B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-3567/2013 U r t e i l v o m 6. A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richter Markus Metz (Vorsitz), Richter Michael Beusch, Richter Daniel Riedo, Gerichtsschreiberin Susanne Raas. Parteien X._______ AG, …, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Johannes Säuberli, Nordstrasse 19, 8006 Zürich, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Rechtsverzögerung. A-3567/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Im Nachgang zu einer Mehrwertsteuerkontrolle bei der X._______ AG (nachfolgend: Steuerpflichtige) für den Zeitraum vom 1. Januar 1995 bis zum 31. März 1997 erliess die ESTV die Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. … vom 13. Juni 1997. Demnach schuldete ihr die Steuer pflichtige Mehrwertsteuern im Umfang von Fr. 289'269.--. B. Mit Entscheid vom 17. Oktober 2002 hielt die ESTV an ihrer EA Nr. … vom 13. Juni 1997 fest. C. Gegen diesen Entscheid erhob die Steuerpflichtige am 24. Oktober 2002 Einsprache. Den Eingang der Einsprache bestätigte die ESTV mit Schreiben vom 31. Oktober 2002. D. Am 7. März 2007 mahnte die ESTV den ausstehenden Steuerbetrag von Fr. 289'269.--. Mit Schreiben vom 30. April 2007 schlug die Steuerpflicht i- ge eine Verrechnung des Betrages von Fr. 289'269.-- mit ihren Vorsteuer- guthaben vor. Dieser Verrechnung stimmte die ESTV mit Schreiben vom 9. Mai 2007 zu. Sie verrechnete das Vorsteuerguthaben der Beschwerde- führerin mit ihrer Forderung gegenüber der Beschwerdeführerin. Diese Forderung bestand aus den genannten Fr. 289'269.-- plus mittlerweise angefallenen Verzugszinsen in Höhe von Fr. 143'403.--. E. Mit Schreiben vom 19. Februar 2013 verlangte die Beschwerdeführer in von der ESTV die Behandlung ihrer Einsprache vom 24. Oktober 2002 (oben Bst. C). Da sich seit dem 9. Mai 2007 in dieser Sache nichts mehr getan habe, sei die Steuerforderung für die Abrechnun gsperioden vom 1. Januar 1995 bis 31. März 1997 verjährt und der zu Unrecht bezahlte Steuerbetrag (Fr. 289'269.-- zuzüglich Zins von Fr. 143'403.--) zurückzu- zahlen. F. Den Eingang eines weiteren Schreibens der Steuerpflichtigen vom 19. März 2013 bestätigte die ESTV am 27. März 2013. Ein neuerliches Schreiben der Steuerpflichtigen vom 6. Juni 2013 blieb unbeantwortet, weshalb die Steuerpflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführende) am A-3567/2013 Seite 3 21. Juni 2013 Rechtsverzögerungsbeschwerde beim Bundesverwal- tungsgericht erhob. Sie beantragt, die ESTV sei zu verpflichten, die Ei n- sprache vom 24. Oktober 2002 umgehend zu behandeln – unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. G. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Juli 2013 beantragt die ESTV, die B e- schwerde als gegenstandslos abzuschreiben resp. abzuweisen. Sie hält dafür, die Steuerforderung sei mangels Unt erlagen, die das Gegenteil bewiesen, zum Zeitpunkt der Verrechnung bereits verjährt gewesen, weshalb die Beschwerdeführerin eine Nichtschuld bezahlt habe. Ein Ein- spracheentscheid könne nicht mehr ergehen und ein formeller Abschre i- bungsbeschluss würde der Beschwerdeführerin nichts nützen . Sie mu t- masst, es dürfte der Beschwerdeführerin letztlich um die Rückerstattung bisher nicht ausbezahlter Vorsteuerguthaben gehen. In einem vom gleichen Tag datierten Brief an die Beschwerdeführerin hält die ESTV zudem fest, das Guthaben werde der Beschwerdeführerin z u- züglich des gesetzlich geschuldeten Vergütungszinses zurückerstattet. H. In ihrer Stellungnahme vom 12. Juli 2013 interpretiert die Beschwerdefüh- rerin die Vernehmlassung und den Brief der ESTV dahingehend, dass diese die Fr. 289'269.-- zuzüglich des bezahlten Verzugszinses von Fr. 143'403.-- plus Zinsen ab dem 30. Mai 2007 zurückerstatten werde. Daher sei die Rechts verzögerungsbeschwerde gutzuheissen, was im Rahmen eines Abschreibungsentscheids ergehen könne. I. Mit Stellungnahme vom 29. Juli 2013 hält die ESTV an ihrer Vernehmla s- sung fest . Sie führt aus, die Verfügung über eine Nichtschuld habe als nichtig gegolten, weshalb sie keine Rechtswirkungen habe entfalten kö n- nen und ein materiell -rechtlicher Einspracheentscheid nicht möglich g e- wesen sei. Allerdings sei das Bundesgericht inzwischen von der blossen Anfechtbarkeit einer solchen Verfügung ausgegangen. Sinngemäss h ält die ESTV dafür, spätestens im Oktober 2007 (und damit fünf Jahre nach dem Entscheid vom 17. Oktober 2002) sei die Steuerforderung verjährt gewesen. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird – soweit sie entscheidw e- sentlich sind – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. A-3567/2013 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 1.1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Die Beschwerde gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer Verfügung ist gemäss Art. 46a und Art. 50 Abs. 2 VwVG jederzeit zulä s- sig. Anfechtungsobjekt der Rechtsverzöge rungsbeschwerde ist das u n- rechtmässige Verzögern, mithin das Fehlen einer anfechtbaren Verfügung im Sinn von Art. 5 VwVG. Voraussetzung für eine Rechtsverweigerungs - und Rechtsverzögerungsbeschwerde ist, dass die Rechtsuchende zuvor ein Begehren um Erlass einer Verfügung bei der zuständigen Behörde gestellt bzw. bei Verzögerung dieses wiederholt hat, bevor sie eine B e- schwerde einreicht, und dass ein Anspruch auf Erlass einer solchen Ve r- fügung besteht. Ein solcher Anspruch liegt dann vor, wenn einerseits eine Behörde nach dem anzuwendenden Recht verpflichtet ist, in Verfügung s- form zu handeln, und wenn andererseits die gesuchst ellende Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung in jenem Verfahren, betreffend welches die Rechtsverzögerung geltend gemacht wird, bean- spruchen kann (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A -6471/2009 vom 2. März 2010 E. 3; vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEU- BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 5.20; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungs- verfahren und Verwa ltungsrechtspflege des Bundes, 3 . Aufl., Zürich /Ba- sel/Genf 2013 , Rz. 1300, 1302 und 1306 ff.). Auch im Rechtsverweig e- rungs- bzw. Rechtsverzögerungsverfahren muss die beschwerdeführende Person ein aktuelles Rechtsschutzinteresse haben. An einem solchen fehlt es insbesondere dann, wenn die zum Entscheid verpflichtete Behö r- de in der Sache entscheidet ( FELIX UHLMANN/SIMONE WÄLLE-BÄR, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], VwVG, Praxiskommentar zum Bu n- desgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2009 [nachfolgend: Praxiskommentar] , Art. 46a N. 6). Beschwerdeinstanz ist jene Behörde, die zuständig wäre, wenn die Verfügung ordnun gsgemäss ergangen wäre (siehe auch BVGE 2008/15 E. 3). A-3567/2013 Seite 5 1.1.2 Ein förmliches Rechtsmittel – wozu eine Einsprache gehört – ist in Form eines Prozess - oder Sachurteils zu erledigen ( ULRICH HÄFELIN/ GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 1742; vgl. PIERRE MOOR/ETIENNE POLTIER, Droit administratif, Bd. 2, 3. Aufl., Bern 2011, Ziff. 2.2.1.2 S. 216). Das Verfahren fällt – selbst bei Gegenstandslosigkeit – nicht unmittelbar dahin (für das Beschwerdeverfahren vor Bundesverwaltungsgericht MOSER/ BEUSCH/KEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.224). Mit anderen Worten besteht in einem solchen Verfahren ein Anspruch auf Erlass einer Verfügung (vgl. zuvor E. 1.1.1). Ist eine Verfügung nichtig, ist auf ein Rechtsmittel gegen diese Verfügung nicht einzutreten, jedoch im Dispositiv die Nichtigkeit der Verfügung festzustellen (BGE 136 II 415 E. 3.3, BGE 132 II 342 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen; BVGE 2008/59 E. 4.3). 1.1.3 Laut Art. 58 Abs. 1 VwVG hat die Vorinstanz die Möglichkeit, die angefochtene Verfügung bis zu ihrer Vernehmlassung in Wiedererwägung zu ziehen und diese aufgrund neuer Tatsachen oder besserer Erkenntnis im Sinn der beschwerdeführenden Partei abzuändern. In diesem Fall tritt die neue Verfügung an die Stelle der ursprünglichen, weshalb das B e- schwerdeverfahren insoweit als gegenstandslos abzuschreiben ist, als die Vorinstanz den Anträgen der beschwerdeführenden Partei in der ne u- en Verfügung entsprochen hat (Art. 58 Abs. 3 VwVG; Urteile des Bundes- verwaltungsgerichts A -4956/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.2.3, A-1214/2011 vom 2. Oktober 2012 E. 3.1.2; ANDREA PFLEIDERER, in: Pra- xiskommentar, Art. 58 N. 48 und 52; AUGUST MÄCHLER, in: Auer/Müller/ Schindler [Hrsg.], VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Ve r- waltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008 [nachfolgend: VwVG - Kommentar], Art. 58 N. 1; REGINA KIENER, in: VwVG-Kommentar, Art. 54 N. 18). 1.1.4 Bei Gutheissung einer Rechtsver zögerungs- bzw. -verweigerungs- beschwerde ist die Sache mit der Anweisung, darüber zu entscheiden, an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eine andere Möglichkeit, den rechtmä s- sigen Zustand herzustellen, gibt es grundsätzlich nicht; insbesondere darf das Gericht – von hier nicht interessierenden Ausnah men abgesehen – nicht anstelle der das Recht verweigernden Behörde entscheiden, wü r- den dadurch doch der Instanzenzug verkürzt und allenfalls weitere Rec h- te der am Verfahren Beteiligten verletzt ( KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1312; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 5.25 und 5.30). A-3567/2013 Seite 6 1.2 1.2.1 Der Einspracheentscheid der ESTV auf dem Gebiet der Mehrwer t- steuern ist vor Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 VGG i.V.m. Art. 5 VwVG und Art. 33 VGG). Dieses ist deshalb für die vorliegende Rechtsverzögerungsbeschwerde zuständig (oben E. 1.1.1). 1.2.2 Die Beschwerdeführerin hat sich mehrfach um den Erlass einer Ver- fügung (konkret: eines Einspracheentscheids) bemüht (Sachverhalt Bst. E und F) und der Entscheid ist noch nicht ergangen (oben E. 1.1.1). Die Beschwerde wurde formgerecht erhoben (Art. 52 VwVG). 1.2.3 Damit bleibt betreffend Eintretensvoraussetzungen zu klären, – ob die ESTV verpflichtet ist, in Verfügungsform zu handeln (da- zu E. 2.1), wobei sich diese Frage nur stellt, weil die ESTV der Auffassung ist, keinen Einspracheentscheid mehr erlassen zu können; – ob die Beschwerdeführerin (noch) ein aktuelles und praktisches Interesse an der Feststellung einer Rechtsverzögerung oder Rechtsverweigerung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG ; dazu E. 2.2), insbesondere im Hinblick darau f, dass die ESTV der B e- schwerdeführerin zugesichert hat, ihr einen Betrag auszuza h- len (vgl. Sachverhalt Bst. G) und dass beide Parteien unter a n- derem beantragen, das Verfahren sei abzuschreiben (Sachver- halt Bst. G und H). 2. 2.1 2.1.1 Die ESTV ist der Meinung, sie könne die Einsprache der Beschwer- deführerin vom 24. Oktober 2002 nicht mehr in sinnvoller Weise bean t- worten. So führt sie in der Vernehmlassung vom 4. Juli 2013 aus, für den Entscheid vom 17. Oktober 2002 wäre ab dem 17. Oktober 2007 ein Ein- spracheentscheid nicht mehr möglich. Auch ein formeller Abschreibung s- beschluss sei nicht mehr möglich, weil damit lediglich das Einsprachever- fahren und gleichzeitig die Einsprache als gegenstandslos erklärt würde, was kaum beabsichtigt sei. 2.1.2 Ein formell eröffnetes Verfahren ist mit einem Entscheid abz u- schliessen (oben E. 1.1.2). Unbestritten ist, dass Einsprachen von Ste u- erpflichtigen im Bereich der Mehrwertsteuer mit einem Einspracheen t- scheid zu erledigen sind (vgl. zur Einsprache: Art. 64 des Bundesgeset- zes vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer [aMWSTG, AS A-3567/2013 Seite 7 2000 1300] bzw. Art. 83 des Mehrwertsteuergesetzes vom 2. September 1999 [MWSTG, SR 641.20] ). Die ESTV vermag denn auch nicht darz u- tun, weshalb dem im vorliegenden Fall nicht so sein sollte. Ihre Behau p- tung, dass ein Einspracheentscheid fünf Jahre nach Erlass der Verf ü- gung, gegen welche die Einsprache eingelegt wurde, nicht mehr möglich sein soll («[…] wäre für den Entscheid vom 17. Oktober 2002 ohnehin […] ab dem 17. Oktober 2007 ein Einspracheentscheid gar nicht mehr mög- lich»), erklärt sie nicht in nachvollziehbarer Weise. Ob die Forderung, die sich aus der Verfügung ergibt, verjährt ist (wovon die ESTV mittlerweile ausgeht; vgl. Sachverhalt Bst. G und I) oder nicht, ist jedenfalls für diese Frage irrelevant. Erweist sich die Forderung tatsächlich als verjährt, ist dies – sofern die Eintretensvoraussetzungen gegeben sind – im Einspra- cheentscheid festzuhalten. Der ursprüngliche Entscheid ist dann ersat z- los (oder im Umfang des verjährten Teils der g esamten Forderung) au f- zuheben. Die ESTV selbst hält in ihrer Stellungnahme vom 29. Juli 2013 fest, die Verjährung müsse mittels Anfechtung geltend gemacht werden (Sachverhalt Bst. I). Demnach hat anschliessend auch ein Entscheid zu ergehen (oben E. 1.1.2). Hält die ESTV ihren Entscheid vom 17. Oktober 2002 für nichtig (vgl. Sachverhalt Bst. I), hat sie auf die Einsprache hin einen Nichteintretensentscheid (und damit einen Prozessentscheid) zu fällen und die Nichtigkeit des ursprünglichen Entscheids im Dispo sitiv festzuhalten (oben E. 1.1.2). Immerhin ist der ESTV zuzustimmen, dass im Fall der Nichtigkeit einer Verfügung ein «materiell-rechtlicher Einspra- cheentscheid» nicht möglich ist. Selbst wenn sie nicht in der Sache en t- scheiden kann, hat d ie ESTV aber durchaus die Möglichkeit, einen Pro- zessentscheid zu fällen . Allerdings ist es – trotz des soeben Ausgefüh r- ten – im Rahmen der Rechtsver weigerungs- bzw. -verzögerungsbe- schwerde nicht Sache des Bundesverwaltungsgerichts, der ESTV vorzu- schreiben, wie sie das V erfahren abzuschliessen hat (Prozess - oder Sachentscheid; oben E. 1.1.4). 2.2 2.2.1 Damit ist auf das Interesse der Beschwerdeführerin am Erlass eines Einspracheentscheids einzugehen, hat doch die ESTV in der Verneh m- lassung erklärt, sie werde der Beschwerdeführerin einen Betrag zurüc k- zahlen. Die ESTV beantragt daher dem Bundesverwaltungsgericht, das Verfahren abzuschreiben. Sie ist der Auffassung, dem Begehren der B e- schwerdeführerin mit der Bezahlung des Betrages zu entsprechen. Diese wiederum beantragt die Abschre ibung des Verfahrens, weil sie ebenfalls davon ausgeht, ihr Ziel erreicht zu haben. Mit dieser Annahme gehen A-3567/2013 Seite 8 beide – unter der einzig massgebenden (prozess)rechtlichen Betrac h- tung – aber fehl (vgl. nachfolgend). 2.2.2 Abgesehen davon, dass sich höchstens aus dem Kontext ergibt, dass mit dem «Guthaben» die von der Beschwerdeführerin seinerzeit ver- rechnungsweise gezahlten Fr. 289'269.-- plus Zinsen von Fr. 143'403.-- gemeint sein müssen (der Betrag wird in keiner der Eingaben der ESTV explizit festgehalten), muss ein Rechtsgrund für diese Zah lung vorliegen, denn ohne einen solchen darf die ESTV keine Zahlu ngen vornehmen . Trifft die Auffassung der ESTV, das Vorsteuerguthaben der Beschwerd e- führerin sei mit einer Nichtschuld verrechnet worden, zu, würde dies tat- sächlich dazu führen, dass die Forderung der Beschwerdeführerin über das Vorsteuerguthaben nie erfüllt worden ist (vgl. CORINNE ZELLWEGER- GUTKNECHT, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schwei- zerischen Privatrecht, Das Obligationenrecht, Bd. VI, 1. Abt., 7. Teilband, 2. Unterteilband, Verrechnung, Bern 2012, Art. 120 Rz. 11 ff.). 2.2.3 Die ESTV hält jedoch nirgends formell fest, dass die Mehrwertste u- erforderung für die Steuerperioden vom 1. Januar 1995 bis 31. März 1997 verjährt sei , bzw. dass der Entsche id vom 17. Oktober 2002 nichtig sei und dass die aus Vorsteuerüberhängen herrührende Forderung der Be- schwerdeführerin demnach im Jahr 2007 mit einer Nichtschuld der B e- schwerdeführerin gegenüber der ESTV verrechnet worden sei, weshalb sie nie erfüllt worden sei. Eine entsprechende Bemerkung in der Ve r- nehmlassung – wie dies vorliegend der Fall ist – genügt dazu nicht, wenn der Entscheid mit Einsprache angefochten wurde . Die ESTV hat insb e- sondere nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihren Entscheid in Wiedererwägung zu ziehen (oben E. 1.1.3). Damit bleibt für die B e- schwerdeführerin eine Rechtsunsicherheit bestehen, weil der Recht s- grund für die zugesicherte Zahlung der ESTV nicht feststeht (zuvor E. 2.2.2). Die ESTV hat somit eine formelle Verfügung (nämlich den Ei n- spracheentscheid) zu erlassen , um die entsprechende Rechtsunsiche r- heit für die Beschwerdeführerin zu beseitigen . Dass diese sich mögl i- cherweise – auch dies kann hier offengelassen werden – nach den Ei n- gaben der ESTV im vorliegenden Verfahren auf Vertrauensschutz berufen könnte, genügt nicht. 2.2.4 Faktisch mag die ESTV Recht haben, wenn sie annimmt, der B e- schwerdeführerin ginge es wohl eher um die Auszahlung der Vorsteuer- guthaben (vgl. Sachverhalt Bst. D, vgl. auch E. 2.2.2). Juristisch aber ist die Auszahlung des entsprechenden Betrages allenfalls die Folge, nicht A-3567/2013 Seite 9 aber der Grund der Beschwerde. Damit hat die Beschwerdeführerin nach wie vor ein praktisches und aktuelles Interesse an der Behandlung ihrer Einsprache vom 24. Oktober 2002. 2.2.5 Auf die widers prüchlichen Anträge der Parteien, die zwar beide die Abschreibung des Verfahrens, dann aber doch die Abweisung bzw. Gu t- heissung der Beschwerde beantragen (Sachverhalt Bst. G und H), muss unter diesen Umständen nicht eingegangen werden. 2.3 Nach dem Gesagten is t es der ESTV – entgegen ihrer Auffassung – möglich, einen Einspracheentscheid zu fällen (E. 2.1). Zudem hat die B e- schwerdeführerin nach wie vor ein Interesse an einem solchen (E. 2.2). Da auch die übrigen Eintretensvoraussetzungen vorliegend erfüllt sind (oben E. 1.2), ist auf die Beschwerde einzutreten. 3. 3.1 Die Beschwerdeführerin erhob am 24. Oktober 2002 Einsprache g e- gen den Entscheid der ESTV vom 17. Oktober 2002 (Sachverhalt Bst. B und C). Die Gründe, die die ESTV vorbringt, weshalb sie bis anhin keinen Einspracheentscheid fällte, verfangen – wie gezeigt – nicht, weshalb sie bis heute grundlos nicht entschieden hat. Dass die Zeit seit dem 24. Oktober 2002 bis heute nicht mehr als angemessen bezeichnet we r- den kann, bedarf keiner näheren Erläuterung. Der ESTV ist jedoch zugu- te zu halten, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Brief vom 30. April 2007, in dem sie implizit die Verrechnung der Forderungen vorschlug (Sachverhalt Bst. D), nicht zur Klärung der Lage und damit zur Beschle u- nigung des Verfahrens beitru g. Zu erwähnen bleibt, dass d ie Kontrolle des verrechneten Vorsteuerguthabens im Jahr 2011, die von den Parteien mehrfach erwähnt wird, hier nichts zur Sache tut. 3.2 Die Rechtsverzögerungsbeschwerde ist im Sinn der Erwägungen gut- zuheissen und die ESTV anzuweisen, die Einsprache der Beschwerd e- führerin vom 24. Oktober 2002 unverzüglich an die Hand zu nehmen und einen formellen Einspracheentscheid zu erlassen (oben E. 1.1.2). Ob und falls ja, inwiefern ein solcher Einspracheentscheid durch die in der Ver- nehmlassung und dem Brief der ESTV vom 4. Juli 2013 (Sachverhalt Bst. G) sowie der Stellungnahme vom 29. Juli 2013 (Sachverhalt Bst. I) geäusserte Ansicht der ESTV präjudiziert sein könnte, ist vorliegend nicht zu prüfen (oben E. 1.1.4). A-3567/2013 Seite 10 4. Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin keine Verfah- renskosten zu tragen. Der ESTV sind ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der dem Bundesverwaltung s- gericht einbezahlte Kostenvorschuss im Umf ang von Fr. 2'000.-- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden En t- scheids zurückzuerstatten. Die ESTV hat der obsiegenden Beschwerdeführerin die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entsch ä- digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Die Beschwerdeführerin reichte für das vorliegende Beschwerdeverfahren am 12. Juli 2013 eine Kostennote in der Höhe v on insgesamt Fr. 2'225.-- (inkl. Mehrwertsteuer) ein. Der verrechnete Stundenansatz für die anwalt- liche Vertretung entspricht den Vorgaben von Art. 10 Abs. 1 und 2 VGKE. Die Parteikosten erweisen sich zudem als notwendig und angemessen im Sinn von Art. 7 f f. VGKE , da sie zur sachgerechten und wirksamen Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung unerlässlich erscheinen. Da- mit hat die ESTV der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in Höhe der beantragten Fr. 2'225.-- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. (Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.) A-3567/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Rechtsverzögerungsbeschwerde wird im Sinn der Erwägungen gut- geheissen. Die ESTV wird angewiesen, die Einsprache der Beschwerd e- führerin vom 24. Oktober 2002 unverzüglich an die Hand zu nehmen und einen Einspracheentscheid zu fällen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Der Kostenvor schuss in Höhe von Fr. 2'000.-- wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Die ESTV wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine Parteientschäd i- gung in Höhe von Fr. 2'225.-- zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde; Beilage: Doppel der Stel - lungnahme der Vorinstanz vom 29. Juli 2013 inkl. Beilage) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus Metz Susanne Raas Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: