Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. August 2020 (715 19 295 / 199) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Beitragszeit nicht erfüllt, da kein rechtsgenügender Nachweis einer beitragspflichtigen Beschäftigung vorliegt. Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit infolge Krankheit (Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG). Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zur Prü- fung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 AVIG. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Daniela Buser Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A.a Der 1963 geborene A.____ meldete sich am 1. Juli 2015 bei der Ausgleichskasse Ba- sel-Landschaft (Ausgleichskasse) als Selbständigerwerbende r in der Gesundheitsbranche an. Nach Prüfung der eingereichten Unterlagen verfügte d ie Ausgleichskasse am 22. September 2015, dass der Versicherte für die angegebene Tätigkeit als unselbständig einzustufen sei. Die dagegen erhobene Einsprache hiess die Ausgleichskasse mi t Entscheid vom 9. Oktober 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilweise gut und stellte fest, dass beim Versicherten zw ei Aufgabenbereiche zu unterscheiden seien. In Bezug auf die Beschäftigung im Fitnessclub B._ ___ AG (Fitnessclub) sei er als Un- selbständigerwerbender zu betrachten, während er im Rah men seiner Tätigkeit als Personal- trainer als Selbständigerwerbender bei der Ausgleich skasse anzuschliessen sei. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 26. Oktober 2015 Beschwerde a m Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht). Er vertrat dabei sinngemäss die Ansicht, seine Tätigkeit beim Fitnessclub sei ebenfa lls als selbständige Tätigkeit zu qualifi- zieren. Mit Urteil vom 12. Mai 2016 wies das Kantonsg ericht die Beschwerde ab. Das Gericht begründete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass unter Würdigung der gesamten Um- stände die für eine unselbständige Tätigkeit sprechen den Kriterien überwiegen würden (710 15 335). In der Folge war A.____ rückwirkend ab dem 1. Ju li 2015 bei der Ausgleichskasse als selbständigerwerbender Personaltrainer gemeldet. A.b Ab dem 1. April 2014 war A.____ beim Fitnessclub a ls Geschäftsführer angestellt. Der Fitnessclub kündigte ihm jedoch das Anstellungsverhältnis p er 31. August 2018. Ab dem 5. Oktober 2017 war er zudem als einzelzeichnungsberecht igtes Mitglied des Verwaltungsrates des Fitnessclubs im Handelsregister eingetragen. Über den Fitnessclub wurde mit Wirkung ab dem 4. September 2018 der Konkurs eröffnet. A.c Am 6. Mai 2019 meldete sich A.____ bei der Öffen tlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung und am 9. Mai 2019 beim zu- ständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an. Die Arbeits- losenkasse klärte den rechtserheblichen Sachverhalt ab un d lehnte nach durchgeführtem Ein- spracheverfahren die Anspruchsberechtigung von A.____ au f Arbeitslosenentschädigung ab dem 9. Mai 2019 mit Entscheid vom 13. August 2019 ab. Sie begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, dass er als Selbständigerwerbender k eine Beitragszeit generiert habe und darüber hinaus weder eine beitragspflichtige Beschäfti gung noch ein Befreiungstatbestand von der Erfüllung der Beitragspflicht ausgewiesen sei. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 9. September 2019 Beschwerde am Kantonsgericht. Er beantragte sinngemäss die Aufhebu ng des angefochtenen Entscheids und die Anrechnung jener Zeit, während welcher er kra nk gewesen sei, an seine Beitragszeit. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, dass er n eben seiner Anstellung beim Fitness- club auch als Selbständigerwerbender tätig gewesen sei. D urch seine Krankheit sei es ihm in- dessen nicht mehr möglich gewesen, seine selbständige Tät igkeit auszuüben, weshalb er bei der Ausgleichskasse auch kein Einkommen gemeldet habe. Be treffend seine Tätigkeit als Ar- beitnehmer beim Fitnessclub seien die Jahreslohnsummen von der Arbeitgeberin bei der Aus- gleichskasse gemeldet und die Lohnnebenkosten abgeführt worden. Aufgrund seiner Krankheit habe er von der E.____ eine Erwerbsausfallentschädigu ng erhalten. Die ärztlichen Atteste, aus welchen hervorgehe, dass er während mehr als zwölf Mona ten arbeitsunfähig gewesen sei, seien bei der E.____ eingereicht worden. C. Mit Vernehmlassung vom 21. Oktober 2019 schloss die Arb eitslosenkasse auf Abwei- sung der Beschwerde. Sie begründete ihren Antrag im W esentlichen damit, dass der Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer keine beitragspflichtige Beschäftigung a usweisen könne, schliesslich sei ge- mäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) kein Ei nkommen aus der Tätigkeit beim Fitnessclub deklariert worden. Es würden lediglich Lohnausweise der Jahre 2017 und 2018 vor- liegen, welche zeitgleich mit dem Antrag auf Arbeitslo senentschädigung und erst nachdem der Fitnessclub in Konkurs gefallen sei, ausgestellt worden sei en. Die Auszahlung der Fr. 80'000.-- sei direkt auf das Bankkonto des Beschwerdeführers erfolgt, was wiederum belege, dass kein Arbeitsverhältnis mit dem Fitnessclub bestanden habe. L etztlich seien auch die Voraussetzun- gen einer Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit nicht gegeben, zumal der Beschwerde- führer keine ärztlichen Zeugnisse ins Recht führe, die eine Arbeitsunfähigkeit belegen würden und das Wohnsitzerfordernis erst ab dem 1. September 2017 erfülle. D. Am 8. November 2019 holte das Kantonsgericht im Rah men einer amtlichen Erkundi- gung bei der Ausgleichskasse die notwendigen Unterlagen und Informationen betreffend eine selbständige und/oder unselbständige Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers ab 2014 ein. Im Weiteren zog das Kantonsgericht gleichentags die Versicherungsakten der E.____ bei. E. In der Stellungnahme vom 3. Februar 2020 hielt d ie Arbeitslosenkasse am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Zur Begründung führt si e an, dem Beschwerdeführer gelinge es nach wie vor nicht, den Lohnfluss aus seiner Tätigk eit beim Fitnessclub zu belegen. Die Lohnausweise würden hierzu jedenfalls nicht genügen. D ie Einmalzahlung der E.____ stelle zudem kein Lohnersatz dar, was letztlich auch von der E.__ __ bestätigt werde. Eine beitrags- pflichtige Beschäftigung sei folglich nicht ausgewiesen. F. Mit Stellungnahme vom 26. Februar 2020 wandte de r Beschwerdeführer ein, dass er den Lohnfluss nicht belegen könne, da er krank gewesen sei. Aufgrund dieser Krankheit sei er von der Erfüllung der Beitragszeit befreit gewesen. In diesem Zusammenhang brachte er ärztli- che Zeugnisse bei, welche seine Arbeitsunfähigkeit bele gen sollten. Bei den Fr. 80'000.--, die ihm die E.____ ausbezahlt habe, handle es sich zudem um Lohnersatz für den Zeitraum von zehn Monaten ab dem 1. März 2018. G. Am 1. April 2020 verzichtete die Arbeitslosenkasse au f eine weitere Stellungnahme und hielt an ihren bisherigen Ausführungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann geg en Einspracheentscheide der Versicherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicheru ngsgericht erhoben werden. Ört- lich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nicht der bis vor Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnun g, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorisch e Arbeitslosenversicherung und die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtli- che Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 ATSG zu regeln. Nach Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 19 83 richtet sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Kassenverfü- gungen sinngemäss nach Art. 119 AVIV. Diese Bestimmung e rklärt in Abs. 1 lit. a für die Ar- beitslosenentschädigung den Ort, wo die versicherte Person die Kontrollpflicht erfüllt, als mass- gebend. Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Kont rollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kanton sgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherun gsgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger ge- mäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlun g der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht e rhobene Beschwerde vom 9. September 2019 ist demnach einzutreten. 2. Strittig ist vorliegend die Erfüllung der Beitragsz eit respektive eine Befreiung von der- selben in der dafür vorgesehenen Rahmenfrist. 2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG hat Anspruch auf Ar beitslosenentschädigung, wer die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 13 AVIG) oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 14 AVIG). Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechun g ist jedoch eine Kumulation un- genügender Beitragszeit mit Zeiten, für welche die ve rsicherte Person von der Erfüllung der Beitragszeit befreit war, ausgeschlossen. Es ist daher nicht möglich, fehlende Beitragszeiten mit Zeiten der Befreiung von der Erfüllung der Beitragsze it aufzufüllen und umgekehrt (BGE 141 V 674 E. 4.1). Die Befreiungstatbestände von Art. 14 Abs. 1 AVIG sind im Verhältnis zur Beitragszeit subsidiär und gelangen daher nur dann zur Anwendung, wenn die in Art. 13 Abs. 1 AVIG verlangte Erfüllung der Mindestbeitragszei t aus den in Art. 14 Abs. 1 AVIG ge- nannten Gründen nicht möglich ist (BGE 141 V 674 E. 2.1). 2.2 Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG; AVIG-Praxis ALE [Arbeitslosen entschädigung] Rz. B143). Die Rah- menfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor de mjenigen Tag, für den sämtliche An- spruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 3 in Verbi ndung mit Abs. 2 AVIG). Nach Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG ist für die Arbeitslosenversicherung be itragspflichtig, wer nach dem Bundes- gesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 obli- gatorisch versichert und für Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit beitragspflichtig ist, d.h. massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG bezie ht (BGE 122 V 249 E. 2b mit Hin- weisen). Die Beitragspflicht einer versicherten unselbstst ändig erwerbenden Person entsteht mit der Leistung der Arbeit. Beiträge sind indessen er st bei Realisierung des Lohn- oder Ent- schädigungsanspruchs geschuldet (BGE 111 V 166 E. 4a und 4b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen von Art. 13 Abs. 1 AVIG d eshalb vorausgesetzt, dass die versi- cherte Person effektiv eine beitragspflichtige Beschäfti gung ausgeübt und der Arbeitgeber für Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht diese Beschäftigung tatsächlich auch einen Lohn entrichtet hat (AVIG-Praxis ALE Rz. B144 und B145; BGE 128 V 189 E. 3a/aa; Urteil des Eidgenössisch en Versicherungsgerichts [EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 28. Februar 2003, C 127/02, E. 1). 2.3 Bei Personen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit eine a rbeitgeberähnliche Stellung innehat- ten, hat die Arbeitslosenkasse näher zu prüfen, ob diese tatsächlich einen Lohn bezogen haben (AVIG-Praxis ALE Rz. B32 und B146). Lassen sich in Fällen, die weitergehende Abklärungen bedingen, Bank- oder Postbelege beibringen, ist damit der Lohnfluss und die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung in der Regel nachgewi esen (AVIG-Praxis ALE Rz. B147). Wurde der Lohn bar bezogen, können das bei der Steuerverwaltung mit Lohnausweis deklarier- te Einkommen, Lohnquittungen oder durch ein Treuhand büro geführte Geschäftsbücher in Ver- bindung mit einem entsprechenden individuellen Kontoa uszug der AHV (IK-Auszug) als Nach- weis für den Lohnbezug akzeptiert werden. Widersprechen die genannten Beweismittel dem IK- Auszug, so ist für die Bestimmung des versicherten Verdie nstes vom geringeren Betrag auszu- gehen. Es ist denkbar, dass die versicherte Person, welch e den Lohn bar bezogen hat, durch eine Kombination von anderen Beweismitteln den Lohnf luss nachzuweisen vermag. Der Lohn- fluss lässt sich aber zum Beispiel allein durch eine Lohna brechnung, eine Lohnquittung, einen Arbeitsvertrag, eine Kündigungsbestätigung oder eine Lohnforderungseingabe im Konkurs nicht nachweisen. Solche Dokumente stellen lediglich Partei behauptungen dar, über deren Wahr- heitsgehalt niemand ausser der versicherten Person, die ja eine arbeitgeberähnliche Stellung innehatte, selbst Angaben machen kann. Ergeben sich aufg rund der eingereichten Belege kei- ne klaren Rückschlüsse auf die in der fraglichen Zeit effekt iv ausbezahlten Löhne, liegt Beweis- losigkeit zulasten der versicherten Person vor, womit ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädi- gung infolge fehlender Beitragszeit verneint werden muss (AVIG-Praxis ALE Rz. B148). 3. Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrun dsatz beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vol lständige Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als ve rfügende Instanz und - im Beschwer- defall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, na ch dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Ri chterin haben vielmehr jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein- lichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 4. Wie sich dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 13. August 2019 entnehmen lässt, dauert die Rahmenfrist für die Beitragszeit im vo rliegenden Fall unbestritten vom 9. Mai 2017 bis 8. Mai 2019. Innerhalb dieser zweijährigen Fr ist muss – wie vorstehend in Erwägung 2.1 ausgeführt – die Beitragszeit erfüllt oder ein B efreiungsgrund von der Erfüllung der Bei- tragszeit einschlägig sein. Zu prüfen ist nun zunächst, ob der Beschwerdeführer die Beitragszeit erfüllt hat. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Erfüllung der Beitragszeit gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG setzt eine beitragspflichtige Beschäftigung während mindestens zwölf Monaten innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmen- frist voraus (vgl. Erwägung 2.2 hiervor). Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, innerhalb der massgebenden Rahmenfrist sowohl einer uns elbständigen Tätigkeit beim Fit- nessclub nachgegangen als auch selbständig erwerbstätig ge wesen zu sein. Diese Unterschei- dung in den Aufgabenbereichen des Versicherten wurde d urch die Ausgleichskasse bereits mit Einspracheentscheid vom 9. Oktober 2015 erkannt. Danach se i der Versicherte in Bezug auf seine Beschäftigung im Fitnessclub im Bereich Marketingbet reuung, medizinische Betreuung, kaufmännische Aufgaben und Personalschulung/Betreuung al s unselbständigerwerbend zu betrachten, während er im Rahmen seiner Tätigkeit als P ersonaltrainer als Selbständigerwer- bender bei der Ausgleichskasse anzuschliessen sei. Die Vora ussetzungen für die Qualifikation der Tätigkeit beim Fitnessclub als selbständige Erwerbst ätigkeit lägen nicht vor. Die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten wies das Kantonsger icht mit Urteil vom 12. Mai 2016 (710 15 335) und der Begründung ab, dass in Würdigung der gesamten Umstände jene Krite- rien überwiegen würden, welche für eine unselbständige Erwerbstätigkeit sprächen. 4.2 Im Nachgang an das Urteil des Kantonsgerichts vom 12. Mai 2016 war der Beschwer- deführer rückwirkend ab dem 1. Juli 2015 als Selbständige rwerbender bei der Ausgleichskasse gemeldet (vgl. Schreiben der Ausgleichskasse vom 22. Nove mber 2019). In seiner Beschwer- deschrift macht er diesbezüglich geltend, dass es ihm infolge einer Erkrankung nicht mehr mög- lich gewesen sei, der selbständigen Erwerbstätigkeit nach zugehen und er aufgrund dessen auch kein Einkommen aus dieser Tätigkeit deklariert hab e. Den Akten ist darüber hinaus zu entnehmen, dass sich der Versicherte per 1. Januar 2017 u nd damit bereits vor Beginn der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 9. Mai 2017 bis 8. Mai 2019 bei der Ausgleichskasse als Selbständigerwerbender abgemeldet hatte (vgl. Anlag e Nr. 3 zur Stellungnahme des Be- schwerdeführers vom 26. Februar 2020). Im Gegensatz daz u wird der Beschwerdeführer im Bericht von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychoth erapie, vom 15. Februar 2017 (Versicherungsakten E.____ ) gemäss eigenen Angaben als « nach wie vor selbständig» be- zeichnet. Im Ergebnis ist indessen festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner selbständigen Erwerbstätigkeit nicht der Beitragspflich t der Arbeitslosenversicherung im Sinne von Art. 2 AIVG unterstand und demzufolge auch keine Beitragszeit generieren konnte. 4.3 Aus den Akten ist im Weiteren ersichtlich, dass der V ersicherte entsprechend dem Ar- beitsvertrag vom 1. April 2014 (OeKa- Akt. 028 f.) ab diesem Datum beim Fitnessclub als Ge- schäftsführer zu einem monatlichen Bruttolohn von Fr. 8'000.-- angestellt war. Die Kündigung dieses Arbeitsverhältnisses erfolgte per 31. August 2018 (O eKa-Akt. 027). Ab dem 5. Oktober 2017 war der Beschwerdeführer darüber hinaus als Mitgl ied des Verwaltungsrats des Fitness- clubs mit Einzelunterschriftsberechtigung im Handelsregister eingetragen, über welchen letztlich mit Wirkung ab dem 4. September 2018 der Konkurs eröf fnet wurde. Damit hatte er während der massgebenden Rahmenfrist eine arbeitgeberähnliche Stellung inne, weshalb näher zu prü- fen ist, ob auch tatsächlich ein Lohn bezogen wurde (vg l. Erwägung 2.3 hiervor). Wie die Ar- beitslosenkasse zutreffend vorbringt, wurde gemäss IK-Auszu g (OeKa-Akt. 040) ab April 2014 kein Einkommen aus der unselbständigen Tätigkeit beim F itnessclub deklariert. Darüber hinaus sind den Akten keine Belege zu entnehmen, welche einen Lohnfluss rechtsgenügend auswei- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen könnten. Die durch den Beschwerdeführer eingereicht en Lohnausweise der Jahre 2017 und 2018 (OeKa-Akt. 001 f.) vermögen diesen Beweis nic ht zu erbringen, da sie erst am 6. Mai 2019 und damit nach Konkurseröffnung über den Fitnesscl ub ausgestellt wurden. Es handelt sich vorliegend bei den Lohnausweisen lediglich um Part eibehauptungen, da das darin ausge- wiesene Einkommen weder mit den Angaben im IK-Auszug korrespondiert noch anhand von Post-/Bankkontoauszügen, welche durch die Arbeitslosenkasse mi t Schreiben vom 13. Mai 2019 (OeKa-Akt. 033 f.) einverlangt wurden, belegt w erden kann. Ohne entsprechendes Korre- lat erweisen sich die Lohnausweise als nicht aussagekräftig genug, um den tatsächlichen Lohn- fluss als Indiz für eine beitragspflichtige Beschäftigung rechtsgenügend auszuweisen. 4.4 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass di e Zahlung der E.____ in der Höhe von Fr. 80'000.-- Lohnersatz darstelle, wohingegen die Arbeitslosenkasse die Ansicht vertritt, dass es sich dabei um eine Wiedereingliederungsentschädi gung und folglich nicht um Lohner- satz handle. Aus den durch den Beschwerdeführer mit Ste llungnahme vom 26. Februar 2020 eingereichten ärztlichen Attesten, welche sich im Übri gen auch in den Akten der E.____ befin- den, ergibt sich, dass der Versicherte vom 22. Juli 2016 bis 30. September 2018 vollständig arbeitsunfähig war. Wie sich im Weiteren aus den Versicherungsakten der E.____ ergibt, litt der Versicherte entsprechend den Ausführungen von Dr. C.___ _ im Bericht vom 15. Februar 2017 (Versicherungsakten E.____) an einer schweren depressiven Episode mit anamnestisch psy- chotischen Symptomen sowie akzentuierten Persönlichkeitszügen. Mit Leistungsentscheid vom 20. März 2017 anerkannte die E.____ gestützt auf eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab dem 22. Juli 2016 und nach Abzug der vertraglich vereinbart en Wartefrist von drei Monaten den An- spruch des Versicherten auf Leistungen aus der Versicheru ng der freien Vorsorge (Säule 3b) mit einem Rentenbetreffnis von Fr. 96'000.-- pro Jahr . Damit ist eine bestehende Arbeitsunfä- higkeit für den vorstehend erwähnten Zeitraum rechtsgen ügend ausgewiesen. Mit Leistungs- entscheid vom 14. Juni 2018 schloss die E.____ das Dossier rückwirkend per 14. Februar 2018, zumal gestützt auf die psychiatrische Begutachtung bei Dr. med. D.____, FMH Psychiat- rie und Psychotherpie, in diesem Zeitpunkt keine relevant e Arbeitsunfähigkeit mehr vorgelegen habe. Daraufhin reichte der Versicherte am 7. August 20 18 ein Schlichtungsgesuch beim Zivil- gericht des Kantons Y.____ (Zivilgericht) ein. Gemäss Ent scheid der Schlichtungsbehörde des Zivilgerichts vom 22. November 2018 wurde das Schlichtung sverfahren zufolge Vergleichs als erledigt abgeschrieben. Danach verpflichtete sich die E. ____ insbesondere zur Zahlung einer Wiedereingliederungsentschädigung im Betrag von Fr. 80 '000.-- an den Versicherten. Mit Blick auf obige Ausführungen ist erstellt, dass die E.____ de m Versicherten ab dem 22. Juli 2016 bis Ende Februar 2018 Leistungen aus der vorstehend erwähnt en Versicherung im Sinne eines Lohnersatzes ausrichtete. Die Bestätigung der E.____ vom 5. August 2019 (OeKa-Akt. 093), wonach es sich bei der Nachzahlung im Betrag von Fr. 80'0 00.-- nicht um Lohnersatz handle, kann mit Blick auf die massgebende Versicherungspolice und den darin enthaltenen Leistungen bei Erwerbsunfähigkeit nicht nachvollzogen werden. Ohnehin handelt es sich aber bei den Leis- tungen aus diesem Versicherungsvertrag um keinen beitragspf lichtigen Lohn im Sinne von Art. 6 Abs. 2 lit. b AHVV. 4.5 Daraus resultiert, dass eine beitragspflichtige Be schäftigung des Beschwerdeführers beim Fitnessclub anhand der vorliegenden Akten nicht übe rwiegend wahrscheinlich ausgewie- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen und ein entsprechend tatsächlicher Lohnfluss als auss chlaggebendes Indiz dafür nicht rechtsgenügend belegt werden kann. 5. Soweit sich der Beschwerdeführer auf eine Arbeitsunfä higkeit infolge Krankheit beruft, aufgrund welcher er die Lohnzahlungen nicht belegen und demzufolge die Beitragszeit im Sinne von Art. 13 AVIG nicht erfüllen könne, ist nachfolgend eine Befreiung von der Erfüllung der Bei- tragszeit zu prüfen. 5.1 Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist g emäss Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG unter anderem, wer innerhalb der Rahmenfrist für die Beitr agszeit während insgesamt mehr als zwölf Monaten wegen Krankheit (Art. 3 ATSG), Unfall (Art. 4 ATSG) oder Mutterschaft (Art. 5 ATSG) nicht in einem Arbeitsverhältnis stand und deshalb die Be itragszeit nicht erfüllen konnte, sofern während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz bestand. 5.2 Eine Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit gestützt auf Art. 14 Abs. 1 AVIG setzt einen Kausalzusammenhang zwischen der Nichterfüllung der Beitragszeit und dem geltend gemachten Befreiungsgrund voraus. Dabei muss das Hinde rnis während mehr als zwölf Mona- ten bestanden haben. Denn bei kürzerer Verhinderung v erbleibt der versicherten Person wäh- rend der zweijährigen Beitragsrahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) genügend Zeit, um eine ausrei- chende beitragspflichtige Beschäftigung auszuüben (BGE 141 V 674 E. 4.3.1; BARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Auflag e Basel-Genf 2019, zu Art. 14, S. 73 f.; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetzt, Bd. 1, Rz. 10 und 18 zu Art. 14). 5.3 Der Versicherte hat vorliegend mit Beschwerde vom 9 . September 2019 die Anrech- nung derjenigen Zeit, während der er aufgrund von K rankheit arbeitsunfähig gewesen sei, be- antragt, jedoch zunächst keine entsprechenden Belege b eigebracht. Mit Stellungnahme vom 26. Februar 2020 reichte er schliesslich diverse ärztliche Zeugnisse ein, welche vom 22. Juli 2016 bis 30. September 2018 eine vollständige Arbeits unfähigkeit des Versicherten belegen (vgl. Erwägung 4.4 hiervor). Eine Arbeitsunfähigkeit ka nn im Rahmen der Beitragsbefreiung jedoch nur dann berücksichtigt werden, wenn der Versicher te während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatte (Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG in fin e). Da der Beschwerdeführer jedoch erst am 1. September 2017 aus X.____ in die Schweiz zugezogen i st (OeKa-Akt. 042), kann innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 9. Mai 2017 b is 8. Mai 2019 nur diejenige Arbeitsunfä- higkeit berücksichtigt werden, welche nach dem Zuzug aus de m Ausland bestanden hat. Dem- zufolge war der Beschwerdeführer vom 1. September 201 7 bis 30. September 2018 vollständig arbeitsunfähig. Die Befreiung von der Erfüllung der Beitragspflicht setzt im Weiteren – wie vor- stehend in Erwägung 5.2 ausgeführt – einen Kausalzusam menhang zwischen der Nichterfül- lung der Beitragszeit und dem geltend gemachten Befr eiungsgrund voraus. Diese Kausalität ist gegeben, sofern das Hindernis während mehr als zwölf Monaten bestanden hat, was vorliegend aufgrund der dreizehn Monate dauernden Arbeitsunfäh igkeit infolge einer psychischen Erkran- kung der Fall ist. Damit sind die Voraussetzungen für e ine Befreiung von der Erfüllung der Bei- tragszeit im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG vom 1. September 2017 bis 30. September 2018 erfüllt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdefüh rer die Beitragszeit nicht erfüllt, da eine beitragspflichtige Beschäftigung im Sinne von Art. 13 AVIG aufgrund der vorlie- genden Akten nicht ausgewiesen ist. Jedoch liegen die V oraussetzungen einer Befreiung von der Beitragspflicht gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG vor, da er während dreizehn anrechenba- ren Monaten vollständig arbeitsunfähig und in der Sc hweiz wohnhaft war. Im Zeitraum vom 1. September 2017 bis 30. September 2018 ist der Versi cherte folglich von der Erfüllung der Beitragszeit befreit. Die Beschwerde ist in diesem Sinn e gutzuheissen und die Angelegenheit zur Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 8 AVIG an die Beschwerdegeg- nerin zurückzuweisen. 7. Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Ge mäss Art. 61 lit. a ATSG hat das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteie n kostenlos zu sein. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Ein e Parteientschädigung wird dem an- waltlich nicht vertretenen Beschwerdeführer nicht zugesprochen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einsprach eentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 13. August 2 019 aufge- hoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer vom 1. September 2017 bis 30. September 2018 gestützt auf Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG von der Erfüllung der Beitragszeit befrei t ist. Die Angele- genheit wird zur Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzu ngen nach Art. 8 AVIG an die Öffentliche Arbeitslosenkasse B aselland zu- rückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.