<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 16 S.67</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Straf- und Massnahmenvollzug</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>16</b></span> <span class="ft3"><b>Fachkommission zur Überprüfung der Gemeingefährlichkeit von Straf-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tätern und Straftäterinnen im Freiheitsentzug.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Zusammensetzung und Verfahren vor der Fachkommission.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Empfehlungen der Fachkommission sind mit einem Gutachten</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vergleichbar, weshalb für die Mitglieder die Ausstandsgründe für</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Sachverständige gelten.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Anwendbar sind darüber hinaus die Ausstands- und Ablehnungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gründe des kantonalen Rechts.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 13. März 2008 in Sa-</span><br/> <span class="ft6">chen S. gegen Verfügung des Departements Volkswirtschaft und Inneres</span><br/> <span class="ft6">(WBE.2008.38).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">1.3.</span><br/> <span class="ft8">1.3.1.</span><br/> <span class="ft8">Das StGB stellt für das Verfahren vor der Fachkommission</span><br/> <span class="ft8">Ausstandsregeln auf (auf die noch zurückzukommen sein wird), das</span><br/> <span class="ft8">Verfahren vor der Strafvollzugsbehörde richtet sich dagegen aus-</span><br/> <span class="ft8">schliesslich nach kantonalem Recht. Das VRPG verweist in § 5</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 für die Frage, wann Behördenmitglieder und Sachbearbeiter</span><br/> <span class="ft8">in den Ausstand treten müssen, auf die Bestimmungen der Zivilpro-</span><br/> <span class="ft8">zessordnung und fasst die Fälle in einer nicht abschliessenden Auf-</span><br/> <span class="ft8">zählung in § 5 Abs. 2 zusammen. Die ZPO unterscheidet zwischen</span><br/> <span class="ft8">Ausschliessungsgründen (§ 2), die von Amtes wegen zu beachten</span><br/> <span class="ft8">sind, und Ablehnungsgründen (§ 3).</span><br/> <span class="ft8">1.3.2.</span><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdeführerin beruft sich auf den Ausschliessungs-</span><br/> <span class="ft8">grund von § 2 lit. c ZPO (..)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Während die Beschwerdeführerin davon ausgeht, dass die</span><br/> <span class="ft8">Fachkommission als untere Instanz des DVI zu betrachten sei, stellt</span><br/> <span class="ft8">sich dieses auf den Standpunkt, die Fachkommission sei nicht in die</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungshierarchie eingegliedert, sondern habe quasi einen Bera-</span><br/> <span class="ft8">tungsauftrag; der Entscheid des DVI werde durch die Empfehlung</span><br/> <span class="ft8">der Fachkommission nicht vorweggenommen. Zur Beurteilung, ob</span><br/> <span class="ft8">eine Vorbefassung des Chefs der Abteilung Strafrecht wegen Mit-</span><br/> <span class="ft8">wirkung in einer anderen Instanz besteht, ist zunächst das Verfahren</span><br/> <span class="ft8">bei der bedingten Entlassung gemeingefährlicher Straftäter und die</span><br/> <span class="ft8">Rolle der Fachkommission in diesem Verfahren näher darzustellen.</span><br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1.</span><br/> <span class="ft8">Per 1. Januar 2007 trat die Revision des Allgemeinen Teils des</span><br/> <span class="ft8">StGB (Art. 1 - 110) in Kraft. Die revidierten Bestimmungen sind</span><br/> <span class="ft8">auch auf Täter anwendbar, die nach bisherigem Recht verurteilt wur-</span><br/> <span class="ft8">den (Art. 388 Abs. 3 StGB; BGE 133 IV 201 ff.; VGE II/105 vom</span><br/> <span class="ft8">7. Dezember 2007 [WBE.2007.246], S. 6 ff.).</span><br/> <span class="ft8">2.2.</span><br/> <span class="ft8">2.2.1.</span><br/> <span class="ft8">Hat der Gefangene zwei Drittel seiner Strafe, mindestens aber</span><br/> <span class="ft8">drei Monate verbüsst, so ist er durch die zuständige Behörde bedingt</span><br/> <span class="ft8">zu entlassen, wenn es sein Verhalten im Strafvollzug rechtfertigt und</span><br/> <span class="ft8">nicht anzunehmen ist, er werde weitere Verbrechen oder Vergehen</span><br/> <span class="ft8">begehen (Art. 86 Abs. 1 StGB). Zuständige Vollzugsbehörde ist das</span><br/> <span class="ft8">DVI (§ 18 Abs. 1 und § 241 StPO; § 4 Abs. 2 lit. b und § 77 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">der Verordnung über den Vollzug von Strafen und Massnahmen vom</span><br/> <span class="ft8">9. Juli 2003 [Strafvollzugsverordnung, SMV; SAR 253.111]), wobei</span><br/> <span class="ft8">die Abteilung Strafrecht bzw. deren Sektion Straf- und Massnahmen-</span><br/> <span class="ft8">vollzug (im Folgenden: Sektion SM) mit dieser Aufgabe betraut ist.</span><br/> <span class="ft8">Wer die Verfügungen im Namen des Departements unterzeichnen</span><br/> <span class="ft8">darf, richtet sich nach § 31 des Organisationsgesetzes vom 26. März</span><br/> <span class="ft8">1985 (Gesetz über die Organisation des Regierungsrates und der</span><br/> <span class="ft8">kantonalen Verwaltung; OG; SAR 153.100): der Vorsteher des De-</span><br/> <span class="ft8">partements oder der Generalsekretär unterzeichnet die Verfügungen</span><br/> <span class="ft8">und Entscheide des Departements (Abs. 1), wobei die Departemente</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Straf- und Massnahmenvollzug</span> <span class="page_no">69</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">weitere Personen für deren Aufgabenkreise zur Unterzeichnung er-</span><br/> <span class="ft8">mächtigen können (Abs. 2; Fassung vom 11. Januar 2005).</span><br/> <span class="ft8">Steht die bedingte Entlassung - oder andere Vollzugslockerun-</span><br/> <span class="ft8">gen - eines wegen eines Verbrechens nach Art. 64 Abs. 1 StGB (...)</span><br/> <span class="ft8">Verurteilten zur Überprüfung und kann die Vollzugsbehörde die</span><br/> <span class="ft8">Frage der Gemeingefährlichkeit selbst nicht eindeutig beantworten,</span><br/> <span class="ft8">beurteilt die Fachkommission im Hinblick auf diesen Entscheid die</span><br/> <span class="ft8">Gemeingefährlichkeit des Gefangenen (Art. 75a Abs. 1 und 2 i.V.m.</span><br/> <span class="ft8">Art. 62d Abs. 2 StGB; § 59 Abs. 1 SMV in der Fassung vom 22. No-</span><br/> <span class="ft8">vember 2006). Sie soll den Vollzugsbehörden bei der Abklärung der</span><br/> <span class="ft8">Gemeingefährlichkeit mittels Begutachtung und Beratung zur Hand</span><br/> <span class="ft8">gehen. Zu diesem Zweck gibt sie eine "schriftlich begründete</span><br/> <span class="ft8">Empfehlung" zuhanden der Vollzugsbehörde ab, die anschliessend</span><br/> <span class="ft8">über die bedingte Entlassung entscheidet (§ 60 Abs. 3 SMV).</span><br/> <span class="ft8">2.2.2.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 59 Abs. 2 und § 60 Abs. 2 SMV in der Fassung vom</span><br/> <span class="ft8">10. August 2005 ernennt der Vorsteher des DVI die Mitglieder der</span><br/> <span class="ft8">Fachkommission und erlässt das Geschäftsreglement (im Folgenden:</span><br/> <span class="ft8">Reglement [aktuelle Fassung vom 23. August 2000]). Über die in</span><br/> <span class="ft8">Art. 62d Abs. 2 StGB enthaltenen zwingenden Mindestvorgaben hin-</span><br/> <span class="ft8">aus (siehe dazu Martin Wirthlin, Die Beurteilung der Gemeingefähr-</span><br/> <span class="ft8">lichkeit durch die Fachkommissionen, in: ZBJV 139/2003, S. 434 f.)</span><br/> <span class="ft8">setzt sich die Fachkommission aus dem Chef Abteilung Strafrecht,</span><br/> <span class="ft8">dem Chef Sektion SM, dem Direktor der Strafvollzugsanstalt Lenz-</span><br/> <span class="ft8">burg, einem Mitglied des Obergerichts oder eines Bezirksgerichts,</span><br/> <span class="ft8">der Staatsanwaltschaft oder der Untersuchungsbehörden, einem Fo-</span><br/> <span class="ft8">rensiker der Psychiatrischen Klink Königsfelden sowie einem Mit-</span><br/> <span class="ft8">glied aus dem Bereich Opferhilfe zusammen (Reglement, Ziff. 6).</span><br/> <span class="ft8">2.2.3.</span><br/> <span class="ft8">Das Verfahren vor der Fachkommission richtet sich gemäss</span><br/> <span class="ft8">§ 60 Abs. 1 SMV nach den Richtlinien des Strafvollzugskonkordats</span><br/> <span class="ft8">der Nordwest- und Innerschweiz betreffend gemeingefährliche</span><br/> <span class="ft8">Straftäter im Freiheitsentzug vom 3. November 2006 (im Folgenden:</span><br/> <span class="ft8">Richtlinien) und dem Reglement. In Übereinstimmung mit § 60 Abs.</span><br/> <span class="ft8">3 SMV halten Richtlinien und Reglement fest, dass der Fachkom-</span><br/> <span class="ft8">mission gegenüber der Vollzugsbehörde beratende Funktion betref-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">70</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">fend die Beurteilung der Gemeingefährlichkeit und die allenfalls an-</span><br/> <span class="ft8">gezeigten Massnahmen zukommt (Richtlinien, Ziff. 3.2 Abs. 4) und</span><br/> <span class="ft8">dass sie zu deren Handen eine schriftlich begründete Empfehlung ab-</span><br/> <span class="ft8">gibt (Reglement, Ziff. 8). Die Fachkommission stützt sich dabei auf</span><br/> <span class="ft8">bereits vorhandenes Aktenmaterial, insbesondere auf frühere Gutach-</span><br/> <span class="ft8">ten und Berichte, oder auf weitere, neue Gutachten (Richtlinien, Ziff.</span><br/> <span class="ft8">3.2 Abs. 3; Wirthlin, a.a.O., S. 433; Marianne Heer, in: Basler Kom-</span><br/> <span class="ft8">mentar, StGB 1, 2. Auflage, Basel 2007, Art. 62d N 23).</span><br/> <span class="ft8">2.3.</span><br/> <span class="ft8">Das vor der Fachkommission durchgeführte Verfahren gipfelt</span><br/> <span class="ft8">nicht direkt in einer Verfügung, da ihr keine eigenen Entscheidungs-</span><br/> <span class="ft8">oder Weisungsbefugnisse zukommen (AGVE 2002, S. 156), sondern</span><br/> <span class="ft8">in einer Empfehlung zu Handen des DVI, das in eigener Verantwor-</span><br/> <span class="ft8">tung zu verfügen hat (Wirthlin, a.a.O., S. 422; Heer, a.a.O, Art. 62d</span><br/> <span class="ft8">N 23). Entsprechend wurde im StGB darauf verzichtet, dieses Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahren als eigenständiges Verfahren mit entsprechend förmlichen Ga-</span><br/> <span class="ft8">rantien auszubauen (Wirthlin, a.a.O., S. 431; kritisch: Heer, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft8">Art. 62d N 30; Günter Stratenwerth, Zur Rolle der sog. "Fachkom-</span><br/> <span class="ft8">missionen", in: Strafrecht, Strafprozessrecht und Menschenrechte</span><br/> <span class="ft8">[Festschrift zum 65. Geburtstag von Stefan Trechsel], Zürich/</span><br/> <span class="ft8">Lausanne 2002, S. 893 f.; vgl. auch Andrea Baechtold, Die Fach-</span><br/> <span class="ft8">kommission zur Beurteilung der Gemeingefährlichkeit - Cui Bono?,</span><br/> <span class="ft8">in: Bauhofer/Bolle/Dittmann, "Gemeingefährliche Straftäter", Chur/</span><br/> <span class="ft8">Zürich 2000, S. 335). Die Fachkommission ist damit nicht in die</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungshierarchie des DVI eingebunden, daran ändert auch die</span><br/> <span class="ft8">Ernennung ihrer Mitglieder durch den Departementsvorsteher (§ 59</span><br/> <span class="ft8">Abs. 2 SMV) nichts. Sie ist vielmehr ein eigenständiges interdiszi-</span><br/> <span class="ft8">plinäres Gremium mit dem Auftrag der Begutachtung zuhanden der</span><br/> <span class="ft8">Vollzugsbehörde. Ihre Stellung sowie ihre Aufgabe rücken sie in die</span><br/> <span class="ft8">Nähe eines Sachverständigen. Auch wenn sie selbst nicht gutachter-</span><br/> <span class="ft8">lich im eigentlichen Sinne tätig wird (Heer, a.a.O., Art. 62 d N 23),</span><br/> <span class="ft8">sind ihre Empfehlungen mit einem Gutachten oder einem Amtsbe-</span><br/> <span class="ft8">richt vergleichbar (Wirthlin, a.a.O., S. 431; Heer, a.a.O., Art. 62d</span><br/> <span class="ft8">N 30; Baechtold, a.a.O., S. 335). Wie ein Gutachten oder ein Amts-</span><br/> <span class="ft8">bericht unterliegen auch die Empfehlungen der Fachkommission der</span><br/> <span class="ft8">freien Beweiswürdigung, das DVI ist daran nicht gebunden (§ 20</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Straf- und Massnahmenvollzug</span> <span class="page_no">71</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Abs. 1 VRPG; vgl. Felix Bommer, in: Basler Kommentar, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft8">Art. 20 N 34), sondern im Gegenteil verpflichtet, im Rahmen einer</span><br/> <span class="ft8">Gesamtwürdigung aufgrund aller Fakten, insbesondere aktuellen</span><br/> <span class="ft8">oder früheren Gutachten und dem von der Anstaltsleitung einzu-</span><br/> <span class="ft8">holenden Führungsbericht (Art. 86 Abs. 2 StGB), zu prüfen, ob die</span><br/> <span class="ft8">Voraussetzungen einer bedingten Entlassung oder einer Vollzugs-</span><br/> <span class="ft8">lockerung gegeben sind. Dies erfordert eine kritische Auseinander-</span><br/> <span class="ft8">setzung mit den Empfehlungen der Fachkommission.</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1</span><br/> <span class="ft8">Die Mitglieder der Fachkommission, unter ihnen der Chef der</span><br/> <span class="ft8">Abteilung Strafrecht, üben somit eine Art gutachterlicher Tätigkeit</span><br/> <span class="ft8">aus. Im Hinblick auf den Entscheid über die bedingte Entlassung ist</span><br/> <span class="ft8">der Chef der Abteilung Strafrecht im Sinne von § 2 lit. c ZPO als</span><br/> <span class="ft8">Sachverständiger zu behandeln, der im gleichen Verfahren schon tä-</span><br/> <span class="ft8">tig wurde. Diese Bestimmung setzt nicht notwendig die Mitwirkung</span><br/> <span class="ft8">in einer unteren Instanz voraus, sondern greift aufgrund ihres Wort-</span><br/> <span class="ft8">lauts immer dann, wenn der betreffende Amtsträger in der gleichen</span><br/> <span class="ft7"><i>Streitsache</i> schon in einer der aufgeführten Funktionen tätig war.</span><br/> <span class="ft8">X. hätte deshalb beim Entscheid über die bedingte Entlassung</span><br/> <span class="ft8">der Beschwerdeführerin nicht mitwirken dürfen, sondern in den Aus-</span><br/> <span class="ft8">stand treten müssen. Dem kann nicht entgegengehalten werden, der</span><br/> <span class="ft8">Chef der Abteilung Strafrecht sei von Amtes wegen Mitglied der</span><br/> <span class="ft8">Fachkommission. Für die entsprechende Bestimmung im Reglement</span><br/> <span class="ft8">sind keine zwingenden Motive ersichtlich (siehe auch hinten Erw.</span><br/> <span class="ft8">3.2); ganz im Gegenteil dürfte sich die institutionelle Überforderung</span><br/> <span class="ft8">einer Person, wenn sie sowohl entscheiden als auch sich zuvor selber</span><br/> <span class="ft8">als Sachverständiger beraten sollte, nicht nachvollziehbar begründen</span><br/> <span class="ft8">lassen. Zudem erscheint die dadurch verursachte unnötige Ver-</span><br/> <span class="ft8">wischung der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeit der Fachkom-</span><br/> <span class="ft8">mission einerseits und des DVI als Vollzugsbehörde andererseits als</span><br/> <span class="ft8">Nachteil (vgl. Wirthlin, a.a.O., S. 422).</span><br/> <span class="ft8">Liegt ein Ausschliessungsgrund im Sinne von § 2 ZPO vor,</span><br/> <span class="ft8">muss sich die betroffene Person von Amtes wegen in den Ausstand</span><br/> <span class="ft8">begeben, ohne dass es eines Anstosses durch die Verfahrensparteien</span><br/> <span class="ft8">bedürfte (§ 4 Abs. 1 ZPO; Alfred Bühler, in: Kommentar zur aar-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">72</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gauischen Zivilprozessordnung, 2. Auflage, Aarau/Frankfurt a.M./</span><br/> <span class="ft8">Salzburg 1998, § 2 N 1, § 4 N 1). Ohnehin hat die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft8">rerin den Mangel mit der vorliegenden Beschwerde rechtzeitig gel-</span><br/> <span class="ft8">tend gemacht. Bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung war für</span><br/> <span class="ft8">sie nicht erkennbar, dass der Chef der Abteilung Strafrecht daran</span><br/> <span class="ft8">mitwirken und sie unterzeichnen würde, zumal das Schreiben vom</span><br/> <span class="ft8">20. Dezember 2007, mit dem ihr das rechtliche Gehör eingeräumt</span><br/> <span class="ft8">wurde, noch vom Adjunkten B. verfasst worden war. Eine Verwir-</span><br/> <span class="ft8">kung der Geltendmachung des Anspruchs auf eine richtig zusam-</span><br/> <span class="ft8">mengesetzte Behörde liegt nicht vor (siehe dazu Bühler, a.a.O., Vor-</span><br/> <span class="ft8">bemerkungen zu §§ 2-8 N 8).</span><br/> <span class="ft8">Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben.</span><br/> <span class="ft8">3.2.</span><br/> <span class="ft8">Im Hinblick auf künftige Verfahren sei folgendes beigefügt. Das</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungsgericht hat entschieden, Äusserungen eines Regierungs-</span><br/> <span class="ft8">rats, die ihm gegenüber einen Ablehnungsgrund abgeben, könnten</span><br/> <span class="ft8">nicht dazu führen, dass alle ihm unterstellten Mitarbeiter, mithin das</span><br/> <span class="ft8">ganze Departement, im weiteren Verfahrensablauf ausgeschlossen sei</span><br/> <span class="ft8">(VGE IV/17 vom 28. April 2005 [BE.2004.00425], Erw. II/1/c).</span><br/> <span class="ft8">Trotzdem wäre es hier keineswegs unproblematisch, wenn der Ab-</span><br/> <span class="ft8">teilung Strafrecht angehörende und damit deren Chef direkt unter-</span><br/> <span class="ft8">stellte Mitarbeiter - auch diejenigen in der Sektion SM - die Verfü-</span><br/> <span class="ft8">gung betreffend bedingte Entlassung und Vollzugslockerungen un-</span><br/> <span class="ft8">terzeichnen oder sonst wie daran mitwirken würden (das Gleiche gilt</span><br/> <span class="ft8">für Mitarbeiter der Sektion SM, wenn deren Chef in der Fachkom-</span><br/> <span class="ft8">mission mitwirkt). Namentlich wenn aus der Verfügung nicht ersicht-</span><br/> <span class="ft8">lich wird, dass die Empfehlung der Fachkommission tatsächlich ei-</span><br/> <span class="ft8">ner kritischen Überprüfung unterzogen wurde (siehe vorne Erw. 2.3),</span><br/> <span class="ft8">wäre der Eindruck der Befangenheit des Unterzeichnenden schwer</span><br/> <span class="ft8">zu widerlegen. Anders verhielte es sich wohl, wenn in der Fach-</span><br/> <span class="ft8">kommission ein Mitarbeiter der Sektion SM mitwirkte und die Ver-</span><br/> <span class="ft8">fügungen durch eine ihm in der Departementshierarchie übergeord-</span><br/> <span class="ft8">nete Person erstellt und unterzeichnet würde.</span><br/> <br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Straf- und Massnahmenvollzug</span> <span class="page_no">73</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">4.</span><br/> <span class="ft8">4.1.</span><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdeführerin beanstandet auch die Verletzung der</span><br/> <span class="ft8">für die Fachkommission geltenden Ausstandsregeln. Da der Verfah-</span><br/> <span class="ft8">rensausgang dadurch nicht beeinflusst wird, braucht darauf nur kurz</span><br/> <span class="ft8">eingegangen zu werden.</span><br/> <span class="ft8">4.2.</span><br/> <span class="ft8">Das StGB schreibt in Art. 62d Abs. 2 für die Fachkommission</span><br/> <span class="ft8">den Ausstand für Sachverständige und Vertreter der Psychiatrie vor,</span><br/> <span class="ft8">die den Täter behandelt oder in anderer Weise betreut haben. Darüber</span><br/> <span class="ft8">hinaus gelten die Ausstandsgründe des kantonalen Rechts (Richtli-</span><br/> <span class="ft8">nien, Ziff. 3.6).</span><br/> <span class="ft8">4.3.</span><br/> <span class="ft8">F. war im Strafverfahren wegen Diebstahls und mehrfachen ge-</span><br/> <span class="ft8">ringfügigen Diebstahls, das zur Verurteilung vom 14. Dezember</span><br/> <span class="ft8">1995 führte, die zuständige Staatsanwältin. Dass sie damals mit der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführerin persönlichen Kontakt hatte, ist auszuschliessen.</span><br/> <span class="ft8">Aufgabe der Fachkommission ist die Überprüfung der Gemein-</span><br/> <span class="ft8">gefährlichkeit. Die Gemeingefährlichkeit der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft8">war im Jahre 1995 noch kein Thema (...). Objektiv besteht keinerlei</span><br/> <span class="ft8">Anschein von Befangenheit bei der Beurteilung der Gemeingefähr-</span><br/> <span class="ft8">lichkeit, weshalb für F. kein Ausstandsgrund bestand.</span><br/> <span class="ft8">4.4.</span><br/> <span class="ft8">Staatsanwalt Y. trat im Strafverfahren auf, welches zur Verur-</span><br/> <span class="ft8">teilung vom 22. September 2005 führte. Die Oberärztin Z. verfasste</span><br/> <span class="ft8">das in diesem Verfahren in Auftrag gegebene psychiatrische Gutach-</span><br/> <span class="ft8">ten.</span><br/> <span class="ft8">Herr Y. und Frau Z. nahmen anlässlich der Sitzung der Fach-</span><br/> <span class="ft8">kommission vom 6. Juni 2007 an der Beratung teil, traten aber bei</span><br/> <span class="ft8">der Beschlussfassung in den Ausstand. Die Richtlinien, Ziff. 3.6, ver-</span><br/> <span class="ft8">langen den Ausstand auch bei der Beratung, soweit das kantonale</span><br/> <span class="ft8">Recht dies vorsieht (siehe Wirthlin, a.a.O., S. 435). Dies ist im Kan-</span><br/> <span class="ft8">ton Aargau der Fall (§ 5 Abs. 1 VRPG ["dürfen nicht mitwirken"]</span><br/> <span class="ft8">sowie § 5 Abs. 3 VRPG e contrario; vgl. auch Bühler, a.a.O., § 4</span><br/> <span class="ft8">N 1). Die Teilnahme an der Beratung war somit unkorrekt.</span><br/></div> </div> </body> </html>