Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Juli 2021 (720 21 13 / 190) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber i.V. Benjamin Appius Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Yves Waldmann , Advokat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1959 geborene A.____ meldete sich am 19. Novem ber 2017 bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Damit nach langjähriger Arbeitslosig- keit dessen Arbeitsfähigkeit überprüft werden konnte, w urde vom 22. Mai 2018 bis zum 21. August 2018 bei der B.____ in X.____ ein kaufmän nisches Belastbarkeitstraining als Ein- gliederungsmassnahme durchgeführt. Danach begutachtete die PMEDA AG den Versicherten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht polydisziplinär. Schliesslich lehnte die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) nach durchgeführ- tem Vorbescheidverfahren das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 24. November 2020 ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Yves Waldmann, am 14. Januar 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin begehrte er, es sei die Verfügung vom 24. November 2020 aufzuheben, dem Beschwerdeführer eine ganze Inval idenrente ab 1. April 2020 auszu- richten und eventualiter die Sache zu weiteren Abklärungen und zur Neuberechnung des Invali- ditätsgrades an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begrün- dung wird unter Berufung auf die Berichte der behand elnden Ärzte im Wesentlichen Folgendes vorgebracht: Das Gutachten der PMEDA AG kläre den Gesun dheitszustand des Beschwerde- führers nicht ausreichend ab, weshalb keine genügende Gr undlage bestehe, um den Invalidi- tä tsgrad festzulegen. Es bestehe keine Restarbeitsfä higkeit mehr, was mit den Erfahrungen im Rahmen der Eingliederungsmassnahme belegt sei. C. Mit Verfügung vom 16. Februar 2021 bewilligte da s Kantonsgericht dem Beschwerde- führer die unentgeltliche Prozessführung und die unen tgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Waldmann. D. In ihrer Vernehmlassung vom 1. März 2021 beantragt e die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e im Übrigen frist- und formgerechte Beschwerde des Versicherten vom 14. Januar 2021 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es ge lingt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 2.5 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.6 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (vgl. BGE 128 V 30 E. 1). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, s owie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu st ellen und zum Anlass weiterer Abklä- rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu ander slautenden Einschätzungen gelan- gen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine a bweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige und nicht rein subjektiver ä rztlicher Interpretation entspringende Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung uner kannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. November 20 19, 8C_549/2019, E. 3.2 mit Hin- weis, und vom 8. April 2020, 8C_60/2020, E. 3.2). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). 4. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 5.1 Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im Wesentlichen nachfolgende Berich- te und Unterlagen zentral: 5.2 Dr. med. C.____, FMH Neurologie, diagnostiziert i m Arztbericht vom 15. Januar 2018 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronifizie rte Migräne mit Aura (visuelle und ves- tibuläre Symptome). Darin hält er fest, dass der Patie nt seit seiner Jugend an einer Migräne leide, welche sich seit 2009 verschlimmert habe. Deshalb werde dieser seit 2010 durch ihn am- bulant behandelt. Der Migräneverlauf sei wechselhaft mit variabler Anfallshäufigkeit und Anfall- sintensität. Insbesondere führten Belastungssituationen regelmässig zu einer Verschlechterung der Problematik. Sodann sei der Patient in der Tätigke it als Handwerksmeister D.____ noch bis zum 31. März 2018 gänzlich arbeitsunfähig, jedoch lohne es sich im Rahmen einer ruhigen Bü- rotätigkeit einen Arbeitsversuch zu machen. Im Bericht vom 24. September 2018 attestiert Dr. C.____ im angestammten Beruf als Versiche- rungsberater eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit bis zum 3 1. Dezember 2018, wobei insgesamt keine relevante Arbeitsfähigkeit prognostiziert wird. Z udem führt er unter der Rubrik "Diverses" aus, dass der wesentliche Faktor für die Arbeitsunfähigkeit die psychische Situation des Patien- ten darstelle. Dabei verweist er auf den Bericht von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, vom 20. Januar 2018. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Dr. E.____ diagnostiziert mit Arztbericht vom 20. Jan uar 2018 eine invalidisierende Migräne mit Aura und eine spezifische Angststörung (ICD- 10 F41.8), welche beide Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigten. Zur Prognose führt er aus, die Arbeitsfähigkeit werde durch den Migräneverlauf bestimmt. Eventuell könnten d ie negativen Wirkungen der Migräne durch Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen vermin dert werden. Die psychiatrische Be- handlung erfolge in monatlichen Konsultationen. Die A rbeitsunfähigkeit betrage in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Versicherungsfachmann bzw. Indu strielackierer bis auf Weiteres 100 %. Ferner bejaht er die Möglichkeit, dass mit eine r Wiederaufnahme der beruflichen Tätig- keit gerechnet werden könne. Schliesslich hält er fest, d ass die Arbeitsfähigkeit durch den Neu- rologen zu beurteilen sei, wobei es weitere Abklärungen brauche, um zu eruieren, inwiefern der Patient noch arbeitsfähig sei. Im Bericht vom 19. Oktober 2018 beschreibt Dr. E.____ die Entwicklung des Patienten seit sei- nem letzten Bericht. Dabei führt er aus, die Belastun gsfähigkeit des Patienten sei im Rahmen des Arbeitstrainings sehr gering ausgefallen, da die Mi gräneanfälle und Angstzustände zuge- nommen hätten. Somit habe sich die gesundheitliche Sit uation des Patienten insgesamt ver- schlechtert. Im Rahmen der Prognose zur Arbeitsfähigkeit weist er erneut darauf hin, dass die- se vor allem neurologisch zu bestimmen sei. Dennoch progn ostiziert er die Situation als sehr ungünstig. 5.4 Im Abschlussbericht zum kaufmännischen Belastbarkeitstrain ing bei der B.____ vom 30. Juli 2018 wird die Selbsteinschätzung des Beschwerdefü hrers wiedergegeben. Er sei auf- grund der schweren Migräneanfälle, welche zu drei Kra nkschreibungen geführt hätten, ausser- stande nach mehrjähriger Arbeitslosigkeit eine nachhaltig e Erwerbsfähigkeit aufzubauen. Der Bericht folgert, das Ziel innerhalb von drei Monaten e ine stabile Präsenz von maximal vier Stunden an vier Tagen pro Woche aufzubauen, habe nicht erreicht werden können. 5.5 Das polydisziplinäre Gutachten der PMEDA AG vom 2. Oktober 2019 bescheinigt in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit. Dabei diagnostizieren die Gutachter mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit e ine COPD bei Nikotinkonsum sowie ei- nen klinischen Verdacht auf eine beginnende Spondylarth rose in typischer cervicaler Segment- höhe HWK 5/6 mit endgradiger Rotationseinschränkung nach links. Die Migräne mit Aura wird u.a. als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei t aufgeführt. Die Gutachter erläutern, die behandelnden Ärzte hätten betreffend die reklamierten Cephalgien weitgehend auf den sub- jektiven Beschwerdevortrag abgestellt. Weiter sei eine le ge artis kontrollierte Kopfschmerzbe- handlung nicht ausreichend geprüft worden. Zudem wird bemerkt, dass die Dres. C.____ und E.____ auf die jeweils andere Disziplin verwiesen hätte n, wo der wesentliche Grund der Ar- beitsunfähigkeit vermutet worden sei. Damit liege ei ne interdisziplinäre Paradoxie vor. Weiter zeige die Laboruntersuchung einen fehlenden Nachweis de r als eingenommene angegebenen Medikamente. Dies indiziere, dass die angegebenen Störungen unplausibel seien und somit ein nicht erheblicher Leidensdruck bestehe. Ferner deuteten die anamnestischen Indikatoren und die objektiven Befunde auf eine erhaltene Alltagsakti vität, Selbstversorgungsfähigkeit und Selb- ständigkeit hin. Schliesslich empfehlen die Gutachter e ine lege artis dokumentierte spezifische Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Migränetherapie. Eine Migräne sei eine regelhaft gut behandelbare Störung mit günstiger Prog- nose unter leitliniengerechter Therapieführung. Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, führt im internistischen Teilgutachten aus, es finde sich aus laborchemischer sowie nach körperlicher Unte rsuchung keine Ursache für die Kopfschmerzen. Die anamnestische Angabe zur Medikation wid erspreche dem tatsächlich vor- liegenden Medikamentenspiegel. Schliesslich spreche aus i nternistischer Sicht die erhaltene Alltagsselbständigkeit, Selbstversorgung und Aktivität für eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Dr. med. G.____, FMH Neurologie, führt im neurologischen Teil des Gutachtens aus, der Explo- rand habe über zwei Arten von Kopfschmerzen berichtet: Zum einen bestünden tägliche Kopf- schmerzen, welche sich auf einer Schmerzskala im Mittel bef änden – auch aktuell habe er Kopfschmerzen in diesem mittleren Bereich. Zum anderen t räten zwei bis viermal pro Monat und für eine Dauer von einer halben bis vier Stunden stärkste stechende Schmerzen rechtssei- tig auf, die begleitet seien von einem Tunnelblick un d einer Licht- und Geräuschüberempfind- lichkeit. Gegen erstere Art nehme er zweimal wöchentlich entweder 500 mg Ponstan oder 500 mg Panadol, gegen zweitere nehme er 75 mg Stugeron T ropfen. Dr. med. G.____ legt dar, dass keine leitliniengerechte Migränebehandlung vorgen ommen werde. So entsprächen die Stugeron Tropfen nicht einer leitliniengerechten Akut behandlung einer Migräneattacke, da de- ren Wirksamkeit nicht plausibel sei. Auch fehle eine leg e artis Therapieführung, weil kein Kopf- schmerzkalender geführt werde. Weiter sei die Dauerkopfsch merzsymptomatik unplausibel; zudem habe während der Begutachtung kein schmerzgeplag ter Eindruck bestanden. Ferner seien die reklamierten Beschwerden und der Leidensdruck zweifelhaft, weil die Schmerzmittel nicht im Medikamentenspiegel nachweisbar seien. Schliessl ich scheine die Kopfschmerzsymp- tomatik aufgrund der regen Alltagsaktivität nicht namhaft einschränkend. Ebenso interferiere der angegebene Nikotinkonsum mit einer Migräne. Würde je ner sistiert, liesse sich die Überlage- rung aufheben. Aus den genannten Gründen könne desha lb der neurologischen Einschätzung von Dr. C.____ nicht gefolgt werden. Mithin ergäben sich aus neurologischer Sicht keine Hin- weise für eine Arbeitsunfähigkeit. Vielmehr rate er zu r leitliniengerechten Therapieführung (Kopfschmerzkalender, Ausdauersport, Entspannungsübungen, Sistieren des Nikotinkonsums sowie Einnahme von Triptane und eventuell Betablocker). Nämliches sei dem Versicherten me- dizinisch zumutbar und stehe ebenso in dessen Gesundheitsinteresse. Dr. med. H.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilit ation, erblickt keinen ausreichenden Anhalt für eine rheumatologische Erkrankung mit Auswirkun g auf die Arbeitsfähigkeit. Es be- stünden jedoch eine Schenkelhalsfraktur links mit chirurgisch versorgter Stabilisierung, ein klini- scher Verdacht auf eine beginnende Spondylarthrose in typischer cervicaler Segmenthöhe HWK 5/6 mit endgradiger Rotationseinschränkung nach l inks sowie ein Psoas-Syndrom posto- perativ links. Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, gibt einleitend in seinem psychiatrischen Gutachten die Ausführungen des Beschwerdeführers währen d der Untersuchung wieder. Zur Alltagsbewältigung führt er aus: Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht «Der Versicherte bewohne alleine eine Zweieinhalb- bi s Dreizimmerwohnung im ersten Obergeschoss. Er führe seinen Haushalt allein, seine Partnerin helfe ihm vor allem bei der Wä schepflege. Er stehe morgens zwischen 7:00 und 7:30 Uhr auf und schlafe meist schon vor 22:00 Uhr a uf der Couch ein. Er habe nächtliche Durchschlafstörun- gen. In seiner Freizeit lese er gerne, schaue fern, erl edige seine kleinen Einkäufe oder informiere sich am P C. Am Wochenende treffe er sich regelmässig mit seiner Partne rin. Er habe keinen Pkw, benutze aber o ̈ ffentliche Ver- kehrsmittel. Er sei immer noch sehr interessiert an Fussball und verfolge alle wichtigen Spiele. Er sei sozial gut inte- griert, treffe sich mit Freunden und Bekannten. Früher habe er viel Musik gehört, heute sei dies etwas weniger ge- worden. Er beziehe Sozialhilfe, könne sich daher keine Ferienreisen erlauben. Zuletzt sei er 2017 anlässlich d er Beerdigung seiner Mutter in Italien gewesen.» Weiter gebe der Versicherte an, dass er sich vorwiegend durch Kopfschmerzen beeinträchtigt fühle. Seit 2010 habe er fast täglich morgens starke Ko pfschmerzen und jeweils sechs bis acht Migränetage im Monat, wobei die Schmerzstärke sehr hoch sei. Zudem habe er mitunter Alb- träume sowie panikartige Beschwerden in grossen Menschen ansammlungen und engen Räu- men. Typische Beschwerden einer posttraumatischen Belastu ngsstörung würden aber nicht vorgebracht. Sodann diagnostiziert Dr. I.____ eine Ago raphobie (ICD-10 F40.0) sowie eine Klaustrophobie (ICD-10 F40.2), welche jedoch keine re levante Beeinträchtigung des Alltags bzw. Arbeitslebens zeitigten. Die chronischen Kopfschmerzen liessen sich nicht einer somato- formen Schmerzstörung zuordnen, da es klinisch an andaue rnden, schweren und quälenden Schmerzen fehle bzw. kein emotionaler Konflikt oder ein e psychosoziale Belastungssituation bestehe. Des Weiteren sei die Beschwerdepräsentation unplausibel. So seien die Alltagsbewäl- tigung und der klinische Eindruck unvereinbar mit den a ngegebenen Schmerzstärken. Auch fehle der Nachweis eines wirksamen Schmerzmittelspiegels, wa s eine Malcompliance bzw. ei- nen geringen Leidensdruck andeute. Deshalb sei aus der psychiatrischen Begutachtung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu erschliessen, zumal das Labor und die geringe psychiat- rische Therapiefrequenz auf nicht ausgeschöpfte Behandlu ngsoptionen hinweisen würden. Mit- hin könne die fachfremde Diagnose des behandelnden P sychiaters und Psychotherapeuten nicht geteilt werden. 5.6 In der Prüfung des oben dargelegten Gutachtens du rch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) führt Dr. med. J.____, FMH Allgemeine In nere Medizin, in seiner Stellungnahme vom 15. Oktober 2019 aus, das Gutachten sei gut struktur iert und umfassend. Ebenso seien sämtliche wesentlichen Unterlagen und die beklagten Be schwerden durch die Gutachter be- rücksichtigt worden. Die entsprechenden fachärztlichen Un tersuchungen seien durchgeführt worden. Auch seien die abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte mit den eige- nen Ergebnissen verglichen und diskutiert worden. Somit sei die Frage nach der Arbeitsfähig- keit vollständig und nachvollziehbar beantwortet worden . Mithin sei die Schlussfolgerung medi- zinisch begründet und widerspruchsfrei. 5.7 In seiner Stellungnahme vom 23. Januar 2020 zum PM EDA AG Gutachten legt Dr. C.____ seine Behandlungsmethode dar. Dabei schild ert er auch Behandlungsversuche mit diverser Medikation. Diese sei jedoch nach einer mitget eilten Niereninsuffizienz reduziert wor- den. Die ihm nun vorliegenden Laborwerte zeigten ein e hochnormale Nierenfunktion, weshalb er die vom Patienten angegebene Niereninsuffizienz nicht nachvollziehen könne. Weiter geht er Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit den Gutachtern einig, dass Kopfschmerzen grundsätzli ch behandelbar und nicht invalidisie- rend seien. Abschliessend räumt er ein, dass er es verpasst h abe, den Patienten bereits früher an eine Expertenstelle zu verweisen, welche über erwei terte Behandlungsmöglichkeiten verfü- ge. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 24. November 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbei tsfähigkeit des Versicherten vollum- fänglich auf das Gutachten der PMEDA AG vom 9. Oktober 2019. Demnach sei dem Be- schwerdeführer die Ausübung der angestammten bzw. eine r angepassten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar. 6.2 Wie in Erwägung 3.3 dargelegt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen. Das PMEDA AG Gutachten erfüllt die formellen sowie materiellen bundesge- richtlichen Voraussetzungen: Der Beschwerdeführer wurde eingehend untersucht. Die in den Akten liegenden medizinischen Unterlagen wurden berücksic htigt und die geklagten Beschwer- den wurden einlässlich in den einzelnen Teilgutachten erörtert. Es wurde ein umfassendes Bild des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers wiedergegeben. Mithin leuchtet das Gutach- ten in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie Situation ein und enthält schliesslich begründete Schlussfolgerungen. Einzig die seit enlangen Wiederholungen in den Teilgutachten stören den Lesefluss und die Übersichtlichkei t. Sie vermögen den Beweiswert des Gutachtens aber nicht zu entkräften. 6.3 Der Beschwerdeführer bestreitet den Beweiswert de r Expertise vom 9. Oktober 2019 in mehrerer Hinsicht. 6.4.1 Zunächst bringt er vor, die Beschwerdegegnerin st elle auf ein Gutachten ab, welches jegliche Einschränkung im Arbeitspensum negiere, obwohl die gesundheitlichen Beschwerden nachgewiesen seien. Das primäre gesundheitliche Problem, die Migräne mit Aura, schränke ihn tatsächlich in jeglicher Tätigkeit massiv ein. So leide er seit vielen Jahren an der diagnostizier- ten, chronifizierten Migräne mit Aura und befinde sich seit 2010 in regelmässiger fachärztlicher Behandlung bei Dr. C.____. Wenngleich kein Kopfschmerzka lender mehr geführt werde, seien unzählige Therapien, medikamentöse Therapien wie auc h unzählige Sitzungen in der Physio- therapie und Craniosakraltherapie, durchgeführt word en. Hätte kein hoher Leidensdruck be- standen, wären diese Therapien und Behandlungen nicht erfolgt. Die starke Belastung und Li- mitierung aufgrund der Migräneanfälle hätten sich eb enfalls im Rahmen des Belastbarkeitstrai- nings gezeigt. Die Rüge des Beschwerdeführers verfängt nicht. So ist die vorgetragene schwerwiegende Problematik erheblich in Zweifel zu ziehe n. Die begutachtenden Fachperso- nen haben diesbezüglich Inkonsistenzen festgestellt. Name ntlich habe der Nachweis der vom Beschwerdeführer angeblich eingenommenen Pharmaka im L abor gefehlt. Eine Niereninsuffizi- enz ist sodann mit Blick auf die aktenkundigen Nierenwer te nicht feststellbar. Zudem ist der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gutachterliche objektive Befund nicht zu beanstanden, wo nach eine erhaltene Alltagsaktivität, Selbstversorgungsfähigkeit und Selbständigkeit anzune hmen sei. Dieser deckt sich mit den eigenen Schilderungen des Versicherten im Rahmen der B egutachtung (mit Verweis auf E. 5.5 hiervor). Soweit der Beschwerdeführer eine eigentliche Alltagspassivität vorbringt, bestreitet er damit die Alltagsschilderungen nicht, sondern würdigt diese anders. Gestützt auf seine Ausfüh- rungen sind jedoch keine Gründe ersichtlich, die es rechtf ertigen würden, von der medizini- schen Schlussfolgerung der Gutachter abzuweichen, wonac h kein erheblicher Leidensdruck besteht. Auch die im Rahmen des Belastbarkeitstrainings v orgetragenen subjektiven Erfah- rungswerte vermögen keine Einschränkung der Arbeitsfä higkeit zu belegen, da jene auf der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers basieren und nich t als objektiver Befund Geltung beanspruchen können. 6.4.2 Sodann rügt der Beschwerdeführer, das von der PM EDA AG erarbeitete Gutachten lasse eine sorgfältige Anamnese vermissen, was aber Grundv oraussetzung für die Beurteilung und Diagnostik bei Kopfschmerzen sei. So bemängelt er, dass die Diagnose der Migräne mit Aura sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Dies werde einerseits mit einer angeblich nicht hinreichenden Behandlung und anderseits mit dem Fehl en eines schmerzgeplagten Eindrucks im Rahmen der Begutachtung begründet. Gerade letzte Begründung erscheine nicht nachvoll- ziehbar. Zunächst ist dem Beschwerdeführer mit Verweis au f die RAD-Stellungnahme von Dr. J.____ vom 15. Oktober 2020 zu entgegnen, dass die Gutachter sämtliche Unterlagen um- fassend berücksichtigten. Es wurde eine eingehende Anamnese samt Tagesablauf und Tages- aktivität erhoben. Demnach waren den Gutachtern alle geklagten Beschwerden bekannt und in der fachärztlichen Begutachtung ausreichend bedacht word en. Alsdann haben die Gutachter überzeugend dargelegt, dass bei einer schwerwiegenden Problematik ein anderes diagnosti- sches und therapeutisches Vorgehen indiziert gewesen wäre. Dabei wäre der durch die Gut- achter empfohlene Kopfschmerzkalender, insbesondere bei hoher Kopfschmerzfrequenz, sinn- voll gewesen. Anhand dieses Kopfschmerzkalenders hätte i nnerhalb kürzerer Zeiträume die Wirksamkeit jeder Therapiemassnahme überprüft werden können. Damit hätte auch der Verlauf von Dauer und Stärke der Kopfschmerzepisoden beobachtet werden können. Weiter ist unver- ständlich, weshalb der Beschwerdeführer Dr. C.____ eine nicht vorliegende Niereninsuffizienz vorträgt. Dessen ungeachtet wäre es dem Beschwerdeführer zumutbar, mehr und wirksamere Schmerzmittel einzunehmen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Dr. C.____ ebenso erweiterte Behandlungsmöglichkeiten erblickt. Wie Dr. C.____selbst erläutert, ist eine Migräne grundsätz- lich eine behandelbare und nicht eine invalidisierende Störung. Des Weiteren äusserte sich der Beschwerdeführer in der neurologischen Untersuchung dah ingehend, dass zwei Arten von Kopfschmerzen aufträten. Erstens bestünden alltägliche Ko pfschmerzen, welche aktuell auf einer Stärkenskala fünf von zehn Einheiten betragen wür den. Zweitens träten zwei bis viermal pro Monat für eine Dauer von einer halben bis vier Stu nden stärkste stechende Schmerzen rechtsseitig auf, die begleitet seien von einem Tunne lblick und einer Licht- und Geräuschüber- empfindlichkeit. Daher wird sich das von den Gutachtern beanstandete Fehlen eines schmerz- geplagten Eindrucks wohl auf die alltäglichen Kopfschmer zen bezogen haben. Zwar ist dem Beschwerdeführer insofern zuzustimmen, als das Argument d es fehlenden schmerzgeplagten Eindrucks hinsichtlich der zweiten Art der Kopfschmerzen, den – im Zeitpunkt der Begutachtung Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht beklagten – Migräneattacken nicht greift. Gleichw ohl vermag dieser Umstand allein nach dem Dargelegten keine konkreten Zweifel am Gutachten zu erwecken. 6.4.3 Ferner macht der Beschwerdeführer geltend, dass die Migräne und deren Auswirkun- gen nicht im Rahmen einer einmaligen Untersuchung ob jektiviert und beurteilt werden könnten. Vielmehr müsse die Beurteilung anhand einer sorgfälti gen Anamnese, namentlich des Verlaufs in den vergangenen Jahren, erfolgen. Auch habe sich im Rahmen des Belastbarkeitstrainings gezeigt, dass er nicht allezeit an starken Kopfschmerzen l eide, sondern wegen den Migräneat- tacken nicht fähig sei, eine stabile Präsenz von vier Stunden an vier Tagen pro Woche zu errei- chen. Zwar sei der Beschwerdeführer einen Tag oder auc h zwei Halbtage pro Woche ohne starke Kopfschmerzen, aber die episodischen Schmerzanfälle würden sich nicht planen lassen, weshalb die Beschwerden einer verwertbaren Arbeitsfähi gkeit abträglich seien. Daher sei von einer invalidisierenden Migräne auszugehen. Bei seiner Argumentation verkennt der Beschwer- deführer, dass die Gutachter über die Vorakten der ver gangenen Jahre verfügten und entspre- chend auch in ihre Beurteilung einfliessen liessen. Somit war eine Begutachtung im Längsver- lauf durchaus möglich. Im Weiteren widerspricht sich der Beschwerdeführer selbst, wenn er in seiner Beschwerde im Vergleich zur gutachterlichen Untersuchung abweichende Angaben über die Anzahl der Migräneattacken pro Monat macht. In der neurologischen Untersuchung gab er an, die Häufigkeit der Migräneattacken betrage zwei- bis viermal pro Monat; hingegen gab er in der psychiatrischen Untersuchung an, er habe zwischen sechs bi s acht Migränetage im Monat. In der Beschwerde wird aber jetzt angegeben, er sei nur einen Tag bzw. zwei halbe Tage pro Monat ohne starke Schmerzen. 6.4.4 Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, die Gutach ter würden die psychischen Ge- sundheitsbeschwerden negieren. Diese seien durch den beh andelnden Facharzt erstellt. So- dann sei die Behauptung der Gutachter, dass er aufgru nd der psychischen Beschwerden nicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, angesichts de r Vorakten und dem Bericht von Dr. E.____ vom 14. März 2020 nicht nachvollziehbar. En tgegen der Behauptung des Be- schwerdeführers werden die psychischen Gesundheitstörungen nicht negiert, sondern im Gut- achten der PMEDA AG vom 9. Oktober 2019 beschrieben und der Agoraphobie und der Klaust- rophobie zugeordnet. Dabei ist gemäss dem psychiatrischen Gutachter die Angstsymptomatik nicht anhaltend, sondern situativ, wobei dadurch weder der Handlungsspielraum noch das Funktionsniveau relevant beeinträchtigt werde. Insgesamt sei die Angstsymptomatik kaum zu beobachten, weshalb dieselbe zur Begründung einer Arbei tsunfähigkeit nicht genügt. Diese Feststellungen der Gutachter sind nicht zu beanstanden. Wenn der Beschwerdeführer aufgrund der psychischen Gesundheitsbeschwerden eine Arbeitsunfäh igkeit ableiten will, entgeht ihm, dass sowohl im Arztbericht von Dr. E.____ vom 18. Oktob er 2018 als auch im Bericht vom 14. März 2020 desselben Arztes die Migräne als haupts ächlich limitierender Faktor bezeichnet wird. Demnach verstärke die Angststörung die Migräne zw ar, aber eine prozentmässige Auftei- lung in die einzelnen Fachrichtungen sei unmöglich. M ithin gewinnt selbst Dr. E.____ der Angstsymptomatik keine spezifische Arbeitsunfähigkeit ab. 6.4.5. Abschliessend fällt bei den Berichten der behand elnden Fachärzte auf, dass sowohl Dr. C.____ als auch Dr. E.____ die Einschränkung haupt sächlich in der jeweils anderen Fach- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht richtung erblicken. Eine interdisziplinäre Paradoxie, wi e im PMEDA AG Gutachten ausgeführt wird, ist daher nicht von der Hand zu weisen. Hier i st auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, wonach behandelnde Ärzte mitunter hinsichtlich ihrer au ftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten und Pa tientinnen aussagen (E. 3.3). Ein Indiz dazu liefert bereits die vom behandelnden Arzt angenom mene, aber nicht hinterfragte und un- zutreffende Niereninsuffizienz, welche für die eingeschla gene Behandlung massgebend war. Sowohl im Bericht von Dr. E.____ als auch von Dr. C.___ _ sind keine wichtigen Aspekte er- sichtlich, welche in der Begutachtung unberücksichtigt geblieben wären. 7. Zusammenfassend vermögen die Rügen des Beschwerdeführe rs keine konkreten Zweifel an der Beweistauglichkeit des Gutachtens der PMEDA AG zu wecken. Gelangt das Ge- richt bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergebe n und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf weitere Abklärungen verzichtet werden. Die damit verbundene antizipier- te Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 144 II 427 E. 3.1.3, 141 I 60 E. 3.3). Somit ist im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle gestützt auf das Gutachten der PMEDA AG vom 2. Oktober 2019 davon ausgegangen ist, dass der Versicherte vollständig arbeitsfähig ist un d dadurch ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Gegen die konkrete Ber echnung des Einkommensver- gleichs ist nichts einzuwenden, weshalb von weiteren Erö rterungen dazu abgesehen und statt- dessen auf die entsprechenden Ausführungen der IV-St elle in der Verfügung vom 24. Novem- ber 2020 verwiesen werden kann. Selbst ein maximaler A bzug vom Tabellenlohn von 25 % würde am Ergebnis nichts ändern, da dennoch ein Invali ditätsgrad von unter 40 % resultierte. Die angefochtene Verfügung vom 24. November 2019 ist daher nicht zu beanstanden. Die hier- gegen erhobene Beschwerde erweist sich mithin als unbegründet. Deshalb ist sie abzuweisen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 16. Februar 2020 die une ntgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse ge- nommen. 8.2 Dem Prozessausgang entsprechend wird keine Parteie ntschädigung ausgerichtet. Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 16. Februar 2021 die unentgeltliche Verbeistän- dung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tari fordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerd eführers hat in seiner Honorarnote vom 24. März 2021 für das vorliegende Verfahren einen Z eitaufwand von 10.7 Stunden geltend gemacht, welcher sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind die gelten d gemachten Auslagen in Höhe von Fr. 130.90. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'445.75 (10.7 Stunden à Fr. 200.-- + Auslage n von Fr. 130.90 zuzüglich 7.7 % Mehr- wertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'445.75 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht