B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1568/2014/was U r t e i l v o m 2 6 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch Hans Peter Roth, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Februar 2014 / N (…). D-1568/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein Hazara mit letztem Wohnsitz in Mazar -e Sharif, verliess Afghanistan eigenen Angaben gemäss am 10. September 2010 und gelangte am 3. November 2010 in die Schweiz, wo er gleiche n- tags um Asyl nachsuchte. A.b Bei der Befragung zur Person (BzP) vom 9. November 2010, die im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso durchgeführt wurde, sagte der Beschwerdeführer, seine Mutter habe von ihrem Vater Ländereien geerbt, was ihr von ihre n Cousins missgönnt wo rden sei. Die Grundst ü- cke seien auf die Namen der Cousins registriert gewesen, wovon diese profitiert hätten. Sie seien von den Verwandten schikaniert und bei der Bestellung der Felder behindert worden. Einer der Cousins , B._______, sei Kommandant gewesen; er habe die Weissbärtigen der Region ve r- sammelt, um deren Einverständnis zu erlangen, damit ihnen die Grundstücke entzogen werden könnten. Man habe sie aufgefordert, die Ländereien aufzugeben, worauf sie bei der Regierung im Sommer 2010 eine Klage eingere icht hätten. Da ihre Gegenspieler einflussreich seien und die Besitzurkunden gehabt hätten , hätten sie kein Gehör gefunden. Er, der Beschwerdeführer, habe gedroht, er werde für all die erlittenen Nachteile Schadenersatz fordern. Ihre Verwandten hätten viel Opium an- gehäuft, das sie hätten verkaufen wollen. Nachdem die Regierung Ende August 2010 alles beschlagnahmt habe, hätten sie zu Unrecht vermutet, er habe sie denunziert. Sie hätten verschiedene Leute beauftragt, die ihn hätten suchen und töten sollen. Zw anzig Tage vor seiner Ausreise sei er von B._______ zu Hause gesucht worden. Er habe damals als (…) gear- beitet und immer noch bei seiner Mutter gelebt. A.c Das BFM hörte den Beschwerdeführer am 23. Februar 2011 zu se i- nen Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, die Probleme seiner Familie hätten nach dem Tod seines Vaters begonnen. Verwandte hätten den Bauern, der ihr Land bewirtschaftet habe, belästigt. Seine Mutter habe mit einem Verwandten das Gespräch gesucht und dieser ha- be gesagt, das Land gehöre ihm. Er habe gesagt, sie müssten ihm das Land übergeben. Sie hätten Hilfe gesucht und bei der Provinzverwaltung eine Beschwerde eingereicht, was nichts genützt habe. Er habe B._______ gefragt, weshalb er sich so verhalte und ihm gesagt, er müsse eines Tages Verantwortung für sein Vorgehen übernehmen. Nach einer Weile habe er gehört, dass die Regierung eine grössere Menge H a-D-1568/2014 Seite 3 schisch beschlagnahmt habe. Die Verwandten hätten gedacht, er stecke dahinter, und er sei von ihnen gesucht worden. B._______ sei zu seiner Mutter gegangen und habe sie beschimpft; er habe gedroht, falls er ihren Sohn finde, werde er ihm eine Lektion erteilen. Als er am Abend nach Hause gekommen sei, habe seine Mutter ihm erzählt, was vorgefallen sei. Sie seien zum Schluss gela ngt, dass er Afghanistan verlassen mü s- se. Zudem sei der Rechtsstreit im Sommer 2010 zu ihren Ungunsten en t- schieden worden und seine Mutter habe ihr Land verloren. B. Mit Verfügung vom 17. Februar 2014 – eröffnet am 20. Februar 2014 – stellte das BFM fest, d er Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. C.a Der Beschwerdeführer beantragte beim Bundesverwaltungsgericht durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 24. März 2014 die Aufh e- bung der angefochtenen Verfügung. Es sei ihm Asyl oder eventuell die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Es sei auf die Erhebung eines Ko s- tenvorschusses zu ver zichten. Der Beschwerde lag ein Artikel aus dem Blick über den Opium-Anbau in Afghanistan vom 15. April 2013 bei. C.b Am 25. März 2014 reichte der Beschwerdeführer eine Bestätigung über den Sozialhilfebezug vom gleichen Tag nach. D. D.a Der Instruktionsrichter entsprach dem Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses mit Zwischenverfügung vom 27. März 2014. Die Akten überwies er zur Vernehmlassung an die Vori n- stanz. D.b Mit Vernehmlassung vom 1. April 2014 beantragte das BFM die A b- weisung der Beschwerde. D.c Das Bundesverwaltungsgericht brachte dem Beschwerde führer die Vernehmlassung am 2. April 2014 zur Kenntnis. D-1568/2014 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne v on Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes gilt für die im Zeitpunkt des Inkraf t- tretens der Änderung vom 14. Dezember 2012 dieses Gesetzes hängigen Verfahren mit Ausnahme der Absätze 2–4 das neue Recht. 2.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als D-1568/2014 Seite 5 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM begründete seinen Entscheid damit, dass den Aussagen des Beschwerdeführers keine Hinweise darauf entnommen werden könn- ten, dass die geltend gemachte Verfo lgung ihn aus einem der in Art. 3 AsylG erwähnten Gründe getroffen habe. Bei den geltend gemachten Be- lästigungen und Drohungen habe es sich um private Streitigkeiten g e- handelt. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, der Cousin seiner Mutter sei bei dieser zu Hause erschienen und habe gedroht , ihn zu t ö- ten. In den folgenden Tagen habe dieser ihn nicht kontaktiert oder aufg e- sucht. Hätte er ihm wirklich etwas antun wollen, hätte er den Beschwe r- deführer auch gefunden, da er sich noch während 18 Tagen bei seiner Mutter aufgehalten habe. Zudem sei der Cousin der Mutter wegen der ge- fundenen Drogen weder festgenommen noch verurteilt worden. Es sei deshalb davon auszugehen, dass er keinen Grund mehr gehabt hätte, ihn zu verfolgen. Zudem wäre es ihm auch möglich gewesen, sich an den Gouverneur oder den Dorfvorsteher zu wenden und das Missverständnis zu klären. Auf Nachfrage habe er gesagt, er habe sich wegen der Mor d- drohung nicht an die Polizei gewandt, weil ihn die Sache mit den Lan d- streitigkeiten genug beschäftigt habe. Es sei nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr begründete Furcht vor Verfolgung habe. Die vom Beschwerdeführer erwähnten wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Verlust des Landes stellten keine Verfolg ung gemäss Art. 3 AsylG dar. 4.2 4.2.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, das s der Anbau von Op i- um in Afghanistan ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sei. Es werde davon ausgegangen, dass die Bekämpfung des Drogenanbaus Augenwischerei sei. Vordergründig würden Opiumfelder vernichtet und Drogen beschla g-D-1568/2014 Seite 6 nahmt, in allen Landesteilen sei en aber Politiker, Staatsbeamte und War- lords in den Drogenhandel verwickelt. Da der Verwandte des Beschwe r- deführers keine grossen Probleme mit den Behörden gehabt habe, sei davon auszugehen, dass er von politischen Kräften protegiert werde. Dies widerlege die Annahme der Vorinstanz, bei der Bedrohung des B e- schwerdeführers habe es sich nur um eine "private Streitigkeit" geha n- delt. Durch den polizeilichen Schlag gegen den Drogenanbau sei eine wirtschaftliche und politische Komponente hinzugekommen. Es gehe nicht nur um die kärglichen Einkünfte aus dem umstrittenen Grundstück, sondern um den Opiumanbau im Tal von C._______, bei dem regionale Führer mitverdienten. Es sei deshalb nachvollziehbar, dass B._______ dem Beschwerdeführer das "Maul stopfen" wolle. Die Erfahrung zeige, dass Menschenleben in Afghanistan nicht viel wert seien und dass Pe r- sonen, die den Opiumanbau behinderten, schnell Opfer von Morda n- schlägen würden. Deshalb erscheine die Furcht des Beschw erdeführers berechtigt zu sein. 4.2.2 Das BFM habe es unterlassen, eine Beurteilung der Verfolgung s- furcht vorzunehmen, obwohl diese bereits ohne erlittene Verfolgung s- massnahmen asylbegründend sein könne. Bei dieser Beurteilung seien verschiedene objektive Faktoren zu prüfen. Im Entscheid fehle eine Au s- einandersetzung mit der aktuellen Situation im Herkunftsgebiet des B e- schwerdeführers und mit dem dort üblichen Verfolgungsmuster. Insb e- sondere gehe der Entscheid nicht auf die Verflechtung zwischen kriminel- len Organ isationen und dem Staat ein. Die Behauptung des BFM, der Beschwerdeführer hätte sich an die Behörden wende n können, verkenne die wirkliche Situation in Afghanistan, wo es kaum mehr redliche Beamte gebe, die gegen den Opiumanbau und seine kriminellen Strukt uren vor- zugehen wagten. 5. 5.1 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a-D-1568/2014 Seite 7 listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., BVGE 2010 44 E. 3.4 S. 620 f.). 5.2 Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung im Ergebnis zu Recht darauf hingewiesen, dass die von B._______ ausgehende Drohung, er werde dem Beschwerdeführer eine Lektion erteilen, aus asylrechtlich irre- levanten Motiven erfolgte. Wenn auch i m Sinne der Ausführungen in der Beschwerde bezüglich des Drogenanbaus wesentliche wirtschaftliche I n- teressen vorliegen und Vertreter der afghanischen Staatsmacht am da r- aus gezogenen Profit beteiligt sein mögen, lag die Drohung durch den Verwandten des Beschwerdeführers einzig darin begründet, dass diesem durch die Beschlagnahmung der Drogen ein nicht unerheblicher finanziel- ler Verlust entstanden sein und er in seinem Verwandten einen "Verräter" gesehen haben dürfte. Die Drohung erfolgte weder aufgrund der R asse, der Religion, der Nationalität, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten s o- zialen Gruppe noch aufgrund der politischen Anschauungen des B e- schwerdeführers. 5.3 Auch die Streitigkeiten um die Ländereien, die sich zwischen der Mut- ter des Beschwerdeführers und ihren Cousins zugetragen haben, basie r- ten auf wirtschaftlichen Interessen derselben. Da sie offenbar die Besit z- urkunden vorweisen konnten, hatten sie die besseren Karten in der zivi l- rechtlichen Auseinandersetzung um den Grundbesitz. Eine asylrechtlich relevante Verfolgung liegt somit nicht vor. 5.4 Damit steht fest, dass die vom Beschwerdeführer geäusserte Furcht vor seinem Verwandten, selbst wenn sie berechtigt gewesen wäre, nicht als begründet im asylrechtlichen Sinne zu werten ist. Die in der B e- schwerde vorgebrachten Rüge, das BFM habe es unterlassen, eine Beur- teilung der Verfolgungsfurcht vorzunehmen, ist nicht stichhaltig, da es in der angefochtenen Verfügung anführte, weshalb es davon ausgeht, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in seine Hei mat seitens seiner Verwandten keine Gefahr (mehr) drohe (vgl. Ziff. 2 der angefoc h- tenen Verfügung), und weshalb eine allenfalls vormals drohende Gefäh r- dung asylrechtlich irrelevant gewesen wäre. 5.5 In Würdigung der gesamten Umstände und der Vorbringen de s Be- schwerdeführers ist zusammenfassend festzustellen, dass er keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kann, wes- halb die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiter en Ausführungen in de r D-1568/2014 Seite 8 Beschwerde im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würdigung des vo r- liegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen übe r die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; da s heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus eine m Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der D-1568/2014 Seite 9 Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder un menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseig enschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr (« real risk ») nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe B._______ gesagt, die- ser müsse für den Schaden, den er seiner Familie zugefügt habe, eines Tages Verantwortung übernehmen. Es ist unter diesem Gesichtspunkt nachvollziehbar, dass B._______ den Beschwerdeführer verdächtigte, ihn und seine Familienangehörigen denunziert zu haben, nachdem die B e- hörden das Opium entdeckt und beschlagnahmt hatten. Der Beschwerde- führer gab an, B._______ sei zwei Tage, nachdem die Behörden die Dro- gen gefunden hätten, bei seiner Mutter erschienen (act. A13/15 S. 10) und habe Drohungen gegen ihn ausgestossen. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers habe die Polizei nicht gewusst, wem die gefu n- denen Drogen gehörten. Die Dorfbevölkerung habe B._______ angezeigt (act. A13/15 S. 9), er habe damit nichts zu tun gehabt . Da B._______ ei- ne einflussreiche Persönlichkeit mit guten Verbindungen sei, ist davon auszugehen, dass auch er in Erfahrung gebracht hat, dass er n icht vom Beschwerdeführer, sondern von anderen Personen denunziert wurde. Dadurch würde auch erklärt, weshalb der Beschwerdeführer nach de m D-1568/2014 Seite 10 "Besuch" von B._______ bei seiner Mutter noch 18 Tage lang zu Hause leben konnte, ohne dass es zu weiteren "Besuchen " von diesem oder dessen Leuten gekommen wäre. Das Bundesverwaltungsgericht geht deshalb davon aus, dass der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt nicht mehr riskiert, von seinen Verwandten "bestraft" zu werden, weil sie ihn als Verräter betrachten würden. Die allgemeine Menschenrechtssituation i n Afghanistan lässt den We g- weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt für sich allein nicht als unzuläs- sig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung s o- wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu- lässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist auf die vom Bu n- desverwaltungsgericht vorge nommene Einschätzung im Grundsatzurteil BVGE 2011/7 zu verweisen, welche nach wie vor als zutreffend zu erac h- ten ist. Nach eingehender Lageanalyse stellte das Bundesverwaltungsge- richt darin fest, dass die Sicherheitslage sowie die humanitären Bedi n- gungen i n weiten Teilen Afghanistans – ausser allenfalls in den Gros s- städten – äusserst schlecht seien. Es kam deshalb zum Schluss, dass die Situation in Afghanistan praktisch flächendeckend als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemei- nen Feststellung sei die Situation in der Hauptstadt Kabul zu untersche i- den. Angesichts dessen, dass sich dort die Sicherheitslage im Verlauf des vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre Situation im Vergleich zu den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter bestimmten, im Einzelfall sorgfältig zu prüfenden Umständen als zumutbar qualifiziert werden. Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dan n gege- ben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden Mann handle. Sodann sei in erster Linie ein soziales Netz unabdingbar, welches sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers als tragfähig erweise; denn ohne Unterstützung durch Fami- lie oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in D-1568/2014 Seite 11 Kabul unweigerlich in eine existenzielle beziehungsweise lebensbedr o- hende Situation führen. Für einen Rückkehrer aus Europa bestehe nach der Ankunft in Kabul ein e rhöhtes Risiko, entführt oder überfallen zu we r- den, da vermutet werde, er trage Devisen auf sich. Verfüge er über keine genügenden finanziellen Mittel, hätte er ohne soziale Vernetzung kaum Aussicht auf eine zumutbare – das heisst winterfeste und mit minim aler sanitärer Einrichtung ausgestattete – Unterkunft. Auch für die Arbeitss u- che seien persönliche Beziehungen unerlässlich, da eine Einstellung (s o- gar von unqualifizierten Arbeitskräften) regelmässig nur aufgrund persö n- licher Empfehlungen erfolge. Eine au ch nur einigermassen gesunde E r- nährung wäre ohne die Hilfe von nahestehenden Personen ebenfalls kaum möglich, der Zugang zu sauberem Trinkwasser schwierig; Unte r- stützungsmassnahmen der Regierung oder internationaler Organisati o- nen könnten laut zuverlässige n Quellen daran nichts ändern. Ohne eine soziale Vernetzung würde daher auch ein junger und grundsätzlich g e- sunder Mann unweigerlich innert absehbarer Zeit in eine existenzbedr o- hende Situation geraten (vgl. a.a.O. E. 9.3 ff.). Das Bundesverwaltung s- gericht kam in der Folge in zwei weiteren Grundsatzentscheiden zum Schluss, dass unter Voraussetzung der genannten begünstigenden U m- stände ein Vollzug der Wegweisung auch in die Städte Herat (vgl. BVGE 2011/38) und Mazar-e Sharif (vgl. BVGE 2011/49) zumutbar sein könne. 7.4.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich den Akten zufolge um ei - nen heute 23-jährigen alleinstehenden Mann ohne aktenkundige gesund - heitliche Probleme mit letztem Wohnsitz in Mazar-e Sharif. Er wurde in D._______ geboren, zog jedoch mit seinen Eltern eigenen Angaben zu- folge bereits im Alter von fünf Jahre nach Mazar-e Sharif und wuchs dort auf (vgl. A1/12 S. 1 f.). Er verfügt über eine zehnjährige Schulbildung und hat anschliessend rund drei Jahre lang als (…) gearbeitet. Er verfügt so- mit nicht über eine Berufsausbildung im westeuropäischen Sinn , jedoch ist es im afg hanischen Kontext durchaus üblich, dass Jugendliche auf diese Art und Weise in die Erwerbstätigkeit einsteigen. Die erwor bene Ar- beitserfahrung ist daher im Hinblick auf eine Wiedereinglied erung in den afghanischen Arbeitsmarkt als nützlich zu erachten. Der Beschwerdefüh - rer wohnte vor seiner Ausreise aus Afghanistan zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder, ein mit einer Iranerin verheirateter Bruder lebt im Iran. Damit verfügt der Beschwerdeführer in Mazar-e Sharif über ein Beziehungsnetz und eine Wohnmöglichkeit . Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Mutter und der jüngere Bruder des B e- schwerdeführers in Afghanistan in bescheidenen Verhältnissen leben; möglicherweise werden sie vom im Iran lebenden Sohn beziehungsweise D-1568/2014 Seite 12 älteren Bruder unterstützt. Der Beschwerdeführer wird in das Haus seiner Mutter zurückkehren und somit über eine gesicherte Wohnmöglichkeit verfügen. Da er in Mazar-e Sharif aufgewachsen und zur Schule geg an- gen ist, erscheint es überdies als wahrscheinlich, dass er dort abgesehen von seinen Familienangehörigen auch noch über Freunde und Bekannte verfügt, die ihm insbesondere bei der Arbeitssuche behilflich sein kön n- ten. Es steht ihm im Übrigen auch offen, beim BFM einen Antrag auf indi- viduelle Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 73 ff. der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungs- fragen [AsylV 2; SR 142.312]). 7.4.3 Damit liegen im vorliegenden Fall begünstigende U mstände im Sin- ne der vorerwähnten Rechtsprechung vor, und es ist nach dem Gesagten nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Mazar-e Sharif in eine existenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers ist daher als zumutbar zu erachten. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-1568/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: