<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 43 S.256</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">256</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>43</b></span> <span class="ft2"><b>Anrechnung von Unterhaltsbeiträgen als eigene Mittel.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>§ 11 Abs. 1 SPV erfasst auch die Ansprüche auf nachehelichen Un-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>terhalt (Erw. 2.2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Können vom Unterhaltsverpflichteten mangels Leistungsfähigkeit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keine nachehelichen Unterhaltsbeiträge erhältlich gemacht werden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>oder sind diese nicht durchsetzbar, können auch der unterhaltsbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rechtigten, Hilfe suchenden Person keine fiktiven Unterhaltsbeiträge</b></span><br/> <span class="ft2"><b>als eigene Mittel aufgerechnet werden (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine Kürzung wegen Nichtbefolgung von Weisungen (§ 13 Abs. 2</b></span><br/> <span class="ft2"><b>SPG) kann nur in Frage kommen, wenn den Betroffenen ein Ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schulden trifft und er durch eine Änderung seines Verhaltens den mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Weisung verfolgten Zweck auch erreichen kann (Erw. 4.4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 3. Dezember 2008 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen F.L. gegen das Bezirksamt Rheinfelden (WBE.2008.91).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Zu den eigenen Mitteln gehören auch die Unterhaltsansprüche</span><br/> <span class="ft1">der hilfsbedürftigen Person (§ 11 Abs. 1 SPV). Verzichtet eine unter-</span><br/> <span class="ft1">stützte Person auf eheliche Unterhaltsbeiträge, obwohl der Ehegatte</span><br/> <span class="ft1">offensichtlich solche leisten könnte, so muss sie sich einen angemes-</span><br/> <span class="ft1">senen Betrag anrechnen lassen, wobei im Umfang dieses Betrags im</span><br/> <span class="ft1">Sinne des Subsidiaritätsprinzips keine Bedürftigkeit besteht. Unter-</span><br/> <span class="ft1">haltsbeiträge dürfen anderseits nur angerechnet werden, wenn die</span><br/> <span class="ft1">"verzichtende" Person vorher über die Konsequenzen klar informiert</span><br/> <span class="ft1">wurde. Eine Anrechnung darf nicht erfolgen, wenn fest steht, dass</span><br/> <span class="ft1">ein Ehegattenunterhalt nicht durchsetzbar oder erhältlich ist</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2005, S. 298 mit Hinweis; Richtlinien für die Ausgestaltung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">257</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und Bemessung der Sozialhilfe, hrsg. von der Schweizerischen Kon-</span><br/> <span class="ft1">ferenz für Sozialhilfe, vom Dezember 2000 [SKOS-Richtlinien], Ka-</span><br/> <span class="ft1">pitel F.3.2). § 11 Abs. 1 SPV erfasst auch die Ansprüche auf einen</span><br/> <span class="ft6"><i>nachehelichen</i> Unterhalt.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Angaben der Beschwerdeführerin hinsichtlich der finanziel-</span><br/> <span class="ft1">len Verhältnisse ihres ehemaligen Ehemannes sind im Verfahren vor</span><br/> <span class="ft1">dem Bezirksamt unbestritten geblieben und werden auch im vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Verfahren nicht bestritten. In der Verfügung des Gerichts-</span><br/> <span class="ft1">präsidiums Z. vom 30. Januar 2007 in Sachen unentgeltliche Rechts-</span><br/> <span class="ft1">pflege im ordentlichen Verfahren betreffend Ehescheidung der Bes-</span><br/> <span class="ft1">chwerdeführerin wird in Ziffer 3 festgehalten, die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin erhalte aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit des Ehe-</span><br/> <span class="ft1">mannes keinen persönlichen Unterhaltsbeitrag. Die unbestrittene</span><br/> <span class="ft1">Nichtbezahlung und das Alimenteninkasso- und Bevorschussungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren für Kinderalimente sind weitere Anhaltspunkte dafür, dass</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin von ihrem früheren Ehegatten keinen nach-</span><br/> <span class="ft1">ehelichen Unterhalt erhältlich machen konnte. Damit ist ausreichend</span><br/> <span class="ft1">nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin mangels Leistungsfä-</span><br/> <span class="ft1">higkeit des Unterhaltsverpflichteten keinen nachehelichen Unterhalts</span><br/> <span class="ft1">erhältlich machen konnte.</span><br/> <span class="ft1">Im Übrigen unterliegt eine Vereinbarung über die Scheidungs-</span><br/> <span class="ft1">folgen, zu welchen auch der nacheheliche Unterhalt gehört, gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 140 ZGB der gerichtlichen Genehmigung. Diese wird u.a. dann</span><br/> <span class="ft1">nicht gewährt, wenn ein gänzlicher Verzicht auf Unterhaltsbeiträge</span><br/> <span class="ft1">trotz Leistungsfähigkeit der anderen Partei dazu führt, dass die ver-</span><br/> <span class="ft1">zichtende Partei auf Sozialhilfe angewiesen ist (Urs Gloor, in: Basler</span><br/> <span class="ft1">Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Zivilgesetzbuch I,</span><br/> <span class="ft1">Art. 1-456 ZGB, 2. Auflage, Basel / Genf / München 2002, Art. 140</span><br/> <span class="ft1">N 12). Die Auffassung der Vorinstanz, ein Verzicht auf nacheheli-</span><br/> <span class="ft1">chen Unterhalt in einer Scheidungskonvention unterliege keiner</span><br/> <span class="ft1">richterlichen Überprüfung, geht daher fehl.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">258</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Können vom Unterhaltsverpflichteten mangels Leistungsfähig-</span><br/> <span class="ft1">keit keine nachehelichen Unterhaltsbeiträge erhältlich gemacht wer-</span><br/> <span class="ft1">den oder sind diese nicht durchsetzbar, können auch der unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">berechtigten, Hilfe suchenden Person keine fiktiven Unterstützungs-</span><br/> <span class="ft1">beiträge als eigene Mittel aufgerechnet werden. Weil der (ehemalige)</span><br/> <span class="ft1">Ehemann der Beschwerdeführerin keine nachehelichen Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">beiträge leisten konnte, ist die Anrechnung von Fr. 100.-- pro Monat</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf § 11 SPV unzulässig. Unter diesen Umständen muss</span><br/> <span class="ft1">nicht geprüft werden, ob die übrigen Voraussetzungen für nacheheli-</span><br/> <span class="ft1">chen Unterhalt gemäss Art. 125 ZGB bei der Beschwerdeführrein</span><br/> <span class="ft1">vorliegen.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat X. hat der Beschwerdeführerin mit Verfügung</span><br/> <span class="ft1">vom 7. November 2007 die Auflage bzw. Weisung erteilt, die ihr bei</span><br/> <span class="ft1">der <i>Trennung</i> zustehenden Unterhaltsansprüche vom Gerichtspräsi-</span><br/> <span class="ft1">dium prüfen zu lassen. Eine Reduktion der materiellen Hilfe könnte</span><br/> <span class="ft1">daher - anders als von den Vorinstanzen beurteilt - auf einer Kür-</span><br/> <span class="ft1">zung der materiellen Hilfe in Anwendung von § 13 Abs. 1 und 2 SPG</span><br/> <span class="ft1">beruhen, weil die Beschwerdeführerin es unterlassen hat, ihre eheli-</span><br/> <span class="ft1">chen Unterhaltsansprüche gestützt auf Art. 176 ZGB geltend zu ma-</span><br/> <span class="ft1">chen.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Voraussetzung für eine Kürzung der materiellen Hilfe we-</span><br/> <span class="ft1">gen Nichtbefolgung von Anordnungen der Sozialhilfebehörde ist der</span><br/> <span class="ft1">Erlass einer Weisung oder Auflage in einer ersten Verfügung. Sodann</span><br/> <span class="ft1">muss die Kürzung vorgängig angedroht werden, wobei die Auflage</span><br/> <span class="ft1">bzw. Weisung und die Kürzungsandrohung gleichzeitig erlassen</span><br/> <span class="ft1">werden können (AGVE 2005, S. 285). Schliesslich muss die rechts-</span><br/> <span class="ft1">kräftige Weisung oder Auflage missachtet worden sein, damit in ei-</span><br/> <span class="ft1">ner weiteren Verfügung die Kürzung angeordnet werden kann.</span><br/> <span class="ft1">4.3. (...)</span><br/> <span class="ft1">4.4.</span><br/> <span class="ft1">Eine Kürzung wegen Nichtbefolgung von Weisungen (§ 13</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 SPG) kann nur in Frage kommen, wenn die Beschwerdeführe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">259</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rin ein Verschulden trifft und sie durch eine Änderung ihres Verhal-</span><br/> <span class="ft1">tens den mit der Weisung verfolgten Zweck auch erreichen kann</span><br/> <span class="ft1">(SKOS-Richtlinien, Kapitel A.8-2). Im Zeitpunkt der angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Verfügung (23. April 2007) war die Beschwerdeführerin bereits ge-</span><br/> <span class="ft1">schieden, so dass sie schon aus formellen Gründen keine Begehren</span><br/> <span class="ft1">um vorsorgliche Massnahmen im Scheidungsurteil und um ehelichen</span><br/> <span class="ft1">Unterhalt stellen konnte. Infolge der ausgewiesenen Leistungsunfä-</span><br/> <span class="ft1">higkeit ihres Ex-Mannes während der Dauer des Scheidungsverfah-</span><br/> <span class="ft1">rens (siehe vorne Erw. 3) waren auch keine ehelichen Unterhaltsbei-</span><br/> <span class="ft1">träge für die Dauer des verbleibenden Scheidungsverfahrens (No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2006 bis Anfang Februar 2007) erhältlich zu machen. Vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzung für die Verpflichtung von Unterhaltsbeiträgen im gesam-</span><br/> <span class="ft1">ten Familienrecht und auch während der Trennungszeit ist die Leis-</span><br/> <span class="ft1">tungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten. Fehlen diesem die fi-</span><br/> <span class="ft1">nanziellen Mittel, hat der Unterhaltsberechtigte das Manko zu tragen</span><br/> <span class="ft1">und allenfalls Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen (BGE 133 III 57</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3 mit Hinweisen). Unter diesen Umständen kann der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin nicht vorgeworfen werden, dass sie kein gerichtli-</span><br/> <span class="ft1">ches Massnahmeverfahren einleitete, dessen Aussichtslosigkeit zum</span><br/> <span class="ft1">vornherein feststand.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>