Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Februar 2019 (720 18 121 / 48) ____________________________________________________________________ Invalidenrente Prüfung der Auswirkungen eines postoperativ aufgetretenen Horner-Syndroms auf die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person im Rahmen des Revisionsverfahrens Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1969 geborene A.____ erlitt im März 1990 als Beifahrerin einen Autounfall und leidet seither an Nackenschmerzen, Schwindel und ei nem Rauschen im Kopf. Am 6. August 2012 meldete sich A.____ unter Hinweis auf die seit dem Unfall im März 1990 bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen bei der Eidgenössi schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse wies Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Verfügung vom 11. November 2013 einen Anspruch der Ver- sicherten auf eine Invalidenrente ab. Die gegen diese V erfügung erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Ka ntonsgericht), mit Urteil vom 27. April 2017 gut. Gestützt auf dieses Urteil sprach die IV-Stelle der Versicherten am 21. August 2017 vom 1. Februar 2013 bis 28. Februar 2 014 eine Viertelsrente, vom 1. März 2014 bis 31. Dezember 2014 eine ganze Rente und ab 1. Januar 2015 eine Dreiviertelsrente zu. B. Am 19. Juni 2017 ersuchte die Versicherte, vertreten durch Advokat Daniel Altermatt, aufgrund einer seit der Operation an der Halswirbelsäule (HWS) vom 18. Januar 2016 eingetre- tenen Verschlechterung des Gesundheitszustandes um Erhöhung der Dreiviertelsrente auf eine ganze Invalidenrente. In der Folge klärte die IV-Stell e den Gesundheitszustand der Versicher- ten erneut ab. Gestützt auf die Abklärungsergebnisse leh nte sie nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren das Gesuch um Erhöhung der laufenden Dr eiviertelsrente mit Verfügung vom 1. März 2018 ab. C. Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch ihr en Rechtsvertreter am 16. April 2018 Beschwerde ans Kantonsgericht erheben. Sie beantr agte, es sei ihr in Aufhebung der an- gefochtenen Verfügung mit Wirkung auf den frühestmögli chen Zeitpunkt eine ganze Rente zu- zusprechen; alles unter o/e-Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. In der Begründung führte sie aus, dass es beim operativen Eingriff vom 18. Januar 2016 zu einer Nervenverletzung an der HWS gekommen sei, die zu einem Horner-Syndrom mit Vi- suseinschränkungen, Doppelbildern und Ausfällen des recht en Auges geführt habe. Zudem leide sie seit dieser Operation an weiteren neurologi schen Beschwerden, deren Symptomatik auf Beeinträchtigungen bzw. eine Verletzung des Hirnstammes hindeuten würden. D. In ihrer Vernehmlassung vom 7. Juni 2018 schloss die I V-Stelle mit Verweis auf die Stellungnahme von Dr. med. B.____, Fachärztin für Phy sikalische und Rehabilitative Medizin, Regionaler ärztliche Dienst (RAD), vom 25. April 2018 auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Verfügung vom 26. Juni 2018 bewilligte das Kant onsgericht die unentgeltliche Pro- zessführung und unentgeltliche Verbeiständung. F. Am 29. Oktober 2018 reichte der Rechtsvertreter der Versicherten einen Bericht von Dr. med. C.____, FMH Neurologie, vom 17. Oktober 201 8 und wies auf die darin beschriebene Verschlechterung des Gesundheitszustandes hin. Namentlich w irkten sich die geklagten mono- kulären Doppelbilder auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus. G. Die IV-Stelle hielt in ihrer Duplik vom 3. Dezember 2018 gestützt auf den RAD-Bericht von Dr. B.____ vom 9. November 2018 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 16. April 2018 ist demnach einzutreten. 2.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob die IV-Stelle das Gesuch der Versicherten, wonach ihre laufende Dreivierte lsrente auf eine ganze Rente zu er- höhen sei, zu Recht abgewiesen hat. 2.2 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu m indestens 40 % invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Ansp ruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.3 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Kr ankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüge rin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre- chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen V erhältnissen, die geeignet ist, den Invali- ditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustande s, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan- des erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mi t Hinweisen). Eine Veränderung der Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich geb liebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen a uf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03, E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschi edliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. 3.2 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtl ichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in i hrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Die Feststellung üb er eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist genügend unterm auert, wenn die ärztlichen Sachver- ständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.2 mit Hinweis). 3.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer an spruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend hob das Kantonsge- richt mit rechtskräftigem Urteil vom 27. April 2017 die Verfügung der IV-Stelle vom 11. Novem- ber 2013 auf und sprach der Versicherten eine Viertel srente für die Zeit vom 1. Februar 2013 bis 28. Februar 2014, eine ganze Rente für die Zeit vom 1. März 2014 bis 31. Dezember 2014 und eine Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2015 zu. Die der Anordnung des Kantonsgerichts fol- gende Verfügung erliess die IV-Stelle am 21. August 20 17. Das Gesuch der Versicherten um Erhöhung ihrer Rente vom 19. Juni 2017 wies sie sodann mit Verfügung vom 29. August 2017 ab. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderun g in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Erhöhung der l aufenden Dreiviertelsrente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt de s Urteils des Kantonsgerichts vom 27. April 2017 bzw. der Verfügung der IV-Stelle vom 21. August 2017 bestanden hat, mit dem- jenigen im Zeitpunkt des Erlasses der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 1. März 2018. 4.1 Für die Beurteilung der strittigen Frage, ob sich der Gesundheitszustand bzw. das Ausmass der (Rest-) Arbeitsfähigkeit der Versicherten sei t der Zusprechung der laufenden Dreiviertelsrente in einer für den Anspruch erheblichen Weise verschlechtert hat, ist die rechts- anwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist e s, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungn ahmen eine wichtige Grundlage für die Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfal lversicherung entwickelten Grundsätze fin- den für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendun g (Urteil des damaligen Eidgenös- sischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht] vo m 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4.4 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Inva- lidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jen em externer medizinischer Sachver- ständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemä ssen Anforderungen an ein ärztli- ches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis von RAD- Berichten kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur g eringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1. Im Urteil vom 27. April 2017, auf welchem die Re ntenverfügung der IV-Stelle vom 21. August 2017 beruht, stützte sich das Kantonsgericht au f das von ihm in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten bei der Academy of Swiss Insuranc e Medicine (asim) vom 11. Sep- tember 2015. Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeit sfähigkeit hielten die Gutachter ein chro- nisches zervikovertebrales und ein chronisch-rezidivierendes mässi ges lumbovertebrales Schmerzsyndrom, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und zusätzlich eine leicht- bis mittelgradige depressive E pisode sowie akzentuierte Persönlich- keitszüge fest. In somatischer Hinsicht seien der Versicherten keine Tätigkeiten mit wiederhol- tem Rotieren des Kopfes und Benützen von Stufen oder L eitern zuzumuten. Ebenso wenig könne sie eine "Haltearbeit" im Schultergürtelbereich a usüben, d.h. PC-Arbeiten könne sie ma- ximal 1 - 2 Stunden ohne Unterbruch ausführen. Optima l sei eine Arbeit mit Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten von maximal 2 - 3 kg. Zudem seie n Überkopfarbeiten, gebückt oder kauernd zu verrichtende Tätigkeiten oder schultergürtelbelastende Arbeiten zu vermeiden. Aus- serdem sollte die Versicherte die Möglichkeit haben, di e Körperposition zu wechseln, die Pau- sen bedarfsweise zu gestalten und den Arbeitsplatz ergonom isch anzupassen. Aus gesamtme- dizinischer Sicht sei es der Versicherten grundsätzlich zum utbar ab 1. Januar 2012 sämtliche leidensangepasste Tätigkeiten im Umfang von 50 % auszuübe n. Dabei sei zu beachten, dass gemäss den ärztlichen Vorberichten vom 9. April 2012 bis 11. Dezember 2013 eine 65%ige und vom 12. Dezember 2013 bis 6. September 2014 keine Arbei tsfähigkeit bestanden habe (vgl. auch Ergänzungsgutachten der asim vom 26. Mai 2016 und Schreiben vom 20. Juli 2016). 5.2 Am 18. Januar 2016 führte Dr. med. D.____, FMH Neurochirurgie, bei der Versicherten aufgrund eines radikulären sensiblen Reizsyndroms C6 linkss eitig an der HWS auf der Höhe C5/6 eine ventrale Diskektomie und eine monosegmentale Cage-Spondylodese durch (vgl. Operationsbericht vom 18. Januar 2016). In seinem Berich t vom 22. Januar 2016 hielt er als Diagnosen einen Status nach ventraler Diskektomie und mo nosegmentaler Cage-Spondylose C6/7, einen Verdacht auf eine radikuläre Reizung C7 l inks, einen Substanzdefekt auf der Höhe C5/6 medial links betont, eine chronische Schmerzstörung u nd Restless Legs fest. Er berichte- te, dass sich bei der Versicherten am Tag nach der Operati on eine Ptose rechts, Visusstörun- gen und diffuse Sensibilitätsstörungen im Versorgungsb ereich des Nervus trigeminus und der Zunge einwickelt hätten. Infolge Zunahme dieser Symptom atik sei eine neurologische Untersu- chung bei Dr. med. E.____, FMH Neurologie, erfolgt. Dieser habe die Symptomatik nicht voll- ständig erklären können. Aufgrund der Schädel-MRT vom 21. Januar 2016 habe eine Ischiämie im Hirnstamm ausgeschlossen werden können. Aus chirurgischer Sicht sei am ehesten von einem Horner-Syndrom (= Symptomen-Trias aus Miosis durch Lähmung des Musculus dilatator pupillae, Ptosis durch Lähmung des Musculus tarsalis superio r und Hebung des Unterlids mit scheinbarem Enophthalmus, online: www.pschyrembel. de/Horner-Syndrom/K0A1X [19.02.2019]) auszugehen. Zu diesem Beschwerdebild passte n jedoch die Sensibilitätsstörun- gen nicht. Dem von Dr. D.____ erwähnten Bericht von Dr. E.____ vom 22. Januar 2016 sind als Diagnosen ein unklares neurologisches Zustandsbild mit Visu sabnahme rechts, Ptosis rechts und rechtsseitigen Sensibilitätsstörungen im Gesichts- un d Halsbereich bei Status nach Spon- dylodese C6/7 am 18. Januar 2016 und Status nach Spondylodese C5/6 zu entnehmen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Wegen Taubheit in der rechten Gesichtshälfte und e iner reduzierten Sehschärfe des rechten Auges war die Versicherte vom 22. Januar 2016 bi s 26. Januar 2016 in der neurologi- schen Klinik des Spitals F.____ hospitalisiert. Im Austrit tsbericht vom 19. Februar 2016 wurden als Diagnosen ein Horner-Syndrom rechts, ein radikuläre s Reiz- und ein sensibles Ausfallsyn- drom C6 links, Restless Legs und eine psychosoziale Belastungs situation festgehalten. Der Beurteilung ist zu entnehmen, dass die untersuchende Är zteschaft aufgrund der MRT des Neu- rokraniums, der MR-Angiografie und der Duplexsonograf ie der Halsschlagadern vom 22. Janu- ar 2016 weder eine Dissektion der Aorta Carotis inter na bzw. communis noch eine Ischämie des Hirnstammes noch eine intrazerebrale Blutung festst ellen konnte. Aufgrund der kombinier- ten Symptomatik des Horner-Syndroms mit Ausfall des sympat hischen und des somatoafferen- ten Nervensystems im Sinne einer Sensibilitätsminderung der rechten und im Verlauf auch der linken Gesichtshälfte sei am 23. Januar 2016 eine MRT-U ntersuchung der HWS durchgeführt worden. Diese habe eine Syringomyelie auf der Höhe C 6, möglicherweise posttraumatischer Genese bei Status nach Autounfall 1991 gezeigt. Das Horner-Syndrom sei am wahrscheinlichs- ten auf eine Läsion des sympathischen Nervenplexus im Rah men der am 18. Januar 2016 vor- genommenen Spondylodese zurückzuführen. Die Versicherte wurde am 4. Februar 2016 erneut in der Augenklinik des Spitals F.____ untersucht. Dabei wurde am rechten Auge eine post- ganglionäre Nervenschädigung festgestellt (vgl. Bericht vom 5. Februar 2016). 5.4 In seinem Bericht vom 23. März 2016 erweiterte Dr . D.____ seine Diagnosen gemäss Bericht vom 22. Januar 2016 mit einem postoperativ aufgetretenen Horner-Syndrom rechts. Bei der neurologischen Untersuchung hätten sich keine Parese n gezeigt. Es beständen Hypästhe- sien bei C6 und diskret auch bei C7/8. Zudem liege ein Horner-Syndrom mit Enophthalmus und Ptosis vor. Für das Horner-Syndrom bestehe keine spezifische Therapieoption. 5.5 PD Dr. med. G.____, FMH Neurologie, diagnostizier te in seinen Berichten vom 26. und 27. Juli 2016 ein Horner-Syndrom auf der rechten Seite, welches am ehesten auf eine iatrogene Läsion des sympathischen Nervenplexus im Rahmen der Spondylo dese C6/7 zurückzuführen sei, sowie eine diffuse Sensibilitätsstörung im Bereich de s Trigeminusnervs. In seiner Beurtei- lung führte er aus, dass die Versicherte über ein veränd ertes Gefühl im Bereich der rechten Gesichtshälfte und des Gaumens, eine deutlich eingeschränk te Akkommodation des rechten Auges, ein Druckgefühl im rechten Ohr und eine öfters ver stopfte Nase rechts klage. Beim Es- sen von sauren Lebensmitteln träten Missempfindungen und "Hühnerhaut" in der rechten Ge- sichtshälfte sowie im Nackenbereich auf. Darüber hinaus k äme es in diesen Bereichen zu ver- mehrtem Schwitzen und in der rechten Gesichtshälfte zu e inem Surren. Die Sensibilitätsstörun- gen im Trigeminus-Versorgungsgebiet könne er nicht erklä ren. Bildgebend könne eine Hirn- stammaffektion mit Beeinträchtigungen der Bereiche des Trigeminus, des Glossopharyngeus und des Hypoglossus nicht objektiviert werden (vgl. MRT S chädel vom 13. Juni 2016). Er emp- fehle hinsichtlich der Sehstörungen eine Abklärung in der Augenklinik. 5.6 Die untersuchende Ärzteschaft der Augenklinik des Spi tals F.____ hielt am 22. Sep- tember 2016 als Diagnosen ein Horner-Syndrom rechts na ch HWS-Operation, eine Hyperopie, ein Astigmatismus und eine Presbyopie fest. Bis auf ein leichtes Oberlidartefakt, das im Rah- men des Horner-Syndroms als normal zu interpretieren sei, hätten bei der Gesichtsfelduntersu- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht chung keine Auffälligkeiten festgestellt werden können . Die heutigen Refraktionswerte seien praktisch identisch mit denjenigen der Untersuchung vom 6 . September 2016. Die von der Ver- sicherten geklagten Sehstörungen seien vermutlich auf di e suboptimale Korrektur der Brille zu- rückzuführen. Bei einer optimalen optischen Korrektur könn e die Symptomatik vermindert wer- den. Es werde eine Gleitsichtbrille empfohlen. Ein dir ekter Zusammenhang zwischen den ge- klagten Sehstörungen und dem Horner-Syndrom sei aus med izinischer Sicht nicht gegeben. Gegebenenfalls stehe die von der Versicherten angegebe ne Kontrastverminderung in Verbin- dung mit einer Cataracta incipiens. 5.7 Dr. B.____ kam aufgrund der medizinischen Berichte in ihrer Stellungnahme vom 4. Januar 2018 zum Schluss, dass die mit der Abklärung des Gesundheitszustandes der Versi- cherten befassten Fachpersonen, Dr. E.____, PD Dr. G.__ __ und die Ärzteschaft der neurolo- gischen Klinik des Spitals F.____, die geklagte Symptomati k nicht hätten erklären können. Für die Beurteilung allfälliger funktioneller Auswirkunge n des Horner-Syndroms auf die Arbeitsfä- higkeit der Versicherten seien augenärztliche Kontrollen durchgeführt worden. Dabei sei festge- stellt worden, dass die Visuseinschränkungen nicht auf das Horner-Syndrom zurückgeführt werden könnten. Die Sehschwäche beruhe vielmehr auf e iner suboptimalen Korrektur und kön- ne mit einer Gleitsichtbrille behoben werden. Seiten s des Bewegungsapparates sei keine rele- vante Änderung seit der Begutachtung durch die asim im September 2015 festzustellen. Es sei somit davon auszugehen, dass lediglich vom 18. Januar 2016 bis 30. März 2016 aufgrund der HWS-Operation vom 18. Januar 2016 eine vollständige A rbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Danach habe wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in ei ner leidensangepassten Verweistätigkeit bestanden. Am 25. April 2018 hielt Dr. B.____ fest, dass sämtliche geklagten Sehbeschwerden wie Doppelbilder, rechtsseitiger Sehverlust und Visusei nschränkungen in der Augenklinik des Spitals F.____ abgeklärt worden seien. Es habe auf beid en Augen sowohl im Fern- als auch im Nahvisus ein mit Brille korrigierter Wert von 1,0 ermittelt werden können. Damit sei erstellt, dass die Versicherte mit einer adäquaten Sehbrille auf bei den Augen normal sehe. Bei der Gesichts- feldmessung hätten keine Ausfälle objektiviert werden können. Zu den von der Versicherten geklagten neurologischen Beschwerden führte sie aus, dass die klinischen und bildgebenden Untersuchungen (MRT des Kopfes vom 21. Januar 2016 und 1 3. Juni 2016 und der HWS vom 23. Januar 2016, Duplexsonografie der Halsschlagadern, MR-Angiografie der Hirngefässe) die- se nicht hätten erklären können, weshalb die neurologi schen Fachärzte von einer organisch nicht erklärbaren Symptomausweitung ausgegangen seien. S ie halte deshalb an ihrer Beurtei- lung vom 4. Januar 2018 fest. 5.8 Während des Beschwerdeverfahrens untersuchte Dr. C.__ __ die Versicherte am 16. Oktober 2018. In seinem Bericht vom 17. Oktober 201 8 stellte er fest, dass die Versicherte an einem iatrogenen, residuellen Horner-Syndrom recht s, an Sensibilitätsstörungen im Bereich der rechten Gesichts- und Halsseite, an einer verminderten Geschmacksempfindung im Bereich der rechten Zungenhälfte, an Schluckstörungen und an e inem Verdacht auf monokuläre Dop- pelbilder rechts bei Status nach zervikoventraler ipsilateraler Spondylodese C6/7 am 18. Januar 2016, an einem residuellen sensiblen Ausfallsyndrom C6 l inks bei Status nach ventraler Dis- kektomie und monosegmentaler Cage-Spondylodese C5/6 am 17. Oktober 2011, an einer Sy- ringomyelie auf Höhe C6, an einem kurzdauernden Rausc hen mit Schwindel seit dem Autoun- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fall mit frontaler Contusio capitis 1991, an einer Läsi on des Ramus profundus bei Status nach Bandplastik des Daumensattelgelenks 2003, an Sensibilitäts störungen in den Bereichen des proximalen medialen Fussrückens links sowie des distalen me dialen Unterschenkels und an einem Status nach linksbetonter Ischialgie beidseits leide. In der Beurteilung führte er aus, dass sich die Versicherte wegen der Visusstörungen kürzlich in der Klinik H.____ vorgestellt habe. Gemäss deren Bericht vom 27. August 2018 werde nebst dem Horner-Syndrom eine Hypästhe- sie rechts fazial und zervikal sowie eine Keratokonjunktivitis sicca beschrieben. Aufgrund seiner eigenen Untersuchungsbefunde könne er heute ein residu elles Horner-Syndrom rechts und im Vergleich zu den Vorberichten eine Ausweitung der Sensi bilitätsstörungen im Bereich der rech- ten Gesichts- und Halsseite mit Angabe einer verminderte n Geschmacksempfindung an der rechten Zungenhälfte feststellen. Zudem beständen mono kuläre Doppelbilder bei Überbelas- tung im Nahbereich und Schluckstörungen. Es sei eine erneute MRT-Untersuchung und eine Angiografie vorgesehen, um eine Läsion im Bereich des H irnstamms ausschliessen und den Verlauf der Syringomyelie auf der Höhe C6 beobachten zu können. 5.9 Zum Bericht von Dr. C.____ führte Dr. B.____ am 9. November 2018 aus, dass die von der Versicherten beklagten Beschwerden nicht neu seien. Sämtliche bisherigen klinisch- neurologischen und bildgebenden Untersuchungen hätten diese Beschwerden nicht erklären können, weshalb die Neurologen von einer organisch ni cht erklärbaren Symptomausweitung ausgegangen seien. Es sei somit nicht zu erwarten, dass die von Dr. C.____ vorgeschlagenen Untersuchungen neue Erkenntnisse bringen würden. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des G esundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit der Versicherten auf die Ergebnisse, zu denen die RAD-Ärztin Dr. B.____ in ihren Stellungnahmen vom 4. Januar 2018, 25. April 2018 und 9. November 2018 gelangte. Sie ging davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit der asim-Begutachtung im 2015 nicht dauerhaft verschlechtert habe und deshalb nach wie vor in einer leidensangepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vorliege. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.4 hiervor), darf ein medizinischer Sachverhalt gestützt auf einen RAD-Be richt beurteilt werden, solange keine - auch nur geringe - Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorliegend gibt es – entgegen der Ansicht der Versicherten - keinen Anlass, an der Richtigkeit der Einschätzung der RAD-Ärztin Dr. B.____ zu zweifeln. Ihre Stellungnahmen set- zen sich hinreichend mit den bei den Akten liegenden me dizinischen Unterlagen auseinander, leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhä nge bzw. der Beurteilung der medi- zinischen Situation ein und ihre Schlussfolgerungen sind überzeugend. Nachvollziehbar zeigt Dr. B.____ auf, dass die im Januar 2016 durchgeführte HWS-Operation vom 18. Januar 2016 lediglich zu einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit g eführt hat und das seit diesem Eingriff bestehende Horner-Syndrom für die geklagten Seheinschrä nkungen nicht ursächlich ist. Sie stützt sich dabei auf die umfassenden Untersuchungen in d er Augenklinik des Spitals F.____, welche ergaben, dass die geklagten Visuseinschränkungen, d ie monokulären Doppelbilder und die Ausfälle am rechten Auge auf eine ungenügende Br illenversorgung zurückzuführen sind. Ausserdem geht aus dem Bericht der Augenklinik des Spit als F.____ vom 22. September 2016 deutlich hervor, dass ein Zusammenhang zwischen den gelten d gemachten Sehstörungen und dem Horner-Syndrom nicht möglich ist. Was die geltend gemachten neurologischen Beschwer- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht den anbelangt, stellt Dr. B.____ in Übereinstimmung m it den fachärztlichen Beurteilungen fest, dass die rechtsseitigen Sensibilitätsstörungen im Gesichts- und Halsbereich, die Missempfin- dungen beim Essen von sauren Lebensmitteln, das Auftre ten von "Hühnerhaut" sowie das ver- mehrte Schwitzen im Gesichts- und Nackenbereich, das Surre n in der rechten Gesichtshälfte, das Druckgefühl im rechten Ohr und die verstopfte Nase n icht objektivierbar seien (vgl. dazu Berichte von PD Dr. G.____ vom 26. und 27. Juli 2016 so wie von Dr. E.____ vom 22. Januar 2016). Eine Verletzung des Hirnstammes kann aufgrund de r bildgebenden Untersuchungen ausgeschlossen werden (vgl. Berichte der neurologischen Klinik des Spitals F.____ vom 22. Januar 2016 und von PD Dr. G.____ vom 26./27. Juli 2 016). Da keiner der Fachärzte einen Zusammenhang dieser Beeinträchtigungen mit dem Horner-Syndrom sieht, überzeugt die Fest- stellung von Dr. B.____, wonach das Horner-Syndrom keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten habe. Ihre Schlussfolgerung, dass aufgr und der HWS-Operation lediglich für die Zeit vom 18. Januar 2016 bis 3. März 2016 eine vol lständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, ist nachvollziehbar und somit nicht zu beanstanden. Den Beurteilungen von Dr. B.____ sind deshalb volle Beweiskraft beizumessen. 6.2 An diesem Ergebnis ändert die erst im Rahmen des B eschwerdeverfahrens erstellte Beurteilung von Dr. C.____ vom 17. Oktober 2017 und der darin erwähnte Bericht der Klinik H.____ vom 27. August 2018 nichts. In zeitlicher Hinsicht ist zu beachten, dass der Verfü- gungserlass vom 1. März 2018 rechtsprechungsgemäss die zeit liche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 129 V 4 E. 1.2). Dr. C.____ stellt in seinem Bericht fest, dass die Versicherte über eine Zunahme der Beschwerden, insbesondere der Sensibilitätsstörungen, klage. Er empfehle daher erneute bildgebende Abklärungen. Da eine allfällige Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Versicherten auf nach Verfügu ngserlass durchgeführte Unter- suchungen bei Dr. C.____ und der Klinik H.____ beruhen , ist eine solche - wenn überhaupt gegeben - im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichti gen. Die Ausführungen von Dr. C.____ zur medizinischen Situation vor Verfügungserl ass vermögen keine neue Sichtweise zu begründen, werden doch im Wesentlichen lediglich die Befunde der behandelnden Ärzte wiedergegeben. Da der medizinische Sachverhalt bis zum h ier massgebenden Verfügungser- lass vom 1. März 2018 umfassend und von verschiedenen Fachärzten beurteilt worden ist, sind von weiteren medizinischen Abklärungen keine neuen entschei drelevanten Erkenntnisse zu erwarten (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 132 V 393 E. 3.3, 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a). 6.3 Wird der Gesundheitszustand der Versicherten zum Zeit punkt der angefochtenen Ver- fügung vom 1. März 2018 mit demjenigen des Urteils des Kantonsgerichts vom 27. April 2017 bzw. der Verfügung der IV-Stelle vom 21. August 2017 verglichen, so ist festzustellen, dass sich aus den Akten keine Anhaltspunkte ergeben, welche auf ei ne dauerhafte Verschlechterung der gesundheitlichen Verhältnisse der Versicherten seit der Begutachtung der asim im September 2015 hindeuten würden. Die IV-Stelle ist demzufolge z u Recht davon ausgegangen, dass die Versicherte in einer leidensangepassten Tätigkeit unveränd ert zu 50 % arbeitsfähig sei. Dem- gemäss ist die Beschwerde abzuweisen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Versicherte unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihr ist allerdings mit verfahrensleitender Verfügung vom 26. Juni 2018 die unentgeltliche Prozessf ührung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 7.2 Dem Prozessausgang entsprechend sind keine Parteient schädigungen zuzusprechen. Da der Versicherten mit prozessleitender Verfügung vom 26. Juni 2018 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurd e, hat dessen Entschädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwäl- te vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unent geltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter machte in seiner Honorarnote vom 29. Dezember 2018 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 6 Stunden und 55 Minuten und Ausla- gen von Fr. 140.-- geltend, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Ihm ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'641.35 (6 Stunden und 55 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Spesen und Auslagen von Fr. 140.-- sowie 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Die Versicherte wird jedoch ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführerin werden Verfahrenskosten in d er Höhe von Fr. 800.-- auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die der Beschwerdeführerin auferlegten Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'641.35 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht