JAAC68.117 Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 18. September 2003 i.S. D.E., Türkei, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 9 Art.65al.2PA.Assistancejudiciairegratuiteenprocéduredepremière instance. 1. Enpremièreinstance,ladésignationd’unmandataired’officenepeut êtreordonnéequ’àdesconditionstrèsstrictes(cf. JICRA2001n°11= JAAC66.35;consid.3aetb). 2. Danslecasconcret,l’octroidel’assistancejudicairecomplète étaitnécessaire,carledemandeurd’asile,àl’époquemineurnon accompagné,n’avaitpasétépourvuàtempsd’unepersonnede confiance(consid.3d). 3. L’autoritéparentalesurundemandeurd’asilemineurn’appartient pasàsesfrèresetsoeursmajeursvivantenSuisse;c’estpourquoi,il doitêtreconsidérécommemineurnonaccompagné(consid.3c). Art.65Abs.2VwVG.UnentgeltlicheVerbeiständungim erstinstanzlichenVerfahren. 1. DieNotwendigkeiteineramtlichenVerbeiständungim erstinstanzlichenVerfahrenwirdnuruntersehrrestriktiven Voraussetzungenbejaht(vgl. EMARK2001Nr.11= VPB66.35;E.3aund b). 2. ImkonkretenFallerachtetdieSchweizerischeAsylrekurskommission eineamtlicheVerbeiständungalsnotwendig,dadasBundesamtfür Flüchtlingedemdamalsnochminderjährigenundunbegleiteten GesuchstellernichtrechtzeitigeineVertrauenspersoneinsetzte(E.3d). 13. InderSchweizlebendenvolljährigenGeschwisterneines minderjährigenAsylsuchendenstehtdieelterlicheSorgenichtzu, weshalbdieseralsunbegleiteterMinderjährigerzubehandelnist (E.3c). Art.65cpv.2PA.Gratuitopatrocinioinproceduradiprimaistanza. 1. Lanecessitàdelgratuitopatrocinioinproceduradiprimaistanzaè ammessasoloacondizionimoltorestrittive(GICRA2001n.11= GAAC 66.35;consid.3aeb). 2. Nelcasoconcreto,laCommissionesvizzeradiricorsoinmateria d’asilohaammessolanecessitàdelgratuitopatrocinioconsiderato chel’Ufficiofederaledeirifugiatinonhatempestivamentedesignato, all’alloraminorennenonaccompagnato,unapersonadifiducia (consid.3d). 3. L’autoritàparentalesuunrichiedentel’asilominorennenonspetta aisuoifratellimaggiorennichevivonoinSvizzera. Eglidevedunque essereconsideratocomeunminorennenonaccompagnato(consid.3c). ZusammenfassungdesSachverhalts: DerBeschwerdeführerstelltedurchseinenRechtsvertretermitEingabevom 25.März2000einAsylgesuchinderSchweiz;gleichzeitigreichteereinGesuch umBeigabeseinesRechtsvertretersalsunentgeltlichenRechtsbeistandein. DaskantonaleMigrationsamthörteam2.Mai2000denBeschwerdeführer zuseinenAsylgründenan. BeiderAnhörungwarderRechtsvertreter desBeschwerdeführersanwesend. DasGesuchumGewährungder unentgeltlichenRechtspflegewiederholtederBeschwerdeführerdurchseinen RechtsvertretermitEingabevom5.Mai2000. MitVerfügungvom2.November 2001stelltedasBundesamtfürFlüchtlinge(BFF)fest,derBeschwerdeführer erfülledieFlüchtlingseigenschaft,undgewährteihmAsylinderSchweiz. Mit Eingabevom12.November2001ersuchtederBeschwerdeführerdurchseinen VertreterdasBFF,überdasgestellteGesuchumBeigabeeinesunentgeltlichen Rechtsbeistandeszuentscheiden. MitVerfügungvom30.Januar2002wiesdasBFFdas«Gesuchum unentgeltlicheRechtsverbeiständung»ab. ZurBegründungwurdeim Wesentlichenausgeführt,dieMinderjährigkeitdesBeschwerdeführersallein rechtfertigeeineunentgeltlicheRechtsverbeiständungnicht,dadiekantonalen BehördenfürdieVertretungminderjährigerAsylsuchenderimAsylverfahren vonAmteswegenVertreterzuVerfügungstellenwürden. ImWeiterenseidie BedürftigkeitdesBeschwerdeführersnichtbelegt. Zudemhättensichkeine komplexenSach-oderRechtsfragengestellt,dieeineanwaltlicheVertretung erforderthabe. DieVoraussetzungenfüreineunentgeltlicheVerbeiständung seiendeshalbnichterfüllt. MitBeschwerdevom4.März2002andieSchweizerische Asylrekurskommission(ARK)beantragtederBeschwerdeführerdurch seinenVertreterdieAufhebungderVerfügungdesBFFvom30.Januar2002, 2undesseidemBeschwerdeführerinderPersonseinesRechtsvertreters einunentgeltlicherRechtsbeistandfürdasAsylverfahrenbeizugeben. ZudemseiihmdieunentgeltlicheProzessführungundVerbeiständung fürdasBeschwerdeverfahrenzugewähren. AufdieBegründungundauf diealsBeweismitteleingereichtenDokumentesowieaufdieAnträgeauf AkteneinsichtundFristansetzungzurBeschwerdeergänzungwird,soweitfür denEntscheidwesentlich,indenErwägungeneingegangen. MitZwischenverfügungvom10.April2002verzichtetederzuständige InstruktionsrichterderARKimplizitaufdieErhebungeines KostenvorschussesundverwiesdieBeurteilungderGesucheumGewährung derunentgeltlichenRechtspflegeundBeigabeeinesAnwalts(Art.65 Abs.1und2desBundesgesetzesvom20.Dezember1968überdas Verwaltungsverfahren[VwVG],SR172.021)aufeinenspäterenZeitpunkt. InihrerVernehmlassungvom13.Februar2003beantragtedieVorinstanzdie AbweisungderBeschwerde. DieARKheisstdieBeschwerdegut. AusdenErwägungen: 3.a. DasVwVGgewährtfürdasVerwaltungsbeschwerdeverfahrenbei gegebenenVoraussetzungenexplizitdieKostenbefreiung(vgl. Art.65 Abs.1)wieauchdieunentgeltlicheanwaltlicheVerbeiständung(vgl. Art.65 Abs.2). DievomBundesgerichtinseinerRechtsprechungzuArt.4Abs.1der BundesverfassungderSchweizerischenEidgenossenschaftvom29.Mai1874 (aBV[121])entwickeltenRegelnüberdieGewährungderunentgeltlichen VerbeiständungimnichtstreitigenVerwaltungsverfahrengeltenauch fürerstinstanzlicheVerfahrenvorBundesbehörden,diesichnachdem VwVGrichten(vgl. EntscheidungenundMitteilungenderSchweizerischen Asylrekurskommission[EMARK]2001Nr.11,S.84,= VPB66.35 E.4c). In casu istinersterLiniedieFragederNotwendigkeitanwaltlicherVerbeiständungim erstinstanzlichenAsylverfahrenstrittig. b. DasdenBeizugeinesprofessionellenRechtsvertreterserfordernde AnstehenkomplexerTatsachen-undRechtsfragenwirdimerstinstanzlichen Asylverfahrennuräusserstseltenverwirklicht(vgl. EMARK2001 Nr.11,S.86f. = VPB66.35 E.6b/bb). SowirddasAsylverfahrenvom UntersuchungsgrundsatzwieauchvomPrinzipderRechtsanwendung vonAmteswegenbeherrscht,weshalbsichdasZutun(Mitwirken)eines AsylsuchendeninallerRegelaufdasSchildernvonErlebnissenunddas Bezeichnen(undallenfallsBeschaffen)vonBeweismittelnbeschränken kann. Zwarmageszutreffen,dass-wievomBundesgerichtimEntscheid BGE 112Ia14 ff. erwogen-«[…]dieUnparteilichkeitvonVerwaltungsbehörden wohlüberschätzt[wird],wennmanihnenzumutet,dasssieinvollkommen unvoreingenommenerWeisegleichzeitigdasöffentlicheInteresse wahrnehmenunddafürSorgetragen,dassderanderverwaltungsrechtlichen AuseinandersetzungbeteiligteBürgernichtbenachteiligtwird»(vgl. a.a.O., S.16f.). DasAsylverfahrenjedochkenntEinrichtungen,dieinallerRegel durchausgeeignetsind,möglichennegativenAuswirkungeneinessolchen InteressenkonfliktsaufdenAsylsuchendenwirksamzubegegnen. Soistes dieeigentlicheFunktiondergesetzlichvorgesehenenHilfswerkvertretung, durchdieTeilnahmeanAnhörungenderenkorrektenAblaufsicherzustellen 3bzw. diesbezüglicheMängelaktenkundig-unddamitspäternachprüfbar- zumachen(vgl. Art.30Abs.4desAsylgesetzesvom26.Juni1998[AsylG],SR 142.31). FernerbietendiezahlreichenimAsylbereichtätigenHilfswerkeund BeratungsstellenmannigfaltigweitergehendeLeistungenan,unteranderem auchdieweitgehendkostenlose(bzw. zumindestnichtvonVorschussleistung andieMandatäreabhängige)VerbeiständungdurchsachkundigePersonen undÜbersetzungsdienste. Undletztlichkommtnochdazu,dassderzur BegründungdesAsylgesuchesvorgetrageneSachverhaltblossglaubhaft seinmuss(reduziertesBeweismass). Aucheinerheblichessubjektives ZurückbleibendeskonkretenAsylsuchendenhinterdem«durchschnittlichen Asylbewerber»wirdnurinsehrseltenenAusnahmefällennachderBeigabe einesRechtsanwaltesverlangen(vgl. EMARK2001Nr.11,S.88= VPB66.35 E.6c). SomiterweistsichimAsylverfahrenvordemBFFdieVerbeiständung durcheinenprofessionellenRechtsvertreterinallerRegelalsnichtnotwendig (vgl. EMARK2001Nr.11,S.93= VPB66.35). c. In casu bestehtbegründeterAnlass,vondiesemGrundsatzabzuweichen. DerBeschwerdeführerwurde-ausgehendvonseinennichtbestrittenen Angaben-am18.Januar2003volljährig. ErwarindessenimZeitpunkt derAnhörungzudenAsylgründen(2.Mai2000)15Jahrealtundsomit nachdemmassgebendenschweizerischenRecht(vgl. EMARK1994Nr.11, S.92= VPB59.43 E.4d)nochminderjährig. Gemässdempraxisändernden Grundsatzentscheid(vgl. EMARK1998Nr.13,S.84ff. = VPB63.13)ist einemurteilsfähigenundnichtvertretenenunbegleitetenMinderjährigen, demkeinVormundoderBeistandernanntwordenist,vorderersten AnhörungzudenAsylgründenfürdieDauerdesAsylverfahrenseine rechtskundigePerson(heute: VertrauenspersongemässArt.17Abs.3 AsylGundArt.7Abs.3derAsylverordnung1vom11.August1999über Verfahrensfragen[AsylV1],SR142.311;vgl. auchEMARK2003Nr.1,S.1ff.) zuzuordnen,fallsentsprechendevormundschaftlicheMassnahmenseitens derkantonalenBehördennichtinnertvernünftigerFristzuerwartensind. DieNichtbeachtungdiesesGrundsatzesführtalsVerletzungdesrechtlichen GehörsgrundsätzlichzurKassationdesvorinstanzlichenEntscheides. Nach EMARK1999Nr.24,S.154,E.4a,mussindeseinemMinderjährigenkeine rechtskundigePersonbeigegebenwerden,wennsich«einElternteilodereine erziehungsberechtigtePerson»inderSchweizbefindet. Erziehungsberechtigte PersonimrechtlichenSinneistnurjemand,derdieelterlicheSorge(vgl. SchweizerischesZivilgesetzbuchvom10.Dezember1907[ZGB],SR210, ÜberschriftzumdrittenAbschnittdesachtenTitels;vorderZGB-Revision von1998: elterlicheGewalt ) innehat. «AlleUnmündigenoderEntmündigten stehenentwederunterelterlicherSorgeoderunterVormundschaft. Tertium nondatur»(vgl. P . Tuor/B. Schnyder/A. Rumo-Jungo,DasSchweizerische Zivilgesetzbuch,Zürich/Basel/Genf2002,12.Aufl.,S.428). DasSorgerecht stehtverheiratetenEltern,unverheiratetenElternsowievertretungsweise Stief-undPflegeeltern(vgl. Tuor/Schnyder/Rumo-Jungo,a.a.O.,S.429),nicht abervolljährigenGeschwisternzu. «Unbegleitet»bedeutetdemnachvon 4niemandembegleitet,derdieelterlicheSorgeinnehat. DerUmstand,dass volljährigeGeschwisterdesBeschwerdeführersinderSchweizwohnhaftsind, machtausdemBeschwerdeführersomitkeinenbegleitetenMinderjährigen. d. BereitsinEMARK1998Nr.13= VPB63.13 hatsichdieARKmitderFrage deranwaltlichenVerbeiständungvonunbegleitetenMinderjährigenim erstinstanzlichenVerfahrenrespektivenichtstreitigenVerwaltungsverfahren befasst(E.4b/ddundee,S.91ff.) unddabeifestgehalten,dassschon inBezugaufdieFragederUrteilsfähigkeitunddamitverbundender Möglichkeit,selbständigeinAsylgesucheinreichenzukönnen,eine VerbeiständungMinderjährigerunterUmständenerforderlichseinkönne (E.4b/ee,S.93f.). DenAktensindkeineAnhaltspunktezuentnehmen, wonachdemBeschwerdeführerwährenddesvorinstanzlichenVerfahrens -undinsbesonderevorderkantonalenAnhörungzudenAsylgründen -einVormundoderBeistandernanntbeziehungsweiseihmvonAmtes wegeneinerechtskundigeVertrauenspersonbeigegebenwordenwäre (vgl. Art.17Abs.3AsylG,Art.7Abs.2und3AsylV1). (…) In casu reichte derBeschwerdeführerdurchseinenRechtsvertreteram25.März2000 gleichzeitigmitseinemAsylgesuchdasGesuchumBeigabeeineranwaltlichen VerbeiständungimSinnevonArt.65Abs.2VwVGein. Angesichtsder damaligenMinderjährigkeitdesBeschwerdeführershättedasBFFdieses GesuchsofortnachEingangbehandelnundimFalleeinerAbweisungdem BeschwerdeführereinerechtskundigePersonbeiordnenmüssen,zumal seitensdeszuständigenKantonskeinevormundschaftlichenMassnahmen angeordnetwordenwarenundArt.17Abs.3AsylGeineunverzügliche ErnennungeinerVertrauenspersonfordert. DasBFFentschiedhingegen erstam30.Januar2002undsomitnachdemrechtskräftigenAbschluss desAsylverfahrens(2.November2001)überdasGesuchumanwaltliche VerbeiständungimSinnevonArt.65Abs.2VwVG.Derminderjährige unbegleiteteBeschwerdeführerwaraufgrundderUntätigkeitdesBFFin BezugaufseinGesuchumanwaltlicheVerbeiständungunddesFehlens einerbeigeordnetenrechtskundigenVertrauenspersonbeziehungsweise vormundschaftlicherMassnahmendeshalbzwingendaufseineanwaltliche VertretungimerstinstanzlichenAsylverfahrenangewiesen,andernfallserim Asylverfahrenganzaufsichalleingestelltgewesenwäre,wasdieWahrung seinerParteirechteinunzulässigerWeisegeschmälerthätte(vgl. EMARK1998 Nr.13,S.94= VPB63.13 E.4b/ee). e. EntgegenderVorinstanzistdeshalbfestzustellen,dassder BeschwerdeführerdieVoraussetzungenfürdieGewährungder unentgeltlichenRechtspflegenachArt.65Abs.2VwVGimvorinstanzlichen Verfahrenerfüllte,zumaldessenBedürftigkeitaufgrunddereingereichten Bestätigungder(zuständigenFürsorgebehörde)vom7.Februar2002erwiesen ist. SomitistdieangefochteneVerfügungderVorinstanzvom30.Januar 2002aufzuhebenunddasBFFanzuweisen,demBeschwerdeführereine EntschädigungfürdieBemühungenseinesVertretersimerstinstanzlichen Asylverfahrenzuentrichten. (…) [121]ZulesenaufderInternetseitedesBundesamtesfürJustizunter http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/ bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf 56Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 68.117 - Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 18. September 2003 i.S. D.E., Türkei, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 9 In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2004 Année Anno Band 68 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 245 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. 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