Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. August 2015 (720 15 95 / 191) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Abklärungen der IV-Stelle genügen sowohl betreffend medizinische Unterlagen als auch betreffend Haushaltsabklärung, daher Bestätigung der Viertelsrente und Abweisung der Beschwerde Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Marco Albrecht , Adv o- kat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ meldete sich am 14. September 2001 bei de r IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) unter Hinweis auf eine Schwerhörigkeit zum Leistungsbezug für Hilfsmittel an. In der Folge wurden der Versicherten mit Verfügungen vom 7 . Mai 2002, 31. November 2004 und 2. April 2009 Kostenbeiträge für Hörgeräte zugesprochen. Mit Gesuch vom 10. Oktober 2007 mel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dete sie sich unter Hinweis auf eine Panikstörung erneut zum Leistungsbezug an und beantrag- te Berufsberatung, Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit sowie Arbeitsvermittlung. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhält nisse sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle A.____ mit V erfügung vom 13. Dezember 2012 ab dem 1. Oktober 2010 eine Viertelsrente zu bei einem I V-Grad von 47 %. Die gegen diese Ver- fügung von der Versicherten erhobene Beschwerde hiess d as Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht), mit Urteil vom 27. Juni 2013 gut und wies die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück. In der Folge veranlasste die IV -Stelle ergänzende Abklärungen. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach sie der Versi cherten mit Verfügung vom 30. Januar 2015 ab dem 1. Oktober 2010 eine Viertelsrente zu bei einem IV-Grad von 40 %. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Marco Albrecht, mit Eingabe vom 5. März 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2015 sowie die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwer- degegnerin zur Neubeurteilung; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuch- te sie um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. In der Begründung wurden eine Ver- letzung des rechtlichen Gehörs sowie die ungenügende Ab klärung des Sachverhalts gerügt. Zudem habe die Beschwerdegegnerin den invaliditätsbedingten Abzug falsch festgelegt. C. Mit Verfügung des instruierenden Präsidenten vom 13. April 2015 wurde der Be- schwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und V erbeiständung mit Advokat Marco Albrecht bewilligt. D. Mit Vernehmlassung vom 13. April 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die Akt en wird – soweit für die Entscheidung notwendig – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 5. März 2015 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs, da ihr nicht die Möglichkeit eingeräumt worden sei, zu einem zentralen Element der Akten Stellung zu nehmen. Sie sei erst im Rahmen der Besprechung der Beschwerde mit ihrem Rechtsvertreter mit dem Haushaltsabklärungsbericht vom 29 . April 2014 konfrontiert worden, welcher Basis der angefochtenen Verfügung gebildet habe. 2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieses dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir- kungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person ein- greift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor E rlass des in ihre Rechtsstellung ein- greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Bew eise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung we- sentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 127 I 56 E. 2b, 127 III 578 E. 2c, 126 V 130 E. 2a). Das Bundesgericht hat entschieden, dass sich aus dem Anspruch auf rechtli- ches Gehör und den Mitwirkungsrechten im Verwaltungsverf ahren keine Rechtspflicht auf Vor- lage des Abklärungsberichtes zur Durchsicht und Unterschrift ableiten lasse. Es genüge, wenn der versicherten Person im Rahmen des Vorbescheidverfahr ens (Art. 57a IVG) das volle Ak- teneinsichtsrecht gewährt und ihr die Gelegenheit gegeben werde, sich zu den Ergebnissen der Abklärung im Haushalt zu äussern (Urteil des EVG vom 29. November 2002, I 572/01, E. 3 mit weiteren Hinweisen). 2.3 Nach Zustellung des Vorbescheids beantragte Advokat M arco Albrecht die Einsicht- nahme in die Verfahrensakten. Diesem Anliegen kam die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 5. September 2014 nach (IV act. 119). Unter den Akt en befand sich auch der Haushalts- abklärungsbericht vom 29. April 2014 (Abklärung vom 3. Ap ril 2014; IV act. 111). Es ist der Be- schwerdeführerin damit möglich gewesen, vor Einreichung des Einwands Einblick in die gesam- ten Akten zu nehmen, um die entsprechenden Rügen beg ründen zu können. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs hat demgemäss nicht stattgefunden. 3. Zwischen den Parteien ist in materieller Hinsicht umst ritten, ob die Beschwerdegegne- rin der Beschwerdeführerin zu Recht ab dem 1. Oktober 2010 eine Viertelsrente zugesprochen hat. 4.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs, BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgab enbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 4.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen u nd der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte M ethode der Invaliditätsbemes- sung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 5. Im Urteil vom 27. Juni 2013 prüfte das Kantonsgerich t die Statusfrage und hielt fest, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht von Oktober 2006 bis Juli 2008 als ausschliesslich im Aufgabenbereich tätige Person einge stuft habe. Die Ermittlung des Inva- liditätsgrads nach der spezifischen Methode, das heisst n ach den Einschränkungen im Haus- halt, sei korrekt gewesen. Weiter habe sie zu Recht ab Au gust 2008 den Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode ermittelt und sei gestützt auf d ie Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 4. Juli 2008 von einer Aufteilung 40 % Erwerb und 60 % Haushalt ausgegangen. Weiter kam das Kantonsgericht zu m Schluss, dass auch für den Zeit- raum ab dem 1. Oktober 2010 die Aufteilung von 20 % H aushalt und 80 % Erwerb korrekt er- folgt sei. 6.1 Im Zusammenhang mit der Ermittlung der Einschränk ung im Erwerbsbereich ist zu- nächst zu klären, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 6.2.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Ar beitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Die ärztlichen Stellungnahmen b ilden in diesem Zusammenhang eine Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbark eit, also der Frage, welche anderen Er- werbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbei t von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden könne n (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 6.2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes eine r versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 6.2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. 6.3.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Bemessu ng der Arbeitsunfähigkeit im erwerblichen Bereich auf das Gutachten von Dr. med. B._ ___, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 29. März 2008 und das Verlaufsguta chten von Dr. med. dipl.-psych. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. Februar 2 011. Dr. B.____ diagnostizierte aus psychiatrischer Sicht nach ICD-10 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Panikstörung mit episodischer Agoraphobie (F41.0/F40.0), eine sozia le Phobie (F40.1), sonstige phobische Störungen (Zug- und Tramphobie, F40.8) sowie eine somatoforme, autonome Funktionsstörung (F45.3) in Zusammenhang mit dem Paniksyndrom. In der B eurteilung der Beeinträchtigungen hält Dr. B.____ fest, dass die Versicherte vermindert be lastbar und stressbelastungsfähig sei. Aufgrund der Ängste sei sie nicht in jedem Team und an jedem Arbeitsplatz einsetzbar. Wegen der Tram- und Zugphobie brauche sie deutlich länger, u m ins Geschäft zu gelangen. Ihre Fä- higkeit zu telefonieren sei erschwert, aber nicht unmögl ich. Am besten wäre es, wenn sie im rückwärtigen Raum für sich selbst arbeiten könnte, ohne zu viele interpersonelle Kontakte, das heisst ohne Schalterkontakte und häufige Kundentelefone . Sie sei auch verlangsamt und epi- sodisch umständlich, erschwert flexibel, weshalb sie auf di e heutigen wechselhaften und stres- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sigen Arbeitsumstände nicht adäquat reagieren könne. Ihr e Konzentrationsfähigkeit sei durch die psychiatrische Gesamterkrankung eingeschränkt. Aus psychiat rischer Sicht sei sie in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit im kaufmännischen Bereich noch 50 % arbeitsfähig. Eine Bürotä- tigkeit mit den erwähnten Einschränkungen könne ihr noch vier Stunden täglich zugemutet wer- den. Dies gelte seit dem Jahr 2003. Als selbständige Kosm etikerin wäre die Versicherte noch täglich sechs Stunden, ohne Verminderung des Rendements, arbeitsfähig. Dr. C.____ hielt mit Gutachten vom 18. Februar 2011 f est, dass die Beschwerdeführerin mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gemäss ICD-10 an e iner gemischten Angststörung mit spezifischen Phobien, dissoziativen Zuständen, Zwangssymptomen und paroxysmalen Ängsten (F41.3) sowie einer rezidivierend depressiven Störung, g egenwärtig leichtgradig ausgeprägt (F33.01), leide. In Bezug auf die Leistungsfähigkeit hält Dr. C.____ fest, dass diese auf der psy- chisch geistigen Ebene durch die Angststörung und eine d eutliche Verunsicherung, Irritierbar- keit, intermittierend innere Unruhe und ein Vermeidu ngsverhalten gemindert werde. Auf der körperlichen Ebene bestehe eine vermehrte Erschöpfbarkei t, geringere Belastbarkeit und psy- chosomatische Belastung. Im Hinblick auf die soziale Inte raktion sei die Versicherte vor allem durch die Angst vor der Angst und dem entsprechenden Ve rmeidungsverhalten eingeschränkt. Aufgrund der langjährigen chronifizierten Angststörung und der rezidivierend depressiven Stö- rung vor dem Hintergrund akzentuierter Persönlichkeitszüge liege zum Untersuchungszeitpunkt aus psychiatrischer Sicht in einer angepassten, ruhigen, stressarmen Tätigkeit (z.B. als Kosme- tikerin) eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit vor. In der an gestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin bestehe aktuell eine 70 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Das Störungsbild zeige einen rezidivierenden aber auch schleichend progredienten chronifizierenden V erlauf, ohne dass in den letzten Jah- ren eine nachhaltige Verbesserung eingetreten sei. Im Vergleich mit der Begutachtung durch Dr. B.____ im Jahre 2008 habe sich die Befundlage ange sichts einer zunehmenden Erschöp- fung der Bewältigungsmöglichkeit weiter verschlechtert. D er Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei auf Mai 2009 festzusetzen. Für die Zeit bis Mai 2009 sei die Einschätzung von Dr. B.____ vom 29. März 2008 aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar. 6.3.2 Mit Urteil vom 27. Juni 2013 stellte das Kanton sgericht fest, dass auf die Beurteilungen von Dr. B.____ und Dr. C.____ grundsätzlich abgestellt werden könne. Unklar sei einzig, ob die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte eine Ar- beitsfähigkeit von 50 % verwirklichen könne. Diesbezüglich sei von Dr. C.____ eine präzi- sierende Stellungnahme einzuholen. Insbesondere sei abzu klären, ob der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit im Umfang von 50 % in einem Backoffice zugemutet werden könne. In der Folge nahm die Beschwerdegegnerin die entsprechende Rückfrage bei Dr. C.____ vor. Mit Schreiben vom 18. Juni 2014 hielt Dr. C.____ fest, dass der Versi cherten eine ruhige, stressarme, ange- passte Tätigkeit auch als Sachbearbeiterin in einem „ba ck office“ zumutbar sei (IV act. 113). Optimal wäre die Möglichkeit, alleine zu arbeiten oder in einem kleinen Mitarbeiterstab, unter Vermeidung von Kundenkontakten oder der Teilnahme an Sitzungen sowie Telefondienst. 6.3.3 In den Akten sind keine ärztlichen Berichte vorhan den, die eine wesentliche Verände- rung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit der Untersuchung durch Dr. C.____ im Jahr 2011 belegen würden. Die Beschwerdefüh rerin macht auch keine neuen medi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zinischen Beschwerden, Befunde oder Diagnosen geltend, d ie darauf hindeuten würden, dass Dr. C.____ nicht alle medizinischen Befunde bei der Ein schätzung der Arbeitsfähigkeit berück- sichtigt hätte (vgl. Stellungnahme von Dr. med. D.___ _, Facharzt für Psychiatrie und Psycho- therapie, Regionaler ärztlicher Dienst beider Basel, IV act. 124). Aus diesem Grund besteht kein Anlass, an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. C.____ zu zweifeln, auch wenn des- sen klinische Untersuchung schon längere Zeit zurückliegt. E s erscheint schlüssig und nach- vollziehbar, wenn er in Anbetracht der Diagnosen einer Angststörung und einer leichtgradigen Depression davon ausgeht, dass die Beschwerdeführerin in einem Backoffice als kaufmänni- sche Angestellte in einem Pensum von 50 % arbeiten könnt e. Zudem zieht Dr. C.____ aus der von der Beschwerdeführerin bestrittenen Aussage betreffend ihre Fähigkeit, wieder Tram fahren zu können, keine direkten Schlüsse auf die Arbeitsfähigk eit. Er erwähnt diesen Umstand ledig- lich im Zusammenhang mit der Mobilität der Beschwerdef ührerin. Unter diesen Umständen er- scheint es nicht als notwendig, dass der Gutachter die Be schwerdeführerin nochmals persön- lich untersucht; eine Verlaufsbegutachtung erachtete das Kantonsgericht mit Urteil vom 27. Juni 2013 ohnehin nicht als notwendig. 6.4 Gestützt auf die Beurteilungen von Dr. B.____ und von Dr. C.____ ist davon auszuge- hen, dass der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gemisc hten Angststörung und der rezidivie- rend depressiven Störung, die gegenwärtig leichtgradi g ausgeprägt ist, aus psychiatrischer Sicht die Ausübung einer angepassten, ruhigen, stressarm en Tätigkeit (z.B. als Kosmetikerin oder auch in der angestammten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte) zu 50 % zugemutet werden kann. 7.1 Zu prüfen ist, wie sich die eingeschränkte Arbeitsfäh igkeit auf die Erwerbsfähigkeit auswirkt. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie die Restarbeitsfähigkeit von 50 % als kaufmännische Angestellte gar nicht mehr wirtschaftlich verwerten könne. 7.2 Im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei der Bestim mung des trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einkommen s darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsge- legenheit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form mög- lich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch ni cht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbei tgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vorneherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 2 .1; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) hält von sei ner Struktur her einen Fächer verschie- denartiger Stellen offen, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intel- lektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körpe rlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der versicherten Person auf einem au sgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeiten der Verwertung ihrer Restarbeit sfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamte n objektiven und subjektiven Gege- benheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Es geht bei dieser Beurteilung um die Einschätzung der C hancen der versicherten Person, trotz Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der im Einzelfall einzuhaltenden Restriktionen bezüglich Arbeitsplatz, Arbeitshaltung, Arbeitszeit und Art der Tätigkeit von einem durchschnittlichen Ar beitgeber noch angestellt zu werden, das heisst um die für die versicherte Person realistischerweis e noch vorhandenen oder nicht mehr vorhandenen Arbeitsmarktchancen (Urteil des Bundesgericht s vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 3.2). 7.3 Ausgehend von diesen Grundsätzen kann nicht von eine m IV-rechtlich erheblichen fehlenden Zugang der Beschwerdeführerin zum Arbeitsmar kt im Sinne des Art. 16 ATSG ge- sprochen werden. Die Einschränkungen, die die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Erkrankung erleidet, bestehen gemäss gutachterlicher Einschätzung im Erfordernis eines reduzierten Pen- sums, einer stressarmen, ruhigen Arbeitsumgebung sowie einer Tätigkeit, die sie alleine oder in einem kleinen Mitarbeiterstab und unter Vermeidung von Kundenkontakten, der Teilnahme an Sitzungen sowie Telefondienst ausüben könnte. Diese Einsch ränkungen reduzieren zwar die Möglichkeiten der Beschwerdeführerin auf dem Arbeitsmarkt , lassen aber eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht völlig unrealistisch erscheinen. 8.1 Es bleibt die Prüfung der Einbusse im erwerblichen Bereich. Wie bereits in Erwägung 4.2 hiervor dargestellt, wird diese durch einen Einkommensvergleich ermittelt. 8.2 Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen V erfügung vom 30. Januar 2015 für den Erwerbsteil den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der R echtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre und die konkrete Berechnung des Valideneinkommens und des Invalideneinkommens anhand der Tabellenlöhne der Schwei- zerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statist ik (LSE) von der Beschwerdefüh- rerin auch nicht bestritten worden ist, erübrigt sich ein e detaillierte Auseinandersetzung mit der Berechnung der Vergleichseinkommen (LSE für das Jahr 2008 resp. 2010, Tabelle TA7, Sektor 23, andere kaufmännische administrative Tätigkeiten, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 3, Spalte Frauen). Es kann diesbezüglich grundsätzlich vollumfä nglich auf die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der angefocht enen Verfügung verwiesen werden. Für die Zeitspanne ab August 2008 ist somit bei einem 40 % Pensum als kaufmännische Ange- stellte von einem Valideneinkommen von Fr. 28‘255.-- u nd für die Zeit ab Oktober 2010 bei ei- nem 80 %-Pensum von einem Valideneinkommen von Fr. 57‘866.-- auszugehen. 8.3.1 Bezüglich des Invalideneinkommens ist die Beschwerd egegnerin von einem leidens- bedingten Abzug in der Höhe von 15 % ausgegangen. Di e Beschwerdeführerin beantragt, es sei ihr ein höherer leidensbedingter Abzug zuzuerkennen. 8.3.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche u nd berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe h aben können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person d eswegen die verbliebene Arbeitsfä- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur m it unterdurchschnittlichem erwerbli- chem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). De r Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einze lfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25% nicht übersteigen (BGE 126 V 75 E. 5b/bb-cc, 134 V 322 E. 5.2). Bei der Überprüfung soll die kontrollierend e richterliche Behörde nicht ihr Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz setzen. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er messen im Einklang mit den allge- meinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffe n hat, nicht zweckmässigerweise an- ders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetät igung der Vorinstanz eingegriffen wer- den, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegeb enheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend e rscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Entscheid des EVG vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 8.3.3 Mit Blick auf die Einschränkungen der Beschwerdefü hrerin – ruhige, stressarme, ange- passte Tätigkeit, Möglichkeit, alleine zu arbeiten oder in einem kleinen Team, unter Vermeidung von Kundenkontakt oder Teilnahme an Sitzungen sowie Tel efondienst – erscheint ein Abzug von 15 % als angemessen. Soweit die Beschwerdegegnerin a b August 2008 ein Invalidenein- kommen von Fr. 24‘017.-- und ab Oktober 2010 ein Inva lideneinkommen von Fr. 30‘963.-- be- rechnet hat, ist dies somit korrekt erfolgt. Für die konkr ete Berechnung wird auf die angefochte- ne Verfügung verwiesen. 8.4 Stellt man die Valideneinkommen von Fr. 28‘255.-- (ab August 2008) bzw. Fr. 57‘866.-- (ab Oktober 2010), den Invalideneinkommen von Fr. 24‘ 017.-- (ab August 2008) bzw. Fr. 30‘963.-- (ab Oktober 2010) gegenüber, resultiere n IV-Grade von ungewichtet 14.99 % (ab August 2008) und von 46.49 % (ab Oktober 2010). 9.1 Streitig sind zudem die Einschränkungen im Hausha ltsbereich. Die Beschwerdegegne- rin geht davon aus, dass der ungewichtete IV-Grad im Haushalt gemäss Abklärungsbericht vom 23. Juli 2008 für die Zeit ab August 2008 18.45 % un d gemäss Abklärungsbericht vom 29. April 2014 für die Zeit ab Oktober 2010 15.60 % betrage. Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, dass auf den Abklärungsbericht vom 29. April 2014 nicht a bgestellt werden könne, weil die Ein- schränkungen im Haushalt insbesondere in den Rubriken Er nährung und Wohnungspflege hö- her anzusetzen seien. Die notwendige Mithilfe der Töch ter und der Freundin der Beschwerde- führerin sei massiv unterschätzt worden. 9.2.1 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsber eich bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abkläru ngsberichts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von Arztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsabklärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, welche Kenntni s der örtlichen und räumlichen Verhält- nisse sowie der Beeinträchtigungen und Behinderungen hat, die sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der versicher ten Person zu berücksichtigen, wo- bei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Apri l 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entsch eidungsgrundlage im eben umschrie- benen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsper son nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtig keit der Abklärungsresultate (z.B. in- folge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sa chverhalt steht als das im Be- schwerdefall zuständige Gericht (Urteil des Bundesgericht s vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit Hinweisen; BGE 128 V 93 f. E. 4). 9.2.2 Im Abklärungsbericht vom 29. April 2014 hielt de r zuständige Sachbearbeiter nach Durchführung der Befragung und der Gewichtung der ein zelnen Aufgabenbereiche eine Ein- schränkung von 15.60 % fest. Im Sinne von ergänzenden Be merkungen hält er fest, dass sich die psychische Verfassung gemäss Aussage der Versicherten sei t dem Wechsel zum neuen Psychiater verbessert habe. Sie habe mit seiner Hilfe wi eder gelernt, die öffentlichen Verkehrs- mittel benützen zu können. Die prozentuale Gewichtung im Bereich der Ernährung sei von 28 % auf 38 % erhöht worden. Im Bericht vom 17. Mai 2011 s eien im Total 10 % zu wenig eingesetzt worden. Die geringfügig geringere aktuelle Einschränkung gegenüber der Abklärung vom 4. Juli 2008 erkläre sich dadurch, dass die Versicherte nun vom Ehe mann getrennt lebe, was sich po- sitiv auf die psychische Verfassung auswirke. Auch die regelm ässigen Sitzungen beim neuen Psychiater hätten zur gesundheitlichen Verbesserung beige tragen. Zudem seien die Töchter heute wesentlich älter und weniger unterstützungsbedürftig. Die ältere 13-jährige Tochter könne die Versicherte sogar im Haushalt und bei der Betreuung der jüngeren Tochter unterstützen. 9.2.3 Mit Stellungnahme vom 18. Juni 2014 hält Dr. C. ____ fest, dass die im neuen Haus- haltsabklärungsbericht dargestellten Beeinträchtigunge n aus psychiatrischer Sicht nachvoll- ziehbar seien. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Haush altstätigkeit der Versicherten die Möglichkeit gebe, alleine zu arbeiten, sie aber im Bedarfsfall auch Unterstützung suchen könne. Sie könne die Pausengestaltung selbst bestimmen und Arb eiten auch einmal aufschieben. Es sei dabei zu berücksichtigen, dass sich die diagnostizierte An gststörung im häuslichen Umfeld als vermeintlich sicherer Ort weit weniger auswirken dürf te als in fremden Umgebungen bzw. unter anderen Menschen. Die zum Gutachtenszeitpunkt diag nostizierte leichtgradige Depressi- on könne eine erhebliche Einschränkung in der Haushaltsführung medizinisch nicht begründen. 9.2.4 Mit Stellungnahme vom 29. September 2014 (IV act. 123) hielt der Sachbearbeiter fest, dass der Versicherten im Gutachten sowie in der ergänzen den Stellungnahme zum Gutachten in einer ruhigen und stressarmen Tätigkeit eine Arbei tsfähigkeit von 50 % attestiert werde. Dies zeige, dass die Versicherte durchaus noch über ansprechend e Ressourcen verfüge. Betreffend die Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten, dass die einschrä nkenden Faktoren hauptsächlich stress- bedingte Faktoren seien, welche bei Tätigkeiten ausser Haus in der freien Marktwirtschaft zum Tragen kommen würden. Bei den Haushaltsarbeiten in de n eigenen vier Wänden könne bei freier Zeiteinteilung, wie dies der Versicherten mögl ich sei, kaum Stress entstehen. Auch eine körperliche und geistige Erschöpfung könne in diesem Zusa mmenhang nur schwer erklärt wer- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Auch kämen die immer wieder ausgeführten Schwierigkeiten bei der Benützung des öffent- lichen Verkehrs bei der Verrichtung der Hausarbeiten nich t zum Tragen. Es gebe keine neuen Anhaltspunkte, weshalb die am 3. April 2014 ermittel te Einschränkung im Haushalt nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entspreche. 9.2.5 Mit Urteil vom 27. Juni 2013 hielt das Kantonsger icht fest, dass im neuen Abklärungs- bericht eine konkrete Auseinandersetzung mit der Schadenm inderungspflicht der Versicherten vorgenommen werden müsse. Anschliessend sei der Haushaltsa bklärungsbericht Dr. C.____ zur Stellungnahme zu unterbreiten. Der Arzt habe konkre t dazu Stellung zu nehmen, ob die im Haushaltsbericht geschilderten Fähigkeiten mit dem Kran kheitsbild zu vereinbaren seien. Ins- besondere habe er sich dazu zu äussern, ob die Verlangsa mung, die durch die psychischen Beeinträchtigungen bestehe, während der Normalarbeitszeit aufgefangen werden könne. 9.3 Die Beschwerdegegnerin hat die notwendigen Schritt e veranlasst. Aus dem Haus- haltsbericht geht nun deutlich hervor, wo und in welch em Umfang der Sachbearbeiter die Hilfe der Freundin und der Töchter berücksichtigt hat. Aus ärztl icher Sicht beantwortet Dr. C.____ klar, dass die festgestellten Einschränkungen im Haushalt nachvollziehbar seien. In Berücksich- tigung der medizinischen Befunde und des allgemeinen F unktionsniveaus sind keine Hinweise ersichtlich, dass der Beschwerdeführerin nicht der grössere Anteil der im Dreipersonenhaushalt anfallenden Haushaltsarbeiten zugemutet werden könnten. Gemäss bundesgerichtlicher Praxis besteht bei der Bewältigung des eigenen Haushalts in der Regel mehr Spielraum und Flexibilität für die Einteilung sowie die Ausführung der Arbeit als im Rahmen eines Anstellungsverhältnis- ses. Mit häuslichen Aufgaben betraute Versicherte haben Verhaltensweisen zu entwickeln, wel- che die Auswirkungen der Behinderung reduzieren und ihn en eine möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltsverrichtungen ermö glichen. Vermag die versicherte Per- son wegen ihrer Beeinträchtigung gewisse Tätigkeiten l ediglich noch mühsam und mit viel hö- herem Zeitaufwand zu meistern, so muss sie in erster L inie ihre Arbeit entsprechend gliedern, wobei sie die durch den gesundheitsbedingten Wegfall d er erwerblichen Beschäftigung gewon- nene Zeit auf die Aufgaben im Haushalt zu verwenden h at (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2011, 8C_440/2011, E. 4.2 mit Hinweis). 9.4 Somit ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszuge hen, dass die Einschränkung im Haushalt ab August 2008 gemäss Haushaltsbericht vom 23 . Juli 2008 18.45 % und ab Oktober 2010 gemäss Haushaltsbericht vom 29. April 2014 15.60 % beträgt. 9.5 Gewichtet ist von Einschränkungen im Haushalt ab Au gust 2008 im Umfang von 11.07 % (18.45 % x 0.6) und ab Oktober 2010 von 3.12 % (15.60 % x 0.2) auszugehen. Wer- den die IV-Grade für den Erwerbsbereich und für den H aushalt addiert, resultiert ab August 2008 ein IV-Grad von 17 % (18.45 % x 0.6 + 14.99 % x 0.4) und ab Oktober 2010 von 40 % (15.60 % x 0.2 + 46.49 % x 0.8). Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab Oktober 2010 Anspruch auf ei ne Viertelsrente hat. Damit ist die an- gefochtene Verfügung vom 30. Januar 2015 nicht zu beanst anden. Die dagegen erhobene Be- schwerde ist abzuweisen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlege n sind. Der Beschwerdeführerin ist mit Verfügung vom 13. April 2015 die unentgeltliche Prozess führung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Ver beiständung mit ihrem Rechtsvertreter Advokat Marco Albrecht bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichts- kasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung f ür die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1. Januar 2014 gelte nden Fassung) beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro St unde. Der Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin hat in seiner Honorarnote vom 2. Juni 2015 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 7.25 Stunden geltend gemacht, was sich umf angmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen vo n Fr. 22.--. Dem Rechtsvertreter ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘589.75 (7.25 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 22.-- + 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1‘589.75 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht