Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. März 2013 (720 12 318 / 59) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision bei erheblicher Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Markus Mat tle, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dominik Zehntner, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1978 geborene A.____ war zuletzt vom 10. Apri l 2000 bis 28. Februar 2003 als Betriebsmitarbeiterin bei der B.____ AG tätig gewesen . Nachdem sie sich am 28. August 2000 bei der Arbeit an einer Maschine Verletzungen an der H and zugezogen hatte, meldete sich A.____ am 20. März 2001 unter Hinweis auf diesen Arbe itsunfall bei der Eidgenössischen Inva- lidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft klärte in der Folge die gesundheitlichen und die erwerblichen V erhältnisse ab, wobei sie für den Zeit- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht raum ab 28. August 2001 (Ablauf des Wartejahres) einen Invaliditätsgrad der Versicherten von 74 %, ab 6. September 2001 einen solchen von 50 % un d ab 14. Juni 2002 wiederum einen Invaliditätsgrad von 74 % ermittelte. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügung vom 3. Oktober 2007 rückwirkend ab 1. Aug ust 2001 eine ganze Rente, ab 1. Januar 2002 eine halbe Rente und ab 1. September 2002 wiederum eine ganze Rente zu. Im April 2009 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen eine Überprüfung des laufenden Rentenan- spruchs der Versicherten ein. Aufgrund ihrer Abklärungen gelangte die IV-Stelle zur Auffas- sung, dass sich der Gesundheitszustand von A.____ verbessert habe. Der aus diesem Grund neu vorzunehmende Einkommensvergleich ergebe lediglich no ch einen Invaliditätsgrad von 4 %. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens hob die IV-Stelle deshalb die laufende ganze Rente von A.____ mit Verfügung vom 17. September 2012 auf das Ende des der Zustel- lung der Verfügung folgenden Monats auf. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Dominik Zehntner, am 17. Oktober 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefoch tene Verfügung der IV-Stelle vom 17. September 2012 aufzuheben; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2012 be antragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. D. Zur Vervollständigung der Unterlagen zog das Geri cht bei der Schweizerischen Unfall- versicherungsanstalt (SUVA) die Unfallversicherungs-Akten der Versicherten bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 17. Oktober 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gült ig gewesenen Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung) hat die versicherte Per- son Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindes tens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wen n sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezemb er 2007 gültig gewesenen Fassung] bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung]). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, d as die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 4.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend hat die IV-Stelle der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3. Oktober 2007 rückwirkend ab 1. August 2001 eine ganze Rente, ab 1. Januar 2002 eine halbe Rente und a b 1. September 2002 wiederum eine ganze Rente zugesprochen. Nachdem sie im April 2009 von Amtes wegen eine Überprüfung des Rentenanspruchs der Versicherten eingeleitet und die erforderlichen Abklärungen vorge- nommen hatte, hob die IV-Stelle die laufende ganze Rente der Versicherten mit Verfügung vom 17. September 2012 auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in d en tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausge richteten Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursp rünglichen Rentenverfügung vom 3. Oktober 2007 bestanden hat, mit demjenigen im Zei tpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 17. September 2012. 5. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundh eitszustand und - damit einher- gehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit der Versichert en tatsächlich, wie von der IV-Stelle gel- tend gemacht, seit der Rentenzusprache in einer anspruchserheblichen Weise verbessert hat. 5.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilu ngen) bleibt folglich weitestgehend an- wendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 In der ursprünglichen Verfügung vom 3. Oktober 2 007, mit welcher sie der Versicher- ten ab 1. September 2002 eine ganze Rente zugesproche n hatte, stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbei tsfähigkeit der Versicherten im We- sentlichen auf ein Gutachten von Dr. med. C.____, Psych iatrie und Psychotherapie FMH, vom 17. Oktober 2004. Darin hatte der Experte folgende Di agnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfä- higkeit festgehalten: (1) eine depressive Fehlentwicklung, gegenwärtig schwere depressive Epi- sode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2) mit somatisc hem Syndrom (ICD-10 F33.21), (2) Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und (3) eine Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht „beginnende somatoforme Schmerzstörung wahrscheinlich“. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hatte der Gutachter ausgeführt, die Versicherte sei in einer Tätigkeit, in welcher sie nicht mehr mit Maschinen arbeiten, sondern beispielsweise nur leicht e industrielle Montagearbeiten ver- richten müsse, drei Stunden täglich arbeitsfähig. 6.2 Im Rahmen des von ihr im April 2009 von Amtes weg en eingeleiteten Rentenrevisions- verfahrens gab die IV-Stelle zur Abklärung des aktuellen medizinischen Sachverhalts bei Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein psychiatrisches Gutachten in Auf- trag, welches am 7. Februar 2011 erstattet wurde. Darin erhob der Gutachter als Diagnosen (1) eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) nach Arbeitsunfall am 28.08.2000 sowie (2) Angst und d epressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2) bei Status nach posttraumatischer Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) nach Arbeitsunfall am 28.08.2000 und bei depressiver Störung, gegenwärti g remittiert (ICD-10 F32.4/ F33.4). In Anbetracht der erhobenen Befunde sei eine langfristig e relevante Minderung der Arbeitsfähig- keit der Versicherten in körperlich angepassten Tätigkeiten aus psychiatrischer- psychotherapeutischer (versicherungsmedizinischer) Sicht ab Au gust 2009 nicht mehr be- gründbar. 6.3 Bei den Akten findet sich sodann ein fachärztliches Gutachten vom 29. März 2012, welches die SUVA bei Dr. med. E.____, Psychiatrie und P sychotherapie FMH, in Auftrag gege- ben hatte. Der Experte hielt darin die Diagnosen (1 ) Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2) und (2) chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) fest und führte zur Frage der Arbeit sfähigkeit aus, diese sei aus psychiatri- scher Sicht aktuell sowohl in zeitlicher als auch in leist ungsmässiger Hinsicht nicht mehr als 20 % eingeschränkt. 6.4 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des a ktuellen medizinischen Sachverhal- tes und bei ihrem Entscheid über die Frage, ob seit der ursprünglichen Rentenzusprechung eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versicherten eingetreten ist, auf die Ergebnisse des fachärztlichen Gutachtens von Dr. D.____ vom 7. Februar 2011. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der ursprünglichen Rentenzusprache vom 3. Oktober 2007 in p sychischer Hinsicht deutlich verbes- sert hat. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund einge hender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten von Dr. D .____ vom 7. Februar 2011 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenn tnis der Vorakten abgegeben wor- den, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhand enen abweichenden ärztlichen Ein- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerung en überzeugend. Dazu kommt, dass seine Ergebnisse sowohl in Bezug auf die Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustan- des als auch hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch das umfangreiche, im Auf- trag des Unfallversicherers erstellte psychiatrische Gutachten von Dr. E.____ vom 29. März 2012 weitgehend bestätigt werden. 6.5 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens von Dr. D.____ vom 7. Februar 2011 - und desjenigen von Dr. E.____ vom 29. März 2012 - in Frage zu stellen. Die Versicherte bemängelt in ihrer Beschwerde insbe- sondere, es sei der IV-Stelle mit dem Gutachten von Dr. D.____ nicht gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass sich ihr Zustand seit der ursprünglichen Rentenzusprache in einer an- sprucherheblichen Weise verbessert habe. Diesem Einwand k ann nicht gefolgt werden. Entge- gen der Auffassung der Beschwerdeführerin legt Dr. D._ ___ nachvollziehbar dar, dass erhebli- che, von Dr. Weber im Rahmen der früheren Begutachtu ng festgestellte psychiatrische Diagno- sen - wie die depressive Störung und die Anzeichen eine r posttraumatischen Belastungsstö- rung - im Zeitpunkt seiner Begutachtung remittiert wa ren. Laut Dr. D.____ besteht zwar weiter- hin eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi schen Faktoren, deren Über- windung ist der Versicherten jedoch gemäss seinen schlüssi gen gutachterlichen Ausführungen zumutbar. Damit ist aber eine zwischenzeitlich eingetrete ne wesentliche Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes und - damit einhergehend - der Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten durch das fachärztliche Gutachten von Dr. D.____ hinreichend ausgewiesen. Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdeführerin schl iesslich auch aus dem von ihr einge- reichten Schreiben ihres behandelnden Arztes Dr. med. F .____, Psychiatrie und Psychothera- pie FMH, vom 21. Mai 2012. Darin beschränkt sich dieser, wie die IV-Stelle in ihrer Vernehm- lassung zutreffend geltend macht, hauptsächlich darauf, d ie von der Versicherten geltend ge- machten Beschwerden bzw. die Aussagen ihres Ehemannes hie rzu wiederzugeben. Der Be- richt von Dr. F.____ ist insgesamt jedenfalls nicht gee ignet, Zweifel an der Schlüssigkeit der beiden psychiatrischen Gutachten zu erwecken. 6.6 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die IV-Ste lle in der angefochtenen Ver- fügung zutreffend davon ausgegangen ist, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde- führerin seit der am 3. Oktober 2007 erfolgten Renten zusprache erheblich verbessert hat mit der Folge, dass der Versicherten im Zeitpunkt des Erlasses der Revisionsverfügung die Aus- übung einer adaptierten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar war. Somit hat die IV-Stelle das Vorliegen der Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 ATSG zu Recht bejaht. 7.1 Gestützt auf dieses Zwischenergebnis ist in einem nächs ten Schritt zu prüfen, wie sich die geschilderte Entwicklung auf den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin auswirkt. Zur Beantwortung dieser Frage sind die Anspruchsberechtigun g und allenfalls der Umfang des An- spruchs pro futuro zu prüfen. Es gilt mit anderen Worten , auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts den Invaliditäts grad bei Erlass der streitigen Revisions- verfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspruchsberechti gung und allenfalls der Umfang des Anspruchs ergeben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hi ervor), ist der Invaliditätsgrad bei er- werbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergle ichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfü gung vom 17. September 2012 den erfor- derlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 55’044.-- und des zumutb arem Invalideneinkommens von Fr. 52'728.-- einen Invaliditätsgrad von 4,21 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 4 % ermittelt. Die konkrete Berechnu ng, die von der Versicherten in der vor- liegenden Beschwerde nicht beanstandet worden ist, er weist sich - abgesehen von einer nach- folgend zu erläuternden minimalen Berichtigung - als r echtens. Die IV-Stelle weist in ihrer Ver- nehmlassung zutreffend darauf hin, dass ihr bei der Anpassung des Valideneinkommens an die Lohnentwicklung ein Fehler unterlaufen ist. Aus einer ko rrekten Berechnung resultiert nämlich ein leicht höheres Valideneinkommen von Fr. 55'235.-- (statt Fr. 55'044.--), was im Einkom- mensvergleich zu einem Invaliditätsgrad von 4,54 % bzw. gerundet von 5 % führt. In den übri- gen Punkten ist der vorinstanzliche Einkommensvergleich - wie erwähnt - nicht zu beanstanden. Es kann deshalb vollumfänglich auf die entsprechenden Aus führungen der IV-Stelle in der Ver- fügung vom 17. September 2012 verwiesen werden. 7.3 Bei einem im Rahmen des Revisionsverfahrens ermittel ten Invaliditätsgrad von 5 % hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch (mehr) auf eine IV-Rente. Die IV-Stelle hat deshalb die der Versicherten bisher ausgerichtete ganze Rente zu Recht aufgehoben, wobei die Aufhe- bung gestützt auf Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversi cherung (IVV) vom 17. Januar 1961 korrekterweise vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an erfolgte. Die angefochtene Verf ügung der IV-Stelle vom 17. September 2012 ist demnach nicht zu beanstanden. Die dagegen er hobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht