Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 26. Januar 2012 (720 11 407) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Christine Dedato Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Peter Bürkli, LL.M., Advokat, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1973 geborene A.____ war seit 1. Oktober 2001 als Mitarbeiterin im Verkauf, Ab- teilung Papeterie bei der B.____ AG tätig. Dieses Arbeitsverhältnis wurde durch die Arbeitgebe- rin per 31. März 2003 aufgelöst, nachdem A.____ seit 25 . Oktober 2002 krankheitsbedingt voll- ständig arbeitsunfähig war. In der Folge meldete sich A .____ am 16. September 2003 unter Hinweis auf Depressionen bei der Eidgenössischen Invaliden versicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und der erwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft nach durchgeführtem Vorb escheidverfahren mit Verfügung vom 17. Januar 2005 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. Seite 2 Am 6. Februar 2009 wurde A.____ von ihrer Arbeitgebe rin C.____ AG zur Früherfassung bei der IV angemeldet. Nach erneuter Abklärung der gesund heitlichen und der erwerblichen Ver- hältnisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft nach dur chgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 3. Oktober 2011 erneut einen Anspruch auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung vom 3. Oktober 2011 erhob A .____, vertreten durch Peter Bürkli, Advokat, am 7. November 2011 Beschwerde beim K antonsgericht, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin rügte sie die Verl etzung des Untersuchungsgrundsat- zes, die unrichtige Feststellung des rechtserheblichen Sach verhalts sowie die Verletzung ihrer Mitwirkungsrechte im Abklärungsverfahren der IV. Sie be antragte, dass eine IV-Rente auszu- richten, ein gerichtliches Gutachten zur Arbeitsfähigkei t anzuordnen sowie eventualiter der Sachverhalt zur vollständigen Abklärung an die Vorinstan z zurückzuweisen sei; unter o/e- Kostenfolge. C. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 7. Dezember 2011 die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) vom 3. Oktober 2011, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-L andschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügung en der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 7. November 2011 (Datum der Postaufgabe) ist demnach einzutreten. 2.1. Die Beschwerdeführerin rügte die Verletzung ih rer Mitwirkungsrechte. Die IV-Stelle habe ihre Mitwirkungsrechte im Hinblick auf BGE 137 V 21 0 verletzt, indem sie den Gutachter bloss mittels Mitteilung an die Beschwerdeführerin besti mmt habe und die Begutachtung durch Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hab e durchführen lassen. Dies trotz des Einwandes vom 1. März 2011, dass fraglich sei, ob der Gutachter aufgrund der erneuten Begutachtung unparteilich und unvoreingenommen sei. 2.2 Nach Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Al lgemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 hat der Versicher ungsträger über Leistungen, Forde- rungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einver- standen ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Leistungen , Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen, können nach Art. 51 Abs. 1 ATSG in einem formlo- sen Verfahren behandelt werden; diesfalls räumt Abs. 2 dieser Bestimmung der betroffenen Person die Möglichkeit ein, den Erlass einer Verfügung zu verlangen. Seite 3 2.3 Aus der zentralen Bedeutung des Gutachtens alleine k ann nicht auf den Verfügungscha- rakter einer Gutachtenanordnung geschlossen werden. Zu unterscheiden ist vielmehr zwischen der Anordnung einer Expertise einerseits und dem Ent scheid der Verwaltung über die in der Folge geltend gemachten Ausstands- und Ablehnungsgründe gegenüber der Person des Gut- achters andererseits. Nach dem Wortlaut von Art. 44 Satz 1 ATSG hat der Versicherungsträger der versicherten Person die Namen bekannt zu geben, wen n ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen eingeholt wird. Gemäss A rt. 44 Satz 2 ATSG kann die versi- cherte Person den Gutachter aus triftigen Gründen able hnen. Fehlen die Angaben über die Person des Sachverständigen, kann die betroffene Person ihre in Art. 36 Abs. 1 ATSG veran- kerten Ansprüche nicht wirksam geltend machen (vgl. BGE 1 32 V 384, E. 7.3). Falls das Gut- achten nicht durch eine natürliche Person, sondern durch eine Gutachterstelle erstellt wird, sind der versicherten Person die Namen derjenigen Sachverständigen mitzuteilen, die am Gutachten mitwirken. Mit der Namensnennung verbunden ist ausserde m die Pflicht, die ärztliche Speziali- sierung zu nennen (vgl. SVR 2007 IV Nr. 27). Art. 44 A TSG regelt den Zeitpunkt der Bekannt- gabe der Namen der oder des Sachverständigen nicht ausdrücklich. Auszugehen ist jedoch von einer vorgängigen Mitteilung, andernfalls nicht gewäh rleistet wäre, dass die Mitwirkungsrechte ihre Funktion erfüllen können (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2009, 2. Aufl., Rz. 15 zu Art. 44 ATSG). Erhebt der Versicher te keine Einwendungen gegen einen konkreten Gutachter, bleibt es dabei und es ist keine Ve rfügung zu treffen. Werden hingegen substantiierte Einwendungen vorgebracht, welche eine B efangenheit der an der Begutachtung mitwirkenden sachverständigen Personen im Sinne von Art. 36 ATSG zu begründen vermögen, hat der Versicherungsträger darüber eine Verfügung zu erlassen. Art. 44 ATSG setzt somit nicht voraus, dass die Namensnennung der begutachtenden P ersonen zusammen mit der An- ordnung über die durchzuführende Begutachtung zu erfolgen hätte. Auch wenn ein Zusammen- legen dieser beiden Mitteilungen rationell erscheinen mag, ist ein solches Vorgehen insbeson- dere im Rahmen der Begutachtung durch eine Institution aus sachlichen Gründen oft nicht prak- tikabel. Die Namen der Gutachter können deshalb auch er st später eröffnet werden. Der Sozi- alversicherer hat diesfalls in Form einer einfachen Mit teilung an die versicherte Person zu- nächst das Gutachten anzuordnen. Dabei handelt es sich j edoch um einen Realakt. Der vor- gängigen Anordnung einer Begutachtung als solches kommt deshalb noch kein Verfügungscha- rakter zu (vgl. BGE 132 V 106, E. 5.2.10; ebenso Urt eil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2007, U 31/07, E. 4). Sind dem Sozialversicherer im Zeitpunkt der Anordnung der Begutachtung die Namen der begutachtenden Ärzte noch nicht bekannt, hat er dies der versicherten Person mit dem Hinweis mitzuteilen, dass ihr diese zu einem spä teren Zeitpunkt - allenfalls von der Begutachtungsstelle direkt - genannt werden und sie da nn zumal allfällige Einwendungen im Sinne von Art. 36 ATSG geltend machen kann. Erst absch liessend ist von der Verwaltung mit- tels einer beschwerdefähigen Verfügung über die gesetzl ichen Ausstands- und Ablehnungs- gründe zu befinden. Werden von der versicherten Person hingegen materielle Einwendungen geltend gemacht, hat die Verwaltung die versicherte P erson darauf hinzuweisen, dass darüber im Rahmen der Beweiswürdigung zusammen mit dem Entschei d in der Sache selbst entschie- den werden wird (vgl. BGE 132 V 108, E. 6.5). 2.4.1 Während dem Vorbescheidverfahren hatte sich die IV-Stelle gemäss Argumentation der Beschwerdeführerin auf das versicherungspsychiatrische Gutachten von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 11. März 2010, wel ches von der F.____ AG in Auf- Seite 4 trag gegeben wurde, abgestützt. Aufgrund der Stellun gnahme des Vertreters der Beschwerde- führerin vom 12. Januar 2011 zum Vorbescheid vom 26. No vember 2010 gab die IV-Stelle ein Folge-Gutachten bei Dr. D.____ in Auftrag. Dies wurde dem Vertreter der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 23. Februar 2011 mitgeteilt. Mit Sch reiben vom 1. März 2011 machte der Vertreter der Beschwerdeführerin pauschal geltend, dass der Gutachter, Dr. D.____, die Be- schwerdeführerin bereits im Jahre 2003 psychiatrisch beguta chtet habe und sich deshalb die Frage stellen würde, ob Dr. D.____ die erneute Begut achtung unparteilich und unvoreinge- nommen vornehmen könne. Die IV-Stelle erliess keine Ver fügung bezüglich einer Gutachtena- nordnung, stattdessen bat die IV-Stelle den RAD, Dr. G .____ nach Vorliegen des Gutachtens von Dr. D.____ vom 11. Juni 2011 um Stellungnahme zum Einwand der Beschwerdeführerin vom 1. März 2011. Allein die Tatsache, dass ein Gutachter eine versichert e Person bereits begutachtet hat, führt grundsätzlich nicht zur Annahme der Befangenheit diese s Gutachters. Im Gegenteil kann es von Vorteil sein, wenn sich ein Gutachter bereits einmal mit der versicherten Person befasst hat, weil er damit auf die gesundheitliche Entwicklung allenfalls besser eingehen und den zwi- schenzeitlichen Verlauf besser beurteilen kann. Ein pausch aler Hinweis auf die mögliche Un- parteilichkeit bzw. Unvoreingenommenheit eines Gutachters genügt nicht (vgl. E. 2.3). Der Ver- treter der Beschwerdeführerin konnte weder substantiier te Einwendungen in Bezug auf eine Unzumutbarkeit einer erneuten Begutachtung durch den ge nannten Gutachter noch konkrete Anhaltspunkte oder triftige Gründe für die Befangenh eit nennen. Auch hat der Vertreter der Be- schwerdeführerin nicht um Erlass einer Verfügung gemäss A rt. 51 Abs. 2 ATSG gebeten. Es kann als Zwischenergebnis festgehalten werden, dass keine Befangenheitsgründe vorliegen. 2.4.2 Soweit der Vertreter der Beschwerdeführerin rü gt, dass eine blosse Mitteilung den An- forderungen der Verfahrensrechte der versicherten Person nicht genüge und sich hierzu auf BGE 137 V 210, E. 3.4 stützt, ist zu sagen, dass dieser am 28. Juni 2011 gefällt worden ist. Das Bundesgericht hat mit seinem Entscheid die bisherige Rec htsprechung, insofern geändert als die Ausgestaltung der Beteiligungsrechte der versicherten Person im Abklärungsverfahren der IV-Stelle den verfahrensbezogenen Garantien gemäss Art . 29 BV und Art. 6 Ziff. 1 Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Euro päische Menschenrechtskonventi- on [EMRK]) vom 4. November 1950 genügen muss und dass meh r als bisher das Bestreben um eine einvernehmliche Gutachtenseinholung in den Vordergrund zu stellen ist. Gemäss Bun- desgericht könne nicht länger an der Rechtsprechung fe stgehalten werden, wonach für die An- ordnung einer Expertise eine blosse Mitteilung genüge . Vielmehr sei die (bei fehlendem Kon- sens zu treffende) Anordnung, eine Expertise einzuhole n, in die Form einer Verfügung zu klei- den (Art. 49 ATSG), welche dem Verfügungsbegriff gem äss Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG) vom 20. Dezember 196 8 entspricht (BGE 130 V 388 E. 2.3 S. 391; BGE 137 V 210, E. 3.4.2.6). Der Entscheid de s Bundesgerichts vom 28. Juni 2011 (BGE 137 V 210) ist sowohl nach Anordnung des Gutachtens (22. Februar 2011), Durchführung der Untersuchung (27. Mai 2011) und Berichterstattung durch Dr. D.____ (11. Juni 2011) gefällt worden. Die IV-Stelle wusste zum Zeitpunkt der Beauft ragung von Dr. D.____ nichts von der Ende Juni 2011 anstehenden Praxisänderung des Bundesge richts. Die IV-Stelle sah deshalb keinen Anlass von ihrer bisherigen Vorgehensweise abzuwei chen, was nicht zu beanstanden ist. Seite 5 2.4.3 Wenn man davon ausginge, dass die IV-Stelle die Mitwirkungsrechte der Beschwerde- führerin verletzt hätte, käme eine Verletzung des rechtlichen Gehörs in Frage. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet d er Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst grundsätzlich zur Aufhebung der ange fochtenen Verfügung (vgl. BGE 127 V 437 E. 3d/aa, 126 V 132 E. 2b mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs aber geheilt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor ei ner Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüf en kann. Die Heilung eines - allfälli- gen - Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (vgl. BGE 127 V 437 E. 3d/aa, Urteil des Bun- desgerichts vom 4. August 2008, 9C_234/2008, E. 2.1). Darüber hinaus ist im Sinne einer Hei- lung des Mangels - selbst bei einer schwerwiegenden Ver letzung des Gehörsanspruchs - von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betro ffenen Partei an einer schnellen beför- derlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 133 I 201 E. 2.2, 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis). Eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung verbunden mit der Rückweisung der Angele- genheit an die IV-Stelle zum Erlass einer neuen Verfügung würde vorliegend zu einem formalis- tischen Leerlauf führen. Da die Beschwerdeführerin vor dem Kantonsgericht die Möglichkeit hatte, sich zur Verletzung ihrer Mitwirkungsrechte sowie den Befangenheitsgründen des Gut- achters zu äussern, und dieses die Sach- und Rechtslage umf assend und mit voller Kognition frei überprüft hat, ist von einer Rückweisung der Angelegenheit abzusehen. 3.1 Materiell ist der Anspruch der Beschwerdeführerin a uf eine IV-Rente zu prüfen. An- spruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG, Ve rsicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätig en, nicht durch zumutbare Eingliede- rungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbesser n können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mind estens 40 % arbeitsunfähig gewe- sen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem In-Kraft-Tre ten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilu ngen) bleibt folglich weitestgehend an- wendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der Seite 6 durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternati- ve Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des IV-Grades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad bestimmen (allgemeine Methode des Ein kommensvergleich; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Seite 7 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Die se sind im Bereich der Unfallversiche- rung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltu ngsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 6.1.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des medizinischen Sachverhaltes und zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei Dr. D.____, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches am 11. Juni 2011 erstattet wurde. Darin hielt Dr. D.____ als Diagnose ohne Auswir- Seite 8 kung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somato forme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine dissoziative Störung (ICD-10 F.44.7) sowie eine rezidivierende depressive Störung, ge- genwärtig remittiert (ICD-10 F.33.0), fest. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, bei der Versicherten bestehe aus psychiatrischer Sicht für sämtliche Arbeiten, sowohl in den bisherigen Tätigkeiten als Coiffeuse, Verkäuferin u nd Hilfsarbeiterin sowie in anderen Tä- tigkeiten, eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Weiter wurde von Dr. D.____ attestiert, dass die Beschwerdeführerin ihre Symptome weitgehend steuern und so einer vollumfänglichen Arbeitstätigkeit nachgehen könne. Am 22. Dezember 2003 hatte Dr. D.____ bereits ein p sychiatrisches Gutachten über die Be- schwerdeführerin erstellt und kam dabei bezüglich der D iagnosen zum gleichen Schluss wie im Verlaufsgutachten. Auch dort hatte er schon festgestellt, dass die Beschwerdeführerin an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10:F45.4 ), eine dissoziative Störung (ICD- 10:F44.7) sowie einen St. nach mittelgradiger depre ssiver Episode (ICD-10:F32.1) leidet, wel- che keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Weiter verdränge sie ihre Schwierigkei- ten, was sich dann in somatischen Symptomen in Form einer dissoziativen Störung äussere. Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hatt e als zweiter Facharzt in seinem Gutachten vom 6. Dezember 2004 zur Überprüfung der gesu ndheitlichen Situation die gleichen Diagnosen gestellt und auch die Auswirkungen auf die Ar beitsfähigkeit gleich beurteilt wie Dr. D.____. Im Austrittsbericht der kantonalen psychiatrischen Klinik vom 15. September 2009 stellte Dr. I.____, Assistenzarzt, der Beschwerdeführerin folgen de Diagnosen: Mittelgradige depressi- ve Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) un d zunehmenden psychosenahen Symptomen sowie Probleme mit den ökonomischen Verhält nissen und dem Beruf (ICD-10: Z56, Z59), unspezifische Nacken-, Schulter und Hüftschmer zen sowie leichte Vitiligo. Eine ge- naue Diagnose der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin lässt sich dem Austrittsbericht nicht entnehmen, jedoch enthält der Austrittsbericht die Auss age, dass sich die Beschwerdeführerin bei stabilisiertem Gesundheitszustand beim Arbeitsamt z unächst mit einer Arbeitsfähigkeit von 50 % anmelden solle. Dr. E.____ hatte in seinem Gutachten zuhanden der F .____ vom 11. März 2010 folgende Diag- nosen attestiert: aktuell keine krankheitswertige psychische S törung sowie Verdacht auf emoti- onal instabile, idealisierende/entwertende Persönlichkei tszüge ohne Krankheitswert. Er wider- spricht dem Vorliegen einer spezifischen Persönlichkeitsstö rung gemäss ICD-10 etwa im Sinne einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, Borde rline Typus oder auch nur grenzwertig krankheitswertige akzentuierte Persönlichkeitseigenschaften. Eine aktuelle depressive Episode verneinte er, ebenso dass aus versicherungspsychiatrischer Sicht eine eigenständige anhalten- de somatoforme Schmerzstörung vorliege. Dr. E.____ diag nostizierte der Beschwerdeführerin eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in ihrer angestammten Tätigkeit sowie in jeder weiteren Tätig- keit. Im Arztbericht von Dr. med. J.____, FMH Rheumatologie, vom 27. August 2010 wurden die somatischen Symptome begutachtet und festgestellt, dass ein chronisches generalisiertes myo- fasciales Schmerzsyndrom, ausgehend von der Zervikal- und S chultergürtelmuskulatur, beste- Seite 9 he. Dr. J.____ führte die Muskelverspannungen auf eine Dekonditionierung zurück und kam zum Schluss, dass keine Arbeitsunfähigkeit aufgrund von som atischen Symptomen vorliege. Bereits am 29. Juni 2009 attestierte Dr. J.____ in seinem Arztbericht, dass das chronische myo- fasziale Syndrom im Zervikalbereich und im Schultergürtel beidseits mit sekundärer Schmerz- generalisierung der Beschwerdeführerin keine Auswirkungen auf ihre Arbeitsfähigkeit habe. Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie, hatte als behandelnde r Psychiater dagegen zuletzt am 9. September 2010 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit ange geben bei rezidivierender depressiver Episode "auch schwer, mit psychosenaher Symptomatik und Ver dacht auf instabile Persönlich- keitsstrukturen, etwa Borderline-Typ" und häufigen dissoziativen Zuständen. Er berichtete, dass die Beschwerdeführerin körperlich unter Allergien und Muskelverspannungen und psychisch unter Depressivität, Panikattacken/Dissoziationszustände un d Asthenie leiden würde, was sich bei der Arbeit so auswirke, dass sie viele Pausen brauche, zu langsam und rasch überfordert sei, "Panik-Zustände" und muskuläre Schmerzen habe sowie Abwesenheitszustände vorhan- den seien. Weitergehende Ausführungen sind den Arztber ichten von Dr. K.____ nicht zu ent- nehmen. 6.1.2 Zuletzt ist auf einen nichtmedizinischen Bericht, de n Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 5. August 2010, einzugehen. Die zuständig e Sachbearbeiterin hielt darin fest, dass die Integrationsmassnahmen abgebrochen hätten werden müssen, da die Beschwer- deführerin bei steigender psychischer Belastung und zuneh mender Destabilisation über Übel- keit, Schwindel, Ohnmachtsanfällen, Wallungen und He rzrasen geklagt habe, so dass die Be- schwerdeführerin erneut habe krankgeschrieben werden mü ssen. Die L.____ bestätigte, dass die Beschwerdeführerin nicht konstant habe präsent sein können, einmal bewusstlos aufgefun- den worden sei, das Pensum von 2 Stunden an vier Tagen nicht habe regelmässig einhalten können und sie aufgrund von Krankschreibungen nicht anwes end gewesen sei und nicht mehr zu motivieren gewesen sei zur Arbeit zu kommen. 6.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 3. Oktober 2011 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen Dr. D.____ in seinem psychia trischen Gutachten vom 11. Juni 2011 gelangte. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführerin in ihren bisheri- gen Tätigkeiten als Coiffeuse oder Verkäuferin sowie sämtliche, ihren Fähigkeiten entsprechen- den Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig sei. Diese Beur teilung der Vorinstanz ist nicht zu bean- standen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen un d -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier nicht vor. Der begutachtende Facharzt Dr. D.____ hatte die Beschwerdeführerin eingehend un tersucht und ging in seinem ausführli- chen Bericht einlässlich auf deren Beschwerden ein, setzte sich mit sämtlichen bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander und vermittelte so ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. Schliesslich erweist sich auch die von ihm vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten als überzeugend. Seite 10 Bis auf die Berichte von Dr. K.____ stimmen die übrigen psychiatrischen Beurteilungen mit den- jenigen von Dr. D.____ überein. Kein Psychiater betrach tete die Versicherte als arbeitsunfähig in ihrer angestammten Tätigkeit oder in Verweistätig keiten. Daran vermag der Bericht von Dr. K.____ vom 9. September 2010 nichts ändern. Er b egründete die 100%-ige Arbeitsunfähig- keit nicht nachvollziehbar bzw. in keiner Weise. Dr. K.____ schränkte die 100%-ige Arbeitsun- fähigkeit selbst ein, indem er hinter den 100 % Arbe itsunfähigkeit in Klammern ein Fragezei- chen schrieb. Dies spricht dafür, dass Dr. K.____ von der 100%-igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht überzeugt sein kann. Im Übrige n hat Dr. K.____ das Attest einer vol- len Arbeitsunfähigkeit auch für die Zeit aufrechterha lten, in welcher die Beschwerdeführerin ihrer letzten Erwerbstätigkeit vollschichtig nachgegange n ist. Auf seine Einschätzung kann dar- um nicht abgestellt werden. 6.3 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens von Dr. D.____ in Frage zu stellen. 6.3.1 Die Beschwerdeführerin machte vorab geltend, d ass das Gutachten von Dr. D.____ den Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 5. Aug ust 2010 unberücksichtigt liess. Diesem Einwand kann nicht gefolgt werden. Im Gutachten vom 11. Juni 2011 fasste Dr. D.____ ab Seite 2 die wesentlichen Arztberichte inhaltlich zu sammen, darunter auch auf Seite 3 den Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 5. August 2010. Ebenso berücksichtigte er den Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 5. Au gust 2010, welcher in engem Zu- sammenhang mit dem Bericht der L.____ vom 19. August 20 10 steht, unter Ziff. 6.5 Stellungnahme zu früheren ärztlichen Einschätz ungen. Er legte dar, dass die berufli- chen Massnahmen an den geklagten Symptomen, wie Klagen ü ber Unwohlsein, dass sie sich mit behinderten Menschen unwohl fühle, gescheitert seie n und die Massnahme vorzeitig ab- gebrochen worden sei. Demzufolge ist der Abschlussberich t vom 5. August 2010 auch in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hineingeflossen und die entsprechende Rüge der Beschwerde- führerin unbegründet. 6.3.2 Die Beschwerdeführerin machte weiter geltend, da ss der Gutachter die somatischen Symptome nicht weiter abgeklärt habe. Auch diesem Einw and kann nicht gefolgt werden. Im Arztbericht von Dr. J.____ vom 27. August 2010 sowie vom 2 9. Juni 2009 wurden die somati- schen Symptome begutachtet. Es wurde festgestellt, dass ein chronisches generalisiertes myo- fasciales Schmerzsyndrom, ausgehend von der Zervikal- und Schu ltergürtelmuskulatur, be- steht. Dr. J.____ führte die Muskelverspannungen auf ein e Dekonditionierung zurück und kam zum Schluss, dass keine Arbeitsunfähigkeit aufgrund von som atischen Symptomen vorliege. Diese Arztberichte von Dr. J.____ flossen ebenfalls in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von Dr. D.____ über die Beschwerdeführerin ein (vgl. Gutachten vom 11. Juni 2011, S. 3). 6.4 Aus dem Gesagten folgt, dass die vorhandenen medizin ischen Unterlagen eine zuverläs- sige Beurteilung des Gesundheitszustandes der verbleibende n Arbeitsfähigkeit der Versicher- ten zulassen. Auf die beantragten zusätzlichen medizinisch en Abklärungen ist deshalb zu ver- zichten. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar da s Recht, Beweisanträge zu stel- len, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene T atsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gel angt das Gericht bei pflichtgemässer Seite 11 Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Un terlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach h inreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die dami t verbundene antizipierte Beweiswür- digung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechu ng zulässig (BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweise n). Gestützt auf das in medizinischer Hin- sicht massgebende Gutachten vom 11. Juni 2011 von Dr. D.__ __ ergibt sich widerspruchsfrei, dass die Versicherte sowohl in ihren bisherigen Tätigke iten als Coiffeuse oder Verkäuferin so- wie in sämtlichen ihren Fähigkeiten entsprechenden Tätig keiten keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit erleidet. 7. Die von der IV-Stelle ermittelte volle Arbeitsfähi gkeit liegt unter dem für einen Renten- anspruch mindestens erforderlichen IV-Grad von 40 %. Di e IV-Stelle hat demnach zu Recht einen Rentenanspruch der Versicherten abgelehnt. Die ge gen die betreffende Verfügung vom 3. Oktober 2011 erhobene Beschwerde erweist sich als unb egründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200-1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einhe itlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdef ührerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 10. November 2011 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 10 . November 2011 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 180.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorar- note vom 2. Januar 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 7.58 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 42.--. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'365.-- (7.58 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich Ausla gen von Fr. 42.-- + 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 12 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'519.55 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht