Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. Mai 2016 (720 15 336 / 130) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Aufhebung der angefochtenen Verfügung, da diese auf unzureichenden medizinischen Abklärungsergebnissen beruht Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber i.V. Marcel Czaja Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Peter Bürkli, Advokat, LL.M., St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A1. Die 1956 geborene A.____ erlitt in den Jahren 2004 und 2005 zwei Hirnschläge und meldete sich mit Gesuch vom 22. November 2005 erstm als bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die in der Folge durchgeführten gesundheitlichen Untersuchungen ergaben, dass die Versicherte nach d en zwei erlittenen Hirnschlägen unter progredienten Schulterschmerzen sowie unter zunehme nder Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Kon- zentrationsstörungen litt. Eine leichte, körperlich angepasste Tätigkeit im Umfang von 50% wur- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht de ihr zugemutet. Aus dem Einkommensvergleich resultier te ein Invaliditätsgrad von 58%. Aus diesem Grund sprach ihr die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. Februar 2008 rückwirkend ab 1. Januar 2006 eine halbe Invalidenrente sowie eine K inderrente für ihren damals noch minder- jährigen Sohn zu. A2. Im Jahr 2009 leitete die IV-Stelle eine Revision v on Amtes wegen ein. Die durchgeführte Begutachtung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RA D) ergab eine relevante Verbesse- rung des Gesundheitszustandes, vor allem im Bereich der li nken Schulter. Eine leicht- bis mit- telschwere Tätigkeit ohne dauernde Belastung des linken Armes über der Horizontalen oder in dauernder Vorhaltung wurde als vollschichtig zumutbar er achtet. Die weiteren medizinischen Diagnosen waren zu diesem Zeitpunkt bereits als solche o hne Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit anzusehen. Gestützt auf diese medizinische Begutachtu ng wurde die Rente mit Verfügung vom 27. November 2009 bei einem Invaliditätsgrad von 10% per Ende 2009 aufgehoben. A3. Mit Gesuch vom 3. Februar 2014 meldete sich A.____ a ufgrund einer neu aufgetretenen rheumatoiden Arthritis wiederum bei der IV-Stelle zum Bezug von Leistungen an. Die medizini- schen Abklärungen ergaben eine Verschlechterung des Gesundh eitszustandes und dass ihr deswegen lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit von 50% i n einer angepassten Tätigkeit zugemu- tet werden kann. Da sie seit der Rentenaufhebung im Jah r 2009 lediglich in einem 35% Pen- sum erwerbstätig war, erfolgte die Berechnung des Inval iditätsgrades unter Anwendung der gemischten Berechnungsmethode (35% Erwerb / 65% Hausha lt). Die Abklärungen vom 19. Juni 2015 ergaben eine Einschränkung von 36.8% i n der Haushaltstätigkeit. Im Ergebnis resultierte deswegen ein Invaliditätsgrad von 35%. Gest ützt darauf wurde das Rentengesuch der Versicherten mit Verfügung vom 24. September 2015 abgelehnt. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokat Peter Bürkli n amens und im Auftrag von A.____ am 28. Oktober 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Base l-Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 24. September 2015 betreffend den Anspruch auf ein e Invalidenrente, soweit ein Invalidi- tätsgrad von lediglich 35% festgestellt wurde, aufzuheb en und an die Vorinstanz zurückzuwei- sen und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die gesetzliche Leistung per 1. Oktober 2014 auszurichten. Es sei der Sachverhalt vollständig fes tzustellen. Es sei die Vorinstanz zu verpflichten, ein polydisziplinäres Gutachten bezüglich der zumutbaren Erwerbstätigkeit und der Einschränkung in der Haushaltsführung zu erstellen. Es se i der Beschwerdeführerin per 1. Ok- tober 2014 eine ihrem Invaliditätsgrad entsprechende I nvalidenrente zuzusprechen; alles unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung bringt der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, dass der medizin ische Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt worden sei. Zudem sei nicht geklärt, inwiefern die verschiedenen Erkrankungen auf- einander einwirken und allenfalls zu einer additiven V erschlechterung führten. Ebenfalls müsse abgeklärt werden, ob die in den beiden Tätigkeitsber eichen Haushalt und Erwerb vorhandenen Belastungen einander wechselseitig beeinflussen. Auch müsse ein leidensbedingter Abzug von mindestens 15% gewährt werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Januar 2016 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Am 12. Februar 2016 reichte die Beschwerdeführerin eine Replik, die Beschwerdegeg- nerin am 21. März 2016 eine Duplik ein. Beide Parteie n hielten an ihren eingangs gestellten Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 28. Oktober 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer in eine Invalidenrente zusteht. 2.2 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.3 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345, E. 3.1.1). 2.4 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30, E. 1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99, E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232, E. 5.1; 125 V 352, E. 3a; 122 V 160, E. 1c). 5.1 Die Beschwerdeführerin moniert, der medizinische S achverhalt und ihr Gesundheitszu- stand seien nicht vollständig abgeklärt worden und macht zusammenfassend geltend, dass seit der Rentenaufhebung Ende 2009 neurologische, psychiatrische, orthopädische, kardiologische, rheumatologische sowie pneumologische Beschwerden aufgetreten seien. 5.2.1 In pneumologischer Hinsicht bringt die Beschwerdef ührerin vor, dass bei ihr bereits an- fangs 2014 pneumologische Probleme in Form eines hartn äckigen, therapieresistenten Reiz- hustens und einer Belastungsdyspnoe aufgetreten seien. D eswegen stehe sie seit Juli 2014 in Behandlung im Spital B.____. In diversen Berichten we rden verschiedene Untersuchungen be- schrieben und diverse pneumologische Befunde erhoben. I m Bericht vom 5. März 2015 kommt das Spital B.____ zum Schluss, dass keine Arbeitsunfähigkeit wegen pneumologischen Erkran- kungen bestehe, sondern die gesamten Einschränkungen rh eumatologisch bedingt seien. Im weiteren Verlauf äusserte sich Dr. C.____ am 2. April 2015 dahingehend, dass weitere pneumologische Daten einzuholen seien. Es kam am 27. A pril und am 21. Oktober 2015 zu erneuten ambulanten Behandlungen aufgrund wiederauf tretenden Beschwerden, insbesondere aufgrund des Reizhustens. 5.2.2. In den genannten Berichten werden zwar verschied ene Diagnosen gestellt, jedoch äus- sern sich diese nicht zu einer möglichen Arbeitsunfähigk eit. Aus diesem Umstand kann nicht – wie von der Beschwerdegegnerin erwogen – geschlossen we rden, dass im Umkehrschluss kei- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit besteht. Vielmehr wird die pneumologische Situation neu abzuklären sein, insbesondere ob sich die geklagten Beschw erden und Befunde auf die Ar- beitsfähigkeit auswirken und ob sie eine additive Wirkung zeigen. 5.3.1 Aufgrund der Wiederanmeldung bei der IV ersuch te die IV-Stelle die behandelnden Ärz- te Dr. C.____ und Dr. D.____ um eine Einschätzung de r verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin. In seinen rheumatologischen Berichten vom 5. November 2014 und 2. April 2015 attestierte Dr. C.____ als Diagnosen mit Auswirkun g auf die Arbeitsfähigkeit eine erosiv verlaufende rheumatoide Arthritis, Rheumafaktor positiv, Anti-CPP negativ, ANA negativ sowie ein intermittierend lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei A nulus fibrosus-Riss Bandscheibe L5/S1 mit kleiner Protrusion und Überlastungszeichen Inte rvertebralgelenk L5/S1 mit Reizer- guss (Beschwerden an der Lendenwirbelsäule). Daneben di agnostizierte er weitere Beschwer- den ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Erschwert werde die Behandlung der rheumatoi- den Arthritis dadurch, dass die Medikamentenabgabe aufgr und der bekannten Leberpathologie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingeschränkt sei. Unter der aktuellen Therapie mit To cilizumab bestehe aber ein stabiler Ver- lauf der Erkrankung bzw. sei aktuell bezüglich der rheum atoiden Arthritis sogar eine partielle Remission zu verzeichnen, jedoch mit Wiederauftreten von Morgensteifigkeit. Eine Synovitis habe bisher nicht objektiviert werden können. Bedarfswei se werde im Falle einer entzündlichen Flare-Situation Prednison eingesetzt. Er attestierte eine medizinisch begründete Arbeitsunfä- higkeit von 75% in der angestammten Tätigkeit aus rein r heumatologischer Sicht. Für eine an- gepasste Verweistätigkeit, nämlich für eine Tätigkeit oh ne manuelle Anforderungen, bestehe aber eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab dem 1. Quartal 2015. 5.3.2 In seinem Bericht vom 23. Dezember 2014 attestie rte Dr. D.____ als Diagnose mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine seropositive, ero siv verlaufende rheumatoide Arthritis so- wie einen hochgradigen Verdacht auf eine Lungenfibro se. Daneben diagnostizierte er weitere Beschwerden ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. D ie rheumatische Erkrankung äussere sich in Schwellungen und Schmerzen an den Händen, Hand gelenken und Fingern und zuneh- mend auch in der Morgensteifigkeit in den Händen und einem Kraftverlust. Zudem würden auch Schmerzen im rechten Kniegelenk auftreten. Aufgrund de r Gelenkschmerzen und Schwellun- gen vor allem an Händen und Füssen beidseitig, der Kra ftverminderung und motorischen Unsi- cherheiten sowie deutlicher Dyspnoe und Husten bei gering er Anstrengung könne die Be- schwerdeführerin seit dem 1. Februar 2014 weder beruf lich noch privat Reinigungsarbeiten ausüben. Er attestierte ihr deshalb eine Arbeitsunfäh igkeit von 100% sowohl in ihrer bisherigen wie auch in einer adaptierten Tätigkeit. 5.3.3 Aus dem dargelegten Sachverhalt ergibt sich offe nsichtlich, dass sich der Gesundheits- zustand seit der Rentenaufhebung Ende 2009 vor allem d urch das Auftreten einer erosiv ver- laufenden rheumatoiden Arthritis verschlechtert hat. Die in diesem Zusammenhang vorgelegten Berichte von Dr. C.____ vom 5. November 2014 und 2. April 2015 erweisen sich in mehreren Bereichen als nicht ausreichend, um den Gesundheitszusta nd und die Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin abschliessend zu beurteilen. Bezogen au f die Restarbeitsfähigkeit äussert sich Dr. C.____ dahingehend, dass bei der Beschwerdeführ erin eine „…Arbeitsfähigkeit für [ei- ne] leichte Tätigkeit, ohne manuelle Anforderungen…“ b estehe. Er führt jedoch nicht näher aus, welche Arbeiten konkret der Beschwerdeführerin noch zuzum uten sind und wie eine mögliche Arbeitstätigkeit auszusehen hat. Insofern ist nicht nach vollziehbar – auch aufgrund der geklag- ten Beschwerden – wie die Beschwerdeführerin eine 50%i ge Restarbeitsfähigkeit in einer Tä- tigkeit ohne manuelle Anforderungen zu verwerten vermag. In den Berichten fehlt vielmehr eine nachvollziehbare Begründung für die in einer adaptier ten Verweistätigkeit attestierte Arbeitsfä- higkeit. Selbst wenn eine Begründung vorhanden wäre, st ellt sich in einem nächsten Schritt die Frage, ob die erwähnte Restarbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit überhaupt auf dem Ar- beitsmarkt noch verwertbar wäre. Diese Frage kann an die ser Stelle aber offen bleiben. Weiter fällt auf, dass insbesondere die Auswirkungen der diagn ostizierten Gesundheitsbeeinträchti- gung auf den Alltag und somit die Erwerbsfähigkeit im Bericht vom 2. April 2015 nicht anamnes- tisch erhoben wurden, weshalb dem Bericht eine wesentli che Grundlage fehlt. Aus diesen Gründen kann nicht auf die Berichte von Dr. C.____ abgestellt werden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.4 Nichts anderes gilt für den Bericht von Dr. D.__ __ vom 23. Dezember 2014. Dieser be- rücksichtigt auch die pneumologischen Beschwerden als Diagn ose mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit und er lässt sie in die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit miteinfliessen. Aus die- sem Grund erachtet er die Beschwerdeführerin – abweich end zur rein rheumatologischen Beur- teilung von Dr. C.____ – als zu 100% arbeitsunfähig in allen Bereichen. Es ist somit unklar, wie hoch die Einschränkung im rheumatologischen Bereich ist und wie sich diese auf die Arbeitsfä- higkeit der Beschwerdeführerin auswirkt. An der Einschätz ung von Dr. D.____ bezüglich der 100%igen Arbeitsunfähigkeit kommen Zweifel auf, äusser n sich doch die Berichte des Spitals B.____ vom 27. April und 21. Oktober 2015 nicht explizit zu einer möglichen Arbeitsunfähigkeit aus pneumologischer Sicht (siehe E. 5.2.7) und ist Dr. D.____ vor allem kein Facharzt auf dem Gebiet der Pneumologie. 5.4 Da die Angelegenheit aufgrund der vorstehenden Au sführungen ohnehin weiterer Abklä- rungen bedarf, kann offen bleiben, wie sich der Gesund heitszustand in neurologischer, psychi- atrischer, orthopädischer sowie kardiologischer Hinsicht un d dessen Auswirkungen auf die Ar- beitsfähigkeit präsentiert. 5.5 Zusammenfassend zeigt sich, dass mit den vorhandenen B erichten die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin insbesondere in den Bereichen Pneumologie und Rheumatologie nicht schlüssig beurteilt werden kann, zumal diese auch erhebli ch voneinander abweichen. Der me- dizinische Sachverhalt bedarf deshalb weiterer Abklärung en. Aus den gesamten Ausführungen ergibt sich, dass in dieser Angelegenheit ein polydiszipl inäres Gutachten zur Würdigung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung aller bisherigen ergangenen medizinischen Berichte in Au ftrag zu geben ist. Weiter wird sich das polydisziplinäre Gutachten nach der medizinischen Beur teilung auch zur Umsetzung der verbleibenden Fähigkeiten im Erwerbsbereich sowie im H aushalt zu äussern haben. Gestützt auf die Ergebnisse wird die IV-Stelle sodann über den Rentenanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. 5.6 Bei diesem Ausgang kann eine Würdigung der weite ren aufgeworfenen Vorbringen in der Beschwerde unterbleiben. 6. Dem Gesagten nach beruht die Verfügung der IV-St elle auf unzureichenden medizini- schen Abklärungsergebnissen. 6.1 Im Entscheid 137 V 210 ff. hat das Bundesgericht die bisherige ständige Rechtspre- chung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die frei e Wahl hatte, bei festgestellter Abklä- rungsbedürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen oder aber selber zur Herstellung der Spruchreife zu schreiten, geändert. Es h at erkannt, dass die Beschwer- deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einzuhole n hat und eine Rückweisung an die IV- Stelle nur noch in Ausnahmefällen erfolgen soll. Da es Aufgabe der Verwaltung und nicht der Beschwerdeinstanz ist, für eine erstmalige vollständige Erhebung des massgebenden Sachver- haltes besorgt zu sein, liegt ein solcher Ausnahmefall et wa vor, wenn ein relevanter Aspekt des medizinischen Sachverhaltes durch die Verwaltung nicht a bgeklärt worden ist oder wenn ledig- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforder- lich ist. Vorliegend hat es die Beschwerdegegnerin unte rlassen, zur Klärung der aufgeworfenen Fragen den medizinischen Sachverhalt vollständig zu erhe ben. Es ist indes nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte, im Verwaltungsverfahren versäum te medizinische Abklärungen nach- zuholen. Somit steht einer Rückweisung an die Vorinstanz n ichts entgegen. Demnach ist die vorliegende Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung vom 24. September 2015 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurück- gewiesen wird. 7. Es bleibt, über die Kosten zu befinden. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61, E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235, E. 6.2; je mit Hinweisen). 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanz en – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten aufe rlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten er hoben werden. Der Beschwerde- führerin ist der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.- zurückzuerstatten. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Honorarnote vom 12. Februar 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 25.25 Stunden geltend gemacht, was sich um fangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als unangemessen und deutlich zu hoch erweist. In vergleichbaren Fällen entsteht üblicherweise ein Zeita ufwand zwischen 10 und 20 Stunden, weshalb es sich rechtfertigt, den gesamthaft resultieren den Aufwand um 10 Stunden zu redu- zieren. Die Bemühungen sind sodann zu dem in Sozialversi cherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind die in der Hon orarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 294.50. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘435.55 (15.25 Stunden à Fr. 250.- + Auslagen vo n Fr. 294.50 zuzüglich 8 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481, E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 8.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g – wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst – einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BG G) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 , E. 2.2; bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 24. Septe mber 2015 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV- Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine redu- zierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘435.55 (inkl. Ausla- gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht