Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. August 2018 (720 18 76 / 238) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilflosenentschädigung / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiber i.V. Robert Schibli Parteien A. ____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Stephan Müller , Adv o- kat, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A. Die 1966 geborene A.____ bezieht seit dem 1. Nov ember 1995 eine ganze Rente der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV). Am 13. Juli 2004 meldete sie sich aufgrund einer systemischen Sklerodermie bei der IV zum Leistungsb ezug an. Nach Durchführung der ge- sundheitlichen und erwerblichen Abklärungen sprach die IV-Stelle des Kantons Solothurn der Versicherten am 6. Juni 2005 eine Hilflosenentschäd igung leichten Grades ab 1. Mai 2005 zu, welche am 27. Januar 2006 rückwirkend auf den 1. No vember 2005 auf eine Hilflosenentschä- digung mittleren Grades erhöht wurde. Die Ausrichtu ng einer Hilflosenenschädigung mittleren Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grades wurde in der Folge mehrmals revisionsweise bestätig t. Der Versicherten wurden neben der IV-Rente und der Hilflosenentschädigung auch mehrere Hilfsmittel zugesprochen. Im Jahr 2014 verlegte A.____ ihren Wohnsitz vom Kanton Solothurn nach X.____ im Kanton Basel-Landschaft. Die nunmehr zuständige IV-Stelle de s Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) leitete von Amtes wegen ein Revisionsverfahren ein und ü berprüfte den Anspruch auf Hilflo- senentschädigung. Mit Vorbescheid vom 23. Februar 2016 stellte sie die Reduzierung der seit November 2005 ausgerichteten Hilflosenentschädigung mit tleren Grades auf eine solche leich- ten Grades in Aussicht. Daran hielt sie in ihrer Verfügung vom 26. Januar 2018 fest. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Step han Müller, am 1. März 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht) und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und es sei festzustel- len, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades habe. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung zu bewilligen. C. Das Kantonsgericht bewilligte der Beschwerdeführerin am 28. März 2018 für das vor- liegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung. D. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 9. April 2018 auf Ab- weisung der Beschwerde. E. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Besch werdeführerin mit Replik vom 16. Mai 2018 und die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 28. Mai 2018 an ihren Rechtsbegeh- ren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde vom 1. März 2018 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle zu R echt die Hilflosenentschädigung mittle- ren Grades auf eine leichten Grades reduziert hat. 3.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Nach Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist eine Per- son hilflos, die wegen der Beeinträchtigung der Gesund heit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Übe rwachung bedarf. Als hilflos gilt ebenfalls Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Person, welche zu Hause lebt und wegen der Beein trächtigung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 IVG). 3.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwe rer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt als leicht , wenn die versicherte Person trotz der Abga- be von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Leben sverrichtungen regelmässig in erhebli- cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist; einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf; wegen einer schweren Sinnesschädigung oder ein es schweren körperlichen Gebre- chens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistun gen Dritter gesellschaftliche Kon- takte pflegen kann oder dauernd auf lebenspraktische Be gleitung im Sinne von Art. 38 der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Jan uar 1961 angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a-e IVV). Die Hilflosigkeit gilt gemäss Ar t. 37 Abs. 2 IVV als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in d en meisten alltäglichen Lebensverrich- tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a); sie in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden Üb erwachung bedarf (lit. b); oder in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig i n erheblicher Weise die Hilfe Drit- ter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist (lit. c). 3.3 Nach ständiger Gerichtspraxis sind die folgenden sechs al ltäglichen Lebensverrichtun- gen massgebend: An- und Auskleiden; Aufstehen, Absitzen und Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausse r Haus) und Kontaktaufnahme (BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c, 121 V 90 E. 3; Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtlich e Abteilungen] vom 1. April 2004, I 815/03, E. 1). Weiter muss die Hilfe Dritter regelm ässig und erheblich sein. Der Begriff der Erheblichkeit ist in Relation zu setzen zum zeitlichen Aufwand, den die Hilfsperson hat. Die Hilfe ist mithin insbesondere erheblich, wenn die versicherte P erson mindestens die Teilfunktion ei- ner einzelnen Lebensverrichtung überhaupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes nicht vornehmen würde (Urteil des EVG vom 18. April 20 02, I 660/01, E. 2b/aa mit Hinweisen; Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BS V] über Invalidität und Hilflosig- keit in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2015, Rz. 8026). Die Hilfe ist re- gelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötig t oder eventuell täglich nötig hat (ROBERT ETTLIN , Die Hilflosigkeit als versichertes Risiko in der Sozialversicherung [Hilflosigkeit], Freiburg 1998, S. 150). Bei Lebensverrichtungen, welch e mehrere Teilfunktionen umfassen, wird nach der Rechtsprechung nicht verlangt, dass die v ersicherte Person bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich, dass sie bei einer die- ser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe ange- wiesen ist (BGE 121 V 91 E. 3c). In diesem Sinne ist d ie Hilfe beispielsweise bereits erheblich bei Fortbewegung und Kontaktaufnahme, wenn sich die ve rsicherte Person im oder ausser Haus nicht selbst fortbewegen kann oder wenn sie bei der Kontaktaufnahme Dritthilfe benötigt. Solange durch geeignete Massnahmen bei einzelnen Leben sverrichtungen die Selbstständig- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit erhalten werden kann, liegt diesbezüglich keine Hilflosigkeit vor (ROBERT ETTLIN , Sozialver- sicherungsrechtliche Aspekte bei Verlust der Selbstversorgu ngsfähigkeit [Selbstversorgungsfä- higkeit], in: Haftpflicht und Versicherung [HAVE] 2003, S. 117 und Fn. 8). 3.4 Gemäss Art. 38 Abs. 1 IVV liegt ein Bedarf an lebe nspraktischer Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG vor, wenn eine volljährige versiche rte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbstständig wohnen kann (lit. a), für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist (lit. b) oder ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (lit. c). Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Beglei- tung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Abs. 1 erwähnten Situationen erforder- lich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretung s- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen vormundschaftlicher Massnahmen nach Art. 398-419 des Schwei zerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 (Art. 38 Abs. 3 IVV). Nac h der Rechtsprechung beinhaltet die lebenspraktische Begleitung weder die (direkte oder ind irekte) Dritthilfe bei den sechs alltägli- chen Lebensverrichtungen noch die Pflege oder Überwachun g. Vielmehr stellt sie ein zusätzli- ches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 466 E. 9). Sie ist notwendig, damit der Alltag selbstständig bewältigt werden kann, und l iegt vor, wenn die versicherte Person auf Hilfe bei der Tagesstrukturierung, Unterstützung bei de r Bewältigung von Alltagssituationen oder Anleitung zur Erledigung des Haushalts angewiese n ist. Bei ausserhäuslichen Verrichtun- gen ist die lebenspraktische Begleitung notwendig, damit die versicherte Person in der Lage ist, das Haus für bestimmte notwendige Verrichtungen und Kontakte (Einkaufen, Freizeitaktivitäten, Kontakte mit Amtstellen oder Medizinalpersonen, Coiff eurbesuch, etc.) zu verlassen (KSIH Rz. 8050 f.; vgl. BGE 133 V 465 f. E. 8.2.3). Die Frage, ob eine entsprechende Hilfsbedürftigkeit besteht, ist objektiv, nach dem Zustand der versicherten Pe rson, zu beurteilen (BGE 133 V 461 E. 5 mit Hinweisen). Nicht erforderlich ist sodann, dass die lebenspraktische Begleitung durch fachlich qualifiziertes oder speziell geschultes Betreuun gspersonal erbracht wird (KSIH Rz. 8047). 4.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüge rin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre- chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 A bs. 1 ATSG). Auch jede andere formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung – wie die Hilf losenentschädigung – wird von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder a ufgehoben, wenn sich der ihr zu Grun- de liegende Sachverhalt erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 ATSG). Anlass zur Revision einer Rente oder einer anderen Dauerleistung gibt je de wesentliche Änderung in den tatsächli- chen Verhältnissen, die geeignet ist, den Leistungsanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Leistung nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund- heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise d ie Hilfsbedürftigkeit erheblich verän- dert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Ei ne Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnos e vor, wenn aus der Veränderung der Intensität und der Auswirkungen eines Leidens eine Vermi nderung oder Erhöhung des Arbeits- fähigkeitsgrades beziehungsweise der Hilflosigkeit result iert (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03, E. 2.2.3). Dagegen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkun gen eines im Wesentlichen unverän- dert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfä higkeit respektive die Hilflosigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG dar. 4.2 Zeitlicher Referenzpunkt für die Beantwortung der Frage, ob eine erhebliche Änderung des Sachverhalts eingetreten ist, bildet die letzte der versicherten Person eröffnete rechtskräfti- ge Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung d es Anspruchs auf Hilflosenentschädigung mit einer rechtskonformen Sachverhaltsabklärung und ein er entsprechenden Beweiswürdigung beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 114 E. 5.4 mit Hinweis). Vorliegend wurde der Versicherten mit Verfügung vom 27. Januar 2006 mitgeteilt, dass ihr eine Hilflosenent schädigung mittleren Grades zustehe. Am 26. Januar 2018 erging die vorliegend angefochtene Ver fügung, mit welcher der Versicherten nunmehr noch eine Hilflosenentschädigung leichten Grades zugesprochen wurde. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine erhebliche Änderung des Sachverhalts eingetreten ist, die eine revisionsweise Herabsetzung der bis anhin ausgerichteten Hi lflosenentschädigung rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Verfügung vom 27. Januar 2006 be- standen hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der strittigen Verfügung vom 26. Januar 2018. 5.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten d er Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit . c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachperso nen oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen v orzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5.4 Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Beme ssung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Ver waltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Person in ihr en körperlichen bzw. geistigen Funktio- nen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungs träger kann an Ort und Stelle weite- re Abklärungen vornehmen, wobei bei Unklarheiten über physische und psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen in der Alltagspraxis Rückfra gen an die medizinischen Fachper- sonen nicht nur zulässig, sondern notwendig sind (BGE 130 V 61 f. E. 6.1.1). Damit dem Abklä- rungsbericht voller Beweiswert zukommt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Als Berichterstatter oder Berichterstatterin wirkt eine qu alifizierte Person, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse hat sowie mit den seitens de r Medizin gestellten Diagnosen und den sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen vertraut ist. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen a lltäglichen Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der lebenspraktischen Be gleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhoben en Angaben zu stehen. Genügt der Be- richt über die Abklärung vor Ort den einzelnen rechtspre chungsgemässen Beweisanforderun- gen, greift das Gericht in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen (vgl. BGE 130 V 63 E. 6.2, 133 V 468 E. 11.1.1, Urteil des Bundesgerichts vom 13. Januar 2017, 9C_562/2016, E. 4.1). 6. Für die Beurteilung der gesundheitlichen Situatio n bzw. für die Bemessung der Hilflo- sigkeit der Beschwerdeführerin stehen die nachfolgenden Unterlagen zur Verfügung: Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Dr. med. B.____, FMH Kardiologie und Innere Med izin, diagnostizierte mit Arztbericht vom 11. Juni 2003 eine systemische Sklerodermie. Die Versi cherte sei aufgrund ihrer Erkran- kung voll arbeitsunfähig. 6.2 Gemäss dem am 11. Januar 2006 verfassten Abklärung sbericht der IV-Stelle des Kan- tons Solothurn sei die Beschwerdeführerin seit Mai 200 4 sowohl beim An- und Auskleiden wie auch beim Baden und Duschen auf Dritthilfe angewiesen . Seit Januar 2005 bedürfe die Versi- cherte zudem beim Essen und seit August 2005 beim Waschen, Verrichten der Notdurft sowie bei der Fortbewegung im Freien der regelmässigen und erheblichen Hilfe. 6.3 Im Rahmen des aktuellen Revisionsverfahrens holte d ie IV-Stelle beim behandelnden Arzt, Dr. med. C.____, einen Bericht ein. Dieser diag nostizierte am 21. August 2015 eine Sklerodermie, die bereits seit 1995 bekannt war sowie ei ne Aortenklappensklerose mit Aorten- und Mitralininsuffizienz. Die Patientin sei seit 1992 vollständig arbeitsunfähig. Es bestehe eine ständige Schmerzsymptomatik und die Feinmotorik sei hochgradig eingeschränkt. 6.4 Dr. med. D.____, FMH Allgemeinmedizin, vom Region alen ärztlichen Dienst beider Basel (RAD) nahm am 5. Februar 2016 Stellung zum med izinischen Sachverhalt. Eine wesent- liche Veränderung bzw. Verbesserung des Gesundheitszustan ds der Versicherten könne nicht nachvollzogen werden. Eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands mit resultie- render IV-relevanter Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei auch nicht mehr zu erwarten, wes- halb weitere Abklärungen nicht mehr notwendig seien. 6.5 In der Folge führte der Abklärungsdienst der IV-S telle am 19. Februar 2016 eine Hilflo- sigkeitsabklärung vor Ort durch. In seinem Bericht hielt er fest, dass die Versicherte weiterhin beim An- und Auskleiden sowie bei der Körperpflege au f Dritthilfe angewiesen sei. Zudem be- dürfe die Versicherte weiterhin wie seit November 200 3 bei der medizinischen Pflege Hilfe. Ein Anspruch auf lebenspraktische Begleitung sei jedoch zu verneinen. 6.6 Der Abklärungsdienst nahm am 14. März 2016 Stellun g zur der im Einwandverfahren gemachten Kritik. Die im Einwand geschilderte Bedürft igkeit der Hilfe Dritter beim An- und Aus- kleiden und der Körperpflege sei im Abklärungsbericht be rücksichtigt und angerechnet worden, weshalb diese Bereiche nicht weiter eingehend beschrieben werden müssten. Die Versicherte habe im Abklärungsgespräch angegeben, dass sie im Bereich des Haushaltes (Kochen, Wohnungsreinigung etc.) von der Spitex unterstü tzt werde. Die im Haushalt anfallen- den Arbeiten und Aufgaben würden von ihr erkannt und so delegiert, dass die Spitex sich bei den wöchentlichen Besuchen gerade um das Dringendste zuerst kümmern könne. Eine Mithilfe im Haushalt könne aber gemäss den Bestimmungen des Kreisschr eiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH), gülti g ab 1.1.2015, Stand 1.1.2018, Rz. 8050 ff., nicht angerechnet werden, da die Versicherte wed er bei der Tagesstrukturierung noch bei der Organisation der Haushaltes Hilfe benötige. Eine Abweichung zum Abklärungsbericht be- stehe aber hinsichtlich der Fortbewegung im Freien. Die Versicherte habe bei der Abklärung vor Ort ausgesagt, sie könne das Haus zu Fuss auch alleine verl assen. Sie gehe auch regelmässig Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis zu fünf Stunden am Stück zu Fuss. Diverse Termine wie Arzt oder Coiffeurbesuche in Basel und Umgebung würden alleine mit den öffentlichen Ver kehrsmitteln wahrgenommen. Dies tue sie regelmässig und ohne Begleitung. Einzig während ein er akuten Schubphase, welche unre- gelmässig auftrete, sei sie auf die Begleitung und Hilf e ihres Partners angewiesen. Dann habe sie so starke Schmerzen, dass sie sich nur sehr langsam und müh sam fortbewegen könne, weshalb sie von ihrem Partner im Auto chauffiert werde. Die Schübe träten in unregelmässigen Abständen auf und würden je nach Wetter und gesundheit licher Verfassung einige Wochen bis zu ein bis zwei Monaten andauern. Im Winter würden die se länger andauern als im Sommer. Da die Hilfe im Bereich der Fortbewegung im Freien n icht regelmässig erfolgen würde, weil die Versicherte in der Lage sei, ausserhalb der Schubphasen sich selbstständig fortzubewegen, sei das Kriterium der Regelmässigkeit gemäss Rz. 8025 KSIH nich t erfüllt. Die Dritthilfe in diesem Bereich könne deshalb nicht anerkannt werden. Insgesamt sei nach Ansicht der Abklärungsperson die Dritth ilfe in den sechs alltäglichen Le- bensverrichtungen vor Ort mit der Versicherten gemeinsam detailliert besprochen und gemäss ihrer Aussagen festgehalten worden. Die Dritthilfe se i gemäss den Kriterien des KSIH korrekt bemessen und angerechnet worden. Hiernach sei die Ve rsicherte in zwei Bereichen (An- und Auskleiden sowie Körperpflege) weiterhin auf erheblich e und regelmässige Dritthilfe angewie- sen, was eine Hilflosigkeit leichten Grades ergebe. Es we rde deshalb am Abklärungsbericht vom 19. Februar 2016 festgehalten. 6.7 Im Rahmen des Einwands der Beschwerdeführerin äusser te sich Dr. C.____ mit Be- richt vom 29. Februar 2016 folgendermassen zum medizinisch en Sachverhalt: Seine Patientin leide an einer diffusen systemischen Sklerose (ED 1993) mit Sklerodaktylie, Kontrakturen und Rattenbissläsionen und sei deshalb dringend auf die bis dato gewährte Hilflosenentschädigung angewiesen. 6.8 Dr. D.____ hielt daraufhin mit Bericht vom 23. M ärz 2016 aus medizinischer Sicht fest, dass der tatsächliche Hilfebedarf am besten anhand eine r fachgerechten Abklärung vor Ort durch eine hierfür versierte Fachperson festgestellt wer den könne; dies vor allem anhand der Angaben der versicherten Person über die notwendigen, tatsächlich geleisteten Hilfeleistungen, unter Erfassung der Wohnverhältnisse und unter Beachten der gesetzlichen und juristischen Vorgaben. Es sei grundsätzlich festzustellen, dass zur Be urteilung einer allfälligen Hilflosenent- schädigung in erster Linie nicht die medizinischen Befun de ausschlaggebend seien, sondern die verbliebene Funktionalität, und wie es die betro ffene Person gelernt habe, mit ihren Be- schwerden und der verbliebenen Funktionalität umzugehen . In der Regel würden behinderte Personen bei einem im wesentlich unveränderten Gesundh eitszustand lernen, mit ihrer Behin- derung besser umzugehen. Daraus resultiere eine verb esserte Selbstständigkeit. Der notwen- dige Hilfebedarf einer versicherten Person könne durch einen behandelnden Arzt (der meist nur wenige Kenntnisse von den versicherungsrechtlichen Vorgabe n habe) in der Regel nur grob eingeschätzt werden. Die vorliegenden medizinischen Unt erlagen seien zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der resultierenden Hilflosigkeit ausreichend (zusammen mit den vor Ort festgestellten Verhältnissen und den Angaben der V ersicherten). Ein zusätzliche Abklärung sei deshalb nach Ansicht von Dr. D.____ nicht notwendi g bzw. weiterführend. Zusammenfas- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht send bestünden hinsichtlich der Abklärung der Hilflosigkeit der Versicherten vom 19. Februar 2016 und der Stellungnahme vom 14. März 2016 aus medizi nischer Sicht keine wesentlichen Einwände. 6.9 Am 17. Juli 2016 nahm der behandelnde Arzt, Dr. C .____, erneut Stellung zum Ge- sundheitszustand der Versicherten. Bei seiner Patientin sei seit 20 Jahren eine systemische Sklerodermie bekannt. Die Krankheit sei progredient. Es bestehe bei der Patientin ein Raynaud- Syndrom mit Rattenbissläsionen, multiplen digitalen Ulze ra an den Händen und Füssen. Vor kurzem seien die Zehen II und III linksseitig amputiert w orden (Wundkontrolle 15. Juli 2016). Seine Patientin bedürfe beim An- und Ausziehen Hilfe. Weiter bestünden aufgrund von Kontrak- turen rezidivierende Schmerzen. Beim Aufstehen, Absetzen und Liegen bedürfe die Versicherte immer wieder Hilfestellungen, da ihr Körper leicht ver steife und sie dadurch das Gleichgewicht verliere. Die Handgelenke seien beidseits versteift, so d ass sie nur mit Spezialbesteck essen könne. Das Zerkleinern von Fleisch sei ihr nicht möglich, d a ihr einerseits die Kraft fehle und andererseits durch die versteiften Fingergelenke keine Koordination gegeben sei. Die Versi- cherte müsse dreimal täglich flüssige Ergänzungsnahrung zu si ch nehmen, um den täglichen Nahrungsbedarf abzudecken. Bei der Körperpflege bedür fe sie ebenfalls Hilfe, da die Wasch- utensilien von einer Pflegeperson bereitgestellt werde n müssten. Ebenso sollten ihre Hände keinen direkten Wasserkontakt haben. Zudem sei der Versich erten eine längere Gehstrecke bzw. das Gehen und Stehen in einem zeitlichen Umfang von über fünf Stunden mit Sicherheit nicht möglich. 6.10 Dr. D.____ befand am 31. August 2016, dass durch d ie am 30. Juni 2016 durchgeführ- te Operation am linken Fuss keine wesentliche bzw. län gerfristige zusätzliche Auswirkung auf die Beurteilung der Hilfsbedürftigkeit nachvollzogen werden könne. Hinsichtlich der Stellung- nahme von Dr. C.____ vom 17. Juli 2016 zur Hilfsbedürft igkeit könne bezüglich der möglichen Gehstrecke kein Widerspruch zur Abklärung vom 19. Februa r 2016 nachvollzogen werden. Auch die Augenproblematik am rechten Auge führe zu kein er wesentlichen zusätzlichen Aus- wirkung auf die Beurteilung der Hilfsbedürftigkeit. 6.11 Der Abklärungsdienst der IV-Stelle fasste aufgrund der neuerlichen Kritik der Versi- cherten mit Bericht vom 9. November 2016 die Ergebnisse der Abklärung zusammen. Er hielt dabei fest, dass die nachträglich im Bereich der Verrichtung der Notdurft geltend gemachte Mü- he bei der Intimreinigung und der Verlangsamung kein e Dritthilfe im Sinne des KSIH rechtferti- ge. Zudem sei der Versicherten im Rahmen der Schadenminderungspflicht nach Rz. 3089 KSIH der Einsatz einer WC-Dusche (Closomat) zumutbar. Die von der Rechtsvertreterin verlangte Stellungnahme durch die behandelnden Ärzte (vgl. Beric ht von Dr. D.____ vom 23. März 2016) sei bereits erfolgt. In dieser sei die Selbstständigkeit der Versicherten in diesem Bereich festge- stellt worden. Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass die von der Rechtsvertrete- rin geltend gemachten Argumente zu keiner Änderung der Beurteilung der vor Ort festgestellten Hilflosigkeit führe. Die nachträglich geltend gemachte Diskrepanz zwischen den Aussagen der Versicherten am Abklärungsgespräch und im Rahmen des Einwa nds könne nicht nachvollzo- gen werden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.12 Am 25. Oktober 2017 hielt der Abklärungsdienst i n seinem Bericht fest, dass nach ein- gehender Analyse der medizinischen Unterlagen keine leistu ngsrelevante Veränderung der Hilflosigkeit festgestellt werden könne. Die Anfrage bei den direkt involvierten und unterstützen- den Personen (Acasa, Spitex), welche die Versicherte im Anschluss an den stationären Aufent- halt im Kantonsspital Y.____ vom 17. Juni 2016 bis 18. Juni 2016 betreut hatten, hätte eine vorübergehende, zweiwöchige Verschlechterung ergeben. Anschliessend sei die Ausgangslage im Sinne der Hilflosenentschädigung dieselbe wie vor d em stationären Aufenthalt gewesen. Im Ergebnis könne keine Veränderung der gesundheitlichen S ituation nachvollzogen werden. Die Versicherte sei in zwei Bereichen der alltäglichen Lebe nsverrichtung auf Dritthilfe angewiesen, was einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades rechtfertige. 6.13 Dr. D.____ äusserte sich am 8. Dezember 2017 noch mals abschliessend zur Proble- matik der Hilflosigkeit der Versicherten. Es sei zwar unb enommen, dass die Versicherte unter einer schweren systemischen Erkrankung leide, was sich wesen tlich auf ihre Funktionalität und ihren Alltag auswirke. Jedoch sei – wie bereits am 23. März 2016 – grundsätzlich festzustellen, dass zur Beurteilung einer allfälligen Hilflosenentschäd igung in erster Linie nicht die medizini- schen Befunde ausschlaggebend seien, sondern die verblie bene Funktionalität, und wie die betroffene Person gelernt habe, mit ihren Beschwerd en und der verbliebenen Funktionalität umzugehen. In der Regel würden behinderte Personen be i einem im wesentlich unveränderten Gesundheitszustand lernen, mit ihrer Behinderung besser umzugehen, mit resultierender ver- besserter Selbstständigkeit. Der notwendige Hilfebedarf einer versicherten Person könne durch einen behandelnden Arzt (der meist nur wenige Kenntni sse von den versicherungsrechtlichen Vorgaben habe) in der Regel nur grob eingeschätzt werd en. Deshalb sei erneut festzustellen, dass gegen die Abklärung der Hilflosigkeit der Versicherte n vom 19. Februar 2016 und gegen die Stellungnahme vom 14. März 2016 aus medizinischer Si cht keine wesentlichen Einwände bestünden. 7.1 Streitig ist, ob sich der Gesundheitszustand und – d amit einhergehend – der Grad der Hilflosigkeit der Versicherten seit Januar 2006 tatsächlich in einer anspruchserheblichen Weise verbessert hat. Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im Bereich An- und Auskleiden sowie Körperpflege regelmässig und in erheblichem Masse auf Dritthilfe angewiesen ist. Auf diese Punkte ist daher im Folgende n nicht weiter einzugehen. Hingegen ist insbesondere fraglich, ob die Versicherte in den anderen alltäglichen Lebensverrichtungen (Ver- richten der Notdurft, Fortbewegung und Essen) auf Dritthilfe angewiesen ist. 7.2 In ihrer leistungsreduzierenden Verfügung vom 26. Januar 2018 stützte sich die IV- Stelle auf den Abklärungsbericht vom 19. Februar 2016. Die Beschwerdegegnerin ist der An- sicht, dass dieser alle rechtsprechungsgemäss erforderliche n Voraussetzungen erfülle. Die Ab- klärungen seien von einer qualifizierten Person vorgenom men, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner diagnostizierten Beein- trächtigungen sich ergebenden Einschränkungen und Hilfsb edürftigkeiten gehabt habe. Rück- fragen an die behandelnden Ärzte seien vorgenommen wo rden, wobei der RAD keine Unklar- heiten über physische Störungen angesichts der erhobenen, medizinischen Verhältnisse aus dem Abklärungsbericht vom 19. Februar 2016 habe festste llen können. Insgesamt ist die Be- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdegegnerin der Meinung, dass der Abklärungsbericht alle Angaben der die Pflege leis- tenden Personen wiedergebe. Der Berichtstext sei ferner plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Er- fordernisse der dauernden Überwachung und Pflege. Schli esslich stehe er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben. Ihm kom me daher voller Beweiswert zu, selbst wenn dieser aus dem Jahr 2016 stammt. 7.3. Vorab ergibt sich gestützt auf die vorliegenden Akt en, dass sich der Gesundheitszu- stand der Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitraum (vgl. oben, E. 5.1 hievor) in medizi- nischer Hinsicht kaum verbessert bzw. deren Hilflosigkeit sich kaum vermindert hat. Entgegen der Sichtweise der IV-Stelle kann dem Abklärungsberich t vom 19. Februar 2016, auf den sich die Verfügung zur Senkung der Hilflosenentschädigung st ützt, vorliegend kein ausschlagge- bender Beweiskraft beigemessen werden, denn er erweist sich in einzelnen Punkten als unvoll- ständig bzw. nicht überzeugend. So werden zwar die Namen der behandelnden Ärzte sowie die Diagnosen und die von der Beschwerdeführerin eingenom menen Medikamente im Bericht auf- geführt. Es bleibt jedoch – wie die Beschwerdeführerin zu Recht behauptet – unklar, ob der Ab- klärungsperson die ärztlichen Berichte und Einschätzungen vo rlagen bzw. ob diese davon Kenntnis hatte, wie dies von der bundesgerichtlichen Rech tsprechung verlangt wird (siehe die Hinweise zur Rechtsprechung in E. 5.1), da im ganzen B ericht keine entsprechenden Bezüge darauf genommen werden. So beschränkt sich der Abklärun gsbericht vom 19. Februar 2016 hinsichtlich der Auseinandersetzung mit der früheren Abkl ärung vom 10. Januar 2006 auf die Schlussbemerkung, dass die damalig festgehaltene Dritthil fe aufgrund der Abklärung vor Ort und den Aussagen der versicherten Person nicht nachvollzoge n werden könne. Die Abklä- rungsperson geht in ihrem Bericht jedoch in keinster W eise darauf ein, inwiefern die damals anerkannten Einschränkungen nicht mehr bzw. nicht mehr i n demselben Umfang bestehen sol- len. 7.4 Weiter sind die Ausführungen im Abklärungsbericht zu den alltäglichen Lebensverrich- tungen nicht nachvollziehbar und teilweise widersprüchl ich. So wird auf der einen Seite eine Hilfsbedürftigkeit im Bereich An- und Auskleiden mit der Begründung, dass die versicherte Per- son in der Handgelenksbewegung eingeschränkt sei, bejah t. Sie könne Reissverschlüsse und Knöpfe weder selbstständig schliessen bzw. zuknöpfen noch d iese halten und fixieren. Auf der anderen Seite wird aber – dieser Beurteilung widersp rechend – bezüglich des Verrichtens der Notdurft vermerkt, dass die Beschwerdeführerin ihre Klei dung selbstständig richte sowie einfa- che, locker sitzende Kleidung selbständig zuknöpfe, weshal b in diesem Bereich keine Dritthilfe erforderlich sei. 7.5 Zu beachten ist im Weiteren der Bericht des behand elnden Arztes Dr. C.____ vom 17. Juli 2016, der Zweifel an den Feststellungen des Ab klärungsberichts zu den Bereichen Fortbewegung im Freien und Essen hervorruft. Hinsichtlich des Bereichs Essen wird nicht näher dargelegt, inwiefern die feinmotorischen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin, welche beim An- und Auskleiden als unzureichend angesehen werden, bei den Tätigkeiten während des Essens, wie z.B. dem Zerkleinern von Fleisch oder dem Streichen eines Butterbrotes gegeben sein sol- len. Bezüglich dieser Frage steht die Einschätzung im Ab klärungsbericht in Widerspruch zur Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ärztlichen Beurteilung von Dr. C.____, der festhält, d ass die Beschwerdeführerin nur mit Spezi- albesteck essen könne und dass es ihr aufgrund der fehlende n Kraft sowie der versteiften Fin- ger nicht möglich sei, Fleisch zu zerkleinern. Ebenso steht die Ausführung der Abklärungsper- son zum Bereich Fortbewegung im Freien, wonach die Beschw erdeführerin ausgesagt habe, dass sie ausserhalb des Hauses bis zu maximal fünf Stunden am Tag gehen könne, in Wider- spruch zur Einschätzung von Dr. C.____, welcher der Ansicht ist, das der Versicherten eine längere Gehstrecke bzw. Gehen und Stehen in einem zeitl ichen Umfang von über fünf Stunden mit Sicherheit nicht möglich sei. Hinsichtlich dieser Frage ist sodann auf die Rechtsprechung zu verweisen, wonach bei Bestehen von Diskrepanzen zwischen der ärztlichen Fremdeinschät- zung und den Eigenangaben der Versicherten, wie vorlie gend zur Frage der Fortbewegung im Freien, der ärztlichen Einschätzung entscheidendes bzw. höheres Gewicht zukommt und auf diese abzustellen sei (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2015, 8C_464/2015, E. 5.2; Urteil des Sozialversicherungsger ichts Zürich vom 15. November 2017, IV.2017.01038, E. 5.2). Schliesslich widerspricht die Be urteilung von Dr. D.____ vom 5. Februar 2016, wonach keine wesentliche IV-relevante Veränderung respektive Verbesserung des Gesundheitszustands nachvollzogen werden könne, den Erg ebnissen des bestrittenen Ab- klärungsberichts. Insgesamt lassen auch der von Dr. C.____ genannte progrediente Krank- heitsverlauf der Versicherten und der inzwischen eingetr etene verschlechterte Gesundheitszu- stand (z.B. der Amputation zweier Zehen) an den Ergebnissen des Abklärungsberichts zweifeln. Die Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin kann folglich a ufgrund der bestehenden Aktenlage nicht abschliessend beurteilt werden. Nach dem oben Ge sagten (vgl. E. 5.3 hiervor) kann bei diesem Beweisergebnis nicht auf die betreffende versicher ungsinterne Beurteilung abgestellt werden. Die angefochtene Verfügung vom 26. Januar 20 18 ist aus diesem Grund aufzuheben und es sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. 8.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die Sozialversicherungsgerichte nicht frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zu- rückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfal l selbst ein Gerichtsgutachten ein- zuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderwe itig erhobenen Sachverhalt über- haupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rü ckweisung an die IV-Stelle bleibt hinge- gen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erheb ung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstell ung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.). 8.2 Da die Beschwerdegegnerin nicht alle notwendigen Abklärungen zur Beurteilung des Anspruchs der Versicherten auf eine Hilflosenentschädigun g vorgenommen hat (vgl. E. 7.5 hiervor) und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerich te ist, im Verwaltungsverfahren ver- säumte medizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgegen. Diese hat den Gesundheitszustand und d ie Hilflosigkeit der Versicherten gut- achterlich neu abzuklären. Gestützt auf die Ergebnisse ihr er zusätzlichen medizinischen Abklä- rungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Anspr uch der Versicherten auf eine Hilflo- senentschädigung neu zu befinden haben. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Aus dem Gesagten folgt, dass die angefochtene Verfüg ung vom 26. Januar 2018 auf- zuheben und die Beschwerde der Versicherten vom 1. März 2 018 insofern gutzuheissen ist, als die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägun- gen weitere Abklärungen im Bereich der Fortbewegung, Essen und Verrichten der Notdurft vor- nimmt. Weiter ist abzuklären, ob die Versicherte auf ei ne lebenspraktische Begleitung angewie- sen ist. Gestützt auf die Abklärungen wird die Vorinstanz darauf neu über den Leistungsan- spruch der Versicherten verfügen. Sie wird dabei eine an dere Abklärungsperson einzusetzen haben. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.– bis 1‘000.– festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in de- nen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrens- kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.– fest. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Beim Ent scheid über die Verlegung der Prozess- kosten ist somit grundsätzlich auf den Prozessausgang abzust ellen. In casu ist die Beschwer- deführerin mit ihren Rechtsbegehren teilweise durchge drungen. Bei diesem Ausgang des Ver- fahrens hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu bea chten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht int eressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess kei- ne Verfahrenskosten erhoben werden. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Beschwerdeführerin als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusp rechen. Der in der Honorarnote vom 4. Juni 2018 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Zeitaufwand von 10.1 Stun- den erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sach verhalts- und Rechtsfragen als ange- messen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 96.80. Der Beschwerdeführerin ist de shalb eine Parteientschädigung von Fr. 2‘823.70.– (10.1 Stunden à Fr. 250.– und Auslage n von Fr. 96.80 zuzüglich 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der B eschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng vom 26. Janu- ar 2018 aufgehoben und die Angelegenheit zur ergänze nden Abklä- rung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘823.70 (inkl. A uslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V. http://www.bl.ch/kantonsgericht