B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7389/2015 U r t e i l v o m 1 3 . M ä r z 2 0 1 7 Besetzung Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren am (…), (Beschwerdeführerin 1), und deren Kinder B._______, geboren am (…), (Beschwerdeführerin 2), C._______, geboren am (…), (Beschwerdeführerin 3) D._______, geboren am (…), alias E._______, geboren am (…), (Beschwerdeführerin 4) Eritrea, alle vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, Beschwerdeführinnen, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Widerruf des Asyls; Verfügung des SEM vom 19. Oktober 2015 / N (…). D-7389/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Am 5. Oktober 2007 suchte der Ehemann der Beschwerdeführerin 1 (Vater der Beschwerdeführenden 2-4), F._______, Staatsangehöriger Erit- reas, in der Schweiz um Asyl nach. A.b Mit Verfügung vom 28. Mai 2009 stellte das Bundesamt für Migration (BFM; heute Staatssekretariat für Migration, SEM) die Flücht lingseigen- schaft von F._______ fest und gewährte diesem Asyl (vgl. Akte […]). A.c Am 20. Juli 2009 stellte der von der Vorinstanz anerkannte Flüchtling ein Gesuch um Familienzusammenführung (vgl. Akte […]). Das BFM er- teilte am 6. August 2009 eine Einreisebewilligung für seine Ehefrau und Kinder. B. Die mittels gültigem Einreisevisum legal nachgereisten Beschwerdeführen- den 1-3 und die in der Schweiz geborene Beschw erdeführerin 4 wurden mit vorinstanzlicher Verfügung vom 16. Dezember 2009 beziehungsweise vom 5. Dezember 2014 derivativ in die Flüchtlingseigenschaft des Ehe- mannes beziehungsweise Vaters einbezogen und es wurde ihnen eben- falls (Familien-)Asyl nach Art. 51 des Asylgesetzes (AsylG, [SR 142.31]) gewährt. Das BFM stellte gleichzeitig fest, dass die Beschwerdeführerin 1 die origi- näre Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, da die erlittenen Reflexverfolgun- gen ihrer Intensität her nicht geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft ge- mäss Art. 3 AsylG zu begründen (vgl. Akte […]). Die Verfügungen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft. C. Am 11. August 2015, mit dem Zug von G._______ herkommend, wurden die Beschwerdeführenden durch die Kantonspolizei H._______ am Haupt- bahnhof H._______ einer Personenkontrolle unterzogen. Dabei konnten die Beamten unter anderem die Reisedokumente f ür die Flugreise von I._______, via J._______, nach Asmara und zurück als auch eritreische Identitätskarten sowie Unbedenklichkeitsbescheinigungen (englisch: Resi- dence Clearence Forms) sicherstellen. D-7389/2015 Seite 3 Die Beschwerdeführerin 1 verneinte anfänglich eine Rückkehr in ihr Hei- matland, worauf sie allerdings auf Vorhalt der belastenden Unterlagen jene schliesslich bestätigte. Als Grund für die Heimkehr gab sie den Besuch bei ihrem kranken Vater an. D. Mit Schreiben vom 2. Oktober 2015 teilte das SEM der Beschwerdeführe- rin 1 mit, es sei von der Kantonspolizei H._______ über die oben erwähn- ten Ereignisse in Kenntnis gesetzt worden. In diesem Zusammenhang ge- währte es ihr das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Asylwiderruf. E. Die Beschwerdeführerin 1 bestritt mit Schreiben vom 12. Oktober 2015 den vom SEM festgestellten Sachverhalt nicht. Sie brachte jedoch vor, sie sei sich zwar bewusst, dass sie einen schweren Fehler begangen und sich somit einem grossen Risiko ausgesetzt habe, dennoch habe sie keine an- dere Wahl gehabt als ein derartiges Risiko einzugehen, zumal es die letzte Gelegenheit hätte sein können , ihren schwer erkrankten Vater nochmals zu besuchen. F. Mit Verfügung vom 19. Oktober 2015 (Eröffnung: 21. Oktober 2015) er- kannte die Vorinstanz de n Beschwerdeführenden die Flüchtlin gseigen- schaft gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG in Verbindung mit Art. 1 Bst. C Ziff. 1 des Abkommens vom 2 8. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) ab und widerrief den Asylstatus. G. Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 17. Novem- ber 2015 (Poststempel) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die vorinstanzliche Verfügung sei Aufzuheben und auf die Ab- erkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie den Widerruf des Asyls sei zu verzichten. In prozessualer Hinsicht wurde um Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses und um die Gewährung der unentge ltlichen Prozessfüh- rung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ersucht. H. Mit Zwischenverfügung vom 23. November 2015 verzichtete der damals zuständige Instruktionsrichter auf die Erhebung eines Kostenvorschusses D-7389/2015 Seite 4 und verschob den Entscheid über die Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung auf einen späteren Zeitpunkt . Gleichzeitig wurde die Vo- rinstanz zur Vernehmlassung eingeladen, welche sie am 8. Dezem- ber 2015 einreichte. Diese wurde den Beschwerdeführenden vom Bundes- verwaltungsgericht am 9. Dezember 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt. I. Am 8. Dezember 2015 (Poststempel) reichten die Beschwerdeführenden eine ärztliche Bestätigung über die Hospitalisierung des Vaters der Be- schwerdeführerin 1 ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefoc htene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde D-7389/2015 Seite 5 auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 3. 3.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft ab- erkannt oder das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art. 1 Bst. C Ziff. 1–6 FK vorliegen. 3.2 Art. 1 Bst. C FK umschreibt, unter welchen Voraussetzungen sich eine Person nicht mehr auf die Bestimmungen der FK berufen kann. Dies ist unter ander em dann der Fall, wenn sie sich freiwillig wieder unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, gestellt hat (Ziff. 1). Lehre und Rechtsprechung setzen diesbezüglich voraus, dass drei Bedingungen kumulativ erfüllt sein müssen: Die Be schwerdeführenden müssen freiwillig in Kontakt mit ihrem Heimatstaat getreten sein – relevant sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Gründe und die Häufig- keit des Kontakts –, sie müssen die Absicht gehabt haben, von ihrem Hei- matland Schutz in Anspruch zu nehmen, und dieser muss ihnen tatsächlich gewährt worden sein (vgl. BVGE 2010/17 E. 5 m.w.H.). 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete die Aberkennung der Flüchtlingseigen- schaft und den Asylwiderruf in der angefochtenen Verfügung damit, dass sich die Beschwerdeführenden freiwillig in ihren Heimatstaat begeben und sich somit offenkundig dessen Schutz unterstellt hätten. In dieser Hinsicht sei zu berücksichtigen, dass sie sich vom (…) Juli 2015 bis am (…) Au- gust 2015 in Eritrea aufgehalten hätten. Die Beschwerdeführenden hätten sich deshalb problemlos rund einen Monat lang in ihrem Heimatland auf- gehalten und das Land legal über den Flughafen in Asmara wieder verlas- sen können. Die Beschwerdeführerin 1 habe zwar angegeben, sie sei un- ter grossem Risiko zurückgekehrt, dies habe sie allerdings nicht daran ge- hindert, zuvor mit ihren heimatlichen Behörden in Kontakt zu treten , um gültige Identitätsdokumente für ihre Kinder zu besorgen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Voraussetzungen von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG in Verbindung mit Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK erfüllt seien. 4.2 Auf diese Erwägungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegnet, dass die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und un- vollständig erstellt habe, zumal unter Missachtung des Unter suchungs- grundsatzes nur die belastende n Beweismittel berücksichtigt worden D-7389/2015 Seite 6 seien. Die Vorinstanz habe zudem die Voraussetzungen für den Asylwider- ruf und für die Aberkennung des Flüchtlingsstatus aufgelistet, sich jedoch mit denselben nicht auseinandergesetzt und somit die Begründungspflicht verletzt. Des Weiteren seien die in Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG in Verbindung mit Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK vorgesehenen Voraussetzungen für den Widerruf des Asyls und für die Aberkennung des Flüchtlingsstatus nicht erfü llt. Die Beschwerdeführerin 1 sei keinesfalls freiwillig in das Heimatland zurückge- kehrt, sondern in Anbetracht einer familiären moralischen Pflicht. Belegt sei dies durch das auf Beschwerdeebene eingereichte Arztzeugnis. In dieser Hinsicht müsse zudem ber ücksichtigt w erden, das s keinerlei Anhalts- punkte vorlägen, aus denen auf die Gewährung von Schutz durch den erit- reischen Staat zu schliessen wäre. Vielmehr sei aus Berichten von aner- kannten Menschenrechtsorganisationen davon auszugehen , dass rück- kehrende Eritreer früher oder später inhaftiert w ürden. Die Argumentation betreffend die legale Ein- und Ausreise über den Flughafen und die Tatsa- che, dass sich die Beschwerdeführenden einen Monat lang im Heimatstaat aufgehalten hätten, seien ungenügend, um eine Unterschutzstellung anzu- nehmen. Ferner sei zu berücksichtigen, dass die Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführenden aus jener des Vaters beziehungsweise Ehemannes abgeleitet sei, weshalb sie nicht widerrufbar sei. Zudem sei darauf hinzu- weisen, dass es nich t in der Entscheidungsgewalt der Kinder gelegen habe, die Rückkehr nach Eritrea zu beschliessen. 4.3 In der Vernehmlassung vom 8. Dezember 2015 hielt das SEM vollum- fänglich an seinen bisherigen Ausführungen fest, da die Beschwerde keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte. 5. 5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der vo- rinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Die Beschwerdeführenden beantra- gen die Aufhebung der angefochtenen Verfügung wegen unrichtiger und unvollständiger Sachverhaltsfestst ellung sowie aufgrund der Begrün- dungspflichtverletzung. D-7389/2015 Seite 7 5.2 Gemäss Art. 6 AsylG in Verbindung mit Art. 12 VwVG stellt die Asylbe- hörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblic hen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sach- verhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststel- lung, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgek lärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008, zu Art. 49, N. 28). 5.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbrin- gen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Ent- scheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides ist so abzufassen, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Trag- weite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das VwVG 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei muss sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behaup- tung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern kann sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Die Behörde hat allerdings wenigstens die Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt, wobei sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann. Die Begrün- dungsdichte richtet sich nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfah- rensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwie- genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es bei den Fragen von Flücht lingseigenschaft und Asyl – eine sorgfältige Begründung verlangt wird ( BVGE 2008/47 E. 3.2; EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1). 5.3.1 Hinsichtlich der geltend gemachten unrichtigen und unvollständigen Sachverhaltsfeststellung wird in der Beschwerde nicht weiter begründet, inwiefern eine solche vorliegen soll und solches ist auch nicht ersichtlich . Aus den Akten ergibt sich im Gegenteil, dass die Vorinstanz bereits in ihrem D-7389/2015 Seite 8 Schreiben vom 2. Oktober 2016, als sie der Beschwerdeführerin 1 das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Asylwiderruf gewährte, eine erste Sachverhaltsschilderung vornahm. Die Vorinstanz befasste sich zudem auch in der angefochtenen Verfügung mit den einschlägigen Tatsachen und stellte dabei die massgebenden Ereignisse in präziser Weise dar. Ins- gesamt sind somit den Akten keine Hinweise zu entnehmen, wonach die Vorinstanz den Sachverhalt ungenügend festgestellt beziehungsweise sich mit diesem nicht genügend auseinandergesetzt hätte. 5.3.2 Des Weiteren ist nach Prüfung der Akten den Beschwerdeführenden zwar beizupflichten, dass d ie Ausführungen der Vorinstanz zur Erfüllung der Voraussetzungen gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG in Verbindung mit Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK relativ knapp ausgefallen sind. Eine Verletzung der Begründungspflicht kann darin jedoch nicht erblickt werden, wird aus den Erwägungen im angefochtenen Entscheid doch deutlich, aus welchen Gründen die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft aberkannt und das Asyl widerrufen hat . Die Verfügung konnte offenbar auch sachgerecht ange- fochten werden, weshalb diesbezüglich keine Verletzung des rechtlichen Gehörs festzustellen ist. 5.4 Die angefochtene Verfügung ist sonach aus formellen Gründen nicht zu beanstanden. 6. 6.1 Vorliegend bleibt zu prüfen, ob sich die Beschwerdeführenden mit ihrer erfolgten Reise nach Eritrea freiwillig unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen, gestellt haben. 6.2 Heimatreisen von Flüchtlingen müssen restriktiv beurteilt werden. Grundsätzlich stellt der Umstand, dass sich jemand zurück in den Verfol- gerstaat begibt, ein starkes Indiz dafür dar, dass die frühere Verfolgungssi- tuation oder die Furcht vor Verfolgung nicht mehr bestehen. Trotzdem stellt nicht jeder Kontakt mit den Heimatbehörden und damit auch nicht jede Hei- matreise einen Aberkennungsgrund dar. Deshalb dürfen eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und ein Widerruf des Asyls erst dann ausge- sprochen werden, wenn die erwähnten drei Voraussetzungen in ihrer Ge- samtheit erfüllt sind. Entfällt eine dieser drei Voraussetzungen, ist von der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und vom Widerruf des Asyls ab- zusehen (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.1.2; EMARK 1996 Nr. 7 E. 10a S. 62). D-7389/2015 Seite 9 6.2.1 Das Kriterium der Freiwilligkeit verlangt, dass die Heimreise ohne äusseren Zwang erfolgt ist (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.2.). In dieser Hinsicht ist zu bemerken, dass das auf Beschwerdeebene eingereichte Arztzeugnis zwar eine (…) und eine (…) beim Vater der Beschwerdeführerin 1 bestätigt, zugleich festhält, dass der Patient am (…) Juni 2015 aufgenommen und behandelt wurde. Abgesehen davon, dass es fraglich erscheint, ob beim oben erwähnten Krankheitsbild von einer lebensgefährliche n Erkrankung auszugehen ist, ist nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerenden einen guten Monat abwarteten, bevor sie ihre Reise unternahmen. Diesen Überlegungen zufolge ist davon auszugehen, dass die Heimreise nicht auf- grund eines moralischen Drucks, sondern freiwillig stattgefunden hat. 6.2.2 Für die Erfüllung des Kriteriums der beabsichtigten Unterschutzstel- lung genügt in der Regel die Inkaufnahme der Schutzgewährung, wobei wiederum das Motiv für die Rückreise im Zentrum steht (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.2.3). Sodann lassen sich auch aus dem Umstand, ob der be- treffende Flüchtling heimlich oder offiziell, mit oder ohne Reisepapiere des Heimatsstaates, in sein Heimatland gereist ist, Schlüsse bezüglich der Ab- sicht erneuter Unterschutzstellung ziehen (vgl. EMARK 1996 Nr. 12 E. 8b S. 103). Wie bereits oben ausgeführt ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden aufgrund eines psychischen Drucks in ihr Heimat- land gereist sind. Zu beachten ist ausserdem, dass sie sich an das eritrei- sche Konsulat in K._______ gewendet haben, um Identitätskarten für die Kinder und Unbedenklichkeitsbescheinigungen für die ganze Familie aus- stellen zu lassen, so dass auch dieses Element als erfüllt zu erachten ist. Die in der Beschwerdeschrift erhobene n Einwände bezüglich der Gefähr- dung, welcher rückkehrenden Eritreer ausgesetzt seien, ist angesichts der Unbedenklichkeitsbescheinigung als nicht stichhaltig zu erachten, zumal ausserdem in der (in Rechtskraft erwachsenen) Verfügung betreffend das Asylgesuch der Beschwerdeführerin 1 keine illegale Ausreise festgestellt wurde (vgl. Akte […]). Für eine Unterschutzstellung spricht aber bereits der Umstand, dass die Beschwerdeführerin zuvor mit ihren heimatlichen Be- hörden in Kontakt getreten ist, um gültige Identitätsdokumente für ihre Kin- der zu besorgen. 6.2.3 Das Kriterium der effektiven Schutzgewährung verlangt, dass objek- tive Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die betreffende Person nicht mehr gefährdet ist (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.3). Aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdeführenden nach Eritrea über einen offiziellen Grenzüber- gang eingereist und einen Monat später wieder problemlos ausgereist sind, D-7389/2015 Seite 10 sowie aus der Tatsache, dass sie Kontakte mit der eritreischen Vertretung in K._______ gepflegt haben, ergibt sich, dass sie effektiv geschützt waren. Zu berücksichtigen ist ausserdem, dass die Beschwerdeführerin 1 mit ih- ren drei rubrizierten Kindern ins Heimatland zurückgereist ist , was offen- sichtlich nicht mit einer Gefährdung vereinbar ist. 6.2.4 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist somit der Vorinstanz beizu- pflichten, wenn sie den Beschwerdeführenden entgegenhält, ihre Handlun- gen erfüllten die Voraussetzungen von Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG. 6.3 In der Beschwerdeschrift wird des Weiteren von der Unwiderrufbarkeit der derivativen Flüchtlingseigenschaft ausgegangen. In dieser Hinsicht ist den Beschwerdeführenden zwar zuzustimmen, wenn vorgebracht wird, dass der vorinstanzlichen Verfügung nicht zu entnehmen ist, in welchem Verhältnis der Asylwiderruf zum derivativen Asylstatus steht, zumal im vor- liegenden Fall alle Beschwerdeführenden ihr en Asylstatus derivativ von F._______ erlangt hatten, dessen Flüchtlingsstatus nicht aberkannt wurde. Die in der Beschwerdeschrift vorgebrachten Argumente für die Unwiderruf- barkeit des derivativen Asylstatus sind allerdings als nicht stichhaltig zu er- achten, zumal das Asylgesetz an keiner Stelle zwischen der originären und der derivativen Flüchtlingseigenschaft unterscheidet. Dem Gesetz liegt vielmehr ein einziger und einheitlicher Flüchtlingsbegriff zu Grunde. Bei der Unterscheidung zwischen originärer und derivativer Flüchtlingseigenschaft handelt es sich um eine dogmatische Differenzierung der Praxis und die Unterscheidung betrifft einzig die Entstehung Flüchtlingseigenschaft Dem- nach gibt es betreffend die Rechtsstellung keine Unterscheidung; insbe- sondere kann die abgeleitete Flüchtlingseigenschaft auch unter den Vo- raussetzungen von Art. 1 C FK aberkannt werden (vgl. EMARK 2003 Nr. 11). Eine andere Ansicht würde zum stossenden Ergebnis führen, dass eine Person, welche nur derivativ als Flüchtling anerkannt wurde, mithin die Flüchtlingseigenschaft selbst nicht erfüllt, in Bezug auf die Aberken- nung derselben besser gestellt wäre, als eine Person, die die Flüchtlings- eigenschaft originär erfüllt (vgl. Urteil des BVGer E-7826/2006 vom 8. September 2010 E. 5.1). Hinzukommt, dass die Wie- derunterschutzstellung unter den Heimatstaat dem Festhaltenwollen an der Flüchtlingseigenschaft wiederspricht. Zu berücksichtigen ist zudem, dass in casu der Asylwiderruf keine Auswir- kung auf die Familieneinheit hat; denn alle Familienmitglieder besitzen in der Schweiz ein ausländerrechtliches Bleiberecht. D-7389/2015 Seite 11 6.4 Als nicht behelflich ist schliesslich auch die Rüge zu erachten, dass die Vorinstanz es versäumt habe zu prüfen, ob im Falle der Beschwerdefüh- renden 2-4 die Voraussetzungen von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG in Verbin- dung mit Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK erfüllt sind. Die Beschwerdeführeden 2-4 waren im Zeitpunkt der Reise (…), (…) und (…) Jahre alt und standen unter der elterlichen Sorge der Beschwerdeführerin 1. Angesichts ihres jungen Alters liegt es auf der Hand, dass die Handlungen der Beschwerdeführe- rin 1 – welche als gesetzliche Vertretung der Beschwerdeführenden 2-4 handelt – die Willensbildung und dadurch die Rechtsstellung ihrer Kinder unmittelbar beeinflussen. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfü gung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist dem- nach abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung ist jedoch gutzuheissen, da die Beschwerde nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden kann und die Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden belegt ist (vgl. Beschwer- debeilage 3). Somit sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-7389/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Simon Thurnheer Daniel Widmer Versand: