- fen worden sei. Er haben nun endlich seit 8. August 2 011 eine Stelle als Sektorleiter in der Rei- nigungsbranche und arbeite zurzeit immer noch zu 50%. Selbst in einem 100% Pensum würde er einen wesentlich niedrigeren Invalidenlohn erzielen, der zu einer Erwerbseinbusse von 45% führe. Die Suva beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 3. November 2011 die Abweisung der Beschwerde und wiederholte im Wesentlichen die Begrün dungen, die sie bereits im Einspra- cheentscheid angeführt hatte. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bund esgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz in D.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Besch werde zuständig. Auf die im weite- ren form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Anspruch auf eine Invaliden- rente (Art. 18 Abs. 1 UVG) hat die versicherte Person, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 % invalid ist. Zudem besteht gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemes- sene Integritätsentschädigung, wenn durch den Unfall e ine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität bewirkt worden ist. 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt - unter anderem - vor- aus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetre tenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Zur Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge i m Bereich der Medizin ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen a ngewiesen, die ihr vorab von Ärztin- nen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 12 2 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen B erichtes ist entscheidend, ob die- ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor akten (Anamnese) abgegeben wor- den ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhä nge und in der Beurteilung der medi- zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolge rungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist gr undsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einger eichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinweisen). Auch einem reinen Aktengutachten kann vol ler Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur u m die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. RKU V 1993 Nr. U 167 S. 95; nicht publ. E. 5b des Urteils BGE 114 V 109, veröffentlicht in RKUV 1988 Nr. U 56 S. 366). 2.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössisc hen Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung) mit dem Grundsatz der freien Beweis- würdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Forme n medizinischer Berichte und Gutach- ten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen ( vgl. die ausführlichen Zusammenstellun- gen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Absc hätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Ein- schätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht da zu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellt en fachmedizinischen Experten ander- seits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506 /00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu a nderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vor- behalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichend e Beurteilung aufdrängt, weil die behan- delnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärzt licher Interpretation entspringende - As- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 3.1 Die Suva stützte sich bei ihrer Beurteilung der un fallkausalen Gesundheitsfolgen auf den Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 19. Augu st 2010 ab. Die Rehaklinik Bellikon unterzog den Beschwerdeführer einem Ergonomie-Trainingsprogramm zur Evaluation und Stei- gerung der funktionellen Leistungsfähigkeit hinsichtlich einer beruflichen Neuorientierung. Im Bericht über dieses Trainingsprogramm vom 25. August 201 0 beurteilte die Rehaklinik Bellikon die Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers als fragl ich, weil sie bei den Tests und im Training eine deutliche Selbstlimitierung beobachtet hatte. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbare n pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen nur ungenügend erklären. Im Austrittsbericht vom 19. August 2010 diagn ostizierte sie im Bereich der organisch nachweisbaren Gesundheitsfolgen eine Beckenringfraktur Typ 2B mit Sakrumlängsfraktur links, intraartikulärer wenig dislozierter Azetabulum-Querfr aktur links, mehrfragmentärer dislozierter oberer und unterer Schambeinastfraktur links, Fraktur de s Processus transversus L5 links. Vor- bestehend und daher unfallfremd sind eine Bogenschlussstör ung L5 sowie eine Spondylolyse L5 (Berichte des Kreisarztes vom 24. September 2009 und 15. Februar 2010) sowie ein Status nach hinterer Kreuzbandruptur (Bericht Rehaklinik Rheinfelden vom 3. Juli 2009). Die Ärzte der Rehaklinik Bellikon diagnostizierten ferner eine Anpassun gsstörung mit längerer depressiver Reaktion nach Unfall mit protrahiertem Verlauf und mi ssglückten Arbeitsversuchen (ICD-10: F43.21). Bezüglich Arbeitsfähigkeit wurde eine erhebli che Symptomausweitung festgestellt, die teilweise auf eine psychische Störung zurückzuführen sei, w elche aber keine arbeitsrelevante Leistungsminderung begründen könne. Eine berufliche Tä tigkeit als Hilfsschlosser und Hilfs- schweisser sei nicht mehr zumutbar. Als zumutbar erachtete die Rehaklinik Bellikon eine mittel- schwere Arbeit bei ganztägiger Tätigkeit, wechselbelas tend mit Stehen/Sitzen bis max. 30 Min. am Stück. 3.2 Die von der Rehaklinik Bellikon gestellten somatischen Diagnosen decken sich durch- wegs mit denjenigen anderer Ärztinnen und Ärzte. Anfän glich war der Beschwerdeführer voll- ständig arbeitsunfähig. Der Kreisarzt Dr. X.____, Orth opädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, Sportmedizin, Manuelle M edizin, bestätigte in seinem Bericht vom 24. September 2009 einen guten Heilungsverlauf un d berichtete von einer geplanten Auf- nahme der Arbeitstätigkeit im Umfang von 50% ab 5. Okt ober 2009. Er hielt eine ganztägige aktuell leichte bis knapp mittelschwere Tätigkeit bei str eng freier Wahl zwischen Stehen, Sitzen und Gehen für zumutbar und empfahl ab 5. Oktober 200 9 entweder eine halbtägige Arbeit mit Mehrbelastung oder eine ganztägige unter weniger Bel astung. Anfänglich gelang dem Be- schwerdeführer die Aufnahme einer halbtägigen Arbeit, während welcher er seine Arbeitsfähig- keit steigern konnte. Nach Zunahme der Schmerzen wurde e r dann aber wieder für 100% ar- beitsunfähig geschrieben (vgl. Bericht der Orthopädisch en Klinik Kantonsspital Liestal vom 16. Oktober 2009). Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung d urch Dr. X.____ vom 15. Februar 2010 berichtete der Beschwerdeführer über depressive Zust ände. Dr. Y.____, Oberärztin der Externen Psychiatrischen Dienste stellte in ihrem Bericht vom 23. April 2010 die Diagnose einer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht depressiven Reaktion im Rahmen einer Anpassungsstörung bei Status nach Arbeitsunfall mit Sturz aus grosser Höhe (ICD-10 F43.21). 3.3 Das Gutachten der Rehaklinik Bellikon beruht auf ein gehenden Beobachtungen und Untersuchungen, gelangt zu schlüssigen Ergebnissen und erl angt volle Beweiskraft da keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Es leuchtet in der Beurteilu ng der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Experten sind begründet. Insbeson dere hielt der Bericht fest, dass kei- ne psychische Störung vorliege, welche eine arbeitsreleva nte Leistungsminderung begründen könne. Davon abgesehen mangelt es hinsichtlich der psychisch en Beschwerden auch am adä- quaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 27. Ma i 2009. Um eine Leistungspflicht des Unfallversicherers begründen zu können, muss zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nur ein natürlich er, sondern auch ein adäquater Kausal- zusammenhang bestehen. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursa- che eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnli chen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, eine n Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (B GE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheitlichen Schädi gung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusammenhang besteht, ist e ine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 4.1 Ob die psychischen Beschwerden zum Unfall vom 27. Mai 2009 adäquat kausal sind, be- urteilt sich nach den Kriterien, wie sie das Bundesgericht in BGE 115 V 133 ff. entwickelt und in seiner Rechtsprechung seither beständig angewandt hat (vgl. BGE 123 V 98; BGE 124 V 44 E. 5c/bb und 213 E.4b). Nach dieser Rechtsprechung setzt die Bejahung des ad äquaten Kausal- zusammenhangs zwischen einem Unfallereignis und einer ansch liessend einsetzenden psychi- schen Fehlentwicklung im Einzelfall voraus, dass dem Unfa llereignis für die Entstehung der psychisch bedingten Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine gewisse Schwe re aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 133 E. 7 mit Hi nweisen). Für die Beurteilung dieser Fra- ge ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgeh end vom augenfälligen Geschehens- ablauf - folgende Einteilung der Unfälle in drei Gr uppen zweckmässig erscheint: banale bzw. leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits un d schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (vgl. BGE 115 V 133 E. 6). Bei leich ten bzw. banalen Unfällen kann der adä- quate Kausalzusammenhang in der Regel ohne Weiteres verneint werden, da aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse da- von ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall ni cht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen. Der adäquate Kausalzusa mmenhang zwischen Unfall und Folgen ist dagegen bei schweren Unfällen in der Regel zu bejahen, da solche Unfälle meist geeignet sind, invalidisierende psychische Gesundheitsschäde n zu bewirken. Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Un fall und Folgen ein adäquater Kau- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht salzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalls alle in schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, die unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folge davon ersche inen, in eine Gesamtwürdigung ein- zubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind nach der Rechts prechung (vgl. BGE 115 V 133 E. 6c/aa) zu nennen: - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verl etzungen, insbesondere ihre erfah- rungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulöse n; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - körperliche Dauerschmerzen; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen er heblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikatio nen; - Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigke it. 4.2 Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (vgl. RKUV 199 9 Nr. U 335 S. 207 E. bb), nicht je- doch Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nic ht direkt dem Unfallgeschehen zuge- ordnet werden können. Derartigen, dem eigentlichen Un fallgeschehen nicht zuzuordnenden, Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Re chnung zu tragen. Dies gilt etwa für Verletzungen, die sich die versicherte Person zuzieht, a ber auch für - unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonder en Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfende - äusseren Umstände, wie eine allfällige Dun kelheit im Unfallzeitpunkt oder Verlet- zungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall für ander e Personen nach sich zieht. Dieser Grundsatz gilt sowohl in Bezug auf die Adäquanzbeurteil ung bei psychischen Fehlentwicklun- gen nach Unfall (Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2008 UV Nr. 8 S. 27 E. 5.3.1) als auch bei Anwendung der Schleudertrauma- Praxis (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni 2008, 8C_536/2007, E. 6.1). 4.3 Die Beschwerdegegnerin qualifizierte den Treppenstu rz als mittelschweren Unfall. Dieser Betrachtungsweise ist beizupflichten. Gleich beurteilt w urde etwa der Sturz eines Bauarbeiters in einen Lichtschacht, der Sturz an einem steinigen Fl ussufer hangabwärts auf den Rücken oder ein Sturz auf einer Aussentreppe (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juli 2008, 8C_798/2007, E. 4.1 mit Hinweisen). Die in BGE 115 V 140 f. genannten Adäquanzkriterien sind vorliegend sodann weder besonders ausgeprägt noch gehäuft erfüllt, was auch vom Be- schwerdeführer nicht geltend gemacht wird. 4.4 Gemäss den obigen Erwägungen ist festzustellen, das s die Beschwerdegegnerin die adä- quate Kausalität zwischen dem Unfall vom 27. Mai 2009 u nd den psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers zu Recht verneinte. Sie sind somit nicht unfallkausal, weshalb sie nicht in die Bewertung der Arbeitsunfähigkeit mit einbezogen werden können. Es ist gestützt auf das Gutachten der Rehaklinik Bellikon vom 19. August 2010 da von auszugehen, dass dem Be- schwerdeführer eine mittelschwere Arbeit bei ganztägiger Tätigkeit, wechselbelastend mit Ste- hen/Sitzen bis max. 30 Min. am Stück zumutbar ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspra cheentscheid einen Invaliditäts- grad von 26 % ermittelt. Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades einer erwerbstätigen versicherten Person das Erwerbseinkom men, das diese nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Beha ndlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invalid itätsgrad bestimmen lässt (BGE 104 V 136). 5.2 Bei der Bemessung des für die Bestimmung des Invalid itätsgrades massgebenden hypo- thetischen Einkommens ohne Gesundheitsschaden (Validenei nkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem im Sozialversicherungsrecht an- zuwendenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsäch- lich verdienen würde (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreic hen weiteren Hinweisen). Die Einkom- mensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheit sschadens erzielt hat, auszugehen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2002, I 491 /01, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinwei- sen). Ohne Unfallfolgen würde der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit in ei- nem Vollpensum unbestrittenermassen einen Lohn von Fr. 75'521.-- erzielen. 5.3 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung no ch zumutbaren und realisierba- ren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von der b eruflich-erwerblichen Situation aus- zugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besond ers stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arb eitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint, gilt grundsätzlich der von ihr tatsäc hlich erzielte Verdienst als Invaliden- lohn (BGE 126 V 75 E. 3b; 117 V 18 E. 2c/aa; RKUV 1 991, Nr. U 130, S. 272 E. 4a; AHI-Praxis 1998, S. 179). Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwer bseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheit sschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtspre- chung die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruktu rerhebung des Schweizerischen Bundesamtes für Statistik (LSE Tabellenlöhne) beigezoge n werden (BGE 129 V 475 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b/aa). Im vorliegenden Fall befand sich d er Beschwerdeführer zumindest bis zum Verfügungszeitpunkt in keinem stabilen Arbeitsverhältnis, weshalb die LSE Tabellenlöhne zur Anwendung gelangen. Zudem kann festgestellt werden, d ass der Beschwerdeführer seine verbleibende Arbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weis e ausnützte. Der durchschnittliche Zent- ralwert für Männer im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) betrug im Jahr 2008 bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden Fr. 4'806.-- monatlich oder Fr. 57'672.- - jährlich. Umgerechnet auf eine durchschnittliche Arbe itszeit von 41.7 Stunden und indexiert Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit 2.1% Nominallohnentwicklung im Jahr 2009 und 0.9% im Jahr 2010 ergibt dies ein Jah- reseinkommen von Fr. 61'938.--. 6.1 Von dem auf diese Weise erhobenen statistischen We rt sind praxisgemäss verschiede- ne Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das Bu ndesgericht seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterent wickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persön- lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalle s abhängt (leidensbedingte Ein- schränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität /Aufenthaltskategorie und Beschäfti- gungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaf t zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung al ler jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dan n erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts- punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsf ähigkeit auf dem allgemeinen Arbeits- markt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. 6.2 Dem Beschwerdeführer ist eine mittelschwere Arbeit b ei ganztägiger Tätigkeit, wechsel- belastend mit Stehen/Sitzen bis max. 30 Min. am Stück zumutbar. Aus dieser Beschreibung der zumutbaren Verweistätigkeit ergibt sich ohne weiteres, d ass der Beschwerdeführer in Bezug auf die Verwertung seiner verbliebenen Rest-Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eingeschränkt ist. Im Vergleich zu einer nicht beziehu ngsweise nicht derart gesundheitlich ein- geschränkten Person wird er an einem vergleichbaren Ar beitsplatz Lohneinbussen in Kauf zu nehmen haben. Beim Beschwerdeführer liegt demnach ein e Erschwernis hinsichtlich der er- werblichen Verwertungsmöglichkeiten der verbliebenen Arb eitsfähigkeit vor, welche die Vor- nahme eines leidensbedingten Abzuges ohne weiteres zu rech tfertigen vermag. Praxisgemäss kann ein leidensbedingter Abzug von 10 % als durchaus ang emessen bezeichnet werden. Wei- tere Merkmale, die zur Vornahme eines leidensbedingten Abzuges Anlass geben würden wie beispielsweise das Alter, die Anzahl der Dienstjahre, de r Aufenthaltsstatus oder der Beschäfti- gungsgrad sind demgegenüber nicht zu berücksichtigen. Das nach den LSE Tabellen ermittelte Invalideneinkommen ist somit um 10 % zu kürzen, was zu e inem anrechenbaren Invalidenein- kommen von Fr. 55'744.-- führt. 6.3 Setzt man das Valideneinkommen von Fr. 75'521.-- dem vorstehend ermittelten Invali- deneinkommen von Fr. 55'744.-- gegenüber, so resultier t eine Erwerbseinbusse von Fr. 19'777.-- und damit ein von der Beschwerdegegneri n der Rentenberechnung zugrunde ge- legter Invaliditätsgrad von 26 %. 7.1 Die Integritätsentschädigung wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG). Massgeblich für die Beu rteilung der Schwere des Schadens ist der medizinische Befund (BGE 115 V 147 E. 1 S. 147, 1 13 V 218 E. 4b S. 221 mit Hinweisen; RKUV 2004 Nr. U 514 S. 415 E. 5.2 in fine, U 134/03 ; JEAN -MAURICE FRÉSARD /M ARGIT MOSER - SZELESS , L'assurance-accidents obligatoire, in: Schweizerisches Bun desverwaltungsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit, Ulrich Meyer [Hrsg.], Basel/Genf/München 2007, 2. Aufl., S. 917 Rz Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 235). Für die Bemessung der Entschädigung gelten die R ichtlinien des Anhanges 3 zur UVV (Art. 25 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 2 UVV). Darin sind häufig vorkommende und typische Schäden innerhalb einer Skala prozentual gewichtet. Die Entschädigung für spe- zielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird n ach dem Grad der Schwere vom Skalen- wert abgeleitet (Anhang 3 zur UVV, Ziff. 1 Abs. 2). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Or- gans wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem V erlust und bei teilweiser Gebrauchsunfä- higkeit wird der Integritätsschaden entsprechend gering er, wobei die Entschädigung ganz ent- fällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % de s Höchstbetrages des versicherten Ver- dienstes ergäbe (Ziff. 2). Davon ausgehend hat die S UVA weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet. Sow eit diese Tabellen lediglich Richtwerte ent- halten, mit denen die Gleichbehandlung der Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c, 211 E . 4a/cc1, je mit Hinweis; RKUV 2004 Nr. U 514 S. 415 E. 5.1, U 134/03). 7.2 Der Kreisarzt Dr. X.____ schätzte in seiner Beur teilung vom 1. September 2010 den unfallbedingten Integritätsschaden auf 10 %. Er begründete seine Einschätzung damit, dass als Äquivalent Tabelle 5, Integritätsschaden bei Wirbelsäu lenaffektionen angelegt werde, da die Beckenregion bei einer Open book-Fraktur als Verlängeru ng der Wirbelsäule, auch bezüglich der Schmerzsymptomatik, angesehen werden könne. Abgleic hbar seien mässige Beanspru- chungsschmerzen, äquivalent einem Zustand nach Discushern ie nachgewiesen inklusive Oste- ochondrose, so dass bei objektiv ausgeheilten Frakturen bedingt durch die dreidimensionale Frakturarchitektur die Schmerzresiduen lokalisiert auf di e Unfallregion Becken abstrakt und egalitär mitberücksichtigt seien. Der Kreisarzt stützte sich bei seiner Beurteilung auf die erho- benen medizinischen Befunde. Auf seine Schätzung kann d aher vorliegend ohne Weiteres ab- gestellt werden und es ist nicht zu beanstanden, dass die B eschwerdegegnerin die Integritäts- entschädigung entsprechend einer Einbusse der Integrität von 10% festsetzte. 8. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der von der Beschwerdegegnerin ermittelte Invaliditätsgrad von 26 % und die Ausrichtun g einer entsprechenden IV-Rente ab 1. Februar 2011 sowie die Zusprechung einer Integritätsentschädigung entsprechend einer Ein- busse von 10 % nicht zu beanstanden sind. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht