Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. Juli 2014 (810 14 36) ___________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Beat Walther, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber Stefan Suter Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Weg weisung (RRB Nr. 126 vom 28. Januar 2014) A. A.____, geboren 1973, ist Staatsangehöriger der Republik Kamerun, wo er am 25. Oktober 2008 die in der Schweiz niedergelassene und in Allschwil wohnhafte deutsche Staatsbürgerin B.____ heiratete. Er reiste am 27. A pril 2009 im Rahmen des Familiennachzugs zu seiner Ehefrau in die Schweiz ein und erhielt eine bis zum 26. April 2014 gültige Aufenthalts- bewilligung EG/EFTA. Im Oktober 2011 trennten sich die Ehegatten. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Verfügung vom 9. September 2013 widerrief da s Amt für Migration Basel- Landschaft (AfM) die Aufenthaltsbewilligung von A.___ _ und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an. Dagegen erhob er am 20. September 20 13 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). C. Mit Regierungsratsbeschluss Nr. 0126 vom 28. Januar 20 14 bestätigte der Re- gierungsrat die Verfügung des AfM und wies die Beschwe rde ab. In seiner Begründung führte der Regierungsrat zusammenfassend aus, A.____ könne sich a ls Ehemann einer deutschen Staatsangehörigen grundsätzlich auf das Freizügigkeitsa bkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten berufen. Allerdings sei seine Ehe als definitiv gescheitert zu betrachten, weshalb der ursprü ngliche Zweck des Aufenthalts dahinge- fallen und der Widerruf der Bewilligung zulässig sei. A us der innerstaatlichen Ausländerrechts- gesetzgebung könne der Beschwerdeführer ebenfalls keinen Aufenthaltsanspruch ableiten, da die Ehegemeinschaft in der Schweiz weniger als drei Ja hre gedauert habe und auch keine wichtigen persönlichen Gründe für eine weitere Bewil ligung des Aufenthalts vorlägen. Sodann habe die Vorinstanz ihr Ermessen pflichtgemäss ausgeübt u nd die angefochtene Verfügung erweise sich als verhältnismässig. Der Regierungsrat vernein te überdies das Vorliegen eines Härtefalls. D. Gegen den Beschluss des Regierungsrats erhob A.____, vertreten durch Nicolas Roulet, Advokat, am 4. Februar 2014 Beschwerde beim Ka ntonsgericht Basel-Landschaft, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgerich t). Er beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin der Aufenthalt im Kanton Basel-Landschaft zu bewilligen; eventualiter sei die Angelegenheit zur neuen Entscheidung im Sinn der Erwägun- gen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dies habe unter o/e -Kostenfolge zu geschehen, even- tualiter sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen. Er macht zur Begründung im Wesentlichen geltend, als Familienan gehöriger einer deutschen Staatsbür- gerin habe er einen freizügigkeitsrechtlichen Anspruch a uf Erteilung einer Aufenthaltsbewilli- gung, da er weiterhin verheiratet sei und gemäss der f ür die Schweiz verbindlichen und un- längst bestätigten Rechtsprechung des Europäischen Geri chtshofes einzig auf die formelle Existenz der Ehe abzustellen sei. Solange nicht die Scheid ung ausgesprochen sei, könne sich ein Ehegatte trotz des Getrenntlebens auf das Aufenthal tsrecht berufen. Im Sinne einer Even- tualbegründung stehe ihm im Übrigen auch aufgrund sein er seit November 2012 bestehenden neuen Beziehung zur einer Schweizer Bürgerin ein eigenständiger Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu. E. In seiner Vernehmlassung vom 2. April 2014 verweist der Regierungsrat haupt- sächlich auf die im angefochtenen Entscheid zitierte Praxi s des Bundesgerichts und beantragt, die Beschwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. F. Mit Verfügung vom 23. Mai 2014 wurde der Fall de r Kammer zu Beurteilung überwie- sen und dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessf ührung und Verbeiständung bewil- ligt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Demnach ist das Kantonsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Besch werde örtlich und sachlich zustän- dig. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtenen Entsche id berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren f ormellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können n ach § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht dagegen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen - untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob der Widerru f bzw. die Nichtverlängerung der Auf- enthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Weg weisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und Art. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländer innen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständi ge kantonale Behörde entscheidet in den Fällen nach Art. 18 ff. und 27 ff. AuG - im Rahm en der gesetzlichen Vorschriften und Ver- träge mit dem Ausland - nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilli- gung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht , es sei denn, das AuG oder völker- rechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 135 II 1 E. 1.1; P ETER UEBERSAX in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg. ], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 4.2 Zunächst ist festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und der Republik Kamerun kei- ne staatsvertragliche Vereinbarung besteht, welche dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würde. 4.3.1 Gemäss Art. 7 lit. d des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemein schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA) i.V.m. Art. 3 Abs. 1 Anhang I FZA haben Familienan- gehörige einer Person, die Staatsangehörige einer Ver tragspartei ist und ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei dieser Person Wohnung zu nehmen. De r Ehegatte gilt ungeachtet seiner Staatsangehörigkeit als Familienangehöriger (Art. 3 Abs. 2 lit. a Anhang I FZA). Der Beschwer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht deführer hat als Ehegatte einer EU-Bürgerin, die in der Schweiz ein Aufenthaltsrecht hat, somit grundsätzlich einen (abgeleiteten) staatsvertraglichen Anspruch auf die Belassung bzw. Verlän- gerung seiner Aufenthaltsbewilligung. Der Anspruch aus dem FZA besteht während der ganzen Dauer des formellen Bestandes der Ehe, ohne dass die Ehe gatten zwingend dauernd im ge- meinsamen Haushalt zusammenleben müssen (vgl. BGE 130 II 113 E. 8; Urteil des EuGH C- 267/83 vom 13. Februar 1985 i.S. Diatta). Art. 3 des Anhangs I FZA spricht jedoch ausdrücklich davon, dass die Familienangehörigen einer Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist, das Recht haben, "bei ihr Wohnung zu nehmen", was ein minimales Zusammenleben bzw. eine minimale eheliche Verbundenheit voraussetzt (Urt eil des BGer 2C_494/2013 vom 2. Juni 2013 E. 3.3.1). Die Geltendmachung dieses Rechts steht a usserdem unter dem Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs. Als allgemeiner Grundsatz der schweizerische n Rechtsordnung bean- sprucht das Verbot auch im öffentlichen Recht ohne ausdrü ckliche Normierung allgemeine Gel- tung und untersagt namentlich die zweckwidrige Verwendung eines Rechtsinstituts zur Verwirk- lichung von Interessen, die dieses Rechtsinstitut nicht sch ützen will (vgl. BGE 131 V 97 E. 4.3.1; BGE 121 II 5 E. 3a; T HOMAS GÄCHTER , Rechtsmissbrauch im öffentlichen Recht, Zü- rich 2005, S. 175, spezifisch für das Ausländerrecht S. 3 42 ff.). Fehlt der Wille zur Gemein- schaft und dient das formelle Eheband ausschliesslich (noch) dazu, die ausländerrechtlichen Zulassungsvorschriften zu umgehen, fällt der freizügigkeit srechtliche Anspruch demnach dahin (BGE 139 II 393 E. 2.1; BGE 130 II 113 E. 9; Urteil des BGer 2C_347/2013 vom 1. Mai 2013 E. 3.1; HANSJÖRG SEILER , Einfluss des europäischen Rechts und der europäischen R echtspre- chung auf die schweizerische Rechtspflege, ZBJV 2014, S. 2 85; P ETER UEBERSAX , Der Rechtsmissbrauch im Ausländerrecht, unter Berücksichtigung d er Rechtsprechung des Bun- desgerichts, in: Alberto Achermann et al. [Hrsg.], Jahrb uch für Migrationsrecht 2005/2006, Bern 2006, S. 12 f. [zit. Rechtsmissbrauch]). 4.3.2 Im vorliegenden Fall hielt das AfM in seiner Ve rfügung vom 9. September 2013 fest, dass nach der langen Trennungszeit und den Angaben der Ehefrau von einem definitiven Scheitern der Ehe auszugehen sei. Diese Darstellung wurd e vom Beschwerdeführer im vor- instanzlichen Verfahren "weitestgehend nicht bestritten" (vgl. Beschwerdebegründung vom 14. November 2013, S. 2). Auch vor Kantonsgericht ste llt er nicht in Abrede, dass die eheliche Verbundenheit zu seiner Ehefrau in seelischer, emotio naler, sozialer und wirtschaftlicher Hin- sicht längst nicht mehr besteht. Dass es ihm offensichtlich a n einem Ehewillen fehlt, zeigt sich im Umstand, dass er im Jahr 2012 eine neue Beziehung zu einer Schweizer Bürgerin einge- gangen ist. Gemäss seinen diesbezüglichen Ausführungen hat sich diese Beziehung soweit verfestigt, dass sie vom Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens erfasst werde. Objektiv betrachtet beruft sich der Beschwer deführer somit offenkundig auf eine inhaltsleer gewordene, nur noch formell bestehende Ehe , um sein Anwesenheitsrecht in der Schweiz zu sichern. Nach der oben dargelegten Praxis des B undesgerichts findet die miss- bräuchliche Berufung auf eine Ehe zur Erwirkung einer Aufenthaltsbewilligung indes keinen Schutz. 4.3.3 Der Beschwerdeführer kritisiert die bundesgerichtli che Praxis, die sich in unzulässiger Weise einer Umsetzung der Rechtsprechung des Europäische n Gerichtshofes verweigere. Die vor der Unterzeichnung des Freizügigkeitsabkommens entwickel te Diatta-Rechtsprechung des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht EuGH sei gemäss Art. 16 Abs. 2 FZA für die Schweiz verbindlich. Seit dem bundesgerichtlichen Leitentscheid BGE 130 II 113 aus dem Jahr 2003 habe de r EuGH seine diesbezügliche Praxis wiederholt bestätigt. In seinem neueren Entscheid C-4 0/11 vom 8. November 2012 i.S. Iida ha- be der Gerichtshof ein weiteres Mal klar festgehalten, dass eine formell bestehende Ehe als einzige Anspruchsvoraussetzung für das Aufenthaltsrecht genüge. Solange nicht die Scheidung von der zuständigen Stelle ausgesprochen worden sei, könne sich der Ehegatte trotz Getrennt- lebens auf das Aufenthaltsrecht berufen. Da sich das Bund esgericht bislang nicht mit diesem neueren Urteil befasst habe, sei die auf BGE 130 II 1 13 beruhende Rechtsprechung nicht (mehr) aussagekräftig. 4.3.4 Einleitend ist präzisierend festzuhalten, dass zu u nterscheiden ist zwischen der Frage- stellung, ob nach der staatsvertraglichen Norm ein freiz ügigkeitsrechtlicher Anspruch besteht, und der bejahendenfalls nachgelagerten Problematik, o b dieser Anspruch in missbräuchlicher Weise geltend gemacht wird und deshalb entfällt. So hat die Vorinstanz entgegen der Darstel- lung in der Beschwerdeschrift - wie im Übrigen vorlie gend auch das Kantonsgericht - nicht den grundsätzlichen Aufenthaltsanspruch als solchen verneint , sondern diesem unter Berufung auf das Rechtsmissbrauchsverbot den Rechtsschutz versagt. Der Besch werdeführer übersieht in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass das Bundesgericht in BGE 130 II 113 die Diatta-Recht- sprechung des EuGH ausdrücklich übernommen hat (vgl. SEILER , a.a.O., S. 285 f.). Das Gericht führte unter Verweis auf das genannte Urteil aus, dass v on ihren Partnern getrennt lebende nachgezogene Ehegatten von Gemeinschaftsbürgern während der ganzen formellen Dauer ihrer Ehe ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz besässen (BGE 130 II 113 E. 8). Es erwog nach einer eingehenden Analyse der Rechtsprechung des EuGH weiter, das Verbot des Rechts- missbrauchs habe in der Praxis des Gerichtshofes faktisch den Rang eines allgemeinen Rechtsprinzips in der Europäischen Gemeinschaft erlangt (E. 9.1). Von daher fügte es eine Präzisierung im Zusammenhang mit der Tragweite des Ent scheids Diatta an: Die Heirat als formelles Kriterium verschaffe zwar grundsätzlich ein A ufenthaltsrecht für den Ehegatten des Gemeinschaftsarbeitnehmers. Der EuGH gehe aber nicht so weit, auch die offenbar miss- bräuchliche Anrufung dieses Rechts zu decken, zumindest was d ie Scheinehe betreffe (E. 9.3). Diese bundesgerichtlichen Erwägungen haben entgegen de r Ansicht des Beschwerdeführers nichts von ihrer Aktualität verloren. Auch nach der seith er ergangenen ständigen Rechtspre- chung des Europäischen Gerichtshofes ist die wahrheitswid rige oder missbräuchliche Berufung auf die Normen des Unionsrechts (früher: Gemeinschaftsrechts) nicht gestattet und die nationa- len Gerichte können im Einzelfall das missbräuchliche ode r betrügerische Verhalten der Be- troffenen auf der Grundlage objektiver Umstände berücksi chtigen, um ihnen gegebenenfalls den Vorteil aus den geltend gemachten Bestimmungen des Unionsrechts zu versagen (vgl. u.a. Urteile des EuGH C-58/13 und C-59/13 vom 17. Juli 2014 i.S. Torresi, Rz. 42; Urteil des EuGH C-155/13 vom 13. März 2014 i.S. SICES, Rz. 29; Urteil des EuGH C-303/08 vom 22. Dezember 2010 i.S. Bozkurt, Rz. 47; Urteil des EuGH C-16/05 vom 20. September 2007 i.S. Tum und Dari, Rz. 64; Urteil des EuGH C-255/02 vom 21. Februa r 2006 i.S. Halifax, Rz. 68). In dieser Hinsicht von Bedeutung ist vorliegend ebenfalls die (für die Schweiz grundsätzlich nicht mass- gebende [vgl. dazu unten E. 4.4]) Richtlinie 2004/38/EG des Europäischen Parlaments und des Rates (Unionsbürgerrichtlinie) vom 29. April 2004 über das Recht der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen, sich im Hoheitsgebiet der Mitgl iedstaaten frei zu bewegen und aufzuhal- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten (ABl. EU vom 29. Juni 2004, Nr. L 229, S. 35). Ar t. 35 der Unionsbürgerrichtlinie erlaubt es den Mitgliedstaaten explizit, Massnahmen zu erlassen, die n otwendig sind, um die durch diese Richtlinie verliehenen Rechte im Falle von Rechtsmissbrau ch oder Betrug - wie z.B. durch Ein- gehung von Scheinehen - zu verweigern, aufzuheben ode r zu widerrufen. Unionsrechtlich wer- den blosse Scheinbeziehungen somit nicht geschützt (vgl. THOMAS HUGI YAR , "Bis dass der Tod Euch scheidet" - Übersicht über die migrationsrechtlichen Folgen in Krisensituationen, Jusletter vom 17. März 2014, Rz. 2). Aus dem Ausgeführten kann - e ntgegen der Auffassung des Be- schwerdeführers - ohne Weiteres geschlossen werden, dass die Berufung auf eine formelle Ehe zur Erlangung eines daraus abgeleiteten Aufenthaltsrech ts nach dem geltenden Recht der Eu- ropäischen Union von den nationalen Gerichten im Einze lfall sehr wohl als missbräuchlich be- wertet werden darf. Der Beschwerdeführer beschränkt sich in diesem Zusammenhang darauf, zu unterstreichen, dass keine Indizien für eine Scheinehe vorlägen. Die diesbezüglichen Aus- führungen gehen allerdings weitgehend an der Sache vor bei, denn keine der Vorinstanzen hat ihm vorgeworfen, eine Scheinehe eingegangen zu sein. Aber selbst wenn keine Scheinehe vor- liegt, so kann das Festhalten an einer Ehe immer noch m issbräuchlich sein (U EBERSAX , Rechtsmissbrauch, a.a.O., S. 11). Der Beschwerdeführer äussert sich jedoch nicht substantiiert zu letzterem Punkt. Er führt nicht aus und es ist auch nich t ersichtlich, inwiefern die Berufung auf eine formell bestehende Ehe zu einer Unionsbürger in, um in der Schweiz eine Beziehung zu einer (nicht verwandten) Drittperson leben zu können, vom Zweck des freizügigkeitsrechtli- chen Familiennachzugs erfasst und deshalb nicht offenbar rechtsmissbräuchlich sein sollte. Des Weiteren lässt der Beschwerdeführer mit seiner Arg umentation ausser Acht, dass das Bundesgericht seine vorliegend als nicht (mehr) aktuell kri tisierte Rechtsprechung erst im ver- gangenen Jahr in einem weiteren Leitentscheid (BGE 139 II 393) noch einmal ausdrücklich be- kräftigt hat. Ferner geht der Verweis des Beschwerdeführers auf das Ur teil des EuGH C ‑40/11 vom 8. November 2012 i.S. Iida in verschiedener Hinsicht fe hl. Zunächst beachtet der Beschwerde- führer nicht, dass der angeführte Entscheid im Vorabentsc heidungsverfahren ergangen ist. Das Vorabentscheidungsverfahren ist ein besonderes Instrument der gerichtlichen Zusammenarbeit mit dem Ziel, eine einheitliche Anwendung des Unionsr echts zu erreichen, ohne dass die Auto- nomie der verschiedenen nationalen Gerichte eingeschränkt zu werden braucht. Seinem We- sen nach handelt es sich beim Vorabentscheidungsverfahren nicht um ein klassisches kontra- diktorisches Verfahren zur Entscheidung eines Rechtsstreits, sondern um ein Zwischenverfah- ren, welches einen Teilausschnitt des vor dem nationalen Gericht anhängigen Gesamtverfah- rens bildet. Ziel des Vorabentscheidungsverfahrens ist nicht die materielle Prüfung eines Klage- resp. Beschwerdebegehrens, sondern die Beantwortung de r Rechtsfrage eines nationalen Ge- richts (WALTER FRENZ , Handbuch Europarecht, Band 5, Berlin 2010, Rz. 3241) . Das nationale Gericht ersucht dazu den Gerichtshof um Beantwortung ein er für die Entscheidung in dem kon- kreten Rechtsstreit relevanten Frage zum Unionsrecht. Allei n diese konkrete Frage stellt den Gegenstand des Vorabentscheidungsersuchens dar, über die zeitlich und materiell getrennt vom Endurteil des nationalen Gerichts durch den EuGH en tschieden wird (A NDREAS MIDDEKE , in: Hans-Werner Rengeling/Andreas Middeke/Martin Gell ermann [Hrsg.], Handbuch des Rechtsschutzes in der Europäischen Union, 3. Aufl., Münch en 2014, § 10 Rz. 11). Vorlagege- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht genstand können deshalb einzig abstrakte Fragen nach d er Auslegung oder Gültigkeit von Uni- onsrecht bilden. Der EuGH ist bei der Beantwortung spi egelbildlich nur berechtigt, die Bedeu- tung und Tragweite der vorgelegten Norm abstrakt, mit hin losgelöst von der konkreten Fallge- staltung zu klären und dem nationalen Gericht zu erläutern (MIDDEKE , a.a.O., § 10 Rz. 40 f.). Im vom Beschwerdeführer zitierten Entscheid Iida legte der Verwaltungsgerichtshof Baden- Württemberg zusammengefasst die Frage vor, ob das Recht der Europäischen Union für einen sorgeberechtigten drittstaatsangehörigen Elternteil ein Verbleiberecht im Herkunftsmitgliedstaat seines Unionsbürgerkindes vorsieht, wenn das Kind zusam men mit dem anderen Elternteil in Ausübung des Freizügigkeitsrechts von dort in einen an deren Mitgliedstaat wegzieht (vgl. Urteil des EuGH C ‑40/11 vom 8. November 2012 i.S. Iida Rz. 32 f.). Der Gerichtshof hatte sich auf- grund dieser Fragestellung somit von Vornherein nicht d azu zu äussern, ob der Kläger des Ausgangsverfahrens die Vorschriften der Unionsbürgerrichtlinie allenfalls in rechtsmissbräuchli- cher Weise in Anspruch nahm. Im Urteil bezieht sich der Gerichtshof weiter nur kurz auf die Diatta-Rechtsprechung, indem er (vorfrageweise) festhä lt, dass die Ehe der Eltern Iida durch die zuständige Stelle nicht aufgelöst worden sei, so dass H err Iida als Familienangehöriger sei- ner Ehefrau im Sinne der Unionsbürgerrichtlinie anges ehen werden könne (Rz. 57 ff.). Damit gibt der Gerichtshof lediglich seine langjährige Praxis wieder. Der Beschwerdeführer führt nicht aus und es ist nicht ersichtlich, weshalb die Berücksichtigu ng dieser Entscheidpassage in der vorliegenden Konstellation zu einem von der Bundesgerich tspraxis abweichenden Ergebnis führen sollte. Dazu kommt, dass der EuGH in der Folge zu m Schluss kommt, dass der Dritt- staatsangehörige in der vorgelegten Rechtslage kein von e inem Unionsbürger abgeleitetes Aufenthaltsrecht beanspruchen könne (Rz. 82). Die Fra ge einer missbräuchlichen Berufung auf einen unionsrechtlichen Rechtsanspruch stellte sich somit von Vornherein nicht. Nach dem Ge- sagten ist das besagte Urteil des EuGH in Sachen Iida fü r den vorliegenden Fall nicht einschlä- gig. 4.3.5 Den Argumenten des Beschwerdeführers kann aus den vorstehenden Gründen nicht gefolgt werden. Es besteht kein Anlass, um von der bunde sgerichtlichen Praxis abzuweichen. Der Beschwerdeführer kann sich somit nicht auf die Fam iliennachzugsbestimmungen des FZA stützen, um die Belassung bzw. die Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung zu erwirken. 4.4 Der Beschwerdeführer beruft sich zudem auf das staat svertragliche Verbleiberecht des nachgezogenen Ehegatten, welches ihm die Unionsbürgerr ichtlinie zuerkenne. Das FZA ver- pflichte die schweizerischen Gerichte, die gemäss der Union sbürgerrichtlinie bestehenden Rechte der Familienangehörigen von freizügigkeitsberechtigten Personen zu wahren. Das Freizügigkeitsabkommen ist ein Staatsvertrag im klassischen Sinne. Die Schweiz hat sich darin verpflichtet, EU-rechtliche Regelungen über die Arbeitnehmerfreizügigkeit in einem detail- liert ausgehandelten Bereich zu übernehmen. Soweit k eine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, sind neue EU-rechtliche Vorschriften in der Sch weiz nicht massgebend. Dementspre- chend ist die nach Unterzeichnung des FZA erlassene Union sbürgerrichtlinie für die Schweiz nicht verbindlich, zumindest soweit sie Änderungen gege nüber dem vorherigen Rechtszustand mit sich bringt. Daran können nach der Rechtsprechung nu r Rechtsfolgen anknüpfen, die dem Sinn und Geist des Freizügigkeitsabkommens entsprechen und diesem zu Grunde liegen. So Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind insbesondere mit der Unionsbürgerrichtlinie neu ein geführte Rechte - wie etwa das bedin- gungslose Recht auf Daueraufenthalt nach ununterbroch enem fünfjährigem rechtmässigem Aufenthalt oder das vom Beschwerdeführer angerufene R echt auf Verbleib nach drei Jahren Ehe - für die Schweiz nicht verbindlich (vgl. BGE 136 II 65 E. 4.2; Urteil des BGer 2C_487/2012 vom 2. April 2013 E. 4.4.3; S EILER , a.a.O., S. 273; HUGI YAR , a.a.O., Rz. 5; MARC SPESCHA , in: Marc Spescha et al. [Hrsg], Kommentar Migrationsrecht, 3. Aufl., Zürich 2012, Art. 4 Anhang I FZA Rz. 2 ff.). Nur wenn die im Anhang des FZA aufgef ührten Voraussetzungen eines Verblei- berechts (vgl. Art. 4 Anhang I FZA und die Verordnun g EWG Nr. 1251/70 vom 29. Juni 1970 [ABl. EG vom 30. Juni 1970, Nr. L 142, S 24 ff.] so wie die Richtlinie 75/34/EWG vom 17. Dezember 1974 [ABl. EG vom 20. Januar 1975, Nr. L 014, S. 10 ff.]) oder eines eigenstän- digen Anwesenheitsrechts erfüllt sind, gilt freizügigkei tsrechtlich ein Aufenthaltsanspruch fort (BGE 139 II 393 E. 2.2; Urteil des BGer 2C_494/2013 vom 2. Juni 2013 E. 3.1; Urteil des BGer 2C_65/2012 vom 22. März 2013 E. 2). Im vorliegenden F all macht der Beschwerdeführer zu Recht nicht geltend, dass die Voraussetzungen des Verbleib erechts nach Art. 4 Anhang I FZA erfüllt sind oder dass ein eigenständiger freizügigkeitsre chtlicher Anwesenheitsanspruch in Fra- ge kommt. Soweit er sich auf die Unionsbürgerrichtlinie beruft, so ist diese nach dem Gesagten nicht massgebend und er kann daraus keine Rechte zu seinen Gunsten ableiten. 4.5 Des Weiteren macht der Beschwerdeführer einen Anw esenheitsanspruch aus der Eu- ropäischen Menschenrechtskonvention geltend. 4.5.1 Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Sch utze der Menschenrechte und Grund- freiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 sowie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverf assung der Schweizerischen Eidgenos- senschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Privat- und Familienle- bens können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufent- halt oder Verbleib in einem andern Staat ableiten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , Aufent- haltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Ausländerrec ht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, EuGRZ 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Die Ga- rantie der Achtung des Familienlebens kann somit dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Familienleben vereitelt wird. Gemäss ständ iger bundesgerichtlicher Recht- sprechung zu Art. 8 EMRK müssen die sich hierzulande aufha ltenden Angehörigen das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligun g besitzen oder über eine Aufent- haltsbewilligung verfügen, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zudem müssen diese Personen zur Kernfamilie (Ehegatte oder im gleichen Haushalt lebende, minder- jährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsäc hliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 28 1 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Der Beschwerdeführer führt keine tatsächliche und intakte B eziehung zu seiner in der Schweiz nie- dergelassenen Ehefrau, so dass der grundrechtliche Schutz bereich in dieser Hinsicht nicht er- öffnet ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5.2 In den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallen auch nicht rechtlich begründete familiäre Verhältnisse, sofern eine genügend nahe, echte und ta tsächlich gelebte Beziehung besteht; entscheidend ist die Qualität des Familienlebens und nicht dessen rechtliche Begründung (BGE 135 I 143 E. 3.1). Das Bundesgericht hat hieraus abgele itet, dass sich aus einem Konkubinat ein Bewilligungsanspruch dann ergibt, wenn die partner schaftliche Beziehung seit Langem eheähnlich gelebt wird oder konkrete Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Hochzeit hindeuten. Die Beziehung der Konkubinatspartner muss b ezüglich Art und Stabilität in ihrer Substanz einer Ehe gleichkommen. Dabei ist wesentlich, ob die Partner in einem gemeinsamen Haushalt leben; zudem ist der Natur und Länge ihrer Beziehung sowie ihrem Interesse und ihrer Bindung aneinander, etwa durch Kinder oder andere Um stände wie die Übernahme von wech- selseitiger Verantwortung, Rechnung zu tragen (BGE 135 I 143 E. 3.1; Urteil des BGer 2C_634/2011 vom 27. Juni 2012 E. 4.2.1). Diese Vora ussetzungen sind in Bezug auf die erst seit rund eineinhalb Jahren dauernde Fernbeziehung des Beschwerdeführers zu seiner neuen, im Kanton Solothurn wohnhaften Partnerin entgegen s einem Dafürhalten offensichtlich nicht erfüllt. 4.5.3 Der Schutzbereich des Rechtes auf Achtung des Privat lebens erfasst neben anderen Lebenssachverhalten auch den Schutz der während eines Aufenthalts geknüpften persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen ausserhalb des e ngeren familiären Umfeldes. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann von derart engen Beziehungen indes nur bei Vorliegen einer überdurchschnittlichen, besonderen Integ ration gesprochen werden, d.h. wenn es sich um besonders intensive, über eine normale Integra tion hinausgehende, private Bindun- gen gesellschaftlicher oder beruflicher Natur bzw. verti efte soziale Beziehungen zum ausserfa- miliären oder ausserhäuslichen Bereich handelt. Ein lan gjähriger Aufenthalt in der Schweiz ge- nügt nach bundesgerichtlicher Praxis für sich alleine noch n icht (BGE 130 II 281 E. 3.2.1; BGE 120 Ib 16 E. 3b; A LBERTO ACHERMANN /M ARTINA CARONI , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Rz. 6.39). Der Beschwerdeführer lebt erst seit etwas über fünf Jahren in der Schweiz. Mit der pauschalen Behauptung in der Beschwer debegründung, in der Schweiz Be- ziehungen zur hiesigen Bevölkerung geknüpft zu haben, legt er nicht substantiiert dar, inwiefern er besonders intensive, über die normale Integration h inausgehende, private Bindungen in der Schweiz geknüpft hat. Solche aussergewöhnlichen Bindungen sind auch in den Akten nirgends ersichtlich. Der blosse Umstand, dass er seine Arbeitsstell e und die damit verbundenen wirt- schaftlichen und sozialen Beziehungen zu verlieren droht, ist jedenfalls nicht geeignet, ihm ei- nen Anspruch auf Anwesenheit im Sinne von Art. 8 Zif f. 1 EMRK zu verschaffen (vgl. Urteil des BGer 2C_711/2011 vom 27. März 2012 E. 5.2). Soweit de r Beschwerdeführer argumentiert, er verliere mit der drohenden Wegweisung die Möglichkeit, die bestehende Beziehung zu seiner Partnerin weiter zu vertiefen und neue freundschaftliche Kontakte zu knüpfen, so übersieht er, dass die EMRK kein Recht auf Aufenthalt in einem Vertra gsstaat verschafft, um Beziehungen zu anderen Menschen zu begründen und bestehende Bekannt schaften zu pflegen. Entgegen seiner Auffassung verleiht sie ihm nicht die Wahlfreiheit, sein gesellschaftliches Leben an einem bestimmten Ort - etwa in der Schweiz - aufbauen und fü hren zu können (vgl. Z ÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 4). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5.4 Somit kann der Beschwerdeführer auch aus dem grun drechtlichen Schutz des Privat- und Familienlebens keinen Rechtsanspruch auf Verlängeru ng seiner Aufenthaltsbewilligung ableiten. 4.6 Fällt der freizügigkeitsrechtliche Bewilligungsans pruch wegen Beendigung der Ehege- meinschaft dahin und kommt kein anderweitiger staatsvertr aglicher Anspruch zum Tragen, so ist zu prüfen, ob gestützt auf Landesrecht aus selbständ igem Grund die Aufenthaltsbewilligung erteilt werden kann (vgl. Art. 2 FZA; Urteil des BGe r 2C_886/2011 vom 28. Februar 2012 E. 4.1). Die Familiennachzugsbestimmungen des Auslände rgesetzes (Art. 42 ff. AuG) sind für unter das FZA fallende Personengruppen grundsätzlich nicht anwendbar (Art. 2 Abs. 2 AuG). Ist faktisch von einer definitiven Auflösung der Familiengem einschaft auszugehen, so besteht al- lerdings nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG ein Anspruch d es unter dem FZA nachgezogenen Ehe- gatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthal tsbewilligung, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration vorliegt. Eine (relevante) Ehegemeinschaft liegt vor, solange die eheliche Beziehun g tatsächlich gelebt wird und ein ge- genseitiger Ehewille besteht. Massgeblicher Zeitpunkt für die retrospektive Berechnung der Dauer der ehelichen Gemeinschaft ist gemäss der bundesgeri chtlichen Rechtsprechung in der Regel die Aufgabe der Haushaltsgemeinschaft; demgegen über ist nicht relevant, wie lange die Ehe nach Beendigung des Zusammenlebens formell noch bes tanden hat oder besteht (BGE 136 II 113 E. 3.2). Sodann ist einzig das Zusammenleb en im Inland ausschlaggebend, die im Ausland gelebte Ehezeit wird somit an die Dreijahresf rist nicht angerechnet (BGE 137 II 345 E. 3.1.3; BGE 136 II 113 E. 3.3). Im vorliegenden Fa ll dauerte die massgebende eheliche Ge- meinschaft im Inland vom 27. April 2009 bis zum Oktober 2011 und damit rund zweieinhalb Jahre. Ein Anspruch auf Bewilligungsverlängerung unte r dem Titel von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG besteht demnach infolge zu geringer Dauer der Ehegeme inschaft nicht. Wie es sich mit der ku- mulativ zu erfüllenden weiteren Voraussetzung einer er folgreichen Integration verhält, kann un- ter diesen Umständen offen bleiben. 4.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzun gen für eine auf die Famili- ennachzugsbestimmungen des FZA gestützte Aufenthaltsbewilligung zufolge Aufgabe der Ehe- gemeinschaft weggefallen sind. Über einen anderweitigen staatsvertraglichen oder landesrecht- lichen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz verfügt der Beschwerdeführer nicht. 5. Sind die Voraussetzungen für die von einer originär anwesenheitsberechtigten EU- Bürgerin abgeleitete Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA mangels Fortdauerns der Ehegemein- schaft nicht mehr erfüllt, so kann die Bewilligung gestü tzt auf Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über die Einführung des freien Personenverkehrs (VEP) vo m 22. Mai 2002 i.V.m. Art. 62 lit. d AuG widerrufen oder nicht (mehr) verlängert werden, da das Freizügigkeitsabkommen diesbe- züglich keine eigenen abweichenden Bestimmungen enthält (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG; vgl. BGE 139 II 393 E. 2.1; Urteil des BGer 2C_330/2014 vom 12 . Juni 2014 E. 2.1; Urteil des BGer 2C_13/2012 vom 8. Januar 2013 E. 2.1; Urteil des BGer 2A.569/2004 vom 7. Oktober 2004 E. 2.2). Dazu bedarf es eines Ermessensentscheids, welcher nach den allgemeinen Grundsät- zen pflichtgemäss und unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls zu treffen ist (vgl. ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rz. 8.44; BENJAMIN SCHINDLER , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnher r [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 96 Rz. 7). Im Rahmen ihrer Ermessensausübung haben die Behörden gemäss Art. 96 Abs. 1 AuG die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration zu berücksichti- gen. Im angefochtenen Entscheid vom 28. Januar 2014 ha t der Regierungsrat, welchem volle Kognition im Bereich der Ermessensprüfung zukommt, diese Kriterien ausführlich geprüft, unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Einzelfalles beu rteilt und seinen Entscheid nach- vollziehbar begründet. Somit hat sich der Regierungsrat mit den in Frage stehenden Interessen auseinandergesetzt und sein Ermessen pflichtgemäss ausgeüb t. Eine Überschreitung, Unter- schreitung oder ein Missbrauch des Ermessens sind nicht erkenn bar. Eine weitergehende in- haltliche Angemessenheitskontrolle ist dem Kantonsgerich t nicht gestattet (vgl. E. 2). Es ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass es der Regierungsrat abgelehnt hat, dem Beschwerde- führer die Aufenthaltsbewilligung ermessensweise zu belassen. 6.1 In einem weiteren Schritt gilt es zu beurteilen, o b der Widerruf der Aufenthaltsbewilli- gung und die damit verbundene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) gestützt auf eine umfassende Güterabwägung verhältnismässig erscheinen. Na ch dem Grundsatz der Verhält- nismässigkeit muss eine Verwaltungsmassnahme zur Verwirklichu ng des im öffentlichen Inte- resse liegenden Ziels geeignet und notwendig sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, Rz. 581 ff.). Im Rahmen der Verhältnismässi gkeitsprüfung sind die bekannten Kri- terien wie Dauer der Anwesenheit, persönliche Beziehun gen zur Schweiz, berufliche Situation, Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage, persönliches Verhalten sowie Integrationsgrad zu berück- sichtigen (vgl. Ziffer 8.3 der Weisungen des Bundesamt s für Migration zum Ausländerbereich, Version vom 25. Oktober 2013; BGE 135 II 377 E. 4.3 ff.). 6.2 Es steht ausser Frage, dass eine Wegweisung für die Erreichung der fremdenpolizeili- chen Ziele eine geeignete Massnahme ist. Ausländer, dere n Aufenthaltszweck weggefallen ist, haben die Schweiz unter bestimmten Umständen zu verlassen . Dieses fremdenpolizeiliche Ziel kann auch nicht durch eine weniger einschneidende Massnah me erreicht werden. Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme als verhältnismässig im engeren Sinne zu qualifizieren ist, ob also der angestrebte im öffentlichen Interesse liegende Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen steht, die dem Beschwerdeführer mit de r Wegweisung auferlegt werden. Diesbezüglich muss eine Interessenabwägung vorgenommen werden. Als zulässiges öffentliches Interesse fällt dabei grundsätzli ch das Durchsetzen der Einwande- rungspolitik in Betracht. Art. 121a BV sieht vor, dass di e Schweiz die Zuwanderung eigenstän- dig steuert und zahlenmässig begrenzt. Die Schweiz verfolgt dabei insbesondere gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums in Fragen d er Aufenthaltsberechtigung eine restriktive Politik. Eine solche rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwi- schen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, au f die Schaffung günstiger Rah- menbedingungen für die Eingliederung der in der Schw eiz bereits ansässigen Ausländer und Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Verbesserung der Arbeitsmarktstruktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Beschäfti- gung (BGE 135 I 153 E. 2.2.1; BGE 135 I 143 E. 2.2). Das private Interesse am Verzicht auf den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung, auf das sich der Beschwerdeführer beruft, gründet im Wesentlichen auf d em Argument, dass er sich nach der gescheiterten Beziehung zu seiner Ehefrau in der Schwei z ein neues Leben aufbauen und die Beziehung zu seiner Schweizer Freundin nicht verlieren wolle. 6.3 Der Beschwerdeführer befindet sich seit dem 27. Apri l 2009 und damit erst seit mittler- weile etwas über fünf Jahren in der Schweiz. Diese ku rze Aufenthaltsdauer kann nicht ent- scheidend zu seinen Gunsten ins Gewicht fallen. Dazu kommt, dass seine gesamte Familie im Ausland lebt, in der Schweiz verfügt er - mit Ausnahme der (Noch-)Ehefrau - über keinerlei ver- wandtschaftliche Beziehungen. Er führt in der Schweiz zwa r eine neue Beziehung, weiterge- hende private Bindungen macht er nicht konkret geltend, es handelt sich dabei jedenfalls nicht um besonders tiefgehende, über die normale Integrati on hinausgehende, private Bindungen (vgl. oben E. 4.5.3). Der Beschwerdeführer hat sich wei ter in der kurzen Zeit, in der er in der Schweiz lebt, klaglos verhalten und sich um eine Integra tion bemüht, dennoch kann weder be- ruflich noch sozial von einer nennenswerten Verwurzelung g esprochen werden. In dieser Hin- sicht ist anzumerken, dass er mehrere Deutschkurse besucht h at, dass aus den bei den Akten liegenden Kursbestätigungen aber auch ersichtlich wird , dass er in seinen Bemühungen nicht über die Basisstufe hinausgekommen ist. Der Beschwerdefüh rer hat darüber hinaus regelmäs- sig gearbeitet und nie Sozialhilfe bezogen. Gleichzeitig ist dazu aber auch festzuhalten, dass er als ungelernter Mitarbeiter in der Reinigungsbranche keine besonders qualifizierte Tätigkeit ausübt, die aus wirtschaftlicher oder arbeitsmarktlicher Sicht eine Verlängerung der Aufent- haltsbewilligung gebieten würde. Hinsichtlich der Zum utbarkeit einer Heimkehr nach Kamerun ist davon auszugehen, dass er bei der Rückkehr in sein Heimat land keine überdurchschnittli- chen Schwierigkeiten zu gewärtigen haben wird. Er ist in diesem Land sozialisiert worden und hat seine Heimat erst im Alter von rund 36 Jahren verla ssen, womit davon ausgegangen wer- den darf, dass er mit den dortigen Verhältnissen noch vertraut ist. In Kamerun leben zwei Brü- der und zwei Schwestern und nicht zuletzt seine fünf Ki nder, mit denen er einen regelmässigen Kontakt pflegt. Ungünstigere wirtschaftliche Perspektive n in Kamerun lassen eine Rückkehr überdies nicht unzumutbar erscheinen. Dass die Rückkehr unbe streitbar mit persönlichen und wirtschaftlichen Nachteilen für ihn persönlich und - al s Reflexwirkung - auch für seine von ihm bisher finanziell unterstützten Kinder verbunden ist, ändert an der Zumutbarkeit nichts. Die dro- hende Trennung von seiner Schweizer Partnerin stellt überdies kein ungewöhnlich gewichtiges privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz dar. Diese Beziehung lässt sich auch aus Distanz pflegen und besuchsweise oder über die neuen Kom munikationsmittel (Internet usw.) leben. Einer Rückkehr des heute 41 Jahre alten Beschwerdeführers steht somit nichts im Wege und eine solche stellt insbesondere auch keine grosse Här te dar. Unter Beachtung dieser As- pekte erscheinen der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA sowie die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz als zumutbar. Gewichtig e private Interessen, welche den genannten ausländerrechtlichen Massnahmen entgegenstehe n, sind vorliegend nicht ersicht- lich. Insgesamt überwiegt demnach das öffentliche Interesse an der Gleichbehandlung der Aus- länderinnen und Ausländer im Rahmen der Ausländergese tzgebung sowie an der Durchset- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht zung der Rechtsordnung das private Interesse des Beschwerde führers an einem weiteren Ver- bleib in der Schweiz. Der angefochtene Entscheid erweist sich als verhältnismässig. 7. Der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA und die damit verbundene Wegwei- sung des Beschwerdeführers erfolgte nach dem Gesagten zu R echt, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Dem Beschwerdeführer ist sodann eine Ausreisefrist von 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Urteils anzusetzen. 8. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem unterlegenen Beschwerde- führer aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentg eltlichen Rechtspflege gehen die Verfah- renskosten zulasten der Gerichtskasse. 8.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die ausserordentlichen Kosten sind demnach wettzuschlagen. Zufolge Be- willigung der unentgeltlichen Rechtspflege ist dem R echtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. Der in der Honorarnote vom 26. Mai 2014 geltend gemachte Aufwand ist nicht zu beanstanden. Gemä ss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 b eträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde; im vorliegende n Verfahren wird ein Stundenansatz von Fr. 100.-- für Volontärinnen und Volontäre als angem essen erachtet. Aus dem Gesagten resul- tiert ein Honorar von Fr. 1'491.65 (0:30 Stunden à Fr. 200.00, 13:55 Stunden à Fr. 100.00), zu- züglich Auslagen von Fr. 359.40. Daraus ergibt sich ein aus der Gerichtskasse auszurichtendes Gesamthonorar von Fr. 1'999.15 (inkl. 8% MWST von Fr. 148.10). 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hingew iesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in de r Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz bis spätestens 30 Tage nach Rechtskraft dieses Urteils zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'999.15 (inkl. Auslagen und 8% MWST) aus der Geri chtskasse aus- gerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 29. Oktober 2014 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_993/2014) erhoben.