B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-292/2014 law/auj U r t e i l v o m 22 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am (…), Pakistan, vertreten durch Laura Rossi, Fürsprecherin, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 31. Dezember 2013 / N (…). D-292/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 1. Dezember 2013 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass das BFM mit Verfügung vom 31. Dezember 2013 – eröffnet am 10. Januar 2014 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgeset- zes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ei n- trat, die Wegweisung nach Ungarn verfügte, den Beschwerdeführer unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verla s- sen, und den Kanton B._______ mit dem Vollzug der Wegweisungsverfü- gung beauftragte, dass es gleichz eitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be- schwerdeführer verfügte, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. Januar 2014 durch se i- ne Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid erheben und dabei beantragen liess, die Verfügung des BFM vom 31. Dezember 2013 sei aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei die se anzuweisen, sich für das vorliegende Asylgesuch für zuständig zu erach- ten und das Gesuch zu prüfen, dass der Beschwerdeführer in prozessualer Hinsicht beantragen liess , ihm sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren , insbesondere sei ihm die unterzeichnende Anwältin als amtliche Anwältin beizuordnen, und von der Erhebung eines Kostenvorschusses sei abzusehen, dass er ferner beantragen liess, es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, dass die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden im Rahmen vorsorglicher Massnahmen unverzüglich anzuweisen seien, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzus e- hen, dass die vorinstanzlichen Akten am 21. Januar 2014 beim Bun - desverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), D-292/2014 Seite 3 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfa h- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor d er Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass gemäss Art. 49 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europä i- schen Parlaments und des Rat es vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in e i- nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; Dublin -III-Verordnung), welche ab dem 1. Januar 2014 von der Schweiz vorläufig angewendet wird, auf das vo r- liegende Verfahren die Kriterien nach der Dublin -II-Verordnung anzuwen- den sind, dass mit Beschwerde die Verletzung v on Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder u n- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Un- angemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufg e-D-292/2014 Seite 4 zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass auf das vorliegende Gesuch das Dublin -Assoziierungsabkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mi t- gliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin - Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) zur Anwendung g e- langt, dass gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 DAA i.V.m. Art. 29a Abs. 1 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) die Prüfung der staatsvertragl i- chen Zuständigkeit z ur (materiellen) Behandlung eines Asylgesuches nach den Kriterien der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Feb- ruar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsang e- hörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Du b- lin-II-Verordnung), zu erfolgen hat, dass Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG im Weiteren voraussetzt, dass der staatsvertraglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1), dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung die Mitgliedstaaten jeden Asylantrag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von ei nem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-II-Verordnung als zuständiger Staat bestimmt wird, dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat g e- stellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung), D-292/2014 Seite 5 dass dabei – im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) – die Kriterien der in Kapitel III der Dublin -II-Verordnung ge- nannten Rangfolge anzuwenden sind (vgl. Art. 5-14 Dublin-II-Verordnung) und von der Situation im Zeitpunkt auszugehen ist, in dem die asyls u- chende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-Verordnung), dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahr ens (engl.: take back) demgegenüber keine – neuerliche – Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-II-Verordnung stattfindet, sondern ein solches insbesondere auf den materiellen Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 16 Bst. c, d und e Dublin-II-Verordnung gründet (vgl. C HRISTIAN FILZWIESER, A NDREA SPRUNG, Dublin -II-Verordnung: Das Europäische Asylzuständigkeitssy s- tem, 3. Auflage, Wien-Graz 2012, Art. 16 K5 S. 129), dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der EURODAC-Datenbank ergab, dass dieser am 29. August 2007 in Gri e- chenland, am 26. Juni 2013 in Ungarn und am 15. Oktober 2013 in Öster- reich um Asyl ersucht hat (vgl. BFM-act. A4/1, A12/5), dass demnach die erste Asylantragsstellung gemäss Art. 4 Abs. 1 Dublin- II-Verordnung in Griechenland erfolgt ist und die zweite in Ungarn, dass der Beschwerdeführer an der summarischen Befragung vom 13. Dezember 2013 zu Protokoll gab, er habe in Griechenl and keinen Asylentscheid, aber eine "Pink Card" erhalten, welche von 2 007 bis 2009 gültig gewesen sei, dass sein Asylgesuch in Ungarn negativ entschieden worden sei, er d a- gegen einen Rekurs eingereicht und keine Antwort erhalten habe, dass das BFM aufgru nd der Einträge in der EURODAC -Datenbank und der Angaben des Beschwerdeführers die ungarischen Behörden am 18. Dezember 2013 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin -II- Verordnung um Übernahme des Beschwerdeführers ersuchte (vgl. act. A13/2, A12/5), dass die ungarischen Behörden das Übernahmeersuchen des BFM am 23. Dezember 2013 innerhalb der vorgesehenen Frist (Art. 18 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung) gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin -II- Verordnung guthiessen (vgl. act. A15/1), D-292/2014 Seite 6 dass damit auch die z weite Voraussetzung für einen Nichteintretensen t- scheid gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG erfüllt ist, und das Bundesamt daher zu Recht Ungarn als für die Durchführung des Asylverfahrens z u- ständig erachtet hat, dass der Beschwerdeführer weder im Rahmen de s vorinstanzlichen Ver- fahrens noch in seiner Beschwerde die Zuständigkeit Ungarns explizit bestreitet, dass er anlässlich der Gehörsgewährung am 13. Dezember 2013 ledig- lich vorbrachte, Ausländer würden in Ungarn ebenso wie in Griechenland von politischen Parteien belästigt, dass es in Ungarn nicht schön sei und er nicht dorthin zurückkehren, sondern in der Schweiz bleiben möchte, weil er dieses Land liebe (vgl. act. A6/11 S. 8), dass er damit die Zuständigkeit Un garns für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens nicht zu widerlegen vermag, dass der Beschwerdeführer in einem vom 16. Januar 2014 datierenden, der Beschwerde beigelegten Schreiben ausführt, er habe seine Heimat im Jahr 2007 verlassen, weil sein Land besetzt worden sei und er sowie seine Brüder von den Besetzern zusammengeschlagen worden seien, nachdem er sich bei der örtlichen Polizei beschwert habe, dass das Problem seit seiner Ausreise weiter bestehe und seine Familie in seiner Abwesenheit bedroht und mehrmals zusammengeschlagen worden sei, dass in der Beschwerdeeingabe ( vgl. Ziff. 2.3.1) zur Begründung des Kassationsantrags u.a. gerügt wird, das BFM habe es unterlassen, den Beschwerdeführer zu seinen Gesuchsgründen anzuhören und die Gefahr einer allfälligen Verletzung des Non -Refoulement-Gebotes bei einer Überstellung nach Ungarn abzuklären, dies in Missachtung der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwal tungsgerichts (Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013), gemäss welcher in jedem Einzelfall zu prüfen sei, ob einer asylsuchenden Person aufgrund der Mängel des ungarischen Asylverfahrens und der dortigen Aufnahmebedingungen die Gefahr einer Grundrechtsverletzung drohe, D-292/2014 Seite 7 dass im Rahmen dieser Prüfung abzuklären sei, ob der Beschwerdefü h- rer in Ungarn bereits ein Asylgesuch gestellt habe, welches bei einer Rückkehr dann als Folgeantrag behandelt würde, mit dem nur noch neue Asylgründe geltend gemacht werden könnten, dass unter Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-4882/2013 vom 14. November 2013 geltend gemacht wird, Folgeanträ- ge hätten nicht automatisch aufschiebende Wirkung, weshalb der betre f- fende Asylsuchende in solchen Fällen eine sofort ige Rückführung ins Heimatland riskiere, dass gemäss Regierungsbeschluss vom 25. Juni 2013 seit dem 1. Juli 2013 alle Asylsuchenden in Ungarn in Haftzentren untergebracht würden, und offene Asylzentren in geschlossene umgewandelt worden seien, dass die im ungarischen Asylgesetz seit dem 1. Juli 2013 vorgesehenen Haftgründe bzw. Kriterien für die Inhaftierung von Asylsuchenden viel zu vage formuliert seien, gegen die Haftanordnung kein Rechtsmittel existi e- re, die in Intervallen von 60 Tagen überprüften Ha ftanordnungen in den vergangenen Jahren in 99% der Fälle bestätigt worden seien und unklar sei, in welchen Fällen die Asylsuchenden der Haft gegen Bezahlung einer Kaution von 500 bis 5000 Euro entgehen könnten, dass zur Begründung des Eventualantrages auf Selbsteintritt in der B e- schwerde ( vgl. Ziff. 2.3.2) vorgebracht wird, das Asylgesuch des B e- schwerdeführers in Ungarn sei mit Verfügung vom 21. August 2013 a b- gewiesen worden und die dagegen erhobene Beschwerde sei bis zu se i- ner Ausreise unbeurteilt geblieben, weshalb davon auszugehen sei, dass sein Asylgesuch nach seiner Rückkehr nach Ungarn als Folgeantrag b e- handelt würde und er nur noch neue Asylgründe geltend machen könnte, obwohl seine ursprünglich geltend gemachten Asylgründe von der Rechtsmittelinstanz in Ungarn noch nicht beurteilt worden seien, so dass die ursprünglichen Fluchtgründe des Beschwerdeführers in Ungarn nicht geprüft würden, dass sein Folgeantrag keine aufschiebende Wirkung haben und dem B e- schwerdeführer somit die sofortige Rückführung n ach Pakistan drohen werde, ohne dass seine Asylgründe je von einem Dublin -Vertragsstaat geprüft worden wären, und dies dem Ziel der Dublin -II-Verordnung wider- spreche, wonach jeder Asylantrag, den ein Drittstaatsangehöriger an der D-292/2014 Seite 8 Grenze oder im Hoheitsgebi et eines Mitgliedstaates stelle, durch die Mi t- gliedstaaten (inkl. Rechtsmittelverfahren) geprüft werde, dass dem Beschwerdeführer in Ungarn zudem eine monate- bis jahrelan- ge Haft unter menschenunwürd igen Bedingungen und damit eine Verlet- zung der EMRK drohe, dass ferner das Recht des Beschwerdeführers auf eine wirksame B e- schwerde durch das ungarische Asylrecht verletzt würde, dass diese Einwände jedoch, wie nachfolgend dargelegt, einen Selbstein- tritt der Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung offensichtlich nicht zu rechtfertigen vermögen, dass in Abweichung der erwähnten Zuständigkeitskriterien respektive Z u- ständigkeitsbestimmungen nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen kann, auch wenn nach den in der Verordnung vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht), wobei diese Bestimmung nicht direkt anwen d- bar ist, sondern nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 S. 635 f.), dass Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sodann vorsieht, dass das BFM auch aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin -II-Verordnung ein anderer Staat zuständi g ist, wobei diese Bestimmung den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 4.1 S. 114 f., BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.), dass hingegen bei drohendem Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie insbesondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II, SR 0.103.2) oder das Übereinkommen vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts besteht (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2 S. 636 f., F ILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K8 K11 S. 74), D-292/2014 Seite 9 dass die Dublin -II-Verordnung von der Prämisse ausgeht, dass alle am Gemeinsamen Europäischen Asylsystem beteiligten Mitgliedstaaten ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen, und diese Vermutung grundsätzlich gilt, solange nicht erhärtet ist, dass der Zielstaat der Übe r- stellung seine Mindestverpflichtungen aus dem Gemeinschaftsrecht sy s- tematisch nicht respektiert, dass asylsuchende Personen diese Vermutung nur umstossen können, wenn sie ernsthafte Hinweise für die Annahme darzulegen vermögen, dass die zuständigen Behörden in ihrem Fall die staatsvertraglichen Ve r- pflichtungen nicht respektiere n und ihnen den notwendigen Schutz nicht gewähren sollten (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f. S. 637 ff.; Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte [EGMR], M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Appl. No. 30696/09], Urteil vom 21. Januar 2011, § 84-85 und 250; Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493/10), dass Ungarn als Signatarstaat der FK, der EMRK und der FoK und als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung zuständiger Staat gehalten ist, die Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindes t- normen für Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung und Abe r- kennung der Flüchtlingseigenschaft (sog. Verfahrensrichtlinie) so wie die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaa- ten (sog. Aufnahmerichtlinie) anzuwenden und umzusetzen, dass Ungarn auf die u.a. vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) am ungarischen Asylsystem geübte Kritik reagiert und sowohl auf gesetzlicher Ebene als auch in der Praxis die Be- hebung von Mängeln angekündigt bzw. mit deren Umsetzung begonnen hat, wobei insbesondere der Verzicht auf eine quasi-systematische Inhaf- tierung von Asylsuchenden und auf die Einstufung von Serbien als sich e- rem Drittstaat sowie die materielle Prüfung der Asylgesuche von allen Personen, welche im Rahmen des Dublin -Abkommens nach Ungarn überstellt we rden (Dublin -Rückkehrer), hervorzuheben sind (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 5- 8), dass der EGMR in einem Urteil vom 6. Juni 2013 aufgrund dieser Ve r- besserungen zum Schluss gelangte, asylsuchende Personen seie n bei einer Überstellung nach Ungarn gestützt auf das Dublin -Abkommen nicht D-292/2014 Seite 10 einer realen und individuellen Gefahr einer Art. 3 EMRK widerspreche n- den Behandlung ausgesetzt (vgl. EGMR, Mohammed gegen Österreich [Appl. No. 2283/12], Urteil von 6. Juni 2013, § 106), dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner bisherigen Praxis davon ausging, Ungarn komme kraft seiner Mitgliedschaft im Dublin -System grundsätzlich seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach (vgl. etwa die Urteile D-4044/2013 vom 23. Juli 2013, D-4197/2013 vom 25. Juli 2013, E-4194/2013 vom 13. August 2013 und D -4809/2013 vom 3. September 2013), dass jüngste Entwicklungen in Ungarn Anlass zu erneuter Kritik gegeben haben, dass zum einen die Asylgesuchszahlen in Ungarn im ersten Halbjahr 2013 auf über 10'000 angestiegen sind, was offenbar zu einer spürbaren Verschlechterung der Aufnahmebedingungen geführt hat (vgl. Urteil E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 8.3), dass zum anderen am 1. Juli 2013 Änderungen des ungarischen Asylg e- setzes in Kraft g etreten sind, welche eine neue rechtliche Grundlage für die Inhaftierung von Asylsuchenden schaffen, dass diese Gesetzesänderungen aus der Sicht der ungarischen Regi e- rung die Umsetzung der Neufassung der Richtlinie 2013/33/EU des E u- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen, ins nationale Recht darstellen (vgl. Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 8.2), dass das UNHCR demgegenüber kritisiert, Ung arn habe die Neufassung der Aufnahmerichtlinie, insbesondere die Berücksichtigung der speziellen Schutzbedürfnisse von verletzlichen Personen (Art. 11 und Art. 22 Ne u- fassung Aufnahmerichtline), unvollständig übernommen (vgl. UN HCR, Comments and recommendations on the draft modification of certain mig- ration-related legislative acts for the purpose of legal harmonisation, 12. April 2013, S. 12, 23, < http://www.unhcr-centraleurope.org > > where- we-work > hungary, abgerufen am 24. Oktober 2013), dass das Bund esverwaltungsgericht in einer Analyse der Situation von Asylsuchenden in Ungarn und des dortigen Asylverfahrens unter Einb e- zug der aktuellsten Entwicklungen im Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober D-292/2014 Seite 11 2013 zum Schluss gelangt ist, dass die Überstellung von Asylsu chenden nach Ungarn im Rahmen des Dublin -Regelwerks nicht generell die G e- fahr einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder einer Verletzung des Prinzips des Non -Refoulement mit sich bringt und daher nicht generell unzulässig ist (vgl. E. 9), dass jedoch die Vermutung, dieser Staat beachte die den betroffenen asylsuchenden Personen im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem zustehenden Grundrechte in angemessener Weise (vgl. E. 4.1-4.3), nicht uneingeschränkt aufrechterhalten werden kann (analog zu Überstellun- gen nach Malta, vgl. BVGE 2012/27), und daher die Asylbehörden auf der Grundlage der jeweils aktuellsten, zugänglichen Informationen im Einze l- fall zu prüfen haben, ob die betroffene Person im Falle einer Überstellung nach Ungarn Gefahr laufen wü rde, wegen der dortigen Mängel des Asy l- verfahrens und/oder der Aufnahmebedingungen eine Verletzung ihrer Grundrechte zu erleiden, und diese Person selbst nicht die volle Bewei s- last zu tragen hat, sondern lediglich, aber immerhin, ihre persönlichen Gründe geltend zu machen hat, die gegen die Zulässigkeit der Überste l- lung nach Ungarn sprechen könnten (vgl. Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 9.2), dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Aussagen an der summar i- schen Befragung in Ungarn einen negativen A sylentscheid erhalten hat, gegen den er rekurriert hat, dass er die Frage des BFM -Mitarbeiters, ob er von Ungarn nach Gri e- chenland rückübergeben worden sei, verneinte und angab, über den R e- kurs sei noch nicht entschieden worden (vgl. act. A6/11 S. 5), dass in der Beschwerde (vgl. Ziff. 2.3.2) vorgebracht wird, das ungarische Asylgesuch des Beschwerdeführers sei mit Verfügung vom 21. August 2013 abgewiesen worden und die dagegen erhobene Beschwerde sei bis zu seiner Ausreise unbeurteilt geblieben, dass dem Antwortschreiben der ungarischen Behörden auf das Über- nahmeersuchen des BFM jedoch zu entnehmen ist, dass das im Juni 2013 in Ungarn eingereichte Asylgesuch des Beschwerdeführers am 21. August 2013 rechtskräftig abgewiesen worden ist ("A legally b inding rejection was taken in this case on 21.08.2013", vgl. act. A15/1), dass aufgrund dieser Formulierung zusammen mit der Tatsache, dass die ungarischen Behörden das Übernahmeersuchen gestützt auf Art. 16 D-292/2014 Seite 12 Abs. 1 Bst. e Dublin -II-Verordnung guthiessen (und nicht wie vom BFM beantragt, gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-Verordnung), davon auszugehen ist, dass das in Ungarn anhängig gemachte Asylgesuch ma- teriell behandelt und am 21. August 2013 rechtskräftig abgeschlossen wurde, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung vom 13. Dezember 2013 nicht geltend machte, er habe in Ungarn keinen effektiven Zugang zum Asylverfahren gehabt, das Verfahren in Ungarn sei nicht fair gew e- sen oder er habe dort seine Asylgründe nicht darlegen können, und auch keinerlei Befürchtungen im Hinblick auf die Nichtbeachtung des Grun d- satzes des Non-Refoulement durch Ungarn formulierte, dass sich der Beschwerdeführer im Asylverfahren in der Schweiz alsdann weder zum Inhalt des ungarischen Asylverfahrens bzw. zu den Gründen für die Abweisung seines dortigen Asylgesuchs äusserte noch die ungari- schen Entscheide dem BFM vorgelegt hat, dass der Beschwerdeführer mithin nicht ansatzweise aufzuzeigen ve r- mag, inwiefern sich Ungarn in Bezug auf seine Person nicht an die vo r- genannten völkerrechtlichen Verpflichtungen gehalten habe (vgl. BVGE 2013/10 E. 5.2 S. 110 ff.) oder im Falle der Überstellung nicht halten wer- de, dass der Beschwerdeführer schliesslich auch nicht vorbringt, die Lebens- bedingungen in Ungarn seien so schlecht, dass die Überstellung in di e- ses Land eine EMRK-Verletzung darstellen würde, dass zudem keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich sind, die darauf hindeuteten, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Ungarn aus individuellen Gründen in eine existenzielle Notlage geraten würde, dass er (soweit aktenkundig) gesund ist und ferner keine Hinweise auf Traumatisierungen oder andere schwere Beeinträchtigungen psychischer oder physischer Art vorliegen, welche eine besondere Verletzlichkeit b e- gründen würden, dass im Gegenteil der Umstand, dass der Beschwerdeführer in den letz- ten sechseinhalb Jahren insgesamt in vier europäischen Staaten Asylge- suche eingereicht hat, den Schluss zulässt, dass dieser sich durchaus zu D-292/2014 Seite 13 helfen weiss, und von ihm erwartet werden kann, dass er sich gegebe- nenfalls auch in Ungarn für seine Rechte einsetzen wird, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung nur ein Mitgliedstaat e i- nen Asylantrag eines Drittstaatsangehörigen prüft, und der für die Prüfung zuständige Staat die Prüfung des Antrages auch abzuschliessen hat (vgl. BVGE 2013/10 E. 5.2.1 S. 110), dass vom Beschwerdeführer ohne Weiteres ein kooperatives Verhalten beim Abschluss des ungarischen Verfahrens erwartet werden darf, dass sich somit keine Anhaltspunkte für die Anordnung einer EMRK - widrigen Haft nach der Überstellung des Beschwerdeführers nach Ungarn ergeben, dass sich aus der Dublin -II-Verordnung kein Recht des Beschwerdefüh- rers ableiten läs st, den für die Durchführung seines Asylverfahrens z u- ständigen Mitgliedstaat auszuwählen, der ihm seiner Ansicht nach die besten Aufnahmebedingungen bietet (vgl. BVGE 2010/47 E. 8.3 S. 644), dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist, darzu tun, dass er im Falle einer Überstellung nach Ungarn Gefahr laufen wür de, wegen der dortigen Mängel des Asyl - bzw. Wegweisungs verfahrens und/oder der Lebensbedingungen eine Verletzung seiner Grundrechte zu erleiden, dass demzufolge weder völkerrechtliche noch humanitäre Gründe vorli e- gen, die einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II- Verordnung nahelegen würden, dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein getreten ist und, da dieser nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlas- sungsbewilligung sind, ebenfalls zu Recht in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Ungarn angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass unter diesen U mständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nicht mehr zu pr ü- fen sind, da das Fehlen von Wegweisungsvollzugshindernissen bereits D-292/2014 Seite 14 Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10 S. 645), dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellen oder unangemessen sein sollte (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass die Beschwerde demnach abzuweisen ist, dass die Gesuche um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde bzw. um Anweisung der Vollzugsbehörden, bis zum Ent- scheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlu n- gen abzusehen, angesichts des direkten Entscheids in der Hauptsache gegenstandslos geworden ist, dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsp flege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG zufolge Aussichtslosigkeit der B e- schwerde abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent schädigungen vor dem Bundesverwaltungsg ericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-292/2014 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung de r unentgeltlichen Rechtspflege wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand: