A bteilung IV D -6346/2006; D -6347/2006; D -6348/2006; D -6399/2006 {T 0/2} U rteil vom 20. M ärz 2007 M itw irkung: R ichter H aefeli, G ysi, G alliker G erichtsschreiberin Freihofer A_______, Irak, Beschw erdeführer 1 (N ) B_______, Irak, C _______, Irak, D _______, Irak, Beschw erdeführer 2-4 (N ) E_______, Irak, Beschw erdeführer 5 (N ) alle vertreten durch F_______ gegen B undesam t für M igration (B FM ), vorm als Bundesam t für Flüchtlinge (BFF), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügungen vom 5. D ezem ber 2002 bzw . 12. D ezem ber 2002 i. S. A syl und W egw eisung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliessen die Beschw erdeführer 1 bis 4 ihren H eim atstaat am 20. Januar 1999 und gelangten am 27. Januar 1999 in die Schw eiz, w o sie am gleichen Tag um Asyl ersuchten. Am 29. Januar 1999 fanden in Kreuzlingen die Em pfangsstellenbefragungen statt, und am 5. M ai 1999 erfolgten die Anhörungen zu den Asylgründen durch das M igrationsam t des Kantons Zürich. Am 31. M ai 2001 w urden die Beschw erdeführer 1 bis 4 vom BFF ergänzend zu ihren Asylgründen angehört. D ie Beschw erdeführerin 5 verliess zusam m en m it ihrem Sohn G _______. (Ehem ann und Vater der Beschw erdeführer 1 bis 4) den Irak am 17. Januar 1999. Sie gelangten nach einem m ehrm onatigen Aufenthalt in der Türkei am 3. Januar 2000 in die Schw eiz, w o sie am gleichen Tag um Asyl ersuchten. Am 11. Januar 2000 (Beschw erdeführerin 5) respektive am 13. Januar 2000 (G _______) fanden in Kreuzlingen die Em pfangsstellenbefragungen statt. Am 15. Februar 2000 (G _______) beziehungsw eise am 17. Februar 2000 (Beschw erdeführerin 5) fanden die Anhörungen zu den Asylgründen durch das M igrationsam t des Kantons Zürich statt. Am 11. M ai 2001 w urde G _______ vom BFF ergänzend angehört. Im W esentlichen w urde anlässlich der Befragungen geltend gem acht, die Fam ilie stam m e ursprünglich aus dem N ordirak, die Beschw erdeführer hätten jedoch seit Jahren in Bagdad gelebt. D ie Beschw erdeführer 2 bis 5 hätten persönlich keine Problem e m it den Behörden gehabt, seien nie vor G ericht gestanden oder in H aft gew esen. Sie seien auch nicht politisch aktiv gew esen. D er Beschw erdeführer 1 sei M itglied der Baath-Partei gew esen, habe sich aber politisch auch nicht betätigt. D er Sohn/Ex-Ehem ann/Vater der Beschw erdeführer, G _______, sei 1978 der Baath-Partei beigetreten. W ährend des M ilitärdienstes von 1978 bis 1982 sei er vor allem im Verteidigungsm inisterium in Bagdad tätig gew esen. D anach habe er als regim etreuer Journalist und Schriftsteller gearbeitet und sei M itglied des irakischen Schriftstellerverbandes gew esen. Im Jahre 1986 sei er ins kurdische Parlam ent in Erbil gew ählt w orden, w o er die Politik der R egierung der Baath- Partei vertreten habe. M itte der achtziger Jahre sei er M ustashar (politischer und m ilitärischer Berater) der irakischen R egierung in Kurdistan gew orden. In der Folge sei er zu einem persönlichen Berater Saddam H usseins für Kurdistan und eine Vertrauensperson der Präsidentenfam ilie gew orden. N ach Problem en m it Taha Yassir R am adan, dem irakischen Vizepräsidenten und M itglied des R evolutionären R ates, sei er beim R egim e Saddam H usseins in U ngnade gefallen und am 22. Juni 1995 verhaftet w orden. Am 21. Januar 1996 sei er von einem Sondergericht w egen staatsfeindlicher Aktivitäten zu sechs Jahren H aft verurteilt und ins G efängnis von Abu G hraiyb überführt w orden. Später sei die H aftstrafe um vier Jahre reduziert w orden. Im Juni 1997 sei er freigelassen w orden. N ach der Entlassung habe er w ieder m it der Fam ilie zusam m en gelebt. W ährend der H aft von G _______ sei der Beschw erdeführer 1 überw acht und schikaniert w orden. Am 13. August 1998 sei es zu einer Ü berprüfung des W ohnsitzes der Fam ilie 3 gekom m en, w obei eine verbotene Satellitenem pfangsantenne gefunden w orden sei. D a das Fam ilienoberhaupt G _______ als Verantw ortlicher nicht zu H ause gew esen sei, sei an dessen Stelle der Beschw erdeführer 1 festgenom m en w orden und danach w ährend dreier M onate bei der Sicherheitsdirektion in Bagdad inhaftiert gew esen, w obei er m ehrm als verhört und m alträtiert w orden sei. Am 14. D ezem ber 1998 sei der Beschw erdeführer 1 w ieder freigelassen w orden. D anach habe er keine behördlichen Problem e m ehr gehabt. In der Folge sei die Fam ilie nach M osul gereist, w o sich die Fam ilienm itglieder getrennt hätten und in der Folge getrennt in die Schw eiz gereist seien. Für den Inhalt der w eiteren Aussagen der Beschw erdeführer w ird auf die Akten verw iesen. B. M it zw ei Verfügungen vom 5. D ezem ber 2002 (Beschw erdeführer 1 sow ie Beschw erdeführerin 5) und zw ei Verfügungen vom 19. D ezem ber 2002 (Beschw erdeführer 2 bis 4) stellte das BFF fest, die Beschw erdeführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung aus der Schw eiz und nahm die Beschw erdeführer 1 bis 5 vorläufig auf. Zur Begründung w urde ausgeführt, die Beschw erdeführer 1 bis 5 w ürden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gem äss Art. 3 AsylG zw ar nicht genügen, hingegen sei der W egw eisungsvollzug als unzum utbar zu erachten. Bezüglich des Sohnes/Ehem annes/Vaters der Beschw erdeführer 1 bis 5 stellte das BFF in einer w eiteren Verfügung vom 19. D ezem ber 2002 fest, dieser erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die W egw eisung aus der Schw eiz und nahm ihn w egen U nzulässigkeit des W egw eisungsvollzugs vorläufig auf. Begründet w urde der Entscheid im W esentlichen dam it, der Beschw erdeführer erfülle zw ar aufgrund der Aktenlage die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft, w erde indes gestützt auf Art. 1F Bst. a des Abkom m ens über die R echtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (FK; SR 0.142.30) davon ausgeschlossen, da er w ährend Jahren direkt, persönlich und m assgeblich an m assiven system atischen M enschenrechtsverletzungen im Irak beteiligt gew esen sei, bevor er in U ngnade gefallen sei. D as Asylgesuch sei daher abzuw eisen. H ingegen habe der Beschw erdeführer aufgrund seiner ehem aligen Position und Tätigkeit bei einer R ückkehr in den Irak m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 der Konvention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K; SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung zu befürchten, w eshalb der W egw eisungsvollzug als unzulässig anzusehen sei. C . M it vier Beschw erden vom 6. Januar 2003 liessen die Beschw erdeführer 1 bis 5 beantragen, die angefochtenen Verfügungen seien bezüglich der Asylpunkte aufzuheben. Sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und es sei ihnen Asyl zu gew ähren. Eventualiter seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen. Subeventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der W egw eisung unzulässig erscheine. Für die Beschw erdeführer 2 bis 5 beantragte der R echtsvertreter die unentgeltliche Prozessführung und die Beigabe eines unentgeltlichen R echtsbeistands in der 4 Person des U nterzeichneten. D ie den Sohn/Ehem ann/Vater betreffende Verfügung w urde im Ü brigen nicht angefochten und erw uchs in der Folge in R echtskraft. D . M it Zw ischenverfügung vom 30. Januar 2003 vereinigte der dam als zuständige Instruktionsrichter der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) die Verfahren der Beschw erdeführer 1 bis 5, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, w ies die G esuche um unentgeltliche R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG betreffend die Beschw erdeführer 2 bis 5 ab, hiess die G esuche um unentgeltliche Verbeiständung gem äss Art. 65 Abs. 2 Vw VG betreffend die Beschw erdeführer 2 bis 5 gut und ordnete den bisherigen R echtsvertreter als am tlichen R echtsbeistand bei. D es W eiteren w urde der Antrag um ergänzende Akteneinsicht teilw eise gutgeheissen, die betreffenden Akten ediert und G elegenheit geboten zur Stellungnahm e. Schliesslich w urde Frist gesetzt zur Einreichung von Bew eism itteln m it Ü bersetzung in einer der schw eizerischen Am tssprachen. E. M it Eingabe vom 14. Februar 2003 liessen die Beschw erdeführer eine Stellungnahm e einreichen. F. M it Zw ischenverfügung vom 24. Februar 2003 w urde unter anderem Frist gesetzt zur Ü bersetzung des m it Eingabe vom 14. Februar 2003 in Kopie eingereichten Schreibens von F. T. und zur Einreichung des entsprechenden O riginals. G . M it Eingabe vom 24. Februar 2003 w urden die Kopie eines Briefs von H _______ sow ie zw ei Postkarten aus Sidney und die Kopie des Briefum schlags zu den Akten gereicht. H . M it Eingabe vom 11. M ärz 2003 w urden unter anderem die Ü bersetzungen der Briefe von I_______ und von H _______ eingereicht. I. D as BFF schloss in seiner Vernehm lassung vom 7. Juni 2004 auf Abw eisung der Beschw erden. J. Am 21. Septem ber 2004 w urden die Beschw erdeführerin 2 und ihr Ehem ann, G _______, geschieden. K. M it Eingabe vom 22. April 2005 liessen die Beschw erdeführer replizieren. L. M it Zw ischenverfügung vom 9. Februar 2007 w urde den Beschw erdeführern die M öglichkeit gegeben, sich zum U m stand des für G _______ im Irak ausgestellten Identitätsausw eises zu äussern. Zudem w urde der R echtsvertreter aufgefordert, eine Kostennote zu den Akten zu geben. M . M it Eingabe vom 19. Februar 2007 w urden eine Stellungnahm e sow ie die Kostennote zu den Akten gereicht.5 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G ; SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG ; SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG ; SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G ; SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, ab 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der dam aligen AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erden sind form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführer sind legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erden ist m ithin einzutreten. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim atstaat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationalität, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gelten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist R echnung zu tragen (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum indest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vorhandensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeblich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ).6 4. 4.1 D as Bundesam t lehnte die Asylgesuche der Beschw erdeführer 1 bis 5 ab, da ihre Vorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gem äss Art. 3 AsylG nicht standhielten. Zur Begründung der ablehnenden Entscheide w urde ausgeführt, der Beschw erdeführer 1 habe ausser der drei M onate dauernden Inhaftierung keine gravierenden behördlichen Problem e gehabt. D ie Beschw erdeführer 2 bis 5 hätten gar keine persönlichen Verfolgungsm assnahm en geltend gem acht; dies, obw ohl im Irak die Sippenhaft angew andt w erde. D a sich der Enkel/Sohn/Bruder J_______ w eiterhin im Irak befinde und die Enkelin/Tochter/Schw ester H _______ m it grosser W ahrscheinlichkeit von der Schw eiz w ieder in den Irak zurückgekehrt sei, gebe es keine Anzeichen dafür, dass den Beschw erdeführern 1 bis 5 bei einer R ückkehr in den Irak eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG drohe. 4.2 In den R echtsm itteleingaben w ird im W esentlichen auf die Stellung des Sohnes/Ex-Ehem annes/Vaters, G _______, unter Saddam H ussein und die im Irak übliche Sippenhaft hingew iesen. D ie Beschw erdeführer 1 bis 5 hätten zudem , nachdem G _______ in U ngnade gefallen sei, unter einem unerträglichen psychischen D ruck gelitten und einen sozialen Abstieg in Kauf nehm en m üssen. D er Beschw erdeführer 1 sei w ährend dreier M onate in H aft gew esen und von den Behördenm itgliedern geschlagen gew orden. D es W eiteren habe m an ihn aus der Partei ausgeschlossen. F. sei sodann nicht m ehr im Irak, sondern in D am askus w ohnhaft und setze sich dort für eine O ppositionsgruppe gegen das R egim e von Saddam H ussein ein und H _______ lebe m it einem irakisch-stäm m igen Australier in Australien. D arüber hinaus w ürde die illegale Ausreise ein Vergehen darstellen, das von den irakischen Behörden geahndet w erde. D am it und m it der Stellung der Asylgesuche seien subjektive N achfluchtgründe geschaffen w orden. 4.3 G em äss Entscheide und M itteilungen der AR K (EM AR K) 2005 N r. 18 E. 5.7.1 S. 164, ist für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides m assgebend. D abei ist einerseits die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise aktuell vorhandenen Furcht zu stellen und andererseits zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung (noch) begründet ist. Veränderungen der objektiven Situation im H eim atstaat zw ischen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zulasten des G esuchstellers zu berücksichtigen (vgl. EM AR K 2000 N r. 2 E. 8b und 1994 N r. 24 E. 8a; W . Kälin, G rundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M . 1990, S. 135 ff.). M assgebend für den Asylentscheid ist dem nach die Situation im gegenw ärtigen Zeitpunkt. D ie individuellen N achteile, die auf das R egim e von Saddam H ussein zurückzuführen sind, sind im heutigen Zeitpunkt nicht m ehr asylrelevant. Seit der Ausreise der Beschw erdeführer 1 bis 5 hat sich näm lich die Lage in ihrem H eim atstaat w esentlich verändert. D as R egim e Saddam H usseins und der Baath-Partei hat durch die im M ärz 2003 begonnene m ilitärische Intervention der U SA und ihrer Alliierten seine M acht verloren. Im N ordirak w iederum , dem ursprünglichen H erkunftsgebiet der Beschw erdeführer 1 bis 5, hat der eingetretene politische W andel nam entlich dazu geführt, dass die drei kurdischen Provinzen D ohuk, Erbil und Suleim aniyah – deren Territorien zuvor in zw ei H errschaftsbereiche der beiden rivalisierenden kurdischen Parteien KD P und PU K aufgeteilt w aren – nunm ehr, w enn auch bei w eitgehender Autonom ie, w ieder in den irakischen 7 G esam tstaat eingegliedert sind (vgl. EM AR K 2006 N r. 19 E. 4.1.). D abei ist in den N ordprovinzen in Bezug auf die Sicherheit von einer – im Vergleich m it den anderen Teilen Iraks – ruhigeren Situation auszugehen, w enngleich auch in dieser R egion eine Vielzahl von gew altsam en Zw ischenfällen zu verzeichnen ist (vgl. EM AR K 2006 N r. 17 E. 4.1.3.). D ie von den Beschw erdeführern 1 bis 5 geltend gem achte Furcht vor Verfolgung durch die ehem alige irakische Zentralregierung erscheint daher aufgrund der veränderten Lage nicht m ehr gegeben, w eshalb die Flüchtlingseigenschaft im heutigen Zeitpunkt diesbezüglich zu verneinen ist. Im W eiteren w urde m it dem G rundsatzentscheid EM AR K 2006 N r. 18 in Bezug auf die flüchtlingsrechtliche R elevanz nichtstaatlicher Verfolgung eine w esentliche Änderung der schw eizerischen Asylrechtspraxis eingeleitet. Bis anhin anerkannte die schw eizerische Praxis eine Verfolgung dann als asylrechtlich relevant, w enn sie vom Staat ausging, sei es unm ittelbar durch dessen O rgane, sei es m ittelbar durch D ritte, deren H andlungen vom Staat angeregt, gebilligt, unterstützt oder - obw ohl zur Schutzgew ährung in der Lage - tatenlos hingenom m en w urden (vgl. hierzu und zum Folgenden: EM AR K 2004 N r. 14 E. 6 S. 89 ff., m .w .H .; rückblickend nunm ehr EM AR K 2006 N r. 18 E. 6.3.1.). D abei w urde Verfolgung durch so genannte Q uasi-Staaten - Körperschaften, w elche, ohne anerkannte Träger der Staatsordnung zu sein, faktisch die H errschaft über bestim m te Teilgebiete des staatlichen Territorium s und die dort lebende Bevölkerung ausüben - bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft staatlicher Verfolgung gleichgesetzt. H ingegen w urden Verfolgungshandlungen nicht als flücht- lingsrechtlich relevant anerkannt, w enn sie w eder direkt noch indirekt einem staatlichen (oder quasi-staatlichen) U rheber zugerechnet w erden konnten (vgl. etw a EM AR K 2002 N r. 16; 1997 N r. 6; 1996 N r. 8; 1995 N rn. 2 und 25). D ieser als "Zurechenbarkeitstheorie" bezeichnete Ansatz w urde m it dem erw ähnten G rundsatzentscheid gestützt auf eine um fassende Auslegung der für die D efinition des Flüchtlingsbegriffs von Art. 3 AsylG m assgeblichen völkerrechtlichen Vorgabe des Art. 1A Ziff. 2 Flüchtlingskonvention (EM AR K 2006 N r. 18 E. 7) zugunsten der so genannten "Schutztheorie" aufgegeben (a.a.O ., E. 9). D anach ist nunm ehr bei der Beantw ortung der Frage, ob eine Person von Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinne betroffen ist, nicht m ehr das Kriterium der U rheberschaft m assgeblich, sondern das Vorhandensein adäquaten Schutzes im H eim atstaat. M it anderen W orten ist auch dann von einer asylrelevanten Verfolgung auszugehen, w enn deren U rheber nichtstaatliche Akteure bzw . Private sind und der H eim atstaat der verfolgten Person keinen Schutz zu gew ähren im stande ist. D er W echsel zur Schutztheorie bringt bestim m te Folgen m it sich, die im vorliegenden Verfahren von konkreter Bedeutung sein könnten. Zunächst fallen dam it die bisherigen rechtlichen Abgrenzungsfragen zw ischen direkter und m ittelbarer staatlicher Verfolgung w eg; ferner w ird die oftm als heikle Frage nach der staatlichen Zurechenbarkeit konkreten privaten H andelns obsolet; auch ist nunm ehr die teilw eise aufw endige (und theoretisch bei jedem Verfahren neu vorzunehm ende) Prüfung entbehrlich, ob Bürgerkriegsparteien oder andere Körperschaften eine derart effektive H errschaft über das von ihnen eroberte 8 G ebiet ausüben, dass sie als quasi-staatliche Verfolger im Sinne der R echtsprechung zu qualifizieren sind. Aufgrund des subsidiären C harakters des asylrechtlichen Schutzes, w onach eine Schutzgew ährung durch ein Asylland dann nicht (oder nicht m ehr) erforderlich ist, w enn ein anderer Staat, insbesondere der H eim atstaat, zur Schutzgew ährung verpflichtet ist und diese Verpflichtung auch tatsächlich w ahrnim m t (s. Art. 1A Ziff. 2 FK; vgl. diesbezüglich EM AR K 2000 N r. 15 S. 127 ff.), ist allerdings auch im Falle nichtstaatlicher Verfolgung zu prüfen, ob der verfolgten Person in ihrem H erkunftsland ausreichender Schutz zuteil w ird (EM AR K 2006 N r. 18 E. 10). Verfolgt im Sinne von Art. 3 AsylG ist, w er aus den in Abs. 1 der genannten N orm aufgezählten G ründen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. D abei um fasst die Furcht vor künftiger Verfolgung gem äss den von der AR K entw ickelten Kriterien, w elche für das Bundesverw altungsgericht w eiterhin G ültigkeit haben, allgem ein ein auf tatsächlichen G egebenheiten beruhendes objektives Elem ent einerseits sow ie die persönliche Furchtem pfindung der betroffenen Person als subjektives Elem ent andererseits. Als Flüchtling im Sinne von Art. 3 AsylG ist dem nach anzuerkennen, w er gute - d.h. von D ritten nachvollziehbare - G ründe (objektives Elem ent) für seine Furcht (subjektives Elem ent) hat, m it gew isser W ahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das O pfer von Verfolgung zu w erden (vgl. zuletzt EM AR K 2000 N r. 9 E. 5a). D abei ist auch zu beachten, dass eine Person, die bereits einm al staatlichen bzw . quasistaatlichen Verfolgungen ausgesetzt w ar, objektive G ründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht hat als jem and, der in der Vergangenheit keine entsprechenden Erfahrungen gem acht hat (vgl. EM AR K 1993 N r. 11 E. 4c; 1994 N r. 24 E. 8b). Festzuhalten ist vorliegend, dass die Beschw erdeführer 1 bis 5 auch in Berücksichtigung der oben dargelegten "Schutztheorie" keine asylrelevanten Verfolgungsm assnahm en zu befürchten haben, zum al sie sich als Angehörige der kurdischen Ethnie in den kurdisch kontrollierten N ordirak begeben können, w o effektiver Schutz seitens der dort zuständigen Behörden gegenüber allfälligen Ü bergriffen durch Sunniten und Schiiten besteht. D ass G _______ vor Jahren m it Saddam H ussein und dessen R egim e kollaborierte, begründet für die Beschw erdeführer 1 bis 5 keine Furcht vor künftiger Verfolgung im kurdischen N ordirak, w eder von staatlicher Seite noch durch private D ritte, da jener nach seiner Kollaboration selbst beim R egim e Saddam H usseins in U ngnade gefallen ist und danach von diesem verfolgt w urde. D arüber hinaus liess sich G _______ am 29. April 2004 in Suleim aniya eine Identitätskarte ausstellen, w as gegen eine behördliche Verfolgung im N ordirak spricht. U nter diesem Blickw inkel ist deshalb um so w eniger nachvollziehbar, w eshalb die Beschw erdeführer 1 bis 5, w elche selbst – m it Ausnahm e der dreim onatigen Inhaftierung des Beschw erdeführers 1 – keine eigenen Verfolgungsgründe angaben, bei einer R ückkehr in den N ordirak befürchten m üssten, m it grosser W ahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft asylrelevante Verfolgung erleiden zu m üssen. An dieser Einschätzung verm ögen die Ausführungen in der Stellungnahm e vom 19. Februar 2007, in w elchem im W esentlichen ausgeführt w ird, G _______ habe die Identitätskarte durch einen in Suleim aniya lebenden Verw andten ausstellen lassen und zw ei M onate darauf 9 w arten m üssen, offensichtlich nichts zu ändern. 4.4 Es erübrigt sich, näher auf die Ausführungen auf Beschw erdeebene und die im Verfahren als Bew eism ittel eingereichten D okum ente einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern verm ögen. Zusam m enfassend ist som it festzustellen, dass die Beschw erdeführer 1 bis 5 keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft m achen oder nachw eisen und sie nicht als Flüchtlinge anerkannt w erden können. M angels erfüllter Flüchtlingseigenschaft ist ihnen zu R echt das nachgesuchte Asyl nicht gew ährt w orden. 5. Lehnt das BFM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es gem äss Art. 44 Abs. 1 AsylG in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an. In casu hat der Kanton w eder Aufenthaltsbew illigung erteilt (vgl. Art. 32 Bst. a AsylV 1) noch besteht ein Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ; EM AR K 2001 N r. 21). Som it stehen die verfügten W egw eisungen im Einklang m it den gesetzlichen Bestim m ungen und sind zu bestätigen. 6. Zu prüfen bleibt in der R egel, ob es G ründe gibt, die dem Vollzug der W egw eisung entgegenstehen (vgl. Art. 44 AsylG und Art. 14a Abs. 1 - 4bis AN AG ). Vorliegend hat jedoch das BFF die vorläufige Aufnahm e der Beschw erdeführer 1 bis 5 in der Schw eiz angeordnet, w odurch die Prüfung allfälliger W egw eisungsvollzugshindernisse entfällt. 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen Bundesrecht nicht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellen und angem essen sind (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erden sind nach dem G esagten abzuw eisen. 8. Bei diesem Ausgang der Verfahren sind die Kosten den Beschw erdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ) und auf insgesam t Fr. 1'200.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). 9. M it Zw ischenverfügung vom 30. Januar 2003 w urden die G esuche um Beigabe eines Anw alts gem äss Art. 65 Abs. 2 Vw VG für die Beschw erdeführer 2 bis 5 gutgeheissen. M it der am 19. Februar 2007 eingereichten Kostennote m acht der R echtsvertreter der Beschw erdeführer für die Beschw erdeverfahren der Beschw erdeführer 1 bis 5 einen Aufw and von insgesam t 17,92 Stunden sow ie Auslagen von insgesam t Fr. 387.-- geltend. D er zeitliche Aufw and scheint ebenso angem essen w ie die aufgeführten Auslagen (vgl. Art. 9 Abs. 1 VG KE und Art. 11 Abs. 2 VG KE). Für Anw älte beträgt der Stundenansatz Fr. 200.-- (vgl. Art. 12 VG KE i.V.m . Art. 10 Abs. 2 VG KE). D er Betrag von insgesam t 4'272.80.-- (inkl. 7,6% M w St.) w ird aufgrund der Tatsache, dass die Beigabe eines Anw alts lediglich 10 für vier der fünf Beschw erdeführer zum tragen kom m t, um einen Fünftel gekürzt. Som it steht dem am tlichen Beistand für das Entgelt seiner Bem ühungen ein Totalbetrag von Fr. 3'418.25 zu, w elcher ihm vom Bundesverw altungsgericht zu überw eisen ist. (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erden w erden abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 1'200.--, w erden den Beschw erdeführern auferlegt. D ieser Betrag ist innert 30 Tagen zu G unsten der G erichtskasse zu überw eisen. 3. D as Bundesverw altungsgericht hat dem am tlichen Beistand eine Entschädigung von insgesam t Fr. 3'418.25 zu bezahlen. 4. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter der Beschw erdeführer, 2 Expl. (eingeschrieben; Einzahlungsschein) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N , N , N ) - M igrationsam t des Kantons K_______ D er R ichter: D ie G erichtsschreiberin: Fulvio H aefeli G abriela Freihofer Versand am :