<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 71 S.350</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">350</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>71</b></span> <span class="ft3"><b>Ermessensveranlagung; Vermögensvergleich; Rechtliches Gehör (§ 191</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Abs. 3 StG; Art. 29 Abs. 2 BV).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Beabsichtigt eine Steuerkommission, die Veranlagung aufgrund einer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Vermögensvergleichsrechnung vorzunehmen, ist diese dem Steuer-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>pflichtigen vorher zur Kenntnis zu bringen und ihm die Möglichkeit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einer Stellungnahme zu den Berechnungsgrundlagen einzuräumen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">24. Januar 2008 in Sachen P.M., 3-RV.2007.121</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">351</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Beabsichtigt eine Steuerkommission, die Veranlagung aufgrund</span><br/> <span class="ft1">einer Vermögensvergleichsrechnung vorzunehmen, ist diese dem</span><br/> <span class="ft1">Steuerpflichtigen vorher zur Kenntnis zu bringen und ihm die Mög-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit einer Stellungnahme zu den Berechnungsgrundlagen einzu-</span><br/> <span class="ft1">räumen, da die Steuerkommission in der Regel nicht über vollstän-</span><br/> <span class="ft1">dige und gesicherte Erkenntnisse verfügt, so z.B. hinsichtlich steuer-</span><br/> <span class="ft1">freier Einkünfte (VGE vom 18. Oktober 2000 in Sachen R.H.).</span><br/> <span class="ft1">Andernfalls liegt ein Verstoss gegen den Anspruch auf rechtliches</span><br/> <span class="ft1">Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) vor (Kommentar zum Aargauer Steuer-</span><br/> <span class="ft1">gesetz, 2. Auflage, Muri-Bern 2004, § 191 StG N 24, mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft1">analog VGE vom 7. Dezember 2004 in Sachen H. + K.K.).</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent hat zusammen mit der Steuererklärung 2003 den</span><br/> <span class="ft1">Fragebogen für selbständig Erwerbende und den Jahresabschluss</span><br/> <span class="ft1">2003 seiner Einzelfirma eingereicht. Er ist damit seinen Verfahrens-</span><br/> <span class="ft1">pflichten nachgekommen.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die Steuerkommission</span><br/> <span class="ft1">S. den Rekurrenten im Veranlagungsverfahren aufgefordert hätte,</span><br/> <span class="ft1">den Nachweis der Finanzierung seines Lebensaufwandes zu erbrin-</span><br/> <span class="ft1">gen. Sie hat ihm vielmehr ohne vorherige Ankündigung einen Rein-</span><br/> <span class="ft1">gewinn von CHF 30'000.00 nach Ermessen aufgerechnet, da sie</span><br/> <span class="ft1">offenbar der Meinung war bzw. ist, der Rekurrent habe seinen Le-</span><br/> <span class="ft1">bensaufwand mit den deklarierten Einkünften nicht bestreiten kön-</span><br/> <span class="ft1">nen. Da die Vorinstanz soweit ersichtlich keinen Vermö-</span><br/> <span class="ft1">gensvergleich erstellt bzw. diesen sowie die damit verbundenen Auf-</span><br/> <span class="ft1">rechnungen dem Rekurrenten nicht mitgeteilt hat, wurde dessen</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt (RGE vom 23. August 2007</span><br/> <span class="ft1">in Sachen R. + S.H.). Zwar verlangte das Gemeindesteueramt S. im</span><br/> <span class="ft1">Einspracheverfahren die "Kontoblätter der Buchhaltung 2003", die</span><br/> <span class="ft1">"Kreditorenrechnungen des ganzen Jahres", die "Kontoauszüge Post-</span><br/> <span class="ft1">check- und Geschäftskonti", den "Nachweis der Finanzierung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">352</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Schuldzinsen" sowie "der übrigen Lebenshaltungskosten" und das</span><br/> <span class="ft1">"Kassenbuch im Original" ein, verzichtete aber auf eine Zustellung</span><br/> <span class="ft1">einer Vermögensvergleichsrechnung bzw. der "Belegprüfung im Ein-</span><br/> <span class="ft1">spracheverfahren" an den Rekurrenten zur Stellungnahme. Dass die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz insgesamt CHF 19'393.00 für nicht anerkannte Aufwen-</span><br/> <span class="ft1">dungen sowie pauschal CHF 10'607.00, gesamthaft CHF 30'000.00,</span><br/> <span class="ft1">aufrechnete, wurde dem Rekurrenten vor Fällung des Einspracheent-</span><br/> <span class="ft1">scheides nicht mitgeteilt. Er hatte keine Möglichkeit, sich dazu zu</span><br/> <span class="ft1">äussern, womit die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör</span><br/> <span class="ft1">im Einspracheverfahren nicht geheilt wurde.</span><br/></div> </div> </body> </html>