B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6892/2014/mel U r t e i l v o m 2 3 . M ä r z 2 0 1 5 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Esther Karpathakis, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiberin Martina Kunert. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Eritrea (zur Zeit im Sudan), c/o Schweizerische Vertretung in Khartum, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 6. Oktober 2014 / N (…). D-6892/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit englischsprachige r Eingabe vom 15. Juli 2012 (Eingang bei der Schweizerischen Vertretung: 12. August 2012) wandte sich die Beschwer- deführerin an die Schweizerische Botschaft in Khartum, Sudan, und er- suchte um Asyl in der Schweiz für sich und ihre beiden minderjährigen Kin- der. Zu ihren Ausreise- und Asylgründen machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei (…) im heutigen Eritrea in einem Dorf namens D._______ geboren und in einem Waisenhaus in E._______ aufgewachsen. Nachdem sie (…) das 12. Schuljahr beendet habe, habe sie in F._______ zu arbeiten begon- nen, bis sie (…) während rund 18 Monaten die obligatorische Militärausbil- dung absolviert habe. (…) habe sie im fraglichen Waisenhaus als Lehrerin zu unterrichten begonnen, bis sie von (…) anlässlich des Grenzkonflikts zwischen Eritrea und Äthiopien als Kr ankenschwester ins Militär einberu- fen worden sei. In dieser Zeit sei sie eine Beziehung zu einem Geheim- dienstbefehlshaber eingegangen, aus welcher zwei gemeinsame Kinder hervorgegangen seien. Nach der Geburt der beiden Kinder habe sie ihre Arbeit als Lehrerin wieder aufgenommen und fortan ein friedliches Leben geführt, bis ihr Mann im Jahr (…) plötzlich spurlos verschwunden sei. In der dritten Nacht nach seinem Verschwinden seien bewaffnete Geheim- dienstmitarbeiter bei ihr zuhause aufgetaucht, um eine Hausdurchsuchung vorzunehmen und sich nach dem Verbleib des verschwundenen Eheman- nes zu erkundigen. Sie sei dann während rund eines Monats in Gefangen- schaft gehalten, verhört und psychisch und physisch misshandelt worden, da sie verdächtigt worden sei, über de n Verbleib ihres Mannes und seine Aktivitäten Bescheid zu wissen. Nach ihrer Entlassung habe sie beschlos- sen, das Land zu verlassen und ihre illegale Ausreise organisiert. Nach einer anstrengenden Reise sei sie schliesslich mit ihren Kindern am (…) im Sudan angekommen. Kaum angekommen, seien Angehörige der Ras- haida über ihre Ankunft verständigt worden und sie und ihre Kinder seien gegen ihren Willen in ein Auto gezwängt und in ein Haus eingeschlossen worden, wo ihr beschieden worden sei, einen Geldbetrag zu bezahlen, an- dernfalls sie umgebracht würde. Als sie ihren Entführern eröffnet habe, dass sie über kein Geld verfüge, sei sie von ihren Kindern getrennt und während circa zwei Monaten gefoltert und sexuell misshandelt worden, bis sie schliesslich am (…) ins Flüchtlingslager Shegerab gebracht worden sei. Da es im Flüchtlingslager an Wasser, Nahrung, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmöglichkeiten gemangelt habe, sei sie nach Erlangung ihres D-6892/2014 Seite 3 Flüchtlingsstatus nach Khartum gegangen, wo sie sich ein besseres Leben und Arbeitsmöglichkeiten erhofft habe. In Khartum habe sich ihr Leben nicht erwartungsgemäss entwickelt, da sie nicht frei habe leben können und ihr selbst die grundlegendsten Menschenrechte nicht zuteil geworden seien. Ihre Existenzbedingungen als alleinerziehende Mutter von zwei min- derjährigen Kindern, ohne männlichen Schutz, habe n sich seit ihrer An- kunft ständig verschlechtert. Zwar arbeite sie in einem Privathaushalt, werde jedoch nicht adäquat bezahlt und st ehe unter konstanter Überwa- chung von eritreischen Geheimdienstmitarbeitern. Da sie weder nach Erit- rea zurück noch im Sudan verbleiben könne, ersuche sie in der Schweiz um Asyl für sich und ihre Kinder. Zur Stützung der geltend gemachten Vor- bringen wurde die Kopie eines Schreibens des Waisenhauses zu den Ak- ten gereicht. B. Mit Schreiben vom 18. Oktober 2013 setzte das BFM die Beschwerdefüh- rerin darüber in Kenntnis, dass die Schweizerische Botschaft in Khartum aus Kapazitätsgründen keine Befragun g durchführen könne, weswegen sie das Bundesamt – unter Hinweise auf ihre Pflicht, bei der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) – auffordere, ihr Gesuch mit einer schriftlichen Stel- lungnahme gemäss Fragenkatalog zu ergänzen. C. Die Beschwerdeführerin ergänzte ihre bisherigen Vorbringen mit undatier- ter englischsprachiger Eingabe vom 6. Mai 2014 (Eingang Botschaft). Hier- bei machte sie ergänzend zu ihrem Asylgesuch geltend, aufgrund ihrer Er- werbstätigkeit blieben ihre Kinder tagsüber unbeaufsichtigt, weshalb ihre Tochter im (…) einem Vergewaltigungsversuch durch einen Bengalen zum Opfer gefallen sei. Dieser habe erst von ihr abgelassen, als von ihren Schreien alarmierte Nachbaren zur Hilfe geeilt seien. Obwohl der Täter po- lizeilich verhaftet und bestraft worden sei, habe der Vorfall bei ihrer Tochter Spuren hinterlassen. Diese äusserten sich unter anderem in Angstzustän- den während der Nacht und in Panikreaktionen beim Anblick von vermeint- lichen Bengalen, welche sich unter anderem dahingehend manifestierten, dass sie unüberlegt losrenne, sobald sie einen Mann mit entsprechendem Erscheinungsbild erblicke. Sie lebe nun in ständiger Sorge um ihre Tochter, da sie befürchte, dass diese aus Angst auf dem Schulweg unüberlegt vor ein Auto rennen könnte. Sie seien weder vor sexuellen Übergriffen noch vor willkürlichen Verhaftungen sicher. D-6892/2014 Seite 4 Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin die Kopie eines Bestäti- gungsschreibens des Kindesschutzgerichts Khartum vom (…) über den Verfahrensausgang bezüglich der versuchten Vergewaltigung der Tochter, eine englische Übersetzung des fraglichen Dokuments, Kopien ihrer Iden- titätskarten und Geburtszertifikate der Kinder zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 6. Oktober 2014 – eröffnet am 16. Oktober 2014 – ver- weigerte das BFM der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. Das Bundesamt begründete die Verweigerung der Einreise in die Schweiz und die Ablehnung des Asylgesuchs im Wesentlichen damit, dass aufgrund des vollständig erstellten Sachverhalts davon ausgegangen werden könne, dass keine unmittelbare Gefährdung vor liege, welche ihre Einreise in die Schweiz notwendig erscheinen lasse. Zwar liesse sich aus ihren Schilde- rungen nicht mit hinreichender Sicherheit aus schliessen, dass sie ernst- hafte Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden zu befürchten habe. Einer Asylgewährung durch die Schweiz stehe jedoch der Asylausschluss- grund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG entgegen, wonach einer Person das Asyl verweigert werden könne, wenn ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. D ie Beschwerdeführerin und ihre Kinder hätten sich eigenen Angaben zufolge nach ihrer Ausreise aus Eritrea beim UNHCR-Flüchtlingslager in Shegerab gemeldet, welches sie aufgrund mangelnder Sicherheit und Grundnahrungsmittelversorgung ver- lassen hätten, um nach Khartum zu gehen. Vom U NHCR registrierte Flüchtlinge würden einem Flüchtlingslager zugeteilt, wo sie sich aufzuhal- ten hätten und die nötige Versorgung erhielten. D ie Beschwerdeführerin verfüge nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land. Es sei ihr daher zuzumuten, wieder in das ihr zugewiesene Flüchtlingslager zu- rückzukehren, sollte sich ihre Situation als kritisch erweisen. Hierzu werde auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts verwie- sen. In Bezug auf die Sicherheitssituation im Shegerab-Lager sei anzumer- ken, dass gemäss UNHCR die Sicherheitsvorkehrungen seit einigen Mo- naten verstärkt worden seien, beispielsweise s ei der Zugang zu den La- gern für nicht dort residierende Personen stark eingeschränkt worden, was verhindere, dass unbefugte Personen ihr Ungemach trieben. Ferner ver- füge das Lager über Polizeiposten, deren Angehörige sich um die Sicher- heit im Lager bemühten. Nach gesicherten Erkenntnissen sei die Gefahr vor einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan als D-6892/2014 Seite 5 Flüchtlinge anerkannt seien, gering. Hierzu werde auf die aktuelle Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts verwiesen. Die erwähnte Ent- führung durch Angehörige der Rashaida im November 2008 vermöge ihre Furcht vor zukünftiger Verfolgung bei einer objektivierten Betrachtungs- weise nicht zu begründen, da es sich dabei um ein einmaliges, isoliertes Ereignis handle. Zugegebenermassen sei das Leben für eritreische Flücht- linge in Khartum nicht einfach. Aus den Akten gehe jedoch hervor, dass die Beschwerdeführerin mit ihren Kindern seit März 2009 in Khartum lebe und ihren Lebensunterhalt als private Waschkraft verdiene, weshalb die Hürden für eine zumutbare Existenz aufgrund ihres bereits längeren Aufenthalts im Sudan, während dem ihr keine einreiserelevanten Nachteile widerfahren seien, aus objektiver Sicht nicht unüberwindbar erschienen. Jedenfalls stellten eine schwierige Lebenssituation und humanitäre Überlegu ngen keinen Grund für die Bewilligung der Einreise in die Schweiz dar. Eine Ein- reisebewilligung könne nur erteilt werden, wenn mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit von einer akuten Gefährdung der gesuchstellenden Person ausgegangen werden müsse, was in ihrem Fall nicht zutreffe. Sodann gehe aus den Akten hervor, dass sie mit anderen eritreischen Flüchtlingen zu- sammenlebe und Unterstützung erhalte, und dass ihre Tochter die Schule besuche. Obwohl gemäss Akten die Tochter ihrer Cousine mütterlicherseits in der Schweiz lebe, sei dieser Anknüpfungspunkt zur Schweiz nicht derart gewichtig, als dass eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass es gerade die Schweiz sei, die den erforderlichen Schutz gewähren solle. D ie Anwesenheit einer fer- nen Verwandten bedeute noch keine enge Bindung zur Schweiz im Sinne der fraglichen Norm. Nach dem Gesagten seien sowohl die Asylgesuche als auch die Einreiseanträge abzulehnen. E. Das BFM leitete (ohne Zustellcouvert) eine undati erte englischsprachige Eingabe (Eingang bei der Botschaft am 10. November 2014) an das Bun- desverwaltungsgericht weiter, mit welcher d ie Beschwerdeführerin gegen den vorinstanzlichen Entscheid Beschwerde erhob und sinngemäss die Aufhebung der Verfügung des BFM sowie die Bewilligung der Einreise in die Schweiz zwecks Feststellung der Flüchtlingseigenschaft beantragte. Ergänzend zu ihren früheren Vorbringen führte sie aus, ihre Beziehungen zur Schweiz seien enger als zu jedem anderen Staat, da sie hier neben der erwähnten Verwandten auch über länderspezifische Kenntnisse verfüge, was eine allfällige Integration ebenfalls erleichtern würde. Ferner sei sie D-6892/2014 Seite 6 überzeugt, dereinst zum Wohlstand der Schweiz beitragen zu können. Da- von unbenommen, beinhalte der Flüchtlingsstatus im Sudan lediglich ein Aufenthaltsrecht im Flüchtlingslager, hingegen verfüge sie über keine Ar- beitserlaubnis. Zudem sei das Leben im Sudan aufgrund der ständigen Entführungsgefahr und ungerechtfertigten Verhaftungen unsicher. Bei- spielsweise sei sie am (…) von sudanesischen Sicherheitsbeamten verhaf- tet und diskriminiert worden, wobei ihr die Feindseligkeiten und der Miss- brauch während der Gefangenschaft noch weniger zu schaffen gemacht hätten als der Gedanke an ihre unbeaufsichtigten Kinder. Der fragliche Vor- fall sei ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich ihr Leben im Sudan dar- stelle und es werde immer schlimmer. F. Mit Instruktionsverfügung vom 28. November 2014 erhielt die Vorinstanz Gelegenheit, innert Frist eine Vernehmlassung einzureichen. In seiner Ein- gabe vom 11. Dezember 2014 führte das BFM bezüglich der Inhaftierung vom (…) aus, die Festnahme wirke sich mangels hinreichender Intensität nicht als ernsthafter Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG aus. Im Übrigen werde auf die Erwägung en in der vor instanzlichen Verfügung verwiesen, an denen vollumfänglich festgehalten werde. G. Der Beschwerdeführerin wurde die Instruktionsverfügung vom 28. Novem- ber 2014 zur Kenntnisnahme übermittelt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. D-6892/2014 Seite 7 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indessen praxisgemäss verzichtet werden, zumal der in Englisch verfassten Be- schwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und de- ren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann. Der vorliegende Entscheid erg eht indessen in deutscher Sprache (Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtse rheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 – von der Bundesversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft getreten – ist die Möglichkeit der Einreichung eines Asylgesuches aus dem Ausland weggefallen (vgl. AS 2012 5359). Das vorliegende Urteil, wel- ches ein Asylgesuch aus dem Ausland nach altem Recht zum Gegenstand hat, ergeht daher gestützt auf die Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012, wona ch für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung des Gesetzes gelten. 4. 4.1 Gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei ei- ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Be -D-6892/2014 Seite 8 richt an das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizeri- sche Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Be- fragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asyl- gründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die schweizerische Vertretung überweist dem Staatssekretariat das Befragungsprotokoll oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweckdienliche Unterlagen und einen ergänzenden Bericht, der ihre Beurteilung des Asylgesuchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 4.2 Vorliegend sah sich die Botschaft in Khartum nicht in der Lage, eine persönliche Anhörung de r Beschwerdeführerin durchzuführen. Das BFM begründete diesen Verzicht mit dem begrenzten Personalbestand der Bot- schaft sowie den fehlenden Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich. Das Bundesamt ersuchte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 18. Oktober 2013 um Einreichung einer ergänzenden Stellungnahme zwecks Vervollständigung des rechtserheblichen Sachver- haltes. Die Beschwerdeführerin nahm in der Folge mit undatierter Eingabe (Eingang bei der Botschaft in Khartum : 6. Mai 2014) ausführlich zu den gestellten Fragen Stellung und machte persönliche, auf sie und ihre Kinder konkret bezogene Angaben. Vorliegend erhielt sie somit rechtsgenügend Gelegenheit, ihre Asylgründe darzulegen und bei der Erhebung und Ergän- zung des massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. Die Schweizerische Botschaft verzichtete darauf, in einem ergänzenden Bericht ihre Beurteilung des Asylgesuchs darz ulegen, und überwies die Unterlagen dem BFM ohne Kommentar. 5. 5.1 Einer Person, die im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die Ein- reise in die Schweiz zu bewilligen, wenn sie eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaub- haft macht (aArt. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf die Aner- kennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Aufenthalt im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und damit die Einreise in die Schweiz – ist zu verweigern, wenn keine Hinweise auf eine aktuelle D-6892/2014 Seite 9 Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG vorliegen oder es der Person zuzu- muten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset- zungen. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG nament- lich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Mög- lichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilli- gung ist die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prü- fung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob ihr der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BGVE 2011/10 E. 3.3 S. 126). 5.3 Verfolgt respektive schutzbedürftig ist, wer im Sinn aus den in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählten Gründen ernsthaften Nachteilen aus ge- setzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Dabei umfasst die Furcht vor künftiger Verfolgung allgemein ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beruhendes objektives Element einer- seits sowie die persönliche Furchtempfindung der betroffenen Person als subjektives Element andererseits. Begründete Furcht vor Verfolgung nach Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – das heisst von Dritten nachvollzieh- bare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BGVE 2011/50 E. 3.1.1; BGVE 2011/51 E. 6.2 sowie Urteil des BVGer D -103/2014 vom 21. Januar 2015 E. 7 [zur Publikation vorgesehen]). 5.4 Vorliegend gelangt das B undesverwaltungsgericht nach eingehender Prüfung der Akten und in Übereinstimmung mit der Feststellung des BFM in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, dass die Beschwerdeführe- rin in ihrem Heimatstaat Eritrea mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden zu be- fürchten hat. Ob sie bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea einer flücht- lingsrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sein könnte, kann vorlie- gend jedoch offengelassen werden, da sie den zusätzlichen Schutz der Schweiz gemäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht benötigt, weil es ihr – wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird – trotz der zugestandenermassen D-6892/2014 Seite 10 nicht einfachen Bedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan zuzumu- ten ist, im Zufluchtsland Sudan zu verbleiben. 6. 6.1 Es ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Sudan den Schutz eines Drittstaates geniesst und es ihr zuzumuten ist, dort zu verbleiben. Hält sich die asylsuchende Person wie im vorliegenden Fall in einem Dritt- staat auf, bedeu tet dies nämlich noch nicht zwingend, dass es ihr auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. In einem solchen Falle ist aber im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffende Per- son habe in diesem Drittstaat bereits den erforderlichen Schutz gefunden, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und der Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind m it einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es gilt also zu prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den erforderlichen Schutz einer Person gewähren soll (vgl. BVGE 2011/10). 6.2 6.2.1 Die Überprüfung der Akten ergibt, dass sich die diesbezüglichen Er- wägungen in der angefochtenen Verfügung als zutreffend erweisen. Das BFM hat in seiner Verfügung vom 6. Oktober 2014 richtigerweise festge- halten, dass infolge der hohen Anzahl eritreischer Flüch tlinge im Sudan deren Lage nicht einfach ist. Dennoch bestehen im vorliegenden Verfahren keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass ein weiterer Verbleib im Sudan, wo die Beschwerdeführerin seit der Ausreise aus ihrem Heimat- staat im November 2008 lebt, nicht zumutbar oder nicht möglich ist. Die Beschwerdeführerin lebt seit mehreren Jahren im Sudan, hat sich und ihre Kinder beim UNHCR registrieren lassen, es in der Folge jedoch vorgezo- gen, sich in Khartum niederzulassen. Die vom UNHCR registrierten Flücht- linge sind jedoch grundsätzlich gehalten, sich in einem UNHCR -Flücht- lingslager aufzuhalten und verfügen im Sudan nicht über ein freies Aufent- haltsrecht. Auch die Ausübung einer Arbeit ist in aller Regel nur mittels ent- sprechender Bewilligung möglich (US Department of State, Country Re- ports on Human Rights Practices for 2012: Sudan, gefunden auf <http://www.state.gov/j/drl/rls/hrrpt/2012 humanrightsreport/in- dex.htm?year=2012&dlid=204171#wrapper> [zuletzt besucht am 11. Feb- ruar 2015]). Viele anerkannte eritreische Flüchtlinge halten sich nicht in Flüchtlingslagern, sondern illegal in Khartum auf, wo sie versuchen, einer D-6892/2014 Seite 11 Arbeit nachzugehen. In der Vergangenheit kam es dort in vereinzelten Fäl- len zu Entführungen beziehungsweise zu Deportationen von eritreischen Flüchtlingen nach Eritrea. Gemäss gesicherten Erkenntnissen ist das Ri- siko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer und Eritreerinnen, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, jedoch eher ge- ring, d a die sudanesischen Behörden zwar teilweise eritreische Asylsu- chende sowie Flüchtlinge deportieren, diese Rückführungen indessen nicht flächendeckend erfolgen (vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltungs- gerichts D-6478/2013 vom 24. Dezember 2013 E. 5.3; E -1452/2012 vom 15. Juni 2012 mit weiteren Hinweisen sowie UNHCR, "UNHCR deeply con- cerned by deportation of Eritreans from Sudan" vom 26. Juli 2011). Dem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 5. Juli 2012 zu- folge, der die Gefahr von Deportatione n, Entführungen und Lösegelder- pressungen von eritreischen Flüchtlingen im Sudan thematisiert und auf die schwierige Situation hinweist, kann aus serdem entnommen werden, dass insbesondere das UNHCR, die Inter national Organisation for Migra- tion (IOM) und die sudanesischen Behörden bestrebt sind, die Situation zu verbessern. Gleiches gilt für Bestre bungen hinsichtlich der Sicherheit in den Flüchtlingscamps (vgl. dazu insbesondere die Mitteilung des UNHCR vom 25. Januar 2013; "UNHCR concern at refugee kidn appings, disap- pearences in eastern Sudan"). 6.2.2 Im vorliegenden Fall bestehen keine konkreten Hinweise auf eine drohende Deportation der Beschwerdeführerin, indem sie etwa infolge qualifizierter regimekritischer Tätigkeiten ein erhöhtes Risikoprofil aufwei- sen würde. Sie hat sich bisher zwar beim UNHCR registrieren lassen, es den Akten zufolge jedoch vorgezogen, sich in Khartum aufzuhalten. Auch wenn sich die Situation für die Beschwerdeführerin als alleinerziehende Mutter in Khartum als schwierig erweisen mag, lässt sich aus ihren Anga- ben schliessen, dass sie dort über eine Arbeit, eine Unterkunft sowie Un- terstützung durch Bekannte verfügt . Daran vermag auch d ie Entführung durch Angehörige der Rashaida im November 2008 und der Vergewalti- gungsversuch, den ihre Tochter erdulden musste, nichts zu ändern, handelt es sich dabei doch – wie von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt – um isolierte Ereignisse, wobei ersteres über sechs Jahre zurückliegt. Im Übri- gen ist in diesem Zusammenhang auf die grosse eritreische Gemeinschaft in Khartum zu verweisen, die eine weitere Eingliederung ebenfalls erleich- tert. Sollten die finanziellen Mittel zur Deckung ihres Existenzbedarfs für sich und die Kinder nicht genügen, könnte sie einer allfälligen Versorgungs- notlage dadurch entgehen, dass sie sich erneut an das UNHCR wendet . Dadurch könnte sie unliebsamen Verhaftungen und daraus resultierende D-6892/2014 Seite 12 Situationen, in welchen ihre Kinder aufgrund ihrer Abwesenheit länger un- beaufsichtigt bleiben, vorbeugen. Auch wenn anerkanntermassen die Situ- ation in den Lagern teils prekär ist, kann davon ausgegangen werden, dass zumindest die Grundver sorgung dort gewährleistet ist und sich die Be- schwerdeführerin mit ihren Kindern dort nicht in einer existenziellen, le- bensbedrohenden Notlage befindet. 6.3 Den Akten zufolge weist sie zudem zur Schweiz keine enge Bindung auf. Der einzige, indes nicht überwiegend gewichtige Anknüpfungspunkt , ist die in der Schweiz wohnhafte Tochter ihrer Cousine mütterlicherseits. In der Beschwerde wird auch nicht weiter ausgeführt, in welcher, abgesehen vom geltend gemachten verwandtschaftlichen Grad, Beziehung die Be- schwerdeführerin mit dieser gestanden haben will bzw. steht. Dieser An- knüpfungspunkt stellt – wie das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht festgestellt hat – keine gewichtige, enge Beziehungsnähe zur Schweiz dar, die in einer Abwägung der Gesamtumstände vorliegend dazu führen müsste, dass es gerade die Schweiz ist, die den erforderlichen Schutz für die Beschwerdeführerin gewähren sollte. Etwaige länderspezi- fische Kenntnisse vermögen ebenfalls keine gewichtige, enge Beziehungs- nähe zur Schweiz zu begründen . Der Umstand, dass sie über einen aus- geprägten Integrationswillen verfüge, vermag vor dem aufgezeigten Hin- tergrund nichts Entscheidendes zu bewirken. 6.4 Die Beschwerdeführerin vermochte insgesamt nicht aufzuzeigen, dass sie auf die Schutzgewährung durch die Schweiz angewiesen ist bezie- hungsweise ihr gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz gewähren muss. Der weitere Verbleib im Sudan ist ihr nach dem Gesagten zuzumu- ten und die Vorinstanz hat ihr zu Recht die Einreise in die Schweiz verwei- gert und das Asylgesuch abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wä ren die Kosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs- ökonomischen Gründen sowie in Anw endung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die D-6892/2014 Seite 13 Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung der Verfahrenskosten zu ver- zichten. D-6892/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführe nden, das SEM und an die schweizerische Vertretung in Khartum. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Martina Kunert Versand: