B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-362/2010 U r t e i l v o m 3 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Vera Marantelli (Vorsitz), Richterin Maria Amgwerd, Richter Pietro Angeli-Busi, Gerichtsschreiber Said Huber. Parteien Bayer (Schweiz) AG, (…), vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. iur. Patrick Sommer und MLaw Amr Abdelaziz, (…), Beschwerdeführerin, gegen Wettbewerbskommission WEKO, (…), Vorinstanz. Gegenstand Sanktionsverfügung: Hors-Liste Medikamente (Publikumspreisempfehlungen für Levitra, Cialis und Viagra). B-362/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Pharmaunternehmen Bayer (Schweiz) AG (Bayer), Pfizer AG (Pfizer) und Eli Lilly (Suisse) SA (Eli Lilly) vertreiben unter anderem ihre (vom Mutterkonzern hergestellten und – bis auf Viagra – zur Zeit noch pa- tentgeschützten) Medikamente gegen erektile Dysfunktion , Levitra (Bay- er), Viagra (Pfizer) und Cialis (Eli Lilly), für die es hierzulande gegenwärtig noch keine amtlich zugelassenen Generika gibt . Diese auch als "Poten z- mittel" bezeichneten Medikamente wirken nicht aphrodisisch, sondern (erst nach entsprechender Stimulation) erektionsfördernd. Angesichts i h- res gesundheitlichen Gefährdungspotenzials si nd diese Arzneimi ttel ver- schreibungspflichtig (Verkaufskategorie B; vgl. zu den übrigen Kategorien Art. 23 -27 der Arzneimittelverordnung vom 17. Oktober 2001 [VAM, SR 812.212.21]), aber nicht auf der krankenversiche rungsrechtlichen Spezialitätenliste auf geführt und damit nicht kassen pflichtig (sog. Hors - Liste Medikamente). In der Schweiz waren im Jahr 2006 insgesamt 4'857 Medikamente hei l- mittelrechtlich zugelassen. Die nachfolgende Übersicht schlüsselt die A n- teile nach Rezeptpflicht bzw. Freiverkäuflichkeit sowie einer allfälligen Lis- tung in der Spezialitätenliste (SL) auf: (Quelle: Wettbewerbskommission in Recht und Politik des Wettbewerbs [RPW] 2010/4, S. 650) A.b Am 10. Mai 2005 eröffnete das Sekretariat der Wettbewerbskommis- sion (Sekretariat) eine Vorabklärung, da Bayer, Pfizer und Eli Lilly damals zu Levitra, Viagra und Cialis unverbindliche Publikumspreisempfehlungen an Grossisten und Verkaufsstellen abgaben bzw. über eine Datenban k- betreiberin an diese weiterleiten liessen. A.c Angesichts von Anhaltspunkten für unzulässige Wettbewerbsabreden eröffnete das Sekretariat (im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsi- diums) am 26. Juni 2006 eine kartellgesetzliche Untersuchung (1 .) gegen die Pharmaunternehmen Pfizer, Eli Lilly und Bayer, (2 .) gegen die Gro s- B-362/2010 Seite 3 sisten Galexis AG, Unione Farmaceutica Distribuzione SA, Voigt AG und Amedis-UE AG, (3.) gegen die Datenbankbetreiberin e -mediat AG, (4 .) gegen alle in der Schweiz niedergelassenen 1'672 Apotheken sowie (5 .) gegen alle dort praktizierenden 3'693 selbstdispensierenden Ärzte. Veröf- fentlicht wurde diese Untersuchung im Schweizerischen Handelsamt s- blatt und im Bundesblatt (BBl 2006 9123). B. Nach einer umfangreichen Untersuchung und nachdem alle Parteien, zum Antrag des Sekretariats vom 2. Februar 2009 Stellung genommen hatten, erliess die Wettbewerbskommission (WEKO) am 2. November 2009 eine 90-seitige Sanktionsverfügung (vgl. RPW 2010/4, S. 649 ff.) mit folgendem Dispositiv: "1. Es wird festgestellt, dass das Veröffentlichen und das Befolgen von Publikumspreisempfehlungen für C ialis, Levitra und Viagra in der bisherigen Form und im bisherigen Umfang eine unzulässige Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 KG darstellt. 2. Den Herstellern Pfizer, Eli Lilly und Bayer wird verboten, die Pu b- likumspreisempfehlungen für Cialis, Levitra und Viagra weiterhin zu veröffentlichen. 3. Die Grossisten Galexis, Unione Farmaceutica Distribuzione, Voigt und Amedis-UE und e-mediat dürfen bezüglich dieser Pu b- likumspreisempfehlungen keine Gehilfenhandlungen (z.B. We i- terleiten, Aufbereiten, Publizieren von Preisempfehlungen etc.) mehr vornehmen. 4. Die Hersteller Pfizer, Bayer und Eli Lilly werden für das unter Ziff. 1 dieses Dispositivs genannte Verhalten für den Zeitraum vom 1. April 2004 bis 31. Dezember 2008 gestützt a uf Art. 49a Abs. 1 KG mit folgenden Beträgen belastet: - Pfizer: CHF […] - Eli Lilly: CHF […] - Bayer: CHF […] 5. Im Übrigen wird die Untersuchung eingestellt. 6. Zuwiderhandlungen gegen diese Verfügung können mit Sankti o- nen gemäss Art. 50 bzw. 54 KG belegt werden. B-362/2010 Seite 4 7. Die Verfahrenskosten von insgesamt CHF 692'118.- Franken werden den drei Pharmaunternehmen Pfizer AG, Eli Lilly SA und Bayer (Schweiz) AG jeweils zu einem Sechstel, d.h. je CHF 115'353.- Franken, und unter solidarischer Haftung auferlegt. 8. (Rechtsmittelbelehrung) 9. (Eröffnung einzeln) 10. (Eröffnung durch amtliche Publikation)" B.a Zur Begründung wurde festgehalten, Levitra, Cialis und Viagra seien nicht auf der krankenversicherungsrechtlichen Spezialitätenliste aufg e- führt. Deshalb vergüte die Grundversicherung den Patienten die Kosten dieser Medikamente nicht . Da staatlich keine Höchstpreise festgesetzt würden, dürften die "Verkaufsstellen" die Publikumspreise frei festlegen. Insbesondere nach der Auflösung des Vereins Sanphar und der von ihm geregelten Margen- und Rabattordnung, die für alle Arzneimittel auf allen Vertriebsstufen den Wettbewerbsparameter "Preis" ausgeschaltet hatte, müssten sich die Preise von Hors -Liste Medikamenten durch den "funkti- onierenden Marktmechanismus" ergeben. B.b Die in den Datenbanken der e -mediat AG, Pharmavista und Galdat, veröffentlichten Publikumspreisempfehlungen für Hors-Liste Medikamente würden über Galdat in die Lieferscheine der Grossisten übernommen und an die Kunden weitergegeben. Die von den meisten Apotheken abonnierte Datenbank Galdat diene dem Austausch spezifischer Artikeldaten für den Betrieb von "Drogerie - und Apothekensystemen am Verkaufspunkt". Ferner diene Galdat der Info r- matisierung der Bestellprozesse. Die Preisempfehlungen würden manuell oder informatikbasiert ins Kassensystem eingegeben und mit den im Ga l- dat enthaltenen bzw. auf Medikamentenpackungen aufgedruckten Art i- kelnummern verbunden. Beim Scannen an der Kasse werde das Arzne i- mittel identifiziert und der empfohlene Preis automatisch eingelesen, so- fern bei gewährten Rabatten kein anderer Preis eingegeben werde. Auch im textorientierten Abfrageinstrument Pharmavista seien die Fabrikabg a- bepreise sowie Publikumspreisempfehlungen enthalten. B.c Ausgehend von diesen Rahmenbedingungen z og die Vorinstanz den Schluss, das untersuchte Verhalten der Parteien unterstehe dem Kartel l- gesetz vom 6. Oktober 1995 (KG, SR 251). B-362/2010 Seite 5 Zu Levitra, Cialis und Viagra bestünden keine wettbewerbsausschlie s- senden Vorschriften einer staatlich vorgesehenen Markt - oder Preisor d- nung oder solche, die Unternehmen zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben besondere Rechten verliehen , weshalb (Preis-)Wettbewerb nicht nur möglich sei, sondern auch gefordert werde. B.d Die Vorinstanz legte ihrer Analyse folgende Wettbewerbsverhältnisse zu Grunde (Quelle: WEKO in RPW 2010/4, S. 674) und hielt dazu fest: B.d.a Trotz anfänglich fast identischer Preise für Levitra, Cialis und Viagra habe eine horizontale Preisabrede nicht nachgewiesen werden können. B.d.b Indessen seien die von Bayer, Eli Lilly und Pfizer veröffentlichten und von den "Verkaufsstellen" überwiegend befolgten Publikumsprei s- empfehlungen drei nebeneinander bestehende vertikale Wettbewerbsab- reden. Diese wirkten sich wie Festpreise aus. Als abgestimmte Verhal- tensweisen im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG beseitigten sie den wirksamen Wettbewerb völlig. Dazu hielt die Vorinstanz im Einzelnen fest: B.d.b.a Preisempfehlungen ohne rechtliche Durchsetzbarkeit , wonach Richt- oder Listenpreise einzuhalten seien, seien als aufeinander abge- stimmte Verhaltensweisen aufzufassen. Solche einseitigen Anweisungen B-362/2010 Seite 6 sowie die öffentliche Bekanntgabe von Preisen könnten zu einer kollusi- ven Preisfestset zung unter Wettbewerbern führen. Davon sei auszug e- hen, wenn mehrere Wettbewerber ihr Marktverhalten bewusst und gewollt dem aufgrund bestimmter Kommunikationselemente antizipierbaren Marktverhalten anderer Wettbewerber anpassten, ohne dass Marktstru k- turen oder exogene Faktoren ein solches Parallelverhalten erzwängen. B.d.b.b Folgende Faktoren legten hier eine den Preiswettbewerb bese i- tigende, abgestimmte Verhaltensweise nahe: (1.) Der hohe Befolgung s- grad, (2.) die weiterhin die Marktteilnehmer massgeblich beeinflussende ehemalige Margenordnung Sanphar, (3.) die Interessenlage der beteili g- ten Unternehmen sowie (4.) weitere Kriterien: (1.) In den Jahren 2005 und 2006 hätten 81.7 % der selbstdi s- pensierenden Ärzte und 89.3 % der Apotheken die Publikum s- preise für Levitra, Cialis und Viagra nach dem empfohlenen Preis festgelegt; die restlichen 18.3 % bzw. 10.7 % hätten die Preise unabhängig davon festgelegt, mehrheitlich mit Abweichungen nach unten von 1.5 % bis mehr als 5 %. Realitätsfremd sei das Argument, die Publikumspreisempfehlun- gen seien als unverbindliche grobe Orientierungshilfe gedacht gewesen bzw. die Apotheker hätten den Verkaufspreis ausg e- hend von der Betriebskostenstruktur selbständig festgelegt. Die Pharmaunternehmen hätten gewusst, dass ihre Empfehlungen häufig als Preisvorgab e wahrgenommen würden, auch wenn sie deren Befolgung angeblich nicht überprüften. Die Datenbanken hätten die Kollusion begünstigt. Die Versuchung sei gross, an der Kasse eingelesene Preisempfehlungen auch einzuhalten. (2.) Zudem sei die unzulässige Margen - und Rabattordnung des vor zehn Jahren aufgelösten Vereins Sanphar zumindest eine Mitursache für das heutige System weitgehend eingehaltener Publikumspreisempfehlungen. Bei wirksamem Wettbewerb hätte die Aufhebung von Sanphar einen nennenswerten Teil der "Ver- kaufsstellen" veranlassen müssen, für verschreibungspflichtige Hors-Liste Medikamente unterschiedliche Preise zu verlangen. Indes sei wegen der Empfehlungen die starre Preisordnung bis heute fast unverändert geblieben. Wäre der Preis betriebswir t- schaftlich berechnet worden, so wäre die Wahrscheinlichkeit ge-B-362/2010 Seite 7 ring gewesen, dass 81.7 % der selbstdispensierenden Ärzte und 89.3 % der Apotheken den gleichen Verkaufspreis verlangten. (3.) Zwar hätten die Pharmaunternehmen keinen Druck auf die "Verkaufsstellen" ausgeübt, die Publikumspreisempfehlungen einzuhalten. V ielmehr hätten diese im Jahre 2004 gedroht, alle substituierbaren Medikamente von Pfizer aus dem Sortiment zu nehmen, sollte Pfizer wie angekündigt die Abgabe der Empfeh- lungen einstellen. Deshalb habe P fizer die Empfehlungen wieder kommunizieren müssen. Auch Bayer und Eli Lilly hätten nicht darauf verzichten können. Alle hätten die Vorteile dieser Empfehlungen erkannt. Insbeso n- dere die Pharmaunternehmen wären an deren Veröffentlichung interessiert, um s o die "Verkaufsstellen" von zu hohen, reputat i- onsschädigenden Medikamentenpreisen abzuhalten. Andere r- seits dienten die Empfehlungen dazu, den "Verkaufsstellen" – ähnlich wie bei San phar – eine erhebliche, über derjenigen von SL-Medikamenten liegende Marge zu sichern. Zudem bestünde dank der Koordination kaum Gefahr, Kunden an "Verkaufsstellen" mit tieferen Medikamentenpreisen zu verlieren. Die Ansicht von Pfizer und Eli Lilly, wonach beide nicht an hohen Margen interessiert seien, da sie zum gegebenen Fabrikabgabe- preis möglichst viele Einheiten verkaufen und durch die gesetzte Obergrenze die Handelsmargen tief halten wollten, überzeuge nicht. Denn der Preis spiele erst beim Kauf in der Apotheke eine wichtige Rolle. Allerdings existiere auf dieser Stufe zwischen Me- dikamenten kein Interbrand Wettbewerb mehr, weshalb sich zu hohe Verkaufspreise primär negativ auf den Gewinn der "Ver- kaufsstellen" und nicht auf denjenigen der Hersteller auswirkten. Bei einem überhöhten Verkaufspreis würde ein verschriebenes Medikament einfach in einer billigeren Apotheke gekauft. (4.) Zwar seien die fraglichen Preisempfehlungen im Internet, d.h. im "Arzneimittel -Kompendium der Schweiz", publiziert und (für Viagra und Cialis) auch auf den Internetseiten der Hersteller. Diese Quelle enthalte jedoch Fachinformationen für Ärzte, Ap o- theken und Spitäler und diene weniger der Information des Publi- kums. Nur wenige Personen suchten und fänden die Preisinfo r- mationen. Zudem sei Publikumswerbung für rezeptpflichtige Ar z-B-362/2010 Seite 8 neimittel heil mittelrechtlich verboten. Die Kommunikation der Empfehlungen durch automatisierte Kassensysteme lasse die Öf- fentlichkeitsinformation gegenüber der Preisfestsetzung für den Verkauf in den Hintergrund treten. Ausserdem sei eine weitg e- hend eingehalte Empfehlung an gesichts der übrigen Umstände selbst dann als Abrede zu qualifizieren, wenn sie im Arzneimittel- Kompendium als "unverbindlich" bezeichnet werde. B.d.b.c Zusammenfassend erachtete die Vorinstanz das Veröffentlichen der fraglichen Empfehlungen sowie deren "weitgehende" Einhaltung durch die "Verkaufsstellen" als aufeinander abgestimmtes Verhalten von Unternehmen verschiedener Marktstufen, obschon weder eine Verpflic h- tung zum Einhalten noch Sanktionsmechanismen festgestellt worden wa- ren. Die Vorinstanz bezeichnete die Grossisten und die e -mediat als Bind e- glied zwischen den Pharmaunternehmen und den Verkaufsstellen und hielt dazu fest, das Weiterleiten der Preisempfehlungen durch die Gro s- sisten und das entsprechende Zurverfügungstellen im Galdat durch e - mediat seien "Geh ilfenhandlungen" zu einer Wettbewerbsabrede, die inskünftig zu unterlassen seien, falls die Abrede unzulässig sein sollte. B.d.b.d Zu den Auswirkungen hielt die Wettbewerbskommission fest, auch in Empfehlungsform gekleidete Wettbewerbsabreden über die Ei n- haltung von Mindest- oder Festpreisen seien als "Festsetzung von Fes t- preisen" aufzufassen, die den Wettbewerb vermutungsweise beseitigten. Entgegen der Auffassung von Eli Lilly, wonach hier keine Abrede über Fixpreise sondern eine über Höchstpreise vorliege, seien in den Jahren 2005 und 2006 rund 63 % der von Apotheken und 70 % der von selbs t- dispensierenden Ärzten verkauften Levitra-, Cialis - und Viagra- Packungen zum empfohlenen Publikumspreis abgegeben worden. Somit wirkten sich die Preisempfehlungen auf dem Markt wie Fest - und nicht wie Maximalpreise aus. Daher greife die gesetzliche Vermutung der Wettbewerbsbeseitigung. B.d.b.e Indes müsste für eine allfällige Widerlegung dieser Vermutung wirksamer aktueller Innenwettbewerb sowie aktueller und potentieller Aussenwettbewerb bestehen, d.h. Wettbewerb unter den A bredebeteilig- ten bzw. Wettbewerb durch die nicht an der Abrede beteiligten "Verkaufs- stellen". Wegen den Besonderheiten vertikaler Abreden sei auf dem rele-B-362/2010 Seite 9 vanten schweizerischen Markt der oral einzunehmenden Medikamente Levitra, Cialis und Viagra der Intr abrand Wettbewerb (Innen - und Aus- senwettbewerb) sowie der Interbrand Wettbewerb zu analysieren. B.d.b.e.a Zur Intensität des Intrabrand Wettbewerbs wurde ausgeführt, der Innen-, Aussen- und Restwettbewerb reiche nicht aus, um die Vermu- tung der Wettbewerbsbeseitigung zu widerlegen. Auch der Verkauf übers Internet wirke nicht disziplinierend. Zur Frage der Marktauswirkungen der durch die Empfehlungen festgelegten Verkaufspreise spiele es eine wich- tige Rolle, wie viele Packungen eine Verkaufsstelle zum empfohlenen Publikumspreis verkauft habe:  Der Anteil der von Apotheken empfehlungsgemäss verkauften P a- ckungen umfasse im Jahr 2005 63.5 % (18.9 % mit Rabatt bzw. 17.6 % ohn e Preisempfehlungen) und im Jahr 2006 63.4 % (19.1 % mit Rabatt bzw. 17.5 % ohne Preisempfehlungen).  Der Anteil der zu den Empfehlungen durch selbstdispensierende Är z- te abgesetzten Packungen betrage im Jahr 2005 72.8 % (2.7 % mit Rabatt bzw. 24.5 % ohne Pr eisempfehlungen) und im Jahr 2006 70.6 % (3.1 % mit Rabatt bzw. 26.3 % ohne Preisempfehlungen). Die Einhaltung der Abreden habe sich im Laufe der berücksichtigten Pe- riode stabilisiert. Es seien rund 63 % aller in der Schweiz über Apotheken ausgehändigten Levitra-, Cialis- und Viagra-Packungen zum empfohlenen Publikumspreis verkauft worden. Dieser Prozentsatz belaufe sich auf 70 % der von selbstdispensierende n Ärzten verkauften Medikamente . Nach Angabe der selbstdispensierenden Ärzte und Apotheken, die auf den empfohlenen Preisen Rabatte gewährten, beliefen sich die mit Rabatt verkauften Packungen auf nur 31 % bzw. 39 % der durch diese selbstdis- pensierenden Ärzte bzw. Apotheken abgegebenen Packungen. Somit hätten im Innen-Intrabrand Wettbewerb diejenigen "Verkaufsstel- len", die auf empfohlenen Publikumspreisen Rabatte gewährt hätten, eine marginale Rolle gespielt. Diese Rabatte seien Kundenrabatte gewesen. Betreffend Aussen-Intrabrand Wettbewerb seien in der berücksichtigten Periode bei der Preisfestsetzung nu r 18.3 % der selbstdispensierenden Ärzte und 10.7 % der Apotheken von den empfohlenen Preisen abgew i- chen, weshalb sie sich nicht an der Abrede beteiligt hätten. Im Jahr 2006 seien in der Schweiz von allen vertriebenen Levitra -, Cialis- und Viagra-B-362/2010 Seite 10 Packungen nur 26.3 % von selbstdispensierenden Ärzten und 17.5 % von Apotheken verkauft worden. Zwar liesse sich diese Vermutung durch den Nachweis widerlegen, dass auf einem Markt der Preis nicht der allein entscheidende Wettbewerbspa- rameter sei, und es trotz dess en Ausschaltung angesichts anderer Fakto- ren (wie Qualität der Beratung, Lage der Verkaufsstelle) noch zu einem – wenn auch allenfalls erheblich beeinträchtigten – Rest- oder Teilw ett- bewerb komme. Indes liesse sich die Vermutung hier selbst bei Berüc k- sichtigung von Rest- oder Teilwettbewerb nicht widerlegen. Denn die frag- lichen verschreibungspflichtigen Medikamente dürften nur gegen ärztl i- ches Rezept abgegeben werden, wobei die dafür erforderliche Fachber a- tung beim Arzt stattfinde. In der Apotheke bestehe kein Aufklärungsbedarf mehr, weshalb sich diese nicht durch eine kompetente Beratung "profili e- ren" könne. Selbst wenn eine solche tatsächlich eine Rolle spielen würde, wäre die Beratung nur beim erstmaligen Medikamentenkauf bedeutsam. Weitere nicht preisbezogene Wettbewerbsparameter, welche die Wettbe- werbsintensität zwischen den Verkaufsstellen erhöhen könnten, bestü n- den nicht. Zwar könne auch der Schamfaktor als Parameter bedeutsam sein. Er könne aber von den "Verkaufsstellen" nicht beeinflusst werden. B.d.b.e.b Schliesslich reiche auch der Interbrand Wettbewerb, der zum schwachen Intrabrand Wettbewerb hinzutrete, nicht aus, um die Verm u- tung zu widerlegen: Fraglich sei, inwiefern allfälliger Druck von Interbrand Wettbewerb die Pharmaunternehmen dazu zwinge, den Produktabsatz durch Preisem p- fehlungen zu koordinieren. Denn solange die Preise von Viagra, Cialis und Levitra nicht wesentlich voneinander abwichen, seien diese für die Auswahl eines Präparats nicht entscheidend. Die drei Medikamente dür f- ten nur gegen ärztli ches Rezept abg egeben werden. Daher spielten die selbstdispensierenden Ärzte eine zentrale Rolle bei der Auswahl eines der drei Medikamente und für den Interbrand Wettbewerb zwischen den Pharmaunternehmen. Diese wüssten, dass der Publikumspreis ihrer Pro- dukte für die Wahl des Patienten bloss von untergeordneter Bedeutung sei. Erst beim Wiederverkauf sei der Preis nicht mehr sekundär. Im Jahr 2006 seien 63.4 % der von Apotheken abgesetzten Packungen zum empfohlenen Preis verkauft worden. Die Veröffentlichung bzw. Ein- haltung der Empfehlungen verhindere den Preiswettbewerb. Nur 10.7 % B-362/2010 Seite 11 der Apotheken hätten einen anderen als den empfohlenen Preis ang e- wendet und insgesamt 17.5 % Packungen verkauft. Die Apotheken seien an der Einhaltung der Preisempfehlung stark interessiert . Dies reduziere das Risiko, sich über Apothekerpreise zu konkurrenzieren und garantiere eine interessante Gewinnmarge. B.d.c Aber auch für den Fall, da ss die gesetzliche Vermutung als wider- legt zu betrachten wäre , hielt die Vorinstanz fest, müsse der Wettbewerb als erheblich beeinträchtigt gelten. Die drei vertikalen Abredebündel seien qualitativ und quantitativ erheblich. Schädlich seien die Abreden, weil sie tatsächlich von vielen "Weiterverkäufern" oder Händler n befolgt werden. Nur 36 % bzw. 28 % der vertriebenen Packungen seien zu einem and e- ren als dem empfohlenen Publikumspreis verkauft worden. In diesem Zusammenhang verneinte die Vorinstanz mit eingehender Be- gründung das Bestehen wirtschaftlicher Effizienzgründe, welche die be- anstandeten Empfehlungen allenfalls hätten rechtfertigen können. Insbe- sondere hielt die Vorinstanz eine Rechtfertigung aufgrund der Senkung von Vertriebskosten für nicht plausib el. Auch der Rechtfertigungsgrund der Verbesserung von Produkten und Produktionsverfahren wurde ve r- worfen. Ferner liess die Vorinstanz auch das Argument nicht gelten, die Publikumspreisempfehlungen seien wegen des Problems der Doppelmar- ginalisierung gerechtfertigt, wonach Herstellern erlaubt sein soll, Einze l- handelshöchstpreise festzusetzen, um marktmächtige Lieferanten /Händ- ler davon abzuhalten, von den Endkonsumenten eine den Monopolpreis übertreffende Rente einzufordern. B.e Abschliessend legte die Vo rinstanz z ur Sanktion und ihre r Bemes- sung dar, d ie Parteien hätten die unzulässigen Wettbewerbsbeschrä n- kungen "verschuldetermassen" bewirkt, wobei einzig Bayer, Pfizer und Eli Lilly direkt zu sanktionieren seien. B.e.a Das Verhalten der drei Pharmaunternehmen und der "Verkaufsstel- len", welche die Publikumspreisempfehlungen eingehalten hätten, sei e i- ne wettbewerbsbeseitigende abgestimmte Verhaltensweise nach Art. 5 Abs. 4 KG. Diese erfülle den Sanktionstatbestand von Art. 49a Abs. 1 KG. Aber selbst bei widerlegter Vermutung wäre dieser Tatbestand erfüllt, da der Wettbewerb immer noch erheblich beeinträchtigt wäre, ohne dass rechtfertigende Effizienzgründe vorlägen. B-362/2010 Seite 12 Alle Beteiligten hätten die kartellrechtliche Problematik der fraglichen Preisempfehlung erkennen müs sen. Die Pharmaunternehmen und die "Verkaufsstellen" hätten sicherstellen müssen, dass die Empfehlungen nicht den Charakter von Festpreisen erhielten. Dies sei unterblieben . Die Pharmaunternehmen hätten erklärt, es sei von untergeordnetem Intere s- se und lie ge nicht in ihrer Verantwortung, was die "Verkaufsstellen" mit der Preisempfehlung machten. Auch all die "Verkaufsstellen", die aus Be- quemlichkeit die im Galdat gespeicherten Preisempfehlungen direkt übernommen hätten, hätten in Kauf genommen, dass viele a ndere "Ver- kaufsstellen" dasselbe tun würden. Vorliegend seien keine falschen Behördeninformationen gegeben wo r- den, die ein schützenswertes Vertrauen begründen könnten. Weder die Vertikal-Bekanntmachung noch die Aussagen von WEKO -Mitgliedern zur angestrebten EU-Kompatibilität des schweizerischen Kartellgesetzes hät- ten Vertrauen erweckt, da sie nicht vorbehaltlos erfolgt seien. Auch die Preisbekanntgabeverordnung vom 11. Dezember 1978 (PBV, SR 942.211) sei keine Vertrauensgrundlage. Diese vermöge die Anwen- dung des Kartellgesetzes nicht auszuschliessen. Ungeachtet, ob die PBV für rezeptpflichtige Medikamente die Publikation von Preisempfehlungen zulasse, könnten sich die Parteien nicht darauf berufen, da eine unzuläs- sige Abrede über die Festsetzung von Verka ufspreisen vorliege. Selbst wenn nach der besagten Verordnung die Veröffentlichung von Preisemp- fehlungen für Hors -Liste Medikamente erlaubt wäre, würde dies die ka r- tellrechtliche Unzulässigkeit nicht berühren. Doch sei die unglücklich for- mulierte PBV bei der Sanktionsbemessung zu berücksichtigen. Bayer, Eli Lilly und Pfizer (mit dem Veröffentlichen der Publikumsprei s- empfehlungen) sowie die "Verkaufsstellen" (mit dem Befolgen dieser Empfehlungen) hätten sich zumindest fahrlässig verhalten. Dies sei sub- jektiv vorwerfbar, weshalb diese Parteien für ihr Verhalten ab dem 1. April 2004 grundsätzlich zu sanktionieren seien. B.e.b Gestützt auf detaillierte Ausführungen setzte die Vorinstanz die Sanktion für Bayer auf Fr. (…) fest. Gleichzeitig wurden auch Eli Lilly und Pfizer mit einem Sanktionsbetrag belastet, der für alle drei Unternehmen insgesamt Fr. 5.7 Millionen ausmachte ( und entsprechend publiziert wur- de: vgl. dazu die Medienmitteilung der Wettbewerbskommission vom 27. November 2009, veröffentlicht auf: www.weko.admin.ch > Startseite > Ak- tuell > Medieninformationen > Medienmitteilungen 2009). B-362/2010 Seite 13 B.e.c Indessen verzichtete die Vorinstanz "aus faktischen und prakt i- schen Gründen" darauf, die als mitschuldig bezeichneten "Verkaufsstel- len" zu sanktionieren: Die Untersuchung sei gegen alle tätigen 1'672 Apotheken und 3'693 selbstdispensierenden Ärzte eröffnet worden. Doch sei es kaum vorstel l- bar, wie die Verfahrensrechte aller Parteien überhaupt gewahrt werden könnten. Es könne nicht in jedem Einzelfall festge stellt werden, ob ein Unternehmen die Publikumspreisempfehlungen tatsächlich befolgt habe. Hausdurchsuchungen bzw. Partei- und Zeugenbefragungen bei mehr als 5'000 Parteien seien ausgeschlossen, was den Rückgriff auf die unge- prüften Selbstdeklarationen in den Fragebögen nahe legen könnte. Indes sei deren Vertrauenswürdigkeit für eine Sanktionierung fraglich. Selbst wenn sich die gesetzesverletzenden "Verkaufsstellen" ermitteln liessen, müsste der Sanktionsbetrag für jedes "Unternehmen" einzeln be- rechnet werden. Dies sei unverhältnismässig, da viele "Verkaufsstellen" nur einige wenige Schachteln Erektionsmittel verkauft hätten und die Sanktion jeweils nur wenige Franken betrüge. Es würde jeden vernünft i- gen Rahmen sprengen, die "Verkaufsstellen", welche eine Preisempfeh- lung befolgt hätten, individuell zu sanktionieren. Die durchschnittliche Hö- he der Bussen stünde in keinem Verhältnis zum dafür erforderlichen Au f- wand. Daher sei gegenüber den "Verkaufsstellen" auf die Berechnung und Eintreibung einer Sanktion zu verzichten. Trotzdem stelle das Verhal- ten der "Verkaufsstellen", welche die Empfehlungen eingehalten hätten, eine unzulässige, sanktionierbare Wettbewerbsbeschränkung dar. Die einseitige Sanktionierung der Pharmaunternehmen verletze das Gleichbehandlungsgebot nicht. Auch genüge der Tatbeitrag der Grossi s- ten und der e-mediat nicht für eine Sanktionierung dieser Gehilfinnen. B.f Schliesslich setzte die Wettbewerbskommission die Kosten der Unter- suchung auf insgesamt Fr. 692'118.- fest, wobei sie nur Bayer, Eli Lilly und Pfizer für kostenpflichtig erklärte und von den "Verkaufsstellen", den Grossisten und e -mediat "aus Praktikabilitätsgründen" keine Kosten e r- hob. Für Bayer wurde ein zu tragender Kostenanteil von einem Sechstel der gesamten Kosten, ausmachend Fr. 115'353.-, ausgeschieden. C. Diese Sanktionsverfügung focht Bayer (Beschwerdeführerin), anwaltlich vertreten durch Dr. iur. Patrick Sommer und lic. iur. Stefan Brunnschwei-B-362/2010 Seite 14 ler, am 18. Januar 2010 beim Bundesverwaltungsgericht an mit den Be- gehren: "1. Es sei die Verfügung vom 2. November 2009 vollumfänglich aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin durch die Veröffentl i- chung der Publikumspreisempfehlung für Levitra nicht gegen das Kartellg e- setz verstossen hat. 2. Es sei die Beschwerdeführerin für das vori nstanzliche Verfahren angeme s- sen zu entschädigen. 3. Eventualiter seien die in der Verfügung vom 2. November 2009 der B e- schwerdeführerin auferlegte Sanktion sowie die auferlegten Kosten nach dem freien Ermessen des Gerichts zu reduzieren. 4. Alles unter Verzicht auf Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin und unter Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz." Gleichzeitig stellt die Beschwerdeführerin drei Verfahrensanträge: "1. Es seien die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens beizuziehen. 2. Es seien alle als Geschäftsgeheimnisse bezeichneten Angaben und Akten als Geschäftsgeheimnisse zu behandeln und gegenüber Dritten und im Falle einer Entscheidpublikation nicht offen zu legen. 3. Für den Fall einer Entscheidpublikation sei der Beschwerdeführerin der zu publizierende Text vor dessen Veröffentlichung zur Prüfung auf allfällige G e- schäftsgeheimnisse zuzustellen." C.a Vorab rügt die Beschwerdeführerin, die angefochtene Sanktionsve r- fügung beruhe auf einem unrichtig und unvollständig ermittelten Sachver- halt, insbesondere auf einer qualitativ und quantitativ nicht repräsentat i- ven Befragung der betroffenen Parteien. Die Untersuchungsmethode b e- ruhe auf falschen und unvollständigen Behauptungen. Zudem sei der r e- levante Markt zu Unrecht unter Ausschluss des wirtschaftlich bedeutsa- men, grösstenteils illegalen Internethandels abgegrenzt worden. C.b Des Weiteren bemängelt die Beschwerdeführerin, die durchgeführte Untersuchung sei nicht mit den in Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe iten vom 4. November 1950 (EMRK, SR 0.101) festgelegten Anforderungen vereinbar. C.c Zur Sache hält die Beschwerdeführerin fest, es bestünden vorbehal- tene Vorschriften, die eine Anwendung des Kartellgesetzes ausschlössen: B-362/2010 Seite 15 Das Heilmittelgesetz vom 15. Dezember 2000 (HMG, SR 812.21) und andere gesundheitsrechtliche Erlasse liessen im Markt für Medikamente gegen erektile Dysfunktion einen wirksamen Wettbewerb nicht zu, da die regulatorischen Rahmenbedingungen und andere wesentliche Marktfa k- toren die relevanten Wettbewerbsparameter entscheidend beeinflussten. C.d Selbst wenn das Kartellgesetz anwendbar wäre, seien die Publ i- kumspreisempfehlung für Levitra nicht im Rahmen einer Abrede oder e i- ner abgestimmten Verhaltensweise veröffentlicht worden, sondern einsei- tig und ohn e jegliche Abstimmung mit anderen Marktteilnehmern. Dies gelte, wenn die einschlägigen Kriterien der von der Vorinstanz am 2. Juli 2007 revidierten Bekanntmachung über die wettbewerbsrechtliche B e- handlung vertikaler Abreden berücksichtigt werden. Diese Kri terien seien nicht erfüllt. Jedenfalls hätten die Publikumspreisempfehlungen für Levitra nie die Festlegung der Publikumspreise beinhaltet. C.e Aber auch wenn Art. 5 Abs. 4 KG anwendbar wäre, bestünde ein i n- tensiver Restwettbewerb, mit dem sich die Vermutung d er Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs widerlegen liesse. C.f Würde fälschlicherweise eine erhebliche Beeinträchtigung des wir k- samen Wettbewerbs angenommen, so wären die Publikumspreisempfe h- lungen für Levitra aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz gerech tfer- tigt. Selbst bei gegenteiliger Ansicht müsste aus völker- und verfassungs- rechtlichen Gründen dennoch von einer Sanktion abgesehen werden oder zumindest die auferlegte Strafe "massiv" reduziert werden. C.g Im Ergebnis sei es dem Sekretariat in einer langjäh rigen Unters u- chung nicht gelungen, ihr die Teilnahme an einer horizontalen oder vert i- kalen Absprache nachzuweisen. Um die Untersuchung nicht ergebnislos einstellen zu müssen, sei auf die vor rund zehn Jahren aufgelöste Mark t- ordnung Sanphar zurückgegriffen worden, obwohl diese bei der Marktein- führung von Levitra nicht mehr in Kraft und daher irrelevant gewesen sei. Das Vorgehen der Vorinstanz verdiene keinen Schutz, zumal die ang e- fochtene Verfügung auf einem falsch ermittelten Sachverhalt beruhe und im Widerspruch zur schweizerischen und europäischen Lehre und Praxis zu Publikumspreisempfehlungen stehe. C.h Abschliessend fordert die Beschwerdeführerin mit eingehender B e- gründung eine Parteientschädigung für das vorinstanzliche Verfahren. B-362/2010 Seite 16 D. Am 20. April 2010 informierte das Bundesverwaltungsgericht durch amtl i- che Publikation im Bundesblatt alle von der Vorinstanz nicht direkt ang e- schriebenen Adressaten der Sanktion sverfügung, dass dagegen am 18. Januar 2010 Beschwerde erhoben worden war (vgl. BBl 2010 2518). E. E.a Am 12. Juli 2010 liess sich die Vorinstanz nach erstreckter Frist mit dem Antrag vernehmen, die Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuwei- sen. E.b Mit Zwischenverfügung vom 19. August 2010 räumte das Bunde s- verwaltungsgericht der Beschwerdeführerin die Gelegenhe it ein, zur v o- rinstanzlichen Vernehmlassung bis zum 20. September 2010 Stellung zu nehmen. F. F.a Die Beschwerdeführerin reichte nach erstreckter Frist am 20. Oktober 2010 ihre Stellungnahme (inkl. Ergänzungsgutachten vom 8. Oktober 2010) ein. Darin hält sie an den Rechtsbegehren ihrer Beschwerde fest und betont, das eingereichte Ergänzungsgutachten nehme in ausführl i- cher Weise zur Frage der EU -Komptabilität der Publikumspreisempfeh- lungen Stellung. F.b Am 26. Oktober 2010 liess das Bundesverwa ltungsgericht dieses Schreiben der Beschwerdeführerin sowie eine Kopie des Ergänzungsgu t- achtens vom 8. Oktober 2010 der Vorinstanz zur Kenntnis zukommen. G. Mit Zwischenverfügung vom 18. November 2010 sistierte das Bunde s- verwaltungsgericht das vorliegende Ve rfahren, unter Vorbehalt eines g e- genteiligen Antrags der Parteien, bis zur Eröffnung der Entscheide des Bundesgerichts zu den bundesverwaltungsgerichtlichen Urteilen B - 2050/2007 vom 24. Februar 2010 (i n Sachen Swisscom/Mobiltermi- nierung; veröffentlicht i n BVGE 2011/32 und in RPW 2010/2, S. 242 ff.) und B-2977/2007 vom 27. April 2010 (in Sachen Publigroupe/Kommissi- onierungsrichtlinien; veröffentlicht in RPW 2010/2, S. 329 ff.). B-362/2010 Seite 17 H. Am 6. Februar 2013 hob das Bundesverwaltungsgericht die Sistierung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens auf, nachdem das Bundesg e- richt am 29. Januar 2013 die Begründung des öffentlich beratenen Urteils 2C_484/2010 vom 29. Juni 2012 im Fall Publigroupe SA (teilweise publi- ziert in BGE 139 I 72) schriftlich eröffnet hatte. I. Mit Eingabe vom 10. April 2013 reichte die Beschwerdeführerin eine d e- tailliert begründete Kostennote ein, welche der Vorinstanz am 16. April 2013 zur Kenntnis zugestellt wurde. J. Mit Schreiben vom 3. September 2013 informierte die Instruktionsrichterin die Bes chwerdeführerin, dass sich in einem ebenfalls hängigen B e- schwerdeverfahren zur gleichen Sanktionsverfügung Fragen zum sog. "fil rouge" gestellt hätten, die auch eine gewisse Bedeutung für das vorli e- gende Verfahren hätten. Gleichzeitig liess die Instruktio nsrichterin der Beschwerdeführerin eine anonymisierte Kopie der Zwischenverfügung B-364/2010 vom 3. Se p- tember 2013 zukommen, woraus ersichtlich ist, das s die entsprechenden "fils rouges" der Untersuchung 22-0326 als Interna – mangels Beweiseig- nung – in keinem Beschwerdeverfahren als Bestandteil der Akten anz u- erkennen seien. K. Auf die dargelegten und die weiteren Argumente der Verfahrensbeteilig- ten wird, soweit jene für das Urteil erheblich sind, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 2. November 2009 stellt eine Verfügung nach Art. 5 Abs. 1 Bst. a des Verwaltungsverfahrens- gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) dar. Das Bu n- desverwaltungsgericht ist nach Art. 31 des Ver waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerdeinstanz gegen Verf ü- gungen gemäss Art. 5 VwVG, die von eidgenössischen Kommissionen er-B-362/2010 Seite 18 lassen werden (Art. 33 Bst. f VGG). Darunter fällt auch die von der Vorin- stanz erlassene Verfügung. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit zur Behandlung der vorliege n- den Beschwerde zuständig. 1.2. Nach Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Tei l- nahme erhalten hat (Bst. a; vgl. BGE 133 II 181 E. 3.2), durch die ang e- fochtene Verfügung besonders berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c). Das schutzwürdige Interesse besteht gemäss höchstrichterli cher Recht- sprechung im praktischen Nutzen, den eine Gutheissung der Beschwerde einem Verfügungsadressaten verschaffen würde oder – anders ausg e- drückt – im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen die angefochtene Verfü- gung mit sich bringen würde ( vgl. für viele BGE 133 V 188 E. 4.3.1). Das "besondere Berührtsein" nach Art. 48 Abs. 1 Bst. b VwVG ist keine sel b- ständige und damit kumulativ zum schutzwürdigen Interesse (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG) zu erfüllende Legitimationsvoraussetzung, sondern eine Präzisierung desselben (BGE 133 V 188 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Diese Legitimationsvoraussetzungen bezwecken, die Popularbeschwerde auszuschliessen (vgl. ISABELLE HÄNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 12 zu Art. 48 VwVG). 1.2.1. In der angefochtenen Verfügung vom 2. November 2009 wird der Beschwerdeführerin im Wesentlichen vorgeworfen, sie sei – im Zeitraum vom 1. April 2004 bis am 31. Dezember 2008 – durch das Veröffentlichen von Publikumspreisempfehlungen für Levitra an einer unzulässigen Wett- bewerbsabrede im Sinne von Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 KG beteiligt gewesen. Das Veröffentlichen sowie das Befolgen der Levitra-Publikums- preisempfehlungen habe sich als Verhaltensabstimmung auf den Markt wie ein Festpreis aus gewirkt, was den Intrabrand Preiswettbewerb unter den "Verkaufsstellen" in sanktionswürdiger Weise beseitigt habe. Deshalb wurde die Beschwerdeführerin verpflichtet, eine Verwaltungssanktion von Fr. (…) sowie Ver fahrenskosten von Fr. 115'353. – zu bez ahlen ( vgl. Dispositiv-Ziffern 1, 4 und 7 der angefochtenen Verfügung). Gleichzeitig B-362/2010 Seite 19 wurde ihr verboten, die Publikumspreisempfehlungen für Levitra weiterhin zu veröffentlichen (vgl. Dispositiv-Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung). 1.2.2. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz tei l- genommen. Sie ist durch die angefochtene Verfügung insoweit besonders berührt, als sie darin verpflichtet worden ist, (1.) eine Verwaltungssanktion sowie Verfahrenskosten zu bezahlen und (2.) inskünftig die Veröffentli- chung von Publikumspreisempfehlungen für Levitra zu unterlassen. Insofern ist die Beschwerdeführerin zur Beschwerde grundsätzlich legit i- miert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). 1.2.3. Ebenfalls grundsätzlich e inzutreten ist auf den Antrag der B e- schwerdeführerin, es sei ihr eine angemessene Entschädigung für das vorinstanzliche Verfahren zuzusprechen. Auch wenn die Wettbewerbs- kommission wegen des für die Beschwerdef ührerin negativen Ausgangs der Untersuchung keinen Anlass hatte, die hier aufgeworfene Frage im Verfügungsdispositiv zu regeln, spricht insbesondere dann, wenn die vor- liegende Beschwerde gutgeheissen würde, nichts dagegen, die se Frage zu prüfen, zumal sie einen engen Zusammenhang zur verwaltungsverfah- rensgesetzlichen Entschädigungsregelung aufweist (vgl. dazu E. 10). 1.2.4. Soweit die Beschwerdeführerin indes die "vollumfängliche" Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung beantragt, ist sie durch die Dispositiv- Ziffer 3, welche ein gegenüber den Grossisten Galexis, Unione Farm a- ceutica Distribuzione, Voigt und Amedis-UE und e-mediat ausgesproche- nes Verbot von "Gehilfenhandlungen" enthält, weder di rekt betroffen, noch vermöchte sie als sog. Drittbeschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung geltend zu ma chen. Dies nimmt sie zu Recht auch nicht in Anspruch. Inwiefern schliesslich die Beschwerdeführerin durch die Dispositiv-Ziffer 5 (Einstellung der Untersuchung) bzw. die Dispositiv-Ziffer 6 (Verweis auf Art. 50 und 54 KG), die sich auf eine Wiederholung der ex lege geltenden Rechtsordnung erschöpft, beschwert sein könnte, ist nicht ersichtlich. Insoweit ist auf die Beschwerde ebenfalls nicht einzutreten. 1.3. Eingabefrist und -form sind gewahrt ( Art. 50 und 52 Abs. 1 VwVG), die Vertreter haben sich rechtsgenüglich ausgewiesen (Art. 11 VwVG), der Kostenvorschuss wurde fristgemäss bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG) und die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 46 ff. VwVG). B-362/2010 Seite 20 1.4. Auf die Beschwerde ist daher insoweit einzutreten, als darin die Au f- hebung der Sanktion (und der dazugehörenden Feststellung einer unz u- lässigen Abrede), die Aufhebung der auferlegten Verfahrenskosten, die Aufhebung des Veröffentlichungsverbots für Publikumspreisempfehlu n- gen sowie die Zusprechung einer auch das erst instanzliche Unters u- chungsverfahren umfassenden Parteientschädigung verlangt wird. 2. In formeller Hinsicht stellt die Beschwerdeführerin drei als "Verfahrensan- träge" bezeichnete Begehren, die sich auf die ordnungsgemässe Führung dieses Verfahrens beziehen. 2.1. Der erste Antrag betrifft den Beizug der vorinstanzlichen Akten. Das Bundesverwaltungsgericht hat hier i m Rahmen des vom Untersuchungs- prinzip (Art. 12 VwVG) beherrschten Beschwerdeverfahrens die Akten der Vorinstanz sowie die fraglichen Stellungnahmen beigezogen. 2.2. Die beiden weiteren Verfahrensanträge , welche im Ergebnis auf die Wahrung der Geschäftsgeheimnisse der Beschwerdeführerin zielen, sind im Rahmen der Verfahrensführung zu berücksichtigen. Das Bundesverwa ltungsgericht hat Entscheide grundsätzlich anonym i- siert zu veröffentlichen (Art. 29 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 4 Abs. 2 und Art. 8 des Informationsreglements für das B undesverwaltungsgericht vom 11. Dezember 2006, SR 173.320.4). Es wird die für die Wettbewerbs be- hörden nach Art. 25 Abs. 1 und 4 KG ex lege geltende Pflicht zur Wa h- rung von Geschäftsgeheimnissen sinngemäss ebenfalls zu befolgen h a- ben. 3. Des Weiteren rügt die Beschwerdeführerin in formeller Hinsicht, die ange- fochtene Verfügung sei in Missachtung von Art. 6 Abs. 1 EMRK in eine r völker- und verfassungsrechtswidrigen Untersuchung ergangen und b e- reits deshalb aufzuheben. 3.1. Nach Art. 6 Abs. 1 EMRK (zitiert im Sachverhalt unter C.b ) hat jede Person ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten in Bezug auf ihre zivi l- rechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen oder über eine gegen sie e r- hobene strafrechtliche Anklage von einem unabhängigen und unpartei i- schen, auf Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen Verfahren, öffen t- lich und innerhalb angemessener Frist verhandelt wird. B-362/2010 Seite 21 3.2. Die Beschwerdeführerin hält diese Bestimmung aus folgenden Grü n- den für verletzt: Die in Art. 49a Abs. 1 KG (zitiert in der nachfolgenden E. 4.1.4) angedroh- ten Sanktionen seien erheblich un d verfolgten einen präve ntiv-repres- siven Zweck. Daher hätten im vorliegenden "strafrechtlichen Verfahren" die Verfahrensgarantien von Art. 6 EMRK befolgt werden müssen, was zu Unrecht nicht geschehen sei. Die verfügten Sanktionen hätten Strafch a- rakter im Sinne von Art. 6 EMRK. D ie Vorinstanz als Entscheidinstanz und das Sekretariat als Untersuchungsbehörde seien stark miteinander verflochten und wirkten gegenseitig aufeinander ein. Die mangelnde Trennung der schweizerischen Wett bewerbsbehörden in ein Unters u- chungs- und ein Entscheidorgan könnten nicht durch das Vorhandensein einer richterlichen Instanz mit voller Kognition kompensiert werden. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) seien solche Mängel erstinstanzlicher Verfahren nicht heilb ar, sondern müssten zur vollständigen Aufhebung des erstinstanzlichen Ve r- fahrens führen, da die zu sanktionierende Handlung schwerwiegend und die angedrohte Sanktion erheblich seien. Die Vorinstanz erfülle die Anfor- derungen an ein unabhängiges und unparteiisches Gericht nicht. Ferner bemängelt die Beschwerdeführerin, ihr Anspruch auf ein ordentlich zusammengesetztes Gericht sei verletzt worden, indem am 7. September 2009 anlässlich der Anhörung nur elf von zwölf Mitgliedern der Vorinstanz anwesend gewesen s eien. Somit habe sie ihren Standpunkt nicht in u n- mittelbarer Weise allen Mitgliedern der Vorinstanz darlegen können. D a- mit habe diese im Sanktionsverfahren gegen das Anklageprinzip und den Grundsatz der Waffengleichheit verstossen sowie gleichzeitig den A n- spruch auf ein unabhängiges, unbefangenes und auf Gesetz beruhendes Gericht verletzt. 3.3. Dem hält die Vorinstanz im Wesentlichen entgegen, die rechtlichen Anforderungen an ein unabhängiges Gericht seien erfüllt worden. Es rei- che aus, wenn eine Sanktionsverfügung durch lediglich eine gerichtliche Instanz mit voller Kognition überprüft werden könne. Nicht nachvollziehbar sei der Vorwurf, der Anspruch auf ein gesetzmässi- ges Gericht sei verletzt worden. Denn sie sei nicht nur beim Entscheid, sondern auch anlässlich der Parteianhörungen beschlussfähig und "o r- dentlich zusammengesetzt" gewesen. Zudem sei die Anhörung protokol-B-362/2010 Seite 22 liert worden, so dass sich ihr abwesendes Mitglied umfassend habe i n- formieren können. 3.4. Die Rügen der Beschwerdeführerin zu Art. 6 EMRK erweisen sich im Lichte der jüngsten höchstrichterlichen Rechtsprechung (BGE 139 I 72 E. 2.2 und E. 4), welche die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsg e- richts (BVGE 2011/32 E. 4.2 und E. 5) bestätigt hat, als unbegründet. 3.4.1. In seinem wegweisenden Urteil hat das Bundesgericht erkannt, dass kartellrechtliche Sanktionen nach Art. 49a KG einen strafrechtlichen bzw. strafrechtsähnlichen Charakter haben, weshalb bei solchen Sanktio- nen die Garantien von Art. 6 und Art. 7 EMRK sowie von Art. 30 und Art. 32 BV a nwendbar sind ( BGE 139 I 72 E. 2; BVGE 2011/32 E. 4.2 ). Weiter hat das Bundesgericht – mit Verweis auf das Urteil des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 27. September 2011 in S a- chen Menarini Diagnostics S.R.L. (Nr. 43509/08, §§ 57 ff.) – festgehalten, dass in Kartellverfahren (mit hohen Bussgeldern) die Anforderungen von Art. 6 EMRK auch erst im Verwaltungsgerichtsverfahren erfüllt werden können. Insofern dürfe die Verwaltung im Verwaltungsverfahren Sankti o- nen mit strafrechtlichem Charakter aussprechen, wenn im nachfolgenden Gerichtsverfahren die Vorgaben von Art. 6 EMRK eingehalten werden (BGE 139 I 72 E. 4.4; BVGE 2011/32 E. 5.5). Dazu hat das Bundesgericht betont, d er gerichtliche Entscheid über die kartellrechtliche Sanktion müsse – entsprechend Art. 6 EMRK sowie Art. 30 BV – mit voller Kogniti- on in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht erfolgen , dass heisst die für das Verfahren rechtserheblichen Tatsachen müssten ermittelt und der so festgestellte Sachverhalt unter die entsprechenden Rechtsvorschriften subsumiert werd en. Auch müsse das Gericht die Sanktion uneing e- schränkt auf ihre Vereinbarkeit mit dem massgeblichen Recht unter Ei n- schluss des Verfassungsrechts und den Grundsätzen r echtsstaatlichen Handelns ( Art. 5 BV), namentlich des Verhältnismässigkeitsprinzips, überprüfen können. Auch wenn dem angerufenen Gericht volle Kognition in Rechts- und Tatsachenfragen zukommen müsse, sei es indessen nicht ausgeschlossen, dass es in Bereichen des "Sachverständigenermes- sens", vor allem in besonderen Rechtsbereichen, seine Kognition – unter bestimmten Voraussetzungen – zurücknehmen dürfe (BGE 139 I 72 E. 4.5). 3.4.2. Nach der massgeblichen Rechtsprechung ( BGE 139 I 72 E. 4.6; BVGE 2011/32 E. 5.6) steht fest, dass die Beurteilung des vorliegenden Sanktionsverfahrens – durch das (mit voller Kognition ausgestattete und B-362/2010 Seite 23 diese auch wahrnehmende) Bundesverwaltungsgericht – den Anford e- rungen von Art. 6 EMRK genügt. Insofern kann entgegen den Darlegun- gen der Beschwerdeführerin der Umstand, dass die Vorinstanz unbestrit- tenermassen kein Ger icht im Sinne von Art. 6 EMRK ist (BGE 139 I 72 E. 4.3; offengelassen in BVGE 2011/32 E. 5.4), durch das Vorhandensein einer richterlichen Instanz mit voller Kognition , das heisst hier durch das Bundesverwaltungsgericht, kompensiert werden ( vgl. BGE 139 I 72 E. 4.4 f.; BVGE 2011/32 E. 5). Bei dieser Sachlage kann sich – entgegen der Beschwerdeführerin – im Verfahren vor der Vorinstanz auch nicht die Frage stellen, ob der An- spruch auf ein ordentlich zusammengesetztes Gericht im Rahmen der Anhörungen vor der Vorinstanz hätte verletzt werden können. Die Vori n- stanz ist, wie bereits erwähnt , kein Gericht, und musste nach Art. 21 KG, um beschlussfähig zu sein, (lediglich) mindestens die Hälfte der Mitgli e- der aufweisen, was unbestrittenermassen der Fall war. Hinzukommt, dass Art. 6 Abs. 1 EMRK nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge- richts für Verfahren vor der Vorinstanz – entgegen den Andeutungen der Beschwerdeführerin – keinen Anspruch auf eine öff entliche Verhandlung begründet. Nach Art. 30 Abs. 2 Satz 2 (1. Hälfte) KG, kann die Vorinstanz eine Anhörung beschliessen , sie ist jedoch nicht dazu verpflichtet und wird eine solche vorab dann durchführen, wenn sie zusätzlichen Untersu- chungsbedarf sieht (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B - 2050/2007 vom 24. Februar 2010 E. 6.2.2). Unter diesen Umständen ist nicht ersichtlich, inwiefern die beanstandete Zusammensetzung der Vo r- instanz anlässlich der Anhörung vom 7. September 2009 im Widerspruch zu Art. 6 EMRK stehen könnte. 4. Für die wettbewerbsrechtliche Beurteilung de r Rechtmässigkeit der ve r- hängten Sanktion ist neben den karte llgesetzlichen Normen (vgl. E. 4 .1) insbesondere der heilmittelrechtliche Regulierungsrahmen (vgl. E. 4 .2) von entscheidender Bedeutung. 4.1. Im Rahmen seiner Wettbewerbspolitik erlässt der Bund nach Art. 96 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) Vorschriften gegen volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen von Kartellen und anderen Wettb e- werbsbeschränkungen. B-362/2010 Seite 24 Gestützt auf diese verfassungsrechtliche Kompetenznorm wurde das Kar- tellgesetz (zitiert im Sachverhalt unter B. c) erlassen. Es bezweckt, volks- wirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen von Kartellen und a n- deren Wettbewerbsbeschränkungen zu verhindern und damit den Wet t- bewerb im Interesse einer freiheitlichen marktwirtschaftlichen Ordnung zu fördern (Art. 1 KG). 4.1.1. Es gilt für Unternehmen des privaten und des öffentlichen Rechts, die Kartel l- oder andere Wettbewerbsabreden treffen, Marktmacht au s- üben oder sich an Unternehmenszusammenschlüssen beteiligen (Art. 2 Abs. 1 KG). Als Unternehmen gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleistungen im Wirtschaftsprozess, unabhän gig von ihrer Rechts- oder Organisationsform (Art. 2 Abs. 1bis KG). Nach Art. 3 Abs. 1 KG sind Vorschriften vorbehalten, soweit sie auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften: (a.) die eine staa tliche Markt- oder Preisord- nung begründen; (b.) die einzelne Unternehmen zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten. 4.1.2. Nach Art. 4 Abs. 1 KG gelten als Wettbewerbsabreden rechtlich er- zwingbare oder nicht erzwingbare Vereinbarungen sowie aufeinander ab- gestimmte Verhaltensweisen von Unternehmen gleicher oder verschiede- ner Marktstufen, die eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken. Nach Art. 5 Abs. 1 KG sind Abreden unzulässig, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmt e Waren oder Leistungen erheblich beeinträc h- tigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtfert i- gen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigu ng wirksamen Wettbewerbs führen. Wettbewerbsabreden sind durch Gründe der wirtschaftlichen Ef fi- zienz gerechtfertigt, wenn sie: (a) notwendig sind, um die Herstellungs - oder Vertriebskosten zu senken, Produkte oder Produktionsverfahren zu verbessern, die Forschung oder die Verbreitung von technischem oder beruflichem Wissen zu fördern oder um Ressourcen rationeller zu nutzen; und (b) den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröf f- nen, wirksamen Wettbewerb zu beseitigen (Art. 5 Abs. 2 KG). Nach Abs. 3 von Art. 5 KG wird die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs bei folgenden Abreden vermu tet, sofern sie zwischen Unternehmen g e- troffen werden, die tatsächlich oder der Möglichkeit nach miteinander im B-362/2010 Seite 25 Wettbewerb stehen: (a) Abreden über die direkte oder indirekte Festse t- zung von Preisen; (b) Abreden über die Einschränkung von Produktions-, Bezugs- oder Liefermengen; (c) Abreden über die Aufteilung von Märkten nach Gebieten oder Geschäftspartnern. Gemäss Abs. 4 von Art. 5 KG wird die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs auch vermutet bei Abreden zwischen Unternehmen verschiedener Marktstufen über M indest- oder Festpreise sowie bei Abreden in Vertriebsverträgen über die Zuweisung von Gebieten, soweit Verkäufe in diese durch gebietsfremde Vertrieb s- partner ausgeschlossen werden. 4.1.3. Die Wettbewerbskommission trifft die Entscheide und erlässt die Verfügungen, die nicht ausdrücklich einer anderen Behörde vorbehalten sind (Art. 18 Abs. 3 erster Satz KG). Sie entscheidet auf Antrag des Sek- retariats mit Verfügung über die zu treffenden Mas snahmen oder die G e- nehmigung einer einvernehmlichen Regelung (Art. 30 Abs. 1 KG). 4.1.4. Nach dem am 1. April 2004 in Kraft getretenen Art. 49 a KG (AS 2004 1387 f.) können Unternehmen bei gewissen unzulässigen Wettb e- werbsbeschränkungen direkt mit Sanktio nen belas tet werden, wobei Abs. 1 von Art. 49a KG vorsieht: "Ein Unternehmen, das an einer unzulässigen Abrede nach Artikel 5 A b- sätze 3 und 4 beteiligt ist oder sich nach Artikel 7 unzulässig verhält, wird mit einem Betrag bis zu 10 Prozent des in den letzten drei Geschäftsjahren in der Schweiz erzielten Umsatzes belastet. Artikel 9 Absatz 3 ist sinng e- mäss anwendbar. Der Betrag bemisst sich nach der Dauer und der Schw e- re des unzulässigen Verhaltens. Der mutmassliche Gewinn, den das U n- ternehmen dadurch erzielt hat, ist angemessen zu berücksichtigen." 4.2. 4.2.1. Das Heilmittelgesetz (zitiert im Sachverhalt unter C.c) soll zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier gewährleisten, dass nur qualitativ hoch stehende, sichere und wirksame Heilmittel in Verkehr g e- bracht werden (Art. 1 HMG) . Es soll zudem: (a) Konsumentinnen und Konsumenten von Heilmitteln vor Täuschung schützen; (b) dazu beitra- gen, dass die in Verkehr gebrachten Heilmittel ihrem Zweck entsprechend und massvoll verwendet werden; (c) dazu beitragen, dass eine sichere und geordnete Versorgung mit Heilmitteln, einschliesslich der dafür nöt i- gen fachlichen Information und Beratung , im ganzen Land angeboten wird (Art. 1 Abs. 2 HMG). Das HMG gilt u.a. nach Art. 2 Abs. 1 Bst. a B-362/2010 Seite 26 HMG für den Umgang mit Heilmitteln (Arzneimittel und Medizinprodukte), insbesondere für die Herstellung und das Inverkehrbringen. 4.2.1.1 Gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. a HMG gelten als Arzneimittel Produkte chemischen oder biologischen Ursprungs, die zur medizinischen Einwi r- kung auf den menschlichen oder tierischen Organismus bestimmt sind oder angepriesen werden, insbesondere zur Erkennung, Verhütung oder Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen (…). 4.2.1.2 Nach Art. 23 Abs. 1 HMG werden die Arzneimittel in Kategorien mit und ohne Verschreibungspflicht eingeteilt. Der Bundesrat legt die Ein- teilungskriterien fest, wobei d as Institut jedes von ihm zugelassene Ar z- neimittel einer Kategorie zuordnet (vgl. Art. 23 Abs. 3 HMG) . Verschrei- bungspflichtige Arzneimittel abgeben dürfen: (a) Apothekerinnen und Apo- theker auf ärztliche Verschreibung und in begründeten Ausnahmefällen auch ohne ärztliche Verschreibung; (b) weitere Medizinalpersonen en t- sprechend den Bestimmungen über die Selbstdispensation; (c) entspre- chend ausgebildete Fachpersonen unter der Kontrolle von Personen nach den Buchsta ben a und b (Art. 24 Abs. 1 HMG). Bei der Verschrei- bung und der Abgabe von Arzneimitteln müssen die anerkannten Regeln der medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaften beachtet we r- den (Art. 26 Abs. 1 HMG). Ein Arzneimittel darf nur verschrieben werden, wenn der Gesundheitszustand der Konsumentin oder des Konsumenten bzw. der Patientin oder des Patienten bekannt ist (Art. 26 Abs. 2 HMG). 4.2.1.3 Nach Art. 27 Abs. 1 HMG ist der Versandhandel mit Arzneimitteln grundsätzlich untersagt. Nach dem Abs. 2 dieses Artikels wird eine Bewil- ligung nur erteilt, wenn: (a) für das betreffende Arzneimittel eine ärztliche Verschreibung vorliegt; (b) keine Sicherheitsanforderungen entgegenst e- hen; (c) die sachgemässe Beratung sichergestellt ist; (d) eine ausre i- chende ärztliche Überwachung der Wirkung sichergestellt ist. Nach den Absätzen 3 und 4 regelt der Bundesrat die Einzelheiten und d ie Kantone erteilen die Bewilligung. 4.2.1.4 Zur Frage der Werbung und Preisvergleichen legt Art. 31 Abs. 1 HMG fest, dass g rundsätzlich zulässig ist: (a) Werbung für alle Arten von Arzneimitteln, sofern sie sich ausschliesslich an Personen richtet, die di e- se Arzneimittel verschreiben oder abgeben; (b) Publikumswerbung für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel. Nach Art. 3 1 Abs. 2 HMG re- gelt der Bundesrat die Voraussetzungen für die Bekanntgabe von Prei s- vergleichen für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Er kann zum Schutz B-362/2010 Seite 27 der Gesundheit und zum Schutz gegen Täuschung die Werbung für b e- stimmte Arzneimittel oder Arzneimit telgruppen beschränken oder verbi e- ten sowie für die grenzüberschreitende Werbung Bestimmungen erlassen (Art. 31 Abs. 3 HMG). Unzulässig ist Werbung: (a) die irreführend ist oder der öffentlichen Or d- nung und den guten Sitten widerspricht; (b) die zu einem ü bermässigen, missbräuchlichen oder unzweckmässigen Einsatz von Arzneimitteln ve r- leiten kann; (c) für Arzneimittel, die in der Schweiz nicht in Verkehr g e- bracht werden dürfen (Art. 32 Abs. 1 HMG). Nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a HMG ist unter anderem die Publikumswerbung unzulässig für Arzneimittel, die nur auf ärztliche Verschreibung abgeg e- ben werden dürfen. 4.2.1.5 Nach Art. 33 Abs. 1 HMG dürfen Personen, die Arzneimittel ve r- schreiben oder abgeben, und Organisationen, die solche Personen b e- schäftigen, für die Verschrei bung oder die Abgabe eines Arzneimittels geldwerte Vorteile weder gewährt noch angeboten noch versprochen werden. Personen, die Arzneimittel verschreiben oder abgeben, und O r- ganisationen, die solche Personen beschäftigen, dürfen für die Verschrei- bung oder die Abgabe von Arzneimitteln geldwerte Vorteile weder fordern noch annehmen (Art. 33 Abs. 2 HMG). Zulässig sind jedoch: (a) geldwer- te Vorteile von bescheidenem Wert, die für die medizinische oder pha r- mazeutische Praxis von Belang sind; (b) handelsübliche und betriebswirt- schaftlich gerechtfertigte Rabatte, die sich direkt auf den Preis auswirken (Art. 33 Abs. 3 HMG). 4.2.2. Gestützt auf die Artikel 31 -33 HMG hat der Bundesrat am 17. Ok- tober 2001 die Arzneimittel-Werbeverordnung (AWV, SR 812.212.5) er- lassen. Diese r egelt nach Art. 1 Abs. 1 die Fach- und die Publikumswer- bung für verwendungsfertige Arzneimittel (Arzneimittel) der Human - und der Veterinärmedizin. 4.2.2.1 Nach Art. 2 Bst. a AWV gelten als Arzneimittelwerbung alle Mass- nahmen zur Information, Marktbearbeitung und Schaffung von Anreizen, welche zum Ziel haben, die Verschreibung, die Abgabe, den Verkauf, den Verbrauch oder die Anwendung von Arzneimitteln zu fördern. Nach Art. 2 Bst. b AWV gilt als Publikumswerbung die Arzneimittelwerbung, welche sich an das Publikum richtet. Demgegenüber gilt als Fachwerbung die Arzneimittelwerbung, die sich an zur Verschreibung, Abgabe oder zur e i-B-362/2010 Seite 28 genverantwortlichen beruflichen Anwendung von Arzneimitteln berechti g- te Fachpersonen richtet (Art. 2 Bst. c AWV). 4.2.2.2 Nach Art. 14 AWV ist Publikumswerbung nur erlaubt für Arzneimit- tel der Verkaufskategorien C, D und E nach der Arzneimittelverordnung (zitiert unter A.a ), es sei denn, sie werde durch gesetzliche Bestimmu n- gen eingeschränkt oder verboten. 5. 5.1. Einer der Auslöser für die vorinstanzliche Untersuchung – und der Hauptstreitpunkt im vorliegenden Beschwerdeverfahren – sind die Publi- kumspreisempfehlungen, welche die Beschwerdeführerin vom 1. April 2004 bis am 31. Dezember 2008 für ihr Arzneimittel Le vitra veröffentlich- te. Da auch ihre Konkurrentinnen, Pfizer und Eli Lilly , für ähnliche Med i- kamente solche Empfehlungen publizierten und weil angesichts des Preisniveaus für diese Medikamente der Verdacht auf wettbewerbswidr i- ge Praktiken aufkam, führte die Vorinstanz bei über 800 Marktteilnehmern eine langjährige und mit grossem Erhebungs - und Auswertungsaufwand verbundene Untersuchung durch, um die Wettbewerbssituation unter den Marktakteuren im Allgemeinen sowie um unter anderem die wettbewerbli- chen Auswirkungen der strittigen Preisempfehlungen auszuleuchten. Die Vorinstanz prüfte im Wesentlichen die konkreten Wettbewerbsbedi n- gungen auf dem Vertriebsmarkt für Levitra, Cialis und Viagra. Ausgehend von der zutreffenden Perspektive, dass der "Absatzmarkt für Medikamen- te" insofern kein "nor maler Markt" ist, als nur Apotheken und selbst dis- pensierende Ärzte zum Arzneimittelverkauf gesundheitspolizeilich zuge- lassen sind ( vgl. angefochtene Verfügung Rz. 283), berücksichtigte die Vorinstanz den Umstand, dass Levitra, Cialis und Viagra als "komplexe Produkte" wegen des nicht zu unterschätzenden Gefährdungspotenzials für die Gesundheit rezeptpflichtig sind und "Anwenderkenntnisse" verlan- gen, weshalb Patienten zur Untersuchung und Beratung einen Arzt auf- suchen müssten (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 280), bevor ihnen a l- lenfalls das medizinisch indizierte Medikament verschrieben werden darf. Angesichts der damit verbundenen komplexen rechtlichen Verhältnisse auf diesem – krankenversicherungs-, heilmittel- wie auch medizinalbe- rufsrechtlich – regulierten "Medikamenten-Markt" ging die Vorinstanz in den folgenden drei denkbaren Konstellationen der Frage nach, ob erheb- liche Wettbewerbsbeeinträchtigungen vorliegen könnten und zwar, B-362/2010 Seite 29  ob erstens unter den Pharmaherstellerinnen Wettbewerb für Levitra, Cialis und Viagra herrsche (sog. Interbrand Wettbewerb ["Marken im Wettbewerb"], nachfolgend unter E. 5.2),  ob zweitens diese Medikamente auch auf der nachgelagerten Stufe des Grosshandels bzw. der Apotheken zueinander im Wettbewerb stünden (ebenfalls Interbrand Wettbewerb, nachfolgend unter E. 5.3 ) und schliesslich  ob drittens die Apotheken bzw. selbstdispensierenden Ärzte sich un- tereinander bei den einzelnen Medikamenten jeweils einen Preiswett- bewerb lieferten (Intrabrand Wettbewerb ["Wettbewerb innerhalb der Marke"], nachfolgend unter E. 5.4). 5.2. 5.2.1. Anfänglich prüfte die Wettbewerbskommission bestehende A n- haltspunkte für horizontale Absprachen zwischen der Beschwerdeführ e- rin, Eli Lilly und Pfizer, wobei sie bereits in einem frühen Stadium ihrer Untersuchung zum Schluss kam, dass sich horizontale Abreden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG nicht rechtsgenüglich erhärten liessen ( vgl. ang e- fochtene Verfügung Rz. 305-321). 5.2.1.1 Zum Interbrand Wettbewerb zwischen Levitra, Cialis und Viagra, hielt die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung fest, angesichts n a- hezu identischer Publikumspreisempfehlungen zu diesen Medikamenten (insbesondere betreffend die jeweils empfohlenen Tagesdosierungen) hätten Mitte 2006 Anhaltspunkte für eine horizontale Preisabrede zw i- schen der Beschwerdeführerin, Pfizer und Eli Lilly bestanden. Indessen habe die Marktanteilsentwicklung gezeigt, dass die Einführung von L e- vitra im Jahr 2003 und diejenige von Cialis im Jahr 2004 die Marktanteile von Viagra stark reduziert hätten. Die korrelierende Verkaufsentwicklung der drei "Produkte" bestätige d e- ren Zugehörigkeit zum gleichen sachrelevanten Markt. Dieser sei stark gewachsen, so dass der Wettbewerb zwischen den drei Medikamenten zu einer Übertragung von Marktanteilen zugunsten von Eli Lilly geführt habe. Anfänglich seien die Preisunterschiede zwischen Levitra, Cialis und Viagra marginal gewesen. Erst nach Verfahrenseröffnung hätten sich die Preise etwas auseinander entwickelt: Während die Beschwerdeführerin den Preis für Levitra nicht und Pf izer denjenigen für Viagra nur moderat angehoben hätten, habe Eli Lilly den Preis für Cialis mehrmals erhöht. B-362/2010 Seite 30 Seit kurzer Zeit bestehe ein gewisser, wenn auch nicht gewichtiger Prei s- unterschied zwischen den drei Medikamenten. Zunächst habe die Marktpräsenz von Viagra die Preisbestimmung der Neueintretenden beeinflusst. Pfizer habe ihr Produkt gegen erektile Funk- tionsstörungen 1998 neu auf den Markt gebracht und damals den Fabri k- abgabe- und den Publikumspreis (inkl. die von den Vertreibern geforderte handelsübliche Marge) selber bestimmen können, ohne Konkurrenten Rechnung tragen zu müssen. So habe Pfizer eine Monopolrente erzielt und während Jahren von den Informationen zum Verhalten der Kons u- menten und deren Einstellungen zum Medikament profitiert. Die B e- schwerdeführerin habe seit der Markteinführung von Levitra die Preispol i- tik von Pfizer angenommen und den Verteilern nicht eine geringere Marge vorschlagen können als diejenige von Pfizer , ansonsten diese Viagra be- vorzugt hätten. Anfänglich habe auch Eli Lil ly diese Strategie gewählt, sich aber später davon gelöst und die Fabrikabgabepreise unter Beib e- haltung einer interessanten Marge für die Verkaufsstellen erhöht. Im Ergebnis liesse sich eine horizontale Preisabsprache zwischen den drei Pharmaherstellerinne n nicht nachweisen. Denkbar sei vielmehr ein erlaubtes Parallelverhalten bzw. eine Preisführerschaft: Bei der Preisfest- legung seien die Beschwerdeführerin und Eli Lilly dem "Price -Maker (Pfi- zer)" gefolgt. Wären die Publikumspreisempfehlungen von Levitra bzw. Cialis beim Markteintritt, d.h. als die Eigenschaften und Wirkungen dieser "Produkte" noch unbekannt waren, deutlich über denjenigen des damal i- gen Marktführers Pfizer gelegen, hätte dies möglicherweise einen ne n- nenswerten Marktanteilsgewinn verhindert. Wäre umgekehrt der Preis für diese neuen Medikamente deutlich unterhalb des Preises von Viagra festgesetzt worden, hätte dies möglicherweise anfänglich zu einem Wechsel der "Konsumenten" von Viagra weg zu Levitra oder Cialis ge- führt. Als Reaktion hätten di e Konkurrenten die Preise reduzieren mü s- sen, was schliesslich die Margen aller geschmälert hätte. Insbesondere Eli Lilly habe, um sich von der Konkurrenz abzuheben, eine eigene Preispolitik verfolgt, als im Laufe der Zeit die Vor - und Nachteile von Levitra, Cialis und Viagra (wie unterschiedliche Wirkungsdauer, N e- benwirkungen) sichtbar und für die Patienten neben dem Preis auch a n- dere Kaufkriterien wichtig geworden seien: Um die Vorteile von Cialis (insbesondere die viel längere Wirkungsdauer) zu betonen, h abe Eli Lilly den Preis höher angesetzt und seither auch auf höherem Niveau beib e- halten und trotzdem Marktanteile gewinnen können. B-362/2010 Seite 31 In diesem Zusammenhang scheint u nbestritten zu sein, dass die B e- schwerdeführerin ihre Ex-factory-Preispolitik für Levitra zu keinem Zei t- punkt nach Sanphar ausgerichtet hat (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 317 und Vernehmlassung Rz. 18 sowie Replik der Beschwerdeführe- rin Rz. 25 mit Verweis auf diese Stellen) und insofern ebenfalls eine u n- abhängige Preisstrategie verfolgt hatte (vgl. Beschwerde Rz. 74; Replik Rz. 25). 5.2.1.2 Des Weiteren beurteilte die Vorinstanz auch die Auswirkungen der Publikumspreisempfehlungen auf den Wettbewerb zwischen den Pha r- maunternehmen und kam zum Schluss , dass auf dieser Ebene die zent- rale Rolle den selbst - und den nichtselbstdispensierenden Ärzten zu- komme, zumal diese im Interesse des Patienten eines der drei Medik a- mente auswählen müssten. Da sich die Publikumspreise der drei Med i- kamente sehr ähnelten, hätten die Beschwerdeführerin, Eli Lilly und Pf i- zer mit i hren Produkten gegen erektile Funktionsstörungen einen Wet t- bewerb zu führen, der primär die Produktwirksamkeit und Produktverträg- lichkeit betreffe (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 141 und 222). Im gleichen Sinn vertritt auch die Beschwerdeführerin die se Auffassung und betont, dass insbesondere der Verkauf von Levitra als rezeptpflicht i- ges Medikament vom "Urteil und der Verschreibung des untersuchenden Arztes" abhänge und nicht vom Goodw ill der Apotheken (vgl. Replik Rz. 7d und 31). 5.2.1.3 Zu dieser Fragestellung wird der Befund der Vorinstanz, wonach die drei Pharmaunternehmen jedenfalls den Wettbewerb zwischen Le- vitra, Viagra und Cialis nicht durch irgendwelche horizontal wirksamen Abreden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG beeinträchtigt hätten, von der Be- schwerdeführerin geteilt . Dazu hält diese fest, insbesondere ihre Publ i- kumspreisempfehlungen, die sich bei der Markteinführung von Levitra an denjenigen von Viagra orientiert hatten, seien keinesfalls horizontale Wettbewerbsabreden, sondern aus Wettbewerbssicht s innvoll und ve r- nünftig gewesen. 5.2.1.4 Die von der Vorinstanz und der Beschwerdeführerin im Wesentli- chen übereinstimmend beurteilte Frage, w ie die Verhältnisse des Inter- brand Wettbewerbs auf der Stufe der drei Herstellerinnen in der sanktio- nierten Periode im Einzelnen zu werten sind, braucht nachfolgend nicht näher erörtert zu werden, zumal selbst die Vorinstanz den Wettbewerb zwischen der Beschwerdeführerin, Pfizer und Eli Lilly für die vorliegend B-362/2010 Seite 32 angefochtene Sanktionierung der Beschwerdeführerin nicht als massgeb- lich (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 197) bzw. als bedeutungslos ( vgl. angefochtene Verfügung Rz. 223) erachtet. Auch soweit die vorliegenden Akten Aufschluss zu geben vermögen, sind für das Bundesverwaltungsgericht keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche die Feststellungen und Schlussfolgerungen der Vorinstanz zum im fragl i- chen Zeitraum festgestellten wirksamen Interbrand Wettbewerb zwischen Levitra, Cialis und Viagra in Frage stellen könnten. Ob und mit welcher In- tensität – nach dem Ablauf de s Patentschutzes für Viagra am 23. Juni 2013 – der absehbare Eintritt von Generika (insbesondere) den Inter- brand Preiswettbewerb unter den besagten drei Medikamenten verschär- fen könnte, wird sich noch erweisen müssen . Darüber kann zur Zeit nur spekuliert werden (und dürfte wohl auch Gegenstand künftiger Marktbeo- bachtungen durch die Vorinstanz bzw. deren Sekretariat werden). Diese Überlegungen zeigen, dass nach der übereinstimmenden Auffas- sung der Vorinstanz und der Beschwerdeführerin der Interbrand Wettb e- werb auf der Stufe der Herstellerinnen für den sanktionierten Zeitraum keinerlei kartellrechtliche Probleme aufwirft. Insofern hat das Bundesve r- waltungsgericht auch nicht weiter auf die ausführlichen Argumente der Beschwerdeführerin zu den angeblich positi ven Auswirkungen ihrer Pu b- likumspreisempfehlungen auf den Wettbewerb mit ihren Konkurrentinnen (vgl. Beschwerde Rz. 67-79) einzugehen, indem, wie die Beschwerdefüh- rerin beispielsweise geltend macht, ihre Empfehlungen für die verschre i- benden Ärzte und Patienten ein Minimum an wettbewerbsintensivierender Markttransparenz geschaffen hätten (vgl. Replik Rz. 7i). 5.3. 5.3.1. In Bezug auf die zweite Fragestellung, ob Levitra, Viagra und Cialis auch auf der nachgelagerten Vertriebsstufe des Grosshandels bzw. der Apotheken zueinander im Wettbewerb stehen, vertritt die Vorinstanz eine differenzierte Sichtweise. 5.3.1.1 Auf der Grosshandelsstufe habe unter Grossisten im fraglichen Zeitraum grundsätzlich Wettbewerb geherrscht (vgl. angefochtene Verfü- gung Rz. 294). 5.3.1.2 Demgegenüber erachtet die Vorinstanz in Übereinstimmung mit der Beschwerdeführerin , dass die heilmittelgesetzliche Verschreibungs- pflicht den Interbrand Wettbewerb unter den Apotheken gänzlich au s-B-362/2010 Seite 33 schalte, da verschreibungspflichtige Medikamente nur gegen ärztliches Rezept verkauft werden dürfen (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 67, 141, 164 und 224) und deshalb ein Kunde nicht auf billigere Substitute au s- weichen kann, wenn er mit seinem Rezept das ihm verschriebene Med i- kament abholen (oder per Post von einer zugelassenen Versandapotheke zusenden lassen) will. Insofern geht die Vorinstanz jedenfalls im Ergebnis von einer heilmittelge- setzlich vorgegebenen Rahmenordnung aus, welche auf der Vertriebsstu- fe den Preiswettbewerb unter den drei Arzneimitteln Levitra, Viagra und Cialis ausschliesst. Folgerichtig bezieht sich die vorinstanzliche Kritik an den Preisempfehlungen auch nicht auf den Interbrand Preiswettbewerb. 5.3.2. Dazu im Widerspruch scheint die etwas apodiktisch gefasste Au s- sage der Vorinstanz zu stehen, wonach die den Markt regulierenden Vor- schriften "den Wettbewerb" nicht ausschlössen (vgl. angefochtene Verfü- gung Rz. 164). Vielmehr sei "im Bereich der drei Medikamente Cialis, L e- vitra und Viagra (Preis -)Wettbewerb nicht nur möglich, sondern auch g e- fordert" ( vgl. angefochtene Verfügung Rz. 87). Dieser Standpunkt ist in dieser, den Interbrand wie auch den Intrabrand Wettbewerb gleichermas- sen umfassenden absoluten Formulierung kaum haltbar, wie in den nach- folgenden E. 8 und E. 9 noch zu vertiefen sein wird. Zwar bestehen, was zu Recht auch nicht bestritten wird, keine gesund- heitspolizeilichen oder heilmittelrechtlichen Normen, die auf der Stufe der Hersteller im Sinne eines Vorbehaltes nach Art. 3 Abs. 1 KG den dortigen Interbrand Wettbewerb ausschliessen würden (vgl. E. 5.2). Wie indessen in der E. 5.3.1.2 gezeigt wurde, schaltet die heilmittelgesetzliche Ver- schreibungspflicht bereits auf der nachgelagerten Vertriebsstufe den In- terbrand Wettbewerb unter den Apotheken gänzlich aus , was zu Recht unstrittig und deshalb auch nicht weiter zu erörtern ist. 5.4. 5.4.1. Den sanktionswürdigen kartellrechtlichen Verstoss ortet die Vori n- stanz erst bei der dritten untersuchten Fragestellung, nämlich ob und i n- wiefern der Intrabrand Preiswettbewerb vorab unter den Apotheken und den selbstdispensierenden Ärzten für die einzelnen Medika mente spiele bzw. wie sich die Publikumspreisempfehlungen auf der Stufe des Ve r- kaufs von Levitra wettbewerblich auswirkten. B-362/2010 Seite 34 Hier wirft die Vorinstanz der Beschwerdeführerin vor, sie habe sich durch das Veröffentlichen ihrer Publikumspreise mpfehlungen für Levitra (vom 1. April 2004 bis am 31. Dezember 2008) an einer unzulässigen Wettb e- werbsabrede nach Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 KG beteiligt. Das Ver- öffentlichen und das Befolgen dieser Empfehlunge n (durch Apotheken und selbstdispensierende Ärzte) habe sich – angesichts der gleichgerich- teten Interessenlage von Pharmahersteller innen und Verkäufern – als Verhaltensabstimmung wie ein Festpreis ausgewirkt. Dies habe unter den Verkaufsstellen den Intrabrand Preiswettbewerb für Levitra beseitigt. 5.4.2. Der streitgegenständliche Bussenbetrag gegenüber der Beschwe r- deführerin wurde denn auch einzig auf dieser sachverhaltlichen Grundla- ge ausgefällt (vgl. E. 1.2.1). 6. 6.1. Die Vorinstanz hält zur Anwendbarkeit des K artellgesetzes fest, be- züglich Levitra, Cialis und Viagra bestünden keine na ch Art. 3 Abs. 1 KG vorbehaltenen Vorschriften einer staatlich vorgesehenen Markt - oder Preisordnung, die (jedenfalls auf der "Verteilerstufe") den Intrabrand Preiswettbewerb grundsätzlich verunmöglichen wür den (vgl. angefochte- ne Verfügung Rz. 87). Deshalb hätte nach Auffassung der Vorinstanz oh- ne die strittigen Publikumspreisempfehlungen für Levitra unter den Ap o- theken bzw. selbstdispensierenden Ärzten ein wirksamer Intrabrand Preiswettbewerb entstehen müssen (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 227). 6.2. Die Beschwerdeführerin verwirft diesen Standpunkt kurz zusammen- gefasst mit den Argumenten, die Vorinstanz habe den Einfluss verkannt, den (1.) die Vorschriften des Heilmittelgesetzes, (2.) der Interbrand Wett- bewerb auf der Stufe der Ärzte, (3.) der Internethandel und (4.) der "Schamfaktor" auf den Wettbewerb hätten (vgl. Replik Rz. 7f). Im Wesentlichen beklagt sie, die Vorinstanz habe die "gesetzlichen und natürlichen Wettbewerbsrestriktionen im Markt für ED-Medikamente" (vgl. Replik Rz. 7f und 60) willkürlich ausgeblendet und sich grundlos gewei- gert, den Einfluss der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf den Wet t- bewerb sorgfältig zu untersuchen, obschon diese den Wettbewerb auf der Stufe der Abgabestellen praktisch verunmöglichten oder zumindest e r- heblich beeinträchtigten (vgl. Replik Rz. 9a). Der Gesetzgeber habe "den Wettbewerb auf der Stufe der Abgabestellen durch strikte Verbote und B-362/2010 Seite 35 Vorschriften bewusst und gewollt verunmöglicht", wobei d ie "Nachfrager nach ED-Medikamenten" wegen des "Schamfaktors" lieber auf den Inte r- nethandel ausweichen würden, als im offiziellen Vertrieb Preisdruck zu erzeugen ( vgl. Replik Rz. 7l). Nicht die Publikumspreisempfehlungen, sondern vielmehr die gesetzlichen Rahmenbedingungen (Limitierung und Regulierung der Abgabestellen und striktes Publikumswerbeverbot) zu- sammen mit dem "Schamfaktor" seien dafür "verantwortlich", dass sich die Abgabestellen bei den untersuchten Medikamenten keinen intensiv e- ren Preiswettbewerb hätten liefern können ( vgl. Replik Rz. 30c, 31 und 44). In dieser Situation hätten auf dieser Stufe erst die Publi kumspreis- empfehlungen als Refe renzpunkte einen minimalen Preiswettbewerb e r- möglicht (vgl. Replik Rz. 30c). Die Vorinstanz sei von Marktverhältnissen ausgegangen, die unter den gegebenen Voraussetzungen "schlicht illusorisch" gewesen seien ( vgl. Replik Rz. 44a) und habe infolgedessen auch einen falsch definierten re- levanten Markt untersucht . Dabei sei sie zu einem unhaltbaren Untersu- chungsergebnis gekommen (vgl. Replik Rz. 7f). Unter Rückgriff auf einen bedeutend weiter en, auch den illegalen Inte r- nethandel umfassenden relevanten Markt schätzt die Beschwerdeführerin die Auswirkungen der Publikumspreisempfehlungen auf den Intrabrand Preiswettbewerb unter den Apotheken und selbstdispensierenden Ärzten im Unterschied zur Vorinstanz als positiv ein. 6.3. Vorab ist auf die strittige Abgrenzung des relevanten Marktes einz u- gehen, auch wenn in der angefochtenen Verfügung die se Frage erst bei der Prüfung der "Intensität des Wettbewerbs", d.h. bei der Prüfung der Marktauswirkungen der strittigen Publikumspreisempfehlungen (im Z u- sammenhang mit einer allfälligen Umstossung der gesetzlichen Verm u- tung nach Art. 5 Abs. 4 KG), diskutie rt wird (Kapitel B.4.2.2 .1 der ange- fochtenen Verfügung [Rz. 162 ff.]). Denn erst danach lässt sich die Frage überhaupt beantworten, ob – für den hier als massgeblich zu erachtenden relevanten Markt – tatsächlich, wie behauptet, vorbehaltene Vorschriften nach Art. 3 Abs. 1 KG bestehen, welche, wie die Beschwerdeführerin meint, den Intrabrand Preiswettbe- werb (auf der Stufe der Apotheken und selbstdispensierenden Ärzte) gar nicht erst zulassen (oder zumindest in einem Ausmass ganz erheblich beeinträchtigen, dass auch unter dieser Hypothese die sanktionierte B-362/2010 Seite 36 Wettbewerbssituation jedenfalls nicht [hauptsächlich] durch die Publ i- kumspreisempfehlungen verursacht sein könnte). Träfe der Standpunkt der Beschwerdeführerin zu Art. 3 Abs. 1 KG ta t- sächlich zu, würde d ies der angefochtenen Sanktionsverfügung die Leg i- timationsgrundlage entziehen, nachdem diese Verfügung, wie bereits in der E. 5.4 erwähnt, einzig mit dem angeblichen Ausschluss von Intra- brand Preiswettbewerb auf der Stufe der Apotheken und selbstdispensie- renden Ärzte begründet wurde und der Beschwerdeführerin auch im hor i- zontalen Verhältnis keine Wettbewerbsbeschränkungen vorgeworfen werden können (vgl. E. 5.2 f.). Soweit nach Art. 3 Abs. 1 KG vorbehaltene Vorschriften auf einem ko n- kreten Markt den materiellen Anwendungsbereich der Bestimmungen des Kartellgesetzes einschränken , worauf in der nachfolgenden E. 8 näher einzugehen ist, wäre die Vorinstanz in einem solchen "wettbewerbsfreien" Marktbereich materiell-rechtlich gar nicht ermächtigt, sanktionierend ein- zugreifen (vgl. VINCENT MARTENET/BENOÎT CARRON, in: Martenet/ Bo- vet/Tercier [Hrsg.], Commentaire Romand, Droit de la concurrence [CR Concurrence], 2. Aufl., Basel 2013, Rz. 12 f. zu Art. 3 Abs. 1 KG; PETER MÜNCH, in: Amstutz/Reinert [Hrsg.], Basler Kommentar zum Kartellgesetz [BSK-KG], Basel 2010, Rz. 22 zu Art. 3 Abs. 1 KG). 7. 7.1. Das Kartellgesetz definiert den Begriff des relevanten Markts nicht. Eine entsprechende Definition , welche für Un ternehmenszusammen- schlüsse, für Wettbewerbsabreden und das Verhalten marktbeherrschen- der Unternehmen gilt und für die nachfolgende Beurteilung massgeblich ist (vgl. BGE 139 I 72 E. 9. 2.1), lässt sich Art. 11 Abs. 3 der Verordnung vom 17. Juni 1996 über die Kontrolle von Unternehmenszusamme n- schlüssen (VKU, SR 251.4) entnehmen. 7.1.1. Nach Art. 11 Abs. 3 Bst. a VKU umfasst der sachliche Markt alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite hinsichtlich ihrer Ei- genschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als substit u- ierbar angesehen werden. Demnach erfolgt die Definition des sachlichen Marktes aus Sicht der Marktgegenseite; deren Optik ist dafür massgebend, ob Waren oder Dienstleistungen miteinander im Wettbewerb stehen. Dies hängt davon B-362/2010 Seite 37 ab, ob sie vom Nachfrager hinsichtlich ihrer Eigenschaften und des vo r- gesehenen Verwendungszwecks als substituierbar erachtet werden . Ent- scheidend ist die funktionelle Austauschbarkeit ( sog. Bedarfsmarktkon- zept) von Waren und Dienstleistungen aus Sicht der Marktgegenseite , wobei daneben weitere Methoden zur Bestimmung der Au stauschbarkeit der Waren und Dienstleistungen aus Sicht der Nachfrager bestehen (BGE 139 I 72 E. 9.2.3.1, BGE 129 II 18 E. 7.3.1; BVGE 2011/32 E. 9.1). 7.1.2. Der räumliche Markt umfasst das Gebiet, in welchem die Marktg e- genseite die den sachlichen Markt umfassenden Waren oder Leistungen nachfragt oder anbietet (Art. 11 Abs. 3 Bst. b VKU). 7.2. 7.2.1. Als relevant bezeichnet die Vorinstanz den schweizerischen Markt der oral einzunehmenden Medikamente gegen erektile Funktionsstöru n- gen mit den "Produkten" Levitra, Cialis und Viagra. Begründet wird dies wie folgt: Den Pharmaunternehmen und "Verkaufsstellen" stünden – als Markt - gegenseite – Patienten gegenüber, die an Erektionsstörungen leidend ein Bedürfnis nach Erektionsmitteln hätten. Für die Abgrenzung des sachlich relevanten Marktes sei bei Arzneimitteln der Anatomical Therapeutic Chemical Classification Index (ATC-Klassifikation) massgebend. Seit 2008 bildeten "Produkte" gegen Erektionsstörungen eine eigene ATC -3- Kategorie mit den Mitteln Viagra (mit dem Wirkstoff Sildenafil), Cialis (Wirkstoff Tadalafil), Levitra (Wirkstoff Vardenafil), Caverject/Caverject DC bzw. Muse (beide mit dem Wirkstoff Alprostadilum). Gemäss der Patienteninformation der Beschwerdeführerin habe jeder zehnte Mann aus körperlichen und/oder psychischen Gründen gelegen t- lich Probleme, eine Erektion zu bekommen oder beizubehalten (wegen Änderungen in Muskeln und Blutgefässen und ungenügender Blutmenge im Penis). Nach zunächst rein psychologischen Therapiemethoden und ersten Schwellkörperprothesen in den 1960 -er Jahren seien später G e- fässoperationen aufgekommen. 1982 seien direkt in den Penis einsprit z- bare Substanzen entdeckt worden. Mit der Einführung 1998 von oral ein- zunehmende PDE5-Inhibitoren d urch Pfizer sei die Therapieeffektivität "dramatisch verbessert" worden. Für den Patienten vorteilhaft sei die The- rapie mit Filmtabletten, weil der Nichturologe die Behandlung vornehmen könne. B-362/2010 Seite 38 Levitra, Cialis und Viagra wirkten gleich: Erektionen entstünden durch ein Gleichgewicht zweier körpereigenen Substanzen: die eine führe zu Ere k- tionen, die andere lasse sie abklingen. Bei gestörtem Gleichgewicht ble i- be die Erektion aus oder lasse vorzeitig nach. Die Erektionsmittel wirkten durch die Hemmung der zweite n Substanz (PDE5) mit der Folge einer Gefässerweiterung und einer verbesserten Durchblutung des Penis. Dies erlaube Männern mit Erektionsstörungen, auf sexuelle Stimulation zu r e- agieren. Unterschiedlich seien die Medikamente einzig betreffend Sta n- darddosierung, Einnahme bzw. Kontraindikationen, Wirkungsdauer (Via - gra/Levitra: 4-10 h; Cialis: bis 36 h), Halbwertszeit und Nebenwirkungen. Dennoch seien diese Medikamente im Wesentlichen untereinander su b- stituierbar und gehörten daher zum selben sachlichen Markt. 7.2.2. Alternative Therapien zur Behandlung von Erektionsstörungen bi l- den gemäss der Vorinstanz:  Das kassenpflichtige Medikament Caverject; dieses werde vom Pat i- enten unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr in seinen Penis inj i- ziert und führe – anders als bei Levitra/Viagra/Cialis– direkt (ohne Nervenstimulationen oder sexuelle Reize) zu einer Erektion. Nachte i- lig sei die umständlichere und schmerzhaftere Handhabung (10 -15 % der Patienten klagten über Gliedschmerzen). Zudem drohten bei u n- sachgemässer Applikation mehrstündige schmerzhafte Dauererekti o- nen, Verletzungen von Harnröhre/Gefässen/Nerven oder Penisdefo r- mation. Caverject werde deshalb nur angewendet, wenn die orale Behandlung bei sehr schweren Krankheitsformen nicht angezeigt sei (wie nach radikaler Prostatektomie oder bei Querschnittlähmung).  Muse (Minizäpfchen/Gel) werde vor dem Geschlechts verkehr mittels "Applikator" in die Harnröhre gebracht, um sich von dort in die Peni s- schwellkörper auszubreiten und – ohne Nervenstimulation bzw. sexu- elle Reize – eine Erektion auszulösen (Nachteile: zuweilen Brennen in der Harnröhre, unangenehmere Handhabung und deutlich weniger hohe Erfolgsrate als Levitra/Viagra/Cialis, zudem teurer).  Mit der Vakuumpumpe werde am Penis ein Unterdruck erzeugt, damit die sich füllenden Blutgefässe eine Gliedversteifung bewirkten. Mit e i- nem Gummiband an der Penisbasis werde der Abfluss des venösen Bluts verhindert und die Erektion aufrecht erhalten. Nötig dafür seien genaue Instruktion, Geschicklichkeit und Partnereinverständnis. B-362/2010 Seite 39  Beim Implantieren einer mechanischen Schwellkörperprothese (sog. "Penisprothese") werde das intrakavernöse Penisgewebe irreversibel geschädigt und der Schwellkörper verliere jegliche Erektionsfähigkeit. Diese radikale Behandlung erfordere eine besonders sorgf ältige D i- agnose, da psychogene Störungen ausgeschlossen sein müssten. Andere Behandlungsformen wie psychosexuelle Therapien (bei Angst vor Versagen, Partnerschaftskonflikten, Depressionen usw.), Hormonthera- pien (bei Hormonstörun gen) oder chirurgische Eingriffe (bei venösen Lecks) seien nur bei fachärztlich diagnostizierter Erkrankung indiziert, bi l- deten aber keine Alternativen für Levitra, Cialis und Viagra. 7.2.3. Da Erektionsstörungen mit oral einzunehmende n Medikamenten einfach behandelt werden könnten, seien die oben erwähnten Therapieal- ternativen zurückgedrängt worden. Der behandelnde Arzt müsse immer die individuelle Situation seines Patienten beachten und die mildeste The- rapie verschreiben, weshalb die Wahl meistens auf Levitra, Cialis oder Viagra fallen dürfte. Erst beim Scheitern dieser Behandlung kämen die Al- ternativen in Frage. Daher seien andere Therapien nur beschränkt mit den drei PDE5-Inhibitoren austauschbar, also keine (nahen) Substitute. 7.2.4. Levitra, Cialis und Viagra würden primär über Apotheken, erst in zweiter Linie über selbstdispensierende Ärzte und nur seh r beschränkt über Spitäler (0.1 -0.7 %) vertrieben. Zusätzlich könnten diese Medik a- mente auch im Internet gekauft werden; dieser Vertriebsweg sei alle r- dings inoffiziell und rec htlich umstritten. Zwar sei aus Sicht der Nachfr a- ger der relevante Markt lokal (bezüglich Apotheken und selbstdispensie- renden Ärzten), aber trotzdem national abzugrenzen (ohne Berücksicht i- gung grenznaher ausländischer Apotheken, deren Preise von Levitra, Cialis und Viagra die Konsumenten nicht besonders interessieren dür f- ten). Entgegen Pfizer und Eli Lilly, die auf die Rolle des legalen bzw. illegalen Internetvertriebs und die Bedeutung zulässiger Importe für den Eigenge - brauch hingewiesen hätten , sei der M arkt keineswegs international zu fassen. Der Kauf dieser "Produkte" über das Internet sei nicht zu berüc k- sichtigen, da nicht ersichtlich sei, inwiefern Internetkäufe die Pharmau n- ternehmen unter Druck setzten. Der hier massgebende Wettbewerb spi e- le zwischen den Verkaufsstellen, welche die drei Medikamente über off i- zielle Vertriebskanäle bezögen und nicht zwischen den Pharmaunte r- nehmen. Vertriebskanäle, welche die gesetzlichen Bestimmungen mis s-B-362/2010 Seite 40 achteten, seien keine Alternative zum heilmittelrechtlich zugelass enen Medikamentenkauf in Apotheken oder "per Versandapotheken" und g e- hörten daher nicht zum relevanten Markt. Insbesondere illegale, d.h. bei nicht zugelassenen Stellen und ohne Rezepte erfolgende, Käufe im Inter- net seien für den um seine Gesundheit besorg ten "Nachfrager" keine A l- ternative, da ein Verzicht auf ärztliche Untersuchung risikoreich und die Gefahr gross sei, gesundheitsschädliche Fälschungen zu erhalten. 7.3. 7.3.1. Dem widerspricht die Beschwerdeführerin : Sie hält dafür, dass auch der Internethandel hätte berücksichtigt werden müssen, zumal das Internet für eine stetig steigende Zahl von "Konsumenten" der bevorzugte Bezugskanal für Medikamente gegen erektile Dysfunktion sei. Solche Medikamente gehörten zu den am häufigsten im Internet Bestellten. Dies führe zu grossem Wettbewerbsdruck, auch wenn der Internetbezug so l- cher Medikamente grosse Gesundheits - und Transaktionsrisiken berge und unter Umständen sogar strafbar sei. 7.3.2. In diesem Zusammenhang sei es völlig irrelevant, ob der Interne t- handel legal oder illeg al s ei. Ausschlaggebend sei nur, inwiefern dieser Handel tatsächlich stattfinde und welchen Umfang er habe. Die Vori n- stanz könne die Frage nach dem Umfang des Internethandels nicht mit blossen Spekulationen über das mutmassliche Verhalten des "durc h- schnittlichen (um seine Gesundheit besorgten) Nachfragers" beantwo r- ten, zumal der Internethandel sehr verbreitet sei und viele "Nachfrager" wegen des "Schamfaktors" grosse Risiken in Kauf nähmen. Die Behaup- tung der Vorinstanz, die Messung von Internetkäufen sei schwierig, stim- me nicht, denn anderen Bundesbehörden gelinge dies. Zu Unrecht habe sich die Vorinstanz geweigert, die Bedeutung des weit verbreiteten (ille- galen) Internethandels mit Medikamenten gegen erektile Dysfunktion zu untersuchen und dessen Umfang zu berechnen, obwohl offensichtlich sei, dass dieser Vertriebsweg in quantitativer Hinsicht sehr wichtig sei. 7.4. 7.4.1. In ihren Eingaben wendet sich die Beschwerdeführerin zwar nur in- soweit gegen die sachliche (bzw. räumliche) Marktabgrenzung der Vorin- stanz, als sie vor allem auch den illegalen Internethandel (mit häufig ge- fälschten Medikamenten) in die Marktabgrenzung mit einbeziehen lassen möchte; hingegen verlangt sie nicht etwa, was an sich zu erwarten wäre, B-362/2010 Seite 41 den Miteinbezug weiterer substitutiver Therapiealternativen, welche die Vorinstanz als marktfremd ausgeklammert hat (vgl. E. 7.2.2). Soll indes eine Marktabgrenzung den wirtschaftlichen Realitäten gerecht werden, was erst eine Analyse der konkreten Wettbewerbsverhältnisse auf dem für relevant erachteten Markt ermöglicht, dann muss die Frage allfälliger Substitutionsbeziehungen für medikamentöse Therapien im Lichte des einschlägigen Gesundheitsrechts und im Kontext der ärztli- chen Behandlung "erektiler Dysfunktion" – als behandlungsbedürfti ges Leiden – erörtert werden. Insofern trifft der vorinstanzliche Standpunkt, wonach die an Erektionsstö- rungen leidenden Patienten die "Marktgegenseite" der Pharmaunterneh- men und der Verkäufer bildeten (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 166), nicht zu; insbesondere wenn auch die entscheidende Rolle des ve r- schreibenden Arztes berücksichtigt und veranschlagt wird, dass der Pat i- ent eben nicht einfach unmittelbar als "Konsument" eines Konsumproduk- tes den entsprechenden "Anbietern" bzw. "Verkaufsstellen" (Apotheken und selbstdispensierenden Ärzten) gegenüber tritt, sondern dass er das Heilmittel erst nach einer ärztlichen Untersuchung bei entsprechender In- dikation verschrieben erhalten kann . Im Widerspruch zum oberwähnten Standpunkt räumt die Vorinstanz, wenn auch in anderem Zusamme n- hang, immerhin ein, dass sich der "Konsument bzw. Patient" in einem ers- ten Schritt von einem Arzt untersu chen lassen müsse, wobei jener nach der Diagnosestellung letztlich entscheide, welches Medikament er ve r- schreiben wolle, auch wenn sein Patient ein gewisses Mitspracherecht bei der Wahl der Behandlungsmethode (z.B. Filmtablette oder intrakave r- nöse Injektion) haben dürfte (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 81). Ebenfalls korrekt hält die Vorinstanz fest, dass Medikamente gegen erek- tile Dysfunktion wegen des erheblichen Gefährdungspotenzials für die Gesundheit rezeptpflichtig sind und fundierte Anwenderkenntnisse ver- langen, was einen Arztbesuch notwendig mach t (vgl. angefochtene Ve r- fügung Rz. 280). Die nicht zu unterschätzende Wichtigkeit einer sorgfälti- gen ärztlichen Untersuchung wird auch durch den Umstand unterstrichen, dass die erektile Dysfunktion eines Patienten unter Umständen bloss ein Symptom für eine dahinterliegende schwerere Erkrankung sein kann (vgl. PSYCHREMBEL, Klinisches Wörterbuch, 262 . Aufl., Berlin /New York 2010, S. 605 f.). Auch das Bundesgericht hat in einem strafrechtlichen Urteil zu Viagra, das sich mit Levitra vergleichen lässt, die ihm vorgelegte oberge- richtliche Einschätzung b estätigt und festgehalten , die Einnahme von Vi-B-362/2010 Seite 42 agra könne unter bestimmten Umständen die Gesundheit gefährden. E i- ne solche Gefährdung könne eintreten, wenn der "Konsument" gewisse Prädispositionen wie Herzkrankheiten aufweise, oder wenn er noch ande- re, mit Viagra unverträgliche Medi kamente einnehme. Ein medizinischer Laie könne die Information in der Packungsbeilage zwar verstehen, sei jedoch ohne ärztliche Beratung nicht in der Lage, die gesundheitlichen Risiken aus Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu erkennen (Urteil des Bundesgerichts 6B_115/2008 vom 4. September 2008 E. 2.3.1). 7.4.2. Demnach ist für die sachliche Marktabgrenzung nach Art. 11 Abs. 3 Bst. a VKU vom Therapiebedürfnis des an "Erektionsstörungen" leide n- den Patienten auszugehen, der zum Arzt geht, um nach einer sorgfältigen Diagnose seiner körperlichen und seelischen Verfassung einen Therapie- vorschlag zu erfahren (insbesondere auch unter Darlegung allfälliger B e- handlungsrisiken und allfälliger Therapiealternativen). Weil Ärzte bei rezept pflichtigen Präparaten gewissermassen als "Ver- brauchsdisponenten" ihrer Patienten fungier en (vgl. PETER HEER, Zum Begriff des "wirksamen Wettbewerbs" am Beispiel des Pharmamarktes, in: Schürmann [Hrsg.], Probleme des Kartellverwaltungsrecht, Bern 1991, S. 123) und gleichzeitig als "akkreditierte Gesundheitsspezialisten" das Verschreibungsmonopol für rezeptpflichtige Medikamente besitzen (vgl. BALZ HÖSLY, Arzt und Politik, in: Kuhn/Poledna [Hrsg.], Arztrecht in der Praxis, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2007, S. 66 und S. 92), muss zunächst das öffentlich -rechtlich sowie privat-rechtlich komplex strukturierte Arzt- Patientenverhältnis – im Kontext der gesundheitsrechtlich relevanten Normen und mit Blick auf die beruflich-gesellschaftliche Stellung des Arz- tes – vertieft dargestellt werden. Erst dieses Vorgehen erlaubt eine sach- gerechte Analyse der strittigen Wettbewerbsproblematik. Dies drängt sich auch umso mehr auf, als die Vorinstanz den selbstdis- pensierenden und ebenfalls wettbewerbswi driger Praktiken bezichtigten Ärzten eine ökonomisch wichtige Rolle beim Verkauf rezeptpflichtiger "ED-Medikamente" zuspricht und dafür hält, diese seien an Massnahmen zur Steigerung des eigenen Medikamentenabsatz es interessiert, da pharmazeutische Unternehmen ihre Produkte "nicht über " selbstdispen- sierende Ärzte verkauften, sondern "mit ihnen" (vgl. angefochtene Verfü- gung Rz. 253). Damit scheint die Vorinstanz andeuten zu wollen, bei der Behandlung von Patienten würde die Entscheidung über die Verwendung B-362/2010 Seite 43 von Arzneimitteln nicht primär nach medizinisch-pharmazeutischen, son- dern nach eigennützigen finanziellen Überlegungen gefällt. 7.4.2.1 Im heutigen System der Gesundheitsversorgung tragen Ärzte ge- wichtige gesellschaftspolitische Aufgaben: Sie sind nicht nur Träger grosser Verantwortung, sie werden auch gesetz- lich mit einer gewissen Monopolstellung, vor allem dem Verschreibung s- recht für Arzneimittel, ausgestattet (vgl. HÖSLY, a.a.O., S. 66). Zudem e r- halten nach dem Bundesgesetz über die Krankenversi cherung vom 18. März 1994 (KVG, SR 832.10) zugelassene Ärzte durch das System der Bezahlung ihrer Leistungen durch die obligatorische Krankenversi- cherung eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit. Nicht zu unterschätzen ist auch ihr Privileg, für Versicherer und Behörden Arztberichte anzuferti- gen sowie ihre Patienten aus medizinischen Gründen mit Arztzeugnissen im Beruf und als Staatsbürger von ihren Pflichten zu dispen sieren (vgl. HÖSLY, a.a.O., S. 72 ; HANSPETER KUHN/GIAN ANDREA RUSCA/SIMON STETTLER, Rechtsfragen der Arztpraxis, in: Kuhn/Poledna [Hrsg.], a.a.O., S. 288, wonach der Arzt "Notar der Nation" sei). Daneben unterstehen Ärzte gesetzlichen Meldepflichten zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und der Gesundheit betroffene r Patienten (MARIO MARTI/PHILIPP STRAUB, Arzt und Berufsrecht, in: Kuhn/Pole dna [Hrsg. ], a.a.O., S. 257). Daher weist Paul Richli – mit zustimmendem Verweis auf Peter Saladin – darauf hin, dass Ärzte und Ärztinnen keine "gewöhnliche" Gewerbetre i- bende sind, sondern in einem besonderen Netz von Rechten und Pflic h- ten stehen ( RICHLI, Instrumente des Gesundheits - und Lebensmitte l- schutzes im neuen Heilmittelgesetz vor dem Hintergrund der Grundrec h- te, AJP 3/2002, S. 347 Fn. 49). 7.4.2.2 Diese Privilegien und Pflichten sind an ein rigoroses System von Zulassungen, Bewilligungen und weiteren Vorschriften gebunden (vgl. HÖSLY, a.a.O., S. 66). Dies soll sicherstellen, dass Ärzte nicht nur über die praxisnotwendigen fachlichen Qualifikationen verfüg en, sondern dass sie ihre Kenntnisse sorgfältig und gewissenhaft anwenden und die mit dem Arztberuf verbundene hohe Verantwortung im sozialen, ethischen und persönlichen Bereich wahrnehmen können. Der hohe Gefährdungsgrad ärztlicher Tätigkeit erklärt die beträchtliche Norm endichte, welche dem Schutze der Gesellschaft dient (vgl. MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 233). B-362/2010 Seite 44 7.4.2.2.1. So benötigt etwa, wer berufsmässig und entgeltlich selbständig als Arzt arbeiten will, eine Bewilligung nach Art. 34 ff. des Medizinalberu- fegesetzes vom 23. Juni 2006 (MedBG, SR 811.11). Die se Berufsaus- übungsbewilligung zur selbständigen Tätigkeit (auch "Praxisbewilligung" genannt) visiert als Polizeierlaubnis das Polizeigut der öffentlichen G e- sundheit an (MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 238) und bezweckt, das Publikum vor unfähigen und pflichtverletzenden Personen zu schützen sowie das Vertrauen aufrechtzuerhalten, das die Gesellschaft Ärzten entgegenbringt (MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 238). 7.4.2.2.2. Ausserdem müssen selbständig tätige Ärzte, die ihre Leistun- gen zu Lasten der obligatoris chen Krankenpflegeversicherung erbringen wollen, über eine entsprechende Zulassungsbewilligung verfügen ( vgl. MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 245; KUHN/RUSCA/STETTLER, a.a.O., S. 305 ff., sowie zur Zulassungsordnung des KVG: TOMAS POLEDNA, Arzt und Kran- kenversicherung, in: Kuhn/Poledna [Hrsg.], a.a.O., S. 393 ff.). 7.4.2.2.3. Nach den in Art. 40 MedBG verankerten Berufspflichten üben Ärzte ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft aus und halten sich dabei an die Grenzen der fachlichen Kompetenzen, die sie während der Aus-, Weiter- und Fortbildung erworben haben ; insbesondere haben sie unter anderem folgende Pflichten zu beachten:  Nach Art. 40 Bst. d MedBG machen sie nur Werbung, die objektiv ist, dem öffentlichen Bedürfnis entspricht und weder irreführend noch aufdringlich i st – untersagt sind demnach Anpreisungen und Heilversprechen (vgl. MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 249).  Nach Art. 40 Bst. e MedBG wahren sie bei der Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Gesundheitsberufe ausschliesslich die In- teressen der Patientinnen und Pati enten und handeln unabhängig von finanziellen Vorteilen. Das heisst insbesondere unzulässig sind Provisionszahlungen an überweisende Ärzte oder die Annahme geldwerter Vorteile für die Verschreibung oder die Abgabe eines Arzneimittels (vgl. Art. 33 Abs. 2 HMG, vgl. dazu im Einzelnen URS SAXER, Korruption im Arzneimittelhandel – zum Vorteilsverbot g e- mäss Art. 33 HMG und dessen Koordination mit Art. 56 Abs. 3 KVG, AJP 12/2002, S. 1463 ff.; MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 249 f. ; UELI KIESER, Heilmittel, in: Poledna/K ieser [Hrsg.], Schweizer i- sches Bundesverwaltungsrecht Band VIII. Gesundheitsrecht [SBVR VIII – Gesundheitsrecht], Basel/Genf/Mün chen 2005, B-362/2010 Seite 45 Rz. 48, S. 172 ; THOMAS EICHENBERGER/MARIO MARTI/PHILIPP STRAUB, Die Regulierung der Arzneimittelwerbung, recht 2003/ 6, S. 227 und S. 236; URSULA EGGENBERGER STÖCKLI, Arzt und Hei l- mittel, in: Kuhn/Poledna [Hrsg.], a.a.O., S. 485 f.). Insofern ist d er Arzt entsprechend dem von ihm abgelegten Hippokrati- schen Eid einzig auf das Wohl des individuellen Patienten verpflich tet (RAINER J. SCHWEIZER/BENEDIKT VAN SPYK, Arzt und Forschung, in: Kuhn/Poledna [Hrsg.], a.a.O., S. 536 und S. 541 f.). Diese Berufspflichten sind disziplinarrechtlich von Bedeutung, weshalb einem betroffenen Patienten nur die Anzeige an die Aufsichtsbehörde of- fen steht (WALTER FELLMANN, Arzt und das Rechtsverhältnis zum Patie n- ten, in: Kuhn/Poledna [Hrsg.], a.a.O., S. 140; MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 246). Mit dem Disziplinarrecht soll sichergestellt werden, dass Ärzte ihre Berufsplichten beachten (vgl. MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 257). 7.4.2.3 Traditionell ist der Arzt der Experte, der dem Betroffenen im Krankheitsfall hilft, seine Gesundheit wieder herzustellen, aber auch im klassischen Sinne eine Vertrauensperson (HÖSLY, a.a.O., S. 63). Insofern umfasst die Kerntätigkeit der Ärzte primär die individuelle Betreuung von Patientinnen und Patienten, das Erkennen, Behandeln und Heilen von Krankheiten (HÖSLY, a.a.O., S. 60; SCHWEIZER/VAN SPYK, a.a.O., S. 536 und S. 541 f.). Dabei schuldet d er Arzt dem Patienten eine au f die Wiederherstellung seiner Gesundheit ausgerichtete Behandlung nach den Regeln der ärztl i- chen Kunst. Mit seinem Wissen und Können muss er auf den erwünsch- ten Erfolg hinwirken , wobei er jedoch nicht e inen bestimmten Erfolg schuldet. Insofern muss er einzig für eine auf Wiederherstellung der G e- sundheit ausgerichtete, sorgfältige Behandlung einstehen ( FELLMANN, a.a.O., S. 118). 7.4.2.4 Im Rahmen seiner Kerntätigkeit hat der Arzt den Patienten mit den Mitteln moderne r Diagnostik zu untersuchen, um zu einer richt igen Diagnose zu gelangen. In deren Rahmen hat der Arzt gewissenhaft zu prüfen, was für den Patienten erforderlich und ausreichen d ist, indem e i- ne Indikation für eine bestimmte Heilbehandlung oder diagnostische U n- tersuchung zu stellen ist. Insofern obliegt es dem Arzt, die im Einzelfall richtige Therapie zu wählen und darauf zu achten, dass keine Unverträ g- lichkeiten bestehen (FELLMANN, a.a.O., S. 123 f.). B-362/2010 Seite 46 7.4.2.4.1. Der Arzt verfügt in der Diagnose wie in der Bestimmung ther a- peutischer Massnahmen oftmals über einen Entscheidungsspielraum, wenn mehrere Therapien in Frage kommen (sog. Therapiefreiheit; vgl. FELLMANN, a.a.O., S. 122; RICHLI, a.a.O., S. 345). Bei seinem Entschluss hinsichtlich der anzuwendenden Behandlungsmethode darf sich der Arzt nur von den anerkannten Regeln der Heilkunde und von seinem Gewi s- sen leiten lassen. Zudem muss er die gebotene Sorgfalt beachten und im Einverständnis mit dem Patienten handeln (THOMAS GÄCHTER/DIANA TREMP, Arzt und seine Grundrechte, in: Kuhn/Poledna [Hrsg.], a.a.O., S. 21). Indirekt eingeschränkt wird seine Therapiefreiheit indes durch den Leistungskatalog der Krankenversicherung, da die obligatorische Grun d- versicherung nur die darin aufgeführten Leistungen übernimmt ( GÄCH- TER/TREMP, a.a.O., S. 39). 7.4.2.4.2. Bei der anschliessenden Behandlung hat der Arzt nach den al l- gemein anerkannten Grundsätzen der medizinischen Wissenschaft zu verfahren, die zur Erreichung des gesteckten Ziels bestimmt und geeignet sind; er hat die passende Therapie anzuwenden, allenfalls die richtigen Medikamente zu wählen und diese richtig zu dosieren (FELLMANN, a.a.O., S. 123 f.). Dabei muss der Arzt das Gebot der Wirtschaftlichkeit beachten (vgl. Art. 32 Abs. 1 und 56 Abs. 1 KVG). 7.4.2.4.3. In diesem Zusammenhang erlauben d ie kantonalen Gesun d- heitsgesetze in der Regel allen Ärzten (und Zahnärzten) im Rahmen ihrer Fachkompetenzen die unmittelbare Anwendung von Heilmitteln sowie die Abgabe in Notfällen, bei Hausbesuchen und bei der Erstversorgung. Di e- se Art der Abgabe ist anerkannter Teil ärztlicher Berufsausübung. Hingegen ist die Führung einer Privatapotheke und die Abgabe von Ar z- neimitteln im Sinne der Selbstdispensation, d.h. des Verkaufs von Med i- kamenten anstelle der Ausstellung eines in der Apotheke ein zulösenden Rezepts (EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., S. 475), nicht in allen Kantonen anerkannt (vgl. EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., S. 461; vgl. Art. 37 Abs. 3 KVG, wonach die Kantone bestimmen, unter welchen Voraussetzungen Ärzte und Ärztinnen mit einer kantonalen Bewilligung zur Führung einer Apotheke den zugelassenen Ap othekern und Apothekerinnen gleichg e- stellt sind; dabei berücksichtigen sie insbesondere die Zugangsmöglic h- keiten der Patienten und Patientinnen zu einer Apotheke ; vgl. POLEDNA, Arzt und Krankenversicherung, a.a.O., S. 403). B-362/2010 Seite 47 Dazu hält das Bundesgericht in ständiger Praxis fest, der Schutz der Apo- theken vor Konkurrenz durch Ärzte entspreche einem öffentlichen Int e- resse: Eine breite, regionale Streuung der Apotheken und damit ein dic h- tes Apothekennetz diene der optimalen Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten ( EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., S. 476 mit Verweis auf BGE 111 Ia 184, BGE 118 Ia 175, BGE 119 Ia 433, Urteil des Bundesge- richts 2P .52/2001 vom 24. Oktober 2001 ). In einem jüngeren Urteil hat das Bundesgericht betont, dass die Regelungen der Selbstdispensation nicht den Kern der ärztlichen Tät igkeit, sondern nur einen potenz iellen Nebenbereich derselben betreffen, welcher aufgrund der ausbildungsb e- dingten Aufgabenteilung zwischen Ärzten und Apothekern so oder so von untergeordneter Bedeutung bleiben muss und legitimerweise nicht zu e i- nem wichtigen Teil der ärztlichen Erwerbstätigkeit werden darf . Insofern muss die Selbstdispensation für den Arzt von untergeordneter Bedeutung bleiben (vgl. BGE 131 I 205 E. 3.2). Bei Arzneimitteln ist zudem zu beachten, dass solche nach Art. 26 Abs. 2 HMG nur verschrieben und abgegeben werden dürfen, wenn der G e- sundheitszustand der Patientin oder des Patienten bekannt ist ( EGGEN- BERGER STÖCKLI, a.a.O., S. 474 f. ; KIESER, a.a.O., Rz. 38, S. 167 f.). Als Sorgfaltsmassstab gilt nach Art. 26 Abs. 1 HMG, dass bei der Verschre i- bung und der Abgabe von Arzneimitteln die anerkannten Regeln der m e- dizinischen und pharmazeutischen Wissenschaften beachtet werden müssen. Der Umgang mit Heilmitteln ist ausserordent lich stark reguliert und s o- wohl das Heilmittel - als auch das Krankenversicherungsrecht enthalten neben den Rechten auch verschiedene Pflichten, die Ärzte bei der Ve r- schreibung, Anwendung oder Abgabe von Heilmitteln erfüllen müssen. Diese Pflichten schränke n die ärztliche Wirtschaftsfreiheit (vgl. RICHLI, a.a.O., 347) zwar ein, sind jedoch durch das öffentliche Interesse am Schutz der öffentlichen Gesundheit gerechtfertigt (vgl. Art. 118 Abs. 1 so- wie Abs. 2 Bst. a BV; EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., S. 474). 7.4.2.5 Aus der auftragsrechtlichen Treuepflicht (vgl. Art. 398 Abs. 2 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 [OR, SR 220]) des Arztes folgt ei- ne umfassende Pflicht zur Aufklärung des Patienten. Diese ist aus medi- zinischer Sicht Teil der Therapie, indem sie hilft, das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu festigen (FELLMANN, a.a.O., S. 168). B-362/2010 Seite 48 Insofern soll der Patient in verständlicher Form über die Vor- und Nachtei- le sowie die Risiken der Behandlung und möglicher Alternativen informiert werden (FELLMANN, a.a.O., S. 170), wobei sich d ie Aufklärung nach den Informationsbedürfnissen des Patienten zu richten hat und Informations- defizite beseitigen soll ( FELLMANN, a.a.O., S. 174). Insbesondere sind Ärzte verpflichtet, ihre Patienten über die korrekte Anwendung der von ih- nen verschriebenen oder abgegebenen Heilmittel zu informieren und sie ausdrücklich über allfällige unerwünschte Wirkungen oder Interaktionen aufzuklären (EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., S. 476). 7.4.2.6 Mit Blick auf den vorliegende Fall ist insbesondere die Pflicht des Arztes wichtig, den Patienten über die wirtschaftlichen Aspekte eines Ein- griffs aufzuklären, vor allem was die Kosten eines teuren, von der Kran- kenversicherung nicht gedeckten Eingriffs betrifft. Dazu gehört die Aufklä- rung über den Selbstbehalt bei Originalpräparaten und Generika sowie die Frage, ob Heilmittel vergütet werden, zumal verschriebene Arzneimit- tel von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nur bezahlt wer- den, wenn sie in der Spezialitätenliste (vgl. Art. 52 Abs. 1 Bst. b KVG) stehen (vgl. FELLMANN, a.a.O., S. 127 und S. 132 f. mit Hinweisen ; EG- GENBERGER STÖCKLI, a.a.O., S. 477). 7.4.2.6.1. Demgegenüber übernimmt die obligatorische Krankenpfleg e- versicherung grundsätzlich die Kosten für die Leistungen, welche der Di- agnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen (Art. 25 Abs. 1 KVG). Erfasst sind dabei die Untersuchungen, Behandlungen und Pflegemassnahmen, die ambulant, bei Hausbesuchen, stationär, teilstat i- onär oder in einem Pflegeheim durchgeführt werden ( POLEDNA, Arzt und Krankenversicherung, a.a.O., S. 401): 7.4.2.6.2. Nach Art. 43 Abs. 1 KVG erstellen Leistungserbringer ihre Rechnungen nach Tarifen oder Preisen, wobei die Preise im ärztlichen Bereich keine Rolle spi elen, da ärztliche Leistungen im Rahmen der Ge- samtrevision Arzttarif und Spitalleistungskata log (TARMED) abgerechnet werden (vgl. POLEDNA, Arzt und Krankenversicherung, a.a.O., S. 408). 7.4.2.6.3. Zu beachten ist schliesslich, dass die Sozialversicherung eine gewinnorientierte Tätigkeit der Sozialversicherungsträger grundsätzlich ausschliesst, weshalb sich Ärzte bei ihrer Tätigkeit zu Lasten der sozialen Krankenversicherung auch nicht (oder nur äusserst beschränkt) auf die Wirtschaftsfreiheit berufen können. Denn der Arzt ist im Rahmen der so- zialen Krankenversicherung als sogenannter "Leistungserbringer" Teil des B-362/2010 Seite 49 Versicherungssystems und soll seine Leistungen auf die Zwecke der s o- zialen Krankenversicherung ausrichten, wie dies im Ergebnis aus Art. 56 Abs. 1 KVG hervorgeht (vgl. BGE 130 V 37 7; POLEDNA, Arzt und Kra n- kenversicherung, a.a.O., S. 416 f.). 7.4.3. Vor diesem vielschichtigen Hintergrund lässt sich die Frage der sachlichen Marktabgrenzung wie folgt beantworten: 7.4.3.1 Das komplex strukturierte Rechtsverhältnis, in das Ärzte und Pati- enten bei Heilbeha ndlungen erektiler Dysfunktion eingebunden sind, zeigt, dass ausgehend vom Therapiebedürfnis des Patienten – entgegen der Vorinstanz – nur der behandelnde Arzt als diejenige "Marktgegensei- te" zu erachten ist, deren Perspektive letztlich als entscheidend betrachtet werden kann zur Beantwortung der Frage, welche Behandlungsmethode mit einer medikamentösen PDE5-Inhibitor-Therapie allenfalls substituier- bar ist. 7.4.3.1.1. Denn es liegt in seiner therapeutischen Verantwortung (vgl. E. 7.4.2.4) für die jeweils individuelle Patientensituation mit Blick auf das Therapieziel das bestgeeignete Präparat (bzw. die beste Therapieform) auszuwählen, so dass ein rationaler Arzneimittelentscheid gesichert ist (vgl. HEER, a.a.O., S. 123). Hierbei zeigt sich aber, dass die einzelnen Patienten – je nach diagnosti- ziertem Krankheitsbefund und Krankheitsbild und der dafür konkret ind i- zierten Therapieform – in verschiedene, voneinander zu unterscheidende "Nachfragegruppen" fal len. Dies wiederum erlaubt im Sinne der Vori n- stanz durchaus den Schluss, dass, wenn nach ärztlicher Diagnose bei ei- ner erektilen Funktionsstörung eine Therapie grundsätzlich mit oral ei n- zunehmenden Medikamenten , wie Levitra, Viagra oder Cialis, indiziert sein sollte, eine entsprechend zu therapierende Nachfragegruppe auszu- scheiden, was vorliegend den sachrelevanten Markt auf die entspreche n- de PDE5-Inhibitoren einschränkt. Diese Sicht vertritt auch Peter Heer, der einleuchtend anmerkt, dass pro Therapiegruppenteilmarkt in der Regel unte rschiedliche Wirksubstanzen und Therapieverfahren im Wettbewerb stehen können, nachdem die Nachfrage bei rezeptpflichtigen Arzneimittel n insofern funktional au f- gespalten ist, als der Arzt nach seiner Diagnose das therapiewirksamste Präparat auswählt und de r Patient es für seine Heilbehandlung einnimmt (HEER, a.a.O., S. 122 f.). Insofern spielt bei Arzneimitteln der Wettbewerb B-362/2010 Seite 50 innerhalb derjenigen Produkte, die ärztlich-indikatorisch als äquivalent anzusehen sind (HEER, a.a.O., S. 127 Fn. 13 mit Verweis auf Erich Hoppmann, wonach "d as Abgrenzungskriterium [zur Feststellung des sachlich relevanten Marktes] die subjektiv -funktionelle Austauschbarkeit im Sinne der ärztl ich-indikatorischen Äquivalenz" ist, weshalb die Au s- tauschbarkeit aus der Sicht des "verständigen Arztes" zu erfolgen habe). 7.4.3.1.2. Offengelassen werden muss an dieser Stelle die von der Vorin- stanz – im Zusammenhang mit der Charakterisierung von Levitra als "Life Style-Medikament" (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 81 und 280) – an- geschnittene und heftig umstrittene Frage, unter welchen Voraussetzu n- gen "Erektionsstörungen" überhaupt als " regelwidrigen Krankheitsz u- stand" im Sinne des Krankheitsbegriffs von Art. 1a Abs. 2 Bst. a KVG an- erkannt werden können (vgl. Art. 3 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ ATSG, SR 830.1]). Denn dies würde einzig die hier nicht zur Diskussion stehen- de Frage betreffen, ob die erwähnten Präparate für eine Aufnahme in die Spezialitätenliste (vgl. im Sachverhalt unter A.a) in Betracht kommen und damit krankenversicherungsrechtlich vergütungspflichtig werden könnten (vgl. BGE 129 V 32 E. 4.2.3). 7.4.3.2 Im Lichte dieser Überlegungen lässt sich der vorinstanzliche Standpunkt nicht beanstanden, dass neben der Oralmedikamentation (mit Levitra, Cialis und Viagra) allfällige Therapiealternativen, wie psychose- xuelle Therapien , Hormontherapien oder chirurgische Eingriffe nicht als nahe Substitute der drei obgenannten PDE5-Inhibitoren gelten können. 7.4.3.3 Soweit die Vorinstanz jedoch – neben den Apotheken – auch auf der Stufe der selbstdispensierenden Ärzte von einem "Verkaufsmarkt" für Levitra, Cialis und Viagra auszugehen scheint, sind Zweifel angebracht: Der selbstdispensierende Arzt handelt als Vertreter eines Heilberu fs mit strengen berufsethischen Verpflichtungen (vgl. E. 7.4.2.2.3). Er unte r- sucht, diagnostiziert und verschreibt ein Medikament nach einer sorgfältig zu erstellenden Diagnose (E. 7.4.2.3 ff.), weshalb er – entgegen dem was die Vorinstanz anzudeuten scheint, hier nicht einfach als "Verkäufer" dem Apotheker gleichgestellt werden kann (vgl. E. 7 .4.2.4.3 sowie insbes. BGE 131 I 205 E. 2.2, wonach zwischen Apothekern und Ärzten [solange diesen der unbeschränkte Handverkauf verwehrt bleibt] keine direkte Konkurrenz beste ht, sowie Urteil des Bundesgerichts 2P .287/2002 vom 22. Dezember 2003 E. 2.3). B-362/2010 Seite 51 Hinzukommt, dass , wie bereits in der E. 7.4.3.1.1 erwähnt , auch die "Nachfrageseite" (des von der Vorinstanz auf der Stufe der selbstdispe n- sierenden Ärzte angenommenen Marktes), d.h. die Patienten, durch die zwingend vorgesehene medizinische Beratung in ihrer Wahlfreiheit ei n- geschränkt werden. Wünscht ein Patient eine bestimmte Arznei, wie Le- vitra, Viagra oder Cialis, so kann er diese nicht einfach "kaufen", sondern er erhält sie nur nach gründlicher ärztlicher Untersuchung und bei en t- sprechender Diagnose und Verschreibung. Auf diese Besonderheiten der von der Vorinstanz beleuchteten "Abgab e- stellen" im relevanten Markt, der sich von einem Markt für beliebige Kon- sumgüter ganz wesentlich unterscheidet, ist im Rahmen der wettb e- werblichen Beurteilung zurückzukommen (vgl. die folgenden E. 9.3.1.3.3 und E. 9.3.2.4.2). 7.4.3.4 Im Kontext dieser gesundheits- und heilmittelrechtlich stark regu- lierten Marktordnung ist die Ansicht der Bes chwerdeführerin, wonach der angeblich weit verbreitete illegale Internethandel (mit Medikamenten g e- gen erektile Dysfunktion ) auch in die sachliche Marktabgrenzung hätte mit einbezogen werden müssen, zu verwerfen: Wie die Vorinstanz zu Recht betont, können "rezeptfrei" und bei nicht zu- gelassenen "Händlern" erfolgende, illegale Käufe im Internet nicht als (le- gale) Substitute für – die erst nach sorgfältiger ärztlicher Untersuchung indizierten und deshalb verschriebenen – Originalpräparate anerkannt werden, zu mal Apotheken (einschliesslich zugelassene Internetapoth e- ken) und selbstdispensierende Ärzte die Echtheit und Integrität der v on ihnen verkauften Medikamente garantieren können, was bei den illegalen Quellen nutzenden "Internethändlern" nicht der Fall ist. Entgegen der Sicht der Beschwerdeführerin kann der Umstand, dass es eine leichtsinnig-risikofreudige Nachfragegruppe gibt, die das unkalkulie r- bare Risiko auf sich nimmt, allenfalls gesundheitsschädliche Fälschungen zugesandt zu erhalten, und sich deshalb auf das Wagnis illegaler Inte r- netbestellungen (und den damit verbundenen erheblichen Gesundheitsr i- siken) einlassen will, nicht zu einer Berücksichtigung dieses illegalen I n- ternetmarktes in der sachlichen Marktabgrenzung führen. 7.4.4. Auch der von der Vorinstanz rein national abgegrenzte räumlich re- levante Markt lässt sich nicht beanstanden. B-362/2010 Seite 52 Abgesehen davon, dass die Beschwerdeführerin , wie übrigens teilweise auch die Vorinstanz ( vgl. angefochtene Verfügung Rz. 191), den Einbe- zug des illegalen Internethandels auch unter dem Gesichtspunkt der räumlichen Marktabgrenzung erörtert, bringt sie gegen die erfolgte B e- grenzung auf den inländischen Markt keine weiteren Argumente vor. Sol- che sind auch nicht ersichtlich . Die Vorinstanz hat sich mit diesen G e- sichtspunkten in der angefochtenen Verfügung hinreichend auseinande r- gesetzt, weshalb a uf die entsprechenden zutreffenden Erwägungen ver- wiesen werden kann (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 190-199). Somit ist für die nachfolgende Analyse d er auf die Schweiz beschränkte Markt für die oral einzunehmenden Arzneimittel Levitra, Viagra und Cialis massgebend. 8. Als Nächstes müssen, wie in der E. 6.3 angesprochen, Sinn und Tragwei- te von Art. 3 Abs. 1 KG im verfassungsrechtlichen Kontext vertieft d arge- stellt werden. Erst danach kann untersucht werden, ob für den vorliegend relevanten Markt tatsächlich vorbehaltene Vorschriften bestehen. 8.1. Art. 3 Abs. 1 KG lautet wie folgt: "1 Vorschriften sind vorbehalten, soweit sie auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften: (a.) die eine staatliche Markt - oder Preisordnung begründen; (b.) die einzelne Unterne h- men zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten." Dieser Artikel zielt, wie die Marginalie "Verhältnis zu anderen Rechtsvo r- schriften" zeigt, darauf ab, die Anwendung des Kartellgesetzes mit der Anwendung allfälliger bundes -, kantonal - oder gemeinderechtlicher Vo r- schriften zu koordinieren, die "Wettbewerb" einschränken bzw. aufheben. Mit dieser Koordinationsnorm soll ein allfälliger Konflikt gelöst werden, der sich daraus ergeben kann, dass spezialgesetzliche Vorschriften im W i- derspruch zum materiellen Kartellrecht stehen ( MARTENET/CARRON, CR Concurrence, a.a.O., Rz. 8 zu Art. 3 Abs. 1 KG). Art. 3 Abs. 1 KG ist in diesem Zusammenhang im Lichte von Art. 94 BV zu sehen , wonach sich Bund und Kantone an den Grundsatz der Wirt- schaftsfreiheit (Art. 27 BV) halten (Abs. 1), wobei Abweichungen von die- sem Grundsatz, insbes ondere auch gegen den Wettbewerb gerichtete Massnahmen, nur zulässig sind, wenn sie in der Bundesverfassung vo r- gesehen oder durch kantonale Regalrechte begründet sind (vgl. Abs. 4). B-362/2010 Seite 53 8.1.1. Die Wirtschaftsfreiheit, die nach Art. 27 Abs. 2 BV insbesondere die freie Wahl des Berufes sowie den freien Zugang zu einer privatwirtschaf t- lichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung umfasst und als Indiv i- dualrecht primär als Abwehrrecht gegenüber dem Staat konzipiert ist, ga- rantiert die wirtschaftspolitische Grundentsche idung für ein System des freien Wettbewerbs und der Schaffung eines einheitlichen schweizer i- schen Wirtschaftsraumes ( vgl. KLAUS A. VALLENDER, in: Ehrenzeller/ Mastronardi/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesve r- fassung [St. Galler Kommenta r], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2008, Rz. 3 und 6 ff. zu Art. 27 BV sowie Rz. 4 f. zu Art. 94 BV). Dieser ordnungspolitische Grundentscheid bedeutet vor allem die Absage an eine merkantilistische Wirtschaftslenkung zugunsten des Grundsatzes freien Wettbewerbs und individueller wirtschaftlicher Selbst bestimmung (VALLENDER, a.a.O., Rz. 1 zu Art. 27 BV). Demnach folgt nach Klaus A. Vallender aus Art. 94 Abs. 1 und Abs. 4 BV ordnungspolitisch (1.) die Bin- dung an die zentralen Elemente des "Marktmechanismus" und (2.) das Verbot einer Verzerrung oder gar Ausschaltung des "Spiels von Angebot und Nachfrage " und folglich des "Preismechanismus" (a.a.O., Rz. 7 zu Art. 94 BV; vgl. dazu BVGE 2011/32 E. 11.3.1.2 mit vielen Hinweisen zum Denkmodell des " Zusammenspiels von Ange bot und Nachfrage " im marktwirtschaftlichen Preisbildungsprozess). Die zentrale Frage aber, wie weit privates Wirtschaften durch Wettbewerb oder allenfalls durch Kartelle erfolgen darf, lässt sich aus der Abwehrfunk- tion der Grundrechtsgarantien allein nicht beantworten . H ier stellt sich vielmehr die Frage nach der Geltung der Wirtschaftsfreiheit unter Privaten (sog. Drittwirkung). Dies wiederum bedingt eine Auslegung von Art. 94 BV im Kontext von Art. 27 BV, Art. 96 BV sowie Art. 35 Abs. 3 BV ( VALLEN- DER, a.a.O., Rz. 18 zu Art. 94 BV sowie Rz. 51 zu Art. 27 BV; RETO JA- COBS, St. Galler Kommentar, a.a.O., Rz. 4 zu Art. 96 BV ), worauf später einzugehen ist (vgl. E. 8.3.5). 8.1.2. Die Wirtschaftsfreiheit gilt indessen nicht absolut. Vielmehr darf sie nach den allgemeinen, in Art. 36 BV umschriebenen Regeln für Grun d- rechtseingriffe eingeschränkt werden ( BGE 131 I 223 E. 4.1; VALLENDER, a.a.O., Rz. 49 zu Art. 27 BV). 8.1.2.1 Grundsätzlich zulässig und damit grundsatzkonform sind Eingriffe, die mit dem ordnungspolitischen Grundentscheid der Bundesverfassung für eine wettbewerbsgesteuerte Privatwirtschaft im Einklang stehen. B-362/2010 Seite 54 Dazu zählen verhältnismässige, wirtschaftspolizeiliche Massnahmen, also Massnahmen, welche der Gefahrenabwehr (Polizeigüte rschutz im B e- reich der Wirtschaft) dienen, sowie bestimmte Vorschriften, die "polize i- verwandte" sozialpolitische Ziele verfolgen, und andere Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit, die nicht wirtschaftspolitisch motiviert sind ( VALLEN- DER, a.a.O., Rz. 50 f. z u Art. 27 BV sowie Rz. 5 zu Art. 94 BV; vgl. dazu BGE 132 I 282 E. 3.3, BGE 131 I 223 E. 4.2). 8.1.2.2 Grundsatzwidrig sind demgegenüber Eingriffe, die vom Grundsatz der Wirt schaftsfreiheit abweichen, indem sie sich beispielsweise gegen den Wettbewerb richten. Zu denken ist an wirtschaftslenkende Eingriffsmassnahmen, die als wirt- schaftspolitische oder standespolitische Massnahmen ein strukturpolit i- sches Ziel verfolgen, wie die Erhaltung eines bestimmten Gewerbes oder bestimmter Bewirtschaftungsformen, Schutz gegen Konkurrenz, Steu e- rung von Angebot und Nachfrage, Preisvorschriften, Kontingente, Ei n- fuhrverbote usw. (VALLENDER, a.a.O., Rz. 5 f. zu Art. 94 BV; vgl. BGE 131 I 205 E. 2.3.1 zum Konkurrenzschutz durch kantonal e Selbstdispensati- onsverbote und E. 2.3.2 zur Aufgabenteilung zwischen Apotheken und Ärzten für die Leistungserbringung innerhalb der Krankenversicherung [vgl. auch E. 7.4.2.4.3]). Solche Eingriffe sind prinzipiell verboten, weil sie dem verfassungsrechtlichen Vorentscheid widersprechen, ökonomische Entscheidungen den Privaten zu überlassen. Ausnahmsweise zulässig sind solche grundsatzwidrigen Massnahmen nach Art. 94 Abs. 4 BV, wenn sie in der Bundesverfassung vorgesehen sind oder durch kantonale Realrechte begründet werden ( VALLENDER, a.a.O., Rz. 52 ff. zu Art. 27 BV; JACOBS, a.a.O., Rz. 18 zu Art. 96 BV). In- sofern ist ohne besondere Verfassungsgrundlage auch eine staatliche Bedürfnislenkung ausgeschlossen (BGE 131 I 223 E. 4.2). Wo allerdings die Marktkoordination zu suboptimalen Ergebnissen führt , wie z.B. im Bereich öffentl icher oder meritorischer Güter, wie intakte Na- tur, saubere Luft, sauberes Wasser (usw.), hat der Staat durch Massnah- men der Wirtschaftspolitik für Korrekturen zu sorgen, die letztlich der Wirtschaftsfreiheit dienen ( VALLENDER, a.a.O., Rz. 12 f. zu Art. 94 BV). Daher sind in zahlreichen Artikeln der Bundesverfassung Vorbehalte für grundsatzwidrige Massnahmen des Bundes vorgesehen (vgl. Art. 100 Abs. 3 BV zur Konjunktur, Art. 101 Abs. 2 BV zur Aussenwirtschaft, Art. 102 Abs. 2 BV zur Landesversorgung, Art. 103 BV zur Strukturpolitik, Art. B-362/2010 Seite 55 104 Abs. 2 BV zur Landwirtschaft ; vgl. zu allen JOHANNES REICH, Grund- satz der Wirtschaftsfreiheit, Zü rich/St. Gallen 2011, N. 923; vgl. VALLEN- DER, a.a.O., Rz. 60 zu Art. 27 BV und REICH, a.a.O., N. 924 ff. zu implizi- ten Abweichungskompetenzen). Nicht grundsatzwidrig hingegen sind angesichts ihres freiheitsfördernden Zweckes alle Eingriffe, die den freien Marktzugang gewährleisten, sei es gegenüber dem Staat mittels Binnenmarktgesetz vom 6. Oktober 1995 (BGBM, SR 943.02) , sei es gegenüber Priva ten mittels Kartellgesetz (VALLENDER, a.a.O., Rz. 55 ff. zu Art. 27 BV). 8.2. Mit dem ordnungspolitischen Grundentscheid für eine Privatwirtschaft (Art. 27 und Art. 94 BV) und dem Auftrag, gegen volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen von Kartellen oder anderen Wettb e- werbsbeschränkungen vorzugehen (Art. 96 BV) , räumt der Bundesve r- fassungsgeber zwar dem Koordinationsprinzip Wettbewerb einen beso n- deren Stellenwert ein . Dennoch wird dieses Prinzip nicht verabsolutiert, da der verfassungsrechtliche Auftrag darauf beschränkt ist, einzig gegen volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen von Kartell en vorzugehen ( VALLENDER, a.a.O., Rz. 20 zu Art. 94 BV ; JACOBS, a.a.O., Rz. 13 f. zu Art. 96 BV). Mit dem Grundentscheid für eine grundsätzlich wettbewerbsgesteuerte Privatwirtschaft folgt der Verfas sungsgeber der Erfahrung, dass wirksa- mer wirtschaftlicher Wettbewerb in der Regel günstige und erwünschte ökonomische Ergebnisse zeitigt , wie beispielsweise die freie Entfaltung des wirtschaftenden Individuums, Wohlstandsförderung, Steuerung der Einkommensverteilung, Förderung von Anpassung und Innovation, opt i- male Faktorallokation (vgl. ROGER ZÄCH, Schweizerisches Kartellrecht, 2. Aufl., Bern 2005, Rz. 20-41; JACOBS, a.a.O., Rz. 16 zu Art. 96 BV; RICHARD WHISH/DAVID BAILEY, Competition Law, 7. Aufl., Oxford/New York 2012, S. 4 ff.). Deshalb besteht heute ein Konsens zur Frage, dass wirk- samer Wettbewerb im Regelfall für die Wirtschaft ein nützliches Organisa- tionsprinzip ist (VALLENDER, a.a.O., Rz. 24 zu Art. 94 BV). Nicht zu übersehen ist jedoch, dass die Bundesverfassung dem Staat ei- ne Vielzahl von Verantwortungen im Bereich der Wirtschaft und in and e- ren Politikbereichen zuweist, die teilweise auch Abweichungen von der Wirtschaftsfreiheit erlauben oder gar gebieten (VALLENDER, a.a.O., Rz. 25 zu Art. 94 BV) . S o ist beispielsweise d ie Sozialversicherung der Wir t- schaftsfreiheit weitgehend entzogen (vgl. BGE 132 V 6 E. 2.5.2 f.; BGE B-362/2010 Seite 56 130 I 26 E. 4.3 und E. 6.2 , wonach kein Anspruch darauf besteht, in b e- liebiger Höhe Leistungen zu Lasten der sozialen Krankenversicherung zu generieren). Insbesondere die in der E. 8.1.2.2 erwähnten verfassungsrechtlichen Er- mächtigungen zu gesetzlichen Ausnahmen vom Wettbewerbsprinzip tra- gen der wohl kaum mehr strittigen Erkenntnis Rechnung, dass in gewis- sen Konstellationen das Wettbewerbsprinzip nicht die von ihm erwünsc h- ten Ergebnisse zu bewirken vermag (vgl. zur ökon omischen Diskussion für viele WHISH/BAILEY, a.a.O., S. 9-15; GUNNAR NIELS/HELEN JENKINS/ JAMES KAVANAGH, Economics for Competition Lawyers, O xford/New York 2011, S. 17 ff.; MATHIAS BINSWANGER, Sinnlose Wettbewerbe – Warum wir immer mehr Unsinn produzieren, Freiburg im Breisgau /Basel/Wien 2010, S. 39 ff. sowie nachfolgend E. 8.2.1.1). De shalb können fallweise nach Art. 94 Abs. 4 BV Massnahmen gegen den Wettbewerb angezeigt sein, insbesondere dann wenn ein Zielkonflikt zwischen einer wettbewerbsge- steuerten Ordnung und punktuell für höherrangig erachtete n Zielsetzun- gen auftritt, der die in den E. 8.1.2.1 oder E. 8.1.2.2 geschilderten Kons- tellationen betreffen kann (vgl. dazu die nachfolgende E. 8.3.5 sowie INGO SCHMIDT, Wettbewerbspolitik und Kartellrecht, 9. Au fl., München 2012, S. 142 ff.). 8.2.1. Bevor jedoch vor diesem verfassungsrechtlichen Hintergrund die nach Art. 3 Abs. 1 KG zu klärende Abgrenzungsfrage beurteilt werden kann, ob und , wenn ja, inwiefern allenfalls auf einem bestimmten Markt "vorbehaltene" – d.h. Wettbewerb nicht zulassende – Vorschriften tat- sächlich bestehen, müssten bereits in genügender Konkretisierungsdichte die genauen ökonomischen Wesensmerkmale des jeweils in Frage st e- henden und als schutzwürdig zu er achtenden "Wettbewerbs" festgestellt werden (können), dessen (allenfalls) unzulässige Beeinträchtigung (bzw. Sanktionierung) auf einem bestimmten Markt zur Diskussion steht. 8.2.1.1 Diese Feststellung wird indes durch die normative Offenheit des Kartellgesetzes erheblich erschwert: Denn der Kartellgesetzgeber definiert den ordnungspolitisch zu schü t- zenden "wirksamen Wettbewerb" (vgl. Art. 5 Abs. 3 und 4 KG) – als das grundlegende marktwirtschaftliche Koordinationsprinzip – im Kartellg e- setz nirgends, weil er ein Wettbewerbsverständnis postuliert, das "in e n- ger Anlehnung an die moderne Markt - und Wettbewerbstheorie keinen allgemeingültigen Rezepten verpflichtet ist" (Botschaft des Bundesrates B-362/2010 Seite 57 vom 23. November 1994 zu einem Bundesgesetz über Kartelle und ande- re Wettbewerbsbeschränkungen [Botschaft 1994], BBl 1995 I 512; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B -4037/2007 vom 29. Feb ruar 2008 E. 4.2.2 mit Hinweisen [RPW 2008/2, S. 361 ff.] ; VALLENDER, a.a.O., Rz. 25 zu Art. 94 BV, wonach sich die Wirtschaftsverfassung der Bundes- verfassung nicht mit einem bestimmten wirtschaftswissenschaftlichen Ordnungsmodell gleichsetzen lässt; JACOBS, a.a.O., Rz. 3 und 17 zu Art. 96 BV). 8.2.1.1.1. Eine kartellgesetzliche Definition von Wettbewerb wird als ver- zichtbar erachtet, weil in der Wirtschaftswissenschaft und in der Indust- rieorganisationslehre kein Konsens darüber herrscht, wie der Wettb e- werbsgrad auf einem bestimmten Markt konkret zu ermitteln ist. Insb e- sondere fehlen Wirtschaftsindikatoren, die eine definitiv e Beantwortung dieser Frage erlauben würden (so der Befund im Bericht der Parlamenta- rischen Verwaltungskontrollstelle des Bundes [Das Kartellrecht: Standort- bestimmung - Bericht vom 11. Oktober 20 00, BBl 2001 3346, insbes. S. 3366], zitiert vom Bundesverwaltungsgericht im Urteil B-4037/2007 vom 29. Februar 2008 E. 4.2.2). Hinzuweisen ist darauf, dass auch im Recht der Europäischen Union eine klärende Definition von Wettbewerb fehlt (HELGE PEUKERT, Das Wettb e- werbskonzept der EU aus Sicht der Wirtschaftswisse nschaften, in: Blan- ke/Scherzberg/Wegner, Dimensionen des W ettbewerbs, Tübingen 20 10, S. 89 f., wonach in der EU eine wettbewerbstheoretische Erörterung oder ein klares Leitbild feh len sowie S. 103, wonach in der EU das eher rud i- mentäre wettbewerbspolitische Leitbild Zuflucht nehme "zu einem gewis- sen technokratischen Effizienzdenken und dem Schutzpanzer der form a- len Ökonomie [als Zielersatz?]"; WHISH/BAILEY, a.a.O., S. 19 ff.; GERHARD WIEDEMANN, in: Wiedemann [Hrsg.], Handbuch des Kartellrechts, 2. Aufl., München 2008, § 1 N. 3, S. 3). 8.2.1.1.2. So fehlt es zwar keineswegs an (z.T. gegenläufigen) Definiti o- nen des Wettbewerbs, aber an allgemeiner Akzeptanz eines für zutre f- fend gehaltenen wirtschaftlichen Begriffs davon, der wiederum der Wir t- schaftspolitik als operables Leitbild dienen könnte (vgl. HARALD EN- KE/ADOLF WAGNER, Zur Zukunft des Wettbewerbs – in memoriam Karl Brandt [1923 -2010] und Alfred E. Ott [1029 -1994], Marburg 2012, S. IX f.). B-362/2010 Seite 58 Daher wird in den Wirtschaftswissenschaften generell keine essentialist i- sche Definition des Wettbewerbs vertreten, sondern es wird versucht, ihn durch die Beschreibung verschiedener Dimensionen zu erfassen: Von der Verhaltensdimension aus gesehen, lässt er sich durch e in versuchtes Übertreffen und Rivalität beschreiben ("Konfrontation statt Kooperation"). Strukturell betrachtet, wird auf die nötige (Mindest-)Anzahl der Akteure oder das ausreichende Vorliegen von marktvermittelten Angeboten oder Nachfragen rekurriert. Da rüber hinaus lässt sich Wettbewerb auch von den Wirkungen/Marktergebnissen, den Zielen (Wachstum, Effizienz, Ve r- teilung), den Voraussetzungen (Preis -Mengen-Konkurrenz) her ken n- zeichnen oder hinsichtlich seiner dynamischen (erwünschten) Eige n- schaften, z.B. der "schöpferischen Zerstörung" ( im Sinne von Joseph Schumpeter) und der Ermöglichung von Innovationen . Schliesslich wird Wettbewerb auch als Ausdruck eines institutionalisierten Regelsystems beschrieben, das notwendig ist, damit die Gesamtwohlfahrt steige rnde Wirkungen von ihm ausgehen, wobei die Frage der Notwendigkeit, Breite und Tiefe solcher regulatorischer Eingriffe die wirtschaftspolitische Streit- frage überhaupt ist (PEUKERT, a.a.O., S. 81). Dies ist letztlich der Grund dafür, dass sich insbesondere auch dem Kar- tellgesetz kein operabler Massstab entnehmen lässt, um "wettbewerbl i- che" von "wettbewerbswidrigen" Marktprozessen unterscheiden zu kö n- nen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-4037/2007 vom 29. Februar 2008 E. 4.2.2 mit Verweis auf den Entscheid der REKO/WEF FB/2004 -4 vom 4. Mai 2006 E. 6.2 in Sachen 20-Minuten, veröf fentlicht in RPW 2006/2, S. 347 ff. mit Hinweisen; bestätigt im Urteil des Bundesgerichts 2A.327/2006 vom 22. Februar 2007, veröf fentlicht in RPW 2007/2, S. 331 ff.; vgl. auch BVGE 2011/32 E. 4.5.1; vgl. für viele zur vergleichba- ren Situation in der EU SIMON BISHOP/MIKE WALKER, The Economics of EC Competition Law : Concepts, Application and Measurement, 3. Aufl., London 2010, S. 49 ff.). 8.2.1.2 Insofern obliegt es den Wettbewerbsbehö rden, die im Kartellg e- setz offen formulierte Wettbewerbspolitik (als Wirtschaftsprozesspolitik) zu konkretisieren und zu implementieren, wobei der Verzicht auf allzu fe i- ne Differenzierungen in Kauf zu nehmen ist und einzig sicher gestellt werden kann, dass die vom "Wettbewerb als vielgestaltigen, dynam i- schen Prozess erwarteten statischen und dynamischen Funktionen" zur "Sicherung der allokativen und dynamischen Effizienz der Märkte" ausrei- chend erfüllt werden ( vgl. Entscheid der REKO/WEF FB/2004 -4 E. 6.2.2 B-362/2010 Seite 59 in Sachen 20-Minuten, a.a.O., mit Verweis auf die Botschaft 1994, a.a.O., S. 512 f.; BINSWANGER, Sinnlose Wettbewerbe, a.a.O., S. 35 f.). Denn idealtypisch gesehen, was auch als die Legitimation der marktwirt- schaftlichen Ordnung angesehen wird (VALLENDER, a.a.O., Rz. 78 zu Art. 27 BV), hat "funktionierender Marktwettbewerb" die Aufgabe dafür zu sorgen, dass durch eine optimale Anpassung der Produktion die Bedürf- nisse der Nachfrager möglichst effizient und preisgüns tig befriedigt we r- den (vgl. dazu BINSWANGER, Sinnlose Wettbewerbe, a.a.O., S. 15; WHISH/BAILEY, a.a.O., S. 4 ff.; JACOBS, a.a.O., Rz. 16 zu Art. 96 BV). Oftmals wird dieser Wettbewerb auch aufgeschlüsselt nach dominanten Wettbewerbsparametern verstanden, d.h. nach den Gesichtspunkten, die für die jeweilige Marktgegenseite für den Geschäftsabschluss bedeutsam sind, wie beispielsweise der Preis, die Qualität und/oder der Service (vgl. ZÄCH, a.a.O., Rz. 47, HEER, a.a.O., S. 129 Fn. 16), weshalb dementspre- chend von Preiswett bewerb, Qualitätswettbewerb bzw. Servicewettbe- werb die Rede sein kann (vgl. BGE 129 II 18 E. 8.3.4 und E. 9). 8.3. Bei dieser komplexen Ausgangslage hat der Gesetzgeber bei der rechtlichen Regelung der jeweiligen Wirtschaftsbereiche – angesichts der dort agierenden Akteure und ihrer Interessen – im Lichte der jeweils für massgeblich erachteten privaten und öffentlichen Interessen die Frage normativ zu entscheiden, ob und inwieweit das Wettbewerbsparadigma in einer bestimmten Wirtschaftssphäre überhaupt wirtschaftlich oder sozial wünschbare Ergebnisse zeitigt oder aber durch vorbehaltene Vorschriften gemäss Art. 3 Abs. 1 KG gemeinwohlverträglich relativiert werden muss, wenn in dieser Sphäre der Wettbewerb die ihm zugedachte gemeinwohl- förderliche Steuerungsfunktion nicht zu leisten vermag. 8.3.1. Zur Erläuterung von Art. 3 Abs. 1 KG hielt der Bundesrat in seiner Botschaft zum Kartellgesetz fest, das schweizerische Wirtschaftsrecht enthalte eine Reihe von öffentlich -rechtlichen Vorschriften, die das freie Spiel von Angebot und Nachfrage – mithin die Wettbewerbsverhältnisse – beeinträchtigten. Die Eingriffe erfolgten durch den verfassungsmässig l e- gitimierten Gesetzgeber und fänden in Bereichen statt, in denen der Markt als Regelsystem der Wirtscha ftsbeziehungen seine Funktionen nicht oder nicht hinlänglich erfülle (Botschaft 1994, a.a.O., S. 537). Dazu zählten auch Fälle des sogenannten Marktversagens, in denen das Marktsystem nicht in der Lage sei, höherst ehenden Interessen ( wie bei-B-362/2010 Seite 60 spielsweise Gerechtigkeits- oder Verteilungsüberlegungen) Rechnung zu tragen (Botschaft 1994, a.a.O., S. 538). Nach Auffassung des Bundesrats zeigten die Bereiche des Marktversagens vielschichtige Problemlagen auf, für welche unterschiedliche gesetzgeberische Lösungsa nsätze zur Verfügung stünden (Botschaft 1994, a.a.O., S. 538). Je nach Intensität des Marktversagens und dessen Gewichtung hinsichtlich der betroffenen öffentlichen Interessen habe der Gesetzgeber differenzierte Lösung en zu entwickeln. So könne es sich auf drängen, für den gesamten vom Mark t- versagen betroffenen Bereich eine staatliche Markt- oder Preisordnung zu erlassen, die anstelle des freien Spiels von Angebot und Nachfrage die Allokationsfunktionen zwischen den interessierten Wirtschaftsteilnehmern erfülle. Die politische Gewichtung des betroffenen Bereiches könne j e- doch auch nur eine punktuelle staatliche Intervention notwendig machen, indem es zur Lösung des Marktversagens allenfalls genügen könne, dass einzelnen Wirtschaftsteilnehmern besondere Rechte zur Erfüllung der an- stehenden öffentlichen Aufgaben zugesprochen werden. Diesen tatsäch- lichen Gegebenheiten trage der Gesetzesentwurf Rechnung, indem er e i- ne differenzierte Regelung enthalte je nachdem, ob das marktwirtschaftl i- che System grundsätzlich durch eine staatliche Ordnung substituiert we r- de oder ob bloss einzelne Teilaspekte eines Wirtschaftsbereichs dem Wettbewerbsprinzip entzogen seien (Botschaft 1994, a.a.O., S. 538). Zu der in Art. 3 Abs. 1 Bst. a KG genannten "staatlichen Markt - oder Preisordnung" hielt der Bundesrat fest, der Gesetzesentwurf anerkenne, dass staatliche Markt - oder Preisordnungen den Wettbewerb in einem bestimmten Wirtschaftsbereich ausschliessen könnten, wie das Parade- beispiel des sektoriellen Wettbewerbsausschlusses in der L andwirtschaft zeige. Diesfalls beabsichtige der Kartellgesetzgeber nicht, mit dem Erlass von Wettbewerbsvorschriften derartige staatliche Markt - oder Preisor d- nungen in Frage zu stellen. Diese sollten auch unter dem neuen Kartel l- gesetz vollumfänglich weiterbestehen können, vorausgesetzt, dass es bei ihrer Schaffung tatsächlich die Absicht des Gesetzgebers gewesen sei, das Wettbewerbsprinzip für den fraglichen Wirtschaftsbereich ausz u- schalten. Soweit jedoch die staatliche Markt - oder Preisordnung eines wirtschaftlichen Teilbereichs für wettbewerbliches Verhalten und damit die Anwendung wettbewerbsrechtlicher Kriterien Raum lasse, sei das Ka r- tellgesetz anwendbar – gegebenenfalls unter Berücksichtigung des z u- sätzlichen Vorbehalts in Bst. b von Art. 3 Abs. 1 KG ( Botschaft 1994, a.a.O., S. 538). B-362/2010 Seite 61 8.3.2. Dieser Entwurf zu Art. 3 Abs. 1 KG ist vom eidgenössischen G e- setzgeber ohne Modifikationen und ohne Diskussionen zu den soeben zi- tierten bundesrätlichen Überlegungen übernommen worden (AB 1995 N 1073; AB 1995 S 852; MARTENET/CARRON, CR Concurrence , a.a.O., Rz. 7 zu Art. 3 Abs. 1 KG). 8.3.3. Ausgehend von einer prinzipiell umfassend geltenden Wettb e- werbsordnung wird im Kartellgesetz anerkannt, dass der Wettbewerb in bestimmten Bereichen aus politischen Gründen durch gesetzlic he Vo r- schriften ausgeschlossen sein kann (BGE 129 II 497 E. 3.3.1). Wie indessen Jürg Borer zutreffend anmerkt, lässt sich dem Wortlaut von Art. 3 Abs. 1 KG nicht entnehmen, welche Qualität die jeweiligen Vor- schriften haben müssen, die zu einem Ausschluss des Wettbewerbsprin- zips führen (BORER, Kommentar zum schweizerischen Kartellgesetz, 2. Aufl., Zürich 2005, Rz. 3 zu Art. 3 KG ). Insofern sind diesem Autor z u- folge auch wettbewerbsausschliessende Vorschriften als nach Art. 3 Abs. 1 KG "vorbehalten" anzuerkennen, bei denen sich der Wille des Geset z- gebers, Wettbewerb nicht zuzulassen, nicht stringent nachweisen lasse (BORER, a.a.O., Rz. 4 zu Art. 3 KG). Dieser Meinung hat sich das Bun- desgericht in BGE 129 II 497 (E. 3.3.2) angeschlossen: "Selon les travaux préparatoires et une partie de la doctrine, l'art. 3 al. 1 LCart n'en- tre en ligne de compte que lorsque l'intention du législateur était d'exclure effect i- vement un secteur donné de la concurrence (FF 1995 I 539 s.; BISCHOF, op. cit., p. 160; PALASTHY, op. cit., p. 304; SCHMIDHAUSER, op. cit., n. 13 ad art. 3 LCart). Selon les règles générales d'interprétation, qui sont aussi valables dans le droit de la concurrence, il ne faut pas comprendre par là que la volonté expresse du législ a- teur historique d' exclure un domaine de la concurrence doit être absolument ét a- blie. On ne saurait l'exiger, ne serait -ce que parce qu'il existe des prescriptions qui ont été adoptées à une époque où le droit des cartels ne s'appliquait pas aux activi- tés étatiques, si bien que le législateur ne pouvait soustraire délibérément un d o- maine à la concurrence. Il est donc suffisant - mais nécessaire - que le secteur concerné ne soit pas soumis au droit de la concurrence selon une interprétation o r- dinaire de la réglementation spéci ale en cause ( CARRON, op. cit., n. 32 ad art. 3 LCart). Cela peut aussi résulter implicitement du fait que la loi contient des règles qui ne sont pas compatibles avec la concurrence ( BORER, op. cit., n. 4 ad art. 3 LCart; RENTSCH, op. cit., p. 179)." Somit kann n ach der Auffassung des Bundesgerichts ein Wettbewerbs- ausschluss durch gesetzliche Vorschriften auch implizit – ohne eine B-362/2010 Seite 62 nachgewiesene gesetzgeberische Absicht – erfolgen, soweit sich solche Vorschriften mit dem Wettbewerbsprinzip nicht vereinbaren lassen (BGE 129 II 497 E. 3.3.2; MÜNCH, BSK-KG, a.a.O., Rz. 7 zu Art. 3 Abs. 1 KG; a.M. BRUNO SCHMIDHAUSER, in: Schmidhauser/Homburger/Hoffet/ Ducrey [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Kartellgesetz, Z ürich 1997, Rz. 12 zu Art. 3 KG ). Doch will das Bu ndesgericht insofern eine eher restriktive Auslegung der in Art. 3 Abs. 1 Bst. a und b KG beispielhaft aufgezählten Arten von (wettbewerbsausschliessen den) Vorschriften gel- ten lassen, als mit Blick auf die wettbewerbsorientierte Wirtschaftsverfa s- sung (Art. 94 Abs. 4 und Art. 96 Abs. 1 BV) ein Wettbewerbsausschluss nur dann anzunehmen ist, wenn "une législation claire" wettbewerbswid- riges Verhalten anordnet oder erlaubt (BGE 129 II 497 E. 3.3.3 ; MARTE- NET/CARRON, CR Concurrence, a.a.O., Rz. 26 zu Art. 3 Abs. 1 KG ). Als Beispiel erwähnt das Bundesgericht in BGE 129 II 497 (E. 5.4.9) den Ge- sundheitsbereich: "Il en va de même dans le domaine de la santé où les hôpitaux publics sont fina n- cés partiellement par des fonds publics, ce qui entrave l'accès des hôpitaux privés à la concurrence ou son exercice, mais cela a été voulu par le législateur, si bien que les art. 5 et 7 LCart ne sont pas applicables (DPC 1998 p. 562, ch. 12 ss p. 564/565; DPC 1999 p. 184, consid. 6 p. 197; RAMA 4/1997 p. 257, consid. 11 .2 p. 268; CLERC, op. cit., n. 102 ad art. 7 LCart; MARGARETA LAUTERBURG, Gesundheits- und Versicherungsmärkte - kartellrechtliche Fragen in der Praxis der Wettbewerb s- behörde, in Hürlimann/Poledna/Rübel [éd.], Privatisierung und Wettbewerb im G e- sundheitsrecht, Zurich 2000, p. 101 ss, 111 s.)." 8.3.4. Somit ist davon auszugehen, dass die in Art. 3 Abs. 1 KG erwähn- ten vorbehaltenen wettbewerbsrelevanten Normen insofern die kartellge- setzlichen Bestimmungen zu verdrängen vermögen, als sie keinen Raum für Wettbewerb lassen (PETER HÄNNI/ANDREAS STÖCKLI, Schweizerisches Wirtschaftsverwaltungsrecht, Bern 2013, Rz. 160 f.). Daher ist unter dem Blickwinkel von Art. 3 Abs. 1 KG im Einzelfall nicht nur zu prüfen, ob staatliche Marktregulierungen (oder marktwirksame Massnahmen) den Wettbewerb in einem bestimmten Bereich ausschliessen, sondern vor a l- lem auch, inwieweit, das heisst mit welcher Intensität, sie dies zu tun vermögen (MÜNCH, BSK-KG, a.a.O., Rz. 6 zu Art. 3 Abs. 1 KG ). Infolge- dessen bleiben kartellrechtliche Bestimmungen nur insoweit anwendbar, als einzelne Wettbewerbsparameter vom staatlic hen Eingriff unberührt bleiben (vgl. MÜNCH, BSK-KG, a.a.O., Rz. 15 zu Art. 3 Abs. 1 KG). B-362/2010 Seite 63 8.3.5. Aus BGE 129 II 497 (E. 3.3.3) schliesst die herrschende Lehre, die Auslegung vorbehaltener Vorschriften nach Art. 3 Abs. 1 KG müsse zum Ergebnis führen, die betreffende staatliche Regulierung ziele darauf ab, mit Hilfe eines Wettbewerbsausschlusses ein Marktversagen zu korrigie- ren (für viele MARTENET/CARRON, CR Concurrence, a.a.O., Rz. 9 zu Art. 3 Abs. 1 KG; MÜNCH, BSK-KG, a.a.O., Rz. 7 f. zu Art. 3 Abs. 1 KG mit Hi n- weisen; SCHMIDHAUSER, a.a.O., Rz. 12 f. zu Art. 3 KG). Damit wäre an sich einzig die in der E. 8.1.2.2 angesprochene Kategorie "grundsatzwid- riger Eingriffe" in die Wirtschaftsfreiheit angesprochen, wie beispielsweise die in Bst. a von Art. 3 Abs. 1 KG namentlich genannte "staatliche Markt- oder Preisordnung", welche massgebende Wettbewerbsparame ter (wie z.B. Produktion oder Preisgestaltung) aus wirtschaftspolitischen Gründen den Marktkräften entzieht (HÄNNI/STÖCKLI, a.a.O., Rz. 164 f.). Indessen zeigt gerade der vorliegende, im gesundheitspolizeilich und so- zialpolitisch hochnormierten Gesundheits wesen angesiedelte Kontext (vgl. E. 7.4.2), dass sorgfältig differenziert werden muss: 8.3.5.1 Zwar ist einzuräumen, dass regelmässig primär die Frage im Vor- dergrund stehen dürfte, ob der gesetzgeberische Entscheid (explizit oder implizit) darauf gerichtet war, aus wirtschaftspolitischen Gründen wettbe- werbsausschliessende Vorsch riften zu erlassen, weil wegen Markt- versagens das Zusammenwirken der interessierten Wirtschaftsteilnehmer nicht durch freien Wettbewerb, sondern ganz oder teilweise durch Grup- penvereinbarung, zentralplanwirtschaftlich oder anders koordiniert we r- den soll (vgl. dazu ZÄCH, a.a.O., Rz. 279; PEUKERT, a.a.O., S. 83 f., sowie die vorstehende E. 8.1.2.2). Nach der Auffassung von Ueli Kieser zählt dazu auch, w ie in der E. 7.4.2.6 erwähnt, die gesundheits- und sozialpolitisch motivierte Preis- aufsicht des Bundes für die (nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b KVG) auf die Spe- zialitätenliste gesetzten Arzneimittel (KIESER, a.a.O., Rz. 4, S. 146 f. mit Hinweisen; REICH, a.a.O., N. 926; URS JAISLI, in: Eichenberger/Jaisli/ Richli [Hrsg.], Basler Kommentar zum Heilmittelgesetz, Basel/Genf/Mün - chen 2006, Rz. 40 zu Art. 31 HMG): Wie die Vorinstanz diesbezüglich grundsätzlich richtig festhält, legt das Bundesamt für Gesundheit für solche Medikamente – als Pflichtleistun- gen in der obligatorischen Krankenversicherung – den (maximalen) Ex - factory- und Publikumspreis fest, was "die Anwendung des Kartel lgeset- zes in Frage " stelle (vgl. Ziff. 62 der angefochtenen Verfügung). Auch B-362/2010 Seite 64 wenn die Formulierung der Vorinstan z dies nicht so deutlich zum Au s- druck bringt, kann damit nur gemeint sein, dass der gesundheits- und so- zialpolitisch motivierte staatliche Eingriff in die Preisordnung letztlich eine preiswettbewerbsfreie Verkaufssphäre schafft, was eine Anwendung des Kartellgesetzes im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. a KG ausschliesst. 8.3.5.2 Wie indes die in Art. 3 Abs. 1 KG erwähnte, lediglich beispielhafte Aufzählung (ersichtlich am klaren Gesetzeswortlaut "insbesondere"/"no- tamment"/"in particolare ") zeigt, sind damit Konstellationen keineswegs ausgeschlossen, in denen auch einzig aus polizeilichen Gründen, d.h. zum Schutz besonder s hochstehender Rechtsgüter wie die Gesundheit, durch Vorschriften in einem entscheidenden Ausmass auf das Zusa m- menwirken der interessierten Wirtschaftsteilnehmer Einfluss genommen wird, so dass bestimmte Formen von Wettbewerb (wie z.B. Preis- oder Qualitätswettbewerb) dadurch alleine – oder kumulativ durch gegebenen- falls hinzukommende weitere kausal wettbewerbsbeeinflussende Fakto- ren – verunmöglicht werden. Insofern kann Art. 3 Abs. 1 KG nicht nur die Funktion zukommen, der Abgrenzung wirtschafts- oder sozialpolitischer Ausnahmebereiche zu dienen (ZÄCH, a.a.O., Rz. 279 ), was mit den be i- spielhaft aufgezählten Kategorien in den Bst. a und b von Art. 3 Abs 1 KG statuiert wird (vgl. BGE 129 II 497 E. 3.3.1). Vielmehr bestehen auch ge- sundheitspolizeiliche Ausnahmebereiche, die in ihrer Regulie rungsdichte gewisse Formen wirksamen Wettbewerbs faktisch unmöglich machen können, wie bereits in den E. 5.3.1.2 und E. 5.3.2 erwähnt. Damit ist auch das Vorhandensein einer weiteren, von Lehre und Rech t- sprechung bisher noch nicht diskutierten Normenkategorie belegt, die nicht einfach nur auf eine wirtschafts - oder sozialpolitische Korrektur von Marktversagen ausgerichtet ist, sondern in gewissen Bereichen bestim m- te Formen von Wettbewerb im Interesse höher gewichteter Rechtsgüter rechtlich und faktisch auszuschliessen vermag. Dass neben wirtschafts- und sozialpolitischen auch polizei liche Gründe auf einem bestimmten Markt Wettbewerb nicht zulassen können, unte r- streicht den herrschenden Grundkonsens, dass Wettbewerb letztlich als ein Mittel der Gemeinwohlverwirklichung und nicht als Selbstzweck zu be- trachten ist (vgl. für viele HÄNNI/STÖCKLI, a.a.O., Rz. 111 f.; BINSWANGER, Sinnlose Wettbewerbe, a.a.O., S. 66; vgl. für die gleiche Lage in der EU HERMANN-JOSEF BLANKE/ALEXANDER THUMFART, Generalbericht, in: Bla n- ke/Scherzberg/Wegner, a.a.O., S. 22; MASSIMO MOTTA, Competition Poli- cy – Theory and Practice, 12. Aufl., Cambridge/New York 2009, S. 14). B-362/2010 Seite 65 Dies wird gerade im Gesundheitsbereich deutlich, wo die schwierige S u- che nach einer qualitativ hochstehenden allgemeinen Gesundheitsve r- sorgung zu vernünftigen Kosten gesetzgebungspolitisch imme r wieder hohe Wellen aufwirft (vgl. beispielhaft BGE 128 V 272 E. 7 zum geset z- geberisch gewollten, wettbewerbsfeindlichen Charakter d es d ringlich- keitsrechtlich eingeführten Risikoausgleichs zur Verhinderung der geziel- ten Anwerbung von so genannten "guten R isiken" durch Krankenvers i- cherer). Da das heutige System der Gesundheitsversorgung "kostentrei- bend" ausgelegt ist , dreht sich die gesundheitspolitische Debatte vorab um die Frage, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen und "Anreizsys- teme" zu gestalten sind, damit schliesslich auch die erwünschte Qualität stimmt (vgl. HÖSLY, a.a.O., S. 85). 9. 9.1. Die Vorinstanz begründet ihren Standpunkt, wonach auf dem rele- vanten inländischen Verkaufsmarkt (für Levi tra, Viagra und Cialis, vgl. E. 7) der (von ihr als schutzwürdi g betrachtete) Intrabrand Preiswettbe- werb nicht durch vorbehaltene Vorschriften im Sinne von Art. 3 Abs. 1 KG verunmöglicht werde, wie folgt: 9.1.1. Vorab bestünden keine kartellgesetzausschliessenden Vorschriften, welche im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. b KG die von der Untersuchung betroffenen Unternehmen zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben mit beson- deren Rechten zur Festsetzung der Preise von Levitra, Cialis und Viagra ausstatten würden. Auch existierten keine staatlichen Vorschriften zur Preisgestaltung von Hors-Liste Medikamenten. Wolle der Staat den Preiswettbewerb in einem bestimmten Bereich beschränken, habe er gesetzlich ein Monopol zu schaffen oder einen Tarif zu fixieren. Indessen sei eine staatliche Mark t- ordnung nur anzunehmen, wenn der Gesetzgeber das Wettbewerbsprin- zip für den fraglichen Bereich habe ausschalten wollen. Vorliegend be- stünde kein krankenversicherungsrechtlicher Vorbehalt. Ein kartellg e- setzausschliessender staatlicher Eingriff in die Preisordnung bestehe ei n- zig bei den auf der Spezialität enliste aufgeführten, kassenpflichtigen M e- dikamenten, deren (maximale) Fabrikabgabe - und Publikumspreise vom BAG festgesetzt werden. Da dies nur für Medikamente auf der Spezialitä- tenliste gelte, seien im Umkehrschluss nach dem Willen des Gesetzg e- bers die P reise für Hors -Liste Medikamente vom freien Markt und im Wettbewerb zu bestimmen. B-362/2010 Seite 66 9.1.2. Auch heilmittelrechtlich seien keine vorbehaltenen Vorschriften e r- sichtlich. Zwar existiere mit der Verschreibungspflicht und dem absoluten Publikumswerbeverbot eine gewisse Marktregulierung. Doch diese wirke sich – mangels staatlich verordneter Höchstpreise – nicht auf die Prei s- festsetzung aus. Intrabrand Wettbewerb (mit dem Preis als Hauptwettb e- werbsparameter) sei unter Apotheken grundsätzlich möglich, nicht aber Interbrand Wettbewerb zwischen den verschiedenen Medikamenten, da diese in der Apotheke nur gegen ärztliches Rezept verkauft würden. 9.1.3. Schliesslich bestünden auch keine lauterkeitsrechtlichen Vorschri f- ten, welche bezüglich der fraglichen Empfehlungen die Anwendung des Kartellgesetzes ausschliessen würden. Insbesondere die gesetzliche Pflicht zur Preisangabe schütze den Konsumenten vor unlauterem Wet t- bewerb und irreführenden Preisen. Doch werde keine staatliche Markt - oder Preisordnung statuiert, die Preiswettbewerb ausschalten wolle. Da r- auf sei auch nicht Art. 18 Abs. 2 PBV gerichtet, wonach Hersteller, Impor- teure und Grossisten den Konsumenten Preise oder Richtpreise bekannt geben oder j enen bestimmte Preislisten, Preiskataloge und dergleichen zur Verfügung stellen dürfen, sofern die betreffenden Preise im zu b e- rücksichtigenden Marktgebiet für die überwiegende Menge tatsächlich gehandhabt werden. Fraglich sei, ob die Abgabe von Preisempf ehlungen für rezeptpflichtige Medikamente überhaupt von der ratio legis der Preisbekanntgabeverord- nung erfasst werde, da solche Medikamente erst nach ärztlicher Untersu- chung und Rezeptverschreibung gekauft werden könnten. Die Preisb e- kanntgabepflicht bzw. die Möglichkeit, Konsumenten (Richt-)Preise b e- kannt zu geben, legten keine massgeblichen ökono mischen Parameter (wie die Preis gestaltung) fest, sondern dienten vielmehr der Förderung des Wettbewerbs, indem Konsumenten aufgrund der Preisbekanntgabe Produkte miteinander vergleichen und ihre Wahl treffen könnten. Daran ändere auch der im Kapitel "Werbung" stehende Art. 13 Abs. 2 PBV nichts, wonach Hersteller, Importeure und Grossisten für die Werbung "Richtpreise bekanntgeben" könnten. Denn heilmittelrechtlic h sei für Le- vitra, Cialis und Viagra jegliche Publikumswerbung verboten. 9.1.4. Des Weiteren macht die Vorinstanz, ohne jedoch auf die heilmitte l- rechtliche Ordnung näher einzugehen, geltend, angesichts der heterogen strukturierten Verkaufsstellen hätte die Aufheb ung der Margen - und Ra- battordnung Sanphar vor rund zehn Jahren bei funktionierendem Wet t- bewerb einen nennenswerten Teil der Apotheken und selbstdispensieren-B-362/2010 Seite 67 den Ärzte veranlassen müssen, für verschreibungspflichtige Hors -Liste Medikamente un terschiedliche P reise zu verlangen . Wegen der Publ i- kumspreisempfehlungen sei die starre Preisordnung bis heute nahezu unverändert geblieben (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 129). Die Veröf- fentlichung und die Einhaltung der Empfehlungen verhindere den Prei s- wettbewerb, dem die "Verkaufsstellen" ohne Empfehlungen ausgesetzt wären, und sichere gleichzeitig Herstellerinnen und Verkaufsstellen eine "bequeme Marge" (vgl. Vernehmlassung Rz. 69). Auf diese Weise würden "Verkaufsstellen" die Höhe des Fabrikabgabepreises weniger in F rage stellen. Die Boykottdrohungen gegenüber Pfizer hätten gezeigt, dass die Apotheken vor allem Preisempfehlungen wollten, die ihnen eine intere s- sante Marge einräumten. Diese Erwartungen erfülle die Berechnungswei- se der Pharmaunternehmen, weshalb die Apot heken die Empfehlungen auch einhielten. Auf diese Weise würden die "Verkaufsstellen" ihre Ste l- lung gegenüber den Kunden verbessern, Rabattdiskussionen vermeiden und höhere Preise durchsetzen. Die weitgehende Einhaltung der Prei s- empfehlungen habe neben der hohen Marge weitere Vorteile: Dank K o- ordination bestünde kaum Gefahr, Kunden an "Verkaufsstellen" mit tief e- ren Medikamentenpreisen zu verlieren. Insbesondere hätten die drei Hersteller über eine vertikale Restriktion den Wettbewerb als Verfahren zur Entdec kung der effizientesten Vertrieb s- form beeinträchtigt: (1.) Die preisempfehlenden Pharmaunternehmen seien an effizienten (dichten, qualitativ hohen und kostengünstigen) Vertriebsstrukturen int e- ressiert, wären aber in einem Interessenskonflikt zwischen den Vor- und Nachteilen von mittels Publikumspreisempfehlungen festgesetzten En d- verbraucherpreisen. (2.) Apotheken seien an einem effizienten Vertrieb im eigenen Geschäft und primär an Massnahmen interessiert, die den eigenen Absatz positiv fördern. Sie hätte n jedoch auch ein Interesse an effizienten Vertriebsw e- gen auf dem Medikamentenmarkt. (3.) Die Haupttätigkeit der selbstdispensierenden Ärzte bestehe in der Pa- tientendiagnose und weiteren Behandlungsleistungen. Zweitrangig sei der Medikamentenverkauf. Dennoch seien selbstdispensierende Ärzte für den Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente wichtig. Denn die Pharmau n- ternehmen versuchten, über jene die "Kunden" zu erreichen, da diese nicht direkt beworben werden dürften. Pharmaunternehmen verkauften B-362/2010 Seite 68 somit nicht über die (selbstdispensierenden) Ärzte, sondern mit ihnen. Denn diese erhielten dafür geldwerte Vorteile sowie handelsübliche R a- batte. Die aus der Medikamentenabgabe entstehenden Kosten würden durch die mit der Empfehlung sichergestellten Marge gedeckt. De shalb interessierten sich selbstdispensierende Ärzte auch für Massnahmen, die den eigenen Medikamentenabsatz steigerten. 9.1.4.1 Jede einzelne Publikumspreisempfehlung wirke sich "zuerst auf den Intrabrand Wettbewerb aus", indem deren hohe Befolgung "zu wei t- gehend einheitlichen Publikumspreisen auf dem Markt" führe und "den Preis als Wettbewerbsparameter für das jeweilige Medikament" ausschal- te ( vgl. Vernehmlassung Rz. 65). Darüber hinaus wirkten sich die drei Publikumspreisempfehlungen "kumulativ " auf den gesamten relevanten Markt aus . In ihrer kumulativen Wirkung beschränkten die Publikum s- preisempfehlungen neben dem Intrabrand Preiswettbewerb auch die Wettbewerbsfähigkeit der Apotheken untereinander. Zudem würden d ie kumulativen Wirkungen dieser E mpfehlungen den P reiswettbewerb auf dem ganzen Markt ausschalten bzw. zumindest erheblich beschränken (vgl. Vernehmlassung Rz. 65). 9.1.4.2 Apotheken könnten mit tieferen Preisen als den empfohlenen ve r- suchen, mehr "Konsumenten" von Levitra, Cialis und Viagra zu gewinnen; die Herabsetzung des einheitlichen Packungspreises würde durch erhö h- te Verkäufe wettgemacht werden. Daher sei für den Intrabrand Wettb e- werb bedeutsam, in welchem Masse der "Patient/Kunde" die Möglichkeit habe, diejenige Apotheke zu wählen, die das verordnete Produ kt billiger als der empfohlene Preis anbiete. Sehr wahrscheinlich würde ein "Kunde, der den Preiswettbewerb heute nicht spielen" sehe, mehr Zeit für die R e- cherche nach dem tiefsten Medikamentenpreis aufwenden, wenn die Empfehlungen nicht mehr eingehalten w ürden. Die Apotheken seien an der Einhaltung der Preisempfehlung stark interessiert, weil dies das Ris i- ko reduziere, sich über Apothekerpreise zu konkurrenzieren, und gleic h- zeitig eine interessante und fixe Gewinnmarge garantiere. 9.2. Die Beschwerdeführerin widerspricht dieser Sicht mit dem Einwand, im vorliegend relevanten Markt sei kein "funktionierender Marktmech a- nismus" vorhanden. Das Kartellrecht sei hier nicht anwendbar, da ge- sundheitsrechtliche Normen einen wirksamen Wettbewerb ausschlössen. 9.2.1. Levitra sei ein verschreibungspflichtiges Medikament gegen erekt i- le Dysfunktion (Verkaufskategorie B), das erst nach ärztlicher Diagnose B-362/2010 Seite 69 bei der Abgabestelle unter Vor lage eines entsprechenden Rezeptes b e- zogen werden könne. Dies erfordere einen per sönlichen Kontakt zwi- schen dem Kunden und der zugelassenen Fachperson. Der Bezug and e- rer Medikamente mit demselben Wirkstoff oder in einer anderen Dosi e- rung sei heilmittelrechtlich nicht möglich. Nach dem Heilmittelgesetz dürften zum Schutz der Gesundheit nur quali- tativ hoch stehende, sichere und wirksame Heilmittel in den Verkehr g e- bracht werden. Gleichzeitig wolle das Heilmittelgesetz zur geordneten und flächendeckenden Versorgung mit Heilmitteln im ganzen Land be i- tragen. Die Umsetzung dieses Ziels fördere auf Stufe der Ab gabestellen die Erhaltung ineffizienter Strukturen (d.h. viele kleine, flächen deckend verteilte Abgabestellen; relativ breites Sortiment je Abgabestelle; geringe Umsätze je Produkt). Bestimmte Vertriebsformen wie der Internet - oder Detailhandel seien gänzlich untersagt oder nur eingeschränkt zulässig. Während bei rezeptpflichtigen Medikamenten Angebot und Nachfrage durch regulatorische Vorschriften begrenzt seien, bestünde im Markt für Medikamente gegen erektile Dysfunktion ein weiterer wettbewerbshem- mender Faktor: Die Scham der Nachfrager von solchen Medikamenten, sich als solche zu erkennen zu geben. Dies führe dazu, dass die "Ko n- sumenten" nicht diejenigen Abgabestellen bevorzugten, in denen sie das Medikament möglichst günstig beziehen könnten, sond ern jene, wo sie unerkannt blieben. Der "Schamfaktor" verhindere, dass sich die "Kons u- menten" untereinander über die Konditionen in den verschiedenen Abg a- bestellen austauschten, was die regulatorisch ohnehin schon stark eing e- schränkte Preistransparenz weit er verschlechtere. Dieser Schamfaktor verleite auch dazu, die Medikamente nicht auf dem legalen und sicheren Vertriebsweg, sondern über den anonymen, gefährlichen und illegalen In- ternethandel zu erwerben. Entscheidend sei, dass die Bewerbung verschreibung spflichtiger Med i- kamente aus gesundheitspolizeilichen Gründen nur sehr eingeschränkt und lediglich gegenüber Fachpersonen möglich sei. Sowohl den Herste l- lern als auch den Abgabestellen se i Publikumswerbung im Interesse an einem massvollen und sicheren Medi kamentenkonsum strikte untersagt. Zwar erteile Art. 31 Abs. 2 HMG dem Bundesrat den Auftrag, die B e- kanntgabe von Preisvergleichen für verschreibungspflichtige Arzneimittel zu ermöglichen und die Voraussetzungen dafür zu regeln. Die entspr e- chende Verordnung sei aber bisher noch nicht erlassen worden, was zu einer mangelnden Preistransparenz bei verschreibungspflichtigen Med i-B-362/2010 Seite 70 kamenten führe. Auch im Rahmen der anstehenden Revision des Heilmit- telgesetzes sei die vollumfängliche Aufrechterhaltung der bestehenden Werberestriktionen vorgesehen. Der Heilmittelgesetzgeber habe sich bei verschreibungspflichtigen Med i- kamenten im Interesse der Arzneimittelsicherheit für ein staatlich regulier- tes Umfeld und somit gegen wirksamen Wettbewerb entschieden. Ein solcher sei im relevanten Markt unmöglich: Den Abgabestellen sei es verboten, mittels Publikumswerbung den Absatz von Medikamenten g e- gen erektile Dysfunktion zu steigern. Eine Bewerbung von Preisvorteilen dürfe damit nicht stattfinden. Ein aktiver Preisvergleich durch d ie Nach- frager von Medikamenten gegen erektile Dysfunktion sei nur schwer vo r- stellbar, da dies nicht dem modernen Konsumentenverhalten entspräche und die Nachfrager zudem vorab Anonymität suchten. Somit falle ein nachfrageseitiges "shopping-around" (passiver Wettbewerb) ausser B e- tracht. Auf Stufe der Abgabestellen sei daher ein Intrabrand Preiswett- bewerb insofern ausgeschlossen, als jegliche Publikumswerbung verbo- ten und zudem Art. 31 Abs. 2 HMG noch nicht umgesetzt worden sei. 9.2.2. Daneben hätten die Abgabestellen auch keine Mittel, miteinander in einen Interbrand Wettbewerb zu treten, weil das Rezept für ein bestim m- tes Medikament den Bezug eines Konkurrenzproduktes ausschliesse. Angesichts dieser Umstände sei auf der Stufe der Abgabestellen ein wirksamer Wettbe werb im Markt für Medikamente gegen erektile Dy s- funktion aufgrund wettbewerbswidriger gesundheitsrechtlicher Vorschri f- ten unerwünscht und nicht erlaubt. Insofern stellten die relevanten Bestimmungen des Heilmittelgesetzes – entgegen den Ausführungen der Vorinstanz – eben doch vorbehaltene Vorschriften dar, die eine Anwendung des Kartellgesetzes auf den vorli e- genden Sachverhalt ausschlössen. Im Rahmen ihrer Vernehmlassung präzisiert die Beschwerdeführerin hierzu, dass trotz des heilmittelrechtlich praktisch verunmöglichten Wettbewerbs insofern noch ein sehr kleiner Raum für Wettbewerb verbleibe, als die Abgabestellen unbestrittene r- massen frei seien, ihre Publikumspreise unabhängig von den Preisemp- fehlungen selbständig festzulegen; untersagt sei ihnen aber, mit den von ihnen festgelegten Publikumspreisen zu werben (vgl. Replik Rz. 58). 9.3. Bevor in der nachfolgenden E. 9.3.2 die umstrittene Hauptfrage zum angeblichen Wettbewerbsausschluss durch vorbehaltene Vorschriften un- tersucht werden kann, ist in der E. 9.3.1 vertieft auf die einzelnen Arg u-B-362/2010 Seite 71 mente der Vorinstanz zu den auf dem relevanten Markt jeweils her r- schenden Wettbewerbsverhältnissen näher einzugehen. 9.3.1. 9.3.1.1 Zu Recht u nbestritten und nicht weiter zu prüfen sind die Darl e- gungen der V orinstanz, wonach hier keine vorbehaltenen Vorschriften nach Art. 3 Abs. 1 Bst. b KG im Sinne einer Ausstattung der Pharm a- herstellerinnen (als "Angebotsseite") mit besonderen Rechten zur Erfü l- lung öffentlicher Aufgaben zur Diskussion stehen (vgl. angefochtene Ver- fügung Rz. 85 f.). 9.3.1.2 Des Weiteren geht die Vorinstanz, wie bereits in der E. 8.3.5.1 ge- zeigt wurde, von der zutreffenden (und ebenfalls unbestrittenen) Anna h- me aus, dass bei kassenpflichtigen Medikamenten staatlich in die Prei s- ordnung eingegriffen wird, indem die (maximalen) Fabrikabgabe - und Publikumspreise amtlich festgesetzt werden, was die Anwendung des Kartellgesetzes nach Art. 3. Abs. 1 Bst. a KG ausschliesst. Dass jedoch , wie die Vorinstanz geltend macht, ausgehend von d ieser Prämisse im Umkehrschluss die Preise aller Hors-Liste Medikamente vom "freien Markt" und im Wettbewerb bestimmt werden müssten, kann jedenfalls lediglich in Bezug auf den Interbrand - und den Intrabrand - Wettbewerb der nicht verschreibungspflichtigen Hors-Liste Medikamente unbedingte Geltung beanspruchen, da hier weder die Verschreibung s- pflicht (vgl. Art. 23 Abs. 1 HMG, zitiert in E. 4.2.1.2) noch ein Publikum s- werbeverbot (vgl. Art. 31 Abs. 1 HMG, zitiert in E. 4.2.1.4) wettbewerb s- beschränkende Wirkunge n entfalten können (und auch keine weiteren einschlägigen Faktoren ersichtlich sind). 9.3.1.3 Zu hinterfragen ist jedoch die Erwägung der Wettbewerbskom- mission, wonach für Levitra, Cialis und Viagra keine wettbewerbsaus- schliessenden Vorschriften einer staatlich vo rgesehenen Markt - oder Preisordnung bestünden (Art. 3 Abs. 1 Bst. a KG), was (Prei s-)Wett- bewerb ermögliche ( vgl. angefochtene Verfügung Rz. 87). Dies trifft – entgegen der Vorinstanz – lediglich in Bezug auf die horizontale Ebene des Interbrand Wettbewerbs und da auch nur teilweise zu: 9.3.1.3.1. Wie bereits in der E. 5.2 aufgezeigt, finden sich keine nach Art. 3 Abs. 1 KG vorbehaltenen Vorschriften, welche auf der Stufe der Hersteller einem Interbrand Preiswettbewerb entgegenstehen würden. B-362/2010 Seite 72 9.3.1.3.2. Indessen bestehen solche Vorschriften auf der Stufe der Ap o- theken ( vgl. E. 5.3.1.2, E. 5.3 .2 und E. 8.3.5.2 ). Diese können deshalb nicht miteinander in einen Interbrand Wettbewerb treten, zumal das Re- zept für ein bestimmtes Medikament den Bezug eines Konkurrenzproduk- tes ausschliesst. Zu Recht wird denn auch von niemandem geltend g e- macht, dass sich die Publikumspreisempfehlungen für Levitra unter di e- sem Blickwinkel kritisieren liessen. 9.3.1.3.3. Anders wiederum ist die Lage a uf der Stufe der selbstdispen- sierenden Ärzte zu beurteilen: Die Vorinstanz erachtet im Ergebnis eine Diskussion über möglichen Interbrand Preiswettbewerb auf dieser Stufe als von untergeordneter Bedeutung (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 141 und 222) , da dort nicht der Preis der p rimäre Wettbewerbspara- meter sei. Vielmehr hätten die Pharmahersteller mit ihren Arzneimitteln auf dieser Stufe einen Qualitätswettbewerb (vgl. E. 8.2.1.2) zu führen, der sich auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit der entsprechenden Produk- te bezieht. Auch wenn die Bedeutsamkeit des hier angespro chenen Qualitätswett- bewerbs nicht zu bestreiten ist, trägt die Vorinstanz indes mit ihrer nicht näher belegten Behauptung, wonach der Arzneimittelpreis erst beim Kauf in der Apotheke eine wichtige Rolle spiele ( vgl. angefochtene Verfügung Rz. 141), den Bes onderheiten ärztlicher Behandlung nicht genügend Rechnung. Hier wird übersehen, dass der Preis insofern bereits auf der Stufe der behandelnden Ärzte eine wichtige Rolle spielt, als den Arzt bei der Verschreibung des Medikaments eine wesentliche Aufklärungs pflicht trifft, wie in der E. 7.4.2.6 gezeigt wurde. Denn der Arzt , unabhängig d a- von, ob er selbst dispensieren darf oder nicht (vgl. E. 7.4.2.4.3) , muss seinen Patienten nach der Diagnose beim Therapievorschlag (und einer allfälligen Information zu therapeutischen Alternativen) über die preisliche Seite von Arzneimitteln (insbesondere auf deren allfällige Nichtkassen- pflichtigkeit) aufmerksam machen. So wurde denn im Untersuchungsve r- fahren etwa zu Recht von ärztlicher Seite verschieden tlich darauf hing e- wiesen, dass d er Arzt seine Patienten, gerade weil die fraglichen nich t- kassenpflichtigen Arzneimittel zur Behandlung erektiler Dysfunktion so ausgesprochen teuer sind, auch über die (stark) preisreduzierende Mög- lichkeit des sogenannten "pill-cutting" aufzuklären habe. Dabei wird so verfahren, dass der Arzt im Einver nehmen mit seinem Patienten die ver- gleichsweise billigere, aber (im Vergleich zur therapieindizierten Dosis) mit doppeltem Wirkstoffgehalt versehene Pille verschreibt, welche der Pa- tient entsprechend der ärztlichen Therapieanweisung vor der Einnahme B-362/2010 Seite 73 mit einem sog. "pill-cutter"-Gerät halbieren muss (unter Aufbewahrung der Resthälfte für die nächste Einnahme). 9.3.1.4 Nicht zu folgen ist der Vorinstanz auch, wenn sie etwas apodi k- tisch dafür hält, dass der Staat, wenn er bereichsspezifisch Wettbewerb beschränken wolle, ein Monopol zu schaffen oder einen Tarif zu fixieren habe (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 60). Hier scheint sie zu überse- hen, dass nicht nur Konstellationen existieren, i n denen der Gesetzgeber vom (bewussten) Willen getragen ist, aus übergeordneten (vorab wir t- schafts- oder sozial politischen) Gründen Wettbewerb (in allen oder nur bestimmten Formen, vgl. E. 8.2.1.2) zu beschränken oder auszuschalten (vgl. E. 8.3.5.1). Abgesehen von einer staatlichen Preisbestimmung, welche den entspr e- chenden Preiswettbewerb zwingend ausschliesst (vgl. E. 8.3.5.1 und E. 9.3.1.2), kann nämlich auch eine rechtliche bzw. faktische, nicht auf Preisregulierung gerichtete Ordnung, soweit sie gewisse Wettbewerbs- formen wesentlich einzuschränken vermag, wirksamen Preiswettbewerb ausschliessen (vgl. E. 8.3.5.2) oder jedenfalls in so erheblichem Mass e schwächen, dass allfällige andere wettbewerbsbeschränkende Faktoren kaum mehr kausal ins Gewicht zu fallen vermögen. Wie in der E. 8.3.5.2 gezeigt wurde, werden von Art. 3 Abs. 1 KG auch vorbehaltene Vorschriften erfasst, mit deren Hilfe einzig aus polizeilichen Gründen, d.h. zum Schutz besonders hochstehender Rechtsgüter (wie die Gesundheit), in einem entscheidenden Ausmass auf das Zusammen- wirken der interessierten Wirtschaftsteilnehmer Einfluss genommen wird, so dass bestimmte Formen von Wettbewerb (wie z.B. Preis- oder Quali- tätswettbewerb) dadurch alleine – oder gegebenenfalls kumulativ durch hinzukommende weitere Faktoren – verunmöglicht werden. Auch ohne die explizite Absicht des Gesetzgebers, Wettbewerb (oder allenfalls nur eine spezifische Form davon) ausschalten zu wollen, können gesetzliche Normierungen den Wettbewerb faktisch ausschalten oder (in graduell un- terschiedlichem Masse) erschweren (vgl. E. 8.3.5). Ob hier, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, eine solche Konste l- lation vorliegt, ist nachfolgend zu untersuchen. 9.3.2. Die Vorinstanz anerkennt zu Recht , dass der von ihr ausgeschi e- dene relevante Markt durch die heilmittelrechtliche Verschreibungspflicht B-362/2010 Seite 74 und das Publikumswerbeverbot reguliert wird (angefochtene Verfügung Rz. 67). Dass sich diese Regulierung nach Ansicht der Vorinstanz mangels staat- lich verordneter Höchstpreise nicht auf die Preisfestsetzung auswirke (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 67), ist auch insofern richtig, als den Apothekern (bzw. den selbstdispensierenden Ärzten) keine staatlichen Preisvorgaben gemacht werden, die bereits a priori Preiswettbewerb aus- schliessen würden. Indessen ist nach den in der obigen E. 9.3.1 ange- stellten Überlegungen der vorinstanzliche Schluss nicht zwingend, wo- nach sich vorab die vom absoluten Publikumswerbeverbot geprägte Marktregulierung mangels staatlich er Höchstpreise nicht auf die Prei s- festsetzung auswirke und eben deshalb Intrabrand Preiswettbewerb (mit dem Preis als dem massgeblichen Wettbewerbsparameter) unter Apothe- ken grundsätzlich möglich sein müsse. Diese Sichtweise übersieht die Existenz anderer wettbewerbsbeschrän- kender Faktoren, w eshalb nachfolgend, wie die Beschwerdeführerin zu Recht fordert, die praktische Tragweite des Publikumswerbeverbots z u- sammen mit dem "Schamfaktor " näher zu beleuchten und deren Auswi r- kungen auf die konkret strittigen Wettbewerbsverhältnisse zu untersuchen sind. 9.3.2.1 Die in der Wirtschaftsfreiheit enthaltene Freiheit unternehmer i- scher Betätigung (vgl. E. 8.1.1) gewährleistet – neben der freien Wahl (1.) der Mitarbeiter (BGE 122 I 44 E. 3/b/cc), (2.) der Organisation (BGE 135 V 237 E. 4.2) und (3.) der Geschäftsb eziehungen (BGE 129 III 35 E. 6.1) – insbesondere auch die Freiheit der Werbung (BGE 128 I 295 E. 4b, BGE 123 I 201 E. 4, BGE 118 Ib 356 E. 4/c, Urteil des Bundesgerichts 2C_559/2011 vom 20. Januar 2012 E. 4.2; VALLENDER, a.a.O., Rz. 20 und 22 zu Art. 27 BV; JAISLI, a.a.O., Rz. 14 zu Art. 31 HMG). In BGE 123 I 201 E. 4 hat das Bundesgericht zur Wichtigkeit der Werbung festgehalten, diese sei in einem marktwirtschaftlichen System "une manière naturelle, voire nécessaire, de pratiquer la vente, car les produc teurs et les nég o- ciants doivent renseigner les consommateurs sur les prix et les qualités de leurs marchandises". 9.3.2.1.1. Für den Gesundheitsbereich jedoch steht die im Heilmittelg e- setz nicht näher definierte Arzneimittelwerbung, welche als Oberbegriff für die Fach- und Publikumswerbung gebraucht wird, in einem Spannung s-B-362/2010 Seite 75 feld zwischen Gesundheitsschutz und Umsatzförderung ( JAISLI, a.a.O., Rz. 16, 19 und 31 zu Art. 31 HMG). Nach Art. 2 Bst. a AWV gehören zur Arzneimittelwerbung – verstanden als kommerzielle Kommunikation (BGE 125 I 417 E. 3a, BGE 120 Ib 142 E. 3a; URSULA EGGENBERGER STÖCKLI, Arzneimittel -Werbeverordnung, Bern 2006, Rz. 9 zu Art. 2 AWV) – alle Massnahmen zur Information, Marktbearbeitung und Schaffung von Anreizen, die zum Ziel haben, die Verschreibung, die Abgabe, den Verkauf, den Verbrauch oder die Anwen- dung von Arzneimitteln zu fördern ( EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 8 ff. und 15 ff. zu Art. 2 AWV; vgl. zur Absatzwerbung als Massnahme, um Konsumverhalten [absatzfördernd] zu beeinflussen , Verwaltungspraxis der Bundesbehörden VPB 67.134 E. 4.1.2 sowie EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 10 zu Art. 2 AWV). 9.3.2.1.2. Nach Art. 2 Bst. b AWV gilt als Publikumswerbung die Arznei- mittelwerbung, die sich an das Publikum, d.h. an Nicht -Fachleute, richtet (vgl. JAISLI, a.a.O., Rz . 28 ff. zu Art. 31 HMG; EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 26 zu Art. 2 AWV). Sie umfasst nach Art. 15 AWV (a.) Anzei- gen in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern, Prospekte, Plakate, Run d- briefe usw.; (b.) Werbung auf Gegenständen; (c.) Anpreis ungen mittels Einsatzes audiovisueller Mittel und anderer Bild -, Ton- und Datenträger und Datenübermittlungssysteme, wie zum Beispiel im Internet; (d.) A n- preisungen anlässlich von Hausbesuchen und Vorträgen vor Laien; (e.) Anpreisungen in Arztpraxen, Tiera rztpraxen sowie an den Abgabestellen (Schaufenster, Behälter für Verkaufsware usw.) sowie (f.) die Abgabe von Mustern. Insofern umfasst die Publikumswerbung zahlreiche Massna h- men der Wort -, Ton- und Anschauungswerbung sowie die Wertwerbung. Massgebend ist nicht das Medium, sondern der Zweck der Massnahme. Somit gilt Art. 15 AWV umfass end und zwar unabhängig von der Art der Werbung oder vom Werbemedium (EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 4 zu Art. 15 AWV). Zu beachten ist, dass der Geltungsbereich der Publ i- kumswerbung weit gefasst ist, indem nicht nur Hersteller oder Vertreiber eines Arzneimittels, sondern generell alle Personen, die für ein Arzneimit- tel gegenüber dem Publikum Werbung machen, darunterfallen ( JAISLI, a.a.O., Rz. 32 zu Art. 31 HMG). 9.3.2.1.3. Von dieser an s Publikum gerichteten Werbung zu untersche i- den ist die nach Art. 31 Abs. 1 Bst. a HMG auch für verschreibungspflich- tige Arzneimittel grundsätzlich zulässige Fachwerbung (JAISLI, a.a.O., Rz. 22 ff. zu Art. 31 HMG). Darunter ist nach Art. 2 Bst. c AWV die A rz-B-362/2010 Seite 76 neimittelwerbung zu verstehen, die sich an zur Verschreibung, Abgabe oder zur eigenverantwortlichen beruflichen Anwendung von Arzneimitteln berechtigte Fachpersonen richtet. 9.3.2.1.4. Nicht als Werbung gelten demgegenüber nach Art. 1 Abs. 2 Bst. c AWV alle Informationen allgemeiner Art über die Gesundheit oder über Krankheiten, sofern sich diese weder direkt noch indirekt auf b e- stimmte Arzneimittel beziehen (wie Packungsmaterial oder Arzneimittelin- formation; JAISLI, a.a.O., Rz. 33 ff. zu Art. 31 HMG). 9.3.2.2 Nach Art. 31 Abs. 1 HMG ist Werbung für Arzneimittel grundsät z- lich erlaubt, wobei Publikumswerbung nur für rezeptfrei erhältliche Arz- neimittel gemacht werden darf (vgl. Botschaft zu einem Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte [Heilmittelgesetz, HMG] vom 1. März 1999 [Botschaft HMG], BBl 1999 III 3453, S. 3517). Insofern gilt die Freiheit der Werbung nicht absolut und insbesondere dann nicht, wenn zum Polizeigüterschutz verhältnismässige gesundheit s- polizeiliche Einschränkungen angezeigt sind (vgl. JAISLI, a.a.O., Rz. 17 zu Art. 31 HMG; Urteil des Bundesgerichts 2C_367/2008 vom 20. November 2008 E. 4.1; EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 12 zu Art. 2 AWV), we l- che die Sicherheit der Herstellung und den Schutz der Patienten bezw e- cken und in mehr oder wenig er starkem Ausmass das Wettbewerbsve r- halten auf dem entsprechenden Markt zu beeinflussen vermögen (vgl. HEER, a.a.O., S. 123). 9.3.2.2.1. Von nicht sachgerecht in Verkehr gebracht en Heilmitteln kann eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Gesundheit – als besonder s hochwertiges Rechtsgut (BGE 118 Ia 427 E. 6b) – ausgehen ( KIESER, a.a.O., Rz. 15, S. 154 mit Verweis auf VPB 2003 IV 1340 f.). Da der G e- sundheitsschutz eine (grundrechtskonforme) Einschränkung der Wir t- schaftsfreiheit zulässt ( KIESER, a.a.O., Rz. 15 , S. 154 f. mit Hinweisen), steht im Heilmittelgesetz die gesundheitspolizeiliche Zwecksetzung im Vordergrund (vgl. Art. 1 Abs. 1 HMG). Mit ihr soll verhindert werden, dass Patientinnen und Patienten zu viele oder nicht die optimalen Arzneimittel einnehmen (BGE 123 I 201 E. 4; KIESER, a.a.O., Rz. 15 , S. 154 mit Hin- weisen sowie Rz. 44 , S. 170 ; JAISLI, a.a.O., Rz . 46 zu Art. 31 HMG); THOMAS POLEDNA, Allgemeiner Überblick, SBVR VIII – Gesundheitsrecht, a.a.O., Rz. 48, S. 32). B-362/2010 Seite 77 Mit anderen Worten geht es beim erstrebten Schutz der öffentlichen G e- sundheit um die Bekämpfung eines übermässigen oder missbräuchlichen Konsums therapeutis cher Substanzen (BGE 123 I 201 E. 5a; EICHEN- BERGER/MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 232; EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O ., Rz. 44 und 48 zu Art. 2 AWV sowie Rz. 53 zu Art. 5 AWV; RICHLI, a.a.O., S. 344 ff.). Auf diese Weise dient das Heilmittelgesetz, welches frei von sozialpolitisch motivierten Regelungen ist, dem Anl iegen einer zweckent- sprechenden sowie massvollen Verwendung von Heilmitteln ( EICHENBER- GER/MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 233 und S. 235). 9.3.2.2.2. Aus den oberwähnten gesundheitspolizeilichen Gründen ist nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a HMG Publi kumswerbung für Arzneimittel, die nur auf ärztliche Verschreibung hin abgegeben werden dürfen, unzulä s- sig. Nach Art. 21 AWV ebenso unzulässig ist auch: (a.) das Bewerben von Indikationen oder Anwendungsmöglichkeiten, für die es eine ärztliche oder eine tie rärztliche Diagnose oder Behandlung braucht; (b.) jede au f- dringliche, marktschreierische Werbung; (c.) Werbung, die den Anschein erweckt, es handle sich um einen redaktionellen Beitrag; (d.) das Entg e- gennehmen von Arzneimittelbestellungen anlässlich von Ha usbesuchen, Ausstellungen, Vorträgen, Werbefahrten und dergleichen sowie auf Grund von adressierter Direktwerbung; (e.) die direkte Abgabe von Arzneimitteln zum Zwecke der Verkaufsförderung; (f.) das Abgeben von Gutscheinen für Arzneimittel; (g.) jede Auff orderung zur Kontaktnahme mit der Zula s- sungsinhaberin; (h.) die Durchführung von Wettbewerben. Mit der Beschränkung der Publikumswerbung auf Arzneimittel, die nicht verschreibungspflichtig sind, soll insbesondere verhindert werden, dass sich Patienten mit Krankheiten, die einer ärztlichen Diagnose und Ther a- pie bedürfen, selbst behandeln oder als Folge solcher Werbung von i h- rem Arzt bestimmte Arzneimittel verlang en (Botschaft zum HMG, a.a.O., S. 3518; EGGENBERGER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 7 zu Art. 3 AWV sowie Rz. 5 zu Art. 14 AWV). 9.3.2.2.3. Mit diesem umfassend ausgestalteten Publikumswerbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel wird allen Apotheken und selbs t- dispensierenden Ärzten generell verboten, in Werbemedien für solche Produkte mit Preis- oder Sachinformationen auf das eigene Angebot au f- merksam zu machen, was ihnen erst erlauben würde, sich von der "Ko n- kurrenz" zu profilieren. B-362/2010 Seite 78 Dies ist insofern wichtig, als für Nachfrager von Wirtschaftsgütern im Vor- feld von Kaufentscheidungen in der Regel die Suche nach Preisinformati- onen sehr bedeutsam ist (vgl. SEBASTIAN VAN BAAL, Das Preissuchverhal- ten der Konsumenten – Ein verhaltensökonomisches Erklärungsmodell auf der Basis de r Theorie des Anspruchsniveaus, Diss. Köln 2011, S. 1). Voraussetzung dafür wäre indessen Markt- bzw. Preistransparenz (vgl. dazu JOCHEN SCHUMANN/ULRICH MEYER/WOLFGANG STRÖBELE, Grundzü- ge der mikro -ökonomischen Theorie, 9. Aufl., Berlin 2011, S. 216). Bei – idealtypischer – Preistransparenz kennen alle Marktteilnehmer vollstä n- dig, zutreffend und aktuell die am jeweiligen Markt angebotenen Leistu n- gen und deren Preise. Ökonomisch betrachtet verschärft eine hohe Preis- transparenz für die Anbieter die Risiken, die mit einer zu hohen Preisfest- setzung verbunden sind, da die hohe Preistransparenz zu vermehrter Preisflexibilität führt, indem Preisveränderungen von Konkurrenten schnell marktwirksam werden. Wie hoch der Grad an Preistransparenz auf einem Absatzmarkt tatsächlich ist, hängt wesentlich vom Umfang der Werbemöglichkeiten für die abzusetzenden Produkte ab sowie von einem allfälligen Aufwand für die nachfrageseitige Informationsbeschaffung. I n- sofern spielen die Werbemöglichkeiten für die Markt - wie auch Prei s- transparenz eine entscheidende Rolle. Dürfen verschreibungspflichtige Medikamente weder von Herstellern, noch von Apotheken noch von selbstdispensierenden Ärzten beworben werden, fehlen den Endkonsumenten die entsprechenden Informationen, welche für Preistr ansparenz unabdingbar sind. Insbesondere entfällt die Möglichkeit, sich über das Internet zu den Preisen zu informieren. Zur Bedeutung dieses umwälzenden Informationskanals halten Arnold Picot und Rahild Neuburger zutreffend fest ( PICOT/NEUBURGER, in: Hoer en/ Sieber [Hrsg.], Multimedia -Recht, 31. Ergänzungslieferung, Stand: 2012, Rz. 111-113): "Das Internet verändert jedoch nicht nur die Anzahl der potenziellen Konkurre n- ten. Es führt vor allem zu einer größeren Transparenz über vorhandene Produkte und Konditionen. Die typischen Märkte der klassischen Ökonomie lassen sich durch einen geringen bis mittleren Grad an Markttransparenz charakterisieren. Dies bedeutet, dass die Nachfrager nur einen geringen bis mittleren Überblick über die Zahl der Anbieter so wie über Preis und Qualität der Angebote haben. Die zunehmende Durchdringung der Märkte mit Internet und Informations - und Kommunikationstechniken sowie die damit e inhergehende umfassende und al l- zeitige Verfügbarkeit von Informationen auch für Nachfrager f ühren zu einer ste i- genden Markttransparenz. Nachfrager können sich bei gleichen Transaktionsko s-B-362/2010 Seite 79 ten in Form von Such - und Informationskosten weitaus mehr Informationen über Anbieter, Produkte, Leistungen und insbesondere Preise einholen als dies früher der Fall war." Mit dem fraglichen Publikumswerbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente wird Apotheken und selbstdispensierenden Ärzten unter- sagt, sich durch Werbung (irgendwelcher Art) gegenüber der Konkurrenz mit preislich günstigeren Angeboten im Be wusstsein der Patienten zu präsentieren. Damit lässt dieses Werbeverbot die Markttransparenz für solche Medikamente entfallen oder schränkt sie zumindest sehr stark ein. Insofern bedeutet das Publikumswerbeverbot für Levitra nach der info r- mationsökonomischen Theorie der Werbung eine sogenannte "negative Markttransparenz", und ist insofern mit stark eingeschränkte n "Markt- transparenzeffekten" verbunden (vgl. dazu BURKHART MENKE, Die moder- ne, informationsökonomische Theorie der Werbung und ihre Bedeutung für d as Wettbewerbsrecht, dargestellt am Beispiel der vergleichenden Werbung, GRUR 1993, S. 718 ff.). Damit schafft das in Art. 32 Abs. 2 Bst. a HMG (i.V.m. Art. 14 und Art. 21 AWV) verankerte Publikumswerbeverbot im Interesse des Gesundheit s- schutzes im Ergebn is eine praktisch preiswettbewerbsfreie Sphäre, was zweifellos ein einschneidender Eingriff in den Wettbewerb, insbesondere in die Wirtschaftsfreiheit, bedeutet (vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 12 , S. 150 f.; vgl. insbes. auch HELMUT KÖHLER, in: Köhler/Born kamm, Beck'sche Kurzkommentare – Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, 30. Aufl., München 2012, Rz. 13.28 zu § 4 D-UWG, wonach mit staatlichen Werbe- verboten hoheitlich in den Wettbewerb zwischen Privaten eingegriffen wird; EICHENBERGER/MARTI/STRAUB, a.a.O., S. 232). 9.3.2.3 Dieser Umstand erhält umso mehr Gewicht, wenn er insbesonde- re vor dem Hintergrund folgender Überlegung gesehen wird: Wenn eine abgestimmte Verhaltensweise nach Art. 4 Abs. 1 KG, wie die Vorinstanz zutreffend darlegt (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 93 ff.), ei- ne Wettbewerbsbeeinträchtigung bewirken bzw. bezwecken muss, so setzt dies voraus, dass im fraglichen Markt Wettbewerb auch in einem hinlänglichen Masse möglich sein muss, indem Marktverhältnisse her r- schen sollten, welche den, wie auch immer umschriebenen und als schützenswert postulierten Wettbewerb (vgl. E. 8.2.1.1 ff.) in genüge n- dem Ausmass zulassen, so dass dieser in der Folge auch durch entspr e-B-362/2010 Seite 80 chende kartellwidrige Abreden oder abgestimmte Verhaltensweisen – (zumindest) direktkausal – beeinträchtigt werden könnte. 9.3.2.3.1. Gegen diese Sichtweise liesse sich einwenden, dem im Kartell- gesetz nicht definierten Begriff des wirksamen Wettbe werbs (vgl. E. 8.2.1.1) lasse sich keinerlei Untergrenze für die herrschende Wettb e- werbsintensität entnehmen, welche das Bedürfnis nach Schutz gegen al l- fällige zusätzliche private Beschränkungen entfallen lies se. So gesehen liesse sich argumentieren, bei einem durch Publikumswerbeverbote "r e- duzierten Wettbewerbsrahmen" könne dem Kartellgesetz allenfalls sogar noch eine viel höhere Bedeutung zukommen als bei "frei herrschendem Wettbewerb". Dazu ist einzuräumen, dass tatsächlich nicht jegliche staatliche, den Wettbewerb tangierende Marktintervention zu einer Ausschaltung d es Wettbewerbs (verstanden als Rivalitätsprinzip ) führt. Indes drängt sich unabweisbar die Frage auf, bei welcher Intensität eines entsprechenden Eingriffs in die konkret in Frage stehende "Wettbewerbsstruktur" bzw. in den konkreten "Wettbewerbsprozess" davon auszugehen wäre, dass eine den Wettbewerb beei nträchtigende Regelung noch genügend Raum für eine sinnvolle Anwendung wettbewerbsrechtlicher Prinzipien lässt. 9.3.2.3.2. Obschon alle Apotheken, wie die Vorinstanz zu Recht einräumt (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 252), ein Interesse an einem effizienten Vertrieb und an Massnahmen haben mögen, die primär den eigenen A b- satz fördern, nimmt ihnen das Publikumswerbeverbot ihr wirksamstes Kommunikationsinstrument für Preiswettbewerb aus der Hand, nämlich die Preiswerbung. Solange das aus gesundheitspolizeilichen Erwägu ngen eingeführte Pu b- likumswerbeverbot (E. 9.3.2.2.1 f.) eine wirksame Preispublizität unter Apotheken und selbstdispensierenden Ärzten nicht erlaubt, lässt sich, wie bereits erwähnt, keine für Patienten leicht zugängliche Preistransparenz herstellen. Genau diese Transparenz wäre aber eine unabdingbare Vo r- aussetzung für wirksamen Intrabrand Preiswettbewerb unter Apotheken und selbstdispensierenden Ärzten , wie ihn die Vorinstanz fordert . Denn der vom Kartellgesetzgeber postulierte wirksame Wettbewerb bedarf des Mediums der Werbefreiheit (vgl. E. 9.3.2.1). Dies wird besonders deutlich, nachdem sich Apotheken sowie selbstdispensierende Ärzte nur mit dieser Freiheit, ihre Produkte umfassend bewerben zu dürfen, gegenüber ihren B-362/2010 Seite 81 "Konkurrenten" als "bessere Geschäftspartner" positionieren können, wenn sie mit günstigeren Preisen auf sich aufmerksam machen wollen. Aber selbst diese Einschätzung ist zumindest in Bezug auf selbstdispe n- sierende Ärzt e fragwürdig, wenn das rechtlich und psychologisch ko m- plex strukturierte Arzt–Patientenverhältnis im Lichte der gesundheit s- rechtlich relevanten Normen (E. 7.4.2), insbesondere seiner berufseth i- schen Pflichten (E. 7.4.2.2.3 und E. 7.4.2.4.2) betrachtet und bedacht wird, dass der Medikamentenverkauf für den Arzt nur eine untergeordnete Rolle spielen darf (vgl. E. 7.4.2.4.3 und E. 7.4.3.3; BGE 131 I 205 E. 3.2). Dass, wie die Vorinstanz meint , die Werbung für Medikame nte gegen erektile Dysfunktion nicht a pri ori verboten sei, sondern eine allgemeine Werbung für entsprechende Produkte ohne konkrete Nennung eines b e- stimmten Arzneimittels erlaubt wäre ( vgl. angefochtene Verfügung Rz. 67), ist nicht relevant, da die Vorinstanz eine Form des Preiswettbe- werbs auf de r Stufe der Apotheken und selbstdispensierenden Ärzte schützen möchte, den sie – kausal betrachtet – einzig durch die Empfeh- lung als beseitigt erachtet. 9.3.2.3.3. Erneut zu betonen ist, dass es – entgegen den Ausführungen der Vorinstanz – hier nicht um eine allfällige wirtschaftspolitische Interven- tion in den "marktwirtschaftlichen Mechanismus der Preisbildung" geht, sondern um die wirtschaftspolizeiliche Intervention in den Wettbewerb zum Schutz der Patienten vor übermässigem oder unsachgemässem Medikamentenkonsum sowie zur Verhinderung unsachlicher Einflus s- nahme auf den verschreibenden Arzt (vgl. E. 9.3.2.2.2). Diese hoheitliche Intervention ist als Publikumswerbeverbot ausgestaltet und beschränkt die Marktauftrittsmöglichkeiten der Apotheken und der selbstd ispensie- renden Ärzte in so entscheidendem Ausmass, dass sinnvoller Intrabrand- Preiswettbewerb, wie ihn die Vorinstanz postuliert, bereits im Ansatz als illusorisch erscheint, wie die Beschwerdeführerin zu Recht rügt. Wird daher Preiswettbewerb bereits durc h Werbeverbote faktisch veru n- möglicht, muss von einer gesundheitspolizeilichen Rahmenordnung au s- gegangen werden, welche einer kartellgesetzlichen Intervention insofern Schranken setzt, als bereits die Möglichkeit sinnvollen Preiswettbewerb zu betreiben, wi rksam unterbunden wird und zwar durch die im öffentl i- chen Interesse liegenden gesundheitspolizeilichen Vorschriften zur Ve r- hinderung von Medikamentenmissbrauch und verantwortungslose r Selbstmedikation (vgl. E. 9.3.2.2.1). Mit anderen Worten führt das Publ i-B-362/2010 Seite 82 kumswerbeverbot – als absolutes Verbot wirtschaftlicher Kommunikation zur Herstellung von Preistransparenz auf dem fraglichen Markt – zu einer so weitgehenden Ausschaltung des Wettbewerbsprinzips, dass nicht nur kein genügender Raum für die Anwendung wettb ewerbsrechtlicher Prin- zipien mehr besteht, sondern erst Recht kaum noch Raum verbleibt für die von der Vorinstanz erhobenen wettbewerbsrechtlichen Vorwürfe. 9.3.2.3.4. Für diese Sichtweise spricht insbesondere auch der Umstand, dass der Bundesrat in Art. 31 Abs. 2 HMG beauftragt wird, die Vorausset- zungen für die Bekanntgabe von Preisvergleichen für verschreibung s- pflichtige Arzneimittel zu regeln. In seiner Botschaft zum Heilmittelgesetz hielt der Bundesrat fest (a.a.O., S. 3517): "Das Publikum benötigt andererseits ab er Informationen, damit es vom Wettb e- werb profitieren kann. Beispielsweise soll ein Patient ohne grosse Suchkosten mögliche Preisunterschiede von Arzneimitteln ermitteln können. So sollen n a- mentlich auch die Krankenkassen ihre Versicherten auf günstige Bez ugsquellen aufmerksam machen dürfen. Absatz 2 hält deshalb die Zulässigkeit von Preisve r- gleichen bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auch für den Fall fest, dass diese Art Werbung sich ans Publikum richtet. Um der Gefahr zu begegnen, dass unter dem Vorwand von Preisvergleichen in erster Linie für das Produkt gewo r- ben wird und somit die Werbeverbotsvorschriften gemäss Artikel 32 umgangen werden, erhält der Bundesrat den Auftrag, die genauen Bedingungen zu defini e- ren, die diese Art Anpreisung respekti eren muss. Mit diesen Regeln soll jede Werbung, die direkt oder indirekt eine Mengenausweitung verursachen könnte, untersagt bleiben." Dieser Rechtsetzungsauftrag kann sinnvollerweise nur als Ausdruck dafür aufgefasst werden, dass der Gesetzgeber hier ein Korrektiv gegen fe h- lenden Preiswettbewerb setzen wollte, sich also von der Einsicht leiten liess, dass gerade durch das Publikumswerbeverbot (für verschreibung s- pflichtige Arzneimittel) der von der Vorinstanz geforderte Preiswettbewerb in einem Ausmass verh indert wird, was den entsprechenden Rechtse t- zungsauftrag zur Ermöglichung von Preisvergleichen notwendig machte. Denn ohne diese "Gegenausnahme" zum Publikumswerbeverbot für ve r- schreibungspflichtige Arzneimittel, welche erst das Terrain für (freilich g e- sundheitspolizeilich eingeschränkte) Preisvergleiche ermöglichen würde , lässt sich – mangels Preistransparenz – ein wirksamer Preiswettbewerb kaum denken, wie der Bundesrat in seiner Botschaft mit der Wendung ("vom Wettbewerb profitieren") klar zum Ausdruck b ringt (Botschaft zum HMG, a.a.O., S. 3517). Damit wird zutreffend unterstellt, dass ohne B-362/2010 Seite 83 (staatlich regulierte) Bekanntgabe von Preisvergleichen, welche erst die für Preiswettbewerb notwendige Preistransparenz herstellen könnte, "das Publikum" vom Wettbewerb eben nicht profitieren könne. Anzumerken ist, dass der Bundesrat den ihm in Art. 31 Abs. 2 HMG über- tragenen Rechtsetzungsauftrag bis heute nicht umgesetzt hat (vgl. VPB 70.92 E. 4.1). 9.3.2.4 Ob allerdings die mit dem heilmittelrechtlichen Publikumswerb e- verbot verbundene "negative Markttransparenz" für sich alleine (und rein abstrakt betrachtet) bereits ausreicht, um als vorbehaltene Vorschrift im Sinne von Art. 3 Abs. 1 KG gelten zu können, wie die Beschwerdeführerin meint, kann hier offengelassen werden, wenn nachfolgend die Wirkung des Publikumswerbeverbots vor dem Hintergrund des von der Beschwer- deführerin beklagten "Schamfaktors" beleuchtet wird. 9.3.2.4.1. Während die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang rügt, das Publikumswerbeverbot wirke sich erheblich auf den wirksamen Intrabrand Preiswettbewerb aus, blendet die Vorinstanz diesen Gesicht s- punkt völlig aus, indem sie betont, insbesondere die Apotheken seien an der Einhaltung der Preisempfehlung stark interessiert, weil dies das Ris i- ko reduziere, sich über Apothekerpreise zu konkurrenzieren, und gleic h- zeitig eine interessante und fixe Gewinnmarge garantiere ( vgl. angefoch- tene Verfügung Rz. 226). 9.3.2.4.2. Mit der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass das für Apotheken und selbstdispensierende Ärzte geltende Pu blikumswerbever- bot deren Auftrittsmöglichkeiten auf dem Markt (mit Blick auf den von der Vorinstanz geforderten wirksamen Preiswettbewerb) ganz entscheidend einschränkt (vgl. E. 9.3.2.2.3 ff.), wobei der bei "Erektionsstörungen" vo r- handene, psychologisch n icht zu unterschätzende "Schamfaktor" das Verhalten des Patienten bei der Suche nach (und beim Besuch in) Ap o- theken wohl kaum in wettbewerbsförderlicher Weise zu beeinflussen vermag. In diesem Zusammenhang bemängelt die Beschwerdeführerin die Diktion der Vorinstanz, welche den "Schamfaktor" als Wettbewerbsparameter be- zeichnet (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 216), diesen aber wegen des- sen Abhängigkeit vom potenz iellen Käufer (und der fehlenden Beei n- flussbarkeit durch die einzelnen "Verkaufsstellen") nicht als wirksamen Parameter gelten lassen will (angefochtene Verfügung Rz. 216; Replik B-362/2010 Seite 84 Rz. 9b). Demgegenüber fasst die Beschwerdeführerin diesen Faktor als "natürliches Wettbewerbshemmnis" für den Wettbewerb im untersuchten Markt auf (Replik Rz. 9b). 9.3.2.4.3. Entgegen der Meinung der Vorinstanz ist der Schamfaktor als wettbewerbserschwerende psychologische Grösse ein Parameter von nicht zu unterschätzender Relevanz, wenn die Frage zu prüfen ist, ob dieser zusammen mit dem Publikumswerbeverbot (als ebenfalls stark wettbewerbserschwerender regulatorischer Parameter) geeignet ist, ko n- kret zu einem Wettbewerbsausschluss zu führen. So dürfte es wohl kaum überraschen, dass ein ärztliches Rezept für L e- vitra vom Patienten wohl in der Regel als schamerregendes "Attest" sei- ner "Impotenz", "Erektionsschwierigkeiten" oder gar "Unzulänglichkeiten als Mann" aufgefasst werden dürfte , was auch die grosse Wirksamkeit des "Schamfaktors" als wettbewerbsbeeinflussender, psychologischer Pa- rameter erklären mag. Die nicht zu leugnende Möglichkeit, dass der an Erektionsstörungen le i- dende Patient den Preis bei Apotheken oder selbstdispensierenden Är z- ten nachfragen kann, um sich so ein Bild über die Preisverhältnisse und eine allfällige Rabattbereitschaft der "Verkaufsstellen" machen zu können, kann angesichts der Wirksamkeit des "Schamfaktors" vernachlässigt werden. Insofern vermöchte die Auskunftsermächtigung der Apotheker die preiswettbewerbs unterdrückende Auswirkung des heilmittelgesetzl i- chen Werbeverbotes wohl kaum wirksam zu kompensieren. Dass, wie die Beschwerdeführerin glaubt, auch insofern etwas Restwettbewerb existie- ren könnte, als Patienten des Preises wegen bei Apotheken "herumtele- fonieren", kann wohl kaum ernsthaft als der Preiswettbewerb bezeichnet werden, den sich die Vorinstanz idealtypisch als schützenswert vorzustel- len scheint. Mit anderen Worten erweist sich e in etwaiger Preisvergleich der Patienten durch direkte Preisabfragen bei Apotheken oder gar selbs t- dispensierenden Ärzten angesichts des "Schamfaktors" als eher unwahr- scheinlich. Denkbar wäre aufgrund des "Schamfaktors" allenfalls ein Preisvergleich, indem ein Patient bei mehrmaligen Bezügen in verschi e- denen Apotheken diejenige mit dem günstigsten Preis ermittelt h at und inskünftig dort seinen Bedarf an solchen Medikamenten deckt. Abges e- hen von diesem Fall, dürfte der Schamfaktor regelmässig dazu führen, dass die ohnehin schon aufgrund des Werbeverbots äusserst stark ein- geschränkte Preistransparenz durch das Konsume ntenverhalten noc h-B-362/2010 Seite 85 mals eingeschränkt wird, so dass wohl kaum mehr ausreichende Prei s- transparenz vorliegen dürfte. Für die Plausibilität dieses Gedankengangs spricht die grosse Bedeutung des "Schamfaktors", die sich indirekt am unbestrittenermassen rasanten Anstieg des (grösstenteils illegalen) Internethandels mit den Arzneimitteln Levitra, Viagra und Cialis ablesen lässt. Dies wiederum hängt ganz offen- sichtlich mit der hochgeschätzten Anonymität des Internets zusammen. Gerade weil wegen des "Schamfaktors", wie die Beschwerdeführerin e r- klärt, "sehr viele Nachfrager von ED -Medikamenten Risiken in Kauf" zu nehmen bereit sind, die objektiv betrachtet aus der Sicht eines um seine Gesundheit besorgten "Konsumenten" nicht zu verantworten seien ( vgl. Replik Rz. 56), ist wohl kaum damit zu rechnen, dass Patienten (mit dem ihre "Erektionsstörung" attestierenden Arztreze pt) grosse Recherchen nach der billigsten Apotheke unternehmen werden. 9.3.2.5 Wie vorstehend gezeigt wurde, ist der wettbewerbliche Einfluss des heilmittelrechtlichen Publikumswerbeverbots auf den Intrabrand Preiswettbewerb (zwischen Abgabestellen) nicht nur erheblich . Vielmehr muss, mit dem Schamfaktor zus ammen betrachtet, von einer so erhebli- chen Einschränkung des fraglichen Preiswettbewerbs ausgegangen wer- den, dass im vorliegenden Fall funktional betrachtet eine heilmittelrechtl i- che Regulierung anzunehmen ist , die angesichts der besonderen wet t- bewerbsdeterminierenden Umstände (Schamfaktor) im Sinne von Art. 3 Abs. 1 KG "für bestimmte Waren" (Levitra, Cialis und Viagra) Wettbewerb, das heisst den ( von der Vorinstanz als beseitigt betrachteten) Intrabrand Preiswettbewerb auf der Stufe der Apotheken und selbstdispensierenden Ärzte nicht zulässt. Insofern ist das Kartellgesetz in der strittigen Konst ellation nicht anwend- bar, was der angefochtenen Verfügung die Grundlage entzieht (vgl. E. 6.3). 9.3.2.5.1. Vor diesem Hintergrund vermag die Ansicht der Vorinstanz, wonach – kausal betrachtet – einzig die Veröffentlichung und Einhaltung der Empfehlungen den Preiswettbewerb verhindere, weshalb Apotheken mit tieferen als den empfohlenen Preisen versuchen könnten, mehr "Ko n- sumenten" von Levitra, Viagra und Cialis zu gewinnen und durch erhöhte Verkäufe die entsprechenden "Verluste" der Preisherabsetzung wettz u- machen, ebenso wenig zu überzeugen, wie die Auffassung, wonach ein "Kunde, der den Preiswettbewerb heute nicht spielen" sehe, wahrschei n-B-362/2010 Seite 86 lich mehr Zeit für die Recherche nach dem tiefsten Medikamentenpr eis aufwenden würde, wenn die Empfehlungen nicht mehr eingehalten wü r- den (vgl. angefochtene Verfügung Rz. 225). Hier hätte sich die Vorinstanz wohl fragen müssen, auf welche legale (insbesondere nicht den illegalen Internethandel umfassende) Weise sich denn die vermeintlichen "Kunden", d.h. die an Erektionsstörungen leide n- den Patienten, über tiefere Medikamentenpreise orientieren könnten, wenn das Publikumswerbeverbot einen direkten Preisvergleich a priori verunmöglicht und sich der "Schamfaktor" angesichts der Natur des M e- dikaments derart auswirkt, dass wohl kaum ernsthaft mit Nachfragen in Apotheken bzw. mit Preisverhandlungen zu rechnen ist. Mit anderen Wor- ten muss hier wohl insbesondere das Publikumswerbeverbot als Faktor gewichtet werden, welcher die Informations- und Vergleichsmöglichkeiten und damit die Preistransparen z und Preispublizität in einem Ausmass e r- schwert, dass der hinzutretende Schamfaktor – als wirksame psychologi- sche Barriere – den in Frage stehenden Preiswettbewerb geradezu au s- schliesst. Insofern dürfte auch die Auffassung der Vorinstanz, wonach bei überhöhten Verkaufspreisen ein verschriebenes Medikament einfach in einer anderen, billigeren Apotheke gekauft würde (vgl. angefochtene Ver- fügung Rz. 141), wohl kaum der Lebenswirklichkeit entsprechen. 9.3.2.5.2. Inwiefern die Ansicht der Beschwerdeführerin, wonach sich die Publikumspreisempfehlungen auf der Stufe der untersuchenden und ve r- schreibenden Ärzte insofern "wettbewerbsintensivierend" auswirkten, als sie für diese und deren Patienten ein Minimum an "Markttransparenz" ge- schaffen hätten ( Replik Rz. 7i), braucht hier nicht näher untersucht zu werden. 9.3.3. Angesichts dieses Ergebnisses muss auf die in der E. 9.1.3 zur Preisbekanntgabeverordnung aufgeworfenen Fragen nicht näher einge- gangen werden. Ebenso erübrigt sich eine Diskussion der weiteren Rügen, wonach die Publikumspreisempfehlungen nicht Bestandteil einer unzulässigen vert i- kalen Wettbewerbsabrede gewesen seien und, selbst wenn dies bejaht würde, angesichts von Rechtfertigungsgründen zulässig wären. 10. Des Weiteren verlangt die Beschwerdeführerin die Zusprechung einer Parteientschädigung für die vorinstanzliche Untersuchung. B-362/2010 Seite 87 10.1. Mit Verweis auf BGE 132 II 47 räumt sie zwar ein, dass nach bu n- desgerichtlicher Praxis für erstinstanzliche Verfahren kein Ansp ruch auf eine Parteientschädigung nach Art. 64 VwVG bestehe. Trotzdem müsse hier ein entsprechender Anspruch bejaht werden. Denn auf Untersuchu n- gen zu Preisabsprachen seien die strafprozessualen Regeln und Gara n- tien anwendbar, insbesondere die strafprozess ualen Entschädigungsr e- geln. Demnach habe ein Angeschuldigter bei Verfahrenseinstellung (bzw. ein Freigesprochener) grundsätzlich Anspruch auf Ersatz des während des gesamten Verfahrens erlittenen Schadens. Dieser Anspruch gelte, wenn sich der Schaden aus u nrechtmässigen strafprozessualen Han d- lungen ergebe. Sie sei in ein unfair geführtes, verwaltungsstrafrechtliches Verfahren verwickelt worden und habe sich gegen eine drohende Veru r- teilung und eine hohe Sanktion mit Strafcharakter wehren müssen. Unfair sei das Verfahren vor der Vorinstanz gewesen, weil diese keine richterl i- che Instanz sei. All diese Umstände rechtfertigten die Zusprechung einer Parteientschädigung, was selbst dann gelte, wenn sich das Unters u- chungsverfahren als rechtmässig herausstellen sollte. 10.2. Die Vorinstanz hat sich zu dieser Frage nicht vernehmen lassen. 10.3. 10.3.1. Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin lässt sich das vorinstanzliche Untersuchungsverfahren nicht bereits deswegen als "u n- fair" bezeichnen, weil die Vorinstanz keine richterliche Behörde ist. Das muss sie nach dem anwendbaren Verfahrensrecht auc h nicht sein (vgl. dazu die E. 3 .4 mit Verweis auf BGE 139 I 72 E. 4.2 -4.4). Insofern geht die Kritik der Beschwerdeführerin fehl. Andererseits ist ihr zuzugestehen, dass bei einer Anwendbarkeit strafprozessualer Regeln (insbes. allenfalls analog heranzuziehender Entschädigungsregeln) auch in kartellrechtl i- chen Sanktionsverfahren die Frage nach einem Entschädigungsanspruch für anwaltliche Bemühungen in erstinstanzlichen Verfahren zu diskutieren wäre. In diesem Zusammenhang besteht in der Doktrin eine Kontroverse zur Frage, ob auch in Kartellsanktionsverfahren lediglich das VwVG oder aber nur das Bundesgesetz vom 22. März 1974 über das Verwaltung s- strafrecht (VStrR, SR 313.0) Anwendung findet ( vgl. dazu im Einzelnen MARTENET, CR Concurrence, a.a.O., Rz. 4 ff. der Vorbem. zu Art. 39-43 KG). Dieser Frage muss jedoch nicht vertieft nachgegangen werden, nachdem jedenfalls keine Norm des Kartellgesetzes auf die Strafpr o-B-362/2010 Seite 88 zessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO, SR 312.0) verweist und der Gesetzgeber auch ausdrücklich darauf verzichtet hat, für Ka r- tell(sanktions)verfahren eine lex specialis zu schaffen ( MARTENET, CR Concurrence, a.a.O., Rz. 19 der Vorbem. zu Art. 39-43 KG). 10.3.2. Damit steht fest, dass zur Frage der finanziellen Folgen von Ka r- tellsanktionsverfahren einzig das Kartellgesetz in Verbindung mit dem Verwaltungsverfahrensgesetz anwendbar sind. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts, auf welche die B e- schwerdeführerin zu Recht hinweist, handelt es si ch b ei der Pflicht zur Entrichtung einer Parteientschädigung nicht um einen allgemeinen pr o- zessualen Grundsatz (vgl. dazu bereits die wegweisende Rechtspr e- chung der Rekurskommission für Wettbewerbsfragen REKO/WEF im Entscheid 99/FB-001 vom 14. Dezember 2000 E. 3, veröffentlicht in RPW 2000/4, S. 703). Vielmehr bedarf eine solche Pflicht, welche im erstinstanzlichen Verwa l- tungsverfahren nicht üblich ist, einer ausdrücklichen gesetzlichen Grun d- lage (BGE 132 II 47 E. 5.2 in Änderung der Rechtsprechung des Urt eils des Bundesgerichts 2A.191/2005 vom 2. September 2005 E. 5.1, wo nicht näher geprüft worden war, ob Art. 64 VwVG eine hinreichende g e- setzliche Grundlage für eine Parteientschädigung im erstinstanzlichen Verfahren bildet; VERA MARANTELLI-SONANINI/SAID HUBER, in: Waldmann/ Weissenberger [Hrsg.]: VwVG, Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2009, Rz. 45 zu Art. 6 VwVG). Beim Erlass des Verwaltungsverfahrensgesetzes hat der G e- setzgeber aber bewusst darauf verzichtet, die Möglichkeit der Zuspr e- chung einer Parteientschädigung auch für das erstinstanzliche Verfahren vorzusehen, später dann eine Ausnahme einzig für den Fall kollektiver Vertretung nach Art. 11a VwVG statuiert (BGE 132 II 47 E. 5.2). 10.3.3. Unbestrittenermassen enthalten weder das Kartellgesetz noch das Verwaltungsverfahrensgesetz Bestimmungen, welche die Zuspr e- chung von Parteientschädigungen für erstinstanzliche, nichtstreitige Ve r- waltungsverfahren erlauben würden. Da es sich beim Ausschluss von Parteientschädigungen für erstinstanzliche Verfahren nicht um eine echte Lücke handelt, sondern der Gesetzgeber einen Ausschluss bewusst woll- te, besteht für eine analoge Anwendung von Art. 64 VwVG , der nur für Beschwerdeverfahren gilt, kein Raum (BGE 132 II 47 E. 5.2; Entscheid der REKO/WEF 99/FB-001 E. 3, a.a.O.). Darüber hinaus lässt sich nach B-362/2010 Seite 89 herrschender Meinung auch kein Anspruch auf eine Parteientschädigung direkt aus der BV ableiten (vgl. Entscheid der REKO/WEF 99/FB-001 E. 3.4, a.a.O.; STEFAN BILGER, BSK-KG, a.a.O., Rz. 117 zu Art. 39 KG mit Hinweisen; vgl. demgegenüber den wohl überholten BGE 104 Ia 9 [E. 1], wonach eine im Einzelfall erfolgende Zusprechung einer Parteientschädi- gung gestützt auf Art. 4 aBV "an sich denkbar" sei, sofern die Ablehnung eines [gesetzlich nicht abgestützten] Entschädigungsbegehrens "in stos- sender Weise dem Gerechtigkeitsempfinden zuwiderliefe"). 10.3.4. Sollen im Lichte der jüngsten bundesgerichtlichen Rechtspr e- chung Parteientschädigungen auch in Untersuchungsverfahren vor der Wettbewerbskommission künftig zulässig sein, müsste vielmehr der Ge- setzgeber, hierzu als hinreichende Grundlage eine entsprechende Be- stimmung erlassen (vgl. BGE 132 II 47 E. 5.2). Dieser Weg wurde in der anstehenden Revision des Kartellgesetzes vom Bundesrat angedacht. I m Rahmen der Institutionenreform wird, wenn auch im Kontext eines – politisch stark umstrittenen – neuen Gerichtsmo- dells, ein entsprechender Entschädigungsanspruch für Untersuchung s- verfahren vorgeschlagen (vgl. den [undatierten] Entwurf des Bun desrates zum Bundesgesetz über Kartelle und andere Wettbe werbsbeschränkun- gen, BBl 2012 1851 ff., insbes. Ziff. 1.3.7 S. 29 sowie S. 51 f. zu E -Art. 39a KG). 10.3.5. Somit erweist sich, entgegen dem Antrag der Beschwerdeführerin, die Zusprechung einer Parteientschä digung für das erstinstanzliche Ver- fahren mangels gesetzlicher Grundlage als ausgeschlossen, weshalb das entsprechende Begehren als unbegründet abzuweisen ist. 11. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Wettbewerbskommission mit der verfügten Sanktion sowie dem Veröffentlichungsverbot für die stritti- gen Publikumspreisempfehlungen Bundesrecht verletzt. 11.1. Obschon die Vorinstanz den "Absatzmarkt" für die (wegen ihres g e- sundheitlichen Gefährdungspote nzials) verschreibungspflichtigen Med i- kamente Levitra, Cialis und Viagra angesichts der gesundheitspolizeil i- chen Regulierung grundsätzlich zu Recht nicht als einen "normalen Markt" bezeichnet, unterstellt sie im Widerspruch dazu im Ergebnis doch einen gewöhnlichen Konsumgütermarkt, ohne die Auswirkungen des Z u- sammenspiels zwischen heilmittelgesetzlichem Publikumswerbeverbot B-362/2010 Seite 90 und dem psychologisch wirksamen "Schamfaktor" auf den Intrabrand Preiswettbewerb sorgfältig zu analysieren. Insbesondere würdigt sie di e Besonderheiten der Rolle selbstdispensierender Ärzte in der Behandlung ihrer Patienten nicht gebührend. Wie in der E. 9 detailliert aufgezeigt wurde, vermögen beim strittigen M e- dikament Levitra die heilmittelgesetzlichen Rahmenbedingungen (Ve r- schreibungspflicht sowie Publikumswerbeverbot) angesichts des psych o- logisch wirksamen "Schamfaktors " (als wettbewerbsbeschränkender P a- rameter) den Intrabrand Preiswettbewerb auf der Stufe der Abgabestellen in einem Ausmasse auszuschalten, dass hier von einem gesetzlichen Vorbehalt im Sinne von Art. 3 Abs. 1 KG auszugehen ist (E. 9.3.2.5). 11.2. Insofern hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu U n- recht in der Veröffentlichung von Publikumspreisempfehlungen für Levitra eine nach Art. 49a Abs. 1 KG sanktionswürdige – und zudem nach Art. 30 Abs. 1 KG verbotswürdige – Wettbewerbsabrede nach Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 KG angenommen. Erweist sich damit die zu Lasten der Beschwerdeführerin ausgesproch e- ne Sanktion sowie das entsprechende Veröffentlichungsv erbot als recht- lich nicht haltbar, muss die angefochtene Verfügung insoweit als bundes- rechtswidrig aufgehoben werden. Die Beschwerde ist deshalb, soweit darauf eingetreten werden kann (E. 1.4 ), teilweise begründet und gutz u- heissen. Dementsprechend sind die Ziffer 1 insgesamt sowie die Ziffern 2 und 4 des Verfügungsdispositivs, soweit sie sich auf die Beschwerdefü h- rerin beziehen, aufzuheben. 11.3. Bei diesem Verfahrensausgang ebenfalls aufzuheben ist die Ziff. 7 des Verfügungsdispositivs, soweit sich diese auf die Beschwerdeführerin bezieht. Aufgrund des vorstehenden Ergebnisses darf die Beschwerd e- führerin nicht zur Tragung der vorinstanzlichen Verfahrenskosten ver- pflichtet werden, zumal sich die zu Beginn bestehenden Anhaltspunkte hinsichtlich einer allfällig unzulässige n Wettbewerbsbeeinträchtigung, welche die Eröffnung der Untersuchung veranlasst hatten, nicht erhärtet hatten (vgl. Art. 53a KG i.V.m. Art. 3 Abs. 2 Bst. c der Gebührenverord- nung KG vom 25. Februar 1998 [GebV-KG, SR 251.2]). 11.4. Da die Be schwerdeführerin im Wesentlichen obsiegt, erübrigt sich eine Diskussion ihrer weiteren Rügen, wonach die strittigen Publikums- preisempfehlungen nicht Bestandteil einer unzulässigen vertikalen Wet t-B-362/2010 Seite 91 bewerbsabrede gewesen seien und, selbst wenn dies bejaht würde, an- gesichts von Rechtfertigungsgründen zulässig wären (vgl. E. 9.3.3). 11.5. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich die Zusprechung einer Parteientschädigung für das vorinstanzliche Untersuchungsverfahren ver- langt, ist dieses Begehren als unbegründet abzuweisen (vgl. E. 10). 12. 12.1. 12.1.1. Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt in der Entscheidung s- formel die Verfahrenskosten, bestehend aus Spruchgebühr, Schreibg e- bühren und Barauslagen, in der Regel der unterliegenden Partei. Unte r- liegt diese nur teilweise, so werden die V erfahrenskosten ermässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Keine Verfahrenskosten werden Vorinstanzen auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 12.1.2. Bei diesem Verfahrensausgang ist die Beschwerdeführerin über- wiegend obsiegende Partei, zumal im Wesentlichen die Verpflichtung zur Bezahlung der Sanktion sowie das Veröffentlichungsverbot für die Prei s- empfehlungen im Streite lagen. Deshalb sind der Beschwerdeführerin in stark ermässigtem Umfang Verfahrenskosten aufzuerlegen, soweit auf ih- re Beschwerde nicht einzutreten ist (E. 1.2.4) bzw. ihr Antrag auf Zuspre- chung einer Parteientschädigung für die vorinstanzliche Untersuchung abzuweisen ist (E. 10). 12.1.3. Diese Kosten werden in Anbetracht aller relevanten Umstände auf Fr. 1'400.– festgesetzt und mit dem geleistete n Kostenvorschuss von Fr. 14'000.– verrechnet, weshalb der Beschwerdeführerin der Restbetrag von Fr. 12'600.– nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zu- rückzuerstatten sein wird. 12.2. 12.2.1. Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiege n- den Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zuspr e- chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Bei dieser "Kann -Vorschrift" handelt es sich nicht um ein Entschliessungsermessen in dem Sinn, da ss die Beschwer- deinstanz frei entscheiden könnte, ob sie den Streitwert berücksichtigen will oder nicht (BVGE 2010/14 E. 8.2). B-362/2010 Seite 92 Gemäss Art. 10 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 (VGKE, SR 173.320.2) werden insbesondere das Anwaltshonorar nach dem no t- wendigen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertreterin bemessen (Abs. 1). Der Stundenansatz beträgt für Anwälte und Anwältinnen mindes- tens Fr. 200.– und höchstens Fr. 400.–. In diesen Ansätzen ist die Meh r- wertsteuer nicht enthalten (Abs. 2). Bei Streitigkeiten mit Vermögensint e- resse kann das Anwaltshonorar oder die Entschädigung für eine nichta n- waltliche berufsmässige Vertretung angemessen erhöht werden (Abs. 3). 12.2.2. Für die erwachsenen notw endigen und verhältnismässig hohen Kosten ihrer Rechtsvertretung – in dieser Streitsache mit einem hohen fi- nanziellen Streitwert – ist der Beschwerdeführerin, da sie über wiegend obsiegt, eine reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 2 VGKE ). Soweit eine Parteientschädigung nicht e i- ner unterliegenden Gegenpartei auferlegt werden kann, wird sie der Kö r- perschaft oder autonomen Anstalt auferlegt, in deren Namen die Vori n- stanz verfügt hat (Art. 64 Abs. 2 VwVG). 12.2.3. Für ihre Rechtsvertretung hat die Beschwerdeführerin am 10. April 2013 eine detailliert begründete Kostennote eingereicht. Ausgehend von unterschiedlichen Stundenansätzen (in einer Bandbreite von Fr. 320.–/h bis Fr. 600.–/h ) macht sie für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht – ausgehend von rund 570 aufgewendeten Stunden und den Kosten für den Beizug externer Rechtsberatung en ("EU-Gutachten") – Vertretungskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 327'176.10 geltend. Dazu betont die Beschwerdeführerin, es sei an- gesichts des Vermögensinteresses der Streitigkeit gerechtfertigt, der zu sprechenden Entschädigung Stundenansätze zu Grunde zu legen, we l- che den Maximalansatz nach Art. 10 Abs. 2 VGKE von Fr. 400.-/h über- schreiten. 12.2.3.1 Bei der Bemessung der Parteientschä digung innerhalb des g e- setzlichen Rahmens steht dem Bundesverwaltungsgericht ein gewisses Ermessen zu. Das Honorar berechnet sich mithin einzig nach dem Au f- wand und nicht nach dem Streitwert. Eine summenmässig bestimmte fes- te Obergrenze besteht nicht (Urteil des Bundesgerichts 2C_343/2010, 2C_344/2010 vom 11. April 2011 E. 8.3.1 [in BGE 137 II 199 nicht publ i- zierte Erwägung ]). Indessen umfasst die Parteientschädigung nur die B-362/2010 Seite 93 notwendigen Kosten (Urteil des Bundesgerichts 2C_343/2010, 2C_344/2010 E. 8.3.4, a.a.O.). 12.2.3.2 Vorab ist der Beschwerdeführerin nicht zu folgen, soweit sie vom Maximalstundenansatz von Fr. 400.–/h abweichen und Honorar ansätze bis Fr. 600.–/h in Anwendung bringen will. Die Beschwerdeführerin miss- versteht Art. 10 Abs. 3 VGKE insofern, als d iese Norm einzig vor sieht, dass bei Streitigkeiten mit Vermögensinteresse das Anwaltshonorar – und nicht, wie die Beschwerdeführerin meint, die Stundenansätze – ange- messen erhöht werden können. Eine entsprechende Korrektur der einge- reichten Honorarnote, bei d er alle Fr. 400. –/h überschreitenden Ansätze auf dieses Maximalmass gekürzt werden, führt denn auch allein bereits zu einem Abzug von rund Fr. 40'000.–. Indes ist – angesichts des Vermö- gensinteresses der Streitigkeit – nachfolgend Art. 10 Abs. 3 VGKE bei der Bestimmung der angemessenen Höhe der Parteientschädigung zu b e- rücksichtigen. Der Beschwerdeführerin ist grundsätzlich zuzustimmen, dass es sich hier um ein komplexes Beschwerdeverfahren handelte und auf juristischem Neuland eine Vielzahl höchst anspruchsvoller Rechtsfragen zu klären wa- ren. Auch zeichnen sich die sorgfältig ausgearbeiteten Rechtsschriften der Beschwerdeführerin durch eine ausserordentlich hohe Qualität der Rechtsanalyse, insbesondere durch knapp und klar formulierte Argumen- te aus. Zu bea chten ist aber, dass die Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin bereits im Untersuchungsverfahren mit dem vorliegenden Fall in- tensiv befasst waren, wofür sie aber mangels gesetzlicher Grundlage kei- ne Parteientschädigung beanspruchen können (vgl. vorstehend e E. 10). Da sie die sich stellenden Tat- und Rechtsfragen bereits aus dem Unter- suchungsverfahren kannten und entsprechende Rechtsschriften verfasst hatten, erscheint der für das vorliegende Beschwerdeverfahren geltend gemachte Aufwand, insbesondere auch d er Gesamtstundenaufwand von rund 568 Arbeitsstunden (rund 14 Arbeitswochen), als zu hoch angesetzt. Deshalb ist angesichts des für angemessen zu erachtenden Aufwandes sowie der unbestreitbaren Komplexität der Streitsache der überwiegend obsiegenden Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung von insgesamt Fr. 60'000.– (inkl. MWST) zulasten der Vorinstanz zuz u- sprechen. Diese Parteientschädigung hat die Vorinstanz der Beschwerde- führerin nach Rechtskraft dieses Urteils zu entrichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 14 Abs. 2 VGKE). B-362/2010 Seite 94 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. 1.1. Die Beschwerde wird , soweit darauf einzutreten ist, teilweise gutge- heissen. Die Ziffern 1, 2, 4 und 7 de s Dispositivs der angefochtenen Ver- fügung werden, soweit sie sich auf die Beschwerdeführerin beziehen, auf- gehoben. 1.2. Soweit weitergehend, wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführerin werden (ermässigte) Verfahrenskosten von Fr. 1'400.– auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 14'000. – verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 1 2'600.– wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Der Beschwerdeführerin wird zulasten der Vorinstanz eine reduzierte Par- teientschädigung von Fr. 60'000.– (inkl. MWST) zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde; Beilage: Rückerstattungs- formular) – die Vorinstanz (Ref-Nr. 22-0326; Gerichtsurkunde) – das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Vera Marantelli Said Huber B-362/2010 Seite 95 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundes ge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die B e- weismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizul e- gen (Art. 42 BGG). Versand: 10. Dezember 2013