Seite 1 Entscheid vom 21. Oktober 2016 (510 16 34) __________________________________________________ ___________________ Strittiger Wohnsitz / Steueraufschub aufgrund Ersatzbeschaffung Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter Dr. Philippe Spitz, Steuerrichter Peter Salathe, Markus Zeller, Stefan E. Schmid, Gerichts- schreiberin I. Wissler Parteien A.____ , vertreten durch Fischer + Partner AG , Rechtsa nwälte und Steuerexperten, Fritz Fischer, Dornacherstrasse 8, 4002 Basel Rekurrenten gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Grundstückgewinnsteuer Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Veranlagungsverfügung Nr. 14/2645 vom 10. Dezem ber 2015 wurde die Grund- stückgewinnsteuer auf Fr. 23‘035.-- festgesetzt. 2. Gegen diese Veranlagung erhob der Vertreter der P flichtigen mit Schreiben vom 7. Ja- nuar 2016 Einsprache und begehrte, 1. Die Veranlagun g Nr. 14/2645 vom 10.12.2015 betref- fend die Grundstückgewinnsteuer sei aufzuheben und der steuerbare Grundstückgewinn auf Fr. 0.-- festzusetzen. 2. Unter o-/e-Kostenfolge. Zur Begr ündung führte er aus, die Pflichtigen hät- ten per 1. Oktober 2014 die selbstbewohnte Liegenschaft an der B._____ Strasse in C.____ für Fr. 440‘000.-- verkauft und in der Folge gemäss Erkläru ng vom 31. Januar 2015 die Liegen- schaft D.____ Weg in C.____ für Fr. 1‘250‘000.-- geka uft. Die Steuerverwaltung gehe nun da- von aus, die Pflichtigen hätten die verkaufte Liegensch aft an der B._____ Strasse nicht selbst bewohnt, was jedoch nicht zutreffe. Dass sie sich innerhal b der gleichen Gemeinde nicht um- gemeldet hätten, ändere daran nichts. Dass sich die pfl egebedürftige Ehefrau zeitweilig bei be- rufsbedingter Auslandsabwesenheit des Ehemannes als Monte ur an der E.____ Strasse bei den Töchtern aufgehalten habe, könne nicht ausschlagge bend sein. Die verkaufte Eigentums- wohnung an der B._____ Strasse sei zu keinem Zeitpunkt vermietet, sondern vielmehr dauernd selbstgenutzt gewesen. Der Eigenmietwert sei immer dekla riert worden. Die Pflichtigen würden heute in der Liegenschaft D.____ Weg in C.____ wohnen. Dieser Sachverhalt könne bei Bedarf durch Nachbarn und die Hausverwaltung bestätigt werden. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 17. März 2016 wies die St euerverwaltung die Einsprache ab. Zur Begründung führte sie aus, eine Anmeldung ha be bei der Gemeindeverwaltung innert 14 Tagen nach Zuzug zu erfolgen. Der Eingabe lasse sic h kein plausibler Grund entnehmen, warum während rund eines Jahrzehnts keine ordnungsgemä sse Ummeldung von der E.____ Strasse an die B._____ Strasse C.____ erfolgt sei. Zu den eingereichten Beweismitteln sei festzuhalten, dass die eingereichten Fotos einzig belege n würden, dass die Wohnung an der B._____ Strasse, falls es sich tatsächlich um diese handle, zu irgendeinem Zeitpunkt möbliert gewesen sei. Dies genüge jedoch nicht für den Nachweis, d ass sich dort tatsächlich auch der Lebensmittelpunkt der Rekurrenten befunden habe. Schlie sslich sei festzuhalten dass der Ver- trag mit der Swisscom, die Belege zum Telefon- und Inte rnetanschluss, sowie die Ablesequit- tung der Neovac ATA AG nicht genügen würden, um den notwendigen Beweis eines tatsächli- Seite 3 chen Wohnsitzes zu erbringen, würden die Akten der Steuer verwaltung etliche Belege beinhal- ten, die als Adresse der Pflichtigen die E.____ Strass e aufführen würden. Dazu gehöre die Rechnung der Rimax AG vom 20. Oktober 2010, der Maklerver trag mit Beurret & Partner Im- mobilien GmbH vom 1. März 2014 oder der von Notar F.__ __ ausgefertigte Kaufvertrag vom 24. September 2014. Der notariell beurkundete Vertr ag, dem erhöhte Beweiskraft zukomme, die erwähnten Belege und auch der Verstoss gegen die U mmeldepflicht seien stärker als die eingereichten Beweismittel zu werten. 4. Mit Schreiben vom 17. April 2016 erhob der Vertre ter der Pflichtigen Rekurs und begehr- te, die Veranlagung Nr. 14/2645 vom 10.12.2015 betre ffend Grundstückgewinnsteuer sei auf- zuheben und der steuerbare Grundstückgewinn auf Fr. 0.-- festzusetzen. 2. Unter o-/e- Kostenfolge. Zur Begründung führte er aus, der Schluss d er Steuerverwaltung sei nicht haltbar. Bereits im Einspracheverfahren sei die Befragung von Zeugen offeriert worden. Der Einwand die Fotos könnten auch eine andere Wohnung betreffen sei ebenso wenig überzeugend wie der Schluss, dass die Pflichtigen die Wohnung nicht selbst gen utzt und nicht vermietet hätten. Die Pflichtigen würden nicht in finanziellen Verhältnissen l eben, die dies zulassen würden. Die Hauswartin der Liegenschaft, der mit dem Verkauf manda tierte Liegenschaftsmakler und der Verwalter der Stockwerkeigentümergemeinschaft B._____ Strasse würden bestätigen, dass die Pflichtigen die Wohnung selbst genutzt hätten. Der Umsta nd, dass innerhalb der Gemeinde keine Ummeldung erfolgt sei, sei damit zu begründen, da ss die Wohnung an der E.____ Stras- se von den Töchtern beibehalten worden sei. Da diese wesentlich besser deutsch sprechen würden, würden sie die administrativen Dinge für ihre Eltern wahrnehmen. Es sei folglich nie- mandem aufgefallen, dass selbst der Kaufvertrag der Woh nung B._____ Strasse die Adresse E.____ Strasse ausgewiesen habe. Als Zeugin sei die Toch ter Frau A.____ zu befragen. Den Pflichtigen sei eine Parteientschädigung zuzusprechen. D a die Vorinstanz den Untersuchungs- grundsatz und den Anspruch auf das rechtliche Gehör verle tzt hätte, sei das kostenpflichtige Rekursverfahren notwendig geworden. 5. Mit Vernehmlassung vom 19. Mai 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, selbst wenn ein Steueraufschub wegen Ersatz- beschaffung gewährt würde, könnte die Veranlagung ni cht wie beantragt auf Fr. 0.-- lauten, sondern der steuerbare Gewinn von Fr. 100‘112.-- gemäss Veranlagungsverfügung Nr. 14/2645 vom 10. Dezember 2015 bliebe mit einem ermittelten St euerbetrag von Fr. 23‘035.-- unverän- Seite 4 dert bestehen. Nach der Praxis des Steuergerichts müsse es sich um eine Wohnliegenschaft handeln, welche der ausschliesslichen Selbstbewohnung di ene, d.h. auf jeden Fall eine dau- ernde Wohnsitznahme erfordere. Zentral sei immer der W ohnsitz am alten und am neuen Ort. Die Beweislast den Wohnsitz substantiiert nachzuweisen obliege den Rekurrenten. Als offizielle Wohnadresse bei der Einwohnerkontrolle C.____ sei die E .____ Strasse eingetragen gewesen. Zahlreiche andere Belege würden ebenfalls darauf hin deuten. So auch das Meldeformular der ESTV über die WEF-Rückzahlung sowie der Eintrag im Gru ndbuch der neu erworbenen Lie- genschaft D.____ Weg wo die Eigentümer mit Wohnadresse E.____ Strasse aufgeführt seien. Der öffentlich beurkundete Kaufvertrag sowie der Gru ndbuchauszug hätten eine verstärkte Be- weiskraft. Auch die anderen Umstände würden dafür sprech en, dass der Familienwohnsitz an der E.____ Strasse gewesen sei. 6. Mit Verfügung vom 26. September 2016 hiess das Steu ergericht den Antrag auf Befra- gung der Hauswartin Frau G.____ gut, wies hingegen di e Befragung von weiteren Zeugen ab. Zusätzlich verlangte das Steuergericht Kopien sämtlicher Rechnungen der direkt bezahlten Kosten für den individuellen Stromverbrauch in den versc hiedenen von den Rekurrenten be- wohnten Liegenschaften bzw. Liegenschaftsteilen (Rechnung en der Verteilwerke), für den indi- viduellen Wasserverbrauch (Wasserrechnungen der Gemeinde) , für den Festnetz-Telefon- Anschluss sowie für den Internetanschluss. Im Weiteren wur den Kopien der Abrechnungen der bezahlten Nebenkosten für die Heizung in den verschieden en von den Rekurrenten bewohnten Liegenschaften verlangt. 7. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Die Befragung der Hauswartin hat ergeben, dass diese in der Zeit von 2 004 bis 2011 an der B._____ Strasse gelebt habe, dort als Abwartin tätig gewesen sei und sich um alle hauswirtschaftlichen Tätigkei- ten gekümmert habe. Die Familie A.____ habe die Wohn ung damals als erste gekauft. Sie hät- ten immer dort gewohnt. In den Ferien habe der Ehem ann sie als Hauswartin vertreten. An der E.____ Strasse sei sie nie gewesen. Dort würden die Töch ter wohnen, wobei sie sich am Wo- chenende oft bei den Eltern aufgehalten hätten. Sie kenne die Töchter, habe aber mehr Kontakt zu den Eltern. Zwischenzeitlich wohne sie in Liestal und pflege immer noch den Kontakt zu den Rekurrenten. Im Weiteren hat der Vertreter der Pflichtigen an d er heutigen Verhandlung erklärt, dass die Ehegatten die Wohnung aufgrund des Verkaufs per 1. Oktober 2014 verlassen hätten und Seite 5 bis zum Antritt der neuen Wohnung am D.____ Weg per 1 . Juni 2015 bei den Töchtern in der E.____ Strasse gewohnt hätten. Insofern sei die Adressie rung der Post an die E.____ Strasse sachlogisch. Das Steuergericht zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstritt ener Steuerbetrag wie im vor- liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Strittig ist, an welcher Adresse die Rekurrenten ih ren Wohnsitz vor dem Kauf der neuen Liegenschaft „D.____ Weg“ in C.____ hatten und ob di e Steuerverwaltung zu Recht eine Grundstückgewinnsteuer erhoben hat. a) Nach Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. Dezembe r 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und G emeinden (StHG) unterliegen der Grundstückgewinnsteuer Gewinne, die sich bei Veräusserung e ines Grundstückes des Privat- vermögens oder eines land- oder forstwirtschaftlichen G rundstückes sowie von Anteilen daran ergeben, soweit der Erlös die Anlagekosten (Erwerbspre is oder Ersatzwert zuzüglich Aufwen- dungen) übersteigt. Nach Art. 12 Abs. 3 lit. e StHG wird die Besteuerun g bei Veräusserung einer dauernd und ausschliesslich selbstgenutzten Wohnliegenschaft (Einfamilienhaus oder Eigen- tumswohnung), soweit der dabei erzielte Erlös innert angemessener Frist zum Erwerb oder zum Bau einer gleichgenutzten Ersatzliegenschaft in der Schweiz verwendet wird aufgeschoben. § 73 lit. k StG, welcher mit der Regelung des Steuer harmonisierungsgesetzes überein stimmt, präzisiert die sogenannt "angemessene Fr ist" und legt den Zeitrahmen regel- Seite 6 mässig auf zwei Jahre fest, wobei es sich auch im kantonalen Recht um den Erwerb einer "gleichgenutzten Ersatzliegenschaft" handeln muss. b) Grundvoraussetzung für einen Steueraufschub ist, d ass eine Ersatzbeschaffung stattfindet, also ein Grundstück veräussert und kausal mi t dieser Veräusserung zusammenhän- gend ein Ersatzobjekt mit derselben wirtschaftlichen Fun ktion erworben wird. Es kann also nur ein überbautes Grundstück verkauft und ein überbautes ode r zu überbauendes Grundstück gekauft werden. Der Verkauf eines unüberbauten Grundst ücks berechtigt nicht zur Ersatzbe- schaffung. Damit von einer Ersatzbeschaffung gesprochen werden ka nn, muss zwischen den beiden Handänderungen ein adäquater Kausalzusamme nhang bestehen. Der zeitlichen Abfolge der Handänderung kommt dabei eine gewichtige Bedeutung zu. Eine adäquate Kausa- lität ist regelmässig desto eher anzunehmen, je näher die beiden Handänderungen zeitlich auf- einander folgen. Zu berücksichtigen sind jedoch darüber hinaus sämtliche Umstände des Ein- zelfalls sowie die konkreten Verhältnisse des Steuerpflicht igen, die zu einer Durchbrechung oder umgekehrt zu einer Verstärkung des adäquaten Kausalzusammenhangs beitragen können (vgl. Entscheid des Steuergerichts [StGE] 510 12 13 vom 11. Mai 2012, E. 3a). Der Steueraufschub wird auch gewährt, wenn das Ersat zobjekt zum Voraus im Hinblick auf die Veräusserung der bisherigen Liegenschaft erworben wurde (sog. Voraus- beschaffung). Der enge Zusammenhang zwischen den beiden Vorgängen (Erwerb bzw. Bau und Verkauf) wird dabei allerdings vorausgesetzt. Der E rlös kann für den Erwerb oder die Ver- besserung eines gleichartigen Ersatzobjektes eingesetzt wer den (vgl. Rich- ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steu ergesetz, 3. Auflage Zürich 2013, § 216 N 264 ff.; Richner in: Schweizerische Zeitschrift für Beurkundungs- und Grundbuchrecht, 85. Jahrgang, S. 80 f.). c) Das Gesetz verlangt, dass eine selbstbewohnte Liegensc haft veräussert worden sein muss. Dabei ist ein eigenes tatsächliches Bewohnen erfo rderlich. Es muss aber nicht nur ein Selbstbewohnen vorliegen. Dieses muss darüber hinau s auch noch ausschliesslich sein. Das heisst, zum einen darf die Wohnliegenschaft keinem an deren Zweck als dem Wohnen die- nen und zum anderen muss der Veräusserer die ganze Wohn liegenschaft auch ausschliesslich selbstbewohnt haben. Die Verletzung des Kriteriums der A usschliesslichkeit führt nicht dazu, dass der Steueraufschub infolge Ersatzbeschaffung vollständig verweigert würde. Vielmehr wird derjenige Anteil des Gewinns, der auf den ausschliesslich selbstbewohnten Anteil am Grund- Seite 7 stück entfällt, in die Ersatzbeschaffung einbezogen (vgl. StGE 510 12 13 vom 11. Mai 2012, E. 3b). Das veräusserte Grundstück muss aber nicht nur ausschliesslich selbstbewohnt gewesen sein. Die Selbstnutzung muss zudem auch dauernd ge wesen sein. Grundsätzlich muss das Eigenheim im Zeitpunkt der Handänderung bzw. im Zeitpunkt, in dem der Entschluss zur Ersatzbeschaffung gefasst wird, selbstbewohnt sein. Fü r das dauernde Selbstbewohnen genügt es, dass der Steuerpflichtige sein ausschliesslich selbstbewohntes Eigenheim in der Zeit vor der Handänderung ohne erhebliche Unterbrechung be wohnte, mithin am fraglichen Ort sei- nen zivil- bzw. steuerrechtlichen Wohnsitz gehabt hat. Dam it das Kriterium der Dauerhaftigkeit erfüllt ist, muss sich der Wohnsitz am Schluss der Besitzesdau er im veräusserten Grundstück befunden haben. Nicht erforderlich ist hingegen, dass er das veräusserte Grundstück während der ganzen Besitzesdauer ununterbrochen ausschliesslich se lbstbewohnte. Dabei rechtfertigt es sich, den Begriff "dauernd" weit auszulegen und ihn a llenfalls selbst bei längeren Unterbrü- chen der Selbstnutzung als erfüllt anzusehen. Beim be treffenden Grundstück darf es sich aber nicht bloss um eine gelegentliche oder vorübergehende Bl eibe des Steuerpflichtigen handeln (vgl. Steuer Revue, Nr. 1/2005, S. 79). Mit einer Ersatzbeschaffung ist zwangsläufig immer ein W ohnsitzwechsel ver- bunden, wobei in der Regel der (neue) Wohnsitz im Er satzobjekt dem (alten) Wohnsitz im ver- äusserten Grundstück folgt. Hiervon kann es im Einzelfall Abweichungen geben. So können die beiden Wohnsitze durch einen Drittwohnsitz kurz unterbroch en werden, wenn nämlich der Steuerpflichtige sein Eigenheim veräussert, ohne das Er satzobjekt schon erworben zu haben bzw. dieses zwar schon im Eigentum des Steuerpflichtigen steht, infolge Bau oder Umbau aber noch nicht bezogen werden kann. Ein Steueraufschub wege n Ersatzbeschaffung eines Eigen- heims kann nicht verwehrt werden, wenn die Zeitspanne zw ischen Aufgabe der Selbstnutzung und Handänderung im Verhältnis zur gesamten Besitzesdauer und für sich genommen massvoll oder - sofern darüber hinausgehende - durch besondere Gründe gerechtfertigt ist. Entschei- dend ist letztlich, dass die Frist zwischen den Selbstnutzu ngen angemessen ist (vgl. StGE 510 12 13 vom 11. Mai 2012, E. 3b). Ein Steueraufschub kann nur gewährt werden, wenn sow ohl das veräusserte als auch das als Ersatz erworbene oder gebaute Grundstück daue rnd und ausschliesslich vom Steuerpflichtigen selbstbewohnt wird. Wie das veräusserte Grundstück muss auch das Ersatz- grundstück dieselben Voraussetzungen erfüllen (vgl. Nefzge r/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, Basel 2004, § 7 3 N 46 ff., Rich- ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 216 N 333 f.; Richner, a.a.O., S. 82). Seite 8 Eine steuerprivilegierte Ersatzbeschaffung liegt gemä ss § 73 lit. k StG zudem nur vor, wenn der steuerpflichtige Veräusserer mindestens teil weise mit dem Erwerber des Er- satzgrundstücks identisch ist (vgl. StGE 510 12 1 vom 29. Juni 2012, E. 7c). Bei der Prüfung der "angemessenen Frist" ist zu beacht en, dass nicht bloss die Frist zwischen den beiden Handänderungen massgebend ist. Vielmehr ist auch die gleiche Nut- zung der Ersatzliegenschaft innert angemessener Frist seit Aufgabe der betreffenden Nutzung der veräusserten Liegenschaft aufzunehmen (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts Zürich vom 19. November 1997, publ. in: Der Steuerentscheid [StE] 1998 B 42.38 Nr. 17). d) Ziel des Gesetzgebers beim Steueraufschub war, respek tive ist, die Förderung bzw. die Erhaltung von selbstgenutztem Wohneigentum. Mit § 73 lit. k StG sollte somit die Schaffung von neuem Wohneigentum unterstützt und der Verkauf der alten und der Kauf einer neuen selbstbewohnten Liegenschaft ohne finanzielle Ver luste ermöglicht werden. Gedacht wurde dabei insbesondere an Personen, die ihr Wohneigentum aufgrund eines berufsbedingten Wohnortwechsels veräussern und andernorts wieder neu er werben müssen (vgl. zum Ganzen StGE 73/2002 vom 13. September 2002, E. 6 und 7, St GE 510 12 13 vom 11. Mai 2012, E. 3; Nefzger/Simonek/Wenk, a.a.O., § 73 N 46; vgl. auch StGE 510 2013 08 vom 23. August 2013). 3. a) Frau G.____ war gemäss ihrer eigenen Aussagen an der heutigen Befragung seit dem Jahre 2004 bis zu ihrem Wegzug nach Liestal im Jahre 2011 als Abwartin in der Lie- genschaft B._____ Strasse in C.____ tätig. Aufgrund ihrer Tätigkeit ist davon auszugehen, dass sie darüber im Bilde war, welche Personen damals in de r Liegenschaft gewohnt haben. Sie ha- be die Familie in der B._____ Strasse kennengelernt. Der Ehemann habe an den Sitzungen mit der Verwaltung, an welchen sie auch anwesend gewesen sei, teilgenommen und sie als Abwar- tin während der Ferienabwesenheiten vertreten. Sie b estätigte zudem, dass sie auch heute noch den Kontakt zu den Rekurrenten pflege. b) Die von Frau G.____ gemachten Aussagen an der heuti gen Befragung sind glaubwürdig. Die eingereichten Belege betreffend Wär meverbrauch zeigen, dass dieser in den Jahren 2012 bis 2014 an der B._____ Strasse gestiegen i st. Diejenigen betreffend die zusam- mengefassten Nebenkosten sind hingegen wenig aussagekräft ig, da sie lediglich eine Auftei- lung gemäss der Wertquote ausweisen und demnach ein gen auer Verbrauch nicht nachgewie- sen ist. Belege über einen Festnetzanschluss konnten nicht er hältlich gemacht werden, wobei ohnehin davon auszugehen ist, dass die dort anfallenden Kosten pauschal abgerechnet wer- Seite 9 den. Die eingereichten Bestätigungen von Bekannten o der Freunden sind ebenfalls nicht be- weiskräftig genug. Diese können auch Gefälligkeitsaussage n enthalten, welche sich einer Überprüfung entziehen. Der Kaufvertrag betreffend di e B._____ Strasse datiert vom 24. Sep- tember 2014. Gemäss den Ausführungen des Vertreters h aben die Pflichtigen die Wohnung an der B._____ Strasse im September 2014 aufgrund des Ve rkaufs verlassen und haben bis zum Einzug im D.____ Weg vorübergehend für die Dauer von r und 8 Monaten bei den Töchtern ge- wohnt. Die Wohnung an der B._____ Strasse wurde gemäss eine r „Meldung über die Rückzahlung Wohneigentumsförderung“ vom 19. Dezember 201 4 an die Vorsorgeeinrichtung mit Mitteln aus der beruflichen Vorsorge erworben. Di ese Gelder wurden auch in die neue Lie- genschaft D.____ Weg investiert. Die Beanspruchung von Geldern aus einer Vorsorgeeinrich- tung ist nur für selbstbewohnte nicht aber für vermiet ete Objekte möglich, was dafür spricht, dass die Wohnung an der B._____ Strasse durchgehend sel bstgenutzt war. Der Unterbruch von rund 8 Monaten zwischen dem Verkauf der alten Liegen schaft an der B._____ Strasse und dem Kauf der neuen Liegenschaft am D.____ Weg, beide in C.____, wirkt sich auf einen allfälli- gen Steueraufschub nicht schädlich aus, liegen der Verka uf der ehemals bewohnten Liegen- schaft und der Kauf der neu bezogenen Liegenschaft wei t weniger als zwei Jahre auseinander. Es ist auch nicht unüblich, eine alte Liegenschaft vor dem Kauf einer neuen zu veräussern, um die daraus erhaltenen Mittel wieder neu zu investieren. Beide Liegenschaften dienten resp. die- nen zudem dem Zweck des Wohnens. Dass die Adresse „E.____ St rasse“ auf der Mehrheit der Rechnungen, dem Kaufvertrag, Abrechnungen und Belege figuriert ist deshalb nicht weiter ver- wunderlich, als die Rekurrenten rund 8 Monate vor ihre m Einzug im D.____ Weg tatsächlich auch an der E.____ Strasse gewohnt haben. Dass die Hau shaltversicherungspolice auf die E.____ Strasse lautet, hat ebenfalls keine negativen Auswirkungen, ist es doch durchaus üblich zwei Objekte in einer Police zu versichern. Da es zudem au ch glaubhaft ist, dass die Töchter der Rekurrenten für den Schriftverkehr besorgt waren, i st es nicht ungewöhnlich, dass deren Adresse auf der Police aufgeführt ist. Insgesamt hat sich das Gericht davon überzeugen lassen, dass die Rekurrenten die Wohnung an der B._____ Stra sse dauerhaft selbst bewohnt haben. Die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Steueraufsch ub sind demzufolge erfüllt und die Grundstückgewinnsteuerveranlagung ist somit aufzuheben. 4. a) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Rekurrenten nach § 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Seite 10 b) Nach § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann bei Be schwerden in Steuersachen der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei zug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der gerichtlich anerkann- te Stundensatz für Anwälte beträgt Fr. 250.-- (vgl. E ntscheid des Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft vom 17. Juni 2009, publ. in: Baselland schaftliche und Baselstädtische Steu- erpraxis [BStPra], Bd. XIX, S. 559 ff.). Für das Rekursv erfahren machte der Vertreter gemäss Honorarnote vom 19. Oktober 2016 einen Zeitaufwand von 7,25 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 250.-- geltend, was inkl. Mehrwertsteuer eine P arteientschädigung von Fr. 1‘898.10 ergibt. Seite 11 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Der Rekurs wird gutgeheissen. 2. Die Steuerverwaltung wird im Sinne der Erwägunge n angewiesen, den steuerbaren Grundstückgewinn in Höhe von Fr. 100‘112.-- gemäss § 73 lit. k StG aufzuschieben. 3. Es werden keine Kosten erhoben. Der bereits bezahlt e Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 1‘000.-- wird den Rekurrenten zurückerstattet. 4. Die Steuerverwaltung hat den Rekurrenten eine Pa rteientschädigung in Höhe von Fr. 1‘898.10 (inklusive Auslagen und MWSt) zu bezahlen. 5. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. der Rekurrenten (2) und die Steuerver- waltung des Kantons Basel-Landschaft (3).