<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 21 S.95</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">95</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Abgaben</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>21</b></span> <span class="ft3"><b>Strassenbaubeiträge (§ 34 f. BauG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Grundsätze der Perimeterfestlegung beim Anstoss einer Parzelle an</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zwei Strassen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 20. November 2006 in</span><br/> <span class="ft6">Sachen S.S. gegen Schätzungskommission nach Baugesetz.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2.4. Die Beitragserhebung bei Grundstücken, die an zwei (oder</span><br/> <span class="ft8">mehrere) Strassen anstossen, kann zwei unterschiedlichen Ansätzen</span><br/> <span class="ft8">folgen. Zum einen kann in strikter Anwendung des Vorteilsprinzips</span><br/> <span class="ft8">darauf abgestellt werden, ob die zuerst gebaute Strasse das Grund-</span><br/> <span class="ft8">stück vollständig erschliesst. Wenn dies zutrifft, also namentlich bei</span><br/> <span class="ft8">kleinen und normal grossen Parzellen, wo sich die Möglichkeiten auf</span><br/> <span class="ft8">eine Baute oder eine zusammenhängende kleinere Überbauung be-</span><br/> <span class="ft8">schränken, wird die gesamte Parzellenfläche in den Beitragsperime-</span><br/> <span class="ft8">ter dieser ersten Stasse einbezogen; an den Bau der zweiten Strasse</span><br/> <span class="ft8">ist mangels eines zusätzlichen Vorteils kein Beitrag zu leisten. Wer-</span><br/> <span class="ft8">den - als Normalfall - die beiden Strassen nicht gleichzeitig erstellt,</span><br/> <span class="ft8">so fällt der Perimeter für die erste Strasse tendenziell zu gross aus;</span><br/> <span class="ft8">die Beitragspflichtigen bei der ersten Strasse werden bevorteilt, die-</span><br/> <span class="ft8">jenigen bei der zweiten zahlen entsprechend höhere Beiträge (dies</span><br/> <span class="ft8">gilt für alle Beitragspflichtigen, nicht nur für diejenigen mit doppel-</span><br/> <span class="ft8">tem Strassenanstoss). Nach dem anderen Lösungsansatz geht es</span><br/> <span class="ft8">darum, diese unsachgemässe Auswirkung des zeitlichen Elements</span><br/> <span class="ft8">(welche der beiden planerisch vorgesehenen Strassen zuerst gebaut</span><br/> <span class="ft8">wird) zu verhindern und eine angemessene Perimeterabgrenzung si-</span><br/> <span class="ft8">cherzustellen. Dazu werden die Parzellen mit doppeltem Strassenan-</span><br/> <span class="ft8">stoss je zu einem Teil den beiden Perimetern zugewiesen; in denjeni-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">96</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gen Fällen, wo die zuerst erstellte Strasse zur vollständigen</span><br/> <span class="ft8">Erschliessung ausreicht, kommen sie damit beim ersten Perimeter zu</span><br/> <span class="ft8">gut weg und können aus diesem Grund dem Einbezug in den Peri-</span><br/> <span class="ft8">meter der zweiten Strasse nicht entgegenhalten, diese bringe ihnen</span><br/> <span class="ft8">keinen zusätzlichen Erschliessungsvorteil; sie erleiden keine sach-</span><br/> <span class="ft8">widrige Doppelbelastung.</span><br/> <span class="ft8">2.5. Das Verwaltungsgericht hat in seiner Rechtsprechung Be-</span><br/> <span class="ft8">stimmungen, die diesem zweiten Ansatz folgen, regelmässig ge-</span><br/> <span class="ft8">schützt (siehe AGVE 1990, S. 178 f.; 1981, S. 158). Bei einer Par-</span><br/> <span class="ft8">zelle, die im Bereich von zwei Beitragsplänen liegt, kommt es also</span><br/> <span class="ft8">nicht darauf an, welcher Beitragsplan die Parzelle als erster erfasst.</span><br/> <span class="ft8">Richtig ist vielmehr der Einbezug in beide (bzw. gegebenenfalls in</span><br/> <span class="ft8">mehrere) Beitragspläne.</span><br/> <span class="ft8">Bei kleinen und normal grossen Parzellen kommt es in aller</span><br/> <span class="ft8">Regel zur hälftigen Aufteilung. Dabei handelt es sich um eine rein</span><br/> <span class="ft8">rechnerische Zuordnung der Parzellenhälften. Die erforderliche</span><br/> <span class="ft8">zeichnerische Umsetzung für die Darstellung der Beitragsperimeter</span><br/> <span class="ft8">(mittels der Winkelhalbierenden bei Eckgrundstücken und der Mit-</span><br/> <span class="ft8">tellinie bei parallel verlaufenden Strassenzügen) hat keine zusätzliche</span><br/> <span class="ft8">Funktion und erfolgt insbesondere ohne Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft8">konkreten Erschliessung und den Überbauungsmöglichkeiten. Für</span><br/> <span class="ft8">ein Abweichen vom Grundsatz der hälftigen Zuordnung bietet sie</span><br/> <span class="ft8">daher keine Begründung. Vielmehr setzt das Abweichen bei Parzel-</span><br/> <span class="ft8">len in dieser Grösse voraus, dass die schematische Lösung den durch</span><br/> <span class="ft8">die beiden Strassen geschaffenen Vorteilen klarerweise nicht gerecht</span><br/> <span class="ft8">wird, mithin gewichtige Gründe vorliegen.</span><br/> <span class="ft8">Sehr grosse Parzellen werden von einer einzigen Strasse häufig</span><br/> <span class="ft8">nur unvollständig erschlossen. Hier besteht meist Bedarf nach zu-</span><br/> <span class="ft8">sätzlicher interner Erschliessung; diese Aufwendungen können sich</span><br/> <span class="ft8">durch eine zweite öffentliche Strasse verringern. Bei solchen Ver-</span><br/> <span class="ft8">hältnissen kann es sachgerecht sein, für die Aufteilung stärker auf die</span><br/> <span class="ft8">konkreten, realistischen Überbauungsmöglichkeiten abzustellen und</span><br/> <span class="ft8">gegebenenfalls von der hälftigen Teilung abzuweichen (AGVE 1990,</span><br/> <span class="ft8">S. 178 ff.). Auch hier geht es aber um eine adäquate rechnerische</span><br/> <span class="ft8">Zuordnung von Parzellenteilen zu den in Frage stehenden Beitrags-</span><br/> <span class="ft8">plänen, mit der nicht gleichzeitig darüber entschieden wird, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">97</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">diese Teile auch über die betreffende Strasse erschlossen werden</span><br/> <span class="ft8">müssen. Dies gilt umso mehr, als häufig ganz unterschiedliche Er-</span><br/> <span class="ft8">schliessungskonzepte möglich sein werden.</span><br/> <span class="ft8">3.3. Die Parzellengrösse von 2'550 m</span><span class="ft9"><sup>2</sup></span><span class="ft8">bildet für sich alleine be-</span><br/> <span class="ft8">trachtet keinen Grund, um von der hälftigen Aufteilung abzuweichen.</span><br/> <span class="ft8">Dies zeigt sich etwa im Vergleich zum Sachverhalt in AGVE 1990,</span><br/> <span class="ft8">S. 176 ff., wo es um die Erschliessung eines Gebiets von mehreren</span><br/> <span class="ft8">als Einheit betrachteten Grundstücken von insgesamt rund 79'000 m</span><span class="ft9"><sup>2</sup></span><br/> <span class="ft8">ging. Für die Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse spricht,</span><br/> <span class="ft8">dass das volumengeschützte Gebäude im unteren Teil der Parzelle</span><br/> <span class="ft8">die verbleibenden Überbauungsmöglichkeiten wesentlich prägt. Da</span><br/> <span class="ft8">mit dem Volumenschutz kein Abbruchverbot verbunden ist, verliert</span><br/> <span class="ft8">dieser Umstand indessen an Gewicht. Ähnlich verhält es sich mit der</span><br/> <span class="ft8">Steilheit der Parzelle, welche rein vom Gelände her gewisse</span><br/> <span class="ft8">Einschränkungen in der Überbaubarkeit mit sich bringt. Mit der</span><br/> <span class="ft8">vorgeschriebenen terrassierten Überbauung wird dieser Geländeform</span><br/> <span class="ft8">jedoch durch die in praktischer Hinsicht allein mögliche Bebauung</span><br/> <span class="ft8">Rechnung getragen. ... Hinzu kommt, dass das vom Gemeinderat zur</span><br/> <span class="ft8">Anwendung gebrachte Abgrenzungskriterium der "logischen</span><br/> <span class="ft8">Fortsetzung des Grenzverlaufs" der östlichen Nachbarparzellen 1948</span><br/> <span class="ft8">und 2172 weder in Rechtsprechung und Literatur eine Stütze findet,</span><br/> <span class="ft8">noch - soweit ersichtlich - in der Praxis je zur Anwendung gebracht</span><br/> <span class="ft8">wurde. Dies gilt umso mehr, als die beiden erwähnten Parzellen nicht</span><br/> <span class="ft8">an zwei Strassen angrenzen, weshalb die vorgebrachten Gründe der</span><br/> <span class="ft8">Rechtsgleichheit nicht durchschlagen. Der Vorstellung, dass eine</span><br/> <span class="ft8">Parzellenaufteilung gerade in der Fortsetzung der nachbarlichen</span><br/> <span class="ft8">Grundstücksgrenzen angemessen sein soll, haftet etwas Künstliches</span><br/> <span class="ft8">an; es fehlt an einer genügenden Begründung, dieses vorwiegend</span><br/> <span class="ft8">raumplanerisch motivierte Kriterium auch zur Erfassung des</span><br/> <span class="ft8">wirtschaftlichen Sondervorteils zur Anwendung zu bringen...</span><br/> <span class="ft8">3.4. Zusammenfassend bestehen keine genügend gewichtigen</span><br/> <span class="ft8">Gründe, um vom Grundsatz der hälftigen Aufteilung abzuweichen.</span><br/></div> </div> </body> </html>