<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 89 S.400</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">400</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>89</b></span> <span class="ft3"><b>Abzüge vom Roheinkommen; Anwalts-/Prozesskosten (§ 24 lit. a aStG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Durch</b></span> <span class="ft3"><b>die</b></span> <span class="ft3"><b>Eintreibung</b></span> <span class="ft3"><b>von</b></span> <span class="ft3"><b>Alimente</b></span> <span class="ft3"><b>entstandene</b></span> <span class="ft3"><b>Anwalts-/Pro-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zesskosten sind abzugsfähig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">30. August 2001 in Sachen B., RV.2001.50090/K 6292</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Die Rekurrentin beantragt, es seien die Anwalts- und Pro-</span><br/> <span class="ft1">zesskosten für die Eintreibung der Alimente zum Abzug zuzulassen.</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss § 24 aStG werden die zur Erzielung des Einkom-</span><br/> <span class="ft1">mens unmittelbar notwendigen Aufwendungen vom Roheinkommen</span><br/> <span class="ft1">abgezogen. Bei der unselbstständigen Erwerbstätigkeit sind dies</span><br/> <span class="ft1">gemäss lit. a insbesondere die Kosten der Fahrt zwischen Wohn- und</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsort, die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung sowie wei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">401</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tere für die Ausübung des Berufes notwendige Kosten, wie für Be-</span><br/> <span class="ft1">rufskleider und -werkzeuge. Die Aufzählung ist nicht abschliessend,</span><br/> <span class="ft1">sodass die Gewährung von Abzügen für weitere Berufsauslagen</span><br/> <span class="ft1">möglich bleibt (VGE vom 16. November 2000 in Sachen B.). Die</span><br/> <span class="ft1">Anerkennung von Aufwendungen als Gewinnungskosten setzt</span><br/> <span class="ft1">voraus, dass der Vermögensabgang wesentlich durch den Bereich der</span><br/> <span class="ft1">Einkommenserzielung verursacht wird. Indizien sind die Notwen-</span><br/> <span class="ft1">digkeit einer Ausgabe zur Einkommenserzielung, die Verursachung</span><br/> <span class="ft1">der Ausgabe durch die Einkommenserzielung, die Intensität des</span><br/> <span class="ft1">Kausalzusammenhangs zwischen einer Ausgabe und der Einkom-</span><br/> <span class="ft1">menserzielung (AGVE 1995 S. 444). Die Aufwendungen können</span><br/> <span class="ft1">sich nicht bloss auf das Erwerbseinkommen beziehen, sondern auch</span><br/> <span class="ft1">auf andere Einkommensarten (z.B. Ersatzeinkommen; Baur/Klö-</span><br/> <span class="ft1">ti/Koch/Meier/Ursprung, Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft1">Muri-Bern 1991, N 3 zu § 24 aStG; RB ZH 1947 Nr. 16). Dem</span><br/> <span class="ft1">Einwand der Vorinstanz, das Steuergesetz sehe im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">mit Alimente (= Ersatzeinkommen) keine Gewinnungskosten vor,</span><br/> <span class="ft1">kann folglich nicht zugestimmt werden. Der uneingeschränkten</span><br/> <span class="ft1">Uebernahme eines allgemeinen Begriffs der Aufwendungen in das</span><br/> <span class="ft1">aargauische Recht sind jedoch Schranken durch den Gesetzeswort-</span><br/> <span class="ft1">laut gesetzt. Das Gesetz verlangt, dass die Aufwendungen "unmittel-</span><br/> <span class="ft1">bar notwendig" sein müssen, d.h. Voraussetzung der Einkommenser-</span><br/> <span class="ft1">zielung sind. Es werden also - vor allem bei Ausgaben, die nicht der</span><br/> <span class="ft1">Sicherung einer Einkommensquelle dienen - strenge Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">an die Intensität der Kausalkette gestellt. Ein genereller Begriff der</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen findet seine Grenze auch an der Vielzahl der Sach-</span><br/> <span class="ft1">verhalte. Er würde einen allgemein gültigen Begriff des steuerbaren</span><br/> <span class="ft1">Einkommens voraussetzen. Da der aargauische Gesetzgeber auf eine</span><br/> <span class="ft1">Definition des Einkommens verzichten musste und pragmatisch vor-</span><br/> <span class="ft1">gegangen ist, ist auch bei den Aufwendungen bis zu einem gewissen</span><br/> <span class="ft1">Grade ein pragmatisches Vorgehen geboten. Oberstes Ziel ist dabei</span><br/> <span class="ft1">die Festsetzung des Reineinkommens nach der wirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft1">Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen im Bemessungszeitraum</span><br/> <span class="ft1">(Baur/Klöti/Koch/Meier/Ursprung, a.a.O., N 5 ff. zu § 24 aStG; vgl.</span><br/> <span class="ft1">auch E. Grüninger/W. Studer, Kommentar zum Basler Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft1">Basel 1970, S. 250 f.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">402</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gesetzgebung und Praxis qualifizieren auch Kosten, welche</span><br/> <span class="ft1">nicht im strengen Sinn absolut notwendig, d.h. unvermeidbar sind,</span><br/> <span class="ft1">als "notwendige" Berufskosten. Es kommt für die Abgrenzung darauf</span><br/> <span class="ft1">an, ob es dem Steuerpflichtigen zumutbar ist, die Kosten zu</span><br/> <span class="ft1">vermeiden. Vermeidbare Kosten sind demnach dann "notwendig" im</span><br/> <span class="ft1">Sinne der Gesetze, wenn es dem Steuerpflichtigen nicht zumutbar ist,</span><br/> <span class="ft1">diese Kosten zu vermeiden. Wenn dagegen die Vermeidung zumutbar</span><br/> <span class="ft1">ist, handelt es sich um nicht abziehbare Lebenshaltungskosten (E.</span><br/> <span class="ft1">Höhn/R. Waldburger, Steuerrecht, Band II, 8. Auflage, Bern 1999,</span><br/> <span class="ft1">Rz 42 ff. zu § 35).</span><br/> <span class="ft1">c) Der Rekurrentin und ihrem Ehemann wurde mit Verfügung</span><br/> <span class="ft1">des Präsidenten des Bezirksgerichts B. vom 12. November 1993 das</span><br/> <span class="ft1">Getrenntleben bewilligt. Der Ehemann wurde verpflichtet, der Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrentin ab 1. Juli 1993 monatlich Fr. 1'800.-- zu bezahlen sowie die</span><br/> <span class="ft1">Hälfte des Fr. 8'370.-- übersteigenden variablen Einkommens zu</span><br/> <span class="ft1">überweisen. Aus den Akten geht hervor, dass die Rekurrentin Mühe</span><br/> <span class="ft1">hatte, ihre finanziellen Ansprüche gegenüber ihrem Ehemann durch-</span><br/> <span class="ft1">zusetzen. Wenn sie unter diesen Umständen die Dienste eines</span><br/> <span class="ft1">Rechtsanwaltes in Anspruch nahm, um die Alimente zu erhalten, so</span><br/> <span class="ft1">ist dies verständlich; es war der Rekurrentin nicht ohne weiteres</span><br/> <span class="ft1">zumutbar, unter den vorliegenden Umständen auf den Beizug eines</span><br/> <span class="ft1">Rechtsanwaltes zu verzichten und damit die dadurch angefallenen</span><br/> <span class="ft1">Kosten zu vermeiden.</span><br/> <span class="ft1">d) Zusammenfassend kommt das Steuerrekursgericht zum</span><br/> <span class="ft1">Schluss, dass die durch die Eintreibung der Alimente angefallenen</span><br/> <span class="ft1">Anwalts- bzw. Prozesskosten (soweit sie nicht durch gerichtlich zu-</span><br/> <span class="ft1">gesprochene Parteientschädigungen ersetzt wurden) zum Abzug</span><br/> <span class="ft1">zuzulassen sind (vgl. auch StE 1990 B 27.7 Nr. 8, wonach u.a. An-</span><br/> <span class="ft1">waltshonorare, die eine Privatperson aufwenden muss, um ihren</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf ungeschmälerte Auszahlung des ihr zustehenden Wit-</span><br/> <span class="ft1">wengeldes durchzusetzen, absetzbare Kosten sind).</span><br/></div> </div> </body> </html>