B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6657/2011/sps U r t e i l v o m 1 9 . D e z e m b e r 2 0 11 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________ geboren am (…), und deren Kind B._______, geboren am (…) Vietnam, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); Verfügung des BFM vom 28. November 2011 / N________ D-6657/2011 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs - verfahren (VwVG, SR 172.021), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs - gericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über d as Bundesgericht (BGG, SR 173.110), des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin - nen und Ausländer (AuG, SR 142.20), der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen - rechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvent ion [EMRK, SR 0.101]), des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstel lung der Flücht - linge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kri - terien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rat es vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit - gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsan gehöri- gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin - II-VO), D-6657/2011 Seite 3 der Verordnung ( EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durch führungsbestimmungen zur Dublin -II-VO (DVO Dublin), des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä - digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.3 20.2), stellt fest und erwägt, dass die Beschwerdeführerin und ihr Kind am 14. Oktober 2011 in der Schweiz um Asyl nachsuchten, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der summarischen Befragung vom 26. Oktober 2011 im C.________ unter anderem angab, 2005 ihren Heimatstaat verlassen und nach einem einmonatigen Aufenthalt in Rus s- land in der Slowakei gelebt und dort insgesamt neun Asylgesuche eing e- reicht zu haben (vgl. BFM-Protokoll A8 S. 7), dass diese abgelehnt worden seien und sie auch in Österreich zweimal erfolglos um Asyl ersucht habe (vgl. A8 S. 7), dass das BFM ge stützt auf diese Aussagen und die entsprechenden Eu- rodac-Treffer der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu einer Wegweisung nach der Slowakei und na ch Österreich gewährte (vgl. A8 S. 12), dass diese angab, sie akzeptiere, was die Behörde entscheide, indessen habe sie den Wunsch, in der Schweiz ihr Kind gebären und ihre Tuberku- loseerkrankung behandeln lassen zu können (vgl. A8 S. 13), dass das BFM am 11. November 2011 in Anwendung vo n Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin -II-VO die slowakischen Behörden um Rückübernahme der Beschwerdeführerin und ihres Kindes ersuchte (vgl. A16), dass die slowakischen Behörden am 25. November 2011 der Rückübe r- nahme zustimmten (vgl. A18), dass das BFM mit – am 6. Dezember 2011 eröffneter – Verfügung vom 28. November 2011 in Anwendung von Art . 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuch e der Be schwerdeführenden vom 14. Oktober 2011 D-6657/2011 Seite 4 nicht eintrat und die W egweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz sowie den Wegweisungs vollzug nach der Slowakei anordnete, wobei die Über stellung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder Verlänge rung (Art. 19f Dublin -II-VO) – bis spätestens am 25. Mai 2012 zu erfolgen habe, dass gleichze itig festgestellt wurde, einer allfälligen Beschwerde kom - me keine aufschiebende Wirkung zu (Art. 107a AsylG), dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 9. Dezember 2011 an das Bundesverw altungsgericht gegen diesen Ent scheid Beschwerde erhoben und in ve rfahrensrechtlicher Hinsicht unter anderem darum ersuchte n, es sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der Beschwerde die auf schiebende Wirkung zu erteilen und es sei die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren, dass in der Beschwerde unter anderem geltend gemacht wurde, beim in der Slowakei lebenden Ehemann der Beschwerdeführerin handle es sich um ein Mitglied der Mafia und die Beschwerdeführerin sei aus Furcht vor ihm in die Schweiz geflüchtet, dass die vorinstanzlic hen Akten am 13. Dezember 2011 beim Bunde s- verwaltungsgericht eintrafen, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge - gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM auf dem Gebiet des Asyls entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersu chens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.105 AsylG i.V.m. Art. 31 -33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass die Beschwerde frist - und formgerecht eingereicht wurde, die Be - schwerdeführenden durch die angefochtene Verfü gung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 V wVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), D-6657/2011 Seite 5 dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensen tscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 -35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be - schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent - scheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vo rinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun - gen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurs - kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichter li- cher Zuständigkeit mit Zustimmu ng eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), dass es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (vgl. Art. 111a Ab s. 2 AsylG), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl - suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch - führung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zu - ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG) , dass d ie Vorinstanz gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin -II-VO zu Recht die Slowakei als zuständig für die Behandlung der Asylverfahren der Beschwerdeführenden erachtet hat, dass in der Beschwerde vorgebracht wird, das BFM habe die Slowakei – wo die Beschwerdeführerenden ihr letztes Asylgesuch eingereicht hatten – zu Unrecht als zuständig erachte, da gemäss der Dublin - Verordnung das Land zuständig sei, in welchem der Asylsuchende zuerst in Europa angekommen sei, dass dieser Einwand indessen in mehrfa cher Hinsicht fehl geht, zunächst einmal weil die behauptete Zuständigkeitsregel der Dublin -II- VO in dieser vereinfachten Form nicht zutrifft, zum anderen weil es sich im vorliegenden Fall nicht um die erstmalige Bestimmung des zu - ständigen Staates ( Übernahme), sondern um eine Rückübernahme durch den Staat handelt, der bereits ein Asylverfahren mit negativem D-6657/2011 Seite 6 Ausgang durchgeführt hat (Art. 16 Abs. 1 Bst. e i.V.m. Art. 20 Dublin -II- VO), und schliesslich deshalb, weil die slowakischen Behörden d em Ersuchen der Schweizer Behör den um Rück übernahme ausdrücklich zustimmten , weshalb das Recht der Beschwerdeführenden auf Be - handlung ihres Asylgesuchs nicht tangiert wird und sie die zwischen - staatlich festgelegte Zuständigkeit daher nicht mehr in Frage stellen können (vgl. BVGE 2010/27, E. 6.4 ff., insb. 7.1 ), dass die Slowakei Signarstaat der FK und der EMRK ist und keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen, wonach sich die Sloawakei nicht an die daraus resultierenden völkerrechtlichen Verpflichtungen hält, dass die Be schwerdeführerin ohne Grund erstmals au f Beschwer de- ebene geltend macht , bei ihrem in der Slowakei lebenden gewalt - tätigen Ehemann handle es sich um ein Mitglied der Mafia und sie sei aus Furcht vor ihm in die Schweiz geflüchtet, dass daher begründete Zwe ifel an diesem Vorbringen bestehen, indessen unabhängig von dessen Glaubhaftigkeit mangels gegen - teiliger konkreter Anhaltspunkte von der Schutzfähigkeit und –willigkeit der slowakischen Behörden auszugehen ist, dass im Weiteren mit dem BFM festzustellen ist, dass das Vorliegen einer Tuberkuloseerkrankung bei der Beschwerdeführerin im Rahmen der medizinischen Eintrittsabklärungen nicht diagnostiziert wurde, dass die Slowakei ohnehin über ausreichende medizinische Infrastrukturen verfügt, um eine allenfalls notwendige Behandlung zu gewährleisten, dass dies auch bezüglich der bestehenden Schwangerschaft der Beschwerdeführerin im sechsten Monat gilt , dass es vorliegend den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine einzelfallspezifische beson dere Verletzlichkeit nachzuweisen, aufgrund derer geschlossen werden könnte, ihnen drohe in der Slowakei eine u n- menschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass zusammenfassend festzustellen ist, dass einer Überstellung der Be- schwerdeführenden nach de r Slowakei weder völkerrechtliche Verpflic h- tungen der Schweiz noch humanitäre Gründe entgegenstehen, weshalb die Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) nicht zur Anwendung D-6657/2011 Seite 7 gelangt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei - sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs.1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An- spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht ange - ordnet wurde, dass im Rahmen des Dublin -Verfahrens, bei dem es sich um ein Über - stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi - gen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass - nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 AuG, dass eine entsprechende Prüfung – soweit notwendig – vielmehr be - reits im Rahmen des Dublin -Verfahrens stattfinden muss (vgl. vor - stehende Erwägungen), dass in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach der Slowakei zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass die Beschwerdeführenden demnach nicht darzutun vermögen, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass mit Ergehen des vorliegenden Urteils der mit der Beschwerde gestellte Antrag auf Erteilen der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos wird, dass die eingereichte Beschwerde als aussichtslos erschien, weshalb das Gesuch um G ewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600. - (Art. 2 und 3 VGKE) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). D-6657/2011 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. - werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: