<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 108 S.369</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamtes</div> <span class="page_no">369</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>108 Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Trennung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Präzisierung der Rechtsprechung des Rekursgerichts betreffend Vorlie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gen eines Härtefalls nach Misshandlung durch den Ehegatten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/4a-e).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">370</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 15. Oktober</span><br/> <span class="ft3">2004 in Sachen S.C. gegen einen Entscheid des Migrationsamts</span><br/> <span class="ft3">(BE.2004.00014).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Die Beschwerdeführerin wuchs in der Türkei auf und war</span><br/> <span class="ft1">von Dezember 1998 bis August 2000 ein erstes Mal verheiratet. Am</span><br/> <span class="ft1">6. Mai 2002 heiratete sie einen mit Niederlassungsbewilligung in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz lebenden Landsmann, reiste am 2. August 2002 in die</span><br/> <span class="ft1">Schweiz ein und erhielt eine Jahresaufenthaltsbewilligung zum Ver-</span><br/> <span class="ft1">bleib bei ihrem Ehemann. Bereits am 31. Dezember 2002 verliess die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin die eheliche Wohnung und zog nach M. Mit</span><br/> <span class="ft1">Eheschutzurteil vom 11. März 2003 wurde die zwischen der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin und ihrem Ehemann geschlossene Trennungsver-</span><br/> <span class="ft1">einbarung genehmigt.</span><br/> <span class="ft1">Am 2. Februar 2004 verfügte das Migrationsamt, Sektion Ver-</span><br/> <span class="ft1">längerungen und Massnahmen, die Nichtverlängerung der Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung der Beschwerdeführerin sowie deren Wegweisung.</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am</span><br/> <span class="ft1">16. Februar 2004 Einsprache, welche am 24. März 2004 von der</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz abgewiesen wurde.</span><br/> <span class="ft1">C. Mit Eingabe vom 26. April 2004 reichte die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin gegen den Einspracheentscheid beim Rekursgericht Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde ein.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 4. a) Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, ihr</span><br/> <span class="ft1">Ehemann habe sie wiederholt geschlagen.</span><br/> <span class="ft1">b) Das Rekursgericht hatte sich bereits mehrmals mit der Frage</span><br/> <span class="ft1">zu befassen, unter welchen Umständen die Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">eines ausländischen Ehegatten, der seine Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">aufgrund seiner Heirat mit einem hier anwesenheitsberechtigten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamtes</div> <span class="page_no">371</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ausländischen Staatsangehörigen erhalten hatte, nach Aufgabe des</span><br/> <span class="ft1">ehelichen Zusammenlebens zu verlängern sei. In einigen Fällen ging</span><br/> <span class="ft1">es dabei auch um die Problematik der Ausübung von Gewalt gegen-</span><br/> <span class="ft1">über dem nachgezogenen Ehegatten. Das Rekursgericht hatte bislang</span><br/> <span class="ft1">die Auffassung vertreten, die Fortführung einer Ehe sei für einen</span><br/> <span class="ft1">Ehegatten grundsätzlich unzumutbar, wenn er vom anderen Ehegat-</span><br/> <span class="ft1">ten geschlagen würde. Daran ist festzuhalten.</span><br/> <span class="ft1">c) Allein die Tatsache, dass in den bislang zu beurteilenden</span><br/> <span class="ft1">Fällen die Aufenthaltsbewilligung jeweils zu verlängern war, wenn</span><br/> <span class="ft1">der betroffene Ehegatte misshandelt wurde, bedeutet jedoch nicht,</span><br/> <span class="ft1">dass die Aufenthaltsbewilligung aller misshandelter nachgezogener</span><br/> <span class="ft1">Ehegatten verlängert werden muss. Diesem Punkt ist zwar gemäss</span><br/> <span class="ft1">Ziffer 654 der ANAG-Weisungen im Rahmen der Gesamtbetrach-</span><br/> <span class="ft1">tung besonders Rechnung zu tragen, doch sind für die Beurteilung,</span><br/> <span class="ft1">ob dem nachgezogenen Ehegatten inskünftig eine eigenständige</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung zuzusprechen ist, andere Umstände ebenso</span><br/> <span class="ft1">beachtlich. Entscheidend ist insbesondere, ob es für den betroffenen</span><br/> <span class="ft1">Ehegatten effektiv eine besondere Härte bedeutet, wenn er die</span><br/> <span class="ft1">Schweiz wieder verlassen muss und ob nicht ein überwiegendes öf-</span><br/> <span class="ft1">fentliches Interesse gegen eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung spricht.</span><br/> <span class="ft1">d) Im vorliegenden Fall ist unklar, ob die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">durch ihren Ehemann effektiv misshandelt wurde. Wie nachfolgend</span><br/> <span class="ft1">zu zeigen sein wird, kann diese Frage jedoch offen gelassen werden,</span><br/> <span class="ft1">da die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin selbst dann</span><br/> <span class="ft1">nicht zu verlängern wäre, wenn man von ihrer Sachverhaltsdarstel-</span><br/> <span class="ft1">lung ausgehen würde.</span><br/> <span class="ft1">e) Die Beschwerdeführerin hat sich nach nur fünf Monaten</span><br/> <span class="ft1">Ehedauer von ihrem Ehemann getrennt. Insgesamt lebt sie im heuti-</span><br/> <span class="ft1">gen Zeitpunkt erst seit rund zwei Jahren in der Schweiz, ist hier we-</span><br/> <span class="ft1">der beruflich, sozial noch familiär integriert und musste seit längerer</span><br/> <span class="ft1">Zeit vollumfänglich durch die öffentliche Hand unterstützt werden.</span><br/> <span class="ft1">Es ist auch nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund</span><br/> <span class="ft1">ihrer Heirat sämtliche Beziehungen zu ihrem Heimatland abgebro-</span><br/> <span class="ft1">chen und sich in besonderem Masse auf ein künftiges Leben in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz eingerichtet hätte. Ihre gesamten familiären Beziehungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">372</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hat sie im Heimatland, wo sie auch - mit Ausnahme der letzten bei-</span><br/> <span class="ft1">den Jahre - ihr gesamtes Leben verbrachte. Bereits vor ihrer Einreise</span><br/> <span class="ft1">in die Schweiz lebte sie als geschiedene Frau in der Türkei.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass es für</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin unzumutbar wäre, in ihr Heimatland zurück-</span><br/> <span class="ft1">zukehren. Daran ändert - wie bereits ausgeführt - auch nichts, dass</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin vorbringt, sie würde in ihrem Heimatland</span><br/> <span class="ft1">bezüglich Wiederverheiratung durch ihre Eltern unter Druck gesetzt.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführerin steht es frei, sich an einem anderen Ort nie-</span><br/> <span class="ft1">derzulassen. Dies umso mehr, als es ihr auch möglich war, in die</span><br/> <span class="ft1">Schweiz zu übersiedeln. Unerheblich ist damit, ob der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin zugemutet werden könnte, das eheliche Zusammenleben</span><br/> <span class="ft1">fortzusetzen. Selbst wenn die Fortführung unzumutbar wäre, änderte</span><br/> <span class="ft1">dies nichts an der Feststellung, dass die Rückübersiedlung in ihr</span><br/> <span class="ft1">Heimatland nicht zu einem Härtefall führen wird. ...</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>