B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3658/2012/mel U r t e i l v o m 2 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Juni 2012 / N (…). D-3658/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 7. Juli 2000 bei der schweizerischen Vertretung in B._______ sein erstes Asylgesuch ein und beantragte die Einreisebewilligung in die Schweiz zur Abk lärung seiner Asylgründe. D a- zu wurde er am 25. Januar 2001 auf der schweizerischen Botschaft in B._______ befragt. Mit Entscheid vom 25. Juni 2001 wurde sein Asylg e- such aus dem Ausland abgewiesen und die Einreise in die Schweiz ve r- weigert. Für die weiteren Einzelheiten dieses Verfahrens wird auf die A k- ten verwiesen. B. Mit Eingabe vom 25. Juni 2008 stellte der Beschwerdeführer bei der schweizerischen Vertretung in B._______ das zweite Asylgesuch, we l- ches mit Beschluss vom 27. März 2009 abgeschrieben wurde, na chdem der Beschwerdeführer die Aufforderung vom 22. August 2008, detaillierte Angaben zu seinen Vorbringen auf schriftlichem Weg einzureichen, u n- beantwortet liess. Auch bezüglich dieses Verfahrens wird auf die Akten verwiesen. C. Am 25. Juni 2009 reichte der Beschwerdeführer zum dritten Mal bei der schweizerischen Vertretung in B._______ ein Asylgesuch ein, welches indessen nach seiner Einreise in die Schweiz mit Verfügung vom 18. Mai 2012 abgeschrieben wurde. Erneut wird für dieses Gesuch auf die Akten verwiesen. D. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge Sri Lanka am 3. Februar 2010 mit seinem eigenen Reisepass, wobei er mit der C._______ nach D._______ geflogen sei, wo er sich während drei Mon a- ten in einem Haus aufgehalten habe, anschliessend mit der E._______ in ein ihm unbekanntes Land ohne seinen Reisepass gereist sei, von wo aus er im Auto und in der Fähre in weitere Länder gelangt sei, bis er am 17. Mai 2010 in die Schweiz einreiste und hier am gleichen Tag im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ ein Asylgesuch stellte. Am 26. Mai 2010 wurde er summarisch befragt und am 3. Juni 2010 zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches brachte der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus G._______ – D-3658/2012 Seite 3 vor, er sei Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen und habe dieser Organisation zwischen 1990 un d anfangs 1994 als Fa h- rer gedient. Er habe ein normales Training absolviert, sei aber nicht Kämpfer gewesen. Da er die LTTE habe verlassen wollen, sei er zuletzt in die Küche strafversetzt und danach auf Antrag aus der Mitgliedschaft der LTTE entlassen worden. Anschliessend habe er keine Arbeiten mehr für die LTTE ausgeführt. Er glaube, jemand habe der sri -lankischen Armee (SLA) von seiner ehemaligen Mitgliedschaft bei den LTTE erzählt, da er nach einer Bombenexplosion in der H._______ in B._______ im Mai 2000 am Wohnort seiner Schwester unter dem Verdacht, für die LTTE die Bomben nach B._______ transportiert zu haben, von Angehörigen des Citizen "CDB" festgenommen, nach B._______ gebracht und während 17 Tagen inhaftiert worden sei. Unter der Auflage, B._______ während eines Jahres nicht zu verlassen, sei er mit der Hilfe eines Anwaltes freigeko m- men. Eineinhalb Jahre später sei das Verfahren mit einem Freispruch a b- geschlossen worden. Wegen seiner früheren LTTE -Mitgliedschaft sei er nicht bestraft worden. Ansc hliessend habe er bei seiner Schwester in I._______ gelebt und als (…) gearbeitet. Im Jahr 2007 sei er am Wohnort der Schwester – vermutlich von Angehörigen des Criminal Investigation Departments (CID) – erneut festgenommen, mit verbundenen Augen a b- geführt und während drei er Tage festgehalten, heftig geschlagen und dann am Strassenrand liegen gelassen worden. Vom Schwager sei er zur Behandlung ins Spital nach G._______ gebracht worden. Im März 2009 sei er mit dem Sohn seiner Cousine auf dem Fischerboot, das er zuvor gekauft habe, hinausgefahren, um die Netze einzubringen. Dabei seien sie von den LTTE kontrolliert worden. Im gleichen Moment habe die Mari- ne angefangen zu schiessen, worauf die LTTE-Angehörigen geflohen und von der Marine verfolgt worden seien, während er irrtümlicherweise in die falsche Richtung gefahren und nach J._______ gelangt sei, wo er von der SLA und der Polizei kontrolliert und ins Flüchtlingslager von J._______ gebracht und später nach K._______ ins Flüchtlingslager verlegt worden sei. Dort sei er vom Schwiegervater besucht worden. Nachdem dieser e i- ne Summe Geld bezahlt habe, habe er das Flüchtlingslager am 5. August 2009 illegal verlassen können und sich fortan bei Verwandten in I._______ und L._______ aufgehalten. In dieser Zeit sei er drei Mal von der SLA bei seinen Schwiegereltern gesucht worden. Ende 2009 oder an- fangs 2010 habe er einen neuen Reisepass ausstellen lassen, damit er in die Schweiz habe reisen können. Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel zu den Akten: eine Identitätskarte, Kopien einer weiteren Identitätskarte, von zwei Reispä s-D-3658/2012 Seite 4 sen, einer Geburtsurkunde mit englischer Übersetzung, sieben Fotos, ein Schreiben des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) b e- züglich der Inhaftierung in B._______, Kopien verschiedener Bestät i- gungsschreiben zum Gefängnisaufenthalt, zur Haftentlassung und zur Campzuweisung, Kopien zweier Zeitungsartikel und eines Schreibens e i- nes Rechtsanwaltes. E. Mit Verfügung vom 5. Juni 2012 – eröffnet am 7. Juni 2012 – lehnte das BFM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausge- führt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen vermöchten. Auf die weiteren Einzelheiten der Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. F. Mit Eingabe vom 9. Juli 2012 erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid Beschwerde und stellte folgende Anträge: – Die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vori n- stanz zurückzuweisen. – Eventuell sei dem Beschwerdeführer vollständige Akteneinsicht in sämtliche Asylakten zu gewähren, verbunden mit der Ansetzung einer angemessenen Frist zur Beschwerdeergänzung. – Eventuell sei die angefochtene Verfügung wegen Verletzung des recht- lichen Gehörs aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuwe i- sen. – Eventuell sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sac h- verhaltes und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. – Eventuell sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Flüch t- lingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen sowie ihm gestützt darauf Asyl zu gewähren. D-3658/2012 Seite 5 – Eventuell sei die angefochtene Verfügung hinsichtlich der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs aufzuheben und die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. – Es sei das Spruchgremium bekannt zu geben. – Das BFM sei zudem anzuweisen, mit dem Beschwerdeführer eine A n- hörung zur aktuellen Situation und zur Vervollständigung des Sachve r- halts durchzuführen. – Sinngemäss wurde zudem beantragt, das BFM sei anzuweisen, säm t- liche Herkunftsländerinformationen, auf welche es seinen Entscheid stü t- ze, in geeigneter Weise offenzulegen und eventuell eine angemessene Frist einzuräumen, um zu diesen Informationen Stellung nehmen zu kö n- nen. – Es sei eine angemessene Frist zur Stellungnahme und zur Einre i- chung weiterer Beweismittel zu gewähren einerseits zum Beweis der a k- tuellen Gefährdung und andererseits für den Fall, dass die nunmehr im Beschwerdeverfahren neu vorgebrachten Asylvorbringen nicht als glau b- haft betrachtet würden. – Vor Gutheissung der Beschwerde sei eine angemessene Frist zur Ein- reichung einer detaillierten Kostennote anzusetzen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer abgesehen von der Kopie der angefochtenen Verfügung 20 Beilagen zur allgemeinen Situation und zu einzelnen Vorfällen in Sri Lanka zu den Akten. Auf die Begründung der Beschwerde wird in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen, soweit dies für die Entscheidfindung notwendig ist. In Ergänzung zu den bisherigen Asylvorbringen legte der Beschwerdefüh- rer anlässlich des Bes chwerdeverfahrens dar, dass er seine Aktivitäten für die LTTE nicht im Jahr 1994 beendet habe, sondern für diese Organ i- sation weiterhin – mithin bis im März 2009 – tätig gewesen sei. Im Jahr 1990 habe er ein dreimonatiges militärisches Basistraining absolv iert und anschliessend ein dreimonatiges Kommandotraining. Danach sei er in e i- nem Training gewesen, das ihn zum Doppelagenten für die LTTE ausg e- bildet habe. Dabei habe er einen Singhalesisch -Sprachkurs besucht. So- mit spreche er diese Sprache besser als bei m BFM angegeben. Auch nach dem Jahr 1994 sei er als Chauffeur für die LTTE tätig gewesen, dies unter de n Codenamen M._______ und ab 2008 N._______. In seiner D-3658/2012 Seite 6 Funktion als Chauffeur habe er Waffen und Sprengstoff, mit welchen die Kommandoeinheiten der LTTE Anschläge gegen staatliche und militär i- sche Einrichtungen verübt hätten, transportiert. Dabei sei er regelmässig nach I._______ geschickt worden, um dort Waffen und Sprengstoff zu besorgen und in den Süden Sri Lankas zu transportie ren. Das im Jahr 2000 gegen ihn eingeleitete Strafverfahren sei in diesem Zusammenhang zu sehen. Die damals gegen ihn erhobenen Vorwürfe – nämlich Waffen und Sprengstoff geliefert zu haben, damit das Attentat auf die H._______ in B._______ habe ausgeführt werden können – seien zutreffend gewe- sen; indessen sei es ihm gelungen, mittels Bezahlung einer grossen Summe Bestechungsgeld an die Justizbeamten und die Sicherheitsleute des CDB (einer Antiterrorgruppe) seine Freilassung nach 17 Tagen Haft und einen Freispruch zu erwirken. Auch für weitere Attentate der LTTE habe er Waffen und Sprengstoff transportiert oder sei anderweitig invo l- viert gewesen. So habe er beispielsweise anlässlich der Ermordung eines Mitgliedes der People's Liberation Organization of Tamil Eelam (PLOTE) im Jahr 2004 das Motorrad gelenkt, auf welchem der Haupttäter die tödl i- chen Schüsse abgegeben habe. Im Jahr 2006 sei er dabei gewesen, als auf einen Geheimdienstbeamten geschossen worden sei. Ferner habe er im Jahr 2008 eine Motorradbombe für einen Selbstmordanschlag vorbe- reitet. Überdies sei er zwischen 2003 und 2006 Präsident einer Verein i- gung gewesen, welcher über 145 Unternehmen in der Lebensmittelbra n- che angeschlossen gewesen seien und habe über diese Kanäle Steuern an die LTTE abgegeben. Diese Funktionen würden die Loyalität des B e- schwerdeführers zu den LTTE über das Jahr 1994 hinaus belegen. Er sei in den Akten der LTTE in einer wichtigen Funktion verzeichnet. Diese A k- ten seien bekanntermassen nach Kriegsende in die Hände der sri - lankischen Behörden gelangt, wom it den Strafverfolgungsbehörden w e- sentliche Beweismittel gegen eine erneute Anklage zur Verfügung stü n- den. Damit sei in seinem Fall von einer auch im heutigen Zeitpunkt b e- stehenden Gefährdungslage auszugehen. G. Mit Zwischenverfügung vom 18. Juli 2013 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten könne. Ausserdem wurde das voraussichtliche Spruchgremium bekanntgegeben. Das in der Beschwerdeeingabe g e- stellte Akteneinsichtsgesuch wurde teilweise gutgeheissen und ihm Akten aus den vorangehenden Asylverfahren in Kopie zugestellt. Ferner wurde ihm die Möglichkeit gewährt, innert Frist die in Aussicht gestellten zusät z- lichen Beweismittel, welche seine Tätigkeit bei den LTTE zu belegen D-3658/2012 Seite 7 vermöchten, nachzureichen, verbunden mit der Androhung, im Unterla s- sungsfall werde gestützt auf die bestehende Aktenlage entschieden. Da r- über hinaus wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert der ihm a n- gesetzten Frist einen Kostenvorschuss zu bezahlen, verbunden mit der Androhung, im Unterlassungsfall werde auf seine Beschwerde nicht ei n- getreten. Das Gesuch um Ansetzen einer Frist zur Einreichung der Ko s- tennote wurde abgewiesen. H. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. I. Mit Eingabe vom 2. August 2012 mac hte der Beschwerdeführer geltend, dass er auf einem der eingereichten Fotos mit einem hochrangigen Mi t- glied der LTTE abgebildet sei. Die Fotos seien in den Jahren 2001 und 2002 im Vannigebiet entstanden. Eine der Personen auf den Fotos befi n- de sich auf der Flucht nach O._______, wie der Beschwerdeführer vor kurzem erfahren habe. Damit sei die Aktualität der Verfolgungsgefahr e r- wiesen. Es werde um Ansetzung einer Frist ersucht, um diesbezüglich weitere Informationen nachreichen zu können. In Ergänzung zu den bis- herigen Vorbringen sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer anläs s- lich seiner Festnahme im Jahr 2007 (…) und vermutlich (…) gebrochen habe, an deren Folgen er noch heute leide. Es würden umgehend Fot o- grafien dieser Verletzungen nachgereicht. Zudem h abe er bisher une r- wähnt gelassen, dass er ab Ende 2008 bis Kriegsende im Frühjahr 2009 mit seinem Nachbarn die Familie eines hochrangigen LTTE -Mitgliedes versteckt habe. Sein Nachbar sei nun verhaftet worden mit der Anschu l- digung, er habe die Familie unter stützt und ihr später zur Flucht verho l- fen. Auch aus diesem Grund bestehe für ihn die Gefahr einer Verhaftung und Bestrafung. Es werde um eine Frist zur Einreichung entsprechender Beweismittel ersucht. In Ergänzung zu den bisherigen Vorbringen sei auch zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer zwischen 1996 und 1999 als Doppelagent über eine Kontaktperson Informationen des Gehei m- dienstes der sri -lankischen Armee an die LTTE weitergeleitet habe und dafür finanziell entschädigt worden sei. Angesichts der bisher nicht offen- gelegten Tätigkeiten für die LTTE sei es unumgänglich, dass der B e- schwerdeführer nochmals zu seinen Fluchtgründen angehört werde. J. Mit Eingabe vom 28. August 2012 legte der Beschwerdeführer neue B e- weismittel ins Recht. Er machte geltend, er hab e eine Bestätigung des D-3658/2012 Seite 8 IKRK, gemäss welcher sein ehemaliger Nachbar inhaftiert worden sei, in Kopie erhalten und leite diese an das Bundesverwaltungsgericht weiter. Die Schreibweise des Namens sei indessen etwas abweichend. Das Or i- ginal befinde sich bei der betroffenen Person. Die Familie des Inhaftierten habe das Beweismittel aus Sri Lanka geschickt. Zudem lagen der Eing a- be verschiedene Fotografien bei, welche die Verletzungen des Beschwer- deführers dokumentieren. Die Verletzungen am (…) und am (…) seien als Folge der Schläge im Jahr 2007 entstanden, während die Narben am (…) und die Schussnarbe an der (…) Folgen der Kampfeinsätze darstellten. Damit sei der Beschwerdeführer identifizierbar, was zur asylrelevanten Gefährdung b eitrage. Im Übrigen erwarte er weitere Beweismittel, we s- halb um Ansetzung einer Frist beziehungsweise um eine Wartefrist mit dem Urteil ersucht werde. Der Antrag auf eine zusätzliche Anhörung wu r- de wiederholt. K. Mit Eingabe vom 18. November 2013 reichte der Beschwerdeführer eine Diskette mit zahlreichen weiteren Beweismittelkopien zu den Akten und machte zudem geltend, seine Ehefrau habe für sich und die Kinder am 24. November 2011 bei der schweizerischen Vertretung im Heimatland ein Asylgesuch eingereicht, welches am 19. September 2013 abgewiesen und die Einreise verweigert worden sei. Beim Bundesverwaltungsgericht werde eine Beschwerde eingereicht. Es werde um Koordination der be i- den Verfahren ersucht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgericht sgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne D-3658/2012 Seite 9 von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung ; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 1.4 Das Gesuch um koordinierte Verfahrenserledigung betreffend Aus- landverfahren der Ehefrau und Kinder ist vorliegend im Interesse der im Heimatland verbliebenen Ehefrau und Kinder abzuweisen, zumal das Verfahren des Beschwerdeführers – wie den folgenden Erwägungen en t- nommen werden kann – neu zu beurteilen ist und si ch im Fall einer pos i- tiven Entscheidung eine für die Ehefrau und Kinder günstigere Ausgangs- lage ergeben könnte. Da die Ehefrau gemäss den Angaben des B e- schwerdeführers ein Auslandgesuch gestellt haben soll, ist eine koord i- nierte Verfahrenserledigung auch aufgrund der gänzlich unterschiedlichen Verfahrensmodalitäten nicht durchführbar. 2. Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Z u- stimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu beha n- deln, weil sie sich im Zuge der v om BFM geänderten Praxis im Ergebnis als offensichtlich begründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG). 3. 3.1 Das BFM ist bei Asylverfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas tami- lischer Herkunft betreffen, systematisch dazu übergegangen, keine Au s- reisefristen mehr z u verhängen und bereits angeordnete Ausreisefristen aufzuheben. Faktisch zieht es damit sämtliche Verfahren (auch solche im Vollzugsstadium) in Wiedererwägung, und zwar unbesehen der konkreten Umstände im Einzelfall. Das vorinstanzliche Vorgehen geht auf z wei be- kannt gewordene Vorfälle zurück. Die sri -lankischen Behörden hatten o f- fenbar tamilische Rückkehrer bei der Wiedereinreise in Haft genommen. D-3658/2012 Seite 10 Daraufhin hat die Vorinstanz in Aussicht gestellt, nicht nur die beiden Vor- fälle, sondern auch eine allfällige Veränderung der allgemeinen Situation in Sri Lanka vertieft abzuklären. Die Vorinstanz geht damit selbst davon aus, dass der Sachverhalt, wie er der Verfügung vom 5. Juni 2012 zugrunde liegt, offensichtlich nicht vollständig festgestellt ist. Denn es b e- steht kein Zweifel, dass eine neue Lagebeurteilung vor Ort sich auf die konkrete Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auswirken kann, sei es im Wegweisungsvollzugspunkt oder sei es allenfalls im Flüchtlings- und Asylpunkt (vgl. zu den Risikogruppe n BVGE 20 11/24 E. 8). 3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat zwar die Kompetenz, den festg e- stellten Sachverhalt mit voller Kognition zu überprüfen (Art. 106 Abs. 1 Bst. B AsylG), und es stellt grundsätzlich auf den Sachverhalt ab, wie er sich im Zeitpunkt des Urteils verwirklicht hat (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Es kann indessen nicht Aufgabe der Beschwerdeinstanz sein, grundlegende Fragen zum Sachverhalt als erste Instanz zu klären. Das ergibt sich aus der gesetzlichen Zuständigkeitsordnung. Das Gericht beurteilt B eschwer- de gegen Verwaltungsverfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, ist mithin zur Überprüfung von Verfügungen zuständig (Art. 31 VGG). Die Besti m- mung zur Sachverhaltsfeststellung in Art. 32 VwVG ist denn auch primär auf das Verwaltungsverfahren vor den erstinstanzlichen Bundesbehörden und nicht auf das Beschwerdeverfahren zugeschnitten, was die gesetzl i- che Systematik bestätigt. Schliesslich fällt ins Gewicht, dass die Partei e i- ne Instanz verlöre, wenn das Gericht die Grundlagen des rechtserhebl i- chen Sachverhalts nicht nur ergänzen, sondern gleichsam wie eine erste Instanz erheben würde. Aus diesen Gründen hat das Bundesveraltung s- gericht von eigenen Sachverhaltsfeststellungen, die über eine blosse E r- gänzung und Erwahrung des rechtserheblichen Sachverhalts hinau srei- chen, abzusehen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5; ferner Urteile des Bunde s- verwaltungsgerichts E-4157/2012 vom 4. Oktober 2012, E. 4). 3.3 Demnach ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (unter Beilage der Beweismittel im Orig i- nal). Die Tatsache allein, dass die Ergebnisse der vorinstanzlichen Abklä- rungen abzuwarten sind, rechtfertigt die Aufhebung der Verfügung. Die Beschwerde ist – ungeachtet der Parteivorbringen – somit gutzuheissen. Auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmit teleingabe ist aufgrund der vorliegenden Kassation zum heutigen Zeitpunkt nicht näher einzugehen. D-3658/2012 Seite 11 4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 VwVG). Der vom Beschwerdeführer am 2. August 2012 bezahlte Kostenvorschuss ist ihm zurückzuerstatten. 4.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes we gen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines faktischen Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parte i- kosten zuzusprechen. Da keine Kostennote eingereicht wurde , ist die Parteientschädigung unter Berücksichtigung der massgeblichen Beme s- sungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VKGE) von Amtes wegen (Art. 14 Abs. 2 VGKE) auf Fr. 2 000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen. Das BFM ist anzuweisen, dem Beschwerdefüh rer den erwähnten Betrag als Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3658/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 5. Juni 201 2 wird aufgehoben und die S a- che zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Entsche i- dung an das BFM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600. – wird dem Beschwerdefüh- rer zurückerstattet. 5. Das BFM hat dem Besch werdeführer ei ne Parteientschädigung von Fr. 2000.– auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: