<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 0/2] </div> <div class="para">5C.110/2001/bmt </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II. Z I V I L A B T E I L U N G ******************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">15. Oktober 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Reeb, Präsident der II. Zivilabteilung, </div> <div class="para">Bundesrichter Raselli, Bundesrichter Merkli und </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Schneeberger. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para">Stockwerkeigentümergemeinschaft X.________, bestehend aus: </div> <div class="para">1. Die Eheleute D.________, 2. den Stockwerkeigentümern von elf weiteren Stockwerk- eigentumseinheiten, Beklagte und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Urs Hess-Odoni, Bellerivematte 5, 6006 Luzern, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">Erbengemeinschaft Walter Laetsch, bestehend aus: </div> <div class="para">1. A.________, </div> <div class="para">2. B.________, </div> <div class="para">3. C.________, Kläger und Berufungsbeklagte, alle vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Stefan Mattmann, Murbacherstrasse 3, 6003 Luzern, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para">Anfechtung eines Beschlusses </div> <div class="para">der Stockwerkeigentümerversammlung, hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.- A.________, B.________ und C.________ sind durch Erbgang Gesamteigentümer der 3 1/2 Zimmer-Wohnung (Stockwerkeigentumseinheit Nr. 8002) mit der Wertquote von 79/1000 am Grundstück GB-Nr. 431 in W.________ geworden. Zur Stockwerkeigentümergemeinschaft X.________ gehören unter anderen auch die Eheleute D.________, in deren Eigentum die benachbarte 4 1/2 Zimmer-Wohnung (Stockwerkeigentumseinheit Nr. 8001) mit der Wertquote von 86/1000 steht. Die Eheleute D.________ beabsichtigten, den ihnen zur besonderen Nutzung zugewiesenen Gartensitzplatz um etwas über einen halben Meter auf das Niveau des in ihrem Sonderrecht stehenden Balkons anzuheben und diesen dadurch um eine vorgelagerte Terrasse zu erweitern. Der Gemeinderat W.________ erteilte für dieses Bauvorhaben am 17. November 1997 eine Baubewilligung. </div> <div class="para">Diese wurde aufgrund einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde des Rechtsvorgängers von A.________, B.________ und C.________ durch das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Urteil vom 22. Juni 1998 aufgehoben mit der Begründung, die Stockwerkeigentümergemeinschaft X.________ habe dem Bauvorhaben weder einstimmig noch mit Mehrheitsbeschluss zugestimmt. </div> <div class="para">An der ausserordentlichen Stockwerkeigentümerversammlung vom 28. Juli 1998 stimmten die Eigner von acht der zwölf Stockwerkeigentumseinheiten (<span class="artref">Art. 712o Abs. 1 ZGB</span>) mit einer Wertquote von insgesamt 664/1000 dem Bauvorhaben zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.- Der Rechtsvorgänger der zu Beginn erwähnten Erben erhob gegen die Stockwerkeigentümergemeinschaft Klage, mit der er um Aufhebung des Beschlusses vom 28. Juli 1998 ersuchte. </div> <div class="para">Das Amtsgericht N.________ wies diese Klage mit Urteil vom 9. Dezember 1999 ab. Zur Begründung führte es aus, das Bauvorhaben erscheine nützlich und die bisherige Benutzung der gemeinschaftlichen Sache werde dadurch nicht erheblich erschwert (<span class="artref"><artref id="CH/210/647^d/2" type="start"></artref><artref id="CH/210/647^d/1" type="start"></artref>Art. 647d Abs. 1 und 2 ZGB</span><artref id="CH/210/647^d/2" type="end"></artref><artref id="CH/210/2" type="end"></artref>). Das Vorhaben habe mit qualifiziertem Mehr beschlossen werden dürfen, und ein Vetorecht bestehe nicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Auf Appellation, die noch vom Rechtsvorgänger eingelegt und von A.________, B.________ und C.________ übernommen worden ist, hob das Obergericht des Kantons Luzern mit Urteil vom 15. März 2001 den Beschluss der Stockwerkeigentümer vom 28. Juli 1998 auf und auferlegte die Verfahrenskosten der beklagten Stockwerkeigentümergemeinschaft X.________. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C.- Die Beklagte beantragt dem Bundesgericht mit Berufung, das obergerichtliche Urteil sei aufzuheben und die Klage abzuweisen; der Beschluss der Stockwerkeigentümer vom 28. Juli 1998 sei zu bestätigen. Eventualiter verlangt sie, die Sache sei zu neuer Entscheidung im Sinne der Erwägungen an das Obergericht zurückzuweisen, wenn das Bundesgericht nicht selber ein Endurteil fällen könne. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Kläger schliessen in ihrer Berufungsantwort auf Abweisung der Berufung und auf Bestätigung des angefochtenen Urteils. Das Obergericht hat keine Gegenbemerkungen angebracht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- a) Ob vorliegendenfalls die grundsätzlich parteifähige (<span class="artref">Art. 712l Abs. 2 ZGB</span>) Stockwerkeigentümergemeinschaft oder deren im Rubrum der Berufungsschrift namentlich aufgelisteten Mitglieder selbst Berufung führen, steht nicht zweifelsfrei fest. Da im vorliegenden bundesgerichtlichen Berufungsverfahren kein Parteiwechsel stattgefunden haben kann (Poudret/Sandoz-Monod, Commentaire de la loi fédérale d'organisation judiciaire, Bd. II, Bern 1990, N 3 zu <span class="artref">Art. 53 OG</span>; Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Rz 41 S. 60; vgl. <span class="artref">Art. 53 OG</span>) und sich die Anfechtungsklage gegen die Stockwerkeigentümergemeinschaft als Beklagte richtet (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-II-404%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page404">BGE 119 II 404</a> E. 5 S. 408), muss auch diese Berufungsklägerin sein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Da eine Erbengemeinschaft selbst nicht aktivlegitimiert ist und nur alle Erben gemeinsam klagen können (<span class="artref">Art. 602 ZGB</span>: Gesamthandsprinzip, notwendige Streitgenossenschaft), stehen auf der berufungsbeklagtischen Seite drei Kläger (P. Schaufelberger, in: Basler Kommentar, ZGB Bd. II, N 26 f. zu <span class="artref">Art. 602 ZGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Vorliegend ist strittig, ob die Anfechtungsklage gegen den Beschluss der Stockwerkeigentümer vom 28. Juli 1998 (Art. 712m Abs. 2 a.E. i.V.m. <span class="artref">Art. 75 ZGB</span>) durchdringt, weshalb von einer berufungsfähigen Zivilrechtsstreitigkeit ausgegangen werden darf (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-II-11%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page11">BGE 120 II 11</a> E. 2c S. 13 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Obergericht hat den Streitwert mit Fr. 30'000.-- beziffert (Art. 51 Abs. 1 lit. a Halbsatz 2 OG). Weil die im Rubrum unter der Nr. 1 aufgeführten Mitglieder der Beklagten vor ihrer Stockwerkeinheit (wertvermehrende) Umbauten vornehmen können, wenn der Beschluss vom 28. Juli 1998 Bestand hat, muss auch die vorliegende Anfechtungsklage als vermögensrechtlich qualifiziert werden. Da hier der erforderliche Streitwert überschritten ist, kann die Beklagte Berufung führen (<span class="artref">Art. 36 Abs. 2 und <artref id="CH/173.110/46" type="start"></artref>Art. 46 OG</span><artref id="CH/173.110/36/2" type="end"></artref>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F108-II-77%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page77">BGE 108 II 77</a> E. 1b S. 79 f.; vgl. 113 II 15 E. 1 S. 17). </div> <div class="para">2.- Das Amtsgericht hat in Anwendung von Art. 712g Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> entschieden, es liege weder eine luxuriöse noch eine notwendige bauliche Massnahme vor. </div> <div class="para">Weil die beabsichtigte Höherlegung des Sitzplatzes aber eine nützliche bauliche Massnahme sei, genügten die Stimmen der Mehrheit aller Mitglieder mit mehr als der Hälfte des Wertes (<span class="artref">Art. 647d Abs. 1 ZGB</span>). Da die bauwilligen Stockwerkeigentümer für die Kosten aufkämen, komme <span class="artref">Art. 647d Abs. 3 ZGB</span> nicht zum Tragen. Schliesslich werde den klagenden Nachbarn die bisherige Benutzung nicht erheblich und dauernd erschwert, weshalb sie nicht zustimmen müssten (<span class="artref">Art. 647d Abs. 2 ZGB</span>). Somit sei der Beschluss vom 28. Juli 1998 rechtens und die Klage abzuweisen. Das Obergericht begründet sein gegenteiliges Urteil zur Hauptsache damit, die <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> seien hier nicht anwendbar, weil nur die bauwilligen Stockwerkeigentümer ein Interesse an der baulichen Massnahme hätten. Daher müsse der Beschluss vom 28. Juli 1998 aufgehoben werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Die Beklagte wendet gegen das angefochtene Urteil zunächst erfolglos ein, die im vorliegenden Fall aufgeworfenen Rechtsfragen könnten nicht nach den Bestimmungen von <span class="artref">Art. 712a ff. ZGB</span> gelöst werden; gemäss <span class="artref">Art. 712m Abs. 2 ZGB</span> müsse Vereinsrecht angewendet werden mit der Folge, dass ein Mehrheitsbeschluss genüge (<span class="artref">Art. 67 Abs. 2 ZGB</span>). Dabei verkennt sie erstens, dass die von ihr angerufene Verweisungsnorm nur für die Versammlung der Stockwerkeigentümer gilt und nicht für die ihr vorgeschriebenen Quoren (Meier-Hayoz/Rey, Berner Kommentar, N 17 f. </div> <div class="para">und 89 ff. zu <span class="artref">Art. 712m ZGB</span>; R. Bösch, Basler Kommentar, ZGB Bd. II, N 7 f. zu <span class="artref">Art. 712m ZGB</span>; H. Rey, Schweizerisches Stockwerkeigentum, Rz 280 und 327 S. 75 und 86); <span class="artref">Art. 712m Abs. 2 ZGB</span> behält besondere Gesetzesbestimmungen vor, zu denen auch <span class="artref">Art. 712g ZGB</span> gehört. Die Beklagte übersieht zweitens, dass sich die Zuständigkeit für bauliche Massnahmen gemäss <span class="artref">Art. 712g Abs. 1 ZGB</span> nach Miteigentumsrecht und damit nach <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> und den dort geregelten Quoren richtet (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-II-330%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page330">BGE 111 II 330</a> E. 2 S. 333 unten; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-II-141%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page141">107 II 141</a> E. 2 f. S. 142 ff.). Dass Miteigentumsrecht integral zur Anwendung kommt, folgt aus dem Umstand, dass es die Basis des Stockwerkeigentum darstellt (Peter Liver, Das Miteigentum als Grundlage des Stockwerkeigentums, Separatdruck aus der Gedächtnisschrift Ludwig Marxer, Zürich 1963 [?], S. 7 bis 10, 27 f. und 42 ff.; Meier-Hayoz/Rey, N 64 f. zu <span class="artref">Art. 712g ZGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Die kraft Verweisung geltende Verwaltungsordnung von <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> kann sowohl bezüglich der Zuständigkeit (z. B. für gewöhnliche Verwaltungshandlungen statt der Stockwerkeigentümerversammlung der Verwalter) als auch bezüglich der Modalitäten der Beschlussfassung (z. B. andere Quoren) schon im Begründungsakt abgeändert werden, sofern nicht zwingendes Recht betroffen ist. Später kann die Verwaltungsordnung nur einstimmig modifiziert werden, sofern dafür nicht schon im Begründungsakt ein anderes Quorum vorgesehen wurde. Diese Ordnung wird namentlich damit erklärt, dass der einzelne Stockwerkeigentümer davor bewahrt werden soll, im Nachhinein Kosten für eine luxuriöse bauliche Massnahme übernehmen zu müssen (<span class="artref">Art. 712g Abs. 2 ZGB</span>; Meier-Hayoz/Rey, 66 ff., 69 f. und 74 ff. zu <span class="artref">Art. 712g ZGB</span>; H. Rey, a.a.O. Rz 485 S. 124; Bösch, a.a.O. N 7 bis 9 und 11 zu <span class="artref">Art. 712g ZGB</span>; R. H. Weber, Die Stockwerkeigentümergemeinschaft, Diss. Zürich 1979, S. 209 Ziff. 4a). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Zwar kann das auf Begehren eines einzelnen Stockwerkeigentümers mit qualifiziertem Mehrheitsbeschluss in Kraft getretene Reglement später mit der Mehrheit der Stockwerkeigentümer, die zugleich mehr als die Hälfte des Wertes der Liegenschaft auf sich vereinigen, abgeändert werden (unter Vorbehalt zwingenden Rechts; <span class="artref">Art. 712g Abs. 3 ZGB</span>). </div> <div class="para">Soweit mit dem Reglement die geltende Verwaltungsordnung revidiert werden soll, verlangt die Lehre aber auch dafür Einstimmigkeit (Meier-Hayoz/Rey, N 86 ff. [insbes. 89 f.] und 97 zu <span class="artref">Art. 712g ZGB</span> sowie N 102 zu <span class="artref">Art. 712m ZGB</span>; H. Rey, a.a.O. Rz 478 ff. und 485 S. 122 bis 124; Bösch, a.a.O. N 11 zu <span class="artref">Art. 712g ZGB</span>; Liver, SPR V/1 S. 105 unten). </div> <div class="para">Diese ergibt sich aus dem Zusammenhang von <span class="artref"><artref id="CH/210/712^g/3" type="start"></artref><artref id="CH/210/712^g/2" type="start"></artref>Art. 712g Abs. 2 und 3 ZGB</span><artref id="CH/210/712^g/3" type="end"></artref><artref id="CH/210/3" type="end"></artref>. Denn Abs. 3 beginnt mit den Worten "Im übrigen" und tut somit indirekt kund, dass mit der Reglementsänderung nicht das Quorum für die Abänderung der Verwaltungsordnung selber ausser Kraft gesetzt ist. Auch damit soll vermieden werden, dass der einzelne Stockwerkeigentümer im Nachhinein gezwungen werden kann, Kosten für eine luxuriöse bauliche Massnahme zu übernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Auf den vorliegenden Fall ist demnach primär das geltende Reglement anzuwenden, soweit dieses nicht zwingendem Recht widerspricht oder bloss die Regelung des ZGB wiederholt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- Im Reglement können einzelnen Stockwerkeigentümern besondere Nutzungsrechte an nicht zu Sonderrecht zugewiesenen Miteigentumsbestandteilen eingeräumt werden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-III-145%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page145">BGE 122 III 145</a> E. 3b S. 147). Insoweit ist das Reglement mit qualifiziertem Mehrheitsbeschluss zu ändern (Meier-Hayoz/Rey, N 109 zu <span class="artref">Art. 712m ZGB</span>; Dieter Zobl, Rechtsfragen zur Sondernutzung an Autoabstellplätzen bei Stockwerkeigentum, in: </div> <div class="para">FS Grossen, Basel 1992, S. 288 lit. C und S. 291 Ziff. 3; Weber, a.a.O. S. 209 vor lit. b, S. 211 f. Ziff. 5 und S. 247 oben). Gemäss § 14 Abs. 3 lit. e des Reglements der Beklagten steht der Gartensitzplatz, für den die als Nr. 1 aufgeführten Mitglieder der Beklagten ein Baugesuch eingereicht hatten, in deren besonderem Nutzungsrecht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Obergericht hat dem Grundsatz nach die gesetzliche Verwaltungsordnung und nicht diejenige des Reglements selbst angewendet; es hat sein Urteil auf Bundesrecht abgestützt (dazu E. 2 hiervor und E. 4 f. hiernach je a.A.). Die Beklagte wendet dagegen zunächst ein, § 34 Abs. 1 des Reglements sehe ausdrücklich vor, dass "die Versammlung ihre Beschlüsse mit einfacher Mehrheit der Stimmenden" fasse. Das Reglement schreibe somit gerade für den vorliegenden Fall nicht Einstimmigkeit vor und könne gemäss § 35 f. und 52 (recte: 53) Abs. 2 mit der Mehrheit der Stockwerkeigentümer, die zugleich mehr als die Hälfte der Wertquoten auf sich vereinigen, abgeändert werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Die Beklagte verwechselt offenbar die Frage, mit welchem Quorum über die Genehmigung der Umbauwünsche der als Nr. 1 aufgeführten Mitglieder der Beklagten zu befinden war, mit derjenigen, wie das Reglement abgeändert werden kann. Da sich § 35 Abs. 1 lit. b und § 53 zur Abänderung des Reglements äussern und gemäss Beschluss vom 28. Juli 1998 nur das angestrebte Bauvorhaben mit der Mehrheit der Stimmen und mehr als der Hälfte der Wertquoten angenommen worden ist, braucht sich das Bundesgericht mit dem Quorum zur Änderung des Reglements hier nicht weiter zu befassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Für die Abänderung von besonderen Nutzungsrechten (§ 14 des Reglements) gilt gemäss § 36 Abs. 2 des Reglements, dass Beschlüsse ohne Zustimmung des Berechtigten nicht zustande kommen, diesem mithin ein Vetorecht zusteht (dazu Weber, a.a.O. S. 212 oben). Auch diese Bestimmung steht hier nicht in Frage, weil die bauliche Massnahme von den Berechtigten selbst begehrt wird. Soweit die Kläger der Meinung sind, § 14 des Reglements stehe einer baulichen Veränderung des Gartensitzplatzes im besonderen Nutzungsrecht entgegen, und antönen, es sei eine Reglementsänderung erforderlich, kann ihnen nicht gefolgt werden. Denn in § 14 des Reglements wird weder explizit noch sinngemäss eine bauliche Veränderung von gemeinschaftlichen Liegenschaftsteilen geregelt oder gar ausgeschlossen. </div> <div class="para">b) Gemäss den Darlegungen unter E. 2b hiervor sind im Zusammenhang mit dem (auf ein konkretes Bauprojekt bezogenen) Beschluss vom 28. Juli 1998 hier primär die einschlägigen Bestimmungen des Reglements anzuwenden. §§ 25 und 35 Abs. 1 lit. a des Reglements entsprechen sowohl bezüglich des Anwendungsbereichs als auch des Quorums (Mehrheit nach Eigentümern und der Wertanteile) der Regelung von <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>. § 25 Abs. 1 fasst <span class="artref"><artref id="CH/210/647^d/2" type="start"></artref><artref id="CH/210/647^d/1" type="start"></artref>Art. 647d Abs. 1 und 2 ZGB</span><artref id="CH/210/647^d/2" type="end"></artref><artref id="CH/210/2" type="end"></artref> zusammen, umschreibt aber das gesetzlich normierte Quorum nicht, weil dies (sachlich gleich wie im Gesetz) in § 35 Abs. 1 lit. a des Reglements festgesetzt ist. Wohl ist in § 25 Abs. 1 das Kriterium der Wirtschaftlichkeit, worauf <span class="artref">Art. 647d Abs. 2 ZGB</span> unter anderen abstellt, nicht erwähnt. Indessen spielt dies keine Rolle, weil <span class="artref">Art. 647d Abs. 2 ZGB</span> zwingend ist und dem Reglement vorgeht (Meier-Hayoz, N 21 zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, N 14 zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>). Auch hängt das Vetorecht gemäss § 25 Abs. 1 des Reglements (nicht anders als nach Gesetz) davon ab, dass die bauliche Massnahme die Benutzung der Sache zum bisherigen Zweck erheblich und dauernd erschwert, weshalb die Wirtschaftlichkeit bloss eines von mehreren Entscheidkriterien darstellt. Schliesslich entspricht § 25 Abs. 2 des Reglements fast wörtlich <span class="artref">Art. 647d Abs. 3 ZGB</span>. Daher ist vorliegendenfalls <span class="artref">Art. 647d ZGB</span> uneingeschränkt anwendbar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Ob § 26 Abs. 2 und 3 sowie § 36 Abs. 1 lit. b für Beschlüsse über bauliche Massnahmen, die der Verschönerung oder der Bequemlichkeit dienen, von <span class="artref">Art. 647e ZGB</span> abweichen, kann offen bleiben, wenn sich herausstellen sollte, dass vorliegendenfalls nützliche Baumassnahmen beschlossen wurden (dazu E. 5 hiernach). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.- Dem Obergericht ist grundsätzlich beizupflichten, dass die in <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> vorgesehene Verwaltungsordnung für Miteigentumsbestandteile ohne besondere Nutzungsrechte besser passt als für solche mit besonderen Nutzungsrechten, weil an diesen primär die Berechtigten und an jenen alle Miteigentümer gleichermassen interessiert und nutzungsberechtigt sind (<span class="artref">Art. 648 Abs. 1 ZGB</span>). Indem das Obergericht aus diesem Umstand ableitet, <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> seien vorliegend nicht anwendbar, verletzt es Bundesrecht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Vorinstanz übersieht, dass das Gesetz schon für gewöhnliches Miteigentum nach der Frage differenziert, wer die Kosten baulicher Massnahmen zu tragen hat. Es sieht z. B. in <span class="artref">Art. 647e Abs. 2 ZGB</span> Erleichterungen gegenüber dem üblichen Quorum (<span class="artref">Art. 647e Abs. 1 ZGB</span>) vor, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind und dem sich weigernden Miteigentümer keine Kosten entstehen (Meier-Hayoz, Berner Kommentar, N 6 ff. zu <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, Basler Kommentar, ZGB Bd. II, N 8 zu <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>; Rey, a.a.O. </div> <div class="para">Rz 323 S. 85). Dürfen somit schon bei gemeinschaftlichen Teilen, an denen keine besonderen Nutzungsrechte bestehen, die Kostenfolgen bei der Verwaltungsordnung berücksichtigt werden, so können <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> auch auf mit besonderen Nutzungsrechten ausgestattete Miteigentumsbestandteile angewendet werden, zumal die Berechtigten die Kosten für bauliche Veränderungen daran wohl in der Regel selber tragen. </div> <div class="para">Auch das Vetorecht des Miteigentümers gegen mehrheitlich beschlossene nützliche Baumassnahmen (<span class="artref">Art. 647d Abs. 1 ZGB</span>) wird abgeschwächt, wenn ihm die Übernahme seiner Kosten nicht zugemutet werden kann und sich die anderen Miteigentümer bereit erklären, seinen Kostenanteil zu übernehmen (<span class="artref">Art. 647d Abs. 3 ZGB</span>; Meier-Hayoz, N 23 ff. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, N 15 ff. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>). Infolgedessen besteht kein Anlass, wegen der Verschiebung der Interessenlage, die sich in der Kostenübernahme durch einzelne Mitglieder der Beklagten widerspiegelt, hier <span class="artref">Art. 647c ff. </span></div> <div class="para">ZGB nicht anzuwenden. </div> <div class="para">Im Weiteren würde die Ansicht des Obergerichts dazu führen, dass für bauliche Massnahmen an Miteigentumsbestandteilen im besonderen Nutzungsrecht eines einzelnen Miteigentümers keine gesetzliche Verwaltungsordnung bestünde. Für eine solche einschränkende Anwendbarkeit von <span class="artref">Art. 647c ff. </span></div> <div class="para">ZGB (teleologische Reduktion) ist kein Grund ersichtlich (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-III-49%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page49">BGE 126 III 49</a> E. 2d/bb S. 54). Die Darlegungen im vorliegenden Absatz zeigen vielmehr, dass der Interessenlage Rechnung getragen werden kann. Entgegen der Ansicht des Obergerichts unterscheidet die Lehre bezüglich der Verwaltung nur zwischen den eigenen Interessen und denjenigen Dritter (Meier-Hayoz, N 3 zu <span class="artref">Art. 647 ZGB</span>), und bezüglich der Interessenlage im Stockwerkeigentumsrecht nur zwischen Sonderrechten und im gemeinschaftlichen Gebrauch stehenden Miteigentumsbestandteilen (Meier-Hayoz, N 8 und 17 zu <span class="artref">Art. 647c ZGB</span>); an letzteren knüpfen auch die besonderen Nutzungsrechte an. In der Literatur wird weiter auch bloss verlangt, dass der Interessenlage im Rahmen der Kostenfolgen Rechnung getragen wird (Meier-Hayoz, N 6 zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span> und N 8 zu <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5.- Das Obergericht hat mit einer selbständigen Eventualbegründung, die sein Urteil zu tragen vermag (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-III-43%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page43">BGE 122 III 43</a> E. 3; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-III-46%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page46">121 III 46</a> E. 2), entschieden, wenn vorliegend <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> anwendbar wären, müsste das Bauvorhaben nicht mit Mehrheitsbeschluss nach <span class="artref">Art. 647d Abs. 1 ZGB</span>, sondern mit einstimmigem Beschluss angenommen werden, weil es sich beim geplanten Ausbau des Gartensitzplatzes um eine der Verschönerung und der Bequemlichkeit dienende Baumassnahme im Sinne von <span class="artref">Art. 647e Abs. 1 ZGB</span> handle. Demnach hätte der Beschluss vom 28. Juli 1998 einstimmig gefällt werden müssen. Die Beklagte findet, ein Mehrheitsbeschluss reiche, weil die Berechtigten die Kosten selber tragen würden und ein exklusives Benutzungsrecht hätten. Das belege im Ergebnis auch <span class="artref">Art. 647e Abs. 2 ZGB</span>, wonach gegen den Willen der sich weigernden Stockwerkeigentümer aufgrund eines qualifizierten Mehrheitsbeschlusses gebaut werden dürfe, wenn dem sich widersetzenden Miteigentümer keine Kosten entstünden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Mit <span class="artref">Art. 647e Abs. 2 ZGB</span> braucht nicht argumentiert zu werden, wenn sich herausstellt, dass <span class="artref">Art. 647d ZGB</span> anzuwenden ist (lit. b und c hiernach). Zwar ruft die Beklagte diese Bestimmung gar nicht an. Das schadet ihr indessen nicht, weil das Bundesgericht im Berufungsverfahren Bundesrecht von Amtes wegen anwendet mit der Folge, dass es an die rechtliche Begründung der Rügen nicht gebunden ist (<span class="artref">Art. 63 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 OG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-III-82%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page82">BGE 125 III 82</a> E. 3 S. 85; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-III-161%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page161">123 III 161</a> E. 4a S. 162; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-III-197%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page197">121 III 197</a> E. 3 S. 199 f.). Zudem müssen Gesetzesartikel nicht explizit erwähnt werden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F93-II-317%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page317">BGE 93 II 317</a> E. 2d S. 321 f. mit Hinw.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Die Kläger machen erfolglos geltend, das Obergericht habe für das Bundesgericht verbindlich (<span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span>) festgestellt, dass eine luxuriöse bauliche Massnahme vorgesehen sei. Denn in tatsächlicher Hinsicht kann die Vorinstanz für das Bundesgericht nur verbindlich feststellen (<span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span>), welche baulichen Massnahmen geplant sind. Hingegen ist Frage der Rechtsanwendung, ob die feststehende Baumassnahme nützlich oder luxuriös ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Grenze zwischen nützlichen (<span class="artref">Art. 647d ZGB</span>) und luxuriösen (<span class="artref">Art. 647e ZGB</span>) baulichen Massnahmen ist nicht einfach zu ziehen. Für die Abgrenzung sind alle Umstände des Einzelfalles zu würdigen (Meier-Hayoz, N 2 zu <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, N 5 zu <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>; H. Rey, Die Grundlagen des Sachenrechts und das Eigentum, </div> <div class="para">2. Aufl. Bern 2000, Rz 690 S. 175). Nützliche bauliche Massnahmen sind für die im Miteigentum stehende Sache vorteilhaft; sie bezwecken eine Wertsteigerung, eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit (Ertragssteigerung) oder der Gebrauchsfähigkeit (<span class="artref">Art. 647d Abs. 1 ZGB</span>). Die im Vordergrund stehende Wertsteigerung ist nach objektiven Kriterien wie dem Verkehrswert zu ermitteln; dabei muss das Verhältnis zwischen der Investition und der Wertsteigerung günstig erscheinen, d. h. beide Werte müssen möglichst identisch sein (Meier-Hayoz, N 9 und 13 ff. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, N 6 f. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>; Liver, SPR V/1 S. 68 Ziff. 2; P.-H. Steinauer, Les droits réelles, Bd. I, 3. Aufl. </div> <div class="para">1997, Rz 1282 S. 356). Luxuriös sind bauliche Massnahmen, die lediglich der Verschönerung, der Ansehnlichkeit der Sache oder der Bequemlichkeit im Gebrauch dienen (<span class="artref">Art. 647e Abs. 1 ZGB</span>); sie sind weder nützlich noch notwendig und dienen "der Befriedigung von Luxusbedürfnissen" sowie "dem Prunk oder dem Vergnügen". Zwar kann auch die Realisierung von luxuriösen Baumassnahmen den Sachwert steigern. Jedoch darf die Wertsteigerung nicht der Investition entsprechen. </div> <div class="para">Je höher diese im Vergleich zum geschaffenen Mehrwert ist, desto eher liegt eine luxuriöse bauliche Massnahme vor. Bei ihr ist die Wertsteigerung primär affektiver Art (Meier-Hayoz, N 1 f. zu <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, N 1 und 3 ff. zu <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>; Steinauer, a.a.O. Rz 1285 S. 357; Liver, SPR V/1 S. 69; H. Rey, a.a.O. Rz 695 S. 177; Weber, a.a.O. S. 285; B. Schneider, Das Miteigentumsrecht, Diss. </div> <div class="para">Bern 1970, Bern 1973, S. 111 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Die Erhöhung des Gartensitzplatzes um etwas mehr als einen halben Meter auf das Niveau des Balkonbodens und der Wohnräume lässt sich nicht von vornherein klar den Massnahmen nach <span class="artref">Art. 647d Abs. 1 ZGB</span> oder denjenigen nach <span class="artref">Art. 647e Abs. 1 ZGB</span> zuordnen. Denn das Vorhaben erscheint sowohl nützlich zu sein als auch der Bequemlichkeit zu dienen. </div> <div class="para">Es sprechen aber deutlich mehr Anhaltspunkte für eine nützliche Baumassnahme: </div> <div class="para">Zwar liegt auf der Hand, dass ein ebener Zugang auf den Gartensitzplatz dessen Gebrauch bequemer macht. Indessen hat dies nicht notwendigerweise zur Folge, dass eine luxuriöse Massnahme vorliegt. Denn das Vorhaben erscheint auch und vor allem als nützlich, weil der Gartensitzplatz einfacher betreten (kürzerer Weg) und effizienter benutzt werden kann (z. B. ein einziger Esstisch an Stelle eines kleinen Tischchens auf dem Balkon und eines grösseren im heute darunter liegenden Garten). Vergleicht man den vorgesehenen Umbau mit den greifbaren Präjudizien, liegt <span class="artref">Art. 647d ZGB</span> näher als <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>: Wenn der Ausbau eines abgeschrägten Dachzimmers zwecks Raumgewinnes nützlich erscheint (Meier-Hayoz, N 16 zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>), so muss dies auch für eine Änderung gelten, aufgrund derer der Gartensitzplatz besser gebraucht und direkt aus den Wohnräumen betreten werden kann. Diese Steigerung des Gebrauchswerts der Terrasse lässt objektiv betrachtet auch den Verkehrswert der gesamten Stockwerkeigentumseinheit ansteigen, was das Obergericht im Übrigen klar bejaht. Das gilt besonders, wenn man mit einbezieht, dass nebst den Klägern noch andere Mitglieder der Beklagten geneigt sein könnten, die ihnen zugewiesenen Gartensitzplätze vergleichbar umzugestalten. Die Vorinstanz übersieht, dass die Wertsteigerung einer oder mehrerer Stockwerkeigentumseinheiten im gleichen Umfang zu einer Wertsteigerung der gesamten Liegenschaft führt, weil sich deren Wert aus der Summe der Werte der einzelnen Stockwerkeigentumseinheiten ergibt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Zum gleichen Resultat führt auch das bei Erlass der Vorschriften von <span class="artref">Art. 647c ff. ZGB</span> gesteckte Ziel, nach dem bauliche Veränderungen leichter als nach altem Recht möglich sein sollten; der Wert von in Miteigentum stehenden Sachen soll möglichst gleich gut erhalten und gesteigert werden können wie bei solchen in Alleineigentum (Liver, SPR V/1 S. 68 Ziff. 2; derselbe, Das Miteigentum als Grundlage des Stockwerkeigentums, S. 20 ff. und 30 ff.). Namentlich das Quorum von <span class="artref">Art. 647d Abs. 1 ZGB</span>, das zwischen dem einfachen Mehr und der Einstimmigkeit liegt, soll eine Überalterung der Liegenschaft verhindern. Denn gerade bauliche Verbesserungen, die der Werterhaltung und -steigerung dienen, können somit nicht von einem einzelnen Miteigentümer blockiert werden (Liver, SPR V/1 S. 67 lit. b; Meier-Hayoz, N 1 f. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, N 2 zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>; H. Rey, a.a.O. Rz 689 S. 175; Weber, a.a.O. S. 283 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Weiter sprechen sowohl der Wortlaut als auch der Zweck von <span class="artref">Art. 647e Abs. 1 ZGB</span> dagegen, im vorliegenden Fall von einer luxuriösen Baumassnahme auszugehen. Am 28. Juli 1998 ist keine bauliche Massnahme beschlossen worden, die "lediglich" der Verschönerung der Sache oder der Bequemlichkeit im Gebrauch dient. Wenn <span class="artref">Art. 647e Abs. 1 ZGB</span> verhindern soll, dass sich ein Miteigentümer an Kosten beteiligen muss, für die er keinen erkennbaren Gegenwert erhält (Brunner/ Wichtermann, N 1 a.E. zu <span class="artref">Art. 647e ZGB</span>), so ist <span class="artref">Art. 647e ZGB</span> gerade im vorliegenden Fall zurückhaltend anzuwenden, weil die als Nr. 1 aufgeführten Mitglieder der Beklagten die Baukosten allein tragen wollen, wie das Obergericht für das Bundesgericht verbindlich feststellt (<span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=10&amp;from_date=03.10.2001&amp;to_date=22.10.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-III-165%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page165">BGE 123 III 165</a> E. 3a a.E. S. 168). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Schliesslich verweisen die Kläger für den künftigen Unterhalt zu Recht auf § 19 Abs. 1 des Reglements, wonach die Kosten für die Erneuerung von gemeinschaftlichen Teilen und Einrichtungen von den unter der Nr. 1 aufgelisteten Mitgliedern der Beklagten zu tragen sind, weil der Gartensitzplatz nur ihnen dient. Den Klägern entstehen offensichtlich keine für sie nachteiligen finanziellen Folgen, weil auch Unterhaltskosten für gemeinschaftliches Eigentum, an dem ein Stockwerkeigentümer ein besonderes Nutzungsrecht hat, grundsätzlich von den Berechtigten übernommen werden müssen (Meier-Hayoz/Rey, N 47 zu <span class="artref">Art. 712h ZGB</span>). </div> <div class="para">d) Gilt nach dem Dargelegten <span class="artref">Art. 647d Abs. 1 ZGB</span>, ist entgegen der Ansicht der Kläger unerheblich, was das Obergericht im Zusammenhang mit <span class="artref">Art. 647e Abs. 2 ZGB</span> festgestellt hat. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Weil der Beschluss vom 28. Juli 1998 mit der Mehrheit der Stimmen der Stockwerkeigentümer zustande gekommen ist, die zugleich mehr als die Hälfte der Wertquoten auf sich vereinigen, können die Kläger somit gegen das Bauvorhaben der unter der Nr. 1 aufgeführten Mitglieder der Beklagten grundsätzlich nicht Widerstand leisten. Auch scheitert ihr Einwand, der Beschluss sei ungültig, weil über das Quorum gestritten worden sei. Denn am 28. Juli 1998 ist das Quorum von <span class="artref">Art. 647d Abs. 1 ZGB</span> erreicht worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Nach dem Gesagten erscheint das Begehren der Kläger, für den Fall ihres Unterliegens das gleiche Ausbaurecht zu erhalten, von vornherein nicht widersprüchlich und damit auch nicht missbräuchlich im Sinne von <span class="artref">Art. 2 Abs. 2 ZGB</span>. </div> <div class="para">Bei diesem Ergebnis bleibt nur noch zu prüfen, ob sich die Kläger unter Berufung auf <span class="artref"><artref id="CH/210/647^d/3" type="start"></artref><artref id="CH/210/647^d/2" type="start"></artref>Art. 647d Abs. 2 oder 3 ZGB</span><artref id="CH/210/647^d/3" type="end"></artref><artref id="CH/210/3" type="end"></artref> der korrekt beschlossenen baulichen Massnahme widersetzen können. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">aa) Aus <span class="artref">Art. 647d Abs. 3 ZGB</span> können die Kläger nichts für sich ableiten, weil sie der beschlossene Umbau nichts kostet und ihnen somit auch keine unzumutbaren Aufwendungen entstehen können (Meier-Hayoz, N 23 ff. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, N 15 ff. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">bb) Schwieriger zu beantworten ist die Frage, ob den Klägern ein Vetorecht nach <span class="artref">Art. 647d Abs. 2 ZGB</span> zusteht. </div> <div class="para">Das behaupten die Kläger vorsorglich und machen geltend, ihnen würde der bisherige Gebrauch erheblich und dauernd erschwert. </div> <div class="para">Die den Klägern gehörende Stockwerkeigentumseinheit liegt unmittelbar neben derjenigen der als Nr. 1 aufgelisteten Mitglieder der Beklagten. Davon geht auch das Obergericht aus, weil die Kläger für sich im Falle des Obsiegens nach den verbindlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid (<span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span>) das gleiche Ausbaurecht verlangen. </div> <div class="para">Zwar kann schon daraus geschlossen werden, die bauliche Massnahme erschwere den bisherigen Gebrauch der Sache nicht erheblich, weil sich die Kläger und ihre Nachbarn wechselseitig die gleiche Beeinträchtigung zumuten. Indem die Vorinstanz im Zusammenhang mit <span class="artref">Art. 647e Abs. 2 ZGB</span> (mit dem Amtsgericht in der Sache übereinstimmend) feststellt, vom höher gelegten Gartensitzplatz aus könnte das Nachbargrundstück und die angrenzenden Räumlichkeiten etwas besser eingesehen werden und der Blickwinkel auf den benachbarten Sitzplatz würde sich entsprechend verbessern, hat es die Grundlagen für die Anwendung von <span class="artref">Art. 647d Abs. 2 ZGB</span> geschaffen. </div> <div class="para">Denn aufgrund dieser Feststellungen kann zweifellos der Schluss gezogen werden, den Nachbarn der bauwilligen Stockwerkeigentümer werde der Gebrauch ihres Gartensitzplatzes (in welcher Ausgestaltung auch immer) nicht "erheblich und dauernd" erschwert (Meier-Hayoz, N 21 f. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>; Brunner/Wichtermann, N 11 ff. zu <span class="artref">Art. 647d ZGB</span>). Daher haben die Kläger kein Vetorecht und ihre Klage ist unter allen Gesichtspunkten abzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6.- Ist das angefochtene Urteil aufzuheben und die Anfechtungsklage abzuweisen, dringt die Beklagte mit ihrem Hauptantrag durch. Die unterliegenden und solidarisch haftenden Kläger (vgl. E. 1a Abs. 2) haben die Gerichtsgebühr zu tragen (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/156/7" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/156/1" type="start"></artref>Art. 156 Abs. 1 und 7 OG</span><artref id="CH/173.110/156/7" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/7" type="end"></artref>) und die Beklagte (vgl. </div> <div class="para">E. 1a Abs. 1 a.E.) für das bundesgerichtliche Verfahren zu entschädigen (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/159/5" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/159/2" type="start"></artref>Art. 159 Abs. 2 und 5 OG</span><artref id="CH/173.110/159/5" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/5" type="end"></artref>). Für die Kostenfolgen des kantonalen Verfahrens kann auf das Gerichtskosten-Dispositiv des angefochtenen Urteils und auf die Kostennote des Rechtsanwalts der Beklagten für das kantonale Verfahren abgestellt werden (<span class="artref">Art. 157 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- In Gutheissung der Berufung wird das Urteil des Obergerichts (I. Kammer) des Kantons Luzern vom 15. März 2001 aufgehoben und die Klage abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- wird den Klägern auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- Die Kläger haben die Beklagte für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 4'500.-- zu entschädigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.- Die Kläger haben die Gerichtskosten für das erstinstanzliche Verfahren im Betrag von Fr. 2'500.-- und für das obergerichtliche Verfahren im Betrag von Fr. 1'200.-- zu bezahlen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5.- Die Kläger haben die Beklagte für das erstinstanzliche und für das obergerichtliche Verfahren mit Fr. 4'817. 50 (inklusive Mehrwertsteuer) zu entschädigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht (I. Kammer) des Kantons Luzern schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para">Lausanne, 15. Oktober 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. Zivilabteilung </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>