B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2949/2011 law/joc/sed U r t e i l v o m 10 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Fulvio Häfeli, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren am (…), und deren Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Pakistan, vertreten durch lic. iur. Isabelle A. Müller, Caritas Schweiz, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Vefahren); Verfügung des BFM vom 13. Mai 2011 / N (…). D-2949/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin A._______ reiste eigenen Angaben zufolge am 24. Januar 2011 zusammen mit ihren Kindern B._______, C._______ und D._______ in die Schweiz ein, wo sie am 31. Januar 2011 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl ersuchte. Dort wurde sie am 3 . Februar 2011 summarisch zu ihren Ausreisegründen aus dem Heimatstaat befragt. Dabei machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie habe zusammen mit ihrem pakistanischen Ehemann acht Jahre lang in E._______, Italien, gelebt. Da ihr Ehemann dort bereits vor ihrer Heirat im Jahre 2003 über ein "permesso di soggiorno" (Aufenthalts bewilligung) verfügt habe, habe sie in Italien ebenfalls eine Aufenthaltsbewilligung er- halten. Um Asyl habe sie in Italien nicht ersucht. Im Januar 2010 sei sie mit ihren Kindern und mit ihrem Ehemann nach Pakistan gereist. Ihr Ehemann habe sie unter dem Vorwand, dass dessen Mutter erkrankt sei, dorthin gebracht. Nach ihrer Ankunft habe er ihr alle Dokumente wegg e- nommen und ihr verboten, nach Italien zurückzukehren. Er selber sei fünf Tage später nach Italien gereist. Sie sei schwanger gewesen und habe am (…) in Pakistan ihr viertes Kind, F._______, geboren. Von Januar bis August 2010 habe sie zusammen mit den Kindern in einem Zimmer leben müssen, keinen Besuch empfangen und nicht telefonieren dürfen. Sie hätten hungern müssen und seien durch die Familie ihres Mannes g e- schlagen worden. Am 3. August 2010 sei ihr Ehemann nach Pakistan z u- rückgekehrt. Er und seine Familie hätten sie geschlagen und ihr gedroht, sie und ihre Kinder umzubringen. Sie habe das Hausmädchen gebeten, Kontakt zu ihrer Familie aufzunehmen. Ihre Familie habe danach einen Antrag beim G._______ gestellt und diesem mitgeteilt, dass sie und die Kinder eingesperrt seien. Die Poliz ei habe sie anschliessend befreit. Vor Gericht seien ihr die Kinder zugesprochen worden. Es sei ein Besuch s- recht vereinbart worden. Ihr Ehemann sei am 2. oder 3. September 2010 nach Italien zurück gereist. Danach habe er keinen Kontakt mehr aufg e- nommen und sie habe bei ihren Eltern in Pakistan gelebt. Gemäss einge- reichtem Polizeirapport sei ihr Ehemann am 21. Oktober 2010 wied er nach Pakistan gelangt. Am 5. November 2010 habe ihr Ehemann sie au f- gesucht und in Begleitung von acht bewaffneten Männern in einen Raum gesperrt. Ihre Kinder seien entführt worden. Die Polizei sei benachrichtigt und die Kinder schliesslich am 5. Dezember 2010 in einem Keller aufge- funden worden. Ihr Ehemann und dessen zweite Frau, die er zwische n-D-2949/2011 Seite 3 zeitlich geheiratet habe, seien verhaftet worden. Das H._______ habe ihr daraufhin die Kinder zugesprochen. Ihr Ehemann sei durch Best e- chungsgelder freigekommen. Danach habe er ihr und ihren Kindern ö f- fentlich mit dem Tod gedroht. Sie habe mit der italienischen Botschaft Kontakt aufgenommen, um ein Visum für ihr jüngstes Kind zu erhalten. Dies sei ihr verweigert worden. Deshalb habe sie F._______ bei ihrer Mutter in Pakistan zurückgelassen und sei mit ihren drei andern Kindern am (…) von Islamabad nach I._______, Italien ge flogen. Ein Sorg e- rechtsantrag ihres Ehemannes für F._______ sei durch das H._______ in Pakistan abgewiesen worden. Nach ihrer Ankunft in Italien habe sie sich nach E._______ zu Freunden begeben und erneut versucht, für ihr jüngs- tes Kind ein Visum zu erhalten. Am 24. Januar 2011 seien sie in die Schweiz gereist. Die Beschwerdeführerin reichte beim BFM beglaubigte Kopien eines G e- burtsscheines, einer Heiratsurkunde, italienische Aufenthaltsbewilligun- gen sie und ihre drei älteren Kinder betreffend, alle ausgestellt im April 2008 und gültig bis im April 2013, eine italienische Identitätskarte, einen abgelaufenen Pass, eine beglaubigte Kopie eines Geburtsscheines sowie eine Kopie eines pakistanischen Passes von F._______, eine beglaubigte Kopie eines italienischen Familienregistrationscheines, ein Familienregis- terauszug der Beschwerdeführerin und ihrer drei älteren Kinder, einen ita- lienischen Geburtsschein von D._______, eine Ko pie eines italienischen Identitätspapiers lautend auf ihren Ehemann, eine Ko pie dessen Aufent- haltsbewilligung, eine Kopie eines italienischen Identitätspapiers lautend auf die Beschwerdeführerin , diverse Kopien des pakistanischen Passes ihres Ehemannes, diverse pakistanische Gerichtsunterlagen (inkl. engl i- scher Übersetzung), verschiedene Fotos bet reffend die Verhaftung ihres Ehemannes und dessen zweiter Ehefrau, ein Flugti cket Islamabad - I._______ sowie handschriftliche Notizen zu den Akten. B. In der Befragung vom 3. Februar 2011 wurde der Beschwerdeführerin durch das BFM das rechtliche Gehör zu ein er allfälligen Wegweisung nach Italien gewährt. Dabei legte die Beschwerdeführerin dar, in Italien sei ihnen nicht geholfen worden. Ihre Kinder wären sowohl bei einer Rückkehr nach Italien als auch nach Pakistan in Gefahr. C. Gestützt auf Art. 9 der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Be -D-2949/2011 Seite 4 stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt - staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zu - ständig ist (Dublin-II-VO) ersuchte das BFM am 11. März 2011 die italie- nischen Behörden um Rückübernahme der Beschwerdeführenden. D. Mit Schreiben an das BFM vom 24. März 2011 ersuchte die Beschwerde- führerin um Auskunft darüber, welche Daten über sie zwischen welchen Staaten ausgetauscht worden seien. Ausserdem beantragte sie die G e- währung der Akteneinsicht vor Eröffnung des Entscheides und erklärte zudem, anfangs März 2011 habe sie sich bei der Gemeinde E._______ gemeldet. Die Sozialarbeiterin habe ihr mit beiliegendem persönlichen E- Mail vom 7. März 2011 erklärt, sie könne in Italien keine Hilfe erwarten. E. Das BFM gewährte der Beschwerdeführerin respektive deren damaligen Rechtsvertreterin am 30. März 2011 Einsicht in das Aktenstück A12/7. F. Mit Schreiben vom 31. März 2011 verweigerten die italienischen Behö r- den die Rückübernahme der Beschwerdeführenden, da sich diese ihrer Kenntnis nach letztmals am 7.Apri l 2009 und nicht im Januar 2011 in Ita- lien aufgehalten hätten. G. Unter Berufung auf Art. 9 Abs. 1 Dublin -II-VO ers uchte das BFM am 12. April 2011 die italienischen Behörden erneut um Rückübernahme der Beschwerdeführenden. H. Italien stimmte mit Schreiben vom 19. April 2011 einer Übernahme der Beschwerdeführenden zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu. Aus- serdem wurde das BFM aufgefordert, die Beschwerdeführenden darüber zu informieren, sich nach ihrer Ankunft am Flughafen von I._______ un- mittelbar bei der Grenzpolizei zu melden. Allfällige gesundheitliche Prob- leme, Unzulänglichkeiten oder heikle Verhältnisse, die die Aufnahme er- schweren könnten, seien durch das BFM vorgängig zu melden. I. Mit Eingabe an das BFM vom 26. April 2011 ersuchte rubrizierte Recht s- vertreterin um Einsicht in die vollständigen Verfahrensakten vor En t- scheidfällung verbunden mit der Erteilung der Gelegenheit zur vorgäng i-D-2949/2011 Seite 5 gen Stellungnahme. Zudem wies sie darauf hin, d ass ihre Mandanten mangels Schutzfähigkeit und Schutzbereitschaft Italiens in die Schweiz geflüchtet seien. Aus erwähntem E -Mail vom 7. März 2011 der Soziala r- beiterin der Gemeinde E._______ gehe klar hervor, dass die Beschwe r- deführenden nicht mehr in die dortigen Strukturen aufgenommen werden könnten. Angesichts dieser Sachlage sei im Rahmen der Untersuchungs - maxime eine umfassende Sachverhaltsabklärung unumgänglich. J. Am 5. Mai 2011 gewährte das BFM den Beschwerdeführenden Einsicht in weitere Aktenstücke. K. Mit Verfügung vom 13. Mai 2011 – eröffnet am 16. Mai 2011 – trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesu che der Beschwerd e- führenden vom 31. Januar 2011 nicht ein, verfügte deren Wegweisung nach Italien , forderte die Beschwerdeführenden – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, stellte fest, der Kanton J._______ sei verpflichtet, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen und eine allfällige Beschwerde gegen die Verfügung habe keine aufschiebe n- de Wirkung. L. Mit Telefax-Eingabe vom 17. Mai 2011 liessen die Beschwerdeführenden beim BFM um Einsicht in das Aktenstück A4/12 sowie – zwecks Wieder- herstellung der Beschwerdefrist – um Erlass einer neuen Verfügung ersu- chen. M. Das BFM gewährte mit Telefax -Schreiben vom 17. Mai 2011 Einsicht in das Aktenstück A4/12 und erklärte, dessen Zustellung sei irrtümlich ve r- säumt worden, weshalb die Verfügung nicht als mangelhaft zu erachten und daher auf den Erlass einer neuen Verfügung zu verzichten sei. N. Gegen den Entscheid vom 13. Mai 2011 erhoben die Beschwerdeführen- den mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 23. Mai 2011 (Poststempel) Beschwerde. Dabei liessen sie beantragen, es sei festzustellen, dass der angefochtenen Verfügung eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu -D-2949/2011 Seite 6 grunde liege, sie sei deshalb aufzuheben und an das BFM zur Neubeur- teilung zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung auf- zuheben und das BFM anzuweisen, vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu machen und sich für die Prü fung des Asylgesuches für zuständig zu e r- klären. In ve rfahrensrechtlicher Hinsicht liessen sie beantragen, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzug s- behörden seien im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuweisen, von Vollzugshandlungen abzusehen, bis das Bundesverwaltungsge richt über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe, es sei die unentgeltlichen Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung e i- nes Kostenvorschusses zu verzichten. Der Beschwerde lagen – nebst einer Vollmacht und der angefochtenen Verfügung in Kopie – Auszüge aus den Berichten der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) "The law students legal aid office, Juss -Buss, Nor- way" mit dem Titel "Asylum procedure an reception conditions in Italy" vom Mai 2011 sowie der "Norwegian Organization for Asylum Seekers " (NOAS) mit dem Titel "The Italien approach to asylum: System and core problems" vom April 2011, eine Fürsorgebestätigung, eine E-Mail der Be- schwerdeführerin an die Soz ialarbeiterin der Gemeinde E._______ vom 3. März 2011 sowie drei pakistanische Gerichtsdokumente in Kopie bei. O. Mit Eingabe vom 26. Mai 2011 reichte die Rechtsvertreterin namens der Beschwerdeführerin ein Schreiben der pakistanischen Anwältin der B e- schwerdeführern, K._______, vom 20. Mai 2011, sowie eine Honorarnote zu den Akten. P. Mit Verfügung vom 30. Mai 2011 erteilte der zuständige Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts der Beschwerde die aufschiebende Wi r- kung. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege hiess er unter dem Vorbehalt der nachträglichen Veränderung der fina n- ziellen Verhältnisse der Beschwerdeführenden gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zugleich wurde das BFM zur Ve r- nehmlassung eingeladen. Q. Mit Vernehmlassung vom 14. Juni 2011 beantragte das BFM die Abwe i- sung der Beschwerde. D-2949/2011 Seite 7 R. Die Rechtsvertreterin replizierte namens der Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 30. Juni 2011, wob ei sie sich hauptsächlich e rneut darauf stützte, in Italien würde den Beschwerdeführenden der notwendige Schutz verweigert. S. Am 5. Juli 2011 reichte die Rechtsvertreterin eine Honorarnote zu den Ak- ten. T. Am 12. Oktober 2011 wandte sich die Beschwerdeführerin persönlich an das Bundesverwaltungsgericht und informierte di eses darüber, dass sie von ihren Verwandten in Pakistan sowie von Bekannten in Italien erfahren habe, dass sich ihr gewalttätiger Ehemann wieder in Italien bef inde und dort aktiv nach ihr suche. U. Mit Bezug auf erwähntes Schreiben vom 12. Oktober 2011 ergän zte die Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 24. Oktober 2011 unter Beilage einer Mitteilung von "BBC News" und einem Bericht von "The Observer" , die Beschwerdeführerin habe ihr bereits im Mai 2011 mitgeteilt, Bekannte von ihr hätten in Italien Drohanrufe ihr es Ehemannes erhalten. Dieser habe erklärt, die Beschwerdeführerin werde bald von Todesengeln heimg e- sucht. Gefährliche Leute würden nach ihr suchen. Die Bekannten würden aus Angst keine schriftliche Bestätigung dieser Vorkommnisse abgeben. V. Am 15. Dezember 2011 teilte die Rechtsvert reterin mit, d ie Bekannten in Italien würden durch den ehemaligen Ehemann unter Druck gesetzt. Bei einer Rückkehr an ihren früheren Aufenthaltsort würde sie wahrscheinlich auf ihren Ex-Ehemann stossen und wäre persönlicher Rache ausgesetzt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge-D-2949/2011 Seite 8 hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder u n- vollständige Feststellu ng des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG wird auf Asylgesuche in der R e- gel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah- rens staatsvertraglich zuständig ist. Im vorliegenden Beschwerdeverfa h- ren ist daher einzig zu prüfen, ob das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden zu Recht nicht eingetreten ist und infolgedessen die Wegweisung aus der Schweiz verfügt hat. Die Prüfung der staatsvertraglichen Zuständigkeit zur mat e- riellen Behandlung eines Asylgesuches richtet sich dabei nach den Krit e- rien der Dublin -II-VO (vgl. die einleitend en Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizer i- schen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem M itgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asy l- antrags [Dublin -Assoziierungsabkommen; DAA, SR 0.142.392.68] i.V.m. Art. 29a Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfa h- rensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Im Weiteren setzt Art. 34 Abs. 2 Bst. d D-2949/2011 Seite 9 AsylG voraus, dass der staatsvertraglich zuständige Staat einer Übe r- nahme der asylsuchenden Person zugestimmt hat (Art. 29a Abs. 2 AsylV 1). 3.2. Nach Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO haben die Mitgliedstaaten jeden Asyl- antrag zu prüfen, den ein Drittstaatsangehö riger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur B e- stimmung d es zuständigen Mitgliedstaates wird ein geleitet, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat gestellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO). Dabei sind – im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfah- rens (engl.: take charge) – die Kriterien der in Kapi tel III der Dublin -II-VO genannten Rangfolge anzuwenden (vgl. Art. 5-14 Dublin-II-VO) und es ist von der Situation zum Zeitpunkt, in dem der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, auszugehen (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dub- lin-II-VO). I m Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demgegenüber keine – neuerliche – Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-II-VO statt, sondern ein solches gründet insbeso n- dere auf den materiellen Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 16 Bst. c, d und e Dublin -II-VO (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER, ANDREA SPRUNG, Dub- lin-II-Verordnung: Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 3. Auflage, Wien-Graz 2012, Art. 16 K5 S. 129). 3.3. Besitzt ein Asylbewerber einen gültigen Aufenthaltstitel, so ist nach Art. 9 Abs. 1 Dublin-II-VO der Mitgliedstaat, der den Aufenthaltstitel au s- gestellt hat, für die Prüfung des Asylantrags zuständig. Diese Besti m- mung gelangt unter den in Art. 9 Abs. 4 Dublin-II-VO genannten Voraus- setzungen selbst bei abgelaufenem Aufenthaltstitel zur Anwendung. 3.4. Die Beschwerdeführerin lebte ihren Aussagen zufolge zusammen mit ihrem Ehemann und ihren drei älteren Kindern acht Jahre lang in der Gemeinde E._______ in Italien, wo sie und ihre Kinder über Aufenthalt s- bewilligungen verfügten (vgl. act. A4/12 S. 2 und 8). Den zu den Akten gereichten Originalausweisen mit der Bezeichnung "permesso di soggio r- no CE" ist zu entnehmen, dass diese allesamt im April 2008 ausgestellt wurden und j eweils eine Gültigkeit bis im April 2013 auf weisen. Diese zeitliche Begrenzung bezieht sich allerdings le diglich auf die Funktion dieses Ausweises als nationales Identitätspapier. Bei einem "permesso di soggiorno CE" handelt es sich ansonsten in der Regel um eine unbefris- tete (indeterminato) Aufenthaltsbewilligung, die nur unter gewissen Vo r-D-2949/2011 Seite 10 aussetzungen entzogen respektive widerrufen werden kann. Aufgrund dieser Sachlage hat d as BFM die italienischen Behörden zu Recht erst- mals am 11. März 2011 gestützt auf Art. 9 Abs. 1 Dublin-II-VO um Au f- nahme der Beschwerdeführenden ersucht ( vgl. act. A12/7 S. 1 ff.). Diese Anfrage erfolgte innerhalb der dafür vorgesehenen dreimo natigen Frist (vgl. Art. 17 Abs. 1 Dublin -II-VO). Nachdem Italien zunächst seine Z u- stimmung verweigerte (vgl. act. A23/2 S. 1) stimmte es nach erneuter An- frage des BFM vom 13. April 2011 (vgl. act. A23/1) einer Übernahme der Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 19. April 2011 in Anwendung von Art. 9 Abs. 1 Dublin -II-VO – und damit inner t der in Art. 18 Abs. 1 Dublin-II-VO verankerten zweimonatigen Frist – ausdrücklich zu (vgl. act. 24/2 S. 1). Die in Art. 19 Abs. 3 Dublin -II-VO genannte Frist von sechs Monaten zwecks Überstellung der Beschwerdeführenden wurde mittels Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde vom 30. Mai 2011 durch das Bundesverwaltungsgericht unterbrochen (vgl. BVGE 2010/27 E. 7.2.1 S. 388). Ein Übergang der Zuständigkeit zur Prüfung des Asylge- suches wie sie in Art. 19 Abs. 4 Dublin-II-VO vorgesehen ist, fällt damit nicht in Betracht. Das BFM ging demnach in der angefochtenen Verf ü- gung zu Recht davon aus, dass Italien vorliegend zur (materiellen) Durch- führung des Asylverfahrens zuständig sei. 4. 4.1. Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens gemäss Art. 3 Abs. 1 Dub- lin-II-VO wird in der Beschwerde nicht explizit bestritten, hingegen wird geltend gemacht, das BFM hätte vorliegend von dem in Art. 3 Abs. 2 Dub- lin-II-VO verankerten Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen müssen. 4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO kann jeder Mitgliedstaat einen von einem Drittstaatsangehörigen eingereichten Asylantrag prüfen, auch wenn er nach den in der Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist. Der betreffende Mitgliedstaat wird dadurch zum zu- ständigen Mitgliedstaat im Sinne der Verordnung und übernimmt die mit dieser Zuständigkeit einhergehenden Verpflichtungen. 4.3. Nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen, auch wenn nach den in der Verordnun g vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (Selbsteintrittsrecht). Diese B e- stimmung ist nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts anger u- fen werden (vgl. BVGE 2010/ 45 E. 5 S. 635 f.). Art. 29a Abs. 3 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, D-2949/2011 Seite 11 SR 142.311) sieht vor, dass das BFM aus humanitären Gründen ein G e- such behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin -II-VO ein anderer St aat zuständig ist. Es handelt sich dabei um eine Kann - Bestimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 4.1 S. 114 f., BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.). Droht hingegen ein Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie insbesondere das flüchtlingsrechtliche R e- foulement-Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), die EMRK, den I n- ternationalen Pakt über bürgerliche und politisc he Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) oder das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105), so besteht ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintritt srechts (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2 S. 636 f., FILZWIESER/ SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K8 K11 S. 74). 4.4. In Zusammenhang mit der Forderung nach einem Selbsteintritt der Schweiz gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO wird in der Beschwerde gerügt, eine Rückschaffung der Beschwerdeführenden nach Italien ve r- stosse gegen Art. 3 EMRK. Aufgrund des unter der Erwägung 4.3 Gesag- ten erweist sich diese Rüge als zulässig. 4.5. Das BFM äusserte sich in seiner Verfügung nicht explizit zur Frage des Selbsteintrittsrechts nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO. Es führte aber unter dem Aspekt der Anordnung der Wegweisung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 AsylG aus, die Beschwerdeführenden könnten in einen Drittstaat reisen, in dem sie Schutz vor einer Rückschiebung finden würden. Es be- stünden keine Hinweise für eine Verletzung von Art. 3 EMRK. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig . Zudem würden weder die in Italien her r- schende Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vol l- zuges der Wegweisung sprechen. Der Einwand der Beschwerdeführe n- den, die italienischen Behörden hätten ihnen weder geholfen noch zug e- hört und ihre Kinder seien in Italien und in Pakistan in Gefahr, da diese in Pakistan von ihrem Ehemann entführt worden seien , würde dem nicht entgegenstehen. Die Beschwerdeführenden könnten hinsichtlich der von ihnen dargelegten Bedrohung durch ihren Ehemann die italienischen B e- hörden um Schutz ersuchen. Italien sei ein Rechtsstaat und willens und fähig, Personen gegen Übergriffe Dritter zu schützen. 4.6. Damit verkennt das BFM zwar, dass es sich beim Dublin -Verfahren um ein Überstellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches D-2949/2011 Seite 12 zuständigen Staat handelt, weshalb das Fehlen von Wegweisungsvol l- zugshindernissen regelmässig bereits Voraussetzung (und nicht erst R e- gelfolge) des gestützt a uf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG erfolgenden Nich t- eintretensentscheides ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645). Allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse sind somit im Ra h- men der eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) zu prüfen und es bleibt folglich kein Raum für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 -4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländ er (AuG, SR 142.20). Dennoch lässt sich den vorstehenden Ausführungen klar ent- nehmen, dass das BFM mithin die Anwendung des Selbsteintrittsrechts, wenn auch bloss implizit, verneinte. 5. 5.1. In der Beschwerde wurde unter Hinweis auf das Urteil des Bunde s- verwaltungsgericht D -7785/2009 vom 21. Dezember 2009 geltend g e- macht, die Beschwerdeführerin habe sich zu ihrer Wegweisung nach It a- lien nicht genügend äussern können respektive sie sei dazu nicht gehörig befragt worden. Den Ausführungen im E -Mail vom 7. März 2011 der G e- meinde E._______ sei keine Beachtung geschenkt worden. Der ang e- fochtene Entscheid sei damit ungenügend begründet. Der rechtserhebl i- che Sachverhalt sei mangelhaft erhoben worden und der Anspruch auf Wahrung des rechtlichen Gehörs verletzt. Im Weiteren wurde ausgeführt, Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO sei in Zusammenhang mit Art. 15 Dublin-II-VO zu sehen, weshalb diesem durchaus materiell rechtlich Bedeutung z u- komme. Bei klaren Verstössen gegen die Menschenrechte durch die A b- schiebung bestehe ein einklagba rer Anspruch auf die Ausübun g des Selbsteintrittsrechts. Dem jüngsten Bericht der Schweizerischen Flücht- lingshilfe (SFH) von "The law students legal aid office, Juss -Buss, Nor- way" mit dem Titel "Asylum procedure and reception conditions in Italy", vom Mai 2011 und einem Bericht der "Norwegian Organization for Asylum Seekers (NOAS) vom April 2011 (der in erwähntem SFH -Bericht meh r- fach zitiert wird) zufolge seien die Verfahrens - und Aufnahmebedingun- gen für Asylsuchende in Italien sehr schwierig und teilweise äusserst pre- kär. Diese Berichte würden sich zwar auf Asylsuchende und Flüchtlinge beziehen, dürften aber auch auf Migranten und Migrantinnen wie im Falle der Beschwerdeführenden anwendbar sein. Auch anerkannte Flüchtlinge würden in Italien unter Umständen keine Hilfe erhalten, selbst wenn sie sich in einer misslichen sozialen Lage befänden. Die Abweisung durch die für die Beschwerdeführerin an sich zuständige Behörde in Italien be s-D-2949/2011 Seite 13 tätige diese Annahme. Aus den Berichten resultiere, dass Italien über kein funktionierendes, adäquates Fürsorgesystem verfüge. In einigen G e- meinden und Provinzen seien Fürsorgestrukturen rudimentär zwar vo r- handen und der Zugang erleichtert. In anderen sei die Situation für die Betreffenden jedoch schlicht existenzgefährdend. In B ezug auf die Übe r- stellung alleinstehender Elternteile mit ihren Kindern nach Italien würde n spezielle Empfehlungen abgeben. Da die Gemeinde E._______ keine Unterstützung erteilen werde, würde eine Rückkehr der alleinstehenden Beschwerdeführerin mit drei minderjährigen, traumatisierten Kindern nach Italien für sie eine Gefährdung darstellen. Die Aufenthaltsbewilligungen seien ausserdem lediglich befristet und auf eine bestimmte Provinz au s- gestellt, weshalb es den Beschwerdeführenden nicht möglich wäre, sich in einer anderen Gemeinde nieder zu lassen. 5.2. Mit Vernehmlassung vom 14. Juni 2011 entgegnete das BFM , au f- grund der Aussagen der Gemeindesozialarbeiterin könne nicht auf eine generelle Schutzunfähigkeit Italiens respektive auf einen mangelnden Schutzwillen geschlossen werden. Es sei auch nicht bekannt, welche konkreten Forderungen die Beschwerdeführerin gegenüber der Gemei n- de erhoben habe. Die Beschwerdeführenden hätten bis anhin in Italien nicht um Asyl ersucht, sondern dort über einen ausländerrechtlichen Sta- tus verfügt. Deshalb könne nicht gefolgert werden, die italienischen B e- hörden hätten allfällige asylrelevante Vorbringen nicht oder ungenügend gewürdigt respektive ihnen den notwendigen Schutz verwehrt. Italien sei unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge , der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten und des Überein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedr igende Behandlung oder Strafe. Zudem sei Italien gehalten die Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zue r- kennung und Aberken nung der Flüchtlingseigenschaft (sog. Verfahren s- richtlinie) sowie die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in Mitgliedstaaten (sog. Aufnahmerichtlinie) anzuwenden respektive u m- zusetzen. Es würden keine Anhaltspunkte vorliegen, dass Italien sich nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen halten würde. Gemäss Art. 13 Abs. 2 der Aufnahmerichtlinie sei Italien gehalten, die Aufnahm e- bedingungen einzuhalten (betreffend Nahrung, Unterbringung, Bekle i- dung etc.) und die Sicherung des Lebensunterhaltes und der Gesundheit zu gewährleisten. Betreffend Unterbringung würden Dublin-Rückkehrende D-2949/2011 Seite 14 bevorzugt behandelt und zusätzlich von privaten Hilfsorganisationen u n- terstützt. Die Organisation "Arci con Fraternità" biete am Flughafen von Fiumicino Unterstützung und kostenlose Rechtsberatung an. Die in der Beschwerdeschrift zitierten Berichte zur Situation von Asylsuchenden in Italien würden zwar Empfehlungen äussern, doch würden sie nicht auf- zeigen, dass Italien seinen Verpflichtungen nicht nachkommen würde. Die Annahme, die Erkenntnisse in erwähnten Berichten dürften auch auf die Beschwerdeführenden anwendbar sein, sei rein spekulativ. 5.3. Mit Replik vom 30. Juni 2011 wurde demgegenüber eingewendet, es könne zwar nicht in Abrede gestellt werden, dass die Aussage einer Sozi- albehörde per se noch nicht zwingend auf eine Verweigerung des polize i- lichen Schutzes durch Italien schliessen lasse. Indessen schreite die P o- lizei erst in Situationen akuter Gefährdung ein oder nach bereits erfolgtem Übergriff. Bis dahin bestünde aber die Pflicht, die verletzliche Person zu schützen. Mit der Verweigerung der Unterstützungspflicht verletze Italien diese Pflicht. Abklärungen seitens des BFM hätten demnach erfolgen müssen. Wie im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-6323/2010 vom 30. November 2010 würden auch hier Gründe für eine ernsthafte Gefäh r- dung der Beschwerdeführenden geltend gemacht. Schliesslich sei darauf aufmerksam zu machen, dass sich gemäss der Anwältin der Beschwe r- deführerin im Scheidungsverfahren, der Ehemann einer Scheidung wider- setze. Zudem versuche er nach wie vor das alleinige Sorgerecht für den jüngsten Sohn gerichtlich durchzusetzen. 5.4. Am 12. Oktober 2011 wandte sich die Beschwerdeführerin persönlich an das Bundesverwaltungsgericht und informierte dieses schriftlich da r- über, dass sie von ihren Verwandten in Pakistan und Bekannten in Italien erfahren habe, dass sich ihr gewalttätiger Ehemann wieder in Italien b e- finde. Er suche dort aktiv nach ihr. Ihren Bekannten habe er mitgeteilt, dass der Tag, an dem er sie finden würde, der letzte ihres Lebens sein würde. Er werde sie und ihre Kinder auf den Friedhof bringen. Ihr Eh e- mann sei in Italien gut vernetzt und würde sie dort schnell ausfindig m a- chen. 5.5. 5.5.1. Im Asylverfahren – wie im Übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der Untersuchungsgrundsatz. Das heisst, die Asylbehörde hat den rechtse r- heblichen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG) und muss die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die D-2949/2011 Seite 15 rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Es obliegt ihr im Rahmen des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG), die Vorbringen eines Gesuchstellers entgegen zu nehmen, diese auch wir k- lich zu hören, sorgfältig zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berüc k- sichtigen (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734, BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 356 f.). Schliesslich soll die Begründung der Verfügungen dem Betro f- fenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufech- ten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können, wobei sich die verfügende Behörde allerdings nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesicht s- punkte beschränken kann. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den Intere s- sen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rech t- lich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es bei der Frage der Gewährung des Asyls – eine sorgfältige Begründung ve r- langt wird (BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f.). 5.5.2. Nachdem die Beschwerdeführerin ausführlich von ihren Ausreis e- gründen aus Pakistan und der Bedrohung durch ihren Ehemann er zählt hatte, erklärte sie im Rahmen des ihr gewährten rechtlichen Gehörs zu einer Wegweisung nach Italien, man habe ihren Problemen noch nicht zugehört. W enn es so einfach gewesen wä re, wäre sie nicht in die Schweiz gekommen. In Italien sei ihnen nicht geh olfen worden und man habe ihnen nicht zugehört. Ihre Kinder seien sowohl in Italien als auch in Pakistan in Gefahr (vgl. act. A4/12 S. 8 f.). Damit wurde die Beschwerd e- führerin in genügender Weise zu einer allfälligen Wegweisung nach It a- lien angehört. Die Rüge in der Beschwerde, wonach sie sich zu einer Wegweisung nach Italien nicht genügend habe äussern können, erweist sich daher als unbegründet. Der Hinweis auf das Urteil des Bundesve r- waltungsgerichts D-7785/2009 vom 21. Dezember 2009 verfängt in di e- sem Zusammenhang nicht, da in diesem Urteil (vgl. Seite 6) eine Verlet- zung der Begründungspflicht und nicht etwa eine ungenügende Anhörung als solche festgestellt wurde. Im Weiteren lässt sich zwar feststellen, dass das BFM das der Eingabe vom 24. März 2011 bei gelegte E -Mail vom 7. März 2011 der Sozialarbeiterin der Gemeinde E._______ (vgl. act. A14/4 S. 3), indem diese sich nicht zu Hilfeleistungen bereit erklärte , in der angefochtenen Verfügung weder explizit erwähnt, noch ausdrücklich D-2949/2011 Seite 16 gewürdigt hat (vgl. act. A26/6 S. 1 ff.). Allerdings berücksichtigte das BFM in seinen Erwägungen den anlässlich der Anhörung vom 3. Februar 2011 geltend gemachten – und weitgehend übereinstimmenden – Einwand, dass die italienischen Behörden ihr nicht zugehört und nicht geholfen hät- ten und sie in Italien und in Pakistan in Gefahr sei (vgl. E. 4.5, act. A26/6 S. 3). Von einer mangelhaften Sachverhaltsfeststellung oder fehlenden Beweiswürdigung kann vor diesem Hintergrund nicht gesprochen werden. Sodann ist zwar einzuräumen, dass die Begründung in der angefocht e- nen Verfügung, die Beschwerdeführenden könn ten hinsichtlich allfälliger Bedrohungen durch ihren Ehemann respektive Vater die italienischen Be- hörden um Schutz ersuchen, da Ita lien ein Rechtsstaat und willens und fähig sei, Personen gegen Übergriffe Dritter zu schützen (vgl. E. 4.5, act. A26/6 S. 4), knapp ausgefallen ist. Im Rahmen des Schriftenwechsels hat sich das BFM indessen einlässlich zu den von Italien im Rahmen des Dublin-Verfahrens einzuhaltenden Verpflichtungen sowie im Übrigen auch zu erwähnter E-Mail vom 3. März 2011 und damit zur hauptsächlichen Ar- gumentation der Beschwerdeführenden, dass ihnen Italien nicht helfen wolle, geäussert (vgl. E. 5.2). Selbst wenn man von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgrund einer ungenügenden Begründung ausgehen wollte, wäre damit der diesbezügliche Mangel auf Beschwerdeebene als geheilt zu erachten, da das Bundesverwaltungsgeric ht als Rechtsmi t- telinstanz vorliegend über die volle Kognition hinsichtlich der Frage der für die Durchführung des Asylverfahrens zuständigen Staates verfügt, die Begründung im B eschwerdeverfahren nachgereicht wurde und die B e- schwerdeführenden mittels Einreichung einer Replik (vgl . E. 5.3) dazu angehört wurden. 5.6. 5.6.1. Aufgrund der Dublin -II-VO (vgl. Ziffer 2 der Einleitungsbestimmun - gen) ist von der Vermutung auszugehen, dass jeder Mitgliedstaat als si - cher im Sinne der FK erachtet werden kann und alle Staaten das Gebot des Non-Refoulement (Art. 33 FK) sowie (kraft ihrer Mitgliedschaft) Art. 3 EMRK beachten. Liegt keine systematische (und über die Überstellung s- frist fortdauernde) Verletzung dieses Grundsatzes durch den zuständigen Mitgliedstaat vor, so hat ein Beschwerdeführer diese Vermutung umz u- stossen und damit nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, dass b e- sondere, ausreichend konkrete Gründe dafür vorliegen, dass bei einer Überstellung in den zuständigen Staat für ihn die reale Gefahr (real risk) eines fehlenden Verfolgungsschutzes respektive die Gefahr eines Ver - stosses des zuständigen Mitgliedstaa tes gegen das Non -Refoulement- Gebot oder Art. 3 EMRK bestehen würde (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 und D-2949/2011 Seite 17 E. 7.5 S. 636 ff.). Nach Praxis des Europäischen Gerichtshof für Me n- schenrechte (EGMR) stellt zudem eine Überstellung in den nach der Dub- lin-II-VO zuständige n Mitgliedstaat grundsätzlich dann keine Verletzung von Art. 3 EMRK dar, wenn dieser wirksame verfahrensrechtliche Gara n- tien (inkl. Rekursmöglichkeiten) vorsieht, die einen Beschwerdeführer vor einer unmittelbaren Zurückweisung in seinen Herkunftsstaat, in dem er nachweislich Gefahr laufen würde, Folter oder unmenschlicher Behan d- lung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden, schützen. Bei e i- ner Überstellung in den zuständigen Mitgliedstaat geht man im Weiteren von der Prämisse aus, dass dieser kraft se iner Mitgliedschaft den Ve r- pflichtungen aus Verfahrensrichtlinie sowie auch jener aus der Aufnahme- richtlinie, darunter auch dem Non -Refoulement-Gebot, nachkommt (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2 S. 638). Die blosse Verletzung erwähnter Rich t- linien durch den zust ändigen Mitgliedstaat begründet kein selbständ i- ges Recht eines Beschwerdeführers auf Anrufung der Ausübung des Selbsteintrittsrechts, sondern es bedarf hierzu grundsätzlich ebenfalls des Nachweises eines "real risk" im Sinne der EMRK ( vgl. dahingehend FILZWIESER, SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K11 S. 75). Gelingt dieser Nachweis nicht und ist somit nicht von einem Überstellungshindernis in den zustä n- digen Mitgliedstaat auszugehen, steht der betroffenen Person die Mö g- lichkeit offen, sich im zuständigen Mitgliedstaat mittelbar auf die Verfa h- rens- oder Aufnahmerichtlinie zu berufen respektive die entsprechenden innerstaatlichen Rechtsmittel zu ergreifen. Diese Möglichkeit steht ihr g e- stützt auf die Verpflichtung der Mitgliedstaaten zur Inkraft - und Umse t- zung genannter Richtlinien im innerstaatlichen Recht (vgl. Art. 43 Verfah- rensrichtlinie, Art. 26 Aufnahmerichtlinie) respektive auf den Umstand zu, dass diese ebenfalls gehalten sind, im innerstaatlichen Recht Rechtsb e- helfe und Rechtsmittel vorzusehen (vgl. Art. 39 Verfa hrensrichtlinie, Art. 21 Aufnahmerichtlinie). Entspricht es demgegenüber einer notor i- schen Tatsache, dass der zur Prüfung des Asylverfahrens zuständige Mitgliedstaat systematisch gravierende Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 EMRK begeht, trägt ein Beschwerdeführer nicht die volle Beweislast im soeben umschriebenen Sinne. So gelangte der EGMR in seinem Urteil vom 21. Januar 2011 im Fall M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Beschwerde -Nr. 30696/09] zum Schluss, dass die schwerwiegenden strukturellen Mängel des griechischen Asylverfahrens (wie die generell geringe Chance der Asylbewerber auf Prüfung ihres Asylantrages und fehlende Garantien zum Schutz vor einer willkürlichen Abschiebung in den Heimatstaat sowie die in Griechenland herrschenden menschenunwürdigen Haft - und Lebensbedingungen für Asylbewerber) einem Verstoss von Griechenland gegen Art. 3 EMRK respektive Art. 13 D-2949/2011 Seite 18 EMRK i.V.m. Art. 3 EMRK gleichkamen. Den belgischen Behörden wurde demgegenüber zum Vorwurf gemacht, dass sie sich über die gravieren- den Mängel des griechischen Asylsystems hätten ein Bild machen r e- spektive diese ihnen hätten bekannt sein müssen, als sie die Überste l- lung eines Asylbewerbers anordneten. Daher konnte nicht erwartet we r- den, dass dieser die volle Beweislast für die Gefahren trug, mit denen er, diesem Verfahren ausgesetzt, zu rechnen hatte. 5.6.2. Vorliegend kann nicht geschlossen werden, Italien würde in gen e- reller Weise seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen respektive in völkerrechtswidriger Weise gege n die Verfahrens- und Auf- nahmerichtlinie verstossen. 5.6.3. Wie das BFM in seiner Vernehmlassung zutreffend festhält, ist Ita- lien – wie die Schweiz – unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und der FoK. Als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO zuständiger Staat ist Ita- lien zudem gehalten, die Verfahrensrichtlinie sowie die Aufnahmerichtlinie von Asylbewerbern in Mitgliedstaaten anzuwenden respektive umzuse t- zen. Es darf demnach davon ausgegangen werden, dass Italien grun d- sätzlich als sicher im Sinne der FK erachtet werden kann und das Gebot des Non -Refoulement (Art. 33 FK) sowie Art. 3 EMRK beachtet (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.3 – 7.7 S. 637 ff.). Die Gefahr einer Kettenabschi e- bung im Falle einer Überstellung an die italienischen Behörden kann s o- mit in aller Reg el als ausgeschlossen gelten. In der Beschwerde werden denn auch keine entsprechenden substantiierten Vorbringen geltend ge- macht, die darauf schliessen liessen, dass gerade in ihrem Fall ein ko n- kreter Grund zur Annahme bestünde, die Beschwerdeführenden würden von Italien ohne korrekte Prüfung ihrer Gesuchsgründe in die Heimat z u- rückgeführt und ihnen würde dort eine das Refoulementverbot verletze n- de Rückschiebung ins Heimatland drohen. Mit dem blossen Hinweis auf die mit der Beschwerde eingereichten Berichte der SFH und der NOAS vermögen die Beschwerdeführenden die Vermutung, dass sich Italien an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen hält, ebenfalls nicht umzustossen. 5.6.4. So wird im als Beilage zur Beschwerde eingereichten, mit dem Titel "Asylverfahren und Aufnahmebedingungen in Italien" auch in Deutsch er- hältlichen SFH-Bericht vom Mai 2011 (nachfolgend: SFH-Bericht vom Mai 2011) zwar auf gewisse Defizite, wie beispielsweise Kommunikationspro - bleme beim Einreichen eines Asylgesuchs und mangelnde Personalre s- sourcen hingewiesen und daher unter anderem ein erleichterter Zugang zu Übersetzern gefordert (vgl. SFH-Bericht vom Mai 2011 S. 10 ff.). Dass D-2949/2011 Seite 19 sich Italien systematisch nicht an die Verfahrensrichtlinie halten und Asyl- suchenden generell der Zugang zum Asylverfahren verweigert würde, lässt sich diesem jedoch nicht entnehmen. Im Gegenteil wird darin doch mit Blick auf Dublin -Rückkehrende ausgeführt, dass die Betreffenden meist per Flugzeug zurückgeschickt würden (vgl. SFH-Bericht vom Mai 2011 S. 45), was nach Kenntnis des Gerichts für Dublin -Rückkehrende von der Schweiz nach Italien im Allgemeinen gilt. Die meisten Dublin - Rückkehrenden würden am Flughafen von Fiumicino in Rom, einige auch im Flughafen Malpensa in der Nähe von Mailand landen. Das Asylverfah- ren würde normalerweise beim Verfahrensstand, der bei der Ausreise aus Italien vorgelegen habe, weitergeführt. Die Polizei am Flughafen mache die Questura ausfindig und fordere die Personen auf, sich dorthin zu b e- geben. Di e Reisekosten würden vom Innenministerium übernommen. Dublin-Rückkehrende müssten sich innerhalb von fünf Tagen nach ihrer Ankunft bei der Questura melden. Rückkehrende, die – wie vorliegend im Falle der Beschwerdeführenden – Italien verlassen hätten, ohne dort vor- her um Asyl nachgesucht zu haben, könnten dies bei der Flughafenpolizei tun. Am Flughafen würden sie ausserdem Informationen und Beratung durch eine unabhängige, von den Behörden berufene Organisation erha l- ten. Diese werde von den Behörden finanzi ert und arbeite eng mit dieser zusammen. In Rom werde diese Dienstleistung von Arciconfraternità, in Mailand von der Caritas angeboten. Der Bericht der NOAS respektive die von den Beschwerdeführenden eingereichten Auszüge daraus lassen ebenfalls nicht den Schluss zu, Italien würde grundsätzlich eine me n- schenrechtswidrige Rückschiebungspraxis ausüben oder im Allgemeinen keinen Zugang zu einem fairen Asylverfahren gewähren. 5.6.5. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass das italienische Asylsystem in aller Regel derart gravierende Mängel aufweist, so dass die Beschwerde- führenden bei einer Rückführung nach Italien kein faires Asylverfahren durchlaufen könnten, liegen somit nicht vor. 5.6.6. Was die von de r Beschwerdeführerin angesprochene Befürchtung, in Italien nicht vor Behell igungen ihres Ehemannes sicher zu sein, anb e- langt, ist zunächst festzuhalten, dass es keinem Staat gelingt, die absolu- te Sicherheit der Bevölkerung jederzeit und überall zu garantieren. Erfo r- derlich ist vielmehr, dass eine funktionierende effiziente Schutz - Infrastruktur zur Verfügung steht (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). It a- lien ist ein Rechtsstaat mit funktionierenden Polizei - und Justizorganen, die grundsätzlich in der Lage und willens sind, der Beschwerdeführerin und ihren Kindern Schutz gegen allfällige Drohungen zu gewähren. Auch D-2949/2011 Seite 20 handelt es sich vorliegend nicht mit jener im Urteil E -6323/2010 des Bun- desverwaltungsgerichts vom 30. November 2010 zu vergleichenden Situ- ation. In jenem Urteil befand nämlich das Gericht in Erwägung 6.3 insbe- sondere, dass das BFM seiner Begründungspflicht nicht nachge kommen sei, indem keine Auseinandersetzung mit der glaubhaften Argumentation stattgefunden hatte, dass jene dem Menschenhandel ausgesetzte B e- schwerdeführerin vergeblich in Italien um S chutz ersucht hatte. Eine ernsthafte Gefährdung durch den Ehemann – wie in der Beschwerde ar- gumentiert – kann vorliegend nicht bereits aufgrund der Befürchtung, dass sich der Ehemann wieder in Italien aufhalte und sie dort bedrohen werde, angenommen werden, beruht diese Angabe doch einzig auf B e- richten von Bekannten und Verwandten. Allfällige Gewaltdrohungen, Nö- tigungen und dergleichen gelten ausserdem in Italien − ebenso wie in der Schweiz − als strafrechtliche Tatbestän de. Sollte sich der Ehemann r e- spektive Vater tatsächlich erneut in Italien aufhalten und dort nach wie vor in unlauterer Absicht nach den Beschwerdeführenden suchen, bestünde die Möglichkeit, polizeiliche Anzeige zu erstatten. Die Beschwerdeführerin könnte sich dabei gleichzeitig auch auf den von ihr im E-Mail vom 3. März 2011 erwähnten, vergangenen Gasangriff berufen und diesen ebenfalls zur Anzeige bringen. Im Weiteren könnte sie die zuständigen zivilrechtl i- chen Behörden anrufen, um entsprechende Schutzmassnahmen für sie und ihre minderjährigen Kind er zu beantra gen. Auch stünde es ihr frei, sich in dieser Hinsicht von den entsprechenden Beratungsstellen beraten zu lassen oder aber mit deren Hilfe ein Frauenhaus für sich und die Ki n- der aufzusuchen. 5.6.7. Aus erwähnten Berichten der SFH und der NOAS lässt sich auch nicht auf eine systematische Verletzung des Verbots unmenschlicher B e- handlung im Sinne von Art. 3 EMRK oder einen allgemeinen Verstoss Ita- liens gegen die Aufnahmerichtlinie schliessen. Das italienische Fürsorge- system für Asylsuchende steht zwar – wie auch genannte Berichte zeigen – in der Kritik, nachdem es sich aufgrund einer starken Zunahme von Asylsuchenden mit erheblichen Kapazitätsproblemen konfrontiert sieht und Asylsuchende in Italien bei der Unterkunft, bei der Arbeit und beim Zugang zur medizinischen Infrastruktur gewissen Schwierigkeiten ausg e- setzt sein können. Nach konstanter Praxis ist jedoch in den – im Ver- gleich zur Schweiz – erschwerten Aufenthaltsbedingungen kein Grund für eine grundsätzliche Nichtanwendung der einschlägigen Bestimmu ngen der Dublin-II-VO zu erblicken (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.3. – 7.7 S. 637 ff., vgl. auch statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-5356/2011 vom 25. Januar 2012 E. 8.4). Entgegen der in der Beschwerde vertret e-D-2949/2011 Seite 21 nen Ansicht werden namentlich Dublin-Rückkehrende und verletzliche Personen bezüglich Unterbringung von den italienischen Behörden b e- vorzugt behandelt und es nehmen sich – neben den staatlichen Strukt u- ren – auch zahlreiche private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen an. Dies wird insoweit auch durch den SFH-Bericht vom Mai 2011 bestätigt. Darin wird mit Blick auf Dublin - Rückkehrende, die wie im Falle der Beschwerdeführenden eigenen A n- gaben zufolge in Italien kein Asylgesuch gestellt haben, dargelegt, das s diese – nebst der Möglichkeit ein Asylgesuch am Flughafen zu stellen – in einer staatlichen Unterkunft Aufnahme finden sollten, ausser sie seien be- reits in einem Zentrum gewesen und hätten ihren Platz durch ihre Abreise verloren. Mit zunehmenden Kapazitä ten in den CARA's (Centro di a c- coglienza per richiedenti asilo / Aufnahmezentrum für Asylsuchende), b e- stünde zudem die Möglichkeit, Dublin -Rückkehrende, deren Verfahren noch laufe und die noch nie in einem CARA untergebracht gewesen se i- en, dort unterzubrin gen (vgl. SFH-Bericht vom Mai 2011 S. 17). In Rom biete zudem das Centro Enea 80 reservierte Plätze für eine kurzfristige Unterbringung von Dublin -Rückkehrenden, die am Flughafen Fiumicino ankommen würden, an, wobei verletzliche Personen bevorzugt behandelt würden (vgl. SFH-Bericht vom Mai 2011 S. 23 und 34). 5.6.8. Dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückführung nach Italien dort als Asylsuchende nunmehr unweigerlich in die Obdachlosigkeit g e- stossen würden, erscheint somit nicht begründet. Von einem Verstoss der italienischen Behörden gegen die Aufnahmerichtlinie kann somit nicht ge- sprochen werden. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Art. 13 Abs. 2 der Aufnahmerichtlinie Italien gehalten ist, materielle Au f- nahmebedingungen (wie Nahrung, Unterbringun g, Bekleidung etc.) zu gewähren, die die Sicherung des Lebensunterhaltes und der Gesundheit gewährleisten. Diese können in Form von Sach- und/oder Geldleistungen erbracht werden (vgl. Art. 13 Ziffer 5 der Richtlinie). Aus Art. 14 Abs. 1 und 8 der Richtlinie ergibt sich zudem, dass eine Unterbringung nicht stets e i- ne Sachleistung voraussetzt und im Falle eines vorübergehenden Ma n- gels an Aufnahmekapazitäten eine solche auch in anderer Form erbracht werden kann. Selbst wenn den Beschwerdeführenden somit bei ih rer Rückkehr nicht sofort eine Unterkunft zugeteilt werden könnte, wäre darin noch kein Verstoss gegen erwähnte Richtlinie respektive gegen Art. 3 EMRK zu erblicken, zumal bis dato auch nicht angenommen werden kann, die von Italien bereitgestellten Geldlei stungen würden zur Deckung des notwendigen Lebensunterhaltes eines Asylsuchenden nicht ausre i- chen. Im Übrigen stünde den Beschwerdeführenden die Möglichkeit o f-D-2949/2011 Seite 22 fen, sich in Italien mit Hilfe eines italienischen Anwaltes oder aber Rechtsberatungsstellen und Hilfsorganisationen gegen eine allfällige Nichteinhaltung erwähnter Mindeststandards zu wehren. 5.6.9. Auch aus dem von ihnen geltend gemachten Umstand, sie seien in ihrer früheren Wohnsitzgemeinde E._______, nicht mehr erwünscht, lässt sich nicht auf eine grunds ätzliche Verweigerung einer Unterkunft durch die italienischen Asylbehörden schliessen. Es handelt sich dabei einzig um eine Auskunft einer Sozialarbeiterin einer italienischen Gemeinde, die somit nicht auf eine verbindliche Ablehnung des italienischen Sta ates schliessen lässt. Zudem wird darin zumindest mit Bezug auf die Kinder auch von allfälligen Hilfeleistungen gesprochen. Auch wird erwähnt, die Beschwerdeführenden seien frei, nach Italien zurückkehren und sich dort aufzuhalten. Dies lässt sich auch aus der Tatsache, dass sie in Italien über unbefristete Aufenthaltsbewilligungen verfügen, die bislang nicht wi- derrufen worden sind, ableiten. Diese Bewilligungen berechtigen sie zu- dem nach Kenntnis des Gerichts an sich dazu, allfällige soziale Hilfeleis- tungen zu beantragen und sich – entgegen ihrer Ansicht – in einer ande- ren Gemeinde niederzulassen. 5.7. Es sind vorliegend auch keine schwerwiegenden humanitäre Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu erkennen, die einer Über stellung der Beschwerdeführenden nach Italien entgegenstehen und aus diesem Grunde einen Selbsteintritt als angezeigt erscheinen liessen. Weder kann aufgrund des Gesagten geschlossen werden, bei einer Rückschaffung nach Italien würde vorliegend das Risiko für die Besch werdeführenden bestehen, in eine existenzielle Notlage zu geraten noch sprechen andere Gründe für einen Selbsteintritt. Aus der Tatsache , dass die – soweit aus den Akten feststellbar – gesunde Beschwerdeführerin über drei minder- jährige, indes angeblich tra umatisierte, Kinder verfügt, lässt sich nichts Gegenteiliges ableiten. Sollten die Kinder infolge ihrer – bis anhin nicht mit Beweismitteln untermauerten – Traumatisierung allenfalls medizin i- sche Hilfe benötigen , ist darauf zu verweisen, dass g rundsätzlich davon auszugehen ist, dass alle Dublin -Staaten die grundlegenden medizin i- schen Bedürfnisse der Asylsuchenden erfüllen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.) und insbesondere in Italien genügend entsprechende medizinische Einrichtungen und ärztliches Personal vorhanden wären. 5.8. Das BFM ist allerdings darauf hinzuweisen, dass es bei der Ausges- taltung der Vollzugsmodalitäten bei einer zwangsweisen Überstellung die italienischen Behörden – wie von diesen im Schreiben vom 19. April 2011 D-2949/2011 Seite 23 gefordert – über die Situation der Beschwerdeführenden vorgängig ei n- gehend informiert. Allfällige gesundheitliche Beschwerden sind den z u- ständigen Behörden mitzuteilen. Über die in Pakistan begangene Entfü h- rung der Kinder sowie die Vermutung, dass sich der Ehemann und Vater wieder in Italien aufhalten und die Beschwerdeführenden bedrohen kön n- te, sind die italienischen Behörden zu orientieren. Im Weiteren ist siche r- zustellen, dass die Beschwerdeführenden am Flughafen in Italien ta t- sächlich den für sie zuständigen Behörden übergeben werden, welche für sie die Verantwortung übernehmen. 5.9. Zusammenfassend ergibt sich, dass keine konkreten Gründe ersicht- lich sind, die einen Selbsteintritt gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO nahe- legen würden. Das BFM ist demzufolge zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. 6. 6.1. Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend hat der Kanton keine Aufenthaltsbewilli- gung erteilt und es besteht zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol - chen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). Die verfügte Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen und wurde vom BFM zu Recht angeordnet. 6.2. Im Rahmen des Dublin-Verfahrens im Sinne von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG besteht – wie in E. 4.6 erwähnt – systembedingt kein Raum für Er- satzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG. Eine entsprechende Prüfung hat vielmehr bereits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattzufinden. Das BFM hat in diesem Sinne den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bu n- desrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder u n- vollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist demnach abzuweisen. D-2949/2011 Seite 24 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerd e- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG ). Den Beschwerde- führenden wurde indessen mit Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Mai 2011 zufolge Nichtaussichtslosigkeit ihrer Rechtsbegehren die unentgeltliche Rechtspflege gewährt. Anhaltspunkte dafür, dass sich ihre finanzielle Lage verbessert hätte, sind den Akten nicht zu entne h- men. Sie sind weiterhin als mittelos zu erachten. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten ist demnach zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2949/2011 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das BFM wird angewiesen, die Überstellung nach Italien im Sinne der Erwägung 5.8 durchzuführen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: