Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. Mai 2017 (810 16 317) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Einschränkung von Informations- und Auskunftsrechten Dritter Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess, Beat Walther , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ und B. ____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Marco Albrecht, Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz D.____ , Beigeladener E.____ , Beigeladene Betreff Anträge von A.____ und B.____ vom 12. Septe mber 2016 und 22. September 2016 (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 28. September 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die eritreische Staatsangehörige E.____ (geboren 19 81) gelangte 2006 als Asylsu- chende über Italien nach Norwegen zu ihrem Verlobten, dem Landsmann D.____, welcher sich dort bereits seit 2003 in einem Asylverfahren befand. In der Folge wurde E.____ von ihrem Ver- lobten schwanger. Nachdem im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle in Norwegen festgestellt wurde, dass sich E.____ zuvor in Italien aufgehalten ha tte, wurde sie von Norwegen nach Ita- lien rücküberführt. Von dort gelangte die schwangere E.____ in die Schweiz, wo sie die Tochter F.____ (geboren 2007) zur Welt brachte und in der F olge Asyl erhielt. Nach mehreren Gefähr- dungsmeldungen in Bezug auf das Wohl von F.____, unter anderem durch deren Kinderärztin, Dr. med. G.____ (nachfolgend Kinderärztin), entzog die Vormundschaftsbehörde H.____ der psychisch erkrankten E.____ (nachfolgend Kindsmutter) am 1 7. November 2010 die elterliche Obhut über F.____ und platzierte diese im Kinderheim I.____. Zudem wurde ein Gutachten zur Klärung der Beziehungs- und Erziehungsfähigkeit der Kin dsmutter in Auftrag gegeben und eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 bis 3 des Schw eizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 für die Tochter F.____ errichtet. Als Beiständin wurde J.____ einge- setzt. Am 18. November 2010 musste die Kindsmutter mit f ürsorgerischer Freiheitsentziehung in die psychiatrische Klinik K.____ eingewiesen werden. M it Gutachten der universitären psy- chiatrischen Kliniken L.____ vom 21. November 2011 wurd e festgestellt, dass die Erziehungs- fähigkeit der Kindsmutter insbesondere durch deren aktue lle psychische Erkrankung deutlich eingeschränkt sei. B. Nachdem D.____ (nachfolgend Kindsvater) durch die Ki ndsmutter über deren gesund- heitliche Probleme und die Platzierung von F.____ im K inderheim informiert worden war, reiste er am 31. August 2011 mit einer von einer norwegische n Klinik ausgestellten DNA-Vater- schaftsbestätigung in die Schweiz und anerkannte F.____ als seine Tochter. C. Mit Hilfe einer eritreischen Ärztin, welche am Gutach ten über die Kindsmutter mit- arbeitete, lernte B.____ die im Heim platzierte F.__ __ kennen. Ab September 2011 nahmen B.____ und A.____ (nachfolgend Gastfamilie) F.____ r egelmässig an den Wochenenden und auch in den Ferien zu sich. D. Ab dem 17. November 2011 besuchte der Kindsvater, begleitet durch die Beiständin J.____, seine Tochter F.____ alle zwei Wochen im Kinder heim. Begehren des Kindsvaters um weitergehende Kontakte zu seiner Tochter F.____ wies die Vormundschaftsbehörde zunächst unter Hinweis auf dessen unsicheren Aufenthaltsstatus ab. Nachdem der Kindsvater in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung zugesichert erhalte n hatte und eine gute Beziehung zu seiner Tochter aufbauen konnte, wurde sein Besuchsrecht auf einen wöchentlichen Besuch ausgedehnt. Der Kindsmutter wurde ebenfalls ein Besuch srecht (zweimal wöchentlich 1 ½ Stunden) eingeräumt. E. Aufgrund der neuen Rahmenbedingungen (Kindergart enbesuch, Besuchsrechte der Kindsmutter und des Kindsvaters) beschloss die Vormundscha ftsbehörde H.____ am 28. August 2012, die Wochenend- und Ferienbesuche bei der Gastfamilie neu zu strukturieren und räumte der Gastfamilie das Recht ein, F.____ jed es Wochenende Freitagabend bis Mon- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tagmorgen (Kindergartenbeginn) zu sich zu nehmen und jährlich vier Wochen Ferien mit F.____ zu verbringen, wobei die Ferien sechs Wochen im Voraus b ei der Vormundschaftsbehörde zu beantragen waren und einer Bewilligung bedurften. F. Nachdem die Besuche des Kindsvaters bei F.____ als seh r engagiert und verlässlich erlebt wurden, beschloss die Vormundschaftsbehörde H.__ __ am 23. Oktober 2012 auf Antrag der Beiständin eine weitere schrittweise Erweiterung des Besuchsrechts des Kindsvaters. G. Mit Entscheid vom 4. Dezember 2013 wies die Kindes- und Erwachsenenschutz- behörde (KESB) C.____ einen Antrag der Gastfamilie a uf Erweiterung des Ferienrechts ab mit der Begründung, es sei auch dem Kindsvater die Möglichk eit zu geben, Ferien mit F.____ zu verbringen. In der Folge verbrachte F.____ auch Wochenenden und Ferien beim Kindsvater. H. Nach einer entsprechenden gemeinsamen Erklärung der Kindseltern bestätigte die KESB C.____ am 6. November 2014 das Zustandekommen derer gemeinsamer elterlicher Sor- ge für F.____. I. Am 7. Dezember 2014 heiratete der Kindsvater die ä thiopische Staatsangehörige M.____, welche im März 2015 zu ihm zog. Seit Dezember 2015 haben sie einen gemeinsamen Sohn. J. Nachdem der Kindsvater bereits seit längerer Zeit den Wunsch geäussert hatte, F.____ zu sich zu nehmen, hob die KESB C.____ am 29. Dezember 2015 den über F.____ verfügten Obhutsentzug per 5. Februar 2016 auf und te ilte das Aufenthaltsbestimmungsrecht per 5. Februar 2016 dem Kindsvater zu. Zudem wurde di e Beiständin angewiesen, eine sechs- monatige Familienbegleitung in die Wege zu leiten. D as Ferienrecht der Gastfamilie wurde auf ein Wochenende pro Monat und vier Wochen Ferien pro Jahr nach Absprache mit dem Kinds- vater festgelegt. Seit dem 5. Februar 2016 lebt F.____ bei ihrem Vater, der Stiefmutter und dem Stiefbruder. K. Am 1. Juni 2016 beantragte die Beiständin bei der KESB C.____ eine Verlängerung der Familienbegleitung, unter anderem mit der Begrü ndung, dass die Familie aufgrund eines geplanten Umzugs nach N.____ Unterstützung und Begleitu ng brauche. Am 1. Juli 2016 zog der Kindsvater mit seiner Familie von O.____ nach N.___ _. Die KESB C.____ bewilligte die Verlängerung der Familienbegleitung mit Entscheid vom 8. August 2016. L. Am 12. September 2016 wandten sich A.____ und B.__ __ mit zwei Schreiben an die KESB P.____, wobei sie in einem der Schreiben eine ge sundheitliche Gefährdung von F.____ geltend machten. Darin führten sie aus, F.____ habe da uernd Hustenanfälle und Atemnot. Weil durch die Woche nie eine genügende Intervention erfolg t sei, sei diese Aufgabe bei ihnen ver- blieben, als F.____ zu ihnen kam. Daher hätten sie mit F.____ zweimal notfallmässig andere Ärzte aufgesucht. F.____ sei in gewissen Abständen bei der Kinderärztin in Behandlung. Diese habe aber offensichtlich eine ungenügende Diagnose geste llt, weshalb sie eine weitere Be- handlung durch die Kinderärztin vehement ablehnen würd en. Im anderen Schreiben stellten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ und B.____ Anträge zur Besuchsbegleitung (für Besuche bei der Kindsmutter) sowie der laufenden Familienbegleitung. Die KESB P.____ l eitete die Eingaben von A.____ und B.____ mit Schreiben vom 13. September 2016 an die KESB C.____ weiter, da der Fall noch nicht an die KESB P.____ überwiesen worden sei. M. Am 22. September 2016 wandten sich A.____ und B._ ___ mit zwei Faxeingaben an die KESB C.____. Mit Antwortschreiben vom 22. Septemb er 2016 teilte die KESB C.____ A.____ und B.____ mit, dass ihnen lediglich ein Besuchs - und Ferienrecht Dritter nach Art. 274a ZGB zustehe, und dass die KESB nicht berechti gt sei, mit ihnen Fragen zur Gesund- heit und weiteren Bereichen, die F.____ und ihre Elt ern betreffen würden, zu erörtern. Mit einer weiteren Faxeingabe vom 26. September 2016 an die KE SB C.____ machten A.____ und B.____ geltend, die KESB C.____ sei nicht mehr zuständi g, da sich der Wohnort von F.____ nach N.____ verschoben habe und forderte diese auf, d en gesetzlichen Zustand wiederherzu- stellen. Zudem forderten sie die KESB C.____ auf, ein e Verfügung mit Rechtsmittelbelehrung zu erlassen. In Bezug auf die Fragen der Besuchsregelu ng teilten A.____ und B.____ der KESB C.____ mit, sie seien in gutem Einvernehmen und Kontakt mit dem Kindsvater. Eine schriftliche Formulierung brauche aber noch Zeit. N. Mit superprovisorischem Entscheid vom 27. September 20 16 sistierte die KESB C.____ die Besuche von F.____ bei der Gastfamilie bi s auf weiteres und setzte den Termin für die Anhörung von A.____ und B.____ auf den 29. September 2016 fest. O. Mit Entscheid vom 28. September 2016 lehnte die KE SB C.____ die Anträge von A.____ und B.____ betreffend die Gesundheit von F._ ___, die Besuchs- sowie die Familienbe- gleitung ab und auferlegte den Antragsstellern die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 240.--. P. Dagegen erhoben A.____ und B.____, vertreten dur ch Marco Albrecht, Advokat in Mut- tenz, mit Eingabe vom 31. Oktober 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den A nträgen: 1. Es sei festzustellen, dass die Verfügung vom 28. September 2016 nichtig sei; 2. E ventuell sei festzustellen, dass die Ver- fügung vom 28. September 2016 ungültig sei und sie s ei aufzuheben; 3. Subeventuell sei fest- zustellen, dass die Beschwerdeführer zu Fragen der Gesund heit von F.____, zur Besuchsbe- gleitung und der Familienbegleitung Parteistellung h ätten und die Verfügung sei entsprechend aufzuheben; 4. Unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensre chtlicher Hinsicht beantragen die Be- schwerdeführer, F.____ sei unverzüglich und vor Abschluss d es Verfahrens vor Kantonsgericht über die Frage der Besuchsbegleitung durch Frau Q.___ _ und ihre Beziehung zu den Be- schwerdeführern zu befragen und die Beschwerdegegnerin sei aufzufordern, dem Kantonsge- richt unverzüglich das Protokoll der Befragung von F.____ durch die KESB C.____ vom 5. Oktober 2016 zuzustellen. Q. Mit Vernehmlassung vom 8. Dezember 2016 beantragt e die KESB C.____, die Be- schwerde sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht R. Mit Präsidialverfügung vom 9. Januar 2017 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und der Antrag auf Befragung von F.____ abgewiesen. S. Am 8. Februar 2017 reichten die Beschwerdeführer di e Honorarnote ein. Zugleich er- suchten sie darum, die KESB C.____ aufzufordern, die i n den Akten fehlenden Protokolle zu edieren und ihnen Frist zu einer kurzen Stellungnahme anzusetzen. T. Das Kantonsgericht teilte den Beschwerdeführern mit Schreiben vom 10. Februar 2017 mit, dass der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahme n einer Urteilsberatung überwiesen worden sei und demgemäss die Kammer über den Beweisantr ag entscheiden und die allfällig notwendigen Beweismassnahmen anordnen werde. Sodann er hielten die Beschwerdeführer eine erstreckbare Frist bis 24. Februar 2017 zur Einreichung ihrer Stellungnahme. U. Am 23. Februar 2017 ersuchten die Beschwerdeführer um Erstreckung der Frist für die Einreichung ihrer Stellungnahme und erneuerten ihren Verfahrensantrag auf Befragung von F.____, woraufhin das Kantonsgericht den Beschwerdeführ ern die Frist zur Einreichung ihrer Stellungnahme bis 20. März 2017 erstreckte. V. Mit Eingabe vom 16. März 2017 teilten die Beschwerd eführer mit, die Einreichung einer Stellungnahme erübrige sich aus ihrer Sicht, weil seit mehreren Wochen – auch auf Wunsch des Kindsvaters – wieder ein Kontakt zwischen den Beschwer deführern und F.____ bestehe. Demgemäss werde beantragt, die KESB C.____ aufzuforde rn, zu der geschilderten Tatsache Stellung zu nehmen und anzufragen, ob sie die beiden Verfügungen in Wiedererwägung ziehen möchte. W. Nachdem das Kantonsgericht diese Eingabe der KESB C. ____ am 17. März 2017 zur Kenntnis gebracht hatte, ersuchten die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. März 2017 um Ansetzung einer nachperemptorischen Frist zur Einreichung einer Stellungnahme, welche mit Präsidialverfügung vom 21. März 2017 abgewiesen wurde. X. Am 30. März 2017 reichte die KESB C.____ ein Proto koll einer Besprechung mit dem Kindsvater ein. Y. Am 4. April 2017 reichten die Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. § 66 Abs. 1 des Ge setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 kann ge gen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Die Prozess- voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde ei nzutreten ist. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsve rletzungen (lit. a), die unrichtige Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (lit. b ) sowie die Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden. 2. Das vorliegende Beschwerdeverfahren (810 16 317) be trifft einzig den Entscheid der KESB C.____ vom 28. September 2016, in welchem über die Anträge der Beschwerdeführer betreffend die Gesundheit von F.____ und betreffend Besuchsbegleitung der Kindsmutter sowie betreffend Familienbegleitung für den Kindsvater entschieden wurde. Die von den Beschwerde- führern gegen den Entscheid der KESB C.____ vom 1. Dezember 2016 betreffend die definitive Regelung ihres Besuchs- und Ferienrechts erhobene Beschwer de wird in einem separaten Ur- teil (Verfahren 810 16 375) behandelt, da sich diesb ezüglich andere Rechtsfragen stellen. Von einer formellen Vereinigung der Verfahren ist demzufolge abzusehen. 3.1 Zunächst machen die Beschwerdeführer zusammengefasst geltend, der Entscheid der KESB C.____ vom 28. September 2016 sei nichtig, weil d er angefochtene Entscheid von einer örtlich unzuständigen Behörde erlassen worden sei. Durch die Wohnsitznahme von F.____ bei ihrem Vater in O.____ (Februar 2016) und später in N.____ (1. Juli 2016) sei nunmehr die KESB P.____ zuständig. Folgerichtig hätten sie, wie in § 67 EG ZGB vorgesehen, ein neues Verfahren betreffend Gesundheitsfragen etc. bei der KESB P.____ ins Rollen gebracht. Wenn die KESB C.____ trotz Hinweis der Beschwerdeführer die Sache nicht an die KESB P.____ übertragen habe, liege eine Verletzung von Art. 442 ZGB vor. Die angefochtene Verfügung sei damit ungültig und aufzuheben. 3.2 Gemäss Art. 442 Abs. 1 ZGB ist die Erwachsenenschutz behörde am Wohnsitz der be- troffenen Person zuständig. Ist ein Verfahren rechtshäng ig, so bleibt die Zuständigkeit bis zu dessen Abschluss auf jeden Fall erhalten. Wechselt eine Person, für die eine Massnahme be- steht, ihren Wohnsitz, so übernimmt die Behörde am neu en Ort die Massnahme ohne Verzug, sofern keine wichtigen Gründe dagegen sprechen (Art. 442 Abs. 5 ZGB). 3.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer ist ni cht zu beanstanden, dass die KESB C.____ die bestehenden Kindesschutzmassnahmen im massg ebenden Zeitpunkt (d.h. am 12. September 2016; dem Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs der Beschwerdeführer) noch nicht zuständigkeitshalber an die KESB am Wohnsit z des Kindsvaters übertragen hatte. Einerseits ist zu berücksichtigen, dass die Beiständin bereit s am 1. Juni 2016 einen Antrag auf Verlängerung der Kindesschutzmassnahme "Familienbegleit ung" gestellt hatte. Damit war im Zeitpunkt des Umzugs nach N.____ ein Verfahren hängig, bis zu dessen Abschluss die Zustän- digkeit der KESB C.____ auf jeden Fall erhalten blie b. Über diesen Antrag entschied die KESB C.____ am 8. August 2016, weshalb das Verfahren frühest ens am 8. September 2016, also lediglich vier Tage vor dem hier für die Beurteilung m assgebenden Zeitpunkt, rechtskräftig ab- geschlossen war. Damit ist bereits aus diesem Grund keine Verletzung von Art. 442 Abs. 5 ZGB ersichtlich. Andererseits ist der KESB C.____ zuzustimmen, dass mindestens bis zum massge- benden Zeitpunkt auch noch wichtige Gründe dagegen sprachen, die Massnahmen an die neue KESB zu übergeben. Der Gesetzgeber hat bewusst auf eine gesetzliche Frist für die Übertra- gung einer Massnahme, nachdem die betroffene Person den Wohnsitz gewechselt hat, verzich- tet, um den KESB den nötigen Ermessensspielraum einzur äumen, um den vielfältigen und un- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht terschiedlichen Bedürfnissen der Praxis mit der erforderl ichen Flexibilität begegnen zu können (vgl. CHRISTOPH HÄFELI , Wohnsitzwechsel der betreuten Person und Zuständigke it der KESB, in: Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 2016, S. 337, mit Hi nweisen). Sodann hat der Gesetzgeber mit dem letzten Halbsatz in Art. 442 Abs. 5 ZGB eine w ichtige Relativierung des Grundsatzes der unverzüglichen Übertragung vorgenommen. Damit unterstreicht er, dass die Interessen und das Wohl der betroffenen Person den Massstab bei der Übe rtragung einer Massnahme bilden. Als wichtige Gründe für ein Zuwarten mit der Übertrag ung kommen insbesondere die fehlende Stabilität des neuen Aufenthaltsortes sowie die Konti nuität der Betreuung in Frage. Dies na- mentlich, wenn die Übertragung mit einem Beistandswech sel verbunden wäre (vgl. wiederum HÄFELI , a.a.O., S. 337). Vorliegend wurde die neunjährige F.____ nach einer über fünfjährigen Heimplatzierung erst im Februar 2016 in die Familie d es Kindsvaters eingegliedert, und im Juli 2016 zog die Familie von O.____ nach N.____. Aufgrund dieser bereits weitgehenden Verände- rungen im Leben von F.____ ist nachvollziehbar, dass zur Sicherstellung der Kontinuität der Betreuung nicht auch noch eine sofortige Übertragung der Massnahme verbunden mit einem Wechsel der behördlichen Bezugspersonen von F.____ initi iert wurde, weil dadurch eine De- stabilisierung der Situation zu befürchten gewesen wäre . Eine Verletzung von Art. 442 ZGB liegt damit nicht vor. 4.1 Weiter sind die Beschwerdeführer mit der medizinische n Behandlung von F.____ nicht einverstanden. Sie hätten bei F.____ einen regelmässigen Husten sowie Atemprobleme festge- stellt und deswegen das Mädchen in der Notfallpraxis unte rsuchen lassen. Das Ergebnis habe auf allergisches Asthma bronchiale gelautet, verbunden mit der dringenden Empfehlung kin- derärztlicher Kontrolle. Als sie bemerkt hätten, dass F.____ von ihrer Kinderärztin entgegen der dringlichen Empfehlung nicht behandelt worden sei, hät ten sie nach weiteren Hustenanfällen am 26. August 2016 wiederum notfallmässig den Arzt Dr. R.____ aufgesucht, der aufgrund ei- ner Blutanalyse vom 29. August 2016 den Befund vom 16. Mai 2016 bestätigt habe und auch eine Ernährungsberatung vorgeschlagen habe. Da die bi sherige Kinderärztin offensichtlich die Schwere der Erkrankung unterschätzt und trotz Empfehlung nicht aktiv geworden sei, hätten sie sich hilfesuchend an die KESB C.____ gewandt. Daraufhin habe die KESB C.____ sie als nicht antragsberechtigt erklärt und einen Dialog betreffend Gesundheit von F.____ verweigert. An- statt auf die Gesundheitsfragen einzugehen, habe die K ESB C.____ mit superprovisorischer Aufhebung des Besuchsrechts reagiert. Wenn die KESB C._ ___ unter Bezugnahme auf Art. 274a ZGB auf ihre Anträge mit dem Argument nich t eintrete, ihnen würde nur ein Besuchs- recht zustehen und sie hätten in Fragen wie betreffend die Gesundheit von F.____ keine Par- teistellung, dann übersehe sie die ganz besondere Bezieh ung zwischen ihnen und dem Mäd- chen. Auch aus dem Urteil des Bundesgerichts 5A_100/2 009 vom 25. Mai 2009 lasse sich er- sehen, dass bei Vorliegen spezieller Umstände wie vorliegend aus Art. 274a ZGB weitere Recht entstünden. 4.2 Ob sich ein Informations- und Auskunftsrecht der Beschwe rdeführer in den Bereichen Gesundheit, Besuchsbegleitung der sorge- und besuchsberechtigten Kindsmutter und Familien- begleitung des sorge- und obhutsberechtigten Kindsvaters überhaupt auf Art. 274a ZGB stützen lässt, kann vorliegend offengelassen werden kann, da die Einschränkung desselben durch die KESB C.____ bereits aus einem anderen Grund nicht zu beanstanden ist. Ein Informations- und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auskunftsrecht darf nach der bundesgerichtlichen Rechtsp rechung nämlich nicht als Kontroll- und Mitbestimmungsrecht missbraucht werden. Das Informationsrecht ist kein Mitbestimmungs- recht und das Auskunftsrecht kein Kontrollrecht. Wird da s Informations- und Auskunftsrecht zur Mitbestimmung in Kinderbelangen oder zur Kontrolle des Sorgerechtsinhabers missbraucht und damit pflichtwidrig ausgeübt, so kann es nach der bunde sgerichtlichen Rechtsprechung – wie jedes andere Recht – behördlich verweigert oder entzog en werden (vgl. Urteil des Bundesge- richts 5A_889/2014 vom 11. Februar 2015 E. 3.2.2 f. in Bezug auf das Informationsrecht eines Elternteils ohne elterliche Sorge). Das Obhutsrecht für F.____ steht alleine dem Kindsvater zu. Dieses umfasst einerseits die Befugnis, den Aufenthaltsort des Kindes und die Art und Weise seiner Unterbringung zu bestimmen, sowie andererseits di e Verantwortung für dessen tägliche Betreuung, Pflege und Erziehung (vgl. BGE 136 III 353 E. 3.2). Das eigenmächtige Vorgehen der Beschwerdeführer (wie das Aufsuchen von anderen Ärzt en mit F.____ ohne Information deren Eltern, das Infragestellen der bereits laufenden medizinischen Behandlung durch die langjährige Kinderärztin von F.____ sowie die Absicht, einen anderen Kinderarzt für F.____ zu bestimmen) belegt, dass es den Beschwerdeführern darum g egangen ist, selber über die Rich- tigkeit und Angemessenheit der medizinischen Behandlung von F.____ zu entscheiden. Dazu sind die Beschwerdeführer indes nicht berechtigt, auch wenn sie unbestrittenermassen ein gu- tes und enges Verhältnis zu F.____ haben. Sie haben sich Entscheidungsbefugnisse anmassen wollen, die ihnen als besuchsberechtigte Dritte bzw. Ga stfamilie nicht zustehen. Unter diesen Voraussetzungen hat die KESB C.____ den Beschwerdeführe rn zu Recht das Auskunftsrecht verweigert. 5. Soweit die Beschwerdeführer sodann die Besuchsbeglei tung der Kindsmutter und die Familienbegleitung des Kindsvaters in Frage stellen woll en, legen sie in ihrer Beschwerde- begründung nicht ansatzweise dar, inwiefern ihnen in diesen Bereichen Rechte zustehen wür- den, weshalb sich weitere Ausführungen dazu erübrigen. Sodann kann in Anbetracht des zu beurteilenden Streitgegenstands, des aufgrund der vorha ndenen Akten genügend klaren Sach- verhalts sowie der sich stellenden Rechtsfragen in antizip ierter Beweiswürdigung auf die Ab- nahme weiterer Beweismittel wie die Befragung von F._ ___ verzichtet werden, da weitere Be- weiserhebungen an der Überzeugung des Gerichts nichts zu ändern vermöchten. 6. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Beschw erde damit vollumfänglich ab- zuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess ordnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kosten pflichtig. Die Verfahrenskosten um- fassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und wer den in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Verfahrenskosten in de r Höhe von Fr. 1'400.-- den Be- schwerdeführern aufzuerlegen und mit dem geleisteten K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Die Parteikosten sind ausgangsgemäss wettzuschlagen (§ 21 Abs. 2 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 26. Juni 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 5A_484/2017) erhoben.