B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-2897/2024 U r t e i l v o m 15 . M a i 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichter Sebastian Kempe, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Gero Vaagt. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 30. April 2024 / (…). F-2897/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der am (…) geborene Beschwerdeführer ist äthiopischer Staatsangehöri- ger. Am 15. April 2024 ersuchte er in der Schweiz um Asyl (Akten der Vo- rinstanz [SEM-act.] 1/2 und 2/1). Ein Abgleich mit der europäischen Finger- abdruck-Datenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass er seit dem Jahre 2015 mehrfach in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland Asylanträge gestellt hatte. Konkret hatte er viermal in Frank- reich – am 30. November 2015, 1. Juni 2021, 24. Juni 2021 und 25. März 2024 –, dreimal in Belgien – am 16. Oktober 2018, 23. Februar 2022 und 27. Januar 2023 – sowie jeweils einmal in den Niederlanden – am 21. Ja- nuar 2021 – und in Deutschland – am 1. Juli 2022 – um Asyl ersucht (SEM- act. 6/2). Am 19. April 2024 bevollmächtigte er die ihm zugewiesene Rechtsvertretung (SEM-act. 10/2). B. Am 23. April 2024 gewährte ihm die Vorinstanz in Anwesenheit seiner Rechtsvertretung im Rahmen des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) das rechtliche Gehör (SEM -act. 11/3) zur möglichen Zuständigkeit Frank- reichs oder Belgiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver- fahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Wegweisung in einen dieser Dublin-Mitgliedstaaten sowie zu seinem Gesundheitszustand (nachfolgend: Dublin-Gespräch). C. Im Anschluss ersuchte die Vorinstanz am 25. April 2024 die belgischen Be- hörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers (SEM-act. 12/6). Die belgischen Behörden hiessen das Übernahmeersuchen gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO mit Schreiben vom 30. April 2024 gut (SEM-act. 14/1). D. Mit Verfügung vom 30. April 2024, eröffnet am 2. Mai 2024 , trat die Vo- rinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Wegwei- sung aus der Schweiz nach Belgien an und forderte ihn auf, die Schweiz F-2897/2024 Seite 3 spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleich- zeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Beschwerde von Geset- zes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und beauftragte den Kan- ton B._______ mit dem Vollzug der Wegweisung (SEM-act. 15/12). E. Am 2. Mai 2024 teilte die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers der Vo- rinstanz die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit (SEM-act. 18/1). F. Mit Eingabe vom 8. Mai 2024 gelangte der Beschwerdeführer gegen die Verfügung vom 30. April 2024 an das Bundesverwaltungsgericht. Er bean- tragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und sein Asylgesuch sei durch die Vorinstanz in der Schweiz zu prüfen. Weiter beantragt er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses sei zu verzichten (Akten im Beschwerdeverfahren [BVGer- act.] 1). G. Am 10. Mai 2024 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen Vollzugsstopp gestützt auf Art. 56 VwVG an (BVGer-act. 2). F-2897/2024 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). 1.2 Gemäss Art. 105 AsylG in Verbindung mit Art. 31 VGG ist das Bundes- verwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zuständig. Es entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess- lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge- rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2; je m.w.H.). 2.3 Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt wird – als offensichtlich unbegründet, weshalb si e im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). F-2897/2024 Seite 5 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8-15 Dub lin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 3.3 Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) – wie es in casu vorliegt – findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeits- prüfung nach Kapitel III statt. Demgegenüber sind im Fall eines sogenann- ten Aufnahmeverfahrens (engl.: ta ke charge) die in Kapitel III (Art. 8 -15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; Art. 7 Abs. 1 Dublin-III- VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem d er Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, aus- zugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO; vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 3.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als zuständig b estimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen o der entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU -Grundrechte- charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied- staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu- stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit- gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 3.5 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge- nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer F-2897/2024 Seite 6 Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 3.6 Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann das SEM das Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein an- derer Staat zuständig wäre. Bei dieser Entscheidung kommt dem SEM Er- messen zu; das Bundesverwaltungsgericht darf sein ei genes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (vgl. BVGE 2015/9 E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 4. 4.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Euro- dac-Datenbank ergab, dass dieser bereits am 27. Januar 2023 in Belgien um Asyl nachgesucht hatte (SEM-act. 6/2). Dies bestätigte der Beschwer- deführer im Rahmen des Dublin -Gesprächs und gab darüber hinaus an, zuletzt von Belgien aus nach Frankreich gereist zu sein und sich dort ca. einen Monat aufgehalten zu haben, bevor er in die Sch weiz weitergereist sei (SEM-act. 11/3). Die Vorinstanz ersuchte daraufhin die belgischen Be- hörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers (SEM-act. 12/6). Am 30. April 2024 stimmten die belgischen Behörden dem Ersuchen um Wie- deraufnahme gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO zu (SEM - act. 14/1). 4.2 Die grundsätzliche Zuständigkeit Belgiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens ist somit gegeben. Es liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Zuständigkeit Belgiens erloschen sein könnte. Insbesondere ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerde - führer – entsprechend seiner Angaben im Dublin -Gespräch (SEM - act. 11/3) – bis zu seiner Weiterreise in die Schweiz ununterbrochen im Schengen-Raum aufgehalten hat. 5. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts weist das Asylverfahren in Belgien keine systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO auf (vgl. anstelle vieler: Urteil des BVGer F-2118/2024 vom 12. April 2024 E. 5 m.w.H.). Dies stellt der Beschwerde- führer nicht in Frage, weshalb sich Weiterungen dazu erübrigen. Unter die- sen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht ge- rechtfertigt.F-2897/2024 Seite 7 6. 6.1 Zur Frage des Selbsteintrittsrechts nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dub- lin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, ist Folgendes auszufüh- ren: 6.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerdeschrift (BVGer - act. 1) geltend, dass er in Belgien auf der Strasse leben müsse, da er keine Unterkunft erhalte. Auch sonst erhalte er keine Sozialleistungen und dürfe nicht arbeiten. Daher habe er kein Geld, weder um selbst eine Wohnung zu mieten noch sich Nahrungsmittel und/oder Medikamente zu kaufen. In Belgien seien seine Gesundheit und sein Leben in Gefahr. Im Rahmen des Dublin-Gesprächs gab der Beschwerdeführer hinsichtlich seiner gesund- heitlichen Situation an, dass es ihm psychisch nicht gut gehe. Er habe sein Heimatland im Alter von 13 Jahren verlassen und lebe seit vielen Jahren ohne Aufenthaltsdokumente und Arbeit in Europa. Niemand kümmere sich um ihn. Diese Situation mache ihn verrückt und er könne nicht mehr klar denken. Medikamente nehme er nicht ein, da diese ihn nur noch verrückter machten. In Belgien habe er sich bereits das Leben nehmen wollen . Um dies zur verdeutlichen, zeigte er Ritzspuren an Armen und Schulter. Ab- schliessend führte er aus, dass er Selbstmord begehen werde, falls er nach Belgien zurückkehren müsse (SEM-act. 11/3). 6.3 Belgien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rec htsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls zur FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301). Ausserdem wird Belgien durch die Richtlinien des Europäi- schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna- tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), gebunden. 6.4 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Belgien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Personen in der Situation des Beschwerdeführers nach kommt und insbe- sondere auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Ver - fahrens- und der Aufnahmerichtlinie ergeben. Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden; hierfür bedarf es aber konkreter und F-2897/2024 Seite 8 ernsthafter Hinweise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer F -651/2023 vom 17. Februar 2023 E. 8.2). 6.5 Der Beschwerdeführer hat keine konkreten und ernsthaften Hinweise für die Annahme dargetan, Belgien würde ihm dauerhaft d ie ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen, bei- spielsweise eine menschenwürdige Notversorgung vorenthalten. Im Übri- gen ist davon auszugehen, dass er sich bei einer vorübergehenden Ein- schränkung nötigenfalls an die belgischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Seine Befürchtung, bei einer Rück- kehr nach Belgien mittellos und ohne Unterkunft dazustehen, erweist sich demnach als unbegründet. 6.6 Den Akten lassen sich auch keine Gründe für die Annahme entnehmen, Belgien werde im Fall des Beschwerdeführers den Grundsatz des Non - Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet wäre oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Belgien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. 6.7 Bezüglich der gesundheitlichen Aspekte ist festzuhalten, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Schwerkranke durch die Rückführung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit ei- nem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwie- derbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. anstatt vieler Urteil des BV Ger F-3746/2023 vom 11. Juli 2023 E. 6.4 unter Verweis auf das Urteil des Eu- ropäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180-193; letzteres bestätigt durch Urteil des EGMR Sa vran gegen Dänemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, 57467/15, §§ 121 ff.). F-2897/2024 Seite 9 6.8 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer im Rahmen des Dublin -Ge- sprächs geltend gemachten psychischen Beschwerden ( SEM-act. 11/3 und zuvor E. 6.2) ist anzumerken, dass er, soweit aus den Akten ersichtlich, keinerlei medizinische Hilfe in Anspruch genommen hat. Darüber hinaus hat er bezüglich psychischer Beschwerden auch nichts weiter in der Be- schwerdeschrift ausgeführt. Unabhängig davon sind die von ihm im Rah- men des Dublin-Gesprächs vorgebrachten psychischen Beschwerden («er sei verrückt geworden») im Lichte der obengenannten Rechtsprechung nicht als derart schwerwiegend anzusehen, dass aus humanitären Grün- den oder gar wegen einer drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK von ei- ner Überstellung nach Belgien abgesehen werden müsste. Betreffend die Ausführung, wonach er im Falle einer Überstellung nach Belgien Selbst- mord begehen werde, ist festzuhalten, dass gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts Suizidalität für sich alleine kein Vollzugshin- dernis darstellt (vgl. Urteil des BVGer E -5975/2022 vom 3. Januar 2023 E. 5.5; E-685/2021 vom 23. Februar 2021 E. 7.3.3 m.w.H.). Zudem kann auch einer allfällig akzentuierten Suizidalität mit geeigneten Massnahmen der Vollzugsbehörden Rechnung getragen werden. Dem wird vorliegend dadurch entsprochen, dass die Vorinstanz in den Überstellungsmodalitäten auf die psychischen Probleme des Beschwerdeführers hinweist (SEM - act. 17/1). 6.9 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über - respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang einer weiteren Überprüfung. 6.10 Es liegen somit weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, wel- che die Sc hweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch bestehen Rechtsfehler bei der Ermessensbetätigung. Es besteht folglich kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Ver- bindung mit Art. 17 Dublin-III-VO. 7. Die Vorinstanz ist daher zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch de s Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder F-2897/2024 Seite 10 Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Wegweisung nach Belgien in An- wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. 8.1 Mit vorliegendem Urteil fällt der am 10. Mai 2024 angeordnete Voll- zugsstopp dahin. Die Gesuche um Gewährung der aufschiebenden W ir- kung der Beschwerde und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses sind mit heutigem Entscheid gegenstandslos geworden. 8.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, wel- ches als Gesuch um unentgeltliche Prozessführung zu verstehen ist, ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun- gen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind und dies auch schon im Zeitpunkt der Gesuchstellung waren (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 8.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-2897/2024 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und an die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Sebastian Kempe Gero Vaagt Versand: