<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 68" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 68</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">491</span> </div> <div class="page" id="S491"> <span class="text"><b>IV. Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>68 </b> <b>Zonenkonformität in einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen</b></span><br/> <span class="text">Ein Fussballplatz ist in einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zo-</span><br/> <span class="text">nenkonform, auch wenn er einem Fussballclub vermietet werden soll;</span><br/> <span class="text">Kriterium der Allgemeinzugänglichkeit. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 29. November 2017 in Sachen</span><br/> <span class="text">T.H. und Mitbeteiligte gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr</span><br/> <span class="text">und Umwelt (Abteilung für Baubewilligungen)/Gemeinderats U. betreffend</span><br/> <span class="text">Baubewilligung für eine Sportanlage (RRB Nr. 2017-001456).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">4.</span><br/> <span class="text">4.1</span><br/> <span class="text">Das Bauvorhaben soll grundsätzlich - wie bereits erwähnt - in</span><br/> <span class="text">der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen Sport (OeBA S) er-</span><br/> <span class="text">stellt werden; ein Streifen von 2.24 m Breite und 95 m Länge auf der</span><br/> <span class="text">Südwestseite des Spielfelds 2 käme allerdings in die Grünzone zu</span><br/> <span class="text">liegen (vgl. dazu nachstehend Ziff. 4.3). Die Zone OeBA ist gemäss</span><br/> <span class="text">§ 16 der geltenden BNO der Gemeinde U. vom 29. November 2001,</span><br/> <span class="text">vom Regierungsrat genehmigt am 10. April 2002 (teilrevidiert am 3.</span><br/> <span class="text">Juni 2004 und regierungsrätlich genehmigt am 8. Dezember 2004)</span><br/> <span class="text">für Bauten und Anlagen bestimmt, die dem öffentlichen Interesse</span><br/> <span class="text">dienen (Abs. 1); die OeBA S ist für Sportplatznutzungen vorgesehen</span><br/> <span class="text">(Abs. 3).</span><br/> <span class="text">Nach Ansicht der Beschwerdeführenden ist das Bauvorhaben</span><br/> <span class="text">mit diesem Zonenzweck nicht vereinbar und damit nicht zonenkon-</span><br/> <span class="text">form. Sie begründen dies damit, dass die Sportanlage mit den vier</span><br/> <span class="text">Fussballfeldern dem FC T. für 50 Jahre vermietet werden solle und</span><br/> <span class="text">somit ausschliesslich diesem Verein und dessen Spielbetrieb zur Ver-</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">492</span> </div> <div class="page" id="S492"> <div role="main"> <span class="text">fügung stehen werde, aber nicht für die Allgemeinheit zugänglich</span><br/> <span class="text">sei; dasselbe gelte für die Parkierungsanlage. Die Sportanlage O. sei</span><br/> <span class="text">somit mit einem Fussballstadion vergleichbar, welches einzig bei</span><br/> <span class="text">Publikumsanlässen öffentlich zugänglich sei, im Übrigen aber nur</span><br/> <span class="text">den Vereinsmitgliedern zur Verfügung stehe. Daher sei die private</span><br/> <span class="text">Nutzung die einzige und ausschliessliche Hauptnutzung und nicht</span><br/> <span class="text">bloss eine in der Zone OeBA S allenfalls noch tolerierbare Nebennut-</span><br/> <span class="text">zung.</span><br/> <span class="text">4.2</span><br/> <span class="text">Dieser Argumentation der Beschwerdeführenden ist nicht beizu-</span><br/> <span class="text">pflichten. Zwar trifft zu, dass Bauten und Anlagen in der Zone OeBA</span><br/> <span class="text">grundsätzlich der Allgemeinheit zugänglich sein sollen. Das Krite-</span><br/> <span class="text">rium der Allgemeinzugänglichkeit bedeutet allerdings nicht, dass</span><br/> <span class="text">eine Anlage schlechthin jedermann zur Verfügung zu stehen hat; es</span><br/> <span class="text">ist durchaus möglich, dass der öffentliche Zugang rechtlich oder fak-</span><br/> <span class="text">tisch eingeschränkt werden kann (vgl. BGE 1C_310/2011, Erw. 2.4</span><br/> <span class="text">und die dort angegebenen Beispiele einer Tennisanlage beziehungs-</span><br/> <span class="text">weise eines Fussballclubhauses). Im vorliegenden Fall ist entschei-</span><br/> <span class="text">dend, dass die gesamte Fussballanlage offensichtlich in erster Linie</span><br/> <span class="text">dem Breitensport dienen soll; damit ist das öffentliche Interesse im</span><br/> <span class="text">Sinne von § 16 BNO zweifelsohne gegeben. Daran ändert nichts,</span><br/> <span class="text">dass die Anlage dem FC T. vermietet werden soll, zumal der FC T.</span><br/> <span class="text">ebenfalls der Förderung des Breitensports und damit dem genannten</span><br/> <span class="text">öffentlichen Interesse, aber nicht einem kommerziellen Erfolg ver-</span><br/> <span class="text">pflichtet ist; mit seinem Engagement für den Breitensport leistet er</span><br/> <span class="text">denn auch wertvolle Beiträge an die Förderung der Volksgesundheit,</span><br/> <span class="text">an die physische, psychische und soziale Entwicklung von Kindern</span><br/> <span class="text">und Jugendlichen sowie in gesellschaftspolitischer Hinsicht an die</span><br/> <span class="text">Integration und an die soziale Kohäsion. Angesichts dessen sowie</span><br/> <span class="text">aufgrund des Umstands, dass der FC T. - wie der Gemeinderat U. in</span><br/> <span class="text">der Baubewilligung zu Recht bemerkt hat - gemäss seinen Statuten</span><br/> <span class="text">keine Beitrittsbeschränkungen kennt und somit jedermann ohne</span><br/> <span class="text">grössere Hürden Vereinsmitglied werden kann, ist der öffentliche Zu-</span><br/> <span class="text">gang im Sinne der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung</span><br/> <span class="text">ohne Weiteres zu bejahen, dies ganz abgesehen davon, dass der FC T.</span><br/> <span class="text">gemäss dem geschlossenen Mietvertrag die Sportanlage auch den</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">493</span> </div> <div class="page" id="S493"> <div role="main"> <span class="text">Schulen und Vereinen der Gemeinden U., T. und G. zur Verfügung zu</span><br/> <span class="text">stellen hat (vgl. Mietvertrag ...). Diese Auffassung der genügenden</span><br/> <span class="text">öffentlichen Zugänglichkeit teilte offensichtlich auch die Mehrheit</span><br/> <span class="text">der Stimmberechtigten der Gemeinde U.; anlässlich der Gemein-</span><br/> <span class="text">deversammlung vom ... stimmte sie jedenfalls der Umzonung des</span><br/> <span class="text">Areals der geplanten Sportanlage von der Landwirtschaftszone in die</span><br/> <span class="text">Zone OeBA S zu, obwohl der Gemeinderat in seinem entsprechenden</span><br/> <span class="text">Traktandenbericht ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass mit</span><br/> <span class="text">der Umzonung die Schaffung von Trainings- und Wettkampfflächen</span><br/> <span class="text">für den in der ganzen Region verankerten FC T. bezweckt werde, da-</span><br/> <span class="text">mit dieser seinen Spielbetrieb auch in Zukunft aufrecht erhalten</span><br/> <span class="text">könne (vgl. Einladung zur Einwohnergemeindeversammlung vom</span><br/> <span class="text">...). In diesem Zusammenhang sei im Übrigen auch vermerkt, dass</span><br/> <span class="text">der Hintergrund der Vermietung an den FC T. offensichtlich nicht da-</span><br/> <span class="text">rin besteht, die Benutzung der Anlage einem exklusiven Benützer-</span><br/> <span class="text">kreis vorzubehalten und die Allgemeinheit auszuschliessen, sondern</span><br/> <span class="text">vielmehr darin, die an sich der Gemeinde obliegenden Aufgaben, für</span><br/> <span class="text">einen geordneten Betrieb und den Unterhalt der Sportanlage zu sor-</span><br/> <span class="text">gen und bei Mängeln zu haften, auf einen Dritten zu übertragen; in</span><br/> <span class="text">diesem Sinne fungiert der FC T. quasi als verantwortliche Hilfsper-</span><br/> <span class="text">son bei der Verwaltung der Anlage. Dies kommt nicht zuletzt den</span><br/> <span class="text">Anwohnerinnen und Anwohnern zugute; es hat sich jedenfalls</span><br/> <span class="text">andernorts schon wiederholt gezeigt, dass die jederzeitige freie Zu-</span><br/> <span class="text">gänglichkeit von Fussballplätzen insbesondere zu unerfreulichen</span><br/> <span class="text">Lärmimmissionsstreitigkeiten führen kann.</span><br/> <span class="text">Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich die geplante</span><br/> <span class="text">Sportanlage in der Zone OeBA S entgegen der Auffassung der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführenden als zonenkonform erweist.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>