06/07 35 Baurecht. Art. 5 Abs. 3, Art. 9 BV. Art. 42 i.V.m. Art. 46 Abs. 1 lit. a, Art. 52 Abs. 1 VRPV. Betreffend Einsprachelegitimat ion sich widersprechende Entscheide der zuständigen Gemeindebaubehörde. Grun dsatz von Treu und Glauben als allgemeines Verfassungsprinzip und als Grundrecht auf Vertrau- ensschutz. Geltend gemachte Einsprachelegitimation aus dem Grundrecht auf Vertrauensschutz. Verfügungen und Entscheide können eine Vertrauensgrund- lage als Anknüpfungspunkt für den Vertrauensschutz darstellen. Das Gleich- heitsprinzip und der Grundsatz der Rechtssicherheit verlangen, dass an einer Praxis in der Regel festgehalten wird. Sie stehen e iner Praxisänderung nicht entgegen, wenn diese auf sachlichen Gründen beruht. Insbesondere stehen die Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit einer Rückkeh r zur geltenden Ordnung nicht entgegen. Hat eine Behörde in einem Fall eine vom Gesetz abweichende Entscheidung getroffen, gibt das den Privaten, die sich in der gleichen Lage befinden, grundsätzlich keinen Anspruch darauf, ebe nfalls von der Norm ab- weichend behandelt zu werden. Nur wenn eine eigentl iche gesetzeswidrige Praxis bestehen und die Behörde es ablehnen würde, diese aufzugeben, könn- ten Private verlangen, dass die widerrechtliche Ver günstigung auch ihnen ge- währt wird. Wer (aufgrund individueller Kenntnisse und Fähigkeiten) die Feh- lerhaftigkeit (des ersten Entscheides, mit dem die Einsprachelegitimation be- jaht wurde) kennt, kann nicht in guten Treuen davon ausgehen, dass die durch den Staat erweckten Erwartungen erfüllt werden. Ver trauensschutz kann in der Regel nur geltend machen, wer gestützt auf sein Ver trauen eine Disposition getätigt hat, die ohne Nachteil nicht wieder rückgä ngig gemacht werden kann. Die Unterlassung der Beschwerdeergreifung gegen den fehlerhaften ersten Einspracheentscheid stellt keine solche Disposition dar. Ein rechtswidriger Entscheid zugunsten eines Verfahrensbeteiligten ver schafft bei einem Weiter- zug dieses Entscheides der begünstigten Partei kein en Anspruch darauf, dass ihr diese Begünstigung auch von den Rechtsmittelins tanzen gewährt wird, so- weit wie vorliegend kein Verschlechterungsverbot be steht. Haben die Privaten auf das ursprüngliche Verhalten der Behörden vertra ut, stellt widersprüchli- ches Verhalten der Verwaltungsbehörden eine Verletz ung des Vertrauens- schutzprinzips dar. Hat diese ihren Standpunkt zur Frage der Einsprachelegi- timation aber nicht ohne Grund geändert, stellt die ses Vorgehen keine Verlet- zung des Vertrauensschutzprinzips dar. Obergericht, 09. Juni 2006, OG V 06 1