Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 21. August 2019 (810 18 170) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung / Schuldenwirtschaft Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Nathalie Huber Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Oliver Borer, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und We gweisung (RRB Nr. 910 vom 12. Juni 2018) A. Der serbische Staatsangehörige A.____ (geb. 1975) r eiste am 20. Juli 1997 in die Schweiz ein und erhielt in der Folge eine Niederlassungsbewilligung. Er lebte zunächst mit seiner damaligen Ehefrau, B.____ (geb. 1976) und der gemei nsamen Tochter C.____ (geb. 1998) im Kanton Basel-Stadt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 7. März 2007 wurde A.____ wegen vier offenen Be treibungen sowie 43 Verlustschei- nen in der Höhe von Fr. 71'276.55 vom Migrationsamt d es Kantons Basel-Stadt auslän- derrechtlich verwarnt. C. Am 19. Januar 2009 liessen sich A.____ und B.____ sche iden. In der Folge zog A.____ zu seiner Freundin D.____ (geb. 1987) nach Muttenz, Ka nton Basel-Landschaft. Am 24. September 2009 kam die Tochter E.____ zur Welt. Die Beziehung zu D.____ wurde später wieder aufgelöst und D.____ hat die alleinige elterliche Sorge über E.____. D. Mit Urteil vom 18. Februar 2010 verurteilte das St rafgericht Basel-Stadt A.____ wegen Misswirtschaft, betrügerischen Konkurses und Pfändungsbetrugs sowie Unterlassung der Buch- führung zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu Fr. 60.--. E. Im Zeitraum vom 1. Januar 2007 bis zum 18. Juli 20 12 wurden zu Lasten von A.____ im Kanton Basel-Stadt (2007-2009) Betreibungen in der Höhe von Fr. 50'447.40 sowie Verlust- scheine in der Höhe von Fr. 124'588.35 und im Kanton Basel-Landschaft (2009-2012) Betrei- bungen in der Höhe von Fr. 51'556.20 sowie Verlustsch eine in der Höhe von Fr. 24'592.90 registriert. F. Aufgrund der Verschuldung sowie der strafrechtliche n Verurteilung von A.____ gewährte ihm das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM; heute: Amt für Migration und Bürgerrecht) am 27. Juli 2012 das rechtliche Gehör be züglich eines allfälligen Widerrufs seiner Niederlassungsbewilligung. Dieses nahm A.____, vertreten durch Oliver Borer, Advokat in Basel, mit Schreiben vom 20. September 2012 wahr. Mit Verfüg ung vom 16. November 2012 sah das AfM vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung ab und verwarnte A.____ "ein letztes Mal". G. Zwischen 2013 und 2015 trat A.____ mehrfach mit Ver stössen gegen das Strassenver- kehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 1958 in Erscheinung. H. Nachdem sich die Schuldenlast von A.____ seit dem Jah r 2012 weiter erhöht hatte (am 9. April 2015 waren im Kanton Basel-Landschaft Betreib ungen in der Höhe von Fr. 108'666.-- sowie offene Verlustscheine in der Höhe von Fr. 78'127.55 registriert), gewährte das AfM A.____ am 13. April 2015 erneut das rechtliche Gehör zum beabsi chtigten Widerruf seiner Nie- derlassungsbewilligung. Dieses nahm A.____, vertreten durch Advokat Oliver Borer, mit Schrei- ben vom 4. Juni 2015 wahr. Mit Schreiben vom 23. Juni 2015 gewährte das AfM auch C.____ und D.____ das rechtliche Gehör zum Widerruf der Niederlassungsbewilligung von A.____. I. Mit Verfügung vom 5. Januar 2018 widerrief das AfM die Niederlassungsbewilligung von A.____ und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an. J. Die von A.____, vertreten durch Advokat Oliver Borer , dagegen erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regi erungsrat) mit Regierungsratsbe- schluss (RRB) Nr. 2018-910 vom 12. Juni 2018 ab. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht K. Dagegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Advokat Oliver Borer, am 25. Juni 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassu ngs- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht). Der Beschwerdeführer beantragt die Aufh ebung des RRB Nr. 2018-910 vom 12. Juni 2018 sowie die Belassung der Niederlassungsbewilligung. L. Mit Vernehmlassung vom 27. September 2018 beantrag t der Regierungsrat die Abwei- sung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. M. Mit Verfügung vom 19. Oktober 2018 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen. Anlässlich d er Parteiverhandlung am 6. Februar 2019 wurde das Verfahren zur Vornahme weiterer Beweisabklärungen ausgestellt. N. Am 13. März 2019 reichte das Betreibungs- und Konkur samt aufforderungsgemäss einem Amtsbericht ein. O. Der Beschwerdeführer reichte am 18. März 2019 auffor derungsgemäss zusätzliche Beweismittel nach. P. Mit Verfügung vom 25. April 2019 wurde der Fall e rneut der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzlich er Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, womit er zur Beschwerde legitimiert ist (§ 47 Abs. 1 lit. a VPO). Auch die weiteren formellen Vorau ssetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs . 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und desse n Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Nach Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 (bis 31. Dezember 2018 und soweit im Folgenden die altrechtliche Fassung massgeblich ist: AuG) kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffent- liche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Au sland verstossen oder diese gefährdet hat. Dieser Widerrufsgrund gilt auch, falls die ausländische Person sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss im Land aufgehalten hat (Art. 63 Abs. 2 AuG). Gemäss Art. 80 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherhei t und Ordnung unter anderem bei mutwilliger Nichterfüllung der öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Verpflichtungen vor (Abs. 1 lit. b). Rechtsprechungsgemäss genügt Schuldenwirt schaft für sich allein nicht für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung. Vorausgesetzt ist Mutwilligkeit der Verschuldung, d.h. diese muss selbst verschuldet und qualifiziert vorwerfbar sein (BGE 137 II 297 E. 3.3). Davon ist nicht leichthin auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_997/2013 vom 21. Juli 2014 E. 2.2 mit Hinweis). 4.2 Wurde bereits eine ausländerrechtliche Verwarnung ( Art. 96 Abs. 2 AuG) ausgespro- chen, ist entscheidend, ob die ausländische Person danach w eiterhin mutwillig Schulden ge- macht hat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass, wer einem b etreibungsrechtlichen Verwertungs- verfahren, insbesondere der Lohnpfändung, unterliegt, zum Vornherein keine Möglichkeit hat, ausserhalb des Betreibungsverfahrens Schulden zu tilgen. Das führt in solchen Fällen dazu, dass im Vergleich zu früher weitere Betreibungen hinzukomm en können oder der betriebene Betrag angewachsen sein kann, ohne dass allein deswegen Mutwil ligkeit vorliegt. Von entscheidender Bedeutung ist, welche Anstrengungen zur Sanierung unternommen worden sind. Positiv ist etwa zu würdigen, wenn vorbestandene Schulden abgebaut wor den sind. Ein Widerruf ist dagegen zulässig, wenn in vorwerfbarer Weise weitere Schulden an gehäuft worden sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_164/2017 vom 12. September 2017 E. 3.1 und 2C_997/2013 vom 21. Juli 2014 E. 2.2 mit Hinweisen). 5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Verschul dung sei nicht mutwillig erfolgt. Er bringt diesbezüglich vor, dass er sich nach dem Konkurs seine r Firma im Jahr 2004 nicht mehr von den finanziellen Lasten habe erholen können. Es könn e ihm nicht angelastet werden, dass er danach kein genügend hohes Einkommen habe erzielen können, um seine Schulden nach- haltig zu sanieren. Er habe sich stets um Arbeit bemüht und gehe nun auch wieder einer Arbeit nach, weshalb mit einer weiteren Lohnpfändung gerec hnet werden könne, welche eine raten- weise (Teil-)Sanierung seiner Schulden erlauben würde. Er sei dennoch immer für seine Familie aufgekommen. 5.2 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid, dass das Nichtbezahlen der Schulden im vorliegenden Fall zu einem Verstoss gegen d ie öffentliche Ordnung geführt habe. Der Beschwerdeführer sei seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen, sondern es hätten sich immer mehr Schulden angehäuft. So habe der Beschwerdeführer keinerlei Versuche unternommen, um seine finanzielle Situation in den G riff zu bekommen, geschweige denn um seine Schulden (nachhaltig) abzubauen. Das Verhalten d es Beschwerdeführers seit der letzten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwarnung sei als ursächlich für den erneuten Anstieg seiner Schulden zu betrachten. Folglich könne von einer mutwilligen Vernachlässigung der finan ziellen Pflichten ausgegangen werden, womit der Widerrufsgrund der mutwilligen Nichterfüll ung öffentlich-rechtlicher und pri- vatrechtlicher Verpflichtungen vorliege. 5.3 Aus den in den Akten befindlichen Betreibungsregist erauszügen geht hervor, dass die Schulden des Beschwerdeführers kontinuierlich angestiegen sind, obwohl dieser bereits zweimal (im Jahr 2007 und im Jahr 2012) ausländerrechtlich verwar nt wurde. Die Schulden des Be- schwerdeführers beliefen sich bei der ersten ausländerrechtlichen Verwarnung im Jahre 2007 im Kanton Basel-Stadt auf Fr. 71‘276.55. Im Jahr 2012 waren im Kanton Basel-Stadt Betreibungen in der Höhe von Fr. 50‘447.40 sowie Verlustscheine in de r Höhe von Fr. 124‘588.35 auf den Beschwerdeführer registriert. Im Kanton Basel-Landscha ft waren im Juli 2012 Betreibungen in der Höhe von Fr. 51‘556.20 und Verlustscheine in der H öhe von Fr. 24‘592.90 registriert. Dem Betreibungsregisterauszug vom Februar 2019 ist sodann zu entnehmen, dass sich die finanzielle Situation des Beschwerdeführers nicht verbessert hat. So weist der Auszug Verlustscheine in der Höhe von Fr. 190‘879.10 und Betreibungen in der Höh e von Fr. 126‘563.59 auf. Daraus ist deutlich ersichtlich, dass sich die Schuldensituation des Beschwerdeführers nicht verbesserte, sondern verschlechterte. Wie der Regierungsrat zu Recht festhält, geht aus den Betreibungsregisterauszügen weiter hervor, dass es sich bei den Schulden des Beschwerde- führers hauptsächlich um Schulden bezüglich Steuern sowi e Krankenkassen und Versicherun- gen handelt. Dass der Beschwerdeführer auch nach der zweiten Verwarnung im Jahr 2012 keine Schuldenberatung in Anspruch genommen hat, spricht fü r die Mutwilligkeit. Es ist aufgrund der Akten sodann nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdefü hrer versucht hat, seine Schul- densituation nachhaltig zu verbessern. Dem Beschwerdeführ er kann zwar zugutegehalten wer- den, dass er sich stets um eine Anstellung bemühte. Nich tsdestotrotz hat sich der Beschwerde- führer keine Hilfe geholt und sich nur ungenügend dar um bemüht, seine Schuldensituation zu verbessern. Angesichts der langen Dauer seiner Schuldenwir tschaft, der hohen Zahl offener Verlustscheine, der fehlenden Mitwirkung in den betrei bungsrechtlichen Verwertungsverfahren und der fehlenden aktenkundigen Bemühungen zum Schuldenabbau liegt eine mutwillige Nicht- bezahlung finanzieller Verpflichtungen vor. Damit erfü llt der Beschwerdeführer den Widerrufs- grund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG. 6.1 Liegt ein Widerrufsgrund vor, muss die aufenthaltsb eendende Massnahme im konkreten Fall auch verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 der Bunde sverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999 und Art. 96 Abs. 1 AuG; vgl. auch Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 Abs. 3 BV und Art. 8 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK] vom 4. November 1950, wenn dur ch die Entfernungsmassnahme die weitere Pflege familiärer Beziehungen im Sinn von Art . 8 Ziff. 1 EMRK bzw. des inhaltlich deckungsgleichen Art. 13 Abs. 1 BV beeinträchtigt wird; BGE 135 II 377 E. 4.3). Verlangt ist in- sofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privat en Interessen an der Erteilung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachteile zu berücksichtigen (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; Urt eil des Bundesgerichts 2C_263/2016 vom 11. November 2016 E. 3.2). Die konventionsrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht jener nach Art. 96 Ab s. 1 AuG und kann in einem einzigen Schritt vorgenommen werden (Urteile des Bundesgerichts 2C_551/20 13 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1 mit Hinweisen). 6.2 Im Zusammenhang mit dem Widerrufsgrund der mutwil ligen Nichterfüllung öffentlich- rechtlicher und privatrechtlicher Verpflichtungen ist zu b erücksichtigen, dass die öffentlichen In- teressen am Widerruf bzw. an der Nichtverlängerung der Bewilligung umso gewichtiger sind, je mehr sich eine ausländische Person verschuldet und sich trot z Verwarnung nicht um Schulden- tilgung bemüht hat. Indessen ist das öffentliche Interesse an der Fernhaltung ausländischer Per- sonen, welches einzig zum Schutz potentieller Gläubiger di ent, grundsätzlich von geringerem Gewicht als dasjenige, straffällige oder dauernd sozialh ilfeabhängige Ausländerinnen und Aus- länder aus der Schweiz fernzuhalten (vgl. SILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 36 zu Art. 62 AuG). Diesbezüglich rügt der Beschwerdeführer, die Massnahme sei unverhältnismässig und verstosse gegen Art. 96 Abs. 1 AuG sowie Art. 8 Ziff. 2 EMRK b zw. Art. 13 BV. Seine privaten Interessen seien höher zu gewichten als die öffentlichen Interessen an seiner Wegweisung. 7.1 Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerde führer konstant, in erheblichem Umfang und in qualifiziert vorwerfbarer Weise über Jahr e hinweg Schulden angehäuft hat. Die finanzielle Situation des Beschwerdeführers hat sich tr otz der ausländerrechtlichen Verwarnun- gen verschlimmert. Auch hat es der Beschwerdeführer ja hrelang unterlassen, einen Schulden- sanierungsplan zu erstellen. Zu beachten ist dabei, dass e r über mehrere Jahre hinweg keine Alimente für seine Kinder bezahlt hat sowie Schulden bei der Steuerverwaltung generiert hat. Der Beschwerdeführer hat somit wiederkehrend öffentlich-rechtliche Verpflichtungen vernachlässigt. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist von einem gewi chtigen öffentlichen Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung auszugehen. 7.2 Dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Be schwerdeführers sind dessen private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. 7.3 Der Beschwerdeführer reiste im Jahr 1997 im Alter von 22 Jahren in die Schweiz ein und ist nunmehr seit 22 Jahren in der Schweiz. Zudem leben seine beiden Kinder in der Schweiz. Demzufolge ist grundsätzlich von einem gewichtigen privaten Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen. Wirtschaftli ch und beruflich kann angesichts seiner Schuldensituation nicht von einer erfolgreichen Integration gesprochen werden. Allerdings ist positiv zu bewerten, dass er während seines bisherigen Aufenthalts in der Schweiz mit kurzen Unterbrechungen immer erwerbstätig gewesen ist und si ch nach Beendigung der Arbeitsverhältnisse jeweils um eine neue Arbeitsstelle bemüht hat. In strafrechtlicher Hinsicht ist der Beschwerdeführer nur geringfügig negativ aufgefa llen. Zudem hat er keine Sozialhilfe bezogen. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs gab die Ex- Freundin und Mutter der jüngsten Tochter an, dass zwischen dem Beschwerdeführer und der Toc hter ein sehr gutes Verhältnis bestehe. So habe er seine jüngste Tochter zwei Mal im Monat übers Wochenende zu Besuch. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Weiter verbringe er auch unter der Woche Zeit mit ihr. Da die Tochter erst 10 Jahre alt sei, seien diese Besuche eher kurz. Weiter gab die Ex-Freundin an, dass es die Tochter sehr schwer treffen würde, wenn ihr Vater die Schweiz verlassen müsste. Die volljährige Tochter des Beschwerdeführers führte in einem Schreiben aus, dass ih r Vater auch mit ihr sehr viel unter- nehme und sie gemeinsam die Handballspiele der jüngsten Tochter besuchen würden. Ihr Vater habe sie immer unterstützt, so auch beim Lernen. Schliesslich ist in Betracht zu ziehen, dass sich die Einkommenssituation des Beschwerdeführers in den l etzten Monaten erheblich verbessert hat, da der Beschwerdeführer seit dem 1. Juni 2018 un befristet angestellt ist und zurzeit einer Lohnpfändung unterliegt. 7.4 Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass der B eschwerdeführer nun ernsthafte Bemühungen unternimmt, um in der Schweiz ein geregelt es Leben zu führen. Zwar ist das öf- fentliche Interesse an seiner Wegweisung aufgrund der hohen Schulden sowie der vereinzelten Delikte als hoch einzustufen. Unter Berücksichtigung der u nternommenen Anstrengungen ver- mag es die privaten Interessen des Beschwerdeführers und insbesondere seiner minderjährigen Tochter an einem weiteren Verbleib in der Schweiz jedo ch nicht zu überwiegen. Nach dem Gesagten überwiegt das private Interesse an einem Verbl eib in der Schweiz das öffentliche Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers. Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als unverhältnismässig und die Beschwerde ist gutzuheissen. 7.5 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen , dass die Interessenabwägung in Zukunft anders ausfallen dürfte, wenn der Beschwerdefü hrer trotz der soeben beschriebenen verbesserten Einkommenssituation nun nicht mit Hilfe eine r Schuldenberatung einen nachhalti- gen Schuldenabbauplan erstellt und keine Abnahme der bestehenden Schulden erreichen oder gar mutwillig neue Schulden verursachen würde. 8.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem K antonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- vorliegend dem Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft aufzuerlegen. Der geleiste te Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 8.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemessene Part eientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausg ang des vorliegenden Verfahrens ist dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zulast en des Beschwerdegegners zuzu- sprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht für seine Bemühungen im Be- schwerdeverfahren einen Aufwand von insgesamt 10.75 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 66.20 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Ausgehend von einem Aufwand von insgesamt 10.75 Stunden hat der Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘965.75 (inkl. Ausla gen und 7.7 % Mehrwertsteuer) zu be- zahlen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d des Regierungsrats des Kantons Basel-Landschaft Nr. 910 vom 12. Juni 2018 betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung aufgehoben. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-L andschaft zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden dem Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von 2‘965.75 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.