<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 68 S.339</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>68</b></span> <span class="ft2"><b>Funktionelle Zuständigkeit bei Rechtsverzögerungsbeschwerden.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Auch im Sozialhilfebereich ist in jenen Fällen, wo einer unteren Instanz</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Untätigkeit angelastet wird, letztinstanzlich zuständige Verwaltungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>behörde im Sinne von § 52 VRPG der Regierungsrat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 26. Oktober 2005 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen E.W. und G.G.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Die Beschwerde an das Verwaltungsgericht ist zulässig in den</span><br/> <span class="ft1">Fällen, welche das Gesetz, ein Dekret oder allenfalls eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">ordnung bestimmt (§ 51 Abs. 1 und 2 VRPG). Gemäss § 58 SPG</span><br/> <span class="ft1">können Verfügungen und Entscheide der Sozialbehörden mit Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde beim Bezirksamt angefochten werden (Abs. 1). Dessen</span><br/> <span class="ft1">Entscheid kann ans Verwaltungsgericht weitergezogen werden</span><br/> <span class="ft1">(Abs. 2). Das Verwaltungsgericht ist somit sachlich zur Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">von Beschwerden gegen Verfügungen und Entscheide in Anwendung</span><br/> <span class="ft1">des Sozialhilferechts zuständig.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht darf jedoch nur Entscheide und Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gungen der letztinstanzlichen Verwaltungsbehörden beurteilen (§ 52</span><br/> <span class="ft1">Ingress VRPG). Diese Einschränkung der funktionalen Zuständigkeit</span><br/> <span class="ft1">des Verwaltungsgerichts gilt auch dort, wo Rechtsverzögerung oder</span><br/> <span class="ft1">Rechtsverweigerung geltend gemacht wird (AGVE 1989, S. 308 f.</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweis).</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat ist allgemeine Aufsichtsbehörde über die</span><br/> <span class="ft1">(kantonale) Verwaltung und die anderen Träger von öffentlichen Auf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">340</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gaben (§ 90 Abs. 1 KV). In dieser Eigenschaft hat er auch darüber zu</span><br/> <span class="ft1">wachen, dass die ihm unterstellten Verwaltungsinstanzen die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren ohne ungebührliche Verzögerungen durchführen</span><br/> <span class="ft1">und zu Ende bringen. Er hat auch die nötigen Mittel in der Hand, um</span><br/> <span class="ft1">gegen entsprechende Fehlleistungen und Versäumnisse wirksam vor-</span><br/> <span class="ft1">gehen zu können (Erteilung von Weisungen, Disziplinierungen usw.;</span><br/> <span class="ft1">Kurt Eichenberger, Verfassung des Kantons Aargau, Textausgabe mit</span><br/> <span class="ft1">Kommentar, Aarau / Frankfurt a.M. / Salzburg 1986, § 90 N 5). Nach</span><br/> <span class="ft1">der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes darf daher in Fällen</span><br/> <span class="ft1">behaupteter Rechtsverzögerung innerhalb der Verwaltung der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat nicht übergangen werden (AGVE 1989, S. 308 f.; vgl.</span><br/> <span class="ft1">Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren</span><br/> <span class="ft1">nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft1">[Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG], Diss. Zürich 1998, § 40 N 18.</span><br/> <span class="ft1">Auch im Sozialhilfebereich ist daher in jenen Fällen, wo einer unte-</span><br/> <span class="ft1">ren Instanz, d.h. dem Bezirksamt, Untätigkeit angelastet wird, letzt-</span><br/> <span class="ft1">instanzlich zuständige Verwaltungsbehörde im Sinne von § 52 VRPG</span><br/> <span class="ft1">der Regierungsrat.</span><br/> <span class="ft1">Im Sozialhilfebereich sind die Bezirksämter Beschwerdeinstan-</span><br/> <span class="ft1">zen gegen kommunale Entscheide (§ 58 Abs. 1 SPG); daneben sind</span><br/> <span class="ft1">der Kantonale Sozialdienst und teilweise das Departement Gesund-</span><br/> <span class="ft1">heit und Soziales (DGS) mit Aufsichts- und beratenden Funktionen</span><br/> <span class="ft1">beauftragt (§ 42 SPG; § 40 Abs. 2 SPV). Durch die aufsichtsrechtli-</span><br/> <span class="ft1">che Zuständigkeit des Regierungsrats kann eine einheitliche Aufsicht</span><br/> <span class="ft1">und Verfahrenspraxis der genannten Verwaltungsbehörden gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leistet werden. Für den Bereich der Sozialhilfe drängt sich daher eine</span><br/> <span class="ft1">Änderung der Praxis des Verwaltungsgerichts hinsichtlich des</span><br/> <span class="ft1">Instanzenzuges nicht auf. Nach Merker, der diese Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">bei Beschwerden gemäss § 53 VRPG kritisiert, ist die verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gerichtliche Praxis für den Fall der Rechtsverzögerung vertretbar und</span><br/> <span class="ft1">Aufgabe des Gesetzgebers, die Zuständigkeitsordnung neu zu regeln</span><br/> <span class="ft1">(Merker, a.a.O., § 53 N 16).</span><br/> <span class="ft1">Mangels funktioneller Zuständigkeit ist auf die Rechtsverzöge-</span><br/> <span class="ft1">rungsbeschwerde daher nicht einzutreten.</span><br/></div> </div> </body> </html>