<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 40" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 40</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">359</span> </div> <div class="page" id="S359"> <span class="text"><b>40 </b> <b>Art. 450 Abs. 2 ZGB</b></span><br/> <span class="text">Keine Beschwerdelegitimation von Behörden und Gemeinden im Kindes-</span><br/> <span class="text">und Erwachsenenschutzrecht, wenn lediglich die finanziellen Folgen der</span><br/> <span class="text">Verwaltungstätigkeit angefochten sind und über die finanziellen Folgen</span><br/> <span class="text">hinaus kein rechtlich geschütztes Interesse die Erfüllung öffentlichrecht-</span><br/> <span class="text">licher Aufgaben tangiert, welches durch das Kindes- und Erwachsenen-</span><br/> <span class="text">schutzrecht zu schützen ist. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und</span><br/> <span class="text">Erwachsenenschutz, vom 13. April 2018 in Sachen KESD L (XBE.2018.8).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">2.2.</span><br/> <span class="text">Gemäss Art. 450 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB ist die am Verfahren</span><br/> <span class="text">beteiligte Person zur Beschwerde legitimiert und gestützt auf</span><br/> <span class="text">Art. 450 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB ist zudem legitimiert, wer der</span><br/> <span class="text">betroffenen Person nahe steht und daher geeignet erscheint, deren</span><br/> <span class="text">Interessen wahrzunehmen. Nimmt die Drittperson eigene Interessen</span><br/> <span class="text">wahr, ist unerheblich, ob sie als nahestehende Person qualifiziert</span><br/> <span class="text">werden könnte, da diesfalls ihre Beschwerdelegitimation sich nach</span><br/> <span class="text">den Voraussetzungen von Art. 450 Abs. 2 Ziff. 3 ZGB richtet (vgl.</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">360</span> </div> <div class="page" id="S360"> <div role="main"> <span class="text">Urteil des Bundesgerichts 5A_746/2016 vom 5. April 2017, E. 2.3.2.</span><br/> <span class="text">mit weiteren Hinweisen). Ein Dritter ist gestützt auf Art. 450 Abs. 2</span><br/> <span class="text">Ziff. 3 ZGB dann zur Beschwerde legitimiert, wenn er die Verletzung</span><br/> <span class="text">eigener Rechte geltend macht und ein rechtliches Interesse verfolgt,</span><br/> <span class="text">das durch das Erwachsenenschutzrecht geschützt werden soll (Bot-</span><br/> <span class="text">schaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung des Schweizerischen</span><br/> <span class="text">Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindes-</span><br/> <span class="text">recht], BBl 2006 S. 7084). Die Geltendmachung dieses eigenen</span><br/> <span class="text">rechtlich geschützten Interesses, das wirtschaftlicher oder ideeller</span><br/> <span class="text">Natur sein kann, ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung je-</span><br/> <span class="text">doch nur zulässig, wenn es mit der fraglichen Massnahme direkt zu-</span><br/> <span class="text">sammenhängt bzw. mit der Massnahme geschützt werden soll und</span><br/> <span class="text">deshalb von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde hätte</span><br/> <span class="text">berücksichtigt werden müssen (Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="text">5A_746/2016 vom 5. April 2017 E. 2.3.3. mit weiteren Hinweisen).</span><br/> <span class="text">Diese Voraussetzung ist mit dem angefochtenen Gegenstand der Be-</span><br/> <span class="text">schwerde, der Mandatsentschädigung der Berufsbeiständin, nicht ge-</span><br/> <span class="text">geben, weshalb schon deshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten</span><br/> <span class="text">ist.</span><br/> <span class="text">Es kommt hinzu, dass der Bundesgesetzgeber mit der Regelung</span><br/> <span class="text">in Art. 450 Abs. 2 ZGB für die Kantone verbindlich und ab-</span><br/> <span class="text">schliessend festgelegt hat, wer gegen einen Entscheid der KESB Be-</span><br/> <span class="text">schwerde erheben kann. Weder Behörden noch Gemeinden wird da-</span><br/> <span class="text">rin ein Beschwerderecht eingeräumt (KESB Beschwerderecht der</span><br/> <span class="text">Gemeinden, Antwort des Bundesrates im Rahmen der Fragestunde</span><br/> <span class="text">vom 8. Dezember 2014, Geschäft 14.5646; Erste Erfahrungen mit</span><br/> <span class="text">dem neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrecht - Bericht des Bun-</span><br/> <span class="text">desrates vom 29. März 2017, S. 35 ff.). Zur Begründung des allge-</span><br/> <span class="text">meinen Beschwerderechts genügt zudem nicht jedes beliebige, mit</span><br/> <span class="text">der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe direkt oder indirekt ver-</span><br/> <span class="text">bundene finanzielle Interesse des Gemeinwesens. Die Legitimation</span><br/> <span class="text">des Gemeinwesens kann somit nicht immer schon dann bejaht wer-</span><br/> <span class="text">den, wenn ein Entscheid Auswirkungen auf sein Vermögen hat. Ein</span><br/> <span class="text">Gemeinwesen ist in seinen fiskalischen Interessen grundsätzlich</span><br/> <span class="text">nicht wie ein Privater betroffen, sondern in seiner Eigenschaft als</span><br/> <span class="text">Hoheitsträger. Ein schützenswertes rechtliches Interesse wäre nach</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">361</span> </div> <div class="page" id="S361"> <div role="main"> <span class="text">der Rechtsprechung des Bundesgerichts jedenfalls nur gegeben, so-</span><br/> <span class="text">weit das Gemeinwesen nicht hoheitlich handelt, sondern sich auf</span><br/> <span class="text">dem Boden des Privatrechts bewegt oder als dem Bürger</span><br/> <span class="text">gleichgeordnetes Rechtssubjekt auftritt und durch den angefochtenen</span><br/> <span class="text">staatlichen Akt wie eine Privatperson betroffen wird. Verneint wird</span><br/> <span class="text">hingegen die Legitimation ohnehin, wenn es einzig um die finan-</span><br/> <span class="text">ziellen Folgen einer Verwaltungstätigkeit geht, welche das</span><br/> <span class="text">Gemeinwesen in seiner Stellung als hoheitlich verfügende Behörde</span><br/> <span class="text">trifft. In solchen Fällen deckt sich das finanzielle Interesse des Ge-</span><br/> <span class="text">meinwesens mit der Frage der richtigen Rechtsanwendung, was zur</span><br/> <span class="text">Legitimation nicht genügt (BGE 138 II 506 Erw. 2 mit weiteren Hin-</span><br/> <span class="text">weisen; MURPHY/ STECK, in: Fachhandbuch Kindes- und Er-</span><br/> <span class="text">wachsenenschutzrecht, 2016, N 19.32). Ebenso ist ein rechtlich ge-</span><br/> <span class="text">schütztes Interesse des Gemeinwesens, das durch das Kindes- und</span><br/> <span class="text">Erwachsenenschutzrecht zu schützen wäre, nicht ersichtlich</span><br/> <span class="text">(STECK, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Auflage 2014,</span><br/> <span class="text">Rz. 40 zu Art. 450 ZGB). Anders zu entscheiden würde mit der ent-</span><br/> <span class="text">sprechenden Begründung zur Beschwerde bedeuten, dass Entscheide</span><br/> <span class="text">mit Bezug auf Mandatsentschädigungen zur Gewährleistung des Be-</span><br/> <span class="text">schwerderechts generell dem oder der jeweiligen Arbeitgeber(in)</span><br/> <span class="text">zuzustellen wäre, wenn eine Berufsbeiständin oder ein Berufsbei-</span><br/> <span class="text">stand betroffen wäre. Das ist selbstverständlich ausgeschlossen, da</span><br/> <span class="text">die Entscheidzustellung nur für am Verfahren beteiligte Personen ge-</span><br/> <span class="text">mäss Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB und darüber hinaus im Rahmen des</span><br/> <span class="text">kantonalen Einführungsrechts für die Koordinationspersonen auf der</span><br/> <span class="text">Wohnsitzgemeinde gemäss der einschlägigen kantonalen Be-</span><br/> <span class="text">stimmung der Einführungsgesetzgebung vorgesehen ist (§ 40</span><br/> <span class="text">EG ZGB).</span><br/> </div> </div> </body> </html>