B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1503/2013 U r t e i l v o m 2 2 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren am (…), und deren Kind, B._______, geboren am (…), Irak, beide vertreten durch Caritas Schweiz, (…) Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisung); Verfügung des BFM vom 22. Januar 2013 / N (…). D-1503/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine irakische Staatsangehörige mit letztem Wohnsitz in C.______, Provinz D.______, verliess ihren Heimatstaat e i- genen Angaben zufolge am 18. März 2011, gelangte auf dem Landweg via Syrien in die Türkei und sodann auf dem Luftweg am 17. Juni 2011 in die Schweiz, wo sie am 27. Juni 2011 ein Asylgesuch einreichte. Sie wur- de am 18. Juli 2011 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) E.______ summarisch be fragt und am 30. April 2012 einlässlich durch das BFM zu ihren Asylgründen angehört. Für die Dauer des Asylverfa h- rens wurde sie dem Kanton F.______ zugewiesen. B. Zur Begründung des Asylgesuchs wurde im Wesentlichen geltend g e- macht, sie und ihr seit dem Jahr 2008 in der Schweiz wohnhafte und seit (…) 2011 religiös angetraute Ehemann I. (N […]), hätten sich ungefähr 2002 in G.______ kennengelernt. Er sei der Nachbar ihrer Grosseltern gewesen. Sie hätten sich auf dem Flachdach ein- zweimal gesehen und sich ineinander verliebt. I. respektive ihre Tante habe ihr die Telefonnu m- mer respektive eine SIM -Karte gegeben. Seither hätten sie telefonischen Kontakt gehabt. Die weiblichen Familienangehörigen von I. hätten dreimal oder zweimal (erstmal s etwa im Juli 2010) vergeblich um ihre Hand a n- gehalten. Ihre Familie sei gegen die Heirat mit einem Araber gewesen. Sie habe viermal versucht, sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen – das erste Mal etwa zwei oder drei Jahre nachdem sie I. kennengelernt habe, das letzte Mal zwei oder drei Monate vor ihrer Au s- reise. Etwa zwei oder drei Wochen vor ihrer Ausreise sei sie gegen ihren Willen mit einem älteren Mann verlobt worden. Ihr Vater habe sie mit dem Tod bedroht, falls sie es wagen sollte, sich der Heirat zu widersetzen. Als ihre Schwester notfallmässig ins Spital habe gehen müssen, habe sie die Gunst der Stunde genutzt und sei mithilfe des Bruders von I. geflohen. Diesen Plan habe sie seit ca. acht Monaten mit I. besprochen gehabt, vorher habe sich aber keine Möglichkeit ergeben. C. Am (…) 2012 kam das Kind von I. und der Beschwerdeführerin zur Welt. D. Mit Verfügung vom 22. Januar 2013 (recte. 22. Februar 2013) – eröffnet am 25. Februar 2013 – stellte das BFM fest, dass die Be - schwerdeführerinnen die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüll ten, lehnte ihr D-1503/2013 Seite 3 Asylgesuche ab, wies sie aus der Schweiz weg und schob den Vollzug der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unz u- mutbarkeit auf. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. E. Mit Eingabe ihre r Rechtsvertreterin vom 21. März 2013 (Poststempel) liessen die Beschwerdeführerin nen Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht erheben und beantragte n im Wesentlichen, die v orinstanzli- che Verfügung sei aufzuheben und zwecks Feststellung des vollständigen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen; eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen sei Asyl zu gewähren; su- beventualiter seien sie als Flüchtling anzuerkennen. In verfahren srechtli- cher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ersucht. Auf die Begrü n- dung wird soweit entscheidwesentlich in den Erwägungen eingegangen. Zur Stützung der Vorbringen wurden zwei Berichte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe ( MICHAEL KIRSCHNER, Irak: Rückkehr einer verwitweten Frau mit einem ehelichen und einem unehelichen Kind, 20. November 2007; ALEXANDRA GEISER, Irak: Die aktuelle Entwicklung im Zentral - und Südirak vom 5. November 2009), ein Arztbericht vom Dr. med. J.H. vom 11. März 2013, wonach I. an (...) gelitten habe, welche sich seit der Ei n- reise seiner Frau, deutlich verbessert hätten sowie ein Urteil des Ver wal- tungsgerichts Frankfurt vom 4. Juli 2012 zu Flüchtlingsschutz bei drohe n- der Zwangsverheiratung zu den Akten gereicht. F. Mit Verfügung vom 27. März 2013 hiess die Instruktionsrichterin die G e- suche um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2 VwVG gut. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde ver- zichtet und der Beschwerdeführerin in der Person von Rechtsanwältin Susanne Gnekow ein e amtliche Rechtsbeiständin bestellt. Der B e- schwerdeführerin wurde Frist zur Einreichung von Beweismitteln aus dem Ausland angesetzt. G. Mit Eingabe vom 25. April 2013 reichte die Beschwerdeführerin eine G e- richtsurkunde im Original sowie eine Übersetzung vom März 2011 zu den Akten, wonach die Ehe zwi schen der Beschwerdeführerin und einem d a-D-1503/2013 Seite 4 mals 51-jährigen Mann wegen Minderjährigkeit der Braut nicht habe g e- schlossen werden können. H. Mit Verfügung vom 7. Mai 2013 wurde der Vorinstanz Gelegenheit eing e- räumt, innert Frist eine Vernehmlassung einzureichen. I. In der Vernehmlassung vom 17. Juli 2013 nahm das BFM innert erstreck- ter Frist Stellung und beantragte die Abweisung der Beschwerde. J. Mit Verfügung vom 18. Juli 2013 wurde der Beschwerdeführerin Gel e- genheit eingeräumt, innert Frist eine Replik einzureichen. K. Mit Eingabe vom 31. Juli 2013 reichte die Beschwerdeführerin eine Replik zu den Akten. Ebendieser Eingabe war eine Kostennote beigelegt. L. Mit Eingabe vom 26. Februar 2014 ersuchte die Beschwerdeführerin um prioritäre Behandlung der Beschwerde. Anfa ngs dieses Jahres sei eine Bekannte von ihr in der Schweiz von ihrem Ehemann ermordet worden. Seither plagten sie Ängste, dass sie, im Falle einer Rückkehr, ebenfalls Opfer eines Ehrenmordes werden würde. Des Weiteren wurden Ausfü h- rungen zur Aufhebung der vorläufigen Aufnahme gemacht, welche im vor- liegenden Verfahren nicht relevant sind, weshalb auf weitere Ausführu n- gen dazu verzichtet werden kann. M. Mit Schreiben vom 26. März 2014 wurde der Beschwerdeführerin mitg e- teilt, dass, obwohl das Verfahren prioritä r behandelt werde, kein genauer Zeitpunkt für den Verfahrensabschluss genannt werden könne. D-1503/2013 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, wesha lb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Es ist festzustellen, dass sich die vorliegende Beschwerde gegen die Nichtfeststellung der Flüchtlingseigenschaft, die Nichtgewährung von Asyl und die Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz als s olche richtet (Dispositivziffer 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung). Die Dispositivzi f- fern 4 bis 7 der Verfügung der Vorinstanz vom 22. Februar 2013 betref-D-1503/2013 Seite 6 fend der Anordnung einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit sind unangefochten in Rechtskraft erwachsen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 In der abweisenden Verfügung vom 22. Februar 2013 wurde im W e- sentlichen ausgeführt, die Vorbringen der Beschwerdeführerin (Mutter) seien widersprüchlich, unsubstantiiert, realitätsfremd und unlogisch au s- gefallen. So habe die Beschwerdeführerin angegeben, lediglich zweimal in G.______ gewesen zu sein, obwohl ihre Grosseltern angeblich dort wohnhaft seien. Eb enso unrealistisch erscheine es, dass sie I. nur zwe i- mal gesehen, mit diesem jedoch während neun Jahren in geheimem tele- fonischen Kontakt gestanden haben will. Weiter habe sie in der BzP e i- nerseits zu Protokoll gegeben, ihre Eltern seien gegen die Heirat g ewe- sen, weil I. aus einem anderen Stamm sei, währenddem sie in der Anh ö- rung vorgebracht habe, eine Heirat sei nicht möglich gewesen, weil I. Araber und sie Kurdin sei. Zudem sei sie nicht in der Lage gewesen da r- zulegen, wie und wann sie von der Ausreise vo n I. erfahren habe. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum die Beschwerdeführerin und I. erst nach etwa acht Jahren eine gemeinsame Zukunft respektive ihre Ausreise ins Auge gefasst hätten. Insgesamt seien die Vorbringen unglaubhaft, we s- halb deren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei. D-1503/2013 Seite 7 5.2 In der Beschwerdeschrift vom 20. März 2013 wurde im Wesentlichen entgegengehalten, die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht richtig a b- geklärt. An der BzP sei ein männlicher Übersetzer anwesend gewesen, weshalb die Beschwerdeführer in nicht habe erwähnen können, dass sie mit I., als sie ihn das zweite Mal in G.______ besucht habe, sexuellen Kontakt gehabt habe. Da sie diesbezüglich in der BzP nichts habe e r- wähnen können, habe sie auch bei der Anhörung nichts gesagt. Bereits der Umstand, dass die Beschwerdeführerin aus G.______ alleine in die Schweiz gekommen sei, deute auf eine geschlechtsspezifische Verfo l- gung hin, weshalb das BFM verpflichtet gewesen wäre, die Befragung durch eine reines Frauenteam durchzuführen. Sodann seien die Mi ss- handlungen durch ihren Vater und Bruder sowie die Selbstmordversuche nicht weiter thematisiert worden. Schliesslich gelte es auch zu beachten, dass die Heirat ohne Einwilligung der Eltern sowie der Umstand, dass die Beschwerdeführerin ein Kind eines Arab ers zur Welt gebracht habe, zu einem Ehrenmord führen könnten, weshalb die Vorinstanz verpflichtet gewesen wäre, diesen objektiven Nachfluchtgrund näher abzuklären. S o- dann sei die Übersetzung mangelhaft. Sollte wider Erwarten keine Rückweisung an die Vori nstanz vorgeno m- men werden, so sei anzumerken, dass die Vorbringen sehr wohl glau b- haft seien. Einerseits müssten die Vorbringen im Lichte des nunmehr a k- tenkundigen vorehelichen sexuellen Kontaktes gesehen werden. And e- rerseits müsse sich die Vorinstanz der patriarchalischen und fundamenta- listischen Gesellschaftsstruktur im Irak bewusst sein; es könne nicht a n- gehen, dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin Widersprüche betref- fend des grundsätzlich konsistenten Vorbringens, wonach die Eltern auf einem Ehemann aus dem familiären Umfeld bestanden hätten, konstrui e- re. Der Bruder von I. versuche bezüglich der Zwangsheirat noch ein B e- weismittel zu beschaffen. Zudem sei durch das eingereichte Arztzeugnis auch belegt, dass I. aufgrund der grossen Sorge an psychosomat ischen Beschwerden gelitten habe. Bereits vor seiner Flucht habe I. zweimal um die Hand der Beschwerdeführerin angehalten. Auf der Flucht sei es ihm nicht möglich gewesen, mit der Beschwerdeführerin Kontakt aufzune h- men. Nach seiner Ankunft in der Schweiz habe er respektive seine Mutter und seine Schwester erneut um die Hand der Beschwerdeführerin a n- gehalten. Da I. erst noch Geld sparen musste und sich die Beschwerd e- führerin nicht frei bewegen konnte, habe die Organisation der Ausreise länger in Anspruch genommen. D-1503/2013 Seite 8 5.3 In der Vernehmlassung führte das BFM im Wesentlichen aus, das BFM sei seiner Pflicht im Sinne von Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) vollumfänglich nachgekommen und habe die Beschwerdeführerin mit einem gleichgeschlechtlichen Team angehört. Der angebliche voreheliche sexuelle Kontakt erscheine als nachgeschoben und konstruiert. Sodann erstaune es, wenn auf B e- schwerdeebene hervorgehoben werde, dass die Beschwerdeführerin A n- alphabetin sei und aus konservativen kurdisc hen Kreise stamme, sie a n- dererseits aber fliessend Arabisch spreche. Vor dem Hintergrund des A n- alphabetismus erscheine es auch nicht nachvollziehbar, dass die B e- schwerdeführerin I. jeweils angerufen und nach dessen Rückruf die Anru- fe umgehend gelöscht habe. Sodann sei es nicht nachvollziehbar, warum die Beschwerdeführerin nicht früher ausgereist sei, habe sie doch selber zu Protokoll gegeben, dass sie jeweils alleine Zuhause gewesen sei und Zeit zum Telefonieren gehabt habe. Schliesslich habe die Beschwerd e- führerin die Richtigkeit der Übersetzung schriftlich bestätigt, weshalb die pauschale Rüge betreffend Übersetzungsqualität fehlgehe. Die eing e- reichte Gerichtsurkunde entfalte aufgrund hoher Fälschungsanfälligkeit keinen Beweiswert. 5.4 In der Replikeingabe wu rde im Wesentlichen entgegengehalten, sie habe Arabisch im Fernsehen und durch Gespräche mit ihrer syrischen Schwägerin gelernt. Die Anrufe von I. habe sie auf ihrem Mobiltelefon l ö- schen können, weil sie bei den Männern den Gebrauch des Gerätes habe beobachten können. Sodann gehe der Einwand der Vorinstanz fehl, wenn aus einem kurzen ungestörten Augenblick zum Telefonieren geschlossen werde, die Beschwerdeführerin hätte schon früher flüchten können. Der Beweiswert des Gerichtsurkunde sei gross, da es sich u m ein echtes Do- kument handle, welches nur schwer käuflich erworben werden könne. 6. 6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der v o- rinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Die Beschwerdeführerin stellte den Antrag, die angefochtene Verfügung sei wegen unvollständiger Sachve r- haltsfeststellung aufzuheben und die Akten zur Vornahme entspreche n- der Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. 6.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Unrichtig" ist die Sachverhaltsfes t-D-1503/2013 Seite 9 stellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollstä n- dig" ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz der gelte n- den Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen a b- geklärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Christoph A u- er/Markus Müller, Benjamin Schindler, VwVG, Kommentar zum Bunde s- gesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 28 zu Art. 49, S. 676 f.). Ihre Grenze find et die Untersuchungspflicht allerdings in der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). 6.3 Hierzu ist festzustellen, dass die Vorinstanz – entgegen den Ausführu n- gen in der Beschwerde – nicht verpflichtet gewesen ist, die Befragung durch ein F rauenteam durchzuführen. Die pauschale Aussage, wonach bereits der Umstand, dass eine junge Frau aus dem Irak im heiratsfäh i- gen Alter alleine flüchte auf eine geschlechtsspezifische Verfolgung hi n- deute, vermag so nicht zu überzeugen, ist es doch vielmehr e ine Frage der Umstände des konkreten Einzelfalls. Diese Umstände werden z u- nächst in der summarischen Befragung ermittelt. Sollten sich dabei ko n- krete Hinweise auf einen geschlechtsspezifische Verfolgung ergeben, ist die Vorinstanz gestützt auf Art. 17 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 6 AsylV1 ve r- pflichtet, diesem Aspekt gebührend Rechnung zu tragen. Im vorliegenden Verfahren wurde die Beschwerdeführerin von einem Frauenteam ang e- hört, weshalb diesbezüglich keine Verfehlungen der Vorinstanz auszuma- chen sind. Ebenso unbegründet erweist sich die in der Beschwerde erh o- bene Rüge, wonach die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz verletzt und den Sachverhalt nicht richtig abgeklärt habe, da die häusliche Gewalt nicht näher abgeklärt worden sei. Einerseits erschöpfen sich di e Aussa- gen der Beschwerdeführerin diesbezüglich in den allgemeinen Aussagen, es sei üblich, "dass man uns nicht fragt, ob wir heiraten wollen oder nicht. Jeden Tag Quälereien und Schlägerei" oder, dass ihre Familie "etwas zu- rückgeblieben sei". Andererseits geht aus den vorliegenden Akten nicht hervor, inwiefern die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz verletzt ha- ben soll, sind den Protokollen doch alle wesentlichen Punkte zu entne h- men. Auch das Gericht erachtet den rechtserheblichen Sachverhalt als erstellt. Zur Rüge der mangelhaften Übersetzungsqualität ist im Einklagn mit der Vorinstanz anzufügen, dass die Beschwerdeführerin die Richti g- keit der Angaben unterschriftlich bestätigt hat. D-1503/2013 Seite 10 7. 7.1 Die Vorinstanz begründet e die Ablehnung des Asylgesuchs mit der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substan tiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, dürfen in w esentlichen Punk ten nicht wider sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyls u- chende Person persönlich glaubwür dig erschei nen, was insbeson dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbrin gen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG). Aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vor bringen aus wechselt oder unbegründet nach - schiebt, mangelndes Interes se am Ver fahren zeigt oder die nötige Mit - wirkung ver weigert. Glaub haftmachung bedeutet ferner - im Gegen satz zum strikten Beweis - ein redu ziertes Be weismass und lässt durch aus Raum für gewisse Ein wände und Zweifel an den Vorbringen des B e- schwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaub haft ge macht, wenn der Richter oder die Richterin von ihrer Wahrheit nicht völlig über - zeugt ist, sie aber für überwiegend wahr hält, obwohl nicht alle Zwei fel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma chung reicht es dem gegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbrin gen zwar möglich ist, aber in Würdi gung der gesamten Aspekte we sentliche und überwiegende Umstände ge gen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Ge samtwürdigung, ob die Gründe, die für die Rich tigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art . 7 AsylG; Entscheidu n- gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1, S. 4f., E. 5a). 7.2 Wie nachfolgend aufzuzeigen ist, kommt das Bundesverwaltungsg e- richt nach Würdigung der Akten zum Schluss, dass die Erwägungen der Vorinstanz zur fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerde- führerin zutreffen und die Ausführungen in der Beschwerdeschrift sowie die mit dieser eingereichten Beweismittel nicht geeignet sind, die Ei n- schätzung des BFM in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu wesentlichen Vorbringen erscheinen unsubstantiiert und konstruiert. So erachtet es auch das G e- richt als realitätsfremd, wenn die Beschwerdeführerin angibt, sie sei ledig- lich zweimal in ihrem Leben in G.______ gewesen, obwohl ihre Grosse l-D-1503/2013 Seite 11 tern dort gewohnt haben sollen ( act. A 18/14 S. 5) . Ebenso unglaubhaft erscheint es, wenn die Beschwerdeführerin aussagt, sie h ätten sich ein- mal oder zweimal gesehen; danach hätten sie sich geliebt und während neun Jahr en per Telefon eine Liebesbeziehung gehabt. Auf die Frage, was sie jeweils am Telefon mite inander gesprochen hätten, gab sie zu Protokoll, dies sei jeweils ein normales Gespräch über die Liebe gewesen (act. A 18/14 S. 7). Angesichts dessen, dass die Beschw erdeführerin mit I. während angeblich neun Jahren eine Liebesbeziehung per Telefon g e- führt haben will und es Liebe auf den ersten Blick gewesen sein soll, vermögen die unsubstantiierten Angaben der Beschwerdeführerin nicht zu überzeugen. Der auf Beschwerdeebene geltend gemachte voreheliche Kontakt erscheint deshalb ebenso unglaubhaft. Im Übrigen kann diesb e- züglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen we r- den. 7.3 Währenddem das Gericht nicht in Abrede stellen will, dass eine dr o- hende Zwang sverheiratung und Ehrenmord ernsthafte Nachteile mit flüchtlingsrechtlicher Relevanz darstellen können, sind im vorliegenden Fall auch diesbezüglich erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin auszumachen. Die Beschwerdeführe- rin vermochte keine substantiierten Angaben betreffend ihres angeblich sehr konservativen familiären Umfelds und den erlittenen Misshandlu n- gen zu machen. Ihre Aussagen beschränken sich auf, ihre Familie sei "ein bisschen zurückgeblieben" und es sei no rmal "dass man uns nicht fragt, ob wir heiraten wollen oder nicht" (act. A 18/14 S. 9 und 7). Schliesslich brachte die Beschwerdeführerin in der Befragung hervor, sie habe sich zwei oder drei Male versucht das Leben zu nehmen, was in der Anhörung gänzlich unerwähnt blieb – ein Umstand, der entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift, nicht der Vorinstanz angelastet werden kann. Angesichts der Trageweite dieses Entscheides wären auch diesbezüglich substantiiertere und kon sistentere Angaben der Beschwer- deführerin zu erwarten gewesen. Schliesslich vermag auch d as auf Be- schwerdeebene eingereichte Beweismittel aufgrund der hohen Fä l- schungsanfälligkeit nichts an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der B e- schwerdeführerin zu ihrer drohenden Zwangsheirat zu ändern. 7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorbringen de r Be- schwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht standzuhalten vermögen, so dass deren Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG nicht zu prüfen ist. Nach dem Gesagten erüb- rigt es sich, auf die Ausführungen und Einwände in der Beschwerde b e- ziehungsweise die eingereichten Beweismittel weiter einzugehen, weil sie D-1503/2013 Seite 12 nicht zu einer von der Vorinstanz veränderten Betrachtungsweise führen. Das BFM hat das Asylgesuch der Beschwerdeführerin demnach zu Recht abgelehnt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) . Den B e- schwerdeführerinnen ist jedoch mit Verfügung vom 27. März 2013 die un- entgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden, weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind. 9.2 Den Beschwerdeführerinnen ist – ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 27. März 2013 – die unentgeltliche Rechtsverbeiständung i.S. von Art. 65 Abs. 2 VwVG zugesprochen worden und Rechtsanwältin Susanne Gnekow wurde als unentgeltliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Die seit dem 13. März 2013 mandatierte Rechtsvertreterin hat mit Eingabe vom 31. Juli 2013 eine Kostennote über Fr. (…) (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zu den Akten gereicht, die als angemessen erscheint (Art. 10 Abs. 2 und Art. 14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2 ]). Gestützt auf die in Betracht zu ziehe nden B e- messungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) , der Kostennote und der Eingabe vom 26. Februar 2014 ist von einem Ge samtbetrag von Fr. (…) auszuge- hen. Demnach ist der unentgeltlichen Rechts beiständin, Rechtsanwältin Susanne Gnekow, zulasten der Gerichtskasse ein Honorar von insgesamt Fr. (…) (inkl. Auslagen und MWSt) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-1503/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin, Rechtsanwältin Susanne Gnekow, ist ein amtliches Honorar zulasten der Gerichtskasse in der Höhe von Fr. (…) (inkl. Auslagen und MWSt). 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das BFM und die kan- tonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: