Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Dezember 2021 (720 21 173 / 335) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenanspruch einer versicherten Person mit depressiver Erkrankung; Observation der versicherten Person auf ihrem Balkon mit einem vergrössernden Objektiv; Parallelisie- rung der Vergleichseinkommen Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Daniel Riner, Advo- kat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1960 geborene A.____ bezieht seit dem 1. Janu ar 2001 aufgrund psychischer Be- einträchtigungen eine ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100 % (vgl. Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft [IV-Stelle] vom 29. Mai 2002). Grundlage für die Rentenzusprache bildeten damals die Berichte der B.____, vom 15. Juni 2000 und 13. Februar 2002 sowie von Dr. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht med. C.____, FMH Allgemeine Medizin, vom 25. April 2 000 und 19. Januar 2002. Im Rahmen der im April 2003, im Juni 2008 und im Dezember 2013 von Amtes wegen eingeleiteten Renten- revisionsverfahren bestätigte die IV-Stelle jeweils den Anspruch der Versicherten auf eine ganze Invalidenrente (vgl. Mitteilungen vom 25. Juli 2003, 18. Dezember 2009 und 17. März 2014). B. Aufgrund einer am 27. Februar 2014 eingegangenen anonymen, telefonischen Denun- ziation liess die IV-Stelle die Versicherte vom 20. März 2015 bis 6. Juni 2015 observieren. Nach Vorliegen der Observationsergebnisse veranlasste sie eine rheumatologische und psychiatrische Begutachtung der Versicherten. Nach Eingang des rheumatologischen Gutachtens von Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, vom 21. November 2016 und des psychiatri- schen Gutachtens von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 6. Juli 2016 und deren Stellungnahmen zum Observationsmaterial vom 12. April 2017 und 10. Januar 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 3. Mai 2021 mit, dass sich ihr psychischer Gesundheitszustand gemäss gutachterlicher Be- urteilung erheblich verbessert habe. Der aus diesem Gru nd neu vorzunehmende Einkommens- vergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 9 %, weshalb die laufende ganze Invalidenrente per Ende Juni 2021 aufgehoben werde. C. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertret en durch Dr. Daniel Riner, Advo- kat, am 1. Juni 2021 Beschwerde ans Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsgericht (Kantonsgericht), mit dem Antrag, es se i ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zu wei- teren medizinischen Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuwei sen; unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung machte sie geltend, dass die Observationse rgebnisse mangels hinreichender gesetzlicher Grundlage nicht verwertbar seien. In medi zinischer Hinsicht stellte sie sich auf den Standpunkt, dass der medizinische Sachverhalt aus somatischer S icht ungenügend abgeklärt sei. Zudem sei das Gutachten von Dr. E.____ mangelhaft, weil es weder eine genügende Ausei- nandersetzung mit den übrigen medizinischen Berichten noch eine Prüfung der vom Bundesge- richt geforderten Standardindikatoren beinhalte. Ausserdem seien die Gutachten von Dr. E.____ und Dr. D.____ veraltet, weshalb auch aus diesem Grund nicht darauf abgestellt werden könne. Schliesslich seien das Validen- und Invalideneinkommen gestützt auf die statistischen Tabellen- löhne zu berechnen, was unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 25 % einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad ergebe. D. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Juli 2021 schloss die I V-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene –- Be- schwerde der Versicherten vom 1. Juni 2021 ist demnach einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Perso n Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorli egens einer Erwerbsunfähigkeit sind Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti- gen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psy chischen Gesundheitsbeeinträchtigung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkann- ten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 59 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psych ischen Leiden belastenden psycho- sozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidi- sierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit we- sentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und in wiefern, allenfalls bei geeigneter therapeu- tischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwartet wer- den kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (B GE 127 V 297 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung verursachten Erwerbs- unfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Pe rson nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial- praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vora ussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 297 E. 4c in fine). 2.4 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Le iturteil BGE 141 V 281 seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somato formen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht revidiert hat. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann danach weiterhin nur anspruchser- heblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwan dfrei diagnostizierten Gesundheitsbeein- trächtigung ist. Auch künftig wird der Rentenanspruch – in Nachachtung der verfassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge- nossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rechtsgleichheit ) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prü frasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbsunfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem namentlich a us medizinischer, aber auch aus juristi- scher Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutung nicht weiter fest. Anstelle des bisherigen Regel/Ausnahme-Mo- dells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreich- bare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurte ilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressour cen Rechnung getragen wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterla- gen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stel- len haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen d er versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel –- frei, d.h. ohne Bindung an förml iche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. Mai 2021 zu Recht die laufende ganze Rente der Versicherten per 30. Juni 2021 aufgehoben hat. Massgebend ist dabei jener Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbe- fugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2). 4.2 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Invalidenre nten für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheb- lichen Weise ändert. Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang de s Anspruchs (Viertelsrente, halbe Rente, Dreiviertelsrente, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2 IVG) ausw irkt (BGE 134 V 131 E. 3). Ein Revisi- onsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person. Dazu gehört namentlich der Gesundheitszustand (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen). 4.3 Nach der Rechtsprechung bildet zeitliche Vergleich sbasis für die Beurteilung einer Än- derung des Invaliditätsgrades im Sinne von Art. 17 Abs . 1 ATSG die letzte anspruchsändernde (BGE 133 V 108 E. 4.1) oder auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskon- former Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruhende rechts- kräftige Verfügung (BGE 133 V 108, 130 V 71 E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Ver- sicherten mit Verfügung vom 29. Mai 2002 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % rückwir- kend ab 1. Januar 2002 eine ganze Invalidenrente zu. Im Rahmen des im Juni 2008 eingeleiteten Revisionsverfahrens folgte eine einlässliche materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit der An- ordnung eines psychiatrischen Gutachtens bei Dr. med. F._ ___, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie. Gestützt auf dessen Gutachten vom 16. Juli 2009 samt Ergänzung vom 21. September 2009 bestätigte die IV-Stelle den Anspruch der Versiche rten auf eine ganze Invalidenrente (vgl. Mitteilung vom 18. Dezember 2009). Im Rahmen der aktu ellen Rentenrevision hob die IV-Stelle nach Vornahme einer umfassenden medizinischen Abklärung die laufende ganze Invalidenrente Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Verfügung vom 3. Mai 2021 per 30. Juni 2021 auf. Demnach beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerichteten Invalidenrente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der (formlosen) Mitteilung vom 18. Dez ember 2009 bestanden hat, mit demjeni- gen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 3. Mai 2021. 5.1.1 Die entscheidende, von den Parteien unterschiedl ich beantwortete Frage des vorliegen- den Verfahrens ist, ob ein Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 ATSG gegeben ist. In diesem Zusammenhang ist zu klären, ob sich der Gesundheitszustand und der Grad der Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einer anspruchserheblichen Weise verbessert haben. Grundlage für die Mit- teilung vom 18. Dezember 2009 war das Gutachten von Dr. F.____ vom 16. Juli 2009. Dr. F.____ führte darin als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbe itsfähigkeit eine chronifizierte mittel- bis schwergradige depressive Störung (ICD-10 F32.11/F32.21) auf. Anlässlich der Untersuchung zeigten sich gemäss den Ausführungen von Dr. F.____ Auffälligkeiten beim Langzeitgedächtnis der Versicherten. Sie könne sich nur vage an biografische Details erinnern; zeitliche Zuordnungen seien oft nicht möglich. Der Redefluss sei stockend und sie spreche mit flüsternder Stimme und deutlich verlangsamt. Sie sei auf die körperlichen Beschwerden, insbesondere auf die Kopf- und Nackenschmerzen, eingeengt; eine Umstellfähigkeit sei aber vorhanden. Es könne eine ausge- prägte Tendenz zur Selbstbeobachtung körperlicher Vorgänge im Sinne einer Aufmerksamkeits- fokussierung festgestellt werden. Auf der Verhaltensebene zeige sich die Versicherte durchgän- gig gehemmt-depressiv. Ihr formaler Gedankengang sei zw ar geordnet, aber deutlich verlang- samt und die Grundstimmung sei gedrückt-depressiv, affektstarr, jedoch nicht labil oder dyspho- risch. Das Kontaktverhalten sei passiv sowie regressiv und die affektive Modulationsfähigkeit sei sehr reduziert. Zudem sei der Antrieb deutlich vermindert. Sowohl die Mimik als auch die Gestik seien ohne jeglichen Schwung. Während der ganzen Unter suchung habe sich keine Aufhellung gezeigt. Den Blickkontakt meide sie. Es gebe weder Hinweise auf eine akute oder latente Suizi- dalität noch auf ein Gefühl von Lebensüberdruss. Aufgru nd der affektiven, psychomotorischen, kognitiven, formalgedanklichen und vegetativen Symptome sei die Leistungsfähigkeit aus psychi- atrischer Sicht erheblich beeinträchtigt. Auf der psychia trisch körperlichen Ebene bestehe eine ausgeprägte Störung der Vitalgefühle. Im Hinblick auf die soziale Interaktion sei die Versicherte durch die Antriebsminderung und den krankheitsbedingt gewählten sozialen Rückzug in ihrer psychosozialen Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Eine Verbesserung der psychophysi- schen und psychosozialen Leistungsfähigkeit sei nicht zu erwarten. Angesichts des deutlich pro- longierten Behandlungs- und Heilverlaufs müsse von einer chronifizierten Störung ausgegangen werden. Es liege keine Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vor. 5.1.2 Gestützt auf die Stellungnahme von pract. med. G .____, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 12. August 2009 ergänzte Dr. F.____ sein Gutachten am 21. September 2009. Darin führte er aus, dass aus medizinisch-theoretischer Sicht eine stationäre Behandlung die erfolgver- sprechendste Massnahme sei. Sollten diese Massnahmen greifen, sei mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Um zu prüfen, ob eine Auflage zur Schadenminderung anzuordnen war, forderte die IV- Stelle den damals behandelnden Arzt der B.____, Dr. m ed. H.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, am 19. Oktober 2009 auf, Stellung zu den Empfehlungen von Dr. F.____ betreffend stationäre Behandlung zu nehmen. Dr. H.____ teilte in seiner Stellungnahme vom 23. November 2009 mit, dass die Versicherte seit der Begutachtung bei Dr. F.____ die verordneten Medika- mente regelmässig einnehme und seither regelmässig Bluts piegelkontrollen durchgeführt wür- den. Aus diesem Grund sei ein stationärer Aufenthalt zur Optimierung der antidepressiven Medi- kation nicht angezeigt. Desgleichen sei die Prognose hinsichtlich einer Verbesserung der depres- siven Symptomatik mit einer stationären Behandlung nicht erfolgversprechend. Gestützt auf die Ausführungen von Dr. H.____ empfahl die RAD-Ärztin am 17. Dezember 2009, auf die Auflage einer Schadenminderungspflicht zu verzichten. In der F olge bestätigte die IV-Stelle am 18. De- zember 2009 den Anspruch der Versicherten auf eine ganze Invalidenrente. 6.1 Im Rahmen des im Jahr 2013 von Amtes wegen eing eleiteten Rentenrevisionsverfah- rens berichtete Dr. H.____ am 25. November 2015 über einen unveränderten depressiven Zu- stand der Versicherten trotz medikamentöser Therapie. We iter ging aus den Berichten von Dr. I.___, FMH Rheumatologie sowie FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 7. No- vember 2012, von Dr. med. J.____, FMH Innere Medizin, vom 21. Januar 2013 und des Spitals L.____ vom 11. Juni 2015 und 27. März 2015 hervor, dass die Versicherte aufgrund somatischer Beschwerden untersucht wurde; ein organischer Befund fü r die geklagten Beschwerden konnte nicht erhoben werden. 6.2.1 Zur aktuellen Standortbestimmung holte die IV-S telle ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. E.____ und ein rheumatologisches Gutachten bei Dr. D.____ ein. In seinem Gutachten vom 6. Juli 2016 diagnostizierte Dr. E.____ eine rezidivier ende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0), welche die Arbeitsfähigkeit der Versicherten einschränke. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei die Som atisierungsstörung (ICD-10 F45.0). Bei der Untersuchung habe die Versicherte etwas vage Angab en, vor allem in Bezug auf die Zeit, gemacht. Demgegenüber seien ihre Ausführungen zur finanziellen Situation sehr präzise gewe- sen. Er habe keine Konzentrations- oder Gedächtnisstörunge n feststellen können. Die Merkfä- higkeit und die Gedächtnisleistungen seien intakt und ih re Ausführungen anschaulich gewesen. Demgegenüber seien die Stimmung monoton sowie herabge setzt, die Psychomotorik verarmt und das Denken leichtgradig depressiv eingeengt gewesen. Es liessen sich aber keine Hinweise für eine mittel- oder schwergradige depressive Verstimmung finden. Er habe auch keinen vermin- derten Antrieb feststellen können. Zwar habe sich die Versicherte bei der Untersuchung langsam und bedächtig verhalten. Er habe jedoch beobachten kön nen, dass sie nach der Untersuchung sehr lebhaft und ohne Verlangsamung auf ihren Mann zugegangen sei, der auf sie gewartet habe. Weiter habe sie von einem "Lebensverleider" berichtet, habe sich aber von Suizidgedanken dis- tanziert. Sie habe auch eine Freudlosigkeit erwähnt. G leichzeitig habe sie aber mit deutlich hei- terer Mimik erzählen können, dass sie sich sehr freue, wenn sie Kontakt mit ihren zahlreichen Enkelkindern habe. Insgesamt sei die Diagnose einer re zidivierenden depressiven Störung, ge- genwärtig leichtgradige Episode, zu stellen. Die dami t einhergehende leicht erhöhte Ermüdbar- keit, leichte depressive Verstimmung und verminderte psychische Belastbarkeit beeinträchtigten Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Arbeits- und Leistungsfähigkeit jedoch nur wenig. Da die Versicherte über nicht objektivier- bare Kopf- und Magenschmerzen sowie Schwindel klage, sei zusätzlich eine Somatisierungsstö- rung zu diagnostizieren, welche jedoch derart gering ausgeprägt sei, dass die Arbeitsfähigkeit dadurch nicht beeinflusst werde. Das zeige sich auch dar in, dass in dieser Hinsicht keine Be- handlungen durchgeführt würden und die Versicherte weg en körperlicher Beschwerden nur ge- legentlich Schmerzmittel einnehme. Weiter legte Dr. E.____ dar, dass die Versicherte seit Jahren davon überzeugt sei, nicht arbeiten zu können. Sie pflege daher einen äusserst passiven Lebens- stil und sei dadurch physisch sowie psychisch dekonditioniert. Sie zeige keine Motivation, etwas daran zu ändern. Aus diesem Grund seien Eingliederungsmassnahmen, welche ihr durchaus zu- mutbar wären, nicht sinnvoll. Weiter wies er darauf h in, dass die depressiven Verstimmungen, die geklagten Kopfschmerzen und die Schmerzen in der Magengegend seit dem Konflikt mit ihrer ehemaligen Arbeitgeberin beständen. Damit lägen psycho soziale Belastungen vor, die zur Ent- stehung der depressiven Störung massgeblich beigetragen hätten. Es handle sich damit nicht um eine eigenständige Erkrankung; sie sei auch nicht heredit är mit Depressionen belastet. Zur Ar- beitsfähigkeit führte Dr. E.____ aus, dass die Versicherte aufgrund der depressiven Störung aus psychiatrischer Sicht sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei. 6.2.2 In seinem rheumatologischen Gutachten vom 21. Nove mber 2021 hielt Dr. D.____ keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest. Das myotendinotische cervico-verteb- rale Schmerzsyndrom, das myotendinotisch bedingte funkt ionelle Impingement bei der linken Schulter, die Schmerzen an den oberen Extremitäten, der Status nach Autounfall in Serbien am 30. Mai 2009, nach laparoskopischer Cholezystektomie am 1. März 2000 und nach vaginaler Hysterektomie am 21. Oktober 2004 beeinflussten die Arbe itsfähigkeit nicht. Bei der klinischen Untersuchung habe er an den oberen Extremitäten keine auffälligen Befunde feststellen können. Zwar bestehe gemäss den Röntgenbildern vom 2. Juni 2016 an beiden Händen eine leichte bis mässiggradig ausgeprägte Arthrose des Scaphoid-trapezium- trapezoid-Gelenks (STT-Gelenk). Allerdings sei dieses Leiden bei der klinischen Untersuchung asymptomatisch geblieben. Palpa- torisch finde sich eine vermehrte Hartspannung der Unterarmmuskulatur, die als muskuläre Ver- krampfung zu interpretieren sei. Es sei hier von funkt ionellen Veränderungen auszugehen, wel- che in der Somatisierungsstörung wurzelten. Er habe des halb die Diagnose von Schmerzen an den oberen Extremitäten ohne eindeutiges organisches Korrelat im Rahmen der bekannten So- matisierungsstörung gestellt. An der linken Schulter beständen myotendinotische Veränderungen der äusseren Schultergürtelmuskulatur, die prinzipiell r eversibel seien und kein intraartikuläres, relevantes organisches Substrat innerhalb der Schulter für ihre Entstehung aufweisen würde. Der funktionelle Charakter dieser Beschwerden dominiere übe r das leichtgradige Ausmass der be- ginnenden degenerativen Veränderungen hinaus. Im Bere ich des Nackens imponierten my- otendinotische Verspannungen der paravertebralen Muskulatur über den leicht- bis mässiggradi- gen degenerativen Veränderungen ohne klinische Relevanz. Aufgrund der nach dem Autounfall in Serbien vom 30. Mai 2009 veranlassten radiomorphologischen Untersuchungen könnten post- traumatische Läsionen ausgeschlossen werden. Der behandelnd e Hausarzt spreche auch nur von diffusen, einfachen Kontusionen (vgl. Bericht von Dr . C.____ vom 2. Dezember 2015). Die Untersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule habe keine segmentalen Dysfunktionen gezeigt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bei den unteren Hüft-, Knie- und Sprunggelenken sowie Füssen beständen normale osteoartiku- läre Verhältnisse und Funktionen. Gesamthaft ständen be i der Versicherten Zeichen einer per- sistierenden Somatisierungsstörung im Vordergrund, welche ein Vermeidungsverhalten unter- stütze. Die leichtgradigen degenerativen Veränderunge n der Halswirbelsäule, der Schulter und des STT-Gelenks seien aufgrund des geringen Ausmasses der objektiven Befunde klinisch nicht relevant. Aus diesem Grund sei es der Versicherten zumut bar, ihre bisherige Tätigkeit in der "Sulzerei" in der Lebensmittelproduktion, bei welcher es sich um eine körperlich leichte bis mit- telschwere Arbeit mit der Notwendigkeit von Heben, Tragen und Stossen von Lasten bis maximal 12 kg handle, ohne relevante Einschränkungen auszuüben. Das gleiche Zumutbarkeitsprofil gelte für eine leidensangepasste Tätigkeit. 6.2.3 In der Konsensbeurteilung hielten die beiden Gutachter fest, dass die Versicherte aus psychiatrischer Sicht zu 20 % in ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. In rheu- matologischer Hinsicht liessen sich keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit feststel- len. Aus interdisziplinärer Sicht sei es deshalb der Versicherten möglich, jeder beruflichen Tätig- keit im Umfang von 80 % ab Datum der psychiatrischen Untersuchung (= 21. Juni 2016) nachzu- gehen. An dieser Einschätzung hielten die beiden Guta chter nach Einsicht in den Ermittlungs- und DVD-Observationsbericht in ihren Stellungnahmen vo m 12. April 2017 (Dr. E.____) und 10. Januar 2018 (Dr. D.____) fest. 6.3 Im Vorbescheidverfahren liess die Versicherte der IV -Stelle den Bericht von Dr. H.____ vom 13. Mai 2019 zukommen. Dr. H.____ teilte darin mit, dass die Versicherte bei ihm seit dem 26. April 2000 in ambulanter, psychiatrisch-psychotherapeutischer und medikamentöser Behand- lung stehe. Die Gesprächsfrequenzen fänden je nach psy chischer Verfassung alle 2 bis 4 Wo- chen statt. Die rezidivierende depressive Störung sei aktuell mittel- bis schwergradig ausgeprägt. Zudem leide sie nach wie vor an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Die verord- neten Medikamente beziehe die Versicherte regelmässig und deren Einnahme werde in der Pra- xis kontrolliert. Trotz regelmässiger antidepressiver Medikation bestehe die depressive Sympto- matik weiterhin, weshalb es inzwischen zu einer Chronifizierung gekommen sei. Die Versicherte sei in den täglichen Aktivitäten eingeschränkt. Im Haush alt sei sie auf die Hilfe ihres ebenfalls psychisch angeschlagenen Ehemannes angewiesen. Im weiteren Verlauf berichtete Dr. H.____ am 10. Juli 2019, dass sich der psychische Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe und nun eine schwergradige depressive Störung vorl iege. Aufgrund ihrer Schwindelatta- cken und der Sturzgefahr könne die Versicherte nicht mehr alleine einkaufen. Mit Schreiben vom 16. August 2019 teilte der Rechtsvertreter der Versiche rten mit, dass Dr. H.____ sie aufgrund des sehr schlechten psychischen Zustandes weiterhin bis Ende Oktober 2019 zu 100 % arbeits- unfähig geschrieben habe (vgl. Arztzeugnis vom 15. September 2019). Zudem wies er darauf hin, dass die Versicherte nach Stürzen mehrmals die Notfallstat ion habe aufsuchen müssen. In sei- nem Bericht vom 22. Oktober 2019 stellte sich Dr. H.____ auf den Standpunkt, dass das Gutach- ten von Dr. E.____ veraltet sei, weshalb eine neue Beurteilung des psychischen Gesundheitszu- standes der Versicherten angezeigt sei. Dies vor allem, weil seit seiner Begutachtung eine we- sentliche gesundheitliche Verschlechterung eingetreten s ei. Die Versicherte habe latente Sui- zidgedanken. Aufgrund der Antriebsstörung und der gedrückten Stimmung sei weder eine Arbeit in der freien Wirtschaft noch im geschützten Rahmen möglich. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 In Bezug auf den somatischen Krankheitsverlauf ist den Berichten von Dr. C.____ vom 23. August 2019 und des Sjpitals L.____ vom 23. September 2019 zu entnehmen, dass die Ver- sicherte neu an einem lumboradikulären Schmerzsyndrom L4 mit Bandscheibenprotrusion fora- minal LWK3/4 leidet. Gestützt auf diese Berichte eracht ete die RAD-Ärztin pract. med. G.____ weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweistätigkeit aus soma- tischer Sicht als gegeben. Sie passte jedoch das Zumutbar keitsprofil wie folgt an: "körperlich leichte Tätigkeit, Möglichkeit zu Pausen, keine Arbeiten auf Leitern und Gerüsten oder mit ge- fährlichen Maschinen, Lasten bis 5 kg, kein hoher zeitlicher und emotionaler Stress, Möglichkeit zu Wechselpositionen, keine Zwangshaltungen wie langan dauerndes Bücken oder Überkopf, kein repetitives Bücken oder Rotieren im Rumpfbereich sowie keine Exposition gegenüber extre- men Umwelteinflüssen wie Kälte, Nässe oder stark schwankenden Temperaturen" (vgl. Aktenno- tiz vom 16. Oktober 2019). Dr. med. K.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, die seit der Pensi- onierung des Hausarztes Dr. C.____ die Versicherte behandelt, führte in ihrem Bericht vom 3./4. Februar 2020 als somatische Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit das bekannte lumboradikuläre Schmerzsyndrom sowie eine Adipositas (BMI 34,9 kg/m2) auf. Aufgrund der lumbalen Schmerzen sei die Versicherte in ihrem Bewegungsumfang eingeschränkt. Langes Ste- hen oder Sitzen sowie das Tragen von Lasten bereiteten ihr Schmerzen. Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nahm sie jedoch nicht vor. 6.4.2 Vom 18. bis 21. Februar 2020 war die Versicherte im Spital L.___ hospitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 7. April 2020 ist unter anderem zu entnehmen, dass aufgrund der lumbalen Schmerzproblematik am 22. Oktober 2019 und am 19. November 2019 Infiltrationen bei den Fa- cettengelenken L4/5 und bei der Nervenwurzel L4 durchg eführt wurden (vgl. auch Bericht des Spitals L.____ vom 18. Dezember 2019). Aufgrund der n icht zufriedenstellenden Schmerzprob- lematik wurde am 18. Februar 2020 eine Infiltration der foraminalen Nervenwurzel L5 vorgenom- men, welche gemäss Bericht des Spitals L.____ vom 7. April 2020 zu einer wesentlichen Verbes- serung der Beschwerden führte. Auf Anfrage der IV-Stel le teilten die behandelnden Ärzte des Spitals L.____ am 9. September 2020 mit, dass sie zum von pract. med. G.____ am 16. Oktober 2019 formulierten Zumutbarkeitsprofil nichts beizufü gen hätten. Klinisch, bildgebend und myo- graphisch zeigten sich keine Anhaltspunkte für ein radiku lär sensibles oder motorisches Reiz- oder Ausfallsyndrom. Aus klinischer und radiologischer Si cht sei eine normale Arbeitsbelastung zumutbar. Aufgrund der psychischen Faktoren mit chronischen Schmerzen und der pseudoradi- kulären Lumboischialgie ohne klare Ätiologie könnten sie keine Angaben zum zumutbaren Pen- sum machen. Gestützt auf diesen Bericht hielt die RAD-Ärztin pract. med. G.____ am 4. Dezem- ber 2020 an ihrer Zumutbarkeitsbeurteilung vom 16. Oktober 2019 fest. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des a ktuellen medizinischen Sachverhaltes und bei ihrem Entscheid über die Frage, ob eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszu- standes der Versicherten eingetreten ist, auf die Beurteilungen der Dres. E.____ und D.____ vom 6. Juli 2017/21. November 2017 samt Stellungnahmen vom 12. April 2017 und 10. Januar 2018 sowie auf die RAD-Stellungnahmen von pract. med. G.___ _ vom 23. Mai 2016, vom 21. März 2017, vom 16. und 28. Oktober 2019 und vom 4. Dezember 2020. Sie ging demzufolge davon Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus, dass sich der psychische Gesundheitszustand der Versicherten seit der ursprünglichen Ren- tenverfügung vom 25. Mai 2002 bzw. seit der Begutachtung durch Dr. F.____ im Jahr 2009 ver- bessert habe und die Versicherte in einer leidensangepassten Tätigkeit nur noch zu 20 % in ihrer Arbeits- und Erwerbsfähigkeit eingeschränkt sei. 7.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bea nstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. E.____ und D.____ weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es ber uht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kennt nis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktu- ellen medizinischen Situation ein und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 7.3.1 Entgegen der Ansicht der Versicherten setzte sich Dr. E.____ auch mit den abweichenden psychiatrischen Beurteilungen von Dr. H.____ auseinander. So wies er auf Seite 16 seines Gut- achtens vom 6. Juli 2017 auf die Feststellungen von Dr. H.____ hin, wonach die Versicherte einen deprimiert wirkenden Affekt, eine herabgesetzte Stimmung sowie eine Antriebs-, Hoffnungs- und Perspektivelosigkeit aufweise. Auch er habe depressive Symptome feststellen können, die jedoch lediglich gering ausgeprägt gewesen seien. Im Gegensatz zu Dr. H.____ sei der Antrieb der Ver- sicherten jedoch nicht vermindert gewesen. Hinweise, welche auf eine schwere depressive Stö- rung hindeuten würden, hätten nicht bestanden. Gegen das Vorliegen einer schwereren depres- siven Erkrankung spreche auch die Tatsache, dass sich die Versicherte noch nie in einer statio- nären psychiatrischen Behandlung befunden habe. Auch wenn diese Ausführungen eher knapp sind, reichen sie zusammen mit dem Gesamtbild, welches Dr. E.____ von der Versicherten ver- mittelt, aus, um den Gesundheitszustand der Versicherten zuverlässig beurteilen zu können. Demgegenüber sind die Diagnosen von Dr. H.____ zu weni g begründet, um die von ihm diag- nostizierte mittel- bzw. schwergradige depressive Störung nachvollziehen zu können. Zudem kann seinen Beurteilungen nicht entnommen werden, ob u nd gegebenenfalls inwieweit sich die von ihm diagnostizierte Somatisierungsstörung auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten auswirkt. Seine Beurteilungen sind deshalb nicht geeignet, an den Feststellungen von Dr. E.____ zu zwei- feln. 7.3.2 Eine Auseinandersetzung mit den Ergebnissen von Dr . F.____ erfolgte insoweit, als Dr. E.____ zur von Dr. F.____ diagnostizierten mittelg radigen- bis schwergradigen depressiven Störung festhielt, dass es inzwischen keine Anhaltspunkte m ehr für dieses Ausmass gebe. Ein Vergleich der psychopathalogischen Befunde von Dr. F.____ und Dr. E.____ zeigt auf, dass sich der psychische Gesundheitszustand der Versicherten seit der Begutachtung durch Dr. F.____ im Jahr 2009 verbessert hat. So stellte Dr. F.____ noch ein en deutlich verminderten Antrieb, einen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gedrückt-depressiven ("versteinerten") Habitus, eine affektstarre Grundstimmung, eine Verlang- samung beim Gehen und beim Sprechen sowie eine Mimik und Gestik ohne jeglichen Schwung fest. Zudem berichtete er von einer deutlich reduzier ten Modulationsfähigkeit, welche sich wäh- rend der ganzen Untersuchung nicht verändert habe. Bei der Untersuchung durch Dr. E.____ war weder ein verminderter Antrieb noch eine wesentliche Verlangsamung festzustellen. Es lag zwar noch eine herabgesetzte und depressive Stimmung sowie eine verarmte Psychomotorik vor. Ge- mäss den Ausführungen von Dr. E.____ hellte die Mimik der Versicherten jedoch deutlich auf, als sie von ihren Enkelkindern erzählte. Zudem konnte Dr. E.____ ein lebhaftes Verhalten beobach- ten, als die Versicherte nach der Untersuchung auf ihren wartenden Ehemann zuging. Dass die Konsensbesprechung gemäss den Angaben von Dr. E.____ am 6. Juli 2016 stattfand, das Gut- achten von Dr. D.____ aber vom 21. November 2017 datiert, ist – entgegen der Ansicht der Ver- sicherten – nicht merkwürdig, wurde doch die Versicherte bereits am 23. Mai 2016 von Dr. D.____ untersucht. Damit stand Dr. D.____ mehr als ein Monat zur Verfügung, seine Untersuchungsbe- funde auszuwerten, zu beurteilen und mit Dr. E.____ zu besprechen. 7.4 Was die Versicherte weiter vorbringt, vermag an d er Richtigkeit der vorinstanzlichen Be- weiswürdigung nichts zu ändern. So macht sie geltend, dass kein strukturiertes Beweisverfahren durchgeführt worden sei. Insbesondere seien die vorhandenen Ressourcen nicht genügend ge- prüft worden. Entgegen der Ansicht der Versicherten nah m Dr. E.____ eine Stan-dardindikato- renprüfung vor (vgl. Gutachten ab S. 12). Dabei hat er zu den einzelnen massgebenden Standar- dindikatoren Stellung genommen, so auch zu den Ressourcen der Versicherten (vgl. Gutachten, Ziffer 9.5). Er kommt zum nachvollziehbaren Schluss, dass aufgrund der bei der Versicherten evaluierten Ressourcen die Arbeitsfähigkeit lediglich zu 20 % eingeschränkt sei. Auch wenn seine Ausführungen zu den einzelnen Indikatoren-Komplexen zum Teil knapp ausgefallen sind, so ist die Erörterung der Standardindikatoren letztlich doch rechtsgenüglich erfolgt. Dieser Ansicht ist im Übrigen auch RAD-Ärztin pract med. G.____ (vgl. Stellungnahme vom 21. März 2017). 7.5.1 In Bezug auf die beanstandete Aktualität des bi disziplinären Gutachtens der Dres. E.____ und D.____ ist darauf hinzuweisen, dass auf me dizinische Berichte solange abgestellt werden kann, als sie den medizinischen Sachverhalt zuver lässig wiedergeben (BGE 125 V 352 E. 3b). Damit bestimmt sich der Beweiswert eines Gutachtens nicht aufgrund seines Alters, son- dern seines Inhalts. Wie die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung vom 9. Juli 2021 zutreffend aus- führt, ist der Verlauf der psychiatrischen und somatischen Entwicklung seit der Begutachtung durch Dr. E.____ und Dr. D.____ gut dokumentiert. In psychiatrischer Hinsicht berichtete zwar Dr. H.____ am 10. Juli 2019 und 22. Oktober 2019, dass sich der psychische Gesundheitszu- stand seit seinem Bericht vom 25. November 2015 zunehme nd verschlechtert habe. Mit der IV- Stelle ist aber einig zu gehen, dass diese Beurteilung en nicht überzeugen, hat sich doch die psychiatrische Medikation seit November 2015 nicht wesentlich verändert (vgl. auch Bericht von Dr. K.____ vom 4. Februar 2020). Eine Anpassung der M edikation wäre jedoch bei einer Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes zu erwarten gewesen . Aus dem Bericht von Dr. H.____ geht auch nicht hervor, dass sich die Therap iefrequenz geändert hätte. Ausserdem führte Dr. H.____ auch keine objektiven Befunde auf, welche auf eine wesentliche Verschlechte- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung des psychischen Gesundheitszustandes der Versicherten hindeuten würden. Seine Ausfüh- rungen erweisen sich demnach als zu wenig überzeugend, um dara us eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20 % ableiten zu können . 7.5.2 In somatischer Hinsicht steht hingegen fest, dass di e Versicherte neu an einer lumbalen Schmerzsymptomatik leidet. Bei den übrigen nach der Begutachtung durch Dr. D.____ neu fest- gestellten somatischen Diagnosen (Status nach Verbrennu ng 1. Grades am Oberarm und Hals rechts im Mai 2018, nach Refluxösophagitis 2. Grades sowie nach passagerem vestibulärem Ausfall im September 2011, Abdominalschmerzen, Leberst eatose und Adipositas) lassen sich aus den entsprechenden Arztberichten keine Hinweise ent nehmen, dass sie Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten; dies wird von der Versicherten auch nicht geltend gemacht. In Bezug auf das lumbale Geschehen steht gestützt auf den Berich t des Spitals L.____ fest, dass die am 18. Februar 2020 durchgeführte Infiltration der Nerve nwurzel L5 zu einer deutlichen Verbesse- rung der lumbalen Beschwerden geführt hat (vgl. Beri cht vom 7. April 2020). Die behandelnden Ärzte des Spitals L.____ attestierten der Versicherten denn auch im September 2020 aus soma- tischer Sicht wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (vg l. Bericht vom 9. September 2020). Der Einwand der Versicherten, wonach klare Hinweise für eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsympto- matik beständen, ist nicht stichhaltig. Wie dem zuletzt erwähnten Bericht des Spitals L.____ zu entnehmen ist, konnten die behandelnden Ärzte ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom weder sicher bestätigen noch ausschliessen. Da sie darin von einer p seudoradikulären Symptomatik sprachen und der Versicherten eine normale Arbeitsbelastung zumuteten, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Versicherte späte stens seit Anfang September 2020 nicht (mehr) an einem radikulären Reiz- oder Ausfallsynd rom leidet. Sollte sich – wie die Versi- cherte geltend macht – die somatische Problematik im La ufe der Zeit wesentlich verschlechtern, bleibt ihr unbenommen, mit entsprechenden Arztzeugnisse n bei der IV-Stelle eine Neuanmel- dung vorzunehmen. 7.5.3 Im Weiteren hat die RAD-Ärztin pract. med. G.__ __ die somatischen Leiden insofern berücksichtigt, als sie das von Dr. D.____ formulierte Zumutbarkeitsprofil zu Gunsten der Versi- cherten angepasst hat (vgl. Erwägung 6.4.1). Dieses Zumutbarkeitsprofil wurde von den behan- delnden Ärzten des Spitals L.____ mit Schreiben vom 9. September 2020 bestätigt, weshalb kein Anlass besteht, an den Ausführungen der RAD-Ärztin zu zweifeln. Gestützt auf die Beurteilung von pract. med. G.____ ist demzufolge davon auszugehen, d ass die Versicherte ihre ange- stammte Tätigkeit als Betriebsarbeiterin in der Lebe nsmittelproduktion nicht mehr ausführen kann, handelt es sich doch bei dieser Arbeit gemäss Einschätzung von Dr. D.____ um eine leichte bis mittelschwere Arbeit. Hingegen besteht in einer leichten, wechselbelastenden berufliche Tä- tigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, sofern die Versi cherte die Möglichkeit hat, Pausen für Lo- ckerungs- und Entspannungsübungen einzulegen. Zudem sind Arbeiten auf Leitern und Gerüsten oder mit gefährlichen Maschinen, mit Stossen, Tragen oder Heben von Lasten von mehr als 5 kg, mit hohem zeitlichem oder emotionalem Stress, in Zwangshaltungen wie langandauerndes Kau- ern, Bücken oder Überkopf, mit repetitivem Bücken oder mit Rotieren im Rumpfbereich und mit Expositionen gegenüber extremen Umwelteinflüssen wie Kälte, Nässe oder stark schwankenden Temperaturen zu vermeiden. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.6 Nach dem Gesagten lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen eine zuverläs- sige Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit d er Versicherten zu. Aus diesem Grund drängt sich eine Neubeurteilung des Gesundheitszustandes der Versicherten nicht auf. Es kann deshalb auf die von ihr beantragte Durchführung von we iteren medizinischen Abklärungen ver- zichtet werden (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. d azu BGE 141 I 60 E. 3.3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 119 V 335 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8.1 Weiter bringt die Versicherte vor, dass die von der IV-Stelle im Laufe des Revisionsver- fahrens in Auftrag gegebene Observation rechtswidrig erlangtes Bildmaterial enthalte. Auf den Aufnahmen sei ersichtlich, dass sie mit einem starken Tele objektiv auf dem Balkon ihrer Woh- nung aufgenommen worden sei. Unter diesen Umständen könne nicht mehr von einem öffentlich frei einsehbaren Raum gesprochen werden, wie dies das Bundesgericht für eine rechtmässige Observation verlange. Sie stimmt jedoch der IV-Stelle gleichzeitig zu, dass aus der Observation keine aufschlussreichen Erkenntnisse hätten gewonnen werden können. Aus den Akten, nament- lich aus den Stellungnahmen von Dr. E.____ vom 12. April 2017 und von Dr. D.____ vom 10. Ja- nuar 2018, ergibt sich, dass die Observationsergebnisse tat sächlich nicht ausschlaggebend für die Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit w aren, weshalb auf eine Prüfung der Frage der Verwertbarkeit der Observationsunterlagen grundsätzlich verzichtet werden kann. 8.2.1 Auch wenn die folgenden Ausführungen für den vorliegenden Fall nicht entscheidrele- vant sind, wird dennoch auf die bundesgerichtliche Rech tsprechung hingewiesen, welche sich mit den Einwänden der Versicherten befasst. Im BGE 137 I 327 hatte das Bundesgericht einen Fall zu beurteilen, in welchem Videoaufnahmen von einer versicherten Person vorlagen, auf wel- chen diese auf zwei Balkonen und ausser Haus zu sehen war. Es erachtete eine solche Obser- vation als zulässig, soweit und solange sich die zu observierende Person nicht auf abgeschirmten Balkonen aufhalte (vgl. E. 6.2). Zwar ist dieser Entscheid vor Erlass des Urteils vom 18. Oktober 2016 in Sachen Vukota-Bojic gegen die Schweiz (61838/10) ergangen, mit welchem der Europä- ische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) erkannt hat, dass für eine Observation, die im Auftrag eines (sozialen) Unfallversicherers durch einen Pr ivatdetektiv erfolgt sei, keine ausrei- chende gesetzliche Grundlage bestehe. Im Grundsatzurteil BGE 143 I 377 entschied jedoch das Bundesgericht unter Berücksichtigung der Erwägungen des Urteils des EGMR, dass Beweisma- terial, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen worden sei, nicht ver- wertet werden dürfe (E. 5.1.3). Zum Begriff des öffentlich einsehbaren Raums verwies es auf den oben zitierten BGE 137 I 327. Im Lichte dieser Rechtsp rechung kann für den vorliegenden Fall festgehalten werden, dass die Observation der Versicherten auf dem Balkon zulässig war. Denn auf den Aufnahmen ist erkennbar, dass der Balkon von der Strasse aus frei einsehbar und damit nicht abgeschirmt war. 8.2.2 Hingegen sind die von der Versicherten geäusserte n Zweifel an der Rechtmässigkeit der Observation bei Verwendung eines Teleobjektivs nicht unbegründet. Denn laut dem seit 1. Okto- ber 2019 in Kraft stehenden Art. 7i der Verordnung ü ber den Allgemeinen Teil des So-zialversi- cherungsrechts (ATSV) vom 11. September 2002 dürfen für Bildaufzeichnungen keine Instru- mente eingesetzt werden, die das natürliche menschliche Wa hrnehmungsvermögen wesentlich Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht erweitern. Verboten sind damit alle Geräte, die etwas sichtbar machen, was ansonsten zur gege- benen Tageszeit und aus der Position der observierenden Person nicht sichtbar wäre. Nach den Erläuterungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen (B SV) sind beispielsweise stark ver- grössernde Teleobjektive unzulässig (vgl. erläuternder Bericht des BSV vom 7. Juni 2019 betref- fend die Änderung der ATSV: Ausführungsbestimmungen z ur Überwachung von Versicherten (Art. 43a und 43b ATSG), S. 8 und 12; vgl. auch ANDREAS TRAUB , Observation im IV-Verfahren: Fitnesscenter als frei einsehbarer Ort?, in: SZS 2019 S. 206). Demgegenüber ist das Fotografie- ren bzw. Filmen mit einem Zoom-Objektiv gemäss Bundesge richt zulässig (vgl. Urteil vom 15. Mai 2019, 8C_837/2018). Vorliegend ist aufgrund des in den Akten befindlichen Filmmaterials festzustellen, dass bei der Observation der Versicherten ein vergrösserndes Objektiv verwendet worden ist. Ob es sich dabei um ein derart starkes Objekti v gehandelt hat, welches die Grenze der Zulässigkeit überschreitet, kann ohne weitere Abkläru ngen nicht beurteilt werden. So lässt sich dem Observationsbericht nicht entnehmen, welche Objektive zum Einsatz kamen und in wel- cher Entfernung sich die observierende Person vom Balkon der Versicherten aufhielt. Auch wenn die Observation vor Inkrafttreten des Art. 7i ATSV erfolgte, wäre – im Fall von Entscheidrelevanz – zu prüfen gewesen, ob die Verwendung eines stark vergrössernden Objektivs auch unter altem Recht zulässig war. 9.1 Zu beurteilen bleiben die erwerblichen Auswirkung en der gesundheitlichen Beeinträch- tigungen. Für die Bemessung der Invalidität von erwer bstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgem eine Methode des Einkommensver- gleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervarianten d es Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 9.2 Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügun g vom 3. Mai 2021 einen Einkommens- vergleich vorgenommen und dabei in Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 47'990.-- und des Invalideneinkommens von Fr. 43'7 66.-- einen Invaliditätsgrad von 9 % er- mittelt. Weder aus der Verfügung noch aus der Vernehmlassung lässt sich – wie die Versicherte richtig feststellt – ermitteln, aufgrund welcher Grund lagen der Invaliditätsgrad bemessen worden ist. Es ist deshalb an dieser Stelle ein Einkommensvergleich vorzunehmen. 9.3.1 Unter dem Valideneinkommen ist jenes Einkommen zu verstehen, welches die versi- cherte Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns aufgrund i hrer beruflichen Fähigkeiten und per- sönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Entscheidend ist, was die versicherte Person im Gesundheit sfall tatsächlich an Einkommen er- zielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen kö nnte (BGE 135 V 58 E. 3.1). Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tät igkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung de s Valideneinkommens grundsätzlich Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der re- alen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst ( BGE 139 V 28 E. 3.3.2). 9.3.2 Aus den Akten geht hervor, dass die ehemalige Ar beitgeberin der Versicherten das Ar- beitsverhältnis aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst hat (vgl. Kündigungsschreiben vom 8. August 2000). Demnach ist davon auszugehen, dass die Versicherte im Gesundheitsfall wei- terhin als Betriebsarbeiterin bei der M.____ AG tätig wäre. Gemäss den Angaben der damaligen Arbeitgeberin verdiente die Versicherte im Jahr 2001 ein Einkommen von Fr. 39'078.23 (8,6 Stun- den x Fr. 17.45 [inkl. 8,33 % {Ferienentschädigung} + 8 % {Anteil 13. Monatslohn}] x 21,7 x 12; vgl. Fragebogen Arbeitgeber vom 24. April 2001). Nach Anpassung dieses Betrages an die No- minallohnentwicklung ergibt sich für das Jahr 2021 ein massgebendes Valideneinkommen von Fr. 48'072.80 (vgl. Bundesamt für Statistik [BFS]: T1. 93 Nominallohnindex 1993 - 2020 Frauen [Stand 2001: 2245; Stand 2020: 2784] + Quartalsschätzung der Nominallohnentwicklung 2021, II. Quartal [- 0,8 %]). 9.4.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist p rimär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person ko nkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumula tiv – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verblei bende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen a us der Arbeitsleistung als ange- messen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der t atsächlich erzielte Verdienst als Invali- denlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können insbesondere Tabellenlöhne ge- mäss den vom BFS periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2 und 129 V 472 E. 4.2.1 je mit Hinweisen). 9.4.2 Da die Versicherte seit Eintritt der gesundheitl ichen Beeinträchtigungen keiner bzw. kei- ner zumutbaren Erwerbstätigkeit mehr nachging, ist das Invalideneinkommen unter Beizug der Tabellenlöhne der LSE festzusetzen (vgl. dazu BGE 126 V 75 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 321 E. 3b/aa). Gemäss Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2018, Privater Sektor, Total, be- läuft sich der Totalwert im Kompetenzniveau 1, Frauen, auf Fr. 4'371.--. Indexiert und umgerech- net auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (BFS: T 03.02.03.01.04.01, Statistik der betriebsüblichen Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, 2020, Total; BFS: T1.2.15 Nominallohnindex Frauen 2016 – 2020 [2019: 1,0 %; 20 20: 0,9 %] + Quartalschätzung der No- minallohnentwicklung 2021, II. Quartal [- 0,8 %]) bet rägt das jährliche Invalideneinkommen Fr. 55'279.25 (Fr. 4'371.-- x 12 x 41,7 : 40 x 1,0 % x 0,9 % x - 0,8 %). Unter Berücksichtigung des zumutbaren Pensums von 80 % resultiert daraus ein Invalideneinkommen von Fr. 44'223.40. 9.4.3 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalide neinkommen von Fr. 44'223.40 dem oben ermittelten Valideneinkommen von Fr. 48'072.80 gegenüber, so ergibt sich eine Erwerbs- einbusse von Fr. 3'849.40 bzw. ein Invaliditätsgrad von g erundet 8 % (vgl. zur Rundungspraxis des Bundesgerichts: BGE 130 V 121). Bei einem berechnet en Invaliditätsgrad von 8 % hat die Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Selbst bei Vornahme des maximalen Lei- densabzugs von 25 % ergibt sich ein hypothetisches Invalidene inkommen von Fr. 33'167.55 (Fr. 44'223.40 x 75 %) und damit kein anspruchsrelevant er Invaliditätsgrad von 31 % (Fr. 48'072.80 – Fr. 33'167.55 = Fr. 14'905.25 x 100 : Fr. 48'072.80). 9.5.1 An diesem Ergebnis ändert auch eine Parallelisier ung der Vergleichseinkommen nichts. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist dem Umstand, dass eine Person aus inva- liditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse) ein deutlich unterdurchschnittliches Valideneinkommen erzielte, im Rahmen der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG mittels Parallelisierung der Einkom- men Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte da für bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnüge n wollte (BGE 141 V 1 E. 5.4, 134 V 322 E. 4.1 und 125 V 146 E. 5c/bb mit Hinweisen). Die Parallelisierung kann entweder auf Seiten des Valideneinkommens durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erziel- ten Einkommens vorgenommen oder durch Abstellen auf statistische Werte oder auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen). Sie ist indessen nur vorzunehmen, wenn der tatsächlich erzielte Verdienst mindestens 5 % vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn abweicht. Es ist da- her nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den Erheb- lichkeitsgrenzwert von 5 % übersteigt (BGE 135 V 297 E. 6.1.2 und 6.1.3). Sind die Vorausset- zungen der Einkommensparallelisierung erfüllt, weil die versicherte Person aus invaliditätsfrem- den Gründen infolge fehlender Berufsausbildung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unter- durchschnittliches Valideneinkommen erzielt hatte, welches um mindestens 5 % unter dem bran- chenüblichen LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen diese lben Faktoren praxisgemäss nicht zu- sätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen (BGE 135 V 297 E. 6.2) 9.5.2 Vorliegend erweist sich das Valideneinkommen von F r. 48'072.80 (vgl. Erwägung 9.3.2) im Vergleich mit dem durchschnittlichen Einkommen bei der Herstellung von Nahrungsmitteln als unterdurchschnittlich. Gemäss LSE 2018, Tabelle TA1, Rubrik "Herstellung von Nahrungsmitteln, Getränkeherstellung", Kompetenzniveau 1, konnten Frauen in diesem Bereich im Jahr 2018 im Durchschnitt ein jährliches Einkommen von Fr. 51'627.50 e rzielen (Fr. 4'078.-- x 12 : 40 x 42,2 [BFS: T 03.02.03.01.04.01: Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Rubrik "Her- stellung von Nahrungsmitteln und Tabakerzeugnissen"]). Na ch Anpassung an die bis 2021 er- folgte Nominallohnentwicklung ergibt sich ein branchennübliches Einkommen von Fr. 52'085.90 (Fr. 51'627.50 x 1,6 % x 0,1 % [BFS: T1.2.15 Nominal lohnindex Frauen 2016 – 2020, Rubrik: "Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren" + Quartalschätzung der Nominallohnentwick- lung 2021, II. Quartal [- 0,8 %]). Im Vergleich mit dem Valideneinkommen der Versicherten von Fr. 48'072.80 liegt dieser Verdienst 8,35 % höher. Fo lglich ist das Invalideneinkommen – unter Berücksichtigung des Erheblichkeitsgrenzwertes von 5 % – um 3,35 % zu verringern. Vom Inva- lideneinkommen von Fr. 55'279.25 ist deshalb ein Betrag von Fr. 1'851.85 (Fr. 55'279.25 x 3,35 %) in Abzug zu bringen, womit sich unter Berücksichtigung einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 80 % ein Invalideneinkommen von Fr. 42'741.90 (Fr. 55 '279.25 – Fr. 1'851.85 = Fr. 53'427.40 x 80 %) ergibt. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.5.3 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 48'072.80 u nd einem Invalideneinkommen von Fr. 42'741.90 beträgt die Einkommenseinbusse Fr. 5'330.90, was einem Invaliditätsgrad von ge- rundet 11 % entspricht. Die Frage, ob ein leidensbed ingter Abzug zu berücksichtigen ist, kann offengelassen werden, da sich auch ein Maximalabzug von 25 % nicht leistungsrelevant auswir- ken würde (Fr. 48'072.80 [Valideneinkommen] - Fr. 32 '056.45 [Invalideneinkommen: Fr. 42'741.90 x 75 %] = Fr. 16'016.35 [Einkommenseinb usse] x 100 : Fr. 48'072.80 = 33,3 % [Invaliditätsgrad]). Damit ergibt sich auch mit einer Parallelisierung der Einkommen kein Renten- anspruch. 10. Bei diesem Ergebnis ist von Amtes wegen zu beachte n, dass bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, nach mindestens 15 Jahren Bezugs- dauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen sind, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wie- der) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. In solchen Fällen ist die Prüfung und ei ne allfällige Durchführung von Eingliede- rungsmassnahmen Voraussetzung für die Rentenaufhebung ( vgl. zum Ganzen BGE 145 V 209 E. 5.1). Die 1960 geborene Versicherte war im massg ebenden Zeitpunkt der Aufhebungs- verfügung älter als 55 Jahre und bezog die ganze Invalidenrente mehr als 15 Jahre. In der Folge hat die IV-Stelle die Prüfung der Selbsteingliederungspflicht vorgenommen, indem sie im Februar 2019 Eingliederungsmassnahmen einleitete (vgl. Einladung zum Erstgespräch vom 20. Februar 2019, Erstgespräch Rentenrevision 55+/15+ vom 6. März 20 19, Aufforderung zur Mitwir- kung/Schadenminderung vom 7. März 2019). Aus dem Protokoll des Erstgesprächs geht hervor, dass sich die Versicherte gesundheitlich nicht in der Lage sehe, einer Arbeit – selbst im geschütz- ten Rahmen – nachgehen zu können. Im Abschlussbericht Eingliederungsmassnahme vom 25. März 2019 wurde mit Verweis auf die medizinischen Akten festgehalten, dass bei der Versi- cherten eine subjektive Krankheitsüberzeugung und eine fehlende Mitwirkung beständen. Nach- dem der Rechtsvertreter im Schreiben vom 24. Juli 2019 festgehalten hatte, dass die Versicherte bereit sei, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen bzw . sich einer stationären medizini- schen Behandlung zu unterziehen, teilte er am 16. Augu st 2019 nun mit, dass die Versicherte infolge einer zwischenzeitlich eingetretenen Verschlechterung des somatischen und psychischen Gesundheitszustandes zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden sei (vgl. Bericht des Spitals N.____ vom 14. Juli 2019 samt Rapporte vom 16. Juli 2019 sowie Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. H.____ vom 15. August 2019 und von Dr. C.____ vom 23. August 2019). Sie sei jedoch weiterhin bereit, sich Eingliederungsmassnahmen zu unte rziehen, sobald dies ihr Gesundheits- zustand erlaube. Als der Versicherten die Teilnahme an Eingliederungsmassnahmen wieder zu- mutbar war, lud die IV-Stelle diese mit Schreiben vom 16. Oktober 2019 zu einem Vorstellungs- gespräch in der Eingliederungsstätte am 28. Oktober 201 9 ein, um die Ziele des vorgesehenen Belastbarkeitstrainings vom 29. Oktober 2019 bis 31. Januar 2020 zu besprechen. Am 22. Okto- ber 2019 informierte Dr. H.____ die IV-Stelle, dass es der Versicherten aus psychischen Gründen nicht möglich sei, den Vorstellungstermin wahrzunehmen. In der Folge hielt die IV-Stelle in der Aktennotiz vom 28. Oktober 2019 fest, dass Eingliederungsmassnahmen aufgrund der fehlenden Mitwirkung der Versicherten bzw. eines selbstlimitierende n Verhaltens nicht realisierbar seien. Unter Berücksichtigung der Beurteilungen von Dr. D.____ und Dr. E.____, wonach die Versi- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherte trotz zumutbarer 80 %igen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit seit Jahren keine Mo- tivation zeige, einer beruflichen Arbeit nachzugehen, d urfte die IV-Stelle von der Durchführung von weiteren Eingliederungsmassnahmen absehen. Gleichzeitig steht fest, dass die IV-Stelle ih- rer Pflicht zur Prüfung der Selbsteingliederungsfähigkeit der Versicherten nachgekommen ist. Die Einstellung der Rente erweist sich deshalb auch unter d em Aspekt der Selbsteingliederung als rechtens, was von der Versicherten zu Recht nicht bemängelt wird. 11. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass sich der Gesundheitszustand der Ver- sicherten seit der Begutachtung durch Dr. F.____ derart verbessert hat, als sie keinen Anspruch (mehr) auf eine Invalidenrente hat. Zudem erweist sich die von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 3. Mai 2021 angeordnete Rentenaufhebun g auch hinsichtlich der Selbsteinglie- derungsfähigkeit als rechtens, wobei die Aufhebung gestützt auf Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verord- nung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 korrekterweise vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Mon ats (hier: 1. Juli 2021) an erfolgte. Die vorliegende Beschwerde ist demnach unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 12.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ei nheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen sind. 12.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerde führerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.