VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS ZUG SOZIALVERSICHERUNGSRECHTLICHE KAMMER Mitwirkende Richter: lic. iur. Gisela Bedognetti-Roth, Vorsitz lic. iur. Oskar Müller und Rosemarie Rossi Andenmatten Gerichtsschreiber: lic. iur. Albert Dormann U R T E I L vom 27. April 2017 in Sachen B.A., Beschwerdeführerin vertreten durch RA A. gegen IV-Stelle Zug, Baarerstrasse 11 Postfach, 6302 Zug Beschwerdegegnerin betreffend Invalidenversicherung (Leistungen) S 2016 65 2 A. a) Die 1981 geborene B.A., Kroatin, verheiratet und Mutter einer Tochter (Jahrgang 2001), reiste 1992 in die Schweiz ein und absolvierte eine Anlehre als Coiffeuse. Zuletzt arbeitete sie als Filialleiterin bei E in F, als sie am 30. August 2012 bei einem Autounfall in H ein HWS-Distorsionstrauma erlitt und in der Folge nicht mehr arbeitete. Am 14. März 2013 meldete sich die Versicherte wegen psychischer Beschwerden und eines Schleuder- traumas der Halswirbelsäule bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons Zug holte im Rahmen ihrer Abklärungspflicht einen Arbeitgeber- sowie verschiedene Arztberichte ein und zog die Unfallakten der Suva Luzern bei. Mit Vorbescheid vom 26. Februar 2014 bzw. mit Verfügung vom 10. April 2014 wies die IV- Stelle des Kantons Zug das Leistungsbegehren mit der Begründung ab, die Prüfung der vorliegenden medizinischen Akten durch den regionalen ärztlichen Dienst (RAD) habe er- geben, dass aus IV-rechtlicher Sicht kein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit vorliege. b) Die gegen die Verfügung vom 10. April 2014 erhobene Beschwerde von B.A. vom 23. Mai 2014 hiess das Verwaltungsgericht mit Urteil vom 27. November 2014 (S 2014 70) insofern gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Angelegenheit zur ergän- zenden Sachverhaltsabklärung und zum anschliessenden Neuentscheid an die IV-Stelle zurückwies. Zur Begründung führte das Verwaltungsgericht aus, dass der medizinische Sachverhalt unklar bzw. zu wenig abgeklärt worden sei. Die IV-Stelle habe demnach ein externes psychiatrisches Gutachten mit Exploration von B.A. in Auftrag zu geben, bei dem sich die Gutachtensperson insbesondere mit den verschiedenen gestellten Diagnosen auseinander zu setzen und sich zum Analgetikakonsum und allenfalls zum Vorschlag ei- nes Arbeitsversuchs zu äussern habe (Erw. 7 des erwähnten Urteils). c) In Nachachtung des Urteils des Verwaltungsgerichts vom 27. November 2014 liess die IV-Stelle die Versicherte bei Dr. I psychiatrisch untersuchen. In seinem Gutachten vom 7. Juli 2015 kam Dr. I zum Schluss, dass kein IV-relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Mit Vorbescheid vom 7. Oktober 2015 teilte die IV-Stelle daher der Ver- sicherten mit, dass sie keinen Leistungsanspruch habe. Im daraufhin am 3. November 2015 erhobenen Einwand liess die Versicherte geltend machen, auf das Gutachten von Dr. I könne nicht abgestellt werden. Mit Verfügung vom 11. April 2016 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren von B.A. und ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab und führte zur Begründung aus, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit bestehe. Die leichte rezidivierende depressive Störung und die Schmerzverarbei- tungsstörung würden sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. 3 B. Mit Beschwerdeschrift vom 12. Mai 2016 liess B.A. die Aufhebung der Verfügung vom 11. April 2016, die Zusprechung von IVG-Leistungen und die Gewährung der unent- geltlichen Verbeiständung im Verwaltungsverfahren ab Einreichung des Gesuches bean- tragen. Eventualiter sei ein gerichtliches Gutachten einzuholen und es sei ihr die unent- geltliche Rechtspflege und Verbeiständung zu gewähren, unter Kosten- und Entschädi- gungsfolge zu Lasten der IV-Stelle. Zur Begründung liess sie darlegen, dass die IV-Stelle vor der Beauftragung des Gutachters Dr. I kein Einigungsverfahren durchgeführt und dadurch ihr rechtliches Gehör verletzt habe. Doktor I habe sich in seinem Gutachten und den zusätzlichen Stellungnahmen mit den offensichtlichen Widersprüchen nicht auseinan- dergesetzt. Er bestätige zwar den Analgetikakonsum, verzichte jedoch auf eine Erklärung von daraus folgenden möglichen Widersprüchen zu seinen Diagnosen. Schliesslich neh- me er auch zum Thema Arbeitsversuch widersprüchlich Stellung. Er sage erst, die Be- schwerdeführerin sehe sich fähig, ein bis zwei Stunden zu arbeiten, um wenige Sätze spä- ter zu behaupten, sie sehe sich subjektiv als nicht arbeitsfähig. Demzufolge lägen grosse Zweifel an der Einschätzung des Gutachters vor. Die angefochtene Verfügung basiere somit auf einer beweisuntauglichen Grundlage, womit sie aufzuheben und der Beschwer- deführerin entsprechend den Akten eine Rente zuzusprechen sei. In den vorhandenen Ak- ten seien neben der posttraumatischen Belastungsstörung eine somatoforme Schmerzstö- rung und vergleichbare psychosomatische Leiden diagnostiziert werden. Aus diesem Grund gelte es im vorliegenden Fall das Grundsatzurteil BGE 141 V 281 zu beachten. Das Gutachten von Dr. I und seine nachträglichen Stellungnahmen erlaubten keine schlüssige Beurteilung im Lichte der Beurteilungsindikatoren gemäss BGE 141 V 281, womit auf- grund der Akten von einem IV-Grad von 100 % auszugehen sei. Sollte davon ausgegan- gen werden, dass der Beschwerdeführerin keine volle Rente zustehe, stünden ihr berufli- che Massnahmen zu. Zusammenfassend bleibe mithin festzuhalten, dass das Gutachten von Dr. I als Grundlage für die hiermit angefochtene Verfügung nicht genüge, weshalb sie aufzuheben und der Beschwerdeführerin basierend auf den vorbestehenden Akten eine Rente entsprechend dem Gesetz zuzusprechen sei. Sollte davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin keine volle Rente erhalten sollte, wären die entsprechenden beruflichen Massnahmen zu gewähren. C. Mit Verfügung vom 13. Mai 2016 bewilligte die Vorsitzende der sozialversiche- rungsrechtlichen Kammer das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechts- pflege und bewilligte ihr in der Person ihres Rechtsvertreters einen unentgeltlichen Rechtsbeistand. 4 D. Mit Vernehmlassung vom 2. Juni 2016 beantragte die IV-Stelle des Kantons Zug die Abweisung der Beschwerde und führte zur Begründung aus, dass vor Erlass des Vor- bescheids das rechtliche Gehör nicht zu gewähren sei, da es sich beim Vorbescheid um das institutionalisierte rechtliche Gehör handle. Die Beschwerdeführerin habe mit dem Einwand die Möglichkeit, sich zum Gutachten und den sich dazu stellenden Fragen ver- nehmen zu lassen. Bereits vor der Verfassung des Gutachtens habe die IV-Stelle die Be- schwerdeführerin am 19. Januar 2015 zur Einreichung allfälliger Zusatzfragen aufgefor- dert. Es bleibe unklar, was die Beschwerdeführerin damit bezwecke, allfällige von der IV- Stelle weiter gestellte Fragen vorgängig zu kennen. Nachträgliche Kritik könne und dürfe vorgebracht werden, was hier geschehen sei. Die Beschwerdeführerin habe offenbar die Unfallerlebnisse mit ihrer Tochter nicht gegenüber allen Ärzten gleich dargestellt. Es liege an ihrem therapeutischen Auftrag und dem gegenseitigen Vertrauensverhältnis, dass die behandelnden Ärzte auf die (wohl etwas verdeutlichenden) Aussagen der Beschwerdefüh- rerin abgestellt hätten (ohne sie selbst verifiziert zu haben), sodass es ihnen daher nicht zu verargen sei. Die daraus folgende Beurteilung entspreche jedoch weder den versiche- rungsmedizinischen Kriterien noch dem versicherungsmedizinischen Auftrag. Das Urteil BGE 141 V 281 mache keine zusätzliche Begutachtung notwendig. Zur beantragten Ge- währung einer unentgeltlichen Vertretung im Verwaltungsverfahren ist festzuhalten, dass in casu nicht von einer komplexen Fragestellung gesprochen werden könne, die eine an- waltliche Vertretung geböte. Die gegenteilige Auffassung liefe darauf hinaus, dass der An- spruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung in praktisch allen Vorbescheidverfahren bejaht werden müsste, in denen ein medizinisches Gutachten zur Diskussion stehe, was der Konzeption von Art. 37 Abs. 4 ATSG als einer Ausnahmeregelung widerspräche. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bedürfe es mithin weiterer Umstände, welche die Sache als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche Vertretung als notwendig erscheinen lasse. E. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Anträgen und de- ren Begründungen fest. Auf ihre Ausführungen ist – soweit erforderlich – in den Erwägun- gen einzugehen. F. Am 28. November 2016 liess die Beschwerdeführerin dem Gericht den Verlaufs- bericht Physiotherapie vom 17. November 2016 einreichen, woraus hervorgehe, dass ihre Beschwerden nach wie vor persistierten. 5 Das Verwaltungsgericht erwägt: 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG) in der seit 1. Juli 2006 geltenden Fassung sind Verfügungen kan- tonaler IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Die Beschwerdefrist beträgt 30 Tage (Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000, ATSG). Im Kanton Zug be- urteilt gemäss § 77 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 1. April 1976 (VRG) das Verwaltungsgericht als einzige kantonale Instanz Beschwerden aus dem Gebiet der eidge- nössischen Sozialversicherung, für die das Bundesrecht eine kantonale Rechtsmittelin- stanz vorsieht. Vorliegend ist die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Zug vom 11. April 2016 angefochten. Das Verwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung dieser Be- schwerde sowohl örtlich als auch sachlich zuständig. Die Beschwerde ist fristgerecht ein- gereicht worden und entspricht den übrigen formellen Anforderungen, weshalb sie zu prü- fen ist. 2. Das Sozialversicherungsgericht stellt bei Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (in casu 11. April 2016) eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 121 V 366 Erw. 1b). In zeitlicher Hinsicht sind diejeni- gen Rechtssätze massgebend, die bei der Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts in Geltung standen (Urteile des EVG vom 4. Juni 2004, H 6/04, sowie vom 5. Juli 2004, I 690/03, mit Verweis auf BGE 129 V 4 Erw. 1.2, 169 Erw. 1, 356 Erw. 1, je mit weiteren Hinweisen). Vorliegend ist ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin frü- hestens ab 1. Oktober 2013 (Art. 29 Abs. 1 IVG) streitig, weshalb die Bestimmungen des ATSG und diejenigen der vierten, fünften und der sechsten (6a) IV-Revision zur Anwen- dung gelangen. 3. Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min- destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). Bei einer Invalidität von 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, ab 50 % auf eine halbe, ab 60 % auf eine Drei- viertels- und ab 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 6 3.1 Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Bei erwerbstätigen Versicher- ten wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalidenein- kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; sog. Einkommensvergleich). Bei nichterwerbstätigen versicherten Personen, welche in einem Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf ab- gestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu be- tätigen (Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil er- werbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; sog. gemischte Methode). Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ab- lauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt. 3.2 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch rea- lisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher der Versicherte konkret steht. Übt er nach Eintritt der In- validität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhält- nisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass er die ihm verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft und das Einkommen aus der Arbeitsleistung als ange- messen und nicht als Soziallohn erscheint, gilt grundsätzlich der von ihm tatsächlich er- zielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil der Versicherte nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Sta- tistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) beigezogen werden (BGE 126 V 75 Erw. 3b mit Hinweisen), wobei je nach den konkreten Umständen – nebst 7 der leidensbedingten Einschränkung können auch weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationa- lität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad lohnmindernd ins Gewicht fallen – ein Abzug von höchstens 25 % zu berücksichtigen ist (BGE 126 V 75 Erw. 5b/aa-cc). 3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be- schwerdefall der Richter) auf Unterlagen angewiesen, die der Arzt und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der Versicherte arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärzt- lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits- leistungen dem Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 105 V 156 Erw. 1). Für die Invaliditätsbemessung ist im Übrigen nicht die medizinisch-theoretische Schätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Arzt ausschlaggebend, sondern vielmehr die durch den Ge- sundheitsschaden bedingte Einschränkung der Erwerbsmöglichkeiten auf dem gesamten für den Versicherten in Betracht fallenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (BGE 110 V 273 Erw. 4). 4. Umstritten und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. April 2016 zu Recht einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin verneint hat. In diesem Zusam- menhang ist darauf hinzuweisen, dass das Verwaltungsgericht nicht dazu verpflichtet ist, auf jede einzelne der von den Parteien vorgebrachten Rügen einzugehen. Bei der sich aus dem verfassungsrechtlichen Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV erge- benden Pflicht des Gerichts, seinen Entscheid zu begründen, geht es nämlich darum, dass der Betroffene sich über dessen Tragweite ein Bild machen und ihn in voller Kenntnis der Sache gegebenenfalls bei der oberen Instanz anfechten kann (dazu BGE 126 I 97 Erw. 2b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 9. April 2003, 5P.58/2003, Erw. 1.3). Aus den medizinischen Unterlagen ergibt sich im Wesentlichen das Folgende: 4.1 Am 27. September 2012 liess die Beschwerdeführerin ein MRI der HWS durchfüh- ren. Die bildgebende Untersuchung ergab – abgesehen von einer geringen Angulations- störung mit Kyphosierung in der unteren HWS – unauffällige Befunde. Es fänden sich kei- ne posttraumatischen Residuen. Zudem liessen sich keine Frakturen der Wirbelkörper oder der posterioren Elemente abgrenzen. Schliesslich würden auch Hinweise auf liga- mentäre Läsionen fehlen (Bericht des Röntgeninstituts Schwyz vom 27. September 2012, IV-act. 15-3). 8 4.2 Am 4. Dezember 2012 fand in der Rehaklinik J ein ambulantes Assessment statt. Dem Bericht der Dres. med. K und L vom 3. Januar 2013 lassen sich folgende Diagnosen entnehmen: HWS-Distorsion QTF II, leichtes Übergewicht (BMI 27) und ein Verdacht auf eine depressive Episode. Aktuell klage die Beschwerdeführerin über Kopfschmerzen und Nackenbewegungseinschränkungen. Es bestehe eine mässige Symptomausweitung. Ihr Schmerzverhalten sei nicht adäquat (IV-act. 13). 4.3 Am 10. Januar 2013 liess die Beschwerdeführerin im Zentrum für medizinische Radiologie, Cham, ein MRI der HWS durchführen. Dem Bericht gleichen Datums lassen sich eine ausgeprägte kyphotische Fehlhaltung der HWS im unteren Drittel mit zusätzli- chem breitbasigem Bandscheibenbulging auf der Höhe HWK 5/6 und HWK 6/7 mit Pelot- tierung des Myelons entnehmen. Es bestehen weder eine spinale Enge noch eine Wirbel- körperhöhenminderung im Sinne einer frischen Fraktur. Schliesslich konnte eine Neuro- kompression nicht nachgewiesen werden (IV-act. 15-4). 4.4 In seinem Bericht vom 4. Februar 2013 diagnostizierte Dr. med. M, Neurologe FMH, einen Verdacht auf funktionelle Beschwerden und führte betreffend die gleichentags erfolgte Untersuchung aus, er könne die Beschwerden der Beschwerdeführerin organisch nicht erklären, insbesondere der angegebene Sensibilitätsbefund entspreche keinem or- ganischen Muster. Zusätzlich sei das Verhalten der Beschwerdeführerin während der EMG-Untersuchung auffällig bzw. theatralisch-appellativ gewesen (IV-act. 15-10). 4.5 Dem Bericht von Dr. med. N und med. pract. O, Ambulante Psychiatrische Dienste des Kantons Zug (APD), vom 11. Februar 2013 ist die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung zu entnehmen (ICD-10 F43.1). Die Beschwerdeführerin leide seit dem Autounfall vom 30. August 2012 an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung. Es bestünden anhaltende Erinnerungen an den Unfall, sich aufdrängendes Wiedererleben, Albträume, Ein- und Durchschlafstörungen, andauernde ängstliche Anspannung und de- pressive Verstimmung. Die Beschwerdeführerin zeige einen ausgeprägten sozialen Rück- zug und gehe keinerlei Aktivitäten mehr nach. Im Haushalt könne sie kaum etwas tun, seit dem Unfall sei sie nicht mehr zur Arbeit gegangen. Körperlich habe sie ein Schleuder- trauma der Halswirbelsäue mit Schmerzen im Nacken und im rechten Arm erlitten (IV- act. 15-8). 9 4.6 Das vom Zentrum für medizinische Radiologie Cham durchgeführte Arthro-MRI der rechten Schulter vom 22. März 2013 ergab folgende Beurteilung: "Leichte Schwellung im Bereich des Pulley am Eintritt der Bizepssehne nach intraartikulär, sie liegt aber nicht luxiert. Keine Läsionen an der RM (Rotatorenmanschette). Intakter Bizepsanker, unauffäl- liges Labrum" (IV-act. 15-5). 4.7 Am 25. März 2013 untersuchte der Suva-Kreisarzt med. pract. P, Facharzt für Chi- rurgie FMH, die Beschwerdeführerin und diagnostizierte in seinem Bericht vom 26. März 2013 einen "PW-Auffahrunfall mit Dezelerations-Trauma der HWS am 30. August 2012" und einen Status nach konservativer Therapie (Kombinations-Analgetikatherapie) mit ei- nem aktuell schmerzhaften Residualzustand. Als unfallrelevante Nebendiagnosen erwähn- te er eine depressive Episode (DD: Posttraumatische Belastungsstörung) und eine Angu- lationsstörung mit Kyphosierung in der unteren HWS gemäss MRI-Befund vom 27. Sep- tember 2012. Es lägen gemäss MRI keine unfallbedingten strukturellen Läsionen im HWS- Bereich vor und die neurologische Verlaufsbeurteilung inklusive Neurographie zeige einen unauffälligen Befund. Von weiteren therapeutischen Massnahmen (inkl. Rehabilitations- massnahmen unter stationären Bedingungen) sei keine wesentliche Verbesserung der be- klagten HWS-Beschwerden zu erwarten. Die Kopfschmerzen seien als wahrscheinlich Analgetika-induziert beschrieben worden (IV-act. 17-113). 4.8 Dem von der IV-Stelle eingeholten Bericht von Dr. med. Q, FMH Allgemeine Medi- zin, vom 2. April 2013, ist zu entnehmen, dass die Patientin am 30. August 2012 in H ei- nen Verkehrsunfall gehabt habe und seither an Nackenschmerzen und einem psychischen Trauma leide. Als Diagnosen führte Dr. Q einen Status nach PW-Unfall mit Dezelerations- trauma der HWS und posttraumatischer Belastungsstörung auf. Die Patientin trage nach wie vor einen Kragen. Er habe immer wieder empfohlen, diesen nicht mehr zu tragen. Sie hätten es auch mit Physiotherapie versucht, doch sie lasse sich kaum berühren. Sie klage über Kopf- und Nackenschmerzen, einen sozialen Rückzug, Stress und Belastungsintole- ranz. Sie sei seit dem Unfalltag bis heute zu 100 % arbeitsunfähig. Bezüglich der zumut- baren Tätigkeiten müsse der Psychiater Auskunft geben. (IV-act. 15-1). 4.9 Dem von der IV-Stelle eingeholten Arztbericht von med. pract. O, und Dr. med. N, APD Baar, vom 23. April 2013 ist wiederum die Diagnose einer posttraumatischen Belas- tungsstörung (PTBS, ICD-10 F43.1) seit September 2012 zu entnehmen. Anamnestisch führten die Ärzte unter anderem aus, dass die Patientin am 30. August 2012 mit ihrem Ehemann und ihrer 11-jährigen Tochter nachts bei regnerischem Wetter auf der Autobahn 10 verunfallt sei. Der Ehemann und die Tochter seien eingeschlafen. Plötzlich sei sie über ein auf der Fahrbahn liegendes Rad gefahren und in einen leeren Unfallwagen mit einer Ge- schwindigkeit von ca. 120-130 km/h geprallt. Die Patientin sei bei Bewusstsein geblieben, sei jedoch in einem Schockzustand gewesen und habe nicht genau gewusst, was passiert sei. Die Tochter im Kindersitz auf der Rückbank sei für ca. fünf bis sieben Minuten ohn- mächtig gewesen, was die Patientin sehr verängstigt habe. Es sei niemand ernsthaft ver- letzt worden, abgesehen von einem Schleudertrauma der HWS bei der Beschwerdeführe- rin. Neben den Schmerzen im Nacken leide sie auch unter ziehenden Schmerzen im rech- ten Arm. Seit dem Unfall erlebe sie sich als komplett verändert. Sie frage sich dauernd, weshalb ihr so etwas habe passieren können. Als ärztlicher Befund wird festgehalten, dass sie während der gesamten Sitzung weine. Sie sei bewusstseinsklar und allseits ori- entiert. Die Aufmerksamkeit und Konzentration wirkten vermindert. Im Denken sei die Be- schwerdeführerin stark eingeengt auf das Unfallereignis. Sie befürchte, nie mehr psy- chisch gesund zu werden. Es bestünden Zukunftsängste, doch es gebe keine Hinweise auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Affektiv wirke sie schwer deprimiert und hoffnungslos, mittelgradig ängstlich und innerlich unruhig. Es bestünden leichte Insuf- fizienz-, doch keine Schuldgefühle. Der Antrieb sei vermindert. Es lägen ein ausgeprägter sozialer Rückzug und ein Vermeidungsverhalten vor. Die Beschwerdeführerin könnte nachts nicht mehr Auto fahren. Es gebe ein häufiges Wiedererleben des Unfallherganges tagsüber sowie Albträume über den Unfall in der Nacht mit schweissgebadetem Aufschre- cken. Sie sei extrem schreckhaft und habe ausgeprägte Ein- und Durchschlafstörungen sowie Schmerzen im Nacken und im rechten Arm. Von Suizidalität distanziere sich die Be- schwerdeführerin glaubhaft. Prognostisch gesehen bestehe eine schwierige Kombination aus einer posttraumatischen Belastungsstörung und körperlichen Schmerzen. In der bis- herigen Behandlung hätten keine wesentlichen Fortschritte gemacht werden können. Die Beschwerdeführerin werde nebst der psychiatrisch-psychotherapeutischen und psycho- pharmakologischen Behandlung kognitiv verhaltenstherapeutisch behandelt. Die Trauma- therapie werde in der Klinik S, wo sie angemeldet sei, weitergeführt. Im Beiblatt zum Arzt- bericht nahmen die APD-Ärzte zur Arbeitsfähigkeit Stellung. Bei der bisherigen Tätigkeit der Patientin wirkten sich ihre Ängstlichkeit, Angespanntheit und das verminderte Konzent- rations- und Durchhaltevermögen einschränkend aus. Wie stark sie eingeschränkt sei, könnte nur mit einem Arbeitsversuch beurteilt werden. Die bisherige wie auch andere Tä- tigkeiten seien ihr zumutbar. Es werde ein Wiedereinstieg mit stundenweisem Belastungs- aufbau empfohlen, denn sie sei weniger belastbar als vor dem Unfall (IV-act. 18-1). 11 4.10 Die Beschwerdeführerin war vom 13. bis 31. Mai 2013 in der Klinik S zur interdis- ziplinären stationären Rehabilitation hospitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 18. Juni 2013 lassen sich folgende Rehabilitationsdiagnosen entnehmen: chronisch undulierende me- chanische Schmerzen im Nacken-Schulter-Gürtelbereich rechts und rechte obere und un- tere Extremität nach Autounfall und eine muskuläre Dysbalance und Insuffizienz, eine arti- kuläre Dysfunktion sowie eine posttraumatische Belastungsstörung nach Autounfall am 30. August 2012 (ICD-10 F 43.1). Zur Therapie und zum Verlauf wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin an sämtlichen Angeboten des interdisziplinären Schmerzpro- gramms teilgenommen habe. In der Psychotherapie habe der Fokus auf der Vermittlung von Selbstverantwortung sowie Psychoedukation gelegen, damit die Beschwerdeführerin ihre Symptomatik besser einordnen und die Wichtigkeit von Ablenkung als Schmerzdis- tanzierung verstehen könne. Zusätzlich sei der Autounfall vom 30. August 2012 und die damit verbundenen, als traumatisch erlebten Situationen mit EMDR prozessiert. Aufgrund körperlichen Unwohlseins habe die Beschwerdeführerin jedoch die Behandlung in diesem Rahmen nicht weiter fortsetzen wollen. Sie habe den Wunsch geäussert, die Traumaex- position bei Dr. O im ambulanten Setting weiter zu führen. Während des gesamten Thera- pieverlaufs sei die Beschwerdeführerin durch übertrieben wirkendes Darstellen ihrer Symptomatik aufgefallen und habe sich nur schwer zur Aktivität motivieren lassen. Die In- formationen über den psychophysischen Transaktionsprozess des Schmerzgeschehens schienen für sie schwer verständlich. Die Leistungsfähigkeit in der Physiotherapie sei von den Schmerzen sehr stark beeinflusst und daher inkonsistent. Das Schmerzverhalten zei- ge sich durch häufige Schmerzmimik und Seufzen und die Beschwerdeführerin lasse sich nicht an ein beobachtbares funktionelles Limit bringen. Die Bewegungen seien sehr steif und übervorsichtig nach einem Schmerzausweichmuster (v.a. beim Gehen). Sämtliche fünf Waddell-Zeichen seien gegeben. Das Ausmass der demonstrierten physischen Ein- schränkungen lasse sich mit den wenig relevanten objektivierbaren Befunden der klini- schen Untersuchung nicht erklären. Die Wichtigkeit der Steigerung der Aktivitäten im All- tag und der schrittweisen beruflichen Reintegration sei mit der Patientin besprochen wor- den. Sie habe sich aufgrund ihrer Schmerzen aber dazu nicht in der Lage gesehen. Das Reha-Ziel einer Verbesserung der psychischen und physischen Belastbarkeit habe sich aufgrund des erwähnten Verlaufs nicht realisieren lassen (IV-act. 25). 4.11 Am 10. September 2013 liess sich die Beschwerdeführerin durch Dr. med. T, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Konsiliarpsychiater der Suva, untersu- chen. Seinem Bericht vom 24. September 2013 lassen sich folgende Diagnosen entneh- men: eine in Chronifizierung begriffene somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) 12 mit/bei Status nach Autounfall mit Dezelerationstrauma der HWS und Schreck- bzw. aku- ter Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0), eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.23) mit ge- störter Affektivität bzw. posttraumatischer Beeinträchtigung unter der Diagnoseschwelle im Sinne von ICD-10 F 43.1. Ohne Zweifel bestehe bei der Beschwerdeführerin ein beträcht- licher, mit den alleinigen Schmerzen kaum erklärter Leidensdruck, welcher jedoch über die erlittenen Schmerzklagen hinaus diagnostisch nicht klar fassbar sei. Hinzu komme, dass der sekundäre Krankheitsgewinn zusammen mit den in der jetzigen Untersuchungssituati- on zutage getreten Inkonsistenzen (beispielsweise sich als Autolenkerin ohne Weiteres in den Strassenverkehr zu begeben) das Störungsbild etwas merkwürdig erscheinen lasse. Eine die hausärztliche Betreuung begleitende kognitiv-verhaltenstherapeutisch ausgerich- tete psychiatrisch-psychotherapeutische Stütztherapie könnte sich als nützlich erweisen. Um eine Neuausrichtung auf eine (noch) Erfolg versprechende Behandlung zustande zu bringen, sei eine nochmalige stationäre Reha-Behandlung ins Auge zu fassen. Eine sol- che werde jedoch nur dann einen Durchbruch bringen, wenn sich die Beschwerdeführerin zuvor auf ein ausführliches Vorgespräch einlasse, um mit einer realistischen Erwartungs- haltung einen nochmaligen Reha-Aufenthalt anzutreten, unter Inkaufnahme einer intermit- tierenden Beschwerdezunahme. Sollte es nicht gelingen, bis im Frühling 2014 die skizzier- te Behandlung in die Wege zu leiten, sei auf unabsehbare Zeit mit keiner Verbesserung des Funktionsniveaus mehr zu rechnen. Im gleichen Sinn führte Dr. T in der Stellungnah- me vom 5. November 2013 aus, wenn die von ihm gemachten Behandlungsvorschläge bis nächsten Frühling nicht zu greifen begännen, werde die Beschwerdeführerin auf absehba- re [recte wohl: unabsehbare] Zeit in ihrem jetzigen Zustand verharren und nicht mehr ar- beiten (IV-act. 26-47). 4.12 Am 17. Oktober 2013 kam RAD-Arzt U, Facharzt für Allgemeinmedizin (D), nach dem Studium der Akten zum Schluss, dass die psychiatrische Symptomatik inzwischen im Vordergrund des Beschwerdebildes stehe, weshalb das Dossier auch dem RAD-Facharzt V vorgelegt werden sollte (IV-act. 28). 4.13 Am 25. November 2013 nahm RAD-Arzt V, Facharzt für Psychiatrie und Psycho- therapie, zum psychiatrischen Gutachten von Dr. T vom 10. September 2013 Stellung. Das psychiatrische Gutachten erfülle formal und inhaltlich die Kriterien für ein fachgerech- tes versicherungspsychiatrisches Gutachten. Aus psychiatrischer Sicht lasse sich eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) nachweisen, die in Chronifizierung begriffen sei. Ausserdem bestehe eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.23). Die Versicherte befin- de sich in keiner psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Eine Blutspiegelbe-13 stimmung der verordneten Medikamente sei nicht erfolgt. Eine Anpassungsstörung stelle definitionsgemäss nur eine vorübergehende, leichte und gut behandelbare psychische Beeinträchtigung dar, die keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der an- gestammten Tätigkeit begründen könne. Hinsichtlich der somatoformem Schmerzstörung könne folgendes gesagt werden: Es bestehe weder eine ausgewiesene psychiatrische Komorbidität noch ein ausgeprägter sozialer Rückzug. Die Behandlungsmöglichkeiten sei- en nicht ausgeschöpft und aktuell bestehe gar keine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. Es bestehe ein sekundärer Krankheitsgewinn und es fänden sich deutliche Inkonsistenzen. Insbesondere die Tatsache, dass die Versicherte offenbar weitgehend uneingeschränkt Autofahren könne, spreche gegen eine wesentliche funktionelle Beein- trächtigung, erfordere dies doch auch ein recht hohes Mass an Aufmerksamkeit und Kon- zentrationsvermögen. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht könne er das Vorliegen ei- nes dauerhaften psychischen Gesundheitsschadens mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit in der angestammten Tätigkeit nicht bestätigen. Berufliche Massnahmen seien nicht indiziert, da sich die Versicherte selbst als dauerhaft arbeitsunfähig ansehe, und ein psy- chischer Gesundheitsschaden im Sinne des IVG liege seines Erachtens nicht vor (IV- act. 29). 4.14 In seinem Bericht vom 29. November 2013 diagnostizierte Dr. M einen Verdacht auf funktionelle Beschwerden und führte betreffend die gleichentags erfolgte Untersu- chung aus, er könne nach wie vor keine neurologische Diagnose stellen. Die von der Be- schwerdeführerin angegebenen Sensibilitätsstörungen und das Schonhinken hätten deut- lich einen funktionellen Charakter, d.h. sie könnten organisch nicht erklärt werden (Suva- act. 107). 4.15 Am 4. Februar 2014 wies RAD-Arzt U darauf hin, aus allgemeinärztlicher Sicht sei der Stellungnahme des RAD-Psychiater V vom 25. November 2013 nichts Wesentliches hinzuzufügen. Unter Berücksichtigung aller vorliegenden Informationen könne nicht von einem IV-relevanten Gesundheitsschaden gesprochen werden (IV-act. 31). 4.16 Vom 3. bis 28. März 2014 war die Beschwerdeführerin in der Psychiatrischen Kli- nik W hospitalisiert. Dem Bericht vom 22. April 2014 sind die folgenden Diagnosen zu ent- nehmen: chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und dissoziative Bewe- gungsstörungen (ICD-10 F44.4). Durch die integriert psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung habe auf der Symptomebene vom psychologischen Zustandsbild her eine 14 Teilremission erreicht werden können. Die Schmerzen seien unverändert geblieben und eine Analgetikareduktion habe nicht erfolgen können. Als prognostisch günstig seien die gegen Ende des Aufenthalts sichtbare Stimmungsaufhellung und die grosse Unterstützung im Alltag durch den Ehemann und eine gute Kollegin qualifiziert worden. Als ungünstig seien die weiterhin unverändert fortbestehenden Schmerzen und die dadurch bewirkte körperliche Einschränkung und die fortbestehende Vorstellung, vom Schicksal ungerecht behandelt zu werden und jemanden für das Unfallgeschehen verantwortlich machen zu wollen, anzusehen (IV-act. 45-3). 4.17 Doktor T führte am 6. Mai 2014 zum Bericht der Psychiatrischen Klinik W vom 22. April 2014 aus, dass dieser wenig überzeugend sei. Die Diagnosen zwei und drei (post- traumatische Belastungsstörung / dissoziative Bewegungsstörung) würden nicht nur nicht begründet, sondern würden sich auch nicht aus den Befunden ergeben. Zudem könne nicht von einem wirklichen Behandlungserfolg gesprochen werden – dies nach 3 1/2- wöchiger stationärer und anschliessender zweiwöchiger halbstationärer Behandlung. Die in seinem Bericht vom 24. September 2013 gemachten Behandlungsvorschläge (aktiver Umgang mit den Schmerzen) seien offensichtlich nicht umsetzbar. In Übereinstimmung mit seinen prognostischen Einschätzungen vom September 2013 und vom 5. November 2013 sei von einer Weiterführung der gegenwärtigen Behandlungsbemühungen keine namhafte Besserung bezüglich Arbeitsfähigkeit zu erwarten (Suva-act. 132). 4.18 Am 22. Mai 2014 liess die Beschwerdeführerin ein MRI der HWS, der LWS und des rechten Oberschenkels durchführen. Die bildgebenden Abklärungen ergaben eine Chondrose D5/6 [recte: C5/6] und C6/7, eine flache mediale Hernie C5/6, eine Protrusion C6/7, welche beide zu einer Tangierung und geringen Kompression des Myelons führten. Die Neuroforamina seien frei. Es bestehe keine signifikante Diskopathie lumbal und eine geringe Chondrose L4/5 mit leichter Wirbelgelenks-Hypertrophie (Bericht des Zentrums für medizinische Radiologie, Röntgeninstitut Cham, vom 22. Mai 2014, IV-act. 47-3). 4.19 In seiner "aktengestützten versicherungspsychiatrischen Stellungnahme im Rah- men des Einspracheverfahrens" vom 4. Juli 2014 hielt Dr. T, Konsiliarpsychiater der Suva, fest, dass er trotz der Kritik des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin an seiner Beur- teilung vom 24. September 2013 – keine Diagnose einer posttraumatischen Belastungs- störung – festhalte. Gestützt auf den weiteren Verlauf seit Herbst 2013 und insbesondere gestützt auf den Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik W vom 22. April 2014 sei fest- zustellen, dass in Übereinstimmung mit dem Untersuchungsbericht vom 24. September 15 2013 eindeutig die Schmerzstörung im Vordergrund stehe und die damals als Anpas- sungsstörung beurteilte psychotraumatologische Problematik von zweitrangiger Bedeu- tung sei. Wie die nach der Untersuchung im September 2013 weitergeführten Behand- lungsbemühungen zeigten, sei von einer Weiterführung der seither stattgehabten Behand- lungsbemühungen keine namhafte Besserung bezüglich Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten (Suva-act. 141). 4.20 Dem Bericht von Dr. med. X vom APD Zug vom 4. November 2014 lässt sich ins- besondere eine Zusammenfassung des Krankheitsverlaufs seit dem Unfall entnehmen. Seit dem Abschluss der Behandlung durch die Psychiatrische Klinik W zeige sich keine wesentliche Besserung bei der Patientin. Sie zeige ein chronifiziertes Krankheitsbild mit fast vollständigem sozialem Rückzug, ausgeprägt gestörter Bewegung und Fehlhaltung der rechten Körperhälfte, insbesondere des rechten Beines. Es bestehe eine mittelgradige depressive Episode und anhaltende Symptome einer posttraumatischen Belastungsstö- rung. Insgesamt sei die Patientin schwer beeinträchtigt. Prognostisch sei das Krankheits- bild als schlecht einzustufen, da sich im Verlauf der Behandlung eine deutliche Chronifizie- rung und Verfestigung der Symptome entwickelt habe (vgl. IV-act. 48-2). 4.21 In Nachachtung des Urteils des Verwaltungsgerichts vom 27. November 2014 (S 2014 70) beauftragte die IV-Stelle Dr. I, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothe- rapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, mit der Begutachtung der Beschwerde- führerin. In seinem Gutachten vom 7. Juli 2015 (IV-act. 57) verneinte er das Vorliegen ei- ner psychiatrischen Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Epi- sode (ICD-10 F33.0), und eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54) zu erwähnen. Das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, könnten durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektiviert werden, sodass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Die Beschwerdeführerin berichte nicht von einem schweren und quälenden Schmerz, der sie im Alltag praktisch vollständig einschränke. Es bestünden auch keine Hinweise auf vorbestehende emotionale Konflikte oder psychosoziale Probleme, die zu der Schmerz- verarbeitungsstörung hätten führen können. Es sei auch zu erwähnen, dass die Be- schwerdeführerin den Haushalt weitgehend selbständig führe, nach wie vor eine gute Be- ziehung mit ihrem Mann und ihrem Kind habe, regelmässig Kontakt mit den zahlreichen Verwandten pflege und auch nach wie vor eine gute Beziehung mit einer langjährigen Freundin unterhalte. Die Voraussetzungen für die Diagnose einer anhaltenden somato-16 formen Schmerzstörung seien somit nicht gegeben. Es handle sich um eine einfache Schmerzverarbeitungsstörung. Die Veränderungen in ihrem Leben, die weitgehend durch die ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung verursacht worden seien, führten zu einer depressiven Störung, die geringgradig ausgeprägt sei. Die Beschwerdeführerin be- finde sich seit Februar 2013 in ambulanter psychiatrischer Behandlung, alle zwei bis drei Wochen finde ein Gespräch statt. Im Jahr 2014 sei wegen vorübergehender Suizidgedan- ken auch eine stationäre psychiatrische Behandlung durchgeführt worden, welche die Be- schwerdeführerin als hilfreich erlebt habe. Sie werde auch antidepressiv behandelt. Da die Beschwerdeführerin gelegentlich an Einschlaf- und Durchschlafstörungen leide, könne sie nicht jede Nacht durchschlafen. Am Morgen habe sie keine Mühe aufzustehen, stehe täg- lich um 5.30 Uhr auf und nehme mit ihrem Ehemann das Frühstück ein. Später kümmere sie sich um ihre Tochter und bereite sie für die Schule vor. Dann kümmere sie sich um den Haushalt, den sie bis auf schwerere Arbeiten selbständig führen könne. Sie erledige auch kleinere Einkäufe, unternehme Spaziergänge. Regelmässig Kontakt habe sie mit einer langjährigen Freundin, mit den Verwandten ihres Ehemannes und mit ihrer Herkunftsfami- lie. Die Beziehung mit dem Ehemann sei gut, auch wenn diese durch eine gewisse Reiz- barkeit und auch eine Verminderung der Libido eingeschränkt sei. Auch zu ihrer Tochter sei die Beziehung gut. Ein Lebensverleider oder Suizidgedanken würden verneint. Die Be- schwerdeführerin sei auch bis 2014 weiterhin Auto gefahren und habe den Führerschein auf Veranlassung der Psychiatrischen Klinik W abgeben müssen. Bei der psychiatrischen Untersuchung hätten höchstens leichtgradige depressive Verstimmungen festgestellt wer- den können. Diagnostisch handle es sich also um eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode. Die Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht ein- geschränkt. Im Rahmen eines ambulanten Assessments in der Rehaklinik J sei eine man- gelnde Kooperation und Leistungsbereitschaft festgestellt worden. Es sei auch zu erwäh- nen, dass die Beschwerdeführerin seit dem Unfall wesentlich mehr Zeit habe, sich um ihre Tochter zu kümmern, auch von ihrer Herkunftsfamilie, ihrem Mann und ihrer Tochter um- sorgt und unterstützt werde. Es bestehe also auch ein gewisser sekundärer Krankheits- gewinn. Die Beschwerdeführerin habe über Schmerzen und über Schwierigkeiten beim Gehen aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit im rechten Knie berichtet. Gleichzeitig habe sie aber auch erwähnt, dass sie den Haushalt selbständig führe und Spaziergänge unternehme. Die Schilderung der Schmerzen und der Einschränkung insgesamt seien sehr vage geblieben. Obwohl weder aus psychiatrischer noch aus somatischer Sicht we- sentliche Einschränkungen der Gesundheit vorliegen würden, sehe sie sich kaum in der Lage, eine berufliche Tätigkeit wieder aufzunehmen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Schmerzstörung und die leichtgradig aus-17 geprägte rezidivierende depressive Störung begründeten keine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. In der bisherigen Tätigkeit als Filialleiterin bestehe aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Auch in ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter sei die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Ausser während des Aufenthaltes in der Psychiatrischen Klinik W könne rückwirkend keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht attestiert werden. Auch in jeder anderen beruflichen Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Die Be- schwerdeführerin selbst sehe sich als kaum arbeitsfähig an. Diese ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung könne durch die psychiatrischen Befunde nicht objektiviert wer- den. Aufgrund der Schmerzstörung und der leichtgradigen depressiven Episode könne keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht attestiert werden. Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung könne nicht bestätigt werden. Die Beschwerdefüh- rerin habe zwar einen relativ spektakulären Unfall erlitten, habe sich dabei aber keine schweren Verletzungen zugezogen. Auch ihre Tochter sei nicht schwer verletzt worden. Es sei unklar, ob die Tochter nach dem Unfall einfach weitergeschlafen habe oder kurzfris- tig ohnmächtig gewesen sei, wofür aber gemäss den Schilderungen der Beschwerdeführe- rin eigentlich keine Ursachen vorhanden gewesen seien. Die Beschwerdeführerin sei also nicht Opfer eines schweren Unfalles und dabei nicht schwer verletzt worden und habe kei- ne Belastung katastrophenartigen Ausmasses erlebt. Sie sei auch bis 2014 ohne Weiteres in der Lage gewesen, Auto zu fahren, fahre auch weiterhin mit dem Auto in die Ferien, zeige also kein Vermeidungsverhalten. Sie sei auch nicht teilnahmslos, gleichgültig und es bestehe keine Stumpfheit. Es sei auch ohne Weiteres möglich gewesen, sich mit ihr detail- liert über das Unfallgeschehen zu unterhalten, ohne dass sie dabei in vegetative Erregung geraten wäre. Weder die Voraussetzung noch die Symptome einer posttraumatischen Be- lastungsstörung seien somit vorhanden. Bei der Beschwerdeführerin könnten also einzig eine Schmerzverarbeitungsstörung und eine leichtgradig ausgeprägte depressive Störung diagnostiziert werden. Eine Arbeitsunfähigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht nicht. Es sei ihr aus psychiatrischer Sicht zumutbar, sich so zu präsentieren, dass sie in der Lage sei, ihre Tätigkeit auszuüben. Sie könne ihre Ausdrucksweise durchaus steuern. Es sei nicht zu erwarten, dass die ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung, die aus psy- chiatrischer Sicht keinen Krankheitswert habe, durch eine psychiatrische Behandlung we- sentlich beeinflusst werden könne. Medizinische Massnahmen könnten daher nicht emp- fohlen werden. 4.22 In seiner Stellungnahme vom 3. August 2015 führte der RAD-Psychiater V aus, das psychiatrische Gutachten von Dr. I vom 7. Juli 2015 erfülle formal und inhaltlich die 18 Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversiche- rung (SGPP 2012). Es sei in Bezug auf die strittigen Belange umfassend, beruhe auf all- seitige Untersuchungen, berücksichtige ausreichend die von der versicherten Person ge- klagten Beschwerden und sei in genügender Kenntnis der Vorakten verfasst worden. Die Schlüsse und Folgerungen im Gutachten seien ausreichend begründet, einleuchtend und nachvollziehbar, sodass es als medizinische Grundlage für die weiteren Entscheide der IV-Stelle anzuerkennen sei (IV-act. 61). 4.23 Auf die Anfrage der IV-Stelle hin führte Dr. I in seiner Stellungnahme vom 10. September 2015 aus, dass der Beschwerdeführerin auch in Anbetracht der geänder- ten Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteil vom 3. Juni 2015, 9C_492/2014) keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne (IV-act. 65). 4.24 Der RAD-Psychiater V legte am 21. September 2015 dar, dass die ergänzende Stellungnahme von Dr. I vom 10. September 2015 in ausreichender Weise Stellung neh- me zu den Indikatoren in Anbetracht der geänderten Rechtsprechung des Bundesgerichts. Die Diagnosestellung sei bereits im Gutachten in nachvollziehbarer Weise entsprechend der ICD-10 Klassifikation und auf der Basis der psychopathologischen Befunde erfolgt. Im ergänzenden Schreiben nehme er ausführlich und nachvollziehbar Stellung zu den Kate- gorien "funktioneller Schweregrad" (mit den Komplexen "Gesundheitsschädigung", "Per- sönlichkeit" und "sozialer Kontext") und der Kategorie "Konsistenz". Es könne weiterhin auf das Gutachten von Dr. I abgestellt werden (IV-act. 68). 4.25 Auf das Ersuchen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin hin erstatteten Dr. med. X und Dr. med. N, APD, am 30. Oktober 2015 einen Bericht und diagnostizierten eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine posttraumatische Be- lastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine mittelgradige depressive Episode. Der von der Beschwerdeführerin erlebte schwere Auffahrunfall mit nachfolgender Ohnmacht bzw. Nicht-Ansprechbarkeit der Tochter sei als aussergewöhnliche Bedrohung anzusehen, wel- che bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Die Beschwerdeführerin sei nach dem Unfall zunächst davon ausgegangen, dass ihre Tochter verstorben sei. Sie ha- be kurz zuvor eine Fehlgeburt in der 14. Schwangerschaftswoche erlitten. Sie leide wei- terhin an Nachhallerinnerungen und Flashbacks und an negativen Träumen, was zu einer Anhedonie, zu einer Furcht vor dem Autofahren und einem ausgeprägten sozialen Rück- zug geführt habe. Die Erstellung eines Zweitgutachtens werde empfohlen (IV-act. 74-2). 19 4.26 Am 26. Januar 2016 nahm der Psychiater Dr. I zum APD-Bericht vom 30. Oktober 2015 Stellung und führte aus, bei der psychiatrischen Untersuchung vom 30. Juni 2015 sei die Stimmung der Beschwerdeführerin klagsam, gelegentlich auch leicht depressiv gewe- sen. Die Psychomotorik sei lebhaft gewesen und Antriebsstörungen hätten sich nicht ge- funden. Die Beschwerdeführerin habe weder einen "Lebensverleider" noch Suizidgedan- ken erwähnt. Er habe sie ausführlich über das Unfallereignis vom 30. August 2012 befragt. Sie habe berichtet, dass sie keine schweren Verletzungen erlitten habe. Sie sei belastet gewesen, dass ihre Tochter erst nach zehn Minuten habe geweckt werden können. Die Beschwerdeführerin habe nicht geäussert, dass sie Angst gehabt habe, ihre Tochter sei beim Unfall gestorben, sondern habe einzig davon berichtet, dass es ihr nicht klar gewe- sen sei, ob sie geschlafen habe oder ob sie bewusstlos gewesen sei. Die Familie habe beim Unfall keine grösseren Verletzungen erlitten und sei am nächsten Tag vom Schwie- gervater nach Hause geholt worden. Die Voraussetzungen für die Diagnose einer post- traumatischen Belastungsstörung seien also nicht gegeben. Als die Beschwerdeführerin bei der psychiatrischen Untersuchung befragt worden sei, ob sie neben dem Unfallereignis andere Belastungen gehabt habe, habe sie den Abort nicht erwähnt, der in den in der Zwi- schenzeit eingegangenen Akten erwähnt sei. Es sei also nicht davon auszugehen, dass dieser Abort sie dermassen schwer belastet hätte, dass als Folge davon eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sich entwickelt haben könnte. Sie habe berichtet, dass sie alle paar Wochen einen angstauslösenden Traum gehabt von einem Unfall oder ähnlichen Ereignissen geträumt habe. Von Nachhallerinnerungen, die durch alltägliche Ereignisse ausgelöst würden, habe sie nicht berichtet. Somit seien weder die Voraussetzungen noch die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung vorhanden. Des Weiteren hät- ten die erhobenen Befunde und die anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin klare Hinweise dafür ergeben, dass sie nicht an einer mittelgradigen oder schweren de- pressiven Störung leide. Die vom APD gestellten Diagnosen einer posttraumatischen Be- lastungsstörung und einer mittelgradigen depressiven Episode könnten nicht bestätigt werden. Zusammenfassend sei am Gutachten vom 7. Juli 2015 festzuhalten (IV-act. 79). 4.27 Der Stellungnahme des RAD-Psychiater V vom 18. Februar 2016 ist zu entneh- men, dass Dr. I in seinen Darlegungen vom 26. Januar 2016 in ausführlicher und nach- vollziehbarer Weise Stellung zum APD-Bericht vom 30. August 2015 genommen habe. Er argumentiere in schlüssiger Weise, dass die vom APD gestellten Diagnosen zum Zeit- punkt seiner Untersuchung versicherungspsychiatrisch nicht bestätigt werden könnten. Am Ergebnis der Begutachtung sei daher weiterhin festzuhalten (IV-act. 80). 20 4.28 Am 28. November 2016 liess die Beschwerdeführerin dem Gericht den Verlaufs- bericht Physiotherapie vom 17. November 2016 einreichen. Dem Bericht lässt sich unter anderem entnehmen, dass ihre Schmerzen nach einer Behandlung und für den Behand- lungstag jeweils auf 4-5/10 gesenkt werden könnten und danach wieder 6-7/10 betragen würden (BF-act. 5). 5. Die medizinischen Unterlagen sind nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent- scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizi- nischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wür- digen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi- nische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchun- gen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun- gen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 Erw. 5.1; 125 V 351 Erw. 3a, 122 V 157 Erw. 1c). Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführ- lichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 Erw. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Un- tersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Be- weiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 Erw. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, Erw. 4b/bb). In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags- rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen 21 (Meyer/Reichmuth, a.a.O., Art. 28a N 224; BGE 125 V 351 Erw. 3b/bb, BGE 122 V 157 Erw. 1c, 120 V 357 Erw. 3b). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund der Verschiedenheit von Expertise und Therapie grund- sätzlich mit Vorbehalt zu würdigen. Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt, den behandelnden Spezialarzt und namentlich für den therapeutischen Psychiater mit sei- nem besondere Vertrauensverhältnis zum Patienten, welches die geklagten Beschwerden als Faktum hinzunehmen hat (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2008, 9C_420/2008 Erw. 3 mit zahlreichen Hinweisen). Im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenkonflikt zwischen Behandlung und Begutachtung kann - namentlich in um- strittenen Fällen - nicht unbesehen auf die Angaben des behandelnden Spezialisten abge- stellt werden (Urteil des EVG vom 5. April 2004, I 814/03, Erw. 2.4.2). Dies gilt allerdings nicht im Sinne einer Beweisformel, wonach Berichte behandelnder Ärzte in der Regel von vornherein weniger Beweiswert hätten, sondern sie sind unvoreingenommen auf ihre Be- weiskraft zu prüfen. 6. Das psychiatrische Gutachten von Dr. I vom 7. Juli 2015 entspricht grundsätzlich den bundesgerichtlichen Anforderungen, die an ein ärztliches Gutachten mit Beweiswert gestellt werden. Es wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben und stützt sich auf eine ei- gene ärztliche Untersuchung. Aus psychiatrischer Sicht ist das Gutachten umfassend. Die geklagten Beschwerden werden umfassend dargestellt und auch berücksichtigt. Die medi- zinischen Zusammenhänge und die Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und ein- leuchtend dargelegt und es wird auch einlässlich begründet, inwiefern aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit zu bejahen ist. Die übrigen ärztlichen Berichte werden dis- kutiert und allenfalls abweichende Ergebnisse begründet. Mängel an diesem Gutachten sind nicht ersichtlich. Zu prüfen bleibt im Folgenden, ob die von der Beschwerdeführerin erhobenen Rügen die Beweiskraft des psychiatrischen Gutachtens von Dr. I zu erschüt- tern vermögen. 6.1 Die Beschwerdeführerin lässt vorab geltend machen, dass die IV-Stelle vor der Beauftragung von Dr. I kein Einigungsverfahren durchgeführt und dadurch ihr rechtliches Gehör verletzt habe. Dies widerspreche dem zwingenden Anspruch auf ein konsensorien- tiertes Vorgehen bei mono- und bidisziplinären Begutachtungen (BGE 139 V 349 Erw. 5.4). Ausserdem sei Dr. I vordergründig für die MEDAS-Stelle "ABI" in Basel tätig. Der Beschwerdeführerin ist vorab entgegen zu halten, dass Dr. I und nicht das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) in Basel mit der Verfassung eines psychiatrischen Gutachtens 22 beauftragt worden ist. Ausserdem ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die Rechtsvertreter der Anwaltskanzlei Y vor dem Verwaltungsgericht regelmässig das Fehlen eines Einigungsverfahrens rügen (vgl. statt vieler Urteil des Verwaltungsgerichts vom 15. Dezember 2015, Erw. 5.4, S 2015 116). In Nachachtung der diesbezüglich nach wie vor aktuellen massgebenden bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einmal mehr darauf hinzuweisen, dass kein Rechtsanspruch auf kon- sensuale Bestimmung der Gutachterstelle bzw. des Gutachters besteht. Zu einer einver- nehmlichen Gutachtenseinholung kann eine Partei sodann ohnehin nicht verpflichtet wer- den, da dafür stets eine übereinstimmende Willenskundgebung erforderlich ist, welche in- dessen nicht verbindlich durchgesetzt werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Januar 2014, 8C_512/2013, Erw. 3.5). Ausserdem verkennt die Beschwerdeführerin, dass eine Einigung über den Gutachter erst dann erfolgen soll, wenn gegen den von der IV- Stelle vorgesehenen Gutachter zulässige Einwendungen vorgebracht werden. Solche zu- lässigen bzw. triftigen Einwendungen lässt die Beschwerdeführerin jedoch nicht vorbrin- gen. Zusammenfassend vermochte bzw. vermag die Beschwerdeführerin keine triftigen Einwendungen gegen die Begutachtung bei Dr. I vorzubringen, weshalb es für die IV- Stelle keinen Anlass gab, ein Einigungsverfahren durchzuführen bzw. von ihrer Gut- achterwahl abzusehen. Selbst wenn ein schlüssiger und triftiger Einwand vorliegen würde, was vorliegend nicht der Fall ist, so bedeutete dies nicht, dass Gegenvorschlägen der ver- sicherten Person ohne weiteres zu folgen wäre. Ansonsten drohte wiederum eine – nun- mehr freilich unter umgekehrten Vorzeichen – ergebnisorientierte Auswahl der Gutachter- stelle (BGE 139 V 349 Erw. 5.2.1). Die Beschwerdeführerin vermag daher aus ihrer Rüge nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Zur geltend gemachten Verletzung des rechtlichen Gehörs ist zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin am 19. Januar 2015 von der IV- Stelle die Gelegenheit erhalten hat, allfällige Zusatzfragen an den Gutachter einzureichen. In der Invalidenversicherung wird das rechtliche Gehör der Versicherten vor der Verfügung der IV-Stelle durch den sogenannten Vorbescheid gewahrt, der vorliegend vom 7. Oktober 2015 datiert. Am 3. November 2015 liess die Beschwerdeführerin einen Einwand und mit Schreiben vom 5. November 2015 den APD-Bericht vom 30. Oktober 2015 einreichen. Nachdem die IV-Stelle diesen Bericht Dr. I zu einer Stellungnahme hatte zukommen las- sen, erliess sie am 11. April 2016 die angefochtene Verfügung. Dieses Vorgehen der IV- Stelle ist nicht zu beanstanden, sodass eine Verletzung des rechtlichen Gehörs der Be- schwerdeführerin zu verneinen ist. 6.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es bestehe eine Diskrepanz zwischen den Akten und dem Gutachten von Dr. I Zur Begründung verweist sie auf die mit dem Einwand 23 eingereichte Stellungnahme der behandelnden APD-Ärztin Dr. L vom 30. Oktober 2015 (vgl. Erw. 4.25 vorstehend), welche ihre Diagnosen im Wesentlichen mit der im Jahr 2012 erlittenen Fehlgeburt und mit der irrtümlichen Annahme der Beschwerdeführerin unmittel- bar nach dem Unfall begründet, wonach ihre Tochter verstorben sei. Es ist einer behan- delnden Ärztin angesichts ihres therapeutischen Auftrags und dem gegenseitigen Vertrau- ensverhältnis nicht vorzuwerfen, dass sie auf die subjektiven Aussagen der Beschwerde- führerin abstellt, ohne den Wahrheitsgehalt zu eruieren. Allerdings muss darauf hingewie- sen werden, dass die Beschwerdeführerin die Fehlgeburt nach eigenen Angaben mit der Hilfe ihres Ehemannes aufgearbeitet hat (Bericht des Kreisarztes Dr. T vom 24. September 2013, S. 3). Des Weiteren hat sie das mit ihrer Tochter Erlebte nicht überall gleich dargestellt. So ist zu erwähnen, dass sie gegenüber Dr. I angegeben hat, sie könne nicht angeben, ob ihre Tochter nach dem am 30. August 2012 um 22.30 Uhr in der Nacht vorgefallenen Unfall "geschlafen" habe bzw. "ohnmächtig oder bewusstlos" gewesen sei (vgl. psychiatrisches Gutachten von Dr. I vom 7. Juli 2015, S. 8 und 14). In Kenntnis der Stellungnahme der behandelnden APD-Ärztin Dr. X vom 30. Oktober 2015 hielt Dr. I am 26. Januar 2016 schlüssig und nachvollziehbar daran fest, dass das Vorliegen einer post- traumatischen Belastungsstörung zu verneinen sei. Zudem gäben die geschilderten Be- schwerden und alltäglichen Aktivitäten der Beschwerdeführerin keine Hinweise darauf, dass eine mittelgradige oder schwere Depression vorliege. Die Beschwerdeführerin ver- mag somit aus der Stellungnahme der APD-Ärztin nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Des Weiteren lässt die Beschwerdeführerin geltend machen, dass sich Dr. I widerspreche. So halte er in seinem Gutachten fest, dass sie sich lediglich ein bis zwei Stunden pro Tag für arbeitsfähig halte. Wenige Sätze später weise er darauf hin, dass sie sich subjektiv nicht als arbeitsfähig erachte (Gutachten, S. 15). Da es sich bei beiden Aussagen um solche der Beschwerdeführerin handelt, kann nur ihr und nicht Dr. I eine Widersprüchlichkeit vor- geworfen werden. Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, entgegen dem psychiatri- schen Gutachten treffe es nicht zu, dass sie nur bei schweren Hausarbeiten von Familien- angehörigen unterstützt werde. Ihr ist entgegen zu halten, dass sie gegenüber Dr. I ange- geben hat, sie könne den Haushalt bis auf schwerere Arbeiten selbständig ausführen. Ausserdem nahm sie eine Qualifikation vor, welche Haushaltsarbeiten als schwer zu be- zeichnen seien, und erwähnte diesbezüglich Staubsaugen und Wäsche waschen (Gutach- ten, S. 12). Es bleibt mithin festzuhalten, dass sich Dr. I entgegen der Ansicht der Be- schwerdeführerin nicht in Widersprüche – weder beim Analgetikakonsum noch sonstwo – verstrickt hat, sodass sich ihre Rüge als unbegründet erweist. 24 6.3 Des Weiteren lässt die Beschwerdeführerin geltend machen, dass neben der post- traumatischen Belastungsstörung eine somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden diagnostiziert worden seien, sodass die neue Rechtsprechung im Sinne von BGE 141 V 281 zu beachten sei. Das Gutachten von Dr. I und seine nach- träglichen Stellungnahmen erlaubten keine schlüssige Beurteilung im Lichte der neuen Praxis. Soweit die Beschwerdeführerin darlegen lässt, dass der Fragenkatalog den Anforderun- gen von BGE 141 V 281 nicht zu genügen vermöge, übersieht sie, dass das erwähnte Ur- teil vom 3. Juni 2015 datiert und dass der Fragenkatalog der Beschwerdeführerin bereits früher, d.h. im Januar 2015, zur allfälligen Ergänzung zugestellt worden ist. Auch nach der Konfrontation mit der neuen Rechtsprechung durch die IV-Stelle hielt Dr. I an seiner Beur- teilung fest (Stellungnahme vom 10. September 2015). Der RAD-Psychiater V bestätigte am 21. September 2015, dass die ergänzende Stellungnahme von Dr. I in ausreichender Weise zu den neuen Indikatoren Stellung genommen habe. Die Diagnosestellung sei be- reits im Gutachten in nachvollziehbarer Weise entsprechend der ICD-10 Klassifikation und auf der Basis der psychopathologischen Befunde erfolgt. Im ergänzenden Schreiben neh- me Dr. I ausführlich und nachvollziehbar Stellung zu den Kategorien "funktioneller Schwe- regrad" (mit den Komplexen "Gesundheitsschädigung", "Persönlichkeit" und "sozialer Kon- text") und der Kategorie "Konsistenz". Es könne somit nach wie vor auf das Gutachten von Dr. I abgestellt werden. Gestützt auf diese nachvollziehbare Beurteilung und da die Be- schwerdeführerin ohnehin auf eine konkrete und schlüssige Begründung – aus welchen Gründen das Gutachten von Dr. I nicht den neuen Anforderungen entsprechen soll – ver- zichtet hat, erübrigen sich diesbezügliche Weiterungen. 6.4 Eventualiter beantragt die Beschwerdeführerin die Gewährung beruflicher Mass- nahmen. Das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, sind durch die somatischen Befunde nicht hinreichend ob- jektivierbar, sodass eine psychische Überlagerung angenommen werden muss (Gutachten von Dr. I vom 7. Juli 2015, S. 15). Da sowohl in ihrer bisherigen als auch in jeder anderen beruflichen Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit besteht und weitere medizinische Massnahmen nicht empfohlen werden (Gutachten Dr. I, S. 17 und 19), erscheinen Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit nicht indi- ziert. Da von einer drohenden Invalidität somit nicht gesprochen werden kann, sind rein 25 präventive berufliche Massnahmen zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit somit nicht ange- zeigt. 6.5 Zusammenfassend lässt sich damit festhalten, dass die von der Beschwerdeführe- rin vorgebrachten Rügen insgesamt nicht stichhaltig sind und an der Beweiskraft des psy- chiatrischen Gutachtens von Dr. I vom 7. Juli 2015 nichts zu ändern vermögen. Es kann daher vollumfänglich darauf abgestellt werden, sodass sich die von der Beschwerdeführe- rin beantragte Edition der vollständigen Akten und Tonbandaufnahmen der Begutachtung erübrigt. Aus dem Gutachten ergibt sich aus psychiatrischer Sicht klar eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in ihrer bisherigen als auch in jeder anderen beruflichen Tätigkeit, sodass sich die Durchführung eines Einkommensvergleichs erübrigt. An dieser Beurteilung vermag auch der am 28. November 2016 neu eingereichte "Verlaufsbericht Physiotherapie" vom 17. November 2016 nichts zu ändern. Es ist nämlich zu beachten, dass vorliegend lediglich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streiti- gen Verfügung (in casu 11. April 2016) eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (vgl. Erw. 2 vorstehend) und sich diesem Bericht für den erwähnten Zeitraum nichts entnehmen lässt, was die dargestellte Beurteilung zu verändern vermöchte. 7. Die Beschwerdeführerin verlangt schliesslich die rückwirkende Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung im Verwaltungsverfahren ab der Einreichung des Ge- suchs. 7.1 Artikel 29 Abs. 3 BV räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, einen Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand ein, soweit es zur Wahrung ih- rer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG kann einer gesuchstellenden Person, soweit die Verhältnisse es er- fordern, auch im Sozialversicherungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt werden, falls die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind (s. dazu Kieser, ATSG- Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 37 Rz. 31). Zu den Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ist zu beachten, dass Art. 61 lit. f ATSG für das kantonale Gerichtsverfahren den Begriff des "Rechtfertigens" verwen- det, während Art. 37 Abs. 4 ATSG von "Erfordernis" spricht. Damit wird zum Ausdruck ge- bracht, dass für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren eine strenge Prüfung verlangt ist (Kieser, a.a.O., Art. 37 Rz. 35). Voraussetzung der unentgelt- lichen Rechtsverbeiständung im Sozialversicherungsverfahren ist somit – neben der finan- ziellen Bedürftigkeit und der fehlenden Aussichtslosigkeit – die Erforderlichkeit der Vertre-26 tung. Die Notwendigkeit bzw. Erforderlichkeit der anwaltlichen Vertretung im sozial- versicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren ist nur in Ausnahmefällen zu bejahen. Es müssen sich schwierige Fragen rechtlicher oder tatsächlicher Natur stellen. Zu berücksich- tigen sind die konkreten Umstände des Einzelfalls, Eigenheiten der anwendbaren Verfah- rensvorschriften sowie weitere Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch bei der versicherten Person liegende Gründe in Betracht, etwa ihre Fähigkeit, sich im Ver- fahren zurechtzufinden. Schliesslich muss eine gehörige Interessenwahrung durch Ver- bandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutio- nen ausser Betracht fallen (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2016, 8C_931/2015, Erw. 3, mit Hinweisen). 7.2 Inhaltlich geht es im vorliegenden Fall im Wesentlichen darum, ob auf das psychi- atrische Gutachten von Dr. I vom 7. Juli 2015 abgestellt werden kann. Die Würdigung me- dizinischer Berichte ist eine sehr häufige bzw. möglicherweise sogar die häufigste Frage- stellung im Invalidenversicherungsrecht. Würde man die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Verwaltungsverfahren bei der Würdigung eines medizinischen Gutachtens bejahen, würde dies – die Erfüllung der übrigen Kriterien vorausgesetzt – praktisch die flä- chendeckende Einführung einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Invalidenversi- cherungsrecht bedeuten. Eine solche Interpretation widerspräche jedoch dem klaren Wort- laut von Art. 37 Abs. 4 ATSG, wonach der gesuchstellenden Person nur dann ein unent- geltlicher Rechtsbeistand bewilligt wird, wo es die Verhältnisse erfordern. Im vorliegenden Fall ist allerdings die Besonderheit zu beachten, dass es sich um ein Verwaltungsverfah- ren im Anschluss an eine gerichtliche Rückweisung an den Versicherungsträger zur weite- ren Abklärung handelt. Des Weiteren liess die Beschwerdeführerin gleichzeitig einen Pro- zess gegen die Suva führen (Verfahren S 2016 2), was die Angelegenheit zusätzlich ver- komplizierte. Aus diesen Gründen ist die Erforderlichkeit der anwaltlichen Vertretung zu bejahen (vgl. auch Kieser, a.a.O., Art. 37 Rz. 40). Bei dieser Sachlage war es der Be- schwerdeführerin nicht zumutbar, sich anderweitig Hilfe beispielsweise bei Privatpersonen, Fürsorgestellen und anderen Fach- und Vertrauensleuten sozialer Institutionen zu holen. Vielmehr war der Beizug eines Rechtsanwalts bereits im Verwaltungsverfahren notwendig, zumal ihr Rechtsbegehren im damaligen Zeitpunkt nicht von vornherein aussichtslos er- schien. Der unentgeltliche Rechtsbeistand für das Verwaltungsverfahren ist ihr in Berück- sichtigung der gesamten Verhältnisse mithin zu Unrecht verweigert worden. Die Be- schwerde erweist sich diesbezüglich als begründet. Die angefochtene Verfügung muss 27 deshalb aufgehoben werden und die Vorinstanz ist anzuweisen, die Entschädigung für den unentgeltlichen Rechtsbeistand festzusetzen und auszubezahlen. 8. Zusammenfassend hat die IV-Stelle zu Recht einen Anspruch der Beschwerdefüh- rerin auf Leistungen der Invalidenversicherung verneint, nachdem sie keinen invalidisie- renden und die Arbeitsfähigkeit in einem relevanten Ausmass beeinträchtigenden Ge- sundheitsschaden aufweist. Der medizinische Sachverhalt erweist sich als schlüssig, so- dass sich die von der Beschwerdeführerin eventualiter beantragte weitere Begutachtung erübrigt. Hingegen ist die Verweigerung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren zu Unrecht erfolgt, da der Beizug eines Rechtsanwalts notwendig und die Sache auch nicht von vornherein aussichtslos war. Die Beschwerde erweist sich daher bezüglich der Leistungsverweigerung als unbegründet und muss abgewiesen wer- den, während sie bezüglich der Bewilligung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands für das Verwaltungsverfahren gutzuheissen und die Sache an die Vorinstanz zur Festsetzung und Auszahlung der Entschädigung zurückzuweisen ist. 9. Abschliessend ist über die Kosten- und Entschädigungsfolgen bei diesem Verfah- rensausgang zu befinden. 9.1 Der Beschwerdeführerin ist mit Verfügung vom 13. Mai 2016 die unentgeltliche Prozessführung gewährt worden, weshalb ihr trotz überwiegenden Unterliegens für das vorliegende Verfahren in Abweichung von Art. 69 Abs. 1bis IVG keine Kosten aufzuerlegen sind. 9.2 Eine Parteientschädigung ist der Beschwerdeführerin nicht zuzusprechen, da sie mit ihrer Beschwerde im Hauptpunkt unterliegt. Mit Verfügung vom 13. Mai 2016 ist ihr in- dessen für das vorliegende Verfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person von RA A. gewährt worden. Da RA A. auf die Einreichung einer Kostennote verzichtet hat, ist die Entschädigung praxisgemäss aufgrund der Akten festzulegen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass RA A. der Grossteil der Akten bereits aus den beiden Ver- fahren S 2014 70 und S 2016 2 (Unfallversicherung) bekannt war, was beim Aktenstudium zu berücksichtigen ist. Angesichts des doppelten Schriftenwechsels und des erheblich verminderten Aufwands beim Aktenstudium rechtfertigt sich ermessensweise eine Ent- schädigung von Fr. 2'000.-- (inkl. Auslagen und MWSt.). 28 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: __________________________________ 1. Die Beschwerde betreffend die Leistungsverweigerung wird abgewiesen. Die Be- schwerde betreffend einen unentgeltlichen Rechtsbeistand für das Verwaltungs- verfahren wird gutgeheissen und die Sache wird an die Vorinstanz zur Festset- zung und Auszahlung der Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands zu- rückgewiesen. 2. Es wird keine Spruchgebühr erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird der Beschwerdeführerin nicht zugesprochen. RA A. wird mit Fr. 2'000.-- (inkl. Auslagen und MWSt.) aus der Staatskasse ent- schädigt. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung beim Schweizerischen Bundesgericht in Luzern Beschwerde in öffentlich-recht- lichen Angelegenheiten eingereicht werden. 5. Mitteilung an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (im Doppel), an die IV- Stelle des Kantons Zug, an das Bundesamt für Sozialversicherungen, Bern, und zum Vollzug von Ziffer 3 im Dispositiv an die Finanzverwaltung des Kantons Zug. Zug, 27. April 2017 Im Namen der SOZIALVERSICHERUNGSRECHTLICHEN KAMMER Die Vorsitzende Der Gerichtsschreiber