B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3546/2012 U r t e i l v o m 2 3 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Mai 2012 / N (…). D-3546/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge gelangte die Beschwerdeführerin am 8. Mai 2009 in die Schweiz. A m 11. Mai 2009 suchte sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nach. Dazu wurde sie am 14. Mai 2009 im EVZ C._______ befragt (Kurzbefragung) und am 10. Juni 2009 am selben Ort angehört (Anhörung). A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie geltend, sie sei tamil i- scher Ethnie und stamme aus dem Dorf D._______ im Distrikt E._______ (Nordprovinz), wo sie gewohnt habe. Ihr Mann sei am 5. Oktober 2006 durch einen Unfall ums Leben gekommen. Im Jahre 2007 seien ihre be i- den Söhne bei einer Razzia von der Armee mitgenommen worden; s ie wisse nicht, ob sie noch am Leben seien . Da sie in ihrem Heimatdorf niemanden mehr gehabt habe, sei sie zu ihrer Schwester und ihrem Br u- der nach E._______ gegangen, wo sie bei ihrer Schwester gelebt habe. Da sich ihr Bruder und ihre Schwester nicht mehr um sie hätten kümmern können, sei sie Anfang Mai 2009 in die Schweiz gereist, um hier bei ihren beiden Töchtern zu leben. Für den detaillierten Inhalt der Sachverhalt s- vorbringen ist auf die aktenkundigen Befragungs- und Anhörungsprotokol- le zu verweisen. A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verfahren vor der Vorinstanz ei- nen fremdsprachigen Todesschein betreffend ihren Ehemann (in Kopie, inklusive englischer Übersetzung), einen Cytology Report vom 9. April 2007 sowie eine Spitalüberweisung vom 2. April 2007 zu den Akten. B. B.a Mit Verfügung vom 29. Mai 2012 – eröffnet am folgenden Tag – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die We g- weisung aus der Schweiz und den Vollzug. B.b Zur Begründung wurde von der Vorinstanz ausgeführt, die B e- schwerdeführerin mache geltend, sie habe ihr Heimatland verlassen, da sie verwitwet sei und ihre beiden Söhne von der sri -lankischen Armee mitgenommen worden seien. Sie wisse auch nicht, wo sie sich befänden . Seither sei sie alleine; niemand könne in Sri La nka für sie sorgen, we s- halb sie zu ihren Töchtern in die Schweiz gereist sei. Obwohl ihre Situati- on teilweise eine Folge der militärischen Endphase des Bürgerkrieges in D-3546/2012 Seite 3 Sri Lanka sei, seien diese Beweggründe rein persönlicher Natur und i m Sinne von Artikel 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht asylrelevant. Die Beschwerdeführerin mache keine verfo l- gungsrelevanten Nachteile geltend, da sie selber nie Probleme mit den Behörden, der Armee oder den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gehabt habe. Bei offensichtlich fehlender Schutzbedürftigkeit sei darauf zu verzichten, auf allfällig vorhandene Unglaubhaftig keitselemente in i h- ren Asylvorbringen einzugehen. Die Vorbringen der Beschwerdeführeri n- nen (recte: Beschwerdeführerin) hielten somit den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeic h- nen. Für die weitere Begründung wird auf die vorinst anzliche Verfügung verwiesen. C. Mit Schreiben vom 7. Juni 2012 v erlangte der Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin vollumfängliche Einsicht in die Verfahrensakten. D. Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2012 gewährte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin Einsicht in die Verfahrensakten. E. Mit Beschwerde vom 29. Juni 2012 an das Bu ndesverwaltungsgericht liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter die nachst e- hend aufgeführten Anträge stellen: 1. Der Beschwerdeführerin sei vollständige Akteneinsicht in sämtliche Asylakten zu gewähren. Insbesondere sei ihr in die eingereichten B e- weismittel Einsicht zu gewähren. Verbunden mit der Gewährung dieser Akteneinsicht sei der Beschwerdeführerin eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. 2. Die Verfügung des BFM vom 29. Mai 2012 sei wegen Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf das rechtliche Gehör aufzuh e- ben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen. 3. Eventuell sei die Verfügung des BFM vom 29. Mai 2012 aufzuheben und die Sache sei zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. D-3546/2012 Seite 4 4. Eventuell sei die Verfügung des BFM vom 29. Mai 2012 aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin festz u- stellen sowie ihr in der Schweiz Asyl zu gewähren. 5. Eventuell sei die Verfügung des BFM vom 29. Mai 2012 betreffend die Ziffern 4 und 5 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit des Wegwei- sungsvollzuges festzustellen. 6. Eventuell sei die Verfügung des BFM vom 29. Mai 2012 betreffend die Ziffern 4 und 5 aufzuheben und es sei die Unzumutbarkeit des We g- weisungsvollzuges festzustellen. 7. Vor Gutheissung der vorliege nden Verwaltungsbeschwerde sei dem unterzeichnenden Anwalt eine angemessene Frist zur Einreichung e i- ner detaillierten Kostennote zur Bestimmung der Parteientschädigung anzusetzen. 8. Dem unterzeichnenden Anwalt sei zudem mitzuteilen, welcher Bu n- desverwaltungsrichter oder welche Bundesverwaltungsrichterin und welcher Gerichtsschreiber oder welche Gerichtsschreiberin mit der I n- struktion im vorliegenden Verfahren betraut sei und welche Richter an einem Entscheid weiter mitwirken würden. Auf die Begründung de r Beschwerde wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Mit der Rechtsmittelschrift wurden von Indien ausgestellte Identitätskarten und Ausweise (in Kopie) sowie zahlreiche Berichte und Dokumente zur Lage in Sri Lanka zu den Akten gereicht (Beilagen 3-21). F. Mit Zwischenverfügung vom 13. Juli 2012 teilte der Instruktionsrichter der Beschwerdeführerin mit, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Gleichzeitig gewährte er ihr Einsicht in die von ihr im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Akten und gab ihr Gele- genheit, bis zum 30 . Juli 2012 dazu Stellung zu nehmen. Zude m räumte er ihr Gelegenheit ein, bis zum 30. Juli 2012 ein Arztzeugnis und eine Entbindungserklärung betreffend die behandelnden Ärzte einzureichen , und verfügte, dass sie einen Kostenvorschuss von Fr. 600. -- bis zum 30. Juli 2012 zu bezahlen habe. G. Mit Eingabe vom 30. Juli 2012 liess die Beschwerdeführerin eine Ste l- lungnahme einreichen. Auf deren Inhalt wird – soweit wesentlich – in den Erwägungen eingegangen. D-3546/2012 Seite 5 Mit der Stellungnahme wurden folgende Dokumente zu den Akten g e- reicht: Ein ärztlicher Kurzbericht von Dr. med. F._______ vom 19. Juli 2012, eine unterzeichnete ärztliche Entbindungserklärung, zwei frem d- sprachige Registrieru ngskarten (in Kopie, inklusive Übersetzungen auf Deutsch) sowie eine Kostennote vom 30. Juli 2012. H. Am 30. Juli 2012 ging der Kostenvorschuss bei der Gerichtskasse de s Bundesverwaltungsgerichts ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgese tzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Die B e- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. D-3546/2012 Seite 6 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtete das Bundesverwaltung s- gericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 4. 4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rechtsbegehren erhoben. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. En t- scheidungen und Mi tteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). 4.2 4.2.1 In der Beschwerde wird einerseits gerügt, die Vorinstanz habe das Akteneinsichtsrecht verletzt, da sie es unterlassen habe, Einsicht in die von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel zu gewähren. 4.2.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 VwVG) beinhaltet unter anderem die behördliche B e- gründungspflicht, wie auch das Akteneinsichtsrecht, welches in Art. 26 ff. VwVG geregelt ist. Gemäss Art . 26 ff. VwVG ist den Parteien grundsät z- lich Einsicht in die Akten zu gewähren. Das Einsichtsrecht bezieht sich auf Eingaben von Parteien und Vernehmlassungen von Behörden, säm t- liche als Beweismittel dienenden Aktenstücke sowie auf die Niederschri f- ten eröffneter Verfügungen (Art. 26 Abs. 1 Bstn. a, b und c VwVG). Somit fallen unter Art. 26 VwVG sämtliche Aktenstücke, welche grundsätzlich geeignet sind, in einem konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1814/2007 vom 17. August 2010 E. 4.1). Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auch auf Aktenstücke, deren Inhalt der Partei bereits bekannt ist ( STEPHAN C. BRUNNER in: Au- er/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG, Kom mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 26 Rz. 17). Das Akteneinsichtsrecht gilt indessen nicht absolut und kann gemäss Art. 36 D-3546/2012 Seite 7 BV eingeschränkt werden. Art. 27 VwVG in Verbindung mit Art. 28 VwVG bilden dabei die gesetzliche Grundlage. 4.2.3 Aus den Akten ist ersi chtlich, dass die Vorinstanz der Beschwerde- führerin mit Verfügung vom 12. Juni 2012 keine Einsicht in die von ihr eingereichten Beweismittel gewährte. Da diesbezüglich grundsätzlich ein Akteneinsichtsrecht bes teht und die Voraussetzungen für dessen Ei n- schränkung gemäss Art. 27 f. VwVG nicht erfüllt sind, hätte das BFM der Beschwerdeführerin Einsicht in diese Dokumente gewähren müssen. D a- durch, dass es ihr die Einsicht verweigerte, verletzte es ihr Recht auf Ak- teneinsicht. Mit Zwischenv erfügung vom 13. Juli 2012 räumte das Bu n- desverwaltungsgericht der Beschwerdeführerin jedoch Einsicht in diese Dokumente ein und gab ihr Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen (vgl. vorstehend Bst. F.). Am 30. Juli 2012 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter eine Stellungnahme zu den Akten reichen (vgl. vo r- stehend Bst. G .). Damit kann dieser Verfahrensmangel als geheilt b e- trachtet werden, zumal die festgestellte Verletzung des Akteneinsicht s- rechts nicht schwerwiegender Natur ist (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4). Der Verfahrensmangel wird indessen im Entschädigungspunkt zu berücksic h- tigen sein (vgl. nachfolgend E. 10.2). 4.3 4.3.1 In der Bes chwerde wird andererseits moniert, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig abg eklärt beziehungsweise das rechtliche Gehör verletzt, da sie die Beschwerdeführerin letztmals vor drei Jahren angehört habe. Die Situation in Sr i Lanka präsentiere sich heute – nach Beendigung des Bürgerkrieges – wesentlich anders als damals und d a- durch mö glicherweise a uch die Gefährdungssituation der Beschwerde- führerin. Angesichts des Grundsatzes, dass die Beurteilung der Flüch t- lingseigenschaft stets vor dem Hintergrund der aktuellen Situation erfo l- gen müsse, hätte die Beschwerdeführerin vor Erlass der ang efochtenen Verfügung "zwingend" erneut zu ihrer asylrelevanten Gefährdungssituati- on angehört respektive es hätte ihr zumindest Gelegenheit zur Einre i- chung einer Stellungnahme gewährt werden müssen. 4.3.2 Bezüglich dieser Rüge ist festzuhalten, dass die Untersuc hungs- pflicht der Behörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht eines Asylge- suchstellers findet (vgl. Art. 8 AsylG), der auch die Substanziierungslast trägt (vgl. Art. 7 AsylG). Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Beschwer- deführerin nach ihrer letzten Befragung (Anhörung vom 10. Juni 2009) bis zum Ergehen der angefochtenen Verfügung keine aktuellen Ereignisse D-3546/2012 Seite 8 zuhanden des BFM zu vermelden hatte, weshalb das Bundesamt zu Recht keine weiteren Abklärungen vornahm und insb esondere darauf verzichtete, die Beschwerdeführerin nochmals anzuhören. An dieser Ei n- schätzung ändert auch die Tatsache nichts, dass sich die Situation in Sri Lanka seit dem Ende des Bürgerkrieges erheblich verändert hat, zumal die Vorinstanz bezüglich dieser Veränderung ausreichend inform iert ist. Nach dem Gesagten ist die Rüge, wonach die Vorinstanz den Sachve r- halt unvollständig festgestellt respektive das rechtliche Gehör der Be- schwerdeführerin verletzt habe, da sie sie nicht nochmals angehört b e- ziehungsweise ihr keine Gelegenheit zur Einreichung einer Stellung nah- me gewährt habe, unbegründet. 4.4 4.4.1 In der Rechtsmittelsc hrift wird zudem gerügt, das BFM habe den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt, da es keine weiteren Abklärungen betreff end den physischen und psych i- schen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin angeordnet habe, obwohl sich diese bereits anlässlich der Kurzbefragung und der Anhörung in einem offensichtlich psychisch verwirrten Zustand befunden habe und ihre Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit offensichtlich gewesen sei. 4.4.2 Bezüglich dieser Rüge ist festzustellen, dass sich aus den Befr a- gungsprotokollen nicht ergibt, dass sich die Beschwerdeführerin anläs s- lich der Befragungen in einem verwirrten Zustand befand und sie deshalb orientierungs- sowie hilflos war. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass sie bei der Kurzbefragung auf die Frage, ob sie jetzt gesund sei, vorbrachte, jetzt habe sie keine Krankheit (BFM-Akten A 2/10 S. 6). In der Anhörung gab sie auf die Frage, wie es ihr heute gesundheitlich gehe, le- diglich zu Protokoll , sie habe Rückenschmerzen und Schmerzen in den Beinen (A 14/17 S. 14). Weitere Beschwerden beziehungsweise gesund- heitliche Probleme machte sie nicht geltend . Zudem ist festzustellen, dass die an der Anhörung der Beschwerdeführerin anwesende Hilfswerk- vertretung auf ihrem Unterschriftenblatt in Bezug auf die Beobachtung der Anhörung keine Bemerkungen anbrachte (vgl. A 14/17 S. 17). Nach dem Gesagten ist davon aus zugehen, dass zum Zeitpunkt der Befragungen keine schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen seitens der Beschwerdeführerin vorlagen, weshalb das Bundes amt zu Recht keine weiteren Abklärungen bezüglich des (psychischen) Gesundheitszusta n- des der Beschwerdeführerin veranlasste. An dieser Einschätzung ändert auch der zu den Akten gereichte ärztliche Kurzbericht von Dr. med. F._______ vom 19. Juli 2012 nichts, da sich diesem Bericht nicht en t-D-3546/2012 Seite 9 nehmen lässt, dass die Beschwerdeführerin bereits zum Zeitpunkt der Befragungen im Mai und Juni 2009 unter geistigen Beeinträchtigungen litt. Folglich geht die Rüge, wonach das BFM den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt habe, da es keine we i- teren Abklärungen betreffend den physischen und psychischen Gesun d- heitszustand der Beschwerdeführerin angeordnet habe, fehl. 4.5 4.5.1 In der Beschwerde wird überdies moniert , das BFM habe das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts bezüglich Sri Lanka (BVGE 2011/24) nicht berücksichtigt und dadurch den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig abgeklärt. 4.5.2 Es trifft zwar zu, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verf ü- gung bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft nicht explizit auf das Grundsatzurteil Bezug nimmt. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass das BFM die d iesbezügliche Rechtsprechung des Bunde s- verwaltungsgerichts nicht berücksichtigt hätte. Das Bundesamt führte in seiner Verfügung vom 29. Mai 2012 aus, die Beschwerdeführerin mache keine verfolgungsrelevanten Nachteile geltend, da sie selber nie Probl e- me mit den Behörden, der Armee oder den LTTE gehabt habe, woraus erhellt, dass die Vorinstanz durchaus die Flüchtlingseigenschaft der B e- schwerdeführerin unter Berücksichtigung der in BVGE 2011/24 aufgeführ- ten Risikoprofile geprüft hat . Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge, die Vorinstanz habe das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts bezüglich Sri Lanka (BVGE 2011/24) nicht berücksichtigt und dadurch den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig abgeklärt, als unb e- gründet. 4.6 4.6.1 In der Rechtsmittelschrift wird ausserdem vorgebracht, das BFM habe den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig a b- geklärt, da es keine länderspezifischen Informationen in der Sache be i- gezogen habe. 4.6.2 Die Rüge, das BFM habe sich bei der Entscheidfindung auf keine länderspezifischen Informationen gestützt und damit den rechtserhebl i- chen Sachverhalt nicht vollständig und nicht richtig abgeklärt, entbehrt j e- der Grundlage. Vielmehr kann – insbesondere auch in Berücksichtigung der geltenden Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ( BVGE 2011/24) – der angefochtenen Verfügung nicht entnommen werden, inwiefern das D-3546/2012 Seite 10 BFM die aktuellen Länderinformationen über Sri Lanka unberücksichtigt gelassen hätte. Allein aus der Tatsache, dass in der angefochtenen Ve r- fügung keine Länderberichte erwähnt wurden und sich keine solchen in den Akten finden, kann nicht der Schluss gezogen werden, von der Vorin- stanz seien keine Länderberichte oder sonstige länderspezifische Infor- mationen berücksichtigt worden. Da sich ferner das BFM mit knapper, aber ausreichender Begründung zum Wegweisungsvollzug nach Sri La n- ka geäussert hat, sind der angefochtenen Verfügung keine hinreichenden Anhaltspunkte zu entnehmen, welche den Schluss zuliessen, das BFM habe den Sachverhalt unvollständig abgeklärt respektive seine Begrü n- dungspflicht verletzt. Insgesamt ist deshalb auch die in diesem Zusa m- menhang geltend gemachte Verletzung des rechtlichen Gehörs unb e- gründet. Schliesslich ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin in der Beschwerde offensichtlich zu den in der angefochtenen Verfügung festgehaltenen Argumenten ausführlich äussern konnte. 4.7 Somit wurde der relevante Sachverhalt entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin vom BFM h inreichend abgeklärt, zumal auch keine Fragen ersichtlich sind, die einer näheren Prüfung bedürfen. Daher ist der Antrag der Beschwerdeführerin in der Rechtsmittelschrift, es seien zu verschiedenen Punkten des Sachverhalts und der sich daraus ergebe n- den Gefährdung zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, abzuweisen, da nicht ersichtlich ist, inwiefern diese geeignet wären, zu einer anderen Einschätzung der flüchtlingsrechtlichen Relevanz ihrer Vorbringen zu füh- ren. Die Rüge der Beschwerdeführerin, der Sachverha lt sei unvollständig erhoben worden, erweist sich daher als nicht stichhaltig. Folglich ist auch ihr Eventualbegehren, wonach die Verfügung des BFM vom 29. Mai 2012 aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richt i- gen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen sei, abzuweisen. Nach dem Gesagten erweisen sich auch die beantragten weiteren Abklärungen durch das Bundesverwa l- tungsgericht (vgl. Beschwerde S. 10) als überflüssig und damit gegen s- tandslos. 4.8 Bei dieser Sachlage besteht somit keine Veranlassung, die angefoc h- tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb das Bege h- ren der Beschwerdeführerin, d ie Verfügung des BFM vom 29. Mai 2012 sei wegen Verletzung ihres Anspruchs auf das rechtliche Gehör aufzuhe- ben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen, abzuweisen ist. D-3546/2012 Seite 11 5. 5.1 Im Weiteren ist zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und deren Asylgesuch abgewiesen hat. 5.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Fre iheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.4 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin den Wort- laut der Protokolle mit ihrer Unterschrift bestätigt hat und sich deshalb i h- re Aussagen entgegenhalten lassen muss, zumal sie die übersetzenden Personen bei beiden Befragungen gut verstanden haben will (vgl. A 2/10 S. 7, A 14/17 F2). 5.5 5.5.1 In Abweichung zu den im vorinstanzlichen Verfahren geltend g e- machten Verfolgungsvorbringen (vgl. vo rstehend Bst. A.b) bringt die B e- schwerdeführerin im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vor, ihr Mann sei im Jahre 2006 nicht durch einen Jagdunfall ums Leben gekom men, sondern er sei von der sri-lankischen Armee erschossen worden, als er in seinem Gemüsegarten tätig gewesen sei. Die Armee habe damals an der Grenze des Vanni-Gebietes operiert, wo sie mit ihrem Mann gelebt habe. Damit sie nach E._______ habe umziehen können, habe sie einen neu t- ralen Todesschein benötigt, der den Tod des Ehemanne s als Unfallg e- schehen deklariert habe. In der Kurzbefragung habe sie erwähnt, dass ihr D-3546/2012 Seite 12 Ehemann erschossen worden sei; sie habe nicht von einem Unfall g e- sprochen. In der Anhörung habe sie dann die von ihr veränderte offi zielle Version eines Jagdunfall s vorgebracht. Aufgrund des Umstandes, dass sie durch die extralegale Tötung ihres Ehemannes, aber auch durch die Entführung ihrer Söhne und dem Verschwinden ihres Sohnes G._______ in Armeegewahrsam, Opfer respektive potentielle Anzeigerin einer schweren Menschenrechtsverletzung sei, weshalb auch deswegen eine Gefährdungssituation existiere, und sich zudem die Situation in Sri Lanka grundlegend verändert habe, könne sie über diese Ereignisse sprechen beziehungsweise seien diese Informationen ihrem Rechtsvertreter durch ihre beiden in der Schweiz lebenden Töchter übermittelt worden. 5.5.2 Hinsichtlich dieser erst auf Beschwerdestufe geltend gemachten Tö- tung des Ehemannes durch die sri-lankische Armee ist festzustellen, dass dieses Vorbringen ihrer Aussage anlässlich der Anhörung widers pricht und demnach unglaubhaft ist . Damals brachte sie nämlich vor , ihr Mann sei auf einem Feld gewesen, als ein Elefant gekommen sei; aus Angst sei er weggerannt, wobei sich ein Schuss gelöst und ihn tödlich getroffen h a- be (A 14/17 F118). Da es sich bei der Tötung ihres Mannes durch die sri - lankische Armee um einen wesentlichen Sachverhalt bezüg lich ihrer Asylgründe handelt, wä re von ihr zu erwarten ge wesen, dass sie bereits anlässlich der Anhörung dieselbe Todesursache deckungsgleich geschil- dert hätte, zumal sie ausdrücklich auf ihre Mitwirkungs- respektive Wahr- heitspflicht aufmerksam gemacht worden war (A 14/17 S. 2). 5.6 Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Ver- fahren geltend gemachten Vorbringen (vgl. vorstehend Bst. A.b) ist vorab übereinstimmend mit der Vorinstanz festzustellen, dass diese nicht asy l- relevant sind, weshalb diesbezüglich zur Vermeidung von Wiederholu n- gen auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen ist (vgl. Ziffer I; Bst. B.b vorstehend). 5.7 5.7.1 In der Rechtsmittelschrift bringt die Beschwerdeführerin vor, sie sei durch die Tötung ihres Ehemannes im Jahre 2006 und durch die Entfü h- rung ihrer beiden Söhne Opfer von schweren Menschenrechtsverletzu n- gen geworden, begangen durch die sri -lankische Armee, weshalb ihr bei einer Rückkehr nach Sri Lanka als Opfer und potentielle Anzeigerin so l- cher schwerer Menschenrechtsverletzungen eine staatliche Verfolgung und vor allem eine Liquidierung durch paramilitä rische Kräfte drohe. Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin auf Beschwerdestufe geltend, D-3546/2012 Seite 13 sie habe bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auch deshalb eine Verha f- tung und eventuell Folter zu befürchten, da die sri -lankischen Behörden über die LTTE -Vergangenheit ihres heute in Indien lebenden Sohnes H._______ informiert seien und die Behörde diesbezüglich weitere Abklä- rungen vornehmen würden. 5.7.2 Nach Beendigung des militärischen Konflikts zwischen der sri - lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 gelten die LTTE militärisch als vernichtet. Die Sicherheitslage hat sich in bedeutsamer Weise stabil i- siert, auch wenn sich das Land immer noch in einem Entwicklungspr o- zess befindet. Die Menschenrechtslage hat sich allerdings namentlich hinsichtlich der Meinungsäusserungs- und der Pressefreiheit verschlec h- tert. Politisch Oppositionelle jeglicher Couleur werden seitens der Regi e- rung als Staatsfeinde betrachtet und müssen mit entsprechenden Verfo l- gungsmassnahmen rechnen (BVGE 2011/24 E. 7). Trotz dieser mehrheit- lich positiven Veränderungen gibt es Personenkreise, die seit Beendigung des militärischen Kon flikts immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LT TE in Ve r- bindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex - Generals Sarath Fonseka, Journalisten und andere in der Medienbranche tätige Personen, international und lokal tätige Vertreter von NGOs, die sich für die Menschenrechte einsetzen o der Verstösse kritisieren, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Personen, die so l- che Übergriffe bei den Behörden anzeigen, abgewiesene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE-Kader oder Personen, die über b e- trächtliche finanzielle Mittel verfügen (BVGE 2011/24 E. 8). Zwar trifft es – wie in der Beschwerde vorgebracht wird – zu, dass sich der Grundsat z- entscheid BVGE 2011/24 auf Quellenmaterial abstützt, das vor dem Jahr 2012 datiert, aber nichtsdestotrotz haben die darin definierten Risiko- gruppen nach wie vor Bestand, erfolgt doch die Prüfung der Zugehöri g- keit zu denselben in Anwendung der in BVGE 2011/24 definierten Krit e- rien und mittels Evaluation vorhandenen neuen Quellenmaterials. Ob die Beschwerdeführerin einer Risikogruppe angeh ört, wie das in der B e- schwerde (sinngemäss) geltend gemacht wird, ist im Rahmen einer ei n- zelfallspezifischen Prüfung abzuklären. 5.7.3 Wie vorstehend in E. 5.5.2 dargelegt, kann der Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden, dass ihr Mann im Jahre 2006 von der sri - lankischen Armee erschossen wurde, wie das von ihr in der Rechtsmitte l- schrift vorgebracht wird. Vielmehr ist davon aus zugehen, dass er durch D-3546/2012 Seite 14 einen Unfall ums Leben gekommen ist, wie es die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung zu Protokoll gab. Hinsichtlich der von der B e- schwerdeführerin geltend gemachten Verhaftung ihrer beiden Söhne bei einer Razzia ist Folgendes festzuhalten: Der ältere Sohn H._______ war nach Aussagen der Beschwerdeführerin in der Beschwerde vor seiner Festnahme im Jahre 2004 oder 2005 während sechs Jahren militanter LTTE-Aktivist. Er soll nach einem Jahr aus der Haft geflohen sein und heute in Indien leben. Bezüglich des jüngeren Sohnes G._______ hat die Beschwerdeführerin gemäss ihren Vorbringen in der Rechtsmittelschrift seit dessen Festnahme keine Informationen über dessen Schicksal. Da er laut ihren Angaben in der Beschwerde ni e für die LTTE tätig war , ist die Behauptung, dass er Opfer eine r Menschenrechtsverletzung wurd e, rein spekulativer Natur. Nach dem Gesagten war die Beschwerdeführerin we- der Opfer noch Zeugin einer während des Bürgerkrieges begangenen Menschenrechtsverletzung, weshalb sie – entgegen der Behauptung in der R echtsmittelschrift – auch nicht als potentielle Anzeigerin einer so l- chen eine asylrelevante Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden oder paramilitärische Kräfte zu befürchten hat. Im Übrigen findet die Aus- sage in der Beschwerde, wonach die Beschwerdef ührerin durch das E r- lebte in ihrem Heimatland stark traumatisiert sei, im eingereichten ärztli- cher Kurzbericht von Dr. med. F._______ vom 19. Juli 2012 keine Stütze. Soweit in der Rechtsmittelschrift geltend gemacht wird, die Beschwerde- führerin hätte bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auch deshalb eine Ve r- haftung und eventuell Folter zu befürchten, da die sri -lankischen Behör- den über die LTTE-Vergangenheit ihres heute in Indien lebenden Sohnes H._______ informiert seien und sie diesbezüglich weitere Abkläru ngen vornehmen würden, ist Folgendes festzustellen: Gemäss den Vorbringen in der Beschwerde soll dieser Sohn spätestens im Jahre 2006 aus der Haft nach Indien geflohen sein (vgl. Beschwerde S. 6). Die Beschwerd e- führerin bringt jedoch nicht vor, bis zu ihrer Ausreise in die Schweiz im Mai 2009 jemals von den sri -lankischen Behörden wegen H._______ be- helligt worden zu sein. Es ist davon auszugehen, dass die sri -lankischen Behörden die Beschwerde führerin bereits vor ihrer Reise in die Schweiz im Mai 2009 aufgesucht und über ihren So hn befragt hät ten, wären sie tatsächlich an Informationen interessiert gewesen. Der Umstand, dass dies nicht geschehen ist, lässt die geltend gemachte Gefähr dung als un- wahrscheinlich erscheinen. Gegen ein heute bestehendes Interesse der sri-lankischen Behörden an der Beschwerdeführerin wegen ihres Sohnes H._______ spricht auch die Tatsache, dass sie im Jahre 2008 bezi e- hungsweise Mai 2009 ohne Probleme zweimal mit einem echten Pass D-3546/2012 Seite 15 über den Flughafen von Colombo ausreisen und einmal einreisen konnte (A 2/10 S. 4, A 14/17 F61 ff.). Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin g e- mäss den Akten niemals etwas mit den LTTE zu tun hatte, weshalb sie auch insoweit das Interesse der Sicherhei tskräfte nicht auf sich gezogen haben kann. Überdies ist angesichts ihrer Aussagen nicht davon ausz u- gehen, ihre Familie oder sie verfügten über beträchtliche finanzielle Mittel, so dass sie auch in dieser Hinsicht keiner erhöhten Gefährdung unte r- liegt. Ebenso wenig ist anzunehmen, dass ihr im Zusammenhang mit der in Colombo respektive im Norden und Osten des Landes vorgenomm e- nen Registrierung der Bevölkerung eine asylrechtlich relevante Gefäh r- dung erwächst, da sie jahrelang im Distrikt E._______ (Nordprovinz) lebte und dort registriert war. In der Beschwerde wird darauf hingewiesen, dass die Bevölkerungsregistrierung auch dazu diene, einen Überblick über die tamilische Bevölkerung zu gewinnen, respektive zu eruieren, wo sich ehemalige LTTE-Mitglieder befänden. Dies mag zutreffen, ist aber für den vorliegend zu beurteilenden Fall nicht relevant. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin sich seit Mai 2009 in der Schweiz aufhält und hier ein Asylgesuch eingereicht hat, vermag ebenfalls nicht zur Annahme e i- ner begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu führen, da keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich im nahen Umfeld der LTTE bewegt. Das Bundesverwaltungsgericht geht – entgegen der in der B e- schwerde vertretenen Ansicht – auch in Anbetracht der j üngeren Lag e- entwicklung in Sri Lanka nicht davon aus, abgewiesene tamilische Asy l- gesuchsteller liefen generell Gefahr, asylrechtlich relevanter Verfolgung ausgesetzt zu werden. Nach Kenntnis des Gerichts handelt es sich bei den bislang registrierten Übergr iffen der sri-lankischen Sicherheitsorgane gegenüber tamilischen Rückkehrern (vgl. Research Directorate, Immigr a- tion and Refugee Board of Canada vom 12. Februar 2013; http://www.ecoi.net : "Sri Lanka: Treatment of Tamil returnees to Sri Lanka …") nicht um ein allgemeines Phänomen, sondern um Einzelfälle, bei welchen über die Motive der verfolgenden Sicherheitsorgane kaum etwas bekannt ist und die nicht eine Verfolgung aller Rückkehrer wahrscheinlich erscheinen lassen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerich ts E - 5198/2011 vom 25. April 2013 E. 6.2.3). Das Gericht verfolgt die Lag e- entwicklung in Sri Lanka stetig, sieht indessen im heutigen Zeitpunkt ke i- ne Veranlassung, vor Fällung eines Urteils in dieser Sache oder generell weitere Abklärungen zu veranlassen o der die weitere Lageentwicklung abzuwarten beziehungsweise die in BVGE 2011/24 festgelegte Praxis zu ändern, wie das in der Beschwerde gefordert wird. An dieser Einschä t-D-3546/2012 Seite 16 zung vermögen auch die von der Beschwerdeführerin eingereichten Be- richte nichts zu ändern, die sich entweder zur allgemeinen Situation in Sri Lanka oder zu einzelnen Fällen von Mensch enrechtsverletzungen äu s- sern, jedoch ohne konkreten Bezug zur Person der Beschwerdeführerin und deren individuellen Asylvorbringen sind. Soweit in der Rechtsmit tel- schrift bezüglich der Gefährdung von abgewiesenen Asylsuchenden bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auf ein Urteil des Obersten Gerichts von Grossbritannien verwiesen wird, ist festzuhalten, dass dieses für das Bundesverwaltungsgericht n icht relevant ist, weshalb verzichtet werden kann, darauf einzugehen. Nach dem Gesagten ist nicht davon auszug e- hen, dass die Beschwerdeführerin einer der in BVGE 2011/24 definierten Risikogruppen angehört. 5.8 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise bestehende oder u n- mittelbar drohende asylrechtlich relevante Verfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Auch im heutigen Zeitpunkt kann ihr keine begrün- dete Furcht vor einer Rückkehr in ihr e Heimat zuerkannt werden. Es e r- übrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, da sie an der Wü r- digung des vorliegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen . Das BFM hat das Asylgesuch der Beschwerdeführerin somit zu Recht abg e- lehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2011/24 E. 10.1). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläuf ige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom D-3546/2012 Seite 17 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des B undesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (BVGE 2011/24 E. 10.2). 7.2 7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu w erden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142. 30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV , Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u nmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr igender Strafe oder Behan d- lung unterworfen werden. 7.2.2 Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vo r- liegenden Verfahren keine Anw endung finden. Eine Rückkehr der Be- schwerdeführerin nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h-D-3546/2012 Seite 18 weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK widrige Behan d- lung namentlich für Tamilen, die aus einem europ äischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kin g- dom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008 ; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application n o. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Der Gerichtshof unterstreicht, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be- fragung ein Interesse. Nachdem die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft gemacht hat, dass sie befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heima t- land die Aufmerksamkeit der sri -lankischen Behörden in einem flüch t- lingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch ke i- ne Anhaltspunkte dafür, ihr würde aus demselben Grund eine mensche n- rechtswidrige Behandlung im Heimatland drohen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zei tpunkt nicht als unzulässig erscheinen ( BVGE 2011/24 E. 10.4.2). An dieser Einschätzung ändern auch die Vor bringen der Be- schwerdeführerin in der Rechtsmittelschrift und die dort zitierten Berichte nichts. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerin nen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkret e Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.3.2 Im bereits erwähnten Grundsatzurteil BV GE 2011/24 vom 27. Okto- ber 2011 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Analyse der all-D-3546/2012 Seite 19 gemeinen, heute herrschenden Sicherheits - und politischen Lage in Sri Lanka vorgenommen und die in BVGE 2008/2 publizierte Wegweisung s- vollzugspraxis teilweise an gepasst. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert (vgl. BVGE a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist indes gebietsweise sehr unterschiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit läng e- rer Zeit unter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz unte r Ausschluss des sogenannten "Vanni-Gebietes") keine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem ist die do r- tige politische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeit s- kriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio -ökonomi- sche und medizinische Aspekte, Kindeswohl etc.) ist dabei auch dem zeit- lichen Element gebührend Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise geherrscht hat und dem Wegwe i- sungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufent- halt der betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zu- rück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen ko n- krete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Leben s- umstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfältig abz u- klären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges h in zu über- prüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebl i- che Faktoren. Falls solche begünstigenden F aktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsa l- ternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. BVGE a.a.O. E. 13.2.1). D-3546/2012 Seite 20 7.3.3 Gestützt auf diese Beurteilung der allgemeinen, heute herrsche n- den Sicherheits- und politischen Lage in Sri Lanka sowie nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass der Wegweisungsvollzug der Beschwerd e- führerin zumutbar ist. An dieser Einschä tzung vermögen auch die von ihr in der Beschwerde zitierten Berichte bezüglich der Situation in Sri Lanka nichts zu ändern, da sich ihnen nicht eine wesentlich andere Beurteilung der Lage in Sri Lanka entnehmen lässt. Gemäss den Akten stammt die Beschwerdeführerin aus dem Dorf D._______ (Distrikt E._______), wo sie während vieler Jahre lebte. Drei Jahre vor ihrer Ausreise aus Sri La n- ka im Mai 2009 ist sie in die Stadt E._______ zu ihrer Schwester gez o- gen, die sich zusammen mit ihrem Bruder um sie gekümmert hat (A 2/10 S. 1, A 14/17 F8). Gemäss den Aussagen in der Rechtsmittelschrift lebt die Schwester mit ihrer Famil ie nach wie vor in E._______. Angesichts der in der tamilischen Kultur bestehenden traditionell engen Familienver- bundenheit ist – entgegen der B ehauptung in der Rechtsmittelschrift – davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in diese Stadt bei ihrer Schwester erneut eine adäquate Unterkunftsmög- lichkeit vorfinden und sich l etztere zusammen mit ihrer Familie um die Beschwerdeführerin kümmern wird, zumal die Schwester das vor der Ausreise der Beschwerdeführerin auch schon getan hat. Die Behauptung in der Rechtsmittelschrift, wonach dies insbesondere aus finanziellen Gründen nicht möglich sei, ist unglaubhaft, da die Beschwerdef ührerin anlässlich der Anhörung zu Protokoll gab, ihr Schwager habe genug Geld (A 14/17 F49) und die Aussage in der Beschwerde , wonach die Familie der Schwester in schlechten finanziellen Verhältnissen lebe, in keiner Weise belegt wird. Abgesehen davon kan n die Beschwerdeführerin im Bedarfsfall auf die finanzielle Unterstützung ihrer nahen Verwandten (Kinder, Geschwister) zählen, die in Sri Lanka, Indien und in der Schweiz leben. Insbesondere ist davon auszugehen, dass sie bei Bedarf von ihren beiden in der Schweiz wohnhaften Töchtern unterstützt wird, zumal diese sie schon vor ihrer Ausreise aus Sri Lanka regelmässig finanziell unte r- stützt haben (A 14/17 F35). Zur Überbrückung allfälliger Anfangs schwie- rigkeiten kann die Beschwerdeführerin beim BFM Rückkehrhilfe beantra- gen. Es ist festzuhalten, dass bloss soziale und wirtschaftliche Schwieri g- keiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht genügen, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Auf Beschwerdestufe wird vorgebracht, die Beschwerdeführerin leide un- ter somatischen und psychischen Beschwerden, weshalb der Vollzug der D-3546/2012 Seite 21 Wegweisung aus medizinischen Gründen nicht zumutbar sei. Diesbezüg- lich ist vorab darauf hinzuweisen, dass nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland schlicht nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beei n- trächtigung des G esundheitszustandes der betroffenen Person führt. Als wesentlich wird die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Behan d- lung absolut notwendig ist, wobei Unzumutbarkeit jedenfalls noch nic ht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009 Nr. 2 E. 9.3.2., mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b). Ge- mäss dem eingereichten ärztlichen Kurzbericht von Dr. med. F._______ vom 19. Juli 2 012 leidet die Beschwerdeführerin unter folgenden B e- schwerden: Gehstörung bei ausgeprägter medialer Gonarthrose (Knie- arthrose innenseits), chronisches thorakales und lumbales Schmerzsy n- drom bei Verdacht auf degenerative Rü ckenveränderungen und Fehlb e- lastungen, Verwirrtheit, Vergesslichkeit, Orientierungsvermögens - und Konzentrationsstörungen, offenbar hohen Grades und daraus resultieren- de soziale Isolation und Abhängigkeit. Bei diesen gesundheitlichen Beein- trächtigungen handelt es sich nicht um gravierende somatische und psy- chische Beschwerden, weshalb sie auch im Heimatland der Beschwerde- führerin behandelt werden können, zumal die medizinische Grundverso r- gung in Sri Lanka gewährleistet ist. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass bei einer medizinischen Behandlung im Heimatland das Problem der Sprachbarriere wegfällt, was für die Beschwerde führerin von Vorteil ist. Es ist davon auszugehen, dass sie bei der Finanzierung der notwe n- digen medizinischen Behandlungen falls nötig durch ihre nahen Verwand- ten unterstützt wird. Ihr ist es überdies unbenommen, beim BFM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 75 der Asylver- ordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). Betre ffend die weitere Finanzierung der medizinischen B e- handlung ist festzuhalten, dass der Wegweisungsvollzug auch zumutbar ist, wenn die medizinische Behandlung nicht lebenslang sichergestellt ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5e). Da – wie vorne bereits dargelegt – da- von auszugehen ist, dass d ie Beschwerdeführerin nach der Rückkehr in ihr Heimatland in E._______ bei der Familie ihrer Schwester wird wohnen können, dürfte auch die notwendige Betreuung und Pflege gewährleistet sein, deren die Beschwerdeführerin gem äss dem ärztlichen Kurzbericht von Dr. med. F._______ vom 19. Juli 2012 bedarf . Es ist zwar nachvol l- ziehbar, dass der bevorstehende Vollzug der Wegweisung eine Belastung D-3546/2012 Seite 22 für die Beschwerdeführerin darstellt, indes rechtfertigt dies nicht, den Wegweisungsvollzug als unzumutbar zu bezeichnen. Daran vermag auch die Meinung von Dr. med. F._______ nichts zu ändern, der im ärztlichen Kurzbericht vom 19. Juli 2012 fest hält, in der aktuellen Situation sei die Wegweisung der Beschwerdeführerin medizinisch gesehen un zumutbar, da d ie Beurteilung der Durchführbark eit des Wegweisungsvollzugs eine Rechtsfrage ist, deren Beantwortung Aufgabe der entscheidenden B e- hörde und nicht des behandelnden Arztes ist (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.1; EMARK 1996 Nr. 16 E. 3e.bb). 7.3.4 Nach dem Gesagten ist zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat in keine existenzielle Notlage ge- raten wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit sowohl in g e- nereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 7.3.5 Der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin ist bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten jedoch Rechnung zu tragen, dass, sofern notwendig, beispielsweise eine medizinische Fachperson die Betreuung während der Rückreise übernimmt. Es ist Aufgabe des BFM in Zusammenarbeit mit den kantonalen Vollzugsbehörden, die gesundheitli- chen Probleme der Beschwerdeführerin bei der Organisation der konkr e- ten Überstellungsmodalitäten zu berücksichtigen. 7.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung nicht als unmöglich zu b e- zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die a ngefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. D-3546/2012 Seite 23 9. Das Gesuch um Bekanntgabe des Spruchkörper s wird mit vorliegendem Urteil ohne vorgängige Instruktion gegenstandslos. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwe r- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 -3 des Reglements vo m 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 30. Juli 2012 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. 10.2 Dem Umstand, dass auf Seiten der Beschwerdeführerin, weil die Vorinstanz keine Einsicht i n die von ihr eingereichten Beweismittel g e- währte, unnötiger Aufwand entstanden ist, ist bei der Parteientschädigung Rechnung zu tragen. Wie aus der eingereichten Kostennote vom 30. Juli 2012 hervorgeht, macht der Rechtsvert reter im Zusammenhang mit der Stellungnahme vom 30. Juli 2012 einen zeitlichen Vertretungsaufwand von insgesamt 2.75 Stunden (Besprechung mit der Beschwerdeführerin sowie Abfassen der Eingabe) geltend. Der angegebene Zeitaufwand wird als zu hoch erachtet, weshalb er zu kürzen ist. Gestützt auf die in B e- tracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 8 - 13 VGKE) und den vom Rechtsvertreter verrechneten Honoraransatz von Fr. 240.-- pro Stun- de ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 360. -- (inkl. Mehrwertsteuer und Auslagen) zuzusprechen. Dieser Betrag ist der Beschwerdeführerin durch das BFM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3546/2012 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag wird mit dem in derselben Höhe geleisteten Koste n- vorschuss verrechnet. 3. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientsch ä- digung von Fr. 360.-- zu entrichten. 4. Dieses Urteil ge ht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: