<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2018-03-20-6B_1030-2017.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>6B_1030/2017</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 20. März 2018</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Strafrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Denys, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Oberholzer, Rüedi, </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Siegenthaler. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">X.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Max Imfeld, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesanwaltschaft, Taubenstrasse 16, 3003 Bern, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Kosten und Entschädigung bei Einstellung des Verfahrens (Verletzung des Amtsgeheimnisses), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen die Verfügung des Bundesstrafgerichts, Strafkammer, vom 7. April 2017 (SK.2016.46). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Als Mitarbeiter der A.________ Versicherung war X.________ mit den Abklärungen betreffend den gesundheitlichen Zustand von B.________ beauftragt. Am 19. Juni 2015 leitete er per E-Mail einen detaillierten Arztbericht des Kantonsspitals Winterthur vom 13. Mai 2015 über die Gesundheit von B.________ an dessen Arbeitgeber bzw. an den entsprechenden HR-Berater weiter, ohne dass hierfür eine ausdrückliche und schriftliche Zustimmung von B.________ vorlag. Dieser erstattete am 1. April 2016 Strafanzeige gegen X.________ wegen Verletzung der beruflichen Schweigepflicht und konstituierte sich als Privatkläger im Verfahren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Nachdem das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement die Ermächtigung im Sinne von <span class="artref">Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. März 1958 über die Verantwortlichkeit des Bundes sowie seiner Behördenmitglieder und Beamten (Verantwortlichkeitsgesetz, VG; SR 170.32)</span> zur Strafverfolgung gegen X.________erteilt hatte, verurteilte ihn die Bundesanwaltschaft am 28. September 2016 mittels Strafbefehl wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 150.-- bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 400.--. Dagegen erhob X.________ Einsprache. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Das Bundesstrafgericht stellte das Strafverfahren gegen X.________ in Anwendung von <span class="artref"><artref id="CH/312.0/8/4" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/8/1" type="start"></artref>Art. 8 Abs. 1 und 4 StPO</span><artref id="CH/312.0/8/4" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/4" type="end"></artref> i.V.m. <span class="artref">Art. 52 StGB</span> am 7. April 2017 ein und auferlegte diesem die Verfahrenskosten. Entschädigung sprach es ihm keine zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>D.</b> </div> <div class="para">X.________ führt Beschwerde in Strafsachen mit dem Antrag, Ziffer 2 und 3 der Verfügung des Bundesstrafgerichts vom 7. April 2017 seien aufzuheben, die Verfahrenskosten seien vollständig der Bundesanwaltschaft bzw. der Privatklägerschaft aufzuerlegen und ihm sei für das Verfahren vor Bundesstrafgericht eine Parteientschädigung gemäss Honorarnote auszurichten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Da die angefochtene Verfügung des Bundesstrafgerichts vom 7. April 2017 bereits infolge Gutheissung der Beschwerde der Bundesanwaltschaft (vgl. Verfahren 6B_983/2017) aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, ist die Beschwerde im vorliegenden Verfahren gegenstandslos. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Bei der Beurteilung der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist anhand einer summarischen Prüfung der Beschwerde 6B_1030/2017 darüber zu befinden, wer im Entscheidfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als unterliegende Partei zu betrachten gewesen wäre (vgl. <span class="artref">Art. 71 BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 72 BZP</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=08.03.2018&amp;to_date=27.03.2018&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-551%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page551">BGE 142 V 551</a> E. 8.2; Urteile 6B_443/2016 vom 13. Juli 2017 E. 5; 6B_1091/2016 vom 18. Mai 2017 E. 2; je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.</b> Der Beschwerdeführer rügt, in der Kostenverteilung der angefochtenen Verfügung sei ein Schuldspruch verborgen, was nicht zulässig sei. Wie ausgeführt habe er gerade nicht tatbestandsmässig und damit nicht rechtswidrig gehandelt, weshalb ihm die Kosten nicht gemäss <span class="artref">Art. 426 Abs. 2 StPO</span> auferlegt werden dürften. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.4.</b> Die vom Beschwerdeführer angesprochene Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach eine Kostenauflage bei Freispruch oder Einstellung des Verfahrens gegen die Unschuldsvermutung verstösst, wenn der beschuldigten Person in der Begründung des Kostenentscheids direkt oder indirekt vorgeworfen wird, es treffe sie ein strafrechtliches Verschulden, findet vorliegend keine Anwendung. Die Vorinstanz stellt das Verfahren gegen den Beschwerdeführer nicht ein, weil sie den Tatbestand von <span class="artref">Art. 320 Ziff. 1 StGB</span> als nicht erfüllt oder den entsprechenden Sachverhalt als beweismässig nicht genügend erstellt erachtet. Vielmehr bejaht sie gestützt auf ihre Beweiswürdigung und ihre rechtliche Würdigung eine Amtsgeheimnisverletzung durch den Beschwerdeführer und stellt das Verfahren gegen ihn lediglich ein, weil sie Schuld und Tatfolgen (fälschlicherweise; vgl. Verfahren 6B_983/2017) als geringfügig im Sinne von <span class="artref">Art. 52 StGB</span> einstuft. Unter diesen Umständen verstösst sie nicht gegen die Unschuldsvermutung, wenn sie dem Beschwerdeführer gestützt auf <span class="artref">Art. 426 Abs. 2 StPO</span> die Verfahrenskosten auferlegt und gemäss <span class="artref">Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO</span> eine Entschädigung verweigert. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.5.</b> Daran ändert der Einwand des Beschwerdeführers nichts, er habe nicht tatbestandsmässig gehandelt. Soweit er in seiner Beschwerdebegründung vom vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt abweicht, ist auf seine Ausführungen nicht einzugehen, da eine summarische Prüfung seiner Vorbringen keine ausreichende Begründung von Willkür in der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung erkennen lässt (vgl. <span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=08.03.2018&amp;to_date=27.03.2018&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-III-364%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page364">BGE 142 III 364</a> E. 2.4 S. 368, mit Hinweisen). Auch hinsichtlich der rechtlichen Erwägungen betreffend die Erfüllung der objektiven und subjektiven Tatbestandselemente hält die angefochtene Verfügung den Einwänden des Beschwerdeführers summarisch geprüft Stand. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.6.</b> Die summarische Prüfung der Beschwerde 6B_1030/2017 ergibt, dass im Entscheidfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der Beschwerdeführer als unterliegende Partei zu betrachten gewesen wäre. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Das Verfahren ist als gegenstandslos vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben. Die Kosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der Beschwerdegegnerin steht keine Entschädigung zu (<span class="artref">Art. 68 Abs. 3 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Das Verfahren wird als gegenstandslos abgeschrieben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Bundesstrafgericht, Strafkammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 20. März 2018 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Denys </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: Siegenthaler </div> </div></body></html>