Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Januar 2013 (720 12 305 / 20) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Vorliegen einer invalidisierenden Gesundheitsschädigung als Voraussetzung für den Leistungsanspruch Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Chri stof Enderle, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1989 geborene A.____ meldete sich am 15. Juni 2 011 unter Hinweis auf eine Bor- derline-Persönlichkeitsstörung, schwere Depressionen und e ine auf diese Leiden zurückzufüh- rende Opiatabhängigkeit bei der Eidgenössischen Invalide nversicherung (IV) zum Leistungsbe- zug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und der erwe rblichen Verhältnisse lehnte die IV- Stelle Basel-Landschaft - nach Durchführung des Vorbesche idverfahrens - mit Verfügung vom 23. August 2012 einen Anspruch von A.____ auf Leistungen der IV ab. Zur Begründung machte sie geltend, die medizinischen Abklärungen hätten ergeb en, dass bei der Versicherten eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht primäre Suchtproblematik vorliege. Süchte würden für sich alleine keine Arbeitsunfähigkeit be- gründen. Somit bestehe keine gesundheitliche Einschränk ung, aus welcher sich ein Anspruch auf Leistungen der IV ergeben würde. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit einem und atierten, am 22. September 2012 bei der Post aufgegebenen Schreiben Beschwerde bei de r IV-Stelle. Darin beantragte sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zuspre chung von IV-Leistungen, wobei sie betonte, dass es ihr „primär um berufliche Massnahmen“ gehe. Am 3. Oktober 2012 überwies die IV-Stelle die Beschwerde von A.____ zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Oktober 2012 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2012 bewilligte d as Gericht A.____ gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozess- führung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Nach Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge meinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmung en gemäss Art. 2 ATSG in Ver- bindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG auf die Invalidenversich erung anwendbar sind, ist die Beschwer- de innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der Ver fügung einzureichen. Gelangt die Partei rechtzeitig an einen unzuständigen Versicherungsträger, so gilt die Beschwerdefrist gemäss Art. 60 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 39 Abs. 2 ATSG als gewahrt. Vorliegend hat die Versicherte ihre Beschwerde am 22. September 2012 und somit innert der dreissigtägigen Be- schwerdefrist erhoben, allerdings ist sie mit ihrer Einga be innert Frist nicht an das örtlich und sachlich zuständige Kantonsgericht, sondern an die Beschwer degegnerin gelangt. Von dort ist die Beschwerde am 3. Oktober 2012 in Anwendung von Ar t. 58 Abs. 3 ATSG zuständigkeits- halber an das Kantonsgericht überwiesen worden. Nach de m Gesagten gilt die Beschwerde jedoch als rechtzeitig erhoben. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.3 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die IV-Stelle einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der IV - wie berufliche Massnahmen oder eine Rente - zu Recht mit der Begründung abgelehnt h at, bei der Beschwerdeführerin liege kei- ne invalidisierende Gesundheitsschädigung vor. 2.1.1 Die Gewährung von Leistungen der IV setzt voraus, dass die versicherten Person invalid oder - falls Eingliederungsmassnahmen beansprucht werden - von einer Invalidität bedroht ist. Invalid ist eine Person, die voraussichtlich bleibend ode r längere Zeit ganz oder teilweise er- werbsunfähig ist (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invaliditä t kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Sie gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leist ung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). 2.1.2 Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträ chtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Beh andlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmö glichkeiten auf dem in Betracht kom- menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Ab s. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Janu- ar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliessl ich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwe rbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.1.3 Arbeitsunfähig ist eine Person, welche, bedingt durch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, ganz oder t eilweise unfähig ist, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 Satz 1 ATSG). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 Satz 2 ATSG). 2.2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notw endig und geeignet sind, die Er- werbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Vorausset- zungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen er füllt sind (lit. b). Laut Art. 8 Abs.3 IVG bestehen die Eingliederungsmassnahmen in medizinischen Massnahmen (lit. a), in Integra- tionsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein gliederung (lit. abis ), in Massnahmen beruflicher Art (lit. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. c). 2.2.2 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu min destens 40 % invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Die vorstehend wiedergegebenen Legaldefinitionen und gesetzlichen Umschreibungen der hauptsächlichen Leistungsansprüche (Eingliederung smassnahmen, Rente) machen deut- lich, dass in jedem Fall eine auf ein Geburtsgebrechen ( Art. 2 Abs. 2 ATSG), eine Krankheit (Art. 3 Abs. 1 ATSG) oder einen Unfall (Art. 4 ATS) zurückzuführende, invalidisierende Ge- sundheitsschädigung vorliegen muss, damit eine versicherte Person Leistungen der IV bean- spruchen kann. 3.2 Zu ergänzen ist in diesem Zusammenhang, dass nach der Rechtsprechung die Annah- me einer allenfalls invalidisierenden psychischen Gesundh eitsschädigung eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssys- tem voraussetzt (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Dabei ist zu betonen, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen L eiden belastenden psychoso- zialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Kr ankheitswert zukommt. Eine invalidi- sierende Gesundheitsschädigung im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, da s die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.3 Nach ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogen sucht, für sich allein betrachtet, keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird ei ne solche Sucht im Rahmen der Inva- lidenversicherung bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine K rankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge eine körperliche oder geistige Gesundhe itsschädigung eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge einer körperlichen oder geistigen Gesundheitsschädigung ist, welcher Krankheitswert zukommt (Urteil I. des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 6. November 2006, I 955/05, E. 3.1 mit Hinweisen). 4.1 Bei der Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie d er Feststellung des Gesundheits- zustandes einer versicherten Person ist - die rechtsanwendend e Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterlagen angewiese n, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Ge sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicher- te Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beo- bachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszu standes und zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten als erstes einen Beri cht beim behandelnden Arzt Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein. Dieser h ielt am 28. Juli 2011 als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine emotion al instabile Persönlichkeitsstörung (Bor- derline-Typus; ICD-10 F60.31), eine rezidivierende de pressive Störung (gegenwärtig remittiert; ICD-10 F33.0) und eine Polytoxikomanie (Alkohol, Cannabis, Opiate, Stimulantien; aktuell 30mg Methadon; ICD-10 F19) fest. Die Versicherte sei auf Gr und dieser Leiden seit März 2007 zu 100 % arbeitsunfähig. Im Weiteren wies Dr. B.____ da rauf hin, dass die Sucht Folge der emoti- onal instabilen Persönlichkeitsstörung und der rezidivierenden depressiven Störung sei. 5.2 Die IV-Stelle entschloss sich, zur einlässlicheren Abkl ärung des psychischen Gesund- heitszustandes der Versicherten ein psychiatrisches Gutachten einzuholen. Der entsprechende Auftrag erging an Dr. med. C.____, Facharzt für Psychiat rie und Psychotherapie FMH, welcher sein Gutachten am 3. April 2012 erstattete. Darin gelangte der Facharzt zum Ergebnis, dass bei der Explorandin keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden könne. Als Leiden ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dia gnostizierte der Gutachter eine Polytoxi- komanie (Heroin, Cannabis, Methadon; ICD-10 F19.2) un d einen Verdacht auf eine emotional Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3). Im Zusa mmenhang mit den Auswirkungen der Suchtproblematik auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. C.____ aus, es lägen keine Hinweise vor, wonach die Versicherte vor Beginn ihrer Drogenabhängigk eit an einer schweren psychiatri- schen Störung gelitten hätte. Die Explorandin habe ber ichtet, dass sie sich früher gelegentlich geschnitten habe. Sie habe sich aber nicht in psychiat rischer Behandlung befunden und sie sei während einiger Jahre in der Lage gewesen, den schulisc hen Ausbildungen zu folgen und eine Lehre zu beginnen. Erst als sie mit dem Drogenkonsum b egonnen habe, sei sie unzuverlässig geworden und habe die Lehre abbrechen müssen. Es sei im mer schwierig zu beurteilen, ob bei einer ausgeprägten Substanzabhängigkeit gleichzeitig e ine emotional instabile Persönlichkeits- störung vorliege, da der Konsum psychoaktiver Substanzen zu impulsivem Verhalten sowie zu Stimmungsschwankungen im Entzug führe und die Symptome ei ner emotional instabilen Per- sönlichkeitsstörung den Entzugssymptomen und den psychischen B egleitsymptomen bei einer Drogenabhängigkeit weitgehend entsprechen würden. Es würden sich jedenfalls keine sicheren Hinweise darauf finden, dass vor Beginn der Drogenabhä ngigkeit eine schwere psychiatrische Störung vorgelegen habe, sodass von einer primären Droge nabhängigkeit gesprochen werden müsse. Hinweise auf irreversible geistige oder psychische S chäden nach langjähriger Drogen- abhängigkeit bestünden keine. Drogenabstinenz vorausge setzt, sei aus psychiatrischer Sicht die Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht beeinträchtigt. 5.3 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 23. August 2012 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes der Versicherten und der Frage, ob vorliegend von ei- ner primären Drogenabhängigkeit oder von einer IV-r elevanten Sucht auszugehen sei, vollum- fänglich auf die Ergebnisse des psychiatrischen Gutachtens von Dr. C.____ vom 3. April 2012. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Arbeitsfähigkei t der Versicherten durch deren Sucht- verhalten beeinträchtigt werde, und dass es sich um eine primäre Drogenabhängigkeit handle. Diese vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sachverha ltes ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist den im R ahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten von Dr. C.____ vom 3. April 2012 weist weder formale noch inhaltliche Mä ngel auf, es ist - wie dies vom Bundesge- richt verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) - für die stre itigen Belange umfassend, es beruht auf all- seitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Besch werden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abwei- chenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen über- zeugend. Insbesondere zeigt das Gutachten auch nachvollziehbar auf (vgl. die entsprechenden Ausführungen in E. 5.2 hiervor), dass bzw. aus welchen Gründen bei der Versicherten von einer primären Drogenabhängigkeit gesprochen werden muss und dass bei ihr keine Hinweise auf irrreversible geistige oder psychische Schäden nach langjä hrigem Drogenkonsum bestehen. Damit liegt aber, wie die IV-Stelle in der angefoch tenen Verfügung zu Recht festgehalten hat, keine invalidisierende Gesundheitsschädigung im Sinne von Gesetz und Rechtsprechung vor. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 An diesem Ergebnis vermag die Auffassung von Dr. B.____, wonach es sich bei der Sucht der Versicherten um eine Folge der emotional in stabilen Persönlichkeitsstörung und der rezidivierenden depressiven Störung handle, nichts zu änd ern. Bei näherer Betrachtung des Berichts von Dr. B._____ vom 28. Juli 2011 zeigt sich, da ss dieser den Lebenslauf der Versi- cherten in etwa gleich wie der Gutachter Dr. C._____ schildert. Den Ausführungen beider Fachärzte kann denn auch entnommen werden, dass die Ver sicherte bis zum Beginn des Dro- genkonsums in ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung eigentlich keine grösseren Schwierigkeiten hatte. Vor diesem Hintergrund erscheint die Folgerung des Gutachters, wonach die in den medizinischen Unterlagen beschriebenen impul siven Verhaltensweisen und Stim- mungsschwankungen der Versicherten in erster Linie im Zu sammenhang mit der Polytoxiko- manie zu sehen seien, überzeugender als die abweichende Auffassung des behandelnden Arz- tes, nach welcher sich die Sucht als Folge einer vorbestehe nden emotional instabilen Persön- lichkeitsstörung entwickelt haben soll. Zu berücksichtigen i st im Rahmen der Beweiswürdigung aber auch, dass es Dr. B.____ - im Gegensatz zum Gutacht er - unterlassen hat, seine Auffas- sung näher zu begründen. Seinem Standpunkt kommt deshal b schon aus diesem Grund ein geringerer Beweiswert zu als der ausführlicher begründeten gutachterlichen Beurteilung. 5.5 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die IV-Stelle das Vorliegen einer invalidisierenden Gesundheitsschädigung im Sinne von Ges etz und Rechtsprechung zu Recht verneint hat. Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass si e einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der IV abgelehnt hat. Die gegen die b etreffende Verfügung vom 23. August 2012 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, we shalb sie abgewiesen werden muss. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sin d. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 17. Dezember 2012 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht