<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 7 S.49</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">49</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>7</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 80 ff. SchKG.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Von der Vormundschaftsbehörde genehmigte Unterhaltsverträge als</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsöffnungstitel. Anders als im Falle richterlich genehmigter Unter-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>haltsverträge kann gestützt auf von der Vormundschaftsbehörde geneh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>migte Unterhaltsverträge nicht definitive, sondern bloss provisorische</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsöffnung erteilt werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 31. Juli 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen E. A. gegen R. B.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1. a) Die Klägerin hat in ihrem Rechtsöffnungsbegehren bean-</span><br/> <span class="ft5">tragt es sei ihr für die in Betreibung gesetzte Forderung provisorische</span><br/> <span class="ft5">Rechtsöffnung zu gewähren. Sie stützt ihr Rechtsöffnungsbegehren</span><br/> <span class="ft5">auf einen von der zuständigen Vormundschaftsbehörde genehmigten</span><br/> <span class="ft5">Unterhaltsvertrag. Da der Richter jedoch das Recht von Amtes we-</span><br/> <span class="ft5">gen anzuwenden hat, hat er unabhängig eines allfälligen entsprechen-</span><br/> <span class="ft5">den Antrags darüber zu befinden, ob definitive oder provisorische</span><br/> <span class="ft5">Rechtsöffnung zu gewähren ist (Daniel Staehelin, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft5">Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Basel/Genf/Mün-</span><br/> <span class="ft5">chen 1998, N 38 zu Art. 84 SchKG).</span><br/> <span class="ft5">b) Lehre und Praxis sind in ihren Meinungen geteilt, ob für vor-</span><br/> <span class="ft5">mundschaftsbehördlich genehmigte Unterhaltsverträge definitive</span><br/> <span class="ft5">oder provisorische Rechtsöffnung zu erteilen sei. Daniel Staehelin</span><br/> <span class="ft5">führt im genannten Kommentar dazu aus, sie berechtigten dann zur</span><br/> <span class="ft5">definitiven Rechtsöffnung, wenn sie gerichtlich genehmigt worden</span><br/> <span class="ft5">seien, jedoch nur zur provisorischen, wenn sie lediglich von der Vor-</span><br/> <span class="ft5">mundschaftsbehörde genehmigt worden seien, da diese keine gericht-</span><br/> <span class="ft5">liche Instanz sei (a.a.O., N 24 zu Art. 80 SchKG). Er zitiert darin</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">50</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">auch die gleichlautende Rechtsprechung in den Kantonen Thurgau,</span><br/> <span class="ft5">Graubünden, St. Gallen und Genf. In einem ausführlichen Entscheid</span><br/> <span class="ft5">hat sich auch der Einzelrichter im summarischen Verfahren des Be-</span><br/> <span class="ft5">zirksgerichts Zürich für die Erteilung der bloss provisorischen</span><br/> <span class="ft5">Rechtsöffnung ausgesprochen (SJZ 95 [1999] S. 98 ff.). Er weist da-</span><br/> <span class="ft5">rin auf den Wortlaut von Art. 80 SchKG hin, welcher diesen Sachver-</span><br/> <span class="ft5">halt nicht erfasse. Zudem erachtet er es als angemessen, dass gegen</span><br/> <span class="ft5">einen die Rechtsöffnung gewährenden Entscheid die Aberken-</span><br/> <span class="ft5">nungsklage offen stehe, da es für den Schuldner beispielsweise</span><br/> <span class="ft5">schwer sei, bei einer nachträglichen Bestreitung der Vaterschaft den</span><br/> <span class="ft5">Urkundenbeweis erbringen zu können. Es wäre unbefriedigend,</span><br/> <span class="ft5">wenn er - bei Gewährung der definitiven Rechtsöffnung - diesbezüg-</span><br/> <span class="ft5">lich oder betreffend Willensmängel oder Schulderlass auf die Aufhe-</span><br/> <span class="ft5">bungsklage bzw. die negative Feststellungsklage gemäss Art. 85 resp.</span><br/> <span class="ft5">85a SchKG zu verweisen wäre. Schliesslich sprächen auch prak-</span><br/> <span class="ft5">tische Gründe gegen die Erteilung definitiver Rechtsöffnung: Vie-</span><br/> <span class="ft5">lerorts würden den Genehmigungsentscheiden keine Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft5">telbelehrungen angefügt und zudem müsste der Nachweis der Voll-</span><br/> <span class="ft5">streckbarkeit mittels Rechtskraftbescheinigung erbracht werden. In</span><br/> <span class="ft5">der Praxis werde dem Richter jedoch meist nur ein unterzeichneter</span><br/> <span class="ft5">Unterhaltsvertrag mit einem Genehmigungsvermerk vorgelegt.</span><br/> <span class="ft5">Die gegenteilige Auffassung, dass definitive Rechtsöffnung zu</span><br/> <span class="ft5">gewähren sei, vertreten Hegnauer (Berner Kommentar, Bern 1997,</span><br/> <span class="ft5">N 48 zu Art. 289 ZGB) und Stettler (Schweizerisches Privatrecht,</span><br/> <span class="ft5">Band III/2, Basel/Frankfurt am Main 1992, S. 372 ff.). Hegnauer er-</span><br/> <span class="ft5">achtet dies aufgrund der bundesrechtlichen Gleichstellungsbestim-</span><br/> <span class="ft5">mung von Art. 287 Abs. 1 und 3 ZGB und des Haager Unterhalts-</span><br/> <span class="ft5">vollstreckungsübereinkommens von 1973 als zwingend. Für Stettler</span><br/> <span class="ft5">ist wesentlich, dass die Genehmigungspflicht für Unterhaltsverträge</span><br/> <span class="ft5">mehr als eine Formvorschrift bedeute. Die Unterhaltsverträge bilde-</span><br/> <span class="ft5">ten eine echte Alternative zur Unterhaltsklage und entsprächen inso-</span><br/> <span class="ft5">fern einem Urteil. Halte man sich die Anforderungen an die Geneh-</span><br/> <span class="ft5">migung vor Augen, erscheine es als fragwürdig, den Rechtsweg der</span><br/> <span class="ft5">Aberkennungsklage einem Schuldner zu eröffnen, der sich auf die</span><br/> <span class="ft5">Vereinbarung eingelassen habe, um einer Unterhaltsklage zu entge-</span><br/> <span class="ft5">hen. Die Vormundschaftsbehörde genehmige die Verträge erst nach</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">51</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">einer Prüfung ihrer Angemessenheit. Im Übrigen könnte das Fehlen</span><br/> <span class="ft5">eines Kindsverhältnisses durchaus als Einrede im Sinne von Art. 81</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 SchKG geltend gemacht werden. Bezüglich der Anfechtung</span><br/> <span class="ft5">der Beitragshöhe sei entscheidend, dass der Unterhaltspflichtige mit</span><br/> <span class="ft5">der Einwilligung in den Vertrag darauf verzichte, den Beitrag ge-</span><br/> <span class="ft5">richtlich festsetzen zu lassen. Daher solle er ebenso wie das Kind die</span><br/> <span class="ft5">vereinbarten Beiträge nur unter der Voraussetzung veränderter Ver-</span><br/> <span class="ft5">hältnisse wieder in Frage stellen können. Wenn schliesslich gerichtli-</span><br/> <span class="ft5">che, nicht aber vormundschaftlich genehmigte Unterhaltsverträge als</span><br/> <span class="ft5">definitive Rechtsöffnungstitel anerkannt würden, ergäbe dies eine</span><br/> <span class="ft5">nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung, da Art. 287 ZGB die bei-</span><br/> <span class="ft5">den Genehmigungen einander gleichstelle.</span><br/> <span class="ft5">Den erstgenannten Auffassungen ist zu folgen. Die von der Vor-</span><br/> <span class="ft5">mundschaftsbehörde genehmigten Unterhaltsverträge werden vom</span><br/> <span class="ft5">Wortlaut von Art. 80 Abs. 2 SchKG nicht erfasst. Den gerichtlichen</span><br/> <span class="ft5">Urteilen sind lediglich gerichtliche Vergleiche und Schuldanerken-</span><br/> <span class="ft5">nungen, auf Geldzahlung oder Sicherheitsleistungen gerichtete Ver-</span><br/> <span class="ft5">fügungen und Entscheide von Verwaltungsbehörden des Bundes und</span><br/> <span class="ft5">innerhalb des Kantonsgebiets Verfügungen und Entscheide kantona-</span><br/> <span class="ft5">ler Verwaltungsbehörden über öffentlich-rechtliche Verpflichtungen,</span><br/> <span class="ft5">soweit das kantonale Recht die Gleichstellung vorsieht, gleichge-</span><br/> <span class="ft5">stellt, obschon die Problematik bei der kürzlich erfolgten Revision</span><br/> <span class="ft5">des SchKG bekannt war. Es geht deshalb nicht an, gegen den klaren</span><br/> <span class="ft5">Wortlaut des Gesetzes vormundschaftlich genehmigte Unterhaltsver-</span><br/> <span class="ft5">träge gerichtlichen Urteilen gleichzustellen und als definitive Rechts-</span><br/> <span class="ft5">öffnungstitel zu behandeln. Im Unterschied zu den Gerichten und</span><br/> <span class="ft5">den im Gesetz genannten Behörden, deren Verfügungen und Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheide gerichtlichen Urteilen gleichgestellt werden, kommt der Vor-</span><br/> <span class="ft5">mundschaftsbehörde bei der Genehmigung der Unterhaltsverträge</span><br/> <span class="ft5">keine materielle Entscheidungsbefugnis zu. Die Genehmigung soll</span><br/> <span class="ft5">lediglich nachteilige Regelungen zu Lasten des Kindes verhindern.</span><br/> <span class="ft5">Gestützt auf solche vormundschaftlich genehmigten Unterhaltsver-</span><br/> <span class="ft5">träge ist deshalb bloss provisorische Rechtsöffnung zu erteilen (so</span><br/> <span class="ft5">auch Peter Stücheli, Die Rechtsöffnung, Zürich 2000, S. 259 f.).</span><br/> <span class="ft5">c) Für die in Betreibung gesetzte Forderung liegt somit ein vor-</span><br/> <span class="ft5">mundschaftlich genehmigter Unterhaltsvertrag zugrunde, der einen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">52</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">gültigen provisorischen Rechtsöffnungstitel bildet (Art. 82 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">SchKG).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>