Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. Februar 2018 (810 17 149) ____________________________________________________________________ Strassen und Verkehr Warnungsentzug des Führerausweises und Anordnung von Verkehrsunterricht Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerd eführerin , vertreten durch Erik Wassmer , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Warnungsentzug des Führerausweises und Anor dnung von Verkehrs- unterricht (RRB Nr. 0739 vom 30. Mai 2017) A. A.____ wurde im Administrativverfahren mit Verfü gung vom 7. August 2013 als Folge eines Vorfalls vom 23. Mai 2013 der Führerausweis f ür einen Monat aufgrund einer mittel- schweren Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln ent zogen. Mit Schreiben vom 5. Septem- ber 2013 teilte A.____ der Polizei des Kantons Base l-Landschaft, Administrativmassnahmen (Polizei), mit, dass das Strafverfahren noch im Gan ge sei und deshalb das Administrativverfah- ren zu sistieren sei. Am 10. September 2013 informi erte die Polizei A.____, dies sei nicht mög- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich, da die Verfügung schon in Rechtskraft ergangen sei, sie den Ausweis bereits für einen Monat deponiert habe und diesen per 2. September 201 3 wieder zurückerhalte. Des Weiteren erklärte die Polizei, die Administrativmassnahme nach A bschluss des Strafverfahrens auf Wunsch von A.____ hin erneut zu prüfen. A.____ antwort ete der Polizei mit Schreiben vom 20. September 2013, dass sie zu gegebener Zeit einen entsp rechenden Antrag betreffend die Überprüfung der ersten Massnahme unterbreiten werde. A.____ wurde dann im strafrechtlichen Verfahren mit Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 10. März 2015 (Verfahrens- nummer 460 14 228) der einfachen Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 des Strassen- verkehrsgesetzes (SVG) vom 19. Dezember 1958 verurteilt. B. Am 2. Juli 2016 um 05:41 Uhr fuhr A.____ mit dem Personenwagen BL XXXXX inner- orts in B.____ auf der C.____strasse in Fahrtrichtung D .____. Im Bereich der Einmündung E.____ring, wo die signalisierte Höchstgeschwindigkeit 5 0 km/h beträgt, geriet sie in eine Ra- darkontrolle. Dabei wurde eine Geschwindigkeit von 79 km /h gemessen, was nach Abzug der Toleranz von 3 km/h eine massgebende Geschwindigkeitsübersc hreitung von 26 km/h ergab. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (Staatsanwaltschaft) vom 15. Septem- ber 2016 wurde A.____ wegen grober Verletzung der Ve rkehrsregeln zu einer bedingt vollzieh- baren Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 150.-- bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 700.-- verurteilt. C. Mit Schreiben vom 17. November 2016 teilte die Poli zei A.____ mit, dass sie einen Führerausweisentzug für die Dauer von sechs Monaten sowie die Anordnung eines eintägigen Verkehrsunterrichts zur Nachschulung vorsehe. Da A.____ ei ne schwere Widerhandlung be- gangen habe und ihr in den vorangegangenen fünf Jahre n der Ausweis bereits einmal wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen worden se i, sei die Entzugsdauer auf das ge- setzliche Minimum von sechs Monaten festzusetzen. Die Absol vierung eines eintägigen Ver- kehrsunterrichts wurde damit begründet, dass Motorfahrzeug führer, die wiederholt in verkehrs- gefährdender Weise gegen Verkehrsregeln verstossen hätten , zum Verkehrsunterricht aufzu- bieten seien. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs beantragt e A.____ mit Schreiben vom 29. Dezember 2016, nachfolgend immer vertreten durch Erik Wassmer, Advokat, den vorgese- henen Führerausweisentzug auf einen Monat festzusetzen. Sie anerkannte, die Geschwindig- keitsüberschreitung begangen zu haben. Da die Überschreit ung am frühen Samstagmorgen geschehen und die Verkehrslage gut gewesen sei, die Stra sse dort sehr breit und übersichtlich sei sowie bis vor kurzem dort eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h signalisiert gewesen sei, könne von einer ernstlichen Gefährdung anderer Verkehr steilnehmer keine Rede sein. Zudem sei der im Massnahmenregister noch aufgeführte Ausweisentz ug von September 2013 nicht gerechtfertigt, da das Kantonsgericht, Abteilung Straf recht, mit Entscheid vom 10. März 2015 zum Vorfall vom 23. Mai 2013 in F.____ festgehalten h abe, ihr könne keine grobe Verkehrsre- gelverletzung vorgeworfen werden. Deshalb sei im Zusamm enhang mit dem Vorfall vom Mai 2013 höchstens eine Verwarnung angezeigt gewesen, wesh alb der Führerausweisentzug von August 2013 aus dem Massnahmenregister zu streichen sei. D er Führerausweisentzug dürfe jedenfalls nicht als Begründung für eine erhöhte Entzu gsdauer bezüglich des Vorfalls vom Juli 2016 verwendet werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Polizei nahm mit Schreiben vom 6. Januar 2017 Bezu g auf die Eingabe von A.____ vom 29. Dezember 2016 und erklärte nochmals, dass es sich bei der Geschwindigkeitsüberschrei- tung um eine schwere Widerhandlung handle. Weiter ha be die Polizei nach der Urteilsverkün- dung des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 10. März 2015 den Fall neu geprüft und an der mittelschweren Verkehrsregelverletzung festgehalten, da die einfache Verkehrsregelver- letzung im Strafrecht nicht gleichbedeutend sei mit einer leichten Widerhandlung im Administra- tivverfahren. D. Nachdem A.____ mit Eingabe vom 11. Januar 2017 Ste llung zum Schreiben der Poli- zei vom 6. Januar 2017 genommen hatte, entzog die Pol izei mit Verfügung vom 16. Januar 2017 A.____ den Führerausweis wegen schwerer Widerhandl ung (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG) und weil ihr bereits in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis wegen einer mittelschwe- ren Widerhandlung entzogen worden war (Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG) in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 bis 3 SVG i.V.m. Art. 16c Abs. 1 und 2 SVG sowie Art. 33 der Verordnung über die Zu- lassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (V ZV) vom 27. Oktober 1976 für sechs Monate. Weiter ordnete die Polizei an, A.____ ha be einen eintägigen Verkehrsunterricht zur Nachschulung in G.____ zu absolvieren. E. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 30. Septem ber 2017 beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) Beschwerde un d beantragte, es sei die ange- fochtene Verfügung vom 16. Januar 2017 aufzuheben und die Dauer des Führerausweisent- zugs auf einen Monat festzusetzen und festzustellen, dass de r Entzug im August 2013 bereits vollzogen worden sei, unter o/e-Kostenfolge. Zur Begr ündung wurde angeführt, der Führeraus- weisentzug vom 2. August 2013 bis 1. September 2016 sei a ls ungerechtfertigt zu betrachten und bezüglich der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 2. Juli 2016 werde die schematische Einstufung nur aufgrund der Geschwindigkeitsüberschreitun g von 26 km/h diesem Fall nicht gerecht. Folglich könne die Überschreitung vom 2. Juli 20 16 lediglich mit einer Entzugsdauer von höchstens einem Monat geahndet werden und es sei auc h keine Nachschulung anzuord- nen. F. Mit Beschluss Nr. 0739 vom 30. Mai 2017 wies der Regi erungsrat die Beschwerde ab und verfügte, A.____ habe ihren Führerausweis bis spätes tens 30. Juni 2017 der Polizei zuzu- stellen. Im Wesentlichen wurde der Beschluss damit begrün det, A.____ habe durch das Über- schreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h inn erorts um 26 km/h gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine wichtige Verkehr svorschrift in objektiv schwerer Wei- se missachtet, was eine schwere Widerhandlung darstelle. Auch unter Berücksichtigung der konkreten Umstände liege eine schwere Widerhandlung vor, da A.____ mindestens grobfahr- lässig gehandelt habe. Zudem habe auch die Staatsanwal tschaft das A.____ zur Last gelegte Fehlverhalten in strafrechtlicher Hinsicht als grobe Verl etzung der Verkehrsregeln qualifiziert. Da nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts die V erurteilung nach Art. 90 Abs. 2 SVG inhaltlich mit der schweren Widerhandlung gegen d ie Strassenverkehrsvorschriften laut Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG übereinstimme, sei die ange fochtene Administrativmassnahme auch unter diesem Aspekt nicht zu beanstanden. Zum Vorfall vom Mai 2013 führte der Regierungsrat aus, die strafrechtliche und die administrative Beurte ilung eines fehlerhaften Verhaltens im Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Strassenverkehr stünden so zueinander, dass die einfache Verletzung von Verkehrsregeln ge- mäss Art. 90 Abs. 1 SVG mit einem leichten oder mittel schweren Fall im Sinne von Art. 16a SVG bzw. Art. 16b SVG übereinstimme. Aufgrund der konkreten Umstände habe die Vorinstanz zu Recht wiedererwägungsweise entschieden, A.____ habe am 23. Mai 2013 eine mittelschwe- re Widerhandlung begangen, womit der einmonatige Fü hrerausweisentzug rechtens gewesen sei und im Übrigen nicht dem Urteil des Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, vom 10. März 2015 widerspreche. Des Weiteren sei die Anordnung des V erkehrsunterrichts nicht zu bean- standen. G. Gegen diesen Beschluss erhob A.____ beim Kantonsgeri cht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit Eingabe vom 9. Juni 2017 Beschwerde und bean- tragte, es seien die Verfügung der Polizei vom 16. Jan uar 2017 und der Regierungsratsbe- schluss vom 30. Mai 2017 aufzuheben. Die Dauer des Führer ausweisentzugs sei auf einen Monat festzusetzen und festzustellen, dass dieser Entzug im August 2013 bereits vollzogen worden sei; alles unter o/e-Kostenfolge. In der Beschwe rdebegründung vom 11. August 2017 stellte die Beschwerdeführerin zudem die Verfahrensan träge, es seien ein Augenschein und eine öffentliche Verhandlung mit persönlicher Anhörung und Parteivorträgen durchzuführen. Es sei der Augenschein unter Beizug eines Experten für Ve rkehrstechnik durchzuführen, der sei- nen Bericht direkt im Rahmen der öffentlichen Hauptverhandlung abgeben könne. Der Regierungsrat beantragte in seiner Vernehmlassung vom 4. September 2017 die kostenfäl- lige Abweisung der Beschwerde und die Festlegung eines neuen Termins für die Abgabe des Führerausweises. H. Mit präsidialer Verfügung vom 20. Oktober 2017 wur de der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen . Des Weiteren wurde verfügt, dass die Strafverfahrensakten zum Vorfall vom 23. Mai 2013 un d die Akten der Staatsanwaltschaft zum Vorfall vom 2. Juli 2016 beigezogen sowie beim Bundesam t für Meteorologie und Klimatologie und bei der Polizei Basel-Landschaft, Abteilung Verkehr stechnik, je eine schriftliche Auskunft eingeholt würden. Der Beweisantrag der Beschwerdeführe rin auf Durchführung eines Augen- scheins unter Beizug eines Experten wurde abgewiesen. Die nachgesuchten Auskünfte wurden mit Schreiben vom 9. November 2017 und vom 17. November 2017 erteilt. I. Mit Eingabe vom 20. November 2017 teilte die Besch werdeführerin dem Kantonsge- richt mit, dass sie ausdrücklich an den Beweisanträgen auf Durchführung eines Augenscheins und auf Beizug eines Experten zum Augenschein festhalte. Die Auskünfte der verkehrstechni- schen Abteilung der Polizei vom 9. November 2017 und des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie vom 17. November 2017 wurden den Parteien am 21. November 2017 zugestellt. J. Anlässlich der heutigen Verhandlung nehmen die Besch werdeführerin und ihr Rechts- vertreter sowie ein Vertreter des Regierungsrates teil. Die Parteien halten an ihren in den Rechtsschriften gestellten Anträgen fest. Der Vertreter des Regierungsrates erklärt jedoch, ei- nen allfälligen Verzicht auf Anordnung des Verkehrsunter richts gut hinnehmen zu können. Auf die Ausführungen anlässlich der Parteiverhandlung wird – soweit erforderlich – in den Ur- teilserwägungen eingegangen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Die Beschwerdeführerin ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 li t. c VPO). 3. Strittig und zu prüfen ist, ob der Entzug des Führer ausweises für die Dauer von sechs Monaten gegenüber der Beschwerdeführerin und die Anor dnung zur Absolvierung eines eintä- gigen Verkehrsunterrichts zur Nachschulung zu Recht erfolgt sind. 4.1.1. Das Strassenverkehrsgesetz unterscheidet zwischen der leichten, mittelschweren und schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften (Art. 16a bis Art. 16c SVG). 4.1.2. Eine leichte Widerhandlung im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Nach der Rechtsprechung müssen eine geringe Gefahr und ein leichtes Verschulden kumulativ gegeben sein (BGE 1 35 II 138 E. 2 mit Hinweisen). Die fehlbare Person wird verwarnt, wenn in den vorangegang enen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Abs. 3). 4.1.3. Gemäss Art. 16b SVG begeht eine mittelschwere Wi derhandlung, wer durch Verlet- zung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Die mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen Auf- fangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn nicht alle pri vilegierenden Elemente einer leichten Wi- derhandlung nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG und nich t alle qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG gegeben sind (Urteil des Bundesge- richts 6A.16/2006 vom 6. April 2006 E. 2.1.1, in: Journal des tribunaux (JdT) 2006 I S. 442; Bot- schaft vom 31. März 1999 zur Änderung des Strassenverkehrsgese tzes, BBl 1999 4487). Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird der Führerau sweis für mindestens einen Monat ent- zogen (Abs. 2 lit. a). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.4. Eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c SVG b egeht, wer durch grobe Verlet- zung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die S icherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Die Annahme einer schwer en Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifizierte objektive Gefährdung und ein qualifiziertes Verschulden voraus. Ist die Gefährdung gering, aber das Verschulden hoch, oder umgekehrt die Gefährdung hoch und das Verschulden gering, liegt eine mittelschwere Widerhandlung vor ( Botschaft, a.a.O., 4489; C ÉDRIC MIZEL , Die Grundtatbestände der neuen Warnungsentzüge des SVG und ihre Beziehung zum Strafrecht, in: Schweizerische Zeitschrift für Strafrecht [ZStrR] 124 /2006, S. 31 ff., insbesondere S. 63 f.). Nach einer schweren Widerhandlung wird der Führerauswe is für mindestens drei Monate ent- zogen (Abs. 2 lit. a). Der Führerausweis wird für mindestens sechs Monate entzog en, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis einmal wegen einer mittelschweren Widerhand- lung entzogen war (Abs. 2 lit. b). Eine Unterschreitu ng der gesetzlichen Mindestentzugsdauer ist ausgeschlossen (Art. 16 Abs. 3 SVG, vgl. zum Ganzen Urte ile des Bundesgerichts 1C_424/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.1; 1C_144/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 3.6). 4.2.1. In Bezug auf die Überschreitung der zulässigen Hö chstgeschwindigkeiten hat die Rechtsprechung im Interesse der rechtsgleichen Behandlung Grenzwerte zur Sanktionierung festgelegt (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 1C _144/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 3.3). Der damit einhergehende Schematismus gewähr leistet ihre rechtsgleiche Anwendung (Urteile des Bundesgerichts 1C_224/2010 vom 6. Oktober 2 010 E. 3.3; 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2.6). Nach dieser Rechtsprechung liegt ungeachtet der konkreten Umstän- de objektiv eine schwere Widerhandlung vor, wenn der Le nker die Höchstgeschwindigkeit aus- serorts um 30 km/h und mehr und auf Autobahnen um 35 km /h und mehr überschreitet (BGE 133 II 331 E. 3.1; 132 II 237 E. 3; 123 II 41 E. 1d ). Eine schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ist ebenfalls gegeben, wenn innerorts die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 25 km/h oder mehr überschritten wird. Dies gi lt ungeachtet der konkreten Umstän- de – wie z.B. günstige Verkehrsverhältnisse oder ein tadel loser automobilistischer Leumund – oder des Umstandes, dass die Überschreitung nach Abzug der Messtoleranz genau 25 km/h beträgt (BGE 132 II 234 E. 3; 123 II 37 E. 1d; Urte il des Bundesgerichts 1C_144/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 3.3 und 3.4). Eine übersetzte Geschw indigkeit stellt gerade innerorts eine erhebliche Gefahr dar. Die Zahl der vom Lenker zu verar beitenden Reize ist innerorts grösser als ausserorts und auf der Autobahn, was eine gesteigerte Aufmerksamkeit erfordert. Zudem sind innerorts viele schwache Verkehrsteilnehmer vorhanden (Fussgänger, Velofahrer), die – vor allem Kinder und ältere Menschen – einem besond eren Risiko ausgesetzt sind. Darüber hinaus besteht eine erhöhte Gefahr von Seitenkollisionen. Die anderen Verkehrsteilnehmer dür- fen sich, auch soweit sie wartepflichtig sind, auf den Ve rtrauensgrundsatz berufen. Sie müssen sich nicht darauf einstellen, dass ein Fahrzeug innerorts mit einer übersetzten Geschwindigkeit herannaht. Welch schwerwiegende Folgen Geschwindigkeit süberschreitungen innerorts, wo Fahrzeug-Fussgänger-Kollisionen häufig sind, haben können, zeigen physikalische Berechnun- gen (Urteile des Bundesgerichts 1C_438/2012 vom 17. Jun i 2013 E. 2.2.1; 1C_144/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 3.3; 6B_1028/2008 vom 16. April 2 009 E. 3.5 und 3.6; 1C_222/2008 vom 18. November 2008 E. 2.2.4; je mit weiterführenden Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.2. Subjektiv ist für das Vorliegen einer schweren Wi derhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erforderlich, dass dem Täter aufgrund eines rücksichtsl osen oder sonst wie schwerwie- gend regelwidrigen Verhaltens zumindest eine grobe Fa hrlässigkeit vorgeworfen werden kann (BGE 126 II 206 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 1C_222/2008 vom 18. November 2008). Nach der Rechtsprechung ist die Überschreitung der Höchstgesch windigkeit bei Vorliegen eines ob- jektiv schweren Falles in der Regel mindestens grobfahrlässig. 4.3. Diese Schematisierung entbindet die Entzugsbehörde allerdings nicht, den Umständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen. Einerseits hat sie zu prüfen, ob besondere Umstände vorliegen, die die Verkehrsregelverletzung weniger gravi erend erscheinen lassen, etwa wenn der Lenker aus nachvollziehbaren Gründen gemeint hat, er befinde sich noch nicht oder nicht mehr im Innerortsbereich (BGE 123 II 37 E. 1.f; Urte ile des Bundesgerichts 1C_518/2012 vom 9. Januar 2013 E. 2.4; 1C_144/2011 vom 26. Oktober 20 11 E. 3.3; 1C_222/2008 vom 18. November 2008 E. 2.3). Günstige Strassen-, Sicht- u nd Verkehrsverhältnisse allein vermö- gen hingegen eine vom Schema abweichende Beurteilung von vornherein nicht zu rechtfertigen (Urteile des Bundesgerichts1C_710/2013 vom 7. Januar 20 14 E. 2.6; 1C_518/2012 vom 9. Ja- nuar 2013 E. 2.4; 1C_404/2011 vom 16. März 2012 E. 3. 3). So sind auch Bremswegberech- nungen nicht von Entscheidrelevanz (Urteil des Bundesger ichts 1C_518/2012 vom 9. Januar 2013 E. 2.4). Anderseits sind die konkreten Umstände des Einzelfalles bei der Bemessung der Entzugsdauer zu berücksichtigen (Urteile des Bundesgericht s 1C_144/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 3.3; 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2; 1C _129/2010 vom 3. Juni 2010). Wobei wie in der obigen Erwägung 4.1.4 festgehalten, eine Unterschreitung der gesetzlichen Mindest- entzugsdauer ausgeschlossen ist (Art. 16 Abs. 3 SVG, vgl . zum Ganzen Urteil des Bundesge- richts 1C_424/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.1). 5.1. Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Beschwerde begründung vor, dass sie die Ge- schwindigkeitsüberschreitung an einem Samstagmorgen um 5.41 Uhr begangen habe, die Sicht gut und die Strasse trocken gewesen sei. Es habe keinen Ve rkehr gegeben, Fussgänger und Velofahrer seien keine unterwegs gewesen. Die Strasse s ei dort breit und übersichtlich und es befinde sich ein Velostreifen auf beiden Strassenseiten. Ausserdem gebe es dort nur zwei Ein- mündungen, welche nicht vortrittsberechtigt seien. Soweit diese Umstände die Strassen-, Sicht- und Verkehrsverhältnisse umschreiben, vermögen sie gemäss der oben zitierten Rechtspre- chung für sich alleine keine Ausnahme von der schematischen Beurteilung der Geschwindig- keitsüberschreitungen zu begründen. So ist auch für die Frage der Abweichung vom Schema- tismus nicht von Relevanz, dass gemäss dem Schreiben des Bund esamtes für Meteorologie und Klimatologie vom 17. November 2017 am 2. Juli 20 16 um 5.40 Uhr in der Region B.____ keine messbare Niederschlagstätigkeit gemessen wurde und an der Messstation in H.____ am 2. Juli 2016 von 4:00 bis 4:10 Uhr und von 4:50 bis 5:00 Uhr ein Niederschlag von 0.2 mm bzw. 0.1 mm und an der Messstation in I.____ von 4:50 bis 5: 00 Uhr ein Niederschlag von 0.2 mm gemessen wurde. 5.2. Gemäss Rechtsprechung kann eine Abweichung von der Schematisierung erfolgen, wenn der Lenker aus nachvollziehbaren Gründen gemeint hat, er befinde sich noch nicht oder nicht mehr im Innerortsbereich (siehe E. 4.3). Rechtsprechungsgemäss ist innerorts ungeachtet Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der konkreten Umstände objektiv eine schwere Verkehrsgefäh rdung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG zu bejahen, wenn die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 25 km/h oder mehr überschritten wurde. Auch bei atypischen Innerort sstrecken, bei denen innerorts eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h zulässig ist, ist dieser S chematismus anzuwenden (Urteile des Bundesgerichts 6B_772/2010 vom 9. Dezember 2010 E. 2 .4; 6B_622/2009 vom 23. Okto- ber 2009 E. 2.4 f.; 6A.81/2006 vom 22. Dezember 2006 E. 4.3). Dies folgt daraus, dass sich Ausserortsbereiche in dicht besiedelten Agglomeratione n mitunter kaum von Innerortsstrecken im Bereich von Weilern oder gegen Ausgang von Dörfern unterscheiden lassen und der Über- gang vom Innerortsbereich zum Ausserortsbereich häufig fliessend ist und es sich meist nur um kurze bis sehr kurze Strassenstücke handelt. Da gerade auf solchen Strecken Fahrzeuglenker häufig zu nachlassender Aufmerksamkeit bzw. Disziplin nei gen, ist auf solchen Strecken die Einhaltung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit beson ders unerlässlich, weshalb auch in diesen Fällen die konkreten Verhältnisse zum Zeitpunkt de r Geschwindigkeitsüberschreitung grundsätzlich nicht zu beachten sind (Urteile des Bundes gerichts 6B_772/2010 vom 9. Dezem- ber 2010 E. 2.4; 6B_622/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 2.4; 6S.99/2004 vom 25. August 2004 E. 2.4). 5.3. Die Beschwerdeführerin führt in der Beschwerde a us, dass es dort, wo die Geschwin- digkeitsüberschreitung stattgefunden habe, nur zwei Einm ündungen gebe, welche nicht vor- trittsberechtigt seien (vom E.____ring her und vom J.___ _weg her). Auf der linken Strassensei- te und am rechten Strassenrand würden keine Häuser stehe n, die Sicht ab J.____wegeinmündung bis zum Ortsausgang von B.____ sei a uf über 250 m frei. Das E.____- Areal befinde sich auf der anderen Seite der K.____ und sei hinter der Uferbestockung gar nicht zu sehen. Auch das Garagengebäude am J.____weg X sei über 10 m von der Fahrbahn ent- fernt. Die Garage und auch die weiteren Gewerbebaute n am J.____weg seien im Zeitpunkt der Geschwindigkeitsüberschreitung natürlich geschlossen gewesen. Daran ändere nichts, dass die Ortseingänge mit Tempo 50 km/h beschildert seien. Weite r führt die Beschwerdeführerin aus, es sei nämlich auch unbestritten geblieben, dass es am O rtsausgang von B.____ fälschlicher- weise kein Ortsausgangschild gebe und dass ca. 200 m nach d em Radarstandort bereits das Ortseingangsschild von D.____ stehe, welches mit Tempo 50 km/h beschildert sei. Der Auto- fahrer dürfe deshalb aufgrund des optischen Eindrucks der Strasse und obwohl es kein Orts- ausgangsschild habe, davon ausgehen, dass bis zum Schild mi t Tempo 80 km/h gefahren wer- den dürfe. Der Autolenker nehme an, dass er das Ortsaus gangsschild übersehen habe. Dieses sollte richtigerweise auf der Höhe der Liegenschaft XX stehen (Garage L.____). Früher habe es dort ein solches Schild gegeben. 5.4. Das Kantonsgericht hat die Polizei Basel-Landschaft, Abteilung Verkehrstechnik, mit Schreiben vom 20. Oktober 2017 um Auskunft zur Beschilderu ng gebeten. Die erste Frage lau- tete, ob in den letzten Jahren zu irgendeinem Zeitpun kt an der C.____strasse in B.____ Höhe Liegenschaft XX (Garage L.____), ein Signal “Ortsende auf C.____strasse“ aufgestellt gewesen sei und falls ja, wann dieses Signal entfernt worden se i. Die Polizei antwortete in ihrem Schrei- ben vom 9. November 2017, dass gemäss ihrem Kenntnisstand in den letzten Jahren auf der C.____strasse B.____, Höhe Liegenschaft XX, kein Signa l “Ortsende auf C.____strasse“ auf- gestellt gewesen sei. Im Weiteren sei der aktuelle Stan dort der Ortsbezeichnung mit Entscheid Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Polizeidirektion vom 8. Januar 1973 bei der Gemein degrenze B.____/D.____ festgelegt worden. Mit der zweiten Frage wurde die Auskunft erbe ten, ob im genannten Bereich der C.____strasse und bis zum Ortseingang D.____ in den l etzten zehn Jahren zu irgendeinem Zeitpunkt eine andere Höchstgeschwindigkeit als 50 km/ h gegolten habe und allenfalls welche Höchstgeschwindigkeit signalisiert gewesen und wann diese Signalisation geändert worden sei. Die Polizei erklärte, dass in den letzten zehn Jahren auf der C.____strasse in B.____, zwischen Liegenschaft XX und der Gemeindegrenze D.____ die all gemeine Höchstgeschwindigkeit 50 km/h generell (innerorts) gelte. Bis Oktober 2001 sei e ine abweichende Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h signalisiert gewesen. Mit Entscheid vom 5. Ok tober 2001 sei diese aufgehoben worden. 5.5. Wie sowohl ein Blick auf google maps als auch auf GeoView Basel-Landschaft (Nut- zungsplanung mit eingezeichneten Gebäuden) zeigt und der Regierungsrat in seiner Vernehm- lassung vom 4. September 2017 ausführt, ist die C.____strasse in B.____ bis nach D.____ hin- ein in regelmässigen Abständen von Gebäuden umgeben. Es gibt keine längeren unbebauten Streckenabschnitte, vielmehr ist zumindest eine Strassense ite immer bebaut und die nicht be- bauten Streckenabschnitte auf der gegenüberliegenden St rassenseite sind jeweils immer sehr kurz. Auch dort, wo sich die genannte Uferbestockung befi ndet, die allenfalls die dahinterlie- genden Gebäude verdeckt, ist die andere Strassenseite bebaut. Von einem Ausserortscharak- ter kann deshalb nicht die Rede sein. Seit 2001 darf auf dem Streckenabschnitt nicht mehr als 50 km/h gefahren werden. Zumindest seit zehn Jahren ste ht auf der C.____strasse in B.____, Höhe Liegenschaft XX, kein Signal “Ortsende auf C.___ _strasse“. Im Übrigen wurde die Ortsendetafel nicht vergessen, sondern steht bei der Gem eindegrenze B.____/D.____. Auf- grund der ganzen Umstände liegen keine Gründe vor, auf grund derer die Beschwerdeführerin davon ausgehen durfte, sich ausserorts befunden zu haben. Auch für den Fall, dass der Stre- ckenabschnitt, wo die Beschwerdeführerin geblitzt wurde, als atypische Innerortsstrecke be- zeichnet werden müsste, würde dies rechtsprechungsgemäss ni cht zur Abweichung vom Schematismus führen. Damit liegen keine Gründe vor, we lche es rechtfertigen würden, die be- gangene Geschwindigkeitsübertretung nicht als schwere Widerhandlung zu qualifizieren. Daran vermögen auch die von der Beschwerdeführerin zitierten Bu ndesgerichtsentscheide 6B_95/2017 vom 22. Mai 2017 und 6B_622/2009 vom 23. Oktober 2009 nichts zu ändern. Im Entscheid 6B_622/2009 (Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit von 60 km/h innerorts um 29 km/h) war für die Verneinung des rücksichtlosen Ve rhaltens und für die Bejahung des lediglich pflichtwidrigen Verhaltens massgeblich, dass d ie Innerortsstrecke angesichts des Aus- baustandards der Strasse und der optischen Erscheinung als Ausserortsstrecke qualifiziert wurde. Im Entscheid 6B_95/2017 (Überschreitung der zulässi gen Geschwindigkeit von 30 km/h innerorts um 22 km/h) wurde der Fall an die Vorinstanz zurückgewiesen, damit diese prüfe, ob der Strassenabschnitt nur unwesentlich von einer Innero rtsstrecke mit einer zulässigen Höchst- geschwindigkeit von 50 km/h zu unterscheiden sei, und dan n neu entscheide, ob es sich um eine grobe Verkehrsverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG handle. In beiden Fällen waren die Strassen-, Sicht- und Lichtverhältnisse gut und es war wenig Verkehr; dennoch war für die Ver- neinung bzw. das Infragestellen der groben Verkehrsverle tzung massgeblich, ob die Strasse optisch als Ausserortsstrecke zu qualifizieren war (im Urtei l 6B_622/2009) bzw. ob der Stras- senabschnitt mit der Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auf grund der konkreten Umstände Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem Strassenabschnitt mit der Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gleichzustellen war (im Urteil 6B_95/2017). 5.6.1. Die Beschwerdeführerin beantragte in ihrer Besc hwerde, es sei ein Augenschein unter Beizug eines Experten für Verkehrstechnik durchzuführen, der seinen Bericht direkt im Rahmen der öffentlichen Verhandlung abgeben könne. Aus der B eschwerdebegründung geht hervor, dass der Experte zu den Ausgestaltungsmerkmalen der Strass e wie Breite, Übersichtlichkeit, Velostreifen, Einmündungen in die C.____strasse, Bep flanzungen, Beschilderungen und damit zur Frage, ob ein Lenker davon ausgehen könne, sich an d er fraglichen Stelle ausserorts zu befinden und damit 80 km/h fahren zu dürfen, Auskunft geben sollte. Zudem beantragte die Beschwerdeführerin in der Beschwerdebegründung die Einholung einer Erkundigung beim Tief- bauamt zur Frage des Ausserortscharakters des fraglichen Strassenabschnitts. In ihrer Eingabe vom 20. November 2017 erklärte die Beschwerdeführerin ausdrücklich, an ihrem Antrag auf Augenschein und Expertenbeizug festzuhalten, da gemäss b undesgerichtlicher Rechtspre- chung ein solcher Fall nur aufgrund aller Umstände des E inzelfalles richtig beurteilt werden könne. Dazu sei ein Augenschein unter Beizug eines Exper ten unumgänglich. Ein Verzicht auf Augenschein und Expertenbeizug könne allenfalls dann in Erwägung gezogen werden, wenn die amtliche Erkundigung bei der Abteilung Verkehrst echnik der Polizei einen eindeutigen Hin- weis auf den Ausserortscharakter dieses Strassenabschnitts ergebe. 5.6.2. Wie aufgrund von google maps und GeoView Basel -Landschaft ersichtlich ist, ist der fragliche Streckenabschnitt auf beiden Strassenseiten s o bebaut, dass ihm eindeutig ein Aus- serortscharakter abgesprochen werden muss (siehe vorne E. 5.5). Ein Augenschein und der Beizug eines Experten könnten an dieser Einschätzung nich ts ändern, so dass der Antrag auf Augenschein und Expertenbeizug abzuweisen ist. Die amtliche Erkundigung bei der Polizei Ba- sel-Landschaft, Abteilung Verkehrstechnik, wurde antragsgemäss eingeholt. 5.7. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass nicht zu beanstanden ist, dass die Vor- instanzen die Geschwindigkeitsüberschreitung vom 2. Juli 2016 als schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert haben. Im Übrigen deckt sich diese Qualifizierung – wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird – auch mit d erjenigen im strafrechtlichen Verfahren. 6.1. Im Bereich der Ahndung von Straftaten im Strassen verkehr kennt das schweizerische Recht das System des Dualismus von Straf- und Administrati vverfahren: Typischerweise findet nach einer Widerhandlung gegen Strassenverkehrsvorschrifte n sowohl ein Straf- als auch ein Verwaltungsverfahren statt (BGE 137 I 363 E. 2.3; GUNHILD GODENZI /J ANA HRABEK , Zur Rechts- natur des Führerausweisentzugs zu Warnzwecken, in: Schaffhau ser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2007, St. Gallen 2007, S. 223). D as Strafurteil vermag die Verwaltungs- behörde grundsätzlich nicht zu binden. Allerdings gebi etet der Grundsatz der Einheit der Rechtsordnung, widersprüchliche Entscheide im Rahmen de s Möglichen zu vermeiden, wes- halb die Verwaltungsbehörde beim Entscheid über die Massnahme von den tatsächlichen Fest- stellungen des Strafrichters nur abweichen darf, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Ent- scheid zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt wa ren, wenn sie zusätzliche Beweise er- hebt oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendu ng auf den Sachverhalt nicht alle Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsfragen abgeklärt, namentlich die Verletzung bestim mter Verkehrsregeln übersehen hat. In der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts – namentli ch auch des Verschuldens – ist die Verwaltungsbehörde demgegenüber frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa weil er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (BGE 136 II 447 E. 3.1; 1 27 II 302 nicht publ. E. 3a; 124 II 103 E. 1c/aa; Urteil des Bundesgerichts 1C_424/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.3). Auch in diesem Zusammenhang hat sie jedoch den eingangs genannten Gru ndsatz (Vermeiden widersprüchli- cher Urteile) gebührend zu berücksichtigen. Zu beachten ist, dass das Bundesgericht von einer inhaltlichen Kongruenz der Normen ausgeht. So geht es in konstanter Rechtsprechung davon aus, dass die grobe Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 9 0 Abs. 2 SVG einer schweren Wi- derhandlung im Sinne von Art. 16c SVG entspricht (anst elle vieler: Urteile des Bundesgerichts 1C_87/2016 vom 13. Juni 2016 E. 2.11; 1C_182/2014 vo m 7. Oktober 2014 E. 2.2; BGE 132 II 234 E. 3). Demgegenüber werden einfache Verkehrsregel verletzungen gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG als leichte und mittelschwere Widerhandlungen im S inne von Art. 16a und 16b SVG er- fasst (BGE 135 II 138 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E. 3.2; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassung s- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 27. Juli 2016 [810 15 267] E. 6.3). 6.2. Im vorliegenden Fall wurde die Beschwerdeführerin mit rechtskräftigem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 15. September 2016 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln ge- mäss Art. 90 Abs. 2 SVG (Überschreiten der Höchstgeschwind igkeit innerorts um 26 km/h) ver- urteilt. Demzufolge entspricht die Verfügung der Adm inistrativbehörde auch dem Entscheid im Strafverfahren. 7.1. Die Entzugsdauer für die am 2. Juli 2016 begange ne Widerhandlung hängt davon ab, ob der Beschwerdeführerin in den der Geschwindigkeitsübe rtretung vom 2. Juli 2016 vorange- gangenen fünf Jahren der Ausweis bereits einmal wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen war (Art. 16c Abs. 2 lit. a bzw. lit. b SVG) . Demzufolge ist auf die Geschwindigkeits- übertretung vom 23. Mai 2013 einzugehen, welche wie dererwägungsweise im angefochtenen Regierungsratsbeschluss vom 30. Mai 2017 und im Entscheid der Polizei vom 16. Januar 2017 behandelt wurde. 7.2. Die Beschwerdeführerin wurde im Administrativverf ahren mit Verfügung vom 7. August 2013 als Folge eines Vorfalls vom 23. Mai 2013 der Führ erausweis für einen Monat aufgrund einer mittelschweren Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln entzogen. Leider wurde die Ver- fügung im Administrativverfahren erlassen, bevor das straf rechtliche Verfahren abgeschlossen worden war, weshalb die Polizei der Beschwerdeführer in am 10. September 2013 anbot, nach Abschluss des Strafverfahrens auf ihren Wunsch den Fall erneut zu prüfen. Die Beschwerde- führerin wurde dann im strafrechtlichen Verfahren mit Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 10. März 2015 (Verfahrensnummer 460 14 228) der einfachen Verkehrsregel- verletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig gesprochen ( mit Strafbefehl der Staatsanwalt- schaft vom 5. März 2014 und mit Urteil des Strafgerichts präsidiums vom 2. September 2014 war die Beschwerdeführerin der groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig erklärt wor- den). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3. Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass ihr Verschul den am Unfall vom 23. Mai 2013 leicht gewesen sei, so habe auch das Kantonsgericht, Abt eilung Strafrecht, in seinem Urteil vom 10. März 2015 ein nicht unerhebliches Mitverschulden d er Fussgängerin angenommen. Bei der Gefährdung der Fussgängerin habe es sich um ein e sehr leichte gehandelt. Damit sei von einer leichten und nicht mittelschweren Widerhandlung auszugehen. 7.4. Wie bereits ausgeführt, begeht gemäss Art. 16b SV G eine mittelschwere Widerhand- lung, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Die mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung nach Art. 16a Abs. 1 li t. a SVG und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung nach Art. 16c Ab s. 1 lit. a SVG gegeben sind (siehe vorne E. 4.1.3). Leichte und mittelschwere Widerhandlungen werden von Art. 90 Ziff. 1 SVG als einfache Verkehrsregelverletzungen erfasst (siehe vorne E . 6.1). Eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c SVG begeht, wer durch grobe Verletzun g von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Die Annahme ei- ner schweren Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifi zierte objektive Gefährdung und ein qualifiziertes Verschulden voraus. Ist die Gefährdung ge ring, aber das Verschulden hoch, oder umgekehrt die Gefährdung hoch und das Verschulden ger ing, liegt eine mittelschwere Wider- handlung vor (siehe vorne E. 4.1.4). Die grobe Verkehr sregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG entspricht gemäss Rechtsprechung einer schweren Widerh andlung im Sinne von Art. 16c SVG (siehe vorne E. 6.1). 7.5. Wie die Beschwerdeführerin richtig ausführt, wir d im Kantonsgerichtsurteil, Abteilung Strafrecht, vom 10. März 2015 festgehalten, dass “aus de m Verhalten der Autolenkerin keine besondere Rücksichtslosigkeit und in der Folge schon gar kei n schweres Verschulden dersel- ben abgeleitet werden“ könne (S. 10 f.). Es wurde das Vorliegen des subjektiven Tatbestandes von Art. 90 Abs. 2 SVG verneint. Das Kantonsgericht, Ab teilung Strafrecht, führt in seinem Ur- teil bezüglich des objektiven Tatbestands des Art. 90 Abs . 2 SVG aus, dass dieser erfüllt sei, wenn kumulativ eine grobe Verkehrsverletzung und die durc h diese hervorgerufene ernstliche Gefährdung vorliegen würden (S. 7). Es sei bezüglich des objektiven Tatbestands zu prüfen, ob durch das Verhalten der Beschwerdeführerin eine abstrakt e oder konkrete Gefahr für die Fuss- gängerin geschaffen worden sei. Eine konkrete Gefährdu ng sei gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung regelmässig dann anzunehmen, wenn es info lge der Verkehrsverletzung zu einem Unfall gekommen sei. Dies gelte selbst dann, w enn der Unfall ohne Verletzte ablaufe (Urteil des Bundesgerichts 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E. 3.6). Folglich sei der Vorder- richterin zuzustimmen, dass die Beschuldigte, indem sie mi t ihrem Personenwagen mit der Fussgängerin leicht kollidiert habe, eine konkrete Gefahr für die Letztgenannte hervorgerufen habe. Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, kam zum Schluss, dass damit der objektive Tatbestand der groben Verkehrsverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt sei. 7.6. Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, hat die Beschwerdeführerin der einfachen Verkehrsverletzung schuldig gesprochen. Dies kann im Admini strativverfahren rechtspre- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht chungsgemäss die Feststellung einer leichten oder mitte lschweren Widerhandlung zur Folge haben. Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, hat i n objektiver Hinsicht den Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG (entspricht einer schweren Widerha ndlung im Sinne von Art. 16c SVG) und in subjektiver Hinsicht den Tatbestand von Art. 90 Abs. 1 SVG (entspricht einer leichten Wider- handlung gemäss Art. 16a SVG oder einer mittelschweren Widerhandlungen im Sinne von Art. 16b SVG) bejaht. Aufgrund dieser Umstände muss gefolgert werden, dass nicht alle privile- gierenden Elemente einer leichten Widerhandlung nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlun g nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vor- liegen. Die Beurteilung der Administrativbehörden, da ss der Fall vom 23. Mai 2013 als mittel- schwere Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG zu qualifizieren sei, widerspricht so- mit in keiner Weise dem strafrechtlichen Urteil. Die B eschwerdeführerin hat unstreitig Verkehrs- regeln (Art. 33 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung [VRV] vom 13. November 1962) verletzt und dadurch einen Unfal l verursacht. Dass ihr dabei nur ein leich- tes Verschulden (siehe auch Urteil des Kantonsgericht, Abte ilung Strafrecht, S. 12) trifft, ändert nichts an der Tatsache, dass die durch die Beschwerdeführ erin hervorgerufene Gefahr für die Sicherheit anderer nicht mehr als gering qualifiziert werden kann, da ihr Fahrzeug mit einer Fussgängerin auf dem Zebrastreifen kollidierte. Trotz de s Mitverschuldens der Fussgängerin hat die Beschwerdeführerin durch ihr Fahrverhalten nicht nur eine erhöhte abstrakte Gefahr geschaffen, sondern durch die Kollision die Fussgänger in gefährdet. Dass diese letztlich nur eine leichte Verletzung davon getragen hat, ändert ni chts daran. Auch kann die Beschwerde- führerin aus dem Argument, die Prellung an der rechte n Hüfte sei nicht durch den Aufprall mit dem Auto entstanden, nichts zu ihren Gunsten ableiten, da der Aufprall mit dem Auto zum Sturz führte, welcher seinerseits die Prellung verursachte. Angesichts dessen kann die Gefahr für die Sicherheit anderer nicht mehr als gering eingestuft we rden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E. 3.6). Die wiedererwägungsweise vorgenommene Quali- fizierung des Vorfalls vom 23. Mai 2018 als mittelschwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16b Abs. 1 SVG ist damit nicht zu beanstanden. 8. Des Weiteren wirft die Beschwerdeführerin den Vori nstanzen vor, diese hätten das rechtliche Gehör verletzt, indem sie sich nicht mit der p hysikalischen Berechnung der Brems- wege befasst hätten, die beweisen würden, dass die Beschwerdeführerin vor Beginn des Brem- sens lediglich rund 26 km/h gefahren sei, womit sie nur eine geringe Gefahr für die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer und vor allem der gemäss Entscheid des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht (S. 12), ein erhebliches Mitverschulden treffenden Fussgängerin begründet habe. Der Anspruch auf rechtliches Gehör bedeutet nic ht, dass eine Behörde bei ihrer Begrün- dung auf alle Vorbringen der Beschwerdeführerin eing ehen muss. Im vorliegenden Fall haben die konkreten Umstände des Vorfalls, wie die Tatsache, da ss die Fussgängerin ein Mitver- schulden trifft und die Beschwerdeführerin – was nie in Abrede gestellt wurde – nicht schnell auf den Fussgängerstreifen fuhr, dazu geführt, dass ihr Ver schulden als leicht eingestuft wurde. Da der Beschwerdeführerin aber dennoch ein Verschulden ( gemäss Entscheid des Kantonsge- richts, Abteilung Strafrecht, S. 12, ein Restvorwurf, vgl. auch Schreiben der Polizei vom 6. Ja- nuar 2017 an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin) trifft und sie aufgrund der Verkehrs- regelverletzung die Kollision mit der Fussgängerin nich t vermeiden konnte, kamen die Vor- instanzen zu Recht zum Schluss, dass die Verletzung der Verkehrsregeln nicht nur eine geringe Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen habe . Damit wurden die konkreten Umstände, wie die Fahrweise der Beschwerdeführerin vor dem Zeb rastreifen, mitberücksichtigt. Eine Ver- letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist nicht zu erkennen. 9. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Vor fall vom 23. Mai 2013 zu Recht als mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert und der Füh- rerausweis für einen Monat entzogen wurde (Art. 16 Ab s. 2 lit. a SVG). Des Weiteren ist nicht zu beanstanden, dass der Vorfall vom 2. Juli 2016 als schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG beurteilt wurde und demzufolge gemä ss Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG mit einem Führerausweisentzug von sechs Monaten sanktioniert wurde. Bei diesen sechs Monaten han- delt es sich um eine gesetzliche Mindestdauer, welche gemä ss bundesgerichtlicher Rechtspre- chung nicht unterschritten werden darf, womit auch eine Reduktion der Entzugsdauer aufgrund der beruflichen Notwendigkeit des Fahrzeugs der Beschw erdeführerin ausgeschlossen ist (sie- he Art. 16 Abs. 3 SVG). Die Beschwerde ist damit bezüg lich des Führerausweisentzugs für die Dauer von sechs Monaten abzuweisen. Die Angelegenheit wi rd demzufolge zur Festlegung einer angemessenen Frist zur Abgabe des Führerausweises an die Polizei Basel-Landschaft, Hauptabteilung Verkehrssicherheit, Administrativmassnahmen, überwiesen 10.1. Als nächstes ist zu prüfen, ob die Anordnung des eintägigen Verkehrsunterrichts zur Nachschulung in G.____ gerechtfertigt ist. 10.2. Gemäss Art. 25 Abs. 3 lit. e SVG stellt der Bunde srat Vorschriften über den Verkehrs- unterricht für Motorfahrzeugführer und Radfahrer auf, die wiederholt Verkehrsregeln übertreten haben. Gestützt auf diese Ermächtigung hat der Bundesra t in Art. 40 und 41 VZV Bestimmun- gen über den Verkehrsunterricht erlassen. Danach solle n die Kursteilnehmer durch eine geziel- te Nachschulung zu korrektem Verhalten im Strassenverkeh r veranlasst werden (Art. 40 Abs. 2 VZV). Zum Verkehrsunterricht können unter anderem Moto rfahrzeugführer aufgeboten werden, die wiederholt in verkehrsgefährdender Weise gegen Ve rkehrsregeln verstossen haben (Art. 40 Abs. 3 VZV). Der Besuch des Verkehrsunterrichts kann allein oder in Verbindung mit anderen Massnahmen (Verwarnung, Entzug, Fahrverbot) verfügt werden (Art. 40 Abs. 4 VZV). Eine wiederholte Verkehrsregelübertretung liegt nach d er bundesgerichtlichen Rechtsprechung schon dann vor, wenn der Betroffene innert kurzer Zeit zweimal Verkehrsregeln übertreten hat. Ob es sich jeweils um die gleiche oder um verschiedene Reg eln handelt, ist unerheblich. Die Massnahme des Verkehrsunterrichts bezweckt einerseits, die Ken ntnis der Verkehrsregeln zu erneuern und zu vertiefen; sie soll andererseits aber auch die Einstellung der Teilnehmer des Unterrichts zum Verkehrsgeschehen ganz allgemein beeinf lussen, indem sie diese auf die Ge- fahren regelwidrigen Verhaltens im Strassenverkehr aufm erksam macht und dadurch fehlbare Motorfahrzeuglenker von künftigen Widerhandlungen abh ält. Die Anordnung der Massnahme setzt mit Blick auf das Verhältnismässigkeitsprinzip voraus, da ss anzunehmen ist, durch eine Verbesserung der Kenntnisse der Verkehrsvorschriften bzw. d urch den Hinweis auf die Gefah- ren regelwidrigen Verhaltens im Strassenverkehr könne de r Betroffene von künftigen Verstös- sen gegen die Strassenverkehrsregeln abgehalten werden. Ob dies der Fall ist, muss aufgrund der Umstände im Einzelfall entschieden werden. Die An ordnung des Verkehrsunterrichts er- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht weist sich nicht nur dann als sinnvoll, wenn der fehlbare Fahrzeugführer im Laufe seiner Fahr- praxis immer wieder Verkehrsregeln übertreten hat und aufgrund verschiedenartigen Fehlver- haltens anzunehmen ist, seine Kenntnis der Verkehrsrege ln sei ungenügend. Der Besuch des Verkehrsunterrichts ist schon dann gerechtfertigt, wenn aus den Umständen geschlossen wer- den muss, dass dem Betroffenen der Zweck einzelner Verkehrsvo rschriften nicht einsichtig ist und er sich deswegen der Gefahren nicht bewusst ist, die er durch deren Übertretung für ande- re Verkehrsteilnehmer schafft (vgl. zum Ganzen Urteile des Bundesgerichts 1C_330/2011 vom 7. Februar 2012; 1C_204/2008 vom 25. November 2008 E. 4.1; BGE 116 Ib 256 E. 1). 10.3. Die Polizei hat gestützt auf Art. 40 VZV ohne B egründung den Besuch des Verkehrs- unterrichts angeordnet. Der Regierungsrat hat im angef ochtenen Entscheid festgehalten, auf- grund der von der Beschwerdeführerin begangenen Wider handlungen müsse angenommen werden, der Beschwerdeführerin mangle es an genügende r Kenntnis der Verkehrsregeln und es bestehe bezüglich der Gefahren, die durch die Wider handlungen gegen das Strassenver- kehrsrecht für andere Verkehrsteilnehmer entstünden, Lernbedarf. 10.4. Am 23. Mai 2013 fuhr die Beschwerdeführerin mi t geringer Geschwindigkeit eine Fuss- gängerin an, wobei Letztgenannter ein nicht unerhebli ches Mitverschulden und der Beschwer- deführerin ein leichtes Verschulden (Urteil des Kanton sgerichts, Abteilung Strafrecht, S. 11 und 13) attestiert wurde. Der Fall wurde aufgrund der sta ttgefundenen leichten Kollision als mittel- schwere Widerhandlung sanktioniert. Gut drei Jahre später überschritt die Beschwerdeführerin innerorts die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h u m 26 km/h, was als schwere Wi- derhandlung beurteilt wurde. Dabei ist zu Gunsten der Beschwerdeführerin festzuhalten, dass dieser Fall aufgrund lediglich zweier Stundenkilometer zu viel als schwere Widerhandlung quali- fiziert wurde. Des Weiteren fallen positiv ins Gewicht, dass die Sichtverhältnisse gut waren und sich der Vorfall zu einem Zeitpunkt ereignet hat, als ke in grosses Verkehrsaufkommen herrsch- te. Diese Umstände vermögen zwar nichts an der Anwendu ng der schematischen Handhabung der Geschwindigkeitsübertretungen zu ändern, jedoch kan n aufgrund der konkreten Umstände nicht geschlossen werden, die Beschwerdeführerin sei in Bezug auf den Zweck einzelner Ver- kehrsvorschriften nicht einsichtig und ihr seien die mit ihrer Übertretung verbundenen Gefahren nicht bewusst. Auch ist aufgrund der konkreten Umstände ni cht davon auszugehen, der Be- schwerdeführerin mangle es an genügender Kenntnis der V erkehrsregeln. Die Beschwerde ist demzufolge bezüglich der Anordnung des Absolvierens eine s eintägigen Verkehrsunterrichts zur Nachschulung in G.____ gutzuheissen. 10.5. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Ko sten des vorinstanzlichen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen 11.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gestützt a uf § 20 Abs. 1 VPO in Ver- bindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskoste n in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Die Beschwerdeführerin ist mit ihrem Hauptanliegen nicht durchgedrungen. Lediglich in Bezug auf die Aufhebung der Anordnung d es Verkehrsunterrichts hat sie obsiegt. Aufgrund dieses Umstandes rechtfertigt es sich, der Besc hwerdeführerin von den Verfahrens- kosten in der Gesamthöhe von Fr. 1‘800.-- einen Verfa hrenskostenanteil in der Höhe von Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 1‘400.-- aufzuerlegen. Dem Regierungsrat können g emäss § 20 Abs. 3 keine Verfahrens- kosten auferlegt werden, sofern er das Kantonsgericht nicht in Anspruch genommen hat. Da dem Beschwerdegegner im vorliegenden Fall keine Verfahrenskosten auferlegt werden können, wird der hypothetisch auf ihn entfallende Verfahrenskos tenanteil in der Höhe von Fr. 400.-- nicht erhoben. Der Beschwerdeführerin ist der zu viel ge leistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.-- zurückzuerstatten. 11.2. Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilwei se obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Rechtsvertreter de r Beschwerdeführerin reichte am 20. November 2017 für seine Aufwendungen vom 1. Juni 2017 bis zum 25. Oktober 2017 eine Honorarnote in der Höhe von Fr. 4‘394.05 (15 Stunden à Fr. 250.-- inkl. Auslagen von 151.90 und 8 % MwSt.) ein, was nicht zu beanstanden ist. In se iner ergänzenden Honorarnote vom 27. Februar 2018 machte der Rechtsvertreter der Beschwe rdeführerin für die Zeit vom 20. No- vember 2017 bis 28. Februar 2018 noch einen Aufwand vo n 5.5822 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 49.80 und damit einen Betrag von 1‘ 557.10 (inkl. 8 % bzw. 7.7 % MwSt.) gel- tend, was ebenfalls nicht zu beanstanden ist. Die zwei H onorarnoten ergeben eine Gesamt- summe von Fr. 5‘951.15. Praxisgemäss ist dem Richter bei de r Bemessung der Parteientschä- digung ein weiter Ermessensspielraum einzuräumen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5P.365/2002 vom 13. Dezember 2002 E. 2.2). Das Kanton sgericht erachtet aufgrund des Ob- siegens der Beschwerdeführerin in lediglich einem Neben punkt eine Parteientschädigung zu Lasten des Beschwerdegegners von pauschal Fr. 1‘000.-- als gerechtfertigt. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Regierungsratsbe- schluss Nr. 0739 vom 30. Mai 2017 insoweit aufgehoben, als mit die- sem die Absolvierung eines eintägigen Verkehrsunterrich ts zur Nach- schulung angeordnet wird. Im Übrigen wird die Beschwer de abgewie- sen. 2. Die Angelegenheit wird zur Festlegung einer ange messenen Frist zur Abgabe des Führerausweises an die Polizei Basel-Landsch aft, Haupt- abteilung Verkehrssicherheit, Administrativmassnahmen, überwiesen. 3. Der Beschwerdeführerin wird ein Verfahrenskostenant eil in der Höhe von Fr. 1‘400.-- auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1‘800.-- verrechnet. Der zu viel bezahlte Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 400.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Der Beschwerdegegner hat der Beschwerdeführerin ei ne Partei- entschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 1'000.-- (i nkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. 5. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin