Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 2. Juli 2019 (410 19 117) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Die Prüfung des Rechtsöffnungsrichters beschränkt s ich darauf, ob sich die Zahlungs- verpflichtung des betriebenen Schuldners eindeutig und endgültig aus dem Rechtsöff- nungstitel ergibt; eine Vertragsauslegung nach Art. 18 OR ist ausgeschlossen. Individuelle Vereinbarungen eines Solidarschuldners gelten nach Art. 146 OR auch für die anderen Solidarschuldner, sofern sich dadurch d eren Lage nicht erschwert; zu prü- fen sind dabei die Umstände des Einzelfalls und ins besondere, aus welchem Grund die Solidarität entstanden ist. Besetzung Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco Parteien A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Andri Obrist, nigon Rechtsanwälte / Nota- riat, Marktplatz 18, 4001 Basel, Beschwerdeführerin gegen B.____ , vertreten durch Rechtsanwältin Simone Zurwerra, Rue des Alpes 44, 1701 Fribourg, Beschwerdegegnerin Gegenstand Provisorische Rechtsöffnung in der Betreibung Nr. 21859296 Beschwerde gegen das Urteil des Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 30. April 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 30. April 2019 bewilligte der Präsiden t des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost (Kammer IV) B.____ in der von ihr vera nlassten Betreibung Nr. 21859296 des Betreibungsamts Basel-Landschaft gegen A.____ die provisorische Rechtsöffnung für eine For- derung von CHF 59‘747.45 nebst Zins zu 6.75 % seit 27. Oktober 2017. Ferner auferlegte er die Zahlungsbefehlskosten von CHF 103.30, die Rechtsöffnung skosten von CHF 500.00 und eine Parteientschädigung von CHF 1‘789.10 der Gesuchsgegnerin. Zur Begründung des Entscheids wurde im Wesentlichen ausgeführt, der von beiden Par teien am 5. April 2016 unterzeichnete Darlehensvertrag über CHF 60‘000.00 stelle einen provi sorischen Rechtsöffnungstitel dar. B.____ habe das Darlehen per 26. Oktober 2017 gekünd igt, womit die Rückzahlung der Darle- hensvaluta an diesem Tag fällig geworden sei und ab de m 27. Oktober 2016 Verzugszinsen geschuldet seien. A.____ vermöge mit ihren Einwendung en die Schuldanerkennung nicht zu entkräften, weshalb die provisorische Rechtsöffnung für die Darlehenssumme abzüglich einer geleisteten Zahlung von CHF 252.55 und zuzüglich Verzugszinsen zu gewähren sei. B. Mit Beschwerde vom 13. Mai 2019 gelangte A.____ an das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht. Sie beantragte, es sei das Urteil des Zivilkreisgerichtspräsiden- ten Basel-Landschaft Ost vom 30. April 2019 aufzuheben und das Gesuch der Beschwerde- gegnerin um provisorische Rechtsöffnung abzuweisen. Die V ollstreckung des angefochtenen Entscheids sei aufzuschieben und die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. B.____ (nachfolg end Beschwerdegegnerin) beantragte mit Beschwerdeantwort vom 5. Juni 2019 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde und des Antrags auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung. C. Der Präsident des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, wies mit Verfü- gung vom 15. Mai 2019 den Antrag der Beschwerdeführeri n auf Aufschiebung der Vollstreck- barkeit des angefochtenen Entscheids ab. Sodann schloss er mit Verfügung vom 6. Juni 2019 den Schriftenwechsel und ordnete den Präsidialentscheid aufgrund der Akten an. Erwägungen 1. Nicht berufungsfähige erstinstanzliche Entscheide sind gem äss Art. 319 lit. a ZPO mit Beschwerde anfechtbar. Rechtsöffnungsentscheide sind nicht berufungsfähig (Art. 309 lit. b Ziff. 3 ZPO), weshalb gegen das angefochtene Urteil das Rechtsmittel der Beschwerde zur Ver- fügung steht. Gemäss Art. 321 ZPO ist die Beschwerde geg en Entscheide, die im summari- schen Verfahren ergangen sind – was auf Rechtsöffnungsen tscheide zutrifft (Art. 251 lit. a ZPO) – innert zehn Tagen seit Zustellung schriftlich und beg ründet bei der Rechtsmittelinstanz einzu- reichen. Der angefochtene Entscheid wurde der Beschwerdeführerin am 3. Mai 2019 zugestellt, womit die Beschwerdefrist am 13. Mai 2019 ablief. Mit Einreichung der Beschwerde am 13. Mai 2019 wurde die Rechtsmittelfrist gewahrt. Der einverla ngte Kostenvorschuss von CHF 750.00 wurde von der Beschwerdeführerin ebenfalls rechtzeitig geleistet. Diese macht im Beschwerde- verfahren eine unrichtige Rechtsanwendung und darüber h inaus eine offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts im Sinne von Art. 320 ZPO geltend. Zumal sämtliche Prozess- voraussetzungen eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Gemäss § 5 Abs. 1 lit. b Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht EG ZPO ist das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kan tonsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreisgerichte sachlich zuständig. 2. Gemäss Art. 326 Abs. 1 ZPO sind im Beschwerdeverfahren n eue Anträge, neue Tatsa- chenbehauptungen und neue Beweismittel ausgeschlossen. E s geht nicht um eine Fortführung des erstinstanzlichen Prozesses, sondern im Wesentlichen um eine Rechtskontrolle des erstin- stanzlichen Entscheids. Angesichts der auf Willkür beschrän kten Überprüfung der vorinstanzli- chen Sachverhaltsfeststellung besteht auch kein Raum für neue Tatsachenbehauptungen und Beweisanträge (F REIBURGHAUS /AFHELDT , in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., 3. Aufl. 2016, Art. 326 N 3). Überprüft wird der angefochtene Entscheid einzig aufgrund der Tatsachen und Akten, welche der Vorinstanz im Zeit punkt des angefochtenen Entscheids bekannt waren. Das Recht ist von Amtes wegen anzuwenden (Art. 57 ZPO). 3.1 In der Beschwerde wird vorgebracht, der ins Recht gele gte Darlehensvertrag, welcher vom Hauptschuldner und von zwei Solidarschuldnern – dar unter die Beschwerdeführerin – un- terzeichnet worden sei, enthalte auf Seite 2 unter dem Titel „Auszahlung“ folgende Bestimmung (nachfolgend Auszahlungsklausel): „Die Auszahlung des Darlehens erfolgt auf das / die vom Kunden angegebene /-n Konto /-i. Voraussetzung der Auszahlung ist, dass dieser Darlehensvertrag B.____ unterschrieben vorliegt, B.____ über die nötigen Krediteröffnungsformalitäten verfügt und der Getränkeliefervertrag mit C.____ zustande- gekommen ist. Kann die Auszahlung wegen fehlenden Voraussetzungen nicht innert den ersten fünf Tagen der Laufzeit stattfinden, fällt dieser Darlehensvertrag dahin.“ Die Beschwerdeführerin führt aus, auf Seite 1 des Darl ehensvertrags sei ersichtlich, dass eine Laufzeit vom 1. März 2016 bis zum 28. Februar 2021 vorgesehen gewesen sei. Gemäss Vergü- tungsauftrag vom 5. April 2016, unterzeichnet vom Haupt schuldner, nicht aber von der Be- schwerdeführerin, sei die Darlehenssumme erst am 12. Apr il 2016 dem Hauptschuldner gutge- schrieben worden, also sieben Tage nach Vertragsunterzei chnung. Da die Auszahlung nicht innerhalb der ersten fünf Tage der Laufzeit stattgefun den habe, sei der Darlehensvertrag ohne weiteres dahingefallen. Die Vertragslaufzeit sei irrtü mlich nicht angepasst worden. Die Erwä- gung der Vorinstanz, dieser Irrtum habe zur Folge, dass damit die Auszahlungsklausel des Dar- lehensvertrags nicht anzuwenden sei, weil dies „stossend“ sein würde, sei rechtlich unhaltbar. Gemäss Art. 18 OR sei der wirkliche übereinstimmende Will e der Vertragsparteien bezüglich der Vertragslaufzeit zu ermitteln. Ein Darlehensvertra g könne nicht „keine“ Vertragslaufzeit ha- ben. Dieser wesentliche Vertragsbestandteil müsse von der Beschwerdegegnerin durch Urkun- den bewiesen werden. Die Beschwerdegegnerin mache hinsi chtlich der Laufzeit ein redaktio- nelles Versehen geltend. Sie spreche sich aber nicht da rüber aus, auf welche Vertragslaufzeit sich alle Parteien gemäss dem handschriftlich unterzeichneten Darlehensvertrag geeinigt haben sollen. Die Ermittlung des wirklichen Willens der Partei en führe zum Resultat, dass der Vertrag am 5. April 2016 vorerst rechtsgültig zustande gekommen sei und die Vertragslaufzeit – diese könne aus der erstmals am 30. Juni 2016 geschuldeten Quar talsrate ermittelt werden – am Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. April 2016, spätestens aber am 5. April 2016 begonn en habe. Die Auszahlung der Darle- henssumme sei erst am 12. April 2016 und damit verspätet erfolgt. Damit sei der Darlehensver- trag dahingefallen, womit kein gültiger provisorischer Rechtsöffnungstitel vorliege. Dementspre- chend sei das angefochtene Urteil der Vorinstanz aufzuhe ben und keine provisorische Rechts- öffnung zu erteilen. 3.2 Die Beschwerdegegnerin bringt demgegenüber hauptsäch lich vor, die Nichtanpassung der Laufzeit im Vertrag sei ein redaktionelles Versehen gewesen, welches keine Auswirkungen auf die Gültigkeit der anderen Vertragsbestimmungen gehabt habe. Die vertragstypische Haupt- leistung beim Gelddarlehen sei nach Art. 312 OR die P flicht des Darleihers zur Verschaffung und Überlassung einer Geldsumme an den Borger für die vertraglich vereinbarte Dauer. Die Übergabe stelle eine Erfüllungshandlung dar und begrü nde keine Rückerstattungspflicht. Viel- mehr entstehe diese grundsätzlich bereits mit dem Vertra gsabschluss, jedoch nur unter der aufschiebenden Bedingung, dass die Auszahlung der Darleh ensvaluta erfolge. Mit der Auszah- lung des Darlehensbetrages am 12. April 2016 sei die R ückerstattungspflicht unbedingt gewor- den. Die Parteien hätten sich ausdrücklich auf dieses Ausz ahlungsdatum geeinigt. Der Darle- hensvertrag sehe auf Seite 1 vor, dass die erste Amortisa tion am 30. Juni 2016 und die letzte Amortisation am 28. Februar 2021 fällig seien. Die L aufzeit des Darlehensvertrags sei klar und ergebe sich aus dem Vertrag selbst. Die Rückerstattungspflicht und die Rückerstattungsmodali- täten würden aus dem klaren Wortlaut des Vertrags hervorgehen. 4.1 Darlehensverträge, die auf eine bestimmte Summe laut en, stellen grundsätzlich eine Schuldanerkennung und damit einen provisorischen Rechts öffnungstitel nach Art. 82 Abs. 1 SchKG dar (BSK SchKG I-S TAEHELIN , 2. Aufl., 2010, Art. 82 N 120, 122). Im Rechtsöffn ungs- verfahren hat der Gläubiger das Bestehen des Darlehensv ertrags, die Auszahlung der Darle- henssumme, falls er vorleistungspflichtig ist und der Schuldner die Auszahlung bestreitet, sowie die Rückzahlungspflicht und die Fälligkeit der betrieb enen Forderung zu belegen (BGE 132 III 480 E. 4.2; BGE 82 II 209 E. 2; BSK SchKG I-S TAEHELIN , 2. Aufl., 2010, Art. 82 N 120). Die Be- schwerdegegnerin stützt ihr Begehren auf einen am 4. / 5. April 2016 unterzeichneten Darle- hensvertrag über den Betrag von CHF 60‘000.00. Darin ist die Beschwerdeführerin als eine von drei Schuldnern aufgeführt. Auf der dritten Seite de s Darlehensvertrags ist die Solidarhaftung der Schuldner für den Darlehensbetrag festgehalten. Mi t dem Darlehensvertrag haben sich die Parteien über die objektiv wesentlichen Vertragspunkt e gemäss Art. 312 OR geeinigt, nämlich über die Pflicht der Beschwerdegegnerin zur Verschaffung und Überlassung der Darlehensvalu- ta von CHF 60'000.00 an die Schuldner für eine vertra glich vereinbarte Dauer sowie die Pflicht der Schuldner zur Rückzahlung der Darlehensvaluta. Unbe stritten und belegt ist, dass die Dar- lehenssumme am 12. April 2016 ausbezahlt worden ist un d die Beschwerdegegnerin den Ver- trag am 26. September 2017 per 26. Oktober 2017 gek ündigt sowie die Rückzahlung des Dar- lehens verlangt hatte, nachdem die Schuldner mit den Am ortisations- und Zinszahlungen mehr als dreissig Tage im Rückstand geraten waren. Abzüglich einer am 27. Januar 2017 geleisteten Zahlung von CHF 252.55 beträgt die sich aus dem Rechtsöf fnungstitel ergebende fällige Rest- forderung CHF 59‘747.45. Der Darlehensvertrag vom 4. / 5. April 2016 stellt damit einen taugli- chen provisorischen Rechtsöffnungstitel dar, welcher zur F ortsetzung der betreffenden Betrei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bung berechtigt, sofern dagegen keine Einwendungen nach Art. 82 Abs. 2 SchKG sofort glaub- haft gemacht werden. 4.2 Im Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung am 4. / 5. Ap ril 2016 wurde die Vertragslaufzeit irrtümlich nicht angepasst. Uneinig sind sich die Parteie n über den Beginn der Vertragslaufzeit. Die Beschwerdeführerin behauptet, die Vorinstanz hätte die Vereinbarung nach Art. 18 OR aus- legen müssen, um hinsichtlich der Vertragslaufzeit den wirklichen Willen aller Parteien zu ermit- teln. Aus einer solchen Auslegung ergebe sich, dass die V ertragslaufzeit am 1. April 2016, spä- testens aber am 5. April 2016 zu laufen begonnen habe. Diese Vorbringen der Beschwerdefüh- rerin hinsichtlich der Laufzeit stellen unzulässige Noven n ach Art. 326 Abs. 1 ZPO dar und sind im Beschwerdeverfahren nicht zu hören. Zudem sind sie a uch nicht zutreffend, denn die Ermitt- lung des Beginns der Vertragslaufzeit nach dem wirklichen Willen der Parteien gemäss Art. 18 OR ist nicht die Aufgabe des Rechtsöffnungsrichters, sonder n des Richters in einem allfälligen materiellen Prozess. Die Prüfung des Rechtsöffnungsricht ers beschränkt sich darauf, ob sich die Zahlungsverpflichtung des betriebenen Schuldners ei ndeutig und endgültig aus dem Rechtsöffnungstitel ergibt. Ist dies der Fall, gewährt der Rechtsöffnungsrichter die provisorische Rechtsöffnung, sofern dem Rechtsöffnungstitel keine berechtigten Einwendungen nach Art. 82 Abs. 2 SchKG entgegenstehen. Andernfalls weist er das Rec htsöffnungsgesuch ab und ver- weist auf das materielle Gerichtsverfahren. Vorliegend sp ielt es für die Pflicht zur Rückerstat- tung der Darlehenssumme keine Rolle, ob die Laufzeit des Darlehensvertrags am 1. März 2016, am 1. April 2016 oder am 5. April 2016 begonnen hat . Vielmehr ist entscheidend, dass die Schuldner mit den Amortisations- und Zinszahlungen in Verzug geraten waren und die Be- schwerdegegnerin gestützt darauf vertraglich berechtigt war, den Darlehensvertrag am 26. September 2017 zu kündigen und die Rückerstattung der gesamten Darlehensvaluta ab- züglich bereits bezahlter Amortisationen zu verlangen. Dam it ist der Beginn der festen Laufzeit für die Beurteilung des provisorischen Rechtsöffnungsgesuc hs nicht rechtserheblich, zumal die Beschwerdeführerin gegen die Höhe der betriebenen Fo rderung und deren Fälligkeit keine Einwendungen erhebt. 5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, mit der verspäte ten Auszahlung der Darlehens- summe sei die Auszahlungsklausel verletzt worden und der Darlehensvertrag dahingefallen. Die Beschwerdeführerin bestreitet indes nicht, dass die b eidseitige Vertragsunterzeichnung ursprünglich im Februar 2016 geplant war und sich aufg rund eines Schuldnerwechsels auf den 4. / 5. April 2016 verzögert hatte. Mit der Unterzeich nung des fraglichen Darlehensvertrags be- kundeten der Hauptschuldner und die beiden Solidarschuld ner ihren Willen, bei der Beschwer- degegnerin ein Darlehen von CHF 60‘000.00 mit einer fester Laufzeit vom 1. März 2016 bis zum 28. Februar 2021 aufzunehmen und diesen Betrag in quartalsweisen Raten zu amortisie- ren sowie entsprechende Zinszahlungen zu leisten. Hinsi chtlich des Auszahlungszeitpunktes des Darlehensbetrags war ursprünglich der 1. März 2016 vorgesehen. Die verzögerte Vertrags- unterzeichnung hatte jedoch zur Folge, dass das vorgese hene Ausführungsdatum geändert werden musste. Mit dem ebenfalls am 5. April 2016 ausgefüllten und unterzeichneten separaten Vergütungsauftrag wies der Hauptschuldner die Darlehe nsgeberin an, die Auszahlung am 12. April 2016 auf sein Konto vorzunehmen. Der Darleh ensbetrag wurde in der Folge fristge- recht am 12. April 2016 auf das angegebene Konto überwiesen. Damit wurde der Darlehensver- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht trag vollzogen. Mit der ausdrücklichen Vereinbarung di eses bestimmten Ausführungsdatums und der Auszahlung am gewünschten Tag haben die Beschwer degegnerin und der Haupt- schuldner klar zu erkennen gegeben, dass sie den Darlehensvertrag auch bei einer Auszahlung der Darlehenssumme am 12. April 2016, d.h. sieben Tage nach Unterzeichnung des Vertrags, gelten lassen wollen. Die Vereinbarung des neuen Ausführungsdatums ersetzt offensichtlich die Klausel im Darlehensvertrag, wonach der Vertrag dahin fällt, wenn die Auszahlung nicht innert fünf Tagen der Laufzeit erfolgt. Damit führt die Ausz ahlung der Darlehensvaluta erst am 12. April 2016 nicht zum Dahinfallen des Darlehensvertrags. 5.2 Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass die erwähnte separate Vereinbarung über den Auszahlungszeitpunkt einen neuen Darlehensvertrag zwisch en der Beschwerdegegnerin und dem Hauptschuldner darstelle, der weder eine Solid arhaftung noch eine durch Unterschrift bekräftigte Schuldanerkennung der Beschwerdeführerin bei nhalte. Die Beschwerdegegnerin müsse sich an den Darlehensnehmer halten. Die Beschwerd egegnerin bestreitet hingegen zu Recht das Vorliegen eines neuen Darlehensvertrags, denn mit der separaten Vereinbarung wurde lediglich der Zeitpunkt der Auszahlung der Darle hensvaluta neu definiert, nachdem die ursprünglich geplante Auszahlung am 1. März 2016 im Zeit punkt der Unterzeichnung des Dar- lehensvertrags am 4. / 5. April 2016 überholt und nich t mehr möglich war. Zwar kann der Be- schwerdeführerin beigepflichtet werden, dass eine persönl iche Handlung eines einzelnen Soli- darschuldners – wie der Abschluss einer individuellen Vere inbarung mit dem Gläubiger –, wel- che die Lage der anderen Mitschuldner erschwert, nach Ar t. 146 OR nur gegenüber dem han- delnden Solidarschuldner wirkt (BSK OR I-G RABER , 6. Aufl., 2015, Art. 146 N 1; KUKO OR- JUNG , 2014). Daraus kann e contrario gefolgert werden, dass persönliche Handlungen (oder Unterlassungen) eines Solidarschuldners, welche die Lage der Mitschuldner begünstigt oder zumindest nicht erschwert, auch für die anderen Schuldne r gelten (BK OR-K RATZ , 2015, Art. 146 N 19). In der vorliegenden Sache ist nicht erke nnbar und wird von der Beschwerdefüh- rerin auch nicht behauptet, dass das zwischen der Beschwerdegegnerin und dem Hauptschuld- ner vereinbarte Auszahlungsdatum vom 12. April 2016 d ie Lage der Beschwerdeführerin in ir- gendeiner Weise erschwert hat. Vor dem Rechtsöffnungsv erfahren hat die Beschwerdeführerin auch nie gegen die Auszahlung am 12. April 2016 prot estiert bzw. sich für den Zeitpunkt der Auszahlung des Darlehens interessiert. Hinzu kommt, dass nach der Rechtsprechung des Bun- desgerichts zu Art. 146 OR zu berücksichtigen ist, aus we lchem Grund die Solidarität entstan- den ist (BGE 116 II 512 E. 2, in Pra 80 Nr. 184, mit Hinweisen; BSK OR I-G RABER , 6. Aufl., 2015, Art. 146 N 8). Aus den Umständen des Einzelfalle s kann sich ergeben, dass das Verhal- ten eines Solidarschuldners nicht nur für ihn selbst A uswirkungen hat, sondern auch für die an- deren Mitschuldner (ZK OR-KRAUSKOPF , 3. Aufl., 2016, Art. 146 N 74). Den vorliegenden A kten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin dem Haupt schuldner ein Darlehen von CHF 60'000.00 im Zusammenhang mit einem von diesem am 12. / 19. Februar 2016 geschlos- senen Getränkelieferungsvertrag mit C.____ gewährt hat. Die Darlehenssumme war für den Hauptschuldner bestimmt. Für ihn war der Zeitpunkt der Auszahlung wichtig. Die Beschwerde- führerin sowie eine weitere Person wurden als Solidar schuldner, mithin als zusätzliche Sicher- heit für die Rückforderung der Darleiherin, in den V ertrag miteinbezogen. Die Festlegung der Darlehensauszahlung am 12. April 2016 erschwerte die Lage der Beschwerdeführerin in keiner Weise. Diese muss sich demnach die separate Vereinbarun g, die einen Mangel im Darlehens- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht vertrag vom 4. / 5. April 2016 korrigiert (Unmöglichkeit der Leistung der Darlehensvaluta innert fünf Tagen ab Beginn der Laufzeit am 1. März 2016) un d den Vollzug des Darlehensvertrags überhaupt möglich gemacht hat, gegen sich gelten lassen. 5.3 Selbst wenn diese separate Vereinbarung über den Ausz ahlungszeitpunkt nicht für die Beschwerdeführerin gelten würde, wäre für diese der Darlehensvertrag nicht dahingefallen. Die Beschwerdegegnerin weist zu Recht auf Art. 20 Abs. 2 OR hin, wonach bei einem Mangel, der bloss einzelne Teile des Vertrags betrifft, nur diese ni chtig werden, wenn nicht anzunehmen ist, dass der Vertrag ohne den nichtigen Teil überhaupt nic ht geschlossen worden wäre. Der Man- gel ist vorliegend in der vereinbarten Auszahlung der Darlehensvaluta innert fünf Tagen ab Be- ginn der Laufzeit zu sehen. Da die Solidarhaftung der Beschwerdeführerin als zusätzliche Si- cherheit diente, war für sie der Auszahlungszeitpunkt des Darlehens von CHF 60‘000.00 an den Hauptschuldner grundsätzlich von untergeordneter Bedeutu ng. Dies zeigt sich darin, dass sich die Beschwerdeführerin nicht um die rechtzeitige Ausza hlung der Darlehensvaluta kümmerte und gegen die – ihrer Ansicht nach verspätete – Auszahl ung am 12. April 2016 keine Einwen- dungen erhob. Insofern wäre der Darlehensvertrag gege nüber der Beschwerdeführerin ohne den im Zeitpunkt der Unterzeichnung unmöglichen Teil des Vertrags gültig geblieben. Bei dieser Ausgangslage kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführ erin ein rechtsmissbräuchliches Ver- halten vorzuwerfen ist, indem sie im Rechtsöffnungsverf ahren erstmals die verspätete Auszah- lung der Darlehensvaluta und daraus folgend die Nichti gkeit des Darlehensvertrags geltend gemacht hat. 6. Im Ergebnis vermag die Beschwerdeführerin mit den vorge brachten Rügen nicht durch- zudringen. Die Vorinstanz hat der Beschwerdegegnerin zu R echt die provisorische Rechtsöff- nung für die betriebene Forderung erteilt. Die Beschw erde ist daher abzuweisen, womit der Rechtsöffnungsentscheid des Präsidenten des Zivilkreisgericht s Basel-Landschaft Ost vom 30. April 2019 bestätigt wird. Entsprechend diesem Au sgang sind der Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 106 Abs. 1 ZPO die Kosten des kant onsgerichtlichen Verfahrens aufzuer- legen. Die Entscheidgebühr für das Beschwerdeverfahren i st in Anwendung von Art. 61 i.V.m. Art. 48 der Gebührenverordnung zum Bundesgesetz über S chuldbetreibung und Konkurs (GebV SchKG) auf pauschal CHF 750.00 festzulegen und mit dem von der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss von CHF 750.00 zu verrechnen. Darüber hinaus hat die unterlie- gende Beschwerdeführerin für das Rechtsmittelverfahren eine Parteientschädigung an die Be- schwerdegegnerin zu bezahlen, welche sich nach dem Zeitauf wand bemisst (§ 5 der Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte, SGS 178.112). In diesem Zusammenhang hat die Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin eine Kostenzusammenstellung vom 5. Juni 2019 für ihren vom 5. November 2018 bis zum 5. Juni 2019 erbrac hten Aufwand eingereicht. Da die Be- schwerde am 13. Mai 2019 erhoben worden ist, können für das Rechtsmittelverfahren einzig die ausgewiesenen Aufwendungen und Spesen ab dem 14. Mai 2019 berücksichtigt werden. Diese betragen insgesamt CHF 1‘104.17 zuzüglich Spesen von C HF 23.90. Hinzu kommt eine Mehr- wertsteuerabgabe von CHF 86.86, womit die Parteientsch ädigung zugunsten der Beschwerde- gegnerin aufgerundet CHF 1‘214.95 beträgt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren von CHF 7 50.00 wird der Beschwerdeführerin auferlegt. Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin eine Parteient- schädigung von CHF 1‘214.95 (inkl. Spesen und inkl. 7,7 % MWST von CHF 86.86) zu bezahlen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco