Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 9. Juni 2020 (400 20 57) ___________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Dispositions- und Verhandlungsmaxime im Verfahren betreffend Volljährigenunterhalt (E. 4); ist das volljährige Kind für die zerrüttete Eltern-Kind-Beziehung mitverantwort- lich, können die Ausgaben für "Sport / Freizeit" und "Diverses (Ferien etc.)" im Bedarf des volljährigen Kindes unberücksichtigt bleiben (E . 5.3.1 ff.); volle Anrechnung des Kindeseinkommens im vorliegenden Fall (E. 5.3.6 f.) ; selbst getragene Krankheitskos- ten können im familienrechtlichen Grundbedarf anger echnet werden, soweit sie re- gelmässig anfallen und sich die Medikamente bzw. Beh andlungen als medizinisch an- gezeigt erweisen (E. 6.3); Prüfung einer Rechtsfrage vom Amtes wegen im Rechtsmit- telverfahren (E. 7.5.1 ff.). Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader (Vorsitz), Richterin Barbara Jermann Richterich (Ref.), Präsident Roland Hofmann; Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Daniel Levy, Wasserturmplatz 3, Postfach 349, 4410 Liestal, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B.____ , vertreten durch Advokat Dieter Gysin, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beklagter und Berufungsbeklagter Gegenstand Unterhalt Kind / Volljährigenunterhalt Berufung gegen den Entscheid des Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 27. September 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die heute 23-jährige A.____, geboren am 21. xxx 1996, ist die Tochter von B.____ und C.____. Die Eltern trennten sich im April 2014 u nd mit Entscheid des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 30. Januar 2017 wurde ihre Ehe geschieden. Da A.____ damals bereits mündig war, enthielt das Scheidungsurteil kein e Regelung über ihren Unterhaltsan- spruch. Gestützt auf eine Vereinbarung zwischen den Elt ern vom 15. September 2015, wel- che im Rahmen eines Berufungsverfahrens in Eheschutzsachen vor dem Kantonsgericht Basel-Landschaft West erzielt worden war, bezahlte ihr der Vater einen Volljährigenunterhalt von monatlich CHF 1'000.00. Vereinbarungsgemäss sollte d ieser Unterhaltsbeitrag bis zum ordentlichen Abschluss einer existenzsichernden Ausbildung geleistet werden. A.____ wohnt zusammen mit ihrer ein Jahr älteren Schwester D.____ bei ihrer Mutter in Z.____. B. Mit Schlichtungsgesuch vom 19. Januar 2018 machte A.____ rückwirkend ab 1. Ja- nuar 2017 Unterhaltsansprüche gegenüber ihrem Vater B.____ geltend. Die anschliessend einberufene Schlichtungsverhandlung vor dem Zivilkreisgeri cht Basel-Landschaft West ver- lief ergebnislos, woraufhin A.____ am 19. Juni 2018 d ie Klagebewilligung ausgestellt wurde. Ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wies die Schl ichtungsbehörde aufgrund ihres damaligen Gesamtvermögens in Höhe von mehr als CHF 25'000.00 ab. C. Mit Klage vom 17. Oktober 2018 an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West be- antragte A.____, ihren Vater zur Leistung von folgend en monatlichen Unterhaltsbeiträgen zu verpflichten: - ab 1. Januar 2017 bis zum 30. Juni 2017 in der Höhe von CHF 2'238.00, - ab 1. Juli 2017 bis zum 30. September 2017 in der H öhe von CHF 1'488.00, - ab 1. Oktober 2017 bis zum 31. Dezember 2017 in der Höhe von CHF 938.00, - ab 1. Januar 2018 bis zum 31. August 2018 in der Hö he von CHF 823.00, - ab 1. September 2018 bis zum ordentlichen Abschluss einer Erstausbildung in der Höhe von CHF 1'618.00, jeweils zuzüglich allfälliger Ausbildungszulagen und unter Anrechnung der vom Vater bereits geleisteten Unterhaltsbeiträge. Die Prozesskosten sollt en dem Vater auferlegt werden und für sich ersuchte die Klägerin um Bewilligung der unen tgeltlichen Rechtspflege. Sie begrün- dete ihren Unterhaltsanspruch zusammenfassend damit, d ass sie nach bestandener Matura im Sommer 2017 ein einjähriges Praktikum im Bereich Ma rketing des Y.____clubs E.____ absolviert habe. Im September 2018 habe sie plangemäs s ihr Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur aufgenommen, wobei sie voraussichtlich im Sommer 2022 den Bachelor- und im Sommer 2024 den Masterabsch luss machen werde. Neben dem Studium arbeite sie weiterhin mit einem Pensum von 50 % beim E.____. Mit ihrem Einkom- men könne sie ihren Lebensbedarf nicht decken, weshalb si e von ihrem Vater Unterhaltsbei- träge gestützt auf Art. 277 Abs. 2 ZGB geltend mache. D. In seiner Stellungnahme vom 17. Dezember 2018 ersuchte der Vater um Abweisung der Unterhaltsklage. Gleichzeitig beantragte er wider klageweise, den mit gerichtlicher Ver- einbarung vom 15. September 2015 geregelten Unterhaltsbeitrag für die Klägerin von monat- lich CHF 1'000.00 mit Wirkung ab 19. Dezember 2018 vo llumfänglich aufzuheben und even- tualiter auf monatlich CHF 148.00 bis zum ordentlichen Abschluss einer Erstausbildung her- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht abzusetzen. Der Vater argumentierte hauptsächlich, es sei ihm persönlich nicht zumutbar, Unterhaltsbeiträge an die Klägerin zu leisten, da di ese seit der Trennung der Eltern im 2014 jeglichen Kontakt zu ihm verweigere. Sollte seine persön liche Zumutbarkeit zur Unterhalts- leistung an die Klägerin jedoch bejaht werden, müsse d er Unterhaltsbeitrag aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse der Klägerin pro futuro a uf monatlich CHF 148.00 reduziert werden. E. Am 12. April 2019 führte der Präsident der fünften K ammer des Zivilkreisgerichts Ba- sel-Landschaft West eine Instruktionsverhandlung durch, welche die Parteien zum Abschluss einer Vereinbarung mit Widerrufsvorbehalt bis zum 30. April 2019 nutzten. Nachdem die Klägerin innerhalb dieser Frist jedoch den Widerruf der Vereinbarung erklärt hatte, bot der Gerichtspräsident die Parteien zu einer Hauptverhandlu ng auf. Noch vor Abhaltung der Hauptverhandlung entschied der Gerichtspräsident am 18. Juni 2019 auf Gesuch des Be- klagten, dessen Unterhaltsverpflichtung gegenüber seiner Tochter aufgrund eingetretener wesentlicher Veränderungen der Verhältnisse vorsorglich vo n monatlich CHF 1'000.00 auf CHF 600.00 ab 1. Juli 2019 und für die Dauer des Verfahrens zu reduzieren. F. Am 27. September 2019 erschienen beide Parteien mit i hren Rechtsvertretern zur Hauptverhandlung. Zu Beginn der Verhandlung wurde C. ____, die Mutter der klagenden Tochter, als Zeugin befragt. Es folgten die Plädoyers d er Rechtsvertreter und die Befragung beider Parteien. Abschliessend erkannte der Gerichtspräsi dent unter Würdigung aller Um- stände, dass der Beklagte das Zerwürfnis zwischen Vater und Tochter ursächlich zu vertre- ten habe, weshalb ihm die Leistung von Unterhaltsbeitr ägen an seine Tochter persönlich zumutbar sei, auch wenn die Tochter mit ihrer anhaltend ablehnenden Haltung eine Mitver- antwortung am gestörten Eltern-Kind-Verhältnis trage . Der Gerichtspräsident wies jedoch gestützt auf seine Unterhaltsberechnungen die Klage fü r die beantragte Unterhaltsperiode von Januar 2017 bis und mit Oktober 2018 ab. Für die M onate November 2018 und Dezem- ber 2018 verpflichtete er den Beklagten hingegen zur L eistung eines monatlichen Unter- haltsbeitrages von CHF 100.00 an die Klägerin, wobei bereits erbrachte Leistungen maximal bis zur Höhe des für den jeweiligen Monat geltenden Un terhaltsbeitrags anzurechnen seien. Für den Zeitraum von Januar 2019 bis Oktober 2021 wurd e der Beklagte ebenfalls zur Leis- tung eines monatlichen und künftig vorauszahlbaren Unterhaltsbeitrages an die Klägerin von CHF 100.00 verurteilt, unter Anrechnung von bereits e rbrachten Leistungen. Für die Zeit ab November 2021 bis zum ordentlichen Abschluss der Erstausbil dung der Klägerin wurde der Beklagte schliesslich zu monatlichen Unterhaltszahlungen v on CHF 330.00 an die Klägerin verpflichtet. Die Gerichtsgebühr von CHF 2'500.00 sowie die Kosten des vorangehenden Schlichtungsverfahrens von CHF 200.00 auferlegte er vol lumfänglich der Klägerin und die Parteikosten schlug er wett. Zufolge Bewilligung der u nentgeltlichen Rechtspflege an die Klägerin wurden die vorinstanzlichen Verfahrenskosten so wie eine Parteientschädigung von CHF 6'199.25 für Advokat Daniel Levy von der Staatskasse ü bernommen, unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO. G. Gegen den nachträglich schriftlich begründeten Entscheid vom 27. September 2019 erhob A.____ (nachfolgend Berufungsklägerin) am 3. Mä rz 2020 Berufung beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft mit folgenden Anträgen: Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Es seien die Ziffern 1 – 4 des Entscheids vom 27. Septe mber 2019 aufzuheben und wie folgt neu zu formulieren: a) 1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird der Be klagte verurteilt, der Klägerin für den Zeitraum Februar 2017 bis Dezember 2017 einen monatl ichen Unterhaltsbeitrag von CHF 1'429.00 zu bezahlen. Bereits erbrachte Leistunge n sind anzurechnen, maximal jedoch bis zur Höhe des für den jeweiligen Monat geltenden Unterhaltsbeitrages. 2. In teilweiser Gutheissung der Klage wird der Beklag te verurteilt, der Klägerin mit Wir- kung für den Zeitraum Januar 2018 - August 2018 einen monatlichen Unterhaltsbei- trag von CHF 573.00 zu bezahlen. Bereits erbrachte Lei stungen sind anzurechnen, maximal jedoch bis zur Höhe des für den jeweiligen M onat geltenden Unterhaltsbei- trages. 3. ln teilweiser Gutheissung der Klage und Abweisung der Widerklage wird der Beklagte verurteilt, der Klägerin mit Wirkung ab September 201 8 bis und mit Dezember 2019 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 1'327.00 und ab Januar 2020 bis und mit Oktober 2021 einen monatlichen und künftig vorausz ahlbaren Unterhalt von CHF 1'252.00 zu bezahlen. Allfällige vom Beklagten künftig bezogene Ausbildungs- zulagen sind zusätzlich zu entrichten. Bereits erbrachte Leistungen sind anzurech- nen, maximal jedoch bis zur Höhe des für den jeweilig en Monat geltenden Unter- haltsbeitrages. 4. ln teilweiser Gutheissung der Klage und Abweisung der Widerklage wird der Beklagte verurteilt, der Klägerin mit Wirkung ab November 2021 bis zum Abschluss der or- dentlichen Erstausbildung einen monatlichen und monatli ch vorauszahlbaren Unter- haltsbeitrag von CHF 1'577.00 zu bezahlen. b) Falls die beiden Positionen ,,Sport/Freizeit" (CH F 200.00) und ,,Diverses" (CHF 300.00) nicht im Grundbedarf der Berufungsklägerin berücksichtigt werden soll- ten, seien die Unterhaltsbeiträge in Ziffer 2 auf CH F 793.00, in Ziffer 3 auf CHF 1'564.00 bzw. CHF 1'489.00 und in Ziffer 4 auf CHF 1'814.00 anzusetzen. 2. Unter o/e Kostenfolge für beide lnstanzen, wobei der Berufungsklägerin auch für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit dem Unterzeichneten als un- entgeltlichem Rechtsbeistand zu bewilligen sei. Die Berufungsklägerin machte im Wesentlichen geltend, d ie Vorinstanz habe ihren Bedarf zwar grundsätzlich zutreffend in drei Phasen unterteilt , diesen aber jeweils zu tief veran- schlagt. Zudem gab sie unter anderem an, dass sie ihr St udium in Chur aufgrund von nicht bestandenen Prüfungen nicht habe weiterführen können. H. Mit Berufungsantwort vom 23. März 2020 ersuchte B.____ (nachfolgend Berufungs- beklagter) um Abweisung der Berufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids vom 27. September 2019, unter Kosten- und Entschädigung sfolgen zu Lasten der Beru- fungsklägerin. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Am 25. März 2020 verfügte das Gerichtspräsidium den Sch luss des Schriftenwech- sels und es zeigte den Parteien an, dass auf eine erneute Befragung der von der Berufungs- klägerin angerufenen Zeugin C.____ verzichtet werde, vorbehältlich eines gegenteiligen Ent- scheides der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Zi vilrecht. Zudem stellte das Gerichtspräsidium den schriftlichen Entscheid durch die Rechtsmittelinstanz in Aussicht. J. Mit Eingabe vom 1. April 2020 wies die Berufungsklägerin auf veränderte tatsächliche Verhältnisse seit ihrer Berufungseingabe hin. Namentl ich habe ihr Arbeitgeber aufgrund der Corona-Pandemie Kurzarbeit anmelden müssen, was Auswirku ngen auf die Höhe ihres Ein- kommens haben werde. Zudem habe sie am 1. April 2020 e in neues Studium in Freiburg, Deutschland, begonnen. K. Mit Verfügung vom 14. Mai 2020 wies das Kantonsgericht , Abteilung Zivilrecht, die Parteien darauf hin, dass die Widerklage des Berufungsb eklagten vom 17. Dezember 2018 von der Vorinstanz rückwirkend ab November 2018 abgewies en worden sei. Die Parteien wurden eingeladen, eine Stellungnahme zur Rechtsfra ge, ab welchem Zeitpunkt die Wider- klage vom 17. Dezember 2018 ihre Wirkung entfaltet, ab zugeben. Während sich der Beru- fungsbeklagte mit Eingabe vom 27. Mai 2020 dazu verneh men liess, verzichtete die Beru- fungsklägerin auf eine Stellungnahme. L. In den nachfolgenden Erwägungen werden die Rechtsstan dpunkte der Parteien wie- dergegeben, soweit sie für die Beurteilung der Berufung rechtserheblich sind. Auszug aus den Erwägungen: (…) 4. In materieller Hinsicht ist zunächst festzustellen, da ss einerseits die persönliche und wirtschaftliche Zumutbarkeit des Berufungsbeklagten zur Leistung von Unterhaltsbeiträgen an die Berufungsklägerin gestützt auf Art. 285 Abs. 1 ZG B und Art. 277 Abs. 2 ZGB bis zum ordentlichen Abschluss einer Erstausbildung unbestritten i st, zumal der Berufungsbeklagte auf eine Anschlussberufung nach Art. 313 ZPO verzichtet h at. Andererseits anerkennt die Berufungsklägerin das ihr von der Vorinstanz angerechnet e Einkommen und die Einteilung ihrer Unterhaltsansprüche in drei Berechnungsperioden (1. Phase von Februar 2017 bis und mit Dezember 2017; 2. Phase von Januar 2018 bis und mi t August 2018; 3. Phase von Sep- tember 2018 bis und mit Dezember 2019). Der angefocht ene Entscheid enthält darüber hin- aus auch Unterhaltsberechnungen für den Zeitraum von Januar 2020 bis zum Abschluss einer existenzsichernden Ausbildung, welcher gemäss der Form ulierung der Berufungsklä- gerin als "Phase 4" bezeichnet werden kann. In dieser vierten Unterhaltsperiode sind die von der Berufungsklägerin vorgebrachten Noven sowie die i m Kanton Basel-Stadt in Kraft getre- tene Gesetzesänderung zu den Kinder- und Ausbildungszulagen relevant. Die Berufungsklä- gerin bestreitet hingegen ihren vom vorinstanzlichen Ri chter veranschlagten Grundbedarf, den sie in allen Phasen als zu tief erachtet. Zudem streitet sie generell eine Mitverantwortung für die zerrüttete Eltern-Kind-Beziehung zwischen dem Berufungsbeklagten und ihr ab. Im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Folgenden sind die von der Berufungsklägerin gerügten B edarfspositionen und Erwägungen der Vorinstanz im Rahmen der einzelnen Unterhaltsperio den zu überprüfen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein mündiges Kind nach der bundesger ichtlichen Rechtsprechung nicht denselben prozessualen Schutz benötigt wie ein unmündiges Kind (BGE 118 II 93 E. 1, in: Präjudizienbuch ZPO, 2018, Art. 296 N 8). Damit gelangt vorliegend nicht die Offizial- und unbeschränkte Untersuchungsmaxime von Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO zur Anwendung. Die Geltendmachung eines Mündigenunterhalts untersteht der Dispositionsmaxime nach Art. 58 Abs. 1 ZPO sowie der Verhandlungsmaxime gemäss Art. 55 Abs. 1 ZPO (vgl. auch OGer ZH NC180001 vom 17. Oktober 2018 E. II.2; OGer ZH LZ1700 06 vom 12. Juli 2017 E. 7; OGer ZH LZ140010 vom 5. Dezember 2014 E. III.2.1, in: ZR 114/2015 Nr. 77 S. 297 ff., mit Hin- weis auf BGE 139 III 368 E. 3.3.3). 1. Unterhaltsphase von Februar 2017 bis Dezember 2017 5.1.1 Wohnkosten : (…) 5.2.1 Mobilitätskosten : (…) 5.3.1 Kosten für "Sport / Freizeit" und "Diverses (Ferien et c.)": Die Vorinstanz lehnte es ab, im Grundbedarf der Berufungsklägerin separate Kos ten für Sport und Freizeit sowie für Ferien einzusetzen. Diese seien laut dem vorinstanzlic hen Richter aus der Grundbetrags- pauschale zu bestreiten, insbesondere vor dem Hintergrun d der kategorischen Kontakt- verweigerung gegenüber dem Berufungsbeklagten. Die Be rufungsklägerin beantragt hinge- gen die Hinzurechnung von monatlichen Rückstellungen fü r "Sport / Freizeit" in Höhe von CHF 200.00 und für "Diverses (Ferien etc.)" in Höhe vo n CHF 300.00 mit der Begründung, sie und ihre Schwester seien in guten Verhältnissen aufgewachsen. Die Kindsmutter habe im Rahmen der Scheidung die Familienliegenschaft überno mmen und der Kindsvater habe kürzlich ein neu gebautes Einfamilienhaus bezogen. Diese Positionen würden daher zum angemessenen Bedarf der Berufungsklägerin gehören. Die volle Einrechnung dieser Positio- nen rechtfertige sich auch deshalb, weil die Berufungskl ägerin einer in doppelter Hinsicht "überobligatorischen" Erwerbstätigkeit nachgehe. Zum e inen arbeite sie 50 %, obwohl gemäss herrschender Praxis neben dem Studium lediglich e in Pensum von 20 % verlangt werde. Zum anderen erziele sie dabei ein weit überdur chschnittliches Nettoeinkommen von monatlich CHF 1'800.00. Schliesslich habe sie sich bei der Unterhaltsberechnung ihr gesam- tes Einkommen anrechnen lassen, obwohl die Beteiligung des Kindereinkommens nicht mehr als 60 %, hier also CHF 1'080.00, betragen dürfe . Die Differenz von CHF 720.00, wel- che sie sich anrechnen lasse, sei um CHF 220.00 höher als d ie beiden Positionen "Sport / Freizeit" und "Diverses" von insgesamt CHF 500.00, womit diese im Gegenzug zum ange- messenen Bedarf im Sinne von Art. 285 ZGB zu rechnen s eien. Dass die Berufungsklägerin den Kontakt zum Kindsvater verweigert habe, sei allein se inem Verhalten geschuldet, wes- halb ihr die Vorinstanz dieses Verhalten auch nicht ent gegengehalten dürfe. Sollte auch das Kantonsgericht diese beiden Positionen nicht im Grundbe darf der Berufungsklägerin berück- sichtigen, dürfe bei der Unterhaltsberechnung im Gegen zug nur 60 % ihres Einkommens eingesetzt werden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.2 Für den Berufungsbeklagten sind die beiden geltend gem achten Positionen aus dem Grundbetrag zu bezahlen. Eine separate Berücksicht igung solcher Luxuskosten sei nicht statthaft und entspreche auch nicht der Praxis. Zud em könne nicht von einer überobli- gatorischen Erwerbstätigkeit der Berufungsklägerin die Rede sein, denn die Eigenverantwor- tung des Kindes gehe der Unterhaltspflicht der Eltern vor, was für ein mündiges Kind erst recht gelte. Die Berufungsklägerin habe demnach alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Unterhalt während der Ausbildung nach Möglichkeit selb st zu bestreiten und namentlich ei- nem Erwerb nachzugehen. Der erzielte Erwerb der Beruf ungsklägerin könne daher nicht als freiwillig oder überobligatorisch angesehen werden. Vi elmehr erfülle sie damit ihre Pflicht. Eine Beschränkung auf 60 % des zu berücksichtigenden Einkommens sei nicht gerechtfertigt und abzulehnen. Ob das geleistete Pensum neben einer Ausbildung im Allgemeinen als zu- mutbar zu betrachten wäre, sei nicht Gegenstand dieses Verfahrens, zumal sie dieses Pen- sum seit längerem bestreite und damit zeige, dass es ihr persönlich zumutbar sei. Das erziel- te Einkommen von CHF 1'800.00 sei darüber hinaus für ein 50 % Pensum auch nicht über- durchschnittlich. Schliesslich könne dem Berufungsbeklagten für die Zeit nach der Trennung kein Fehlverhalten vorgeworfen werden. Es würde an der kategorischen Kontaktverweige- rung der Berufungsklägerin liegen, dass das Verhältnis zwi schen ihnen zerrüttet sei. Jeden- falls sei mit der Vorinstanz mindestens von einem Mitverschu lden der Berufungsklägerin auszugehen, was im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu einer Kürzung des Volljährigenunterhalts führen könne. 5.3.3 Wie bereits in Erwägung 5.1.4 erwähnt, bemisst sich der Unterhaltsbeitrag gemäss Art. 285 Abs. 1 ZGB nach den Bedürfnissen des Kindes sowi e der Lebensstellung und Leis- tungsfähigkeit der Eltern, unter Berücksichtigung des Vermögens und der Einkünfte des Kin- des. Diese gesetzlichen Bemessungskriterien beeinflussen sich gegenseitig; die Festsetzung des Unterhaltsbeitrages ist ein Ermessensentscheid, bei dem die gesamten Umstände zu würdigen sind (BGer 5A_292/2009 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). Die Leistungsfähigkeit der Eltern ergibt sich aus der Gegenüberstellung von Einkommen und Eigenbedarf; ein allfälliges Vermögen ist nur ausnahmsweise bei ungenügenden Einkomm ensverhältnissen und gleich- zeitigem Vorhandensein eines namhaften Vermögens heranzuziehen (ZGB I-FOUNTOULAKIS , 6. Aufl. 2018, Art. 285 N 13). Es ist ein angemessener Unterhaltsbeitrag für das Kind ge- schuldet, welcher in einem vernünftigen Verhältnis zur L ebensstellung und zur Leistungsfä- higkeit des beitragspflichtigen Elternteils stehen soll. Gestattet sich dieser eine hohe Le- benshaltung, so hat das Kind grundsätzlich Anspruch darauf, dass auch sein Unterhalt grosszügig bemessen wird. Während es bei bescheidenen un d "normalen" Verhältnissen üblich ist, auf den betreibungsrechtlichen Grundbetrag – ergänzt um bestimmte Bedarfsposi- tionen und um einen etwaigen Überschuss – abzustellen, i st bei guten finanziellen Verhält- nissen der Bedarf des Kindes aufgrund der massgeblichen L ebenshaltung des unterhalts- pflichtigen Elternteils konkret zu bemessen (ZGB I-F OUNTOULAKIS , 6. Aufl. 2018, Art. 285 N 2, u. a. mit Hinweis auf BGer 5A_85/2017 vom 19. Ju ni 1017 E. 6.1; 5A_1017/2014 vom 4. April 2001 E. 4.1). 5.3.4 Gemäss den unbestrittenen vorinstanzlichen Feststellunge n verfügt der Berufungs- beklagte über ein monatliches Nettoeinkommen von CHF 8' 513.00 (einschliesslich 13. Mo- natslohn), mit welchem er nach Abzug seines Grundbedar fs von CHF 5'647.00 – ein Regel- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuschlag von 20 % ist darin bereits berücksichtigt – einen Überschuss von monatlich CHF 2'866.00 zu erzielen vermag (vgl. Erwägung 18 des angefochtenen Entscheids vom 27. September 2019). Dieses Einkommen lässt auf "norma le" bis gute wirtschaftliche Ver- hältnisse des unterhaltsverpflichteten Vaters schliessen. Eine vollständige oder anteilsmäs- sige Anrechnung der beantragten Grundbedarfspositionen der Berufungsklägerin für "Sport / Freizeit" und "Diverses (Ferien etc.)" ist demnach nicht von vornherein ausgeschlossen. In Erwägung 15 des angefochtenen Entscheids hielt die Vori nstanz jedoch zusammenfassend fest, dass die Berufungsklägerin nach den Konflikten im A pril 2014, welche zur Ehetrennung geführt hätten, den Kontakt zum Berufungsbeklagten abgelehnt und sich mit der Kindsmutter solidarisiert habe, was objektiv nachvollziehbar sei und ih r nicht zum Vorwurf gereichen kön- ne. Vor den Vorfällen im April 2014 seien die Famili enverhältnisse intakt gewesen und die Kindsmutter habe den Berufungsbeklagten als liebevolle n Ehemann und Vater beschrieben. Es sei fraglich, ob es der Berufungsklägerin in der Zeit danach zumutbar gewesen sei, sich dem Berufungsbeklagten wieder anzunähern. Nachvollziehb are Gründe für ihre anhaltende Ablehnung habe die Berufungsklägerin nicht plausibel da rlegen können. Als inzwischen er- wachsene Person in den Zwanzigern könne von der Berufung sklägerin eine gewisse An- strengung in Bezug auf die persönliche Beziehung mit ih rem Vater verlangt werden, zumal sich dieser gemäss der aktenkundigen Dokumentation stets um den Kontakt mit ihr bemüht habe, ohne sich aufzudrängen. Es sei anhand der Nachrich ten des Berufungsbeklagten er- stellt und widerlege teilweise die Vorbringen der Be rufungsklägerin, dass sich dieser regel- mässig nach dem Befinden, den Hobbies und der schulischen Ausbildung der Berufungsklä- gerin erkundigt habe. Die Berufungsklägerin habe darau f mit Schweigen oder Vorhaltungen reagiert, falls überhaupt eine Rückmeldung erfolgt sei . Gestützt darauf kam die Vorinstanz zum Schluss, dass sich die Berufungsklägerin auch mit zunehmen dem Alter gegen einen Kontakt zum Berufungsbeklagten gestemmt habe. Ihre Abl ehnung habe keine mildere Form angenommen. Dem Berufungsbeklagten sei kein Fehlverha lten in Bezug auf die Zeit nach der Trennung vorzuwerfen, im Gegensatz zur Berufungsklä gerin, welcher eine Mitschuld an der fehlenden persönlichen Beziehung zum Berufungsbeklag ten trage. Dieser könne für die zerrüttete Beziehung daher nicht alleine verantwortlich gemacht werden. Aufgrund der anhal- tenden Kontaktverweigerung durch die Berufungsbeklagte seit April 2014 kürzte die Vor- instanz in der Folge den Volljährigenunterhalt der Be rufungsklägerin in der Weise, als dass sie die von ihr geltend gemachten Kosten für Sport / F reizeit sowie für Ferien nicht als Grundbedarfspositionen anerkannte. 5.3.5 Gegen diese vorinstanzliche Subsumtion und Beweiswürdigu ng, welcher sich die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgeric hts anschliesst, bringt die Beru- fungsklägerin in ihrer Berufungsschrift lediglich vor, si e habe an den vorinstanzlichen Ver- handlungen ausgeführt bzw. ausführen lassen, wie traumatisch das Verhalten des Vaters für sie gewesen sei und dass seine späteren Kontaktversuche nie wirklich ernst gemeint gewe- sen seien, sondern lediglich dazu gedient hätten, seine vermeintlich ernsthaften Bemühun- gen für Prozesszwecke dokumentieren zu können. Dies beleg e seine eingereichte Doku- mentation zum Verhalten der Berufungsklägerin und ihre r Schwester. Die Berufungsklägerin legt jedoch nicht weiter dar, weshalb die Schlussfolge rungen der Vorinstanz, wonach die Berufungsklägerin mit ihrer anhaltend ablehnenden Hal tung eine Mitverantwortung am ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht störten Eltern-Kind-Verhältnis trage, fehlerhaft sein sollen. Insbesondere hätte die Beru- fungsklägerin konkret darlegen müssen, aus welchen Gründen die Vorinstanz bei ihrer Be- weiswürdigung hätte zum Schluss gelangen müssen, dass die dokumentierten zahlreichen Kontaktversuche des Berufungsbeklagten einzig aus prozessrech tlichen Überlegungen erfolgt sein sollen. Mangels hinreichender Substanti ierung ist auf die Rüge der Berufungs- klägerin nicht weiter einzugehen und die Vorinstanz ist d arin zu bestätigen, dass im Grund- betrag der Berufungsklägerin keine separaten Ausgabeposit ionen für "Sport / Freizeit" und "Diverses (Ferien etc.)" zu berücksichtigen sind. Dieses Ergebn is rechtfertigt sich nicht nur aufgrund der heute noch zerrütteten Eltern-Kind-Bezieh ung zwischen den Parteien, für wel- che die Berufungsklägerin mitverantwortlich ist, sondern auch aufgrund des Umstands, dass die Berufungsklägerin mit dem grosszügigen Unterhaltsbei trag von monatlich CHF 1'000.00, den sie vom Vater gestützt auf die Elternvereinbarung vom 15. September 2015 erhielt, ein beachtliches Vermögen äufnen konnte (dazu auch nachsteh ende Erwägung 5.3.7), auf den sie zur Befriedigung ihrer Freizeitaktivitäten und zur F inanzierung ihrer Ferien zurückgreifen kann. 5.3.6 Für den Fall, dass die Aufwendungen für "Sport / Frei zeit" und "Diverses (Ferien etc.)" in Höhe von insgesamt CHF 500.00 pro Monat nic ht als Grundbedarfspositionen be- rücksichtigt würden, beantragt die Berufungsklägerin, dass ihr im Gegenzug lediglich 60 % ihres Erwerbseinkommens von monatlich CHF 1'800.00, somit CHF 1'080.00, angerechnet werde. Hiergegen ist zunächst in tatsächlicher Hinsicht festzustellen, dass die Höhe des von der Berufungsklägerin in den einzelnen Phasen erzielten Nettoeinkommens unbestritten geblieben ist. In der Leistungsperiode von Februar 201 7 bis Dezember 2017 betrug dieses gemäss Berechnungen der Vorinstanz durchschnittlich CHF 1'059.00 zuzüglich Ausbil- dungszulagen von CHF 250.00. Es setzte sich aus einem Neb enerwerb bei einem Catering- unternehmen von Februar 2017 bis Juni 2017 und dem P raktikumslohn beim E.____ ab Juli 2017 bei einem Pensum von 100 % zusammen (dazu Erwägun g 20 des angefochtenen Ent- scheids). 60 % davon ergeben ein monatliches Nettoeinkomm en von CHF 635.00 zuzüglich Ausbildungszulagen von CHF 250.00, welches die Beruf ungsklägerin in der ersten Periode angerechnet haben möchte. Nach Art. 276 Abs. 3 ZGB sind die Eltern in dem Masse von ihrer Unterhaltspflicht befreit, als dem Kind zugemutet werden kann, den Barunterhalt aus seinem Arbeitserwerb oder anderen Mitteln zu bestreiten. Die Eigenverantwortung des Kinde s geht der Unterhaltspflicht der El- tern vor. Soweit zumutbar und damit insbesondere mit de r Ausbildung vereinbar, hat das Kind demnach alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um seinen Unterhalt selbst zu bestreiten und namentlich einem Erwerb nachzugehen. Andernfalls kö nnte ihm gar ein hypothetisches Einkommen aufgerechnet werden (BGer 5A_129/2019 vom 10. Mai 2019 E. 9.3, mit Hinweis auf BGer 5C.150/2005 vom 11. Oktober 2005 E. 4.4; BK ZGB-HEGNAUER , 1997, Art. 277 N 92). Art. 285 Abs. 1 ZGB hält denn auch explizit fes t, dass bei der Bemessung des Unter- haltsbeitrags nicht nur die Lebensstellung und Leistungs fähigkeit der Eltern, sondern auch das Vermögen und die Einkünfte des Kindes zu berücksichtigen sind. Es hängt von den kon- kreten Verhältnissen auf Seiten der Eltern und des Kin des ab, in welchem Umfang das Kin- deseinkommens zu berücksichtigen ist. Den urteilenden Ger ichten ist bei dieser Beurteilung ein Ermessen zuzugestehen (BGer 5A_129/2019 vom 10. M ai 2019 E. 9.3; 5A_442/2016 Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 7. Februar 2017 E. 4.4.3; H AUSHEER /S PYCHER , Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Aufl. 2010, N 06.23, 06.111). Es muss ein gerechter Ausgleich gefunden werden zwischen dem Beitrag, der unter Berücksichtigung aller Umstände von den Eltern erwartet werden darf, und der Leistung, die dem Kind in dem Sinne zugemutet werden kann, dass es zu seinem Unter- halt durch eigenen Arbeitserwerb oder andere Mittel beiträgt. Während von einem minderjäh- rigen Kind in der Regel nicht mehr als 60 % seines Erwe rbseinkommens als angemessener eigener Beitrag an seinen Unterhalt verlangt werden s ollte, muss beim volljährigen Kind ins- besondere nach Vollendung des 20. Lebensjahres sein mögl icher Verdienst voll in seine Bedarfsrechnung aufgenommen werden (FamKomm Scheidung -SCHWEIGHAUSER , 3. Aufl. 2017, Art. 285 N 34 mit Hinweis u. a. auf BGE 111 41 0 E. 2, BGer 5C.53/2007 vom 19. Ok- tober 2007 E. 3.3, in FamPra.ch 2008, 186; OGer ZH vom 23. Januar 1990, in SJZ 87 / 1991 S. 47 ff.; vgl. auch BSK ZGB I-F OUNTOULAKIS , 6. Aufl. 2018, Art. 276 N 35, die je nach Ein- zelfall für eine Anrechnung von 60 - 80 % des Kindeseinkommens ist). 5.3.7 Die Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Zivilrech t, erachtet in der vorlie- genden Sache nach einer Gesamtwürdigung aller Umständ e die Anrechnung des vollen Verdienstes der Berufungsklägerin nicht nur in der erste n Leistungsperiode, sondern in allen Phasen, als sachgerecht. Einerseits ist die Berufungsklägerin über 20-jährig und entscheidet weitgehend selbständig über ihr berufliches Fortkommen und ihren Arbeitserwerb. Der Beru- fungsbeklagte wurde bei ihrer Praktikums- und Studienwa hl nicht miteinbezogen. Anderer- seits war sie von Februar 2017 bis und mit August 2018 aufgrund ihres Erwerbseinkommens und des vom Berufungsbeklagten geleisteten Unterhaltsbei trags von monatlich CHF 1'000.00 in der Lage, einen monatlichen Überschuss zu generieren und so Vermögen von noch ca. CHF 18'800.00 per anfangs Oktober 2018 au fzubauen (vgl. Klage vom 17. Oktober 2018, S. 13, sowie Klagebeilage 19). Umso mehr ist es gerechtfertigt und der Berufungsklägerin zuzumuten, sich während ihrer Studienze it den vollen Eigenverdienst an- rechnen zu lassen, zumal es ihr ab September 2018 offensi chtlich möglich war, neben dem Studium in Chur mit einem Pensum von 50 % für den E. ____ zu arbeiten. Hinzu kommt, dass es aufgrund der kategorischen Kontaktverweigerung der Berufungsklägerin gegenüber dem Berufungsbeklagten nicht angemessen wäre, wenn ihr tatsächlicher Eigenverdienst nur zu 60 % angerechnet würde mit der Folge, dass der Beruf ungsbeklagte ab September 2018 einen noch höheren Unterhaltsbeitrag bezahlen müsste un d die Berufungsklägerin auch ab September 2018 einen beachtlichen monatlichen Überschuss erzielen könnte. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass es in rechtlicher Hinsicht auc h zulässig gewesen wäre, den Grundbetrag der Berufungsklägerin phasenübergreifend auf monatlich CHF 600.00 für eine junge erwachsene Person festzulegen, da sie auch nach Er reichen der Volljährigkeit weiter- hin in der Liegenschaft ihrer Mutter wohnte und sich ihre Ausgaben nicht wesentlich erhöh- ten. Mit dem zugestandenen Grundbetrag von CHF 850.00, den der Berufungsbeklagte in dieser Höhe anerkannt hatte, nahm die Vorinstanz faktisch einen höheren Bedarf der Beru- fungsklägerin an. Umso mehr ist der vorinstanzliche Entsche id, wonach der Berufungskläge- rin in allen Phasen der volle Eigenverdienst anzurechne n ist, angemessen und im Beru- fungsverfahren zu bestätigen. 5.4 Zusammenfassend kann hinsichtlich der ersten Leistungsperiode vom Februar 2017 bis Dezember 2017 festgehalten werden, dass die Rügen de r Berufungsklägerin betreffend Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Wohnkosten, die Mobilitätskosten, die Kosten für "S port / Freizeit" und "Diverses (Ferien etc.)" nicht begründet sind. Der von der Vorinstanz be rechnete Grundbedarf von monatlich CHF 1'891.00 ist mithin zu bestätigen. Zufolge des währ end dieser Periode (Februar 2017 bis Dezember 2017) erzielten unbestrittenen Durchschnittse inkommens von monatlich CHF 1'059.00 netto zuzüglich Ausbildungszulagen von mon atlich CHF 250.00 resultiert bei der Berufungsklägerin zwar eine monatliche Unterdeckung von CHF 582.00. Mit dem vom Berufungsbeklagten in dieser Periode geleisteten Unte rhaltsbeitrag von monatlich CHF 1'000.00 konnte die Berufungsklägerin nicht nur ih r Manko von CHF 582.00 decken, sondern gar einen vermögensbildenden Überschuss von monat lich CHF 418.00 erzielen. Ihre Unterhaltsklage für die von Februar 2017 bis und mit Dezember 2017 betreffende erste Phase wurde von der Vorinstanz zu Recht abgewiesen. 2. Unterhaltsphase von Januar 2018 bis und mit August 2018 6.1 Selbstgetragene Arztkosten : Bezüglich der zweiten Unterhaltsphase ab Januar 2018 bist August 2018 kritisiert die Berufungsklägerin nebst den bereits in der ersten Phase gerüg- ten Bedarfspositionen Wohnkosten, Mobilität sowie Kosten für Sport / Freizeit und Diverses wie Ferien etc. (dazu vorstehende Erwägungen 5.1.1 ff. , welche auch für die zweite Phase gelten) zusätzlich den ihrer Ansicht nach zu tiefen Betrag für die selbstgetragenen Arztkos- ten. Der Vorderrichter habe ihr diesbezüglich lediglich CHF 82.00 pro Monat zugestanden, während er ihr für die Phasen 1 und 3 einen Betrag vo n monatlich CHF 150.00 angerechnet habe. Es sei nicht ersichtlich, wie die Vorinstanz zu diesem tieferen Betrag komme, zumal es sich um Auslagen handle, welche sich über einen längeren Zeitraum verteilen würden. Es sei ein monatlicher Durchschnitt für das ganze Jahr zur Anwendung zu bringen. 6.2 Der Berufungsbeklagte lässt vorbringen, auch für ihn se i auf den ersten Blick nicht ersichtlich, wie die Vorinstanz für die zweite Phase eine n niedrigeren Betrag von CHF 82.00 pro Monat für selbstgetragene Arztkosten errechnet hab e. Dem Bedarf der Berufungskläge- rin würde jedenfalls ein höheres Einkommen gegenüberstehen, womit diese geänderte Posi- tion im Bedarf der Berufungsklägerin am Ergebnis nichts ändere, wonach der Berufungsbe- klagte für die Phase 2 keine Unterhaltsbeiträge zu entrichten habe. 6.3 Fallen zusätzlich zu den obligatorischen Krankenversicherun gsprämien nach KVG regelmässig Krankheitskosten an, die von der Krankenversi cherung nicht übernommen wer- den und damit von der versicherten Person selbst zu tra gen sind, so können diese zusätzli- chen Krankheitskosten als separate Bedarfsposition im familienrechtlichen Existenzminimum aufgenommen werden, sofern sie belegt werden. In der Regel geht es dabei um die Fran- chise- und Selbstbehaltskosten, welche anhand der selbst g etragenen Krankheitskosten des Vorjahres geschätzt werden können (KGer BL 400 14 176 vom 11. November 2014 E. 5, mit Hinweis auf Six, Eheschutz, 2. Aufl. 1014, N 2.109). We itere belegte Krankheitskosten kön- nen hinzugerechnet werden, soweit sie regelmässig anfallen und sich die Medikamente bzw. Behandlungen als medizinisch angezeigt erweisen. Gemäss Erwägung 19 des angefochte- nen Entscheids setzte die Vorinstanz die laut einem Bele g der Krankenkasse im Jahr 2018 entstandenen nicht versicherten Behandlungskosten von CHF 82.00 pro Monat als selbstge- tragene Arztkosten im Bedarf der Berufungsklägerin ein. Die Vorinstanz bezog sich dabei auf Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine von der Berufungsklägerin eingereichte Prämien- und Kostenübersicht des Krankenver- sicherers G.____ für das Steuerjahr 2018. Diesem Dokumen t vom 31. Mai 2019 kann zum einen entnommen werden, dass sich die Berufungsklägerin i m Jahr 2018 für versicherte Leistungen mit Franchise- und Selbstbehaltskosten im Umf ang von CHF 492.20 oder ca. CHF 41.00 pro Monat beteiligen musste. Zum anderen sind auf der Prämien- und Kos- tenübersicht des Krankenversicherers nicht versicherte Beha ndlungskosten im Jahr 2018 von CHF 983.55 bzw. monatlich rund CHF 82.00 aufgeführ t. Die Berufungsklägerin äussert sich nicht dazu, welche Leistungen unter "nicht versicher te Behandlungskosten" fallen. Darunter können beispielsweise Kosten für Arzneimittel oder Behandlungen verstanden wer- den, die vom Krankenversicherer aufgrund der Versicherun gsdeckung nicht oder nur bis zu einem bestimmten Betrag übernommen werden wie beispie lsweise homöopathische Medi- kamente, Erholungskuren, Physio- und Massagetherapien ode r Fitnessabonnemente. Die nicht versicherten Behandlungskosten dürfen deshalb nur b ei entsprechendem Nachweis, dass es sich hierbei um medizinisch angezeigte und regelmässig anfallende Gesundheits- kosten handelt, zur Grundbedarfsposition der selbstgetrag enen Krankheitskosten hinzuge- rechnet werden. Ein solcher Nachweis fehlt vorliegend, weshalb die nich t versicherten Behandlungskosten von monatlich CHF 82.00 an sich nicht zur Bedarfsposition der selbst getragenen Krank- heitskosten hinzugerechnet werden können. Die Position de r selbst getragenen Arztkosten im Grundbedarf der Berufungsklägerin wäre folglich zu k orrigieren. Belegt sind zwar einzig die Franchise- und Selbstbehaltskosten von ca. 41.00 pro Monat. Nachdem aber die Vor- instanz der Berufungsklägerin für die erste und dritte Berechnungsphase selbst getragene Arztkosten von CHF 150.00 pro Monat zugestanden hat, rec htfertigt es sich, auch für die zweite Phase von pauschalen selbst getragenen Krankheitsa usgaben von monatlich CHF 150.00 auszugehen, zumal medizinische Ausgaben gerichtsnotorisch schwankend sind und sich in aller Regel über einen längeren Zeitraum verteilen. Im Übrigen hat der Beru- fungsbeklagte der Berufungsklägerin solche Auslagen in di eser Höhe zugestanden. Die Rü- ge der Berufungsklägerin bezüglich der selbstgetragenen Arztkosten erweist sich damit als begründet. 6.4 In der Unterhaltsphase 2 unterlief der Vorinstanz soda nn ein Rechnungsfehler. Werden die einzelnen Bedarfspositionen gemäss Berechnun g der Vorinstanz zusammenge- rechnet (Grundbetrag CHF 850.00, Krankenversicherung CHF 363.00, selbstgetragene Arzt- kosten CHF 82.00, Mobilität CHF 53.00, auswärtige Verpflegung CHF 220.00, Lehrmittelkos- ten CHF 100.00, Steuern CHF 40.00), ergeben sie einen Grundbedarf der Berufungsklägerin von monatlich CHF 1'708.00 anstatt des im angefochtenen Entscheid festgehaltenen Betrags von CHF 1'858.00. Nach Korrektur der selbstgetragenen Arztkosten auf CHF 150.00 beträgt der monatliche Grundbedarf der Berufungsklägerin in d er zweiten Berechnungsphase nun- mehr CHF 1'776.00. Mit ihrem unbestritten gebliebene n Nettoeinkommen der Berufungsklä- gerin von monatlich CHF 1'800.00 zuzüglich Ausbildungsz ulagen von CHF 250.00 kann die Berufungsklägerin nicht nur ihren eigenen Bedarf decken , sondern einen Überschuss von monatlich CHF 274.00 erzielen. Ungeachtet dessen liess ihr der Berufungsbeklagte weiterhin den am 15. September 2015 zwischen den Kindseltern vere inbarten Unterhaltsbeitrag von CHF 1'000.00 zukommen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Im Ergebnis erweist sich damit der Entscheid der Vorins tanz, die Unterhaltsklage der Berufungsklägerin auch für die zweite Berechnungspha se von Januar 2018 bis und mit August 2018 abzuweisen, als korrekt. Dies führt dazu, dass die Berufung, mit welcher die Berufungsklägerin für die zweite Phase einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 573.00 beantragt, abzuweisen ist. 3. Unterhaltsphase von September 2018 bis und mit Dezember 2019 7.1 In der dritten Phase, welche am 1. September 2018 mi t dem Beginn des Studiums durch die Berufungsklägerin startet und am 31. Dezember 2019 endet, werden wiederum die Bedarfspositionen betreffend Wohnkosten, "Sport / Fre izeit" und "Diverses (Ferien etc.)" im angefochtenen Entscheid moniert. Hierzu wird auf die di esbezüglichen Erwägungen 5.1.1 ff. der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Zivilrech t, zur Berechnungsphase 1 ver- wiesen, welche auch für die Phase 3 gelten. Die Berufun gsklägerin beantragt für die dritte Phase zusätzlich einen höheren Grundbetrag sowie die Anrechnung von höheren Lehrmittel- kosten. 7.2.1 Grundbetrag : (…) 7.3.1 Lehrmittelkosten : (…) 7.4 Hinsichtlich der dritten Unterhaltsperiode von Septemb er 2018 bis und mit Dezem- ber 2019 sind gemäss den vorstehenden Erwägungen 7.1 f f. sämtliche Rügen der Beru- fungsklägerin abzuweisen, womit ihr Bedarf gemäss der unveränderten Berechnung der Vor- instanz monatlich CHF 2'168.00 beträgt. Wird ihr unbest ritten gebliebenes Nettoeinkommen von monatlich CHF 1'841.00 zuzüglich Ausbildungszulagen v on CHF 250.00 diesem Grund- bedarf gegenübergestellt, so resultiert für die Beru fungsklägerin eine Unterdeckung von mo- natlich CHF 77.00, womit sie ab September 2018 grundsätzlich einen Anspruch auf Leistung eines Unterhaltsbeitrags hat. Zu diesem Schluss ist auch d ie Vorinstanz gelangt. Weshalb sie anschliessend jedoch den Berufungsbeklagten zur Leistung eines auf CHF 100.00 aufge- rundeten Unterhaltsbeitrages erst ab November 2018 un d nicht bereits ab September 2018 verpflichtet hat, geht weder klar aus der Entscheidbegrün dung oder dem Entscheid- Dispositiv hervor, noch äussern sich die Parteien in ihren Berufungsschriften dazu. Immerhin lässt sich der vorinstanzlichen Entscheiderwägung 23 und Disp ositiv-Ziffer 2 des angefoch- tenen Entscheids entnehmen, dass die Vorinstanz im Rahmen der dritten Unterhaltsphase ab September 2018 die Widerklage des Berufungsbeklagten vom 17. Dezember 2018 bei ihrer Entscheidfindung miteinbezogen hat. So hält di e Vorinstanz im letzten Absatz ihrer Erwägung 23 und in Dispositiv-Ziffer 2 des Entscheids fest, dass sie die Unterhaltsklage teil- weise gutheisse und in Abweisung der Widerklage werde der Berufungsbeklagte verpflichtet, für November 2018 und Dezember 2018 monatliche Unterha ltsbeiträge von CHF 100.00 an die Berufungsklägerin zu leisten. Nach Ansicht der Drei erkammer des Kantonsgerichts, Ab- teilung Zivilrecht, übersieht die Vorinstanz hierbei, dass die Widerklage des Berufungsbe- klagten vom 17. Dezember 2018, mit welcher dieser die A ufhebung des am 15. September 2015 schriftlich vereinbarten Unterhaltsbeitrags für d ie Berufungsklägerin von monatlich CHF 1'000.00 mit Wirkung ab 19. Dezember 2018 vollum fänglich aufgehoben und eventuali- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter auf monatlich CHF 148.00 reduziert haben will, an gesichts der Widerklagebegehren nicht rückwirkend ab November 2018 abgewiesen werden kann. 7.5.1 Der Zeitpunkt, ab wann einer Widerklage Rechtswirkunge n zukommen können, stellt eine Rechtsfrage dar, welche die Rechtsmittelbeh örde nach Art. 57 ZPO von Amtes wegen klären und beurteilen kann, selbst wenn die Rechtsmittelparteien sich dazu nicht äus- sern und den vorinstanzlichen Entscheid hierzu nicht in Fra ge stellen. Nach der Rechtspre- chung des Bundesgerichts ist eine Rechtsmittelinstanz zwar trotz Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht verpflichtet, wie eine erstinstanzliche Behörde alle möglicherweise rele- vanten Rechtsfragen von Amtes wegen aufzugreifen, sonder n sie kann sich grundsätzlich darauf beschränken, sich mit den Argumentationen der Pa rteien auseinanderzusetzen, falls allfällige weitere rechtliche Mängel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 141 II 307 E. 6.5; 138 I 274 E. 1.6 m. w. H.). Mit anderen Worten hat die Rechtsmittelbehörde Rechtsfragen, welche von den Verfahrensbeteiligten nicht aufgeworfen werden, nur dann zu prüfen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhalts- punkte ein hinreichender Anlass besteht (BGE 119 V 347 E. 1). Der Grundsatz der Rechts- anwendung von Amtes wegen entbindet die Parteien und die Parteivertreter jedoch nicht davor, auch ihrerseits die sich stellenden Rechtsfragen zu prüfen. Denn es hängt letztlich von den Rechtsfragen ab, welche Tatsachen die Parteien in ihrem Interesse vorbringen müssen (BSK ZPO-GEHRI , 3. Aufl. 2017, Art. 57 N 22). Einschränkungen erfäh rt die richterli- che Rechtsanwendung zum einen dort, wo die betreffende Rechtsfrage bereits rechtskräftig abgeurteilt worden ist; in solchen Fällen besteht kein Raum mehr für eine erneute materielle Beurteilung. Zum anderen ist das Gericht an die gelt end gemachten Ansprüche der Parteien oder an allfällige Parteieinreden wie Verjährung, V errechnung oder Stundung gebunden. Schliesslich schränkt die von den Parteien zu tragende Behauptungs- und Substantiierungs- last, welche namentlich in Verfahren mit Dispositions- u nd Verhandlungsmaxime gilt, die Rechtsanwendung von Amtes wegen ein. Das Gericht kann dem nach die einschlägigen Rechtssätze nur auf den von den Parteien behaupteten u nd vom Gericht festgestellten Sachverhalt anwenden (zum Ganzen BSK ZPO-GEHRI , 3. Aufl. 2017, Art. 57 N 22 ff.). 7.5.2 Im hier zu beurteilenden Fall ergibt sich aus der Erwä gung 23 sowie Dispositiv- Ziffer 2 des angefochtenen Entscheids, dass die Vorinstan z die Widerklage des Berufungs- beklagten vom 17. Dezember 2018 rückwirkend per November 2018 abgewiesen hat. Der Berufungsbeklagte erachtet in seiner Eingabe vom 27. Mai 2020 die rückwirkend auf den Zeitpunkt der Klageeinreichung berücksichtigte Widerklag e als korrekt. Der Zeitpunkt, ab wann der Widerklage Rechtswirkungen zukommen, stellt ein e von der Rechtsmittelinstanz von Amtes wegen überprüfbare Rechtsfrage dar. Hingeg en darf von der Rechtsmittelbehör- de mangels Anfechtung durch die Parteien nicht geprü ft werden, ob die Widerklage von der Vorinstanz inhaltlich zu Recht teilweise oder vollständ ig abgewiesen oder gutgeheissen wur- de. Mit der Erhebung einer Widerklage in der Klageantwort wird die Widerklage rechtshängig (Art. 224 Abs. 1 ZPO; BSK ZPO-W ILLISEGGER , 3. Aufl., 2017, Art. 224 N 16). Die Rechtswir- kungen der Widerklage ergeben sich aus den Widerklagebege hren und sind grundsätzlich ab dem Zeitpunkt der Klage zurück zu beziehen, um den W iderkläger nicht schlechter zu stellen als den Kläger. Mit den Widerklagebegehren kann der Widerkläger auch eine weiter- gehende Rückwirkung seiner Widerklage vor dem Zeitpunkt der Klage beantragen, soweit Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Gesetz ihm ein solches Recht gewährt. Gelangt die D ispositionsmaxime zur Anwen- dung, ist das urteilende Gericht an die Widerklagebegeh ren gebunden und es kann dem Widerkläger nicht mehr und nichts anderes zusprechen, als e r verlangt bzw. nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt hat (Art. 58 Abs. 1 ZPO) . Das vorliegende Verfahren betref- fend Volljährigenunterhalt wird von der Dispositionsmaxi me beherrscht (vgl. vorstehende Erwägung 4 in fine), womit das urteilende Gericht a n die Widerklagebegehren des Beru- fungsbeklagten gebunden ist. Dieser beantragt mit Wide rklagebegehren Ziffern 1 und 2, dass seine Unterhaltspflicht gegenüber der Berufungskläg erin gemäss Vereinbarung vom 15. September 2015 von monatlich CHF 1'000.00 mit Wi rkung ab 19. Dezember 2018 voll- umfänglich aufgehoben bzw. eventualiter auf monatlich CHF 148.00 herabgesetzt wird. Ent- gegen der Meinung der Vorinstanz kann die Widerklage vom 17. Dezember 2018 nicht rück- wirkend ab November 2018 angewendet werden, sondern a ntragsgemäss erst ab 19. De- zember 2018. Hinzu kommt, dass in Anbetracht des vorinst anzlichen Ergebnisses, wonach der Berufungsbeklagte seiner Tochter für November 2018 und Dezember 2018 einen monat- lichen Unterhaltsbeitrag von aufgerundet CHF 100.00 z u leisten hat, die Widerklage des Be- rufungsbeklagten ab November 2018 nicht abgewiesen, sond ern teilweise gutgeheissen wird. Denn bei einer Abweisung der Widerklage würde d ie zwischen den Kindseltern verein- barte Unterhaltspflicht des Berufungsbeklagten von monat lich CHF 1'000.00 gegenüber der Berufungsklägerin nach wie vor gelten, so dass der Berufu ngsbeklagte ab November 2018 nicht nur monatlich CHF 100.00, sondern zusätzlich CHF 1 '000.00 pro Monat an die Beru- fungsklägerin bezahlen müsste. Im Weiteren hält die Vor instanz in Erwägung 23 sowie Dis- positiv-Ziffer 2 des angefochtenen Entscheids fest, dass be reits erbrachte Unterhaltsleistun- gen für November 2018 und Dezember 2018 angerechnet we rden könnten, maximal jedoch bis zur Höhe des für den jeweiligen Monat geltenden U nterhaltsbeitrages. Folgt man dem Wortlaut von Dispositiv-Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteil s, wonach der Berufungsbeklagte monatlich CHF 100.00 und aufgrund der abgewiesenen Widerklage zusätzlich CHF 1'000.00 pro Monat an die Berufungsklägerin bezahlen müsste, so könnten für November 2018 und Dezember 2018 gar keine anrechenbaren Unterhaltsleistun gen bestehen. Ein solches Er- gebnis kann von der Vorinstanz offensichtlich nicht gemeint gewesen sein. Der angefochtene Entscheid der Vorinstanz kann richtigerweise nur so ver standen werden, als die Widerklage ab November 2018 teilweise gutgeheissen und der Beruf ungsbeklagte für November 2018 und Dezember 2018 zu Unterhaltszahlungen von monatlich C HF 100.00 verpflichtet worden ist. Indessen kommen der Widerklage vom 17. Dezember 2018 antragsgemäss erst ab 19. Dezember 2018 Rechtswirkungen zu. Dieser Fehler de r Vorinstanz in der Rechtsanwen- dung ist zu korrigieren. 7.5.3 Der inhaltliche Widerspruch in der Erwägung 23 und i n Dispositiv-Ziffer 2 des ange- fochtenen Entscheids ist offensichtlich. Eine Korrektur d es Entscheids müsste grundsätzlich auf Antrag einer Partei durch die Erstinstanz vorgenommen werden. Soweit ersichtlich haben die Parteien von der Vorinstanz keine Erläuterung oder Berichtigung des Entscheids gestützt auf Art. 334 ZPO beantragt. Die Dreierkammer des Kan tonsgerichts, Abteilung Zivilrecht, verzichtet vorliegend, den Fall an die Vorinstanz zur Neu beurteilung in Bezug auf die Beur- teilung der Rechtswirkungen der Widerklage zurück zu weise n, da eine Rückweisung zu ei- nem formalistischen Leerlauf und zu unnötigen Verzöger ungen führen würde, die mit den Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Interessen der Parteien an der beförderlichen Beurtei lung ihrer Sache nicht zu vereinbaren wären (u.a. KGer BL 400 18 329 vom 18. Februar 2020 E. 4; BGE 137 I 195 E. 2.3.2; 133 I 201 E. 2.2). Im Berufungsverfahren konnten sich die Pa rteien zu den Rechtswirkungen der Widerklage vom 17. Dezember 2018 äussern und die Rechtsm ittelinstanz kann den Sach- verhalt und die Rechtslage im Berufungsverfahren mit vo ller Kognition überprüfen (Art. 310 ZPO). Zudem kann die Rechtsmittelinstanz die sich stellen de Rechtsfrage, ab welchem Zeit- punkt die Widerklage ihre Wirkung entfaltet, von Amtes wegen prüfen (dazu vorstehende Erwägungen 7.5.1 f.). Es liegt ein Unterhaltsbegehren der Berufungsklägerin vor, mit wel- chem sie ab September 2018 einen Unterhaltsbeitrag von monatlich CHF 1'327.00 geltend macht. Der vorinstanzliche Entscheid ist nicht in Rechtskraft erwachsen. Darüber hinaus stellt die Rechtsmittelinstanz bei der zu behandelnden Re chtsfrage auf die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz ab. Gestützt darauf gela ngt die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts zum Schluss, dass die Dispositiv-Ziffern 1 bis 4 des angefoch- tenen Entscheids aufzuheben und so zu formulieren sind , dass (1.) die Unterhaltsklage für die Zeit von Januar 2017 bis zum 18. Dezember 2018 abge wiesen wird, da der Bedarf der Berufungsklägerin mit ihrem Einkommen und dem vom Beruf ungsbeklagten gestützt auf die Vereinbarung vom 15. September 2015 zu leistenden Unt erhaltsbeitrag von monatlich CHF 1'000.00 jederzeit gedeckt ist. Es versteht sich von selbst, dass dieser Unterhaltsbeitrag für die Zeit vom 1. bis 18. Dezember 2018 pro rata gesch uldet ist. Im Weiteren ist (2.) der Berufungsbeklagte in teilweiser Gutheissung der Unterhaltsklage und teilweiser Gutheissung der Widerklage zu verpflichten, der Berufungsklägerin für die Zeit von 19. Dezember 2018 bis zum 31. Dezember 2018 einen monatlichen Unterhaltsb eitrag von CHF 100.00 pro rata zu leisten, wobei bereits erbrachte Leistungen anzurechn en sind. Für die Mehrforderung ist die Klage abzuweisen. Die Dispositiv-Ziffern 3 und 4 d es angefochtenen Entscheids sind schliesslich von Amtes wegen dahingebend zu ergänzen, dass die Klage für die Mehrforde- rung abgewiesen wird. 4. Unterhaltsphase von Januar 2020 bis zum Abschluss der Erstausbildung 8.1 Ab Januar 2020 sind die von der Berufungsklägerin vorgebrachten echten Noven zu berücksichtigen (dazu vorstehende Erwägungen 2.1 ff.). A ufgrund einer Lohnerhöhung mit Wirkung ab Januar 2020 erzielt sie gemäss der eingerei chten Lohnabrechnung Januar 2020 neu ein Bruttoeinkommen von monatlich CHF 2'400.00. D ie Telefonspesen von pauschal CHF 100.00 pro Monat, welche der Berufungsklägerin fü r die geschäftliche Nutzung ihres Privattelefons ausbezahlt werden, stellen einen Nettobetrag dar. Sie können daher entgegen der Ansicht der Berufungsklägerin nicht im Bruttolohn von CHF 2'400.00 enthalten sein. Die Bestätigung ihres Arbeitgebers vom 31. März 2020, wona ch in der Lohnzahlung vom Januar 2020 die Telefonspesen von CHF 100.00 zusätzlich zum vert raglichen Monatslohn von CHF 2'300.00 ausbezahlt worden seien, was zum angegebe nen Bruttolohn von CHF 2'400.00 führe, steht in Widerspruch zur eingerei chten Lohnabrechnung Januar 2020, auf welcher keine Telefonspesen aufgeführt sind, und zu m Grundsatz der Nettoauszahlung von Spesenentschädigungen. Ungeachtet der Telefonspesen ist demnach von einem Brutto- lohn der Berufungsklägerin von monatlich CHF 2'400.00 bzw. von einem Nettolohn von rund CHF 2'200.00 ab Januar 2020 auszugehen, welcher im Ra hmen der Unterhaltsberechnung wie bis anhin zu 100 % zu berücksichtigen ist. Diesem Einkomm en sind ab Januar 2020 Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausbildungszulagen von monatlich CHF 325.00 hinzuzurec hnen, was ein Gesamteinkom- men der Berufungsklägerin von CHF 2'525.00 ausmacht un d zur Deckung ihres Eigenbe- darfs von weiterhin CHF 2'168.00 pro Monat (vgl. vorstehende Erwägung 7.4) ausreicht. Die- ser Eigenbedarf wäre im Übrigen selbst dann gedeckt, wen n die Telefonspesen von CHF 100.00 vom Bruttolohn abgezogen würden, woraus sich ein Nettoeinkommen der Beru- fungsklägerin von rund CHF 2'425.00 ergeben würde (Ne ttoeinkommen von CHF 2'100.00 zuzüglich Ausbildungszulagen von CHF 325.00). Ihr Unterha ltsanspruch gegenüber dem Berufungsbeklagten fällt daher ab Januar 2020 prinzip iell weg. Nachdem jedoch der Beru- fungsbeklagte den Entscheid der Vorinstanz vom 27. September 2019 nicht angefochten hat, ist er gemäss Dispositiv-Ziffer 3 des vorinstanzlichen Entsche ids verpflichtet, der Berufungs- klägerin ab Januar 2020 weiterhin einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 100.00 zu leisten. 8.2 Zufolge des per Ende Februar 2020 beendeten Studiums an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur sind im Bedarf der Beruf ungsklägerin die Positionen Zim- mermiete (CHF 335.00), Studiengebühren (CHF 160.00) und Lehrmittel (CHF 50.00) mit Wirkung ab März 2020 zu streichen. Mit dem Wegfall des st udienbedingten Aufenthaltes in Chur können der Berufungsklägerin, welche nach wie vor einem Erwerbspensum von 50 % beim E.____ nachgeht, keine Mehrkosten für auswärtige Verpflegung zugestanden werden, zumal solche Kosten nicht belegt sind. Hinsichtlich der M obilitätskosten ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag zwischen der Berufungsklägerin und dem E. ____ vom 29. / 30. April 2018, dass ihr der Arbeitgeber für die Dauer des Studiums a n der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur ein Generalabonnement der SBB kostenlos zur Verfügung stellt. Nachdem das Studium per Ende Februar 2020 beendet worden ist, sind der Berufungsklägerin praxis- gemäss monatlich CHF 53.00 für ein nicht übertragbare s Umweltschutz-Abonnement für junge Erwachsene bis 25 Jahren anzurechnen. Hingegen kö nnen regelmässige Einzahlun- gen der Berufungsklägerin von angeblich CHF 300.00 pr o Monat auf ein per März 2020 er- öffnetes Säule 3a-Konto zwecks Aufbaus einer freiwilligen Altersvorsorge nicht in ihren Bedarf aufgenommen werden. Eine solche vermögensbild ende Position wäre im Rahmen eines Verfahrens betreffend Kindesunterhalt nur bei s ehr guten finanziellen Verhältnissen denkbar. Solche Verhältnisse sind einzig mit der Bemerkung der Berufungsklägerin, dass die Mutter im Rahmen der Scheidung die Familienliegenschaf t übernommen und der Vater ein neu gebautes Einfamilienhaus bezogen habe, nicht beleg t und werden vom Berufungs- beklagten bestritten. Die von der Vorinstanz festgestellte n Nettoeinkommen der Kindsmutter von monatlich CHF 4'783.00 und des Berufungsbeklagten vo n monatlich CHF 8'513.00 las- sen zudem nicht darauf schliessen, dass hier sehr gute wi rtschaftliche Verhältnisse vorlie- gen. Ebenfalls nicht zu berücksichtigen sind gemäss den vorstehenden Erwägungen 5.1.1 ff. die Bedarfspositionen betreffend Wohnkosten, "Sport / Freizeit" und "Diverses (Ferien etc.)". Der Bedarf der Berufungsklägerin, bestehend aus einem Grundbetrag von CHF 850.00, Krankenversicherungskosten von CHF 363.00, selbst zu trag ende Gesundheitskosten von CHF 150.00, Mobilitätskosten von CHF 53.00 sowie Steuer auslagen von CHF 40.00 beträgt somit ab März 2020 monatlich CHF 1'456.00. Was ihre Ei nkommensseite anbelangt, liegt eine Bestätigung des E.____ vor, wonach er aufgrund der Corona-Pandemie per 17. März 2020 Kurzarbeit für alle Mitarbeiter eingeführt hat . Die Berufungsklägerin ergänzt in ihrer Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eingabe vom 2. April 2020, dass Kurzarbeit vorerst für drei Monate bewilligt worden sei und sie vorläufig bis zum nicht absehbaren Ende der Kurzarbeit noch knapp CHF 1'700.00 ver- dienen werde, was 80 % ihres bisherigen Lohnes von brut to CHF 2'300.00 entspreche. Ihr Nettoeinkommen im März 2020 wird demnach zwischen CHF 1 '700.00 und CHF 2'100.00 betragen haben. Ausbildungszulagen sind der Berufungsklä gerin für den Monat März 2020 keine anzurechnen, da sie im März 2020 nicht in einer A usbildungsstätte immatrikuliert war. Mit dem soeben erwähnten Nettoeinkommen konnte die B erufungsklägerin ihren Bedarf von CHF 1'456.00 ohne Weiteres decken. Für den Monat März 2020 stehen ihr somit grundsätz- lich keine Unterhaltsbeiträge zu. Trotzdem ist der Ber ufungsbeklagte gemäss der von ihm nicht angefochtenen Dispositiv-Ziffer 3 des vorinstanzli chen Entscheids vom 27. September 2019 verpflichtet, der Berufungsklägerin auch für März 2 020 einen Unterhaltsbeitrag von CHF 100.00 zu bezahlen. 8.3 Im April 2020 begann die Berufungsklägerin ein vierjäh riges Teilzeitstudium in Me- dien- / Sportmanagement an der Hochschule F.____ in Fr eiburg im Breisgau, welches mo- natliche Studiengebühren von umgerechnet CHF 270.00 mit sich bringt. Da es sich hierbei um ein Fernstudium handelt und die Berufungsklägerin n ach eigenen Angaben lediglich ein- zelne Module in Freiburg besuchen muss, sind in ihrem Gr undbedarf keine Mehrkosten für auswärtige Verpflegung einzusetzen, zumal die per 17. März 2020 eingeführte Kurzarbeit zu einer Reduktion ihres Arbeitspensums von 50 % auf 0 % führte. Hingegen sind ihr ab April 2020 wieder Kosten für Lehrmittel von monatlich CHF 50.00 sowie Mobilitätskosten in Höhe von aufgerundet CHF 80.00 pro Monat anzurechnen, welch e sich aus den Kosten für ein nicht übertragbares Umweltschutzabonnement für junge E rwachsene bis 25 Jahren von CHF 53.00 und einem Zuschlag für studienbedingte Reise kosten in Höhe von aufgerundet CHF 27.00 ergeben, da gerichtsnotorisch Zusatzkosten für die Fahrt nach Freiburg und retour entstehen. Demgemäss ist ab April 2020 von einem monatlichen Bedarf der Beru- fungsklägerin in Höhe von CHF 1'803.00 auszugehen, welch er aus dem Grundbetrag von CHF 850.00, den Krankenversicherungskosten von CHF 363.00 , selbst zu tragenden Ge- sundheitskosten von CHF 150.00, Mobilitätskosten von CHF 80.00, Kosten für Lehrmittel von CHF 50.00, Studiengebühren von CHF 270.00 sowie Steue rauslagen von CHF 40.00 resul- tiert. Diesem Grundbedarf von CHF 1'803.00 steht ab A pril 2020 ein Monatseinkommen der Berufungsklägerin von netto CHF 2'085.00 gegenüber, be stehend aus einer Kurzarbeitsent- schädigung von CHF 1'760.00 (80 % des ursprünglichen Nett oeinkommens in Höhe von CHF 2'200.00) und den Ausbildungszulagen von CHF 325.0 0. Daraus folgt, dass die Beru- fungsklägerin ab April 2020 trotz Kurzarbeit ihren Lebe nsunterhalt selbst decken kann, wes- halb ein Anspruch auf Leistung von Unterhaltsbeiträg en durch den Berufungsbeklagten grundsätzlich entfällt. Gleichwohl hat der Berufungsbekla gte die Berufungsklägerin weiterhin mit monatlichen Unterhaltsbeiträgen von CHF 100.00 zu unterstützen, da er den Entscheid der Vorinstanz vom 27. September 2019 nicht angefochten hat. 8.4 Im November 2021 wird die Berufungsklägerin 25 Jahre alt sein und keine Ausbil- dungszulagen mehr beanspruchen können. Da davon auszugehe n ist, dass die Berufungs- klägerin dannzumal wieder den vollen Monatslohn von nett o CHF 2'200.00 für ihre Teilzeit- arbeit beim E.____ wird erzielen können, wird sie ab November 2021 ihren Bedarf von CHF 1'803.00 weiterhin decken können. Demzufolge ist der Unterhaltsanspruch der Beru- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht fungsklägerin auch für die Zeit ab November 2021 unbegr ündet. Trotzdem hat ihr der Beru- fungsbeklagten aufgrund der von ihm nicht angefochtenen Dispositiv-Ziffer 4 des vorinstanz- lichen Entscheids vom 27. September 2019 ab November 202 1 bis zum ordentlichen Abschluss einer Erstausbildung einen monatlichen Unterh altsbeitrag von CHF 330.00 zu leisten. 8.5 Im Ergebnis kann gestützt auf die vorstehenden Erwägu ngen 8.1 ff. festgehalten werden, dass die Berufungsanträge betreffend die Unter haltsperiode ab Januar 2020 alle- samt abzuweisen sind. Der Verzicht des Berufungsklägers auf e ine Anschlussberufung nach Art. 313 ZPO führt dazu, dass die Dispositiv-Ziffern 3 und 4 des angefochtenen Entscheids unverändert bestehen bleiben. Der Berufungsbeklagte ist demnach verpflichtet, der Beru- fungsklägerin ab Januar 2020 bis Oktober 2021 monatliche Unterhaltsbeiträge von CHF 100.00 und ab November 2021 bis zum ordentlichen Abschluss einer Erstausbildung solche von monatlich CHF 330.00 zu bezahlen, selbst wenn gemäss den obenstehenden Erwägungen der Rechtsmittelbehörde die Berufungsklägerin in der Lage ist, ab Januar 2020 für ihren Lebensbedarf aufzukommen. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass nahezu alle Rügen der Be rufungsklägerin un- begründet sind. Weder ist ihr für die Zeit, in der di e Berufungsklägerin bei ihrer Mutter in Z.____ wohnte bzw. wohnt, ein Wohnkostenanteil von CHF 300.00 im Grundbedarf anzu- rechnen, noch sind ihr in den verschiedenen Berechnungsp hasen höhere Mobilitätskosten zuzugestehen. Das vorinstanzliche Urteil ist ebenso hinsic htlich der Nichtberücksichtigung der geltend gemachten Bedarfspositionen für "Sport / Freizeit" sowie "Diverses (Ferien etc.)" aufgrund ihrer kategorischen Kontaktverweigerung zum Ber ufungsbeklagten nicht zu bean- standen. Monatliche Ausgaben für Lehrmittel in der Hö he von CHF 150.00 sind unbewiesen geblieben, womit eine pauschale Anrechnung von CHF 50.0 0 durch die Vorinstanz gerecht- fertigt erscheint. Einzig die Rüge der Berufungskläger in in Bezug auf die Bedarfsposition "selbstgetragene Arztkosten" ist insoweit begründet, als i hr die Vorinstanz für die zweite Un- terhaltsperiode von Januar 2018 bis und mit August 2018 lediglich CHF 82.00 anstatt korrek- terweise CHF 150.00 zugestand. Hinzu kommt der offensich tliche Rechnungsfehler der Vor- instanz beim Zusammenrechnen der einzelnen Bedarfspositi onen der Berufungsklägerin in der zweiten Unterhaltsphase. Diese beiden berechtigten Rügen haben indes keine Auswir- kungen auf das Ergebnis der Vorinstanz, wonach der Beruf ungsklägerin für die Monate Ja- nuar 2018 bis und mit August 2018 kein Unterhaltsanspruch zusteht. In der dritten Unterhaltsphase von September 2018 bis und mit 18. Dezember 2018 ver- zeichnete die Berufungsklägerin eine monatliche Unterde ckung von CHF 77.00 bzw. aufge- rundet CHF 100.00 gemäss dem angefochtenen Entscheid de r Vorinstanz. Dieses Manko konnte sie mit dem Unterhaltsbeitrag von monatlich CHF 1'000.00, den sie gestützt auf die Vereinbarung zwischen den Eltern vom 15. September 2015 erhielt, vollständig decken. Auf- grund der teilweise gutzuheissenden Widerklage des Beruf ungsbeklagten, welche die Auf- hebung der erwähnten Vereinbarung vom 15. September 2015 zur Folge hat, ist die Unter- haltsklage der Berufungsklägerin ab dem 19. Dezember 2018 teilweise gutzuheissen und der Berufungsbeklagte zu verpflichten, ihr einen monatlich en Unterhaltsbeitrag von CHF 100.00 zu bezahlen, unter Anrechnung von bereits geleisteten Un terhaltsbeiträgen für die Zeit ab Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem 19. Dezember 2018. Zufolge Anerkennung bzw. Nicht anfechtung des vorinstanzlichen Entscheids durch den Berufungsbeklagten bleibt dieser mo natliche Unterhaltsanspruch der Berufungsklägerin von CHF 100.00 bis und mit Oktober 20 21 bestehen. Dieser Unterhalts- anspruch der Berufungsklägerin erhöht sich gemäss Disposi tiv-Ziffer 4 des angefochtenen Entscheids ab November 2021 auf monatlich CHF 330.00 u nd ist bis zum ordentlichen Abschluss ihrer Erstausbildung geschuldet. Entgegen dem angefochtenen Entscheid ist die Widerklag e des Berufungsbeklagten vom 17. Dezember 2018 mit Wirkung ab 19. Dezember 2018 teilweise gutzuheissen, was dazu führt, dass der Entscheid der Vorinstanz vom 27. Septemb er 2019 teilweise aufzuheben und neu zu formulieren ist. 10.1 Es bleibt über die Verteilung und Liquidation der Pr ozesskosten des Berufungsver- fahrens, bestehend aus den Gerichtskosten sowie den Parte ientschädigungen, zu befinden (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Massgebend für die Regelung der Kostenfolgen sind die Bestimmun- gen der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Berufungsverfa hren gelten, da die Zivilprozessordnung für das Rechtsmittelverfahren keine speziellen Kostenregelungen vorsieht (SEILER , Die Beru- fung nach ZPO, 2013, Rz. 1560). Gemäss Art. 106 Abs. 1 Z PO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei auferlegt. Nachdem sich die Korrekturen hinsichtlich der selbst getragenen Arztkosten und des Rechnungsfehlers in der zwe iten Unterhaltsphase nicht auf den Entscheid der Vorinstanz auswirken (vgl. dazu Erwägungen 6.3 bis 6.5) und die weiteren Rügen der Berufungsklägerin abzuweisen sind, ist die Beru fungsklägerin als unterliegende Partei anzusehen. Die teilweise Aufhebung des angefochtenen Entscheids der Vorinstanz ist für die Kostenverlegung nicht massgebend, denn sie ist nicht auf Rügen der Parteien zu- rückzuführen, sondern auf eine von Amtes wegen geprüfte Rechtsfrage durch die Rechtsmit- telinstanz. Die Prozesskosten sind demgemäss vollständig vo n der unterliegenden Beru- fungsklägerin zu tragen. Diese hat die zweitinstanzliche En tscheidgebühr, welche in Anwen- dung von § 9 Abs. 1 i.V. mit § 8 Abs. 1 lit. g des kantonalen Gebührentarifs (SGS 170.31) auf pauschal CHF 2'500.00 festgelegt wird, zu übernehmen. Da der Berufungsklägerin mit Ver- fügung vom 5. März 2020 die unentgeltliche Rechtspflege gestützt auf Art. 117 ZPO bewilligt worden ist, geht diese Entscheidgebühr vorläufig zu Last en des Staates, vorbehältlich einer Nachzahlung durch die Berufungsklägerin gemäss Art. 123 ZPO. 11.2 Ungeachtet der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege hat die Berufungsklägerin dem im Rechtsmittelverfahren obsiegenden Berufungsbeklag ten eine angemessene Partei- entschädigung zu bezahlen (Art. 122 Abs. 1 lit. d ZPO). (…) 11.3 Nach Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO ist der unentgeltliche Rechtsbeistand der Berufungs- klägerin, Advokat Daniel Levy, vom Kanton angemessen zu ent schädigen. Auch in diesem Fall gilt § 2 Abs. 1 TO, wonach die angemessene Parteientschädigung nach dem mutmassli- chen Zeitaufwand festzulegen ist. (…) Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. In teilweiser Aufhebung des Entscheids des Gerichtspräsi denten vom 27. September 2019 (Verfahren 120 18 2797 V) werden die Dispositiv- Ziffern 1 bis 4 durch folgende Dispositiv-Ziffern ersetzt: 1. Die Unterhaltsklage der Klägerin wird für die Zeit von Januar 2017 bis und mit 18. Dezember 2018 abgewiesen. 2. In teilweiser Gutheissung der Klage und teilweiser Gut heissung der Widerklage wird der Beklagte verurteilt, der Klägerin für die Zeit von 19. Dezember 2018 bis und mit 31. Dezember 2018 ein en monatli- chen Unterhaltsbeitrag von CHF 100.00 pro rata zu be zahlen. Be- reits erbrachte Leistungen sind anzurechnen, maximal jed och bis zur Höhe des für den jeweiligen Monat geltenden Unte rhaltsbeitra- ges. Für die Mehrforderung wird die Klage abgewiesen. 3. In teilweiser Guth eissung der Klage und teilweiser Gutheissung der Widerklage wird der Beklagte verurteilt, der Klägerin für die Zeit ab Januar 2019 bis und mit Oktober 2021 monatliche und kün ftig voraus zahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 100.00 zu bezahle n. Bereits erbr achte Leistungen sind anzurechnen. Für die Mehrforde- rung wird die Klage abgewiesen. 4. In teilweiser Gutheissung der Klage und teilweiser Gut heissung der Widerklage wird der Beklagte verurteilt, der Klägerin für die Zeit ab November 2021 bis zum ordentlichen Abschluss der Erstausbild ung monatliche und künftig vorauszahlbare Unterhaltsbeitr äg e von CHF 330.00 zu bezahlen. Für die Mehrforderung wird die Klage ab- gewiesen. 2. Die Entscheidgebühr des Berufungsverfahrens von CHF 2'50 0.00 wird der Berufungsklägerin auferlegt. Die Berufungsklägerin hat dem Berufungsbeklagten eine Parteientschä- digung von CHF 4'816.45 (inkl. Auslagen von CHF 117.90 und 7,7 % MwSt. von CHF 344.35) für das Berufungsverfahren zu bezahlen. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege an die Berufungs- klägerin gehen die Entscheidgebühr des Berufungsverfahr ens von CHF 2'500.00 sowie eine Entschädigung für das Berufungsver fahren an ihren unentgeltlichen Rechtsbeistand, Advokat Daniel Lev y, in Höhe von CHF 4'471.85 ( inkl. Auslagen von CHF 185.50 und 7,7 % MwSt. von CHF 319.70) zu Lasten des Staates. Die Berufungsklägerin ist zur Nachzahlung der Entscheidgebühr und der Parteientschädigung an den Kanton verpflichtet, sobald sie dazu in der L age ist (Art. 123 Abs. 1 ZPO): Der Nachzahlungsanspruch des Kantons ve rjährt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens (Art. 123 Abs. 2 ZPO). Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco