Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10 April 2014 (720 14 25 / 97) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anordnung einer psychiatrischen Begutachtung bei genügend abgeklärtem medizini- schen Sachverhalt, unzulässige „second opinion“ Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Mar kus Mattle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Tschopp, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Rechtsverzögerung (756.3780.0148.63) A. Der 1974 geborene A.____ meldete sich am 28. Nov ember 2004 unter Hinweis auf eine seit Februar 2001 bestehende Diskushernie bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abschluss der ber uflichen Massnahmen, der Einholung eines Gutachtens bei der B.____ und weiteren Abklär ungen betreffend die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse verneinte die IV-Stel le Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfü- gung vom 14. Oktober 2010 gestützt auf einen IV-Gra d von 27% den Rentenanspruch des Ver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherten. Die hiergegen von A.____, vertreten durch Adv okat Daniel Tschopp, beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsre cht (Kantonsgericht) erhobene Be- schwerde wurde mit Urteil vom 14. April 2011 gutgehei ssen, nachdem die IV-Stelle die ange- fochtene Verfügung zwecks weiterer Abklärung des medizinische n Sachverhalts lite pendente aufgehoben hatte. Die Angelegenheit wurde zur weite ren Abklärung, namentlich des psychi- schen Gesundheitszustands, sowie zum Erlass einer neuen Ver fügung an die IV-Stelle zurück- gewiesen. In der Folge gab die IV-Stelle ein psychiat risches Gutachten bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in Auftrag, welches am 4. April 2012 erstattet wurde. Eine Rückfrage der IV-Stelle beantwortete Dr. C.____ mit Schreiben vom 13. Juni 2013. Nach Einho- lung weiterer Berichte der behandelnden Ärzte kam die IV-Stelle zum Schluss, dass der medi- zinische Sachverhalt noch nicht genügend geklärt sei. Mit Schreiben vom 9. und 13. Dezember 2013 kündigte sie dem Versicherten deshalb die Durchführu ng eines psychiatrischen Obergut- achtens bei Prof. Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, an. Nachdem der Versicherte mit Schreiben vom 17. Dezember 2013 dagegen intervenierte, hielt die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2014 an der angeordnete n Begutachtung bei Prof. D.____ fest. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Advokat Tschopp, am 23. Januar 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte, die Beschwerdegegnerin sei in Aufhe- bung der angefochtenen Zwischenverfügung anzuweisen, auf Basis der bestehenden medizini- schen Aktenlage, namentlich des Gutachtens von Dr. C.____, über seine Ansprüche zu ent- scheiden. Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und dementsprechend auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten; alle s unter o/e-Kostenfolge. Zur Be- gründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass eine we itere psychiatrische Begutachtung nicht notwendig sei. Die Kritik der Beschwerdegegnerin am Gutachten von Dr. C.____ beruhe lediglich auf einer unterschiedlichen medizinischen Wür digung und die Anordnung eines weite- ren Gutachtens entspräche deshalb der Einholung einer unzulässigen „second opinion“. Diese Verzögerung des Verfahrens stelle eine Verletzung der verfassungsmässigen Verfahrensgaran- tien dar. Aufgrund der langen Verfahrensdauer von b isher neun Jahren erweise sich eine er- neute Begutachtung ausserdem als unzumutbar. C. In ihrer Vernehmlassung vom 3. Februar 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Betreffend die erhobene Rechtsverzögerungsbeschwerde fehle es an einem aktuellen und praktischen Interesse, da dieses von einer der Untätigkeit des Versiche- rungsträgers folgenden Anordnung konsumiert werde. Das Gutachten von Dr. C.____ erfülle die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundla ge nicht. Aufgrund der Darlegungen des Regionalen Ärztlichen Dienstes beider Basel (RAD) erscheine es als plausibel und ange- messen, eine psychiatrische Oberbegutachtung durchzuführen. D. Nachdem der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 5. Fe bruar 2014 weitere Unterlagen betreffend seine finanzielle Situation eingereicht hatte, wurde ihm mit Verfügung vom 6. Februar 2014 die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Tschop p als unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes übe r die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bej ahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass die Anordnung einer weiteren, unnötigen psy- chiatrischen Begutachtung bei einer Verfahrensdauer von nunmehr über neun Jahren eine un- zulässige Rechtsverzögerung darstelle. 2.2 Gemäss Art. 56 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allge meinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann auch dann Beschwerde erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren de r betroffenen Person keine Verfü- gung oder keinen Einspracheentscheid erlässt (Rechtsverwei gerungs- oder Rechtsverzöge- rungsbeschwerde; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Jan uar 2008, 9C_854/2007, E. 1 mit Hinweisen). Wird die verlangte Amtshandlung vorgenomme n, fällt das aktuelle und praktische Rechtsschutzinteresse (vgl. Art. 59 ATSG; vgl. auch: BGE 12 5 I 397 E. 4a mit Hinweisen) an der Rechtsverzögerungsbeschwerde dahin und auf die Besch werde ist nicht einzutreten (BGE 114 Ia 90 E. 5b; Urteil des Bundesgerichts vom 31. Mai 2007, I 872/06, E. 2 mit Hinweis). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, ist vorli egend nicht zu prüfen, ob die IV-Stelle bereits vor dem Erlass der angefochtenen Zwischenverfüg ung vom 9. Januar 2014 allenfalls eine ungebührliche Verfahrensverzögerung zu verantworte n hat. Das diesbezügliche Rechts- schutzinteresse ist mit der Anordnung einer erneuten Beg utachtung dahingefallen. Auf die Be- schwerde kann folglich in diesem Punkt nicht eingetreten werden. 2.3 Ausnahmsweise kann eine Rechtsverzögerung aber auch i n Form einer positiven An- ordnung begangen werden. Zu denken ist hierbei insbeso ndere an Verfahrensverlängerungen durch unnötige Beweismassnahmen oder Einräumung überla nger Fristen (vgl. BGE 131 V 409 f. E. 1.1 mit zahlreichen Hinweisen). S oweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Beschwerdegegnerin versuche das vorliegende Verfahren durch die Anordnung des psychi- atrischen Obergutachtens hinauszuzögern, um ein in ihrem Interesse liegendes Ergebnis zu erreichen, kann auf die (Rechtsverzögerungs-)Beschwerde eing etreten werden. Bei der Rüge des Beschwerdeführers, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie – mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sachv erhalt – bloss einer „second opinion“ entspreche, handelt es sich überdies um eine materiel le Einwendung, wie sie den kantonalen Gerichten beschwerdeweise unterbreitet werden kann (BG E 138 V 274 f. E. 1.1, 137 V 210 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3.4.2.7). Auf die im Übrigen form- und fristgerech t erhobene Beschwerde vom 23. Januar 2014 ist somit einzutreten. 3. Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Beschwerdefüh rer einer psychiatrischen Begutach- tung bei Prof. D.____ unterziehen muss. 4.1 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklä rung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinde n, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amt es wegen durchzuführenden Abklärun- gen im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG beinhalten indesse n rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „second opinion“ zum be reits in einem Gutachten festge- stellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urteile des Bundesgerichts vom 5. Juli 2011, 8C_148/2011, E. 3.2 und vom 1. April 2 011, 8C_957/2010, E. 6.1, je mit Hinwei- sen). 4.2 Abgesehen davon, dass die Einholung eines entbehrl ichen Zweitgutachtens eine unzu- lässige Verfahrensverzögerung darstellen kann (vgl. Erwäg ung 2.3 hiervor), ist die versicherte Person nicht verpflichtet, sich einer weiteren Begutachtu ng zu unterziehen, wenn der Sachver- halt bereits genügend abgeklärt ist (BGE 136 V 158 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Bei der Anordnung eines weiteren Gutachtens geht es namentlich nicht darum, die Tunlichkeit einer medizinischen Massnahme oder Einschätzung mittels Einholun g einer Zweitmeinung zu hinter- fragen, sondern darum, in welchem Umfang und in wel cher Tiefe Abklärungen vorzunehmen sind, damit der rechtserhebliche Sachverhalt als mit de m massgebenden Beweisgrad erstellt gelten kann (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Rz 12 zu Art. 43). Dabei ergibt sich die Notwendigkeit der Anor dnung eines weiteren Gutachtens aus der Beantwortung der Frage, ob bereits bei den Akten lieg ende Gutachten die inhaltlichen und be- weismässigen Anforderungen an eine ärztliche Expertise (vgl . BGE 125 V 352 E. 3a) erfüllen (Urteile des Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 9C_359/201 0, E. 2, und vom 27. Mai 2007, U 571/06, E. 4.2). 4.3 Um die Frage nach der Notwendigkeit beantworten zu können, müsste die vorliegende medizinische Aktenlage somit auf ihre Vollständigkeit un d Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlag e würde aber dazu führen, dass die Endverfügung im Hinblick auf die Beurteilung der medizi nischen Sachlage weitgehend präjudi- ziert würde. Unter Berücksichtigung, dass die Verfahrensh oheit bis zum Abschluss des Verwal- tungsverfahrens bei der IV-Stelle liegt und ihr deshalb im Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me- dizinischen Erhebungen zukommt, muss im vorliegenden Verf ahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne eine r Plausibilitäts- resp. Missbrauchskon- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht trolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gr ünde, die die IV-Stelle für die Notwen- digkeit weiterer medizinischer Abklärungen anführt, plau sibel erscheinen. Demnach greift das Gericht bei der Frage der Notwendigkeit einer weiter en Begutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten Verwaltung nur dann ein, wen n klar erkennbare Fehleinschätzungen vorliegen, eine Begutachtung von vornherein untauglich angelegt wäre oder Anhaltspunkte be- stehen, dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess. 5.1 Die Ärzteschaft der B.____ hielt in ihrem polydiszi plinären (internistischen, orthopädi- schen und psychiatrischen) Gutachten vom 6. Juli 2009 als Diagnosen mit Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik bei degenerativen Veränderungen und partieller Lumb alisation fest. Ohne Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit bestehe eine Schmerzverarbeitungsstörung mit algogener Verstimmung. In der angestammten Tätigkeit als Betonbohrer bestehe eine ble ibende volle Arbeitsunfähigkeit. Für leichte bis mittelschwere adaptierte Tätigkeiten in we chselnder Position, wo eine Hebe- und Traglimite von 10 kg nur ausnahmsweise überschritten wer de und keine Zwangshaltungen des Rumpfes vorkämen, bestehe eine zeitlich und leistungsmässig u neingeschränkte Arbeitsfähig- keit. Die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ergäben sich ausschliesslich aus dem orthopädi- schen Befund. Aus psychiatrischer und internistischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, insbesondere würden Hinweise auf ein e eigenständige psychiatrische Erkran- kung fehlen. 5.2 Nachdem das Kantonsgericht die vorliegende Angeleg enheit mit Urteil vom 14. April 2011 an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung d es psychischen Gesundheitszu- stands zurückgewiesen hatte, gab diese am 12. Mai 2011 bei Dr. med. dipl.-psych. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutach ten in Auftrag. Im Gutachten vom 4. April 2012 hielt dieser als Diagnosen mit Auswi rkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine an- haltend mittel- bis schwergradig ausgeprägte, ängstlich -depressive Episode im Rahmen einer depressiven Entwicklung mit im Verlauf unterschiedlichem Schweregrad (ICD-10 F32.11 / F32.21) sowie eine generalisierte Angststörung (ICD-1 0 F41.1) fest. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak- toren. Dr. C.____ ging aufgrund der Schmerzstörung und der zum Untersuchungszeitpunkt mit- tel- bis schwergradig ausgeprägten depressiven und Angsts törungen von einer Arbeitsunfähig- keit von 80% in jeder Tätigkeit aus. Invaliditätsfremd e Faktoren, namentlich die ungewisse be- rufliche Zukunft, die lange Arbeitsabstinenz, die Dekond itionierung und das laufende versiche- rungsrechtliche Verfahren, seien dabei bereits von den invaliditätsbedingten Befunden abge- grenzt worden und nicht in die Beurteilung der medizi nisch-theoretischen Zumutbarkeit mitein- geflossen. 5.3 Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin führte Dr. C .____ mit Schreiben vom 13. Juni 2013 präzisierend aus, dass sich die 80%-ige Arbeitsunfähi gkeit in jedwelcher Arbeitstätigkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft aus der m ittel- bis schwergradig ausgeprägten depressiven Störung und der Angststörung ergäbe. Die da rüber hinaus diagnostizierte chroni- sche Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren h abe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Dr. C.____ bestätigte und bekräf tigte in seinem Schreiben vom 13. Juni Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2013 die von ihm im Rahmen der Begutachtung gestellt en Diagnosen und seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. An den Aussagen des Gutachtens werde festgehalten. 6.1 Die Beschwerdegegnerin ist aufgrund der Stellungn ahmen ihres RAD zur Auffassung gelangt, dass für die Beurteilung des Gesundheitszustands e ine erneute psychiatrische Begut- achtung notwendig sei. So hielt die RAD-Ärztin Dr. med . E.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, in der Stellungnahme vom 25. Juni 2013 fest , dass sich aus Sicht des RAD in den zweimal jährlichen Reisen in den Kosovo, dem unfallfrei en Autofahren, der Übernahme von Haushaltsarbeiten und der Pflege einer tragfähigen Beziehung zur Partnerin Ressourcen abbil- deten, welche die Schwere der Erkrankung, so wie der G utachter sie einschätze, nicht nach- vollziehbar machen würden. Aus Sicht des RAD wäre ausserde m eine Intensivierung der The- rapie durch eine teilstationäre oder stationäre Behand lung nicht regressionsfördernd, sondern zumutbar, um z.B. eine adäquate antidepressive Medikation zu etablieren. Die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fa ktoren sei nicht gerechtfer- tigt. Bereits in der Stellungnahme des RAD vom 11. Juni 2013 sei ausgeführt worden, dass sich die Symptome der Depression und die Symptome einer chron ischen Schmerzstörung hochgra- dig überlappen können. Die angegebenen lumbalen Rückenschmerzen würden mit dem organi- schen Substrat gemäss Gutachten der B.____ vom 6. Juni 2009 korrelieren. Es sei deshalb von einer Symptomausweitung, also einem dysfunktionalen, maladaptiven Verhalten ohne psychiat- risch krankheitswertiges Störungsbild auszugehen. Ferner se ien aus Sicht des RAD die Förs- terkriterien überwiegend nicht erfüllt. Die Diagnose e iner generalisierten Angststörung werde von Seiten des RAD ebenfalls nicht erkannt, da die ängstl iche Symptomatik im depressiven Syndrom aufgehe. In der Stellungnahme vom 11. Juni 20 13 sei diesbezüglich ausserdem fest- gehalten worden, dass die Diagnose bisher von den behandelnden und begutachtenden Ärzten nicht gestellt worden sei, dem Versicherten verschiedene A ktivitäten wie Tramfahren, Autofah- ren, alleine Spazierengehen, Urlaub im Kosovo, wenn a uch mit Einschränkungen möglich sei- en; es nicht nachvollziehbar sei, dass der Versicherte Ang st vor der Untersuchungssituation oder dem Untersucher gehabt habe und die konstatierte anhaltende und auf verschiedene Be- reiche fokussierte Besorgnis, es könne etwas Schlimmes ge schehen, nicht aus der Anamnese- schilderung und der Befunderhebung hervorgehe. Die vom RAD angeführten Widersprüche im Gutachten von Dr. C.____ hätten auch durch die Rückfra ge beim Gutachter nicht beseitigt wer- den können. Das Gutachten von Dr. C.____ weise damit i nhaltliche Mängel auf und leuchte in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der B eurteilung der medizinischen Situation nicht ein. Es erfülle damit die rechtsprechu ngsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht. Die Einholun g eines weiteren psychiatrischen Gut- achtens erscheine daher als plausibel und angemessen und es bestehe weder Grund zur An- nahme, dass eine erneute Begutachtung unnötig sei noch dass die Beschwerdegegnerin sich bei deren Anordnung auf sachfremde Motive gestützt habe. 6.2 Wie bereits unter Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, kann es im jetzigen Verfahrenssta- dium nicht darum gehen, die medizinische Aktenlage einge hend auf ihre Vollständigkeit und Schlüssigkeit zu überprüfen, da ansonsten die Endverfügung im Hinblick auf die Beurteilung der medizinischen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. I ndessen sind vorliegend die von der Beschwerdegegnerin angeführten Gründe für eine erneu te psychiatrische Begutachtung im Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sinne einer Plausibilitäts- bzw. Missbrauchskontrolle zu ü berprüfen. Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin das Gutachten von Dr. C.____ in formaler Hinsicht nicht bean- standet und in der Stellungnahme des RAD vom 11. Juni 2013 namentlich die Auseinanderset- zung mit den abweichenden Einschätzungen anderer Ärzte als nachvollziehbar anerkannt wird. Die Beschwerdegegnerin bringt vielmehr vor, dass das Guta chten inhaltliche Mängel aufweise. Die Kritik der Beschwerdegegnerin vermag jedoch selbst nach einer summarischen Prüfung nicht zu überzeugen. Die von der Beschwerdegegnerin ang eführten Ressourcen des Be- schwerdeführers, namentlich die zweimal jährlich vorgeno mmenen Reisen in den Kosovo, das – gemäss Gutachten seltene – Autofahren, die Überna hme weniger Haushaltsarbeiten und die Pflege einer tragfähigen Beziehung waren Dr. C._ ___ im Rahmen seiner Beurteilung be- kannt und es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass sie bei der Bemessung der Ar- beitsfähigkeit nicht berücksichtigt worden sind. Die Sch were der Erkrankung bzw. die Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit erscheint somit entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht als grundsätzlich unbegründet oder nicht nachvollzieh bar. Insbesondere sind die genann- ten Ressourcen auch nicht derart ausgeprägt, dass ohne W eiteres auf eine höhere Arbeitsfä- higkeit geschlossen werden müsste. Betreffend die in Fr age gestellte Diagnose einer generali- sierten Angststörung legt Dr. C.____ in seinem Gutachte n vom 4. April 2012 und namentlich auch in seinem Schreiben vom 13. Juni 2013 ausführlich u nd nachvollziehbar dar, dass die re- levanten Symptome sowohl in seiner Untersuchung wie auch i n früheren ärztlichen und gut- achterlichen Befunden beschrieben wurden und weshalb diese Störung seiner Ansicht nach als von der depressiven Störung getrennt angesehen werden muss. Die unterschiedliche diagnos- tische Einordnung der Symptome in den Stellungnahmen des RAD, die im Übrigen ausschliess- lich auf Aktenkenntnis beruhen, vermögen die Einschätzu ng des Gutachters, der den Be- schwerdeführer eingehend persönlich untersuchte, nicht e rnsthaft in Frage zu stellen. Ebenso- wenig erscheinen weitere Abklärungen aufgrund der best rittenen diagnostischen Einordnung der Schmerzstörung und – damit zusammenhängend – der F örsterkriterien notwendig, da die von Dr. C.____ diagnostizierte Schmerzstörung unbestritt enermassen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die von Dr. C.____ auf 80% f estgelegte Arbeitsunfähigkeit ergibt sich vielmehr aus der anhaltend mittel- bis schwergradig aus geprägten depressiven Episode sowie aus der generalisierten Angststörung. Ferner lässt auch die Kritik der Beschwerdegegnerin, es seien weitere medizinische Massnahmen, insbesondere auch eine stationäre Therapie zur Me- dikamenteneinstellung, die Dr. C.____ als regressionsfördernd ansieht, zumutbar, keine weitere Begutachtung als notwendig erscheinen. Im Übrigen kann d as Gutachten von Dr. C.____ auch nicht als veraltet angesehen werden, da der behandelnd e Psychiater Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, im seinem Bericht zuhande n der IV vom 5. September 2013 einen weitgehend gleichen Befund festhielt. 6.3 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die K ritik an der gutachterlichen Einschätzung von Dr. C.____ im Wesentlichen auf den abwe ichenden medizinischen Wertun- gen des RAD basiert. Der medizinische Sachverhalt erscheint jedoch in psychiatrischer Hinsicht nach der vorstehenden summarischen Prüfung grundsätzlich genügend abgeklärt. Die Gründe, welche von der Beschwerdegegnerin für die Notwendigkei t einer weiteren psychiatrischen Be- gutachtung angeführt werden, sind nicht plausibel. Trotz dem grossen Ermessensspielraum der Beschwerdegegnerin bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizini- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Erhebungen ist deshalb vorliegend davon auszugehen, dass von zusätzlichen medizini- schen Abklärungen keine neuen, für die Frage der Arbei tsfähigkeit relevanten Erkenntnisse zu erwarten sind und die Einholung eines weiteren psychiatr ischen Gutachtens unter diesen Um- ständen weder notwendig noch geboten ist. Die Beschwerd e ist nach dem Ausgeführten gutzu- heissen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanze n – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auf erlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 7. Februar 2014 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Z eitaufwand von 8 Stunden und 30 Minuten erweist sich in Anbetracht der sich stellende n Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Ausla- gen in der Höhe von Fr. 9.–. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 2‘304.70 (8.5 Stu nden à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 9.– zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 8. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des Bundesgesetzes über das Bunde sgericht (BGG) vom 17. Juni 2005. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffent lich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG g enannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht nunmehr im Grundsatzurteil 138 V 271 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfügungen der Ver waltung betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bundesgericht weit erziehbar, sofern nicht Aus- standsgründe beurteilt worden sind. Der Entscheid darüb er, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegenden Fall erfüllt sind, obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Zwischenve rfügung vom 9. Januar 2014 aufgehoben und es wird festgestellt, d ass die Einho- lung eines weiteren Gutachtens weder notwendig noch geboten ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘304.70 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht