<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 69" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 69</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">493</span> </div> <div class="page" id="S493"> <span class="text"><b>69 </b> <b>Baubewilligungsgebühr</b></span><br/> <span class="text">§ 5 Abs. 2 BauG und § 1 Abs. 1 lit. a des Dekrets über die durch den Staat</span><br/> <span class="text">zu beziehenden Gebühren; keine subsidiäre Anwendbarkeit des Äquiva-</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">494</span> </div> <div class="page" id="S494"> <div role="main"> <span class="text"><b>lenzprinzips bei hohen Erstellungskosten, weil das Dekret die gesetzliche</b></span><br/> <span class="text">Schutzfunktion ausübt </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 5. September 2018 in Sachen</span><br/> <span class="text">X-Genossenschaft gegen die Gebührenverfügung des Departements Bau, Ver-</span><br/> <span class="text">kehr und Umwelt (Abteilung für Baubewilligungen) vom 6. Februar 2018</span><br/> <span class="text">(RRB Nr. 2018-001022).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">1.</span><br/> <span class="text">1.1</span><br/> <span class="text">Gemäss der Rechtsprechung bedürfen öffentliche Abgaben</span><br/> <span class="text">einer Grundlage in einem formellen Gesetz. Im Gebührenrecht des</span><br/> <span class="text">Kantons Aargau übernimmt das verfassungsunmittelbare Dekret ge-</span><br/> <span class="text">mäss § 82 Abs. 1 lit. f der Kantonsverfassung sinngemäss Funktionen</span><br/> <span class="text">des formellen Gesetzes. Darin müssen zumindest der Kreis der Abga-</span><br/> <span class="text">bepflichtigen, der Gegenstand und die Bemessungsgrundlagen der</span><br/> <span class="text">Abgabe festgelegt sein. Bei gewissen Arten von Kausalabgaben hat</span><br/> <span class="text">die Rechtsprechung diese Vorgaben für die Abgabenbemessung ge-</span><br/> <span class="text">lockert; dies gilt namentlich dort, wo das Mass der Abgabe durch</span><br/> <span class="text">überprüfbare verfassungsrechtliche Prinzipien (Kostendeckungs- und</span><br/> <span class="text">Äquivalenzprinzip) begrenzt wird und nicht allein der Gesetzes-</span><br/> <span class="text">vorbehalt diese Schutzfunktion erfüllt (BGE 132 I 121 E 4.2 mit</span><br/> <span class="text">Hinweisen).</span><br/> <span class="text">1.2</span><br/> <span class="text">1.2.1</span><br/> <span class="text">Nach § 5 Abs. 2 BauG können für Entscheide über Baugesuche</span><br/> <span class="text">auch von der ersten Instanz Gebühren und Kosten auferlegt werden.</span><br/> <span class="text">Dabei handelt es sich um eine spezialgesetzliche Abweichung vom</span><br/> <span class="text">allgemeinen Grundsatz, wonach das erstinstanzliche Verwaltungsver-</span><br/> <span class="text">fahren eigentlich unentgeltlich ist (§ 31 Abs. 1 VRPG). Für die Be-</span><br/> <span class="text">handlung von Gesuchen um Erteilung von Bewilligungen werden ge-</span><br/> <span class="text">mäss § 1 Abs. 1 lit. a des Dekrets über die durch den Staat zu bezie-</span><br/> <span class="text">henden Gebühren vom 23. November 1977 Fr. 10.- bis Fr. 60'000.-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">495</span> </div> <div class="page" id="S495"> <div role="main"> <span class="text">erhoben. Der Regierungsrat bestimmt durch Verordnung die</span><br/> <span class="text">gebührenpflichtigen Handlungen näher und setzt die Gebührenan-</span><br/> <span class="text">sätze im Einzelnen innerhalb der angegebenen Grenzen fest (§ 2 Abs.</span><br/> <span class="text">1). In der Verordnung über die von der Abteilung für Baubewilli-</span><br/> <span class="text">gungen des Departements Bau, Verkehr und Umwelt zu erhebenden</span><br/> <span class="text">Gebühren (GebV AfB) vom 17. August 1994 ist geregelt, wie die</span><br/> <span class="text">von der Abteilung für Baubewilligungen BVU zu erhebenden</span><br/> <span class="text">Gebühren zu bemessen sind. Danach beträgt die Gebühr für die Be-</span><br/> <span class="text">handlung von Gesuchen für Bauten und Anlagen 3 ? der anhand</span><br/> <span class="text">von Erfahrungswerten geschätzten Erstellungskosten, mindestens</span><br/> <span class="text">aber Fr. 400.- und höchstens Fr. 60'000.- (§ 1 Abs. 1 GebV AfB).</span><br/> <span class="text">Demgegenüber wird die Gebühr nach dem Behandlungsaufwand so-</span><br/> <span class="text">wie der Grösse der Baute oder Anlage berechnet, wenn keine oder</span><br/> <span class="text">nur untergeordnete bauliche Massnahmen (Zweckänderungen usw.)</span><br/> <span class="text">oder der Abbau oder die Ablagerung von Materialien vorgesehen</span><br/> <span class="text">sind. Sie beträgt aber auch in diesen Fällen mindestens Fr. 400.- und</span><br/> <span class="text">höchstens Fr. 60'000.- (§ 1 Abs. 2 GebV AfB). Erfordert das Verfah-</span><br/> <span class="text">ren nur einen geringen Aufwand, kann die Gebühr reduziert werden</span><br/> <span class="text">(§ 4 Abs. 1 GebV AfB). Für ausserordentlichen Mehraufwand, insbe-</span><br/> <span class="text">sondere infolge mangelhafter Unterlagen .- oder wenn Augenscheine</span><br/> <span class="text">mit Verhandlungen durchgeführt werden, kann die Gebühr um bis zu</span><br/> <span class="text">Fr. 1'500.-, aber höchstens auf Fr. 60'000.- erhöht werden (§ 4</span><br/> <span class="text">Abs. 2 GebV AfB).</span><br/> <span class="text">1.3</span><br/> <span class="text">1.3.1</span><br/> <span class="text">Die angefochtene Gebührenverfügung stützt sich auf diese</span><br/> <span class="text">vorstehend dargelegten gebührenrechtlichen Grundlagen. Die Ge-</span><br/> <span class="text">bühr von Fr. 60'000.- wird mit der prozentual auf die Erstellungskos-</span><br/> <span class="text">ten abstellenden GebV AfB begründet. (...)</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text">1.3.3</span><br/> <span class="text">(...) Nach Ansicht der Beschwerdeführerin verletze dieser Be-</span><br/> <span class="text">trag das Äquivalenzprinzip.</span><br/> <span class="text">Das Äquivalenzprinzip konkretisiert das Verhältnismässigkeits-</span><br/> <span class="text">prinzip und das Willkürverbot (Art. 5 Abs. 2 sowie Art. 9 BV) für</span><br/> <span class="text">den Bereich der Kausalabgaben. Nach dem Äquivalenzprinzip darf</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">496</span> </div> <div class="page" id="S496"> <div role="main"> <span class="text">eine Gebühr nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis zum ob-</span><br/> <span class="text">jektiven Wert der Leistung stehen und muss sich in vernünftigen</span><br/> <span class="text">Grenzen halten. Nach der Praxis des Bundesgerichts bemisst sich der</span><br/> <span class="text">Wert der Leistung nach dem wirtschaftlichen Nutzen, den sie dem</span><br/> <span class="text">Pflichtigen bringt, oder nach dem Kostenaufwand der konkreten</span><br/> <span class="text">Inanspruchnahme im Verhältnis zum gesamten Aufwand des be-</span><br/> <span class="text">treffenden Verwaltungszweigs, wobei schematische, auf Wahrschein-</span><br/> <span class="text">lichkeit und Durchschnittserfahrungen beruhende Massstäbe ange-</span><br/> <span class="text">legt werden dürfen. Es ist demnach nicht notwendig, dass die Gebühr</span><br/> <span class="text">in jedem Fall genau dem Verwaltungsaufwand entspricht, der für die</span><br/> <span class="text">beanspruchte Leistung anfällt. Gebühren sollen aber nach sachlich</span><br/> <span class="text">vertretbaren Kriterien bemessen sein und nicht Unterscheidungen</span><br/> <span class="text">treffen, für die keine vernünftigen Gründe ersichtlich sind. Bei der</span><br/> <span class="text">Festsetzung von Verwaltungsgebühren darf nach der Rechtsprechung</span><br/> <span class="text">des Bundesgerichts innerhalb eines gewissen Rahmens auch der wirt-</span><br/> <span class="text">schaftlichen Situation des Pflichtigen und dessen Interesse am abzu-</span><br/> <span class="text">geltenden Akt Rechnung getragen werden. Solange zwischen der</span><br/> <span class="text">Höhe der Gebühr und dem Wert der Leistung kein offensichtliches</span><br/> <span class="text">Missverhältnis entsteht, ist es dem Gemeinwesen auch nicht ver-</span><br/> <span class="text">wehrt, mit den Gebühren für bedeutende Geschäfte den Ausfall in</span><br/> <span class="text">weniger bedeutsamen Fällen auszugleichen. In Fällen mit hohem</span><br/> <span class="text">Streitwert und starrem Tarif, der die Berücksichtigung des Aufwands</span><br/> <span class="text">nicht erlaubt, kann die Belastung allerdings unverhältnismässig wer-</span><br/> <span class="text">den, namentlich dann, wenn die Gebühr in Prozenten oder Promillen</span><br/> <span class="text">festgelegt wird und eine obere Begrenzung fehlt (zum Ganzen</span><br/> <span class="text">BGE 141 I 108 f.; 139 III 337 f.; 130 III 228 f.; vgl. auch</span><br/> <span class="text">AGVE 2007, S. 135 f.; 1992, S. 311, je mit Hinweisen). Vorliegend</span><br/> <span class="text">ist die Gebühr zwar in Promillen festgelegt worden, allerdings fehlt</span><br/> <span class="text">die obere Begrenzung nicht. Das erwähnte und unmittelbar gestützt</span><br/> <span class="text">auf § 82 Abs. 1 lit. f der Kantonsverfassung erlassene grossrätliche</span><br/> <span class="text">Dekret über die durch den Staat zu beziehenden Gebühren begrenzt</span><br/> <span class="text">die Bewilligungsgebühr auf Fr. 60'000.- und übt damit die</span><br/> <span class="text">Schutzfunktion des abgaberechtlichen Gesetzesvorbehalts aus.</span><br/> <span class="text">Besonders bei grossen und komplizierten Bauvorhaben wie dem</span><br/> <span class="text">vorliegenden ist die Gebührenhöhe für die gesuchstellende Person</span><br/> <span class="text">ohne Weiteres leicht vorhersehbar und zwar unabhängig vom</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">497</span> </div> <div class="page" id="S497"> <div role="main"> <span class="text">Ergebnis der Prüfung der Bewilligungsvoraussetzungen. Eine</span><br/> <span class="text">subsidiäre Anwendung des Äquivalenzprinzips ist daher nicht</span><br/> <span class="text">angezeigt. (...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>