A bteilung IV D -5433/2006 sch/bah {T 0/2} U rteil vom 29. A ugust 2007 M itw irkung:R ichter H ans Schürch, R ichterin M adeleine H irsig-Vouilloz, R ichter R obert G alliker G erichtsschreiber C hristoph Basler A ._______, geboren _______, Türkei, w ohnhaft _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 13. Septem ber 2006 i.S. A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer, ein ethnischer Kurde m it letztem W ohnsitz in A._______, verliess sein H eim atland eigenen Aussagen gem äss am 8. Septem ber 2004 und gelangte am 21. Septem ber 2004 in die Schw eiz, w o er gleichentags um Asyl nachsuchte. Bei der Em pfangsstellenbefragung, die am 23. Septem ber 2004 in B._______ stattfand, sagte er aus, er sei in C ._______ eingeschriebenes M itglied der D EH AP gew esen. In A._______ sei er nicht eingeschrieben, aber dennoch ak- tiv gew esen. Bereits als Jugendlicher habe er die D EH AP unterstützt, indem er Plakate geklebt und Flugblätter verteilt habe. Verm utlich habe ihn jem and ange- zeigt, denn plötzlich sei er auf der Strasse von Polizeibeam ten in Zivilkleidung an- gehalten oder von zu H ause aus m itgenom m en w orden. M an habe ihn m ehrm als gefoltert. Bei der letzten Festnahm e habe m an ihm gesagt, er m üsse m it den Be- hörden zusam m enarbeiten, ansonsten riskiere er, inhaftiert oder um gebracht zu w erden. Er stam m e aus einer politisch aktiven Fam ilie, er selbst habe sich ab 1999 politisch engagiert. Als er 1999 am N evroz habe teilnehm en w ollen, habe m an ihm den Arm gebrochen. Einer seiner O nkel sei zu 36 Jahren H aft verurteilt w orden; dieser habe ihm em pfohlen, in den Krieg zu ziehen oder nach Europa zu gehen. (D ie kantonale Behörde) führte am 27. O ktober 2004 eine Anhörung des Be- schw erdeführers durch. D ieser m achte im W esentlichen geltend, bei ihm sei eine Zeitschrift gefunden w orden, als er die letzte Klasse der M ittelschule besucht habe. D ie Polizei habe ihn im Keller der Schule festgehalten und ihn verprügelt. N ach einem Streit zw ischen links- und rechtsgerichteten Schülern habe er das G ym nasium freiw illig verlassen, um einem Ausschluss zuvorzukom m en. Im August 2004 habe er eine Vorladung zur m ilitärischen M usterung erhalten, da sein Auf- schub zu Ende gegangen sei. D anach habe er ein Schreiben erhalten, w onach er als D ienstflüchtling gelte, aber noch Zeit habe, sich zu m elden. Er w isse, dass es seine Pflicht gew esen w äre, D ienst zu leisten, habe sich aber davor gefürchtet. Seine politische Prägung liege darin begründet, dass 1993 oder 1994 ihr D orf nie- dergebrannt w orden sei. D ie Polizei habe auf seine Fam ilie D ruck ausgeübt, um sie als Agenten zu gew innen. Er habe ein- oder zw eim al Kontakt m it m ilitanten G ruppen aufgenom m en, jedoch unter dem D ruck seiner Fam ilie auf einen Beitritt verzichtet. Er sei zur D EH AP gegangen und habe an jedem Treffen teilgenom m en. Er sei zw ar in C ._______ eingetragen w orden, die Polizei habe ihm aber nur Fra- gen zu seinem Engagem ent in A._______ gestellt; w äre er auch dort registriert ge- w esen, hätte m an ihn aus dem W eg geräum t. Zum ersten M al sei er am N evroz 1999 festgenom m en und auf einen Posten gebracht w orden, w o m an ihn gefoltert habe. D a ihm der Arm gebrochen w orden sei, habe er ein Am bulatorium aufge- sucht. Er habe einen Knochenriss erlitten, den er im m er noch spüre. Insgesam t sei er m ehr als zehnm al festgenom m en w orden. Im Jahre 2000 sei er bei einem M ee- ting festgenom m en w orden, im Jahre 2001 sei er zw eim al festgenom m en w orden. M an habe ihn im W inter abgeholt und ihm erstm als vorgew orfen, er sei PKK-Sym - pathisant; im Frühling habe m an ihn festgenom m en, als er die Zeitung "Ö zgür G ündem " verkauft habe. Im Jahr 2003 sei er dreim al festgenom m en w orden. Im Frühling habe er ins D EH AP-G ebäude gehen w ollen, als m an ihn kontrolliert und 3 anschliessend auf den Posten gebracht habe, w o er geprügelt w orden sei. Am 1. Septem ber 2003 habe er Flugblätter verteilt und sei auf dem N achhausew eg ange- halten w orden. M an habe ihn auf den Posten m itgenom m en, w o er bedroht und gefoltert w orden sei. Im D ezem ber 2003 sei er w iederum festgenom m en w orden, dabei habe m an ihm vorgeschlagen, er solle als Spitzel tätig w erden. M an habe ihn vier oder fünf Stunden lang verprügelt und anschliessend zu einem "Privatge- spräch" in ein Zim m er gebracht. M an habe ihn ausgefragt und ihm vorgeschlagen, er solle für die türkischen Behörden arbeiten. Er habe nicht direkt Stellung zu die- sem Angebot genom m en. Letztm als sei er im Februar 2004 festgenom m en w or- den. M an habe ihn in eine W ohnung gebracht, w o m an drei oder vier Stunden lang m it ihm gesprochen habe. M an habe ihn korrekt behandelt und ihn erneut zur Zu- sam m enarbeit aufgefordert. Ü ber die erlittenen M isshandlungen habe er nur m it seiner Fam ilie gesprochen. Er habe der D EH AP nichts davon erzählt, da er be- fürchtet habe, diese w erde sich für ihn einsetzen und dam it die Existenz seiner Fa- m ilie in G efahr bringen. Er habe sein H eim atland verlassen, w eil er um sein Leben gefürchtet habe. D er Beschw erdeführer reichte am 6. D ezem ber 2004 ein Arztzeugnis vom 11. N o- vem ber 2004 ein. D as Bundesam t ersuchte das Bundesgrenzschutzam t W eil am R hein am 22. M ärz 2005 um einen Abgleich der Fingerabdrücke des Beschw erdeführers. In ihrem Ant- w ortschreiben vom 3. M ai 2005 teilten die deutschen Behörden m it, der Beschw er- deführer sei unter der Identität B._______, geboren _______, am 15. Septem ber 2004 nach D eutschland eingereist. Er habe keinen Asylantrag gestellt und sei seit dem 29. Septem ber 2004 unbekannten Aufenthalts. Am 3. August 2006 führte das Bundesam t eine ergänzende Anhörung des Be- schw erdeführers durch. Er sagte aus, er habe sich für die D EH AP engagiert und dabei nichts Illegales getan. Seine Fam ilie interessiere sich für Politik; m ehrere seiner C ousins seien in den Bergen und ein O nkel sei im G efängnis. Als er noch sehr jung gew esen sei, habe seine Fam ilie die PKK unterstützt. Als er im D ezem - ber 2003 letztm als festgenom m en w orden sei, habe m an ihn in eine W ohnung ge- bracht, w o m an einlässlich m it ihm gesprochen habe. Bei der zw eitletzten Festnah- m e habe m an ihn auf den Posten m itgenom m en. M an habe ihn in den Keller ge- führt, er könne nicht über das sprechen, w as ihm dort w iderfahren sei. Auf N ach- frage schilderte er die Vorfälle w ie folgt: M an habe ihn schlecht behandelt, indem m an ihn angespuckt, ihm Strom stösse versetzt und ihn geschlagen habe; zuletzt habe m an ihn sexuell m isshandelt. D ie drittletzte Festnahm e m üsse sich im W inter 2002 zugetragen haben. Er sei dam als anlässlich der W ahlen in sein D orf gegan- gen und habe dort als W ahlbeobachter fungiert. M an habe nicht zugelassen, dass er die W ahlurne bis zum Auszählungsort habe begleiten können. Als er die Solda- ten zum dritten M al aufgefordert habe, ihm dies zu erm öglichen, sei er geschlagen w orden. Er sei einm al im Jahr 2002, zw eim al 1999 und einm al im Jahr 2000 fest- genom m en und m isshandelt w orden. M anchm al sei er auch auf der Strasse oder in Kaffeehäusern geschlagen w orden. Im Februar 2004 sei er nach Istanbul ge- reist, w o er sich m it einer gefälschten Identitätskarte aufgehalten habe. An einem anderen O rt der Türkei hätte er nur unter einer anderen Identität leben können, da er behördlich registriert w orden sei. Er gehe davon aus, dass er bei einer W ieder- einreise in sein H eim atland festgenom m en w ürde. Von seinen Eltern habe er er-4 fahren, dass er nach seinem W eggang zw eim al von Zivilbeam ten gesucht w orden sei. D er Beschw erdeführer reichte beim Bundesam t eine Em pfangsbestätigung der D EH AP, die Kopie einer Bestätigung des G ym nasium s und einen Briefum schlag ein. B. M it Verfügung vom 13. Septem ber 2006 lehnte das Bundesam t das Asylgesuch des Beschw erdeführers ab und verfügte dessen W egw eisung aus der Schw eiz, so- w ie den Vollzug. C . Am 13. O ktober 2006 reichte der Beschw erdeführer bei der dam als zuständigen Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) Beschw erde gegen diese Verfü- gung ein. D . M it Zw ischenverfügung vom 8. D ezem ber 2006 gew ährte der Instruktionsrichter der AR K dem Beschw erdeführer Frist zum N achreichen einer Beschw erdeverbes- serung. Zudem w urde er zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.-- auf- gefordert; dieser w urde am 27. D ezem ber 2006 eingezahlt. E. In der Beschw erdeverbesserung vom 19. D ezem ber 2006 beantragte der Be- schw erdeführer, es sei festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle und ihm Asyl zu gew ähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der W eg- w eisung unzulässig beziehungsw eise unzum utbar sei und die vorläufige Aufnahm e anzuordnen. F. D as Bundesam t beantragte in seiner Vernehm lassung vom 5. Februar 2007 die Abw eisung der Beschw erde. D ie Vernehm lassung w urde dem Beschw erdeführer vom Bundesverw altungsge- richt am 8. Februar 2007 zur Kenntnis ohne R eplikrecht gebracht. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängig gew esenen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ).5 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist einzutreten, da sow ohl die Beschw erdeergänzung als auch der erhobene Kos- tenvorschuss fristgerecht eingereicht beziehungsw eise geleistet w urden. 3. 3.1 D ie Schw eiz gew ährt Flüchtlingen unter Vorbehalt von Ausschlussgründen auf G e- such hin Asyl (vgl. Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG ). W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum indest glaubhaft m achen (Art. 7 Abs. 1 AsylG ). D ie Flüchtlingseigenschaft erfüllen Personen, w elche in ihrem H ei- m atstaat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnten, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationalität, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt sind oder begründe- te Furcht haben, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achtei- le gelten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M ass- nahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2 D ie im G esetz so definierte Flüchtlingseigenschaft erfüllt eine asylsuchende Per- son nach Lehre und R echtsprechung dann, w enn sie N achteile von bestim m ter In- tensität erlitten hat beziehungsw eise m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterw eise befürchten m uss, w elche ihr gezielt und auf- grund bestim m ter Verfolgungsm otive durch O rgane des H eim atstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt w orden sind beziehungsw eise zugefügt zu w er- den drohen (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylre- kurskom m ission [EM AR K ] 2006 N r. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff., 2005 N r. 21 E. 7 S. 193). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem H eim atland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. EM AR K 2005 N r. 21 E. 7 S. 193). 3.3 G laubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, w enn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in w esentlichen Punkten nicht w idersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der all- gem einen Erfahrung w idersprechen. D arüber hinaus m uss die gesuchstellende Person persönlich glaubw ürdig erscheinen, w as insbesondere dann nicht der Fall ist, w enn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abstützt, aber auch dann, w enn sie w ichtige Tatsachen unterdrückt oder bew usst falsch dar- stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen ausw echselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, m angelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige M itw irkung verw eigert. G laubhaftm achung bedeutet ferner - im G egensatz zum strikten Be- w eis - ein reduziertes Bew eism ass und lässt durchaus R aum für gew isse Einw än- de und Zw eifel an den Vorbringen des G esuchstellers. Entscheidend ist, ob im 6 R ahm en einer G esam tw ürdigung die G ründe, die für die R ichtigkeit der Sachver- haltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überw iegen oder nicht. D abei ist auf eine objektivierte Sichtw eise abzustellen (vgl. Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG ; EM AR K 2005 N r. 7 E. 6 S. 64 ff., N r. 21 E. 6.1. S. 190 f., 1996 N r. 27 E. 3c.aa S. 263 f., N r. 28 E. 3a S. 270). 4. 4.1 D as BFM begründete seinen Entscheid dam it, dass das Vorbringen des Beschw er- deführers, w onach sein H eim atdorf zirka 1993 niedergebrannt w orden sei, zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus der Türkei zu w eit zurückgelegen habe, als dass es als Anlasse für diese angesehen w erden könne. D ie von ihm geltend gem achten Festnahm en und M isshandlungen, die sich in den Jahren 1999 bis Anfang 2004 zugetragen hätten, stünden in Zusam m enhang m it den für die D EH AP in A._______ ausgeübten Tätigkeiten. Es sei davon auszugehen, dass die lokalen Si- cherheitskräfte auf ihn hätten D ruck ausüben w ollen, dam it er sich entw eder von der D EH AP distanziere oder m it den Sicherheitskräften zusam m enarbeite. D iesen Ü bergriffen hätte er sich indessen durch Verlegung seines W ohnsitzes entziehen können. Eigenen Angaben zufolge sei er nie angezeigt w orden und es sei auch kein G erichtsverfahren gegen ihn eingeleitet w orden. Innerhalb der D EH AP habe er nie eine Führungsfunktion inne gehabt, sondern sei deren jugendlicher Sym pa- thisant gew esen. G em äss Erkenntnissen des Bundesam tes befänden sich solche Sym pathisanten in jüngerer Zeit in der R egel nicht im Visier der türkischen Behör- den. Aufgrund der Akten könne nicht geschlossen w erden, der Beschw erdeführer sei w egen seiner Verw andten benachteiligt w orden. Som it seien keine Anhalts- punkte dafür vorhanden, dass er landesw eit asylrechtlich beachtliche Verfolgungs- m assnahm en zu befürchten hätte. Folglich könne ihm die W ohnsitznahm e im W esten der Türkei zugem utet w erden. Es sei darauf hinzuw eisen, dass die Asylge- w ährung nicht als Kom pensation für vergangene Verfolgung diene. D ie von ihm er- littenen, m assiven Eingriffe in die physische Integrität seien nicht asylrelevant, da er nicht des Schutzes der Schw eiz bedürfe. Es m üsse indessen auf gew isse Zw ei- fel an seinen Vorbringen hingew iesen w erden. Er habe die Festnahm en teilw eise unterschiedlich datiert und die von ihm angeführte sexuelle M isshandlung sei w e- nig substanziiert. Er habe angegeben, nicht darüber sprechen zu können, obw ohl für die ergänzende Bundesanhörung ein reines "M ännerteam " zusam m engestellt w orden sei. Es sei deshalb schw ierig zu beurteilen, ob dieses Ereignis stattgefun- den habe. Im W eiteren sei nicht nachvollziehbar, dass er trotz der angeblichen Festnahm en und M isshandlungen bis im Jahre 2004 in A._______ geblieben sei. D ie R ekrutierung des Beschw erdeführers oder eine allfällige Bestrafung w egen D ienstversäum nisses w ürde keine asylbeachtliche M assnahm e darstellen. D a er keine R eise- oder Identitätspapiere eingereicht habe, stünden seine Identität und nam entlich der Ausreisezeitpunkt nicht fest. 4.2 In der Beschw erde w ird ausgeführt, der Beschw erdeführer sei ab dem Jahre 1999 m ehrm als von staatlichen Sicherheitskräften verhaftet und gefoltert w orden. D as Bundesam t anerkenne offenbar grundsätzlich, dass es sich bei den N achteilen, die er erlitten habe, um asylrelevante Verfolgungsm assnahm en handle, w elche im Zu- sam m enhang m it seinen Aktivitäten für die D EH AP stünden und ihm eine R ück-7 kehr in die H eim atgegend verunm öglichten. Er sei zw ischen 1999 und 2004 un- zählige M ale verhaftet, verhört und gefoltert w orden. D ie H äufigkeit und Intensität der Ü bergriffe sow ie die Tatsache, dass die Sicherheitskräfte ihn hätten als Spitzel gew innen w ollen, lasse es als w ahrscheinlich erscheinen, dass ein hohes Interes- se an seiner Person bestehe und er auch ohne form elles Verfahren als aktives D EH AP-M itglied registriert und landesw eit zur Fahndung ausgeschrieben sei. G e- fährdungserhöhend w irke der U m stand, w onach m ehrere Fam ilienm itglieder be- hördlich bekannt seien. Seine Eltern hätten ihm bestätigt, dass zivile Fahnder nach w ie vor nach ihm fragen w ürden. In der Türkei bestünden verschiedene Arten von D atenblättern, die bei einer Kontrolle zur Festnahm e führen könnten. Es m üsse davon ausgegangen w erden, dass er bei einer R ückkehr in die Türkei bereits am Flughafen verhaftet w ürde. Er könne nicht m it einem fairen Verfahren rechnen und riskiere, der Folter ausgesetzt zu w erden. N ach dem G esagten verstehe sich von selbst, dass er keine innerstaatliche Fluchtalternative habe. Es treffe zu, dass er die Festnahm en nicht im m er ganz gleich datiert habe, w as angesichts deren grosser Anzahl und des Zeitablaufs nachvollziehbar sei. Zudem habe ihn die Be- fragung zu den ihn belastenden Ereignissen durcheinander gebracht. D en Vorw urf, die Schilderung der sexuellen M isshandlung sei zu w enig substanziiert, em pfinde er als deplatziert. Er habe grosse M ühe, über diese dem ütigenden Ereignisse zu sprechen. D aran ändere nichts, dass die Befrager M änner gew esen seien, sei er doch auch von M ännern gepeinigt w orden. D ass er trotz der Verfolgungsm assnah- m en in A._______ geblieben sei, hänge vor allem m it seinem jugendlichen Alter zusam m en. Er habe die Schule abschliessen w ollen und seine Eltern hätten gro- sse Erw artungen an ihn gehabt. 5. 5.1 D as Bundesam t ist bei der Beurteilung der Vorbringen des Beschw erdeführers da- von ausgegangen, dass diese grundsätzlich glaubhaft sind. Auch das Bundesver- w altungsgericht kom m t angesichts des G ehalts der Aussagen zu diesem Schluss, denn der U m stand, w onach er einzelne Vorfälle nicht genau datieren konnte, ver- m ag angesichts des Zeitablaufs und der zahlreichen "Begegnungen" m it den Si- cherheitskräften nicht zu erstaunen. D er Auffassung des Bundesam tes, w onach die vom Beschw erdeführer angeführte sexuelle M isshandlung w enig substanziiert sei, ist insofern beizupflichten, als er dazu keine Angaben m achen w ollte oder konnte. In diesem Sinne trifft auch die Aussage des Bundesam tes zu, die Frage der G laubhaftigkeit der angedeuteten sexuellen Ü bergriffe sei schw ierig zu beurtei- len. D as Bundesam t hat die Anhörung des Beschw erdeführers durch ein "M änner- team " durchgeführt und ist dam it Art. 6 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfra- gen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) sow ie der R echtsprechung der ehem aligen AR K gefolgt (vgl. EM AR K 2003 N r. 2 E. 5c S. 19 f.). D ie Tatsache, dass der Beschw erdeführer auch vor einem "M ännerteam " keine Aussagen zu den Vorkom m nissen auf dem Posten, die ihn in seiner sexuellen Integrität verletzt hät- ten, m achte, gibt indessen für die Frage der Beurteilung der G laubhaftigkeit keine Anhaltspunkte. Es kann auch angesichts der in Art. 6 AsylV 1 aufgestellten R ege- lung und der Erw ägungen der AR K im angeführten U rteil keinesw egs als zw ingend erachtet w erden, dass eine von sexueller G ew alt betroffene Person sich vor Per- sonen gleichen G eschlechts freier über das ihr W iderfahrene äussern kann. U m 8 den Betroffenen gerecht zu w erden, bedarf es einer individuellen Betrachtungsw eise. Vorliegend hat der Beschw erdeführer auf die Aussage des Befragers, m an habe ein "M ännerteam " zusam m engestellt und er m üsse nicht vor Frauen aussagen, geantw ortet, er könnte auch vor anderen Leuten oder vor Frauen nicht darüber sprechen. O b es sich bei einer solchen Antw ort eines G esuchstellers um eine Schutzbehauptung handelt oder ob er tatsächlich nicht über das ihm W iderfahrene sprechen kann, ist schw ierig festzustellen und m uss anhand des G esam tkontextes beurteilt w erden. Vorliegend kann gem äss Auffassung des Bundesverw altungsgerichts allein aufgrund des U nverm ögens des Beschw erdeführers, über die angedeuteten Vorfälle zu sprechen, nicht geschlossen w erden, diese hätten sich nicht zugetragen, da er über die einzelnen Begegnungen m it den türkischen Sicherheitskräften recht differenziert berichtet hat und seine Vorbringen als glaubhaft erscheinen. Zusam m enfassend ist festzustellen, dass die Vorbringen des Beschw erdeführers von ihm im W esentlichen w iderspruchsfrei, kohärent und von zahlreichen R eal- kennzeichen geprägt geschildert w urden und m it den Begebenheiten in der Türkei in Ü bereinstim m ung zu bringen sind. D ie Auffassung des Bundesam tes, w onach der Beschw erdeführer sich bei der Schilderung der Verfolgungsm assnahm en nicht im m er an die Fakten gehalten, sondern einige Punkte m it fiktiven Elem enten ange- reichert habe, kann nicht geteilt w erden. Aufgrund der gesam ten Aktenlage ent- steht nicht der Eindruck, der Beschw erdeführer habe die von ihm erlittenen G ew al- terlebnisse übersteigert dargestellt. So gab er ohne U m schw eife an, dass er diese habe verarbeiten können und m it beiden Füssen auf dem Boden stehe; eine Aus- sage die gegen eine bei Asylgesuchstellern oftm als festzustellende D ram atisie- rung beziehungsw eise "Ausschm ückung" der eigenen Erlebnisse spricht. 5.2 In der angefochtenen Verfügung w ird zw ar berechtigterw eise darauf hingew iesen, dass der Beschw erdeführer trotz entsprechender Aufforderung w eder eine Identi- tätskarte noch einen R eisepass nachreichte. Er brachte indessen einen R egister- auszug, eine Bestätigung des M uhtars, einen Kursausw eis und eine auf ihn ausge- stellte Q uittung der D EH AP sow ie Kopien von Zeugnissen des G ym nasium s bei, w as gew isse R ückschlüsse auf seine Identität zulässt. Angesichts der eingereich- ten D okum ente und der persönlichen G laubw ürdigkeit des Beschw erdeführers hegt das Bundesverw altungsgericht keine erheblichen Zw eifel an der von ihm ge- genüber den Schw eizerischen Asylbehörden geltend gem achten Identität. 5.3 5.3.1 H insichtlich der asylrechtlichen R elevanz der Vorbringen geht das Bundesam t zu R echt davon aus, dass die vom Beschw erdeführer geltend gem achte Inbrandset- zung seines H eim atdorfes nicht U rsache seiner Ausreise aus der Türkei w ar und deshalb schon aufgrund des m angelnden Kausalzusam m enhangs asylrechtlich ir- relevant ist. Er m achte auch nie geltend, dass dieses Ereignis im Zusam m enhang m it seiner Ausreise stehe, erklärte aber sein politisches Engagem ent für die "Sa- che der Kurden" unter anderem m it diesem ihn prägenden Ereignis in seiner Kind- heit, w as nachvollziehbar ist. 5.3.2 D ie vom Beschw erdeführer subjektiv em pfundene Furcht, w egen seiner Aktivitä- ten für die D EH AP und seines Persönlichkeitsprofils w eiterhin O pfer von ernsthaf- ten, seine körperliche Integrität oder seine Freiheit gefährdenden Benachteiligun-9 gen zu w erden, kann nach Auffassung des Bundesverw altungsgerichts sow ohl für den M om ent der Ausreise als auch für den heutigen Zeitpunkt als begründet be- zeichnet w erden. D ie W ahrscheinlichkeit, dass er im Falle einer R ückkehr in die Türkei erneut O pfer von Verfolgungshandlungen w ürde, erscheint als erheblich, zum al sein U ntertauchen und die dam it einher gehende W eigerung, Inform ant der Sicherheitsbehörden zu w erden, m it hoher W ahrscheinlichkeit von den türkischen Behörden als Ausdruck einer separatistischen G rundhaltung interpretiert w erden w ird (vgl. EM AR K 2005 N r. 21 E. 10.3.2. S. 201). D er Beschw erdeführer w ar zum Teil m assiven staatlichen Verfolgungsm assnahm en ausgesetzt, die erhebliche physische und psychische W unden hinterlassen haben, auch w enn er selbst ein- räum te, er habe die G ew alterlebnisse recht gut verarbeiten können. D esw egen darf von ihm eine unbelastete Einstellung gegenüber den türkischen Sicherheits- behörden fairerw eise nicht erw artet w erden. D am it kann sich der Beschw erdefüh- rer auf objektive G ründe für eine - im Vergleich zu einer bislang unbehelligten D urchschnittsperson - ausgeprägtere (subjektive) Furcht berufen, w eshalb bei ihm die Schw elle für die Begründetheit der von ihm em pfundenen Ängste entspre- chend tiefer anzusetzen ist (vgl. EM AR K 2005 N r. 21 E. 7.1. S. 93, m it w eiteren H inw eisen). 5.3.3 W as die w eiteren konstitutiven Elem ente des Flüchtlingsbegriffs (vgl. Erw . 3.1. hiervor) anbelangt, so präsentiert sich die Aktenlage ebenfalls eindeutig zu G uns- ten des Beschw erdeführers. Aufgrund seiner Sachverhaltsdarstellung können ins- besondere keine vernünftigen Zw eifel daran bestehen, dass die erlittenen bezie- hungsw eise zu R echt befürchteten Behelligungen gezielt gegen seine Person ge- richtet w aren oder sein w ürden, um ihn w egen seiner politischen Anschauung und ethnischen Zugehörigkeit zu benachteiligen. 5.3.4 Von einer Fluchtalternative innerhalb der Landesgrenzen der Türkei kann derzeit ebenfalls nicht ausgegangen w erden. N ach Praxis sind die Anforderungen an die Effektivität des am Zufluchtsort gew ährten Schutzes hoch anzusetzen. Eine w irk- sam e Schutzgew ährung erscheint vorliegend ausgeschlossen, da der Beschw er- deführer bereits bei seiner Einreise w egen R efraktion festgenom m en w erden dürf- te. Im R ahm en der in diesem Zusam m enhang stehenden Abklärungen w ürden die Behörden seiner H erkunftsprovinz inform iert w erden, w as eine Ü berstellung an dieselben zur Folge haben dürfte. D a er von eben diesen Behörden gesucht w ird und bereits m assive G ew alt erfahren hat, erscheint seine Furcht vor erneuten Ü bergriffen als realistisch. Aufgrund der den Sicherheitsbehörden bekannten politi- schen Anschauungen des Beschw erdeführers, die auch den M ilitärbehörden be- kannt gegeben w ürden, ist es nachvollziehbar, dass er zudem eine begründete Furcht hat, im Falle einer R ekrutierung für den M ilitärdienst asylrechtlich relevanter Verfolgung ausgesetzt zu sein. Er hat genügend G ründe dargelegt, die seine Furcht vor einer real drohenden Verfolgung auch aufgrund einer objektivierten Be- trachtungsw eise als nachvollziehbar erscheinen lassen. U nter diesen U m ständen ist davon auszugehen, dass für ihn in keinem anderen Landesteil effektive Sicher- heit vor Behelligungen w ie die bereits erlebten besteht (vgl. EM AR K 2005 N r. 21 E. 11.1. S. 201 f., m it w eiteren H inw eisen). D em Beschw erdeführer kann som it kei- ne innerstaatliche Fluchtalternative entgegengehalten w erden. 5.3.5 Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Beschw erdeführer entge- gen seinen eigenen Angaben unm ittelbar an gew altsam en Aktionen beteiligt hätte. 10 Er setzte sich im R ahm en einer legalen Partei m it friedlichen M itteln für die Interessen der kurdischen Bevölkerung ein. Es fehlt som it an konkreten H inw eisen auf ein Fehlverhalten, w elches unter einen oder m ehrere der von Art. 1 F des Abkom m ens vom 28. Juli 1951 über die R echtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30) um fassten Fälle zu subsum ieren w äre. Eine tatbeständliche G rundlage, w elche den Ausschluss des Beschw erdeführers vom Flüchtlingsbegriff zur Folge hätte (vgl. EM AR K 1996 N r. 18 E. 5-7 S. 173 ff.), liegt dem nach nicht vor. 5.3.6 D am it sind säm tliche Kriterien der in Art. 3 AsylG enthaltenen D efinition als erfüllt zu betrachten. Som it kann festgehalten w erden, dass der Beschw erdeführer ent- gegen der Beurteilung durch das Bundesam t die Voraussetzungen für die Zuer- kennung der Flüchtlingseigenschaft erfüllt. D em entsprechend ist ihm m angels An- zeichen für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes (Art. 53 AsylG ) in der Schw eiz Asyl zu gew ähren (vgl. Art. 49 AsylG ). 6. D ie Beschw erde ist daher gutzuheissen und die Verfügung vom 13. Septem ber 2006 aufzuheben. D as BFM ist anzuw eisen, dem Beschw erdeführer Asyl zu ge- w ähren. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ). D er vom Beschw erdeführer geleistete Kostenvorschuss ist ihm zurückzuerstatten. 7.2 D em Beschw erdeführer w äre - als vollständig obsiegender Partei - für die ihm im Beschw erdeverfahren erw achsenen notw endigen Kosten eine Parteientschädi- gung zuzusprechen (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 7 Abs. 1 des R egle- m ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D a er im Beschw erdeverfahren nicht anw altlich vertreten w ar, ist nicht davon auszugehen, dass ihm Kosten er- w achsen sind, w eshalb keine Parteientschädigung zu entrichten ist. (D ispositiv nächste Seite) 11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie Verfügung des BFM vom 13. Septem ber 2006 w ird aufgehoben und das BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer in der Schw eiz Asyl zu gew ähren. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. D er geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschw erdeführer zurück- zuerstatten. 5. Es w ird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 6. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer (eingeschrieben; Beilage: Form ular "Zahladresse" m it R ückantw ortcouvert) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (Kopie, R ef.-N r. N _______) - (die kantonale Behörde) D er R ichter: D er G erichtsschreiber: H ans Schürch C hristoph Basler Versand am :