RVJ / ZWR 2016 257 Zivilrecht Droit civil Zivilrecht - Kindesschutz - KGE (Einzelrichter der I. Zivilrecht - lichen Abteilung) vom 10. Mai 2016, X. c. Y. - TCV C1 15 339 Kindesschutz: Anhörung der Eltern - In Belangen des Kindes hat die Kindesschutzbehörde dessen Eltern persönlich anzu- hören (E. 5.1). Protection de l’enfant ; audition des parents - Dans l’intérêt de l’enfant, les autorités de protection doivent entendre personnelle - ment ses parents (consid. 5.1). Aus den Erwägungen 5.1 In Kinderbelangen sind nebst den Kinde rn (Art. 314a ZGB) auch die Eltern (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 447 Abs. 1 ZGB; vgl. auch Art. 297 Abs. 1 ZPO) persönlich anzuhören. Die Anhörung erfolgt grundsätzlich durch die KESB, allenfalls durch die fallinstruierende Person der KESB; während die KESB die Kindesanhörung in begrün - deten Fällen an Dritte delegieren darf (Art. 314a Abs. 1 ZGB), hat sie die Eltern selbst anzuhören. Die Pflicht zur persönlichen Anhörung der betroffenen Personen geht über den verfassungsmässigen Anspruch von Art. 29 Abs. 2 B V hinaus, weshalb weder eine schriftliche Stel - lungnahme noch die Vertretung im Verfahren durch einen Anwalt genügen. Schliesslich ist der Anspruch auf persönliche Anhörung for - meller Natur, so dass dessen Verletzung unter Vorbehalt der Heilung dieses Verf ahrensmangels im Beschwerdeverfahren zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt (zum Ganzen s. Fassbind, in: Rosch/Fountoulakis/Heck [Hrsg.], Handbuch Kindes - und Erwachse - nenschutz, Bern 2016, N. 331 -335, 342; Auer/Marti, Basler Kommen - tar, N. 7, 13 zu Art. 447 ZGB; Steck, in: FamKommentar Erwachse - nenschutz , Bern 2013, N. 7 ff. zu Art. 447 ZGB; Tuor/ Schnyder/ Jungo, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 14. A., Zürich/Basel/Genf 2015, § 44 N. 53 -57 und § 59 N. 23; Dolge, in: Brunner/ Gasser/ Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N. 6 zu Art. 276 ZPO). 258 RVJ / ZWR 2016 Vorliegend ist eine solche Anhörung der Eltern unterblieben. Während der Kindsvater wenigstens mündlich persönlich bei der KESB Region Visp bzw. deren Sachbearbe iterin intervenieren und seinen Stand - punkt darlegen konnte, was allerdings der gesetzlich vorgegebenen Anhörung nicht genügt, blieb die Kindsmutter völlig ungehört. Ihr rechtliches Gehör wurde dadurch verletzt und kann im Rechtsmittel - verfahren nicht gehe ilt werden, weshalb die Beschwerde gutzuheis - sen und der angefochtene Entscheid aufzuheben ist. Die Akten gehen zurück an die KESB Region Visp, damit sie das Versäumte - persön- liche Anhörung des Kindsvaters und der Kindsmutter - nachholt und danach neu en tscheidet. Sie wird dabei zu prüfen haben, ob sie die Kinder ebenfalls selbst anhören muss.