<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 96 S.338</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>96</b></span> <span class="ft2"><b>Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA; Pflegkind</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für ein italienisches Pflegkind</b></span><br/> <span class="ft2"><b>trotz fehlender Pflegplatzbewilligung der in der Schweiz wohnhaften</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Pflegeltern.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>Sofern die Voraussetzungen zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gemäss Art. 24 Abs. 1 des Anhangs I zum FZA erfüllt sind, ist dem Pfleg-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kind eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, und es gibt keinen Raum für</b></span><br/> <span class="ft2"><b>weitere Bedingungen. Ob die Voraussetzungen für die Erteilung einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Pflegplatzbewilligung erfüllt sind, oder ob weitere vormundschaftliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Massnahmen ergriffen werden müssen, ist durch die zuständige Vor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mundschaftsbehörde zu prüfen.</b></span> <span class="ft2"><b>Sollten die Voraussetzungen für die Er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teilung einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 24 Abs. 1 des Anhangs I</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zum FZA nicht erfüllt sein, hat sich das Migrationsamt mit der Frage</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auseinander zu setzen, ob dem Pflegkind eine Aufenthaltsbewilligung im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rahmen eines Härtefalles zu erteilen ist (Erw. II./2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 10. August</span><br/> <span class="ft3">2007 in Sachen V.V. und A.V. betreffend Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA</span><br/> <span class="ft3">(1-BE.2007.7).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer beantragten für ihre Nichte, welche ih-</span><br/> <span class="ft1">nen von den italienischen Behörden in Obhut gegeben worden war,</span><br/> <span class="ft1">eine Aufenthaltsbewilligung. Das Migrationsamt des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft1">sicherte den Beschwerdeführern eine Aufenthaltsbewilligung für</span><br/> <span class="ft1">deren Nichte unter der Bedingung zu, dass ihnen eine Pflegplatzbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung erteilt werde. In der Folge wurde den Beschwerdeführern</span><br/> <span class="ft1">indessen die Pflegplatzbewilligung verweigert, worauf das Migrati-</span><br/> <span class="ft1">onsamt des Kantons Aargau der Nichte keine Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">erteilte.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. [...] Die Nichte der Beschwerdeführer ist italienische</span><br/> <span class="ft1">Staatsangehörige, weshalb auf sie das FZA anwendbar ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">340</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.2. Gemäss Art. 24 Abs. 1 des Anhangs I zum FZA hat eine</span><br/> <span class="ft1">Person, die die Staatsangehörigkeit einer Vertragspartei besitzt und</span><br/> <span class="ft1">keine Erwerbstätigkeit im Aufenthaltsstaat ausübt, Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">Aufenthalt, sofern sie den Nachweis dafür erbringt, dass sie für sich</span><br/> <span class="ft1">und ihre Familienangehörigen über ausreichende finanzielle Mittel</span><br/> <span class="ft1">und über einen sämtliche Risiken abdeckenden Krankenversiche-</span><br/> <span class="ft1">rungsschutz verfügt.</span><br/> <span class="ft1">Wie die Vorinstanz korrekt festhält, besteht unter den genannten</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung.</span><br/> <span class="ft1">2.3. Die Vorinstanz ist jedoch der Ansicht, es dürfe im vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Fall nicht ausser Acht gelassen werden, dass es sich bei der</span><br/> <span class="ft1">Nichte der Beschwerdeführer als Anspruchsberechtigte um ein un-</span><br/> <span class="ft1">mündiges Kind handle. Es sei nicht vorgesehen, dass dieses bei sei-</span><br/> <span class="ft1">nen leiblichen Eltern wohne, sondern dass es im Sinne einer Pfleg-</span><br/> <span class="ft1">schaft bei seinen Verwandten platziert werden soll. Nachdem jedoch</span><br/> <span class="ft1">im konkreten Fall die Voraussetzungen für diese Pflegschaft gemäss</span><br/> <span class="ft1">nationalem Recht nicht erfüllt seien, dürfe sich die Nichte nicht bei</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführern aufhalten. Damit fehle es an einer Unterbrin-</span><br/> <span class="ft1">gungsmöglichkeit in der Schweiz, weshalb die Erteilung einer Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthaltsbewilligung keinen Sinn mache.</span><br/> <span class="ft1">2.4. Diesen Ausführungen kann nicht gefolgt werden. Sofern</span><br/> <span class="ft1">die Voraussetzungen gemäss Art. 24 Abs. 1 des Anhangs I zum FZA</span><br/> <span class="ft1">erfüllt sind, besteht aus ausländerrechtlicher Sicht ein Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">Aufenthalt. Das FZA bietet keine Grundlage, an diesen Anspruch</span><br/> <span class="ft1">noch weitere Bedingungen zu knüpfen.</span><br/> <span class="ft1">Die von der Vorinstanz angesprochene Problematik der fehlen-</span><br/> <span class="ft1">den Pflegeplatzbewilligung betrifft ausschliesslich zivil-, insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere vormundschaftsrechtliche, Belange. Diese sind jedoch von den</span><br/> <span class="ft1">zuständigen Behörden zu behandeln. Sind die Voraussetzungen für</span><br/> <span class="ft1">die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gemäss den einschlägigen</span><br/> <span class="ft1">fremdenpolizeilichen Bestimmungen erfüllt, ist die entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.</span><br/> <span class="ft1">Ob sodann die Voraussetzungen für die Erteilung einer Pflege-</span><br/> <span class="ft1">platzbewilligung erfüllt sind, oder ob weitere vormundschaftliche</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen ergriffen werden müssen, ist durch die zuständige Vor-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">341</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mundschaftsbehörde zu prüfen (vgl. hiezu das Übereinkommen über</span><br/> <span class="ft1">die Zuständigkeit der Behörden und das anzuwendende Recht auf</span><br/> <span class="ft1">dem Gebiet des Schutzes von Minderjährigen [SR 0.211.231.01]</span><br/> <span class="ft1">vom 5. Oktober 1961). Diese hat zu entscheiden, ob dem Kind ein</span><br/> <span class="ft1">Vormund zu bestellen ist, welcher seine Interessen vertritt. Denkbar</span><br/> <span class="ft1">wäre unter anderem, dass im Interesse des Kindes gegenüber den</span><br/> <span class="ft1">italienischen Behörden Forderungen geltend gemacht werden, damit</span><br/> <span class="ft1">das Kind in der Schweiz über ausreichende finanzielle Mittel verfügt.</span><br/> <span class="ft1">Zu klären wäre wohl auch, ob dem Kind gestützt auf staatsvertragli-</span><br/> <span class="ft1">che Vereinbarungen zwischen der Schweiz und Italien bzw. gestützt</span><br/> <span class="ft1">auf die Bilateralen Abkommen mit der EU Unterstützungsbeiträge</span><br/> <span class="ft1">zustehen, welche die finanzielle Unabhängigkeit des Kindes sicher-</span><br/> <span class="ft1">stellen würden.</span><br/> <span class="ft1">Erst wenn Klarheit über die dem Kind zur Verfügung stehenden</span><br/> <span class="ft1">finanziellen Mittel bzw. den Krankenversicherungsschutz herrscht,</span><br/> <span class="ft1">kann über einen allfälligen Anspruch des Kindes auf Erteilung einer</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 24 Abs. 1 Anhang I zum</span><br/> <span class="ft1">FZA entschieden werden.</span><br/> <span class="ft1">2.5. Sollten die Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung gestützt auf Art. 24 Abs. 1 Anhang I zum FZA nicht</span><br/> <span class="ft1">erfüllt sein, hat sich das Migrationsamt zudem mit der Frage ausein-</span><br/> <span class="ft1">ander zu setzen, ob dem Kind eine Aufenthaltbewilligung im Rah-</span><br/> <span class="ft1">men eines Härtefalles zu erteilen ist (vgl. Art. 20 der Verordnung</span><br/> <span class="ft1">über die Einführung des freien Personenverkehrs [VEP] vom 22. Mai</span><br/> <span class="ft1">2002 und Ziffer 8.2.7 der Weisungen und Erläuterungen über die</span><br/> <span class="ft1">schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs [Weisungen</span><br/> <span class="ft1">VEP] vom 1. Juni 2007).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>