<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 98 S.433</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Pachtrecht</span> <span class="page_no">433</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Pachtrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>98</b></span> <span class="ft3"><b>Höchstzulässiger Pachtzins für ein landwirtschaftliches Grundstück.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Dem Pächter selbst steht kein Einspracherecht zu, er darf aber</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bei der einspracheberechtigten Behörde Antrag auf Einspra-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>cheerhebung gegen den überhöhten Pachtzins stellen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2.3.1.f.).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Das Milchkontingent ist seit dem 1. Mai 1999 bei der Ermitt-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lung des höchstzulässigen Pachtzinses nicht mehr einzube-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rechnen (Erw. 2.5.4.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus einem Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft5">24. August 2001 in Sachen R. B. gegen Verfügung des Finanzdepartements</span><br/> <span class="ft5">(Abteilung Landwirtschaft).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2.3.1.</span> <span class="ft7">Gegen den vereinbarten Pachtzins können der Ge-</span><br/> <span class="ft7">meinderat oder die Ackerbaustelle der Gemeinde, in welcher das</span><br/> <span class="ft7">Grundstück liegt, bei der Abteilung Landwirtschaft Einsprache erhe-</span><br/> <span class="ft7">ben (Art. 43 Abs. 1 LPG i. V. m. § 2 Abs. 1 lit. f und § 3 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">VoLPG [die in § 3 Abs. 2 lit. b VoLPG ebenfalls angeführten kanto-</span><br/> <span class="ft7">nalen Zentralstellen für Acker-, Gemüse, Obst- und Weinbau fallen</span><br/> <span class="ft7">weg, da diese in die Sektion Agrarwirtschaft und Ökologie der Ab-</span><br/> <span class="ft7">teilung Landwirtschaft integriert wurden {...}, die Einsprachebe-</span><br/> <span class="ft7">hörde mit der Bewilligungsbehörde aber nicht identisch sein darf;</span><br/> <span class="ft7">eine entsprechende Änderung von § 3 Abs. 2 lit. b VoLPG durch den</span><br/> <span class="ft7">Verordnungsgeber wäre deshalb angezeigt]). Zur Einsprache berech-</span><br/> <span class="ft7">tigt sind somit nur die eben erwähnten beiden Behörden. Die im</span><br/> <span class="ft7">bundesrätlichen Entwurf des LPG noch vorgesehene Berechtigung</span><br/> <span class="ft7">der Vertragsparteien, Einsprache zu erheben, wurde vom Parlament</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">434</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">gestrichen (Bundesblatt [BBl] 1982 I S. 295; Benno Studer/Eduard</span><br/> <span class="ft7">Hofer, Das landwirtschaftliche Pachtrecht, Brugg 1987, S. 282).</span><br/> <span class="ft7">2.3.2.</span> <span class="ft7">In casu wurde die Einsprache vom Gemeinderat O.</span><br/> <span class="ft7">erhoben und damit von einer dazu legitimierten Behörde</span><br/> <span class="ft7">(Erw. 2.3.1.). In seiner Vernehmlassung zum vorliegenden Verfahren</span><br/> <span class="ft7">teilte der Gemeinderat mit, dass er auf Begehren der Pächterschaft</span><br/> <span class="ft7">gestützt auf das LPG und die VoLPG die Rolle der anzeigenden Be-</span><br/> <span class="ft7">hörde eingenommen und dementsprechend Pachtzinseinsprache ge-</span><br/> <span class="ft7">mäss Begehren des Pächters B. gestellt habe (...).</span><br/> <span class="ft7">Wie dargelegt darf der Pächter selbst keine Einsprache erheben</span><br/> <span class="ft7">(Erw. 2.3.1.); immerhin willigte er ja mit der Verpächterseite in den</span><br/> <span class="ft7">nun als überhöht beanstandeten Pachtzins ein. Gelangt der Pächter an</span><br/> <span class="ft7">den Gemeinderat mit dem Begehren, Pachtzinseinsprache zu erheben</span><br/> <span class="ft7">und kommt die Gemeinde diesem Ansinnen nach, so stellt sich die</span><br/> <span class="ft7">Frage, ob diese Vorgehensweise (...) nicht eine Gesetzesumgehung</span><br/> <span class="ft7">darstellt, da so die fehlende Einsprachelegitimation des Pächters</span><br/> <span class="ft7">faktisch ausgehebelt wird.</span><br/> <span class="ft7">Die Qualifikation als Gesetzesumgehung hätte aber ganz gene-</span><br/> <span class="ft7">rell zur Folge, dass in den meisten Fällen eine Herabsetzung eines</span><br/> <span class="ft7">überhöhten Pachtzinses an dieser Hürde scheitern würde. Der ver-</span><br/> <span class="ft7">einbarte Pachtzins über ein einzelnes Grundstück unterliegt - im</span><br/> <span class="ft7">Gegensatz zum Pachtzins für ein Gewerbe - keiner Bewilligungs-</span><br/> <span class="ft7">pflicht im rechtstechnischen Sinne. Die einspracheberechtigten Be-</span><br/> <span class="ft7">hörden erhalten nicht von Gesetzes wegen, d.h. automatisch, Kennt-</span><br/> <span class="ft7">nis von der vereinbarten Pachtzinshöhe. Eine Kenntnisnahme erfolgt</span><br/> <span class="ft7">deshalb regelmässig via Information durch eine Vertragspartei, d.h.</span><br/> <span class="ft7">durch den Pächter (der Verpächter hat in der Regel kein Interesse an</span><br/> <span class="ft7">einer Pachtzinsüberprüfung). Am ehesten erhält ansonsten die Ab-</span><br/> <span class="ft7">teilung Landwirtschaft Kenntnis von der Pachtzinshöhe; informiert</span><br/> <span class="ft7">diese die einspracheberechtigten Behörden über die Pachtzinshöhe,</span><br/> <span class="ft7">ist dies kaum weniger problematisch als ein entsprechender Einspra-</span><br/> <span class="ft7">cheantrag eines Pächters, da die Abteilung Landwirtschaft schliess-</span><br/> <span class="ft7">lich über die Einsprache entscheiden muss (vgl. § 2 Abs. 1 lit. f</span><br/> <span class="ft7">VoLPG).</span><br/> <span class="ft7">Dass ein Anzeigerecht des Pächters an die einspracheberech-</span><br/> <span class="ft7">tigte Behörde besteht, ergibt sich aus der Entstehungsgeschichte des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Pachtrecht</span> <span class="page_no">435</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">LPG. Der Ständerat, welcher entgegen dem bundesrätlichen Entwurf</span><br/> <span class="ft7">die Einspracheberechtigung der Vertragsparteien strich, hielt dazu</span><br/> <span class="ft7">fest, dass es zum einen stossend sei, wenn einer der Vertragspartner</span><br/> <span class="ft7">das eben Vereinbarte ausser Kraft setzen lassen könne; zum anderen</span><br/> <span class="ft7">sei eine Einsprachelegitimation der Vertragsparteien überflüssig, da</span><br/> <span class="ft7">sich diese formlos an die betreffenden Behörden wenden könnten,</span><br/> <span class="ft7">womit das Verfahren in Gang komme (Amtliches Bulletin des Stän-</span><br/> <span class="ft7">derates, 4. Oktober 1983, S. 528). Mit der Streichung wollte man</span><br/> <span class="ft7">wohl einen Filter mit neutraler Prüfung einbauen, namentlich ange-</span><br/> <span class="ft7">sichts Art. 45 Abs. 3 LPG. Der Nationalrat, der die im Entwurf vor-</span><br/> <span class="ft7">gesehene Einspracheberechtigung der Parteien beibehalten wollte mit</span><br/> <span class="ft7">dem Argument, ansonsten wäre das Einspracheverfahren praktisch</span><br/> <span class="ft7">wirkungslos (Amtliches Bulletin des Nationalrates, 6. März 1985,</span><br/> <span class="ft7">S. 359), schloss sich nach einer weiteren Differenzbereinigungsrunde</span><br/> <span class="ft7">dem Ständerat an in der Hoffnung, dieser werde sich bei den anderen</span><br/> <span class="ft7">noch verbliebenen Differenzen erkenntlich zeigen (Amtliches Bulle-</span><br/> <span class="ft7">tin des Nationalrates, 16. September 1985, S. 1328).</span><br/> <span class="ft7">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine auf Anzeige des</span><br/> <span class="ft7">Pächters erfolgte Einspracheerhebung der einspracheberechtigten</span><br/> <span class="ft7">Behörde rechtmässig ist (so auch LKE LP.96.50001 vom 28. August</span><br/> <span class="ft7">1996 i. S. Ortsbürgergemeinde U. vs. Kantonale Zentralstelle für</span><br/> <span class="ft7">Ackerbau und weitere, Erw. 3.1.; Entscheid des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft7">richtshofs des Kantons Freiburg vom 24. April 1996, Erw. 3 [in:</span><br/> <span class="ft7">Freiburger Zeitschrift für Rechtsprechung, 1996, S. 110]; Armin</span><br/> <span class="ft7">Braun, Vollzugsfragen zum LPG, in: Blätter für Agrarrecht, 1985,</span><br/> <span class="ft7">S. 113). Dies trägt denn auch dem Ziel der Pachtzinsbestimmungen,</span><br/> <span class="ft7">dem Pächterschutz (...), am besten Rechnung.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">2.5.4.</span> <span class="ft7">Die Beschwerdeführer verlangen für das nicht be-</span><br/> <span class="ft7">rücksichtigte Milchkontingent einen Zuschlag von Fr. 3.--/Are (...).</span><br/> <span class="ft7">Die Abteilung Landwirtschaft stellt sich dagegen auf den Stand-</span><br/> <span class="ft7">punkt, dass seit dem 1. Mai 1999 gemäss Milchkontingentsverord-</span><br/> <span class="ft7">nung keine Bindung mehr zwischen dem Milchkontingent und dem</span><br/> <span class="ft7">Land bestehe. Das Milchkontingent stehe B. [Pächter] zu, da sein</span><br/> <span class="ft7">Vater in den für die Milchkontingentsmenge massgeblichen Jahren</span><br/> <span class="ft7">auf dem Landwirtschaftsbetrieb Milch produziert habe, die Familie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">B. [beschwerdeführende Verpächterseite] jedoch keinen Landwirt-</span><br/> <span class="ft7">schaftsbetrieb mehr in O. geführt habe und demnach keinen An-</span><br/> <span class="ft7">spruch auf ein Milchkontingent gehabt hätte (...). Dagegen wenden</span><br/> <span class="ft7">die Beschwerdeführer ein, dass es ohne Land kein Milchkontingent</span><br/> <span class="ft7">gegeben hätte; dies zeige, wem das Milchkontingent zustehe (...).</span><br/> <span class="ft7">Art. 7 Abs. 2 PZV schreibt vor, dass bei einem Milchkontingent</span><br/> <span class="ft7">auf der zugepachteten Fläche bezüglich des Basispachtzinses 3 Rap-</span><br/> <span class="ft7">pen pro Kilogramm hinzuzurechnen sind (...).</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 1 Abs. 3 der Verordnung über die Kontingentie-</span><br/> <span class="ft7">rung der Milchproduktion (Milchkontingentierungsverordnung,</span><br/> <span class="ft7">MKV) vom 7. Dezember 1998 (in Kraft seit 1. Mai 1999 [Art. 37</span><br/> <span class="ft7">MKV], SR 916.350.1) kann nur, wer einen Betrieb oder einen Söm-</span><br/> <span class="ft7">merungsbetrieb bewirtschaftet, Inhaber eines Milchkontingents sein.</span><br/> <span class="ft7">Die Kontingentsübertragung ist grundsätzlich nicht mehr an eine</span><br/> <span class="ft7">Flächenübertragung gebunden (Ausnahme: Übertragung vom Berg-</span><br/> <span class="ft7">ins Talgebiet) und erfolgt in diesem Sinne flächenunabhängig</span><br/> <span class="ft7">(Art. 32 Abs. 3 LwG-CH; Art. 3 f. MKV). Die Fläche spielt immer-</span><br/> <span class="ft7">hin insofern noch eine Rolle, als die endgültige Übertragung eines</span><br/> <span class="ft7">Milchkontingents auf höchstens 8000 kg je ha landwirtschaftliche</span><br/> <span class="ft7">Nutzfläche beschränkt ist (Art. 7 MKV); dies bezieht sich indes auf</span><br/> <span class="ft7">die Gesamtfläche und lässt sich nicht einer einzelnen Parzelle zuord-</span><br/> <span class="ft7">nen. Selbst für die endgültige Übertragung des Kontingents, welches</span><br/> <span class="ft7">mit der Pacht von Einzelparzellen übernommen wurde, ist - im</span><br/> <span class="ft7">Gegensatz zu gewissen Fällen bei der Pacht eines Gewerbes - keine</span><br/> <span class="ft7">Zustimmung des Verpächters erforderlich (Art. 29 Abs. 2 MKV).</span><br/> <span class="ft7">Zudem liegt der Landwirtschaftlichen Rekurskommission kein Indiz</span><br/> <span class="ft7">vor, dass im Pachtvertrag etwas Abweichendes geregelt worden</span><br/> <span class="ft7">wäre.</span><br/> <span class="ft7">Aus dem Vorstehenden lässt sich schliessen, dass das Milch-</span><br/> <span class="ft7">kontingent nicht mehr "auf der zugepachteten Fläche" im Sinne von</span><br/> <span class="ft7">Art. 7 Abs. 2 PZV liegt, sondern beim Pächter als Bewirtschafter</span><br/> <span class="ft7">seines Betriebes. Folglich nahm die Vorinstanz zu Recht keinen Zu-</span><br/> <span class="ft7">schlag für das Milchkontingent vor. Es bleibt anzufügen, dass auf-</span><br/> <span class="ft7">grund des neuen Milchkontingentierungsrechts eine formelle Über-</span><br/> <span class="ft7">arbeitung von Art. 7 Abs. 2 PZV zwecks Vermeidung von Missver-</span><br/> <span class="ft7">ständnissen angebracht wäre. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>