<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2024-07-08-7B_87-2024.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>7B_87/2024</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 8. Juli 2024</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>II. strafrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Abrecht, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Hurni, Hofmann, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Eschle. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________ SPF, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Martin Kern und/oder Lars Müller, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, II. Abteilung, An der Aa 4, Postfach, 6300 Zug, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Sistierung der Strafuntersuchung, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zug, I. Beschwerdeabteilung, vom 20. Dezember 2023 (BS 2023 65). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.a.</b> Das Tribunal d'Arrondissement de et à Luxembourg, Cabinet du juge d'instruction, stellte am 18. November 2020 ein Rechtshilfeersuchen an die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, das zuständigkeitshalber von der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vollzogen wurde. Die ersuchende Behörde führt eine Strafuntersuchung gegen die Bank B.________ bzw. Angestellte der Bank sowie gegen Unbekannt wegen Verdachts auf Betrug, Urkundenfälschung, Verwendung gefälschter Urkunden etc. nach luxemburgischem Strafgesetzbuch. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.b.</b> Mit Eingabe vom 22. Februar 2022 erstattete die A.________ SPF mit Sitz in Luxemburg als Privatklägerin bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug Strafanzeige gegen C.________ und die D.________ AG wegen Geldwäscherei. Die D.________ AG hatte ihr Domizil bis mindestens Februar 2022 in Zug. Zur Begründung brachte die A.________ SPF vor, die Beschuldigten hätten sich Vermögenswerte russischer Anleger von insgesamt rund USD 56 Mio. unrechtmässig angeeignet und teilweise über Fonds bei Schweizer Banken "gewaschen". Fondsverwalterin sei die D.________ AG gewesen, deren Verwaltungsrat C.________ sei. </div> <div class="para">Mit Schreiben vom 21. März 2022 ersuchte die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug das Cabinet du juge d'instruction in Luxemburg um Übernahme der Strafuntersuchung gegen C.________. Das Bundesamt für Justiz vollzog das Ersuchen der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug mit Schreiben vom 4. April 2022 zuhanden des Procureur général d'Etat in Luxemburg und mit zwei weiteren Schreiben vom 12. Oktober 2022 sowie vom 14. April 2023. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.c.</b> Mit Einstellungs- und Sistierungsverfügung vom 19. Juli 2023 sistierte die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug die Strafuntersuchung gegen C.________ betreffend Geldwäscherei bis zur Strafübernahme durch das Cabinet du juge d'instruction in Luxemburg bzw. längstens bis zu einem rechtskräftigen Entscheid aus den Aktenzeichen Az. xxx, Az. yyy und Az. zzz (Dispositiv-Ziff. 1). Weiter hielt sie fest, dass die Sistierungsverfügung zur definitiven Einstellungsverfügung werde, wenn bis zum Eintritt der Verfolgungsverjährung (mutmasslich ab 2024 einsetzend) keine Wiederaufnahme des Verfahrens erfolge, wobei das Strafverfahren dann als definitiv eingestellt gelte (Dispositiv-Ziff. 2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Dagegen erhob die A.________ SPF mit Eingabe vom 3. August 2023 Beschwerde beim Obergericht des Kantons Zug. </div> <div class="para">Mit Beschluss vom 20. Dezember 2023 hiess das Obergericht die Beschwerde teilweise gut und hob Ziff. 2 der Einstellungs- und Sistierungsverfügung auf. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab und bestätigte die Sistierung der Strafuntersuchung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Mit Beschwerde in Strafsachen beantragt die A.________ SPF dem Bundesgericht, es sei der Beschwerdeentscheid aufzuheben, soweit dieser Ziff. 1 der Einstellungs- und Sistierungsverfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 19. Juli 2023 bestätigt habe. Entsprechend sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, die Strafuntersuchung weiterzuführen und insbesondere die sich bei den beiden in der Strafanzeige genannten Banken befindlichen Beweismittel zu sichern und diesen Banken die Vernichtung dieser Beweismittel zu untersagen. </div> <div class="para">Es wurden die kantonalen Akten, nicht aber Vernehmlassungen eingeholt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Gemäss Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG ist die Privatklägerschaft zur Beschwerde in Strafsachen nur berechtigt, wenn der angefochtene Entscheid sich auf die Beurteilung ihrer Zivilansprüche auswirken kann. Bei den Zivilansprüchen geht es in erster Linie um Ansprüche auf Schadenersatz und Genugtuung gemäss <span class="artref">Art. 41 ff. OR</span>, die üblicherweise vor den Zivilgerichten geltend gemacht werden müssen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-76%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page76">BGE 146 IV 76</a> E. 3.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">141 IV 1</a> E. 1.1). </div> <div class="para">Richtet sich die Beschwerde gegen die Einstellung oder Nichtanhandnahme eines Verfahrens oder aber - wie hier - gegen eine Sistierung als vorläufige Einstellung einer Strafuntersuchung bzw. Einstellung prozessualer Natur (so zutreffend zur Rechtsnatur der Sistierung SABINE GLESS, Verfahrenserledigungen ohne Urteil: Pragmatismus und Gerechtigkeit, ZStrR 127/2009 S. 379; André Vogelsang, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 5 f. zu <span class="artref">Art. 314 StPO</span>), hat die Privatklägerschaft - also diejenige Person, welche durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist, und sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin beteiligt (Art. 115 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 118 StPO</span>) - nicht notwendigerweise bereits vor den kantonalen Behörden eine Zivilforderung geltend gemacht. Die Privatklägerschaft muss vor Bundesgericht daher darlegen, aus welchen Gründen sich der angefochtene Entscheid inwiefern auf welche Zivilforderung auswirken kann. Das Bundesgericht stellt an die Begründung der Legitimation strenge Anforderungen. Genügt die Beschwerde diesen nicht, kann auf sie nur eingetreten werden, wenn aufgrund der Natur der untersuchten Straftat ohne Weiteres ersichtlich ist, um welche Zivilforderungen es geht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">BGE 141 IV 1</a> E. 1.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-186%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page186">138 IV 186</a> E. 1.4.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-IV-246%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page246">137 IV 246</a> E. 1.3.1; je mit Hinweisen). Dies ist dann der Fall, wenn die Straftat unmittelbar zu einer so starken Beeinträchtigung der körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität geführt hat, dass sich daraus ohne Weiteres ein Anspruch auf Schadenersatz oder Genugtuung ergibt (Urteile 7B_38/2023 vom 25. April 2024 E. 1.1; 7B_182/2024 vom 26. März 2024 E. 2.1.2). </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin geht mit keinem Wort auf ihre Beschwerdelegitimation, geschweige denn auf die (keineswegs augenfällige) Auswirkung des angefochtenen Entscheids auf mögliche Zivilforderungen ein. Damit kann auf die Beschwerde grundsätzlich nicht eingetreten werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Ungeachtet der fehlenden Legitimation in der Sache selbst kann die Privatklägerschaft vor Bundesgericht die Verletzung von Verfahrensrechten rügen, deren Missachtung eine formelle Rechtsverweigerung darstellt. Zulässig sind Rügen, die formeller Natur sind und von der Prüfung der Sache getrennt werden können. Nicht zu hören sind dabei Rügen, die im Ergebnis auf eine materielle Überprüfung des angefochtenen Entscheids abzielen (sog. "Star-Praxis"; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-76%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page76">BGE 146 IV 76</a> E. 2; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">141 IV 1</a> E. 1.1; je mit Hinweisen). </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin macht zwar geltend, es liege eine formelle Rechtsverweigerung vor (Rz. 12 der Beschwerde), begründet dies aber mit einer angeblichen Verletzung des "Beschleunigungsverbots in Strafsachen", indem "die Sistierungsdauer vom nicht vorhersehbaren Tätigwerden der Luxemburger Untersuchungsbehörden abhängig gemacht" werde. Ihre Rüge beschlägt somit gerade nicht ihre Berechtigung, am Verfahren teilzunehmen (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-78%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page78">BGE 138 IV 78</a> E. 1.3 mit Hinweisen), sondern zielt vielmehr auf eine materielle Überprüfung des vorläufigen Einstellungsentscheids ab. Damit ist sie nicht zu hören. Abgesehen davon übersieht die Beschwerdeführerin mit dieser Rüge auch, dass Anspruch auf Verfahrensbeschleunigung primär beschuldigte Personen haben und die Privatklägerschaft nur in geringerem Masse (vgl. Urteil 1B_66/2020 vom 2. Dezember 2020 E. 3.1 mit Hinweis). Wieso in der vorliegenden Konstellation, in der nicht einmal die Auswirkung des angefochtenen Entscheids auf allfällige Zivilforderungen ersichtlich, geschweige denn dargetan ist, die Privatklägerin ein besonderes Interesse an einer Verfahrensbeschleunigung haben soll, ist nicht nachvollziehbar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde erweist sich als unzulässig. </div> <div class="para">Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 1'200.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zug, I. Beschwerdeabteilung, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 8. Juli 2024 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. strafrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Abrecht </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Eschle </div> </div></body></html>