B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1485/2023 U r t e i l v o m 2 3 . M ä r z 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer; Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren am (…), Russland, vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, substituiert durch MLaw Nathalie Vainio, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 8. März 2023 / N (…). D-1485/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am 8. Dezember 2022 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Daten- bank (Zentraleinheit-Eurodac) ergab, dass er bereits am 29. Oktober 2022 in Kroatien um Asyl ersucht hatte. A.b Am 9. Dezember 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). A.c Der Beschwerdeführer beauftragte die Mitarbeitenden des Rechts- schutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum (BAZ) B._______ am 13. Dezember 2022 mit der Wahrung seiner Rechte im Asylverfahren. A.d Am 16. Dezember 2022 wurde mit dem Beschwerdeführer im Beisein seiner Rechtsvertretung ein persönliches Gespräch gemäss Art. 5 Dublin- III-VO durchgeführt. Dabei wurde ihm das rechtliche Gehör zur mutmassli- chen Zuständigkeit Kroatiens zur Prüfung seines Asylgesuchs, zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) sowie zur Wegweisung nach Kroatien gewährt. Dabei gab er an, nicht nach Kroatien zurückkehren zu wollen, weil dort Leute angekom- men seien, die für den tschetschenischen Präsidenten Kadyrow arbeiten würden. Diese Personen hätten ihn bedroht und ihm gesagt, falls er nicht nach Tschetschenien zurückkehre, würden an seiner Stelle seine Familien- angehörigen in die Ukraine geschickt werden. Ausserdem habe er von an- deren Tschetschenen hässliche Geschichten über kroatische Polizisten ge- hört, die Tschetschenen aufgefordert hätten, in ihre Heimat zurückzukeh- ren und ihre Pflicht im Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu erfül- len. Er könne überdies nicht nach Kroatien zurückkehren, weil er in Tschet- schenien von den Behörden kontrolliert worden sei. Auch habe er in Kroa- tien noch keine Antwort auf sein Asylgesuch erhalten. Zu seinem Gesundheitszustand befragt erklärte er, ausser (…) keine Prob- leme zu haben. D-1485/2023 Seite 3 A.e Die kroatischen Behörden hiessen das Rückübernahmeersuchen am 23. Dezember 2022 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. A.f Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens gab der Beschwerdeführer seine Geburtsurkunde und seinen Führerausweis im Original zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 8. März 2023 – eröffnet am 9. März 2023 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung in den für ihn zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Kroatien) an und forderte ihn unter An- drohung von Zwangsmitteln auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ein- tritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Gleichzeitig wurde der Kanton C._______ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt und fest- gestellt, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. Schliesslich wurden dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Ak- ten ausgehändigt. C. Am 9. März 2023 legte die zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat nie- der. D. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe der rubrizierten Rechtsvertrete- rin vom 16. März 2023 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorin - stanz anzuweisen, auf sein Asylgesu ch einzutreten. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzu- weisen, bei den kroatischen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass er ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien effektiv Zugang zum Asylverfah- ren sowie Obdach, Nahrung sowie eine nahtlose, adäquate und regelmäs- sige psychologische Behandlung erhalte. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, um E rlass eines super- provisorischen Vollzugsstopps, um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mitsamt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung ersucht. Als Beilage zur Beschwerdeschrift reichte er als Beweismittel die Kopie ei- ner Namensliste zu den Akten. D-1485/2023 Seite 4 E. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 17. März 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Glei- chentags setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstellung ge- stützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs- gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu- ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Be- schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Besch werde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3. Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht- lich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständig- keit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zwei- ten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriften- wechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). D-1485/2023 Seite 5 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht abgeklärt und überhaupt keine Überprüfung der Situation von Tschetsche- nen in Kroatien vorgenommen. Entsprechend habe sie in ihrer Verfügung entscheidrelevante Umstände nicht berücksichtigt. Ausserdem habe sie sich darauf berufen, dass Partnerbehörden Deutschlands und Österreichs die Einschätzung des SEM teilten, obschon deutsche Gerichte immer wie- der Überstellungen nach Kroatien gestoppt und systemische Mängel fest- gestellt hätten. Die Vorinstanz habe den Sachverhalt bezüglich der syste- mischen Schwachstellen in Kroatien nicht ausreichend abgeklärt und Be- richte von NGOs nicht beachtet. Vielmehr habe sie sich pauschal auf ver- altete Abklärungen insbesondere der Schweizer Botschaft in Kroatien ge- stützt (vgl. Beschwerde S. 11 f.). Diese formellen Rügen sind vorab zu prü- fen, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzli- chen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2). 4.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be- hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zu- sätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie auf- grund der Aktenlage als angezeigt erscheinen. Ihre Grenze findet die Un- tersuchungspflicht in der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 VwVG) umfasst das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung ein- greifenden Entscheids zur Sache äussern zu können (Art. 30 Abs. 1 VwVG). Er verlangt von der Behörde, dass sie die Vorbringen des Betroffe- nen tatsächlich hört, ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung ange- messen berücksichtigt (Art. 32 Abs. 1 VwVG). 4.3 Entgegen den Behauptungen des Beschwerdeführers hat sich die Vor- instanz mit der allgemeinen Lage von Asylsuchenden in Kroatien ausei- nandergesetzt und einlässlich dargelegt, aufgrund von welchen Informati- onen sie zur Schlussfolgerung gelangt ist, es liege im kroatischen Asylsys- tem keine erhebliche Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta und Art. 3 D-1485/2023 Seite 6 EMRK vor (S. 3-5 der angefochtenen Verfügung). Zudem hat sie ausdrück- lich Stellung zur Kritik an der Lage in Kroatien bezogen und auch die indi- viduelle Situation des Beschwerdeführers sowie sein anlässlich des Dub- lin-Gesprächs gemachtes Vorbringen, er sei in Kroatien von Personen, die für den tschetschenischen Präsidenten arbeiten würden, bedroht worden, bei der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl. S. 5 der angefochtenen Ver- fügung). Klar ist sodann, dass das SEM die erstinstanzlichen Behörden Deutschlands und Österreichs als Partnerbehörden bezeichnet, nicht aber die dortigen Rechtsmittelinstanzen. Angesichts der Angaben des Be- schwerdeführers zu seinem Gesundheitszustand (vgl. Bst. A. d) musste sich das SEM auch zu keinen weiteren Abklärungen veranlasst sehen. Al- lein der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Lageeinschätzung des SEM nicht teilt und die individuellen Vorbringen oder die Situation in Kroa- tien nicht so beurteilt wie vom Beschwerdeführer gewünscht, und aus den sich bei den Akten befindenden Unterlagen nicht die gleichen Schlüsse zieht wie er, stellt weder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch des rechtlichen Gehörs dar; vielmehr handelt es sich um eine mate- rielle Frage. 4.4 Nach dem Gesagten erweisen sich die verfahrensrechtlichen Rügen des Beschwerdeführers als unbegründet. Der Eventualantrag auf Rückwei- sung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung ist abzuweisen. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eing etreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des in den Art. 23 –25 Dublin-III-VO geregelten sogenannten Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: ta ke back) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt. Die Zuständigkeit be- ziehungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 D-1485/2023 Seite 7 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C -583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47 –50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän- digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An- nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An- tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensc hlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als z u- ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän- dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An- trag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 6. Ein Abgleich der Fingerabdrücke de s Beschwerdeführers mit der Finger- abdruck-Datenbank ergab, dass diese r am 29. Oktober 2022 in Kroatien ein Asylgesuch eingereicht hat te. Das SEM ersuchte deshal b die kroati- schen Behörden am 9. Dezember 2022 um Wiederaufnahme de s Be- schwerdeführers. Nachdem die kroatischen Behörden dem Gesuch um Rückübernahme gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin -III-VO innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist zugestimmt und gleichzeitig darauf hingewiesen haben, d er Beschwerdeführer habe das Empfangs- zentrum bereits am 31. Oktober 2022, noch vor der ersten Befragung, ver- lassen, ist die Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben; sie wird auf Beschwerdeebene zu Recht auch nicht bestritten. 7. 7.1 Nachfolgend ist im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstellen a ufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder D-1485/2023 Seite 8 entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU -Grund- rechtecharta mit sich bringen würden. 7.1.1. Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen (mithin auch dem Non -Refoulment-Gebot [dieses umfasst auch die Kettenabschiebung]) grundsätzlich nach. Es darf davon ausge- gangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Die Vorinstanz hat im Sinne der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zutreffend dargelegt, dass ak- tuell, auch unter Würdigung von kritischen Berichten nationaler und inter- nationaler Organisationen bezüglich dem kroatischen Asylverfahren, im Bereich der Wiederaufnahmeverfahren keine Gründe für die Annahme vor- liegen, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragste l- lende in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des BVGer D-254/2023 vom 8. Februar 2023 E. 7.1.1, m.w.H.). 7.1.2. Auch unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer anlässlich des persönlichen Gesprächs vom 16. Dezember 2022 geschilderten und in der Beschwerdeschrift (vgl. S. 4) teilweise wiederholten Erlebnisse und die angebliche, unter dem Vorwurf des Extremismus erfolgte Verhaftung von Tschetschenen in Kroatien (vgl. Beschwerde S. 6) ist nicht davon aus- zugehen, Kroatien verstosse systematisch gegen seine vertraglichen Ver- pflichtungen. Die vom Beschwerdeführer für die Zeit seines Aufenthaltes in Kroatien geltend gemachten Drohungen durch Landsleute (und auch die ihm angeblich zu Ohren gekommenen "hässlichen Geschichten über kro- atische Polizisten") rechtfertigen es nicht, davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Si nne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta wird. Bei Fehlverhalten von Privatperso-D-1485/2023 Seite 9 nen oder einzelner Beamter könnte er sich – trotz der entsprechenden Kri- tik auf Beschwerdeebene – an die zuständigen kroatischen Stellen wen- den. Die zusammen mit der Beschwerde eingereichte Kopie einer (auch den Namen des Beschwerdeführers nennenden) Liste von angeblich zum Kriegsdienst für Russland aufgerufenen Personen vermag an dieser Fest- stellung nichts zu ändern, zumal diese Liste ausser einigen Namen keiner- lei weitere Angaben enthält. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass er bei einer Wegweisung nach Kroatien in eine existenzielle Notlage geraten könnte. 7.1.3. In der Beschwerde (vgl. insbesondere S. 8 f.) werden des Weiteren die sogenannten Push-backs thematisiert. Wegen dieser Ereignisse sieht sich Kroatien schon seit geraumer Zeit mit Vorwürfen konfrontiert. Wie in der angefochtenen Verfügung ausführlich und zutreffend festgestellt wird (vgl. dort S. 3 f.), stehen solche Ereignisse indessen offensichtl ich in Zu- sammenhang mit illegalen Einreisen nach Kroatien unter anderem von Bosnien und Herzegowina aus. Sie betreffen demnach die Aussengrenzen Kroatiens zu seinen Nachbarstaaten und die Frage des Zugangs zum Asyl- verfahren respektive die Möglichkeit, in Kroatien durch die Asylgesuchstel- lung ein Asylverfahren einzuleiten. Damit ist aber nichts zur vorliegend in- teressierenden Situation der Rückkehr nach Kroatien nach einer Asylan- tragstellung gesagt. Bei einer Rücküberstellung nach Kroatien wird der Be- schwerdeführer auf legalem Weg in die Hauptstadt Zagreb überstellt. Die Vorinstanz hat eine Einzelfallprüfung vorgenommen und ist unter Verweis auf Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien zu Recht zum Schluss gekommen, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Ver- fahrens nach Kroatien – als für die Asylgesuchprüfung zuständigen Mit- gliedstaat – zurückgeführt werden, nicht von der problematischen Push - back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteile des BVGer D-254/2023 vom 8. Feb- ruar 2023 E. 7.1.3 und D-5976/2022 vom 5. Januar 2023 E. 7.2, m.w.H.). 7.1.4. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. 7.2 7.2.1. In der Beschwerdeschrift (vgl. S. 5) wird ausgeführt, der Beschwer- deführer sei gemäss seinen Angaben (…) und habe "immense (…)", weil seine (…) sei. Seit einigen Wochen leide er zudem an (…). Der Arzt in D._______ habe ihm gesagt, dass eine (…) notwendig sei, und ihm (…) D-1485/2023 Seite 10 verabreicht. Ungeachtet der Tatsache, dass der Beschwerdeführer anläss- lich des Dublin-Gesprächs angegeben hatte, ausser (…) keine gesundheit- lichen Probleme zu haben (und das am 9. Dezember 2022 in D._______ durchgeführte (…) einen negativen Befund ergeben hatte), und die nun- mehr vorgebrachten Beschwerden durch keine entsprechende Berichte oder Zeugnisse dokumentiert werden, ist festzuhalten, dass eine zwangs- weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fort- geschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinwei sen auf die damalige Praxis des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab- schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Pa- poshvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 7.2.2. Eine solche Situation ist aufgrund der vorstehend (vgl. E. 7.2.1) auf- geführten Beschwerden vorliegend offenkundig nicht gegeben, zumal – wie bereits festgestellt – die neu vorgebrachten gesundheitlichen Probleme weder substanziiert noch durch entsprechende Beweismittel untermauert werden. Der Beschwerdeführer war im vorinstanzlichen Verfahren durch die zugewiesene Rechtsvertretung vertreten, weshalb er sich – falls ihm die nötige gesundheitliche Betreuung versagt geblieben wäre – an diese zu wenden gehabt hätte. Für weitere Abklärungen besteht keine Veranlas- sung, ebenso wenig – angesichts der medizinischen Versorgung in Kroa- tien (vgl. nachstehend) – für die Ansetzung einer Nachfrist für eine Be- schwerdeergänzung beziehungsweise die Einreichung weiterer Beweis- mittel. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind zudem auch nicht von einer Schwere, die die Feststellung der Unzulässigkeit im Sinne der rest- riktiven Rechtsprechung zu rechtfertigen vermöchte. Zudem könnten sie in Kroatien behandelt werden, verfügt das Land doch über eine ausreichende medizinische Infrastruktur. Im Übrigen bieten nebst den staatlichen Einrich- tungen auch Nichtregierungsorganisationen Hilfestellung bei der psycholo- gischen Betreuung von Asylsuchenden an, womit von einem genügenden D-1485/2023 Seite 11 Behandlungsangebot auszugehen ist ( vgl. Urteil des BVGer D -254/2023 vom 8. Februar 2023 E. 7.2.4 m.w.H.). 7.2.3. Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis ebenso wie das SEM davon aus, dass die schweizerischen Behörden bei den kroatischen Behörden in der Regel keine individuellen Zusicherungen bezüglich des Zugangs zu adäquater Unterbringung, Betreuung und medizinischer Ver- sorgung einzuholen haben. Vorliegend bestehen – entgegen der in der Be- schwerdeschrift (vgl. S. 12) vertretenen Auffassung – keine Gründe, die ein Abweichen von dieser Regel gebieten würden. Die schweizerischen Be- hörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, werden dem aktuel len Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei der Organisation der Überstellung nach Kroatien Rechnung tragen, indem sie – falls nötig – die dortigen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig über den Gesundheitszustand und die a llenfalls notwendige medizinische Behandlung des Beschwerdeführers informieren werden. Das Subeventualbegehren, bei den zuständigen kroatischen Be- hörden Zusicherungen einzuholen, ist daher abzuweisen. 7.3 Nach dem Gesagten kann der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko dartun, dass seine Überstellung nach Kroatien die Ver- letzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. 7.4 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz bei der Anwendung von Art . 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens- spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 7.5 Es liegen weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, die die Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler bei der Ermessensbetätigung. Es liegt folglich kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dub- lin-III-VO vor. Kroatien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dub- lin-III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer wiederaufzunehmen. D-1485/2023 Seite 12 8. Die Vorinstanz ist nach dem Gesagten zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein- getreten. Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Auf ent- halts- oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 9. Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG, weshalb allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesge- setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG; SR 142.20) unter diesen Umstä nden nicht mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 10. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachver- halt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist folglich abzuweisen. Ebenfalls abzuweisen ist das Begehren um Ansetzung einer Nachfrist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung, zumal die Eingabe vom 16. März 2023 den gesetzlichen Anforderungen an eine Beschwerde ge- nügte und keine weiteren Abklärungen erforderlich sind. 11. 11.1 Der am 17. März 2023 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegen- den Urteil dahin. 11.2 Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses gegenstandslos geworden. 12. 12.1 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu be zeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. D-1485/2023 Seite 13 12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regleme nts vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-1485/2023 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Ur- teils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Kathrin Mangold Horni Versand: