<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">333</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>B. Sachenrecht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>56</b></span> <span class="ft2"><b>Vorläufige Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts (Art. 961 Abs. 1</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ziff. 1 ZGB; Art. 837 ff. ZGB)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Berichtigung einer Eintragung im Grundbuch, welche auf einem</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Versehen des die Eintragung veranlassenden Gerichts bezüglich der Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zeichnung der Person des Baupfandgläubigers beruht, ist auf den Zeit-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>punkt der ersten (mangelhaften) Anmeldung zurückzubeziehen.</b></span><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 25. Januar 2016</span><br/> <span class="ft3">(ZSU.2015.314)</span><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft5">4.2.</span><br/> <span class="ft5">4.2.1.</span><br/> <span class="ft5">Das Bauhandwerkerpfandrecht (Art. 837 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB) ist</span><br/> <span class="ft5">der Anspruch auf die Eintragung eines Grundpfandrechts im Grund-</span><br/> <span class="ft5">buch zulasten eines Grundstücks als Pfandobjekt und zur Sicherung</span><br/> <span class="ft5">einer Forderung. Wird ein Baupfandrecht im Grundbuch eingetragen,</span><br/> <span class="ft5">ist es eine Grundpfandverschreibung (Art. 824 - 841 ZGB). Soweit</span><br/> <span class="ft5">das Bauhandwerkerpfandrecht keinen besonderen gesetzlichen Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmungen unterworfen ist, sind subsidiär die Bestimmungen über</span><br/> <span class="ft5">die Grundpfandverschreibung und subsubsidiär die allgemeinen Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmungen über das Grundpfand (Art. 793 - 823 ZGB) anwendbar</span><br/> <span class="ft5">(Schumacher, Das Bauhandwerkerpfandrecht, Systematischer Auf-</span><br/> <span class="ft5">bau, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2008, Rz. 2 f.). Am Pfandverhältnis</span><br/> <span class="ft5">ist neben dem Pfandschuldner der Baupfandgläubiger beteiligt. Als</span><br/> <span class="ft5">solcher wird die Person bezeichnet, auf deren Namen ein Baupfand-</span><br/> <span class="ft5">recht im Grundbuch provisorisch vorgemerkt oder definitiv eingetra-</span><br/> <span class="ft5">gen ist und die deshalb aus einem bestehenden Baupfandrecht</span><br/> <span class="ft5">berechtigt ist (Schumacher, a.a.O., Rz. 523 und 526).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">334</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Mit Bezug auf die Person des Pfandgläubigers kommt dem</span><br/> <span class="ft5">Grundbuch allerdings nicht die volle Publizitätswirkung zu</span><br/> <span class="ft5">(Schumacher, a.a.O., Rz. 542). So geht mit dem Übergang der grund-</span><br/> <span class="ft5">pfandgesicherten Forderung auch das Baupfandrecht von Gesetzes</span><br/> <span class="ft5">wegen auf den neuen Gläubiger über (Zogg, in: Basler Kommentar</span><br/> <span class="ft5">zum ZGB [BSK ZGB], Bd. II, 5. Aufl., Basel 2015, N. 1 zu Art. 835</span><br/> <span class="ft5">ZGB). Der Wechsel des Pfandgläubigers erfolgt von Gesetzes wegen</span><br/> <span class="ft5">ohne Grundbucheintragung (Art. 835 ZGB). Der Vermerk des</span><br/> <span class="ft5">Gläubigerwechsels im Gläubigerregister ist nur fakultativ und wirkt</span><br/> <span class="ft5">sich lediglich auf die Mitteilungspflichten des Grundbuchverwalters</span><br/> <span class="ft5">aus. Deshalb geht aus dem Grundbuch nicht zuverlässig hervor, wer</span><br/> <span class="ft5">der jeweilige Pfandgläubiger und damit auch der Forderungsgläubi-</span><br/> <span class="ft5">ger ist.</span><br/> <span class="ft5">4.2.2.</span><br/> <span class="ft5">Die Anweisung an das Grundbuchamt, eine vorläufige Eintra-</span><br/> <span class="ft5">gung im Grundbuch zur Sicherung behaupteter dinglicher Rechte</span><br/> <span class="ft5">(Art. 961 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB) vorzumerken, wozu gemäss Art. 118</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 lit. b GBV auch die vorläufige Eintragung des Bauhandwer-</span><br/> <span class="ft5">kerpfandrechts (Art. 837 ff. ZGB) zählt (BGE 83 III 138 E. 3), stellt</span><br/> <span class="ft5">eine gesetzlich vorgesehene gerichtliche Anordnung im Rahmen von</span><br/> <span class="ft5">vorsorglichen Massnahmen dar (vgl. Art. 262 lit c ZPO). Ist ein</span><br/> <span class="ft5">solcher Anweisungsentscheid bzw. - wie vorliegend - eine Partei-</span><br/> <span class="ft5">bezeichnung eines solchen Entscheids zu berichtigen, muss</span><br/> <span class="ft5">naturgemäss wiederum eine Anweisung - diesmal mit berichtigtem</span><br/> <span class="ft5">Inhalt - erfolgen.</span><br/> <span class="ft5">Weil eine Anmeldung ihre Rechtswirkung grundsätzlich erst ab</span><br/> <span class="ft5">dem Tag ihrer Einschreibung in das Tagebuch entfaltet, soll in Fällen</span><br/> <span class="ft5">der "nachgebesserten" Anmeldung mit Berichtigung der Bezeich-</span><br/> <span class="ft5">nung des Pfandgläubigers wegen dessen "Auswechslung" (zwecks</span><br/> <span class="ft5">"Korrektur" des Gesuchs einer nicht aktivlegitimierten Person) oder</span><br/> <span class="ft5">wegen Parteiwechsels zufolge Rechtsnachfolge gelten, dass die</span><br/> <span class="ft5">Rechtswirkung einer "nachgebesserten" Anmeldung nicht auf den</span><br/> <span class="ft5">Zeitpunkt der ersten (mangelhaften) Anmeldung zurückbezogen wer-</span><br/> <span class="ft5">den kann (vgl. Schumacher, a.a.O., Rz. 1386 i.V.m. Rz. 1323). Dies</span><br/> <span class="ft5">wird damit begründet, dass sämtliche Anmeldungen zur Eintragung</span><br/> <span class="ft5">in das Grundbuch nach ihrer zeitlichen Reihenfolge in das Tagebuch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">335</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">einzutragen sind, u.a. unter Angabe des Datums und der genauen</span><br/> <span class="ft5">Uhrzeit des Eingangs der Anmeldung auf dem Grundbuchamt</span><br/> <span class="ft5">(Art. 948 Abs. 1 ZGB; Art. 81 Abs. 2 lit. b GBV; Schumacher, Bau-</span><br/> <span class="ft5">handwerkerpfandrecht und Stockwerkeigentum: eine besondere</span><br/> <span class="ft5">Herausforderung an den Grundbuchverwalter [Bauhandwerkerpfand-</span><br/> <span class="ft5">recht und Stockwerkeigentum], in: ZBGR 95/2014 S. 1 ff., 16). Tat-</span><br/> <span class="ft5">sächlich ist das Bauhandwerkerpfandrecht ein mittelbares gesetz-</span><br/> <span class="ft5">liches Grundpfandrecht, das erst durch den Grundbucheintrag des</span><br/> <span class="ft5">Grundbuchverwalters entsteht. Zudem kann ein Baupfandrecht vom</span><br/> <span class="ft5">Grundbuchverwalter nur errichtet werden, wenn es rechtzeitig, d.h.</span><br/> <span class="ft5">innerhalb der viermonatigen Eintragungsfrist (Verwirkungsfrist;</span><br/> <span class="ft5">Art. 839 Abs. 2 ZGB) im Grundbuch eingetragen wird. Fristwahrend</span><br/> <span class="ft5">ist somit nur das Datum des tatsächlichen Eingangs der gerichtlichen</span><br/> <span class="ft5">(superprovisorischen) Anmeldung zur vorläufigen Grundbucheintra-</span><br/> <span class="ft5">gung (Vormerkung), weshalb eine Rückdatierung des Anmeldeda-</span><br/> <span class="ft5">tums ausgeschlossen ist (Schumacher, Bauhandwerkerpfandrecht</span><br/> <span class="ft5">und Stockwerkeigentum, a.a.O., S. 16).</span><br/> <span class="ft5">Der vorliegende Fall ist allerdings anders gelagert. Gemäss dem</span><br/> <span class="ft5">rechtskräftig gewordenen Entscheid der Vorinstanz vom 29. Mai</span><br/> <span class="ft5">2015 ist dieser bei der auf Klage vom 27. Februar 2014 hin von ihr</span><br/> <span class="ft5">vorgenommenen Anordnung der Vormerkung der vorläufigen Eintra-</span><br/> <span class="ft5">gung des Bauhandwerkerpfandrechts bezüglich der Bezeichnung des</span><br/> <span class="ft5">Baupfandgläubigers ein Fehler unterlaufen. Der Fehler bestand darin,</span><br/> <span class="ft5">dass die Vorinstanz als Pfandgläubiger die "B. AG" bezeichnen</span><br/> <span class="ft5">wollte und nicht "B. B.". Mit ihren Verfügungen vom 28. Februar</span><br/> <span class="ft5">2014 und 11. April 2014 wollte sie somit dem Grundbuchamt als</span><br/> <span class="ft5">Pfandgläubigerin die "B. AG" melden. Dies war der von der Vor-</span><br/> <span class="ft5">instanz <i>gewollte und gemeinte</i> Inhalt der getroffenen Anordnungen.</span><br/> <span class="ft5">Infolge Erklärungsirrtums brachte sie diesen Inhalt falsch zum Aus-</span><br/> <span class="ft5">druck und <i>meldete</i> dem Grundbuchamt <i>tatsächlich</i> "B. B.". Der</span><br/> <span class="ft5">Anordnung und dem darauf gestützten inhaltlichen Vollzug dieser</span><br/> <span class="ft5">Anordnung durch das Grundbuchamt lag somit ein Versehen des Ge-</span><br/> <span class="ft5">richts zugrunde. Für den Fall, da das <i>Grundbuchamt</i> infolge eines</span><br/> <span class="ft5">Versehens eine fehlerhafte Eintragung vornimmt, sieht Art. 977 ZGB</span><br/> <span class="ft5">die Berichtigung vor (Schmid, BSK ZGB, a.a.O., N. 1 zu Art. 977</span><br/> <span class="ft5">ZGB). Willigen die Beteiligten nicht in eine Berichtigung ein, kann</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">336</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">diese (nur) auf Verfügung des Gerichts vorgenommen werden</span><br/> <span class="ft5">(Art. 977 Abs. 1 ZGB). Eine im Rahmen von Art. 977 ZGB erfolgte</span><br/> <span class="ft5">Berichtigung wirkt auf den Tag zurück, an dem die frühere Eintra-</span><br/> <span class="ft5">gung nicht richtig vorgenommen wurde (Deschenaux, Schweizeri-</span><br/> <span class="ft5">sches Privatrecht, Band V/3, II, Das Grundbuch, Basel/Frankfurt am</span><br/> <span class="ft5">Main 1989, S. 910). Letzteres gilt auch im Fall der Gutheissung einer</span><br/> <span class="ft5">Grundbuchberichtigungsklage bei ungerechtfertigtem Eintrag</span><br/> <span class="ft5">(Art. 975 ZGB). In einem solchen Fall hat der Grundbuchverwalter</span><br/> <span class="ft5">den ungerechtfertigten Eintrag zu streichen und die Eintragung</span><br/> <span class="ft5">gemäss Berichtigungsurteil vorzunehmen. In Abweichung von den</span><br/> <span class="ft5">allgemeinen Regeln ist die Löschung nicht mit dem Datum der</span><br/> <span class="ft5">Einschreibung im Tagebuch zu versehen. Handelt es sich um eine</span><br/> <span class="ft5">ursprünglich ungerechtfertigte Eintragung, ist sie unter demselben</span><br/> <span class="ft5">Datum zu löschen, mit dem sie vorgenommen worden war. Die Neu-</span><br/> <span class="ft5">eintragung erhält rückwirkend das Datum, unter dem das Recht</span><br/> <span class="ft5">seinerzeit "erstmals" begründet worden war (Krenger, Die Grund-</span><br/> <span class="ft5">buchberichtigungsklage, Diss., Grüsch 1988, S. 208 f.; Schmid, BSK</span><br/> <span class="ft5">ZGB, a.a.O., N. 36 zu Art. 975 ZGB). Aus materiellrechtlicher Sicht</span><br/> <span class="ft5">spricht zudem gerade in einem Fall der Berichtigung bloss des</span><br/> <span class="ft5">infolge irrtümlicher Ausdrucksweise des Gerichts fehlerhaft ein-</span><br/> <span class="ft5">getragenen Pfandgläubigers umso weniger gegen einen Rückbezug</span><br/> <span class="ft5">der Wirkung auf das erste Eintragungsdatum, als dem Eintrag des</span><br/> <span class="ft5">Pfandgläubigers im Grundbuch wie gesehen nicht die gleiche</span><br/> <span class="ft5">Bedeutung zukommen kann wie dem Eintrag der Pfandbelastung an</span><br/> <span class="ft5">sich und der Pfandsumme. Mit Bezug auf die Person des Pfand-</span><br/> <span class="ft5">gläubigers kommt dem Grundbuch eben nicht die volle Publi-</span><br/> <span class="ft5">zitätswirkung zu. Wenn der Eintrag des Pfandrechts und der Pfand-</span><br/> <span class="ft5">summe auf dem richtigen Grundbuchblatt von Anfang an rechtzeitig</span><br/> <span class="ft5">und korrekt erfolgt ist, können durch die Berichtigung der Person des</span><br/> <span class="ft5">Pfandgläubigers insbesondere keine berechtigten Interessen Dritter</span><br/> <span class="ft5">tangiert werden (vgl. ZR 1980, Nr. 13, S. 31, E. III/3 betreffend eine</span><br/> <span class="ft5">Berichtigung nach Art. 977 ZGB im Fall eines Bauhandwerker-</span><br/> <span class="ft5">pfandrechts). Es gibt somit keinen Grund, für die Berichtigung einer</span><br/> <span class="ft5">Eintragung, welche auf einem Versehen des die Eintragung ver-</span><br/> <span class="ft5">anlassenden Gerichts bezüglich der Bezeichnung der Person des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">337</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Baupfandgläubigers beruht, einen anderen Wirkungszeitpunkt anzu-</span><br/> <span class="ft5">nehmen als für die Berichtigung nach Art. 975 oder 977 ZGB.</span><br/> <span class="ft5">Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz in ihrem Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheid von der "Rückwirkung" der berichtigten Grundbuchanwei-</span><br/> <span class="ft5">sung ausgegangen ist und dies in ihrem Entscheid auch zum Aus-</span><br/> <span class="ft5">druck gebracht hat.</span><br/></div> </div> </body> </html>