Postulat Gadient 548 26 septembre 1985 spreche nicht von Übertreibungen, ich weiss, dass solche Auflagen die Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigen. Wenn wir sie in der Schweiz vereinheitlichen, sollte dies inner- staatlich keine Nachteile bringen. Aber wir wissen, dass auch die Konkurrenz mit dem Ausland mitspielt. Deshalb pflegen wir solch intensive Kontakte gerade mit jenen Län- dern, mit denen wir am meisten in Konkurrenz stehen. Ich komme nächste Woche wieder mit meinen deutschen und österreichischen Kollegen zusammen. Auch die Frage der Waschmittelverordnung wird Gegenstand unserer Bespre- chungen sein. Zur Frage des NTA, Herr Cavelty: Ich habe den Eindruck, dass dieses NTA in gewissen Kreisen zum Vorwand genom- men wird, um die Waschmittelverordnung an sich zu treffen. Es ist mir nicht ganz verständlich, wieso man immer darauf abstellen will, was ausländische Experten sagen, und unse- ren eigenen Experten nicht glauben will. Ich versichere Ihnen, dass wir ebenso gute Experten haben und dass unsere Wissenschafter im chemischen Bereich wahrschein- lich den ausländischen um nichts nachstehen. Es ist richtig, dass das sogenannte NTA, die Nitrolotriessig- säure, verdächtig ist, karzinogen zu sein. Aber der Verdacht besteht nur, wenn sie dem menschlichen oder tierischen Körper in grossen Mengen zugeführt wird. Kanada kennt seit zehn Jahren das Phosphatverbot in den Waschmitteln. Man verwendet dort Waschmittel, die bis zu 15 Prozent NTA enthalten. Und in der Schweiz sehen wir eine Toleranz- grenze von nur 5 Prozent vor. Wir stehen also im internatio- nalen Vergleich sehr gut da. In Deutschland ist die Situation etwas anders, weil dort, wie man mir gesagt hat, die Gewässersituation anders ist, insbe- sondere im Zusammenhang mit den Schwermetallen, und dort die Gefahr grösser ist, dass NTA-Rückstände in das Trinkwasser gelangen. Von einem Verbot im Staate New York ist uns nichts bekannt. Wir kennen die Studien aus den USA. Auch daraus ergibt sich nichts anderes, als dass NTA in geringen Mengen in den Waschmitteln für eine Krebsver- ursachung kaum in Frage kommen kann. Im übrigen darf noch gesagt werden, dass nicht unbedingt dieses NTA als Ersatzmittel gewählt werden muss. Es gibt auch andere Ersatzmittel für das Phosphat. Herr Cavelty, ich versichere Ihnen nochmals: wir sind stän- dig zu Gesprächen bereit und vertiefen unsere Studien. Wir sind zwar überzeugt, dass unsere Verordnung richtig liegt, sowohl gesundheitspolitisch wie vor allem natürlich auch umweltschutzpolitisch. Wenn ich Ihnen erkläre, dass wir trotzdem zu Gesprächen bereit sind, heisst das natürlich nicht, dass wir die Verord- nung schon morgen wieder aufheben werden. Präsident: Ich frage den Postulanten an, ob er von der Antwort befriedigt ist. Cavelty: Ich danke Herrn Bundesrat Egli für diese Antwort, vor allem für die erklärte Gesprächsbereitschaft, und ziehe - wie gesagt - das Postulat in diesem Sinne zurück. Zurückgezogen - Retiré #ST# 85.457 Postulat Gadient Informatikausbildung. Bericht Formation à l'informatique. Rapport Wortlaut des Postulates vom 6. Juni 1985 Der Computer beeinflusst bereits heute die meisten Berei- che der menschlichen Gesellschaft. Sein Einsatz kennt keine Staatsgrenzen, umspannt und vernetzt die ganze Welt und bestimmt jeden im Weltall denkbaren Erfolg. Nahezu unbegrenzte Speicher- und Übermittlungskapazitäten machen es in Verbindung mit neuen Kommunikationstech- nologien möglich, breitestes Wissen überall und sofort zu mobilisieren. Man rechnet damit, dass bereits heute rund 50 Prozent der schweizerischen Arbeitsplätze informationsorientiert sind. Information wird zum dominanten Produktionsfaktor werden. Für das Bestehen unseres rohstoffarmen Landes im interna- tionalen Wettbewerb wie auch die Chancen des einzelnen Arbeitnehmers auf dem Arbeitsmarkt und die Integration in den Arbeitsprozess ist es unabdingbar, dass in der Schweiz möglichst viele Leute Grundkenntnisse der Informatik haben und mit dem Computer umgehen können. Der Anteil der Bevölkerung aber, der mindestens Grundla- genkenntnisse über die Funktion und für den Gebrauch von Computern hat, ist gering. Diese wird jedoch immer mehr zur Voraussetzung werden für persönliche, berufliche und wirtschaftliche Chancengleichheit. Die Entwicklung ist von solcher Tragweite, dass Computeranalphabeten Gefahr einer irreparablen Benachteiligung laufen. Um diese zu vermeiden, genügt es keineswegs, den Informa- tikunterricht in Berufs- und höheren Fachschulen zu intensi- vieren. Solches ist nötig, aber nicht ausreichend. Zu fordern ist eine gründliche Standortbestimmung, insbesondere als Grundlage eines koordinierten Aktionsprogrammes auf allen Bildungsstufen. Der Bundesrat wird eingeladen, einen umfassenden Bericht über die gegenwärtige Situation auf diesem Gebiet vorzule- gen und darin auszuführen, wie er die künftige Entwicklung in diesem Bereich beurteilt und insbesondere welche Mass- nahmen er als nötig erachtet und zu ergreifen gedenkt. Texte du postulat du 6 juin 1985 Aujourd'hui, l'ordinateur est déjà présent dans la plupart des secteurs de l'activité humaine. Son utilisation ne connaît pas de frontières, des réseaux informatiques relient les quatre coins du globe et toute conquête de l'espace serait impen- sable sans lui. Grâce à la capacité de stockage et de trans- mission quasi illimitée de ces machines, combinées aux nouvelles techniques de communication, il est possible d'obtenir partout et instantanément les informations les plus diverses. On estime qu'actuellement déjà, 50 pour cent des emplois en Suisse on est lien plus ou moins étroit avec l'informati- que. Celle-ci deviendra l'un des principaux facteurs de pro- duction. Pour que notre pays, pauvre en matières premières, reste concurrentiel sur le plan international, il est essentiel qu'une grande partie de la population possède les connaissances de base en informatique et sache utiliser un ordinateur, connaissances qui augmentent également les chances des demandeurs d'emploi et facilitent leur intégration dans le monde du travail. Cependant, le pourcentage de la population suisse ayant assimilé les rudiments de l'informatique et sachant se servir d'un ordinateur est très faible. Or, de telles connaissances deviendront de plus en plus indispensables, si l'on vise une égalité des chances sur les plans personnel, professionnel et économique. L'évolution dans ce domaine a une telle portée que les «analphabètes en informatique» risquent d'être irrémédiablement désavantagés. Développer l'enseignement des disciplines informatiques dans les écoles professionnelles et spécialisées de haut niveau ne suffit en aucun cas à éviter les inégalités. De telles mesures sont certes nécessaires, mais insuffisantes. Il faut commencer par faire le point sur la situation actuelle afin de rassembler les données de base qui permettront d'établir un programme d'action coordonné, applicable à tous les éche- lons. La Conseil fédéral est chargé de présenter un rapport détaillé sur la situation actuelle, rapport dans lequel il expo- sera son avis au sujet de l'évolution future dans ce domaine26. September 1985 549 Postulat Gadient et indiquera notamment quelles sont les mesures qu'il estime nécessaires et qu'il entend appliquer. Mitunterzeichner - Cosignataires: Belser, Cavelty, Kniisel, Lauber, Meier Josi, Stucki (6) Gadient: Man rechnet damit, dass bereits heute rund die Hälfte der schweizerischen Arbeitsplätze informationsorien- tiertist. Die Information ist zum dominanten Produktionsfak- tor geworden und wird in Zukunft noch weit vermehrt nicht nur über den Volkswohlstand ganzer Nationen entscheiden, sondern ebensosehr die Chancen des einzelnen auf dem Arbeitsmarkt und bei der Integration in den Arbeitsprozess bestimmen. Der «Groupe de Talloires», der sich seit einigen Jahren mit der grossen Frage der Informationsgesellschaft befasst, ging an seinem 6. Kolloquium davon aus, dass der Weg ins Informationszeitalter eine bildungspolitische Umwälzung von noch kaum ins Bewusstsein gedrungenem Ausmass zur Folge hat. Es wurde von einer eigentlichen Bildungsrevolu- tion, der Einführung der Volksschulen im letzten Jahrhun- dert vergleichbar, gesprochen, die der Erwachsenenbildung bevorsteht, liest man im Bericht der «NZZ» vom 17. Sep- tember. Bezüglich Informatik und Informatikausbildung auf allen Bildungsstufen ist in unserem Lande in letzter Zeit einiges geschehen. Aber wir gehören im internationalen Vergleich nicht zur Spitze. Es geht mir mit diesem Postulat vor allem darum - ich möchte dies noch verdeutlichen -, dass sich die involvierten Stellen im Bericht, ausgehend von der gegen- wärtigen Situation, schwergewichtig mit der künftigen Entwicklung befassen. Einige summarische Hinweise: Gemäss einer Studie des Betriebswirtschaftlichen Institutes der ETH sind in den nächsten 10 bis 15 Jahren über 600 000 Personen, die heute im Berufsleben stehen, auf dem Gebiete der Informatik auszubilden. Diesem enormen Ausbildungsbedarf steht nur ein uneinheitliches und mangelhaftes Schulungsangebot gegenüber. Es erscheint uns äusserst wichtig, dass den heute im Berufsleben stehenden Erwerbstätigen Grundla- genkenntnisse über die elektronische Datenverarbeitung vermittelt werden. Es ist für die Flexibilität auf dem Arbeits- markt für jeden einzelnen Arbeitnehmer wie auch für den Arbeitgeber in der heutigen Zeit entscheidend, über Basis- kenntnisse der Informatik zu verfügen. Unberechtigten Äng- sten in bezug auf Veränderung des Arbeitsumfeldes oder gar über das Weg rationalisieren von Arbeitsplätzen kann so begegnet werden. In der Ausbildung der beruflich Auszubildenden - in Gewer- beschulen, kaufmännischen Berufsschulen - herrscht heute, gelinde gesprochen, ein Wirrwarr; weder steht ein einheitliches Kursprogramm zur Verfügung noch sind die Lehrpläne der einzelnen Schulen aufeinander abgestimmt. Versuche, bei der Lehrlingsausbildung eine klare Linie hin- einzubringen, sind in der letzten Zeit unternommen worden. Im speziellen sei hier auf das BIGA-Ausbildungskonzept für Berufsschulen hingewiesen, das im Frühjahr dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Diese Bemühungen sind anerkennenswert, bilden sie doch einen Ansatzpunkt für verschiedene Lehranstalten in der Berufsbildung; sie genügen jedoch nicht. Der grösste Teil der Ausbildung auf dem Gebiet der Informa- tik ist jedoch nach wie vor den sogenannten Endbenützern überlassen, die die Ausbildung ihrer Mitarbeiter selber orga- nisieren und durchführen oder durchführen lassen müssen. Wo dies nicht geschieht, sind die Mitarbeiter, die an einer solchen Ausbildung persönlich interessiert sind, selber dafür verantwortlich, sich in Freizeit- bzw. Abendkursen entsprechend ausbilden zu lassen - ein Unterfangen, das den uneingeweihten Laien unter Umständen teuer zu stehen kommt und oft nicht die gewünschten Resultate bringt. In der berufsbegleitenden Ausbildung ist die Initiative haupt- sächlich den einzelnen Ausbildungsträgern überlassen und wird dort je nach grundsätzlicher Einstellung zur Informatik und nach den gegebenen Möglichkeiten wahrgenommen - oder eben auch nicht. Der künftige Weg könnte hier darin liegen, dass dem BIGA der Auftrag erteilt wird, zusammen mit den Berufsverbänden und den Ausbildungsträgern - wie kaufmännische Schulen und Gewerbeschulen - ein einheit- liches Konzept für Berufs- und Gewerbeschulen zu erarbei- ten und gleichzeitig dafür besorgt zu sein, dass die Informa- tikausbildung einen festen Platz im Ausbildungsprogramm erhält und das Fach Informatik ab einem noch zu bestim- menden Zeitpunkt allenfalls als Pflichtfach in die Lehrab- schlussprüfungen integriert wird. Da es zudem im Interesse aller Beteiligten - Auszubilden- den, Wirtschafts- und Ausbildungsträgern - liegt, dass die Absolventen einer anerkannten Lehre mit Berufsschulaus- bildung über ein Grundwissen an Informatik verfügen, ist es sodann unerlässlich, dass einheitliche Lehrmittel zur Verfü- gung gestellt werden und das Ausbildungspersonal für die Lehrstoffvermittlung entsprechend geschult wird. Eine ebensolche Bedeutung hat die Informatik natürlich auch für den akademischen Bildungsweg. Die Hochschulen müssten sich letztlich auf die an der Basis, vorerst in den Volks- und dann in den Mittelschulen erworbenen Informa- tikkenntnisse abstützen können. Das sind lediglich ein paar kurze Hinweise auf zentrale und zukunftsbezogene Punkte, mit denen sich der geforderte Bericht befassen sollte. Ich bitte Sie um Überweisung des Postulates. Bundesrat Egli: Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entge- genzunehmen. Überwiesen - Transmis Schluss der Sitzung um 9.20 Uhr La séance est levée à 9 h 20Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Gadient Informatikausbildung. Bericht Postulat Gadient Formation à l'informatique. Rapport In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1985 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Ständerat Conseil Conseil des Etats Consiglio Consiglio degli Stati Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 85.457 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 26.09.1985 - 08:00 Date Data Seite 548-549 Page Pagina Ref. No 20 013 870 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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