B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5531/2018 U r t e i l v o m 1 8 . M a i 2 0 2 0 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, die Ehefrau B._______, geboren am (…), Libanon, und die Kinder C._______, geboren am (…), Syrien, D._______, geboren am (…), Syrien, E._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 24. August 2018. D-5531/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden – die Eltern mit dem ältesten Kind – suchten am 20. August 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Die beiden hierzulande ge- borenen Kinder wurden in das Asylverfahren einbezogen. A.a Der Beschwerdeführer wurde am 7. September 2015 im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ zu seiner Person, dem Reiseweg und summarisch zu den Fluchtgründen befragt (BzP) und am 29. März 2017 vom SEM einlässlich zu seinen Asylgründen angehört. Er brachte im Wesentlichen vor, er sei syrischer Staatsangehöriger kurdi- scher Ethnie und stamme aus G._______ (H._______ ). Er habe das (…) besucht. Mitte September 2003 habe er Syrien verlassen und seither in der Provinz I._______ in der nordirakischen Autonomen Region Kurdistan (Re- gion des "Kurdistan Regional Government" [KRG]) gelebt und dort (…) ein (…) abgeschlossen. Seit (…) sei er mi t der Beschwerdeführerin, die seit (…) über die libanesische Staatsbürgerschaft verfüge, verheiratet. Er habe für die im Libanon erfolgte Heirat einen Stellvertreter bestellt , danach sei seine Ehefrau zu ihm in den Irak gekommen. Während des (…) habe er in einer (…) gelebt. Mit seiner Ehefrau habe er seit (…) im Flüchtlingslager J._______ gelebt, da er kein Anrecht auf eine eigene Wohnung gehabt habe. Ein Formular habe ihn als Flüchtling ausgewiesen. Er sei als (…) in einem (…) in K._______ tätig gewesen. Er habe (…) Brüder und (…) Schwestern. Seine Mutter und (…) Brüder seien noch in Syrien. Sein Vater sei krankheitsbedingt verstorben. (…) Geschwister seien im Irak, (…) mitt- lerweile in europäischen Ländern. Die Eltern und Geschwister seiner Ehe- frau lebten im Libanon. Sein ältestes Kind verfüge nebst der im Irak aus- gestellten Geburtsurkunde über keine Papiere; für deren Ausstellung hätte er persönlich nach Syrien gehen müssen. Er habe Syrien 2003 wegen des Militärdienstes verlassen, respektive weil er dort wegen politischer Aktivi- täten verfolgt worden sei. Er habe zunächst in L._______ das (…) besucht. Nachdem er aber vom dortigen Direktor diskriminiert und aufgefordert wor- den sei, der Baath-Partei beizutreten, was er abgelehnt habe, habe er (…) in das (…) von G._______ wechseln und dort das (…) nachholen müssen. (…) sei er der kurdischen Partei M._______ beigetreten. Da er im Lesen und Schreiben der kurdischen und a rabischen Sprache besser gewesen sei als andere in seinem Alter, sei er für eine Gruppe von fünf Jugendlichen zuständig geworden. Er habe diese jeweils über anstehende Feierlichkei- ten und Anlässe informiert. Sie hätten sich in der Gruppe nicht über Politik unterhalten, sondern sich auf ihre Muttersprache konzentriert. Später, als D-5531/2018 Seite 3 er das (…) in G._______ besucht habe, habe er auch Flugblätter gegen die Unterdrückung der Kurden verteilt und Berichte für das Parteibüro ge- schrieben. Bei seiner Tätigkeit sei es ihm hauptsächlich um die Pflege der kurdischen Sprache gegangen . Kurden seien in Syrien seit je her unte r- drückt worden und ihre Muttersprache sei verboten gewesen. So sei er beispielsweise von einem arabischen Beamten schikaniert worden, als er sich beim Warten auf seine Identitätskarte im Ausweiszen trum in G._______ mit einer Person in Kurdisch unterhalten habe. Am (…) 2003 habe er letztmals an einer Sitzung teilgenommen. Als er danach von einem Bruder erfahren habe, dass der Sicherheitsdienst ihn (den Beschwerdefüh- rer) sprechen wolle, sei er auf Anraten des Bruders umgehend in den Irak ausgereist. Sein Bruder habe die Befürchtung geäussert, dass er nach Ab- schluss der Schule vielleicht nicht mehr so einfach wie bisher freigelassen würde. Seine Familie, die mehrheitlich der besagten Partei angehört habe, sei immer mal wieder vom Sicherheitsdienst zitiert worden. Er s ei auch mehrmals, etwa alle drei Monate, aufgeboten, ein paar Stunden festgehal- ten, geohrfeigt und ermahnt worden, keinen Unsinn zu machen, und dann wieder freigelassen worden. Einmal sei er kurzzeitig in Polizeihaft gewe- sen, aber nicht wegen seiner politischen Aktivitäten, sondern wegen eines Streits mit andern Schülern. Diese Sache sei abschliessend geklärt worden und er sei nie v or Gericht gestanden. Darüber hinaus werde er in Syrien gesucht, weil er keinen Militärdienst geleistet habe. Er habe schon immer vorgehabt, im Ausland zu studieren. Mit (…) oder (…) Jahren habe er das Dienstbüchlein erhalten. Da er noch zur Schule gegangen sei, habe er den Militärdienst aufschieben können, aber nac hdem er si ch nach Abschluss des (…) nicht an einer syrischen Universität immatrikuliert habe, habe er ein Aufgebot zur Leistung des Militärdienstes erhalten. Als dieses bei ihm zuhause abgegeben worden sei, sei er bereits im Irak gewesen. Seine An- gehörigen hätten den Empfang des Aufge bots unterschriftlich quittieren müssen. Von seiner Familie sei er der Einzige, der keinen Militärdienst ge- leistet habe. In I._______ habe er ein (…) absolvieren können, nachdem das syrische Parteibüro das Parteibüro im Nordirak darum gebeten habe. Andere Probleme habe es in Syrien nicht gegeben. Respektive 2012 oder 2013 hätten ein Bruder und ein (Verwandter) in Syrien einen Streit mit Apochi (Anhänger des Kurdenführers «Apo" Abdullah Öcalan, mithin der PKK [Partiya Karkerên Kurdistan] respektive der YPG [Yekîneyên Paras- tina Gel], militärischer Flügel der PYD [Partiya Yekitîya Demokrat]) gehabt, der eskaliert sei und in dessen Verlauf auf sein Elternhaus geschossen worden sei. Der Bruder traue sich seither abends nicht mehr aus dem Haus und den (Verwandten) hätten die Apochi bis in den Irak verfolgt und dort mit einem Messer verletzt. Bei einer Rückkehr nach Syrien befürchte er D-5531/2018 Seite 4 daher, auch von den Apochi verfolgt zu werden. Eine Wohnsitznahme im Libanon sei ihm gemäss entsprechender Abklärungen seines Schwieger- vaters nicht möglich, da er nicht über die dafür erforderlichen Dokumente verfüge. Zudem arbeite der libanesische Hizbollah mit den syrischen Be- hörden zusammen. Ende Juli 2015 habe er den Irak mit seiner Familie ver- lassen und sie seien über die Türkei und Griechenland in die Schweiz ge- langt. Sie seien aus dem Irak ausgereist, weil er dort keine Rechte gehabt habe. Anders als einige (…)freunde, die es bis ins Parlament geschafft hät- ten, habe er in einem Flüchtlingslager leben müssen. Zudem habe sich die dortige Lage aufgrund der Präsenz von Anhängern des sogenannten Isla- mischen Staats (IS) zusehends verschlechtert. Abgesehen von gelegentli- chen (…) sei er gesund. A.b Die Be schwerdeführerin wurde ebenfalls am 7. September 2015 im EVZ F._______ befragt (BzP) und am 29. März 2017 angehört. Sie brachte im Wesentlichen vor, sie sei libanesische Staatsangehörige kurdischer Eth- nie. Sie sei in Syrien geboren worden und habe die ersten (…) bis (…) Lebensjahre dort verbracht. Danach seien ihre Eltern mit ihr und ihren Ge- schwistern in den Libanon gezogen, weil ihr Vater als Ajnabi in Syrien keine Arbeit gehabt habe . Entfernte Verwandte ihres Mannes hätten (…) ihre Hochzeit initiiert und sie sei danach zu ihm in den Nordirak gezogen . Sie habe (…) an einer libanesischen Universität ein S tudium abgeschlossen; für die Prüfungen sei sie zwei Mal für kurze Zeit in den Libanon zurückge- kehrt. Im Nordirak habe sie bis 2014 an einer (…) als (…) gearbeitet. Da- nach sei sie Hausfrau gewesen. Ihre Eltern und Geschwister seien weiter- hin im Libanon wohnhaft. Mit ihrem Mann habe sie im Flüchtlingslager J._______ gelebt. Weil sie im Irak keine Rechte und zudem Angst vor dem IS gehabt hätten, hätten sie das Land a nfangs August 2015 in Richtung Europa verlassen. Sie selbst habe nie Probleme mit den Behörden oder Drittpersonen im Irak oder im Libanon gehabt. Sie hätte in den Liba non zurückkehren können, aber ihr Mann und ihr Kind hätten sie nicht begleiten können, da sie über keine Pässe verfügt hätten. Wäre ihr Mann im Libanon bei einer illegalen Einreise aufgegriffen worden, wäre er wohl verhaftet wor- den, da er in Syrien wegen des nicht absolvierten Militärdienstes gesucht werde. Ihr Vater habe diese Information von einer ihm bekannten Person, die in N._______ arbeite, erhalten. Aber selbst wenn ihr Mann sich legal im Libanon aufhalten dürfte, wäre das Leben für ihre Familie dort schwierig, da die Lage immer unsicherer werde. Ihre libanesische Staatsbürgerschaft könne sie nicht an ihre Angehörigen weitergeben. Auch könne sie ihnen im Libanon nicht zu einer Aufenthaltsbewilligung verhelfen; dies sei nur Män- nern möglich, die ihre Ehefrauen und Kinder nachziehen wollten. Ihre (…) D-5531/2018 Seite 5 müsse in Kürze operativ entfernt werden; sie fühle sich aber in der Lage, die Anhörung durchzuführen. A.c Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und die einge- reichten Beweismittel ( syrische Identitätskarte des Beschwerdeführers [Kopie], Zivilregisterauszug [ausgestellt (…) in H._______], syrische Schul- zeugnisse, Militärbüchlein [ausgestellt im (…) in H._______], Parteikarte und -bestätigungen von (…) und (…), Auszug aus dem "Zaman al-Wasl"- Nachrichtenportal, Aufenthaltsbewilligung KRG, UNHCR -Zertifikat von 2014, Wahlliste Flüchtlingslager-Verein, Foto von Demonstratio n in KRG 2004, Geburtsurkunde des ältesten Kindes, Eheschein [ausgestellt (…) im Libanon], libanesische Identitätskarte der Beschwerdeführerin [ausgestellt (…)], Studienbescheinigung der Beschwerdeführerin) verwiesen (vgl. vo- rinstanzliche Akten A3, A4, A5, A20, A21 und A39). B. Am 4. Juli 2018 teilte das SEM den Beschwer deführenden mit, es beab- sichtige, die Staatsang ehörigkeit des ältesten Kindes von Irak auf Syrien zu ändern. Die Beschwerdeführenden erklärten sich damit einverstanden. Mit Zwischenverfügung vom 26. Juli 2018 änderte das SEM die Nationalität des ältesten Kindes auf Syrien. C. C.a Mit Verfügung vom 24. August 2018 – eröffnet am 28. August 2018 – stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfüllten. Es lehnte die Asylgesuche ab und ordnete die Weg- weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an, wobei es den Vollzug der Wegweisung nach Syrien ausschloss. C.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen der Be- schwerdeführenden vermöchten weder den Anforderungen an die Glaub- haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) noch jenen an die Flüchtlings- eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG zu genügen. Die vom Beschwerdeführer erst im Rahmen der Anhörung vorgebrachte Verfolgung von Angehörigen durch die Apochi in Syrien sei als nachgeschoben und somit unglaubhaft zu erachten. Zudem falle auf, dass sich trotz des besagten Vorfalls immer noch (…) Brüder in Syrien aufhalten würden. Im Übrigen sei auch kein en- ger zeitlicher Kausalzusammenhang zur lange zurückliegenden Ausreise des Beschwerdeführers aus Syrien ersichtlich. Anzeichen einer gezielten D-5531/2018 Seite 6 Verfolgung seiner Person durch die Apochi habe er denn auch nicht gel- tend gemacht, auch nicht in Zusammenhang mit dem Angriff auf den (Ver- wandten) im Irak . Das Vorbringen des Beschwerdeführers, Syrien 2003 wegen des drohenden Militärdienstes verlassen zu haben, vermöge keine Asylrelevanz zu entfalten. D er Militärdienst sei eine sta atsbürgerliche Pflicht. Zum militärischen Konflikt, der damals noch nicht aktuell gewesen sei, sei kein enger zeitlicher Ka usalzusammenhang ersichtlich . Zudem lasse sich den Aussagen des Beschwerdeführers entnehmen, dass er nicht an sich wegen des anstehenden Militärdienstes ausgereist sei, sondern weil er im Ausland habe studieren wollen. Bezüglich des Auszugs aus dem "Zaman al -Wasl"-Nachrichtenportal, aus dem hervorgehe, dass der Be- schwerdeführer wegen des Militärdienstes gesucht werde, sei festzustel- len, dass es nicht gesichert sei, auf welchen Quellen die im Internet publi- zierten Datensätze zu den vom syrischen Regime gesuchten Personen ba- sieren würden. Deren Reliabilität sei nicht überprüfbar. Die besagten Da- tensätze seien daher nicht geeignet, eine asylrelevante Verfolgung des Be- schwerdeführers zu belegen. Des Weiteren vermöchte n auch die vorge- brachten politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers keine Asylrelevanz zu entfalten. Seinen Angaben zufolge habe er nebst den Aufgeboten der Sicherheitsbehörden, die etwa alle drei Monate erfolgt seien und bei denen er schikaniert und geohrfeigt worden sei, keine weiteren Nachteile erlitten. Seine politischen Aktivitäte n würden auch keine öffentliche Exponierung erkennen lassen, weshalb s ein politisches Profil nicht geeignet sei, eine asylrelevante Verfolgungsfurcht zu begründen. Bezüglich der politischen Aktivitäten eines Bruders, der einmal inhaftiert und wieder freigelassen worden sei, sei keine Reflexverfolgung des Beschwerdeführers ersichtlich. Die Beschwerdeführerin habe in Bezug auf ihr Heimatland Libanon keine Asylgründe geltend gemacht. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer in Bezug auf den Libanon geäusserten Befürchtungen sei darauf hinzuwei- sen, dass für die Beurteilung seines Asylgesuchs Verfolgungsmassnah- men ausserhalb seines Heimatstaats Syrien unwesentlich seien. Dass der Schwiegervater herausgefunden habe, dass der Beschwerdeführer vom syrischen Sicherheitsdienst gesucht werde, vermöge die Feststellung, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers keine Asylrele- vanz zu entfalten vermöchten, nicht umzustossen, zumal die Informations- bemühungen des Schwiegervaters unbelegt seien. Zudem würden sich mittlerweile über eine Million syrische Flücht linge im Libanon aufhalten. Eine flächendeckende Verfolgung syrischer Staatsbürger im Libanon durch die heimatlichen Behö rden erscheine daher unwahrscheinlich. In Bezug auf die Probleme der Beschwerdeführenden im Irak sei wiederum auf die D-5531/2018 Seite 7 fehlende asylrechtliche Wesentlichkeit von Verfolgungsmassnahmen aus- serhalb der Heimatstaaten hinzuweisen. Ungeachtet dessen würden die entsprechenden Vorbringen auch keine Asylrelevanz aufweisen. Ein Voll- zug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Syrien (oder in den Irak) sei nicht zumutbar. Hingegen sei der Vollzug in den Libanon als zu- lässig, zumutbar und möglich zu erachten. Es treffe zwar zu, dass die Be- schwerdeführerin ihre libanesische Staatsbürgerschaft nich t weitergeben könne, jedoch sei die Erlangung einer Aufenthaltsbewilligung für ausländi- sche Ehemänner und Ki nder einer Libanesin grundsätzlich möglich . Zu- ständig hierfür sei die "General Security" und Bedingung sei die ordentliche Registrierung der Heirat und der Geburten der Kinder, was vorliegend als gegeben zu erachten sei . Zudem würden weder die allgemeine Situation im Libanon noch individuelle Gründe der Beschwerdeführenden gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Die Beschwerdefüh- renden verfügten über gute Ausbildunge n und Arbeitserfahrung. Zudem lebe die Kernfamilie der Beschwerdeführerin im Libanon und gemäss ihren Angaben seien ihr Vater und zwei Brüder arbei tstätig. Es liege somit ein tragfähiges Beziehungsnetz vor, das die Beschwerdeführenden bei der In- tegration unterstützen könne. Laut ärztlichem Bericht leide die Beschwer- deführerin an (…). Gemäss den Erkenntnissen des SEM seien die diesbe- züglich benötigten Medikamente und Kontrolluntersuchungen im Libanon verfügbar. D. D.a Mit Eingabe vom 27. September 2018 erhoben die Beschwerdeführen- den durch ihren am 4. September 2018 mandatierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde , worin um Aufhebung der vorin - stanzlichen Verfügung und um Rückweisung der Sache an das SEM zwecks rechtsge nüglicher Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung, eventualiter um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und um Gewäh- rung des Asyls, und subeventualiter um Gewährung der vorläufigen Auf- nahme ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. D.b Zur Begründung brachten sie, nach zusammenfassender Darstellung ihrer Fluchtgründe, im Wesentlichen vor, die Aushebung des Beschwerde- führers sei durch das Militärbüchlein belegt. Auch habe er substanziiert ge- schildert, wie nach seiner Ausreise aus Syrien ein Soldat ein Aufgebot zur Leistung des Militärdienstes für ihn zuhause abgegeben habe. Wehrdienst- verweigerung sei in Syrien auch schon vor Ausbruch des Bürgerkriegs mit D-5531/2018 Seite 8 Haft bestraft worden. Aus der beiliegenden Kopie eines Strafregisteraus- zugs vom (…) gehe hervor, dass er am (…) von einem Militärgeri cht in O._______ wegen Wehrdienstverweigerung und Mitgliedschaft bei einer verbotenen kurdischen Partei zu einer Haftstrafe und einer Geldbusse ver- urteilt worden sei. Er habe dieses Dokument nicht früher einreichen kön- nen, weil er von der Verurteilung nichts gewusst habe und es aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien auch schwierig sei, an solche Dokumente zu gelan- gen. Auf Anraten seines Rechtsvertreters habe er einen Bekannten gebe- ten, sich bei den Behörden in N._______ um das besagte Dokument zu bemühen. Das O riginal werde, samt Übersetzung, sobald wie möglich nachgereicht. Auch wenn dem SEM hinsichtlich des Auszugs aus dem Nachrichtenportal "Zaman al -Wasl" insofern beizupflichten sei, als dass das Zustandekommen der Datensätze nicht lückenlos nachverfolgt werden könne, sei die Namenspublikation doch zumindest als Indiz für die geltend gemachte Verfolgung des Beschwerdeführers wegen Wehrdienstverw ei- gerung zu erachten. Durch den Gebrauch der kurdischen Sprache und das Verteilen von Flug- blättern sei der Beschwerdeführer in Syrien öffentlich in Ers cheinung ge- treten und deshalb mehrmals vom Sicherheitsdienst zitiert worden. Da er noch minderjährig und Schüler gewesen sei, sei es seinem Vater oder sei- nen Brüdern jeweils gelungen, ihn wieder freizubekomme n. Dass er nie länger festgehalten oder ernsthaft misshandelt worden sei, sei aber k ein Indiz dafür, dass sein politisches Profil nicht geeignet gewesen wäre, eine asylrelevante Verfolgung zu begründen. Die Angst der Brüd er, dass er nach Abschluss der Schule bei einer Festhaltung vielleicht nicht mehr so einfach freikommen würde, sei durchaus berechtigt gewesen. So sei es bereits im März 2004 als Reaktion auf grosse kurdische Demonstrationen zu einer Verschärfung der Unterdrückung der Kurden in Syrien gekommen. Dass e in B ruder verhaftet (und wieder freigelassen) worden sei, reiche zwar allein nicht aus, um auf eine Reflexverfolgung zu schliessen. Jedoch erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung zu wer- den, wenn wie beim Beschwerdeführer ein eigenes, nicht unbedeutendes politisches Engagement hinzukomme. Der familiäre Konflikt mit den Apochi sei erst zwischen 2012 und 2013 entstanden, weshalb der Beschwerde- führer diesen bei der BzP, bei der er vor allem nach seinen Ausreisegrün- den gefragt worden sei, noch nicht erwähnt habe. Es handle sich dabei um ein Ereignis, das später dazugekommen sei und bei einer heutigen Rück- kehr nach Syrien eine zusätzliche Verfo lgungsgefahr begründen könnte. Es sei bekannt, dass die PYD mitunter gewalttätig gegen Mitglieder ande-D-5531/2018 Seite 9 rer kurdischer Partei en vorgehe . Dass auch der Beschwerdeführer auf- grund seiner Familienzugehörigkeit und seines politischen Engagements Ziel solcher Verfolgung werden könnte, sei daher plausibel. Angesichts seiner kurdischen Ethnie, seines politischen Engagements und der politisch aktiven Verwandtschaft sei davon auszugehen, dass die Mili- tärdienstverweigerung des Beschwerdeführers als Regimefeindlichkeit ausgelegt werde und er mit unverhältnismässiger Bestrafung zu rechnen habe. Es sei nicht zu seinen Ungunsten auszulegen, dass er schon lange vor Ausbruch des Bürgerkriegs ausgereist sei. Seither habe sich die Ver- folgung tatsächlicher oder vermeintlicher Regimegegner noch verschärft. Er sei auch nach wie vor im dienstpflichtigen Alter und von den syrischen Militärbehörden nie formell von seiner Dienstpflicht befreit, sondern in Ab- wesenheit wegen Wehrdienstverweigerung verurteilt worden. Ein Wegweisungsvollzug in den Libanon sei als unzulässig und unzumut- bar zu erachten. Angesichts der Zusammenarbeit des libanesischen Hiz- bollah mit den syrischen Behörden fürchte sich der Beschwerdeführer vor einer Überstellung an die heimatlichen Behörden. Zudem habe der libane- sische Staat, der nicht Vertragspartei des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sei, mit der Pla- nung der Rückschaffung syrischer Flüchtlinge nach Syrien begonnen, was mit dem Non-Refoulement-Prinzip nicht vereinbar sei. Auch seien die Aus- sichten der Beschwerdeführenden auf eine soziale und berufliche Einglie- derung im Libanon minim. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer und die Kinder als Ausländer dort je einen rechtlichen Status erlangen könnten, der es ihnen erlauben würde, ein Le- ben frei von Diskriminierung zu führen, das heisst die Schule zu besuchen, zu arbeiten sowie eine Wohnung und medizinische Dienstleistungen zu er- halten. Vermutlich würden die Kinder , deren Geburten nicht im Libanon, sondern im Irak beziehungsweise in der Schweiz ei ngetragen worden seien, als staatenlos gelten. Ohne rechtlichen Status müssten sie mit mas- siver Diskriminierung rechnen. Zwar könnten an Ehegatten und Kinder li- banesischer Frauen grundsätzlich befristete Aufenthaltsbewilligungen aus- gestellt werden. Hierfür müsste der Ehemann aber einen noch drei Jahre gültigen Reisepass vorlegen, was dem Beschwerdeführer nicht möglich wäre. Für die Registrierung der Kinder im Libanon würden ihnen die nöti- gen Dokumente ebenfalls fehlen. Im Übrigen habe die Beschwerdeführerin ihre libanesische Staatsangehörigkeit einem umstrittenen Dekret aus dem Jahr 1994 zu verdanken, weshalb davon auszugehen sei, dass es für sie D-5531/2018 Seite 10 noch bedeutend schwieriger wäre, ihren Angehörigen eine Aufenthaltsbe- willigung zu verschaffen, zumal sie seit vielen Jahren nicht mehr im Liba- non lebe und ihr Mann und ihre Kinder noch nie dort gewesen seien. Aber selbst wenn temporäre Aufenthaltsbewilligungen erhältlich gemacht wer- den könnten, müssten sie für deren Verlängerung jedes Jahr viel Geld be- zahlen. Angesichts der aufgezeigten Probleme gemischt-nationaler Fami- lien könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführen- den auf ihre Ausbildungen und Arbeitserfahrungen zurückgreifen könnten, vielmehr sei zu befürchten, dass sie im Libanon Arbeitslosigkeit und finan- ziellen Schwierigkeiten ausgesetzt wären. Eine alleinige Rückschaffung der Beschwerdeführerin in den Libanon würde gegen das in Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Familienlebens verstossen. Die Krank- heit der Beschwerdeführerin (…) bedürfe lebenslanger Behandlung. Der (Arzt) habe im aktenkundigen Bericht vom 22. Juli 2018 darauf hingewie- sen, dass die Beschwerdeführerin wegen (…) sterben könnte, wenn die Kontrollen und Therapieanpassungen ausbleiben würden. Im beiliegenden Bericht vom 7. September 2018 wiederhole er dies. Es sei nicht davon aus- zugehen, dass die Beschwerdeführerin im Libanon an die finanziellen Mit- tel für die notwendigen Medikamente und Kontrolluntersuchungen gelan- gen könnte. Eine der Überbrückung einer Notsituation dienende medizini- sche Rückkehrhilfe könnte dieses Problem nicht beheben. Im Übrigen habe das SEM das Bestehen der Voraussetzungen für einen Wegwei- sungsvollzug in den Libanon ungenügend begründet. Zudem habe es sie nicht vorgängig im Rahmen einer ergänzenden Anhörung mit der Absicht, sie in den Libanon wegzuweisen, konfrontiert und damit ihr rechtliches Ge- hör verletzt. Auch hätte das SEM für den Beschwerdeführer und die Kinder wohl eine Zulassung für die Einreise in den Libanon einholen müssen. Die Sache sei daher zur weiteren Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung zurückzuweisen. E. Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2018 stellte die Instruktionsrichte- rin fest, dass die Beschwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfen. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung unter dem Vorbehalt der Ein- reichung einer Fürsorgeabhängigkeitsbestätigun g bis zum 18. Oktober 2018 gut, und teilte mit, dass ü ber das Gesuch um Beiordnung eines un- entgeltlichen Rechtsbeistands nach Ablauf der besagten Frist entschieden werde. Des Weiteren räumte sie den Beschwerdeführenden zur Nachrei- chung weiterer Beweismittel eine Frist von dreissig Tagen ab Erhalt der Verfügung ein. D-5531/2018 Seite 11 F. Mit Eingabe vom 5. Oktober 2018 reichten die Beschwerdeführenden vom 1./3. Oktober 2018 datierende Fürsorgeabhängigkeitsbestätigungen ein. G. Mit Eingabe vom 30. Oktober 2018 reichten die Beschwerdefü hrenden weitere Beweismittel zu den Akten (Original des Strafregisterauszugs [mit Übersetzung], Zustellkuvert, Parteibestätigungsschreiben vom 17. Okto- ber 2018). Der Rechtsvertreter legte seine Honorarnote bei. H. Mit Zwischenverfügung vom 5. November 2018 hiess die Instruktionsrich- terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltliche n Rechtsverbeistän- dung gut und ordnete den rubrizierten Rechtsvertreter den Beschwerde- führenden als amtlichen Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig lud sie die Vor - instanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein. I. Das SEM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 13. November 2018 die Abweisung der Beschwerde. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer den Strafregisterauszug aus Syrien n icht früher hätte einreichen können. Zudem vermöge das besagte Dokument nur eine ge- ringe Beweiskraft zu entfalten , da syrische Do kumente aufgrund der weit verbreiteten Korruption leicht fä lschbar und käuflich seien. Mangels ver- bürgtem Vergleichsmaterial sei es dem SEM auch nicht möglich, das be- sagte Dokument auf seine Echtheit zu prüfen. J. Am 20. November 2018 liess die Instruktionsrichterin den Beschwerdefüh- renden die Vernehmlassung zukommen und räumte ihnen Gelegenheit ein, dazu bis zum 5. Dezember 2018 eine Replik einzureichen. K. Mit Eingabe vom 4. Dezember 2018 teilten die Beschwerdeführenden mit, dass sie auf eine Replik verzichten würden. L. Mit Eingabe vom 12. September 2019 machten die Beschwerdeführenden unter Verweis auf diverse Presseartikel und Berichte von Menschenrechts- organisationen geltend, die Situation syrischer Flüchtlinge im Libanon habe sich in den letzten Monaten stetig verschlechtert. Es sei eine zunehmend feindliche Stimmung gegenüber den Flücht lingen zu beobachten, die für D-5531/2018 Seite 12 wirtschaftliche Probleme verantwortlich gemacht würden. Immer mehr Sy- rer sähen keine andere Möglichkeit, als in ihr nach wie vor unsicheres Hei- matland zurückzukehren. Von einer freiwilligen Rückkehr könne dabei nicht gesprochen werden. Gleichzeitig gebe es offizielle Bestrebungen, syrische Flüchtlinge unter Zwang nach Syrien zurückzuschaffen. Der Beschwerde- führer und die Kinder müssten somit im Libanon nicht nur mit Diskriminie- rung, sondern auch mit der Rückschaffung nach Syrien rechnen . Eine Rückkehr nach Syrien habe das SEM aber selbst ausgeschlossen. M. Mit Eingabe vom 12. Mai 2020 ersuchten die Beschwerdeführenden unter Verweis auf einen die Beschwerdeführerin betreffenden Arztbericht vom 25. Februar 2020 (…) und ein Schreiben des (…) vom 6. Mai 2019 (ab- schlägige Antwort auf ein Gesuch um Erteilung einer Arbeitsbewilligung für den Beschwerdeführer) um einen baldigen Abschluss des Beschwerdever- fahrens. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben D-5531/2018 Seite 13 ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Vorab ist die verfahrensrechtlic he Rüge der Beschwerdeführenden, das SEM habe ihr rechtliches Gehör verletzt, indem es den Wegweisungs- vollzug unzureichend begründet und sie nicht vorgängig mit der Absicht, den Vollzug in den Libanon anzuordnen, konfrontiert habe, zu prüfen. 3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be- weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange- messen zu berücksichtigen. Die Begründung der Verfügung muss so ab- gefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überle- gungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein- zelne Vorbringen ausdrücklich erwähnt oder widerlegt. Somit darf sich die Vorinstanz bei der Begründung der Verfügung auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich aus- drücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). 3.3 Der Rüge der Beschwerdeführenden, das SEM habe die Durchführbar- keit des Wegweisungsvollzugs in den Libanon nicht ausreichend begrün- det, kann nicht gefolgt werden. Wie unter E. 3.2. ausgeführt, verpflichtet D-5531/2018 Seite 14 der Gehörsanspruch die Behörde, die Überlegungen zu nennen, von de- nen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Dieser Pflicht ist das SEM in seiner Verfügung vom 24. August 2018 hinreichend nachgekommen. Es hat dargelegt, weshalb es den Vollzug der Wegwei- sung der Beschwerdeführenden in den Libanon als durchführbar erachtet. Ob der Argumentation respektive den Schlussfolgerungen des SEM im Er- gebnis zuzustimmen ist, ist nunmehr Gegenstand des vorliegenden Be- schwerdeverfahrens. Auch die Rüge der Beschwerdeführenden, sie hätten sich nicht zur Frage der Führung des Familienlebens im Libanon äussern können, respektive das SEM hätte sie im Rahmen einer ergänzenden An- hörung mit der beabsichtigten Wegweisung in den Libanon konfrontieren müssen, geht fehl. Aufgrund der unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten der Beschwerdeführenden war das SEM gehalten, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs sowohl nach Syrien als auch in den Libanon zu prüfen. Die Beschwerdeführenden wurden vom SEM im Rahmen der An- hörungen zu einer Wohnsitznahme der Familie im Libanon befragt. Auch eine sachgerechte Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung war den Be- schwerdeführenden möglich, wie die Beschwerde zeigt . Eine Gehörsver- letzung liegt damit nicht vor. 3.4 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor - instanz zurückzuweisen. Der entsprechende Antrag um Rückweisung an das SEM ist daher abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den fr auenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie- hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss D-5531/2018 Seite 15 entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass- geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist di e Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern be- zweckt vielmehr, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4). Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Vorbehalt en bleibt die Einhaltung der FK. 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flü chtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich- tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei- ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2). 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Beschwerde- führenden mit ihren Vorbringen die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu begründen vermögen. 5.2 Eingangs ist festzuhalten, dass nur im Heimatstaat erlittene oder zu befürchtende Verfolgungsmassnahmen asylrechtliche Relevanz zu entfal- ten vermögen. Auf die von den Beschwerdeführenden vorgebrachten Prob- leme im Irak (fehlende Rechte aufgrund ausländischer Staatsangehörig- keit, Angst vor dem IS), ist daher vorliegend nicht näher einzugehen. Weiter ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin in Bezug auf ihren Heimat- staat Libanon keine Verfolgung vorbrachte. D-5531/2018 Seite 16 5.3 Die vom Beschwerdeführer in Bezug auf seinen Heimatstaat Syrien geltend gemachten Behelligungen, die er im Kindes- bzw. Jugendalter we- gen des Gebrauchs der kurdischen Sprache und des Verteilens von Flug- blättern gegen die Unterdrückung von Kurden durch die syrischen Behör- den erlitten habe (kurzzeitige Festhaltungen, verbunden mit Ohrfeigen und Zurechtweisungen), vermögen mangels flüchtlingsrechtlicher Intensität ge- mäss Art. 3 AsylG keine Asylrelevanz zu entfalten. Zudem dient das Asyl, wie zuvor ausgeführt (vgl. E. 4.1), nicht dem Ausgleich für vergangenes Unrecht, sondern der Gewährung von Schutz vor künftiger Verfolgung (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4). Dass der Beschwerdeführer wegen seiner als nie- derschwellig einzustufenden Aktivitäten zum Zeitpunkt der Ausreise aus Syrien in absehbarer Zukunft Verfolgung flüchtlingsrechtlich relevante n Ausmasses gemäss Art. 3 AsylG zu befürchten gehabt hätte, vermochte er mit dem Hinweis auf eine von seinen Brüdern Mitte (…) 2003 geäusserte Vermutung, dass er irgendwann vielleicht erheblicheren Nachteilen ausge- setzt werden könnte, nicht darzulegen. Auch der Verweis auf die generelle Entwicklung der Situation in Syrien seit den Demonstrationen im März 2004 genügt nicht, um eine im Zeitpunkt der Ausreise de s Beschwerdeführers im (…) 2003 objektiv begründete Furcht vor künftiger Verfolgung seiner Person asylrechtlichen Ausmasses zu begründen. Es müssten vielmehr hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete, individuelle Bedrohung vor- handen gewesen sein, die auf einer objektiven Betrachtungsweise und nicht einem subjektiven Empfinden des Betroffenen oder V ermutungen fussen. Dass dem Beschwer deführer, der in der Par tei M._______ keine bedeutsame Funktion innegehabt habe und auch keine Teilnahme an De- monstrationen in Syrien vorgebracht hat, wegen seiner niederschwelligen Aktivitäten in absehbarer Zeit Verfolg ung asylrelevanten Ausmasses ge- droht hätte, vermochte er mit seinen Ausführungen und den im vorinstanz- lichen Verfahren eingereichten Beweismitteln nicht darzulegen. Auch das am 30. Oktober 2018 zu den Akt en gereichte Schreiben der P ._______ vom 17. Oktober 2018, wonach in der Zeit vor der Ausreise des Beschwer- deführers aus Syrien – mithin vor über siebzehn Jahren – Sitzungen in sei- nem Haus stattgefunden hätten, ist nicht geeignet, eine drohende Verfol- gung zu belegen. Der ebenfalls erst im Beschwerdeverfahren vorgelegte Strafregisterauszug vom (…), der aufzeige, dass der Beschwerdeführer von einem militärischen Einzelrichter am (…) wegen Mitgliedschaft in ver- botenen kurdischen Parteien (und Militärdienstverweigerung) zu einer Frei- heitsstrafe unbekannter Dauer und einer Geldstrafe unbekannter Höhe verurteilt worden sei, ist ebenfalls nicht geeignet zu belegen, dass der Be- schwerdeführer wegen seines politischen Engagements im jungen Alter von den heimatlichen Behörden in asylrechtlich relevanter Weise verfolgt D-5531/2018 Seite 17 würde. Das besagte Dokument vermag keine hinlängliche Beweiskraft zu entfalten. Die Echtheit dieses Dokuments steht nicht fest. Die Schilderung, wie die Beschwerdeführenden in desse n Besitz gelangt sein sollen, ver- mag nicht zu überzeugen. D ie Aushändigung eines Strafregisterauszugs an eine Drittperson erscheint grundsätzlich fraglich; eine vom Beschwer- deführer hierzu an eine Drittperson ausgestellte Vollmacht wurde nicht ein- gereicht. Auch ist nicht ersichtlich, wie eine Drittperson in der Lage gewe- sen sein sollte, ein solches Dokument in so kurzer Zeit bei den Behörden erhältlich zu machen, habe der Rechtsvertreter den Beschwerdeführenden doch erst tags zuvor (…) zur Beschaffung eines entsprechenden Beweis- mittels geraten. Der Übermittlungsweg ist ebenfalls ni cht erstellt, wur de doch lediglich ein Versandkuvert vom Irak in die Schweiz zu den Akten ge- reicht. Im Übrigen wäre anzunehmen, dass die Behörden in den Monaten nach der Ausreise des B eschwerdeführers bei seiner weiterhin in Syrien wohnhaften Familie nach ihm gefragt hätten, wenn er tatsächlich behörd- lich gesucht worden wäre, respektive in den nunmehr über fünfzehn Jahren seit Ergehen des Urteils Massnahmen zur Vollstreckung ergriffen hätten. Solches machte der Beschwerdeführer indes nicht geltend. Vielmehr gab er an, bis im September 2018 nichts von der Verurteilung gewusst zu ha- ben. Bei dieser Sachlage kommt dem besagten Dokument mangels glaub- hafter Authentizität keine genügende Beweiskraft zu, zumal solche Doku- mente leicht erhältlich gemacht werden können. Die weiteren, von den Be- schwerdeführenden vorgelegten Beweismittel vermögen – wie erwähnt – ebenfalls nicht zur Annahme zur führen, dass begründeter Anlass bestehen würde, dass der Beschwerdeführer bei einer heutigen Rückkehr nach Sy- rien wegen seiner Jahrzehnte zurückliegenden niederschwelligen Aktivitä- ten als ernsthafter und potenziell gefährlicher Regimegegner erachtet und ihm deshalb flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würde. Konkrete Hinweise für eine ihm seitens der heimatli- chen Behörden drohende Reflexverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG we- gen Aktivitäten von Verwandten liegen ebenfalls nicht vor, ansonsten wohl kaum mehrere Brüder weiterhin in Syrien leben würden. 5.4 5.4.1 In Bezug auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, er werde von den heimatlichen Behörden wegen Militärdienstverweigerung gesucht, ist festzuhalten, dass d as B undesverwaltungsgericht in BVGE 2015/3 zum Schluss gelangte, dass nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bis- herige Rechtspraxis in Bezug auf Personen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat begründen, wei-D-5531/2018 Seite 18 terhin gültig ist. Demnach vermag eine Wehrdienstverweigerung oder De- sertion nicht allein, sondern nur dann die Flüchtlingseigenschaft zu begrün- den, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbun- den ist, mit anderen Worten, die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die ern sthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt (vgl. a.a.O., E. 5.9). Ferner hielt das Gericht fest, dass die staatlichen syri- schen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 ge- gen tatsächliche oder verme intliche Regimegegner mit gross er Brutalität vorgehen. Personen, die sich dem Dienst in der staatlichen syrischen Armee entzogen haben – etwa, weil sie sich den Aufständischen anschliessen woll- ten oder in der gegebenen Bürgerkriegssituation als Staatsfeinde und als potenzielle gegnerische Kombattanten aufgefasst werden –, sind seit dem Jahr 2011 in grosser Zahl nicht nur von Inhaftierung, sondern auch von Folter und aussergerichtlicher Hinrichtung betroffen (vgl. a.a.O., E. 6.7.2). Aus den in der Folge ergangenen nicht publizierten Urteilen des Bundes- verwaltungsgerichts geht hervor, dass bei Weh rdienstverweigerung und Desertion im syrischen Kontext nur dann eine asylrelevante Strafe zu be- fürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren gegeben sind. Hin- gegen ist nicht davon auszugehen, dass herkömmlichen Wehrdienstver- weigerern oder Deserteuren, das heisst solchen, die nicht zusätzlich poli- tisch exponiert sind, mit genügender Wahrscheinlichkeit eine die Schwelle der Asylrelevanz erreichende Strafe droht (vgl. statt vieler die Urteile des BVGer D-2357/2018 vom 25. März 2020 E. 6.1, D-3914/2018 vom 19. Au- gust 2019 E. 4.2.4 und E-3366/2018 vom 4. Juni 2019 E. 6.3.1). 5.4.2 Es wird nicht bezweifelt, dass dem Beschwerdeführer im (…) ein Mi- litärbüchlein ausgestellt wurde; er hat dieses zu den Akten gereicht (einge- tragener Vermerk: Schüler). Im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien Mitte September 2013 hatte er eigenen Angaben zufolge noch kein Aufgebot zur Leistung des Militärdienstes erhalten. Dass später ein solches erfolgt ist, ist grundsätzlich denkbar. Einen Beleg hierfür hat der Beschwerdeführer jedoch nicht eingereicht , obwohl den Angehörigen das Aufgebot für ihn ausgehändigt worden sei, so dass zu erwarten gewesen wäre, dass er die- ses in den mittlerweile über vier Jahren seit Einreichung des Asylgesuchs hätte vorlegen können. Allein durch die Nichtbefolgung eines Aufgebots vermag der Beschwerdeführer – wie zuvor ausgeführt – die Flüchtlingsei- genschaft gemäss Art. 3 AsylG aber ohnehin nicht zu begründen , und in D-5531/2018 Seite 19 seinem Fall ist nicht mit genügender Wahrscheinlichkei t davon auszuge- hen, dass ihm wegen der Nichtbefolgung eines Aufgebots zur Leistung des Militärdiensts eine die Schwelle der Asylr elevanz erreichende Strafe dro- hen würde. Der Beschwerdeführer hat S yrien vor ü ber sechzehn Jahren als (…) verlassen und es ist nicht davon auszugehen, dass seine nieder- schwelligen Aktivitäten im Jugend alter, die sich hauptsächlich um die Pflege der kurdischen Sprache gedreht hätten, im Falle einer heutigen Rückkehr zu einer erheblich verschärften Ahndung des Fernbleibens vom Dienst führen würden. Eine Verschärfung im Sinne der Rechtsprechung ist bei einer so weit zurückliegenden und so niederschwelligen Aktivität im Ju- gendalter nicht anzunehmen. Auch ist nicht ersichtlich, dass dem Be- schwerdeführer eine Verschärfung im Sinne einer Reflexverfolgung drohen würde. Laut den Angaben des Beschwerdeführers ist er der Einzige in sei- ner Familie, der keinen Militärdienst geleistet hat. Seine Familie steht somit nicht wegen mehrfacher Dienstverweigerung im Fokus der militärischen Behörden. Auch ist nicht von einer erheblichen politischen Exponierung der Familie auszugehen, ansonsten kaum mehrere Brüder weiterhin in Syrien leben würden. Der Strafregisterauszug vom (…), laut dem der Beschwer- deführer am (…) von einem militärischen Einzelrichter in O._______ we- gen Fernbleibens vom Wehrdienst zu einer Freiheitsstrafe unbekannter Dauer und einer Geldstrafe unbekannter Höhe verurteilt worden sei, ver- mag an dieser Einschätzung mangels Beweiskraft (vgl. hierzu die Ausfüh- rungen unter E. 5.3) nichts zu ändern. Hinweise auf eine verschärfte Be- strafung vermag das besagte Dokument mangels Nennung des effektiven Strafmasses ohnehin nicht zu liefern. Nach Kenntnis des Gerichts haben verschiedene Medien (etwa Kurdwatch, Al Jazeera oder die Internet-Platt- form "Zaman al-Wasl") in der Vergangenheit mutmassliche (geleakte) Suchlisten syrischer Behörden publiziert, die bis zu 1,5 Millionen Einträge enthalten sollen. Die Authentizität und Aktualität der Daten lässt sich nicht mit Bestimmtheit beurteilen, zumal die betreffenden Medien nur sehr spär- lich Informationen über ihre Quellen preisgeben (vgl. hierzu bspw. das Ur- teil des BVGer E -1241/2020 vom 20. März 2020 E. 10.3.1). Dem vorlie- gend eingereichten "Zaman al-Wasl"-Auszug, laut d em der Beschwerde- führer von den syrischen Behörden wegen Militärdienstverweigerung ge- sucht werde, fehlt es unabhängig von der Frage der Authentizität und Ak- tualität der besagten Daten an Erheblichkeit , ist doch die Ahndung des Fernbleibens vom Militärdienst allein nicht asylrelevant (vgl. E. 5.4.1), und die Gefahr einer verschärften Bestrafung des Beschwerdeführers lässt sich dem besagten Dokument nicht entnehmen. D-5531/2018 Seite 20 5.5 In Bezug auf den vom Beschwerdeführer ihm Rahmen der Anhörung vom 29. März 2017 vorgebrachten Streit eines Bruders und eines (Ver- wandten) mit Apochi im Jahr 2012 oder 2013 lässt sich allein aus der Ver- wandtschaft nicht automatisch auf eine gezielte Bedrohungslage für den Beschwerdeführer (und die Kinder) folgern. Konkrete Hinweise, dass ihnen wegen des sieben oder acht Jahre zurückliegenden Streits bei einer heuti- gen Rückkehr nach Syrien seitens der Apochi eine Reflexverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würde, sind den Akten nicht zu entnehmen. 5.6 In Bezug auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, Kurden würden in Syrien generell diskriminiert, ist festzustellen, dass die kurdische Ethnie allein nicht genügt, um eine flüchtlingsrechtlich relevante individuelle Ver- folgung anzunehmen. Gemäss geltender Rechtsprechung ist nicht davon auszugehen, dass syrische Staatsangehörige kurdischer Ethni e im heuti- gen Zeitpunkt in besonderer und gezielter Weise aufgrund ihrer Ethnie in einem derart breiten und umfassenden Ausmass unter Anfeindungen zu leiden hätten, dass von einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden müsste. Auch unter dem Gesichtspunkt der heute veränderten Lage, ins- besondere seit dem Einmarsch der türkischen Streitkräfte in Nordsyrien, ist nicht davon auszugehen, dass sämtliche in Syrien und insbesondere in Nordsyrien verbliebenen Kurden derzeit eine objektiv begründete Furcht vor einer Verfolgung hätten (vgl. bspw. Urteile des BVGer D-6431/2019 vom 16. März 2020 E. 5.2.3 und E-937/2017 vom 16. Januar 2020 E. 6.3). Der bürgerkriegsbedingten Gefährdungslage und der fortbestehenden Volatilität und Dynamik der Entwicklung in Syrien wurde von der Vorinstanz in dem Sinne Rechnung getragen, als sie einen Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Syrien ausschloss. 5.7 Schliesslich ist eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung des Be- schwerdeführers allein aufgrund der illegalen Ausreise aus Syrien respek- tive durch das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ebenfalls nicht anzunehmen (vgl. u. a. die Urteile des BVGer E-1822/2018 vom 23. Januar 2020 E. 7.6 und E-5788/2017 vom 23. April 2019 E. 6.5, m.w.H.). Der auf Beschwerde- ebene eingereichte Strafregisterauszug vom (…), wonach der Beschwer- deführer im Jahr (…) auch wegen Überschreitens der Grenze verurteilt worden sei, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Es wird auf die vorstehenden Ausführungen zur fehlenden Beweiskraft des besagten Dokuments unter E. 5.3 verwiesen. D-5531/2018 Seite 21 5.8 Zusammenfassend ist es d em Beschwerdeführer nicht gelungen, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien im September 2003 asyl- respektive flüchtlingsrecht- lich relevanten Massnahmen seitens der syrischen Behörden gemäss Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen zu sein. Konkrete Anhaltspunkte für eine objektiv begründete Furcht vor einer künftigen asylrechtlich relevanten (Reflex-)Verfolgung des Beschwerdeführers (oder der Kinder) asylbeacht- lichen Ausmasses im Sinne von Art. 3 AsylG durch die syrischen nationalen oder militärischen Behörden oder die Apochi liegen aufgrund der Aktenlage ebenfalls nicht vor. Die Beschwerdeführerin machte hinsichtlich ihres Hei- matstaats Libanon keine Asylgründe geltend. Das SEM hat demnach die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden zu Recht verneint und die Asylgesuche zutreffend abgelehnt. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsmitteleingaben näher einzugehen, da sie an der vorliegenden Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. 6. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange- ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingse igenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung – Unmöglichkeit, Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit – sind alternativer Natur: Ist eine dieser Voraussetzungen erfüllt, so ist der Vollzug D-5531/2018 Seite 22 der Wegweisung als undurchführbar zu erachten, und die weitere Anwe- senheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 7.3 Das SEM schloss einen Wegweisungsvollzug in den Heimatstaat des Beschwerdeführers und der Kinder – Syrien – aus. Hingegen erachtete es den Vollzug der Wegweisung der Familie in den Libanon, den Heimatstaat der Beschwerdeführerin, als zumutbar (sowie zulässig und möglich). Die- ser Einschätzung kann aufgrund der nachstehenden Ausführungen nicht gefolgt werden. 7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass die allgemeine Lage im Libanon nicht landesweit durch Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situ- ation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist. Zwar kam es seit Oktober 2019 landesweit zu teils gewaltsamen Demonstrationen, Strassenblocka- den und Zusammenstössen verschiedener Gruppierungen. Dies jedoch nicht in einem Ausmass, welches zur generellen Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG führen würde (vgl. hierzu etwa das Urteil des BVGer E-367/2020 vom 24. Januar 2020 E. 7.3). 7.3.2 Die Beschwerdeführerin hat den Libanon im Jahr (…) verlassen und kehrte ihren Angaben zufolge nur noch zwei Mal kurz zur Absolvierung der Universitätsprüfungen dorthin zurück. Sie lebt somit seit über (…) Jahren im Ausland. Der Beschwerdeführer und die Kinder waren, was vom SEM nicht bezweifelt wird, noch nie im Libanon und sind gegenwärtig unbestrit- tenermassen auch nicht im Besitz libanesischer Dokumente, die ihnen den (langfristigen oder temporären) Au fenthalt dort ermöglich en würden. Die Beschwerdeführerin verfügt im Libanon mit ihren Eltern und Geschwistern zwar über verwandtschaftliche Bande , aber ob diese in der Lage wären, die fünfköpfige Familie aufzunehmen und finanziell zu unterstützen, kann aufgrund der Aktenlage nicht als gesichert erachtet werden, zumal die Fa- milie der Beschwerdeführerin ebenfalls mehrköpfig sei und ihr Vater und ein Bruder nur als (…) arbeiten würden (vgl. A5 S. 5). Auch kann ange- sichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage im Libanon nicht davon ausge- gangen werden, dass der Beschwerdeführer – sollte ihm die Einreise und ein Aufenthalt von den libanesischen Behörden überhaupt bewilligt werden – als Ausländer innert nützlicher Frist eine Arbeitsstelle finden würde, die es ihm ermöglichte, für den Lebensunterhalt seiner Familie aufzukommen. Gleiches gilt für die Beschwerdefü hrerin. Zwar kann sie einen libanesi- schen Universitätsabschluss und im I rak erworbene Arbeitserfahrung als D-5531/2018 Seite 23 (…) vorweisen, aber dass es ihr als Mutter von drei kleinen Kindern gelin- gen würde, allein für den Lebensunterhalt ihrer Familie aufzukommen, ist kaum zu erwarten. Hinzu kommt ihre Erkrankung (…), die regelmässiger Kontrollen und entsprechender Therapieanpassungen bedarf. Auch wenn im Libanon Krankenhäuser und Gesundheitszentren vorhanden sind (vgl. das Urteil des BVGer E-2959/2019 vom 23. Juli 2019 E. 5.4.3), kann auf- grund des Gesagten selbst bei Inanspruchnahme einer Rückkehrhilfe – eine Überbrückungsmassnahme – nicht ohne Weiteres davon ausgegan- gen werden, dass die Beschwerdeführerin langfristig finanziell in der Lage wäre, für die benötigte Medikation und ärztliche Versorgung aufzukommen. Insgesamt ist somit von der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs der Beschwerdeführenden in den Libanon auszugehen. 7.4 Nachdem die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den Liba- non festgestellt wurde, erübrigt es sich aufgrund der alternativen Natur der Wegweisungsvollzugshindernisse (vgl. E. 7.2), vorliegend auf die Fragen der Zulässigkeit und Möglichkeit des Vollzugs in den Libanon näher einzu- gehen. Gegen eine allfällige künftige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme wird wiederum die Beschwerde an das Bundesverwa ltungsgericht offen- stehen (Art. 112 AIG i.V.m. Art. 84 Abs. 2 AIG), und in jenem Verfahren wer- den sämtliche Vollzugshindernisse (nebst der Zumutbarkeit mithin auch die Zulässigkeit und Möglichkeit) von Amtes wegen und nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse erneut zu prüfen sein. Im Übrigen würde eine vorläufige Aufnahme wegen Unmöglichkeit oder Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs, soweit nicht mit der Flüchtlingseigenschaft ver- bunden, keine andere Rechtsstellung bewirken als eine – wie vorliegend – wegen Unzumutbarkeit anzuordnende vorläufige Aufnahme. Das Rechts- schutzinteresse der Beschwerdeführenden hinsichtlich der Prüfung zusätz- licher individueller Vollzugshindernisse ist folglich gegenwärtig zu vernei- nen. Es erübrigt sich daher, vorliegend auf die in diesem Zusammenhang stehenden Ausführungen in den Rechtsmitteleingaben näher einzugehen. 8. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist, soweit sie den Wegweisungsvollzug betrifft; im Übrigen ist sie abzuweisen. Die Verfügung des SEM vom 24. August 2018 ist hinsichtlich der Ziffern 4 (Verlassen der Schweiz) und 5 (Vollzug der Wegweisung) des Dispositivs aufzuheben, und das SEM ist anzuweisen, die Beschwerdeführenden ge- stützt auf Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 4 AIG vorläufig aufzunehmen. D-5531/2018 Seite 24 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären den Beschwerdeführenden infolge des hälftigen Unterliegens die entsprechenden Kosten aufzuerle- gen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2018 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG unter der B edingung der Nachrei- chung eines Bedürftigkeitsnachweises, welche fristgerecht erfolgte, gutge- heissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind , zumal nicht davon auszugehen ist, die Familie wäre im heutigen Zeitpunkt nicht mehr bedürftig (vgl. auch Beilage 2 zur Eingabe vom 12. Mai 2020). 9.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres hälftigen Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ein e reduzierte Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechtsvertreter reichte mit der Eingabe vom 30. Okto- ber 2018 eine Kostennote ein. Er bezifferte den zeitlichen Aufwand mit 12.80 Stunden (Stundenansatz von Fr. 300.–). Zudem machte er Baraus- lagen von Fr. 17.90 geltend und wies auf die Mehrwertsteuerpflicht hin. Un- ter Berücksichtigung der nachfolgenden Eingaben vom 4. Dezember 2018, 12. September 2019 und 12. Mai 2020 (Zeitaufwand insgesamt 2.20 Stun- den) sowie der belegten zusätzlichen Barauslagen von Fr. 15.90 ist die von der Vorinstanz auszurichtende hälftige Parteientschädigung auf (gerundet) Fr. 2442.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. 9.3 Im Umfang des Unterliegens ist dem als unentgeltlicher Rechts bei- stand eingesetzten Rechtsvertreter gemäss dem in der Ernennungsverfü- gung vom 5. November 2018 genannten Kostenrahmen (Stundenansatz von Fr. 150.–) ein amtliches Honorar zulasten der Gerichtskasse in der Höhe von (gerundet) Fr. 1230.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu- schlag) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-5531/2018 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit den Vollzug der Wegweisung betreffend, gut- geheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung werden aufge- hoben und das SEM wird angewiesen, die vorläufige Aufnahme der Be- schwerdeführenden in der Schweiz wegen gegenwärtiger Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Den Beschwerdeführenden wird eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 2442.– zugesprochen, die ihnen durch das SEM zu entrichten ist. 5. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zulasten der Gerichtskasse ein Hono- rar von Fr. 1230.– zugesprochen. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr Versand: