Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. November 2018 (720 16 379 / 326) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision nach Schlusstitelbestimmung IVG; Zumutbarkeit einer Verweistätigkeit, Gerichtsgutachten. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Axel Delvoigt , Adv o- kat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1969 geborene A.____ ist gelernter Cheminist . Zuletzt arbeitete er als PC- Supporter. Am 11. November 1998 meldete er sich auf grund eines erlittenen Schleudertraumas bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) sprach ihm in der Folge ab 1. Januar 1999 im Wesentlichen gestützt auf ein Gutachten des Spitals B.____ vom 23. Februa r 2001 mit Verfügung vom 13. Dezember 2001 basierend auf einem IV-Grad von 69% eine ganze IV-Rente zu. Mit Wirkung ab 1. Juni Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2006 wurde diese Rente mit Verfügung der IV-Stelle vom 3. April 2006 auf der Grundlage eines psychiatrischen Gutachtens vom 24. Dezember 2005 und eines rh eumatologischen Gutachtens vom 28. Juli 2005 auf eine halbe IV-Rente reduziert. Z ugemutet wurde dem Versicherten seit- her eine angepasste Tätigkeit als Lagermitarbeiter im Umfang von 50%. Ein in der Folge im Rahmen des Einspracheverfahrens von der IV-Stelle beim Är ztlichen Begutachtungsinstitut (ABI) eingeholtes Gutachten vom 30. Mai 2007 ergab in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als PC-Supporter sowie für jede wechselbelastende leichte bis mittelschwere Tätigkeit eine Arbeits- fähigkeit von 75%. B. Gestützt auf die Ergebnisse des ABI-Gutachtens vom 30. M ai 2007 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten am 11. Juni 2007 eine Kostengutsprache für eine Umschulung zum Applika- tionsentwicklungsassistenten. Am 1. Februar 2008 erfolgt e sodann eine Kostengutsprache für dessen Umschulung zum Web-Assistenten. Am 2. Juli 2008 st ellte die IV-Stelle fest, dass der Versicherte erfolgreich umgeschult worden sei. Gestützt au f eine Einschätzung ihres regional- ärztlichen Dienstes (RAD) vom 31. August 2008 wurde dem Versicherten mit Verfügung der zuständigen Ausgleichskasse vom 25. September 2008 mitget eilt, dass ihm die bisher zuge- sprochene, halbe IV-Rente weiterhin ausgerichtet werde. C. Am 25. Juni 2013 leitete die IV-Stelle ein Revision sverfahren gemäss den Schlussbe- stimmungen zur 6. IV-Revision ein. Hierzu holte sie insb esondere beim Zentrum für Medizini- sche Begutachtung (ZMB) ein polydisziplinäres Gutachten vom 25. März 2014 ein, welches dem Versicherten sowohl in der bisherigen als auch in ei ner adaptierten Verweistätigkeit eine verbleibende Restarbeitsfähigkeit von 75% attestierte. Nach Durchführung des Vorbescheidver- fahrens hob die IV-Stelle die dem Versicherten bisher ausgerichtete halbe IV-Rente mit Verfü- gung vom 14. Oktober 2016 gestützt auf einen IV-Grad v on 15% auf, da ihm die Ausübung ei- ner beruflichen Tätigkeit sowohl als Cheminist als a uch als von der Invalidenversicherung aus- gebildeter PC-Supporter, aber auch eine sonstige Verwe istätigkeit im Umfang von 75% zumut- bar sei. D. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Ad vokat Dr. Axel Delvoigt, am 16. No- vember 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Ba sel-Landschaft, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es se i ihm in Aufhebung der angefochte- nen Verfügung weiterhin mindestens eine halbe IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei die An- gelegenheit zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an d ie Vorinstanz zurückzuweisen. Unter Hinweis auf zwei der Beschwerdebegründung beigeschlossene ärztliche Berichte des Bethesda Spitals und des behandelnden Psychiaters des Versicherten wurde zur Begründung im Wesent- lichen vorgebracht, dass nicht auf das Gutachten des ZMB vo m 25. März 2014 abgestellt wer- den könne. Vielmehr sei ein neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben, da beim Beschwerdeführer eine gravierende psychische Morbidität i nfolge mehrfach erlittener Traumata bestehe. Ausserdem bestünden auch in somatischer Hinsicht Einwände gegen die von der IV- Stelle vertretene Auffassung. Es trete hinzu, dass der vo n der IV-Stelle vorgenommene Ein- kommensvergleich nicht nachvollzogen werden könne. Das m assgebende Valideneinkommen belaufe sich richtigerweise auf Fr. 77‘242.—. Beim Inva lideneinkommen sei schliesslich nicht auf das Kompetenzniveau 3, sondern vielmehr auf das entsp rechende Niveau 2 der lohnstatis- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tischen Daten abzustellen und damit von einem monatliche n Medianwert von lediglich Fr. 7‘125.— auszugehen. E. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 31. Januar 2017 unter Hinweis auf zwei Stellungnahmen ihres RAD vom 2. Dezember 2016 und vom 9. Januar 2017 auf Abweisung der Beschwerde. Zusammenfassend machte sie geltend, dass auf das ZMB-Gutachten vom 25. März 2014 abgestellt werden könne. Bei fehlenden Befunden sei die Geltendmachung einer komplexen Traumfolgestörung mit Persönlichkeitsveränderu ng nach Extrembelastung nicht glaubhaft dargelegt worden. Weitere Abklärungen in p sychiatrischer Hinsicht seien daher keine erforderlich. Da sich die lumbale Schmerzproblematik mi ttlerweile verbessert habe, könne auch in somatischer Hinsicht keine abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit begründet werden. In Bezug auf die vorgebrachte Kritik zum Einkommensvergl eich sei festzustellen, dass selbst beim Abstellen auf das in der Beschwerde postulierte I nvalideneinkommen ein IV-Grad von le- diglich 17,6% resultiere. F. Anlässlich einer ersten Urteilsberatung vom 18. Mai 2017 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der A ngelegenheit gestützt auf die vor- handene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Hinter grund bildete der Umstand, dass das ZMB-Gutachten vom 25. März 2014 den mit BGE 141 V 281 ff. materiell-beweisrechtlich geän- derten Anforderungen nicht zu genügen vermochte. Mit Beschluss vom 18. Mai 2017 stellte das Kantonsgericht den Fall deshalb aus und ordnete eine p olydisziplinäre Begutachtung des Be- schwerdeführers durch die Academy of Swiss Insurance GmbH (asi m) an. Deren Gutachten erging am 9. März 2018 und attestierte dem Versicherten in der bisherigen Tätigkeit als IT- Supporter eine Restarbeitsfähigkeit von 70%. G. Mit Stellungnahme vom 12. April 2018 hielt die I V-Stelle unter Hinweis auf die Beurtei- lungen ihres RAD vom 23. und 26. März 2018 am Antrag a uf Abweisung der Beschwerde fest. Der Beschwerdeführer machte in seiner Stellungnahme vo m 18. Mai 2018 geltend, dass das gerichtliche Gutachten der asim nicht stichhaltig sei. Zur Begründung verwies er auf eine neuer- liche Stellungnahme des Spitals C.____ vom 10. Mai 201 8 sowie auf einen Bericht seines be- handelnden Psychiaters vom 17. Mai 2018. Es sei ein gerichtliches Obergutachten einzuholen. H. Mit Stellungnahme vom 14. Juni 2018 machte die IV- Stelle unter Hinweis auf eine er- neute Stellungnahme des RAD vom 28. Mai 2018 geltend, dass die vom behandelnden Psychi- ater aufgeführten psychopathologischen Befunde im geri chtlichen Gutachten der asim berück- sichtigt worden seien. Es handle sich bei dessen Einschät zung lediglich um eine abweichende Interpretation desselben Gesundheitszustandes. Eine erneu te psychiatrische Exploration sei nicht notwendig und es sei auf die Ergebnisse im gerichtlichen asim-Gutachten abzustellen. Der Beschwerdeführer beantragte unter Hinweis auf diverse w eitere medizinischer Unterlagen, ins- besondere eines erneuten Berichts des behandelnden Psychi aters vom 14. August 2018, in seiner Stellungnahme vom 16. August 2018, es sei sowoh l in somatischer als auch psychiatri- scher Hinsicht ein Obergutachten einzuholen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 in der nach dem 1. Juli 2006 gültig en Fassung kann gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsgericht am Ort der IV- Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werd en. Das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 16. November 2016 ist somit einzutreten. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, w enn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40% invalid ist. Invalidität im Sinne dieser Bestimmung ist die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folge von G eburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mi t Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3 Die Annahme einer invalidisierenden psychischen Gesun dheitsbeeinträchtigung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach e inem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 39 8 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psych ischen Leiden belastenden psycho- sozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidi- sierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, da s die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachz ugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - für die Gesellschaft gar untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten für die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 4.2 Die IV-Stelle stützte ihre Renteneinstellung im vo rliegenden Fall jedoch nicht auf Art. 17 ATSG, sondern auf lit. a Abs. 1 SchlB IVG ab. Dieser Bestimmung zufolge sind Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisba- re organische Grundlage (nachfolgend: unklare Beschwerden) zugesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung zu üb erprüfen. Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 ATSG nicht (mehr) gegeben, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 ATSG n icht erfüllt sind. Diese Bestimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 ff.). S ie findet indessen laut lit. a Abs. 4 SchlB IVG keine Anwendung auf Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Änderung das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunk t, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung bezogen haben. 4.3 Was zunächst den Beginn des Zeitpunkts betrifft, ab welchem die versicherte Person eine IV-Rente bezogen hat, hat das Bundesgericht in BGE 139 V 442 E. 3 f. erkannt, dass auf den Beginn des Rentenanspruchs und nicht auf den Zeit punkt des Erlasses der rentenzuspre- chenden Verfügung abzustellen sei. Nur diese Interpre tation der Ausschlussklausel trage den Kernanliegen der darin verankerten Besitzstandsgarantie (Gewährleistung von Rechtssicherheit und Vertrauensschutz; Vermeidung aussichtsloser Einglieder ungsversuche) angemessen Rechnung. Vorliegend ist dem Versicherten mit Verfügun g der IV-Stelle vom 13. Dezember Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2001 rückwirkend per 1. Januar 1999 eine ganze Rente der IV und in der Folge ab 1. Juni 2006 eine halbe IV-Rente zugesprochen worden. Unter dem Bl ickwinkel der Ausschlussklausel von lit. a Abs. 1 SchlB IVG ist für den Beginn des Rentenb ezugs somit auf den 1. Januar 1999 ab- zustellen. 4.4 Was sodann den Zeitpunkt betrifft, „in dem die Üb erprüfung eingeleitet wird," hat das Bundesgericht in seinem Urteil 8C_576/2014 vom 20. Nove mber 2014 festgehalten, dass sich dieser Zeitpunkt nicht anhand des Momentes bestimme, in welchem die versicherte Person erstmals schriftlich Kenntnis von der gestützt auf lit. a SchlB IVG ins Auge gefassten Renten- aufhebung erhalte (SVR 2014 IV Nr. 17 S. 65, 8C_773 /2013 E. 3.1 in Verbindung mit E. 3.3.2). Der massgebende Zeitpunkt richte sich vielmehr nach dem mi t überwiegender Wahrscheinlich- keit nachgewiesenen Beginn des betreffenden Verfahrens ( SVR 2015 IV Nr. 13 S. 37, 8C_576/2014 E. 4.3.2 mit Hinweisen). Den Akten ist zu e ntnehmen, dass das strittige Revisi- onsverfahren mit dem Versand des Revisionsfragebogens a m 25. Juni 2013 eingeleitet worden ist. Mit Blick auf die ursprüngliche Rentenzusprache mit Wirkung ab 1. Januar 1999 hat im Zeit- punkt, in welchem das Revisionsverfahren eingeleitet word en ist, somit noch kein 15-jähriger Rentenbezug vorgelegen (vgl. auch RAD-Beurteilung vo m 4. Oktober 2013, IV-Dok 208). Der 1968 geborene Versicherte gelangt deshalb nicht in den Genuss der Ausschlussklausel gemäss lit. a Abs. 4 SchlB IVG. Schliesslich hat die IV-Stelle die Überprüfung der ursprünglich zuge- sprochenen Rente auch innerhalb der massgebenden Dreija hresfrist seit dem Inkrafttreten der fraglichen Übergangsbestimmung am 1. Januar 2012 ein geleitet (KGE SV 720 15 137 / 300 vom 17. Dezember 2015). Als Zwischenergebnis ist damit f estzuhalten, dass sie die Renten- überprüfung unter dem Titel der fraglichen Schlusstitelbestimmung insgesamt rechtzeitig vorge- nommen hat. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei ihrer ursprünglich en Rentenzusprache insbesondere auf das von ihr eingeholte Gutachten des Spitals B.____ vo m 23. Februar 2001, in welchem die Fachärzte der Abteilung Psychosomatik festgehalten hatte n, dass für die geklagten Nacken- schmerzen keine ausreichenden somatischen Korrelate vorläge n und die Diagnosen einer schweren, anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sowie e iner Dysthymie mit anhaltender depressiver Symptomatik zu stellen seien (IV-Dok 16, S. 6). Nichts anderes geht mit Blick auf die ab Juni 2006 verfügte Reduktion des Rentenanspruchs auf eine halbe IV-Rente aus dem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. D.____, FMH Psychiat rie und Psychotherapie, vom 24. Dezember 2005 hervor, wonach mit Auswirkung auf d ie Arbeitsfähigkeit eine mässig aus- geprägte somatoforme Schmerzstörung zu diagnostizieren sei, welche sich weiterhin partiell auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (IV-Dok 58). Diese bereit s ursprünglich diagnostizierte somatofor- me Schmerzstörung gehört zweifellos zu den hiervor (vgl. E. 4.2) genannten unklaren Be- schwerden ohne nachweisbare organische Grundlage (BGE 139 V 549 f. E. 2.2). Daran vermag nichts zu ändern, dass nebst dessen unter anderem im rheuma tologischen Gutachten von Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie, vom 28. Juli 2005 auch somatische Diagnosen erhoben worden sind. Wie das Bundesgericht festgehalten hat, ist für die Anwendung von lit. a Abs. 1 SchlB IVG nicht vorausgesetzt, dass die ursprüngliche Rente ausschliesslich aufgrund unklarer Beschwerden zugesprochen worden ist. Der Umstan d, dass eine Rente sowohl für unklare Beschwerden als auch für andere Gesundheitsschäden , also auch für erklärbare Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerden, zugesprochen worden ist, steht einer Anwendu ng der fraglichen Bestimmung dem- nach nicht entgegen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2014, 8C_74/2014, E. 6.2.3). 5.2 Unbestrittenermassen lag auch im Revisionszeitpunkt ein unklares Beschwerdebild vor. Hintergrund bildet der Umstand, dass die exploriere nden Fachärzte in dem von der IV- Stelle eingeholten polydisziplinären ZMB-Gutachten vom 25. März 2014 in psychiatrischer Hin- sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nebst narzisst isch-histrionisch akzentuierten Per- sönlichkeitszügen eine anhaltende somatoforme Schmerzstö rung erhoben und dem Versicher- ten in polydisziplinärer Hinsicht eine 75%-ige Restarbei tsfähigkeit attestiert hatten. Indem die IV-Stelle im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens beim ZMB das polydisziplinäre Gutachten vom 25. März 2014 eingeholt hat, hat sie sich b ei ihrer Rentenüberprüfung somit auf umfassende medizinische Abklärungen abgestützt. Der Anwendung von lit. a Abs. 1 SchlB IVG steht demnach auch aus diesem Blickwinkel nichts entgegen ( Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2014, 8C_104/2014, E. 3.1). 6. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in den Rentenanspruch des Versi- cherten ab 1. November 2016 zu Recht aufgehoben hat. Pr ozessthema bildet demnach die Frage, in welchem Ausmass der Versicherte aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen neuerdings noch arbeitsfähig ist. 6.1 Gemäss Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leiste n (Satz 1); bei langer Dauer wird aber auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese positivrechtliche Begriffsumschreibung wei cht mithin nicht wesentlich vom Be- griff der Arbeitsunfähigkeit gemäss früherer Rechtspraxi s ab; vielmehr zeichnet sich die Über- führung in das geschriebene Recht durch einen hohen Gra d an Rechtskontinuität aus. Die diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen EVG bleibt f olglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). Zu ergänzen bleibt, dass die Umschreibung der Arbeitsunfähigkeit in Art. 6 ATSG weder mit der am 1. Januar 2004 in Kraf t getretenen 4. IV-Revision noch mit der seit 1. Januar 2008 in Kraft stehenden 5. IV-Revision Änderungen erfahren hat. 6.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsfähig oder arbeitsun fähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilde n die ärztlichen Stellungnahmen eine wich- tige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche andere Erwerbstä- tigkeit als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der ve rsicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden kann (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 6.3 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozialversiche- rungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge setz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforde rungen nicht. Das Gericht hat viel- mehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es vo n allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). Der Unter- suchungsmaxime entsprechend hat das Gericht von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben. Eine Beweislast besteht nur in dem Sinne, dass im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund e iner Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die hohe Wahrsc heinlichkeit für sich hat, der Wirklich- keit zu entsprechen (BGE 117 V 263 E. 3b). Das schweizerisch e Sozialversicherungsrecht kennt demnach keinen Grundsatz, wonach die Versicherungsorgane im Zweifel zu Gunsten der Versicherten zu entscheiden haben. Ein Anspruch auf Lei stungen besteht nur, wenn die Vo- raussetzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind (ZAK 1983 S. 259). 6.4 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse hat d as Gericht die ihm von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellenden Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei lung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist en tscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinweisen). 6.5 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung au fzustellen. So führte das Bundesgericht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zw ingende Gründe" von den Ein- schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufga be es ist, seine Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ei nen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Gleichwoh l wie bei Gutachten externer Spezial- ärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insbesondere einem von ihm eingeholten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zue rkennen, solange "nicht konkrete In- dizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen (B GE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.). Schliesslich lässt es die Natur des Begutachtungsauftrags ei nes amtlich bestellten fachmedizi- nischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b), ein Administrativ- oder Gerichtsgutacht en stets in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn andere Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vor- behalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil beispiels- weise die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 7.1 Bei ihrer Rentenaufhebung hat sich die IV-Stelle auf das ZMB-Gutachten vom 25. März 2014 abgestützt (IV-Dok 281). Wie das Kantonsgericht all erdings bereits in seinem Beschluss vom 18. Mai 2017 festgehalten hat, ist dieses Gutachten mit Blick auf eine integrale und ein- lässliche Prüfung der medizinischen Verhältnisse nicht vo llständig genug ausgefallen. Hinter- grund bildet der Umstand, dass das Bundesgericht mit Lei tentscheid vom 3. Juni 2015 seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen und ver- gleichbaren psychosomatischen Leiden revidiert und sich von d er bisherigen Überwindbarkeits- vermutung verabschiedet hat. Anstelle des bisherigen Rege l/Ausnahme-Modells ist ein struktu- riertes, normatives Prüfraster getreten, in dessen Rahme n anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächl ich erreichbare Leistungsvermögen der versicherten Person ergebnisoffen und symmetrisch zu beur teilen ist, indem den äusseren Belastungsfaktoren sowie den vorhandenen Ressourcen gle ichermassen Rechnung zu tragen ist (BGE 141 V 281 ff.). Mit Blick auf diese erhöhten Anforderungen hat sich das fragliche Gut- achten des ZMB als zu wenig fundiert erwiesen, als dass ge stützt darauf schlüssig hätte be- gründet werden können, inwiefern sich aus den funktionellen Ausfällen bei objektivierter Zumut- barkeitsbeurteilung anhand der Standardindikatoren ein e Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Nachdem sich deshalb mit Beschluss des Kantonsgerich ts vom 20. Juli 2017 die Einho- lung eines gerichtlichen Gutachtens als unerlässlich erwiesen hat, steht hinsichtlich der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nunme hr das gerichtliche Gutachten der asim vom 9. März 2018 im Zentrum der divergierenden Parteistandpunkte. 7.2 Dem Gerichtsgutachten der asim vom 27. April 2018 liegen Untersuchungen in den Bereichen Psychiatrie, Orthopädie, Neurologie und Neu ropsychologie zu Grunde. Darüber hin- aus wurden durch die asim etliche Laboruntersuchungen ve ranlasst. Die Ärzteschaft der asim diagnostiziert in diesem Gutachten mit Auswirkung auf d ie Arbeitsfähigkeit eine auffällige Per- sönlichkeit, vorrangig mit dissozialen, differentialdiag nostisch bzw. anamnestisch zudem nar- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zisstischen Zügen, überwiegend wahrscheinlich im Sinne ein er Persönlichkeitsstörung, sodann eine minimale bis leichte neuropsychologische Störung mit psychosozialen Belastungsfaktoren und chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit migränif ormer Komponente. In polydis- ziplinärer Hinsicht kommen die Gutachter der asim zum Sch luss, dass die psychiatrische Beur- teilung massgebend sei. Der Explorand zeige in jeder Untersuchungssituation auffällige Verhal- tensweisen mit vordergründig dominierender Präsentation einer Vielzahl von somatischen Symptomen und Beschwerden, denen ein klinisch weitgehen d fehlender Leidensdruck gegen- über stehe. Sein Verhalten sei auch mit Blick auf den Qu erschnittsbefund und die aktenanam- nestischen Hinweise am ehesten im Rahmen dissozialer Persön lichkeitszüge einzuordnen. Dies betreffe einerseits die anamnestischen Angaben mit gewalttätigem und delinquentem Ver- halten schon in der Adoleszenz, aber auch den tätlichen Angriff mit Verletzungsfolgen durch seinen jüngeren Sohn. Unter Berücksichtigung der berichte ten zahlreichen Konflikte mit dem Gesetz, den Inhaftierungen und den Bewährungsstrafen sei von einer deutlichen und andau- ernden Missachtung sozialer Normen und Verpflichtungen au szugehen. Diese Abweichung be- stehe bereits seit der Adoleszenz. Der Einschätzung im neu ropsychologischen Teilgutachten werde zugestimmt, wonach die Beurteilung der Beschwerd evalidität schwer falle. Eindeutige Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation hätten sich zunächst keine ergeben. Die Auflis- tung der somatischen Beschwerden und die Darstellung des Tagesablaufs sowie der Arbeits- phasen hätten jedoch eingeübt, gut vorbereitet und er zählt gewirkt. Andererseits habe sich mit den berichteten sportlichen Freizeitaktivitäten eine nicht unerhebliche Fähigkeit auch für körper- lich fordernde Aktivitäten und eine gute körperliche Bew eglichkeit und Belastbarkeit gezeigt. Aufgrund des aus somatischer Sicht nicht plausiblen Leid ensdrucks und angesichts des guten Aktivitätsniveaus im Alltag sei die früher gestellte Diagnose einer Schmerzstörung sehr unwahr- scheinlich. Insbesondere fehle das Kriterium eines quäle nden Schmerzes. Die Inkonsistenzen hinsichtlich der beklagten Beschwerden würden zu einer ge wissen Unsicherheit in der Gesamt- beurteilung führen. Der Schweregrad der psychiatrischen Störung sei am ehesten als mittelgra- dig einzuschätzen. Das Blutbild zeige eine ganz marginal e und nicht konstante Anämie, von welcher keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abgel eitet werden könne. Die HIV-Infektion sei seit Jahren stabil eingestellt, so dass auch hiervon ke ine Einschränkungen resultieren wür- den. Es bestehe eine deutliche Diskrepanz zwischen den erh obenen klinischen Befunden und den geklagten Beschwerden. Auch die Bildgebung bringe keine Hinweise auf eine strukturelle Störung, welche die geklagten Schmerzen erklären könne. A us für die Beurteilung führender, psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit vor allem qua litativ eingeschränkt, da der Explo- rand aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung in sämtliche n beziehungs- und interaktionsassozi- ierten Partizipationsfähigkeiten erheblich eingeschränkt sei. Insofern sei seine aktuelle Tätigkeit als IT-Supporter als gut angepasst einzuschätzen. Aus psychi atrischer Sicht bestehe in quanti- tativer Hinsicht diesbezüglich eine 70%-ige Arbeitsfähigke it. Es bestehe für den Versicherten damit die Möglichkeit zum Rückzug und zur freien Pauseng estaltung. Damit sei auch der 20%- igen Leistungseinbusse aufgrund der in neuropsychologisc her Hinsicht attestierten, minimalen bis leichten Störung Rechnung getragen. Es sei davon ausz ugehen, dass die zugrunde liegen- de Persönlichkeitsstörung in den früheren Exploration en des Versicherten diagnostisch zu we- nig oder gar nicht gewürdigt, sondern unter andere diagnostische Label eingeordnet worden sei. Durch den langen Verlauf sei eine Dynamik mit erheblichen Fluktuationen und Remissionen zu berücksichtigen. Die Vordiagnose einer somatoformen u nd krankheitswerten, depressiven Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Symptomatik in den vergangenen Jahren könne nicht ausge schlossen werden. Aktuell bestün- den hierfür allerdings keine Anhaltspunkte. Hinweise au f eine Traumastörung, insbesondere im Sinne einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastu ng, wie sie der derzeit behandelnden Psychiater des Versicherten erkannt habe, könne überhaupt nicht bestätigt werden. Zum einen würde als Auslöser für eine solche Pathologie höchstens d ie Schiesserei eines Kollegen in der Wohnung gelten können. Nach diesem Vorkommnis habe de r Versicherte aber noch jahrelang vollschichtig gearbeitet, geheiratet und Kinder grossgezog en. Andererseits hätten erhebliche, von der Norm abweichende innere Erlebens- und Verhalte nsmuster vorbestanden. Schliesslich seien selbst unter Einbezug der angegebenen Albträume d ie Kriterien weder für eine posttrau- matische Belastungsstörung noch für eine Persönlichkeit sänderung erfüllt. Die verbleibende Arbeitsfähigkeit werde im Vergleich zum behandelnden Psychiater daher höher eingeschätzt. In Beantwortung des vorgelegten Fragenkatalogs gaben die asim-Gutachter an, dass die aktu- elle Tätigkeit als selbständiger IT-Supporter in jeder Hinsicht als optimal angepasste Tätigkeit zu gelten habe. Die dissoziale, differentialdiagnostisch narzisstisch angereicherte Symptomatik dominiere die Symptompräsentation und beeinflusse jegl iche Selbstdarstellung, was eine funk- tionale Bewältigung auch lebensüblicher Belastungen er schweren könne. Bei grundsätzlicher Übereinstimmung bezüglich Arbeitsfähigkeit unter anderem mit dem Vorgutachten des ZMB aus dem Jahre 2014 sei eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit ab 14. Oktober 2016 nachvollziehbar. Trotz der durch die diagnostisch stark divergierende Gewichtung bedingten Schwierigkeit eines direk- ten Vergleichs zwischen den einzelnen Gutachten sei das Funktionsniveau genügend hoch, um eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Da davon auszugehen sei, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung schon immer führend gewesen, diagnostisch indessen anders gewichtet bzw. eingeordnet worden sei, werde statt wie in den V orgutachten mit 75% festgelegt, eine 70%-ige Restarbeitsfähigkeit als korrekt erachtet. Aus orthopädischer Hinsicht bestehe keine Ursache für eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit. D ie Limitierung sei ausschliesslich psy- chiatrisch begründet. Bereits im Gutachten des ZMB sei rein somatisch keine Arbeitsunfähigkeit begründet worden. 7.3 Nebst dem Gerichtsgutachten der asim liegen der strit tigen Angelegenheit folgende medizinische Unterlagen von Relevanz zu Grunde: 7.3.1 Dem Arztbericht des Spitals C.____ vom 25. August 2016 (Beschwerdebeilage 6) zu- folge zeige der Versicherte bezüglich der HWS ein station äres Beschwerdebild. Im Bereich der LWS hätten sich die Beschwerden des Versicherten nach ein er zweiten Infiltration am 12. August 2016 deutlich reduziert. Der Patient sei mit dem erreichten Ergebnis aktuell zufrie- den. Bei einem Beschwerderezidiv könne er sich erneut wie der vorstellen. Eine Aussage zur Arbeitsfähigkeit ist diesem Bericht nicht zu entnehmen. 7.3.2 Im Arztbericht des Spitals C.____ vom 9. November 2016 (Beschwerdebeilage 5) wird festgehalten, dass die Beschwerdesymptomatik des Patienten zu einer reproduzierbaren Min- derbelastbarkeit im Umfang von 50% führe. Sobald der V ersicherte über diese 50%-ige Belas- tungsgrenze hinausgehe, büsse er dies an den folgenden e in bis zwei Tagen durch eine ver- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht minderte Leistungsfähigkeit und eine vermehrte Schmerzbelastung wieder ein. Dieser Umstand sei reproduzierbar und überprüfbar. 7.3.3 Dem Bericht von Dr. F.____, FMH Psychiatrie und P sychotherapie, vom 15. November 2016 (Beschwerdebeilage 4) ist zu entnehmen, dass der Versicherte seit dem 5. August 2016 in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung stehe. Aus psych iatrischer Sicht sei der Ver- sicherte im Umfang von 70% arbeitsunfähig. Diese Einschä tzung stütze sich auf eine Befun- dung mittels Mini-ICF-APP-Ratingbogens. Bei der Anpa ssung an Regeln und Routinen, der Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibil ität und der Umstellungsfähigkeit, der Produktivität und bei den Spontanaktivitäten, bei der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Konver- sation und der Kontaktfähigkeit zu Dritten, der Gruppe nfähigkeit, der Fähigkeit zu engen Bezie- hungen und bei der Mobilität sowie der Verkehrsfähig keit würden erheblich ausgeprägte Beein- trächtigungen bestehen. Die Widerstands- und Durchhaltef ähigkeit sei vollumfänglich beein- trächtigt. Leichte Beeinträchtigungen seien bei der Se lbstpflege und der Selbstversorgung, mässig ausgeprägte Beeinträchtigungen bei der Kompetenz - und Wissensanwendung festzu- stellen. Die Anamnese habe ergeben, dass der Versicherte im Dezember 2013 von seinem Sohn krankenhausreif geschlagen worden sei. Er konsumiere täglich rund zehn Tafeln Schoko- lade und mehrere Liter Coca-Cola. Zu diagnostizieren se i eine komplexe Traumstörung mit Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung. 7.3.4 Dem Bericht von Dr. F.____ vom 17. Mai 2018 (B eilage 2 zur Stellungnahme des Be- schwerdeführers vom 18. Mai 2018) ist zu entnehmen, dass d as psychiatrische Teilgutachten der asim schwerwiegende Fehler enthalten und nicht den aktuellen Forschungsstand berück- sichtigen würde. Bereits bei der Anamnese, wonach der V ersicherte dreimal täglich vier Stun- den mit seinen Hunden spazieren gehe, sei ein schwerwieg ender Fehler unterlaufen. Der Ver- sicherte habe vielmehr versichert, seine Hunde während maximal zwei Stunden pro Tag spazie- ren zu führen. Dies sei insofern ein entscheidender Fe hler, weil sich die Schlussfolgerungen des orthopädischen Kollegen der asim auf diese falschen Informationen beziehen würden. Der behandelnde Psychiater führe ausserdem detailliert aus, dass die gezeigten Symptome ganz klar die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstör ung erfüllen würden. Die gezeigten Symptome würden sich sehr den Symptomen jener Patienten ähneln, die sexuell missbraucht worden seien. Es sei deshalb eine erneute psychiatrische B egutachtung durch einen auf Traumafolgestörungen spezialisierten Gutachter notwendig. 7.3.5 Der Beurteilung des RAD vom 28. Mai 2018 zufolg e sei der Unterschied hinsichtlich der Länge der Spaziergänge nicht entscheidend für ein e andere Beurteilung des Gesundheits- zustandes. Die von Dr. F.____ gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung sei durch die psychiatrische Gutachterin der asim ausführl ich diskutiert und nicht bestätigt wor- den. Die Gutachterin habe insbesondere keine Extrembe lastung als Voraussetzung für eine solche Diagnose erkennen können. Als potentielles Ereign is komme höchstens die Schiesserei eines Kollegen in der eigenen Wohnung im Jahre 1990 in Frage. Nach diesem Vorfall aber ha- be der Versicherte noch jahrelang vollschichtig gearbeitet und auch geheiratet. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.6 Im Bericht der Handchirurgie des Spitals G.____ vom 23. Juli 2018 (Beilage 3 zur Stel- lungnahme des Beschwerdeführers vom 16. August 2018) wi rd beim Beschwerdeführer die Diagnose einer eingeschränkten Feinmotorik der beiden Hä nde erhoben. Als Zwischenanam- nese wird festgehalten, dass der Versicherte als PC-Arb eiter in seiner Arbeit deshalb einge- schränkt sei. 7.3.7 In seiner Stellungnahme vom 14. August 2018 (eb enso Beilage 3 zur Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 16. August 2018) hält Dr. F._ ___ daran fest, dass beim Versicher- ten eine posttraumatische Belastungsstörung vorliege. Er verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf die neunmalige Untersuchungshaft, die der Versicherte bereits als Jugendli- cher erlebt habe. Gemäss diesen anamnestischen Angaben li essen sich die soziopathologi- schen Sachverhalte zur Erfüllung der Kriterien einer d issozialen Persönlichkeitsstörung sehr wohl darstellen. Das dissoziale Verhalten in der Adolesze nz sei ein Teilaspekt des Störungsbil- des, welches sich als Belastungsstörung respektive als Persön lichkeitsänderung nach Extrem- belastung beschreiben lasse. Der Patient habe erst kürzl ich neu von massiven Kindesmiss- handlungen durch seine Grossmutter berichtet. Er sei gan z klar von allen Symptomen der sechs Störungsbereiche betroffen, welche das Störungsbil d einer posttraumatischen Belas- tungsstörung umfassen würden. 8.1. Das zitierte Gerichtsgutachten der asim erfüllt al le rechtsprechungsgemässen Voraus- setzungen an eine taugliche medizinische Beurteilungsgrundlage. Weder weist es formale noch inhaltliche Mängel auf und ist – wie dies vom Bundesg ericht verlangt wird (oben, E. 6.4 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend. Es ist in Kennt nis aller relevanten Vorakten abgegeben worden und beruht auf allseitigen und detaillierten Untersuchungen des Versicherten. Ebenfalls berücksichtigt es alle geklagten Beschwerden des Beschwerde führers und leuchtet in der Dar- legung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurtei lung der medizinischen Situation ein. Die gerichtlichen Gutachter der asim setzen sich auss erdem auch mit den bei den Akten liegenden, anderslautenden fachärztlichen Einschätzungen insbesondere des behandelnden Psychiaters Dr. F.____ auseinander. Dabei vermögen sie schlü ssig zu begründen, dass die bisher durch die Vorgutachten des Kantonsspitals B.____ v om 23. Februar 2001 sowie des ZMB-Gutachtens vom 25. März 2014 berücksichtigten Beschwerden diagnostisch mittlerweile abweichend einzuordnen sind. Es kann in dieser Hinsicht a uf die Stellungnahme des RAD vom 28. Mai 2018 verwiesen werden (Beilage zur Eingabe der IV-Stelle vom 14. Juni 2018), wonach die medizinisch-diagnostischen Feststellungen im Gericht sgutachten und mit ihnen die daraus resultierenden Schlussfolgerungen betreffend die funk tionelle Leistungsfähigkeit sowie die da- mit verbundenen somatischen und psychischen Fähigkeitseinbu ssen umfassend und plausibel begründet worden sind. 8.2 Der Beschwerdeführer stellt die medizinischen Schlu ssfolgerungen im Gerichtsgutach- ten der asim in Frage und beantragt sowohl in somatische r wie auch in psychiatrischer Hinsicht die Einholung eines gerichtlichen Obergutachtens. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt wer- den. Wie oben ausgeführt (oben, E. 6.5), weicht das G ericht bei einem Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinisc hen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verf ügung zu stellen, um einen bestimmten Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Solche zwingenden Grün de liegen im vorliegenden Fall keine vor, weshalb auch kein Anlass besteht, von den Ergeb nissen des zitierten Gerichtsgut- achtens abzuweichen. Mit Blick auf die im Verwaltungsverfahren ergangene Abklärung des me- dizinischen Sachverhalts ist zunächst festzustellen, dass sich di e von der asim vorgenommene Einschätzung der dem Beschwerdeführer weiterhin verblei benden Restarbeitsfähigkeit im Um- fang von 70% annähernd mit der Zumutbarkeitsbeurteilu ng im ZMB-Gutachten vom 25. März 2014 deckt (oben, E. 5.2 sowie E. 7.2 a. E.). Es ist in diesem Zusammenhang in Erinnerung zu rufen, dass sich das Einholen des Gerichtsgutachtens der asim lediglich im Zusammenhang mit der zwischenzeitlich ergangenen Änderung der bundesgeri chtlichen Rechtsprechung als uner- lässlich erwiesen hat, weil nunmehr in einem strukturiert en Beweisverfahren das tatsächliche Leistungsvermögen der versicherten Person ergebnisoffen und einzelfallgerecht zu bewerten ist (BGE 141 V 281). Insoweit bestätigt das nunmehr vorlieg ende Gerichtsgutachten der asim im Ergebnis das zuvor von der IV-Stelle in Auftrag gegeb ene Gutachten des ZMB vom 25. März 2014, was klarerweise gegen die von den behandelnden Ä rzten des Versicherten abweichen- den Auffassungen spricht. Die Tatsache, dass die Gerichts gutachter entgegen der Einschät- zung des ZMB eine diagnostische Differenzierung vornehmen und von einer auffälligen Persön- lichkeit, vorrangig mit dissozialen, differentialdiagnost isch bzw. anamnestisch zudem narzissti- schen Zügen, überwiegend wahrscheinlich im Sinne einer P ersönlichkeitsstörung, indes nicht mehr von einer somatoformen Schmerzstörung, ausgehen, sp richt alleine nicht gegen die Schlüssigkeit des gerichtlichen Gutachtens. Welche diagnost ischen Überlegungen der zu beur- teilenden Gesundheitsschädigung zu Grunde liegen, spie lt mit Blick auf die daraus resultieren- de Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Versicherten letztlich keine ausschlaggebende Rolle. 8.3 Mit Blick auf die strittige Rentenrevision ist einzig relevant, wie sich das funktionelle Leistungsvermögen des Versicherten neuerdings im Vergleich zur ursprünglichen Rentenzu- sprache im Januar 1999 präsentiert. Diese Frage wird du rch die Gerichtsgutachter in Überein- stimmung mit den erhobenen Befunden insbesondere im fa chpsychiatrischen Gutachten der asim mit der nachvollziehbaren Begründung dahingehend beantwortet, dass trotz der durch die diagnostisch stark divergierende Gewichtung bedingte Schw ierigkeit eines direkten Vergleichs zwischen den einzelnen Gutachten das Funktionsniveau des Ve rsicherten aktuell genügend hoch sei, um von einer 70%-igen Arbeitsfähigkeit au szugehen (oben. E. 7.2 a. E.). Daran ver- mag der Einwand des behandelnden Psychiaters betreffend den Umfang der täglichen Spazier- gänge nichts zu ändern. Dieser Einwand erweist sich in fo rmaler Hinsicht zwar als korrekt. Be- rücksichtigt man die vom Versicherten anlässlich der Anamnese durch die Gerichtsgutachter im Übrigen berichtete Alltagsaktivität (psychiatrisches Teilgut achten der asim vom 5. Oktober 2017, S. 9), erweist es sich indessen als nachvollziehbar, d ass dem Versicherten eine deutlich höhere Restarbeitsfähigkeit verbleibt, als sie ihm noch im Bericht von Dr. F.____ vom 15. No- vember 2016 attestiert worden war (oben, E. 7.3.3). Insofern kann entgegen der von ihm vertre- tenen Auffassung auch nicht gesagt werden, die orthopä dische Teil-Beurteilung der asim sei nicht nachvollziehbar ausgefallen. Es ist im Gegenteil fe stzustellen, dass der orthopädische Gutachter in Bezug auf die Halswirbelsäule des Versicherte n normal funktionierende Verhält- nisse mit einer weichen, nicht verspannten und kräftigen Halsmuskulatur festgestellt hat (ortho- pädisches Teilgutachtend der asim, S. 9). Angesichts der u mfassenden orthopädischen Teilex- ploration der asim kann daher auch kein Mangel im Gerich tsgutachten darin erkannt werden, Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass der neurologische Gutachter beim Fehlen einer neur ologischen Schmerzgenese auf das rheumatologische (recte: orthopädische) Fachgutachten verwiesen hat (Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 18. Mai 2018). Aufgrund des gerichtlichen Gutachtens ist vielmehr vom Fehlen einer eigenständigen, somatischen Beeinträchtig ung auszugehen. So ist beim Zusam- mentreffen verschiedener Gesundheitsbeeinträchtigungen grundsätzlich der Tatsache Rech- nung zu tragen, dass sich deren erwerbliche Auswirkungen in der Regel überschneiden, wes- halb der Grad der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer sämtliche Behinderungen umfassenden ärztli- chen Gesamtbeurteilung zu bestimmen ist. Eine blosse Addi tion der mit Bezug auf einzelne Funktionsstörungen und Beschwerdebilder geschätzten Arbe itsfähigkeitsgrade ist deshalb un- zulässig (Urteile des EVG vom 3. März 2003, I 850/02, E. 6.4.1 und vom 11. November 2002, I 368/01, E. 2.4, je mit Hinweisen). Nicht anders verhält es sich hier. Die festgestellten Beein- trächtigungen somatischer Natur sind im Gesamtkontext der dominierenden psychiatrischen Beeinträchtigungen zu sehen. Hierfür spricht nicht zulet zt auch die Tatsache, dass bereits im Gutachten des ZMB vom 25. März 2014 aus rein somatischer Si cht keine Arbeitsunfähigkeit mehr begründet worden war (vgl. Interdisziplinäre Ges amtbeurteilung im Gerichtsgutachten der asim vom 9. März 2018, S. 21). Der Ansicht des Beschwerde führers, wonach die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit zu den Einschränkungen somat ischer Natur hinzuzuaddieren sei, kann damit nicht gefolgt werden (vgl. interdisziplinäre Gesamtbeurteilung im Gerichtsgutachten der asim vom 9. März 2018, S. 15). 8.4 Der Beschwerdeführer lässt mit Blick auf den Bericht der Handchirurgie des Spitals G.____ vom 23. Juli 2018 (oben, E. 7.4.6) sodann ein wenden, dass eine eingeschränkte Fein- motorik an seinen Händen vorliege, welche seine Arbeit als PC-Techniker erschwere. Dieser Einwand ist nicht stichhaltig: Einerseits hat der ortho pädische Fachgutachter der asim eine normale Beweglichkeit und eine gut erhaltene Kraft d er Finger festgestellt (a.a.O., S. 5). Ande- rerseits hat der Beschwerdeführer anlässlich der Explorati on durch die asim selbst keine Be- schwerden bezüglich seiner Hände geltend gemacht, sonder n gegenüber den Gutachtern in erster Linie auf seine Nackenbeschwerden und Schulterschmerze n hingewiesen. Diese Be- schwerden wurden durch die asim orthopädisch umfassend ab geklärt und als nicht einschrän- kend eingeschätzt (oben, E. 8.3 zuvor). Nichts anderes gilt in Bezug auf das neurologisch be- dingte, leicht verminderte Tastempfinden im Bereich de s rechten Zeigefingers, welches eben- falls keine Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit hat (neurologisches Teilgutachten der asim, S. 7 und 11). Zumal die angestammte Beschäftigung als IT-Supporter als optimal angepasste Tätigkeit bezeichnet worden ist, muss es deshalb sein Bew enden damit haben, dass in Bezug auf die Feinmotorik der Hände keine zusätzliche Einschränkung zu erkennen ist. 8.5 Was den Kerneinwand des behandelnden Psychiaters bet rifft, die psychiatrische Teil- gutachterin der asim habe zu Unrecht das Vorliegen ein er posttraumatischen Belastungsstö- rung verneint, ist festzuhalten, dass sich das psychiatrische T eilgutachten der asim mit diesem Einwand ausführlich auseinandergesetzt hat. Diese Ause inandersetzung beruht auf einer tele- fonischen Fremdanamnese mit dem behandelnden Psychiate r (vgl. psychiatrisches Teilgutach- ten der asim, S. 10). Wenn der Beschwerdeführer unter Hinweis auf den Bericht von Dr. F.____ vom 17. Mai 2018 nunmehr einwendet, die psychiatrische Gu tachterin der asim sei mit keinem Wort auf seine Argumente eingegangen, kann ihm deshal b nicht gefolgt werden. Allfällige Hin- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht weise auf eine Traumafolgestörung im Sinne einer Per sönlichkeitsänderung nach Extrembelas- tung, wie sie der behandelnde Psychiater gesehen hat, wu rden vielmehr explizit verneint, weil der Versicherte jahrelang weiterhin gearbeitet, geheiratet und Kinder grossgezogen hat. Wie die Gutachter der asim weiter festhalten, haben vor den in Frage kommenden Ereignissen bereits von der Norm abweichende innere Erlebens- und Verhalt ensmuster vorbestanden (IV-Dok 58, S. 6). Deren Begründung ist damit schlüssig (oben, E. 7 .3.5). Es tritt hinzu, dass die von Dr. F.____ erwähnten psychopathologischen Befunde im psych iatrischen Teilgutachten der asim aufgeführt und in Bezug auf die dem Versicherten verbleibende Restarbeitsfähigkeit mit- berücksichtigt worden sind. Auch die interdisziplinäre Ges amtbeurteilung der asim hält unmiss- verständlich fest, dass der Versicherte in sämtlichen bezieh ungs- und interaktionsassoziierten Partizipationsfähigkeiten erheblich eingeschränkt sei (a. a.O., ad Ziffern 6.2 sowie 6.6). Der be- handelnde Psychiater beschreibt im Vergleich zur psychiat rischen Exploration der asim mithin keinen grundlegend abweichenden Gesundheitszustand (vgl. auch Stellungnahme RAD vom 28. Mai 2018). Es ist daran zu erinnern, dass es die Nat ur des Begutachtungsauftrags eines amtlich bestellten fachmedizinischen Experten nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichts- gutachten nur deshalb in Frage zu stellen und zum Anla ss weiterer Abklärungen zu nehmen, weil andere Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gela ngen (oben, E. 6.5). So verhält es sich auch hier: Es liegt in der Natur des Begutachtungsauftrags, die medizinischen Verhältnisse nicht nur zu erheben, sondern in ihrer Gesamtheit erne ut und damit allenfalls auch abweichend im Vergleich zu den übrigen medizinischen Unterlagen z u bewerten. Der Umstand, dass die asim-Gutachter im Vergleich insbesondere zu Dr. F.____ zu einer abweichenden diagnosti- schen Einschätzung gelangen, ist einer umfassenden polydisziplinären Begutachtung geradezu inhärent. Er stellt für sich allein genommen keinen Gr und für die Nichtverwertbarkeit des ge- richtlichen Gutachtens dar. Massgebend ist vielmehr, ob da s fragliche Gutachten den recht- sprechungsgemässen Kriterien zufolge überzeugend ausgefa llen ist. Dies ist hier wie soeben dargelegt der Fall. Die Gutachter der asim haben den Versicherten umfassend untersucht und gelangen mit Blick auf eine grundsätzliche Übereinstimmu ng insbesondere mit dem Vorgutach- ten des ZMB zum nachvollziehbaren Ergebnis, dass ihm in sei ner als gut angepasst zu qualifi- zierenden und aktuellen Tätigkeit als IT-Supporter eine 70%-ige Restarbeits- und Leistungsfä- higkeit verbleibt. Unbesehen der diagnostischen Einordnu ng weicht ihre Einschätzung damit letztlich nur minim von der Einschätzung im Gutachten des ZMB vom 25. März 2014 ab (oben, E. 5.2). Im Ergebnis ist deshalb mit den Gerichtsgutacht ern der asim festzuhalten, dass beim Versicherten in der angestammten Tätigkeit als IT-Suppor ter von einer (Rest-) Arbeitsfähigkeit von 70% auszugehen ist. 9. Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen die ser gesundheitlichen Beeinträch- tigung. Wie eingangs ausgeführt (oben, E. 3), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versi- cherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Während die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung von einem Valideneinkommen von Fr. 75‘830.— aus- gegangen ist, wendet der Beschwerdeführer ein, dieses belaufe sich richtigerweise nominal- lohnindexiert auf Fr. 77‘242.—. Ausserdem habe die IV-S telle bei der Festsetzung des Invali- deneinkommens aufgrund der lohnstatistischen Angaben der schweizerischen Lohnstrukturer- hebung (LSE 2012) zu Unrecht auf das Kompetenzniveau 2 abgestellt. Dieses Niveau würde ein grosses Wissen auf einem Spezialgebiet voraussetzen, was beim blossen PC-Support nicht Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Fall sei. Gestützt auf das Kompetenzniveau 2 sei viel mehr von einem monatlichen Median- wert im Umfang von lediglich Fr. 7‘125.— auszugehen. Wie es sich damit verhält, kann an die- ser Stelle letztlich offen bleiben, weil sich die result ierenden Differenzen nicht in einem renten- relevanten Umfang auswirken. Der für einen Rentenansp ruch vorausgesetzte IV-Grad von mindestens 40% würde so oder anders weiterhin deutlich unterschritten. Damit bleibt es bei einem IV-Grad unter 40%. Die Vorinstanz hat den Rente nanspruch des Versicherten ab dem ersten Tag des zweiten, der angefochtenen Verfügung v om 14. Oktober 2016 folgenden Mo- nats (vgl. Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversich erung, IVV, vom 17. Januar 1961) im Ergebnis demnach zu Recht verneint , weshalb die hiergegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1000.— festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Beschwerdeführer un- terlegene Partei, weshalb die Verfahrenskosten von Fr. 800.— ihm aufzuerlegen sind. Aller- dings ist dem Beschwerdeführer mit verfahrensleitender Verfügung vom 27. September 2018 nachträglich die unentgeltliche Prozessführung bewillig t worden. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.— sind deshalb vorläufig auf die Gerichtskasse zu nehmen und der bereits zuvor geleis- tete Kostenvorschuss ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 10.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für die gerichtlich e Begutachtung ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dieser Bestimmung zufolge hat der Ve rsicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeor dnet hat. Hat er keine Massnah- men angeordnet, so hat er deren Kosten dennoch zu übe rnehmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder B estandteil nachträglich zugesproche- ner Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gerich t als notwendig erachteten Beweis- massnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine sol che indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten d er durch das Gericht in Auftrag gegebe- nen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen (BGE 1 37 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vo m 18. Mai 2017 zum Ergebnis ge- langt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Hintergrund bildete der Umstand, dass das Verwaltungsgutachten des ZMB vom 25. März 2014 den mit BGE 141 V 281 ff. materiell-beweisrechtlich ge änderten Anforderungen nicht zu genü- gen vermochte. In Anbetracht dieser Umstände war die g erichtliche Begutachtung durch die asim nicht nur angezeigt, sondern unerlässlich. Im Licht e der geschilderten Rechtsprechung sind die resultierenden Kosten, welche sich gemäss Honorar rechnung der asim auf Fr. 17‘505.80, belaufen (Rechnung vom 31. März 2018), deshalb der Beschwerdegegnerin auf- zuerlegen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.3 Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. D em Beschwerdeführer ist mit Verfügung vom 27. September 2018 nun allerdings mit Wirkung ab 6. September 2017 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden. Dessen seither an- gefallene Bemühungen sind daher aus der Gerichtskasse zu e ntschädigen und belaufen sich gemäss Honorarnote vom 6. September 2018 noch für das Ja hr 2017 auf 55 Minuten und für das Jahr 2018 auf 15,6 Stunden. Dieser Aufwand erwei st sich angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie der seither mehrf ach erfolgten Stellungnahmen als an- gemessen. Er ist praxisgemäss zu einem Stundenansatz von Fr . 200.— zu entgelten. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die für das Jahr 2018 geltend gemachten Auslagen im Umfang von insgesamt Fr. 220.50. Dem Rechtsvertreter des Beschwerde führers ist demnach eine Partei- entschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 3‘795.70 ( 55 Minuten à Fr. 200.— zuzüglich 8% Mehrwertsteuer für das Jahr 2017 sowie 15,6 Stunden à F r. 200.— und Auslagen in der Höhe von Fr. 220.50 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer für das Jah r 2018) aus der Gerichtskasse aus- zurichten. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– werd en dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge nachträglicher Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtska sse geno m- men und es wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höh e von Fr. 800.–- dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 17‘505.80 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge nachträglich teilweiser Bewilligung der unent geltlichen Verbei- ständung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers e in Hono- rar in der Höhe von Fr. 3‘795.70 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet.