Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 12. Juli 2016 (460 16 7) ____________________________________________________________________ Strafrecht Bandenmässiger Raub / Strafzumessung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richter Beat Hersberger, Richter Markus Mattle, Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung BM/OK, Rheinstrasse 27, Postfach, 4410 Liestal, Anklagebehörde Privatklägerschaft gegen A.____ , vertreten durch Advokat Dietmar Grauer-Briese, Burgstrasse 8, 4410 Liestal, Beschuldigter und Berufungskläger B.____ , vertreten durch Advokat Simon Berger, Haus zum Thurgauerhof, Lindenstrasse 2, Postfach 552, 4410 Liestal, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Bandenmässiger Raub etc. (Berufungen der beiden Beschuldigten gegen das Urteil des Strafge- richts Basel-Landschaft vom 16. Juni 2015) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.a Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 1 6. Juni 2015 wurde der Beschuldigte A.____ des gewerbs- und bandenmässigen sowie des ei nfachen Diebstahls, des bandenmäs- sigen Raubs, der mehrfachen Sachbeschädigung, des m ehrfachen Hausfriedensbruchs, der mehrfachen Zuwiderhandlung gegen das Waffengesetz s owie des Fahrens eines Mofas ohne den erforderlichen Führerausweis und ohne den vorge schriebenen Schutzhelm schuldig erklärt und – unter Anrechnung der vom 29. November 2013 bi s zum 29. Oktober 2014 ausgestande- nen Untersuchungshaft von 334 Tagen sowie der vom 2 9. Oktober 2014 bis zum 16. Juni 2015 in der Ersatzmassnahme sowie im vorzeitigen Massna hmenvollzug verbrachten Zeit von 154 Tagen (2/3 von 231 Tagen) – zu einer Freiheitsstraf e von vier Jahren sowie zu einer Busse von CHF 300.-- (bzw. zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse) verurteilt; dies in Anwendung von Art. 1 39 Ziff. 1, 2 und 3 StGB, Art. 140 Ziff. 1 und 3 StGB, Art. 144 StGB, Art. 186 StGB, Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG, Art. 96 VRV (i.V.m. Art. 3b Abs. 3 VRV), Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 34 Abs. 1 li t. b WG, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB. In den Fällen 6 und 10 der Anklagesc hrift wurde A.____ von der Anklage des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls, der Sachbes chädigung sowie des Hausfriedens- bruchs freigesprochen. Gestützt auf Art. 57 Abs. 1 StGB (i.V.m. Art. 63 Abs. 1 StGB) wurde zudem während des Strafvollzuges eine ambulante psy chotherapeutische Behandlung des Be- schuldigten angeordnet. Hingegen wurde der am 19. M ärz 2012 vom Jugendgericht Rheinfel- den bedingt ausgesprochene Freiheitsentzug von acht Monaten, bei einer Probezeit von zwei Jahren, in Anwendung von Art. 31 Abs. 5 JStG und 32 Abs. 3 JStG nicht vollziehbar erklärt. Zusammen mit B.____ wurde A.____ dazu verurteilt, i m Fall 15 der Anklageschrift C.____ CHF 1‘000.-- als Genugtuung zu bezahlen. Demgegenüb er wurde die Schadenersatzforderung von C.____ auf den Zivilweg verwiesen. Schliesslich wurde A.____ verpflichtet, Verfahrenskos- ten von insgesamt CHF 23‘534.05 – bestehend aus den ihn betreffenden Vorverfahrenskosten von CHF 14‘516.55, den Kosten des Zwangsmassnahmeng erichts von CHF 2‘800.--, den Kos- ten des Experten vor und an der Hauptverhandlung vo n CHF 1'417.50 sowie 40 % der gesam- ten Gerichtsgebühr von CHF 12‘000.-- (= CHF 4800.--) – zu tragen. Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der Partei en wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.b Ebenfalls mit Urteil des Strafgerichts Basel-Lands chaft vom 16. Juni 2015 wurde der Be- schuldigte B.____ des gewerbs- und bandenmässigen D iebstahls, des bandenmässigen Raubs, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfac hen Hausfriedensbruchs, der mehrfa- chen Fälschung von Ausweisen sowie der mehrfachen Z uwiderhandlung gegen das Waffenge- setz schuldig erklärt und – unter Anrechnung der vo m 17. März 2014 bis zum 13. August 2014 ausgestandenen Untersuchungshaft von 187 Tagen – zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren sowie zu einer Busse von CHF 200.-- (bzw. zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse) verurteilt; dies in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1, 2 und 3 StGB, Art. 140 Ziff. 1 und 3 StGB, Art. 144 StGB, Art. 186 StGB, Art. 252 StGB, Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 34 Abs. 1 lit. b WG, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB. In den Fällen 1, 2, 3 und 6 der Anklageschrift wurde B.___ _ von der Anklage des banden- und ge- werbsmässigen Diebstahls, der Sachbeschädigung sowi e des Hausfriedensbruchs freigespro- chen. Sodann wurde die am 5. September 2013 von der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, bedingt ausgesprochene Frei heitsstrafe von sechs Monaten, bei einer Probezeit von zwei Jahren, in Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB vollziehbar erklärt. Zusam- men mit A.____ wurde B.____ ausserdem dazu verurtei lt, im Fall 15 der Anklageschrift C.____ CHF 1‘000.-- als Genugtuung zu bezahlen, wohingegen die Schadenersatzforderung von C.____ auf den Zivilweg verwiesen wurde. Schliessli ch wurde B.____ verpflichtet, Verfahrens- kosten von insgesamt CHF 21‘933.95 – bestehend aus den ihn betreffenden Vorverfahrenskos- ten von CHF 15‘508.95, den Kosten des Zwangsmassnah mengerichts von CHF 1‘625.-- sowie 40 % der gesamten Gerichtsgebühr von CHF 12‘000.-- (= CHF 4800.--) – zu tragen. B. Gegen das rubrizierte Urteil meldeten die beiden B eschuldigten mit Eingabe vom 22. Juni 2015 (A.____, vertreten durch Advokat Dietmar Graue r-Briese) bzw. vom 24. Juni 2015 (B.____, vertreten durch Advokat Simon Berger) die Berufung an. C. In seiner Berufungserklärung vom 21. Dezember 2015 stellte der Beschuldigte A.____ die folgenden Anträge: Es sei der Beschuldigte im Ankla gepunkt 15 freizusprechen (Ziff. 1), es sei eine ambulante Therapie im aktuellen Umfang anzuord nen bzw. es sei diese weiterzuführen (Ziff. 2), es sei der Beschuldigte unter Aufschub z u Gunsten einer ambulanten Therapie zu ei- ner teilbedingten Freiheitsstrafe von maximal zweie inhalb Jahren zu verurteilen, wobei je die Hälfte der Strafe bedingt bzw. unbedingt auszusprechen sei (Ziff. 3), und es sei der Beschuldig- te unter Bewährungshilfe zu stellen (Ziff. 4). (…) Mit Eingabe vom 13. Mai 2016 zog der Vertei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht diger von A.____ dessen Berufung in Bezug auf den R aub gemäss Punkt 15 der Anklageschrift zum Nachteil von C.____ zurück und reichte in diese m Zusammenhang ein Schreiben des Be- schuldigten vom 9. Mai 2016 ein, in welchem sich dieser zu nämlichem Anklagevorwurf bekann- te. D. Der Beschuldigte B.____ stellte in seiner Berufung serklärung vom 4. Januar 2016 die folgenden Rechtsbegehren: Es sei der Beschuldigte i n Abänderung von Ziffer II.5. des ange- fochtenen Urteils vom Vorwurf des bandenmässigen Ra ubes nach Ziffer 15 der Anklageschrift freizusprechen und zu einer unbedingten Freiheitsst rafe von zwei Jahren zu verurteilen. Dem- entsprechend sei ebenfalls in Abänderung von Ziffer V.14.n) des angefochtenen Urteils die Ge- nugtuungsforderung von C.____ vollumfänglich abzuweisen. Im Übrigen sei das Urteil zu bestä- tigen (Ziff. 1). Des Weiteren sei dem Beschuldigten auch für das zweitinstanzliche Verfahren die amtliche Verteidigung zu bewilligen (Ziff. 2); dies alles unter o/e Kostenfolge (Ziff. 3). (…) E. Mit Datum vom 31. März 2016 reichte die Staatsanwa ltschaft Basel-Landschaft, Hauptab- teilung BM/OK, ihre Stellungnahme zu den Berufungen der beiden Beschuldigten ein und bean- tragte dabei die jeweilige Abweisung. (…). F. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft , Abteilung Strafrecht, vom 11. Januar 2016 wurde (…) den beiden Beschuldigten A.____ und B.____ die amtliche Vertei- digung für das zweitinstanzliche Verfahren bewillig t. Mit Verfügung vom 16. Februar 2016 wur- de sodann festgestellt, dass weder die Staatsanwaltschaft noch die Privatkläger Anschlussberu- fung erhoben hatten. (…). G. (…). H. (…). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 (…) 1.2 Aufgrund der Tatsache, wonach lediglich die beiden Beschuldigten A.____ und B.____ ein Rechtsmittel gegen das vorinstanzliche Urteil e rgriffen haben und dieses ausdrücklich nur gegen die Verurteilung im Anklagepunkt 15 wegen ban denmässigen Raubes – plus damit kon- sistent verknüpft wegen Sachbeschädigung und Hausfr iedensbruchs – zum Nachteil von C.____ und damit im Zusammenhang stehend deren Genu gtuungsforderung (B.____) sowie die Strafzumessung im Generellen (B.____) bzw. den nicht gewährten Strafaufschub zu Guns- ten einer ambulanten Massnahme (A.____) richten, si nd auch nur diese strittigen Punkte Ge- genstand des vorliegenden Berufungsverfahrens. Nicht mehr zu beurteilen ist damit gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO namentlich die Verurteilung de s Beschuldigten A.____ wegen gewerbs- und bandenmässigen sowie einfachen Diebstahls, band enmässigen Raubs, mehrfacher Sach- beschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher Zuwiderhandlung gegen das Waf- fengesetz sowie Fahrens eines Mofas ohne den erford erlichen Führerausweis und ohne den vorgeschriebenen Schutzhelm sowie diejenige des Bes chuldigten B.____ wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher Fälschung von Ausweisen sowie mehrfacher Zuwiderhandlung gegen das Waffen- gesetz. 2. Erwägungen der Parteien 2.1 (…) 2.2 (…) 2.3 (…) Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Tatbestand des bandenmässigen Raubes, der Sachbe schädigung und des Haus- friedensbruchs gemäss Ziffer 15 der Anklageschrift in Sachen B.____ 3.1.1 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art . 10 Abs. 2 StPO) hat das urteilen- de Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seine r persönlichen Überzeugung aufgrund ge- wissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Ge- richt trifft sein Urteil unabhängig von der Zahl de r Beweismittel, welche für eine bestimmte Tat- sache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Form des Beweismittels (R OBERT HAUSER /E RHARD SCHWERI /K ARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Ba sel 2005, § 54 N 3 f., mit Hinweisen). Nach der bundesgerichtliche n Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 BV (bzw. Art. 4 aBV) fliessenden und in A rt. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime „in dubio pro reo“ bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen ei- ner strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO). Als Beweiswürdi- gungsregel besagt die Maxime ausserdem, dass sich d er Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objek- tiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sac hverhalt so verwirklicht hat (Art. 10 Abs. 3 StPO). Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Be- schuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und abso lute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unter drückende Zweifel handeln, d.h. um sol- che, die sich nach der objektiven Sachlage aufdräng en (BGE 124 IV 87 E. 2a, mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Insgesamt steht dem Sachgericht im Bereich der Beweiswürdigung praxisge- mäss ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132 E. 4.2, 129 IV 6 E. 6.1). 3.1.2 Bei der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverha lts sind im vorliegenden Fall in erster Linie als Beweise bzw. Indizien die Aussagen des Be schuldigten B.____ anlässlich der Einver- nahme durch die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 24. April 2014 (act. 3063 ff.) und vom 8. Juli 2014 (act. 425 ff.), anlässlich der Kon frontationseinvernahme zwischen den beiden Beschuldigten vom 25. Juni 2014 (act. 2847 ff.), wä hrend der Hauptverhandlung vor dem Straf- gericht vom 9. bis 16. Juni 2015 (act. 515 ff.) sow ie während der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht vom 12. Juli 2016 (Protokoll KG), di ejenigen des Mitbeschuldigten A.____ an- lässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 18. Februar 2014 (act. 2351 ff.) und vom 9. Juli 2014 (act. 205 ff.) , während der Hauptverhandlung vor dem Straf- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gericht vom 9. bis 16. Juni 2015 (act. 515 ff.) sow ie während der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht vom 12. Juli 2016 (Protokoll KG), dessen schriftliches Schuldeingeständnis vom 9. Mai 2016, die Aussagen des Opfers anlässlich der Einvernahme als Auskunftsperson durch die Kantonspolizei X.____ vom 13. November 2013 (ac t. 3787 ff.) sowie durch die Staatsan- waltschaft Basel-Landschaft vom 27. Mai 2014 (act. 3825 ff.) mitsamt der gleichentags zwi- schen dem Opfer und dem Beschuldigten A.____ durchg eführten Konfrontationseinvernahme (act. 3839 ff.), der Rapport der Kantonspolizei X._ ___ vom 25. Dezember 2013 (act. 3755 ff.) mitsamt dem Spurensicherungsbericht vom 21. Novembe r 2013 (act. 3775 ff.), der Bericht der Regionalpolizei Y.____ vom 13. Februar 2014 (act. 3 817 ff.), das ärztliche Zeugnis von Dr. med. D.____, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH in Z.____, betreffend das Opfer vom 14. November 2013 (act. 3767) und schliesslich die Auswertung der Telefonranddaten hinsicht- lich beiden Beschuldigten in Bezug auf den Zeitpunk t des inkriminierten Raubüberfalls in der Nacht vom 12. auf den 13. November 2013 (act. 1629 ff.) zu würdigen. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang im angefo chtenen Urteil erwogen, es sei davon auszugehen, dass die Ergebnisse der Handyortung nic ht anders gedeutet werden könnten, als dass die beiden Beschuldigten an diesem Abend gemei nsam unterwegs gewesen seien. Unter Berücksichtigung dessen, dass A.____ an diesem Aben d den ihm vorgehaltenen Raubüberfall zum Nachteil von C.____ nachgewiesenermassen begang en habe, B.____ bereits mehrfach zusammen mit A.____ Einbrüche mit einem vergleichba ren modus operandi verübt und des Weiteren für die Tatnacht kein Alibi habe, dränge s ich eine Mittäterschaft seinerseits auf. Dies gelte umso mehr, als die Beschreibung des Opfers be züglich des zweiten Täters auf B.____ zutreffe. Das Kantonsgericht folgt dieser Ansicht, was sich unter Verweis auf die zutreffenden Erwägungen des Strafgerichts (E. II.D.1. S. 49 ff.) wie folgt begründet: Zunächst ist festzustel- len, dass der Beschuldigte A.____ im Verfahren vor dem Kantonsgericht nunmehr ausdrücklich eingestanden hat, den inkriminierten Raubüberfall b egangen zu haben. In seinem Schreiben vom 9. Mai 2016 behauptet A.____ diesbezüglich zwar , dass er alleine gehandelt habe. Nach- dem er aber nicht zeitgleich das Opfer festgehalten und dessen Haus durchsucht haben kann, ergibt bereits der von ihm anerkannte Tatablauf die Unmöglichkeit der von ihm geschilderten Version einer Einzeltäterschaft. In der Folge relat iviert der Beschuldigte A.____ denn auch in der Parteiverhandlung vor dem Kantonsgericht seine Sachverhaltsschilderung und gesteht, dass er einen Mittäter gehabt habe (Protokoll KG S. 7), ohne diesen aber beim Namen zu nen- nen. Nach Auffassung des Kantonsgerichts liegt dabe i der Schluss nahe, dass es sich bei die- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sem Mittäter um den Beschuldigten B.____ gehandelt haben muss, ansonsten kein vernünftiger Grund ersichtlich ist, weshalb der Mitbeschuldigte A.____ ihn nicht beim Namen nennen sollte. Dies gilt umso mehr, als der Mitbeschuldigte A.____ zwar keinen Namen nennt, auf der ande- ren Seite aber den Beschuldigten B.____ auch nicht ausdrücklich als seinen Mittäter aus- schliesst. Hinzu kommt, wie dies bereits die Vorins tanz zu Recht ausgeführt hat, dass die bei- den Beschuldigten nachweislichermassen bereits vorg ängig mehrfach Einbrüche mit einem vergleichbaren modus operandi begangen haben und da ss B.____ kein Alibi für die Tatnacht vorweisen kann. Entscheidend ist zudem der Umstand, wonach sich das Handy des Beschul- digten B.____ genau eine Stunde vor der inkriminier ten Tat in der V.____strasse in Z.____ und damit in unmittelbarer Nähe zum Tatort befunden und der Mitbeschuldigte A.____ aus der W.____strasse in U.____ einen Anruf auf nämliches T elefon getätigt hat (vgl. act. 1629). Der Erklärungsversuch des Beschuldigten B.____ hierfür, dass er sein Handy ausgeliehen habe, damit der Mitbeschuldigte A.____ darauf habe Musik laden können, ist schon deshalb als un- plausibel zu bezeichnen, weil es keinerlei Grund fü r den Mitbeschuldigten A.____ gegeben hät- te, das Handy von B.____ anzurufen, wenn sich dieses bereits in seinem Besitz befunden hätte. Auch die weiteren Erklärungsversuche von B.____, wo nach der Mitbeschuldigte A.____ sein Handy übernommen und dieses bei der Erkundung des s päteren Tatortes verloren bzw. es ei- nem anderen Mittäter für die notwendige Kommunikati on übergeben habe, stellen unter den gegebenen Umständen angesichts des Fehlens jegliche r Anhaltspunkte hierfür nichts anderes dar als rein theoretische Möglichkeiten ohne ernsth afte Überzeugungskraft. Nicht zuletzt ist da- rauf hinzuweisen, dass das vom Opfer – dessen Depos itionen im Übrigen allesamt durch das Geständnis des Mitbeschuldigten A.____ bestätigt wo rden sind – bezüglich des zweiten Täters abgegebene Signalement (vgl. act. 3793) ohne Weiteres auf den Beschuldigten B.____ passt. In gesamtheitlicher Würdigung der vorgängig genannt en Beweise und Indizien verbleiben auch unter Beachtung der Maxime "in dubio pro reo" keine vernünftigen Zweifel am inkriminierten Sachverhalt, womit gestützt auf die Anklageschrift zusammenfassend davon auszugehen ist, dass der Beschuldigte B.____ und der Mitbeschuldigte A.____ sich am 13. November 2013 um ca. 00:40 Uhr gewaltsam Zugang zum an der T.____str asse 2a in Z.____ gelegenen Doppel- Einfamilienhaus von C.____ verschafft haben, indem sie die Terrassentüre mit einem Stein ein- geworfen und dabei einen Schaden von CHF 500.-- ver ursacht haben. Danach haben die bei- den Beschuldigten die erwähnte Liegenschaft betrete n und nach Wertgegenständen durch- sucht. Nachdem die Bewohnerin durch den Lärm geweck t worden ist, hat der Beschuldigte Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ diese mit körperlicher Gewalt an die Wand ge drückt, ihr den Mund zugehalten und sie gleichzeitig aufgefordert, ihm zu sagen, wo sie das Gold aufbewahre. In der Zwischenzeit hat der Beschuldigte B.____ das Schlafzimmer des Opfers durchsucht. Im Anschluss daran hat der Beschuldigte A.____ eine Kette mit dem Ehering als Anhänger vom Hals des Opfers gerissen und diesem dabei zahlreiche Verletzungen, wie namen tlich eine Kratzwunde am Nasenflügel, eine Schwellung an der Oberlippe sowie Hämatome am Unterkiefer, am Unter- und Oberarm sowie am Schulterblatt, zugefügt. Im Zuge dieses Üb erfalls haben die beiden Beschuldigten Wertgegenstände, darunter eine Armbanduhr, eine Hal skette, einen Ehering und einen Schmuckanhänger, im Umfang von CHF 5'550.-- an sich genommen. 3.2.1 Nach Art. 140 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstraf e bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen bestraft, wer mit Gewal t gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder nachd em er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht. Gemäss Ziff. 3 von Art. 140 StGB wird der Räu- ber mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bes traft, wenn er den Raub als Mitglied einer Bande ausführt, die sich zur fortgesetzten Verübung von Raub oder Diebstahl zusammenge- funden hat. Gemäss Lehre und Praxis ist Raub der unter Anwendung von Gewalt oder Drohung oder durch Herbeiführung von Widerstandsunfähigkeit begangene Diebstahl. Das Gesetz nennt als Nötigungsmittel Gewalt an einer Person und Droh ung mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben. Gewalt ist nach herrschender Lehre das unmittelbare Einwirken auf den Kör- per. Die Drohung muss demgegenüber objektiv eine so lche Intensität erreichen, dass ein durchschnittlich Einsichtiger dem Ansinnen des Täte rs nachgäbe; dass der Täter die Drohung wahr machen will, ist nicht erforderlich. Obschon G ewalt und Drohung nicht mehr zu Wider- standsunfähigkeit führen müssen, ist weiterhin eine gegenüber Art. 181 StGB qualifizierte Nöti- gung vorausgesetzt. Als dritte Alternative sieht das Gesetz die Variante vor, dass der Täter das Opfer auf andere Weise zum Widerstand unfähig macht , wobei eine vorübergehende Wider- standsunfähigkeit genügt und der Widerstandswille nicht gebrochen zu sein braucht. Raub ist in drei Stufen qualifiziert: Erstens durch Bewaffnung, zweitens durch besondere Gefährlichkeit wie insbesondere Bandenmässigkeit, und drittens durch L ebensgefährdung, schwere Körperverlet- zung oder Grausamkeit (S TEFAN TRECHSEL / DEAN CRAMERI , in: Stefan Trechsel et al. [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2 . Auflage, Zürich 2013, N 1 ff. zu Art. 140 StGB, mit Hinweisen). Gemäss der Praxis des Bun desgerichts ist Bandenmässigkeit gege- ben, wenn zwei oder mehrere Täter sich mit dem ausd rücklich oder konkludent geäusserten Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehr erer selbstständiger, im Einzelnen mög- licherweise noch unbestimmter Straftaten zusammenzuwirken (BGE 135 IV 158). Die besonde- re Gefährlichkeit bandenmässiger Tatbegehung besteh t darin, dass durch den Zusammen- schluss und die damit verbundene Kenntnis der ander en Bandenmitglieder der Ausstieg aus der deliktischen Tätigkeit erheblich erschwert und die Deliktsverübung selbst erleichtert wird. Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz, welche r sich auf die Ausübung der Nötigungs- handlung gegenüber dem Opfer zum Zwecke der Begehun g eines Diebstahls beziehen muss, sowie auf alle objektiven Tatbestandsmerkmale des D iebstahls selbst. Zusätzlich müssen auch die Aneignungsabsicht sowie die Absicht unrechtmäss iger Bereicherung bestehen (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI / CHRISTOF RIEDO , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 44 f. und N 70 zu Art. 140 StGB, mit Hinweisen). Nach Art. 144 Abs. 1 StGB wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigent ums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar mach t. Gegenstand der Sachbeschädigung können nur körperliche Sachen sein. Die Tathandlung besteht im Beschädigen, Zerstören oder Unbrauchbarmachen. Subjektiv erfordert die Sachbesc hädigung Vorsatz, wobei Eventualvor- satz genügt, wozu insbesondere das Wissen gehört, d ass die Sache fremd ist sowie das Wis- sen und Wollen, dass die Einwirkung auf die Sache d iese beschädigt oder zerstört (P HILIPPE WEISSENBERGER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage, Basel, 2013, N 3 ff. und N 81 zu Art. 144 StGB, mit Hinweisen). Wer schliesslich gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen abgeschlossenen Rau m eines Hauses oder in einen unmittel- bar zu einem Hause gehörenden umfriedeten Platz, Ho f oder Garten oder in einen Werkplatz unrechtmässig eindringt oder, trotz der Aufforderun g eines Berechtigten, sich zu entfernen, da- rin verweilt, wird gestützt auf Art. 186 StGB wegen Hausfriedensbruchs auf Antrag mit Frei- heitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. 3.2.2 Unter Verweis auf die Erwägungen zum rechtserheblichen Sachverhalt (vgl. oben E. 3.1.2 in fine) ist davon auszugehen, dass die beiden Besc huldigten in der Nacht vom 12. auf den 13. November 2013 gestützt auf einen gemeinsamen Ta tentschluss zusammen in die Liegen- schaft des Opfers eingedrungen sind, wobei der Mitb eschuldigte A.____ dieses unter Anwen- dung von Gewalt zunächst durch Festhalten und Zuhal ten des Mundes widerstandsunfähig ge- macht und ihm sodann wiederum mit unmittelbarem Ein wirken auf den Körper eine Kette vom Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hals gerissen hat, während der Beschuldigte B.____ zeitgleich das Haus nach Wertsachen durchsucht und die aufgefundenen Vermögenswerte in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht an sich genommen hat. Die dabei manifestierte arbei tsteilige Vorgehensweise der beiden Be- schuldigten stellt ohne Weiteres ein von der Lehre und Praxis für die Mittäterschaft gefordertes massgebliches Zusammenwirken dar, was fraglos zur m ittäterschaftlichen Tatbeteiligung des Beschuldigten B.____ führt, womit diesem die Erfüll ung sowohl des objektiven als auch des subjektiven Tatbestandes von Art. 140 Ziff. 1 StGB zuzurechnen ist. In Bezug auf die qualifizier- te Tatbestandsvariante der Bandenmässigkeit gemäss Ziff. 3 al. 2 von Art. 140 StGB ist darauf hinzuweisen, dass diese nach der Praxis des Bundesg erichts vorliegt, wenn zwei oder mehrere Täter sich mit dem Willen zusammenfinden, zur Verüb ung mehrerer selbstständiger Straftaten (in casu Raub oder Diebstahl) zusammenzuwirken. Im vorliegenden Fall ist B.____ zusammen mit A.____ gestützt auf das in diesem Punkt nicht a ngefochtene und daher rechtskräftige erst- instanzliche Urteil bereits des bandenmässigen Dieb stahls schuldig gesprochen worden (vgl. E. II.C.9.b S. 46 ff.), wobei die Vorinstanz in die sem Zusammenhang es als erwiesen erachtet hat, dass sich die Beschuldigten jeweils zusammenge funden haben, um inskünftig zur Ver- übung mehrerer Diebstähle, die teilweise noch unbes timmt gewesen sind, zusammenzuwirken. Zufolge des bereits bestehenden Schuldspruchs hinsi chtlich der von den beiden Beschuldigten begangenen bandenmässigen Diebstähle ist auch im Hi nblick auf den vorstehenden Raub das Qualifikationsmerkmal der Bandenmässigkeit zu bejahen. Nachdem der Beschuldigte B.____ im Übrigen zusammen mit dem Mitbeschuldigten A.____ die Scheibe der Terrassentüre des Opfers mit einem Stei n eingeworfen und dabei einen Schaden von CHF 500.-- verursacht sowie in der Folge die er wähnte Liegenschaft unrechtmässig betre- ten hat, ist er gestützt auf die vorliegenden Straf anträge der Betroffenen wegen Sachbeschädi- gung nach Art. 144 Abs. 1 StGB sowie wegen Hausfrie densbruchs gemäss Art. 186 StGB zu verurteilen. Nach Dargelegtem ist der Beschuldigte B.____ in Abw eisung dessen Berufung und in Bestäti- gung des angefochtenen Urteils in Ziffer 15 der Ank lageschrift des bandenmässigen Raubes, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs schuldig zu erklären. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Strafzumessung in Sachen A.____ und B.____ 4.1.1 (…) 4.1.2 (…) 4.2.1 (…) 4.2.2 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a und lit. b StGB kann das Gericht eine ambulante Behandlung anordnen, wenn der Täter psychisch schwer gestört o der von Suchtstoffen oder in anderer Weise abhängig ist, und wenn er eine mit Strafe bed rohte Tat verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang steht, sowie wenn zu erwarten ist, dad urch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusammenhang stehender Ta ten begegnen. Die Notwendigkeit ei- ner solchen ambulanten Massnahme und in deren Folge die diesbezügliche Anordnung durch das Strafgericht wird in casu von keiner Seite in Zweifel gezogen. Nach Abs. 2 von Art. 63 StGB kann das Gericht den Vollzug einer zugleich ausgesp rochenen unbedingten Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Behandlung aufschieben, um der Art der Behandlung Rechnung zu tragen; des Weiteren kann das Gericht für die Dauer der Behandlung Bewährungshilfe anord- nen und Weisungen erteilen. Bei der Frage des Strafaufschubs können Konflikte entstehen zwi- schen den Zielen der Spezial- und Generalprävention. Gedanken der Rechtsgleichheit bzw. der Strafgerechtigkeit können damit im Widerspruch steh en. Es hat eine Abwägung der verschie- denen Anliegen stattzufinden. Das Gericht hat im Ei nzelfall unter Berücksichtigung der ver- schiedenen Grundsätze den konkreten Umständen Rechnung zu tragen und dabei insbesonde- re Aspekte wie Notwendigkeit und Chancen einer Beha ndlung, konkrete Auswirkungen des Strafvollzugs sowie das Erfordernis, Straftaten zu ahnden, einer näheren Prüfung zu unterzie- hen. Sind solche Interessenkonflikte zu lösen, komm t dem Sachgericht ein Ermessen zu. Nach konstanter Praxis gilt der Grundsatz, dass die Stra fe vollstreckt und die ambulante Massnahme gleichzeitig durchgeführt wird. Es ist mithin vom A usnahmecharakter des Strafaufschubs aus- zugehen. Dies ergibt sich zwanglos aus dem Grundsat z der Subsidiarität von Massnahmen nach Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB. Solange eine Straf e allein geeignet ist, der Gefahr weiterer De- likte zu begegnen, ist deren Anordnung vorzuziehen. Ambulante Massnahmen und entspre- chend auch damit verbundene Aufschübe der Strafen b edürfen einer besonderen Rechtferti- gung (M ARIANNE HEER , in: Basler Kommentar zum Schweizerischen Strafrec ht, 3. Auflage, Ba- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht sel 2013, N 36 ff. zu Art. 63 StGB, mit Hinweisen; BGE 129 IV 161 E. 4.1 und E. 4.3). Ein Auf- schub rechtfertigt sich nur, wenn die ambulante The rapie (ausserhalb des Strafvollzugs) im konkreten Einzelfall aktuelle und günstige Bewährun gsaussichten eröffnet, die durch den Straf- vollzug zunichte gemacht oder erheblich vermindert würden (S TEFAN TRECHSEL / BARBARA PAUEN BORER , in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Straf gesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich 2013, N 6 zu Art. 63 StGB). Die ambulante Massnahme darf nicht als Mittel eingesetzt werden, um dem Strafvollzug zu entgehen, wo die Voraussetzungen eines bedingten Vollzugs nicht gegeben sind. Der Strafaufschub muss sich aus Gründen der Heilbehandlung hinreichend rechtfertigen. Bei der Anordnung von Ma ssnahmen stehen spezialpräventive Ge- sichtspunkte im Vordergrund, was aber nur solange g ilt, als generalpräventive Mindesterforder- nisse gewahrt werden. Nach der Praxis des Bundesgerichts soll ein Aufschub des Strafvollzugs bis zu einem Freiheitsentzug von sechs Jahren grund sätzlich zulässig sein. Allerdings ist im Rahmen einer Interessenabwägung grundsätzlich ein A ufschub umso zurückhaltender zu beja- hen, je länger die aufzuschiebende Strafe ist. Je s chwerer die Straftaten und je leichter die Verminderung der Schuldfähigkeit, desto weniger drä ngt sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Strafaufschub auf (H EER , a.a.O., N 56 ff. zu Art. 63 StGB, mit Hinweisen; BGE 129 IV 161 E. 4.1 und E. 4.3, 120 IV 1, 119 IV 309). STRATENWERTH ist der Ansicht, dass selbst mit einer ambulanten Behandlung – etwa beim Eintritt in eine therapeutische Wohnge- meinschaft – ein erhebliches Mass an Freiheitsbesch ränkung verbunden sein kann, weshalb auch unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung der Aufschub einer mehr als zweijährigen Freiheitsstrafe nicht ausgeschlossen sein muss, wen n dies die reale Aussicht eröffnet, einen psychisch schwer gestörten Täter erfolgreich zu beh andeln (GÜNTER STRATENWERTH , Schwei- zerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, 2. Aufla ge, Bern 2006, § 9 Rz. 77). In diesem Zusam- menhang ist zu berücksichtigen, ob der Täter allenf alls bereits längere Zeit in Untersuchungs- haft verbracht hat und die aufzuschiebende Strafe s omit entsprechend kürzer ist (T RECHSEL / PAUEN BORER , a.a.O., N 7 zu Art. 63 StGB). 4.2.3 Im vorliegenden Fall legt Dr. med. Q.____ (…) in s einem forensisch-psychiatrischen Gut- achten vom 21. April 2015 auf die entsprechende Fra ge, ob der Art der Behandlung auch bei gleichzeitigem Strafvollzug Rechnung getragen werde n könne, dar, dass dies grundsätzlich möglich wäre, wobei die Möglichkeiten einer für den Betroffenen geeigneten Berufsausbildung eingeschränkt wären (act. 226/131). Davon abweichen d bzw. diese Kernaussage relativierend führt der Experte anlässlich der Hauptverhandlung v or dem Strafgericht aus, eine ambulante Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Behandlung unter Haftbedingungen wäre grundsätzlich möglich, problematisch erscheine aber der Umstand, dass der Beschuldigte bisher nie in ei n Setting habe integriert werden können. Auch zu Beginn des jetzigen Settings habe man Zweif el gehabt. Es sei schwer vorauszusehen, was wäre, wenn der Beschuldigte heraus genommen und sein Umfeld verlieren würde und wie- der ein neues Setting aufgegleist werden müsste. Vo n der medikamentösen und psychiatri- schen Seite her sei es aber unproblematisch, wobei es natürlich Unwägbarkeiten gebe. Dem- gegenüber wäre die Wiedereingliederung sicher ersch wert. Man könne nicht sagen, es wäre nicht möglich, aber es wäre mit Risiken verbunden, weshalb der Erfolg fraglich wäre. Die Be- sonderheit sei die Kombination der Schizophrenie mi t der Persönlichkeitsstörung sowie das geringe Lebensalter des Beschuldigten. All dies las se Zweifel begründen, ob eine Haft nicht doch eher schaden würde als nützen. Das ganze Syste m scheine sehr labil, da der Beschuldig- te sehr misstrauisch sei. Der von der Bewährungshil fe betriebene Aufwand dürfe nicht unter- schätzt werden. Er habe Zweifel, ob dies in dieser Form in der Haft fortgeführt werden könnte. Dann wäre der Beschuldigte nach der Haftentlassung wieder an der gleichen Stelle. Aus psy- chiatrischer Sicht bestünden doch erhebliche Zweifel, ob es sinnvoll wäre, die Strafe gleichzeitig mit der Massnahme zu vollziehen. Die Strafanstalten hätten zwar Betreuungsmöglichkeiten, aber ein so intensives und übergreifendes Setting w äre wohl dort nicht umsetzbar. Heikel wäre auch, das jetzige Setting abzubrechen. Die Schizoph renie sollte dem Beschuldigten nicht zum Nachteil gereichen, weshalb er empfehle, das jetzige Setting aufrecht zu halten (act. 535 f.). Nach Auffassung des Kantonsgerichts empfiehlt der Gutachter gemäss den vorgängigen Darle- gungen trotz seiner nicht in jeder Hinsicht konsist enten Ausführungen im Resultat die Beibehal- tung des bereits laufenden Settings, d.h. die Fortf ührung der psychotherapeutischen Behand- lung bei gleichzeitigem Aufenthalt in der Wohngemei nschaft R.____. Angesichts der Tatsache, wonach sich der Beschuldigte in der Zeitspanne zwis chen dem erstinstanzlichen Urteil und der heutigen Verhandlung gemäss dem Verlaufsbericht der Wohngemeinschaft R.____ vom 6. Mai 2016 und dem Bericht der Bewährungshilfe Basel-Land schaft vom 4. Mai 2016 in einer Ge- samtbeurteilung auf mehrheitlich freiwilliger Basis ansprechend entwickelt und trotz offensichtli- cher Defizite keine neuen strafbaren Handlungen ver übt und sich damit überwiegend bewährt hat, muss das laufende Setting zum heutigen Zeitpun kt als erfolgsversprechend eingestuft wer- den. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der Beschul digte angesichts der ausgestandenen Un- tersuchungshaft von insgesamt 334 Tagen bereits ein en Teil der Freiheitsstrafe im Vollzug ver- büsst hat. Nach Abzug dieser Untersuchungshaft und unter Anrechnung der bisher verbrachten Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeit in der Massnahme seit dem 29. Oktober 2014 bis zum heutigen Zeitpunkt müsste der Be- schuldigte unter Berücksichtigung einer allfälligen bedingten Entlassung nach zwei Dritteln der verhängten Freiheitsstrafe von vier Jahren nur noch eine relativ kurze Reststrafe von wenigen Monaten antreten. In Anbetracht der in casu besonde rs zu erwartenden negativen Begleiter- scheinungen und des allgemein wenig resozialisieren den Effektes eines solchen kurzen Frei- heitsentzuges rechtfertigt es sich nach Ansicht des Kantonsgerichts nicht, das offenbar gut auf- gegleiste und nachweislich funktionierende Setting aufzuheben. Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte als Novum vor dem Kantonsgericht einen Lehrvertrag mit der T.____ AG vom 30. Juni 2016 einreicht mitsamt dem Zusatz, wonach erstens K.____ als seine Bezugsperson in der Wohngemeinschaft R.____ die weitere Unterstützu ng erklärt und zweitens sich der Be- schuldigte unter anderem verpflichtet, während der Lehrzeit in der Wohngemeinschaft R.____ zu bleiben und sich regelmässigen Drogentests zu unterziehen, woraus sich zum heutigen Zeit- punkt tatsächlich eine begründete Aussicht darauf a bleiten lässt, dass A.____ dabei ist, im Le- ben Fuss zu fassen. Diese Perspektive würde durch e ine Zerstörung des Betreuungskonzeptes höchstwahrscheinlich zunichte gemacht. Infolgedesse n qualifiziert es das Kantonsgericht aus spezialpräventiven Gesichtspunkten trotz des unbest rittenen Ausnahmecharakters des Straf- aufschubs als verfehlt, den Beschuldigten aus dem i n casu bewährten Setting herauszuneh- men, um ihn eine relativ kurze Reststrafe verbüssen zu lassen. In generalpräventiver Hinsicht jedoch muss angesichts des strafrechtlich vorwerfba ren Verhaltens – insbesondere der sehr verwerflichen Vorgehensweise und Begleitumstände be im bandenmässigen Raub – und der dafür ausgesprochenen vierjährigen Freiheitsstrafe sowie der Tatsache, dass der Beschuldigte aufgrund seiner wiederholten Arbeitsverweigerung bereits zwei Verwarnungen erhalten hat und eine dritte die Kündigung seines Aufenthaltes in de r Wohngemeinschaft R.____ bedeuten wür- de, konstatiert werden, dass es sich zweifellos um einen absoluten Grenzfall, bei welchem ein Strafaufschub zu Gunsten einer ambulanten Therapie vertretbar erscheint, handelt. Gestützt auf diese Erwägungen wird in Gutheissung d er Berufung des Beschuldigten A.____ und dementsprechend in Abänderung des angefochtenen Urteils des Strafgerichts unter gleich- zeitiger Anordnung von Bewährungshilfe die unbeding te Freiheitsstrafe von vier Jahren in An- wendung von Art. 63 Abs. 2 StGB zu Gunsten einer am bulanten Massnahme im Sinne des bis- herigen Settings (psychotherapeutische Behandlung u nd Aufenthalt in der Wohngemeinschaft R.____) aufgeschoben. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.1 (…). Gemäss Art. 408 StPO fällt die Berufungsinsta nz ein neues Urteil, welches das erst- instanzliche ersetzt. Dabei hat sie die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen und muss sich nicht daran orientieren, wie die erste In stanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). Im vorliegenden Fall ist der Beschuldigte gestützt auf das Urteil der Vorinstanz sowie den vorliegenden Entscheid wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, bandenmässi gen Raubes, mehrfacher Sachbe- schädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfach er Fälschung von Ausweisen sowie mehrfacher Zuwiderhandlung gegen das Waffengesetz s chuldig zu erklären. Nach Art. 140 Ziff. 1 al. 1 in Verbindung mit Ziff. 3 al. 1 und a l. 2 StGB liegt dabei der ordentliche Strafrahmen bei einer Freiheitsstrafe zwischen zwei und zehn Ja hren. Die Deliktsmehrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmens, ist aber innerhalb des or- dentlichen Rahmens strafschärfend zu gewichten. Str afmilderungsgründe liegen hingegen kei- ne vor. 4.3.2 Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Ka ntonsgericht für die Bildung einer Gesamtstrafe nunmehr in einem ersten Schritt den St rafrahmen – ausgehend von der abstrak- ten Strafandrohung – für die schwerste Straftat zu bestimmen und sodann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und strafmindernden Umstände, innerhalb die- ses Strafrahmens festzusetzen. In casu weist der ba ndenmässige Raub mit einer Minimalstrafe von zwei Jahren Freiheitsstrafe die höchste abstrak te Strafandrohung auf, weshalb das Kan- tonsgericht bei diesem Delikt von der schwersten St raftat ausgeht. Bei der Festlegung der Ein- satzstrafe für den bandenmässigen Raub ist auf der Seite der objektiven Tatkomponenten in erster Linie straferhöhend die überaus rücksichtslo se Vorgehensweise zu berücksichtigen, in- dem der Beschuldigte zusammen mit A.____ mitten in der Nacht in eine bewohnte Liegenschaft eingedrungen und in der Folge die knapp 70-jährige Bewohnerin, welche durch den verursach- ten Lärm aufgeweckt worden ist, unter Anwendung von Gewalt in deren Privatsphäre überwäl- tigt und sie dabei physisch verletzt sowie insbeson dere auch psychisch in deren grundlegends- tem Sicherheitsempfinden nachhaltig massiv geschädi gt hat. Wenngleich dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden kann, dass er das Opfer g ezielt ausgesucht hat, muss ihm doch angelastet werden, dass es ihm offenbar völlig glei chgültig gewesen ist, Bewohner im Ein- bruchsobjekt anzutreffen und diese mit körperlicher Gewalt widerstandsunfähig zu machen bzw. durch den Mitbeschuldigten machen zu lassen. Zwar hat der Beschuldigte selbst das Opfer we- der bedroht noch verletzt, sondern "nur" das Haus n ach Wertgegenständen durchsucht. Auf- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund der arbeitsteiligen Tatbegehung sind ihm alle rdings unbesehen seines eigenen Tatbei- trags auch die Handlungen des Mitbeschuldigten A.____ anzulasten. Dass der Beschuldigte nur eine untergeordnete Rolle beim Raubüberfall gespiel t haben soll, vermag das Kantonsgericht im Übrigen nicht zu erkennen. In diesem Zusammenhan g ist ebenfalls negativ zu werten, dass es die beiden Beschuldigten nicht beim Festhalten d es Opfers bewenden haben lassen, son- dern dessen bereits beängstigende Situation durch d as Zuhalten des Mundes und die dadurch entstehende Behinderung beim Atmen zusätzlich versc hlimmert haben. Ebenfalls ins Gewicht fällt sodann, dass sie vor dem Verlassen der Liegen schaft dem Opfer mit roher Gewalt eine Kette mitsamt dem Ehering seines verstorbenen Ehema nnes vom Hals gerissen und dieses dadurch sowohl körperlich als auch immateriell mehr als für den Überfall nötig geschädigt ha- ben. Schliesslich muss der beim Überfall erzielte Deliktsbetrag im Umfang von CHF 5'550.-- als erheblich bezeichnet werden. Bei den subjektiven Ta tkomponenten sind die Motivation des Be- schuldigten für seine Straftat, nämlich die simple Bereicherungsabsicht, ohne in einer eigentli- chen Notlage zu sein, sowie die direktvorsätzliche Willensrichtung im Sinne eines straferhöhen- den Kriteriums einzubeziehen. In Würdigung aller im vorliegenden sowie im angefochtenen Ur- teil geschilderten tatbezogenen Umstände und versch uldensunabhängigen Tatkomponenten erachtet das Kantonsgericht im Ergebnis das Tatvers chulden in Bezug auf den bandenmässi- gen Raub als mittelschwer. Dies hat in Anbetracht des abstrakten Strafrahmens zur Folge, dass dem vorgängig definierten Verschulden entsprechend und unter Berücksichtigung vergleichba- rer Praxis – namentlich der Strafzumessung im Hinbl ick auf den Mitbeschuldigten A.____ – eine Freiheitsstrafe im Bereich von vier Jahren als grundsätzlich angemessen eingestuft wird. 4.3.3 In einem zweiten Schritt hat das Kantonsgericht di ese Einsatzstrafe von vier Jahren unter Einbezug der anderen Straftaten zu einer Gesamtstra fe zu erhöhen, wobei es wiederum den jeweiligen Umständen Rechnung zu tragen hat. An die ser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass für die übrigen Delikte abgesehen von der Widerhand lung gegen das Waffengesetz, welche als Übertretung einzustufen und folglich mit einer Busse zu sanktionieren ist, die Verhängung einer Geldstrafe aufgrund der jeweiligen abstrakten Straf androhung zwar möglich wäre, angesichts der an den Tag gelegten kriminellen Energie des Bes chuldigten und des engen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhangs der einzelnen Taten unte reinander sowie insbesondere unter Be- rücksichtigung des Umstandes, wonach bei der Wahl d er Sanktion in casu auf die Zweckmäs- sigkeit, die Auswirkungen auf den Beschuldigten sowie die präventive Effizienz zu achten ist, für das Kantonsgericht jedoch nur die Ausfällung einer Freiheitsstrafe in Frage kommt, womit im Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ergebnis das Asperationsprinzip zur Bildung einer G esamtstrafe ohne Weiteres anwendbar ist. Im Hinblick auf die Anklagepunkte des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls sowie damit im Zusammenhang stehend der mehrfachen Sachbeschädigung und des mehrfachen Hausfrie- densbruchs ist strafschärfend zu würdigen, dass der Beschuldigte zusammen mit dem Mitbe- schuldigten A.____ innerhalb einer Zeitspanne von w enigen Wochen neun Einbrüche verübt hat, was für sich genommen bereits auf eine hohe kr iminelle Energie hinweist, zumal der Be- schuldigte mit der Verwendung von Handschuhen und e inem Mundschutz ein professionelles Vorgehen an den Tag gelegt hat. Belastend kommt hin zu, dass die Einbrüche in bewohnte Lie- genschaften stattgefunden haben, was eine massive V erletzung der Privatsphäre der Betroffe- nen und einen eklatanten Eingriff in das Rechtsgut deren persönlichen Freiheit darstellt. Aus- serdem hat der Beschuldigte dadurch wiederholt die direkte Konfrontation mit den Bewohnern in Kauf genommen, was auf ein hohes Mass an Rücksic htslosigkeit und Dreistigkeit hinweist. Zu seinen Ungunsten spricht des Weiteren, dass in d en Fällen 11 und 12 der Anklageschrift jeweils eine geladene Schusswaffe mitgeführt und im einen Fall tatsächlich auch beim Versuch, einen Tresor zu öffnen, eingesetzt worden ist, was nebst dem nicht überschaubaren Gefähr- dungspotential zu einer beträchtlichen Erhöhung des bereits durch den Einbruch in die jeweili- gen Liegenschaften sowie dem Einsatz einer Bohrmasc hine entstandenen Schadens geführt hat. Besonders verwerflich ist zudem die Tatsache, dass der Beschuldigte innerhalb von fünf Wochen zweimal in das gleiche Haus eingebrochen ist . Ebenfalls zu beachten ist schliesslich die Höhe des durch die Einbrüche erbeuteten Delikts gutes von rund CHF 175'000.-- sowie der verursachte Schaden im Umfang von mehreren Tausend Franken. Hinsichtlich der subjektiven Tatkomponenten sind wiederum die Motivation des Bes chuldigten für seine Straftat sowie die direktvorsätzliche Willensrichtung zu berücksichtig en. Verschuldensmässig nicht ins Gewicht fällt unter diesen Umständen die Verurteilung wegen mehrfacher Fälschung von Ausweisen. Insgesamt erachtet das Kantonsgericht das Tatversch ulden bei diesen Delikten insgesamt als mittelschwer im oberen Bereich, was im Ergebnis in Würdigung aller im vorliegenden sowie im angefochtenen Urteil geschilderten tatbezogenen Ums tände und verschuldensunabhängigen Tatkomponenten zu einem gesamthaft mittelschweren T atverschulden und einer angemesse- nen Erhöhung der Einsatzstrafe auf eine deutlich üb er der erstinstanzlich festgelegten Gesamt- strafe von vier Jahren Freiheitsstrafe führt. 4.3.4 Diese Gesamtstrafe ist in einem dritten Schritt un ter dem Blickwinkel der besonderen Tä- terkomponenten, welche in casu für alle Straftaten gleichermassen gelten, zu würdigen, wobei Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht bereits an dieser Stelle zu konstatieren ist, dass die Faktoren Vorleben, persönliche Verhältnis- se, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahre n insgesamt als neutral zu werten sind, wodurch sich aufgrund der besonderen Täterkomponent en weder eine Reduktion noch eine Erhöhung der tatbezogenen Einsatzstrafe rechtfertigt. Zu Gunsten des Beschuldigten zu werten sind zwar sein junges Alter zum Zeitpunkt der inkri minierten Taten und seine schwierige Kind- heit – wobei diesbezüglich zufolge der wenig kohäre nten und stringenten Depositionen von B.____ aber kaum gefestigte Erkenntnisse vorhanden sind – sowie eine gewisse Form von Perspektivlosigkeit; andererseits ist er trotz sein es jungen Alters bereits mehrfach und teilweise einschlägig vorbestraft, was klar gegen ihn spricht . So ist er mit Urteil des Jugendgerichts Ba- sel-Landschaft vom 30. Mai 2012 unter anderem wegen gewerbs- und bandenmässigen Dieb- stahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs nach Jugendstraf- recht zu einem Freiheitsentzug von sieben Monaten v erurteilt worden. Bereits mit Urteil vom 16. Januar 2013 ist er wiederum durch das Jugendger icht Basel-Landschaft unter anderem we- gen Diebstahls und betrügerischem Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage zu einem Freiheitsentzug von vier Monaten verurteilt worden. Schliesslich hat ihn die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft mit Strafbefehl vom 5. September 2 013 unter anderem wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs zu einer be dingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Im Umstand, wonach der Be schuldigte zusätzlich zu der im vorlie- genden Verfahren zu verhängenden Strafe den Widerru f der bedingt ausgesprochenen Frei- heitsstrafe von sechs Monaten zu gewärtigen hat, si eht das Kantonsgericht im Gegensatz zu den Parteien ausdrücklich keinen zu berücksichtigen den Strafzumessungsfaktor. Betreffend das Nachtatverhalten sowie das Verhalten im Strafve rfahren ist festzustellen, dass der Be- schuldigte bezüglich des Hauptvorwurfs, des bandenm ässigen Raubes, kein Geständnis abge- legt hat. In Bezug auf die übrigen Delikte ist zu b eachten, dass auch hier trotz teilweiser Ge- ständigkeit keine Einsicht oder Reue erkennbar ist. Im Ergebnis wäre nach Auffassung des Kantonsgerichts somit eine tat- und täterangemessen e Strafe festzusetzen, welche deutlich über der erstinstanzlich festgelegten vierjährigen Freiheitsstrafe zu liegen käme. Da jedoch un- ter Berücksichtigung des Verbots der sogenannten "r eformatio in peius" (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO) eine Straferhöhung ausser Betracht fällt, ist das vom Strafgericht verhängte Strafmass zu bestätigen. Daraus erhellt ohne Weiteres, dass sowo hl das vom Beschuldigten begehrte Straf- mass von zwei Jahren Freiheitsstrafe als auch dasjenige von der Staatsanwaltschaft beantragte von dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe als nicht sc huldangemessen erscheinen. Bei diesem Strafmass ist der bedingte Vollzug bereits aus form ellen Gründen ausgeschlossen. Einer An- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von i nsgesamt 187 Tagen auf die Strafe steht nach Art. 51 StGB hingegen nichts im Wege. Zu r Frage der nicht angefochtenen Busse in der Höhe von CHF 200.-- für die zu ahndenden Übertr etungen nach Art. 34 Abs. 1 lit. a WG erübrigen sich an vorliegender Stelle weitere Ausfü hrungen und diese ist zusammen mit der ausgesprochenen Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tage n bei schuldhafter Nichtbezahlung ohne Zweifel zu bestätigen. Gleiches gilt für die ebenfa lls nicht gerügte, von der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, am 5. Sep tember 2013 bedingt ausgesprochene und nun vom Strafgericht in Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB vollziehbar erklärte Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Demzufolge ist in Abweisung der Berufung von B.____ und in diesbezüglicher Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der Beschuldigte wegen gew erbs- und bandenmässigen Diebstahls, bandenmässigen Raubes, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher Fälschung von Ausweisen sowie mehrfacher Zuwiderhandlung gegen das Waffen- gesetz schuldig zu erklären und – unter Anrechnung der vom 17. März 2014 bis zum 13. August 2014 ausgestandenen Untersuchungshaft von 187 Tagen – zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren sowie zu einer Busse von CHF 200.-- (bzw. zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Ta- gen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse) zu verurteilen. 5. Genugtuungsforderung (…) 6. Kostenentscheid (…) Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 16. Juni 2015, auszugsweise lautend: "I. 1. A.____ wird des gewerbs- und bandenmässigen sow ie des einfachen Diebstahls, des bandenmässigen Raubs, der mehr- fachen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfrieden s- bruchs, der mehrfachen Zuwiderhandlung gegen das Wa ffen- gesetz sowie des Fahrens eines Mofas ohne den erfor derli- chen Führerausweises und ohne den vorgeschriebenen Schutzhelm schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 29. November 2013 bis 29. Okto- ber 2014 ausgestandenen Untersuchungshaft von 334 T agen sowie der vom 29. Oktober 2014 bis 16. Juni 2015 in der Er- satzmassnahme sowie im vorzeitigen Massnahmenvollzu g verbrachten Zeit von 154 Tagen (2/3 von 231 Tagen); insge- samt von 488 Tagen, verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 300.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tri tt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1, 2 und 3 StGB, A rt. 140 Ziff. 1 und 3 StGB, Art. 144 StGB, Art. 186 StGB, A rt. 95 Abs. 1 lit. a SVG, Art. 96 VRV (i.V.m. Art. 3b Abs. 3 VRV), Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 34 Abs. 1 lit. b WG, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB. 2. A.____ wird in den Fällen 6 und 10 von der Ankla ge des ban- den- und gewerbsmässigen Diebstahls, der Sachbeschä di- gung sowie des Hausfriedensbruchs freigesprochen. 3. Gemäss Art. 57 Abs. 1 StGB (i.V.m. Art. 63 Abs. 1 StGB) wird während des Strafvollzuges eine ambulante psychothe rapeuti- Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Behandlung des Beurteilten angeordnet. 4. Der am 19. März 2012 vom Jugendgericht Rheinfeld en bedingt ausgesprochene Freiheitsentzug von 8 Monaten, bei e iner Probezeit von 2 Jahren, wird in Anwendung von Art. 31 Abs. 5 JStG und 32 Abs. 3 JStG nicht vollziehbar erklärt. II. 5. B.____ wird des gewerbs- und bandenmässigen Dieb stahls, des bandenmässigen Raubs, der mehrfachen Sachbeschä di- gung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, der mehrfa chen Fälschung von Ausweisen sowie der mehrfachen Zuwide r- handlung gegen das Waffengesetz schuldig erklärt und, unter Anrechnung der vom 17. März 2014 bis 13. Aug ust 2014 ausgestandenen Untersuchungshaft von 187 Tagen, verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 200.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tri tt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1, 2 und 3 StGB, A rt. 140 Ziff. 1 und 3 StGB, Art. 144 StGB, Art. 186 StGB, Art. 25 2 StGB, Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 34 Abs. 1 lit. b WG, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB. 6. B.____ wird in den Fällen 1, 2, 3 und 6 von der Anklage de s banden- und gewerbsmässigen Diebstahls, der Sachbes chä- digung sowie des Hausfriedensbruchs freigesprochen. 7. Die am 5. September 2013 von der Staatsanwaltsch aft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Liestal, bedingt ausgesp rochene Freiheitsstrafe von 6 Monaten, bei einer Probezeit von 2 Jah- ren, wird in Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB voll ziehbar erklärt. 8. Es wird festgestellt, dass sich B.____ seit dem 13. August 2014 im vorzeitigen Strafvollzug (Art. 236 StPO i.V .m. Art. 220 Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht StPO) befindet. III. (…) IV. (…) V. 14. (…) n) A.____ und B.____ werden dazu verurteilt, C.___ _ Fr. 1‘000.-- als Genugtuung zu bezahlen. Die Schadenersatzforder ung von C.____ wird auf den Zivilweg verwiesen (Fall 15). (…) VI. 15. a) A.____ trägt die Verfahrenskosten von insges amt Fr. 23‘534.05, bestehend aus den ihn betreffenden V orverfah- renskosten von Fr. 14‘516.55, den Kosten des Zwangs mass- nahmengerichts von Fr. 2‘800.--, den Kosten des Experten vor und an der Hauptverhandlung von Fr. 1'417.50 sowie 40% der gesamten Gerichtsgebühr von Fr. 12‘000.-- (Fr. 4800.--). b) B.____ trägt die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 21‘933.95, bestehend aus den ihn betreffenden V orverfah- renskosten von Fr. 15‘508.95, den Kosten des Zwangs mass- nahmengerichts von Fr. 1‘625.-- sowie 40% der gesamten Ge- richtsgebühr von Fr. 12‘000.-- (Fr. 4800.--). (…) 16. a) Das Honorar der amtlichen Verteidigung von A .____ in Höhe von insgesamt Fr. 15‘169.-- (inkl. Auslagen und MWS t.) wird aus der Gerichtskasse entrichtet. A.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhä ltnisse er- lauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtl ichen Ver- teidigung zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidi gung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vol- len Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Das Honorar der amtlichen Verteidigung von B.__ __ in Höhe von insgesamt Fr. 13‘031.10 (inkl. Auslagen und MWS t.) wird aus der Gerichtskasse entrichtet. B.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er- lauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtl ichen Ver- teidigung zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidi gung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vol- len Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). (…)." wird in Gutheissung der Berufung des Beschuldigten A.____ u nd in Abweisung der Berufung des Beschuldigten B.____ in Ziffer I.3. betreffend A.____ wie folgt geändert : I. 3. a) Die Freiheitsstrafe von 4 Jahren wird in Anwe ndung von Art. 63 Abs. 2 StGB zu Gunsten einer ambulanten Massnahme im Sinne des bisherigen Settings (psychotherapeutis che Be- handlung und Aufenthalt in der Wohngemeinschaft R._ ___) aufgeschoben. b) Es wird Bewährungshilfe angeordnet. Im Übrigen wird das angefochtene Urteil bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des kantonsgerichtlich en Verfahrens in der Höhe von CHF 20'200.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 20'000.-- sowie Auslagen von CHF 200.--) gehen im jeweils hälftigen Umfang (= CHF 10'100.--) zu Lasten des St aates und B.____. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigun g wird dem Rechtsver- Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht treter des Beschuldigten A.____, Advokat Dietmar Gr auer-Briese, ein Honorar in der Höhe von CHF 4'847.80 (inklusive Auslagen und CHF 359.10 Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtska sse ausge- richtet. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver- treter des Beschuldigten B.____, Advokat Simon Berg er, ein Hono- rar in der Höhe von CHF 3'912.95 (inklusive Auslage n und CHF 289.85 Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtska sse ausge- richtet. Der Beschuldigte B.____ ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung an den Kanton verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann