<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.1999.00380</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=105475&amp;W10_KEY=4467150&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.1999.00380</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 17.05.2000</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Niederlassungsbewilligung (Familiennachzug)</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Nachzug eines 17-jährigen griechischen Sohns:<br/><br/>Zweck des Familiennachzugs; zu berücksichtigende Umstände nach dem Ausländerrecht des Bundes und der Europäischen Menschenrechtskonvention (E. 2a-c).<br/>Mitwirkungspflichten bei der Sachverhaltsaufklärung (E. 2d).<br/>Der Sohn hielt sich vom 3. bis 17. Altersjahr weitgehend in Griechenland bei Verwandten auf. Hinweise auf die infolge Erkrankung und Überforderung verunmöglichte Beaufsichtigung durch die Verwandten in Griechenland sind wenig aussagekräftig. Im Übrigen war mit Blick auf das Lebensalter des Sohns eine intensive Betreuung gar nicht mehr nötig. Angesichts der konkreten Umstände erweist sich das Nachzugsbegehren als rechtsmissbräuchlich.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: AuslÃ¤nderrecht ST: AUFENTHALTSBEWILLIGUNG">AUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: AuslÃ¤nderrecht ST: FAMILIENNACHZUG">FAMILIENNACHZUG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FAMILIENSCHUTZ">FAMILIENSCHUTZ</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 17 lit. II ANAG</span><br/><span class="ungerade">Art. 8 EMRK</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 4 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. Aus der Ehe der 1960 geborenen griechischen StaatsangehÃ¶rigen A. B. (= BeschwerdefÃ¼hrerin 1) mit dem 1945 geborenen F. B. gingen die drei Kinder G. [Sohn] (geboren 1979), C. [Sohn; = BeschwerdefÃ¼hrer 2] (geboren 1982) und H. [Tochter] (geboren 1986) hervor. Die Eheleute B. leben seit Jahren ge­trennt, sind aber im Besitz von Niederlassungsbewilligungen. C. B. wurde zwar in der Schweiz gebo­ren und in die Niederlassungsbewilligung der Eltern ein­bezogen, wurde aber am 30. Au­gust 1985 zusammen mit seinem Bruder G. nach Griechenland verbracht. Dort wurde er von einer Tante und den Grosseltern mÃ¼tterlicher­seits betreut. Auch die Schwester H. wur­de kurze Zeit nach der Geburt zu den Ver­wand­ten nach Griechenland gebracht.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Im Zusammenhang mit einem im Jahr 1987 erlittenen Autounfall wurde A. B. in Anerkennung eines InvaliditÃ¤tsgrads von 100% eine ordentliche einfache Invalidenrente inklusiv Kinderrenten zugesprochen. Der Sohn G. reiste am 19. August 1989 wieder in die Schweiz ein und erhielt eine Niederlassungsbewilligung.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Seit dem 30. August 1999 hÃ¤lt sich C. B. in der Schweiz auf. Schon vorher weilte er immer wieder zu Besuch bei seiner Mutter. Bereits am 21. Dezem­ber 1998 hatte A. B. ein Gesuch um Erteilung einer Niederlassungsbewilli­gung fÃ¼r C. B. gestellt, welches von der Direktion fÃ¼r Soziales und Si­cherheit mit VerfÃ¼gung vom 3. Mai 1999 abgewiesen wurde. Ein dagegen von Mutter und Sohn erhobener Rekurs wurde vom Regierungsrat des Kan­tons ZÃ¼rich mit Beschluss vom 27. Oktober 1999 ebenfalls abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. A. und C. B. liessen mit Eingabe vom 6. Oktober 1999 beim Verwaltungsgericht fristgerecht Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 27. Ok­tober 1999 erheben. Mit Eingabe vom 5. Januar 2000 beantragte die Staatskanzlei im Auf­trag des Regierungsrats des Kantons ZÃ¼rich die vollumfÃ¤ngliche Abweisung der Be­schwer­de.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Das Verwaltungsgericht zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. a) Die Beschwerde an das Verwaltungsgericht ist auf dem Gebiet der Fremden­polizei zulÃ¤ssig, soweit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht offen steht (§ 43 Abs. 1 lit. h und Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG] in der Fassung vom 8. Juni 1997). Dies ist der Fall bei Entscheiden betreffend Auf­enthalts‑ und Niederlassungsbewilligungen, auf deren Erteilung der AuslÃ¤nder einen bun­desrechtlichen Anspruch hat (vgl. Art. 100 lit. b Ziff. 3 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943 [OG].</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Die Kinder eines niedergelassenen AuslÃ¤nders haben gemÃ¤ss Art. 17 Abs. 2 Satz 3 des Bundesgesetzes Ã¼ber Aufenthalt und Niederlassung der AuslÃ¤nder vom 26. MÃ¤rz 1931 (ANAG) Anspruch auf Einbezug in dessen Niederlassungsbewilligung, wenn sie un­ter 18 Jahre alt und ledig sind und mit ihren Eltern zusammen wohnen. Nach der Praxis genÃ¼gt dabei die Absicht, ein gemeinsames Familienleben zu fÃ¼hren (BGE 115 Ib 97 E. 3a). Im vorliegenden Fall hat die BeschwerdefÃ¼hrerin 1 die Absicht bekundet, ihren le­digen Sohn in ihren Haushalt aufzunehmen. Zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung war der Sohn zudem noch keine 18 Jahre alt. Damit kÃ¶nnen sich die BeschwerdefÃ¼hrer auf Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG berufen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Ferner garantiert Art. 8 Abs. 1 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK) den Schutz des Familienlebens. Diese Grundrechtsnorm verbÃ¼rgt grundsÃ¤tzlich einen Anspruch auf Erteilung einer Anwesen­heitsbewilligung, auch wenn das auslÃ¤ndische Kind nicht unter der elterlichen Gewalt oder Obhut des gesuchstellenden Elternteils steht und somit nicht mit ihm zusammen wohnt; Voraussetzung ist einzig, dass die familiÃ¤re Beziehung tatsÃ¤chlich gelebt wird und intakt ist (BGE 118 Ib 153 E. 1c S. 157; 119 Ib 81 E. 1c; 125 II 633 E. 3a). In subjektiver Hin­sicht unterstehen auslÃ¤ndische wie schweizerische StaatsangehÃ¶rige dem Schutzbereich von Art. 8 Abs. 1 EMRK. Es ist unbestritten, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin 1 und ihr Sohn zusammen wohnen; eine gelebte und intakte familiÃ¤re Beziehung, wie sie Art. 8 Abs. 1 EMRK verlangt, liegt damit zwischen ihnen vor. Allerdings ist der BeschwerdefÃ¼hrer 2 im Lauf des Beschwerdeverfahrens volljÃ¤hrig geworden. Das Bundesgericht hat festgehalten, bei einer auf Art. 8 EMRK gestÃ¼tzten Bewilligung sei (im Gegensatz zur Anwendung von Art. 17 Abs. 2 ANAG) auf die VerhÃ¤ltnisse bezogen auf den gegenwÃ¤rtigen Zeitpunkt ab­zustellen. Dabei hat es offen gelassen, ob allenfalls noch zwischen dem Zeitpunkt der Be­schwerdeerhebung und demjenigen der UrteilsfÃ¤llung zu unterscheiden sei (BGE 120 Ib 257 E. 1f). Vorliegend kann diese Frage ebenfalls offen bleiben, da die Beschwerde aus anderen GrÃ¼nden abzuweisen ist, wie sich nachfolgend zeigen wird. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Zusammenfassend kann aber davon ausgegangen werden, dass sowohl Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG als auch Art. 8 Abs. 1 EMRK den BeschwerdefÃ¼hrenden grund­sÃ¤tz­lich einen Anspruch auf Nachzug verliehen haben. Das Verwaltungsgericht hat daher auf die vorliegende Beschwerde einzutreten.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. Materiell ist zu prÃ¼fen, ob im vorliegenden Fall die Voraussetzungen zur Ver­wirklichung des Anspruchs auf Kindesnachzug auch tatsÃ¤chlich erfÃ¼llt sind. Diese Beur­teilung hat das Verwaltungsgericht aufgrund der gegenwÃ¤rtigen Rechts‑ und Sachlage vor­zunehmen. Denn bei den VerhÃ¤ltnissen, die es zu wÃ¼rdigen gilt, handelt es sich nicht um einen abgeschlossenen Zustand, sondern um andauernde und sich weiterentwickelnde Um­stÃ¤nde (vgl. BGE 118 Ib 145 E. 2b S. 149).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>a) Zweck des Familiennachzugs ist es, das familiÃ¤re Zusammenleben zu ermÃ¶gli­chen. Der Wortlaut von Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG verdeutlicht, dass das Zusammenle­ben der <i>Gesamt</i>familie rechtlich abgesichert werden soll; das Gesetz verlangt ausdrÃ¼cklich, dass die Kinder mit ihren Eltern zusammen wohnen werden. Die Nachzugsregelung ist da­her auf den Fall zugeschnitten, dass die eheliche Beziehung der Eltern intakt ist. Sind die Eltern jedoch voneinander getrennt oder geschieden und hÃ¤lt sich der eine Elternteil in der Schweiz, der andere aber im Ausland (oder auch woanders in der Schweiz) auf, kann es nicht um eine ZusammenfÃ¼hrung der Gesamtfamilie gehen. In solchen FÃ¤llen entspricht es dem Gesetzeszweck nicht, einen bedingungslosen Anspruch auf Nachzug der Kinder anzu­nehmen. Ein Nachzugsrecht setzt vielmehr voraus, dass das Kind zum in der Schweiz le­ben­den Elternteil die vorrangige familiÃ¤re Beziehung unterhÃ¤lt. Dabei kommt es nicht nur auf die bisherigen VerhÃ¤ltnisse an, sondern es kÃ¶nnen auch nachtrÃ¤glich eingetretene oder gar kÃ¼nftige UmstÃ¤nde wesentlich werden. Namentlich kann nicht entscheidend sein, in wel­chem Land das Kind bisher seinen Lebensmittelpunkt hatte, bliebe doch sonst ein Nach­zugsrecht praktisch immer wirkungslos (BGE 118 Ib 153 E. 2b S. 159; 125 II 633 E. 3a). Zu berÃ¼cksichtigen ist aber, bei wem das Kind bisher gelebt hat. Sollte sich das Kin­desinteresse in der Zwischenzeit geÃ¤ndert haben, wÃ¤re fÃ¼r eine Anpassung der familiÃ¤­ren VerhÃ¤ltnisse in der Regel zunÃ¤chst der privatrechtliche Weg zu beschreiten. Vorbehal­ten bleiben FÃ¤lle, in denen klare Anhaltspunkte fÃ¼r neue familiÃ¤re AbhÃ¤ngigkeiten ‑ zum Beispiel beim Tod des sorgeberechtigten Elternteils oder bei neu sich abzeichnenden Pfle­gebedÃ¼rfnissen ‑ oder fÃ¼r eine wesentliche Verlagerung der BeziehungsintensitÃ¤ten beste­hen (BGE 124 II 361 E. 3a; 125 II 585 E. 2a).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Es kommt nicht selten vor, dass Kinder von AuslÃ¤ndern im Herkunftsland von anderen AngehÃ¶rigen der mÃ¼tterlichen oder vÃ¤terlichen Verwandtschaft aufgezogen wer­den. Wird die Elternrolle von anderen Personen als den Eltern wahrgenommen, verlagern sich regelmÃ¤ssig auch die BeziehungsintensitÃ¤ten. Die Frage nach der vorrangigen Bezie­hung stellt sich daher zwangslÃ¤ufig nicht nur hinsichtlich des hier ansÃ¤ssigen und des mit den Kindern im Ausland verbliebenen anderen Elternteils (vgl. BGE 122 II 385 E. 4b; 124 II 361 E. 3a). Gegeneinander abzuwÃ¤gen sind vielmehr die Beziehungen, die das Kind ei­nerseits mit dem nachzugsberechtigten Elternteil und andererseits mit der oder den Perso­nen verbindet, welche im Ausland die Elternrolle Ã¼bernehmen, seien dies nun einer oder mehrere AngehÃ¶rige der Verwandtschaft oder gar ein ganzer Verwandtschaftsverband. Letzt­lich geht es um die Frage, wo das nachzuziehende Kind seine vorrangigen familiÃ¤ren Bindungen hat. Der Kindesnachzug ist nur dann zu bewilligen, wenn die WÃ¼rdigung der gesamten UmstÃ¤nde zum Schluss fÃ¼hrt, dass das nachzuziehende Kind zum hier lebenden Elternteil in engerer Beziehung steht (vgl. RB 1998 Nr. 54).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Diese Auslegung von Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG steht nicht im Widerspruch zu Art. 8 Abs. 1 EMRK. Auch wenn diese Bestimmung unter anderem die familiÃ¤re Bezie­hung getrennt lebender Eltern zu ihren Kindern schÃ¼tzt, rÃ¤umt sie grundsÃ¤tzlich nicht dem­jenigen Elternteil ein Recht auf Nachzug ein, der freiwillig ins Ausland verreist ist und ein weniger enges VerhÃ¤ltnis zum Kind hat als der andere Elternteil oder sonstige Ver­wandte, die fÃ¼r das Kind sorgen. In solchen FÃ¤llen vermittelt auch Art. 8 Abs. 1 EMRK keinen be­dingungslosen Anspruch auf Nachzug des Kindes, sondern setzt wie Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG eine vorrangige Beziehung des Kindes zum hier ansÃ¤ssigen Elternteil voraus. Der Nachzug des Kindes muss sich als notwendig erweisen, weil sich die Ãnde­rung der bishe­rigen VerhÃ¤ltnisse aufgrund Ã¼berwiegender familiÃ¤rer Interessen aufdrÃ¤ngt (zum Ganzen BGE 122 II 385 E. 4b; 124 II 361 E. 3a; 125 II 633 E. 3a; vgl. auch Jochen Fro­wein/Wolf­gang Peukert, EMRK-Kommentar, 2. A., Kehl/Strassburg/Arlington 1996, Art. 8 Rz. 26).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) Im Bereich des Familiennachzugs bei nachtrÃ¤glicher Umgestaltung der Betreu­ungsverhÃ¤ltnisse verfolgt das Bundesgericht grundsÃ¤tzlich eine strenge Praxis. Der in der FamilienzusammenfÃ¼hrung bestehende Zweck des Familiennachzugs wird insbesondere auch dann nicht erreicht, wenn der in der Schweiz sich aufhaltende AuslÃ¤nder jahrelang von seinem Kind getrennt lebt und es erst kurz vor Vollendung des 18. Altersjahrs zu sich holt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt in solchen FÃ¤llen der Verdacht nahe, dass nicht das familiÃ¤re Zusammenleben angestrebt werde, sondern die mÃ¶glichst einfache Erlangung einer fremdenpolizeilichen Bewilligung. Das Bundesgericht sieht darin einen Rechtsmissbrauch, anerkennt andererseits aber auch, dass es gute GrÃ¼nde geben kann, die Familiengemeinschaft in der Schweiz erst nach Jahren herzustellen; solche GrÃ¼n­de mÃ¼ssten sich jedoch aus den UmstÃ¤nden des Einzelfalls ergeben (vgl. BGE 125 II 585 E. 2a S. 587, mit Hinweisen). Ernsthaft kÃ¶nne sich die Frage des nachtrÃ¤glichen Fami­lien­nachzugs darum in der Regel nur bei Kindern stellen, die zwar wÃ¤hrend mehrerer Jahre im Ausland von anderen FamilienangehÃ¶rigen (anderer Elternteil, Grosseltern usw.) betreut worden seien, zum Zeitpunkt der Gesuchstellung aber noch lÃ¤ngst nicht 18 Jahre alt seien und wenn GewÃ¤hr geboten sei, dass sie sich unter FÃ¼hrung des hier lebenden Elternteils in der Schweiz angemessen integrieren kÃ¶nnten. Ebenfalls zu beachten seien schliesslich die UmstÃ¤nde der Gesuchstellung (BGr, 29. Oktober 1998, 2A.92/1998 in Sachen Y.).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>d) Damit die dargelegten Voraussetzungen des Familiennachzugs im konkreten Fall sachgerecht Ã¼berprÃ¼ft werden kÃ¶nnen, mÃ¼ssen die Gesuchsteller ihren Teil zur Sachver­haltsaufklÃ¤rung beitragen. Das Bundesgericht hat hierzu festgestellt, dass die im Verwal­tungsverfahren grundsÃ¤tzlich geltende Untersuchungsmaxime durch die Mitwirkungs­pflicht der Parteien relativiert wird, die namentlich insoweit greift, als eine Partei das Ver­fahren durch eigenes Begehren eingeleitet hat oder darin eigene Rechte geltend macht. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bezieht sich die Mitwirkungspflicht natur­gemÃ¤ss gerade auf solche Tatsachen, die eine Partei besser kennt als die BehÃ¶rden und die von der BehÃ¶rde ohne Mitwirkung der gesuchstellenden Person gar nicht oder nicht mit vernÃ¼nftigem Aufwand erhoben werden kÃ¶nnten. In FÃ¤llen mit auslÃ¤nderrechtlichem Be­zug treffe dies insbesondere auf die von den Gesuchstellern behaupteten persÃ¶nlichen Um­stÃ¤nde in ihrer Heimat zu; solche Tatsachen liessen sich erfahrungsgemÃ¤ss von den schwei­zerischen BehÃ¶rden, wenn Ã¼berhaupt, so nur mit erschwertem Aufwand abklÃ¤ren (BGE 122 II 385 E. 4c/cc S. 394; 124 II 361 E. 2b). An die von der beschwerdefÃ¼hrenden Partei im Rahmen der Mitwirkungspflicht zu erbringenden Nachweise sind dabei hohe Beweis­anforderungen zu stellen (BGE 124 II 361 E. 4c S. 371).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. a) Der 1982 geborene BeschwerdefÃ¼hrer 2 wurde Ende August 1985 nach Grie­chenland gebracht, wo er (zusammen mit seinen Geschwistern) von der Tante I. J. sowie den Grosseltern mÃ¼tterlicherseits betreut wurde. Die BeschwerdefÃ¼hrerin 1 er­litt den schwe­ren Unfall am 14. Juni 1987, demnach nachdem die SÃ¶hne bereits nach Grie­chenland verbracht worden waren. Zu Recht hielt die Vorinstanz daher fest, es kÃ¶nne keine Rede da­von sein, das Unfallereignis bzw. dessen Folgen seien der Beweggrund fÃ¼r den Ent­scheid gewesen, die SÃ¶hne nach Griechenland zu bringen. Vielmehr lebte der Be­schwer­defÃ¼hrer 2 zum Zeitpunkt des Unfalls seiner Mutter bereits seit lÃ¤ngerem bei den Verwandten in Grie­chenland. Dort absolvierte er auch sÃ¤mtliche Schulen, weshalb die Fest­stellung der Vorin­stanz, er sei somit sozial, persÃ¶nlich und kulturell eng mit seiner Hei­mat verbunden, zu­tref­fend ist. An dieser Beurteilung vermag in der vorliegenden Kon­stellation auch das von der BeschwerdefÃ¼hrerin 1 Vorgebrachte, sie habe zufolge ihrer In­validitÃ¤t das Nachzugsrecht fÃ¼r den BeschwerdefÃ¼hrer 2 nicht frÃ¼her stellen kÃ¶nnen, nichts zu Ã¤ndern. Ebenso wenig von Bedeutung ist, dass der Bruder G. schon frÃ¼her in die Schweiz nachgezogen worden ist.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) In der Beschwerdeschrift wird nun geltend gemacht, es sei eine neue Situation eingetreten, da die Grossmutter in Griechenland wegen einer schweren Erkrankung seit Ok­tober 1998 bettlÃ¤grig sei und seither von der Tante vollumfÃ¤nglich betreut werden mÃ¼s­se. Zwar brauche der BeschwerdefÃ¼hrer 2 keine intensive Betreuung mehr. Trotzdem sei eine altersadÃ¤quate elterliche Aufsicht und Betreuung noch notwendig. Ausserdem sei es in den sozialen VerhÃ¤ltnissen, aus denen der BeschwerdefÃ¼hrer 2 stamme, die Regel, von einer weit Ã¼ber das 18. Altersjahr hinausgehenden Erziehungssituation auszugehen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>BezÃ¼glich der in den Akten liegenden Ã¤rztlichen BestÃ¤tigung vom 14. September 1999 betreffend den Gesundheitszustand der Grossmutter hielt die Vorinstanz zu Recht fest, diese sei wenig aussagekrÃ¤ftig, da darin weder eine exakte Diagnose gestellt noch dar­gelegt werde, ob dieser Zustand lediglich vorÃ¼bergehender oder dauernder Natur sei. Dies brauche aber auch nicht untersucht zu werden, da der im Zeitpunkt der Gesuchstellung knapp 17-jÃ¤hrige BeschwerdefÃ¼hrer 2, aber auch seine rund 13-jÃ¤hrige Schwester, keiner dauernden Aufsicht durch Erwachsene mehr bedurften und der Tante im Haushalt sogar helfen kÃ¶nnten.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>In der Tat ist davon auszugehen, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 2 zum Zeitpunkt der Gesuchstellung nicht mehr der dauernden Beaufsichtigung durch die Tante (und Gross­mutter) bedurfte. In der Beschwerdeschrift wird denn auch ausdrÃ¼cklich festgehalten, er brauche keine intensive Betreuung mehr. Wenn die BeschwerdefÃ¼hrenden ausfÃ¼hren las­sen, in den sozialen VerhÃ¤ltnissen, aus denen sie stammen, sei eine weit Ã¼ber das 18. Al­tersjahr hinausgehende Erziehungssituation die Regel, so Ã¤ndert das nichts daran, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 2 schon zum Zeitpunkt der Gesuchstellung keine intensive Be­treuung mehr benÃ¶tigte. Zudem Ã¤ussern sich die BeschwerdefÃ¼hrenden nicht zum Gesund­heitszu­stand der Tante. Sie beschrÃ¤nken sich auf die Behauptung, dass die PflegebedÃ¼rftig­keit der Grossmutter die Tante Ã¼berbeanspruche, so dass sie der Betreuungsaufgabe gegen­Ã¼ber dem BeschwerdefÃ¼hrer 2 und dessen Schwester nicht mehr gewachsen sei. Angesichts des Al­ters des BeschwerdefÃ¼hrers 2, welcher bei der Gesuchstellung knapp 17-jÃ¤hrig war, erweist sich aber das Argument, die Tante sei durch die Betreuung des BeschwerdefÃ¼hrers Ã¼ber­for­dert, als nicht Ã¼berzeugend. Es kann daher keine relevante VerÃ¤nderung in den Be­treu­ungs­verhÃ¤ltnissen festgestellt werden. Vielmehr ist vorliegend davon auszugehen, dass der Grund fÃ¼r den spÃ¤t angestrebten Nachzug, d.h. erst nachdem der BeschwerdefÃ¼hrer knapp 17-jÃ¤hrig war, darin lag, ihn so lange wie mÃ¶glich in seiner kulturellen und sozialen Umge­bung zu belassen. Erst nachdem der BeschwerdefÃ¼hrer 2 die Schulen in Griechen­land be­en­det hatte, wurde das Gesuch um Familiennachzug aktuell. Nach der Rechtspre­chung des Bundesgerichts liegt in solchen FÃ¤llen aber der Verdacht nahe, dass nicht primÃ¤r das fami­liÃ¤re Zusammenleben angestrebt wird, sondern die mÃ¶glichst einfache Erlangung einer frem­denpolizeilichen Bewilligung. Das Bundesgericht erblickt darin einen Rechts­miss­brauch. Vorliegend hat der BeschwerdefÃ¼hrer 2 in Griechenland die Schulen abge­schlossen und stand daher zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung unmittelbar vor dem Eintritt in die Berufsausbildung und damit ins Erwerbsleben. Von daher drÃ¤ngt sich der Schluss auf, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin 1 mit ihrem Nachzugsgesuch hauptsÃ¤chlich be­absichtigt hat, ihrem Sohn in der Schweiz das berufliche Fortkommen zu erleichtern.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Zudem gilt es zu berÃ¼cksichtigen, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 2 den grÃ¶ssten Teil seiner Kindheit in Griechenland verbracht hat. Er spricht die dortige Sprache und hat die Schu­len in seiner Heimat besucht. Dort ist er sozial und kulturell verankert. Insbesondere hat er seit seinem dritten Lebensjahr und somit den grÃ¶ssten Teil seines Lebens getrennt von der BeschwerdefÃ¼hrerin 1 gelebt.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>In WÃ¼rdigung all dieser Gesichtspunkte kann daher nicht von einer derartigen Vor­rangigkeit der Beziehung zwischen der BeschwerdefÃ¼hrerin 1 und ihrem Sohn ausgegan­gen werden, welche Grundvoraussetzung fÃ¼r den Kindesnachzug bilden kÃ¶nnte. Auch ohne Bewilligung des Familiennachzugs steht ihnen ausserdem weiterhin die MÃ¶glichkeit ge­gen­seitiger Besuche offen. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Beschwerde erweist sich daher als unbegrÃ¼ndet und ist abzuweisen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>4. ... </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet das Verwaltungsgericht:</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1.<span> </span></span><span>Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>2.<span> </span></span><span>...</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>