<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 7" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 7</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">77</span> </div> <div class="page" id="S77"> <span class="text"><b>II. Steuern </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>7 </b> <b>Feststellung Steuerpflicht</b></span><br/> <span class="text">Kein Anspruch auf Feststellung der unbeschränkten Steuerpflicht, wenn</span><br/> <span class="text">unstreitig mindestens eine beschränkte Steuerpflicht besteht </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 28. Februar</span><br/> <span class="text">2018, in Sachen A. gegen KStA und Gemeinderat Y. (WBE.2017.490).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">1.</span><br/> <span class="text">Das Spezialverwaltungsgericht hat im angefochtenen Entscheid</span><br/> <span class="text">zunächst geprüft, ob die Steuerkommission Y. einen negativen Fest-</span><br/> <span class="text">stellungsentscheid betreffend die unbeschränkte Steuerpflicht des</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführers hätte fällen dürfen. Dabei ist es zum Ergebnis ge-</span><br/> <span class="text">langt, dass in der hier vorliegenden Konstellation - unbestrittenes</span><br/> <span class="text">Bestehen einer Steuerpflicht, wobei einzig streitig ist, ob (nur) eine</span><br/> <span class="text">beschränkte oder eine unbeschränkte Steuerpflicht besteht - kein An-</span><br/> <span class="text">lass für eine separate Feststellung der Steuerpflicht besteht. Dement-</span><br/> <span class="text">sprechend hat das Spezialverwaltungsgericht den angefochtenen Ent-</span><br/> <span class="text">scheid aufgehoben und die Angelegenheit zur Veranlagung des Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführers an die Steuerkommission Y. zurückgewiesen.</span><br/> <span class="text">1.1.</span><br/> <span class="text">Wie bereits im verwaltungsgerichtlichen Urteil vom 17. Juni</span><br/> <span class="text">2009 (WBE.2008.328 = AGVE 2009, S. 137) festgehalten, ist das</span><br/> <span class="text">Verwaltungsgericht bei Fehlen einer ausdrücklichen gesetzlichen</span><br/> <span class="text">Grundlage für den Erlass von Feststellungsentscheiden im kantona-</span><br/> <span class="text">len Steuerrecht hinsichtlich der Zulässigkeit solcher Entscheide in</span><br/> <span class="text">Anlehnung an die insoweit sehr restriktive Praxis des Bundesgerichts</span><br/> <span class="text">ebenfalls sehr zurückhaltend: In Veranlagungen sind über die Festle-</span><br/> <span class="text">gung der Steuerfaktoren hinausgehende rechtskraftfähige Feststel-</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">78</span> </div> <div class="page" id="S78"> <div role="main"> <span class="text">lungen ausgeschlossen. Ebenso sind selbstständige Feststellungsver-</span><br/> <span class="text">fügungen im Steuerrecht, abgesehen vom Fall der Feststellung der</span><br/> <span class="text">Steuerpflicht, grundsätzlich ausgeschlossen. Nur aus zwingenden</span><br/> <span class="text">praktischen Gründen kann in besonderen Einzelsituationen die Vor-</span><br/> <span class="text">wegnahme eines Entscheids über eine Rechtsfrage geboten sein, ob-</span><br/> <span class="text">wohl es mangels Verwirklichung eines Steuertatbestands noch nicht</span><br/> <span class="text">zu einer Veranlagung kommt. Nur für solche Sonderfälle behält die</span><br/> <span class="text">verwaltungsgerichtliche Praxis das Recht bzw. die Pflicht zum Erlass</span><br/> <span class="text">einer selbstständigen Feststellungsverfügung vor.</span><br/> <span class="text">1.2.</span><br/> <span class="text">Hier steht fest, dass der Beschwerdeführer per 31. Dezember</span><br/> <span class="text">2014 im Kanton Aargau steuerpflichtig war. Streitig ist einzig, ob er</span><br/> <span class="text">(nur) qua wirtschaftlicher Zugehörigkeit (Eigentum an der Liegen-</span><br/> <span class="text">schaft in Y.; § 17 Abs. 1 lit. b StG) der beschränkten Steuerpflicht</span><br/> <span class="text">oder qua Wohnsitz in Y. (§ 16 Abs. 1 StG) im Kanton Aargau der un-</span><br/> <span class="text">beschränkten Steuerpflicht unterliegt.</span><br/> <span class="text">Für interkantonale Verhältnisse hat das Bundesgericht mit Blick</span><br/> <span class="text">auf doppelbesteuerungsrechtlich erhebliche Sachverhalte aus dem</span><br/> <span class="text">Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung gemäss Art. 127</span><br/> <span class="text">Abs. 3 BV direkt, d.h. ohne dass es dafür einer weiteren gesetzlichen</span><br/> <span class="text">Grundlage im Bundes- oder kantonalen Recht bedürfte, einen An-</span><br/> <span class="text">spruch des Bürgers auf Vorausbeurteilung der Steuerhoheitsfrage ab-</span><br/> <span class="text">geleitet (BGE 137 I 273 Erw. 3.3.2 S. 278; Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="text">2C_1025/2016 vom 14. November 2016 Erw. 3.2). Ist die Steuer-</span><br/> <span class="text">hoheit im interkantonalen Verhältnis bestritten, so kann und muss die</span><br/> <span class="text">kantonale Steuerverwaltung, die sich zur Besteuerung zuständig er-</span><br/> <span class="text">achtet, in dieser Frage einen Feststellungentscheid erlassen, ehe sie</span><br/> <span class="text">das Veranlagungsverfahren fortsetzen kann. Zur Begründung dieser</span><br/> <span class="text">Praxis hat das Bundesgericht darauf verwiesen, dass derjenige, der</span><br/> <span class="text">die Steuerhoheit eines Kantons gemäss dem Doppelbesteuerungs-</span><br/> <span class="text">verbot bestreite, in diesem Kanton weder mit einer Steuer belegt</span><br/> <span class="text">noch auch nur in ein Steuerveranlagungsverfahren einbezogen wer-</span><br/> <span class="text">den dürfe. Daher müsse dem zur Veranlagung Herangezogenen ein</span><br/> <span class="text">Anspruch auf einen Vorentscheid darüber zustehen, ob er einer be-</span><br/> <span class="text">stimmten Steuerhoheit überhaupt unterliegt.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">79</span> </div> <div class="page" id="S79"> <div role="main"> <span class="text">Ein solcher Entscheid muss und darf aber nur dann gefällt</span><br/> <span class="text">werden, wenn die kantonale Steuerhoheit als solche, d.h. der Bestand</span><br/> <span class="text">der subjektiven Steuerpflicht, in Frage steht. Ist das Bestehen einer</span><br/> <span class="text">subjektiven Steuerpflicht ohnehin zu bejahen und lediglich noch</span><br/> <span class="text">streitig, ob eine der Steuerhoheit eines Kantons unterworfene Person</span><br/> <span class="text">beschränkt oder unbeschränkt steuerpflichtig ist, so betrifft dies nicht</span><br/> <span class="text">den Bestand, sondern den Umfang der subjektiven Steuerpflicht. Ein</span><br/> <span class="text">Vorentscheid betreffend den Umfang der subjektiven Steuerpflicht ist</span><br/> <span class="text">somit weder bundes- noch kantonalrechtlich geboten und, wie die</span><br/> <span class="text">Vorinstanz zutreffend erkannt hat, auch gar nicht zulässig (ebenso</span><br/> <span class="text">bereits das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, Urteil vom</span><br/> <span class="text">31. Januar 1997 = StE 1997 B 11.3 Nr. 10; vgl. auch Urteil vom</span><br/> <span class="text">18. Dezember 2002 = StE 2003 B 92.51 Nr. 9; ausserdem PETER</span><br/> <span class="text">LOCHER, Kommentar DBG, I. Teil, Therwil 2004, Einführung zu</span><br/> <span class="text">Art. 3 ff. N 10 sowie MARTIN ZWEIFEL/HUGO CASANOVA, Schwei-</span><br/> <span class="text">zerisches Steuerverfahrensrecht, Zürich 2008, S. 256 § 20 Rz 9). Zu</span><br/> <span class="text">Recht hat die Vorinstanz daher den Feststellungsentscheid der</span><br/> <span class="text">Steuerkommission Y., wonach der Beschwerdeführer in Y. lediglich</span><br/> <span class="text">der beschränkten Steuerpflicht unterliegt, aufgehoben und damit den</span><br/> <span class="text">Rekurs implizit teilweise gutgeheissen.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>