<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 32 S.183</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">183</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>32 Öffentliche</b></span> <span class="ft2"><b>Ausschreibung;</b></span> <span class="ft2"><b>Diskriminierungsverbot.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine öffentliche Ausschreibung ist grundsätzlich so zu formulieren,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dass die Anzahl der potentiellen Anbietenden der nachgefragten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Leistung möglichst gross ist. Eine Diskriminierung liegt vor, wenn</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Spezifikationen nicht durch den Zweck der Beschaffung ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rechtfertigt sind, oder wenn sie gar zwecks gezielter Vereitelung der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Möglichkeit bestimmter Unternehmen, am Verfahren teilzunehmen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>formuliert werden.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">184</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 25. November 2008 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen B. AG gegen die Gemeinderäte B. und W. (WBE.2008.122).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, das Pflichtenheft</span><br/> <span class="ft1">bzw. die darin verlangten technischen Spezifikationen seien einzig</span><br/> <span class="ft1">darauf ausgerichtet, die Erteilung des Zuschlags an eine bestimmte</span><br/> <span class="ft1">Anbieterin zu bewirken. Zwar handle es sich offenbar nicht um</span><br/> <span class="ft1">eigentliche Produkteanforderungen, deren Nichterfüllung zum Aus-</span><br/> <span class="ft1">scheiden mangels Eignung führe, sondern die Erfüllung des Pflich-</span><br/> <span class="ft1">tenhefts sei "nur" ein Zuschlagskriterium. Die (hohe) Gewichtung</span><br/> <span class="ft1">dieses Zuschlagskriteriums mit 35 % habe aber mit absolut überwie-</span><br/> <span class="ft1">gender Wahrscheinlichkeit zur Folge, dass die Zuschlagserteilung an</span><br/> <span class="ft1">dasjenige Unternehmen erfolgen werde, dessen Angebot am stärksten</span><br/> <span class="ft1">mit dem Pflichtenheft übereinstimme. Die im Pflichtenheft geforder-</span><br/> <span class="ft1">ten technischen Vorgaben (z.B. bezüglich Grundrahmen, Abstützein-</span><br/> <span class="ft1">richtung, Abseilgerät, Hauptsteuerstand, Rettungskorb, Notablasssys-</span><br/> <span class="ft1">tem) seien für die zweckmässige Verwendung des zu beschaffenden</span><br/> <span class="ft1">Produkts keineswegs zwingend notwendig und hätten einzig den</span><br/> <span class="ft1">Zweck, eine bestimmte Anbieterin zu bevorzugen. Beim Pflichten-</span><br/> <span class="ft1">heft der Beschwerdegegnerinnen handle es sich nicht um eine</span><br/> <span class="ft1">neutrale Leistungsumschreibung, sondern um einen eigentlichen Pro-</span><br/> <span class="ft1">duktebeschrieb. Das ganze Pflichtenheft stimme praktisch wörtlich</span><br/> <span class="ft1">mit dem dem Kaufvertrag der A. zugrunde liegenden Angebot über-</span><br/> <span class="ft1">ein, d.h. die Übereinstimmung beziehe sich nicht nur auf einzelne</span><br/> <span class="ft1">Aspekte, sondern auf das ganze Angebot. Es könne keine Rolle spie-</span><br/> <span class="ft1">len, ob die Vorgaben des Pflichtenhefts als Produkteanforderungen</span><br/> <span class="ft1">(d.h. eigentlich Eignungskriterien) oder als Zuschlagskriterien aufzu-</span><br/> <span class="ft1">fassen seien. Auch könne es nicht darauf ankommen, ob die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin theoretisch in der Lage wäre, ein Produkt entspre-</span><br/> <span class="ft1">chend dem Pflichtenheft anzubieten. Bei der Beschaffung eines tech-</span><br/> <span class="ft1">nisch hoch komplexen Produktes habe die Vergabestelle vorzugeben,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">185</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">welche Leistungen ein entsprechendes Produkt erbringen müsse.</span><br/> <span class="ft1">Entsprechend könne je nach dem vorgehenden Einsatz des Produktes</span><br/> <span class="ft1">- beispielsweise die topographischen oder örtlichen und baulichen</span><br/> <span class="ft1">Verhältnisse - das Angebot des einen oder anderen Anbieters den</span><br/> <span class="ft1">Vorzug verdienen. Es sei aber nicht zulässig, die Ausschreibung auf</span><br/> <span class="ft1">ein genau bestimmtes Produkt auszurichten, ansonsten werde das</span><br/> <span class="ft1">marktwirtschaftliche Wettbewerbsprinzip vollständig sinnentleert</span><br/> <span class="ft1">und ausgehöhlt.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 1 Abs. 1 SubmD soll der wirksame Wettbewerb ge-</span><br/> <span class="ft1">fördert werden. Die Anbietenden sind in allen Phasen des Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">verfahrens gleich zu behandeln, und die Vergabestelle vermeidet jede</span><br/> <span class="ft1">Diskriminierung der Anbietenden, insbesondere durch die Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mung der technischen Spezifikationen und der zu verwendenden Pro-</span><br/> <span class="ft1">dukte. Nach Art. 13 lit. b IVöB haben die kantonalen Ausführungs-</span><br/> <span class="ft1">bestimmungen die Bezugnahme auf nicht diskriminierende techni-</span><br/> <span class="ft1">sche Spezifikationen zu gewährleisten (vgl. auch Art. VI GPA und</span><br/> <span class="ft1">§ 15 Abs. 1 und 2 der Vergaberichtlinien [VRöB] zur IVöB).</span><br/> <span class="ft1">Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts steht fest,</span><br/> <span class="ft1">dass auch die öffentliche Vergabebehörde als Auftraggeberin</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich frei bestimmen kann, welche Bau-, Liefer- oder</span><br/> <span class="ft1">Dienstleistungen sie benötigt und welche konkreten Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">sie bezüglich Qualität, Ausstattung, Ästhetik, Service usw. stellt, was</span><br/> <span class="ft1">also im Einzelnen Gegenstand und Inhalt der Submission ist (AGVE</span><br/> <span class="ft1">1998, S. 404). Der Vergabestelle ist es aber verwehrt, ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">das Produkt eines bestimmten Herstellers zu verlangen oder die</span><br/> <span class="ft1">technischen Spezifikationen derart zu bestimmen, dass nur ein be-</span><br/> <span class="ft1">schränkter Anbieterkreis oder sogar nur ein einziger Anbieter über-</span><br/> <span class="ft1">haupt in der Lage ist, ein den einschränkenden Bedingungen der</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibung entsprechendes Angebot einzureichen. Dem (öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen) Auftraggeber ist es mit anderen Worten verboten, sich auf</span><br/> <span class="ft1">technische Spezifikationen zu beziehen oder Produktevorgaben zu</span><br/> <span class="ft1">machen, die bewirken, dass bestimmte Unternehmer bevorzugt oder</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen werden. Grundsätzlich müssen in einem öffentlich</span><br/> <span class="ft1">ausgeschriebenen Verfahren alle interessierten (und geeigneten)</span><br/> <span class="ft1">Anbieter der betreffenden Branche die gleiche Möglichkeit haben,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">186</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">für die zu vergebende Leistung ein Angebot zu unterbreiten, welches</span><br/> <span class="ft1">auch eine effektive Chance auf Erhalt des Zuschlags hat. Dies</span><br/> <span class="ft1">bedeutet, dass sich die Vergabebehörde im Regelfall nicht von</span><br/> <span class="ft1">vornherein auf einen bestimmten Hersteller oder ein bestimmtes</span><br/> <span class="ft1">Produkt festlegen darf (AGVE 1998, S. 407).</span><br/> <span class="ft1">Auch gemäss dem Bundesgericht ist die Vergabebehörde in der</span><br/> <span class="ft1">Analyse ihres Bedarfs weitgehend frei. Ihr ist es auch erlaubt, bei der</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibung eines Vorhabens durch sog. technische Spezifikatio-</span><br/> <span class="ft1">nen gewisse technologische Mindestanforderungen an die Ausfüh-</span><br/> <span class="ft1">rung zu stellen, solange sich diese auf die geforderte Leistung bezie-</span><br/> <span class="ft1">hen und sich nicht diskriminierend auswirken. Diese Spezifikationen</span><br/> <span class="ft1">müssen namentlich in Bezug auf den konkreten Auftrag gerecht-</span><br/> <span class="ft1">fertigt sein und dürfen nicht dazu dienen, gezielt bestimmte Anbieter</span><br/> <span class="ft1">ohne sachliche Notwendigkeit zu bevorzugen oder zu benachteiligen</span><br/> <span class="ft1">(BGE vom 2. März 2000 [2P.282/1999], Erw. 3).</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich schliesslich hat</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, aus Gründen der Gleichbehandlung und des Wettbe-</span><br/> <span class="ft1">werbs habe die Vergabestelle bei der Leistungsdefinition darauf zu</span><br/> <span class="ft1">achten, dass die Anzahl der potentiellen Anbieter der Leistung so</span><br/> <span class="ft1">gross wie möglich bleibe und nicht durch Anforderungen verringert</span><br/> <span class="ft1">werde, die in sachlicher Hinsicht als nicht zwingend erschienen. Ein-</span><br/> <span class="ft1">schränkungen des Kreises potentieller Anbieter seien nur insoweit</span><br/> <span class="ft1">zulässig, als sie durch den Zweck der Beschaffung gerechtfertigt sei-</span><br/> <span class="ft1">en. Gewünschte, aber nicht notwendige technische Merkmale einer</span><br/> <span class="ft1">Leistung seien in diesem Sinn als (relative) Zuschlagskriterien und</span><br/> <span class="ft1">nicht als (absolute) technische Anforderungen zu formulieren (Urteil</span><br/> <span class="ft1">des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 23. November</span><br/> <span class="ft1">2001 [VB.2000.00275], Erw. 2c und d; vgl. ferner auch Urteile vom</span><br/> <span class="ft1">21. April 2004 [VB.2003.00268], Erw. 3.2.3 und vom 25. Januar</span><br/> <span class="ft1">2006 [VB.2005.00200], Erw. 5).</span><br/> <span class="ft1">Aus vorstehend angeführter Rechtsprechung folgt, dass eine</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Ausschreibung nur dann geeignet ist, einen hinreichend</span><br/> <span class="ft1">weiten Kreis an Wettbewerbern anzuziehen, wenn sie möglichst neu-</span><br/> <span class="ft1">tral abgefasst ist und wenn nicht schon die Umschreibung der</span><br/> <span class="ft1">gesuchten Leistung eine grosse Zahl potenzieller Submittenten de</span><br/> <span class="ft1">facto von einer Bewerbung ausschliesst. Eine Diskriminierung liegt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">187</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vor, wenn die Spezifikationen nicht sachgerecht, also durch den</span><br/> <span class="ft1">Zweck der Beschaffung nicht gerechtfertigt sind, oder wenn sie gar</span><br/> <span class="ft1">zwecks gezielter Vereitelung der Möglichkeit bestimmter Unterneh-</span><br/> <span class="ft1">men, am Verfahren teilzunehmen, formuliert werden. Solche Leis-</span><br/> <span class="ft1">tungsumschreibungen schränken den Wettbewerb in vergaberechts-</span><br/> <span class="ft1">widriger Weise ein, da die grundsätzliche Definitionsfreiheit der Auf-</span><br/> <span class="ft1">traggeber unsachgemässe Spezifikationen nicht mit umfasst und ge-</span><br/> <span class="ft1">zielte Diskriminierung ohnehin vergaberechtswidrig ist (siehe auch</span><br/> <span class="ft1">Martin Beyeler, Ziele und Instrumente des Vergaberechts, Zürich /</span><br/> <span class="ft1">Basel / Genf 2008, Rz. 95 ff.).</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Lieferaufträge sind im offenen oder selektiven Verfahren zu</span><br/> <span class="ft1">vergeben, wenn der geschätzte Wert des Einzelauftrags Fr. 250'000.--</span><br/> <span class="ft1">übersteigt (§ 8 Abs. 1 SubmD). Dieser Betrag wird vom zu beschaf-</span><br/> <span class="ft1">fenden Hubrettungsfahrzeug, auch von einem Vorführfahrzeug, klar</span><br/> <span class="ft1">überschritten, wie die verschiedenen (Richt-)Offerten klar aufzeigen.</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmetatbestände im Sinne von § 8 Abs. 3 SubmD, die eine frei-</span><br/> <span class="ft1">händige Vergabe rechtfertigen könnten, sind vorliegend nicht gege-</span><br/> <span class="ft1">ben. Insbesondere stellt auch der Entscheid für ein (preisgünstigeres)</span><br/> <span class="ft1">Vorführfahrzeug keine Ausnahme dar; auch solche Fahrzeuge kön-</span><br/> <span class="ft1">nen von verschiedenen Lieferanten angeboten werden. Die Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">behörde hat sich somit letztlich richtigerweise - wenn auch nur wide-</span><br/> <span class="ft1">rwillig und auf Druck der Beschwerdeführerin - dafür entschieden,</span><br/> <span class="ft1">auf die ursprünglich vorgesehene freihändige Vergabe des Hubretters</span><br/> <span class="ft1">an die A. zu verzichten und diesen in einem offenen Submissionsver-</span><br/> <span class="ft1">fahren öffentlich auszuschreiben. Damit aber ist sie an die dafür gel-</span><br/> <span class="ft1">tenden Vorschriften gebunden; insbesondere hat sie den potentiellen</span><br/> <span class="ft1">Anbietenden einen wirksamen und fairen Wettbewerb zu gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leisten, die Anbietenden in allen Phasen des Vergabeverfahrens</span><br/> <span class="ft1">rechtsgleich zu behandeln und jegliche Diskriminierung im Sinne</span><br/> <span class="ft1">einer gezielten Bevorzugung bzw. Benachteiligung einzelner Anbie-</span><br/> <span class="ft1">ter zu vermeiden. Sind bei einem Beschaffungsgeschäft die Schwel-</span><br/> <span class="ft1">lenwerte für das offene oder selektive Verfahren erreicht, darf sich</span><br/> <span class="ft1">die Vergabestelle somit nicht von vornherein durch die entsprechen-</span><br/> <span class="ft1">de Ausgestaltung der Ausschreibung auf einen bestimmten Anbieter</span><br/> <span class="ft1">oder ein bestimmtes Produkt festlegen, ansonsten würden die ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">188</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sprechenden Vorschriften ihres Sinnes entleert. In diesem Sinne be-</span><br/> <span class="ft1">grenzt das anzuwendende Verfahren auch das bestehende Ermessen</span><br/> <span class="ft1">der Vergabestelle bei der Umschreibung der zu beschaffenden</span><br/> <span class="ft1">Leistung.</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">3.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Das streitige Pflichtenheft nennt beim Trägerfahrzeug zwar als</span><br/> <span class="ft1">Fahrzeugtyp konkret den C., aber korrekterweise mit der Ergänzung</span><br/> <span class="ft1">"oder ähnlich" versehen. Die Typenbezeichnung ist deshalb nicht als</span><br/> <span class="ft1">diskriminierend zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf die Hubrettungsbühne selbst wird zwar nicht</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich ein bestimmter Produkte- oder Markennamen genannt.</span><br/> <span class="ft1">Indessen stimmen die verlangten Spezifikationen des Pflichtenheftes</span><br/> <span class="ft1">für die Hubrettungsbühne - wie auch die Beschwerdeführerin zu</span><br/> <span class="ft1">Recht festgestellt hat - weitestgehend praktisch wörtlich mit der Of-</span><br/> <span class="ft1">ferte vom 3. Juli 2007 bzw. dem Kaufvertrag der A. für die Hubret-</span><br/> <span class="ft1">tungsbühne D. überein. Die verlangten Spezifikationen sind mit an-</span><br/> <span class="ft1">deren Worten unverkennbar auf dieses Produkt zugeschnitten. Ab-</span><br/> <span class="ft1">weichende Lösungen/Systeme - wie sie die Offerte der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin vom 14. Dezember 2007 enthält - werden im Pflichtenheft</span><br/> <span class="ft1">explizit als "nicht akzeptiert" zurückgewiesen, wie z.B. den Einbau</span><br/> <span class="ft1">des Hydrauliköltanks in den Grundrahmen, Überwachung des Bo-</span><br/> <span class="ft1">dendrucks mit reinen Schaltern, Rettungskorb vorwiegend aus Edel-</span><br/> <span class="ft1">stahl, Teleskop-Wasserleitung aus Edelstahl oder anderen Materia-</span><br/> <span class="ft1">lien. Insofern kann von einem neutral abgefassten Pflichtenheft (je-</span><br/> <span class="ft1">denfalls soweit es die Hubrettungsbühne selbst und nicht das Träger-</span><br/> <span class="ft1">fahrzeug betrifft), nicht die Rede sein. Aufgrund der Spezifikationen</span><br/> <span class="ft1">besteht von vornherein eine klare Bevorzugung der Hubrettungs-</span><br/> <span class="ft1">bühne D., was von der Vergabestelle auch nicht in Abrede gestellt</span><br/> <span class="ft1">wird. Eine solche Bevorzugung eines Standardprodukts eines Un-</span><br/> <span class="ft1">ternehmens ist in einem offenen Vergabeverfahren, in dem alle An-</span><br/> <span class="ft1">bieter eine Chance auf den Zuschlag haben müssen, nicht zulässig.</span><br/> <span class="ft1">Daran ändert auch nichts, dass die Konkurrenzunternehmen zumin-</span><br/> <span class="ft1">dest theoretisch technisch in der Lage wären, ihre (Standard-)Pro-</span><br/> <span class="ft1">dukte den speziellen Vorgaben anzupassen. Der damit verbundene</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">189</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Aufwand würde das entsprechende Produkt derart verteuern, dass die</span><br/> <span class="ft1">Konkurrenzfähigkeit von vornherein nicht mehr gegeben wäre.</span><br/> <br/> <span class="ft1">3.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Zwar sind gemäss den vorliegenden Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft1">Varianten bezüglich Ausrüstung des Fahrzeuges möglich, was ge-</span><br/> <span class="ft1">wisse Spielräume für Abweichungen von den verlangten Spezifika-</span><br/> <span class="ft1">tionen öffnet. Allerdings wurde vom Verfasser des Pflichtenheftes an</span><br/> <span class="ft1">der Verhandlung ausdrücklich bestätigt, dass bei der Bewertung ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechende Punkteabzüge gemacht würden, wenn die im Pflichten-</span><br/> <span class="ft1">heft verlangten Anforderungen nicht erfüllt seien. In diesem Sinne</span><br/> <span class="ft1">kann festgestellt werden, dass die Einhaltung des Pflichtenhefts</span><br/> <span class="ft1">vorliegend nicht ein Eignungskriterium darstellt, was unter den gege-</span><br/> <span class="ft1">benen Umständen von vornherein unzulässig wäre, sondern ein</span><br/> <span class="ft1">Zuschlagskriterium ist. Die im Pflichtenheft genannten Spezifikatio-</span><br/> <span class="ft1">nen sind somit nicht als absolut zwingend einzuhalten zu verstehen,</span><br/> <span class="ft1">sondern ziehen "lediglich" Abzüge bei der Bewertung nach sich.</span><br/> <span class="ft1">Dies hat zur Konsequenz, dass Abweichungen von den Vorgaben des</span><br/> <span class="ft1">Pflichtenheftes grundsätzlich nicht zum Ausschluss des betreffenden</span><br/> <span class="ft1">Anbieters bzw. des Angebots führen, sondern sich bei der Bewertung</span><br/> <span class="ft1">des Zuschlagskriteriums "Aufbau/Pflichtenheft", sehr wahrscheinlich</span><br/> <span class="ft1">aber auch bei den weiteren Zuschlagskriterien ("Technik/Leistung",</span><br/> <span class="ft1">"Produkt/Miliztauglichkeit") negativ auswirken. Rein theoretisch</span><br/> <span class="ft1">könnten diese Abzüge zwar durch eine entsprechende Besserbe-</span><br/> <span class="ft1">wertung bei anderen Kriterien, z.B. beim Preis, kompensiert werden.</span><br/> <span class="ft1">In welchem Ausmass solche Abweichungen von den Vorgaben bei</span><br/> <span class="ft1">der Bewertung negativ ins Gewicht fallen, ist zum heutigen Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt allerdings nicht bekannt. Das Bewertungsschema soll erst bei</span><br/> <span class="ft1">Offertöffnung erarbeitet werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin ist in diesem Kontext der Ansicht, eine</span><br/> <span class="ft1">transparente und rechtsgleiche Auswertung der Angebote sei im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall zum vornherein ausgeschlossen. Die Angaben in</span><br/> <span class="ft1">der Ausschreibung betreffend die Zuschlagskriterien seien derart un-</span><br/> <span class="ft1">bestimmt, dass es die Beschwerdegegnerinnen auch bei der Auswer-</span><br/> <span class="ft1">tung der Angebote in der Hand hätten, die Beurteilungsmatrix</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">190</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gestützt auf die eingereichten Angebote dergestalt festzulegen, dass</span><br/> <span class="ft1">das Angebot der A. den Zuschlag erhalten werde.</span><br/> <span class="ft1">Diese Befürchtungen der Beschwerdeführerin erscheinen be-</span><br/> <span class="ft1">gründet. In der Tat sind die Zuschlagskriterien mehrheitlich sehr</span><br/> <span class="ft1">unbestimmt und wenig konkret formuliert. In welchem inhaltlichen</span><br/> <span class="ft1">Verhältnis die Zuschlagskriterien "Aufbau/Einhaltung des Pflichten-</span><br/> <span class="ft1">heftes, "Technik/Leistung" und "Produkt/Miliztauglichkeit" zueinan-</span><br/> <span class="ft1">der bestehen bzw. wie sie sich abgrenzen, ist ebenso unklar wie ihre</span><br/> <span class="ft1">genaue inhaltliche Bedeutung. Es muss angesichts der formulierten</span><br/> <span class="ft1">Zuschlagskriterien davon ausgegangen werden, dass Abweichungen</span><br/> <span class="ft1">vom Pflichtenheft nicht nur beim mit 35 % gewichteten Kriterium</span><br/> <span class="ft1">"Aufbau/Einhaltung des Pflichtenhefts" zu Bewertungsabzügen füh-</span><br/> <span class="ft1">ren, sondern sich konsequenterweise auch negativ auf die Bewertung</span><br/> <span class="ft1">der Kriterien "Technik/Leistung" und "Produkt/Miliztauglichkeit"</span><br/> <span class="ft1">auswirken. So ist z.B. anzunehmen, dass die Einhaltung der verlang-</span><br/> <span class="ft1">ten Anforderungen an den Hauptsteuerstand sowohl beim Zuschlags-</span><br/> <span class="ft1">kriterium "Aufbau/Pflichtenheft" als auch beim Zuschlagskriterium</span><br/> <span class="ft1">"Produkt/Miliztauglichkeit" in der Bewertung berücksichtigt würde,</span><br/> <span class="ft1">führte E. an der Verhandlung doch aus, im Rahmen der Vorführungen</span><br/> <span class="ft1">sei den sieben Personen der Fahrzeugbeschaffungskommission die</span><br/> <span class="ft1">Handhabung des Systems, das die A. anbiete, besser erschienen. Es</span><br/> <span class="ft1">sei einfacher zu bedienen. Die Zuschlagskriterien "Aufbau/Ein-</span><br/> <span class="ft1">haltung des Pflichtenhefts", "Technik/Leistung", "Produkt/Miliztaug-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit", bei deren Bewertung die Einhaltung der Spezifikationen</span><br/> <span class="ft1">eine erhebliche Rolle spielen dürfte, haben insgesamt ein Gewicht</span><br/> <span class="ft1">von 70 %. Die Ausrichtung auf das Standardprodukt der A. führt zu</span><br/> <span class="ft1">einer hohen Bewertung ihres Angebots. Die restlichen Zuschlags-</span><br/> <span class="ft1">kriterien, darunter der Preis (20 %), weisen demgegenüber ein Ge-</span><br/> <span class="ft1">wicht von lediglich 30 % auf. Insofern dürfte es für die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin weitgehend illusorisch sein, die negative Bewertungen</span><br/> <span class="ft1">wegen abweichender Spezifikationen hier mit einem preisgünstigen</span><br/> <span class="ft1">Angebot kompensieren zu können.</span><br/> <span class="ft1">3.5.</span><br/> <span class="ft1">Unter den gegebenen Umständen muss bejaht werden, dass sich</span><br/> <span class="ft1">die unbestreitbar auf das von der A. angebotene Produkt ausgerichte-</span><br/> <span class="ft1">ten Vorgaben des Pflichtenheftes für die übrigen Anbieter von vorn-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">191</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">herein diskriminierend auswirken. Ihre Chancen, im vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Submissionsverfahren den Zuschlag zu erhalten, sind, sofern über-</span><br/> <span class="ft1">haupt vorhanden, jedenfalls durch die Vorgaben im Pflichtenheft</span><br/> <span class="ft1">massiv eingeschränkt. Von einer Chancengleichheit kann deshalb</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr gesprochen werden. Sich aus den konkreten Verhältnissen</span><br/> <span class="ft1">ergebende stichhaltige sachliche Gründe für eine derartige Bevor-</span><br/> <span class="ft1">zugung vermag die Vergabebehörde nicht darzutun. Es ist objektiv in</span><br/> <span class="ft1">keiner Weise nachvollziehbar, wieso einzig die von der A. ange-</span><br/> <span class="ft1">botene Hubrettungsbühne für den vorgesehenen Einsatz im Raum F.</span><br/> <span class="ft1">tauglich sein soll. Insbesondere auch die vorgebrachten Sicherheits-</span><br/> <span class="ft1">argumente vermögen nicht zu überzeugen. Es lässt sich kaum</span><br/> <span class="ft1">ernstlich behaupten, dass von allen sich auf dem Markt befindenden</span><br/> <span class="ft1">Rettungsgeräten einzig diejenigen der A. die Einhaltung der Sicher-</span><br/> <span class="ft1">heitsaspekte gewährleisten. Mithin verstösst die vorliegende Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung gegen das in § 1 Abs. 1 SubmD statuierte Diskriminie-</span><br/> <span class="ft1">rungsverbot, weshalb sie aufzuheben ist. Mit der Aufhebung der Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung fallen auch die Ausschreibungsunterlagen einschliesslich</span><br/> <span class="ft1">des Pflichtenhefts dahin. Der Entscheid über das weitere Vorgehen in</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf das strittige Beschaffungsgeschäft liegt bei der Vergabebe-</span><br/> <span class="ft1">hörde. Sie ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die</span><br/> <span class="ft1">Formulierung der Zuschlagskriterien bei einer Neuausschreibung</span><br/> <span class="ft1">überprüft werden muss, insbesondere auch auf unzulässige Über-</span><br/> <span class="ft1">schneidungen (siehe vorne Erw. 3.4.2.).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>