B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-8324/2015 U r t e i l v o m 1 0 . J u l i 2 0 1 7 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Anna Wildt. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Fabienne Bratoljic, Freiplatzaktion Basel, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 17. November 2015 / N (…). D-8324/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger Sri Lankas tamilischer Ethnie – verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 8. Ja- nuar 2010 auf dem Luftweg, um illegal über Italien in die Schweiz einzurei- sen, wo er am 12. Januar 2010 um Asyl ersuchte. Am 18. Januar 2010 fand die Befragung zur Person (BzP) statt, am 28. Januar 2010 wurde er ein- lässlich zu seinen Gesuchsgründen angehört (1. BA). Zur Begründung sei nes Asylgesuchs brachte er vor , er sei Schüler und habe mit seinen Eltern und Geschwistern in B._______ bei C._______ im Jaffna-Distrikt gelebt. Von 2002 bis 2006 habe er sich in seiner Schule an der Organisation und Durchführung von Anlässen der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) beteiligt. Die Aufträge habe er vom Anführer der LTTE in C._______ namens P. erhalten. Anfang Mai 2009 sei A. – einer seiner Klassenkameraden – festgenommen und geschlagen worden. Infolgedes- sen sei seine Beteiligung an der Or ganisation von LTTE Anlässen der Sri Lankan Army (SLA) bekannt geworden. Am 23. Juni 2009 habe die Armee das Haus seiner Eltern nach ihm durchsucht. Da er sich auf dem Dachbo- den versteckt habe, habe er sich einer Festnahme entziehen können. Da- nach sei er zu seinem Schutz drei Monate bei seiner Tante in D._______ gewesen. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er eine Identitätskarte, ein Bestätigungsschreiben des (...) College vom 18. Januar 2010, ein Bestäti- gungsschreiben des Gemeindevorstehers, seine Geburtsurkunde und eine Beglaubigung dieser Urkunde zu den Akten. A.b Mit Verfügung vom 30. Mai 2013 lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. A.c Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdefüh rer durch seine Rechtsvertretung am 28. Juni 2013 Beschwerde und beantragte , die vo- rinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren. E ventualiter sei die Unzuläs- sigkeit, Unzumutbarkeit oder U nmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. Zur Stützung seiner Angaben reichte er ein Bestätigungsschreiben des (...) College vom 21. Juni 2 013, eine Wohnsitzbestätigung des Gemeindevor- stehers, ein Bestätigungsschreiben seines Vaters, einen Auszug aus dem D-8324/2015 Seite 3 Information Book der Polizei vom 20. Juni 2009 und eine Bestätigung der Human Rights Commission of Sri Lanka vom 19. Juli 2013 zu den Akten. A.d Mit Urteil D -3720/2013 vom 11. Februar 2014 hiess da s Bundesver- waltungsgericht die Beschwerde gut, hob die angefochtene Verfügung vom 30. Mai 2013 auf und wies die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfest- stellung und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte es im Wesentlichen au s, dass die Vorinstanz im Zuge zweier im August 2013 bekannt gewordener Vorfälle sri -lankischer Rückkehrer faktisch sämtliche Verfahren – auch solche im Vollzugssta- dium – in Wiedererwägung ziehe (vgl. Medienmitteilung der Vorinstanz vom 4. September 2013 " Bundesamt hat Rückführungen nach Sri Lanka vorläufig ausgesetzt"). Es sei davon auszugehen, dass der Sachverhalt nicht vollständig festgestellt worden sei und sich die neu durchgeführte La- gebeurteilung darauf auswirken könne. B. B.a Im Rahmen einer zweiten Anhörung (2. BA) vom 10. Dezember 2014 ergänzte der Beschwerdeführer in sachverhaltlicher Hinsicht , bis 2006 seien die LTTE-Anlässe in der Schule durchgeführt worden, danach hätten diese weiterhin an anderen Orten stattgefunden. Er selbst habe Vorberei- tungsarbeiten koordiniert, an den Veransta ltungen Reden gehalten und [weitere Tätigkeiten ausgeführt]. Ende 2008 habe er sich einen Monat lang bei einem Kollegen im Vanni-Gebiet aufgehalten. Im Januar oder Februar 2009 sei in seiner Umgebung ein St romerzeuger zerstört worden, wofür auch er und seine Kollegen verantwortlich gemacht worden seien. Aus Pro- test gegen die Konfiszierung von etlichen Gegenständen aus der Schule durch die SLA habe er Ende April, Anfang Mai 2009 an einer Demonstration vor der Schule – gegenüber habe es [eine Einrichtung] gegeben – Pneus verbrannt und sei dabei gefilmt worden. Er und acht weitere Personen hät- ten vom Militär am 20. Juni 2009 eine Vorladung für den 23. Juni 2009 er- halten, der sie nicht Folge geleistet hätten, woraufhin sein Kollege A. fest- genommen worden sei. Am 23. Juni 2009 habe die Armee zu Hause nach ihm gesucht. Auf Vorhalt hin erklärte er, A. sei insgesamt zweimal festge- nommen worden, beim ersten Mal habe ihn sein Vater freigekauft. Auf Nachfrage erklärte de r Beschwerdeführer, in seinem Verwandtenkreis habe es einen LTTE-Kämpfer und eine Informantin gegeben, die sein Vater unterstützt habe, weshalb es zu Problemen gekommen sei. D-8324/2015 Seite 4 B.b Mit Verfügung vom 17 . November 201 5 – eröffnet am 19. Novem- ber 2015 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie d en Vollzug an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Vorbringen seien nicht glaubhaft, weshalb deren Asylrelevanz nicht zu prüfen se i. Die vom Be- schwerdeführer im Beschwerdeverfahren D-3720/2013 eingereichten Be- weismittel wertete das SEM als Gefälligkeitsschreiben, beziehungsweise wies es darauf hin, dass Dokumente, wie etwa der Auszug aus dem "Infor- mation Book of Jaffna Police Station ", leicht käuflich erworben werden könnten, weshalb deren Beweiswert äusserst gering sei. B.c Gegen diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 21. Dezember 2015 beim Bundesver- waltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustell en und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und er sei vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um die Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses und um Feststellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde er- sucht. B.d Mit Verfügung vom 8. Januar 2016 teilte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer mit , er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und hiess den Antrag auf unentgel tliche Rechtspflege gut. B.e Mit Verfügung vom 28. Januar 2017 wurde das SEM zur Vernehmlas- sung eingeladen. Am 2. Februar 2016 nahm das SEM zur Beschwerde Stellung und hielt vollumfänglich an seinen Erwägungen fest. B.f Mit Replik vom 24. Februar 2016 hielt der Beschwerdeführer an seinen Beschwerdebegehren fest. B.g Mit Botschaftsanfrage vom 8. März 2016 ersuchte die Instruktionsrich- terin die Schweizerische Vertretung in Colombo um Überprüfung der Echt- heit der eingereichten Dokumente. Mit Antwortschreiben vom 4. Mai 2016 teilte die Botschaft mit, dass es sich gemäss Abklärungen beim Schreiben der Human Right s Commission of Sri Lanka vom 19. Juli 2013 um eine Fälschung handle und im Weiteren die eingereichte Vorladung (Information D-8324/2015 Seite 5 Book of Police Station) nicht jenem Formular entspreche, das für eine Vor- ladung verwendet werden würde . Beim Bestätigungsschreiben des Ge- meindevorstehers könnte es sich um ein Gefälligkeitsschreiben handeln. B.h Mit Verfügung vom 13. Mai 2016 wurde dem Beschwerdeführer Gele- genheit gegeben, zum Abklärungsergebnis Stellung zu nehmen. B.i Mit Stellungnahme vom 1. Juli 2016 reichte der Beschwerdeführer eine neue Bestätigung der Human Rights Commission of Sri Lanka vom 3. Juni 2016 sowie eine Bestätigungsmail des Regionalkoordinators der- selben vom 1. Juli 2016 zu den Akten. B.j Mit Botschaftsanfrage vom 20. März 2017 ersuchte die Instruktionsrich- terin die Schweizer Vertretung in Colombo um Abklärung bezüglich der Echtheit der nachgereichten Bestätigung. Mit Antwortschreiben vom 19. April 2017 teilte die Vertretung in Colombo mit, dass das Schreiben der Human Rights Commission of Sri Lanka vom 3. Juni 2016 gemäss neuer- licher Abklärungen echt sei und bestätigt worden sei, dass der Vater des Beschwerdeführers am 25. Juni 2009 dort eine Klage eingereicht habe. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die D-8324/2015 Seite 6 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlinge n grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Stand- punkt, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seinen Vorfluchtgründen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Auch sei nicht davon auszugehen, dass ihm im Falle der Rück- kehr nach Sri Lanka künftige Verfolgungsmassnahmen drohten. 4.1.1 Da seine Vorbringen a n d er BzP , der 1. BA und der 2. BA wider- sprüchlich ausgefallen seien, sei die geltend gemachte Gefährdung durch die sri-lankischen Behörden insgesamt als unglaubhaft einzustufen. In der D-8324/2015 Seite 7 2. BA habe er zudem Sachverhaltselemente nachgeschoben. Ausserdem seien wesentliche Elemente seiner Vorbringen unplausibel. So habe er im Rahmen der BzP und der 1. BA angegeben, zuletzt im Jahr 2006 an einer LTTE-Veranstaltung mitgewirkt zu haben und darüber hinaus nichts mit der LTTE zutun gehabt zu haben. Im Gegensatz dazu habe er in der 2. BA vorgebracht, auch nach dem Jahr 2006 für die LTTE tätig gewe- sen zu sein. Zudem habe er neu vorgebracht, dass LTTE-Mitglieder regel- mässig zu ihm nach Hause gekommen seien. Im Weiteren habe er anläss- lich der 1. BA angegeben, sich gemeinsam mit vier Schulkollegen aktiv an einer LTTE-nahen Schülerorganisation beteiligt zu haben. An der 2. BA habe er hingegen vorgebracht, es seien insgesamt neun Personen invol- viert gewesen. Schliesslich habe er an der BzP und der 1. BA angegeben, am 23. Juni 2009 erstmals von der Armee gesucht worden zu sein. Dem- gegenüber habe er i n der 2. BA vorgebracht, bereits zuvor wegen eines Anschlags auf einen Stromerzeuger im Januar oder Februar 2009 sowie wegen einer Demonstrationsteilnahme im April oder Mai 2009 ins Visier der Armee geraten zu sein. Schliesslich habe er angegeben, dass er am 20. Juni 2009 eine Vorladung für den 23. Juni 2009 erhalten habe. Diese Angaben stünden jedoch im Widerspruch zum Inhalt des eingereichten Be- weismittels (Information Book of Police Station), wonach es zwei Vorladun- gen gegeben haben soll. Dem Dokument sei zu entnehmen, dass sich er und seine Schulkollegen am 20. Juni 2009 bei der „Terrorist Prevention Unit“ hätten melden müssen und wegen Missachtung dieser Vorladung per 23. Juni 2009 neuerlich vorgeladen worden seien. Darüber hinaus seien seine Angaben zur angeblichen Verhaftung seines Kollegen A. wider- sprüchlich, da er diesbezüglich drei unterschiedliche Versionen geltend ge- macht habe. An der 1. BA habe er vorgebracht, A. sei im Mai 2009 vorüber- gehend verhaftet worden, woraufhin ihn seine Eltern freigekauft und ins Ausland geschickt hätten. A. ha be ihm rund zwei Wochen bevor er (der Beschwerdeführer) zuhause gesucht worden sei, davon berichtet. Demge- genüber habe er an der 2. BA erklärt, A. sei am Nachmittag des 23. Juni 2009 verhaftet worden, woraufhin er (der Beschwerdeführer) abends zuhause gesucht worden sei. Auf Vorhalt hin habe er dann seine Angaben dahingehend korrigiert, dass A. insgesamt zwei Mal verhaftet worden sei, einmal im Mai und einmal im Juni 2009. Damit habe er eine dritte Version der Verhaftung von A. geschildert. Im Weiteren habe er un- terschiedliche Angaben zu seinem Aufenthalt bei seiner Tante gemacht. Anlässlich der BzP und der 1. BA habe er geltend gemacht, drei Monate lange im Haus seiner Tante versteckt geblieben zu sein und dort gelernt zu haben. Demgegenüber habe er an der 2. BA vorgebracht, sich zunächst D-8324/2015 Seite 8 am Tag nach der Hausdurchsuchung bei der Human Rights Commission of Sri Lanka in Jaffna gemeldet zu haben und danach zur Tante gegangen zu sein. Zudem habe er anlässlich der 2. BA nachträglich wesentliche Sachverhalt- selemente geltend gemacht, die über eine blosse Konkretisierung hinaus- gingen. So habe er zusätzlich angegeben, im Januar 2008 während der Schulferien rund einen Monat lang im Vanni -Gebiet gelebt zu haben und nach der Rückkehr vermehrt mit LTTE-Mitgliedern unterwegs gewesen zu sein. Weiter habe er vorgebracht, wegen eines Bombenanschlags auf ei- nen Stromerzeuger verd ächtigt worden zu sein und sich im April oder Mai 2009 an einer Demonstration vor der Schule beteiligt zu haben . Dar- über hinaus habe er erstmals an der 2. BA angegeben, eine Vorladung erhalten zu haben, welcher er nicht Folge geleistet habe, und schliesslich, nach erfolgloser Hausdurchsuchung der Armee vom 23. Juni 2009, sich bei der Human Rights Commission gemeldet und für drei Monate unter de- ren Schutz gestanden zu haben. Im Weiteren seien seine Angaben unplausibel. Es sei nicht nachvollzieh- bar, dass er sich angesichts der geltend gemachten Bedrohung noch bis zum 24. Juni 2009 zuhause aufgehalten haben soll. Seine Angaben, wo- nach zunächst die Tante ihr Einverständnis habe geben müssen, ihm Un- terschlupf zu gewähren, überzeugten angesichts der Gefährdun gslage nicht. Auch sei nicht verständlich, weshalb ihm die Eltern nicht vor seiner Ausreise von den Filmaufnahmen über seine Demonstrationsteilnahme vom Mai 2009 erzählt hätten, welche ihnen an einem Elternabend gezeigt worden seien, zumal die Armee dabei sogar mit Festnahme gedroht habe. Schliesslich sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Armee diese Handlun- gen nur gefilmt habe, ohne zur Festnahme zu schreiten. Aufgrund der aufgezeigten Ungereimtheiten sei es insgesamt nicht glaub- haft, dass er wegen seiner Tätigkeiten als Schüler für die LTTE in asylbe- achtlicher Weise verfolgt worden sei. Im Übrigen werde auf die Ausführun- gen im Asylentscheid vom 30. Mai 2013 verwiesen. 4.1.2 Da die Verfolgungssituation nicht geglaubt werden könne, sei grund- sätzlich auch an der Echtheit der eingereichten Dokumente zu zweifeln. Zum einen handle es sich dabei um typische Gefälligkeitsschreiben, zum anderen sei allgemein bekannt, dass behördliche Dokumente – wie etwa der Auszug aus dem „Information Book of Jaffna Police Station “ – leicht erhältlich gemacht werden könnten, weshalb der Beweiswert als äusserst D-8324/2015 Seite 9 gering einzustufen sei. Dass der Beschwerdeführer den Inhalt der angeb- lichen Vorladung an der Anhörung falsch wiedergegeben habe, spreche zudem dafür, dass das Beweismittel gefälscht sei. 4.1.3 Schliesslich bestünde in Bezug auf eine Rückkehr nach Sri Lanka keine begründete Furcht vor Verfolgung. Die ethnische Zugehörigkeit und die lange Landesabwesenheit reichten nicht aus, um von drohenden Ver- folgungsmassnahmen auszugehen. Auch s eien weder die Herkunft aus dem Norden, noch das Alter, noch das angeblich illegal e Verlassen des Landes beziehungsweise die Rückkehr mit temporären Reisedokumenten, noch die geltend gemachten Demonstrationsteilnahmen in der Schweiz ge- eignet, die Aufmerksamkeit der sri -lankischen Behörden zu erhöhen. Da der Beschwerdeführer an den Demonstrationen in der Schweiz keine spe- zielle Rolle eingenommen habe, sei sein diesbezügliches Vorbringen asyl- rechtlich unwesentlich. Somit habe er bei Rückkehr keine Massnahmen zu befürchten, welche über einen sogenannten background check (Befragun- gen, Überprüfung von Auslandsaufenthalten und Tätigkeiten in Sri Lanka und im Ausland) hinausgehen würden. 4.1.4 Im Weiteren lasse die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug nicht als generell unzulässig erscheinen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe festge- stellt, dass zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen nicht generell eine unmenschliche Behandlung drohe. Auch eine Einzelfallbeurteilung ergebe keine Anhaltspunkte dafür, dass dem Beschwerdeführer mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behand- lung drohe. Die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka habe sich deutlich verbessert, seit das gesamte Land nach Beendigung des bewaffneten Kon- flikts mit den LTTE im Mai 2009 unter Regierungskontrolle sei. Der Vollzug von Wegweisungen in die Nord- und Ostprovinzen sei – ausser für Perso- nen mit letztem Wohnsitz im Vanni-Gebiet – grundsätzlich zumutbar, wobei im Einzelfall eine sorgfältige Prüfung der individuellen Kriterien vorzuneh- men sei. Der Beschwerdeführer stamme aus einem Gebiet, in dem die Si- cherheitslage nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs spreche. Vielmehr lebe seine Familie nach wie vor in C._______. Aufgrund der beruflichen Tätigkeiten seines Vaters sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei Rückkehr finanzielle Unterstützung vorfinden werde, bis er seine Ausbildung beendet und eine bezahlte Tätigkeit gefunden habe. Aus diesen Gründen sei der Wegweisungsvollzug auch zumutbar. D-8324/2015 Seite 10 4.2 In der Beschwerde hielt der Beschwerdeführer daran fest, von 2002 respektive 2003 bis 2009 in einer Schülerorganisation aktiv gewesen zu sein, mit der er Demonstrationen und verschiedene Anlässe zu Propagan- dazwecken für die LTTE organisiert habe. An solchen Veranstaltungen habe er mehrfach Vorträge gehalten beziehungsweise Infoblätter im Dorf verteilt und Plakate aufgehängt. In den Jahren 2006, 2007 seien die LTTE auf der Jaffna-Halbinsel nach wie vor stark präsent gewesen. Die Schüler- organisation habe als Vermittler zwischen den LTTE und den Studierenden fungiert. Hierfür sei der Beschwerdeführer in persönlichem Kontakt mit den LTTE gestanden, insbesondere mit der für seine Gegend verantwortlichen Person P .. Die LTTE seien auch regelmässig beim Beschwerdeführer zu- hause gewesen. Nach seinem Aufenthalt im Vanni Ende 2008 habe er ver- schiedene Aufgaben für die LTTE übernommen. Er habe sie mit Essen ver- sorgt und einen Checkpoint beobachtet, bzw. den LTTE gemeldet, ob die- ser besetzt gewesen sei. Damals habe es häufig Anschläge auf Stromer- zeuger und Waffentransporte gegeben. Als in seiner Ortschaft ein Strom- erzeuger zerstört worden sei, habe man ihn und seine Kollegen aus der Schülerorganisation verdächtigt. Einige Monate später sei er an einer De- monstration dabei gefilmt worden, wie sie Autoreifen angezündet und eine Strasse gesperrt hätten. Da sie Schuluniformen getragen hätten, habe man sie nicht verhaften dürfen. Jedoch habe man die Filmaufnahmen den Eltern gezeigt und mit Verhaftung gedroht, sollte es zu weiteren Vorfällen kom- men. Davon habe der Beschwerdeführer erst nach seiner Ausreise erfah- ren. Anfangs Juni 2009 sei sein Freund A. vorübergehend inhaftiert und geschlagen worden und habe alles erzählt. Nachdem dieser von seinen Eltern freigekauft worden sei, habe er dem Beschwerdeführer über den Vorfall berichtet. Am 20. Juni 2009 hätten sie schliesslich eine Vorladung erhalten, sich am 23. Juni 2009 bei der Terrorist Prevention Unit zu melden. Aus Angst seien sie nicht hingegangen. Am Nachmittag des 23. Juni 2009 sei A. abermals verhaftet worden. Abends seien Armeeangehörige bei den Eltern des Beschwerdeführers aufgetaucht, er habe sich jedoch verstecken können. In der gleichen Nacht sei er zu seiner Tante nach D._______ ge- gangen. In Begleitung seines Vaters habe er der Human Rights C ommis- sion gemeldet, dass er gesucht werde. Man habe ihm vorgeschlagen , gleich dort zu bleiben, wovor er sich jedoch aufgrund mehrerer unbekann- ter Personen, die ebenfalls dort gewesen seien, gefürchtet habe. Deshalb habe er sich dort nur tagsüber aufgehalten und danach bei seiner Tante übernachtet. In der folgenden Zeit sei erneut bei ihm zuhause nach ihm gesucht worden, dies sei auch noch zweimal nach seiner Ausreise der Fall gewesen. D-8324/2015 Seite 11 Die Vorinstanz habe seine Vorbringen zu Unrecht als unglaubhaft qualifi- ziert. Aus Angst vor möglichen Konsequenzen für seine Familie in Sri Lanka habe er zunächst nur seine Tätigkeiten bis 2006, als er noch regulär die Schule besucht und bevor sich der Konflikt zugespitzt habe, erwähnt. Aus demselben Grund habe er auch an der 1. BA die Demonstrationsteil- nahme aus dem Jahr 2009 verschwiegen, wie auch die Meldung bei der Human Rights Commission, wobei ihm zudem die Wichtigkeit dieses De- tails nicht bewusst gewesen sei. Dies gelte auch für seine Angaben, im Jahr 2008 ein en Monat lang im Vanni -Gebiet und danach vermehrt mit LTTE-Mitgliedern zusammen gewesen zu sein. Da er nicht erkannt habe, wie wichtig die Details im Asylverfahren seien, habe er anfangs nur seine vier besten Freunde, die mit ihm d ie Demonstrationen organisiert hätten , erwähnt, obwohl insgesamt neun Personen beteiligt gewesen seien. Er habe aber alle in der 2. BA namentlich aufgeführt. Schliesslich sei es in den Anhörungen zu divergierenden Aussagen über die Verhaftung von A. ge- kommen, da er sich nicht mehr an die genauen Abläufe der Ereignisse, die zudem über sechs Jahren zurückliegen würden, erinnern könne. Zusam- mengefasst seien seine Angaben, als verdächtigter LTTE-Unterstützer Ver- folgung ausgesetzt zu sein, glaubhaft. 4.3 In der Vernehmlassung ging die Vorinstanz auf die angeblichen Gründe des Beschwerdeführers für seine verspäteten Vorbringen ein. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer die Vorfälle im Asylverfah- ren aus Angst vor einer möglichen Weiterleitung an die sri-lankischen Be- hörden verheimlicht habe, da die Behörden seinen eigenen Angaben zu- folge bereits aufgrund des Geständnisses von A. und der Filmaufnahmen im Bilde gewesen seien. Auch seine Erklärung, er habe die Umstände der Verhaftung seines Freundes A. nicht richtig wiedergeben können, da die Vorfälle zu lange zurückliegen würden, überzeuge nicht. Der Beschwerde- führer sei unmittelbar nach seiner Einreise zu jenen E reignissen, die da- mals erst einige Monate zurückgelegen seien , befragt worden. Damals habe er nur eine einzige Verhaftung von A. geltend gemacht, die im Mai 2009 stattgefunden haben soll. Es sei nicht nachvollziehbar, dass er sich Jahre später an der 2. BA an eine weitere Verhaftung seines Freundes vom 23. Juni 2009 erinnern könne. Schliesslich sei auch seine Aussage, die Bedrohungslage sei ihm nicht bewusst gewesen, weshalb er sich nicht be- reits zu einem früheren Zeitpunkt versteckt habe, nicht überzeugend . Er habe angegeben, A. habe den Behörden sämtliche Vorfälle unter Folter gestanden, woraufhin sich alle anderen sieben Schüler – bis auf den Be- schwerdeführer – versteckt hätten. Zudem seien die Eltern bereits zuvor D-8324/2015 Seite 12 von der Armee verwarnt worden. Aufgrund dieser Angaben sei nicht nach- vollziehbar, dass er keine Vorsichtsmassnahmen getroffen habe, sondern sogar noch eine Vorladung missachtet haben will. Auf Vorhalt habe er le- diglich ausgeführt, er sei nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt zur Tante geflohen, da sie diese erst um Zustimmung hätten fragen müssen. Dabei habe er aber nicht erwähnt, dass ihm die Bedrohung slage nicht bewusst gewesen sei, sondern dies erst in der Beschwerde geltend gemacht . Im Weiteren stimmten Angaben im Schreiben des Dorfvorstehe rs über die Aufenthaltsdauer seiner Familie und seine Schulstufe nicht mit jenen des Beschwerdeführers überein. Auch die verschiedenen Bestätigungen des Colleges enthielten unterschiedliche Angaben über seinen Schulbesuch , wobei eines dieser Dokumente Fälschungsmerkmale aufweise (über- schriebene Ziffern und Buchstaben). 4.4 Dem entgegnete der Beschwerdeführer in der Replik, seine Angst vor einer Weiterleitung seiner Angaben an die sri-lankischen Behörden sei be- gründet gewesen, da er bereits mehrfach im Fokus der Behörden gestan- den und gehofft habe, seine Flucht in die Schweiz würde unentdeckt blei- ben. Da er jegliches Vertrauen in Behörden verloren habe, sei nachvoll- ziehbar, dass er nicht von Anfang an alle wesentlichen Punkte vorgebracht habe. Er habe damals Konsequenzen für seine Familie befürchtet. Seine nachträglichen Vorbringen seien zudem plausibel und glaubhaft. Im Weite- ren hielt der Beschwerdeführer an seinen Ausführungen in der Beschwer- deschrift fest, wonach ihm die Bedrohungslage aufgrund seines jungen Al- ters nicht sofort bewusst gewesen sei und er sich bei seiner Familie zu- nächst sicher gefühlt habe. Zudem könnten die abweichenden Angaben im Schreiben des Dorfvorstehers zur Wohnsitzdauer die Glaubhaftigkeit sei- ner Vorbringen nicht beeinträchtigen. Seine Familie habe über 10 Jahre an dem angegebenen Ort gelebt und er sei dort aufgewachsen. Nur aufgrund der Nachfragen des SEM habe er in der Anhörung frühere Wohnorte prä- zisiert, wohingegen diese für ihn und seine Familie nicht relevant seien. Die Abweichungen seien als unwesentlich einzustufen. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere D-8324/2015 Seite 13 dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbri ngen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstä nde gegen die vorgebrachte Sach verhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; BVGE 2010/57 E. 2.3). 5.2 Nach Durchsicht der Akten ist der Vorinstanz insofern beizupflichten, als die Aussagen des Beschwerdeführers bezüglich der Vorfälle zwischen 2006 und Mai oder Juni 2009 nachgeschoben wirken, weshalb sie als un- glaubhaft einzustufen sind. Auch wurden der Zeitpunkt und die Anzahl der Verhaftungen von A. an der 1. BA und der 2. BA unterschiedlich dargestellt. Dennoch geht das Gericht von einer teilweisen Glaubhaftigkeit der Vorbrin- gen aus und kommt – wie in den nachfolgenden Erwägungen aufzuzeigen sein wird – zu einer anderen Einschätzung des Profils des Beschwerdefüh- rers. 5.2.1 Es bestehen zwar erhebliche Zweifel über den Zeitpunkt, zu dem der Beschwerdeführer seine Aktivitäten für die LTTE-nahe Schülerorganisation beendet hat. Dennoch sind seine Angaben, im Rahmen dieser Organisa- tion die LTTE von 2002/2003 b is 2006 persönlich unterstützt zu haben , grundsätzlich glaubhaft. Der Beschwerdeführer machte lebensnahe Anga- ben zu seiner Rolle wie auch weitgehend übereinstimmende Aussagen zu seinen hierfür wesentlichen Kontakten . Die Vorbringen, die Organisation habe als Vermittlerin zwischen den LTTE und den Studierenden fungiert, wofür der Beschwerdeführer persönlichen Kontakt mit der für die Gegend verantwortlichen Person P . gehabt habe, sind plausibel. An der BzP , der 1. BA, der 2. BA und auf Beschwerdeebene hat er sein aktives Engagement D-8324/2015 Seite 14 sowie seine Beteiligung an verschiedenen Anlässen in der Schule substan- ziiert und widerspruchsfrei vorgebracht. Im Übrigen ist es auch von der Vo- rinstanz nicht in Abrede gestellt worden, dass der Beschwerdeführer zu ei- nem früheren Zeitpunkt bei Schulanlässen der LTTE-nahen Organisation eine Rolle gespielt habe. Zwar hat der Beschwerdeführer unterschiedliche Angaben zur Anzahl der hauptsächlich beteiligten Schüler gemacht, doch konnte er diesen Widerspruch durch plausible Erklärungen auflösen. Es ist nachvollziehbar, dass es einen engeren Personenkreis gab, mit dem der Beschwerdeführer mehr zu tun hatte, aber insgesamt neun Personen an den geschilderten Aktivitäten beteiligt waren. In Anbetracht der Anforderun- gen für eine Umsetzung der genannten Anlässe (planen/organisieren, Schüler einteilen, […], Plakate aufkleben, etc.) erscheint es auch nicht ab- wegig, dass es eine unterschiedliche Anzahl von Mitwirkenden in unter- schiedlicher Intensität gegeben hat. Zudem konnte der Beschwerdeführer alle involvierten Personen ohne Umschweife an der 2. BA namentlich nen- nen und über ihr weiteres Schicksal Auskunft geben. Aus diesen Gründen sind die divergierenden Zahlenangaben nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen in Bezug auf seine Aktivitäten in der LTTE-nahen Schü- lerorganisation in Zweifel zu ziehen. Allerdings konnten die vom SEM zu Recht angeführten Zweifel in Bezug auf seine verspäteten Vorbringen (Verdacht betreffend Anschlag auf einen Stromerzeuger, Demonstrationsteilnahme im Mai 2009 , Verhaftung v. A. und Bedrohung wegen Missachtung einer Vorladung) auf Beschwerde- ebene nicht durch überzeugende Argumente aus dem Weg geräumt wer- den. Dem SEM ist zuzustimmen, dass die Erklärungsversuche in Bezug auf die Verspätung der Vorbringen unbehelflich sind. Dies gilt für seine An- gaben im Rahmen der 2. BA , er habe an der 1. BA nichts über die De- monstration aus dem Jahr 2009 erzählt, da er erst zu einem späteren Zeit- punkt von seinen Eltern erfahren habe, dass ihnen an einem Elternabend von der Armee ein Film darüber gezeigt worden sei. Zwar kann es dem Beschwerdeführer zugestanden werden, dass er sich unmittelbar bei sei- ner Ankunft in der Schweiz davor fürchtete, Informationen preiszugeben, die seiner Familie schaden könnten, zumal die Sicherheitslage nach dem Sieg der SLA äusserst unübersichtlich geblieben ist. Trotzdem wäre er im Zuge der 1. BA gehalten gewesen, über sämt liche fluchtauslösende Vor- fälle zu berichten, unabhängig davon, ob seine Eltern etwas darüber wuss- ten oder nicht. In Bezug auf die Feststellung des SEM, er habe verschie- dene Versionen der Verhaftung von A. geschildert, wurde auf Beschwerde- ebene ausgeführt, die Ereignisse aus dem Jahr 2009 seien zum Zeitpunkt der 2. BA über sechs Jahre zurückgelegen, weshalb er sie nicht mehr habe D-8324/2015 Seite 15 einordnen können. Die Vorinstanz qualifizierte diese Erklärung auf Ver- nehmlassungsstufe als Schutzbehauptung. Vorliegend kommt auch das Gericht zum Schluss, dass der in der 2. BA geltend gemachte angebliche Haftgrund – die Missachtung einer Vorladung – unglaubhaft ist. Aufgrund des Ergebnisses der Botschaftsabklärung vom 4. Mai 2016 ist auch die in der angefochten Verfügung getroffene Einschätzung zu bestätigen, wo- nach es sich bei den Auszügen aus dem „Information B ook of Police“ um leicht erhältliche Dokumente handelt, die keinen Beweiswert haben . Aus diesen Gründen ist es unglaubhaft, dass er beziehungsweise A. wegen Missachtung einer Vorladung gesucht worden seien. Unter dem Blickwin- kel, dass sich der Beschwerdeführer bis zur Verschärfung des Konflikts im Jahr 2006 über einen jahrelangen Zeitraum an LTTE-Propagandaaktivitä- ten beteiligt und für seine Schülerorganisation die Rolle einer Verbindungs- person zum LTTE-Kontakt P . eingenommen hat und der von Anfang an gel- tend gemachten Hausdurchsuchung vom 23. Juni 2009 kann jedoch eine abschliessende Bewertung der verspäteten Vorbringen zu seinen Aktivitä- ten im Rahmen der Schülerorganisation unterbleiben. 5.2.2 Der Beschwerdeführer hat während des gesamten Verfahrens über- einstimmend erklärt, die Hausdurchsuchung sei der eigentliche Auslöser für seine Flucht gewesen (A1, S. 5; A9 F 27 – 44; A35, S. 5). Anlässlich der 1. BA hat er in dieser Hinsicht detailliert und widerspruchsfrei wiedergeben, wie am 23. Juni 2009 Armeeangehörige zu ihm nach Hause gekommen seien, wie seine Eltern reagiert hätten und wie er sich der Festnahme ent- zogen habe. Diesbezüglich erscheint es im Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz in der Verfügung vom 30. Mai 2013 (A21, S. 3), auf die in der angefochtenen Verfügung verwiesen wurde, nicht als unlogisch, dass die Soldaten ihn dabei nicht gefunden haben . Im Rahmen der 1. BA wurde dem Beschwerdeführer vorgehalten, wieso nicht zusätzlich der Dachboden nach ihm durchsucht worden sei (A9 F 35 - 39). Daraufhin erklärte der Be- schwerdeführer, seine Mutter habe den Soldaten gesagt, er sei weggegan- gen. Ausserdem hätten nicht alle Häuser eine Dachluke, die zudem in ge- schlossenem Zustand nicht zu erkennen sei. In der Verfügung (A21) wurde zudem argumentiert, es sei unüblich, dass jemand in der Situation des Be- schwerdeführers – nach der Festnahme eines Kollegen – weiterhin in sei- nem Elternhaus verblieben und so von einer Razzia überrascht worden sei. Folgt man diesen Plausibilitätserwägungen, ist es dann aber auch nicht verwunderlich, dass sich Armeeangehörige im Zuge einer Razzia mit der Antwort einer Mut ter zufriedengegeben haben, der gesuchte Sohn habe das Haus bereits verlassen, ohne weiterhin nach einem unzugänglichen D-8324/2015 Seite 16 Dachboden oder einer unsichtbaren Dachluke zu suchen . Die Plausibili- tätserwägungen in der Verfügung (A21), wonach die Suche nach dem Be- schwerdeführer nicht geglaubt werden könne, reichen daher nicht aus, die konsistenten Angaben des Beschwerdeführers zum Ablauf der Hausdurch- suchung grundsätzlich in Zweifel zu ziehen. Aufgrund der nachfolgenden Erwägungen zur deshalb erhobenen Klage des Vaters bei der Human Rights Commission ist auf die Frage, ob es Menschen in der Situation des Beschwerdeführers und seiner Familie zuzugestehen ist, in einer unüber- sichtlichen Lage nach dem Sieg der SLA Fehleinschätzungen in Bezug auf die eigene Sicherheit zu treffen, nicht mehr weiter einzugehen. 5.2.3 Der Beschwerdeführer hat auf die Klage bei der Human Rights Com- mission, die vom SEM zutreffend als ein wesentliches Sachverhaltsele- ment bezeichnet wurde, erst im Rahmen der ersten Beschwerdeeingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 28. Juni 2013 Bezug genommen. Da seinen Angaben entnommen werden kann, dass ihm dies zunächst als unwichtiger Behördengang erschienen sei, kann ihm das verspätete Vor- bringen nicht mit der Konsequenz, seine Klageerhebung sei grundsätzlich unglaubhaft, vorgehalten werden. Es ist nicht von vorneherein unplausibel, dass der Beschwerdeführer die Wichtigkeit dieses Details für sein Asylver- fahren erst im Gespr äch mit seiner Rechtsvertretung in der Schweiz er- kannt hat, weshalb ihm das verspätete Vorbringen nachzusehen ist . Die Schweizer Vertretung in Colombo hat im Zuge der Botschafts abklärung vom 19. April 2017 die Authentizität der Bestätigung der Human Rights Commission über die Klageerhebung vom 25. Juni 2009 bescheinigt. Aus unabhängigen Quellen ergibt sich, dass die Human Rights Commission / Jaffna Branch überlastet gewesen ist und im Zeitraum von Januar bis Sep- tember 2009 in 116 Fällen Klagen entgegengenommen und eine vorberei- tende Untersuchung eingeleitet hat (US Department of State, Sri Lanka, 2009 Country Reports on Human Rights Practices, https://www.state.gov/j/drl/rls/hrrpt/2009/sca/136093.htm, aufgerufen am 22. Mai 2017 ). Diese Kommission hat einen gerichtsähnlichen Zugang (a.a.O.) und es entspricht dem Modus Operandi von Menschenrechtskom- missionen, sich von der sofortigen Einleitung von Voruntersuchungen ei- nen gewissen vorläufigen Schutz für die Klägerinnen und Kläger zu erhof- fen, wofür auch die zahlreichen field visits der Kommission im Jahr 2009 bei den in der Region tätigen Sicherheitsbehörden spr echen (vgl. HRC, Annual Report 2009, http://www.hrcsl.lk/PFF/anual_report_2009/eng- lish.pdf, aufgerufen am 22. Mai 2017). Es folgt daraus, dass es sich vorlie- gend um einen jener 116 Beschwerdefälle handelt, die von der Human D-8324/2015 Seite 17 Rights Commission of Sri Lanka im Zeitraum zwischen Januar und Sep- tember 2009 in Jaffna entgegengenommen werden konnten . Es ist nicht abwegig, dass der Beschwerdeführer und sein Vater hierfür konkrete, si- cherheitsrelevante Klagegründe geltend gemacht haben müssen. Die Kla- geerhebung bei der Human Rights Commission ist daher neben der glaub- haften Schilderung der Hausdurchsuchung ein weiteres Indiz dafür, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner vergangenen Unterstützungs- leistungen für die LTTE in einer ernsthaften Bedrohungssituation befunden hat. Darüber hinaus ist notorisch, dass nach dem Sieg über die LTTE die sri-lankischen Sicherheitskräfte konsequent gegen gewisse ehemalige und vermeintliche Angehörige der LTTE vorgingen und versuchten, bisher nicht gefasste qualifizierte Mitglieder auszumachen. Da der Beschwerdeführer die Kontaktperson zu P., dem Auftraggeber auf Seiten der LTTE, gewesen ist, ist seine Furcht vor Verhaftung und Misshandlung auch vor dem Hin- tergrund der damaligen Situation im Jaffna -Distrikt objektiv nachvollzieh- bar. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer zum damaligen Zeitpunkt als Mitglied einer LTTE -nahen Schülerorganisation ins Visier der Behörden geraten und aufgrund eines auch allenfalls länger zurückliegenden Engagements für die LTTE von Verfolgung bedroht gewe- sen ist. 5.2.4 Im Weiteren wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der 2. BA erst- mals über die Verbindungen zwischen sein er Familie und den LTTE be- fragt. Er gab an, sein [Verwandter] sei ein LTTE-Kämpfer und seine [Ver- wandte] eine LTTE -Informantin gewesen. Letztere habe Unterstützung durch seinen Vater erhalten. Es besteht kein Grund, an der Glaubhaftigkeit dieser Angaben zu zweifeln. Es ist deshalb auch nicht auszuschliessen, dass aufgrund der LTTE-Verbindungen seiner Angehörigen bereits in der Vergangenheit Probleme für die Familie des Beschwerdeführers entstan- den sind. 5.3 Wenn auch gewisse Zweifel bestehen bleiben, kommt das Gericht nach Prüfung der Akten zum Ergebnis, dass davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum 2002/2003 – 2006 für eine Schülerorgani- sation tätig war, die Anlässe für die LTTE zu Propagandazwecken organi- sierte. Nach Kriegsende sind deshalb die sri-lankischen Behörden auf ihn aufmerksam geworden und haben ihn gesucht, worüber er sich im Beisein seines Vaters bei der Human Rights Commission of Sri Lanka beschwert hat, die ihm (Rechts-)Schutz angeboten hat. Zusammenfassend ist festzu- halten, dass der Beschwerdeführer insgesamt glaubhaft darlegen konnte, sein Engagement für die LTTE habe im Juni 2009 zur Suche nach ihm und D-8324/2015 Seite 18 zur Hausdurchsuchung bei seinen Eltern geführt. Bei dieser Sachlage ist die Furcht des Beschwerdeführers beziehungsweise seiner Familie vor ei- ner unmittelbar bevorstehenden Verhaftung und Misshandlung – wie nach- folgend aufzuzeigen sein wird – auch im Länderkontext nach dem Sieg der SLA über die LTTE Mitte 2009 objektiv nachvollziehbar, weshalb es wahr- scheinlich ist, dass er aus diesem Grund seinen Aufenthaltsort gewechselt und das Land verlassen hat. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefa hr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri- sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf- tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Da bei han- delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintli- chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und um Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam- menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Persone n mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach- ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen- den Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge- schrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wie- deraufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1). 6.2 Wie weiter oben erwogen, rechtfertigen sich zwar die Zweifel der Vo- rinstanz an den Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe sich noch nach dem Wiederaufflammen des Konflikts 2006 aktiv für die LTTE einge-D-8324/2015 Seite 19 setzt. Dennoch führen im Länderkontext die geltend gemachte Hausdurch- suchung und die glaubhaft gemachten Elemente seines länger zurücklie- genden Engagements zu einer anderen Einschätzung des Profils des Be- schwerdeführers. Es ist davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behör- den von der jahrelangen Propagandatätigkeit des Beschwerdeführers und seinen Kontakten zur LTTE in Kenntnis waren. Im Weiteren ist der familiäre Hintergrund des Beschwerdeführers in die Gesamtabwägung mit einzube- ziehen. Seiner Familie gehören ein LTTE-Kämpfer und eine LTTE-Infor- mantin an, die von seinem Vater unterstützt worden ist. Wegen dieser fa- miliären Verbindungen sowie der jahrelangen Unterstützungstätigkeit, die der Beschwerdeführer für die LTTE persönlich vorgenommen hat, ist anzu- nehmen, dass die sri-lankischen Behörden ihm ernstzunehmende Verbin- dungen zu den LTTE nachsagen. Überdies kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer bereits Ziel staatlicher Massnahmen wurde, wenn auch in einem nicht sonderlich intensi ven Rahmen. In diesem Zu- sammenhang erscheinen die Ausführungen des Beschwerdeführers glaubhaft, dass auch nach dem Verlassen seines Elternhauses noch nach ihm gesucht worden sei, wobei die Intensität dieser Suche off enbleiben kann. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass im Fall des Beschwer- deführers noch ein – wenn auch niederschwelliges – exilpolitisches Enga- gement hinzukommt, wobei unter anderem aufgrund der bereits vorliegen- den beiden anderen stark Risiko begründenden Faktoren auf weitere Aus- führungen hierzu verzichtet werden kann. 6.3 Aus diesen Gründen kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr Ziel behördlicher Verfolgungsmassnah- men in asylrelevantem Ausmass werden könnte. In Würdigung der soeben angesprochenen Elemente ist dem Be schwerdeführer daher ein Profil zu attestieren, aufgrund dessen er von den sri-lankischen Behörden als LTTE- Anhänger wahrgenommen werden könnte und daher auch zum heutigen Zeitpunkt eine objektiv begründete Furcht hat, im Heimatland asylrelevan- ten Nachteilen ausgesetzt zu sein. 7. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Folglich ist die Beschwerde gutzuheissen, die ang efochtene Verfügung is t aufzuhe ben, und das SEM ist anzuweisen, den Besc hwerdeführer als Flüchtling anzu- erkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. D-8324/2015 Seite 20 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 9. Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An- wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde mit der Beschwerdeschrift eine Kostennote in der Höhe von Fr. 2052. – (inkl. Barauslagen) eingereicht, die als angemessen erscheint. Hinzuzurechnen sind Aufwandsentschädigungen für die Replik und die Stellungnahme zum Abklärungsergebnis der Botschaftsanfrage, wobei die zusätzlichen Kosten aufgrund der Akten geschätzt werden können (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Ge- stützt auf die in Betracht zu ziehe nden B emessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteient- schädigung von insgesamt Fr. 2300.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-8324/2015 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des SEM vom 17. November 2015 wird aufgehoben. 2. Das SEM wird angewiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde- führers anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2300.– zugesprochen, die ihm durch das SEM zu entrichten ist. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Anna Wildt Versand: