Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. Juli 2018 (720 18 41 / 175) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts; Nichterfüllung des rentenbegrün- denden Wartejahres Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber i.V. Robert Schibli Parteien A. ____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Marco Albrecht , Adv o- kat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1965 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 1 . November 1996 bis zur Auflösung ihres Arbeitsverhältnisses aus wirtschaftlichen Grü nden per 16. Februar 2009 als Betriebsmit- arbeiterin bei der B.____ AG in X.____. Am 3. Juli 2009 meldete sie sich erstmals bei der IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle die gesund- heitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte sie einen IV-Grad von 0 %. Gestützt auf dieses Ergebnis wies sie den Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente mit Verfü- gung vom 8. Januar 2013 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 24. Juni 2015 stellte A.____ erneut ein Leistun gsgesuch bei der IV-Stelle. Diese wies mit Verfügung vom 20. Dezember 2017 den Rentenan spruch nach Veranlassung der not- wendigen Abklärungen und Durchführung des Vorbescheidver fahrens mit der Begründung ab, das Wartejahr sei nicht erfüllt. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten d urch Marco Albrecht, Rechtsanwalt, am 1. Februar 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, d ie Verfügung vom 20. Dezember 2017 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass zumindest ein Anspruch auf eine halbe Invaliden- rente bestehe; unter o/e Kostenfolge. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. D. In ihrer Vernehmlassung vom 26. März 2018 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 1. Februar 2018 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführeri n Anspruch auf eine IV-Rente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Die Wartezeit nach lit. b bezieht sich auf die Arbeitsunfähig keit (Art. 6 ATSG) und nicht auf die Er- werbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG). Massgebend ist nicht die durch den Gesundheitsschaden be- dingte Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen in e iner Verweistätigkeit, sondern im bis- herigen Beruf oder im bisherigen anerkannten Aufgaben bereich (Art. 27 IVV). Die Arbeitsunfä- higkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist som it vom Begriff der Erwerbsunfähigkeit abzu- grenzen (BGE 97 V 226). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.1 Im interdisziplinären Gutachten des Zentrums für Med izinische Begutachtung (ZMB) vom 22. November 2011 wurden ein lumbalbetontes Panvertebralsyndrom und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung als Diagnosen mit Auswirkung a uf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Der Versicherten seien alle leidensangepasste Tätigkeit en (leichte bis mittelschwere, nicht rü- ckenbelastende Tätigkeiten, ohne repetitives Halten und Heben von Gewichten von mehr als 10 kg, ohne regelmässiges Sich-Bücken-müssen sowie ohne Arb eiten in Zwangshaltungen) uneingeschränkt zumutbar. Da die Versicherte bei der B.____ AG eine körperlich wenig belas- tende Tätigkeit ausgeübt habe, habe ihre rheumatolog ische und internistische Krankheit keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in ihrer bisherigen Tätigkeit. 4.2 Der nächste ärztliche Bericht datiert erst wieder vom 30. Juni 2016. Darin erhebt Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Medizin und Kardiolo gie, keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbe itsfähigkeit seien einzig Thoraxschmer- zen festzustellen gewesen, deren Ursache aber unklar gebl ieben seien. Aus rein kardiologi- scher Sicht seien keine relevanten Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. 4.3 Die IV-Stelle hat nach der im Juni 2015 erfolgte n Neuanmeldung der Versicherten zur Klärung des medizinischen Sachverhaltes einen Arztbericht beim behandelnden Arzt, Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin, spez. Rheumaerkrankungen, eingeholt. Dieser diagnostizierte bei seiner Patientin ein panvertebrales Syndrom mit cervicospon dylogener Ausstrahlung und lum- bospondylogener Ausstrahlung nach links sowie ein Schulte rimpingement links. In seinem Be- richt vom 18. November 2016 stellte er als Nebendiagnose n ohne Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit eine arterielle Hypertonie, Diabetes mellitu s Typus 2 sowie einen Morbus Basedow fest. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Beschwerden in der zuletzt ausgeübten leichten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin ab dem 9. November 2016 zu 30 % arbeitsunfähig. Seither sei ihr in diesem Umfang ebenfalls eine leichte Verweistätigkeit in Wechselhaltung mit vermehr- ten Pausen möglich. 4.4 Im Arztbericht vom 24. Mai 2017 von Dr. med. E.__ __ wurde bei der Beschwerdeführe- rin ein schweres obstruktives Schlafapnoesyndrom sowie ein Globusgefühl pharyngolaryngeal mit Verdacht auf einen laryngopharyngealen Reflux DD d iagnostiziert. Es wurden weiter unter anderem folgende Nebendiagnosen erhoben: Nicht insulin pflichtige Diabeteserkrankung melli- tus Typ 2, Dyslipidämie, Adipositas bei einem Body-Mass-Ind ex von 35.6 kg/m 2, Morbus Base- dow, chronisch multilokuläres Schmerzsyndrom mit panvertebr algien, zervikospondylogenem Syndrom rechts und lumbospondylogenes Syndrom links, leichtgradige ossäre Foraminalsteno- se C3/C4 und C4/C5 links ohne Wurzelkompression, schwer einstellbare arterielle Hypertonie sowie ein Verdacht auf Short Segment Barrett-Oesophagus. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Im Sprechstundenbericht von Dr. med. F.____, FMH Physikalische Medizin und Reha- bilitation, vom 18. Oktober 2017 wurde festgehalten, d ass die Beschwerdeführerin unter einem Impingement-Syndrom Grad II mit einer artikulärseitigen Partialruptur der Supraspinatus-Sehne begleitet von einer AC-Gelenkarthrose leide. Weiter bestehe eine chronische Cervicalgie mit einer ausstrahlenden Schmerzsymptomatik in die Schulter li nksseitig und in den Schultergürtel. Im Vergleich zum Jahr 2015 seien eine tendenzielle Gr össenprogredienz der vorbestehenden, grossen ventralen Randspondylophyten an der Vorderkante de r Endplatte HWK4/5 und HWK5/6 sowie leichtgradige höhengeminderte Bandscheiben HWK4/5 und HWK5/6 festgestellt worden. Ferner habe sich in der MRI-Untersuchung vom 9. Oktober 2017 gezeigt, dass mehr- segmentale Degenerationen mit osteodiscoligamentär bedingter foraminaler Enge C4 linksseitig bestünden. 4.6 Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin u nd Pneumologie, hielt im Bericht vom 19. Oktober fest, dass aufgrund des obstruktiven Schlaf apnoesyndroms keine Beeinträch- tigung der Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei. Die CP AP-Therapie sei seit drei Monaten erfolg- reich appliziert worden. 4.7 Am 25. Oktober 2017 äusserte sich der Arzt des Region alen ärztlichen Dienstes beider Basel (RAD), Dr. med. H.____, FMH Allgemeinmedizin, in seiner Stellungnahme wie folgt zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin: Der von der B eschwerdeführerin postulierte Ge- sundheitsschaden (obstruktives Schlafapnoesyndrom) habe fac härztlich bestätigt keinen Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit. Es sei deshalb für körpe rlich leichte Tätigkeiten von einer 100%- igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 4.8 Die Beschwerdeführerin unterzog sich am 6. November 2017 sowie am 20. Dezem- ber 2017 einer Gastroskopie, wobei gemäss den an densel ben Tagen verfassten Arztberichten von Dr. med. I.____, FMH Gastroenterologie, ein Ulkus i m Bereich des Pylorus mit umgeben- dem Schleimhauterythem gefunden worden sei. Dieses sei u nter Therapie mit Dexilant voll- ständig abgeheilt. Am 6. November 2017 habe eine unvo llständige Magenentleerung vorgele- gen und am 20. Dezember 2017 habe eine leichtgradige Pangastritis diagnostiziert werden können. 4.9 Kurz darauf bestätigte Dr. H.____ mit RAD-Bericht vom 5. März 2018, dass gestützt auf die medizinische Beurteilung von Dr. D.____ vom 18. November 2016 von einer 30%-igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen sei. Er wiederholte, dass bei Dr. F.____ rückgefragt werden sollte, wie der Gesundheitszustand d er Versicherten ausfalle, da in ihrem Bericht vom 18. Oktober 2017 keine Aussagen zur Arbeit sfähigkeit gemacht worden seien. Zu- dem sei gemäss der Untersuchung vom 20. Dezember 2017 d as nachgewiesene Ulkus unter der Therapie mit Dexilant abgeheilt. Hinsichtlich der S chulterproblematik der Beschwerdeführe- rin wird zudem die von Dr. med. J.____, FMH Neurologie , durchgeführte neurologische Stand- ortbestimmung vom 26. Januar 2018 erwähnt, bei der ke in organisches Korrelat für die Be- schwerden der Versicherten habe nachgewiesen werden können. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.10 Dr. F.____ nahm am 8. März 2018 auf Rückfrage vo n Dr. H.____ vom 5. März 2018 wie folgt Stellung zu ihrem ersten Bericht vom 18. Okt ober 2017: Bei der Versicherten könne ein zervikobrachiales Schmerzsyndrom links mit pseudoradiku lärer Ausstrahlung diagnostiziert werden. Betreffend der Frage der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit gehe sie gleich wie auch Dr. D.____ von einer 30%-igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdefüh- rerin aus. 4.11 In seiner Stellungnahme vom 15. März 2018 hielt Dr. H.____ fest, dass man kein orga- nisches Korrelat für die Beschwerden der Beschwerdeführerin habe finden können. Gestützt auf den Bericht von Dr. D.____ vom 18. November 2016 werde deshalb davon ausgegangen, dass die Versicherte bezüglich einer leidensgepassten Tätigkeit zu 30 % arbeitsunfähig sei. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung bei der Beurteilung des me- dizinischen Sachverhalts und der verbleibenden Arbeitsfä higkeit der Versicherten im Wesentli- chen auf die Ergebnisse, zu denen Dr. D.____ in seine r Beurteilung vom 18. November 2016 gelangt ist. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer Nacken-, Rücken- und Schulterprobleme in ihrer angestammten Täti gkeit als Betriebsmitarbeiterin ledig- lich zu 30 % arbeitsunfähig sei. Auch eine leichte Tä tigkeit in Wechselhaltung mit vermehrten Pausen sei ihr zumutbar. Auch Dr. H.____ hielt in seinen Stellungnahmen vom 5. März 2016 und 15. März 2016 fest, dass bei der Versicherten von ein er 30%-igen Arbeitsunfähigkeit aus- zugehen sei. Zu diesem Schluss kam schliesslich auch Dr. F.___ _ mit Bericht vom 8. März 2018. 5.2 Der Bericht von Dr. D.____ vom 18. November 2016, der die Versicherte offenbar be- reits seit dem Jahr 2009 behandelt (vgl. ZMB-Gutachten vom 22. November 2011, S. 5 ad Be- richt von Dr. D.____ vom 20. September 2009), erfüllt alle Voraussetzungen an eine taugliche medizinische Beurteilungsgrundlage. Er weist insgesamt weder formale noch inhaltliche Mängel auf und ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2. hiervor) – auch für die strei- tige Frage der Arbeitsfähigkeit umfassend. Seine auf einer ausführlichen Befundung basierende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeitsbeurteilung deckt sich sodann mit der übri- gen medizinischen Aktenlage. Es besteht deshalb kein Anlass , an der Richtigkeit der Einschät- zung von Dr. D.____ zu zweifeln. 5.3 Die Versicherte bringt in ihrer Beschwerde diverse Einwände dagegen vor. Zunächst wendet sie gegen die vorinstanzliche Beweiswürdigung ein, dass vielmehr auf die Ergebnisse des von Dr. E.____ erstellten Berichts vom 24. Mai 2017 a bzustellen sei. Die darin festgestell- ten Nebendiagnosen – insbesondere der Morbus Basedow – würden ihrer Ansicht nach im Zu- sammenhang mit dem attestierten schweren obstruktiven Schl afapnoesyndrom zu einer Ar- beitsunfähigkeit führen, welche den Anspruch auf mindestens eine halbe Invalidenrente vermitt- le. Diese Einschätzung widerspricht jedoch der Beurteilung im aktuellen Bericht von Dr. G.____ vom 19. Oktober 2017, der trotz des schweren obstruktiven Schlafapnoesyndroms keine Beein- trächtigung der Arbeitsfähigkeit attestiert hat. Zude m wird der Morbus Basedow im Bericht von Dr. D.____ als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeit sfähigkeit aufgeführt. Gegen die An- sicht der Beschwerdeführerin spricht sodann der Umstand, dass sich das von der Versicherten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorgebrachte ärztliche Zeugnis vom 24. Mai 2017 nicht dazu äussert, inwiefern sich die darin festgestellten Leiden auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Weiter rügt die Beschwerdeführerin, dass der Sprechstund enbericht von Dr. F.____ vom 18. Oktober 2017, der weitere Rücken-, Schulter- und N ackenleiden festhalte, bei der Beweis- würdigkeit unberücksichtigt geblieben sei. Dies trifft so nicht zu: Es ist vielmehr festzustellen, dass auch Dr. F.____ in Bezug auf den ersten Bericht vom 18. Oktober 2017 nach erfolgter Rückfrage des RAD in ihrem erneuten Bericht vom 8. Mär z 2018 davon ausgegangen ist, dass trotz der festgestellten Leiden an Schulter, Rücken und Nacken von einer 30%-igen Arbeitsun- fähigkeit auszugehen sei. Für eine 30%-ige Arbeitsunfäh igkeit hinsichtlich der Schulterproble- matik spricht denn auch der Umstand, dass gemäss RAD-Bericht vom 5. März 2018 bei der von Dr. J.____ durchgeführten neurologischen Standortbestimmung vom 26. Januar 2018 weiterhin kein organisches Korrelat für die Beschwerden der Versicherten nachgewiesen werden konnte. Schliesslich macht die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Beschwerde auf das bei der Gast- roskopie vom 6. November 2017 gefundene Ulkus und auf d ie Diagnose der unvollständigen Magenentleerung aufmerksam. Hiergegen wies die Beschwerd egegnerin jedoch zu Recht auf den Untersuchungsbericht von Dr. I.____ vom 20. Dezember 2017 hin, wonach das nachge- wiesene Ulkus unter Therapie mit Dexilant mittlerweile vollständig abgeheilt sei. Die Einwände der Beschwerdeführerin sind somit unbegründet. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung, wonach die Beschwerdeführerin gemäss der Beurteilung von Dr. D. ____ am 18. November 2016 (vgl. oben E. 4.3) seit 9. November 2016 in ihrer angestammt en Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin durchgehend zu 30 % arbeitsunfähig ist, ist bei dieser Sachlage nicht zu beanstanden. 5.4 Für die Zeit zuvor ist gestützt auf die schlüssige Beu rteilung durch das ZMB vom 22. November 2011, welche Eingang in die am 7. Febr uar 2013 in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 8. Januar 2013 gefunden hat, von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie auch einer leidensangepassten Tätigkei t auszugehen. Es kann an dieser Stelle auf die gutachterliche Einschätzung verwiesen wer den, wonach der Versicherten alle leidensangepassten Tätigkeiten (leichte bis mittelschwere, nicht rückenbelastende Tätigkeiten, ohne repetitives Halten und Heben von Gewichten von meh r als 10 kg, ohne regelmässiges Sich-Bücken-müssen sowie ohne Arbeiten in Zwangshaltungen ) uneingeschränkt zumutbar sind. Da sie bei der B.____ AG eine körperlich wenig belasten de Tätigkeit ausgeübt hat, hat ihre rheumatologische und internistische Krankheit keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in ihrer bisherigen Tätigkeit. Daran ist festzuhalten. 5.5 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch der Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu, so kann auf die von der Beschwerdeführerin eventualiter beantragte Vornahme weiterer medizini- scher Abklärungen verzichtet werden. Der Anspruch auf rech tliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisab- nahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen A nspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung d er Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Über zeugung, dass die vorhandenen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachver haltes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Be weismittel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstant er bundesgerichtlicher Rechtspre- chung zulässig (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinw eisen, 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 119 V 335 E. 3c in fine mit Hinweisen). 6. Im Ergebnis ist somit festzuhalten, dass die IV-Stelle gestützt auf die medizinische Ak- tenlage zu Recht bis am 8. November 2016 von einer une ingeschränkten Restarbeitsfähigkeit und danach ab dem 9. November 2016 von einer lediglich 30%-igen Arbeitsunfähigkeit der Ver- sicherten als Betriebsmitarbeiterin ausgegangen ist. Das W artejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG, welches eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit von 40 % voraussetzen würde, ist somit nicht erfüllt. Damit resul tiert, dass die angefochtene Verfügung, mit welcher der Anspruch der Beschwerdeführerin auf ei ne Rente verneint worden ist, nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen ist. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– festgeleg t. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrah mens einheitlich auf Fr. 800.– fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlege n sind. Da ihr mit Verfügung vom 7. März 2018 die unentgeltliche Prozessführung bewilli gt wurde, gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin ebenfalls mit Verfügun g vom 7. März 2018 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honora r bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.– pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerd eführerin hat in seiner Honorarnote vom 16. April 2018 für das vorliegende Verfahren eine n Zeitaufwand von 6.25 Stunden geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich in Anbetracht der si ch stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Dem Rechtsvertreter der Besch werdeführerin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘384.40 (6.25 Stunden à Fr. 200.– und Auslagen von Fr. 35.40 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1‘384.40 aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen Präsidentin Gerichtsschreiber i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 20.09.2017 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_578/2018 ) erhoben.