Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 24. April 2020 (810 19 285) ____________________________________________________________________ Submission Ausschluss aus dem Verfahren / GAV-Bestätigung älter als 6 Monate Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Markus Clau- sen, Hans Furer, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichts- schreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ AG , Beschwerdeführerin, vertreten durch Rolf Weber, Rechtsanwalt gegen Bau - und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel -Landschaft , Rechtsabteilung, Rheinstrasse 29, Postfach, 4410 Liestal, Beschwer- degegnerin Betreff Submission "Neubau Sek. B.____ - Wandtafeln u. Multimediaausstat- tungen" / Ausschluss aus dem Verfahren (Entscheid der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel- Landschaft vom 18. Oktober 2019) A. Die Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel -Landschaft (BUD) schrieb im kantonalen Amtsblatt vom 4. Juli 2019 und gleichentag s auf der Internetplattform simap.ch das Projekt "Neubau Sekundarschule B.____, Wandtafeln und Multimediaausstattungen" im offenen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahren aus. Die Frist zur Einreichung der Angebote wurde auf den 9. August 2019, 10.00 Uhr, festgesetzt. Am 7. August 2019 reichte die A.____ AG ein Angebot ein. Einziges Zu- schlagskriterium war der Preis. Gemäss Protokoll über die Ö ffnung der Angebote vom 9. Au- gust 2019 war die A.____ AG mit ihrem Angebotspreis an vierter Stelle. B. Mit Entscheid der BUD vom 18. Oktober 2019 wurde da s Angebot der A.____ AG vom Vergabeverfahren ausgeschlossen. Zur Begründung wurde zusammengefasst ausgeführt, dass die A.____ AG den Nachweis über die Einhaltung der A rbeitsbedingungen nicht erbracht habe, da die von ihr eingereichte Bestätigung betreffend E inhaltung des Gesamtarbeitsvertrages (GAV) älter als 6 Monate ab Ausstelldatum sei. C. Gegen diesen Entscheid erhob die A.____ AG, vertre ten durch Rolf Weber, Rechtsan- walt, mit Eingabe vom 28. Oktober 2019 Beschwerde bei m Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Die Beschw erdeführerin stellte das Rechtsbe- gehren, es sei der Entscheid der Beschwerdegegnerin aufzuheben und die Beschwerdeführerin weiterhin im Vergabeverfahren zu belassen (Ziff. 1 un d 2). Es sei die Frist zur Einreichung der GAV-Bestätigung wiederherzustellen und die Bestätigung der Zentralen Paritätischen Berufs- kommission (ZPK) Schreinergewerbe vom 20. August 2019 in die Akten einzufügen (Ziff. 3). In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wir- kung zu erteilen und das Verfahren bis zum Vorliegen des Entscheides zu sistieren (Ziff. 4). D. Mit Präsidialverfügung vom 29. Oktober 2019 wurde d er Beschwerde superproviso- risch die aufschiebende Wirkung erteilt und der Beschwerd egegnerin superprovisorisch unter- sagt, im vorliegenden Vergabeverfahren den Vertrag a bzuschliessen bzw. Vollzugshandlungen vorzunehmen. Nachdem die Beschwerdegegnerin ihre Stellu ngnahme zur Frage der aufschie- benden Wirkung der Beschwerde vom 12. November 2019 ei ngereicht hatte, wies das Ge- richtspräsidium mit Verfügung vom 14. November 2019 den Verfahrensantrag der Beschwerde- führerin auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab und entzog der Beschwerde die mit Ver- fügung vom 29. Oktober 2019 superprovisorisch erteilte aufschiebende Wirkung. E. Innert erstreckter Frist beantragte die Beschwerdege gnerin mit Vernehmlassung in der Hauptsache vom 3. Dezember 2019, es sei die Beschwerde ko stenfällig abzuweisen, sofern darauf eingetreten werde. F. Die der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 4. De zember 2019 gewährte Frist zur Einreichung einer allfälligen Replik liess diese unbenutzt verstreichen. G. Mit präsidialer Verfügung vom 8. Januar 2020 wurde der Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1. Gemäss § 30 des Gesetzes über öffentliche Beschaffun gen (BeG) vom 3. Juni 1999 i.V.m. § 31 lit. e BeG sowie § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (Verwaltungsprozessordnung, VPO) vom 16. Dezember 1993 kann gegen den Ausschluss aus dem Vergabeverfahren innerhalb von 10 Tagen Beschwerde beim Kantonsge- richt erhoben werden. Soweit das BeG nichts anderes vor sieht, richtet sich das Verfahren nach der Verwaltungsprozessordnung (§ 30 Abs. 5 BeG). Das Ge richt wendet dabei das Recht von Amtes wegen an. Es prüft insbesondere, ob die Eintret ensvoraussetzungen erfüllt sind (§ 16 Abs. 2 VPO). 1.2. Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befug t, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt is t und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Erforderlich ist somit neben der formellen Beschwer (Te ilnahme am Verfahren vor der Vor- instanz bzw. keine Möglichkeit zur Teilnahme) zusätzlich eine materielle Beschwer in der Form eines besonderen Berührtseins sowie eines aktuellen Inte resses an der Beschwerdeführung. Letzteres besteht im praktischen Nutzen, der sich ergibt, wenn ein Beschwerdeführer mit sei- nem Anliegen obsiegt und dadurch seine tatsächliche oder rechtliche Situation unmittelbar be- einflusst werden kann (Urteile des Kantonsgerichts, Abtei lung Verfassungs- und Verwaltungs- recht [KGE VV], vom 23. Oktober 2019 [810 19 139] E. 1.2; vom 22. Juni 2016 [810 16 34] E. 2.1; vgl. auch BGE 140 II 214 E. 2.1; A LFRED KÖLZ /ISABELLE HÄNER /MARTIN BERTSCHI , Ver- waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz 940 ff.). 1.3.1. Die materielle Beschwer der beim Vergabeverfah ren nicht berücksichtigten oder vom Verfahren ausgeschlossenen Anbietenden ist praxisgemäss dann gegeben, wenn diese bei Gutheissung ihrer Beschwerde eine realistische Chance hab en, mit dem eigenen Angebot zum Zug zu kommen, oder wenn die Gutheissung der Beschwerd e zu einer Wiederholung des Sub- missionsverfahrens führt, in dem sie ein neues Angebot e inreichen können; andernfalls fehlt ihnen das schutzwürdige Interesse an der Beschwerdeführu ng (BGE 141 II 14 E. 4; KGE VV vom 23. Oktober 2019 [810 19 139] E. 1.2; vom 22. Juni 2016 [810 16 34] E. 2.2; vom 27. April 2016 [810 15 252] E. 2.1 ff.; vom 9. März 2016 [810 15 295] E. 2; vom 21. Januar 2015 [810 14 314] E. 2). 1.3.2. Ob die entsprechenden Rügen der Beschwerdeführe rin begründet sind, ist insofern sowohl Gegenstand der materiellen Beurteilung als auch bereits vorfrageweise von Bedeutung für das Vorliegen der Prozessvoraussetzungen (BGE 141 II 14 E. 5.1). Für derartige doppelre- levante Sachverhalte gilt, dass es im Stadium der Prüfun g der Eintretensvoraussetzungen ge- nügt, wenn der Beschwerdeführer glaubhaft macht ("mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gel- tend macht"), dass seine Aussichten, nach einer Aufhebung der angefochtenen Verfügung den Zuschlag zu erhalten, intakt sind und nicht einer der vor ihm platzierten Mitbewerber den Zu- schlag erhalten würde (BGE 141 II 14 E. 5.1 m.H.; Urt eil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] B-7026/2017 vom 22. August 2019 E.1.4). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.3.3. Die Beschwerdegegnerin erklärt in ihren Vernehm lassungen, dass zusätzlich zur Be- schwerdeführerin zwei weitere Unternehmen (die preislic h zweit- und drittplatzierten) vom Ver- fahren ausgeschlossen worden seien. Sollte die Beschwerd eführerin zum Verfahren zugelas- sen werden, würde sie preislich den zweiten Platz beleg en, womit sie nicht den Zuschlag erhal- ten würde. Deshalb fehle es ihr an einem schutzwürdige n Interesse und damit an der Be- schwerdelegitimation. 1.3.4. Die Beschwerdeführerin hat die Verfügung betr effend ihren Ausschluss angefochten. Aus dieser Verfügung und auch aus den Akten geht nicht hervor, ob und wem der Zuschlag erteilt wurde. Aus dem Protokoll über die Öffnung de r Angebote können Unternehmen, die eine Offerte eingereicht haben, zwar sehen, ob günstigere Of ferten eingereicht wurden, aber nicht, ob die Teilnehmer mit den günstigeren Offerten vom Ve rfahren ausgeschlossen wurden oder den Zuschlag erhalten haben, da dem Protokoll zu Recht n icht zu entnehmen ist, ob die Offe- renten die Eignungs- und Ausschreibungsvoraussetzungen erfüllt haben. Auch liegt in den Ver- fahrensakten keine in der Zwischenzeit erlassene Zuschlag sverfügung vor, welche die Be- schwerdeführerin hätte anfechten können. Damit war es de r Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht möglich, einen allfälli gen Zuschlag anzufechten, weil noch kei- ner vorlag bzw. sie nicht in Kenntnis davon gesetzt wurde . Sollte in der Zwischenzeit eine Zu- schlagsverfügung erlassen worden sein und aufgrund der Nich terteilung der aufschiebenden Wirkung der Vertrag mit der Zuschlagsempfängerin schon abgeschlossen worden sein sowie das Gericht zum Schluss kommen, dass die Beschwerdeführerin zu Unrecht aus dem Verfah- ren ausgeschlossen worden ist, so könnte die Beschwerdef ührerin allenfalls eine Schadener- satzforderung gemäss § 33 BeG erheben und in jenem Ver fahren geltend machen, der Zu- schlag sei zu Unrecht der preislich erstplatzierten Offeren tin erteilt worden. Damit kann der Be- schwerdeführerin vorliegendenfalls die Beschwerdelegitimation nicht mit der Begründung abge- sprochen werden, sie sei nur die zweitplatzierte. 1.4. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO grundsätz- lich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts beschränkt. Die Unangemessenheit kann nach § 45 Abs. 1 lit. c und § 45 Abs. 2 VPO nur in hier nicht inte- ressierenden Ausnahmefällen überprüft werden. 3.1 Strittig ist in der Sache, ob das Angebot der Besc hwerdeführerin zu Recht vom Verga- beverfahren ausgeschlossen wurde. Die Beschwerdegegnerin begründete den Ausschluss im angefochtenen Entscheid damit, dass die von der Beschwerdeführerin eingereichte Bestätigung über die Einhaltung der GAV-Bestimmungen älter als 6 Monate ab Ausstelldatum sei. Gemäss Usanz und gestützt auf die gesetzlichen Bestimmungen im öffentlichen Beschaffungswesen erfolge die Bewertung nach den Zuschlagskriterien nur b ei Erfüllung aller in der Ausschreibung genannten Anforderungen und bei vollständiger Erfüllu ng der Eignungskriterien. Nach § 8 BeG werde vom Verfahren ausgeschlossen, wer Angaben und Nachweise nicht rechtzeitig beibringe, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wer die Eignungskriterien nicht oder nur teilweise er fülle und keinen entsprechenden Eignungs- nachweis erbringe. 3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Aus schluss gemäss § 8 BeG nicht zwingend sei, sondern lediglich "in der Regel" erfolge . Die Vorinstanz sei jedoch offenbar der Auffassung gewesen, den Ausschluss zwingend verfügen zu müsse n. Damit habe sie das ihr zustehende Ermessen nicht wahrgenommen, was eine unzulässig e Ermessensunterschreitung und damit eine Rechtsverletzung darstelle. Zudem verletze der angefochtene Entscheid auch das Willkürverbot. Die Beschwerdeführerin führt weiter a us, dass die sechsmonatige Frist ge- mäss § 1 Abs. 3 der Verordnung zum Beschaffungsgesetz (Be schaffungsverordnung, BeV) vom 25. Januar 2000 bis "Einreichung des Angebots" laufe. Damit dürfe, so die Beschwerdefüh- rerin weiter, obwohl dies vorliegend ohne grössere Bedeutung sei, entgegen der Auffassung der Vergabestelle wohl das Datum des Poststempels und nicht die Frist zur Einreichung gemeint sein. Zudem ersuchte die Beschwerdeführerin um Wiederh erstellung der Frist zur Einreichung der GAV-Bestätigung und um Entgegennahme der nachträglich eingereichten GAV-Bestätigung vom 20. August 2019. 3.3. Die Beschwerdegegnerin führt in ihren Vernehmla ssungen aus, dass die Wiederherstel- lung einer Einreichungsfrist im Vergaberecht grundsätzl ich als ausgeschlossen erachtet werde. Bei der Frist für die Einreichung der Offerten handle es sich um ein zentrales formales Erforder- nis, dessen Nichteinhaltung als schwerer Formfehler betr achtet werde. Gegen eine Wiederher- stellung der Frist sprächen das Interesse der Gleichbehand lung der Anbieter sowie der Trans- parenz des Verfahrens. Die Vergabebehörde habe keine Pflicht und auch gar kein Recht, die Frist für die Einreichung einer gesetzeskonformen GAV- Bestätigung wiederherzustellen oder eine Nachfrist zu gewähren. Dies ergebe sich auch aus § 23 Abs. 1 und 2 BeG. Die Beschwer- degegnerin erläutert, weshalb der Ausschluss bei Einrei chung einer mehr als sechs Monate alten GAV-Bestätigung zulässig sei und weder das Verhält nismässigkeitsprinzip noch das Ver- bot des überspitzten Formalismus verletze. Sie verweist dab ei unter anderem auf zwei Urteile des Kantonsgerichts aus den Jahren 2015 und 2016, mit welchen der Ausschluss aus dem Ver- fahren der jeweiligen Beschwerdeführerinnen, welche e ine über sechs Monate alte GAV- Bestätigung eingereicht hatten, geschützt worden war (KGE VV vom 9. März 2016 [810 15 295] und vom 28. Oktober 2015 [810 15 49/52]). 4.1. Die Frist zur Einreichung der Angebote endete am Freitag, 9. August 2019. Die von der Beschwerdeführerin eingereichte "Bescheinigung Einhal tung GAV Schreinergewerbe" trug das Datum vom 5. Februar 2019. Am 7. August 2019 reichte d ie Beschwerdeführerin die GAV Be- scheinigung ein. Unbestritten ist, dass die GAV-Bestätigu ng sowohl im Zeitpunkt der effektiven Einreichung als auch der Beendigung der Einreichungsfrist älter als sechs Monate war. 4.2.1. Angebote sind schriftlich, vollständig und innert der angegebenen Frist einzureichen (§ 23 Abs. 1 BeG). Unvollständige oder verspätet eing etroffene Angebote werden ausgeschlos- sen (§ 23 Abs. 2 BeG). Nach § 8 Abs. 1 lit. c BeG wird i n der Regel ausgeschlossen, wer die Eignungskriterien nicht oder nur teilweise erfüllt od er keinen entsprechenden Eignungsnach- weis erbringt und nach § 8 Abs. 1 lit. e BeG, wer Ang aben und Nachweise nicht rechtzeitig bei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bringt oder von der zuständigen Stelle angeordnete Kontrollen nicht zulässt. Nach § 5 BeG darf in der Regel nur beauftragt werden, wer beteiligter Arbeitgeber oder beteiligte Arbeitgeberin eines GAV ist. Dieser GAV muss die angebotene Arbeitsl eistung zum Gegenstand haben oder branchenverwandt sein (Abs. 1). Die Anbietenden müssen ferner für Leistungen, die in der Schweiz erbracht werden, die dauernde und vollumfängli che Einhaltung der an ihrem Sitz gel- tenden Gesamtarbeitsverträge bzw. bei deren Fehlen die dauernde und vollumfängliche Einhal- tung der an ihrem Sitz geltenden orts- und branchenüb lichen Arbeitsbedingungen nachweisen (Abs. 2 lit. a). Gemäss § 1 Abs. 3 BeV dürfen GAV-Best ätigungen ohne Angabe einer Gültig- keitsdauer bei Einreichung des Angebots nicht älter als sechs Monate sein. 4.2.2. Nach § 21 Abs. 2 lit. h BeG hat die publiziert e Ausschreibung Ort und Zeitpunkt der Einreichung der Angebote anzugeben. Nach § 12 Abs. 1 lit. k BeV geben die Ausschreibungs- unterlagen Ort und Termin für die Eingabe und die Öffnung des Angebots an. 4.3. In den Ausschreibungsunterlagen befindet sich das Formular (Ziffer 4) mit dem Titel “Selbstdeklaration des Anbietenden“. Darin wird u.a. a usgeführt, dass der Nachweis über die dauernde und vollumfängliche Einhaltung der am Sitz d er Anbietenden geltenden Gesamtar- beitsverträge zu erbringen sei. Es wird die Frage gest ellt, ob die Offerentin die Einhaltung be- stätige und dies mit entsprechendem Ausweis tue. Anschliessend an diese Frage wird in blauer Farbe hervorgehoben erläutert, dass der Nachweis nur mi ttels einer GAV-Bestätigung der mit der Durchsetzung des jeweiligen Gesamtarbeitsvertrages b etrauten paritätischen Organe er- bracht werden könne. Diese Frage wurde von der Beschwerd eführerin bejaht und das Formu- lar, wie von der Vergabestelle verlangt, von der Beschw erdeführerin unterzeichnet. Unmittelbar an die Frage wird des Weiteren wiederum in blauer F arbe hervorgehoben Folgendes ausge- führt: "GAV-Bestätigungen ohne Angabe einer Gültigke itsdauer dürfen bei Eingabe des Ange- bots (Stichdatum Eingabetermin, gemäss Ausschreibungsun terlagen) nicht älter als 6 Monate ab Ausstellungsdatum sein". In blauer und fetter Schr ift wird überdies ausgeführt, dass das Nichteinreichen des Nachweises (GAV-Bestätigung) mit der Eingabe des Angebots oder die formale Nichterfüllung desselben zum Ausschluss aus dem Beschaffungsverfahren führe. 4.4. Somit kann festgehalten werden, dass das Erforder nis der Einreichung einer maximal sechs Monate alten GAV-Bestätigung und der vorgesehene g rundsätzliche Ausschluss ("in der Regel") aus dem Verfahren bei Nichteinhaltung gesetzl ich verankert sind. Zudem wurde in den Ausschreibungsunterlagen eingehend und optisch hervorgeh oben auf dieses Erfordernis und die Folgen bei Nichteinhaltung, nämlich der Ausschluss a us dem Verfahren (und zwar nicht nur in der Regel), eingegangen und von der Offerentin ver langt, dass sie die in Bezug auf dieses Erfordernis in den Ausschreibungsunterlagen gestellten Fragen beantworte und unterschriftlich bestätige, was die Beschwerdeführerin auch getan hat. 4.5. In diesem Zusammenhang ist überdies festzuhalten , dass die Vergabestelle im Formular “Selbstdeklaration des Anbietenden“ den gesetzlichen Wort laut von § 1 Abs. 3 BeV, wonach Bestätigungen ohne Angabe einer Gültigkeitsdauer bei Einreichung des Angebots nicht älter als sechs Monate sein dürfen, präzisiert, indem sie in Klamme rn festhält: "Stichdatum Eingabeter- min, gemäss Ausschreibungsunterlagen". In den Ausschreibu ngsunterlagen wurde als Frist für Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Einreichung des Angebots “Freitag, 09.08.2019, 10.00 Uhr" genannt. Massgeblich ist damit die in der Ausschreibung gesetzte Frist zur Einreichung d er Offerten (zum Ganzen KGE VV vom 9. März 2016 [810 15 295] E. 5.1.2). Demzufolge ist somit auch der nicht fallrelevante Ein- wand der Beschwerdeführerin, massgeblich sei der Zeitpun kt der effektiven Einreichung der Offerte und nicht die Frist zur Einreichung der Offe rte, wodurch die Bestätigung lediglich zwei und nicht vier Tage älter als sechs Monate sei, falsch. 5.1. Die Beschwerdeführerin moniert weiter, jedoch ohn e daraus etwas zu ihren Gunsten abzuleiten, dass sich ein allfälliger Ausschluss auf § 8 A bs. 1 lit. e BeG und nicht wie im Ent- scheid behauptet auf § 8 Abs. 1 lit. c BeG zu stützen habe. 5.2. Wie hiervor in der E. 4.2.1 bereits ausgeführt, wird nach § 8 Abs. 1 lit. c BeG in der Regel ausgeschlossen, wer die Eignungskriterien nicht oder nur teilweise erfüllt oder keinen entsprechenden Eignungsnachweis erbringt und nach § 8 Abs. 1 lit. e BeG, wer Angaben und Nachweise nicht rechtzeitig beibringt oder von der zus tändigen Stelle angeordnete Kontrollen nicht zulässt. Die Frage, ob es sich bei der Einreichung einer GAV-Bestätigung um ein Eig- nungskriterium handelt, kann offen gelassen werden. Die Beschwerdeführerin wurde gemäss angefochtener Verfügung mit der Begründung aus dem Ve rfahren ausgeschlossen, sie habe keine gültige Bestätigung eingereicht. Die Beschwerdege gnerin führt in ihrer Verfügung weiter aus, dass die Bewertung nach den Zuschlagskriterien nur bei Erfüllung aller in der Ausschrei- bung genannten Anforderungen und bei vollständiger Er füllung der Eignungskriterien erfolge. Zudem halte § 8 BeG ausdrücklich fest, dass vom Verfahre n ausgeschlossen werde, wer An- gaben und Nachweise nicht rechtzeitig beibringe, wer d ie Eignungskriterien nicht oder nur teil- weise erfülle oder keinen entsprechenden Eignungsnachwei s erbringe. Im Dispositiv wurde dann ausgeführt, das Angebot der Beschwerdeführerin erfülle die in den generellen Teilnahme- bedingungen genannte Vorgabe bezüglich Nachweis über die Einhaltung der Arbeitsbedingun- gen nicht und werde aufgrund dessen gestützt auf § 8 Ab s. 1 lit. c BeG vom Verfahren ausge- schlossen. 5.3. Handelt es sich bei der Voraussetzung der Einreichu ng um ein Eignungskriterium, so wurde die Beschwerdeführerin ausgeschlossen, weil sie die ses durch die Einreichung einer nicht gesetzes- und ausschreibungskonformen GAV-Bestätigung nicht erfüllte. Handelt es sich nicht um ein Eignungskriterium, so wurde die Beschwerdefü hrerin ausgeschlossen, weil das Angebot durch die Einreichung einer nicht gesetzes- und ausschreibungskonformen GAV- Bestätigung unvollständig war, da der Nachweis einer gesetzes- und ausschreibungskonformen GAV-Bestätigung fehlte. Da auch die Folgen nach § 8 Abs. 1 lit. c und lit. e BeG, nämlich der in der Regel erfolgende Ausschluss, die gleichen sind, und die Begründung beide Tatbestände erwähnt, kann die Frage, ob es sich um einen Fall von § 8 Abs. 1 lit. c oder e BeG handelt, of- fen gelassen werden (zum Ganzen KGE VV vom 28. Oktober 2015 [810 15 49/52] E. 5.2). 6.1. Als nächstes ist zu prüfen, ob der Ausschluss dem Verhä ltnismässigkeitsprinzip und dem Verbot des überspitzten Formalismus standhält und nicht willkürlich ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2. Den Formvorschriften kommt im Submissionsverfahren – insofern, als sie im Dienste der Gewährleistung wichtiger Vergabeprinzipien wie des Prinzips der Gleichbehandlung der Submittenten und ihrer Angebote stehen – ein hoher S tellenwert zu (P ETER GALLI /A NDRÉ MOSER /ELISABETH LANG /MARC STEINER , Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, a.a.O., Rz 456). Es entspricht d em Zweck und Charakter des Submis- sionsverfahrens, dass sowohl seitens der Offerenten wie auch seitens der Vergabeinstanz be- stimmte Formvorschriften eingehalten werden müssen, dere n Missachtung den Ausschluss der betreffenden Offerte oder die Ungültigkeit des Verga beverfahrens nach sich ziehen kann. Nicht jede Unregelmässigkeit vermag aber eine solche Sanktion zu rechtfertigen. Vom Ausschluss einer Offerte oder von der Ungültigerklärung des Verf ahrens darf abgesehen werden, wenn der festgestellte Mangel relativ geringfügig ist und der Z weck, den die in Frage stehende Formvor- schrift verfolgt, dadurch nicht ernstlich beeinträchtig t wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P.176/2005 vom 13. Dezember 2005 E. 2.4 mit Hinweise n). Die Vollständigkeit der Angebote ist für einen korrekten und transparenten Vergleich de r Offerten von grundlegender Bedeutung. Unvollständigen Angeboten gegenüber ist deshalb in Nach achtung des Gleichbehandlungs- grundsatzes eine strenge Haltung am Platz (vgl. H ERBERT LANG , Offertenbehandlung und Zu- schlag im öffentlichen Beschaffungswesen, in: Schweizerische s Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 2000 S. 335; vgl. auch Urteil d es Bundesgerichts 2D_34/2010 vom 23. Februar 2011 E. 2.3). Eine Unvollständigkeit im Sinne von § 23 Abs. 1 BeG und damit ein Ausschlussgrund ist jedoch nur dann anzunehmen, wenn de r Mangel eine gewisse Schwere aufweist. Als Folge des Verhältnismässigkeitsprinzips darf e in Anbieter wegen unbedeutender Mängel der Offerte nicht ausgeschlossen werden (GALLI /MOSER /LANG /S TEINER , a.a.O., Rz 444). 6.3. Aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerisch en Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 wird das Verbot des überspitzten Formali smus abgeleitet. Überspitzter Formalis- mus liegt vor, wenn für ein Verfahren rigorose Formvor schriften aufgestellt werden, ohne dass die Strenge sachlich gerechtfertigt wäre, wenn die B ehörde formelle Vorschriften mit übertrie- bener Schärfe handhabt oder an Rechtsvorschriften überspannte Anforderungen stellt und dem Bürger den Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrt. Ni cht jede prozessuale Formstrenge steht mit diesem Grundsatz in Widerspruch, sondern nur jene, die durch kein schutzwürdiges Interesse mehr gerechtfertigt ist und zum blossen Selbstzweck wird. Ansonsten sind prozessua- le Formen unerlässlich, um die ordnungsgemässe Abwicklung des Verfahrens sowie die Durch- setzung des materiellen Rechts zu gewähren. Das Bundesverwa ltungsgericht leitet aus dem Verbot des überspitzten Formalismus ab, dass dem Anbieter in bestimmten Fällen Gelegenheit zu geben ist, um den ihm vorgehaltenen Formmangel zu beheben (Zwischenentscheid des BVGer 2007/13 vom 13. März 2007 E. 3.2). In diesem Sin ne kann der Ausschluss als unver- hältnismässig erscheinen, wenn lediglich Bescheinigungen (etwa betreffend Bezahlung der Steuern) fehlen, deren Nachreichung sich nicht auf da s Preis-/Leistungsverhältnis der Offerte auswirkt. Demgegenüber ist der Ausschluss wegen nicht fristge rechter Einreichung von Eig- nungsnachweisen nicht zu beanstanden. Offerten, deren fehlende Angaben sich auf das Preis-/ Leistungsverhältnis auswirken können, sind ebenfalls zwingen d auszuschliessen (G ALLI /M O- SER /L ANG /S TEINER , a.a.O., Rz 446 f.). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4. Beim Entscheid darüber, ob ein Angebot auszuschlie ssen ist, kommt der Vergabestelle ein erhebliches Ermessen zu. Ein Ermessen besteht auch hinsichtlich der Frage, ob die Unvoll- ständigkeit eines Angebots als Ausschlussgrund zu qualifiziere n oder bei der Bewertung der Zuschlagskriterien negativ zu werten ist (vgl. D ANIELA LUTZ , Die fachgerechte Auswertung von Offerten – Spielräume, Rezepte und Fallstricke, in: Ak tuelles Vergaberecht, Zürich 2008, S. 225). Zu beachten gilt jedoch, dass gewisse Formfehl er derart gravierend sind, dass der Ausschluss des betreffenden Angebots zwingend ist (M ARTIN BEYELER , Der Geltungsanspruch des Vergaberechts, Zürich 2012, Rz 1747 f.). In diesen F ällen steht der Vergabebehörde kein Ermessen zu, sondern das Angebot ist aus Gleichbehandlungsg ründen zwingend auszu- schliessen. Ab welcher Schwere ein Formfehler zwingend den Ausschluss der Offerte verlangt, lässt sich nicht allgemein formulieren, sondern ist im E inzelfall zu entscheiden (vgl. M ARTIN BEYELER , Anmerkungen zum Entscheid des BVGer 2007/13, publizier t in: Baurecht [BR] 2007 S. 84 f.). Nach der Rechtsprechung ist ein Angebot n amentlich dann zwingend vom Verfahren auszuschliessen, wenn es sich in Bezug auf wesentliche Pun kte als unvollständig erweist (vgl. Entscheid des BVGer 2007/13 E. 3.4; Aargauische Gerichts - und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2005 S. 254 E. 2.1.1). Zu einem Ausschluss führe n muss beispielsweise das Fehlen ganzer Angebotsteile oder von Angaben, welche sich auf da s Preis-/Leistungsverhältnis einer Offerte auswirken (vgl. D ANIELA LUTZ , a.a.O., S. 225; vgl. zum Ganzen KGE VV vom 16. De- zember 2009 [810 09 248] E. 3.2 ff.; vom 16. Mai 2012 [810 11 378] E. 4.2; vom 26. April 2006 [810 05 367] E. 5.2). 6.5. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass abh ängig von der Schwere des Regel- verstosses gewisse Fehler zum Ausschluss führen müssen, andere zw ingend nicht zum Aus- schluss führen dürfen und andere zum Ausschluss führen kön nen (vgl. B EYELER , a.a.O., Rz 1746 ff.). Dementsprechend wird zwischen geringfügig en, mittelschweren und schwerwie- genden Verletzungen vergaberechtlicher Vorschriften ge sprochen (vgl. zum Ganzen KGE VV vom 4. Juni 2014 [810 14 27] E. 5.1 ff.). 7.1. Ein geringfügiger Fehler liegt immer dann vor, wenn er sich auf die Mi ssachtung einer Vorschrift beschränkt, die mit Blick auf die vergaberechtlichen Grundsätze der Wirtschaftlichkeit, der Gleichbehandlung und des Wettbewerbs vergleichsweise unwesentlich oder gar ganz uner- heblich ist oder wenn eine an sich zwar durchaus wesentliche Vorschrift nur ganz leicht und mit kaum oder gar nicht spürbarem Ergebnis verletzt wird. Typ ischerweise betreffen solche Baga- tell-Offertfehler Formvorschriften und es fliesst aus der entsprechenden Verletzung kein spürba- rer Wettbewerbsvorteil für den fraglichen Bieter. Darü ber hinaus können auch ganz geringfügi- ge unerlaubte inhaltliche Abweichungen von den Ausschre ibungsvorgaben Bagatellfehler sein, jedoch sind inhaltliche Fehler häufig beziehungsweise sch on bei recht geringem Umfang als von mittelschwerer Natur einzustufen, weil im Grunde fa st jede inhaltliche Abweichung gleich- sam automatisch das offerierte Preis-/Leistungsverhältnis berührt und damit jedenfalls potentiell auch wettbewerbswirksam ist und im Übrigen regelmässig ein Leistungsversprechen beinhaltet, das der Auftraggeber so nicht gewollt hat. Angebote mi t geringfügigen Missachtungen vergabe- rechtlicher Offertregeln dürfen vom Vergabeverfahren n icht ausgeschlossen werden, denn eine solch kompromisslose Durchsetzung der Angebotsregeln wäre mi t Blick auf den Wirtschaftlich- keitsgrundsatz unverhältnismässig; der Ausschluss einer geringf ügig fehlerhaften Offerte, die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus der Regelverletzung keinen (nennenswerten) Wettbew erbsvorteil zieht, wäre überspitzter Formalismus. Soweit das überhaupt erforderlich ist, kann die Vergabestelle den Bieter zur Nachbesserung des geringfügigen Fehlers auffordern (BEYELER , a.a.O., Rz 1750 ff.). 7.2. Zwischen der Kategorie der schwerwiegenden und jen er der geringfügigen Verletzun- gen vergaberechtlicher Angebotsvorschriften reiht sich di e Kategorie der mittelschweren Verstösse ein: Eine Offerte verletzt dann die Angebotsregeln in mittelschwerer Weise, wenn die Verletzung weder derart schwer wiegt, dass ihre Berücksic htigung die Gleichbehandlung und den Wettbewerb im Vergabeverfahren erheblich beeintr ächtigen würde, noch derart leichtge- wichtig ist, dass ein Ausschluss als überspitzt formalistisch er scheinen würde. Die mittelschwe- re Verletzung von vergaberechtlichen Angebotsvorschrifte n führt in der Regel dazu, dass die Offerte wohl einen leichten Wettbewerbsvorteil erring t, oder sie hatte zur Wirkung, dass der Bieter eine besondere Bequemlichkeit bei der Offertstellung genoss, doch bleiben die Folgen im Ergebnis gleichwohl unwirksam, bewirken also nicht kausa l die Zuschlagserteilung auf die frag- liche Offerte. Bei einem mittelschweren Fehler kann also gesagt werden, dass der Zuschlag auf die fehlerhafte Offerte auch dann erteilt worden wär e, wenn der fragliche Vorteil gar nicht vorlä- ge – der Vorteil ist also nicht entscheidend für die Zusc hlagserteilung. Mitunter liegt im Fehler abgesehen davon ohnehin kein spezieller Vorteil für de n Bieter, so dass sich gegebenenfalls nur die Frage stellen kann, ob der Fehler dazu führt , dass das Angebotene erheblich vom Wil- len des Auftraggebers mit Bezug auf das angestrebte Gesch äft abweicht. Offerten mit mittel- schweren Verletzungen vergaberechtlicher Angebotsvorschrift en darf die Vergabestelle aus- schliessen – aber sie darf sie auch im Verfahren belassen : Es liegt insoweit ausschliesslich im Ermessen der Vergabestelle, ob sie die mittelschwer fehl erhafte Offerte ausschliessen oder berücksichtigen will. Soweit die Offerte im Verfahren bleibt und wenn das der Gleichbehandlung der übrigen Bieter zuträglich ist, kann und soll die Vergabestelle den Bieter zur Nachbesserung seiner Offerte auffordern, ansonsten (wenn der Bieter der Korrektur nicht zustimmen will) gleichwohl ausschliessen. Das Ermessen, das der Vergabeste lle betreffend Entscheid über Ausschluss oder Nichtausschluss einer mittelschwer fehlerh aften Offerte zukommt, ist pflicht- gemäss und daher widerspruchsfrei auszuüben. Widerspruchsfrei heisst, dass die Vergabestel- le alle Offerten mit in ihrer Schwere vergleichbare n Fehlern je nachdem im Verfahren belassen oder eben ausschliessen muss (B EYELER , a.a.O., Rz 1756 ff.; vgl. auch M ARTIN BEYELER , An- merkungen zum Zwischenentscheid des BVGer B_93/2007, publiziert in: BR 2007 S. 207 f.). 7.3. Ein schwerwiegender Offertfehler, welcher zwingend zum Ausschluss bzw. zur Nicht - berücksichtigung beim Zuschlag führen muss, liegt immer da nn vor, wenn die Offerte verspätet eingereicht wird, wenn sie inhaltlich erheblich von d en durch die Vergabestelle aufgestellten Bedingungen abweicht oder wenn ihre Form erheblich von derjenigen abweicht, die sie gemäss den gesetzlichen Regeln und den Vorgaben der Vergabest elle hätte annehmen müssen (BEYELER , a.a.O., Rz 1747). 8.1. Da bei der Entscheidung, ob eine unvollständige Of ferte vom Verfahren auszuschlies- sen ist, oder allenfalls die Gelegenheit zu geben ist, die fehlenden Unterlagen nachzureichen, allgemeine Grundsätze wie der Gleichbehandlungsgrundsatz, das Verhältnismässigkeitsprinzip, das Transparenzgebot, das Gebot des überspitzten Formalism us und Grundsätze der Wirt- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaftlichkeit eine massgebliche Rolle spielen, rechtfertigt sich ein Blick auf Entscheide anderer Kantone. 8.2. Das Zürcher Verwaltungsgericht hat entschieden, dass das Fehlen einer Referenzliste in der Offerte trotz entsprechender Vorschrift in den Au sschreibungsunterlagen im konkreten Fall keine Verletzung wesentlicher Formvorschriften da rstelle, da die betreffende Anbieterin im Beilagenverzeichnis ihres Angebots auf die Referenzliste hingewiesen, aber nach dem Vorbrin- gen der Vergabebehörde die Liste gleichwohl nicht bei gelegt habe. Damit sei das Fehlen der Referenzliste klar als Versehen erkennbar gewesen. Ein A usschluss dieser Anbieterin rechtfer- tige sich umso weniger, als die Zuschlagsempfängerin unbe strittenermassen ebenfalls keine Referenzliste eingereicht habe, die Vergabebehörde aber diesbezüglich geltend gemacht habe, diese sei von früheren Aufträgen her bekannt. Dabei ve rstosse es gegen den Gleichbehand- lungsgrundsatz, dass die Vergabebehörde bei einer Anbi eterin auf früher namhaft gemachte Referenzen abstelle, während der anderen nicht einma l Gelegenheit gegeben werde, die Refe- renzliste nachzureichen, wenn diese trotz des Verweises im Beilagenverzeichnis angeblich ver- gessen worden sei. Bereits aus diesem formellen Grund s ei der Zuschlag aufzuheben (Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich [VB.2001.00215] vom 23. November 2001). In einem weiteren Fall ist das Zürcher Verwaltungsgerich t zum Schluss gekommen, der Anbie- ter dürfe in einem Submissionsverfahren, in welchem die Ausschreibungsunterlagen die Einrei- chung einer Referenzliste verlangten, nicht einfach darau f vertrauen, dass die von ihm ausge- führten Aufträge für die Gemeindeverwaltung bereits bekannt seien und für die Bewertung ge- nügten. Obschon der Anbieter infolge Nichteinreichung d er in der Ausschreibung verlangten Referenzliste aus dem Verfahren hätte ausgeschlossen wer den können, sei es auch zulässig gewesen, auf den Ausschluss zu verzichten, aber sein Angebot unter dem Kriterium “Erfahrung“ mit null Punkten zu bewerten (Urteil des Verwaltungsge richts Zürich [VB.2003.0028] E. 3.5, zitiert in: GALLI /M OSER /L ANG /S TEINER , a.a.O., Rz 460). Das Aargauer Verwaltungsgericht hat seine Ausschlusspraxis wegen Verletzung wesentlicher Formvorschriften in einem Fall vom 25. Oktober 2005 zusammengefasst. Umstritten war, ob die Beschwerdeführerin die verlangte Selbstdeklaration ih rem Angebot beigefügt hatte. Unterge- ordnete Mängel eines Angebots dürften nach Auffassung des Gerichts im Rahmen der Offertbe- reinigung beseitigt werden. Betreffe die Unvollständig keit wesentliche Punkte des Angebots, müsse es ausgeschlossen werden. Insofern liege ein ähnlic her Sachverhalt vor wie bei einem bei der Vergabestelle verspätet eingetroffenen Angebo t, welches von Gesetzes wegen ausge- schlossen werden müsse. Das Verwaltungsgericht hob den Aussc hluss der beschwerdeführen- den Offerentin im Wesentlichen mit der Begründung auf , dass die Informationen, welche in der Selbstdeklaration und in den fehlenden Seiten der Offerte hätten gemacht werden müssen, den der Offerte beigelegten Unterlagen hätten entnommen werden können. Zudem hätte das Ver- schweigen der nachgefragten Angaben in der Selbstdeklar ation nichts enthalten, aus deren bewusstem Verschweigen sich die Beschwerdeführerin irgendei nen Vorteil hätte verschaffen können (Urteil des Verwaltungsgerichts Aargau vom 25. Okto ber 2005, publiziert in: AGVE 2005 Nr. 52 S. 252 ff.). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3. Das Zürcher Verwaltungsgericht hielt in einem Entsc heid aus dem Jahre 2010 fest, dass sich das Vergaberecht gerade bei der Offerteingabe durch eine besondere Formstrenge ausweise. Es schützte den Ausschluss einer Offerte, in welche r negative Einheitspreise bzw. reine Platzhalterpreise enthalten waren und führte aus, dass wenn die Vergabebehörde in den Ausschreibungsunterlagen ausdrücklich bekannt mache, dass sie keine negativen Ein- heitspreise oder reine Platzhalterpreise akzeptiere und solche Eingaben vom Vergabeverfahren ausschliesse, im Fall einer Widerhandlung der Ausschluss streng gehandhabt werden dürfe. Dieser stelle keinen überspitzten Formalismus dar, auch w enn die betreffenden Positionen ge- ringfügiger Natur seien (Urteil des Verwaltungsgericht s Zürich [VB.2010.00402] vom 15. De- zember 2010 E. 2.3). 9.1. Der Kanton Basel-Landschaft (so wie auch der Kant on Basel-Stadt, vgl. §§ 5 - 8 des Gesetzes über öffentliche Beschaffungen des Kantons Basel-St adt vom 20. Mai 1999) hat im Vergleich zu anderen Kantonen in seiner Gesetzgebung z um Vergabeverfahren der Einhaltung der GAV-Bestimmungen und dem Nachweis derselben einen besonderen Stellenwert gegeben. So befassen sich die §§ 5 und 6 BeG mit den Arbeitsbed ingungen und damit in der Regel mit dem GAV und dem Nachweis der Einhaltung des GAV und der Kontrolle. Die Nichtgewährleis- tung der Arbeitsbedingungen hat in der Regel den Auss chluss aus dem Verfahren zur Folge (§ 8 BeG). § 1 BeV befasst sich eingehend mit dem Nachw eis der Einhaltung der GAV und sta- tuiert in Abs. 3, dass Bestätigungen ohne Angaben ein er Gültigkeitsdauer bei Einreichung des Angebots nicht älter als sechs Monate sein dürfen. Der Ka nton Basel-Stadt kennt in § 3 Abs. 5 der Verordnung zum Gesetz über öffentliche Beschaffung en vom 11. April 2000 die identische Regelung. Andere Kantone verlangen hingegen vom Offe renten “lediglich“ eine Selbstdeklarati- on über die Einhaltung der GAV-Bestimmungen. So reg elt z.B. der Kanton Zürich die Einhal- tung der GAV-Bestimmungen in § 8 Abs. 3 der Submission sverordnung des Kantons Zürich vom 23. Juli 2003 dahingehend, dass die Anbietenden au f Verlangen die Einhaltung der Ar- beitsschutzbestimmungen und der Arbeitsbedingungen sowi e die Erfüllung der Zahlungspflich- ten gegenüber Sozialinstitutionen und der öffentlichen Hand nachzuweisen oder die Vergabe- stelle zur Nachprüfung zu bevollmächtigen haben. In der Landratsvorlage 1998-078 vom 21. April 1998 de s Kantons Basel-Landschaft betreffend das Gesetz über öffentliche Beschaffungen und Beitritt zur Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVÖB) wird zu § 5 B eG ausgeführt, dass die Nennung der GAV in Abs. 1 als Regel die Bedeutung unterstreiche, welche diesen beigemessen würde. Wei- ter wird ausgeführt, dass für den Zuschlag alle Anbietenden in Frage kämen, welche die Einhal- tung der GAV in der Offerte schriftlich nachweisen wür den. Ausschlaggebend sei die Bestäti- gung durch die vom Kanton vorgesehene Stelle, dass die GAV, welche als schützenswerte Norm vorgegeben seien, tatsächlich eingehalten würden . § 5 Abs. 2 BeG habe in erster Linie zum Ziel, Sozialdumping abzuwehren, womit ein öffentli ches Interesse geschützt werde. Die Arbeitsschutzbestimmungen und Arbeitsbedingungen nach d en gesetzlichen Vorschriften (Ar- beitsgesetz, Unfallversicherungsgesetz) würden zum zwingen den Recht des Bundes gehören, was bedeute, dass ihre Einhaltung nicht in der Dispositi onsfreiheit des Anbieters (Arbeitgebers) liege und der Kanton darüber keine Vorschriften erlassen dürfe. Es könne somit ausschliesslich von den privatrechtlichen Vereinbarungen zwischen den Sozi alpartnern, den GAV, sofern sol- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht che bestünden, die Rede sein. Wo vertragliche Vereinb arungen zwischen den Sozialpartnern fehlen würden, werde nach § 5 Abs. 3 BeG ersatzweise au f orts- und branchenübliche Bedin- gungen abgestellt. 9.2. Des Weiteren wurden in den Ausschreibungsunterlag en und im von der Beschwerde- führerin unterzeichneten Formular in klarer und optisch hervorgehobener Weise der Inhalt der massgeblichen Bestimmungen zum Nachweis der Einhaltung des GAV und die Folgen bei Nichtbeachtung festgehalten. 9.3. Der klassische Inhalt eines GAV beinhaltet Bestimmung en über den Abschluss, Inhalt und Beendigung des Einzelarbeitsvertrages (normative B estimmungen), Bestimmungen über die Rechte und Pflichten der Vertragsparteien unter sich (schuldrechtliche Bestimmungen) und Bestimmungen über Kontrolle und Durchsetzung des GAV. Gegenstand der normativen Be- stimmungen können Regelungen über den Lohn, den 13. Monatslohn, Entschädigungen, die Lohnfortzahlung bei Verhinderung wegen Krankheit, Mu tterschaft und Militärdienst, Ferien, Ar- beitszeitvorschriften und Erweiterung des Kündigungsschut zes sein (www.seco.admin.ch /seco / de /home /Arbeit /Personenfreizugigkeit _Arbeitsbeziehungen /Gesamtarbeitsvertraege_Normalar- beitsvertraege.html). So statuiert § 1 Abs. 1 BeV, da ss Anbietende, die beteiligte Arbeitgeber eines GAV sind, mit jedem Angebot eine schriftliche Be stätigung der zuständigen Paritätischen Kommission vorzulegen haben, dass der GAV, insbesondere b ezüglich Arbeitszeit, Löhne, Lohnzuschläge und Sozialleistungen, eingehalten wird. D ie Nichteinhaltung von GAV kann so- mit unter anderem zu tieferen Lohnkosten führen. Die s wiederum kann dazu führen, dass ein Unternehmen zu tieferen Preisen als ein Unternehmen, welches den GAV einhält, offerieren kann. Die Einhaltung des GAV kann sich somit auf das Preis-/Leistungsverhältnis auswirken. 9.4. Wie das Kantonsgericht bereits in seinen Urteilen vom 28. Oktober 2015 (810 15 49/52) und vom 9. März 2016 (810 15 295) entschieden ha t, stellt aufgrund der klaren und strengen gesetzlichen Regelungen im Kanton Basel-Landscha ft und der unmissverständlichen Ausschreibungsunterlagen die Einreichung einer gesetzes - und ausschreibungswidrigen GAV- Bestätigung somit sicherlich nicht lediglich einen gerin gfügigen Mangel dar, womit der Aus- schluss aus dem Verfahren möglich bzw. zwingend ist. Die Fra ge, ob es sich um eine schwere oder mittelschwere fehlerhafte Offerte handelt, kann offen gelassen werden. Handelt es sich um eine schwere fehlerhafte Offerte, ist die Beschwerdefüh rerin auf jeden Fall aus dem Verfahren auszuschliessen. Ist die Fehlerhaftigkeit als mittelschwer einzustufen, so liegt der Entscheid des Ausschlusses im Ermessen der Vergabestelle. Die gesetzlich en Vorschriften sind klar und die Vergabestelle hat in ihren Ausschreibungsunterlagen un missverständlich darauf hingewiesen, dass die GAV-Bestätigung bei Einreichung des Angebots nicht älter als sechs Monate sein dür- fe, die Einreichung der GAV-Bestätigung zwingend erfo rderlich sei und das Angebot bei Miss- achtung dieser Bedingung aus dem Verfahren ausgeschloss en werde. Praxisgemäss schliesst die Vergabestelle, Anbieter, welche mangelhafte Nachw eise der Einhaltung der GAV einrei- chen, aus dem Verfahren aus. Damit hat die Vergabestell e ihr Ermessen pflichtgemäss ausge- übt und die Beschwerdeführerin ohne Aufforderung zur Nachreichung einer gesetzeskonformen GAV-Bestätigung aus dem Verfahren ausgeschlossen. Demzufol ge kann auch nicht dem An- trag der Beschwerdeführerin stattgegeben werden, es se ien die Frist zur Einreichung der GAV-Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bestätigung wiederherzustellen und die Bestätigung der ZPK Schreinergewerbe vom 20. Au- gust 2019 in die Akten einzufügen. Die Beschwerde ist damit abzuweisen und die Verfügung betreffend Ausschluss aus dem Verfahren zu schützen. 10. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpfli chtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der unterlegenen Beschwer deführerin aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechn en. Die Parteikosten sind gemäss § 21 VPO wettzuschlagen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin