<h2>SubmittedText<h2><p>1. Hat der Bundesrat vor, die Untersuchungen des Bundesamtes für Gesundheit über die Verschreibung von Ritalin fortsetzen zu lassen?</p><p>2. Beabsichtigt der Bundesrat angesichts der Tatsache, dass die Verschreibung von Ritalin in unserem Land beunruhigende Ausmasse angenommen hat, in diesen Bereich einzugreifen und wenn ja, auf welche Art und Weise?</p><p>3. Kann der Bundesrat präzisieren, ob die Anerkennung der "Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHD)" als Krankheit wissenschaftlich fundiert ist? Wenn ja, wie kann man diese "Krankheit" von anderen Verhaltensstörungen, die auf äussere Faktoren zurückzuführen sind, unterscheiden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Im April 2002 wurde im Bulletin des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ein Artikel über die Entwicklung der Anzahl Verschreibungen für Ritalin im Kanton Neuenburg und in der Schweiz zwischen 1996 und 2000 veröffentlicht. Der Kantonsapotheker des Kantons Neuenburg hat im Auftrag des BAG eine Studie zu diesem Thema durchgeführt, nachdem das Amt eine Zunahme der Verschreibungen festgestellt und sich mit deren Angemessenheit auseinandergesetzt hatte. Da Ritalin der Betäubungsmittelgesetzgebung untersteht und es vor allem an Kinder im Schulalter, die an einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHD) leiden, abgegeben wird, drängte sich die Untersuchung einiger Aspekte dieser Problematik auf. </p><p>Während die Behandlung mit Ritalin von gewissen Kreisen, denen es oft an Kenntnissen der medizinischen Aspekte von ADHD fehlt, in Frage gestellt wird, wird sie von Psychiatern, Kinderpsychiatern und Kinderärzten grösstenteils als die angemessenste Therapie, die zurzeit verfügbar ist, eingestuft. Eine solche Therapie muss auf einer sorgfältigen Diagnose beruhen, die von erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten gestellt wird, und mit einer psychosozialen Unterstützung und Begleitung der Familie einhergehen. </p><p>Die Schweiz ist nicht das einzige Land, das von einer Zunahme der Verschreibungen für Ritalin betroffen ist. Auf internationaler Ebene befassen sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die vom Europarat beigezogenen Expertinnen und Experten mit diesem Thema. Auf der Basis des heutigen Wissensstandes empfehlen sie die Durchführung angemessener Behandlungen, darunter auch die Verschreibung von Stimulantien des Typs Ritalin.</p><p>Dass die Eltern und Lehrerschaft sowie die Öffentlichkeit im Allgemeinen beunruhigt sind, wenn den Kindern vermehrt eine dem Betäubungsmittelgesetz unterstellte Substanz verschrieben wird, ist verständlich. Die zuständigen Behörden verfolgen die Entwicklung bei der Verwendung dieses Medikamentes denn auch mit grosser Aufmerksamkeit und sind bereit, gegebenenfalls die nötigen Massnahmen zu ergreifen, um eine missbräuchliche Anwendung einzudämmen.</p><p>Die Zunahme der Verschreibungen lässt sich teilweise mit der Entwicklung der Erkenntnisse über ADHD erklären: In der Vergangenheit wurden diese Störungen oft nicht behandelt. Die Tatsache, dass eine bessere Symptomkontrolle erreicht und Ritalin von den meisten Kindern gut vertragen wird, ist ermutigend und zeigt, dass die Behandlungen in der Regel seriös durchgeführt werden und Vorteile bringen, die mit anderen Mitteln schwer erzielbar wären.</p><p>Es ist Sache der kantonalen Gesundheitsbehörden zu kontrollieren, dass kein Missbrauch betrieben wird, insbesondere bei den ärztlichen Verschreibungen für Ritalin. Das BAG unterstützt die Forschung und die Information. Zurzeit sind Empfehlungen für die Ärzteschaft zur Förderung einer sinnvollen und begründeten Verschreibung von Ritalin in Vorbereitung. Mangels wirksamer, nebenwirkungsfreier Alternativen werden das BAG - und wohl auch die kantonalen Gesundheitsbehörden - berechtigte Verschreibungen für Kinder, die eine Therapie benötigen, nicht verhindern können. </p><p>Zusätzlich zu den oben aufgeführten Informationen können die drei gestellten Fragen wie folgt beantwortet werden:</p><p>1. Das BAG setzt die Unterstützung von Studien über die Verwendung von Ritalin fort. Eine Studie befasst sich mit den epidemiologischen Aspekten von ADHD; ihre Ergebnisse sollten Ende Jahr vorliegen und im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Das BAG und Swissmedic, das Schweizerische Heilmittelinstitut, interessieren sich ebenfalls für Artikel aus der Fachpresse und arbeiten mit internationalen Organisationen wie dem Europarat zusammen, um relevante Informationen zu ADHD zusammenzutragen.</p><p>2. Zwischen 1996 und 2000 hat sich die Zahl der Verschreibungen für Ritalin versiebenfacht, was in der Tat einem massiven Anstieg entspricht. Diese Zunahme muss aber relativiert werden, da ADHD früher nicht immer behandelt wurde. Sollten aber die Verschreibungen weiterhin in gleichem Masse zunehmen, müsste eine nähere Untersuchung der dafür verantwortlichen Gründe und der Notwendigkeit der verschriebenen Behandlungen vorgenommen werden. Was die Verschreibungen anbelangt, so sind die kantonalen Gesundheitsbehörden zuständig für die nötigen Kontrollen. Gemäss geltendem Recht sind das BAG und Swissmedic nicht befugt, den verschreibenden Ärztinnen und Ärzten Einschränkungen aufzuerlegen. Sie dürfen lediglich Empfehlungen abgeben, insbesondere in Form von Informationsschreiben an die Ärzteschaft. In dem von Swissmedic gutgeheissenen Informationsschreiben über Ritalin wird die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Behandlung von ADHD unterstrichen. Diese sollte neben der medikamentösen auch eine psychotherapeutische Behandlung sowie soziale und erzieherische Massnahmen beinhalten. </p><p>3. Die Diagnosekriterien für ADHD sind klar festgelegt (Handbuch der Psychiatrie DSM-IV und internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-10 der WHO). Diese Kriterien beruhen auf einer wissenschaftlichen Grundlage, die von der Ärzteschaft, insbesondere den Spezialärztinnen und -ärzten, denen auch die Psychiater, Kinderpsychiater und Kinderärzte angehören, verwendet wird. Es handelt sich dabei um komplexe Kriterien, die ermöglichen sollen, ADHD von anderen Verhaltensstörungen zu unterscheiden. In Grenzfällen verschreiben Fachärztinnen und -ärzte in der Regel nicht gleich Ritalin, sondern geben einer psychosozialen Unterstützung den Vorzug.</p>  Antwort des Bundesrates.