B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5383/2012 U r t e i l v o m 1 0 . S e p t e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Esther Karpathakis, Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Felice Grella, Erdös & Lehmann Rechtsanwälte, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. September 2012 / N________ D-5383/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus B._______ im Distrikt C._______ mit letztem Wohnsitz in D.______ – suchte am 17. Dezember 2008 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Erstbefragung vom 23. Dezember 2 008 und der Anhörung vom 8. Januar 2009 durch das BFM im E._______ machte er im Wesent- lichen geltend, im Jahre 2006 habe die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) mit Zwangsrekrutierungen begonnen. Er sei seit September 2005 Mitarbeiter der Firma F._______ gewesen, welche mit der LTTE verei n- bart habe, dass während der Arbeitszeit kein Anwerben für politische T ä- tigkeiten stattfinden dürfe. Er habe für die F.______ Esswaren für Schulen und ärmere Leute verteilt. Eines Tages hätten Angehörige der LTTE bei ihm zuhause nach ihm und seinen Geschwistern, welche wie er zuvor rechtzeitig hätten fliehen können, gesucht. In der Folge habe er bei sei- nem Arbeitgeber in G._______ gelebt. Sein Bruder habe nachts draussen geschlafen und sei nur zum Ess en ins Haus g egangen, wo er im Januar 2007 von der LTTE aufgegriffen und mitgenommen worden sei. Im August 2007 sei die F.______ nach G._______ gezogen, doch habe er nicht dorthin mitgehen können, da es zu gefährlich gewesen sei. Zuvor sei er beauftragt worden, wichtige Firmenunterlagen zum Hauptsitz der Organ i- sation in D.______ zu bringen, indessen habe er in D.______ nicht weiter für seinen Arbeitgeber tätig sein können, da schon öfters aus G.______ stammende Mitarbeiter von der sri -lankischen Armee bedroht worden seien. Auf dem Weg nach D.______ sei einmal seine Identitätskarte kon- trolliert worden, wobei sich die Soldaten nur über den Namen seines Heimatortes lustig gemacht hätten (vgl. BFM -Protokoll A1 S. 6) bezi e- hungsweise er anschliessend von der CID (Criminal Inve stigation D e- partment) verhört worden sei (vgl. A7 S. 4). In D.______ habe er bei einer aus seinem Dorf stammenden Familie na mens E.______ gelebt (vgl. A7 S. 7). Anfangs September 2007 habe er versucht, sich in D.______ re- gistrieren zu lassen, doch habe die Polizei dies verweigert. Einmal sei er in D._______ kontrolliert worden und man habe ihm die Identitätskarte für ein paar Stunden abgenommen. Bis zu seiner Ausreise habe er die meis- te Zeit zuhause gelebt. Eine Arbeitsste lle habe er aufgrund seiner He r- kunft aus C._______ nicht finden können. Mit Hilfe seines Freundes H._______, der ihm seine Ausreise organisiert habe, habe er schliesslich am 9. Dezember 2008 mit einem gefälschten Reisepass seine Heimat auf dem Luftweg verlassen. D-5383/2012 Seite 3 B. Mit am 18. September 2012 eröffnetem Entscheid vom 14. September 2012 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 17. Dezember 2008 ab, ordnete dessen Wegweisung an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich. C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. Oktober 2012 an das Bundesverwaltungsg e- richt Beschwerde. Es wurde die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Asylgewährung, eventualiter die Gewährung der vorläuf igen Auf- nahme beantragt. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Recht s- vertreter um Gewährung einer Frist zur Einreichung von Beweismitteln aus dem Ausland. D. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Oktober 2012 wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben, die von ihm in Aussicht gestellten Beweismittel innert dreissig Tagen nachzureichen. Im Weiteren wurde ein Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600. – mit Zah- lungsfrist bis zum 14. November 2012 erhoben, der in der Folg e fristge- recht einging. E. Mit Eingabe vom 28. November 2012 reichte der Rechtsvertreter eine Wohnsitzbestätigung des Dorfvorstehers von B._______, Distrikt C.________, vom 3. November 201 2 betreffend die Familie des B e- schwerdeführers und einen Entscheid de r französischen Asylbehörden betreffend I._______ vom 29. August 2011 ein. F. Mit Eingabe vom 19. Dezember 2012 reichte der Rechtsvertreter eine Wohnsitzbestätigung des Dorfvorstehers von B._______ vom 18. D e- zember 2012 betreffend die Familie von K._______ in Kopie samt Übe r- setzung in deutscher Sprache ein, und machte geltend, bei dieser Familie handle es sich um die Familie mit dem Nicknamen E.______, bei welcher sich der Beschwerdeführer in D._______ aufgehalten habe. G. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Februar 2013 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. D-5383/2012 Seite 4 H. In seiner Replik vom 28. März 2013 reichte der Rechtsvertreter das Origi- nal der bereits mit Eingabe vom 19. Dezember 2012 eingereichten Wohnsitzbestätigung vom 18. Dezember 2012, eine weiter e Wohnsit z- bestätigung vom 15. März 2013 und einen Registerauszug vom 9. Okt o- ber 2012 betreffend die Familie von K._______, beide im Original, ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behö r- den nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwa l- tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffen de Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsg e- suches des Staates , vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht ( Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der B e- schwerdeführer ist daher zur Ein reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e-D-5383/2012 Seite 5 gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluch t- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaf t sind insbesondere Vor bringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM erac htete in der angefochtenen Verfügung die geltend g e- machte Furcht des Beschwerdeführers vor einer Zwangsrekrutierung durch die LTTE im heutigen Zeitpunkt als nicht begründet im Sinne von Art. 3 AsylG. Im Weiteren erachtete es die Vorbringen des Beschwerd e- führers, auf dem Weg nach D._______ kontrolliert und in der Folge von Angehörigen der CID festgenommen und zum Verbleib des von der LTTE zwangsrekrutierten Bruders verhört worden zu sein, als nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG. 4.2 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe glaubhaft darlegen können, dass er von den Behörden zu seinen Verbindungen zur LTTE befragt worden sei, wobei er insbesondere Aus- kunft über seinen Bruder und dessen Mitgliedschaft bei der L TTE habe geben müssen. Aufgrund der Ausku nft des Beschwerdeführers werde sein Bruder von den Behörden gesucht, weshalb dieser 2009 nach Indien geflohen sei. In der Folge habe er in der Schweizer Botschaft sowohl in D.______ als auch in L.______ einen Asylantrag gestellt. Bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka müsse der Beschwerdeführer damit rechnen, wegen seines Bruders verhaftet zu werden. Die Einschätzung der im heutigen Zeitpunkt fehlenden Furcht des Beschwerdeführers vor künftiger Verfo l- gung ist zu bestätig en. Wie das BFM zutreffend festgehalten hat, hat der Beschwerdeführer, abweichend von seiner Aussage anlässlich der Ers t- befragung, wonach Soldaten der sri -lankischen Armee seine Identität s- karte kontrolliert und sich lediglich über den Namen seines Wohnort es D-5383/2012 Seite 6 lustig gemacht hätten (vgl. A1 S. 6) , im Rahmen der Anhörung geltend gemacht, auf dem Weg nach D._______ von der CID festgenommen und zum Verbleib des der LTTE angehörenden Bruders verhört worden zu sein (vgl. A7 S. 4). Auf diesen Widerspruch angesproch en, entgegnete der Beschwerdeführer, anlässlich der Erstbefragung sei ihm gesagt wo r- den, er solle sich kurz fassen und keine Details erwähnen (vgl. A7 S. 7). Mit dieser Erklärung vermag der Beschwerdeführer sein diesbezüglich widersprüchliches Verhalten ni cht plausibel zu erklären, handelt es sich doch bei der geltend gemachten Tatsache, verhört worden zu sein, nicht bloss um ein Detail. Daher muss das Vorbringen, von der CID zum Verbleib seines Bruders befragt worden zu sein, als nachgeschoben e r- achtet werden. Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass der Be- schwerdeführer ohne weitere Behelligungen kontrolliert wurde. Im Weite- ren wurde der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben in D.______ einmal kontrolliert und nach ein paar Stunden ohne Aufla gen wieder frei- gelassen. Auch anlässlich seines erfolglosen Versuchs, sich registrieren zu lassen, wurde der Beschwerdeführer von den Behörden nicht behe l- ligt. Bei dieser Sachlage kann davon ausgegangen werden, dass der Be- schwerdeführer bereits zu jenem Zeitpunkt von den sri-lankischen Behör- den nicht ernsthaft der Unterstützung der LTTE verdächtigt wurde. Ein Verfolgungsinteresse des sri -lankischen Staates am Beschwerdeführer, welcher nie der LTTE angehört oder diese unterstützt hat, ist nicht ersicht- lich, zumal sich die Situation nach Beendigung des Krieges in Sri Lanka wesentlich verändert hat. 4.3 In seinem Grundsatzurteil BVGE 2011/24 hat das Bundesverwa l- tungsgericht eine Beurteilung der aktuellen Lage in Sri Lanka vorg enom- men und dabei festgehalten, gemäss weitgehend übereinstimmenden Be- richten, sei insgesamt von einer seit Beendigung des militärischen Ko n- flikts zwischen der srilankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 e r- heblich verbesserten Lage auszugehen. Die LTTE gälten militärisch als vernichtet. Daher ist die Furcht des Beschwerdeführers vor einer Zwangs- rekrutierung durch die LTTE im heutigen Zeitpunkt unbegründet. Im We i- teren wird im genannten Urteil festgehalten, dass sich die Sicherheitslage in bedeutsamer Weise stabilisiert habe, auch wenn sich da s Land immer noch in einem Entwicklungsprozess befinde. Indessen habe sich gleic h- zeitig die Menschenrechtslage , namentlich hinsichtlich der Mei - nungsäusserungs- und der Pressefreiheit, weiter verschlechtert. Aufgrund der aktuell in Sri Lanka herrschenden a llgemeinen politischen, sicher - heits- und menschenrechtlichen Situation hat das Bundesverwaltungsg e- richt – im Sinne von Risikogruppen – Personenkreise definiert, deren Zu-D-5383/2012 Seite 7 gehörige heute einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen. Die Zuge- hörigkeit zu eine r Risikogruppe im Sinne des oben erwähnten Urteils ist aus den genannten Gründen nicht gegeben. An dieser Einschät zung vermag die angebliche behördliche Suche nach dem Bruder des B e- schwerdeführers, welcher der LTTE angehört haben soll und sich jetzt in Indien befinde, nichts zu än dern, wurde doch der Beschwerdeführer b e- reits vor seiner Ausreise wegen seines Bruders von den Behörden, o b- wohl mit diesen mehrmals in Kontakt gekommen, nicht weiter behelligt. 4.4 Somit hat die Vorinstanz eine begründete Furcht des Beschwerdefüh- rers vor künftiger Verfolgung zu Recht verneint. Der Beschwerdeführer erfüllt somit die Voraussetzungen zur Anerkennung der Flüchtlingseige n- schaft nicht, weshalb die Vorinstanz das Asylbegehren zu Recht abg e- lehnt hat. 5. 5.1 In der Regel hat die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichtein- treten auf ein Asylgesuch die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge. (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend hat der Kanton keine Aufenthaltsbewilli- gung erteilt und es besteht zudem kein Anspruch auf Erteilung einer so l- chen (BVGE 2009/50 E.9), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde. 5.2 Das Bundesamt regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 5.3 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtli che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in den Hei- mat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Es darf keine Person in irgendei ner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei - nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). D-5383/2012 Seite 8 Der Vollzug der Wegweisung ist vorliegend in Betrachtung dieser mas s- geblichen völker - und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig, weil – wie vorstehend dargelegt – der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei - genschaft nicht erfüllt und keine Anhaltspunkte für eine dem Beschwerde- führer in Sri Lanka drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sin- ne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) vorliegen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 5.4 Der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer erweist sich als unzu - mutbar, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situatio - nen w ie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Not - lage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). 5.4.1 In Bezug auf die allgemeine Lage in Sri Lanka kann auf die vom Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Situation im bereits erw ähnten Grundsatzurteil BVGE 2011/24 verwiesen wer den. Demnach ist seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri - lankischen Armee und der LTTE im Mai 2009 von einer erheblich verbe s- serten Sicherheitslage auszugehen, wobei sich die Situation nicht in allen Landesteilen gleich präsentiert. Da sich die Lage in der Ostprovinz wei t- gehend stabilisiert und normalisiert hat, wird der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Provinz grundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist hingegen differe n- ziert einzuschätzen, da sich die Situation dort gebietsweise sehr unte r- schiedlich gestaltet. In den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stehen – namentlich die Distrikte Jaffna und die sü d- lichen Teile der Distrikte Vavuniya und Mannar – herrscht heute weder ei- ne Situation allgemeiner Gewalt noch ist die politische Lage dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eing e- stuft werden müsste (vgl. a.a.O. E. 13.2). A ngesichts der nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber eine sorgfältige, zurückhaltende Beurte i- lung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf, wobei nebst der allg e- meinen Zumutbarkeit auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tragen ist. Ein Wegweisungsvollzug ist demnach für Personen, welche die betreffenden Gebiete erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, grundsätzlich zumutbar, sofern sie dort auf eine zumindest gleichwertige Wohnsituation wie vor der Ausreise zur ückgrei- fen können (vgl. a.a.O. E. 13.2.1.1). Liegt der Aufenthalt indessen längere Zeit zurück oder geht aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die L e- bensumstände massgeblich verändert haben könnten, sind die aktuell D-5383/2012 Seite 9 vorliegenden Lebens - und Wohnverhält nisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hin zu prüfen (vgl. a.a.O. E. 13.2.1.2). In das sogenannte "Vanni -Gebiet" hingegen, welches die Distrikte Kilinochchi und Mullaitivu (samt diesen beiden Städten), die nördlichen Teile der Distrikte Mannar und Vavuniya sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna -Distrikts umfasst, ist eine Rüc k- kehr aufgrund der aktuellen Lage – namentlich aufgrund der weitgehend zerstörten Infrastruktur und der Verminung – weiterhin als unzumutbar einzustufen (vgl. a.a.O. E. 13.2.2). 5.4.2 Bei dieser Sachlage hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü- gung die Rückkehr des Beschwerdeführers an seinen im Vanni -Gebiet gelegenen Herkunftsort zu Recht als nicht zumutbar erachtet. In dessen hat das BFM das Bestehen einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative in Colombo bejaht. Für die Beurteilung einer Aufenthaltsalternative in C o- lombo gelten, wie im obengenannten Urteil festgehalten, weiterhin die in BVGE 2008/2 festgestellten Kriterien (vg l. BVGE 2008/2 E. 7.6.1 S. 20 ff.). Das BFM wies darauf hi n, dass der Beschwerdeführer von August 2007 bis Dezember 2008 bei einer aus seinem Dorf stammenden Familie in Colombo gelebt habe. Angesichts der Tatsache, dass es dieser Familie gelungen sei, in Colombo Fuss zu fassen, sei davon auszugehe n, dass es dem Beschwerdeführer - erst recht im heutigen Zeitpunkt - möglich sein werde, nach seiner Rückkehr in Colombo eine neue Existenz aufz u- bauen, handle es sich doch bei ihm um einen jungen, gesunden Mann mit guter Ausbildung und langjähriger Berufserfahrung. 5.4.3 Auf Beschwerdeebene wurde unter Einreichung von Wohnsitzbestä- tigungen geltend gemacht, dass die Familie, bei der sich der Beschwe r- deführer in Colombo aufgehalten habe, in der Zwischenzeit ins Vanni - Gebiet zurückgekehrt sei, weshalb der Beschwerdeführer bei einer jetz i- gen Rückkehr in Colombo weder über eine gesicherte Wohnsituation noch ein Beziehungsnetz verfüge. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Feb- ruar 2013 stellte die Vorinstanz die Beweiskraft der eingereichten B e- weismittel grundsätzlich in Frage und wies im Weiteren darauf hin, dass durch nichts belegt sei, dass es sich beim auf den Bestätigungsschreiben aufgeführten K._______ um den fraglichen E.______ handle, bei dem der Beschwerdeführer gewohnt haben wolle. In der Replik vom 28. März 2013 wurde entgegnet, anlässlich der Anhörung habe der Beschwerd e- führer unter Angabe der vollständigen Wohnadresse ausgesagt, bei der D-5383/2012 Seite 10 Familie E._______ gewohnt zu haben. Obwohl es sich beim Ausdruck E._______ offensichtlich erkennbar um einen Spitz namen handle, habe die Vorinstanz es versäumt, den Beschwerdeführer nach der vollen N a- mensbezeichnung zu fragen. 5.4.4 Aufgrund der eingereichten Beweismittel steht nicht fest, ob es sich bei der Familie von K._______, welche wie behauptet im jetzigen Zei t- punkt offensicht lich im Vanni -Gebiet lebe, tatsächlich um die Familie E._______ handelt, bei welcher sich der Beschwerdeführer früher in Co- lombo aufgehalten hat. Indessen bestehen auch keine konkreten A n- haltspunkte, welche gegen die G laubhaftigkeit dieser Behauptung spre- chen, zumal sich der Beschwerdeführer bemüht hat, diese mit Beweismit- teln zu stützen. Daher kann nicht mit hinreichender Bestimmtheit vom Vorliegen besonders begünstigender Faktoren, insbesondere der Exi s- tenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie von Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wo hnsituation, ausgegangen werden, welche für die Annahme einer Aufenthaltsalternati- ve im Raum Colombo sprechen würden. Aus den genannten Gründen ge- langt das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen einer Gesamtwürdigung zum Schluss, das s der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers zum heutigen Zeitpunkt als nicht zumutbar zu erachten ist. Da den Akten keine Hinweise auf A usschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG entnommen werden kön nen, ist der Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit sie den Vollzug der Wegweisung betrifft; im Übrigen ist sie abzuweisen. Die Ver- fügung des BFM vom 14. September 2012 ist hinsichtlich der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs aufzuheben. Das BFM ist anzuweisen, den Aufen t- halt des Beschwerdeführers nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die um die Hälfte reduzie r- ten Verfahrenskosten von Fr. 300.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m . Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600. – zu verrechnen. D-5383/2012 Seite 11 Der Restbetrag von Fr. 300. – wird dem Beschwerdeführer zurückersta t- tet. 7.2 Dem teilwei se obsiegenden Beschwerdeführer ist sodann zulasten der Vorinstanz eine Entschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 VGKE). Diese Entschädigung ist entsprechend dem Grad des Durchdringens praxisgemäss um die Hälfte zu reduzieren. Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertr e- tungsaufwand lässt sich indessen aufgrund der Aktenlage zuverlässig ab- schätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden kann (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten Be- stimmungen und unter Berücksichtigung der massgeblichen Beme s- sungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist die von der Vo rinstanz auszurich- tende, um die Hälfte reduzierte Parteientschädigung demnach von Amtes wegen auf pauschal Fr. 800.– (inkl. MWSt) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-5383/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen , soweit sie den Vollzug der Wegwe i- sung betrifft; im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Verfügung des BFM vom 14. September 2012 wird bezüglich der Zi f- fern 4 und 5 des Dispositivs aufgehoben und das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 300. – werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt und mit dem einbezahlten Kostenvorschuss von Fr. 600. – verrech- net. Der Restbetrag von Fr. 300.– wird zurückerstattet. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung von Fr. 800.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: