B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2460/2011 U r t e i l v o m 2 0 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Daniele Cattaneo (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiber Bruno D'Amaro. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 29. März 2011 / N […]. D-2460/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Angehöriger der Paschtunen aus dem Dorf B._______ in der Provinz C._______, Afghanistan, verliess seine Heimat eigenen Angaben zufolge am 29. April 2009 und reiste zunächst in Anwe- senheit seines Schleppers auf dem Luftweg von D. _______ nach E._______, wo er drei bis vier Tage geblieben sei. Anschliessend habe er alleine seine Flugreise von E._______ in die Schweiz, Flughafen Zürich- Kloten, fortgesetzt, wo er am 5. Mai 2009 um Asyl nachsuchte. Am 10. Mai 2009 wurde der Beschwerdeführer vom BFM summarisch befragt und am 18. Mai 200 9 zu seinen Asylgründen angehört. Zwecks vertiefter Prüfung seines Asylgesuchs gewährte das BFM dem Beschwerdeführer am 20. Mai 2009 gestützt auf Art. 21 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) di e Einreise in die Schweiz und wies den Beschwer- deführer dem Kanton St. Gallen zu. Im Rahmen seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor, in se i- nem Heimatland Opfer einer lang andauernden Familienfehde zu sein. Dabei sei diese Fehde soweit fortgeschritten, dass seine Feinde, Cousins seines Vaters, unter anderem auch seine Vernichtung angestrebt hätten. So hätten seine Feinde den Behörden im Heimatland falsche Informatio- nen geliefert und Mitte Dezember 2003 seien er sowie seine Familie Op- fer eines amerikanischen Luftangriffes geworden. Durch diesen Bomben- angriff der amerikanischen Luftwaf fe, der ihr Zuhause getroffen habe, seien acht Personen aus seiner Ver wandtschaft getötet worden. Z u e i- nem späteren Zeitpunkt seien aufgrund dieses Vorfalls ihm, seinen bei- den Brüdern und seinem Vater je 100'0 00 Afghani , also insgesamt 400'000 Afghani, von den afghanischen Behörden als Genugtuungssum- me zugesprochen worden. Bereits zuvor habe durch eine weitere Bombe, die von den Feinden selbst auf der Strasse in der Nähe ihres Hauses platziert worden sei, einer seiner Brüder ein Bein und beinahe sein Leben verloren. Im Herbst 2004 sei Staatspräsident Karzai persönlich einge- schritten und habe bei dieser seit Jahrzehnten andauernden Familienfeh- de zu vermitteln versucht. Die Feinde hätten folglich den Anschein vermit- telt, das Ende der Fehde akzeptiert zu ha ben. Die Versprechungen seien von den Feinden allerdings nicht eingehalten worde n und sowohl er wie auch seine Familie seien von den "Cousins" gegenüber den Taliban de- nunziert worden. Dies sei dabei auch vor allem deswegen geschehen, weil er und seine Familie nach dem amerikanischen Luft angriff eine Ent- schädigungssumme wegen der Todesopfer erhalten hätten. So hätten im D-2460/2011 Seite 3 Zusammenhang mit diesen verräterischen Äusserungen die Feinde den Taliban glaubhaft machen wollen, dass der Beschwerdeführer zusammen mit seinen Brüdern die Amerikaner in Afghanistan unterstützt und für sie Spionagearbeit ausgeführ t habe . Aus diesen Grü nden habe der Be- schwerdeführer anfangs April 2009, fast fünf Jahre nach dem Vermit t- lungsversuch durch Staatspräsident Karzai, einen Drohbrief der Taliban erhalten, wonach ihm und seinen Brüdern jegliche weitere Zusammenar- beit mit den Amerikanern verbote n worden sei, ansonsten sie mit dem Tode bestraft würden. Demzufolge habe d er Beschwer deführer aus Furcht, durch die Taliban getötet zu werden, knapp einen Monat nach E r- halt des Drohbriefes die Flucht ergriffen , um die Schweiz um Schutz zu ersuchen. B. Mit Verfügung vom 29. März 2011 – eröffnet am 30. März 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb es dessen Asylgesuch ablehnte. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus de r Schweiz. Wegen Unzumutbarkeit wurde aller- dings der Vollzug der Wegweisung zu Gunsten einer vorläufigen A ufnah- me aufgeschoben. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht asylrel evant, weshalb sie den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht genügten. Es erübrige sich deshalb , auf die in den Vorbringen b e- stehenden Ungereimtheiten einzugehen. In Würdigung sämtlicher U m- stände und unter Berücksichtigung der Aktenlage erachtete das BFM j e- doch den Vollzug der Wegweisung in den Herkunfts - beziehungsweise Heimatstaat oder in einen Drit tstaat als nicht zumutbar, weshalb der B e- schwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei. C. Mit Beschwerde vom 29. April 2011 (Poststempel) gelangte der B e- schwerdeführer an das Bundesve rwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs der angefochtenen Verf ü- gung und die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewä h- rung von Asyl. Eventualiter sei die Sache zur ordentlichen Begründung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellte der Beschwerdeführer den Antrag, es sei auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses zu verzichten und es sei ihm die unentgeltliche Prozessfü h- rung zu gewähren. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit en t- scheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D-2460/2011 Seite 4 D. Mit Instruktionsverfügung vom 17 . Mai 2011 wurde dem Beschwerdefüh- rer der Eingang der Beschwerde bestätigt und gestützt auf Art. 42 AsylG verfügte das Bundesverwaltungsgericht , der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Den Entscheid auf die Erhebung eines Kostenvorschusses respektive über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung verschob es auf den späteren Verfahrensablauf. E. Mit Eingabe vom 24. Mai 2011 reichte der Beschwerdeführer das Original des Drohschreibens der Taliban aus dem Jahr 2009 sowie zwei Schre i- ben der afghanischen Behörden der Provinz C._______ ein, die unter anderem als Beweis für den Tod eine r seiner Brüder durch die Taliban dienlich sein sollten, wobei ein Schreiben ins Englische übersetzt wurde. Sein Bruder F._______ soll demnach in der Provinz C._______, aus der auch der Beschwerdeführer stammt , nach seiner Rückkehr aus Pakistan von den Taliban ermordet worden sein. Die beiden Schreiben sind nicht datiert und in seiner Eingabe konnte der Beschwerdeführer auch kein Da- tum angeben. F. Mit Instruktionsverfügung vom 5. Juli 2011 wurde der Beschwerdeführer vom Bundesverwaltungsgericht aufgefordert, die mit der Eingabe vom 24. Mai 2011 eingereichten Beilagen (Drohschreiben der Taliban sowie zwei Bestätigungsschreiben der Behörden der Provinz C._______ bezie- hungsweise der Heimatgemeinde) innert 30 Tage in eine schweizerische Amtssprache übersetzt einzureichen. G. Mit Eingabe vom 26. Juli 2011 reichte der Beschwerdeführer die Überset- zungen der drei Dokumente ins Deutsche nach, die er mit seinem Schrei- ben vom 24. Mai 2011 eingereicht hatte. H. Mit Instruktionsverfügung vom 22. August 2011 ersuchte das Bundesver- waltungsgericht die Vorinstanz um Vernehmlassung. I. Mit weiterer Verfügung vom 22. August 2011 verzichtete das Bundesve r-D-2460/2011 Seite 5 waltungsgericht aufgrund der Aktenlage auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses. J. Mit Vernehmlassung vom 15. September 2011 stellte das BFM fest, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten, weshalb es an seinem Entscheid vom 29. März 2011 fest hielt und die Abweisung der Beschwerde beantragte. Die Vorinstanz bemerkte zudem, dass es sich bei den eingereichten Schreiben lediglich um Kopien handle, welche auf dem Schwarzmarkt leicht erh ältlich seien. Des Weite- ren soll der Beschwerdeführer aufgrund der beiden Anhörungen beim BFM auch bezüglich der geltend gemachten Verfolgung wesentliche wi- dersprüchliche Äusserungen zu Protokoll gegeben haben. So habe der Beschwerdeführer bei der Befragung zur Person vom 10. Mai 2009 zu- nächst behauptet, dass die Cousins seines Vaters ihn bei den Behörden verraten hätten (vgl. A7/30, S. 10), um dann bei der Anhörung zur Sache vom 18. Mai 2009 zu behaupten, es habe sich lediglich um Leute gehan- delt, die mit der Regierung zusammen gearbeitet und ihn denunziert hät- ten (vgl. A14/22, S. 10). Überdies sei erstaunlich, dass der Beschwerde- führer erst circa sechs Jahre nach der geltend gemachten Anzeige seiner Person bei den Taliban das Drohschreiben erhalten habe. Demzufolge sei nach Ansicht des BFM nicht nur vo n der fehlenden Asylrelevanz seiner Vorbringen auszugehen, sondern es seien auch erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der behaupteten Verfolgung durch die Taliban anzubrin- gen. K. Die Vernehmlassung des BFM vom 15. September 2011 wur de am 10. November 2011 durch den zuständigen Instruktionsrichter dem B e- schwerdeführer zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsv erfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist D-2460/2011 Seite 6 daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sac h- gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Sta a- tes, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes b estimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimie rt (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Im vorliegenden Verfahren bilden gemäss Anträgen des Bes chwerdefüh- rers die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft (Ziff. 1 des Dispositivs) und die Gewährung von Asyl (Ziff. 2 des Dispositivs) Prozessgegenstand, da der Beschwerdeführer mit Verfügung des BFM vom 29. März 2011 in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung vo r- läufig aufgenommen worden ist. Die Wegweisung als solche (Ziff. 3 des Dispositivs) kann praxisgemäss nur aufgehoben werden, wenn eine Au f- enthaltsbewilligung vorliegt oder ein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). D-2460/2011 Seite 7 4. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer den. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5. 5.1. Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass es sich bei den vom Beschwerdeführer geltend gemacht en Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG – die familiären Feindseligkeiten und die daraus resultiere n- de Bedrohung durch die Taliban – um Nachteile handle, die sich aus einer lokal oder regional beschränkten Verfolgung ableiten liessen. Da sich der Beschwerdeführer der Verfolgung durch einen Wegzug in einen anderen Teil des Heimatlandes wie zum Beispiel nach D._______ entziehen kön- ne, sei er auf den Schutz der Schweiz nicht angewiesen. Demzufolge seien die Asylvorbringen nicht asylrelevant, womit diese den Anforderu n- gen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhielten und der Beschwerdeführer daher die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. 5.2. Mit der Rechtsmitteleingabe vom 29. April 2011 macht der B e- schwerdeführer geltend, dass das BFM die Verfolgung in seinem Heimat- land er kannt und folglich seine Asylvorbringen als glaubhaft qualifiziert habe. Letzteres habe er ja schliesslich auch mit zahlreichen Dokume nten beweisen können. Deshalb habe er die Begründung der Vorinstanz, w o- nach er sich der lokal beziehungsweise regional beschränkten Verfolgung durch einen Wegzug beispielsweise nach D._______ hätte entziehen können und folglich nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen sei, nicht nachvollziehen können. So habe das BFM wie auch das Bunde s- verwaltungsgericht in seiner aktuellen Rechtsprechung immer wieder ent- schieden, dass eine Rückkehr nach D._______ nur unter ganz bestim m- ten Voraussetzungen als zumutbar zu qualifizieren sei. Beispielsweise seien im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-157/2009 vom 19. April 2011 diese strengen Voraussetzungen für die Beurteilung der Zumutbar- keit der Wegweisung , namentlich das Vorhandensein eines tragfähigen Beziehungsnetzes, die Möglichkeit der Sicherung des Existenzminimums sowie einer gesicherten Wohnsituation, geprüft worden. In seinem Fall sei D-2460/2011 Seite 8 hingegen diese Prüfung nicht vorgenommen worden . Folglich könne der Schluss daraus gezogen werden, dass, wenn schon gemäss Rechtspre- chung des Bundesverwaltungsgerichts die Rückkehr in einen anderen Landesteil wie beispielsweise nach D._______ nur unter diesen strengen Voraussetzungen zumutbar sei, dies auch für die in seinem Fall beurteilte inländische Fluchtalternative gelten sollte. Da der Beschwerdeführer di e- se strengen Voraussetzungen nicht erfüllen wür de und zudem die Ein- flussmöglichkeiten der Taliban weit über die Provinzgrenzen hinaus re i- chen würden, hätte das BFM ihm Asyl gewähren müs sen. Demnach sei- en a ufgrund der fe hlenden Fluchtalternative seine Asylvorbringen als asylrelevant zu qualifizieren . Überdies sei keine plausible Begründung dafür dargelegt worden, weshalb auf allenfalls bestehende Ungereimthei- ten in den Asylvorbringen nicht näher ein zugehen sei. Er habe deshalb für den Fall, dass ihm kein Asyl g ewährt werden sollte, auch eine ordent- liche Begründung bezüglich der Ungereimtheiten verlangt. 6. Das Bundesverwaltungsgericht stellt im vorliegenden Fall fest, dass un- abhängig von der Frage, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers in s- gesamt als glaubhaft zu beurteilen sind, sich diese – wie nachfolgend darzulegen ist – als nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG erwe i- sen. 6.1. Es bleibt demnach zu prüfen, ob die Vorinstanz die Asylrelevanz der Asylvorbringen und folg lich die Furcht vor künftiger Verfolgung im Hei- matstaat zu Recht verneint hat. 6.2. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht und werde sich – auch noch aus heutiger Sicht – mit ebensol- cher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen kon- krete Indizien vorliegen, welche den Eintrit t der erwarteten – und aus e i- nem der vom Gesetz abschliessend aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht d a- vor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9, m.w.H.; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfa h- rens, Basel/Frankfurt am Main, 1990, S. 143 ff.). Begründete Furcht vor Verfolgung enthält eine subjektive und eine objektive Komponente (vgl. KÄLIN, a.a.O., S. 137 ff.; ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, D-2460/2011 Seite 9 Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl., Bern/Stuttgart 1991, S. 108). Die su b- jektive Furcht vor Verfolgung muss auch objektiv begründet sein, d.h. sie muss angesichts der tatsächlichen Situation gerechtfertigt erscheinen. Massgebend für die Bestimmung der begr ündeten Furcht ist allerdings nicht allein, was ein normal empfindender Mensch angesichts der g e- schehenen oder drohenden Verfolgungsmassnahmen zu Recht empfu n- den hätte. Diese rein objektive Betrachtungsweise ist zusätzlich durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Dabei hat der jenige, der bereits früher Verfolgung ausgesetzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägte- re subjektive Furcht als jemand, der erstmals ernsthafte Nachteile erlebt (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.3 S. 620; EMARK 2000 Nr. 9 E. 5a S. 78 ; EMARK 1993 Nr. 11 E. 4c S. 71 f. ; ACHERMANN/HAUSAMMANN, a.a.O., S. 108). 6.3. Der Beschwerdeführer machte geltend , aus seinen Ausführungen gehe klar hervor, dass er in Afghanistan in Lebensgefahr sei, da er au f- grund des Verrats der Cousins seines Vaters einer Verfolgung durch die Taliban im gesamten Heimat- und Herkunftsland ausgesetzt sei. So habe er anfangs April 2009 – fast fünf Jahre nach dem Vermittlungsversuch durch Staatspräsident Karzai im Herbst 2004 in einer seit Jahrzehnten andauernden Familienfehde, in welche er ebenfalls verwickelt sei, und nach dem Erhalt einer Entschädigungssumme durch die afghanischen Behörden aufgrund des vorstehend geschilderten Luftangriffes der Ameri- kaner – das mit der Beschwerde eingereichte Drohschreiben der Taliban erhalten. Um der Lebensgefahr zu entkommen, habe er folglich ausser der Flucht aus seinem Heimatland keine anderen Alternativen als möglich erachtet. 6.4. Das Bundesverwaltungsgericht stellt im vorliegend en Fall fest, dass der Beschwerdeführer bis zu seiner Ausreise keine Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlit ten hat, jedoch geltend macht , solchen Nachteilen bei einer allfälligen Rückkehr in sein Heimatland ausgesetzt zu sein, w o- bei er gemäss eigenen Aussagen überall auf dem afghanischen Territori- um mit der Furcht vor einer Verfolgung leben müsse. Hierbei ist anzumer- ken, dass der Beschwerdeführer nicht verneint hat, dass der Grund allen Übels die ungelöste Familienfehde sei. So kann demnach, unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussagen des Beschwerdeführers , mit an S i- cherheit grenzender Wahrscheinlich keit davon ausgegangen werden, dass diese über Jahrzehnte hinweg andauernde Familienfehde wie vom Beschwerdeführer geschildert das auslösende Motiv darstellt, weshalb er D-2460/2011 Seite 10 und seine Familie von den Cousins seines Vaters unter Druck gesetzt und verraten worden sei en. Unabhängig von der Echtheit des eingereichten Drohschreibens der Taliban, das er angeblich fünf Jahre na ch dem Ve r- mittlungsversuch erhalten habe, bleibt es folglich dabei, dass der B e- schwerdeführer diese allfällige Verfolgung durch Mitglieder des Taliban- Regimes aufgrund von familiären Feindseligkeiten geltend gemacht hat, was aus den Anhörungen beim BFM klar hervorgegangen ist (vgl. A7/30, S. 10 f. u nd A14/22, S. 8 ff.). So ist in Erinnerung zu rufen, dass es auch eine Behauptung des Beschwerdeführers war, dass der amerikanische Luftangriff aufgrund von falschen Aussagen seiner Feinde geflo gen wor- den sei. Folglich deutet alles darauf hin, dass der Gru nd der geltend g e- machten Asylvorbringen in der seit Jahrzehnten andauernden Familie n- fehde zu lokalisieren ist. Da sich demzufolge die Asylvorbringen aus- schliesslich auf diese Familienfehde, die angeblich unter anderem auch aufgrund von Streitigkeiten betreffend die Eigentumsver hältnisse an Waldstücken ihren Lauf geno mmen hat, stütz en, kann den Vorbringen mangels Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3 AsylG die Asylrelevanz nicht zugesprochen werden. Die eingereichten Beweismittel vermögen an der fehlende n Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers nichts zu ändern und bestätigen höchstens die unbestritten gebliebene Herkunft des Beschwerdeführers. Die behauptete Ermordung eines Bruders durch die Taliban ändert übe r- dies ebenfalls nichts an der fehle nden Asylrelevanz der vorgebrachten Asylvorbringen. Des Weiteren spricht der Umstand, dass der Beschwerdeführer sich am 7. Februar 2012 durch die afghanische Botschaft in Genf einen afghan i- schen Pass ausstellen liess, klar gegen eine begründete Furcht vor Ver- folgung in Afghanistan. Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) wird die Flüchtlingseigenschaft eines anerkannten Flüch t- lings widerrufen, wenn er sich freiwillig wieder unter den Schutz des La n- des stellt, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt. Mit einer solchen Han d- lung gibt der Flüchtling zu erkennen, dass keine begründete Furcht mehr vor Verfolgung besteht und dass kein internationaler Schutz m ehr erfor- derlich ist Als eine solche Unterschutzstellung gelten in der Regel alle Handlungen, die auf die Wiederherstellung der normalen Beziehung mit den Behörden des Heimatlandes abzielen, namentlich die Registrierung D-2460/2011 Seite 11 beim Konsulat oder die Beantragung eines neuen Passes, wobei letztere Handlung in der Praxis einen der wichtigsten Anwendungsfälle der Unte r- schutzstellung darstellt (für die schweizerische Literatur und Praxis vgl. insbesondere ACHERMANN/HAUSAMMANN, a.a.O., S. 202 f.; sowie EMARK 1996 Nr. 7 E. 8 -10, EMARK 1998 Nr. 29 E. 3a). Analoge Überlegungen gelten bereits im Asylverfahren; verwirklicht eine asylsuchende Person Tatbestände, die bei einem anerkannten Flüchtling zur Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft führen können, steht dies bereits der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft im Asylverfahren entgegen. Das Vorliegen einer begründeten Furcht des Beschwerdeführers vor einer Verfolgung in Afghanistan ist auch unter diesem Aspekt demnach zu ver- neinen. 6.5. Es bleibt in der Folge auf die vom BFM herangezogene innerstaatli- che Fluchtalternative und die Frage einzugehen, ob allenfalls die Flücht- lingseigenschaft dennoch zu bejahen ist. Da der Beschwerdeführer allerdings in casu keine bestehende oder dr o- hende Verfolgung aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv geltend machen konnte, respektive eine derartige Verfolgung nicht begründet b e- fürchten muss, ist festzuhalten, dass er die Flüchtlingseigenschaft bereits aufgrund des zuletzt Gesagten nicht erfüllt. Demzufolge ist das Bestehen einer allfälligen Flucht - beziehungsweise Schutzalternative, im Übrigen auch gestützt auf einen aktuellen Grundsatzentscheid des Bundesverwal- tungsgerichts (vgl. BVGE D -4935/2007 vom 21. Dezember 2011 E. 8.2.) nicht weiter zu prüfen. Das heisst mit anderen Worten, dass im vorliegen- den Fall für den Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft bereits mit dem fehlenden flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotiv zu ve r- neinen ist. Insgesamt kann somit mangels asylrelevanter Motive keine begründete Furcht des Beschwerdeführers vor künftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG festgestellt werden. 6.6. Da im vorliegenden Fall die Asylrelevanz der vorgebrachten Gründe klar zu verneinen ist, kann die Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen folglich offen bleiben. Für die eventualiter beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks "ordentlicher Begründung " beziehungsweise neuen Entscheids (insbesondere auch über die Frage der flüchtlingsrechtlichen Relevanz der Asylvorbringen) besteht zudem ebenfalls keine Veranlassung, näher D-2460/2011 Seite 12 darauf einzugehen. Einerseits wurde nämlich von der Vorinstanz der rechtserhebliche Sachverhalt hinreichend erstellt und andererseits konnte in der angefochtenen Verfügung keine ungenügende Begründung festg e- stellt werden. Der Eventualantrag ist somit abzuweisen. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demzufolge im Er- gebnis zu Recht abgelehnt. 7. Die Ablehnung eines Asylgesuchs hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend h at der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt und es besteht auch kein Anspruch auf die Erteilung einer solchen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb das BFM zu Recht die Wegweisung des Beschwerdeführers angeordnet hat. Da der Beschwerdeführer, wie vorstehend dargelegt wurde, vorläufig auf- genommen wurde, erübrigt es sich im vorliegenden Fall, die Frage der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs zu prüfen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG) . Die Beschwer- de ist deshalb abzuweisen. 9. 9.1. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von d er Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei ve r- fügt eine Person dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn sie ohne Beeinträchtigung des notwendigen Lebensunterhaltes die Pro zesskosten nicht zu bestreiten vermag. Angesichts des Umstands, wonach sich die Rechtsbegehren als aussichtslos erwiesen haben, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen. Da die Vo r- aussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG (bedürft ig/nicht aussichtslos) ku- mulativ erfüllt sein müssen, kann vorliegend darauf verzichtet werden, das Kriterium der Bedürftigkeit zu prüfen. 9.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 D-2460/2011 Seite 13 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2460/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniele Cattaneo Bruno D'Amaro Versand: