Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 11. Juni 2014 (840 14 138) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Fürsorgerische Unterbringung / Verlängerung der Massnahme Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Beat Walther, Stephan Gass, Gerichts- schreiber i.V. Hannes Baader Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Elisabeth Stärkle , Advok a- tin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B .____ , Beschwerdege g- nerin Betreff Fürsorgerische Unterbringung / Verlängerung der Massnahme (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 15. Mai 2014) A. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) B.____ ordnete mit Verfügung vom 3. April 2014 eine vorsorgliche fürsorgerische Unterbringung (FU) an und wies A.____, geboren 1962, für längstens sechs Wochen in die Kli nik für Psychiatrie und Psychologie (KPP) in Liestal ein. Die Verfügung erging gestützt auf d as Einweisungszeugnis von Dr. med. C.____, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 3. April 2014. Die Verfügung der KESB B.____ hie lt zur gesundheitlichen Situation von A.____ fest, dass ein Verdacht auf Pyromanie, eine dep ressive Episode, ein Status nach Alkoholintoxikation sowie ein Status nach Hirnschlag vorli ege. Ferner wurde eine akute Fremd- sowie Selbstgefährdung bejaht. In der gegenwärtigen V erfassung benötige A.____ eine statio- näre psychiatrische Behandlung und eine Betreuung in geschütztem Rahmen. B. Gegen die Verfügung der KESB B.____ erhob A.____ mit Schreiben vom 4. April 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilu ng Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Mit Urteil der Präsidentin des Kantonsgerichts vom 22. April 2014 wurde diese Beschwerde abgewiesen und die Anordnung der für sorgerischen Unterbringung für die Dauer von vorerst sechs Wochen als angemessen und verhältnismässig bestätigt. C. Mit Schreiben vom 12. Mai 2014 beantragten Dr. D._ ___ und E.____ die Verlängerung der FU für weitere sechs Monate. Zur Begründung gaben sie an, es bestehe aufgrund der be- kannten Pyromanie und der hirnorganischen Störung eine akute Selbst- und indirekt auch Fremdgefährdung. Der Spruchkörper der KESB B.____ hö rte A.____ am 15. Mai 2014 zur Frage der Verlängerung der Massnahme an. Mit Entscheid vom gleichen Tag ordnete die KESB B.____ eine Verlängerung der FU, befristet bis 15. November 2014, an. D. Am 22. Mai 2014 erhob A.____ beim Kantonsgericht Beschwerde gegen den Entscheid der KESB B.____ betreffend Verlängerung de r FU und beantragte seine Entlassung aus der Klinik. E. Mit Präsidialverfügung vom 28. Mai 2014 wurde Dr. F .____ zur Sachverständigen im vorliegenden Verfahren ernannt und ersucht, dem Gerich t einen schriftlichen Bericht über die aktuelle gesundheitliche Situation von A.____ zu erstatt en. Gleichzeitig wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen. F. Mit Schreiben vom 5. Juni 2014 reichte die Beiständin des Beschwerdeführers in sei- nem Namen ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein. G. An der heutigen Verhandlung nahmen A.____ und sei ne Rechtsvertreterin E. Stärkle, Advokatin, G.____ und H.____ als Vertreter der KESB B .____ sowie Dr. F.____ als Sach- verständige teil. Die Parteien hielten an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide de r Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Streitsache liegt nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches [EG ZGB] vom 16. November 2006 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Als von der FU unmittelbar Betroffener ist der Beschwerdeführer ohne weiteres gestützt auf Art. 450 Ab s. 2 Ziff. 1 ZGB zur Beschwerde Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht legitimiert. Da auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Nach Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde R echtsverletzungen, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachver halts sowie die Unangemessenheit gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beur teilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu, wobei sich das Gericht bei der Auslegung unbestimmter Rechts- begriffe und bei der Ermessenskontrolle eine gewisse Zurü ckhaltung auferlegt (vgl. Entscheid des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltun gsrecht [KGEVV], vom 17. Juli 2013 [810 13 134] E. 2). 3.1 Nach Art. 426 Abs. 1 ZGB darf eine Person, die an einer psychischen Störung oder an geistiger Behinderung leidet oder schwer verwahrlost ist, in einer geeigneten Einrichtung unter- gebracht werden, wenn die nötige Behandlung oder Bet reuung nicht anders erfolgen kann. Die gesetzliche Formulierung beinhaltet somit folgende Voraussetzungen für die Anordnung der FU: Einen in der Person des oder der Betroffenen liegende n Grund im Sinne eines Schwäche- zustands, die Notwendigkeit einer Behandlung oder Betre uung und die Wahrung des Verhält- nismässigkeitsprinzips. Ausserdem muss die Einweisung in eine geeignete Einrichtung erfol- gen, womit dieses Kriterium ebenfalls als Voraussetzun g für die Zulässigkeit der FU gilt (THOMAS GEISER /M ARIO ETZENSBERGER , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar Erwachsenenschutz, Basel 2012, Art. 426 ZGB N 7). Beim Entscheid, ob eine Unterbringung angezeigt ist, muss sodann gemäss Art. 426 Abs. 2 ZGB die Belastung und der Schutz von Angehörigen und Dritten berücksichtigt werden. 3.2 Das Vorliegen eines Schwächezustands allein vermag e ine FU mithin nicht zu recht- fertigen. Vielmehr setzt Art. 426 Abs. 1 ZGB voraus, das s die betroffene Person aufgrund ihres Schwächezustands einer Behandlung oder Betreuung bedarf . Die Einweisung in eine Einrich- tung darf somit nicht bloss dem Schutz der Öffentlichkeit dienen. Das primäre Ziel liegt vielmehr in der Gewährung der persönlichen Fürsorge (C HRISTOF BERNHART , Handbuch der fürsorgeri- schen Unterbringung, Basel 2011, N 348). Fürsorgebedür ftig ist ein Mensch, wenn er auch nur für kurze Zeit im persönlichen Bereich nicht mehr für sich selbst sorgen kann und Hilfe benötigt, um eine durch den Schwächezustand bedingte ernsthafte G efährdung seines psychischen und/oder physischen Wohls abzuwenden (B ARBARA CAVIEZEL -JOST , Die materiellen Vorausset- zungen der fürsorgerischen Freiheitsentziehung, Stans 198 8, S. 272 f.). Im Weiteren darf gestützt auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit eine Einrichtungseinweisung immer nur dann erfolgen, wenn feststeht, dass der betroffenen Per son nur durch diese Einweisung der erforderliche, notwendige Schutz geboten werden kann, m ithin eine besondere Schutz- bedürftigkeit vorliegt, welche eine Einweisung erfordert (THOMAS GEISER /M ARIO ETZENSBERGER , a.a.O., Art. 426 ZGB N 8 ff.). 3.3 Die Einrichtung muss gemäss Art. 426 Abs. 1 ZGB für d en Vollzug geeignet sein, wobei der Begriff der Einrichtung weit auszulegen ist (Botschaft zur Änderung des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht], [Botschaft Erwachsenenschutz], 7062). Eine Einrichtung ist grundsätzl ich nur dann geeignet, wenn sie Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Organisation und die personellen Kapazitäte n verfügt, um der eingewiesenen Person die Pflege und Fürsorge zu erbringen, die diese im We sentlichen benötigt (BGE 114 II 213 E. 7 zu aArt. 397a ff. ZGB; T HOMAS GEISER /M ARIO ETZENSBERGER , a.a.O., Art. 426 ZGB N 35 ff.; CHRISTOF BERNHART , a.a.O., N 413 ff.). Die einweisende Stelle hat im Einzelnen zu prüfen, ob das Betreuungs- und Therapieangebot der Einrichtung mi t den spezifischen Bedürfnissen der betroffenen Person und dem Ziel der FU übereinstimm t (T HOMAS GEISER /M ARIO ETZENSBERGER , a.a.O., Art. 426 ZGB N 37; BGE 112 II 486 zu aArt. 397a Abs. 1 ZGB). 4.1 Die möglichen Schwächezustände, welche die Anordnu ng einer FU grundsätzlich zu rechtfertigen vermögen, werden in Art. 426 Abs. 1 ZGB abschliessend genannt und müssen in beweiskräftiger Weise ärztlich festgestellt worden sein. S o darf eine Person unter anderem wegen einer psychischen Störung in einer geeigneten Ein richtung untergebracht oder zurück- behalten werden, wenn ihr die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden kann. Der Begriff der psychischen Störung ist aus der Medizin ü bernommen und entspricht der Klassifikation der WHO. Damit von einer psychischen Störun g gesprochen werden kann, muss nicht nur ein Krankheitsbild vorliegen; dieses muss zudem er hebliche Auswirkungen auf das soziale Funktionieren des Patienten haben. Entscheidend ist insbesondere, ob die betroffene Person ihre Entscheidungsfreiheit bewahrt hat und am so zialen Leben teilhaben kann (THOMAS GEISER /M ARIO ETZENSBERGER , a.a.O., Art. 426 ZGB, N 15). Zu den psychischen Störungen sind auch Suchterkrankungen zu zählen, unabhängig davon, ob es sich um eine Drogen-, Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit handelt (Botschaft Erwachsenenschutz 7062). 4.2 Bei psychischen Störungen muss die Beschwerdeinstanz ge mäss Art. 450e Abs. 3 ZGB gestützt auf das Gutachten einer sachverständigen Per son entscheiden. Die bei einem Unterbringungsverfahren im Vordergrund stehenden Erme ssensfragen können nur schlüssig beantwortet werden, wenn das Gericht in psychiatrischer Hi nsicht Fachunterstützung einholt (CHRISTOF BERNHART , a.a.O., N 852 f.). Das gestützt auf Art. 450e Abs. 3 ZGB einzuholende Gutachten hat sich insbesondere über den Gesundheitszusta nd der betroffenen Person zu äussern, aber auch darüber, wie sich allfällige gesundhe itliche Störungen hinsichtlich der Gefahr einer Selbst- bzw. Drittgefährdung oder einer Verwahrlosung auswirken können und ob sich daraus ein Handlungsbedarf ergibt. In diesem Zusamm enhang interessiert insbesondere, ob ein Bedarf an der Behandlung einer festgestellten psychischen Erkrankung bzw. an der Betreuung der betroffenen Person besteht. Wird e in Behandlungs- bzw. Betreuungsbedarf bejaht, ist weiter wesentlich, mit welcher konkreten Gefa hr für die Gesundheit oder das Leben der betroffenen Person bzw. von Dritten zu rechnen ist, wenn die Behandlung der gutachterlich festgestellten Krankheit bzw. die Betreuung unterblei bt. Im Weiteren muss das Gutachten Antwort darauf geben, ob aufgrund des festgestellten Handlungsbedarfs eine stationäre Behandlung bzw. Betreuung unerlässlich ist. Dabei hat de r Experte auch darüber Auskunft zu geben, ob die betroffene Person über glaubwürdige Kr ankheits- und Behandlungseinsicht verfügt. Schliesslich hat der Experte zu beantworten, ob eine Anstalt zur Verfügung steht und wenn ja, warum die vorgeschlagene Anstalt infrage kommt (vgl. BGE 140 III 105 E 2.4 mit weiteren Hinweisen). Das Gutachten muss schlüssig, nachvoll ziehbar und in sich geschlossen sein. Es muss für die Beteiligten überprüfbar sein, au f welche Art und Weise der Sach- verständige sein Ergebnis gewonnen hat. Die psychiatrischen Ausführungen des Sach-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht verständigen müssen so geschildert werden, dass sich die bef asste Instanz selber ein umfas- sendes Bild von der Persönlichkeit der betroffenen Perso n machen kann. Dazu gehört die genaue Angabe der Untersuchungsergebnisse. Das Gutachten muss in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation ein- leuchtend sein und zu eindeutigen Schlussfolgerungen f ühren. Diese müssen sodann für eine rechtliche Prüfung durch die Behörde geeignet sein. Di e Qualität misst sich auch daran, ob die Erläuterungen verständlich und einsichtig sind (CHRISTOF BERNHART , a.a.O., N 504). 4.3 Die Sachverständige berücksichtigte im Gutachten vom 28. Mai 2014 die Ergebnisse der eigenen psychiatrischen Untersuchung des Beschwerdeführers, seine Krankheitsgeschichte in der KPP und in den Ambulatorien und Tageskliniken der Psychiatrie Baselland (im Speziellen die vorliegenden Vorgutachten), die Telefongespräche m it den behandelnden Ärzten und der pflegerischen Bezugsperson sowie die Akten der KESB B.___ _. Das Gutachten beschreibt zunächst die aktuelle Situation und fasst die Erkenntnisse der Akten zusammen. Weiter werden die biografischen Eckpunkte beleuchtet, wobei insbesond ere auch die Arbeitstätigkeit und die familiäre Situation des Beschwerdeführers berücksichtigt w erden. Nach der Darstellung der Ergebnisse der Fremdanamnese wird die von der Sachverst ändigen selbst durchgeführte Exploration beschrieben. Auf die Aussagen des Beschwerdeführers während der Untersuchung wird eingegangen und es werden auch Widersprüche in de n Äusserungen aufgezeigt. In der Folge wird der psychopathologische Befund dargestellt un d im Abschluss erfolgt eine Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers. Früher gestellte Diagnosen werden dabei kritisch geprüft. Das Gutachten äussert sich zu m Gefahrenpotenzial der Störung, zu den Behandlungsmöglichkeiten und auch zu den Behandlu ngschancen. Es ist insgesamt stringent und nachvollziehbar und ermöglicht es dem Ger icht, sich ein umfassendes Bild der Persönlichkeit des Beschwerdeführers zu machen. Auf das Gutachten kann somit grundsätzlich abgestellt werden. 5.1 Inhaltlich wird im Gutachten vom 28. Mai 2014 auf die hohen erreichten Promillewerte, die verschiedentlich dokumentierten Autofahrten in ang etrunkenem Zustand, den im neurologi- schen Konsilium erwähnten Sturz unter Alkoholeinfluss, d as Fehlen von Abstinenzphasen, ausser in geschütztem Rahmen verwiesen und es wird gestüt zt darauf die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.21) gestellt. Zudem b estehe eine organische Persönlichkeits- störung (ICD-10 F07.0), welche durch ein Schädelhirnt rauma, durch den massiven Alkohol- konsum oder durch eine massive Rauchgasvergiftung (vor a llem Kohlenmonoxyd) verursacht worden sein könne. Neurologisch zeigten sich eine affekt ive Persönlichkeitsstörung vom dominant frontalen Typ und auch neurokognitive Defizite. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, Gefahren und Risiken seines Handelns adäquat einzus chätzen und zeige keinerlei Einsicht in die Gefährlichkeit seiner Handlungen. Zudem weise er eine deutlich verminderte Frustrationstoleranz auf. Entgegen der früheren Diagno sen stehe jedoch keine Pyromanie im engeren Sinne im Vordergrund, sondern eher die hirno rganische Störung, welche die Kontroll- fähigkeit des Beschwerdeführers bezüglich seiner Handlungen deutlich herabsetze. Er bemerke zwar seine Vergesslichkeit, zeige jedoch kaum Einsicht in die Störung. Unter diesem Aspekt sei klar von einer weiterbestehenden Selbstgefährdung sowie von einer sekundären Fremd- gefährdung auszugehen. Die Aussagen des Beschwerdeführe rs, er würde, sobald er wieder in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht seiner Wohnung sei, den Wirt angreifen und töten, seien vor dem Hintergrund der festgestellten frontalen Hirnschädigung ernst zu nehmen. 5.2 Anlässlich ihrer Befragung im Rahmen der heutigen Parteiverhandlung führte die Sachverständige aus, dass sie den Beschwerdeführer als fre undlich und zuvorkommend erlebt habe, ausser in Situationen, in denen sie nicht gleiche r Meinung gewesen seien. Dann sei er schnell laut geworden. Eine Pyromanie im engeren Sinn liege nicht vor, weil der Beschwerde- führer keinen Lustgewinn durch das Legen von Feuer erf ahre. Die Brände würden vom Beschwerdeführer eher zufällig ausgelöst, indem er beis pielsweise seine brennende Zigarette vergesse. Da es sich um eine organische Genese handle, sei unsicher, ob eine Behandlung mit Medikamenten zu einer Verbesserung der Gesundheitssituat ion des Beschwerdeführers führe. Mit intensiver Psychotherapie könne aber möglicherweise d ie Steuerungsfähigkeit verbessert werden. Es wäre denkbar, dass der Beschwerdeführer den Grund für seine Störung erkenne und sich bewusst werde, in welchen Situationen er Hilfe in Anspruch nehmen müsse. Wenn dies gelinge, könnte der Beschwerdeführer langfristig i n einem betreuten Wohnheim weit- gehend selbständig wohnen. Derzeit sei der Beschwerdefü hrer aber nicht in der Lage, selbständig zu wohnen und eine ambulante Betreuung kön ne ihn nicht vor erneuten Bränden schützen. 5.3 Der Beschwerdeführer äusserte an der heutigen Verh andlung, dass er die ursprüngli- che Anordnung der FU nicht mehr in Frage stelle, die Verlängerung jedoch ablehne. Er sei bereit, seine Medikamente einzunehmen und mache dies au ch freiwillig. Für die geplante Brasilienreise habe er auch selbständig einen entspreche nden Vorrat gekauft. Er führte aus, dass er zunächst vor allem seine Familie in Brasilien besuch en wolle. Den Übertritt in ein betreutes Wohnen könne er sich nach seiner Rückkehr allenf alls vorstellen, aber er wolle nicht für immer in der Schweiz bleiben. Langfristig wolle er in Brasilien wohnen. Auf keinen Fall wolle er wieder ins Gefängnis, denn er sei kein gewalttätig er Mensch. Seine Aussage, wonach er nach seiner Entlassung gewalttätig werden würde, sei von der Sachverständigen bewusst provoziert worden. 6.1 Die Einweisung in die KPP erfolgte am 3. April 2014 gestützt auf das Einweisungs- zeugnis von Dr. C.____, welche einen Verdacht auf Pyromanie, eine depressive Episode, einen Status nach Alkoholintoxikation sowie einen Status nach H irnschlag diagnostizierte und daher auf eine erheblich Selbst- und Fremdgefährdung schloss. D er Antrag auf Verlängerung der FU vom 12. Mai 2014 wurde ebenfalls mit einer bekannten Pyromanie und hirnorganischen Störung sowie der daraus entstehenden Selbst- und Fremdgefährd ung begründet. Im Gutachten vom 28. Mai 2014 verneinte die Sachverständige zwar das Vo rliegen einer Pyromanie, bestätigte aber eine organische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F07. 0) und eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.21). Damit steht gestützt auf die fachärztl ichen Aussagen fest, dass der Beschwerdeführer an einer psychischen Störung leidet un d damit ein Schwächezustand im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB vorliegt. 6.2 Der Beschwerdeführer lehnt eine Verlängerung der Massnahme ab, da er die not- wendigen Medikamente auch selbständig einnehmen und be ispielsweise in einem Hotelzimmer Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht selbständig wohnen könne. Gemäss dem Gutachten vom 28. Mai 2014 ist der Beschwerde- führer aber nicht in der Lage, alleine zu wohnen. Da als Ursache für die Störung eine organische Genese angenommen wird, ist die zu erwartend e Verbesserung durch Medikamen- te eher marginal. Viel wichtiger ist daher die regelm ässige intensive Psychotherapie. Der Beschwerdeführer zeigt jedoch kaum Einsicht in die psychi sche Störung, obwohl er seine Vergesslichkeit selbst bemerkt. Aktuell wird von der Sachver ständigen eine engmaschige Betreuung des Beschwerdeführers im Rahmen einer Hospita lisation oder eines Wohnheimes als notwendig erachtet. Die Sachverständige blieb auch anlässlich ihrer Befragung im Rahmen der heutigen Verhandlung bei dieser Einschätzung. Eine Fürsorgebedürftigkeit des Beschwer- deführers im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB liegt demnach vor. 6.3 Der Beschwerdeführer war in der Vergangenheit wi ederholt in Situationen involviert, in denen es zu einem Brand kam. An der heutigen Verhandl ung bringt er vor, dass dies nie aus Absicht geschehen sei, sondern dass es sich um Unfälle gehan delt habe. Zudem habe es gar nicht richtig gebrannt. Gemäss den schlüssigen Ausführunge n im Gutachten vom 28. Mai 2014 ist der Beschwerdeführer aber nicht in der Lage, Gefahr en und Risiken seines Handelns adä- quat einzuschätzen. Er zeigt eine sehr bagatellisierende, teils verleugnende und abwehrende Haltung, sobald er mit eigenen Handlungen konfrontie rt wird. Die von der Sachverständigen aufgezeigten Muster zeigen sich deutlich in den Aussagen des Beschwerdeführers. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen kann deshalb nicht ausgeschl ossen werden, dass es erneut zu einem Brand kommen wird, bei dem unter Umständen auch Dritte gefährdet werden. Zudem zeigen auch die Äusserungen des Beschwerdeführers in der Untersuchung durch die Sach- verständige, dass er in schwierigen Situationen aufbraus end und aggressiv wird, was vor dem Hintergrund der herabgesetzten Steuerungsfähigkeit zu unüberlegten Handlungen führen kann. Gestützt darauf ist weiterhin von einer Selbst- und Fr emdgefährdung auszugehen, welche eine FU grundsätzlich rechtfertigt. 7.1 Es stellt sich weiter die Frage, ob aufgrund der B ehandlungs- und Betreuungs- bedürftigkeit des Beschwerdeführers eine Einweisung in ei ne Einrichtung erforderlich ist bzw. ob die strittige Massnahme verhältnismässig ist. 7.2 Gemäss dem Gutachten vom 28. Mai 2014 ist der Beschw erdeführer aktuell nicht in der Lage, alleine zu wohnen. Nachdem seine bisherige Wohnung gekündigt wurde, ist zudem seine Wohnsituation unklar. Der Beschwerdeführer schlug vo r, er könne in einem Hotel wohnen. Das Hotel, welches ihm vorschwebte, besteht nach Aussage der KESB B.____ aber nicht mehr. Gemäss den Ausführungen der Sachverständigen ist aktuell eine engmaschige Betreuung des Beschwerdeführers im Rahmen einer Hospita lisation oder eines Wohnheimes notwendig. Aufgrund der hiervor dargelegten Umstände und ärztlichen Stellungnahmen kommt zum heutigen Zeitpunkt nur eine stationäre Behandlung in Frage. Eine Entlassung aus der FU könnte angesichts der bestehenden Gefährdung nur erfolg en, wenn eine geeignete Anschluss- lösung besteht, welche die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers angemessen berücksichtigt. Eine solche vertretbare Anschlusslösung bes teht im heutigen Zeitpunkt jedoch nicht. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Zusätzlich als verhältnismässig erscheint eine FU nur, wenn mit ihr das angestrebte Ziel überhaupt erreicht werden kann. Die FU soll in erster Linie der Wiedererlangung der Selbständigkeit und der Eigenverantwortung dienen. Ist eine Besserung des Zustands aus- geschlossen, muss sie wenigstens die notwendige persönliche Betreuung ermöglichen, um der betroffenen Person ein menschenwürdiges Leben zu siche rn. Vorliegend ist der Behandlungs- erfolg zwar unsicher, eine Verbesserung der Situation durch eine intensive Psychotherapie kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Es besteht daher d ie Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer durch die notwendige Betreuung langf ristig wieder selbständiger werden kann. Der Behandlungserfolg ist aber insbesondere von der Krankheitseinsicht und seiner Kooperation abhängig. Die Verlängerung der FU erwei st sich auch unter diesem Gesichtspunkt als verhältnismässig. 7.4 Bezüglich der Frage der Eignung der KPP als Einr ichtung ist gerichtsnotorisch, dass die KPP über genügend ausgebildetes psychiatrisches Ärzte- und Pflegepersonal verfügt, welches in der Lage ist, den Beschwerdeführer zu betreuen und zu überwachen. Die KPP kann eine optimale, engmaschige Betreuung des Beschwerdeführ ers unter Klinikbedingungen gewährleisten, wie sie der Beschwerdeführer zurzeit benötigt. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Anordnung der KESB B.____ vom 15. Mai 2014, den Beschwerdeführer im Rahmen der FU bis zum 15. November 2014 in der KPP zurückzubehalten, zu Recht erfolgte und diese Massnah me auch zum heutigen Zeitpunkt verhältnismässig und angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9.1 Es bleibt, über die Kosten zu entscheiden. Aus den durch die Beiständin eingereichten Unterlagen ergibt sich eine prozessuale Bedürftigkeit d es Beschwerdeführers. Da die Sache nicht als aussichtslos zu gelten hat und die sich stellenden Rechtsfragen nicht einfach sind, ist dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen. 9.2 Nach § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Verfa hren vor Kantonsgericht kosten- pflichtig und die diesbezüglichen Kosten werden in der R egel der unterliegenden Partei auferlegt. Folglich sind die Verfahrenskosten in der Hö he von Fr. 4'430.-- (bestehend aus einer Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 1'800.-- und Gutach terkosten in der Höhe von Fr. 2'630.--) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Bewilligu ng der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. Die a usserordentlichen Kosten sind in Anwendung von § 21 Abs. 1 und 2 VPO wettzuschlagen. Z ufolge Bewilligung der unentgeltli- chen Verbeiständung ist der Rechtsvertreterin ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeist ändung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Aufwand der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers umfasst gemäss der eingereichten Honorarnote ohne Parteiverhandlung 11.1 Stunden zuzüglich Auslagen. Unter Berücksichtigung der Parteiverhandlung erscheint im vorliegenden Fall e in Aufwand von 13 Stunden als angemessen. Der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ist demnach ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'895.80 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hingew iesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in de r Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Dem Beschwerdeführer wird für das vorliegende Verf ahren die unent- geltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 4'430.-- (bestehend aus einer Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 1'800 und Gu tachterkosten in der Höhe von Fr. 2'630.--) werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2'895.80 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Ger ichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiber i.V.