B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4962/2013 U r t e i l v o m 3 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Sandra Min. Parteien A._______, geboren (…), Staat unbekannt, alias A._______, geboren (…), China (Volksrepublik), (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. August 2013 / N (…). D-4962/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 25. März 2013 im Empfangs - und Ver- fahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch ein, wozu er am 10. Ap- ril 2013 befragt wurde (Kurzbefragung). B. Das BFM ordnete am 10. April 2013 eine LINGUA-Analyse durch einen Experten an, um die Herkunft des Beschwerdeführers festzustellen. Am 15. Mai 2013 führte ein Experte der Fachstelle LINGUA mit dem B e- schwerdeführer ein Telefongespräch. In seinem Bericht vom 27. Mai 2013 hielt der Experte im Ergebnis fest, dass aufgrund der inhaltlichen Evalua- tion des Gesprächs beziehungsweise der Angaben des Beschwerdefü h- rers die Wahrscheinlichkeit klein sei, dass er im behaupteten geograf i- schen Raum gelebt habe. C. C.a Am 29. Juli 2013 wurde der Beschwerdeführer in Bern-Wabern ein- lässlich zu seinem Asylgesuch angehört (Anhörung). C.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er anlässlich der Kur z- befragung sowie der Anhörung im Wesentlichen geltend, er sei chines i- scher Staatsangehöriger tibetischer Ethnie und habe sei t seiner Geburt im Dorf Chöndü in der Gemeinde Ralung im Kreis Gyantse (Regierung s- bezirk Shigatse) in der Autonomen Region Tibet gewohnt. Am Abend des 15. Januar 2013 habe er mit zwei Freunden in der Ortschaft Gyantse se l- ber hergestellte Flugblätter , auf d enen sie unter anderem die Unabhä n- gigkeit Tibets gefordert hätten, an verschiedenen Gebäuden angebracht. Dabei seien sie von einem Polizisten entdeckt worden, der ihnen mit e i- ner Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet und sie gefragt ha be, was sie da machten, woraufhin er (Beschwerdeführer) und seine zwei Freunde in verschiedene Richtungen geflohen seien. Er habe sich schliesslich i r- gendwo ausserhalb von Gyantse versteckt, wo er nach einer gewissen Zeit Kunga, einer seiner Freunde, mit denen er die Flugblätter angebracht habe, wieder getroffen habe. Sie beide hätten sich daraufhin zu Freunden von Kunga, die am Rand der Ortschaft Gyantse wohnten, begeben, wo sie schliesslich die Nacht verbr acht hätten. Als er am nächsten Tag auf dem Heimweg gewesen sei, habe er Dorfbewohner getroffen, die ihm e r- zählt hätten, dass Polizisten ins Dorf gekommen seien und die Leute b e- fragt hätten; daher sei er nicht nach Hause gegangen, sondern habe sich D-4962/2013 Seite 3 zu seiner Tante begeben , die ihm mitgeteilt habe, dass Polizisten in der Nacht bei seinen Eltern erschienen seien und sie nach ihm befragt hä t- ten. Die Eltern seien zudem aufgefordert worden, ihn der Polizei auszulie- fern. Ausserdem habe ihm seine Tante erzählt, dass sein Freund Namgy- ai, der auch an der Flugblattaktion beteiligt gewesen sei, verhaftet worden sei. Aus Sorge um ihn (Beschwerdeführer) hätten ihm seine Eltern ger a- ten, das Land zu verlassen. Nachdem er sich ein paar Tage im Haus se i- ner Tante versteckt gehabt habe, sei er am 19. Januar 2013 zusammen mit seinem Cousin nach Gyantse gefah ren, von wo er mit einem Schle p- per zu Fuss zum Grenzort Dram gelangt sei. Am 13. Februar 2013 habe er auf illegalem Weg die Grenze nach Nepal über quert; a m 24. März 2013 sei er per Flugzeug und Zug in die Schweiz gereist. Für die weiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. C.c Anlässlich der Anhörung gewährte das BFM dem Beschwerdeführer bezüglich des Ergebnisses der LINGUA -Analyse das recht liche Gehör. Gleichzeitig orientierte es ihn über den Werdegang und die Qualifikation des Experten. C.d Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätspapiere zu den Akten. Bei der Kurzbefragung gab er zu Protokol l, dass er seine Identitätskarte bei seiner Flucht aus Tibet nicht habe mitnehmen können und er einen Pass nie besessen habe. D. D.a Mit Verfügung vom 8. August 2013 – eröffnet am folgenden Tag – stellte das BFM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseige n- schaft nicht erfülle und lehnte sein Asylgesuc h ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug, wobei es den Vollzug der Wegweisung nach China ausschloss. D.b Zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheides führte das BFM im Wesentlichen aus, aufgrund erheblicher Zweifel an der geltend gemachten Herkunft des Beschwerdeführers habe das BFM die Fachstel- le LINGUA beauftragt, eine Evaluation seines Herkunftswissens zu erstel- len. Der Experte sei dabei zum Schluss gekommen, dass der Beschwe r- deführer höchstwahrscheinlich nicht in der von ihm genannten Region ge- lebt habe. Der Experte habe festgestellt, dass der Beschwerdeführer u n- zutreffende Angaben über Nachbarorte von Ralung, Verbindungsstr e- cken, über Touristenattraktionen sowie über allgemein bekannte Orte in D-4962/2013 Seite 4 der Umgebung von R alung, wozu auch sein Wohnort Chöndü gehöre, gemacht habe. So habe er nicht gewusst, wo sich der grosse See Yamdo Yumtso befinde. Des Weiteren habe er sich nicht umfassend zu den wich- tigen feierlichen Anlässen in Gyantse und im Gebiet Sh igatse äussern können. Obwohl der Beschwerdeführer in der Landwirtschaft gearbeitet haben wolle, habe er Fragen zu landwirtschaftlichen Themen falsch oder mangelhaft beantwortet. Er habe auch keine ausreichenden Angaben zum Grundschulleben machen können. Ausserdem habe er falsche Au s- künfte über den Erhalt einer Identitätskarte gemacht. Der Beschwerdefüh- rer habe dieser Analyse nichts entgegenzusetzen vermocht. Er habe e r- klärt, dass er sich in diesem Gebiet nicht auskenne, er sei immer in se i- nem Dorf geblieben. Was die Identitätskarte anbelange, habe er im Inte r- view ausgeführt, welche Angaben sich auf jenem Ausweis befänden. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass er damit aber keine Aussagen über die Ausstellungsbedingungen gemacht habe. Er habe es auch unterla s- sen, I dentitätspapiere einzureichen oder sich nachweislich um die B e- schaffung s olcher zu bemühen. Dazu habe er in der Anhörung vorg e- bracht, er habe seine Flucht nicht vorbereiten können und daher keine Papiere abgegeben. Gemäss seinen Aussagen in der Kurzbefragu ng ha- be er jedoch über eine Identitätskarte verfügt. Es wäre daher zu erwarten gewesen, dass seine Eltern ihm diese mitgegeben hätten, als sie ihm zum Verlassen seiner Heimat geraten hätten , oder dass er sie nach se i- ner Ausreise angefordert hätte. Aufgrund der Herkunftsanalyse des E x- perten sowie mangels Aussagen des Beschwerdeführers, welche seine offensichtliche Unkenntnis der dortigen Gegebenheiten plausibel erklären könnten, sei davon auszu gehen, dass er nicht – wie von ihm geltend g e- macht – in Tibet gelebt habe. Aufgrund der Feststellung des unabhäng i- gen Experten mangle es auch den Asyl - und Ausreisegründen des B e- schwerdeführers grundsätzlich an Glaubhaftigkeit. Diese Einschätzung werde durch widersprüchliche und unlogische Aussagen des Beschwe r- deführers bestätigt: So habe er in der Kurzbefragung zu Proto koll gege- ben, sein Freund Kunga habe das Flugblatt geschrieben, während er a n- lässlich der Anhörung jedoch ausgeführt habe, er habe die Sätze selber auf das Blatt geschrieben. Auf diesen Widerspruch angesprochen habe er keine plausible Erklärung zu geben vermocht. Weiter sei er in der Anhö- rung mehrfach aufgefordert worden, die konkrete Vorgehensweise bei der Verteilung der Flugblätter zu schildern. Es sei ihm jedoch nicht gelungen, über allgemeine Angaben h inaus Einzelheiten differenziert darzulegen. Schliesslich müsse die Aussage des Beschwerdeführers, er habe seinen Freund Kunga nach seiner Flucht vor den Polizisten im Dunkeln plötzlich wieder getroffen, als konstruiert betrachtet werden, handle es sich do ch D-4962/2013 Seite 5 bei der Ortschaft Gyantse um einen grossen weitläufigen Ort und stam m- ten weder der Beschwerdeführer noch sein Freund aus Gyantse. Der Beschwerdeführer mache geltend, chinesischer Staatsbürger und i l- legal aus China ausgereist zu sein. Im Lichte der Recht sprechung von BVGE 2009/29 hätte er demnach begründete Furcht, bei einer Rückkehr in den behaupteten Heimatstaat flüchtlingsrelevanten Übergriffen ausg e- setzt zu werden, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft aufgrund von sub- jektiven Nachfluchtgründen erfüllen würde. Wie bereits festgehalten, habe der Beschwerdeführer nicht in Tibet beziehungsweise der Volk srepublik China gelebt. Es sei davon auszugehen, dass er in seinem Leben nie e i- nen Fuss auf tibetisches beziehungsweise chinesisches Gebiet gesetzt habe, weshalb er auch nicht – weder illegal noch legal – von dort ausge- reist und den chinesischen Behörden als ausgereister Staatsangehöriger bekannt sei. Die Ausführungen in BVGE 2009/29 seien daher auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar, weshalb keine subjek tiven Nac h- fluchtgründe vorlägen. Zwar habe das Bundesverwaltungsgericht wiederholt festgestellt, dass eine Täuschung hinsichtlich des Orts der Hauptsozialisation per se noch keinen Beweis dafür darstelle, dass eine Person zugleich bezüglich der behaupteten Staatsbürgerschaft zu täuschen versuche. Gemäss der Rechtsprechung obliege es jedoch den Asylsuchenden, im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), ihre Staatsbürgerschaft offenzulegen. Sie trüg en die Folgen der Beweislosigkeit. Bei fehlenden Identitätspapieren seien – wie vorliegend – in erster Linie die Aussagen des Asylsuchenden als B e- weismittel zu berücksichtigen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien indessen nicht geeignet, die angegeb ene Staatsbürgerschaft glaubhaft zu machen. Allein die Tatsache, dass er tibetisch spreche und wahrscheinlich tibetischer Ethnie sei, stelle naturgemäss keinen hinre i- chenden Beweis dafür dar, dass er chinesischer Staatsbürger sei. Auch wenn zahlreiche Tibeter ihre chinesische Staatsangehörigkeit im Exil be i- behielten, sei darauf hinzuweisen, dass insbesondere Tibeter aus Indien vermehrt die indische Staatsangehörigkeit beantragten und diese auch erhielten, zumal es auch in Indien und Nepal Regionen gebe, die zum ti- betischen Kulturkreis gehörten und in welchem es eine einheimische tibe- tische Bevölkerung gebe. Es sei dem Beschwerdeführer somit nicht g e- lungen, die behauptete chinesische Staatsangehörigkeit glaubhaft zu ma- chen, weshalb seine tatsächliche Staatsangehörigkeit unbekannt sei. D-4962/2013 Seite 6 Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten somit weder den Anford e- rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. Ausserdem sei der Wegweisungsvollzug zulässig, zumutbar und möglich. Für den weiteren Inhalt wird auf die Verfügung der Vorinstanz verwiesen. E. Mit Beschwerde vom 3. September 2013 (Poststempel: 4. September 2013) an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdefü h- rer in materieller Hinsicht, die Verfügung des BFM vom 6. (recte: 8.) Au- gust 2013 sei aufzuheben und es sei ihm in der Folge Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des BFM auf zuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei festzustellen, dass die Wegweisung unzulässig sei und es sei ihm in der Folge die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Erlass der Verfahrenskosten, um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses sowie um Beiordnung einer amtlichen Rechtsver- tretung ersucht. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird – soweit für den En t- scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. F. Am 5. September 2013 wurde eine Fürsorgebestätigung betreffend den Beschwerdeführer zu den Akten gereicht. G. Am 27. September 2013 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 ( VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bund esver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher D-4962/2013 Seite 7 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, a usser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [ BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen R ü- gen bestimmen sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtete das Bundesverwaltung s- gericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen N achteilen ausgesetzt zu werden . Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e-D-4962/2013 Seite 8 geben hält. Unglaubhaft sind insbesonder e Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaf t- machen der Vorbringen in einem jüngeren Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4. 4.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – festzustellen, dass die Herkunftsangabe des Be - schwerdeführers und seine geltend gemachten Probleme nicht glaubhaft sind. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist vorab auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen in der an gefochtenen Verfügung zu ve r- weisen (vgl. Ziffer I; Bst. D.b. vorstehend). In Ergänzung dazu ist festz u- halten, dass die Aussage des Beschwerdeführers unrealistisch erscheint, wonach er sich keine Gedanken darüber gemacht habe, wie er reagieren würde, wenn ihn jemand bei der Aktion sehen würde, da er das nicht e r- wartet habe (Akten BFM A 20/17 F96), da er und seine Freunde die Flug- blätter angeblich am Abend und nicht mitten in der Nacht in der ganzen Ortschaft Gyantse verteilt haben wollen (A 20/17 F27), weshalb sie damit rechnen mussten, von jemandem bei der Aktion gesehen zu werden. Im Weiteren ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer widersprüc h- lich betreffend der Zielgruppe geäussert hat, die er und seine Freunde mit der Flugblattaktion hätte n erreichen wollen . So machte er anlässlich der Anhörung zuerst geltend, sie hätten beabsichtigt, die Flugblätter den ve r- schiedenen Leuten in Gyantse zu verteilen, was unauffällig habe gesche- hen sollen, damit die "roten Chinesen" nichts mitbekämen (A 20/17 F42), während er kurz darauf vorbrachte, sie hätten die Flu gblätter an einem Ort angebracht, wo die Polizisten hin und her gingen; damit hätten sie ih- re Aufmerksamkeit erregen wollen (A 20/17 F59). Die Vorbringen in der Rechtsmittelschrift sind nicht geei gnet, eine Änderung der vorinstanzl i- chen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer bringt insbesondere keine fundierten Argumente vor, die das Resultat der LINGUA -Analyse in Frage stellen würden. So versucht er lediglich seine mangelhaften Kennt- nisse bez üglich der Feste, der Landwirtschaft, des Schulsystems, der Ausstellung eines Personalausweises sowie der Lage eines bekannten Sees in seiner angeblichen Heimat mit nicht plausiblen Erklärungen zu rechtfertigen beziehungsweise das Ergebnis der LINGUA -Analyse mit D-4962/2013 Seite 9 unglaubhaften Vorbringen zu entkräften . Insbesondere ist die Behaup- tung, wonach der Experte sehr schnell gesprochen habe und ihn nicht habe aussprechen lassen, als nachgeschoben und daher unglaubhaft zu beurteilen, zumal der Beschwerdeführer solches anlässlich der Anhörung noch mit keinem Wort erwähnte (A 20/17 S. 13 f.) . Die vorliegende LI N- GUA-Analyse ist sorgfältig und ausführlich begründet, weshalb für das Gericht kein Grund besteht, an der Einschätzung des fachlich qualifizie r- ten Experten zu zwei feln. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer seit se iner Gesuchstellung am 25. März 2013 ausrei- chend Zeit gehabt hat, seine Eltern zu kontaktieren, um seine dort angeb- lich vorhandene chinesische Identitätskarte schicken zu lassen. A us den Protokollen geht hervor, dass er sich nicht in ausreichendem Masse b e- züglich der Beschaffung seiner Identitätskarte eingesetzt, und er im Ve r- lauf des vorinstanzlichen Verfahrens Schutzbehauptungen gegen die s o- fortige Beschaffung dieses Dokuments vor gebracht hat (A 6/12 S. 5, A 20/17 F4 ff. ). Auch die Behauptung in der Rechtsmittelschrift, wonach seine Eltern kein Telefon hätten, er sie nicht benachrichtigen könne und sie ihm die Identitätskarte nicht schicken könnten, vermag das Gericht nicht zu über zeugen. Es ist ni cht glaubhaft, dass – nicht zuletzt ang e- sichts der modernen Informatik beziehungsweise der Telefonie – jegliche Kontaktnahme unmöglich ist; es fehlt offensichtlich am Willen, dies zu tun. Das Gericht hält somit fest, dass die Identität des Be schwerdeführers nicht feststeht, da der Beschwerdeführer weder im vorinstanzlichen Ver- fahren noch im Beschwerdeverfahren weder Ausweispapiere noch i r- gendwelche Beweismittel, die geeignet wären, etwas zur Klärung seiner Identität und seines Herkunftslandes beizutragen, eingereicht hat. Dies stellt eine Verletzung der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG dar. 4.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Asylvorbringen des B e- schwerdeführers insbesondere auch aufgrund seiner unglaubhaften He r- kunftsangabe den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten vermögen. 5. 5.1 Aufgrund der ausführlich und schlüssig begründeten Verfügung der Vorinstanz ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dav on auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Dafür spricht insbesondere die Tatsache, dass er Ausdrücke gebraucht beziehungsweise versteht, die von Tibetern verwendet werden, die in I n-D-4962/2013 Seite 10 dien leben. Zudem ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass ihm grundlegende Chinesisch -Kenntnisse fehlen, über die Tibeter aus der Volksrepublik China im Allgemeinen verfügen (A 20/17 F7 ff.). Namhafte exiltibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordame- rika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist daher vermutungsweise anz u- nehmen, dass er in Indien oder eventuell in Nepal aufgewachsen ist r e- spektive dort gelebt hat. Folglich wäre grundsätzlich zu prüfen, ob er über die chinesische Staat s- angehörigkeit verfügt, was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Si n- ne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG mit sich bringen würde, oder ob er die Staatsangehörigkeit von Indien oder Nepal erlangt hat, was zur Folge hät- te, dass das Vorliegen asylrelevanter Gefährdung hinsichtlich jenes Sta a- tes zu prüfen wäre. Wie bereits in Erwägung 4.1 ausgeführt, ist das Gericht mit der Vori n- stanz der Auffassung, dass der Beschwerdeführer die Mitwirkungspflicht in nicht entschuldbarer Weise verletzt hat und dadurch den Behörden n ä- here Abklärungen und eine Rückschaffung in seinen tatsächlichen He i- matstaat verunmöglicht. Durch die Verletzung dieser Pflicht verunmöglicht er auch die Abklärung, welchen effektiven Status er in Indien res pektive Nepal innehat. Er hat die Folgen dieses Verhaltens zu v erantworten. In diesem Sinne wäre die Berufung des Beschwerdeführers auf EMARK 2005 Nr. 1 unbehelflich, da auch bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.10). 5.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist davon auszugehen, dass illegal ausgereiste Asylsuchende tibetischer Ethnie bei einer Rückkehr in die Volksrepublik China oppositioneller politisch-religiö- ser Anschauungen verdächtigt würden und aus diesem Grund mit Verfol- gung im flüchtlingsrelevanten Sinn zu rechnen hätten (vgl. BVGE 2009/29 E. 6.5). Dies gilt auch für legal ausgereiste Asylsuchende, sofern sie ihren (länger als ursprünglich erlaubten) Auslandaufenthalt nicht überzeugend begründen könnten beziehungsweise den chinesischen Behörden gegen- über nicht glaubhaft darlegen könn ten, keine Kontakte zu Dalai -Lama-lo- yalen exiltibetischen Kreisen gehabt zu haben (vgl. BVGE a.a.O. E. 6.6). D-4962/2013 Seite 11 5.3 Vorliegend ist aufgrund der LINGUA -Analyse zu schliessen, dass der Beschwerdeführer in einem Land ausserhalb der Volksrepublik China g e- lebt hat und von dort in die Schweiz gereist ist. Dafür spricht insbesonde- re die Tatsache, dass er Ausdrücke gebraucht beziehungsweise versteht, die von Tibetern verwendet werden, die in Indien leben. Zudem ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass ihm grundlegende Chinesisch - Kenntnisse fehlen, über die Tibeter aus der Volksrepublik China im Al l- gemeinen verfügen (A 20/17 F7 ff.). Es kann daher folgerichtig – wie im Übrigen bereits d ie Vorinstanz in der angefochte nen Verfügung erwog – weder von einer illegalen noch einer legalen Ausreise aus der Volksrepu- blik China ausgegangen werden. Die entsprechen den Ausführungen und Schlussfolgerungen des vorstehend zitierten Entscheides BVGE 2009/29 sind daher auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar und es ist demen t- sprechend auch nicht vom Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe au s- zugehen. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG in Bezug auf die Volksrepublik Ch i- na nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag und de s- halb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Die V orinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9, mit weiteren Hinweisen). 8. 8.1 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs stellt sich da s BFM vorliegend auf den Standpunkt, da die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft sei, müsse diese als unbekannt ge l- ten. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezü glichen Erwägungen. Zwecks Verme i-D-4962/2013 Seite 12 dung von Wiederholungen kann auf den Entscheid des Bundesamtes verwiesen werden. 8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvol l- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchung s- pflicht findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Beschwerdefü h- rers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshinde r- nissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Vermutun gswei- se ist vorliegend davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entg egen, was insbesondere für Indien und Nepal gilt, welche als mögliche Herkunftsstaa ten in Frage kommen (vgl. E. 5.1 vorstehend). Ein Vollz ug der Wegweisung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid ausdrücklich au s- geschlossen worden (vgl. BFM-Verfügung vom 8. August 2013, Dispositiv Ziff. 5). 8.3 Im vorliegenden Fall wurde die vom Beschwerdeführer behauptete Identität, insbesondere seine Staatsangehörigkeit, durch keinerlei Ident i- tätsdokumente nachgewiesen, obwohl sich die Identitätskarte eigenen Angaben zufolge zu Hause bei seinen Eltern im Dorf C höndü befinden soll (A 6/12 S. 5). Der Beschwerdeführer unternahm jedoch – soweit ak- tenkundig – bisher trotz Zumutbarkeit keine Bemühungen, dieses Dok u- ment erhältlich zu machen (vgl . dazu vorstehend E. 4.1). Seine Identität steht somit vorliegend nicht fest und sein Verhalten lässt aufgrund der Ak- tenlage den Schluss zu , er versuche, se ine tatsächliche Identität und Herkunft, insbesondere seine Staatsangehörigkeit, den schweizerischen Asylbehörden zu verheimlichen. Sodann sind seine Ausführungen bezüg- lich seiner Reise in die Schweiz unsubstan tiiert und widersprüchlich aus- gefallen, weshalb sie unglaubhaft sind. So gab er anlässlich der Kurzb e- fragung zu Protokoll, seine Reise in die Schweiz sei von seinen Verwand- ten in Nepal mit dem Erlös eines Steines bezahlt worden, den er ihnen gegeben habe (A 6/12 S. 6), während er bei der Anhörung vor brachte, sein Cousin habe im Bezirkshauptort Gyantse dem Schlepper das Geld gegeben (A 20/17 S. 4). Zudem war der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung weder in der Lage , den Namen der Fluggesellschaft a n- zugeben, mit der er von Nepal nach Europa ge flogen sein will, noch konnte er dar legen, von welchem Flughaf en in Nepal er abgeflogen ist (A 6/12 S. 6), was nicht nachvollziehbar ist, handelt es sich bei der Reise in die Schweiz doch um ein einschneidendes und einprägsames Erlebnis, weshalb anzunehmen ist, dass er d iese Fragen hätte beantworten kö n-D-4962/2013 Seite 13 nen. Es ist davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe nur unter Verwendung authentischer Identitäts - und Reisepapiere in die Schweiz gelangen können. Da er die Folgen dieser mangelhaften Mitwirkung r e- spektive Verheimlichung seiner wahren Staatsangehörigkeit zu tragen hat, ist vermutungsweise davon auszugehen, dass einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat keine landes - oder völkerrechtlichen Vol l- zugshindernisse im Sinne von Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 - 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) entgegenstehen. 8.4 Das BFM hat den Vollzug der Wegweisung somit zu Recht als zulä s- sig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt ein e An- ordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 -4 AuG). 9. Der Eventualantrag, die Verfügung des BFM vom 8. August 2013 sei au f- zuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückz u- weisen, wird in der Beschwerde nicht weiter begründet. Nach dem das BFM den rechtserhe blichen Sachverhalt richtig und vollständig festg e- stellt hat und auch sonst nicht ersichtlich ist, inwiefern das Beschwerd e- verfahren nicht spruchreif sein könnte, ist der Eventualantrag abzuwe i- sen. 10. Aus diesen Erwä gungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung rechtskonform ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Mit dem Entscheid in der Hauptsache wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 12. 12.1 Aufgrund vorstehender Erwägungen erweist sich die Beschwerde als aussichtslos, weshalb das in der Rechtsmittelschrift gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG – unbesehen einer allenfalls bestehenden Bedürftig- keit des Beschwerdeführers – vollumfänglich abzuweisen ist. 12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahre ns sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und D-4962/2013 Seite 14 Entschädigungen vor dem Bundesverwa ltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-4962/2013 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Sandra Min Versand: